# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d099c79-3c7d-5a68-b9d3-420bd04150e3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.06.2023 E-3020/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3020-2023_2023-06-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

Anonymisierung i.O. beu 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3020/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

Gerichtsschreiberin Janine Sert. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Ukraine,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Verweigerung vorübergehender Schutz;  

Verfügung des SEM vom 17. April 2023 / N (...) 

 

 

 

E-3020/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 3. April 2023 im Bundesasylzentrum 

der Region B._______ um Gewährung des vorübergehenden Schutzes. 

Dabei reichte er seinen ukrainischen Reisepass zu den Akten. 

Im Rahmen der Kurzbefragung vom 12. April 2023 führte der Beschwer-

deführer aus, er habe vor Kriegsbeginn in Mariupol gelebt und seine Hei-

mat Ende Mai 2022 Richtung Kanada verlassen. Er habe Bekannte in Ka-

nada, die ihm vorgeschlagen hätten, dorthin zu kommen und zu arbeiten. 

Er habe diese Gelegenheit genutzt. Mit dem kanadischen Arbeitsvisum in 

seinem Reisepass könne er für mindestens drei Jahre dort arbeiten. Er 

habe dort in einer Möbelfabrik gearbeitet. Prinzipiell könne er dort auch 

wieder anfangen. Allerdings gefalle es ihm klimatisch in Kanada nicht. Ver-

wandte habe er dort keine. Mittlerweilen würden aber seine Geschwister 

und seine Mutter in der Schweiz leben, weshalb er hierhin gekommen sei. 

Als ausgebildeter Masseur würde er seine Mutter, die Probleme mit den 

Gelenken habe, gerne mit Massagen unterstützen. Gesundheitlich gehe es 

ihm gut. 

B.  

Mit Verfügung vom 17. April 2023 – eröffnet am 25. April 2023 – lehnte das 

SEM das Gesuch um Gewährung vorübergehenden Schutzes ab, verfügte 

die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegwei-

sung an.  

C.  

Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 23. Mai 2023 (Post-

stempel: 25. Mai 2023) erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen 

diese Verfügung und beantragte, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzu-

heben und ihm sei vorübergehender Schutz zu gewähren. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. Juni 2023 forderte die Instruktionsrichterin 

den Beschwerdeführer auf, innert Frist eine Beschwerdeverbesserung 

(Originalunterschrift auf beigelegter Kopie der Beschwerdeeingabe) nach-

zureichen sowie einen Kostenvorschuss zu leisten respektive dem Gericht 

mitzuteilen, ob er an der Beschwerde festhalte oder diese zurückziehe, wo-

bei auf eine Kostenauflage verzichtet würde. 

E-3020/2023 

Seite 3 

E.  

Mit Eingabe vom 14. Juni 2023 reichte der Beschwerdeführer zwei Be-

schwerdeexemplare mit Originalunterschrift zu den Akten, bestätigte, dass 

er seine Beschwerde aufrechterhalten wolle, und ersuchte um eine Frister-

streckung zur Leistung des Kostenvorschusses.  

F.  

Am 19. Juni 2023 hiess die Instruktionsrichterin das Fristerstreckungsge-

such des Beschwerdeführers gut und setzte eine Notfrist an. 

Diese Verfügung kreuzte sich mit der Einzahlung des Kostenvorschusses, 

der am 16. Juni 2023 fristgerecht beim Bundesverwaltungsgericht einging. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 72 i.V.m. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 72 i.V.m. Art. 108 

Abs. 6 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich, soweit die Verweigerung vorübergehenden Schutzes betref-

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Seite 4 

fend, nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72 AsylG), im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 72 i.V.m. Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, 

weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 72 i.V.m. 

Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72) wurde auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Gemäss auf Art. 4 AsylG kann die Schweiz Schutzbedürftigen für die Dauer 

einer schweren allgemeinen Gefährdung, insbesondere während eines 

Kriegs oder Bürgerkriegs sowie in Situationen allgemeiner Gewalt, vo-

rübergehenden Schutz gewähren. Der Bundesrat entscheidet, ob und nach 

welchen Kriterien Gruppen von Schutzbedürftigen vorübergehender 

Schutz gewährt wird (Art. 66 Abs. 1 AsylG). 

4.1 Am 11. März 2022 hat der Bundesrat gestützt auf Art. 66 Abs. 1 AsylG 

eine Allgemeinverfügung zur Gewährung des vorübergehenden Schutzes 

im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine erlassen (BBI 2022 

586). Gemäss Ziff. I dieses Erlasses wird der Schutzstatus für folgende 

Personenkategorien gewährt: 

a. schutzsuchende ukrainische Staatsbürgerinnen und -bürger und ihre 

Familienangehörige (Partnerinnen und Partner, minderjährige Kinder 

und andere enge Verwandte, welche zum Zeitpunkt der Flucht ganz 

oder teilweise unterstützt wurden), welche vor dem 24. Februar 2022 

in der Ukraine wohnhaft waren; 

b. schutzsuchende Personen anderer Nationalität und Staatenlose sowie 

ihre Familienangehörige gemäss Definition in Buchstabe a, welche vor 

dem 24. Februar 2022 einen internationalen oder nationalen Schutz-

status in der Ukraine hatten; 

c. Schutzsuchende anderer Nationalität und Staatenlose sowie ihre Fa-

milienangehörige gemäss Definition in Buchstabe a, welche mit einer 

gültigen Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligung belegen können, 

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Seite 5 

dass sie über eine gültige Aufenthaltsberechtigung in der Ukraine ver-

fügen und nicht in Sicherheit und dauerhaft in ihre Heimatländer zu-

rückkehren können. 

5.  

5.1 Das SEM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, 

der Beschwerdeführer gehöre nicht zu der vom Bundesrat definierten 

Gruppen der schutzberechtigten Personen, weil er über eine Aufenthalts- 

und Arbeitsbewilligung in Kanada verfüge, welche ihm dort für mindestens 

drei weitere Jahre Schutz gewähre. Dementsprechend sei er nicht auf den 

Schutz der Schweiz angewiesen. 

Weder die politische Situation noch andere Gründe würden gegen die Zu-

mutbarkeit der Rückkehr nach Kanada sprechen. In Kanada habe der Be-

schwerdeführer eine unbefristete Arbeitsstelle gehabt, durch welche er sei-

nen Lebensunterhalt mitsamt der Miete eines Zimmers habe decken kön-

nen. Zudem verfüge er dort über Freunde und Bekannte, auf welche er sich 

notfalls sozial abstützen könnte. Man habe ihn in Kanada sogar aktiv zu 

überreden versucht, dort zu bleiben. 

5.2 In der Beschwerdeschrift macht der Beschwerdeführer im Wesentli-

chen geltend, das SEM habe seine Unterlagen nicht ausreichend geprüft. 

Insgesamt seien alle rechtlichen Voraussetzungen für die Gewährung des 

vorübergehenden Schutzes erfüllt: Er habe vor dem 24. Februar 2022 sei-

nen ständigen Wohnsitz in der Ukraine gehabt, sei ukrainischer Bürger und 

habe in Kanada oder in einem anderen Land keinen vorübergehenden 

Schutz beantragt oder erhalten.  

Er legte dar, weshalb und wie er die Ukraine verlassen habe und nach Ka-

nada gelangt sei. Damals habe er auch den Kontakt zu seiner Familie ver-

loren.  

Dass es ihm in Kanada nicht gefallen habe, sei falsch interpretiert worden: 

Er sei fleissig gewesen und habe sofort angefangen zu arbeiten. Als er 

seine Verwandten wiedergefunden habe, habe er entschieden, Kanada zu 

verlassen. Bis März 2023 habe er in Kanada gearbeitet und alle seine 

Schulden bezahlt, bevor er in die Schweiz gekommen sei. Er habe weder 

in Kanada noch sonst irgendwo einen Antrag auf Schutz wegen des Krie-

ges in der Ukraine gestellt. Aus dem Beschluss des Bundesrates vom 

11. März 2022 sei nicht ersichtlich, dass ein Arbeitsvisum eines anderen 

Landes im Pass eines ukrainischen Staatsbürgers einen Grund für die 

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Seite 6 

Verweigerung des Schutzstatus S darstelle. Dass er über ein gültiges ka-

nadisches Arbeitsvisum für drei Jahre verfüge, stelle daher keinen Grund 

dar, ihn von der Kategorie der Schutzberechtigten auszuschliessen.  

Die Schlussfolgerung des SEM, dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfülle, womit der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 

AsylG nicht angewendet werden könne und sich aus den Akten keine An-

haltspunkte dafür ergeben würden, dass ihm im Falle einer Rückkehr in 

den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 

EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe, klinge wie ein Hohn, zu-

mal Mariupol aktuell ein von der russischen Armee besetztes Gebiet sei.  

Dass er seine Verwandten nicht sofort habe ausfindig machen können, 

könne keinen legitimen Grund darstellen, um ihm den vorübergehenden 

Schutz zu verweigern. In den Akten seien keine weiteren Hindernisse für 

die Gewährung des vorübergehenden Schutzes zu finden. Er wolle ganz 

einfach mit seinen Verwandten (vorübergehend) in der Schweiz zusam-

menleben. Ihm den Kontakt zu seiner Familie zu verwehren, sei unmensch-

lich.  

6.  

6.1 Nach Durchsicht der Akten schliesst sich das Bundesverwaltungs-

gericht der Argumentation in der angefochtenen Verfügung an, welcher der 

Beschwerdeführer letztlich nichts Entscheidendes entgegenzuhalten 

vermag. 

Der Beschwerdeführer ist zwar ukrainischer Staatsangehöriger und war 

vor dem 24. Februar 2022 in der Ukraine wohnhaft, womit er a priori die 

Voraussetzungen für eine Schutzgewährung gemäss Ziff. I Bst. a der All-

gemeinverfügung vom 11. März 2022 zu erfüllen scheint. Zudem ist sein 

Wunsch, mit seinen Angehörigen gemeinsam in der Schweiz zu leben, 

nachvollziehbar.  

Nichtsdestotrotz ist aber entsprechend den Erwägungen im BVGE 2022 

VI/I E. 6.3 dem Grundsatz der Subsidiarität asylrechtlichen Schutzes Rech-

nung zu tragen. Daraus folgt im Verfahren um vorübergehenden Schutz, 

dass eine Person ukrainischer Staatbürgerschaft, welche vor dem 24. Feb-

ruar 2022 in der Ukraine wohnhaft war, grundsätzlich nicht auf den Schutz 

der Schweiz angewiesen und entsprechend auch nicht als schutzbedürftig 

im Sinne von Art. 4 AsyIG zu bezeichnen ist, wenn für sie eine valable 

Schutzalternative ausserhalb der Ukraine bejaht werden kann (vgl. ebd. E. 

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Seite 7 

6.3). Diese Konstellation liegt hier vor. Der Beschwerdeführer verfügt in 

Kanada über ein bis am 19. November 2028 gültiges Besuchsvisum der 

Kategorie V-1 (vgl. Reisepass des Beschwerdeführers S. 14), welches ihm 

eine erneute Einreise nach Kanada und einen Aufenthalt dort – aktuell bis 

am 19. November 2028 – erlaubt (vgl. dazu: https://www.cic.gc.ca/eng-

lish/helpcentre/answer.asp?qnum=208&top=17; abgerufen am 30. Juni 

2023) . Dies wird vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten. Demnach 

ist für ihn eine valable Schutzalternative ausserhalb der Ukraine zu beja-

hen, womit die Anwendung von Ziff. I Bst. a der Allgemeinverfügung vom 

11. März 2022 ausser Betracht fällt. 

6.2 Das SEM hat damit das Gesuch um Gewährung des vorübergehenden 

Schutzes zu Recht abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM ein Gesuch um Gewährung des vorübergehenden 

Schutzes ab, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnet den Vollzug an (vgl. Art. 69 Abs. 4 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach vom SEM ebenfalls 

zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (vgl. Art. 69 

Abs. 4 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

https://www.cic.gc.ca/english/helpcentre/answer.asp?qnum=208&top=17
https://www.cic.gc.ca/english/helpcentre/answer.asp?qnum=208&top=17

E-3020/2023 

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8.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.2.3 Der Beschwerdeführer hat in der Schweiz kein Asylgesuch gestellt. 

Den Akten sind demnach keine Hinweise auf eine Verletzung des flücht-

lingsrechtlichen Refoulement-Verbots zu entnehmen.  

8.2.4 Der Beschwerdeführer moniert zu Recht, dass die Erwägungen der 

Vorinstanz hinsichtlich der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in der 

angefochtenen Verfügung unangemessen ausgefallen sind. Es dürfte sich 

dabei allerdings um ein Versehen des SEM handeln (vgl. angefochtene 

Verfügung Ziffer III. 1.), zumal ein Wegweisungsvollzug des Beschwerde-

führers in seinen Heimatstaat auch nicht im Raum steht.  

8.2.5 Indes ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung nach Kanada dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-

schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste 

der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 

m.w.H.).  

8.2.6 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Kanada lässt den 

Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-

nen.  

8.2.7 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

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Seite 9 

 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Das Gericht schliesst sich auch der Schlussfolgerung der Vorinstanz 

zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges an. Weder die in Kanada 

herrschende politische Situation noch andere Gründe vermögen gegen die 

Zumutbarkeit der Rückführung des Beschwerdeführers nach Kanada zu 

sprechen. Er hat seit seiner Flucht aus der Ukraine im Mai 2022 bereits 

mehrere Monate in Kanada gelebt, war dort sowohl sozial (Freunde und 

gute Bekannte) als auch wirtschaftlich (Arbeit als Handwerker bei einer Mö-

belfabrik und einer Metallwarenfabrik) integriert. Es ist davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer in Kanada mit seinen Bekannten und Freun-

den über ein gewisses Beziehungsnetz verfügt, das ihn bei der Reintegra-

tion unterstützen kann.  

An dieser Einschätzung vermag auch der Umstand, wonach seinen Ange-

hörigen in der Schweiz vorübergehender Schutz gewährt wurde, nichts zu 

ändern, zumal mit einem Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers 

nach Kanada ein persönlicher Kontakt zu seinen Angehörigen nicht verun-

möglicht wird.  

8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung Kanadas die für eine Rückkehr dorthin allfälligen notwendi-

gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art 72 i.V.m. Art. 8 Abs. 4 AsylG 

und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegwei-

sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

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Seite 10 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 72 i.V.m. Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit 

diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuwei-

sen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-

zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). Dieser Betrag ist mit dem in gleicher Höhe bereits geleisteten 

Kostenvorschuss zu verrechnen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3020/2023 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag wird mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor-

schuss beglichen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Janine Sert 

 

 

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