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**Case Identifier:** ed12f831-cde3-5aeb-879d-1758ff9667f4
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 12.05.2025 WBE.2024.362
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2024-362_2025-05-12.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

3. Kammer 

 

WBE.2024.362 / SW / jb 
(AVV.2024.21)  

Art. 47 

 

 

Urteil vom 12. Mai 2025 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Michel, Vorsitz   

Verwaltungsrichterin Haller 

Verwaltungsrichterin Tschudin 

Gerichtsschreiberin Wittich 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____,    

vertreten durch Dr. iur. Kenad Melunovic, Rechtsanwalt, 

Buchserstrasse 12, Postfach, 5001 Aarau    

        

gegen 

 

  Anwaltskommission des Kantons Aargau, Obere Vorstadt 40, 

Postfach, 5001 Aarau    

     

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Aufsichtsanzeige 

 

Entscheid der Anwaltskommission vom 2. September 2024 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

1. 

Die Staatsanwaltschaft R._____ erstattete mit Eingabe vom 21. März 2024 

Meldung bei der Anwaltskommission des Kantons Aargau wegen eines 

mutmasslichen Verstosses gegen die Berufsregeln i.S.v. Art. 12 des Bun-

desgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte vom 

23. Juni 2000 (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61) unter anderem durch 

MLaw A._____, Rechtsanwalt, Q._____.  

 

2. 

Am 2. September 2024 entschied die Anwaltskommission des Kantons 

Aargau:  

 

1. 
Es wird festgestellt, dass Rechtsanwalt MLaw A._____ eine Verletzung der 
Berufsregeln i.S.v. Art. 12 lit. a BGFA begangen hat.  
 
2. 
Rechtsanwalt MLaw A._____ wird mit einer Busse in der Höhe von 
Fr. 1'000.00 belegt.  
 
3. 
Die Kosten dieses Verfahrens von Fr. 1'500.00 werden Rechtsanwalt 
MLaw A._____ auferlegt.  
 
4. 
Es werden keine Parteikosten zugesprochen.  

 

B. 

1. 

Dagegen erhob Rechtsanwalt A._____ am 8. Oktober 2024 (Postaufgabe: 

9. Oktober 2024) Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit folgenden Anträgen: 

 

1. 
Der Entscheid der Anwaltskommission vom 2. September 2024 
(AVV.2024.21) sei aufzuheben, und das Disziplinarverfahren gegen MLaw 
A._____, Rechtsanwalt,  Q._____, sei infolge fehlender Verletzung der 
Berufsregeln im Sinne von Art. 12 lit. a BGFA ohne Disziplinarmassnahme 
im Sinne von Art. 17 BGFA zu beenden;  
 

  

 - 3 - 

 

 

2. 
eventualiter sei der Entscheid der Anwaltskommission vom 2. September 
2024 (AVV.2024.21) aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an 
die Vorinstanz zurückzuweisen (§ 49 VRPG);  
 
3. 
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 8.1 % MWST zulasten des 
Staats nach den Bestimmungen von § 14 EG BGFA.  
 
4.  
Es seien die Akten des Aufsichtsverfahrens (AVV.2024.21) beizuziehen. 

 

2. 

Die Anwaltskommission verzichtete mit Eingabe vom 7. November 2024 

unter Verweis auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid auf eine 

Beschwerdeantwort, überwies aufforderungsgemäss die vorinstanzlichen 

Akten und beantragt die Abweisung der Beschwerde. 

 

3. 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden (vgl. 

§ 7 Abs. 1 und 2 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 

2011 [GOG; SAR 155.200]). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Gegen Entscheide der Anwaltskommission kann Beschwerde beim Ver-

waltungsgericht geführt werden (§ 9 des Einführungsgesetzes zum Bun-

desgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte vom 2. No-

vember 2004 [EG BGFA; SAR 290.100]). Dieses ist somit zur Beurteilung 

der vorliegenden Beschwerde zuständig. 

 

2. 

Nach § 42 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. De-

zember 2007 (Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200) ist 

zur Beschwerde befugt, wer ein schutzwürdiges eigenes Interesse an der 

Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids hat. Die An-

waltskommission stellte eine Verletzung von Berufsregeln fest und belegte 

den Beschwerdeführer mit einer Busse. Dadurch ist der Beschwerdeführer 

beschwert und somit zur Beschwerde legitimiert. 

 

3. 

Die weiteren Beschwerdevoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen 

Anlass. Auf die rechtzeitig erhobene Beschwerde ist einzutreten. 

 

 - 4 - 

 

 

4. 

Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde können die unrichtige oder unvollstän-

dige Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverletzungen gerügt wer-

den (§ 55 Abs. 1 VRPG). Die Rüge der Unangemessenheit ist demgegen-

über unzulässig (Umkehrschluss aus § 55 Abs. 3 VRPG). 

 

II. 

1.  

Das BGFA regelt in Art. 12 die Berufspflichten der Anwältinnen und An-

wälte. Nach Art. 12 lit. a BGFA müssen Anwältinnen und Anwälte ihren Be-

ruf sorgfältig und gewissenhaft ausüben. Verletzt ein Anwalt Vorschriften 

des Anwaltsgesetzes, kann ihn die Aufsichtsbehörde mit disziplinarischen 

Sanktionen belegen (Art. 17 Abs. 1 BGFA). Das BGFA kennt als mildeste 

Disziplinarmassnahme eine Verwarnung (Art. 17 Abs. 1 lit. a BGFA), ge-

folgt von einem Verweis (lit. b), einer Busse bis zu Fr. 20'000 (lit. c), einem 

befristeten Berufsausübungsverbot für längstens zwei Jahre (lit. d) bis hin 

zu einem dauernden Berufsausübungsverbot (lit. e).  

 

2.  

2.1.  

Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer mit einer Busse von Fr. 1'000.00 

belegt. Diese Disziplinierung beruht auf dem Vorwurf, der Beschwerdefüh-

rer habe gegen anwaltliche Berufsregeln gemäss Art. 12 lit. a BGFA 

verstossen, indem er im Strafverfahren STA3 ST.2023.8154 wegen Raubs 

die Mutter des minderjährigen mutmasslichen Opfers vor der Konfronta-

tionseinvernahme vom 14. März 2024 kontaktiert und das Aussageverhal-

ten des mutmasslichen Opfers aktiv beeinflusst habe. Die Disziplinierung 

stützt sich auf den nachfolgenden Sachverhalt, welcher vom Beschwerde-

führer nicht bestritten wird.  

 

2.2.  

Der Beschwerdeführer hat der Mutter des minderjährigen mutmasslichen 

Opfers am 30. Januar 2024 eine E-Mail mit dem Betreff "aussergerichtliche 

Erledigung" gesendet mit folgendem Inhalt:  

 

Ich danke Ihnen bestens für das angenehme Telefon. Wie besprochen 
wäre mein Klient bereit, die Sache aussergerichtlich zu erledigen und 
Ihrem Sohn auch die entsprechenden Auslagen sowie eine Genugtuung 
zu zahlen. Bitte teilen Sie mir doch mit, ob Sie bzw. Ihr Sohn damit einver-
standen wären und was Ihre Bedingungen dafür wären. Bei Fragen stehe 
ich Ihnen jederzeit zur Verfügung. 

 

Die Mutter bestätigte am 1. Februar 2024 per E-Mail, dass sie und ihr Sohn 

bereit seien, die Angelegenheit aussergerichtlich zu regeln, und bezifferte 

ihre Forderung auf total Fr. 1'900.00 (Schaden Fr. 400.00 und Genugtuung 

Fr. 1'500.00). Weiter hielt sie fest: 

 

 - 5 - 

 

 

Wir gehen auf Ihre Forderungen ein und mein Sohn würde auf Anfrage bei 
einer erneuten Vernehmung mit "Fall als erledigt" bestätigen.  

 

In der Folge sandte der Beschwerdeführer ihr einen Vergleichsvorschlag, 

passte diesen anhand ihrer Rückmeldung geringfügig an und schickte am 

13. Februar 2024 per E-Mail eine neue Fassung unter anderem mit folgen-

dem Hinweis:  

 

[…] und bei Ziffer 7. noch den zweiten Teilsatz abgeändert in "… erklären 
die Absicht auch im Strafverfahren keine weiteren Aussagen zu machen". 
So ist es weniger verbindlich formuliert.   

 

Der aussergerichtliche Vergleich vom 16. Februar 2024 zwischen dem Be-

schuldigten und dem mutmasslichen Opfer sowie seiner Mutter lautet be-

treffend die Straf- und Zivilanträge sowie das Aussageverhalten wie folgt: 

 

1.-2. […] 
 
3. 
B._____ verpflichtet sich im Gegenzug, Straf- und Zivilanträge nach einer 
allenfalls erneuten Einvernahme von ihm, jedoch vor Abschluss der 
Strafuntersuchung zu einem noch zu vereinbarenden Datum zurückzuzie-
hen. Der Rückzug der Straf- und Zivilanträge wird mit einer separaten Er-
klärung der Staatsanwaltschaft zugestellt.  
 
4.-6. […] 
 
7. 
Die Parteien vereinbaren Stillschweigen über die vorliegende ausserge-
richtliche Einigung und erklären die Absicht auch im Strafverfahren keine 
weiteren Aussagen zu tätigen. 

 

Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 14. März 2024 erklärte das 

minderjährige mutmassliche Opfer, es sei ihm von seiner Mutter und vom 

Büropartner des Beschwerdeführers, der diesen an der Konfrontationsein-

vernahme vertrat (im Folgenden: Stellvertreter des Beschwerdeführers), 

gesagt worden, er solle keine Aussagen machen. Er erklärte das Desinte-

resse am Strafverfahren und verweigerte fortan die Aussage. 

 

3.  

3.1.  

Die Vorinstanz erwog in der Hauptsache, dass die Kontaktaufnahme mit 

der Mutter und die Vergleichsverhandlungen offensichtlich darauf ausge-

richtet gewesen seien, das künftige Aussageverhalten des mutmasslichen 

Opfers und Privatklägers im Strafverfahren zu beeinflussen. Die Kontakt-

aufnahme mit der Mutter sei nicht nur auf die Wiedergutmachung durch den 

Beschuldigten ausgerichtet gewesen, sondern der Beschwerdeführer habe 

aktiv darauf hingewirkt, dass das mutmassliche Opfer seiner Aussage-

pflicht als Privatkläger gemäss Art. 180 Abs. 2 der Schweizerischen Straf-

prozessordnung vom 5. Oktober 2007 (Strafprozessordnung, StPO; 

 - 6 - 

 

 

SR 312.0) zuwiderhandle bzw. nach seinem Verzicht auf die Eigenschaft 

als Privatkläger keine Aussagen mache. Die störungsfreie Sachverhaltser-

mittlung durch die zuständige Behörde sei damit zumindest erschwert wor-

den (angefochtener Entscheid, Erw. 5.3). Ob es einen sachlichen Grund für 

die Kontaktaufnahme gab und ob diese im Interesse des Beschuldigten lag, 

könne offenbleiben (angefochtener Entscheid, Erw. 6).  

 

3.2.  

Der Beschwerdeführer bringt dagegen im Wesentlichen vor, er habe nie-

manden in die Irre geführt, als er zugunsten seines Mandanten mit dem 

mutmasslichen Opfer ohne Druck auszuüben vereinbart habe, dass dieses 

sich als Privatkläger im Strafverfahren zurückziehe, sein Desinteresse er-

kläre und fortan schweige. Er habe ihm nicht verboten, Aussagen zu ma-

chen; der Vergleich sei ausdrücklich als "Absicht" formuliert worden, so 

dass noch die Wahl bestanden habe, eine Aussage zu machen oder nicht. 

Dabei handle es sich weder um eine unzulässige noch eine "gesetzeswi-

drige" oder "krasse" Beeinflussung (Beschwerde, Rz. 15 ff.). Im Übrigen 

seien im Rahmen eines Strafverfahrens ausserbehördliche Vergleichsver-

handlungen betreffend die Modalitäten einer Wiedergutmachung i.S.v. 

Art. 53 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 

(StGB; SR 311.0) zwischen beschuldigten Personen (bzw. ihrer Verteidi-

gung) und Geschädigten vom Gesetzgeber als dem Rechtsfrieden dienen-

des Prozessverhalten ausdrücklich erwünscht (Beschwerde, Rz. 22). Die 

Kontaktaufnahme mit der Mutter des Opfers mit einem Vergleichsangebot 

sei im Rahmen einer auf Rechtsfrieden gerichteten, gesetzlichen Interes-

senvertretung geboten gewesen. Er habe ausschliesslich mit der Mutter 

telefoniert, um die Willensfreiheit des minderjährigen mutmasslichen Op-

fers möglichst zu gewährleisten (Beschwerde, Rz. 23 ff.). Dass ein ausser-

gerichtlicher Vergleich eine behördliche bzw. gerichtliche Auseinanderset-

zung beende, bedeute nicht, dass es sich um eine Beeinflussung oder gar 

ein aktives störendes Prozessverhalten handle. Hinzu komme, dass die 

prozessuale Interessenlage zwischen der beschuldigten Person und dem 

Opfer eine andere sei als jene zwischen der beschuldigten Person und ei-

nem Zeugen. Die diesbezügliche Rechtsprechung könne deshalb nicht zu 

Lasten der Verteidigung übernommen werden (Beschwerde, Rz. 27).  

 

4.   

4.1.   

Das BGFA regelt in Art. 12 die Berufsregeln der Anwältinnen und Anwälte, 

welche ihren Beruf insbesondere "sorgfältig und gewissenhaft" auszuüben 

haben (Art. 12 lit. a BGFA). Diese Verpflichtung hat für die gesamte Berufs-

tätigkeit Geltung und erfasst nicht nur die Beziehung zur eigenen Klient-

schaft, sondern auch das Verhalten gegenüber der Gegenseite und Behör-

den. Eine Verletzung von Art. 12 lit. a BGFA liegt praxisgemäss nur vor, 

wenn eine qualifizierte Norm- bzw. Sorgfaltswidrigkeit gegeben ist; erfor-

derlich ist somit ein bedeutsamer Verstoss gegen die Berufspflichten (vgl. 

 - 7 - 

 

 

BGE 144 II 473, Erw. 4.1 mit Hinweisen ["un manquement significatif aux 

devoirs de la profession"], Urteile des Bundesgerichts 2C_321/2024 vom 

24. September 2024, Erw. 6.3; 2C_742/2021 vom 28. Dezember 2021, 

Erw. 4.3, je mit Hinweisen).  

 

Bei der Auslegung des Auffangtatbestands von Art. 12 lit. a BGFA ist dem 

Umstand Rechnung zu tragen, dass sich der Gesetzgeber bei der Verein-

heitlichung der Berufsregeln auf das Wesentliche beschränken wollte; es 

geht um Berufspflichten, welche die Voraussetzung dafür bilden, dass die 

Anwältin bzw. der Anwalt seine gesetzliche Funktion als mit besonderen 

Rechten ausgestattete Interessenvertretung der Rechtssuchenden vor Ge-

richt und Behörden wirksam wahrnehmen kann (Urteil des Bundesgerichts 

2C_933/2018 vom 25. März 2019, Erw. 5.1; WALTER FELLMANN, Anwalts-

recht, 2. Aufl. 2017, Rz. 212 f.).  

 

4.2.  

Der Anwalt hat primär die Interessen seines Klienten zu vertreten und ist 

im Gegensatz zum Richter nicht der objektiven Wahrheits- und Rechts-

findung verpflichtet. Er ist nicht Gehilfe des Richters, sondern Verfechter 

von Parteiinteressen (BGE 138 IV 161, Erw. 2.5.4; 106 Ia 100, Erw. 6.b; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_500/2020 vom 17. März 2021, Erw. 5.3). 

Allerdings kommt dem Anwalt aufgrund seiner Befugnisse und Pflichten 

auch eine besondere Stellung in der Rechtspflege zu. Er hat deshalb gleic-

hzeitig die Regeln, welche den geordneten Gang der Rechtspflege gewähr-

leisten sollen, einzuhalten (BGE 144 II 473, Erw. 4.3; 106 Ia 100, Erw. 6.b; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_500/2020 vom 17. März 2021, Erw. 5.4). 

Zwar verfügt der Anwalt zur Verteidigung der Klienteninteressen hinsicht-

lich der Festlegung der Strategie und der Wahl der Mittel über einen gros-

sen Handlungsspielraum (BGE 144 II 473, Erw. 4.3; 106 Ia 100, Erw. 6.a; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_500/2020 vom 17. März 2021, Erw. 5.3; vgl. 

auch BGE 130 II 270, Erw. 3.2.2). Dieser ist jedoch nicht uferlos, sondern 

der Anwalt hat alles zu unterlassen, was die Vertrauenswürdigkeit der An-

waltschaft – gerade auch im Verhältnis zu den Justizbehörden – in Frage 

stellt, und sich in diesem Sinne umsichtig zu verhalten (BGE 144 II 473, 

Erw. 4.3 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 2C_164/2023 vom 25. 

März 2024, Erw. 8.2; 2C_500/2020 vom 17. März 2021, Erw. 5.4 mit Hin-

weisen).  

 

Bei der Wahl der Mittel ist der Anwalt auf gesetzeskonforme Mittel be-

schränkt. Art. 12 lit. a BGFA gebietet, dass er sich bei der Vertretung der 

Parteiinteressen innerhalb der Rechtsordnung bewegt, andernfalls die 

Sorgfaltspflicht verletzt ist (BGE 144 II 473, Erw. 5.1; Urteil des Bundesge-

richts 2C_500/2020 vom 17. März 2021, Erw. 5.4; FELLMANN, Anwaltsrecht, 

Rz. 262). Darüber hinaus ist es – auch ausserhalb einer strafrechtlichen 

Verantwortlichkeit – nicht mit der Verpflichtung zur sorgfältigen und gewis-

senhaften Berufsausübung vereinbar, wenn der Anwalt "positiv störend" in 

 - 8 - 

 

 

die Wahrheitsfindung eingreift, d.h. bewusst durch aktives Handeln das Ge-

richt in die Irre führt. Umgekehrt ist er jedoch nicht gehalten, falsche An-

nahmen des Gerichts richtig zu stellen, wenn dies dem Klienteninteresse 

dient, oder auf für den Klienten ungünstige Sachverhaltselemente hinzu-

weisen (Urteil des Bundesgerichts 2C_500/2020 vom 17. März 2021, 

Erw. 5.4; FELLMANN, Anwaltsrecht, Rz. 265). 

 

4.3.  

Zur sorgfältigen und gewissenhaften Ausübung des Anwaltsberufs gehört 

es auch, dass Anwältinnen bzw. Anwälte Zeugen oder Sachverständige 

nicht beeinflussen (vgl. Art. 12 der Standesregeln des Schweizerischen 

Anwaltsverbands vom 1. Juli 2023). Die selbständige Kontaktaufnahme  

mit einer Person, die als Zeuge in Betracht kommt, erscheint unter diesem 

Gesichtspunkt als problematisch, da mit einem solchen Vorgehen stets 

eine zumindest abstrakte Gefahr einer Beeinflussung verbunden ist 

(BGE 136 II 551, Erw. 3.2.1 mit Hinweisen). Die Kontaktierung eines mögli-

chen Zeugen wird nur (aber immerhin) dann ausnahmsweise für zulässig 

erachtet, wenn hierfür ein sachlicher Grund besteht. Als solcher wird von 

der Lehre namentlich auch das Einschätzen der Erfolgsaussichten von Pro-

zesshandlungen wie etwa die Prozesseinleitung, das Einlegen bzw. der 

Rückzug eines Rechtsmittels oder das Stellen eines Beweisantrages an-

gesehen; entscheidend seien aber die Umstände des konkreten Einzelfalls 

(BGE 136 II 551, Erw. 3.2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 

2C_536/2018 vom 25. Februar 2019, Erw. 2.3; WALTER FELLMANN, in: 

Fellmann/Zindel, Kommentar zum Anwaltsgesetz [Kommentar BGFA], 

2. Aufl. 2011, N. 23 zu Art. 12 BGFA). 

 

Die selbständige Kontaktaufnahme oder die Befragung eines Zeugen ist 

stets so zu gestalten, dass jede Beeinflussung vermieden wird. Um dieser 

Gefahr bzw. dem blossen Anschein einer unzulässigen Einflussnahme in 

solchen Fällen entgegenzuwirken, erachtet das Bundesgericht die Beach-

tung entsprechender Vorsichtsmassnahmen als notwendig: So soll der An-

walt den Zeugen schriftlich um ein Gespräch ersuchen und ihn darauf hin-

weisen, dass er weder verpflichtet ist zu erscheinen noch auszusagen. 

Ebenfalls habe der Anwalt dem Zeugen mitzuteilen, im Interesse welches 

Mandanten das Gespräch stattfinden soll. Das Gespräch solle ohne den 

Mandanten und wenn immer möglich in den Räumlichkeiten des Anwalts 

stattfinden, wobei gegebenenfalls eine Drittperson als Gesprächszeugin 

hinzugezogen werden soll. Der Anwalt dürfe keinen Druck auf den Zeugen 

ausüben und ihn insbesondere nicht zu einer bestimmten Aussage oder 

überhaupt zu irgendeiner Aussage drängen und ihm für den Fall des 

Schweigens nicht mit Nachteilen drohen. Als verpönt erachtet wird auch 

das Stellen von Suggestivfragen (BGE 136 II 551, Erw. 3.2.2 mit Hinwei-

sen; Urteil des Bundesgerichts 2C_536/2018 vom 25. Februar 2019, 

Erw. 2.3; FELLMANN, in: Kommentar BGFA, N. 23a zu Art. 12 BGFA). Eine 

private Zeugenbefragung bzw. Kontaktaufnahme durch den Rechtsanwalt 

 - 9 - 

 

 

ist somit grundsätzlich nur dann mit der anwaltlichen Pflicht zur sorgfältigen 

und gewissenhaften Berufsausübung im Sinne von Art. 12 lit. a BGFA ver-

einbar, wenn eine sachliche Notwendigkeit besteht, diese zudem im Inte-

resse des Mandanten liegt und die Befragung so ausgestaltet wird, dass 

jede Beeinflussung vermieden und die störungsfreie Sachverhaltsermitt-

lung durch das Gericht bzw. die Untersuchungsbehörde gewährleistet 

bleibt (BGE 136 II 551, Erw. 3.2.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 

2C_536/2018 vom 25. Februar 2019, Erw. 2.3; FELLMANN, in: Kommentar 

BGFA, N. 22a zu Art. 12 BGFA). 

 

5.   

5.1. 

Soweit der Beschwerdeführer mit der Mutter des minderjährigen mutmass-

lichen Opfers lediglich Kontakt aufnahm, um den Willen des Beschuldigten 

zur Wiedergutmachung kundzutun und die notwendigen Modalitäten zu re-

geln, wäre dies im Grundsatz unproblematisch. Es soll dem Vertreter der 

beschuldigten Person erlaubt sein, die geschädigte Person zu kontaktieren, 

um über die Leistung einer Wiedergutmachung zu sprechen, zumal im Falle 

einer Wiedergutmachung unter bestimmten Umständen die zuständige Be-

hörde von einer Strafverfolgung, einer Überweisung an das Gericht oder 

einer Bestrafung absehen kann (Art. 53 StGB). Auch ein Vergleich mit einer 

Desinteressementserklärung (Rückzug der Privatklägerschaft) gemäss 

Art. 120 StPO ist grundsätzlich zulässig (vgl. BGE 106 IV 174).  

 

Bei der vorliegend zu prüfenden Kontaktaufnahme und dem anschliessen-

den E-Mail-Verkehr ging es indessen nicht nur um eine Wiedergutmachung 

(Thema einer entsprechenden [zulässigen] Vereinbarung wäre einzig, dass 

das Opfer – unabhängig von der Beurteilung durch die zuständige Behörde 

gemäss Art. 53 StGB – die Wiedergutmachung des Täters als solche aner-

kennt) und/oder eine Desinteressementserklärung. Vielmehr wirkte der Be-

schwerdeführer zusätzlich aktiv darauf hin, dass das minderjährige mut-

massliche Opfer im weiteren Strafverfahren keine Aussagen mehr machen 

wird. Genau dies gereicht dem Beschwerdeführer zum Vorwurf. Beim vor-

geworfenen Tatbestand des Raubs handelt es sich nämlich um ein Offi-

zialdelikt, das von Amtes wegen verfolgt wird. Eine Desinteressements-

erklärung lässt in diesen Fällen die Verpflichtung der Strafverfolgungsbe-

hörde, die für die Straftat verantwortlichen Personen zu verfolgen und zu 

bestrafen, grundsätzlich unberührt (GORAN MAZZUCHELLI/MARIO POSTIZZI, 

in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [BSK 

StPO], 3. Aufl. 2023, N. 2 zu Art. 120 StPO). Wird ein mutmassliches Opfer 

angehalten, im Rahmen der Strafuntersuchung keine Aussagen (mehr) zu 

machen, so stellt dies eine unzulässige Beeinflussung eines Zeugen dar 

und greift in die störungsfreie Sachverhaltsermittlung bezüglich eines Offi-

zialdelikts ein. Tatsächlich erklärte das mutmassliche Opfer anlässlich der 

Konfrontationseinvernahme vom 14. März 2024 gegenüber der Staatsan-

waltschaft, es sei ihm von seiner Mutter und dem Stellvertreter des Be-

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schwerdeführers gesagt worden, er solle nichts sagen bzw. nur, dass für 

ihn alles gut sei. Er fügte hinzu "Und für mich passt das au" (vgl. Protokoll 

Konfrontationseinvernahme [nachfolgend: Protokoll], S. 1 ff.). Als die Mut-

ter auf Wunsch des Minderjährigen zur Einvernahme beigezogen wurde, 

fragte diese den Stellvertreter des Beschwerdeführers, ob der mit dem Be-

schwerdeführer besprochene Vergleich noch Bestand habe. Der Stellver-

treter des Beschwerdeführers bestätigte dies, mit dem Hinweis, dass das 

Strafverfahren trotzdem fortgesetzt werde (Protokoll, S. 4). Anschliessend 

erklärte das mutmassliche Opfer das Desinteresse am Strafverfahren, wo-

rauf die Staatsanwältin ihn darauf hinwies, dass er im weiteren Verlauf der 

Einvernahme keine Aussage mehr machen müsse. In der Folge verwei-

gerte er seine Aussage (Protokoll, S. 4 ff.).  

 

5.2. 

Der Beschwerdeführer mag dem mutmasslichen Opfer zwar nicht wortwört-

lich verboten haben, im weiteren Strafverfahren Aussagen zu machen (vgl. 

Beschwerde, Rz. 16). Mit der Vergleichsvereinbarung bezweckte er aber 

offensichtlich, weitere Aussagen des mutmasslichen Opfers zu verhindern. 

Anders lässt sich der Zusatz in Ziffer 7 "[Die Parteien] … erklären die Ab-

sicht, auch im Strafverfahren keine weiteren Aussagen zu machen" nicht 

erklären. Auch wenn der Beschwerdeführer in der E-Mail vom 13. Februar 

2024 zur von ihm gewählten Formulierung ausführte, "So ist es weniger 

verbindlich formuliert", mussten sich das minderjährige mutmassliche Op-

fer und dessen Mutter objektiv betrachtet an die Vereinbarung gebunden 

gefühlt haben. Dies bestätigten denn auch die entsprechenden Aussagen 

des mutmasslichen Opfers und seiner Mutter anlässlich der Konfrontations-

einvernahme (siehe vorne Erw. 2.2 und 5.1) sowie die E-Mail der Mutter 

vom 18. März 2024, mit welcher sie bestätigte, dass die Vereinbarung von 

beiden Seiten eingehalten worden sei. Ihr Sohn habe nicht ausgesagt und 

der Beschuldigte habe den vereinbarten Betrag an sie überwiesen (vgl. Bei-

lage 7 zur Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 12. April 2024 im 

vorinstanzlichen Verfahren). 

 

Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer offenbar selbst den Zusatz "[Die 

Parteien] … erklären die Absicht, auch im Strafverfahren keine weiteren 

Aussagen zu machen" als verbindlichen Bestandteil der Vereinbarung be-

trachtete; erklärte er doch in seinem E-Mail vom 13. Februar 2024, der 

leicht modifizierte Zusatz sei so weniger verbindlich. Hätte das mutmass-

liche Opfer in Bezug auf sein Aussageverhalten trotz der Vereinbarung frei 

bleiben sollen, hätte der Beschwerdeführer die Absichtserklärung weglas-

sen oder zumindest darauf hinweisen müssen, dass diese nicht verbindlich 

ist. Weniger verbindlich heisst nichts anderes, als dass sie eben gerade 

verbindlich ist; ohnehin erschliesst sich dem Verwaltungsgericht nicht, in-

wiefern die erwähnte Absichtserklärung hätte mehr oder weniger verbind-

lich sein können. Letztlich zeigt die vom Beschwerdeführer mit E-Mail vom 

13. Februar 2024 vorgeschlagene Modifikation, dass er sich der Fragwür-

 - 11 - 

 

 

digkeit seines Vorgehens sehr wohl bewusst war und dieses mit der letzt-

lich gewählten Formulierung zu übertünchen versuchte. Jedenfalls betrach-

tete das mutmassliche Opfer die Absichtserklärung "auch im Strafverfahren 

keine weiteren Aussagen zu tätigen", durchaus als verpflichtenden Be-

standteil der Vereinbarung. Dies ergibt sich nicht nur aus den oben erwähn-

ten Aussagen anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 14. März 

2024 und der E-Mail vom 18. März 2024, sondern namentlich auch aus der 

E-Mail der Mutter des mutmasslichen Opfers an den Beschwerdeführer 

vom 1. Februar 2024 ("Wir gehen auf Ihre Forderung ein und mein Sohn 

würde auf Anfrage bei einer erneuten Vernehmung mit 'Fall als erledigt' 

bestätigen."). Inwiefern der Minderjährige nach Unterzeichnung der Verein-

barung und Abgabe der Erklärung, "keine weitere Aussagen zu tätigen", 

noch die Wahl gehabt soll (vgl. Beschwerde, S. 16), trotzdem auszusagen, 

ist für das Verwaltungsgericht nicht ersichtlich.  

 

5.3. 

Der Beschwerdeführer hat mit der Kontaktaufnahme mit der Mutter in un-

zulässiger Weise nicht nur eine abstrakte Gefahr der Beeinflussung ge-

schaffen, sondern mit dem Abschluss des aussergerichtlichen Vergleichs 

aktiv darauf hingewirkt, dass das mutmassliche Opfer im Strafverfahren 

bezüglich eines Offizialdelikts keine Aussagen mehr macht (siehe vorne 

Erw. 5.1 und 5.2). Die störungsfreie Sachverhaltsermittlung durch die 

Staatsanwaltschaft war damit nicht mehr gewährleistet. Insgesamt ist das 

Verhalten des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit der Kontaktauf-

nahme mit der Mutter des minderjährigen mutmasslichen Opfers mit der 

anwaltlichen Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung 

nicht vereinbar. Die Anwaltskommission hat zu Recht auf eine bedeutsame 

Verletzung von Berufsregeln (Art. 12 lit. a BGFA) erkannt. Der vorinstanz-

liche Entscheid ist diesbezüglich nicht zu beanstanden. 

 

5.4. 

Bezüglich der Argumentation des Beschwerdeführers rechtfertigt sich der 

zusätzliche Hinweis, dass – wie von ihm geltend gemacht – ein Vergleich 

als solches dem Rechtsfrieden dient und daher sowohl im Interesse der 

Betroffenen als auch der Öffentlichkeit liegt. Dies ist aber in Fällen wie dem 

vorliegenden, in denen ein mutmassliches Opfer unzulässig beeinflusst und 

damit die störungsfreie Sachverhaltsermittlung beeinträchtigt wurde, offen-

sichtlich nicht der Fall. Bezeichnenderweise ist denn auch keiner der zitier-

ten Gerichtsentscheide in Bezug auf den vorliegenden Fall einschlägig, zu-

mal sie sich, soweit sie überhaupt das Strafprozessrecht betreffen, auf die 

Wiedergutmachung, die Desinteressementserklärung oder den Vergleich 

in Strafantragsdelikten gemäss Art. 316 StPO beziehen.   

 

 - 12 - 

 

 

6.  

6.1.  

Bei der Wahl der geeigneten Sanktionen aus dem Katalog von Art. 17 

Abs. 1 BGFA ist der Einzelfall zu betrachten, wobei general- und spezial-

präventive Aspekte für die Wahl und Bemessung der Sanktion massge-

bend sind. Die Sanktion hat administrativen und keinen pönalen Charakter 

und dient dem Schutz des rechtsuchenden Publikums und der Wahrung 

des Ansehens der Anwaltschaft (TOMAS POLEDNA, in: Kommentar BGFA, 

N. 14 f. zu Art. 17 BGFA). Bei der Wahl und Bemessung der Sanktion steht 

der Anwaltskommission ein gewisser Ermessensspielraum zu, welcher 

durch das Verhältnismässigkeitsgebot eingeschränkt ist (Aargauische Ge-

richts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2008, S. 288, Erw. 4.1; 

POLEDNA, Kommentar BGFA, N. 23 zu Art. 17 BGFA). Wie erwähnt (siehe 

vorne Erw. I/4), können mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde die unrich-

tige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverlet-

zungen – einschliesslich Ermessensüberschreitung, Ermessensunter-

schreitung und Ermessensmissbrauch – gerügt werden (§ 55 Abs. 1 

VRPG). Rechtsfrage und damit von der Kognition des Verwaltungsgerichts 

umfasst ist auch, ob eine Verwaltungsanordnung den Grundsatz der Ver-

hältnismässigkeit einhält. Eine Ermessenskontrolle durch das Verwaltungs-

gericht ist dagegen ausgeschlossen (§ 55 Abs. 3 VRPG e contrario).  

 

6.2.  

6.2.1.  

Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verlangt, dass Verwaltungsmass-

nahmen zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels 

geeignet und notwendig sind. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in 

einem vernünftigen Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln bzw. den zu sei-

ner Erreichung notwendigen Freiheitsbeschränkungen stehen (ULRICH 

HÄFELIN/ GEORG MÜLLER/ FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 

8. Aufl. 2020, Rz. 514; POLEDNA, Kommentar BGFA, N. 24 zu Art. 17 

BGFA). Die Wahrung des Ansehens der Anwaltschaft und der Schutz des 

rechtsuchenden Publikums stellen ein öffentliches Interesse dar, welches 

eine Disziplinierung des Beschwerdeführers verlangt. 

 

6.2.2. 

Bei Sanktionen sind insbesondere bereits ausgesprochene Disziplinar-

massnahmen zu berücksichtigen. Des Weiteren müssen die Schwere des 

Verstosses gegen die Regeln des BGFA, die Anzahl der Verstösse sowie 

das Mass des Verschuldens einbezogen werden. Die Disziplinierung hat 

sich zwingend an den Umständen des Einzelfalls auszurichten (vgl. 

POLEDNA, Kommentar BGFA, N. 25 ff. zu Art. 17 BGFA). 

 

Die Verwarnung als mildestes Mittel (Art. 17 Abs. 1 lit. a BGFA) ist dann zu 

wählen, wenn wegen der Geringfügigkeit der Verfehlung auf einen Verweis 

zu verzichten ist. Eine Verwarnung fällt nur bei erstmaligen und leichtesten 

 - 13 - 

 

 

Pflichtverletzungen in Betracht und hat vor allem spezialpräventiven Cha-

rakter (FELLMANN, Anwaltsrecht, Rz. 725 ff.; POLEDNA, Kommentar BGFA, 

N. 30 zu Art. 17 BGFA). Mit dem Verweis (Art. 17 Abs. 1 lit. b BGFA), bei 

dem es sich immer noch um eine milde Disziplinarmassnahme handelt, 

wird das pflichtwidrige Verhalten ausdrücklich gerügt, was die Missbilligung 

stärker ausdrückt als die Verwarnung. Als zweitmildeste Massnahme 

kommt sie bei leichteren Pflichtverletzungen und Fällen in Frage, die sich 

an der Grenze zu mittelschweren Fällen befinden sowie bei wiederholten 

leichten Verletzungen bzw. gleichzeitig begangenen Verletzungen unter-

schiedlicher Pflichten (FELLMANN, Anwaltsrecht, Rz. 728 f.; POLEDNA, Kom-

mentar BGFA, N. 32 zu Art. 17 BGFA). Die Busse (Art. 17 Abs. 1 lit. c 

BGFA) bildet das "Mittelfeld" der disziplinarischen Sanktionen, sowohl be-

treffend den pönalen Charakter wie auch bezüglich der Eingriffswirkung 

(POLEDNA, Kommentar zum BGFA, N. 33 ff. zu Art. 17 BGFA). Die Busse 

lässt sich in ihrer Höhe der Schwere der Berufspflichtverletzung und dem 

Verschulden des betroffenen Anwalts anpassen. Der Rahmen ist mit bis zu 

Fr. 20'000.00 weit, wobei Bussen im oberen Bereich nur in schwerwiegen-

den Fällen gerechtfertigt sein dürften (POLEDNA, Kommentar zum BGFA, 

N. 35 zu Art. 17 BGFA; FELLMANN, Anwaltsrecht, Rz. 731). 

 

6.3.  

6.3.1.  

Die Vorinstanz qualifizierte die Handlungen des Beschwerdeführers als 

krassen Verstoss gegen Art. 12 lit. a BGFA. Sie erwog in der Hauptsache, 

dass die Kontaktaufnahme des Beschwerdeführers als amtlicher Verteidi-

ger in einem Strafverfahren wegen Raubs und insbesondere der Vergleich 

mit der Absichtserklärung des mutmasslichen Opfers, keine Aussagen zu 

tätigen, objektiv betrachtet geeignet gewesen seien, das Aussageverhalten 

des mutmasslichen Opfers zu beeinflussen. Dieses Geschäftsgebaren 

schade dem Vertrauen in den Anwaltsstand. Nur minim zu Gunsten des 

Beschwerdeführers sei zu berücksichtigen, dass er wohl im Interesse des 

Mandanten auf eine Wiedergutmachung bzw. eine damit mögliche Einstel-

lung des Strafverfahrens habe hinwirken wollen. Dabei sei er aber übers 

Ziel hinausgeschossen. Für den Beschwerdeführer spreche, dass er kei-

nen Eintrag in der Disziplinarkontrolle zu verzeichnen habe.  

 

6.3.2.  

Der Beschwerdeführer zeigt keine Einsicht in sein Fehlverhalten und bringt 

im Wesentlichen vor, er habe ohne Druck darauf hingewirkt, dass sich das 

mutmassliche Opfer als Privatkläger zurückziehe, und damit nach Mass-

gabe von Art. 128 StPO gehandelt. Selbst wenn er über das Ziel hinausge-

schossen sein sollte, handle es sich nicht um eine "krasse" Missachtung 

der Berufsregeln. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung werde 

eine solche nur bei einer regelrechten Irreführung angenommen. Die Vorin-

stanz verkenne fundamental, dass sein Vorgehen der Interessenwahrung 

seines Klienten dienlich gewesen sei. Mit dem angefochtenen Entscheid 

 - 14 - 

 

 

konstituiere die Vorinstanz die Institution der Verteidigung zur Dienerin der 

Strafverfolgungsbehörden.  

 

6.4.  

Dem Beschwerdeführer ist insofern beizupflichten, als die Verteidigung 

allein den Interessen der beschuldigten Person verpflichtet ist. Mit 

Art. 128 StPO wird klargestellt, dass die Verteidigung nicht in irgendeiner 

Form «Organ der Rechtspflege» ist, sondern Hilfe und Beistand an die be-

schuldigte Person bei der Wahrnehmung ihrer Interessen (NIKLAUS 

RUCKSTUHL, in: BSK StPO, N. 1 zu Art. 128 StPO). Nach dem Wortlaut von 

Art. 128 StPO muss die Interessenvertretung aber ausdrücklich in den 

Schranken von Gesetz und Standesregeln erfolgen.  

 

Der Beschwerdeführer muss sich vorwerfen lassen, mit der Kontaktauf-

nahme zur Mutter des mutmasslichen Opfers und dem Abschluss einer 

Vergleichsvereinbarung, welche eine Absichtserklärung betreffend das 

Aussageverhalten des mutmasslichen Opfers gegenüber der Staatsanwalt-

schaft beinhaltete, nicht nur eine objektive Gefahr der Beeinflussung ge-

schaffen, sondern die Wahrheitsfindung in einem laufenden Strafverfahren 

aktiv beeinflusst zu haben. Von einem Verteidiger darf erwartet werden, 

dass er die Interessen seines Mandanten vertritt, ohne das mutmassliche 

Opfer mittels eines Vergleichs zwar ohne Druck, aber durch das Angebot 

einer finanziellen Wiedergutmachung (Ersatz des Schadens und Genugtu-

ung) dahingehend zu motivieren, vor der Staatsanwaltschaft die Aussage 

zu verweigern. Die Beurteilung der Vorinstanz, dass es sich dabei um einen 

schweren Verstoss gegen die allgemeine Berufsregel nach Art. 12 lit. a 

BGFA (bzw. gemäss angefochtenem Entscheid um eine "krasse" Verlet-

zung der Sorgfaltspflicht) handle, welcher dem Vertrauen in die Anwalt-

schaft schadet, ist daher nicht zu beanstanden. Bei der Bemessung der 

Sanktion berücksichtigte die Vorinstanz zu Gunsten des Beschwerdefüh-

rers zu Recht, dass er bislang keinen Eintrag in der Disziplinarkontrolle hat 

und letztlich im Interesse seines Mandanten auf eine Wiedergutmachung 

sowie damit eine mögliche Einstellung des Strafverfahrens hinwirken woll-

te.  

 

6.5.  

Insgesamt erscheint eine Disziplinierung mit einer Verwarnung oder einem 

Verweis als zu milde. Wie vorne (Erw. II/6.2.2) ausgeführt, kommt ein Ver-

weis nur bei leichteren Pflichtverletzungen in Frage oder bei Fällen, die sich 

an der Grenze zu mittelschweren Fällen befinden. Entsprechend hat die 

Vorinstanz bei der Aussprache einer Busse in Höhe von Fr. 1'000.00 den 

ihr zustehenden Ermessensspielraum pflichtgemäss ausgeübt und den 

Grundsatz der Verhältnismässigkeit eingehalten. 

 

 - 15 - 

 

 

6.6.  

Im Übrigen trifft der Vorwurf einer Verletzung der Begründungspflicht nicht 

zu (vgl. Beschwerde, Rz. 29). Im angefochtenen Entscheid werden die ent-

scheidwesentlichen Faktoren hinlänglich festgehalten und gewürdigt. Dem 

angefochtenen Entscheid lässt sich ohne Weiteres entnehmen, von wel-

chen wesentlichen Überlegungen sich die Vorinstanz hat leiten lassen und 

aus welchen Gründen sie von einer schweren Verletzung der erwarteten 

Sorgfaltspflicht ausging und eine Busse aussprach, so dass der Beschwer-

deführer diesen sachgerecht anfechten konnte (angefochtener Entscheid, 

Erw. 5.3 und 7.3; vgl. zum Ganzen BGE 142 II 49, Erw. 9.2; 137 II 266, 

Erw. 3.2, je mit Hinweisen).  

 

7.  

Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde gegen die disziplinarische 

Massnahme der Anwaltskommission als unbegründet und ist abzuweisen. 

 

III. 

Entsprechend dem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer die ver-

waltungsgerichtlichen Kosten zu tragen (vgl. § 31 Abs. 2 VRPG).  

 

Unter Berücksichtigung der angefallenen Kosten und der Bedeutung der 

Sache wird die Gerichtsgebühr auf Fr. 2'500.00 festgelegt (vgl. § 5 Abs. 1 

i.V.m. § 20 Abs. 1 lit. b des Gebührendekrets vom 19. September 2023 

[GebührD; SAR 662.110]). Parteikosten sind keine zu ersetzen (vgl. § 29 

i.V.m. § 32 Abs. 2 VRPG). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Ge-

richtsgebühr von Fr. 2'500.00, sind vom Beschwerdeführer zu bezahlen. 

 

3. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter) 

 

  

 - 16 - 

 

 

Mitteilung an: 
 

die Anwaltskommission 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-rechtli-

chen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die Frist steht still vom 7. Tag vor 

bis und mit 7. Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August und 

vom 18. Dezember bis und mit 2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des Bun-

desgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
 

   

Aarau, 12. Mai 2025 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Michel Wittich