# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8b2dc90a-41e1-5a27-9687-edc7150d1554
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-03-09
**Language:** de
**Title:** Gutachten beweiskräftig, Schadenminderungspflicht, volle Arbeitsfähigkeit angestammt und angepasst. Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2016.00720
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00720.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00720
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
9. März 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch AXA-ARAG Rechtsschutz AG
Rechtsdienst Haftpflicht- und Versicherungsrecht,
lic
.
iur
.
Y.___
Affolternstrasse
42, Postfach 6944, 8050 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1961, ist seit
1.
September 2008 bei der
Z.___
, als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig (
Urk.
6/20
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7
).
Am 2
6.
Oktober 2012 meldete er sich wegen Lendenwirbelsäulen (LWS-) Degeneration, symptomatischer Polyarthrose und Arthritis bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/10).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/26-28) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
Mai 2013 (
Urk.
6/30) sowohl einen Rentenan
spruch wie auch einen Anspruch auf berufliche Massnahmen des Versicher
ten. Dagegen erhob dieser am 1
2.
Juni 2013 Beschwerde
ans hiesige Gericht
(
Urk.
6/34/3-6), worauf die IV-Stelle die Verfügung vom 2
1.
Mai
2013 pen
dente
lite
in
Wie
dererwägung
zog (
Urk.
6/35;
Urk.
6/37), um weitere Abklä
rungen zu tätigen.
Der Prozess Nr. IV.2013.00552 wurde in der Folge als gegenstandslos geworden abgeschrieben (Urk.
6
/38).
1.2
Im Rahmen der zusätzlichen Abklärungen auferlegte die IV-Stelle dem Versi
cherten eine Schadenminderungspflicht (Gewichtsreduktion;
Urk.
6/56). Mit Vorbescheid vom 2
9.
April 2014 (
Urk.
6/
58) stellte sie dem Versicherten die Verneinung des Rentenanspruchs in
Aussicht, wogegen dieser
am 2
8.
Mai 2014 Einwände erhob (
Urk.
6/62). Daraufhin veranlasste die IV-Stelle eine
bidisziplinäre
Begutachtung des Versicherten
durch
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Rheumatologie, und
Dr.
med.
B.___
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und hielt daran mit
Zwischen
ver
fügung
vom 3
0.
März 2015 (
Urk.
6/69 =
Urk.
6/70) fest.
Das Gutachten wurde am 1
8.
September 2015 erstattet (
Urk.
6/76-77).
Mit Verfügung vom 1
9.
Mai 2016 verneinte die IV-Stelle erneut einen Ren
tenanspruch des Versicherten (
Urk.
6/83 =
Urk.
2)
2.
Gegen die Verfügung vom 1
9.
Mai 2016 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 2
2.
Juni 2016 Beschwerde und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und die Ausrichtung einer halben Rente (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
Juli 2016 (
Urk.
5) beantragte die IV-Stelle die Ab
weisung der Beschwerde, was dem Versicherten am
2.
August
2016 mit
geteilt wurde (
Urk.
7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliess
lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
gebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt:
Beim Beschwerdeführer liege aus medizinischer Sicht keine Invali
dität im Sinne des Gesetzes vor. Er sei seit September 2012 in seiner ange
stammten Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in reduziertem Pensum erwerbstätig. Es sei ihm jedoch jede körperlich leichte, wechselbelastende und sitzende Tätigkeit in vollem Umfang zumutbar. Somit bestehe keine er
hebliche und langandauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Da aus medizinischer Sicht in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit keine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit ausgewiesen sei, bestehe kein Renten
anspruch (S. 1).
Die Ausbildungs-, Berufs- und Tätigkeitsanamnese sei im Gutachten mit einbezogen worden. Es könne auf das
bidisziplinäre
Gutach
ten abgestellt werden (S. 2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, er sei nach wie vor bei seinem Arbeitgeber zu 50
%
angestellt und seit 1
6.
März 2012 in unterschiedlichem Ausmass zwischen 50 und 100
%
arbeitsunfähig. Eine Steigerung der Ar
beitsfähigkeit sei bis heute nicht möglich gewesen. Auf das
bidisziplinäre
Gutachten könne aus näher ausgeführten Gründen nicht abgestellt werden, insbesondere habe
Dr.
A.___
ihre von der Meinung der behandelnden Ärzte abweichende Einschätzung zu wenig begründet und habe keine genü
gende Kenntnis seiner aktuellen Tätigkeit gehabt. Sie habe nicht beachtet, dass er unter anderem an einer schweren Spinalkanalstenose leide und des
halb nach einer Viertelstunde in der gleichen Haltung Ausstrahlungen in die Beine aufträten. Auch seien seine aktivierten Arthrosen in Hand, Schulter, Fuss und Knie nicht berücksichtigt worden. Auch wenn er eine angepasste Tätigkeit ausübe, sei sie ihm nicht in vollem Umfang zumutbar.
Dr.
A.___
habe nur eine äusserst kurze Beurteilung vorgenommen und habe keine neuen bildgebenden Untersuchungen veranlasst. Er sei lediglich zu 50
%
arbeitsfähig und habe Anspruch auf eine halbe Rente (
Urk.
1 S. 2 ff.).
3.
3.1
Prof.
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Rheumatologie, stellte mit Bericht vom 2
3.
Januar 2013 (
Urk.
6/22/5 ff.) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
Polyarthrose
-
Spinalstenose mit Schwäche in beiden Beinen
-
Zervikobrachialsyndrom
links mehr als rechts
-
metabolisches Syndrom bei Adipositas
Der Beschwerdeführer sei als wissenschaftlicher Mitarbeiter seit
1.
November 2012 zu 50
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
Die Einschränkungen liessen sich mit einer deutlichen Gewichtsreduktion vermindern (
Ziff.
1.8).
3.2
Mit Bericht vom 2
5.
Januar 2013 (
Urk.
6/23/5-6 und
Urk.
6/23/10
-13
) diagnos
tizierte
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
und Rheumatologie, ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom
zufolge dege
ne
rativer Veränderungen der Lendenwirbelsäule und verwies hinsichtlich wei
te
rer Angaben auf die vorhandenen Berichte (
Ziff.
1.1).
Die Arbeitsunfä
higkeit betrage seit 1
6.
März 2012 zwischen 100 und 50
%
(
Ziff.
1.6).
Der Beschwer
de
führer leide an chronischen
Rückenbeschwerden und es bestehe eine
Zu
sat
z
belastung
durch den langen Arbeitsweg mit Pendeln nach Bern. Die aktuelle Tätigkeit sollte bei üblichem Arbeitsweg weiterhin möglich sein (
Ziff.
1.7). Er empfehle einen Arbeitsplatzwechsel nach Zürich oder
Wochen
aufenthalt
in Bern (
Ziff.
1.11).
3.3
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Haus
arzt des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
6/10/5
Ziff.
6.5), stellte mit Bericht vom 2
7.
Januar 2013 (
Urk.
6/21) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
morbide Adipositas
-
schwere degenerative LWS-Erkrankung mit degenerativer
Spinal
kanal
s
tenosierung
-
rezidivierendes
lumbovertebrales
/
lumbospondylogenes
und anamnes
tisch
radikuläres
Syndrom
-
Polyarthrosen, Gonarthrose beidseits, Fingergelenksarthrosen
-
obstruktives Schlafapnoesyndrom
-
Angst-/Paniksyndrom, Insomnie
Ohne massive Gewichtsreduktion sei die Prognose ungünstig und unter an
derem auch abhängig von einer begleitenden psychiatrischen Therapie (Ziff
.
1.4).
In der angestammten Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter sei
d
er
Be
schwerdeführer
vom 1
1.
Juni bis 3
1.
Oktober 2012 zu 100
%
und ab
1.
Novem
ber 2012 zu 50
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit sei noch zu 50 bis 70
%
zumutbar (
Ziff.
1.7).
Am
5.
Dezember 2013 berichtete
Dr.
D.___
erneut (
Urk.
6/45) und wieder
holte die bereits gestellten Diagnosen (
Ziff.
1.1). Es sei seit seinem letzten Bericht keine eigentliche Betreuung des Patienten mehr erfolgt (
Ziff.
1.4). Eine Gewichtsreduktion sei weiterhin empfohlen (
Ziff.
1.5).
3.4
Prof.
C.___
diagnostizierte mit Bericht vom
9.
Dezember 201
3
(
Urk.
6/46/6) eine Polyarthrose, ein panvertebrales Syndrom mit Spinalkanalstenose zervi
kal und lumbal, ein metabolisches Syndrom mit
Hyperurikämie
sowie eine reaktive depressive Verstimmung und hielt fest, dass sich der Patient in am
bu
lanter psychiatrischer Behandlung befinde und Physio- sowie
Heimthera
pie
erhalte. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter sei er zu 50
%
arbeitsfähig.
3.5
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte
mit Bericht vom 2
7.
Dezember
2013 (
Urk.
6/47) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1
):
-
Status nach chronischer Schlaflosigkeit wegen Existenzsorgen und Zu
kunftsängsten
-
Status nach Rezidiv von Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Status nach Rezidiv von Anpassungsstörung, Angst und Depression ge
mischt (ICD-10 F43.22) bei
-
chronischen Rückenschmerzen wegen Spinalkanalverengung C1-S1, degenerativen Veränderungen der LWS sowie Polyarthritis
Diese Diagnosen bestünden seit 201
2.
Die psychische Problematik sei sekun
där und bestehe in Reaktion auf Existenzsorgen wegen der somatisch be
dingten Arbeitsunfähigkeit. Sobald eine rückenangepasste Tätigkeit
gefun
den
,
der Prozentsatz der Arbeitsunfähigkeit
festgelegt
und die
Versiche
rungs
fragen
gelöst seien, bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit mehr (
Ziff.
1.4). Seit
7.
August
2013 sei die Situa
tion ohne Medikamente stabil. Die psychotherapeutische Begleitung sei während der Rentenprüfung notwendig. Danach erfolge sie zur
Gewichtsre
duktion
von 60 bis 70 kg (
Ziff.
1.5). Aus somatischen Gründen sei die Ar
beitsfähigkeit auf 50
%
reduziert. Aktuell sei der Beschwerdeführer in psy
chischer Hinsicht symptomfrei und zu 100
%
arbeitsfähig (
Ziff.
1.6-1.7).
3.6
Dr.
A.___
stellte nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anam
nese und Durchführung eigener
sowie Veranlassung bildgebender
Untersu
chungen in ihrem Gutachten vom
5.
September 2015 (
Urk.
6/76) folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S.
49):
-
verminderte Belastbarkeit und intermittierende Beschwerden der
Hals
wirbelsäule
(HWS) bei
-
degenerativen Veränderungen mit mehreren
Diskusprotrusionen
und -hernien C3 bis Th1 und Spinalkanalstenosen vor allem C3/C4 sowie Verdacht auf Nervenwurzelkompressionen vor allem der Nervenwurzeln C5 rechts sowie C4, C6 und C7 links
foraminal
-
aktuell beschwerdefrei
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der LWS bei
-
kongenitaler leichter linkskonvexer Skoliose mit Scheitelpunkt bei L1/L2
-
schweren hypertrophen
Spondylarthrosen
L5/S1
-
mässiger degenerativer
Osteochondrose
L2/L3 mit mässiger zentra
ler Spinalkanalstenose L2/L3 und L3/L4
-
mässiger zentraler und
recessaler
Stenose L4/L5 links mit mögli
cher Kompression der Nervenwurzel L5 links im
Recessus
-
bildgebend seit Jahren im Wesentlichen
unverändert, sogar vollstän
dige
Regredienz
eines im Juni 2012 sichtbaren
Knochen
marködems
bei Th12
/L1
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden beider Knie bei
-
rechts mässiger medialer und lateraler Gonarthrose mit ausgepräg
ter Retropatellararthrose
-
links Status nach Meniskus-Operation 1986 und fortgeschrittener la
teraler
Varusgonarthrose
und ausgeprägter Retropatellararthrose
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 49):
-
Adipositas Grad III (BMI 46.0 kg/m2)
-
Raumforderung im
3.
Ventrikel des Hirns (Erstdiagnose Februar 2013)
-
ohne fokale neurologische Ausfälle
-
bildgebend seit Jahren unverändert
Der normale Gang sei unauffällig wie auch der Zehen- und der Fersengang. Die Beweglichkeit der LWS sei in allen Richtungen leicht eingeschränkt. Die BWS und die LWS seien normal beweglich.
Radikuläre
Zeichen seien nicht vorhanden. Die Kraft der Hände sei beidseits gut. Trotz der Adipositas bestehe eine Muskelmasse von 46
%
; eine lang andauernde körperliche Schonung könne daraus nicht abgeleitet werden. Die 2015 festgestellten
Knie
arthrosen
hätten Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Hinsichtlich der LWS seien die bildgebenden Befunde im Wesentlichen unverändert, hätten jedoch Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Zusam
men
fas
send sei ihm eine angepasste sitzende Tätigkeit zu 100
%
zumutbar. Er be
nötige jedoch pro
Halbtag
eine halbe Stunde zusätzlicher Pausen, um sich zu lockern (S. 50 f.).
Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er an fünf Tagen pro Woche von 6:15 Uhr bis 10:40 Uhr in Bern arbeite. Für die Strecke von seinem Wohnort nach Bern benötige er mit dem Auto 70 Minuten (S. 5). Er
sei damit in der Lage, in dieser Zeit ruhig zu sitzen. Seine Fähigkeit zu sitzen sei damit of
fen
sichtlich normal. Soweit er berichte, nur 100 bis 200 Meter laufen zu
können, so liesse sich dies aus den erhobenen Befunden nicht ableiten (S. 51
).
Die angestammte Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter sei angepasst und zu 100
%
, mit einer zusätzlichen halben Stunde Pause pro
Halbtag
, zu
mutbar, was auch rückwirkend gelte. Notwendig sei eine
Tätigkeit, die HWS-, LWS- und k
nieschonend
sei
. Dabei könne der Beschwerdeführer Lasten bis 10 kg Gewicht tragen (S. 54). Es sei eine Normalisierung des Gewichts not
wen
dig, da Übergewicht die Belastung auf die Gelenke erhöhe und da
durch ver
mehrt S
chmerzen
auslöse
(S. 55 oben).
3.7
Dr.
med.
B.___
erstattete sein Gutachten vom 1
8.
September
2015 (
Urk.
6/77
) nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchfüh
rung eigener Untersuchungen
und
stellte keine Diagnose mit Au
s
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgenden Diagnosen (S. 8):
-
Zustand nach Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22)
-
anamnestisch Zustand nach Panikstörung (ICD-10 F41.0)
Der Beschwerdeführer
sei aus psychiatrischer Sicht zu 100
%
arbeitsfähig und sei nie über längere Zeit arbeitsunfähig gewesen (S.
9 unten). Unter konse
quenter Weiterführung der bereits etablierten Gesprächspsychotherapie und medikamentöser Therapie nach Bedarf sei von der Erhaltung einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. (S. 10 oben).
Der Beschwerdeführer
selbst fühle sich psychisch nicht eingeschränkt (S. 11 oben).
3.8
Die interdisziplinäre Beurteilung ergab volle Arbeitsfähigkeit in der bisheri
gen angestammten Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter, welche ange
passt sei (
Urk.
6/77/12).
3.9
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, Regio
naler Ärztlicher Dienst (RAD), führte am
5.
Oktober 2015 (
Urk.
6/81/4) aus, dass auf das
bidisziplinäre
Gutachten abgestellt werden könne, und nannte folgendes Belastungsprofil: Wechselbelastend körperlich leicht bis 10 kg
Ge
wichtsbelastung
unter Meidung monotoner und oder repetitiver
Fehl
hal
tung
en
des Rumpfes oder der Kniegelenke, Meidung häufiger
Überkopfar
beiten
,
Meidung dauerhafter schlagend stossender vibrierender
Krafteinwir
kungen
, Meidung feuchtkalter und zugiger Arbeitsumgebung
.
4.
4.1
Das Gutachten von
Dr.
A.___
und
Dr.
B.___
erging unter Berücksichti
gung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung eigener Unter
suchungen. Die geschilderten Beschwerden wurden gebührend berücksichtigt.
Dr.
A.___
veranlasste ausserdem ak
tuelle bildgebende U
ntersuchungen (vgl. S. 38 f.
des Gutachtens
). Das Gutachten gibt aus
bidisziplinärer
Sicht schlüssig Auskunft über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und entspricht somit grundsätzlich den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E.
1.4). Die Gutachterin und der Gutachter kamen zum Schluss,
dass dem Beschwerdeführer aus somatischen Gründen eine behinderungsangepasste sitzende Tätigkeit wie die angestammte als wissen
schaftlicher M
itarbeiter zu 100
%
zumutbar ist
, wobei
er
zusätzlich pro
Halbtag
eine halbe Stunde Pause zur Lockerung
be
nötig
e
. Aus psychi
a
tri
scher Sicht besteht
keine Einschränkung. Dies entspricht der Beurteilung durch den behandelnden Psychiater (vgl. vorstehend E.
3.5), und
auch
der Beschwerde
führer
selbst erachtete sich psych
isch nicht als eingeschränkt (vgl. vorstehend E. 3.7-3.8). RAD-Arzt
Dr.
G.___
präzisierte das zumutbare
Belastungs
profil
dahingehend, dass dem Beschwerdeführer wechselbelastende
körperlich leichte Tätigkeiten unter Meidung monotoner oder repetitiver
Fehl
haltungen
des Rumpfes oder der Kniegelenke, ohne häufige
Überkopf
ar
bei
ten
, dauernde schlagend stossende vibrierende Krafteinwirkungen und ohne feuchtkalte und zugige Arbeitsumgebung möglich seien
(vgl. vorstehend E.
3.9)
. Die aktuelle Tätigkeit als wis
senschaftlicher Mitarbeiter entspricht diesem Belastungsprofil.
4.2
Demgegenüber
erscheinen die Berichte der behandelnden Ärzte
als
weniger
überzeugend
. Dies insbesond
e
re, da sie nicht inter-, sondern monodisziplinär sind. Im Einzelnen bestehen folgende Gründe für Zweifel an der Einschät
zung durch die behandelnden Ärzte: Prof.
C.___
(vorstehend E. 3.1)
begrün
dete nicht, warum der Beschwerdeführer lediglich zu 50
%
arbeitsfähig sei (vgl. vorstehend E.
3.1, E.
3.4), ebenso
Dr.
D.___
, der auch von voller Ar
beits
unfähigkeit ausging, ohne dies genau zu begründen (vorstehend E. 3.2). Auch
Dr.
D.___
erläuterte nicht, weshalb lediglich eine 50%ige Arbeitsfähig
keit bestehen soll
(vorstehend E.
3.3).
Prof.
C.___
und
Dr.
D.___
wiesen jedoch darauf hin, dass eine deutliche Gewichtsreduktion die
gesundheitlichen Be
einträchtigungen verringern könnte. Dies
e Massnahme ist zumutbar
und
versicherungsmedizinisch in die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit
mit einzu
beziehen, denn i
m Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmög
lich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der
Selbst
eingliederung
ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E.
4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; ZAK 1989 S.
214 E.
1c). Als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbsteingliederung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Eingliederungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
Für die Beantwortung der Frage nach der Zu
mutbarkeit der Behandlung oder Eingliederungsmassnahme im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG kann auf die zu Art. 31
Abs.
1 IVG in der bis 3
1.
Dezem
ber 2002 gültig gewesenen Fassung ergangene Rechtsprechung verwiesen werden, da sich diesbezüglich mit dem neuen Recht nichts geän
dert hat (vgl. auch SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1, I 744/06; Urteile des Bundesgerichts I 1068/06 vom 3
1.
August 2007 E.
2.2 und I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1.1). Danach sind die gesamten persönlichen Verhältnisse, namentlich die berufliche und soziale Stellung der versicherten Person, zu berücksichtigen. Massgebend ist aber das objektiv Zumutbare, nicht die sub
jektive Wertung des Versicherten (ZAK 1982 S. 495, E. 3; Urteil des Bundes
gerichts I 105/93 vom 11. März 1994 E. 2a; Meyer-Blaser, Zum
Verhältnis
mässigkeitsgrundsatz
im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 189). Die gesetzliche Vorgabe, wonach Massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, nicht zumutbar sind, bedeutet nicht, dass eine Vorkehr, die keine solche Gefahr darstellt, automatisch zumutbar ist (ZAK
1985 S. 326, E.
1;
Kieser
, a.a.O., N 60 zu Art. 21; Meyer-Blaser, a.a.O., S. 138
f.)
; sie weist aber doch darauf hin, dass nur Gründe von einer ge
wissen Schwere zur Unzumutbarkeit führen. Die Zumutbarkeit ist sodann in Relation einerseits zur Tragweite der
Massnahme, andererseits zur Bedeutung der in Frage stehenden Leistung zu beurteilen. Insbesondere bei medizi
ni
schen Massnahmen, die einen starken Eingriff in die persönliche Integrität der ver
sicherten Person darstellen können, ist an die Zumutbarkeit kein strenger Massstab anzulegen (ZAK 1985 S. 325 f., E. 1). Umgekehrt ist die Zumutbar
keit eher zu bejahen, wenn die fragliche Massnahme unbedenklich ist (RKUV 1995 Nr. U 213 S. 68 f., E. 2b). Sodann sind die Anforderungen an die
Scha
denminderungspflicht
dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruch
nah
me der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst (BGE 113 V 22 E. 4d.; SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_128/2007 vom 14. Januar 2008 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.3
Zusammenfassend ist somit gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
A.___
und
Dr.
B.___
von voller Arbeitsfähigkeit in der angestamm
ten Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter, welche gleichzeitig auch
be
hinde
rungs
an
gepasst
ist, auszugehen.
Bei voller Arbeitsfähigkeit in der an
gestammten Tätig
keit besteht ohne weiteres kein Rentenanspruch; dieser Grundsatz gilt für alle versicherten Personen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_786/2013 vom 1
4.
Januar
20
14 E.
4.2).
Zudem vermag der Beschwerde
führer
gemäss eige
nen Angaben an fünf Tagen pro Woche
für die Strecke von seinem Wohnort bis zum Arbeitsort
je
70 Minuten mit dem Auto zu fahren (vgl. S.
5 des Gutachtens),
von 6 Uhr 15 bis
10
Uhr 40
zu
arbeite
n
und danach wieder nach Hause zu f
ahren. Nebst dem Umstand, dass er somit 70 Minuten am Stück ruhig sitzen
und sich konzentrieren
kann, bedeutet dies,
dass
er
rund
22 Wochenstunden Arbeits- und
rund
12 Wochenstunden Fahrzeit absolviert, was mit insgesamt 34 Wochenstunden einem Pensum von 80
%
entspricht. Auch angesichts dieser tatsächlichen
genutzten Fähig
keiten
ist
der gutachter
lichen Beurteilung zu folgen
.
Der angefochtene Entscheid erweist sich als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gan
g des Verfahrens sind sie dem
unterliegenden Beschwerdeführer auf
zuerle
gen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
AXA-ARAG Rechtsschutz AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesge
richt Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannLienhard