# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2b8bbdd3-9f43-5fa2-8bc3-f103b88f0557
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-23
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 23.11.2022 C3 22 23
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_C3-22-23_2022-11-23.pdf

## Full Text

RVJ / ZWR 2023 145

Zivilprozessrecht – Schlichtungsversuch – KGE (Einzelrichter der
Zivilkammer) vom 23. November 2022, X., Y. und Z. c. Stockwer-
keigentümergemeinschaft A. – TCV C3 22 23

Schlichtungs- und Entscheidverfahren vor der Schlichtungsbehörde
bei Säumnis der beklagten Partei (Art. 206 Abs. 2 und Art. 212 ZPO);
Anforderungen an die Vorladung zur Schlichtungsverhandlung
- Die Schlichtungsbehörde kann bis zu einem Streitwert von Fr. 2000.- auf Antrag der

klagenden Partei einen Entscheid fällen. Die klagende Partei kann ihr Rechtsbegehren
im Schlichtungsverfahren, auch erst an der Schlichtungsverhandlung, ohne Rechts-
verlust reduzieren und dadurch die Durchführung des Entscheidverfahrens ermögli-
chen (E. 2.1).

- Zieht die Schlichtungsbehörde im Falle der Säumnis der beklagten Partei bei einem
Streitwert über Fr. 2000.- direkt die Durchführung des Entscheidverfahrens in Betracht,
so muss sie dies in ihrer Vorladung ankündigen und darin gleichzeitig auf die Möglich-
keit einer entsprechenden Reduktion der klägerischen Rechtsbegehren hinweisen.
Ansonsten ist ein sofortiger Übergang vom Schlichtungs- ins Entscheidverfahren bei
Säumnis der beklagten Partei unzulässig (E. 2.1 und 2.2).

Procédure de conciliation et de décision devant l’autorité de concilia-
tion en cas de défaut de la partie défenderesse (art. 206 al. 2 et 212
CPC) ; exigences relatives à la citation à l'audience de conciliation
- Sur requête du demandeur, l’autorité de conciliation peut rendre une décision dans les

litiges pour lesquels la valeur litigieuse ne dépasse pas 2000 francs. La partie deman-
deresse peut réduire ses conclusions durant la procédure de conciliation, y compris
lors de l’audience de conciliation, sans perte de droit, et ainsi permettre à l’autorité de
conciliation de rendre une décision (consid. 2.1).

- Si, en cas de valeur litigieuse supérieure à 2000 francs, l’autorité de conciliation envi-
sage de mener directement la procédure de décision en cas de défaut du défendeur
lors de la conciliation, elle doit l’indiquer dans la citation à l’audience de conciliation,
de même que la possibilité, pour le demandeur, de réduire ses conclusions. En l’ab-
sence de telles indications, un passage immédiat de la procédure de conciliation à la
procédure de décision n’est pas admissible (consid.2.1 et 2.2).

Verfahren (gekürzt)

Am 29. September 2021 reichte die Stockwerkeigentümergemeinschaft
A. beim Gemeinderichteramt ein Schlichtungsgesuch ein, mit dem sie
gegen die Erben des B., namentlich X., Y., und Z., Beiträge an die
Stockwerkeigentümergemeinschaft in der Höhe von Fr. 2958.- geltend

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machte. Mit Schreiben vom 12. Oktober 2021 lud das Gemeinderichter-
amt die Parteien für den 4. November 2021 zur Schlichtungsverhand-
lung vor. Die Vorladung enthält folgende Belehrung:

«Bei Säumnis der beklagten Partei stellt der Gemeinderichter die Kla-
gebewilligung aus; zudem kann der Gemeinderichter unter bestimmten
Voraussetzungen einen Urteilsvorschlag unterbreiten oder einen Ent-
scheid fällen (Art. 209-212 ZPO).»

Die Beklagten blieben der Schlichtungsverhandlung fern. Die Klägerin
reduzierte daraufhin ihre Forderungen auf Fr. 2000.- und beantragte
einen materiellen Entscheid des Gemeinderichters. Dieser eröffnete in
der Folge das Entscheidverfahren und verpflichtete die Beklagten mit
Urteil vom 25. Januar 2022, der Klägerin Fr. 2000.- zzgl. Zins zu 5 %
seit dem 31. Dezember 2020, eine Parteientschädigung von Fr. 250.-
und Ersatz für vorgeschossene Prozesskosten von Fr. 400.- zu bezah-
len. Dagegen erhoben die Beklagten Beschwerde.

Aus den Erwägungen

2.1 Auf Antrag der klagenden Partei kann die Schlichtungsbehörde (im
Kanton Wallis in der Regel die Gemeinderichterämter; Art. 3 EGZPO)
in vermögensrechtlichen Streitigkeiten bis Fr. 2000.- direkt einen Ent-
scheid fällen (Art. 212 ZPO). Sie hat dabei (bei erfolgter Nichteinigung)
das Schlichtungsverfahren zu schliessen und anschliessend ein neues
mündliches Verfahren zu eröffnen, in dem die Anträge, Tatsachenbe-
hauptungen und Beweisanträge der Parteien protokolliert werden
(ZWR 2018 S. 130 ff.; Urteile des Kantonsgerichts Wallis C3 14 197
vom 22. Dezember 2014, des Kantonsgerichts Luzern 1C 11 37 vom
23. März 2012 LGVE 2012 I Nr. 40 E. 6.2 und des Obergerichts Zürich
RU170057 vom 30. Januar 2018 E 5.1, RU140062 vom 20. Februar
2015 E. 5.1).

Der klagenden Partei steht es im Schlichtungsverfahren frei, ihren An-
spruch im Sinne einer Teilklage zu reduzieren und damit erst die Durch-
führung eines Entscheidverfahrens zu ermöglichen. Den entsprechen-
den Antrag kann sie auch (erst) an der Schlichtungsverhandlung stellen
(Urteile des Kantonsgerichts Luzern 1C 11 37 vom 23. März 2012
LGVE 2012 I Nr. 40 E. 5.2 und des Obergerichts Zürich RU110009 vom

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8. August 2011 E. 2). Problematisch ist ein solches Vorgehen unter
dem Gesichtspunkt des rechtlichen Gehörs dann, wenn die beklagte
Partei nicht zur Schlichtungsverhandlung erscheint. Hat die klagende
Partei eine Forderung von mehr als Fr. 2000.- geltend gemacht, ist bei
Säumnis der beklagten Partei üblicherweise die Ausstellung der Klage-
bewilligung zu erwarten (Art. 206 Abs. 2 i.V.m. Art. 209 Abs.1 ZPO),
nicht aber die Ausfällung eines materiellen Entscheids, bei welchem
zudem die Säumnisfolgen von Art. 234 Abs. 1 ZPO zum Tragen kom-
men. Entsprechend sieht die Praxis anderer Kantone in der Durchfüh-
rung eines Entscheidverfahrens ohne Mitteilung, dass der Streitwert re-
duziert wurde, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Urteile des
Obergerichts Solothurn ZKBS.2015.63 vom 13. August 2015 E. 4.1,
des Obergerichts Zürich RU140005 vom 6. Mai 2014 E. 4.2 und der
Cour de Justice Genf ACJC/1350/2012 vom 28. September 2012
E. 3.4).

Zieht die Schlichtungsbehörde in Erwägung, im Falle der Nichteinigung
und bei Säumnis der beklagten Partei direkt das Entscheidverfahren
durchzuführen, hat sie dies in der Vorladung zur Schlichtungsverhand-
lung entsprechend anzukündigen (Urteile des Kantonsgerichts Luzern
1C 11 37 vom 23. März 2012 LGVE 2012 I Nr. 40 E. 5.2, des Oberge-
richts Zürich RU110009 vom 8. August 2011 E. 2 und RU160057 vom
19. Oktober 2016 E. 3.5.2). Wären die Voraussetzungen zur Durchfüh-
rung eines Entscheidverfahrens aufgrund des Streitwerts eigentlich
nicht gegeben, hat sie die beklagte Partei kumulativ dazu darauf hinzu-
weisen, dass die klagende Partei ihre Forderung an der Schlichtungs-
verhandlung im Sinne einer Teilklage – ohne Verzicht auf den
Fr. 2000.- überschiessenden Teil der Forderung – reduzieren könnte
(Urteile des Obergerichts Bern vom 13. Dezember 2016 E. 14.6 und
des Obergerichts Zürich RU210035 vom 1. Juli 2021 E. 3.3.2). Im Ent-
scheid des Kantonsgerichts Graubünden ZK2 2012 37 vom 30. Mai
2013 wurde die Durchführung des Entscheidverfahrens nach Reduk-
tion der Klageforderung nicht thematisiert.

Nur unter diesen kumulativen Voraussetzungen ist die Schlichtungsbe-
hörde berechtigt, bei Säumnis der beklagten Partei im Schlichtungsver-
fahren unmittelbar ein Entscheidverfahren durchzuführen und ohne
Weiterungen einen Endentscheid zu erlassen. Andernfalls hat sie –
wenn sie dem Antrag auf Durchführung des Entscheidverfahrens zu-

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stimmt – zu einer neuen Verhandlung im Entscheidverfahren vorzula-
den und dabei auf die Säumnisfolgen von Art. 234 Abs. 1 ZPO hinzu-
weisen.

2.2 Die hier strittige Vorladung vermag diesen Anforderungen nur teil-
weise zu genügen. Zwar weist sie die beklagte Partei zutreffend darauf
hin, dass unter gewissen Voraussetzungen ein Entscheid gefällt wer-
den kann und verweist dazu auf die einschlägigen Artikel in der ZPO.
Sie lässt jedoch unerwähnt, dass diese Voraussetzungen, insbeson-
dere jene des Streitwerts, auch erst anlässlich der Schlichtungsver-
handlung geschaffen werden können. Der juristische Laie muss nicht
damit rechnen, dass, wenn der Streitwert ein Entscheidverfahren ei-
gentlich ausschliessen würde, die klagende Partei ohne jeden Rechts-
nachteil die Möglichkeit hat, ihr Begehren entsprechend zu reduzieren,
um ein Entscheidverfahren zu ermöglichen. Ausserdem hat der Ge-
meinderichter seine Verfügung vom 25. November 2021, in welcher er
auf den Antrag auf Entscheid eintrat und von der Klägerseite dafür ei-
nen Kostenvorschuss verlangte, den Beklagten offensichtlich nicht zu-
gestellt. Zu einem mündlichen Entscheidverfahren wurden die Beklag-
ten nie vorgeladen.

Als Folge davon ist der angefochtene Entscheid wegen einer unzuläs-
sigen Durchführung des Säumnisverfahrens im Entscheidverfahren
und damit einhergehender Verletzung des rechtlichen Gehörs der be-
klagten Partei aufzuheben und die Akten sind an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.