# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ec2616bb-b0cf-5a6a-9fd0-b292bb672e3d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240421-O1
**Docket/Reference:** SB240421-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240421-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer 

Geschäfts-Nr.: SB240421-O/U/nk

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Wenker, Präsident, Oberrichter lic. iur. Castrovilli 

und Oberrichter lic. iur. Amsler sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Tanner

Urteil vom 23. September 2025

in Sachen

1.

A._____, 

Beschuldigte und Berufungsklägerin

2.

B._____, 

Beschuldigte, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte

1 verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____,

2 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X2._____,

gegen

Staatsanwaltschaft See/Oberland, 

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin

betreffend versuchte Erpressung etc.  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 

22. Februar 2024 (DG230008)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 20. September 

2023 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 58).

Urteil der Vorinstanz: 

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig







der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB,

der unrechtmässigen Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 StGB und

des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB.

2.

Die Beschuldigte A._____ wird freigesprochen von den Vorwürfen 





des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage im 

Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB und

der Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 

Abs. 1 SVG.

3.

Die Beschuldigte B._____ ist schuldig 





der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB und

der unrechtmässigen Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 und 

Ziff. 2 Abs. 1 StGB.

4.

Die Beschuldigte A._____ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 22 Mo-

naten, wovon bis und mit heute 414 Tage durch Haft erstanden sind, sowie 

mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 30.–.

5.

Der Vollzug der für A._____ verhängten Freiheitsstrafe und Geldstrafe wird 

aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

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6.

Die Beschuldigte A._____ wird im Sinne von Art. 66abis StGB für 3 Jahre des 

Landes verwiesen.

7.

Von der Ausschreibung der Landesverweisung von A._____ im Schengener 

Informationssystem wird abgesehen.

8.

Die Beschuldigte B._____ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tages-

sätzen zu CHF 100.–, wovon 17 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten. 

9.

Der Vollzug der für B._____ verhängten Geldstrafe wird aufgeschoben und 

die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

10. Die nachfolgend aufgeführten, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft 

See/Oberland vom 6. Februar 2023 beschlagnahmten Gegenstände werden 

freigegeben und der Beschuldigten A._____ nach Eintritt der Rechtskraft 

des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem 

Ablauf einer dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet:

 Mobiltelefon iPhone 11 (Asservat Nr. A016'950'462)

 Mobiltelefon iPhone 13 (Asservat Nr. A016'951'261)

11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 24. August 

2023 beschlagnahmten zwei USB-Sticks werden freigegeben und Rechts-

anwalt MLaw X3._____ nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes 

Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf einer dreimonati-

gen Frist von der Lagerbehörde vernichtet.

12. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 24. August 

2023 beschlagnahmte Laptop Nr. 3 wird freigegeben und dem Gefängnis 

Frauenfeld nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen 

herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf einer dreimonatigen Frist 

von der Lagerbehörde vernichtet.

13. Die nachfolgend aufgeführten und als Sachkaution beim Bezirksgericht Mei-

len deponierten Dokumente werden der C._____ AG, c/o D._____ AG, 

E._____-strasse 1, F._____, nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf ers-

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tes Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf einer dreimo-

natigen Frist vernichtet: 

 Aktienkaufvertrag vom 12. November 2021

 Statuten der G._____ AG 

 Statuten der H._____ AG

 Handelsregisterauszug der G._____ AG vom 12. November 2021

 Handelsregisterauszug der H._____ AG vom 12. November 2021

 Zwischenabschluss der H._____ AG und der G._____ AG per 

30. September 2021

 Aktionärsbindungsvertrag vom 12. November 2021 mit Anhängen

 Prospekt der I._____ [Psychiatrische Klinik]

14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

CHF

12'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

CHF

CHF

6'000.–   Gebühr für das Vorverfahren

30.–   Entschädigung Zeuge

CHF

2'400.–

  Kosten Haftbeschwerden A._____ (III. Strafkammer des 

Obergerichts Zürich; UB230053 und UB230107)

CHF

CHF

59'625.20   amtliche Verteidigung RA X3._____ 

34'267.25   amtliche Verteidigung RA X2._____

CHF 114'322.45   Total

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert 

sich die Gerichtsgebühr auf zwei Drittel.

15. Die Gerichtsgebühr sowie die Gebühr für das Vorverfahren werden der Be-

schuldigten A._____ zu zwei Dritteln und der Beschuldigten B._____ zu ei-

nem Drittel auferlegt. Die Entschädigung des Zeugen sowie die Kosten der 

Haftbeschwerden werden vollumfänglich der Beschuldigten A._____ aufer-

legt.

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16. Die Kosten der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten A._____ werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt deren 

Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 

17. Die Kosten der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten B._____ werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt deren 

Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 

18. Rechtsanwalt MLaw X3._____, … [Adresse], wird für seine Bemühungen 

und Barauslagen als amtlicher Verteidiger der Beschuldigten A._____ im 

Vorverfahren und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren mit total 

CHF 59'625.20 (CHF 52'159.80 Honorar, CHF 3'202.50 Barauslagen, 

CHF 4'262.90 Mehrwertsteuer von 7,7%) entschädigt. Die Kasse des Be-

zirksgerichts Meilen wird angewiesen, Rechtsanwalt MLaw X3._____ unter 

Berücksichtigung der bereits geleisteten Akontozahlung von CHF 39'241.– 

den Betrag von CHF 20'384.20 auszuzahlen.

19. Rechtsanwalt MLaw X2._____, … [Adresse], wird für seine Bemühungen 

und Barauslagen als amtlicher Verteidiger der Beschuldigten B._____ im 

Vorverfahren und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren mit total 

CHF 34'267.25 (CHF 31'658.– Honorar, CHF 142.20 Barauslagen, 

CHF 2'467.05 Mehrwertsteuer von 7,7% bzw. 8,1%) entschädigt. Die Kasse 

des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, Rechtsanwalt MLaw X2._____ 

unter Berücksichtigung der bereits geleisteten Akontozahlung von 

CHF 18'956.80 den Betrag von CHF 15'310.45 auszuzahlen.

20. Der Beschuldigten B._____ wird eine Genugtuung von CHF 1'000.– aus der 

Gerichtskasse zugesprochen.

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung der Beschuldigten A.______:

(Urk. 149 S. 2)

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1.

Das Strafverfahren gegen A._____ betreffend Diebstahl gemäss Dos-

sier 2 sei einzustellen.

2.

A._____ sei der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und der unrechtmässigen 

Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 StGB gemäss Dossier 1 für 

nicht schuldig zu befinden und von diesen Vorwürfen frei zu sprechen.

3.

Die Kosten des vorliegenden Verfahrens, inklusive derjenigen der amt-

lichen Verteidigung, seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

4.

A._____ sei für die erbetene Verteidigung eine angemessene Entschä-

digung und für die von ihr bis heute zu Unrecht erstandene Haft eine 

Genugtuung in der Höhe von Fr. 80'000.– aus der Gerichtskasse zu 

bezahlen.

b)

Der Staatsanwaltschaft See/Oberland:

(schriftlich, Urk. 140 S. 2)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

- 7 -

Erwägungen:

I.

Prozessgeschichte

1.

Gegen das vorstehend wiedergegebene, mündlich eröffnete und schriftlich 

im Dispositiv mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Meilen, Abteilung, vom 22. Fe-

bruar 2024 (Urk. 129 = Urk. 131) meldeten sowohl die Verteidigung der Beschul-

digten A._____ (nachfolgend: Beschuldigte 1) als auch die amtliche Verteidigung 

der Beschuldigten B._____ (nachfolgend: Beschuldigte 2) im Auftrag der Beschul-

digten innert Frist Berufung an (Urk. 126; Urk. 127). Nach fristgerechter Erstattung 

der  Berufungserklärungen  vom  10. bzw. 11. September  2024 

(Urk. 133; 

Urk. 134/1-2; Urk. 135) und anschliessender Fristansetzung an die Staatsanwalt-

schaft  See/Oberland  (nachfolgend:  Staatsanwaltschaft)  und  den  Privatkläger 

(Urk. 138) liess sich der Privatkläger nicht vernehmen, während die Staatsanwalt-

schaft  mit  Eingabe  vom  26. September  2024  (Datum  Poststempel:  1. Oktober 

2024) Anschlussberufung erhob und diese auf die Bemessung der Strafe und die 

Genugtuungsfolgen der Beschuldigten 2 beschränkte (Urk. 140). Den Beschuldig-

ten  sowie  dem  Privatkläger  wurde  mit  Präsidialverfügung  vom  28. Oktober  2024 

eine Kopie der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zugestellt (Urk. 141). In 

der Folge wurde auf den 23. September 2025 zur Berufungsverhandlung vorgela-

den (Urk. 143). 

2.

Mit Eingabe vom 29. August 2025 zog die Beschuldigte 2 ihre Berufung zu-

rück (Urk. 144). Hiervon ist Vormerk zu nehmen.

3.

Am  23. September  2025  fand  die  Berufungsverhandlung  statt,  zu  welcher 

die  Beschuldigte 1  in  Begleitung  ihres  Verteidigers,  Rechtsanwalt  X1._____,  er-

schienen ist (Prot. II S. 5). Staatsanwalt lic. iur. J._____ ist nicht zur Berufungsver-

handlung erschienen und wurde auf sein telefonisches Gesuch hin unter Berück-

sichtigung des Umstands, dass mit dem Rückzug der Berufung durch die Beschul-

digte 2 die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft dahinfiel, von der Verhand-

lung dispensiert (Urk. 148).

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II.

Formelles und Prozessuales

1.

Formelles

1.1. Gemäss  Art. 402  StPO  hat  die  Berufung  im  Umfang  der  Anfechtung  auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

sprechend  gehemmt.  Das  Berufungsgericht  überprüft  somit  das  erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auch wenn das 

Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein 

insgesamt  neues  Urteil  (Art. 408  StPO),  worin  es  jedoch  anzugeben  hat,  welche 

Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; Ur-

teile  des  Bundesgerichts  6B_77/2024  vom  2. Juli  2024  E. 1.1.2;  6B_1397/2019 

vom 12. Januar 2022 E. 4.3 mit Hinweisen).

1.2. Die  Beschuldigte 1  beantragt  im  Berufungsverfahren  die  Einstellung  des 

Strafverfahrens  betreffend  Diebstahl  gemäss  Dossier  2,  einen  Freispruch  betref-

fend die versuchte Erpressung und die unrechtmässige Aneignung gemäss Dos-

sier 1,  eine  ausgangsgemässe  Kosten-  und  Entschädigungsregelung  sowie  eine 

Genugtuung  in  der  Höhe  von  Fr. 80'000.–  für  die  von  ihr  zu  Unrecht  erstandene 

Haft (Urk. 149 S. 2). Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Anschlussberufung 

auf Dispositivziffern 8 und 20 des vorinstanzlichen Urteils und beantragte eine Be-

strafung der Beschuldigten 2 mit einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie das 

Absehen von der Zusprechung einer Genugtuung an die Beschuldigte 2 (Urk. 140). 

Aufgrund  des  Rückzugs  der  Berufung  der  Beschuldigten 2  und  des  Dahinfallens 

der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft (Art. 401 Abs. 3 StPO) sind der sie 

betreffende  Schuldspruch,  die  Sanktion,  der  Rückforderungsvorbehalt  betreffend 

die Kosten ihrer amtlichen Verteidigung sowie die Genugtuung (Dispositivziffern 3, 

8, 9, 17 und 20) nicht mehr angefochten. Es sind demnach Dispositivziffern 2 (Frei-

sprüche betreffend die Beschuldigte 1), 3 (Schuldsprüche betreffend die Beschul-

digte 2), 8 und 9 (Sanktion betreffend die Beschuldigte 2), 10 bis 13 (Beschlagnah-

mungen und Sicherstellungen), 14 und 15 teilweise (Kostenfestsetzung und Kos-

tenauflage betreffend die Beschuldigte 2), 17 (Nachforderungsvorbehalt betreffend 

die Verteidigungskosten der Beschuldigten 2), 18 und 19 (Entschädigung amtliche 

Verteidigungen)  sowie  20  (Genugtuung  betreffend  die  Beschuldigte 2)  des 

- 9 -

vorinstanzlichen  Urteils  in  Rechtskraft  erwachsen,  was  vorab  mittels  Beschluss 

festzustellen ist.

2.

Prozessuales

2.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, liegt betreffend die unrechtmässige An-

eignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 2 StGB ein gültiger Strafantrag vor (Urk. 131 

S. 6 f.; vgl. auch Urk. D1/1; Urk. D2/1).

2.2. Mit Bezug auf den der Beschuldigten 1 vorgeworfenen Diebstahl im Sinne 

von Art. 139 Ziff. 1 StGB brachte deren Verteidiger im Berufungsverfahren vor, das 

Strafverfahren  betreffend  Diebstahl  sei  infolge  Fehlens  einer  Prozessvorausset-

zung einzustellen, zumal eine Deliktsbegehung zum Nachteil eines Familiengenos-

sen gemäss Art. 139 Ziff. 4 StGB nur auf Antrag strafbar sei und der Geschädigte 

K._____ sämtliche Strafanträge zurückgezogen habe (Urk. 149 Rz. 5 ff.). Die Be-

schuldigte 1 und K._____ hätten während einer gewissen Zeit im selben Haus ge-

wohnt und aus deren Aussagen ergebe sich nichts, das ohne Weiteres gegen eine 

Qualifikation gemäss Art. 110 Abs. 2 StGB sprechen würde. 

2.3.

Familiengenossen  sind  Personen,  die  in  gemeinsamem  Haushalt  leben 

(Art. 110  Abs. StGB).  Eine  häusliche  Gemeinschaft  besteht  aus  zwei  oder  mehr 

Personen, die unter einem Dach essen, leben und schlafen (BGE 102 IV 162 E 2a). 

Das  Zusammenleben  muss  langfristig  angelegt  sein  und  wird  a  priori  als  der 

Wunsch verstanden, auf unbestimmte Zeit zusammenzuleben (Urteil 6B_637/2012 

vom  21.  Januar  2013,  E.  2.1).  Der  quasi-familiäre  Charakter  der  häuslichen  Ge-

meinschaft  setzt  im  Übrigen  voraus,  dass  ihre  Mitglieder  durch  eine  persönliche 

Beziehung verbunden sind, die einer gewissen Nähe entspricht, wie der zwischen 

einem Paar und/oder seinen Kindern (BGE 140 IV 97 E. 1.2). K._____ führte an-

lässlich  der  Einvernahme  vom  2. Februar  2023  aus,  er  habe  die  Beschuldigte  1 

über  Tinder  kennengelernt,  sie  einige  Monate  später  nach  einem  Alkoholrückfall 

seinerseits zu sich nach Hause eingeladen und anschliessend mit ihr einige Tage 

im … [Gebiet in der Schweiz] und an seinem Wohnort in L._____ verbracht. Sie 

seien  zwei  bis  drei  Mal  intim  gewesen,  aber  hätten  keine  Beziehung  geführt 

(Urk. D1/11/4 F/A 7 und F/A 59). Auch die Beschuldigte 1 beschränkte ihre Aussa-

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gen in Bezug auf K._____ darauf, dass sie ihn kenne und bereits bei ihm übernach-

tet habe (Urk. D1/9/1 F/A 33 f.). Aus den Aussagen der Beschuldigten 1 und des 

Geschädigten K._____ ist somit nicht ersichtlich, dass eine auf Dauer angelegte 

Haushaltsgemeinschaft bestand. Beidseits war lediglich von einigen Übernachtun-

gen die Rede. Sodann ergibt sich weder aus der Akten noch deren Aussagen, dass 

die Beschuldigte 1 ihren Wohnsitz in Deutschland aufgegeben und während dem 

relevanten Zeitraum über einen Wohnsitz in der Schweiz bei K._____ verfügt hätte. 

Das  spricht  klar  gegen  eine  Qualifikation  als  Familiengenossen  im  Sinne  von 

Art. 110 Abs. 2 bzw. Art. 139 Ziff. 4 StGB. Bezüglich des der Beschuldigten 1 vor-

geworfenen Diebstahls besteht folglich kein Antragserfordernis, womit eine Einstel-

lung des Verfahrens aufgrund fehlenden Strafantrags ausser Betracht fällt. 

III.

Sachverhalt und rechtliche Würdigung

Grundsätze der Beweiswürdigung

Zu  den  allgemeinen  Beweiswürdigungsregeln  kann  auf  die  zutreffenden 

A.

1.

Ausführungen  der  Vorinstanz  (Urk. 131  S. 9  ff.)  und  die  einschlägige  Rechtspre-

chung des Bundesgerichts (BGE 146 IV 88 E. 1.3.1; 145 IV 154 E. 1.1; 144 IV 345 

E. 2.2.3.2; 138 V 74 E. 3; 124 IV 86 E. 2a; je mit Hinweisen) verwiesen werden. 

Soweit 

für  die 

tatsächliche  und  rechtliche  Würdigung  des  eingeklagten 

Sachverhalts auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in 

Anwendung  von  Art. 82  Abs. 4  StPO,  auch  ohne  dass  dies  jeweils  im  Einzelnen 

explizit  Erwähnung 

findet. 

Im  Übrigen 

ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die 

Entscheidbegründung  nach  der  Rechtsprechung  kurz  die  wesentlichen 

Überlegungen nennen muss, von denen sich das Gericht leiten liess und auf die es 

seinen  Entscheid  stützt.  Es  darf  sich  auf  die  massgebenden  Gesichtspunkte 

beschränken und muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung 

und 

jedem  rechtlichen  Einwand  auseinandersetzen  und  diese  widerlegen 

(BGE 147 IV 409 E. 5.4.3 mit Hinweisen).

2.

Ergänzend ist zur Beweiswürdigung festzuhalten, dass die in Art. 32 Abs. 1 

BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerte Unschuldsvermutung bedeutet, dass es Sa-

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che  der  Strafverfolgungsbehörden  ist,  der  beschuldigten  Person  ihre  Täterschaft 

nachzuweisen. Gemäss Art. 113 Abs. 1 StPO muss sich die beschuldigte Person 

nicht selbst belasten und hat namentlich das Recht, die Aussage und Mitwirkung 

im Strafverfahren zu verweigern. Das Recht zu schweigen gehört zum allgemein 

anerkannten  Standard  eines  fairen  Verfahrens  (BGE 147  I  57  E. 5.1;  144  I  242 

E. 1.2.1). Gegen das Verbot des Selbstbelastungszwangs verstösst zum Beispiel 

ein strafbewehrter Befehl an die beschuldigte oder eine andere verweigerungsbe-

rechtigte Person, potentiell belastende Beweisunterlagen herauszugeben oder be-

lastende Aussagen gegen sich oder (im Rahmen des Aussageverweigerungsrech-

tes) eine andere Person zu machen (BGE 142 IV 207 E. 8.3.1). Unzulässig ist na-

mentlich auch, das Schweigen der beschuldigten Person als Indiz für ihre Schuld 

zu werten (BGE 138 IV 47 E. 2.6.1). Demgegenüber ist es – wie das Bundesgericht 

unter  Berücksichtigung  der  Rechtsprechung  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 

Menschenrechte in Sachen John Murray gegen Vereinigtes Königreich (Urteil vom 

8. Februar 1996, Nr. 18731/91) explizit festgestellt hat – nicht ausgeschlossen, das 

Aussageverhalten der beschuldigten Person in die freie Beweiswürdigung mitein-

zubeziehen, so insbesondere, wenn sie sich weigert, zu ihrer Entlastung erforderli-

che Angaben zu machen, bzw. es unterlässt, entlastende Behauptungen näher zu 

substantiieren, obschon eine Erklärung angesichts verschiedener belastender Be-

weiselemente vernünftigerweise erwartet werden darf (Urteile des Bundesgerichts 

6B_934/2025  vom  16. April  2025  E. 3.3.2;  6B_1019/2024  vom  3. April  2025 

E. 2.2.3;  6B_129/2024  vom  22. April  2024  E. 2.3.1;  6B_1202/2021  vom  11. Fe-

bruar  2022  E. 1.8.2;  6B_1302/2020  vom  3. Februar  2021  E. 1.4.4  [nicht  publ.  in 

BGE 147 IV 176]; 6B_289/2020 vom 1. Dezember 2020 E. 7.8.1).

3.

Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein 

indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, 

die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu be-

weisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Der Indizienbeweis 

ist dem direkten Beweis gleichwertig. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich 

allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tat-

sache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, können in ihrer 

Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen rechtsgenügenden 

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Beweis von Tat oder Täter erlaubt (Urteile des Bundesgerichts 6B_1349/2022 vom 

24. Januar  2025  E. 6.3.2;  6B_736/2024  vom  13. Januar  2025  E. 2.3.2; 

6B_1353/2023 vom 6. November 2024 E. 7.2.2; 6B_1149/2020 vom 17. April 2023 

E. 2.3.2.2; 6B_790/2021 vom 20. Januar 2022 E. 1.2.3; 6B_1302/2020 vom 3. Fe-

bruar 2021 E. 1.2.3 [nicht publ. in BGE 147 IV 176]; je mit Hinweisen). Der Indizi-

enprozess als solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr ab-

geleiteten  Teilrechte  (Urteile  des  Bundesgerichts  6B_924/2024  vom  27. Januar 

2025 E. 2.4.1; 6B_219/2021 vom 19. April 2023 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 149 IV 

248]; 6B_1097/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 3.2; 6B_1018/2021 vom 24. August 

2022 E. 2.1.1 f.; 6B_188/2022 vom 17. August 2022 E. 3.2). Der Grundsatz "in du-

bio pro reo" als Entscheidregel verlangt nicht, dass bei sich widersprechenden Be-

weismitteln unbesehen auf den für den Beschuldigten günstigeren Beweis abzu-

stellen ist. Die Entscheidregel kommt nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Be-

weiswürdigung  als  Ganzem  relevante  Zweifel  verbleiben  (BGE  144  IV  345 

E. 2.2.3.2;  Urteile  des  Bundesgerichts  6B_1019/2021  vom  8. Dezember  2021 

E. 1.3.3; 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3 [nicht publ. in BGE 147 IV 

176]; je mit Hinweisen).

B.

1.

Versuchte Erpressung und unrechtmässige Aneignung

Anklagevorwurf

1.1.

Zum Anklagevorwurf ist auf die dem Urteil angeheftete Anklageschrift zu ver-

weisen (Urk. 58). Den Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, sie hät-

ten sich im Zeitraum vom 6. Februar 2022 bis 8. Februar 2022 einen Aktienkauf-

vertrag sowie einen Aktionärsbindungsvertrag mit diversen Beilagen (nachfolgend: 

Vertragsdokumente), welche der Privatkläger in der Wohnung der Beschuldigten 2 

vergessen habe, trotz dessen Aufforderung um Rückgabe der Dokumente ange-

eignet, um damit die H._____ AG (nachfolgend: H._____) sowie den Privatkläger 

unter Druck zu setzen und diese unter Androhung von Nachteilen dazu zu bringen, 

10 % des Erlöses aus dem betreffenden Aktienverkauf, mithin Fr. 637'500.–, zu be-

zahlen, wobei die Beschuldigten gewusst hätten bzw. die Beschuldigte 2 zumindest 

in Kauf genommen habe, dass sie keinen Anspruch auf diesen Betrag hatten.

- 13 -

1.2. Den Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, sie hätten den Geschädigten in 

zwei E-Mails mit einer Verleumdungskampagne und weiteren Nachteilen gedroht, 

sollten  sie  den  geforderten  Betrag  nicht  bezahlen.  Zunächst  habe  die  Beschul-

digte 2 in einer ersten E-Mail vom 8. Februar 2022 dem Privatkläger angedroht, die 

Vertragsdokumente  Dritten  und  den  Vertragsparteien  zu  zeigen  und  mitzuteilen, 

der  Privatkläger  habe  diese  wichtigen  Dokumente  achtlos  liegen  lassen.  Weiter 

habe die Beschuldigte 2 in dieser E-Mail angedeutet, den Privatkläger gegenüber 

Dritten  als  Mann  zu  schildern,  welcher  Leute  hintergangen  habe,  denen  er  Geld 

schulde.  Für  das  Unterlassen  von  solchen  Verunglimpfungen  und  die  Rückgabe 

der Dokumente habe sie von ihm 15 % des Einkommens verlangt, welches die Kli-

nik für die Behandlung von zwei Personen generiere, mithin Fr. 30'000.–. Sie habe 

dabei vorgegeben, der H._____ zwei Kunden vermittelt zu haben, obwohl sie ge-

wusst habe, dass dies nicht der Wahrheit entsprochen habe. Sie habe zudem ge-

wollt, dass der Inhalt dieser E-Mail auch an M._____ gelange, was sodann auch 

geschehen sei. 

1.3. Der Beschuldigten 1 wird vorgeworfen, sie habe Kenntnis von dieser ersten 

E-Mail  gehabt.  Weiter  wird  beiden  Beschuldigten  vorgeworfen,  sie  hätten  das 

Drohszenario und ihre Forderungen mit dem Verfassen einer zweiten E-Mail, wel-

che sie gemeinsam erarbeitet hätten, indem sie einander den Text zur Generierung 

neuer Einfälle zwecks Zuspitzung der Drohkulisse mehrmals hin und her geschickt 

hätten,  worauf  die  Beschuldigte 1  schliesslich  im  Einverständnis  der  Beschuldig-

ten 2  die  E-Mail  vom  8. Februar  2022  an  N._____  (die  Mutter  von  M._____), 

M._____ selbst, den Privatkläger, weitere ehemalige und aktuelle Mitarbeitende der 

H._____  sowie  O._____  versandt  habe,  intensiviert.  So  sei  in  dieser  E-Mail  be-

hauptet  worden,  es  bestehe  ein  Anspruch  auf  10 %  des  Erlöses  der  Aktienkauf-

summe,  mithin  Fr. 637'500.–,  und  es  sei  angedroht  worden,  dass  die  Beschul-

digte 1 Betreibung gegen die H._____ einleiten, den Privatkläger wegen Rufmor-

des einklagen und als Zeugin für andere Kläger zur Verfügung stehen würde, sollte 

ihr  diese  Geldsumme  nicht  bis  zum  16. Februar  2022  bezahlt  werden.  Sie  habe 

dabei den Privatkläger als ständig betrunkenen und durchgekoksten Mann darge-

stellt, welcher ihr den Vertrag im Original als Sicherheit für eine Zahlung gegeben 

habe, obwohl sie gewusst habe, dass dies nicht der Wahrheit entsprochen habe. 

- 14 -

1.4. Die  Geschädigten  hätten  dabei  –  wie  von  den  Beschuldigten  bezweckt  – 

befürchten müssen, dass die Vertragsdokumente im Falle der ausbleibenden Zah-

lung an Dritte weitergeleitet würden, welche diese zum Nachteil der Geschädigten 

hätten einsetzen können. Die Vertragsdokumente seien demnach auch an O._____ 

und P._____ weitergeleitet worden, wobei Letzterer diese dafür verwendet habe, 

eine nicht berechtigte Forderung gegen die H._____ geltend zu machen. 

1.5. Mit ihrem Vorgehen hätten die Beschuldigten der H._____ und dem Privat-

kläger klarmachen wollen, dass sie im Falle der Nichtleistung der Zahlung damit 

rechnen mussten, dass die Beschuldigten ihre Drohungen in die Tat umsetzen und 

den Inhalt der E-Mail noch weiteren Kreisen zugänglich machen würden, was den 

Ruf  dieser  weltweit  angesehenen  Suchtklinik  für  wohlhabende  und  renommierte 

Kunden  beschädigt  und  die  Zukunft  des  Unternehmens  in  Frage  gestellt  hätte. 

Wäre dem Kundenkreis zu Ohren gekommen, dass der Privatkläger als ehemaliger 

Suchtpatient wieder der Sucht verfallen sei, betrügerisch handle, vertrauliche Do-

kumente mit sensiblen Daten öffentlich mache, die Beschuldigte 1 als ehemalige 

Mitarbeiterin  der  H._____  diese  öffentlich  diskreditiere  und  einklage,  dass  diese 

Rechnungen nicht bezahle, Schulden habe und im Umfang von Fr. 637'500.– be-

trieben würde, würden die Kunden auf Distanz gehen, was der H._____ einen gros-

sen wirtschaftlichen Schaden verursacht hätte. Den Beschuldigten wird vorgewor-

fen, ihnen sei dies bewusst gewesen und sie hätten sich dies zu Nutzen gemacht, 

um die H._____ und den Privatkläger, welchem zudem gemäss Aktionärsbindungs-

vertrag  bei  Verletzung  der  Geheimhaltungspflicht  eine  Konventionalstrafe  von 

Fr. 100'000.– gedroht hätte, zu einer Zahlung zu zwingen und sich so widerrechtli-

che Vermögensvorteile zu verschaffen und die H._____ zu schädigen. Die Zahlung 

wäre hierbei an die Beschuldigte 1 erfolgt, wobei diese die Beschuldigte 2 in nicht 

bekannter  Höhe  am  Gewinn  beteiligt  hätte.  Die  Geschädigten  hätten  dem  Druck 

indes standgehalten und Strafanzeige erstattet.

2.

Standpunkt der Beschuldigten 1

Betreffend die Standpunkte der Beschuldigten kann auf die zutreffenden Erwägun-

gen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 131 S. 16). Zusammen-

fassend kann festgehalten werden, dass die Beschuldigte 1 die Auffassung vertritt, 

- 15 -

in ihrer E-Mail vom 8. Februar 2022 einen Anspruch geltend gemacht zu haben, 

der  ihr  im  geforderten  Betrag  aufgrund  nicht  bezahlter  Gehälter  und  Provisionen 

zugestanden habe. Mithin bestreitet die Beschuldigte 1, den Privatkläger erpresst 

zu haben (vgl. nachfolgend E. III.B.4.5).

3.

Ausgangslage

3.1. Die  Vorinstanz  erachtete  den  Anklagesachverhalt  mehrheitlich  als  erstellt. 

Nicht erstellen lasse sich, dass die Beschuldigte 1 an der Redaktion und am Ver-

sand der ersten E-Mail vom 8. Februar 2022 mitgewirkt haben soll, jedoch habe sie 

kurze Zeit später und vor dem Versand der zweiten E-Mail vom 8. Februar 2022 

vom  wesentlichen  Inhalt  dieser  E-Mail  Kenntnis  erhalten.  Weiter  lasse  sich  nicht 

erstellen, dass die Beschuldigte 2 mit der ersten E-Mail vom 8. Februar 2022 einen 

unbedingten Provisionsanspruch eingefordert habe. Vielmehr habe sie die Forde-

rung unter der Bedingung gestellt, dass die von ihr vermittelten Kontakte tatsächlich 

zu einem Vertragsabschluss geführt hätten. Sodann sei nicht erstellt, dass die Ver-

tragsdokumente an P._____ weitergeleitet worden seien. In subjektiver Hinsicht sei 

sodann  nicht  erstellt,  dass  ein  allfälliger  Erlös  unter  den  Beschuldigten  aufgeteilt 

worden wäre (Urk. 131 S. 55).

3.2.

In rechtlicher Hinsicht würdigte die Vorinstanz den erstellten Sachverhalt be-

treffend die Beschuldigte 1 als unrechtmässige Aneignung im Sinne von Art. 137 

Ziff. 1 StGB sowie als versuchte Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. Die Beschuldigte 2 wurde der unrechtmässi-

gen Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 StGB sowie der ver-

suchten Erpressung im Sinne von Art. 156 StGB Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB schuldig gesprochen (Urk. 131 S. 84).

4.

Beweiswürdigung

4.1. Unbestrittener Sachverhalt

4.1.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 131 S. 15 f.), ist unbestritten bzw. 

anhand objektiver Beweismittel erstellt, dass der Aktienkaufvertrag und der Aktio-

närsbindungsvertrag je vom 12. November 2021 anklagegemäss geschlossen und 

- 16 -

unterzeichnet  wurden  (Urk. D1/19/2;  Urk. D1/19/5),  der  Privatkläger  und  die  Be-

schuldigte 2 im fraglichen Zeitpunkt eine Beziehung führten (Urk. D1/10/1 F/A 32; 

Urk. D1/11/1 F/A 23; Urk. 112 Rz. 10) und der Privatkläger die Vertragsdokumente 

nach erfolgter Unterzeichnung in der Wohnung der Beschuldigten 2 in der Garde-

robe verstaute (Urk. D1/10/1 F/A 29; Urk. D1/11/1 F/A 47). Weiter ist aufgrund der 

übereinstimmenden Aussagen des Privatklägers und der Beschuldigten 2 erstellt, 

dass sie sich Mitte Dezember 2021 trennten (Urk. D1/10/1 F/A 32), der Privatkläger 

bei seinem Auszug aus der Wohnung der Beschuldigten 2 die Vertragsunterlagen 

vergass und diese von der Beschuldigten 2 in ihre neue Wohnung nach Q._____ 

mitgenommen wurden (Urk. D1/10/1 F/A 29 f., 51, 58; Urk. D1/11/1 F/A 49-51). Ge-

stützt auf die E-Mail vom 6. Februar 2022 ist sodann erstellt, dass der Privatkläger 

die  Beschuldigte 2  aufforderte,  ihm  die  Vertragsdokumente  zurückzugeben 

(Urk. D1/2/12). Schliesslich sagten beide Beschuldigten aus, dass sie sich kennen 

würden und dem Privatkläger die Vertragsdokumente nicht herausgegeben wurden 

(Urk. D1/9/1 F/A 7; Urk. D1/9/2 F/A 83, 91; Urk. D1/10/1 F/A 43, 51).

4.1.2. Im Übrigen ist nachfolgend zu prüfen, ob sich der Anklagesachverhalt ge-

stützt auf die vorhandenen Beweismittel erstellen lässt, wobei vorab darauf hinzu-

weisen ist, dass sich die umfassend vorgenommene Würdigung der Aussagen der 

Beschuldigten, der massgebenden Zeugen und Auskunftspersonen sowie der wei-

teren Beweismittel durch die Vorinstanz (Urk. 131 S. 19 ff.) als zutreffend erweist. 

Darauf kann vorgängig verwiesen werden. Die nachfolgende Beweiswürdigung ist 

deshalb im Sinne einer Ergänzung und Präzisierung bzw. Hervorhebung der wich-

tigsten Punkte der vorinstanzlichen Erwägungen zu verstehen.

4.2. Verbleib der Vertragsdokumente

4.2.1. Anlässlich  der  Hausdurchsuchung  bei  der  R._____  AG  vom  16. Februar 

2023 konnten der anklagegegenständliche Aktienkaufvertrag und der Aktionärsbin-

dungsvertrag  je  vom  12. November  2021  samt  Beilagen  sichergestellt  werden 

(Urk. D1/18; Urk. D1/19/1-5). Wie sich aus den Chatnachrichten zwischen den bei-

den Beschuldigten ergibt, schlug die Beschuldigte 1 der Beschuldigten 2 vor, die 

Vertragsdokumente bei der R._____ AG zuhanden der Beschuldigten 1 zu hinter-

legen. So fragte die Beschuldigte 1 die Beschuldigte 2 am 7. Februar 2022 – nach-

- 17 -

dem diese ihr einen Screenshot der E-Mail des Privatklägers weitergeleitet hatte, 

in welcher er sie aufforderte, ihm die Vertragsdokumente auszuhändigen –, ob sie 

die Möglichkeit habe, ihr den Umschlag per Post zu schicken, damit sie ihm zeigen 

könne,  dass  sie  diese  im  Original  habe  (Urk. D1/2/12;  Urk. D1/13  S. 174,  176). 

Nach dem Austausch weiterer Nachrichten teilte die Beschuldigte 1 der Beschul-

digten 2 mit, dass dies das "Office von S._____" sei (Urk. D1/13 S. 179). Sie unter-

hielten sich in den folgenden Nachrichten über den Zeitpunkt der Abgabe der Do-

kumente im Office und die Beschuldigte 2 teilte der Beschuldigten 1 mit, sie könne 

die  Unterlagen  gleichentags  gegen  16:00  Uhr  abgeben.  Später  schrieb  sie,  sie 

wolle nichts überstürzen und nochmals darüber schlafen (Urk. D1/13 S. 181, 183). 

Ebenfalls am 7. Februar 2022 schickte die Beschuldigte 2 der Beschuldigten 1 eine 

Kopie der Vertragsunterlagen mit der Nachricht: "Da hast die Kopie und kannst zu-

mindest  via  Dr.  T._____  versuchen  Sachen  einzufordern"  (Urk. D1/13  S. 192). 

Nachdem die Beschuldigte 1 sie bat, keinen Rückzieher zu machen und angab, sie 

habe S._____ gesagt, dass sie gewinnen würden sowie darum bat, auf den Um-

schlag  folgendes  zu  schreiben:  "Zu  Händen  A._____",  schickte  ihr  die  Beschul-

digte 2 am 8. Februar 2022 ein Foto des Aktienkaufvertrags sowie einer Türklingel 

und erkundigte sich, wo sie klingeln müsse, woraufhin die Beschuldigte 1 "R._____" 

antwortete (Urk. D1/13 S. 192 ff., 214 f.). Schliesslich bestätigte die Beschuldigte 2: 

"Hab's grad abgegeben" (Urk. D1/13 S. 216). 

4.2.2. Nachdem die Beschuldigte 1 in der Haftanhörung vom 6. Januar 2023 und 

zu Beginn der staatsanwaltschaftlichen  Einvernahme vom 12. Januar 2023 noch 

ausgeführt  hatte,  sie  habe  die  Verträge  nie  bekommen  und  auch  nie  (physisch) 

gehabt (Urk. D1/40/8 S. 4, 9; Urk. D1/9/2 F/A 78) und der Beschuldigten 2 gesagt, 

dass sie zusammen mit den Verträgen und den Unterlagen zur Polizei gehen und 

Anzeige erstatten sollten (Urk. D1/40/8 S. 5), räumte sie in der Einvernahme vom 

12. Januar 2023 ein, es könne sein, dass sie die Verträge von der Beschuldigten 2 

verlangt habe, weil sie etwas hätten tun müssen. Sie hätten eine zivilrechtliche und 

strafrechtliche Klage vorbereiten wollen, um ihr Gehalt und ihre Provisionen einzu-

klagen  (Urk. D1/9/2  F/A 91  f.).  Im  Widerspruch  zu  den  vorstehend  aufgeführten 

Chatnachrichten mit der Beschuldigten 2 bestritt die Beschuldigte 1 in der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Januar 2023, dass die Beschuldigte 2 die 

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Verträge in ihrem Auftrag bei S._____ abgegeben habe (Urk. D1/9/3 F/A 8). In der 

delegierten polizeilichen Einvernahme vom  15. Februar 2023 führte die Beschul-

digte 1 auf die Frage, ob sie die Beschuldigte 2 angeleitet habe, die Verträge bei 

der R._____ AG bzw. bei S._____ abzugeben, aus, die Beschuldigte 2 habe die 

Verträge  einem  Treuhänder  abgeben  wollen,  damit  der  Umschlag  dort  abgeholt 

werden könne. S._____ sei der Treuhänder, den sie kenne. Es sei zu lange her, 

sie  wisse  es  nicht  (Urk. D1/9/7  F/A 30).  Nachdem  auch  die  Beschuldigte 2  –  in 

Übereinstimmung mit den Chatnachrichten – konstant ausführte, die Vertragsun-

terlagen im Auftrag der Beschuldigten 1 an das besagte Office abgegeben zu ha-

ben (Urk. D1/10/1 F/A 30 f.; Urk. D1/10/2 F/A 5 f), erweisen sich die gegenteiligen 

Aussagen  der  Beschuldigten 1  als  Schutzbehauptungen.  Anhand  der  Chatnach-

richten  ist  zweifelsfrei  erstellt,  dass  die  Beschuldigten  zwar  auf  Initiative  der  Be-

schuldigten 1 hin, aber letztlich gemeinsam den Entschluss fassten, die Vertrags-

dokumente bei der R._____ AG zu hinterlegen.

4.2.3. Zusammenfassend ist somit insbesondere gestützt auf ihre Chatnachrichten 

erstellt, dass die Beschuldigten im Zeitraum vom 6. bis 8. Februar 2022 übereinka-

men,  die  Vertragsdokumente  nicht  an  den  Privatkläger  zurückzugeben,  sondern 

diese von der R._____ AG aufbewahren zu lassen.

4.3. Gemeinsame Entschlussfassung und Versand der E-Mails vom 8. Februar 

2022

4.3.1. In ihrer E-Mail vom 8. Februar 2022, 12:06 Uhr, an den Privatkläger führte 

die Beschuldigte 2 als Antwort auf dessen E-Mail vom 6. Februar 2022, in welcher 

er die Herausgabe der Vertragsunterlagen forderte, unter anderem aus, sie hätte 

viele  unterschiedliche  Optionen,  was  sie  mit  den  Vertragsdokumenten  machen 

könnte und sicherlich würden sich einige Leute, die er hintergangen habe und de-

nen er Geld schulde, über ein solches Dokument in den Händen mehr als freuen. 

Ebenso wären die anderen beiden Vertragspartner schockiert über die Tatsache, 

dass er das Original nicht habe und es ihm ganze zwei Monate auch nicht aufge-

fallen  sei.  Weiter  erklärte  sie,  sie  erwarte  vom  Privatkläger  allfällige  Drohungen, 

Beleidigungen  und  Verstösse  gegen  ihre  Privatsphäre  zu  unterlassen  sowie  von 

ihrem Netzwerk von Freunden und Bekannten fernzubleiben. Ausserdem wies sie 

- 19 -

ihn darauf hin, dass für ihre zwei potentiellen Kundenempfehlungen an die U._____ 

[Psychiatrische Klinik] die verbal zugesagte Provision von 15 % des gesamten Be-

trags der Aufenthalts- und Programmkosten bei Zustandekommen eines Vertrags-

abschlusses dieser beiden Kunden mit der U._____ fällig werde (Urk. D1/2/12 S. 1 

f.).

Die Beschuldigte 2 stellt nicht in Abrede, diese E-Mail an den Privatkläger gesendet 

zu haben. Sie habe jedoch nicht die Absicht gehabt, dem Privatkläger zu schaden 

und sie habe die Verträge nicht als Druckmittel benutzt, sondern diese E-Mail aus 

Enttäuschung  geschrieben  (Urk. D1/10/1  F/A 64,  77).  Sie  sei  gar  nicht  im  Besitz 

der Verträge gewesen und habe nur geblufft (Urk. D1/10/1 F/A 63). Zwar gab die 

Beschuldigte 2 zu Beginn noch an, es habe sich bei den in der E-Mail genannten 

Vertragsunterlagen nicht um diejenigen des fraglichen Aktienkaufs, sondern um ei-

nen Mietvertrag gehandelt (Urk. D1/10/2 F/A 18), erklärte jedoch kurz darauf, dass 

es sich doch um den Aktienkaufvertrag und den Aktionärsbindungsvertrag gehan-

delt und sie gemerkt habe, dass er diesen dringend brauche. Sie habe geblufft, da 

sie  den Vertrag  bereits  weggegeben  habe  (Urk. D1/10/2  F/A 20).  Weder anhand 

der Aussagen der Beschuldigten 2 noch der Chatnachrichten lässt sich erstellen, 

dass  die  Beschuldigte 1  an  der  Ausarbeitung  dieser  E-Mail  beteiligt  war  und  vor 

dem  Versand  Kenntnis  derselben  hatte.  Aus  den  Chatnachrichten  zwischen  den 

Beschuldigten ist jedoch ersichtlich, dass die Beschuldigte 2 der Beschuldigten 1 

am 8. Februar 2022, um 14:43 Uhr, die E-Mail des Privatklägers, welcher dieser als 

Antwort auf die E-Mail der Beschuldigten 2 geschickt hatte, als Screenshots wei-

terleitete (Urk. D1/13 S. 205 ff.), worauf die Beschuldigte 1 mit "Er ist so peinlich" 

reagierte (Urk. D1/13 S. 210). Aus der E-Mail des Privatklägers geht deutlich her-

vor,  dass  die  Beschuldigte 2  im  Besitz  seiner  Unterlagen  ist,  sie  ihm  diese  nicht 

zurückgeben möchte und die Weiterverbreitung dieser Dokumente in Aussicht ge-

stellt hatte (Urk. D1/2/12 S. 2 f.). Insofern ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 

erstellt, dass die Beschuldigte 1 vor dem Versand der zweiten E-Mail vom 8. Fe-

bruar 2022 (vgl. nachfolgend E. 4.3.2) in den Grundzügen Kenntnis davon hatte, 

dass die Beschuldigte 2 dem Privatkläger die Weiterverbreitung der Vertragsunter-

lagen in Aussicht gestellt hatte.

- 20 -

4.3.2. Ebenfalls am 8. Februar 2022, um 21:52 Uhr, versandte die Beschuldigte 1 

eine E-Mail an N._____, den Privatkläger und M._____, in welcher sie sich an Ers-

tere wandte und zusammengefasst ausführte, sie habe Reise- und Verpflegungs-

kosten vorgestreckt, um mit dem U._____-Team zwei Klienten zu betreuen. Vom 

1. Juni bis zum 1. September habe sie als externe Aussendienstmitarbeiterin, wie 

mit dem Privatkläger besprochen, fünf weitere Investoren gebracht. Bei einem er-

folgreichen  Abschluss  und  Investment  inklusive  Überweisung  auf  das  U._____-

Konto, was im Rahmen des Anteilskaufs durch Dr. T._____ bereits geflossen sei, 

stünden  ihr  10 %  des  Kaufwerts  zu.  Leider  seien  keine  dieser  Versprechen  und 

Zahlungen erbracht worden. Daher setze sie eine letzte Frist bis zum 16. Februar 

für die ihr zustehende Zahlung, ansonsten sehe sie sich gezwungen, eine Betrei-

bung  einzuleiten.  Gleichzeitig  werde  sie  als  Zeugin  für  alle  bereit  stehen,  deren 

Rechnungen  nicht  bezahlt  worden  seien.  Sie  habe  den  Originalvertrag  mit  Dr. 

T._____, den ihr der Privatkläger direkt nach seiner angeblichen Mailand-Luxus-

Reise völlig betrunken und durchgekokst als Sicherheit in Zahlung gegeben habe. 

Sie fühle sich verpflichtet, auf Dr. T._____ zuzugehen. Er sollte informiert sein, was 

er für einen Partner habe. Es kämen auch immer wieder Observationen aus meh-

reren Zürcher Kreisen aufgrund der peinlichen, ständig betrunkenen und bekoksten 

betrügerischen Art und Weise wie der Privatkläger seine Geschäfte mit ihren Ge-

schäftskontakten umzusetzen versuche (Urk. D1/2/13). 

Hinsichtlich  dieser  E-Mail  vom  8. Februar  2022  gab  die  Beschuldigte 1  in  der 

Haftanhörung an, sie hätten sehr viel E-Mailverkehr gehabt. Sie könne sich nicht 

erinnern, ob sie diese E-Mail verschickt habe, zumal diese E-Mail überhaupt keine 

Erpressung sei, sondern eine ganz klare Forderung betreffend das ihr zustehende 

Gehalt und die Provision (Urk. D1/40/8 S. 3). Auch in der staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme vom 12. Januar 2023 führte sie aus, sie hätten viele Mails geschrie-

ben. Sie könne nicht sagen, ob sie diese Mails geschrieben habe. Alle Mails, die 

sie geschrieben habe, seien von der EDV-Abteilung der Klinik zensiert und übera-

rbeitet  worden  (Urk. D1/9/2  F/A 7-9).  Die  Beschuldigte 2  habe  ganz  bestimmt 

Kenntnis von dieser E-Mail gehabt. Sie habe in den Akten gelesen, dass diese die 

Mail  gesehen  habe  (Urk. D1/9/2  F/A 13).  Sie  hätten  beide  entschieden,  dass  sie 

etwas dagegen tun wollten. Der Beschuldigten 2 sei die Provision nicht bezahlt wor-

- 21 -

den, ihr selbst seien mehrere Gehälter nicht bezahlt worden und die Provision auch 

nicht  (Urk. D1/9/2  F/A 15).  Anlässlich  der  staatsanwaltschaftlichen  Einvernahme 

vom 27. Januar 2023 gab die Beschuldigte 1 auf die Frage, ob sie die E-Mail vom 

8. Februar 2022 gemeinsam mit der Beschuldigten 2 verfasst habe, an, sie habe 

mit  dieser  den  Missstand  mit  dem  Privatkläger  besprochen.  Das  sei  jedoch  vor 

1 ½ Jahren gewesen. Sie hätten viele E-Mails geschrieben und sie könne nicht sa-

gen, ob diejenige vom 8. Februar 2022 auch von ihnen sei (Urk. D1/9/3 F/A 5 f.). 

Anlässlich  der  Konfrontationseinvernahme  vom  5. Juni  2023  verweigerte  die  Be-

schuldigte 1 im Zusammenhang mit der E-Mail vom 8. Februar 2022 die Aussage 

(Urk. D1/9/10 S. 7 f.).

Auf  die  E-Mail  der  Beschuldigten 1  an  N._____  vom  8. Februar  2022  angespro-

chen, gab sich die Beschuldigte 2 anlässlich der delegierten polizeilichen Einver-

nahme vom 29. Juni 2022 schockiert. Sie sei nicht im Detail darüber informiert ge-

wesen, was die Beschuldigte 1 und der Privatkläger geschäftlich gemacht hätten 

(Urk. D1/10/1 F/A 81). Es sei wahrscheinlich Zufall, dass die Beschuldigte 1 diese 

E-Mail am selben Tag verschickt habe wie sie ihre Nachricht mit der Geldforderung. 

Als  sie  die  Unterlagen  für  die  Beschuldigte 1  im  Office  abgegeben  habe,  sei  die 

Sache für sie abgeschlossen gewesen. Weitere Absprachen zwischen ihr und der 

Beschuldigten 1 habe es nicht gegeben (Urk. D1/10/1 F/A 85, 94). Auch anlässlich 

der Hafteinvernahme vom 29. Juni 2022 erklärte die Beschuldigte 2, bei dieser Ge-

schichte  nicht  mit  der  Beschuldigten 1  zusammengearbeitet  zu  haben 

(Urk. D1/10/2 F/A 17). Sie habe diese E-Mail bei der Polizei zum ersten Mal gese-

hen. Auf die zeitliche Inzidenz der beiden E-Mails vom 8. Februar 2022 angespro-

chen gab die Beschuldigte 2 an, die Beschuldigte 1 habe den Vertrag gehabt und 

das mit dem Privatkläger klären wollen. Sie habe nicht gewusst, wie diese das ma-

che. Sie habe der Beschuldigten 1 geschrieben, dass der Privatkläger sie terrori-

siere (Urk. D1/10/2 F/A 24-26). Nachdem auf dem Mobiltelefon der Beschuldigten 1 

der Chatverkehr zwischen den Beschuldigten sichergestellt werden konnte, verwei-

gerte die Beschuldigte 2 auf dessen Vorhalt die Aussage (Urk. D1/10/3).

Vor dem Hintergrund der Chatnachrichten erweisen sich sowohl die Aussagen der 

Beschuldigten 1 als auch diejenigen der Beschuldigten 2 als Schutzbehauptungen. 

- 22 -

Bereits am 18. Dezember 2021 sandte die Beschuldigte 2 folgende Nachricht an 

die Beschuldigte 1: "Wichtig, dass V._____ nichts davon mitbekommt, dass wir mit 

einander sprechen. Wir überlegen uns noch eine gute Strategie und bleiben in Kon-

takt" (Urk. D1/13 S. 23). Während sich die Beschuldigten über die Übergabe des 

Umschlags mit den Vertragsdokumenten an die Beschuldigte 1 bzw. die R._____ 

AG  unterhielten,  schrieb  die  Beschuldigte 1  folgende  Nachricht  an  die  Beschul-

digte 2: "Ich möchte dir hiermit schriftlich versprechen dass wir uns nicht kennen 

nicht treffen nicht sprechen und keinen Kontakt haben dass ich auf diesem Stand-

punkt bleibe und immer bleiben werde bis alles geregelt und geklärt ist werden wir 

uns irgendwann nach zwei oder drei Monaten in … [Stadt] zufälligerweise in der …-

strasse  treffen"  (Urk. D1/13  S. 178).  Kurz  nachdem  die  Beschuldigte 2  den  Um-

schlag am 8. Februar 2022 bei der R._____ AG abgegeben hatte (vgl. Urk. D1/13 

S. 216),  antwortete  die  Beschuldigte 1,  "jetzt  Schritt 2",  sie  bereite  alles  vor 

(Urk. D1/13 S. 217 f.). Gleichentags erklärte die Beschuldigte 1, sie sei bereit und 

habe schon Einiges geschrieben. Sie bat die Beschuldigte 2, ihr die "Eckdaten" zu 

geben, sodass sie diese noch einbauen könne, und erklärte, der Beschuldigten 2 

den  Text  anschliessend  zu  schicken  (Urk. D1/13  S. 220,  Audiodatei  vom 

08.02.2022, 17:42:34 Uhr). Bereits rund eine halbe Stunde später lieferte die Be-

schuldigte 2  ihr  die  geforderten  Eckdaten  zur  Mailandreise  vom  12. Dezember 

2021 (Urk. D1/13 S. 225). Wiederum nur fünf Minuten später schickte die Beschul-

digte 1  der  Beschuldigten 2  einen  Entwurf  der  E-Mail  an  N._____  (Urk. D1/13 

S. 226), woraufhin die Beschuldigte 2 sie darauf hinwies, dass N._____ nicht mehr 

dort arbeite und in Rente gegangen sei, was die Beschuldigte 1 als nicht schlimm 

beurteilte (Urk. D1/13 S. 227). Anschliessend sandte die Beschuldigte 2 die Nach-

richt "Dr. T._____", woraufhin die Beschuldigte 1 schrieb: "Eine Person mehr scha-

det nichts dann müssen sich noch mal erklären und immer wieder und noch einmal 

ich  werde  auch  viel  mehr  Leute  in  auf  CC  setzen  damit  sie  ihre  Peinlichkeit  alle 

gegenseitig austauschen können alle werden […] V._____ fragen was ist denn da 

los das wussten wir ja gar nicht so viel Zeit Geld und Energie und Musse sich mit 

dir zu beschäftigen jetzt bin ich mit drin" (Urk. D1/13 S. 228). Daraufhin schrieb die 

Beschuldigte 2:  "Betreibung  einzuleiten  anstatt  anzugehen",  sie  mache  mal  den 

ersten  Input,  wobei  sie  einen  Screenshot  der  Nachricht  der  Beschuldigten 1  mit 

- 23 -

grüner Markierung an der entsprechenden Stelle anfügte (Urk. D1/13 S. 229). Rund 

eine Minute später schickte die Beschuldigte 1 einen neuen Entwurf mit dem Kom-

mentar "Schon korrigiert" (Urk. D1/13 S. 230 f.). Die Beschuldigte 1 erkundigte sich 

bei der Beschuldigten 2 nach weiteren Ideen (Urk. D1/13 S. 232), woraufhin die Be-

schuldigte 2 einen Entwurf schickte mit dem Kommentar "Die bold markierten Sätze 

sind nicht ganz schlüssig für mich. Ich würde erwähnen, dass du als letzte Instanz 

direkt auf Dr. T._____ zugehen wirst" (Urk. D1/13 S. 233). Kurze Zeit später sandte 

die  Beschuldigte 1  einen  neuen  Entwurf  an  die  Beschuldigte 2  und  erklärte,  sie 

würde es jetzt so verschicken, wenn es ihr recht sei, und erkundigte sich, ob die 

Beschuldigte 2  nochmals  darüber  schauen  wolle,  was  diese  bejahte  (Urk. D1/13 

S. 235 f.). Nach dem Austausch weiterer Nachrichten erklärte die Beschuldigte 2, 

die Beschuldigte 1 solle machen, was sie für richtig halte. Wichtig sei einfach, dass 

sie informiert sei (Urk. D1/13 S. 242), woraufhin die Beschuldigte 1 nochmals einen 

Entwurf der E-Mail sandte mit dem Kommentar, sie würde diesen Text so verschi-

cken, wenn das für die Beschuldigte 2 okay sei. Daraufhin erwiderte die Beschul-

digte 2, sie solle bitte das fett Markierte anpassen und rausnehmen, was die Be-

schuldigte 1 mit "ok" und "wobei ich das echt schön fand" kommentierte (Urk. D1/13 

S. 243 ff.). Die Beschuldigte 2 erkundigte sich sodann, ob die Beschuldigte 1 nicht 

reinschreiben möge, dass sie auf Dr. T._____ zugehen werde (Urk. D1/13 S. 245), 

was die Beschuldigte 1 anschliessend bestätigte (Urk. D1/13 S. 247) und woraufhin 

sie  die  besagte  Änderung  vornahm  (Urk. D1/13  S. 248  f.).  Zehn  Minuten  später 

schrieb sie der Beschuldigten 2: "Bereite die Mail jetzt vor gleich geht sie raus ok", 

was  die  Beschuldigte 2  mit  "ok"  beantwortete  (Urk. D1/13  S. 252  f.).  Schliesslich 

folgte noch eine Diskussion über den Betreff der E-Mail, wobei die Beschuldigte 1 

"unbezahlte Rechnungen", "Betrüger V._____" oder "Callboy V._____" vorschlug, 

die Beschuldigte 2 sie auf einen Rechtschreibfehler hinwies und man sich schliess-

lich auf "unbezahlte Rechnungen der U._____ Klinik" einigte (Urk. D1/13 S. 254 ff.; 

Urk. D1/2/13). 

Dieser Chatverlauf zeigt zweifelsfrei, dass die zweite E-Mail vom 8. Februar 2022 

von der Beschuldigten 1 entworfen und anschliessend von den Beschuldigten ge-

meinsam ausgearbeitet wurde, indem sie sich diese mehrfach hin und her schick-

ten, den Text überarbeiteten und ergänzten, wobei die Beschuldigte 2 die Eckdaten 

- 24 -

zum  Grundgerüst  der  Beschuldigten 1  lieferte  und  weitere  Vorschläge  wie  bei-

spielsweise das Zugehen auf Dr. T._____ sowie stilistische und grammatikalische 

Änderungen beisteuerte. Mithin lässt sich anklagegemäss erstellen, dass die Be-

schuldigten in gemeinsamem Zusammenwirken die zweite E-Mail vom 8. Februar 

2022 erarbeiteten und die Beschuldigte 1 diese im Einverständnis der Beschuldig-

ten 2 versandte, wobei den Beschuldigten bewusst war, dass der Privatkläger die 

Vertragsunterlagen nicht betrunken und unter Drogeneinfluss stehend der Beschul-

digten 1 übergeben, sondern – wie vorstehend ausgeführt – in der Wohnung der 

Beschuldigten 2 vergessen hatte.

4.4.

Tätigkeit der Beschuldigten 1 bei der H._____

4.4.1. Anlässlich  der  haftrichterlichen  Anhörung  vom  6. Januar  2023  erklärte  die 

Beschuldigte 1, sie habe für die H._____ gearbeitet und einen Arbeitsvertrag ge-

habt.  Die  Gehälter  seien  jedoch  nicht  bezahlt  worden  (Urk. D1/40/8  S. 2).  In  der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 12. Januar 2023 führte sie betreffend 

ihre Tätigkeit bei der H._____ AG aus, sie habe bis Ende zweite Juniwoche 2021 

im Innendienst gearbeitet. Es habe keine Kündigung, sondern Diskrepanzen gege-

ben.  Danach  habe  sie  im  Aussendienst  für  die  H._____  weitergearbeitet 

(Urk. D1/9/2 F/A 25-27). Es sei nicht zutreffend, dass der Privatkläger am 21. Mai 

2021 die Zusammenarbeit beendet habe. Aus ihren WhatsApp-Gesprächen sei er-

sichtlich, wie viele Kundengespräche sie geführt habe (Urk. D1/9/2 F/A 33 f.). An-

lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Januar 2023 führte sie 

weiter aus, die von ihr geltend gemachten 10 % aus der Gesamtsumme der Inves-

tition stünden ihr zu, da sie seit dem 20. Juli 2020 bis zum 18. Dezember 2022 für 

den Privatkläger und die H._____ gearbeitet habe (Urk. D1/9/3 F/A 35, 37). In der 

Konfrontationseinvernahme vom 29. März 2023 gab sie sodann im Widerspruch zu 

ihren früheren Aussagen an, sie habe bis zum 24. Mai 2021 als psychotherapeuti-

sche Beraterin, Zeit- und Organisationsmanagement und Shoppingberatung im In-

nendienst und ab dem 25. Mai 2021 im Aussendienst gearbeitet und sei bis heute, 

mithin im Zeitpunkt der Einvernahme, ungekündigt (Urk. D1/9/8 F/A 8). Die Aussa-

gen der Beschuldigten 1 erweisen sich als offensichtlich widersprüchlich und somit 

unglaubhaft, divergieren sie doch sowohl betreffend den angeblichen Wechsel in 

- 25 -

den Aussendienst (Ende zweite Juniwoche 2021 bzw. 25. Mai 2021) als auch hin-

sichtlich des Endes des Arbeitsverhältnisses (18. Dezember 2022 bzw. ungekün-

digtes Arbeitsverhältnis per 29. März 2023). 

4.4.2. Darüber hinaus stehen ihre Aussagen auch zu ihrer Nachricht vom 15. Juli 

2021 an den Privatkläger im Widerspruch, in welcher sie diesem und M._____ ihre 

Rechnung für den Zeitraum vom 27. April 2021 bis zum 15. August 2021 zukom-

men  liess  und  erklärte,  sie  habe  wie  besprochen  für  den  Zeitraum  vom  27. April 

2021 bis zum 27. Mai 2021 Rechnung gestellt und würde sich sehr über das Zeug-

nis freuen (Urk. D1/14 S. 784). Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschul-

digte 1 lediglich exakt für einen Monat Rechnung stellte und ein Zeugnis verlangte, 

wenn sie doch gemäss ihren Aussagen bereits seit dem 20. Juli 2020 sowie auch 

im Zeitpunkt des Versands der Nachricht im Juli 2021 sowie darüber hinaus noch 

bis Dezember 2022 bzw. März 2023 bei der H._____ tätig war. Vielmehr spricht die 

Nachricht des Privatklägers vom 26. Mai 2021, in welcher er die Zusammenarbeit 

mit  der  Beschuldigten 1  beendete,  sie  darum  bat,  eine  offizielle  Rechnung  zu 

schicken  und  ihr  die  Zustellung  eines  Zeugnisses  in  Aussicht  stellte  (Urk. D1/14 

S. 773)  dafür,  dass  das  Arbeitsverhältnis  mit  der  Beschuldigten 1  per  Ende  Mai 

2021 beendet wurde, was auch mit dem Zeitraum, für welchen die Beschuldigte 1 

anschliessend Rechnung stellte (27. April 2021 bis 27. Mai 2021), übereinstimmt. 

Darüber hinaus wurde die Beschuldigte 1 mit Schreiben der Rechtsvertretung der 

H._____ vom 21. Mai 2021 auf eine Verletzung des Code of Conduct hingewiesen 

und aufgefordert, die Daten, welche sie angeblich an eine enge Bekannte weiter-

geleitet  habe,  unwiderruflich  zu  löschen  (Urk. D1/2/7).  Auf  das  Zusenden  dieses 

Schreibens per WhatsApp durch den Privatkläger erklärte die Beschuldigte 1, sie 

wolle ihr Geld bis Sonntag und sie wolle im Guten auseinander gehen (Urk. D1/14 

S. 752 f.; Urk. D1/12).

4.4.3. Zwar gab die Beschuldigte 1 an, sie habe einen schriftlichen Arbeitsvertrag 

mit M._____ als Krankenschwester und Suchttherapeutin unterzeichnet, wofür sie 

monatlich Fr. 9'000.– erhalten habe (vgl. Urk. D1/9/2 F/A 16-23), jedoch konnte die-

ser nicht wie von ihr behauptet auf ihrem Telefon, konkret in einem WhatsApp-Chat 

mit  Rechtsanwalt  W._____  (vgl.  Urk. D1/9/2  F/A 20),  vorgefunden  werden.  Dem 

- 26 -

Chat-Verkehr mit Rechtsanwalt W._____ konnten lediglich ein nicht unterzeichne-

ter Arbeitsvertrag zwischen der H._____ und AA._____ und Ausschnitte eines Ver-

haltenskodexes der H._____, welcher von der Beschuldigten 1 am 28. April 2021 

unterzeichnet wurde, entnommen werden (Urk. D1/12).

4.4.4. Auch gemäss den Aussagen von M._____ bestand kein Arbeitsvertrag zwi-

schen der Beschuldigten 1 und der H._____. Er führte diesbezüglich aus, grund-

sätzlich sei er indirekt für den Abschluss von Arbeitsverträgen verantwortlich gewe-

sen und habe diese kontrolliert und unterschrieben. Er habe jedoch keinen Arbeits-

vertrag mit der Beschuldigten 1 abgeschlossen (Urk. D1/11/2 F/A 11, 18). M._____ 

und der Privatkläger sagten übereinstimmend aus, die Beschuldigte 1 sei nur für 

eine kurze Probezeit bzw. einen Probemonat bei der H._____ tätig gewesen. Nach 

dieser Probezeit hätten sie sich dazu entschieden, das Arbeitsverhältnis nicht wei-

terzuführen bzw. keine Zusammenarbeit mit ihr einzugehen (Urk. D1/11/1 F/A 103, 

153;  Urk. D1/11/2  F/A 7).  Diese  Aussagen  stimmen  mit  der  Chat-Nachricht  zwi-

schen der Beschuldigten 1 und M._____ vom 25. Juni 2021 überein, gemäss wel-

cher anlässlich eines Gesprächs festgehalten wurde, dass die Beschuldigte 1 für 

einen  Schnuppermonat  in  Zürich  Fr. 9'000.–  erhalten  und  dafür  eine  Rechnung 

schicken soll. Ausserdem wurden eine 7-tägige Kündigungsfrist wie in einer "Pro-

bezeit"  üblich  und  ein  Unterkunft-Budget  von  Fr. 1'500.–  vereinbart  (Urk. D1/15 

S. 2). 

4.4.5. Zusammenfassend  kann  somit  festgehalten  werden,  dass  die  Beschul-

digte 1 bei der H._____ nicht über einen schriftlichen Arbeitsvertrag verfügte und 

das  Datum  der  Unterzeichnung  des  Verhaltenskodexes  am  28. April  2021,  die 

Rüge  der  Verletzung  des  Code  of  Conduct  am  21. Mai  2021,  die  Nachricht  des 

Privatklägers vom 26. Mai 2021 betreffend die Vertragsbeendigung und der Zeit-

raum  der  Rechnungsstellung  vom  27. April  2021  bis  27. Mai  2021  keine  Zweifel 

offen  lassen,  dass  die  Beschuldigte 1  –  entgegen  ihren  Aussagen  –  lediglich  im 

Zeitraum  von  April  bis  Mai  2021  und  damit  rund  einen  Monat  zur  Probe  für  die 

H._____ tätig war, wofür sie Fr. 9'000.– erhalten sollte.

- 27 -

4.5. Ansprüche  der  Beschuldigten 1  gegenüber  dem  Privatkläger  und/oder  der 

H._____

4.5.1. Die Vorinstanz hat sich einlässlich mit dem Vorliegen einer Provisionsver-

einbarung zwischen der Beschuldigten 1 und dem Privatkläger persönlich bzw. der 

H._____, der Vermittlung des konkreten Aktienkaufs durch die Beschuldigte 1 und 

dem Vorliegen anderer Ansprüche der Beschuldigten 1 gegenüber dem Privatklä-

ger und/oder der H._____ befasst (Urk. 131 S. 34 ff.). Da der Beschuldigten 1 in 

der Anklage konkret einzig vorgeworfen wird, unter dem Einsatz von Drohungen 

einen unberechtigten Anspruch auf 10 % der Aktienkaufsumme geltend gemacht 

zu haben (vgl. Urk. 58 S. 4), kann letztlich offenbleiben, ob ihr gegenüber dem Pri-

vatkläger oder der H._____ allenfalls weitere Ansprüche wie Lohn- oder Spesener-

satzansprüche zustanden, ist dies doch gar nicht Gegenstand des Verfahrens. 

4.5.2. Betreffend das Vorliegen einer Provisionsvereinbarung fielen die Aussagen 

der Beschuldigten 1 äusserst vage aus. So verneinte sie in der staatsanwaltschaft-

lichen Einvernahme vom 12. Januar 2023 zunächst die Frage, ob sie – nebst einem 

allfälligen  Arbeitsvertrag  –  noch  weitere  Verträge  und  Vereinbarungen  mit  der 

H._____ oder dem Privatkläger abgeschlossen habe (Urk. D1/9/2 F/A 24). Auf die 

Frage, worauf ihr geltend gemachter Anspruch von 10 % beruhe, führte sie aus, in 

der  Branche  gäbe  es  Health-Concierges,  welche  Patienten  aufnähmen  und  ent-

scheiden würden, welches für diese Patienten die beste Klinik sein könnte. Im Aus-

sendienst habe sie diese Concierge-Unternehmen davon überzeugen müssen, mit 

der H._____ zusammenzuarbeiten. An die Namen der Unternehmen und der Ent-

scheider könne sie sich nicht mehr erinnern. Ob sich ein Kunde behandeln liess, 

wisse sie nicht, weil sie nur die ersten Kontakte gemacht habe. Die nächsten Kon-

takte, die zu einer Aufnahme geführt hätten, habe AB._____ gemacht. Sie selbst 

habe also die ersten Kontakte gemacht und die Kunden hätten dann bei der Con-

cierge angerufen. Bei ihren Treffen mit den Entscheidern habe sie die Klinik und 

die angebotenen Leistungen vorgestellt und sie hätten über den prozentualen An-

teil verhandelt, den die Concierges bei einem erfolgreichen Abschluss bekommen 

würden.  Dieser  habe  zwischen  5 und  10 %  gelegen  (Urk. D1/9/2  F/A 51-62).  Es 

stehe in keinem Arbeitsvertrag, dass sie 10 % der Investitionen in die H._____ er-

- 28 -

halten würde. Es sei aber marktüblich, dass man als Concierge 5 bis 10 % erhalte. 

Als Mitarbeiter mit einem Festgehalt bekomme man 10 %, Mitarbeiter ohne Fest-

gehalt würden 15 % erhalten (Urk. D1/9/2 F/A 75-77; Urk. D1/40/8 S. 2 f.). Sodann 

hielt die Beschuldigte 1 – entgegen dem Einwand ihres Verteidigers, wonach nicht 

klar sei, welcher Betrag von der Beschuldigten 1 schliesslich gefordert worden sei 

und  auf  welche  Summe  sich  die  von  der  Beschuldigten 1  in  ihrer  E-Mail  vom  8. 

Februar 2022 genannten 10% beziehen würden (Urk. 149 Rz. 33) – wiederholt fest, 

sie habe einen Anspruch von 10% von rund Fr. 6 Mio. respektive einen Betrag von 

Fr. 637'000.– geltend gemacht und nahm Bezug auf den im Aktienkaufvertrag vom 

12. November  2021  festgehaltenen  Kaufpreis  (Urk.  D1/9/2  F/A  97;  Urk.  D1/9/3 

F/A 35 f.; Urk. 1/9/10 S. 8). 

Der Privatkläger sagte anlässlich seiner Einvernahme vom 27. Januar 2023 auf die 

Frage, ob der Vermittler eine Provision erhalte, wenn er ihm oder der H._____ direkt 

einen Patienten für die Therapie vermittle, das komme darauf an. In der Regel wür-

den sie das nicht machen, das sei auch recht verrufen in der Medizinbranche. Wo-

bei  es  schon  Leute  gebe,  die  sich  speziell  darauf  ausgerichtet  hätten  und  dann 

bezahle man schon einmal eine Provision. Das sei individuell, das könne man nicht 

grundsätzlich sagen. Auch die Höhe der Provision sei unterschiedlich. Das könne 

zwischen 2 und 10 % der Behandlungssumme sein. Ob mit der vermittelnden Per-

son ein Vertrag abgeschlossen werde, könne er nicht genau sagen, da er noch nie 

eine Kommission bezahlt habe. Er wisse auch nicht genau, wie sein Partner das 

gehandhabt habe (Urk. D1/11/1 F/A 30 f.). Er selbst sei im private equity tätig und 

habe der Beschuldigten 1 gesagt, dass sie die Gelegenheit habe, sich eine Kom-

mission zu verdienen. Es sei aber nie etwas zustande gekommen. Mit ihm habe die 

Beschuldigte 1 nie einen Vertrag abgeschlossen; mit der H._____ sei er sich nicht 

ganz sicher. Er habe die Beschuldigte 1 mit seinem Partner M._____ in Verbindung 

gesetzt und sie hätten sich auf einen Probemonat geeinigt. Die Beschuldigte 1 habe 

ihm mitgeteilt, dass sie Fr. 9'000.– vereinbart hätten. Ihre Hauptverantwortung wäre 

gewesen, die Kontakte mit den Zuweisern bzw. Vermittlern aufzubauen und zu pfle-

gen. Das habe sie dann irgendwie versucht, aber es habe keinen Abschluss gege-

ben. Soweit er wisse, habe die Beschuldigte 1 nicht selber als Zuweiserin und Ver-

mittlerin  für  die  H._____  oder  für  ihn  selbst  gearbeitet  (Urk. D1/11/1  F/A 63-70). 

- 29 -

Was genau die Beschuldigte 1 mit M._____ vereinbart habe, sei ihm nicht bekannt. 

Sie hätte regelmässig einen Lohn erhalten sollen und hätte dann einen Job gehabt. 

Davon, dass sie neben dem Arbeitslohn Provisionsansprüche gehabt hätte, wisse 

er nichts. Ihr sei ein Entgelt gegen Rechnungsvorlegung zugestanden. Ob die Be-

schuldigte 1 eine Provision erhalten hätte, wenn sie einen Zuweiser hätte gewinnen 

können, der der H._____ einen Therapie-Kunden gebracht hätte, wisse er nicht. So 

wie er M._____ kenne, denke er eher nicht. Denn es sollte gerade ihr Job sein, das 

Zuweisergeschäft aufzubauen und zu pflegen. Dafür hätte sie nach der Probezeit 

Lohn  erhalten  sollen.  Die  Zuweiser  hätten  maximal  10 %  erhalten  und  bestimmt 

nicht  mit  jemandem  teilen  wollen,  der  für  seinen  Job  bereits  bezahlt  werde 

(Urk. D1/11/1 F/A 71-73). M._____ führte diesbezüglich aus, er sei indirekt für den 

Abschluss der Arbeitsverträge verantwortlich gewesen. Er habe sie unterschrieben 

und auch kontrolliert. Die H._____ habe sich explizit gegen die Bezahlung von Pro-

visionen  geäussert  und  das  hätten  sie  bisher  auch  ausnahmslos  so  handhaben 

können (Urk. D1/11/2 F/A 11, 13). Einige Fragen später präzisierte er, Sales Ange-

stellte hätten grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Sie könnten einen normalen Lohn 

beziehen oder einen tieferen Lohn mit Provisionsbasis. An Drittpersonen, z.B. Zu-

weiser  oder  Privatpersonen,  würden  jedoch  grundsätzlich  keine  Provisionen  be-

zahlt (Urk. D1/11/2 F/A 23, 95). Er bzw. die H._____ hätten keinen Arbeitsvertrag 

mit der Beschuldigten 1 abgeschlossen. Deren Aufgabe wäre Kundenakquise und 

die Akquise von möglichen Kundenzuweisern gewesen. Sie habe der H._____ je-

doch keine Kunden gebracht (Urk. D1/11/2 F/A 18-20). Er bzw. die H._____ hätten 

keine  Provisionsvereinbarung  mit  der  Beschuldigten 1  getroffen  und  diese  habe 

auch  keine  Kunden  oder  Investoren  vermittelt  (Urk. D1/11/2  F/A 21,  27,  42). 

T._____ gab in allgemeiner Weise an, es sei üblich, dass bei der Vermittlung von 

Investoren im Geschäftsbereich Provisionen bezahlt würden, aber nur per schriftli-

chem Vertrag. Er habe in den E-Mails von 10 % Provision gelesen, das sei völlig 

marktunüblich. Er unterschreibe nur Provisionsverträge von 3 %. Einen Vertrag von 

10 % hätte er nie unterschrieben. Im Allgemeinen und bei der I._____ sei es nicht 

üblich,  dass  für  die  Vermittlung  von  Patienten  eine  Provision  bezahlt  werde.  Es 

könne aber mal vorkommen, wenn es über die Vermittlung bis ins Ausland gehe. 

- 30 -

Er sei für die H._____ in diesem Bereich nicht zuständig und wisse nicht, ob bei 

Patienten Provisionen bezahlt würden (Urk. D1/11/3 F/A 51-54).

Folglich kann weder aus den Aussagen der Beschuldigten 1 selbst noch aus den-

jenigen des Privatklägers, von M._____ oder T._____ geschlossen werden, dass 

zwischen ihr und der H._____ eine Provisionsvereinbarung – insbesondere betref-

fend die Vermittlung von Investoren – bestand. So sprach die Beschuldigte 1 selbst 

auch konstant von einer (angeblichen) Provisionsvereinbarung für die Vermittlung 

von Patienten, nicht jedoch von einer solchen für die Vermittlung von Investoren 

hinsichtlich eines Aktienkaufs. Überdies erscheint es unter geschäftskundigen Be-

teiligten  wie  vorliegend  doch  sehr  ungewöhnlich,  dass  ein  solcher  Provisionsan-

spruch mit so einem hohen Betrag, sei es für die Vermittlung von Investoren oder 

Patienten, nur mündlich und nicht schriftlich vereinbart worden sein soll.

4.5.3. Letztlich  kann  jedoch  ohnehin  offenbleiben,  ob  zwischen  der  Beschuldig-

ten 1 und der H._____ oder allenfalls auch gegenüber dem Privatkläger persönlich 

eine Provisionsvereinbarung bestand, war doch die Beschuldigte 1 betreffend den 

Aktienkaufvertrag  zwischen  der  H._____,  der  G._____  AG  und  der  I._____  AG 

nach übereinstimmenden Aussagen sämtlicher Beteiligter nicht vermittelnd tätig. 

So führte der Privatkläger diesbezüglich aus, die Beschuldigte 1 habe weder ihm 

noch der H._____ einen oder mehrere Patienten für eine Therapie vermittelt und 

sie habe auch nichts mit dem Aktienkauf durch die I._____ AG vom 12. November 

2021  zu  tun  gehabt.  Die  Verhandlungen  hätten  zwischen  ihm,  Dr.  T._____  und 

Herrn M._____ stattgefunden. Die Beschuldigte 1 habe in diesem Zusammenhang 

keine Rolle gespielt (Urk. D1/11/1 F/A 71-85, 97). Der von der Beschuldigten 1 in 

ihrer E-Mail vom 8. Februar 2022 geltend gemachte Anspruch von 10 % der Akti-

enkaufsumme,  mithin  10 %  von  Fr. 6'375'000.–  sei  total  absurd  (Urk. D1/11/1 

F/A 100). Es sei auch nicht einmal im Ansatz dazu gekommen, dass die Beschul-

digte 1  einen  Investor  vermittelte,  der  tatsächlich  Investitionen  getätigt  habe 

(Urk. D1/11/1  F/A 103  f.).  Auch  M._____  erklärte,  die  Beschuldigte 1  habe  beim 

Aktienverkauf an die I._____ AG keine Rolle gespielt und auch niemanden vermit-

telt, der den Kontakt zwischen dem Privatkläger, M._____ und Dr. T._____ bzw. 

der I._____ AG hergestellt hätte (Urk. D1/11/2 F/A 35 f.). Der von ihr geltend ge-

- 31 -

machte Anspruch von 10 % der Aktienkaufsumme sei reine Fantasie (Urk. D1/11/2 

F/A 46). T._____ gab ebenfalls an, die Beschuldigte 1 habe beim Aktienkauf keine 

Rolle  gespielt  und  auch  keine  Kontakte  vermittelt,  welche  schliesslich  zum  Ab-

schluss des Aktienkaufs geführt hätten. Er habe nicht einmal ihren Namen gehört. 

Der  von  ihr  geltend  gemachte  Anspruch  auf  10 %  der  Kaufsumme  sei  absurd 

(Urk. D1/11/3 F/A 19-22). 

Schliesslich  gab  die  Beschuldigte 1  auf  die  Frage,  ob  sie  den  Aktienkaufvertrag 

zwischen Dr. T._____ bzw. der I._____ AG und der H._____ in die Wege geleitet 

und vermittelt habe, selbst an, sie habe dem Privatkläger eine Person vorgestellt, 

die sich auf den Kauf von Kliniken spezialisiert habe. Sie dürfe ihren Kontakt nicht 

nennen, die Kontakte seien jedoch auf ihrem Handy. Es sei aber nicht Dr. T._____ 

gewesen;  diesen  kenne  sie  nicht  persönlich  (Urk. D1/9/2  F/A 64-74;  vgl.  auch 

Urk. D1/9/6 S. 2). Dies bestätigte sie in der delegierten polizeilichen Einvernahme 

vom 15. Februar 2023 (Urk. D1/9/7 F/A 36). Gemäss Aussage der Beschuldigten 1 

hätte aber die Beschuldigte 2 15 % von den Fr. 6 Mio. erhalten sollen und sie selbst 

10 %,  denn  ohne  sie  beide  hätte  es  keinen  Aktienverkauf  gegeben  (Urk. D1/9/2 

F/A 94-97). Zeugen dafür, dass sie den Kontakt verschafft habe, welcher letztlich 

zum Abschluss des Aktienkaufs durch die I._____ AG geführt habe, konnte die Be-

schuldigte 1  trotz  mehrfacher  Aufforderung  nicht  nennen  (Urk. D1/9/7  F/A 36  ff.; 

Urk. D1/9/8 F/A 7 ff.; Urk. D1/9/10 S. 6 f.). Sodann wandte die Beschuldigte 1 auf 

die Sprachnachricht der Beschuldigten 2, wonach die Person, welche der H._____ 

T._____  vermittelt  habe,  jetzt  ihrer  Provision  hinterherrenne,  nicht  ein,  dass  sie 

selbst  diejenige  Person  gewesen  sei,  die  T._____  vermittelt  habe  (Urk. D1/13 

S. 294, Audiodatei vom 11.02.2022, 22:19:33 Uhr). Dieser Umstand bestätigt ihre 

Aussage,  dass  sie  an  der  Vermittlung  des  Aktienverkaufs  der  H._____  an  die 

I._____ AG, vertreten durch T._____, nicht beteiligt war, was ihr dementsprechend 

im Zeitpunkt des Versands der E-Mail vom 8. Februar 2022 auch bewusst war.

Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass O._____ zwar angab, an 

einem durch die Beschuldigte 1 vermittelten Meeting mit M._____ und dem Privat-

kläger  teilgenommen  zu  haben,  wobei  auch  Gespräche  mit  Dr.  T._____  geführt 

worden seien, dieser diese Möglichkeit aber bereits gekannt habe und die Sache 

- 32 -

dann nicht weiter gegangen sei, da die angebotene Beteiligung unterhalb der Mehr-

heit gewesen sei (Urk. D1/11/12 F/A 20-28).

4.5.4. Somit  ist  erstellt,  dass  die  Beschuldigte 1  beim  anklagegegenständlichen 

Aktienverkauf der H._____ und der G._____ AG an die I._____ AG, vertreten durch 

T._____, nicht vermittelnd tätig war und ihr demzufolge aus diesem Aktienverkauf 

kein Anspruch auf 10 % der Aktienkaufsumme zustand. Angesichts der Tatsache, 

dass die Beschuldigte 1 selbst angab, Dr. T._____ nicht vermittelt zu haben, dieser 

jedoch unbestrittenermassen den Aktienkaufvertrag im Namen der I._____ AG un-

terzeichnete, war ihr beim Versand der E-Mail vom 8. Februar 2022 bewusst, dass 

ihr kein Provisionsanspruch aus dem fraglichen Aktienverkauf zustand.

4.6. Drohende Nachteile für den Privatkläger und die H._____

4.6.1. Anhand der Chatnachrichten zwischen der Beschuldigten 1 und O._____ ist 

erstellt, dass diese Letzterem die Vertragsunterlagen sowie die E-Mail vom 8. Fe-

bruar 2022 selben Tags via WhatsApp zukommen liess (Urk. D1/16 S. 1-5). Nicht 

erstellen lässt sich jedoch, dass die Beschuldigten die Dokumente auch P._____ 

zuspielten.  So  gaben  beide  Beschuldigten  an,  P._____  nicht  zu  kennen 

(Urk. D1/9/8 F/A 14-17) und auch P._____ selbst führte anlässlich der vorinstanzli-

chen Hauptverhandlung aus, er kenne die Beschuldigte 1 nicht und habe die Ver-

tragsdokumente nie physisch oder elektronisch erhalten (Prot. I S. 30-35). 

4.6.2. In Bezug auf ihre E-Mail vom 8. Februar 2022 erklärte die Beschuldigte 1 auf 

die  Frage  nach  den  Auswirkungen  ihres  Handelns  für  eine  Privatklinik  wie  die 

H._____, die Auswirkungen, die der Privatkläger im Wissen von M._____ das ge-

samte  Jahr  2021  produziert  habe,  seien  viel  grösser  gewesen  als  ihr  Pflichtbe-

wusstsein, Dr. T._____ als Hauptaktionär und die Belegschaft zu informieren. Auf 

Sicherheitsstufe zu setzen sei ihre Verpflichtung gewesen, welche sie vertraglich 

unterschrieben  hätten.  Die  Drittperson,  in  deren  Hände  die  Verträge  gemäss  E-

Mails hätten gelangen können, seien Kollegen von ihnen gewesen, die nicht bezahlt 

worden seien. Die Nachricht im Chat mit der Beschuldigten 2 "Werde ihn jetzt richtig 

unter Druck setzen", erklärte die Beschuldigte 1 so, dass sie mit der Unterstützung 

von  Dr.  T._____  die  Klinik  und  sich  selbst  hätten  schützen  wollen,  um  weiteren 

- 33 -

Rufmord abzuwenden. Ihre Hoffnung sei gewesen, dass er durch die ganzen Be-

weise sehe, dass sie pflichtbewusst gearbeitet, die Klinik beschützt und versucht 

hätten, die Mitarbeiter zu schützen (Urk. D1/9/10 S. 9). Die Beschuldigte 2 gab an, 

mit ihrer E-Mail vom 8. Februar 2022 habe sie nur geblufft. Sie habe den Privatklä-

ger so aufzuhalten versucht, damit er nicht weiter schlecht über sie rede. Sie habe 

dies aus Enttäuschung geschrieben und absolut keine Absicht gehabt, ihm zu scha-

den. Das habe sie nicht gewollt und sie habe die Verträge auch nicht als Druckmittel 

benutzt.  Sie  habe  damit  nicht  beabsichtigt,  ihre  Geldforderung  durchzusetzen 

(Urk. D1/10/1 F/A 62, 64, 77, 79, 95; Urk. D1/19/2 F/A 30 f.). In Bezug auf die in 

ihrer E-Mail vom 8. Februar 2022 genannte Option, die Verträge an Dritte weiter-

zugeben  bzw.  die  Vertragspartner  zu  informieren,  sollte  die  Provisionsforderung 

nicht bezahlt werden, gab die Beschuldigte 2 an, sie habe keine Ahnung, was die 

Beschuldigte 1  mit  dem  Privatkläger  besprochen  habe  (Urk. D1/10/1  F/A 96).  Es 

sei ihr auf keinen Fall um einen finanziellen Vorteil gegangen. Es gehe ihr um den 

Frieden (Urk. D1/10/1 F/A 98, 101). Zu dem von der Beschuldigten 1 angedrohten 

Gebrauch des Vertrags bzw. der Kontaktaufnahme mit Dr. T._____ und deren For-

derung von 10 % aus dem Aktienverkauf gab die Beschuldigte 2 an, dazu wirklich 

nichts sagen zu können. Es schockiere sie, dies so zu hören (Urk. D1/10/1 F/A 99). 

4.6.3. Der Privatkläger führte aus, das von der Beschuldigten 2 angedrohte Vorge-

hen habe ihn persönlich auf jeden Fall sehr diskreditiert. Seine Partner hätten sich 

gedacht, was er für eine Freundin habe, die seine "vertrauten" Dokumente in der 

Welt streue. Das hätte auch der H._____ schaden können, denn diese Dokumente 

seien vertraulich und hätten in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Es würden Be-

träge genannt, die nicht gerade klein seien und auch die ganzen Details, wer invol-

viert gewesen sei. Theoretisch hätte es auch zu einer Konventionalstrafe gegen ihn 

kommen können. Er habe mit seinen Partnern darüber gesprochen und es sei sehr 

unangenehm und peinlich für ihn gewesen. Sie hätten sich alle gewundert, weshalb 

die Beschuldigte 2 nicht einfach die Dokumente herausgebe und jeder seinen Weg 

gehe  (Urk. D1/11/1  F/A 54-59).  Die  E-Mail  der  Beschuldigten 1  vom  8. Februar 

2022 habe er als kriminell empfunden. Es habe bestimmte Zufälle gegeben, dass 

er im gleichen Zeitraum mit der Beschuldigten 2 kommuniziert habe. Zwar stimme 

nichts, was in dieser E-Mail stehe, aber es sei schon sehr diskreditierend, wenn 

- 34 -

das  an  alle  Mitarbeiter  gehe.  Das  habe  sehr  viel  Unruhe  gestiftet.  Er  nehme  die 

Drohung der Beschuldigten 1, Dr. T._____ zu informieren, ernst. Er traue ihr alles 

zu. Im Falle einer unterbliebenen Zahlung hätte das Vorgehen der Beschuldigten 1 

ihm  und  der  H._____  schaden  können.  Es  habe  auch  geschadet  und  sein  Ver-

trauen geschwächt. Bei einer Realisierung der Androhung hätte der Endschaden 

sein können, dass die Klinik hätte geschlossen werden müssen. Das Vertrauen in 

die  Klinik  wäre  verloren  gegangen.  Das,  was  die  Beschuldigte 1  habe  erreichen 

wollen, habe sie teilweise erreicht. Es habe in der Klinik sehr viel Unruhe gegeben. 

Dadurch und durch die angedrohte Betreibung hätte der Ruf der H._____ geschä-

digt werden können, da sie mit vielen Finanzpartnern arbeiten würden, die einen 

Background-Check machen würden. Auch die Mitarbeiter ihrer Klienten würden das 

tun (Urk. D1/11/1 F/A 115-123). Sein Verhalten sei als sehr fahrlässig und verant-

wortungslos taxiert worden. Für Herrn M._____ sei es ein gefundenes Fressen ge-

wesen, um seine Position zu schwächen. Die Beschuldigte 1 habe auch gewusst, 

dass er Probleme mit Herrn M._____ hatte, weil sie einen unterschiedlichen Füh-

rungsstil gehabt hätten (Urk. D1/11/1 F/A 179). 

4.6.4. M._____  gab  in  diesem  Zusammenhang  an,  falls  die  Drohungen  der  Be-

schuldigten 1 in die Tat umgesetzt worden wären, hätte dies zu einem Schaden für 

die H._____ führen können. Dies sei auch passiert, denn die Verträge seien an eine 

Drittperson,  P._____,  weitergegeben  worden,  der  ebenfalls  Provisionsansprüche 

stelle,  eine  Betreibungsklage  eingeleitet  und  Dr.  T._____  mit  "schmutzigem  Wä-

schewaschen" gedroht habe, obwohl er mit dem Aktienkauf nichts zu tun gehabt 

habe. Die Verträge beinhalteten aus gutem Grund eine Geheimhaltungsklausel, da 

die exakten Modalitäten, u.a. der Verkaufspreis, Informationen seien, die börsen-

rechtlich geschützt seien und Insiderwissen darstellen würden. Er habe sich natür-

lich Sorgen gemacht, als er von diesen Drohungen Kenntnis erhalten habe, weil 

nicht nur der Inhalt der Verträge und der Kaufpreis schützenswert seien, sondern 

auch  der  Kontext,  in  welchem  mit  Bekanntmachung  gedroht  worden  sei.  Die 

H._____ habe einen unglaublich guten Ruf und sei auf diesen angewiesen. Jegli-

che Behauptungen von Unprofessionalität seitens der H._____ könnten dem Ruf 

und somit dem Geschäftsverlauf einen erheblichen Schaden zufügen (Urk. D1/11/2 

F/A 47-55). 

- 35 -

4.6.5. Gemäss T._____ wäre es bei der Umsetzung der Drohungen in der E-Mail 

der  Beschuldigten 1  vom  8. Februar  2022  für  die  H._____  und  die  I._____  sehr 

unangenehm geworden, da Letztere eine börsenkotierte Firma sei. Sie hätten eine 

Klientel, die extrem sensibel sei. Wenn irgendetwas an die Öffentlichkeit gelangt 

wäre, was den Hauch von Unseriosität verbreitet hätte, und er das nicht umgehend 

hätte entschärfen können, hätte theoretisch ein grosser Schaden entstehen kön-

nen. Das sei so, wenn man in einem Reputationsgeschäft tätig sei (Urk. D1/11/3 

F/A 28). 

4.6.6. Angesichts des Tätigkeitsfeldes der H._____ erscheinen die Aussagen des 

Privatklägers, von M._____ und T._____ durchwegs plausibel. Insbesondere der 

Umstand, dass im Aktionärsbindungsvertrag eine Geheimhaltungspflicht festgehal-

ten und in diesem Zusammenhang eine Konventionalstrafe vereinbart wurde, zeigt, 

dass es sich beim Inhalt des Aktienkaufvertrags sowie des Aktionärsbindungsver-

trags  um  sensible  und  vertrauliche  Informationen  handelte,  welche  die  H._____ 

hätten schädigen können, wären sie in falsche Hände geraten. Dass der Privatklä-

ger  –  wie  die  Verteidigung  der  Beschuldigten 1  im  Berufungsverfahren  vorbringt 

(Urk. 149 Rz 37 f.) – offenbar keine Kenntnis über die im Falle einer Verletzung der 

Geheimhaltungspflicht  drohende  Konventionalstrafe  hatte  (vgl.  Urk  D1/11/1 

F/A 57 ff.), ist unerheblich. Es kann der Verteidigung zugestimmt werden, dass die 

Konventionalstrafe in subjektiver Hinsicht für den Privatkläger nicht vordergründig 

war. Dies ist aber insofern nicht relevant, als der zur Druckausübung angedrohte 

Reputationsschaden deutlich im Vordergrund stand. Der H._____ wäre angesichts 

ihres sensiblen Tätigkeitsgebiets ein beachtlicher wirtschaftlicher Schaden sowie 

ein erheblicher Reputationsschaden entstanden, wenn publik geworden wäre, dass 

der damalige Manager der Sucht verfallen sei, betrügerisch handle und Dritten ver-

trauliche Dokumente mit sensiblen Daten zugänglich mache und eine ehemalige 

Mitarbeiterin die H._____ öffentlich diskreditiere und betreibe. 

4.6.7. Da der Privatkläger und die H._____ am 15. Februar 2022 Strafanzeige ge-

gen die Beschuldigten erstatteten (Urk. D1/1), ist schliesslich erstellt, dass sie trotz 

den  von  den  Beschuldigten  angedrohten  Nachteilen  keine  Bezahlung  der  unbe-

rechtigten Forderung vornahmen.

- 36 -

4.7. Handlungsmotivation der Beschuldigten

Indem die Beschuldigten in der zweiten E-Mail vom 8. Februar 2022 eine unberech-

tigte Forderung in der Höhe von 10 % der Aktienkaufsumme, mithin Fr. 637'500.–, 

geltend machten und die Verbreitung ruf- bzw. reputationsschädigender Äusserun-

gen von der Bezahlung ihrer Forderung abhängig machten, beabsichtigten sie, sich 

einen widerrechtlichen Vermögensvorteil zu verschaffen und die H._____ zu schä-

digen. Des Weiteren ist den Chatnachrichten zwischen den Beschuldigten zu ent-

nehmen, dass beide vom Privatkläger enttäuscht waren und beabsichtigten, sich 

mittels der angedrohten Nachteile an ihm zu rächen.

4.8.

Fazit

In Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen Beweiswürdigung kann zusammen-

fassend festgehalten werden, dass sich der Anklagesachverhalt anhand der vor-

stehend genannten Beweismittel grösstenteils erstellen lässt. 

5.

Rechtliche Würdigung

5.1. Unrechtmässige Aneignung

5.1.1. Die Vorinstanz sprach die Beschuldigte 1 der unrechtmässigen Aneignung 

im  Sinne  von  Art. 137  Ziff. 1  StGB  und  die  Beschuldigte 2  der  unrechtmässigen 

Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 StGB schuldig (Urk. 131 

S. 55 ff.).

5.1.2. Die  Verteidigung  der  Beschuldigten 1  stellt  wie  bereits  vor  Vorinstanz  in 

Frage, ob die Beschuldigte 1 mit dem Willen zur dauernden Enteignung handelte 

(Urk. 111 Rz. 40 ff.; Urk. 149 Rz. 13 ff.).

5.1.3. Zu den rechtlichen Grundlagen des Tatbestands der unrechtmässigen An-

eignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 StGB und der Mittäterschaft 

kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vorab auf die zutreffenden Erwä-

gungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 131 S. 55 ff.). Ergänzend ist anzu-

fügen, dass der Vermögensvorteil, auf den sich die Bereicherungsabsicht bezieht, 

nicht notwendigerweise dem Wert der weggenommenen Sache entspricht, welche 

- 37 -

sogar wertlos sein kann. Die Bereicherung kann in einem mittelbaren Vermögens-

vorteil bestehen, der durch den Gebrauch der Sache verschafft wird. So kann sich 

der  Vermögensvorteil  aus  der  Art  der  Verwendung  der  Sache  ergeben,  z.B.  bei 

einem zum Zweck der Erpressung gestohlenen kompromittierenden Brief. In die-

sem Fall nimmt der Täter dem Berechtigten eine Sache nicht wegen ihres eigenen 

Wertes,  sondern  wegen  ihres  Gebrauchswertes  weg,  wobei  die  Absicht  der  un-

rechtmässigen  Bereicherung  sich  auch  auf  den 

letzteren  Wert  erstreckt 

(BGE 111 IV 20 E. 1 m.w.H. [übersetzt in Pra 74 (1958) Nr. 133]). 

5.1.4. Bei den Vertragsdokumenten handelt es sich unbestrittenermassen um für 

die  Beschuldigten  fremde  bewegliche  Sachen  im  Sinne  des  Tatbestands.  Indem 

die Beschuldigte 2 die Beschuldigte 1 über ihren Besitz der Vertragsdokumente in 

Kenntnis  setzte,  die  Beschuldigte 1  die  Hinterlegung  der  Dokumente  bei  der 

R._____  AG  vorschlug,  die  Beschuldigte 2  diesbezüglich  instruierte  und  diese 

schliesslich die Vertragsunterlagen bei der R._____ AG hinterlegte, setzten sie ih-

ren  gemeinsam  gefassten  Plan  in  die  Tat  um  und  verfügten  wie  ein  Eigentümer 

darüber. Durch die Hinterlegung der Vertragsdokumente bei der R._____ AG als 

klare Enteignungshandlung verunmöglichten sie auch, dass die daran Berechtigten 

Kenntnis von deren Aufenthaltsort hatten und darauf zugreifen konnten. Damit ha-

ben die Beschuldigten die Möglichkeit hingenommen, dass den wahren Berechtig-

ten die Möglichkeit, über die Sache zu verfügen, dauerhaft entzogen wird. Was den 

Willen der Beschuldigten zur dauernden Enteignung anbelangt, geht aus der E-Mail 

vom  8. Februar  2022  weder  explizit  noch  implizit  hervor,  dass  die  Vertragsdoku-

mente  an  den  Privatkläger  herausgegeben  worden  wären,  wenn  dieser  bzw.  die 

H._____  dem  geltend  gemachten  Provisionsanspruch  von  10 %  der  Aktienkauf-

summe nachgekommen wäre. So wurde in der E-Mail auch im Falle der Nichtbe-

zahlung der Forderung bis zum 16. Februar 2022 nur die Einleitung einer Betrei-

bung, das Zur-Verfügung-Stellen als Zeugin sowie die Information an Dr. T._____ 

in  Aussicht  gestellt  (vgl.  Urk. D1/2/13).  Letztendlich  konnten  die  Vertragsdoku-

mente erst rund ein Jahr später anlässlich der Hausdurchsuchung bei der R._____ 

AG  am  16. Februar  2023  wieder  erhältlich  gemacht  werden  (Urk. D1/18; 

Urk. D1/19/1-5).  Diese  zeitliche  und  die  örtliche  Komponente  durch  die  Hinterle-

gung bei einem Treuhänder sprechen klar dafür, dass die Enteignung der Vertrags-

- 38 -

dokumente durch die Beschuldigten auf Dauer angelegt war. Es ist somit nicht le-

diglich von einer vorübergehenden, sondern von einer dauerhaften Enteignungs-

absicht der Beschuldigten auszugehen.

5.1.5. Die  Beschuldigte 1  wusste,  dass  es  sich  bei  den  Vertragsunterlagen  um 

fremde Sachen handelt und handelte in Bezug auf die Fremdheit der Sache somit 

direktvorsätzlich. Betreffend die Bereicherungsabsicht erwog die Vorinstanz zutref-

fend, dass die Beschuldigte 1 aufgrund der mit E-Mail vom 8. Februar 2022 gefor-

derten Zahlung in der Höhe von Fr. 637'500.– an sich selber eine geldwerte Bes-

serstellung anstrebte, wobei ihr bewusst war, dass ihr aus dem Aktienverkauf keine 

Provision zustand, und sie sich somit selbst unrechtmässig bereichern wollte. Be-

treffend den Umstand, dass der Wert der angeeigneten Vertragsdokumente nicht 

dem  von  den  Beschuldigten  angestrebten  Vermögensvorteil  entspricht,  kann  auf 

die vorstehend zitierte bundesgerichtliche Rechtsprechung verwiesen werden (vgl. 

E. 5.1.3). Somit ist in subjektiver Hinsicht auch das Erfordernis der unrechtmässi-

gen Bereicherung erfüllt.

5.1.6. Wie vorstehend im Rahmen der Sachverhaltserstellung ausgeführt, gingen 

der Beschuldigten 2 die Vertragsdokumente ohne ihren Willen zu, da der Privatklä-

ger  diese  in  ihrer  Wohnung  vergessen  hatte.  Die  Beschuldigte 2  wurde  von  der 

Vorinstanz  dementsprechend  der  unrechtmässigen  Aneignung  im  Sinne  von 

Art. 137 Ziff. 2 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Nach Auffassung der Vorinstanz 

stellt die Privilegierung der Beschuldigten 2 ein persönliches Merkmal im Sinne von 

Art. 27  StGB  dar,  welches  bei  der  Beschuldigten 1  nicht  berücksichtigt  werden 

könne (Urk. 131 S. 68). Gemäss Art. 27 StGB werden besondere persönliche Ver-

hältnisse, Eigenschaften und Umstände, welche die Strafbarkeit erhöhen, vermin-

dern oder ausschliessen, bei einem Täter oder Teilnehmer berücksichtigt, bei dem 

sie vorliegen. Persönliche Eigenschaften beziehen sich auf schuldspezifische Be-

sonderheiten in der Person des Täters bzw. Teilnehmers (BGE 105 IV 182 E. 2a; 

BSK StGB-FORSTER, a.a.O., Art. 27 N 15). Demgegenüber reicht es bei unrechts-

bezogenen,  "sachlichen"  Merkmalen,  welche  den  objektiven  Unrechtsgehalt  der 

Straftat betreffen, dass sie beim Täter gegeben sind und dies für den Teilnehmer 

oder  Mittäter  erkennbar  war  (BGE  95  IV  113  E. 2a;  Urteil  des  Bundesgerichts 

- 39 -

6B_711/2012 vom 17. Mai 2013 E. 7.5.2). So handelt es sich beispielsweise beim 

Anvertrautsein  einer  Sache  oder  eines  Vermögenswerts  gemäss  Art. 138  Ziff. 1 

StGB  um  ein  sachliches  Merkmal  (BSK  StGB-FORSTER,  a.a.O.,  Art. 27  N 21 

m.w.H.). Vorliegend handelt es sich beim Umstand, dass der Beschuldigten 2 die 

Vertragsdokumente  ohne  ihren  Willen  zugekommen  sind,  nicht  um  ein  persönli-

ches, sondern um ein sachliches Merkmal, welches die Beschuldigte 1 gekannt hat. 

Somit ist auch die Beschuldigte 1 der unrechtmässigen Aneignung im Sinne von 

Art. 137 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

5.2. Versuchte Erpressung

5.2.1. Die  Vorinstanz  sprach  die  Beschuldigten  der  versuchten  Erpressung  im 

Sinne  von  Art. 156  Ziff. 1  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB  schuldig 

(Urk. 131 S. 68 ff.).

5.2.2. Die  Verteidigung  der  Beschuldigten 1  beantragt  diesbezüglich  einen  Frei-

spruch,  wobei  sie  diesen  insbesondere  mit  der  fehlenden  Androhung  ernstlicher 

Nachteile  in  den  E-Mails  vom  8. Februar  2022  begründet  (Urk. 111  Rz. 45  ff.; 

Urk. 149 Rz. 19). 

5.2.3. Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zum Tatbestand der Erpressung 

und des Versuchs kann auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Ent-

scheid verwiesen werden (Urk. 131 S. 68 ff.).

5.2.4. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat die Beschuldigte 2 in ihrer E-Mail vom 

8. Februar 2022 nicht behauptet, dass ihr effektiv ein Provisionsanspruch zusteht. 

Auch einen Konnex zwischen der Bezahlung der Provision und dem Unterlassen 

von  Verunglimpfungen  sowie  der  Rückgabe  der  Dokumente  stellte  sie  nicht  her. 

Selbst wenn die von der Beschuldigten 2 in der E-Mail genannten unterschiedlichen 

Optionen im Umgang mit den Vertragsdokumenten für sich alleine als Androhung 

ernstlicher Nachteile zu qualifizieren wären, würde es somit am Kausal- bzw. Moti-

vationszusammenhang zwischen den in Aussicht gestellten Nachteilen und der gel-

tend gemachten Provision und damit einer allfälligen Vermögensdisposition fehlen. 

Insbesondere in Verbindung mit der E-Mail der Beschuldigten 2, in welcher diese 

- 40 -

ihre grundsätzliche Bereitschaft, die vertraulichen Vertragsdokumente Dritten zu-

gänglich zu machen, signalisierte, ist jedoch die gleichentags durch die Beschul-

digte 1 versandte zweite E-Mail, in welcher dem Privatkläger die Betreibung auf-

grund  eines  nicht  bestehenden  Provisionsanspruchs  und  in  diesem  Zusammen-

hang  die  Verbreitung  reputationsschädigender  Informationen  in  Aussicht  gestellt 

wurde, als Androhung ernstlicher Nachteile zu qualifizieren. Wie bereits im Rahmen 

der Sachverhaltserstellung ausgeführt, handelt es sich beim Aktienkauf- und Akti-

onärsbindungsvertrag  um  vertrauliche  Informationen  mit  sensiblen  Daten,  wobei 

angesichts des sensiblen Tätigkeitsbereichs der H._____ neben einem wirtschaft-

lichen Schaden auch ein Reputationsschaden entstanden wäre, wenn publik ge-

worden  wäre,  dass  der  damalige  Manager  der  Sucht  verfallen  sei,  betrügerisch 

handle und Dritten vertrauliche Dokumente mit sensiblen Daten zugänglich mache 

und eine ehemalige Mitarbeiterin die H._____ öffentlich diskreditiere und betreibe. 

Die Verwirklichung der angedrohten Nachteile wurde von der Bezahlung von 10 % 

der Aktienkaufsumme, mithin Fr. 637'500.–, abhängig gemacht, womit hinsichtlich 

der  angestrebten  Vermögensdisposition  ein  Motivationszusammenhang  besteht. 

Zu berücksichtigen ist diesbezüglich, dass sich weder die H._____ noch der Privat-

kläger von den angedrohten Nachteilen zu einer Vermögensdisposition veranlas-

sen liessen. 

Die Beschuldigten setzten dabei ihren gemeinsam gefassten Plan in die Tat um, 

indem die Beschuldigte 2 die Beschuldigte 1 über ihren Besitz der Vertragsdoku-

mente in Kenntnis setzte, die Beschuldigte 1 die Hinterlegung der Dokumente bei 

der R._____ AG vorschlug, die Beschuldigte 2 diesbezüglich instruierte und diese 

schliesslich die Vertragsunterlagen bei der R._____ AG hinterlegte. Daraufhin be-

reitete  die  Beschuldigte 1  einen  Entwurf  der  E-Mail  an  N._____  vor,  den  sie  der 

Beschuldigten 2 per WhatsApp zukommen liess, welche in der Folge die notwendi-

gen Eckdaten bspw. betreffend die Mailand-Reise lieferte und Vorschläge betref-

fend den Inhalt und den Betreff der E-Mail sowie die Formulierung der Nachrichten 

einbrachte,  die  anschliessend  von  der  Beschuldigten 1  übernommen  wurden. 

Schliesslich schickte die Beschuldigte 1 im Einverständnis der Beschuldigten 2 die 

E-Mail am 8. Februar 2022 um 21:52 Uhr an N._____, M._____ und den Privatklä-

ger. Die Beschuldigten wirkten somit bei der Planung und der Ausführung von Be-

- 41 -

ginn weg bewusst und gewollt zusammen, wobei die Initiative ursprünglich von der 

Beschuldigten 1 ausging, die die R._____ AG als Hinterlegungsort für die Vertrags-

unterlagen vorschlug. Ohne den Tatbeitrag der Beschuldigten 2 hätte die Beschul-

digte 1 jedoch nichts von den abhanden gekommenen Verträgen und deren Inhalt 

erfahren. Die Beschuldigten wirkten während ihres gesamten Vorhabens in mass-

gebender  Weise  zusammen,  wobei  sie  jeweils  abwechslungsweise  wesentliche 

Beiträge zur Tatausführung leisteten (bspw. Hinterlegung der Vertragsdokumente 

bei der R._____ AG durch die Beschuldigte 2, Verfassen des Entwurfs der zweiten 

E-Mail vom 8. Februar 2022 durch die Beschuldigte 1). 

5.2.5. Da  sowohl  die  H._____  als  auch  der  Privatkläger  die  Zahlung  an  die  Be-

schuldigte 1 verweigerten, obwohl diese zusammen mit der Beschuldigten 2 alles 

zur Erfüllung des Tatbestands Notwendige unternommen hatte, liegt im Sinne von 

Art. 22 Abs. 1 StGB ein vollendeter Versuch einer Erpressung vor. Im Übrigen kann 

betreffend die rechtliche Würdigung in objektiver Hinsicht sowie in Bezug auf die 

Mittäterschaft auf die einlässliche Würdigung durch die Vorinstanz verwiesen wer-

den, welche sich als vollumfänglich zutreffend erweist (vgl. Urk. 131 S. 71 ff.). 

5.2.6. Aus den Chatnachrichten der Beschuldigten zeigt sich, dass sie sich intensiv 

über die Hinterlegung der Vertragsunterlagen bei der R._____ AG sowie über den 

Inhalt der zweiten E-Mail vom 8. Februar 2022 austauschten, wobei die Beschul-

digte 1 wusste und wollte, dass der Privatkläger und die H._____ durch das Vor-

enthalten der Vertragsunterlagen und die Androhung der in der E-Mail genannten 

Nachteile unter Druck geraten würden. Indem die Beschuldigten die angedrohten 

Nachteile von der Bezahlung einer unberechtigten Provisionsforderung an die Be-

schuldigte 1 abhängig machten, handelte diese in Selbstbereicherungsabsicht, wo-

bei sie sich der Unrechtmässigkeit der Bereicherung bewusst waren und folglich 

direktvorsätzlich handelten. Im Übrigen ist hinsichtlich des subjektiven Tatbestands 

auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen 

(vgl. Urk. 131 S. 82 ff.).

5.2.7. Die  Beschuldigte 1  ist  folglich  der  versuchten  Erpressung  im  Sinne  von 

Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

- 42 -

C.

1.

Diebstahl

Anklagevorwurf

Der Beschuldigten 1 wird des Weiteren vorgeworfen, Anfang Juli 2022 in der Ab-

sicht,  sich  rechtswidrig  zu  bereichern,  aus  der  Wohnung  von  K._____  zwei  Ta-

schen, einen Herrenmantel, einen Regenschutz und eine Sonnenbrille entwendet 

zu haben, um diese für sich zu verwenden, womit sie diesem wissentlich Schaden 

im Wert von insgesamt Fr. 2'099.– zugefügt habe.

2.

Standpunkt der Beschuldigten 1

Die Beschuldigte 1 bestritt bis anhin den Anklagesachverhalt und machte zusam-

mengefasst geltend, keine Gegenstände von K._____ an sich genommen zu haben 

bzw. habe sie diese auf seine Anweisung hin weggeschmissen, da diese bepinkelt 

und  eingekotet  gewesen  seien  (Urk. D1/9/5  F/A 4;  Urk. D1/40/8  S. 5).  Im  Beru-

fungsverfahren liessen sich weder die Beschuldigte 1 noch ihre Verteidigung zum 

vorliegenden Anklagesachverhalt verlauten.

3.

Beweiswürdigung

3.1. Die  Vorinstanz  hat  die  relevanten  Aussagen  der  Beschuldigten 1  und  von 

K._____ umfassend, vollständig und korrekt aufgeführt (Urk. 131 S. 90 f.). Sie hat 

sich eingehend mit der vorliegenden Beweislage auseinandergesetzt, die vorhan-

denen Beweise sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit gewürdigt und insbe-

sondere  die  vorliegend  massgeblichen  Personalbeweise  einer  umfassenden 

Glaubhaftigkeitsprüfung unterzogen (Urk. 131 S. 91 ff.). Darauf kann im Sinne von 

Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden.

3.2. Wie  die  Vorinstanz  zutreffend  erwog,  erweisen  sich  die  Aussagen  von 

K._____  als  glaubhaft.  So  machte  er  anlässlich  seiner  Einvernahme  vom  2. Fe-

bruar 2023 ausführliche Angaben sowohl über das Kennenlernen der Beschuldig-

ten 1  und  die  anschliessenden  Kontakte  mit  ihr  als  auch  zu  seiner  Feststellung, 

dass verschiedene Gegenstände fehlten, wobei keine pauschalen Anschuldigun-

gen, Übertreibungen und keine falsche bzw. übermässige Belastung der Beschul-

- 43 -

digten 1 ersichtlich sind. Insbesondere dachte er nach Vorhalt der Aussage der Be-

schuldigten 1, wonach er sich eingepinkelt und eingekotet, alles verteilt und damit 

die Kleider beschmutzt hätte, zuerst lange nach und stritt die Version der Beschul-

digten nicht a priori ab, sondern gab an, dass er sich dies schlecht vorstellen könne, 

da  es  neben  der  Kleidung  auch  noch  um  andere  Dinge  gegangen  sei.  Bei  einer 

Hose könnte das ja theoretisch noch möglich sein. Er denke oft lange nach, wenn 

Fragen gestellt würden. Das sei manchmal hilfreich. Er könne sich nicht erinnern, 

der Beschuldigten 1 gesagt zu haben, dass sie die Kleider wegwerfen solle (vgl. 

Urk. D4/6 F/A 18 f.). Beim Betreten der Wohnung habe er nicht festgestellt, dass 

diese oder ein Raum mit Kot oder Urin verschmutzt gewesen wäre. Seine Eltern 

seien auch dabei gewesen, als er wieder in die Wohnung gekommen sei und sie 

hätten  das  mit  dem  Kot  auch  sehen  müssen  (Urk. D4/6  F/A 21).  Des  Weiteren 

führte er aus, für ihn sei der Sachverhalt abgeschlossen. Er habe die Anzeige be-

treffend das Auto auf Anraten der Polizei und diejenige betreffend die abhanden 

gekommenen Sachen auf Anraten der Versicherung gemacht. Damit sei das für ihn 

erledigt (Urk. D4/6 F/A 35). Mit Eingabe an die Staatsanwaltschaft vom 10. Februar 

2023 zog er sodann die Strafanträge zurück und erklärte sein Desinteresse an der 

Strafverfolgung der Beschuldigten 1 (Urk. D4/5). Somit ist bei K._____ keinerlei In-

teresse  am  Ausgang  des  Strafverfahrens  erkennbar,  was  er  auch  mehrfach  be-

tonte. Auf seine authentischen und überzeugenden Aussagen ist daher abzustel-

len.

3.3. Die Aussagen der Beschuldigten 1 erscheinen demgegenüber nicht lebens-

nah. Einerseits erstaunt, dass sie anlässlich der Anhörung vor dem Haftrichter aus-

führte, sie habe die Kleidungsstücke auf Anweisung von K._____ entsorgt, da diese 

bepinkelt und eingekotet gewesen seien (vgl. Urk. D1/40/8 S. 5), sie dieses entlas-

tende Element in der späteren staatsanwaltschaftlichen Einvernahme jedoch nicht 

mehr vorbrachte und lediglich pauschal bestritt, Gegenstände an sich genommen 

zu  haben.  Andererseits  erscheint  die  Version  der  Beschuldigten 1,  wonach  sie 

K._____ die Kleidung auf die Couch gelegt, dieser sie runtergerissen und sich be-

pinkelt  und  eingekotet  habe  (vgl.  Urk. D1/40/8  S. 5),  auch  in  Bezug  auf  die  von 

K._____ als gestohlen gemeldeten Gegenstände – zwei Taschen, ein Herrenman-

tel, ein Regenschutz und eine Sonnenbrille – nicht plausibel. 

- 44 -

3.4. Da  die  Beschuldigte 1  im  relevanten  Zeitraum  auch  unbestrittenermassen 

Zugang zur Wohnung von K._____ hatte und über einen Hausschlüssel verfügte 

(vgl.  Urk. D1/9/5  F/A 8;  Urk. D4/6  F/A 7),  ist  der  Anklagesachverhalt  gestützt  auf 

die glaubhaften Aussagen von K._____ erstellt.

4.

Rechtliche Würdigung

4.1. Die  Vorinstanz  sprach  die  Beschuldigte 1  des  Diebstahls  im  Sinne  von 

Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig (Urk. 131 S. 93 f.).

4.2. Die  Verteidigung  beantragte  im  erstinstanzlichen  Verfahren  diesbezüglich 

einen  Freispruch,  wobei  sie  diesen  insbesondere  mit  einer  dürftigen  Beweislage 

begründete  und  sich  nicht  weiter  zur  rechtlichen  Würdigung  äusserte  (Urk. 111 

Rz. 21  ff.).  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  beantragte  die  Verteidigung  in 

prozessualer Hinsicht die Einstellung des Strafverfahrens betreffend Diebstahl in-

folge Fehlens einer Prozessvoraussetzung, zumal die Beschuldigte 1 und K._____ 

zum  relevanten  Tatzeitpunkt  zusammengewohnt  hätten  und  ein  Diebstahl  zum 

Nachteil eines Familiengenossen im Sinne von Art. 139 Ziff. 4 StGB nur auf Antrag 

verfolgt werden könne (Urk. 149 Rz. 5 ff.), wobei dieser Qualifikation – wie eingangs 

dargelegt (vgl. vorstehend E. II.2.2 f.) – nicht gefolgt werden kann.

4.3. Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zum Tatbestand des Diebstahls 

kann  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  im  vorinstanzlichen  Entscheid  verwiesen 

werden (Urk. 131 S. 93 f.). Die von der Vorinstanz vorgenommene rechtliche Wür-

digung (Urk. 131 S. 94) erweist sich als vollumfänglich zutreffend. Darauf kann ver-

wiesen werden. 

4.4. Die  Beschuldigte 1  ist  somit  des  Diebstahls  im  Sinne  von  Art. 139  Ziff. 1 

StGB schuldig zu sprechen.

D.

Fazit

Die  Beschuldigte 1  ist  somit  der  versuchten  Erpressung  im  Sinne  von  Art. 156 

Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, des Diebstahls im Sinne von 

- 45 -

Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie der unrechtmässigen Aneignung im Sinne von Art. 137 

Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

IV.

Strafzumessung

Ausgangslage

Die  Vorinstanz  bestrafte  die  Beschuldigte 1  mit  einer  bedingten  Freiheits-

A.

1.

strafe von 22 Monaten, wovon 414 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer 

bedingten  Geldstrafe  von  60 Tagessätzen  zu  Fr. 30.–,  wobei  die  Probezeit  auf 

2 Jahre festgesetzt wurde (Urk. 131 S. 97 ff.).

2.

Die Verteidigung beantragt einen vollumfänglichen Freispruch der Beschul-

digten 1.  Einen  Eventualantrag  im  Falle  eines  anklagegemässen  Schuldspruchs 

wird seitens der Verteidigung nicht gestellt (Urk. 135).

3.

Die Berufungsinstanz fällt nach Art. 408 StPO ein neues Urteil. Unter dem 

Vorbehalt der "reformatio in peius" muss sie sich nicht daran orientieren, wie die 

erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet. Vielmehr hat sie 

die Strafe nach ihrem eigenen pflichtgemässen Ermessen festzusetzen (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1349/2022 vom 24. Januar 2025 E. 5.5.2; 6B_1164/2023 vom 

7. Oktober 2024 E. 5.3.4; 6B_485/2022 vom 12. September 2022 E. 8.4.1). Vorlie-

gend  ist  lediglich  noch  die  Berufung  der  Beschuldigten 1  zu  beurteilen.  Die  An-

schlussberufung der Staatsanwaltschaft beschränkte sich auf die Beschuldigte 2, 

so dass hinsichtlich der Beschuldigten 1 das Verschlechterungsverbot gestützt auf 

Art. 391 Abs. 2 StPO zum Tragen kommt.

B.

1.

Grundsätze

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB  und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  dargelegt 

(BGE 147  IV  241  E. 3  [übers.  in  Pra  111  (2022)  Nr. 17];  136  IV  55  E. 5.4 ff.  mit 

Hinweisen;  vgl.  auch  BGE  144  IV  313  E. 1;  144  IV  217  E. 2.3 ff.;  142  IV  265 

E. 2.3 ff.). Darauf kann verwiesen werden. 

- 46 -

2.

Entsprechendes gilt für die Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach 

Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Asperationsprinzips. Hat der Täter durch 

eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Stra-

fen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der schwersten Straftat und 

erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe 

nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass 

der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).

3.

Der Gesetzgeber hat für den Bereich der leichteren und mittleren Kriminalität 

die  Geldstrafe  als  die  der  Freiheitsstrafe  vorgehende  Regelsanktion  vorgesehen 

(BGE  134  IV  82  E. 4.1).  Das  Bundesgericht  bekräftigt  auch  in  seiner  neueren 

Rechtsprechung  den  Vorrang  der  Geldstrafe  gegenüber  der  Freiheitsstrafe  im 

Strafbereich von bis sechs Monaten und die Ungleichartigkeit von Freiheitsstrafe 

und Geldstrafe (BGE 147 IV 241 E. 4.3.2 [übers. in Pra 111 (2022) Nr. 17]; 144 IV 

217 E. 3.3.3 und 3.6). Es hält dabei unter Hinweis auf den Gesetzgeber auch nach 

der Änderung des Sanktionenrechts ausdrücklich am Prinzip der Zulässigkeit einer 

Gesamtstrafe  nur  bei  gleichartigen  Strafen  unter  Anwendung  der  konkreten 

Methode fest. Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige 

Strafen androhen, genügt nicht. Ungleichartige Strafen – wie Geld- und Freiheits-

strafe – sind daher kumulativ zu verhängen (BGE 147 IV 241 E. 4.3.2; 144 IV 313 

E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 2.2, 3.3.4 und 3.5.4; 142 IV 265 E. 2.3.2; 137 IV 57 E. 4.3.1). 

Das Gericht hat sich zur Wahl der Strafart für die konkreten Delikte zu äussern und 

hat – nach Festsetzung einer hypothetischen Einsatzstrafe für das schwerste Delikt 

– namentlich bei alternativ zur Verfügung stehender Geld- oder Freiheitsstrafe für 

die  weiteren  Delikte  im  Hinblick  auf  das  Gebot  der  Verhältnismässigkeit 

anzugeben,  warum  es  für  diese  weiteren  Taten  jeweils  eine  Freiheitsstrafe  für 

erforderlich hält (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4, 4.1 und 4.3). Die auszusprechende Ge-

samtstrafe  basiert  auf  den  verschuldensangemessenen  Einzeltaten.  Bei  der  Be-

messung der hypothetischen Gesamtstrafe müssen die einzelnen Straftaten in ei-

nem selbstständigen Schritt gewürdigt werden. Erst nachdem es sämtliche Einzel-

strafen festgesetzt hat, kann das Gericht beurteilen, ob und welche Einzelstrafen 

gleichartig sind (BGE 144 IV 217 E. 3.5.3; 144 IV 313 E. 1.1.1; Urteile des Bundes-

gerichts 7B_769/2023 vom 13. Mai 2025 E. 3.1.2; 7B_783/2023 vom 15. Oktober 

- 47 -

2024  E. 6.2.2;  6B_382/2021  vom  25. Juli  2022  E. 3.2.1).  Ferner  ist  festzuhalten, 

dass das Gericht bei der Aussprechung einer Strafe zuerst die Art der Strafe be-

stimmt und danach das Strafmass festsetzt. Bei der Wahl der Strafart trägt es ne-

ben dem Verschulden des Täters, der Angemessenheit der Strafe, ihren Auswir-

kungen auf den Täter und auf seine soziale Situation sowie ihrer Wirksamkeit unter 

dem Gesichtswinkel der Prävention Rechnung (BGE 147 IV 241 E. 3; 144 IV 313 

E. 1.1.1; 134 IV 97 E. 4.3). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei al-

ternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalen-

ten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die per-

sönliche  Freiheit  des  Betroffenen  eingreift  (BGE  138  IV  120  E. 5.2;  134  IV  82 

E. 4.1). Dies gilt auch im Rahmen der Gesamtstrafenbildung. Der Täter darf auf-

grund des Umstands, dass mehrere Delikte gleichzeitig zur Beurteilung stehen, für 

die einzelnen Taten nicht schwerer bestraft werden als bei separater Beurteilung 

(BGE 144 IV 217 E. 3.3.3; Urteile des Bundesgerichts 7B_769/2023 vom 13. Mai 

2025 E. 3.1.2; 6B_355/2021 vom 22. März 2023 E. 3.3; 6B_93/2022 vom 24. No-

vember 2022 E. 1.3.4; 6B_658/2021 vom 27. Januar 2022 E. 2.3.1; je mit Hinwei-

sen). Dabei hält das Bundesgericht fest, dass der neue Art. 34 StGB (in Kraft seit 

1. Januar  2018),  nach  welchem  die  Geldstrafe  mindestens  drei  und  höchstens 

180 Tagessätze beträgt, das Sanktionensystem insofern verschärft, als es den An-

wendungsbereich  der  Geldstrafe  einschränkt  und  denjenigen  der  Freiheitsstrafe 

entsprechend ausdehnt (BGE 147 IV 241 E. 4). Nach neuerer Rechtsprechung darf 

in Anwendung von Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB immerhin dann eine Gesamtfreiheits-

strafe ausgesprochen werden, wenn viele Einzeltaten zeitlich sowie sachlich eng 

miteinander verknüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der in einem en-

gen Zusammenhang stehenden Delikte geeignet ist, in genügendem Masse prä-

ventiv  auf  den  Täter  einzuwirken  (Urteil  des  Bundesgerichts  6B_246/2024  vom 

27. Februar 2025 E. 2.5.4; 6B_180/2023 vom 27. Juni 2024 E. 4.3.3; 6B_141/2021 

vom 23. Juni 2021 E. 1.3.2; je mit Hinweisen).

C.

Strafrahmen

Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens  der  schwersten  anzuwendenden  Strafbestimmung  festzusetzen. 

- 48 -

Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um 

sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Der ordentliche Rahmen ist 

nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die be-

treffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint. 

Der vom Gesetzgeber vorgegebene ordentliche Rahmen ermöglicht in aller Regel, 

für eine einzelne Tat die angemessene Strafe festzulegen. Er versetzt das Gericht 

namentlich in die Lage, die denkbaren Abstufungen des Verschuldens zu berück-

sichtigen  (BGE  136  IV  55  E. 5.8;  Urteil  des  Bundesgerichts  7B_193/2022  vom 

6. Dezember 2023 E. 3.3.1). Die versuchte Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 

StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB  sowie  der  Diebstahl  im  Sinne  von 

Art. 139 Ziff. 1 StGB werden je mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe 

bestraft. Die unrechtmässige Aneignung gemäss Art. 137 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 

StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Es ist so-

dann bei der Strafzumessung in Anwendung von Art. 49 StGB mit der Vorinstanz 

nachfolgend von der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB als dem schwersten Delikt auszugehen. 

D.

1.

Tatkomponenten

Versuchte Erpressung

1.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog (vgl. Urk. 131 S. 100 ff.) und im Rah-

men  der  vorstehenden  Erwägungen  ausgeführt  wurde,  wiegen  die  von  den  Be-

schuldigten  in  ihren  E-Mails  vom  8. Februar  2022  angedrohten  Nachteile  ange-

sichts des sensiblen Tätigkeitsbereichs der H._____ schwer. Diesbezüglich ist zu 

berücksichtigen,  dass  der  Entwurf  für  die  zweite  E-Mail,  in  welcher  im  Falle  der 

Nichtbezahlung der unberechtigten Provisionsforderung mit ernstlichen Nachteilen 

gedroht  wurde,  von  der  Beschuldigten 1  verfasst  wurde  und  schliesslich  weitge-

hend in die Endfassung Eingang gefunden hatte. Sodann fällt die von den Beschul-

digten angestrebte Vermögensdisposition in der Höhe von Fr. 637'500.– zugunsten 

der Beschuldigten 1 deutlich erschwerend ins Gewicht. Dieser Betrag hätte für die 

Beschuldigte 1 einen erheblichen finanziellen Zuschuss dargestellt, dessen Erwirt-

schaftung sie mehrere Jahre in Anspruch genommen hätte. Die H._____ und der 

Privatkläger, dem darüber hinaus aufgrund der im Aktionärsbindungsvertrag ver-

- 49 -

einbarten Geheimhaltungspflicht eine Konventionalstrafe von Fr. 100'000.– gedroht 

hätte, hätten einen massiven wirtschaftlichen Verlust erlitten, wenn sie der Forde-

rung der Beschuldigten entsprochen hätten. Ferner sah sich die H._____ der ernst-

lichen Gefahr ausgesetzt, dass ihrem Kundenkreis zu Ohren kommen könnte, dass 

ihr Manager wieder der Sucht verfallen sei, betrügerisch handle und vertrauliche 

Dokumente mit sensiblen Daten Dritten zugänglich mache sowie eine ehemalige 

Mitarbeiterin sie öffentlich diskreditiere und einklage. Dadurch drohte der H._____, 

unabhängig  von  der  Begründetheit  der  von  den  Beschuldigten  erhobenen  Vor-

würfe, ein nicht nur theoretischer Reputationsschaden. Um ihrer Forderung Nach-

druck zu verleihen, stellten die Beschuldigten sodann die Kontaktaufnahme mit Dr. 

T._____  in  Aussicht.  Dies  zeugt  von  einer  geplanten  und  gezielten  Vorgehens-

weise, zumal die Beschuldigten das Vorgehen über rund zwei Tage hinweg intensiv 

diskutierten, die Risiken abwogen und sich schliesslich bewusst für die Ausführung 

der Tat entschieden. Darin ist eine erhebliche kriminelle Energie zu erblicken. Vor 

diesem Hintergrund ist das objektive Tatverschulden der Beschuldigten 1 als kei-

nesfalls leicht zu qualifizieren. 

1.2.

In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass infolge direktvorsätzlicher Tat-

begehung keine Strafminderung wegen Eventualvorsatzes in Frage kommt. Dass 

sich  die  Beschuldigten  der  potenziell  grossen  Ruf-  und  Reputationsschädigung 

durchaus  bewusst  waren,  ergibt  sich  aus  ihren  Chatnachrichten.  Die  Beschul-

digte 1 handelte in erster Linie aus eigenen finanziellen Motiven, wobei durchaus 

auch  persönliche  Rachemotive  festzustellen  sind.  Hätte  sie  sich  tatsächlich  ver-

pflichtet gefühlt, Dr. T._____ über die Alkohol- und Kokainsucht des Privatklägers 

und dessen Verlust der Originalverträge zu informieren, hätte sie dies tun können, 

ohne gleichzeitig eine Forderung in der Höhe von Fr. 637'500.– geltend zu machen. 

Stattdessen  wollte  sie  sich  auf  unberechtigte  Art  und  Weise  zum  Nachteil  der 

H._____ im Umfang von Fr. 637'500.– bereichern. Das Verhalten lässt sich ferner 

auch nicht mit einer finanziellen Not- bzw. Zwangslage der Beschuldigten 1 erklä-

ren. 

- 50 -

1.3. Mithin wird die objektive Tatschwere durch die subjektive nicht relativiert, so 

dass für das vollendete Delikt der Erpressung von einem keinesfalls leichten Ver-

schulden auszugehen ist.

1.4. Es  ist  festzuhalten,  dass  die  von  der  Beschuldigten 1  begangene  Erpres-

sung gesamthaft betrachtet keine Bagatelltat mehr darstellt. Das Verhalten der Be-

schuldigten 1 zeigt, dass sie dazu geneigt war, ihre Interessen rücksichtslos zu ver-

folgen und durchzusetzen. In Anbetracht des Tatverschuldens, insbesondere auf-

grund  der  Höhe  der  Deliktssumme  und  der  angedrohten  Nachteile,  erscheint  es 

angemessen  und  zweckmässig,  vorliegend  eine  Freiheitsstrafe  auszusprechen. 

Somit  resultiert  –  hypothetisch  für  das  vollendete  Delikt  –  bei  einem  keinesfalls 

leichten Tatverschulden eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

1.5. Dass die Tathandlung nicht zur Vollendung gelangte, sondern es beim voll-

endeten Versuch blieb, kann sich im Sinne einer Reduktion der verschuldensange-

messenen  Strafe  auswirken.  Dass  sich  der  tatbestandsmässige  Erfolg  nicht  ver-

wirklichte, entzog sich der Einflussmöglichkeit der Beschuldigten 1 vollständig und 

ist einzig darauf zurückzuführen, dass die H._____ und der Privatkläger der erpres-

serischen Forderung nicht stattgaben und im Gegenteil rechtliche Schritte einleite-

ten. Der Vorinstanz ist im Ergebnis darin zuzustimmen, dass eine relativ weite Di-

stanz zum tatbestandsmässigen Erfolg vorliegt, auch wenn die Beschuldigten ih-

rerseits sämtliche Tathandlungen vorgenommen haben, um die H._____ zur Zah-

lung  des  Erpressergeldes  zu  bewegen,  so  dass  dies  wiederum  einer  markanten 

Reduktion der Einsatzstrafe entgegensteht. Insgesamt erscheint daher eine Reduk-

tion der Einsatzstrafe um 4 Monate als angemessen und ausreichend, um der Tat-

sache Rechnung zu tragen, dass der H._____ und dem Privatkläger kein finanziel-

ler Schaden entstanden ist. 

1.6. Unter Berücksichtigung sämtlicher Zumessungsfaktoren für die Tatkompo-

nente betreffend die versuchte Erpressung erweist sich somit eine Freiheitsstrafe 

von 20 Monaten als angemessen.

- 51 -

2.

Unrechtmässige Aneignung

2.1.

Zwar sind die Vertragsdokumente den Beschuldigten ohne eigenen Willen 

zugekommen, jedoch haben sie – auf Initiative der Beschuldigten 1 und ausgeführt 

durch die Beschuldigte 2 – diese Gelegenheit genutzt und die Unterlagen nach ge-

meinsamer Absprache bei der R._____ AG hinterlegt, damit der Privatkläger keine 

Kenntnis von deren Aufenthaltsort hatte und um sie ihm vorzuenthalten, was einer 

gewissen Planung bedurfte und von erheblicher krimineller Energie zeugt. Die Be-

schuldigte 1  ist  hinsichtlich  der  Idee  zur  Hinterlegung  der  Dokumente  bei  der 

R._____ AG als klar federführend zu bezeichnen, wobei jedoch erst die Umsetzung 

durch die Beschuldigte 2 zum dauerhaften Entzug der Dokumente führte, was letzt-

lich die Grundlage für die anschliessende Erpressung bildete. Die Beschuldigten 

nutzten offensichtlich die Gunst der Stunde, als die Beschuldigte 2 bemerkte, dass 

der Privatkläger die Dokumente bei ihr vergessen hatte, um sich an ihm zu rächen 

und eine unberechtigte Forderung in der Höhe von Fr. 637'500.– geltend zu ma-

chen. Obwohl die Vertragsunterlagen an sich über keinen eigenen Vermögenswert 

verfügten, hatten diese doch aufgrund der vertraulichen Informationen einen erheb-

lichen Beweiswert und waren für die Vertragsparteien von grosser Bedeutung, was 

die Beschuldigten gezielt ausnutzten. Die Beschuldigte 1 handelte – entgegen der 

Vorinstanz (vgl. Urk. 131 S. 105) – mit dem Willen zur dauernden Enteignung und 

beabsichtigte  –  soweit  aus  den  Akten  ersichtlich  –  nicht,  die  Vertragsdokumente 

nach Erfüllung der unberechtigten Forderung wieder zurückzugeben. Vor diesem 

Hintergrund ist das objektive Tatverschulden als nicht mehr leicht zu qualifizieren.

2.2.

In subjektiver Hinsicht kann auf die Erwägungen zur versuchten Erpressung 

verwiesen werden, wonach die Beschuldigte 1 vorsätzlich und insbesondere aus 

finanziellen Motiven sowie in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht handelte (vgl. 

E. IV.D.1.2).

2.3. Mithin wird die objektive Tatschwere durch die subjektive nicht relativiert, so 

dass das Tatverschulden für die unrechtmässige Aneignung unverändert als nicht 

mehr leicht zu werten ist.

- 52 -

2.4. Die  von  der  Beschuldigten 1  begangene  unrechtmässige  Aneignung  stellt 

keine Bagatelltat dar. Die Beschuldigte 1 verfolgte und setzte ihre Interessen rück-

sichtslos durch. Angesichts des Tatverschuldens, insbesondere aufgrund der gros-

sen Bedeutung der Vertragsunterlagen für den Privatkläger und die H._____ und 

der angestrebten Bereicherung sowie des engen sachlichen und zeitlichen Zusam-

menhangs zur versuchten Erpressung, erscheint es angemessen und zweckmäs-

sig, für die unrechtmässige Aneignung eine Freiheitsstrafe auszusprechen. Somit 

resultiert  bei  einem  nicht  mehr  leichten  Tatverschulden  eine  Freiheitsstrafe  von 

6 Monaten.

2.5.

In Anwendung des Asperationsprinzips ist zu berücksichtigen, dass die un-

rechtmässige Aneignung und die versuchte Erpressung in einem zeitlich und sach-

lich  engen  Zusammenhang  stehen,  zumal  die  unrechtmässig  angeeigneten  Ver-

tragsunterlagen die Grundlage für die versuchte Erpressung bildeten. Es erscheint 

daher angemessen, die Strafe für die versuchte Erpressung um drei Monate auf 

23 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.

3.

Diebstahl

3.1. Hinsichtlich des begangenen Diebstahls hat die Vorinstanz die bei der ob-

jektiven und subjektiven Tatschwere zu berücksichtigenden Umstände zutreffend 

angeführt und gewürdigt (Urk. 131 S. 107). Diesbezüglich ist mit dem angefochte-

nen Urteil namentlich festzuhalten, dass die Deliktsumme mit Fr. 2'099.– zwar nicht 

unbeachtlich,  angesichts  der  Bandbreite  möglicher  Deliktsbeträge  jedoch  als  am 

unteren Ende liegend zu qualifizieren ist und die Beschuldigte 1 direktvorsätzlich 

und egoistisch agierte. Darüber hinaus offenbarte sie bei ihrem Handeln aber auch 

eine  nicht  zu  unterschätzende  kriminelle  Energie,  indem  sie  das  Vertrauen  von 

K._____, der sie bei sich wohnen liess und sie aufgrund eines Alkoholrückfalls um 

Hilfe bat (vgl. Urk. D4/6 F/A 7), missbrauchte.

3.2.

Innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens ist das Verschulden 

der Beschuldigten 1 als leicht einzustufen und es rechtfertigt sich isoliert betrachtet 

eine  Bestrafung  mit  60 Tagen  bzw.  Tagessätzen,  wobei  angesichts  des  leichten 

Verschuldens  mit  der  vergleichsweise  geringen  Strafhöhe  und  mangels  engem 

- 53 -

sachlichen  und  zeitlichen  Zusammenhang  zu  den  Vorwürfen  der  versuchten  Er-

pressung und der unrechtmässigen Aneignung primär die Sanktionsart der Gelds-

trafe in Betracht fällt.

E.

1.

Täterkomponenten

Bei der Beurteilung der Täterkomponente kann betreffend das Vorleben und 

die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten 1 vollumfänglich auf die entspre-

chenden  Erwägungen  im  vorinstanzlichen  Urteil  verwiesen  werden  (Urk. 131 

S. 104 f.), nachdem sich auch im Berufungsverfahren keine wesentlichen Änderun-

gen ergeben haben und die Beschuldigte auch im Berufungsverfahren die Aussa-

gen zu ihrer Person verweigerte (vgl. Prot. II S. 7 ff.). Der im vorinstanzlichen Urteil 

skizzierte Werdegang enthält keine besonderen Auffälligkeiten und ist im Rahmen 

der Strafzumessung mithin neutral zu werten.

2.

Die Beschuldigte 1 weist in der Schweiz keine Vorstrafen auf (Urk. 147). Mit 

Urteil des Amtsgerichts Hamburg vom 7. Februar 2022 wurde sie wegen eines Ver-

stosses gegen das Pflichtversicherungsgesetz zu einer Geldstrafe von 25 Tages-

sätzen zu EUR 20.– verurteilt (Urk. D1/42/5). Angesichts des Umstands, dass es 

sich dabei nicht um eine einschlägige Vorstrafe und lediglich um eine geringfügige 

Strafe  handelt,  fällt  diese  Verurteilung  nicht  straferhöhend  ins  Gewicht.  Die  Be-

schuldigte 1 zeigte sich weder geständig noch sind Reue und Einsicht in die Tat 

ersichtlich, so dass sich auch aus dem Nachtatverhalten keine strafzumessungsre-

levanten Faktoren ergeben.

F.

Tagessatzhöhe

Die Höhe des Tagessatzes hat die Vorinstanz unter Berücksichtigung der damali-

gen finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten 1 auf Fr. 30.– festgesetzt (Urk. 131 

S. 108), was sich als verhältnismässig erweist, nachdem sich die finanziellen Ver-

hältnisse  der  Beschuldigten 1  seither  wohl  nicht  verbessert  haben  und  diese  die 

Aussage  zu  ihren  aktuellen  finanziellen  Verhältnissen  verweigerte  (vgl.  Prot.  II 

S. 8).

- 54 -

G.

Anrechnung der erstandenen Haft

Die Beschuldigte 1 befand sich vom 5. Januar 2023, 11:45 Uhr, bis am 22. Februar 

2024, 10:00 Uhr, in Haft (Urk. D1/40/3; Urk. 122). Die erstandene Haft von 414 Ta-

gen ist ihr im Sinne von Art. 51 StGB an die Freiheitsstrafe anzurechnen.

H.

Fazit

In  Würdigung  aller  aufgeführten  Strafzumessungsgründe  erweist  sich  demnach 

eine Freiheitsstrafe von 23 Monaten, wovon 414 Tage durch Haft erstanden sind, 

sowie eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– als dem Verschulden und 

den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten 1 angemessen. Infolge des vor-

liegend  zur  Anwendung  gelangenden  Verschlechterungsverbots  (Art.  391  Abs. 2 

StPO) ist die Freiheitsstrafe auf 22 Monate zu reduzieren.

V.

Vollzug

Im  Hinblick  auf  den  Vollzug  kann  vollumfänglich  auf  die  korrekten  Ausführungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 131 S. 113 f.). Da die Beschuldigte 1 mit 

heutigem Urteil zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten und einer Geldstrafe von 

60 Tagessätzen verurteilt wird und die Vorstrafe in keinem Zusammenhang mit den 

vorliegenden  Vorwürfen  steht,  ist  ihr  der  bedingte  Vollzug  zu  gewähren  und  die 

Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen. Überdies stünde dem Vollzug der Freiheits- 

und der Geldstrafe sowie der Erhöhung der Probezeit das Verbot der reformatio in 

peius (Art. 391 Abs. 2 StPO) entgegen.

VI.

Landesverweisung und Ausschreibung im SIS

Ausgangslage

Die Vorinstanz sprach betreffend die Beschuldigte 1 gestützt auf Art. 66abis 

A.

1.

StGB eine fakultative Landesverweisung für die Dauer von 3 Jahren aus (Urk. 131 

S. 114 ff.).

- 55 -

2.

Die  Verteidigung  der  Beschuldigten 1  äusserte  sich  nicht  zur  beantragten 

Landesverweisung (Urk. 111 S. 14; Urk. 149; Prot. I S. 46).

B.

1.

Grundlagen

Gemäss Art. 66abis StGB kann das Gericht einen Ausländer für 3-15 Jahre 

des Landes verweisen, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens, das 

nicht von Art. 66a StGB erfasst wird, zu einer Strafe verurteilt oder gegen ihn eine 

Massnahme nach den Art. 59-61 oder 64 StGB angeordnet wird.

2.

Die nicht-obligatorische Landesverweisung hat unter Berücksichtigung des 

Verhältnismässigkeitsprinzips  nach  Art. 5  Abs. 2  und Art. 36  Abs. 2  und  3  BV  zu 

erfolgen. Zu prüfen ist, ob das öffentliche Interesse an der Landesverweisung das 

private Interesse der beschuldigten Person am Verbleib in der Schweiz überwiegt. 

Die Interessenabwägung hat sich an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 

Ziff. 2  EMRK  und  damit  den  Anforderungen  an  einen  Eingriff  in  das  Privat-  und 

Familienleben zu orientieren. Bei der Verhältnismässigkeitsprüfung sind namentlich 

die Art und Schwere des Verschuldens, die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit 

und  das  bisherige  Verhalten  der  betreffenden  Person,  die  Dauer  des  bisherigen 

Aufenthalts in der Schweiz und die Solidität der sozialen, kulturellen und familiären 

Bindungen mit dem Gaststaat und dem Ausweisungsstaat zu berücksichtigen (u.a. 

Urteile  des  Bundesgerichts  7B_799/2023  vom  30. Januar  2024  E. 2.2; 

6B_140/2021  vom  24. Februar  2022  E. 6.2;  6B_342/2021  vom  27. Januar  2022 

E. 1.1; je mit Hinweisen). Eine Mindeststrafhöhe setzt die Anordnung einer fakulta-

tiven Landesverweisung nicht voraus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_140/2021 

vom 24. Februar 2022 E. 6.2 m.w.H.). Nach dem Willen des Gesetzgebers soll sie 

gerade in Fällen zur Anwendung gelangen, bei denen es um Gesetzesverstösse 

von geringerer Schwere, aber dafür um wiederholte Delinquenz geht (vgl. Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1114/2022 vom 11. Januar 2023 E. 4; 6B_140/2021 vom 

24. Februar 2022 E. 6.2; 6B_1123/2020 vom 2. März 2021 E. 3.3.1). 

3.

Das durch Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht auf Achtung des 

Familienlebens ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemass-

nahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der 

- 56 -

Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es 

dieser ohne weiteres möglich und zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu 

pflegen (BGE 144 I 266 E. 3.3; 144 II 1 E. 6.1; je mit Hinweisen). Zum geschützten 

Familienkreis  gehört  in  erster  Linie  die  Kernfamilie,  das  heisst  die  Gemeinschaft 

der  Ehegatten  mit  ihren  minderjährigen  Kindern  (BGE  145  I  227  E. 5.3;  144  II  1 

E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_362/2023 vom 21. Juni 2023 E. 2.1.3).

4.

Art. 66a und Art. 66abis StGB sind EMRK-konform auszulegen. Die Interes-

senabwägung im Rahmen der Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat sich 

daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientieren 

(BGE 146 IV 105 E. 4.2; 145 IV 161 E. 3.4; je mit Hinweisen), was bei der Verhält-

nismässigkeitsprüfung  der  fakultativen  Landesverweisung  nach  Art. 66abis  StGB 

gleichermassen gilt. Unerheblich ist dabei, ob die Konformität der Landesverwei-

sung mit den Garantien der EMRK in derselben oder in einer separaten Erwägung 

geprüft wird (Urteil des Bundesgerichts 7B_728/2023 vom 30. Januar 2024 E. 4.2). 

Die Staaten sind nach dieser Rechtsprechung berechtigt, Delinquenten auszuwei-

sen. Berührt die Ausweisung indes Gewährleistungen von Art. 8 Ziff. 1 EMRK, ist 

der Eingriff nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu rechtfertigen (BGE 146 IV 105 E. 4.2). Er-

forderlich ist zunächst, dass die aufenthaltsbeendende oder -verweigernde Mass-

nahme gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 

EMRK entspricht (Schutz der nationalen oder öffentlichen Sicherheit, Aufrechter-

haltung  der  Ordnung,  Verhütung  von  Straftaten  etc.)  und  verhältnismässig  ist 

(BGE 146 IV 105 E. 4.2; 143 I 21 E. 5.1). Nach der Rechtsprechung des Europäi-

schen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sind bei der Interessenabwägung 

im  Rahmen  von  Art. 8  EMRK  insbesondere  Art  sowie  Schwere  der  Straftat,  die 

Dauer des Aufenthalts im Aufnahmestaat, die seit der Tat verstrichene Zeit sowie 

das Verhalten des Betroffenen in dieser Zeit und der Umfang der sozialen, kulturel-

len und familiären Bindungen im Aufnahme- sowie im Heimatstaat zu berücksichti-

gen (Urteil des EGMR E.V. gegen Schweiz vom 18. Mai 2021, Nr. 77220/16, §§ 34; 

M.M. gegen Schweiz vom 8. Dezember 2020, Nr. 59006/18, §§ 49-51 mit zahlrei-

chen Hinweisen; BGE 146 IV 105 E. 4.2, Urteil des Bundesgerichts 6B_1178/2019 

vom 10. März 2021 E. 3.2.5, nicht publ. in: BGE 147 IV 340). Die Konvention ver-

langt, dass die individuellen Interessen an der Erteilung bzw. am Erhalt des Anwe-

- 57 -

senheitsrechts und die öffentlichen Interessen an dessen Verweigerung gegenein-

ander  abgewogen  werden  (BGE  142  II  35 E. 6.1;  Urteile  des  Bundesgerichts 

6B_1384/2021 vom 29. August 2023 E. 1.5.2.2; 6B_362/2023 vom 21. Juni 2023 

E. 2.1.4).

C.

1.

Würdigung

Die Beschuldigte 1 wird wegen versuchter Erpressung, Diebstahls und un-

rechtmässiger  Aneignung  verurteilt.  Bei  Erpressung  im  Sinne  von  Art. 156  Ziff. 1 

StGB und Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB handelt es sich um Verbre-

chen, bei der unrechtmässigen Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 und Ziff. 2 

Abs. 1  StGB  um  ein  Vergehen  und  gleichzeitig  nicht  um  Katalogtaten  gemäss 

Art. 66a StGB. 

2.

Die Beschuldigte 1 wurde am tt. Mai 1974 in AC._____, Türkei, geboren und 

wuchs dort bei ihrer Tante auf, da ihre Eltern in Deutschland arbeiteten. Im Alter 

von 17 Jahren kam sie nach Deutschland und absolvierte die Fachoberschulreife 

mit der gymnasialen Qualifikation. Anschliessend absolvierte sie nach eigenen An-

gaben diverse Ausbildungen im Zusammenhang mit Suchtkrankheiten und machte 

sich schliesslich im Gebiet "Luxus-high-fashion" selbständig. Die Beschuldigte 1 ist 

nicht verheiratet und hat keine leiblichen Kinder (Urk. D1/9/7 F/A 7; Urk. D1/1/9/12 

S. 9). Ihr Lebensmittelpunkt ist in Deutschland, wo ihre Mutter lebt. Die Beschul-

digte 1 ist freiberuflich tätig und hat weder Vermögen noch Schulden (Urk. D1/9/7 

F/A 7,  15  f.).  Sie  weist  somit  keinen  persönlichen  Bezug  zur  Schweiz  auf  und 

scheint lediglich wegen des Jobangebots bei der H._____ in die Schweiz gekom-

men zu sein. Die Beschuldigte 1 ist in der Schweiz weder verwurzelt noch hat sie 

eine besondere Beziehung zur Schweiz. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, sind 

ihre Bindungen zur Schweiz als äusserst lose und ihr Interesse am Verbleib in der 

Schweiz daher als äusserst gering zu beurteilen.

3.

Bezüglich der Fernhalteinteressen der Schweiz ist auf die mehrfache Delin-

quenz  der  Beschuldigten 1  innert  kürzester  Zeit  hinzuweisen.  Was  die  Art  und 

Schwere der begangenen Delikte betrifft, ist festzustellen, dass die Beschuldigte 1 

mit vorliegendem Urteil zweier Verbrechen und eines Vergehens schuldig gespro-

- 58 -

chen und mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten und einer Geldstrafe von 60 Ta-

gessätzen bestraft wird. Zwar handelt es sich beim Privatkläger um einen Bekann-

ten der Beschuldigten 1, bei K._____ handelte es sich hingegen um eine Tinder-

Bekanntschaft,  mit  welcher  die  Beschuldigte 1  im  Tatzeitpunkt  erst  seit  wenigen 

Wochen in Kontakt war (vgl. Urk. D1/11/4 F/A 7). Die Art und Weise, wie die Be-

schuldigte 1 K._____ mehr oder minder zufällig "ausgesucht" hat und dessen Ver-

trauen innert kürzester Zeit missbrauchte und wie sie im Falle der vom Privatkläger 

vergessenen Vertragsdokumente die sich ihr gebotene Gelegenheit umgehend und 

gezielt  ausnutzte,  zeigt  die  Gefährdung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung 

deutlich auf. Somit resultiert ein hohes Fernhalteinteresse der Schweiz.

4.

In Würdigung aller Umstände, wonach sich die Beschuldigte 1 nicht lange in 

der Schweiz befindet, sie weder sozial, wirtschaftlich noch beruflich in der Schweiz 

integriert ist und keine aktiv gelebten familiären Beziehungen in der Schweiz pflegt, 

ist das öffentliche Interesse an der Landesverweisung als klar stärker zu gewichten 

als das private Interesse der Beschuldigten 1 am Verbleib in der Schweiz. Die Ver-

hältnismässigkeit der Landesverweisung ist daher gegeben. Dementsprechend ist 

eine  fakultative  Landesverweisung  im  Sinne  von  Art. 66abis  StGB  gegen  die  Be-

schuldigte 1 auszusprechen.

D.

Dauer der Landesverweisung

Die von der Vorinstanz ausgesprochene Mindestdauer von drei Jahren erweist sich 

angesichts  der  Umstände  als  angemessen,  wobei  eine  Erhöhung  aufgrund  des 

Verbots der reformatio in peius gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO ohnehin ausser Be-

tracht fiele.

E.

Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem

Das  vorinstanzliche  Absehen  von  der  Ausschreibung  der  Landesverweisung  im 

Schengener  Informationssystem  ist  mit  Verweis  auf  die  zutreffende  Begründung 

der Vorinstanz (vgl. Urk. 131 S. 117) zu bestätigen. 

- 59 -

VII.

Kosten- und Entschädigungsfolgen

Vorinstanzliches Verfahren

Gestützt  auf  Art. 428  Abs.  3  StPO  hat  die  Rechtsmittelinstanz  von  Amtes 

A.

1.

wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden, 

wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet. Gemäss 

Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn sie 

verurteilt wird. 

2.

Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kostenauflage betref-

fend die Beschuldigte 1 (Dispositivziffern 15 teilweise und 16) zu bestätigen (vgl. 

Urk. 131 S. 122 f.). 

B.

1.

Berufungsverfahren

Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  in  Anwendung  von 

Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 Abs. 1 GebV OG unter 

Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeitauf-

wands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 4'500.– festzusetzen. 

2.

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit eine 

Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in wel-

chem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen wer-

den (Urteil des Bundesgerichts 6B_1344/2019 vom 11. März 2020 E. 2.2. m.w.H.). 

Wird der Entscheid im Rechtsmittelverfahren nur unwesentlich abgeändert, können 

die Kosten nach dem Verursacherprinzip auferlegt werden (Urteil des Bundesge-

richts 6B_318/2016 vom 13. Oktober 2016 E. 4.1. m.w.H.).

3.

Die Beschuldigte 2 zog ihre Berufung mit Eingabe vom 29. August 2025 (ein-

gegangen am 1. September 2025), mithin rund drei Wochen vor der Berufungsver-

handlung zurück (Urk. 144), weshalb sie mit ihrer Berufung vollumfänglich unter-

liegt. Es rechtfertigt sich daher, der Beschuldigten 2 die Kosten des Berufungsver-

fahrens im Umfang von Fr. 1'500.– aufzuerlegen.

- 60 -

4.

Nachdem  die  Beschuldigte  1  mit  ihrer  Berufung  vollumfänglich  unterliegt, 

rechtfertigt  es  sich,  ihr  die  Kosten  des  Berufungsverfahrens  im  Umfang  von 

Fr. 3'000.– aufzuerlegen.

5.

Unter  die  Kosten  des  Berufungsverfahrens  fallen  auch  die  Kosten  für  die 

amtliche Verteidigung. Die amtliche Verteidigung der Beschuldigten 2, Rechtsan-

walt  MLaw  X2._____,  macht  für  das  Berufungsverfahren  einen  Aufwand  von 

Fr. 1'924.85 (inkl. Auslagen und MwSt.) geltend (Urk. 145), was sich als angemes-

sen erweist. Diese Kosten sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, je-

doch ist die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten 2 gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO 

vorzubehalten.

Es wird beschlossen:

1.

Vom Rückzug der Berufung der Beschuldigten B._____ wird Vormerk ge-

nommen. Damit fällt die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft dahin.

2.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Meilen, Abteilung, 

vom 22. Februar 2024 bezüglich Dispositivziffern 2 (Freisprüche betreffend 

die Beschuldigte A._____), 3 (Schuldsprüche betreffend die Beschuldigte 

B._____), 8 und 9 (Sanktion betreffend die Beschuldigte B._____), 10 bis 13 

(Beschlagnahmungen und Sicherstellungen), 14 und 15 teilweise (Kosten-

festsetzung und Kostenauflage betreffend die Beschuldigte B._____), 17 

(Nachforderungsvorbehalt betreffend die Verteidigungskosten der Beschul-

digten B._____), 18 und 19 (Entschädigung amtliche Verteidigungen) sowie 

20 (Genugtuung betreffend die Beschuldigte B._____) in Rechtskraft er-

wachsen ist.

3. Gegen Ziffer 1 dieses Beschlusses kann bundesrechtliche Beschwerde in 

Strafsachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

- 61 -

des Bundesgerichts (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

4. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig







der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Ver-

bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie 

der unrechtmässigen Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 und 

Ziff. 2 Abs. 1 StGB.

2.

Die Beschuldigte A._____ wird bestraft mit 22 Monaten Freiheitsstrafe (wo-

von 414 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind) so-

wie mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–. 

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sowie der Geldstrafe der Beschuldigten 

A._____ wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

4.

Die Beschuldigte A._____ wird im Sinne von Art. 66abis StGB für 3 Jahre des 

Landes verwiesen.

5.

Von der Ausschreibung der Landesverweisung von A._____ im Schengener 

Informationssystem wird abgesehen.

6.

Die erstinstanzliche Kostenauflage betreffend die Beschuldigte A._____ 

(Ziff. 15 teilweise und 16) wird im Übrigen bestätigt.

- 62 -

7.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:

1'924.85

  amtliche Verteidigung der Beschuldigten B._____ (inkl. 

MwSt.).

8.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-

chen Verteidigung der Beschuldigten B._____, werden im Umfang von 

Fr. 1'500.– der Beschuldigten B._____ sowie im Umfang von Fr. 3'000.– der 

Beschuldigten A._____ auferlegt. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten B._____ werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt die Rück-

zahlungspflicht der Beschuldigten B._____ gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an











die Verteidigung der Beschuldigten A._____ im Doppel für sich und 
zuhanden der Beschuldigten (übergeben)

die amtliche Verteidigung der Beschuldigten B._____ im Doppel für 
sich und zuhanden der Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft See/Oberland

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

den Privatkläger

(Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird 

dem Privatkläger nur zugestellt, sofern er dies innert 10 Tagen nach 

Erhalt des Dispositivs verlangt.)

sowie in vollständiger Ausfertigung an









die Verteidigung der Beschuldigten A._____ im Doppel für sich und 
zuhanden der Beschuldigten 

die amtliche Verteidigung der Beschuldigten B._____ im Doppel für 
sich und zuhanden der Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft See/Oberland

den Privatkläger (sofern verlangt)

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

- 63 -









die Vorinstanz

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA betreffend die Beschuldigte 
A.______ mit Formular A

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA betreffend die Beschuldigte 
A.______ mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 
Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung der DNA-Profile.

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-

gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 23. September 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichter lic. iur. Wenker

MLaw Tanner

- 64 -

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.