# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c196e14-b2f7-5d3d-bb4d-5da8f027b9ea
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-09
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 09.11.2022 SBK.2022.348
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2022-348_2022-11-09.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

 

SBK.2022.348  
(HA.2022.456; STA.2022.3954)  

Art. 377 

 

 

Entscheid vom 9. November 2022  
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Massari     

Oberrichterin Schär  

Gerichtsschreiberin Boog Klingler   

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____, […] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Janine Sommer,  

[…]   

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach,  

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG  

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom 

7. Oktober 2022 betreffend die Anordnung von Untersuchungshaft 

 

in der Strafsache gegen A._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach führt eine Strafuntersuchung gegen 

den Beschwerdeführer wegen sexueller Handlungen mit Kindern, sexueller 

Nötigung, Vergewaltigung, Nötigung, Tätlichkeiten ev. einfacher Körperver-

letzung sowie Beschimpfung zum Nachteil seiner Töchter B. und  

C. sowie wegen Drohung zum Nachteil seiner Lebenspartnerin D. Der Be-

schwerdeführer wurde am 3. Oktober 2022 festgenommen. 

 

2. 

2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach stellte am 5. Oktober 2022 beim 

Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau Antrag auf Anordnung 

von Untersuchungshaft. 

 

2.2. 

Mit Eingabe vom 6. Oktober 2022 nahm der Beschwerdeführer Stellung 

zum Haftantrag der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach und beantragte die 

Abweisung des Antrags auf Anordnung von Untersuchungshaft sowie die 

sofortige Haftentlassung, eventualiter die Anordnung von Ersatzmassnah-

men (Kontakt- und Näherungsverbot sowie Electronic Monitoring).  

 

2.3. 

Mit Verfügung vom 7. Oktober 2022 versetzte das Zwangsmassnahmen-

gericht des Kantons Aargau den Beschwerdeführer einstweilen bis am 

3. Januar 2023 in Untersuchungshaft. 

 

3. 

3.1. 

Gegen diese ihm am 11. Oktober 2022 zugestellte Verfügung erhob der 

Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. Oktober 2022 Beschwerde und 

stellte die folgenden Anträge: 

 

" 1. 

Der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts Laufenburg vom 

7. Oktober 2022 sei aufzuheben und stattdessen sei wie folgt zu ent-

scheiden: 

 

1.1. 

Der Antrag der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach auf Anord-

nung von Untersuchungshaft sei abzuweisen und der Beschul-

digte sei unverzüglich aus der Haft zu entlassen.  

 
1.2. 

Eventualiter sei der Beschuldigte unter Anordnung folgender Er-

satzmassnahmen unverzüglich aus der Haft zu entlassen: 

 - 3 - 

 

 

 

 

- Es sei dem Beschuldigten unter Strafandrohung zu verbieten, 

sich seiner Partnerin und den Kindern, deren Wohnung, der 

Schule der Kinder und deren Arbeitsorte näher als 100 Meter 

zu nähern; 

- Es sei ein Electronic Monitoring für den Beschuldigten anzu-

ordnen; 

- Es sei dem Beschuldigten unter Strafandrohung zu verbieten, 

seine Familie direkt zu kontaktieren, namentlich auf telefoni-

schem, schriftlichem oder elektronischem Weg, oder sie in an-

derer Weise zu kontaktieren. 

 

2. 

Unter den ordentlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 25. Oktober 2022 (Postaufgabe 26. Oktober 2022) ver-

zichtete das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau auf eine 

Stellungnahme. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 28. Oktober 2022 erstattete die Staatsanwaltschaft Brugg-

Zurzach die Beschwerdeantwort und beantragte die kostenfällige Abwei-

sung der Beschwerde. 

 

3.4. 

Mit Eingabe vom 7. November 2022 nahm der Beschwerdeführer Stellung 

zur Beschwerdeantwort der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach und hielt an 

seinen in der Beschwerde gestellten Anträgen fest. 

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschwerdeführer als verhaftete Person kann die Verfügung des 

Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom 7. Oktober 2022, 

mit welcher er einstweilen bis am 3. Januar 2023 in Untersuchungshaft ver-

setzt wurde, mit Beschwerde anfechten (Art. 222 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. c 

StPO). Auf seine frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutre-

ten.  

 

2. 

Grundsätzlich bleibt eine beschuldigte Person in Freiheit. Sie darf nur im 

Rahmen der Bestimmungen der StPO freiheitsentziehenden Zwangsmass-

nahmen unterworfen werden (Art. 212 Abs. 1 StPO). Untersuchungshaft 

(vgl. zum Begriff Art. 220 Abs. 1 StPO) – als eine der von Gesetzes wegen 

ausdrücklich vorgesehenen Zwangsmassnahmen (Art. 197 Abs. 1 lit. a 

 - 4 - 

 

 

 

StPO) – ist gemäss Art. 221 Abs. 1 StPO nur zulässig und darf mithin le-

diglich dann angeordnet oder aufrechterhalten werden, wenn die beschul-

digte Person eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtigt ist 

(Tatverdacht) und (ausserdem) ernsthaft zu befürchten ist, dass sie sich 

durch Flucht dem Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion entzieht 

(Fluchtgefahr; lit. a), Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, 

um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigten (Kollusionsgefahr; lit. b), 

oder durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer er-

heblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten verübt 

hat (Fortsetzungsgefahr; lit. c). Haft ist ferner zulässig, wenn ernsthaft zu 

befürchten ist, eine Person werde ihre Drohung, ein schweres Verbrechen 

auszuführen, wahrmachen (Ausführungsgefahr; Art. 221 Abs. 2 StPO). 

Freiheitsentziehende Zwangsmassnahmen sind aufzuheben, sobald ihre 

Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind (Art. 212 Abs. 2 lit. a StPO), die 

von der Strafprozessordnung vorgesehene oder von einem Gericht bewil-

ligte Dauer abgelaufen ist (Art. 212 Abs. 2 lit. b StPO) oder Ersatzmass-

nahmen zum gleichen Ziel führen (Art. 212 Abs. 2 lit. c und Art. 237 ff. 

StPO). Untersuchungshaft darf nicht länger dauern als die zu erwartende 

Freiheitsstrafe (Art. 212 Abs. 3 StPO). 

 

3. 

3.1. 

Zur Bejahung eines dringenden Tatverdachts auf ein Vergehen oder Ver-

brechen genügt im Haftprüfungsverfahren der Nachweis von konkreten 

Verdachtsmomenten, wonach das inkriminierte Verhalten mit erheblicher 

Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllen könnte. 

Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen lässt keinen Raum für ausge-

dehnte Beweismassnahmen. Zur Frage des dringenden Tatverdachts hat 

das Haftgericht dementsprechend weder ein eigentliches Beweisverfahren 

durchzuführen noch dem erkennenden Strafgericht vorzugreifen. Vorbehal-

ten bleibt allenfalls die Abnahme eines liquiden Alibibeweises (BGE 137 IV 

122 E. 3.2). Zu beachten ist dabei, dass "Aussage gegen Aussage-Kons-

tellationen" keineswegs zwingend oder auch nur höchstwahrscheinlich ge-

stützt auf den Grundsatz "in dubio pro reo" zu einem Freispruch führen 

müssen. Die einlässliche Würdigung der Aussagen der Beteiligten ist Sa-

che des urteilenden Gerichts. Für die Bejahung eines dringenden Tatver-

dachts genügt es, wenn gestützt auf eine summarische Beweiswürdigung 

die Aussagen der mutmasslichen Opfer als glaubhafter als jene der mut-

masslichen Täter erscheinen und deshalb eine Verurteilung wahrscheinlich 

erscheint (BGE 137 IV 122 E. 3.3). 

 

Zu Beginn der Strafuntersuchung sind die Anforderungen an den dringen-

den Tatverdacht geringer als in späteren Stadien. Im Laufe des Strafver-

fahrens ist ein immer strengerer Massstab an die Erheblichkeit und Kon-

kretheit des Tatverdachts zu stellen. Wenn bereits in einem frühen Verfah-

rensstadium ein erheblicher und konkreter dringender Tatverdacht besteht, 

 - 5 - 

 

 

 

welcher eine Verurteilung als wahrscheinlich erscheinen lässt, muss sich 

dieser allerdings nicht weiter erhärten. In diesem Fall ist der allgemeine 

Haftgrund gegeben, wenn die beschuldigte Person im Laufe der Ermittlun-

gen nicht entlastet wird (Urteil des Bundesgerichts 1B_60/2018 vom 

22. Februar 2018 E. 3.2). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau bejahte das Vorlie-

gen eines dringenden Tatverdachts auf Sexualdelikte gestützt auf die Schil-

derungen von B. anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 3. Oktober 

2022, welche es in einer ersten Einschätzung als aussagepsychologisch 

fundiert einstufte. Auch den dringenden Tatverdacht betreffend wiederholte 

Tätlichkeiten, ev. einfache Körperverletzungen zum Nachteil von B. und C., 

sowie Drohungen gegen die Mutter D. erachtete es gestützt auf die Aussa-

gen von B. vom 3. Oktober 2022 als gegeben (E. 3.3.4).  

 

3.2.2. 

Mit Beschwerde wird vorgebracht, dass der Beschwerdeführer insbeson-

dere die Sexualdelikte gegenüber seiner Tochter B. sowie die Todesdro-

hung gegenüber D. bestreite. Die Aussagen von B. seien vage, nicht sehr 

logisch und wenig konzis. Hinsichtlich des Vorwurfs der wiederholten Tät-

lichkeiten, der einfachen Körperverletzung und Drohungen zum Nachteil 

von B. sowie der angeblichen Drohungen gegen D. könne ein dringender 

Tatverdacht allenfalls knapp bejaht werden, wobei sich die Frage stelle, ob 

D., welche mit einer Anzeige habe zuwarten wollen, die Drohung tatsäch-

lich ernst genommen habe. Hinsichtlich der Drohungen im Zusammenhang 

mit den Sexualdelikten sei zu erwähnen, dass B. diese gemäss ihren Aus-

sagen vom 13. Oktober 2022 nicht mehr ernst genommen habe, da die 

Drohungen für sie Normalität geworden seien (Beschwerde S. 5).  

 

3.2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach verweist in der Beschwerdeantwort 

neben den Aussagen von B., C. und D. auf die zwischenzeitlich eingegan-

genen Berichte der Opferberatung Aargau vom 13. Oktober 2022 und der 

Stadt Q., Soziale Dienste, vom 24. Oktober 2022 sowie das Arztzeugnis 

von Dr. med. E. vom 25. Oktober 2022. Aus den Berichten gehe hervor, 

dass D. bereits vor der Anzeige der Töchter mit der Opferberatung Aargau 

und der Stadt Q. in Kontakt gestanden sei und dort berichtet habe, dass sie 

von ihrem Mann bedroht worden sei und sich von diesem trennen wolle. 

Dem Arztbericht sei zu entnehmen, dass B. von sexuellem Missbrauch als 

Kind/Jugendliche berichtet habe. Weiter sei C. am 25. Oktober 2022 par-

teiöffentlich befragt worden. Sie schildere ebenfalls sexuelle Übergriffe zu 

ihrem Nachteil, welche jedoch ein geringeres Ausmass aufweisen würden 

als bei B. Zudem gebe sie an, vom Beschwerdeführer seit 2012/2013 wie-

 - 6 - 

 

 

 

derholt mit Händen, Füssen oder Gegenständen (Ladekabel, Plexiglas-

stock, Hausschuhe) geschlagen und im 2018 einmal gewürgt worden zu 

sein. Im Übrigen gebe sie an, dass B. ihr von den sexuellen Übergriffen des 

Beschwerdeführers erzählt habe. Mitte/Ende September 2022 habe er D. 

gedroht, sie zu töten. Zur zweiten Befragung von B. vom 13. Oktober 2022 

führt die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach aus, dass sie die sexuellen 

Übergriffe, die Gewalttätigkeiten und Drohungen im Wesentlichen wieder-

hole und keine frappanten Ungereimtheiten oder Wiedersprüche zu erken-

nen seien, welche ihre Aussagen zwischenzeitlich unglaubhaft erscheinen 

liessen. B. habe zwar Mühe bei der zeitlichen Einordnung. Sie schildere die 

sexuellen Übergriffe aber mit hohem Detailreichtum. Per 1. Dezember 2022 

sei eine weitere staatsanwaltschaftliche Einvernahme mit B. angesetzt. Die 

bisherigen Aussagen aller Geschädigten seien als glaubhaft zu beurteilen. 

Die weiteren erhobenen Beweismittel hätten den Tatverdacht weiter erhär-

tet (Beschwerdeantwort S. 2 f.). 

 

3.2.4. 

In der Stellungnahme vom 7. November 2022 bringt der Beschwerdeführer 

vor, B. habe gegenüber der Polizei erwähnt, dass sie den ersten Ge-

schlechtsverkehr nicht mit dem Vater, sondern in R. mit einem Nachbarn 

gehabt habe. Aus dem Arztbericht vom 25. Oktober 2022 könne damit nicht 

abgeleitet werden, dass der gegenüber der Ärztin geäusserte sexuelle 

Missbrauch den Vater betreffe (Stellungnahme S. 3). Weiter habe der 

Sohn/Bruder F. anlässlich seiner Einvernahme vom 1. November 2022 an-

gegeben, dass B. sich ihm anvertraut habe. Er habe anlässlich der Befra-

gung jedoch keine Vergewaltigungen zum Nachteil von B. erwähnt (Stel-

lungnahme S. 4).  

 

3.3. 

3.3.1. 

B. und C. erstatteten am 3. Oktober 2022 Strafanzeige gegen den Be-

schwerdeführer (act. 13). C. stellte am 3. Oktober 2022 Strafantrag und 

konstituierte sich als Zivil- und Strafklägerin (act. 90).   

 

B. gab anlässlich ihrer ersten Befragung vom 3. Oktober 2022 an, dass der 

Beschwerdeführer sie selbst, ihre Schwester C. und ihre Mutter D. jahre-

lang psychisch und physisch missbraucht habe. Vor etwa zwei Wochen 

habe ihre Schwester gehört, wie der Beschwerdeführer D. gedroht habe, 

dass er sie umbringe. Sie habe eigentlich schweigen wollen, könne aber 

nicht mehr, seit der Beschwerdeführer die Mutter bedroht habe. Sie und C. 

seien wiederholt mit Händen und Gegenständen geschlagen und be-

schimpft worden. Ihre Schwester habe er einmal gewürgt. Als sie (B.) ein-

mal vergessen habe, ihm die Schuhe auszuziehen, habe er sie in den 

Bauch gekickt (act. 14). B. schilderte, dass der Beschwerdeführer sich wie-

derholt sexuell an ihr vergangen habe, wobei es auch mehrfach zu Verge-

waltigungen gekommen sei (act. 15 ff.). Insbesondere zwischen ihrem 

 - 7 - 

 

 

 

14. und 16. Lebensjahr sei es regelmässig, zeitweise mehrfach wöchent-

lich zu sexuellen Übergriffen durch den Beschwerdeführer gekommen. Zu-

letzt habe er sie im April oder Mai 2022 bei einer Autofahrt ins G. an der 

Brust angefasst (act. 15 und 17). Er habe ihr immer wieder gesagt, dass er 

sie umbringen werde (act. 18). Der Beschwerdeführer habe ihre Schwester 

C. am meisten geschlagen, immer ohne Grund. Er habe einen grossen 

Hass auf sie, weil sie von einer anderen Mutter sei. Er habe C. auch ange-

fasst, sie wisse es aber nicht genau (act. 18 f.).  

 

D. gab anlässlich der delegierten Einvernahme vom 4. Oktober 2022 an, 

dass sie vom Beschwerdeführer schon oft mit dem Tod bedroht worden sei, 

zuletzt an einem Freitag vor ca. zwei Wochen. Als Grund für die Drohung 

gab sie an, dass er vielleicht vermute, dass sie ihn verlassen wolle. Sie 

habe Angst, dass er ihr etwas antue (act. 25 f.). Auf die Frage nach Taten 

gegen ihre Kinder reagierte sie stark emotional, gab jedoch an, im Moment 

nicht darüber sprechen zu können (act. 27). 

 

Anlässlich der Befragung vom 13. Oktober 2022 schilderte B. erneut wie-

derholte Vergewaltigungen und andere sexuelle Übergriffe des Beschwer-

deführers (delegierte Einvernahme vom 13. Oktober 2022 S. 8 ff.), wieder-

holt geäusserte Todesdrohungen gegen sie und andere Familienmitglieder 

(delegierte Einvernahme vom 13. Oktober 2022 S. 22 f.), Schläge mit der 

Hand und mit Gegenständen, Tritte gegen sie und ihre Geschwister (dele-

gierte Einvernahme vom 13. Oktober 2022 S. 23, 24, 26 und 28) sowie 

Beschimpfungen (delegierte Einvernahme vom 13. Oktober 2022 S. 25 f.). 

Bei der ersten Vergewaltigung sei sie 15 Jahre alt gewesen. Sie habe es 

ihrer Schwester erzählt. Insgesamt sei es zu 4-6 Vergewaltigungen gekom-

men, zuletzt im Jahre 2019 (delegierte Einvernahme vom 13. Oktober 2022 

S. 7, 8 und 13). Erneut gab sie an, dass der Beschwerdeführer C. hasse 

und sie am meisten geschlagen habe. Einmal habe er C. derart gewürgt, 

dass sie Angst gehabt habe, er bringe sie um (delegierte Einvernahme vom 

13. Oktober 2022 S. 25 f.). Vor ca. drei Wochen habe der Beschwerdefüh-

rer D. gedroht, dass er sie umbringe. C. habe das gehört und D. habe es 

ihr auch erzählt (delegierte Einvernahme vom 13. Oktober 2022 S. 27).   

 

Auch C. schilderte anlässlich ihrer ersten Befragung vom 25. Oktober 2022 

zusammengefasst, dass der Beschwerdeführer sie und ihre Geschwister in 

den zehn Jahren, welche sie bei ihm wohnen würden, regelmässig geschla-

gen, mit dem Tod bedroht und beschimpft habe. Sie hätten sich gesagt, 

dass sie das aushalten könnten. Als B. ihr von sexuelle Übergriffen und 

Vergewaltigungen erzählt habe, habe sie ihr jedoch geraten, zur Polizei zu 

gehen. B. habe aber Angst gehabt und sei dazu nicht bereit gewesen. Vor 

etwa einem Monat habe der Beschwerdeführer D. mit dem Tod bedroht. 

Mit B. zusammen habe sie beschlossen, zur Polizei zu gehen. Auch sie 

selbst sei von sexuellen Übergriffen des Beschwerdeführers betroffen ge-

wesen. In den Jahren 2016 und 2017 habe der Beschwerdeführer sie je 

 - 8 - 

 

 

 

einmal über und einmal unter der Kleidung an den Brüsten angefasst. Sie 

habe es ihrer Schwester erzählt. Gegen Ende 2017 habe er sie zudem auf-

gefordert, ihre Hose auszuziehen, er habe sie aber nicht angefasst. Bei ihr 

habe es dann wieder aufgehört, bei der Schwester jedoch nicht. Der Be-

schwerdeführer habe sie sehr oft geschlagen, ca. zwei bis drei Mal pro Mo-

nat, erstmals Ende 2012 oder Anfang 2013. In den letzten zwei Jahren sei 

es seltener geworden. Zuletzt habe er sie an ihrem Geburtstag im Januar 

2021 geschlagen, weil er gesehen habe, dass sie auf dem Weg zum Bus 

ihren Pullover ausgezogen habe. Er habe ihr eine Ohrfeige gegeben, mit 

den Fäusten und Hausschuhen auf sie eingeschlagen und sie gekniffen. 

Einmal habe er sie zu Boden geworfen und ihr mehrfach in den Bauch ge-

treten. Am Anfang habe er sie mit einem Plexiglasstock geschlagen, wel-

chem er sogar einen Namen gegeben habe. Als er einmal ihren Bruder 

damit geschlagen habe, sei der Stock kaputtgegangen. Auch habe er sie 

oft mit Ladekabeln und mit Schuhen geschlagen. Die Schläge seien immer 

unbegründet gewesen. Als sie in der vierten oder fünften Klasse gewesen 

sei, habe er ihren Kopf mehrfach heftig gegen die Wand geschlagen. Da-

nach habe sie starke Kopfschmerzen gehabt und es sei ihr den ganzen Tag 

schwindlig gewesen. Wenn er sie mit dem Ladekabel geschlagen habe, 

habe man Abdrücke, Rötungen und Schwellungen gesehen. An ihrem Arm 

sei noch sichtbar, dass der Beschwerdeführer einmal den Stecker eines 

Ladekabels in ihre Haut gedrückt habe. Ca. im 2018 habe er sie für meh-

rere Sekunden gewürgt. F. und B. seien dabei gewesen. Ihr Bruder sei da-

zwischen gegangen, worauf der Beschwerdeführer ihn geschlagen habe. 

Der Beschwerdeführer habe oft gesagt, dass er sie umbringen werde, zu-

letzt im Frühjahr 2022. Sie sei das gewohnt gewesen. Früher habe sie 

Angst gehabt, danach weniger. Jetzt habe sie wieder Angst. Er habe sie 

traumatisiert. B. habe ihr ca. im Jahre 2016 erstmals von Berührungen des 

Beschwerdeführers und am Jugendfest Ende des dritten Schuljahrs erst-

mals von einer Vergewaltigung durch den Beschwerdeführer, welche sich 

am Vortag ereignet habe, erzählt. Mitte/Ende September 2022 habe sie 

gehört, wie der Beschwerdeführer D. mit dem Tod bedroht habe. D. habe 

ihr gesagt, dass es nicht das erste Mal gewesen sei. Sie könne sich vor-

stellen, dass der Beschwerdeführer D., B. oder ihr etwas antun würde. Der 

Beschwerdeführer konsumiere keine Drogen, trinke aber regelmässig Al-

kohol. Wenn er betrunken nach Hause komme, sei er manchmal gut drauf. 

Manchmal suche er dann auch Gründe für eine Diskussion (Audiodatei der 

Befragung vom 25. Oktober 2022).  

 

F. wurde am 1. November 2002 befragt. Auch er gab an, während seiner 

gesamten Kindheit vom Beschwerdeführer mit Händen und Gegenständen 

(Gurt, Ladekabel, durchsichtiger Stock, Glas) geschlagen worden zu sein. 

Wenn der Beschwerdeführer wütend sei, sei er unberechenbar (delegierte 

Einvernahme vom 1. November 2022 S. 6 und 12). F. führte aus, dass B. 

ihm am Tag der Verhaftung des Beschwerdeführers von sexuellen Miss-

 - 9 - 

 

 

 

bräuchen durch den Beschwerdeführer berichtet habe. Sie habe angege-

ben, dass er sie an sich gedrückt und am Oberschenkel angefasst habe 

(delegierte Einvernahme vom 1. November 2022 S. 8 und 9). Wenn der 

Beschwerdeführer wütend gewesen sei, habe er B. als "dumm", "nutzlos" 

und "Abschaum" bezeichnet (delegierte Einvernahme vom 1. November 

2022 S. 9). Bei C. hätten Kleinigkeiten genügt, dass der Beschwerdeführer 

handgreiflich geworden sei. Einmal habe er sie auf dem Bett gewürgt. Er 

selbst, D. und B. seien dabei gewesen bzw. dazu gekommen (delegierte 

Einvernahme vom 1. November 2022 S. 9 und 10). Der Beschwerdeführer 

habe auch B. geschlagen. Das sei ganz normal bei ihnen (delegierte Ein-

vernahme vom 1. November 2022 S. 9). Er wisse nicht, ob B. und C. vom 

Beschwerdeführer bedroht worden seien (delegierte Einvernahme vom 1. 

November 2022 S. 9 und 11). 

 

3.3.2. 

Die Aussagen von B., C. und D. stützen sich gegenseitig und weisen eine 

Vielzahl von Übereinstimmungen auf. Insbesondere die Aussagen von B. 

und C. fallen detailliert und differenziert aus. Zwar bestehen Schwierigkei-

ten bei der zeitlichen Einordnung. Dies ist angesichts der geschilderten 

langjährigen und häufigen Übergriffe des Beschwerdeführers indessen 

nachvollziehbar und spricht nicht bereits gegen die Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen. D. schilderte zwar einzig gegen sie selbst ausgesprochene Dro-

hungen und wollte hinsichtlich Taten zum Nachteil der Töchter keine Anga-

ben machen. Aus dem Befragungsprotokoll wird indessen ihre Überforde-

rung und emotionale Betroffenheit deutlich (act. 27).  

 

Ihre Aussagen werden weiter durch die mittlerweile eingegangenen Be-

richte untermauert. So ist den Amtsberichten der Opferberatung Aargau 

vom 13. Oktober 2022 und der Sozialen Dienste der Stadt Q. vom 24. Ok-

tober 2022 zu entnehmen, dass sich D. schon vor der Anzeigeerstattung 

durch B. und C. im September 2022 hilfesuchend an die erwähnten Stellen 

wandte, wobei sie auch hier Drohungen durch den Beschwerdeführer er-

wähnte. Aus dem Arztbericht vom 18. Oktober 2021 geht hervor, dass B. 

anlässlich einer gynäkologischen Untersuchung vom 14. Juli 2022 sexuelle 

Missbräuche als Kind/Jugendliche erwähnt habe. Inwiefern der Umstand, 

dass B. gegenüber der Ärztin den Täter nicht erwähnt habe, gegen die Tä-

terschaft des Beschwerdeführers sprechen könnte, ist nicht ersichtlich.  

 

Die Aussagen von B. und C. werden weiter durch die Schilderungen von F. 

gestützt, welcher ebenfalls von zahlreichen tätlichen Übergriffen des Be-

schwerdeführers mit Händen und Gegenständen berichtete und auch den 

Würgevorfall zum Nachteil von C. nannte. Dass sich ihm B. betreffend den 

sexuellen Missbrauch anvertraut habe, ohne jedoch von Vergewaltigungen 

zu berichten, spricht nicht bereits gegen die Richtigkeit der Angaben von 

B. So geht aus den Angaben von F. hervor, dass er nicht mehr weiterge-

 - 10 - 

 

 

 

fragt habe, da B. derart gestresst und wütend gewesen sei (delegierte Ein-

vernahme vom 1. November 2022 S. 8). Zudem kann insbesondere bei 

derart belastenden Taten nicht erwartet werden, dass ein Opfer stets die 

vollständigen Tathergänge offenlegt, wenn es sich jemandem anvertraut. 

 

Ohne einer eingehenden, durch das Sachgericht vorzunehmenden Würdi-

gung vorzugreifen, sind die bisher erhobenen Aussagen von B., C. und D. 

unter diesen Umständen im Sinne einer ersten Einschätzung als glaubhaft 

einzuordnen. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass die 

betroffenen Personen mit der Anzeigeerstattung zugewartet haben bzw. D. 

sich nicht zur Anzeige entschliessen konnte, zumal bei häuslicher Gewalt 

häufig komplexe Beziehungs- und Abhängigkeitsverhältnisse vorliegen. 

Dass B. und C. keine Angst vor dem Beschwerdeführer gehabt hätten, 

kann – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – weder aus dem An-

zeigeverhalten noch aus ihren Aussagen abgeleitet werden.  

 

3.3.3. 

Demgegenüber erscheinen die Aussagen des Beschwerdeführers, welcher 

die gegen ihn erhobenen Vorwürfe pauschal und ohne weitere Ausführun-

gen von sich weist und die Beschuldigungen einzig damit erklärt, dass sich 

D. von ihm trenne wolle (delegierte Einvernahme vom 4. Oktober 2022 act. 

35 ff.; Eröffnung Festnahme vom 5. Oktober 2022 act. 43 ff.) im jetzigen 

Ermittlungsstand wenig glaubhaft.  

 

3.3.4. 

Unter diesen Umständen ist gestützt auf die Aussagen von B., C. und D. 

der dringende Tatverdacht auf Sexualdelikte, Körperverletzungsdelikte und 

Drohungen gegeben.  

 

4. 

4.1. 

Als besondere Haftgründe bejahte das Zwangsmassnahmengericht des 

Kantons Aargau Kollusionsgefahr, Wiederholungsgefahr und Ausführungs-

gefahr. 

 

4.2. 

4.2.1. 

Der Haftgrund der Kollusionsgefahr liegt vor, wenn ernsthaft zu befürchten 

ist, dass die oder der Beschuldigte Personen beeinflusst oder auf Beweis-

mittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (Art. 221 

Abs. 1 lit. b StPO). Verdunkelung kann nach der bundesgerichtlichen Praxis 

insbesondere in der Weise erfolgen, dass sich die beschuldigte Person mit 

Zeuginnen oder Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mit-

beschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aus-

sagen veranlasst oder dass sie Spuren und Beweismittel beseitigt. Straf-

 - 11 - 

 

 

 

prozessuale Haft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass die be-

schuldigte Person die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts verei-

telt oder gefährdet. Die theoretische Möglichkeit, dass die beschuldigte 

Person kolludieren könnte, genügt indessen nicht, um Haft unter diesem 

Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Indizien für die An-

nahme von Verdunkelungsgefahr sprechen. Das Vorliegen des Haftgrunds 

ist nach Massgabe der Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu prüfen. Kon-

krete Anhaltspunkte für Kollusionsgefahr können sich gemäss Rechtspre-

chung des Bundesgerichts namentlich ergeben aus dem bisherigen Ver-

halten der beschuldigten Person im Strafprozess, aus ihren persönlichen 

Merkmalen, aus ihrer Stellung und ihren Tatbeiträgen im Rahmen des un-

tersuchten Sachverhalts sowie aus den persönlichen Beziehungen zwi-

schen ihr und den sie belastenden Personen. Bei der Frage, ob im konkre-

ten Fall eine massgebliche Beeinträchtigung des Strafverfahrens wegen 

Verdunkelung droht, ist auch der Art und Bedeutung der von Beeinflussung 

bedrohten Aussagen bzw. Beweismittel, der Schwere der untersuchten 

Straftaten sowie dem Stand des Verfahrens Rechnung zu tragen. Je weiter 

das Strafverfahren vorangeschritten ist und je präziser der Sachverhalt be-

reits abgeklärt werden konnte, desto höhere Anforderungen sind an den 

Nachweis von Verdunkelungsgefahr zu stellen. Das Haftgericht hat auch 

zu prüfen, ob einem gewissen Kollusionsrisiko schon mit geeigneten Er-

satzmassnahmen für strafprozessuale Haft ausreichend begegnet werden 

könnte (Urteil des Bundesgerichts 1B_575/2021 vom 8. November 2021 

E. 3.1 mit Hinweisen auf BGE 137 IV 122 E. 4.2, BGE 132 I 21 E. 3.2.1 und 

BGE 140 IV 74 E. 2.2).   

 

4.2.2. 

4.2.2.1. 

Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau bejahte das Vorlie-

gen von Kollusionsgefahr. Es stünden Einvernahmen von B. und  

C. sowie D. unter Wahrung der Teilnahmerechte bevor. Man müsse erfah-

rungsgemäss in solchen Konstellationen ernsthaft damit rechnen, dass der 

Beschwerdeführer Einfluss auf die übrigen Familienmitglieder nehmen 

wolle, um deren Aussagen zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Dies umso 

mehr, als er sich als Opfer eines Komplotts sehe (E. 4.1.4).  

 

4.2.2.2. 

In der Beschwerde wird hierzu ausgeführt, die allgemeine Annahme, dass 

per se innerhalb von Familien kolludiert werde, reiche nicht aus, um eine 

konkrete Verdunkelungsgefahr annehmen zu können. Es fehle an konkre-

ten Indizien, dass der Beschwerdeführer bei Haftentlassung kolludieren 

würde. Die Vermutung des Beschwerdeführers, dass ein Komplott gegen 

ihn laufe, damit D. sich von ihm trennen könne, könne nicht als konkretes 

Indiz hierfür angesehen werden. Vielmehr sei die Annahme eines solchen 

Komplotts nicht abwegig. Zudem seien die Einvernahmen mit B. und D. 

 - 12 - 

 

 

 

bereits unter Wahrung der Teilnahmerechte durchgeführt worden. Die Ein-

vernahme von C. werde am 25. Oktober 2022 durchgeführt (Beschwerde 

S. 6 f.).  

 

4.2.2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach führt in der Beschwerdeantwort 

aus, dass nach wie vor Familienmitglieder zu befragen seien. Konkret seien 

die delegierte Einvernahme des Bruders/Sohns F. und eine weitere Einver-

nahme von B. geplant. Allenfalls seien noch weitere Familienmitglieder 

(Onkel) zu befragen und es sei das Mobiltelefon des Beschwerdeführers 

auszuwerten (Beschwerdeantwort S. 3). 

 

4.2.2.4. 

In der Stellungnahme vom 7. November 2022 bringt der Beschwerdeführer 

vor, dass die Kollusionsgefahr nun definitiv weggefallen sei, nachdem auch 

F. befragt worden sei (Stellungnahme S. 4). 

 

4.2.3. 

Vorliegend haben sich die mutmasslichen Delikte hauptsächlich in der Fa-

milienwohnung zugetragen, womit insbesondere die Aussagen der Famili-

enmitglieder zur Beweisführung zu erheben sind. Dabei kommt den Aussa-

gen von B. und C. sowie D. zentrale Bedeutung zu. Auch wenn B. bereits 

zweimal befragt wurde, davon einmal unter Wahrung der Teilnahmerechte, 

und parteiöffentliche Befragungen von C. und F. durchgeführt worden sind, 

stehen nach den Ausführungen der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach zu-

mindest noch eine weitere Befragung von B. sowie möglicherweise eine 

Einvernahme eines Onkels an. Dass der Beschwerdeführer die ihn belas-

tenden Aussagen pauschal von sich weist und mit einem gegen ihn ge-

schmiedeten Komplott mit dem Ziel, dass sich D. von ihm trennen könne, 

erklärt, deutet darauf hin, dass er versucht, den Aussagen der mutmassli-

chen Opfer von vorneherein jede Glaubhaftigkeit abzusprechen. Dies kann 

– mit dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau (E. 4.1.4) – 

durchaus als Hinweis darauf gewertet werden, dass der Beschwerdeführer 

bei einer Haftentlassung versuchen würde, Einfluss auf künftige Aussagen 

zu nehmen. Es besteht damit die erhebliche Gefahr, dass der Beschwer-

deführer in Freiheit versuchen würde, Kontakt mit den betroffenen bzw. den 

noch zu befragenden Personen aufzunehmen und deren Aussagen zu sei-

nen Gunsten zu beeinflussen.  

 

Das Vorliegen von Kollusionsgefahr ist damit derzeit zu bejahen. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Wiederholungsgefahr liegt vor, wenn ernsthaft zu befürchten ist, dass die 

beschuldigte Person durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicher-

heit anderer erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige 

 - 13 - 

 

 

 

Straftaten verübt hat (Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO). Nach Art. 221 Abs. 1 lit. c 

StPO sind drei Elemente für das Vorliegen von Wiederholungsgefahr kon-

stitutiv. Erstens muss grundsätzlich das Vortaterfordernis erfüllt sein und 

es müssen schwere Vergehen oder Verbrechen drohen. Zweitens muss 

hierdurch die Sicherheit anderer erheblich gefährdet sein. Drittens muss 

die Tatwiederholung ernsthaft zu befürchten sein, was anhand einer Rück-

fallprognose zu beurteilen ist (BGE 143 IV 9 E. 2.5). 

 

Bei der Beurteilung der Schwere der drohenden Delikte sind neben der 

abstrakten Strafdrohung gemäss Gesetz insbesondere auch das be-

troffene Rechtsgut und der Kontext, namentlich die konkret vom Beschul-

digten ausgehende Gefährlichkeit bzw. das bei ihm vorhandene Gewaltpo-

tenzial, einzubeziehen. Die erhebliche Gefährdung der Sicherheit anderer 

durch drohende Verbrechen oder schwere Vergehen kann sich grundsätz-

lich auf Rechtsgüter jeder Art beziehen. Im Vordergrund stehen Delikte ge-

gen die körperliche und sexuelle Integrität. In diesem Kontext muss bei 

Straftaten gegenüber speziell schutzbedürftigen Personengruppen, na-

mentlich Kindern, aus Gründen des Opferschutzes ein strenger Massstab 

gelten. Diesfalls sind auch weniger schwerwiegende Tathandlungen geeig-

net, die von Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO angesprochene "Sicherheit anderer" 

zu gefährden. Drohungen können nach der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung die Anordnung von Präventivhaft ebenfalls begründen, da sie 

die Sicherheitslage einer Person erheblich beeinträchtigen können (BGE 

143 IV 9 E. 2.6 f. mit Hinweisen). 

 

Massgebliche Kriterien bei der Beurteilung der Rückfallprognose sind nach 

der Praxis des Bundesgerichtes insbesondere die Häufigkeit und Intensität 

der fraglichen Delikte. Bei dieser Bewertung sind allfällige Aggravationsten-

denzen, wie eine zunehmende Eskalation respektive Gewaltintensität oder 

eine raschere Kadenz der Taten, zu berücksichtigen. Zu würdigen sind des 

Weiteren die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten bzw. verurteilten 

Person. Liegt bereits ein psychiatrisches Gutachten oder zumindest ein 

Vorabgutachten vor, ist dieses ebenfalls in die Beurteilung miteinzubezie-

hen. In der Regel erscheint die Gefährdung der Sicherheit anderer umso 

höher, je schwerer die drohende Tat wiegt. Betreffend die Anforderungen 

an die Rückfallgefahr gilt hingegen eine umgekehrte Proportionalität. Dies 

bedeutet, je schwerer die drohenden Taten sind und je höher die Gefähr-

dung der Sicherheit anderer ist, desto geringere Anforderungen sind an die 

Rückfallgefahr zu stellen. Liegen die Tatschwere und die Sicherheitsrele-

vanz am oberen Ende der Skala, so ist die Messlatte zur Annahme einer 

rechtserheblichen Rückfallgefahr tiefer anzusetzen. Zugleich ist daran fest-

zuhalten, dass der Haftgrund der Wiederholungsgefahr restriktiv zu hand-

haben ist. Hieraus folgt, dass eine negative, d.h. eine ungünstige Rückfall-

prognose zur Annahme von Wiederholungsgefahr notwendig, grundsätz-

lich aber auch ausreichend ist (BGE 143 IV 9 E. 2.8 ff. mit Hinweisen). 

 

 - 14 - 

 

 

 

Was das Vortatenerfordernis betrifft, können die bereits begangenen Straf-

taten sich zunächst aus rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahren er-

geben. Sie können jedoch auch Gegenstand eines noch hängigen Straf-

verfahrens bilden, in dem sich die Frage der Untersuchungs- bzw. Sicher-

heitshaft stellt, sofern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest-

steht, dass die beschuldigte Person solche Straftaten begangen hat. Der 

Nachweis, dass die beschuldigte Person eine Straftat verübt hat, gilt bei 

einem glaubhaften Geständnis oder einer erdrückenden Beweislage als er-

bracht. Die Gefährlichkeit des Täters lässt sich in diesem Sinne sowohl auf-

grund von bereits abgeurteilten Vortaten beurteilen, als auch im Gesamt-

kontext der ihm neu vorgeworfenen Delikte, sofern mit ausreichender 

Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass er diese begangen hat. Erweisen sich 

die Risiken als untragbar hoch (sogenannte "qualifizierte Wiederholungs-

gefahr"), kann vom Vortatenerfordernis sogar vollständig abgesehen wer-

den. Aufgrund einer systematisch-teleologischen Auslegung von Art. 221 

Abs. 1 lit. c StPO ist das Bundesgericht zum Schluss gekommen, es habe 

nicht in der Absicht des Gesetzgebers gelegen, mögliche Opfer von schwe-

ren Gewaltdelikten einem derart hohen Rückfallrisiko auszusetzen (BGE 

143 IV 9 E. 2.3.1; 137 IV 13 E. 3 f. je mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des 

Bundesgerichts 1B_83/2018 vom 9. März 2018 E. 4.3). 

 

4.3.2. 

4.3.2.1. 

Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau führte zum Haft-

grund der Wiederholungsgefahr aus, dass es entsprechend der glaubhaf-

ten Schilderungen von B. in den letzten Jahren immer wieder zu Sexualde-

likten gekommen sei, welche teilweise mit roher Gewalt verbunden gewe-

sen seien. Auch wenn der letzte Übergriff sich im Jahr 2019 ereignet habe, 

seien weitere Sexualdelikte nicht ausgeschlossen. Mit weitaus höherer 

Wahrscheinlichkeit sei aber mit Drohungen und Tätlichkeiten, bzw. einfa-

chen Körperverletzungen zu rechnen, weil der Beschwerdeführer aufgrund 

der schweren, glaubhaften Belastungen mit dem Rücken zur Wand stehe 

und keine Hinweise darauf ersichtlich seien, dass er andere Handlungsal-

ternativen als Gewalt kenne (E. 4.2.4). 

 

4.3.2.2. 

In der Beschwerde wird geltend gemacht, dass bezüglich der Sexualdelikte 

keine Wiederholungsgefahr gegeben sei, da es angeblich letztmals im 

Jahre 2019 zu einer Vergewaltigung gekommen sei und es zudem am Vor-

tatenerfordernis fehle. Tätlichkeiten und einfache Körperverletzungen 

seien weiter keine als schwer zu qualifizierenden Delikte, die für die Beja-

hung einer Wiederholungsgefahr ausreichen würden. Hinsichtlich der an-

geblichen Drohungen gegen B. sei festzuhalten, dass B. nicht einge-

schüchtert worden sei. Sie habe sich ihrer Schwester schon früh anvertraut 

und die Mutter nicht aus Angst vor dem Beschwerdeführer nicht eingeweiht, 

sondern weil sie mit ihrem Schweigen die Familie habe zusammenhalten 

 - 15 - 

 

 

 

wollen. Auch D. habe die angeblich ihr gegenüber ausgesprochene Dro-

hung nicht als unmittelbare Bedrohung wahrgenommen, zumal sie weiter 

habe abwarten wollen. Zudem habe der Beschwerdeführer gemäss den 

Aussagen von D. nie Gewalt gegen sie angewendet. Auch die behaupteten 

Drohungen würden damit nicht zur Annahme ausreichen, dass weitere Dro-

hungen ausgesprochen und diese in die Tat umgesetzt würden (Be-

schwerde S. 8 f.).  

 

4.3.2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach führt in der Beschwerdeantwort 

aus, dass sich der Verdacht betreffend wiederholter Gewalttätigkeiten so-

wie Drohungen weiter erhärtet habe. Es sei inzwischen ein Gefährlichkeits-

gutachten über den Beschwerdeführer in Auftrag gegeben worden. Für die 

Gefährlichkeit des Beschwerdeführers spreche, dass sich schon seit lan-

gem Aggressionen gegen mehrere Familienmitglieder richten würden. Der 

Beschwerdeführer sei gemäss den Schilderungen von B. und C. bereits 

ohne grossen Anlass zu Gewalttaten bereit gewesen. Die schweren Belas-

tungen des Beschwerdeführers durch B. und C. sowie D. dürften kaum zu 

einer Verbesserung der Situation führen. Sowohl die Töchter als auch D. 

würden sich vor dem Beschwerdeführer fürchten (Beschwerdeantwort 

S. 3).  

 

4.3.2.4. 

Der Beschwerdeführer führt in der Stellungnahme vom 7. November 2022 

aus, dass die Opferberatung des Kantons Aargau keine akute Bedrohungs-

lage für die Familie festgestellt habe und es zu keinem Eintritt ins Frauen-

haus gekommen sei (Stellungnahme S. 4). 

 

4.3.3. 

Der Beschwerdeführer verfügt über eine Vorstrafe aus dem Jahre 2014 we-

gen Angriffs und einfacher Körperverletzung (act. 112 f.). Auch wenn sich 

die Tat nach Aussagen des Beschwerdeführers ausserhalb des häuslichen 

Bereichs ereignete (act. 108), handelt es sich um Gewaltdelikte. Hinzu 

kommen die von B. und C. (wie erwähnt nach den derzeitigen ersten Ein-

schätzungen glaubhaft) geschilderten zahlreichen sexuellen und tätlichen 

Übergriffen sowie Drohungen durch den Beschwerdeführer. Es handelt 

sich dabei um schwere Verbrechen und Vergehen, was – entgegen der 

Ansicht des Beschwerdeführers – auch für die ihm vorgeworfenen einfa-

chen Körperverletzungen und die Todesdrohungen gilt (Urteil des Bundes-

gerichts 1B_449/2017 vom 13. November 2017 E. 3.5.1.2). Der Beschwer-

deführer bestreitet zwar sämtliche ihm zur Last gelegte Delikte. Dennoch 

räumt er ein, dass der dringende Tatverdacht auf wiederholte Tätlichkeiten, 

einfache Körperverletzung und Drohungen zum Nachteil von B. sowie der 

Drohungen gegen D. allenfalls zu bejahen sei. Ob diese Umstände dem 

Vortatenerfordernis zur Annahme von Wiederholungsgefahr zu genügen 

vermögen, kann indessen offenbleiben. Angesichts des Umstands, dass 

 - 16 - 

 

 

 

derzeit (wie nachfolgend zu zeigen sein wird) von einem hohen Risiko er-

neuter schwerer Gewaltdelikte auszugehen ist und es nicht verantwortbar 

erscheint, die mit dem Beschwerdeführer im selben Haushalt lebenden Op-

fer diesem Risiko auszusetzen, kann vorliegend nach der erwähnten bun-

desgerichtlichen Rechtsprechung ohnehin auf das Vortatenerfordernis ver-

zichtet werden. 

 

Gestützt auf die Schilderungen von B. und C. ist zum jetzigen Zeitpunkt 

davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit ohne 

weiteres bereit war, gegen seine Kinder, insbesondere gegen B. und C., 

erhebliche Gewalt anzuwenden und sie jahrelang zu misshandeln. Er 

scheint über eine eingeschränkte Impulskontrolle zu verfügen und auch 

ohne jeglichen Anlass zur Anwendung von Gewalt zu neigen. Aufgrund der 

gegen den Beschwerdeführer erhobenen schweren Belastungen, seiner In-

haftierung sowie der im Raum stehenden Trennung von D. sind zukünftig 

erhebliche innerfamiliäre Konflikte zu erwarten, wobei zu erwarten ist, dass 

der Beschwerdeführer entsprechend seinem früheren Verhaltensmuster 

auch diesen mit Gewalt und Drohungen begegnen wird. Es besteht damit 

eine erhebliche Gefahr, dass es bei einer Haftentlassung zu schweren Ge-

walttaten und Drohungen gegen die Familienmitglieder des Beschwerde-

führers, insbesondere gegen seine Töchter B. und C. und seine Lebens-

partnerin D. kommen könnte. Weitere sexuelle Übergriffe sind ebenfalls 

nicht ausgeschlossen, zumal gemäss Angaben von B. der letzte Übergriff 

(Vorfall bei einer Autofahrt zum G.) vor nur rund fünf Monaten stattgefunden 

habe (act. 15 und 17) und der Beschwerdeführer schon zuvor in Konfliktsi-

tuationen ihre Angst ausgenutzt habe, um sich sexuell an ihr zu vergehen, 

anstatt sie zu schlagen (vgl. act. 16 und delegierte Einvernahme vom 

13. Oktober 2022 S. 21).  

 

Dem Beschwerdeführer kann unter diesen Umständen derzeit keine güns-

tige Rückfallprognose gestellt werden. Der Umstand, dass die Opferbera-

tungsstelle des Kantons Aargau gemäss Bericht vom 13. Oktober 2022 am 

23. September 2022 keinen Anlass sah, die Familie ins Frauenhaus aufzu-

nehmen, vermag daran nichts zu ändern, da diese Einschätzung auf vagen 

Aussagen von D. zu aggressivem Verhalten des Beschwerdeführers und 

unklaren Drohungen beruhte (Bericht der Opferberatung Aargau, Aktenno-

tiz vom 23. September 2022). Zumindest bis zum Vorliegen des von der 

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach am 19. Oktober 2022 in Auftrag gege-

benen psychiatrischen Gutachtens zur Beurteilung der Gefährlichkeit des 

Beschwerdeführers ist von einer konkreten und realen Gefahr erneuter 

schwerer Gewalttaten insbesondere gegen B. und  

C. sowie D. auszugehen. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons 

Aargau ist damit zu Recht von einer die Anordnung von Untersuchungshaft 

rechtfertigenden Wiederholungsgefahr ausgegangen.  

 

 - 17 - 

 

 

 

4.4. 

Mit der Bejahung von Kollusions- und Wiederholungsgefahr kann offenge-

lassen werden, ob der vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aar-

gau zusätzlich bejahte Haftgrund der Ausführungsgefahr ebenfalls erfüllt ist 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_569/2012 vom 31. Oktober 2012 E. 3). 

Auf die entsprechenden Ausführungen in der Beschwerde bzw. in der Be-

schwerdeantwort wird daher nicht weiter eingegangen. 

 

5. 

5.1. 

Untersuchungshaft muss verhältnismässig sein (Art. 197 Abs. 1 lit. c und d 

StPO) und darf nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe 

(Art. 212 Abs. 3 StPO). Das zuständige Gericht ordnet gemäss Art. 237 

Abs. 1 StPO anstelle der Untersuchungshaft eine oder mehrere mildere 

Massnahmen an, wenn sie den gleichen Zweck wie die Haft erfüllen. Mit 

dieser Bestimmung wird der Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 36 

Abs. 3 BV; Art. 197 Abs. 1 lit. c und d StPO) konkretisiert. Untersuchungs-

haft ist somit "ultima ratio". Kann der damit verfolgte Zweck – die Verhinde-

rung von Flucht-, Kollusions-, Wiederholungs- oder Ausführungsgefahr – 

mit milderen Massnahmen erreicht werden, sind diese anzuordnen 

(Art. 212 Abs. 2 lit. c StPO). Die Ersatzmassnahmen müssen ihrerseits ver-

hältnismässig sein. Dies gilt insbesondere in zeitlicher Hinsicht (BGE 140 

IV 74 E. 2.2). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau erachtete die Anord-

nung von Untersuchungshaft für die einstweilige Dauer von drei Monaten 

angesichts der Strafrahmen der Tatbestände, auf welche die Untersuchung 

gerichtet ist und die noch vorzunehmenden Untersuchungshandlungen als 

verhältnismässig. Eine mildere Massnahme vermöge den bestehenden 

Haftgründen nicht ausreichend zu begegnen (E. 4.4.2). 

 

5.2.2. 

Der Beschwerdeführer beantragt eventualiter die Anordnung eines Kon-

takt- und Näherungsverbots i.S.v. Art. 237 Abs. 2 lit. c und g StPO sowie 

die Anordnung von Electronic Monitoring (Beschwerde S. 12 f.).  

 

5.2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach bezeichnet ein mit einem Electronic 

Monitoring verbundenes Rayonverbot als derzeit ungenügend, die beste-

hende Kollusions- und Wiederholungsgefahr zu bannen. Nach dem Vorlie-

gen der ersten gutachterlichen Einschätzung werde eine erneute Beurtei-

lung erfolgen. Zudem sei zu erwarten, dass die wichtigsten Einvernahmen 

innert der angeordneten Haftdauer bis zum 3. Januar 2023 durchgeführt 

 - 18 - 

 

 

 

würden und der danach noch verbleibenden Kollusionsgefahr mit Ersatz-

massnahmen begegnet werden könnte. Sollte die Gefährlichkeitsbegut-

achtung eine Gefährlichkeit verneinen oder Möglichkeiten aufzeigen, wie 

dieser mit milderen Mitteln als Haft begegnet werden könnte, sei eine Haft-

entlassung mit Ersatzmassnahmen innert absehbarer Zeit denkbar. Bis da-

hin sei die Untersuchungshaft jedoch aufrechtzuerhalten (Beschwerdeant-

wort S. 4).  

 

5.3. 

Wie die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach zutreffend ausführt, vermögen 

die vom Beschwerdeführer eventualiter beantragten Ersatzmassnahmen 

im Sinne einer Anordnung eines Kontakt- und Näherungsverbots sowie von 

Electronic Monitoring die bestehende Kollusions- und Wiederholungsge-

fahr nicht hinreichend zu bannen. Das Risiko, dass es zu weiteren schwe-

ren Taten gegen Familienmitglieder kommen könnte, ist derzeit (zumindest 

bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse aus dem in Auftrag gegebenen 

Gefährlichkeitsgutachten) als untragbar hoch einzuschätzen. Bei den vom 

Beschwerdeführer vorgeschlagenen Ersatzmassnahmen sind die Kontroll-

möglichkeiten eingeschränkt und der Zugang zu den Opfern, deren Tages-

ablauf und Aufenthaltsorte dem Beschwerdeführer bestens bekannt sind, 

wäre diesem jederzeit leicht möglich. Auch der Einsatz technischer Geräte 

(wie beim Electronic Monitoring) vermag nicht zu verhindern, dass der Be-

schwerdeführer mit den betroffenen Personen Kontakt aufnehmen bzw. 

sich diesen nähern könnte, wenn er sich dafür entscheiden würde. Ein 

rechtzeitiges Eingreifen der Polizei wäre kaum möglich. Angesichts der 

schweren Deliktsvorwürfe besteht zudem ein erhebliches öffentliches Inte-

resse daran, dass der Beschwerdeführer die betroffenen bzw. die noch zu 

befragenden Personen nicht zu seinen Gunsten beeinflussen kann. Die An-

ordnung der Haft erscheint damit derzeit verhältnismässig. 

 

5.4. 

Der Beschwerdeführer befindet sich seit wenigen Wochen in Untersu-

chungshaft. Bei einer Verurteilung ist mit einer erheblichen Freiheitsstrafe 

zu rechnen. Angesichts des bestehenden dringenden Tatverdachts, der 

Schwere der Delikte und der drohenden Sanktion ist die Anordnung von 

Untersuchungshaft für die Dauer von drei Monaten verhältnismässig und 

es besteht keine Gefahr der Überhaft. 

 

6. 

Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist 

abzuweisen.   

 

7. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten 

des Beschwerdeverfahrens zu tragen. 

 

 - 19 - 

 

 

 

Die der amtlichen Verteidigerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren 

auszurichtende Entschädigung wird durch die am Ende des Verfahrens zu-

ständige Instanz festzusetzen sein (Art. 135 Abs. 2 StPO).  

  

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 68.00, zusammen 

Fr. 1'068.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 - 20 - 

 

 

 

 
   

Aarau, 9. November 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli Boog Klingler