# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 938d4cf3-8158-550b-9274-bbe5787f621d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-04-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.04.2025 E-1577/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1577-2024_2025-04-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1577/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  A p r i l  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), 

Richter Yanick Felley,  

Richter Markus König,    

Gerichtsschreiberin Irina Schulthess. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 29. Februar 2024 / N (…). 

 

 

 

E-1577/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der minderjährige Beschwerdeführer, türkischer Staatsangehöriger kurdi-

scher Ethnie, suchte am 25. Januar 2024 in der Schweiz um Asyl nach.  

B.  

Am 20. Februar 2024 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der Erst-

befragung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (EB UMA) in Anwe-

senheit seiner damaligen Rechtsvertreterin zur Person sowie seinem Rei-

seweg befragt. Er gab an, dass er bis zu seiner Ausreise im Dorf 

B._______ in C._______, D._______, gelebt habe. Seine Mutter sei Haus-

frau und es gehe ihr gut. Er habe auch einen Bruder, welcher in E._______ 

studiere sowie eine Schwester, welche ab (…) in F._______ studieren 

werde. Im Jahr 20(…) sei sein Vater an einem Herzinfarkt verstorben. Fast 

alle seine Verwandten lebten in D._______ und C._______. Zu seiner Aus-

reise gab er an, in G._______ in den Laderaum eines Lastwagens gestie-

gen zu sein. Die Fahrt habe ein paar Tage gedauert und am (…) sei er in 

die Schweiz eingereist. Wann er ausgereist sei, wisse er nicht genau. Auch 

wisse er nicht, wer die Ausreise organisiert habe; seine Mutter habe ihm 

gesagt, er solle ausreisen. Psychisch gehe es ihm im Übrigen nicht so gut. 

C.  

Ebenfalls am 20. Februar 2024 wurde mit dem Beschwerdeführer die An-

hörung zu seinen Asylgründen (Art. 29 AsylG, SR 142.31) durchgeführt. 

Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen 

geltend, er habe in der Türkei Rassismus erlebt, weil er Kurde sei. An ei-

nem Fussballspiel seines Vereins habe er, während die Spieler die Natio-

nalhymne gesungen hätten, das kurdische Zeichen gemacht, weshalb er 

vom Spiel und aus dem Verein ausgeschlossen worden sei. Dies habe 

wahrscheinlich Monate vor seiner Ausreise stattgefunden. Danach sei er – 

sowohl von Lehrern als auch von Mitschülern – als Terrorist respektive als 

Neffe eines Terroristen (sein Onkel sei ein Guerilla gewesen und beim Mas-

saker von H._______ im Jahr 2015 getötet worden) bezeichnet worden, 

weshalb er keinen Kontakt mehr zu diesen Freunden gehabt und aufgrund 

des psychischen Druckes am (…) 2023 die Schule abgebrochen habe. 

Darüber hinaus habe er von seinen Lehrern schlechte Noten erhalten. 

Auch sei er geschlagen worden; er trage immer noch Narben davon. Als er 

etwa (…) Jahre alt gewesen sei, seien ältere unbekannte Kinder hinter ihm 

hergerannt, als er von der Schule nach Hause gelaufen sei. Beim Davon-

rennen sei er irgendwo runtergefallen und daraufhin ohnmächtig 

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Seite 3 

geworden. Erst im Spital sei er wieder zu sich gekommen und habe gese-

hen, dass sein Bein genäht worden sei. Auch habe er mit einem Freund an 

Versammlungen von «Leuten» teilgenommen, die Demonstrationen vorbe-

reitet hätten. Teilweise habe er Plakate, gemäss den Anweisungen dort an-

wesender Personen, «irgendwohin» gebracht respektive getragen. An den 

Demonstrationen habe er nicht teilgenommen. Ein paar Mal sei er im Alter 

von ungefähr (…) Jahren – aufgrund der Demonstrationen und weil er 

Kurde sei – auf den Polizeiposten gegangen, wo er Aussagen gemacht 

habe respektive einvernommen worden sei, da es eine Anzeige gegeben 

habe. Wer Anzeige erstattet habe, wisse er nicht. Er habe nicht verstanden, 

ob er angezeigt worden sei. Die Einvernahme habe keine weiteren Konse-

quenzen für ihn gehabt. Das sei das letzte Mal gewesen, dass er Kontakt 

mit der Polizei oder den türkischen Behörden gehabt habe.  

Als Nachtrag zur EB UMA gab er an, er habe bis zu seiner Ausreise mit 

seiner Mutter und seiner älteren Schwester zusammengelebt.  

Der Beschwerdeführer reichte darüber hinaus die folgenden Beweismittel 

zu den Akten: 

- türkische Identitätskarte 

- Entscheid des Fussballclubs C._______ vom 10. Januar 2023 betreffend die 

Vorkommnisse am 7. Januar 2023 

- undatiertes Schreiben der Mutter 

- Bestätigung (Dankschreiben) der DEM-Partei (Partei für Emanzipation und 

Demokratie der Völker) vom 7. November 2023 

- einen Bericht über den Anschlag in H._______ im Jahr 2015 

- vier Fotos, die seinen Onkel in den Bergen zeigten 

- Kopie der Fussball-Lizenz 

- Fotos des Beschwerdeführers im Fussballverein 

D.  

Der Beschwerdeführer nahm am 27. Februar 2024 zum Entscheidentwurf 

des SEM (ebenfalls vom 27. Februar 2024) Stellung.  

E.  

Mit Verfügung vom 29. Februar 2024 – gleichentags eröffnet – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte 

die Wegweisung aus der Schweiz sowie dem Schengen-Raum, ordnete 

den Vollzug an und verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Ak-

ten gemäss Aktenverzeichnis.  

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Seite 4 

F.  

Mit Eingabe vom 11. März 2024 liess der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragte, die Verfügung 

des SEM sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass er die Flüchtlingsei-

genschaft erfülle. Es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzu-

lässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und 

als Folge davon sei ihm von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme zu ge-

währen.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er den Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses.  

Der Beschwerde legte er drei Dokumente bei – jeweils in türkischer Spra-

che mit deutscher Übersetzung (bezeichnet als «Festnahmebefehl vom 

5.2.2024», «Entscheid des 1. Friedensgerichts D._______ vom 5.2.2024», 

«Ausschlussentscheid des Fussballclub I._______ vom 10.1.2023» [wobei 

sich letzterer bereits in den Akten der Vorinstanz befindet; SEM-Akte ID-

{…}, vgl. Bst. C oben]).  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 14. März 2024 verzichtete die zuständige In-

struktionsrichterin antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. April 2024 lud die Instruktionsrichterin die 

Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. Dieser Einladung 

kam die Vorinstanz mit Eingabe vom 30. April 2024 (nach gewährter Fris-

terstreckung) nach. Mit Instruktionsverfügung vom 8. Mai 2024 erhielt der 

Beschwerdeführer Gelegenheit eine Replik einzureichen, welche er am 

23. Mai 2024 wahrnahm.  

I.  

Mit Eingabe vom 29. November 2024 reichte der Beschwerdeführer eine 

Schulbestätigung der Sekundarschule J._______ ein und hielt fest, diese 

mache deutlich, dass er gute Fortschritte im Bereich Integration gemacht 

habe.  

 

  

E-1577/2024 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist minderjährig, weshalb seine Prozessfähig-

keit als Korrelat der Handlungsfähigkeit von Amtes wegen nach den ein-

schlägigen zivilrechtlichen Vorschriften zu beurteilen ist (vgl. bereits Ent-

scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 

[EMARK] 1996 Nr. 3 E. 2b). Die Prozessfähigkeit setzt die Urteilsfähigkeit 

und Volljährigkeit voraus (Art. 13 ZGB). Urteilsfähig ist jeder, dem es nicht 

wegen seines Kindesalters oder infolge anderer Umstände an der Fähig-

keit mangelt, vernunftgemäss zu handeln (Art. 16 ZGB). Aufgrund seiner 

Minderjährigkeit ist der Beschwerdeführer zwar grundsätzlich handlungs-

unfähig im Sinne von Art. 17 ZGB. Gemäss Art. 19c Abs. 1 ZGB üben ur-

teilsfähige handlungsunfähige Personen aber die Rechte, die ihnen um ih-

rer Persönlichkeit willen zustehen selbständig aus. Nach Lehre und Praxis 

gelten sowohl die Einreichung eines Asylgesuchs als auch die Ergreifung 

von in diesem Kontext stehenden Rechtsmitteln als solche höchstpersön-

liche Rechte (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3.2).  

Vorliegend ist von der Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers auszuge-

hen. Anhaltspunkte, die zu einem anderen Schluss führen könnten, finden 

sich in den Akten nicht. Die Befragungsprotokolle vermitteln den Eindruck, 

der Beschwerdeführer sei sich über den Gehalt der an ihn gerichteten Fra-

gen im Klaren gewesen, habe sachbezogen geantwortet und sich bei der 

Darlegung der Asylgründe sowie seiner persönlichen Verhältnisse von ver-

nünftigen Überlegungen leiten lassen. Darüber hinaus wurde er sowohl bei 

der EB UMA als auch bei der Anhörung zu seinen Asylgründen von einer 

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rechtskundigen Vertrauensperson (der ihm zugewiesenen Rechtsvertre-

tung) begleitet. Im Übrigen wird seine Urteilsfähigkeit denn auch nicht be-

stritten. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen 

aus, die Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Die geltend gemachten Nachteile 

gingen in ihrer Hinsicht nicht über Nachteile hinaus, welche weite Teile der 

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kurdischen Bevölkerung in der Türkei in ähnlicher Weise treffen könnten. 

So hätten sich die vom Beschwerdeführer geschilderten Vorkommnisse in 

den letzten zwei Jahren ereignet. Bezüglich der geltend gemachten erlitte-

nen Verletzungen durch die Verfolgung der Kinder sei nicht klar, weshalb 

die Kinder ihn verfolgt hätten. Er vermute lediglich, dass er wegen seiner 

kurdischen Ethnie verfolgt worden sei. Auch sei ihm nicht klar, weshalb er 

auf einem Polizeiposten befragt worden sei. Es gehe aus den Schilderun-

gen nicht hervor, dass diese Befragung durch die Polizei für den Beschwer-

deführer Nachteile zur Folge gehabt hätte. Er habe danach keinen weiteren 

Kontakt mit der Polizei oder den Behörden gehabt. Der Ausschluss aus 

dem Verein erreiche ebenfalls nicht die erforderliche Intensität, weswegen 

er sich einzig durch die Flucht ins Ausland habe der Situation entziehen 

können; dies insbesondere, da er nach dem Vereinsausschluss keine wei-

teren Nachteile erlitten und den Kontakt zu seinen Fussballfreunden abge-

brochen habe. Auch habe das Verhalten von einigen Lehrern und Schülern 

kein solches Ausmass angenommen, dass ihm ein menschenwürdiges Le-

ben in der Türkei verwehrt gewesen wäre. Gleiches gelte für die Vorbringen 

die den Onkel beträfen. Die erforderliche Intensität werde auch nicht in der 

Gesamtschau der Erlebnisse erreicht, zumal sich diese einerseits über ei-

nen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren erstreckten, und andererseits in 

ihrer Ausprägung ebenfalls nicht geeignet seien, eine Verfolgungssituation 

mit ernsthaften Nachteilen darzustellen, die einen Verbleib in der Türkei 

verunmöglichen oder unzumutbar erschweren würden. 

4.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde – nebst allgemei-

nen Ausführungen zur politischen Situation in der Türkei und theoretischen 

Ausführungen zum Kindeswohl – geltend, das Vorgebrachte vermöge den 

Anforderungen an Art. 3 sowie Art. 7 AsylG zu genügen. Er habe sich, 

wenn auch nicht stark, für die Politik engagiert, weswegen er immer unter 

Druck gesetzt worden sei und die Schule habe abbrechen müssen. Auf-

grund seiner Verwandtschaft zu seinem Onkel sowie des Zeigens des «Vic-

tory-Zeichens» während der Nationalhymne bei einem Fussballspiel sei 

gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Betreibens von Propaganda zu-

gunsten einer Terrororganisation (gemeint sei die PKK) eröffnet worden. Er 

habe nicht mehr in Sicherheit leben können, da der psychische Druck 

durch Private und die Polizei eine unerträgliche Dimension angenommen 

habe. Er sei «ein paar Mal» durch die türkische Polizei auf den Polizeipos-

ten mitgenommen worden. Jedes Mal sei er belästigt, behelligt und einge-

schüchtert worden, weshalb ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 AsylG entstanden sei. Es müsse davon ausgegangen 

werden, dass die meisten Personen in einer ähnlichen Situation ebenfalls 

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geflüchtet wären. Er sei aufgrund seiner politischen Aktivitäten und wegen 

seines Onkels bei der PKK, der durch die türkischen Behörden getötet wor-

den sei, den türkischen Behörden «gut bekannt», weshalb er «in den letz-

ten Wochen und Monaten» ständigen Repressionen ausgesetzt gewesen 

sei. Es müsse von einer Reflexverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG aus-

gegangen werden.  

Im Übrigen treffe das Vorbringen der Vorinstanz, die türkischen Behörden 

seien sowohl schutzfähig als auch schutzwillig, nicht zu. Der Schutzwille 

der türkischen Behörden sei nicht vorhanden, weil gegen ihn bereits ein 

Strafverfahren eingeleitet worden sei. 

4.3 Die Vorinstanz führt anlässlich der Vernehmlassung aus, der Darstel-

lung des Beschwerdeführers könne nicht gefolgt werden. Aus der Anhö-

rung ergebe sich in keiner Weise, dass der Druck in den letzten Wochen 

oder Monaten vor der Ausreise zugenommen hätte (mit Verweis auf die 

Ausführungen in F21, F77, F78, F80 des Anhörungsprotokolls; SEM-Akte 

[…]-19/11 und unter Hinweis darauf, dass der Vereinsausschluss gemäss 

Beweismittel am […] 2023 erfolgt sei). Die Situation in der Schule sei – wie 

bereits in der erstinstanzlichen Verfügung dargelegt – nicht geeignet, um 

einen unerträglichen psychischen Druck zu bewirken.  

Der Beschwerdeführer stelle sich in der Beschwerde als politisch verhält-

nismässig aktiven Menschen dar. Zwar habe er dazu in der Anhörung ei-

nige Aussagen gemacht (mit Verweis auf das Anhörungsprotokoll, SEM-

Akte […]-19/11 F46, F48, F51, F52 f., F49–51, F63–65). Diese liessen aber 

weiterhin darauf schliessen, dass er lediglich niederschwellig politisch aktiv 

gewesen sei. 

Das eingereichte Dankschreiben des Kreisvorsitzenden der DEM-Partei 

müsse als Gefälligkeitsschreiben qualifiziert werden, zumal darin seine 

rege Unterstützung bei Parteitätigkeiten, Meetings, Sport- und Folklorever-

anstaltungen verdankt werde. Dies sei aufgrund der vom Beschwerdefüh-

rer geschilderten Aktivitäten nicht nachvollziehbar, insbesondere, da er ge-

mäss eigenen Angaben bei diesen Veranstaltungen (von seinem Freund 

abgesehen) keine anderen Menschen gekannt habe. 

Im Ausschlussbericht des Fussballvereins werde davon gesprochen, dass 

der Beschwerdeführer nicht an der Schweigeminute teilgenommen habe, 

das Peace-Zeichen gemacht und die kurdischen Fahnen geschwenkt 

habe. Er habe jedoch lediglich angegeben, das kurdische Zeichen 

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gemacht zu haben; weitergehende Aktionen habe er nicht erwähnt. Es sei 

nicht nachzuvollziehen, weshalb er nie erwähnt habe, die kurdischen Fah-

nen geschwenkt zu haben.  

Unter diesem Aspekt müssten auch die auf Beschwerdeebene nachge-

reichten Dokumente (Vorführbefehl und Entscheid des 1. Friedensgerich-

tes) betrachtet werden. Der Beschwerdeführer habe keine inhaltlichen Er-

klärungen zu diesen Dokumenten gemacht. Abgesehen von der Nennung 

des Delikts wiesen diese Dokumente keinen materiellen Inhalt auf, sondern 

bestünden aus standardisierten Bausteinen, weshalb sie keinen Rück-

schluss auf das dem Beschwerdeführer konkret vorgeworfene Vergehen 

zuliessen. Sie verfügten darüber hinaus über keinerlei (verifizierbare) Si-

cherheitsmerkmale und liessen sich daher sehr einfach fälschen, weshalb 

ihnen ein geringer Beweiswert zukomme. Der Beschwerdeführer habe zu-

dem keinerlei Vorbringen dargelegt, welche zur Annahme führten, es 

könne ein Verfahren gegen ihn aufgenommen werden. Es erstaune weiter, 

dass die zwei eingereichten Dokumente auf den 5. Februar 2024 datierten, 

er in der Anhörung vom 20. Februar 2024 davon aber anscheinend keiner-

lei Kenntnis gehabt habe (vgl. SEM-Akte […]-19/11 F87). Zwar sei es, wie 

in der Beschwerde erwähnt werde, durchaus möglich, als Kind eine Ge-

fängnisstrafe zu erhalten. Die Hürden für eine Untersuchungshaft eines 

Kindes respektive einen Haftbefehl gegen dieses auszustellen, sei aber – 

gemäss Kenntnissen der Vorinstanz – ungleich höher als bei Erwachse-

nen. Derzeit liege jedenfalls ein Vorführbefehl lediglich zwecks Einver-

nahme vor, weswegen nicht von einer Inhaftierung ausgegangen werden 

könne.  

Gemäss den nachgereichten Beweismitteln sei ein Ermittlungs-/Untersu-

chungsverfahren wegen «Propaganda für eine Terrororganisation» gegen 

den Beschwerdeführer eingeleitet worden. Zudem liege ein Vorführbefehl 

gegen ihn vor. Die vorliegenden Beweismittel zeigten demgegenüber nicht 

auf, dass gegen den Beschwerdeführer ein Gerichtsverfahren eröffnet wor-

den sei. Es sei darauf hinzuweisen, dass in der Türkei Ermittlungs-/Unter-

suchungsverfahren oft in teils hoher Zahl eingeleitet, aber häufig auch wie-

der eingestellt würden. Vor diesem Hintergrund sei zum jetzigen Zeitpunkt 

offen, ob die Ermittlungen in absehbarer Zeit überhaupt zu einer Eröffnung 

eines Gerichtsverfahrens oder einer späteren Verurteilung des Beschwer-

deführers aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv führen würden. 

Es könne daher offenbleiben, ob es sich um echte Verfahrensdokumente 

handle. Beim nachgereichten Vorführbefehl handle es sich zudem formell 

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Seite 10 

nicht um einen Haftbefehl, sondern um einen Vorführbefehl, dessen Zweck 

es sei, den Beschwerdeführer einzuvernehmen.  

Ein potentielles Risikoprofil aufgrund der Aussagen des Beschwerdefüh-

rers in der Anhörung sei nicht ersichtlich. So sei er immer noch recht jung, 

und bislang für die DEM-Partei politisch nur sehr niederschwellig aktiv. Ent-

sprechend werde er von den türkischen Behörden kaum als Bedrohung 

wahrgenommen. Auch die Verwandtschaft mit seinem Onkel vermöge nicht 

zu einem potentiellen Risikoprofil zu führen.  

4.4 Der Beschwerdeführer bringt in der Replik vor, es treffe nicht zu, dass 

die türkischen Behörden ihn «kaum als Bedrohung» sehen würden. Der 

jetzige Präsident Erdogan habe bereits im Jahr 2006 gesagt, egal ob Kin-

der oder Frauen, die Sicherheitskräfte würden das tun, was sie für nötig 

hielten. Bei damals stattfindenden Demonstrationen seien sechs Kinder 

durch die türkische Polizei getötet worden. Es sei sicherlich auch der Vor-

instanz bekannt, dass gegen viele kurdische Kinder wegen der Unterstüt-

zung oder des Betreibens von Propaganda zugunsten des Terrorismus 

Strafverfahren eröffnet worden seien und noch immer zahlreiche Kinder in 

türkischen Gefängnissen sässen, weil sie Flugblätter politischen Inhalts 

verteilt oder an einer Demonstration die Polizei mit Steinen beworfen hät-

ten. Auch seien Kinder wegen der Unterstützung des Terrorismus verurteilt 

worden, weil sie das Victory-Zeichen gemacht hätten.  

Seine Familie sei – auch wenn sein Onkel im August 2015 getötet worden 

sei – den türkischen Behörden bekannt, weshalb nicht nachvollziehbar sei, 

dass die Vorinstanz dieses Ereignis als nicht asylrelevant bezeichne. 

Die Behauptung, es handle sich beim Schreiben der DEM-Partei um ein 

Gefälligkeitsschreiben und die eingereichten Beweismittel seien «leicht 

fälschbar», träfen nicht zu. Es sei nicht richtig, dass die Vorinstanz alle Do-

kumente pauschal als «leicht fälschbar» oder «leicht käuflich» bezeichne. 

Ferner sei er noch im Kindsalter, weshalb nicht erwartet werden könne, 

dass er alles für das Asylgesuch Wesentliche zu Protokoll gebe.  

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt in Übereinstimmung mit der 

Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den 

Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht 

standhalten. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf die zutreffen-

den Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung (vgl. 

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Seite 11 

SEM-Akte […]-25/11) sowie der Vernehmlassung verwiesen (vgl. auch die 

Zusammenfassungen in den E. 4.1 und 4.3 oben).  

5.1.1 Zunächst ist festzuhalten, dass ein Grossteil der Vorbringen auf Prob-

leme mit Drittpersonen zurückzuführen sind (Probleme mit anderen Kin-

dern/Mitschülern und Lehrpersonen, Ausschluss aus dem Fussballverein), 

die erst dann flüchtlingsrechtlich relevant sind, wenn der Staat unfähig oder 

nicht willens ist, Schutz vor einer solchen Verfolgung zu bieten. In der Tür-

kei ist grundsätzlich von einer funktionierenden und effizienten Schutz- 

infrastruktur auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E-150/2024 vom 18. Ja-

nuar 2024 E. 6.2.1). Weder den Akten noch den Vorbringen auf Beschwer-

deebene lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer (aktiv) um 

Schutz ersucht hat und ihm dieser verweigert wurde. Das unsubstantiierte 

Beschwerdevorbringen, die türkischen Behörden seien schutzfähig, nicht 

aber schutzwillig (vgl. Beschwerde S. 7), ist denn auch nicht geeignet, das 

Gegenteil zu beweisen.  

5.1.2 Hinweise auf eine begründete Furcht vor einer asylrelevanten Re-

flexverfolgung ergeben sich ebenfalls weder aus den Akten noch aus den 

Beschwerdevorbringen. Die Familie des Beschwerdeführers weist kein 

asylrelevantes politisches Profil auf (vgl. SEM-Akte […]-19/11 F86). Der 

Umstand, dass der Beschwerdeführer wegen seines Onkels von seinen 

Lehrern und Mitschülern als Terrorist bezeichnet worden sei, vermag eben-

falls keine Reflexverfolgung zu begründen, zumal sein Onkel bereits im 

Jahr 2015 getötet worden sei, die Vorfälle von Drittpersonen begangen 

wurden (es sich mithin nicht um eine staatliche Verfolgung handelte) und – 

wie oben festgestellt – die Schutzfähigkeit und der Schutzwille der türki-

schen Behörden gegeben ist. Im Übrigen hörten die Schikanen nach dem 

Abbruch der Schule auf (vgl. SEM-Akte […]-19/11 F17).  

5.1.3 Die Einvernahmen auf dem Polizeiposten erreichen zudem weder 

einzeln noch in einer Gesamtschau mit den übrigen Vorbringen eine flücht-

lingsrechtlich relevante Intensität im Sinne von Art. 3 AsylG. Der Beschwer-

deführer bringt in der Anhörung selbst vor, die Einvernahme, als er unge-

fähr (…) Jahre alt gewesen sei, habe keine weiteren Konsequenzen gehabt 

(vgl. SEM-Akte […]-19/11 F77, F79) und es sei das letzte Mal gewesen, 

dass er mit der Polizei oder den türkischen Behörden Kontakt gehabt habe 

(vgl. SEM-Akte […]-19/11 F80). Das Beschwerdevorbringen, er sei jedes 

Mal, als er auf den Polizeiposten mitgenommen worden sei, belästigt, be-

helligt und eingeschüchtert worden (vgl. Beschwerde S. 6), findet in den 

Akten keine Stütze und widerspricht im Übrigen dem in der Anhörung 

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Seite 12 

geltend Gemachten, wonach der Beschwerdeführer mit Freunden auf den 

Polizeiposten gegangen sei (vgl. SEM-Akte […]-19/11 F66, F72). Zudem 

gab der Beschwerdeführer während der Anhörung nie an, die Polizei habe 

ihn belästigt. Eine Schikane brachte er immer nur in Verbindung mit seinen 

Mitschülern, Mitspielern und Lehrpersonen vor (vgl. SEM-Akte […]-19/11 

F6 f., F13, F17–F19, F30, F35, F42, F56). Im Übrigen kann auch vom min-

derjährigen Beschwerdeführer erwartet werden, dass er alles für sein Asyl-

gesuch Wesentliche in der Anhörung vorbringt. Im Hinblick darauf, dass er 

in der Lage war, über seine privaten Probleme und die Einvernahmen 

durch die Polizei zu berichten, wäre somit eine Schilderung allfälliger Be-

helligungen, Belästigungen und Einschüchterungen durch die Polizei be-

reits in der Anhörung zu erwarten gewesen. 

5.1.4 Ferner kam die Vorinstanz zutreffend zum Schluss, dass der Be-

schwerdeführer kein asylrelevantes politisches Profil aufweist. Ihm gelingt 

es nicht, auf Beschwerdeebene etwas Gegenteiliges zu belegen, zumal er 

– sowohl in der Beschwerde als auch in der Replik – seine in der Anhörung 

geäusserten Vorbringen lediglich unsubstantiiert wiederholt. Zudem gibt er 

in der Beschwerde selbst an, er habe sich nicht stark für die Politik enga-

giert (Beschwerde S. 4). Im Hinblick auf das eben Gesagte ist auch das 

Beschwerdevorbringen, es sei gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen 

Propagandabetreibung zugunsten einer Terrororganisation eröffnet wor-

den, nicht geeignet eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung aufzuzei-

gen. Gemäss dem eingereichten Vorführbefehl handelt es sich um ein Ver-

fahren wegen Verdachts auf Propaganda für eine terroristische Organisa-

tion gemäss Art. 7 Abs. 2 des türkischen Anti-Terror-Gesetzes. Wie die Vor-

instanz in der Vernehmlassung zutreffend ausführte, enthalten die Beweis-

mittel keinen materiellen Inhalt; mithin bleibt unklar, welches Vergehen dem 

Beschwerdeführer überhaupt vorgeworfen wird. Unabhängig davon genügt 

ein in der Türkei hängiges staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren 

wegen Terrorpropaganda für sich allein genommen nicht zur Anerkennung 

der Flüchtlingseigenschaft (vgl. Referenzurteil des BVGer E-4103/2024 

vom 8. November 2024 E. 8.7.3 und E. 8.8). Die vier kumulativen Voraus-

setzungen, unter welchen staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren 

flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten, sind vorliegend zudem eindeutig 

nicht erfüllt: Das Verfahren befindet sich bereits seit mehr als einem Jahr 

lediglich im Ermittlungsstadium. Es bleibt somit völlig offen, ob es über-

haupt je zu einer Anklage, zur Eröffnung eines Gerichtsverfahrens und ei-

ner rechtskräftigen, flüchtlingsrechtlich relevanten Verurteilung respektive 

Bestrafung des Beschwerdeführers kommen wird (vgl. E-4103/2024 E. 8). 

E-1577/2024 

Seite 13 

5.2 Zusammenfassend ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte, 

wonach der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise von flücht-

lingsrechtlich relevanten Massnahmen betroffen war oder bei einer Rück-

kehr in die Türkei einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefahr ausgesetzt 

wäre. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und 

das Asylgesuch abgelehnt.  

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG).  

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).  

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.  

8.1 Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung zum Wegwei-

sungsvollzug fest, beim Beschwerdeführer handle es sich um einen grund-

sätzlich gesunden, jungen Mann, welcher in der Türkei über ein stabiles 

Beziehungsnetz verfüge. So sei er zuletzt bei seiner Mutter wohnhaft ge-

wesen, der es gesundheitlich gut gehe, weshalb keine Gründe ersichtlich 

seien, weshalb er nicht ohne weiteres wieder dort leben könne. Seine 

Schwester wohne bis zum Beginn ihres Studiums ebenfalls dort und die 

Grosseltern beiderseits lebten im gleichen Dorf. Zudem lebten die meisten 

Verwandten in D._______ und C._______. Mit seiner Mutter bestehe ein 

regelmässiger Austausch, weshalb eine Kontaktaufnahme mit ihr ohne 

E-1577/2024 

Seite 14 

weiteres möglich sei um seine Abholung am Flughafen zu organisieren. Es 

bestünden keine Anhaltspunkte, wonach er bei einer Rückkehr in die Tür-

kei nicht erneut auf sein Beziehungsnetz, respektive seine Familie zurück-

greifen könne.  

Anlässlich der Stellungnahme zum Entscheidentwurf habe der Beschwer-

deführer geltend gemacht, seine Familie könne sich einen Umzug nicht 

leisten, da sein Vater (der Versorger der Familie) verstorben sei. Ebenfalls 

liesse die finanzielle Situation seiner Mutter seine psychologische Behand-

lung nicht zu. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass sich einige Verwandte 

in K._______ und D._______ befänden; sein Bruder studiere in 

E._______. Es sei daher davon auszugehen, dass seine Verwandten ihn 

aufnehmen würden, damit er dort die Schule besuchen könne, sollte er dies 

wünschen. Die Behandlung allfälliger gesundheitlicher Probleme sei in der 

Türkei grundsätzlich gewährleistet. Es sei somit davon auszugehen, dass 

er auch in der Türkei eine adäquate Behandlung erhalten werde. Er könne 

ausserdem medizinische Rückkehrhilfe beantragen, womit er in einer ers-

ten Phase nach seiner Rückkehr hinsichtlich der Organisation der medizi-

nischen Behandlung nicht vor unüberwindbare Schwierigkeiten gestellt sei. 

Es sei somit insgesamt nicht davon auszugehen, dass er aus individuellen 

Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine exis-

tenzbedrohende Situation geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung er-

weise sich als zumutbar.  

8.2 Der Beschwerdeführer rügt in der Beschwerde eine Verletzung des Kin-

deswohls, da die Vorinstanz nicht im Sinne der Kinderrechtskonvention 

(Übereinkommen über die Rechte des Kindes, KRK; SR 0.107) entschie-

den habe.  

8.3 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher oder aktenwid-

riger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/ 

E-1577/2024 

Seite 15 

BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-

des, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 m.w.H.).  

Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts verpflichten 

Art. 3 und 22 KRK die asylrechtlichen Behörden, das Kindeswohl im Rah-

men der Zumutbarkeitsprüfung als gewichtigen Aspekt zu berücksichtigen. 

Das SEM ist verpflichtet, vor der Ausschaffung einer unbegleiteten minder-

jährigen Person sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem Fami-

lienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung übergeben 

werden kann, welche den Schutz des Kindes gewährleistet (Art. 69 Abs. 4 

AIG); mithin in der Lage sind, seine Bedürfnisse zu decken. Die dafür not-

wendigen konkreten Abklärungen inklusive der allfälligen Übernahmezusi-

cherungen einer geeigneten Institution sind vor Erlass einer wegweisenden 

Verfügung des SEM vorzunehmen respektive einzuholen, damit sie einer 

gerichtlichen Überprüfung offenstehen. Blosse allgemeine Feststellungen, 

im Heimat- oder Herkunftsland würden Eltern oder andere Angehörige le-

ben oder es gebe in dem betreffenden Land entsprechende Einrichtungen, 

genügen nicht (vgl. EMARK 1997 Nr. 23 E. 5, 1998 Nr. 13 E. 5e/bb und 

2006 Nr. 24 E. 6.2.4, bestätigt in BVGE 2021 VI/3). 

8.4 Beim Beschwerdeführer handelt es sich unbestrittenermassen um ei-

nen unbegleiteten Minderjährigen. Die Vorinstanz ist somit verpflichtet, von 

Amtes wegen konkret abzuklären, ob die minderjährige Person effektiv bei 

einem Familienmitglied beziehungsweise – wenn dies nicht möglich oder 

mit dem Kindeswohl nicht vereinbar ist – anderweitig untergebracht und 

betreut werden kann. Dieser Pflicht ist die Vorinstanz nicht ausreichend 

nachgekommen. Bei den Ausführungen der Vorinstanz in der Verfügung 

handelt es sich nur um Mutmassungen. Zudem hat sie die Gelegenheit, 

sich auf Beschwerdeebene zum Kindeswohl zu äussern, nicht genutzt. Ob 

der Beschwerdeführer tatsächlich zur Mutter oder einem anderen Famili-

enmitglied zurückkehren kann, bleibt ungeklärt. Zwar hält die Vorinstanz in 

der Verfügung fest, die Abholung des Beschwerdeführers könne ohne wei-

teres organisiert werden, da regelmässiger Kontakt zur Mutter bestehe. 

Dies ändert aber nichts daran, dass unklar bleibt, ob die Mutter tatsächlich 

in der Lage ist, den Beschwerdeführer abzuholen und dessen Bedürfnisse 

zu decken, zumal er eine schwierige finanzielle Situation seiner Mutter so-

wie seines familiären Umfelds geltend macht und aus einer vom Erdbeben 

betroffenen Region stammt (vgl. SEM-Akte […]-24/2; Referenzurteil des 

BVGer E-1308/2023 vom 19. März 2023 E. 11), womit sich die Vor-instanz 

ebenfalls nicht in hinreichender Weise auseinandergesetzt hat. Ob darüber 

hinaus jemand aus der Verwandtschaft in der Lage beziehungs-weise 

E-1577/2024 

Seite 16 

bereit wäre, den Beschwerdeführer aufzunehmen, ergibt sich denn auch 

nicht aus den Akten und bleibt somit ebenfalls unklar.  

8.5 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz den Sachverhalt unvollständig 

festgestellt, indem sie keine Abklärungen bezüglich die für den minderjäh-

rigen Beschwerdeführer konkret zu erwartende Unterbringung und Versor-

gung in der Türkei getroffen hat und mithin nicht sämtliche für das Kindes-

wohl relevanten Kriterien umfassenden gewürdigt hat.  

9.  

9.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an 

die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-

stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-

ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-

lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, 

wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-

scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5).  

9.2 Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Ver-

fügung in den Dispositivziffern 4 und 5 aufzuheben und die Sache diesbe-

züglich zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts sowie zur Neube-

urteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. 

Die Erstellung des Sachverhalts bedarf weiterer Abklärungen, die den Rah-

men des Beschwerdeverfahrens sprengen würden. Zudem ginge dem Be-

schwerdeführer bei der Vornahme der Abklärungen durch das Bundesver-

waltungsgericht eine Instanz verloren. Die Vorinstanz ist gehalten, die not-

wendigen konkreten Abklärungen zur Rückkehr des Beschwerdeführers 

(unter umfassender Würdigung aller für das Kindeswohl relevanten Krite-

rien) in die Türkei im Sinne der Erwägungen zu treffen und ihre Erkennt-

nisse in die Verfügung einfliessen zu lassen. Im Übrigen ist die Beschwerde 

abzuweisen.  

10.  

10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen 

(Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist 

bezüglich seiner Anträge auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, der 

Asylgewährung und der Aufhebung der Wegweisung unterlegen. Bezüglich 

E-1577/2024 

Seite 17 

der Anordnung des Wegweisungsvollzugs hat er obsiegt. Praxisgemäss 

bedeutet dies ein hälftiges Obsiegen. 

10.2 Nach dem Gesagten sind die Verfahrenskosten zur Hälfte dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 375.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]).  

10.3 Der teilweise obsiegenden Partei kann von der Beschwerdeinstanz 

von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwach-

sene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zugesprochen wer-

den (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Dem vertretenen Beschwerdeführer ist ange-

sichts seines teilweisen Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und 

Art. 7 Abs. 1 VGKE eine reduzierte Entschädigung für die ihm notwendi-

gerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. 

Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendi-

gen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in 

fine VGKE). Die von der Vorinstanz auszurichtende hälftige Parteientschä-

digung wird in Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Be-

rücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) 

demnach von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 375.– festgelegt. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-1577/2024 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird teilweise gutheissen; die angefochtene Verfügung 

wird in den Dispositivziffern 4 und 5 aufgehoben und die Sache zur voll-

ständigen Sachverhaltsfeststellung sowie Neubeurteilung des Wegwei-

sungsvollzugs im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewie-

sen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 375.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 375.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Gabriela Freihofer Irina Schulthess 

 

 

Versand: