# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b74ae25d-45c9-5267-93f6-d0c2a7773c9d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-14
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 14.02.2022 HG170120
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG170120_2022-02-14.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
   
 

 

Geschäfts-Nr.: HG170120-O U 

 

 

Mitwirkend: Oberrichter Roland Schmid, Präsident, und Oberrichterin Nicole 

Klausner, die Handelsrichter L._____, Werner Heim und Jean-Marc 

Bovet sowie der Gerichtsschreiber Dario König 
 

Beschluss und Urteil vom 14. Februar 2022 

 

in Sachen 

 

Gemeinde A._____,  
Klägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____,  

 

gegen 

 

1. B._____ AG,  
2. C._____ AG,  
Beklagte 

 

1 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____, 

2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y2._____,  

 

betreffend Forderung  

- 2 - 

Rechtsbegehren gemäss Klage: 
(act. 1 S. 2) 

" 1. Die Beklagten seien - unter solidarischer Haftung einer jeden für 
den Gesamtbetrag - zu verpflichten, der Klägerin CHF 578'722.80 
für die Nachbesserung und/oder die Schadensbehebung am 
Dach C des Hallenbads D._____, E._____, zu bezahlen bzw. zu 
bevorschussen. 
Eventuell sei die Klägerin zu verpflichten, den bevorschussten 
Betrag ausschliesslich für die Nachbesserung und/oder die Scha-
densbehebung des Dachs C zu verwenden, gegenüber den Be-
klagten über die Kosten abzurechnen und einen allfälligen Über-
schuss zurückzuerstatten. Für die Nachbesserung und/oder die 
Schadensbehebung sei eine Frist von drei Jahren ab Eingang der 
Vorschusszahlung anzusetzen. 

 2. Die Beklagten seien solidarisch zu verpflichten, der Klägerin zu-
sätzlich einen Betrag von CHF 130'692.65 zu bezahlen, nebst 
Zins von 5 % seit 30. Mai 2017. 

 3. Die Beklagte 1 sei zusätzlich zu verpflichten, innert zwei Monaten 
nach Rechtskraft des Urteils an den Dachrändern der Dächer A 
und B des Hallenbads D._____, E._____, folgende Nachbesse-
rungsarbeiten vorzunehmen: 

 • Ersatz der drei im Jahr 2016 als undicht erkannten und provi-
sorisch abgeklebten Dilatationselemente. 

 • Nachbesserung sämtlicher Dilatationselemente entlang der 
Dachränder der Dächer A und B (ausser den bereits im Jahr 
2014 ersetzten zwei Dilatationselementen) durch Überkleben 
mit einer zusätzlichen PBD-Bahn im Sandwichverfahren nach 
den Vorgaben der Firma F._____ AG. 

 • Korrekte Verklebung der EPDM-Folie hinter der Wärmedämm-
schicht. 

 • Ausdämmen sämtlicher Hohlräume entlang der Dachränder A 
und B. 

 • Ersatz der nassen und teilweise verfaulten Rinnbretter sowie 
Brettauflagen entlang der Dachränder A und B. 

 • Ersatz von durchnässten Wärmedämmschichten entlang der 
Dachränder A und B. 

 • Beseitigung der Wasserspuren an allen Fenstern. 
Eventuell sei die Klägerin zu ermächtigen, die oben genannten 
Nachbesserungsarbeiten auf Kosten der Beklagten 1 durch Dritte 
umzusetzen. 

- 3 - 

Subeventuell sei festzustellen, dass die Klägerin berechtigt ist, die 
oben genannten Nachbesserungsarbeiten auf Kosten der Beklag-
ten 1 umzusetzen. 

 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt) zu 
Lasten der Beklagten." 

Geändertes Rechtsbegehren gemäss Replik: 
(act. 38 S. 2) 

" 1. Unter Nachklagevorbehalt seien die Beklagten - unter solidari-
scher Haftung einer jeden für den Gesamtbetrag - zu verpflichten, 
der Klägerin CHF 433'784.40 für die Schadensbehebung am 
Dach C des Hallenbads D._____, E._____, zu bezahlen, nebst 
Zins zu 5 % seit dem 31. Januar 2019. 

 2. Die Beklagten seien - unter solidarischer Haftung einer jeden für 
den Gesamtbetrag - zu verpflichten, der Klägerin zusätzlich einen 
Betrag von CHF 130'692.50 zu bezahlen, nebst Zins von 5 % seit 
30. Mai 2017, sowie zusätzlich einen weiteren Betrag von 
CHF 7'272.70, nebst Zins zu 5 % seit dem 31. Januar 2019, zu 
bezahlen. 

 3. Die Beklagte 1 sei zusätzlich zu verpflichten, innert zwei Monaten 
nach Rechtskraft des Urteils an den Dachrändern der Dächer A 
und B des Hallenbads D._____, E._____, folgende Nachbesse-
rungsarbeiten vorzunehmen: 

 • Korrekte Verklebung der EPDM-Folie hinter der Wärmedämm-
schicht. 

 • Ausdämmen sämtlicher Hohlräume entlang der Dachränder A 
und B. 

 • Ersatz der nassen und teilweise verfaulten Rinnbretter sowie 
Brettauflagen entlang der Dachränder A und B. 

 • Ersatz von durchnässten Wärmedämmschichten entlang der 
Dachränder A und B. 

 • Beseitigung der Wasserspuren an allen Fenstern. 
Eventuell sei die Klägerin zu ermächtigen, die oben genannten 
Nachbesserungsarbeiten auf Kosten der Beklagten 1 durch Dritte 
umzusetzen. 
Subeventuell sei festzustellen, dass die Klägerin berechtigt ist, die 
oben genannten Nachbesserungsarbeiten auf Kosten der Beklag-
ten 1 umzusetzen. 

 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt) zu 
Lasten der Beklagten." 

- 4 - 

Überblick 

Sachverhalt und Verfahren .................................................................................... 6 
A. Sachverhaltsübersicht ..................................................................................... 6 

a. Parteien .............................................................................................. 6 
b. Prozessgegenstand ............................................................................ 6 
c. Wesentliche Parteistandpunkte .......................................................... 7 

B. Prozessverlauf ................................................................................................ 8 
Erwägungen ........................................................................................................ 10 
1. Formelles ...................................................................................................... 10 

1.1. Zuständigkeit .................................................................................... 10 
1.2. Klageänderung ................................................................................. 11 
1.3. Teilweise Gegenstandslosigkeit von Rechtsbegehren Ziffer 3 ......... 12 

2. Überblick über die bauliche Situation ............................................................ 12 
3. Bedeutung des Gutachtens von M._____ ..................................................... 15 
4. Haftung der Beklagten 1 ............................................................................... 18 

4.1. Ausgangslage ................................................................................... 18 
4.2. Rechtsbegehren Ziffer 1: Ersatz der Sanierungskosten Dach C ...... 20 
4.2.1.  Haftung infolge Einbaus undichter Dilatationen ................................ 20 
4.2.1.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................... 20 
4.2.1.2. Parteistandpunkte ............................................................................. 21 
4.2.1.3. Rechtliches ....................................................................................... 22 
4.2.1.4. Würdigung ........................................................................................ 23 
4.2.2. Haftung infolge Verletzung einer Abmahnungspflicht ....................... 26 
4.2.2.1. Parteistandpunkte ............................................................................. 26 
4.2.2.2. Rechtliches ....................................................................................... 27 
4.2.2.3. Würdigung ........................................................................................ 29 
4.3. Rechtsbegehren Ziffer 3: Nachbesserung ........................................ 36 
4.3.1. EPDM-Folie ...................................................................................... 36 
4.3.1.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................... 36 
4.3.1.2. Parteistandpunkte ............................................................................. 37 
4.3.1.3. Rechtliches ....................................................................................... 39 
4.3.1.4. Würdigung ........................................................................................ 40 
4.3.2. Ersatz der Rinnbretter und Brettauflagen entlang der Dachränder 

A und B ............................................................................................. 43 
4.3.2.1. Parteistandpunkte ............................................................................. 43 
4.3.2.2. Rechtliches ....................................................................................... 44 
4.3.2.3. Würdigung ........................................................................................ 44 
4.3.3. Hohlräume in der Wärmedämmung .................................................. 45 
4.3.3.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................... 45 
4.3.3.2. Parteistandpunkte ............................................................................. 46 
4.3.3.3. Rechtliches ....................................................................................... 47 
4.3.3.4. Würdigung ........................................................................................ 49 
4.3.4. Ersatz der Wärmedämmung entlang der Dachränder A und B ........ 53 
4.3.4.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................... 53 
4.3.4.2. Parteistandpunkte ............................................................................. 53 
4.3.4.3. Rechtliches ....................................................................................... 54 
4.3.4.4. Würdigung ........................................................................................ 55 

- 5 - 

4.3.5. Beseitigung von Wasserspuren an den Hallenbad-Fenstern ............ 65 
4.3.5.1. Parteistandpunkte ............................................................................. 65 
4.3.5.2. Rechtliches ....................................................................................... 65 
4.3.5.3. Würdigung ........................................................................................ 65 
4.4. Rechtsbegehren Ziffer 2 ................................................................... 68 
4.4.1. Parteistandpunkte ............................................................................. 68 
4.4.2. Rechtliches ....................................................................................... 68 
4.4.3. Würdigung ........................................................................................ 70 

5. Haftung der Beklagten 2 ............................................................................... 75 
5.1. Ausgangslage ................................................................................... 75 
5.2. Rechtsbegehren Ziffer 1: Ersatz der Sanierungskosten Dach C ...... 76 
5.2.1. Haftungsgrundlage ........................................................................... 76 
5.2.1.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................... 76 
5.2.1.2. Parteistandpunkte ............................................................................. 76 
5.2.1.3. Rechtliches ....................................................................................... 77 
5.2.1.4. Würdigung ........................................................................................ 78 
5.2.2. Rechtzeitige Mängelrüge .................................................................. 81 
5.2.2.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................... 81 
5.2.2.2. Parteistandpunkte ............................................................................. 82 
5.2.2.3. Rechtliches ....................................................................................... 83 
5.2.2.4. Würdigung ........................................................................................ 83 
5.3. Rechtsbegehren Ziffer 2 ................................................................... 88 

6. Zusammenfassung ........................................................................................ 88 
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen ............................................................... 89 

7.1. Streitwertberechnung ....................................................................... 89 
7.2. Gerichtskosten .................................................................................. 90 
7.3. Parteientschädigungen ..................................................................... 93 

- 6 - 

Sachverhalt und Verfahren 

A. Sachverhaltsübersicht 

a. Parteien 

Bei der Klägerin handelt es sich um eine politische Gemeinde im Kanton Zürich 

(Klägerin: act. 1 N. 5; Beklagte 1: act. 20 N. 292; Beklagte 2: act. 18 N. 8). 

Die Beklagte 1 ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich. Sie ist u.a. im Bereich 

der … tätig. Nachdem die Beklagte 1 im Jahre 2002 auf dem Weg der Fusion die 

G._____ AG übernommen hatte, führte sie bis 2013 Umbauten und Renovationen 

unter der Marke "G._____" aus, so auch vorliegend (Klägerin: act. 1 N. 6 f.; Be-

klagte 1: act. 20 N. 37, 292; Beklagte 2: act. 18 N. 8; act. 3/1). 

Bei der Beklagten 2 handelt es sich um eine Aktiengesellschaft mit Sitz in 

H._____. Sie bezweckt die … (Klägerin: act. 1 N. 8; Beklagte 1: act. 20 N. 58, 

292; Beklagte 2: act. 18 N. 8; act. 3/2). 

b. Prozessgegenstand 

1. Die Klägerin ist Eigentümerin des Hallenbads D._____ in E._____ (im Fol-

genden: "Hallenbad"). Das Hallenbad wurde 1973 erbaut. Im Hinblick auf eine 

Gesamtsanierung des Hallenbads zog die Klägerin die Beklagte 2 als General-

planerin bei, während die Ausführung der Sanierung der Beklagten 1 als General-

unternehmerin übertragen wurde. In diesem Zusammenhang schlossen die Klä-

gerin und die Beklagte 2 zunächst am 2. November 2006 einen ersten General-

planervertrag (act. 3/4; im Folgenden: "Planervertrag 1"). Nachdem die Stimmbe-

rechtigten den Baukredit im September 2008 genehmigt hatten, schlossen die 

Klägerin und die Beklagte 2 am 29. Dezember 2008 einen zweiten General-

planervertrag (act. 3/5; im Folgenden: "Planervertrag 2"). Dieser ersetzte teilweise 

den Planervertrag 1. Sodann schlossen die Klägerin und die "G._____, ein Unter-

nehmen der B._____ AG" bzw. die Beklagte 1 als deren Rechtsnachfolgerin am 

13. Januar 2009 den Generalunternehmer-Werkvertrag (act. 3/3; im Folgenden: 

"GU-Vertrag"). Die Sanierung der Flachdächer übertrug die Beklagte 1 der 

- 7 - 

I._____ AG als Subunternehmerin. Die Gesamtsanierung des Hallenbads wurde 

in den Jahren 2009 und 2010 umgesetzt. Die Abnahme des Bauwerks fand am 

20. August 2010 statt. 

2. Die Klägerin bringt vor, es hätten sich schon kurze Zeit nach Wiederinbe-

triebnahme des Hallenbads verschiedene Schadensbilder gezeigt. Die geltend 

gemachte Undichtigkeit der Flachdächer des Hallenbads bzw. die gemäss kläge-

rischer Darstellung seit 2012 aufgetretenen (Wasser-) Schäden in verschiedenen 

Bereichen des Hallenbads sind Thema des vorliegenden Verfahrens. 

3. Das Hallenbad, insbesondere das Flachdach C (vgl. zur Terminologie Erw. 2 

nachstehend) wurde im Sommer 2017 erneut umfassend saniert. Die Beklagte 2 

wurde mit der Planung und Begleitung der Instandstellung beauftragt. Die Beklag-

te 1 war nicht in die Sanierungsmassnahmen involviert, abgesehen von einer Ab-

klebung von anlässlich der streitgegenständlichen Sanierung verbauten Dilatatio-

nen mit einer zusätzlichen Folie. 

4.  Die Klägerin verlangt von den Beklagten 1 und 2 unter solidarischer Haftung 

den Ersatz der Sanierungskosten in der Höhe von CHF 433'784.40 (Rechtsbe-

gehren Ziffer 1; unter Nachklagevorbehalt) sowie den Ersatz verschiedener Man-

gelfolgeschäden in der Höhe von CHF 130'692.50 und CHF 7'272.70 (Rechtsbe-

gehren Ziffer 2). Von der Beklagten 1 verlangt die Klägerin zusätzlich die Vor-

nahme verschiedener Nachbesserungsarbeiten (Rechtsbegehren Ziffer 3). 

c. Wesentliche Parteistandpunkte 

1. Die Klägerin vertritt den Standpunkt, dass die am Hallenbad entstandenen, 

streitgegenständlichen Schäden zum einen auf eine mangelhafte Planung und un-

terlassene Kontrolle der Ausführung durch die Beklagte 2 und zum anderen auf 

eine mangelhafte Bauleitung und Werkausführung durch die Beklagte 1 zurückzu-

führen seien, weshalb die Beklagten 1 und 2 solidarisch haften würden. Da mit 

der Sanierung der streitgegenständlichen Schäden nicht länger habe zugewartet 

werden können, sei diese im Sommer 2017 ausgeführt worden.  

- 8 - 

2. Die Beklagte 1 beantragt die Abweisung der Klage, soweit diese nicht ge-

genstandslos geworden sei. Sie bringt im Wesentlichen vor, allfällige Gewährleis-

tungsansprüche der Klägerin seien aus verschiedenen Gründen verwirkt bzw. ver-

jährt. Eine Vertragsverletzung, für welche die Beklagte 1 hafte, liege sodann oh-

nehin nicht vor. Zudem seien seit der streitgegenständlichen Sanierung an den 

Flachdächern so viele Eingriffe und Änderungen vorgenommen worden, dass der 

Kausalzusammenhang zwischen den behaupteten Vertragsverletzungen und dem 

geltend gemachten Schaden nicht mehr nachgewiesen werden könnte.  

3. Die Beklagte 2 beantragt die Abweisung der Klage, sofern darauf einzutre-

ten sei. Sie bestreitet einen haftungsbegründen Planungsfehler. Darüber hinaus 

macht sie geltend, dass die Mängelrechte der Klägerin mangels rechtzeitiger Rü-

ge des behaupteten Planungsfehlers verwirkt wären. Sie erhebt im Rahmen der 

Duplik zudem die Einrede der Verjährung. Die im Zuge der Bauausführung ver-

traglich geschuldeten periodischen Kontrollen habe sie wahrgenommen. Im Übri-

gen sei nicht die Beklagte 2, sondern die Beklagte 1 für die Bauleitung und Aus-

führung verantwortlich gewesen. Auch sei das Flachdach C im Sommer 2017 oh-

ne vorgängige Beweissicherungsmassnahmen erneut umfassend saniert worden, 

weshalb die relevanten Tatfragen von der Klägerin nicht mehr nachgewiesen 

werden könnten. 

B. Prozessverlauf  

Mit Eingabe vom 30. Mai 2017 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin die vor-

liegende Klage ein (act. 1; Beilagen: act. 3/1-112). Mit Verfügung vom 1. Juni 

2017 (act. 4) wurde der Klägerin Frist angesetzt, um für die Gerichtskosten einen 

Vorschuss in der Höhe von CHF 27'000.– zu leisten sowie um rechtsgenügende 

Vollmachten nachzureichen. Sowohl der Kostenvorschuss (vgl. act. 8) als auch 

die Vollmachten (vgl. act. 6 und 7) gingen rechtzeitig ein. Nach entsprechender 

Fristansetzung mit Verfügung vom 13. Juni 2017 (act. 9) erstattete die Beklagte 2 

die Klageantwort fristgerecht mit Eingabe vom 15. September 2017 (act. 18; Bei-

lagen: act. 19/1-10). Die Klageantwort der Beklagten 1 wurde innert erstreckter 

Frist (Prot. S. 4) am 29. September 2017 eingereicht (act. 20; Beilagen: act. 21/1-

47). Mit Verfügung vom 3. Oktober 2017 (act. 22) wurde der Klägerin Frist ange-

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setzt, um sich zum Antrag der Beklagten 2 auf Nichteintreten (act. 18 S. 2, N. 9 

ff.) sowie zum Antrag der Beklagten 1 auf Verfahrensbeschränkung (act. 20 S. 2 

f., N. 14 ff.) zu äussern. Die Stellungnahme der Klägerin datiert vom 24. Oktober 

2017 (act. 24; Beilagen: act. 25/1-3). Diese wurde den Beklagten 1 und 2 zuge-

stellt, welche sich dazu nicht mehr vernehmen liessen (Prot. S. 8; act. 26/1-2). Mit 

Beschluss vom 22. Dezember 2017 (act. 27) wurden die vorstehend genannten 

Anträge der Beklagten 1 und 2 abgewiesen. Mit Verfügung vom selben Tag (act. 

28) wurde die Streitverkündung der Beklagten 1 an die I._____ AG vorgemerkt 

(act. 20 S. 3, N. 32 ff.). Die Streitberufene erklärte sich nicht. 

Mit Verfügung vom 26. Februar 2018 (act. 30) wurde die Prozessleitung an Ober-

richter Prof. Dr. J._____ delegiert. Am 18. September 2018 fand eine Vergleichs-

verhandlung statt, welche zu keiner Einigung der Parteien führte (Prot. S. 12 ff.). 

Mit Verfügung vom 26. September 2018 (act. 33) wurde ein zweiter Schriften-

wechsel angeordnet und der Klägerin Frist zur Erstattung der Replik angesetzt. 

Die innert erstreckter Frist (Prot. S. 15) eingereichte Replik datiert vom 31. Januar 

2019 (act. 38; Beilagen: act. 39/1-226). Mit Verfügung vom 20. Februar 2019 (act. 

40) erfolgte die Fristansetzung zur Erstattung der Duplikschriften. Die Duplik der 

Beklagten 1 wurde am 17. Juni 2019 innert erstreckter Frist (vgl. Prot. S. 16) ein-

gereicht (act. 48; Beilagen: act. 50/1-14). Die Duplik der Beklagten 2 wurde eben-

falls innert erstreckter Frist (vgl. Prot. S. 16) eingereicht und datiert vom 19. Juni 

2019 (act. 51; Beilagen: act. 52/1-4). Mit Verfügung vom 4. Juli 2019 (act. 53) 

wurden der Klägerin die Duplikschriften unter Hinweis auf den eingetretenen Ak-

tenschluss zugestellt. Zudem wurde festgehalten, dass zur Stellungnahme zu all-

fälligen neuen relevanten Behauptungen bzw. Beilagen der Duplikschriften (No-

ven) nach erfolgter Bearbeitung mit entsprechend konkreten Hinweisen Frist an-

gesetzt würde. 

Mit Verfügung vom 22. Dezember 2021 (act. 58) wurde den Parteien Frist ange-

setzt, um zu erklären, ob sie – unter Vorbehalt eines allfälligen Beweisverfahrens 

– auf die Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung (Parteivorträge, 

Schlussvorträge) verzichten. In der Folge erklärten alle Parteien ihren Verzicht – 

die Klägerin unter Vorbehalt des Nichtvorhandenseins von entscheidrelevanten 

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Noven (act. 60-62). Mit Verfügung vom 14. Januar 2022 (act. 63) wurden die Par-

teien über die Änderung im Spruchkörper informiert. Mit Eingaben vom 25. Januar 

2022 (act. 65) bzw. 26. Januar 2022 (act. 68) stellten die Beklagten 1 und 2 je ein 

Ausstandsgesuch gegen Handelsrichterin K._____. Am 26. Januar 2022 erklärte 

diese, in der vorliegenden Streitsache in den Ausstand zu treten (Prot. S. 28). Mit 

Verfügung vom 26. Januar 2022 (act. 67) wurde den Parteien mitgeteilt, dass 

Handelsrichterin K._____ als von der Weiterführung des Verfahrens entbunden 

gelte und neu durch Handelsrichter L._____ ersetzt werde. Weitere Eingaben 

ergingen nicht. Das Verfahren erweist sich als spruchreif, weshalb ein Urteil zu 

fällen ist (Art. 236 Abs. 1 ZPO). 

Auf die einzelnen Parteivorbingen sowie auf die Akten ist in den nachfolgenden 

Erwägungen einzugehen, soweit sich dies zur Entscheidfindung als notwendig 

erweist. 

Erwägungen 

1. Formelles 

1.1. Zuständigkeit 

Die örtliche und sachliche Zuständigkeit für die Beurteilung der vorliegenden Kla-

ge ist gegeben (Art. 10 Abs. 1 lit. b und Art. 17 ZPO; Art. 6 Abs. 2 und 3 ZPO 

i.V.m. § 44 lit. b GOG; vgl. Ziffer 23 GU-Vertrag [act. 3/3], Ziffern 9 Planervertrag 

1 [act. 3/4] und Planervertrag 2 [act. 3/5]; Klägerin: act. 1 N. 9 ff.; Beklagte 1: act. 

20 N. 8, 293 f.; Beklagte 2: act. 18 N. 9). Der Antrag der Beklagten 2, auf die Kla-

ge zufolge Missachtung der Mediationsvereinbarung gemäss Planervertrag 2 

nicht einzutreten (act. 18 N. 9 ff.; act. 24 N. 3 ff.), wurde bereits mit Beschluss 

vom 22. Dezember 2017 (act. 27) abgewiesen. 

  

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1.2. Klageänderung 

1.2.1. Mit Rechtsbegehren Ziffer 1 der Klage vom 30. Mai 2017 verlangte die Klä-

gerin eine Bevorschussung der Kosten für die geplante Sanierung des Dachs C in 

der Höhe von voraussichtlich CHF 578'722.80 (act. 1 S. 2, N. 16, 101 ff., 128 ff.; 

act. 38 N. 31). Nachdem die Sanierung des Dachs C nach Klageeinleitung vorge-

nommen worden war, änderte die Klägerin das Rechtsbegehren Ziffer 1 in der 

Replik vom 31. Januar 2019 dahingehend ab, dass nunmehr die effektiv angefal-

lenen Sanierungskosten in der Höhe von CHF 433'784.40 geltend gemacht wer-

den, wobei die Klägerin einen Nachklagevorbehalt anbringt (act. 38 S. 2, N. 9, 16 

ff., 32). Mit Rechtsbegehren Ziffer 2 der Klage forderte die Klägerin den Ersatz 

von bereits angefallenen Mangelfolgeschäden in der Höhe von CHF 130'692.65 

(act. 1 S. 2, N. 137 ff.). Mit in der Replik geändertem Rechtsbegehren Ziffer 2 ver-

langt sie zusätzlich den Ersatz der in der Zwischenzeit weiteren angefallenen 

Kosten in der Höhe von CHF 7'272.70 (act. 38 S. 2, N. 10, 346 ff.). 

1.2.2. Gemäss Art. 227 Abs. 1 ZPO ist eine Klageänderung zulässig, wenn der 

geänderte oder neue Anspruch nach der gleichen Verfahrensart zu beurteilen ist 

und mit dem bisherigen Anspruch in einem sachlichen Zusammenhang steht (lit. 

a) oder wenn die Gegenpartei zustimmt (lit. b). 

1.2.3. Sowohl hinsichtlich Rechtsbegehren Ziffer 1 als auch hinsichtlich Rechts-

begehren Ziffer 2 ändert die Klageänderung nichts an der Verfahrensart. Hinsicht-

lich Rechtsbegehren Ziffer 1 werden anstatt eines Vorschusses für die voraus-

sichtlichen Sanierungskosten für das Dach C die nunmehr effektiv angefallenen 

Sanierungskosten für eben dieses Dach geltend gemacht. Der sachliche Zusam-

menhang ist daher gegeben. Dasselbe gilt in Bezug auf Rechtsbegehren Ziffer 2, 

in welcher Hinsicht in der Zwischenzeit zusätzlich angefallene Kosten als Mangel-

folgeschaden geltend gemacht werden. Ohnehin stimmen die Beklagten 1 und 2 

der Klageänderung zu (Beklagte 1: act. 48 N. 53 f.; Beklagte 2: act. 51 N. 79 f.). 

1.2.4. Die Klage ist im Umfang der Reduktion von Rechtsbegehren Ziffer 1, 

CHF 144'938.40 [CHF 578'722.80 - CHF 433'784.40], als durch Klagerückzug er-

- 12 - 

ledigt abzuschreiben (Art. 241 Abs. 3 ZPO). Auf die Kosten- und Entschädigungs-

folgen ist nachfolgend unter Erw. 7 einzugehen. 

1.3. Teilweise Gegenstandslosigkeit von Rechtsbegehren Ziffer 3 

Es ist unbestritten, dass die Beklagte 1 im Juni 2017 und damit nach Einleitung 

des vorliegenden Verfahrens sämtliche Dilatationen entlang der Ränder der Dä-

cher A und B (im Folgenden: "Dachränder A und B") mit einer zusätzlichen PBD-

Bahn überklebte und somit die Nachbesserungsarbeiten gemäss Rechtsbegehren 

Ziffer 3 Punkt 2 der Klage ausführte. Obgleich die Beklagte 1 die drei undichten 

Dilatationselemente gemäss Rechtsbegehren Ziffer 3 Punkt 1 der Klage nicht er-

setzte, sind sich die Klägerin und die Beklagte 1 darin einig, dass mit den von der 

Beklagten 1 ausgeführten Nachbesserungsarbeiten die Rechtsbegehren Ziffer 3 

Punkte 1 und 2 gegenstandslos wurden (Klägerin: act. 38 N. 11, 28, 411 ff., 479, 

501 ff., 891; Beklagte 1: act. 20 N. 10 ff., 43, 68, 94 ff. und act. 48 N. 44, 55, 857). 

Die Erfüllung der fraglichen Begehren durch die Beklagte 1 stellt keine Klagean-

erkennung im Sinne von Art. 241 dar, sondern führt zur Gegenstandslosigkeit des 

Verfahrens aus anderen Gründen (Art. 242 ZPO) im diesbezüglichen Umfang, da 

das klägerische Rechtsschutzinteresse entfallen ist (JULIA GSCHWEND / DANIEL 

STECK, in: Spühler / Tenchio / Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische 

Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl., Basel 2017, Art. 241 N. 28 und Art. 242 N. 

12). Diese Begehren sind dementsprechend zufolge Gegenstandslosigkeit abzu-

schreiben. Auf die diesbezüglichen Kosten- und Entschädigungsfolgen ist nach-

folgend unter Erw. 7 einzugehen. 

Die Klägerin hat die einzelnen Rechtsbegehren gemäss Ziffer 3 nicht nummeriert. 

Soweit deshalb im Folgenden z.B. vom Rechtsbegehren Ziffer 3 "Punkt 1" die 

Rede ist, bezieht sich dies auf das geänderte Rechtsbegehren Ziffer 3 gemäss 

Replik. 

2. Überblick über die bauliche Situation 

2.1. In den Rechtsschriften der Parteien sowie in verschiedenen Beilagen wird 

das höherliegende Flachdach über dem Schwimmerbecken des Hallenbads als 

- 13 - 

"Dach A", das ebenfalls höherliegende Flachdach über dem Nichtschwimmerb-

ecken als "Dach B" und das tieferliegende Flachdach zwischen den Dächern A 

und B sowie über dem Eingangsbereich und der Cafeteria als "Dach C" bezeich-

net (vgl. die nachstehenden Pläne, act. 20 N. 35 und act. 3/48 S. 7). Diese Termi-

nologie wird im Folgenden verwendet. 

Draufsicht: 

 

Seitenansicht:  

 

2.2. Die vorbestehende Konstruktion besteht aus einer offenen Glas-

Metallfassade mit Cortenstahl-Stützen. Über diese Fassade sind die höher gele-

genen Dächer A und B mit dem tieferliegenden Dach C verbunden. Die Corten-

- 14 - 

stahl-Stützen der Fassade münden jeweils direkt in eine über dem Niveau des 

Flachachs C gelegene Fensterbank, die ebenfalls aus Cortenstahl besteht (act. 

3/48 S. 32): 

 

Vor der streitgegenständlichen Gesamtsanierung in den Jahren 2009 und 2010 

konnte durch diese hohlen Cortenstahl-Stützen sich bildendendes Kondens- so-

wie auch eindringendes Schlagregenwasser aus Entwässerungsöffnungen am 

unteren Ende der Cortenstahl-Stützen auf das Dach C abfliessen und dort ver-

dunsten (Klägerin: act. 1 N. 109, 157 und act. 38 N. 676; Beklagte 1: act. 20 N. 

45, 171 ff.; Beklagte 2: act. 18 N. 215 und act. 51 N. 28). Darüber hinaus wurde 

Wasser, welches über eine Dilatationsfuge beim Stoss der Fensterbank-Elemente 

unter die Fensterbank gelangen konnte, mittels einer im Fuss der Cortenstahl-

Stützen unterkant eingebrachte Folie auf das Dach C abgeleitet, wo es verdunste-

- 15 - 

te (Klägerin: act. 38 N. 439, 578 f.; Beklagte 1: act. 20 N. 45, 174 f. und act. 48 N. 

969; Beklagte 2: act. 51 N. 664 f.). 

3. Bedeutung des Gutachtens von M._____ 

3.1. Im Rahmen der sich über mehrere Jahre hinziehenden Ursachenforschung 

hinsichtlich der nach der streitgegenständlichen Sanierung wiederholt auftreten-

den Wassereintritte ins Hallenbad sowie der Diskussionen der Parteien hinsicht-

lich der Verantwortlichkeiten einigten sich die Parteien darauf, gemeinsam bei 

M._____, Eidg. Dipl. Dachdeckermeister sowie Experte Gebäudehülle des 

N._____ (im Folgenden: "M._____"), ein Gutachten einzuholen. Diesem Gutach-

ten sollte nicht die Bedeutung eines Schiedsgutachtens im Sinne von Art. 189 

ZPO zukommen. M._____ sollte zur Abklärung der tatsächlichen Verhältnisse 

vielmehr verschiedene Schadensbilder begutachten und diesbezügliche Fragen 

der Parteien beantworten (Klägerin: act. 1 N. 77 ff. und act. 38 N. 25, 970; Beklag-

te 1: act. 20 N. 345 ff. und act. 48 N. 64; Beklagte 2: act. 18 N. 90 und act. 51 N. 

92; act. 3/46 ff.). Zum Vorabzug des Gutachtens vom 8. April 2016 (act. 3/48) 

stellten die Parteien Ergänzungsfragen (act. 3/49-51), zu welchen sich M._____ 

mit Stellungnahmen vom 23. und vom 31. Mai 2016 äusserte (act. 3/52-53). Eine 

bereinigte Version des Gutachtens wurde nicht zu den Akten gereicht, vielmehr 

nennen die Parteien den Vorabzug verschiedentlich "Gutachten". Diese Termino-

logie wird im Folgenden übernommen. Die Stellungnahmen von M._____ zum 

Gutachten werden explizit als solche bezeichnet. 

3.2. Während sich die Klägerin in ihrer Argumentation zu grossen Teilen auf die 

Erkenntnisse von M._____ abstützt, bringt die Beklagte 1 in Bezug auf dessen 

Schlussfolgerungen verschiedene Vorbehalte an (vgl. etwa act. 20 N. 349 ff.). 

Auch die Beklagte 2 hält das Gutachten für fehlerhaft, widersprüchlich und auf fal-

schen Annahmen basierend (vgl. z.B. act. 51 N. 48, 92, 1080 ff., 1093). Die Be-

klagten 1 und 2 gehen übereinstimmend davon aus, dass es sich um ein blosses 

Privat- bzw. Parteigutachten ohne besonderen Beweiswert handelt (act. 18 N. 90, 

184 und act. 51 N. 6, 91 f., 533, 919, 936, 1016, 1072, 1178 f.; act. 48 N. 

1291, 1308). Die Klägerin hingegen vertritt den Standpunkt, dass das Gutachten 

aufgrund der Einigung der Parteien in Bezug auf den Gutachter, der sich zur 

- 16 - 

Neutralität verpflichtet habe, und der Gelegenheit für Ergänzungsfragen nicht ein 

gewöhnliches Parteigutachten darstelle (act. 38 N. 25, 970, 1074). Sie offeriert 

zum Beweis verschiedener Tatsachenbehauptungen zudem die Einvernahme von 

M._____ als sachverständigen Zeugen.  

3.3. Auch die Klägerin bestreitet zu Recht nicht, dass dem Gutachten nicht die 

Bedeutung eines gerichtlichen Gutachtens zukommt. Gemäss ständiger Recht-

sprechung des Bundesgerichts ist Parteigutachten nämlich nicht die Qualität von 

Beweismitteln, sondern von blossen Parteibehauptungen beizumessen (vgl. BGE 

141 III 433 ff. Erw. 2.3 und 2.6 mit zahlreichen Hinweisen). In diesem Sinne hat 

das Bundesgericht auch im genannten Entscheid festgehalten, dass die Aufzäh-

lung der zulässigen Beweismittel in Art. 168 Abs. 1 ZPO (Zeugnis, Urkunde, Au-

genschein, Gutachten, schriftliche Auskunft sowie Parteibefragung und Beweis-

aussage) abschliessend ist und unter "Gutachten" einzig vom Gericht eingeholte 

Gutachten zu verstehen sind. Es ist weiter – entgegen der Ansicht der Klägerin 

(act. 38 N. 25) – auch nicht zulässig, ein Privatgutachten unter dem Titel der Ur-

kunde doch noch als Beweismittel für die inhaltliche Richtigkeit der im Gutachten 

enthaltenen Aussagen in das Verfahren einzubringen (BGE 141 III 433 ff. Erw. 

2.5). Daran ändert nichts, dass das von M._____ erstellte Gutachten vorliegend 

von allen Parteien gemeinsam in Auftrag gegeben worden war. Die Parteien woll-

ten das Gutachten explizit nicht als verbindliches Schiedsgutachten verstanden 

wissen. Zu einer solchen Verbindlichkeit oder einem Beweiswert kann dem Pri-

vatgutachten vorliegend auch nicht mit einer Befragung des Privatgutachters als 

sachverständiger Zeuge verholfen werden, auch wenn sich M._____ zu Neutrali-

tät verpflichtet und mit einer solchen Befragung einverstanden erklärt hat. Darle-

gungen eines sachverständigen Zeugen sollen und können ein Gutachten regel-

mässig nicht ersetzen. Aufgabe eines Gutachters ist es, gestützt auf eigenes 

Fachwissen Tatsachen festzustellen, dem Gericht wissenschaftliche Erfahrungs-

sätze zu vermitteln oder Tatsachen auf Grund solcher Erfahrungssätze zu beurtei-

len (ANETTE DOLGE, in: Spühler / Tenchio / Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar 

Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl., Basel 2017, Art. 183 N. 4). 

Demgegenüber kann Zeugnis ablegen, wer Aussagen über streitige Tatsachen 

machen kann, die er mit seinen eigenen Sinnen "unmittelbar wahrgenommen" hat 

- 17 - 

(Art. 169 ZPO). Während beim Zeugen mithin der Umstand der eigenen unmittel-

baren Wahrnehmung von Belang ist, ist es beim Gutachter der Sachverstand und 

seine Unabhängigkeit von den Parteien (Art. 183 Abs. 1 und 2). Zwar können ei-

nem sachverständigen Zeugen gemäss Art. 175 ZPO nebst Fragen zu seinen ei-

genen unmittelbaren Wahrnehmungen auch solche zur Würdigung des Sachver-

halts gestellt werden. Diese Möglichkeit muss allerdings auf einfache und wenig 

komplexe Fälle beschränkt bleiben (vgl. zum Ganzen bereits das Urteil 

HG120008 vom 23. Oktober 2013, Erw. 6.5.4.2 m. H.), was vorliegend offensicht-

lich nicht der Fall ist. Wie nachfolgend im Einzelnen zu zeigen sein wird, liessen 

sich die sich hier stellenden Beweisfragen grundsätzlich einzig durch das Be-

weismittel des Gutachtens beantworten. Wenn insbesondere der Kausalzusam-

menhang zwischen gewissen Schadensbildern und von der Klägerin behaupteten, 

den Beklagten 1 und 2 anzulastenden Schadensursachen streitig und daher im 

Rahmen des Beweisverfahrens zu erstellen ist, dann kommt es auf Umstände an, 

die im obgenannten Sinne allgemeingültig und gerade nicht von den Wahrneh-

mungen bestimmter Personen bzw. Zeugen – vorliegend von M._____ – abhän-

gig sind. Der guten Ordnung halber ist zu ergänzen, dass dies selbstredend auch 

gelten würde, falls die Klägerin durch ihre erneute Sanierung im Sommer 2017 ei-

ne Beweisnot herbeigeführt hätte, indem sie den zu beurteilenden Zustand besei-

tigt und damit eine gutachterliche Beurteilung im Sinne von Art. 183 ZPO verun-

möglicht hätte.  

3.4. Die Klägerin beantragt eingangs ihrer Replik denn auch selbst ein gerichtli-

ches Akten-Gutachten "zur Beurteilung der Schäden und Mängel an den Flach-

dächern A, B und C", weil die Beklagten 1 und 2 die Erkenntnisse von M._____ 

teilweise in Zweifel zögen. Das gerichtliche Gutachten solle zu den "nämlichen 

Fragen" Stellung nehmen und beurteilen, "ob die Flachdächer A, B und C im Zeit-

punkt der Klageeinleitung mangelhaft bzw. schadhaft waren und auf welche Ursa-

chen diese Mängel zurückzuführen" seien. Zwar sei der zu beurteilende bauliche 

Zustand beseitigt, aber sämtliche M._____ vorgelegten Unterlagen noch vorhan-

den, weshalb ein gerichtliches Gutachten gestützt auf die Akten ohne weiteres 

möglich sei (act. 38 N. 26). Ob die sich stellenden Beweisfragen mit einem reinen 

Akten-Gutachten noch geklärt werden könnten, erscheint zweifelhaft, kann aber 

- 18 - 

offenbleiben. Denn das von der Klägerin offerierte Gutachten genügt den gesetz-

lichen Anforderungen an eine Beweisofferte ohnehin nicht. Ein Beweismittel ist 

nur dann als formgerecht angeboten zu betrachten, wenn sich die Beweisofferte 

eindeutig der damit zu beweisenden Tatsachenbehauptung zuordnen lässt und 

umgekehrt (Prinzip der Beweisverbindung). Wenn zu einem konkreten Beweis-

thema keine Beweismittel angeboten werden, ist das Gericht auch nicht gehalten, 

diese abzunehmen, wenn sie in einem anderen Zusammenhang angeboten wor-

den sind (CHRISTOPH LEUENBERGER, in: Sutter-Somm / Hasenböhler / Leuenberger 

[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Zürich 

2016, Art. 221 N. 51 unter Hinweis auf BGer-Urteil 4A_56/2013 vom 4. Juni 2013 

Erw. 4.4; ERIC PAHUD, in: Brunner / Gasser / Schwander [Hrsg.], Schweizerische 

Zivilprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2016, Art. 221 N. 17). Genauso ist ein Gut-

achten, welches eingangs einer Rechtsschrift gewissermassen pauschal zu ei-

nem ganzen Sachverhaltskomplex beantragt wird, nicht abzunehmen: Ein Gut-

achten zur Frage, "ob die Flachdächer A, B und C im Zeitpunkt der Klageeinlei-

tung mangelhaft bzw. schadhaft waren und auf welche Ursachen diese Mängel 

zurückzuführen sind", bezieht sich offensichtlich nicht auf konkrete Tatsachenbe-

hauptungen, über welche Beweis abgenommen werden könnte, sondern deckt 

den gesamten Prozessgegenstand ab. Ein gerichtliches Gutachten wäre vielmehr 

zu konkreten Tatsachenbehauptungen zu offerieren gewesen. Wie nachfolgend 

zu zeigen sein wird, hat die Klägerin dies versäumt. 

4. Haftung der Beklagten 1 

4.1. Ausgangslage 

4.1.1. Gemäss Ziffer 2.2.1 GU-Vertrag (act. 3/3) kommt die SIA-Norm 118 Aus-

führung von Bauarbeiten, Ausgabe 1977/1991, (im Folgenden: "SIA-118") zur 

Anwendung, soweit sie auf Generalunternehmer-Verträge anwendbar ist und im 

Vertrag nichts anderes bestimmt wird. Zusätzlich wurden die SIA-

Honorarordnungen und SIA-Normen der einzelnen Arbeitsgattungen zum Ver-

tragsbestandteil erklärt (act. 3/3 S. 3; Klägerin: act. 1 N. 22 und act. 38 N. 462, 

Beklagte 1: act. 48 N. 882).  

- 19 - 

4.1.2. Die Klägerin macht der Beklagten 1 verschiedene Vertragsverletzungen 

bzw. Werkmängel und Mangelfolgeschäden zum Vorwurf, welche nachfolgend im 

Einzelnen zu prüfen sein werden: 

Die Klägerin lastet der Beklagten 1 erstens (Rechtsbegehren Ziffer 1) eine voll-

ständige Durchnässung des neu erstellten Flachdachs C und einen dadurch ver-

ursachten (Total-) Schaden an. Sie macht in diesem Zusammenhang geltend, an 

den Dachrändern A und B seien die von der Subunternehmerin der Beklagten 1 

verbauten Dilatationen (vor Abklebung mit einer zusätzlichen Folie im Sommer 

2017) undicht gewesen (act. 1 N. 105 ff.; act. 38 N. 449, 650, 653 ff., 673 f., 677, 

682, 685 ff., 990). Die Klägerin bringt weiter vor, dass das über die undichten Dila-

tationen und auf andere Weise in die Cortenstahl-Stützen eintretende Wasser in 

das Dach C geflossen sei, weil die Entwässerungsöffnungen an den Cortenstahl-

Stützen verschlossen worden seien. Es liege ein diesbezüglicher Planungsfehler 

der Beklagten 2 vor, den die Beklagte 1 als Bauleiterin und ihre Subunternehme-

rin als ausführende Unternehmerin hätte erkennen und abmahnen müssen. Auch 

infolge Verletzung dieser Abmahnungspflicht hafte die Beklagte 1 für den beim 

Dach C eingetretenen Schaden, weshalb die Beklagte 1 (zusammen mit der Be-

klagten 2) für die entsprechenden Sanierungskosten einstehen müsse (act. 1 N. 

112; act. 38 N. 460 ff., 660, 673 f.).  

Die Klägerin verlangt weiter alleine von der Beklagten 1 verschiedene Nachbes-

serungsarbeiten (Rechtsbegehren Ziffer 3). So wirft sie ihr bzw. ihrer Subunter-

nehmerin zweitens (Rechtsbegehren Ziffer 3 Punkt 1) vor, im Rahmen der Ge-

samtsanierung die EPDM-Folie hinter der Wärmedämmschicht entlang der 

Dachränder A und B gelöst und anschliessend falsch wieder verklebt zu haben, 

sodass Wasser in den Innenbereich eindringen könne. Die Klägerin verlangt des-

halb die Neuverklebung dieser EPDM-Folie (act. 1 N. 52, 107, 121; act. 38 N. 488 

f., 528 ff.). Die Klägerin macht drittens (Rechtsbegehren Ziffer 3 Punkt 2) geltend, 

die Subunternehmerin der Beklagten 1 habe entlang der Dächer A und B die 

Flachdachwärmedämmung nicht sauber angeschnitten, weshalb diese Hohlräume 

von bis zu 60mm aufweise. Die Klägerin fordert deshalb die Ausdämmung dieser 

Hohlräume (act. 1 N. 107; act. 38 N. 538). Weiter macht die Klägerin die Beklagte 

- 20 - 

1 – wiederum als Folge von undichten Dilatationen – viertens (Rechtsbegehren 

Ziffer 3 Punkt 3) für feuchte Rinnbretter und Brettauflagen entlang der Dachränder 

A und B (act. 1 N. 46, 107; act. 38 N. 454 ff., 549) sowie fünftens (Rechtsbegeh-

ren Ziffer 3 Punkt 4) für eine durchnässte Wärmedämmung entlang der Dachrän-

der A und B (act. 1 N. 107; act. 38 N. 556 ff.) verantwortlich, weshalb sie deren 

Ersatz verlangt. Die Klägerin wirft der Beklagten 1 sechstens (Rechtsbegehren 

Ziffer 3 Punkt 5) vor, dass durch undichte Dilatationen eintretendes Wasser Was-

serspuren an den Hallenbad-Fenstern verursacht habe. Sie verlangt die Beseiti-

gung dieser Spuren (act. 1 N. 107; act. 38 N. 407, 566 ff.).  

Als weitere Mangelfolgeschäden der von der Beklagten 1 zu vertretenden Werk-

mängel bezeichnet die Klägerin schliesslich die Kosten für Beweissicherungs-

massnahmen, für Kontrollen und Sondagen, für Beurteilungen von drohenden 

Folgeschäden, für das von M._____ erstellte Gutachten, für zahlreiche Ausbesse-

rungsarbeiten im Gebäudeinnern und für Sofortmassnahmen zur Schadensab-

wehr. Der Ersatz dieser Kosten (unter solidarischer Haftung zusammen mit der 

Beklagten 2) ist Gegenstand des klägerischen Rechtsbegehrens Ziffer 2 (act. 1 N. 

137 ff.; act. 38 N. 346 ff., 689 ff., 1038 ff.). Da sich eine Haftung für diese Mangel-

folgeschäden an derjenigen für die verursachenden Werkmängel orientiert, ist auf 

diese Kosten zum Schluss einzugehen. 

4.2. Rechtsbegehren Ziffer 1: Ersatz der Sanierungskosten Dach C 

4.2.1. Haftung infolge Einbaus undichter Dilatationen 

4.2.1.1. Unbestrittener Sachverhalt 

Im Rahmen der streitgegenständlichen Gesamtsanierung verbaute die Subunter-

nehmerin der Beklagten 1 entlang der Dachränder A und B 46 neue Dilatationen 

(Klägerin: act. 38 N. 435 f.; Beklagte 1: act. 20 N. 41 f. und act. 48 N. 856). Nach 

einem gemeinsamen Wässerungsversuch am 25. November 2014 wurden von 

der Beklagten 1 erstmals undichte Dilatationen als Auslöser von Wassereintritten 

erwähnt. Im Dezember 2014 liess die Beklagte 1 zwei Dilatationen ersetzen (Klä-

gerin: act. 1 N. 57 ff.; Beklagte 1: act. 20 N. 89 f., 325 f. und act. 48 N. 856, 869). 

- 21 - 

Im Jahr 2016 wurden insgesamt drei weitere undichte Dilatationen entdeckt (Klä-

gerin: act. 38 N. 436, 503, 756; Beklagte 1: act. 20 N. 42, 91, 350 und act. 48 N. 

68, 856, 869). Am 14. November 2016 rügte die Klägerin deshalb gegenüber der 

Beklagten 1, dass sämtliche Dilatationen an den Dachrändern A und B mangel-

haft bzw. undicht seien (Klägerin: act. 1 N. 91; act. 3/60). Mit Schreiben vom 

27. Januar 2017 bot die Beklagte 1 an, sämtliche Dilatationen mit einer zusätzli-

chen PBD-Bahn zu überkleben (Klägerin: act. 1 N. 94; Beklagte 1: act. 20 N. 362; 

act. 3/63;). Im Juni 2017 führte die I._____ AG als Subunternehmerin der Beklag-

ten 1 diese Überklebung aus, womit dieser von der Klägerin behauptete (Primär-) 

Mangel behoben wurde (Klägerin: act. 38 N. 11, 437, 501, 891; Beklagte 1: 

act. 20 N. 43, 95 f., 101, 104 und act. 48 N. 857).  

Vor dieser Überklebung floss durch undichte Dilatationen eindringendes Regen-

wasser in die offene Fassaden-Konstruktion bzw. in die Cortenstahl-Stützen (Klä-

gerin: act. 38 N. 674 f., 677, 685; Beklagte 1: act. 20 N. 232). Im Zuge der streit-

gegenständlichen Gesamtsanierung wurde die Abdichtungsebene von Dach C in-

folge einer dickeren Wärmedämmschicht angehoben, wodurch die Entwässe-

rungsöffnungen an den Cortenstahl-Stützen verschlossen wurden. In der Folge 

konnte in den Cortenstahl-Stützen befindliches Wasser nicht mehr auf das Dach 

C abfliessen, sondern floss nunmehr in das Dach C (Klägerin: act. 1 N. 38 ff., 

83, 109 f., 157 und act. 38 N. 446 f., 676; Beklagte 1: act. 20 N. 48, 201, 217 und 

act. 48 N. 28, 885, 1015), wo es die Wärmedämmung durchnässte (Klägerin: act. 

1 N. 108 ff.; act. 38 N. 449, 475, 653 f., 673 f., 682, 774; Beklagte 1: act. 20 N. 

233, 267). 

4.2.1.2. Parteistandpunkte 

Die Klägerin bringt unter Hinweis auf eine Schätzung von M._____ (vgl. act. 3/53) 

vor, dass bis zu 90% des in das Dach C bzw. dessen Wärmedämmung einge-

drungenen Wassers auf die undichten Dilatationen zurückzuführen seien (act. 1 

N. 88; act. 38 N. 449, 650, 774, 990). Das restliche, aufgrund von Kondensation 

und Schlagregen über die Cortenstahl-Stützen in das Dach C eindringende Was-

ser hätte nach Ansicht der Klägerin sodann allein erst nach rund zehn Jahren zum 

Totalschaden im Dach C geführt (act. 1 N. 88; act. 38 N. 684, 1120). Im Übrigen 

- 22 - 

hält die Klägerin die von der Beklagten 1 genannten, weiteren Schadensursachen 

für irrelevant (act. 38 N. 653 f., 762). 

Die Beklagte 1 bestreitet, dass alle Dilatationen undicht waren (act. 20 N. 11, 43, 

64, 104, 350, 359, 371; act. 48 N. 68, 834, 856, 869, 891, 950, 954, 1244, 1288) 

und die tatsächlich undichten Dilatationen direkte Ursache des Schadens im Dach 

C sind; vielmehr könnten die undichten Dilatationen weggedacht werden, ohne 

dass der Schaden im Dach C entfiele. Einerseits sei erst durch die Abdichtung der 

Entwässerungsöffnungen in den Cortenstahl-Stützen überhaupt eine Kausalkette 

zwischen undichten Dilatationen und Wasserschaden im Dach C hergestellt wor-

den (act. 20 N. 267). Andererseits bestünden zahlreiche andere Schadensursa-

chen, namentlich die Stossfugen der Fensterbank unter den Stützen, die Abdich-

tung anlässlich einer früheren Sanierung, weitere Öffnungen/Aussparungen in der 

Fensterbank innerhalb der Cortenstahl-Stützen sowie unfachmännisch durchge-

führte Sondagen und Kontrollstutzen. Es sei völlig offen, in welchem Umfang wel-

che Schadensursache zur Durchnässung des Dachs C geführt hätten. Diese un-

klare Situation müsse nach Beseitigung des angeblich schadhaften Zustands 

durch die Klägerin zu Lasten der beweisbelasteten Klägerin gehen (act. 20 N. 51 

f., 193, 229 ff., 253; act. 48 N. 891, 1017 ff.). 

4.2.1.3. Rechtliches 

Ein Werk ist mangelhaft, wenn ihm zugesicherte, vertraglich vereinbarte oder we-

gen Gebrauchstauglichkeit und Verkehrsanschauung nach Treu und Glauben 

auch ohne Vereinbarung vorausgesetzte Eigenschaften fehlen (BGE 114 II 239 ff. 

Erw. 5aa; BGer-Urteil 4A_570/2020 vom 6. April 2021 Erw. 3.1; vgl. Art. 166 SIA-

118). Die Differenz zwischen "Sollbeschaffenheit" und der tatsächlichen Beschaf-

fenheit bildet das Begriffsmerkmal des Werkmangels (GAUDENZ G. ZINDEL / BE-

TRAND G. SCHOTT in: Widmer Lüchinger / Oser [Hrsg.], Basler Kommentar Obliga-

tionenrecht I, 7. Aufl., Basel 2019, Art. 368 N. 9). Das abgelieferte Werk muss 

mangels anderer Vereinbarung so beschaffen sein, dass es für den massgebli-

chen Gebrauchszweck in vollem Umfang taugt (vgl. Art. 166 Abs. 2 SIA-118). 

Dies bestimmt sich nach dem, was für ein Werk der betreffenden Art und Ge-

brauchsbestimmung gebräuchlich ist. Massgebend sind die Grundsätze, welche 

- 23 - 

die Verkehrsanschauung als objektiv vernünftig und richtig anzusehen pflegt. Ent-

sprechend schuldet der Unternehmer ein Werk, dass nach der Beschaffenheit 

mindestens den anerkannten Regeln der Baukunde oder einem gleichwertigen 

Standard zum Zeitpunkt der Ausführung entspricht (BGer Urteil 4A_428/2007 vom 

2. Dezember 2008 Erw. 3.1; PETER GAUCH, Der Werkvertrag, 6. Aufl., Zürich / Ba-

sel / Genf 2019, N. 1406 ff.). 

Es wird zwischen Primär- und Sekundärmängeln unterschieden (BGer-Urteil 

4A_303/2017 vom 13. Dezember 2017 Erw. 3.4). Der Primärmangel besteht be-

reits bei Ablieferung des Werks. Er bildet die Ursache des Sekundärmangels, der 

nach der Ablieferung an demselben Werk entsteht. Beim Sekundärmangel han-

delt es sich nicht um eine Vergrösserung des Primärmangels, sondern um einen 

neuen Mangel, der durch den Primärmangel bedingt ist (BGer-Urteil 4A_109/2014 

vom 21. Mai 2014 Erw. 3.3.1). Wenn ein ("Primär-") Mangel nicht an demselben 

Werk, sondern am übrigen Eigentum des Bestellers zu einem Schaden führt, liegt 

kein Sekundärmangel, sondern ein Mangelfolgeschaden vor (GAUCH, a.a.O., N. 

1865). 

4.2.1.4. Würdigung 

4.2.1.4.1. Zumindest im Grundsatz unstrittig ist wie bereits erwähnt, dass nach 

der Ablieferung des Werks Wasser durch undichte Dilatationen eindrang und ins 

Dach C gelangte, wo es die Wärmedämmung durchnässte und einen Schaden 

verursachte. Das Dach C bzw. die darin verbaute Wärmedämmung gehört wie die 

undichten Dilatationen zum von der Beklagten 1 erstellten Werk. Beim genannten 

Schaden im Dach C würde es sich folglich um einen Sekundärmangel handeln. 

4.2.1.4.2. Die Klägerin lässt indessen ausführen, dass sämtliches Wasser, wel-

ches über die undichten Dilatationen seinen Weg ins Dach C fand, durch die Cor-

tenstahl-Stützen dorthin gelangte (act. 38 N. 674 f., 677, 685). Die undichten Dila-

tationen haben folglich selbst nach klägerischer Darstellung nur deshalb zu einem 

Schaden am Dach C geführt, weil die Entwässerungsöffnungen in den Corten-

stahl-Stützen verschlossen worden waren. Wären diese Entwässerungsöffnungen 

nicht verschlossen worden, hätte das durch die undichten Dilatationen in die Cor-

- 24 - 

tenstahl-Stützen eindringende Wasser auf das Dach C abfliessen können, ohne 

einen Schaden anzurichten. In diesem Sinne macht die Klägerin weiter geltend, 

das Abdichten der Entwässerungsöffnungen hätte im Dach C auch ohne das 

Wasser, welches durch die undichten Dilatationen eingedrungen ist, innert zehn 

Jahren zu einem Totalschaden geführt (act. 1 N. 88; act. 38 N. 684, 1120). Die 

Klägerin verweist in diesem Zusammenhang auch auf die damit übereinstimmen-

den Ausführungen von M._____, wonach die Mängel und Schäden beim Dach C 

hauptsächlich auf einen Planungsfehler zurückzuführen seien (act. 1 N. 157). 

Festzuhalten ist, dass sich der Begriff "hauptsächlich" allein auf die eintretende 

Wassermenge, nicht auf die eigentliche Schadenursache bezieht. Auch nach 

M._____ ist der Schaden am Dach C einzig auf die Abdichtung der Entwässe-

rungsöffnungen in den Cortenstahl-Stützen zurückzuführen (vgl. die von der Klä-

gerin zitierte Stelle, act. 3/48 S. 87).  

4.2.1.4.3. In diesem Zusammenhang ist folgendes Missverständnis klarzustellen: 

Die Klägerin weist in der Replik wiederholt auf ein Zitat aus dem Gutachten 

M._____ hinsichtlich eines nicht ausführbaren Details beim Abschluss der Flach-

dachabdichtung hin, was im Gutachten M._____ (ebenfalls) als Planungsfehler 

bezeichnet wird (act. 3/48 S. 82, 91). Diesen Planungsfehler macht die Klägerin 

der Beklagten 2 zwar an verschiedenen Stellen der Replik in missverständlicher 

Weise zum Vorwurf (act. 38 N. 973 ff., 1041, 1116, 1138) bzw. macht sie in act. 

38 N. 842 geltend, die Beklagte 2 habe in Verletzung ihrer Prüf- und Kontroll-

pflichten nicht bemerkt, dass „nicht nach Plänen gearbeitet“ worden sei. Dieser 

"Planungsfehler" bildet aber nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Wie 

sich aus dem Zitat aus dem Gutachten M._____ (act. 3/48 S. 82, 91) und aus der 

übrigen Argumentation der Klägerin ergibt, bezieht sich die vorgebrachte Planab-

weichung nicht auf das Verschliessen der Entwässerungsöffnungen, sondern al-

lein auf den Anschluss des Dachs C an die Fensterscheibe bzw. die Fensterbank. 

In diesem Sinne führt die Beklagte 1 in der Klageantwort unter dem Titel "Pla-

nungsfehler 1" klärend aus, ein erster Planungsfehler der Beklagten 2, nämlich 

der bautechnisch falsch geplante Anschluss der Dichtung direkt an die Fenster-

scheibe sei aufgrund der Intervention der Beklagten 1 korrigiert und die Abdichtfo-

lie stattdessen ohne Wärmedämmschicht direkt auf der Fensterbank angebracht 

- 25 - 

worden. Unter dem Titel "Planungsfehler 2" macht die Beklagte 1 sodann Ausfüh-

rungen zur Entwässerung über die Cortenstahl-Stützen, welche von der Beklag-

ten 2 bei ihrer Planung nicht beachtet worden sei, was – wie von der Beklagten 2 

geplant – zum Verschliessen der Entwässerungsöffnungen mit einer Flüssig-

kunststoff-Abdichtung geführt habe (act. 20 N. 197 ff., 315; act. 48 N. 992). Die 

Klägerin bestätigt im Ergebnis die Ausführungen der Beklagten 1 zum "Planungs-

fehler 1" (act. 38 N. 617 ff., 938). Die Beklagte 2 führt zu den Ausführungen der 

Beklagten 1 zum "Planungsfehler 1" duplicando aus, die Beklagte 1 habe diese 

Abweichung von der Ausführungsplanung ohne Information und Rücksprache mit 

der Beklagten 2 eigenmächtig vorgenommen. Die Beklagte 2 habe davon erst 

nach Bauabschluss Kenntnis erhalten. Sie bestreitet die im Gutachten M._____ 

statuierte technische Undurchführbarkeit der ursprünglichen Planung. Die Beklag-

te 2 vermischt diese Thematik – möglicherweise aufgrund der irreführenden klä-

gerischen Ausführungen – indessen mit dem vorliegend einzig relevanten "Pla-

nungsfehler 2", und folgert daraus, dass die Beklagte 1 in Abweichung von der 

Ausführungsplanung die Entwässerungsöffnungen bei den Cortenstahl-Stützen 

abgedichtet habe (vgl. z.B. act. 51 N. 30 ff., 65, 936, 949, 1038, 1075, 1214). Dies 

ist unzutreffend. Der Abschluss der Flachdachabdichtung ("Planungsfehler 1") hat 

soweit ersichtlich keinen Zusammenhang mit dem Verschliessen der Entwässe-

rungsöffnungen ("Planungsfehler 2"). Die vorliegend allein interessierende Ab-

dichtung der Entwässerungsöffnungen war mithin bereits in der (Ausführungs-) 

Planung der Beklagten 2 vorgesehen und wurde von der Beklagten 1 plankonform 

umgesetzt (Klägerin: act. 38 N. 618; Beklagte 1: act. 20 N. 198). Dies entsprach 

im Übrigen in der Klageantwort auch noch der Haltung der Beklagten 2 (act. 18 N. 

63 f., 226). So anerkannte sie explizit, den höheren Dachaufbau geplant zu ha-

ben, welcher die Entwässerungsöffnungen in der Folge verdeckte, weil ihr die 

Entwässerungsöffnungen mangels Einzeichnung in den ihr von der Klägerin zu-

gestellten Bestandesplänen nicht bekannt gewesen seien. Sofern die Beklagte 2 

dies in ihrer Duplik neu bestreiten wollte (act. 51 N 5 ff.), wäre dies widersprüch-

lich. Die von der Beklagten 2 geplante und von der Beklagten 1 umgesetzte Kon-

struktion, welche die Entwässerungsöffnungen verschloss, wird im Folgenden als 

- 26 - 

Planungsfehler bezeichnet. Ob die Beklagte 2 diesen Fehler zu vertreten hat bzw. 

eine diesbezügliche Haftung besteht, wird an anderer Stelle zu prüfen sein. 

4.2.1.4.4. Nach einem allgemein geltenden Grundsatz wird ein grundsätzlich be-

stehender natürlicher Kausalzusammenhang unterbrochen und greift keine Haf-

tung, wenn der präsumtiv Haftpflichtige beweisen kann, dass ein rechtmässiges 

Alternativverhalten denselben Schaden bewirkt hätte wie das tatsächlich erfolgte 

rechtswidrige Verhalten (BGE 131 III 115 ff. Erw. 3.1 m. H.; BGer-Urteil 

4D_67/2014 vom 26. Januar 2015 Erw. 2.4.1). Vorliegend wäre selbst nach kläge-

rischer Darstellung derselbe (Total-) Schaden am Dach C auch ohne die undich-

ten Dilatationen eingetreten, bloss später. Gemäss dem vorstehend erwähnten 

Grundsatz kann die Klägerin unter diesen Umständen von der Beklagten 1 nur in-

soweit Schadenersatz verlangen, als das frühere Auftreten des Sekundärmangels 

– vorliegend die Durchnässung des Dachs C – höhere Kosten verursacht hat 

(BGer-Urteil 4D_67/2014 vom 26. Januar 2015 Erw. 2.4.2). Solches behauptet die 

Klägerin nicht. Sie macht im Gegenteil explizit geltend, die undichten Dilatationen 

hätten nichts am Schadensumfang und den erforderlichen Sanierungsmassnah-

men geändert (act. 1 N. 160). Entsprechend muss davon ausgegangen werden, 

dass derselbe Schaden in derselben Höhe auch bei rechtmässigem (Alternativ-) 

Verhalten der Beklagten 1 eingetreten wäre. Damit würde der natürliche Kausal-

zusammenhang zwischen den undichten Dilatationen und dem Schaden im Dach 

C entfallen, sofern er sich denn hätte erstellen lassen. Folglich besteht hinsichtlich 

des Schadens am Dach C von vornherein keine Haftung der Beklagten 1 auf-

grund undichter Dilatationen. 

4.2.1.4.5. Zu prüfen bleibt, ob eine Haftung der Beklagten 1 für den Schaden im 

Dach C besteht, weil sie hinsichtlich der Abdichtung der Entwässerungsöffnungen 

in den Cortenstahl-Stützen eine Abmahnungspflicht verletzt hat. 

4.2.2. Haftung infolge Verletzung einer Abmahnungspflicht 

4.2.2.1. Parteistandpunkte 

- 27 - 

Die Klägerin wirft der Beklagten 1 vor, sie habe die fehlerhafte bzw. die Entwässe-

rungsöffnungen in den Cortenstahl-Stützen verschliessende Planung der Beklag-

ten 2 umgesetzt, ohne sie (die Klägerin) über die Folgen abzumahnen, obwohl die 

Beklagte 1 bzw. deren Subunternehmerin den Planungsfehler erkannt habe bzw. 

hätte erkennen sollen. Eine entsprechende Abmahnungspflicht der Beklagten 1 

leitet die Klägerin aus Art. 25 Abs. 1 und 2 bzw. Art. 101 Abs. 3 SIA-118 und aus 

Art. 1.3.51 SIA-Norm 102, Ausgabe 2003 (im Folgenden: "SIA-102") sowie aus 

vertraglichen Pflichten der Beklagten 1 ab (act. 38 N. 457 ff., 670 ff).  

Die Beklagte 1 bestreitet das Bestehen und die Verletzung einer Abmahnungs-

pflicht; sie bzw. ihre Subunternehmerin hätten die fehlerhafte Planung nicht er-

kannt. Die fehlerhafte Planung hätten sie weiter aus mehreren Gründen auch 

nicht erkennen müssen. Einerseits sei die Klägerin sachverständig sowie durch 

ihre Bauherrenvertretung und die Beklagte 2 sachverständig vertreten gewesen, 

weshalb eine Abmahnungspflicht gemäss Art. 25 Abs. 3 SIA-118 entfalle. Zudem 

sei eine Nachprüfung der Pläne nicht geschuldet und die Fehlerhaftigkeit der Pla-

nung auch nicht ohne weiteres erkennbar (Art. 25 Abs. 3 SIA-118) gewesen (act. 

20 N. 243 ff., 355, 376 f.; act. 48 N. 872 ff., 1033 ff.). Die Beklagte 1 sei insbeson-

dere nicht verpflichtet gewesen, komplizierte technische Untersuchungen durch-

zuführen; solche wären für sie aber nötig gewesen, um die Fehlerhaftigkeit der 

Planung erkennen zu können (act. 48 N. 879 f.). Die Beklagte 1 bestreitet 

schliesslich die Anwendbarkeit von Art. 1.3.51 der SIA-102 (act. 48 N. 882). 

4.2.2.2. Rechtliches 

Die Mängelrechte der Bestellerin fallen dahin, wenn diese entgegen den aus-

drücklichen Abmahnungen der Unternehmerin an seinen Weisungen über die 

Ausführung festhält und dadurch den Werkmangel selbst verschuldet hat (Art. 369 

OR). Für Werkmängel, die sich aus der Befolgung einer sachverständig erteilten 

Weisung ergeben, wird die Unternehmerin auch ohne Abmahnung von der Män-

gelhaftung befreit, sofern sie die Fehlerhaftigkeit der Weisung weder erkannte 

noch erkennen musste (BGE 116 II 305 ff. Erw. 2c)cc); BGE 116 II 454 ff. Erw. 2 

c)aa); BGer-Urteil 4A_37/2019 vom 30. April 2019 Erw. 3.4.2). Eine Unternehme-

rin muss die Fehlerhaftigkeit einer sachverständig erteilten Weisung erkennen, 

- 28 - 

wenn die Fehlerhaftigkeit offensichtlich ist oder wenn sie erstens zur Nachprüfung 

der Weisung verpflichtet ist und zweitens der bei ihr vorhandene oder von ihr 

nach den Umständen zu erwartende Sachverstand ausreicht, um die Fehlerhaf-

tigkeit der sorgfältig nachgeprüften Weisung zu erkennen (BGer-Urteil 

4A_213/2015 vom 31. August 2015 Erw. 4.4.2, mit Hinweis auf GAUCH, a.a.O., N. 

1968 ff.). Als offensichtlich fehlerhaft gilt eine Weisung, wenn sie für die Unter-

nehmerin aufgrund ihres tatsächlichen oder nach den Umständen zu erwartenden 

Sachverstands ohne Weiteres, d.h. ohne besondere Nachprüfung, erkennbar war. 

Dies ist etwa dann der Fall, wenn die Fehlerhaftigkeit der Weisung auf offenkun-

dig falschen Massen beruht, die Weisung den allgemein anerkannten Regeln der 

Technik im Fachbereich der Unternehmerin widerspricht oder wenn die Fehlerhaf-

tigkeit im Zusammenhang mit der konkreten Werkausführung evident zutage tritt 

(GAUCH, a.a.O., N. 1969). 

Im Geltungsbereich der SIA-118 enthält deren Art. 25, auf den Art. 166 Abs. 4 SI-

A-118 verweist, eine einschlägige Regelung. Art. 25 Abs. 3 SIA-118 sieht vor, 

dass der Unternehmer die ihm übergebenen Pläne und die Bausubstanz nur dann 

(nach-) zu prüfen hat, wenn der Bauherr weder durch eine Bauleitung vertreten 

noch selbst sachverständig, noch durch einen beigezogenen Sachverständigen 

beraten ist; der Unternehmer hat allerdings Unstimmigkeiten oder andere Mängel 

abzumahnen, die er bei der Ausführung seiner Arbeit tatsächlich erkennt. Unter 

Unstimmigkeiten sind dabei insbesondere Fehler, Widersprüche oder Lücken in 

(bzw. zwischen) Plänen zu verstehen (Urteil HG120094 vom 8. Mai 2014 Erw. 

3.3.4 unter Hinweis auf ROLAND HÜRLIMANN, in: Gauch / Stöckli [Hrsg.], Kommen-

tar zur SIA-Norm 118, Zürich / Basel / Genf 2017, Art. 25 N. 19).  

Auch die von der Klägerin angerufene SIA-102 enthält in Art. 1.3.51 eine entspre-

chende, allerdings weniger ausführliche Regelung. Nach dieser Bestimmung hat 

der Architekt den Auftraggeber auf Folgen seiner Weisungen, insbesondere hin-

sichtlich Terminen, Qualität und Kosten, aufmerksam zu machen und unzweck-

mässige Anordnungen und Begehren abzumahnen. Beharrt der Auftraggeber 

trotz Abmahnung auf seiner Weisung, ist der Architekt für deren Folgen nicht ver-

antwortlich. Diese Abmahnungspflicht entspricht inhaltlich der werkvertraglichen 

- 29 - 

Regelung von Art. 369 OR. Sie fliesst aber auch aus der auftragsrechtlichen Sorg-

falts- und Treuepflicht, weshalb es diesbezüglich auf die Qualifikation des Planer-

vertrags nicht ankommt (HUBERT STÖCKLI / PATRICK MIDDENDORF / ROGER ANDRES, 

SIA-Klauseln für Planerverträge, Erläuterungen zu Art. 1 der Leistungs- und Ho-

norarordnungen (SIA-LHO), Zürich / Basel / Genf 2020, S. 74). Art. 1.3.51 SIA-

102 deckt sich mit Art. 1.2.61 der im Jahre 2014 revidierten Fassung. Neu einge-

fügt wurde in der revidierten Fassung Art. 1.2.71. Dieser sieht vor, dass Arbeits-

ergebnisse sachverständiger Dritter grundsätzlich nicht zu überprüfen sind. Der 

Beauftragte darf diesfalls vielmehr darauf vertrauen, dass die ihm zur Verfügung 

gestellten Arbeitsergebnisse korrekt sind (MARIO MARTI, in: Marti / Gebhardt / Sie-

genthaler [Hrsg.], SIA-Verträge für Architekten und Ingenieure, Kommentar zu 

den Allgemeinen Vertragsbedingungen [Art. 1 LHO] und Erläuterungen zu den 

Vertragsformularen, Bern 2021, Art. 1.2 N. 62 f.). Dies entspricht im Ergebnis 

weitgehend der Regelung der SIA-118, insbesondere dessen Art. 25 Abs. 3 

(MARTI, a.a.O., Art. 1.2 N. 64), und der aufgrund der genannten Rechtsprechung 

(BGE 116 II 305 ff. Erw. 2c)cc); BGE 116 II 454 ff. Erw. 2 c)aa)) geltenden 

Rechtslage gemäss Werkvertragsrecht. 

4.2.2.3. Würdigung 

4.2.2.3.1. Wie nachfolgend zu zeigen ist, bestand keine Abmahnungspflicht der 

Beklagten 1; dies unabhängig davon, ob sich die behauptete Abmahnungspflicht 

der Beklagten 1 nach der SIA-118 oder der SIA-102 (oder der gesetzlichen Rege-

lung) beurteilt. Insbesondere ergibt sich eine Abmahnungspflicht der Beklagten 1 

bzw. infolge Zurechnung ihrer Subunternehmerin auch nicht aus einer Offensicht-

lichkeit des Planungsfehlers. Festzuhalten ist, dass die klägerische Weisung in 

Form der Ausführungspläne sachverständig erteilt wurde. Die fraglichen Pläne 

wurden durch die Beklagte 2 erstellt, welche als spezialisierte Planerin von der 

Klägerin beigezogen worden war.  

4.2.2.3.2. Soweit die Klägerin vorträgt, die Subunternehmerin und "wohl" auch die 

Beklagte 1 selbst hätten die Fehlerhaftigkeit der Planung anlässlich der Bauaus-

führung tatsächlich erkannt (act. 38 N. 460), ist sie nicht zu hören. Hinsichtlich der 

Beklagten 1 behauptet die Klägerin gerade nicht konkret, dass diese die Fehler-

- 30 - 

haftigkeit der Planung tatsächlich erkannt hat. Wie sich bereits aus der gewählten 

Formulierung sowie aus dem weiteren Vorbringen, alles "spreche" für ein tatsäch-

liches Erkennen, als auch aus dem übrigen klägerischen Vortrag ergibt, erachtet 

die Klägerin die Entwässerung über die Öffnungen in den Cortenstahl-Stützen 

und die Fehlerhaftigkeit der Planung als erkennbar bzw. offensichtlich. Der kläge-

rische Vorwurf geht damit letztlich dahin, dass die Beklagte 1 den Planungsfehler 

hätte erkennen müssen. Was die Subunternehmerin der Beklagten 1 anbelangt, 

substantiiert die Klägerin nicht, wer wann die Fehlerhaftigkeit tatsächlich erkannt 

haben soll. Im Übrigen würden auch entsprechende Beweisofferten fehlen. Damit 

ist vorliegend auch hinsichtlich der Subunternehmerin nicht erstellt, dass sie den 

Planungsfehler tatsächlich erkannt hat.  

4.2.2.3.3. Im Zusammenhang mit ihrer Behauptung, wonach die Beklagte 1 bzw. 

deren Subunternehmerin die Entwässerungsöffnungen, die ganze Entwässe-

rungslösung in der Fassade sowie den Planungsfehler und dessen (schädliche) 

Folgen hätte erkennen müssen (act. 38 N. 466), verweist die Klägerin auf die Stel-

lungnahme von M._____ zu seinem Gutachten (act. 3/52; act. 1 N. 87, 112 f.) und 

auf das von der Beklagten 1 eingereichte Foto Nr. 1530 (act. 21/30) sowie auf die 

Fotos Nr. 78 und 79 im Gutachten M._____ (act. 3/48 S. 54; act. 38 N. 599 f.). Die 

Klägerin und die Beklagte 1 gehen darin einig, dass die auf den letztgenannten 

Fotos ersichtliche und auf dem Foto Nr. 79 umkreiste, kleine Öffnung nicht die 

fragliche Entwässerungsöffnung darstellt (Klägerin: act. 38 N. 600; Beklagte 1: 

act. 48 N. 981). Nach Darstellung sowohl der Klägerin als auch der Beklagten 1 

handelt es sich bei der interessierenden Entwässerungsöffnung um die darüber 

liegende Nut (Klägerin: act. 38 N. 599 f.; Beklagte 1: act. 20 N. 171), welche wie 

folgt aussieht (act. 20 N. 171; act. 21/29): 

- 31 - 

 

4.2.2.3.4. Die Klägerin scheint letztlich aus der Beschaffenheit und Lage dieser 

Öffnungen abzuleiten, dass ihre Funktion und darüber hinaus die gesamte Ent-

wässerungslösung in dieser Fassade und der drohende Schaden im Falle eines 

Verschliessens der Entwässerungsöffnungen für die Beklagte 1 als Bauleitung 

sowie für die ausführende Subunternehmerin mit ihrem Sachverstand erkennbar 

waren (vgl. act. 38 N. 604, 624). Als Beweis offeriert sie in diesem Zusammen-

hang eine Passage in der Stellungnahme von M._____ zu seinem Gutachten. Wie 

bereits an anderer Stelle ausgeführt wurde, kommt dem Gutachten M._____ bzw. 

der Stellungnahme von M._____ bloss der Stellenwert einer Parteibehauptung zu, 

weshalb sie als solche zu würdigen ist. M._____ hat die klägerische Frage, ob die 

Beklagte 1 die Öffnungen hätte erkennen müssen, schlicht mit „Ja.“ beantwortet 

(act. 3/52 S. 37). Das ist offensichtlich und letztlich nicht entscheidend. Massge-

bend ist, ob anhand der Lage und Existenz dieser Öffnungen die Entwässerungs-

funktion dieser Öffnung und damit die ganze Entwässerungslösung in der Fassa-

de sowie v.a. der drohende Schaden im Falle des geplanten Verschliessens für 

die Beklagte 1 und deren Subunternehmerin erkennbar war. Dies war Gegen-

stand einer weiteren klägerischen Ergänzungsfrage an M._____, welche dieser 

bejahte (act. 3/52 S. 38), ohne dies allerdings näher zu begründen. Demnach 

ergibt sich aus den zitierten Ausführungen von M._____ keine ausreichende Kon-

- 32 - 

kretisierung des klägerischen Standpunkts. Die Klägerin leitet eine Abmahnungs-

pflicht der Beklagten 1 somit einerseits daraus ab, dass der Planungsfehler bzw. 

der drohende Schaden aufgrund der Entwässerungsöffnungen am Ende der Cor-

tenstahl-Stützen offensichtlich gewesen sei, andererseits aber auch aus einer an-

geblichen Pflicht der Beklagten 1, die von der Beklagten 2 erstellte Planung nach-

zuprüfen.  

4.2.2.3.5. Hinsichtlich der von der Klägerin behaupteten Offensichtlichkeit der feh-

lerhaften Planung nicht relevant und entsprechend nicht eingehender zu prüfen 

ist, ob die Beklagte 1 die zweite ursprüngliche Entwässerungsmöglichkeit über die 

im Fuss der Cortenstahl-Stützen unterkant eingebrachte Folie hätte erkennen 

müssen oder nicht (Klägerin: act. 38 N. 439 f., 578 ff.; Beklagte 1: act. 20 N. 45 f., 

174 ff. und act. 48 N. 970). Der Umstand, dass diese Entwässerungslösung auch 

nach klägerischer Darstellung von M._____ im Rahmen seiner Gutachtenserstel-

lung nicht erkannt wurde und auch nicht erkannt werden konnte (act. 38 N. 580), 

dazu vielmehr noch eingehendere Abklärungen einschliesslich des Öffnens die-

ses Fassadenbereichs notwendig waren, lässt zumindest darauf schliessen, dass 

die ursprüngliche Entwässerungslösung komplex war und in ihrer Gesamtheit 

selbst für sachverständige Personen nicht ohne eingehendere Abklärungen zu er-

fassen war. Dies zeigt sich im Übrigen auch daran, dass die genannte zweite 

Entwässerungsmöglichkeit bei einer früheren, nicht streitgegenständlichen und 

ohne Beteiligung der Beklagten 1 durchgeführten Sanierung nicht erkannt und in 

der Folge unterbunden worden war (Beklagte 1: act. 20 N. 47.1, 180 ff.; von der 

Klägerin unsubstantiiert bestritten in act. 38 N. 588 ff.). Weiter führt die Klägerin in 

anderem Zusammenhang aus, dass selbst noch bei der Sanierung im Jahr 2017 

trotz sorgfältiger vorgängiger Sondage von der Beklagten 2 eine Sanierungs-

massnahme geplant worden sei, welche – wie sich während der Ausführung her-

ausstellte – keine genügende Abdichtung bewirkt hätte (act. 38 N. 284). Die Klä-

gerin führt dies nicht auf fehlenden Sachverstand der Beklagten 2 zurück, son-

dern auf die hohe Komplexität der Konstruktion. Diese Ausführungen sprechen 

nicht dafür, dass der Planungsfehler bzw. der drohende Schaden für die Beklagte 

1 bzw. ihre Subunternehmerin offensichtlich waren. Weshalb unter diesen Um-

ständen trotzdem von einer – sich nach dem aufseiten der Beklagten 1 bzw. ihrer 

- 33 - 

Subunternehmerin vorhandenen bzw. vorauszusetzenden Sachverstands richten-

den – Offensichtlichkeit ausgegangen werden muss, wäre von der Klägerin näher 

zu begründen gewesen. Dies hat sie unterlassen. 

4.2.2.3.6. Die Klägerin offeriert zu ihrer pauschalen Behauptung im Übrigen ledig-

lich M._____ und ihren zuständigen Mitarbeiter N._____ als (im Falle von 

M._____ sachverständigen) Zeugen (act. 38 N. 466, 473 f., 604). Was eine Be-

fragung von N._____ anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass die sich stellende 

technische Fragestellung nicht durch Vermittlung von unmittelbaren eigenen 

Wahrnehmungen, sondern von wissenschaftlichen Erfahrungssätzen zu beant-

worten wäre. Dies schliesst eine Zeugen- bzw. Parteibefragung aus. Die Klägerin 

bestreitet im Übrigen hinsichtlich der fraglichen Problematik jedweden Sachver-

stand ihrer Mitarbeiter und der übrigen auf ihrer Seite involvierten Personen (vgl. 

act. 38 N. 457 ff.). Inwiefern eine Befragung von N._____ vor diesem Hintergrund 

etwas zur Klärung der sich stellenden Fragestellung hätte beitragen können, er-

schliesst sich nicht. Dieser Beweis wäre folglich selbst im Falle eines ausreichend 

substantiierten Vortrags nicht abzunehmen gewesen. Gleiches gilt für das (sach-

verständige) Zeugnis von M._____, weil es grundsätzlich eine reine Frage der 

Sachverhaltswürdigung ist, ob anhand der Entwässerungsöffnungen von der Be-

klagten 1 als Bauleitung bzw. von deren Subunternehmerin als ausführende Un-

ternehmerin mit ihrem jeweiligen Sachverstand die ganze Entwässerungslösung 

in der Fassade sowie v.a. der drohende Schaden im Falle eines Verschliessens 

erkennbar war. Zwar ermöglicht Art. 175 ZPO, einem sachverständigen Zeugen 

auch Fragen zur Sachverhaltswürdigung zu stellen (vgl. zum Ganzen Erw. 3 vor-

stehend). Vorliegend muss dies aber nur schon deshalb ausser Betracht fallen, 

weil M._____ nach dem Gesagten nur Fragen zur Sachverhaltswürdigung gestellt 

werden sollen; dies mit dem Ziel, die genannte beweisbedürftige Behauptung zu 

beweisen. Das ist wie ausgeführt nicht Sinn und Zweck von Art. 175 ZPO, son-

dern eines gerichtlichen Gutachtens i.S.v. Art. 183 ff. ZPO. Ein solches ist von der 

Klägerin zu dieser Frage nicht offeriert. Andere Beweise, mittels welcher sich der 

klägerische Standpunkt erstellen liesse, offeriert die Klägerin ebenfalls nicht. Die 

behauptete Offensichtlichkeit des Planungsfehlers bzw. des dadurch drohenden 

- 34 - 

Schadens bliebe folglich unbewiesen, selbst wenn von einem ausreichend sub-

stantiierten Behauptungsfundament ausgegangen würde.  

4.2.2.3.7. Zu prüfen bleibt der klägerische Vorwurf, wonach die Beklagte 1 insbe-

sondere in ihrer Funktion als Bauleiterin bei vertragsgemässer Überprüfung der 

von der Beklagten 2 erstellten Ausführungspläne den Planungsfehler hätte erken-

nen müssen (act. 38 N. 457 ff.). Die Klägerin trägt diesbezüglich insbesondere 

vor, die Beklagte 1 hätte sich vergewissern müssen, dass die Entwässerung mit 

dem neuen (höher gelegten) Dachanschluss weiterhin funktioniere. Da sie dies 

unterlassen habe, habe sie ihre Bauleitungsaufgaben vertragswidrig vernachläs-

sigt (act. 38 N. 466), zumal im GU-Vertrag die Dichtigkeit im Rahmen des projekt-

bezogenen Qualitätsmanagements als Schwerpunkt definiert worden sei (act. 38 

N. 469 ff.).  

4.2.2.3.8. Die Beklagte 1 hat unbestrittenermassen eine handwerklich einwand-

freie Umsetzung der von der Klägerin vorgegebenen Pläne (Weisungen) abgelie-

fert. Nach den ersten Wassereintritten zog sich die konkrete Ursachenforschung 

über Monate bzw. Jahre hin und machte den Beizug von Gutachtern notwendig, 

welche die gesamte Entwässerungslösung anscheinend zuerst gar nicht zu erfas-

sen vermochten. Bereits dieser Umstand legt nahe, dass die Entwässerungslö-

sung komplex und nur mittels einschlägigem Spezialwissen nachvollziehbar war. 

Inwiefern der Beklagten 1 solches Spezialwissen zu eigen wäre oder sie sich sol-

ches anrechnen lassen müsste, legt die Klägerin nicht dar. Darüber hinaus war 

eine eingehende Prüfung des baulichen Vorbestands vor Ort – was die Klägerin 

gerade der Beklagten 2 als Unterlassung anlastet – und teilweise ein Rückbau der 

Fassade erforderlich. Dies überschreitet das Mass an Nachprüfung von Plänen, 

welches von einer Bauleitung und Unternehmerin ohne explizite Vereinbarung 

verlangt werden kann, und die von einer Bauleitung geschuldete Sorgfalt bei Wei-

tem: Sowohl die ausführende (Sub-) Unternehmerin als auch die Bauleitung ha-

ben sich mit den Plänen vor Ort ein Bild der baulichen Situation und des bauli-

chen Vorbestands zu machen, soweit dies zur korrekten und plankonformen Er-

stellung des Werks erforderlich ist. Aus diesem Zweck ergibt sich aber auch der 

Umfang der vorzunehmenden Prüfung. Ohne explizite vertragliche Abrede kann 

- 35 - 

weder von der Unternehmerin noch von der Bauleitung verlangt werden, die Pla-

nung einer spezialisierten Planerin von Grund auf und im Detail zu hinterfragen 

und nachzuprüfen. Sowohl die Beklagte 1 als auch die ausführende Subunter-

nehmerin dürfen sich unter Vorbehalt einer anderen Abrede grundsätzlich darauf 

verlassen, dass die spezifisch zu diesem Zweck beigezogene, spezialisierte Be-

klagte 2 die Details korrekt geplant und somit auch – selbst im Falle des Ver-

schliessens der Entwässerungsöffnungen – eine ausreichende Entwässerung si-

chergestellt hat. Die Pflicht der Bauleitung zu laufenden Kontrollen zielt in diesem 

Sinne auf eine korrekte und handwerklich einwandfreie Erstellung des bestellten 

Werks, nicht auf eine detaillierte bzw. vollständige Nachprüfung der gesamten 

Planung ab. Insofern orientieren sich die der Unternehmerin bzw. der Bauleitung 

obliegenden Kontroll- und Prüfpflichten auch an der von der Bauherrin gewählten 

Arbeitsteilung. 

4.2.2.3.9. Die Klägerin hätte vor diesem Hintergrund konkret darlegen müssen, 

wie die Beklagte 1 (oder allenfalls ihre Subunternehmerin) ihre angeblich aus dem 

"projektbezogenen Qualitätsmanagement (PQM)" (im Folgenden: "PQM") oder 

anderen Abreden ergebenden Kontrollpflichten hätte erfüllen und die schädlichen 

Folgen der geplanten Abdichtung erkennen sollen. Dies unterlässt die Klägerin, 

sodass auch unklar bleibt, was die Parteien bzw. die Klägerin unter dem diesbe-

züglich verwendeten Begriff der "kontrollierten Eigenüberwachung" (act. 38 N. 

472, 668; act. 3/3 Ziffer 6.1.4) verstehen. Eine explizite Pflicht der Beklagten 1, 

die Planung der Klägerin bzw. ihrer Hilfsperson, der Beklagten 2, im Detail zu 

überprüfen bzw. gar durch den Beizug von Dritten überprüfen zu lassen, ergibt 

sich aus dem von der Klägerin angeführten Stellen des GU-Vertrags, insbesonde-

re dessen Ziffer 6.1, nicht. Der GU-Vertrag und das PQM scheinen vielmehr dar-

aus ausgerichtet gewesen zu sein, eine einwandfreie Umsetzung der von der 

spezialisierten Planerin (Beklagte 2) erstellten Pläne sicherzustellen. Eine solche 

einwandfreie Umsetzung wurde von der Beklagten 1 unbestrittenermassen abge-

liefert. Nach dem Gesagten hat die Beklagte 1 die fehlerhafte Planung weder er-

kannt noch erkennen müssen, weshalb auch keine dahingehende Abmahnungs-

pflicht bestand bzw. verletzt wurde. Eine Haftung der Beklagten 1 für die Schäden 

- 36 - 

im Dach C besteht demnach nicht, weshalb das Rechtsbegehren Ziffer 1 hinsicht-

lich der Beklagten 1 abzuweisen ist. 

4.3. Rechtsbegehren Ziffer 3: Nachbesserung 

4.3.1. EPDM-Folie 

4.3.1.1. Unbestrittener Sachverhalt 

Die fragliche (vertikal verlegte) EPDM-Folie, deren Neu-Verklebung die Klägerin 

mit Rechtsbegehren Ziffer 3 Punkt 1 verlangt, befindet sich hinter der Wärme-

dämmschicht entlang der Dachränder A und B (so bereits das klägerische 

Rechtsbegehren, ferner act. 1 N. 52, 95, 107 und act. 38 N. 488; Beklagte 1: act. 

20 N. 116 und act. 48 N. 939, 955; Foto 46 mit Kommentar aus dem Gutachten 

M._____, act. 3/48 S. 36): 

 

Infolge einer Bestellungsänderung im Juni 2009 sind gemäss GU-Vertrag ur-

sprünglich vereinbarte Arbeiten im fraglichen Dachrandbereich entfallen. Nebst 

der Anhebung der Rinne, dem Ersatz der Rinnbretter und Brettauflagen, der 

Wärmedämmung im Storenkasten, der Wärmedämmung beim Fensteranschluss 

- 37 - 

(innen) entfiel insbesondere auch der Ersatz der fraglichen EPDM-Folie und des 

Dichtungsbands (Klägerin: act. 38 N. 486 ff.; Beklagte 1: act. 20 N. 73 ff. und act. 

48 N. 902). 

4.3.1.2. Parteistandpunkte 

Die Klägerin macht geltend, die Beklagte 1 bzw. ihre Subunternehmerin hätten im 

Dachrandbereich trotz der Bestellungsänderung Arbeiten ausgeführt und den 

Vorbestand verändert. So würden im Juni 2009 aufgenommene Fotos (act. 20/26 

und act. 39/210) zeigen, dass die EPDM-Folie von der Beklagten 1 gelöst worden 

sei und lose herunterhänge. Damit sei erstellt, dass die Beklagte oder ihre Subun-

ternehmerin die EPDM-Folie anschliessend unfachmännisch, nämlich unterlap-

pend, wieder verklebt haben müsse. Herunterfliessendes Wasser sammle sich im 

Spalt der Unterlappung und könne eindringen (act. 38 N. 488 f., 497, 532). 

M._____ habe auf die Frage, ob die EPDM-Folie fachmännisch verklebt worden 

sei, geantwortet, dass dies keine Rolle spiele, weil in diesem Bereich keine 

Feuchtigkeit entstehen dürfe (act. 3/52 S. 36). Dabei habe er nicht berücksichtigt, 

dass Feuchtigkeit unter Umständen doch bis zur Folie gelangen könne, wie es 

vorliegend aufgrund von undichten Dilatationen der Fall gewesen sei (act. 38 N. 

531). 

Die Beklagte 1 wendet dagegen ein, dass die heutige Ausführung mit EPDM-Folie 

und Wasserfolie bzw. Dichtungsband vor dem Hohlraum des Stahlprofils dem ur-

sprünglichen Zustand entspreche (act. 20 N. 84); sie bzw. ihre Subunternehmerin 

habe im fraglichen Bereich aufgrund der Bestellungsänderung keinerlei Arbeiten 

vorgenommen (act. 20 N. 86, 117, 121; act. 48 N. 46, 797, 937, 939). Die Beklag-

te 1 bestreitet weiter, dass die EPDM-Folie überhaupt falsch verklebt ist und eine 

unterlappende Verklebung einen Mangel darstellen würde (act. 20 N. 122; act. 48 

N. 46, 939). Im Gutachten M._____ sei diesbezüglich keine unfachmännische 

Ausführung festgestellt worden. Auf Ergänzungsfrage der Klägerin habe M._____ 

festgehalten (act. 3/52 S. 36, act. 21/25), dass die angeblich falsch verklebte Folie 

für die Undichtigkeit der Dachränder keine Rolle spiele (act. 20 N. 118 f.). Selbst 

wenn ein Mangel bestünde, wäre dieser im Übrigen für M._____ und folglich auch 

für die Beklagte 1 nicht erkennbar gewesen, weshalb auch keine Abmahnungs-

- 38 - 

pflicht bestanden hätte (act. 20 N. 123; act. 48 N. 46). Schliesslich wäre dieser 

angebliche Mangel mangels rechtzeitiger Rüge verwirkt sowie verjährt (act. 20 N. 

124; act. 48 N. 14, 46, 825). 

  

- 39 - 

4.3.1.3. Rechtliches 

Inwieweit Tatsachen zu behaupten und zu substantiieren sind, ergibt sich einer-

seits aus den Tatbestandsmerkmalen der angerufenen Norm und anderseits aus 

dem prozessualen Verhalten der Gegenpartei (BGE 127 III 365 ff. Erw. 2b; BGer-

Urteile 4A_443/2017 vom 30. April 2018 Erw. 2 und 4A_57/2014 vom 8. Mai 2014 

Erw. 1.3.3). Der Behauptungslast ist durch das Aufstellen eines schlüssigen Tat-

sachenvortrags Genüge getan. Das heisst, dass eine Partei diejenigen Tatsachen 

widerspruchsfrei und vollständig angeben muss, auf die sie ihr Begehren stützt, 

so dass der Tatsachenvortrag bei Unterstellung, er sei wahr, den Schluss auf die 

anbegehrte Rechtsfolge zulässt. Es genügt, wenn diese Tatsachen in ihren 

Grundzügen behauptet werden (BGE 136 III 322 ff. Erw. 3.4.2; BGer-Urteile 

4A_210/2009 vom 7. April 2010 Erw. 3.2 m.H., 4A_591/2012 vom 20. Februar 

2013 Erw. 2.1 und 4A_443/2017 vom 30. April 2018 Erw. 2.1). Eine über die Be-

hauptungslast hinausgehende Substantiierungslast greift, soweit der Prozessgeg-

ner den schlüssigen Tatsachenvortrag bestreitet. Diesfalls sind die Vorbringen in 

Einzeltatsachen zergliedert so umfassend und klar darzulegen, dass substantiier-

tes Bestreiten möglich ist und darüber Beweis abgenommen werden könnte 

(BGer-Urteil 4A_443/2017 vom 30. April 2018 Erw. 2.1; vgl. auch BGE 136 III 322 

ff. Erw. 3.4.2 und BGE 127 III 365 ff. Erw. 2b m.H.).  

Ein Beweis gilt in der Regel als erbracht, wenn das Gericht nach objektiven Ge-

sichtspunkten von der Richtigkeit der Sachbehauptung überzeugt ist. Absolute 

Gewissheit kann dabei nicht verlangt werden. Es genügt, wenn das Gericht am 

Vorliegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder al-

lenfalls verbleibende Zweifel als leicht erscheinen (sog. Regelbeweismass; statt 

vieler: BGE 130 III 321 ff. Erw. 3.2). Ausnahmen vom Regelbeweismass, in denen 

eine überwiegende Wahrscheinlichkeit als ausreichend betrachtet wird, ergeben 

sich einerseits aus dem Gesetz und sind andererseits durch Rechtsprechung und 

Lehre herausgearbeitet worden. Hinsichtlich des Kausalverlaufs genügt eine 

überwiegende Wahrscheinlichkeit, wenn sich ein direkter Nachweis aufgrund der 

Natur der Sache nicht führen lässt (sog. Beweisnot; BGE 144 III 264 ff. Erw. 5.3, 

BGE 140 III 610 ff. Erw. 4.1). Erforderlich ist nicht ein strikter und absoluter Be-

- 40 - 

weis. Vielmehr muss sich das Gericht mit derjenigen Gewissheit zufriedengeben, 

die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der Lebenserfahrung verlangt 

werden kann (BGE 132 III 715 ff. Erw. 3.2.1). Blosse Beweisschwierigkeiten im 

konkreten Einzelfall können indes nicht zu einer Beweiserleichterung führen (BGE 

144 III 264 ff. Erw. 5.3). 

4.3.1.4. Würdigung 

4.3.1.4.1. Die EPDM-Folie gehörte infolge einer Bestellungsänderung unbestritte-

nermassen nicht (mehr) zum von der Beklagten 1 geschuldeten Werk. Weshalb 

die Beklagte 1 bzw. ihre Subunternehmerin die Folie trotzdem bearbeitet haben 

soll, insbesondere ob ein Versehen vorliegen oder der Subunternehmerin die an-

scheinend in zeitlicher Nähe zur Bearbeitung erfolgte Bestellungsänderung nicht 

mitgeteilt worden sein soll, ist unklar. Diese Frage kann allerdings offenbleiben, 

da keine Partei konkret behauptet, die fragliche Folie sei vor der genannten Be-

stellungsänderung bearbeitet worden. Wurde die Folie von der Beklagten 1 oder 

ihrer Subunternehmerin wie von der Klägerin behauptet gelöst und wieder ver-

klebt, obwohl eine Bearbeitung der Folie zur Erstellung des geschuldeten Werks 

nicht notwendig war, kann sich die Haftung für allfällige Fehler oder Schäden nicht 

nach den Art. 367 ff. OR richten. Es kann mit anderen Worten insofern weder ein 

Werkmangel noch – die angebliche Bearbeitung der EPDM-Folie hat keinen Kon-

nex zu einem Werkmangel – ein Mangelfolgeschaden vorliegen.  

4.3.1.4.2. Unabhängig davon, nach welcher Norm die Haftung der Beklagten 1 im 

Weiteren beurteilt würde, wäre jedenfalls ein schädigendes Verhalten der Beklag-

ten 1 bzw. ihrer Subunternehmerin erforderlich. Der diesbezügliche Nachweis 

misslingt der Klägerin: Sie hat nämlich auf jeden Fall zu beweisen, dass die Be-

klagte 1 bzw. ihre Subunternehmerin die Folie (nach klägerischer Ansicht auf der 

ganzen Länge der Dachränder A und B) gelöst und anschliessend unterlappend 

wieder verklebt hat. Dies lässt sich anhand des klägerischen Vortrags nicht erstel-

len.  

4.3.1.4.3. Was die unterlappende Verklebung an sich anbelangt, bringt die Kläge-

rin vor, diese an drei Stellen, bei welchen zuvor Wassereintritte aufgetreten wa-

- 41 - 

ren, festgestellt zu haben (act. 1 N. 52). Wo sich diese drei Stellen befinden, lässt 

die Klägerin offen. Damit fehlt es diesbezüglich an ausreichend substantiierten 

Behauptungen. Eine Befragung der Zeugen N._____ und O._____ "zur EPDM-

Folie […], die sie damals vorgefunden haben" (act. 38 N. 528) bzw. zur Erläute-

rung der mit der Replik nachgereichten Fotodokumentation (act. 39/223; act. 38 

N. 945) dient nicht der Vervollständigung eines unsubstantiierten Vortrags, wes-

halb das offerierte Zeugnis zu dieser Frage nicht abgenommen werden kann. Die 

Fotodokumentation (act. 39/223) belegt aber, dass die fragliche Folie zumindest 

an einer Stelle unterlappend verklebt ist. Zu einer der untersuchten Stellen reicht 

die Klägerin zum Beweis ein weiteres Foto ein (act. 39/211, vgl. act. 38 N. 528), 

wobei wiederum unklar bleibt, wo sich diese Stelle befindet und ob es sich um 

dieselbe Stelle wie in der Fotodokumentation handelt. Ohnehin kann aufgrund des 

gewählten Ausschnitts nicht beurteilt werden, wo oben bzw. unten ist, weshalb 

auch die behauptete unterlappende Verklebung nicht überprüfbar ist. Lediglich 

hinsichtlich der Stichprobe von M._____ ergibt sich aus dessen Gutachten, wo 

das entsprechende Foto Nr. 46 (act. 3/48 S. 36) aufgenommen wurde. Nicht be-

kannt ist dagegen, ob es sich dabei um dieselbe Stelle wie in der klägerischen Fo-

todokumentation handelt. Selbst von zwei Stellen mit einer unterlappenden Ver-

klebung könnte aber nicht ohne weiteres auf eine unterlappende Verklebung auf 

der gesamten Fassadenlänge geschlossen werden, zumal die fraglichen Arbeiten 

möglicherweise versehentlich erfolgt wären, was eine bloss punktuelle Verände-

rung plausibel erscheinen liesse. Beweisofferten (insbesondere Gutachten oder 

Augenschein), welche eine Überprüfung auf der gesamten Länge der Dachränder 

A und B erlaubt hätten, fehlen. Die Klägerin behauptet nicht, dass eine Überprü-

fung auf der gesamten Länge aus sachlichen Gründen nicht möglich gewesen 

wäre. Auch andere Gründe, welche eine Abweichung vom Regelbeweismass hät-

ten rechtfertigen können, sind von der Klägerin nicht dargetan. 

4.3.1.4.4. Selbst wenn aber mit der Klägerin von einer durchgängig unterlappen-

den Verklebung ausgegangen würde, liesse sich anhand des klägerischen Vor-

trags nicht erstellen, dass diese von der Beklagten 1 bzw. ihrer Subunternehmerin 

verursacht worden wäre. Die von der Klägerin angerufenen Fotos (act. 39/210) 

zeigen eine auf einem Fassadenabschnitt herunterhängende schwarze Folie, wo-

- 42 - 

bei nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann, ob es sich um die EPDM-Folie 

handelt. Lediglich auf dem von der Klägerin weiter angeführten, zweiten Foto von 

act. 21/26 ist klar ersichtlich, dass an der gezeigten Stelle der Fassade die 

EPDM-Folie gelöst wurde und herunterhängt. Ob dieses Foto tatsächlich wie von 

der Beklagten 1 behauptet anlässlich einer Sondage aufgenommen wurde (act. 

48 N. 903), kann offenbleiben. So oder anders vermag es nicht zu beweisen, dass 

die Beklagte 1 bzw. ihre Subunternehmerin die EPDM-Folie auf der gesamten 

Länge gelöst und unterlappend wieder verklebt hat. Die Klägerin stellt auch kei-

nen Bezug zur von M._____ dokumentierten Stelle her, hinsichtlich welcher eine 

unterlappende Verklebung belegt ist. Die Klägerin bleibt hinsichtlich dieser Stelle 

und dem Rest der Fassade insbesondere den Nachweis schuldig, dass die 

EPDM-Folie ursprünglich überhaupt überlappend verklebt war. Es fehlen dazu 

nicht nur Beweisofferten, sondern überhaupt substantiierte Behauptungen. Dies 

ist entscheidend, denn selbst wenn die Beklagte 1 bzw. ihre Subunternehmerin 

die Folie auf der ganzen Länge gelöst und unterlappend wieder verklebt hätte, 

könnte ihr dies nur dann zum Vorwurf gereichen, wenn die Folie davor tatsächlich 

überlappend verklebt war. Wäre die Folie seit jeher unterlappend verklebt gewe-

sen, hätte die Beklagte 1 bzw. ihre Subunternehmerin lediglich den ursprüngli-

chen Zustand wiederhergestellt.  

4.3.1.4.5. Zwar scheint die Klägerin diesbezüglich zumindest sinngemäss eine 

von der Beklagten 1 bestrittene (act. 20 N. 123; act. 48 N. 46) Abmahnungs- bzw. 

Anzeigepflicht der Beklagten 1 geltend zu machen (act. 38 N. 535 und 663). Al-

lerdings erweisen sich auch diese Ausführungen als unsubstantiiert, weil die Klä-

gerin die Erkennbarkeit der Problematik bloss aus der Funktion der Beklagten 1 

als Bauleiterin im Sinne der SIA-102 ableitet. Dies greift zu kurz. Die Erkennbar-

keit eines drohenden Schadens folgt nicht aus den Bauleitungsfunktionen der Be-

klagten 1, sondern würde voraussetzen, dass die Beklagte 1 (in dieser Funktion) 

mit ihrem Sachverstand aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse eine Problematik 

hätte erkennen müssen. Die Klägerin insinuiert diesbezüglich, dass bei der 

EPDM-Folie entgegen der Ansicht der Beklagten 1 und von M._____ mit bis dort-

hin vordringendem Wasser gerechnet werden müsse (act. 38 N. 531; bestritten 

durch die Beklagte 1 in act. 48 N. 939). Dies hätte die Frage aufgeworfen, ob eine 

- 43 - 

unterlappende Verklebung der genannten Folie an dieser Stelle den anerkannten 

Regeln der Baukunde entspricht oder nicht. Soweit die Klägerin aus der Vernei-

nung dieser Frage eine Abmahnungs- bzw. Anzeigepflicht der Beklagten 1 ablei-

ten wollte, wäre dies von ihr konkret zu behaupten und zu beweisen gewesen. 

Mangels substantiierter Behauptungen und entsprechender Beweisofferten, ins-

besondere einem Gutachten, können die diesbezüglich behaupteten, anerkannten 

Regeln der Baukunde nicht erstellt werden. Daraus folgt auch, dass sich eine 

Abmahnungs- bzw. Anzeigepflicht auch nicht aus der vertraglichen Verpflichtung 

der Beklagten 1 zur Ablieferung dichter Dächer hätte herleiten lassen. Es wäre mit 

anderen Worten der Klägerin oblegen, konkret zu behaupten und nachzuweisen, 

dass nach den anerkannten Regeln der Baukunde zur vereinbarten Werkerstel-

lung ("dichte Dächer") zwingend auch eine überlappende Verklebung der fragli-

chen EPDM-Folie gehört hätte, weil an jener Stelle mit bis dahin vordringendem 

Wasser gerechnet werden muss.  

4.3.1.4.6. Das klägerische Begehren Ziffer 3 Punkt 1 ist abzuweisen. 

4.3.2. Ersatz der Rinnbretter und Brettauflagen entlang der Dachränder A und B 

4.3.2.1. Parteistandpunkte 

Die Klägerin trägt vor, anlässlich einer Untersuchung durch die I._____ AG im 

Jahr 2013 seien entlang der Dachränder A und B komplett durchnässte Rinnbret-

ter und zersetzte Brettauflagen entdeckt worden (act. 1 N. 46). Die Klägerin räumt 

ein, dass eine gewisse Feuchtigkeit der Rinnbretter und Brettauflagen durch Kon-

denswasser vorbestehend war. Die Undichtigkeit der Dilatationen habe indessen 

eine viel grössere Nässe mit sich gebracht, weshalb die Rinnbretter und Brettauf-

lagen nun einer viel höheren Gesamtfeuchtigkeit ausgesetzt seien als vor der Sa-

nierung 2009/2010, was Fäulnis zur Folge habe (act. 38 N. 547 ff.).  

Die Beklagte 1 bestreitet, dass es durchnässte und teilweise verfaulte Rinnbretter 

gibt (act. 20 N. 136), aber nicht, dass die I._____ AG die Bretter untersucht und 

dabei festgestellt hat, dass die Bretter Kondenswasser aufweisen und durchnässt 

sind. Sie versteht diese Durchnässung allerdings im Sinne einer durch das Kon-

- 44 - 

denswasser verursachten Feuchte (act. 20 N. 140), welche konstruktionsbedingt 

und angesichts der Exposition während 45 Jahren bereits vor der Sanierung be-

standen habe (act. 20 N. 138; act. 48 N. 48). Schliesslich erhebt die Beklagte 1 

auch die Verjährungseinrede (act. 20 N. 145; act. 48 N. 14). 

4.3.2.2. Rechtliches 

Zur Unterscheidung zwischen Mangelfolgeschaden und Sekundärmangel vgl. 

Erw. 4.2.1.3. 

Während die SIA-118 für während der Rügefrist (Art. 173 Abs. 1 SIA-118) gerügte 

Mängel eine teilweise Beweislastumkehr vorsieht (Art. 174 Abs. 3 SIA-118), ob-

liegt der Nachweis eines Mangelfolgeschadens auch unter Geltung der SIA-118 

sowohl vor als auch nach Ablauf der Rügefrist immer der Bauherrin (Art. 8 ZGB). 

4.3.2.3. Würdigung 

4.3.2.3.1. Die Klägerin führt den behaupteten Schaden an den Rinnbrettern und 

Brettauflagen auf von der Beklagten 1 bzw. deren Subunternehmerin verbaute, 

undichte Dilatationen zurück. Bei den Rinnbrettern und Brettauflagen handelt es 

sich um vorbestehende Bausubstanz (Klägerin: act. 38 N. 486, 546 f.; Beklagte 1: 

act. 20 N. 40, 73, 86, 136 ff. und act. 48 N. 48, 902, 950). Folglich würde es sich 

beim von der Klägerin geltend gemachten Schaden um einen Mangelfolgescha-

den handeln. 

4.3.2.3.2. Zu ihren Behauptungen, insbesondere, dass alle Rinnbretter und Brett-

auflagen durchnässt seien, offeriert die Klägerin lediglich eine Rechnung der 

I._____ AG vom 8. April 2014 (act. 3/82; vgl. act. 1 N. 46, act. 38 N. 546 f.), das 

Gutachten M._____ (act. 3/48; vgl. act. 1 N. 107) sowie ihre Mängelrüge an die 

Beklagte 1 (act. 3/24; act. 38 N. 546) als Beweis. Im Übrigen bestreitet sie die Be-

streitung der Beklagten 1 (act. 38 N. 546). Damit übersieht die Klägerin, dass sie 

für das von ihr behauptete Schadensbild bei den Rinnbrettern und Brettauflagen, 

sowie auch den Kausalzusammenhang zu den undichten Dilatationen als angeb-

lich verursachender Mangel behauptungs- und beweisbelastet ist (Art. 8 ZGB). 

Denn der Rechnung der I._____ AG vom 8. April 2014 (act. 3/82) lassen sich kei-

- 45 - 

ne Informationen zum Schadensbild entnehmen. Die Mängelrüge (act. 3/24) er-

wähnt zwar "Fotos der Mängelüberprüfung", solche wurden aber nicht ins Recht 

gereicht und als Beweis offeriert. Auch anhand der im Gutachten M._____ (act. 

3/48 S. 19 f.) enthaltenen Fotos (Nr. 14-17) lässt sich der Zustand der Rinnbretter 

und Brettauflagen nicht beurteilen. Schliesslich lassen sich auch den Ausführun-

gen von M._____ auf S. 95 (Ziffer 2) seines Gutachtens (act. 3/48), welche wie 

dargelegt als Parteibehauptungen zu qualifizieren sind, nicht entnehmen, dass al-

le Rinnbretter und Brettauflagen nass sind und dies auf undichte Dilatationen zu-

rückzuführen wäre. M._____ empfahl einzig den Ersatz aller Dilatationen im Be-

reich der Flachdach-Einlaufbleche bzw. falls nötig der Dilatation in den Kastenrin-

nen und hält fest, dass nasse (nicht: "die nassen") Wärmedämmschichten und 

Bretter entlang des Dachrandes ersetzt werden müssten. Die von M._____ ge-

wählte Formulierung insinuiert, dass die Bretter zu überprüfen und erst bei Fest-

stellung einer Durchnässung zu ersetzen gewesen wären. Weitere Beweisofferten 

fehlen. Insbesondere ein Gutachten offeriert die Klägerin bloss zur im Zusam-

menhang mit der Verjährung aufgeworfenen Frage, ob die Rinnbretter und Brett-

auflagen zum Dachrand bzw. Dach gehören (act. 38 N. 404). Damit bleibt bereits 

der angebliche Schaden an den Rinnbrettern und Brettauflagen unbewiesen, dar-

über hinaus aber auch der Kausalzusammenhang zu undichten Dilatationen. Hin-

sichtlich letzterem ist darauf hinzuweisen, dass es die Beklagte 1 zwar grundsätz-

lich nicht ausschliesst, dass zumindest unterhalb der fünf unbestrittenermassen 

undichten Dilatationen die Bretter hätten nass sein können (act. 48 N. 950). Dies 

ändert aber nichts daran, dass die Klägerin den (bestrittenen) Kausalzusammen-

hang konkret hätte behaupten und v.a. beweisen müssen, zumal sie selbst davon 

ausgeht, dass die Rinnbretter und Brettauflagen seit langer Zeit Kondenswasser 

ausgesetzt und deshalb bereits vor dem Einbau der undichten Dilatationen feucht 

gewesen waren. Das Rechtsbegehren Ziffer 3 Punkt 3 ist abzuweisen. 

4.3.3. Hohlräume in der Wärmedämmung 

4.3.3.1. Unbestrittener Sachverhalt 

M._____ entdeckte im Rahmen seiner Gutachtenserstellung im April 2016 Hohl-

räume bzw. offene Fugen von bis zu 60mm in der von der Beklagten 1 bzw. deren 

- 46 - 

Subunternehmerin neu erstellten Wärmedämmung entlang der Dachränder A und 

B (Klägerin: act. 1 N. 107 und act. 38 N. 538; Beklagte 1: act. 20 N. 126, 128, 

131). 

Die Klägerin und die Beklagte 1 haben in Ziffer 15.3 GU-Vertrag folgende Verein-

barung getroffen (Klägerin: act. 1 N. 22; Beklagte 1: act. 20 N. 40, 124, 129, 145, 

154, 164): 

 

Unter dem Titel "Erweiterung der Rügefristen" sieht Ziffer 15.6 GU-Vertrag so-

dann das Folgende vor (Klägerin: act. 1 N. 22; Beklagte 1: act. 20 N. 16): 

 

4.3.3.2. Parteistandpunkte 

Nach Ansicht der Klägerin sind die Hohlräume in der Wärmedämmung nicht zu-

lässig und stellen einen Mangel dar (act. 1 N. 107; act. 38 N. 538). Mit Zustellung 

des Gutachtens M._____ sei dieser Mangel rechtsgenügend gerügt worden; der 

Hauptzweck des von den Parteien gemeinsam eingeholten Gutachtens habe da-

rin bestanden, die Ursache der Wassereinbrüche zu eruieren. M._____ sei beauf-

tragt gewesen, allfällige Mängel zu identifizieren und deren Ursache zu ermitteln. 

- 47 - 

Daran ändere nichts, dass die Hohlräume in der Flachdachwärmedämmung als 

"Nebenprodukt" der Untersuchung der Wassereinbrüche entdeckt worden seien. 

Angesichts des Gutachtenszwecks und der "Kette von Mängelrügen" der Klägerin 

sei das Rügeerfordernis mit Zustellung des Gutachtens an die Beklagte 1 konklu-

dent erfüllt worden. Die Beklagte habe in guten Treuen nicht davon ausgehen 

können, dass die Klägerin von ihrer immer klar erkennbaren Haltung, wonach die 

Beklagte 1 die ihr anzulastenden Mängel zu beseitigen habe, plötzlich abweichen 

wollte. Wenn die Beklagte 1 nun treuwidrig moniere, dass sie keine "formelle" 

Mängelrüge erhalten habe, zeige sie, dass sie verstanden habe, was das Aufzei-

gen eines Mangels durch den Gutachter für sie bedeute (act. 38 N. 539). Die Klä-

gerin bestreitet den Verjährungseintritt bzw. macht einen Verjährungseinredever-

zicht der Beklagten 1 geltend (act. 38 N. 377 ff., 404, 541). 

Die Beklagte 1 bestreitet, dass die Klägerin ihrer Rügeobliegenheit rechtzeitig 

nachgekommen ist. Die Hohlräume seien spätestens seit Vorliegen des Gutach-

tens M._____ bekannt und anschliessend nicht rechtzeitig bzw. korrekt gerügt 

worden, die blosse Zustellung des Gutachtens stelle keine ausreichende Mängel-

rüge dar (act. 20 N. 127, 379, 387; act. 48 N. 47, 944, 1148). Die Hohlräume stel-

len nach Ansicht der Beklagten 1 ferner auch keinen Werkmangel dar (act. 48 N. 

47, 943). Schliesslich erhebt sie auch die Verjährungseinrede (act. 20 N. 129; act. 

48 N. 47, 799, 943). 

4.3.3