# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d49d8ec-3477-5f77-a520-71dbb2f99643
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-26
**Language:** de
**Title:** Invalidenrente, Rückweisung zu ergänzenden Abklärungen
**Docket/Reference:** IV.2019.00872
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00872.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00872
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Bachmann
Urteil
vom
2
6.
Juni 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1975, hat in Deutschland eine Ausbildung zur Restau
rantfachfrau
absol
viert, in welchem Beruf sie zuletzt
ab
März 2012
als Chef de S
ervice
im Restaurant
Y.___
tätig war. Im Januar 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf Konzentratio
nsschwierigkeiten, Erschöpfung und
Schmer
zen bei
Multipler Sklerose bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
).
Die IV-
Stelle tätigte Abklärungen in erwerblicher und
medizinischer Hinsicht. Nach dur
c
hg
eführter Berufsberatung (
Urk.
7/26) erteilte
die IV-Stelle
Kostengutsprache für berufliche Massnahmen
in Form einer Umschulung zum Handelsdiplom VHS bei
der
Handelsschule
Z.___
inklusive Vorkurs
(
von 2
2.
Oktober 2013 bis 1
2.
Februar 2016
;
Mitteilung vom 1
4.
Oktober 2013;
Urk.
7/22, s
owie Taggelder; vgl.
Urk.
7/28),
welche Ausbi
l
d
ung die Versicherte – nach gesundheitsbedingter Unterbrechung
per 3
0.
April
2015 (
Urk.
7/52)
und Wiederaufnahme per 1
9.
August 2015 (
Urk.
7/62)
– per
3.
Februar 2017
erfolgreich
abschloss
(
Urk.
7/98
,
Urk.
7/102
)
. In der Folge erteilte die
IV-Stelle Kostengutsprache für ein Arbeitstraining
vo
m
9.
Mai bis
8.
November
2017
(Mitteilung vom
2.
Mai 2017;
Urk.
7/107; sowie entsprechende
Wartezeittaggel
der,
Urk.
7/99 und
Taggelder;
Urk.
7/108)
eben
so
wie
für
eine Verlängerung
des
selben
vom
9.
November 2017 bis
8.
Februar
2018
(
Mitteilung vom
9.
November 2017,
Urk.
7/126; wiederum inkl. Taggeld;
Urk.
7/130)
.
F
ür die Zeit von 3
1.
Januar 2018 bis
3.
Januar 2019
gewährte sie
alsdann
Arbeitsver
-
mittlung
bzw.
«
Arbeitsvermittlung plus
»
(
Mitteilungen vom 1
3.
Februar 2018
,
Urk.
7/139, vom 2
3.
April 2018,
Urk.
7/147, sowie vom
2
1.
Juni 2018,
Urk.
7/1
5
8
, dort ein
schliesslich
erneutem
Arbeitstrain
in
g
und Taggelder
).
Per
4.
Januar
2019
wurde
die Versicherte
im Einsatzbetrieb (
A.___
GmbH
)
zu einem Pensum
von 50
%
als Teamassistentin
fest
angestellt
(Urk.
7/187
,
Urk.
7/192), worauf die
IV-Stelle die
beruflichen
Massnahmen abschloss
(
Mitteilung vom 2
1.
Februar 2019;
Urk.
7/196).
P
arallel zu den lauf
enden Eingliederungsmassnahmen hatte die IV-Stelle per April 2018
die Rentenprüfung eingeleitet und nach Einholung von Berichten
bei den
behandelnden Ärzte
n (Urk.
7/15
5 und
Urk.
7/157) eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten veranlasst (Gutachten der
B.___
vom
6.
März 2019;
Urk.
7/201).
Am 1
0.
April 2019 erliess die IV-Stelle einen Vorbescheid, mit welchem sie der Versicherten
gestützt auf das eingeholte Gutachten
die Vernei
nung eines Rentenanspruchs in Aussicht stellte (
Urk.
7/206)
. Dagegen erhob die Versicherte
mit Schreiben vom
9.
Mai 2019
Einwand
(
Urk.
7/207)
,
welchen sie
im Verlauf des
Vorbescheidverfahrens
durch weitere Eingaben und Berichte der behandelnden
Ärzte
ergänzte
(
Urk.
7/218 und
Urk.
7/224)
. Am 29.
Juli 2019 teilte
die Versicherte
der IV-St
elle mit, dass
ihre Anstellung
gekündigt worden sei
(
Urk.
7/217
). M
it Verfügung vom
8.
November 2019
hielt die IV-Stelle
an der Verneinung des Rentenanspruchs fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
hierorts mit Eingabe vom
3.
Dezember 2019 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag auf
Zusprache
ei
ner halben Invali
denrente (Urk.
1). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 11.
Februar 2020 Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Versicherten am 1
3.
Februar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die IV-Stelle verneinte in der angefochtenen Verfügung einen Rentenanspruch im Wesentlichen mit der Begründung,
dass
laut der medizinischen Beurteilung im eingeholten Gutachten
der
B.___
die Versicherte
sowohl
in der bisherigen Tätigkeit als Restaurationsfachfrau wie auch in einer angepassten Tätigkeit zu 70
% arbeitsfähig
sei
.
D
ie Erwerbseinbusse
betrage s
omit
30
%
. Dies
entspreche
dem Invaliditätsgrad und
begründe
keinen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin
ist
mit dieser Beu
rteilung nicht einverstanden
. Dies auf
grund einer Verschlechterung während der letzten Wochen mit daraus resultie
rendem Klinikaufenthalt und vollständiger Arbeitsunfähigkeit, wie den beigeleg
ten Berichten zu entnehmen sei. Aktuell sei sie wieder zu 50
% arbeitsfähig, wes
halb weiterhin Antrag auf eine halbe («50
%») Invalidenrente bestehe (
Urk.
1).
3.
3.1
3.1.1
Im
polydisziplinären
Gutachten der
B.___
vom
6.
März 2019 stellten die ver
antwortlich zeichnenden Ärzte
die folgenden Diagnosen
(
Urk.
7/201 S. 8)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
MS-
Fatigue
mit leichtgradiger kognitiver Störung
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Chronische Darmentzündung, ED 09/2017, derzeit mittels oraler Therapie mit
Salofalk
1500mg/d symptomfrei therapiert,
-
Leichte
normochrome
Anämie
-
Schubförmig remittierende multiple Sklerose (Erstmanifestation und Diagnose 2012
)
-
Übergewicht (BMI 28,1 kg/m
2
)
-
Leichtgradige, weitgehend remittierte de
pressive Episode, ICD-10: F32.0
3.
1.
2
Der internistische Gutachter
Dr.
med.
C.___
,
Fac
harzt
FMH für
Allgemeine Innere Medizin,
führte aus, bei der Versicherten sei im September 2017
eine aus
geprägte Colitis des Colon
ascendens
mit häufigen Diarrhoen diagnostiziert wor
den. Eine Präzisierung der Diagnose sei aktenkundig und gemäss Angaben der Versicherten bisher nicht möglich gewesen. Es habe eine höher dosierte
Cortison
therapie
stattgefunden und unter derzeitiger Therapie sei die Versicherte unter eingehaltener Diät beschwerdefrei. Somit resultiere derzeit keine Einschränkung der Arbei
tsfähigkeit aus dieser Diagnose. E
in chronischer Verlauf sei möglich und ggf. müsste eine erneute Einschätzung erfolgen, wenn die Klinik sich verschlech
tern sollte
. Ab September 2017 könne bis höchstens vor einem Monat eine inter
nistisch begründete Arbeitsunfähigkeit vorgelegen haben, dies
als die
Cortison
therapie
habe gestoppt werden können als Hinweis auf eine gute Kontrolle der Darmentzündung
(S. 40 f.)
.
3.
1.
3
Der
neurologische Gutachter
Prof.
Dr.
med.
D.___
,
Facharzt für Neurologie,
führte in seiner Beurteilung aus, die bei der Versicherten vorliegende schubförmig remittierende multiple Sklerose zeige derzeit keine fassbare Krankheitsaktivität und gehe nicht mit einem namhaften neurologischen Defizit einher. Aufgrund des fehlenden objektivierbaren neurologische
n
Defizits sei in der hiesigen neuro
logischen Beurteilung ein EDSS (
Expanded
Disability
Status
Scale
) von null ermit
t
elt worden. Dies sei plaus
ib
el, obwohl in den Aktendokumenten nahezu durchgehend ein EDSS von 1,5 angegeben werde, da manche Untersucher eine berichtete
Fatigue
oder
Angaben zum Beispiel hinsichtl
i
c
h einer depressiven Ver
stimmung in den EDSS mit hineinrechneten.
In der neurologischen Begutachtung
hätten sich keine Hinweise für eine vorzeitige Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsschwäche gefunden, vielmehr habe sich eine unauffällige Unter
suchung bei einer leistungsfähigen und leistungsbereiten Versicherten gezeigt.
Die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit, hier Bürotätigkeit, spreche für eine vorhandene
Motiviation
der Versicherten.
Aus neurologischer Sicht sei die d
erzeitige immunmotorische Therap
ie
mit
Gilenya
hinsichtlich der Verträglichkeit und Wirksamkeit als günstig
einzuschätzen. I
nsges
amt sei die Prognose der mul
tiplen Sklerose unter Berücksichtigung des bisherigen Krankheitsverla
ufs und des hiesigen Befunds s
o
w
ie aufgrund der feh
lenden Krankheitsaktivität im MRI als günstig einzuschätzen.
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe nicht, eine angepasste Tätigkeit sei aus neurologischer Sicht nicht notwendig. Auch rückblickend sei aus neurologischer Sicht keine dauerhafte Arbeitsunfäh
igkeit in einer Bürotäti
g
k
eit oder im Service zu attestieren, da ei
ne dies behindernde nam
hafte ne
urol
ogische Ge
sundheit
s
störung nicht zu erkennen sei. Rückblickend könne aus neurol
o
gisc
her Sicht im Rahmen von MS-
Schüben eine passagere Min
derung der Arbeitsfähigkeit bestanden haben, v
.
a
.
in der vorangehenden Tätigkeit im Service, was sich zeitlich anhand der
Aktendaten und eigenen Befunde
nicht näher eingrenzen lasse. Allenfalls könne hier pragmatisch den f
rüh
eren Empfeh
lungen der Behandler gefolgt werden (S.
75 f.
).
3.
1.
4
Der psychiatr
is
che Gutachter
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
führte zur Hauptsache aus, die Versicherte beklage, unter einer raschen Erschöpfbarkeit, Durchschlafstörungen, Stimmungsschwankungen
,
gelege
n
tlich auftr
e
tenden depressiven Verstimmu
ng
en, Konzentrationsdefiziten sowie Antriebslosigkeit zu leiden. Im Jahr 2012
sei
anlässlich eines seinerzeit au
f
getretenen par
t
iellen senso
motorischen Querschnittssyndroms eine multiple Sklerose diagnostiziert worden, aktenkundig sei erstmals im Februar 2013 nach einer verhalt
en
sneurologischen Abklärung eine depressive Verstimmung bzw. Anpassungsstörung mit eingeschrän
k
ter Belastbarkeit beschrieben worden. Im weiteren Verlauf sei psychiatrisch die Diagnose einer Belastungsstörung nach
Üb
erforderung am Arbeitsplatz
mit innerer Unr
u
he, Sti
mmungsschw
ankung, Merkfähigkeits- und Kon
zentrationsstörungen sowie Verzweiflung festges
t
ellt worden. Auch während der ersten stat
ionä
ren Behandlung
im Sanatorium
F.___
sei u.a. die Diagnose einer Anpassungsstörung, später die Diagnose einer rezidivierend depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi
sod
e, beschrie
ben worden. Die behandelnde Psychiaterin habe zuletzt im Juni 2018 eine rezidi
vierend depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode kommuniziert und beschrieben, dass sich während der letzten Jahre gezeigt habe, dass die Versi
cherte mit einem Arbeitspensum von 50
% stabil sei
(S. 110 f.)
.
Im aktuellen psychiatrischen Untersuchungsbefund präsentiere sich eine freund
liche und offene Versicherte, die ohne Zeichen mne
stischer oder
kon
zentrativer
Defizite ü
ber ihren Werde
gang und i
hre Beschwerden berichte. Die Au
ffas
s
ungs
gabe und die geistige Spannkraft seien nicht beeinträchtigt. Die Versicherte zeige während der ausführlichen Exploration keine Zeichen einer vorzeitigen Ermüd
barkeit oder Erschöpfung, Es bestehe eine leichte
Grübelneigung
. Das inhal
tliche Denken sei normal. Hinweis
e
auf Panikattacken fänden sich nicht. Angegeben würden gelegentlich auftretende Zwangsimpulse sowie angedeutete agoraphobi
sche Ängste, die jedoch ohne wesentliche handlungsleitende Konsequenzen blie
ben. Die Stimmung sei situationsadäquat unauffällig, die affektive Modulations
fähigkeit
nicht beeinträchtig
t
, der Antri
e
b normal und die Psychomotorik
unauf
fällig
(S. 113)
.
Insgesamt bestehe ein
weitgehend
unauffälliger U
n
t
ersuch
ung
sbefund, wobei insbesondere keine klinischen
Zeichen einer ausgeprägten Depressivität festzu
stellen seien. Unter Berücksichtigung der ICD-10 Kriterien sei demnach die Diag
nose einer weitgehend remittierten leichten depressiven Episode zu stellen, wobei die Abgrenzung zu einer A
npas
sungsstörung mit längerer depr
essiver Sympto
matik unscharf blei
be. Aus
psychiatrisc
her Sicht sei die Ar
b
eitsfähigkeit der Ver
sicherten nicht wesentlich
beeinträchtigt, sie sei aus psy
chiatrischer Sicht
als in der Lage anzusehen, sowohl die zul
etzt ausgeübte T
ä
ti
g
k
e
i
t im Service als auch Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes zu 100
% auszuüben (Pensum und Rendement 100
%). Diese Einschätzung bestehe ab dem Datum der Untersuchung. Mit Ausnahme der stationären Kran
kenhausaufenthalte
sei davon ausg
ehen, dass zuvor eine 100%ige Arbeitsfäh
i
g
ke
it
bestanden habe.
Hiefür
spreche, dass
die behandelnde Psychiaterin
Dr.
G.___
b
ereits 2018 lediglich eine leichte d
e
pres
sive Episode beschrieb
en
und
Dr.
H.___
2017 keine klassischen depressiven Symptome wie gedrückte Stimmung, Verlust an Interesse und Antriebsminderung
festgestellt habe
. Eine überdauernde,
ausgeprägtere
depressive Störung sei also auch in der Vergangenheit unwahrscheinlich
(S. 113 ff.)
.
3.
1.
5
Der neuro
psycho
logische Gutachter
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH
,
Neuropsychologie,
hielt im neuro
psycho
logischen Teilgut
achten
im Wesentlichen
fest,
im erhobenen klinischen Befund hätten sich gegen Ende der Testung bei der Versicherten Ermüdungserscheinungen gezeigt. Sie habe dabei in Teilbereichen gegenüber dem Anfang eine leicht verlangsamte Testver
arbeitungsgeschwindigkeit gezeigt. Ansonsten sei die Versicherte wach, orien
tiert,
attent
, eloquent und in der
Mnestik
sicher gewesen. Die neuropsychologi
sche Untersuchung
ha
be unterdurchschnittliche Ergebnisse im Bereich der Reak
tionsgeschwindigkeit, der geteilten Aufmerksamkeit, einem Te
ilbereich der Ver
arbeitungsgeschwindigkeit, dem Arbeitsgedächtnis sowie Teilbereichen des ver
balen divergenten Denkens gezeigt. Auch hätten sich in
der
Zusammenschau der Anamnese, des klinischen Befunds, der aktenkundigen Informationen und der Testergebnisse Hinweise auf das Bestehen einer
Fatigue
gezeigt.
Qua
Leichtgradigkeit
der objektivierbaren Befunde sei eine leichtgradig einge
schränkte Arbeitsfähigkeit im angesta
mmten und im jetzt ausgeübten Arb
eits
be
reich (Büro) entsprechend 100
%
und 70
% Rendement zu attestieren. Anpassun
gen der Arbeitstätigkeit oder andere Tätigkeiten seien ni
c
ht geeignet, die Arbeits
fähigkeit anzuheben. Es sei von einer dauerhaften und aktenkundig spätestens
seit
ca
2013 bestehenden kogni
t
iven Beeinträchtigung (a
uf 70
%
reduziertes Ren
dement) auszugehen. Die Genese
der kognitiven Störung sei am ehesten im Ko
n
text der bestehenden MS zu sehen, für die
Fatigue
und assoziierte kognitive Le
is
tungsminderungen bekannt
seien
(S. 155 ff)
.
3.
1.
6
Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, die objektiven Befunde zeigten eine
Fatigue
mit a
ssoziierter l
eichter kognitiver Störung. Die Darmerkrankung erscheine therapeutisch suffizient kontrolliert
und nicht namhaft limitierend
.
Psychiatrisch habe sich keine gravierende depressive oder anderweitige Störung mehr erheben lassen. In der bisherigen wie auch einer angepassten Tätigkeit bestehe aus neuro
psycho
logischen Gründe
n
eine Arbeitsfähigke
it
von 70
%, die
Fatigue
mit assoziierter kognitiver Störung bedinge eine reduzierte Belastbarkeit in jedweder Tätigkeit
(vorzeitige geistige Ermüdung
; vgl. S. 8 ff.
).
3.2
Im
Vorbescheidverfahren
reichte die Versich
er
te
die folgenden Unterlagen ins Recht:
3.2.1
Dr.
med.
G.___
,
Fachärztin
für
Psychiatrie und Psychotherapie
FMH und behan
delnde Psychiaterin der Versicherten,
diagnosti
zierte in ihrem Bericht vom 10.
August 2019 eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0), eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.0), Multiple Sklerose sowie Schilddrüsenunterfunktion. Sie gab im Wesentlichen an, seit Juni 2018 sei der Verlauf negativ. Die Versicherte habe im September 2018 ein Praktikum mit einem Pensum von 50
% angetreten; diese Leistungsfähigkeit habe sie bis Ende Jahr aufrechterhalten können und sei daher fest angestellt worden. Kurz darauf sei
en ihre Leistungen eingebrochen; durch Kleinigkeiten
werde die Versicherte so
sehr
destabilisiert, dass ihre Leistungsfähigkeit stark einbreche und die Fehler
quote steige.
Auch sei die Versicherte mit einem Pensum
von 50
% nicht mehr in der Lage
gewesen, ihren Haushalt zu führen, so dass sich schlussendlich der Müll kniehoch in der Wohnung gesammelt habe.
Eine Umstellung mit Psychophar
maka habe sie nicht genügend stabilisieren können, überdies sei noch eine
Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert worden. Ebenfalls habe sich die Fähig
keit
stark verschlechtert
, Situationen adäquat einzuschätzen, was sich auf viele Bereiche beziehe. Die Arbeitsfähigkeit betrage maximal 40
%, bei einem höheren Pensum bestehe die Gefahr
,
dass die Versicherte erneut
dekompensiere
(
Urk.
7/218).
3.2.2
Der behandelnde Neurologe Prof.
Dr.
med.
J.___
vom
Z
entrum
K.___
führte in seinem Bericht vom 2
5.
Juli 2019 gestützt auf seine Unter
suchung der Versicherten
vom
5.
Juli 2019 aus,
zusammenfassend
zei
g
e sich
übereinstimmend mit den verschiedenen Voruntersuchungen
aktuell eine leichte neurokognitive Störung. Die Informationsgeschwindigkeit sei leicht reduziert und
es
hätten
sich
leicht reduzierte bis grenzwertige Leistungen in der geteilten Auf
merksamkeit ergeben. Weiterhin hätten sich
auc
h Defizite in
der Verarbeitungs
geschwindigkeit
, Teilmodalitäten des Arbeitsgedächtnisses sowie der
Behaltens
leistung
gezeigt. Qualitativ zeige sich eine
leicht reduzierte Handlungsplan
ung, im Verlau
f der U
n
t
ersuchung und mit zunehmender Erschöpfung tende
n
ziell
abnehmend.
Dies führe aus rein neurokognitiver Sicht zu einer Arbeits
un
fähigkeit von 30
%.
Darüber hinaus sei die Patientin im Alltag jedoch
auch durch die schwere kogni
ti
ve und mo
torische
Fatigue
sowie die erhöhte
Fatigueability
(Ermüdbarkeit) beeinträchtig
t
. Die an
amnestisch erhöhte Ermüdbarkeit
sei in der
Verhal
te
n
sbe
obachtung e
r
sichtlich,
habe
sich jedoch auch auf Testebene
wieder
ge
spiegelt
durch erhöhte Schwankungen der intrinsischen
A
lertness
nach einer zweistündi
g
en Untersuchung. Die
Fatigue
und
Fatigueability
interagierten
bekannterweise
insofern
wechselseitig mit der neurokognitiven Leistungsfähigkeit
,
als
das
s
bei Erschöp
fung
die neurokognitiven Def
i
zite deutl
icher zutage treten würden, jedo
ch a
uch die
Fatigue
unter Belastung zunehm
e. Die vorliegenden Defizite
und Einschränkungen könnten au
f
dem Hintergrund der MS E
rkrankung
interp
re
tiert werden. Ein weiterer Punkt
,
der die Belastbarkeit der Patientin
deutlich
ein
schränke
,
sei die rezidivierende depressive Störung
, wobei die Patientin bei höherer Belastung immer wieder
dekompensiere
.
Der Einfluss dieser Diagnose sollte von der behandelnden Ther
a
pe
u
tin beur
teilt werden
(
Urk.
7/
224)
.
3.3
In erwerblicher Hinsicht ist den Akten alsdann unter anderem
Folgendes
zu ent
nehmen:
3.3
.1
Aus dem
vom 2
8.
Februar 2018 datierenden
«
Abschlussbericht
Arbeitstraining
»
der
L.___
Arbeitstraining, welche
im Auftrag der IV-Stelle
nach abgesc
hlossener Umschulung
die Arbeits-
und Le
istungsfähig
k
eit
der Versicher
ten
im ersten Arbeitsmarkt
zu prüfen
und
die Arbeitsfähig
keit auf 90
%
aufzu
bauen und
zu
stabilisieren
hatte
,
ist zu entnehmen,
dass die Versicherte in der Zeit vom
9.
Mai
2017 bis
8.
Februar
2018
bei
M.___
(Fachstelle für b
erufliche
und s
oziale Integ
ration) als administrative Mitarbeiterin tätig war.
Weiter ist dem Bericht im Wesentlichen zu entnehmen, dass
di
e Versicherte
für ihre Selbst-und Sozialkompetenzen während des gesamten Verlaufs gelobt wor
den sei.
Jedoch
sei
das Thema
Konzentrationsfähigkeit subje
k
ti
v und objektiv von Beginn an ein Thema gewesen und
habe
sich
diese
–
und
e
ntsprechend das Leis
tungsvermögen
-
bis Ende des Arbeitstr
ainings als schwanke
nd
erwiesen
und die Versicherte
immer wieder überfordert gezeigt. Die Versicherte
habe
– bei
engma
schiger Be
g
le
itung
und
bei
Rahmenbedingungen
,
die
mit einer Anstellung im ers
ten Arbeitsmarkt
schwer vergleichbar seien
-
ein Pensum von 50
%
mehrheitlich
aus
zu
schöp
fe
n
vermocht
.
D
er Einsatzbetrieb traue der Versicherten eine
n
Einstieg im ersten Arbeitsmarkt mit allerhöchstens 50
% zu (
Urk.
7/143-144).
3.3.
2
Nachdem sich im Rahmen der
daran anschliessenden
Arbeitsvermittlung gezeigt
hatte, dass ein direkter Berufse
instieg aufgrund der mangelnden Berufspraxis nicht erfolgversprechend war,
veranlasste die IV-Stelle
ein weiteres Arbeitstrai
ning
zwecks Stabilisierung der Arbeitsfähigkeit auf 50
% im erweiterten kauf
männischen Bereich sowie allenfalls Steigerung des Pensums auf 60
%
, welches
Arbeitstraining
in der Zeit von
4.
Juli 2018 bis
3.
Januar 2019
durchgeführt
wurde
.
Aus dem
entsprechenden
Schlussbericht
der
L.___
vom
1
5.
Januar 2019 betreff
end Arbeitsvermittlung Plus
1.
u
nd
2.
Teil
(
Urk.
7/192)
geht her
v
o
r,
dass
d
er
Versicherten
seitens des Einsatzbetrie
bes
wiederum gute Selbst- und s
oziale Kompetenzen attes
ti
ert
wurden
;
nachdem der Verlauf des Arbeitstrainings
bei stabilerem gesundheitlichen Zustand
im Rahmen von 50 %
positiv
ausgefallen war
, wurde ihr
im
Anschluss daran eine Festanstel
lung
als Teamassistentin
im Umfang von 50
%
angeboten, welches Angebot die Versicherte – so der Abschlussbericht - in freudiger Erwartung annahm
(
Urk.
7/192; vgl. auch Verlaufsprotokoll Berufsberatung
Urk.
7/198).
3.3.3
Am
8.
Juli 2019 orientierte der zuständige
Coach der
L.___
die IV
-Stelle
dahin
, dass die Versicherte durch die Rentensituation sowie weitere private und gesundheitl
iche Probleme in ihrer Leistungs
fähigkeit beeinflusst sei. Der Vorgesetzte der Versicherten habe von massiven und kon
stanten Leistungseinschränku
ng
en gesprochen
seit sie angestellt sei
.
D
iese äus
ser
ten
sich vor allem in der Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit. Die Folge seien
trotz regelmässiger Feedbacks
stetige Flüchtigkeitsfehler, welche längerfris
tig für das Unternehmen nicht mehr tragbar
seien
.
G
emäss dem Vorgesetzten
habe dies
damit zu tun, dass die Versicherte nicht mehr dieselbe engmaschige Betreuung geniesse wie während dem vorgängigen Arbeitsversuch. Arbeit
s
me
thoden und –
strategien
zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit griffen ebenfalls nicht. Wenn
sich die Situation nicht zeitnah verbessere
,
müsse das Arbeitsver
hältnis aufgelöst werden
(
Urk.
7/216
S. 3
).
3.3.4
Am 29.
Juli 2019 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass das Arbeits
verhält
nis gekündigt worden sei, da sie
aufgrund ihrer Konzentrationsschwierigkeiten
nicht
die Leistung
habe
bringen könne
n,
wie sie für diese Position
nötig
sei (
Urk.
7/217).
4.
4.1
Die IV-
Stelle legte
der
angefochtenen
Verfügung
das
Gutachten der
B.___
vom
6.
März 2019 zugrunde,
gemäss dessen Schlussfolgerungen
die Versicherte
sowohl in der angestammten wie auch in einer ang
e
passten Tätigkeit
zu
70
%
arbeitsfähig
ist
.
Entgegen der Auffassung der IV-Stelle kann darauf nicht
vorbe
haltlos abgestellt werden, wie nachfolgend aufgezeigt wird.
4.2
So wirft die
medizinisch-
the
ore
t
i
sche
Einschätzung
einer 70%igen Arbeitsfähig
keit in jeder Tätigkeit
zum einen
insofern
Fragen auf, als sie
deutlich von
den
Erkenntnissen
abweicht, wie sie
aus den
von der IV
-
Stelle
veranlassten
Einglie
derung
s
massnahmen
resultierten
. So
vermochte
die Versic
h
erte
zu keinem Zeit
punkt -
weder
im Rahmen der
durchgeführten
Arbeitstrainings
noch
später
in der ab
4.
Januar
2019
im ersten Arbeitsmarkt
ausgeübten Tätigkeit als Teamassisten
tin
-
je
ein
stabiles
Leistungsvermögen von
mehr als
50
%
zu realis
ieren
, mit welchem
Umstand
sich die Gutachter
nicht auseinandergesetzt
haben
.
Zwar ist zu
berücksichtigen
, dass
– zufolge der bereits im April 2018 parallel
eingeleiteten
Rentenprüfung
–
Eingliederungsmassnahmen
im Begutachtungszeitpunkt (Dezember 2018)
noch am Laufen war
en
(damals in Form der «Arbeitsvermittlung plus» d
.
h. einschliesslich
eines
erneute
n
Arbeitstraining
s
)
und die
Kündigung
des Arbeitsverhältnisses durch die
spätere Arbeitgeberin
nach Lage der Akten
im Juli 201
9,
mithin
zeitlich nach der Erstattung des Gutachtens
im März 2019
erfolgte (
Urk.
7/217)
. Damit konnten sich
die Experten der
B.___
von Vorneherein nicht
abschliessend zu den durchgeführten Eingliederungsmassnahmen
äussern
.
Gleichwohl
wäre
es
unerlässlich gewesen,
dass die IV-Stelle, bevor sie sich auf das Gutachten
ab
stützte,
die Gutachter unter
Hinweis auf den Eingliederungsver
lauf sowie unter
Beilage der
ihnen bislang
nicht zur Kenntnis gebrachten
S
chluss
b
erichte
zu den
Arbeitstrainings
(
E.
3.3
.1 und
E.
3.3.2
)
um
ergänzende
Stellung
nahme
zu den
mit ihrer medizinisch-theoretischen Einschätzung diskrepanten
Resultaten der
–
letztlich gescheiterten
–
Ei
ngliederungsbemühungen (E.
3.3.3
und E. 3.3.4) ersucht
hätt
e
.
Zwar
ist davon auszugehen, dass
den medizinischen gegenüber den Abklärungen der Fachleute der Berufsberatung/beruflichen Ein
gliederun
g ein grösseres Gewicht zukommt. J
edoch
darf
nach der Rechtsprechung
den
Ergebnisse
n
leistungsorientierter beruflicher Abklärungen
die
Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit
nicht ohne W
eiteres abgesprochen werden
.
Steht eine medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offen
sichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-ein
satz des Versicherten effektiv realisiert
wurde
und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen und ist das Einholen einer klärenden medi
zinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar (
vgl. etwa
Urteil
des Bun
desgerichts vom
1
6.
Oktober 2012
9C_737/2011 E.
3.3
unter Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts
9C_833/2007 vom
4.
Juli 2008
E. 3.3.2).
V
orliegend
hatte
die Versicherte
im Eingliederungsprozess
e
ine
hohe
Leistungsbereitschaft
gezeigt
und
hatten ihr
a
uch die
Einsatz
b
etriebe
jeweils
ein
einwandfreies Arbeitsverhalten
attestiert
(vgl
.
Urk.
7/143
und 7/192; vgl. etwa auch Urk.
7/148
)
.
D
ie vorhande
nen Diskrepanzen
hätten nach der genannten Rechtsprechung
mithin
das Einho
len einer
klärenden
Stellungnahme
nötig gemacht,
dies umso mehr
, als
selbst die
für
Eingliederung verantwortliche
Fach
person
der IV-Stelle
bis anhin von einem realisierbaren Pensum von
(nur)
50
% ausgegangen
war
(vgl.
Urk.
7/148 und
Urk.
7/198 S. 8)
.
4.3
Aber
auch vor dem Hintergrund der im
Vorbescheidverfahren
eingereichten Berichte
ergab sich
zusätzlicher
Klärungsbedarf
.
So hatte
der behandelnde Neu
rologe
Dr.
med.
J.___
im Bericht
vom 2
5.
Juli 2019
zwar ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
attestiert, dies
e
jedoch als
rein neurokogni
tiv bedingt bezeichnet und
ausgeführt
, dass die
Einschränkung
des Leistungsvermö
gens
durch die
Fatigue
–
welche
durch Belastung zunehme
–
noch
zusätzlich zu berücksichtigen sei
wie auch die erhöhte Ermüdbarkeit
und ebenso die rezidivie
rende depressive Störung (vorne E. 3.2.2)
.
Weiter bleibt f
estzustellen
,
dass die
Einschätzung
einer 70%igen Arbeitsfähigkeit
des
neuropsychologischen
(
sowie
je
auch
des neurologischen und psychiatrischen)
Experten
der
B.___
auf Unter
suchung
en
bzw. Testungen
beruhte
, die
jeweils
nur
1.5 oder
2 Stunden gedauert hatten
(
Urk.
7/201 S. 3),
was
nicht einmal
einer hälftigen Belastung
aufgrund des damaligen
Arbeitsp
ensum
s
der Beschwerdeführerin
von
50
%
ent
spricht
. A
uf
grund der
Ausführungen
von
Dr.
J.___
in Verbindung mit dem
im Einglie
derungsprozess erreichten Leistu
ngsvermögen wäre daher
neu zu evaluieren gewesen
,
inwieweit
die
E
inschränk
ungen
bei
zeitlich
längerer Belastung (als bei der
kürzeren
Untersuchungssituation
)
nicht
allenfalls
höher zu veranschlagen
wären
als
medizinisch-theoretisch
ursprünglich
angenommen
.
Festzustellen ist
weiter
,
dass
im
Verfügungszeitpunkt am
8.
November 2019
in
psychiatrischer Hinsicht
(
zumindest
)
zweifelhaft
war
,
ob
die Einschätzung
durch
den psychiatrischen Experten
auch weiterhin
Gel
tung beanspruchen
konnte
.
Denn
die
behandelnde
Psychiaterin
Dr.
G.___
hatte
im
Bericht vom 1
0.
August 2019 (E. 3.2.1)
auf eine Verschlechterung des
psychischen
Gesundheitszustandes
der Versicherten
per Anfang
2
019 hi
ngewiesen
und
dieser
im Bericht
s
zeitpunkt
eine
Arbeitsfähigkeit von nur noch 40
%
attestiert
. E
ine mögliche Verschlechte
rung war mit Blick auf die
im Juli 2019
erfolgte – nach Lage der Akten leistungs
bedingte -
Kündigung
der 50%igen Anstellung durch die Arbeitgeberin sowie die im Bericht geschilderte Überforderung im Haushalt
,
welche im Begutachtungs
zeitpunkt im Dezember 2018
noch
nicht bestand
en hatte
(
vgl.
Urk.
7/201 S. 36, 107, 143)
,
jedenfalls nicht von Vorneherein
auszuschliessen
(E.
3.2.1
)
.
E
ntgegen
dem Vorgehen der Verw
a
ltung, welche
die
einwandweise
eingereichten
ärztlichen
Berichte
– soweit ersichtlich
-
nicht einmal
i
hrem
Regionalen Ärztli
chen Dienst
zur Beur
t
eilung
vorgelegt hatte
(
Urk.
7/
227 S. 3
),
hätten sich mithin
auch insofern ergänzende Abklärungen aufgedrängt
.
4.4
Zusammenfassend
ergibt sich daher, dass die IV-Stelle
mit Blick auf die
Diskre
panz zwischen den Erkenntnissen
der von ihr veranlassten Eingl
i
ede
rung
sowie den
gutachterlichen
medizinisch-
the
oretischen Einsc
h
ä
t
z
ungen
der Arbeitsfähig
keit
nicht vorbe
h
a
lt
l
os auf das
B.___
-
Gutachten
hätte
abstellen
dürfen
, sondern eine medizinische Klärung
–
zumindest
durch Rückfragen an die Begutachtungs
stelle – hätte herbeiführen müssen.
Auch
waren
die im
Vorbescheidverfahren
ein
gereichten
Bericht
e der behandelnden Ärzte
Dr.
G.___
und
Dr.
J.___
ange
sichts der darin enthaltenen,
bislang
nicht
thematisierten bzw.
bekannten
Aspekte zumindest
grundsätzlich
geeignet
,
die
Einschätzung gemäs
s Expertise de
r
B.___
in Frage
zu stellen
(
vgl. statt vieler: SVR 2017 IV Nr. 49 S. 148, 9C_338/2016 E. 5.5
)
, weshalb auch
in
sofern ergänzender Abklärungsbedarf bestand
.
Die
ange
fochtene
Verfügung
ist daher
aufzuheben und die Sache an die IV-Stelle zurück
zuweisen, damit sie den rechtserheblichen Sachverhalt durch Einholung von ergänzenden
Stellungnahmen und/oder
Abklärungen
vervollständige und her
nach über den
Rentenanspruch neu
entscheide.
D
abei
werden auch
die
beschwer
deweise aufgelegten Bericht
e
zu berücksichtigen sein
, soweit sie sich a
uf den vor
liegend massgebenden Beurteilungsz
eitraum beziehen
(vgl.
insbesondere Bericht der
Klinik
N.___
vom 2
8.
November 2019;
Urk.
3/2
)
.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom
8.
November 2019 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
, zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und her
nach über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente neu ent
scheide.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubBachmann