# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 840ea4f3-b2bc-5659-8679-4cf1f2b2bcf7
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240006-O1
**Docket/Reference:** SB240006-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240006-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240006-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. C. Maira und 

lic. iur. B. Amacker sowie der Gerichtsschreiber MLaw W. Dharshing

Urteil vom 3. Februar 2025

in Sachen

A._____, 

Privatklägerin und Berufungsklägerin

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

sowie

Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis,

gegen

Anklägerin

B._____, 

Beschuldigte und Berufungsbeklagte

betreffend Körperverletzung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Horgen, Einzelgericht, 

vom 4. Mai 2023 (GG220038)

-   2   -

Anklage

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Limmattal  /  Albis  vom  24.  November 

2022 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 46).

Urteil der Vorinstanz
(Urk. 62 S. 31 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

2.

Die Beschuldigte ist schuldig der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.

Vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB wird die Beschul-

digte freigesprochen.

3.

Von einer Bestrafung hinsichtlich des Schuldspruchs gemäss Dispositivziffer 1 wird 

Umgang genommen bzw. wird die Beschuldigte von Strafe befreit (Art. 177 Abs. 3 

4.

5.

StGB).

Die Zivilklage der Privatklägerin wird abgewiesen.

Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Bemühungen und Auslagen als unent-

geltlicher  Rechtsvertreter  der  Privatklägerin  mit  Fr. 9'747.70  (Betrag  enthält  Mehr-

wertsteuern und Auslagen) aus der Gerichtskasse entschädigt.

6.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

2'400.– ; die weiteren Kosten betragen:

2'500.–   Gebühr für das Vorverfahren

2'505.70   Auslagen Untersuchung (Gutachten)

50.–   Zeugenentschädigung

9'747.70   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin

Verlangt keine der Parteien eine Begründung, ermässigt sich die Entscheidgebühr 

um einen Drittel. Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

7.

a)

Die  Kosten  der  Untersuchung  sowie  die  Hälfte  der  Kosten  des  gerichtlichen 

Verfahrens, ausser diejenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatkläge-

rin, werden der Beschuldigten zur Hälfte auferlegt.

-   3   -

b)

Die zweite Hälfte der Kosten des gerichtlichen Verfahrens werden der Privat-

klägerin  auferlegt,  jedoch  zufolge  der  ihr  gewährten  unentgeltlichen  Rechts-

pflege  unter  Vorbehalt  einer  Nachforderung  einstweilen  auf  die  Staatskasse 

genommen (Art. 135 Abs. 4 StPO analog).

c)

Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin sowie die verblei-

benden Kosten von einem Zweitel (1/2) werden auf die Staatskasse genom-

men.

d)

Hinsichtlich der Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin bleibt 

eine  Nachforderung  des  in  Dispositivziffer  5  festgesetzten  Honorars  bei  der 

Privatklägerin vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO analog).

8.

9.

(Mitteilungssatz)

(Rechtsmittel).

Berufungsanträge:

Der Vertretung der Privatklägerin:

(Urk. 64 S. 1 f.; Urk. 79 S. 1 f.)

1.

Die Beschuldigte sei der vorsätzlichen schweren Körperverletzung i.S.v. 

Art. 122  Abs. 3  aStGB  sowie  des  Hausfriedensbruchs  i.S.v.  Art. 186 

StGB,  eventualiter  der  vorsätzlich  einfachen  Körperverletzung  i.S.v. 

Art. 123  Ziff. 1  Abs. 1aStGB  und  der  fahrlässig  schweren  Körperver-

letzung i.S.v. Art. 125 Abs. 2 StGB sowie des Hausfriedensbruchs i.S.v. 

Art. 186 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.

2.

Die Beschuldigte sei zu verpflichten, der Geschädigten als Genugtuung 

Fr. 20'000.– zuzüglich Zins von 5 % seit dem 1. Dezember 2018 zu ent-

richten.

3.

Die  Beschuldigte  sei  zu  verpflichten,  der  Geschädigten  einen  bis  zur 

Pensionierung  am  1.5.2028  auflaufenden  Schadenersatz  in  der  Höhe 

von CHF 341'334.– zu bezahlen. 

-   4   -

Eventualiter sei die Beschuldigte zu verpflichten, einen bis 30.4.23 auf-

gelaufenen Schadenersatz in der Höhe von CHF 167'507.– zu bezahlen.

Es sei zusätzlich festzustellen, dass die Beschuldigte für weiteren Scha-

denersatz  herrührend  aus  dem  Ereignis  vom  1.12.18  schadenersatz-

pflichtig ist.

4.

Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens inkl. diejenigen der unent-

geltlichen Privatklägervertretung seien der Beschuldigten aufzuerlegen, 

eventualiter vollumfänglich von der Staatskasse zu übernehmen.

5.

Die Kosten des Berufungsverfahrens seien vollumfänglich der Beschul-

digten aufzuerlegen.

Erwägungen:

I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales

1.

Verfahrensgang

Der Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem angefoch-

tenen Entscheid (Urk. 62 S. 4 E. I.). Die Beschuldigte wurde von der Vorinstanz am 

4.  Mai  2023  gemäss  dem  vorab  wiederholten  Urteilsdispositiv  teilweise  schuldig 

gesprochen, wobei von einer Strafe Umgang genommen bzw. die Beschuldigte von 

Strafe befreit wurde (a.a.O., S. 31 ff.). Innert Frist liess die Privatklägerin Berufung 

anmelden und erklären (Urk. 58 und 64; vgl. dazu auch Urk. 61/3). Mit Verfügung 

vom  24.  Januar  2024  ging  die  Berufungserklärung  an  die  Beschuldigte  und  die 

Staatsanwaltschaft  und  wurde  diesen  Frist  angesetzt,  um  zu  erklären,  ob 

Anschlussberufung  erhoben  wird,  oder  um  begründet  ein  Nichteintreten  auf  die 

Berufung  zu  beantragen.  Weiter  wurde  der  Privatklägerin  Frist  angesetzt,  im 

Hinblick auf ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ihre aktuellen finanziellen 

Verhältnisse  darzulegen.  Schliesslich  wurde  die  Beschuldigte  aufgefordert,  dem 

Gericht  diverse  Unterlagen  zu  ihren  finanziellen  Verhältnissen  zukommen  zu 

lassen, wobei sie auf ihr Recht, die Aussage zu verweigern bzw. die angeforderten 

Unterlagen  nicht  einzureichen,  hingewiesen  wurde  (Urk. 65).  Mit  Eingabe  vom 

-   5   -

5. Februar  2024  verzichtete  die  Staatsanwaltschaft  auf  Anschlussberufung  und 

beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 67). Mit Eingabe vom 

7.  Februar  2024  liess  die  Privatklägerin  diverse  Unterlagen  zu  ihren  finanziellen 

Verhältnissen  einreichen  (Urk.  68  und  69/1-6).  Die  Beschuldigte  liess  sich  innert 

Frist  nicht  vernehmen.  Mit  Verfügung  vom  23. Februar  2024  wurde  der  Privat-

klägerin für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und 

in der Person von Rechtsanwalt lic. iur. X._____ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand 

bestellt (Urk. 70). 

Am 3. Februar 2025 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher die Beschul-

digte  erschien  sowie  die  Privatklägerin  mit  ihrem  Vertreter  Rechtsanwalt  lic. iur. 

X._____ (Prot. II S. 3). 

2.

Umfang der Berufung

Unangefochten blieben die Dispositiv-Ziffern 5 und 6 des vorinstanzlichen Urteils, 

in welchem Umfang dieses in Rechtskraft erwuchs, was mit Beschluss festzuhalten 

ist. Im übrigen Umfang steht der Entscheid zur Disposition. Das Verschlechterungs-

verbot gilt nicht (Art. 391 Abs. 2 StPO). Entgegen der Ansicht der Privatklägerschaft 

(Urk. 79 S. 2) hat das Verbot der Abänderung zum Nachteil der Privatklägerschaft 

gemäss  Art. 391  Abs. 3  StPO  nur  Geltung  bezüglich  des  Zivilpunkts.  Mithin  darf 

das  Urteil  im  Schuldpunkt  zum  Vorteil  der  beschuldigten  Person  abgeändert 

werden, selbst wenn nur die Privatklägerschaft Berufung erhebt.

3.

Prozessuales

Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachverhal-

tes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in Anwen-

dung  von  Art.  82  Abs.  4  StPO,  auch  ohne  dass  dies  jeweils  explizit  Erwähnung 

findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch auf recht-

liches  Gehör  die  Pflicht  des  Gerichts  folgt,  seinen  Entscheid  zu  begründen.  Die 

Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht aus-

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drücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand aus-

einandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Entscheid 

wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässiger Motivationsaufwand 

kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der 

Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument gefordert würde 

(BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; BGer 6B_689/2019 

vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).

II. Schuldpunkt

1.

Ausgangslage und Anklagevorwurf

1.1. Die  Beschuldigte  war  seit  ca.  Mitte  Oktober  2018  Untermieterin  der  Privat-

klägerin und kündigte das Mietverhältnis aufgrund von Meinungsverschiedenheiten 

am 18. November 2018 fristlos. Als sie am 1. Dezember 2018 bei der Privatklägerin 

ihre Sachen abholen sollte, eskalierte die Situation und es kam zu einer tätlichen 

Auseinandersetzung, was schliesslich zur vorliegenden Anklage führte. Weiteres 

zur  Vorgeschichte  kann  den  Ausführungen  der  Vorinstanz  dazu  (Urk. 62  S.  4  f. 

E. II.1., unter Hinweis auf die Akten) entnommen werden.

1.2. Der  Beschuldigten  wird  zunächst  vorgeworfen,  sie  habe  am  1.  Dezember 

2018 um ca. 12:00 Uhr das Haus der Privatklägerin betreten, obwohl ihr dies von 

dieser sowohl im Vorfeld mittels SMS Nachricht – wovon die Beschuldigte Kenntnis 

genommen habe – sowie vor Ort mündlich verboten worden sei. Zudem habe sie 

im  Anschluss  trotz  mehrmaliger  Aufforderung  der  Privatklägerin  das  Haus  nicht 

verlassen.  Dabei  habe  die  Beschuldigte  gewusst,  dass  sie  das  Haus  nicht  hätte 

betreten dürfen bzw. hätte verlassen müssen, zumal ihr dies von der Privatklägerin 

mitgeteilt  worden  sei,  sie  habe  das  Haus  aber  dennoch  betreten  wollen  (Haus-

friedensbruch). Sodann wird der Beschuldigten vorgeworfen, sie habe in der Folge 

anlässlich einer Auseinandersetzung mit der Privatklägerin diese mehrmals mit den 

Fäusten geschlagen und sie nahe an der Kopfhaut am hinteren Teil ihres Kopfes 

an  den  offen  getragenen  Haaren  gepackt  und  sie  ruckartig  und  seitlich  daran 

gezogen, sodass der Kopf der Privatklägerin zur Seite gezogen worden sei. Infol-

gedessen  habe  diese  den  Stand  verloren  und  sei  seitlich  nach  vorne  zu  Boden 

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gestürzt,  wobei  sie  sich  noch  an  einer  Matratze  habe  abstützen  können  und 

schliesslich mit den Händen auf dem Boden aufgetroffen sei. Daraus sei ein Hals-

wirbelsäulen-Schleudertrauma 

resultiert,  das  eine  Arbeitsunfähigkeit  vom 

1. Dezember 2018 bis zum 31. März 2019 zu 100% sowie vom 1. April 2019 bis 

zum  31.  Mai  2019  zu  50%  zur  Folge  gehabt  habe.  Ausserdem  habe  die  Privat-

klägerin  eine  Anpassungsstörung  mit  Störung  von  anderen  Gefühlen  und  eige-

nanamnestisch  eine  Posttraumatische  Belastungsstörung  erlitten,  welche  die 

Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Behandlung nach sich gezogen habe. 

Dabei habe die Beschuldigte zumindest damit rechnen müssen, durch das ruckar-

tige Ziehen an den Haaren der Privatklägerin bei dieser ein HWS-Schleudertrauma 

hervorzurufen sowie bei ihr psychische Beschwerden auszulösen und dies durch 

ihr  Handeln  auch  in  Kauf  genommen  (Körperverletzung).  Eventualiter  wird  der 

Beschuldigten vorgeworfen, das Haarereissen habe einen unzulässigen Eingriff in 

die körperliche Integrität dargestellt, wobei für die Beschuldigte zumindest in den 

wesentlichen Zügen vorhersehbar gewesen sei, dass das Reissen an den Haaren 

bei der Privatklägerin ein HWS-Schleudertrauma hervorrufen sowie bei ihr psychi-

sche Beschwerden auslösen könnte, was sie auch hätte vermeiden können, indem 

sie sie nicht an den Haaren gerissen hätte (Fahrlässige Körperverletzung).

1.3. Die Vorinstanz sprach die Beschuldigte vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs 

im Sinne von Art. 186 StGB frei. In Bezug auf den eingeklagten Vorwurf der einfa-

chen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB bzw. den im Eventual-

standpunkt eingeklagten Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 125  Abs.  1  StGB  sprach  die  Vorinstanz  die  Beschuldigte  der  Tätlichkeit  im 

Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig, nahm jedoch in Anwendung von Art. 177 

Abs.  3  StGB  von  einer  Bestrafung  Umgang  bzw.  befreite  die  Beschuldigte  von 

Strafe.  Die  Privatklägerin  beantragt  mindestens  im  Umfang  der  Anklage  einen 

Schuldspruch. Die Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe.

2.

Allgemeines zur Sachverhaltserstellung

Die Vorinstanz machte zutreffende allgemeine Ausführungen zur Sachverhaltser-

stellung (Urk. 62 S. 10 f. E. III.4.3. f.), darauf kann verwiesen werden. Ergänzend 

dazu ist in diesem Zusammenhang einmal mehr zu betonen, dass es der Staat ist, 

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der einer Beschuldigten die ihr angelastete Täterschaft hinsichtlich der ihr vorge-

worfenen Delikte rechtsgenügend nachweisen können muss bzw. es Aufgabe des 

Staates  ist,  der  Beschuldigten  alle  eine  Strafbarkeit  begründenden  Umstände 

– sowohl  den  äusseren  als  auch  den  inneren  Sachverhalt  betreffend  –  mittels 

tauglicher  Beweismittel  nachzuweisen  und  es  eben  gerade  nicht  Sache  der 

Beschuldigten ist, nachzuweisen, dass sie die Tat nicht begangen hat. Stehen sich 

–  wie  vorliegend  –  gegensätzliche  Aussagen  gegenüber  ("Aussage  gegen  Aus-

sage"-Situation) und ist es nicht möglich, die einzelnen Aussagen anhand weiterer 

(objektiver)  Beweismittel  als  glaubhafter  oder  weniger  glaubhaft  zu  bewerten,  so 

hat nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" ein Freispruch zu erfolgen. Mit anderen 

Worten bedingt ein Schuldspruch, dass die entscheidenden belastenden Aussagen 

glaubhaft und im Ergebnis überzeugender sind als die der bestreitenden Beschul-

digten. 

3.

Hausfriedensbruch

3.1. Die  Vorinstanz  machte  ausführliche  und  zutreffende  Ausführungen  zu  den 

rechtlichen  Grundlagen  des  eingeklagten  Straftatbestandes  (Urk. 62  S.  6  ff. 

E. III. 2., 3.2., 5. und 6.2.), diese können ergänzungslos übernommen werden.

3.2. Die Beschuldigte räumte durchgehend ein, sich im eingeklagten Zeitpunkt im 

Hauseingang der Privatklägerin befunden zu haben, um ihre noch dort verbliebene 

Habe zu zügeln (vgl. dazu bereits vorne unter E. II.1.1. bzw. Urk. 62 S. 4 f. E. II.1. 

sowie S. 7 E. III.3.1., unter Hinweis auf die Akten). Zu prüfen ist, ob sie sich dabei 

des  Hausfriedensbruchs  schuldig  machte.  Die  Privatklägerin  machte  in  diesem 

Zusammenhang  geltend,  sie  habe  der  Beschuldigten  mit  ihrer  SMS  vom 

30. November 2018 (Urk. 2/4) untersagt, das Haus je wieder zu betreten (vgl. dazu 

Urk. 62 S. 7 E. III.3.1., unter Hinweis auf die Akten).

3.3. Die Vorinstanz erwog hierzu, richtig sei, dass die Privatklägerin in der frag-

lichen Nachricht unter anderem festhielt "so eine Person wie du lasse ich sicherlich 

nicht mehr in mein Haus". Für sich allein betrachtet enthalte diese Erklärung ein 

Hausverbot.  Diese  rein  isolierte  Betrachtung  des  Wortlauts  blende  jedoch  den 

Kontext  der  Nachricht  aus.  Die  Aussage  sei  aus  Verletzung  und  Ärger  über  die 

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unter  anderem  vorangegangene  sinngemässe  Titulierung  der  Privatklägerin  als 

"moderne  Sklavenhalterin"  im  Rahmen  einer  wutentbrannten  Tirade  gegen  die 

Beschuldigte erfolgt. Mit Fug lasse sich in diesem Zusammenhang bei einer objek-

tiven  Betrachtung  fragen,  ob  die  Privatklägerin  ihre  Aussagen  in  diesem  augen-

scheinlich hochemotionalen Moment ernst gemeint habe, was jedoch offenbleiben 

könne. Denn selbst wenn es sich so verhielte, so habe sie dem Hausverbot unmit-

telbar die Aussage angehängt, "wenn du ja um 12 Uhr kommst steht es draussen 

parat  um  nur  noch  einzuladen".  Die  Privatklägerin  habe,  wie  sie  später  auch 

ausgesagt habe, offenbar geplant gehabt, die Habe der Beschuldigten vor ihrem 

Erscheinen vor der Haustüre zu platzieren und sie ihr dort und damit ausserhalb 

des von Art. 186 StGB erfassten Hausrechts zu übergeben. Das SMS-Hausverbot 

habe unter dieser Voraussetzung gestanden und könne nur so verstanden werden. 

Tatsächlich habe sich die Situation im Abholzeitpunkt aber anders präsentiert. Die 

Habe  der  Beschuldigten  habe  sich  noch  im  Hauseingang  befunden,  da  sie  zum 

Schutz vor Regen dort und eben nicht draussen abgestellt worden sei. Diesen Fall 

erfasse  das  SMS-Hausverbot  nicht,  da  dieses  wie  gezeigt  unter  der  Prämisse 

gestanden habe, dass die Habe im Abholzeitpunkt vor der Haustüre abgestellt und 

übergeben werde. Damit könne sich die Privatklägerin nicht auf die fragliche SMS-

Nachricht berufen, um den angeblichen Hausfriedensbruch zu begründen (Urk. 62 

S. 8 f. E. III.3.3., unter Hinweis auf die Akten). Diese im Einklang mit den Akten 

stehenden Erwägungen der Vorinstanz sind zutreffend und können übernommen 

werden.  Ganz  offensichtlich  ging  die  Privatklägerin  bei  ihrer  SMS-Nachricht  vom 

Vortag davon aus, die Sachen der Privatklägerin würden am Folgetag vor ihrem 

Haus stehen, was dann aber nicht der Fall war. Da sich die Situation am Ereignistag 

wesentlich geändert hatte und es der Privatklägerin eben gerade nicht möglich war, 

wie  ursprünglich  geplant  ihre  Habe  vor  dem  Haus  der  Privatklägerin  abzuholen, 

wäre  ein  allfälliges  SMS-"Hausverbot"  –  wenn  es  denn  überhaupt  als  solches 

verstanden werden konnte – in diesem Zeitpunkt entgegen der Ansicht der Privat-

klägerschaft (vgl. Urk. 79 S. 5) überholt und konnte eine allfällig ihm ursprünglich 

zugedachte Wirkung nicht entfalten.

3.4. Die Anklage wirft der Beschuldigten weiter vor, sie habe das Haus der Privat-

klägerin betreten, obwohl sie ihr dies nicht nur im Vorfeld per SMS, sondern auch 

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"vor Ort mündlich" verboten habe. Genau dies warf die Privatklägerin der Beschul-

digten in ihren Aussagen mehrfach vor: So habe die Beschuldigte [zusammenge-

fasst] am 1. Dezember 2018 an der Haustüre geläutet, worauf sie, die Privatkläge-

rin, die Türe einen Spalt weit aufgemacht habe. Ursprünglich habe sie die Beschul-

digte nicht hereinlassen wollen. Diese sei dann aber einfach unaufgefordert in die 

Wohnung eingetreten bzw. hereingetrampt bzw. habe die Türe aufgestossen und 

sei einfach hineingelaufen. Dabei habe die Privatklägerin ihr vor Ort gesagt, dass 

sie nicht hineindürfe. Die Privatklägerin sei eben davon ausgegangen bzw. habe 

damit  gerechnet,  dass  die  Beschuldigte  mit  einem  Lieferwagen  und  zwei  Zügel-

männern kommen werde, die die Sachen mitnähmen. So habe sie es auch beim 

Einzug  gemacht.  Als  die  Beschuldigte  dann  im  Haus  gewesen  sei,  habe  sie  sie 

höflich  darum  gebeten,  das  Haus  wieder  zu  verlassen.  Damit  die  Situation  nicht 

eskaliert, habe es die Privatklägerin dann doch zugelassen, dass die Beschuldigte 

ein paar Kisten rausträgt. Zurück im Hauseingang habe die Beschuldigte dann auch 

begonnen, in den Kisten zu wühlen. Ab einer Wolldecke, in welche die Sachen der 

Beschuldigten unter anderem eingewickelt waren und die ihr nicht gehörte, sei die 

Situation dann eskaliert. Die Privatklägerin habe sie gebeten, das Haus zu verlas-

sen. Die Beschuldigte sei dann aber auf sie losgegangen, habe sie geschlagen und 

an den Haaren gerissen. Die Privatklägerin habe dann ihren Mann dazu gerufen, 

worauf die Beschuldigte geflohen sei (Urk. 62 S. 9 f. E. III.4.1., unter Hinweis auf 

die Akten). Ganz anders die Version der Beschuldigten: Sie sei [zusammengefasst] 

am  1.  Dezember  2018  bei  der  Privatklägerin  vorgefahren  und  habe  geklingelt. 

Diese habe darauf die Türe geöffnet und ihr gesagt, wo die Sachen stünden. Die 

Privatklägerin habe sie aufgefordert, die Ware mitzunehmen. Insbesondere habe 

sie sie nie gebeten, herauszugehen bzw. das Haus nicht zu betreten. Die Beschul-

digte habe dann ein paar Kisten genommen und sie zum Auto getragen. Gleich wie 

die Privatklägerin sagte auch die Beschuldigte aus, dass im Anschluss wegen einer 

blauen  Wolldecke,  die  voller  Hundehaare  gewesen  sei,  nicht  ihr  gehörte  und  in 

einer der Kisten lag, die Situation eskaliert sei. Die Beschuldigte habe darauf hin-

gewiesen, dass die Decke nicht ihr gehöre. Darauf sei jedoch die Privatklägerin und 

nicht sie ausgetickt. Sie habe gesagt: "Nimm einfach deinen Scheiss und verreis." 

Dann habe die Privatklägerin begonnen, die Habe der Beschuldigten aus der Türe 

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zu schmeissen. Letzteres bestätigte auch die Privatklägerin, als sie ausführte, dass 

sie der Beschuldigten gesagt habe "Nimm deine Bananenkiste und geh.", worauf 

sie die nächstbeste Bananenkiste ergriffen und aus der Wohnung geworfen habe. 

Es sei dann – so die Beschuldigte weiter – zu einer Rangelei und Handgreiflich-

keiten  gekommen.  Dabei  sei  es  die  Privatklägerin  gewesen,  die  sie  zuerst 

geschubst und – nachdem sie ihr den Rücken zugewandt habe – auf sie ein- bzw. 

wild um sich geschlagen habe. Zur Verteidigung habe sie dann die Privatklägerin 

an den Haaren gezogen (Urk. 62 S. 10 E. III.4.2., unter Hinweis auf die Akten).

3.5. Die  Vorinstanz  erwog  dazu,  was  folgt:  Hinsichtlich  des  angeblich  vor  Ort 

mündlich erteilten Hausverbots stünde das Wort der Privatklägerin gegen dasjenige 

der Beschuldigten. Weitere relevante Beweismittel existierten nicht. (Zwar sei zu 

diesem  Sachverhaltskomplex  auch  die  Zeugin  C._____  einvernommen  worden, 

die, soweit sie Angaben zum mündlichen Hausverbot mache, die Version der Be-

schuldigten  stütze.  Als  schuldbegründendes  Beweismittel  könne  deren  Aussage 

damit nicht herangezogen werden, ganz abgesehen davon, dass die Zeugin nicht 

unbefangen  erscheine,  sei  doch  die  ältere  Schwester  der  Beschuldigten  deren 

beste  Freundin.  Jedenfalls  sei  die  Aussage  der  Zeugin  in  diesem  Punkt  nicht 

entscheidrelevant.)  Ein  hinreichender  Beweis  sei  kaum  zu  führen.  Dies  gelte 

besonders bzw. geradezu exemplarisch im vorliegenden Fall, führe man sich einer-

seits die Situation zur allgemeinen Glaubwürdigkeit der beiden Kontrahentinnen so-

wie andererseits ihre – für die Beurteilung primär massgeblichen – Aussagen an 

sich  vor  Augen.  Abgesehen  von  ihrer  prozessualen  Stellung  sei  vorliegend  zu 

beachten, dass das Verhältnis zwischen der Beschuldigten und der Privatklägerin 

bereits durch die Vorkommnisse am und im Vorfeld des 1. Dezember 2018 belastet 

gewesen  sei.  Weiter  falle  ins  Gewicht,  dass  auch  die  Privatklägerin  wegen  der 

Auseinandersetzung vom 1. Dezember 2018 zunächst als beschuldigte Person im 

Fokus der Ermittlungen gestanden habe. Die Beschuldigte und die Privatklägerin, 

das habe sich auch an der Hauptverhandlung gezeigt, seien sich feindselig gesinnt. 

Vor diesem Hintergrund und nicht zuletzt angesichts der erheblichen finanziellen 

Ansprüche,  die  die  Privatklägerin  gegenüber  der  Beschuldigten  stelle,  sei  nicht 

ausgeschlossen, dass sie versucht gewesen sein könnte, die Vorgänge zu ihren 

Gunsten darzustellen (Urk. 62 S. 11-13 E. III.4.4. f., unter Hinweis auf die Akten). 

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Auch diese Ausführungen der Vorinstanz sind richtig. Mit ihr ist mit anderen Worten 

davon  auszugehen,  dass  beide  Kontrahentinnen  alles  andere  als  unbefangen 

erscheinen  und  beide  gleichermassen  ein  Motiv  haben,  falsch  auszusagen  oder 

wenigstens, die Ereignisse in einem für sie günstigen Licht dazustellen. Wie gesagt, 

ist aber in erster Linie die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen an sich massgebend. 

3.6. Was die Aussagen an sich angeht, erwog die Vorinstanz, beide Streitparteien 

hätten  in  der  Untersuchung  sowie  an  der  Hauptverhandlung  grossmehrheitlich 

übereinstimmende Aussagen gemacht und ihre jeweilige Sicht der Dinge überwie-

gend einheitlich geschildert. Sowohl die Aussagen der Beschuldigten als auch jene 

der  Privatklägerin  fielen  ohne  nennenswerte  Strukturbrüche  und  Abweichungen 

aus, erschienen in sich stimmig und beschrieben einen möglichen und auch lebens-

nahen  Vorgang.  Jede  der  beiden  sich  entgegenstehenden  Versionen  erscheine 

insgesamt  nachvollziehbar,  einheitlich  und  chronologisch  sauber  geordnet.  Der 

ganze  von  den  beiden  geschilderte  Hergang  weiche  denn  auch  nur  in  wenigen, 

aber  sehr  entscheidenden  Details  voneinander  ab.  Im  Raum  stünden  nun  zwei 

Sachverhaltsversionen  von  Personen,  die  beide  ein  Interesse  am  Ausgang  des 

Strafverfahrens hätten. Klar sei, dass eine Version nicht zutreffe und entweder die 

Beschuldigte  oder  die  Privatklägerin  lüge.  Zur  Wahrheitsfindung  stünden  dem 

Gericht lediglich die Aussagen der beiden Kontrahentinnen zur Verfügung. Direkte 

Drittbeweise, die für die eine oder andere Version sprächen, gebe es keine. Auch 

nach Würdigung und Gegenüberstellung der relevanten Aussagen bliebe letztlich 

unklar,  was  zwischen  den  beiden  Beteiligten  am  Mittag  des  1.  Dezembers  2018 

genau vorgefallen sei. Beide Versionen erschienen grundsätzlich gleich plausibel: 

Es könnte sich so abgespielt haben, wie die Privatklägerin dies ausgeführt habe 

und wie es die Anklage der Beschuldigten schliesslich auch zum Vorwurf mache, 

oder  so  wie  die  Beschuldigte  es  beschrieben  habe.  Was  wirklich  zwischen  den 

beiden  vorgefallen  sei,  lasse  sich  bei  dieser  Ausgangslage  im  Nachhinein  nicht 

mehr feststellen. Eine blosse Wahrscheinlichkeit vermöge keinen Schuldspruch zu 

begründen. Da letztlich und nach dem Gesagten nicht erstellt werden könne, ob die 

Privatklägerin  der  Beschuldigten  ein  mündliches  Hausverbot  erteilt  habe,  das 

Gericht  sich  mithin  nach  Erschöpfung  aller  Erkenntnisquellen  weder  von  der 

Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu überzeu-

-   13   -

gen vermöge, komme der die Beschuldigte begünstigende Grundsatz "in dubio pro 

reo" zur Anwendung. Es sei daher zu ihren Gunsten von der für sie günstigeren 

Sachlage auszugehen, wonach kein mündliches Hausverbot erteilt worden sei. Der 

eingeklagte  Sachverhalt  könne  demnach  nicht  erstellt  werden.  Entsprechend  sei 

die  Beschuldigte  vom  Vorwurf  des  Hausfriedensbruchs  freizusprechen  (Urk. 62 

S. 13 f. E. III.4.6. f.). Auch das ist richtig, wobei in diesem Zusammenhang lediglich 

teilweise rekapitulierend nochmals auf die eingangs unter E. II.2. gemachten Aus-

führungen zu verweisen ist.

3.7. Weiter erwog die Vorinstanz, an diesem Ergebnis ändere sich nichts, selbst 

wenn man entgegen den vorstehenden  Ausführungen  davon ausginge, dass die 

Privatklägerin die Beschuldigte während des zwischen ihnen im Eingangsbereich 

entstandenen Handgemenges aufgefordert haben sollte, das Haus zu verlassen. 

Wie die Privatklägerin selbst ausgeführt habe, habe die Beschuldigte nämlich die 

Örtlichkeit  während  bzw.  unmittelbar  nach  Ende  des  Handgemenges,  als  die 

Privatklägerin noch ihren Ehemann hinzugerufen habe, verlassen. Selbst wenn es 

sich so verhalten hätte, vermöchte dies keinen Schuldspruch hinsichtlich des Haus-

friedensbruchs zu begründen. Gemäss bundesgerichtlicher Praxis setzte nämlich 

der  Hausfriedensbruch  in  der  Form  des  unrechtmässigen  Verweilens  trotz  Auf-

forderung  der  Berechtigten  zwingend  voraus,  "dass  der  Friedensstörer  im  Haus 

oder  Raum,  aus  dem  er  sich  entfernen  soll,  während  einer  gewissen  Dauer 

verbleibt und dadurch nach aussen zu erkennen gibt, dass er sich um das Verbot 

des  Berechtigten  nicht  kümmert."  Dies  habe  die  Beschuldigte  aber  gerade  nicht 

getan, habe sie doch unmittelbar nach Ende des Handgemenges und dem Ruf der 

Privatklägerin nach ihrem Ehemann das Haus verlassen. Ein im Sinne von Art. 186 

StGB relevantes Verweilen vermöge dies jedoch nicht zu begründen, weshalb die 

Beschuldigte auch aus diesem Grund vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freizu-

sprechen gewesen wäre (Urk. 62 S. 14 f. E. III.5., unter Hinweis auf die Akten sowie 

die  einschlägige  Rechtsprechung).  Auch  das  ist  richtig  und  kann  übernommen 

werden.

3.8. Schliesslich  erwog  die  Vorinstanz  im  Sinne  einer  weiteren  Eventualbegrün-

dung, am Ergebnis des Freispruchs ändere sich auch dann nichts, sollte die Privat-

-   14   -

klägerin der Beschuldigten vor Ort und vor Betreten der Liegenschaft tatsächlich 

mündlich ein Hausverbot erteilt haben, zumal sie sich dann nämlich offensichtlich 

rechtsmissbräuchlich verhalten hätte. So sei es die Privatklägerin gewesen, die die 

Habe der Beschuldigten – wohl entgegen dem ursprünglichen Plan, aber gleich-

wohl – im Hauseingang zur Abholung habe deponieren lassen. Gleichermassen sei 

es auch sie gewesen, die von der Beschuldigten am 30. November 2018 verlangt 

habe, die Ware am Folgetag abzuholen (vgl. nur Urk. 6/1 S. 1: "Ich habe am Freitag 

30.11 ihr ein SMS geschrieben, sie soll am Samstag ihre Sachen hier in D._____ 

am E._____ [Strasse] … abholen (…)"). Wer solches einfordere und vorkehre, habe 

als  Hausrechtsberechtigte  aber  auch  den  Zugang  dazu  zu  verschaffen.  Es  gehe 

nicht an, von der Beschuldigten noch am Freitag einzufordern, ihre Sachen abzu-

holen, und ihr dann am Samstag das Betreten der Räumlichkeiten zu untersagen, 

in  denen  sich  die  Gegenstände  befinden.  Mit  Fug  habe  die  Beschuldigte  dieses 

Verhalten an einer Stelle denn auch als sinnwidrig umschrieben. Wer sich so ver-

halte, handele aber nicht nur sinnwidrig, sondern auch rechtsmissbräuchlich. Sollte 

die Privatklägerin am 1. Dezember 2018 tatsächlich so formal auf ihrem Hausrecht 

bestanden  haben,  so  verdiente  dies  keinen  Rechtsschutz.  Daran  ändere  nichts, 

dass die Privatklägerin im Nachhinein in ihren Einvernahmen ausgesagt habe, sie 

sei ja eben davon ausgegangen bzw. habe gemeint, die Beschuldigte werde mit 

Zügelmännern anreisen, die dann die Kisten heraustragen würden. Damit lege sich 

die Privatklägerin ihre Sachverhaltsversion im Nachhinein zurecht. Nach dem zeit-

lichen Ablauf habe sie nicht ernsthaft davon ausgehen können, dass die Beschul-

digte in weniger als einem Tag Zügelmänner organisieren könne. Entsprechendes 

habe  sie  auch  nicht  vorab  verlangt.  Diese  Ausführungen  seien  als  nachträgliche 

Schutzbehauptungen  zurückzuweisen.  Der  Freispruch  vom  Vorwurf  des  Haus-

friedensbruchs  wäre  auch  unter  diesem  Blickwinkel  angezeigt  (Urk.  62  S.  15  f. 

E. III.6., unter Hinweis auf die Akten sowie die einschlägige Rechtsprechung). Dies 

ist ebenfalls zutreffend und zu übernehmen. 

3.9. Zusammenfassend  ist  an  dieser  Stelle  festzuhalten,  dass  die  Beschuldigte 

vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freizusprechen ist.

-   15   -

4.

Körperverletzung

4.1.

In  Bezug  auf  den  genauen  Tathergang,  namentlich  die  eingeklagten  mehr-

fachen Faustschläge, die die Beschuldigte der Privatklägerin verpasst haben soll, 

kann auf das vorne unter E. II.3.4.-3.6. Ausgeführte verwiesen werden, das auch 

im  vorliegenden  Zusammenhang  gilt:  Die  Beschuldigte  und  die  Privatklägerin 

stellen  sich  gegenseitig  als  Aggressorin  dar,  wobei  sich  bei  der  gegebenen 

Aussage-gegen-Aussage  Konstellation  im  Nachhinein  nicht  mehr  erstellen  lässt, 

was sich am 1. Dezember 2018 im Hauseingang der Privatklägerin zwischen den 

beiden  tatsächlich  zutrug.  Zu  Gunsten  der  Beschuldigten  ist  dem  Grundsatz  "in 

dubio pro reo" folgend davon auszugehen, dass die ihr vorgeworfenen mehrfachen 

Faustschläge  nicht  stattfanden.  Die  Beschuldigte  räumte  jedoch  wie  bereits 

erwähnt  ein,  sie  habe  die  Privatklägerin  an  den  Haaren  gezogen.  Sie  beteuerte 

jedoch mehrfach, dass sie mit der Tätlichkeit lediglich versuchte, auf die Angriffe 

der Privatklägerin in Form von Schlägen zu reagieren und sich dagegen zu wehren 

(vgl. u.a. Urk. 33 S. 5 f., Prot. I S. 9 und Urk. 78 S. 4 f.). Auch das lässt sich aus 

den  bereits  dargelegten  Gründen  nicht  widerlegen.  Sinngemäss  macht  die 

Beschuldigte damit eine Notwehrsituation geltend, was näher zu prüfen ist.

4.2. Wird  jemand  ohne  Recht  angegriffen  oder  unmittelbar  mit  einem  Angriff 

bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer 

den  Umständen  angemessenen  Weise  abzuwehren  (Art. 15  StGB).  Der  Angriff 

muss rechtswidrig und im Gang sein oder unmittelbar bevorstehen. Notwehr ist nur 

so lange zulässig, wie der Angriff andauert. Das ist auch dann der Fall, wenn zu-

sätzlich zur bisherigen eine weitere oder gesteigerte Gefährdung bzw. Verletzung 

unmittelbar bevorsteht oder im Gange ist (vgl. dazu statt Weiterer DONATSCH in OFK 

STGB, 21. Auflage, N 2 f. zu Art. 15, unter Hinweis auf die Rechtsprechung). Der 

Notwehr Übende muss die ungefährlichste Art der Verteidigung wählen, sofern ihm 

mehrere erfolgversprechende Abwehrmittel zur Verfügung stehen (Grundsatz der 

Subsidiarität).  Die  Abwehr  muss  zudem  verhältnismässig  sein,  d.h.  sie  muss  in 

etwa der Schwere des tatsächlichen oder drohenden Angriffs sowie der Wichtigkeit 

des gefährdeten Rechtsgutes einerseits und der Bedeutung des Gutes, das durch 

die Abwehr verletzt wird, andererseits angepasst werden (Grundsatz der Proporti-

-   16   -

onalität; DONATSCH, a.a.O., N 10 f., unter Hinweis auf die Rechtsprechung). Ob die 

Abwehr angemessen war, ist aufgrund jener Situation zu beurteilen, in der sich der 

rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befand. Für den Abwehrenden 

muss das Ergebnis der Rechtsgüterabwägung mühelos erkennbar sein. Im Nach-

hinein  dürfen  nicht  allzu  subtile  Überlegungen  dazu  angestellt  werden,  ob  nicht 

allenfalls eine weniger einschneidende Abwehrhandlung ebenfalls zum Ziel geführt 

hätte. Der Bedrohte braucht einem Angriff nicht aus dem Wege zu gehen oder vor 

dem  Angreifer  zu  flüchten,  auch  wenn  dies  möglich  wäre  (DONATSCH,  a.a.O., 

N 13 f., unter Hinweis auf die Rechtsprechung). Überschreitet der Abwehrende die 

Grenzen  der  Notwehr  nach  Artikel 15,  so  mildert  das  Gericht  die  Strafe  (Art. 16 

Abs. 1 StGB). Die Überschreitung der durch Art. 15 StGB gezogenen Grenzen der 

Notwehr bleibt rechtswidrig. Sie liegt vor, wenn der Verteidiger den Angriff in einer 

den Umständen nicht angemessenen Weise abwehrt, indem er gegen die Grund-

sätze von Subsidiarität oder Proportionalität verstösst (DONATSCH, a.a.O., N 1 zu 

Art. 16, unter Hinweis auf die Rechtsprechung). Die Strafmilderung nach Art. 48a 

StGB ist obligatorisch (a.a.O., N 2).

4.3. Wie  ausgeführt,  muss  zugunsten  der  Beschuldigten  davon  ausgegangen 

werden, dass sie die Privatklägerin an den Haaren riss, um auf deren Schläge zu 

reagieren und sich dagegen zu wehren, mithin die Privatklägerin zuerst zuschlug 

und  sich  die  Beschuldigte  dagegen  zu  verteidigen  suchte,  um  die  Schläge  nicht 

einfach  über  sich  ergehen  lassen  zu  müssen  (vgl.  zu  Letzterem  ausdrücklich 

Urk. 33 S. 5 F/A 39). Die Unmittelbarkeit des Angriffs ist zu bejahen, mithin, dass 

der  Angriff  noch  im  Gange  und  noch  nicht  abgeschlossen  war.  Zur  Frage  der 

Angemessenheit  der  Abwehrhandlung,  was  folgt:  Auf  die  Frage,  wie  fest  sie  die 

Privatklägerin auf einer Skala von 1 (sehr leicht) bis 10 (volle Kraft) an den Haaren 

gezogen  habe,  antwortete  die  Beschuldigte:  "Vielleicht  eine  7"  (Urk. 7/2  S. 4 

F/A 17).  An  der  Hauptverhandlung  führte  sie  präzisierend  aus:  "Ich  weiss  nicht 

mehr genau, wie stark ich gerissen habe. Ich hatte jedoch sicherlich keine Haar-

büschel in den Händen" (Prot. I S. 10). Sie wisse aber nicht mehr, ob es ein ruck-

artiges Ziehen gewesen sei (Urk. 7/2 S. 4 F/A 18, Urk. 33 S. 4 F/A 27 sowie S. 9 

F/A 62). Über die möglichen Folgen des Haarereissens habe sie in diesem Moment 

nicht nachgedacht. Sie habe die Privatklägerin aber nicht verletzen wollen (Urk. 42 

-   17   -

S. 12  f.  und  Prot.  I  S. 10).  Auf  entsprechende  Frage  erklärte  die  Beschuldigte 

weiter, dass sie es nicht bzw. nie für möglich gehalten hätte, dass die Privatklägerin 

durch das Haarereissen ein Schleudertrauma erleiden könnte (Urk. 42 S. 13 und 

Prot. S. 9 f.). Sie könne sich einfach nicht vorstellen, "dass das alles von eine biss-

chen Haare reissen kommen soll." (Urk. 7/2 S. 6 F/A 31). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung blieb die Beschuldigte – soweit sie sich an den kurzen Vorfall, der vor 

über 6 Jahren stattfand, noch zu erinnern vermochte – grundsätzlich bei diesem 

Standpunkt:  Die  Privatklägerin  habe  die  Beschuldigte  geschlagen,  worauf  die 

Beschuldigte die Privatklägerin an den Haaren gezogen habe, damit diese aufhöre 

(Urk. 78  S. 5).  Auf  diese  glaubhaften  und  im  Übrigen  auch  nicht  widerlegbaren 

Angaben  der  Beschuldigten  ist  ebenfalls  abzustellen.  Die  von  der  Beschuldigten 

gegen den Angriff der Privatklägerin vorgenommene Abwehrhandlung ist mit dem 

erneuten Hinweis darauf, dass im Nachhinein nicht allzu subtile Überlegungen dazu 

anzustellen sind, ob nicht allenfalls eine weniger einschneidende Abwehrhandlung 

ebenfalls  zum  Ziel  geführt  hätte,  noch  ohne  Weiteres  als  verhältnismässig  und 

damit rechtmässig einzustufen. 

4.4. Die Frage, ob gestützt auf die vorliegenden medizinischen Akten objektiv von 

einer Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 bzw. Art. 125 Abs. 1 StGB in 

Form des eingeklagten Halswirbelsäulen-Schleudertraumas bzw. der posttrauma-

tischen  Belastungsstörung,  welche  die  Privatklägerin  durch  den  Vorfall  vom 

1. Dezember 2018 "eigenanamnestisch" erlitten haben soll, ausgegangen werden 

muss, liess die Vorinstanz offen (Urk. 62 S. 19 f. E. IV.4. f.). Diese Frage kann auch 

im vorliegenden Verfahren, in welchem die Privatklägerschaft eine schwere Schä-

digung geltend machte (vgl. Urk. 79 S. 12), offen bleiben, wobei auf die in anderem 

Zusammenhang  gemachten  Erwägungen  der  Vorinstanz  zurückgegriffen  werden 

kann.  Diese  führte  in  ihren  Erwägungen  zur  eingeklagten  eventualvorsätzlichen 

Körperverletzung richtig aus, auch wenn es medizinisch vielleicht möglich sei, so 

müsse es einer Durchschnittsperson doch äusserst ungewöhnlich erscheinen, dass 

– wenn vielleicht auch starkes, so aber doch bloss einmaliges – Haarereissen ein 

Schleudertrauma  und  darüber  hinaus  noch  eine  posttraumatische  Belastungs-

störung  auslösen  könne,  da  dies  schlicht  jeder  allgemeinen  Lebenserfahrung 

widerspreche. Genau das spiegele denn auch die Beschuldigte, wenn sie festhalte, 

-   18   -

dass sie sich nicht vorstellen könne, "dass das alles von ein bisschen Haare reissen 

kommen soll" (Urk. 7/2 S. 6 F/A 31; vgl. in Bezug auf die posttraumatische Belas-

tungsstörung auch Urk. 42 S. 13 F/A 55 f.). Selbst das medizinische Fachgutachten 

umschreibe es als eher unüblich, dass Haarereissen zu Schleudertraumata führe 

(Urk. 35/9 S. 8). Aufschlussreich sei in diesem Zusammenhang auch die Aussage 

der Privatklägerin, wenn sie auf die Frage der Staatsanwaltschaft, wie die Verlet-

zungen denn genau entstanden seien, antwortet: "Ich vermute durch dieses an den 

Haaren reissen. Es tönt so harmlos" (Urk. 6/3 S. 4 F/A 24). Daraus ergebe sich, 

dass selbst die Privatklägerin den Deliktserfolg als aussergewöhnlich einstufe. Mit 

Recht. Tatsächlich sei nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen 

Lebenserfahrung schlicht nicht damit zu rechnen, dass Haarereissen ein Schleu-

dertrauma  und  eine  posttraumatische  Belastungsstörung  auslösen  können. 

Entsprechend habe auch die Beschuldigte einen solchen Deliktserfolg nicht in Kauf 

genommen  [bzw.  nehmen  müssen]  (Urk.  62  S.  22  E.  IV.6.3.).  Gleichermassen 

richtig  erwog  die  Vorinstanz  in  ihren  Erwägungen  zur  eingeklagten  fahrlässigen 

Körperverletzung,  dass  es  auch  für  einen  gewissenhaften  und  besonnenen 

Menschen in der fraglichen Situation schlicht nicht voraussehbar gewesen sei, dass 

Haarereissen ein Schleudertrauma und eine posttraumatische Belastungsstörung 

auslösen könne. Eine solche Rechtsgutsgefährdung sei bei lebensnaher Betrach-

tung in einer solchen Situation einfach nicht erkennbar. Nichts anderes als diese 

Durchschnittsbetrachtung  müsse  für  die  Beschuldigte  gelten  (a.a.O.,  S.  24 

E. IV.7.4.). Diese Ausführungen haben auch im Zusammenhang mit der Frage, ob 

die  im  konkreten  Fall  von  der  Beschuldigten  vorgenommene  Notwehrhandlung 

angemessen war, Gültigkeit. Mithin musste die Beschuldigte auch im Falle einer 

Notwehrhandlung die in der Anklage behaupteten Verletzungsfolgen nicht ernsthaft 

in  Betracht  ziehen.  Damit  erscheint  die  Gegenwehr  der  Beschuldigten  auch  vor 

diesem Hintergrund verhältnis- und rechtmässig. Namentlich braucht die Frage, ob 

allenfalls  ein  Notwehrexzess  im  Sinne  von  Art.  16  StGB  vorlag,  unter  diesen 

Umständen nicht vertieft zu werden.

4.5. Die  Beschuldigte  kann  sich  somit  auf  rechtfertigende  Notwehr  berufen, 

weshalb  sie  vom  Vorwurf  der  einfachen  Körperverletzung  freizusprechen  ist. 

Entgegen der Vorinstanz (Urk. 62 S. 25 E. IV.8.) liegt kein Fall von Art. 177 Abs. 3 

-   19   -

StGB vor, da es vorliegend in erster Linie darum ging, einen rechtswidrigen Angriff 

abzuwehren  und  nicht,  sich  durch  eine  Retorsionshandlung  selber  "an  Ort  und 

Stelle  Gerechtigkeit  zu  verschaffen"  (vgl.  dazu  statt  Weiterer  DONATSCH,  a.a.O., 

N 13 zu Art. 177, mit Verweisen).

5.

Ergebnis

Die Beschuldigte ist vollumfänglich freizusprechen.

III. Zivilansprüche

Die Vorinstanz hat richtige Ausführungen zu den geltend gemachten Zivilansprü-

chen und zu den allgemeinnen Voraussetzungen der Zusprechung von Schaden-

ersatz und Genugtuung gemacht (Urk. 62 S. 25 f. E. V.1. f.). darauf ist zunächst zu 

verweisen. Subsumierend führte sie sodann richtig aus, was folgt: Auch wenn das 

vorliegend in Frage stehende Haarereissen allenfalls natürlich kausal das Schleu-

dertrauma  sowie  die  posttraumatische  Belastungsstörung  bei  der  Privatklägerin 

verursacht haben könnte, so fehle es dem Handeln doch an der adäquaten Kausa-

lität. Denn wie bereits unter strafrechtlichen Gesichtspunkten zum Eventualvorsatz 

und  der  Fahrlässigkeit  aufgezeigt,  erscheine  blosses  Haarereissen  nach  dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung gerade nicht 

als geeignete Ursache, um ein Schleudertrauma und eine posttraumatische Belas-

tungsstörung nach sich zu ziehen. Dieser Erfolgseintritt erscheine bei einer werten-

den Betrachtungsweise gerade nicht als durch das fragliche Handeln der Beschul-

digten allgemein begünstigt. Es verhalte sich gerade umgekehrt. Da das Handeln 

der  Beschuldigten  (Haarereissen)  damit  nicht  als  adäquat  kausale  Folge  des 

erlittenen Schadens (Schleudertrauma, posttraumatische Belastungsstörung) bzw. 

der  erlittenen  Unbill  erscheine,  fehle  es  den  geltend  gemachten  Zivilansprüchen 

der  Privatklägerin  an  mindestens  einer  haftungsbegründenden  Anspruchsgrund-

lag,  weshalb  die  Zivilklage  der  Privatklägerin  abzuweisen  sei  (a.a.O.,  S.  26  f. 

E. V.3.).  Diese  Begründung  kann  übernommen  werden.  Hinzu  kommt,  dass  die 

Beschuldigte wie gezeigt in Notwehr und damit rechtmässig handelte, weshalb die 

geltend gemachten Zivilansprüche auch aus diesem Grund abzuweisen sind.

-   20   -

IV. Kostenfolgen

1.

Erstinstanzliches Verfahren

Soweit  mit  dem  erstinstanzlichen  Entscheid  der  Beschuldigten  Kosten  auferlegt 

wurden, ist dieser aufzuheben und sind die ihr auferlegten Kosten auf die Staats-

kasse  zu  nehmen.  Im  Übrigen  ist  die  im  angefochtenen  Entscheid  getroffene 

Kostenregelung,  namentlich  auch  soweit  sie  die  Privatklägerin  betrifft,  unter 

Hinweis auf die entsprechende Begründung der Vorinstanz (Urk. 62 S. 27 ff. E VI.) 

zu bestätigen.

2.

Zweitinstanzliches Verfahren

Die  zweitinstanzliche  Gerichtsgebühr  fällt  ausgangsgemäss  ausser  Ansatz.  Die 

Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsie-

gens  oder  Unterliegens  (Art.  428  Abs.  1  StPO).  Die  Privatklägerin  unterliegt  mit 

ihrer  Berufung  vollumfänglich.  Es  ist  jedoch  zufolge  Uneinbringlichkeit  von  einer 

Auflage der Verfahrenskosten an die Privatklägerin abzusehen (Art. 425 StPO). Die 

Kosten des Berufungsverfahrens sind somit einschliesslich derjenigen der unent-

geltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin definitiv auf die Gerichtskasse 

zu nehmen.

Der Rechtsvertreter der Privatklägerin, Rechtsanwalt lic. iur. X._____, reichte seine 

Honorarnote mit der Auflistung seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungs-

verfahren ein (Urk. 81). Diese sind ausgewiesen und erweisen sich als angemes-

sen.  Unter  Berücksichtigung  der  kürzeren  als  in  der  Honorarnote  antizipierten 

Dauer der Berufungsverhandlung ist Rechtsanwalt lic. iur. X._____ pauschal mit Fr. 

4'800.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 4. Mai 

2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

-   21   -

"Es wird erkannt:

1.-4.

(…)

5.

Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Bemühungen und Auslagen als unentgeltlicher 

Rechtsvertreter der Privatklägerin mit Fr. 9'747.70 (Betrag enthält Mehrwertsteuern und 

Auslagen) aus der Gerichtskasse entschädigt.

6.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

2'400.–

; die weiteren Kosten betragen:

2'500.–

  Gebühr für das Vorverfahren

2'505.70   Auslagen Untersuchung (Gutachten)

50.–

  Zeugenentschädigung

9'747.70   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin

Verlangt keine der Parteien eine Begründung, ermässigt sich die Entscheidgebühr um einen 

Drittel. Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

7.

8.

9.

(…)

(Mitteilungen)

(Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

1.

2.

3.

Es wird erkannt:

Die Beschuldigte B._____ wird freigesprochen.

Die Zivilklage der Privatklägerin wird abgewiesen.

Die Kosten der Untersuchung sowie die Kosten des erstinstanzlichen Ver-

fahrens, einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privat-

klägerin, werden definitiv auf die Staatskasse genommen.

4.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

-   22   -

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

4'800.–   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin

5.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der unent-

geltlichen Vertretung der Privatklägerin, werden der Privatklägerin auferlegt. 

Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin werden definitiv 

auf die Gerichtskasse genommen.

6. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an













die Beschuldigte (übergeben)

die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis (versendet)

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft (übergeben)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

die Beschuldigte

die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis 

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an







die Vorinstanz

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG)

die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 
Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 77.

7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

-   23   -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 3. Februar 2024

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. B. Gut

MLaw W. Dharshing