# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c212a3ae-8a65-5bd5-bcde-6182b2f5a5b7
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-09-03
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 03.09.2015 SB150004
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB150004_2015-09-03.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB150004-O/U/jv 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, Oberrichter lic. iur. 

M. Langmeier und Oberrichterin lic. iur. L. Chitvanni sowie die  

Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Bussmann 

 
Urteil vom 3. September 2015 

 
in Sachen 

 
A._____,  

 

Beschuldigter und Berufungskläger 

verteidigt (seit 27.8.2015 amtlich) durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. U. Weder,  

 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin  

 

betreffend  
versuchte schwere Körperverletzung etc. 

 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 20. August 

2014 (DG140032) 

 

-   2   - 

Anklage:  

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 10. April 

2014 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 34). 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 90 S. 34 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie 

− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 126 Tage durch 

Haft erstanden sind. 

Es wird vorgemerkt, dass sich der Beschuldigte seit dem 28. November 2013 im 

vorzeitigen Strafvollzug befindet. 

3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB  

(Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.  

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1, 

B._____, aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-

pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruchs 

wird die Privatklägerin 1 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1, B._____, Fr. 5'000.– als 

Genugtuung zu bezahlen. 

5. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 2, 

C._____, aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-

pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruchs 

wird die Privatklägerin 2 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

-   3   - 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2, C._____, Fr. 4'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 29. Juni 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 3, 

D._____, aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-

pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruchs 

wird die Privatklägerin 3 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 16'104.80   Auslagen Vorverfahren 

Fr. 9'180.65   Kosten für amtliche Verteidigung (RA Y._____) 

Fr. 8'055.00   Kosten der Kantonspolizei Zürich 

Fr. 3'000.00   Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung 

Fr. 4'311.80   unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin 2 

Fr. 940.00   Kosten für die Befragung des Gutachters an der HV 

Fr. 45'592.25    
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

8. Die Gutachtenskosten im Betrag von Fr. 15'974.80, die Kosten für die Befragung 

des Gutachters an der Hauptverhandlung von Fr. 940.– sowie die Kosten für die 

unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin 2 im Betrag von Fr. 4'311.80 

werden auf die Gerichtskasse genommen. Die übrigen Kosten der Untersuchung 

und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidi-

gung, werden dem Beschuldigten auferlegt, diejenigen der amtlichen Verteidigung 

indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt 

vorbehalten. 

9. Das Begehren der Rechtsbeiständin der Privatklägerin 2 auf eine Prozessentschä-

digung von Fr. 4'943.05 inklusive Spesen und 8 % Mehrwertsteuer für ihre Aufwen-

dungen als Zivilklägerin, wird abgewiesen. 

10. (Mitteilungen) 

11. (Rechtsmittel)" 

-   4   - 

Schlussanträge im Berufungsverfahren: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 133 S. 1): 

1. Herr A._____ sei der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

2. Herr A._____ sei mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu bestrafen, un-

ter Anrechnung der entstandenen Haft von 771 Tagen (inkl. vorzeitigem 

Straf- bzw. Massnahmeantritt). 

3. Es sei eine Massnahme für junge Erwachsene gemäss Art. 61 StGB anzu-

ordnen.  

Verfahrens- Eventualantrag 

Es seien im Hinblick auf die Wahl der anzuordnenden Massnahme weitere 

Abklärungen vorzunehmen.  

b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 134 S. 1): 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 20. August 2014 sei grund-

sätzlich zu bestätigen, mit folgender wesentlicher Ausnahme: 

2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 5 ½ Jahren, unter An-

rechnung der bisher erstandenen Haft von 126 Tagen (berechnet bis zum 

28.11.2013) bzw. 770 Tagen (berechnet bis zum heutigen Tag, also inkl. 

vorzeitigen Strafvollzug) zu bestrafen. 

 

 

-   5   - 

Erwägungen: 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 20. August 2014 wurde der 

Beschuldigte der versuchten schweren sowie der mehrfachen einfachen Körper-

verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB sowie Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit 4 Jahren 

Freiheitsstrafe bestraft, wovon bis zum 28. November 2013 126 Tage durch Haft 

erstanden waren. Ferner wurde davon Vormerk genommen, dass sich der Be-

schuldigte seit dem 28. November 2013 im vorzeitigen Strafvollzug befindet. Wei-

ter wurde eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB 

angeordnet. Sodann stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte den Privat-

klägerinnen 1 bis 3 dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig sei und verwies 

diese zur Feststellung des genauen Umfangs auf den Weg des Zivilprozesses. 

Ferner verpflichtete sie den Beschuldigten, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung 

von Fr. 5'000.– sowie der Privatklägerin 2 eine solche von Fr. 4'000.– zuzüglich 

5 % Zins ab 29. Juni 2013 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungs-

begehren der Privatklägerin 2 abgewiesen. Schliesslich wurden die Kosten der 

Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens – mit Ausnahme der Gutachtens-

kosten, der Kosten für die Befragung des Gutachters an der Hauptverhandlung 

sowie der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin 2 – dem Beschul-

digten auferlegt. Die Kosten der – für die Dauer vom 28. November 2012 bis zum 

30. Januar 2014 bestellten und hernach aufgrund der Bestellung einer Wahlver-

teidigung widerrufenen (vgl. Urk.20/18) – amtlichen Verteidigung wurden einstwei-

len auf die Gerichtskasse genommen, unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht 

des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

1.2. Das Urteil wurde gleichentags mündlich eröffnet und kurz begründet 

(Prot. I S. 52 ff.). Mit Eingabe vom 22. August 2014 ersuchte die erbetene Vertei-

digerin darum, dem Beschuldigten den vorzeitigen Massnahmeantritt zu bewilli-

gen (Urk. 72). Nach eingeholter Empfehlung des Gutachters betreffend die opti-

male Ausgestaltung der Massnahme (Urk. 73) sowie erfolgter Stellungnahme der 

-   6   - 

Staatsanwaltschaft (Urk. 76, Urk. 80), wurde dem Gesuch des Beschuldigten um 

vorzeitigen Massnahmeantritt mit Verfügung des vorinstanzlichen Vorsitzenden 

vom 1. September 2014 entsprochen (Urk. 77). Die Verteidigung verzichtete 

einstweilen auf eine Stellungnahme und behielt sich diese für das Berufungs-

verfahren vor (Urk. 79).  

1.3. Mit Eingabe vom 1. September 2014 liess der Beschuldigte fristgerecht  

Berufung gegen das Urteil vom 20. August 2014 anmelden (Urk. 81). Nach  

Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 87) reichte die Verteidigung dem Ober-

gericht am 29. Dezember 2014 ebenfalls fristgerecht die Berufungserklärung ein 

(Urk. 92). Darin werden auch Beweisanträge gestellt: die Verteidigung beantragt 

die (erneute) Einvernahme des Gutachters, Dr. med. E._____, Facharzt FMH für 

Psychiatrie und Psychotherapie, Zert. Forensischer Psychiater SGFP, als sach-

verständigen Zeugen sowie die Einholung eines Obergutachtens. Ferner bean-

tragt sie den Beizug der Akten des Amtes für Justizvollzug.  

1.4. Nach Zustellung der Berufungserklärung an die übrigen Parteien erklärte 

die Staatsanwaltschaft am 13. Februar 2015 Anschlussberufung und beantragte, 

es seien die Beweisanträge des Beschuldigten abzuweisen (Urk. 99). Die Privat-

klägerinnen liessen sich nicht verlauten. Nachdem der Beschuldigte sowie die 

Privatklägerinnen Gelegenheit zur Stellungnahme zur Eingabe der Staats-

anwaltschaft erhalten hatten (Urk. 101), wurden die Beweisanträge auf erneute 

Einvernahme des Gutachters sowie auf Einholung eines neuen Gutachtens mit 

Präsidialverfügung vom 19. März 2015 einstweilen abgewiesen. Die Akten des 

Amtes für Justizvollzug wurden beigezogen (Urk. 103).  

1.5. Am 18. Juni 2015 wurde auf den 3. September 2015 zur Berufungs-

verhandlung vorgeladen (Urk. 106). Mit Eingabe vom 30. Juli 2015 erklärte die 

unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin 2 den Verzicht auf Teilnahme an der 

Berufungsverhandlung und reichte eine Stellungnahme zu den Anträgen des Be-

schuldigten sowie ihre Honorarnote ein (Urk. 111 – 113). Mit Eingabe vom 

14. August 2014 liess der Beschuldigte mitteilen, dass er sich nunmehr von 

Rechtsanwalt lic. iur. X._____ vertreten lasse (Urk. 114). Im Hinblick auf die Beru-

fungsverhandlung ersuchte das hiesige Gericht mit Schreiben vom 17. August 

-   7   - 

2015 die Forensisch-Psychiatrische Abteilung der Justizvollzugsanstalt 

Pöschwies (nachfolgend: FPA) um die Einreichung eines Führungsberichtes be-

treffend den Beschuldigten im vorzeitigen Massnahmevollzug (Urk. 118). Mit Ein-

gabe vom 31. August 2015 reichte die zuständige Sozialarbeiterin der FPA einen 

Vollzugsbericht ein (Urk. 127 und 127/A).  

1.6. Auf entsprechendes Gesuch hin wurde dem Beschuldigten mit Präsidial-

verfügung vom 28. August 2015 mit Wirkung ab dem 27. August 2015 in der Per-

son seines bisher erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. X._____, ein amt-

licher Verteidiger bestellt (Urk. 122 und 124).  

1.7. Mit Eingabe vom 1. September 2015 reichte der Beschuldigte eine Orien-

tierungskopie seiner Beschwerdeschrift an das Verwaltungsgericht Zürich betref-

fend die Anfechtung der Verfügung der Direktion der Justiz und des Innern des 

Kantons Zürich vom 30. Juni 2015 ein (Urk. 129 - Urk. 131). Die angefochtene 

Verfügung, mit welcher der Rekurs des Beschuldigten betreffend die Vollzugsre-

gelung des vorzeitigen Massnahmevollzugs abgewiesen worden war, reichte das 

Amt für Justizvollzug (nachfolgend: JUV) – gestützt auf den angeordneten Akten-

beizug – dem Obergericht bereits mit Eingabe vom 8. Juli 2015 ein (Urk. 108 - 

110). Ebenso im Rahmen des Aktenbeizugs reichte das JUV am 24. August 2015 

dem Obergericht eine an sie gerichtete Stellungnahme des Psychiatrisch-

Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich (nachfolgend PPD) vom 22. April 

2015 betreffend die Indikation der Unterbringung des Beschuldigten in der Foren-

sisch Psychiatrischen Abteilung der Justizvollzugsanstalt Pöschwies (nachfol-

gend: FPA) ein (Urk. 120). 

1.8. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen sind der Beschuldigte, sein 

amtlicher Verteidiger sowie der zuständige Staatsanwalt. Vorfragen waren keine 

zu entscheiden (Prot. II S. 7 f.). Beweisanträge wurden zunächst keine gestellt 

(Prot. II S. 10). Nach geltend gemachter Verletzung des Anklageprinzips durch die 

Verteidigung erhielt die Staatsanwaltschaft in Anwendung von Art. 379 StPO 

i.V.m. Art. 333 Abs. 1 StPO Gelegenheit, die Anklageschrift zu präzisieren oder zu 

ergänzen (Prot. II S. 12). Auch wenn die Staatsanwaltschaft hierzu grundsätzlich 

keine Veranlassung sah, nahm sie die ihr eingeräumte Möglichkeit zur Ergänzung 

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wahr (Prot. II S. 12 ff., 15). Daraufhin stellte die Verteidigung den Beweisantrag, 

wonach medizinisch-forensische Abklärungen zu treffen seien, welche Aufschluss 

über die Gefährlichkeit der dem Beschuldigten vorgeworfenen Kampfsituation ge-

ben sollten. Ferner stellte der Verteidiger den Verfahrensantrag, es sei der vorzei-

tige Antritt einer Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB aufzuheben und es sei 

stattdessen der vorzeitige Antritt einer Massnahme nach Art. 61 StGB anzuord-

nen. Eventualiter sei der Beschuldigte aus der Sicherheitshaft zu entlassen und 

es sei ihm im Sinne einer Ersatzmassnahme die Weisung zu erteilen, sich in einer 

für den Vollzug einer Massnahme für junge Erwachsene geeigneten Institution 

aufzuhalten, bis über den weiteren Verlauf des Verfahrens entschieden werde 

(Prot. II S. 18 ff.). Ferner beantragte die Verteidigung für den Fall, dass nicht wie 

beantragt eine Massnahme für junge Erwachsene angeordnet würde, einen Ver-

fahrenseventualantrag betreffend weitere Abklärungen (Urk. 133 S. 1). Die 

Staatsanwaltschaft beantragte, die seitens der Verteidigung gestellten Ver-

fahrensanträge abzuweisen (Prot. II S. 21 ff.). Über den Beweisantrag der Ver-

teidigung wurde im Rahmen der Beweiswürdigung entschieden. Das vorliegende 

Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 24 ff.). Nach 

Eröffnung des Urteils hat die Verteidigung den Verfahrensantrag betreffend den 

vorzeitigen Massnahmeantritt einer Massnahme nach Art. 61 StGB sowie den 

damit zusammenhängenden Eventualantrag zurückgezogen (Prot. II S. 28).  

2. Umfang der Berufung  

2.1. Der Beschuldigte beschränkt seine Berufung auf den Schuldspruch bezüg-

lich der versuchten schweren Körperverletzung samt der damit einhergehenden 

Strafe (inkl. Strafzumessung). Stattdessen sei er wegen mehrfacher einfacher 

Körperverletzung mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu bestrafen. Nach-

dem er im Rahmen der Berufungserklärung – anstelle der stationären therapeuti-

schen Massnahme – noch die Anordnung einer ambulanten Massnahme mit 

gleichzeitigem Aufschub der Freiheitsstrafe beantragt und eine Massnahme für 

junge Erwachsene nur im Sinne eines Eventualantrages in Betracht gezogen  

hatte (Urk. 92), verlangte er an der Berufungsverhandlung die Anordnung einer 

Massnahme für junge Erwachsene gemäss Art. 61 StGB im Sinne der Haupt-

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anträge (Urk. 133 S. 1). Die Staatsanwaltschaft beantragt grundsätzlich die Bestä-

tigung des vorinstanzlichen Urteils und beschränkt ihre Anschlussberufung auf 

das Strafmass, welches ihrer Auffassung nach auf 5 ½ Jahre zu erhöhen sei 

(Urk. 99, Urk. 134 S. 1). Die Privatklägerin 2 verzichtete auf eine Stellungnahme 

zur Strafhöhe und beantragte die Bestätigung der vorinstanzlich angeordneten 

stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB (Urk. 111). 

2.2. Die nicht angefochtenen Punkte (Dispositivziffern 1 [soweit den Schuld-

spruch bezüglich der mehrfachen einfachen Körperverletzung betreffend], 4, 5, 6, 

7, 8 und 9) sind in Rechtskraft erwachsen (vgl. Prot. II S. 8 ff.; Art. 399 Abs. 3 in 

Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO). Das ist vorab vorzumerken. 

3. Prozessuales 

3.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten hinsichtlich des im Rah-

men des Berufungsverfahrens zu beurteilenden Hauptdeliktes vor, sich durch das 

in der Anklageschrift umschriebene Verhalten einer einfachen Körperverletzung, 

oder aber im Sinne eines Eventualstandpunktes, einer versuchten schweren Kör-

perverletzung schuldig gemacht zu haben. Dabei wird in der Anklageschrift zu-

nächst der äussere Ablauf des Tatgeschehens in der Weise beschrieben, wie er 

sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gestützt auf die Ergebnisse des Un-

tersuchungsverfahrens zugetragen haben soll. In einem zweiten Schritt wird das 

Verletzungsbild der Privatklägerin umschrieben. Sodann wird dem Beschuldigten 

in subjektiver Hinsicht vorgeworfen, dass er anlässlich seines Handelns um die 

Möglichkeit der hervorgerufenen Verletzungen gewusst und diese auch in Kauf 

genommen habe. Eventualiter wird dem Beschuldigten wiederum gestützt auf das 

zuvor umschriebene Tatgeschehen vorgeworfen, dass der Beschuldigte anläss-

lich seines Handelns gewusst habe, dass er der Privatklägerin 1 mit den Fuss-

tritten und Knietritten gegen den Kopf und das Gesicht Verletzungen hätte beifü-

gen können, welche für Letztere zu lebensgefährlichen Folgen oder bleibenden 

Schäden hätten führen können, welche der Beschuldigte durch sein Vorgehen 

zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 34 S. 3). 

-   10   - 

3.2. Die Verteidigung rügt eine Verletzung des Anklageprinzips und macht gel-

tend, es sei gestützt auf die Anklageschrift völlig unklar, welche Tatbestands-

varianten von Art. 122 StGB erfüllt sein sollen bzw. welche Verletzungen der Be-

schuldigte bei seinem Vorgehen in Kauf genommen haben soll. Zum einen werde 

mit der von der Staatsanwaltschaft gewählten Formulierung ein Verhalten um-

schrieben, das per se gar nicht strafbar sei. Zum anderen handle es sich bei der 

Formulierung, wonach der Beschuldigte "Verletzungen hätte beifügen können, 

welche für Letztere zu lebensgefährlichen Folgen oder bleibenden Schäden hät-

ten führen können", nicht um eine Sachverhaltsbehauptung, mit welcher die 

Merkmale des Straftatbestandes konkretisiert werde (Urk. 133 S. 2 ff., Prot. II 

S. 18). 

3.3. Die Staatsanwaltschaft erachtet diesen Standpunkt als überspitzt formalis-

tisch. Der Auffassung, wonach die Anklageschrift ein Verhalten umschreibe, dass 

per se gar nicht strafbar sei, sei entschieden zu widersprechen. Selbstverständ-

lich dürfe der Eventualstandpunkt, welcher sich eben einzig auf den subjektiven 

Tatbestand beziehe, nicht ohne das gelesen und verstanden werden, was vor 

dem Eventualstandpunkt zum Hauptstandpunkt ausgeführt worden sei. Der im 

Hinblick auf die Eventualanklage in subjektiver Hinsicht umschriebene Vorwurf 

enthalte sowohl die zur Erfüllung des subjektiven Tatbestandes erforderliche Wis-

sens- als auch Willenskomponente einer versuchten schweren Körperverletzung. 

Ferner sei völlig klar, was gemeint sei, wenn dem Beschuldigten vorgeworfen 

werde, Verletzungen mit lebensgefährlichen Folgen in Kauf genommen zu haben. 

Auch wenn die Staatsanwaltschaft betont, dass ihrer Auffassung nach die ur-

sprünglich Fassung der Anklageschrift den Anforderungen des Anklageprinzips 

zweifellos entspreche, ergänzte sie diese nach eingeräumter Möglichkeit durch 

die Verfahrensleitung anlässlich der Berufungsverhandlung nach dem Motto 

"Nützt es nicht so schadet es nicht" (Prot. II S. 12 ff.). Neu lautet die seitens der 

Verteidigung aufgegriffene Passage: "(…) welche für Letztere zu unmittelbar le-

bensgefährlichen Folgen, namentlich Schädelhirnverletzungen oder einer Hirn-

blutung hätten führen können, in welcher Situation die Möglichkeit des Todes-

eintrittes sich mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte verdichten oder zu bleibenden 

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Schäden hätte führen können" (Änderungen durch kursive Schrift hervorgehoben, 

Prot. II S. 15). 

3.4. Hinsichtlich des Vorwurfes der einfachen Körperverletzung wird die Wah-

rung des Anklageprinzips durch die Verteidigung nicht in Frage gestellt. Es kann 

der Staatsanwaltschaft aber auch uneingeschränkt gefolgt werden, wenn sie dafür 

hält, dass sich eine Ergänzung der Anklageschrift auch hinsichtlich des Vorwurfes 

betreffend die versuchte schwere Körperverletzung nicht als nötig erweist. Es trifft 

zwar zu, dass die Anklageschrift in ihrer ursprünglichen Form nicht explizit um-

schreibt, welche Verletzungen mit lebensgefährlichen Folgen der Beschuldigte mit 

seinem zuvor umschriebenen Verhalten in Kauf genommen haben soll. Die An-

klageschrift ist aber nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Umgren-

zung des Prozessgegenstandes und der Information der beschuldigten Person, 

damit diese die Möglichkeit hat, sich zu verteidigen. Gemäss Art. 350 Abs. 1 StPO 

ist das Gericht an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt, nicht aber 

an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde gebunden (Bundes-

gerichtsentscheid 6B_654/2014 vom 14.10.2015, E. 1.3). Unter dem Gesichts-

punkt der Informationsfunktion des Anklageprinzips ist vor diesem Hintergrund 

massgebend, dass die beschuldigte Person genau weiss, was ihr angelastet wird, 

damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann. Ungenauigkeiten 

in den Angaben sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die  

beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen können, welches Verhalten 

ihr vorgeworfen wird (Bundesgerichtsentscheid 6B_803/2014 vom 15.01.2015, 

E. 1.3, BGE 133 IV 235 E. 6.2 f.). Den Sachverhalt verbindlich festzustellen, ist 

Aufgabe des Gerichts (Bundesgerichtsentscheid 6B_716/2014 vom 17.10.2014, 

E. 2.3). Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerk-

male und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle objektiven Tat-

bestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 137 IV 113 E. 1.4.2). Vorgeworfen wird 

dem Beschuldigten im Eventualstandpunkt eine eventualvorsätzlich begangene 

versuchte schwere Körperverletzung und damit eine im Verhältnis zur (vollende-

ten) einfachen Körperverletzung qualifizierte Form der versuchten Tatbegehung. 

Damit bleibt der Vorwurf hinsichtlich des äusseren Sachverhaltes gleich, entspre-

chend ist auch die entsprechende Umschreibung in der Anklageschrift identisch. 

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Gerade weil eben zur Begehung eines Versuchs nicht alle objektiven Tatbe-

standsmerkmale erfüllt sein müssen oder können, weil der Erfolg eben gerade 

nicht in der qualifizierten Form eingetreten ist, reicht es völlig aus, wenn in der 

Anklageschrift betreffend den Eventualstandpunkt der Vorwurf hinsichtlich des 

subjektiven Tatbestandes hinreichend umschrieben ist. Genau dies hat die 

Staatsanwaltschaft auch in der ursprünglichen Formulierung der Anklageschrift 

getan, wenn sie dem Beschuldigten vorwirft, anlässlich seines Handelns (Fuss-

tritte und Knietritte gegen den Kopf und das Gesicht der Privatklägerin) um die 

Möglichkeit lebensgefährlicher Folgen gewusst zu haben und solche durch sein 

Vorgehen zumindest in Kauf genommen zu haben. Damit ist völlig klar, was dem 

Beschuldigten auch im Eventualstandpunkt gemäss Anklageschrift der Staatsan-

waltschaft sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht vorgeworfen wird. 

Es gehört zum Allgemeinwissen, dass Tritte gegen den Kopf unter Umständen  

zu lebensgefährlichen Verletzungen führen können (Bundesgerichtsentscheid 

6B_222/2014 vom 15.07.2014, E. 1.4). Entgegen der Ansicht der Verteidigung 

(Urk. 133 S. 3 f.) ist es zur Wahrung der Verteidigungsrechte nicht nötig, die einer 

möglichen Lebensgefahr zugrunde liegenden medizinischen Vorgänge zu  

nennen, zumal sich der Erfolg bei einer versuchten Tatbegehung ja gerade nicht 

verwirklicht. Damit zielt das Vorbringen der Verteidigung betreffend die Verletzung 

des Anklageprinzips (auch in Bezug auf die ursprüngliche Formulierung) 

ins Leere. 

3.5. Damit erweist sich auch der seitens der Verteidigung gestellte Beweis-

antrag auf die Einholung eines forensisch-medizinischen Gutachtens als obsolet, 

wurde dieser doch gerade im Hinblick auf die ergänzte Anklageschrift gestellt 

(Prot. II S. 18 f.). Ohnehin aber besteht keine Veranlassung, ein medizinisches 

Gutachten in dem vom Verteidiger beantragten Sinne einzuholen. Die Verteidi-

gung will durch das Gutachten geklärt haben, ob in der dem Beschuldigten vor-

geworfenen Situation die für eine eventualvorsätzliche Tatbegehung erforderliche 

Risikosituation tatsächlich bestanden habe und der Beschuldigte um dieses Ri-

siko wissen musste, was dann wiederum den Schluss eines Eventualvorsatzes 

zulassen würde. Hierzu will er die Heftigkeit der Schläge durch die tatsächlich er-

littenen Verletzungen objektiviert haben (Prot. II S. 18 f.). Den für diesen Zweck 

-   13   - 

beantragte Fragekatalog an einen forensisch-medizinischen Experten erweist sich 

aber als gänzlich ungeeignet. Nach dem Wortlaut des Gesetzes ist es ja geradezu 

charakteristisch für die versuchte Tatbegehung, wenn der zur Erfüllung der Tat 

gehörende Erfolg nicht eintritt (vgl. Art. 22 Abs. 1 StGB). Entscheidend für die Be-

urteilung des Tatvorwurfes ist damit nicht das tatsächlich eingetretene Ver-

letzungsbild, sondern vielmehr, was für Folgen der Beschuldigte aufgrund seiner 

Tritte für möglich gehalten und in Kauf genommen hatte (Bundesgerichts-

entscheid 6B_1250/2013 vom 24. 04.2015, E. 1.4.1). Diese Frage vermag eine fo-

rensisch-medizinische Risikobeurteilung aber nicht zu beantworten.  

4. Sachverhalt 

4.1. Im Rahmen der – einzig noch strittigen – Thematik betreffend die versuchte 

schwere Körperverletzung zum Nachteil der Privatklägerin 1 (B._____) wird dem 

Beschuldigten gemäss Anklagesachverhalt betreffend den äusseren Sachverhalt 

im Wesentlichen kurz zusammengefasst vorgeworfen, am 4. Oktober 2012 kurz 

vor 21:00 Uhr auf der ...strasse in F._____ von hinten auf die Privatklägerin 1 zu-

gerannt zu sein und diese auf Höhe der Hausnummer 25 körperlich angegriffen 

zu haben. Dabei habe er von hinten mit beiden Händen auf deren Kopf gepresst 

und sie zu Boden gedrückt. Sodann habe er die nunmehr rücklings auf dem Bo-

den liegende Privatklägerin 1 fest am Handgelenk haltend zwei bis vier Meter zum 

neben der Strasse gelegenen Holzhäuschen gezerrt und sich im Bereich der 

Hausecke auf sie geworfen, an ihrer Gurtschnalle gezerrt und ihr den Mund zuge-

halten. Die Privatklägerin 1 habe sich daraufhin mit Händen und Füssen versucht 

gegen den Beschuldigten zur Wehr zu setzen und ihm in die Hand gebissen. Da-

raufhin habe sich der Beschuldigte links neben die Privatklägerin 1 gestellt und ihr 

sowohl mit dem Fuss als auch mit dem Knie je mindestens zwei Male gegen den 

Kopf, insbesondere auch gegen das Gesicht getreten. Dabei habe sich die Privat-

klägerin eine leichte Hirnerschütterung, mehrere Blutergüsse an der linken Schlä-

fe, an der linken Wange, an der Oberlippe sowie an der Bindehaut des linken Au-

ges sowie am Hinterkopf, am linken Unterarm und am linken Knie zugezogen. 

Das habe eine Arbeitsunfähigkeit für die Dauer einer Woche nach sich gezogen.  

-   14   - 

4.2. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschuldigte den – für das 

vorliegende Berufungsverfahren massgebenden – äusseren Anklagesachverhalt 

bereits im Laufe der ersten Einvernahme grossmehrheitlich eingestanden hat 

(Urk. 90 S. 8 mit Verweis auf Urk. 4/1 S. 7 ff.). Dies nach Vorhalt des Ergebnisses 

der DNA-Spurenauswertung, wonach der Beschuldigte als Spurenverursacher 

identifiziert werden konnte (Urk. 13/3 S. 2). Einzig die ihm vorgeworfenen 

Kniestösse stritt er zu diesem Zeitpunkt noch ab (Urk. 4/1 S. 10). Auch anlässlich 

der Hafteinvernahme, der Einvernahmen vor Staatsanwaltschaft sowie anlässlich 

der Hauptverhandlung brachte er noch gewisse Vorbehalte betreffend die 

Kniestösse an, räumte aber ein, dass dies – wenn auch schwer vorstellbar – 

schon möglich sei (Urk. 4/3 S. 5, Urk. 4/4 S. 2, Prot. I S. 16). Auch die Verteidi-

gung erachtete es unter den gegebenen Umständen als erstellt, dass Tritte nicht 

nur mit den Füssen, sondern auch mit dem Knie erfolgten (Urk. 90 S. 10 mit Ver-

weis auf Urk. 68 S. 7). Damit anerkannte der Beschuldigte den ihm zur Last ge-

legte äussere Sachverhalt in Bezug auf die Privatklägerin 1 vollumfänglich, wie 

dies die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat (Urk. 4/2 S. 2 f., 4/3 S. 5, Urk. 90 

S. 9). Der Beschuldigte anerkennt auch das in der Anklageschrift umschriebene 

Verletzungsbild der Privatklägerin 1 (Urk. 4/2 S. 5, Urk. 4/3 S. 4, Urk. 4/4 S. 2). 

Auch anlässlich der Hauptverhandlung sowie Berufungsverhandlung blieb der 

Beschuldigte bei seinem Geständnis betreffend den äusseren Sachverhalt (Prot. I 

S. 11 ff., Urk. 132 S. 16 f.).  

4.3. Aus diesen Gründen und mit den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz 

(Urk. 90 S. 7 – 10) – insbesondere auch unter dem Hinweis, dass das Geständnis 

des Beschuldigten mit der Aktenlage übereinstimmt –, ist der äussere Sachverhalt 

so erstellt, wie er von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht worden ist 

(Urk. 34 S. 2 f.). 

4.4. Anklagegemäss ist damit davon auszugehen, dass der Beschuldigte die 

Privatklägerin 1 (mindestens) zweimal mit dem Fuss bzw. Schuh gegen den Kopf 

getreten und (mindestens) zweimal mit dem Knie gegen den Kopf gestossen hat. 

Nichts zu entnehmen ist dem Anklagesachverhalt zur Heftigkeit der Fuss- und 

-   15   - 

Knietritte gegen den Kopf der Privatklägerin 1 sowie über das Schuhwerk des Be-

schuldigten. 

4.4.1 Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Beschuldigte bei seinen Fusstritten 

bzw. Kniestössen gegen den Kopf und insbesondere das Gesicht "mit einer  

gewissen Wucht" vorgegangen war (Urk. 90 S. 12, 14). Sie schliesst dies aus 

dem seitens des Beschuldigten beschriebenen Gemütszustand, wonach dieser 

"frustriert und aggressiv" gewesen sei und "rot" gesehen habe (Urk. 90 S. 12 mit 

Verweis auf Prot. I S. 17). 

4.4.2 Die Verteidigung stellte die Heftigkeit der Fusstritte und Kniestösse an der 

Hauptverhandlung zur Diskussion und hielt auch anlässlich der heutigen Beru-

fungsverhandlung an dieser Auffassung fest (Urk. 68 S. 5, Urk. 133 S. 7 f., Prot. II 

S. 10 f.). Sie macht geltend, dass über die Heftigkeit der Tritte nichts bekannt sei. 

Zugunsten des Beschuldigten sei daher davon auszugehen, dass es sich um 

nicht heftige Schläge gehandelt habe. Ebensowenig gehe aus den Akten hervor, 

was für Schuhe der Beschuldigte in der Tatnacht getragen habe, weshalb – man-

gels gegenteiliger Hinweise – von keinem schweren Schuhwerk auszugehen sei. 

Anderes ergebe sich auch nicht aus den Aussagen der Privatklägerin 1. Im Rah-

men der Aussagewürdigung sei insbesondere zu berücksichtigen, dass die 

staatsanwaltschaftliche Einvernahme der Privatklägerin 1 erst nach mehr als ei-

nem Jahr nach der Tat erfolgt sei. Ebenso sei zu vergegenwärtigen, dass das Er-

innerungsvermögen der Privatklägerin 1 bei der zweiten Einvernahme subjektiv 

gefärbt gewesen sei. Die detailgetreueren tatnäheren Aussagen anlässlich der 

polizeilichen Einvernahme würden sich in wesentlichen Punkten von der späteren 

Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft unterscheiden, was sich wohl damit er-

klären lasse, dass die Privatklägerin offensichtlich von einem sexuell motivierten 

Übergriff ausgegangen sei, was sie in der Folge nachhaltig psychisch beeinflusst 

haben müsse. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin keine ge-

nauen Angaben über die Art und Weise der Trittausführung gemacht und sich 

auch nicht über die Heftigkeit derselben geäussert habe (Urk. 68 S. 5 ff., Urk. 133 

S. 7. f.). Insbesondere spreche auch das objektive Verletzungsbild eher gegen 

qualifizierende Umstände, also gegen besonders gefährliches Schuhwerk oder 

-   16   - 

gegen eine speziell gefährliche Art des Tretens. Fussballtechnisch gesprochen 

sei von einem leichten Pass mit dosierter Einsetzung des Fusses auszugehen. In 

Bezug auf die Knietritte spreche sodann schon das biomechanische Verständnis 

des Verteidigers gegen die Annahme einer Heftigkeit, sei doch der Beschuldigte 

neben der am Boden liegenden Privatklägerin gestanden (Urk. 133 S. 7 f., Prot. II 

S. 11).  

4.4.3 Es trifft zwar zu, wenn die Verteidigung ausführt, dass die Privatklägerin 1 

anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme aussagte, dass ihre Brille 

davongeflogen sei, als der Beschuldigte gegen ihre Kopfseite getreten habe 

(Urk. 3/2 S. 6), während sie gegenüber der Polizei noch ausgesagt hatte, diese 

während des Gerangels verloren zu haben. Entgegen der Verteidigung (Urk. 78 

S. 6) kann daraus allerdings kein Widerspruch abgeleitet werden, schliessen sich 

diese Aussagen doch gegenseitig nicht aus. Nicht gefolgt werden kann der Ver-

teidigung sodann, wenn sie ausführt, dass die Privatklägerin 1 anlässlich der poli-

zeilichen Einvernahme keinerlei Angaben zur Heftigkeit der Tritte gemacht habe 

und daraus ableiten will, dass diese demnach nicht besonders heftig gewesen 

sein konnten (Urk. 78 S. 6). Die Privatklägerin 1 erklärte bereits anlässlich der po-

lizeilichen Einvernahme, dass die Kniestösse und Fusstritte gegen ihren linken 

Vorderkopf "sehr stark" geschmerzt hätten und sie das Gefühl gehabt habe, dass 

ihr Kopf davon "zerdrückt" würde. Sie habe auch Angst vor etwaigen Knochen-

brüchen gehabt (Urk. 3/1 S. 7). Dies zeugt schon davon, dass die Tritte und  

Stösse – zumindest nach der Wahrnehmung der Privatklägerin 1 – von erhebli-

cher Intensität gewesen sein mussten. Jedenfalls unterscheidet sich diese Sach-

darstellung vom Grad der Einwirkung her nicht wesentlich von den an der späte-

ren Einvernahme gemachten Aussagen, wonach der Beschuldigte "mit seinem 

Schuh richtig fest" auf ihren Kopf getreten habe bzw. es sich um einen "heftigen" 

Tritt gehandelt habe (Urk. 3/2 S. 5 f.). Die Privatklägerin 1 machte damit entgegen 

der Verteidigung durchaus Angaben zur Heftigkeit der Tritte. Hingegen ist der 

Verteidigung zu folgen, dass den Aussagen der Privatklägerin 1 keine Hinweise 

über die Beschaffenheit der Schuhe des Beschuldigten entnommen werden kön-

nen. Sie wurde diesbezüglich auch nicht befragt. Zu Recht weist die Verteidigung 

sodann darauf hin, dass sich die Privatklägerin – wie dies aus ihren Einvernah-

-   17   - 

men hervorgeht – während des Angriffs tatsächlich in der Annahme befunden  

hatte, Opfer eines sexuellen Übergriffs zu werden, sich seither in einer Trauma-

therapie befindet und gemäss den Protokollnotizen an der staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme emotional aufgewühlt war (Urk. 3/1 S. 3; Urk. 3/2 S. 4 ff.). 

Ebenso ist nicht zu verkennen, dass der durch die Privatklägerin während dem 

Angriff gewonnene Eindruck, Opfer eines sexuellen Übergriffs zu werden, deren 

Aussageverhalten beeinflusst haben muss, machte sie hierzu doch ausführliche 

Angaben bzw. wurde sie auch – etwa zum versuchten Öffnen des Reisverschlus-

ses – eingehend befragt (Urk. 3/1 S. 3-6; Urk. 3/2 S. 5 ff.). Eine Dramatisierung 

der Vorkommnisse in Bezug auf den für das vorliegende Berufungsverfahren re-

levante Tatvorwurf ist daraus aber – entgegen der Verteidigung (Urk. 78 S. 6 f.) – 

nicht abzuleiten. Vielmehr blieben die (wenigen) Aussagen zur Heftigkeit der Tritte 

konstant. Auch sonst erscheinen die Aussagen der Privatklägerin von Zurück-

haltung geprägt bzw. ist nicht zu erkennen, dass sie den Beschuldigten unnötig zu 

belasten versuchte. Vielmehr hielt sie bei beiden Einvernahmen daran fest, dass 

der Beschuldigte sie nicht "begrapscht" sondern "einfach angegriffen, getreten 

und geschlagen" habe (Urk. 3/1 S. 5 f., 10; Urk. 3/2 S. 10).  

4.4.4 Den im Untersuchungsverfahren sowie vor Vorinstanz gemachten Aussagen 

des Beschuldigten sind weder direkte Aussagen über die Heftigkeit der Fusstritte 

und Kniestösse noch zur Beschaffenheit des von ihm zum Tatzeitpunkt getrage-

nen Schuhwerks zu entnehmen. Erst anlässlich der Berufungsverhandlung wurde 

er hierzu befragt, woraufhin er angab, Turnschuhe getragen und sicher nicht mit 

voller Kraft zugetreten zu haben. Es sei eher ein "Pässli" gewesen und nicht so, 

als ob er einen Fussball weggekickt habe, auch wenn er dies nicht auf das 

Gramm genau habe dosieren können (Urk. 132 S. 16 f.). An der polizeilichen Ein-

vernahme erklärte der Beschuldigte: "Ich bin einfach unkontrolliert ausgerastet 

und habe auf den nächstbesten Passanten eingeschlagen (…)" (Urk. 4/1 S. 7). 

Sein Verstand habe in diesem Moment wie ausgesetzt und er habe nicht reali-

siert, was er getan habe. Er habe nur gemerkt, dass sich die Person stark ge-

wehrt habe, was seine Wut noch gesteigert habe. Er habe nur einen Gedanken 

gehabt, "alles (die ganze Wut) rauszulassen". An eine Entschlussfassung könne 

er sich nicht erinnern. Er habe wohl einfach seinen Verstand abgeschaltet, um 

-   18   - 

sich nicht mehr zu nerven, was wie ein Tagtraum funktioniere, man sei dann ab-

wesend. Zusammen mit dem ganzen Frust habe er dann wohl die Kontrolle ver-

loren und nur noch im Affekt gehandelt. Sein Kopf sei "ausgeschaltet" gewesen. 

Etwas gedacht habe er sich nicht, es sei einfach alles unkontrolliert passiert. Fer-

ner hielt er dafür: "Meine Wahrnehmung war zu diesem Zeitpunkt verschwom-

men, verzerrt. Ich nahm alles nur "passiv" wahr. Ich befand mich quasi abgekap-

selt in meiner eigenen Welt, war mit mir und meinem quälenden Frust befasst. 

Soweit ich weiss, habe ich geschlagen, gestossen und getreten." Wo die Tritte 

"gelandet" seien, könne er nicht sagen. Er könne sich nicht daran erinnern, diese 

gezielt gegen den Kopf der Privatklägerin gerichtet zu haben, vielmehr seien die 

Bewegungen ungezielt erfolgt. Er sei sich nicht richtig bewusst gewesen, was er 

da getan habe. Er habe aber bemerkt, dass sich sein Gegenüber gewehrt habe, 

weshalb er auch weiter gemacht habe. Irgendwann habe dann sein Verstand wie-

der eingesetzt. Er habe dann bemerkt, in eine Schlägerei verwickelt zu sein, wo-

raufhin er geflohen sei. Er habe möglichst schnell Abstand gewinnen wollen, weil 

er befürchtet habe, dass sein Verstand wieder hätte aussetzen können und er 

dann unkontrolliert hätte weiter machen wollen (Urk. 4/1 S. 10 f.). Diese Sachdar-

stellung bestätigte er auch anlässlich der Hafteinvernahme (Urk. 4/2 S. 9). Die 

Richtigkeit der Aussagen der Privatklägerin 1 stellte er zu keinem Zeitpunkt in 

Frage, abgesehen davon, dass er stets betonte, kein sexuelles Motiv für den 

Übergriff gehabt zu haben und sich nicht am Reisverschluss der Privatklägerin zu 

schaffen gemacht habe. Insbesondere anerkennt er, der Privatklägerin 1 die von 

ihr geschilderten Verletzungen zugefügt zu haben (Urk. 4/2 S. 3, 5 f.; Urk. 4/3 

S. 2, 4 f.; Urk. 90 S. 10, Urk. 132 S. 17).  

4.4.5 Gemäss ärztlichem Befund erlitt die Privatklägerin 1 unter anderem eine 

leichte Gehirnerschütterung sowie multiple Blutergüsse an der linken Schläfe, der 

linken Wange, der Oberlippe und an der Bindehaut des linken Auges, was auf 

mehrere Schläge gegen den Kopf hindeute. Abgesehen von einer einwöchigen 

Arbeitsunfähigkeit seien physisch keine bleibenden Schädigungen zu erwarten 

(Urk. 12/4 S. 1, Urk. 12/8). Dieses Verletzungsbild bestätigt die Aussagen der Pri-

vatklägerin, wonach die Tritte und Stösse gegen den linken Vorderkopf erfolgten, 

was vom Beschuldigten denn auch anerkannt wird (vgl. vorstehende Erw. 4.2). 

-   19   - 

Gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin 1 und des Beschuldigten sowie de-

ren Übereinstimmung mit dem ärztlichen Befund gilt die Vermutung der Verteidi-

gung, wonach die Verletzung am Auge wohl eher davon stamme, dass der Be-

schuldigte die Privatklägerin zu Boden gedrückt habe (Urk. 68 S. 5), als widerlegt. 

Schon aufgrund der leichten Hirnerschütterung sowie der multiplen Blutergüssen, 

insbesondere derjenigen an der Bindehaut sowie an der linken Schläfe, muss  

– entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 133 S. 7 f.) – von einer nicht 

unerheblichen Einwirkung auf den Kopfbereich der Privatklägerin ausgegangen 

werden, was auch vereinbar mit den Aussagen der Privatklägerin 1 ist. Insbeson-

dere der Umstand, dass die Tritte des Beschuldigten gegen den Kopf der Privat-

klägerin 1 gemäss seinen Angaben im Untersuchungsverfahren völlig unkon-

trolliert gewesen seien, lässt keinen anderen Schluss zu. Jedenfalls machte der 

Beschuldigte während des gesamten Untersuchungsverfahrens und auch vor Vor-

instanz in keiner Weise geltend, dass er sich bei den mehrfachen Fusstritten und 

Kniestössen auch nur die geringste Zurückhaltung auferlegt hätte. Erst anlässlich 

der Berufungsverhandlung erklärte er, dass es schon einen Unterschied mache, 

ob er jetzt mit voller Wucht aushole oder nicht. Einigermassen, wenn auch nicht 

auf das Gramm genau, habe er es schon dosieren können. Er habe sicher nicht 

mit voller Wucht zugetreten (Urk. 132 S. 17). Wie gesehen verglich er seinen 

Kraftaufwand mit jenem bei einem Pass während eines Fussballspiels (vgl. vor-

stehende Erw. 4.4.4). Selbst unter Berücksichtigung dieser Aussagen kann nicht 

von einem unerheblichen Kraftaufwand ausgegangen werden. Damit ist die vor-

instanzliche Erwägung, wonach der Beschuldigte "mit einer gewissen Wucht" auf 

den Kopf der Privatklägerin eingewirkt haben musste (Urk. 90 S. 12), sicher nicht 

falsch. Mangels gegenteiliger Hinweise und insbesondere auch aufgrund der ver-

gleichsweise gering ausgefallenen (physischen) Verletzungen ist – mit der Vertei-

digung – allerdings davon auszugehen, dass der Beschuldigte kein schweres 

Schuhwerk getragen hatte.  

4.5. Steht – wie vorliegend – der Vorwurf einer versuchten eventualvorsätzli-

chen Tatbegehung im Raum, kommt der Frage, wie intensiv die Tritte tatsächlich 

waren, aber ohnehin nur untergeordnete Bedeutung zu. Entscheidend ist viel-

mehr, welche Folgen der Beschuldigte aufgrund seiner Tritte für möglich gehalten 

-   20   - 

und in Kauf genommen hatte (Bundesgerichtsentscheid 6B_1250/2013 vom 

24.04.2015, E. 1.4.1). Was der Täter wusste und wollte bzw. in Kauf nahm, gehört 

zum subjektiven Tatbestand. Es geht dabei um einen inneren Vorgang, auf den 

nur anhand einer Würdigung des äusseren Verhaltens des Täters sowie allenfalls 

weiterer Umstände geschlossen werden kann. Die Feststellung des subjektiven 

Tatbestands ist damit Bestandteil der Sachverhaltsabklärung. Da in diesem Be-

reich Tat- und Rechtsfragen sehr eng miteinander verbunden sind, drängt sich re-

gelmässig auf, diese Fragen lediglich einmal, unter dem Aspekt der rechtlichen 

Würdigung zu behandeln. Hiezu ist deshalb auf die folgenden Erwägungen zu 

verweisen. 

5. Rechtliche Würdigung 

5.1. Es steht ausser Diskussion, dass das Handeln des Beschuldigten zum 

Nachteil der Privatklägerin 1 eine einfache Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 StGB zur Folge hatte, was auch die Verteidigung anerkennt 

(Urk. 92 S. 2, Urk. 68 S. 8, Urk. 92 S. 2, Urk. 133 S. 1). 

5.2. Zwischen den Parteien umstritten ist jedoch die weitergehende Frage, ob 

sich der (Eventual-)Vorsatz des Beschuldigten auf eine schwere Körperverletzung 

im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB bezogen hat und er deswegen des Versuchs 

zur Erfüllung dieses Tatbestandes verurteilt werden muss. Die Vorinstanz ist dem 

Eventualantrag der Staatsanwaltschaft gefolgt und hat den Beschuldigten bezüg-

lich des für das Berufungsverfahren massgebenden Tatvorwurfs der versuchten 

schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen (Urk. 34 S. 3; Urk. 67 S. 1, 4; Urk. 90 

S. 11 ff., 34). Die Verteidigung verlangt (auch) berufungsweise, dass lediglich ein 

Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB zu erfolgen habe (Urk. 68 S. 1, 3 ff., Urk. 92 S. 2, Urk. 133 S. 1).  

5.3. Die Vorinstanz hat die Tatbestandsmerkmale der schweren Körper-

verletzung und die Voraussetzungen, wann von einem Versuch auszugehen ist, 

zutreffend umrissen (Urk. 90 S. 11 f.). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO). 

-   21   - 

5.4. Ebenso hat die Vorinstanz zutreffend dargelegt, wann von einem Eventual-

vorsatz auszugehen ist und hat diesen in nachvollziehbarer Weise und unter Ver-

weis auf die einschlägige Rechtsprechung von der bewussten Fahrlässigkeit ab-

gegrenzt (Urk. 90 S. 11, 13). Auch hierauf kann vorab verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO). 

5.5. Vor Vorinstanz machte die Verteidigung noch geltend, dass der Beschul-

digte im Sinne eines Allgemeinwissens und gemäss eigenen Aussagen zwar wis-

se, was bei Fusstritten gegen den Kopf passieren kann, dieses Wissen aber im 

Tatzeitpunkt nicht habe abrufen können. Es liege demnach ein klassischer Fall 

bewusster Fahrlässigkeit vor. Dabei verwies die Verteidigung auf die Aussage des 

Beschuldigten, wonach man sich der Folgen solchen Handelns natürlich erst im 

Nachhinein klar werde (Prot. I S. 46 mit Verweis auf Prot. I S. 17). Auch im Beru-

fungsverfahren stellte sich die Verteidigung auf den Standpunkt, dass dem Be-

schuldigten keine eventualvorsätzliche Tatbegehung nachgewiesen werden kön-

ne (vgl. nachfolgende Erw. 5.7), ohne aber geltend zu machen, der Beschuldigte 

habe bewusst fahrlässig gehandelt, was indessen einleuchtet, ist doch in objekti-

ver Hinsicht unbestrittenermassen von einer einfachen Körperverletzung auszu-

gehen und ist doch eine versuchte fahrlässige Tatbegehung gar nicht möglich. 

5.6. Soweit die Verteidigung unter Verweis auf die Aussage des Beschuldigten 

ausführt, dass die Kombination aus Medikamenten und Alkohol wie zu einem 

Kurzrausch bzw. zu einem "Aussetzer" geführt habe, weshalb davon auszugehen 

sei, dass der Beschuldigte damals unter keinen Umständen habe abrufen können, 

was bei einem Tritt auf den Kopf passieren kann (Prot. I S. 46), spricht sie das 

Thema des Verschuldens an. Dass dieses aber in einem derartigen Masse be-

einträchtigt gewesen wäre, dass von einer (vollständigen) Schuldunfähigkeit im 

Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB ausgegangen werden müsste, macht die Verteidi-

gung indessen selbst nicht geltend und wäre im Übrigen auch nicht ersichtlich. 

Eine allfällige verminderte Schuldfähigkeit ist im Rahmen der Strafzumessung zu 

berücksichtigen. 

5.7. Die Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt, dass die Annahme einer 

versuchten schweren Körperverletzung schon daran scheitere, dass es vorliegend 

-   22   - 

an – neben den Fusstritten hinzukommenden – Elementen fehle, welche die An-

nahme einer versuchten schweren Körperverletzung rechtfertigen würden 

(Urk. 68 S. 4, Urk. 133 S. 6 ff.). Es ist richtig, dass eine versuchte schwere Kör-

perverletzung nicht leichthin anzunehmen ist. Ebenso trifft zu, dass bei der sei-

tens der Verteidigung zitierten Rechtsprechung für die Annahme einer versuchten 

schweren Körperverletzung neben der eigentlichen Tathandlung (Fusstritt) jeweils 

noch ein aggravierendes Moment vorgelegen hat, wie zum Beispiel die Heftigkeit 

der Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die Traktierung mit Gegenständen, der 

objektive Schweregrad der Verletzungen oder die Einwirkung mehrerer Personen 

(Urk. 68 S. 4 und Urk. 133 S. 7 mit Verweis auf Bundesgerichtsentscheide 

6B_954/2010 vom 10.03.2011, 6B_45/2013 vom 18.07.2013 und 6B_222/2014 

vom 15.07.2014, Urk. 133 S. 7 mit zusätzlichem Hinweis auf 6B_132/2015 vom 

21.04.2015). Dies ist aber auch vorliegend der Fall, wie nachfolgend aufzuzeigen 

sein wird.  

5.7.1 Zunächst ist zu berücksichtigen, dass es sich unbestrittenermassen um 

mehrfache Fusstritte sowie Kniestösse gegen den linken Vorderkopf bzw. die 

Schläfe der am Boden liegenden Privatklägerin 1 handelte. Diesbezüglich ist mit 

der Staatsanwaltschaft darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Kopfregion um 

eine besonders sensible Region des menschlichen Körpers handelt (Prot. II 

S. 15). Sodann ist erstellt, dass die Privatklägerin 1 zwar versucht hatte sich zu 

wehren, dieser Abwehrversuch aber erfolglos geblieben ist, erklärte doch der Be-

schuldigte von sich aus, dass ihn die Gegenwehr nur noch aggressiver gemacht 

beziehungsweise diese seine Wut nur noch gesteigert habe (Urk. 4/1 S. 9, Prot. I 

S. 16). In diesem Zusammenhang ist mit der Staatsanwaltschaft zu betonen, dass 

sich nicht nur der Beschuldigte, sondern auch die – über den völlig unerwarteten 

Angriff erschrockene – Privatklägerin 1 in einem emotionalen Ausnahmezustand 

befunden haben muss, was eine wirksame Abwehr zusätzlich erschwerte (Prot. II 

S. 15). Zudem ist gemäss erstelltem Sachverhalt davon auszugehen, dass die 

Fusstritte "mit einer gewissen Wucht" erfolgten beziehungsweise von einem nicht 

unerheblichen Kraftaufwand des Beschuldigten auszugehen ist (vgl. Erw. 4.4.1 – 

4.4.5).  

-   23   - 

5.7.2 Mit der Vorinstanz ist sodann davon auszugehen, dass der Beschuldigte 

weiss, was passieren kann, wenn man mit dem Fuss gegen den Kopf eines Men-

schen tritt, hat er doch anlässlich der Hauptverhandlung erklärt, dass solche Tritte 

unter anderem zu Schädelverletzungen und Hirnblutungen, schlimmstenfalls mit 

Todesfolge, führen könnten. Gemäss eigenen Angaben verfügte der Beschuldigte 

auch in der Tatnacht über dieses Wissen (Urk. 90 S. 12 f.; Prot. I S. 16 f.).  

5.7.3 Allerdings ist der Verteidigung beizupflichten, wenn sie darauf hinweist, dass 

bei der an der Hauptverhandlung gestellten Frage betreffend die möglichen Fol-

gen nicht definiert worden ist, ob von heftigen Tritten die Rede war (Prot. I S. 16, 

46, Urk. 133 S. 7). Daraus lässt sich aber nichts zugunsten des Beschuldigten ab-

leiten: 

Gemäss der – seitens der Verteidigung zitierten – Rechtsprechung kann der Tat-

bestand der versuchten schweren Körperverletzung unter anderem dann als er-

füllt gelten, wenn jemand einem am Boden liegenden Opfer mit voller Wucht mit 

dem Fuss gegen den Kopf tritt (vgl. Bundesgerichtsentscheid 6B_954/2010 vom 

18.07.2013). Gestützt auf diese Ausgangslage hat die Vorinstanz zu Recht ange-

nommen, dass die Vorgehensweise des Beschuldigten aufgrund der konkreten 

Tatumstände als versuchte schwere Körperverletzung qualifiziert werden muss. 

Dies, obwohl der Beschuldigte gemäss erstelltem Sachverhalt "lediglich" "mit ei-

ner gewissen Wucht" zugetreten hatte (vgl. Erw. 4.4.5). Wie gesehen (Erw. 4.4.4) 

ist der Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen einfach ausgerastet, hat mindes-

tens vier Mal auf den Kopf des nächstbesten Passanten eingetreten und dabei 

seinen Verstand "abgeschaltet". Er habe sich nichts dabei gedacht und seine Be-

wegungen seien ungezielt gewesen. Auch anlässlich der Hauptverhandlung er-

klärte er, dass es sich um eine Kurzschlusshandlung gehandelt habe (Prot. I 

S. 15). In diesem Gemütszustand konnte er unmöglich in der Lage sein, die In-

tensität seiner wiederholten Tritte und Kniestösse derart zu steuern, dass er den 

Eintritt schwerer Verletzungen hätte ausschliessen können. Daran ändert auch 

nichts, wenn er anlässlich der Berufungsverhandlung beschönigend geltend 

machte, dass er die Wucht seiner Tritte schon einigermassen habe steuern könne 

(vgl. Urk. 132 S. 17). Der während des gesamten Verfahrens durch den Beschul-

-   24   - 

digten selbst beschriebene emotionale Zustand während der Tatbegehung spricht 

eindeutig gegen einen bewusst dosierten Krafteinsatz. Dafür spricht auch die 

Aussage des Beschuldigten, wonach die (versuchte) Gegenwehr der Privatkläge-

rin – anstatt ihn von seinem Vorhaben abzubringen – noch mehr Aggressionen in 

ihm ausgelöst habe (Prot. I S. 16). Gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten 

ist davon auszugehen, dass er sich im Moment seines Handelns – trotz vorhan-

denem Wissen über die Möglichkeit eines Erfolgseintritts einer schweren Körper-

verletzung – überhaupt keine Gedanken über die Folgen seines Angriffs und da-

mit auch nicht über die Heftigkeit seiner Tritte gegenüber der am Boden liegenden 

Privatklägerin gemacht hatte. Entgegen der Darstellung der Verteidigung kann un-

ter diesen Umständen aber nicht die Rede davon sein, dass der Beschuldigte  

– allenfalls aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit – hätte darauf vertrauen können, 

dass sich die Gefahr lebensgefährlicher Verletzungen nicht verwirklichen würde. 

Wer völlig unkontrolliert und ohne jegliche Zurückhaltung mit den Schuhen  

– wenn auch mit leichtem Schuhwerk – mehrmals auf den Kopf einer auf dem 

Boden liegenden Person eintritt, ihr hernach in gleicher Art und Weise auch noch 

Kniestösse verabreicht und sich dabei auch durch Gegenwehr nicht davon ab-

bringen, sondern vielmehr provozieren lässt, kann gar nicht anders, als den De-

liktserfolg einer schweren Körperverletzung (z.B. Lebensgefahr, Verstümmelung 

eines wichtigen Organs, arge und bleibende Entstellung des Gesichts) ernstlich in 

Rechnung zu stellen. Er lässt es offensichtlich "drauf ankommen". Der Beschul-

digte hat sich daher mit seiner Vorgehensweise für die mögliche Rechtsgüterver-

letzung entschieden. Denn die Wahrscheinlichkeit des Erfolgseintritts musste sich 

ihm als so gross aufdrängen, dass seine Vorgehensweise nicht anders denn als 

Inkaufnahme des als möglich erkannten Erfolgs ausgelegt werden kann, was er 

überdies anlässlich der Hauptverhandlung auch eingestand (vgl. Urk. 90 S. 14 mit 

Verweis auf Prot. I S. 17). Die Vorgehensweise des Beschuldigten erlaubte allen-

falls noch die Hoffnung, die Sache werde glimpflich ausgehen. Der Beschuldigte 

musste es letztlich aber Glück oder Zufall überlassen, ob sich die Gefahr verwirk-

lichen werde oder nicht, da er bei seiner Vorgehensweise das Risiko gar nicht 

kontrollieren konnte. Entgegen der Verteidigung kann jedenfalls nicht aufgrund 

von früheren Impulsdurchbrüchen des Beschuldigten, welche glücklicherweise 

-   25   - 

glimpflich ausgegangen waren, darauf geschlossen werden, dass der Beschuldig-

te auch in der vorliegenden Konstellation nicht "komplett die Kontrolle verloren 

habe" (Prot. II S. 11). Die blosse Hoffnung auf das Ausbleiben des tatbestands-

mässigen Erfolgs schliesst eine Inkaufnahme im Sinne eventualvorsätzlicher Tat-

begehung anders als das – auch bloss leichtsinnige – Vertrauen jedoch nicht aus. 

Es bedeutet lediglich, dass der Erfolgseintritt als solcher unerwünscht ist (vgl. 

BGE 130 IV 58 E. 8.3, Bundesgerichtsentscheid 6B_132/2015 vom 21.04.2015, 

E. 2.3.1), was indessen nicht gegen die Annahme eines Eventualvorsatzes 

spricht.  

5.8. Die Vorinstanz hat die Vorgehensweise des Beschuldigten damit zu Recht 

als eventualvorsätzliche versuchte schwere Körperverletzung qualifiziert (Urk. 90 

S. 11 ff.). Entgegen der Vorbringen der Verteidigung ändert daran auch der Um-

stand nichts, dass die Privatklägerin den Angriff mit vergleichsweise geringen Ver-

letzungen überstanden hatte (Urk. 68 S. 4 f., Urk. 133 S. 7 f.), liegt es doch ge-

rade in der Natur der Sache, dass der tatbestandliche Erfolg bei einem Versuch 

(regelmässig) nicht eintritt (Bundesgerichtsentscheid 6B_222/2014 vom 

15.07.2014, E. 1.4). Für die Frage der Tatbestandsmässigkeit unerheblich ist fer-

ner das Vorbringen der Verteidigung, wonach der Beschuldigte von sich aus von 

der Privatklägerin abgelassen habe (Urk. 68 S. 7), hatte er zu diesem Zeitpunkt 

den Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung doch bereits erfüllt 

(vgl. Bundesgerichtsentscheid 6B_132/2015 vom 21.04.2015, E. 2.3.3). 

5.9. Der Beschuldigte ist damit in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der 

versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

6. Strafzumessung 

6.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen 

ist, richtig zusammengefasst (Urk. 90 S. 15 f.). Zur Vermeidung von Wieder-

holungen kann darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

-   26   - 

6.2. Neben dem im vorliegenden Berufungsverfahren zu beurteilenden Haupt-

delikt der versuchten eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung hat die 

Vorinstanz den Beschuldigten wegen zweier Nebendelikte der mehrfachen einfa-

chen Körperverletzung schuldig gesprochen (Urk. 90 S. 34, Dispositivziffer 1). Da 

die Parteien den Schuldspruch bezüglich dieser Delikte nicht angefochten haben, 

ist Dispositivziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils im vorgenannten Umfang in 

Rechtskraft erwachsen (vgl. Erw. 2).  

6.3. Die Vorinstanz hat bei dieser Ausgangslage eine Freiheitsstrafe von 

4 Jahren festgesetzt und ist damit dem Eventualantrag der Staatsanwaltschaft ge-

folgt (Urk. 90 S. 21 und Urk. 34 S. 5, Urk. 76 S. 1). Berufungsweise verlangt nun 

der leitende Staatsanwalt im Rahmen seiner Anschlussberufung eine vergleichs-

weise höhere Strafe, mit der Begründung, dass dem hinterhältigen Vorgehen des 

Beschuldigten und der aufgrund der Nebendelikte vorzunehmenden Strafschär-

fung nicht genügend und angemessen Rechnung getragen worden sei (Urk. 99 

S. 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung beantragte er eine Freiheitsstrafe von 

5 ½ Jahren. Er betonte, dass mit diesem Strafmass der seitens des Beschuldigten 

an den Tag gelegten, selten hohen kriminellen Energie im Zusammenhang mit 

den serienmässig begangenen Angriffen auf völlig unbekannte junge Frauen 

Rechnung getragen werden könne. Ebenso verweist die Staatsanwaltschaft auf 

den Umstand, dass das Vorgehen des Beschuldigten die Frauen allesamt in Pa-

nik, Angst und Schrecken versetzt habe, auch bezüglich einer vermeintlichen 

Vergewaltigung (Urk. 134 S. 4). Der Beschuldigte hingegen verlangt (auch) beru-

fungsweise eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, dies aufgrund der Auffassung, 

wonach er sich nicht der versuchten schweren Körperverletzung, sondern aus-

schliesslich der (mehrfachen) einfachen Körperverletzung schuldig gemacht habe 

(Urk. 92 S. 2, Urk. 133 S. 9 f.).  

6.4. Wie dies die Vorinstanz richtig erkannt hat, ist bei einem versuchten Delikt 

zunächst eine Einsatzstrafe für das (mutmasslich) vollendete Delikt festzusetzen 

und hernach eine Reduktion infolge des Versuchs vorzunehmen (Urk. 90 S. 17 f., 

vgl. auch BGE 136 IV 55 E. 5.7). In der Folge ist die hypothetische Einsatzstrafe 

wegen den zusätzlich begangenen Delikten in Anwendung des Asperations-

-   27   - 

prinzips im Sinne einer Gesamtwürdigung angemessen zu erhöhen (Urk. 90 

S. 15, vgl. auch Bundesgerichtsentscheid 6B_274/2013 vom 5.09.2013, E. 1.2.2). 

Auf die diesbezüglichen Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil kann verwiesen 

werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ebenso kann der Vorinstanz uneingeschränkt ge-

folgt werden, wenn sie festhält, dass die tat- und täterangemessene Strafe (bei 

Fehlen aussergewöhnlicher Umstände) innerhalb des ordentlichen Strafrahmens 

der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen ist (Urk. 90 

S. 115 f). Damit ist die Strafe grundsätzlich innerhalb eines Strafrahmens von bis 

zu 10 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen zu be-

messen (Art. 122 Abs. 4 StGB).  

6.5. In Bezug auf die objektive Tatschwere der (mutmasslich) vollendeten 

schweren Körperverletzung ist zu sehen, dass die völlig unkontrollierten und un-

dosierten Fusstritte und Kniestösse gegen den linken Vorderkopf der Privatkläge-

rin 1 ohne Weiteres zu lebensgefährlichen Verletzungen oder bleibenden Schä-

den hätten führen können. Mit der Vorinstanz fällt erschwerend ins Gewicht, dass 

der Beschuldigte die körperlich unterlegene Privatklägerin 1 in der Dunkelheit oh-

ne jegliche Veranlassung und völlig unvermittelt von hinten angegriffen hat. Zu 

Recht weist die Staatsanwaltschaft diesbezüglich auf das hinterhältige Vorgehen 

des Beschuldigten bzw. auf das überraschende Moment hin (Urk. 99 S. 2, 

Urk. 133 S. 4), was von der Vorinstanz strafschärfend berücksichtigt worden ist 

(Urk. 90 S. 16). Um sicher zu gehen, dass der Angriff auf die Privatklägerin 1 von 

möglichen Passanten unentdeckt blieb, zerrte er sie zu einem Holzhäuschen ne-

ben der Strasse, was die Privatklägerin zusätzlich verängstigt haben muss und in 

ihr die naheliegende Befürchtung ausgelöst hatte, Opfer einer Vergewaltigung zu 

werden, zumal der Beschuldigte sich an ihrem Gurt zu schaffen gemacht hatte. 

Wiederum mit der Vorinstanz zeigt sich die verwerfliche Vorgehensweise des Be-

schuldigten auch darin, dass er sich durch die (versuchte) Gegenwehr der in Pa-

nik versetzten Privatklägerin von seinem Vorhaben in keiner Weise hat abbringen 

lassen, sondern diese ihn vielmehr veranlasst hatte, noch heftiger auf die Privat-

klägerin einzuwirken. Andererseits hat der Beschuldigte gemäss erstelltem Sach-

verhalt "lediglich" zwei Fusstritte und zwei Kniestösse ausgeteilt und dann von 

sich aus von der Privatklägerin abgelassen, worauf die Verteidigung zutreffend 

-   28   - 

hinweist (Urk. 133 S. 9). Schon aus dem Verletzungsbild der Privatklägerin ergibt 

sich, dass die Tritte und Stösse in tatsächlicher Hinsicht – wenn auch nicht mit 

unerheblichem Kraftaufwand – dennoch nicht mit voller Wucht erfolgten. Auch 

wenn durchaus brutalere Verletzungsmethoden – z.B. auch unter Einsatz ge-

fährlicher Tatmittel – vorstellbar sind, ist zu vergegenwärtigen, dass es sich beim 

Kopfbereich eines Menschen um eine besonders sensible Körperregion handelt 

und insbesondere Verletzungen der Hirnregion folgenschwere Beeinträchtigungen 

nach sich ziehen können. Auf einer Skala aller denkbaren schweren Körper-

verletzungen wäre ein solcher Erfolg damit im Bereich des mittelschweren Ver-

schuldens anzusiedeln. 

6.6. In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz auf das höchst egoistische 

Motiv des Beschuldigten hinzuweisen (Urk. 90 S. 17). Nur weil der Beschuldigte  

– ohne erkennbaren Grund – "genervt" war und seinen Frust loswerden wollte, 

nahm er sozusagen nach dem Zufallsprinzip die nächstbeste Gelegenheit wahr 

und liess seine Aggressionen völlig unkontrolliert an der ihm völlig unbekannten 

Passantin aus. Dies zeugt von einer erheblichen Geringschätzung der körper-

lichen und psychischen Integrität anderer Personen. 

Andererseits ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die eventualvorsätzliche 

Tatbegehung diesen Schuldvorwurf geringer erscheinen lässt (Urk. 90 S. 17, 

BGE 136 IV 55 E. 5.6). Ferner ist zugunsten des Beschuldigten von einem relativ 

spontanen Tatentschluss auszugehen. 

6.7. Sodann ist der Vorinstanz – und auch den Parteien (Urk. 68 S. 9, Urk. 133 

S. 10, Urk. 134 S. 3) – zu folgen, wenn sie dem Beschuldigten unter Verweis auf 

das nach dem vorliegend zu beurteilenden Hauptdelikt erstellte psychiatrische 

Gutachten von Dr. med. E._____ vom 29. Juli 2013 aufgrund der in tatsächlicher 

Hinsicht festgestellten leichtgradig eingeschränkten Steuerungsfähigkeit eine sich 

auch in rechtlicher Hinsicht auswirkende leichtgradig eingeschränkte Schuldfähig-

keit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB zuerkannte (Urk. 90 S. 17). Auf die zutref-

fenden Erwägungen kann – unter Verweis auf die einschlägige Rechtsprechung 

(vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.6 und 5.7) – vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO).  

-   29   - 

6.8. Wenn die Vorinstanz dafür hält, dass das objektive Tatverschulden für das 

mutmasslich vollendete Delikt in subjektiver Hinsicht leicht relativiert wird, kann 

dies so übernommen werden (Urk. 90 S. 17). Wenn die Vorinstanz dann zum 

Schluss kommt, dass nach Würdigung der Tatkomponenten für das mutmasslich 

vollendete Delikt und damit unter Berücksichtigung der eventualvorsätzlichen Tat-

begehung sowie der leicht verminderten Schuldfähigkeit von einem "nicht mehr 

leichten" Verschulden auszugehen sei, erweist sich das unter Berücksichtigung 

der vorgenannten Erwägungen als eher milde. 

6.9. Als hypothetische Einsatzstrafe für die mutmasslich vollendete schwere 

Körperverletzung rechtfertigt sich mithin eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren. Die 

von der Vorinstanz angesetzte hypothetische Einsatzstrafe von 3 ½ Jahren 

(Urk. 90 S. 18) erweist sich demgegenüber als etwas tief. 

6.10. Schliesslich hat die Vorinstanz zutreffend in Betracht gezogen, dass es 

beim vollendeten Versuch geblieben ist, was sich im Sinne einer Reduzierung der 

(hypothetischen) Einsatzstrafe auszuwirken habe (Urk. 90 S. 18). Aufgrund der 

konkreten Umstände erweist sich die seitens der Vorinstanz vorgenommene Re-

duktion in quantitativer Hinsicht allerdings als etwas zu gering, worauf auch die 

Verteidigung und auch die Staatsanwaltschaft verweisen (Urk. 133 S. 9, Urk. 134 

S. 3): 

Vorliegend lag der tatbestandsmässige Erfolg – namentlich die schwerwiegende 

Beeinträchtigung der körperlichen Integrität durch Frakturen, Gehirnerschütte-

rung, Koma, Hirnblutungen usw. (vgl. hierzu BGE 136 IV 49 E. 4.2) – weit ent-

fernt. Die Privatklägerin 1 befand sich zu keiner Zeit in Lebensgefahr. Vielmehr 

blieben die tatsächlichen Folgen der Tat zumindest in physischer Hinsicht ver-

gleichsweise gering, was sich verschuldensmindernd auswirken muss. Allerdings 

muss festgehalten werden, dass der Beschuldigte aufgrund seiner völlig unkon-

trollierten und undosierten Vorgehensweise (vgl. hierzu Erw. 5.7.3) nicht viel von 

sich aus für den glimpflichen Ausgang beigetragen hat. Vielmehr oblag es – mit 

der Vorinstanz (Urk. 90 S. 16 f.) – letztlich dem Zufall, in welcher Art und Weise er 

den Kopf der Privatklägerin mit seinem Fuss beziehungsweise Knie traktierte, 

weshalb er keinesfalls den Eintritt schwerer Verletzungen ausschliessen konnte. 

-   30   - 

Immerhin ist ihm – wiederum mit der Vorinstanz (Urk. 90 S. 17) und der Vertei-

digung (Urk. 133 S. 9) – aber zugute zu halten, dass er nach (mindestens) vier 

Tritten beziehungsweise Stössen von sich aus von der Privatklägerin 1 abgelas-

sen hatte. Ebenso ist in tatsächlicher Hinsicht zu berücksichtigen, dass die Tritte 

und Stösse nicht mit voller Wucht erfolgten, was sich bereits am Verletzungsbild 

zeigt. Zusammenfassend muss sich der Umstand, dass sich die tatsächlichen 

Folgen bei Weitem nicht tatbestandsmässig im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB 

erweisen, trotz der völlig unkontrollierten und undosierten Vorgehensweise des 

Beschuldigten merklich verschuldensmindernd auswirken. Für das schwerste 

(versuchte) Delikt ist von einer Einsatzstrafe von rund 3 Jahren auszugehen. 

6.11. Wegen den zusätzlich begangenen einfachen Körperverletzungen zu Las-

ten der Privatklägerin 2 und 3 ist die hypothetische Einsatzstrafe angemessen zu 

erhöhen. Zu Recht weist die Vorinstanz auf die Ähnlichkeit betreffend die Vor-

gehensweise hin (Urk. 90 S. 18). Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO). Augenfällig ist – wiederum mit der Vorinstanz (Urk. 90 

S. 18 f.) und auch der Staatsanwaltschaft (Urk. 134 S. 4) –, dass sich auch diese 

zwei weiteren Übergriffe gegen junge, ihm körperlich unterlegene Frauen richte-

ten, was für eine gewisse Systematik bei der Opferauswahl spricht, auch wenn 

der Beschuldigte dies durchwegs bestreitet (Urk. 4/1 S. 8 f., 11; Urk. 4/3 S. 10 ff., 

Urk. 132 S. 13, 15). Jedenfalls hält auch der Gutachter dafür, dass diese Selekti-

vität für eine Kontrolle seines aggressiven Drangs spreche, welchen er jeweils 

erst auslebe, wenn sich eine entsprechende Gelegenheit biete (Urk. 90 S. 19 mit 

Verweis auf Urk. 23/18 S. 13 f.).  

Bezüglich der objektiven Tatschwere dieser beiden Delikte ist auf die in phy-

sischer Hinsicht vergleichsweise gering ausgefallenen Verletzungsfolgen ohne 

bleibende Schädigungen hinzuweisen (Urk. ND 1/12; Urk. ND 1/14/1; Urk. ND 

2/11/1-4, 8 und Urk. 90 S. 7 f.). Über die genaue Vorgehensweise betreffend die 

Körperverletzungen, namentlich die Art und Weise, wie er die Schläge und oder 

Tritte ausgeführt hat, ist wenig bekannt (vgl. Urk. ND 1/3-6, Urk. ND 2/5, Urk. ND 

2/6). Gleich wie beim Hauptdelikt fällt aber auch hinsichtlich der Nebendelikte er-

schwerend ins Gewicht, dass der Beschuldigte die ihm körperlich unterlegenen 

-   31   - 

und arglosen Frauen ohne jegliche Veranlassung, wiederum in der Dunkelheit 

und völlig unvermittelt, von hinten angegriffen hat und diese so in höchstem Mas-

se verängstigt haben muss, was auch die Staatsanwaltschaft betont (Urk. 134 

S. 4). Die objektive Tatschwere wiegt keinesfalls mehr leicht.  

In subjektiver Hinsicht ist betreffend die Nebendelikte auf den direkten Vorsatz 

hinzuweisen. In Bezug auf das Motiv kann auf die Erwägungen hinsichtlich der 

subjektiven Tatschwere betreffend das Hauptdelikt (vgl. Erw. 6.6) verwiesen wer-

den.  

Wiederum ist dem Beschuldigten aufgrund der durch das – nach dem bekannt-

werden der beiden Nebendelikte – ergänzte psychiatrische Gutachten von 

Dr. med. E._____ vom 22. Januar 2014 aufgrund der in tatsächlicher Hinsicht 

festgestellten leichtgradig eingeschränkten Steuerungsfähigkeit eine sich auch in 

rechtlicher Hinsicht auswirkende leichtgradig eingeschränkte Schuldfähigkeit im 

Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB zuzuerkennen (Urk. 23/18 S. 13), was leicht ver-

schuldensmindernd zu berücksichtigen ist.  

Die objektive Tatschwere wird damit in subjektiver Hinsicht leicht relativiert. Ge-

samthaft betrachtet ist damit betreffend die Nebendelikte von einem nicht mehr 

leichten Verschulden auszugehen. Wenn die Vorinstanz die für das Hauptdelikt 

festgesetzte Strafe zu Folge Aspiration um 1 ½ Jahre auf 4 ½ Jahre erhöht, kann 

dies gestützt auf die vorstehenden Erwägungen so übernommen werden (Urk. 90 

S. 19). 

6.12. Die persönlichen Verhältnisse ergeben sich aus der zusammenfassenden 

Wiedergabe im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 90 S. 19 f.). Nachdem der sich seither 

in Haft bzw. im vorzeitigen Vollzug befindliche Beschuldigte auch anlässlich der 

heutigen Berufungsverhandlung nichts Neues vorgebracht hat, kann auf diese 

Ausführungen und auch auf diejenigen im Hauptgutachten verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 23/11 S. 27 ff.). Die Vorinstanz hat das Vorleben des 

Beschuldigten leicht strafmindernd berücksichtigt (Urk. 90 S. 20). Dem kann bei-

gepflichtet werden. Eine weitergehende Berücksichtigung ist aber nicht angezeigt. 

Auch Personen die in widrigen Verhältnissen aufwuchsen, haben sich an die 

-   32   - 

Rechtsordnung zu halten und tun dies in aller Regel auch. Soweit sich die schwie-

rige Jugend des Beschuldigten auf seine Persönlichkeitsstörung ausgewirkt ha-

ben sollte, ist dies bereits im Rahmen der verminderten Schuldfähigkeit berück-

sichtigt worden. Ebenso rechtfertigt es sich – entgegen der Auffassung der Ver-

teidigung (Urk. 133 S. 10) – nicht, dem Beschuldigten einzig aufgrund des jugend-

lichen Alters eine nochmalige Reduktion zu gewähren. Soweit sich das jugendli-

che Alter auf das Verhalten des Beschuldigten ausgewirkt hatte, wurde dies be-

reits bei den persönlichen Verhältnissen und in gewissem Umfang auch bei der 

verminderten Schuldfähigkeit berücksichtigt. Eine nochmalige Reduktion alleine 

gestützt auf das jugendliche Alter rechtfertigt sich schon deshalb nicht, weil es 

auch einem jugendlichen Erwachsenen völlig klar sein muss, dass Übergriffe auf 

die körperliche Integrität anderer Personen völlig inakzeptabel und verboten sind. 

Dies umso mehr, wenn es sich bei den Angegriffenen um völlig unbeteiligte und 

unterlegene Passanten handelt. Zudem kennt Art. 48 StGB – dies im Unterschied 

zum früheren Recht (Art. 64 alinea 9 aStGB) – den Strafmilderungsgrund der 

noch nicht vollen Einsicht aufgrund des jugendlichen Alters nicht.  

6.13. Zu Recht hat die Vorinstanz das Geständnis des Beschuldigten strafmin-

dernd berücksichtigt. Auch wenn der Beschuldigte die Tatvorwürfe betreffend das 

Hauptdelikt und das Nebendelikt bezüglich der Privatklägerin 3 erst nach Vorhalt 

des Ergebnisses der DNA-Spurenauswertung eingestanden hatte, erfolgte dies 

dennoch bereits in den ersten Einvernahmen (vgl. Erw. 4.2 und Urk. 1/5 S. 7 f., 

Urk. 2/6 S. 7 f.). Auch die zunächst abgestrittenen Kniestösse gestand er – mit 

gewissen Vorbehalten – ab der Hafteinvernahme ein (vgl. Erw. 4.2). Den Tatvor-

wurf betreffend das Delikt gegenüber der Privatklägerin 2 anerkannte er sodann 

auch ohne entsprechende Identifizierung mittels DNA-Spurenauswertung 

(Urk. 1/5 S. 3 f., Urk. 2/6 S. 3 f.). 

Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz, wenn sie dem Beschuldigten unter dem 

Titel Reue und Einsicht überhaupt keine Strafminderung zubilligt (Urk. 90 S. 19). 

Der Beschuldigte zeigte sich von Beginn weg reuig und beteuerte, dass es ihm 

insbesondere leid tue, die Privatklägerinnen in ihrer psychischen Integrität verletzt 

zu haben (Urk. 4/1 S. 12, Urk. 4/2 S. 13, Urk. 4/3 S. 2, 6, 13; Prot. I S. 52). Auch 

-   33   - 

wenn es mit der Vorinstanz keiner grossen Reflektionsfähigkeit bedarf, das Un-

recht in Taten einzusehen, die ohne jegliche Veranlassung an völlig Unbeteiligten 

begangen werden, ist dem Beschuldigten – mit der Verteidigung (Urk. 68 S. 10, 

Urk. 133 S. 9) – gleichwohl zugute zu Halten, dass er das Ausmass seiner Ver-

fehlung erkennt. Zusammen mit dem Geständnis muss sich dies merklich straf-

mindernd auswirken. 

6.14. Nicht gefolgt werden kann der Verteidigung, wenn sie unter Verweis auf 

den Führungsbericht (Urk. 62) dafür hält, dass das tadellose Verhalten des Be-

schuldigten während der Untersuchungshaft beziehungsweise des vorzeitigen 

Straf- bzw. Massnahmevollzuges zu seinen Gunsten zu würdigen sei (Urk. 68 

S. 10, Urk. 133 S. 9). Vielmehr kann ein diesbezüglich korrektes Verhalten vo-

rausgesetzt werden (Bundesgerichtsentscheid 6B_974/2009 vom 18.02.2010, 

E. 5.5). 

6.15. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 95). Deutlich straferhöhend fällt 

aber der Umstand ins Gewicht, dass der Beschuldigte noch während laufender 

Strafuntersuchung betreffend das Hauptdelikt und trotz laufender Begutachtung 

und Psychotherapie gleich zweimal einschlägig rückfällig geworden ist.  

6.16. Wenn die Vorinstanz dafür hält, dass bezüglich der Täterkomponenten die 

Umstände zugunsten des Beschuldigten leicht überwiegen, kann dem gefolgt 

werden. Mit der Vorinstanz (Urk. 90 S. 21) erscheint es damit in Würdigung aller 

Strafzumessungsgründe angemessen, den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe 

von 4 Jahren zu bestrafen.  

6.17. An diese Freiheitsstrafe sind die bis zum vorzeitigen Massnahmeantritt am 

11. November 2014 durch Haft sowie vorzeitigem Strafvollzug erstandenen 

473 Tage anzurechnen (Art. 51 StGB, Urk. 22/29, Urk.31, Urk. 105/28 S. 2). Die 

Anrechnung des mit dem vorzeitigen Massnahmeantritt verbundenen Freiheits-

entzuges wird gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht von Art. 51 

StGB erfasst, sondern erfolgt regelmässig im Rahmen der (späteren) Aufhebung 

der Massnahme (Art. 62c Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 57 Abs. 3 StGB, Bundes-

-   34   - 

gerichtsentscheid 6B_967/2010 vom 22.05.2011, E. 5; vgl. auch BSK-StGB I, 

Heer, 3. Auflage 2013, N 10 zu Art. 57).  

7. Strafvollzug und Massnahme 

7.1. Die Vorinstanz hat gestützt auf das Hauptgutachten vom 29. Juli 2013 so-

wie das Ergänzungsgutachten vom 22. Januar 2014 eine stationäre therapeuti-

sche Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB angeordnet (Urk. 90 S. 27 f., 34) und 

ist damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt (Urk. 67 S. 2). Im Rahmen 

der Berufungserklärung beantragte die Verteidigung wie bereits vor Vorinstanz die 

Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB, unter Auf-

schub des Strafvollzugs. Eventualiter beantragte sie eine Massnahme für junge 

Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB (Urk. 68 S. 1, Urk. 92 S. 2). An der Beru-

fungsverhandlung änderte die Verteidigung ihre Anträge dahingehend ab, dass 

sie nunmehr die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne 

von Art. 61 StGB als Hauptantrag stellte (Urk. 133 S. 1). Weiterhin ablehnend 

stellt sich die Verteidigung – wie bereits vor Vorinstanz – gegenüber einer statio-

nären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB, welche sie als 

"Labyrinth ohne Ausgang" bezeichnet (Urk. 47 S. 5 ff., Urk. 68 S. 11 ff., Urk. 90 

S. 25, Urk. 133 S. 17). 

7.2. In Bezug auf die allgemeinen Ausführungen zu den Voraussetzungen der 

Anordnung einer Massnahme kann vorweg auf die zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 90 S. 22).  

7.3. Der Entscheid des Gerichts betreffend die Anordnung einer Massnahme 

muss sich gemäss Art. 56 Abs. 3 StGB in jedem Fall auf ein sachverständiges 

Gutachten abstützen, das sich über die Notwendigkeit und Erfolgsaussichten ei-

ner Behandlung, die Art und die Wahrscheinlichkeit zukünftig zu erwartender 

Straftaten sowie über die konkreten Vollzugsmöglichkeiten zu äussern hat. Es 

muss aufzeigen, ob die Straftat mit dem besonderen körperlichen oder geistigen 

Zustand des Betroffenen in Zusammenhang steht (psychische Störung, Alkohol- 

oder Drogenabhängigkeit, gestörte Persönlichkeitsentwicklung). Der Experte hat 

ferner eine Kriminal- oder Gefährlichkeitsprognose zu erstellen (Art. 56 Abs. 3 

-   35   - 

lit. b StGB), d.h. das allgemeine (Verübung einer beliebigen Straftat) und spezifi-

sche (bezogen auf eine spezifische Deliktsgruppe) Rückfallrisiko des Täters zu 

ermitteln (Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, 8. Aufl. 2007, S. 156 ff.). 

Ausgehend davon hat der Experte die Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten 

einer Behandlung darzulegen sowie die konkreten Möglichkeiten ihres Vollzugs 

abzuklären (Art. 56 Abs. 3 lit. a und lit. c StGB).  

7.4. Die Verteidigung kritisiert die vorinstanzliche Anordnung einer stationären 

therapeutischen Massnahme nach Art. 59 StGB. Für den Fall, dass berufungs-

weise nicht wie beantragt eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von 

Art. 61 StGB angeordnet werde, beantragt sie, dass im Hinblick auf die Wahl der 

anzuordnenden Massnahme weitere Abklärungen vorzunehmen seien (Urk. 133 

S. 10, Prot. II S. 21).  

7.5. Wie die Verteidigung unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtspre-

chung ausführte, ist eine Ergänzung eines Gutachtens dann einzuholen, wenn die 

gutachterlichen Feststellungen als unvollständig oder mangelhaft erachtet werden 

oder das Gutachten aus anderen Gründen wenig überzeugend erscheint. Will das 

Gericht sich auf die Beurteilung eines anderen Experten stützen, ist dies nur zu-

lässig, wenn sich dessen Beurteilungen hinsichtlich Fundiertheit und Überzeu-

gungskraft als überzeugender erweisen als die ursprüngliche gutachterliche Beur-

teilung (Urk. 133 S. 10 mit Verweis auf Urk. 131 S. 6 mit Hinweisen). Unstreitig ist, 

dass sich das Gericht beim Entscheid des Gerichts betreffend die Anordnung ei-

ner Massnahme zwingend auf ein sachverständiges Gutachten abstützen muss 

(Art. 56 Abs. 3 StGB). Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts darf in 

Fachfragen von diesen gutachterlichen Feststellungen nur dann abgewichen wer-

den, "wenn wirklich gewichtige zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien 

dessen Überzeugungskraft erheblich erschüttern" (Bundesgerichtsentscheid 

6B_829/2013 vom 6.05.2015, E. 4.1). Darauf verweist sowohl die Vorinstanz als 

auch die Verteidigung (Urk. 90 S. 27 mit Hinweisen, Urk. 133 S. 10 mit Verweis 

auf Art. 131 S. 6). 

7.6. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass die gesetzlichen Vor-

aussetzungen für die Anordnung einer Massnahme im Sinne von Art. 56 ff. StGB 

-   36   - 

erfüllt sind (Urk. 90 S. 22). Darauf kann vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 

StPO). Dass der Beschuldigte massnahmebedürftig und massnahmefähig ist, 

steht unstreitig fest (Urk. 67 S. 7 ff., Urk. 68 S. 10 ff., Urk. 133 S. 10 ff.). Der Be-

schuldigte zeigt sich grundsätzlich auch massnahmewillig, was sich insbesondere 

auch am Umstand zeigt, dass dem Beschuldigten auf sein Gesuch hin der vor-

zeitige Massnahmevollzug bewilligt worden ist (Urk. 77). Bereits zu Beginn des 

Verfahrens zeigte er die Bereitschaft für eine ambulante Massnahme (Urk. 4/2 

S. 11, Urk. 4/4 S. 6). Eine stationäre Massnahme lehnte er zunächst allerdings ab 

(Urk. 4/4 S. 6 f.). Anlässlich der Hauptverhandlung erklärte er, eine Massnahme 

für junge Erwachsene machen zu wollen. Insbesondere wichtig sei für ihn, dass er 

schrittweise auf die Freiheit vorbereitet werde und seine Lehre abschliessen kön-

ne (Prot. I S. 31 f.). Auch an der Berufungsverhandlung erklärte sich der Beschul-

digte mit einer Therapie für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB ein-

verstanden, sprach sich aber nach wie vor gegen die Anordnung einer stationären 

therapeutischen Massnahme aus. Als Begründung brachte er vor, dass die In-

sassen in der FPA mindestens doppelt so alt seien wie er. Ferner erachte er es 

als hart, wenn seine erste Strafe im Erwachsenenstrafrecht zugleich eine 59-er 

Massnahme sei. Er kenne die Statistiken und habe im Fernsehen auch schon Do-

kumentationen gesehen und einiges in den Zeitungen gelesen. Aufgrund der ge-

setzlich vorgesehenen Dauer und Verlängerungsmöglichkeit einer stationären 

therapeutischen Massnahme befürchte er, dass eine solche nie enden und er so 

den Anschluss draussen verlieren würde (Urk. 132 S. 11 f.).   

7.7. Fest steht damit, dass sich die Anordnung einer Massnahme als zwingend 

notwendig erweist. Strittig hingegen ist, welche Massnahme anzuordnen ist, um 

den Bedürfnissen des Beschuldigten sowie der Öffentlichkeit am Besten gerecht 

zu werden.  

7.8. Soweit sich die Verteidigung auf den Standpunkt stellt, dass es für die An-

ordnung einer Massnahme nach Art. 59 StGB schon an der Voraussetzung einer 

schweren psychischen Störung fehle, kann dem gestützt auf die gutachterlichen 

Feststellungen nicht gefolgt werden. Es trifft nicht zu, wenn die Verteidigung vor-

bringt, dass der Gutachter eine Persönlichkeitsstörung verneint habe und bereits 

-   37   - 

für einen Laien evident sei, dass die massgeblichen Kriterien des ICD-10 nicht er-

füllt seien (Urk. 133 S. 10). Vorab ist anzumerken, dass die Einschätzung eines 

Laien betreffend die Diagnostik nicht von Relevanz sein kann. Sodann ist zu be-

tonen, dass der Gutachter bereits in seinem ursprünglichen Gutachten und noch 

vor dem Bekanntwerden der zwei weiteren, nunmehr durch die Vorinstanz bereits 

abgeurteilten Nebendelikte beim Beschuldigten ein ausgeprägtes ADHS des Er-

wachsenenalters mit ausgeprägter Impulsivität (ICD-10: F 90.0) sowie akzentuier-

te dissoziale Persönlichkeitszüge diagnostiziert hatte (vgl. Urk. 90 S. 22 mit Ver-

weis auf Urk. 23/11 S. 44/45). In dem – aufgrund der zutage getretenen zwei 

Rückfalltaten erstellten – Ergänzungsgutachten sah der Gutachter dann eine der-

art ausgeprägte Gesamtproblematik des Beschuldigten, dass sie "bereits mit einer 

deutlichen Persönlichkeitsstörung gleichgesetzt werden könne". Das gute An-

sprechen auf Concerta weise aber darauf hin, dass die Impulsivität im Bereich 

des ADHS und nicht bei einer emotional instabilen Persönlichkeitsproblematik zu 

verorten sei (Urk.  23/18 S. 13, 23). Mit der Vorinstanz ist weiter hervorzuheben, 

dass der Gutachter an der Hauptverhandlung das Störungsbild des Beschuldigten 

ausdrücklich als schwer bezeichnete. Er hielt dafür, dass man als Gutachter bei 

jungen, unreifen Personen noch einen gewissen Spielraum habe, ob man bereits 

die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung stellen wolle, oder ob man, quasi um 

eine unnötige Stigmatisierung zu vermeiden, noch von Akzentuierung spreche, 

insbesondere auch in der Hoffnung, dass man therapeutisch noch so viel beugen 

könne, dass es im Erwachsenenalter nicht so weiter gehe. Der Schweregrad der 

Störung sei allerdings einer Persönlichkeitsstörung gleichzusetzen. Andere Gut-

achter würden bei der vorliegenden Konstellation sogleich von Beginn weg eine 

Persönlichkeitsstörung diagnostizieren und auf den Begriff der Akzentuierung ver-

zichten. Die beim Beschuldigten festzustellende Impulsivität erweise sich als sehr 

zeitstabil und zeige sich in verschiedenen Lebensbereichen des Beschuldigten. 

Entsprechend könne man – je nach verfolgtem Ansatz des Gutachters – durchaus 

von einer Persönlichkeitsstörung sprechen (Prot. I S. 37). Damit erweist sich das 

Vorliegen einer psychischen Störung in dem vom Gesetz verlangten Umfang (vgl. 

Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB sowie Art. 63 Abs. 1 StGB) als gegeben.  

-   38   - 

7.9. Bei der Erstellung des Hauptgutachtens ist der Umstand nicht bekannt ge-

wesen, dass der Beschuldigte bereits zweimal einschlägig rückfällig geworden 

war. Demnach hat sich der Beschuldigte eben – entgegen der ursprünglichen An-

nahme im Hauptgutachten (Urk. 23/11 S. 48, 50) – keinesfalls seit längerer Zeit 

rückfallfrei verhalten (Urk. 90 S. 24). Bereits im Hauptgutachten wurde aber da-

rauf hingewiesen, dass bei einer einschlägigen Rückfälligkeit die empfohlene am-

bulante Massnahme in einem geschützten Rahmen weiterzuführen und die Not-

wendigkeit einer Umwandlung in eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB 

zu reflektieren wäre (Urk. 23/11 S. 49). Mit der Vorinstanz ist zu betonen, dass 

sich die beim Beschuldigten nach (ursprünglicher) gutachterlicher Einschätzung 

vorhandene Stabilität, Problemeinsicht und Distanzierung von der damaligen Tat-

handlung während der Begutachtung als Fassade herausgestellt hatte. Dies zeige 

nach Einschätzung des Gutachters auch das Geschick des Beschuldigten auf, 

welches er sich über viele Jahre durch sozialpädagogische Interventionen in pro-

fessionellem Betreuungssetting angeeignet habe (Urk. 90 S. 24 mit Verweis auf 

Urk. 23/18 S. 15). Gerade auch deshalb sprach sich der Gutachter bereits im 

Hauptgutachten in klarer Weise gegen die Anordnung einer Massnahme für ju-

gendliche Erwachsene im Sinne von Art. 61 Abs. 1 StGB aus (Urk. 23/11 S. 48, 

50). Zum einen begründete er dies mit den durch den Beschuldigten in der Ver-

gangenheit bereits durchlaufenen aber (zumindest teilweise) erfolglos gebliebe-

nen Behandlungen mit ähnlichen Schwerpunkten, namentlich im Bereich der So-

zialpädagogik (Urk. 23/11 S. 50; Urk. 23/18 S. 16; Prot. I S. 39, 42). Zum anderen 

wies er darauf hin, dass der Beschuldigte gerade bei Einbettung in eine dissoziale 

Peer-Group und generell bei Überforderung durch die soziale Einbettung bei nie-

derschwelliger Provozierbarkeit instabiler werde und eher zu Gewalthandlungen 

neige (Urk. 23/11 S. 48, 50). Zwar solle der Beschuldigte im Massnahmevollzug 

durchaus gefordert werden. So könnten die Vollzugserfahrungen auch als Mass-

stab für Therapieerfolge hinsichtlich Impulskontrolle genutzt werden. Allerdings 

scheine die Einbettung in ein Erwachsenenklientel für die Reifung des Beschul-

digten förderlicher (Urk. 23/18 S. 16). An dieser Einschätzung hielt der Gutachter 

auch anlässlich der Hauptverhandlung fest (Prot. I S. 39 f.). Dort führte er auch 

aus, dass bei einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB die Belas-

-   39   - 

tungserprobungen besser und die Vollzugslockerungen mindestens genauso gut 

seien, wie bei einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 

StGB, wo aber der "therapeutisch gesetzte Stress" im Sinne der Einbettung in die 

Peer-Group negativ ins Gewicht falle. Die Kultur, die Atmosphäre sei mit Erwach-

senen eine deutlich andere und biete mehr Struktur. Dem Beschuldigten gehe es 

besser, wenn er sich in Ruhe fokussieren könne, und diese Ruhe habe er eher im 

Erwachsenenbereich. Wichtig sei mehr Kontrolle, und die richtige Medikation, 

damit man sehe, ob der Beschuldigte unter solchen Bedingungen besser funktio-

niere (Prot. I S. 40 ff.).  

7.10. Aufgrund der veränderten Ausgangslage konnte der Gutachter im Er-

gänzungsgutachten nur noch sehr bedingt an der Empfehlung festhalten, eine 

ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB auszusprechen, wobei nunmehr nur 

noch eine strafvollzugsbegleitende Massnahme als geeignet erachtet wurde 

(Urk. 23/18 S. 15). Der aufgrund der mehrfachen Rückfälligkeit und der nunmehr 

deutlich bis hohen Rückfallgefahr (Urk. 23/18 S. 14, 17; Prot. I S. 39) zwingend 

als notwendig erachtete geschützte Rahmen müsse – vor Entlassung und am-

bulanter Weiterbehandlung – über einen Zeithorizont von mindestens 1.5 bis 

2 Jahren effektiver Therapiedauer gewährleistet sein. Der Beschuldigte bedürfe 

einer eingehenden psychotherapeutischen und insbesondere auch medika-

mentösen deliktpräventiven Behandlung; insbesondere die Kombination mit 

Mood-Stabilizern sollte versucht werden. Nur so könne eine tragfähige Besserung 

der Legalprognose erzielt werden. Dabei zu berücksichtigen sei, dass bis zum ei-

gentlichen Massnahmebeginn auch bei vorzeitigem Massnahmeantritt mit mehre-

ren Monaten wegen administrativer Abläufe wie Abklärungen zu rechnen wäre. 

Könne auch in dieser Zeit keine signifikante Besserung der belasteten Legalprog-

nose erreicht werden, wäre an eine Umwandlung in eine stationäre Massnahme 

im Sinne von Art. 59 StGB zu denken. Erweise sich der Strafrest als zu kurz, sei 

schon zu Beginn eine solche zu favorisieren (Urk 23/18 S. 15 ff., Prot. I S. 41).  

7.11. Wie Dr. E._____ immer wieder klar und nachvollziehbar betont, ist er der 

Ansicht, dass der Beschuldigte ungenügend und/oder falsch mediziert sei. An der 

Hauptverhandlung erklärte er auf Vorhalt der damals aktuellen Medikamente 

-   40   - 

(36 mg Concerta morgens und mittags, 1 mg Risperdal abends): "Das sind nicht 

diese Medikamente, welche ich meine. Das Risperdal ist im Rahmen des ADHS 

dafür da, um ein bisschen ruhiger zu werden. Das heisst, der Beschuldigte ist im 

Sinne einer Deliktsprävention weiterhin nicht mediziert. Das ist das, was ich be-

fürchtet habe und das finde ich schade" (Prot. I S. 40). Die Wichtigkeit der optima-

len medikamentösen Einstellung und der gleichzeitigen Einbettung derselben in 

eine psychotherapeutische Behandlung betonte der Gutachter auch in seinem 

Schreiben an den vorinstanzlichen Vorsitzenden betreffend die optimale Aus-

gestaltung der Massnahme im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Massnahme-

antritt des Beschuldigten. Angezeigt erscheine eine Medikation mit Mood-

Stabilizern wie Lithium, Carbamazepin oder Valproat, evtl. auch eine Kombination 

aus dieser Medikamentengruppe und zudem möglicherweise eine Einstellung auf 

Neuroleptika in einer Dosierung, die antiaggressiv wirke. Gesamthaft erachtete er 

die bisherige Medikation bezüglich ADHS als nicht ausreichend; eine spezifisch 

auf die Impulskontrollproblematik ausgerichtete Medikation sei dringend erforder-

lich (Urk. 73). Umso mehr erstaunt es, dass – gemäss den Angaben des Be-

schuldigten an der Berufungsverhandlung – die Medikation bis heute nicht ange-

passt worden ist, was angesichts des bewilligten vorzeitigen Massnahmeantritts in 

der Verantwortung des Justizvollzugs läge. Abgesehen vom Concerta und dem 

Risperdal erhält der Beschuldigte offenbar keine weiteren Medikamente im vor-

zeitigen Massnahmevollzug (Urk. 132 S. 20). 

7.12. Gestützt auf die in jeder Hinsicht nachvollziehbaren und überzeugenden 

gutachterlichen Ausführungen kommt lediglich die Anordnung einer stationären 

therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB oder eine vollzugsbeglei-

tende ambulante Massnahme in Frage. Damit steht nach Auffassung des Gutach-

ters die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene nach Art. 61 StGB  

– entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 133 S. 16 ff.) – ausser Diskussion:  

7.13. Wie gesehen (vgl. vorstehende Erw. 7.9), erachtete der Gutachter bereits 

im Hauptgutachten eine Massnahme für junge Erwachsene als nicht zielführend. 

Auch in dem aufgrund der Rückfälle notwendig gewordenen Ergänzungsgutach-

ten und auch anlässlich der Hauptverhandlung hielt die Verteidigung mit gleich 

-   41   - 

bleibender Begründung an seiner Auffassung, wonach eine Massnahme für junge 

Erwachsene nicht geeignet sei, fest. Die diesbezüglichen differenzierten und kla-

ren Aussagen von Dr. E._____ überzeugen vollumfänglich. Es besteht keine Ver-

anlassung, von den schlüssigen Folgerungen des Gutachters abzuweichen. Ins-

besondere kann der Verteidigung nicht gefolgt werden, wenn sie dafür hält, dass 

der Gutachter von falschen Prämissen ausgegangen sei. Die Verteidigung wendet 

sich gegen die gutachterliche Argumentation, wonach die Umgebung eines Er-

wachsenenklientels und die damit einhergehende Umgebung für den Beschuldig-

ten förderlicher sei als ein milieutherapeutisches Setting unter Gleichaltrigen 

(Urk. 133 S. 14 f.). Diese abweichende Meinung der Verteidigung vermag aller-

dings die fachkundige Auffassung des Gutachters in keiner Weise erschüttern. 

Daran ändert auch nichts, wenn die Verteidigung in seinem Plädoyer die Meinung 

eines sich nicht zur Erkennung gebenden "versierten Kenners der forensischen 

Praxis" zitiert, welcher die Auffassung des Verteidigers teilt (vgl. Urk. 133 

S. 19 ff.). Mit der Staatsanwaltschaft (Prot. II S. 18) erweist es sich als problema-

tisch, wenn die auf einer ausführlichen Exploration des Beschuldigten beruhenden 

Schlussfolgerungen eines gerichtlich bestellten Gutachters von jemandem in Fra-

ge gestellt werden, der den Beschuldigten zuvor nie getroffen hat und sich auch 

namentlich nicht zu erkennen geben will. Offenbar hat sich dieser Unbekannte 

seine Meinung aufgrund der ihm vorgelegten Akten gebildet, wie er dies im Rah-

men seiner Ausführungen selbst zu erkennen gab (Urk. 133 S. 21). Ferner muss 

die Qualifikation des angeblich "versierten Kenners" offen bleiben, erfolgte doch 

seine Stellungnahme in anonymisierter Form. Diesen Ausführungen kann dem-

nach keinesfalls eine Bedeutung beigemessen werden, die über eine Partei-

behauptung hinausginge. Es ist absolut nachvollziehbar, wenn der Gutachter die 

Einbettung der vorab medikamentösen Therapie des Beschuldigten in ein ruhige-

res, strukturierteres und stabileres Erwachsenenumfeld für den Beschuldigten 

förderlicher erachtet und deshalb eine Massnahme gestützt auf Art. 61 StGB eben 

gerade nicht empfiehlt. Damit kann der Verteidigung nicht gefolgt werden, wenn 

sie davon ausgeht, dass der Gutachter nur gestützt auf die – nach Auffassung 

des Verteidigers komplett falschen – Vorstellungen betreffend die Vollzugs-

modalitäten die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme einer 

-   42   - 

grundsätzlich ebenfalls geeigneten Massnahme für junge Erwachsene vorzieht 

(Urk. 133 S. 16 ff.). Die diesbezügliche Argumentation des Beschuldigten zielt ins 

Leere. 

7.14. Ebenso nicht gefolgt werden kann der Verteidigung, wenn sie dafür hält, 

dass aufgrund der unterschiedlichen Experteneinschätzungen ein eigentliches 

Argumentationschaos herrsche (Urk. 133 S. 19):  

7.14.1 Mit diesem Vorbringen nimmt die Verteidigung Bezug auf das parallel lau-

fende verwaltungsrechtliche Verfahren betreffend die Unterbringung des Beschul-

digten im Rahmen des vorzeitigen Massnahmevollzugs (vgl. Urk. 129 S. 10 mit 

Verweis auf Urk. 131). Ausgangslage ist, dass der vorzeitige Massnahmeantritt 

gestützt auf die Verfügung vom 25. Februar 2015 rückwirkend per 11. November 

2014 in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Vollzug gesetzt wurde 

(Urk. 105/28). Da sich der Beschuldigte zu dieser Zeit bereits auf der FPA befun-

den hatte, wurde implizit auch darüber verfügt, auf welcher Abteilung der vorzeiti-

ge Massnahmevollzug durchzuführen ist (Urk. 110 S. 6). Damit wurde der Be-

schuldigte genau auf derjenigen Abteilung untergebracht, von welcher gemäss 

gutachterlicher Empfehlung ausdrücklich abgeraten worden war (Urk. 73). Nach-

dem auf das Gesuch des Beschuldigten um Wiedererwägung der Verfügung nicht 

eingetreten worden war, wurde auch der gegen die Verfügung erhobene Rekurs 

mit Verfügung der Direktion der Justiz und des Innern vom 30. Juni 2015 abge-

wiesen (Urk. 110). Dabei stützte sich die Direktion der Justiz und des Innern vor-

ab auf einen Bericht des PPD's, in welchem sich die stellvertretende Chefärztin 

nach entsprechender Aufforderung der Bewährungs- und Vollzugsdienste zur 

Frage geäussert hatte, ob und weshalb eine Platzierung des Beschuldigten im 

Setting der FPA aus therapeutischer Sicht eher indiziert sei, als eine Unter-

bringung beispielsweise im Massnahmezentrum G._____ (Urk. 110 S. 4 f., 

Urk. 120 S. 1). Darin wurde im Vergleich zum Gutachten von Dr. E._____ – zu-

mindest in der Terminologie – eine leicht abweichende Diagnose gestellt (Kombi-

nierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und narzisstischen Zügen, ICD-10: 

F61.0, ADHS des Erwachsenenalters, ICD-10: F90.0). Aufgrund dieser abwei-

chenden diagnostischen Beurteilung wurde sodann die Empfehlung des Gutach-

-   43   - 

ters zur Therapie sowie Verbesserung der Legalprognose in Frage gestellt. Der 

PPD erachtete "die im Gutachten vorab als wenig geeignet bezeichneten Behand-

lungsansätze" als wesentliche Elemente der zwingend notwendigen Therapie der 

Persönlichkeitsstörung. Anders als der Gutachter (vgl. vorstehende Erw. 7.11) 

ging die stellvertretende Chefärztin in ihrer Stellungnahme davon aus, dass der 

Beschuldigte bei Begehung des zweiten und dritten Anlassdeliktes (ND 1 und 2) 

im Hinblick auf sein ADHS bereits adäquat behandelt worden sei. Wiederum in 

Abweichung der gutachterlichen Feststellungen stellte sich die stellvertretende 

Chefärztin sodann auf den Standpunkt, dass der Beschuldigte die Anlassdelikte 

geplant habe und diese eben – entgegen der Auffassung des Gutachters (vgl. 

vorstehende Erw. 7.8) – gerade nicht impulsiv erfolgt seien. Daraus schloss sie, 

dass der "im Gutachten einzig empfohlene Behandlungsansatz – eine medika-

mentöse Behandlung der Impulsivität" als nicht ausreichend erachtet werden 

könne. Ferner ist der Stellungnahme des PPD's zu entnehmen, dass "ihre eige-

nen Abklärungen" keine Anhaltspunkte ergeben hätten, welche eine Behandlung 

des Beschuldigten auf der FPA kontraindiziert erscheinen liessen. Vielmehr er-

achteten sie die FPA als für den Beschuldigten "bestens eingerichtet" (Urk. 120 

S. 4).  

7.14.2 Es trifft zu, wenn die Verteidigung vorbringt, dass sich die Auffassungen 

des Gutachters und jene des PPD's betreffend die Einschätzungen hinsichtlich 

des sinnvollen Therapiekonzepts diametral widersprechen (Urk. 133 S. 13). Da-

raus kann aber keineswegs abgeleitet werden, dass die auf der Exploration des 

Beschuldigten beruhende ausführliche und differenzierte gutachterliche Ein-

schätzung von Dr. E._____ in Zweifel gezogen werden müsste oder der Ergän-

zung bedürfte. Die Überzeugungskraft eines Gutachtens wird nicht einfach durch 

das blosse Gegenüberstellen einer anderen Auffassung ins Wanken gebracht. 

Die Einschätzung des PPD's liefert weder zuverlässig begründete Tatsachen 

noch Indizien, welche geeignet wären, das Gutachten von Dr. E._____ in seiner 

Überzeugungskraft zu erschüttern. Insbesondere trifft es nicht zu, dass der Gut-

achter als einziger Behandlungsansatz eine medikamentöse Behandlung der Im-

pulsivität empfiehlt. Vielmehr betont der Gutachter ausdrücklich auch die Notwen-

digkeit einer eingehenden psychotherapeutischen Behandlung (vgl. vorstehende 

-   44   - 

Erw. 7.10). Wie auch die Verteidigung in ihrer Beschwerdeschrift an das Verwal-

tungsgericht moniert, bleibt sodann völlig unklar, auf welche Quellen sich der PPD 

bzw. die stellvertretende Chefärztin bei ihrer Beurteilung gestützt hat und ob 

überhaupt Explorationsgespräche mit dem Beschuldigten durchgeführt worden 

sind. Aufgrund dieses Umstandes kommt denn auch die Verteidigung zum 

Schluss, dass ein solcher Bericht nicht geeignet ist, Empfehlungen eines Gutach-

tens auszuhebeln (Urk. 131 S. 8 f.). Gleiches muss aber auch für die seitens der 

Verteidigung eingeholte Drittmeinung eines Unbekannten gelten.  

7.14.3 Dass der Bericht des PPD's nicht die Qualität einer für die gerichtliche 

Massnahmeanordnung vorausgesetzte sachverständige Begutachtung im Sinne 

von Art. 56 Abs. 3 StGB aufweisen kann, ergibt sich schon aus dem Umstand, 

dass der behandelnde Arzt nicht als Gutachter beigezogen werden darf. Vielmehr 

sind an die Unabhängigkeit des Sachverständigen hohe Anforderungen zu stellen 

(Trechsel/Borer, StGB PK, 2. Auflage 2013, Art. 56 N 11, 17). Aber auch sonst 

gibt es – entgegen der Ansicht