# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1794d31-2b11-54d4-916e-fd684fc3c21e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-07-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.07.2014 D-1609/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1609-2014_2014-07-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1609/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  7 .  J u l i  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Einzelrichter Robert Galliker, 

mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas;   

Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Ägypten,   

vertreten durch Géraldine Walker, Rechtsanwältin,  

(…), 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 21. Februar 2014 / N (…). 

 

 

D-1609/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine koptische Christin ägyptischer Staatsange-

hörigkeit, reiste – zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder (N […]) – 

am 31. Juli 2011 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags im Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Am 

8. August 2011 fand die Befragung zur Person (BzP) und am 

1. November 2011 die Anhörung der Beschwerdeführerin statt. 

Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin gel-

tend, Ende März 2011 sei sie nach einer kirchlichen Veranstaltung vor der 

Kirche von muslimischen Frauen angesprochen worden. Als ihr Bruder zu 

ihr gekommen sei, sei er von fremden Männern angegriffen und schwer 

verletzt worden, während sie selber in ein Auto verbracht und entführt 

worden sei. Sie sei in der Folge in einem fremden Haus fest- und zum 

Übertritt zum Islam angehalten worden, wobei man sie auch bedroht und 

sexuell belästigt (angefasst) habe. Schliesslich sei ihr in der dritten Nacht 

die Flucht aus einem Fenster gelungen, nachdem sie sich "pro forma" 

zum Islam bekannt habe. Ihr Bruder habe sich aufgrund der beim Überfall 

erlittenen schweren Verletzungen mehrere Tage im Spital aufhalten müs-

sen. Nachdem der Vater den Vorfall bei der Polizei angezeigt habe, sei er 

für sieben Tage inhaftiert worden. Sie habe sich nach ihrer Flucht bis zur 

Ausreise in einem Kloster versteckt gehalten. 

B.  

Die Beschwerdeführerin reichte ihren Geburtsschein zu den Akten. 

C.  

Mit Schreiben vom 21. November 2012 gewährte das BFM den Eltern der 

Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum Umstand, dass angesichts 

des von der Flughafenpolizei Zürich beschlagnahmten ägyptischen Rei-

sepasses des Bruders der Beschwerdeführerin davon auszugehen sei, 

die Familie habe vor ihrer Einreise in die Schweiz mehrere Jahre legal mit 

(immer noch gültiger) Aufenthaltsbewilligung in C._______ gelebt. Die El-

tern der Beschwerdeführerin liessen dem Bundesamt durch ihren 

Rechtsvertreter mit Eingabe vom 18. Dezember 2012 mitteilen, sie ver-

fügten über eine Aufenthaltsbewilligung in C._______. Diese könne je-

doch nicht mehr verlängert werden, da die Familie die sehr hohen Gebüh-

ren nicht bezahlen könnte. Sie hätten ihren Aufenthalt in C._______ aus 

Angst, dorthin und in der Folge nach Ägypten abgeschoben zu werden, 

gegenüber den schweizerischen Asylbehörden verschwiegen. 

D-1609/2014 

Seite 3 

D.  

Mit Verfügung vom 21. Februar 2014 – eröffnet am 24. Februar 2014 – 

lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete 

deren Wegweisung aus der Schweiz an, zudem erachtete es den Vollzug 

der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich. Zur Begründung 

wurde im Wesentlichen ausgeführt, angesichts des Aufenthaltes der Fa-

milie in C._______ entbehre das Kernvorbringen, im Heimatland entführt 

worden zu sein, jeder Grundlage. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin 

hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asyl-

gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass de-

ren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 

E.  

Die Beschwerdeführerin liess – zusammen mit ihren Eltern und ihrem 

Bruder – gegen diese Verfügung durch ihre (gemeinsame) Rechtsvertre-

terin mit Eingabe vom 26. März 2014 beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde erheben und in materieller Hinsicht beantragen, die Ziffern 3, 

4 und 5 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben, es sei festzu-

stellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei 

und die Vorinstanz sei anzuweisen, die Beschwerdeführerin vorläufig in 

der Schweiz aufzunehmen, eventualiter sei das Verfahren zur Neubeur-

teilung und Feststellung des Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. In formeller Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Bewil-

ligung der unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses und es sei ihr ein unentgeltlicher Rechtsbeistand 

zu ernennen. Der Beschwerdeschrift lagen diverse Beweismittel bei.  

Auf die Begründung der Beschwerdebegehren sowie die eingereichten 

Beweismittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfol-

genden Erwägungen eingegangen. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2014 wies der Instruktionsrichter die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 

1968 (VwVG, SR 172.021) und um Gewährung der amtlichen Ver-

beiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG sowie um Erlass des 

Kostenvorschusses ab und forderte die Beschwerdeführerin auf, bis zum 

17. April 2014 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– zu leis-

ten. Dieser Aufforderung kam die Beschwerdeführerin nach. 

 

D-1609/2014 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden 

nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-

gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-

nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das 

Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Die Beschwerdeführerin beantragt in der Beschwerdeschrift die Aufhe-

D-1609/2014 

Seite 5 

bung der Ziffern 3 bis 5 der angefochtenen Verfügung, mithin auch dieje-

nige im Wegweisungspunkt (Ziffer 3). Die Wegweisung als solche kann 

indessen nur aufgehoben werden, wenn ein Rechtsanspruch auf die Er-

teilung einer kantonalen Aufenthaltsbewilligung besteht (BVGE 2011/24 

E. 10.1; BVGE 2009/50 E. 9, je m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21), was vorlie-

gend nicht geltend gemacht wird. Aus der Beschwerdebegründung ergibt 

sich überdies, dass der Wegweisungsvollzug bezüglich Unzulässigkeit 

und Unzumutbarkeit angefochten wird. Die Verneinung der Flüchtlingsei-

genschaft, die Ablehnung des Asylgesuches sowie die Wegweisung (Zif-

fern 1 bis 3 des Dispositivs der Verfügung vom 21. Februar 2014) sind 

somit – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 2. April 2014 festgehal-

ten – als unangefochten zu betrachten und in Rechtskraft erwachsen. 

Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet entspre-

chend einzig die Prüfung, ob die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht angeordnet hat. 

5.   

Die Beschwerdeführerin macht auf Beschwerdeebene geltend, ange-

sichts ihrer Zugehörigkeit zur koptisch-orthodoxen Kirche drohe ihr wie 

auch ihrer Familie bei einem Vollzug der Wegweisung nach Ägypten Dis-

kriminierung, Benachteiligung und Verfolgung, weshalb der Wegwei-

sungsvollzug unzulässig sei. So weigerten sich beispielsweise Taxifahrer, 

koptische Christen zu einer Kirche zu fahren, und es komme zu Entfüh-

rungen mit Lösegeldforderungen. Das BFM habe die potentielle Gefähr-

dungslage der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Glaubensangehörigkeit 

nicht abgeklärt beziehungsweise dieser keine Rechnung getragen und 

somit den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Überdies falle auch das 

Recht auf ein faires Strafverfahren unter den Schutzbereich von Art. 3 der 

Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 

und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101). In Ägypten würden keinerlei faire 

Verfahren stattfinden, wie die gegen die Muslimbrüder ausgefällten To-

desurteile zeigten, und die Gefahr der Beschwerdeführerin, bei einer 

Wegweisung ebenfalls in ein Gerichtsverfahren verwickelt zu werden, sei 

allgegenwärtig. Überdies widerspreche der Vollzug der Wegweisung der 

Beschwerdeführerin aufgrund der aktuellen Sicherheitslage sowie der in-

stabilen und unsicheren politischen Situation klar und deutlich Art. 83 

Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslände-

rinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) und sei damit unzumutbar. Im 

Weiteren würden einer vorläufigen Aufnahme keine Gründe gemäss 

Art. 83 Abs. 7 AuG entgegenstehen. 

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Seite 6 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie 

bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewei-

sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

Die Beschwerdeführerin rügt in Bezug auf die Durchführbarkeit des Voll-

zugs eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Dieser Einwand 

erweist sich als unbegründet. Das BFM hat die religiöse Zugehörigkeit 

der Beschwerdeführerin nicht bezweifelt und erwogen, aus den Akten er-

gäben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr im Falle einer Rückkehr in 

den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 

EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Überdies wurde ausge-

führt, trotz der gegenwärtigen Spannungen in Ägypten herrsche keine Si-

tuation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. Damit be-

steht kein Anlass zur Annahme, die Vorinstanz habe den Vollzug der 

Wegweisung hinsichtlich der Situation in Ägypten bejaht, ohne über die 

notwendigen Kenntnisse zu verfügen beziehungsweise die erforderlichen 

Abklärungen getätigt zu haben. Der Eventualantrag auf Rückweisung des 

Verfahrens zur Neubeurteilung und Feststellung des Sachverhalts an die 

Vorinstanz ist deshalb abzuweisen. 

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in 

den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 

Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

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Seite 7 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-

genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 

0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder un-

menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 

werden. 

6.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 

darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement 

nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da rechts-

kräftig feststeht, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfüllt, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrück-

schiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine 

Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Ägypten ist demnach unter dem 

Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

6.2.2 Sodann ergeben sich, wie bereits in der Zwischenverfügung vom 

2. April 2014 dargelegt, weder aus den Aussagen der Beschwerde-

führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei-

ner Ausschaffung nach Ägypten dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichts-

hofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-

ausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real 

risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rück-

schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-

teil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kam-

mer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Der Hinweis in der Beschwerde-

schrift, bei den Verfahren gegen die Muslimbrüder habe es sich keines-

falls um faire Verfahren gehandelt, weshalb auch die Beschwerdeführerin 

– sollte sie jemals in ein Strafverfahren verwickelt werden – kein faires 

Verfahren erwarten könnte, erweist sich als nicht stichhaltig, zumal allein 

wegen des massiven Vorgehens der staatlichen Organe gegen die Mus-

limbruderschaft nicht auf ein allenfalls zukünftiges unfaires Verfahren ge-

gen die Beschwerdeführerin geschlossen werden kann. Auch die allge-

meine Menschenrechtssituation in Ägypten lässt den Wegweisungsvoll-

zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem 

Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung – entgegen der auf Beschwer-

deebene geäusserten Meinung der Beschwerdeführerin – sowohl im Sin-

ne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

D-1609/2014 

Seite 8 

6.3  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat 

aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 

medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-

fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

6.3.1 In Ägypten herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb in 

konstanter Praxis mit dem BFM von der generellen Zumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs dorthin ausgegangen wird (vgl. etwa Urteile des 

BVGer E-2243/2014 vom 21. Mai 2014; D-3687/2013 vom 17. Juli 2013). 

6.3.2 Die Beschwerdeführerin gehört – wie bereits erwähnt – der Glau-

bensgemeinschaft der koptischen Christen an. Im heutigen Ägypten sind 

die koptischen Christen mit etwa neun Millionen Menschen eine Minder-

heit innerhalb der muslimischen Bevölkerungsmehrheit, die gesellschaftli-

chen Benachteiligungen ausgesetzt sind. So kamen beispielsweise im 

Januar 2011 in Alexandria bei der Explosion einer Kirche 23 Menschen 

ums Leben. Nur zwei Monate später, Anfang März, stand in Kairo eine 

Kirche in Flammen. Nach dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Mo-

hammed Mursi von der Moslembruderschaft am 3. Juli 2013 und insbe-

sondere auch nach der mit einem grossen Blutbad verbundenen gewalt-

samen Räumung von zwei Pro-Mursi-Protestlagern in Kairo am 

14. August 2013 durch ägyptische Sicherheitskräfte, bei der es zur Tö-

tung von Hunderten von Mursi-Anhängern gekommen ist, kam es auch zu 

einer Gewaltwelle gegenüber Christen und christlichen Einrichtungen. 

Grund hierfür dürfte vorab der Umstand gewesen sein, dass der Führer 

der koptischen Kirche, Papst Tawadros II., den Putsch noch am Tage sei-

ner Verkündung durch General Abd al-Fattah as-Sisi, dem heutigen Prä-

sidenten Ägyptens, öffentlich befürwortet hat, was die Kopten in der Folge 

aus Sicht der Moslembrüderschaft dem Vorwurf aussetzte, den Sturz von 

Mohammed Mursi ebenfalls gutgeheissen zu haben. Entsprechend ging 

auch der Grossteil der Übergriffe gegenüber Christen von radikalen An-

hängern der Muslimbrüder aus. Gleichzeitig gingen die staatlichen Si-

cherheitskräfte in der Folge massiv gegen Anhänger dieser Organisation 

vor. So erklärte am 23. September 2013 ein Gericht in Kairo die Muslim-

bruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal und beschloss 

die Konfiszierung ihrer Vermögenswerte, was am 6. November 2013 von 

einem Berufungsgericht bestätigt wurde. Im Weiteren wurden in mehreren 

Massenprozessen zahlreiche Islamisten, darunter auch führende Mitglie-

der der Muslimbruderschaft, zum Tode verurteilt. Dennoch ist zu beach-

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Seite 9 

ten, dass beide Bevölkerungsgruppen das ägyptische Nationalbewusst-

sein verbindet, und Muslime und Christen Seite an Seite bei der ägypti-

schen Revolution für Frieden und Demokratie gebetet haben. Nach dem 

Sturz des der Muslimbruderschaft angehörigen Präsidenten Mohammed 

Mursi wurde eine Übergangsregierung gebildet, wobei der geschäftsfüh-

rende Ministerpräsident Hasem al-Beblawi vor allem Liberale und Exper-

ten einsetzte. Ende Mai 2014 fand die Präsidentschaftswahl statt. Ge-

wählt wurde, wie vorstehend erwähnt, der ehemalige Armeechef Abd al-

Fattah as-Sisi. Die neu gebildete Regierung setzt sich gemäss Medienbe-

richten zu zwei Dritteln aus Mitgliedern des Übergangskabinetts zusam-

men. Anhaltspunkte für eine Verschlechterung der Situation der Christen 

in Ägypten sind vor diesem Hintergrund nicht ersichtlich. Der Vollzug der 

Wegweisung erweist sich damit für Kopten aus Ägypten nicht als generell 

unzumutbar. 

6.3.3 Zwar ist das Vorliegen individueller Wegweisungsvollzugshindernis-

se – ebenso wie die Zulässigkeit, die generelle Zumutbarkeit sowie die 

Möglichkeit des Vollzugs – von Amtes wegen zu prüfen, dieser Grundsatz 

findet indessen seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Beschwerde-

führerin. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden oder (wie vorlie-

gend) vorenthaltenen Informationen nach etwaigen Vollzugshindernissen 

zu forschen. Es besteht damit kein Anlass zur Annahme, die Beschwerde-

führerin würde bei der Rückkehr in ihr Heimatland in eine existenzielle 

Notlage geraten. Dies umso weniger, als das Bundesamt zutreffend dar-

auf hingewiesen hat, die Beschwerdeführerin verfüge in Ägypten über ein 

weit verzweigtes familiäres Netz. Zudem wurde die Beschwerde der El-

tern und des Bruders der Beschwerdeführerin im parallel geführten Be-

schwerdeverfahren D-1612/2014 ebenfalls abgewiesen, weshalb sie zu-

sammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder nach Ägypten zurückkehren 

kann. Auf Beschwerdeebene werden sodann hinsichtlich individueller 

Vollzugshindernisse auch keine Einwendungen erhoben. Es sind damit 

keine Gründe ersichtlich, welche der Beschwerdeführerin eine Rückkehr 

in ihr Heimatland verunmöglichten. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. Die Beschwerdevorbringen und die eingereichten Beweismittel 

sind nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken, 

zumal sie im Wesentlichen lediglich Vorfälle und Ereignisse von Drittper-

sonen beziehungsweise allgemeine Berichte in öffentlich zugänglichen 

Quellen wiedergeben und eine potenzielle konkrete Gefährdung aufgrund 

D-1609/2014 

Seite 10 

der Glaubenszugehörigkeit bloss behauptet, nicht aber durch konkrete 

Indizien in Bezug auf die Beschwerdeführerin untermauert werden. 

6.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sofern notwendig, 

sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rück-

kehr benötigten Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG 

und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegwei-

sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 

AuG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der geleistete Kostenvorschuss 

wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah-

renskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona-

le Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Robert Galliker Daniela Brüschweiler 

 

 

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