# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4ac2a92e-9acd-5e9c-b689-9bfa86392556
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-10
**Language:** de
**Title:** Schlüssiges polydisziplinäres Gutachten, wonach sich eine psychische Gesundheitsstörung (Angststörung und Depression) verschlechtert hat und nunmehr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bewirkt. Anordnung einer weiteren psychiatrischen Begutachtung hat daher den Charakter einer unzulässigen Zweitmeinung im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Gutheissung der Beschwerde und Erhöhung der bisherigen halben auf eine ganze Rente.
**Docket/Reference:** IV.2022.00236
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00236.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00236
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Kobel
Urteil
vom
10. Februar 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
schadenanwaelte
AG
Industriestrasse 13c, 6300 Zug
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Y.___-Pensionskasse
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1967
und Mutter von zwei Kindern, geboren 1995 und 1997
, trat Anfang Dezember 2006 eine V
ollzeitstelle in d
er Bäckerei
Z.___
AG an
(Angaben vom
6.
August 2008 im Fragebogen für
Arbeitgebende
,
Urk.
6/23/1-8)
, nachdem sie ab 1998 verschiedene Teilzeitstellen in der Hotellerie, im Gastge
werbe und in Bäckereibetrieben innegehabt hatte
und rund zwei Jahre lang arbeitslos gewesen war
(Auszug aus dem individuellen Konto vom
4.
März 2008
,
Urk.
6/11).
Zwei Wochen
später wu
rde im
Universitätsspital
A.___
die Diagnose eines
Karzinoidtumors
in der Lunge gestellt; dieser wurde im Januar 2007 opera
tiv entfernt (
Kurzaustrittsbericht und
Zusammenfassung der Krankengeschichte
des Universitätsspitals B.___
, Klinik für Thoraxchirurgie, vom 3
0.
Januar/
6.
Februar 2007
mit beigefügtem Operationsbericht
,
Urk.
6/1 und
Urk.
6/19/9-14; Verlaufsber
icht vom 2
0.
Februar 2007,
Urk.
6/19/7-8)
. Die Arbeitgeberin löste das Arbeitsverhältnis
noch
innerhalb der Probezeit per 13.
Januar 2007 auf (
Kündigungsschreiben vom 3.
Januar 2007,
Urk.
6/23/9)
.
Im Februar 2008 meldete sich
X.___
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte neben den Berichten
des Universitätsspitals B.___
den Bericht von
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
8.
März 2008 ein,
bei dem die Versicherte
seit Dezember 2007
in Behandlung stand (del
egierte Psychotherapie durch
D.___
;
Urk.
6/13)
,
nahm einen
Bericht der Fachpsy
chologin
Dr.
phil.
E.___
, Zentrum für Essstörungen und Adipositas, über eine Abklärung
wegen starken Übergewichts
vom Januar 2008 zu den Akten (
Urk.
6/14)
und liess durch die Hausärztin
Dr.
med.
F.___
, Fachärztin für Innere Medizin, den Bericht vom 1
6.
Juni 2008 (
Urk.
6/21) und durch
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Lungenkrankheiten und Innere Medizin, den Bericht vom 2
9.
Juni 2008 (
Urk.
6/22) verfassen.
Ausserdem zog sie die Akten der SWICA Gesundheits
organisation bei, welche Taggelder
ausrichtete (
Urk.
6/9 und Urk.
6/18).
Anschliessend liess sie die Versicherte
durch
Dr.
med.
dipl.
psych.
H.___
, Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten (Gutachten vom 2
2.
Mai 2009,
Urk.
6/27).
Gestützt auf die Ergebnisse ihrer Abklärungen sprach die IV-Stelle der Versicher
ten mit Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009 ab November 2007 eine ganze und ab September 2008 noch eine halbe Invalidenrente zu (
Urk.
6/34
-35 und Urk.
6/38
39). Mit Urteil vom 3
0.
Juni 2011 bestätigte das
Sozialversiche
-
rungsgericht
des Kantons Zürich
diese Verfügung in Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde (
Urk.
6/44; Prozess Nr. IV.2009.01047). Während des laufenden Gerichtsverfahrens hatte die Versicherte mit erneuerter Anmeldung vom 2
7.
September 2010 direkt bei der IV-Stelle um die Erhöhung ihre
r Rente ersucht (
Urk.
6/42), liess
dieses Gesuch jedoch
nach Vorliegen des Urteils vom 3
0.
Juni 2011 zurückziehen (Schreiben von Rechtsanwalt George Hunziker vom 2
8.
Februar 2012,
Urk.
6/54).
1.2
Im Sommer 2014 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren in die Wege und nahm hierzu die Angaben der Versicherten, ergänzt durch diejenigen ihres Rechtsvertreters, vom 29./3
0.
August 2014 entgegen (
Urk.
6/57).
Sodann
holte sie die
Verlaufsbericht
e
des Hausarztes
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 1
7.
September
2014
und
von
Dr.
med. univ.
J.___
, Fachärztin für Psychiatrie und P
sychotherapie,
vom 2
1.
September 2014
ein
(Urk.
6/62 und
Urk.
6/64)
, erhielt Kenntnis von einer Fraktur des rechten
o
beren Sprunggelenks, welche die Versicherte im Jahr 2013 erlitten hatte (Operationsbe
richt vom 2
3.
Oktober 2013,
Urk.
6/67), und erfuhr
von einem Aufenthalt der Versicherten in der Klinik für Neurologie
des Universitätsspitals B.___
vom
3.
April 2014 wegen
einer
Vigilanzminderung unklarer Genese (Austrittsbericht und Krankengeschichte vom
3.
April 2014,
Urk.
6/71).
Im Januar 2015 liess die IV-Stelle einen Besuch
bei
der Versicherten zu Hause im Hinblick auf den Anspruch auf eine Hilflosen
entschädigung durchführen (Urk.
6/72) und verneinte
diesen
Anspruch mit Ve
rfügung vom 1
2.
März 2015 (Urk.
6/78).
Des Weiteren hob sie mit Verfügung vom 1
6.
Juni 2015 die halbe Rente auf (
Urk.
6/
85
; Feststellungsblatt in
Urk.
6/76
)
, nachdem sie hierzu die Ein
wendungen der Versicherten vom 1
7.
April 2015 erhalten hatte
(
Urk.
6/82).
Die Versicherte liess wiederum Beschwerde erheben
(
Urk.
6/86)
und reichte auch dies
mal während des hängigen Beschwerdeverfahrens ein neues Leistungsgesuch ein (Fo
r
mularangaben vom
8.
September 2016,
Urk.
6/88).
Mit Urteil vom 2
8.
März 2017 hob das Sozialversicherungsgericht
die Verfügung vom 1
6.
Juni
2015 auf und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit diese die Versicherte psychiatrisch begutachten lasse und danach über den Rentenan
spruch neu befinde
(
Urk.
6/91; Prozess Nr. IV.2015.00806).
1.3
Mit Zuschrift an die IV-Stelle vom 2
6.
Juni 2017 liess die Versicherte Bezug auf das Urteil vom 2
8.
März 2017 nehmen und
liess
darauf hinweisen, dass
seit der Einreichung der Beschwerde verschiedene körperliche Probleme neu hinzuge
kommen seien, insbesondere diejenigen, die am
8.
September 2016 im
neu ein
gereichten
Anmeldeformular aufgeführt w
orden seien (
Urk.
6/99). Die IV
Stelle
informierte sie
am 2
8.
Juni 2017
darüber, dass bereits Abklärungen im Gange seien und ihr Anliegen nach
dem
Eintreffen weiterer Unterlagen behandelt werde (
Urk.
6/100). Sodann verfügte die
IV-Stelle am 2
6.
Juli 2017 die Weiterausrich
tung der halben Rente ab
der Aufhebung (
August
2015;
Urk.
6/112)
, nachdem sie am 2
6.
Juni 2017 die Rentenberechnung bei der Ausgleichskasse in Auftrag gegeben hatte (
Urk.
6/98). Die Versicherte machte von der Möglichkeit einer Beschwerde gemäss Rechtsmittelbelehrung keinen Gebrauch.
Im Zuge ihrer Abklärungen
(Fallnotizen vom 1
4.
Juni 2017,
Urk.
6/194)
holte die IV-Stelle sodann
verschiedene medizinische Berichte ein, nämlich
den Bericht von
Dr.
med.
K.___
, Facharzt für Allgemeine und Innere Medizin sowie Angiologie, vom 15./2
9.
Juni 2017 über
eine Konsultation wegen Venenbe
schwerden in den Beinen (
Urk.
6/104),
den Bericht von
Dr.
med.
L.___
, Leit
ende Ärztin Handchirurgie
des Stadtspitals M.___
, vom 2
7.
Juni 2017 zu Behandlungen wegen einer beidseitigen, linksbetonten Rhizarthrose (
Daumengelenke;
Urk.
6/106
/1-10 mit den Be
richten an den Hausarzt vom 15.
Dezember 2015 und vom 2
7.
Juni 2017,
Urk.
6/106/11-13
),
den Bericht von
Dr.
G.___
vom
1
3.
J
uli 201
7 (
Eingang;
Urk.
6/107 und
Urk.
6/108)
und die
Berichte
des Stadtspitals M.___
vom 2
6.
April 2017
und
vom 2
4.
Juli 2017 (Eingang), wo
anlässlich einer
Hospi
talisation
von Mitte Juli bis Anfang August 2016 ein kongenitales
long
QT
Syndrom (genetisch bedingte Herzrhythmus-Problematik) diagnostiziert und im Dezember 2016 ein subkutaner ICD (subkutan
implantier
ter
Defibrillator
) ange
bracht worden war (
Urk.
6/109 und
Urk.
6/113).
Des Weiteren erfuhr sie von der Psychotherapeutin
D.___
, dass die dortige Behand
lung vor mehreren Jahren eingestellt worden sei (vgl.
Urk.
6/116 und den beige
legten Bericht
an die Krankenkasse
vom 21.
Dezember 2011,
Urk.
6/117).
Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Stellungnahme von
Dr.
med.
N.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie, vom 1
1.
August 2017,
Urk.
6/195/4-5) entschied die IV-Stelle,
im Sinne des Antrags der Versicherten (
Urk.
6/99/1)
anstelle der gerichtlich angeordneten psychiatrischen Begutachtung ein po
l
ydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben (Mitteilung vom
3.
Oktober 2017,
Urk.
6/124).
Nachdem die Untersuchun
gen im November 2017 stattgefunden hatten,
legte das
Zentrum
N.___
am
5.
März 2018
sein
Gutachten vor
(Urk.
6/129;
Dr.
med.
O.___
, Facharzt für Innere Medizin;
Dr.
med.
P.___
, Facharzt für Rheumatologie;
Dr.
med.
Q.___
, Fa
charzt für Neurologie; Dr. med.
R.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; konsiliarischer Bericht von
Dr.
med.
S.___
, Facharzt für Kardiologie, Innere Medizin und Intensivme
dizin, vom 1
6.
Dezember 2017). Die IV-Stelle holte zum Gutachten die Stellung
nahme von
Dr.
N.___
vom 1
4.
März 2018 ein (
Urk.
6/195/5-7)
und unterbreitete die Akten nach verschiedenen internen Besprechungen (Urk
.
6/195/7-9) zusätz
lich der RAD-Ärztin
Dr.
med.
T.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (Stellun
gnahme
vom 2
0.
Februar 2019, Urk
.
6/195/10).
1.4
Aufgrund der Empfehlung von
Dr.
T.___
(
Urk.
6/195/10) auferlegte die IV
Stelle der Versicherten mit Schreiben vom 2
7.
Februar 2019
(
Urk.
6/135)
, sich über mindestens sechs Monate einer integrativen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung mit kognitiv verhaltenstherapeutischem Schwerpunkt und mit mindestens wöchentlichen Terminen zu unterziehen,
da die Restarbeitsfähigkeit zurzeit nicht abschliessend beurteilt werden könne.
Zusätz
lich hielt die IV
Stelle die Versicherte gestützt auf eine weitere RAD
-Empfehlung
(
Urk.
6/195/11) dazu an, eine
medikamentöse
anti-asthmatische Therapie durch
zuführen und hierfür den Pneumologen
Dr.
G.___
zu kons
ultieren
.
Dabei wies sie
darauf
hin, dass über eine Änderung des Rentenanspruchs
erst nach Ablauf der sechs angeordneten Behandlungsmonate entschieden werde und das Rentener
höhungsgesuch
bei
Nichterfüllen der Mitwirkung a
bgewiesen werden könne.
Am 2
6.
März 2019 stellte
Dr.
med.
U.___
, Fachärztin für Pneumologie und Innere Medizin, welche von der Versicherten als Durchführerin der anti-asthmatischen Behandlung
gewählt worden war (
Urk.
6/139
),
d
er IV-Stelle
den Behandlungsplan zu
(
Urk.
6/141 und
Urk.
6/14
4); ferner erstattete sie
ihr
am 4.
November 2019 (Eingang) einen Bericht (
Urk.
6/151 und
Urk.
6/152). Demge
genüber gelang es der IV-Stelle nicht, von
Dr.
med.
V.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, den die Versicherte als Durchführer der psychi
atrischen Behandlu
ng angegeben hatte (
Urk.
6/139
), nähere Angaben zu erhalten (vgl. die Korrespondenz in
Urk.
6/14
0,
Urk.
6/143,
Urk.
6/146, Urk.
6/148,
Urk.
6/156
und
Urk.
6/
157). Sie zog deshalb die Abrechnungen der Mutuel Kran
kenversicherung AG bei (
Urk.
6/167 und
Urk.
6/168) und
erbat sich v
om Rechts
vertreter der Versicherten eine Aufstellung über die erfolgten Behandlungs
termine (
Urk.
6/169
)
,
welche dieser im Dezember 2020 beibrachte (
Urk.
6/172). Trotz mehrmaliger telefonischer Rücksprache mit
Dr.
V.___
und weiteren schrift
lichen Aufforderungen
(vgl.
Urk.
6/173,
Urk.
6/176
,
Urk.
6/
177,
Urk.
6/179,
Urk.
6/181) konnte sie jedoch
von ihm
weiter
hin keinen Bericht
erhältlich machen (vgl. die Notizen in
Urk.
6/195/11-14).
Dr.
T.___
empfahl deshalb eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung (Stellungnahme vom
4.
Juni 2021,
Urk.
6/195/15); diese wurde im Oktober 2021 durch
Dr.
med.
W.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vorgenommen (Gutachten vom 15.
Oktober 2021,
Urk.
6/193).
Gestützt auf eine Stellungnahme von
Dr.
med.
T.___
vom 2
8.
Oktober 2021 (
Urk.
6/195/15-17) eröffnete die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2
9.
November 2021, dass sie die halbe Rente, auf welche die Versicherte weiterhin Anspruch habe, nicht zu erhöhen gedenke (
Urk.
6/
196; Feststellungsblatt in Urk.
6/195). Die Versicherte erhob im Dezember 2021 und im Februar 2022 Einwendungen per E-Mail (
Urk.
6/197,
Urk.
6/202 und
Urk.
6/204)
. Mit Verfü
gung vom 1
4.
März 2022 entschied die IV-Stelle im angekündigten Sinn und wies das Gesuch der Versicherten um die Erhöhung ihrer Rente ab (
Urk.
2 =
Urk.
6/207).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
4.
März 2022 liess
X.___
, nunmehr vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie C. Elms, mit Eingabe vom 2
9.
April 2022 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
ihr
die gesetzlichen Leistungen, namentlich eine ganze Invalidenrente ab dem
1.
Oktober 2018
,
zu gewähren, eventuell sei
durch das Gericht
ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben, und subeventuell sei die Sache zwecks Vornahme eines verwaltungsexter
nen psychiatrischen Obergutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
8.
Juni 2022
unter Verzicht auf weitere Ausführungen
auf Abweisung der B
eschwerde (Urk.
5). Das Gericht hielt daraufhin mit Verfügung vom
9.
Juni 2022 fest, dass sich die Anordnung des beantragten zweiten Schriftenwechsels (
Urk.
1 S. 2
und S. 11
) erübrige
,
und stellte allfällige weitere Verfahrensschritte sowie den Endentscheid in Aussicht (
Urk.
7).
Mit Verfügung vom 1
3.
Dezember 2022 wurde die
Y.___-Pensionskasse
zum Prozess beigeladen (
Urk.
8). Sie verzichtete mit Eingabe vom 1
8.
Januar 2023 auf eine Stellungnahme (
Urk.
10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Die ange
fochtene Verfügung
vom 1
4.
März 2022 ist nach dem
1. Januar 2022
ergangen
.
Streitgegenstand ist jedoch die Frage nach
einer
Rentenerhöhung in der Zeit vor dem
1.
Januar 202
2.
In dieser Hinsicht sind
nach den allgemeinen übergangs
rechtlichen Grundsätzen
die bis Ende Dezember
2021
gültig gewesenen
Rechts
vorschriften anwendbar
(vgl. auch
Rz
9102
des
Kreisschreiben
s
über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung
, gültig ab dem
1.
Januar 2022 [
KSIR
]
)
. Bei den nachfolgend zitierten Bestimmungen handelt es sich daher, soweit nichts anderes vermerkt wird, um diejenigen, die vor dem Inkrafttreten des per Anfang 2022 revidierten Rechts gegolten haben.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2).
2.2
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG hat das Bundes
ge
richt spezifische Leitlinien aufgestellt. Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat es in Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung ein neues Prüfungsraster in Form von spezifischen Standardindikatoren entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen von sogenannten pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, ins
besondere von somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden, zu ermitteln sind. Das Raster präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs-
und Eingliederungserfolg oder -
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck.
In einem weiteren Schritt hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen vom 30. November 2017 die Anwendbarkeit der neu entwickelten Standardindi
ka
to
ren auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, indem es für alle diese Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren als mass
gebend erklärt hat (BGE 143 V 418 E. 7, 143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5). Damit ha
t das Bundesgericht
seine bisherige restriktive Rechtsprechung zu den depressiven Störungen fallengelassen und nicht länger daran festgehalten, dass Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur nur dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht kommen, wenn sie erwiesene
rmassen therapieresistent sind.
Vielmehr hat es wieder
an die konstante Rechtsprechung angeknüpft, wonach es sich verbietet
, bei der Festlegung der Ansprüche gegenüber der Invalidenversicherung vom Gesundheitszustand auszugehen, wie er sich im Falle eines Therapieerfolgs mutmasslich einstellen würde, solange die empfohlene Behandlung noch nicht durchgeführt worden und der Erfolgseintritt demgemäss ungewiss ist (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 mit Hinweis auf
127 V 294 E. 4b und 4c
und weiteren Hin
weisen
).
2.3
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertels
rente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k
önnte (sogenanntes Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
2.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt rechtsprechungsgemäss jede wesentliche Ände
rung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditäts
grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. In Betracht kommt rechtsprechungs
gemäss nicht nur eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch eine erhebliche Veränderung der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hin
weisen). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, so besteht nach der höchst
richterlichen Rechtsprechung keine Bindung mehr an das Mass der übri
gen, unverändert gebliebenen Parameter, die dem vorangegangenen rechts
kräf
tigen Entscheid zugrunde gelegt worden sind. Vielmehr ist der Rentenan
spruch für die Zukunft diesfalls in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei und umfas
send zu prüfen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3, 117 V 198 E. 4b, je mit Hinweisen). Unerheblich unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten ist dagegen nach der Rechtsprechung die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unver
ändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage einer anspruchserheb
lichen Änderung gilt die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Anspruchsprüfung mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswür
digung beruht (vgl. BGE 133 V 108 E. 5 mit Hinweisen). Eine Mitteilung nach
Art.
74
ter
lit
. f und
Art.
74
quater
Abs.
1 IVV (vgl.
Art.
51 ATSG), mit der auf das Fortbestehen des bisherigen Anspruchs hingewiesen wird, ist einer rechtskräfti
gen Verfügung gleichgestellt, soweit ihr ebenfalls eine anforderungsgerechte materielle Anspruchsprüfung zugrunde liegt (Urteil des Bundesgerichts 8C_185/2017 vom
6.
Juli 2017 E. 5.2 mit Hinweisen).
Nach
Art. 88a Abs. 1
IVV
ist e
ine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung
der
Rente
von dem Zeitpunkt an zu berücksichti
gen, in dem angenommen
werden kann, dass sie voraussic
htlich längere Zeit dauern wird; s
ie ist in jedem Fall
zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesent
liche Unterbrechung drei Monate
gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird
.
Eine Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit ist nach
Art.
88a
Abs.
2 IVV zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat.
Die Herabs
etzung oder Aufhebung d
er Rente erfolgt gestützt auf
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustel
lung der Verfügung folgenden
Monat
s an. Die Erhöhung der Rente ist
gestützt auf
Art.
88
bis
Abs.
1
lit
.
b
IVV
bei einer Revision von Amtes wegen frühestens ab de
m für die Revision
vorgesehenen Monat
an vorzunehmen; i
m Falle eines Revi
sionsgesuchs, das von der versicherten Person ausgeht, erfolgt d
ie Erhöhung der Ren
te gestützt auf Art. 88
bis
Abs. 1
lit
. a IVV frühestens von dem Monat an,
in dem das R
evisionsbegehren gestellt worden ist.
2.5
Im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren
gilt
der Untersuchungsgrundsatz. Der Versicherungsträger prüft nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG die Begehren, nimmt die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Aus
künfte ein, wobei mündlich erteilte Auskünfte schriftlich festzuhalten sind.
Für die Beurteilung von Rechtsfragen, denen medizinische Sachverhalte zugrunde liegen, ist das Gericht auf Angaben und Unterlagen von medizinischen Fach
perso
nen, namentlich von Ärztinnen und Ärzten, angewiesen. Hinsichtlich des Beweis
wertes eines Arztberichtes ist nach höchstrichterlicher Praxis entscheidend, ob der Bericht für die strittigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE
134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a).
3
.
3.1
Die vorliegende Auseinandersetzung geht zurück auf die Verfügung vom 1
6.
Juni 2015, mit der die Beschwerdegegnerin die
gerichtlich bestätigte
halbe Rente der Beschwerdeführerin (Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009,
Urk.
6/34-35 und Urk.
6/38-39; Urteil des Sozialversicherungsgericht vom 3
0.
Juni 2011,
Urk.
6
/44) aufgehoben hatte (
Urk.
6/85
). Die Beschwerdeführerin hatte sich im damaligen Beschwerdeverfahren
auf den Standpunkt gestellt, ihr stehe weiterhin die bisherige halbe Rente zu (
Urk.
6/86/3); das G
ericht hatte jedoch anhand der damals vorhanden gewesenen Unterlagen eine rentenrelevante Sachverhaltsän
derung weder zu bestätigten n
och zu verneinen vermocht (Urk.
6/91 E. 4.2) und hatte die Beschwerdegegnerin daher mit dem Urteil vom 2
8.
März 2017 zu weiteren Abklärungen
und zum anschliessenden neuen Entscheid über den Rentenanspruch
verpflichtet
(
Urk.
6/91 E. 4.3)
.
3.2
Wird eine Revisionsverfügung im Gerichtsverfahren aufgehoben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen und zum anschliessenden Erlass einer neuen Verfügung an die Verwaltung zurückgewiesen, so ist es in materieller Hinsicht mit dem Grundsatz der Regelung in
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV
(Aufhebung pro
futuro
) vereinbar, wenn die erneute Leistungsaufhebung auf den Zeitpunkt der ursprünglichen Leistungsaufhebung zurückbezogen wird. In formeller Hinsicht korrespondiert damit, dass der Entzug der aufschiebenden Wirkung, den die Ver
waltung beziehungsweise das Gericht für die Dauer des Beschwerdeverfahrens angeordnet hat, für den Zeitraum des nachfolgenden
Abklärungsverfahrens bis zum Erlass der neuen
Verfügung
andauert
(BGE 129 V 370 mit Hinweis auf BGE 106 V 18 und weiteren Hinweisen).
Ungeachtet dieser Grundsätze wartete die Beschwerdegegnerin jedoch
vorliegen
denfalls
mit der Verfügung über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin nicht zu, bis sie die gerichtlich angeordneten weiteren Abklärungen durchgeführt hatte, sondern
erliess
bereits
bei
der Aufnahme der A
bklärungen
die Verfügung vom 2
7.
Juli 2017
, mit der sie
der Beschwerd
eführerin
die halbe Rente rückwir
kend ab der Aufhebung
weitergewährte
(Urk.
6/98 und
Urk.
6/112).
Dabei lässt ein Vermerk auf dem Rentenbeschluss zuhanden der Ausgleichskasse vermuten, dass die Beschw
erdegegnerin unzutreffend
davon ausging, das Urteil vom 2
8.
März 2017 verpflichte sie
zu diesem Vorgehen und erlaube eine allfällige Aufhebung erst für die
Zeit
ab dem
Erlass
einer
neuen Revisionsverfügung
(vgl.
Urk.
6/98/2)
. Wie es sich damit verhält, braucht indessen nicht abschliessend geklärt zu werden
. Denn
aus der
Verfügung vom 2
7.
Juli 2017 als solche
r geht
ungeachtet der
ihr zugrunde liegenden
M
otive unmissverständlich hervor, dass die Beschwerdeführerin ab August 2015 weiterhin die bisherige halbe Rente beanspruchen konnte;
insbesondere deutet
nichts darauf hin, dass die Weiteraus
richtung der halben Rente lediglich vorsorglichen
Charakter gehabt hätte und die Beschwerdegegnerin sich vorbehalten hätte, nach
der
Durchführung
der erforder
lichen weiteren A
bklärungen darauf zurückzukommen
und
den Rent
enanspruch
nicht nur für die Zukunft
(
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV
)
, sondern
rückwirkend
zu verneinen
. Hingegen
muss davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdegeg
nerin die weitergewährte halbe Rente als Mindestanspruch verstanden haben wollte
und deren rückwirkende Erhöhung für den Fall in Betracht zog, dass sich im Abklärungsverfahren Umstände ergäben, die zu einer Erhöhung des Invalidi
tätsgrades führten. Denn die Beschwerdegegnerin
nahm die neue Anmeldung vom
8.
September 2016, welche die Beschwerdeführerin noch vor dem Ergehen des Urteils vom 2
8.
März 2017 während des hängigen Beschwerdeverfahrens ein
gereicht hatte (
Urk.
6/88), als sogenanntes Verschlechterungsgesuch und mithin als Gesuch um eine Rentenerhöhung entgegen (vgl.
Urk.
6/195/2) und machte mit der Formulierung der Behandlungsanweisungen vom 2
7.
Februar 2019
(
Urk.
6/135)
nochmals deutlich, dass
eine Rentenerhöhung
auf eigenes Begehren
(
Art.
88
bis
Abs. 1
lit
. a IVV)
zur Diskussion stehe.
3.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob und ab wann die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine höhere als di
e bisherige halbe Rente hat. Es geht demnach um eine
Rentenrevision im Sinne von Art. 17
Abs. 1 ATSG
,
und
die erste Vorausset
zung für eine weiterführende materielle Anspruchsprüfung
ist daher
, dass sich der Sachverhalt bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 14.
März 2022 in potentiell rentenerheblicher Weise verändert hat. Zeitliche Vergleichsbasis ist die Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009
(
Urk.
6/34-35 und Urk.
6/38-39)
, die
mit dem Urteil vom 3
0.
Juni
2011 bestätigt worden war (Urk.
6/44).
D
ie Verfügung vom
2
7.
Juli 2017
betreffend die Weitergewährung der halben Rente
erging dem
gegenüber
erst, nachdem die Beschwerdeführerin das Rentenerhöhungsgesuch eingereicht hatte, und stand
– wie dargelegt –
unter dem
Vorbehalt der Erhöhung
nach Prüfung dieses
Gesuchs
,
sodass sie schon deshalb nicht als Vergleichsbasis in Frage kommt. Ihr ging
en
denn auch keine
rlei Abklärungen
voran.
4.
4.1
Die Verfügung
vom 1
3.
Oktober 2009, mit d
er die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab November 2007 eine ganze und ab September 2008 noch eine halbe Invalidenrente zugesprochen hatte (
Urk.
6/34-35 und
Urk.
6/38-39)
, hatte darauf basiert, dass die Beschwerdeführerin in der ersten Zeit nach der Tumoroperation vom Januar 2007 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen war, sich jedoch
gemäss den behandelnden medizinischen Fachpersonen
körper
lich rasch erholt
hatte
und von Seiten des Lungenleidens wieder eine vollumfängliche Leis
tungsfähigkeit erlangt hatte
(vgl.
Dr.
G.___
im Bericht vom 2
9.
Juni 2008,
Urk.
6/22/6)
, dass der Psychiater
Dr.
H.___
ihr jedoch
im Gutachten vom 22.
Mai 2009
aufgrund der Diagnosen einer mittelgradig ausgeprägten depressi
ven Episode mit somatischem Syndrom (F32.11 d
er Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltg
esundheitsorganisation [ICD-10]) und einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1)
eine fortbestehende 50%ige Einschränkung in
jedwelcher
Arbeitst
ätigkeit attestiert hatte (Urk.
6/27/10+12)
, dies im Einklang
mit d
em delegierenden Psychiater Dr.
C.___
im Ber
icht vom März 2008 (
Urk.
6/13/8
).
Das Gericht war
diesen Einschätzungen
der Arbeitsfä
higkeit
im Urteil vom 3
0.
Juni 2011
gefolgt und hatte die Herabsetzung der ganzen auf eine halbe Rente mit dem Hinweis
auf eine weitgehend übereinstim
mende
medizinische Aktenlage bestätigt (
Urk.
6/44 E. 5).
4.2
Im Zuge des Revisionsverfahrens, das die Beschwerdegegnerin im Sommer 2014 anhand nahm, ging
Dr.
I.___
im Bericht vom
1
7.
September 2014 aus hausärztli
cher Sicht von einem unveränderten Gesundheitszustand aus (Urk.
6/62/7)
.
Gleichermassen bezeichnete
die Psychiaterin
Dr.
J.___
den Zustand von Seiten
ihres
Fachgebietes
als stationär; sie
nahm
jedoch, anders als zuletzt
Dr.
H.___
,
eine
100%
ige
psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit an
, ohne aller
dings einen Bezug zur damaligen gutachterlichen Beurteilung herzustellen
(Bericht vom 2
1.
September 2014,
Urk.
6/64/1)
. Dass die Beschwerdegegnerin dennoch
eine
gesundheitliche Besserung
konstatierte
und die Rente mit der Verfügung vom 1
6.
Juni 2015 aufhob (
Urk.
6/85
), hing mit den Ergebnissen des Hausbesuchs vom Januar 2015 zur Abklärung des Anspruchs auf eine Hilflo
senentschädigung zusammen. Die Beschwerdeführerin schilderte dort ihren Zustand zwar nicht als gebessert, sondern vi
elmehr als verschlechtert (Urk.
6/72/2-3); die B
eschwerdegegnerin
hielt
jedoch
angesichts der beschriebe
nen Alltagsgestaltung und de
r nur noch sporadischen Termine
bei der Psychiate
rin (vgl.
Urk.
6/72/3) eine
gewisse Adaptation
für gegeb
en und kl
ammerte zudem
Faktoren aus, denen sie
psychosozialen und mithin
invaliditätsfremden Charakter zuschrieb (
Urk.
6/76/4-5)
.
Das Gericht
sprach sich im
Urteil vom 2
8.
März 2017
nicht grundsätzlich gegen die Berücksichtigung des Berichts über den Hausbe
such aus, beanstandete jedoch, dass die Beschwerdegegnerin diesen zur
praktisch
alleinigen Entscheidungsgrundlage erhoben hatte, ohne dass ihr eine ausführliche und schlüssige fachmedizinische
Beurteilung vorgelegen hatte (
Urk.
6/91 E. 4.2). Mit dieser Begründung erfolgte die Rückweisung zur psychiatrischen B
egutach
tung (
Urk.
6/9
1
E. 4.3).
Anhaltspunkte für eine Veränderung des Gesundheitszustandes in körperlicher Hinsicht hatten
dem Gericht im Beschwerdeverfahren betreffend die Verfügung vom 1
6.
Juni 2015
nicht vorgelegen
(
Urk.
6/91 E. 4.1). Insbesondere hatte die Klinik für Neurologie
des Universitätsspitals B.___
, wo die Beschwerdeführerin Anfang April 2014 während einer knappen Woche wegen einer Vigilanzminde
rung hospitalisiert gewesen war
und von
vergleichbare
n
Episoden vor
einem halben und vor gut einem Jahr gesprochen hatte (
Urk.
6/71/8), zwar eine leichte Allgemeinveränderung im ersten der beiden EEGs (
3.
und
7.
April 2014) fest
-
stellen können, die Magnetresonanztomographie des Kopfes hatte jedoch nichts Auf
fälliges gezeigt. Angesichts dieser Untersuchungsergebnisse hatten die medizini
schen
Fachpersonen keine Anzeichen
für ein epileptisches Geschehen erkennen können und hatten die Symptomatik am ehesten auf eine orthostatische Dysregulation, differe
nzialdiagnostisch auf eine Pani
kattacke zurückgeführt (
Urk.
6/71/
9-10). Das Gericht hatte daher
im Urteil vom 2
8.
März 2017
– was den
zu beurteilenden
Z
eitraum
bis z
um Erlass der Verfügung vom 16.
Juni 2015
anbelangt – einzig ein Gutachten der Fachrichtung der Psychiatrie
für erforder
lich gehalten
.
4.3
Im Rahmen der Abklärungen, die sich an das Urteil vom 2
8.
März 2017 anschlos
sen, er
hielt die Beschwerdegegnerin
dann
aber
Kenntnis
von der
Hospitalisation
der Be
schwerdeführerin im
Stadtspital M.___
vom
Juli 2016
wegen anhaltender Tachykardien (
Torsades
de
Pointes
), die eine mechanische Reanimation erforder
lich gemacht hatten, von der daraus
her
geleiteten Diagnose eines kongenitalen
long
QT-Syndroms und von der Implantation des subkutanen Defibrillators (
Bericht vom 2
6.
April 2017,
Urk.
6
/109/1-2
;
ausführlicher zudem
die Zusam
menfassung der
im Dossier der IV-Stelle nicht vorhandenen
Behandlungsberichte
des Stadtspitals M.___
und
des Universitätsspitals B.___
aus der Zeit von Februar 2016 bis Februar 2
017 im Gutachten
des Zentrums N.___
, Urk.
6/129/19-22
).
Zusätzlich attestierte die Handchirurgin
des Stadtspitals M.___
, welche die Beschwerdeführe
rin seit Ende 2015 wegen Beschwerden in den Daumen behandelte,
im Bericht vom 2
7.
Juni 2017 Einschränkungen für belastende Arbeiten mit den Händen (
Urk.
6/106/9)
,
und im Oktober 2017
führte sie
eine K
arpaltunneloperation rechts durch (
vgl. die Zusammenfassung eines Berichts vom 1
8.
Oktober 2017 im Gut
achten
des Zentrums N.___
,
Urk.
6/129/27). Ferner wies
Dr.
G.___
im Bericht vom 1
3.
Juli 2017 auf das bereits vor der Tumordiagnose vorhanden gewesene chronische Asthmaleiden hin und sprach von einer mittelschweren
Bronchoobstruktion
trotz antiobstruktiver Behandlung (
Urk.
6/107/1+2). Diese
verschiedenen Hinweise auf körperliche Problemkreise, die sich teilweise erst in neuerer Zeit manifestiert hatten, veranlassten die Beschwerdegegnerin dazu, eine polydisziplinäre Begut
achtung in die Wege zu leiten (vgl.
Urk.
6/195/4-5).
5.
5.1
5.1.1
Was zunächst den körperlichen Gesundheitszustand betrifft, so konnte
Dr.
O.___
des Zentrums N.___
a
nl
ässlich der internistischen Exploration den Befund von
Dr.
G.___
bestätigen; die Lungenfunktionsprüfung ergab
wiederum
eine mittelschwere obstruktive Ventilationsstörung (
Urk.
6/129/44)
.
Die kardiologischen Untersuchungen
sodann
brachten keine Hinweise auf eine kardiale Ischämie oder eine
pulmonalarterielle
Hypertonie zu Tage, und Dr.
S.___
hielt eine relevante koronare Herzerkrankung für unwahrscheinlich.
Er interpretierte die niedrige Leistung bei der Spiro-Ergometrie (33
%
des Solls) vielmehr als Ausdruck mangelnder Kondition,
möglicherweise
auch
eines mangelnden Willens, sich
auszubelasten
,
und
wies
zudem
auf das Asthma bron
chiale hin,
das
die Dyspnoe verstärke (
Urk.
6/129/88-89). Aus rein kardiologi
scher Sicht erachtete er die Beschwerdeführerin als zu 100
%
arbeitsfähig für eine T
ätigkeit
mit bis zu mittelschwerer körperlicher Belastung
(
Urk.
6/129/89).
Bei der rheumatologischen Teilbegutachtung klagte die Beschwerdeführerin über bisher nicht dokumentierte Nackenschmerzen (
Urk.
6/129/46)
; objektiv liessen sich zervikale Verspannungen
feststellen und die Halswirbelsäule erwies sich in der Rotation und in der Seitneigung als eingeschränkt (
Urk.
6/129/47).
Dr.
P.___
beurteilte die geklagten Beschwerden
und die Bewegungseinschränkungen
als vereinbar
mit den bildgebend festgestellten
degenerative
n
Veränderungen
im mittleren Bereich der
Halswi
rbelsäule; als weiteren pathologischen Befund von Relevanz nannte er die arthrotischen Veränderungen in den Daumengelenken. Hingegen schrieb er den
als behandelbar bezeichneten
Schmerzen im rechten
Vorfuss
, die
er mit der festgestellten
Spreizfussdeformität,
der
angedeutete
n
Hallux
-valgus-Bildung und eine
r
Engstellung im Bereich des Mittelfusses
erklärte, keinen
langdauernden
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu; zur gleichen Beurteilung gelangte er hinsichtlich der beidseitigen Karpaltunnelsymptomatik und der Fraktur des rechten oberen Sprunggelenks, die
sich a
ls abgeheilt
erwies und keine Beschwerden mehr verursachte
(
Urk.
6/129/48+50
). Unter Berücksich
tigung der erhobenen Befunde attestierte
Dr.
P.___
der Beschwerdeführerin für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Bäckerei keine Arbeitsfähigkeit mehr; für eine optimal angepasste Tätigkeit ging er demgegenüber aus rein rheumatologi
scher Sicht von einer 80%igen R
estarbeitsfähigkeit aus (
Urk.
6/129/50).
Dr.
Q.___
teilte in Bezug
auf das beidseitige Karpaltunnel
syndrom und die Befunde im rechten Fuss die Beurteilung von
Dr.
P.___
und erwartete aus der Sicht des Fachgebietes der Neurologie ebenfalls keine bleibenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/129/54).
Des Weiteren
wies er auf die unauffälligen Ergebnisse der neurologischen Abklärungen im Jahr 2014 hin und sah auch aktuell keine Anhaltspunkte für eine Erkrankung des Gehirns (
Urk.
6/129/53)
,
sodass er insgesamt keine neurologischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit
stellen konnte (
Urk.
6/129/54).
5.1.2
Gegenüber dem Psychiater
Dr.
R.___
schilderte die Beschwerdeführerin ausge
prägte Ängste um ihre Kinder und ihren Mann
, die sich seit der Diagnose der Herzkrankheit
im Sommer 2016
noch verstärkt hätten
. Daneben berichtete sie von
Ein- und Durchschlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Ver
gesslichkeit, von ausgeprägter Zurückgezogenheit und der Unfähigkeit, Freude zu empfinden, sowie von Suizidgedanken, die sie jedoch wegen der Kinder nicht verwirklichen wolle (
Urk.
6/129/55+56+59).
An beobachtbaren Befunden nannte
Dr.
R.___
spürbare ausgeprägte Insuffizienzgefühle und herabgesetzte Vitalge
fühle; die Beschwerdeführerin wirkte auf ihn deprimiert, anges
pannt, nervös, verunsichert,
weinerlich
und insgesamt sehr leidend
, und er hatte den Eindruck, dass das Gespräch sehr belastend für sie sei (
Urk.
6/129/57+59). Hinweise auf eine Aggravation oder Verdeutlichungstendenz konnte
Dr.
R.___
nicht erkennen
, ebenso wenig konnte er Inkonsistenzen feststellen
(Urk.
6/129/57).
Ferner konnte er auch keine krankheitsfremden psychosozialen Faktoren ausmachen, sonde
rn
stufte
die psychosoziale Belastungssituation vielmehr als Folge der gesundheit
lichen Probleme
ein
(
Urk.
6/129/60).
I
m Rahmen seiner Beurteilung
wies
Dr.
R.___
vorab auf die Fragestellung
nach einer gesundheitlichen Veränderung seit dem Jahr 2009 hin (
Urk.
6/129/58) und nannte
anschliessend
diese
lben Diagnosen, die
Dr.
H.___
im Mai 2009 gestellt hatte, nämlich
– nunmehr an erster Stelle –
eine g
eneralisierte Angststörung (ICD
10 F41.1) und
ferner
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F
32.1;
Urk.
6/129/60).
Insgesamt gelangte er
aber
z
um Schluss, dass sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin s
eit dem Herzstillstand, den sie im Juli 2016 erlitten hatte, verschlechtert habe, indem insbesondere die generalisierten Ängste deutlich zugenommen hätten (
Urk.
6/129/58). Er führte hierzu aus, im Mittel
punkt der Exploration sei
en
die
Sorgen
um die Kinder gestanden, bei denen die Herzerkrankung eb
enfalls nachgewiesen worden sei, und die Schuldgefühle wegen der Weitergabe dieser Anlage an sie; der Gedankengang der Beschwerde
führerin sei auf diese Thematik eingeengt gewesen.
D
ie Beschwerdeführerin
habe
schon früher an generalisierten Ä
ngsten
hinsichtlich kün
ftiger Ereignisse gelitten
und S
chuldgefühle wegen einer Behinderung des Sohnes bei der Geburt gehabt, und die neu diagnostizierte Herzerkrankung habe zur Erfahrung geführt, dass die Befürchtungen und Sorgen berechtigt seien, und habe eine Fixierung der Ängste und Sorgen bewirkt (
Urk.
6/129/58-59)
.
In der Zeit ab der gesundheitlichen Verschlechterung ab Juli 2016
erachtete D
r.
R.___
keine
Arbeitsfähigkeit der B
eschwerdeführerin
mehr als gegeben.
E
r
begründete diese Einschätzung mit der massiven Angstproblematik, der
Ein
-
en
gung
des Denkens auf die Ängste und Sorgen, der deutlich verminderten Auf
merksamkeit und Auffassungsgabe und der generellen
Reduzi
ertheit
der Belas
tungsfähigkeit; des Weiteren wies er darauf hin, dass der Wert der familiären Beziehungen als – einzig erkennbare – positive Ressource dadurch geschmälert werde, dass die Familie auch Gegenstand der ständig vorhandenen Ängste und Sorgen sei, die den Alltag der Beschwerdeführerin bestimmten und in denen sie ganz aufgehe (
Urk.
6/129/60-61).
Nicht nachvollziehen konnte
Dr.
R.___
hin
gegen
,
dass
Dr.
J.___
der Beschwerdeführerin schon im September 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte (
vgl.
Urk.
6/64/1), sondern
er
nahm an, dass damals noch die nur 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe
(Urk.
6/1
29/61).
In Bezug auf die Behandelbarkeit und die P
rognose
sodann
nahm
Dr.
R.___
die Aussage
der Beschwerdeführerin zur Kenntnis
, dass sie seit drei Jahren in keiner ambulanten Gesprächstherapie mehr stehe, da die be
s
prochenen Themen ihre Ängste verstärkt hätten (
Urk.
6/129/57). Er beurteilte dies als nachvollziehbar und typisch für Angstpatienten
und ging davon aus, dass therapeutische Ma
ssnah
men, wie eine
Umstellung
der bereits bestehenden medikamentösen Behandlung
oder ambulante und stationäre Therapien, am chronifizierten Zustands
b
ild nicht
s
zu ändern vermöchten (
Urk.
6/129/60
+61
).
5.1.3
In der Gesamtbeurteilung folgten die Gutach
t
er den Einschätzungen aus der Sicht der einzelnen Fachgebiete. Aus internistischer S
icht attestierten sie der Beschwer
deführerin
–
in Ergänzung zu den Ausführungen von
Dr.
O.___
im Bericht über die internistische Exploration
–
nach Ausbau der antiasthmatischen Therapie eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit
von 100
%
für eine körperlich sehr leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit in wohltemp
e
rierten, staub- und allergen
freien Arbeitsräumen (
Urk.
6/129/71); aus psychiatrischer Sicht ge
langten sie jedoch mit Bezug
auf die Beurteilung von
Dr.
R.___
zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund der mittlerweile chronifizierten Problematik
auch in einer den körperlichen Leiden optimal angepassten Verweistätigkeit keine verwertbare Arbeitsleistung mehr erbringen kö
nne, sondern wegen
ihrer massi
ven Ängste und Sorgen und ihrer deutlich eingeschränkten psychischen Belas
tungsfähigkeit
in
alle
n
Tätigkeitsbereiche
n
zu
100
%
arbeitsunfähig sei (Urk.
6/129/74
+85
). Den Beginn dieser 100%igen Arbeitsunfähigkeit
in sämtli
chen Tätigkeiten legten die Gutachter auf den Juli 2016, den Zeitpunkt der
Hospitalisation
wegen der Herzrhythmus-Problematik mit der nachfolgenden Diagnose eines Erbleidens, und konstatierten damit eine Verschlechterung gegen
über der für plausibel befundenen 50%igen
Arbeitsunfähigkeit, wie sie Dr.
H.___
attestiert hatte (
Urk.
6/129/75-76
und
Urk.
6/129/85
).
In therapeuti
scher Hinsicht beurteilten sie die bisherige Behandlung des Asthma
s
als unzu
reichend und empfahlen
einen
neue
n
Behandlungsansatz
(Urk.
6/129/83+84); eine Verbesserung des psychischen Zustandes
durch therapeutische Vorkehren
erachteten sie jedoch gestützt auf die Au
sführungen von
Dr.
R.___
kaum
als möglich und hielten daher auch berufliche Wiedereingliederungsmassnahmen nicht für zumutbar (
Urk.
6/129/
84).
5.2
5.2
.1
Die Gutachter stellten ihrer
Be
urteilung eine ausführliche Wiedergabe der Akten voran, einschliesslich derjenigen Berichte über die Behandlungen
und Abklärun
gen
der Herzerkrankung, die im Dossier der Beschwerdegegnerin nicht oder nicht mehr vorhanden sind
(
Urk.
6/129/5-27)
. Die Gutachter beschränkten sich
sodann
nicht auf die Aktenwiedergabe, sondern
erstellten
anhand der Akten eine
umfas
sende Übersicht
zum Krankheitsverlauf seit
der Diagnose des Lungentumors Ende 2006 (
Urk.
6/129/30-
35 und
Urk.
6/129/63-69), gefolgt von den
Ergebnisse
n
einer eingehenden Befragung
(durch den Internisten
Dr.
O.___
) zur Familie, zum beruflichen Werdegang, zur aktuellen sozialen Situation, zum Tagesablauf und schliesslich zur gesamten Krankengeschichte und zum gegenwär
t
igen gesu
nd
heitlichen Zustand
(
Urk.
6/129/36-41).
Was die Untersuchungen in den somatischen Fachrichtungen anbelangt, so sind keine Unvollständigkeiten in den Befragungen, Untersuchungen und Darstellun
gen der Zusa
mmenhänge ersichtlich; ferner
sind
die Arb
eitsfähigkeitsbeurtei
lungen
einleuchtend und stehen im Einklang mit den Berichten der behandelnden medizinischen Fachpersonen. Etwas anderes wurde denn auch weder von der Beschwerdeführerin noch von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht.
Die Kritik der Beschwerdegegnerin richtete sich vielmehr
gegen die Beurteilung des Psychiaters
Dr.
R.___
und deren Übernahme
in der Ges
amtbeurteilung
.
5.2
.2
Soweit
die Beschwerdegegnerin
anlässlich der verwaltungsinternen Besprechung vom 2
2.
Januar 2019 als Einwand gegen die Beurteilung v
on
Dr.
R.___
vorbrachte
, die Begutachtung habe nur eine Stunde gedauert (
Urk.
6/195/9), so
trifft zwar zu, dass
Dr.
R.___
eine Gesprächsdauer von 60 Minuten
vermerkt
(
Urk.
6/129/57)
. D
as
Explorationsg
espräch
ist indessen nur
einer der Bestandteile
der
Begutachtung, zu der auch das Aktenstudium, die Auswertung des Gesprächs
inhalts und der Beobachtungen anläs
slich des Gesprächs sowie
die interdiszipli
näre Konsensbildung gehören. Hinzu kommt, dass
die Beschwerdeführerin auf Dr.
R.___
insgesamt sehr leidend wirkte und Mühe hatte, über ihre Probleme zu reden, sodass er den Eindruck hatte, das Gespräch s
ei für sie sehr belastend (Urk.
6/129/57). Dies
deutet darauf hin, dass die 60
minütige Gesprächsdauer die Beschwerdeführerin an die Grenze ihrer psychischen Belastbarkeit brachte, zumal
Dr.
R.___
eine nachlassende Aufmerksamkeit gegen Ende des Gesprächs registrierte und die Beschwerdeführerin bei ihrer Rückkehr ins
Wartezimmer weinen hörte (Urk.
6/129/57).
Es bestehen
auch
keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass
Dr.
R.___
aufgrund eines Zeitmangels nicht dazu in der Lage gewesen wäre, sic
h ein ausreichendes
Bild vom psychischen Zustand der Beschwerdeführerin zu machen und dessen Aus
wirkun
gen zuv
erlässig zu beurteilen; insbesondere
gelang es ihm
gut
, die Sach
verhaltselemente zu erheben, welche die Beschwerdegegnerin den Gutachtern
gestützt auf die Skizzierung von
Dr.
N.___
vom 1
1.
August 2017
(
Urk.
6/195/4
5) als besonders zu beachtende
Punkte unterbreitet hatte (Urk.
6/118/3). Er liess sich von der Beschwerdeführerin den Tagesablauf schildern
, e
rkundigte sich nach ihren Ferien und
nach allfälligen Hobbies (Urk.
6/129/56), nahm die Angaben der Beschwerdeführerin zu den durchgeführten Behandlungen auf (
Urk.
6/129/57)
und ging
auf
den von der Beschwerdegegnerin hervorgehobenen Punkt der
Ressourcen ein (
Urk.
6/129/60). D
ie
sozialen Belastungsfaktoren
waren ebenfalls
Gegenstand der Exploration; namentlich kamen bei
Dr.
R.___
die gesundheitli
chen Probleme des Sohnes bei der Geburt zur Sprache, mit denen die Ängste der Beschwerdeführerin ihren Anfang genommen hatten (
Urk.
6/129/56). Ausserdem wies
Dr.
O.___
im Rahmen seiner detaillierten Anamnese
, auf d
ie
Dr.
R.___
Bezug nahm (Urk.
6/129/54),
auf die Häufung von Herzerkrankungen und
von
damit verbundene
n Todesfällen
in der Familie der Beschwerdeführerin hin
sowie darauf, dass
offenbar
auch bei den Kindern der Beschwerdeführerin die Anlage für die bei ihr diagnostizierte Herzer
krankung festgestellt worden war
(
Urk.
6/129/36)
. D
ie
Frage
n
nach der Entwicklung
des Gesundheitszustandes und
der Arbeitsfähigkeit seit Oktober 2009
schliesslich wurden von
Dr.
R.___
eben
falls beant
wortet, wie aus dem vorstehend
Dargelegten hervorgeht. Unter diesen Umständen ist nicht
erkennbar, worauf die Kritik der RAD-Ärztin
Dr.
T.___
vom 2
0.
Februar 2019
gründet, im Gutachten sei auf die besagten Zusatzfragen von
Dr.
N.___
nicht eingegangen worden (
vgl.
Urk.
6/195/10).
5.2
.3
Ebenfalls ni
cht ersichtlich ist
, weshalb
Dr.
T.___
zur Auffassung gelangte, die Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei
im Gutachten
des Zentrums N.___
nicht deutlich gemacht worden (
Urk.
6/195/10)
.
Denn
Dr.
H.___
hatte
zwar im Mai 2009 ein Zustandsbild
beschrieben,
das
vergleichbar ist
mit demjenigen,
das die Beschwerdeführerin bei der Begutach
t
ung durch
Dr.
R.___
zeigte; er hatte schon damals
eine Angespanntheit
,
Unruhe
und emotionale Labilität sowie gestörte Vitalgefühle und eine gedrückte und freudlose Stimmungslage
wahr
genommen
, ebenso eine Einengung der Gedanken auf die Sorgen und Befürchtungen um die Familienmitglieder
(
Urk.
6/27/10-12
). Diese Vergleichbarkeit spricht aber
im vorliegenden Kontext
nicht gegen eine gesundheitliche Verschlechterung
und eine damit einhergehende zusätzliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit,
sondern trägt
im Gegenteil
zu deren Plausibilität bei.
D
i
e
vorstehend wiedergegebenen, gut verständlichen
Her
leitungen von
Dr.
R.___
machen
nämlich
einfühlbar
, dass die
Manifestation und die
Diagnose der vererbbaren Herzerkrankung den vorbestandenen ausgeprägten und einschränkenden Ängsten neue Nahrung gaben und zu deren V
erstärkung und zusätzlicher
Fixierung führten.
Es ist demnach einleuchtend, dass die
Chro
nifizierungstendenz
, die bereits
Dr.
H.___
festgestellt hatte (
Urk.
6/27/11-13), infolge der Geschehnisse im Jahr 2016 ihren Fortgang nahm und
sich
die Chro
nifizierung
weiter verfestigte.
5.2.4
Die gutachterliche Festlegung einer 100%igen Arbeitsunf
ähigkeit für alle körper
lich
in Frage kommenden Tätigkeiten ist ebenfalls überzeugend hergeleitet
.
Denn wie sich aus dem Folgenden ergibt,
analy
sierten
die Gutachter
den Sachverhalt in der Gesamtbeurteilung
einlässlich und
in
Anlehnung an die
Standardindika
toren der R
echtsprechung und gaben damit eine ausreichend konkretisierte Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinne der höchstrichterlichen Anforderungen (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3) ab.
Entsprechend der Feststellung im verwaltungsinternen Verfahren (
Urk.
6/129/9) trifft zwar zu, dass die Gutachter unter dem Titel der Ausprägung und der Schwere der objektiven Befunde vor allem die somatischen Beeinträchtigungen abhandelten (
Urk.
6/129/77-78). Eine Darstellung des Schweregrades der psychi
schen Problematik findet sich jedoch im Teilgutachten von
Dr.
R.___
, der zum einen die Depression als mittelschwer einstufte und zum andern die Explorandin als ganz von ihren Ängsten bestimmt beschrieb und somit von einem hohen Ausprägungsgrad der Angststörung ausging. Zweifellos ausgewiesen ist ferner eine Komorbidität durch die ohne Behandlung potentiell lebensbedrohende Herz
problematik, und in der Gesamtbeurteilung wiesen die Gutachter nochmals auf den verstärkenden Einfluss dieser Problematik auf die Angststörung hin (
Urk.
6/129/82-83). Weiter gingen die Gutachter auf die Thematik des Behand
lungserfolgs beziehungsweise der Behandlungsresistenz ein und übernahmen die Beurteilung von
Dr.
R.___
, dass die Einstellung der Gesprächstherapie nach
vollziehbar sei und dass von neuen therapeutischen Massnahmen keine wesent
liche Veränderung des psychischen Zustands zu erwarten sei (
Urk.
6/129/83+84). Eine vergleichbare Ansicht findet sich im Übrigen bereits im Gutachten von
Dr.
H.___
, der dartat, die langfristigen Behandlungsergebnisse seien bei einer Angsterkrankung wenig befriedigend und es bestehe kein Konsens hinsichtlich eines Behandlungsverfahrens erster Wahl
(
Urk.
6/27/12-13).
Die gegenteilige ver
waltungsinterne Annahme, die medizinischen Massnahmen seien
«
sicherlich nicht voll ausgeschöpft
» (Urk.
6/195/9), entbehrt somit eines Fundaments
.
Wie bereits dargelegt,
fehlt
sodann auch eine Analyse der Belastungsfaktoren und der Ressourcen nicht; dass die Gutachter nur sehr begrenzt Ressourcen erkennen konnten, kann dem Gutachten nicht als Mangel angelastet werden.
Schliesslich war der psychische Leidensdruck f
ür die Gutachter, auch
für
diejenigen der somatischen Fachrichtungen, deutlich erkennbar (vgl.
Urk.
6/129/41+50+57)
, und
keiner von ihnen beschrieb Anzeichen einer Aggravation
oder Inkonsisten
zen (vgl. Urk.
6/129/47+57+79
+84
).
Schliesslich waren sich die Gutachter
gleichermassen
darüber einig, dass die Ängste sämtliche Belange des Alltags der Beschwerdeführerin prägten (vgl. Urk.
6/129/60+79
+85
), und auch dies ist angesichts der Angaben der Beschwer
deführerin zum täglichen Leben plausibel. D
ie Beschwerdeführerin
gab
an, tags
über kleinere Dinge im Haushalt zu erledigen, gelegentlich kleine Einkäufe zu machen und Mahlzeiten zuzubereiten; darüber hinausgehende Aktivitäten – ab
gesehen von zwei Ferienaufenthalten in Kroatien mit der Familie in den letzten beiden Jahren – nannte sie jedoch nicht, sondern sie berichtete, sich sozial völlig zurückgezogen zu haben, jegliche Anstrengung zu vermeiden aus Angst, einen weiteren Herzstillstand zu erleiden, und das Haus deswegen nur ungern zu ver
lassen und höchstens einmal im Monat über eine kurze Strecke Auto zu fahren. Sie sitze viel auf der Couch und grüble über ihre Situation nach, sehe am Nach
mittag fern, könne jedoch den Sendungen kaum folgen und sei dauernd in Angst und Anspannung, ihrem Mann oder ihren Kindern könne etwas passieren, was sich erst bessere, wenn alle zu Hause seien. Nachts brauche sie oft zwei bis drei Stunden, bis sie einschlafen könne, erwache danach immer
wieder
und sei tags
über erschöpft und immer
müde (
Urk.
6/129/37-38 und Urk.
6/129/55-56).
Angesichts dieser allseitigen Beleuchtung der massgebenden Faktoren ist das Attest einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit gut begründet und plausib
i
lisiert. Wenn die RAD-
Ärztin
Dr.
T.___
die Begründung daher nicht nur in Bezug auf die gesundheitliche Verschlechterung, sondern auch in Bezug auf die Bemessung der Arbeitsunfähigkeit als mangelhaft begründet erachtete
(
Urk.
6/195/10)
,
so
ist dies wiederum nicht
nachvollziehbar
.
5.3
Damit ist das
polydisziplinäre
Gutachten
des Zentrums N.___
vom
5.
März 2018, das eine ges
undheitliche Verschlechterung seit
Juli 2016 und eine damit einhergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen ausweist,
im Sinne der zutreffenden Ansicht der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 13-15)
als schlüssig zu beurteilen.
Es
stellt
daher eine zuverlässige medizinische Grundlage für die Prüfung der Frage
dar
, ob und ab wann die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer neuen Anmeldung vom September 2016 Anspruch auf eine höhere als
die bishe
rige halbe Rente hat
.
Unter diesen Umständen waren w
eitere medizinische Abklärungen im Zeitpunkt des Vorliegens des Gutachte
s
des Zentrums N.___
nicht angezeigt. Insbesondere ist nicht einsehbar, inwiefern
eine
psychotherapeutische
Behandlung
im Anschluss an die Begutachtung
dazu geeignet gewesen wäre, zusätzliche medizinische Erkennt
nisse in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in der Vergangenheit hervorzubringen. Soweit
demnach
die
Behandlung, deren Durchführung die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit dem Schrei
ben vom 2
7.
Februar 2019 auferlegte (Urk.
6/135/1-2), der weiteren Abklärung der Restarbeitsfähigkeit dienen sollte (vgl. hierzu die Notizen der Beschwerdegeg
nerin
und
der RAD-Ärztin Dr.
T.___
und
in
Urk.
6/195/12 und
Urk.
6/195/15
),
ist deren Anordnung
als unnötig und als ungeeignet
zu beurteilen;
auch hierin ist der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 15) zuzustimmen.
Da der medizinische Sachverhalt zur Zeit der Begutachtung im
Zentrum N.___
ausreichend geklärt war,
trägt ferner das spätere
Gutachten von
Dr.
W.___
vom 1
5.
Oktober 2021
(
Urk.
6/193)
den Charakter einer unzulässigen Zweitmeinung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2021 vom 2
4.
Januar 2022
E. 3.2.1 mit Hinweisen und das
Urteil des Bundesgerichts 8C_957/2010 vom
1.
April 2011
E. 6.1 mit Hinweis und E. 6.4
), soweit es sich auf den Zeitraum bis zur
Zentrum N.___
-Begutachtung bezieht.
Dies gilt umso mehr, als
Dr.
W.___
zwar Passagen aus dem Gutachten
des Zentrums N.___
zusammenfasste (vgl.
Urk.
6/193/9-10 und
Urk.
6/193/27-28), jedoch nicht dartat, in welcher Hinsicht die Schlussfolgerun
gen der Guta
chter unzulänglich sein sollten, sondern seine abw
eichende Beurtei
lung ohne Diskussion
neben diejenige der Gutachter
des Zentrums N.___
stellte.
Für die Beurteilung des Rentenanspruchs bis zur
Zentrum N.___
-Begutachtung sind dem
nach
allfällige Unterlassungen der Beschwerdeführerin bei der Durchführung der angeordneten psychiatrischen Behandlung
unb
eachtlich, und es braucht
daher
nicht näher eingegangen zu werden auf die Bemühungen der Beschwerdegegne
rin, von
Dr.
V.___
und von der Beschwerdeführerin persönlich Angaben zu dieser Behandlung zu er
halten. Ebenso unbeachtlich ist
– f
ür die Zeit bis zum Vorliegen des Gutachtens
des Zentrums N.___
–
die Feststellung von
Dr.
W.___
, der psychische Gesundheitszustand
und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien
seit dem Jahr 200
7
weitgehend
unverändert geblieben
(
Urk.
6/193/29+30
+32
)
, und die Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit von
durchgehend
lediglich 50
%
(Urk.
6/193/30-31).
5.4
A
ngesichts
der gesundheitlichen Verschlechterung seit Juli 2016 und der daraus resultierenden psychisch bedingten 100%igen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten steht der Beschwerdeführerin
somit
aufgrund der neuen Anmeldung vom September 2016
nach Ablauf der dreimonatigen Frist nach
Art.
88a
Abs.
2 IVV ab dem
1.
Oktober 2016 (vgl.
Art.
29
Abs.
3 IVG) eine ganze Rente zu. In erwerblicher Hinsicht ist hierbei darauf hinzuweisen, dass
die Beschwerdeführerin zwar vor der Tumorerkrankung Ende 2016 grösstenteils teilzeitlich gearbeitet hat, wie aus dem Auszug aus dem individuellen Konto vom
4.
März 2008 (
Urk.
6/11) zu schliessen ist. Bei der Stelle in der Bäckerei
Z.___
AG, die sie Anfang Dezember 2016 angetreten hatte, hatte es sich jedoch gemäss den Angaben der Arbeitgebe
rin um eine Vollzeitstelle g
ehandelt (vgl.
Urk.
6/23/4). Zu
Recht wurde daher nie in Frage gestellt, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit
auch in der Folgezeit
vollzeitlich berufstätig
gewesen wäre, womit ihre Qualifikation als voll Erwerbstätige (
Art.
28a
Abs.
1 IVG) feststeht.
Sodann steht eine gesundheitliche Veränderung i
n der Zeit
seit der Begutachtung der Beschwerdeführerin im
Zentrum N.___
nicht zur Di
skussion; das Gutachten von Dr.
W.___
, dem für diesen späteren Zeitraum
nicht mehr der Charakter einer Zweitmeinung, sondern
eigenständige Bedeutung zukommt, liefert hierfür keine Anhaltspunkte. D
ie
B
eschwerdeführerin hat daher ab Oktober 2016 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
4.
März 2022, welche den gerichtlichen Beurteilungszeitraum begrenzt, Anspruch auf eine ganze Rente.
Anzumerken bleibt, dass alle drei mit der Beschwerdeführerin befassten Gutach
ter, zuletzt auch
Dr.
W.___
(
Urk.
6/
193/
31), eine V
erbes
serung der Arbeitsfähig
keit durch psychiatrisch-psychotherapeutische Massnahmen
für unrealistisch hielten. Der Beschwerdeführerin kann daher auch unter dem Gesichtspunkt der Schadenminderungspflicht kein Versäumnis bei der Befolgung der Anweisungen vom 2
7.
Febru
ar 2019 vorgeworfen werden,
das
sich auf den Rentenanspruch im vorliegend zu beurteilenden Zeitraum auszuwirken vermöchte.
6.
Damit ist die angefochtene Verfügung vom 1
4.
März 2022 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben
,
und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab Oktober 2016 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
Nach dem Wortlaut des Rechtsbegehrens in der Beschwerdeschrift liess die Beschwerdeführerin den Beginn der beantragten ganzen Rente erst auf den Oktober 201
8
legen (
Urk.
1 S. 2). Die nachfolgenden Ausführungen, wonach seit Juli 201
6
eine gesundheitliche Verschlechterung und eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit nachgewiesen seien (
Urk.
1 S
. 10
), lassen jedoch unschwer erkennen, dass es sich bei der abweichenden Datierung im Rechtsbegehren um einen Ver
schrieb handelt. Mit der Zusprechung der ganzen Rente ab Oktober 2016 geht das Gericht somit nicht im Sinne von
Art.
61
lit
. d ATSG und
§
25
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
über das hinaus, was die Beschwerde
führerin verlangt hat, sodass eine Gewährung des rechtlichen Gehörs im Sinne dieser Bestimmungen nicht erforderlich ist.
7.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Be
schwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen.
8.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 7 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, der Beschwerdefüh
rerin eine
Prozessentschädigung von
Fr.
2'900.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen
, welche von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist
.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die
Verfügung vom 1
4.
März 2022
aufgehoben und es wird festgestellt,
dass die Beschwerdeführerin ab Oktober 2016 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2'900.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
10
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
10
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
Y.___-Pensionskasse
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrKobel