# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fb73ce54-8b8b-52dd-9cf2-644f86280191
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.08.2010 D-1109/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1109-2009_2010-08-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1109/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Martin Zoller (Vorsitz), 
Richter Fulvio Haefeli, 
Richter Thomas Wespi; 
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.

A._______, geboren (...),
Gambia,
vertreten durch (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 23. Januar 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1109/2009

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  –  ein  gambischer  Staatsangehöriger  und 
ethnischer  Peul  aus  B._______  –  suchte  am  6. April  2008  in  der 
Schweiz um Asyl nach, wobei er keine Identitätspapiere zu den Akten 
reichte. 

A.a Im Rahmen der Erstbefragung im Transitzentrum C._______ vom 
14. April 2008 und der Anhörung nach Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes 
vom 26. Juni  1998 (AsylG,  SR 142.31)  durch das BFM vom 21. Mai 
2008 brachte der  Beschwerdeführer  im Wesentlichen vor,  sein Vater 
sei noch vor seiner Geburt verstorben und seine Mutter sei gestorben, 
als er zwölf Jahre alt gewesen sei. Nach dem Tod der Mutter habe er  
bei seinem Onkel väterlicherseits im Quartier D._______ in B._______ 
(vgl. A1 S. 2 f.) beziehungsweise in E._______ (vgl. A12 S. 4 f) gelebt. 
Seine Eltern (vgl. A1 S. 1) beziehungsweise der Onkel (vgl. A1 S. 3) 
hätten  ihn  gezwungen,  die  normale  Schule  zu  verlassen  und  nach 
F._______ –  ob  dieser  Ort  in  Gambia  oder  Senegal  liege,  wisse er 
nicht (vgl. A1 S. 1 f., A12 S. 11) – in die Koranschule zu gehen. Sein 
Onkel  habe  ihn  zuvor  mit  den  Bremskabeln  eines  Motorrads 
geschlagen, ihn gefesselt  und ihm gedroht,  er werde ihn umbringen, 
wenn er nicht gehorche. In der Koranschule sei er bis zum Alter von 
zwanzig Jahren geblieben. Auf Anweisung seines Lehrers G._______ 
(vgl. A1 S. 1) beziehungsweise H._______ (vgl. A12 S. 6)  respektive 
I._______ (vgl. A12 S. 6) respektive J._______ oder K._______ (vgl. 
A12  S. 8)  habe  er  zusammen mit  den  anderen  Schülern  jeden  Tag 
betteln müssen. Wenn sie ohne Geld oder Reis zurückgekehrt seien, 
habe  der  Lehrer  sie  geschlagen.  Auch  nach  einem  gescheiterten 
Fluchtversuch  habe  ihn  der  Lehrer  geschlagen.  In  der  Koranschule 
habe es zudem einen grossen Lehrling gegeben, der mit den jungen 
Schülern  Sex  gehabt  habe.  Alle  hätten  Angst  gehabt,  dem  Lehrer 
davon  zu  erzählen,  da  der  besagte  Lehrling  dessen  Stellvertreter 
gewesen sei. Immer wenn der Lehrling gesagt habe, man solle mit ihm 
mitkommen,  hätten  sie  gesagt,  dass  sie  das  nicht  wollten.  Aber  es 
seien  immer  wieder  neue  Schüler  gekommen,  die  er  dann 
mitgenommen  habe.  Einige,  die  nicht  akzeptiert  hätten,  was  der 
Lehrling verlangt  habe, seien plötzlich gestorben. Die Erlebnisse mit 
dem Lehrling seien ein Grund dafür, dass er Gambia verlassen habe. 
Er  befürchte  jedoch  nicht,  dass  dies  bei  einer  Rückkehr  wieder 
passieren würde, auch wenn er dem Lehrling wieder begegnen würde. 

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Weiter  habe  der  Lehrer  eines  Tages  zu  ihm  gesagt,  er  solle  seine 
dreizehnjährige  Tochter  heiraten.  Er  habe  das  nicht  gewollt,  habe 
jedoch Angst gehabt, dies zu sagen. Es sei eine traditionelle Hochzeit  
veranstaltet worden und ihm sei anschliessend gesagt worden, dass 
die Lehrertochter  nun seine Frau sei. Als  diese eines Tages in  sein 
Zimmer gekommen sei und er sie weggeschickt habe, sei es zu einem 
Streit mit dem Sohn des Lehrers gekommen, wobei dieser ihn an der 
Unterlippe verletzt habe. Daraufhin sei er zu seinem Onkel geflohen. 
Sein  Onkel  habe  jedoch  verlangt,  dass  er  in  die  Koranschule 
zurückkehre und sich für sein Verhalten entschuldige. Der Onkel habe 
ihm gedroht,  dass  der  Koranlehrer  ihn  sonst  mit  „Kortè“  umbringen 
könnte. Dabei handle es sich um eine Art  Fluch, bei dem die Suren 
des Korans mit dem Namen des Beschuldigten aufgesagt würden, was 
dazu führe, dass der Beschuldigte krank werde; um geheilt zu werden, 
müsse  man  schnell  zu  einem  stärkeren  Zauberer  gehen,  da  man 
ansonsten innerhalb weniger Tage sterbe, wobei ein „Kortè“ nach einer 
Woche seine Kraft verliere. Als er sich dennoch geweigert habe, in die 
Schule  zurückzukehren,  habe  ihn  der  Onkel  verflucht  und  aus  der 
Familie verstossen. Daraufhin sei er im Februar 2008 nach L._______ 
in M._______ gereist, und von dort aus via N._______ und O._______ 
am 5. April  2008 in die Schweiz gelangt. Er habe für  die Reise fast 
nichts bezahlt; Landsleute in N._______ hätten Geld für sein Zugticket 
in die Schweiz gesammelt, das er jedoch nicht vorweisen könne, da er 
es weggeworfen habe (vgl. A12 S. 14). 

Der Hauptgrund für seine Flucht sei die Angst vor dem „Kortè“-Fluch 
gewesen;  er  traue  diesbezüglich  weder  seinem Onkel  noch  seinem 
Koranlehrer.  Er  habe  in  Gambia  niemandem  von  den  Drohungen 
erzählt, da man ihm nicht glauben würde. Viele junge Leute in seinem 
Heimatland  hätten  die  gleichen  Probleme  wie  er  und  würden 
gezwungen, den Koran zu lesen.

A.b Bezüglich  der  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers  be-
ziehungsweise  der  Einzelheiten  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen (vgl. A1 und A12). 

B.
B.a Mit Verfügung vom 23. Januar 2009 – eröffnet am 26. Januar 2009 
–  stellte  das  BFM fest,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlings-
eigenschaft nicht erfülle, weshalb es das Asylgesuch ablehnte und die 

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Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  den 
Wegweisungsvollzug anordnete. 

B.b Zur  Begründung führte  das BFM im Wesentlichen aus,  die  Vor-
bringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Aufgrund der 
Tatsache, dass der Beschwerdeführer mittlerweile über zwanzig Jahre 
alt sei, sei er bei einer Rückkehr nach Gambia weder auf seinen Onkel 
noch auf den Koranlehrer angewiesen. Er könne sich beispielsweise in 
der Hauptstadt  des Landes aufhalten,  wo er nicht  Gefahr laufe, von 
diesen  Personen  behelligt  zu  werden.  Es  bestehe  daher  bei  einer 
Rückkehr für ihn keine erhebliche Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen 
asylrelevanten  Verfolgung,  weshalb  das  Asylgesuch  abzulehnen  sei. 
Der Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich.

C.
C.a Mit  Eingabe  vom  20. Februar  2009  (Datum  Poststempel; 
Schreiben datiert vom 19. Februar 2009) erhob der Beschwerdeführer 
beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde,  in  welcher  um  Auf-
hebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  um  Rückweisung  der 
Sache  zur  vollständigen  Sachverhaltserstellung  und  Neubeurteilung 
an das BFM sowie  um Anerkennung der  Flüchtlingseigenschaft  und 
Gewährung des Asyls, eventualiter um Feststellung der Unzulässigkeit 
und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs,  ersucht  wurde.  In 
formeller  Hinsicht  wurde  zudem um Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65  Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
ersucht,  wobei  die  Nachreichung  einer  Fürsorgeabhängigkeits-
bestätigung  auf  entsprechendes  Verlangen  hin  in  Aussicht  gestellt 
wurde. 

C.b Zur  Begründung machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen 
geltend,  geschlechtsspezifischen  Vorbringen  sei  im  Asylverfahren 
gemäss Art. 3 AsylG angemessen Rechnung zu tragen. Konkretisiert 
werde  diese  Pflicht  in  Art. 6  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 
1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311), wonach die asyl-
suchende Person Anspruch auf  eine Anhörung durch ein Team des-
selben Geschlechts habe. Werde erst anlässlich der Bundesanhörung 
deutlich,  dass  die  Verfolgungsmassnahmen  geschlechtsspezifischer 
Natur  seien,  müsse  die  begonnene  Anhörung  abgebrochen  und  im 

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Beisein  ausschliesslich  gleichgeschlechtlicher  Personen  fortgeführt  
werden.  Dies  sei  vorliegend  unterlassen  worden.  Bereits  in  der 
Erstbefragung habe er  von einer  Zwangsheirat  gesprochen,  was zur 
Erfüllung  der  Voraussetzungen  von  Art. 6  AsylV 1  genügt  hätte. 
Trotzdem  seien  bei  der  Vorbereitung  der  Bundesanhörung  keine 
entsprechenden Massnahmen getroffen worden. Die Tatsache, dass er 
in  der  Erstbefragung  nichts  zu  den  erlittenen  sexuellen  Übergriffen 
gesagt  habe,  zeige  seine  kultur-  und  altersbedingten  Hemmungen, 
gegenüber Frauen von solchen Dingen zu sprechen. Seine Antwort zur 
Frage 46  in  der  Bundesanhörung  zeige  seine  Hemmungen.  Die 
weitere  Befragung  sei  dann  wiederum von Hemmungen seitens  der 
Befragerin  geprägt  gewesen,  die  sexuellen  Übergriffe  direkt 
anzusprechen. Die Anhörung sei denn auch nicht geeignet gewesen, 
den  Sachverhalt  vollständig  zu  ergründen.  Heikle  Themen  seien 
gemieden worden, wohingegen sich die Befragung über den Reiseweg 
über Seiten hingezogen habe. Auch die Umstände der Zwangsheirat 
seien unergründet geblieben. Zudem sei gänzlich vergessen worden, 
auf  den  Schutzwillen  und  die  Schutzfähigkeit  der  Behörden 
einzugehen, obwohl er bei der Frage 133 geltend gemacht habe, die 
gambischen  Behörden  verletzten  ihre  Schutzpflichten.  Auch  seine 
medizinische Verfassung sei  nicht  erfragt  worden. Er  befinde sich in 
ärztlicher  Behandlung  und  leide  stark  unter  psychischen  Problemen 
aufgrund der  Erlebnisse in  der  Kindheit  und Jugend. Die  Sache sei 
deshalb  zur  vollständigen  Erhebung  des  Sachverhalts  und  zur 
Neubeurteilung ans BFM zurückzuweisen. 

Das vom BFM angeführte Argument der Aufenthaltsalternative werde 
praxisgemäss als subsidiär  behandelt  und setze das Vorliegen einer 
aktuellen Gefährdung voraus. Das BFM sage weder, seine Vorbringen 
hielten  den  Anforderungen  von  Art. 7  AsylG  nicht  stand,  noch 
bezweifle  es  die  Asylrelevanz  der  Gefährdung.  Allein  aus  einer 
Aufenthaltsalternative  könne  jedoch  nicht  auf  das  Fehlen  einer 
begründeten  zukünftigen  Verfolgungsfurcht  geschlossen  werden. 
Zudem  sei  nicht  erstellt,  inwieweit  ihm  eine  Aufenthaltsalternative 
zumutbar wäre. Er habe sich zuvor nie in der gambischen Hauptstadt  
aufgehalten  und  verfüge  weder  über  Verwandte  noch  ein  soziales 
Netz. Auch hinsichtlich des Wegweisungspunktes habe das BFM seine 
Prüfungs- und Begründungspflicht verletzt. Er verfüge in seiner Heimat 
über keine Existenzgrundlage und kein soziales Netz. Zudem leide er 
infolge  gravierenden  sexuellen  Missbrauchs  und  körperlicher 
Misshandlung  unter  einer  schweren  Posttraumatischen 

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Belastungsstörung (PTBS). Die diesbezügliche psychotherapeutische 
Behandlung müsse in einem stabilen Umfeld fortgesetzt werden. Dies 
sei  im  Heimatland  nicht  möglich,  zumal  die  Rückkehr  eine 
Retraumatisierung  bewirken  würde.  Wäre  er  detailliert  in 
entsprechender Atmosphäre befragt worden, hätte das BFM bemerken 
müssen, dass das Einholen eines ärztlichen Gutachtens zur Prüfung 
der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  unerlässlich  gewesen 
wäre.

D.
Mit  Zwischenverfügung  vom 26. Februar  2009  hielt  der  Instruktions-
richter fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens 
in  der  Schweiz  abwarten könne. Zudem stellte  er  nach einer  ersten 
Prüfung der Akten fest,  dass die Vorbringen des Beschwerdeführers 
den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art.  7  AsylG  nicht 
standhalten dürften. Er  räumte dem Beschwerdeführer  diesbezüglich 
das rechtliche Gehör ein (Motivsubstitution), indem er ihm Gelegenheit  
gab,  sich  innert  sieben  Tagen  zur  Frage  der  Glaubhaftigkeit  seiner 
Vorbringen zu äussern, mit dem Hinweis, dass bei ungenutztem Frist-
ablauf aufgrund der Akten entschieden werde. Gleichzeitig forderte er 
den  Beschwerdeführer  auf,  innert  gleicher  Frist  eine  Fürsorge-
abhängigkeitsbestätigung und einen ärztlichen Bericht zu den von ihm 
in  der  Beschwerdeschrift  geltend  gemachten  gesundheitlichen 
Problemen einzureichen, ansonsten aufgrund der  Akten entschieden 
werde. Über die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
werde erst nach Ablauf der gesetzten Frist entschieden. 

E.
Mit Eingabe vom 18. März 2009 nahm der Beschwerdeführer – nach 
erstreckter Frist – Stellung zur Motivsubstitution und reichte einen Be-
richt  seines behandelnden Arztes vom 9. März 2009 sowie eine Be-
stätigung  betreffend  den  Bezug  von  Sozialhilfeleistungen  vom 
10. März  2009  ein.  Er  brachte  im  Wesentlichen  vor,  eine  Motiv-
substitution  setze voraus,  dass  sich  die  Begründung  auf  einen  voll-
ständig  und  richtig  erhobenen  Sachverhalt  stütze,  was  vorliegend 
mangels Anhörung durch ein geschlechtsspezifisches Team nicht der 
Fall  sei. Zunächst  sei  deshalb  der  Sachverhalt  durch das BFM voll-
ständig  zu  erstellen. Hinsichtlich  der  in  der  Zwischenverfügung  vom 
26. Februar  2009  aufgezeigten  Widersprüche  in  seinen  Aussagen 
halte  er  fest,  dass  das  von  ihm  im  Zusammenhang  mit  dem  er-

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zwungenen Schulwechsel benutzte Wort „Moube“ sowohl Vater/Mutter 
als  auch  Tanten/Onkel  bezeichne.  Sein  Onkel  wohne  sowohl  in 
D._______ als auch in E._______; die beiden Viertel lägen nahe bei-
einander. Das Wohnhaus des Onkels  sei  in  E._______,  wohingegen 
sich  der  Laden,  in  dem er  häufig  übernachtet  habe,  im Marktviertel  
D._______ befinde. Seine geografische Unkenntnis lasse sich dadurch 
erklären,  dass das Grenzgebiet  zwischen Senegal und Gambia sehr 
durchmischt  und die  Grenze nicht  klar  ersichtlich  sei.  Da er  sich  in 
einem  Internat  befunden  habe,  seien  seine  lokalen  Kenntnisse  be-
scheiden. Zudem habe es in der Gegend auch keine Regierungsver-
treter  gegeben,  die  durch  Uniformen  oder  Flaggen  auf  die  örtliche 
Staatsgewalt  hingewiesen hätten. Hinsichtlich  der  genannten Namen 
des Koranlehrers halte er fest, dass P._______ dessen Vorname und 
Q._______ der Nachname sei. Die Reihenfolge könne man tauschen. 
R._______ und S._______ seien Ausdrücke für  „Lehrer“,  die sowohl 
allein  als  auch zusammen mit  den Vor-  oder  Nachnamen gebraucht 
würden.  Die  Bootsfahrt  nach  N._______  habe  er  substanziiert  und 
detailliert  geschildert  und  es  sei  durchaus  realistisch,  dass  die 
Passagiere  aus  Angst  vor  dem  Kentern  des  lecken  Schiffes  allen 
Ballast – wie er die Geburtsurkunde – über Bord geworfen hätten. Die 
Erlebnisse dieser horriblen Reise würden ihn noch heute verfolgen. Er 
sei nach der Ankunft in N._______ krank, schwach und traumatisiert 
gewesen. Dass er in N._______ ärztlich behandelt worden sei, ohne 
dass  er  seine  Personalien  bekannt  gegeben  habe,  erscheine  nicht 
realitätsfremd,  sei  es  doch  auch  in  Schweizer  Spitälern  an  der 
Tagesordnung, anonyme Behandlungen durchzuführen. Bezüglich des 
Passierens  der  Grenzen  ohne  Identitätspapiere  sei  darauf 
hinzuweisen,  dass  innerhalb  des  EU-Schengen-Raums  keine 
Grenzkontrollen  stattfänden.  Zwar  erscheine  es  tatsächlich 
realitätsfremd,  dass  er  für  die  Reise  nichts  habe bezahlen  müssen, 
aber das Fischerboot habe einem Freund gehört, der ihm angeboten 
habe,  die  riskante  Reise  nach  Europa  zu  versuchen.  Die  anderen 
Passagiere hätten sehr wohl bezahlen müssen. Zudem bestätige der 
eingereichte Arztbericht die klaren Indizien für die Glaubhaftigkeit der 
erlittenen  sexuellen  Übergriffe  und  die  damit  verbundene 
Therapiebedürftigkeit.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  deshalb 
unzumutbar. 

F.
Mit  Zwischenverfügung  vom  23. März  2009  verzichtete  der 
Instruktionsrichter  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und 

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verwies den Entscheid  über  das Gesuch um Gewährung der  unent-
geltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  auf  einen 
späteren Zeitpunkt. 

G.
Mit  Vernehmlassung vom 9. April  2009 beantragte das BFM die Ab-
weisung der Beschwerde. Die Aussage des Beschwerdeführers bei der 
Erstbefragung,  sein  Lehrer  habe  ihm eines Tages gesagt,  er  müsse 
seine Tochter heiraten, sei kein genügend konkreter Hinweis auf eine 
effektive  Zwangsheirat  gewesen,  die  das  Aufbieten  eines  Männer-
teams  nach  Art. 6  AsylV 1  für  die  Anhörung  vom  21. Mai  2008  er-
fordert  hätte.  Die  in  der  Erstbefragung  geltend  gemachte  Aus-
einandersetzung des Beschwerdeführers mit  dem Sohn des Lehrers 
habe sich auf den Umstand bezogen, dass der Beschwerdeführer die 
Lehrertochter mehrfach aus seinem Zimmer weggewiesen habe. Auch 
dies sei  kein konkreter  Hinweis auf  eine geschlechtsspezifische Ver-
folgung  gewesen.  So  wie  es  das  höchstpersönliche  Recht  des  Be-
schwerdeführers sei, ein Asylgesuch einzureichen, sei es sein Recht, 
auf  eine Anhörung mit  einem Männerteam zu verzichten. Ihm sei  in 
der Anhörung vom 21. Mai 2008 mitgeteilt worden, dass er das Recht 
habe,  von  einem  Männerteam  angehört  zu  werden.  Durch 
konkludentes Verhalten – der Fortführung der Anhörung – habe er den 
Verzicht auf dieses Recht zum Ausdruck gebracht. 

Bei einer Rückkehr nach Gambia werde er keiner asylrelevanten Ge-
fährdung ausgesetzt sein. Die gambische Verfassung garantiere ihren 
Staatsangehörigen die Niederlassungsfreiheit. Der Beschwerdeführer 
könne  sich  daher  an  jedem  Ort  in  Gambia  niederlassen.  Es  sei 
generell davon auszugehen, dass junge und arbeitsfähige Männer wie 
der  Beschwerdeführer  in  Gambia  –  selbst  ohne  familiäre  Unter-
stützung  –  eine  wirtschaftliche  Existenz  aufbauen  könnten.  Es  sei 
unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer von seinem ehemaligen 
Lehrer,  dessen  Familienmitgliedern  oder  seinem  Onkel  behelligt 
werden könnte, wenn er sich beispielsweise in der Hauptstadt Banjul 
aufhalte. Zudem habe er  die  Möglichkeit,  die  gambischen Behörden 
um Schutz zu ersuchen, was er bislang nicht getan habe. Nach den 
Erkenntnissen  des  BFM  gingen  die  gambischen  Behörden  gegen 
Personen vor, die sich sexuelle  Handlungen gegen Minderjährige zu 
Schulden  kommen liessen. Der  gambische  Staat  sei  sowohl  schutz-
willig  als  auch  schutzfähig.  Die  gesundheitlichen  Beschwerden  des 
Beschwerdeführers sprächen nicht gegen die Zumutbarkeit des Weg-

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weisungsvollzugs.  Die  Behandlungsmöglichkeiten  für  psychische  Er-
krankungen wie Depressionen und PTBS seien in Gambia gegeben; 
die  Behandlung  psychischer  Krankheiten  sei  in  den  primären 
Gesundheitssektor  integriert,  beispielsweise  verfüge  das  Royal 
Victoria  Hospital  in  Banjul  über  eine  spezielle  Einheit  mit 
spezialisierten Ärzten. Der Beschwerdeführer könne sich daher auch 
in seinem Heimatland behandeln lassen. 

H.
In seiner Replik vom 28. April 2009 brachte der Beschwerdeführer im 
Wesentlichen  vor,  bei  der  Durchführung  einer  Anhörung  mit  einem 
gleichgeschlechtlichen Team handle es sich um eine Pflicht des BFM 
und  nicht  um  ein  Recht  des  Beschwerdeführers.  Von  einem 
konkludenten Verzicht durch Weiterführung der Anhörung könne keine 
Rede  sein.  Ohne  sorgfältige  Sachverhaltserhebung  könnten  zur  Zu-
mutbarkeit  einer  Aufenthaltsalternative  oder  der  Möglichkeit 
individuellen  Schutzes  durch  die  gambischen  Behörden  keine  Aus-
sagen  gemacht  werden.  Im  vom  BFM  zitierten  Bericht  des  U.S. 
Department  of  State  werde  zwar  gesagt,  dass  schwere  Fälle  von 
Missbrauch  und  Gewalt  gegen  Kinder  strafbar  seien,  jedoch  werde 
auch berichtet, dass häusliche Gewalt in Gambia ein grosses Problem 
sei,  bei  dem  aufgrund  der  Stigmatisierung  von  einer  geringen  An-
zeigebereitschaft auszugehen sei. Es werde vom BFM auch nicht er-
wähnt, dass es keine Gesetze gegen sexuelle Belästigung und häus-
liche  Gewalt  gebe.  Die  Kenntnisse  des  BFM  zu  den  Behandlungs-
möglichkeiten von psychischen Problemen in Gambia widersprächen 
diametral den Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), 
wonach lediglich 2,9 % aller Bedürftigen psychiatrische Hilfe erhielten, 
was angesichts der Tatsache, dass es im April 2007 in Gambia ledig-
lich zwei ausgebildete Psychiater und zwei psychiatrische Pflegekräfte 
gegeben  habe,  nicht  erstaune.  Diese  würden  im  Royal  Victoria 
Teaching Hospital  in  Banjul  zirka  zwanzig  bis  dreissig  Patienten pro 
Tag  ambulant  behandeln;  die  minimal  vorhandenen  Kapazitäten 
stünden in erster Linie Schwerstkranken zur Verfügung. Diesbezüglich 
werde  der  Bericht  „Gambia:  Psychiatrische  Versorgung“  der 
Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  15. Juli  2008  zu  den 
Akten  gereicht.  Aufgrund  der  geschilderten  Situation  sei  es  un-
realistisch, dass er in Gambia psychiatrisch behandelt werden könnte. 

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine Vorinstanz des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesver-
waltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich des Asyls endgültig 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist  durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  und hat  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  (Art. 108  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Be-
schwerde ist somit einzutreten. 

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.
Der  Beschwerdeführer  brachte  auf  Beschwerdeebene  in  formeller 
Hinsicht vor, der Sachverhalt  sei  durch das BFM mangels Anhörung 
durch  ein  geschlechtsspezifisches  Team  unzureichend  erhoben 
worden. Er habe anlässlich der Anhörung vom 21. Mai 2008 nicht offen 
über den aufgrund von Hemmungen bei der Erstbefragung unerwähnt 
gebliebenen Asylgrund des sexuellen Missbrauchs sprechen können, 
da das Befragungsteam nicht geschlechtsspezifisch zusammengesetzt 
gewesen sei. Zudem wäre ein  geschlechtsspezifisches Team bereits 
aufgrund der bei der Erstbefragung erwähnten Zwangsheirat angezeigt 
gewesen. Damit sei  der Sachverhalt  unzureichend abgeklärt  worden, 
weshalb  eine  Motivsubstitution  nicht  zulässig  sei,  sondern  das  Ver-
fahren  zur  vollständigen  Sachverhaltserstellung  und  Neubeurteilung 
an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. 

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3.1 Gemäss  Art. 6  AsylV 1  werden  Asylsuchende  von  einer  Person 
gleichen  Geschlechts  angehört,  wenn  konkrete  Hinweise  auf 
geschlechtsspezifische  Verfolgung  vorliegen  oder  die  Situation  im 
Herkunftsland auf  geschlechtsspezifische Verfolgung hindeutet. Nach 
der  weiterhin  zutreffenden  Rechtsprechung  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  (ARK)  ist  eine  Verfolgung  dann  geschlechts-
spezifisch im Sinne der genannten Bestimmung, wenn sie in der Form 
sexueller  Gewalt  stattfindet  oder  die  sexuelle  Identität  des  Opfers 
treffen soll. Nach Möglichkeit  soll  das Geschlecht  auch bei  der Aus-
wahl  der  Personen, die als  Dolmetscher  eingesetzt  werden und das 
Protokoll  führen,  berücksichtigt  werden.  Art. 6  AsylV 1  –  der  bei 
Frauen  und  Männern  gleichermassen  Anwendung  findet  –  soll  die 
Schilderung  von  Eingriffen  in  die  sexuelle  Integrität  asylsuchender 
Personen erleichtern und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Vorbringen 
angemessen,  möglichst  vollständig und frei  von Schamgefühlen vor-
zutragen. Die Verfahrensvorschrift dient somit der Gewährleistung der 
korrekten  Sachverhaltsabklärung  und  stellt  eine  Ausgestaltung  des 
Anspruchs auf rechtliches Gehör dar. Sie verleiht nicht nur der asyl-
suchenden Person einen Anspruch,  eine geschlechtsspezifische An-
hörung  zu  verlangen,  sondern  verpflichtet  vielmehr  auch  die  Asyl -
behörden,  auf  die  darin  vorgesehene  Weise  vorzugehen,  wenn  ent-
sprechende konkrete Hinweise auf geschlechtsspezifische Verfolgung 
vorliegen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  ARK  [EMARK] 
2003 Nr. 2 E. 5a-c S. 16 ff.). 

3.2 Vorliegend  ist  der  Sachverhalt  entgegen  der  Beschwerdevor-
bringen genügend erstellt,  weshalb auch eine Motivsubstitution mög-
lich ist (vgl. hierzu die nachfolgenden Ausführungen unter E. 5.1). Im 
Lichte der obgenannten Rechtsprechung zur Anwendbarkeit von Art.  6 
AsylV 1  genügt  die  blosse  Andeutung  einer  allfälligen  geschlechts-
spezifischen  Verfolgung  nicht  für  eine  nachfolgende  Kassation  und 
Rückweisung,  falls  das  BFM die  Befragung  nicht  mit  einem gleich-
geschlechtlichen Team wiederholt hat; vielmehr müssen die in diesem 
Zusammenhang  geltend  gemachten  Verfolgungsvorbringen  nach-
vollziehbar sein, mithin einen überwiegenden Grad an Glaubhaftigkeit 
und  Wahrscheinlichkeit  aufweisen  (vgl.  hierzu  auch  E. 4.2).  Dies  ist 
vorliegend  nicht  der  Fall.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  im 
Zusammenhang mit  der  Koranschule  sind  in  sich  nicht  stimmig  und 
weisen – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 26. Februar 2009 
aufgezeigt  –  zahlreiche  Widersprüche  und  Ungereimtheiten  auf,  die 

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mit  der  Stellungnahme  des  Beschwerdeführers  vom  18. März  2009 
nicht entkräftet werden konnten.

3.2.1 So  bestehen  am  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  der 
Koranschule an sich Zweifel. Seine Unkenntnis, in welchem Land sich 
die Schule befinde (Gambia oder Senegal), erscheint nicht realistisch, 
wenn er dort acht Jahre verbracht haben soll (vgl. A1 S. 1, A12 S. 11). 
Die Erklärung in der Stellungnahme vom 18. März 2009, seine lokalen 
Kenntnisse seien bescheiden, da er sich in einem Internat befunden 
habe,  vermag nicht  zu  überzeugen,  zumal  er  gemäss eigenen  Aus-
sagen die Schule auf Geheiss des Lehrers jeden Tag zum Betteln ver-
lassen habe und somit  auch mit  der lokalen Bevölkerung in Kontakt 
gekommen ist.  Zudem haben  Gambia  und  Senegal  unterschiedliche 
Amtssprachen, was beispielsweise in der Beschriftung von Schildern 
sichtbar  gewesen  sein  dürfte.  Auch  die  Erklärung  bezüglich  der 
wiederholt widersprüchlichen Nennung des Namens des Koranlehrers 
(vgl. A1 S. 1: G._______; A12 S. 6: H._______; A12 S. 6: I._______; 
A12  S. 8:  J._______  oder  K._______),  wonach  R._______  und 
S._______ Ausdrücke für „Lehrer“ seien, die sowohl allein als auch zu-
sammen  mit  dem  Vornamen  (P._______)  oder  Nachnamen 
(Q._______)  gebraucht  würden,  vermag  nicht  zu  überzeugen;  die 
überaus  uneinheitliche  Namensnennung  lässt  sich  damit  ebenso 
wenig begründen wie die Bezeichnung „I._______“. 

3.2.2 Es  steht  klarerweise  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der 
Erstbefragung vom 14. April  2008 den in der Anhörung vom 21. Mai 
2008  angedeuteten  sexuellen  Missbrauch  junger  Schüler  in  der 
Koranschule  mit  keinem  Wort  erwähnte,  sondern  auf  ausdrückliche 
Nachfrage  hin  bestätigte,  er  habe  alle  Gründe  für  sein  Asylgesuch 
genannt,  andere gäbe es nicht (vgl. A1 S. 6 f.). Selbst wenn der Be-
schwerdeführer sich gehemmt gefühlt haben sollte, wäre von ihm, der 
im damaligen Zeitpunkt  bereits  volljährig  war, zu erwarten gewesen, 
dass er – wenn nicht von sich aus – zumindest auf die ausdrückliche 
Nachfrage  hin  zu  Protokoll  gegeben  hätte,  dass  es  noch  einen 
weiteren Grund für sein Asylgesuch gäbe. Da er dies nicht getan hat,  
sondern unterschriftlich bestätigte, alle Asylgründe genannt zu haben, 
muss  das  betreffende  Vorbringen  grundsätzlich  als  nachgeschoben 
betrachtet werden. Die Anhörung vom 21. Mai 2008 wurde durch eine 
weibliche  Befragerin  –  zusammen  mit  einem  Dolmetscher  –  durch-
geführt,  im  Beisein  eines  Protokollführers  und  eines  Hilfswerksver-
treters. Bei der Schilderung der Lebensumstände in der Koranschule 

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brachte der Beschwerdeführer vor, „Bei ihm (dem Lehrer) dort gab es 
einen grossen Lehrling; er hat mit den jungen Leuten dort Sex gehabt“ 
(vgl. A12 S. 6 F45). Die Befragerin wies ihn in der Folge darauf hin, 
dass er, wenn er konkret ein solches Erlebnis gehabt habe, das Recht  
auf eine geschlechtsspezifische Anhörung habe, das heisst es würde 
später eine neue Anhörung stattfinden, bei der nur Männer anwesend 
seien; sie könnten so weiterfahren, dass sie ihn dazu ganz kurz einige 
Punkte  frage  (vgl.  A12  S. 6  F46).  Angesichts  dieses  ausdrücklichen 
Hinweises  zum  Verfahrensablauf  wäre  vom  Beschwerdeführer  zu 
erwarten gewesen, dass er auf die gleich anschliessende Frage, ob er 
konkret ein solches Erlebnis gehabt habe, gegebenenfalls mit  einem 
einfachen  „Ja“  geantwortet  hätte.  Dies  hat  er  nicht  getan.  Zwar 
antwortete  er  „Dieser  Lehrling  hat  das  mit  allen  Jungen  dort 
gemacht...“  (vgl.  A12  S. 6  F46),  doch  auf  die  folgende  Frage,  in 
welchem Zeitpunkt  dies  denn  passiert  sei,  sagte  er  „Als  ich  dorthin 
kam, habe ich das erfahren“ (vgl. A12 S. 6 F47). Ein konkreter Hinweis 
auf  einen am eigenen Leib erfahrenen Übergriff  lag  damit  nicht  vor, 
sondern  die  Aussage lässt  vielmehr  den Schluss  zu,  dass  dem Be-
schwerdeführer  im  Zeitpunkt,  als  er  in  die  Koranschule  kam,  davon 
berichtet worden sei, zumal er kurz danach zu Protokoll gab, er hege 
in diesem Zusammenhang bei einer Rückkehr nach Gambia keine Be-
fürchtungen (vgl. A12 S. 7 F51 f. und S. 8 F59) und betonte, dass der 
Hauptgrund  für  die  Flucht  ohnehin  die  Angst  vor  dem „Kortè“-Fluch 
gewesen sei (vgl. A12 S. 8 F62). 

3.2.3 Es lagen somit keine konkreten Hinweise auf eine geschlechts-
spezifische  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  vor,  die  eine  er-
gänzende Anhörung durch ein Männerteam bedingt  hätten. Auch die 
blosse Erwähnung der Vermählung mit der Tochter des Koranlehrers, 
zu  der  der  Beschwerdeführer  –  ohne  Gewaltanwendung –  bestimmt 
worden sei, genügt nicht für die Erfüllung respektive Anwendung von 
Art. 6 AsylV 1,  zumal  sich der Beschwerdeführer auch diesbezüglich 
widersprüchlich  äusserte,  indem  er  anlässlich  der  Erstbefragung 
lediglich vorbrachte, der Koranlehrer habe die Absicht geäussert, ihn 
mit der Tochter zu vermählen (vgl. A1 S. 5), und erst im Rahmen der 
Anhörung  vom  21. Mai  2008  geltend  machte,  es  sei  effektiv  eine 
traditionelle  Hochzeit  veranstaltet  worden  (vgl.  A12  S. 7).  Es  liegt 
daher kein Verfahrensfehler in Form einer Verletzung des rechtlichen 
Gehörs  vor. Der  Rückweisungsantrag  ist  bei  dieser  Sachlage  abzu-
weisen.

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4.
4.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden  (Art. 7  AsylG).  Entscheidend  ist,  ob  eine  Gesamtwürdigung 
der  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der 
Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht (vgl. EMARK 
2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., mit weiteren Hinweisen). 

5.
5.1 Das BFM erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers als den 
Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG 
nicht  genügend.  Bei  der  Prüfung  der  Akten  auf  Beschwerdeebene 
wurde  festgestellt,  dass  die  Vorbringen  auch  den  Anforderungen  an 
die Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 AsylG nicht  genügten, da die vom 
Beschwerdeführer geltend gemachten Ausreisegründe, wonach es in 
der Koranschule einen grossen Lehrling gegeben habe, der mit jungen 
Schülern Sex gehabt habe, er (der Beschwerdeführer) die Tochter des 
Koranlehrers  habe  heiraten  müssen  und  er  sich  insbesondere  vor 
einem „Kortè“-Fluch fürchte, aufgrund diverser Widersprüche und Un-
gereimtheiten sowie mangels Substanz und Realkennzeichen in sich 
nicht stimmig und nicht schlüssig seien. Da das Bundesverwaltungs-
gericht  an die rechtliche Begründung der vorinstanzlichen Verfügung 
nicht gebunden ist, kann es eine angefochtene Verfügung im Ergebnis 
gleich  belassen,  dieser  aber  eine  andere  Begründung  zu  Grunde 

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legen (Motivsubstitution). Diese Möglichkeit der Motivsubstitution ist im 
Grundsatz  der  Rechtsanwendung  von Amtes  wegen begründet  (vgl. 
ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem 
Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 181 Rz. 3.197). 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht  setzte  den Beschwerdeführer  mit 
Verfügung  vom  26. Februar  2009  über  die  beabsichtigte  Motiv-
substitution – Überprüfung seiner Asylvorbringen auch auf die Glaub-
haftigkeit  gemäss  Art. 7  AsylG  –  in  Kenntnis  und  räumte  ihm dies-
bezüglich  das  rechtliche  Gehör  ein.  Der  Stellungnahme  des  Be-
schwerdeführers  vom  18. März  2009  sind  keine  stichhaltigen  Ent-
gegnungen  zu  den  aufgezeigten  Mängeln  zu  entnehmen;  vielmehr 
entsteht  der  Eindruck,  dass  mit  den  Erklärungen,  die  überwiegend 
gesucht  wirken,  der Sachverhalt  nachträglich asylrelevant  angepasst 
werden sollte. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher vorab 
auf  die Ausführungen in der besagten Zwischenverfügung verwiesen 
werden. 

5.2.1 Die Aussagen des Beschwerdeführers betreffend seine Reise in 
die Schweiz sind nicht  den allgemeinen Erfahrungen oder der Logik 
des Handelns entsprechend ausgefallen. Die Darstellung,  wonach er 
ohne  jeglich  Reise-  oder  Identitätspapiere  von  Gambia  über 
M._______, N._______ und O._______ in die Schweiz gereist sei, und 
das  einzige  Dokument,  das  er  mit  sich  geführt  habe  (die 
Geburtsurkunde),  ins  Meer  geworfen  habe,  erscheint  ebenso  wenig 
glaubhaft  wie  die  Aussage,  er  habe  für  die  Reise  nichts  bezahlen 
müssen. Die in der Stellungnahme vom 18. März 2009 abgegebenen 
Erklärungen, die Schiffsreisenden hätten aus Angst vor dem Kentern 
allen  unnötigen  Ballast  über  Bord  geworfen  und  beim  Bootsinhaber 
habe  es  sich  um  einen  Freund  gehandelt,  der  ihn  kostenlos 
mitgenommen habe, vermögen nicht zu überzeugen, zumal auch das 
Vorbringen  zur  Weiterreise,  wonach  Landsleute  in  N._______  – 
wiederum selbstlos  –  Geld  für  sein  Zugticket  bis  an  die  Schweizer 
Grenze gesammelt hätten, das er jedoch auch nicht vorweisen könne, 
da er es ebenfalls weggeworfen habe (vgl. A12 S. 14), nicht glaubhaft 
erscheint.  Hinsichtlich  des  vorgebrachten  Spitalaufenthalts  des 
Beschwerdeführers  in  N._______  ist  festzuhalten,  dass,  auch  wenn 
eine anonyme ärztliche Behandlung grundsätzlich denkbar wäre,  die 
diesbezüglichen widersprüchlichen Aussagen des Beschwerdeführers 
– es habe ihn während des fünftägigen Aufenthalts im Spital niemand 
nach seinen Personalien gefragt (vgl. A1 S. 7) beziehungsweise er sei 

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zwar schon danach gefragt worden, er habe aber nicht geantwortet, da 
er nicht habe sprechen können (vgl. A12 S. 14) – nicht realistisch sind 
und ebenfalls nicht zu überzeugen vermögen. 

Hinsichtlich  der  Unglaubhaftigkeit  der  im  Zusammenhang  mit  dem 
Aufenthalts  des Beschwerdeführers in der  Koranschule in F._______ 
geltend gemachten Verfolgungsvorbringen wird auf  die vorstehenden 
Ausführungen  in  E. 3.2.1  -  3.2.3  verwiesen.  Den  im  Rahmen  der 
Anhörung vom 21. Mai 2008 genannten Hauptgrund für die Flucht aus 
Gambia – die Angst vor der Aussprechung eines „Kortè“-Fluchs durch 
den  Koranlehrer  und/oder  den  Onkel  –  erwähnte  der 
Beschwerdeführer  bei  der  Erstbefragung  vom  14. April  2008  mit 
keinem Wort,  sondern er bestätigte auf ausdrückliche Nachfrage hin, 
er  habe  alle  Gründe  für  sein  Asylgesuch  genannt,  andere  gäbe  es 
nicht  (vgl.  A1  S. 6 f.).  Hätte  es  sich  dabei  tatsächlich  um  den 
Hauptgrund für  seine Flucht  gehandelt,  ist  es  nicht  nachvollziehbar, 
weshalb er  diesen nicht  spätestens auf  die ausdrückliche Nachfrage 
hin zu Protokoll gegeben hat. Das betreffende Vorbringen muss daher 
als nachgeschoben betrachtet werden. 

Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  halten  damit  insgesamt  den 
Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7  AsylG nicht 
stand.

5.2.2 Im Übrigen kann bezüglich der fehlenden Asylrelevanz der Vor-
bringen  des  Beschwerdeführers  auf  die  zutreffenden  Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen werden. Selbst wenn von der Glaubhaftigkeit 
der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  ausgegangen  würde,  sind 
diese  nicht  geeignet,  eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  im 
Heimatstaat  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  zu  begründen.  Relevanter 
Zeitpunkt für die Bestimmung der Flüchtlingseigenschaft  ist  der Zeit -
punkt des Entscheides; dannzumal ist festzustellen, ob die Furcht vor 
Verfolgung (noch) besteht. Besteht die Gefahr vor Verfolgung sodann 
nur in begrenzten Teilen eines Staates, so kann dem Asylsuchenden 
das  Vorliegen  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  vorgehalten 
werden. Der Beschwerdeführer machte eine Verfolgung durch private 
Dritte geltend respektive die Angst vor zukünftiger privater Verfolgung 
in Form der Aussprechung eines „Kortè“-Fluchs gegen ihn durch den 
Koranlehrer  und/oder  den  Onkel.  Angesichts  seiner  Volljährigkeit  ist 
der  Beschwerdeführer  nicht  verpflichtet,  in  die  Koranschule  in 
F._______  oder  in  das  Haus  seines  Onkels  in  B._______ 

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zurückzukehren,  weshalb  keine  begründete  Furcht  vor  zukünftiger 
Verfolgung  besteht.  Zudem  stünde  ihm  bei  allfälligen  zukünftigen 
Übergriffen  die  Möglichkeit  offen,  sich  schutzsuchend  an  die 
gambischen Behörden zu wenden. 

5.3 Der  Beschwerdeführer  konnte  mithin  keine  Verfolgung  oder  eine 
begründete  Furcht  vor  künftigen  Verfolgungsmassnahmen  im  Sinne 
von  Art. 3  AsylG  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen. Er 
erfüllt  damit  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  das  BFM das 
Asylgesuch zu Recht abgewiesen hat. 

6.
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 
so  verfügt  es  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet  den  Vollzug  an  (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Da  der  Beschwerde-
führer  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung 
noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt, wurde 
die Wegweisung zu Recht angeordnet (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

7.
Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige  Aufnahme 
von  Ausländern  (Art.  44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundes-
gesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Aus-
länder [AuG, SR 142.20]). 

7.1 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent -
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

7.1.1 Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist  oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]). Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt 
nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art.  3 AsylG 
respektive Art. 1A FK erfüllen. 

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Da  es  dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich 
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann 
das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen 
Rückschiebungsverbots  vorliegend  nicht  zur  Anwendung  gelangen. 
Der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Gambia  ist  demnach  unter  dem 
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

7.1.2 Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), 
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 
andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung 
oder Strafe (FoK, SR 0.105)  und der Praxis zu Art. 3  der Konvention 
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand in einen Staat ausgeschafft 
werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. 

Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten 
ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Aus-
schaffung in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 
ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis  des  Europäischen Gerichtshofs  für 
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefährdung („real risk“) 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im  Falle  einer  Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. 
EMARK 2001 Nr. 16 S. 122). Dies ist  vorliegend nicht der Fall. Auch 
die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Gambia  lässt  den  Weg-
weisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen. 

7.1.3 Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl-  
als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind.  Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818). 

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7.2.1 In Gambia herrscht zur Zeit weder Krieg oder Bürgerkrieg, noch 
liegt  eine Situation allgemeiner  Gewalt  vor,  aufgrund derer  die Zivil -
bevölkerung  als  konkret  gefährdet  bezeichnet  werden  müsste.  Der 
Vollzug der Wegweisung ist unter diesen Umständen nicht generell als 
unzumutbar zu bezeichnen.

7.2.2 Es  sind  auch  keine  individuellen  Gründe  ersichtlich,  die  dem 
Vollzug der Wegweisung entgegenstehen könnten. Gemäss ärztlichem 
Bericht vom 9. März 2009 leidet der Beschwerdeführer neben (...) an 
einer  PTBS und  einer  depressiven  Episode,  die  medikamentös  und 
psychotherapeutisch behandelt würden. Aufgrund einer medizinischen 
Notlage kann nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
im  Sinne  von  Art. 83  Abs. 4  AuG  geschlossen  werden,  wenn  eine 
notwendige  medizinische  Behandlung  im  Heimatland  nicht  zur  Ver-
fügung  steht  und  die  Rückkehr  zu  einer  raschen  und  lebens-
gefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustandes  der  be-
troffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und 
dringende medizinische Behandlung erachtet, die zur Gewährleistung 
einer  menschenwürdigen  Existenz  absolut  notwendig  ist.  Unzumut-
barkeit liegt jedenfalls dann nicht vor, wenn im Heimatstaat eine nicht 
dem  schweizerischen  Standard  entsprechende  medizinische  Be-
handlung möglich  ist  (vgl. Entscheide des Schweizerischen Bundes-
verwaltungsgerichts  [BVGE] 2009/2  E. 9.3.2,  EMARK  2003  Nr. 24 
E. 5a und b). 

Die Erkrankung des Beschwerdeführers lässt nicht auf eine konkrete 
Gefährdung aufgrund einer medizinischen Notlage schliessen,  die in 
Gambia  nicht  behandelbar  wär.  Der  eingereichte  ärztliche  Bericht 
stammt  von  einem Facharzt.  Die  medizinische  Diagnose  wird  daher 
nicht bestritten. Bezüglich der Ursache der psychischen Erkrankung ist 
jedoch festzuhalten, dass sich der behandelnde Arzt in der Anamnese 
auf die Aussagen des Patienten und somit auf Hypothesen stützt. Die 
Beurteilung der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist wie die 
Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Vorbringen 
eine  Rechtsfrage,  deren  Beantwortung  Aufgabe  der  entscheidenden 
Behörde  ist.  Hinsichtlich  der  diagnostizierten  PTBS  ist  festzuhalten, 
dass sich der geltend gemachte Auslöser als nicht glaubhaft und asyl -
rechtlich  nicht  relevant  erwiesen  hat.  Es  ist  deshalb  davon  auszu-
gehen,  dass  der  diagnostizierten  Erkrankung  eine  andere  Ursache 
zugrunde  liegt.  Die  Feststellung  des  BFM,  die  notwendigen 
medizinischen Institutionen zur Behandlung psychischer Erkrankungen 

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seien auch in Gambia vorhanden, entspricht auch den Erkenntnissen 
des  Bundesverwaltungsgerichts,  wenn  auch  das  Niveau  der 
medizinischen Versorgung nicht demjenigen in der Schweiz entspricht, 
was jedoch  nicht  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
spricht (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). 
Zudem steht es dem Beschwerdeführer offen, beim BFM einen Antrag 
auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen; diese kann beispielsweise in 
Form der Mitgabe von Medikamenten für eine gewisse Zeit oder auch 
in  der  Übernahme  von  Kosten  für  notwendige  Therapien  und 
Kontrollen  bestehen.  Betreffend  die  weitere  Finanzierung  der 
medizinischen  Behandlung  ist  festzuhalten,  dass  der  Wegweisungs-
vollzug auch zumutbar  ist,  wenn die  medizinische Behandlung nicht 
lebenslang sichergestellt ist und der Betroffene selbst einer Erwerbs-
tätigkeit  nachgehen  kann  (vgl.  BVGE  2009/2  E. 9.3.4).  Dem  Be-
schwerdeführer, der gemäss eigenen Aussagen über eine mehrjährige 
Schulbildung  verfügt  (vgl.  A1  S. 2:  sechs  Jahre  Grundschule,  acht 
Jahre  Koranschule),  ist  es  zuzumuten,  sich  nach  dem  Vollzug  der 
Wegweisung  um  eine  Arbeit  zu  bemühen.  Allfällige  anfängliche 
wirtschaftliche Reintegrationsschwierigkeiten stehen dem Vollzug nicht 
entgegen, da blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten, von 
denen  die  ansässige  Bevölkerung  betroffen  ist  (z. B.  Mangel  an 
Arbeitsplätzen),  keine  existenzbedrohende  Situation  darstellen,  die 
den Vollzug der Wegweisung als  unzumutbar  erscheinen liesse (vgl. 
EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1). Angesichts des jungen Alters des Be-
schwerdeführers  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  sich  in 
Gambia  wieder  wird  integrieren  können,  und  es  ist  ihm auch  zuzu-
muten,  sich  gegebenenfalls  an  einem  anderen  Ort  als  bei  seinem 
Onkel in B._______ niederzulassen. Insgesamt ist nicht davon auszu-
gehen, der Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr nach Gambia 
in eine seine Existenz vernichtende Situation geraten, die als konkrete 
Gefährdung im Sinne der zu beachtenden Bestimmungen zu werten 
wäre (Art. 83 Abs. 4 AuG).

7.2.3 Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  daher  sowohl  in 
genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 

7.3 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  bei  der  Be-
schaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4  AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen 
ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

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D-1109/2009

7.4 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvoll -
zug zu bestätigen. Das BFM hat diesen zu Recht als durchführbar er-
achtet.  Eine Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme des Beschwerde-
führers fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist somit abzuweisen. 

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). 
Da  die  Beschwerde  im  Zeitpunkt  ihrer  Einreichung  jedoch  nicht  als 
aussichtslos betrachtet  werden konnte und die Bedürftigkeit  des Be-
schwerdeführers  belegt  ist,  sind  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1 
VwVG keine Kosten zu erheben. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Susanne Burgherr

Versand:

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