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**Case Identifier:** d5408b00-ef2e-5baa-80da-2bc49dc2b910
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-06
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsrekurskommission 06.06.2024 III/1-2024/1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VWEK_001_III-1-2024-1_2024-06-06.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 1/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: III/1-2024/1

Stelle: Verwaltungsrekurskommission

Rubrik: Arbeitnehmerschutz, Berufsbildung und Sozialhilfe

Publikationsdatum: 06.09.2024

Entscheiddatum: 06.06.2024

Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 06.06.2024
Nachteilsausgleich, Art. 3 lit. c BBG. Der Beruf Kauffrau EFZ erfordert 
besonders gute Fähigkeiten im Rechnen. Weil Rechnen für die Ausübung 
des Berufs als Kauffrau EFZ von elementarer Bedeutung ist, gehört deren 
Überprüfung zum Prüfungsinhalt. Mit der Gewährung eines Zeitzuschlags 
würde die Bewertung dieser Kompetenz verfälscht. Mit einem Zeitzuschlag 
würden die fachlichen Anforderungen bei Prüfungen somit herabgesetzt. 
(Verwaltungsrekurskommission, Abteilung III/1, 6. Juni 2024, III/1-2024/1).

«Entscheid siehe PDF»

Kanton St. Gallen 

Gerichte 

 
 

 

 

 

Verwaltungsrekurskommission 

Abteilung III - 1. Kammer 

 

 

 

 

 

 

 Entscheid vom 6. Juni 2024 

Besetzung  Präsident Titus Gunzenreiner, Richter Rudolf Lippuner und Patrick Hobi, 

Gerichtsschreiberin Silvia Geiger  

   

Geschäftsnr.   III/1-2024/1 

 

   

Parteien 

 

 A.__,  

Rekurrentin,  

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Krauter, S-E-K-Advokaten, 

Zürcherstrasse 96, 8500 Frauenfeld,  

 

  gegen 

  Amt für Berufsbildung, Davidstrasse 31, 9001 St. Gallen,  

Vorinstanz,  

 

 

  

Gegenstand  Nachteilsausgleich 

 

 

 

 

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Sachverhalt: 

A.- A.__ ist achtzehn Jahre alt und absolviert seit August 2021 an einer privaten Handels-

schule eine vierjährige Ausbildung zur Kauffrau EFZ. Gemäss schulpsychologischem Be-

richt vom 19. März 2020 leidet sie an einer Rechenstörung.  

B.- Am 18. September 2023 stellte A.__ beim Amt für Berufsbildung (nachfolgend: ABB) 

einerseits ein Gesuch um einen Nachteilsausgleich während der beruflichen Grundbildung 

und andererseits ein Gesuch um einen Nachteilsausgleich für das Qualifikationsverfahren. 

Mit Vorentscheid vom 2. November 2023 lehnte das ABB beide Gesuche ab. Am 10. No-

vember 2023 beantragte A.__ eine ausführliche und anfechtbare Verfügung zur Ablehnung 

der Gesuche. Mit Verfügung vom 17. Januar 2024 wies das ABB die Gesuche von A.__ um 

Nachteilsausgleich während der beruflichen Grundbildung und für das Qualifikationsverfah-

ren ab und auferlegte ihr eine Verfahrensgebühr von Fr. 300.–.  

C.- Gegen diese Verfügung erhob A.__ mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 24. Januar 

2024 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) und be-

antragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei im Sinne eines Nachteils-

ausgleichs bei schriftlichen Prüfungen im Fach Rechnungswesen mehr Zeit zu gewähren, 

eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an den Rekursgegner zurück-

zuweisen, im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei der Nachteilsausgleich ab sofort 

zu gewähren, und die Verfahrenskosten seien der Staatskasse aufzuerlegen und sie sei 

angemessen ausserrechtlich zuzüglich Mehrwertsteuer zu entschädigen. Das ABB liess 

sich am 22. Februar 2024 vernehmen. Dazu nahm der Rechtsvertreter von A.__ am 

20. März 2024 Stellung.  

D.- Mit Verfügung vom 26. März 2024 wies der Abteilungspräsident das Gesuch um Anord-

nung von vorsorglichen Massnahmen ab und beliess die amtlichen Kosten von Fr. 500.– 

bei der Hauptsache (Zwischenverfahren ZV-2024/14). 

Auf weitere Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen ein-

gegangen.  

  

 

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Erwägungen: 

1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Gemäss Art. 61 Abs. 1 

lit. a des Bundesgesetzes über die Berufsbildung (SR 412.10, abgekürzt: BBG) hat der 

Kanton eine kantonale Behörde als Rechtsmittelinstanz für Verfügungen kantonaler Behör-

den und von Anbietern mit kantonalem Auftrag zu bezeichnen. Im Kanton St. Gallen erfüllt 

das ABB die Aufgaben des Kantons im Bereich der Berufsbildung, soweit diese nicht durch 

Gesetz oder Verordnung einem anderen Organ übertragen sind (Art. 2 Abs. 1 der Berufs-

bildungsverordnung des Kantons St. Gallen, sGS 231.11, abgekürzt: BBV-SG). Nach 

Art. 40 des Einführungsgesetzes zum BBG (sGS 231.1, abgekürzt: EG-BB) richten sich 

Verwaltungsverfahren und Rechtsschutz nach dem Gesetz über die Verwaltungsrechts-

pflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Verfügungen des ABB gegenüber Lehrbetrieben und 

Lehrlingen können mit Rekurs bei der VRK angefochten werden (Art. 41 lit. c VRP). Die 

VRK ist damit zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gege-

ben. Der Rekurs vom 24. Januar 2024 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in for-

meller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Voraussetzungen (Art. 45, 47 und 48 VRP). 

Auf den Rekurs ist einzutreten.  

2.- Angefochten ist die Verfügung des ABB vom 17. Januar 2024, mit welcher die Gesuche 

der Rekurrentin um Nachteilsausgleich während der beruflichen Grundbildung und für das 

Qualifikationsverfahren abgewiesen wurden.  

a) Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen aus, dass es sich 

beim Rechnen im Beruf Kauffrau EFZ um eine berufsrelevante Komponente handle. Die 

bei der Rekurrentin festgestellte Dyskalkulie verhindere respektive beeinträchtige damit die 

Ausübung des Berufs massgeblich. Daher könne der Rekurrentin kein Nachteilsausgleich 

gewährt werden.  

b) Die Rekurrentin macht demgegenüber geltend, die Vorinstanz verweise sehr pauschal 

auf verschiedene Unterrichtsbereiche, die einen Bezug zum Rechnen aufweisen würden. 

Die Gesamtzahl an Lektionen seien nicht aufgeschlüsselt worden. So sei beispielsweise 

nicht nachvollziehbar, dass im Bereich IKA (Information, Kommunikation, Administration) in 

den Teilbereichen Information und Kommunikation besondere Kenntnisse und Fertigkeiten 

in der Mathematik erforderlich seien. Bei der Informatik gehe es insbesondere um die Hand-

habung von Programmen bzw. Software, welche teilweise gerade mathematische Funktio-

nen ersetzen würden. Besondere mathematische Fähigkeiten seien jedenfalls nicht erfor-

 

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derlich, um die Anwendung von Computerprogrammen oder deren Programmierung zu er-

lernen. Im Bereich W & G (Wirtschaft und Gesellschaft) würden unbestrittenermassen fi-

nanz- und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge behandelt. Auch hier sei jedoch davon 

auszugehen, dass die Rechenschwäche die Ausbildung nicht ausschliesse. Tabellenkalku-

lationen für die Buchhaltung und Lohnabrechnungen würden das manuelle Rechnen weit-

gehend ersetzen. Jahresabschlüsse würden beispielsweise nicht mehr von Hand erstellt. 

Für das Bestellwesen und Sekretariatsarbeiten seien keine besonderen mathematischen 

Fähigkeiten erforderlich. Das Rechnen sei für diese Tätigkeiten nicht von elementarer Be-

deutung. Auch bei der Buchhaltung sei das (Kopf)Rechnen aufgrund der zur Verfügung 

stehenden Informatikmittel zwischenzeitlich in den Hintergrund getreten. Die mathemati-

schen Fähigkeiten würden gemäss Vorinstanz das Berechnen von Prozenten und Zinsen, 

von Abschreibungen und der Mehrwertsteuer sowie Währungsgeschäfte betreffen. Dabei 

handle es sich um Grundfertigkeiten, die in jedem Beruf zu erwarten seien, weshalb heute 

auch bei einer kaufmännischen Ausbildung die Mathematik nicht mehr so zentral sei, wie 

dies früher der Fall gewesen sein möge. Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvollziehbar, 

dass die Rechenschwäche die Ausübung des Berufs massgeblich beeinträchtigen soll. Es 

liege zwar eine Rechenschwäche, aber keine Rechenunfähigkeit vor. Es werde einzig in 

Prüfungssituationen mehr Zeit benötigt. Bisher hätten die mathematischen Fertigkeiten ge-

nügt, um genügende bis gute Noten zu erzielen. Auch deshalb sei nicht nachvollziehbar, 

dass die Ausübung des Berufs durch die Rechenschwäche massgeblich behindert oder gar 

verunmöglicht sein soll. Es sei davon auszugehen, dass trotz diagnostizierter Rechen-

schwäche das Potenzial und die Fähigkeiten da seien, um die Ausbildung zur Kauffrau EFZ 

erfolgreich zu absolvieren. Die Noten könnten gesteigert werden, wenn auf die Behinderung 

Rücksicht genommen würde. Um die Ausbildung sicher erfolgreich abzuschliessen, sei ein 

Nachteilsausgleich zu gewähren. Es werde einzig im Rechnungswesen im Bereich Wirt-

schaft und Gesellschaft in schriftlichen Prüfungen mehr Zeit benötigt. Hierbei handle es sich 

um eine milde Massnahme bzw. um einen sehr geringfügigen Nachteilsausgleich. Die Ge-

währung eines entsprechenden Nachteilsausgleich sei verhältnismässig. Bei der Mathema-

tik handle es sich nicht um eine berufsrelevante Kompetenz. Die Mathematik sei auch im 

kaufmännischen Bereich nicht weniger wichtig oder wichtiger als in vielen anderen Berufen. 

Die Voraussetzungen zur Gewährung eines Nachteilsausgleich seien erfüllt, weshalb ein 

solcher zu gewähren sei.  

3.- a) Gemäss Art. 8 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) darf niemand 

diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, 

des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltan-

schaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder 

 

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psychischen Behinderung. Nach Art. 8 Abs. 4 BV sieht das Gesetz Massnahmen zur Be-

seitigung von Benachteiligungen der Behinderten vor. Art. 8 Abs. 4 BV enthält keinen grund-

rechtlichen Anspruch, sondern nur einen Gesetzgebungsauftrag. Der grundrechtliche An-

spruch wird in Abs. 2 begründet. Dem Gesetzgebungsauftrag von Abs. 4 ist der Bund mit 

dem Erlass des Behindertengleichstellungsgesetzes (SR 151.3, abgekürzt: BehiG) nach-

gekommen (SCHWEIZER/FANKHAUSER, St. Galler Kommentar zu Art. 8 BV, N 123). 

Aus Art. 8 Abs. 4 BV kann jedoch keine allgemeine Bundeskompetenz zur Regelung des 

entsprechenden Bereichs abgeleitet werden. An der bundesstaatlichen Zuständigkeitsord-

nung ändert sich damit nichts. Das BehiG erfasst somit grundsätzlich nur Bildungsangebote 

im Zuständigkeitsbereich des Bundes. Auf kantonale Bildungsangebote findet das Gesetz 

keine Anwendung, ausser auf die Grundschule (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 

2D_7/2011 vom 19. Mai 2011 E. 2.4). Die zum BehiG entwickelte Rechtsprechung kann 

jedoch als Leitlinie herangezogen werden (Urteil des Verwaltungsgerichts [VerwGE] 

B 2014/108 vom 16. September 2014 E. 5.3 f., mit weiteren Hinweisen).  

Nach Art. 2 lit. b der Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1, abgekürzt: KV) sind 

namentlich Rechtsgleichheit, Schutz vor jeder Diskriminierung sowie Gleichstellung von 

Mann und Frau nach Massgabe der Bundesverfassung gewährleistet.  

Gemäss Art. 3 lit. c des Berufsbildungsgesetzes (SR 412.10, abgekürzt: BBG) fördert das 

Gesetz unter anderem den Ausgleich der Bildungschancen in sozialer und regionaler Hin-

sicht und die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen. Die 

Berufsfachschule fördert die tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann sowie die Be-

seitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen durch entsprechende 

Bildungsangebote und -formen (Art. 21 Abs. 2 lit. c BBG). Gemäss Art. 35 Abs. 3 der Be-

rufsbildungsverordnung des Bundes (SR 412.101, abgekürzt: BBV) werden einer Kandida-

tin oder einem Kandidaten bei den Abschlussprüfungen der beruflichen Grundausbildung 

besondere Hilfsmittel oder mehr Zeit gewährt, wenn dies auf Grund einer Behinderung be-

nötigt wird.  

b) Von einer Behinderung im Sinne von Art. 8 Abs. 2 BV wird gesprochen, wenn die be-

troffene Person in ihren körperlichen, geistigen oder psychischen Fähigkeiten dauerhaft be-

einträchtigt ist und diese Beeinträchtigung schwerwiegende Auswirkungen auf elementare 

Aspekte ihrer Lebensführung hat (SCHWEIZER/FANKHAUSER, a.a.O., Art. 8 BV N 121).  

 

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Ausgehend vom schulpsychologischen Bericht vom 19. März 2020 ist die Rekurrentin auf-

grund einer Rechenstörung beeinträchtigt. Die Rechenstörung wirkt sich auf ihre Ausbil-

dung aus. Es ist ihr erschwert, sich gleichermassen wie ihre Mitlernenden auszubilden. Da-

mit gilt sie als Mensch mit Behinderung und wird vom Schutzbereich des Art. 8 Abs. 2 BV 

erfasst.  

c) Eine Diskriminierung im Sinn von Art. 8 Abs. 2 BV ist eine qualifizierte Art von Ungleich-

behandlung von Personen in vergleichbaren Situationen, welche eine Benachteiligung ei-

nes Menschen zum Ziel oder zur Folge hat, die als Herabwürdigung oder Ausgrenzung 

einzustufen ist, weil sie an ein Unterscheidungsmerkmal anknüpft, das einen wesentlichen, 

nicht oder nur schwer aufgebbaren Bestandteil der Identität der betreffenden Person aus-

macht und damit auch die Würde des einzelnen Menschen betrifft (SCHWEIZER/FANKHAU-

SER, a.a.O., Art. 8 BV N 61; BGE 129 I 217 E. 2.1). Im Bereich der Bildung bedeutet das 

Diskriminierungsverbot, dass Personen mit Behinderung einen Anspruch auf formale Prü-

fungserleichterungen haben, die ihren individuellen Bedürfnissen angepasst sind 

(sog. Nachteilsausgleich). Unter dem Begriff Nachteilsausgleich werden Massnahmen ver-

standen, die zum Ziel haben, behinderungsbedingte Nachteile auszugleichen. Damit soll 

die Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung sichergestellt werden. Die gebotene 

formale Anpassung des Prüfungsablaufs an spezifische Behinderungssituationen kann auf 

verschiedene Arten geschehen, wobei jeweils Art und Grad der Behinderung zu berück-

sichtigen sind. In Betracht kommen können Prüfungszeitverlängerungen, längere oder zu-

sätzliche Pausen, eine stärkere Prüfungsgliederung, die Abnahme der Prüfung in mehreren 

Etappen, andere Prüfungsformen oder die Benutzung eines Computers 

(BGer 2C_974/2014 vom 27. April 2015 E. 3.4; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

[BVGE] 2008/26 vom 15. Juli 2008 E. 4.5; Bericht des Schweizerischen Dienstleistungs-

zentrum Berufsbildung [SDBB], Nachteilsausgleich für Menschen mit Behinderung in der 

Berufsbildung, Bern 2013, S. 5).  

d) Beim Nachteilsausgleich ist stets zu beachten, dass eine Prüfungskandidatin mit einer 

Behinderung durch die besondere Prüfungsausgestaltung gegenüber den anderen Kandi-

daten nicht bevorzugt wird. Einziges Ziel der Anpassungen in der Prüfungsausgestaltung 

ist, die aus der Behinderung resultierenden Nachteile auszugleichen, nicht aber eine Bes-

serstellung. Insbesondere dürfen die fachlichen Anforderungen einer Aus- oder Weiterbil-

dung nicht mit Rücksicht auf die Behinderung herabgesetzt werden. Der Staat ist nicht ver-

pflichtet, sämtliche faktischen Ungleichheiten zu beheben. Es gibt bestimmte Ausbildungen, 

die besondere Eigenschaften und Fähigkeiten erfordern, die nicht alle Menschen im glei-

chen Mass besitzen. Der blosse Umstand, dass einzelne Personen diese Fähigkeiten ohne 

 

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ihr Verschulden nicht besitzen, kann nicht dazu führen, dass die fachlichen Anforderungen 

gesenkt werden müssen. Eine Anpassungsmassnahme darf nicht dazu führen, dass zent-

rale Fähigkeiten, deren Vorhandensein mit der infrage stehenden Ausbildung sichergestellt 

werden sollen, nicht mehr überprüft werden können. Eine Massnahme hat dann eine her-

absetzende Wirkung, wenn sie Fähigkeiten betrifft, die für die Tätigkeit, zu deren Ausübung 

das erfolgreiche Bestehen der Prüfung qualifiziert, von zentraler Bedeutung sind (BGE 122 

I 130 E. 3c/aa; BGer 2C_974/2014 vom 27. April 2015 E. 3.4; BVGE 2008/26 vom 15. Juli 

2008 E. 4.5; SCHEFER/HESS-KLEIN, Die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung bei 

Dienstleistungen, in der Bildung und in Arbeitsverhältnissen, in: Jusletter 19. September 

2011, Rz. 63; VerwGE B 2014/108 vom 16. September 2014 E. 7.2.1).  

e) Die Vorinstanz erliess am 23. August 2021 gestützt auf Art. 5 Abs. 1 BehiG, Art. 3 lit. c 

und Art. 21 Abs. 2 lit. c BBG sowie Art. 35 Abs. 3 BBV und Art. 2 Abs. 1 BBV-SG eine 

Richtlinie "Nachteilsausgleich für die Berücksichtigung von Behinderungen in der Berufsbil-

dung" (nachfolgend: Richtlinie). Gemäss Ziffer 3 der Richtlinie werden Nachteilsausgleiche 

gewährt, wenn die Art der Behinderung die Ausübung des Berufs nicht verhindert oder  

massgeblich beeinträchtigt (Berufsrelevanz) und die lernende Person die Auswirkungen der 

Behinderung auf Prüfungssituationen mit einem aktuellen ärztlichen oder psychologischen 

Gutachten belegen kann. Die Richtlinie ist für das Gericht nicht verbindlich. Sie gibt aber 

Hinweise auf die Voraussetzungen für die Gewährung von Nachteilsausgleichen, die für 

das Gericht dienlich sein können.  

f) Der Prüfungsbehörde kommt beim Entscheid darüber, ob und in welcher Form Prüfungs-

erleichterungen gewährt werden, grundsätzlich ein weiter Ermessensspielraum zu 

(VerwGE B 2012/231 vom 27. August 2013 E. 4.3.1).  

4.- a) Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (abgekürzt: SBFI) erlässt 

Bildungsverordnungen für den Bereich der beruflichen Grundbildung, die den Gegenstand 

und die Dauer der Grundbildung, die Ziele und Anforderungen der Bildung in beruflicher 

Praxis und der schulischen Bildung, den Umfang der Bildungsinhalte und die Anteile der 

Lernorte sowie die Qualifikationsverfahren, Ausweise und Titel regeln (Art. 19 Abs. 1 und 2 

BBG). Es erliess am 16. August 2021 die Verordnung über die berufliche Grundbildung 

Kauffrau/Kaufmann mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (SR 412.101.221.73). Gemäss 

Art. 1 dieser Verordnung wird das Berufsbild der Kauffrau beschrieben mit dienstleistungs-

orientierte Mitarbeit in betriebswirtschaftlichen Prozessen, dem Handeln in agilen Arbeits- 

und Organisationsformen, dem Interagieren in einem vernetzten Arbeitsumfeld und dem 

Einsetzen von Technologien der digitalen Arbeitswelt (lit. a). Das Berufsfeld reicht von der 

 

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Gestaltung von Kunden- oder Lieferantenbeziehungen über die Koordination unternehme-

rischer Arbeitsprozesse bis zur branchenspezifischen Sachbearbeitung (lit. b). Auf der 

Grundlage gemeinsamer Handlungskompetenzen übt die Kauffrau ihre Tätigkeit nach Bran-

che, Unternehmensstrategie und persönlicher Eignung mit unterschiedlichen Schwerpunk-

ten aus (lit. c). Die Haltung der Kauffrau ist durch Kundenorientierung, eigenständiges und 

reflektiertes Handeln sowie die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen gekennzeichnet 

(lit. d).  

Kaufleute EFZ erledigen hauptsächlich administrative Arbeiten wie Geschäftskorrespon-

denz, Buchhaltung, Bestellungen und Sekretariatsarbeiten. Insbesondere im Bereich Buch-

haltung ist eine Kauffrau dafür verantwortlich, dass alle Zahlen stimmen. Es sind Rechnun-

gen zu erstellen und Zahlungseingänge und -ausgänge zu überwachen. Zudem wird die 

Mithilfe bei der Erstellung von Finanzberichten erwartet. Als Voraussetzung zur Ausbildung 

zur Kauffrau EFZ wird unter anderem ein Flair für Zahlen genannt. Vor allem der Mathema-

tik wird als schulische Anforderung hohes Gewicht beigemessen (vgl. www.berufsbera-

tung.ch und www.yousty.ch).  

b) Aus dem Gesagten ergibt sich entgegen der Ansicht der Rekurrentin, dass Rechnen, 

auch wenn nicht in allen Unterrichtsbereichen, eine essentielle Fähigkeit für den Beruf Kauf-

frau EFZ ist. Die Behinderung der Rekurrentin betrifft genau diese Fähigkeit. Zweck von 

Prüfungen ist es unter anderem, diese, für den Beruf wichtige Fähigkeit, zu überprüfen. 

Dabei ist auch entscheidend, dass die Prüfungsaufgaben in einer bestimmten Zeit gelöst 

werden, denn Arbeitgeber dürfen sich darauf verlassen, dass Arbeiten in einer gewissen 

Zeitspanne erledigt werden. Die von der Rekurrentin in diesem Bereich erzielte Leistung 

soll deshalb unverfälscht in die Benotung einfliessen. Würde ihr ein Zeitzuschlag gewährt, 

hätte dies eine Verzerrung ihrer Leistungen zur Folge. Die Note würde nicht mehr ihr effek-

tives Leistungsvermögen insbesondere in zeitlicher Hinsicht widerspiegeln. Ein Zeitzu-

schlag käme einer inhaltlichen Anpassung und einer Reduktion der Anforderungen gleich, 

und es würde sich dabei somit nicht mehr um einen Nachteilsausgleich handeln. Eine Re-

chenstörung kann nicht berücksichtigt werden, wenn es unter anderem um die Überprüfung 

genau dieser Fähigkeit geht. Weil Rechnen für die Ausübung des Berufs als Kauffrau EFZ 

von solch elementarer Bedeutung ist, gehört deren Überprüfung zum Prüfungsinhalt. Mit 

der Gewährung eines Zeitzuschlags würde die Bewertung dieser Kompetenz verfälscht. Mit 

einem Zeitzuschlag würden die fachlichen Anforderungen bei Prüfungen somit herabge-

setzt. Der Beruf Kauffrau EFZ erfordert besonders gute Fähigkeiten im Rechnen. Der Um-

stand, dass die Rekurrentin ohne ihr Verschulden in dieser Fähigkeit eingeschränkt ist, 

 

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kann nicht dazu führen, dass die fachlichen Anforderungen bei Prüfungen für sie herabge-

setzt werden müssen. Die Vorinstanz gewährte der Rekurrentin damit unter Berufung auf 

Ziffer 3 lit. a der Richtlinie, wonach für die Gewährung eines Nachteilsausgleichs die Art der 

Behinderung die Ausübung des Berufs nicht massgeblich beeinträchtigen darf, zu Recht 

keinen Nachteilsausgleich.  

c) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Rekurs abzuweisen ist. Für eine Rückwei-

sung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz ergibt sich keine Ver-

anlassung. Dieser Eventualantrag wurde zudem nicht näher begründet, weshalb darauf 

nicht weiter einzugehen ist.  

5.- Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jene Beteiligte die Kosten zu tragen, deren 

Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der Grundsatz der Kostentra-

gung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens. Die Abweisung des Rekurses hat 

demnach zur Folge, dass die amtlichen Kosten der Rekurrentin aufzuerlegen sind. Eine 

Entscheidgebühr von Fr. 2'000.–, worunter die Kosten für die Verfügung hinsichtlich vor-

sorglicher Massnahmen, erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverord-

nung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 2'000.– ist damit zu verrechnen.  

 

  

 

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Entscheid: 

1. Der Rekurs wird abgewiesen.  

2. Die Rekurrentin hat die amtlichen Kosten von Fr. 2'000.– zu bezahlen, unter Verrech-

nung des Kostenvorschusses in gleicher Höhe. 

 

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		2026-01-28T05:18:26+0100
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