# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6cccb22d-e8c8-5291-80a8-4a2daba4e793
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-12-11
**Language:** de
**Title:** Nach angedrohter unechter reformatio in peius: Aufhebung der Verfügungen und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zu neuen medizinischen Abklärungen.
**Docket/Reference:** IV.2018.00948
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00948.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00948
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiber Weber
Urteil
vom
1
1.
Dezember 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Dominique
Chopard
Werdstrasse
36, Postfach 9562, 8036 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1965 geborene, ungelernte
X.___
war bis 2014
hauptberuflich
im Strassenbau
als Hilfsarbeiter und im
Nebenerwerb
in der
Reinigungs
branche tätig
(Auszug Individuelles Konto [IK,
Urk.
6/163
], vgl. auch Urk. 6/50/30). Eben
falls führte er bis dahin im Nebenerwerb als selbständig Erwerbstätiger ein Lebens
mittelgeschäft (Urk. 6/181/5)
.
Mit Schadenmeldung vom 2. Juli 2014 teilte der Versicherte seiner Unfallversicherung mit, er habe am 19. Mai 2014 [recte 16. Mai 2014, Urk. 6/58/5] einen Sockel aus der Erde ziehen wollen. Dabei sei er ausgerutscht und habe sich den Rücken verdreht (Urk. 6/58/120).
Am 27. März 2015 (Eingangsdatum, Urk. 6/3) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine vom Unfall herrührende gesundheitliche Beeinträchtigung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/3). Die IV-Stelle zog daraufhin die Unterlagen des
Krankentaggeldversicherers
bei (Urk. 6/20) und beteiligte sich an dessen in Auftrag gegebenen Gutachten (Urk. 6/50). Ferner holte sie die Akten des Unfallversicherers ein (Urk. 6/16, 6/58). Mit Mitteilung vom 30. November 2015 beschied die IV-Stelle dem Versicherten, der Arbeitsplatzerhalt werde zufolge seiner Äusserung, über keinerlei Arbeitsfähigkeit zu verfügen, abge
schlossen. Weitere berufliche Massnahmen seien nicht möglich (Urk. 6/56).
Mit Vorbescheid vom 6. Juni 2017 (Urk. 6/142) stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, ihm vom 1. September 2015 bis zum 31. Mai 2017 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Dagegen erhob dieser am 7. Juli 2017 (Urk. 6/152) respektive am 2. Oktober 2017 (Urk. 6/160) Einwand. Die IV-Stelle liess daraufhin einen Abklärungsbericht für selbstständig Erwerbstätige einholen (Urk. 6/181). Alsdann entschied sie im Sinne des Vorbescheids (Verfügungen vom 27. September 2018, Urk. 2/1-2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 29. Oktober 2018 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesetzlichen Versicherungsleistungen (unbefristete Rente / berufliche Massnahmen) auszurichten. Sodann sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen (Urk. 1). Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 3. Dezember 2018 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde, wovon dem Beschwerde
führer am 12. Dezember 2018 Kenntnis gegeben wurde. Ferner wurde den Parteien mitgeteilt, dass die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels als
nicht erforderlich erachtet werde, den Parteien jedoch unbenommen bleibe, sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbezogene Unterlagen einzu
reichen (Urk. 7). Mit Beschluss vom 2
3.
Oktober 2020
wurde dem Beschwerde
führer Frist angesetzt, um zu der vom G
e
richt in Aussicht gestellten Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung und der damit verbundenen möglichen Schlechterstellung (
reformatio
in peius) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (
Urk.
8). Mit Schreiben vom 2
3.
November 2020 teilte der Beschwerdeführer mit,
an
seiner
Beschwerde fest
zuhalten (
Urk.
12).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den All
gemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betä
-
tigen
, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder
herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streit
gegenständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfügungen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundesgerichts 8C_489/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid fest, die Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer nach Ablauf der Wartezeit im Mai 2015 weder die angestammte noch eine angepasste Tätigkeit habe ausüben können. Indes sei ihm ab 1. November 2015 eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 30 % sowie gestützt auf die neusten medizinischen Unterlagen ab 23. Februar 2017 eine solche uneingeschränkt zumutbar. Nachdem sich der Beschwerdeführer am 27. März 2015 zum Leistungsbezug angemeldet habe, sei ihm deshalb vom 1. September 2015 bis zum 31. Mai 2017 eine ganze (befristete) Invalidenrente auszurichten (Urk. 2/1-2).
2.2
Der Beschwerdeführer beantragte demgegenüber die Aufhebung der angefochtenen Verfügungen und die Ausrichtung der gesetzlichen Versicherungs
leistungen. So sei seine Arbeitsfähigkeit mittels Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) zu ermitteln. Alsdann seien internistische Beschwerden aktenkundig, deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht weiter thematisiert worden seien. Auch die Auswirkungen der offenkundigen psychischen Beschwerden seien ungeklärt. Ferner sei sein aus dem Reinigungs
gewerbe stammendes Nebenerwerbseinkommen im Einkommensvergleich unberücksichtigt geblieben. Schliesslich trage der gewährte leidensbedingte Ab
zug von 10 % den Verhältnissen nicht angemessen Rechnung und sei ein solcher im Umfang von 25 % angezeigt (Urk. 1).
3.
3.1
Am 2
6.
August 2015 wurde der Beschwerdeführer durch
Dr.
med. Y.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
und am
1.
September 2015 durch
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Neurologie,
untersucht
(
Gutachten vom
1.
Oktober 2015,
Urk.
6/50
).
Der Gutachter,
Dr.
Y.___
,
nannte folgende Diagnosen (
Urk.
6/50/34-35,
6/34/2
):
Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Chronische lumbale Schmerzsymptomatik m
it pseudoradikulärer Aus
strahlu
n
g
rechts bei muskuläre
m
Rehabilitationsdefizit (Mai 2014) und
residueller
Schädigung der Wurzel L5 und beginnender multisegmentaler Dege
ne
ration der LWS bei
-
St. n. mehreren periradikulären Infiltrationen L5 rechts und epiduraler Infiltration L4/5 im Mai 2014 (
A.___
)
-
St. n. mikro
chirurgischer Dekompression L4/5 rechts am 28.07.2014 (fecit
Dr.
B.___
) bei paramedianer Diskushernie L4/5 rechts
-
St. n. Sakralblock am 30.04.2015
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
St. n.
Kniearthroskopie mit
Teilmenis
k
ektomie
rechts in 2009
-
Depression (2014)
-
Adipositas
Die vom Gutachter beigezogene Fachärztin für Neurologie,
Dr.
Z.___
,
war zu folgenden Diagnosen gelangt (
Urk.
6/50/44):
-
Neurophysiologisch leichte chronische
residuelle
Schädigung L5 rechts ohne motorischen Ausfall
-
Chronische
Lumboischialgien
rechts
-
St. n. mikrochirurgischer Dekompression L4/5 rechts 08/14 (
Dr.
med.
B.___
)
-
Chronische
Cervicobrachialgien
rechts
Dr.
Y.___
hielt fest,
der
einzig feststellbare
objektive
Befund
sei
die
von
der Neurologin,
Dr.
Z.___
,
ele
k
trophysiologisch erfassbare leichte
residuelle
Schädigung der Wurzel L5
gewesen
.
E
in Karpaltunnelsyndrom
in
der rechten Extremität
habe
Dr.
Z.___
ausschliessen
und au
ch
keine
Erklärung
für die
dermatomunspezifischen
Sensibilitätsausfä
ll
e an der rechten oberen und unteren Extremität
finden
können
. Insbesondere
hätten
sich
ihr auch
keine Hinweise
für
eine Myelopathie
gezeigt
.
Ferner habe
b
etreffend
die Hyposensibilität am Arm keine neurologische Ursache
festgestellt werden können
.
Zur
Klopf
d
olenz
an der LWS
sei festzuhalten, dass diese
klinisch
zwar
erfassbar
,
aber wie
die schmerz
bedingt
e
eingeschränkte Beweglichkeit der LWS unspezifisch
sei
.
Radiologisch lasse sich
eine
beginnende
multisegmentale
Degeneration der LWS feststellen
.
Eine
Instabilität oder ausgeprägte Degeneration
,
welche eine
Spondylodese
erforderlich machen würde, sei jedoch nicht
vorhanden
.
Nachdem in
der konventionell radiologischen Aufnahme der LWS arthritische Veränderungen in der LWS
hätten festgestellt werden können, sei es indes sinnvoll,
im Rahmen einer rheumatologischen Abklärung ein systemisches Geschehen auszuschliessen
. In Bezug auf d
as postoperativ durchgeführte MRI der LWS
sei festzuhalten, dass
zwar eine
breitbasige
He
rn
ie zwischen L4/L5
habe festgestellt werden können
. Jedoch
habe sich
keine Ne
rv
enwurze
lkompression
darstellen
und auch keine
erosiven
Osteochondrosen
in der LWS
finden lassen,
weshalb
die Schmerzen an der LWS unspezifischer Natur
seien.
Aus
der Untersuchung der Schulter und des Ellbogens
hätten sich alsdann
keine Hinweise
ergeben, welche
auf eine Ein
schränkung der Schulterfunktion oder eine Schmerzsymptomatik derselben bei Manipulation
en
hinweisen würden
.
Die be
i Manipulation
en
an der Schulter
in der LWS angegebenen
Schmerzen
hätten
pathoanatomisch nicht erklärt werden
können
.
Zusammenfassend sei festzuhalten, dass betreffend d
ie Beschwerden in der LWS mit pseudoradikulärer Ausstrahlung
nur soweit eine Erklärung habe gefunden werden können
, als dass
geringe multisegmentale Degeneration
en
der LWS mit leichter
resid
ueller
Schädigung der Wurzel L5
hätten festgestellt werden können
. Demgegenüber
habe
sich
in Bezug auf
d
ie sensiblen
,
subjektiv wahrgenommen
en
Ausfälle an der gesamten rechten unteren und oberen Extremität weder klinisch noch elektrophysiologisch eine Erklärung
finden
lassen
. Auch liege
keine Insta
bilität der
LWS vor
.
Seiner Meinung
nach sei
deshalb von
ein
em
Rehabilitations
defizit und teilweise auch
von einer
Symptomausweitung
auszugehen. Indes könne er nicht verifizieren
, ob
die depressive Verstimmung zur Ausweitung der Symptomatik
beitrage (
Urk.
6/50/31-32, 6/50/36
)
.
Dr.
Y.___
attestierte dem Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätig
keit
im Strassenbau eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. So sei es
dem Beschwerde
führer
infolge der aktuellen, temporären Behinderung nicht möglich, vornüber
gebeugt zu arbeiten, schwere Lasten zu tragen und mit schweren Werk
zeugen zu hantieren (
Urk.
6/50/37). In Bezug auf eine adaptierte Tätigkeit attestierte er dem Beschwerdeführer ab November 2015 eine 30%ige Arbeits
fähigkeit, welche sich sukzessive steigern lasse (
Urk.
6/50/41). Um eine baldige Rückkehr in den Beruf
s
alltag
zu ermöglichen, empfahl der Gutachter medizinische Massnahmen (epidurale Infiltration oder Sakralblock zwecks Behandlung der Schmerzen, am
bulante Behandlung in einer Schmerz
sprechstunde und intensive Physiotherapie zwecks Aufbau der Rumpfmuskulatur, wobei
er
ein
en
Rehabilitationsaufenthalt in einer für muskuloskelettale Erkrankungen spezialisierten Klinik
empfahl
) und
eine Anpassung des Arbeits
platzes
. Zu letzterem wie auch zur
«
Krankheit
» notierte der Gutachter, diese
seien nur
temporärer Natur (
Urk.
6/50/38). So
könne mit einer
Besserung der Leistungs
fähigkeit nach erfolgter muskuloskelettaler Rehabilitation
gerechnet werden
(
Urk.
6/50/40). E
ine vollständige Besserung der Beschwerden
sei
erst
nach mehreren Monaten zu erwarten (
Urk.
6/50/39).
3.2
Dr.
med.
C.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
berichtete
anlässlich ihrer Untersuchung vom 1
0.
Februar 2017 (
Urk.
6/131/2)
von einem guten
Allgemeinzustand des Beschwerdeführers
(Bericht vom 1
7.
März 2017,
Urk.
6/131)
.
Alsdann
hielt sie fest, der Beschwerdeführer
verspüre
in der Lenden
wirbelsäule bei jeglicher Bewegung starke Schmerze
n
.
Zum seelischen Zustand notierte sie, dass eine depressive Verstimmung vorliege.
Zur Wirbelsäule hielt sie fest
, dass alle Bewegungen sehr schmerzhaft seien. Angaben zu den oberen und unteren Gliedmassen machte sie keine. Sodann liess
sie
die zum Zentral
nervensystem
gestellten Fragen
unbean
twortet. Zur p
sychovegetativen Sympto
m
a
tik hielt
sie
fest, diesbezüglich keine Detailuntersuchung vorgenommen
zu haben
und
dass
der Beschwerdeführer in psychiatrischer Behandlung sei (
Urk.
6/131/3-5)
. Diagnosen nannte
Dr.
C.___
unter Hinweis
darauf
, dass eine Fremdbeurteilung durch Fachärzte der Rheumatologie und Psychiatrie erforder
lich sei, keine (
Urk.
6/131/8
, vgl. auch
Urk.
6/131/7
).
Schliesslich liess
sie
auch die Fragen zur Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit
respektive zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
unbeantwortet (
Urk.
6/131/8-11).
4.
Wie nachfolgend dargelegt, erweist sich der vorliegende medizinische Sach
verhalt - entgegen
der Auffassung
beider Parteien - als unvollständig
abgeklärt
.
So kann angesichts der erhobenen Befunde die Einschätzung des Gutachters zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers,
gestützt auf welche
die Beschwerde
gegnerin
auf
einen
Rentenanspruch
schloss
(vgl. RAD-Stellungnahmen vom 2
0.
April 2017 [
Urk.
6/140/11-12] und vom 2
7.
Oktober 2017 [
Urk.
6/184/3])
, schwerlich nachvollzogen werden.
Der
Gutachter wie auch die von ihm beigezogene Fachärztin für Neurologie
fanden
weitgehend keine Erklärung für die vom Besch
werdeführer beklagten Schmerzen
(vgl.
Urk.
6/50/
13-14, 6/50/20-21)
.
Dr.
Y.___
hielt fest, der einzig feststellbare objektive Befund sei die von der Neurologin elektrophysiologisch erfassbare leichte
residuelle
Schädigung der Wurzel L5 gewesen.
Hingegen
wurde von
Dr.
Z.___
ein Karpaltunnel
syndrom in der rechten Extremität
aus
geschlossen
und
fand sie
auch keine Erklärung für die
dermatomunspezifischen
Sensibilitätsausfälle an der rechten oberen und unteren Extremität
.
Ferner
konnte
auch
betreffend die Hypo
sensibilität am Arm keine neurologische Ursache festgestellt
werden
.
Dass keine Erklärung für die
vom Beschwerde
führer
beklagten Schmerzen gefunden werden konnte, ergibt sich auch aus der vom Gutachter
zur
Klopfdolenz
an der LWS
gemachten Feststellung
. So
hielt der Gutachter fest,
diese
sei
klinisch zwar erfassbar,
aber wie
die schmerzbedingte eingeschränkte Beweglichkeit der LWS unspezifisch.
Sodann
notierte
er mit
Bezug auf das postoperativ durchgeführte MRI der LWS, dass zwar eine
breitbasige
Hernie zwischen L4/L5 habe festgestellt werden können
. Indes habe sich
keine Nervenwurzelkompression darstellen und auch keine erosiven
Osteochondrosen
in der LWS finden lassen, weshalb die Schmerzen an der LWS unspezifischer Natur seien.
A
uch für d
ie bei Manipulationen an der Schulter in der LWS angegebenen Schmerzen
fand der Gutachter
pathoanatomisch
keine Erklärung. Vielmehr hielt er fest, dass sich au
s der Untersuchung der Schulter und des Ellbogens keine Hinweise ergeben
hätten
, welche auf eine Einschränkung der Schulterfunktion oder eine Schmerz
symptomatik derselben bei
Manipulationen hinweisen würde
n
(E. 3
.1
).
Sodann
wirft
auch
die Einschätzung des Gutachters, mit einer Besserung der Leistungsfähigkeit könne nach erfolgter muskuloskelettaler Rehabilitation gerechnet werden und nach mehreren Monaten sei eine vollständige Besserung der Beschwerden zu erwarten, die Frage auf, ob ein invaliditätsrelevanter G
esundheitsschaden vorliegt, der
eine
lang
andauernde Einschränkung der Arbe
itsfähigkeit bewirkt
.
Alsdann
blieb unbeantwortet
, ob allfällige systemische rheumato
logische Krankheiten vorliegen
(
vgl.
Urk.
6/50/33).
Im Weiteren
kann - e
ntgegen
der Annahme der Beschwerdegegnerin (Urk. 2/1-2, vgl. auch RAD-Stellungnahme vom 20. A
pril 2017 [Urk. 6/140/11-12])
- gestützt auf den
Bericht von Dr.
C.___
auch
nicht
davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer sei
in
einer angepassten
Tätigkeit
uneingeschränkt arbeits
fähig
.
Dr.
C.___
wies zwar auf einen guten Allgemeinzustand, jedoch auch darauf hin, dass bei jeglicher Bewegung starke Schmerzen in der LWS bestünden. Zudem beschränkte sich ihre Untersuchung im Wesentlichen auf die der Wirbel
säule.
Angaben zu den oberen und unteren Gliedmassen machte sie keine
und
liess
auch
die zum Zentralnervensystem gestellten Fragen unbeantwortet.
Dies, obgleich der Beschwerdeführer über lumbale Schmerzen, Einschlafgefühle
und über
Schmerzen am rechten Bein und Fuss
klagte
(
Urk.
6/131/2).
Sodann
äusserte sich
Dr.
C.___
zur
Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers nicht, sondern empfahl eine (weitergehende) Beurteilung durch einen Facharzt für Rheuma
tologie und eine psychiatrische Beurteilung (E. 3.2).
Schliesslich
bleibt unklar, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Leistungs
fähigkeit gegeben ist und ob - wie der Beschwerdeführer vorbringen lässt - aus internistischer Sicht eine relevante Pathologie zu berücksichtigen wäre (vgl. Urk. 6/126, 138, 159).
5.
Nach dem Gesagten kann
weder auf das Gutachten von
Dr.
Y.___
(E. 3.1) abgestellt werden, noch findet die Annahme des RAD, der Beschwerdeführer sei ab November 2015 zu 70
%
und ab 2
3.
Februar 2017 zu 100
%
arbeitsfähig (Urk. 6/140/11-12
, 6/184/3
), in den Akten eine hinreichende Stütze.
Damit ist es bei der aktuellen medizinischen Aktenlage nicht mög
lich, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die funktionelle Leistungs
fähigkeit des Beschwerdeführers abschliessend zu beurteilen.
Die Be
schwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene
n
Verfügung
en
vom
27. September 2018 (Urk. 2/1-2
) auf
zuheben und die Sache zur
weiteren
Abklärung
sowie
zu neuem Entscheid an die Be
schwerdegegnerin zurück
zuweisen ist.
Sollte die Beschwerdegegnerin nach erneuter Prüfung der Sach
- und Rechts
lage zum Schluss gelangen, dass
ein invalidensicherungsrechtlich relevanter
Gesund
heitsschaden
vorliegt
,
hätte
sie
bei Ermittlung des
Valideneinkommen
s
zu prüfen, ob
und in welchem Umfang
Neben
erwerbstätigkeiten (vgl. IK-Auszug [Urk.
6/163
], Urk. 6/181/5
, vgl. auch
Urk.
1 S. 5 zur geltend gemachten Nebenerwe
r
bstätigkeit in der Reinigungs
branche
)
anzurechnen
wären
.
Gegebenenfalls
wäre abzuklären, ob und bejahendenfalls in welchem Ausmass ein Nebenerwerbseinkommen Eingang in die Bemessung des Invalideneinkommens zu finden hätte.
6
.
6
.1
Die Kosten des Verfahrens sind gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG auf Fr. 800.--festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Nach § 34 Abs. 3
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
6
.3
De
m
obsiegenden und anwaltlic
h vertretenen Beschwerdeführer
steht damit eine Prozessentschädigung zu, die ermessensweise auf Fr.
1’8
00.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtenen Verfügungen vom 27. September 2018 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und hernach über den Rentenanspruch neu befinde.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet, dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schä
digung von Fr.
1’8
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Dominique
Chopard
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
12
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
VogelWeber