# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 90819ee0-2305-5c40-bb75-41d7cbabca91
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Schuldbetreibungs- und Konkurskammer 16.07.2020 KSK 2020 81
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_003_KSK-2020-81_2020-07-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

1 / 6

Entscheid vom 16. Juli 2020

Referenz KSK 20 81

Instanz Schuldbetreibungs- und Konkurskammer als Aufsichtsbehörde 
über Schuldbetreibung und Konkurs

Besetzung Brunner, Vorsitzender
Michael Dürst und Hubert
Straumann, Aktuarin ad hoc

Parteien A._____
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Claudio Stalder
CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG, Länggasstras-
se 35/37, Postfach, 3001 Bern 

gegen

B._____
Beschwerdegegnerin

Gegenstand Rückweisung des Betreibungsbegehrens

Anfechtungsobj. Verfügung des Betreibungs- und Konkursamts der Region Plessur 
vom 08.06.2020 

Mitteilung 17. August 2020

2 / 6

I. Sachverhalt

A. Am 5. Juni 2020 stellte A._____ ein Betreibungsbegehren gegen B._____ 
über CHF 3'900.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 10. April 2020.

B. Dieses Betreibungsbegehren wurde vom Betreibungs- und Konkursamt der 
Region Plessur (nachfolgend: Betreibungsamt Plessur) am 8. Juni 2020 zurück-
gewiesen, weil B._____ nicht mehr in O.1_____ wohnhaft sei.

C. Gegen diese Rückweisungsverfügung reichte A._____ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) am 17. Juni 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht von 
Graubünden ein. Er stellte darin die folgenden Begehren:

1. Die Verfügung des Betreibungs- und Konkursamt der Region Plessur 
vom 8. Juni 2020 sei aufzuheben und das Betreibungs- und Konkur-
samt der Region Plessur sei anzuweisen, der Schuldnerin B._____, 
_____strasse 31, O.1_____ den Zahlungsbefehl zuzustellen.

2. Nach zwei erfolglosen Zustellversuchen sei der Zahlungsbefehl am 
Aufenthaltsort oder bei Unauffindbarkeit subsidiär durch öffentliche 
Bekanntmachung im Schweizerischen Handelsamtsblatt und Kantons-
amtsblatt Graubünden zuzustellen.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen –

Zur Begründung führt der Beschwerdeführer an, dass ihm sowohl die Polizei als 
auch das Einwohneramt O.1_____ bestätigt hätten, dass B._____ (nachfolgend: 
Beschwerdegegnerin) an der _____strasse 31 in O.1_____ gemeldet sei, weshalb 
sie auch dort ihren Wohnsitz habe und gemäss Art. 46 Abs. 1 SchKG an diesem 
Ort zu betreiben sei. Dass dies ein Standplatz für Fahrende sei und sich die Be-
schwerdegegnerin nicht stetig dort aufhalte, ändere hieran nichts. 

D. Mit Stellungnahme vom 23. Juni 2020 beantragte das Betreibungsamt 
Plessur die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Dies, da es 
keine Anhaltspunkte gäbe, dass sich die Beschwerdegegnerin in O.1_____ aufhal-
te. Trotz bestehender Anmeldung in O.1_____ habe die Beschwerdegegnerin im 
vergangenen Jahr auf mehrere Abholaufforderungen nicht reagiert und sogar eine 
polizeiliche Zustellung sei erfolglos geblieben. Das Betreibungsamt Plessur sei 
daher weder gestützt auf Art. 46 SchKG noch gestützt auf Art. 48 SchKG zustän-
dig, da sich weder der Wohnort noch der Aufenthaltsort der Beschwerdegegnerin 
in O.1_____ befänden. Aus demselben Grund sei das Betreibungsamt Plessur 
auch für eine öffentliche Bekanntmachung gemäss Art. 66 Abs. 4 SchKG nicht 
zuständig.

3 / 6

II. Erwägungen

1.1. Gemäss Art. 17 Abs. 1 und 2 SchKG kann mit Ausnahme der Fälle, in de-
nen dieses Gesetz den Weg der gerichtlichen Klage vorschreibt, gegen jede Ver-
fügung eines Betreibungs- oder eines Konkursamtes innert 10 Tagen bei der Auf-
sichtsbehörde wegen Gesetzesverletzung oder Unangemessenheit Beschwerde 
bei der Aufsichtsbehörde geführt werden. Die vorliegende Beschwerde (act. A.1) 
wurde fristgerecht eingereicht, womit darauf einzutreten ist.

1.2. Gemäss Art. 13 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über Schuld-
betreibung und Konkurs (EGzSchKG; BR 220.000) ist das Kantonsgericht von 
Graubünden die einzige kantonale Beschwerdeinstanz.

2. Das Verfahren richtet sich nach Art. 20a Abs. 2 und 3 SchKG i.V.m. Art. 17 
EGzSchKG. Der Sachverhalt ist unter Einholung der erforderlichen Vernehmlas-
sungen und unter Mitwirkung der Parteien von Amtes wegen abzuklären. Ein Par-
teivortritt findet nicht statt. 

3. Gemäss Art. 46 Abs. 1 SchKG ist der Schuldner grundsätzlich an seinem 
Wohnsitz zu betreiben. Es ist daher zunächst zu klären, ob sich dieser vorliegend 
in O.1_____ befindet. 

3.1. Eine natürliche Person hat ihren Wohnsitz an dem Ort, an dem sie sich in 
objektiv für Dritte erkennbarer Weise mit der Absicht dauernden Verbleibs aufhält. 
Der tatsächliche innere Wille ist dabei nicht entscheidend (BGE 120 III 7 E. 2.a.; 
Jolanta Kren Kostkiewicz, SchKG Kommentar, 19. Auflage, Zürich 2016, N 1 zu 
Art. 46 SchKG m.w.H.; Ernst F. Schmid, in: Staehelin/Bauer/Staehelin [Hrsg.], 
Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs I, Basel 
2010, N 43 zu Art. 46 SchKG; Benno Krüsi, in: Kren Kostkiewicz/Vock [Hrsg.], 
Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Zürich 2017, 
N 20 zu Art. 46 SchKG). Insbesondere die Hinterlegung der Schriften ist zwar ein 
Indiz für die Wohnsitzbestimmung, für sich allein jedoch nicht massgebend 
(BGE 119 III 54 E. 2.c.). Das Hauptgewicht liegt auf den Beziehungen des häusli-
chen Lebens und der familiären und gesellschaftlichen Bande (BGE 111 Ia 41 E. 
3). Ungenügend ist eine blosse Postfachadresse (Ernst F. Schmid, a.a.O., N 44 zu 
Art. 46 SchKG; Benno Krüsi, a.a.O., N 21 zu Art. 46 SchKG je m.w.H.). Betrei-
bungsamt und Aufsichtsbehörde haben ihre Zuständigkeit zwar von Amtes wegen 
zu prüfen und dürfen sich nicht einfach auf die diesbezügliche Behauptung des 

4 / 6

Gläubigers verlassen (BlSchK 1954 S. 21), sie sind aber nicht gehalten, von sich 
aus den Wohnsitz des Schuldners festzustellen (BGE 120 III 110 E. 1.a; Ernst F. 
Schmid, a.a.O., N 28 zu Art. 46 SchKG).

3.2. Gemäss der Stellungnahme des Betreibungsamts Plessur vom 23. Juni 
2020 (act. A.2) hat dieses im vergangenen Jahr verschiedene erfolglose Zustel-
lungsversuche an die vom Beschwerdeführer angegebene Adresse der Be-
schwerdegegnerin unternommen und jedes Mal feststellen müssen, dass keine 
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie effektiv an der _____strasse 31 in 
O.1_____ (Standplatz für Fahrende) wohnhaft wäre. Unter diesen Umständen 
reicht das Indiz der weiterhin bestehenden Schriftenhinterlegung in O.1_____ 
nicht aus, um zu belegen, dass sich die Beschwerdegegnerin mit der Absicht des 
dauernden Verbleibs in O.1_____ aufhält. Im Übrigen hat eine Abfrage des Kan-
tonsgerichts von Graubünden (act. D.3) ergeben, dass die Beschwerdegegnerin 
eine Zustelladresse in O.2_____, hat, was ein weiteres Indiz dafür ist, dass sie 
keinen festen Wohnsitz in O.1_____ hat. Ein ordentlicher Betreibungsort in 
O.1_____ besteht damit nicht.

4.1. Der Beschwerdeführer beruft sich sodann auf Art. 48 SchKG, wonach der 
Schuldner ohne festen Wohnsitz – in der Schweiz oder im Ausland – dort betrie-
ben werden kann, wo er sich aufhält. Aufenthalt bedeutet Verweilen an einem be-
stimmten Ort, wobei eine bloss zufällige Anwesenheit nicht genügt (BGE 119 III 51 
E. 2d). Vielmehr ist eine gewisse Bindung an einen Ort sowie eine physische Prä-
senz von gewisser Dauer erforderlich (BGE 87 II 7 E. 2). Dass der Schuldner sei-
ne persönlichen Effekten an einem Ort deponiert hat, ist ein Indiz dafür, dass dies 
sein Aufenthaltsort ist (Urteil des Bundesgerichts 7B.41/2002 vom 21. Mai 2002 
E. 2b; vgl. zum Ganzen Benno Krüsi, a.a.O., N 3 zu Art. 48 SchKG; Ernst F. 
Schmid, a.a.O., N 4 zu Art. 48 SchKG je m.w.H.).

4.2. Diese Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt. Gemäss den Feststellungen 
des Betreibungsamts Plessur gibt es vorliegend keine Anhaltspunkte dafür, dass 
sich die Beschwerdegegnerin im Sinne der zitierten Rechtsprechung in O.1_____ 
aufhält. Das erste Rechtsbegehren des Beschwerdeführers ist damit abzuweisen.

5.1. Sodann steht die vom Beschwerdeführer verlangte öffentliche Bekanntma-
chung gemäss Art. 66 Abs. 4 SchKG unter dem Titel "Zustellung der Betreibungs-
urkunde". Sie ist das letzte Mittel, wenn keine Möglichkeit besteht, den Schuldner 
zu erreichen. Sie setzt daher voraus, dass sowohl der Gläubiger als auch das Be-
treibungsamt alle gebotenen Nachforschungen unternommen haben, um eine 
mögliche Zustelladresse des Schuldners ausfindig zu machen. Durch die öffentli-

5 / 6

che Bekanntmachung durch ein beliebiges Betreibungsamt kann kein Betrei-
bungsort begründet werden (BGE 136 III 571 E. 5; Ilija Penon/Marc Wohlgemuth, 
in: Kren Kostkiewicz/Vock [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbe-
treibung und Konkurs, Zürich 2017, N 22 zu Art. 66 SchKG m.w.H.; Paul Ernst, in: 
Staehelin/Bauer/Staehelin [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgesetz über 
Schuldbetreibung und Konkurs I, Basel 2010, N 20 f. zu Art. 66 SchKG m.w.H.). 

5.2. Gemäss seiner Stellungnahme hat das Betreibungsamt Plessur im Rahmen 
verschiedener Zustellversuche im letzten Jahr die ihm zumutbaren Nachforschun-
gen nach dem Aufenthaltsort der Beschwerdegegnerin getätigt. Der Beschwerde-
führer hingegen hat nicht nachgewiesen, dass er sich um das Auffinden der Be-
schwerdegegnerin bemüht hätte. Das zweite Begehren des Beschwerdeführers ist 
daher bereits aus diesem Grund abzuweisen. 

6. Aus diesen Gründen ist die Beschwerde insgesamt abzuweisen.

7. Das vorliegende Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 20a Abs. 2 Ziff. 5 
SchKG).

6 / 6

III. Demnach wird erkannt:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten für das Beschwerdeverfahren von CHF 1'200.00 verbleiben 
beim Kanton Graubünden.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 74 Abs. 2 lit. c BGG Be-
schwerde in Zivilsachen an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lau-
sanne 14, geführt werden. Die Beschwerde ist dem Bundesgericht schrift-
lich, innert 10 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Ent-
scheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzurei-
chen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Vor-
aussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 
ff. und Art. 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: