# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21edbd2e-3181-5d75-81f9-72e1d944ead8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.09.2010 E-3755/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3755-2006_2010-09-21.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3755/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 1 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 
Richter Walter Lang, Richter Maurice Brodard, 
Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener.

A._______,
Kosovo/Serbien,
vertreten durch Mirjam Zwald, Rechtsanwältin, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFF vom 
27. August 2004 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3755/2006

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  aus  Gnijlane  stammender  ethnischer  Al-
baner, dessen Mutter Serbin ist, verliess seinen Heimatstaat eigenen 
Angaben  zufolge  am 17.  Dezember  2003  und  gelangte  am 21. De-
zember 2003 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl  nach-
suchte. Am 23. Dezember 2003 wurde er in der Empfangsstelle (heute: 
Empfangs-  und  Verfahrenszentrum)  B._______  summarisch  befragt. 
Am 26. Januar 2004 wurde er durch die zuständige kantonale Behörde 
zu seinen Asylgründen angehört.

Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei (...) der 
Kosovarischen  Demokratischen  Initiative  (KDI)  gewesen,  (...).  Diese 
Partei  sei  gegen  die  Unabhängigkeit  Kosovos.  Sein  Vater  sei  (...) 
gewesen  und  habe  als  Teilnehmer  der  serbischen  Seite  (...)  in 
C._______  (...).  Sein  albanischstämmiger  Vater  sei  als  einziger 
Albaner auf der serbischen Seite aufgetreten. Deshalb habe man das 
Todesurteil  gegen  seinen  Vater  und  ihn  ausgesprochen. Bei  Kriegs-
ausbruch  im  März  1999  seien  er  und  seine  Familie  nach  Pristina 
geflüchtet, wo sie gemeinsam mit seinen Eltern etwa drei Monate (...) 
gewohnt  hätten.  Er  habe  in  der  Uniform  der  serbischen  Polizei 
humanitäre  Hilfe  verteilt.  Nach  Kriegsende  (im  Juni  1999)  habe  er 
seine  Eltern  aus  den  Augen  verloren.  Weder  die  UNMIK  noch  die 
KFOR hätten ihren  Aufenthaltsort  ausfindig  machen können. Er  und 
seine  Ehefrau  seien  von  den  NATO-Truppen  in  das  Gebäude  des 
Exekutivrates  und  danach  ins  Gebäude  der  serbischen  Mission 
gebracht worden, welche die Kontakte mit der UN-Verwaltung aufrecht 
erhalten  habe.  Er  habe  von  Juni  1999  bis  Juni  2001  als  (...)  im 
Exekutivrat  der  Provinz  Kosovo  gearbeitet.  Seine  Ehefrau  (E-
4393/2006)  sei  (...)  des  damaligen  Kulturministers  im  Kosovo 
gewesen. Seit Mitte 2001 habe er sich zusammen mit seiner Ehefrau 
und  seinem  Kind  bei  seinem  Freund  D._______  in  E._______ 
(Pristina)  versteckt.  Als  ihn  dort  der  albanische  Geheimdienst 
aufgespürt  habe,  habe  ihn  D._______  nicht  weiter  beherbergen 
können,  weshalb  er  sich  zur  Ausreise  entschlossen  habe.  Seine 
Ehefrau  und  sein  Kind  habe  er  zurückgelassen. Zudem seien  nach 
dem  Einmarsch  der  NATO-Truppen  sechs  Mitglieder  seiner  Partei 
umgebracht worden, weshalb er auch um sein Leben gefürchtet habe, 
(...).

Seite 2

E-3755/2006

Der Beschwerdeführer reichte die folgenden Beweismittel ein:

- Mitgliederausweis der Partei „Kosovarische demokratische Initiative“ 
(KDI) (...),

- Partei-Mitgliederkarte (...),
- Sitzungsprotokoll der KDI vom (...),
- vier Zeitungsausschnitte,
- Computerdiskette, Inhaltsverzeichnis der Videokassetten,
- Verzeichnis von Videoaufnahmen.

Ausserdem gab  er  eine serbische Identitätskarte,  ein  Militärbüchlein 
vom (...)  sowie  eine  Durchgangskarte  (Propusnica)  des  ehemaligen 
Arbeitgebers, vorläufiger Exekutivrat Serbiens für die Provinz Kosovo 
und Metochija, zu den Akten.

Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.

B.
Das Bundesamt stellte mit  Verfügung vom 27. August  2004 fest,  der 
Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  und lehnte 
das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung des Be-
schwerdeführers aus der Schweiz an. Die Vorinstanz begründete ihre 
Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Vorbringen weder den An-
forderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  noch  denjenigen  an  die  Flücht-
lingseigenschaft  standhalten  würden.  Dabei  hielt  es  fest,  der  Be-
schwerdeführer  habe  die  Möglichkeit,  sich  den  geltend  gemachten 
Verfolgungsmassnahmen im Kosovo durch einen  Wegzug  nach Ser-
bien zu entziehen. Den Vollzug der Wegweisung nach Serbien befand 
die Vorinstanz für zulässig, zumutbar und möglich.

C.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2004 an die vormals zuständige Schwei -
zerische  Asylrekurskommission  (ARK)  beantragte  der  Beschwerde-
führer  durch  seine  Rechtsvertreterin  die  Aufhebung der  vorinstanzli-
chen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die 
Gewährung von Asyl. Eventualiter  sei  festzustellen,  dass der Vollzug 
der Wegweisung unzulässig und die vorläufige Aufnahme anzuordnen 
sei.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  sei  der  Beschwerde  die  auf -
schiebende  Wirkung zu  erteilen. Dem Beschwerdeführer  sei  die  un-
entgeltliche Rechtspflege zu gewähren und die  Unterzeichnende als 
unentgeltliche Rechtsvertreterin  einzusetzen. Auf  die Begründung im 

Seite 3

E-3755/2006

Einzelnen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen 
eingegangen. Gleichzeitig wurden folgende Beweismittel in Kopie samt 
Übersetzung eingereicht:

- Zeitungsartikel „Mord und Entführung“ vom (...),
- undatierte Äusserung des Beschwerdeführers als (...) der KDI,
- Zeitungsausschnitt Politika vom (...),
- Mitteilung des Beschwerdeführers als (...) der KDI vom (...),
- Mitteilung des Präsidiums der KDI vom (...),
- Mitteilung in der Zeitung „Kosova Sot“ vom (...).

D.
Mit  verfahrensleitender  Verfügung  des  damals  zuständigen  Instruk-
tionsrichters der ARK vom 4. November 2004 wurde der Beschwerde-
führer dazu aufgefordert, seine Bedürftigkeit nachzuweisen oder einen 
Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- einzuzahlen. Das Gesuch 
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 
2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwal-
tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) wurde abgewiesen.

E.
Am 16. November 2004 wurde der Kostenvorschuss einbezahlt.

F.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 26. November 
2004 die Abweisung der Beschwerde.

G.
In seiner Replik vom 9. Dezember 2004 nahm der Beschwerdeführer 
dazu Stellung und beantragte, er sei  von der ARK persönlich zu be-
fragen.

H.
Am 1. Januar 2007 übernahm das Bundesverwaltungsgericht die bei 
der ARK hängigen Verfahren.

I.
Mit  verfahrensleitender  Verfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts 
vom 4. Juni 2010 wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben, 
zu  der  seit  dem letzten  Schriftenwechsel  veränderten  Sachlage  be-
treffend seine Staatsangehörigkeit Stellung zu nehmen.

Seite 4

E-3755/2006

J.
Mit  Eingabe  vom  16.  Juni  2010  nahm  der  Beschwerdeführer  dazu 
Stellung und reichte betreffend seine Ehefrau ein Arztzeugnis von Dr. 
med. F._______ vom 9. Juni 2010 zu den Akten.

K.
Am 28. Juni 2010 wurden zwei Schreiben von Freunden vom 11. Juni 
2010 (aus Belgrad) und vom 14. Juni 2010 (aus Nis), drei Berichte be-
treffend  Albaner  in  Belgrad  (aus  dem  Internet)  sowie  verschiedene 
Unterlagen betreffend die Integrationsbemühungen des Beschwerde-
führers und seiner Ehefrau (E-4393/2006) in der Schweiz eingereicht. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört 
zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerde  und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernahm bei gegebener Zustän-
digkeit  am 1. Januar  2007 die bei  der ARK am 31. Dezember  2006 
hängig  gewesenen  Rechtsmittel.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist 
daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Die 
Beurteilung  erfolgt  nach  neuem Verfahrensrecht  (vgl.  Art.  53  Abs. 2 
VGG). 

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist  durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  und hat  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 

Seite 5

E-3755/2006

legitimiert  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1,  50 
und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.4 Das vorliegende  Verfahren  wird  mit  jenem der  Ehefrau des  Be-
schwerdeführers und seiner Kinder (E-4393/2006) koordiniert  behan-
delt.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

4.  

4.1 Das  Bundesamt  begründete  seinen  ablehnenden  Entscheid  im 
Wesentlichen damit, den eingereichten Unterlagen könne entnommen 
werden, dass der Beschwerdeführer (...) der KDI gewesen sei. Zudem 
habe  er  mittels  eines  Zeitungsberichts  belegen  können,  dass  sein 
Vater auf serbischer Seite (...) in C._______ teilgenommen habe. Es 
sei  somit  nachvollziehbar,  dass  sich  die  albanischen  Verwandten 

Seite 6

E-3755/2006

(Familie  G._______)  von  seinem  Vater  distanziert  hätten.  Es  treffe 
jedoch  nicht  zu,  dass  sich  die  Familie  auch  vom Beschwerdeführer 
distanziert  habe.  Sein  Name  sei  im  Bericht  nicht  erwähnt.  In 
Anbetracht  des  Umstandes,  dass  der  Beschwerdeführer  seine 
Vorbringen  mit  zahlreichen  Beweismitteln  untermauert  und  alles  bis 
ins  Detail  geregelt  habe,  und  aufgrund  seiner  Verbindungen  und 
früheren  Tätigkeiten  ein  grosses  Beziehungsnetz  in  seinem 
Herkunftsland  habe,  könne  nicht  geglaubt  werden,  dass  er  dort 
niemanden habe, den er kontaktieren könne, um zu erfahren, wo sich 
seine Ehefrau und sein Sohn aufhielten. Weiter habe der Beschwerde-
führer zu seiner Ausreise unterschiedliche Aussagen gemacht. Daher 
müssten  diese  Ausführungen  bezweifelt  werden.  Zwar  könnten  auf-
grund  der  Unterlagen  und  Ausführungen  des  Beschwerdeführers 
Drohungen  von  albanischen  Extremisten  nicht  ausgeschlossen  wer-
den. So soll irgendeine albanische Gruppierung ein Todesurteil gegen 
ihn erlassen haben. Der Beschwerdeführer wisse hiezu jedoch nichts 
Näheres. Angesichts der geltend gemachten Gefährdungslage könne 
aber nicht geglaubt werden, dass sich der Beschwerdeführer von Mitte 
2001 bis  Ende 2003 im Kosovo aufgehalten und sein Leben riskiert 
habe. Zwar habe er erklärt, sich versteckt zu haben, gleichzeitig sei er  
jedoch für die Partei tätig gewesen. Dies entspreche nicht dem Verhal-
ten einer Person, die an Leib und Leben bedroht sei und sich verste-
cken müsse. Aufgrund der früheren Tätigkeiten und seiner Nähe und 
verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Serben und seiner zahlrei-
chen Aufenthalte in Serbien sei vielmehr davon auszugehen, dass er 
vor der Ausreise in Serbien gewohnt habe. Weiter sei  realitätsfremd, 
dass dem Beschwerdeführer, der angeblich von der albanischen Ge-
heimpolizei in seinem Versteck in Pristina aufgespürt worden und fünf 
bis  sechsmal  bei  seinem  Freund  D._______  gesucht  worden  sei, 
nichts  zugestossen sei. Zudem sei  er  erst  eineinhalb  Monate später 
ausgereist und habe seine ebenfalls bedrohte Ehefrau und sein Kind 
in jenem Haus zurückgelassen. Die diesbezüglichen Aussagen seien 
auch widersprüchlich. Im Weiteren  habe der  Beschwerdeführer  über 
sein Leben und seine Aktivitäten bis Mitte 2001 detailreich berichtet. 
Über die Erlebnisse und das Geschehen seit diesem Zeitpunkt bis zur 
Ausreise habe er praktisch nichts zu berichten gehabt ausser dass er 
von der albanischen Geheimpolizei  aufgespürt  worden sei,  was wie-
derum die Zweifel an seinem Aufenthalt in der Zeit von Mitte 2001 bis 
zur Ausreise Ende 2003 in Pristina bestätige. Die Vorbringen bezüglich 
dieser  Zeit  könnten  deshalb  nicht  geglaubt  werden. Soweit  der  Be-
schwerdeführer schliesslich geltend gemacht habe, er sei  im Kosovo 

Seite 7

E-3755/2006

an Leib und Leben gefährdet, weil er einer serbenfreundlichen Partei 
angehört habe und dies bekannt sei, führte die Vorinstanz weiter aus, 
der  Beschwerdeführer  habe  die  Möglichkeit,  sich  diesen  Verfol-
gungsmassnahmen  durch  den  Wegzug  in  einen  anderen  Teil  des 
Heimatstaates, nach Serbien, zu entziehen. Dabei sei er nicht auf den 
Schutz der Schweiz angewiesen.

4.2 In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  dazu  eingewendet,  der  Be-
schwerdeführer  werde  sowohl  von  serbischer  als  auch  albanischer 
Seite verfolgt und habe weder in Serbien noch im Kosovo eine Auf-
enthaltsberechtigung  respektive  Anwesenheitsberechtigung. Die  Ser-
ben seien auf seine Mitarbeit nicht mehr angewiesen. Für die Albaner  
gelte er  als Verräter. Im Weiteren habe er anlässlich  der  kantonalen 
Befragung wichtige Unterlagen nicht abgeben dürfen, wobei man ihm 
erklärt  habe, man würde sich bei ihm melden, falls sie benötigt wür-
den. Entgegen der Feststellung der Vorinstanz habe er nie in Serbien 
gelebt. Er habe zuletzt in Pristina und im Haus seines Freundes ge-
lebt,  bis sein Sohn zur Welt  gekommen sei. Nachdem immer wieder 
Albaner  vorbeigekommen  seien,  sei  sein  Freund  D._______  nicht 
mehr in der Lage gewesen, ihn, seine Ehefrau und das neugeborene 
Kind zu verstecken.

In den eingereichten Zeitungsartikeln und Mitteilungen aus dem Jahre 
1999 wird über Vorfälle im Kosovo sowie über die Tätigkeit  und Ver-
lautbarungen der KDI berichtet.

Im Zeitungsartikel „Mord und Entführung“ wird von Übergriffen durch 
die UCK - Entführung des (...) der KDI, die Tötung eines Mitglieds der 
lokalen Sicherheitseinheit sowie die Beschädigung des Hauses einer 
weiteren serbisch loyalen Person - berichtet.

In einer undatierten Abschrift „Äusserung“ kritisierte der Beschwerde-
führer  als  (...)  der  KDI  das  Massaker  an  Kindern  in  Pec  durch 
albanische Banden.

In einer Mitteilung des Beschwerdeführers als  (...)  der  KDI vom (...) 
berichtet dieser über eine Sitzung der KDI betreffend Verhandlungen in 
H._______, von der politischen Situation sowie der Situation auf dem 
Territorium Kosovos.

In  einer  Mitteilung  des  Präsidiums  der  KDI  vom  (...)  wird  die 

Seite 8

E-3755/2006

Unterstützung der multinationalen staatlichen Delegation und des (...) 
der  KDI  in  C._______  verteidigt  und  die  Delegation  der  Kosovo-
Albaner  dazu  aufgerufen,  sich  den  „Aspekten“  der  serbischen 
staatlichen Delegation anzuschliessen.

Dem eingereichten Artikel der Politika vom (...) ist ein Aufruf der KDI 
an Europa für eine Lösung auf dem Balkan zu entnehmen.

In der Ausgabe der Zeitung „Kosova Sot“ vom (...) distanziert sich die 
Familie G._______ vom Vater des Beschwerdeführers – A._______.

4.3 In ihrer Vernehmlassung vom 26. November 2004 hielt die Vorins-
tanz an ihrem Standpunkt fest und führte weiter aus, der Beschwerde-
führer sei (...) der KDI gewesen. A._______, der sein Vater sein soll, 
habe (...) der Serben (...) in C._______ teilgenommen. Die Vorinstanz 
habe sich zu den früher eingereichten Unterlagen mit gleichem Inhalt, 
wie  die  auf  Rechtsmittelebene eingereichten,  bereits  ausführlich  ge-
äussert und festgestellt, dass der Beschwerdeführer nach Serbien zu-
rückkehren könne. Es sei davon auszugehen, dass seine Ehefrau und 
seine  Mutter  aus  Serbien  stammten. Der  Beschwerdeführer  habe  in 
Serbien geheiratet, sein Sohn sei in Nis geboren. Er habe den Militär -
dienst  in  Serbien geleistet. Aufgrund der abgegebenen Karte seines 
Arbeitgebers  habe er  in  Belgrad gearbeitet  und gelebt. Seine Anga-
ben, wonach er nie in Serbien gewesen sei, würden daher seinen frü-
heren  Angaben klar  widersprechen. Er  habe  auch  nicht  Stellung  zu 
den Ausführungen der Vorinstanz über seinen angeblichen Aufenthalt 
von Mitte 2001 bis 2003 in Pristina genommen. 

4.4 In seiner Replik vom 9. Dezember 2004 wendet der Beschwerde-
führer ein, er könne nicht nach Serbien zurückkehren, da die Serben 
ihn nicht mehr benötigen würden. Er habe viele Wochen versteckt in 
Pristina gelebt. Seine Heirat habe nur deshalb in Serbien stattgefun-
den, weil man ihn dort nicht gekannt habe. Für die Geburt des Sohnes 
seien er und seine Ehefrau ebenfalls  nur  kurz nach Nis gereist,  wo 
seine  Ehefrau  wegen  ihrer  albanischen  Herkunft  schlecht  betreut 
worden sei. Im Kosovo wäre es für sie zu gefährlich gewesen. Er habe 
diese zwei Aufenthalte nicht erwähnt, weil sie nur kurz gewesen seien. 

4.5 Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2010 wurde der Beschwerde-
führer auf die seit dem letzten Schriftenwechsel veränderte Sachlage 
hingewiesen und festgestellt,  es sei  davon auszugehen,  dass er  so-

Seite 9

E-3755/2006

wohl Staatsangehöriger der Replik Kosovo als auch von Serbien sei. 
Das Bundesverwaltungsgericht dürfte daher davon ausgehen, dass er 
sich  aufgrund der  serbischen Staatsangehörigkeit  in  Serbien nieder-
lassen  könne. Diesfalls  wäre  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigen-
schaft  von vornherein ausgeschlossen. Der Beschwerdeführer erhielt 
Gelegenheit,  zu  dieser  veränderten  Sachlage  schriftlich  Stellung  zu 
nehmen. 

4.6 In  seiner  Stellungnahme  vom  16.  Juni  2010  machte  der  Be-
schwerdeführer  geltend,  er  erhalte  nicht  automatisch  die  serbische 
Staatsangehörigkeit  und  könne  auch  keinen  Wohnsitz  in  Serbien 
nehmen. Er wisse auch nicht wie er in den Besitz einer solchen ge-
langen  könnte.  Zudem  würde  er  bei  einer  Rückkehr  nach  Serbien 
wahrscheinlich  mit  grossen  Problemen  konfrontiert.  Für  Albanisch-
stämmige gebe es in Serbien keine entsprechenden Hilfsangebote wie 
in  der  Schweiz.  Zudem  wohne  er  seit  sechseinhalb  Jahren  in  der 
Schweiz. Seine  Kinder  würden  vermehrt  nur  Deutsch  sprechen  und 
hier die Schulen besuchen. In Serbien gebe es keine Stelle, die Fami-
lien vor serbischen oder albanischen Übergriffen schützen würden. Als 
ethnischer Albaner wäre er in Serbien täglich mit aggressivem Verhal-
ten der  Nachbarn  konfrontiert,  zumal  er  im Krieg als  Vermittler  zwi-
schen Albanern und Serben eine zentrale Funktion inne gehabt habe. 
Im  Übrigen  leide  seine  Ehefrau  wegen  den  Folgen  des  Krieges  an 
einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  und  benötige  eine  Psy-
chotherapie und Psychopharmaka.

5.

5.1 Die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG erfüllt  eine asyl-
suchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründe-
terweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter 
Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nicht -
staatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu 
werden drohen (vgl. Entscheide des Schweizerischen Bundesverwal-
tungsgerichts [BVGE] 2008/4 E. 5.2 S. 37; Entscheidungen und Mittei-
lungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006 
Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). Aufgrund 
der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zu-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

Seite 10

E-3755/2006

troffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz 
finden  kann (vgl.  BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2  S. 174  f.; BVGE 2008/4 
E. 5.2  S. 37 f.;  EMARK  2006  Nr. 18  E. 10  S. 201  ff.;  EMARK  2005 
Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die Be-
urteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage  nach  der  im  Zeit -
punkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht 
vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist 
jedoch bei der Prüfung der Aktualität der Verfolgungsfurcht massgeb-
lich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen 
Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der 
das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE 
2008/4 E. 5.4 S. 38 f.; EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; WALTER STÖCKLI, 
Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Ba-
sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).

5.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass 
zur Annahme besteht,  eine Verfolgung hätte sich - aus der Sicht  im 
Zeitpunkt der Ausreise - mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-
sehbarer  Zeit  verwirklicht  beziehungsweise  werde  sich  -  auch  aus 
heutiger Sicht - mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft  verwirklichen. Eine bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfol-
gung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den 
Eintritt der erwarteten - und aus einem der vom Gesetz aufgezählten 
Motive erfolgenden - Benachteiligung als wahrscheinlich und dement-
sprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar  er-
scheinen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 
Nr. 1 E. 6a S. 9).

5.3 Vorliegend  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss, 
dass aufgrund der mittels entsprechender Beweismittel glaubhaft ge-
machten  (...)  des  Beschwerdeführers  (...)  der  KDI  -  sein  Vater  hat 
zudem  (...)  der  Serben  (...)  in  C._______  teilgenommen  und  sich 
dadurch exponiert - die vom Beschwerdeführer geäusserte Furcht vor 
Übergriffen oder Drohungen durch albanische Extremisten im Kosovo 
zumindest im Zeitpunkt seiner Ausreise berechtigt erschienen. Ob sie 
dies  auch  noch  im  heutigen  Zeitpunkt  sind,  kann  angesichts  der 
hienach gemachten Feststellungen offen gelassen werden.
Wie in  der  Zwischenverfügung vom 4. Juni  2010 ausgeführt,  ist  der 
Beschwerdeführer - gestützt auf die Angaben zur Identität (vgl. A1, S. 
1) sowie der in seiner Identitätskarte enthaltenen Herkunft (Gnjilane) - 
als Staatsangehöriger der Republik Kosovo zu bezeichnen. Wie bereits 

Seite 11

E-3755/2006

festgestellt,  hiess sein Heimatstaat im Zeitpunkt seiner Ausreise Ser-
bien und Montenegro, wobei sich Montenegro im Jahre 2006 als un-
abhängiger, souveräner Staat  abspaltete. Am 17. Februar 2008 löste 
sich vom verbleibenden Serbien die Republik Kosovo ebenfalls ab und 
erklärte die staatliche Unabhängigkeit. Am 15. Juni 2008 trat die neue 
Verfassung in Kraft. Eine Reihe von Staaten - darunter die Schweiz - 
haben den Kosovo seit der Unabhängigkeitserklärung als souveränen 
Staat anerkannt. Von diesem Status geht somit auch das Bundesver-
waltungsgericht aus (vgl. dazu das zur Publikation vorgesehene Urteil  
des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  15.  April  2010,  D-7561/2008). 
Gemäss dem Gesetz (Nr. 135/04) vom 21. Dezember 2004 besitzt der 
Beschwerdeführer auch die serbische Staatsangehörigkeit,  da er auf 
dem (ehemaligen) Staatsgebiet der Republik Serbien geboren wurde. 
Gemäss Art. 114 Abs. 3 der neuen serbischen Verfassung, welche am 
8. November 2006 in Kraft getreten ist, anerkennt Serbien die Republik 
Kosovo  nicht  als  Staat  und  betrachtet  damit  die  Staatsangehörigen 
des  Kosovos grundsätzlich  als  serbische  Staatsangehörige. Die  Re-
publik  Kosovo,  deren  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführer 
ebenfalls besitzt, aberkennt beziehungsweise verweigert Angehörigen 
anderer  Staaten  die  kosovarische  Staatsangehörigkeit  nicht.  Asylsu-
chende,  die  mehrere  Staatsangehörigkeiten  besitzen,  sind  nicht  auf 
den  Schutz  eines  Drittstaates  angewiesen,  sofern  sie  in  einem der 
Staaten,  dessen Staatsangehörigkeit  sie  besitzen,  Schutz vor Verfol-
gung finden können. Der Beschwerdeführer kann sich aufgrund seiner 
serbischen  Staatszugehörigkeit  in  Serbien  niederlassen.  Zwar 
schliesst das Bundesverwaltungsgericht Übergriffe von Privatpersonen 
auf Angehörige der ethnischen Minderheiten und teilweise behördliche 
Schikanen  sowie  Diskriminierungen  nicht  völlig  aus.  Vorliegend  be-
stehen jedoch keinerlei  Anhaltspunkte dafür, dass dem Beschwerde-
führer  aufgrund  seiner  albanischen  Volkszugehörigkeit  in  Serbien 
asylrechtlich  relevante  Verfolgung  droht,  zumal  er  sich  politisch  nie 
gegen Serbien geäussert  hat  und seine Mutter  serbischer Ethnie ist 
(vgl. Akte A12 S. 7). Zudem ist den in der Stellungnahme vom 16. Juni 
2010 geäusserten Befürchtungen, wonach er aufgrund seiner Funktion 
während  des  Krieges  mit  Anfeindungen  seitens  Albanern  wie  auch 
Serben rechnen müsse, entgegenzuhalten,  dass sich der Beschwer-
deführer  als  Mitglied  der  Kosovarischen  Demokratischen  Initiative 
(KDI) gerade für die Interessen der Serben eingesetzt hat. 

Unter  diesen  Umständen  ist  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigen-
schaft  und  die  Asylgewährung  von  vornherein  ausgeschlossen  (vgl. 

Seite 12

E-3755/2006

W. KÄLIN, Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a.  M.  1990, 
S. 35;  UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien  zur  Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993, S. 24, Rz. 106 und 107). 

5.4 Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer 
keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft  machen 
kann.  Auch  eine  begründete  Furcht  vor  künftigen  Verfolgungsmass-
nahmen ist zu verneinen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt.

6.

6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine ausländerrechtli-
che  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

7.

7.1 Vorab ist zudem auf die bereits hievor gemachten Feststellungen 
hinzuweisen,  wonach der Beschwerdeführer  sowohl über die Staats-
angehörigkeit der Republik Kosovo als auch, infolge seiner serbischen 
Abstammung und Geburt auf (ehemaligem) Staatsgebiet der Republik 
Serbien über die serbische Staatsangehörigkeit verfügt. Aufgrund der 
früheren  Mitgliedschaft  des  Beschwerdeführers (...)  der  KDI  können 
Drohungen  und  Übergriffe  im  Kosovo  durch  albanische  Extremisten 
und  damit  die  Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten  Gefährdung  des 
Beschwerdeführers nicht ohne Weiteres ausgeschlossen werden. Der 
Beschwerdeführer  kann  sich  jedoch  aufgrund  seiner  serbischen 
Staatsangehörigkeit  in  Serbien  niederlassen.  Anhaltspunkte  dafür, 
dass ihm in Serbien asylrechtlich  relevante Verfolgung drohe,  liegen 
wie hievor bereits  festgestellt  (vgl. E.5.3),  nicht  vor. Deshalb wird im 
Folgenden  lediglich  geprüft,  ob  dem  Wegweisungsvollzug  nach 
Serbien Hindernisse entgegen stehen.

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-

Seite 13

E-3755/2006

ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

7.3 Die vorstehend erwähnten Bedingungen für einen Verzicht auf den 
Vollzug der Wegweisung (Unmöglichkeit, Unzulässigkeit, Unzumutbar-
keit)  sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt  ist,  ist  der 
Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die 
weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über 
die  vorläufige  Aufnahme zu  regeln  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 6  E. 4.2. 
S. 54 f.; 2001 Nr. 1 E. 6a S. 2). Gegen eine allfällige Aufhebung der 
vorläufigen Aufnahme steht dem weggewiesenen Asylsuchenden wie-
derum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht  offen (Art. 
112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 32 ff. VGG), wobei in jenem Verfahren sämt-
liche Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach Massgabe der 
dannzumal  herrschenden  Verhältnisse  (vgl.  EMARK  1997  Nr.  27 
S. 205 ff.) von Neuem zu prüfen sind.

Weil  sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung nach Serbien (vgl. 
Zif. 7.1) - aus den nachfolgend aufgezeigten Gründen - als unzumutbar 
erweist, ist dementsprechend auf eine Erörterung der beiden anderen 
Kriterien zu verzichten.

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

7.5

7.5.1 In Bezug auf die allgemeine Sicherheits- und Menschenrechts-
lage  ist  festzustellen,  dass  in  Serbien  keine  Kriegs-  oder  Bürger-
kriegssituation und auch keine  Situation allgemeiner Gewalt herrscht, 
die den Wegweisungsvollzug unzumutbar erscheinen liesse.

7.5.2 Allfällige  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  der  Be-
schwerdeführer  nach  der  Rückkehr  betroffen  sein  könnte,  stellen 
grundsätzlich keine die Existenz bedrohende Situation dar, welche den 
Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat als unzumutbar erschei-

Seite 14

E-3755/2006

nen lassen (vgl. EMARK 1994 Nr. 19 S. 149). Indessen ist vorliegend 
Folgendes  zu  berücksichtigen:  Der  Beschwerdeführer  verfügt  zwar 
über eine überdurchschnittlich gute Ausbildung (Gymnasiumabschluss 
sowie eine Ausbildung als Chemietechniker und ein mehrjähriges Ju-
rastudium ohne Abschluss; vgl. Akten A1, S. 2 und A12, S. 7). Über-
dies arbeitete er  als  Sportberater. Zudem hat  er sich in  der  Vergan-
genheit in Serbien aufgehalten und verfügt auch heute noch über ge -
wisse Kontakte zu Personen in Serbien (vgl. Sachverhalt Bst.  K). Hin-
gegen hält er sich seit nahezu sieben Jahren in der Schweiz auf. Da-
her ist fraglich, ob er in Serbien auch heute noch auf ein tragfähiges 
Beziehungsnetz  zurückgreifen  kann.  Aufgrund  der  Unabhängigkeits-
erklärung Kosovos - und erst recht, nachdem diese vom Internationa-
len Gerichtshof (IGH) jüngst bestätigt wurde - dürfte der Beschwerde-
führer - wie auch seine Ehefrau und seine zwei Kinder (E-4393/2006) -  
als Angehöriger der albanischen Ethnie (vgl. Akte A1 S. 2) regelmässig 
mit  ethnisch  motivierten  Ressentiments  der  serbischen  Bevölkerung 
konfrontiert  sein,  zumal dem serbischen Normalbürger nicht  bekannt 
sein kann, dass der Beschwerdeführer vor über zehn Jahren im Koso-
vokonflikt  -  als  Mitglied  der  Kosovarischen  Demokratischen  Initiative 
(KDI) -  eine pro-serbische Haltung eingenommen hat. Es ist deshalb 
auch wenig realistisch,  dass es namentlich dem Beschwerdeführer - 
dessen Ehefrau überdies unter Depressionen leidet (vgl. Eingabe vom 
16. Juni 2010) - gelingen wird, als ethnischer Albaner ohne weiteres 
soziale Kontakte zu serbischen Personen zu knüpfen. Wie bereits im 
Urteil der Ehefrau festgestellt worden ist, dürften es auch seine Kinder 
aufgrund ihrer Abstammung schwer haben, Kontakte zu anderen Kin-
dern  ihres  Alters  zu  knüpfen  und  aufrecht  zu  erhalten.  Vor  diesem 
Hintergrund  sind  auch  die  Aussichten  des  Beschwerdeführers  und 
seiner  Ehefrau,  sich  in  Serbien  eine  wirtschaftliche  Existenz  aufzu-
bauen, als sehr gering einzuschätzen. Zwar könnten sie in Serbien mit  
der finanziellen Unterstützung durch den serbischen Staat rechnen. Es 
wäre daher durchaus denkbar, dass sie sich in einer Grossstadt eini -
germassen integrieren könnten, dies jedoch unter der Voraussetzung, 
dass sie dort über ein soziales Netz verfügen. Vorliegend ist ein sol -
ches  Beziehungsnetz  jedoch  zu  verneinen,  was  umso  wahrscheinli-
cher gilt, als ihre in Nis und Belgrad wohnhaften Freunde mit Schrei-
ben vom 11. Juni 2010 und 14. Juni 2010 die Lage des Beschwerde-
führers und seiner Familie im Falle einer Rückkehr nach Serbien als 
sehr schwierig einschätzen und selber nicht in der Lage seien, sie zu 
unterstützen,  da sie mit  Problemen seitens Behörden und Nachbarn 
konfrontiert würden. 

Seite 15

E-3755/2006

7.5.3 In  Berücksichtigung  der  geschilderten  Umstände  kommt  das 
Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss,  dass  der  Vollzug  der  Weg-
weisung im heutigen Zeitpunkt  als unzumutbar im Sinne von Art. 83 
Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist. Nachdem sich  aus den Akten keine 
Hinweise auf das Vorliegen von Ausschlussgründen im Sinne von Art.  
83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Voraussetzungen für die Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme erfüllt.

8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit sie die 
Frage des Wegweisungsvollzugs betrifft. Die Ziffern 4 und 5 des Dis-
positivs der Verfügung des Bundesamtes vom 21. Dezember 2003 sind 
demnach aufzuheben und das BFM ist anzuweisen, die Beschwerde-
führerin  und ihre  Kinder  in  der  Schweiz  wegen  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufzunehmen  (vgl.  Art.  44  Abs.  2 
AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). Im Übrigen ist die Beschwerde abzu -
weisen.

9.

9.1 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  -  zufolge  Unterliegens  im 
Asyl und Wegweisungspunkt - sind dem Beschwerdeführer die hälfti -
gen Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.-- aufzuerlegen (Art. 63 
Abs. 1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Regle-
ments  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2)].  Diese 
werden mit dem am 19. November 2004 geleisteten Kostenvorschuss 
in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet (Art. 1-3 des Reglements vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der zuviel bezahlte 
Betrag von Fr. 300.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.

9.2 Nachdem der vertretene Beschwerdeführer teilweise - hinsichtlich 
der Frage des Wegweisungsvollzuges - mit seiner Beschwerde durch-
gedrungen ist, ist ihm für die ihm erwachsenen notwendigen und ver-
hältnismässig hohen Kosten eine um die Hälfte reduzierte Parteient-
schädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. VGKE). 
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers weist in ihren Eingaben 
vom 1. und 7. September 2010 (Posteingang) einen Aufwand von ins-
gesamt  3'761.20  (14.95  Stunden  à  Fr. 220.--  und  Auslagen  von  Fr. 
206.50, inkl. Mehrwertsteuer) aus, welcher das Beschwerdeverfahren 
der Ehefrau und der Kinder (E-4393/2006) miteinschliesst. Dieser er-

Seite 16

E-3755/2006

scheint  indessen nicht  angemessen, denn darin werden Aufwendun-
gen  im  Zusammenhang  mit  der  Unterkunft,  medizinischen  Fragen, 
Arbeitgeberabklärungen, etc. geltend gemacht, welche ausserhalb des 
vorliegenden Beschwerdeverfahrens liegen. Der Gesamtaufwand wird 
daher auf insgesamt 8.95 Stunden à Fr. 220.-- (Fr. 1'969.--) und eine 
Spesenpauschale von Fr. 100.-- gekürzt,  was einen Betrag von total 
Fr. 2'226.25 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)  ausmacht. Gestützt 
auf die oben erwähnte hälftige Kürzung wird die vom BFM zu entrich-
tende Parteientschädigung somit auf Fr. 1'113.25 (inkl. Auslagen und 
Mehrwertsteuer) festgesetzt. 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 17

E-3755/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird bezüglich des Wegweisungsvollzugs gutgeheis-
sen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 

2.
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung vom 27. August 2004 
werden aufgehoben und das BFM wird angewiesen, den Beschwerde-
führer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

3.
Die  reduzierten  Verfahrenskosten  von  Fr. 300.--  werden  dem  Be-
schwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss 
verrechnet. Der  zu viel  bezahlte Betrag von Fr. 300.--  wird dem Be-
schwerdeführer zurückerstattet.

4.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  reduzierte 
Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'113.25 (inkl. Auslagen und 
Mehrwertsteuer) zu entrichten.

5.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers, 
das BFM und die zuständige kantonale Behörde. 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener

Versand: 

Seite 18