# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2bf3bebf-5748-59d1-bf20-3029d08af88c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-08-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.08.2014 D-2727/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2727-2014_2014-08-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-2727/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  A u g u s t  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher, 

Richterin Claudia- Cotting-Schalch, 

Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

dessen Ehefrau  

B._______, geboren (…), 

und deren Kinder 

C._______, geboren (…), 

D._______, geboren (…), 

E._______, geboren (…), alias  

F._______, geboren (…), alle Eritrea,  

c/o schweizerische Botschaft in Khartum, 

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 7. November 2013 / N _______. 

 

 

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Sachverhalt: 

A.  

Mit undatierter Eingabe in englischer Sprache (Eingangsstempel Bot-

schaft: 10. Juni 2012) reichten die Beschwerdeführenden bei der schwei-

zerischen Botschaft in Khartum (in der Folge: die Botschaft) Asylgesuche 

ein. 

B.  

B.a Mit Schreiben vom 20. August 2012 teilte das BFM den Beschwerde-

führenden mit, im vorliegenden Verfahren könne aufgrund des begrenz-

ten Personalbestandes sowie fehlender Voraussetzungen im sicherheits-

technischen und räumlichen Bereich keine Befragung durch die Botschaft 

durchgeführt werden. Gleichzeitig unterbreitete ihnen das BFM eine Rei-

he konkreter Fragen zur Abklärung des Sachverhalts. 

B.b Mit Schreiben vom 18. September 2012 (Eingangsstempel der Bot-

schaft) liessen sich die Beschwerdeführenden fristgerecht vernehmen. 

C.  

C.a Zur Begründung ihres Asylgesuches machten die Beschwerdeführen-

den im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer habe 1994 für ein-

einhalb Jahre Militärdienst geleistet und danach im Geschäft seines Va-

ters gearbeitet. Im Mai 1998 sei er während des Krieges zwischen Äthio-

pien und Eritrea erneut aufgefordert worden, Militärdienst zu leisten. Als 

man ihn zur Übernahme einer führenden Position habe zwingen wollen, 

habe er sich zur Flucht in den Sudan entschlossen. Dabei sei er von der 

sudanesischen Polizei aufgehalten und inhaftiert worden. Während der 

einjährigen Haft sei er unmenschlich behandelt und gefoltert worden. 

Nach seiner Freilassung am 10. Januar 2002 habe er sich ins Flüchtlings-

camp G._______ (H._______) begeben, wo er sich als Flüchtling habe 

registrieren lassen. Da sich seine Gesundheit während seines Aufenthalts 

im Camp massiv verschlechtert habe, habe er sich nach Khartum bege-

ben. Nach zweieinhalb Jahren in Khartum habe sich seine ge-

sundheitliche Situation verbessert und er habe eine Arbeitsstelle als Taxi-

fahrer gefunden. Am 10. November 2005 habe er ein sudanesisches 

Mädchen im Taxi zur Schule gefahren. Auf dem Weg zur Schule habe er 

einen Unfall gehabt und das Mädchen sei tödlich verunglückt. Daraufhin 

sei er in I._______ ein Jahr in Haft gewesen. Das Gericht habe ihn dann 

freigesprochen. Seither werde er von der Familie des verstorbenen Mäd-

chens bedroht. Die Drohungen habe er bei der Polizei gemeldet. Diese 

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habe ihm lediglich zu einem Umzug geraten. Da sich an seinem Wohnort 

auch seine Arbeitsstelle befunden habe, habe er den Rat nicht befolgen 

können. Er habe nämlich als Nachtwächter eines sudanesischen Haus-

besitzers gearbeitet und hierfür im selben Haus ein kleines Zimmer er-

halten. Seither fürchte er sich vor weiteren Drohungen von Seiten der Fa-

milie des verunglückten Mädchens.  

C.b Die Beschwerdeführerin habe vom Mai 1998 bis Januar 2005 Natio-

naldienst geleistet und während dieses Zeitraums politischen Häftlingen 

und Gefangenen, welche aus religiösen Gründen inhaftiert worden seien, 

zur Flucht verholfen. Am 20. Januar 2005 sei sie selbst in den Sudan ge-

flüchtet, wo sie sich in einem Flüchtlingslager des UNHCR habe registrie-

ren lassen. Sie lebe zusammen mit ihrem Ehemann und den Kindern in 

einem kleinen Zimmer, in dem Haus, in dem ihr Ehemann als Nachtwäch-

ter arbeite. Aus einer früheren Beziehung habe sie einen Sohn und ge-

meinsam mit dem Beschwerdeführer habe sie noch zwei weitere Kinder.  

C.c Für die weiteren Einzelheiten des geltend gemachten Sachverhaltes 

und die eingereichten Beweismittel wird auf die Akten verwiesen. 

D.  

Mit Verfügung vom 7. November 2013 – eröffnet am 14. April 2014 – ver-

weigerte das BFM den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz 

und lehnte deren Asylgesuche ab.  

E.  

Mit Eingabe vom 25. April 2014 (Eingangsstempel der Botschaft: 30. April 

2014) erhoben die Beschwerdeführenden in englischer Sprache Be-

schwerde gegen die Verfügung des BFM vom 7. November 2013. Die 

Botschaft überwies die Eingabe zuständigkeitshalber an das Bundesver-

waltungsgericht zur Behandlung (Eingangsstempel des Bundesverwal-

tungsgerichts vom 20. Mai 2014). Die Beschwerdeführenden machten 

sinngemäss geltend, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es 

sei ihnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. Sie fühlten sich in ih-

rem Aufenthaltsland nicht sicher und könnten sich das Leben in Khartum 

nicht mehr leisten. Ausserdem könne sich der Beschwerdeführer dort 

nicht mehr frei bewegen, weil er sich vor Behelligungen durch die Ange-

hörigen des verunglückten Mädchens fürchte. Ausserdem führe die suda-

nesische Polizei seit kurzem "random sweeps" durch, bei denen ihn auch 

sein Flüchtlingsausweis nicht schützen würde, da er das geforderte Geld 

nicht bezahlen könne. Darüber hinaus sei auch die Lage in den Flücht-

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lingscamps des UNHCR nicht sicher. Viele Eritreer würden dort Entfüh-

rungen von sogenannten "human traffickers" zum Opfer fallen, welche die 

Entführten nach Eritrea zurück bringen oder in den Sinai an "human or-

gan harvesters" verkaufen würden. Zudem hätten die Beschwerdeführen-

den in den Flüchtlingslagern zusätzliche Schwierigkeiten aufgrund ihrer 

Zugehörigkeit zur Ethnie der "Habesh". 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, 

endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder 

das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. 

Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indes-

sen verzichtet werden, da der in Englisch abgefassten Beschwerdeein-

gabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begrün-

dung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden 

kann. 

1.4 Die Beschwerdeführenden sind legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG), und 

sie haben ihre Beschwerde gemäss Aktenlage fristgerecht bei der 

schweizerischen Botschaft in Khartum eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG 

i.V.m. Art. 21 Abs. 1 VwG). Die Beschwerde ist auch formgerecht (Art. 52 

Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.  

1.5 Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vor-

liegende Entscheid in deutscher Sprache. 

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1.6 Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG 

verzichtet. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 

Abs. 1 AsylG). 

3.  

Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 

2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft getreten 

sind, wurden unter anderem die Bestimmungen betreffend die Einrei-

chung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangs-

bestimmung (Ziffer III) hält jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem 

Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche 

die massgeblichen Artikel (aArt. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) 

in der bisherigen Fassung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorlie-

genden Fall die altrechtlichen Bestimmungen betreffend das Asyl-

verfahren anzuwenden. 

4.  

4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer 

schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an 

das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ver-

fahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, 

SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel 

eine Befragung durchführt (aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1); ist dies nicht mög-

lich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ih-

re Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befra-

gung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann sich 

erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten 

Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Per-

son ist aber in diesem Fall im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegen-

heit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumin-

dest schriftlich zu äussern (BVGE 2007/30 E. 5.7 S. 367). 

4.2 Im vorliegenden Fall wurden die Beschwerdeführenden von der Bot-

schaft in Khartum zu ihren Asylgesuchen nicht befragt. Indes wurden sie 

im Rahmen des rechtlichen Gehörs mittels Schreiben vom 20. August 

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2012 zur weiteren Konkretisierung ihrer Asylgründe aufgefordert (vgl. Bst. 

B.a hiervor). In Verbindung mit den bereits vorgängig enthaltenen Frage-

stellungen sowie den entsprechenden Antworten der Beschwerdeführen-

den dazu (vgl. Bstn. B.a und B.b hiervor) konnte das BFM letztlich davon 

ausgehen, dass sämtliche für die Beurteilung der Asylgesuche aus dem 

Ausland notwendigen Aspekte abgedeckt waren, namentlich die genauen 

Personalien der asylsuchenden Personen, die detaillierten Asylvorbrin-

gen, die unternommenen Massnahmen zur Schutzsuche oder die Mög-

lichkeit einer innerstaatlichen Fluchtalternative. Dabei ist festzustellen, 

dass sich die Beschwerdeführenden in allen ihren Eingaben grundsätzlich 

auf den gleichen Sachverhalt beriefen. Aufgrund der Schilderungen der 

Beschwerdeführenden durfte das BFM davon ausgehen, dass sämtliche 

für die Beurteilung der Asylgesuche aus dem Ausland notwendigen Sach-

verhaltsaspekte vorgebracht wurden. Das BFM ist zudem der Begrün-

dungspflicht des Anhörungsverzichts nachgekommen, so dass im vorlie-

genden Verfahren dem Anspruch der Beschwerdeführenden auf Gewäh-

rung des rechtlichen Gehörs Rechnung getragen und der entscheidwe-

sentliche Sachverhalt in genügender Weise und umfassend abgeklärt 

wurde. 

5.  

5.1 Beim Entscheid für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten re-

striktive Voraussetzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessens-

spielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von 

Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Mög-

lichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Bezie-

hungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive 

Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen 

Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen 

(vgl. statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgericht E-5509/2011 vom 

22. November 2011 E. 4.4).  

5.2 Nach aArt. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland 

befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden 

kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen.  

5.3 Im Rahmen einer Gesamtschau ist dabei zu prüfen, ob es aufgrund 

der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, 

die den angesichts der bestehenden Gefährdung erforderlichen Schutz 

gewähren soll. Dabei sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, 

die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Be-

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ziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objek-

tive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche sowie die voraus-

sichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu 

ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128; vgl. auch die 

Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D-2018/2011 vom 

14. September 2011 E. 7.1). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung fest, aus den 

Schilderungen der Beschwerdeführenden in ihren Asylgesuchen vom 

10. Juni 2012 sowie in ihrer Stellungnahme vom 18. September 2012 las-

se sich schliessen, dass sie ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den 

eritreischen Behörden gehabt hätten. Es sei zu prüfen, ob einer allfälligen 

Asylgewährung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von aArt. 52 

Abs. 2 AsylG entgegenstehe. Danach könne einer Person das Asyl ver-

weigert werden, wenn es ihr zugemutet werden könne, sich in einem an-

deren Staat um Aufnahme zu bemühen. 

Die Beschwerdeführenden seien ihren Aussagen zufolge nach ihrer An-

kunft im UNHCR-Flüchtlingslager registriert worden und lebten seitdem in 

Khartum, wo der Beschwerdeführer als Nachtwächter eines sudanesi-

schen Hausbesitzers arbeite. Die Beschwerdeführerin fürchte sich vor 

den eritreischen Sicherheitsbehörden, der Beschwerdeführer fühle sich 

von der Familie des verunglückten Mädchens bedroht. Zudem könne er 

die Bedürfnisse seiner Familie nicht mit seinem Einkommen decken. 

Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge 

und Asylsuchende im Sudan aufhalten. Vor diesem Hintergrund sei nicht 

zu verkennen, dass die Lage vor Ort für diese Menschen wie auch für die 

Beschwerdeführenden nicht einfach sei. Dennoch bestünden keine kon-

kreten Anhaltspunkte zur Annahme, wonach ein weiterer Verbleib im Su-

dan nicht zumutbar oder nicht möglich wäre.  

Flüchtlinge im Sudan, welche vom UNHCR registriert worden seien und 

einem Flüchtlingslager zugeteilt würden, bekämen dort die nötige Versor-

gung. Die Beschwerdeführenden verfügten im Sudan nicht über ein freies 

Aufenthaltsrecht für das ganze Land. Daher sei ihnen zuzumuten, beim 

UNHCR um Schutz zu ersuchen, sollte ihre Situation tatsächlich kritisch 

sein.  

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6.2 Ihre Befürchtung, nach Eritrea zurückgeschafft zu werden, erachte 

das BFM als unbegründet. Gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das 

Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan 

vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt worden seien, gering. Das 

UNHCR registriere vor Ort sämtliche Eritreer, die sich in einem Flücht-

lingslager melden würden, unabhängig davon, weshalb sie Eritrea verlas-

sen hätten. In jüngster Vergangenheit seien denn auch keine Rückfüh-

rungen von Flüchtlingen nach Eritrea bekannt geworden. Vorliegend be-

stünden auch keine Anhaltspunkte dafür, dass den Beschwerdeführenden 

eine Rückführung nach Eritrea drohen könnte. So verfügten sie den Akten 

zufolge nicht über ein geeignetes Risikoprofil, das eine Befürchtung vor 

einer Verschleppung nach Eritrea objektiv begründen könnte. Sie hätten 

auch nicht glaubhaft darlegen können, persönlich faktisch und unmittelbar 

bedroht zu sein, unter Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips nach 

Eritrea zurückgeschafft zu werden. Da sie zudem den Flüchtlingsstatus 

durch das UNHCR erhalten hätten oder diesen erwerben könnten, hätten 

sie jederzeit die Möglichkeit, sich bei einer Vertretung des UNHCR im 

Sudan zu melden. Im Übrigen habe das UNHCR den Sudan an seine in-

ternationalen Verpflichtung erinnert, der das Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) unter-

zeichnet habe. 

Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu 

sein, seien für die Bewilligung einer Einreise in die Schweiz nur dann re-

levant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht 

in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Generell sei Schutz gewährleistet, 

wenn der Staat geeignete Massnahmen treffe, um die Verfolgung zu ver-

hindern, beispielsweise durch wirksame Polizei-Justizorgane zur Ermitt-

lung, Strafverfolgung und Ahndung von Verfolgungshandlungen, und 

wenn Antragsteller Zugang zu diesem Schutz hätten. Bei den vom Be-

schwerdeführer geschilderten Übergriffen handle es sich um eine Verfol-

gung durch Dritte. Hierzu sei festzustellen, dass der sudanesische Staat 

als schutzfähig gelte und für den Beschwerdeführer die Möglichkeit be-

stünde, sich an die Behörden zu wenden, um Schutz vor Verfolgung sei-

tens Dritter zu suchen. Aus der vorliegenden Aktenlage könnten keine 

Hindernisse entnommen werden, welche auf die Schutzunwilligkeit des 

sudanesischen Staates hindeuten würden. Aus den Angaben des Be-

schwerdeführers gehe hervor, dass er die Vorfälle der Polizei gemeldet 

habe, die ihm zu einem Wohnortswechsel geraten habe. Sollten weitere 

Drohungen folgen, bestünde ohne Weiteres die Möglichkeit, die Polizei 

erneut um Schutz zu ersuchen. 

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Unbestrittenermassen sei für eritreische Flüchtlinge das Leben in Khar-

tum nicht einfach. Aus den Angaben der Beschwerdeführenden gehe her-

vor, dass sie seit zehn Jahren dort leben würden, eine Familie gegründet 

hätten und der Beschwerdeführer ein Auskommen als Nachtwächter ge-

funden habe. Aufgrund ihrer langen Aufenthaltsdauer sowie ihrer Sprach-

kenntnisse verfügten sie über bessere Integrationsmöglichkeiten in die 

sudanesische Gesellschaft als andere eritreische Flüchtlinge. Die Hürden 

für eine zumutbare Existenz in Khartum seien somit in ihrem Fall nicht 

unüberwindbar. Überdies lebe im Sudan eine grosse eritreische Diaspora, 

die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und weitgehend Unterstüt-

zung biete.  

Bei der Anwendung von aArt. 52 Abs. 2 AsylG sei zudem in einer Ge-

samtschau die Beziehungsnähe zur Schweiz und die Beziehungsnähe zu 

anderen Staaten zu prüfen. Den Akten zufolge seien keine Hinweise auf 

allfällige Anknüpfungspunkte zur Schweiz ersichtlich. Aufgrund dessen sei 

keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben, welche die vo-

rangegangenen Feststellungen umstossen könnte. Die Beschwerdefüh-

renden benötigten den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz ge-

mäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht, weshalb ihnen ein weiterer Verbleib im 

Sudan zugemutet werden könne.  

Nach dem Gesagten seien sowohl die Asylgesuche als auch die Einrei-

seanträge abzulehnen. 

7.  

7.1 Seit rund 40 Jahren suchen eritreische Flüchtlinge im Ostsudan Zu-

flucht. Laut UNHCR sind zur Zeit mehr als 100'000 Flüchtlinge in diesem 

Gebiet untergebracht. Der Ostsudan ist zu einer massgeblichen Transitre-

gion für Personen geworden, die aus Eritrea fliehen und in den Flücht-

lingslagern des UNHCR müssen die Flüchtlinge bis zu drei Monate auf 

Ausweispapiere warten, weshalb viele vor Erhalt der entsprechenden Pa-

piere ihr Lager verlassen. Schätzungen des UNHCR zufolge verlassen 

80 % der Flüchtlinge die Lager innert den ersten drei Monaten nach ihrer 

Ankunft und setzen ihren Weg weiter nach Khartum, den Nahen Osten 

oder Europa fort. Der Sudan verfolgt eine sogenannte "encampment poli-

cy", der zufolge Asylsuchende und Flüchtlinge gehalten sind, sich in ei-

nem der zwölf Flüchtlingslager aufzuhalten. Die sudanesischen Behörden 

beschränken die Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge durch diese "en-

campment policy" und durch die gesetzlich vorgesehene Bestrafung von 

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Flüchtlingen, welche die Flüchtlingslager verlassen. Da die Flüchtlinge oft 

weder über Identitätspapiere noch über eine Reisebewilligung verfügen, 

sind sie für ihre Weiterreise – in den Grossraum Khartum, in den Nahen 

Osten oder nach Europa – von Schleppern abhängig. Sie sind besonders 

gefährdet, Opfer von Menschenhändlern zu werden. Eritreische Flücht-

linge werden namentlich entlang der sudanesisch-eritreischen Grenze 

aus den Flüchtlingslagern und den Städten im Ostsudan entführt und de-

ren Verwandte um Lösegelder erpresst (vgl. Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts E- 3288/2013 vom 11. November 2013 E. 6.3.1 m. w. H.). 

Im Zusammenhang mit diesem Menschenhandel, den Entführungen und 

Verschleppungen tritt häufig der arabische Nomadenstamm der Rashai-

da, welcher im sudanesischen-eritreischen Grenzgebiet lebt, in Erschei-

nung. Die Rashaida kontrollieren einen grossen Teil des Handels und 

Schmuggels in dieser Grenzregion; eine kleinere Anzahl von Angehörigen 

dieses Nomadenstammes ist auch für den Menschenschmuggel und –

handel verantwortlich. Darüber hinaus verfügen die Rashaida über ein gut 

organisiertes Netzwerk und arbeiten mit anderen Nomadenstämmen und 

mit ägyptischen Beduinen zusammen (vgl. E-3288/2013 vom 11. Novem-

ber 2013 E. 6.3.1 m. w. H.). Eritreische Flüchtlinge werden nicht nur aus 

den Lagern des Ostsudan entführt, es kommt auch zu "Schlepper- bzw. 

Schmuggelmissbräuchen" ("smuggler abuses") entlang den Migrations-

routen Richtung Mittelmeer, wobei die Routen vom Sudan aus insbeson-

dere nach Nordwesten in Richtung Libyen oder nach Norden in den Na-

hen Osten, nach Ägypten, führen. Dabei hat seit 2006 insbesondere die 

Halbinsel Sinai als Transitregion für Migranten (welche nach Israel reisen) 

an Bedeutung zugenommen und der damit einhergehende Menschen-

schmuggel in diesem Gebiet hat sich als Phänomen etabliert. Seit Ende 

2010 wird über den Menschen- und Organhandel, über Folter und Ver-

gewaltigung von Flüchtlingen im Sinai berichtet. Die meisten der im Sinai 

Entführten stammen aus Eritrea oder dem Sudan. Die Flüchtlinge zahlen 

um die 3'000 Dollar, um von den Schleppern an die israelische Grenze 

gebracht zu werden. Für einige endet die Reise mit den Schleppern an 

der israelischen Grenze, Frauen werden systematisch vergewaltigt und 

die Menschenschmuggler haben ihre Machenschaften aufs lukrative Er-

pressen von Lösegeldern ausgeweitet (vgl. E-3288/2013 E. 6.3.1 m. w. 

H.). Nach Einschätzung des UNHCR ist das Risiko einer Entführung oder 

Verschleppung ("kidnapping") für eritreische Flüchtlinge und Asylsuchen-

de bei der Einreise in den Sudan am höchsten (vgl. a.a.O.). An ihrem 

derzeitigen Aufenthaltsort in Khartum sind die Beschwerdeführenden hin-

gegen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer entspre-

chenden Entführung bedroht. Sie haben daher keine begründete Furcht 

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Seite 11 

im Sinne der asylrechtlichen Rechtsprechung, dass eine Verschleppung 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit konkret erfolgen wird.  

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass keine konkrete Grund-

lage für die Annahme besteht, dass die Beschwerdeführenden als eritrei-

sche Flüchtlinge in Khartum befürchten müssten, Opfer eines Menschen-

schmuggels zu werden.  

7.2 Die Beschwerdeführenden bringen zwar vor, die Verhältnisse in Khar-

tum seien viel prekärer und gefährlicher als in der angefochtenen Verfü-

gung dargestellt (angespannte finanzielle Situation der Beschwerdefüh-

renden, "random sweeps" und Festnahmen durch die sudanesische Poli-

zei sowie Behelligungen durch die Angehörigen des verunglückten Mäd-

chens). Ihre diesbezüglichen Vorbringen vermögen jedoch nicht zu über-

zeugen. So hat sich der Beschwerdeführer seinen Angaben zufolge im 

Zusammenhang mit den geltend gemachten Behelligungen durch die An-

gehörigen des verunglückten Mädchens an die Polizei gewandt, welche 

ihn aufgefordert habe, Namen zu nennen. Da es im Zusammenhang mit 

diesem Unfall zu einem Prozess und einer Verurteilung des Beschwerde-

führers gekommen sein soll, ist nicht nachvollziehbar, dass er die Namen 

der "Täter" nicht kennt, zumal diese seinen Angaben zufolge aus dem 

Umfeld der Opferfamilie stammen sollen. Vielmehr ist mit dem BFM fest-

zustellen, dass die Beschwerdeführenden seit über zehn Jahren im Su-

dan leben und eine gewisse Selbständigkeit zu entfalten vermochten. 

Gemäss ihren Angaben konnte der Beschwerdeführer bis anhin den Le-

bensunterhalt für seine Familie in Khartum als Taxifahrer und Nachtwäch-

ter bestreiten. Vor dem Hintergrund der überaus langen Verweildauer im 

Sudan sprechen somit weder die geltend gemachten wirtschaftlichen 

Probleme noch die vorgebrachten Sicherheitsbedenken gegen einen wei-

teren Verbleib im Lande. Auch in Anbetracht der in Khartum existierenden 

grossen eritreischen Gemeinschaft ist des Weiteren zu vermuten, dass 

die Beschwerdeführenden im Sudan nicht gänzlich auf sich allein gestellt 

sind. Sollten die Beschwerdeführenden einen weiteren Aufenthalt in Khar-

tum nicht mehr in Betracht ziehen, haben sie die Möglichkeit, sich wieder 

in das ihnen zugewiesene Flüchtlingslager zu begeben, wo sie mit Schutz 

und einer ausreichenden Versorgung rechnen können, auch wenn es dort 

– wie oben dargelegt – in der Vergangenheit zu Entführungen von Flücht-

lingen aus dem Camp und um das Camp herum gekommen ist. Zwar 

kann mithin die Gefahr (respektive die schwierig einzuschätzende Wahr-

scheinlichkeit) einer Entführung im [Flüchtlingslager] nicht ausgeschlos-

sen werden; indessen genügt eine aktuell für die Beschwerdeführenden 

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gar nicht in unmittelbar absehbarer Zukunft und konkret bevorstehende 

Möglichkeit einer allfälligen Gefährdung den flüchtlingsrechtlichen Anfor-

derungen an eine begründete Furcht vor Verfolgung nicht (vgl. E-

3288/2013 E. 6.4). Auch vor ihrem ethnischen Hintergrund sind die Be-

schwerdeführenden vor Verfolgung nicht ernsthaft bedroht (vgl. Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts D- 2923/2013 vom 29. Mai 2013 E. 5.2).  

7.3 Wie vorstehend dargelegt, halten sich die Beschwerdeführenden in 

einem Drittstaat, dem Sudan auf. Wie unter E. 6.2 bereits kurz ausgeführt 

wurde, anerkennt die Vorinstanz und das Gericht, dass die Umstände im 

Sudan schwierig und teilweise unbefriedigend sind. Dennoch sind sie 

nicht dergestalt, dass auch ohne Bezug zur Schweiz eine Einreise in die 

Schweiz bewilligt werden müsste (vgl. EMARK 2005 Nr. 19).  

7.4  Zusammenfassend ist festzustellen, dass den Beschwerdeführenden 

ein weiterer Verbleib im Sudan zumutbar ist und sie auf den Schutz der 

Schweiz nicht angewiesen sind. Die Vorinstanz hat demnach den Be-

schwerdeführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt 

und das Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da-

her abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus ver-

waltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf 

die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

 

D-2727/2014 

Seite 13 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die 

schweizerische Botschaft in Khartum. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy 

 

 

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