# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e8efe07f-10df-5eb9-9edc-ef5bb87629e4
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-01-31
**Language:** de
**Title:** Beweiskräftiges Gutachten. Einkommensvergleich. Gutheissung einzig in Bezug auf den Rentenbeginn, da das Wartejahr früher begann als von der IV-Stelle angenommen.
**Docket/Reference:** IV.2016.00520
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00520.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00520
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Widmer
Urteil vom 31. Januar 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Pro
Infirmis
Zürich
Sozialberatung, Y.___
Hohlstrasse 560, Postfach, 8048 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Pensionskasse Stadt Zürich
Morgartenstr
. 30, Postfach, 8036 Zürich
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1972 geborene X.___ verfügt über keine Berufsausbildung (Urk. 7/6/5) und arbeitete zuletzt als Serviceangestellte (Urk. 7/6/5-6). Am 5. September 2008 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Legasthenie sowie unter Angabe der behandelnden Psychiaterin bei der Eidgenössischen Invali
denversicherung zum Rentenbezug an (Urk. 7/6 = Urk. 7/11). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische sowie erwerbliche Abklärungen und gewährte Eingliederungsleistungen. Namentlich erteilte sie der Versicherten am 6. Januar 2010 Kostengutsprache für die erstma
lige berufliche Ausbildung zur Hauswirtschaftspraktikerin
PrA
bei Z.___ vom 4. Januar 2010 bis zum 3. Januar 2012 (Urk. 7/49). Am 27. Dezember 2011 teilte sie der Versicherten den erfolgreichen Abschluss der beruflichen Mass
nahme per 3. Januar 2012 mit (Urk. 7/58). Hernach gewährte sie ihr Arbeits
vermittlung und Jobcoaching (Urk. 7/71). Mit Vertrag vom 26. Juli 2012 wurde die Versicherte per 6. August 2012 mit einem Arbeitspensum von 50 % von der Spitex A.___ als hauswirtschaftliche Mitarbeiterin angestellt (Urk. 7/77). Infolgedessen schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung nach erfolgreichem Bestehen der Probezeit (vgl. Urk. 7/81/4) mit Mitteilung vom 20. Februar 2013 ab (Urk. 7/79). Mit Vorbescheid vom 22. Februar 2013 stellte sie der Versicher
ten die Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 7/83). Am 16. April 2013 verfügte sie im angekündigten Sinne (Urk. 7/86). Diese Verfügung blieb unangefochten.
1.2
Am 30. April 2014 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine seit dem 18. November 2013 bestehende psychische Beeinträchtigung durch Überbelas
tung erneut bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/89). Die IV-Stelle leitete daraufhin Massnahmen zum Arbeitsplatz
erhalt ein (Urk. 7/93/1, Urk. 7/98), welche sie am 25. November
2014 mangels Bedarfs wieder abschloss (Urk. 7/121, Urk. 7/122/2). Zudem holte sie aktuelle medizinische Berichte (Urk. 7/99, Urk. 7/105, Urk. 7/117, Urk. 7/119 sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 7/94) ein. Sodann liess sie die Versicherte durch Dr. med. B.___, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, psychiatrisch begutachten, welcher sein Gutachten am 12. Mai 2015 erstattete (Urk. 7/130). Dazu nahm der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der IV-Stelle am 26. Mai 2015 Stellung
(Urk. 7/
131/4). Mit Vorbescheid vom 16. Juni 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Verneinung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente in Aussicht
(Urk. 7/
132). Dagegen erhob die
Versicherte
am 8. Juli 2015
(Urk. 7/
136), ergänzt am 7. August 2015
(Urk. 7/
140) unter Beilage eines Arztberichts
(Urk. 7/
139), Einwand. Dazu nahm der RAD am 25. November 2015 Stellung
(Urk. 7/
150/2-3) und die Kundenbera
tung führte einen neuen Einkommensvergleich durch
(Urk. 7/
142,
Urk.
7/150/3). Mit dem Vorbescheid vom 16. Juni 2015 ersetzendem Vorbescheid vom 17. Dezember 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten dann die
Zusprache
einer
Viertelsrente
mit Wirkung ab Mai 2015 in Aussicht
(Urk. 7/
144). Dagegen erhob die
Versicherte
am 4. Januar 2016
(Urk. 7/
146), ergänzt am 26. Januar 2016
(Urk. 7/
149), wiederum Einwand. Am 1. April 2016 sprach die IV-Stelle ihr wie angekündigt mit Wirkung ab dem 1. Mai 2015 eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung zu
(Urk. 7/
160 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1. April 2016 erhob die Versicherte am 3. Mai 2016 Beschwerde und beantragte, es sei ihr anstelle der
Viertelsrente
eine
Dreivier
telsrente
zuzusprechen.
In prozessualer Hinsicht
ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Gerichtsverfügung vom 16. Juni 2016 wurde der Beschwerdeführe
rin die unentgeltliche Prozessführung gewährt sowie die
Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht (Urk. 11). Am 13. Dezember 2017 wurde die Pensionskasse Stadt Zürich zum Prozess beigeladen (Urk. 13). Mit Eingabe vom 12. Januar 2018 verzichtete die Beigeladene auf das Einreichen einer Stellungnahme (Urk. 14).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Ver
änderung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
berichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, laut dem Gutachten vom 12. Mai 2015 sei der Beschwerdeführerin eine angepasste, anspruchslose Tätigkeit zu 80 bis 100 % (Mittelwert 90 %) zumutbar. Das
Valideneinkommen
setzte sie gestützt auf Art. 26 Abs. 1 IVV auf Fr. 82‘500.-- fest, das Invalideneinkommen gestützt auf das Total der Frauen, Kompetenzniveau 1, gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012. Dabei gelangte sie zu einem Invaliditätsgrad von 42 %. Sie führte aus, die Vornahme eines Leidensabzugs sei nicht gerechtfertigt, da die Einschränkungen bereits bei der Formulierung des Belastungsprofils berücksichtigt worden seien. Ferner würden auch Alter, Nationalität und Beschäftigungsgrad keinen Abzug rechtfertigen (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte dagegen ein, sie sei gemäss der Einschätzung der Vertrauensärzte der Pensionskasse sowie der Krankentaggeldversicherung und jener der Arbeitgeberin nur zu 40 % arbeitsfähig in der Tätigkeit als Haus
wirtschafspraktikerin bei der Spitex. Dabei handle es sich um eine optimale Eingliederung, weshalb das Invalideneinkommen dem effektiven Einkommen entspreche. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 68 %. Die Beschwerdegegnerin zwinge sie nun quasi dennoch zur Aufgabe der erreichten Stabilität, was nicht angehe. Eventualiter stellte sie sich auf den Standpunkt, die Tabellenlöhne bezögen sich auf gesunde Arbeitnehmerinnen, weshalb aufgrund der von Dr. B.___ erwähnten mangelnden Belastbarkeit für neue Herausforderungen sowie der gemäss der neuropsychologischen Untersuchung der EPI-Klinik Zürich vom Mai 2008 bestehenden Lernbehinderung ein Leidensabzug von 25 % vorzunehmen sei. Denn das Spektrum
der möglichen Stellen sei selbst bei den Hilfsarbeiten eingeschränkt. Demnach resultiere ein Invaliditätsgrad von 62 %. Weiter machte sie geltend, auch beim von Dr. B.___ für zumutbar gehal
tenen Pensum als Hauswirtschaftspraktikerin ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 60 % (Urk. 1 S. 2-4).
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilde
t
die letzte rechtskräftige, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
kon
former Sach
verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010, E. 2.
1 mit Hinweisen)
, mit
hin die Verfügung vom
16. April 2013 (Urk. 7/86). Damals war der Beschwerdeführerin die Tätig
keit als angelernte Hauswirtschaftsmitarbeiterin vollzeitlich mit einer Leistungs
fähigkeit von 80 % zumutbar (Urk. 7/86/2). Dadurch, dass diese angelernte Tätigkeit in der Zwischenzeit unbestrittenermassen und auch laut Gutachten von Dr. B.___ nur noch in einem geringeren Ausmass zumutbar ist (Urk. 1 S. 2, Urk. 2 S. 3, Urk. 7/130/19), liegt eine Veränderung in den tatsächlichen Ver
hältnissen vor, deren Auswirkungen auf den Invaliditätsgrad zu prüfen sind (vgl. E. 1.3 vor
stehend).
3.2
Dr. med. C.___, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, berich
tete am 30. Mai 2014 sowie am 2. Juni 2014, die Beschwerdeführerin habe sich vom 16. Dezember 2013 bis am 23. Mai 2014 in seiner Behandlung befunden (Urk. 7/99/3, Urk. 7/99/9, Urk. 7/99/12). Dabei habe es sich um eine gesprächs
psychotherapeutische Krisenintervention gehandelt. Eine medikamentöse anti
depressive Therapie sei nie notwendig gewesen (Urk. 7/99/9). Für die Zeit von November oder Dezember 2013 bis am 22. Mai 2014 attestierte er ihr
eine
- bezogen auf ihr Arbeitspensum - 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/99/4, Urk. 7/99/12). Dies wegen eines mittelschweren depressiven Zustands (Urk. 7/99/11). Weiter hielt er fest, ab dem 23. Mai 2014 könne er eine Arbeits
unfähigkeit wegen psychischer Beschwerden nicht mehr bestätigen. Es könne die Arbeitsfähigkeit innert zwei bis drei Monaten wieder auf 80 % gesteigert werden, falls die Beschwerdeführerin dies möchte. Sie strebe dies jedoch nicht an (Urk. 7/99/9). Als Diagnosen nannte er einen leicht bis mittelschwer depres
siven Zustand (ICD-10: F32.0/1) mit Selbstzweifeln, Zukunftsängsten und for
derndem Verhalten bei verminderter Konzentration, akzentuierten Persönlich
keitszügen sowie bei Intelligenz im unteren Normbereich (Urk. 7/99/3, Urk. 7/99/8-9). Dr. C.___ merkte an, die hauptsächliche Arbeit zur Ver
besserung des Gesundheitszustands sei von der Beschwerdeführerin zu leisten bezüglich Schlafhygiene, Tag/Nacht-Rhythmus, Ernährung, Wille zur Leistungs
erbringung. Er habe den Eindruck gewonnen, die Beschwerdeführerin sei nicht an einer Genesung interessiert, sondern bemühe sich nun darum, eine Renten
erhöhung zu erhalten. Auch für den Wechsel des Psychiaters halte er strate
gische Gründe für ausschlaggebend (Urk. 7/99/5, Urk. 7/99/8, Urk. 7/99/10).
3.3
Dr. med. D.___, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, berich
tete am 3. Juli 2014 zuhanden der Pensionskasse Stadt Zürich über seine ver
trauensärztliche Untersuchung vom 22. Mai 2014 (Urk. 7/105/1). Er äusserte den Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Border
line-Typus
(ICD-10: F60.31) und nannte eine kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten (ICD-10: F81.3), bestehend seit der Kindheit. Eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit (bezogen auf das Arbeitspensum von 80 %) bestehe seit Dezember 2013 (Urk. 7/105/2) vorübergehend bis in drei bis vier Monaten (Urk. 7/105/8). Falls die Beschwerdeführerin ihre volle Arbeitsfähigkeit nicht
innert drei bis vier Monaten erreiche, sei allenfalls eine vertrauensärztlich-psychiatrische Verlaufs
beurteilung indiziert (Urk. 7/105/11).
3.4
Dr. med. E.___, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
, gab ihre konsiliarische Beurteilung zuhanden der Zürich Versicherungsgesellschaft AG am 23. September 2014 ab (Urk. 7/117/10-20). Sie diagnostizierte eine aktuell noch leichte depressive Episode, anamnestisch bei rezidivierenden Stimmungs
einbrüchen bis Depression (ICD-10: F32.00, Differentialdiagnose F33.00), infol
ge von Therapie und Reifung noch akzentuierte Persönlichkeit vom
Borderline
-Typus (ICD-10: Z73.1), Differenzialdiagnose Persönlichkeitsstörung vom
Border
line-Typus
(ICD-10: F60.31), sowie eine kombinierte Störung schulischer Fertig
keiten (ICD-10: F81.3; Urk. 7/117/18). Dr. E.___ gelangte zur Beurteilung, im angestammten Beruf als Mitarbeiterin Hauswirtschaft bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bezogen aufs Arbeitspensum von 80 %. Am aktuellen Arbeits
platz werde den Defiziten der Beschwerdeführerin ausgiebig Rechnung getra
gen. Bei erfolgreicher weiterer Stabilisierung könne eine 50%ige (von 100 %) Arbeitsfähigkeit erreicht werden (Urk. 7/117/20).
3.5
Am 15. November 2014 berichtete Dr. D.___ erneut über die Beschwerdefüh
rerin (Urk. 7/117/1-9). Dem Bericht ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerde
führerin seit dem 20. August 2014 in seiner Behandlung befand. Als Diagnosen nannte Dr. D.___ eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Border
line-Typus
(ICD-10: F60.31) und eine kombinierte Störung schulischer Fertig
keiten (ICD-10: F81.3) bei bekannten neuropsychologischen Funktionsdefiziten im Rahmen eines mittelgradig reduzierten allgemeinen kognitiven Leistungs
niveaus (ICD-10: F07.8). Sämtliche Diagnosen bestünden seit der Kindheit (Urk. 7/117/1). Dr. D.___ hielt fest, aufgrund der Ergebnisse der Abklärungen (inklusive Besprechungen mit der direkten Vorgesetzten, der Beschwerdeführe
rin und der IV-Berufsberaterin) sei
davon auszugehen, dass eine Tätigkeit von über 40 % in der bisherigen Funktion als Spitex-Mitarbeiterin zu einer erneuten Überforderung führen würde. Der Wunsch der Beschwerdeführerin, zu 40 % in der bisherigen Tätigkeit bei der Spitex weiter zu arbeiten, sei nachvollziehbar und sinnvoll. Die Arbeitsunfähigkeit betrage langfristig 60 % (bezogen auf 100 %). Da die angestammte Tätigkeit leidensangepasst sei, sei nicht davon aus
zugehen, dass die Arbeitsfähigkeit in einer andere Tätigkeit höher wäre (Urk. 7/117/3-4).
Gleiches berichtete er - ebenfalls am 15. November 2014 - der Pensionskasse über seine vertrauensärztliche Untersuchung vom 23. September 2014 (Urk. 7/119/1).
3.6
Dr. B.___ begutachtete die Beschwerdeführerin am 27. April 2015 (Urk. 7/130/1) und gelangte zu den Diagnosen eines neurasthenischen Erschöp
fungssyndroms (ICD-10: F48.0), einer Dysthymie (ICD-10: F34.1), einer genera
lisierten Angststörung (ICD-10: F41.1), einer Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (Lernbehinderung; ICD-10: F81.3), einer asthenischen,
unintelligen
ten
, infantilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.7, F60.4) sowie eines Status nach
Polytoxikomanie
, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F19.20; Urk. 7/130/15).
Er führte aus, die Überforderungsgefühle der Beschwerdeführerin rührten wei
terhin in erster Linie von den äusseren Arbeitsbedingungen her. So sei sie über
fordert mit dem Aufsuchen der Wohnadressen ihrer Kunden, der Zeiteinteilung zusammen mit dem Arbeitsweg, der Technik der Leistungserfassung sowie dem Rapportieren. Sie sei auf sich allein gestellt nicht entscheidungsfähig und des
halb überfordert mit den selbständigen Aspekten der Arbeit und dem fachlichen Umgang mit den Kunden. Im Laufe der Arbeitszeit baue sich infolgedessen jeweils zunehmend ein Stresszustand auf, worauf die Beschwerdeführerin in Konzentrations- und Gedächtnisstörungen gerate und verlangsamt arbeite. Der Arbeit als Haushalthilfe bei der Spitex sei sie
demnach aus psychischen Grün
den vermindert gewachsen. Es bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Dabei gehe es um die grundsätzlichen Behinderungen zufolge neuropsychologischer und Persönlichkeitsstörungen. Diese seien auf Dauer existent und therapeutisch nicht
angehbar
. Andere psychische Störungen hätten keinen dauerhaften Krankheitswert. Für eine intellektuell anspruchslose Hilfstätigkeit bestehe aber weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100 %, wie sie sich bei der siebenjäh
rigen Arbeit bei F.___, während der zweijährigen Ausbildung als Haus
wirtschaftspraktikerin und in der neuropsychologischen Untersuchung vom Mai 2008 erwiesen habe (Urk. 7/130/18-19). So bestehe für ungelernte Erwerbstätig
keiten mit repetitiven Aufgaben ohne Anforderungen an komplexe Zusammen
hänge und an ein selbständiges Denken eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % (Urk. 7/130/20). Dieser Beurteilung schloss sich der RAD an (Urk. 7/131/4, Urk. 7/150/2-3).
4.
4.1
Das auf psychiatrischen Untersuchungen beruhende, die fallrelevanten
Vorakten
sowie die geklagten Beschwerden, die Anamnese und die erhobenen Befunde berücksichtigende Gutachten von Dr. B.___ vom 12. Mai 2015, auf welches die IV-Stelle sich stützte, entspricht
grundsätzlich den rechtsprechungsgemässen formellen Anforderungen an eine
beweiskräftige medizinische Entscheidungs
grundlage (vgl. E. 1.4 vorstehend).
4.2
Dr. B.___ erläuterte in überzeugender Weise, dass die Tätigkeit bei der Spitex wegen der verschiedenen aufzusuchenden Arbeitsorte sowie aufgrund der tech
nischen Anforderungen zu einer Überforderung der Beschwerdeführerin führe (Urk. 7/130/18-19). Dies entspricht sodann den von der Beschwerdeführerin gemachten Angaben, wonach sie mit dem Gerät zur Zeit- und Leistungserfas
sung überfordert sei (Urk. 7/105/4, Urk. 7/117/2, Urk. 7/117/4, Urk. 7/119/3, Urk. 7/130/10-11), Mühe habe mit der Orientierung in der Stadt (Urk. 7/117/2, Urk. 7/117/4, Urk. 7/130/10-11) sowie mit der Zeiteinteilung (Urk. 7/117/4, Urk. 7/130/10-11). Demnach ist es nachvollziehbar, dass es sich dabei trotz dem weitreichenden Entgegenkommen des Arbeitgebers (Urk. 7/117/20) nicht um eine optimal dem Leiden der Beschwerdeführerin angepasste Tätigkeit handelt. Dr. B.___ schilderte dazu in nachvollziehbarer Weise, dass die Beschwerdefüh
rerin eine Persönlichkeitsstörung aufweise, wobei eine psychische Asthenie mit unter anderem mangelnder Belastbarkeit für neue Herausforderungen im Vor
dergrund stehe. Die Asthenie sei mitbedingt durch eine erhebliche
Unintelligenz
. Die Beschwerdeführerin ist sodann gemäss Dr. B.___ nicht in der Lage, höhere abstrakte und technische Zusammenhänge zu erkennen, eine komplexe Situati
on zu erfassen, sie hat einen schlechten Überblick, insbesondere für zeitliche Verläufe, eine Zeitdauer und die räumliche Orientierung (Urk. 7/130/16). Bei diesen Gegebenheiten leuchtet die Beurteilung durch Dr. B.___, dass die Arbeitsfähigkeit durch die momentanen Herausforderungen tangiert ist (Urk. 7/130/17), ein. Hinzu kommt, dass die auftretenden Einschränkungen durch Krankheiten bedingt sind, welche bereits in der Kindheit aufgetreten sind, namentlich die Persönlichkeitsstörungen. Auch laut Dr. D.___ bestehen sämt
liche Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bereits seit der Kind
heit (Urk. 7/119/2). In Übereinstimmung damit sah auch Dr. E.___ die Persön
lichkeitsstruktur/-störung und die
mässig integrierte Ich-Struktur als ausschlag
gebend an für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und nicht die leichte depressive Störung (Urk. 7/117/17). Angesichts dessen sowie vor dem Hinter
grund der Erwerbsbiografie mit auch einmal fast siebenjähriger intellektuell ein
facher Tätigkeit für denselben Arbeitgeber (Urk. 7/117/13-14, Urk. 7/130/2-3, Urk. 7/130/13, Urk. 7/130/17) ist die Beurteilung von Dr. B.___, wonach in einer intellektuell anspruchslosen Hilfstätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100 % besteht (Urk. 7/130/19), schlüssig. Dies auch im Lichte der vorhandenen Einschränkungen, welche sich primär bei administrativen und höheren intellek
tuellen Anforderungen auswirken (Urk. 7/130/19). Bei nach dem Gesagten kla
rer Sachlage besteht im konkreten Einzelfall kein Beweisbedarf, der die Durch
führung eines strukturierten Beweisverfahrens erfordern würde (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 8C_130/2017 vom 30. November 2017 E. 7.1).
4.3
Insgesamt ist nach dem Gesagten der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, wonach in einer optimal angepassten Tätigkeit eine (dem Mittelwert entspre
chende) Arbeitsfähigkeit von 90 % vorliege, korrekt (vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_730/2012 vom 4. Juni 2013 E. 4.2).
5.
5.1
Der Einkommensvergleich ist per demjenigen Zeitpunkt respektive Jahr durch
zuführen, in welchem der potentielle Rentenbeginn liegt.
Der Rent
enanspruch entsteht gemäss Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (
Abs.
1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch
entsteht (
Abs.
3).
Die
Neu
anmeldung der Beschwerdeführerin ging am 6. Mai 2014 bei der IV-Stelle ein (Urk. 7/131/5), weshalb unter Berücksichtigung der sechsmonatigen Karenzfrist ein Rentenanspruch ab dem 1. November 2014 in Frage kommt. Die Beschwer
deführerin war ab dem 18. November 2013 60 % arbeitsunfähig (bezogen auf ein volles Pensum). Anschliessend kam es zu einer leichten Stabilisierung ohne substanzielle Besserung (Urk. 7/130/18). Folglich begann das Wartejahr im Sin
ne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG im November 2013 zu laufen, weshalb der all
fällige Rentenanspruch bereits ab November 2014 besteht. Insofern ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Ferner hat dies zur Folge, dass der Einkom
mensvergleich per 2014 durchzuführen ist.
5.2
Für Versicherte ohne Ausbildung sieht Art. 26 Abs. 1 IVV Folgendes vor: Konn
te die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen Kennt
nisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nicht
in
va
lide erzielen könnte, nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktua
lisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik, wobei der Prozentsatz ab dem 30. Geburtstag 100 % beträgt. Da die Beschwerdeführerin die erst im Rahmen der Eingliederungsmassnahmen erwor
benen beruflichen Kenntnisse nur beschränkt auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt verwerten kann, rechtfertigt sich die Anwendung von Art. 26 Abs. 1 IVV (Urteil des Bundesgerichts 8C_335/2017 vom 6. Oktober 2017 E. 6.2). Demnach betrug das
Valideneinkommen
im Jahr 2014 Fr. 77‘000.-- (IV-Rundschreiben Nr. 324 vom
2
7.
November 2013
).
5.3
die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtspre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch her
ausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröf
fentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des
Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE 133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug
der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermitt
lung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Recht
sprechung).
Vorliegend
hat die Beschwerdegegnerin zu Recht die
LSE 2012
herangezogen. Danach betrug der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) für
ein
fache Tätig
keiten körperlicher oder handwerklicher Art Fr. 4‘112.-- pro Monat (LSE 2012, Tabelle TA1 [Privater Sektor], S. 35, Total Frauen, Kompetenz
niveau 1; im Internet abrufbar). Angepasst
an die im Jahr 201
4
betriebsübliche wöchent
liche Arbeits
zeit von 41,7 Stunden (vgl. Tabelle T 03.02.03.01.04.01, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, Abschnitt A-S, Total) sowie an die Nominallohnentwicklung vom Jahr 2012 bis zum Jahr 201
4
(
[2010 = 100;
im Internet abrufbar], Nominal
lohnindex Frauen [T1.2.10], Total;
2012: 102.0; 2014: 103.6
) ergibt sich ein jährliches Einkommen von gerundet Fr. 52‘
248
.-- (Fr. 4‘112.-- x 12 : 40 x 41,7 :
102
x
103.6
) respek
tive von Fr.
47‘023
.-- bei einer Arbeits
fähigkeit von
9
0 %.
5.
4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter
nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
Die IV-Stelle
verneinte das Vorliegen eines zu einem Leidensabzug führenden Faktors
(Urk.
2
S.
4-5
). Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde auf den Standpunkt, es sei ein Abzug von 25 %
angezeigt. Dabei verwies sie auf die gemäss Dr. B.___ mangelnde Belastbarkeit für neue Herausforderungen, die Lernbehinderung und darauf, dass das Spektrum der möglichen Stellen selbst bei den Hilfsarbeiten eingeschränkt sei, da sie nur einfachste Tätigkeiten aus
üben könne
(Urk. 1 S.
3-4
).
Grundsätzlich steht der Beschwerdeführerin bei den genannten Einschränkungen des Intellekts noch
ein genügend breites Spektrum an Hilfstätigkeiten offen
, zumal solche regelmässig keine Anforderungen an den Intellekt stellen und des Öfteren repetitiv sind. Da allenfalls auch in diesen Anstellungsverhältnissen ein gewisses Mass an administrativen Arbeiten zu erledigen ist oder ab und zu Neues erlernt werden muss, wozu die Beschwerde
führerin
aufgrund ihrer deutlichen Lernbehinderung (vgl. auch den neuropsy
chologischen Untersuchungsbericht vom 9. Mai 2008,
Urk.
7/1) mehr Zeit benö
tigt, rechtfertigt sich ein Leidensabzug von 5 %. Es resultiert ein Invalidenein
kommen von Fr. 44‘672.-- (0,95 x
Fr.
47‘023
.--
).
5.
5
Die Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen ergibt eine Ein
kommenseinbusse von Fr.
32‘328
.-- (Fr.
77‘000
.-- minus
Fr. 44‘672.--
) und somit einen Invaliditätsgrad von
42
%.
F
olglich ist die Beschwerde in Bezug auf die Rentenhöhe abzuweisen.
6.
6.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr. 6
00.
--
anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
sind
sie
der Beschwerdeführerin zu zwei Dritteln und der Beschwerdegegnerin zu einem Drittel aufzuerlegen. Die der Beschwerdeführerin auferlegten Gerichtskosten sind jedoch zufolge der
ih
r gewährten un
entgeltlichen Prozessführung einstwei
len auf die Gerichtskasse
zu nehmen; dies unter Hinweis auf die Nachzahlungs
pflicht gemäss § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
).
6.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeu
tung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsie
gens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Bei teilweisem Obsiegen ist ein Anspruch auf eine Prozessentschädigung zu bejahen, wobei bei einem Teilerfolg, gemes
sen am Ergebnis der Anfechtung des vorinstanzlichen Entscheides, grundsätz
lich Anspruch auf eine reduzierte Prozessentschädigung besteht
, wenn es
sich - wie vorliegend - nicht um einen Fall von blossem Überklagen ohne wesent
lichen Einfluss auf den Prozessaufwand handelt
(
vgl. BGE 117 V 401 E. 2c und
Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2015 vom
2.
März 2016 E. 3)
.
Dement
sprechend
wird
die Beschwerdegegnerin
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung von Fr. 300.--
zu bezahlen
.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom
1. April 2016
bezüglich des Zeitpunkts des Rentenbeginns aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerde
führer
in mit Wirkung ab 1. November 2014
Anspruch auf eine
Viertelsr
ente
der Invalidenversicherung hat.
Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin zu zwei Dritteln sowie der Beschwerdegegnerin zu einem Drittel
auferlegt.
Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden die
der Beschwerdeführerin
auferlegten Kos
ten von
Fr.
400
.-- einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Die Beschwerde
führerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
300
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Pro
Infirmis
Zürich, unter Beilage eines Doppels von Urk. 14
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage eines Dop
pels von Urk. 14
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem
siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden
sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigWidmer