# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** beb7bf31-2e67-53f5-8fe6-e4703c3bfb24
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-11-16
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 16.11.2017 VG.2016.00093 (VG.2017.590)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2016-00093_2017-11-16.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 16. November 2017

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2016.00093

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______ AG

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt
    B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    medisuisse

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Sozialversicherungsbeiträge (Nachtragsverfügungen)

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  Die A.______ AG ist
  seit dem […] im Handelsregister des Kantons Glarus eingetragen und der
  medisuisse als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen. Die Gesellschaft
  bezweckt das Führen einer Gemeinschaftspraxis nach den Standesregeln der
  Ärztegesellschaft des Kantons Glarus. Sie kann andere Geschäfte durchführen,
  sich an Unternehmen beteiligen sowie finanzielle Transaktionen tätigen, die
  direkt oder indirekt im Zusammenhang mit dem Gesellschaftszweck stehen.
  Dr. C.______, Facharzt FMH für […], und Dr. D.______, Facharzt FMH
  für […], sind Arbeitnehmer der A.______ AG, fungieren gleichzeitig als
  einzelzeichnungsberechtigte Gesellschafter und halten je 50 % des Aktienkapitals.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die A.______ AG rechnete im Jahr 2009 für die
  Dres. C.______ und D.______ einen AHV-Lohn von je Fr. […] ab. Im Jahr
  2010 wies sie für Dr. C.______ erneut einen jährlichen AHV-Lohn in der
  Höhe von Fr. […], für Dr. D.______ einen solchen in der Höhe von Fr. […]
  aus. Darüber hinaus schüttete ihnen die Gesellschaft 2009 sowie 2010 je eine
  jährliche Bruttodividende in der Höhe von Fr. […] (gesamthaft pro Person Fr.
  […]) aus.

  
	
   

  
	
  2.2 Am 8. Juni 2012 führte die Revisionsstelle der
  Ausgleichskassen bei der A.______ AG für die Periode vom 1. Januar 2008
  bis zum 31. Dezember 2011 eine Arbeitgeberkontrolle durch. Gestützt
  darauf gelangte die medisuisse zum Schluss, dass die 2009 und 2010 an die Dres. C.______
  und D.______ ausbezahlten Löhne unangemessen gewesen seien und ein
  Missverhältnis zwischen dem in die Gesellschaft eingebrachten Vermögen sowie
  der erzielten Dividenden bestanden habe. Sie erachtete für die Dres. C.______
  und D.______ ein Jahresgehalt von je Fr. […] als angemessen, nahm für
  Dr. C.______ 2009 und 2010 je eine Lohnaufrechnung in der Höhe von Fr.
  56'000.- sowie für Dr. D.______ 2009 eine solche von Fr. 56'000.- und
  2010 eine solche in der Höhe von Fr. 65'201.- (gesamthaft Fr. 233'201.-) vor
  und verpflichtete die A.______ AG mit Verfügungen vom 29. Dezember
  2014 zur Nachzahlung von paritätischen Beiträgen (AHV/IV/EO, FAK) samt
  Verwaltungskosten und Verzugszinsen im Gesamtbetrag von Fr. 27'315.20.

  
	
   

  
	
  2.3 Gegen die Verfügungen vom 29. Dezember 2014 erhob
  die A.______ AG am 2. Februar 2015 Einsprache und beantragte deren
  Aufhebung. Auf eine teilweise Umqualifikation der Dividenden in
  Lohnbestandteile sei zu verzichten. Am 29. Juli 2016 hiess die
  medisuisse die Einsprache teilweise gut. Sie erhöhte die Lohnaufrechnung für
  Dr. C.______ im Jahr 2009 auf Fr. 60'143.- und reduzierte diejenige für
  2010 auf Fr. 23'257.-. Für Dr. D.______ reduzierte sie die
  Lohnaufrechnungen 2009 auf Fr. 32'800.- und 2010 auf Fr. 23'257.-. Damit
  betrug die gesamthaft vorgenommenen Lohnaufrechnungen für die Dres. C.______
  und D.______ für die Jahre 2009 und 2010 noch Fr. 139'457.-.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die A.______ AG gelangte mit Beschwerde vom
  2. September 2016 ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung
  des Einspracheentscheids vom 29. Juli 2016 sowie der Verfügungen vom 29.
  Dezember 2014. Von der teilweisen Umqualifikation der Dividenden in
  Lohnbestandteile sei abzusehen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die
  medisuisse beantragte am 2. Dezember 2016 im Sinne einer reformatio in
  peius, dass für Dr. D.______ für das Jahr 2009 ein Betrag in der Höhe
  von Fr. 60'143.- als Lohnbestandteil aufzurechnen sei. Im Übrigen sei
  die Beschwerde abzuweisen. Eventualiter sei die Beschwerde ganz abzuweisen
  und der Einspracheentscheid vom 29. Juli 2016 sei zu bestätigen.

  
	
   

  
	
  3.2 Die A.______ AG hielt in ihrer Replik vom 22.
  Februar 2017 an ihren Rechtsbegehren ebenso fest, wie die medisuisse am 28.
  April 2017 an den ihrigen. Am 30. Mai 2017 nahm die A.______ AG zur
  Duplik der medisuisse Stellung und hielt erneut an ihrer Beschwerde fest. Die
  medisuisse liess sich am 12. Juni 2017 vernehmen und erneuerte ihre
  Rechtsbegehren.

  
	
   

  
	
  3.3 Das Verwaltungsgericht edierte am 11. Juli 2017 die
  Steuerakten der A.______ AG für die Jahre 2008 bis 2011.

  
	
   

  
	
  3.4 Am 20. Juli 2017 forderte das Verwaltungsgericht
  die A.______ AG zur Beantwortung von zwei Fragen und zur Einreichung
  weiterer Akten auf. Dem kam die A.______ AG am 14. September 2017 nach.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
  Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG) i.V.m.
  Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
  Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) ist für
  sozialversicherungsrechtliche Streitigkeiten grundsätzlich das Gericht
  desjenigen Kantons zuständig, in dem die versicherte Person oder der
  Beschwerde führende Dritte zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. 

  
	
   

  
	
  1.2 Vorliegend ist kein Entscheid einer kantonalen
  Ausgleichskasse angefochten, weshalb die Ausnahmeregelung gemäss Art. 84
  AHVG, wonach das Gericht am Ort der Ausgleichskasse zuständig ist, nicht zur
  Anwendung kommt. Folglich ist nach dem oben Dargelegten das
  Verwaltungsgericht des Kantons Glarus für die Behandlung der vorliegenden
  Beschwerde zuständig, weil die Beschwerdeführerin ihr Domizil im Kanton
  Glarus hat. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf
  die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdegegnerin bringt insbesondere vor, bei der Prüfung der (teilweisen)
  Umqualifikation einer Dividende in massgeblichen Lohn sei auf das Erfordernis
  des offensichtlichen Missverhältnisses zwischen Arbeitsleistung und Lohn zu
  verzichten. Das Kriterium sei gänzlich unpraktikabel und verunmögliche eine rechtsgleiche
  Behandlung der Beitragspflichtigen. Dies sei insbesondere bei einer
  Gesellschaft der Fall, die von eigenen Arbeitnehmern beherrscht werde, welche
  in einem freien Beruf für die Gesellschaft tätig seien. Bei solchen Personen
  werde aufgrund untauglicher statistischer Grundlagen ein viel zu tiefes
  Einkommen fingiert, wodurch Dividenden dem Vermögensertrag zugewiesen würden,
  welche eigentlich AHV-pflichtiger Lohn seien. Demgemäss sei im vorliegenden
  Fall einzig relevant, dass die in den Jahren 2009 und 2010 an die Dres. C.______
  und D.______ ausgerichteten Dividenden überhöht seien bzw. über 10 % der
  Eigenkapitalrendite ausmachen würden. Folglich sei der darüber hinausgehende
  Dividendenanteil als massgeblicher Lohn zu qualifizieren und darauf paritätische
  Beiträge zu entrichten.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdeführerin ist
  hingegen der Ansicht, die Beschwerdegegnerin verfolge zu Unrecht einen
  eigenen Ansatz und benachteilige mit ihrem Vorgehen einzelne Arbeitnehmer mit
  Beteiligungsrechten. Es sei nicht rechtens, wenn einzig auf die erfolgreiche
  Positionierung einer Gesellschaft bzw. auf das Missverhältnis zwischen eingesetztem
  Kapital und ausbezahlter Dividende abgestellt werde. So sei auch die Angemessenheit
  des Jahreseinkommens zu berücksichtigen, wobei die von der Beschwerdegegnerin
  beabsichtigte Praxisverschärfung in die falsche Richtung ziele und zu
  unbilligen Resultaten führe. Des
  Weiteren könne man sich bei der Beurteilung eines branchenüblichen Lohns
  nicht auf eine von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene Studie stützen,
  wovon letztlich auch diese selbst ausgegangen sei. Die Studie sei auf den
  vorliegenden Sachverhalt bezogen nämlich weder geeignet noch statistisch relevant.
  Auch der von ihr angenommene jährliche Medianlohn in der Höhe von
  Fr. […] werde der Sache nicht gerecht und erweise sich als überhöht.
  Sodann habe sie zwar auf den bundesgerichtlich anerkannten individuellen
  Lohnrechner des Bundesamts für Statistik "Salarium" verwiesen, dessen
  Anwendbarkeit aber ohne erkennbare Gründe in der Folge verworfen. Gerade
  diese Berechnungsmethode zeige jedoch, dass die streitbetroffenen Lohnzahlungen
  nicht missbräuchlich gewesen seien. Ferner sei es nur eine widerlegbare Vermutung,
  dass eine jährliche Dividende überhöht sei, falls sie höher als 10% der Eigenkapitalrendite
  sei. Hinzu komme, dass die ausbezahlten Dividenden nicht gänzlich aus dem
  Vorjahresgewinn ausgeschüttet worden seien. Ein Teil habe nicht zur
  Wertschöpfung beigetragen und stelle somit Substanzdividende dar. Dieser Teil
  sei nicht als massgeblicher Lohn zu qualifizieren.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Vergütungen, welche als
  reiner Kapitalertrag zu betrachten sind, gehören nicht zum massgebenden Lohn.
  Ob dies zutrifft, unterliegt einer Einzelfallbeurteilung, wobei die
  rechtliche oder wirtschaftliche Bezeichnung der Vergütung nicht entscheidend
  und höchstens als Indiz zu werten ist. Unter Umständen können aber auch Zuwendungen
  aus dem Reingewinn einer Aktiengesellschaft beitragsrechtlich massgebender
  Lohn sein, was gemäss Art. 7 lit. h der
  Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom
  31. Oktober 1947 (AHVV) beispielsweise für Tantiemen gilt, welche ihren Grund im
  Arbeitsverhältnis haben. Zuwendungen, die nicht durch das Arbeitsverhältnis
  gerechtfertigt sind, gehören hingegen nicht zum massgebenden Lohn, sondern
  sind Gewinnausschüttungen, welche eine Gesellschaft ihren Gesellschaftern
  ohne entsprechende Gegenleistung zuwendet, unbeteiligten Dritten unter den
  gleichen Umständen aber nicht erbringen würde (BGE 141 V 634 E. 2.2).

  
	
   

  
	
  3.2 Praxisgemäss ist es Sache
  der Ausgleichskassen, selbstständig zu beurteilen, ob ein
  Einkommensbestandteil als massgebender Lohn oder als Kapitalertrag zu qualifizieren
  ist. Der in Art. 23 AHVV enthaltenen Ordnung entspricht es allerdings, dass
  sich die Ausgleichskassen in der Regel an die steuerrechtliche Betrachtungsweise
  halten. Soweit es vertretbar ist, soll eine verschiedene Betrachtungsweise
  der Steuerbehörde und der AHV-Verwaltung vermieden werden, dies um der Einheit
  und Widerspruchslosigkeit der gesamten Rechtsordnung willen. Die Parallelität
  zwischen sozialversicherungs- und steuerrechtlicher Qualifikation ist nicht
  leichthin preiszugeben (BGE 141 V 634 E. 2.5, BGer-Urteil 9C_733/2015 vom 14.
  April 2016 E. 3.5).

  
	
   

  
	
  3.3 Da nur Erwerbseinkommen,
  nicht aber Vermögensertrag beitragspflichtig ist, müssen bei der Beurteilung
  von Leistungen, welche eine Aktiengesellschaft an Personen ausrichtet, die
  zugleich Arbeitnehmer und Aktionäre sind, einerseits eine angemessene
  Entschädigung für die geleistete Arbeit und anderseits ein angemessener
  Vermögensertrag zugrunde gelegt werden, wobei die Gesellschaft einen erheblichen
  Ermessensspielraum hat. Von der durch die Gesellschaft gewählten Aufteilung
  weichen die Steuerbehörde und folglich auch die Ausgleichskasse (vgl. vorstehende
  E. 3.2) nur dann ab, wenn ein offensichtliches Missverhältnis zwischen
  Arbeitsleistung und Lohn sowie kumulativ zwischen eingesetztem Vermögen und
  Dividende besteht. Dabei ist auf einen Drittvergleich abzustellen bzw. es ist
  zu prüfen, ob unter Berücksichtigung aller objektiven und subjektiven
  Faktoren die gleiche Leistung auch einem aussenstehenden Dritten erbracht
  worden wäre (BGE 141 V 634 E. 2.2.1).

  
	
   

  
	
  3.4 Hinsichtlich der Frage, ob
  ein offensichtliches Missverhältnis zwischen Arbeitsleistung und Lohn bzw.
  zwischen eingesetztem Vermögen und Dividende besteht, werden deklariertes
  AHV-Einkommen und branchenübliches Gehalt einerseits und Dividendenzahlung
  und Aktienwert anderseits zueinander in Beziehung gesetzt, um zu bestimmen,
  ob ein Teil der ausgeschütteten Dividende als beitragsrechtlich massgebendes
  Einkommen aufzurechnen ist (vgl. die vom Bundesgericht korrigierte
  "Nidwaldner Praxis" in BGE 134 V 297 E. 2.8, bestätigt in
  BGE 141 V 634 E. 2.2.2; vgl. auch Bundesamt für Sozialversicherungen,
  Wegleitung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO [WML], gültig ab
  1. Januar 2008, Stand 1. Januar 2017, Rz. 2010 ff.) 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Indem die Beschwerdegegnerin hinsichtlich einer möglichen
  Umqualifikation der streitbetroffenen Dividenden auf das Erfordernis des
  doppelten Missverhältnisses verzichten will, zielt sie im Ergebnis auf eine
  Änderung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ab. Eine solche ist nicht
  leichthin anzunehmen und sie ist nur dann zulässig und nicht
  willkürlich, wenn sie sich auf sachlich haltbare Gründe stützen lässt (statt
  vieler BGer-Urteil 5A_890/2013 vom 22.05.2014 E. 4.5). Hinzu kommt, dass
  das Gericht nicht
  ohne triftige Gründe von Verwaltungsweisungen, zu welchen die WML des BSV
  gehört, abweicht (BGE 133 V 394 E. 3.3).

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Bevor einer Dividende ganz
  oder teilweise Lohncharakter zugebilligt wird, ist sorgfältig abzuklären, ob
  die geldwerte Leistung ihre Begründung im Arbeitsverhältnis oder im
  Gesellschaftsverhältnis findet. Von der durch die Gesellschaft vorgenommenen
  Aufteilung zwischen Lohn und geldwerter Leistung soll nur dann abgewichen werden,
  wenn ein offensichtliches Missverhältnis zwischen Arbeitsleistung und Entgelt
  bzw. eingesetztem Vermögen und Dividende besteht. Rechtssystematisch geht es
  um die Begründung einer Ausnahme gegen den klaren Wortlaut des Gesetzes. Eine
  Dividende ist Vermögensertrag und darf nur unter einschränkenden Bedingungen
  – d.h. im Missbrauchsfall – zu Lohn umqualifiziert werden. Die einschränkende
  Praxis nimmt damit Umgehungstatbestände ins Visier, nicht aber generell die
  unternehmerische Freiheit zur Bestimmung der Bezüge (vgl. Orlando
  Rabaglio, Dividende statt Lohn: Ist die AHV-Verwaltungspraxis noch
  rechtmässig?, in TREX 2015/2, S. 102 ff., 104, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.2.2 Die Kriterien sind somit
  insgesamt nichts anderes als Konkretisierungen des allgemeinen Tatbestands
  der Beitragsumgehung. Da eine solche anzunehmen ist, wenn der Lohn
  unangemessen niedrig ist und es für ihn keinen anderen Grund gibt als die
  beabsichtigte Beitragsersparnis, erhellt bereits, dass für eine möglichen
  Umqualifizierung von Dividenden nicht nur ihre Höhe massgebend sein kann, sondern
  auch ein unangemessen niedriger Lohn vorliegen muss, ansonsten nicht auf eine
  Beitragsumgehung geschlossen werden darf. Sodann würde der Ansatz der
  Beschwerdegegnerin im Ergebnis dazu führen, die bundesgerichtliche Argumentation
  umzudrehen. So würde man in erster Linie nämlich nicht nach der Erwerbstätigkeit
  und deren angemessener Entschädigung fragen, sondern vom Gewinn der
  Gesellschaft herkommen und feststellen, dass der Lohn zu niedrig sei, weil
  der ausgeschüttete Gewinn als zu hoch erscheint (vgl. Orlando Rabaglio,
  Wenn die Dividende bei der AHV zu Lohn wird: Klärender Entscheid des
  Bundesgerichts, in TREX 2015/4, S. 206 ff., 242). Eine Folge davon wäre, dass
  mutmasslich überhöhte Dividenden selbst bei einem branchenüblichen Lohn ganz
  oder teilweise umqualifiziert würden, obschon keine Beitragsumgehung
  vorliegt. Dies mutet willkürlich an und schränkt die unternehmerische
  Freiheit zur Bestimmung der Bezüge massiv ein (gleicher Meinung Orlando
  Rabaglio, Dividende statt Lohn: Ist die AHV-Verwaltungspraxis noch
  rechtmässig?, in TREX 2015/2, S. 102 ff., 104). Ferner erscheint die
  beabsichtigte Praxisänderung der Beschwerdegegnerin im Hinblick auf eine
  rechtgleiche Behandlung der Beitragspflichtigen (Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerischen
  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV]) als nicht unproblematisch, da bei
  einzelnen Beitragspflichtigen auf das doppelte Missverhältnis verzichtet
  würde, bei anderen hingegen nicht. Diesbezüglich trägt die Praxis des Bundesgerichts,
  namentlich, dass stets eine Einzelfallprüfung vorzunehmen ist, dem Grundsatz
  der Rechtsgleichheit, wonach Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich
  und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln ist
  (BGE 136 I 17 E. 5.3), besser Rechnung. Daran ändert auch der Umstand nichts,
  dass bei einzelnen Berufen offenbar keine geeignete statistische Grundlage
  für die Festlegung eines branchenüblichen Lohns zur Verfügung steht. So zielt
  die vom Bundesgericht postulierte Einzelfallprüfung gerade darauf ab, neben
  den statistischen Grundlagen sämtliche weiteren geeigneten Merkmale
  beizuziehen, die der Festlegung eines branchenüblichen Lohns dienen. Im Übrigen
  ist zu erwähnen, dass die Frage der (teilweise) Umqualifizierung von
  Dividenden in AHV-pflichtigen Lohn bereits Thema der politischen Debatte war
  (vgl. etwa die von Ruth Humbel am 19. September 2013 eingereichte Motion
  [Nr. 13.3748] oder das am 26. September 2013 von Andy Tschümperlin
  eingereichte Postulat [Nr. 13.3853], beide abrufbar unter:
  https://www.parlament.ch). Der Bundesrat brachte dazu vor, dass die
  Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform II auf die AHV stets bekannt gewesen
  seien. Der Vorschlag, wonach Dividenden über 10 % des Unternehmenssteuergewinns
  generell als überhöht gelten sollten und deshalb in Lohn umzuqualifizieren
  sowie darauf Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten seien, führe zu einer
  Abkehr vom bisherigen System. Dadurch unterläge nicht nur der massgebende
  Lohn, sondern auch der Vermögensertrag ab einer gewissen Grenze der Beitragspflicht,
  was einer neuen Steuer gleichkäme und insbesondere ertragsstarke Unternehmen,
  die trotz branchenüblicher und somit korrekter Löhne hohe Dividenden
  ausschütten, pönalisiere (vgl. dazu die Stellungnahme zur Motion
  "Humbel" vom 6. Dezember 2013, abrufbar unter:
  https://www.parlament.ch).

  
	
   

  
	
  4.3 Als Zwischenfazit ist
  festzuhalten, dass keine genügend sachlichen Gründe für eine Abkehr vom
  Erfordernis des doppelten Missverhältnisses bestehen und solche von der
  Beschwerdegegnerin nicht substantiiert dargelegt werden. Es ist somit nicht
  von einer Einzelfallprüfung abzusehen, wobei bei der wirtschaftlich angemessenen
  Lohnhöhe anzusetzen ist. Die mutmasslich überhöhte Dividende bietet demgegenüber
  bestenfalls ein Anhaltspunkt, dass der Lohn zu Gunsten der Dividende niedrig
  gehalten wurde.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Bei der Beurteilung, ob eine
  angemessene Entschädigung für die geleistete Arbeit ausgerichtet worden ist,
  sind verschiedene Anhaltspunkte hilfreich. Das BSV nennt in einem nicht
  abschliessenden Katalog das Pflichtenheft, den Verantwortungsgrad, das
  Einbringen von Know-How, besondere Erfahrungen, Branchenkenntnis, die Art der
  Tätigkeit, den Vergleich des aktuell ausbezahlten Lohns mit dem in den
  Vorjahren ausgerichteten durchschnittlichen Lohn, die generelle Lohnentwicklung
  im Unternehmen, den Beschäftigungsgrad, den Lohnrechner des Bundesamtes für
  Statistik (Salarium) sowie den Vergleich mit den an nichtmitarbeitende
  Personen mit Beteiligungsrechten ausgeschütteten Gewinnanteilen oder denjenigen
  mit den Löhnen von Arbeitnehmenden ohne gesellschaftliche Beteiligung (vgl.
  WML, Rz. 2011.5).

  
	
   

  
	
  5.2 Die Beschwerdegegnerin stützte
  sich bei der Ermittlung des branchenüblichen Lohns auf die im Jahr 2009
  erstellte Studie der Verbindung der Schweizer Ärztinnen
  und Ärzte (vgl. Kilian Künzi/Silvia Strub/Désirée
  Stocker, Erhebung der Einkommensverhältnisse der berufstätigen Ärzteschaft
  in: Schweizerische Ärztezeitung, 2011, S. 1361 ff; [nachfolgend:
  FMH-Studie]), welche eine Auswertung der von ihr im Jahr 2009 gesammelten
  Daten darstellt, in denen das AHV-pflichtige Jahreseinkommen aus der freien
  Praxistätigkeit der angeschlossenen Ärztinnen und Ärzte erfasst wurde. In der
  Studie wird allerdings ausdrücklich festgehalten, dass sich das
  AHV-pflichtige Jahreseinkommen aus der freien Praxistätigkeit nicht direkt
  mit dem Bruttolohn von Unselbständigerwerbenden vergleichen lasse (vgl.
  Definition des AHV-pflichtigen Einkommens, S. 1372 der FMH-Studie). Sodann
  seien die Resultate der Einkommensstudie zwar schlüssig, jedoch sei es bei
  der Interpretation der Daten unerlässlich, die ärztedemographische
  Zusammensetzung, die Ärztedichte, das Arbeitspensum sowie das ärztliche
  Tätigkeitsfeld mitzuberücksichtigen (vgl. Esther Kraft/Renato
  Laffranchi, Einkommen der frei praktizierenden Ärzteschaft: Validierung der
  Resultate, in: Schweizerische Ärztezeitung, 2012, S. 1376 ff., 1379). Daraus
  folgt, dass an der Geeignetheit der Studie von vornherein Zweifel angebracht
  sind. Zum einen handelt es sich bei den Dres. C.______ und D.______
  nämlich um unselbständig Erwerbstätige, zum anderen stellt die FMH-Studie
  ausschliesslich eine Approximation an die vorliegend interessierenden Verhältnisse
  dar. Nicht stichhaltig ist demgegenüber die Rüge der Beschwerdeführerin, die
  Studie weise bei der Aufteilung nach Hauptfachgebieten eine nicht repräsentative
  Datenmenge auf. Dies mag wohl auf einzelne Hauptspezialfachgebiete zutreffen.
  Hinsichtlich der Allgemeinmedizin sowie der Inneren Medizin hat die Studie
  mit 2409 bzw. 1182 einbezogenen Einkommen aber eine beachtliche
  Datenmenge, was aber nichts daran ändert, dass insgesamt nicht ohne Weiteres
  auf die in der Studie enthaltenen Löhne abgestellt werden kann. 

  
	
   

  
	
  5.3 Die
  Beschwerdeführerin will den branchenüblichen Lohn demgegenüber gestützt auf
  den Lohnrechner des Bundesamts für Statistik (Salarium) ermittelt haben.
  Dieser ermöglicht die statistische Eruierung eines monatlichen
  durchschnittlichen Bruttolohns für eine nach bestimmten Parametern definierte
  Tätigkeit und nach bestimmten Parametern bestimmte Mitarbeiter (vgl. Ruth
  Blocher-Riemer, Massgebender Lohn oder sozialabgabefreie Dividende, Expert
  Focus 2017/3). Die Parameter sind Region, Branche, Berufsgruppe, Stellung im
  Betrieb, Wochenstunden, Ausbildung, Alter, Dienstjahre, Unternehmensgrösse,
  die Auszahlung eines allfälligen 13. Monatslohns, Sonderzahlungen sowie
  die Auszahlung mittels Monats- oder Stundenlohn. Das Bundesgericht hielt zum
  Salarium fest, dass nicht unbesehen auf einen solchen statistisch
  festgesetzten, schematischen Wert abgestellt werden dürfe. Er könne zwar als
  Basis für eine Einzelfallprüfung dienen, das Resultat sei aber regelmässig
  mit marktkonformen Erfahrungswerten zusätzlich zu plausibilisieren
  (BGE 141 V 634 E. 3.2.2). Der mittels dieses Lohnrechners
  ermittelte Durchschnittslohn gibt somit nur einen Anhaltspunkt für den
  branchen- bzw. betriebsüblichen Lohn, wobei sich der Lohnvorschlag letztlich
  immer am Einzelfall des konkreten Betriebs messen lassen und sich der Unternehmer
  bei der Bemessung seiner Bezüge von unternehmerischen und konkreten
  Gegebenheiten leiten lassen muss (vgl. dazu: Orlando Rabaglio, Dividende statt Lohn: Ist
  die AHV-Verwaltungspraxis noch rechtmässig?, in TREX 2015/2, S. 104). Gegen die direkte Übernahme der Lohndaten spricht zudem auch, dass
  das Salarium vom Bundesamt für Statistik explizit nicht als Lohnempfehlung
  qualifiziert wurde. Sodann erweisen sich einzelne Parameter des Lohnrechners
  für die vorliegend Belange als ungeeignet. Beispielsweise umfasst der
  Parameter "Region" die gesamte Ostschweiz, weshalb auf die
  Eigenheiten des Kantons Glarus zu wenig Bezug genommen wird. Des Weiteren
  kann beim Parameter "Branche" auf den vorliegenden Sachverhalt bezogen
  nur das gesamte Gesundheitswesen gewählt werden, was einem sehr weit gefassten
  Berufszweig entspricht. Ferner ist für einen Arzt die Berufsgruppe
  "Akademische und verwandte Gesundheitsberufe" zu wählen. Diese
  erfasst aber gleichzeitig auch Physiotherapeuten, Apotheker, Assistenzärzte,
  Pflegefachpersonen, Drogisten, Tierärzte, Ergotherapeuten oder Geburtshelfer
  und folglich auch Personen, welche regelmässig niedrigere Einkommen als Ärzte
  haben. Schliesslich wären die Dres. C.______ und D.______ beim Parameter
  "Stellung im Betrieb" im obersten Kader einzuteilen. Das Salarium
  fasst jedoch das oberste Kader mit dem mittleren Kader zusammen, wodurch das
  Resultat willkürlich anmutet. Mit Blick auf den vorliegenden Sachverhalt
  erscheint das Salarium somit nicht als geeignete Grundlage für die Bemessung
  eines branchenüblichen Lohns.

  
	
   

  
	
  5.4 Die
  Beschwerdegegnerin verwies in ihren Nachtragsverfügungen vom
  29. Dezember 2014 auf die von den Dres. C.______ und D.______ in
  den Jahren 2003 bis 2007 in selbständiger Erwerbstätigkeit erzielten
  Jahreslöhne. Sie brachte dazu vor, dass sich an den tatsächlichen
  Verhältnissen hinsichtlich der massgebenden Lohnhöhe nach der Gründung der
  Aktiengesellschaft bis auf die Änderung der Rechtsform nichts geändert habe.
  Dem ist entgegenzuhalten, dass das unternehmerische Risiko als
  Selbständigerwerbender offensichtlich eine anderes ist, als dasjenige eines
  Arbeitnehmers. Während Letzteres mittels Einkommen entlöhnt wird, kommt
  Ersteres nur dem Inhaber von Beteiligungsrechten per Dividende zu. Daraus
  folgt, dass die Löhne von Selbständigerwerbenden zumeist von denjenigen der
  Unselbständigerwerbenden abweichen. 

  
	
   

  
	
  Im vorliegenden Fall beliefen sich die
  Löhne der Dres. C.______ und D.______ in den Jahren 2003 bis 2007 auf
  Fr. […] bis Fr. […]. In den streitbetroffenen Beitragsjahren 2009 und 2010
  wurden Letztere nur noch mit Fr. […] bis Fr. […] entlöhnt. Damit betrugen
  die Löhne aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit gegenüber denjenigen aus
  selbstständiger Erwerbstätigkeit noch etwa 27,8 bis 43,5 %, womit eine
  erhebliche Diskrepanz besteht. Diese lässt sich wie oben dargelegt zwar
  teilweise mit dem unternehmerischen Risiko erklären. Jedoch ist eine derart
  massive Abweichung zwischen Arbeitsleistung und Lohn als Indiz dafür zu
  werten, dass die Löhne zu Gunsten einer überhöhten Dividende niedrig gehalten
  wurden. Allerdings bedarf es zur Ermittlung von branchenüblichen Löhnen,
  welche dem vorliegenden Einzelfall gerecht werden, weiterer Daten und es ist
  nicht ohne Weiteres auf die in selbstständiger Erwerbstätigkeit erzielten
  Löhne abzustellen.

  
	
   

  
	
  5.5 

  
	
  5.5.1 Vorliegend
  bietet es sich an, einen Vergleich mit den Löhnen anderer Mitarbeiter der
  Beschwerdeführerin anzustellen, wobei die niedrigen Einkommen mangels Relevanz
  auszuklammern sind. Dabei sind insbesondere diejenigen von Dr. E.______
  und von Dr. F.______ zu nennen. Ersterer war vom 1. September 2014 bis
  zum 30. November 2014 zu 100 % als Praxisassistent im vierten Ausbildungsjahr
  nach dem Staatsexamen angestellt und generierte mit dieser Tätigkeit gemäss
  Lohnausweis einen Bruttolohn in der Höhe von Fr. […], was einem Jahresbruttolohn
  von Fr. […] entspricht. Ab dem 1. Mai 2016 wurde er neu als Facharzt für […] für
  die Beschwerdeführerin tätig, übernahm die Praxisvertretung in einem
  Vollzeitpensum und erzielte dadurch 2016 ein Gehalt in der Höhe von Fr. […],
  was einen Jahresbruttolohn von Fr. […] ergibt. Dr. F.______,
  Fachärztin für […], war demgegenüber vom 1. August 2015 bis zum 30. Juni
  2016 zu 50 % für die Beschwerdeführerin tätig und erwirtschaftete dabei auf
  100 % aufgerechnete Jahresbruttolöhne in der Höhe von Fr. […] im Jahr
  2015 bzw. Fr. […] im Jahr 2016.

  
	
   

  
	
  5.5.2 Diesen
  Gehältern sind die Bruttolöhne der Dres. C.______ und D.______ gegenüberzustellen,
  wobei zu berücksichtigen ist, dass diese nicht in einem vollen Pensum für die
  Beschwerdeführerin tätig waren, wovon im Übrigen auch die Beschwerdegegnerin
  ausging. Letztere legte ihrer Berechnung (bei einem von der
  Beschwerdeführerin angegebenen Pensum von 80 - 90 %) nämlich je ein solches
  von 85 % zugrunde. Erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren gibt die
  Beschwerdeführerin neu noch je ein Pensum von 75 % an. Da sie aber weder
  den Beginn der reduzierten Arbeitstätigkeit substantiiert darlegt noch die
  Korrektur der bereits früher geltend gemachten Arbeitspensen eingehend
  begründet, ist kein Abweichen von dem von der Beschwerdegegnerin angenommenen
  Mittelwert angezeigt. Folglich ist für Dr. D.______ 2009 von einem
  aufgerechneten Jahresbruttolohn in der Höhe von Fr. […] sowie 2010 von
  einem solchen von Fr. […] auszugehen, während bei Dr. C.______ in beiden
  Jahren von einem solchen von Fr. […] auszugehen ist.

  
	
   

  
	
  5.5.3 Aus dem
  Vergleich der oben genannten Lohndaten ergibt sich, dass die Lohnkosten von
  Dr. F.______ im Verhältnis zu den Dres. C.______ und D.______ 2015
  etwa gleich und 2016 höher waren. Zudem wurde Dr. F.______ zwar massgeblich
  weniger entlöhnt, dies allerdings in der Stellung eines Praxisassistenten.
  Kalkuliert man nun zusätzlich ein, dass die Dres. C.______ und D.______
  sowohl als Arbeitnehmer für die Beschwerdeführerin tätig als auch mit deren
  Geschäftsführung betraut sind, so sind die an sie ausgerichteten Löhne ohne
  Weiteres als offensichtlich missbräuchlich bzw. nicht mehr als branchenüblich
  zu qualifizieren. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass die Dres. C.______
  und D.______ viel mehr Dienstjahre als Dr. E.______ und
  Dr. F.______ aufweisen, was sich ebenfalls lohnerhöhend auswirken müsste
  (vgl. dazu beispielsweise den Lohnrechner Salarium).

  
	
   

  
	
  Damit erweisen sich die an die Dres. C.______
  und D.______ in den streitbetroffenen Jahren ausbezahlten Löhne als
  missbräuchlich und nicht mehr im Rahmen der unternehmerischen
  Planungsfreiheit. Dies berechtigte die Beschwerdegegnerin grundsätzlich dazu,
  von der steuerrechtlichen Qualifikation abzuweichen und eine Aufrechnung
  vorzunehmen.

  
	
   

  
	
  5.5.4 Für
  Dr. D.______ ging die Beschwerdegegnerin dabei von branchenüblichen
  Einkommen in der Höhe von Fr. […] (2009) bzw. von Fr. […] (2010) aus. Diese
  liegen nicht massgeblich über dem von Dr. F.______ für das Jahr 2016
  aufgerechneten Einkommen. Bezieht man die Geschäftsführungstätigkeit von
  Dr. D.______ und seine Anzahl Dienstjahre mit ein, erscheinen die
  berücksichtigten Löhne zwar eher wohlwollend, zu Gunsten der
  Beschwerdeführerin ist aber nicht davon abzuweichen.

  
	
   

  
	
  Demgegenüber wurden die Löhne für
  Dr. C.______ (Fr. […] im Jahr 2009 und Fr. […] im Jahr 2010) zu
  hoch bemessen. Zwar ist auch bei ihm zu berücksichtigen, dass er mit der
  Geschäftsführung betraut ist und bereits viele Dienstjahre aufweist. Allerdings
  erbringt er entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht nur Leistungen
  im Rahmen seines Spezialgebietes […]. Vielmehr ist den Akten zu entnehmen,
  dass nur etwa 30 % der erbrachten Leistungen in seinen fachärztlichen Bereich
  fallen und 70 % der Leistungen im […] Bereich anzusiedeln sind. Darüber
  hinaus legt die Beschwerdeführerin gestützt auf die Akten nachvollziehbar
  dar, dass die Dres. C.______ und D.______ sowohl 2007 als auch in den
  beiden streitbetroffenen Jahren trotz unterschiedlicher Fachgebiete beinahe
  gleich viel Umsatz bei gleichem Arbeitspensum generierten. Schliesslich
  weichen die von den Dres. C.______ und D.______ erzielten Löhne vor der
  Gründung der Aktiengesellschaft nicht massgeblich voneinander ab. Folglich
  ist bei den Dres. C.______ und D.______ – bis auf die unterschiedliche
  fachärztliche Ausbildung – von kongruenten Verhältnissen auszugehen, weshalb
  sie hinsichtlich der branchenüblichen Löhne nicht verschiedenartig zu
  behandeln sind. Demgemäss sind bei Dr. C.______ ebenfalls Einkommen in
  der Höhe von Fr. […] (2009) bzw. Fr. […] (2010) anzurechnen.

  
	
   

  
	
  5.6
  Zusammenfassend erweisen sich die an die Dres. C.______ und D.______ in
  den Jahren 2009 und 2010 ausbezahlten Löhne als offensichtlich
  missbräuchlich. Für Dr. D.______ rechnete die Beschwerdegegnerin unter
  Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls zu Recht branchenübliche Löhne
  in der Höhe von Fr. […] bzw. Fr. […] an. Dagegen wurden diejenigen
  von Dr. C.______ zu hoch gewählt. Zum einen erbringt er entgegen der
  Ansicht der Beschwerdegegnerin nämlich nur den kleineren Teil seiner
  Leistungen im Rahmen seines fachärztlichen Spezialgebiets, zum anderen ist
  den Akten zu entnehmen, dass er vor der Gründung der Aktiengesellschaft
  ähnlich hohe Einkommen wie Dr. D.______ bezog und 2007 sowie in den
  streitbetroffenen Jahren einen ähnlich hohen Umsatz generierte. Folglich sind
  ähnliche Verhältnisse wie bei Dr. D.______ anzunehmen und dieselben branchenüblichen
  Löhne anzurechnen, woran der unterschiedliche Facharzttitel nichts ändert. Demgemäss
  ist bei Dr. C.______ ebenfalls von branchenüblichen Löhnen von Fr. […]
  (2009) bzw. Fr. […] (2010) auszugehen. Dadurch müssten bei einem Pensum
  von 85 %, falls ausschliesslich auf die Differenz zwischen ausbezahlten und
  branchenüblichen Löhnen abzustellen wäre, für beide Ärzte je
  Fr. 32'800.- ([…]) für das Jahr 2009 sowie für das Jahr 2010 für
  Dr. D.______ Fr. 43'701.- ([…]) und für Dr. C.______
  Fr. 34'500.- ([…]) aufgerechnet werden.

  
	
  6.

  
	
  6.1 Schliesslich muss für eine
  Aufrechnung aber auch das zweite Erfordernis, nämlich eine überhöhte
  Dividende, erfüllt sein (vgl. vorstehende E. II/3.3). Wie die Beschwerdegegnerin in ihrem Einspracheentscheid diesbezüglich
  richtig ausführt, ist die Aufrechnung für den einen Kapitalbetrag von 10 %
  übersteigenden Betrag zulässig, maximal aber bis zur Höhe eines
  branchenüblichen Lohns. Folglich ist die Differenz vom ausbezahlten zum
  branchenüblichen Lohn mit dem über 10 % liegenden Eigenkapitalertrag zu
  vergleichen und nur der tiefere Wert aufzurechnen.

  
	
   

  
	
  6.2 Hinsichtlich des zweiten
  Erfordernisses bleibt zu Recht unbestritten, dass die zur Diskussion
  stehenden Kapitalrenditen im Verhältnis zum effektiven wirtschaftlichen Wert
  der Aktien in den Jahren 2009 und 2010 über 10 % lagen, was grundsätzlich für
  vermutungsweise überhöhte Dividenden spricht (vgl. zur 10%-Grenze: BGE 141 V
  634 E. 3.3; WML, Rz. 2011.6). Zu Recht unbestritten erweist sich sodann auch
  die Berechnung der Beschwerdegegnerin, wonach die an die Dres. C.______
  und D.______ ausbezahlten Dividenden 2009 um je Fr. 60'143.- und 2010 um
  je Fr. 23'257.- zu hoch waren.

  
	
   

  
	
  Nach dem Gesagten sind für die Dres. C.______
  und D.______ für das Jahr 2009 die Differenz zum branchenüblichen Lohn (je
  Fr. 32'800.-) und für 2010 die zu viel ausgerichteten Dividenden (je Fr.
  23'257.-) aufzurechnen. Die gesamthaft vorzunehmende Aufrechnung der
  Beschwerdegegnerin ist somit von Fr. 139'457.- auf Fr. 112'114.- zu korrigieren.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur teilweisen
  Gutheissung der Beschwerde. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom
  29. Juli 2016 und deren Verfügungen vom 29. Dezember 2014 sind
  dahingehend abzuändern, als dass die gesamthaft vorzunehmende Aufrechnung auf
  Fr. 112'114.-
  festzusetzen ist.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Die Gerichtskosten sind von Gesetzes wegen auf die
  Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die
  Beschwerdeführerin hat nach Massgabe ihres teilweisen Obsiegens Anspruch auf
  eine reduzierte Parteientschädigung. Diese ist ohne Rücksicht auf den Streitwert
  nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
  zu bemessen (Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Die Beschwerdeführerin
  obsiegt zu knapp einem Fünftel, weshalb die Beschwerdegegnerin zu verpflichten
  ist, ihr eine Parteientschädigung von Fr. 600.- (inkl. Mehrwertsteuer)
  zu bezahlen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde
    wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin
    vom 29. Juli 2016 und deren Verfügungen vom 29. Dezember 2014 werden
    dahingehend abgeändert, als dass die gesamthaft vorzunehmende Aufrechnung
    auf Fr. 112'114.-
    festgesetzt wird.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 600.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]