# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 30d39d9f-edd9-5de0-b55d-ac404c45cb85
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-02
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 02.02.2024 SK 2023 108
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-108_2024-02-02.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 23 108

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 2. Februar 2024 

Besetzung Obergerichtssuppleant Blaser (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Friederich Hörr, Oberrichter Horisberger
Gerichtsschreiberin Windler

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 18. August 2022 (PEN 21 1110)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht; nachfolgend: Vorinstanz) er-
kannte mit Urteil vom 18. August 2022 (pag. 324 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________ wird eingestellt

1. wegen Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes, angeblich mehrfach begangen am 
3. Mai 2021 und am 20. Juli 2021 in C.________, zum Nachteil der D.________ (AKS Ziff. I.4), 
ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten;

2. wegen 

2.1. Drohung, angeblich begangen am 8. Februar 2021 in Bern, zum Nachteil von E.________ 
(AKS Ziff. I.2);

2.2. wegen Tätlichkeiten, angeblich wiederholt begangen am 8. Februar 2021 in Bern, zum 
Nachteil von E.________ (AKS Ziff. I.3);

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten an den Kanton Bern. 

II.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der versuchten schweren Körperverletzung, angeblich mehrfach begangen 
am 1. April 2021 in Bern, zum Nachteil von F.________ (AKS Ziff. I.1);

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten an den Kanton Bern.

III.

A.________ wird hingegen schuldig erklärt:

der Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes, mehrfach begangen am

- am 1. Januar 2021 in Bern, zum Nachteil von G.________ (AKS Ziff. I.4);

- am 20. Juli 2021 auf der Strecke zwischen H.________ und I.________, zum Nachteil der 
J.________ (AKS Ziff. I.4);

und in Anwendung der Art. 47, 49 Abs. 1 und 2 StGB, Art. 57 Abs. 3 PBG, Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der regiona-
len Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 15. Februar 2021. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuld-
hafter Nichtbezahlung wird auf drei Tage festgesetzt.

2. zu den anteilsmässigen Verfahrenskosten von CHF 200.00 (vgl. Ziff. IV). Ohne schriftliche Be-
gründung betragen die Verfahrenskosten CHF 150.00.

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IV.

1. Die Verfahrenskosten werden wie folgt bestimmt:

Kosten der Untersuchung CHF 3’900.00
Anklagevertretung Staatsanwalt CHF 400.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 4’900.00
Total CHF 9’200.00
davon entfallend auf die Schuldsprüche CHF 200.00
davon entfallend auf die Einstellungen und Freisprüche CHF 9’000.00

2. Die Verfahrenskosten von CHF 9'000.00 trägt der Kanton Bern. Ohne schriftliche Begründung 
betragen die Verfahrenskosten CHF 8’450.00.

V.

Die amtliche Entschädigung für die Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwältin B.________ 
wird wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 39.00 200.00 CHF 7’800.00
Reisezuschlag CHF 450.00

CHF 234.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 8’484.00 CHF 653.25
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 9’137.25

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 9'137.25.

VI.

Die Zivilklage der K.________ wird auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 Bst. a StPO).

VII.

[Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

Dieses Urteil wurde am 22. Februar 2023 wie folgt berichtigt (Korrektur kursiv her-
vorgehoben; pag. 371):

[…]

III.

A.________ wird hingegen schuldig erklärt:

der Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes, mehrfach begangen am

- […]

- am 20. Mai 2021 auf der Strecke zwischen H.________ und I.________, zum Nachteil der 
J.________ (AKS Ziff. I.4);

[…]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland am 
22. August 2022 fristgerecht die Berufung an (pag. 330). Am 13. März 2023 folgte 

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form- und fristgerecht die Berufungserklärung der Generalstaatsanwaltschaft des 
Kantons Bern (nachfolgend: Generalstaatsanwaltschaft; pag. 380 ff.).

Der Beschuldigte erhob keine Anschlussberufung und machte keine Gründe für ein 
Nichteintreten auf die Berufung geltend (pag. 386).

Die K.________ liess sich als Straf- und Zivilklägerin im oberinstanzlichen Verfahren 
nicht vernehmen.

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden ein Strafregisterauszug, 
datierend vom 10. Januar 2024 (pag. 427 ff.), und ein Leumundsbericht samt Bericht 
über die wirtschaftlichen Verhältnisse über den Beschuldigten, datierend vom 
3. bzw. 8. Januar 2024 (pag. 421 ff.), eingeholt. Weiter wurden die Akten des bei der 
Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hängigen Strafverfahrens 23 6736 
wegen Sachbeschädigung ediert.

Von Seiten der Verteidigung wurden mit Eingabe vom 17. Januar 2024 weitere Un-
terlagen eingereicht (pag. 432 ff.).

An der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte einvernommen (pag. 450 ff.). 
Zudem wurde der Strafbefehl 23 6736 vom 23. Dezember 2023 bei der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland ediert und zu den Akten erkannt (pag. 474 ff.).

4. Verfahrensleitender Beschluss

Mit Blick auf die Beschränkung der Berufung wurde mit Beschluss vom 12. Mai 2023 
festgestellt, dass das Urteil der Vorinstanz teilweise in Rechtskraft erwachsen ist. 
Sodann wurde die K.________ als Straf- und Zivilklägerin ohne Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen aus dem Verfahren entlassen (pag. 396 ff.).

5. Anträge der Parteien

5.1 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte und begründete anlässlich der Berufungsver-
handlung folgende Anträge (pag. 477 f.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialge-
richt in Dreierbesetzung) vom 18. August 2022 in Rechtskraft erwachsen ist als

1. das Strafverfahren gegen A.________ eingestellt wurde:

1.1. wegen Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes, angeblich mehrfach begangen am 
3. Mai 2021 und am 20. Juli 2021 in C.________, zum Nachteil der D.________ (Ziff. I.4 
AKS);

1.2. wegen Drohung, angeblich begangen am 8. Februar 2021 in Bern, zum Nachteil von 
E.________ (Ziff. I.2 AKS);

1.3. wegen Tätlichkeiten, angeblich begangen am 8. Februar 2021 in Bern, zum Nachteil von 
E.________ (Ziff. I.3 AKS);

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2. A.________ schuldig erklärt wurde der Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes, mehr-
fach begangen am 1. Januar 2021 in Bern, zum Nachteil von G.________ und am 20. Mai 2021 
zwischen H.________ und I.________, zum Nachteil der J.________, und deswegen zu einer 
Übertretungsbusse von CHF 300.00 verurteilt wurde.

3. die Zivilklage der K.________ auf den Zivilweg verwiesen wurde.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären der versuchten schweren Körperverletzung, mehrfach begangen 
am 1. April 2021 in Bern, zum Nachteil von F.________

und er sei in Anwendung der
Art. 22, 40, 43, 46, 47, 122 StGB
Art. 422 und Art. 426 SPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten, wovon 10 Monate zu vollziehen sind und für 22 Monate 
der bedingte Vollzug zu gewähren ist, bei einer Probezeit von 3 Jahren;

2. zur Bezahlung der anteilsmässigen erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. einer 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

III.

Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl vom 4.5.2020 auferlegten Geldstrafe sei zu widerrufen, die 
Strafe sei zu vollziehen, unter Auferlage der Verfahrenskosten an A.________.

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen:

Das Honorar der amtlichen Verteidigerin sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

5.2 Anträge des Beschuldigten

Namens und im Auftrag des Beschuldigten stellte und begründete Rechtsanwältin 
B.________ folgende Anträge (pag. 479 f.; Hervorhebungen im Original):

I. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 18. August 2022 
insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als

1. das Verfahren gegen A.________ eingestellt wurde

1.1. wegen Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes, angeblich mehrfach begangen 
am 3. Mai 2021 und am 20. Juli 2021 in C.________, zum Nachteil der D.________,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten;

1.2. wegen

1.2.1. Drohung angeblich begangen am 8. Februar 2021 in Bern, zum Nachteil von 
E.________;

1.2.2. wegen Tätlichkeiten, angeblich wiederholt begangen am 8. Februar 2021 in Bern, 
zum Nachteil von E.________;

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten an den Kanton Bern;

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2. Herr A.________ schuldig gesprochen wurde der Übertretung des Personenbeförderungsgeset-
zes, mehrfach begangen,

2.1. am 1. Januar 2021 in Bern, zum Nachteil von G.________,

2.2. am 20. Juli 2021 auf der Strecke zwischen H.________ und I.________, zum Nachteil der 
J.________;

3. Herr A.________, verurteilt wurde zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00;

teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 
15. Februar 2021,

die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung auf 3 Tage festgesetzt wurde;

4. die Zivilklage der K.________ auf den Zivilweg verwiesen wurde;

5. das amtliche Honorar der Verteidigung vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland auf 
CHF 9'137.25 bestimmt wurde.

II. Herr A.________ sei freizusprechen von der Anschuldigung der versuchten schweren Körperver-
letzung, angeblich mehrfach begangen, am 01.04.2021, ca. 22:40 Uhr, in Bern, P.________, zum 
Nachteil von F.________ und am 01.04.2021, ca. 22:42 Uhr, in Bern, P.________, Q.________, 
zum Nachteil von F.________,

unter Auferlegung der anteilsmässigen erstinstanzlichen sowie der oberinstanzlichen Verfahrens-
kosten an den Kanton Bern und unter Ausrichtung einer angemessenen Entschädigung für die ge-
botene Verteidigung für das erst- und das oberinstanzliche Verfahren gestützt auf die eingereichten 
Kostennoten vom 16. August 2022 und 31. Januar 2024.

III. Das Widerrufsverfahren betreffend das Urteil der Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 
4. September 2020 sei einzustellen,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und unter Auferlegung der Verfahrenskosten an den Kanton 
Bern.

IV. Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das oberinstanzliche Verfahren sei gemäss Honorar-
note vom 31. Januar 2024 gerichtlich zu bestimmen.

V. Es seien die weiteren notwendigen Verfügungen zu erlassen.

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Nach Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil 
nur in den angefochtenen Punkten. Infolge der beschränkten Berufung durch die Ge-
neralstaatsanwaltschaft und mangels eigenständiger Berufung und/oder Anschluss-
berufung des Beschuldigten ist durch die Kammer der Freispruch wegen versuchter 
schwerer Körperverletzung, angeblich mehrfach begangen, zu prüfen und gegebe-
nenfalls eine Strafzumessung vorzunehmen. Untrennbar verbunden mit der im Rah-
men der Wahl der Strafart und des bedingten Vollzugs zu stellenden Legalprognose 
ist im Falle eines Schuldspruchs ein gegebenenfalls anzuordnender Widerruf (vgl. 
BGE 144 IV 383 E. 1.1.; Urteil des Bundesgerichts 6B_548/2011 vom 14. Mai 2012 
E. 3.; Urteil des Bundesgerichts 6B_802/2016 vom 24. August 2017 E. 3.2.). Im Falle 
eines Schuldspruchs ist demnach der Widerruf des mit Strafbefehl der Regionalen 

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Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 4. September 2020 gewährten beding-
ten Vollzugs einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 110.00 zu prüfen.

Hinsichtlich der Bestimmung der Höhe der amtlichen Entschädigung für die Vertei-
digung des Beschuldigten im erstinstanzlichen Verfahren ist das erstinstanzliche Ur-
teil ebenfalls in Rechtskraft erwachsen. Im Übrigen sind, soweit den Vorwurf der ver-
suchten schweren Körperverletzung betreffend, die Kosten- und Entschädigungsfol-
gen zu prüfen.

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der genannten Punkte über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 3 StPO). Aufgrund der Berufung der Generalstaatsanwaltschaft ist sie 
dabei nicht an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebun-
den.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Theoretische Grundlagen

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach sei-
ner freien, aus der Hauptverhandlung und den Akten gewonnenen Überzeugung 
(Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StPO). Freie Beweiswürdigung bedeutet, dass 
jede verurteilende Erkenntnis auf der aus der Beweiswürdigung geschöpften Über-
zeugung des Gerichts von der Schuld der beschuldigten Person beruhen soll. Die 
freie Beweiswürdigung gründet auf gewissenhaft festgestellten Tatsachen und logi-
schen Schlussfolgerungen; sie darf sich nicht auf blossen Verdacht oder blosse Ver-
mutung stützen (ESTHER TOPHINKE, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 3. Auflage 2023, N 58 und 61 zu Art. 10 StPO, m.w.H.). Bestehen un-
überwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der an-
geklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren 
Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). 

Der Grundsatz «in dubio pro reo» als Beweiswürdigungsregel besagt, dass sich das 
Gericht nicht von einem für die angeklagte Person ungünstigen Sachverhalt über-
zeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der 
Sachverhalt so verwirklicht hat. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel 
nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht 
verlangt werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrü-
ckende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage auf-
drängen. Liegen keine direkten Beweise vor, ist auch ein indirekter Beweis zulässig. 
Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtser-
heblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtser-
hebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine 
nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen 
und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lassen, können einen 
Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei ob-
jektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt so ver-
wirklicht hat (Urteile des Bundesgerichts 6B_781/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 

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3.2., 6B_300/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 3.2.2. und 6B_605/2016 vom 15. Sep-
tember 2016 E. 2.8.).

Wenn die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu überprüfen ist, ist nach Massgabe der 
modernen Aussagepsychologie weniger die allgemeine Glaubwürdigkeit oder Wahr-
haftigkeit der jeweiligen Aussageperson an sich, als vielmehr die spezielle Glaub-
würdigkeit oder Glaubhaftigkeit ihrer im Einzelfall zu überprüfenden, konkreten Aus-
sage von Bedeutung (ARMIN NACK, Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit, in: Krimi-
nalistik 4/95, S. 257 ff. mit Hinweisen). Im Sinne der sogenannten Undeutsch-Hypo-
these ist davon auszugehen, dass sich die Aussagen über selbst erlebte Ereignisse 
in ihrer Qualität von erfundenen Aussagen unterscheiden.

Eine glaubhafte Aussage ist klar, individuell und strukturgleich sowie im nachprüfba-
ren Tatsachenkern umfangreich und detailliert. Die Aussageperson legt in der Aus-
sagesituation ein natürliches, dem Inhalt der Aussage adäquates Verhalten an den 
Tag und erzählt das Erlebte anschaulich, detailreich und flüssig. Weitere 
Unterschiede zeigen sich beispielsweise bei Eingeständnis von Erinnerungslücken 
oder auch Entlastung des Angeschuldigten (vgl. zum Ganzen MARCO FERRARI, Er-
kenntnisse aus der Aussagepsychologie, in: plädoyer 4/09, S. 35 ff.; BGE 129 I 49 
E. 5. S. 58 mit weiteren Hinweisen). Bei der konkreten Aussageanalyse, die von 
zentraler Bedeutung ist, d.h. der kritischen Würdigung des Aussagetextes, wird un-
terschieden zwischen den «Realitätskriterien» und den «Phantasie- und/oder Lügen-
signalen» (ROLF BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaus-
sagen, in: SJZ 81/1985, S. 56-57).

8. Vorwurf gemäss Anklageschrift (pag. 228 ff.)

Dem Beschuldigten wird zunächst vorgeworfen, sich am 1. April 2021 um ca. 
22:40 Uhr in Bern, P.________, am Fuss der Rolltreppe nahe R.________, wie folgt 
zum Nachteil von F.________ verhalten zu haben:

A.________ und F.________ gerieten auf der Rolltreppe beim P.________ in einen Streit, schubsten 
sich und umkreisten sich, einander zugewandt. F.________ ging dann mit einer Getränkedose in der 
linken Hand auf A.________ zu. A.________ schlug unvermittelt mit der rechten Faust mit grosser Kraft 
gegen die linke Kopfseite von F.________. F.________ stolperte nach rechts. Dann bückte F.________ 
sich, um die Getränkedose auf den Boden zu stellen, wobei er seinen Kopf etwa auf der Hüfthöhe von 
A.________ hielt. Als A.________ dies sah, machte er mit seinem rechten Fuss einen grossen Schritt 
auf F.________ zu und trat aus dem Schwung heraus und mit einer leichten Hüftdrehung mit seinem 
linken Fuss mit grosser Kraft gegen den Kopf von F.________. F.________ war schon wieder dabei, 
sich aufzurichten, und versuchte vor dem Tritt zurückzuweichen, wurde aber am unteren Kopf getroffen. 
Durch den Tritt wurde ein Zahn unten rechts im Mund des F.________ zerbrochen.

Bei seinem Schlag und Tritt nahm A.________ zumindest billigend in Kauf, F.________ lebensgefähr-
lich zu verletzen, ein wichtiges Organ zu verstümmeln oder unbrauchbar zu machen, dessen Gesicht 
arg und bleibend zu entstellen oder eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen 
oder geistigen Gesundheit des Opfers zu verursachen (u.a. naheliegende Möglichkeit der Brüche des 
Schädels mit entsprechenden Blutungen auch im Schädelinnern, Hirnblutungen, schwere Verletzungen 
der Augen).

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Anschliessend zog F.________ seinen Rucksack aus und ging auf A.________ los. Es kam zu einem 
ca. 20 Sekunden dauernden Gerangel zwischen F.________ und A.________. Die beiden versuchten 
gegenseitig, sich in den Schwitzkasten zu nehmen, mit der Faust zu schlagen oder mit dem Fuss zu 
treten, ohne dabei den anderen wirkungsvoll zu treffen. Dann entfernte sich A.________ von 
F.________ und kreiste über eine Minute lang im P.________ umher, während F.________ ihn ver-
folgte. Beide blieben zwischendurch stehen. Es wäre A.________ dabei ohne Weiteres möglich gewe-
sen, sich durch konsequentes und schnelles Wegbewegen in eine Richtung von F.________ zu entfer-
nen. Stattdessen forderte er F.________ wiederholt auf, ihm zu folgen.

Weiter soll sich der Beschuldigte am 1. April 2021, um ca. 22:43 Uhr in Bern, 
P.________, in der Q.________, wie folgt zum Nachteil von F.________ verhalten 
zu haben:

A.________ und F.________ hatten sich bereits zuvor geschlagen. A.________ ging nun rückwärts die 
Q.________ entlang und forderte F.________ dabei auf, ihm zu folgen, was dieser auch tat. 
A.________ wusste aufgrund des vorangehenden Kampfes, dass F.________ – auch aufgrund von 
dessen Alkohol- und eventuellen Drogenkonsums – sich gegen einen überraschenden Schlag nicht 
effektiv würde wehren können. F.________ ging mit herunterhängenden Armen und gleichmässigen 
Schritten in entspanntem Gang auf A.________ zu und war noch ca. 1m von diesem entfernt. In diesem 
Moment stellte der zuvor auf den Fussballen in kleinen Boxerschritten rückwärts gehende A.________ 
ohne Vorwarnung gemäss der von ihm beherrschten Kampfsporttechnik seinen rechten Fuss nach aus-
sen abgewinkelt fest ab und führte mit dem ausgestreckten linken Bein mit voller Kraft einen schnellen 
Drehtritt gegen den Kopf von F.________ aus, wobei er ihn ungebremst mit dem Turnschuh an der 
rechten Gesichtsseite traf. F.________ fiel sofort bewusstlos rückwärts auf den Steinboden, ohne sei-
nen Aufprall mit einer Reaktion bremsen zu können. A.________ ging zuerst noch kampfbereit auf den 
liegenden F.________ zu und sah dann, dass dieser sich nicht mehr bewegte. Daraufhin zog 
A.________ seine Kapuze über den Kopf und rannte weg. F.________ blieb zuerst regungslos liegen 
und konnte erst nach ca. 40 Sekunden durch die wiederholte Einwirkung von Passanten wieder geweckt 
werden.

Bei seinem Tritt nahm A.________ zumindest billigend in Kauf, F.________ lebensgefährlich zu verlet-
zen, ein wichtiges Organ zu verstümmeln oder unbrauchbar zu machen, dessen Gesicht arg und blei-
bend zu entstellen oder eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geis-
tigen Gesundheit des Opfers zu verursachen (u.a. naheliegende Möglichkeit der Brüche des Schädels 
mit entsprechenden Blutungen auch im Schädelinnern, Hirnblutungen, schwere Verletzungen der Au-
gen).

Vom Tritt erlitt F.________ nebst der kurzzeitigen Bewusstlosigkeit einen Bluterguss beim rechten 
Auge, sowie mehrere Tage anhaltende Schmerzen im Hals- und Nackenbereich.

9. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Das Rahmengeschehen ist im Wesentlichen unbestritten: Der Beschuldigte und 
F.________ trafen am 1. April 2021, um ca. 22:40 Uhr, auf der Rolltreppe, welche 
aus der Richtung der Polizeiwache im P.________ Bern zum R.________ hinunter-
führt, aufeinander. Es folgte eine rund fünf Minuten andauernde Auseinanderset-
zung, welche sich zunächst unten bei der Rolltreppe abspielte, sich danach zum 
R.________ verlagerte und schliesslich in der Q.________ ihr Ende fand. Unbestrit-
ten ist sodann, dass der Beschuldigte F.________ in der Q.________ einen Fusstritt 

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verpasste, worauf Letzterer zu Boden ging und dort während einiger Sekunden lie-
gen blieb. Passanten halfen ihm schliesslich dabei, aufzustehen. Der Beschuldigte 
drehte sich nach diesem Fusstritt um, zog die Kapuze über den Kopf und rannte weg. 
Unbestritten ist weiter, dass der Beschuldigte während des Vorfalls alkoholisiert war 
(Wert von 0,6 mg/l; pag. 6).

Das Kerngeschehen blieb indessen bestritten. Dies gilt insbesondere hinsichtlich des 
vorgeworfenen Faustschlags und Fusstritts im Rolltreppenbereich sowie der Beweg-
gründe des Beschuldigten, der zusammengefasst geltend macht, er habe sich ge-
genüber F.________ wehren müssen.

10. Beweismittel

Für die vorhandenen Beweismittel wird zunächst auf die Auflistung der Vorinstanz 
verwiesen (pag. 343 f., Ziff. III.1.1.2. und Ziff. III.1.1.3. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung).

Wie aus der nachfolgenden Beweiswürdigung hervorgeht, kommt den vorhandenen 
Videoaufnahmen der Überwachungskameras des P.________ besonderer Beweis-
wert zu (pag. 78 bzw. 82). Es handelt sich hierbei um folgende Videoaufnahmen, 
wobei sich der Aufnahmezeitpunkt jeweils überschneidet:

- L.________ Beginn der Auseinandersetzung (Rolltreppe), Aufnahmezeit am 1. 
April 2021 von 22:39:59 bis 22:43:00 (nachfolgend: Videoaufnahme 1);

- M.________: Mittlerer Teil der Auseinandersetzung rund um den R.________, 
Aufnahmezeit am 1. April 2021 von 22:39:59 bis 22:43:00 (nachfolgend: Vi-
deoaufnahme 2);

- N.________ Ende der Auseinandersetzung in der Q.________, Aufnahmezeit 
am 1. April 2021 von 22:41:59 bis 22:45:00 (nachfolgend: Videoaufnahme 3).

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte erneut einvernommen 
(pag. 450 ff.).

Ergänzend ist festzuhalten, dass keine medizinischen Unterlagen vorliegen.

Auf die Vorbringen des Beschuldigten und – soweit von Relevanz – auf die Beweis-
mittel wird im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung eingegangen.

11. Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete die Aussagen des Beschuldigten im Wesentlichen als 
glaubhaft und stellte grossmehrheitlich darauf ab. Zusammenfassend gelangte sie 
daher zu folgenden Schlüssen: Hinsichtlich des Beginns der Auseinandersetzung 
bei der Rolltreppe ging sie von einem «kaskadenhaften» Verhalten des Beschuldig-
ten aus. Der Beschuldigte habe zunächst den Arm ausgestreckt, um damit diejenige 
Distanz anzuzeigen, bei deren Unterschreitung F.________ eine Abwehr zu erwar-
ten habe; als dies nichts genützt habe, habe er F.________ mit der offenen Hand 
von sich gestossen, worauf sich dieser allerdings nicht zurückgezogen habe, son-
dern das Bier auf den Boden gestellt habe. Erst dann habe der Beschuldigte mit 
mässiger Kraft in die Richtung von F.________ getreten. Letzterer habe beharrlich 
versucht, sehr nahe an den Beschuldigten heranzukommen, was unnötig gewesen 

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wäre, hätte er tatsächlich nur mit dem Beschuldigten sprechen wollen. Der Beschul-
digte habe im Rahmen des Geschehens rund um den R.________ im P.________ 
Bern mehrere «Fluchtversuche» unternommen, indem er zunächst längere Zeit ver-
sucht habe, auf Distanz zu gehen und Hilfe zu holen, während F.________ ihn una-
blässig verfolgt habe. Er habe sich in der Q.________ mit dem Tritt gegen den Kopf 
von F.________ vor einem unmittelbar drohenden erneuten Angriff durch diesen 
schützen wollen (pag. 344 ff., Ziff. III.1.2. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Es kann vorweggenommen werden, dass die Kammer den Erwägungen der Vor-
instanz gestützt auf das in den Videoaufnahmen 1-3 dokumentierte Geschehen – 
wie die nachfolgende Beweiswürdigung erhellt – in weiten Teilen nicht folgen kann.

12. Konkrete Beweiswürdigung der Kammer

12.1 Vorbemerkungen

In Anlehnung an den Aufbau der Anklageschrift lässt sich der Ablauf des Gesche-
hens in drei Phasen aufteilen. Die erste Phase umfasst den Beginn der Auseinan-
dersetzung bei der Rolltreppe (1. Vorwurf der versuchten schweren Körperverlet-
zung). Die zweite Phase betrifft das Geschehen rund um und unmittelbar am 
R.________ des P.________. Der dritten Phase wird schliesslich die Situation bei 
der Q.________ (2. Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung) zugeord-
net. In der nachfolgenden Beweiswürdigung wird zunächst auf das Aussageverhal-
ten des Beschuldigten und von F.________ eingegangen, worauf das Geschehen in 
den drei Phasen im Einzelnen sowie die inneren Vorgänge des Beschuldigten im 
Besonderen beleuchtet werden.

Vorab ist sodann festzustellen, dass die Aussagen von O.________ – wie die Vor-
instanz erläutert hat (pag. 344, S. 10 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung) – 
keine Rückschlüsse auf das eigentliche Kerngeschehen zulassen, weshalb sie kei-
nen Eingang in die nachfolgende Beweiswürdigung gefunden haben.

12.2 Aussageverhalten des Beschuldigten

Die Aussagen des Beschuldigten fallen durch Bagatellisierungen sowie Schutzbe-
hauptungen auf und überzeugen nicht.

Im Rahmen seiner Spontanaussagen nach dem Vorfall – als er noch nicht anwaltlich 
vertreten war – hat der Beschuldigte gegenüber der Polizei offenbar von gegenseiti-
gen Tätlichkeiten und von Faustschlägen gesprochen, die er F.________ gegeben 
haben will. Von einem Fusstritt war nicht die Rede (vgl. pag. 7).

Weiter sagte der Beschuldigte in seiner ersten Einvernahme zunächst – bereits mit 
anwaltlichem Beistand – mehrfach aus, er könne sich nicht an die «Hänglerei» erin-
nern. An das, was in der «Hänglerei» passiert sei, könne er sich nicht erinnern. Der 
letzte «Roundhouse-Kick» sei ihm geblieben, alles vorher nicht (pag. 26, Z. 200 ff. 
und Z. 207). Andererseits sagte er, er habe das nicht so in Erinnerung, dass er 
F.________ einen Faustschlag verpasst habe (pag. 25, Z. 194). Es seien keine 
Faustschläge gewesen. Vielleicht mit der offenen Handfläche, aber keine Faust-
schläge (pag. 26, Z. 243 f.). Diese Aussagen stimmen zum einen nicht mit seinen 

12

Spontanaussagen gegenüber der Polizei überein, wo er von Faustschlägen gespro-
chen hat, zum andern wirken sie bagatellisierend. 

Auch in der nächsten Einvernahme blieb der Beschuldigte dabei: «Was Sie als mei-
nen ersten Faustschlag bezeichnen, sehe ich als ein Wegstossen des Kopfes von 
F.________ mit der offenen Hand.» (pag. 45, Z. 148-149). An der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung gab er an, als Warnschuss einen Schlag mit der offenen Hand 
durchgeführt zu haben (pag. 296, Z. 30 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung 
machte er wiederum ein Wegstossen mit der offenen Hand geltend (pag. 458, 
Z. 20 f.). Wiederum ist nebst Widersprüchen die Bagatellisierungstendenz eindeutig. 
Wie hiernach im Einzelnen dargelegt wird, ist auf der Videoaufnahme 1 ganz klar ein 
gerader Schlag und kein Wegstossen zu sehen.

Ähnlich sieht es auch bezüglich des ersten Fusstritts in Phase 1 im Besonderen aus: 
Zunächst hat der Beschuldigte ausgesagt, er könne sich nicht daran erinnern 
(pag. 26, Z. 200). Später wusste er aber einerseits, dass er mit diesem Fusstritt habe 
signalisieren wollen, dass F.________ ihm nicht näherkommen solle (pag. 44, 
Z. 111 f.) und andererseits, dass er nicht mit voller Kraft (pag. 44, Z. 119) bzw. nicht 
mit Elan gewesen sei, es habe sich nur um eine Warnung gehandelt (pag. 296, 
Z. 39 f.). Letzteres gab er auch anlässlich der Berufungsverhandlung an, bei welcher 
er zudem auch wissen wollte, dass er F.________ mit diesem Fusstritt nicht getroffen 
habe (pag. 458, Z. 23). Der Beschuldigte konnte sich offenbar Jahre nach dem Vor-
fall besser daran erinnern, als im Rahmen seiner tatnächsten Einvernahme, was 
ebenfalls gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht.

Anhand dieser Beispiele sind bereits zahlreiche Lügensignale klar erkennbar. Ent-
scheidend ist vor allem auch, dass die Aussagen nicht mit dem Geschehen überein-
stimmen, welches den Videoaufnahmen zu entnehmen ist. Auf die Aussagen des 
Beschuldigten kann deshalb, insbesondere auch hinsichtlich seines Motivs und der 
geltend gemachten Notwehr, nicht unbesehen abgestellt werden. Darauf wird in der 
nachfolgenden Würdigung der einzelnen Phasen eingegangen.

12.3 Aussageverhalten von F.________

F.________ gelang es, ohne Vorhalt der Videoaufnahmen den Vorfall frei zu schil-
dern. Soweit er sich erinnern konnte, imponieren seine Aussagen durch Realkenn-
zeichen. So gab er seine Erinnerungslücken offen zu (pag. 61, Z. 38 f.) und belastete 
den Beschuldigten nicht unnötig. Sein eigenes Verhalten rückte er nicht in ein be-
sonders positives Licht, gab er doch beispielsweise zu, den Beschuldigten auch ge-
packt zu haben (pag. 61, Z. 28 f.), ihm hinterhergelaufen zu sein und ihn angeschrien 
zu haben (pag. 61, Z. 42). Konstant schilderte er sodann seine Verletzungen, wobei 
er insbesondere mehrfach ein abgebrochenes Zahnstück erwähnte (pag. 61, Z. 29 f., 
53 und 56). Diese Verletzung erwähnte er offenbar auch gegenüber dem Beschul-
digten (pag. 22, Z. 39; pag. 24, Z. 123).

Soweit vorhanden, decken sich die Aussagen von F.________ insgesamt mit den 
auf den Videoaufnahmen 1-3 ersichtlichen Ereignissen. Die Kammer erachtet seine 
Aussagen daher als glaubhaft.

13

12.4 Zur Phase 1 (Geschehen bei der Rolltreppe)

Auf der Videoaufnahme 1 ist um ca. 22:40:31 Uhr zu sehen, wie der Beschuldigte 
und F.________ die Rolltreppe beim R.________ hinuntergingen. F.________ be-
fand sich hierbei vor dem Beschuldigten. F.________ war kurz zwischen der rechten 
Seite der sich dort befindenden Säule und der Reklametafel zu sehen. Sein Arm hing 
etwas angewinkelt nach unten und er schien seinen Blick nach vorne gerichtet zu 
haben. Der Beschuldigte ist zeitgleich auf der linken Seite der Säule auf der Roll-
treppe zu sehen. Auch sein Blick schien nach vorne gerichtet zu sein. Um ca. 
22:40:32 Uhr waren die Beteiligten nicht mehr zu sehen. F.________ befand sich 
hinter der Reklametafel und der Beschuldigte war aufgrund der die Sicht versperren-
den Säule ebenfalls verdeckt, wobei er kurz darauf auf der rechten Seite der Säule 
erschien. Um ca. 22:40:33 Uhr befanden sich beide hinter der Reklametafel. Zwei 
Sekunden später verliess F.________ die Rolltreppe rückwärts mit ausgestreckten 
Armen.

Hinsichtlich des Auslösers der Auseinandersetzung erachtet die Kammer das Nar-
rativ des Beschuldigten, wonach F.________ am unteren Teil der Rolltreppe stehen-
geblieben und der Beschuldigte in der Folge in diesen reingelaufen sei (pag. 23, 
Z. 80 f.; pag. 296, Z. 27 f.), mit Blick auf die Videoaufnahme 1 als plausibel, da die 
beiden Beteiligten erst am Fuss der Rolltreppe aneinandergerieten. Mit der Vorin-
stanz ist festzustellen, dass sie zuvor mit etwas Distanz zueinander mit vorwärts ge-
richtetem Blick die Rolltreppe hinuntergingen, was gegen eine Konversation als Aus-
löser des Streits spricht. Im Ergebnis kann der Auslöser der Auseinandersetzung 
jedoch offenbleiben. Anhand der Videoaufnahme 1 wird auf jeden Fall deutlich, dass 
F.________ versucht, den Beschuldigten zurück auf die Rolltreppe zu drängen bzw. 
ihn nicht aus dem Rolltreppenbereich herauszulassen (ca. 22:40:35 Uhr). In diesem 
Zeitpunkt ist eine verbale Auseinandersetzung bereits eindeutig erkennbar. Der Be-
schuldigte bewegt sich frontal auf F.________ zu, bewegt sich so aus dem Rolltrep-
penbereich und schubst währenddessen F.________ mit ausgestreckten Armen (ca. 
22:40:36 Uhr).

Ab ca. 22:40:39 Uhr ist zu sehen, wie F.________ auf den Beschuldigten zuging, 
während letzterer kreisförmig um ihn herumlief, ohne F.________ den Rücken zuzu-
drehen. Hierbei bewegte sich F.________ deutlich langsamer als der Beschuldigte, 
liess den rechten Arm hängen und hielt in der linken Hand ein Bier, wobei er den 
Arm leicht angewinkelt hatte; demgegenüber hatte der Beschuldigte seine Arme na-
hezu durchgehend angewinkelt auf Brusthöhe. Um ca. 22:20:46 Uhr ist zu sehen, 
wie der Beschuldigte die verbale Auseinandersetzung zu einer tätlichen werden 
liess, indem er mit dem rechten Arm seitlich auf die linke Kopfhälfte von F.________ 
einwirkte.

Die Vorinstanz ist hinsichtlich dieses Einwirkens zum Schluss gekommen, ein Weg-
stossen mit der offenen Hand könne nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden 
(vgl. pag. 346, S. 12 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). In der Urteilsbegrün-
dung schrieb sie dann weiter hinten trotzdem vereinzelt von einem «Schlag». Der 
Beschuldigte sagte aus, er habe F.________ keinen Faustschlag gegeben, sondern 
ihn mit der offenen Hand geschlagen bzw. weggestossen (pag. 25, Z. 194; pag. 26, 
Z. 243 f.; pag. 27, Z. 255 f.; pag. 43, Z. 62, 71 und 78; pag. 44, Z. 101; pag. 45, 

14

Z. 148 f.; pag. 296, Z. 30 f.; pag. 458, Z. 20 f.). Gestützt auf die Videoaufnahme 1 
wird eindeutig, dass es sich um einen geraden Schlag handelte, mit dem der Be-
schuldigte F.________ traf. Dieser musste als Folge des Schlags das Gewicht ver-
lagern. Zwar ist keine weite Ausholbewegung des Beschuldigten erkennbar; an die-
ser Stelle ist indessen an dessen Kampfsporterfahrung zu erinnern, welche im Rah-
men der drei Phasen mehrfach zu Tage trat. Der Beschuldigte hatte im Zeitpunkt des 
Vorfalls bereits seit drei bis vier Jahren das Thaiboxtraining besucht und war ent-
sprechend geübt (pag. 457, Z. 21 ff.). Die Kammer geht gestützt auf die Videoauf-
nahme 1 davon aus, dass der Beschuldigte unter Ausnützung seiner Kampfsporter-
fahrung unvermittelt und ohne weite Ausholbewegung mit einem geraden Schlag auf 
die linke Kopfhälfte F.________ einwirkte, sodass dieser sein Gewicht verlagern 
musste. Von einem blossen Wegstossen kann nach dem Gesagten keine Rede sein. 
Indes sind keine Verletzungen dokumentiert, welche auf diesen Schlag zurückzu-
führen wären. Ob der Schlag mit der offenen Hand oder mit der Faust erfolgt ist, 
muss letztlich offen gelassen werden, spielt mit Blick auf den nachfolgenden Fusstritt 
aber auch keine Rolle. Einiges spricht für einen Faustschlag beispielsweise, dass er 
in den 2-3 Sekunden nach dem Schlag seine Hände zu Fäusten geballt bewegte und 
dass ein Schlag mit der offenen Hand für einen Thaiboxer eher untypisch ist. Letzte-
res erklärte auch der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung schlüssig 
(pag. 457, Z. 32 ff.).

Unmittelbar nach der Gewichtsverlagerung bückte sich F.________, um sein Bier 
abzustellen, wobei er seinen Kopf etwa auf der Hüfthöhe des Beschuldigten hielt (ca. 
22:40:48 Uhr). Gleichzeitig machte der Beschuldigte einen relativ grossen Ausfalls-
chritt nach vorne und trat F.________, als dieser dabei war, sich wieder aufzurichten, 
mit gestrecktem linken Bein zielgerichtet gegen die rechte Kopfregion (ca. 22:40:48-
22:40:49 Uhr). F.________ versuchte hierbei noch, vor dem Fusstritt zurückzuwei-
chen, was ihm indessen nicht gelang. Deutlich wird bei diesem Fusstritt wiederum 
die Kampfsporterfahrung des Beschuldigten. Dass der Beschuldigte F.________ am 
Kopf traf, ist eindeutig. Der Beschuldigte hat den Fusstritt auch voll durchgezogen. 
Auf der Videoaufnahme ist insbesondere auch kein Zögern oder Dosieren, um 
Schlimmeres zu vermeiden, erkennbar. Der Beschuldigte führte anlässlich der Beru-
fungsverhandlung nachvollziehbar aus, dass das Timing bei solchen Fusstritten das 
Wichtigste sei (pag. 460, Z. 1 ff.). Dieses Timing hatte der Beschuldigte, zumal er 
F.________ trat, als dieser dabei war, sich wieder aufzurichten. Ob durch diesen 
Tritt ein Zahn unten rechts im Mund von F.________ zerbrach, wie dieser dies schil-
derte (pag. 61, Z. 28 ff., 53 und 56), kann mit Blick auf die Ausführungen unter «III. 
Rechtliche Würdigung» offenbleiben.

Die Aussagen des Beschuldigten zu diesem Fusstritt sind, wie in E. 12.2. bereits 
dargelegt, von Widersprüchen gespickt; zudem sticht die Bagatellisierungstendenz 
ins Auge. Die Aussagen des Beschuldigten sind darum nicht geeignet, Zweifel am in 
der Videoaufnahme 1 deutlich erkennbaren Fusstritt aufkommen zu lassen. 
Zunächst wollte er sich nicht an den Fusstritt erinnern (pag. 7; pag. 26, Z. 200). 
Später gab er an, F.________ mit dem Fuss nicht getroffen zu haben (pag. 458, 
Z. 23). Beide Versionen decken sich nicht mit dem Geschehen, welches die Vi-
deoaufnahme 1 zeigt.

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Hinsichtlich des Schlags und des Fusstritts in Phase 1 machte der Beschuldigte im 
Wesentlichen geltend, er habe sich gegenüber F.________ wehren müssen, der ihn 
bedrängt habe (pag. 296, Z. 29 ff.; pag. 458, Z. 13 ff.; pag. 462, Z. 10 ff.). Dieses 
Narrativ überzeugt nicht. Aus der Videoaufnahme 1 geht – wie hiervor dargelegt – 
eindeutig hervor, dass es der Beschuldigte war, der die verbale Auseinandersetzung 
zu einer tätlichen werden liess. Er hat F.________ zuerst geschlagen und kurz nach-
her auch noch getreten, ohne auf eine Reaktion von ihm zu warten. Zwischen Schlag 
und Fusstritt gab es keine «Pause», im Gegenteil: Der Beschuldigte zögerte nicht, 
als er F.________ schlug und trat; dieser hatte bis dahin noch gar keine Anstalten 
gemacht, selber gegen den Beschuldigten tätlich zu werden. Eine Abwehrhaltung 
des Beschuldigten ist ebenfalls nicht zu erkennen. F.________ liess sich – wie im 
Nachfolgenden dargelegt wird – erst nach diesem Fusstritt auf die tätliche Ausein-
andersetzung ein. Auch das Abstellen des Biers spricht angesichts des unmittelbar 
zuvor erlittenen Faustschlags eher dafür, dass sich F.________ gegen weitere 
Schläge besser verteidigen wollte. Auch anderweitige Anhaltspunkte, welche einen 
kurz bevorstehenden tätlichen Angriff von F.________ gegenüber dem Beschuldig-
ten implizieren würden, sind der Videoaufnahme 1 vor dem Schlag und dem Fusstritt 
nicht zu entnehmen.

Zu sehen ist sodann eindeutig, dass der Beschuldigte stets hätte davonlaufen kön-
nen, sei dies in die Richtung der Polizeiwache, der S.________, des T.________ 
oder der U.________. F.________ bewegte sich insgesamt deutlich langsamer als 
der Beschuldigte, weshalb nicht davon auszugehen ist, dass er den Beschuldigten 
eingeholt hätte, wäre letzterer davongelaufen. Die Aussagen des Beschuldigten zum 
Geschehen gemäss Phase 1 decken sich somit nicht mit dem Geschehen gemäss 
der Videoaufnahme 1 und sind demnach nicht glaubhaft. Widersprüchlich erschei-
nen seine Aussagen insbesondere mit Blick auf seine Ausführungen, wonach er sich 
sicher nicht davonjagen lasse (pag. 27, Z. 268), er nicht gerne wegrenne (pag. 458, 
Z. 31) und nicht eingesehen habe, wieso er davonrennen müsse (pag. 464, Z. 5 f.). 
Auch gestützt auf diese Aussagen liegt der Schluss nahe, dass der Beschuldigte 
bewusst in der Auseinandersetzung verblieb. Ein Wegrennen wäre denn auch nicht 
nötig gewesen; ein stetes Entfernen vom Geschehen hätte angesichts des deutlich 
langsameren Schritttempos von F.________ ohne weiteres genügt.

Aus denselben Gründen überzeugen auch die erstinstanzlichen Ausführungen 
hierzu nicht. Es kann entgegen der Vorinstanz insbesondere keineswegs von einem 
«kaskadenhaften Verhalten» des Beschuldigten gesprochen werden. Der Beschul-
digte hat zwar, als er aus dem Rolltreppenbereich kam, kurz den Arm ausgestreckt. 
Das war aber nur kurz. Anschliessend hatte der Beschuldigte den Arm einige Se-
kunden nicht mehr ausgestreckt und dann kamen kurz nacheinander der Schlag und 
der erste Fusstritt von seiner Seite her.

12.5 Zur Phase 2 (Zwischenphase)

Unmittelbar nach diesem Fusstritt zog F.________ seine Hose hoch und liess seinen 
Rucksack auf den Boden fallen (Videoaufnahme 1, ca. 22:40:52 Uhr). Er ging auf 
den Beschuldigten los, worauf ein ca. 20 Sekunden dauerndes Gerangel zwischen 
den Beiden folgte. Es ist zu sehen, wie sie gegenseitig versuchten, sich in den 

16

Schwitzkasten zu nehmen bzw. die Oberhand im Kampf zu gewinnen (Videoauf-
nahme 1, ca. 22:41:05-22:41:09) und mit der Faust zu schlagen oder mit dem Fuss 
zu treten, ohne dabei den anderen wirkungsvoll zu treffen (Videoaufnahme 1, ca. 
22:40:50, 22:41:00 und 22:41:11 Uhr). Entgegen der Vorinstanz ist auf der Videoauf-
nahme nicht ersichtlich, dass F.________ den Beschuldigten im Schwitzkasten 
hatte. Um ca. 22:41:13 Uhr rannte der Beschuldigte aus dem Bereich vor der Roll-
treppe in die Richtung des Treffpunkts. Es folgte ein ca. 39 Sekunden dauerndes 
Katz- und Mausspiel, während dem F.________ dem Beschuldigten beharrlich hin-
terherging und verbal mit ihm kommunizierte. Der Beschuldigte seinerseits schuf Di-
stanz zwischen sich und F.________, lief ihm aber nicht gänzlich davon, sondern 
wartete stets, bis F.________ ihm hinterherkam bzw. begab sich – nachdem die Di-
stanz zwischen ihnen grösser geworden war – wieder auf diesen zu. Auch machte 
der Beschuldigte heranwinkende Handgesten (Videoaufnahme 2, ca. 22:41:13-
22:41:52 Uhr). Hierbei bewegten sie sich im Kreis um die Sitzbänke beim 
R.________, um Ticketautomaten und an Passanten vorbei. Der Beschuldigte 
berührte kurz den Arm eines Mannes mit einer orangen Leuchtweste (Videoauf-
nahme 2, ca. 22:41:24 Uhr). Dieser gehörte wohl zum Reinigungspersonal, da 
zunächst zu sehen ist, wie er Abfalleimer leert (Videoaufnahme 2, ca. 22:41:30-
22:41:45 Uhr). Er unterbrach seine Arbeit, um sich zum R.________ in die Nähe des 
Geschehens zu begeben und nahm – den Blick auf das Geschehen gerichtet – sein 
Mobiltelefon hervor, um wohl das Sicherheitspersonal zu kontaktieren (Videoauf-
nahme 2, ca.22:40:45-22:41:50 Uhr). Dass der Beschuldigte bei dieser Berührung 
um Hilfe gebeten hätte, ist auf der Videoaufnahme nicht ersichtlich.

Hinsichtlich der Handgesten bestritt auch der Beschuldigte selber nicht, F.________ 
zu sich gewinkt zu haben (pag. 462, Z. 25 ff.). Er habe F.________ damit in der 
Hoffnung, dass dann vielleicht diese Selbstsicherheit etwas nütze, zeigen wollen, er 
solle kommen, sie würden gefilmt und er werde schon sehen (pag. 462, Z. 25 ff.). 
Diese Aussagen überzeugen nicht. Deutlich wird anhand der Videoaufnahmen, dass 
er in der Auseinandersetzung verbleiben wollte, und demnach ein Verständnis, wo-
nach F.________ kommen solle, zwar durchaus Sinn macht. Auch der Hinweis des 
Beschuldigten gegenüber F.________ auf die Kameras lässt sich den Videoaufnah-
men entnehmen (Videoaufnahme 1, ca. 22:42:22 Uhr). Die Darstellung, wonach er 
dieses Verhalten in der Hoffnung, dass dann diese «Selbstsicherheit» etwas nütze, 
an den Tag gelegt habe, deckt sich indessen nicht mit den auf den Videoaufnahmen 
erkennbaren Geschehnissen. Es ist daran zu erinnern, dass es der Beschuldigte 
war, der die verbale Auseinandersetzung zu einer tätlichen werden liess (vgl. E. 12.4. 
hiervor).

Das Geschehen verlagerte sich ab ca. 22:41:52 Uhr in die Q.________, wobei der 
Beschuldigte vorauslief (Videoaufnahme 1, ca. 22:41:52-22:42:39 Uhr). Hierbei ging 
er wiederum schneller als F.________, der ihm strammen Schrittes folgte. Da der 
Beschuldigte zeitweise – den Blick auf F.________ gerichtet – stehen blieb, vergrös-
serte sich der Abstand von einigen Metern zwischen den Beiden trotz der unter-
schiedlichen Schritttempi nicht bedeutend. Eindeutig ist, dass sie währenddessen 
verbal kommunizierten.

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Auch dieser zweiten Phase lassen sich entgegen der Vorinstanz keine Anhalts-
punkte für irgendwelche «Fluchtversuche» vonseiten des Beschuldigten ausma-
chen. Im Gegenteil ist mehrfach zu sehen, wie der Beschuldigte zu F.________ her-
anwinkende Handgesten machte (Videoaufnahme 2, ca. 22:41:13-22:41:52 Uhr; Vi-
deoaufnahme 1, ca. 22:41:52-22:42:39 Uhr). Dem Beschuldigten war es auch in die-
ser Phase stets unbenommen, davonzulaufen, wobei er sich angesichts des deutlich 
langsameren Schritttempos von F.________ auch nicht besonders schnell hätte 
wegbewegen müssen, um sich vom Geschehen zu distanzieren. Stattdessen liess 
der Beschuldigte den Abstand nicht grösser werden, indem er immer wieder stehen 
blieb und auf F.________ wartete. Im Widerspruch zu diesem Verhalten des Be-
schuldigten stehen im Übrigen seine Aussagen, er habe F.________ immer wieder 
gesagt, er solle ihm nicht nachgehen bzw. auf Abstand bleiben (pag. 24, Z. 120 f.; 
pag. 25, Z. 166 f.; pag. 27, Z. 277 f.; pag. 29, Z. 394 f.; pag. 43, Z. 66 f.; pag. 44, Z. 
100 f.; pag. 462, Z. 15 ff.). Auch seine Aussagen, wonach er um Hilfe gebeten habe 
(pag. 23, Z. 84 f.; pag. 44, Z. 107 f.; pag. 45, Z. 154 f.; pag. 296, Z. 36 f.; pag. 297, 
Z. 43 f.; pag. 459, Z. 1 ff.), decken sich nicht mit dem Geschehen gemäss den Vi-
deoaufnahmen. Auf diese Aussagen kann daher nicht abgestellt werden. Wider-
sprüchlich erscheinen seine Aussagen insbesondere auch mit Blick auf seine Aus-
führungen, wonach er sich sicher nicht davonjagen lasse (pag. 27, Z. 268), er nicht 
gerne wegrenne (pag. 458, Z. 31) und nicht eingesehen habe, wieso er davonrennen 
müsse (pag. 464, Z. 5 f.). Auch gestützt auf diese Aussagen drängt sich der Schluss 
auf, dass der Beschuldigte in der zweiten Phase weiterhin bewusst in der Auseinan-
dersetzung verblieb. Ein Wegrennen wäre denn auch nicht nötig gewesen; ein stetes 
Entfernen vom Geschehen hätte angesichts des deutlich langsameren Schritttempos 
von F.________ ohne weiteres genügt.

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Kammer überzeugt ist, dass es in dieser 
Phase 2 nicht um Fluchtversuche des Beschuldigten ging, die nicht geklappt hätten. 
Für die Kammer ist weiter klar, dass der Beschuldigte wiederholt die Gelegenheit 
gehabt hätte, sich der Auseinandersetzung zu entziehen und beispielsweise 
F.________ einfach davon zu laufen. Das hat der Beschuldigte aber nicht gemacht, 
sondern stattdessen provoziert.

12.6 Zur Phase 3 (Q.________)

Die Videoaufnahme 3 zeigt das Geschehen bei der Q.________. Der Beschuldigte 
erscheint um ca. 22:42:33 Uhr im Bild. Zunächst ist zu sehen, wie sich die beiden 
mit ungefähr gleichbleibendem Abstand von einigen Metern weiter in die 
Q.________ bewegten (ca. 22:43:33-22:42:51 Uhr), wobei der Beschuldigte 
F.________ um ca. 22:42:37 Uhr zu sich heranwinkte. Um ca. 22:42:52 Uhr ging der 
Beschuldigte rasch und mit aggressiver Haltung auf F.________ zu, worauf dieser 
wenige Schritte rückwärts lief, nur um sogleich wieder strammen Schrittes mit her-
unterhängenden Armen auf den Beschuldigten zuzulaufen (ca. 22:42:55-22:42:58 
Uhr). Letzterer hüpfte hierbei leichtfüssig auf den Fussballen rückwärts – was er im 
Übrigen selber mit seiner Kampfsporterfahrung erklärt (pag. 459, Z. 11 f.) –, wobei 
er beide Arme angewinkelt auf Brusthöhe hielt. Bereits diese Haltung verdeutlicht 
dessen Kampfsporterfahrung, woran mit dem um ca. 22:42:59 Uhr folgenden Fuss-
tritt des Beschuldigten keine Zweifel mehr bestehen: F.________ war noch etwa 

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1 Meter vom Beschuldigten entfernt, als dieser ohne Vorwarnung seinen rechten 
Fuss nach aussen abgewinkelt fest abstellte und mit dem ausgestreckten linken Bein 
einen schnellen Fusstritt gegen den Kopf von F.________ ausführte, wobei er ihn 
ungebremst mit dem Turnschuh an der rechten Kiefer-/Gesichtsseite traf. Unmittel-
bar darauf sackte F.________ bewusstlos zusammen und schlug ungebremst mit 
dem Rücken auf dem Boden auf. Während des Fusstritts des Beschuldigten hob 
F.________ den linken Arm. Nachdem F.________ zu Boden gegangen war, beugte 
sich der Beschuldigte ganz kurz über ihn (ca. 22:43:01 Uhr). Unmittelbar danach 
drehte sich der Beschuldigte um, zog seine Kapuze über den Kopf und rannte in die 
Richtung der Lifte, welche zur U.________ führen, davon (ca. 22:43:02-22:43:06 
Uhr). F.________ blieb zuerst regungslos liegen und konnte nach mehreren Sekun-
den durch die wiederholte Einwirkung von Passanten wieder geweckt werden (ca. 
22:43:05-22:43:28 Uhr).

Die Bewusstlosigkeit von F.________ dauerte mehrere Sekunden an (ab ca. 
22:43:00 Uhr). Deren genaue Dauer ist nicht erkennbar; zu sehen ist aber, dass 
F.________ sich um ca. 22:43:28 Uhr wieder bewegen konnte. 

Die Vorinstanz ist gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten zum Schluss gekom-
men, er habe den finalen Tritt gegen den Kopf von Fröhlich in erster Linie mit der 
Absicht vorgenommen, sich vor einem unmittelbar drohenden erneuten Angriff durch 
F.________ zu schützen (pag. 355, S. 21 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 
Dieser Einschätzung kann sich die Kammer nicht anschliessen. Der Beschuldigte 
hat seinen Fusstritt gezielt an den Kopf/Hals von F.________ gesteuert; eine Körper-
region, in die man kaum tritt, wenn man sich lediglich verteidigen möchte.

Auch weil der Beschuldigte immer (oder zumindest vor dem finalen Fusstritt), als er 
einen etwas grösseren Abstand zu F.________ hatte, wieder die Nähe zu diesem 
suchte, kann es ihm nicht darum gegangen sein, sich nur zu verteidigen. Er verblieb 
bewusst in der Auseinandersetzung und wollte F.________ mit dem Fusstritt ausser 
Gefecht setzen bzw. zum Schweigen bringen. Auf der Videoaufnahme 3 sieht es vor 
dem finalen Fusstritt auch nicht so aus, als würde ein erneuter Angriff von 
F.________ unmittelbar drohen. Sein Arm (d.h. sein linker Arm, nachdem er den 
Beschuldigten vorher mit der rechten Faust zu schlagen versuchte) bewegte sich 
circa gleichzeitig wie der Fuss des Beschuldigten nach oben und die Art der Bewe-
gung deutet eher auf eine Abwehrhandlung hin (ca. 22:41:59 Uhr). Diesbezüglich 
zweifelt im Übrigen auch die Vorinstanz die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Be-
schuldigten an, der ausgesagt hatte, er habe sich [mit seinem finalen Fusstritt] ge-
wehrt, da F.________ die Hand gehoben habe (vgl. pag. 355, S. 21 der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung, mit Verweis auf die Aussagen des Beschuldigten: pag. 47, 
Z. 214; pag. 49, Z. 282 f.; pag. 50, Z. 323 und 326 f.). Gestützt auf das Geschehen 
gemäss der Videoaufnahme 3 bestand im Übrigen auch kein Anlass, von einem un-
mittelbaren Angriff durch F.________ auszugehen. Vielmehr deutet das Verhalten 
des Beschuldigten (rasches Zulaufen des Beschuldigten auf F.________ mit aggres-
siver Haltung und Kampfporthaltung) vor seinem Fusstritt auf einen bevorstehenden 
Angriff seinerseits hin.

19

F.________ hatte angesichts des zielgerichteten und ohne Vorwarnung ausgeführ-
ten Fusstritts keinerlei Abwehrchance. Auch sein auf den Videoaufnahmen erkenn-
barer, gemäss den Angaben von F.________ (pag. 61, Z. 23) alkoholisierter Zustand 
wirkte sich hierbei sicher nicht zuträglich aus. 

Die Aussagen des Beschuldigten zu seiner Reaktion bzw. seinem Verhalten nach 
dem finalen Kick sind sodann als Schutzbehauptungen einzuordnen. So sagte er 
zunächst aus: «Bei Bild 6 sagte ich ihm, dass er das nicht hätte machen sollen und 
ich das nicht gewollt hatte.» (vgl. pag. 28, Z. 313 f.). Wenn man das Video anschaut 
und sieht, wie kurz er sich über F.________ beugte, dann hat er ihm das sicher nicht 
(so) gesagt. Damit stimmen auch seine Aussagen gegenüber dem damals zuständi-
gen Staatsanwalt, er habe wohl «was soll das, siehst du jetzt?» gesagt (pag. 46, 
Z. 196) und seine Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung, er habe ihm ge-
sagt, er solle nicht und «Warum hast du nicht aufgehört?» (pag. 464, Z. 31), nicht 
überein. Der Videoaufnahme ist diesbezüglich zu entnehmen, dass sich der Beschul-
digte nur äusserst kurz über F.________ beugte (ca. 22:43:01 Uhr). Ob er ihn – wie 
dies in den Akten teilweise angedeutet wird (pag. 46, Z. 194) – anspuckte, ist indes-
sen nicht eindeutig und für das Kerngeschehen nicht von Relevanz, weshalb dies 
offenbleiben kann. Weiter ist auf der Videoaufnahme klar ersichtlich, wie sich der 
Beschuldigte – nachdem er sich kurz über F.________ gebeugt hatte – umdrehte, 
seine Kapuze über den Kopf zog und wegrannte (ca. 22:43:02-22:43:06 Uhr). Seine 
Erklärung dafür auf entsprechende Frage, er habe da schnell auf den Zug gewollt 
(pag. 28, Z. 331-332), ist offensichtlich eine Schutzbehauptung. Anlässlich der Be-
rufungsverhandlung konnte er diese Handlungen ebenfalls nicht nachvollziehbar er-
klären (pag. 464, Z. 20 ff.).

Dieses Verhalten nach seinem finalen Fusstritt verdeutlicht sodann, dass der Be-
schuldigte nicht handelte, um sich zu wehren. Diesfalls hätte er nicht wegrennen 
müssen, sondern hätte auf die Polizei warten und ihr erklären können, er habe sich 
bloss gewehrt. F.________ stellte offensichtlich keine Gefahr (mehr) dar. Und erst 
recht hätte er sich nicht die Kapuze über den Kopf ziehen müssen. 

Im Übrigen hätte der Beschuldigte auch in der Phase 3 vor seinem finalen Fusstritt 
jederzeit davonlaufen können. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang wiederum 
an die Aussagen des Beschuldigten, wonach er sich sicher nicht davonjagen lasse 
(pag. 27, Z. 268), er nicht gerne wegrenne (pag. 458, Z. 31) und nicht eingesehen 
habe, wieso er davonrennen müsse (pag. 464, Z. 5 f.). Es ist daher davon auszuge-
hen, dass der Beschuldigte bewusst in der Auseinandersetzung verblieb. Ein Weg-
rennen wäre denn auch nicht nötig gewesen; ein stetes Entfernen vom Geschehen 
hätte angesichts des deutlich langsameren Schritttempos von F.________ ohne wei-
teres genügt.

12.7 Innere Vorgänge des Beschuldigten im Besonderen

Der Beschuldigte hat selber bestätigt, zu wissen, dass Tritte gegen den Hals mit den 
Blutbahnen, dem Kehlkopf, der Luftzufuhr und den Halswirbeln genauso wie Tritte 
gegen den Schädel zu schweren Verletzungen, evtl. auch sekundären Verletzungen 
durch Probleme in der Blutzufuhr ins Hirn, führen können und auch diese tödlich 
enden können (pag. 49 f., Z. 309 ff.). Er hat explizit ausgesagt, der Kopf sei heikel; 

20

Ja, es könne «grusig» enden (pag. 50, Z. 313). Weiter bestätigte er mit Kopfnicken, 
dass er das schon vorher gewusst habe, das Erfahrungswissen also irgendwo mit-
bringe, auch wenn er sage, in diesem Moment nicht daran gedacht zu haben 
(pag. 50, Z. 315 ff.). Weiter hat der Beschuldigte – danach gefragt, ob ihm (allenfalls 
aus dem Kampfsport) bewusst gewesen sei, dass solche bewusstlosen Stürze auf 
den Hinterkopf mit schweren Verletzungen und zum Teil auch tödlich enden können 
– geantwortet, als er F.________ habe liegen sehen, sei ihm das Schlimmste durch 
den Kopf gegangen; er habe sich richtig in die Hosen «geschissen». Im Moment des 
Tritts sei ihm nichts durch den Kopf gegangen. Zuerst Angst. Dann habe er sich 
bedroht gefühlt, für einen Bruchteil einer Sekunde Erleichterung, dann noch mehr 
Angst (pag. 49, Z. 295 ff.). Auf Ergänzungsfrage, ob das Schlimmste gewesen sei, 
dass F.________ hätte tot sein können, antwortete der Beschuldigte (pag. 49, 
Z. 304 f.): «Im extremsten Fall schon. Bleibende Schäden, wie auch immer.».

Aus diesen Aussagen geht klar hervor, dass der Beschuldigte von der Möglichkeit 
des Eintritts schwerer Verletzungen durch Schläge und Tritte im Kopfbereich wusste. 
Mit Blick auf die Kampfsporterfahrung des Beschuldigten erachtet die Kammer dies 
auch als schlüssig. Trotz dieses Wissens entschied sich der Beschuldigte dafür, 
F.________ im Kopfbereich zu schlagen und mehrfach dahin zu treten. So lassen 
die in den Videoaufnahmen deutlich erkennbare Zielgerichtetheit der beiden Fuss-
tritte keinen anderen Schluss zu, als dass er die schweren Verletzungen, die aus 
solchen Tritten resultieren können, in Kauf genommen hat.

Hinsichtlich des Fusstritts in Phase 3 geht die Kammer sodann davon aus, dass der 
Beschuldigte die Auseinandersetzung beenden wollte und sich daher bewusst für 
einen zielgerichteten Fusstritt gegen den Unterkiefer entschied. Gemäss den eige-
nen Aussagen des Beschuldigten sei er nach dem Fusstritt in Phase 3 auch erleich-
tert gewesen, als es aufgehört habe (pag. 461, Z. 6). Weiter sagte er anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung aus, beim Unterkiefer müsse nicht viel kommen, 
dass «einem da die Lichter ausgehen» würden (pag. 297, Z. 24 f.). Er bestätigte auf 
Frage, dass Boxer versuchen würden, den Kiefer zu treffen, weil alles andere nicht 
so sicher sei wie der Kiefer (pag. 297, Z. 33 ff.). Anlässlich der Berufungsverhand-
lung führte er weiter aus (pag. 460, Z. 44 f.): «Nur, weil es genau den Kopf am Un-
terkiefer traf, ging es. Wenn es weiter oben gewesen wäre, ist nicht gesagt, dass 
diese Situation nachher aufgehört hätte.». Diese Aussagen legen im Übrigen wie-
derum die offensichtlich vorhandene Kampfsporterfahrung dar.

Die Kammer ist sodann der Überzeugung, dass sich der Beschuldigte angesichts 
seiner Kampfsporterfahrung spätestens in Phase 3 seiner Überlegenheit gegenüber 
F.________ bewusst war. Er entschied sich für einen Fusstritt, der laut seinen eige-
nen Aussagen weniger schnell und vorhersehbarer gehe, als «ein Hacken mit der 
vorderen Feuerhand» (pag. 459, Z. 43 ff.). Ein solcher «Roundhouse-Kick» berge 
auch ein sehr grosses Risiko, wenn er abgefangen oder die Distanz schnell über-
brückt werde (pag. 460, Z. 1 f.). Man könne rückwärts umfallen und liege dann auf 
dem Rücken auf dem Boden vor dem Gegner (pag. 460, Z. 4 f.). Es hätte laut dem 
Beschuldigten sicher andere Möglichkeiten gegeben, um sich weniger zu gefährden, 
als mit diesem Kick (pag. 460, Z. 34 f.). Im Wissen um dieses Risiko hätte sich der 

21

Beschuldigte in Phase 3, wenn er sich nicht überlegen gefühlt hätte, somit offensicht-
lich nicht für einen solchen Fusstritt entschieden. Die Überlegenheit des Beschuldig-
ten ist gestützt auf die Videoaufnahmen sodann eindeutig, gelingt es F.________ 
doch offensichtlich weder in der ersten noch in der dritten Phase, dem Schlag und 
den Fusstritten des Beschuldigten auszuweichen.

Spätestens in der Q.________ war dem Beschuldigten zudem bewusst, dass 
F.________ (mindestens) alkoholisiert war. Dies ergibt sich unmittelbar gestützt auf 
die Aussagen des Beschuldigten (pag. 44, Z. 114 f.), ist aber auch in den Videoauf-
nahmen deutlich erkennbar. Der Beschuldigte war F.________ somit auch aufgrund 
des Alkoholkonsums von F.________ überlegen.

Nach dem Gesagten war sich der Beschuldigte aufgrund des vorangehenden Ge-
schehens seiner Überlegenheit gegenüber F.________ aufgrund seiner Kampfspor-
terfahrung sowie des Alkoholkonsums von F.________ bewusst. Er wusste, dass 
sich F.________ deswegen nicht würde wehren können. 

13. Oberinstanzliches Beweisergebnis

Die Kammer erachtet folgenden Sachverhalt als erstellt:

Der Beschuldigte und F.________ gerieten am 1. April 2021 um ca. 22:40 Uhr in 
Bern, P.________, auf der Rolltreppe beim P.________ in eine Auseinandersetzung, 
schubsten sich und umkreisten sich, einander zugewandt. F.________ ging dann mit 
einer Bierdose in der linken Hand auf den Beschuldigten zu, während letzterer kreis-
förmig um ihn herumlief, ohne F.________ den Rücken zuzudrehen. Der Beschul-
digte verpasste F.________ unvermittelt und ohne weite Ausholbewegung einen ge-
raden Schlag seitlich gegen die linke Kopfseite, sodass dieser das Gewicht verlagern 
musste. Dann bückte sich F.________, um sein Bier auf den Boden zu stellen, wobei 
er seinen Kopf etwa auf der Hüfthöhe des Beschuldigten hielt. Gleichzeitig machte 
der Beschuldigte einen relativ grossen Ausfallschritt nach vorne und trat 
F.________, als dieser dabei war, sich wieder aufzurichten, mit gestrecktem linken 
Bein zielgerichtet gegen die rechte Kopfregion. F.________ versuchte hierbei noch, 
vor dem Fusstritt zurückzuweichen, was ihm indessen nicht gelang. 

Anschliessend zog F.________ seine Hose hoch, liess seinen Rucksack fallen und 
ging auf den Beschuldigten los. Es kam zu einem ca. 20 Sekunden dauernden Ge-
rangel zwischen F.________ und dem Beschuldigten. Die beiden versuchten gegen-
seitig, sich in den Schwitzkasten zu nehmen, zu schlagen oder zu treten, ohne dabei 
den anderen wirkungsvoll zu treffen. Darauf rannte der Beschuldigte aus dem Be-
reich vor der Rolltreppe in die Richtung des Treffpunkts, worauf ein ca. 39 Sekunden 
dauerndes Katz- und Mausspiel stattfand, während dem F.________ dem Beschul-
digten beharrlich hinterherging und verbal mit ihm kommunizierte. Der Beschuldigte 
seinerseits schuf Distanz zwischen sich und F.________, lief ihm aber nicht gänzlich 
davon, sondern wartete stets, bis F.________ ihm hinterherkam bzw. begab sich – 
nachdem die Distanz zwischen ihnen grösser geworden war – wieder auf diesen zu.

Das Geschehen verlagerte sich in die Q.________, wobei der Beschuldigte voraus-
lief und F.________ ihm strammen Schrittes folgte. Auch machte der Beschuldigte 
heranwinkende Handgesten. Aufgrund des vorangehenden Geschehens war sich 

22

der Beschuldigte seiner Überlegenheit gegenüber F.________ aufgrund seiner 
Kampfsporterfahrung sowie des Alkoholkonsums von F.________ bewusst. Er 
wusste, dass sich F.________ deswegen nicht würde wehren können. Um ca. 
22:42:52 Uhr ging der Beschuldigte rasch und mit aggressiver Haltung auf 
F.________ zu, worauf dieser wenige Schritte rückwärts lief, nur um sogleich wieder 
strammen Schrittes mit herunterhängenden Armen auf den Beschuldigten zuzulau-
fen. Letzterer hüpfte hierbei leichtfüssig auf den Fussballen rückwärts – was er im 
Übrigen selber mit seiner Kampfsporterfahrung erklärt –, wobei er die beiden Arme 
angewinkelt auf Brusthöhe hielt. Um ca. 22:43 Uhr stellte der Beschuldigte seinen 
rechten Fuss nach aussen abgewinkelt fest ab und führte einen schnellen Fusstritt 
gegen den Kopf von F.________ aus, wobei er ihn ungebremst mit dem Turnschuh 
an der rechten Kiefer-/Gesichtsseite traf. Unmittelbar darauf sackte F.________ be-
wusstlos zusammen und schlug ungebremst mit dem Rücken auf dem Boden auf. 
Der Beschuldigte beugte sich ganz kurz über F.________. Danach drehte sich der 
Beschuldigte um, zog seine Kapuze über den Kopf und rannte in die Richtung der 
Lifte, welche zur U.________ führen, davon. F.________ blieb zuerst einige Sekun-
den bewusstlos regungslos liegen und konnte nach mehreren Sekunden durch die 
wiederholte Einwirkung von Passanten wieder geweckt werden.

Der Beschuldigte wusste aufgrund seiner Kampfsporterfahrung um die Möglichkeit 
des Eintritts schwerer Verletzungen durch den Fusstritt vor der Rolltreppe und durch 
den finalen Fusstritt in der Q.________, welche jeweils gegen den Kopfbereich aus-
geführt wurden. Trotz dieses Wissens entschied sich der Beschuldigte dafür, 
F.________ mehrfach zielgerichtet gegen den Kopfbereich zu treten.

Es wäre dem Beschuldigten stets ohne weiteres möglich gewesen, davon zu laufen 
und sich von der Auseinandersetzung mit F.________ zu distanzieren. Dennoch ver-
blieb der Beschuldigte bewusst in der Auseinandersetzung. Nicht erstellt ist im Übri-
gen, dass der Beschuldigte die beiden Fusstritte als Reaktion auf einen Angriff durch 
F.________ ausführte. Ein solcher Angriff stand denn auch nicht unmittelbar bevor.

III. Rechtliche Würdigung

14. Anwendbares Recht

Mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der Strafrahmen 
vom 1. Juli 2023 trat auch der neue Art. 122 StGB in Kraft. Hinsichtlich der Tatbe-
standsmerkmale blieb es hierbei bei einer rein redaktionellen Änderung. Hingegen 
wurde der Strafrahmen verschärft, indem die Mindeststrafe auf mindestens ein Jahr 
Freiheitsstrafe angehoben wurde. Demnach ist das neue Recht nicht das Mildere, 
weshalb altes Recht anzuwenden ist (vgl. Art. 2 Abs. 2 StGB).

15. Rechtliche Grundlagen

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zur versuchten schweren 
Körperverletzung zutreffend dargelegt (vgl. pag. 356 ff., Ziff. III.1.3.1. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Darauf kann vorab verwiesen werden.

23

Weiter kann auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Körperverletzungen in 
Folge von Schlägen und Fusstritten gegen den Kopf verwiesen werden. Das Bun-
desgericht hat in seiner konstanten Rechtsprechung wiederholt bestätigt, dass 
Schläge und Fusstritte gegen den Kopf eines Menschen objektiv geeignet sind, 
schwere Körperverletzungen oder sogar den Tod des Opfers herbeizuführen (vgl. 
u.a. Urteile des Bundesgerichts 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.2.2., 
6B_651/2018 vom 17. Oktober 2018 E. 4., 6B_760/2017 vom 23. März 2018 E. 3.4., 
6B_181/2015 vom 23. Juni 2015 E. 2.3. und 6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 
E. 4.1.). Bei der Kopfregion handelt es sich um einen besonders sensiblen Bereich 
des menschlichen Körpers. Kopfverletzungen, insbesondere Verletzungen der Hirn-
region, können gravierende Folgen nach sich ziehen (Urteile des Bundesgerichts 
6B_208/2015 vom 24. August 2015 E. 12.4, 6B_181/2015 vom 23. Juni 2015 E. 2.3, 
6B_132/2015 vom 21. April 2015 E. 2.3 und 6B_901/2014 vom 27. Februar 2015 
E. 2.7).

Für die Erfüllung des Tatbestands der versuchten schweren Körperverletzung setzt 
die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht voraus, dass neben den eigentlichen 
Fusstritten oder Schlägen gegen den Kopf ein aggravierendes Moment, etwa eine 
besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die Traktierung mit 
weiteren Gegenständern oder die Einwirkung mehrerer Personen hinzutreten muss 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.2.2. mit Hinweis). 
Ist nur die versuchte Tatbegehung zu prüfen, ist entscheidend, welche Folgen die 
beschuldigte Person aufgrund ihrer Schläge oder Tritte für möglich hielt und in Kauf 
nahm (Urteil des Bundesgerichts 6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 E. 4.1. mit Hin-
weis).

16. Subsumtion betreffend Geschehen bei der Rolltreppe

Gemäss dem beweismässig erstellten Sachverhalt verpasste der Beschuldigte 
F.________ bei der Rolltreppe am 1. April 2021 um ca. 22:40 Uhr in Bern, 
P.________, einen geraden Schlag und einen mit gestrecktem linken Bein ausge-
führten Fusstritt gegen den Kopf. Die Tathandlungen des Beschuldigten hatten in-
dessen keine schweren Körperverletzungen i.S.v. Art. 122 aStGB zur Folge. Der zur 
Vollendung der schweren Körperverletzung gehörende Erfolg trat mithin nicht ein.

Fraglich bleibt, ob der Beschuldigte mit dem beweismässig erstellten Schlag und 
Fusstritt gegen den Kopf von F.________ eine versuchte schwere Körperverletzung 
beging. Zu prüfen ist somit, ob der Beschuldigte mit diesen Tathandlungen eine 
schwere Körperverletzung herbeiführen wollte oder deren Eintreten zumindest in 
Kauf nahm. Angesichts des auch in dieser Phase erfolgten Fusstritts kommt dem 
Schlag rechtlich keine (zusätzliche) Bedeutung zu, weshalb sich die Kammer bei der 
rechtlichen Subsumtion nachfolgend auf den Fusstritt beschränkt.

Medizinische Unterlagen (z.B. ein Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin) zur 
Frage, welche Verletzungen die beiden Fusstritte in der vorliegenden, konkreten Si-
tuation hätten nach sich ziehen können, liegen keine vor. Dass Schläge oder Fuss-
tritte gegen den ungeschützten Kopf eines Menschen objektiv geeignet sind, sehr 
schwere, bis zu lebensgefährliche, Verletzungen zu verursachen, entspricht sowohl 

24

der allgemeinen Lebenserfahrung als auch der hiervor erläuterten bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung. Aufgrund seiner Kampfsporterfahrung wusste der Beschul-
digte um die Möglichkeit des Eintritts schwerer Verletzungen durch den Fusstritt, wel-
chen er gegen den Kopf von F.________ ausführte. Dennoch traktierte er zielgerich-
tet den Kopf von F.________.

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf vom Wissen des Täters insbe-
sondere dann auf dessen Willen geschlossen werden, wenn sich ihm der Eintritt des 
Erfolges als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hin-
zunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden 
kann (vgl. dazu BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_521/2020 vom 
3. Dezember 2020 E. 2.3.2). Gerade aufgrund seiner Kampfsporterfahrung drängte 
sich dem Beschuldigten die Möglichkeit, durch den Fusstritt gegen den Kopf eine 
schwere Körperverletzung zu verursachen, derart stark auf, dass er nicht darauf ver-
trauen konnte, F.________ lediglich einen ungefährlichen Fusstritt zuzufügen. Je-
denfalls hätte der Fusstritt  in dieser ersten Phase gegen den Kopf weit gefährlichere 
Verletzungen als die schliesslich Eingetretenen zur Folge haben können (vgl. dazu 
oben). Dies nahm der Beschuldigte bei seinem Vorgehen billigend in Kauf. Subjektiv 
ist damit mindestens von Eventualvorsatz auszugehen. Es liegt damit tatbestands-
mässig eine versuchte schwere Körperverletzung vor.

17. Subsumtion betreffend Geschehen in der Q.________

Gemäss dem beweismässig erstellten Sachverhalt führte der Beschuldigte am 
1. April 2021 um ca. 22:43 Uhr in Bern, P.________, einen schnellen Fusstritt gegen 
den Kopf von F.________ aus, wobei er ihn ungebremst mit dem Turnschuh an der 
rechten Kiefer-/Gesichtsseite traf. Unmittelbar darauf sackte F.________ bewusstlos 
zusammen und schlug ungebremst mit dem Rücken auf dem Boden auf. Diese Tat-
handlung des Beschuldigten hatte indessen keine schweren Körperverletzungen 
i.S.v. Art. 122 aStGB zur Folge. Der zur Vollendung der schweren Körperverletzung 
gehörende Erfolg trat mithin nicht ein.

Fraglich bleibt, ob der Beschuldigte mit dem beweismässig erstellten Fusstritt gegen 
den Kopf von F.________ eine versuchte schwere Körperverletzung beging. Zu prü-
fen ist somit, ob der Beschuldigte mit dieser Tathandlung eine schwere Körperver-
letzung herbeiführen wollte oder deren Eintreten zumindest in Kauf nahm.

Dass Fusstritte gegen den ungeschützten Kopf eines Menschen objektiv geeignet 
sind, sehr schwere, bis zu lebensgefährliche, Verletzungen zu verursachen, ent-
spricht sowohl der allgemeinen Lebenserfahrung als auch der hiervor erläuterten 
reichhaltigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Aufgrund seiner Kampfsporter-
fahrung wusste der Beschuldigte von der Möglichkeit des Eintritts schwerer Verlet-
zungen durch den Fusstritt, welchen er gegen den Kopf von F.________ ausführte. 
Dennoch traktierte er zielgerichtet den Kopf von F.________.

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf vom Wissen des Täters insbe-
sondere dann auf dessen Willen geschlossen werden, wenn sich ihm der Eintritt des 
Erfolges als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hin-
zunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden 

25

kann (vgl. dazu BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_521/2020 vom 
3. Dezember 2020 E. 2.3.2).

Der kampfsporterfahrene Beschuldigte führte gegen F.________ einen sog. 
«Roundhouse-Kick» aus. Dieses Vorgehen wählt nur, anders etwa als das Schlagen 
mit Fäusten, wer damit eine bestimmte, durchschlagende Wirkung erzielen will. Wer 
einem stehenden Opfer, sei dies auch im Rahmen einer körperlichen Auseinander-
setzung, einen Fusstritt an den Kopf versetzt, nimmt dadurch in Kauf, dass das Opfer 
bewusstlos zu Boden fällt. Aufgrund des vorangehenden Geschehens war sich der 
Beschuldigte zudem seiner Überlegenheit gegenüber F.________ aufgrund seiner 
Kampfsporterfahrung sowie des Alkoholkonsums von F.________ bewusst; er 
wusste, dass sich F.________ deswegen nicht würde wehren können. Gerade auf-
grund seiner Kampfsporterfahrung drängte sich dem Beschuldigten die Möglichkeit, 
durch den Fusstritt gegen den Kopf eine schwere Körperverletzung zu verursachen, 
derart stark auf, dass er nicht darauf vertrauen konnte, F.________ lediglich einen 
ungefährlichen Fusstritt zuzufügen. Jedenfalls hätte der Fusstritt gegen den Kopf 
weit gefährlichere Verletzungen als die schliesslich Eingetretenen zur Folge haben 
können (vgl. dazu oben). Dies nahm der Beschuldigte bei seinem Vorgehen zumin-
dest billigend in Kauf. Subjektiv ist damit mindestens von Eventualvorsatz auszuge-
hen.

Es liegt damit tatbestandsmässig eine versuchte schwere Körperverletzung vor.

Für die Kammer ist im Übrigen gestützt auf das Beweisergebnis fraglich, ob der Be-
schuldigte hinsichtlich dieser versuchten schweren Körperverletzung nicht direktvor-
sätzlich handelte. Mangels Umschreibung des direkten Vorsatzes in der Anklage-
schrift erübrigen sich eingehende Ausführungen hierzu indessen.

18. Rechtfertigungs- oder Schuldausschliessungsgründe

Der Beschuldigte hat wiederholt geltend gemacht, er habe am 1. April 2021 sowohl 
bei der Rolltreppe als auch in der Q.________ in rechtfertigender Notwehr gehan-
delt.

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zur rechtfertigenden Notwehr und zur 
Putativnotwehr zutreffend wiedergegeben (vgl. pag. 361 ff., Ziff. III.1.3.5. und 
III.1.3.6. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Darauf kann verwiesen werden. 
Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang an den Wortlaut von Art. 15 StGB: Wird 
jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der 
Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen 
angemessenen Weise abzuwehren.

Gestützt auf das oberinstanzliche Beweisergebnis befand sich der Beschuldigte 
weder bei der Rolltreppe noch in der Q.________ in einer Notwehrlage i.S.v. Art. 15 
StGB, als er den Schlag und die Fusstritte ausführte. Dem Beweisergebnis folgend 
nahm der Beschuldigte auch nicht irrtümlicherweise an, dass er rechtswidrig 
angegriffen werde oder ein solcher Angriff unmittelbar bevorstehend sei. Es 
erübrigen sich mithin weitergehende Ausführungen zur rechtfertigenden Notwehr 
und zur Putativnotwehr.

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Schuldausschliessungsgründe sind nicht ersichtlich und wurden auch nicht geltend 
gemacht.

19. Fazit

Der Beschuldigte hat sich der mehrfach begangenen, versuchten schweren Körper-
verletzung schuldig gemacht.

IV. Strafzumessung

20. Anwendbares Recht

Wie bereits unter E. 14. erläutert, sieht der am 1. Juli 2023 in Kraft getretene Art. 122 
StGB eine höhere Mindeststrafe vor, weshalb Art. 122 aStGB als das mildere Recht 
anzuwenden ist (vgl. Art. 2 Abs. 2 StGB). Die im Urteilszeitpunkt geltenden allgemei-
nen Bestimmungen zur Strafzumessung blieben seit dem Tatzeitpunkt unverändert, 
weshalb das neue Recht nicht milder ist. Es sind mithin die im Tatzeitpunkt geltenden 
allgemeinen Bestimmungen zur Strafzumessung anzuwenden (Art. 2 Abs. 2 StGB).

21. Allgemeine Grundlagen zur Strafzumessung

Nach Art. 47 aStGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters 
zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wir-
kung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere 
der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflich-
keit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach be-
stimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage 
war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden. Bei der Strafzumessung ist zwi-
schen Tat- und Täterkomponente zu unterscheiden. Die Tatkomponente umfasst 
das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise der Begehung der Tat, 
die Willensrichtung und die Beweggründe des Täters. Zur Täterkomponente sind die 
persönlichen Verhältnisse des Täters, das Vorleben und die Vorstrafen, das Verhal-
ten nach der Tat und im Strafverfahren, die Strafempfindlichkeit sowie weitere straf-
mindernde und straferhöhende Aspekte zu zählen (BGE 141 IV 61 E. 6.1.1. mit Hin-
weisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_236/2016 vom 16. August 2016 E. 4.2.).

Ausgehend von der objektiven Tatschwere hat das Gericht das Verschulden zu be-
werten. Es hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche ver-
schuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Ge-
samteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 136 IV 55 E. 5.5.; Urteil 
des Bundesgerichts 6B_236/2016 vom 16. August 2016 E. 4.2.). Das Gericht ist nicht 
gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumes-
sungskriterien berücksichtigt (Urteil des Bundesgerichts 6B_236/2016 vom 16. Au-
gust 2016 E. 4.2.). Eine rein mathematische Reduktion einer (hypothetischen) Ein-
satzstrafe ist systemwidrig und abzulehnen, da sie die Ermessensfreiheit des Ge-
richts in unzulässiger Weise einschränkt (BGE 136 IV 55 E. 5.6.). Die tat- und 
täterangemessene Strafe für eine einzelne Tat ist grundsätzlich innerhalb des or-

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dentlichen Strafrahmens festzusetzen. Dieser ist nur zu verlassen, wenn ausserge-
wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im 
konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8.).

Ist ein versuchtes Delikt zu beurteilen, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung in einem ersten Schritt die schuldangemessene Strafe für das vollendete De-
likt festzulegen. Die derart ermittelte hypothetische Strafe ist in der Folge unter 
Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrunds von Art. 22 Abs. 1 StGB zu 
reduzieren (Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1. mit 
Hinweis). Das Gesetz sieht für den Versuch lediglich eine fakultative Strafmilderung 
vor (Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB; vgl. BGE 137 IV 113 E. 1.4.2.). Die Recht-
sprechung hat indessen seit je festgehalten, dass die Strafe beim erfolglosen Delikt 
zwingend zu reduzieren ist (BGE 121 IV 49 E. 1 b.). 

Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für meh-
rere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der 
angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das ge-
setzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 aStGB). Die Richtlinien 
des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staats-
anwälte (VBRS) sehen für gewisse Deliktskategorien normierte Strafen vor. Die 
Kammer ist nicht an diese Richtlinien gebunden, sie können jedoch als Orientie-
rungspunkte dienen (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2019 vom 8. Au-
gust 2019 E. 4.3.).

22. Strafrahmen und Strafart

Für die versuchten schweren Körperverletzungen fällt nur eine Freiheitsstrafe von 
sechs Monaten bis zu 15 Jahren in Betracht (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 aStGB 
und Art. 49 Abs. 1 aStGB). Es liegen keine aussergewöhnlichen Umstände vor, wes-
halb der ordentliche Strafrahmen nicht zu verlassen bzw. die Strafe innerhalb dieses 
ordentlichen Rahmens festzulegen ist.

23. Einsatzstrafe für die versuchte schwere Körperverletzung in der Q.________

Abstrakt gilt für beide versuchten, schweren Körperverletzungen dieselbe Strafdro-
hung. Konkret ist allerdings die versuchte schwere Körperverletzung in der 
Q.________ im Vergleich zu jener bei der Rolltreppe das schwerere Delikt, weshalb 
hierfür die Einsatzstrafe festzusetzen ist.

23.1 Objektive Tatschwere

Ausmass des verschuldeten Erfolgs bzw. Schwere der Verletzung oder Gefährdung 
des betroffenen Rechtsguts

Die Körperverletzungsdelikte schützen einerseits das Rechtsgut der körperlichen In-
tegrität und andererseits die körperliche und geistige Gesundheit (CHRISTOPHER 
GETH, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Auflage 2021, N 4 
f. zu Vor Art. 122 StGB). 

Als Folge des Fusstritts in der Q.________ sackte F.________ bewusstlos zu Bo-
den, wobei er rückwärts ungebremst zunächst seitlich und dann auf den Rücken fiel. 

28

Nebst der mehrere Sekunden andauernden Bewusstlosigkeit litt er mehrere Tage 
unter anhaltenden Schmerzen im Hals- und Nackenbereich. Aufgrund des Schuld-
spruchs wegen versuchter schwerer Körperverletzung ist das effektive Verletzungs-
bild jedoch nicht ausschlaggebend. Ins Gewicht fällt vorliegend die Gefährdung der 
körperlichen Unversehrtheit bzw. Gesundheit von F.________. Die Verletzungen, 
die hier im Raum stehen, hätten schwer wiegen können. Die mit dem finalen Fusstritt 
verbundene Gewalteinwirkung auf den Kopfbereich von F.________ hätte zu invali-
disierenden oder lebensgefährlichen Blutungen im Kopfinnern bzw. zu Hirnverlet-
zungen führen können.

Art und Weise der Herbeiführung der Rechtsgutverletzung/-gefährdung resp. Ver-
werflichkeit des Handelns (kriminelle Energie)

Bei Gewaltdelikten spielt das Ausmass bzw. die Intensität der Gewalteinwirkung für 
die Einordnung der Tatschwere eine erhebliche Rolle. Die Verschuldenseinschät-
zung wird auch dadurch beeinflusst, ob und inwieweit es dem Opfer möglich ist, sich 
gegen einen Angriff zu wehren (HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Auf-
lage 2019, N 93 f.).

Der Beschuldigte verpasste F.________ am Ende einer rund fünfminütigen Ausein-
andersetzung, während der es zuvor schon zu gegenseitigen Übergriffen bzw. ent-
sprechenden Versuchen gekommen war, einen gezielten «Roundhousekick», mit 
dem er F.________ an der rechten Kiefer-/Gesichtsseite traf. Das zuvor stattgefun-
dene Katz- und Mausspiel wirkt sich verschuldenserhöhend aus. Andererseits ist das 
ganze Verhalten von F.________ verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Er ist 
dem Beschuldigten nachgelaufen, obwohl dieser ihn zuvor schon geschlagen und 
getreten hatte. F.________ hat die Auseinandersetzung seinerseits auch nicht sein 
lassen und wird – in welcher Form auch immer – provoziert haben. Der Tritt des 
Beschuldigten war nicht von Vornherein geplant. Deutlich verschuldenserhöhend 
wirkt sich aus, dass der Beschuldigte bei seinem Fusstritt auf seine jahrelange 
Kampfsporterfahrung zurückgriff, wodurch F.________ ihm wehrlos ausgeliefert war. 
Der Beschuldigte wusste genau, wohin er zielen musste, er hat (bewusst) gezielt und 
einen kampfsport-technikmässigen Tritt ausgeführt.

Zwischenfazit objektive Tatschwere

Das objektive Tatverschulden wiegt im Verhältnis zum Strafrahmen mittelschwer, im 
unteren Bereich. Es sind vergleichbar schwerwiegendere Fälle und Vorgehenswei-
sen denkbar, weshalb die Kammer unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände 
(wenn man zu Gunsten des Beschuldigten von einem moderat eingetretenen Erfolg 
und nicht vom Schlimmstmöglichen ausgeht) 32 Monate Freiheitsstrafe als dem ob-
jektiven Tatverschulden des Beschuldigten für angemessen erachtet.

29

23.2 Subjektive Tatschwere

Willensrichtung und Beweggründe

Der Beschuldigte handelte mindestens eventualvorsätzlich, wobei seine Willensrich-
tung an der Grenze zum direkten Vorsatz liegt. Die eventualvorsätzliche Tatbege-
hung ist verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Die Beweggründe des Beschul-
digten waren egoistischer Natur. Er befand sich in einer Auseinandersetzung mit 
F.________ und wollte diese gewinnen bzw. beenden.

Vermeidbarkeit

Der Fusstritt wäre ohne weiteres vermeidbar gewesen, was neutral zu werten ist. 
Der Beschuldigte war zwar recht alkoholisiert (Atemalkoholtest: 0,6mg/L, vgl. 
pag. 6). Das Gericht geht aber nicht davon aus, dass dies einen relevanten Einfluss 
auf die Vermeidbarkeit des Fusstritts gehabt hat. Der Beschuldigte hätte vor dem 
Fusstritt mehrfach die Gelegenheit gehabt, F.________ davon zu laufen (ohne flie-
hen zu müssen). In der Q.________ gab es insbesondere keinen Grund, nach sich 
zuvor verschaffter Distanz zu Fröhlich wieder zu diesem hinzugehen.

Zwischenfazit subjektive Tatschwere

Die eventualvorsätzliche Begehung führt zu einer Verschuldensminderung und damit 
einer Strafreduktion von 4 Monaten.

23.3 Vollendeter Versuch

Die hypothetische Strafe für das vollendete Delikt ist unter Berücksichtigung der ver-
suchten Begehung zu reduzieren. Der Umfang der Reduktion der Strafe beim Ver-
such hängt unter anderem von den tatsächlichen Folgen der Tat und der Nähe des 
tatbestandsmässigen Erfolgs ab (Urteil des Bundesgerichts 6B_196/2021 vom 25. 
April 2022 E. 5.4.3.).

Der Beschuldigte hat alles gemacht, was zur Herbeiführung des «Erfolgs» notwendig 
war, weshalb ein vollendeter Versuch vorliegt. Es ist dem Zufall zu verdanken, dass 
sich F.________ keine der möglichen schweren Verletzungen zugezogen hat. Da 
der Taterfolg dennoch ausblieb, ist die hypothetische Tatkomponentenstrafe im Um-
fang von gut 20%, ausmachend 6 Monate, zu reduzieren.

23.4 Fazit Einsatzstrafe

Für die versuchte schwere Körperverletzung in der Q.________ wird eine Einsatz-
strafe von 22 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen erachtet.

24. Asperation für die versuchte schwere Körperverletzung bei der Rolltreppe

24.1 Objektive Tatschwere

Ausmass des verschuldeten Erfolgs bzw. Schwere der Verletzung oder Gefährdung 
des betroffenen Rechtsguts

Die Körperverletzungsdelikte schützen einerseits das Rechtsgut der körperlichen In-
tegrität und andererseits die körperliche und geistige Gesundheit (CHRISTOPHER 
GETH, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Auflage 2021, N 4 
f. zu Vor Art. 122 StGB). 

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Der Beschuldigte verpasste F.________ bei der Rolltreppe einen Schlag und einen 
Fusstritt. Aufgrund des Schuldspruchs wegen versuchter schwerer Körperverletzung 
ist das effektive Verletzungsbild jedoch nicht ausschlaggebend. Ins Gewicht fällt vor-
liegend wiederum die Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit bzw. Gesundheit 
von F.________. Die Verletzungen, die hier im Raum stehen, hätten schwer wiegen 
können. Die mit dem Fusstritt verbundene Gewalteinwirkung auf den Kopfbereich 
von F.________ hätte zu schweren Körperverletzungen führen können. Im Vergleich 
zum Fusstritt in der Q.________ erscheint das Ausmass der Rechtsgutgefährdung 
hier etwas weniger schwerwiegend. In dieser Phase ist F.________ auch nicht be-
wusstlos zu Boden gegangen.

Art und Weise der Herbeiführung der Rechtsgutverletzung/-gefährdung resp. Ver-
werflichkeit des Handelns (kriminelle Energie)

Bei Gewaltdelikten spielt das Ausmass bzw. die Intensität der Gewalteinwirkung für 
die Einordnung der Tatschwere eine erhebliche Rolle. Die Verschuldenseinschät-
zung wird auch dadurch beeinflusst, ob und inwieweit es dem Opfer möglich ist, sich 
gegen einen Angriff zu wehren (HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Auf-
lage 2019, N 93 f.).

Der Beschuldigte verpasste F.________ kurz nach Beginn einer rund fünfminütigen 
Auseinandersetzung einen Schlag und Fusstritt. So liess er die zuvor verbale Aus-
einandersetzung zu einer tätlichen werden. Der Schlag und der Fusstritt kamen für 
F.________ somit relativ überraschend, war die Auseinandersetzung zuvor doch 
noch rein verbaler Art. Besonders verwerflich mutet der Zeitpunkt des Fusstritts an. 
So trat der Beschuldigte zu, als sich F.________ wieder am Aufrichten war, nachdem 
er sich gebückt hatte, um sein Bier abzustellen. Deutlich verschuldenserhöhend wirkt 
sich auch hier aus, dass der Beschuldigte bei seinem Fusstritt auf seine jahrelange 
Kampfsporterfahrung zurückgriff, wodurch F.________ ihm wehrlos ausgeliefert war. 
In dieser Phase ist das Verhalten von F.________ nicht verschuldensmindernd zu 
berücksichtigen.

Zwischenfazit objektive Tatschwere

Das objektive Tatverschulden wiegt im Verhältnis zum Strafrahmen mittelschwer, im 
unteren Bereich. Es sind vergleichbar schwerwiegendere Fälle und Vorgehenswei-
sen denkbar, weshalb die Kammer unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände 
(wenn man auch hier zu Gunsten des Beschuldigten von einem moderat eingetrete-
nen Erfolg und nicht vom Schlimmstmöglichen ausgeht) 28 Monate Freiheitsstrafe 
als dem objektiven Tatverschulden des Beschuldigten für angemessen erachtet.

24.2 Subjektive Tatschwere

Willensrichtung und Beweggründe

Der Beschuldigte handelte mindestens eventualvorsätzlich, wobei er sich hier nicht 
an der Grenze zu direktem Vorsatz bewegte. Die eventualvorsätzliche Tatbegehung 
ist verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Die Beweggründe waren auch hier 
egoistischer Natur.

31

Vermeidbarkeit

Der Schlag und der Fusstritt wären ohne weiteres vermeidbar gewesen, was neutral 
zu werten ist. Der Beschuldigte hätte vor dem Schlag und Fusstritt die Gelegenheit 
gehabt, F.________ davon zu laufen (ohne fliehen zu müssen).

Zwischenfazit subjektive Tatschwere

Die eventualvorsätzliche Begehung führt zu einer Verschuldensminderung und damit 
einer Strafreduktion von 6 Monaten.

24.3 Vollendeter Versuch

Die hypothetische Strafe für das vollendete Delikt ist unter Berücksichtigung der ver-
suchten Begehung zu reduzieren. Der Umfang der Reduktion der Strafe beim Ver-
such hängt unter anderem von den tatsächlichen Folgen der Tat und der Nähe des 
tatbestandsmässigen Erfolgs ab (Urteil des Bundesgerichts 6B_196/2021 vom 25. 
April 2022 E. 5.4.3.).

Der Beschuldigte hat alles gemacht, was zur Herbeiführung des Erfolgs notwendig 
war, weshalb ein vollendeter Versuch vorliegt. Es ist dem Zufall zu verdanken, dass 
sich F.________ keine der möglichen schweren Verletzungen zugezogen hat. 

Da der Taterfolg dennoch ausblieb, ist die hypothetische Tatkomponentenstrafe wie-
derum im Umfang von etwa 20%, ausmachend 4 Monate, zu reduzieren.

24.4 Fazit Asperation

Aufgrund des sachlichen Zusammenhangs zwischen den beiden versuchten schwe-
ren Körperverletzungen rechtfertigt sich ein Asperationsfaktor von ½. Die für die ver-
suchte schwere Körperverletzung bei der Rolltreppe als angemessen erachtete Frei-
heitsstrafe von 18 Monaten ist demnach im Umfang von 9 Monaten an die Einsatz-
strafe zu asperieren.

Nach dem Gesagten erachtet die Kammer eine vorläufige Freiheitsstrafe von 31 Mo-
naten (22 + 9) als dem Tatverschulden des Beschuldigten angemessen.

25. Täterkomponenten

Vorleben und persönliche Verhältnisse

Der Beschuldigte hat seine Jugendzeit in seinem Elternhaus verbracht. Nach der 
Lehre als V.________ verliess er das Elternhaus und wohnte vorerst in einer WG, 
mit Beziehungen zusammen oder im Jahr 2023 für kurze Zeit alleine. Nach seinem 
Lehrabschluss als V.________ hatte er verschiedene Anstellungen als V.________. 
Arbeitslos war er lediglich einmal für die Dauer von einem Monat (ab Dezember 
2020). Auch versuchte er kurzzeitig einen Quereinstieg als W.________ (2021), be-
vor er schliesslich vier Monate temporär und seither bei seiner heutigen Arbeitgebe-
rin – wiederum als V.________ – fest angestellt wurde. Aktuell lebt der Beschuldigte 
mit seiner Partnerin und dem gemeinsamen Sohn (geb. .________) in einer 3,5-Zim-
merwohnung (pag. 421 ff.). Der betreibungsrechtliche Leumund des Beschuldigten 
war getrübt; er hat auch aktuell noch Restschulden, ist aber um eine Schuldenberei-
nigung bemüht. Es gelang ihm in diesem Zusammenhang, einen grossen Teil seiner 

32

Schulden zu begleichen (pag. 434 ff.). Insgesamt konnte der Beschuldigte die Kam-
mer davon überzeugen, dass er sich um stabile persönliche und wirtschaftliche Ver-
hältnisse bemüht (vgl. auch seine Aussagen: pag. 451, Z. 33 ff., und pag. 452. Z. 1 
ff.). Dass der Beschuldigte aktuell auf gutem Weg ist, wird strafmildernd berücksich-
tigt.

Negativ und straferhöhend wirken sich die Vorstrafen des Beschuldigten aus (vgl. 
pag. 427 ff.). Im Strafregister sind drei Vorstrafen vom 12. Oktober 2018, vom 4. Sep-
tember 2020 und vom 15. Februar 2021 verzeichnet. Dabei wurde der Beschuldigte 
zu (zunächst bedingt, später unbedingt vollziehbaren) Geldstrafen sowie zu Bussen 
verurteilt. Unter den Vorstrafendelikten finden sich – neben nicht einschlägigen De-
likten – auch Schuldsprüche wegen Tätlichkeiten (begangen am .________), wegen 
Raufhandels (begangen am .________) und wegen Gewalt oder Drohung gegen 
Behörden oder Beamte (begangen am .________). Weiter ist zu berücksichtigen, 
dass der Beschuldigte in der Zeit vom 17. Februar 2021 bis am 8. Dezember 2021 
neun Termine und in der Zeit vom 9. Mai 2022 bis 20. Juli 2022 fünf Termine einer 
Gewaltberatung (bei X.________) absolviert hat (vgl. pag. 281 ff.). Gleichzeitig ist 
aber auch zu vermerken, dass die vorherigen Termine offensichtlich (noch) nicht 
ausreichend gewesen sind, um den hier zu sanktionierenden Vorfall vom 1. April 
2021 zu verhindern.

Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren

Blendet man sein Nachtatverhalten vor Ort aus, ist festzustellen, dass sich der Be-
schuldigte im Strafverfahren anständig und korrekt verhalten hat. Geständnisrabatt 
ist dem Beschuldigten keiner zu gewähren. Er hat nichts eingeräumt, was nicht auch 
auf den Videoaufnahmen zu sehen ist und hat die Strafverfolgung deshalb auch nicht 
erleichtert. Hingegen hat eine weitere Strafschärfung zu erfolgen, weil seit dem 
3. Februar 2023 mittlerweile wieder ein neues Strafverfahren wegen Sachbeschädi-
gung gegen den Beschuldigten bei der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittel-
land hängig ist, in dem er die ihm vorgeworfene Sachbeschädigung gestanden hat. 
Damit hat er delinquiert, während das vorliegende Strafverfahren (vor Obergericht) 
hängig war.

Strafempfindlichkeit

Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, welche eine besondere Strafempfindlich-
keit und damit mildernde Umstände zu begründen vermögen.

Fazit

Im Ergebnis fallen die Täterkomponenten im Umfang von total 4 Monaten strafschär-
fend aus.

26. Konkretes Strafmass

Der Beschuldigte ist wegen der versuchten schweren Körperverletzungen zu einer 
Freiheitsstrafe von 35 Monaten zu verurteilen.

33

27. Teilbedingter Strafvollzug

Bei einer Freiheitsstrafe von 35 Monaten kommen nur der unbedingte und der teil-
bedingte Vollzug in Betracht. Die Freiheitsstrafe kann gestützt auf Art. 42 Abs. 1 
aStGB von Vornherein nicht vollbedingt ausgesprochen werden. Zu prüfen ist, ob 
dem Beschuldigten ein teilbedingter Vollzug gewährt werden kann.

Das Gericht kann den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und 
höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn dies notwendig ist, um dem Ver-
schulden des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 aStGB). Der 
unbedingt vollziehbare Teil darf die Hälfte der Strafe nicht überschreiten (Art. 43 
Abs. 2 aStGB) und gemäss Art. 43 Abs. 3 aStGB müssen sowohl der aufgescho-
bene als auch der vollziehbare Teil mindestens sechs Monate betragen. Im Bereich 
von Freiheitsstrafen von über zwei Jahren bis maximal drei Jahren tritt der teilbe-
dingte an die Stelle des bedingten Strafvollzugs. Sind somit die subjektiven 
Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 und 2 aStGB erfüllt, ist der teilbedingte Straf-
vollzug zu gewähren. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teil-
weise auf, so bestimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren 
(Art. 44 Abs. 1 aStGB).

Die subjektiven Voraussetzungen des teilbedingten Vollzugs richten sich nach den-
selben Kriterien, die für den vollbedingten Vollzug gemäss Art. 42 aStGB gelten. 
Auch die teilbedingte Strafe im Sinne von Art. 43 aStGB setzt eine begründete Aus-
sicht auf Bewährung voraus. Wenn und soweit die Legalprognose nicht schlecht aus-
fällt, muss der Vollzug jedenfalls eines Teils der Strafe auf Bewährung ausgesetzt 
werden. Andererseits ist bei einer schlechten Prognose auch ein bloss teilweiser Auf-
schub der Strafe ausgeschlossen. Bemessungsregel bei der Festsetzung des auf-
zuschiebenden und des zu vollziehenden Strafteils bildet das Ausmass des Ver-
schuldens. Das Verhältnis der Strafteile ist so festzusetzen, dass darin die Wahr-
scheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einerseits und dessen Einzeltatschuld 
andererseits hinreichend zum Ausdruck kommen. Je günstiger die Prognose und je 
kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat, desto grösser muss der auf Bewährung ausge-
setzte Strafteil sein. Dem Sachgericht steht bei der Festsetzung des aufzuschieben-
den und des zu vollziehenden Strafteils gemäss Art. 43 aStGB ein erheblicher Er-
messensspielraum zu (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 6B_377/2017 vom 
5. Juli 2018 E. 2.1. mit weiteren Hinweisen). Bei der Prüfung des künftigen Wohlver-
haltens sind alle wesentlichen Umstände zu beachten. Zu berücksichtigen sind ne-
ben den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren 
Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten 
seiner Bewährung zulassen. Relevante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelas-
tung, Sozialisationsbiografie, Arbeitsverhalten, soziale Bindungen und dergleichen 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1157/2022 vom 24. Februar 2023 E. 2.3.2.).

Der Beschuldigte hat drei Vorstrafen aus den Jahren 2018 (Deliktszeiten 
.________), 2020 (Deliktszeiten .________) und 2021 (Deliktszeiten .________). Er 
ist wegen diverser Delikte verurteilt worden, darunter finden sich auch solche aus 
dem Bereich der Gewaltdelikte (Tätlichkeiten, begangen am .________, Raufhandel, 
begangen vom .________, Gewalt und Drohung gegen Behörden oder Beamte, be-

34

gangen am .________). Während laufender Probezeit beging der Beschuldigte ne-
ben den vorliegend zu beurteilenden versuchten schweren Körperverletzungen 
mehrfach Übertretungen des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel und die 
psychotropen Stoffe (BetmG; SR 812.121; pag. 428 ff.) sowie eine Sachbeschädi-
gung (vgl. pag. 474 ff.). Letztere geht aus dem Strafregisterauszug zwar noch nicht 
hervor; der Beschuldigte ist diesbezüglich jedoch geständig und hat die entsprechen-
den finanziellen Folgen bereits in seine Aufstellung zwecks Schuldenbereinigung 
aufgenommen (pag. 426; pag. 451, Z. 42; pag. 452, Z. 1 ff.).

Der Beschuldigte gibt sich dennoch geläutert. Seine persönlichen Verhältnisse 
scheinen sich stabilisiert zu haben: Gemäss Leumundsbericht hat er seit 2021 durch-
gehend eine Anstellung bei der Y.________ in Z.________ (zunächst offenbar 4 Mo-
nate temporär, seit dem 27. Juni 2021 eine Festanstellung, vgl. pag. 275 f.). Er gibt 
an, keine Drogen mehr zu konsumieren, was mit den Ausführungen im Leumunds-
bericht, wonach er der Polizei während der Jahre 2018-2020 als Marihuana- resp. 
Kokainkonsument aufgefallen sei, übereinstimmt. So scheint er der Polizei nach 
2020 nicht mehr als Betäubungsmittelkonsument aufgefallen zu sein. Weiter lebt der 
Beschuldigte mittlerweile in einem Konkubinat und ist Vater geworden (pag. 422). 
Auch hat er in der Zeit vom 17. Februar 2021 bis am 8. Dezember 2021 neun Ter-
mine und in der Zeit vom 9. Mai 2022 bis 20. Juli 2022 fünf Termine einer Gewaltbe-
ratung (bei X.________) absolviert (vgl. pag. 281 ff.). Die Berichte darüber sind po-
sitiv. Schliesslich gibt der Beschuldigte an, vor kurzem Kontakt mit dem 
AA.________ aufgenommen zu haben, um das Thema Alkohol anzugehen 
(pag. 423). Seine Schuldensituation hat der Beschuldigte noch nicht ganz bereinigt; 
es scheint aber, als bemühe er sich auch in diesem Bereich um Besserung. So ge-
lang es ihm, einen grossen Teil seiner Schulden zu begleichen (vgl. pag. 434 ff.; 
pag. 451, Z. 33 ff., und pag. 452. Z. 1 ff.).

Nach dem Gesagten ist die Kammer bei einer Gesamtbetrachtung überzeugt, dass 
dem Beschuldigten eine positive Legalprognose ausgestellt werden kann. Hinsicht-
lich der Frage des teilbedingten Vollzugs ist aber in erster