# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a90a20b4-7ab3-5e1b-9677-80aca7e725b4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.06.2024 E-3665/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3665-2018_2024-06-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3665/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  J u n i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Lorenz Noli (Vorsitz), 

Richter Grégory Sauder,  

Richterin Esther Marti,    

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

eigenen Angaben zufolge China (Volksrepublik),   

vertreten durch lic. iur. Thomas Grossen, Rechtsanwalt,  

advokaturbüro kernstrasse,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 22. Mai 2018 / N (…). 

 

 

 

E-3665/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 14. November 2013 in der Schweiz um 

Asyl nach.  

B.  

B.a Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 27. November 2013 

und der Anhörung vom 31. Juli 2014 machte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen Folgendes geltend: 

Er sei ethnischer Tibeter und stamme aus B._______, Gemeinde 

B._______, Kreis C._______ in D._______. Gewohnt habe er stets in 

B._______ – ab dem elften Lebensjahr im (…)-Kloster E._______. Dort sei 

er in der Funktion eines (…) für (…) verantwortlich gewesen. Sein Heimat-

land habe er am (…) 2013 verlassen, nachdem er in Konflikt mit den chi-

nesischen Behörden geraten sei. Die Chinesen hätten im Kloster 

E._______, aber auch in den um B._______ liegenden Dörfern, neue Be-

amte eingesetzt um im Kloster neue Unterrichtsrichtungen einzuführen. Im 

Kloster hätten sie am (…) 2013 eine Versammlung abgehalten, um darüber 

zu diskutieren. Niemand der Anwesenden sei damit einverstanden gewe-

sen. Anlässlich dieser Versammlung habe er eine kurze Rede gehalten be-

ziehungsweise sich gegen diese neuen Unterrichtsrichtungen ausgespro-

chen. Noch am gleichen Abend habe er die chinesischen Polizisten im Be-

zirkshauptort aufgesucht und ihnen gesagt, er sei mit den Änderungen 

nicht einverstanden. Diese hätten ihm gesagt, sie würden mit den anderen 

«Legye» darüber sprechen und er solle zurück gehen. Am (…) 2013 habe 

sein Kollege namens F._______ ihm erzählt, dass die Polizei nach ihm su-

che und die Chinesen gesagt hätten, er sei ein Separatist und man würde 

ihn ins Gefängnis bringen. Dies habe der Kollege erfahren, als er ein Ge-

spräch chinesischer Polizisten mitgehört habe. Deshalb habe er (der Be-

schwerdeführer) Angst bekommen. Er sei nach Hause zu seinen Eltern ge-

gangen und habe ihnen davon erzählt. Seine Mutter habe ihm zur Ausreise 

geraten. Dies habe er sodann mit seinem Bruder besprochen, welcher da-

raufhin alles in die Wege geleitet habe. Am Folgetag habe er B._______ 

verlassen und sei über G._______ und H._______ nach I._______ gefah-

ren. Von dort sei er gleichentags illegal über die Grenze nach Nepal ge-

langt, wo er vier Monate geblieben sei.  

E-3665/2018 

Seite 3 

Am (…) 2013 sei er über zwei ihm unbekannte Länder in ein ihm unbe-

kanntes Zielland geflogen, wo er übernachtet habe. Von dort aus sei er 

dann am 13. November 2013 mit einem Bus und einem Auto in die Schweiz 

gefahren worden, wo er am 14. November 2013 angekommen sei. 

B.b Der Beschwerdeführer reichte keinerlei Reise- respektive Identitätsdo-

kumente zu den Akten.  

C.  

Mit Schreiben vom 12. Januar 2016 forderte die Vorinstanz den Beschwer-

deführer auf, zu verschiedenen Ungereimtheiten in seinen Aussagen Stel-

lung zu nehmen. Dies tat der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 18. Ja-

nuar 2016. 

D.  

Mit Verfügung vom 28. Januar 2016 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleich-

zeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug 

an, wobei der Vollzug nach China ausgeschlossen wurde. 

E.  

E.a Mit Urteil E-960/2016 vom 21. September 2017 hiess das Bundesver-

waltungsgericht eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde gut, 

hob die angefochtene Verfügung auf und wies den Fall zur vollständigen 

Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück.  

E.b Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens E-960/2016 reichte der Be-

schwerdeführer einen nicht übersetzten Brief (angeblich von seiner 

Schwester respektive Cousine aus Tibet; nachfolgend: Schwester), die an-

gebliche Telefonnummer seiner Schwester sowie zwei Fotos von sich ein. 

II. 

F.  

F.a Am 26. September 2017 beauftragte die Vorinstanz die amtsinterne 

Fachstelle LINGUA mit der Einholung einer Herkunftsabklärung. 

F.b Am 1. Februar 2018 wurde zum Zwecke der Herkunfts- und Sprachab-

klärung ein telefonisches Interview mit dem Beschwerdeführer durchge-

führt. Auf der Grundlage der Aufzeichnung dieses Interviews erstellte eine 

sprach- und länderkundige Person (mit dem Kürzel «AS19») die Herkunfts-

analyse vom 12. März 2018 (nachfolgend: LINGUA-Analyse). Die 

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Seite 4 

sachverständige Person kam zum Schluss, dass die Sozialisation des Be-

schwerdeführers sehr wahrscheinlich nicht am von ihm geltend gemachten 

Herkunftsort, sondern sehr wahrscheinlich in der exiltibetischen Gemein-

schaft ausserhalb der Volksrepublik China stattgefunden habe.  

G.  

Am 2. Mai 2018 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer im Rahmen 

einer Befragung das rechtliche Gehör zum Ergebnis der LINGUA-Analyse. 

Gleichzeitig informierte es ihn mündlich und schriftlich über den Werde-

gang und die Qualifikation der sachverständigen Person «AS19». Hierbei 

beharrte der Beschwerdeführer – konfrontiert mit seinen Aussagen anläss-

lich des LINGUA-Interviews – auf der Richtigkeit seiner Aussagen und 

machte im Wesentlichen geltend, dass er diese so nicht gemacht habe und 

dass die ihn befragende Person ganz andere Sachen gefragt habe als die-

jenigen, die im Gutachten stünden. Zudem habe er anlässlich des Inter-

views die Religionssprache verwendet – dies sei auch eine Höflichkeits-

form, welche in J._______ gesprochen werde. Da er im Kloster gelebt 

habe, in dem auch Mönche aus anderen Regionen gelebt hätten, könne es 

sein, dass er deren Dialekt angenommen habe. Er selber spreche aber den 

Dialekt von D._______. Ausserdem habe ihm die befragende Person nicht 

gesagt, er solle seinen Heimatdialekt sprechen.  

Die Vorinstanz wies den Beschwerdeführer darauf hin, dass er sich bei Be-

darf die Aufzeichnung des LINGUA-Interviews anhören könne. 

H.  

Mit Verfügung vom 22. Mai 2018 – eröffnet am 24. Mai 2018 – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte 

sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete den Vollzug an. 

I.  

I.a Mit Eingabe vom 25. Juni 2018 an das Bundesverwaltungsgericht erhob 

der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. Mai 

2018 und beantragte deren Aufhebung, die Anerkennung als Flüchtling und 

die Gewährung von Asyl, eventualiter die Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und subeventualiter 

die Gewährung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht bean-

tragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und die Beiord-

nung seines Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand.  

E-3665/2018 

Seite 5 

I.b Als Beweismittel lagen der Beschwerde ein Empfehlungsschreiben ei-

ner Drittperson betreffend den Beschwerdeführer vom (…) Mai 2018, ein 

Auszug aus dem Geburtsregister vom (…) Mai 2018 betreffend das ge-

meinsame und am (…) geborene Kind des Beschwerdeführers und seiner 

Partnerin (N […]; vgl. Beschwerdeverfahren E-5503/2019) sowie eine Er-

klärung über die gemeinsame elterliche Sorge vom (…) Mai 2018 bei. 

J.  

Mit Verfügung vom 26. Juni 2018 bestätigte die vormals zuständige Instruk-

tionsrichterin dem Beschwerdeführer den Eingang seiner Beschwerde und 

stellte seinen einstweiligen legalen Aufenthalt in der Schweiz fest. 

K.  

K.a Nachdem der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 19. Juni 2018 an 

die Vorinstanz um Einsicht in die Aufzeichnung des LINGUA-Interviews er-

sucht hatte, gewährte ihm die Vorinstanz am 10. Juli 2018 die Möglichkeit, 

sich das LINGUA-Interview in den Räumlichkeiten des SEM anzuhören. 

K.b Mit Schreiben vom 27. Juni 2018 (vorab am 25. Juni 2018 per Fax) 

ersuchte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz um Einsicht in die vor-

instanzlichen Akten A44 (Werdegang und Qualifikation der sachverständi-

gen Person), A45 (LINGUA-Auftrag zur Herkunftsabklärung), A46 (LIN-

GUA-Analyse), A47 (Vorladung LINGUA mit Faxbestätigung) sowie den 

Brief seiner Schwester. 

K.c Mit Verfügung vom 27. Juni 2018 gewährte die Vorinstanz dem Be-

schwerdeführer Einsicht in die Akten A44 und A47, verweigerte jedoch die 

Einsicht in die Akten A45 und A46 – es handle sich dabei um interne Akten 

(A45) respektive um Akten, welche aufgrund wesentlicher öffentlicher oder 

privater Interessen der Geheimhaltung unterlägen (A46). Der Brief seiner 

Schwester sei auf Beschwerdeebene beim Bundesverwaltungsgericht ein-

gereicht und in dessen Dossier abgelegt worden, weshalb er sich für die 

Einsicht in diesen Brief an das Bundesverwaltungsgericht zu wenden habe.  

L.  

Mit Eingabe vom 4. Juli 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwer-

deergänzung ein. Darin machte er im Wesentlichen Ausführungen zu sei-

ner finanziellen Situation und äusserte sich kritisch zum Werdegang und 

der Qualifikation der sachverständigen Person «AS19» sowie der vom 

SEM verweigerten Einsicht in die Akten A45 und A46. Darüber hinaus 

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Seite 6 

ersuchte er das Gericht um Einsicht in den von seiner Schwester einge-

reichten Brief (inkl. Umschlag). 

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer sieben Dokumente betref-

fend seine finanzielle Situation, das Akteneinsichtsgesuch an das SEM 

vom 25. Juni 2018 sowie das Begleitschreiben des SEM zur Gewährung 

der Akteneinsicht vom 27. Juni 2018 zu den Akten. 

M.  

Mit Eingabe vom 24. Juli 2018 (vorab per Fax) reichte der Beschwerdefüh-

rer weitere Beweismittel betreffend seine finanzielle Situation ein. 

N.  

Mit Verfügung vom 22. August 2018 wies das Bundesverwaltungsgericht 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt-

lichen Verbeiständung mangels prozessualer Bedürftigkeit des Beschwer-

deführers ab und forderte ihn auf, einen Kostenvorschuss zu leisten.  

Der Kostenvorschuss wurde in der Folge fristgerecht bezahlt. 

O.  

Mit Eingabe vom 28. Februar 2019 (vorab per Fax) äusserte sich der Be-

schwerdeführer zu seiner aktuellen finanziellen Situation und machte gel-

tend, prozessual bedürftig zu sein. Als Beweismittel reichte er eine Verfü-

gung des Sozialamtes des Kantons K._______ vom (…) Januar 2019 in-

klusive dazugehörige Budgetberechnung ein.  

P.  

Mit Zwischenverfügung vom 5. März 2019 hiess das Bundesverwaltungs-

gericht die Gesuche des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung und amtlichen Verbeiständung mit Wirkung ex nunc 

gut und setzte den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbei-

stand des Beschwerdeführers ein. 

Q.  

Mit Eingabe vom 6. März 2019 (vorab per Fax) reichte der Rechtsvertreter 

eine aktualisierte Honorarnote ein. 

R.  

Mit Zwischenverfügung vom 26. April 2019 wies das Bundesverwaltungs-

gericht den Beschwerdeführer auf den Übergang der Verfahrensleitung auf 

den unterzeichnenden vorsitzenden Richter hin, stellte ihm Kopien des von 

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Seite 7 

ihm im Beschwerdeverfahren E-960/2016 eingereichten Briefs seiner 

Schwester (inkl. Briefumschlag und Frachtbrief) zur Einsichtnahme zu und 

forderte ihn auf, innert Frist den Sachverhalt im Sinne der Erwägungen gut-

scheinend zu ergänzen und sämtliche Parteibehauptungen mit geeigneten 

Beweismitteln zu belegen, andernfalls aufgrund der Akten entschieden 

werde.  

S.  

Mit Eingabe vom 13. Mai 2019 nahm der Beschwerdeführer Bezug auf den 

Brief seiner Schwester und reichte eine englische sowie deutsche Über-

setzung des Briefes, eine Übersetzung des «EMS Waybill» sowie eine ak-

tualisierte Honorarnote ein. 

T.  

Mit Schreiben vom (…) August 2020 wies das Amt für Migration des Kan-

tons K._______ das Bundesverwaltungsgericht darauf hin, dass bei der 

Behörde am 18. August 2020 für «das Ehepaar» (gemeint: der Beschwer-

deführer und seine Partnerin) und das gemeinsame Kind ein Gesuch um 

Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG einge-

gangen sei. Weiter führte es aus, dass nach einer ersten Durchsicht des 

Gesuchs gestützt auf die fortschrittliche Integration ein schwerwiegender 

persönlicher Härtefall nicht ausgeschlossen erscheine und sie das Gesuch 

vertieft prüfen würden. Deshalb werde das Gericht gebeten, mit dem Aus-

gang des hängigen Beschwerdeverfahrens zuzuwarten, bis um das Ge-

such um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung entschieden worden sei. 

U.  

Mit Eingabe vom 2. März 2021 ergänzte der Beschwerdeführer seine Be-

schwerde hinsichtlich der Kritik an «AS19» und reichte hierzu als Beweis-

mittel einen im Rahmen eines anderen Asylverfahrens erstellten Bericht 

von vier Tibetologen vom 29. September 2020 inklusive Anhang sowie ei-

nen Artikel der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 24. Oktober 2020 ein 

(jeweils in Kopie).  

V.  

Eine Verfahrensstandsanfrage des Beschwerdeführers vom 4. März 2022 

beantwortete der Instruktionsrichter mit Schreiben vom 10. März 2022. 

W.  

Mit Schreiben vom (…) November 2022 gelangte das Amt für Migration des 

Kantons K._______ an das Gericht und wies darin im Wesentlichen auf die 

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Seite 8 

weit fortgeschrittene respektive vollständige Integration des Beschwerde-

führers und seiner Partnerin in der Schweiz hin, weshalb es eine allfällige 

Wegweisung als unzumutbar erachte. Dem Schreiben lag eine Kopie eines 

Schreibens der Vorinstanz an den Rechtsvertreter vom 25. November 2020 

bei, in welchem sie darauf hinwies, dass bei derzeitigem Aktenstand die 

Zustimmung zum Härtefallgesuch schon mangels offengelegter Identität 

verweigert werden müsste. Die Vorinstanz führte darin weiter aus, dass 

das Härtefallverfahren vorerst «pendent» gehalten und abhängig vom Aus-

gang des Asylverfahrens weiterzuführen und abschliessend zu prüfen sein 

werde.  

X.  

X.a Mit Verfügung vom 28. November 2023 lud das Gericht die Vorinstanz 

zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.  

X.b In ihrer Vernehmlassung vom 18. Dezember 2023 hielt die Vorinstanz 

im Wesentlichen fest, die Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen 

Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes 

rechtfertigen könnten. Im Weiteren äusserte sie sich ausführlich zur Kritik 

an «AS19» und verwies im Übrigen auf ihre Erwägungen im Asylentscheid 

vom 22. Mai 2018, an denen sie vollumfänglich festhielt. 

X.c Die Vernehmlassung der Vorinstanz wurde dem Beschwerdeführer am 

10. Januar 2024 zur Stellungnahme zugestellt, welche am 23. Januar 2024 

einging. In seiner Replik bekräftigte der Beschwerdeführer im Wesentli-

chen seine Kritik an «AS19» und verwies hinsichtlich des Vollzugs der 

Wegweisung auf die Einschätzung des kantonalen Migrationsamtes, wo-

nach dieser infolge der vollständigen Integration unzumutbar sei. 

Y.  

Y.a Mit Zwischenverfügung vom 20. März 2024 gab das Bundesverwal-

tungsgericht dem Beschwerdeführer Gelegenheit, sich innert Frist zu einer 

weiter bestehenden Prozessarmut zu äussern und geeignete Beweismittel 

einzureichen. 

Y.b Mit Eingabe vom 18. April 2024 äusserte sich der Beschwerdeführer 

nach gewährter Fristerstreckung zu seiner aktuellen finanziellen Situation 

und reichte als Beweismittel eine Lohnabrechnung vom (…) April 2024, ei-

nen Mietvertrag vom (…) Dezember 2020, eine Unterhaltsabrechnung vom 

(…) Februar 2024, ein Sozialhilfebudget vom (…) Februar 2024 sowie ei-

nen Kontoauszug (jeweils in Kopie) zu den Akten.  

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Seite 9 

Y.c Mit Eingabe vom 24. April 2024 reichte der Beschwerdeführer eine ak-

tuelle Honorarnote seines Rechtsvertreters ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft 

getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bis zu die-

sem Zeitpunkt gültige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur 

Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

 

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Seite 10 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1  

4.1.1 Den angefochtenen Entscheid begründete die Vorinstanz in der 

Hauptsache mit der fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be-

schwerdeführers, insbesondere hinsichtlich seiner Herkunft aus der Volks-

republik China. Aufgrund seiner mangelnden Chinesischkenntnisse, seiner 

Aussagen an der BzP zu seiner Papierlosigkeit und aufgrund der unsub-

stanziierten Angaben zu seiner Heimatregion im Rahmen der Anhörung 

seien grosse Zweifel an der angegebenen Herkunft aufgekommen, wes-

halb eine LINGUA-Analyse durchgeführt worden sei. Die sachverständige 

Person sei dabei zum Schluss gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit, 

dass der Beschwerdeführer in dem von ihm behaupteten geographischen 

Raum gelebt habe, gering sei.  

4.1.2 So seien die Angaben des Beschwerdeführers zur (…) seines angeb-

lichen Herkunftsortes beziehungsweise über die dortigen (…) falsch gewe-

sen. Die sachverständige Person habe insbesondere seine Bezeichnung 

für D._______ («[…]») verwundert, welche als «(…)» übersetzt werden 

könne und in keinem innertibetischen Dialekt gebräuchlich sei. Auch habe 

er keine weitere Bezeichnung für die (…) von D._______ nennen können. 

Hätte er tatsächlich während dreissig Jahren in der Region gelebt, müssten 

ihm sowohl die korrekte tibetische, wie auch die chinesische Bezeichnung 

E-3665/2018 

Seite 11 

geläufig sein. Seine Rechtfertigung, er sei Mönch gewesen und wisse des-

halb nicht über solche Sachen Bescheid, sei als Ausflucht zu werten. Auch 

seine Angaben zu (…) seien grösstenteils falsch gewesen. Im Rahmen des 

rechtlichen Gehörs habe er das korrekte (…) ebenfalls nicht nennen kön-

nen. Erst als ihm gesagt worden sei, bei welchem Dorf es sich tatsächlich 

um (…) von D._______ handle, habe er dies bestätigt. Weiter habe er bei 

der Frage zu (…) zwischen B._______ und (…) diese nicht zuordnen kön-

nen und gesagt, nie von diesen Orten gehört zu haben respektive, dass 

das eine (…) nicht existiere, was unzutreffend sei. Seine Rechtfertigung, 

er habe im Kloster nur Sachen über B._______ lernen müssen, weshalb er 

nicht wisse, was (…) sei, sei realitätsfremd. Er habe sodann zwar die (…) 

zwischen B._______ und (…) korrekt angegeben, was sein fehlendes Wis-

sen aber nicht aufwiegen könne. Seine Aussage, wonach es im Kreis 

C._______ ausser B._______ keine weiteren Gemeinden gebe, sei eben-

falls nicht korrekt. Auch die (…) von B._______ habe er nicht korrekt nen-

nen respektive einen von der befragenden Person selbst genannten (…) 

von B._______ nicht zuordnen können. Eine wunderliche Antwort habe er 

auch auf die Frage nach dem Namen des Klosters gegeben, in welchem 

er als Mönch angeblich gelebt habe; er habe gesagt, dieses heisse 

E._______. Das Wort (…) sei jedoch überflüssig, da E._______ bereits ein 

Kloster bezeichne. Hätte er rund 20 Jahre in besagtem Kloster gelebt, hätte 

er sicherlich den korrekten Namen gekannt. Weiter habe er zwar korrekt 

angegeben, dass es in der Umgebung von B._______ keine (…) gebe. Auf 

Nachfrage habe er zwei weitere (…) in der Region angeben können. Dass 

er jedoch nicht habe angeben können, wo sich ein über die Region hinaus 

bekanntes (…) (L._______) befinde, welches zudem der gleichen Tradition 

angehöre wie das E._______, habe die sachverständige Person verwun-

dert. Noch verwunderlicher sei aber, dass er zwei unbedeutende Namen 

genannt habe, als er nach den (…) des L._______ gefragt worden sei. 

Wäre er tatsächlich während 20 Jahren Mönch gewesen, hätte er dies wis-

sen müssen, zumal es sich hierbei um den (…) handle, also die (…). Ein 

weiteres (…) habe er zwar selbst erwähnt, jedoch keine Angaben über des-

sen Standort machen können. Auch darüber habe sich die sachverständige 

Person gewundert, zumal es sich bei diesem (…) um eines der wichtigsten 

(…) des tibetischen Buddhismus handle. Im Rahmen des rechtlichen Ge-

hörs habe er unaufgefordert erneut eine Zuordnung versucht, wobei diese 

falsch sei. Auch zum (…) seien seine Aussagen unwahrscheinlich und un-

substanziiert ausgefallen. Den (…) namens «(…)» habe er weder richtig 

benennen noch zeitlich einordnen können. Da in der Volksrepublik China 

der (…) ein offizieller und allgemein beliebter (…) sei, habe dies die sach-

verständige Person erstaunt. Weiter sei sein Wissen über (…) beschränkt. 

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Seite 12 

So habe er den (…), welches (…) habe – dieser sei jedoch der Allgemein-

heit in Tibet bekannt. Zudem sei seine Beschreibung des (…) unwahr-

scheinlich. Seine übrigen Angaben zu den (…) und dem (…) seien hinge-

gen korrekt. Die sachverständige Person komme aufgrund der genannten 

Wissenslücken aber zum Schluss, dass er mit grosser Wahrscheinlichkeit 

nicht in Tibet sozialisiert worden sei. Die vereinzelt korrekten Angaben 

könnten gemäss Expertenmeinung ebenso gut ausserhalb Tibets erwor-

ben worden sein.  

4.1.3 Darüber hinaus sei auch sein Sprachgebrauch analysiert worden. Es 

habe sich herausgestellt, dass seine Sprache zwar mit der exiltibetischen 

Koine (Mischsprache) und dem (…)-Dialekt Gemeinsamkeiten aufweise, 

hingegen nicht mit dem Dialekt, der in der Region D._______ gesprochen 

werde. Sein Einwand, er habe während des Telefongesprächs die Religi-

onssprache gesprochen, überzeuge nicht, zumal er zu Beginn des Ge-

sprächs explizit dazu aufgefordert worden sei, seinen Heimatdialekt zu 

sprechen. Seine Angabe, im Kloster hätten viele Leute aus verschiedenen 

Regionen gelebt, die alle in ihren Dialekten gesprochen hätten und es sei 

darum möglich, dass er diese übernommen habe, sei als Ausflucht zu wer-

ten, zumal der von ihm verwendete Dialekt eindeutig der exiltibetischen 

Mischsprache zuordenbar sei. Elemente aus anderen innertibetischen Di-

alekten habe die sachverständige Person nicht erkannt. Das von ihm ver-

wendete Vokabular enthalte zudem (…) Wörter. Dass ausgerechnet Wörter 

und Wortformen aus dem (…)-Dialekt fehlten, sei gemäss Expertenmei-

nung sehr verwunderlich. Gemäss der sachverständigen Person könnten 

weder der angebliche fünfmonatige Aufenthalt in Nepal noch sein vierein-

halbjähriger Aufenthalt in der Schweiz eine derartige Veränderung seiner 

Sprache herbeigeführt haben. Da seine Sprache keinerlei Elemente des 

Dialektes seiner Heimatregion enthalte, würde dies bedeuten, dass er sei-

nen Dialekt nicht nur angepasst, sondern inzwischen völlig verlernt habe, 

was unwahrscheinlich sei. Weiter sei die Tatsache, dass er aktiv Formen 

verwende, die im innertibetischen ungrammatisch und unidiomatisch (und 

demnach falsch) seien, ein weiteres deutliches Indiz dafür, dass er in einer 

exiltibetischen Gemeinschaft sozialisiert worden sei. Seine fehlenden Chi-

nesischkenntnisse seien ein zusätzlicher Hinweis dafür. 

4.1.4 Im Weiteren seien die Asylgründe des Beschwerdeführers unglaub-

haft, denn Teile des von ihm an der BzP geschilderten Kerngeschehens 

habe er im Rahmen der Anhörung nicht mehr geltend gemacht. So habe er 

an der BzP gesagt, während einer Versammlung im Kloster eine Rede ge-

halten, sich gegen angekündigte Neuerungen und den Einfluss von 

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Seite 13 

chinesischen Beamten ausgesprochen und die Polizisten auch aufgesucht 

zu haben. Im Rahmen der Anhörung habe er dann zu Protokoll gegeben, 

er habe nie eine Rede gehalten, sei aber am Tag vor seiner Flucht zur Po-

lizei gegangen, wo er seinen Unmut über den Einsatz von chinesischen 

Beamten im Kloster kundgetan habe. Aufgrund dieses Vorsprechens in 

M._______ sei er am nächsten Tag von den Behörden gesucht worden. 

Auch seine Flucht sei unlogisch und realitätsfremd. So sei es unglaubhaft, 

dass er lediglich einen Tag, nachdem er erfahren haben wolle, dass nach 

ihm gesucht worden sei, sein Heimatland für immer verlassen habe. Ins-

besondere in Anbetracht seiner Aussage, das Kloster kaum verlassen zu 

haben und ortsunkundig gewesen zu sein, sei dies undenkbar. Obwohl er 

unbestrittenermassen tibetischer Ethnie sei, legten seine mangelhaften 

Länder- beziehungsweise Regionalkenntnisse, seine mangelnden Kennt-

nisse der lokalen Sprachen, die fehlenden Identitätsdokumente sowie die 

unglaubhaft vorgetragenen Asylgründe nahe, dass er nicht in der von ihm 

angegebenen Region sozialisiert worden sei. Demnach könne ihm seine 

angebliche Herkunft aus der Autonomen Region Tibet, Volksrepublik 

China, sowie diese Staatsangehörigkeit und die illegale Ausreise aus die-

sem Land nicht geglaubt werden. Da es aber keine konkreten und glaub-

haften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat gebe, 

komme das SEM unter Verweis auf die Rechtsprechung des Bundesver-

waltungsgerichts (vgl. Referenzurteil des BVGer E-2981/2012 vom 20. Mai 

2014) zum Schluss, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen 

Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestünden.  

Zusammenfassend habe er keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG 

nachweisen oder zumindest glaubhaft machen können, weshalb er nicht 

als Flüchtling anerkannt werden könne und sein Asylgesuch abzuweisen 

sei.  

4.2  

4.2.1 In seiner Beschwerde vom 25. Juni 2018 machte der Beschwerde-

führer geltend, dass die LINGUA-Analyse seinen tatsächlichen Herkunfts-

ort nicht zu widerlegen vermöge. Eingangs sei anzumerken, dass aus den 

Befragungsprotokollen teilweise Verständigungsschwierigkeiten hervorgin-

gen. Allfällige – insbesondere oberflächliche – Ungereimtheiten in seinen 

Aussagen seien ihm deshalb nur mit höchster Zurückhaltung anzulasten. 

Auch sei die Identität der dolmetschenden Person überhaupt nicht ersicht-

lich. Gerade in Bezug auf die tibetische Sprache wäre es jedoch relevant 

zu wissen, woher die dolmetschende Person stamme und über welche 

Qualifikationen diese verfüge. Hinsichtlich des von der Vorinstanz 

E-3665/2018 

Seite 14 

angeführten Widerspruchs zur Rede an der Klosterversammlung sei fest-

zustellen, dass dieser gar nicht bestehe. Offenbar hätten sich an besagter 

Versammlung diverse Anwesende zum Thema geäussert, ohne jedoch 

eine angekündigte Rede in offizieller Funktion zu halten, wie dies das SEM 

darzustellen versuche. Entscheidend sei, dass er es gewesen sei, welcher 

sich schlussendlich persönlich gegenüber der chinesischen Polizei über 

die geplante Einführung neuer Unterrichtsrichtungen beschwert habe. 

Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb das SEM die geschilderte Flucht 

für unlogisch und realitätsfremd befunden habe. Auf Ortskenntnisse sei er 

dank der Schlepper nicht angewiesen gewesen. Seine mangelnde Orts-

kunde erkläre auch, dass er die jeweiligen Länder, über welche er in die 

Schweiz geflohen sei, nicht gekannt habe. Dass er das Kloster, ge-

schweige denn B._______, vor seiner Flucht kaum verlassen habe, spre-

che ebenfalls in keiner Weise gegen seine Schilderungen. Er habe es sich 

schliesslich nicht ausgesucht, seine Heimat in einer Nacht und Nebel Ak-

tion für immer zu verlassen. Es sei völlig unbegründet, dass das SEM die 

geschilderten Fluchtumstände als unglaubhaft gewürdigt habe. Die Gege-

benheiten, welche zu seiner unverzüglichen Flucht geführt hätten, habe er 

konzis und sachlich geschildert. Aufgrund der allgemein bekannten Bedro-

hung unterdrückter Minderheiten in China genüge es für die Annahme ei-

ner Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn man 

vernehme, von der chinesischen Polizei als Separatist und Staatsgegner 

gesucht zu werden. Das Abwarten einer ersten Anhörung durch die chine-

sische Polizei hätte ihm nicht zugemutet werden können.  

Hinsichtlich der LINGUA-Analyse sei vorausschickend festzuhalten, dass 

er anlässlich des rechtlichen Gehörs sämtliche Vorhalte nachvollziehbar 

habe erklären oder richtigstellen können und sich die jeweiligen Wissens-

lücken auf das teils isolierte und eigenständige Klosterleben zurückführen 

liessen. Er habe nachvollziehbar erklärt, weshalb er die Bezeichnungen für 

die (…) verwendet respektive nicht gekannt habe. Zudem wisse die sach-

verständige Person über das Leben als Mönch offenbar nicht Bescheid. 

Dass der Ausdruck «(…)» laut der sachverständigen Person in keinem exil-

tibetischen oder innertibetischen Dialekt existiere, habe allenfalls damit zu 

tun, dass in den Klöstern nochmals ein anderer Dialekt gesprochen werde, 

nämlich die Liturgiesprache. Dieses Wort sei in ihrem Kloster immer wieder 

verwendet worden. Auch hinsichtlich der Unstimmigkeiten zu den (…) habe 

er seine Antwort nachvollziehbar erklärt. Zudem deute die unaufgeforderte 

Angabe, er sei die 40-minütige Busfahrt vom (…)  zum (…) B._______ 

schon zweimal in seinem Leben gefahren, auf eine tatsächlich erlebte Ge-

gebenheit hin. Er habe zwar tatsächlich gewisse Fragen zur 

E-3665/2018 

Seite 15 

geographischen Umgebung nicht oder nicht vollständig richtig beantworten 

können und gewisse Ausdrücke verwendet, welche nicht gebräuchlich 

schienen. Allerdings sei dies auf den Umstand zurückzuführen, dass er seit 

seiner Kindheit im Kloster ein relativ abgeschottetes Leben geführt habe, 

was vom SEM nicht genügend berücksichtigt und als «Ausflucht» abgetan 

worden sei. Es befänden sich sodann weder im angefochtenen Entscheid 

noch im Protokoll des rechtlichen Gehörs Ausführungen dazu, dass die 

verlangten Kenntnisse auch von einer Person zu erwarten gewesen wären, 

welche tatsächlich ein Leben als Mönch im Kloster E._______ geführt 

hätte, wie dies von ihm beschrieben worden sei. Tibetische Mönche setz-

ten sich im Alltag weder mit (…), den (…) noch deren (…) oder mit den (…) 

auseinander, sondern bekämen solche Informationen lediglich im Rahmen 

ihrer jeweiligen Funktion im Kloster am Rande gezwungenermassen mit. 

Dass er das von ihm geschilderte Klosterleben tatsächlich geführt haben 

könnte, sei im Rahmen der LINGUA-Analyse nicht berücksichtigt worden. 

Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass seine Kenntnisse teilweise sehr 

beschränkt und grösstenteils falsch gewesen seien, wie von der Vorinstanz 

bezeichnet. Im Übrigen habe er zahlreiche Antworten und Gegebenheiten 

angeben können, welche nachvollziehbar auf sein Leben als Mönch in 

B._______ hindeuteten.   

Hinsichtlich der Sprachanalyse erscheine fraglich, ob die sachverständige 

Person die fachlichen Kompetenzen besessen habe, um bei ihm eine all-

fällige, ausschliesslich in tibetischen Klöstern praktizierte Liturgiesprache 

zu erkennen. Hinzu komme, dass sich in seinem Kloster Mönche aus ver-

schiedenen Landesteilen eingefunden hätten, welche praktisch aus-

schliesslich untereinander kommuniziert und demnach möglicherweise ei-

nen eigenen Kloster-internen Dialekt entwickelt hätten. Zudem habe er sich 

nach seiner Flucht aus B._______ circa fünf Monate in Nepal aufgehalten 

und befinde sich seit nunmehr beinahe fünf Jahren in der Schweiz. Darüber 

hinaus habe er seit geraumer Zeit eine Partnerin, welche wiederum aus 

einer anderen Region Tibets stamme und dementsprechend auch einen 

anderen Dialekt spreche. Dass er in einer Region, in welcher sämtliche 

Leute – selbst die chinesischen Polizisten – Tibetisch sprächen, kaum Chi-

nesisch gelernt habe, verwundere ebenfalls nicht. Schliesslich habe es zwi-

schen ihm und der befragenden Person anlässlich des telefonischen LIN-

GUA-Interviews offenbar gewisse Verständigungsschwierigkeiten gege-

ben. So habe er die Religionssprache verwendet und nicht seinen Heimat-

dialekt gesprochen. Dies sei ein entscheidender Mangel in der Sprachana-

lyse. Zudem habe offenbar der Umstand, dass es ein (…) und ein (…) 

B._______ gebe, im Rahmen der Herkunftsanalyse für eine gewisse 

E-3665/2018 

Seite 16 

Verwirrung gesorgt, da aus den Protokollen nicht immer eindeutig hervor-

gehe, von welcher dieser beiden Ortschaften jeweils die Rede gewesen 

sei. 

Zusammenfassend seien die besonderen Lebensumstände eines tibeti-

schen Mönchs im Rahmen der Lingua-Analyse offensichtlich zu wenig be-

rücksichtigt und seine entsprechenden Erläuterungen seitens des SEM in 

unbegründeter Weise als Ausflucht verworfen worden. Auch wäre zu er-

warten gewesen, dass das SEM seine Angaben im Rahmen des rechtli-

chen Gehörs der sachverständigen Person zur weiteren Stellungnahme 

nochmals vorgelegt hätte. Die Würdigung seiner Antworten lediglich durch 

das SEM sei als unqualifiziert und demnach unbegründet zu betrachten. 

Soweit erforderlich, sei die Sache daher auch in diesem Punkt an die Vor-

instanz zur weiteren Abklärung des Sachverhalts zurückzuweisen. Zudem 

seien ihm gewisse unrichtige oder fehlende Antworten in kleinlicher Weise 

vorgeworfen worden, jeweils mit der Anmerkung, die sachverständige Per-

son sei verwundert gewesen, dass er dies nicht gewusst habe. Weshalb er 

gewisse Informationen hätte wissen müssen, sei seitens der Vorinstanz 

nicht weiter begründet worden. Gesamthaft betrachtet habe er daher 

glaubhaft dargelegt, aus der von ihm beschriebenen Region in Tibet zu 

stammen.  

Seit seiner Einreise in die Schweiz habe er keinen Kontakt mehr zu seinen 

Eltern sowie seinem Bruder – welche nach wie vor in B._______ lebten – 

gehabt. Lediglich von seiner Schwester, welche rund 500 Kilometer von 

B._______ entfernt wohne, habe er vergangenes Jahr einen Brief erhalten. 

Darin habe sie ihm mitgeteilt, dass er aus dem Familienregister der Behör-

den bereits gelöscht worden sei. Diesen Brief habe er dem SEM einge-

reicht. Er sei nach wie vor bemüht, Beweismittel zu organisieren, welche 

seine Herkunft belegen könnten. Allerdings kenne er weder die Adresse 

seiner Eltern noch diejenige des Klosters. Er unternehme jedoch aktuell 

weitere Bestrebungen, um allfällige Informationen oder Belege mittels sei-

ner Schwester erhältlich machen zu können.  

4.2.2 In der Beschwerdeergänzung vom 2. März 2021 nahm der Beschwer-

deführer Bezug auf eine in einem anderen Asylverfahren (N […], vgl. Re-

ferenzurteil des BVGer D-2337/2021 vom 5. Juli 2023) von der gleichen 

sachverständigen Person («AS19») erstellte LINGUA-Analyse. Gemäss 

Beschwerdeführer sei diese von vier Tibetologen im Detail analysiert und 

stark kritisiert worden. Die Tibetologen seien darin zum Schluss gekom-

men, dass die betreffende LINGUA-Analyse von «AS19» inhaltlich diverse 

E-3665/2018 

Seite 17 

grobe Mängel und die sachverständige Person offenbar fachliche Defizite 

aufweise. Die Analyse sei in Fällen wie dem vorliegenden faktisch das ein-

zige und alles entscheidende Beweismittel. Die mit den LINGUA-Analysen 

verbundene Intransparenz sei angesichts der Tragweite der Analysen nicht 

gerechtfertigt. Vorliegend bestünden also konkrete Hinweise, dass die 

sachverständige Person «AS19» fachlich nicht genügend qualifiziert sei 

und Mängel in Bezug auf die wissenschaftlichen Standards einer Her-

kunftsanalyse aufweise. Die im Bericht der Wissenschaftler genannten 

konkreten Mängel der Herkunftsanalyse von «AS19» seien auch in der vor-

liegend zu beurteilenden LINGUA-Analyse zu finden. Es könne allerdings 

nicht seine Aufgabe sein, diese im Detail aufzuzeigen. Entscheidend sei, 

dass die fachliche Kompetenz sowie die Methodik der Herkunftsanalyse 

von «AS19» durch den Bericht der Tibetologen grundsätzlich ernsthaft in 

Zweifel gezogen worden sei, sodass auf diese vorliegend nicht mehr ab-

gestellt werden dürfe.  

4.3 Mit seiner Vernehmlassung vom 18. Dezember 2023 hielt das SEM an 

der angefochtenen Verfügung fest. Es führte aus, die Beschwerdeschrift 

enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche 

eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnte. Zur im Schrei-

ben vom 2. März 2021 angeführten Kritik an der fachlichen Qualifikation 

der sachverständigen Person äusserte es sich wie folgt: 

Zunächst sei festzuhalten, dass es sich bei dem vom Beschwerdeführer 

erwähnten Verfahren, auf welches sich auch der Artikel der NZZ am Sonn-

tag beziehe, nicht um das vorliegende Asylverfahren handle. Die als Be-

weismittel eingegebenen Unterlagen – so auch das Gegengutachten zur 

LINGUA-Analyse – beträfen ein anderes Asylverfahren und stünden in kei-

nem offensichtlichen Zusammenhang mit dem vorliegenden Asylverfahren. 

Des Weiteren enthalte der genannte Artikel der NZZ mehrere unbelegte, 

tendenziöse, ja mitunter auch schlicht falsche Aussagen. Es mute ferner 

befremdlich an, dass die vier Tibetologen auf der Basis einer blossen Fern-

diagnose zu einer solch genauen Einschätzung betreffend die Sprech-

weise einer Person gelangen könnten. Vor diesem Hintergrund seien die 

Aussagen im Zeitungsartikel in höchstem Masse spekulativ und unwissen-

schaftlich. 

Ferner sei die von den vier Wissenschaftlern eingereichte Stellungnahme 

mittlerweile überprüft worden. In dieser Angelegenheit sei das Bundesver-

waltungsgericht in seinem Referenzurteil D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 

zum Schluss gekommen, dass die Qualität und Aussagekraft der von 

E-3665/2018 

Seite 18 

«AS19» erstellten LINGUA-Analysen grundsätzlich nicht zu beanstanden 

seien. Die sachverständige Person erscheine fachlich geeignet, wobei sie 

ihre Sorgfaltspflicht ernst nehme sowie neutral und unabhängig sei. Ferner 

habe das Gericht festgestellt, dass die Methode der SEM-Fachstelle «Lin-

gua» den – im internationalen Vergleich – besten Standards derartiger 

Sprach- und Herkunftsanalysen entspreche und die Mitarbeitenden der 

Fachstelle bestmögliche Anstrengungen unternehmen würden, um ihre 

Analysen unparteiisch und regelkonform sowie nach wissenschaftlichen 

Kenntnissen zu erstellen. Sofern der Beschwerdeführer die Qualifikation 

von «AS19» bemängle, sei anzumerken, dass ihm der Werdegang und die 

Qualifikation der sachverständigen Person zur Kenntnis gebracht worden 

sei. Die Qualifikation und der Werdegang jeder sachverständigen Person 

von LINGUA werde vom SEM eingehend geprüft und als geeignet einge-

stuft, worüber sich das Gericht bei Bedarf ebenfalls Kenntnis verschaffen 

könne. Infolgedessen seien seine Beanstandungen, soweit sie sich gegen 

die linguistische Analyse und Schlussfolgerung der sachverständigen Per-

son richteten, ebenfalls nicht geeignet, ihre Kompetenzen – die vom Ge-

richt in ständiger Rechtsprechung überprüft und gestützt würden – in Frage 

zu stellen. Der Vollständigkeit halber sei zu erwähnen, dass sich die Fest-

stellung, eine Person tibetischer Ethnie habe ihre Hauptsozialisierung in 

der Volksrepublik China nicht glaubhaft gemacht, nicht einzig auf die LIN-

GUA-Analyse stütze, sondern Teil einer Gesamtwürdigung sei, die von den 

Fachspezialisten des SEM vorgenommen werde. Diese Gesamtwürdigung 

umfasse alle Elemente, die für oder gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbrin-

gen sprächen. Diese Elemente seien gegeneinander abzuwägen und zu 

gewichten. Auch im vorliegenden Fall sei eine umfassende Abwägung die-

ser Elemente vorgenommen worden. Bei der Gesamtwürdigung dieser 

Elemente seien weder die von LINGUA beauftragten Sachverständigen 

noch die Fachstelle selber involviert. Sodann werde eine LINGUA-Analyse 

nur dann vorgenommen, wenn begründete Zweifel an der von einer asyl-

suchenden Person angegebenen Herkunft bestünden.  

Aus den eingereichten Unterlagen vom 4. November 2020 und der Stel-

lungnahme vom 14. Januar 2020 vermöge er die widersprüchlichen und 

nicht nachvollziehbaren Angaben aus dem Asylverfahren nach wie vor 

nicht auszuräumen. Auch sei er bis zum heutigen Zeitpunkt der Aufforde-

rung, seine Identität mit überprüfbaren Dokumenten nachzuweisen, nicht 

nachgekommen.  

4.4 In seiner Replik vom 23. Januar 2024 äusserte sich der Beschwerde-

führer wie folgt: 

E-3665/2018 

Seite 19 

Aufgrund des eingereichten Berichts der Tibetologen bestünden konkrete 

Anhaltspunkte, wenn nicht sogar ein Beleg dafür, dass die für die Her-

kunftsanalyse zuständige sachverständige Person fachlich nicht die erfor-

derliche Qualifikation aufweise. Demzufolge sei auch der Beweiswert der 

Beurteilung dieser Person entsprechend zu relativieren beziehungsweise 

allenfalls sogar abzusprechen. Es sei offensichtlich, dass dies für sämtliche 

(zumindest pendente) Asylverfahren gelten müsse, in deren Rahmen 

«AS19» beauftragt worden sei. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, dass 

das SEM einen offensichtlichen Zusammenhang der jeweiligen Asylverfah-

ren voraussetze. Das SEM habe auch nicht in Abrede gestellt, dass die 

gemäss Experten-Bericht aufgezeigten Mängel die im vorliegenden Ver-

fahren beauftragte sachverständige Person «AS19» beträfen. Weiter sei 

die Einschätzung der Experten nicht einfach als «Ferndiagnose» abzutun, 

sondern als seriös zu werten, zumal diese offenbar anhand schriftlicher 

Berichte von «AS19» erfolgt sei. Hinsichtlich des Referenzurteils  

D-2337/2021 hielt der Beschwerdeführer fest, dass das Gericht aufgrund 

der dort bestehenden Aktenlage geurteilt habe. Die Aktenlage präsentiere 

sich im vorliegenden Verfahren jedoch unterschiedlich, weshalb das zitierte 

Urteil keine Bindungswirkung aufweise. Die Expertenmeinung hinsichtlich 

der Kritik an «AS19» müsse auch Eingang in die Rechtsprechung finden, 

indem «AS19» zumindest einer spezifischen Eignungsprüfung unterzogen 

werde.  

Weiter habe sich das SEM nicht zur Frage der Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs geäussert. Es sei deshalb diesbezüglich auf die Beurteilung 

des kantonalen Migrationsamtes abzustellen, weshalb subeventualiter 

seine vorläufige Aufnahme anzuordnen wäre. 

5.  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts wird bei Personen tibeti-

scher Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, ver-

mutungsweise davon ausgegangen, dass keine flüchtlings- oder wegwei-

sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf-

enthaltsort bestehen, zumal die Abklärungspflicht der Asylbehörden ihre 

Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person findet. Verun-

möglicht ein tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwir-

kungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in seinem Her-

kunftsstaat innehat, kann namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne 

von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Durch die Verheimlichung und 

Verschleierung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der Flüchtlings-

eigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland 

E-3665/2018 

Seite 20 

verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9.f., Referenzurteil D-2337/2021 

vom 5. Juli 2023). 

6.  

6.1 Vor diesem Hintergrund kommt der Frage, ob eine asylsuchende Per-

son tatsächlich aus der Autonomen Region Tibet in der Volksrepublik China 

stammt beziehungsweise bis zu ihrer angeblichen Ausreise dort gelebt hat, 

eine entscheidende Bedeutung zu. Vorliegend hat das SEM diesbezüglich 

eine LINGUA-Analyse in Auftrag gegeben. Bei diesen Analysen handelt es 

sich zwar nicht um Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; 

Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundes-

zivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um schriftliche 

Auskünfte einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 

VwVG). Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, 

Objektivität und Neutralität des Analysten und an die inhaltliche Schlüssig-

keit und Nachvollziehbarkeit der Analysen erfüllt sind, ist ihnen jedoch ein 

erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1; 2014/12 

E. 4.2.1). 

6.2 In seinen Eingaben vom 25. Juni 2018, 2. März 2021 und 23. Januar 

2024 äusserte der Beschwerdeführer Zweifel an der Qualität der LINGUA-

Analyse von «AS19» und untermauerte diese mit einem Artikel aus der 

NZZ und dem Hinweis auf ein in einem anderen Verfahren von vier Tibeto-

logie-Experten erstellten Gutachten zu einer LINGUA-Analyse von 

«AS19». Die vier Wissenschaftler hätten diese Analyse detailliert analysiert 

und seien dabei zum Schluss gekommen, dass die in jenem Asylverfahren 

erstellte LINGUA-Analyse von «AS19» inhaltlich diverse grobe Mängel und 

die sachverständige Person offenbar fachliche Defizite aufweise. Die fach-

liche Kompetenz von «AS19» werde dadurch grundsätzlich ernsthaft in 

Zweifel gezogen, sodass auf die im vorliegenden Verfahren erstellte LIN-

GUA-Analyse nicht mehr abgestellt werden dürfe. Die von den vier Tibeto-

logen in jener Analyse festgestellten Mängel seien auch in der vorliegen-

den LINGUA-Analyse zu finden. Es könne jedoch nicht seine Aufgabe sein, 

diese im Detail aufzuzeigen.  

6.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil D-2337/2021 

vom 5. Juli 2023 ausführlich – unter anderem auch unter Berücksichtigung 

der vom Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren eingereichten und 

ebenjenes Verfahren betreffende Beweismittel (Stellungnahme von vier Ti-

betologen vom 29. September 2020 inkl. dazugehörende linguistische 

Analyse von C. Simon vom 20. September 2020) – mit der teilweise auch 

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Seite 21 

medialen Kritik an der mit der Erstellung der LINGUA-Analysen vom 

12. März 2018 betrauten sachverständigen Person «AS19» auseinander-

gesetzt. Das Gericht kam darin zum Schluss, dass die Qualität und Aussa-

gekraft der von «AS19» erstellten LINGUA-Gutachten nicht zu beanstan-

den sei. Die im Rahmen der Beschwerde, insbesondere auch aufgrund der 

Gegenanalyse, erhobenen Vorwürfe gegen «AS19» bezüglich mangelhaf-

ter beruflicher Qualifikationen, fehlender Unabhängigkeit vom SEM und 

vermuteter Nähe zum chinesischen Regime fänden aufgrund der beste-

henden Aktenlage keine Stütze (vgl. a.a.O. 7.4.2). Dies ändere jedoch 

nichts daran, dass LINGUA-Analysen in jedem Einzelfall auf ihre Aussage-

kraft hin geprüft werden müssten (a.a.O. E. 7.9). Das Bundesverwaltungs-

gericht hielt in der Folge fest, dass die gegen die Aussagekraft der LIN-

GUA-Analyse vorgebrachten Einwände als nicht erheblich zu qualifizieren 

seien, weshalb der Analyse erhöhter Beweiswert zuzumessen sei. 

6.4 Für den vorliegenden Fall ist festzuhalten, dass sich die von «AS19» 

erstellte LINGUA-Analyse – welche sowohl aus einem landeskundlich-kul-

turellen Teil zur Abfrage von Ortskenntnissen als auch einer linguistischen 

Analyse besteht – als nachvollziehbar und schlüssig erweist. Die Analyse 

basiert auf einem 68-minütigen Telefongespräch des Beschwerdeführers 

mit der Person «N._______». Der Beschwerdeführer wurde zu Beginn des 

Gesprächs explizit darum gebeten, seinen Heimatdialekt zu sprechen. Ge-

mäss der sachverständigen Person hätten sich die das Interview führende 

Person und der Beschwerdeführer gut verstanden. Die sachverständige 

Person formulierte in ihrer Analyse anhand der Angaben des Beschwerde-

führers zu seiner Biographie (Geburtsort, Aufenthalte, angegebene 

Sprachkenntnisse, Ausbildung und Leben im Kloster etc.) ihre Erwartun-

gen. In der Folge mass sie die Aussagen des Beschwerdeführers an die-

sen Erwartungen und zog daraus ihre Schlüsse. «AS19» zeigte in der Ana-

lyse kohärent auf, dass der Beschwerdeführer zwar durchaus über einige 

landeskundlich-kulturelle Kenntnisse der angegebenen Heimatregion ver-

füge, es aber auch einige Wissenslücken und Unstimmigkeiten gegeben 

habe, welche vor dem angegebenen biographischen Hintergrund nicht er-

klärbar seien – insbesondere auch betreffend ein sehr bedeutendes Klos-

ter seiner eigenen Tradition und den ihm vorstehenden (…) Lama. Die Ana-

lyse ist dabei als ausgewogen zu bezeichnen, indem auch das beim Be-

schwerdeführer vorhandene Wissen entsprechend gewürdigt und Unsi-

cherheiten offengelegt wurden. Ebenso nachvollziehbar ist die Feststellung 

der linguistischen Analyse, wonach die Sprache des Beschwerdeführers in 

allen analysierten Bereichen kaum Gemeinsamkeiten mit dem angegebe-

nen Heimatdialekt aufgewiesen habe. Stattdessen seien auf allen Ebenen 

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Seite 22 

überwiegend oder ausschliesslich Merkmale festzustellen, die dem 

J._______-Dialekt oder der exiltibetischen Koine zuzuordnen seien. Das 

von ihm verwendete Vokabular enthalte zudem (…) Wörter wie beispiels-

weise Formen aus dem (…) aus P._______ und Lehnwörter aus dem (…). 

Zudem habe er aktiv Formen verwendet, die im innertibetischen ungram-

matisch seien, was ein starker Hinweis auf eine stärkere Prägung aus-

serhalb Tibets sei als angegeben. Zudem habe er drei Lexeme in einer für 

das innertibetische unidiomatischen Art und Weise gebraucht. Schliesslich 

hätten auch seine Chinesischkenntnisse grösstenteils nicht die Erwartun-

gen erfüllt, was ebenfalls seine Angabe nicht unterstütze, fast sein ganzes 

bisheriges Leben in Tibet verbracht zu haben. Das aus diesen Feststellun-

gen gezogene Fazit, wonach der Beschwerdeführer sehr wahrscheinlich 

nicht wie angegeben im Gebiet D._______ in Tibet sozialisiert worden sei, 

sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepub-

lik China, erscheint daher nachvollziehbar.  

Sodann ist nicht ersichtlich, welche der im Gegengutachten vom 20. Sep-

tember 2020 genannten Fehler auch in der vorliegend zu beurteilenden 

LINGUA-Analyse gemacht worden sein sollen, zumal auch ein anderer Di-

alekt zu beurteilen war. Ohnehin konnten die im Gegengutachten genann-

ten Mängel im Referenzurteil D-2337/2021 nicht bestätigt werden, zumal 

die Gegenanalyse ohne Konsultation der Gesprächsaufzeichnung verfasst 

worden ist. Der Beschwerdeführer kann demnach hieraus nichts zu seinen 

Gunsten ableiten. 

6.5 Das SEM hielt weiter zu Recht fest, dass der Einwand des Beschwer-

deführers, er habe anlässlich des LINGUA-Interviews die Religionssprache 

verwendet, nicht überzeugt. Zum einen steht dies mit seinem Vorbringen 

im Widerspruch, er habe wohl die Dialekte der im Kloster lebenden Mönche 

aus unterschiedlichen Herkunftsregionen angenommen, zum andern 

wurde der Beschwerdeführer zu Beginn des Interviews explizit aufgefor-

dert, in seinem Heimatdialekt zu sprechen, was von ihm im Rahmen des 

rechtlichen Gehörs allerdings bestritten wurde. Daraufhin wurde er vom 

SEM auf die Möglichkeit hingewiesen, sich die Aufzeichnung des LINGUA-

Interviews anzuhören (vgl. vorinstanzliche Akten A48 F35, F62 f.). Den Ak-

ten ist zu entnehmen, dass das SEM dem Beschwerdeführer am 10. Juli 

2018 diese Gelegenheit gewährt hat (vgl. A67), wovon der Beschwerde-

führer respektive sein Rechtsvertreter gemäss E-Mail des SEM vom 10. 

Juli 2018 Gebrauch gemacht haben. Der entsprechende Einwand wurde 

seither weder in der Eingabe vom 2. März 2021 noch in der Replik wieder-

holt, weshalb davon auszugehen ist, dass sich dieser als unzutreffend 

E-3665/2018 

Seite 23 

herausgestellt hat. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass die sachverstän-

dige Person – welche wie vorstehend erwähnt über die nötigen Qualifikati-

onen verfügt – eine allfällige Verwendung der Religionssprache erkannt 

und einen entsprechenden Hinweis in der LINGUA-Analyse angebracht 

hätte. Ferner steht die Behauptung hinsichtlich der Verwendung der Reli-

gionssprache im Widerspruch zu seiner Aussage, die befragende Person 

sei derer nicht mächtig gewesen, zumal sich diesfalls die Frage stellt, wie 

eine solche Konversation über 68 Minuten hinweg hätte aufrechterhalten 

werden können (wobei die Verständigung der Beteiligten von der sachver-

ständigen Person als «gut» taxiert wurde, vgl. A46 S. 1). Dem Beschwer-

deführer ist allenfalls dahingehend zu folgen, dass die sachverständige 

Person den Umstand, dass er angeblich beinahe sein gesamtes Leben im 

Kloster verbracht habe, bei der Beurteilung der landeskundlich-kulturellen 

Kenntnisse nicht genügend Gewicht beigemessen hat. Dies mag möglich-

erweise gewisse Wissenslücken, wie beispielsweise hinsichtlich des (…) 

oder (…), erklären. Dennoch wäre auch von einem Mönch zu erwarten, 

dass er die (…) und insbesondere (…) korrekt benennen kann. Dies, zumal 

er eigenen Angaben zufolge Kontakt mit zahlreichen Mönchen aus ande-

ren Regionen gehabt und als «(…)» im Kloster für die (…) verantwortlich 

gewesen sei (vgl. A4 Ziff. 1.17.04; A48 F36, F52, F56, F61). Die Erklärung 

des Beschwerdeführers, er habe im Kloster ein völlig abgeschottetes Le-

ben geführt und wisse deshalb über die Aussenwelt nicht gross Bescheid, 

ist nicht überzeugend, zumal er anlässlich der BzP zu Protokoll gab, jeweils 

zweimal im Monat seine Eltern besucht zu haben (vgl. A4 Ziff. 1.17.04). Die 

in der LINGUA-Analyse formulierten Erwartungen, an denen die Aussagen 

des Beschwerdeführers gemessen wurden, sind daher auch unter Berück-

sichtigung seines angegebenen biographischen Hintergrunds als ange-

messen zu beurteilen. 

6.6 Insgesamt ist somit festzustellen, dass weder die Qualität noch die Aus-

sagekraft der von «AS19» erstellten LINGUA-Analyse zu beanstanden 

sind (vgl. Urteil des BVGer D-2337/2021 a.a.O.). Somit ist der Analyse er-

höhter Beweiswert beizumessen. 

7.  

7.1 Die Schlussfolgerung der LINGUA-Analyse, wonach der Beschwerde-

führer sehr wahrscheinlich nicht in Tibet, sondern sehr wahrscheinlich in 

einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China so-

zialisiert worden sei, wird durch die folgenden Überlegungen noch bekräf-

tigt: 

E-3665/2018 

Seite 24 

7.2 Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente ein. Anläss-

lich der BzP gab er an, sein Bruder habe ihm nach der Ankunft in Nepal die 

Identitätskarte abgenommen, da er damit in Nepal Probleme bekommen 

würde. Die Identitätskarte befinde sich bei ihm zuhause (vgl. A4 Ziff. 4.03). 

Auf die Frage der Vorinstanz, weshalb es so schwierig sei, sich seine Iden-

titätskarte in die Schweiz schicken zu lassen, gab der Beschwerdeführer 

an, sie hätten zuhause kein Telefon gehabt und er habe seit seiner Aus-

reise auch keinen Kontakt mehr mit seiner Familie gehabt (vgl. a.a.O. Ziff. 

4.07). Die Vorinstanz wies im ersten Asylentscheid vom 28. Januar 2016 

zu Recht auf Unstimmigkeiten und Widersprüche hinsichtlich der Kontakt-

aufnahme mit seiner Familie hin (vgl. A15 S. 3), welche der Beschwerde-

führer mit seiner Beschwerdeeingabe vom 16. Februar 2016 nicht in über-

zeugender Weise entkräften konnte. Nicht nachvollziehbar ist weiter auch 

die Aussage in der Beschwerde vom 25. Juni 2018, wonach er nach wie 

vor bemüht sei, weitere Beweismittel zu organisieren, er allerdings weder 

die Adresse seiner Eltern noch diejenige des Klosters kenne (vgl. a.a.O. 

Ziff. 4.2). Dies erstaunt, zumal zum einen ihm ja seine Schwester im Rah-

men des Beschwerdeverfahrens E-960/2016 angeblich einen Brief zukom-

men liess und darin unter anderem ausführte, sie habe mit seinen Eltern 

gesprochen. Zum anderen ist das Kloster im Internet ohne weiteres auf-

findbar – das SEM hat im ersten Asylentscheid gar die vollständigen Koor-

dinaten angegeben (vgl. A15 S. 3). Es ist daher nicht ersichtlich, weshalb 

eine Kontaktaufnahme zwecks Beschaffung von Beweismitteln nicht mög-

lich gewesen sein sollte.  

Darüber hinaus ergeben sich aus dem angeblichen Brief der Schwester 

weitere Unstimmigkeiten: Anlässlich der BzP gab der Beschwerdeführer 

auf die Frage nach Familienmitgliedern im Heimatstaat an, seine Eltern, 

ein Bruder, eine Schwägerin und deren (…) Kinder lebten alle in 

B._______. Darüber hinaus habe er je einen Onkel väterlicher- und müt-

terlicherseits (vgl. A4 Ziff. 3.01). Weitere (weibliche) Familienmitglieder 

wurden keine genannt. Anlässlich der Replik im Beschwerdeverfahren E-

960/2016 machte der Beschwerdeführer geltend, es liege ein Missver-

ständnis vor: Die in jenem Verfahren eingereichte Telefonnummer gehöre 

nicht seiner Schwester, sondern seiner Cousine. Diese sei die Tochter der 

Schwester seines Vaters. Im Tibetischen nenne man alle älteren weiblichen 

Verwandten – oder aus Höflichkeit gegenüber älteren weiblichen nicht-ver-

wandten Personen – «Acha» oder «Achala». Vor diesem Hintergrund er-

staunt, dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren wiederum stets nur 

von der «Schwester» die Rede ist. Auch die Formulierungen im Brief selber 

erwecken gemäss Übersetzungen den Eindruck, es handle sich bei der 

E-3665/2018 

Seite 25 

Verfasserin tatsächlich um seine Schwester, und nicht um seine Cousine 

(«My dear younger brother […]», «I have told our parents that we had con-

versation […]», «From your elder sister»). Sodann ist die Angabe, es 

handle sich hierbei um die Tochter seiner Tante, nicht mit den Aussagen 

anlässlich der BzP vereinbar, wonach er lediglich über zwei Onkel verfüge.  

Die vom Beschwerdeführer angegebenen Gründe für die Nichtbeschaffung 

von heimatlichen Beweismitteln erscheinen daher konstruiert und insge-

samt unglaubhaft. Die entsprechenden Ausführungen des Beschwerdefüh-

rers sind demzufolge als Schutzbehauptung zu werten.  

7.3 Weiter weist das SEM hinsichtlich der Schilderung der Fluchtgründe zu 

Recht auf Unstimmigkeiten hin.  

7.3.1 Zwar ist eingangs festzustellen, dass betreffend die vom SEM be-

mängelte Nichterwähnung der «Rede» in der Anhörung gegenüber den 

Ausführungen an der BzP (vgl. A4 Ziff. 7.01; A12 F79 f.) ein Missverständ-

nis nicht ausgeschlossen werden kann, zumal der Beschwerdeführer an 

der Anhörung zu Protokoll gab, an dieser Kloster-Versammlung das Wort 

ergriffen zu haben (vgl. a.a.O. F46: «Ich habe gesagt, es sei nicht gut, dass 

es diese neuen Unterrichtsrichtungen in unserem Kloster gäbe»). Aufgrund 

der Protokolle lässt sich nicht klar abgrenzen, ob es sich hierbei um eine 

«Rede» im eigentlichen Sinne, oder um eine einfache Wortmeldung im 

Rahmen einer generellen Diskussion gehandelt habe. Diesem vom SEM 

angeführten Widerspruch kommt allerdings ohnehin kein entscheidwesent-

liches Gewicht zu.  

Zentral ist vielmehr, dass die Schilderung des fluchtauslösenden Ereignis-

ses weder nachvollziehbar noch lebensnah ausgefallen ist. So will der Kol-

lege des Beschwerdeführers – welcher wie er ebenfalls als Mönch im Klos-

ter gelebt habe – zufällig einer Konversation zwischen zwei chinesischen 

Polizisten ausserhalb des Klosters gelauscht haben, welche den Be-

schwerdeführer als Separatisten und «gegen die Nation China» bezeichnet 

respektive gesagt hätten, dass sie ihn ins Gefängnis bringen würden 

(vgl. A12 F39, F55-59). Diesfalls leuchtet allerdings nicht ein, weshalb er 

nicht gleich anlässlich seiner Vorsprache auf dem chinesischen Polizeipos-

ten verhaftet wurde und die dort anwesenden Beamten ihn scheinbar ein-

fach mit den Worten «Ja, ja, ich werde mit den anderen Legye darüber 

sprechen. Geh zurück.» abgewimmelt hätten (vgl. a.a.O. F51). Darüber 

hinaus erstaunt, dass der Beschwerdeführer auf diese folgenschwere Be-

hauptung seines Freundes nicht einmal Nachfragen stellte, um das Risiko 

E-3665/2018 

Seite 26 

besser einschätzen zu können. Stattdessen habe er – welcher den Gross-

teil seines Lebens im Kloster verbracht habe – sogleich mit Hilfe seines 

Bruders die Ausreise geplant. Hinzu kommt die auffallende Substanzlosig-

keit bei der Schilderung dieses Kerngeschehens. Obwohl der Beschwer-

deführer vom SEM jeweils aufgefordert wurde, das Geschehene ausführ-

lich zu beschreiben, verblieben seine Schilderungen der Versammlung im 

Kloster, der Vorsprache auf dem Polizeiposten sowie der darauffolgenden 

Konversationen mit seinem Kollegen F._______ und seiner Familie äus-

serst knapp, eindimensional und – mit Ausnahme der Wiedergabe der Ge-

spräche in direkter Rede – ohne Realkennzeichen oder Details (vgl. a.a.O. 

F39, F51, F55, F63, F68). Die Schilderung der Ausreise fiel zwar ver-

gleichsweise ausführlicher aus, ist aber insgesamt ebenfalls als substanz-

arm und eindimensional zu bezeichnen (vgl. a.a.O. F70). Sodann ver-

mochte er zu seinem angeblichen viermonatigen Aufenthalt in Nepal nichts 

zu berichten, da er dort ab der zweiten Woche ebenfalls in einem Kloster 

gelebt habe (vgl. a.a.O. F72; A4 Ziff. 5.01). Im Übrigen fiel auch seine Dar-

stellung des Klosteralltags substanzlos aus (vgl. A12 F25 f.).  

7.3.2 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer insgesamt nicht 

gelungen, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 

AsylG in Bezug auf die Volksrepublik China glaubhaft darzutun. Im Übrigen 

ergeben sich aus dem Anhörungsprotokoll auch keine Hinweise auf we-

sentliche Verständigungsprobleme zwischen der dolmetschenden Person 

und dem Beschwerdeführer. Der Beschwerdeführer gab zu Beginn der An-

hörung an, die dolmetschende Person gut zu verstehen (vgl. A12 F1). An-

lässlich der Rückübersetzung des Protokolls wurden sodann keine Korrek-

turen angebracht. Der Umstand, dass gewisse Fragen wiederholt werden 

mussten respektive teilweise nachgefragt werden musste (vgl. a.a.O. F7, 

F9 f., F18, F36, F57, F74 f.), zeugt für sich alleine nicht von erheblichen 

Verständigungsproblemen. 

7.4 Für die Glaubhaftigkeit der angeblichen Herkunft aus Tibet sprechen 

somit die teilweise korrekten landeskundlich-kulturellen Angaben im Rah-

men der Befragungen und der LINGUA-Analyse, während die Angaben zu 

den Fluchtgründen, die genannten Unstimmigkeiten sowie die LINGUA-

Analyse als solche gegen die Glaubhaftigkeit sprechen. Der LINGUA-Ana-

lyse ist, wie bereits erwähnt, erhöhter Beweiswert beizumessen. In Anbe-

tracht der Tatsache, dass die Annahme der Unglaubhaftigkeit durch die un-

stimmigen Aussagen zu den Fluchtgründen zusätzliches Gewicht erhält, ist 

die vom Beschwerdeführer behauptete Herkunft aus Tibet nicht glaubhaft. 

E-3665/2018 

Seite 27 

7.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist demnach mit überwiegen-

der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor 

seiner Ankunft in die Schweiz längere Zeit in der exiltibetischen Diaspora 

gelebt und er über seine Herkunft getäuscht hat. In Anwendung der in 

BVGE 2014/12 E. 5.10 entwickelten Rechtsprechung hat das SEM daher 

zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und 

sein Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

9.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen; die Untersuchungspflicht fin-

det ihre Grenzen aber an der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers. 

Es ist nicht Aufgabe der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen 

Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu 

forschen. Vielmehr hat eine asylsuchende Person, welche ihre wahre Her-

kunft verschleiert beziehungsweise verheimlicht, die Folgen ihres Verhal-

tens zu verantworten.  

9.3 Dementsprechend ist davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder 

wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen 

Aufenthaltsort des Beschwerdeführers, wobei insbesondere Nepal oder In-

dien in Betracht fallen, bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10, E. 6; Urteil 

des BVGer E-2937/2016 vom 17. Mai 2018 E. 5.2). Es ergeben sich aus 

den Akten auch keine Hinweise darauf, dass der Vollzug der Wegweisung 

grundsätzlich unzumutbar wäre. Auch der Grad der Integration bildet 

E-3665/2018 

Seite 28 

grundsätzlich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2009/52 

E. 10.3 m.w.H.). 

Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staats-

bürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive Nach-

fluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und damit als 

separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wiederum 

in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 

2009/29), ist an dieser Stelle, in Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen 

Verfügung (vgl. dort E. III.1) darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeter 

und somit auch für den Beschwerdeführer ein Vollzug der Wegweisung 

nach China auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine un-

menschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 

9.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Wegweisungs-

vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete. Eine An-

ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 

Abs. 1-4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Für die Aufhebung der Verfügung und 

Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur weiteren Sachverhaltsab-

klärung besteht daher kein Anlass. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Mit Zwischenver-

fügung vom 22. August 2022 wies das Gericht die Gesuche des Beschwer-

deführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtli-

cher Rechtsverbeiständung ab und erhob einen Kostenvorschuss, welcher 

in der Folge fristgerecht bezahlt wurde. Nach einer zwischenzeitlichen Ver-

änderung der finanziellen Situation des Beschwerdeführers hiess das Ge-

richt mit Zwischenverfügung vom 5. März 2019 indessen das Gesuch des 

Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

mit Wirkung ex nunc gut. Da unter Berücksichtigung der Eingabe vom 

E-3665/2018 

Seite 29 

18. April 2024 und sämtlicher einzelfallspezifischer Faktoren weiterhin von 

seiner prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, sind ihm keine (weite-

ren) Verfahrenskosten aufzuerlegen. Der einbezahlte Kostenvorschuss ist 

ihm zurückzuerstatten. 

11.2 Mit Verfügung vom 5. März 2019 wurde auch das Gesuch um unent-

geltliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen und der rubrizierte Rechts-

vertreter als amtlicher Rechtsbeistand des Beschwerdeführers – ebenfalls 

mit Wirkung ex nunc – eingesetzt. Hierbei wurde explizit festgehalten, dass 

der bis zur Eingabe vom 28. Februar 2019 entstandene Aufwand nicht zu 

entschädigen ist. Bei der nachfolgenden Berechnung des zu entschädigen-

den Honorars ist daher nur derjenige Aufwand zu entschädigen, der ab der 

Eingabe vom 28. Februar 2019 entstanden ist. 

In der letzten Kostennote vom 23. April 2024 wurde ein Aufwand von ins-

gesamt 16 Stunden und 35 Minuten zu einem Stundenansatz von Fr. 220.– 

geltend gemacht. Dieser Aufwand ist jedoch wie vorstehend erwähnt um 

den vor dem mit der Eingabe vom 28. Februar 2019 entstandenen Aufwand 

zu kürzen, weshalb nur der seither entstandene und ausgewiesene Auf-

wand à total 5.75 Stunden zu entschädigen ist. Darin nicht enthalten ist der 

als «Eingang/Studium Urteil BVGer; Besprechung mit Kl.» bezeichnete, 

nicht entschädigungsfähige zukünftige Aufwand von 90 Minuten. Im Übri-

gen erscheint der geltend gemachte Aufwand als angemessen. In Anwen-

dung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8–11 VGKE) ist 

das amtliche Honorar auf Fr. 1388.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) 

festzusetzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-3665/2018 

Seite 30 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in die Volksrepublik 

China ist ausgeschlossen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der bereits bezahlte Kosten-

vorschuss wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

4.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand, Thomas Grossen, wird zulasten der Ge-

richtskasse ein Honorar von Fr. 1388.– zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori 

 

 

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