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**Case Identifier:** 5b09384f-aeb8-5509-add2-8bc2da7114af
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-03-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.03.2015 BVGE 2015/50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2015-50_2015-03-23.pdf

## Full Text

Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 2015/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 727 

 

6 Finanzen 
Finances 
Finanze 

50 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung I 
i.S. A. AG gegen Eidgenössische Steuerverwaltung 

A‒7110/2014 vom 23. März 2015 

Mehrwertsteuer. Erlass von Bezugsteuern (2010 und 2011). 

Art. 92 Abs. 1 Bst. a und b MWSTG. 

1. Unwissenheit betreffend das Gesetz beziehungsweise rechtliche 
Bestimmungen allein, kann nicht als entschuldbarer Grund im 

Sinne von Art. 92 Abs. 1 Bst. a MWSTG gelten. Gemäss dieser 

Bestimmung reicht es denn auch nicht aus, dass sich die steuer-

pflichtige Person betreffend ihre Steuerpflicht (z.B. aus Unwis-

senheit) « im Irrtum » befand. Vielmehr muss dieser Irrtum im 

konkreten Fall aus einem entschuldbaren Grund entstanden sein 

(E. 2.7.1 und 3.4). 

2. Für die Beurteilung, ob ein Form- oder Abwicklungsfehler im 
Sinne von Art. 92 Abs. 1 Bst. b MWSTG vorliegt, ist zu beachten, 

dass solche Fehler jeweils untrennbar an eine zugrunde liegende 

Willensbildung gebunden sind: Zunächst muss ein auf etwas Be-

stimmtes gerichteter Wille vorhanden sein, wobei die Umsetzung 

dieses Willens an einem Formfehler oder einem Fehler in der 

Abwicklung scheitern kann. Hingegen können die Umstände, 

welche zum jeweiligen Willen geführt haben, nicht selbst Form- 

oder Abwicklungsfehler sein (E. 2.7.2 und 3.3). 

Taxe sur la valeur ajoutée. Remise de l'impôt sur les acquisitions (2010 

et 2011). 

Art. 92 al. 1 let. a et b LTVA. 

1. L'ignorance de la loi ou de certaines de ses dispositions ne peut 
être invoquée comme telle en tant que motif excusable au sens de 

2015/50 Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 

 

 

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l'art. 92 al. 1 let. a LTVA. Il ne suffit pas non plus, selon cette dis-

position, que l'assujetti se soit trouvé « dans l'erreur » concernant 

son assujettissement à l'impôt (p. ex. par ignorance). Bien plutôt, 

il faut que, dans le cas concret, son erreur soit issue d'un motif 

excusable (consid. 2.7.1 et 3.4). 

2. Pour déterminer si l'on est en présence d'une erreur de forme ou 
d'un manquement dû à des raisons d'organisation au sens de 

l'art. 92 al. 1 let. b LTVA, il convient de prendre en considération 

le fait que ce type d'erreur est indissociable d'une intention sous-

jacente: ainsi, l'intention préalable de faire quelque chose de 

déterminé doit d'abord exister, mais la réalisation de cette inten-

tion peut ensuite échouer en raison d'une erreur sur la forme ou 

d'un défaut d'organisation. En revanche, les circonstances qui ont 

conduit à l'intention en question ne peuvent constituer en soi une 

erreur sur la forme ou un manquement dû à des raisons d'organi-

sation (consid. 2.7.2 et 3.3). 

Imposta sul valore aggiunto. Condono di imposte sull'acquisto (2010 

e 2011). 

Art. 92 cpv. 1 lett. a e b LIVA. 

1. L'ignoranza della legge, rispettivamente di alcune disposizioni 
legali non può di per sé costituire un motivo scusabile ai sensi 

dell'art. 92 cpv. 1 lett. a LIVA. Secondo tale norma non è infatti 

sufficiente che il contribuente si sia trovato « in errore » riguardo 

al proprio assoggettamento (ad es. per ignoranza). L'errore deve 

piuttosto, nel caso concreto, essere sorto per un motivo scusabile 

(consid. 2.7.1 e 3.4). 

2. Nell'esaminare se sussiste un errore formale o di organizzazione ai 
sensi dell'art. 92 cpv. 1 lett. b LIVA occorre tener presente che tali 

errori sono sempre legati alla formazione di una volontà sog-

giacente: anzitutto deve sussistere una volontà ben precisa, che in 

seguito non si realizza a causa di un errore formale o di organiz-

zazione. Le circostanze stesse all'origine della volontà in questione 

non possono invece costituire un errore formale o di organiz-

zazione (consid. 2.7.2 e 3.3). 

 

Die A. AG ist seit 1994 im Handelsregister eingetragen. Unternehmens-

zweck ist im Wesentlichen die Erbringung von Dienstleistungen. 

Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 2015/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 729 

 

Mit Verfügung vom 4. November 2014 wies die Eidgenössische Steuer-

verwaltung (ESTV) das Erlassgesuch der A. AG betreffend die Bezug-

steuern für den Zeitraum zwischen 1. Januar 2010 und 31. Dezember 2011 

ab. Sie begründete dies damit, dass keiner der in Art. 92 MWSTG (SR 

641.20) abschliessend aufgezählten Erlassgründe gegeben sei. 

Gegen diese Verfügung erhob die A. AG (nachfolgend: Beschwerdefüh-

rerin) mit Eingabe vom 4. Dezember 2014 Beschwerde an das Bundesver-

waltungsgericht. Sie beantragt unter anderem die Aufhebung der vor-

instanzlichen Verfügung sowie die Gutheissung ihres Gesuchs um Erlass 

der für 2010 und 2011 in Rechnung gestellten Bezugsteuern. 

Mit Vernehmlassung vom 26. Januar 2015 beantragt die ESTV (nach-

folgend: Vorinstanz) die vollumfängliche Abweisung der Rechtsbegehren 

der Beschwerdeführerin (mit Ausnahme des Antrags auf Gewährung der 

aufschiebenden Wirkung). 

Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 

Aus den Erwägungen: 

2.  
2.1 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem 
System der Nettoallphasensteuer (auch als Allphasensteuer mit Vorsteuer-

abzug bzw. Mehrwertsteuer bezeichnet; Art. 1 Abs. 1 MWSTG; Art. 130 

BV). Die Steuer wird auf den im Inland von steuerpflichtigen Personen 

gegen Entgelt erbrachten Leistungen (Inlandsteuer), auf dem Bezug von 

Leistungen von Unternehmen mit Sitz im Ausland durch Empfänger und 

Empfängerinnen im Inland (Bezugsteuer) und auf Einfuhren von Gegen-

ständen (Einfuhrsteuer) erhoben (Art. 1 Abs. 2 MWSTG). 

2.2 Dienstleistungen von Unternehmen, die ihren Sitz im Ausland 
haben und die nicht im Register der steuerpflichtigen Personen eingetra-

gen sind, unterliegen der Bezugsteuer, sofern sich der Ort der Leistung im 

Inland befindet (Art. 45 Abs. 1 Bst. a MWSTG). Steuerpflichtig ist der 

Empfänger der Leistung im Inland, sofern er entweder nach Art. 10 

MWSTG steuerpflichtig ist oder ‒ bei gegebenen anderen Voraus-

setzungen ‒ im Kalenderjahr für mehr als Fr. 10 000.‒ solche Leistungen 

bezieht (Art. 45 Abs. 2 Bst. a und b MWSTG). Es kommen die ordentli-

chen Steuersätze zur Anwendung (Art. 46 i.V.m. Art. 24 f. MWSTG). Wer 

einzig aufgrund der Bezugsteuer steuerpflichtig wird, hat sich innert 

60 Tagen nach Ablauf des Kalenderjahres, für das er steuerpflichtig ist, 

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schriftlich bei der ESTV anzumelden und gleichzeitig die bezogenen 

Leistungen zu deklarieren (Art. 66 Abs. 3 MWSTG). 

Die Bezugsteuer ergänzt die Inland- sowie die Einfuhrsteuer und trägt 

damit zur lückenlosen Realisierung des aus der Wettbewerbsneutralität 

fliessenden Bestimmungslandprinzips im internationalen Verhältnis bei 

(vgl. ALOIS CAMENZIND et al., Handbuch zum Mehrwertsteuergesetz 

[MWSTG], 3. Aufl. 2012, Rz. 2092). Sinn und Zweck der Besteuerung 

von Dienstleistungsimporten ist die umfassende und rechtsgleiche Erfas-

sung von Leistungen im Inland und damit auch die Vermeidung ungerecht-

fertigter Wettbewerbsvorteile ausländischer Anbieter (Urteil des BGer 

2C_309/2009 vom 1. Februar 2010 E. 4.4 m.H. auf Urteil des BGer 

2A.541/2006 vom 21. Februar 2007 E. 2.3, in: StR 62/2007 S. 590).  

Die Bezugsteuer unterscheidet sich insofern grundlegend von der 

Inlandsteuer, als dass die gemäss Art. 45 MWSTG bezugsteuerpflichtige 

Person grundsätzlich auch die anvisierte Steuerbelastete ist. Jedoch kann 

die Bezugsteuer gemäss Art. 28 Abs. 1 Bst. b MWSTG unter gegebenen 

Umständen als Vorsteuer in Abzug gebracht werden. Voraussetzung dafür 

ist im Wesentlichen das Vorliegen einer subjektiven Steuerpflicht nach 

Art. 10 ff. MWSTG sowie das Anfallen der Vorsteuer im Rahmen der 

unternehmerischen Tätigkeit (vgl. BEATRICE BLUM, in: MWSTG Kom-

mentar, 2012, Art. 28 N. 2 ff.). Da dergestalt steuerpflichtigen Personen 

das Recht zusteht, ordnungsgemäss deklarierte Bezugsteuern im Umfang 

ihrer Berechtigung zum Vorsteuerabzug anzurechnen, wird die Steuerneu-

tralität der Bezugsteuer im unternehmerischen Bereich realisiert (BLUM, 

a.a.O., Art. 28 N. 9). Gemäss Art. 28 Abs. 4 MWSTG ist der Abzug der 

Vorsteuer nach Art. 28 Abs. 1 MWSTG zulässig, wenn die steuerpflichtige 

Person nachweist, dass sie die Vorsteuer bezahlt hat. 

Wie dargelegt, können aufgrund von Art. 28 Abs. 1 MWSTG nur gemäss 

Art. 10 MWSTG steuerpflichtige Personen Vorsteuern in Abzug bringen. 

Ist ein Unternehmen gemäss Art. 10 Abs. 2 MWSTG von der Inland-

steuerpflicht befreit, besteht gemäss Art. 11 Abs. 1 MWSTG das Recht, 

auf die Befreiung von der entsprechenden Steuerpflicht zu verzichten. Der 

Verzicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht kann mit Wirkung auf 

jeden Zeitpunkt innerhalb der laufenden Steuerperiode gegenüber der 

ESTV erklärt werden. Als frühester Zeitpunkt ist nach Art. 14 Abs. 4 

MWSTG der Beginn der laufenden Steuerperiode möglich. Damit ist eine 

rückwirkende Verzichtserklärung für frühere Steuerperioden ausge-

schlossen (vgl. BAUMGARTNER/CLAVADETSCHER/KOCHER, Vom alten zum 

neuen Mehrwertsteuergesetz, 2010, § 3 N. 54). 

Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 2015/50 

 

 

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2.3 Gemäss Art. 92 Abs. 1 MWSTG kann die ESTV rechtskräftig 
festgesetzte Steuern ganz oder teilweise erlassen, wenn die steuer-

pflichtige Person:  

a. die Steuer aus einem entschuldbaren Grund nicht in Rechnung ge-

stellt und eingezogen hat, eine nachträgliche Überwälzung nicht 

möglich oder nicht zumutbar ist und die Bezahlung der Steuer eine 

grosse Härte bedeuten würde; 

b. die Steuer einzig aufgrund der Nichteinhaltung von formellen Vor-

schriften oder aufgrund von Abwicklungsfehlern schuldet und er-

kennbar ist oder die steuerpflichtige Person nachweist, dass für den 

Bund kein Steuerausfall entstanden ist; oder 

c. aus einem entschuldbaren Grund ihren Veranlagungspflichten nicht 

nachkommen konnte, nachträglich aber nachweisen oder glaubhaft 

machen kann, dass die durch die ESTV vorgenommene Ermessens-

einschätzung zu hoch ausgefallen ist; in diesem Falle ist ein Steuer-

erlass nur bis zur Höhe des zu viel veranlagten Betrages möglich. 

Es ist unbestritten, dass vorliegend die Erlassgründe von Art. 92 Abs. 1 

Bst. c MWSTG nicht zur Anwendung gelangen. Ebenfalls wurde das 

Erlassgesuch nicht im Rahmen eines gerichtlichen Nachlassverfahrens 

gestellt, womit kein Fall von Art. 92 Abs. 2 MWSTG vorliegt. Daher 

beschränken sich die nachfolgenden Ausführungen auf die Varianten von 

Art. 92 Abs. 1 Bst. a und b MWSTG. 

2.4 Gemäss Art. 92 Abs. 6 MWSTG regelt der Bundesrat die Voraus-
setzungen und das Verfahren für den Steuererlass näher. Von dieser 

Kompetenz hat er jedoch bis jetzt noch keinen Gebrauch gemacht (GUIDO 

MÜLLER, in: MWSTG Kommentar, a.a.O., Art. 92 N. 24). 

2.5 Der Steuererlass stellt den Verzicht des Gemeinwesens auf einen 
ihm zustehenden steuerrechtlichen Anspruch dar, mit welchem das öffent-

liche Vermögen vermindert wird. Er bildet Teil der sogenannt rechtlichen 

Untergangsgründe der Steuerforderung und kann damit ausschliesslich in 

den vom Gesetz vorgesehenen Fällen und bei Erfüllung der entsprechen-

den Voraussetzungen gewährt werden. Ausgeschlossen ist somit insbeson-

dere ein « gnadenweiser » Erlass über den gesetzlich geregelten hinaus. 

Aus Gründen der rechtsgleichen Behandlung der Steuerpflichtigen muss 

der Steuererlass seltene Ausnahme bleiben (vgl. MICHAEL BEUSCH, Der 

Untergang der Steuerforderung, 2012, S. 188 m.w.H.; vgl. Urteile des 

BVGer A‒593/2014 vom 27. Mai 2014 E. 3.3.3; A‒1714/2006 vom 

11. August 2008 E. 2.4 m.w.H.). 

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732 BVGE / ATAF / DTAF 

 

2.6 Art. 92 Abs. 1 MWSTG sieht als Grundvoraussetzung für einen 
Erlass das Vorliegen einer rechtskräftig festgesetzten Steuer vor. Der 

Steuererlass gehört somit nicht zur Steuerveranlagung, sondern zum 

Steuerbezug (BAUMGARTNER/CLAVADETSCHER/KOCHER, a.a.O., § 10 

N. 153). Im Erlassverfahren wird ausschliesslich geprüft, ob die gesetzlich 

statuierten Erlassvoraussetzungen erfüllt sind. Eine Revision der Steuer-

forderung selbst ist in einem solchen Verfahren nicht möglich. Die Erlass-

behörde ist denn auch nicht befugt, Letztere nachzuprüfen (Urteil des 

BVGer A‒1080/2014 vom 2. Oktober 2014 E. 2.2.2 mit Verweis auf 

BVGE 2009/45 E. 2.3 [betrifft den Erlass der direkten Bundessteuer]; 

BEUSCH, a.a.O., S. 209). Die Rechtskraft einer Mehrwertsteuerforderung 

beurteilt sich nach Art. 43 Abs. 1 MWSTG. 

2.7 Die Gründe für einen Erlass liegen stets in der « Person » des 
Steuerschuldners (BEUSCH, a.a.O., S. 202). Neben der allgemeinen Vor-

aussetzung der Rechtskraft der Steuerforderung müssen ‒ soweit hier 

interessierend ‒ entweder sämtliche Voraussetzungen von Art. 92 Abs. 1 

Bst. a oder sämtliche von Bst. b MWSTG erfüllt sein (vgl. Botschaft vom 

25. Juni 2008 zur Vereinfachung der Mehrwertsteuer, BBl 2008 6885, 

7013, nachfolgend: Botschaft zum MWSTG). 

2.7.1 Bei den Voraussetzungen gemäss Art. 92 Abs. 1 Bst. a MWSTG, 
welche kumulativ gegeben sein müssen, handelt es sich um die folgenden:  

- Die steuerpflichtige Person hat die Steuer aus einem entschuldbaren 

Grund nicht in Rechnung gestellt und auch nicht eingezogen; 

- die nachträgliche Überwälzung ist nicht möglich oder kann der steuer-

pflichtigen Person nicht zugemutet werden; sowie 

- die Bezahlung der Steuer würde eine grosse Härte bedeuten. 

Die unbestimmten Rechtsbegriffe (« entschuldbarer Grund », « nach-

trägliche Überwälzung nicht zumutbar » sowie « grosse Härte ») lassen 

der ESTV einen relativ grossen Ermessensspielraum bei der Beurteilung 

der Erlassgesuche (Urteile des BVGer A‒1080/2014 E. 2.3; A‒6523/2012 

vom 18. Juni 2013 E. 3.3.2; MÜLLER, a.a.O., Art. 92 N. 14). 

Nach der Botschaft zum MWSTG liegt ein « verständlicher Grund bei-

spielsweise dann vor, wenn die steuerpflichtige Person sich über die Steu-

erpflicht in einem Irrtum befunden hat und eine andere Person unter glei-

chen Voraussetzungen ebenso gehandelt hätte » (BBl 2008 6885, 7013; 

CAMENZIND et al., a.a.O., Rz. 2377). In der Lehre wird betreffend die 

Frage der Entschuldbarkeit eines Grundes vorgebracht, dass auch die von 

der Rechtsprechung und Lehre entwickelten Kriterien zur unverschuldeten 

Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 2015/50 

 

 

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Nichteinhaltung von Fristen im Rahmen des prozessrechtlichen Instituts 

der Fristwiederherstellung hilfsweise herangezogen werden können 

(BEUSCH, a.a.O., S. 218): Im Verwaltungsverfahren kann eine Frist dann 

wiederhergestellt werden, wenn der Gesuchsteller oder sein Vertreter 

unverschuldeterweise abgehalten worden ist, innert Frist zu handeln 

(Art. 24 Abs. 1 VwVG). Im Interesse der Rechtssicherheit und eines 

geordneten Verfahrens darf ein Hinderungsgrund nicht leichthin 

angenommen werden. Als unverschuldet im Sinne von Art. 24 Abs. 1 

VwVG kann ein Versäumnis nur dann gelten, wenn dafür objektive 

Gründe vorliegen und der Partei beziehungsweise der Vertretung keine 

Nachlässigkeit vorgeworfen werden kann. Als erheblich sind mit anderen 

Worten nur solche Gründe zu betrachten, die der Partei auch bei 

Aufwendung der üblichen Sorgfalt die Wahrung ihrer Interessen 

verunmöglicht oder unzumutbar erschwert hätten (MOSER/BEUSCH/ 

KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 

2013, Rz. 2.140 unter Verweis auf Urteil des BGer 2C_703/2009 vom 

21. September 2010 E. 3.3 m.H.; Urteile des BVGer B‒65/2012 vom 

11. April 2012 E. 3 und 4.3; E‒350/2012 vom 1. Februar 2012 m.H.). 

Nicht als unverschuldete Hindernisse in Bezug auf die Fristwahrung gelten 

namentlich organisatorische Unzulänglichkeiten, Arbeitsüberlastung, Fe-

rienabwesenheit oder Unkenntnis der gesetzlichen Vorschriften (MOSER/ 

BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.143 unter Verweis auf Urteile des 

BVGer C‒300/2009 vom 16. Februar 2009 E. 2.1; A‒1514/2006 vom 

14. Februar 2008 E. 2.5 m.H.). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung gelten Gesetze mit der amtlichen Publikation des Textes als be-

kannt. Jemand, der aus seiner Unkenntnis des Rechts etwas zu seinen 

Gunsten ableiten will, muss sich den Grundsatz « error iuris nocet », wo-

nach die subjektive Unkenntnis des Rechts nicht vor den entsprechenden 

Rechtsfolgen schützt, entgegenhalten lassen (Urteil des BGer 

5A_240/2011 vom 6. Juli 2011 E. 6.5 m.w.H., insb. auf BGE 127 III 357 

E. 3d). Auch von (potenziell) Mehrwertsteuerpflichtigen wird verlangt, 

dass sie über die erforderlichen Kenntnisse betreffend ihre (allfälligen) 

gesetzlichen Pflichten verfügen und sich über die geltende Praxis zum 

Mehrwertsteuergesetz hinreichend informieren (vgl. Urteile des BVGer 

A‒1344/2011 und A‒3285/2011 vom 26. September 2011 E. 3.3 m.w.H.). 

Aus alledem folgt, dass Unwissenheit betreffend das Gesetz beziehungs-

weise rechtliche Bestimmungen allein nicht als « entschuldbarer Grund » 

im Sinne von Art. 92 Abs. 1 Bst. a MWSTG gelten kann. Gemäss dieser 

Bestimmung reicht es denn auch nicht aus, dass sich die steuerpflichtige 

Person betreffend ihre Steuerpflicht (zum Beispiel aus Unwissenheit) « im 

2015/50 Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 

 

 

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Irrtum » befand. Vielmehr muss dieser Irrtum im konkreten Fall aus einem 

entschuldbaren Grund entstanden sein. 

Unzumutbarkeit beziehungsweise Unmöglichkeit der nachträglichen 

Überwälzung dürfte beispielsweise in Fällen vorliegen, in welchen die 

steuerpflichtige Person an eine Vielzahl von oder an anonyme Leistungs-

empfänger gelangen müsste oder wenn Leistungsempfänger nicht mehr 

existieren (MÜLLER, a.a.O., Art. 92 N. 16; BAUMGARTNER/CLAVADET-

SCHER/KOCHER, a.a.O., § 10 N. 153). 

Bei der Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der « grossen Härte » 

kann auch die einschlägige reichhaltige Kasuistik aus den anderen 

Steuerrechtsgebieten herangezogen werden (BEUSCH, a.a.O., S. 218). 

Sodann ist die « grosse Härte » von der « erheblichen Härte » gemäss 

Art. 90 Abs. 1 MWSTG zu unterscheiden. Demnach würde ein kurz-

fristiger Liquiditätsengpass kaum als « grosse Härte » bezeichnet werden 

können. Hingegen dürfte von einer solchen auszugehen sein, wenn der 

Fortbestand der steuerpflichtigen Person aufgrund der Steuerforderung 

gefährdet erschiene (MÜLLER, a.a.O., Art. 92 N. 15). 

2.7.2 In Art. 92 Abs. 1 Bst. b MWSTG werden folgende Voraus-
setzungen für einen Steuererlass genannt (MÜLLER, a.a.O., Art. 92 N. 17): 

- Die steuerpflichtige Person kann nachweisen oder es ist für die ESTV 

erkennbar, dass dem Bund kein Steuerausfall entstanden ist; und 

- eine formelle Vorschrift wurde nicht eingehalten; oder 

- es liegt ein Abwicklungsfehler vor. 

Nach den Ausführungen in der Botschaft zum MWSTG ist diese Be-

stimmung auf den Fall anwendbar, in welchem die steuerpflichtige Person 

die MWST einzig deshalb schuldet, weil sie bei der Steuerabrechnung 

formelle Vorschriften nicht eingehalten hat. Allerdings sollten solche Fälle 

nicht mehr vorkommen, zumal das Gesetz grundsätzlich keine formellen 

Vorschriften (wie beispielsweise Formerfordernisse für zu erbringende 

Nachweise; vgl. dazu Art. 81 Abs. 3 MWSTG) mehr kennt (BBl 2008 

6885, 7013; CAMENZIND et al., a.a.O., Rz. 2378). In jedem Fall darf dem 

Bund nachweislich kein Steuerausfall entstanden sein. Dies ist beispiels-

weise immer dann der Fall, wenn der Leistungserbringer an andere 

Steuerpflichtige fakturiert, die zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt sind 

(MÜLLER, a.a.O., Art. 92 N. 20). 

In Art. 92 Abs. 1 Bst. b MWSTG wird auch der « Abwicklungsfehler » 

genannt, wobei nicht näher beschrieben wird, was darunter zu verstehen 

Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 2015/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 735 

 

ist. Auch aus dem französischen und italienischen Wortlaut von Art. 92 

Abs. 1 Bst. b MWSTG ergibt sich keine Klärung, zumal dort von « erreurs 

pour des raisons d'organisation » beziehungsweise « errori per motivi di 

organizzazione » die Rede ist. In der Lehre wird die Meinung vertreten, es 

sei wohl ‒ unter Berücksichtigung des Wortlauts von Art. 87 Abs. 2 

MWSTG, wonach bei einer Nachbelastung kein Verzugszins geschuldet 

ist, wenn diese auf einem Fehler beruht, der bei richtiger Abwicklung beim 

Bund zu keinem Steuerausfall geführt hätte ‒ davon auszugehen, dass 

jeder Fehler unter Abwicklungsfehler subsumierbar sei (vgl. MÜLLER, 

a.a.O., Art. 92 N. 19). Dies darf indessen nicht darüber hinwegtäuschen, 

dass Form- beziehungsweise Abwicklungsfehler jeweils untrennbar an 

eine zugrunde liegende Willensbildung gebunden sind. Mit anderen 

Worten muss zunächst ein auf etwas Bestimmtes gerichteter Wille 

vorhanden sein. Die Umsetzung dieses Willens kann sodann an einem 

Formfehler oder einem Fehler in der Abwicklung scheitern. Hingegen 

können die Umstände, welche zum jeweiligen Willen geführt haben, nicht 

selbst Form- oder Abwicklungsfehler sein. 

2.8 Gemäss den Ausführungen des Bundesrats in der Botschaft zum 
MWSTG hat die steuerpflichtige Person keinen Anspruch auf Erlass der 

Steuer (BBl 2008 6885, 7014). Dementsprechend ist in Art. 92 Abs. 1 

MWSTG auch nur eine « Kann-Formulierung » zu finden. Ob diese 

Auffassung zutrifft, ist ‒ wie von der Lehre aufgezeigt ‒ fraglich (vgl. 

BEUSCH, a.a.O., S. 231 ff.; MOLLARD/OBERSON/TISSOT BENEDETTO, 

Traité TVA, 2009, Anhang 3 Rz. 527). Wie dem auch sei: Gemäss Art. 92 

Abs. 3 MWSTG besteht ‒ wie ganz allgemein bereits aufgrund der 

Rechtsweggarantie von Art. 29a BV ‒ die Möglichkeit der Beschwerde-

führung an das Bundesverwaltungsgericht. Bei der gerichtlichen Überprü-

fung einer Verfügung der ESTV muss jedoch deren grosser Ermessens-

spielraum bei der Beurteilung der Voraussetzungen für einen Steuererlass 

beachtet werden. Überprüft wird aber die Einhaltung der Grenzen der 

Ermessensausübung (Urteile A‒1080/2014 E. 2.4; A‒6523/2012 E. 3.4; 

BEUSCH, a.a.O., S. 232 f.). 

2.9 Verzugszinsen haben ihren Ursprung in der verspäteten Zahlung 
einer Mehrwertsteuerforderung und dienen dazu, den der Steuerver-

waltung auf dieser Forderung entstandenen Zinsverlust auszugleichen. Sie 

treten zu dieser hinzu und teilen ihr Schicksal. Dies zeigt sich unter 

anderem darin, dass die Verzugszinspflicht endet, sobald die Mehrwert-

steuerforderung bezahlt ist. Demzufolge handelt es sich auch bei den 

2015/50 Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 

 

 

736 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Verzugszinsen im weiteren Sinne um geschuldete Mehrwertsteuer (Urteil 

A‒1714/2006 E. 3.1.1; MÜLLER, a.a.O., Art. 92 N. 7). 

3.  
3.1 Im vorliegenden Fall ist die Grundvoraussetzung der rechts-
kräftig festgesetzten Steuer durch die Einschätzungsmitteilung Nr. (…) 

vom 6. Juni 2014 gegeben. Nachfolgend gilt es zu untersuchen, ob die 

Voraussetzungen für einen Steuererlass nach Art. 92 Abs. 1 Bst. a oder b 

MWSTG erfüllt sind.  

3.2 Unstrittig ist, dass die Beschwerdeführerin ihren Sitz im Inland 
hat und in den Jahren 2010 und 2011 Dienstleistungen im Wert von über 

Fr. 10 000.‒ von Unternehmen mit Sitz im Ausland, welche nicht im Re-

gister der steuerpflichtigen Personen eingetragen sind, bezog. Damit war 

sie während dieses Zeitraums ohne Weiteres bezugsteuerpflichtig (E. 2.2). 

Da die Beschwerdeführerin ihre eigenen Dienstleistungen grossmehr-

heitlich an Unternehmen im Ausland erbringt und im Inland die Umsatz-

grenze von Fr. 100 000.‒ nicht erreicht, ist sie von der Inlandsteuerpflicht 

befreit. Will sie die Bezugsteuer als Vorsteuer in Abzug bringen, müsste 

sie somit auf die Befreiung von der entsprechenden Steuerpflicht ver-

zichten (E. 2.2). Dies hat sie im Laufe des Jahres 2012 erstmals gemacht, 

womit sie den Vorsteuerabzug rückwirkend ab 1. Januar 2012 geltend 

machen konnte (E. 2.2). 

3.3 Zunächst wird geprüft, ob die infrage stehenden Bezugsteuern im 
vorliegenden Fall gestützt auf Art. 92 Abs. 1 Bst. b MWSTG erlassen 

werden können: 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie schulde die für die Jahre 2010 und 

2011 festgesetzten Bezugsteuern einzig aufgrund des Nichteinhaltens 

formeller Vorschriften beziehungsweise wegen eines Abwicklungsfehlers. 

Den Form- beziehungsweise Abwicklungsfehler erblickt sie darin, dass sie 

sich ‒ aufgrund eines Irrtums in Bezug auf ihre Bezugsteuerpflicht ‒ nicht 

rechtzeitig der Steuerpflicht gemäss Art. 10 MWSTG unterstellt und 

dadurch die Möglichkeit verpasst habe, die Bezugsteuern als Vorsteuern in 

Abzug zu bringen. Diesbezüglich verweist sie auf Art. 45a der bis Ende 

2009 geltenden Verordnung vom 29. März 2000 [aMWSTGV, AS 2006 

2353, 2354] zum MWSTG vom 22. September 1999 [aMWSTG; AS 2000 

1300]. Diese Bestimmung war zwischen 1. Juli 2006 und 31. Dezember 

2009 in Kraft und lautete wie folgt: 

Allein aufgrund von Formmängeln wird keine Steuernachforderung 

erhoben, wenn erkennbar ist oder die steuerpflichtige Person nachweist, 

Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 2015/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 737 

 

dass durch die Nichteinhaltung einer Formvorschrift des Gesetzes oder 

dieser Verordnung für die Erstellung von Belegen für den Bund kein 

Steuerausfall entstanden ist. 

Sodann beruft sich die Beschwerdeführerin auf die Praxismitteilung (…) 

der ESTV vom 31. Oktober 2006 betreffend die Behandlung von Form-

mängeln: In Ziff. 2.11 der genannten Praxismitteilung wurde festgehalten, 

dass ‒ im Gegensatz zu vorher ‒ ab dem 1. Juli 2006 auch in den Steuer-

quartalen vor der Eintragung als inlandsteuerpflichtige Person getätigte 

Dienstleistungsbezüge von Unternehmen mit Sitz im Ausland, in der 

ersten Abrechnung, die auf das bewilligte Optionsgesuch (gemeint ist in 

der heutigen Terminologie der Verzicht auf die Befreiung von der 

Inlandsteuerpflicht) hin folgt, nachdeklariert und der Vorsteuerabzug vor-

genommen werden kann, soweit die bezogenen Dienstleistungen für 

steuerbare Zwecke verwendet worden sind. 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die ESTV habe ihr gestützt auf 

diese Praxis zugestanden, die in den Jahren 2007‒2009 angefallenen 

Bezugsteuern als Vorsteuern in Abzug zu bringen. Vor dem Hintergrund, 

dass aus der Botschaft zum MWSTG hervorgehe, dass Sinn und Zweck 

von Art. 45a aMWSTGV durch Art. 92 Abs. 1 Bst. b MWSTG 

übernommen werden sollte (vgl. BBl 2008 6885, 7013; BAUMGARTNER/ 

CLAVADETSCHER/KOCHER, a.a.O., § 10 N. 154), sei die damalige Praxis 

der ESTV weiterzuführen beziehungsweise die hier infrage stehenden 

Bezugsteuern gestützt darauf zu erlassen. 

Dieser Argumentation kann aus folgenden Gründen nicht gefolgt werden: 

Zwar trifft es grundsätzlich zu, dass sowohl durch Art. 45a aMWSTGV 

wie auch durch Art. 92 Abs. 1 Bst. b MWSTG sichergestellt werden sollte, 

dass niemand aus rein formellen Gründen mit Steuer belastet wird, wenn 

dem Bund nachweislich kein Steuerausfall entsteht (E. 2.7.2), doch 

schuldet die Beschwerdeführerin für die Jahre 2010 und 2011 

Bezugsteuern, weil sie in diesem Zeitraum Dienstleistungen aus dem 

Ausland bezog (Art. 45 MWSTG; E. 2.2 sowie E. 3.2) und ‒ mangels 

rechtzeitigem Verzicht auf Befreiung von der Inlandsteuerpflicht (E. 2.2) ‒ 

nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt war. Dass nur gemäss Art. 10 

MWSTG steuerpflichtige Personen Vorsteuern in Abzug bringen können, 

ist ein Grundsatz materiellen Rechts und nicht eine formelle Vorschrift. 

Sodann erfolgt der Verzicht auf die Befreiung von der entsprechenden 

Steuerpflicht freiwillig. Ein von der Steuerpflicht befreites Unternehmen 

entscheidet selbstverantwortlich, ob es auf die Befreiung verzichten will 

oder nicht. Dieser Entscheid ist in diesem Sinne nicht « richtig » oder 

2015/50 Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 

 

 

738 BVGE / ATAF / DTAF 

 

« falsch ». Nur weil das Unternehmen im Nachhinein feststellt, dass es 

vorteilhafter gewesen wäre, zu einem gegebenen Zeitpunkt auf die 

Befreiung von der Steuerpflicht gemäss Art. 10 MWSTG zu verzichten, 

stellt dies objektiv gesehen nicht einen Fehler ‒ und somit auch keinen 

Form- oder Abwicklungsfehler im Sinne von Art. 92 Abs. 1 Bst. b 

MWSTG (E. 2.7.2) ‒ dar. Der einzige « Fehler », den die Beschwerdefüh-

rerin aus steuerrechtlicher Sicht begangen hat, ist, dass sie sich nicht innert 

der in Art. 66 Abs. 3 MWSTG festgelegten Frist als bezugsteuerpflichtige 

Person bei der ESTV angemeldet und die bezogenen Leistungen deklariert 

hat (E. 2.2). Und selbst wenn sie die bezogenen Leistungen pflichtgemäss 

deklariert hätte, hätte dies nicht automatisch den Verzicht auf die 

Steuerbefreiung (Art. 11 MWSTG) bedeutet. Der Entscheid für oder 

gegen einen solchen Verzicht auf die Steuerbefreiung ist ein individueller 

und nicht an die Bezugsteuerpflicht gekoppelt. Es sind denn auch durchaus 

Fälle denkbar, in welchen ein entsprechender Verzicht für ein Unter-

nehmen trotz Bezugsteuerpflicht insgesamt nicht die vorteilhafteste Lö-

sung darstellt und es sich deshalb bewusst gegen einen Verzicht auf die 

Befreiung von der Inlandsteuerpflicht entscheidet. Sodann bewirkt ein 

solcher Verzicht lediglich, dass die Bezugsteuern unter den gegebenen 

weiteren Voraussetzungen (als Vorsteuern) abgezogen werden können. Die 

Bezugsteuerpflicht an sich wird davon nicht berührt. 

Aus welchen Gründen die Beschwerdeführerin nicht auf eine Befreiung 

von der Steuerpflicht verzichtet hat, muss hier unberücksichtigt bleiben. 

Relevant ist einzig, dass diese Wahl weder einen Form- noch einen 

Abwicklungsfehler darstellt (E. 2.7.2.). Daran vermag auch die frühere 

Praxis der ESTV nichts zu ändern (…). 

In den Jahren 2010 und 2011 war die Beschwerdeführerin gemäss Art. 10 

Abs. 2 MWSTG von der obligatorischen Inlandsteuerpflicht befreit und es 

lag kein Verzicht auf Befreiung von der entsprechenden Steuerpflicht vor. 

Da ein solcher aufgrund des geltenden Rechts für den fraglichen Zeitraum 

auch nicht nachgeholt werden kann (E. 2.2), würde dem Bund ohne 

Weiteres ein Steuerausfall entstehen, würden die hier infrage stehenden 

Bezugsteuern nicht bezahlt beziehungsweise als Vorsteuern geltend 

gemacht (E. 2.7.2). Damit sind die Voraussetzungen für einen Steuererlass 

nach Art. 92 Abs. 1 Bst. b MWSTG vorliegend nicht erfüllt. 

3.4 Es bleibt zu prüfen, ob im vorliegenden Fall ein Erlass gestützt 
auf Art. 92 Abs. 1 Bst. a MWSTG infrage kommt: 

Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 2015/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 739 

 

In Bezug auf das in dieser Bestimmung genannte Erfordernis der 

Unmöglichkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit der nachträglichen 

Überwälzung der Steuer (E. 2.7.1) macht die Beschwerdeführerin geltend, 

dass es bei der Bezugsteuer von vornherein keine Überwälzungs- und 

damit auch keine Korrekturmöglichkeit gebe. Die Konstellation, in 

welcher die Steuer grundsätzlich nicht überwälzt werden könne, da die 

entsprechenden Leistungen ins Ausland erbracht würden, sei nicht ge-

regelt. Die Beschwerdeführerin erblickt darin eine echte Gesetzeslücke 

(…) und ist der Ansicht, dass die Voraussetzung der Unmöglichkeit 

beziehungsweise Unzumutbarkeit der nachträglichen Überwälzung (E. 2.2 

und 2.7.1) unter diesen Umständen im vorliegenden Fall als erfüllt zu 

betrachten sei. Die Frage, ob von einer Lücke des Gesetzes auszugehen ist, 

kann indessen offen bleiben, zumal es vorliegend ohnehin an der Erfüllung 

der Voraussetzung des entschuldbaren Grundes mangelt: 

Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, sich ihrer 

Bezugsteuerpflicht nicht bewusst gewesen zu sein. Der Irrtum in Bezug 

auf ihre Bezugsteuerpflicht rühre daher, dass sie die von (Tochter-)Unter-

nehmen aus dem Ausland bezogenen (Beratungs-)Dienstleistungen so-

gleich wieder an Unternehmen mit Sitz im Ausland weiterverrechnet habe. 

Deshalb habe sie die bezogenen Dienstleistungen lediglich als Teil ihrer 

Kosten gesehen, anstatt sie als eigenständige, der Bezugsteuer unterliegen-

de Leistungen zu erkennen beziehungsweise zu deklarieren. Es sei hin-

länglich bekannt, dass dieser Irrtum Unternehmen in vergleichbaren 

Situationen immer wieder unterlaufe. Demzufolge sei vorliegend von 

einem entschuldbaren Irrtum auszugehen. 

Diese Argumentation geht aus folgenden Gründen fehl: Die objektive 

Steuerpflicht der von der Beschwerdeführerin aus dem Ausland bezogenen 

Dienstleistungen ergibt sich ohne Weiteres aus dem Gesetz (Art. 45 Abs. 1 

Bst. a MWSTG). Die Beschwerdeführerin ist ein in der Schweiz 

ansässiges Unternehmen. Von einem solchen darf erwartet werden, dass es 

die anwendbaren rechtlichen Bestimmungen kennt. Wie dargelegt, schützt 

die subjektive Unkenntnis des Rechts oder ein Vertrauen auf die 

Rechtsgültigkeit nicht vor den entsprechenden Rechtsfolgen. Mit anderen 

Worten kann die Beschwerdeführerin aus der Unkenntnis des Gesetzes 

nichts zu ihren Gunsten ableiten (E. 2.7.1). 

Es bleibt zu prüfen, ob der konkrete Grund, welcher gemäss der 

Beschwerdeführerin dazu geführt hat, dass sie fälschlicherweise glaubte, 

überhaupt nicht mehrwertsteuerpflichtig zu sein, als entschuldbar einzu-

2015/50 Mehrwertsteuer. Erlassgesuch Bezugsteuer 

 

 

740 BVGE / ATAF / DTAF 

 

stufen ist. Als diesen entschuldbaren Grund erachtet die Beschwerdeführe-

rin den Umstand, dass sie aufgrund der Abrechnungsmethode (Kostenauf-

schlagsmethode), welche sie mit ihren Dienstleistungserbringern verwen-

de, nicht realisiert habe, der Bezugsteuer unterliegende Leistungen zu 

beziehen. Sie beruft sich diesbezüglich darauf, dass es auch andere 

Unternehmen geben dürfte, die sich in einer vergleichbaren Situation 

betreffend ihre Bezugsteuerpflicht im Irrtum befinden. Selbst wenn dem 

tatsächlich so wäre, ist davon auszugehen, dass diesen unzählige Bezug-

steuerpflichtige gegenüberstehen, welche die entsprechenden Leistungen, 

auch unter vergleichbaren Umständen wie denjenigen, unter welchen die 

Beschwerdeführerin mit ihren Dienstleistungserbringern abrechnet, kor-

rekt deklarieren. Immerhin hält die Beschwerdeführerin selbst fest, allein 

durch den Beizug eines Steuerberaters realisiert zu haben, bezugsteuer-

pflichtig zu sein. Somit kann vorliegend nicht angenommen werden, dass 

eine andere Person unter den nämlichen Voraussetzungen gleich wie die 

Beschwerdeführerin gehandelt hätte (E. 2.7.1). In einem solchen Fall kann 

ein ‒ ohne Weiteres vermeidbarer ‒ Irrtum über die Steuerpflicht nicht als 

entschuldbar bezeichnet werden. 

Da für einen Steuererlass in Anwendung von Art. 92 Abs. 1 Bst. a 

MWSTG alle in dieser Bestimmung genannten Voraussetzungen 

kumulativ erfüllt sein müssen (E. 2.3 und 2.7.1), kann nach Feststellung 

des Fehlens einer Voraussetzung auf die Prüfung der weiteren Voraus-

setzungen verzichtet werden. Nach dem Dargelegten ist auch der Erlass-

grund gemäss Art. 92 Abs. 1 Bst. a MWSTG nicht gegeben. 

3.5 Betreffend die Verzugszinsen ist der Beschwerdeführerin zwar 
darin beizupflichten, dass der Verzugszins für die eingeforderten Bezug-

steuern Teil der Forderung der ESTV bildet. Verzugszinsen treten zur 

MWST-Forderung hinzu und teilen das Schicksal der Hauptforderung 

(E. 2.9). Da indes die geschuldete Bezugsteuer im vorliegenden Fall nicht 

erlassen werden kann, bleiben auch die Verzugszinsen geschuldet. 

3.6 Das Gesuch um aufschiebende Wirkung ist mit vorliegendem 
Endentscheid gegenstandslos geworden.