# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3d151b69-0dc7-58eb-a9d2-2da08d82da58
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.09.2009 D-4027/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4027-2009_2009-09-04.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4027/2009
law/joc/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  4 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter François Badoud, Richter Robert Galliker, 
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A._______, geboren (...),
Irak,
vertreten durch B._______,
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Kantonswechsel; 
Verfügung des BFM vom 22. Mai 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4027/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  minderjährige  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge 
am 29. September 2008 in die Schweiz einreiste, wo er gleichentags 
um Asyl nachsuchte, 

dass  der  Beschwerdeführer  mittels  Zuweisungsentscheid  des  BFM 
vom 6. November 2008 für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton 
C._______ zugeteilt wurde, 

dass der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid mittels Eingabe 
seiner  damaligen  Rechtsvertretung  vom  13.  November  2008  beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben liess, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  D-7213/2008  vom 
25. November 2008 die Beschwerde abwies, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 
12. Februar 2009 beim BFM ein Gesuch um Wechsel des Aufenthalts-
kantons  stellte,  wobei  er  beantragen  liess,  er  sei  dem  Kanton 
D._______ zuzuteilen, 

dass das BFM gestützt auf Art  22 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 
11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) die be-
troffenen Kantone zur Stellungnahme einlud, 

dass  der  Kanton  C._______  in  seiner  Stellungnahme  vom  2.  März 
2009 sein Einverständnis erklärte, 

dass  sich  der  Kanton  D._______  mit Schreiben  vom  6.  April  2009 
gegen den beantragten Kantonswechsel aussprach, 

dass das BFM mit Entscheid vom 22. Mai 2009 - eröffnet am 26. Mai 
2009  -  das  Gesuch  um  Wechsel  des  Aufenthaltskantons  des  Be-
schwerdeführers ablehnte, 

dass der Beschwerdeführer den ablehnenden Entscheid des BFM vom 
22. Mai 2009 mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 23. Juni 2009 
(Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht anfechten und beantra-
gen liess, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und der Be-
schwerdeführer sei kantonalen Strukturen für minderjährige unbeglei-
tete Asylsuchende des Kantons D._______ zuzuteilen, 

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dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom 
6. Juli  2009  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtete 
und einen Schriftenwechsel veranlasste, 

dass das BFM mit Vernehmlassung vom 21. Juli 2009 die Abweisung 
der Beschwerde vom beantragte, 

dass der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 11. August 2009 eine 
Replik einreichte, 

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes 
vom 20. Dezember  1968 über  das Verwaltungsverfahren  [VwVG, SR 
172.021]) des  BFM  entscheidet  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni  1998 [AsylG, SR 142.31]  i.V.m. Art. 31 - 33 des Bundesge-
setzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht [VGG, 
SR 173.32]; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 
2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110]),

dass es sich bei einem in Anwendung von Art. 27 Abs. 3 AsylG i.V.m. 
Art. 22 Abs. 2 (AsylV 1)  getroffenen Entscheid über ein Gesuch einer 
asylsuchenden Person um Bewilligung eines Wechsels in einen ande-
ren Kanton um eine selbständig beim Bundesverwaltungsgericht  an-
fechtbare Zwischenverfügung handelt (Art. 107 Abs. 1 AsylG), 

dass  Beschwerden  gegen  Zwischenverfügungen  innerhalb  von  zehn 
Tagen seit deren Eröffnung anfechtbar sind (108 Abs. 1 AsylG), 

dass  der  Beschwerdeführer  seine  Beschwerdeeingabe  am  23. Juni 
2009 und damit nach Ablauf der 10-tägigen Beschwerdefrist  seit  der 
Eröffnung der Verfügung vom 26. Mai 2009 einreichen liess, weshalb 
die Beschwerde an sich verspätet eingereicht und auf diese in Anwen-
dung von Art. 111 Bst. b AsylG nicht einzutreten wäre, 

dass indessen vorliegend die angefochtene Verfügung dem Beschwer-
deführer mangelhaft eröffnet wurde, da das BFM in seiner Rechtsmit-
telbelehrung statt der 10-tägigen Beschwerdefrist eine Frist von 30 Ta-
gen  aufführte  (vgl.  S.  3  der  angefochtenen  Verfügung  vom  22. Mai 
2009), 

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dass aus dem in Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) 
verankerten Prinzip von Treu und Glauben, das in Art. 38 VwVG kon-
kretisiert  wird,  einer Partei  aus einer mangelhaften Eröffnung infolge 
einer  fehlerhaften  Rechtsmittelbelehrung  grundsätzlich  kein  Nachteil 
erwachsen darf, 

dass sich gemäss Lehre und Rechtsprechung infolge einer unrichtigen 
Rechtsmittelbelehrung  eine  gesetzliche  Frist  im  Einzelfall  entspre-
chend verlängern kann, 

dass dabei vorausgesetzt wird, dass sich nur derjenige auf die fehler-
hafte Rechtsmittelbelehrung berufen kann, der die Unrichtigkeit  nicht 
kennt und auch bei gebührender Aufmerksamkeit nicht hätte erkennen 
können, wobei jedoch nur grobe Fehler einer Partei oder ihres Vertre-
ters dazu führen sollen, eine falsche Rechtsmittelbelehrung aufzuwie-
gen, 

dass ein solcher Fehler  namentlich dann bejaht  und der Vertrauens-
schutz dementsprechend verneint wird, wenn eine Partei oder ihr An-
walt  die  Fehlerhaftigkeit  der  Rechtsmittelbelehrung  durch  Konsultie-
rung des massgebenden Gesetzestextes hätte erkennen können (vgl. 
LORENZ KNEUBÜHLER in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG, Kommentar 
zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren,  Zürich/St. Gallen 
2008,  Art.  38  Rz. 1,  4-7  und  18;  vgl.  BGE 135  III  377  E. 1.2.2  mit 
weiteren Hinweisen), 

dass das BFM in der Rechtsmittelbelehrung fälschlicherweise auf die 
30-tägige Beschwerdefrist hinwies, ohne die spezialgesetzliche Rege-
lung von Art. 108 Abs. 1 AsylG oder aber zu erwähnen, dass es sich 
bei  der  von  ihm  erlassenen  Verfügung  um  eine  Zwischenverfügung 
handle, 

dass  die  Vorinstanz  einzig  auf  die  Verfahrensbestimmungen  von 
Art. 52 VwVG (Inhalt und Form der Beschwerde), Art. 33a VwVG (Ver-
fahrenssprache)  sowie  auf  den  die  Verfahrenssprache  betreffenden 
Art. 54 BGG verwies, 

dass  mit  dem primären Verweis  des  BFM auf  die  Verfahrensbestim-
mungen des VwVG der  Anschein  erweckt  wird,  hinsichtlich  der  vom 
BFM angegebenen Rechtsmittelfrist würden ebenfalls die Bestimmun-
gen des VwVG zum Tragen kommen, 

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dass eine entsprechende Konsultation des VwVG ergeben würde, dass 
bei der Anfechtung von Zwischenverfügungen (Art. 45 und 46 VwVG) - 
ebenso wie bei der Anfechtung von Endverfügungen (Art. 44 VwVG) - 
auf Grund des am 1. Januar 2007 revidierten Art. 50 Abs. 1 VwVG (vgl. 
Anhang Ziff. 10 des VGG) eine 30-tägige Beschwerdefrist gilt, 

dass aufgrund dieser Sachlage davon auszugehen ist, der Beschwer-
deführer  respektive  dessen  juristisch  nicht  akademisch  ausgebildete 
Vertreterin habe keine Kenntnis von der - erst seit dem 1. Januar 2008 
geltenden - spezialgesetzlichen 10-tägigen Beschwerdefrist besessen 
und sei durch die Angabe der falschen Rechtsmittelfrist in einen Irrtum 
versetzt worden, den sie auch bei grösserer Aufmerksamkeit nicht hät-
te vermeiden können, 

dass demzufolge die verspätete Eingabe des Beschwerdeführers als 
natürliche  und  begreifliche  Folge der  irrtümlichen Rechtsmittelbeleh-
rung angesehen werden kann, 

dass die Beschwerde somit als fristgerecht eingereicht zu erachten ist 
(Art. 108 Abs. 1 AsylG), 

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  demzufolge  auf  die  -  auch  formgerecht  (Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte - Beschwerde einzutreten ist, 

dass  das  BFM  vorliegend  das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  um 
Wechsel  des  Aufenthaltskantons  in  Anwendung  von  Art.  27  Abs. 3 
AsylG ablehnte, wobei es gestützt auf Art. 22 Abs. 2 AsylV 1 unter an-
derem ausführte,  es bestehe vorliegend weder ein Anspruch auf Ein-
heit der Familie noch könne von einer schwerwiegenden Gefährdung 
gesprochen werden,  weshalb ein  Kantonswechsel  nur noch im Falle 
der  Zustimmung beider  betroffener  Behörden in  Betracht  gekommen 
wäre, ein solcher indes mangels Zustimmung des Kantons D._______ 
ausgeschlossen sei, 

dass ein solcher - in Anwendung von Art. 27 Abs. 3 AsylG - getroffener 
Entscheid des BFM betreffend Wechsel des Aufenthaltskantons in ma-
terieller Hinsicht nur mit der Begründung angefochten werden kann, er 

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verletze den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 106 Abs. 2 AsylG; 
Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts 
[BVGE] 2008/47 E. 1.3.3), 

dass sich der Beschwerdeführer sinngemäss auf erwähnten Grundsatz 
beruft, indem er unter anderem geltend macht, sein grösster Wunsch 
sei es, in der Nähe seines Bruders, seiner einzigen familiären Bezugs-
person in der Schweiz, zu der er eine intensive Beziehung habe und 
dessen  Unterstützung  in  ärztlicher  Hinsicht  aufgrund  seiner  psychi-
schen Erkrankung indiziert sei, zu leben,

dass sich der von Art. 27 Abs. 3 AsylG erfasste Begriff  der Familien-
einheit  grundsätzlich  am  im  Asylrecht  geltenden  Familienbegriff  ori-
entiert, wonach gemäss Art. 1 Bst. e AsylV 1 in erster Linie Ehegatten 
und deren minderjährige Kinder, mithin also die Kernfamilie, als Fami-
lie  zu  verstehen sind,  wobei  eingetragene Partnerinnen und Partner 
sowie  die  in  dauernder  eheähnlicher  Gemeinschaft  lebenden Perso-
nen den Ehegatten gleichgestellt sind, 

dass  über  die  Kernfamilie  hinausgehend der  Familienbegriff  gemäss 
Art. 27  Abs. 3 AsylG grundsätzlich jenem von Art. 8  der  Konvention 
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101) entspricht,  wonach auch die Beziehun-
gen zwischen allen nahen Verwandten, die in der Familie eine wesent-
liche Rolle spielen können, erfasst werden, 

dass  als  solchermassen  erweitertes  Familienleben  die  Strassburger 
Organe das Verhältnis zwischen Grosseltern und ihren Enkeln bezie-
hungsweise Enkelinnen, zwischen Onkeln/Tanten sowie ihren Nichten 
und  Neffen  sowie  auch  zwischen  Geschwistern  anerkennen,  sofern 
eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung zwischen den An-
gehörigen besteht, 

dass im Verhältnis zwischen diesen Verwandten ausserhalb der Kern-
familie die Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit  im Sinne 
von Art. 27 Abs. 3 AsylG gemäss Rechtsprechung - nebst einer nahen, 
echten und tatsächlich gelebten Beziehung - grundsätzlich ein beson-
deres Abhängigkeitsverhältnis voraussetzt (BVGE 2008/47 E. 4.1), 

dass ein solches Abhängigkeitsverhältnis besteht,  wenn eine Person 
behindert  ist  oder aus einem anderen Grund auf die Hilfe einer Per-
son, die in der Schweiz lebt, angewiesen ist, 

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dass dabei ein besonderes Engagement des in der Schweiz lebenden 
Angehörigen gegeben sein muss, indem dieser die verwandte Person 
nicht bloss finanziell oder moralisch unterstützt, sondern sich persön-
lich um sie kümmert (vgl. EMARK 2000 Nr. 21 E. 6c S. 200 f., EMARK 
2001 Nr. 24 E. 3 S. 191 f.),

dass der minderjährige Beschwerdeführer mit seinem neun Jahre älte-
ren, volljährigen Bruder bis zu dessen Ausreise im Jahre 2002 im Irak 
mit  weiteren  Geschwistern  und  seinen  Eltern  zusammen  lebte  (vgl. 
act. A1 S. 3, A20 S. 3), 

dass der Beschwerdeführer zudem nach seiner Ankunft in der Schweiz 
durch seinen in der Schweiz wohnhaften Bruder, der über eine Aufent-
haltsbewilligung B und eine Arbeitsstelle verfügt, beherbergt und auch 
nach seiner Zuteilung in den Kanton C._______ in finanzieller und per-
sönlicher Hinsicht von diesem unterstützt und betreut wurde (vgl. A20 
S. 3), 

dass damit von einer - im damaligen Zeitpunkt - nahen, echten und tat-
sächlich  gelebten  Beziehung  des  minderjährigen  Beschwerdeführers 
zu seinem Bruder gesprochen werden kann,

dass unter solchen Umständen ein besonderes Abhängigkeitsverhält-
nis des minderjährigen Asylsuchenden zu einem in der Schweiz leben-
den volljährigen Geschwister bereits aufgrund der Minderjährigkeit des 
jüngeren Geschwisters indiziert scheint,

dass ungeachtet  dessen eine Unterbringung des Beschwerdeführers 
in den Aufenthaltskanton seines Bruders auch zufolge seiner derzeiti-
gen psychischen Verfassung angezeigt ist, 

dass  den  Akten  zufolge  Dr.  med.  E._______,  Kinder-  und  Jugend-
psychiatrische Dienste C._______, in ihrem Gutachten vom 2. Februar 
2009  dem  Beschwerdeführer  eine  posttraumatische  Belastungsstö-
rung (ICD-10: F43.1)  mit  innerer Bedrängnis,  depressiver Einengung 
und  Agitiertheit,  Anspannung,  Übererregung,  Wut,  Sensitivität  und 
Reizbarkeit,  Hypervigilanz,  Ein-  und  Durchschlafstörungen,  aggres-
siver  Überregtheit,  Inappetenz,  selbstverletzendem  Verhalten  und 
latenter  Suizidalität  attestierte  und  eine  Platzierung  beim  leiblichen 
Bruder  zur  dauerhaften  Entlastung  und  Symptomreduktion  empfahl 
(vgl. act. A25 S. 3 f.), 

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dass  sodann  aus  dem  Arztzeugnis,  ausgestellt  durch  Dr. med. 
F._______  am  10.  Februar  2009  hervorgeht,  dass  der 
Beschwerdeführer enorm unter der Trennung von seinem Bruder leide 
und  wiederholt  selbstmordgefährdet  gewesen  sei  und  er  bei  einem 
Festhalten  an  der  jetzigen  Situation  eine  erhebliche  gesundheitliche 
Beeinträchtigung erleiden würde (vgl. act. A25 S. 5), 

dass sich der Beschwerdeführer gemäss einer Mitteilung vom 28. Mai 
2009 von Dr. med. G._______ und Dr. med. H._______ vom 30. April 
2009  bis  am  26. Mai  2009  auf  der  geschlossenen  Akut-  und 
Notfallstation  in  der  psychiatrischen  Klinik  I._______  in  stationäre 
Behandlung  begeben  musste,  wobei  aus  ärztlicher  Sicht  empfohlen 
wurde,  ihn  in  die  Nähe  seines  Bruders  als  seinem  einzigen 
Verwandten zu verlegen (vgl. A31 S. 2), 

dass der auf Beschwerdeebene eingereichten ergänzenden ärztlichen 
Stellungnahme von Dr. med. G._______ und Dr. med. H._______ vom 
17. Juni  2009  zu  entnehmen  ist,  dass  erwähnte  Hospitalisation  des 
Beschwerdeführers infolge Selbstverletzungen (sich selber schneiden, 
Schlagen des Kopfes auf Tisch und Wände) erfolgt sei, 

dass man von einer  schweren depressiven Episode ausgehe, wobei 
differentialdiagnostisch wahrscheinlich auch eine posttraumatische Be-
lastungsstörung  und/oder  eine  Persönlichkeitsstörung  mit  schweren 
Stimmungsschwankungen und Impulsdurchbrüchen vorliege respekti-
ve es sich um eine Kombination von ernsten psychischen Erkrankun-
gen handle  und erschwerend  sei,  dass  der  Beschwerdeführer  keine 
oder fast keine Vertrauensperson habe, 

dass eine intensive, optimalerweise kinder- und jugendpsychiatrische 
Behandlung notwendig und dabei  der Einbezug einer Vertrauensper-
son wie dem Bruder des Beschwerdeführers dringend angezeigt sei, 
da eine psychiatrische Behandlung eine minimale Vertrauensbasis be-
dinge,  die  nur  in  einem  für  den  Beschwerdeführer  einigermassen 
günstigen Umfeld hergestellt  werden könne,  weshalb ein Wechsel  in 
den Kanton D._______ als Basis einer Therapie wichtig erscheine, 

dass aufgrund dieser ärztlichen Zeugnisse und Stellungnahmen fest-
steht, dass der Beschwerdeführer psychisch schwer erkrankt und der 
Heilungsprozess  des  Beschwerdeführers  -  der  mitunter  aufgrund 
seiner latenten Suizidalität  schwer gefährdet sein dürfte - nur mittels 
Platzierung  zu  oder  in  die  Nähe  seines  Bruders  verbessert  werden 

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respektive die Symptome seiner  psychischen Leiden damit  reduziert 
werden könnten, 

dass der minderjährige Beschwerdeführer daher in besonderem Mas-
se auf die Hilfe und Unterstützung seines Bruders angewiesen ist, 

dass im Übrigen auch der Aspekt des zu berücksichtigenden Kindes-
wohls (Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die 
Rechte  des  Kindes  [KRK,  SR  0.107])  eine  Unterbringung  des  Be-
schwerdeführers im Aufenthaltskanton seines Bruders gebietet, 

dass nach dem Gesagten die  Verweigerung der  Zuweisung des Be-
schwerdeführers  an  den  Kanton  D._______  für  die  Dauer  des 
Asylverfahrens den Grundsatz der Einheit der Familie verletzt, weshalb 
die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  einen  Anspruch  auf 
Familieneinheit im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG somit im Ergebnis 
zu Unrecht verneinte, 

dass die  Beschwerde demnach gutzuheissen,  die angefochtene Ver-
fügung vom 22. Mai 2009 aufzuheben und das BFM anzuweisen ist, 
den  Beschwerdeführer  dem  Kanton  D._______,  wo  sein  Bruder 
Wohnsitz hat, zuzuweisen, 

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  keine  Verfah-
renskosten aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), 

dass  dem  obsiegenden  Beschwerdeführer  zulasten  der  Vorinstanz 
eine Parteientschädigung für  die ihm erwachsenen notwendigen und 
verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen ist  (vgl. Art. 64  Abs. 1 
VwVG i.V.m. Art. 7  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]), 

dass  der  Beschwerdeführer  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  von 
seiner ihm vom Kanton zugeteilten Vertrauensperson vertretenen wird, 
weshalb nicht davon auszugehen ist, dass ihm durch die Beschwerde-
führung verhältnismässig hohe Kosten erwachsen sind, 

dass ihm daher keine Parteientschädigung zuzusprechen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.
Die Verfügung des BFM vom 22. Mai 2009 wird aufgehoben. Das BFM 
wird angewiesen, den Beschwerdeführer für die Dauer des Asylverfah-
rens dem Kanton D._______ zuzuteilen. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beila-
ge: angefochtene Verfügung im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)
- (....) (in Kopie) 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

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