# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** be870294-7310-5f72-8490-c901a52ddb64
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.02.2023 E-517/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-517-2023_2023-02-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-517/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  F e b r u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Barbara Balmelli, 

mit Zustimmung von Richterin Chiara Piras;   

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Libyen,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 23. Januar 2023 / N (…). 

 

 

E-517/2023 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 26. Dezember 2022 in der Schweiz um 

Asyl nachsuchte, 

dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent-

raleinheit Eurodac) vom 29. Dezember 2022 ergab, dass er am 19. April 

2022 in Spanien daktyloskopisch erfasst worden war, 

dass am 9. Januar 2023 die Personalienaufnahme (PA) stattfand,  

dass der Beschwerdeführer am 12. Januar 2023 die ihm zugewiesene 

Rechtsvertretung bevollmächtigte, 

dass am 13. Januar 2023 das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) 

stattfand, 

dass der Beschwerdeführer dabei geltend machte, er sei in Spanien von 

der (…) verfolgt worden, 

dass er in medizinischer Hinsicht vorbrachte, er habe sich die (…) und (…) 

am (…), 

dass er weiter geltend machte, psychisch gehe es ihm schlecht und er 

habe Suizidgedanken,  

dass die Vorinstanz die spanischen Behörden am 13. Januar 2023 um 

Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-

VO ersuchte, 

dass der Beschwerdeführer mit schriftlicher Erklärung vom 18. Januar 

2023 auf medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit seinen 

(…)beschwerden verzichtete, 

dass die spanischen Behörden das Gesuch um Übernahme des Beschwer-

deführers gestützt auf die von der Vorinstanz angerufene Bestimmung am 

19. Januar 2023 guthiessen, 

E-517/2023 

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dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 23. Januar 2023 auf das Asylge-

such des Beschwerdeführers nicht eintrat, die Wegweisung aus der 

Schweiz nach Spanien anordnete, den Beschwerdeführer aufforderte, die 

Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, 

den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, die 

editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte und fest-

stellte, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung 

zu,  

dass die dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertretung das Man-

dat am 24. Januar 2023 niederlegte,  

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 27. Januar 2023 beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde erhob und sinngemäss die Aufhebung 

der angefochtenen Verfügung beantragt, 

und zieht in Erwägung, 

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG), 

dass die Beschwerde zulässig ist (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG) sowie 

die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 

VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG]) erfüllt sind, 

womit auf die Beschwerde einzutreten ist, 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass sich die Beschwerde – wie im Folgenden zu zeigen ist – als offen-

sichtlich unbegründet erweist, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei-

nes zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines 

Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

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Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt, 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind,  

dass wenn ein Antragsteller, aus einem Drittstaat kommend, die Land-, 

See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, dieser 

Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist, 

dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Eu-

rodac-Datenbank ergab, dass dieser in Spanien illegal in das Hoheitsge-

biet der Dublin-Staaten eingereist und am 19. April 2022 daktyloskopisch 

erfasst worden war,  

dass die Zuständigkeit Spaniens gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO 

grundsätzlich gegeben ist und vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten 

wird, 

dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-

nahmebedingungen für Antragsteller in Spanien wiesen systemische 

Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf, 

dass für die Übernahme der Zuständigkeit Spaniens gestützt auf Art. 3  

Abs. 2 Dublin-III-VO demnach kein Anlass besteht, 

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO), 

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Seite 5 

dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-

mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür 

gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

dass Spanien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nachkommt,  

dass davon ausgegangen werden darf, Spanien anerkenne und schütze 

die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi-

schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge-

meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna-

tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom  

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben,  

dass der Beschwerdeführer vorbringt, er habe Angst nach Spanien zurück-

zukehren, da er dort von der (…) umgebracht werde,  

dass er ferner geltend macht, er habe psychische Probleme und Suizidge-

danken,  

dass Spanien ein Rechtsstaat ist, welcher über ein funktionierendes Poli-

zei- und Justizsystem verfügt und sich der Beschwerdeführer bei einer all-

fälligen Bedrohung durch Privatpersonen an die zuständigen Behörden 

wenden kann,  

dass der Beschwerdeführer gemäss einer Aktennotiz der Vorinstanz mehr-

mals beim Gesundheitsdienst des BAZ B._______ wegen (…) sowie  

Suizidgedanken vorstellig wurde, wobei er eine medizinische Behandlung 

jeweils ablehnte und mit schriftlicher Erklärung vom 18. Januar 2023 aus-

drücklich auf medizinische Massnahmen zur Behandlung seiner (…) ver-

zichtete,  

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dass die aktenkundigen gesundheitlichen Probleme des Beschwerdefüh-

rers (Verdacht auf […]) offensichtlich nicht derart gravierend sind, dass ge-

stützt auf Art. 3 EMRK von einer Überstellung nach Spanien abgesehen 

werden müsste (vgl. dazu Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 

13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.), 

dass Spanien im Übrigen ohne jeden Zweifel über eine ausreichende me-

dizinische Infrastruktur verfügt (statt vieler: Urteil des BVGer D-5808/2022 

vom 27. Dezember 2022 E. 6.3) und gestützt auf Art. 19. Abs. 1 der Auf-

nahmerichtlinie verpflichtet ist, dem Beschwerdeführer die erforderliche 

medizinische Versorgung zu gewähren, 

dass hinsichtlich der geltend gemachten Suizidgefahr festzuhalten ist, dass 

gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung Suizidalität für sich allein 

kein Vollzugshindernis darstellt (vgl. Urteil BGer 2C_221/2020 vom 

19. Juni 2020 E. 2), was auch der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts 

entspricht (vgl. Urteil BVGer F-27/2021 vom 25. Februar 2021 E. 9.2 

m.w.H.), 

dass in solchen Fällen die Vollzugsbehörden gehalten sind, im Rahmen 

der konkreten Rückkehrmassnahmen alles ihnen Zumutbare vorzukehren, 

um medizinisch sowie betreuungstechnisch sicherzustellen, dass das Le-

ben und die Gesundheit der rückkehrpflichtigen Person möglichst nicht be-

einträchtigt wird (vgl. Urteil BGer 2C_221/2020 a.a.O.), 

dass weder völkerrechtliche Wegweisungsvollzugshindernisse, welche die 

Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler bei der 

Ermessensbetätigung ersichtlich sind, 

dass somit kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 17 

Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vorliegt,  

dass die Vorinstanz demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Besch-

werdeführers nicht eingetreten ist und die Überstellung nach Spanien an-

geordnet hat,  

dass die Beschwerde abzuweisen ist,  

dass die Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzu-

erlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).   

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Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin