# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3832295-c1ba-5cab-b522-139d1b5d2e2c
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-08-23
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 23.08.2018 VG.2018.00039 (VG.2018.684)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2018-00039_2018-08-23.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 23. August 2018

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2018.00039

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    AA.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    BA.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    AB.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    BB.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    alle vertreten durch Rechtsanwalt
    C.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.    D.______GmbH

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch
    Rechtsanwalt E.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Gemeinde Glarus Nord

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
  	
    3.

    	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die D.______GmbH ist Eigentümerin der in […]
  (Gemeinde Glarus Nord) gelegenen Parz.-Nrn. 01 und 02, Grundbuch […].
  Die Parz.-Nr. 01 befindet sich in der Bauzone W2a, während die
  Parz.-Nr. 02 in der Bauzone W2b sowie auf einer Bautiefe entlang
  der X-Strasse in der Wohn- und Gewerbezone liegt. Für die Parz.-Nr. 02
  gilt sodann eine Überbauungsplanpflicht. Die Gemeindeversammlung von Glarus
  Nord erliess am 19. Juni 2015 den die Parz.-Nr. 02 umfassenden
  Überbauungsplan F.______. Dieser wurde durch das Departement Bau und Umwelt
  (DBU) am 20. November 2015 genehmigt. 

  
	
   

  
	
  1.2 Die D.______GmbH ersuchte die Gemeinde Glarus Nord
  am 28. Juni 2016 um Bewilligung des Neubaus von sieben
  Mehrfamilienhäusern auf den Parz.-Nrn. 01 und 02. Dagegen erhoben unter
  anderem AB.______ und BB.______ am 28. Juli 2016 sowie AA.______ und BA.______
  am 29. Juli 2016 Einsprache. Der Gemeinderat Glarus Nord erteilte am 21.
  Dezember 2016 die Baubewilligung unter verschiedenen Auflagen und Bedingungen.
  Gleichzeitig wies er die Einsprachen ab, soweit darauf einzutreten war.

  
	
   

  
	
  1.3 Dagegen erhoben AA.______ und BA.______ am
  1. Februar 2017 Beschwerde beim DBU und beantragten die Aufhebung des
  Einspracheentscheids sowie die Verweigerung der Baubewilligung. Gleichentags
  gelangten auch AB.______ und BB.______ ans DBU und beantragten ebenfalls die
  Aufhebung des Einspracheentscheids sowie die Verweigerung der Baubewilligung.
  Das DBU vereinigte am 2. Februar 2017 die beiden Beschwerdeverfahren. Am
  26. Februar 2018 hiess es die Beschwerden teilweise gut und erteilte
  unter verschiedenen Auflagen und Bedingungen eine Ausnahmebewilligung für die
  Grundstückszufahrt der Parz.-Nr. 02 und den Näherbau des
  Unterflurcontainers an die Y-strasse. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 AA.______ und BA.______ sowie AB.______ und BB.______
  gelangten in der Folge mit Beschwerde vom 13. April 2018 ans
  Verwaltungsgericht und beantragten die Aufhebung des Beschwerdeentscheids des
  DBU sowie die Verweigerung der Baubewilligung; alles unter Kosten- und
  Entschädigungsfolgen zu Lasten der D.______GmbH.

  
	
   

  
	
  2.2 Die D.______GmbH beantragte am 7. Mai 2018 die
  Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
  von AA.______ und BA.______ sowie AB.______ und BB.______. Das DBU schloss am
  11. Mai 2018 ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge.
  Schliesslich beantragte auch die Gemeinde Glarus Nord am 16. Mai 2018
  (eingegangen am 25. Mai 2018) die Abweisung der Beschwerde; unter Kosten-
  und Entschädigungsfolgen zu Lasten von AA.______ und BA.______ sowie
  AB.______ und BB.______.

  
	
   

  
	
  2.3 AA.______ und BA.______ sowie BA.______ und BB.______
  ersuchten am 31. Mai 2018 das Verwaltungsgericht um Ansetzung einer
  Frist zur Stellungnahme zu den Beschwerdeantworten, welchem Antrag das
  Verwaltungsgericht am 1. Juni 2018 nachkam. Am 20. Juni 2018
  reichten sie ihre Stellungnahme ein, worin sie an den in der Beschwerde
  gestellten Anträgen festhielten. Das DBU und die Gemeinde Glarus Nord
  verzichteten am 25. Juni 2018 bzw. 5. Juli 2018 auf eine Stellungnahme,
  während die D.______GmbH am 27. Juni 2018 unter Festhalten an den in der
  Beschwerdeantwort gestellten Anträgen Stellung nahm.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 79
  Abs. 1 des Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom 2. Mai 2010 (RBG)
  i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden
  Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt
  sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde können gemäss
  Art. 107 Abs. 1 VRG Mängel des angefochtenen Entscheids oder des
  Verfahrens geltend gemacht werden: die unrichtige oder unvollständige
  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. a) und die
  unrichtige Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens
  (lit. b). Die Unangemessenheit des Entscheids kann gemäss Art. 107
  Abs. 2 VRG nur ausnahmsweise geltend gemacht werden. Baurechtsstreitigkeiten,
  über welche das Verwaltungsgericht als zweite Beschwerdeinstanz entscheidet,
  fallen nicht unter die in Art. 107 Abs. 2 VRG aufgezählten
  Ausnahmefälle. 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführer machen geltend, der
  Überbauungsplan könne im Baubewilligungsverfahren vorfrageweise überprüft
  werden. Dies gelte insbesondere dann, wenn im Überbauungsplan Abweichungen
  von der Bauordnung enthalten seien, welche in Art. 9 Abs. 2 der Bauordnung
  […] (BO […]) nicht aufgezählt würden. Überdies habe gemäss dieser Bestimmung
  der Gemeinderat immer zu beurteilen, ob mit allfälligen Abweichungen von der
  Bauordnung besonders gute Lösungen erzielt würden. Dazu sei die
  Gemeindeversammlung, welche nun für den Erlass der Überbauungspläne zuständig
  sei, gar nicht in der Lage. Der Überbauungsplan sei zudem im
  Baubewilligungsverfahren vorfrageweise daraufhin zu überprüfen, ob damit die
  in der Bauordnung enthaltenen Definitionen nicht umgangen bzw. verletzt
  würden. Vorliegend sei die von Art. 39 Abs. 1 BO geforderte allseitige
  Zurückversetzung bei den sogenannten "Attikageschossen" der
  Mehrfamilienhäuser A1 bis B2 nicht gegeben. Es sei lediglich eine einzige
  Fassade vollständig zurückversetzt. Bei den Mehrfamilienhäusern C1 und C2
  werde die Zurückversetzung bei der Nordfassade unterbrochen. Damit stehe
  fest, dass es sich bei den sogenannten Attikageschossen um Vollgeschosse
  handle. Demgegenüber sei im Überbauungsplan davon die Rede, dass in den im
  Überbauungsplanperimeter liegenden Baubereichen A und B jeweils Häuser mit
  drei Vollgeschossen und einem Attikageschoss bzw. im Baubereich C mit
  vier Vollgeschossen und einem Attikageschoss erstellt würden. Selbst wenn die
  Auffassung des Beschwerdegegners 3 zutreffen sollte, dass die Aufzählung
  in Art. 9 Abs. 2 BO nicht abschliessend sei – was bestritten werde
  –, könne es nicht angehen, dass mit dem Überbauungsplan gesetzliche
  Definitionen, welche in der Bauordnung selbst vorgenommen würden, abgeändert
  würden. Bei den Definitionen in der Bauordnung, wozu diejenigen in Art. 39 BO
  gehörten, handle es sich nämlich um feste nicht verhandelbare Grössen. Wenn
  also Art. 9 Abs. 2 BO Abweichungen zulasse, dann mit Sicherheit nicht von den
  Definitionen, sondern nur von den in den jeweiligen Zonen geltenden
  Vorschriften. Daraus folge, dass es nicht zulässig sei, dass der
  Überbauungsplan die Attikageschosse anders definiere, als dies der Gesetzgeber
  in Art. 39 Abs. 1 BO verbindlich getan habe. Es bestehe daher
  keinerlei Handlungsspielraum und auch kein Ermessen der Vorinstanzen, um von
  den Definitionen in der Bauordnung abzuweichen. Angesichts dieser Rechtslage
  spiele es keine Rolle, ob mit dem Überbauungsplan gesamthaft ein ortsbaulich
  und architektonisch besseres Ergebnis als mit der Regelbauweise erzielt
  werden könne. Sodann sei festzustellen, dass sich bezüglich der Häuser C
  weder dem Überbauungsplan noch den Sonderbauvorschriften Abweichungen der
  geplanten Attikageschosse von der in Art. 39 BO enthaltenen Definition
  entnehmen liessen. Bezüglich der Häuser A und B seien demgegenüber auf den im
  Überbauungsplan enthaltenen Systemschnitten lediglich zwei Fassadenseiten des
  jeweiligen Attikageschosses zurückversetzt. Mit Blick auf Ziff. 4.9 des
  Planungsberichts bildeten derartige Abweichungen von Art. 39 BO aber gar kein
  Thema. Es könne nicht angehen, dass in Bausachen unerfahrene Laien selbst
  herausfinden müssten, wo noch zusätzliche, in Ziff. 4.9 des
  Planungsberichts – welcher die Abweichungen gegenüber der geltenden
  Bauordnung offenlege – nicht erwähnte Abweichungen des Bauvorhabens gegenüber
  der Bauordnung enthalten seien. Das gewählte planerische Vorgehen der
  Beschwerdegegnerin 1 verstosse zusammenfassend gegen Treu und Glauben.
  Schliesslich seien die zurückversetzten Fassaden auf den Systemschnitten
  vollständig zurückversetzt. Eine Unterbrechung der Zurückversetzung für die
  Lifte/Treppenhäuser werde nicht dargestellt. Damit entspreche das Bauvorhaben
  nicht dem Überbauungsplan. Folglich sei es unabhängig davon, wie gross oder
  klein die Abweichungen ausfielen, nicht zu bewilligen. 

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin 1 vertritt die
  Auffassung, es entspreche Sinn und Zweck eines Überbauungsplans, eine
  Überbauung zu regeln, welche von der sogenannten Regelbauweise gemäss
  Bauordnung abweiche. Im Rahmen eines Baugesuchs, welches auf dem
  Überbauungsplan basiere, habe deshalb die Baubewilligungsbehörde einzig zu
  prüfen, ob das Baugesuch dem Überbauungsplan entspreche. In den Punkten, in
  welchen der Überbauungsplan von der Regelbauweise abweiche, gehe der
  Überbauungsplan vor. Gemäss Art. 9 Abs. 1 BO könne mit einem Überbauungsplan
  generell von den Vorschriften der Bauordnung abgewichen werden. Diese
  weitgehende Kompetenz werde nur durch Art. 9 Abs. 2 lit. b BO begrenzt, was
  vorliegend nicht relevant sei. Eine vorfrageweise Überprüfung des
  rechtskräftigen Überbauungsplans mit der Bauordnung sei unzulässig. Zu
  überprüfen sei hingegen, ob das Attikageschoss gemäss Baugesuch dem
  Überbauungsplan als Sondernutzungsplan entspreche. Der Planungsbericht vom […]
  mit Richtprojekt bilde Bestandteil des Sondernutzungsplans. In diesem
  Längsschnitt seien die Liftaufbauten bei den Häusern A1, A2, B1 und B2 klar
  ausgewiesen. Ebenfalls zeige das Gipsmodell, welches im Zusammenhang mit dem
  Überbauungsplan dem Gemeinderat und der Gemeindeversammlung vorgelegen habe,
  diese Liftaufbauten. Im Überbauungsplan seien die Mantellinien festgelegt
  worden. Diese würden durch das vorliegende Bauprojekt eingehalten. Die
  Liftaufbauten in den Häusern A1, A2, B1 und B2 stellten keinen Verstoss gegen
  die Mantellinie dar, da die Mantellinie den Umriss des Gebäudes darstelle. Hier
  komme dem Richtprojekt gerade dieser hinweisende Charakter zu. Dieses zeige
  auf, wie das Attikageschoss mit den Liftaufbauten erschlossen werde. Die
  Beschwerdegegnerin 2 habe mit ihrer Beurteilung nicht nur ihr Ermessen
  nicht überschritten, sondern unter Berücksichtigung der gesamten Unterlagen
  zu Recht festgestellt, dass das Bauprojekt dem Überbauungsplan entspreche.
  Eine Verweigerung der Liftaufbauten würde einen klaren Verstoss gegen Treu
  und Glauben darstellen. Schliesslich sei es zutreffend, dass der
  Beschwerdegegner 3 die Unterbrechung der Zurückversetzung der Fassade
  als geringfügig beurteilt habe. Die Beschwerdeführer würden durch das
  Bauvorhaben nämlich gleich betroffen, unabhängig davon, ob die Liftaufbauten
  nun zurückversetzt seien oder nicht. 

  
	
   

  
	
  2.3 Der Beschwerdegegner 3 führt aus, gemäss beim
  Erlass des Überbauungsplans geltenden Recht sei die Gemeindeversammlung für
  den Erlass und die Änderung von Nutzungsplänen zuständig gewesen, während
  heute der Erlass und die Änderung von Sondernutzungsplänen in die Kompetenz
  des Gemeinderats falle. Rügen gegen den Überbauungsplan hätten bereits im
  Überbauungsplanverfahren erhoben werden müssen. Die Ansicht, der
  Überbauungsplan müsse grundsätzlich im Baubewilligungsverfahren akzessorisch
  angefochten werden können, gehe daher fehl. Zu prüfen sei lediglich noch
  gewesen, ob das Bauvorhaben gemäss bewilligten Plänen mit den spezifischen
  Anforderungen betreffend Abweichungen von der Regelbauweise im
  Überbauungsplan übereinstimme. Diese Prüfung habe er vorgenommen, wobei er
  zum Schluss gekommen sei, die Abweichungen erschienen als so gering, dass
  diese zu bewilligen im Ermessen der Beschwerdegegnerin 2 gestanden habe.
  Bei den Mehrfamilienhäusern C1 und C2 werde nicht von der Definition der
  Attikageschosse gemäss Art. 39 BO abgewichen. Einzig bei einer
  Fassade sei die Zurückversetzung wegen des Treppenhauses nicht ganz
  durchgezogen, wobei es im Ermessen der Beschwerdegegnerin 2 gestanden
  habe, dies zu bewilligen. Aus den Systemschnitten der Mehrfamilienhäuser A1
  bis B2 sei sodann ersichtlich, dass bei diesen nur zwei Fassaden
  zurückversetzt seien. Diese Abweichung von der Regelbauweise sei durch den
  Überbauungsplan rechtskräftig festgesetzt worden. 

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Gemäss Art. 23 Abs. 1 RBG regelt der Überbauungsplan
  insbesondere die Erschliessung, die besondere Bauweise sowie die
  Freiraumgestaltung eines Teilgebiets. Er besteht nach Art. 23
  Abs. 2 RBG aus einem Plan und den dazu gehörenden Sonderbauvorschriften.
  Er bezweckt eine ausgewogene Lösung zwischen der haushälterischen Nutzung des
  Bodens und der Sicherstellung einer qualitativ hochstehenden Bebauung mit
  einer architektonisch und städtebaulich guten Gestaltung (Art. 8
  Abs. 1 BO). Mit dem Überbauungsplan kann unter Einhaltung der
  zonengemässen Nutzungsart von der Regelbauweise abgewichen werden (Art. 23
  Abs. 4 RBG). 

  
	
   

  
	
  Bewilligt werden können
  gemäss Art. 9 Abs. 2 BO namentlich die Erhöhung der zonengemässen
  Geschosszahl und der Gebäudehöhen, wobei in der Dorfkernzone jedoch höchstens
  ein zusätzliches Vollgeschoss bewilligt werden darf (lit. a), sowie eine
  Erhöhung der Ausnützungsziffern in den Wohnzonen W2a und W2b sowie der Wohn-
  und Gewerbezone (lit. b). Diese Privilegierung gilt indessen nur, wenn
  dadurch als Ausgleich gesamthaft ein ortsbaulich und architektonisch besseres
  Ergebnis verwirklicht wird und dies im öffentlichen Interesse liegt (Art. 23
  Abs. 4 RBG) bzw. wenn damit besonders gute Lösungen erzielt werden (Art. 9
  Abs. 1 BO).

  
	
   

  
	
  3.2 Durch den Überbauungsplan kann von der Grundordnung
  gemäss Zonenplan und Bauordnung abgewichen werden. In diesem Fall ersetzt der
  Überbauungsplan die Bestimmungen der Grundordnung. Art. 9 BO lässt
  weitreichende Abweichungen von der Grundordnung zu. Entgegen der Auffassung
  der Beschwerdeführer ist dabei die Aufzählung in Art. 9 Abs. 2 BO nicht
  abschliessend, was sich ohne Weiteres aus dem Begriff "namentlich"
  ergibt. Beschränkt werden die Möglichkeiten zu Abweichungen von der
  Grundordnung im kommunalen Recht einzig dadurch, dass in der Dorfkernzone
  höchstens ein zusätzliches Vollgeschoss bewilligt werden darf und geregelt
  wird, wo und in welchem Ausmass die Ausnützungsziffer erhöht werden kann. Das
  kantonale Recht schreibt sodann vor, dass die zonengemässe Nutzungsart
  erhalten bleiben muss (Art. 23 Abs. 4 RBG). Sodann darf die Grundordnung
  durch die Abweichungen nicht ihres Sinngehalts entleert werden (BGE 135 II
  209 E. 5.2). 

  
	
   

  
	
  3.3 Was planungsrechtlich in der Sondernutzungsplanung
  verbindlich festgelegt wird, kann im Baubewilligungsverfahren nicht mehr
  angefochten werden. Rügen, welche sich gegen den Überbauungsplan als solchen
  richten, sind daher im Rechtsmittelverfahren gegen den Überbauungsplan
  vorzubringen. Eine akzessorische Überprüfung der Sondernutzungsplanung ist
  entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer grundsätzlich ausgeschlossen
  (BGE 131 II 103 E. 2.4.1; VGer-Urteil VG.2017.00113 vom 1. März 2018 E.
  3.2.1; Christoph Fritzsche/Peter Bösch/Thomas Wipf, Zürcher Planungs- und
  Baurecht, Bd. 1, 5. A., Zürich 2011, S. 147; Christian Häuptli, in Andreas
  Baumann et al., Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013,
  Vorbem. zu §§ 16 bis 21 N. 48), was sich mit dem Vertrauen auf die
  Planbeständigkeit erklären lässt. Nur ausnahmsweise lässt die Rechtsprechung
  gemäss gefestigter Praxis eine vorfrageweise Überprüfung der Nutzungsplanung
  und damit auch von Sondernutzungsplänen zu. Eine solche ist einerseits
  zulässig, wenn sich der Betroffene bei Planerlass noch nicht über die ihm
  damit auferlegten Beschränkungen Rechenschaft geben konnte und er im
  damaligen Zeitpunkt keine Möglichkeit hatte, seine Interessen zu verteidigen
  (BGE 119 Ib 480 E. 5c, 111 Ia 129 E. 3d; 106 Ia 383 E. 3c; 106
  Ia 310 E. 3). Ebenfalls zu prüfen ist ein Nutzungsplan, wenn sich seit
  dessen Festsetzung die rechtlichen oder tatsächlichen Verhältnisse in einer
  Weise geändert haben, dass das öffentliche Interesse an der Beibehaltung der
  auferlegten Nutzungsbeschränkungen dahingefallen sein könnte (BGE 127 I 103
  E. 6b). 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Der Beschwerdegegnerin 1 wurde auf der im
  Überbauungsplanperimeter liegenden Parz.-Nr. 02 die Erstellung der
  Mehrfamilienhäuser A1 und A2, B1 und B2 sowie C1 und C2 bewilligt. Daneben
  wurde die Baubewilligung für ein weiteres Mehrfamilienhaus E, welches
  auf der ausserhalb des Überbauungsplanperimeters liegenden Parz.-Nr. 01
  erstellt werden soll, erteilt.

  
	
   

  
	
  4.2 Soweit die Beschwerdeführer die Auffassung
  vertreten, der Überbauungsplan könne im vorliegenden
  baubewilligungsrechtlichen Verfahren akzessorisch überprüft werden, trifft
  dies nach dem Dargelegten nicht zu.  Sie hätten ihre Rechte im
  Rechtsmittelverfahren gegen den Überbauungsplan geltend machen müssen. Daran
  ändert entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer nichts, dass gemäss
  Art. 9 Abs. 2 BO  der Gemeinderat Abweichungen von der Bauordnung
  bewilligen kann. Die Bauordnung von […] geht offensichtlich davon aus, dass
  der Gemeinderat für den Erlass des Überbauungsplans zuständig ist. Indessen
  ist es unbestritten, dass im Zeitpunkt des Erlasses des Überbauungsplans
  gemäss aArt. 27 Abs. 2 RBG (in der bis am 30. Juni 2018 geltenden
  Fassung) i.V.m. aArt. 13 lit. b der Gemeindeordnung Glarus Nord vom
  10. Juni 2009 (in Kraft stehend bis am 30. Juni 2016) die
  Gemeindeversammlung dafür zuständig war. Dieser kam die alleinige
  Beschlusskompetenz über den Überbauungsplan zu. Sie war bei ihrem Entscheid
  an das Ergebnis des Einspracheverfahrens nicht gebunden und entschied
  erstinstanzlich über den Überbauungsplan (VGer-Urteil
  VG.2014.00111 vom 5. Februar 2015 E. 2.3.4, VG.2014.00103 vom
  5. Februar 2015 E. 2.4.4). Daraus erhellt, dass der Gemeinderat nur
  bei der Erarbeitung des Überbauungsplans mitwirken konnte. Ferner hatte er
  das Einspracheverfahren, welches in erster Linie der Gewährung des
  rechtlichen Gehörs dient, durchzuführen. Daneben kam ihm aber keine formelle
  Überprüfungsfunktion zu. Dieser gesetzgeberische Wille ist selbstverständlich
  auch dann zu beachten, wenn man die Gemeindeversammlung als für den Erlass
  von Überbauungsplänen überfordert erachten will. In diesem Zusammenhang ist
  aber nochmals daran zu erinnern, dass der Überbauungsplan der Genehmigung
  durch den Beschwerdegegner 3 bedurfte, welche am 20.  November 2015
  erteilt wurde, und dass gegen ihn der Rechtsmittelweg offenstand.

  
	
   

  
	
  4.3 

  
	
  4.3.1 Aus dem Überbauungsplan F.______, Situation 1:500
  wird ersichtlich, dass im Überbauungsplangebiet die sechs Mehrfamilienhäuser
  A1, A2, B1, B2, C1 und C2 erstellt werden sollen. Aufgeführt sind sodann die
  Systemschnitte, aus welchen auch für Laien ohne Weiteres erkennbar wird, dass
  die Häuser A1 bis B2 je drei Vollgeschosse und ein Attikageschoss aufweisen
  sollen, wobei das Attikageschoss nur auf zwei Seiten zurückversetzt ist. Die
  Gebäude C1 und C2 weisen demgegenüber vier Vollgeschosse und ein auf allen
  Seiten zurückversetztes Attikageschoss auf. Zwar ergibt sich aus
  Ziff. 4.9 des Planungsberichts, welcher die Abweichungen von der aktuell
  gültigen Bauordnung zum Gegenstand hat, nicht, dass die Attikageschosse der
  Häuser A1 bis B2 Art. 39 Abs. 1 BO widersprechen, da sie nur auf zwei Seiten
  anstatt wie in der Bauordnung gefordert allseitig zurückversetzt sind.
  Indessen ist dies aus den im Überbauungsplan enthaltenen Systemschnitten ohne
  Weiteres erkennbar. Ferner ergibt sich dies auch aus dem allerdings nicht
  verbindlichen Anhang zum Planungsbericht und aus dem Gipsmodell, welche beide
  der Gemeindeversammlung zur Verfügung standen.

  
	
   

  
	
  Insgesamt bestimmt der
  Überbauungsplan verbindlich, inwiefern von der zulässigen Geschosszahl gemäss
  Art. 6 BO abgewichen werden darf. Nach dem Gesagten kann daher im
  vorliegenden Verfahren, welches die Baubewilligung zum Gegenstand hat, nicht
  mehr überprüft werden, ob die Ausgestaltung der Attikageschosse der
  Bauordnung widerspricht oder nicht.

  
	
   

  
	
  4.3.2 Es rechtfertigt sich aber der Hinweis, dass die Rüge
  der Beschwerdeführer ohnehin ins Leere ginge. Unzulässig wäre es zwar, wenn
  durch eine Art. 39 BO widersprechende Definition des Attikageschosses
  die Bestimmung von Art. 9 Abs. 2 BO, wonach in der Dorfkernzone
  höchstens ein zusätzliches Vollgeschoss bewilligt werden darf, umgangen
  würde. Die streitbetroffene Parzelle liegt jedoch nicht in der Dorfkernzone.
  Im Überbauungsplanperimeter kann daher mehr als ein zusätzliches Geschoss
  durch den Überbauungsplan bewilligt werden. Folglich ist es nicht von
  Bedeutung, ob man die als Attikageschosse bezeichneten Geschosse der Häuser
  A1 bis B2 als Attikageschosse im Sinne von Art. 39 BO oder als Vollgeschosse
  erachtet. Da der Überbauungsplan auch ein weiteres Vollgeschoss erlauben
  kann, handelt es sich lediglich um eine rechtlich irrelevante Frage der
  Benennung des Geschosses. 

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Zu prüfen bleibt, ob das Bauvorhaben dem
  Überbauungsplan widerspricht. Bei den Mehrfamilienhäusern A1 bis B2 ist das
  Attikageschoss auf zwei Seiten zurückversetzt, was wie dargelegt dem
  Überbauungsplan entspricht. Allerdings wird die Zurückversetzung jeweils bei
  der nordwestlichen Fassade wegen des Treppenhauses auf einer Länge von 3,5 m
  unterbrochen. Bei den Mehrfamilienhäuser C1 und C2 ist das Attikageschoss auf
  allen Seiten zurückversetzt, was der Regelbauweise entspricht. Indessen wird
  auch hier die Zurückversetzung bei der nördlichen Fassade für das Treppenhaus
  auf einer Länge von 4,17 m unterbrochen.

  
	
   

  
	
  5.2 Die kommunale Baubehörde hat das Bauvorhaben als mit
  dem Überbauungsplan vereinbar erachtet. Im Bau- und Raumplanungsrecht kommt
  der Gemeindeautonomie eine herausragende Bedeutung zu. Gemeinden sind in
  einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht
  abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur
  Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche
  Entscheidungsfreiheit einräumt. Der geschützte Autonomiebereich kann sich auf
  die Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener kommunaler Vorschriften beziehen
  oder einen entsprechenden Spielraum bei der Anwendung kantonalen oder
  eidgenössischen Rechts betreffen. Im Einzelnen ergibt sich der Umfang der
  kommunalen Autonomie aus dem für den entsprechenden Bereich anwendbaren
  kantonalen Verfassungs- und Gesetzesrecht (BGE 136 I 265 E. 2.1, mit
  Hinweisen).

  
	
   

  
	
  Gemäss Art. 115 Abs. 2 der
  Verfassung des Kantons Glarus vom 1. Mai 1988 (KV) sind den Gemeinden in
  den Schranken von Verfassung und Gesetz ihr Bestand und das Recht, ihre
  Angelegenheiten selbständig zu regeln, gewährleistet. Sie besorgen alle
  örtlichen Angelegenheiten, für die weder der Bund noch der Kanton
  ausschliesslich zuständig sind (Art. 119 Abs. 1 KV). Die Ortsplanung ist
  gemäss Art. 15 Abs. 1 RBG Aufgabe der Gemeinde. Bei der Anwendung
  der nutzungsplanerischen Vorschriften kommt der kommunalen Baubehörde ein
  besonderer Ermessensspielraum zu, der im Rechtsmittelverfahren zu beachten
  ist. Die Autonomie der Gemeindebehörde hat aber dort ihre Grenzen, wo sich
  eine Auslegung mit dem Wortlaut sowie mit dem Sinn und Zweck der Bestimmung
  nicht mehr vereinbaren lässt (Häuptli, § 13 N. 23; vgl. zum Ganzen VGer-Urteil
  VG.2017.00075/76 vom 3. Mai 2018 E. 3.3, VG.2014.00122 vom 5. Februar
  2015 E. 2.2).

  
	
   

  
	
  5.3 Gemäss Ziff. 2.1 der Sonderbauvorschriften kommen
  einzig dem Überbauungsplan F.______ und den Sonderbauvorschriften
  verbindlicher Charakter zu. Aus diesen Unterlagen wird nicht ersichtlich,
  dass bei jedem Mehrfamilienhaus die Zurückversetzung des Attikageschosses
  jeweils bei einer Fassade unterbrochen wird. Indessen durfte die
  Beschwerdegegnerin 2 bei der Auslegung des Überbauungsplans bzw. bei der
  Prüfung, ob das Bauvorhaben mit dem Überbauungsplan vereinbar ist, die
  richtungsweisenden Unterlagen mitberücksichtigen. Dies erklärt sich dadurch,
  dass diese Unterlagen den Behörden, welche sich mit dem Überbauungsplan zu
  beschäftigen hatten, und namentlich der den Überbauungsplan erlassenden
  Gemeindeversammlung zur Verfügung standen. Sowohl im Anhang zum
  Planungsbericht als auch im Gipsmodell ist die Unterbrechung der
  Zurückversetzung problemlos zu erkennen. Damit erfolgte sowohl die
  Beschlussfassung der Gemeindeversammlung als auch beispielsweise die
  Beurteilung durch die Gestaltungskommission in Kenntnis der Durchbrechung der
  Zurückversetzung jeweils einer Fassade pro Haus. Zu erinnern ist sodann
  daran, dass es gesetzlich zumindest nicht ausgeschlossen war, im Überbauungsplan
  anstelle der Attikageschosse ein zusätzliches Vollgeschoss festzusetzen.
  Schliesslich wies die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Recht auf den
  Zweck der Vorschriften über die Attikageschosse hin, welcher darin liegt,
  dass die Baute durch die Zurückversetzung weniger wuchtig erscheint und den
  umliegenden Häusern etwas weniger Besonnung weggenommen wird, wobei sie
  zutreffend zum Schluss kam, dass die strittigen Aussparungen kaum
  Auswirkungen auf die Wuchtigkeit der Gebäude und die Besonnung haben (vgl. E.
  4.3.3.2 des angefochtenen Entscheids).

  
	
   

  
	
  Unter Berücksichtigung all
  dieser Umstände hat die Beschwerdegegnerin 2 ihr Ermessen nicht
  verletzt, indem sie das Bauvorhaben als mit dem Überbauungsplan vereinbar
  erachtete und die Baubewilligung erteilte.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der Beschwerde. 

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  Die Gerichtskosten von
  pauschal Fr. 3'000.- sind ausgangsgemäss den Beschwerdeführern
  aufzuerlegen (Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG) und mit dem von ihnen bereits in
  gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Überdies sind sie
  nach Art. 138 Abs. 1 und 2 VRG zu verpflichten, der
  Beschwerdegegnerin 1 eine Parteientschädigung von je Fr. 600.-,
  insgesamt Fr. 2'400.- (inkl. Mehrwertsteuer), zu bezahlen. Der
  Beschwerdegegnerin 2 steht mangels Vorliegens besonderer Umstände keine
  Parteientschädigung zu (vgl. Art. 138 Abs. 4 VRG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 3'000.- werden den Beschwerdeführern auferlegt und
    mit dem von ihnen bereits in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss
    verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdeführer werden verpflichtet, der Beschwerdegegnerin 1 innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids je eine
    Parteientschädigung von Fr. 600.-, insgesamt Fr. 2'400.- (inkl.
    Mehrwertsteuer), zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]