# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eb138e22-64fb-5c97-836e-92810ed9aa81
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-25
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 25.08.2010 SK1 2010 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2010-22_2010-08-25.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 25. August 2010 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 10 22 [nicht/mündlich eröffnet]

Urteil
I. Strafkammer

Vorsitz Schlenker
RichterInnen Brunner und Michael Dürst
Redaktion Aktuarin ad hoc Ambühl

In der strafrechtlichen Berufung

der A., Angeklagte und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Ma-
rio Thöny, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,  

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Plessur vom 15. Januar 2010, mitgeteilt 
am 14. April 2010, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , 
Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, Anklägerin und Berufungsbeklagte, gegen die An-
geklagte und Berufungsklägerin,

betreffend grobe Verletzung von Verkehrsvorschriften,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. A. wurde am _ in Chur geboren. Sie ist Schweizer Staatsangehörige und 
wohnt _. A. ist gelernte Detailhandelsfachangestellte und arbeitet bei der Migros in 
Buchs SG als Sportartikelverkäuferin. Ihr monatliches Nettoeinkommen beträgt ih-
ren Angaben zufolge Fr. 4‘400.-. Im Jahre 2008 versteuerte sie ein Vermögen von 
Fr. 6‘695.-. Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. nicht verzeichnet.

B. Mit Verfügung vom 24. November 2009 wurde A. wegen grober Verletzung 
von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 des Strassenverkehrsgesetzes 
(SVG; SR 741.01) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG in Anklagezustand versetzt. 
In der Anklageschrift vom gleichen Tag wurde der Anklage folgender Sachverhalt 
zu Grunde gelegt:

„Am 14. Mai 2009 fuhr A. um 19.40 Uhr mit dem Fahrzeug Z., X., 
auf der Malixerstrasse von Chur Richtung Araschgerrank. Kurz 
nach dem St. Antönierrank bildet die Strasse eine nach rechts be-
ginnende Doppelkurve, wobei beide Kurven unübersichtlich sind. 
Im Bereiche der kurzen Geraden zwischen der Rechts- und der 
Linkskurve setzte die Angeklagte zum Überholen des Fahrzeugs 
des Polizeibeamten B. an, der in Begleitung seiner Ehefrau in die 
gleiche Richtung fuhr. Das Überholmanöver erstreckte sich bis in 
die unübersichtliche Linkskurve. Da kein Gegenverkehr herrschte, 
konnte die Angeklagte das Überholmanöver beenden und ihre 
Fahrt fortsetzen. A. bestreitet, an dieser Stelle ein Überholmanöver 
durchgeführt zu haben. Sie will erst ausgangs des Waldes unter-
halb von Kreuz-Malix ein anderes Fahrzeug überholt haben.“

C. In Ergänzung zur Anklageschrift führte die Staatsanwaltschaft Graubünden 
aus, da sich die Aussagen der Angeklagten und der Zeugen widersprechen, seien 
die entsprechenden Zeugnisse nach der Person, der individuellen Aussageerfor-
schung und dem Inhalt zu analysieren und zu bewerten. Vorliegend sei zu berück-
sichtigen, dass die Aussagen der Angeklagten, die zumindest dem Gesetze nach 
nicht zu Wahrheit verpflichtet sei, mit Zurückhaltung zu würdigen seien. Beim Poli-
zeibeamten B. und dessen Ehefrau handle es sich hingegen um völlig unbelastete 
Personen, ohne irgendwelche Interessen, die Angeklagte wahrheitswidrig zu belas-
ten. Ausserdem hätten sie keinen Anlass gehabt, die ihnen bis zu diesem Zeitpunkt 
unbekannte Angeklagte wider besseres Wissen zu verzeigen. Dafür, dass die Fest-
stellungen des Polizeibeamten und dessen Ehefrau den Vorzug vor den Aussagen 
der Angeklagten verdienen, spreche auch die innere Geschlossenheit und Folge-
richtigkeit ihrer Darstellungen des Geschehnisablaufs. Im Weiteren führte die 
Staatsanwaltschaft Graubünden aus, eine Verwechslung mit einem anderen Fahr-

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zeug könne ausgeschlossen werden, da sich C. (Ehefrau) unmittelbar nach dem 
Überholmanöver die Nummer des Kontrollschildes des Fahrzeuges, das sie soeben 
überholt hatte, notiert habe. Soweit A. geltend mache, ein Überholmanöver erst aus-
gangs des Waldes unterhalb von Kreuz-Malix durchgeführt zu haben, so vermöge 
sie diese Behauptung nicht zu entlasten, weil dieses Manöver nicht Gegenstand 
des vorliegenden Verfahrens sei.

D. Mit Urteil vom 15. Januar 2010, mitgeteilt am 14. April 2010, erkannte der 
Bezirksgerichtsausschuss Plessur was folgt:

„1.A. ist der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 
2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig.

2. Dafür wird sie mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à CHF 110.00 
und einer Busse von CHF 1‘100.00 bestraft.

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 
Jahren aufgeschoben.

4. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 10 Tage. Sie tritt an die 
Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.

5. Die Kosten des Verfahrens von CHF 2‘973.00 (Untersuchungskosten 
der Staatsanwaltschaft Graubünden von CHF 1‘473.00, Gerichtskos-
ten von CHF 1'500.00) gehen zu Lasten von A..

A. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich Total CHF 4‘073.00 
(Busse: CHF 1‘100.00; Verfahrenskosten: 2‘973.00). Dieser Betrag ist 
innert 30 Tagen seit der Zustellung des Urteils auf das PC-Konto 70-
3596-3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

Der Bezirksgerichtsausschuss Plessur führte dabei in Bezug auf die wider-
sprüchlichen Sachverhaltsfeststellungen aus, dass die Angeklagte als direkt vom 
vorliegenden Strafverfahren Betroffene, durchaus ein legitimes Interesse daran 
habe, die Geschehnisse in einem für sie günstigen Licht darzustellen. Ihre Aussa-
gen seien demnach mit besonderer Vorsicht zur würdigen. Wohl seien ihre Stellung-
nahmen von der ersten bis zur letzten Aussage widerspruchsfrei. Die Aussagen der 
Angeklagten müssten jedoch als reine Schutzbehauptungen gewertet werden, da 
sie ein erhebliches Interesse habe, sich zu entlasten. Die Anzeigeerstatter B. sowie 
dessen Ehefrau C. hätten den massgeblichen Sachverhalt im Zuge ihrer Befragung 
anschaulich und detailreich geschildert. In den Akten würden sich, entgegen den 
Behauptungen der Verteidigung, keine Hinweise dafür finden, dass die beiden Zeu-

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gen falsche und in sich unschlüssige Aussagen gemacht hätten und sich dadurch 
eine unzureichende Sachverhaltsfeststellung ergebe. Jedenfalls bestehe kein 
Grund, an den Darstellungen der beiden Zeugen zu zweifeln. Dies umso mehr, als 
nicht ersichtlich sei, weshalb sie eine ihnen bis zu diesem Vorfall unbekannte Per-
son grundlos beschuldigen sollten und dies auch nicht der allgemeinen Erfahrung 
entspreche. Ausgehend von dieser Sachverhaltsfeststellung, dass die Angeklagte 
nach dem St. Antönierrank ein Überholmanöver durchgeführt habe, hat der Bezirks-
gerichtsausschuss Plessur geprüft, ob die Angeklagte am 14. Mai 2009 eine grobe 
Verkehrsregelverletzung begangen habe. Dabei kam der Bezirksgerichtsausschuss 
Plessur zum Schluss, als die Angeklagte das Überholmanöver eingeleitet habe, 
habe sie aufgrund der nach einer kurzen Geraden folgenden unübersichtlichen 
Linkskurve nicht wissen können, ob und gegebenenfalls wann ein Fahrzeug aus der 
Gegenrichtung entgegenkommen und wie dessen Lenker reagieren würde. Durch 
dieses Fahrmanöver habe sie sich pflichtwidrig über eine ernst zu nehmende Ver-
kehrsvorschrift hinweg gesetzt und damit sowohl für ein vermeintlich entgegenkom-
mendes Fahrzeug als auch für den Überholten mindestens eine erhöhte abstrakte 
Gefahr und somit eine naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung ge-
schaffen. Damit habe die Angeklagte fraglos die Verkehrsregeln gemäss Art. 35 
Abs. 2 und 4 SVG in grober Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich 
gefährdet.

E. Gegen dieses Urteil liess A. am 29. April 2010 beim Kantonsgericht Graubün-
den Berufung mit folgenden Rechtsbegehren einlegen:

„1.Das angefochtene Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Plessur vom 
15. Januar 2010, mitgeteilt am 14. April 2010, sei als Ganzes aufzuhe-
ben und A. sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge für beide Instan-
zen zu Lasten des Staates.

Formelle Anträge:

3. Es sei ein Augenschein vor Ort durchzuführen.

4. Es sei eine öffentliche, mündliche Berufungsverhandlung durchzu-
führen.

5. A. sei richterlich zu befragen.““

F. Mit Eingabe vom 19. Mai 2010 reichte die Staatsanwaltschaft Graubünden 
innert Frist ihre Stellungnahme ein, gemäss welcher sie die Abweisung der Beru-
fung beantragte. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung.

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G. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht von Graubünden 
vom 25. August 2010 waren sowohl A. als auch deren Rechtsvertreter anwesend. 
Es wurden keine Einwände gegen die Zuständigkeit und Zusammensetzung des 
Gerichts erhoben, so dass sich dieses als in der Sache legitimiert erklärte. Der 
Rechtsvertreter der Berufungsklägerin beantragte in seiner Berufungsschrift unter 
anderem, es sei ein Augenschein vor Ort durchzuführen. Diesem Antrag wurde 
stattgegeben. In der Folge begaben sich das Gericht sowie A. und deren Rechts-
vertreter zum dem Ort, wo das Überholmanöver angeblich stattgefunden haben soll. 
Anlässlich dieses Augenscheins führte A. auf Nachfrage des Vorsitzenden erneut 
aus, dass sie an dieser Stelle nicht überholt habe. Die Strecke sei im Übrigen viel 
zu kurz und zu unübersichtlich für ein Überholmanöver und daher viel zu gefährlich. 
Anschliessend nahm der Rechtsvertreter von A. in seinem Plädoyer nochmals zur 
Sache Stellung. Dabei gab er eine schriftliche Ausfertigung seines Plädoyers zu den 
Akten.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie im angefochte-
nen Urteil wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-
gen.

II. Erwägungen

1. Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse so-
wie gegen Verfügungen der Bezirksgerichts- und Kreispräsidenten können der Ver-
urteilte, das Opfer und der Staatsanwalt beim Kantonsgericht Berufung einlegen 
(Art. 141 Abs. 1 StPO). Diese ist innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen Eröff-
nung des angefochtenen Entscheides einzureichen; sie ist zu begründen und hat 
darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden und ob 
das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 
StPO). Diesen Anforderungen vermag die im Übrigen form- und fristgerecht einge-
reichte Berufung von A. vom 29. April 2010 zu genügen, weshalb darauf einzutreten 
ist.

2.a) Wird im Berufungsverfahren eine Änderung des vorinstanzlichen Urteils zu 
Ungunsten des Verurteilten oder Freigesprochenen beantragt, so kann dieser die 
Durchführung einer mündlichen Verhandlung verlangen. In den übrigen Fällen kann 
der Vorsitzende eine mündliche Verhandlung von sich aus oder auf Antrag der Par-
teien anordnen (Art. 144 Abs. 1 StPO). Findet keine mündliche Verhandlung statt, 
so trifft das Kantonsgericht seinen Entscheid ohne Parteivortritt auf Grund der Akten 

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(Art. 144 Abs. 3 StPO). Der Angeschuldigte in einem Strafverfahren hat aber unab-
hängig von der kantonalen Verfahrensordnung gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK An-
spruch darauf, dass seine Sache in billiger Weise öffentlich gehört wird. Dieser An-
spruch ist Teilgehalt der umfassenden Garantie auf ein faires Verfahren. Das Gebot 
der Verfahrensöffentlichkeit gilt dem Grundsatz nach nicht nur für das erstinstanzli-
che Strafverfahren, sondern erstreckt sich auf die Gesamtheit eines Strafverfahrens 
inklusive des gesamten Rechtsmittelweges, somit auch auf das Berufungsverfahren 
gemäss Art. 141 ff. StPO. 

b) Mit der am 25. August 2010 durchgeführten öffentlichen mündlichen Ver-
handlung hat das Kantonsgericht dem von der Berufungsklägerin gestellten Antrag 
um Durchführung einer mündlichen Berufungsverhandlung entsprochen.

3.a) Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsgericht als 
Berufungsinstanz eine umfassende, uneingeschränkte Kognition zukommt (Art. 146 
Abs. 1 StPO). Das vorinstanzliche Urteil kann jedoch nur im Rahmen der in der 
Berufung oder Anschlussberufung gestellten Anträge überprüft werden (Padrutt, 
Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auflage, Chur 
1996, S. 375 mit Hinweisen).

b) Die Vorinstanz hat A. der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 
35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig gesprochen. 
Gegen das vorinstanzliche Urteil hat A. Berufung eingelegt mit dem Antrag, sie sei 
von jeder Schuld und Strafe freizusprechen. Dabei macht die Berufungsklägerin ins-
besondere geltend, die Vorinstanz begründe ihren Entscheid damit, dass es sich 
bei den Aussagen der Berufungsklägerin um reine Schutzbehauptungen handle. 
Die Aussagen der beiden Zeugen erachte die Vorinstanz - entgegen der Argumen-
tation der Berufungsklägerin - als in sich schlüssig, konkret und anschaulich. Dies 
treffe nicht zu, würden doch bei den Schilderungen des Sachverhalts der Beteiligten 
sowohl anlässlich der polizeilichen, als auch der untersuchungsrichteramtlichen 
Einvernahmen teilweise grosse Unterschiede bestehen. Die Berufungsklägerin hin-
gegen habe sowohl an sämtlichen Einvernahmen als auch an der mündlichen 
Hauptverhandlung vor der Vorinstanz widerspruchslos ausgesagt. Aufgrund dieser 
Schilderungen sei davon auszugehen, dass sie das Ehepaar BC. nicht überholt 
habe. Nachfolgend gilt es vorerst zu prüfen, ob A. das ihr vorgeworfene Überhol-
manöver überhaupt begangen hat oder nicht. 

4.a) Gemäss Art. 125 Abs. 2 StPO entscheidet das Gericht bei der Würdigung der 
Beweismittel nach freier Überzeugung. Dieser Grundsatz der freien 

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Beweiswürdigung ergibt sich bereits aus Art. 249 des Bundesgesetzes über die 
Bundesstrafrechtspflege (BStP; SR 312.0). Der Richter hat danach von 
Bundesrechts wegen frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner 
persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden 
Beweise darüber zu entscheiden, ob er eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht 
(vgl. BGE 115 IV 268 f.). Freie Beweiswürdigung gilt auch dort, wo Aussage gegen 
Aussage steht (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 306 ff.). Aufgabe des Richters ist es, ohne 
Bindung an Beweisregeln an sich mögliche Zweifel zu überwinden und sich mit 
Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung 
der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Zu den 
verschiedenen Beweismitteln ist anzuführen, dass der Grundsatz der freien 
Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet. Insbesondere sind die Aussagen 
von Zeugen und Angeschuldigten voll gültige Beweismittel mit derselben 
Beweiseignung. Bei der Würdigung der Beweise ist weniger die Form, sondern 
vielmehr der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise der Bekundung sowie 
die Überzeugungskraft massgebend. Entscheidend ist mit anderen Worten allein 
die Beweiskraft der konkreten Beweismittel im Einzelfall 
(Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 
2005, § 54 N 5, S. 246). Ist eine Überzeugung weder in der einen noch in der 
anderen Richtung zu gewinnen, so ist nach der Entscheidungsregel mit 
Verfassungsrang „in dubio pro reo“ und in Nachachtung von Art. 6 Ziff. 2 EMRK der 
für die Angeklagte günstigere Sachverhalt anzunehmen. Allerdings kommt diese 
Entscheidungsregel nicht schon dann zur Anwendung, wenn Aussage gegen 
Aussage steht. Es kann mithin nicht schon dann von dem für die Angeklagte 
günstigeren Sachverhalt ausgegangen werden, sobald sich zwei widersprüchliche 
Sachverhaltsschilderungen gegenüberstehen. Vielmehr ist ein solcher Schluss nur 
dann gerechtfertigt, wenn aufgrund einer sachlichen Beweiswürdigung beide 
Sachverhaltsvarianten als gleichwertig erscheinen und keine der beiden Versionen 
der Vorzug gegeben werden kann (vgl. PK 1978 Nr. 13). Das Prinzip „im Zweifel für 
den Angeklagten“ erfordert mit anderen Worten nicht erst dann einen Freispruch, 
wenn nach dem Beweisergebnis überhaupt keine Zweifel am Fehlen des objektiven 
und subjektiven Tatbestandes erlaubt sind, sondern bereits dann, wenn bei 
objektiver Betrachtung erhebliche oder unüberwindliche Zweifel am Tat- oder 
Schuldbeweis zurückbleiben (vgl. BGE 124 IV 88). Die richterliche Überzeugung 
verlangt mehr als blosse Wahrscheinlichkeit; es ist vielmehr erforderlich, dass ein 
gegenteiliger Sachverhalt ausgeschlossen werden kann oder eine nur sehr geringe 
Wahrscheinlichkeit für sein Vorliegen spricht. Aus diesen grundsätzlichen 
Überlegungen hinsichtlich dem Grundsatz „in dubio pro reo“ beziehungsweise den 

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damit in unmittelbarem Zusammenhang stehenden allgemeinen 
Beweiswürdigungsregeln folgt für den vorliegenden Fall, dass anhand sämtlicher 
Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen ist, ob die Darstellung 
der Anklage oder jene der Angeklagten die Richter zu überzeugen vermag.

b) Unbestritten ist, dass A. zur besagten Zeit mit dem genannten Fahrzeug von 
Chur in Richtung Malix gefahren ist. Die Sachverhaltsdarstellungen der beiden 
Zeugen beziehungsweise der Angeschuldigten weichen jedoch insbesondere in 
dem Punkt voneinander ab, als dass A. wiederholt bekräftigt, unmittelbar nach dem 
St. Antönierrank nicht überholt zu haben, wohingegen die Zeugen BC. ausführen, 
an der besagten Stelle von A. überholt worden zu sein. B. meldete erstmals am 14. 
Mai 2009 abends bei der Kantonspolizei Graubünden telefonisch die hier in Frage 
stehende Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz. Dabei führte er aus, 
dass er unmittelbar nach dem St. Antönierrank auf der anschliessenden kurzen 
Geraden durch den Kleinwagen Z., X., gefährlich überholt worden sei. Am 15. Mai 
2009 verfasste er zu Handen der Kantonspolizei Graubünden einen Bericht zu der 
besagten Verkehrsregelverletzung (vgl. act. 3.5). Diesem Bericht kann entnommen 
werden, dass die Eheleute BC. unmittelbar nach dem St. Anönierrank von einem 
grauen Kleinwagen überholt worden seien. Es habe sich dabei um einen Z. mit dem 
Autokennzeichen X. gehandelt. Sie hätten gerade den St. Antönierrank erreicht und 
sich auf der anschliessenden kurzen Geraden befunden, wo dann die Strasse in 
eine unübersichtliche Linkskurve führe. Beim Überholmanöver habe sich das 
genannte Fahrzeug unmittelbar vor der unübersichtlichen Linkskurve noch auf der 
Gegenfahrbahn befunden und das Manöver erst in der Kurve beendet. Aus seiner 
Sicht lasse die Sicht über die Kantonsstrasse an dieser Stelle ein gefahrloses 
Überholmanöver nicht zu. Anlässlich der Konfronteinvernahme zwischen A. und B. 
vom 8. Juli 2009 bestätigte B. seine Aussagen. Dabei führte er unter anderem aus, 
dass sie beim Araschgerrank nach Praden abgebogen seien. Im Weiteren schilderte 
er in Übereinstimmung mit seinen vorangehenden Aussagen erneut den Ort des 
Überholmanövers. Die Strasse bilde unmittelbar nach dem St. Antönierrank eine 
unübersichtliche nach rechts beginnende Doppelkurve. Beide Kurven, sowohl die 
Rechts- als auch die Linkskurve seien unübersichtlich. Im Bereich der kurzen 
Geraden zwischen der Rechts- und Linkskurve sei er von diesem Z. überholt 
worden. Dieselben Beobachtungen schilderte die Ehefrau von B. anlässlich ihrer 
Einvernahme vom 16. Juni 2009. Demnach seien sie unmittelbar nach dem St. 
Antönierrank von einem Fahrzeug überholt worden. Dabei habe sie sich sowohl die 
Autonummer als auch die Fahrzeugmarke notiert. Das Fahrzeug sei auf der kurzen 
Geraden noch nicht vollumfänglich auf die rechte Fahrbahn zurück geschwenkt. 

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Die Aussagen der Eheleute BC. sind insbesondere in Bezug auf die 
Örtlichkeiten des Überholmanövers widerspruchsfrei, klar und detailliert. Aufgrund 
dieser Beschreibungen ergibt sich unverkennbar, dass die Örtlichkeit des 
Überholmanövers mit derjenigen auf dem Fotoblatt (act. 3.2) sowie mit der 
anlässlich des Augenscheins aufgesuchten Örtlichkeit übereinstimmt.

c) A. gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 20. Mai 2009 zu 
Protokoll, dass sie zwischen dem St. Antönierrank und dem Araschgerrank kein 
Überholmanöver gemacht habe. Hingegen macht sie geltend, weiter oben, das 
heisst unterhalb von Kreuz-Malix ausgangs des Waldes, überholt zu haben, was 
jedoch für das vorliegende Verfahren nicht relevant ist. Die Berufungsklägerin kann 
an dieser Stelle das Fahrzeug der Eheleute BC. zudem gar nicht überholt haben, 
da diese bereits vorher beim Araschgerrank in Richtung Tschiertschen abgebogen 
sind. A. führt im Weiteren aus, beim St. Antönierrank habe ein Fiat Panda rechts auf 
den Platz ausgestellt, um zu telefonieren. Sie sei ganz normal auf der rechten 
Fahrspur an diesem Fahrzeug vorbei gefahren. Vor diesem schwarzen Panda habe 
sie kein weiteres Fahrzeug gesehen. Erst weiter oben, am Ende des dortigen 
Waldes unmittelbar vor der Stadtgrenze zur Gemeinde Malix habe sie dann ein 
Fahrzeug überholt. A. führte anlässlich der Konfronteinvernahme vom 8. Juli 2009 
erstmals und entgegen ihren vorangehenden Aussagen aus, dass sie nach dem St. 
Antönierrank – nachdem sie an dem dort ausgestellten Fiat Panda vorbeigefahren 
sei – auf ein anderes Fahrzeug aufgeschlossen sei, welches sie aber nicht überholt 
habe. Dieses Fahrzeug sei beim Araschgerrank Richtung Tschiertschen 
abgebogen. 

Das Gericht hegt erhebliche Zweifel an den Sachverhaltsdarstellungen von 
A.. Wie nachfolgend aufzuzeigen ist, ist das Aussageverhalten von A. während des 
Untersuchungsverfahrens in einigen Punkten unbeständig. Dies insbesondere 
aufgrund der widersprüchlichen Aussagen von A. in Bezug auf die Frage, ob sie vor 
dem Fiat Panda ein Fahrzeug wahrgenommen habe oder nicht. Am 20. Mai 2009 
führte A. aus, dass sich unmittelbar vor dem Fiat Panda kein Fahrzeug befunden 
habe, wohingegen sie am 8. Juli 2009 zu Protokoll gab, beim St. Antönierrank auf 
ein anderes Fahrzeug aufgeschlossen zu haben. Der Rechtsvertreter der 
Berufungsklägerin führt diesbezüglich aus, dass bereits im Polizeirapport vom 3. 
Juni 2009 ausgeführt werde, dass ein vor A. fahrendes Fahrzeug auf Höhe 
Araschgerrank ausgestellt habe. Dieser Verkehrspolizeirapport beinhalte wohl 
Aussagen, welche vor dem 3. Juni 2009 gemacht worden seien, womit auch erstellt 
sei, dass die Berufungsklägerin schon mehr als einen Monat vor der besagten 
Konfronteinvernahme zu Protokoll gegeben habe, sie sei nach dem St. Antönierrank 

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auf ein Fahrzeug aufgeschlossen, welches beim Araschgerrank in Richtung 
Tschiertschen abgebogen sei. Die Staatsanwaltschaft Graubünden führte in ihrer 
Vernehmlassung an das Kantonsgericht Graubünden vom 19. Mai 2010 aus, bei 
der von der Berufungsklägerin zitierten Stelle des Verkehrspolizeirapports vom 3. 
Juni 2009 müsse es sich offensichtlich um eine Verwechslung der Örtlichkeiten 
handeln. Dem kann sich das Kantonsgericht Graubünden ohne Weiteres 
anschliessen. Abgesehen davon, dass am 3. Juni 2009 keine Befragung von A. 
stattfand, ist insbesondere zu beachten, dass es sich bei den Ausführungen des 
rapportierenden Polizisten vom 3. Juni 2009 um eine Zusammenfassung der 
Einvernahme von A. vom 20. Mai 2009 handelt, dessen Protokoll ebenfalls bei den 
Akten liegt (vgl. act. 3.4). In diesem schriftlich abgefassten und von A. 
unterzeichneten Einvernahmeprotokoll wird mit keinem Wort erwähnt, dass A. auf 
ein Fahrzeug aufgeschlossen haben soll, welches beim Araschgerrank in Richtung 
Tschiertschen abgebogen sein soll. Vielmehr führt die Berufungsklägerin explizit 
aus, dass der vor ihr fahrende Fiat Panda beim St. Antönierrank ausgestellt habe 
und sie vor diesem schwarzen Panda kein anderes Fahrzeug habe sehen können. 
Demnach muss es sich bei den Ausführungen im Polizeirapport um eine 
Verwechslung der Örtlichkeiten handeln. Die diesbezüglichen Ausführungen der 
Berufungsklägerin vermögen das Kantonsgericht nicht davon zu überzeugen, dass 
A.s Aussagen während des Untersuchungsverfahrens - wie von ihrem 
Rechtsvertreter geltend gemacht wird - widerspruchsfrei, sachlich glaubhaft und in 
sich geschlossen seien. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass A. erst anlässlich 
der Konfronteinvernahme vom 8. Juli 2009 Kenntnis darüber erlangte, dass das 
Fahrzeug der Eheleute BC. beim Araschgerrank in Richtung Tschiertschen 
abgebogen ist und sie folglich auch erst anlässlich dieser Konfronteinvernahme 
geltend machen konnte, dass sie auf ein Fahrzeug aufgeschlossen sei, welches 
beim Araschgerrank in Richtung Tschiertschen gefahren sei. Im Weiteren qualifiziert 
das Gericht die Aussage von A., dass sie es für möglich halte, dass C. sich das 
vordere Nummernschild aufgeschrieben habe, als sie dem Fahrzeug der Eheleute 
BC. gefolgt sei, als reine Schutzbehauptung. Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, 
weshalb C. die Nummer eines hinter ihr fahrenden Fahrzeuges aufgeschrieben 
haben soll. Gemäss der klaren Aussage von C. notierte sie sich die Nummer eben 
gerade nach dem Überholmanöver, und zwar ab dem hinteren Nummernschild, was 
auch logisch und nachvollziehbar ist. In Würdigung sämtlicher Einvernahmen 
kommt das Kantonsgericht zum Schluss, dass die Aussagen der Eheleute BC. im 
Kerngehalt widerspruchsfrei, klar, detailliert und in jeder Hinsicht nachvollziehbar 
sind und aufgrund dessen der von den Eheleuten BC. geschilderte Ort demjenigen 
des Überholmanövers entspricht. Demnach ist es als erstellt zu erachten, dass A. 

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unmittelbar nach dem St. Antönierrank, wo der Strassenverlauf nach der 
Rechtskurve eine Linkskurve aufweist, das Fahrzeug der Eheleute BC. überholt hat.

5.a) Gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG ist Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen 
nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr 
nicht behindert wird. Ferner ist gemäss Art. 35 Abs. 4 SVG das Überholen in unü-
bersichtlichen Kurven, auf und unmittelbar vor Bahnübergängen ohne Schranken 
sowie vor Kuppen ausdrücklich verboten. Wer überholen will, benötigt dazu so viel 
Raum auf der Fahrbahn, dass er mit ausreichend grossem Abstand am zu überho-
lenden Verkehrsteilnehmer vorbeifahren (Breite des Raums) und mit ausreichen-
dem Abstand zu diesem (Länge des Raumes) allenfalls wieder einbiegen kann, 
ohne den Gegenverkehr oder andere Verkehrsteilnehmer zu behindern oder zu ge-
fährden. Wie viel Raum er in Metern braucht, kann nicht allgemein festgelegt wer-
den, hängt der Raumbedarf doch von den verschiedensten Umständen ab, wie etwa 
von der Art des überholenden Fahrzeugs, der Art des zu überholenden Verkehrs-
teilnehmers, den absoluten Geschwindigkeiten der beiden Verkehrsteilnehmer 
usw.. Der Teil der Fahrbahn, den der Fahrzeugführer zum Überholen benötigt, muss 
übersichtlich und frei sein. Übersichtlichkeit ist gegeben, wenn derjenige, der über-
holen will, die Strecke überblicken, einsehen kann. (vgl. Schaffhauser, Grundriss 
des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I: Grundlagen, Verkehrszulas-
sung und Verkehrsregeln, 2. Auflage, Bern 2002, N 716 ff.; Giger, Strassenver-
kehrsgesetz, Kommentar, 7. Auflage, Zürich 2008, N 16 ff. zu Art. 35; BGE 121 IV 
235). Wer vor einer unübersichtlichen Kurve vorfahren will, muss berücksichtigen, 
dass bis zum Abschluss seines Unternehmens aus der Biegung heraus ein Fahr-
zeug auftauchen und sich ihm nähern könnte. Nicht nur die für den Überholvorgang 
benötigte Strecke muss übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich jene, die ein 
entgegenkommendes Fahrzeug bis zu jenem Punkt zurücklegt, wo der Überho-
lende die linke Strassenseite freigegeben haben wird. Es genügt daher nicht, dass 
der Überholende danach trachtet, den Überholvorgang kurz vor der unübersichtli-
chen Stelle abzuschliessen, sondern er muss ihn schon so weit vor diesem Punkt 
beendet haben, dass ein während des Überholvorgangs auf der Gegenfahrbahn 
auftauchendes Fahrzeug seinen Weg unter Einhaltung einer angemessenen Ge-
schwindigkeit fortsetzen kann, ohne gefährdet zu werden ( BGE 121 IV 235 , E. 1.b, 
S. 237 f.; BGE 109 IV 134 , E. 2, S. 135 f.). Wer ein Fahrzeug überholen will, muss 
sich somit vergewissern, dass die gesetzlichen Voraussetzungen dafür zu Beginn 
des Manövers erfüllt sind. Der Überholende muss von Anfang an Gewissheit haben, 
sein Unternehmen sicher und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu können. Er 
muss sicher sein, dass er während des ganzen Überholmanövers niemanden ge-

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fährdet und insbesondere gefahrlos vor dem überholten und vor dem entgegenkom-
menden Fahrzeug wieder einbiegen kann. Derjenige, der überholen will, muss 
berücksichtigen, dass aus dem für ihn nicht überblickbaren Teil der Gegenfahrbahn 
ein Fahrzeug mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit entgegenkommen könnte. 
Das Bundesgericht hat in BGE 118 IV 277 E. 5.b mit Bezug auf Hauptstrassen aus-
serorts sogar ausgeführt, dass auf Hauptstrassen ausserorts generell mit Ge-
schwindigkeiten bis zu rund 90 km/h gerechnet werden müsse. Daraus ergibt sich, 
dass derjenige, welcher überholen will, bei der Bemessung des Überholwegs zu 
berücksichtigen hat, dass ihm aus dem nicht überblickbaren Bereich ein Fahrzeug 
mit etwas mehr als der zulässigen Höchstgeschwindigkeit entgegen kommen 
könnte (Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, E., 1999, S. 83). Die Gefährdung der 
anderen Verkehrsteilnehmer beurteilt sich indessen nach den konkreten Umstän-
den des Einzelfalles.

b) Die rechtlichen Erwägungen des vorinstanzlichen Urteils vom 15. Januar 
2010 sind sowohl in Bezug auf Art. 35 Abs. 2 als auch Abs. 4 SVG sehr umfassend 
und darüber hinaus überaus zutreffend, weshalb grundsätzlich darauf verwiesen 
werden kann. Anlässlich des Augenscheins konnte sich das Gericht zudem davon 
überzeugen, dass an der besagten Stelle für ein Überholmanöver der nötige Raum 
im Sinne von Art. 35 Abs. 2 SVG nicht zur Verfügung steht. Die Berufungsklägerin 
konnte unmittelbar vor und während ihres Überholmanövers weder die für ihr Über-
holmanöver benötigte Strecke noch den weiteren Strassenverlauf überblicken. Sie 
konnte mithin nicht wissen, ob und gegebenenfalls wann ein Fahrzeug aus der Ge-
genrichtung entgegen kommt und wie dessen Lenker reagieren würde. Dass ein 
Überholmanöver an besagter Stelle nicht zulässig ist, bestätigte selbst die Beru-
fungsklägerin anlässlich des durchgeführten Augenscheins. Dabei führte sie aus, 
dass sie an dieser Stelle nie überholen würde (was – wie oben dargelegt – aber 
nicht bedeutet, dass sie dort nicht überholte). Die Strecke sei für ein Überholmanö-
ver viel zu kurz und zudem könne man gar nicht sehen, ob ein entgegenkommendes 
Auto nahe. Wer an dieser Stelle überhole, gefährde sowohl sich, die Insassen des 
überholenden Fahrzeuges als auch Personen in einem allfälligen entgegenkom-
menden Fahrzeug. Es ist damit erwiesen und auch eingestanden, dass die Stras-
senführung in diesem Bereich unübersichtlich ist und ein Überholmanöver an dieser 
Stelle verboten ist. Zusammenfassend ergibt sich, dass A. mit ihrem Überholmanö-
ver die Verkehrsregel von Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG verletzt hat. In der Folge 
gilt es nun zu prüfen, ob sich die Berufungsklägerin mit ihrem Verhalten einer ein-
fachen oder groben Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht hat.

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6.a) Wer Verkehrsregeln dieses Gesetzes oder der Vollziehungsverordnung des 
Bundesrates verletzt, wird mit Busse bestraft (Art. 90 Ziff. 1 SVG). Wer durch grobe 
Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer 
hervorruft oder in Kauf nimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Gelds-
trafe bestraft (Art. 90 Ziff. 2 SVG). Der qualifizierte Tatbestand der groben Verlet-
zung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG ist objektiv erfüllt, wenn 
der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet 
und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Eine ernstliche Gefahr für die Si-
cherheit anderer ist nicht erst bei einer konkreten, sondern bereits bei einer erhöh-
ten abstrakten Gefährdung gegeben. Ob eine konkrete, eine erhöhte abstrakte oder 
nur eine abstrakte Gefährdung geschaffen wird, hängt von der Situation ab, in wel-
cher die Verkehrsregelverletzung begangen wird. Wesentliches Kriterium für die An-
nahme einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe der Verwirklichung. Die allge-
meine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr genügt demnach nur zur Erfül-
lung des Tatbestandes von Art. 90 Ziff. 2 SVG, wenn in Anbetracht der Umstände 
der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verletzung nahe liegt. Sub-
jektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG nach der Rechtsprechung ein 
rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrwidriges Verhalten, das heisst, 
ein schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässig-
keit. Diese ist zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner 
verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kann aber auch vor-
liegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar 
nicht in Betracht gezogen, also unbewusst fahrlässig gehandelt hat. In solchen Fäl-
len ist grobe Fahrlässigkeit zu bejahen, wenn das Nichtbedenken der Gefährdung 
anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter 
anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses 
kann auch in einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder 
Interessen bestehen (vgl. zum Ganzen BGE 6P.138/2004 E. 3.2; BGE 6B_660/2009 
E. 3.4; Giger, Strassenverkehrsgesetz, Kommentar, 6. Auflage, Zürich 2002, Art. 34 
SVG, Art. 90 SVG, S. 247 ff.). 

b) Dass Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG wichtige Verkehrsregelungen beinhalten, ist 
unbestritten. Die Zahl der Verkehrsunfälle, die auf fahrlässige Überholvorgänge 
zurückzuführen sind, spricht eine deutliche Sprache für die Notwendigkeit einer 
strengen Anwendung der gesetzlichen Vorschriften. Wer sich über diese Normen 
hinwegsetzt, handelt den Verkehrsvorschriften grundsätzlich in grober Weise zuwi-
der. Der Überholende muss von Anfang an die Gewissheit haben, sein Überhol-
manöver sicher und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu können (vgl. SB 06 

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32). Nach den oben stehenden Ausführungen handelte die Berufungsklägerin bei 
dem hier zur Diskussion stehenden Überholmanöver nicht nach diesen Grundsät-
zen. Die unübersichtliche und im Zusammenhang mit einem Überholmanöver viel 
zu kurze Strecke genügt nicht, um ein für andere Verkehrsteilnehmer gefahrloses 
Überholen zu garantieren. So konnte A. zum Zeitpunkt, als sie das Überholmanöver 
begann, die Strecke oberhalb der unübersichtlichen Rechts-/Linkskurve, in welcher 
sie ihr Manöver durchgeführt hatte, nicht restlos einsehen. Wäre nun während der 
Durchführung des Überholmanövers durch A. - also währenddem sie sich auf der 
Überholspur befand - aus dem besagten Bereich überraschend ein Fahrzeug auf-
getaucht, wäre der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verletzung - 
d.h. einer Kollision mit dem entgegenkommenden Fahrzeug - nahe gelegen. Die 
Berufungsklägerin setzte also eine erhöhte abstrakte Gefahr und somit die nahe 
liegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung. A. ist zudem selber der Ansicht, 
dass an dieser Stelle ein Überholmanöver viel zu gefährlich sei, mithin die Gefahr 
für andere Verkehrsteilnehmer viel zu gross. Sie ist sich demnach der potentiellen 
Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer, welche von einem Überholmanöver 
an dieser Stelle ausgeht, durchaus bewusst. A. ist bereits zu Beginn des Überhol-
manövers nicht in der Lage gewesen, mit Gewissheit zu sagen, dass sie das fragli-
che Überholmanöver ohne Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer hätte absch-
liessen können. An dieser Schlussfolgerung vermag auch die Tatsache nichts zu 
ändern, dass es im konkreten Fall nicht zu einem Unfall gekommen ist, da das Aus-
sprechen einer Strafe nicht davon abhängt, ob konkret ein Unfall geschehen ist. A. 
hätte in der vorliegenden Situation das fragliche Überholmanöver nie ausführen dür-
fen. Sie ist daher der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Ziffer 
2 SVG schuldig zu sprechen. 

c) Zusammenfassend ergibt sich, dass A. durch ihr rücksichtsloses Verhalten 
eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer geschaffen hat und damit im Sinne 
des vorinstanzlichen Urteils wegen einer groben Verkehrsregelverletzung im Sinne 
von Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig zu sprechen ist. Die Berufung erweist sich damit in 
diesem Punkt als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.

7. A. beantragt in ihrer Berufung an das Kantonsgericht Graubünden vom 29. 
April 2010, sie sei von jeder Strafe frei zu sprechen. Da A. im Sinne des vorinstanz-
lichen Urteils der groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG 
schuldig gesprochen wird, kann sowohl in Bezug auf die Strafzumessung als auch 
hinsichtlich der Ausführungen bezüglich der Bussenhöhe auf die zutreffenden und 
ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Diesen ist darüber 
hinaus nichts mehr beizufügen. Im Übrigen fehlt es in der Berufung des Rechtsver-

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treters der Berufungsklägerin an Ausführungen zur Strafzumessung beziehungs-
weise zur Höhe der Geldstrafe und zur Busse. Dem Kantonsgericht Graubünden 
erscheint eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 110.- als durchaus angemes-
sen. Auch die Busse in der Höhe von Fr. 1'100.--, d.h. einem Drittel der Geldstrafe 
erscheint dem Kantonsgericht Graubünden als vertretbar (vgl. auch BGE 135 IV 
191).

8. Im Ergebnis steht demzufolge fest, dass das angefochtene Urteil des Be-
zirksgerichtsausschusses Plessur sowohl in Bezug auf den Schuldspruch als auch 
hinsichtlich der Strafzumessung zu bestätigen ist. Die Rügen von A. erweisen sich 
mithin als unbegründet. Damit ist auch die vorinstanzliche Kostenregelung zu 
bestätigen.

9. Erweist sich das vorinstanzliche Urteil als rechtmässig und ist die Berufung 
von A. abzuweisen, so sind die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 3’000.-- 
gestützt auf Art. 160 Abs. 1 StPO der Berufungsklägerin aufzuerlegen.

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III. Demnach wird erkannt

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 3’000.- gehen zu Lasten der 
Berufungsklägerin.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundesge-
richt, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die Beschwerde ist dem Bundes-
gericht schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausferti-
gung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen 
Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die 
weiteren Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die 
Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: