# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 20cca667-eae8-537a-9aba-5cfab5280a88
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-07-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 2. Kammer 13.07.2021 S 2020 48
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_002_S-2020-48_2021-07-13.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 20 48

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis

Richter Meisser und Racioppi

Aktuar Paganini

URTEIL

vom 13. Juli 2021

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Castelberg,

Beschwerdeführerin

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA),

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

- 2 -

I. Das Gericht zieht in Erwägung:

- dass die SUVA mit Verfügung vom 9. Oktober 2019 einen Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneinte, da keine 

erhebliche, unfallbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit vorliege 

(Erwerbseinbusse von gerundet 3 %). Gleichzeitig sprach die SUVA der 

Beschwerdeführerin für die verbliebene Beeinträchtigung aus dem Unfall 

eine Integritätsentschädigung von CHF 12'600.00 (basierend auf eine 

Integritätseinbusse von 10 %) zu,

- dass die SUVA die dagegen erhobene Einsprache mit 

Einspracheentscheid vom 17. März 2020 abwies, 

- dass die Beschwerdeführerin dagegen am 1. Mai 2020 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden einreichte mit dem 

Hauptantrag, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und zur 

Neubeurteilung an die SUVA zurückzuweisen. Diese sei anzuweisen, ein 

polydisziplinäres Gutachten einer unabhängigen Gutachterstelle 

durchzuführen. Eventualiter beantragte die Beschwerdeführerin, der 

Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihr sei ab dem 1. Juli 2019 eine 

SUVA-Rente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 50 % bzw. nach 

gerichtlichem Ermessen zuzusprechen,

- dass die Beschwerdeführerin gleichentags ein Gesuch um unentgeltliche 

Prozessführung stellte, 

- dass die SUVA in der Beschwerdeantwort vom 18. Mai 2020 die 

Abweisung der Beschwerde beantragte, 

- dass die Parteien in den weiteren Schriftenwechseln an ihren Anträgen 

festhielten und diese begründeten,

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- dass sich der vorliegende Streitgegenstand auf die Frage beschränkt, ob 

die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine 

Unfallversicherungsrente ab dem 1. Juli 2019 hat, 

- dass gemäss Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) die Versicherte, die infolge des 

Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) ist, 

Anspruch auf eine Invalidenrente hat, sofern sich der Unfall vor Erreichen 

des ordentlichen Rentenalters ereignet hat,

- dass dieses Gericht mit rechtskräftigem Urteil S 20 20 vom 27. Oktober 

2020 in Sachen der Beschwerdeführerin gegen die IV-Stelle die 

Ablehnung eines Rentenanspruchs ab dem 1. Juli 2019 gestützt auf einen 

Invaliditätsgrad von 3 % bestätigt hat,

- dass der Unfallversicherer nicht an die Invaliditätsschätzung der 

Invalidenversicherung gebunden ist (vgl. BGE 131 V 362 E.2.2), weshalb 

die IV-Stellen und die Unfallversicherer die Invaliditätsbemessung in 

jedem einzelnen Fall selbstständig vorzunehmen haben (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_224/2019 vom 18. September 2019 E.4.3; BGE 133 

V 549 E.6.1), wobei bereits abgeschlossene Invaliditätsfestlegungen 

mitzuberücksichtigen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2013 

vom 3. März 2014 E.6.2; BGE 133 V 549 E.6.3, 126 V 288 E.2d),

- dass der Unfallversicherer im vorliegenden Fall eine von der 

Invalidenversicherung getrennte Invaliditätsbemessung vorgenommen 

hat, 

- dass der Unfallversicherer wie die IV-Stelle ebenfalls eine 

Erwerbseinbusse bzw. einen Invaliditätsgrad von gerundet 3 % ermittelt 

hat, 

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 - dass dieses Gericht im oberwähnten Urteil S 20 20 den Invaliditätsgrad 

bereits umfassend überprüft hat, 

- dass der Invaliditätsgrad unter den Sozialversicherungszweigen zwar 

nicht einheitlich ist, 

- dass jedoch im vorliegenden Fall der vom Unfallversicherer nach eigenen 

Kriterien zu ermittelnde Invaliditätsgrad bei gleichbleibender Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit und des Leidensabzugs nicht höher als der von der 

IV-Stelle festgelegte und von diesem Gericht bestätigte Invaliditätsgrad 

ausfallen kann, zumal bei der Unfallversicherungsrente nur die 

unfallbedingten Einschränkungen massgebend sind, hier keine 

Sonderfälle der Bestimmung des Invaliditätsgrades greifen und in beiden 

Fällen die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) 

Anwendung findet,    

- dass das Gericht im Urteil S 20 20 bei der Würdigung der Arbeitsfähigkeit 

sämtliche gesundheitliche Einschränkungen der Beschwerdeführerin 

berücksichtigt hat, 

- dass sich die Aktenlage im Verfahren S 20 20 mit derjenigen des 

vorliegenden Verfahrens deckt (im vorliegenden Verfahren sind keine 

neuen medizinischen Berichte hinzugekommen, insbesondere auch 

keine, die die im Austrittbericht der Klinik B._____ vom 29. November 2018 

attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in bisheriger 

und angepasster Tätigkeit mit Einschränkungen erschüttern würden [vgl. 

dazu E.3 f. des genannten Urteils S 20 20]), 

- dass im Urteil S 20 20 der Sachverhalt als genügend abgeklärt erachtet 

wurde, weshalb auf die Einholung einer polydisziplinären Begutachtung 

verzichtet wurde (vgl. E.3.3 und 4 des genannten Urteils S 20 20),

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- dass im genannten Urteil zudem die Erwerbseinbusse von 3 % anhand 

des Einkommensvergleichs und unter Berücksichtigung eines 

Leidensabzugs von 10 % bestätigt wurde (vgl. E.5 des genannten Urteils 

S 20 20), 

- dass die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren keine (neuen) 

berechtigten Einwände erhebt, die an der Korrektheit der im Urteil S 20 20 

festgehaltenen Erwerbseinbusse von 3 % zweifeln liessen, weshalb auf 

die dortigen Erwägungen verwiesen werden kann (vgl. E.3 ff. des 

genannten Urteils S 20 20), 

- dass aber die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren im 

Gegensatz zum Verfahren S 20 20 auch das herangezogene 

Valideneinkommen gerügt hat, 

- dass die entsprechenden Einwände aber unbegründet sind, wie 

nachfolgend gezeigt wird, 

- dass nach der Rechtsprechung bei der Ermittlung des 

Valideneinkommens entscheidend ist, was die versicherte Person im 

massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und 

persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit verdient hätte. Dabei ist in der Regel am zuletzt 

erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen 

Einkommensentwicklung angepassten Lohn anzuknüpfen, da es 

empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne 

Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre; Ausnahmen müssen mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein. Da die 

Invaliditätsbemessung der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit 

dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 

ATSG), ist auch die berufliche Weiterentwicklung zu berücksichtigen, die 

eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings 

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erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne 

gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein 

entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. 

Blosse Absichtserklärungen genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, 

beruflich weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie 

Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums etc. kundgetan worden sein 

(Urteil des Bundesgerichts 8C_575/2018 vom 30. Januar 2019 E.5.1), 

- dass das Valideneinkommen, wie von der SUVA berechnet, auf Angaben 

des damaligen Arbeitgebers beruht (vgl. Akten der SUVA [SUVA-act.] 

372),

- dass der von der Beschwerdeführerin eingereichte Brief des ehemaligen 

Arbeitgebers vom 12. Mai 2020 samt angeblicher Lohnabrechnung eines 

Kadermitglieds an den Rechtsvertreter (Akten der Beschwerdeführerin [Bf-

act.] 8, 9; Gerichtsakte A3) bezüglich Datenangaben fehlerhaft ist 

(Anstellung der Beschwerdeführerin begann im Dezember 2014 nicht 

2015; im Sommer 2016 war die Beschwerdeführerin für den damaligen 

Arbeitgeber nicht tätig [vgl. SUVA-act. 1, 100, 123, 125, 140]) und nicht 

überzeugt, 

- dass es nicht von der Hand zu weisen ist, dass diesem Brief 

versicherungsrechtliche Überlegungen bezüglich der geplanten 

Lohnerhöhung ab September 2016 (recte wohl 2015) zugrunde liegen, 

- dass die Beschwerdeführerin jedenfalls in ihrem Erstgespräch mit der 

Case Managerin am 27. Oktober 2015 nichts Dahingehendes äusserte, 

weder über Lohnerhöhung noch über Karriereschritt (vgl. SUVA-act. 42 S. 

2),

- dass die Kaderfrau C._____ nicht – wie von der Beschwerdeführerin 

behauptet – ihre Nachfolgerin/Ersatz sein konnte, da diese bereits Anfang 

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2014 für den ehemaligen Arbeitgeber der Beschwerdeführerin tätig war 

und die Beschwerdeführerin erst im Dezember 2014 angestellt wurde (vgl. 

Bf-act. 9; SUVA-act. 1),

- dass die Fehlerhaftigkeit der früheren Lohnbestätigung des damaligen 

Arbeitgebers der Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich nach dem 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist,

- dass somit auf die "Aussage der ersten Stunde" abzustellen ist (vgl. 

SUVA-act. 372) und daher von dem von der SUVA ermittelten 

Valideneinkommen von CHF 51'428.00 auszugehen ist,

- dass dieses ohnehin eher zugunsten der Beschwerdeführerin berechnet 

wurde, hat doch die Beschwerdeführerin im Jahr vor dem Unfall von 

August 2014 bis August 2015 rund CHF 35'837.00 verdient (vgl. SUVA-

act. 287; vgl. auch SUVA-act. 261, 266, 270),

- dass selbst wenn angenommen werden könnte, dass die 

Beschwerdeführerin als stellvertretende Shop-Leiterin mit einem Brutto-

Stundenlohn von CHF 32.00 eingesetzt worden wäre, dann davon 

ausgegangen werden müsste, dass die Beschwerdeführerin dabei keinen 

höheren Belastungen als im Zumutbarkeitsprofil beschrieben (nur 

gelegentliches Hantieren von Lasten bis max. etwa 10 kg [vgl. SUVA-act. 

359 S. 24]) ausgesetzt wäre,

- dass sie damit ihre angestammte Tätigkeit mit dem behaupteten 

Karriereschritt nach dem Unfall hätte zumutbarerweise fortführen können 

und keine unfallbedingte Erwerbseinbusse erlitten hätte, 

- dass demnach dem Beweisergänzungsantrag der Beschwerdeführerin auf 

Zeugeneinvernahme ihres früheren Arbeitgebers zum Validenlohn in 

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antizipierter Beweiswürdigung nicht stattzugeben ist (vgl. BGE 144 V 361 

E.6.5, BGE 136 I 229 E.5.3),   

- dass nach dem Gesagten keine triftigen Gründe ersichtlich sind und auch 

nicht geltend gemacht werden, um vom bereits gerichtlich überprüften 

Invaliditätsgrad abzuweichen,  

- dass sich im Hinblick auf die hier einzig strittige Frage einer 

Unfallversicherungsrente die Klärung der Frage einer Leistungspflicht der 

SUVA hinsichtlich der psychischen bzw. organisch nicht hinreichend 

nachweisbaren Beschwerden anhand der Adäquanzkriterien erübrigt, da 

ohnehin keine für eine Unfallversicherungsrente massgebende 

Erwerbseinbusse vorliegt, 

- dass die vorliegende Beschwerde somit abzuweisen und der 

angefochtene Einspracheentscheid vom 17. März 2020 zu bestätigen ist,

- dass für dieses Verfahren keine Kosten erhoben werden (aArt. 61 lit. a 

i.V.m. Art. 82a ATSG) und der obsiegenden SUVA kein Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten zusteht (vgl. Art. 61 lit. g ATSG),

- dass im vorgenannten Urteil S 20 20 ausserdem das Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege (URP) abgewiesen wurde (vgl. E.6 des 

genannten Urteils S 20 20), 

- dass bezüglich des im vorliegenden Verfahrens gestellten URP-Gesuchs 

auf die entsprechenden Erwägungen im Urteil S 20 20 verwiesen werden 

kann, zumal im vorliegenden Verfahren diesbezüglich keine neuen 

massgebenden Elemente geltend gemacht wurden, 

- dass das URP-Gesuch für das vorliegende Verfahren somit abzuweisen 

ist.

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II. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]