# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ace4cf91-3a61-5ed4-b02a-8e27f9f34722
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 04.04.2016 SB150358
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB150358_2016-04-04.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB150358-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Die Oberrichter Dr. iur. F. Bollinger, Präsident, und lic. iur. S. Volken, 

Ersatzoberrichter lic. iur. J. Meier sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Maurer 

Urteil vom 4. April 2016 

 
in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 

vertreten durch Staatsanwalt Dr. iur. Th. Brändli, 

 

Anklägerin und I. Berufungsklägerin 
 

sowie 
 
SVA Zürich, 

lic. iur. A._____ 

 

Privatklägerin und Anschlussberufungsklägerin 

 

gegen 

 

B._____,  

 

Beschuldigter und II. Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 
 

betreffend 

Betrug etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil  
vom 11. Juni 2015 (DG150001) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 9. März 2015 ist 

diesem Urteil beigeheftet (Urk. 48). 

 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 71 S. 30 ff.) 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− des versuchten gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 1), 

− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 4), 

− des versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB (Dossier 2), 

− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (Dossier 2), 

− der mehrfachen Irreführung der Rechtsprechung im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB (Dossier 2 und 4), 

− der Vereitelung einer Blutprobe im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG, 

− des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG, 

− der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung 

mit Art. 32 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 1 SVG,  

− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 2 in Verbin-

dung mit Art. 33 Abs. 1 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1 lit. d WV. 

2. Vom Vorwurf des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB und der Irreführung der 

Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB im Fall Dossier 3 wird der Beschul-

digte freigesprochen. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe und mit einer Busse von 

Fr. 600.–.  

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre fest-

gesetzt. Die Busse ist zu bezahlen. 

5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-

freiheitsstrafe von 6 Tagen. 

-   3   - 

6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 2. Februar 2015 beschlag-

nahmte Soft-Air-Pistole (schwarz) wird definitiv eingezogen und vernichtet. 

7. Die Privatklägerin 1 wird mit ihrer Schadenersatzforderung im Umfang des aus der Haus-

ratsversicherung geltend gemachten Schadens auf den Zivilweg verwiesen. Soweit die gel-

tend gemachte Schadenersatzforderung Leistungen der Unfallversicherung betrifft, wird da-

rauf nicht eingetreten. 

8. Auf die Schadenersatzforderung der Privatklägerin 2 wird nicht eingetreten. 

9. Rechtsanwalt lic. iur. X._____, Advokatur ..., … [Adresse], wird für seine Bemühungen und 

Barauslagen als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse wie folgt 

entschädigt: 

Honorar: Fr. 8'785.00 

Barauslagen: Fr. 1'169.15 

MwSt 8.0%: Fr. 796.30 

  ____________________ 

Total Fr. 10'750.45 

10. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 4'500.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 4'225.50  Auslagen Vorverfahren 

Fr. 10'750.45  Kosten amtliche Verteidigung 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden zu zwei Dritteln 

dem Beschuldigten auferlegt und zu einem Drittel auf die Gerichtskasse genommen. Die 

Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten 

bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von 

zwei Dritteln. 

12. (Mitteilungen) 

13. (Rechtsmittel Berufung) 

14. (Rechtsmittel Beschwerde) 

-   4   - 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 5 ff.) 

a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft: 

 (Urk. 101 S. 1) 

1. Das Urteil der Vorinstanz sei aufzuheben, soweit es nicht in Rechtskraft er-

wachsen ist.  

2. Der Beschuldigte sei gemäss Anklageschrift vom 9. März 2015 zu verurtei-

len. 

b) Der Verteidigung des Beschuldigten:  

(Urk. 73 S. 2) 

1. Ziff. 1 mit Ausnahme der Vorwürfe der Vereitelung der Blutprobe, des 

pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall und der Verletzung der Verkehrsregeln, 

3., 4., 5. und 11. des Urteils der Vorinstanz vom 11. Juni 2015 seien auf-

zuheben.  

2. Der Berufungskläger sei der Vereitelung einer Blutprobe, des pflichtwidrigen 

Verhaltens bei Unfall und der Verletzung der Verkehrsregeln schuldig zu 

sprechen.  

3. Er sei hierfür angemessen zu bestrafen, unter Gewährung des bedingten 

Vollzuges. 

4. Von den weiteren Vorwürfen sei er freizusprechen.  

5. Die Kosten des Strafverfahrens, einschliesslich des vorinstanzlichen Ge-

richtsverfahrens, seien weiter überwiegend auf die Staatskasse zu nehmen. 

6. Der Berufungskläger sei für die Haft angemessen zu entschädigen. 

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

-   5   - 

 Auf allfällige Zivilansprüche sei nicht einzutreten, eventualiter seien diese 

abzuweisen, subeventualiter seien diese auf den Zivilweg zu verweisen. 

c) Des Vertreters der Privatklägerin SVA Zürich: 

(Urk. 84 S. 2; Urk. 104 S. 2) 

1. Der Beschuldigte sei wegen Betrugs über den ganzen Zeitrahmen seit Zu-

sprechung der Rente per 1. April 1999 bis zu heute zu verurteilen.  

2. Das Strafmass sei entsprechend diesem Antrag zu erhöhen.  

3. Eventualiter sei die Berufung des Beschuldigten abzuweisen und das Straf-

mass zu bestätigen. 

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte 

1. Die Chronologie der Vorfälle bis zur Erhebung der Anklage gegen den Be-

schuldigten am 9. März 2015 hat die erkennende Kammer in ihrem (Zwischen-) 

Beschluss vom 30. November 2015 zusammengefasst (Urk. 91 S. 2-4). Darauf 

kann vorab zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO). 

2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 

11. Juni 2015 wurde der Beschuldigte des versuchten gewerbsmässigen Betrugs 

im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Dossier 1), des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 4), des ver-

suchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB (Dossier 2), der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 

StGB (Dossier 2), der mehrfachen Irreführung der Rechtsprechung (recte wohl: 

"Rechtspflege") im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 2 und 4), der 

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Vereitelung der Blutprobe im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG (Dossier 5), des 

pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG (Dossier 5), 

der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbin-

dung mit Art. 32 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 1 SVG (Dossier 5) sowie der Widerhand-

lung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 2 in Verbindung mit 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1 lit. d WV (Dossier 6) schuldig ge-

sprochen. Vom Vorwurf des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB und der 

Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 3) 

sprach das Bezirksgericht den Beschuldigten frei. Die Vorinstanz bestrafte den 

Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Busse von 

Fr. 600.–. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde aufgeschoben, wobei die Probe-

zeit auf vier Jahre festgesetzt wurde. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der 

schuldhaften Nichtbezahlung der Busse wurde auf 6 Tage bemessen. Weiter 

wurde die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 2. Februar 

2015 beschlagnahmte Soft-Air-Pistole (schwarz) definitiv eingezogen und deren 

Vernichtung angeordnet. Ferner verwies das Bezirksgericht das Schadenersatz-

begehren der Privatklägerin 1, soweit es den aus der Hausratsversicherung gel-

tend gemachten Schaden betrifft, auf den Zivilweg. Auf das weitere Schaden-

ersatzbegehren der Privatklägerin 1 betreffend die Leistungen aus der Unfall-

versicherung und das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 2 trat die Vor-

instanz schliesslich nicht ein. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen 

Verfahrens wurden zu einem Drittel auf die Gerichtskasse genommen und im Üb-

rigen dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung wurden 

zu einem Drittel definitiv und zu zwei Dritteln unter Vorbehalt der Nachzahlungs-

pflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen auf die Gerichtskasse genommen 

(Urk. 61). 

3. Gegen dieses den Parteien schriftlich im Dispositiv eröffnete Urteil (Prot. I 

S. 31; Urk. 62) liessen die Staatsanwaltschaft am 22. Juni 2015 und der Beschul-

digte durch seinen amtlichen Verteidiger am 25. Juni 2015 rechtzeitig Berufung 

anmelden (Urk. 63 und Urk. 64). Das Urteil ging dem Beschuldigten, der Staats-

anwaltschaft und der Privatklägerin 2 je am 7. August 2015 sowie der Privat-

klägerin 1 am 10. August 2015 in begründeter Fassung zu (Urk. 68 = Urk. 71). Mit 

-   7   - 

Verfügung vom 20. August 2015 überwies das Bezirksgericht die Akten an das 

Obergericht (Urk. 70 = Urk. 72). Diese gingen am 27. August 2015 auf der hiesi-

gen Strafkammer ein.  

4.1. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 68 = Urk. 71) liessen der Be-

schuldigte mit Eingabe vom 17. August 2015 (Urk. 73) und die Staatsanwaltschaft 

mit Eingabe vom 19. August 2015 (Urk. 25) fristgerecht je ihre Berufungserklä-

rung einreichen. Der Beschuldigte beantragte – mit Ausnahme der Schuldigspre-

chung betreffend die Vereitelung der Blutprobe, das pflichtwidrige Verhalten bei 

Unfall und die Verletzung von Verkehrsregeln – einen Freispruch. Beweisanträge 

für das Berufungsverfahren stellte der Beschuldigte keine. Ferner liess er den 

prozessualen Antrag erneuern, dass der Observationsbericht, das Observations-

material und die darauf beruhenden Akten aus den Verfahrensakten zu entfernen 

seien (Urk. 73). Die Staatsanwaltschaft beantragte mit ihrer Berufungserklärung 

die Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils bzw. die Schuldigsprechung des Be-

schuldigten gemäss der Anklageschrift vom 9. März 2015. Beweisanträge stellte 

die Staatsanwaltschaft nicht (Urk. 75). 

4.2. Mit Präsidialverfügung vom 10. September 2015 wurde den Parteien in An-

wendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO und Art. 401 StPO die Berufungs-

erklärungen zugestellt und Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung 

erhoben werde, oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu be-

antragen (Urk. 77). Gleichzeitig wurde der Staatsanwaltschaft und den beiden 

Privatklägerinnen Frist angesetzt, um zum prozessualen Antrag des Beschul-

digten (Entfernung des Observationsberichts, des Observationsmaterials und der 

darauf beruhenden Akten aus den Verfahrensakten) Stellung zu nehmen 

(Urk. 77). Die Staatsanwaltschaft hielt in ihrer Stellungnahme vom 2. Oktober 

2015 (Urk. 82) – unter Verweisung auf die Ausführungen der Vorinstanz – dafür, 

dass die genannten Unterlagen prozessual verwertbar seien. 

4.3. Mit Zuschrift vom 5. Oktober 2015 (Urk. 84) erhob die Privatklägerin 2 An-

schlussberufung. Mit Präsidialverfügung vom 13. Oktober 2015 wurde dem Be-

schuldigten und der Staatsanwaltschaft die Anschlussberufung der Privatklägerin 

2 übermittelt. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten und der Privatklägerin 2  

-   8   - 

– unter Zustellung der Eingabe der Staatsanwaltschaft vom 2. Oktober 2015 

(Urk. 82) – Gelegenheit gegeben, zur Eingabe der Staatsanwaltschaft Stellung zu 

nehmen. Mit Eingabe vom 26. Oktober 2015 (Urk. 88) beschränkte sich die Ver-

teidigung darauf, auf ihr Plädoyer vor Vorinstanz zu verweisen. Zur Anschluss-

berufung der Privatklägerin 2 äusserte sich der Beschuldigte nicht. Auch die 

Staatsanwaltschaft nahm keine Stellung zur Anschlussberufung der Privatklägerin 

2. Die Privatklägerin 2 liess sich zur Eingabe der Staatsanwaltschaft vom 

2. Oktober 2015 ebenfalls nicht vernehmen. Die Stellungnahme der Verteidigung 

vom 26. Oktober 2015 (Urk. 88) wurde in der Folge der Staatsanwaltschaft und 

der Privatklägerin 2 übermittelt (Urk. 90). Sie liessen sich dazu nicht mehr ver-

nehmen. Mit Beschluss der erkennenden Kammer vom 30. November 2015 wur-

de der prozessuale Antrag des Beschuldigten, den Observationsbericht, das Ob-

servationsmaterial sowie die darauf beruhenden Akten aus den Akten zu entfer-

nen, abgewiesen (Urk. 91). Der (Zwischen-)Beschluss ging der Staatsanwalt-

schaft und dem Beschuldigten je am 8. Dezember 2015 und den Privat-

klägerinnen 1 und 2 je am 9. Dezember 2015 zu (Urk. 92). Eine bundesrechtliche 

Beschwerde wurde dagegen nicht erhoben. 

5. Bereits unter dem 2. September 2015 wurde ein aktualisierter Strafregister-

auszug über den Beschuldigten eingeholt (Urk. 76). Dieser stimmt mit dem bereits 

bei den Akten liegenden (Dossier 1, Urk. 46/4) inhaltlich überein, was auch für 

den am 1. April eingeholten Strafregisterauszug (Urk. 98) gilt.  

6. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte 

in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, der Vertreter der Staatsanwaltschaft 

und ein Vertreter der Privatklägerin 2 erschienen sind, war zunächst über zwei 

Vorfragen des Beschuldigten zu entscheiden (Prot. II S. 8-11; vgl. Ziff. III). An-

schliessend wurde der Beschuldigte einvernommen (Urk. 100). Das vorliegende 

Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 26 ff.). 

-   9   - 

II.  Umfang der Berufungen und der Anschlussberufung 

1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dem-

entsprechend gehemmt (vgl. SCHMID, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, 

Art. 402 N 1).  

2.1. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Schuld-

spruchs betreffend den versuchten gewerbsmässigen Betrug im Sinne von 

Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dispositivziffer 

1 betr. Dossier 1), den Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dispositivziffer 

1 betr. Dossier 4), den versuchten Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dispositivziffer 1 betr. Dossier 2), die Urkun-

denfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (Dispositivziffer 1 betr. Dossi-

er 2), die mehrfache Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB (Dispositivziffer 1 betr. Dossier 2 und 4) und die Widerhandlung ge-

gen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 2 WG in Verbindung mit Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1 lit. d WV (Dispositivziffer 1), die Strafzumes-

sung (Dispositivziffer 3), den Strafvollzug (Dispositivziffer 4), die Höhe der Ersatz-

freiheitsstrafe bei Nichtbezahlung der Busse (Dispositivziffer 5) sowie die Kosten-

auflage (Dispositivziffer 11) anfechten. Ausserdem beantragt er eine ange-

messene Entschädigung für die erlittene Untersuchungshaft von einem Tag 

(Urk. 73; Prot. II S. 6 und S. 11). 

2.2. Die Staatsanwaltschaft beantragt einen Schuldspruch gemäss An-

klageschrift vom 9. März 2015. Damit ficht sie den Schuldspruch betreffend den 

versuchten gewerbsmässigen Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dispositivziffer 1 betr. Dossier 1) und den 

Freispruch vom Vorwurf des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB und der 

Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Disposi-

tivziffer 2), die Strafzumessung (Dispositiv Ziffer 3), den bedingten Strafvollzug 

(Dispositivziffer 4), die Höhe der Ersatzfreiheitstrafe (Dispositivziffer 5) und die 

Kostenauflage (Dispositivziffer 11) an (Urk. 75; Urk. 101).  

-   10   - 

2.3. Die Privatklägerin 2 verlangt mit ihrer Anschlussberufung, es sei der Be-

schuldigte wegen vollendeten gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 und 2 StGB zu verurteilen und die Strafe entsprechend zu erhöhen. Damit 

ficht (auch) sie den Schuldspruch betreffend den versuchten gewerbsmässigen 

Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB (Dispositivziffer 1 betr. Dossier 1) und die Strafzumessung (Dispositiv Ziffer 

3) an (Urk. 84; Urk. 104). Gemäss Art. 382 Abs. 2 StPO kann die Privatkläger-

schaft einen Entscheid hinsichtlich der ausgesprochenen Sanktion jedoch nicht 

anfechten. Auf die Anschlussberufung der Privatklägerin 2 ist diesbezüglich somit 

nicht einzutreten. 

3. Damit ist das vorinstanzliche Urteil in den folgenden Punkten unangefochten 

geblieben und in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit 

Art. 402 und 437 StPO; vgl. Prot. II S. 10): 

- Schuldsprüche betreffend die Vereitelung einer Blutprobe im Sinne von 

Art. 91a Abs. 1 SVG, des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von 

Art. 92 Abs. 1 SVG, der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 

Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 1 SVG (Dispo-

sitivziffer 1 Abs. 6-8); 

- Entscheid betreffend die Einziehung und Vernichtung der beschlagnahmten 

Soft-Air-Pistole (Dispositivziffer 6); 

- Entscheide über die Zivilforderungen der Privatklägerinnen 1 und 2 (Disposi-

tivziffern 7 und 8); 

- Entscheid über die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers 

(Dispositivziffer 9);  

- Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffern 10). 

Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). 

-   11   - 

III. Vorfragen 

1. Der Beschuldigte liess dem Gericht vorfrageweise zwei Punkte unterbreiten. 

Einerseits erklärte er, daran festzuhalten, dass die Verwertung der Observation 

unzulässig sei. Ferner brachte er vor, die Privatklägerinnen 1 (SVA Zürich) und 2 

(C._____ [Versicherungsgesellschaft]) hätten im vorliegenden Verfahren keine 

Parteistellung (Prot. II S. 8).  

2. Betreffend die Verwertbarkeit des Observationsmaterials ist auf den (aus-

führlich begründeten) Beschluss der hiesigen Kammer vom 30. November 2015 

zu verweisen, mit welchem Beschluss der Antrag, den Observationsbericht, das 

Observationsmaterial sowie die darauf beruhenden Akten aus den Akten zu ent-

fernen, abgewiesen wurde (Urk. 91). Dieser Beschluss wurde von keiner Seite 

angefochten und erwuchs in Rechtskraft. Weitere Ausführungen dazu erübrigen 

sich. Der Verwertbarkeit des Observationsmaterials steht nichts im Weg. 

3. Zur Begründung, weshalb den Privatklägerinnen im vorliegenden Verfahren 

keine Parteistellung zukomme, macht der Beschuldigte geltend, Sozialversiche-

rungen könnten keine Schadenersatzbegehren stellen; es gebe keine Forderung, 

die im vorliegenden Verfahren eingebracht werden könne. Wenn sie zu Unrecht 

Leistungen ausgerichtet hätten, müssten sie diese mittels einer Verfügung – rück-

erstattungsweise – zurückfordern (Prot. II S. 8). 

Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich 

am Strafverfahr en als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). 

Geschädigt ist, wer durch die Straftat in seinen Rechten unmittelbar verletzt wor-

den (Art. 115 Abs. 1 StPO), d.h. wer Träger des durch die verletzte Strafnorm ge-

schützten oder zumindest mitgeschützten Rechtsgutes ist. Der Straftatbestand 

des Betruges schützt das Vermögen. Beide Privatklägerinnen erlitten einen Ver-

mögensschaden und wurden somit in ihren Rechten unmittelbar verletzt. Sie 

konnten sich somit als Privatkläger konstituieren. Wenn seitens des Beschuldig-

ten angeführt wird, es gebe keine Forderung, die im vorliegenden Verfahren ein-

gebracht werden könne, dann mag dies zutreffen. Die Frage der Parteistellung 

beschlägt dieser Umstand jedoch nicht, da eine geschädigte Person Privatkläger 

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sein kann, auch wenn sie im Strafverfahren keine Schadenersatzbegehren bzw. 

Zivilforderungen geltend macht (vgl. Art. 118 Abs. 1 StPO, wonach man auch 

"bloss" (Privat-)Strafkläger sein kann). Beiden Privatklägerinnen kommt somit im 

vorliegenden Verfahren Parteistellung zu und ihre Eingaben sind nicht aus dem 

Recht zu weisen. 

IV. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

1. Der Beschuldigte bestreitet, dass er die ihm vorgeworfenen Taten begangen 

habe. Hinsichtlich des Vorwurfs des betrügerischen Bezugs von Invalidenrenten 

(Dossier 1) hält er zusammengefasst dafür, dass es nicht zutreffe, dass er seit ca. 

Februar 2009 keine oder nur noch geringe Schmerzen im Fuss und in der Schul-

ter verspürt habe und ab diesem Zeitpunkt somit wieder eingeschränkt arbeits-

fähig gewesen wäre. Vielmehr habe sich sein gesundheitlicher Zustand seit dem 

Jahre 2009 verschlechtert. Er sei inzwischen fünf oder sechs Mal operiert worden. 

Der Beschuldigte räumte zwar ein, dass er mit seinem Hund spazieren gegangen 

und es ihm auch möglich gewesen sei, auf die Krücken bzw. Gehhilfen zu ver-

zichten. Letzteres gehe aber nur, wenn er Schmerzmittel einnehme. Er habe sich 

nie versteckt und habe auch bemerkt, dass er fotografiert werde. Allerdings sei er 

immer nur dann fotografiert worden, wenn er sich ohne Krücken fortbewegt habe 

(Prot. I S. 11). Betreffend die (fingierten) Einbruchdiebstähle (Dossiers 2, 3 und 4) 

verweigerte der Beschuldigte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernah-

me vom 30. Januar 2014 die Aussage (Dossier 1, Urk. 10 S. 5 ff.). An der vor-

instanzlichen Hauptverhandlung überliess er es der Verteidigung, hiezu Stellung 

zu nehmen (Dossier 1, Urk. 9 S. 5 und Urk. 10 S. 2 f.; Prot. I S. 14 f.). Die Vertei-

digung bestritt die entsprechenden Anklagevorwürfe (Prot. I S. 25 f. und S. 29 f.). 

Heute erklärte der Beschuldigte, er bleibe dabei, dass bei ihm eingebrochen wor-

den sei (Urk. 100 S. 10 f.). Den Vorwurf des Vergehens gegen das Waffengesetz 

stellte der Beschuldigte ebenfalls in Abrede. Er wisse nicht, woher die beim ihm 

zu Hause anlässlich der Hausdurchsuchung vom 28. Mai 2013 sichergestellte 

Soft-Air-Pistole komme. Sie gehöre jedenfalls nicht ihm. Wer die Pistole gekauft 

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habe, sei ihm nicht bekannt. Dies sei vor 16 oder 17 Jahren geschehen (Dossier 

1, Urk. 10 S. 12 f.; Prot. I S. 16; Urk. 100 S. 12). 

Es ist somit in der Folge zu prüfen, ob der dem Beschuldigten in der Anklage-

schrift vorgeworfene und von ihm bestrittene Sachverhalt, sofern dieser noch Ge-

genstand des Berufungsverfahrens ist, aufgrund der vorliegenden Beweismittel 

rechtsgenügend erstellt ist. 

2. Die Vorinstanz hat ausführlich und korrekt die massgeblichen Darstellungen 

der Staatsanwaltschaft und des Beschuldigten bzw. seiner Verteidigung zu den 

strittigen Anklagesachverhalten zusammengefasst (Urk. 71 S. 4-8). Darauf kann 

vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

A) Zum Vorwurf des betrügerischen Bezugs von Invaliditätsrenten  

(Dossier 1) 

3.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten wegen versuchten Betrugs im 

Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB zum Nach-

teil der Privatklägerinnen 1 und 2 schuldig. Es sei nicht zu erstellen, dass der Be-

schuldigte im massgebenden Zeitraum (ab Februar 2009 bis Ende Oktober 2012) 

in sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht arbeitsfähig gewesen sei. Der Be-

schuldigte habe jedoch geglaubt, zumindest teilweise arbeitsfähig zu sein, und die 

Privatklägerinnen 1 und 2 über diesen Umstand täuschen wollen. Er habe be-

fürchtet, dass ihm die Rente gestrichen oder gekürzt werden könnte, wenn die 

Ärzte oder die Versicherung Kenntnis davon hätten, dass er durchaus fähig sei, 

ohne Krücken zu gehen, mit dem Hund zu spazieren und kleinere Arbeiten oder 

Besorgungen zu erledigen. Sein Verhalten sei darauf gerichtet gewesen, durch 

Verheimlichen von Tatsachen betreffend seinen Gesundheitszustand bzw. den 

Umfang seiner Arbeitstätigkeit weiterhin Versicherungsleistungen von den Privat-

klägerinnen 1 und 2 zu beziehen bzw. eine Rentenkürzung zu verhindern. Der 

Beschuldigte habe auch in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht gehandelt und 

eine die Privatklägerinnen 1 und 2 schädigende Vermögensdisposition in Kauf 

genommen. Allerdings sei es beim Versuch geblieben. Wegen der sorgfältigen 

Abklärungen der eidgenössischen Invalidenversicherung im Rahmen der Renten-

-   14   - 

revisionen, namentlich auch wegen des D._____-Gutachtens, sei das täuschende 

Verhalten des Beschuldigten nicht ausschlaggebend für die Auszahlung der Ren-

te gewesen. Es sei nicht anzunehmen, dass sich die Ärzte durch das täuschende 

Verhalten des Beschuldigten in die Irre hätten führen lassen. Dies zeige sich unter 

anderem daran, dass die Ärzte auch in Kenntnis der Observationsresultate in et-

wa die gleichen erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Einschrän-

kungen der Arbeitsfähigkeit des Beschuldigten festgestellt hätten wie zuvor 

(Urk. 71 S. 8-15). 

3.2. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung machte die Verteidigung eine 

Verletzung von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB gel-

tend. Die Vorinstanz habe den Beschuldigten zu Unrecht wegen Betrugsversuchs 

schuldig gesprochen. Die Verteidigung hält zusammengefasst dafür, eine nach-

haltig umsetzbare Arbeitsfähigkeit in einem Mass, welches Anlass zu einer Ren-

tenreduktion oder -aufhebung im massgeblichen Zeitraum gegeben hätte, habe 

nicht vorgelegen. Insgesamt liege kein Rechtstitel vor, der es den Privatkläge-

rinnen erlaube, die Rente herabzusetzen oder aufzuheben. Eine massgebliche 

Verbesserung des Gesundheitszustands liege nicht vor. Dies sei medizinisch zu 

entscheiden. Es sei unerfindlich, wo der strafbare Versuch eines Betruges liegen 

solle. Das angebliche Theaterspielen und die Befürchtung, die Renten würden 

gestrichen oder gekürzt, konstruiere keinen Versuch. Wenn keine Verbesserung 

der Arbeitsfähigkeit vorliege, könne im Vorspielen eines Theaters keine Vor-

spiegelung oder Unterdrückung wesentlicher Tatsachen erblickt werden (Prot. II 

S. 11 ff.). 

3.3. Die Staatsanwaltschaft bringt vor, die Vorinstanz habe den eingeklagten An-

klagesachverhalt zu Unrecht als nicht rechtsgenügend erstellt erachtet. Die Er-

gebnisse der D._____-Gutachten, auf welche sich das Bezirksgericht im Wesen-

tlichen stütze, stünden zum einen im Widerspruch zu den nicht bestreitbaren Be-

obachtungen der Observation. Gemäss den D._____-Gutachten wäre der Be-

schuldigte nämlich nicht in der Lage gewesen, die beobachteten Tätigkeiten aus-

zuführen. Zum andern würden sich die Ergebnisse der Gutachter der D._____ nur 

auf die Zeit der Begutachtung (19. Dezember 2013 und 2. September 2014) be-

-   15   - 

ziehen und nicht auch auf den eingeklagten massgebenden Zeitraum von Februar 

2009 bis Ende Oktober 2012. Weiter kritisiert die Staatsanwaltschaft, dass die  

Vorinstanz die zahlreichen sichergestellten Fotografien, auf denen der Beschul-

digte nie mit Krücken zu sehen sei und die einen völlig gesunden, lebens- und un-

ternehmungslustigen Menschen zeigen würden, praktisch nicht berücksichtigt ha-

be. Ausserdem beanstandet die Staatsanwaltschaft den vorinstanzlichen Hinweis 

auf die Prostata-Erkrankung des Beschuldigten, da sich diese erst nach dem vor-

liegend massgebenden Zeitraum manifestiert habe. Schliesslich rügt die Staats-

anwaltschaft, dass sich die Vorinstanz selber widerspreche, wenn sie einerseits 

den Anspruch des Beschuldigten auf die ihm ausbezahlten Rentenleistungen be-

jahe, andererseits aber feststelle, dass er gegenüber den Ärzten und den Privat-

klägerinnen 1 und 2 gelogen und ein Theater aufgeführt habe (Urk. 75 S. 1 f.; 

Urk. 101 S. 2-7).  

3.4. Die Privatklägerin 2 rügt in ihrer Anschlussberufung zunächst die unzu-

treffende Beweiswürdigung der Erstinstanz. Sie bringt vor, das polydisziplinäre 

Gutachten der D._____ vom 19. September 2013, welches auch die Ergebnisse 

der Observation berücksichtige, komme zum Schluss, dass von einer Besserung 

der Beweglichkeit ausgegangen werden könne. Die Arbeitsunfähigkeit im ange-

stammten Bereich sei mit 50% zu beziffern. Die Belastbarkeit in einer adaptierten 

Tätigkeit sei zu 70% möglich. Diese Einschätzung widerspreche den bisherigen 

Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. In den Gutach-

ten aus den Jahren 2000, 2004/2005 und 2009 sei diese mit 0% beziffert worden. 

Mithin sei – entgegen dem Dafürhalten der Vorinstanz – erstellt, dass der Be-

schuldigte im sozialversicherungsrechtlichen Sinne arbeitsfähig gewesen sei. Die 

Vorinstanz habe sodann zwar in zutreffender Weise das arglistige Verhalten des 

Beschuldigten bestätigt. Sie habe indes übersehen, dass dieses (arglistige) Ver-

halten erst durch die Observation im Mai/Oktober 2011 zu Tage habe gefördert 

und nur deshalb die Rentenleistungen hätten sistiert werden können. Auch sei nur 

im Wissen um die tatsächlichen Aktivitäten und Fähigkeiten des Beschuldigten die 

gutachterliche Feststellung möglich gewesen, dass der Beschuldigte in angepass-

ter Tätigkeit zu 70% und damit nicht rentenbegründend eingeschränkt sei. Ohne 

diese Kenntnisse sei seit dem Rentenbeginn wie auch im Rahmen der Rentenre-

-   16   - 

visionen auf eine Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit geschlossen worden, 

welche den Anspruch auf eine ganze Rente begründet habe. Mit seinem arglis-

tigen Verhalten habe der Beschuldigte die Weitergewährung der ganzen Rente 

erreicht. Damit sei von einem vollendeten Betrug auszugehen (Urk. 84 S. 2 ff.; 

vgl. auch Urk. 104 S. 4 ff.). 

Was schliesslich die vom Beschuldigten behauptete Verschlechterung seines Ge-

sundheitszustandes aufgrund der Prostata-Erkrankung betreffe, so werde im  

D._____-Gutachten vom 19. Dezember 2013 ausgeführt, dass keine psychischen 

Erkrankungen bestünden. Im D._____-Gutachten vom 2. September 2014, wel-

ches unter Berücksichtigung der onkologischen Problematik erstellt worden sei, 

werde die Prostata-Erkrankung des Beschuldigten ebenfalls diskutiert. Dabei 

werde festgehalten, dass beim Beschuldigten eine Müdigkeit/Fatigue vorliege, 

welche aufgrund des Tumorleidens oder den psychischen Beeinträchtigungen be-

stehen könne. Die Müdigkeit sei in casu indes nicht überwiegend wahrscheinlich 

eine direkte Folge des Tumorleidens. Die Prostata-Erkrankung habe daher für die 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorliegend unberücksichtigt zu bleiben (Urk. 84 

S. 5; vgl. auch Urk. 104 S. 6 f.). 

4.1. Die Privatklägerin 2 beantragt unter anderem, es sei der Beschuldigte we-

gen Betrugs über den ganzen Zeitrahmen seit Zusprechung der Rente per 1. April 

1999 bis heute zu verurteilen (Urk. 84 S. 2). Dieser Antrag scheitert am Anklage-

grundsatz: 

4.2. Der Anklagegrundsatz ergibt sich aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV 

sowie Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b EMRK. Er ist zudem in Art. 9 Abs. 1 StPO 

verankert. Nach Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst 

kurz, aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Be-

schreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Damit die 

Anklageschrift ihre doppelte Funktion der Umgrenzung und Information wahrneh-

men kann, hat sie die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem 

Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe genügend konkreti-

siert sind (vgl. BGE 133 IV 235 E. 6.2 und 6.3; 126 I 19 E. 2a; je mit Hinweisen). 

-   17   - 

4.3. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 9. März 2015 vorgewor-

fen, er habe die Invalidenrenten auch dann noch bezogen, als er seit ca. Februar 

2009 keine oder nur noch geringe Schmerzen im Fuss und in den Schultern ver-

spürt habe und ab diesem Zeitpunkt somit wieder arbeitsfähig gewesen wäre, da 

ihm das Verrichten jeglicher Arbeiten möglich gewesen sei und er folglich keinen 

Anspruch mehr auf die Renten gehabt habe. Er habe gegenüber der IV und der 

Privatklägerin 1 eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgetäuscht bzw. verschwiegen, 

dass er völlig genesen sein. Die Anklage geht von einem Deliktsbetrag von ge-

samthaft Fr. 227'874.– aus. Die Privatklägerin 1 habe im Irrtum über die Arbeits-

fähigkeit des Beschuldigten für den Zeitraum von anfangs Februar 2009 bis Ende 

Oktober 2012 Renten von Fr. 118'206.– ausbezahlt. Die Privatklägerin 2 habe 

aufgrund des gleichen Irrtums in der selben Zeitperiode Rentenzahlungen über 

Fr. 109'668.– an den Beschuldigten geleistet (Urk. 48 S. 2 f.). Damit wird der 

massgebende Zeitraum und die Deliktsumme präzise und abschliessend um-

schrieben. Eine darüber hinausgehende Verurteilung des Beschuldigten fällt aus-

ser Betracht. 

5. Ein Schuldspruch wegen vollendeten Betrugs setzt eine schädigende Ver-

mögensdisposition des Getäuschten voraus (vgl. BGE 128 IV 18 E. 3b; 126 IV 

113 E. 3a). Im Sozialversicherungsrecht ist ein Vermögensschaden gegeben, 

wenn der Versicherte auf die ausbezahlten Leistungen keinen Anspruch hatte. 

Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche, insbesondere 

auch zur Festlegung der Arbeitsunfähigkeit, bedarf es verlässlicher medizinischer 

Entscheidgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis). Die Ergebnisse einer 

zulässigen Observation können zusammen mit einer ärztlichen Aktenbeurteilung 

grundsätzlich geeignet sein, eine genügende Basis für Sachverhaltsfeststellungen 

betreffend den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit zu bilden (BGE 137 I 

327 E. 7.1 mit Hinweisen). Ein Observationsbericht für sich allein bildet jedoch 

keine sichere Basis für diese Sachverhaltsfeststellungen. Er kann diesbezüglich 

höchstens Anhaltspunkte liefern oder Anlass zu Vermutungen geben. Sichere 

Kenntnis des Sachverhalts kann in dieser Hinsicht erst die ärztliche Beurteilung 

des Observationsmaterials liefern (Urteil des Bundesgerichtes 8C_521/2012 vom 

20. Dezember 2012 E. 5.1 mit Hinweisen). Dies muss auch gelten, wenn es um 

-   18   - 

eine strafrechtliche Verurteilung wegen angeblich zu Unrecht bezogener Sozial-

versicherungsleistungen geht (Urteil des Bundesgerichtes 6B_646/2012 vom 

12. April 2013 E. 2.4.2). 

6.1. Das Gutachten der D._____-Ostschweiz vom 19. Dezember 2013 (Dossier 

1, Urk. 30/23 = Urk. 58/4) hält fest, dass der Beschuldigte in der zuletzt ausge-

übten Tätigkeit als Chauffeur sowohl aus internistischer als auch psychiatrischer 

Hinsicht voll einsatzfähig sei. Aus orthopädischer Sicht schränke das operativ 

eingesteifte linke untere Sprunggelenk den physiologischen Bewegungsablauf 

des linken Fusses allerdings ein. Die im Berufsalltag häufig vorkommenden Be-

lastungen wie ständiges Stehen und Gehen, Pedale mit dem linken Fuss bedie-

nen, z.B. beim Kuppeln, seien eingeschränkt, würden jedoch durch die Nutzung 

eines Automatikfahrzeuges kompensiert. Hinzu komme die fortgeschrittene post-

traumatische Gonarthrose links, die ständiges Treppen- und Leitersteigen (Klet-

tern auf die LKW-Ladefläche etc.) nicht mehr ermöglichen würde. So seien z.B. 

Tätigkeiten als Magaziner, Lagerist oder Fahrer nicht mehr dauerhaft durchführ-

bar. Der Beschuldigte sei aufgrund seiner chronifizierten Schmerzen und seinen 

Funktionsstörungen im Bereich des linken Kniegelenkes, des linken Schulter-

gelenkes und des linken unteren Sprunggelenkes dauerhaft eingeschränkt. Die 

Arbeitsfähigkeit betrage hierfür schätzungsweise 50% ausgehend von einem 

Vollpensum. Wegen der objektiv vorhandenen Einschränkungen sei eine realisti-

sche Arbeitsfähigkeit von täglich maximal 2x2 Stunden mit ½ Stunde Pause an-

zunehmen. Auf Grund der Schmerzen des Beschuldigten sei von einer Verlang-

samung im Arbeitstempo auszugehen. Der Beginn der Arbeitsfähigkeit – so die 

Gutachter der D._____ fortfahrend – könne ab der gebesserten und im Video do-

kumentierten Beweglichkeit ab dem 17. Mai 2011 angenommen werden (Dossier 

1, Urk. 30/23 = Urk. 58/4 S. 75). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in adaptierter 

Tätigkeit attestieren die D._____-Gutachter dem Beschuldigten eine volle Arbeits-

fähigkeit mit einem Rendement von 30% aufgrund der Verlangsamung und der 

chronifizierten Schmerzsymptomatik. Die Aussagen der Videodokumentation aus 

dem Jahre 2011 würden aufgrund der objektiv festgestellten Einschränkungen 

nicht ausreichen, die Gesamtsituation des Gesundheitszustandes des Beschul-

digten zu beurteilen (Dossier 1, Urk. 30/23 = Urk. 58/4 S. 75).  

-   19   - 

6.2. Die Vorinstanz hat zur Frage der Arbeitsfähigkeit erwogen, die D._____ Ost-

schweiz habe sich nicht ganz widerspruchsfrei oder jedenfalls nicht sehr deutlich 

über die Arbeitsfähigkeit des Beschuldigten ausgesprochen (Urk. 71 S. 11). Inwie-

fern sich die Erkenntnisse im Aktengutachten der D._____ vom 19. Dezember 

2013 widersprechen oder unklar sein sollen, ist nicht ersichtlich. Die Sachver-

ständigen gehen klar von einer Arbeitsfähigkeit von 50% in der zuletzt ausgeüb-

ten Tätigkeit und von 30% in einer adaptierten Tätigkeit aus und zwar aufgrund 

der festgestellten Einschränkungen in orthopädischer Hinsicht. Inwiefern diese 

"Erläuterungen" zu optimistisch sein sollen, legt die Erstinstanz nicht dar. Die 

Sachverständigen der D._____ haben das Observierungsmaterial auf der Grund-

lage der Beschwerden, über welche der Beschuldigte klagte, und die objektiv 

festgehaltenen Befunde der Ärzte umfassend analysiert. Die Gutachter finden bei 

der Auswertung der gefilmten Tätigkeiten keine Anzeichen für eine Einschränkung 

der Beweglichkeit des linken Armes. Aus den Videodokumenten vom 20. Mai 

2011 habe sich der normale Gebrauch des linken Armes des Beschuldigten erge-

ben. Das Armschwingen links sei uneingeschränkt möglich gewesen, weshalb 

bezüglich des linken Schultergelenkes von einer Besserung der Beweglichkeit 

ausgegangen werden müsse. Die freie Gehfähigkeit des Beschuldigten sei so-

dann im Video vom 17. Juni 2011 dokumentiert. Der Beschuldigte habe in 41  

Minuten mit seinem Hund eine Strecke von ca. 2,5 km über flache Naturstrassen 

in zügigem Schritttempo durchgeführt. Er habe teilweise Stockhilfe und kurze 

Strecken ohne Stockhilfe zurückgelegt. Nach Auffassung der D._____-Experten 

sind die Feststellungen und Situationen in den Videoaufnahmen und Berichts-

unterlagen nachvollziehbar, wobei zu bemerken sei, dass es bei einer deutlich 

verminderten Grundbelastungsfähigkeit des Sprunggelenkes auch zu wechseln-

den Beschwerden und Schwellungen kommen könne. Es sei eine Versteifung des 

unteren und nicht des oberen Sprunggelenkes links durchgeführt worden. Das un-

tere Sprunggelenk sei funktionell für das Anheben des Fussaussen- und Innen-

randes zuständig. Die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenkes in Dorsal- und 

Plantarflexion sei bei der Untersuchung nur endgradig eingeschränkt gewesen. 

Daraus erhelle, dass der Beschuldigte die in der Videodokumentation dargestellte 

Beweglichkeit noch besitze (Dossier 1, Urk. 30/23 = Urk. 54/8 S. 73 f. und S. 77). 

-   20   - 

Die Gutachter der D._____ verneinen explizit ein widersprechendes Bild der  

Videodokumentationen und der Berichte zu den bisherigen medizinischen Ein-

schätzungen und den Deklarationen des Beschuldigten (Dossier 1, Urk. 30/23 = 

Urk. 58/4 S. 78). Ebensowenig seien frühere Diagnosen aufgrund der in den Vi-

deo- und Berichtsunterlagen dokumentierten Feststellungen zu revidieren (Dossi-

er 1, Urk. 30/23 = Urk. 58/4 S. 78). Die Schlussfolgerungen der D._____-

Sachverständigen, wonach seit der Untersuchung aus dem Jahre 2009 von einem 

teilweise gebesserten Zustand auszugehen sei, unterlegen sie mit objektiven Be-

funden, die sich unmittelbar aus dem Videomaterial ergeben. Das Gutachten der 

D._____ vom 19. Dezember 2013 zeichnet insgesamt ein differenziertes Bild. Die 

Schlussfolgerungen leuchten ein.  

Im D._____-Gutachten vom 2. September 2014 (Dossier 1, Urk. 31 = Urk. 58/11) 

wurden die im Gutachten vom 19. Dezember 2013 erhobenen Befunde im We-

sentlichen wiedergegeben (vgl. S. 1-17). Zusätzlich wurde die Arbeitsfähigkeit aus 

onkologischer Sicht diskutiert bzw. eingeschätzt (Dossier 1, Urk. 31 = Urk. 58/11, 

Einschätzung vom 18. August 2014).  

6.3. Die Vorinstanz würdigte die beiden Gutachten der D._____ zusammen mit 

dem ärztlichen Bericht des Hausarztes des Beschuldigten Dr. med. E._____ und 

der onkologischen Einschätzung von PD Dr. Dr. med. F._____ vom 18. August 

2014 (Dossier 1, Urk. 31 = Urk. 54/11). Sie hält fest, dass es nicht unwahrschein-

lich erscheine, dass der Beschuldigte während der ganzen Zeit Anrecht auf die 

ihm ausbezahlten Renten gehabt habe. Sein Gesundheitszustand sei immer noch 

schlecht und es seien erhebliche zusätzliche Beeinträchtigungen (Prostata-

Erkrankung, Tinnitus) hinzu gekommen (Urk. 71 S. 11 f.). Wenn die Vorinstanz 

folgert, Art und Umfang der gesundheitlichen Beeinträchtigungen sprächen gegen 

die Annahme einer Arbeitsfähigkeit (Urk. 71 S. 11 f.), so kann dem nicht beige-

pflichtet werden: Wie sich aus der Observation bzw. der Videodokumentationen 

ergibt, zeigte der Beschuldigte bei der Verrichtung von bestimmten Tätigkeiten 

(Armschwingen links, freie Gehfähigkeit) keine Anzeichen von Bewegungsein-

schränkungen (linker Arm) oder einen verbesserten Zustand im Vergleich zur Un-

tersuchung im Jahre 2009 (Dossier 1, Urk. 30/23 = Urk. 54/8 S. 77). Die Prosta-

-   21   - 

taerkrankung und der Tinnitus wurden zudem erst im Jahre 2013 diagnostiziert 

(Dossier 1, Urk. 31 = Urk. 58/11 S. 2 und Urk. 58/7 S. 1), weshalb dies vorliegend 

zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im massgeblichen Zeitraum (anfangs Februar 

2009 bis Ende Oktober 2012) – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – unbe-

rücksichtigt zu bleiben hat. Richtig ist, dass der Bericht der Uniklinik Balgrist vom 

5. November 2013 (Urk. 58/6) eine Versteifung des oberen Sprunggelenkes 

(OSG) empfiehlt. Konkrete Schlüsse auf den Umfang der Arbeitsfähigkeit des Be-

schuldigten im massgebenden Zeitraum ergeben sich dadurch indes ebenfalls 

nicht. Insoweit vermag der ärztliche Bericht von Dr. med. E._____ vom 27. Januar 

2014 (Urk. 58/5) das D._____-Gutachten vom 19. Dezember 2013 nicht zu er-

schüttern. Was sodann die amtliche Verteidigung dagegen einwendet, überzeugt 

(ebenfalls) nicht. Sie legt nur die eigene Sicht der Dinge dar, ohne aufzuzeigen, 

inwiefern die Ausführungen der D._____-Gutachter unzutreffend sein könnten. 

Aus alledem kann nicht abgeleitet werden, der Beschuldigte habe an derart er-

heblichen Schmerzen wie von ihm angegeben gelitten. Es lässt sich zwar nicht 

zweifelsfrei erstellen, dass der Beschuldigte vollkommen gesund war und keiner-

lei Ansprüche gegenüber den Versicherungen hatte. Die D._____-Gutachter 

kommen aber zum Schluss, dass der Beschuldigte ab 17. Mai 2011 in seiner (so-

zialversicherungsrechtlichen) Arbeitsfähigkeit in weit geringerem Umfang als von 

den Versicherern angenommen eingeschränkt war. Gesicherte Rückschlüsse 

über einen verbesserten Gesundheitszustand des Beschuldigten vor dem 17. Mai 

2011 ergeben sich aus den Gutachten der D._____ jedoch nicht. Jedenfalls lässt 

sich ein verbesserter Gesundheitszustand bereits seit anfangs Februar 2009, wie 

in der Anklageschrift festgehalten wird, nicht mit vereinzelten Fotografien (vgl. 

Dossier 1, Urk. 27) aus diesem Zeitraum begründen, zumal Gutachten und An-

klage davon ausgehen, dass beim Beschuldigten ab dem 1. April 1999 tatsächlich 

eine 100% Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. 

Die Verteidigung weist darauf hin, bereits Dr. med. G._____ habe 2004 (und 

2006) eine Arbeitsunfähigkeit für leichte Tätigkeiten festgehalten (Prot. II S. 14). 

Es ergebe sich nicht aus den Akten, dass der Beschuldigte nicht mehr stockfrei 

habe gehen können (Prot. II S. 23). Dr. med. G._____ hielt – entgegen der Ver-

teidigung – im Gutachten vom 11. November 2004 fest, der Beschuldigte sei nur 

-   22   - 

an Stöcken mobil bzw. es sei kein stockfreier Gang möglich (Urk. 58/1 S. 188). 

Die Gutachterin schloss daraus, eine leichte Tätigkeit, sitzend, mit ausreichend 

grossem Fussraum und der Möglichkeit der Hochlagerung des Fusses sei aus 

rein orthopädischer Sicht im Umfang von drei bis vier Stunden pro Tag verteilt auf 

Morgen und Nachmittag mit langer Erholungspause dazwischen denkbar; not-

wendige Medikamente und die Herzproblematik könnten jedoch noch weiter ein-

schränkend wirken (Urk. 58/1 S. 189). Dr. med. G._____ beurteilte die Arbeitsfä-

higkeit des Beschuldigten somit als fast inexistent. Im Vergleich dazu schätzen 

die beiden D._____-Gutachten die Arbeitsfähigkeit des Beschuldigten als wesent-

lich höher ein (vgl. soeben Ziff. 6.2.). Eine massgebliche Verbesserung der Ar-

beitsfähigkeit liegt daher – entgegen der Verteidigung (Prot. II S. 17) –vor. 

7.1. Den Tatbestand des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB erfüllt, wer 

in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden 

durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so 

den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen 

andern am Vermögen schädigt.  

7.2.1.  Als Täuschung gilt jedes Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem an-

dern eine von der Wirklichkeit abweichende Vorstellung über objektiv feststehen-

de, vergangene oder gegenwärtige Tatsachen hervorzurufen. Die Täuschung im 

Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB kann durch konkludentes Verhalten erfolgen 

(BGE 124 IV 163 E. 2b). Betrug durch Unterlassen ist nur unter den Voraus-

setzungen eines unechten Unterlassungsdelikts strafbar und mithin nur durch 

denjenigen Täter möglich, den gegenüber dem Geschädigten eine qualifizierte 

Rechtspflicht zum Handeln im Sinne einer Garantenpflicht trifft (Art. 11 StGB; BSK 

StGB II-ARZT, Art. 146 N 53; TRECHSEL/CRAMERI, Schweizerisches Strafgesetz-

buch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 146 Rz. 4; CORBOZ, Les infractions en 

droit suisse, 3. Aufl. 2010, S. 324 Rz. 10 mit Hinweisen; DONATSCH, Strafrecht III, 

10. Aufl. 2013, § 18 S. 230; BOOG, Versicherungsbetrug: strafrechtliche Aspekte, 

in: Handbücher für die Anwaltspraxis, Band V, Basel 1999, S. 1081 f., Rz. 22.22).  

7.2.2.  Der Betrug zeichnet sich als "Beziehungsdelikt" dadurch aus, dass der Tä-

ter das Opfer durch motivierende Einwirkung dazu veranlasst, sich selbst durch 

-   23   - 

die Vornahme einer Vermögensverfügung zugunsten des Täters oder eines Drit-

ten zu schädigen. Das Opfer trägt folglich zur eigenen Vermögensschädigung bei. 

Der Tatbestand des Betrugs erfordert Arglist. Arglist ist nach ständiger Recht-

sprechung gegeben, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet oder 

sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient. Bei einfachen falschen An-

gaben ist das Merkmal erfüllt, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit beson-

derer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, und wenn der Täter den Getäuschten 

von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, 

dass dieser die Überprüfung der Angaben auf Grund eines besonderen Vertrau-

ensverhältnisses unterlassen werde (BGE 135 IV 76 E. 5.2 mit Hinweisen). Arglist 

scheidet aus, wenn das Opfer den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerk-

samkeit bzw. durch ein Minimum an zumutbarer Vorsicht hätte vermeiden und 

sich selbst dadurch folglich hätte schützen können (vgl. BGE 135 IV 76 E. 5.2; 

128 IV 18 E. 3a; 126 IV 165 E. 2a).  

7.2.3.  Das Merkmal der Täuschung (im anklagerelevanten Zeitraum) ist vorlie-

gend ohne Weiteres gegeben. Wie bereits ausgeführt, wird dem Beschuldigten 

lediglich vorgeworfen, er habe über das Ausmass der Beschwerden getäuscht. 

Die Anklageschrift vom 9. März 2015 lässt deshalb zu Recht offen, in welchem 

exakten Ausmass der Beschuldigte arbeitsfähig war. Soweit der Beschuldigte gel-

tend macht, das Tatbestandsmerkmal der Arglist sei nicht erfüllt, ist dies unbe-

gründet. Zur Besprechung bei der Privatklägerin 1 vom 12. Juli 2011 (Dossier 1, 

Urk. 2/6) ist der Beschuldigte mit Krücken erschienen. Anlässlich der Bespre-

chung behauptete er, er probiere gar nicht erst, ohne Stöcke zu gehen, er könne 

sonst nicht laufen (vgl. S. 5), mit dem Hund könne er nicht laufen gehen (vgl. 

S. 6), er könne nicht mehr im Garten arbeiten (vgl. S. 2), das Treppensteigen sei 

schwierig, hinauf gehe es besser als hinunter (vgl. S. 1), in gesundheitlicher Hin-

sicht fühle er sich "verschissen" (vgl. S. 1), er verspüre bei jeder Tätigkeit auf der 

linken Seite Schmerzen, sogar beim Sitzen (vgl. S. 1), die meisten Schmerzen 

verspüre er am Fuss bis zur Schulter (vgl. S. 1) und sein Gesundheitszustand ha-

be sich seit dem Ereignis im Jahre 1998 verschlechtert (vgl. S. 2). Im Revisions-

fragebogen vom 27. Juli 2012 (Dossier 1, Urk. 30/20) gab der Beschuldigte ge-

genüber der Privatklägerin 2 sodann ebenfalls an, dass er Schmerzen im linken 

-   24   - 

Bein und den Schultern verspüre. Er könne täglich ca. 30 Minuten laufen, aber 

nur mit langen Pausen und unter Einnahme von Schmerzmitteln. Sitzende oder 

wechselbelastete Tätigkeiten (sitzen, stehen und gehen) könne er nur ca. 15 Mi-

nuten ausüben und benötige viel Platz, um das Bein hoch zu lagern (vgl. S. 2-5). 

In seinem ärztlichen Bericht an die Privatklägerin 1 vom 22. Juli 2011 (Dossier 1, 

Urk. 7/292) hält der Hausarzt des Beschuldigten Dr. med. E._____ fest, dass der 

Beschuldigte am 13. Juli 2011 hinkend an zwei Stöcken zur ärztlichen Kontrolle 

erschienen sei. Damit spiegelte der Beschuldigte den Versicherungsmitarbeitern 

einen Krankheits- bzw. Gesundheitszustand vor, der so nicht bestand, was auf-

grund der Observation nachgewiesen ist. Dass eine Arbeitsfähigkeit in relevantem 

Ausmass vorlag, haben die Gutachter des D._____ festgestellt. Das Verhalten 

und die Schilderungen des Beschuldigten anlässlich der Besprechung vom 

12. Juli 2011, im Revisionsfragebogen vom 27. Juli 2012 und anlässlich der ärztli-

chen Kontrolle vom 13. Juli 2011 stellen – vor diesem Hintergrund – eine eigentli-

che Inszenierung dar und sind als betrügerische Machenschaften zu würdigen 

(vgl. BGE 132 IV 20 E. 5.4 mit Hinweisen). Zudem war eine Überprüfung dieser 

Angaben für die Versicherungsmitarbeiter nicht möglich oder jedenfalls mit einem 

unzumutbaren Aufwand verbunden. Der Einwand des Beschuldigten, er habe alle 

im Rahmen der Observation festgestellten Tätigkeiten nur unter Einnahme von 

Schmerzmitteln ausführen können, niemand habe sich bei ihm erkundigt, ob er 

Medikamente nehme (Urk. 100 S. 7 und S. 9), erscheint angesichts des Umstan-

des, dass er gegenüber den Versicherungsmitarbeitern der Privatklägerin 1 sol-

cherart Tätigkeiten grundsätzlich in Abrede stellte, als nicht glaubhaft. Es wäre zu 

erwarten gewesen, dass er angegeben hätte, dass solche Tätigkeiten lediglich 

dank der Einnahme von Schmerzmitteln möglich seien.  

7.2.4.  Der Beschuldigte erhielt volle Renten, hätte aber bloss Anspruch auf einen 

Teil der ihm ausbezahlten Versicherungsleistungen gehabt. Ein Vermögensscha-

den liegt damit vor. Der Erfolg trat ein und das Delikt ist vollendet.   

7.3. Der Beschuldigte ist daher für den Zeitraum vom 17. Mai 2011 bis Ende  

Oktober 2012 des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 

StGB schuldig zu sprechen.  

-   25   - 

8.1. Nicht erstellen lässt sich vorliegend indes, ob und dass der Beschuldigte für 

die Zeit von anfangs Februar 2009 bis 16. Mai 2011 im sozialversicherungsrecht-

lichen Sinne überhaupt arbeitsfähig war. Folglich ist in Anwendung des Grundsat-

zes "in dubio pro reo" von einer vollständigen sozialversicherungsrechtlichen Ar-

beitsunfähigkeit auszugehen. Der Beschuldigte konnte mithin gar keine unrecht-

mässigen Versicherungsleistungen von den Privatklägerinnen 1 und 2 beziehen. 

Wenn die Vorinstanz dem Beschuldigten vorwirft, er habe fälschlicherweise ge-

glaubt, zumindest teilweise arbeitsfähig zu sein, und habe die Privatklägerinnen 1 

und 2 über diese Tatsache zwecks weiteren Leistungsbezugs arglistig täuschen 

wollen, indem er sie nicht vollständig über den wahren Umfang seines gesund-

heitlichen Zustands aufklärte, legt sie ihm einen versuchten Betrug in Form des 

untauglichen Versuchs zur Last. 

8.2. Im Sozialversicherungsrecht ist ein Vermögensschaden gegeben, wenn der 

Versicherte auf die ausbezahlten Leistungen keinen Anspruch hatte. Fehlt es an 

einer irrtumsbedingten Vermögensverfügung, d.h. blieb die Täuschung erfolglos, 

macht sich der Täter unter Umständen dennoch wegen Betrugsversuchs strafbar, 

wenn sein Vorgehen arglistig war (BGE 128 IV 18 E. 3b, s. a. Urteil des Bundes-

gerichtes 6B_201/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.2.4).  

8.3. Der Versuch ist in Art. 22 StGB geregelt. Das Gesetz enthält hierfür keine 

eigentliche Definition. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt ein 

Versuch vor, wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt 

und seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven Tatbe-

standsmerkmale verwirklicht wären (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1; 120 IV 199 E. 3e). 

Zum Versuch gehört folglich der Entschluss des Täters, eine Straftat zu begehen, 

und die Umsetzung dieses Tatentschlusses in eine Handlung. Der Täter muss mit 

der Ausführung der Tat (mindestens) begonnen haben. Das Vorliegen eines Ver-

suchs ist danach zwar nach objektivem Massstab, aber auf subjektiver Beurtei-

lungsgrundlage festzustellen.  

8.4. Der untaugliche Versuch ist eine Form des Versuchs. Ein solcher liegt vor, 

wenn die Tat entgegen der Vorstellung des Täters überhaupt nicht zur Vollendung 

der Tat führen kann. Der Sache nach handelt es sich beim untauglichen Versuch 

-   26   - 

um einen Sachverhaltsirrtum zu Ungunsten des Täters. Nach seiner Vorstellung 

erfüllt er einen Tatbestand, in Wirklichkeit ist sein Verhalten aber harmlos (BGE 

124 IV 97 E. 2a). Das geltende Recht subsumiert den untauglichen Versuch unter 

die allgemeine Bestimmung von Art. 22 Abs. 1 StGB und erklärt ihn damit – wie 

den Versuch überhaupt – prinzipiell für strafbar. Damit kommt es im Grunde we-

der auf die Art noch den Grad der objektiven Untauglichkeit des Versuchs an. 

Entscheidend für die Strafbarkeit ist nur, dass der Täter in der Annahme handelt, 

den vorgestellten Sachverhalt verwirklichen zu können, auch wenn dies objektiv 

gar nicht möglich ist. Nur für den Fall, dass der Täter grob unverständig handelt, 

sein Versuch mithin besonders dumm oder geradezu lächerlich ist, statuiert das 

Gesetz in Art. 22 Abs. 2 StGB Straflosigkeit (Botschaft zur Änderung des Schwei-

zerischen Strafgesetzbuches und Militärstrafgesetzes sowie zu einem Bundes-

gesetz über das Jugendstrafrecht vom 21. September 1998, BBl 1999 2009, 

Ziff. 212.5 und 212.51, S. 2010 f.).  

8.5. Daraus erhellt, dass nicht jedes Verhalten, das die Elemente des untaugli-

chen Versuchs an sich erfüllt und damit nach Art. 22 Abs. 1 StGB grundsätzlich 

strafbar ist, sich indessen auch als strafwürdiges und strafbedürftiges Unrecht 

darstellt. Die strafrechtliche Erfassung und Pönalisierung solchen Verhaltens 

macht keinen Sinn. Sie lässt sich auch nur schwer mit den Grundlagen des gel-

tenden Tatstrafrechts vereinbaren. Es besteht deshalb das Bedürfnis nach einer 

tatbestandlichen Strafbarkeitseinschränkung des untauglichen Versuchs. Strafbar 

sollen untaugliche Verhaltensweisen daher grundsätzlich nur sein, wenn und so-

weit sie sich als ernstlicher Angriff auf die rechtlich geschützte Ordnung darstel-

len. Erforderlich ist damit – neben dem Deliktsverwirklichungswillen – eine mini-

male objektive Gefährlichkeit des Täterverhaltens (vgl. zum Ganzen  

STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 4. Aufl. 2011, § 12 

N 17, N 35 sowie N 40 ff.; siehe zu den Theorien betreffend die [Einschränkung 

der] Versuchsstrafbarkeit für das deutsche Recht: CLAUS ROXIN, Strafrecht, All-

gemeiner Teil, Band II, München 2003, Rz. 9 ff. und Rz. 51 ff.; HANS JOACHIM 

HIRSCH, Untauglicher Versuch und Tatstrafrecht, in: Festschrift für Claus Roxin, 

2001, S. 711 ff., S. 724 ff.). Mangelt es einem Täterverhalten bei Kenntnis aller 

nachträglich bekannten Umstände im Zeitpunkt der Tat objektiv an einem ernst-

-   27   - 

haften Stör- und Gefährdungspotenzial und somit an einer objektiv minimalen Ge-

fährlichkeit (Risiko), lässt sich weder ein Strafbedürfnis bejahen noch eine Straf-

sanktion rechtfertigen. In einem solchen Fall muss der Täter, auch wenn er nicht 

aus grobem Unverstand gehandelt hat, in analoger Anwendung von Art. 22 Abs. 2 

StGB straflos bleiben. Dies mit der Begründung, dass ein objektiv ungefährlicher 

untauglicher Versuch – ebenso wie ein grob unverständiger Versuch – die 

Rechtsordnung nicht zu gefährden vermag (vgl. Botschaft, a.a.O., Ziff. 212.51, 

S. 2011 zum groben Unverstand).  

8.6. Worin vorliegend der ernstliche Angriff auf die geschützte Rechtsordnung 

bestehen soll, ist nicht ersichtlich. Wie vorstehend erwogen, ist nicht erstellt, dass 

der Beschuldigte im massgebenden Zeitraum überhaupt sozialversicherungs-

rechtlich arbeitsfähig war. Damit ist in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro 

reo" von dessen vollständiger sozialversicherungsrechtlicher Arbeitsunfähigkeit 

auszugehen. Der Beschuldigte hatte damit unstreitig Anspruch auf die bezogenen 

Versicherungsleistungen. Über das Ausmass seiner Arbeitsunfähigkeit konnte er 

bei dieser Ausgangslage überhaupt nicht täuschen, schon gar nicht arglistig. Die 

Beurteilung seiner sozialversicherungsrechtlichen Arbeitsunfähigkeit ergab sich  

– vollkommen unabhängig von seinem Verhalten – aus objektiven Kriterien. Die 

Privatklägerinnen irrten denn auch nicht. Sie machten sich keine unzutreffenden 

Vorstellungen über die Wirklichkeit. Das Verhalten des Beschuldigten, die Privat-

klägerinnen nicht lückenlos über den wahren Umfang seines Gesundheitszustan-

des aufzuklären bzw. sich kränker darzustellen als in Tat und Wahrheit, war mit-

hin nicht kausal für ihre Vermögensdisposition. Der Beschuldigte erwirkte weder 

einen rechtswidrigen Vermögensvorteil noch erlitten die Privatklägerinnen einen 

Vermögensschaden. Damit fehlt es vorliegend an der Voraussetzung einer objek-

tiv minimal gefährlichen Täuschungshandlung. Es bestand zu keinem Zeitpunkt 

eine Rechtsgutsgefährdung. Was bleibt ist dessen bloss subjektive Fehl-

vorstellung, die Privatklägerinnen 1 und 2 über die (in Wirklichkeit nicht existente) 

Arbeitsfähigkeit allenfalls arglistig zu täuschen. Das reicht mangels einer Un-

rechtsrelevanz nicht aus, eine Versuchsstrafbarkeit zu begründen. Eine Verur-

teilung wegen untauglichen Betrugsversuchs fällt deshalb für den Zeitraum von 

anfangs Februar 2009 bis zum 16. Mai 2011 ausser Betracht. Der Beschuldigte ist 

-   28   - 

daher des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB für 

den vorstehend angegebenen Zeitraum freizusprechen. 

B. Zum Vorwurf der vorgetäuschten Einbruchdiebstähle (Dossiers 2 bis 4) 

a) Einbruchdiebstahl vom 11. Mai 2008 (Dossier 3)  

9.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Ein-

bruchdiebstahl in seine Liegenschaft in H._____ vom 11. Mai 2008 vom Vorwurf 

des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB und der Irreführung der Rechts-

pflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB frei. Sie erwog zusammenfas-

send, dass es durchaus Indizien gebe, welche auf einen vorgetäuschten Einbruch 

schliessen liessen; ein zweifelsfreier Beweis für die Sachverhaltsdarstellung der 

Anklägerin liege indes nicht vor. Die Ausführungen der Staatsanwaltschaft, wo-

nach das Haus des Beschuldigten aufgrund der Lage, der Zugangssituation, dem 

Erscheinungsbild und der Fluchtmöglichkeit ein denkbar ungeeignetes Einbruch-

objekt sei, sei zwar nicht abwegig, ein Einbruch lasse sich deswegen aber nicht 

ausschliessen (Urk. 71 S. 15 f.). Auch würden die von der Staatsanwaltschaft be-

schriebenen konkreten Eigenheiten des Einbruchs (hohes Gesamtgewicht der 

gestohlenen Sachen, die vom Beschuldigten vorgelegte Rechnung bzw. Quittung 

betreffend den Schmuckkauf und die vom Beschuldigen abgegebene Erklärung 

für das gestohlene Bargeld im Betrag von Fr. 8'000.–) nicht gegen einen Einbruch 

sprechen (Urk. 71 S. 16 f.).  

9.2. In ihrer Berufungserklärung vom 19. August 2015 (Urk. 75) machte die 

Staatsanwaltschaft keine konkreten Beanstandungen. Anlässlich der heutigen Be-

rufungsverhandlung hält die Staatsanwaltschaft dafür, die von den Einbrechern 

entwendeten Gegenstände (immerhin drei Spielkonsolen, eine Videokamera so-

wie weitere Elektronikgeräte, eine Geldkassette, Bargeld und Schmuck) hätten 

ein erhebliches Gewicht und von den in flagranti ertappten Dieben auf dem ange-

gebenen Weg (50m bergwärts in den Wald) wohl nur schwerlich abtransportiert 

werden können (Urk. 101 S. 7).  

-   29   - 

10.  Die Vorinstanz zieht betreffend den Einbruchdiebstahl vom 11. Mai 2008 

verschiedene Beweismittel heran. Sie würdigte im Einzelnen und detailliert die 

Übersetzung der Rechnung und Quittung für den Schmuckkauf im Kosovo und 

die Übereinstimmung bzw. vorhandenen Abweichungen dieser Urkunden mit dem 

Original (Dossier 3, Urk. 2/2), die Kontoauszüge des Beschuldigten bei der  

Clientis Sparkasse … (Dossier 1 Urk. 35/5 und Urk. 36/6), die räumliche Situation 

des Einfamilienhauses und seiner Umgebung sowie das abhanden gekommene 

Deliktsgut bzw. die Deliktsgutsliste (Urk. 71 S. 15 ff.). Es kann vollumfänglich auf 

die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO). Die Beweiswürdigung der Vorinstanz ist einlässlich und überzeu-

gend. Was die Staatsanwaltschaft diesbezüglich rügt, überzeugt nicht, ist eine 

reine Hypothese, kann nicht beweisen, dass der Einbruch fingiert war, und ver-

mag die differenzierte vorinstanzliche Beweiswürdigung damit nicht zu erschüt-

tern. 

Der Beschuldigte ist daher vom Vorwurf des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

StGB und der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB im Zusammenhang mit dem Dossier 3 freizusprechen.  

b) Einbruchdiebstähle vom 17. auf den 18. Oktober 2009 (Dossier 4) und 

vom 23. Dezember 2010 (Dossier 2) 

11. Die Vorinstanz legt dem Beschuldigten die von ihm angezeigten Einbruch-

diebstähle in seine Liegenschaft in H._____ zur Last (Dossier 2 und 4). Beide 

Einbruchdiebstähle seien offensichtlich vom Beschuldigten fingiert. Die Vorinstanz 

hält fest, dass abgesehen davon, dass es höchst unwahrscheinlich sei, dass in 

das gleiche bescheidene Einfamilienhaus innerhalb eines Zeitraumes von knapp 

drei Jahren dreimal eingebrochen werde, aufgrund der vorliegenden Beweise (Be-

richte der Polizei [Dossier 4, Urk. 1; Dossier 2, Urk. 3] und die Beilagen dazu, die 

Beilagen zur Strafanzeige der Privatklägerin 1 [Dossier 2 Urk. 2/1-5], die Zeugen-

aussagen der Polizeibeamten I._____ und J._____ [Dossier 1, Urk. 12 und 

Urk. 14], die Fotos der beschädigten Türe [Dossier 4 Urk. 2/2] und den Bericht 

des Forensischen Institutes Zürich vom 8. Juli 2013 [Dossier 4, Urk. 2/4]) klar er-

stellt werden könne, dass die behaupteten Einbruchdiebstähle nicht stattgefunden 

-   30   - 

hätten. Der Beschuldigte habe es sodann vorgezogen, bei Fragen zu diesen an-

geblichen Einbrüchen von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu ma-

chen, woraus gefolgert werden könne, dass er zu seinen Gunsten nichts habe an-

führen können (Urk. 71 S. 18 f.).  

12.1.  Betreffend den Einbruchdiebstahl in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 

2009 (Dossier 4) argumentierte die Vorinstanz gestützt auf den Bericht des Fo-

rensischen Instituts vom 8. Juli 2013 (Dossier 4, Urk. 4) unter anderem damit, 

dass die Türe von innen her beschädigt worden sei, um einen Einbruch vorzutäu-

schen (Urk. 71 S. 19). Die Verteidigung brachte demgegenüber vor, dass sich aus 

dem betreffenden Bericht des Forensischen Institutes die Situation betreffend die 

aufgebrochene Kellertüre nicht zutreffend rekonstruieren lasse. Aus den Fotogra-

fien sei nicht ersichtlich, wie viel Spiel die Kellertüre gehabt habe. Die Möglichkeit, 

dass eine Täterschaft die Türe einen Spalt aufgemacht, alsdann die Türfalle be-

dient und dann den Rest noch aufgewuchtet habe, wobei sich das entsprechende 

Schadensbild ergeben habe, sei durch den Befund des Forensischen Institutes 

nicht ausgeschlossen. Dementsprechend könne der Bericht auch nicht als Beweis 

herangezogen werden, dass sich das Ganze so abgespielt habe (Prot. I S. 25).  

12.2.  Die Annahme der Vorinstanz, die (Keller-)Türe sei von innen her beschädigt 

worden, ist nicht zu beanstanden. Gemäss dem Bericht des Forensischen Institu-

tes vom 8. Juli 2013 (Dossier 4, Urk. 4) wird durch das Aufwuchten einer Tür mit-

tels einem Flachwerkzeug von aussen Druck auf das Türblatt ausgeübt. Die do-

kumentierten Risse im Türfries sind nach Einschätzung der Berichterstatter indes 

nur durch eine Druckeinwirkung von innen auf die Türe entstanden (vgl. S. 2). 

Sodann weise das Gesamtspurenbild – so die Berichterstatter des Forensischen 

Institutes fortfahrend – einige Unstimmigkeiten auf, sofern man davon ausgehe, 

dass nur verriegelte Türen aufgebrochen würden. Auf den vorliegenden Fotos 

seien zunächst sowohl der Riegel als auch der Nachriegel eingeschlossen, was 

bedeute, dass die Türe zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme vollständig entriegelt 

gewesen sei (vgl. Dossier 4, Urk. 2/2). Auf den Fotografien seien zudem keinerlei 

Spuren oder Deformationen am Fallenknopf bzw. an der Aufnahme des Fallen-

knopfes am Schliesshaken erkennbar (vgl. Dossier 4, Urk. 27/2). Ein allfälliges 

-   31   - 

Aufbrechen der entriegelten und nur mit einem eingerasteten Fallenknopf arretier-

ten Türe sei daher eher unwahrscheinlich. Das gesamte Schadensbild am 

Schlosskolben lasse sich nicht mit einer Gewaltanwendung bei geschlossener 

oder verriegelter Türe vereinbaren (Dossier 4, Urk. 4 S. 3). Dass ein Einbrecher 

während des Aufwuchtens der Türe gleichzeitig die Türfalle betätige, ist nach Da-

fürhalten der Berichterstatter im Übrigen nicht plausibel (Dossier 4, Urk. 4 S. 3).  

12.3.  Die differenzierten Ausführungen des Forensischen Institutes in seinem Be-

richt vom 8. Juli 2013 (Dossier 4, Urk. 4) sind überzeugend, nachvollziehbar und 

plausibel. Vor diesem Hintergrund erweisen sich die Einwendungen der Verteidi-

gung, wonach nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Täterschaft die Türe 

zunächst einen Spalt aufgemacht, alsdann die Türfalle betätigt und die Türe 

schliesslich aufgewuchtet habe, als nicht zielführend, da sie weder plausibel noch 

nachvollziehbar sind. Fakt ist gemäss dem Bericht des Forensischen Instituts, 

dass die Kellertüre entriegelt war und von innen (und nicht von aussen) beschä-

digt wurde. Hätte die Täterschaft die Türe – wie von der Verteidigung behauptet – 

nur einen Spalt breit aufgemacht, dann hätte sie wohl unschwer feststellen kön-

nen, dass die Türe nicht abgeschlossen sondern entriegelt war. Wenn der Täter 

anschliessend noch die Türfalle betätigt hätte, dann wäre er unweigerlich im Kel-

ler gestanden. Überzeugend sind auch die Ausführungen der Vorinstanz zur Fra-

ge der Tatbegehung. Die Kellertüre ist im oberen Teil verglast (vgl. Dossier 4, 

Urk. 2/2). Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass jeder vernünftige Täter 

in einer solchen Situation das Fenster der Kellertüre einschlägt und versucht, hin-

einzugreifen, um den Schlüssel zu drehen, was im vorliegenden Fall ein Leichtes 

gewesen wäre, da der Schlüssel gesteckt hat (Urk. 71 S. 19). Zutreffend erweisen 

sich schliesslich auch die Erwägungen der Vorinstanz, wonach es keinen Sinn er-

gebe, aus dem Haus des Beschuldigten mit seiner schmalen Zufahrtsstrasse eine 

prall gefüllte Tiefkühltruhe sowie – neben dem Schmuck – eine ganze Reihe von 

schweren Gegenständen zu stehlen (Urk. 71 S. 19). Allein die Tiefkühltruhe hätte 

mit Inhalt wohl über 100 Kg gewogen und für den (Ab-)Transport wären mehrere 

Täter und ein Lieferwagen von Nöten gewesen. Dies entspricht nicht dem übli-

chen Tatvorgehen bei Einbrüchen in Einfamilienhäusern, wo es darum geht, in 

kurzer Zeit möglichst viele Gegenstände mit hohem Wert zu entwenden. 

-   32   - 

13.1.  Betreffend den angezeigten Einbruchdiebstahl vom 23. Dezember 2010 

(Dossier 2) argumentierte das Bezirksgericht damit, dass die angebliche Täter-

schaft über einen Blumentopf, auf den sie einen Sandsack gelegt habe, in den 

Windfang geklettert und von dort durch die unverschlossene Türe ins Haus ge-

langt sei. Das sei unnötig kompliziert und riskant gewesen. Vernünftigerweise hät-

te man zuerst versucht, die Türe des Windfangs aufzubrechen. Zudem sei den 

beiden Polizeibeamten I._____ und J._____ aufgefallen, dass das grösste Glas-

stück der zerschlagenen Scheibe in erheblicher Entfernung vom Haus des Be-

schuldigten gelegen sei. Werde bei einem Einbruch eine Scheibe eingeschlagen, 

dann würden die Scherben normalerweise im Haus liegen. Ebenso fehle es auch 

an Schnee- und Schmutzspuren, die angesichts der Witterungsverhältnisse und 

der angeblich gewählten Einstiegsmethode unvermeidlich gewesen seien. Auffäl-

lig sei auch, dass eine 18 kg schwere Kaffeemaschine gestohlen worden sein, die 

nur mit einem Komplizen und einem Auto hätte abtransportiert werden können. 

Ebenso erstaunlich sei, dass die Täterschaft nur den Computer des Sohnes des 

Beschuldigten im obersten Stock gestohlen, denjenigen des Beschuldigten im 

Erdgeschoss indes stehen gelassen habe. Auffällig sei ferner auch, dass der Be-

schuldigte betreffend den abhanden gekommenen Schmuck eine beglaubigte 

Übersetzung der Quittung für den Schmuckkauf im Kosovo vorgelegt habe, wel-

che der im Zusammenhang mit dem Einbruchdiebstahl vom 11. Mai 2008 (Dossi-

er 3) vorgelegten Quittung gleiche. Der Stempel und die Unterschrift des Überset-

zers seien offensichtlich wiederverwertet worden. Ausserdem überrasche es 

nicht, dass zwei als gestohlen gemeldete Ringe und die Uhr auf später gemachen 

Fotos der Familie des Beschuldigten wieder auftauchen würden (Urk. 71 S. 19 f.). 

Diese Erwägungen der Vorinstanz sind überzeugend, nachvollziehbar und 

schlüssig. 

13.2.  Der Einwand der Verteidigung, wonach es immer andere Möglichkeiten ge-

be, sich Zutritt zu einer Liegenschaft zu verschaffen, weshalb dies nichts daran 

ändern könne, dass die Einbrecher über das hochgelegene Fenster im Windfang, 

dessen Scheibe sie eingeschlagen hätten, in das Haus des Beschuldigten einge-

stiegen seien (Prot. I S. 25), vermag die vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht zu 

erschüttern. Der Polizeibeamte I._____ führte anlässlich seiner Befragung als 

-   33   - 

Zeuge am 30. Juni 2014 (Dossier 1, Urk. 14) aus, dass vor Ort keine Spuren ge-

funden worden seien. Dies sei seltsam, weil es draussen nass gewesen sei, viel-

leicht habe es sogar Schnee gehabt. Nach Dafürhalten des Zeugen I._____ hätte 

es jedoch Spuren haben müssen, z.B. Fussspuren, Dreck oder Abriebspuren am 

Einstiegsort. Das Fenster, das aufgebrochen worden sei, sei ca. zwei Meter ab 

Boden. Es habe unterhalb des Fensters zwar einen Blumentopf gehabt, der als 

Einstiegshilfe habe dienen können, aber auch mit dem Blumentopf hätte sich der 

Täter zum Fenster hinaufziehen müssen, was Spuren an der Wand hinterlassen 

hätte (Urk. 71 S. 3). Fernerhin sei seltsam, dass sich eine grössere Glasscherbe 

(ca. A4 gross) des aufgebrochenen Fensters ca. fünf Meter von der Mauer ent-

fernt im Garten in der Wiese oder in einem Gartenbeet befunden habe (Dossier 1, 

Urk. 12 S. 3). Der Polizeibeamte J._____ schilderte anlässlich seiner Zeugenbe-

fragung vom 30. Juni 2014 (Dossier 1, Urk. 14) die am Tatort angetroffene Situa-

tion dergestalt, dass es ein paar Punkte gehabt habe, welche auffällig gewesen 

seien. So habe der vermeintliche Täter nicht die Türe zum Windfang aufgebro-

chen, sondern sei durch ein Fenster eingebrochen. Unterhalb des Fensters sei 

zwar ein Blumentopf und ein Sandsack aufgetürmt gewesen, aber ein Einstieg 

durch ein eingeschlagenes Fenster sei wegen der Scherben immer heikel. Zudem 

sei das Hauptglas des Fensters des Windfangs vorliegend draussen im Garten 

und nicht drinnen im Windfang gelegen. Der wichtigste Punkt sei jedoch, dass 

zum einen im Haus des Beschuldigten keine Schnee- oder Schmutzspuren ge-

funden worden seien, zum andern auch an der Fassade, an welcher der Täter 

zum Fenster habe gelangen müssen, keine Spuren eruiert werden konnten. Die 

Aussagen der beiden Zeugen sind detailliert und stimmig und stellen die von der 

Verteidigung behauptete Tatversion in Frage. Weitere Zweifel am von der Vertei-

digung beschriebenen Tatvorgehen, weckt auch der Umstand, dass ein grösserer 

Teil der zerschlagenen Scheibe in erheblicher Entfernung (rund fünf Meter) vom 

Haus entfernt in der Wiese lag. Wird ein Fenster eines Raumes von aussen ein-

geschlagen, dann werden sich innerhalb und/oder ausserhalb des betreffenden 

Raumes, und zwar im Nahbereich des eingeschlagenen Fensters, zwangsweise 

Glasscherben auffinden lassen. Dass eine grössere Glasscherbe in einer Distanz 

-   34   - 

von ca. fünf Metern von der Hausfassade entfernt aufgefunden wird, spricht klar 

gegen das vom Beschuldigten behauptete Tatvorgehen. 

13.3.  Mit der Verteidigung ist davon auszugehen, dass bei Einbrüchen vom ge-

stohlenen Deliktsgut üblicherweise bzw. vielfach keine Rechnungen bzw. Quittun-

gen mehr vorhanden sind (Prot. I S. 25). Umso mehr erstaunt es daher zunächst, 

dass der Beschuldigte betreffend den abhanden gekommenen Schmuck eine 

Quittung vorzuweisen vermag. Zudem hat die Vorinstanz zu Recht erwogen, dass 

die im Zusammenhang mit dem Einbruchdiebstahl vom 11. Mai 2008 vorgelegte 

Quittung bzw. Rechnung vom 8. April 2008 (Dossier 3, Urk. 2/2) der im Rahmen 

des Einbruchdiebstahls vom 22. Dezember 2010 präsentierten Quittung bzw. 

Rechnung vom 9. Mai 2010 gleicht (Dossier 2, Urk. 4/2). Die aufgeführten (ent-

wendeten) Gegenstände sind von der Art (komplette Goldkette, Kette, Ring usw.) 

und Anzahl (je sechs) die selben. Ebenso identisch ist in beiden Quittungen bzw. 

Rechnungen der Aufbau und die Reihenfolge der entwendeten Schmuckstücke. 

Stempel und Unterschrift des Übersetzers wurden offensichtlich wiederverwertet 

(Urk. 71 S. 19). Schliesslich weisen die beiden Quittungen bzw. Rechnungen auf-

fallend ähnliche Rechnungsnummern auf. Die Quittung vom 8. April 2008 trägt die 

Nummer 007682 (Dossier 3, Urk. 2/2) und diejenige vom 9. Mai 2010 die Nummer 

008672 (Dossier 2, Urk. 4/2). Bei beiden Rechnungen werden die fünf gleichen 

Zahlen (0, 2, 6, 7 und 8) verwendet. Zu Recht hat die Vorinstanz schliesslich auch 

gewürdigt, dass zwei der als gestohlen gemeldeten Ringe (Dossier 2, Urk. 4/4, 

Urk. 4/8 und Urk. 4/10) und die Uhr (Dossier 2, Urk. 4/5) auf später, anlässlich der 

Heirat eines Sohnes des Beschuldigten am 7. Dezember 2012 gemachten Fotos 

wieder aufgetaucht sind (Urk. 71 S. 20). Das Vorbringen der Verteidigung, wo-

nach der Sohn des Beschuldigten die gleichen Ringe für seine Heirat gekauft ha-

be (Prot. I S. 25), vermag nicht zu überzeugen. Es fehlt denn auch an entspre-

chenden Kaufunterlagen. Daran ändert auch nichts, dass heute ausgeführt wurde, 

K._____ habe inzwischen bestätigt, dass die vorhandenen Ringe nicht von ihm 

stammen würden (Prot. II S. 18 f.). Der entsprechende Beleg konnte nämlich nicht 

beigebracht werden.  

-   35   - 

13.4.  Damit ist der Anklagesachverhalt, wie er in der Anklageschrift unter "Dossi-

er 2" und "Dossier 4" umschrieben ist (vgl. Urk. 48 S. 4 f.), erstellt.  

14. Die Vorinstanz hat die Sachverhalte gemäss Dossier 2 und 4 zutreffend als 

Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 4), als versuchten Betrug im 

Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB (Dossier 2), als 

Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (Dossier 2) und als mehr-

fache Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

(Dossier 2 und 4) gewürdigt. Diese rechtliche Würdigung wurde von der Verteidi-

gung denn auch nicht in Zweifel gezogen. Sie machte einzig geltend, die Privat-

klägerin 2 habe vergleichsweise Leistungen bezahlt, es könne somit kein Betrug 

bzw. keine Arglist vorliegen, da sie "sehenden Auges" bezahlt habe (Prot. II 

S. 19). Diese Argumentation überzeugt nicht. Aus der Strafanzeige der Privat-

klägerin 2 vom 17. Dezember 2012 (Dossier 1 und 2, je Urk. 1 S. 2) geht hervor, 

dass dieser Fall (Einbruch vom 22. Dezember 2010) von der Privatklägerin 2 im 

Februar 2011 nach eingehender Überprüfung abgelehnt wurde. Es wurden damit 

keine Versicherungsleistungen ausbezahlt. Vor diesem Zeitpunkt ahnte die Pri-

vatklägerin 2 nicht, dass die Einbrüche fingiert sein könnten. Von einer Zahlung 

"sehenden Auges" kann daher nicht gesprochen werden. Der Beschuldigte ist da-

her entsprechend der Würdigung der Vorinstanz schuldig zu sprechen.  

C. Zur Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Dossier 6) 

15.1.  Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der fahrlässigen Widerhandlung ge-

gen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 2 WG in Verbindung mit Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1 WV schuldig gesprochen. Sie erwog, dass 

nicht bekannt sei, wann und auf welche Weise die Soft-Air-Pistole in den Haushalt 

des Beschuldigten gelangt sei. Damit sei der Vorsatz des Beschuldigten unbewie-

sen geblieben. Aufgrund der Zugabe des Beschuldigten, wonach sich die Soft-Air-

Pistole schon seit Jahren in seinem Haushalt befunden habe, könne ihm der Vor-

wurf einer pflichtwidrigen Unvorsichtigkeit jedoch nicht erspart werden (Urk. 71 

S. 22).  

-   36   - 

15.2.  Die Kritik des Beschuldigen in Bezug auf den vorgeworfenen Waffenbesitz 

fusst auf der Argumentation, Käufer, Zeitpunkt sowie Ort des Kaufs seien unklar, 

und er kenne den vermeintlichen Käufer der besagten Soft-Air-Pistole nicht (Dos-

sier 1, Urk. 10 S. 16 f.; Prot. I S. 17 und S. 26). Er habe nichts von deren Existenz 

gewusst (Prot. II S. 20). 

15.3.  Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer vor-

sätzlich ohne Berechtigung Waffen besitzt (Art. 33 Abs. 1 lit. a WG). Das  

(Waffen-) Gesetz selbst definiert den Waffenbesitz nicht. Rechtlich sind Besitz 

und Eigentum nicht dasselbe. Im Besitz einer Sache ist diejenige Person, welche 

die tatsächliche Herrschaft oder Gewalt über die Sache im Sinne von Art. 919 

ZGB hat und ausübt. "Waffenbesitz" setzt demgemäss voraus, dass der Besitzer 

die tatsächliche Sachherrschaft ausübt, das heisst, der Besitzer hat die Herr-

schaftsmöglichkeit und den Herrschaftswillen und auch die damit verbundene 

Verantwortung für den Gegenstand. Eigentümer und Besitzer müssen nicht 

zwangläufig zusammenfallen. Waffeneigentum und Waffenbesitz fallen beispiels-

weise dann auseinander, wenn die Eigentümer die tatsächliche Sachherrschaft 

einem Dritten überlassen (z.B. beim Ausleihen, Vermieten oder Hinterlegen einer 

Waffe). 

15.4.  Es ist vorliegend unbestritten, dass die hier in Frage stehende Soft-Air-

Pistole unter das Waffengesetz fällt. Der Beschuldigte bestreitet sodann nicht, 

dass anlässlich der am 28. Mai 2013 (Dossier 1, Urk. 37/1-5; Urk. 100 S. 12) an 

seinem Wohnort durchgeführten Hausdurchsuchung eine Soft-Air-Pistole sicher-

gestellt wurde. Ebenso stellt er nicht in Abrede, dass ihm als Staatsangehöriger 

des Kosovo nicht erlaubt war, eine solche Waffe zu besitzen, und dass er davon 

keine Kenntnis hatte. Er führt "lediglich" aus, er habe fünf Kinder und sechs  

Enkelkinder. Er habe deswegen viele Spielzeuge zu Hause. Woher die fragliche 

Pistole komme, wisse er nicht. Sie befinde sich seit sechzehn oder siebzehn Jah-

ren bereits bei ihm (Dossier 1 Urk. 10 S. 10 f.; Prot. I S. 17 und S. 26; Urk. 100 

S. 12). Lediglich gestützt auf diese Aussagen kann dem Beschuldigten nicht 

rechtsgenügend nachgewiesen werden, dass er von der Soft-Air-Pistole in seinem 

Haus gewusst hat. In Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" ist er daher 

-   37   - 

vom Vorwurf des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 

lit. a WG in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 lit. d WV freizusprechen. 

V. Strafzumessung 

1. Methodische Grundsätze zur Festlegung der Strafe 

1.1. Das Bundesgericht hat sich verschiedentlich eingehend zur Vorgehensweise 

bei der Strafzumessung, insbesondere bei Vorliegen mehrerer Delikte geäussert 

(BGE 134 IV 19, 136 IV 55; vgl. auch HANS MATHYS, Zur Technik der Straf-

zumessung, SJZ 100/2004 S. 173; CHRISTIAN SCHWARZENEGGER, Die Sanktions-

folgebestimmung und der Anwendungsbereich des Asperationsprinzips bei der 

Konkurrenz von Art. 49 Abs. 1 StGB, Festschrift Wiprächtiger, Basel 2011, 

S. 37 ff.). Die entsprechenden Regeln können in den meisten Fällen schematisch 

angewendet werden. Immerhin sind sie aber nicht zwingend und im Einzelfall sind 

Abweichungen möglich oder sogar angebracht, beispielsweise bei Delikten im 

Bagatellbereich (BGE 135 IV 101 E. 3.1). Soweit die Strafe innerhalb des gesetz-

lichen Strafrahmens, gestützt auf alle wesentlichen Gesichtspunkte und im Rah-

men des richterlichen Ermessens festgesetzt wurde, sind Unterschiede in der 

Strafzumessungspraxis innerhalb dieser Grenzen als Ausdruck unseres Rechts-

systems hinzunehmen (eingehend BGE 123 IV 150 E. 2a mit Hinweisen; ferner 

Urteil des Bundesgerichts 6S.460/1999 vom 2. September 1999 E. 2b mit Hin-

weis). Wesentlich ist, dass die Begründung der Strafhöhe nachvollziehbar ist, sich 

auf sachliche Argumente stützt und in gewissem Rahmen einen Vergleich mit an-

deren Fällen erlaubt, weshalb auch ähnliche Vorgehensweisen bei der Straf-

zumessung notwendig sind. 

1.2.  Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für 

mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 

schwersten Straftat und erhöht sie angemessen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei Tat- 

oder Deliktsmehrheit ist in einem ersten Schritt die schwerste Tat zu bestimmen. 

Als schwerste Tat gilt diejenige, die gemäss abstrakter Strafandrohung des Ge-

setzes mit der höchsten Strafe bedroht ist und nicht jene, die nach den konkreten 

-   38   - 

Umständen verschuldensmässig am Schwersten wiegt (Urteile des Bundes-

gerichtes 6B_885/2010 vom 7. März 2011 E. 4.4.1 und 6B_323/2010 vom 

23. Juni 2010 E. 2.2; BGE 116 IV 300 E. 2.c.bb und cc). Bei mehreren Delikten 

mit gleicher Strafandrohung besteht ein gewisses Ermessen, von welchem Delikt 

auszugehen ist. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, vom konkret schwersten 

Delikt auszugehen oder, bei ähnlicher Schwere aller Delikte, vom chronologisch 

ersten Delikt. Diese Grundsätze hat die Vorinstanz verkannt, indem sie den voll-

endeten Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB beim Sachverhalt des Dos-

siers 4 als schwerste Tat bestimmt hat (vgl. Urk. 71 S. 23).  

1.3. Das Gericht hat sodann in einem zweiten Schritt die Einsatzstrafe für die 

schwerste Tat innerhalb des betreffenden gesetzlichen Strafrahmens fest-

zusetzen, indem es alle diesbezüglichen straferhöhenden und strafmindernden 

Umstände berücksichtigt (Urteile des Bundesgerichtes 6B_579/2008 vom 

27. Dezember 2008 E. 4, 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 E. 2.2, 6B_865/2009 

vom 25. März 2010 E. 1.2.2 und 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.1). Dabei ist 

zwischen objektiver und subjektiver Tatschwere zu unterscheiden. Es ist eine vor-

läufige Gesamteinschätzung im Sinne einer hypothetischen Einsatzstrafe vorzu-

nehmen, die zum Ausdruck bringen soll, ob die festgestellte objektive Tatschwere 

aufgrund der subjektiven Beurteilung reduziert, bestätigt oder erhöht werden soll. 

Damit soll vermieden werden, dass zwar von einem schweren Verschulden aus-

gegangen wird, die Strafe dann aber am unteren oder gar untersten Rahmen an-

gesiedelt wird (und umgekehrt). Das Gericht ist zwar nicht gehalten, in Zahlen  

oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien be-

rücksichtigt (BGE 127 IV 101 E. 2c mit Hinweisen), jedoch ist die Festlegung einer 

Einsatzstrafe in der Regel unabdinglich. 

1.4. In einem dritten Schritt ist diese Einsatzstrafe sodann unter Einbezug der 

weiteren Straftaten in Anwendung des sogenannten Asperations- oder Strafschär-

fungsprinzips und unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände der zusätzli-

chen Delikte angemessen zu erhöhen (Urteile des Bundesgerichtes 6B_466/2013 

vom 25. Juli 2013 E. 2.1, 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 E. 2.2 und 

6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.2.2). Auch bei diesen weiteren Delikten ist 

http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=2009&to_year=2015&sort=relevance&subcollection_c6=on&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=any&query_words=Strafzumessung+begr%FCndung&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-IV-101%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page101

-   39   - 

die objektive und subjektive Tatschwere zu bestimmen. Die Asperation setzt al-

lerdings gemäss Wortlaut von Art. 49 Abs. 1 StGB gleichartige Strafen voraus 

(zum Begriff der Gleichartigkeit siehe SCHWARZENEGGER, a.a.O., S. 50). 

Bei dieser Strafschärfung darf das Höchstmass der angedrohten Strafe des Aus-

gangsdelikts nicht um mehr als die Hälfte erhöht werden und das Gericht ist an 

das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Ge-

mäss Bundesgerichtspraxis ist der ordentliche Rahmen bei einer Deliktsmehrheit 

nur dann zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen, welche die 

für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall als zu hart bzw. zu 

milde erscheinen lassen (BGE 136 IV 55).  

Bei der Bemessung der Gesamtstrafe müssen die einzelnen Straftaten innerhalb 

des (allenfalls erweiterten) Strafrahmens gesamthaft gewürdigt werden. Dabei 

sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zu-

sammenhang, ihre grössere oder geringere Selbstständigkeit sowie die Gleichheit 

oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und die Begehungsweisen zu 

berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts wird dabei ge-

ringer zu veranschlagen sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in ei-

nem engen Zusammenhang stehen (Urteile des Bundesgerichtes 6B_323/2010 

vom 23. Juni 2010 E. 3.2 und 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.4).  

1.5. Erst nach der Festlegung der Gesamtstrafe für das Tatverschulden für sämt-

liche Delikte sind in einem vierten Schritt die allgemeinen Täterkomponenten, das 

heisst Faktoren, welche grundsätzlich keinen Bezug zur konkreten Tat haben, 

sondern allein von der Persönlichkeit des Täters abhängen, zu berücksichtigen 

(Urteile des Bundesgerichtes 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1 und 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.2). Darunter fallen beispielsweise ein Ge-

ständnis, das Verhalten während der Strafuntersuchung, Leumund und Vorstrafen 

oder besondere Strafempfindlichkeit, wobei Letzteres nur sehr zurückhaltend an-

zunehmen ist (Urteil des Bundesgerichtes 6B_1065/2010 vom 31. März 2011 

E. 1.10). Indem die Vorinstanz die allgemeinen Täterkomponenten bereits nach 

der Festlegung der Einsatzstrafe für die schwerste Tat berücksichtigt hat (vgl. 

Urk. 71 S. 24), ist sie nicht korrekt vorgegangen.  

-   40   - 

1.6. Zuletzt ist gegebenenfalls auch tat- und täterunabhängigen Faktoren Rech-

nung zu tragen, wie beispielsweise einer Verletzung des Beschleunigungsgebotes 

gemäss Art. 5 StPO (Urteil des Bundesgerichtes 6B_794/2008 vom 1. Dezember 

2008) oder einem Vergleich mit dem Strafmass von Mittätern. Bei Letzterem ist 

jedoch zu beachten, dass das Gericht nicht an das Urteil gegen die Mittäter ge-

bunden ist. Es besteht kein Anspruch auf "Gleichbehandlung im Unrecht", wenn 

nach Auffassung des Gerichts gegen einen Mittäter eine zu milde Strafe aus-

gefällt wurde (BGE 135 IV 191 E. 3.2-3.4). Es besteht aber ein Anspruch, dass 

erhebliche Abweichungen von vergleichbaren Mittätern begründet werden. Abge-

sehen davon differieren die Strafzumessungskriterien von Mittätern in der Regel, 

insbesondere bei den Täterkomponenten, weshalb Vergleiche oft hinken (Urteil 

des Bundesgerichtes 6B_140/2011 E. 6.1). 

2. Ausgangsdelikt – Gewerbsmässiger Betrug im Zusammenhang mit dem 
Bezug von Invaliditätsrenten (Dossier 1) 

2.1. Strafrahmen 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist vorliegend als schwerster Tatbestand 

der gewerbsmässige Betrug gemäss Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB, welcher als 

Sanktion eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder eine Geldstrafe nicht unter 

90 Tagessätzen vorsieht.  

2.2. Objektives Tatverschulden 

Die Betrugsdelikte erfolgten über eine Dauer von rund 16 ½ Monaten (Mitte Mai 

2011 bis Ende Oktober 2012). Der Deliktsbetrag beläuft sich auf rund 

Fr. 100'000.– und ist damit doch erheblich. Allerdings ist der Deliktsbetrag bei 

Vermögensdelikten zwar ein wichtiger, aber kein vorrangiger Strafzumessungs-

faktor (BGE 121 IV 202 E. 2d/cc und Urteil des Bundesgerichtes 6S.170/2000 

vom 19. Juni 2000 E. 4b). Deshalb darf nicht allein gestützt auf den Deliktsbetrag 

auf ein erhebliches Verschulden geschlossen werden. Mit der Vorinstanz ist da-

von auszugehen, dass der Beschuldigte doch massive gesundheitliche Probleme 

hatte, welche Schmerzen und andere Beeinträchtigungen verursachten und sein 

-   41   - 

Leben bzw. seine Lebensqualität erheblich beeinträchtigen (Urk. 71 S. 25). Sein 

Verhalten bzw. seine Vorgehensweise, seine gesundheitliche Situation gegenüber 

den Versicherungsmitarbeitern und Ärzten schlimmer darzustellen, als sie war, 

indem er jeweils seine Gehstöcke theatralisch verwendete und drastisch unwahre 

Aussagen darüber machte bzw. darüber jammerte, was ihm alles nicht mehr mög-

lich sei, ist zwar nicht zu bagatellisieren, muss jedoch vor dem Hintergrund seiner 

gesundheitlichen Situation gesehen werden. Den geschädigten Versicherungen 

ist auch keine Opfermitverantwortung anzulasten, was das Verschulden des Tä-

ters mindern würde (siehe dazu BGE 135 IV 76 E. 5.3 in fine). Die Versicherun-

gen haben immer wieder nähere Abklärungen über die gesundheitliche Situation 

des Beschuldigen bei ihm selber und den behandelnden Ärzten getroffen, um die 

korrekte Ausrichtung der Rentenzahlungen sicherzustellen. Weiter relativierend 

hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist der Umstand, dass nur zwei und nicht 

eine Vielzahl von Geschädigten von den Betrugshandlungen des Beschuldigten 

betroffen wurden. Das objektive Tatverschulden ist vorliegend noch als leicht zu 

qualifizieren. Bei dieser Verschuldensbewertung ist von einer hypothetischen Ein-

satzstrafe auszugehen, die im untersten Bereich des ordentlichen Strafrahmens 

liegt. 

2.3. Subjektives Tatverschulden 

In subjektiver Hinsicht ist zunächst hervorzuheben, dass der Beschuldigte mit  

direktem Vorsatz gehandelt hat, weshalb unter diesem Titel keine Verschuldens-

minderung resultiert. Dem zur Schau gestellten Verhalten des Beschuldigten lag 

offensichtlich die Befürchtung zugrunde, dass irgendwann eine Rentenkürzung 

oder -einstellung drohen könnte. Ein finanzielles Motiv für das deliktische Handeln 

liegt daher auf der Hand. In einer finanziellen Notlage befand sich der Beschuldig-

te indes nicht. Der Beschuldigte verwendete die Gelder im eigenen Nutzen; er 

handelte damit aus egoistischen Gründen. 

-   42   - 

2.4. Einsatzstrafe für das Tatverschulden 

Das gesamte Tatverschulden des Beschuldigten ist bzw. bleibt leicht. Es er-

scheint daher eine hypothetische Einsatzstrafe von rund 14 Monaten Freiheits-

strafe als dem Verschulden des Beschuldigten angemessen. 

3. Fingierter Einbruchdiebstahlversuch vom 17./18. Oktober 2009 (Dossier 4) 

3.1. Vollendeter Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB sieht Freiheitsstrafe 

bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. In objektiver Hinsicht ist zunächst zu be-

merken, dass der ertrogene Deliktsbetrag von Fr. 16'790.– relativ bescheiden 

war. Mit der Vorinstanz ist jedoch davon auszugehen, dass das Tatvorgehen ein 

bedenkliches Ausmass an krimineller Energie offenbart (Urk. 71 S. 23). In subjek-

tiver Hinsicht gilt es festzuhalten, dass dem Betrug nicht ein spontaner Tatent-

schluss zugrunde lag. Wie die Erstinstanz zutreffend festhält, erforderte dieser 

vielmehr ein erhebliches Mass an Planung, Sorgfalt bei der Tatausführung und 

Konsequenz in der auf den fingierten Einbruch folgenden Schadensmeldung und 

den unvermeidlichen Befragungen (Urk. 71 S. 23). Allerdings erfordert der Betrug 

als solcher regelmässig ein gezieltes und überlegtes Handeln. Auch bei dieser Tat 

war das Motiv finanzieller Natur. Der Beschuldigte wollte sich auf Kosten der Ver-

sicherung – und damit auch der anderen Versicherten – bereichern. Insofern han-

delte der Beschuldigte auch egoistisch und verwerflich. Das Tatverschulden er-

scheint – auch in diesem Fall – noch als leicht. Im Rahmen von möglichen Tat-

varianten ist beispielsweise ein Betrug mit einen grösseren Deliktsbetrag als klar 

schwerer zu qualifizieren.  

3.2. Wer bei einer Behörde wider besseres Wissen anzeigt, es sei eine strafbare 

Handlung begangen worden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe bestraft (Art. 304 Ziff. 1 StGB). Die Irreführung der Rechtspflege hängt 

eng mit dem vollendeten Betrug zusammen, da die vom Beschuldigten gewählte 

Methode des Betrugs eine solche notwendigerweise voraussetzt. Der Gesamt-

schuldbeitrag dieser Delikte ist geringer, als wenn sie nicht zusammenhängen 

würden (Urteil des Bundesgerichtes 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 E. 3.2 und 

BSK StGB I-ACKERMANN, Art. 49 N 49). Das objektive und subjektive Tatverschul-

-   43   - 

den kann daher nicht losgelöst von demjenigen des vollendeten Betrugs gewich-

tet werden, weshalb auf die Ausführungen unter Ziffer 3.1. verwiesen werden 

kann. Es rechtfertigt sich insgesamt eine deutliche Erhöhung der hypothetischen 

Einsatzstrafe. 

4. Fingierter Einbruchdiebstahl vom 23. Dezember 2010 (Dossier 2) 

4.1. Der Deliktsbetrag beläuft sich auf rund Fr. 20'000.– und ist (wiederum) re-

lativ gering. Bezüglich der objektiven und subjektiven Tatschwere kann auf die un-

ter Ziffer 3 vorstehend gemachten Ausführungen zum Betrug im Zusammenhang 

mit dem (fingierten) Einbruchdiebstahl vom 17./18. Oktober 2009 verwiesen wer-

den. Der Versuch wirkt sich hier im Vergleich zum Tatverschulden jenes Betrugs 

allerdings mit einer tieferen Strafe aus. 

4.2.  Was die Irreführung der Rechtspflege betrifft, so kann ebenfalls auf die vor-

stehenden Erwägungen unter Ziffer 3 verwiesen. Hinzu kommt nun aber noch die 

Urkundenfälschung, welche nach Art. 251 Ziff. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu 

fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft wird. Die Urkundenfälschung hängt zeitlich, 

sachlich und situativ eng mit dem versuchten Betrug zusammen, weshalb der Ge-

samtschuldbeitrag dieser Delikte geringer ist, als wenn sie nicht zusammen-

hängen würden. So war die Urkundenfälschung ein Element der Täuschung im 

Konzept des Beschuldigten. Das objektive und subjektive Tatverschulden kann 

daher auch hier nicht losgelöst von demjenigen des Betrugsversuchs gewichtet 

werden, weshalb auf diese Ausführungen verwiesen werden kann. Insgesamt 

rechtfertigt sich nochmals eine deutliche Erhöhung der hypothetischen Einsatz-

strafe.  

5. Vereitelung der Blutprobe (Dossier 5) 

Gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe bestraft, wer sich als Motorfahrzeugführer vorsätzlich einer Blutprobe, 

einer Atemalkoholprobe oder einer anderen vom Bundesrat geregelten Vorunter-

suchung, die angeordnet wurde oder mit deren Anordnung gerechnet werden 

musste, oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt oder ent-

-   44   - 

zogen oder den Zweck dieser Massnahme vereitelt hat. Der Beschuldigte hat am 

8. Dezember 2012, ca. 00.30 Uhr, auf der Autobahn A53 Richtung Rapperswil auf 

schneebedeckter Strasse die Herrschaft über seinen Personenwagen verloren, so 

dass dieser von der Strasse geriet und hinter der Leitplanke beschädigt im 

Schnee steckenblieb. In der Folge verliess der Beschuldigte die Unfallstelle, da er 

aufgrund der Umstände des Unfalls sowie der Tageszeit davon ausgehen musste, 

dass die Polizei zunächst einen Atemlufttest und anschliessend die Abnahme ei-

ner Blutprobe anordnen würde. Das Tatverschulden ist insgesamt noch als leicht 

zu beurteilen. Eine ganz leichte Straferhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe 

wird diesem Tatverschulden gerecht. 

6. Gesamtstrafe 

Wie bereits vorstehend erwähnt, sind die einzelnen Strafen nicht einfach zu  

addieren, sondern in Anwendung des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe 

aufgrund der weiteren Delikte angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1 StGB). 

Aufgrund der zusätzlich begangenen Delikte ist von einer massgeblichen Straf-

erhöhung auszugehen, um dem Tatverschulden des Beschuldigten hinreichend 

Rechnung zu tragen. Es erscheint angemessen die Einsatzstrafe von 14 Monaten 

Freiheitsstrafe aufgrund der weiteren Delikte gemäss den Dossiers 2, 4 und 5 um 

insgesamt 10 Monate zu erhöhen.  

7. Täterkomponenten 

7.1. Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des Beschul-

digten kann zunächst auf die zusammenfassende Wiedergabe im vorinstanz-

lichen Urteil verwiesen werden (Urk. 71 S. 24 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich 

der heutigen Berufungsverhandlung ergaben sich keine wesentlichen Änderun-

gen. Der Beschuldigte führte aus, nach wie vor vom Sozialamt H._____ mit 

Fr. 780.– monatlich unterstützt zu werden. Ferner würden die Krankenkassen-

prämien bezahlt. Miete könne er seinem Sohn nicht bezahlen. Das Auto habe er 

verkauft. Noch immer gehe es ihm gesundheitlich schlecht. Den ganzen Tag sei 

er in Behandlungen, Therapien, Bestrahlungen oder nehme Termine bei Ärzten 

oder in Spitälern wahr (Urk. 100 S. 1 ff.).  

-   45   - 

Aus dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten erge-

ben sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren. 

7.2. Der Beschuldigte ist (teilweise) einschlägig vorbestraft. So wurde er mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 30. Mai 2006 wegen grober 

Verletzung der Verkehrsregeln mit einer Busse von Fr. 700.– bestraft (Urk. 76; 

Urk. 98). Diese Verurteilung liegt rund sechs Jahre vor der neuerlichen De-

linquenz im Strassenverkehrsrecht, begangen im Dezember 2012, zurück. Die 

Vorstrafe ist daher leicht straferhöhend zu berücksichtigen.  

7.3. Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten eines Täters mit zu 

berücksichtigen. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren 

(wie zum Beispiel Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit; vgl. TRECHSEL, Kurz-

kommentar zum StGB, 2. Aufl., Zürich 1998, Art. 63 N 10a aStGB; BSK StGB I-

WIPRÄCHTIGER, Art. 63 N 105 ff. aStGB). Ein Geständnis, das kooperative Verhal-

ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue 

wirken strafmindernd (BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER, Art. 63 N 107). Im Entscheid 

6S.186/2003 vom 22. Januar 2004, E. 5.7.3, führte das Bundesgericht zur Be-

rücksichtigung eines Ges