# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a0c13a91-df80-503a-a90c-2ed9748919b9
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 12.12.2017 SK1 2017 21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2017-21_2017-12-12.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Ref.: Chur, 12. Dezember 2017 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 17 21 [nicht mündlich eröffnet] 14. März 2018

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Pedrotti
RichterInnen Michael Dürst und Brunner
Aktuar Guetg

In der strafrechtlichen Berufung

des X._____, Berufungskläger, amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. Di-
na Raewel, Gotthardstrasse 52, 8002 Zürich, 

gegen

das Urteil des Regionalgerichts O.1_____ vom 25. Januar 2017, mitgeteilt am 26. 
April 2017, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhof-
strasse 17, 7001 Chur, und der Y . _ _ _ _ _ , Berufungsbeklagte, gegen den Beru-
fungskläger,

betreffend Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.,

hat sich ergeben:

Seite  2 — 60

I. Sachverhalt

A. Anlässlich seiner Einvernahmen vom 6. März 2015 im Vorverfahren sowie 
vom 12. Dezember 2017 vor der Berufungsinstanz, gab X._____ jeweils zu Proto-
koll, zusammen mit zehn Geschwistern in L.1_____ bei seinen Eltern aufgewach-
sen zu sein. Dort habe er acht Jahre die normale Schule besucht. Anschliessend 
habe er sich in L.1_____ während zwei Jahren zum Autolackierer ausbilden las-
sen. Auf diesem Beruf habe er vier weitere Jahre gearbeitet. 1988 habe er 
L.1_____ verlassen und sei nach Europa gegangen. In Europa habe er sich in 
diversen Städten aufgehalten. Zwischendurch sei er wieder in seiner Heimat in 
L.1_____ gewesen. Wenn er in der L.2_____ Arbeit bekäme, würde er gerne hier 
bleiben. Er sei weder verheiratet, noch habe er Kinder. Sein Antrag auf Asyl sei 
abgewiesen worden (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 13/31).

Im Schweizerischen Strafregister ist X._____ mit einer Verurteilung aus dem Jahr 
2015 wegen Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung (mehrfache Begehung) 
gemäss Art. 119 Abs. 1 AuG verzeichnet (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 4/1).

B. Die Staatsanwaltschaft Graubünden erhob am 27. September 2016 Ankla-
ge gegen X._____. Der Anklageschrift lag folgender Sachverhalt zu Grunde:

1.1 Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 
Abs. 2 lit. a BetmG und mehrfaches Vergehen gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG

1.1.1 In der Zeit von _____ 2014 bis zu seiner letztmaligen Festnahme am 
_____ 2015 verkaufte der Beschuldigte vorwiegend in O.1_____ und 
teilweise im Raum Chur sowie in O.7_____ und O.6_____ insgesamt 
1'150.7 Gramm Kokaingemisch und 177.4 Gramm Marihuana. Teilwei-
se gab er die Betäubungsmittel gegen sexuelle Dienstleistungen oder 
als Gegenleistung für das Zur-Verfügung-Stellen der Wohnung zwecks 
Abpackens des Kokains ab. Im Einzelnen tätigte der Beschuldigte die 
folgenden Betäubungsmittelabgaben und -verkäufe: 

a) In der Zeit von März 2014 bis September 2015 verkaufte der Bedigte 
in O.1_____ an G._____ 130 Gramm Kokaingemisch und 12 Gramm 
Marihuana. 

b) Im April 2014 verkaufte der Beschuldigte in Chur beim Postautodeck 
an H._____ unter mehreren Malen insgesamt 3 Gramm Marihuana für 
CHF 30.00. 

c) In der Zeit von April 2015 bis am 5. September 2015 verkaufte der Be-
schuldigte in O.1_____ an I._____ 11.2 Gramm Kokaingemisch für 
CHF 1'680.00 und gab ihr 10 Gramm Kokaingemisch gegen 
sexuelle Leistungen ab. Insgesamt gab er 21.2 Gramm Kokaingemisch 
an I._____ ab. 

Seite  3 — 60

d) Von Januar 2015 bis anfangs August 2015 verkaufte der Beschuldigte 
in O.1_____ und einmal in Trimmis an J._____ unter mehreren Malen 
insgesamt mindestens 400 Gramm Kokaingemisch für CHF 40'000.00 
sowie 3.9 Gramm Marihuana für CHF 100.00.

e) In der Zeit von Februar 2014 bis Juli 2015 verkaufte der Beschuldigte 
in O.1_____ an K._____ unter mehreren Malen insgesamt 120 Gramm 
Kokaingemisch für insgesamt CHF 12'000.00. 

f) In der Zeit von April 2015 bis September 2015 verkaufte der Beschul-
digte in O.1_____ an W._____ mindestens 5 Gramm Kokaingemisch 
für CHF 300.00 und 1 Gramm Marihuana für CHF 50.00. 

g) In der Zeit von September/Oktober 2014 bis September 2015 gab der 
Beschuldigte in O.1_____ an L._____ unter mehreren Malen insge-
samt 70 Gramm Kokaingemisch sowie 5 Gramm Marihuana ab. 

h) In der Zeit von März 2015 bis 1. September 2015 gab der Beschuldigte 
in O.1_____ an M._____ unter mehreren Malen insgesamt 45 Gramm 
Kokaingemisch gegen Entgelt sowie gegen sexuelle Dienstleistungen 
ab. 

i) In der Zeit von August 2014 bis März 2015 verkaufte der Beschuldigte 
in Chur an A._____ unter mehreren Malen insgesamt mindestens 
30 Gramm Marihuana für CHF 350.00. 

j) Im Sommer 2015 verkaufte der Beschuldigte in O.1_____ an S._____ 
1 Gramm Kokaingemisch für CHF 100.00. 

k) In der Zeit von Ende April 2015 bis anfangs September 2015 verkaufte 
der Beschuldigte in O.1_____ an N._____ unter mehreren Malen ins-
gesamt 252 Gramm Kokaingemisch für insgesamt CHF 20'160.00 so-
wie unter mehreren Malen insgesamt 25 Gramm Marihuana für insge-
samt CHF 250.00.

l) In der Zeit von anfangs Juli 2015 bis September 2015 verkaufte der 
Beschuldigte vorwiegend in O.1_____, aber auch in O.7_____ und 
O.9_____ an O._____ unter mehreren Malen insgesamt 60 Gramm 
Kokaingemisch für insgesamt CHF 6'000.00.

m) In der Zeit von April 2015 bis 8. August 2015 verkaufte der Beschuldig-
te in O.1_____ an P._____ unter mehreren Malen insgesamt 30 
Gramm Kokaingemisch für insgesamt CHF 3'000.00. 

n) Im Sommer 2015 verkaufte der Beschuldigte in Chur an B._____ unter 
mehreren Malen insgesamt 10.5 Gramm Marihuana. 

o) Im Frühling/Sommer 2015 gab der Beschuldigte C._____ in O.6_____ 
unter mehreren Malen insgesamt 10 Gramm Kokaingemisch ab. Dafür 
durfte er bei ihr Zuhause in O.6_____ Kokain verpacken. 

p) Im Sommer 2015 verkaufte der Beschuldigte in O.7_____ an D._____ 
unter mehreren Malen insgesamt 4.5 Gramm Kokaingemisch für ins-

Seite  4 — 60

gesamt CHF 450.00 und unter mehreren Malen insgesamt 60 Gramm 
Marihuana für insgesamt CHF 600.00. 

q) Im August 2015 verkaufte der Beschuldigte in O.1_____ an T._____ 
ein Mal 3 Gramm Marihuana für CHF 50.00. 

r) In der Zeit von Mai bis Juni 2015 gab der Beschuldigte in O.8_____ 
und in O.6_____ an E._____ unter mehreren Malen insgesamt 2 
Gramm Kokaingemisch für sexuelle Dienstleistungen ab. 

s) Am 26. August 2015 verkaufte der Beschuldigte an Q._____ an einem 
nicht näher bekannten Ort im Raum O.1_____/Chur 6 Minigripsäcken 
Marihuana, insgesamt 24 Gramm Marihuana. 

1.1.2 Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt verpackte der Beschuldigte 
44 Portionen Kokain, insgesamt 18.35 Gramm, in ein Tabletten-
röhrchen und umwickelte dieses zusammen mit einem Minigrip-Sack, 
in welchem sich 2.17 Gramm Marihuana befanden, mit Alufolie. In der 
Folge versteckte er dieses Paket unter einem Gefäss in einem Vorgar-
ten am _____weg in O.2_____. Am 20. Juli 2014 stellte die Kantons-
polizei Graubünden dieses Paket sicher. Der Beschuldigte hatte die 
Absicht, die Betäubungsmittel zu verkaufen.

1.1.3 Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt verpackte der Beschuldigte 
19 Minigripsäcken mit Hanfblüten in eine Migros-Plastiktasche, welche 
mehrschichtig mit Alufolie umgeben war. Um die Alufolie wickelte der 
Beschuldigte braunes Klebeband. Weiter packte der Beschuldigte 9 
Minigripsäcken voller Hanfblüten ab und verpackte sie in einen Brief-
umschlag. Zudem packte er 19 Tabletten Benzodiazepine in einen 
Glasbehälter ab. In der Folge versteckte er das Paket, den Brief-
umschlag sowie den Glasbehälter im Asyl-Minimalzentrum in 
O.1_____, in der Absicht, die Betäubungsmittel zu verkaufen. Am 13. 
April 2015 stellte die Kantonspolizei Graubünden die Betäubungsmit-
tel, insgesamt 85 Gramm Marihuana und 19 Tabletten Benzodiazepi-
ne, sicher. 

1.1.4 Am 9. September 2015, um 11.20 Uhr, proportionierte und verpackte 
der Beschuldigte in der Wohnung von L._____ an der Bahnhofstrasse 
14 in O.1_____ insgesamt 179.5 Gramm Kokaingemisch für den Ver-
kauf.

1.1.5 Insgesamt hat der Beschuldigte somit 1'348.55 Gramm Kokaingemisch 
verkauft, abgegeben oder zum Verkauf besessen. Der Reinheitsgehalt 
des vom Beschuldigten verkauften, abgegebenen und zur Abgabe 
besessenen Kokains betrug mindestens 31%. Somit hat der Beschul-
digte insgesamt 418 Gramm reines Kokain verkauft, abgegeben oder 
zum Verkauf besessen (Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG). Zudem hat der 
Beschuldigte insgesamt 264.57 Gramm Marihuana abgegeben, ver-
kauft oder zum Verkauf besessen sowie 19 Tabletten Benzodiazepi-
ne zum Verkauf besessen (Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG).

Seite  5 — 60

Für die Verabredung der Betäubungsmittelgeschäfte verwendete der 
Beschuldigte insgesamt 12 Rufnummern in vier verschiedenen Mobil-
telefongeräten. Unter anderem nutzte der Beschuldigte folgende 
Adressierungselemente: IMEI 358848046525721, Rufnummer _____, 
IMEI 356483060362600, IMEI 356483060424500, Rufnummer _____.

Bei all seinen Handlungen im Zusammenhang mit Kokain wusste der 
Beschuldigte oder musste zumindest annehmen, dass der von ihm 
getätigte Handel bzw. die Abgabe mittelbar oder unmittelbar die Ge-
sundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann.

1.2 Mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes gemäss 
Art. 19a Ziff. 1 BetmG

In der Zeit von anfangs 2014 bis am 9. September 2015 konsumierte 
der Beschuldigte eine unbestimmte Menge Kokain in Chur und 
O.1_____.

1.3 Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB und Hausfriedensbruch 
gemäss Art. 186 StGB

Am 3. März 2015, um 12.30 Uhr, entwendete der Beschuldigte im Ge-
schäft R._____ an der _____strasse in Chur zwei Tablets (je CHF 
229.00) sowie ein Telefonzubehör (CHF 24.95), steckte das Deliktsgut 
im Gesamtwert von CHF 482.95 in seinen mitgebrachten, diebstahls-
sicheren Rucksack und verliess damit das Geschäft, ohne die Ware zu 
bezahlen. Der Beschuldigte betrat das Geschäft einzig mit dem Willen, 
darin einen Diebstahl zu begehen und somit unrechtmässig. Gleichen-
tags stellte die R._____ SA, vertreten durch U._____, Strafantrag we-
gen Hausfriedensbruchs. 

1.4 Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes gemäss Art. 57 
Abs. 3 PBG

Am 14. April 2015, um 09.02 Uhr, reiste der Beschuldigte mit den 
Y._____ von O.1_____ via O.2_____ nach O.3_____ ohne im Besitz 
eines gültigen Fahrausweises zu sein. Am _____ 2015 stellten die 
Y._____ Strafantrag.

1.5 Rechtswidrige Einreise gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG und 
mehrfacher rechtswidriger Aufenthalt gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b 
AuG

Mit Wegweisungsverfügung vom _____ 2014 lehnte das Bundesamt 
für Migration das Asylgesuch des Beschuldigten ab und verfügte seine 
Wegweisung aus der L.2_____ ab dem 4. Juli 2014. In Kenntnis dieser 
Wegweisungsverfügung reiste der Beschuldigte dennoch am 27. Juni 
2015 von der L.2_____ nach L.3_____ und am _____ 2015, um 14.35 
Uhr, von L.3_____ nach O.4_____ in die L.2_____ ein. Zudem hielt 
sich der Beschuldigte vom _____ 2014 bis am _____ 2015 wider bes-
seres Wissens mehrfach rechtswidrig in der L.2_____ auf.

Seite  6 — 60

1.6 Mehrfache Missachtung der Eingrenzung gemäss Art. 119 Abs. 1 
AuG

Mit Verfügung vom 27. August 2014 wurde dem Beschuldigten vom 
Amt für Migration und Zivilrecht auf unbestimmte Zeit verboten, das 
Gebiet der Gemeinde O.5_____/O.1_____ zu verlassen. In Kenntnis 
dieser Verfügung verliess der Beschuldigte an folgenden Tagen das 
Gebiet der Gemeinde O.5_____/O.1_____: 

- Von _____ 2015 bis _____ 2015 hielt sich der Beschuldigte 
mehrfach in O.2_____ auf, um dort A._____ Marihuana zu ver-
kaufen.

- Im Sommer 2015 hielt sich der Beschuldigte in O.2_____ auf, 
um dort B._____ Marihuana zu verkaufen.

- Im Frühling/Sommer 2015 hielt sich der Beschuldigte mehrfach 
in O.6_____ bei C._____ auf. 

- Im Sommer 2015 hielt sich der Beschuldigte in O.7_____ auf, 
um dort D._____ Marihuana zu verkaufen.

- Von Mai bis Juni 2015 hielt sich der Beschuldigte mehrfach in 
O.8_____ und O.6_____ auf, um dort an E._____ Kokain ab-

zugeben.

- Am 14. April 2015 reiste der Beschuldigte von O.1_____ via 
O.2_____ nach O.3_____. 

C. Die Y._____, Inkassocenter, erklärte im Rahmen der Strafuntersuchung 
sich als Privatklägerin zu beteiligen, verzichtete aber auf die Geltendmachung von 
Zivilforderungen (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 15/1). 

D. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 25. Januar 2017 vor dem Regional-
gericht O.1_____ stellten die Parteien folgende Schlussanträge:

Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:

1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen

- des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 
19 Abs. 2 lit. a BetmG,

- des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz 
gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG,

- der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes 
gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG,

- des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB,

- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB,

- der Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes gemäss Art. 
57 Abs. 3 PBG,

- der rechtswidrigen Einreise gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG,

- des mehrfachen rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 115 Abs. 
1 lit. b AuG und 

Seite  7 — 60

- der mehrfachen Missachtung der Eingrenzung gemäss Art. 119 
Abs. 1 AuG.

2. Dafür sei der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 46 Monaten zu 
bestrafen sowie zu einer Busse von CHF 300.00, ersatzweise zu einer 
Freiheitsstrafe von 3 Tagen.

3. Die mit Strafbefehl vom 9. Juni 2015 vom Untersuchungsamt F._____ 
ausgefällte bedingte Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je CHF 30.00 
sei zu widerrufen.

4. Die beschlagnahmten Gegenstände seien gestützt auf Art. 69 StGB ge-
richtlich einzuziehen und zu vernichten.

5. Kostenfolge sei die gesetzliche.

Anträge der Verteidigung:

1. Es sei der Beschuldigte der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 
Abs. 1 lit. c und d BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie der 
mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a BetmG schuldig zu spre-
chen.

2. Es sei der Beschuldigte des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziffer 1 
StGB schuldig zu sprechen.

3. Es sei der Beschuldigte der Übertretung des Personenbeförderungsge-
setzes im Sinne von Art. 57 Ziff. 1 lit. a PBG schuldig zu sprechen. 

4. Es sei der Beschuldigte der mehrfachen Widerhandlung gegen das 
Ausländergesetz im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a und b AuG sowie 
Art. 119 Abs. 1 AuG schuldig zu sprechen.

5. Es sei der Beschuldigte mit einer Strafe von 20 Monaten unbedingt zu 
bestrafen.

6. Es sei dem Beschuldigten die bereits entstandene Haft anzurechnen.

7. Es sei vom Widerruf der mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes 
F._____ vom 9. Juni 2015 ausgefällten Geldstrafe abzusehen.

8. Es seien die beschlagnahmten Betäubungsmittel und Gegenstände de-
finitiv einzuziehen und zu vernichten.

9. Es seien die Kosten der Untersuchung, des gerichtlichen Verfahrens 
sowie der amtlichen Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen.

E. Das schriftliche Urteilsdispositiv des Regionalgerichts O.1_____ wurde 
X._____ am 26. Januar 2017 zugestellt, darin wurde wie folgt erkannt:

1. X._____ ist schuldig

- des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 
19 Abs. 2 lit. a BetmG,

Seite  8 — 60

- des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz 
gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG,

- der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes gemäss 
Art. 19a Ziff. 1 BetmG,

- des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB,

- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB,

- der Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes gemäss Art. 
57 Abs. 3 PBG,

- der rechtswidrigen Einreise gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG,

- des mehrfachen rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 115 Abs. 1 
lit. b AuG und

- der mehrfachen Missachtung der Eingrenzung gemäss Art. 119 
Abs. 1 AuG.

2. Dafür wird X._____ unter Anrechnung der erstandenen Polizei- und Un-
tersuchungshaft (275 Tage) bestraft mit:

a. einer unbedingten Freiheitsstrafe von 40 Monaten und

b. einer Busse von CHF 300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse 
beträgt drei Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe 
schuldhaft nicht bezahlt wird.

3. Die mit Strafbefehl vom 9. Juni 2015 vom Untersuchungsamt F._____ 
ausgefällte bedingte Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je CHF 30.00 
wird widerrufen.

4. Die sichergestellten und beschlagnahmten Gegenstände und Vermö-
genswerte:

- 18.35 Gramm Kokain 2.17 Gramm Marihuana
- 179.5 Gramm Kokain
- Mobiltelefon Nokia
- Mobiltelefon Samsung
- Mobiltelefon Huawei Y3SIM-Karte Lyca Mobile, Nr. _____
- SIM-Karte Lyca Mobile, Nr. _____
- SIM-Karte Lyca Mobile, Nr. _____
- SIM-Karte Sunrise, Nr. _____ (inkl. Quittung)
- PIN-Code zu SIM-Karte Sunrise, Nr. _____
- Kundenkarte Bibliothek
- Phlat Ball Neon FX
- Quittung vom 1. Dezember 2014
- Teller

Seite  9 — 60

- Waage
- Schere
- 2 Feuerzeuge
- Cellophanpapier
- Plastiksack
- Beutel aus Paketklebeband
- Euro 50.00

werden gerichtlich eingezogen und sind mit Ausnahme der EUR 50.00 
zu vernichten. Die EUR 50.00 sind zu verwerten und werden an die 
Verfahrenskosten angerechnet.

5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus:

- der Untersuchungsgebühr der Staatsanwalt-
schaft Graubünden

CHF 13'450.00

- den Auslagen der Staatsanwaltschaft Grau-
bünden

CHF 28'545.45

- der Gerichtsgebühr des Regionalgerichts 
O.1_____

CHF 8'000.00

- Kosten gemäss Art. 47 StGB CHF 300.00
- total somit CHF 42'225.45
werden vollumfänglich dem Verurteilten auferlegt, welchem keine Pro-
zessentschädigung ausgerichtet wird.

6. Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft von CHF 51'050.00 
sowie des Strafvollzugs gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. Die 
beschuldigte Person hat sich daran nach Massgabe von Art. 380 Abs. 2 
StGB zu beteiligen.

7. Kostenfolge amtliche Verteidigung:

a. RAin lic. iur. Dina Raewel wird als amtliche Verteidigerin von 
X._____ zu Lasten des Kantons Graubünden mit CHF 35'758.80 
(inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt. Die Entschädigung wird 
aus der Gerichtskasse bezahlt. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbe-
halten.

b. Da der Verurteilte zur Tragung der Verfahrenskosten verpflichtet 
wurde, wird er – sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er-
lauben – verpflichtet, dem Kanton die Entschädigung für seine amt-
liche Verteidigerin zurückzuzahlen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO) und 
seiner Verteidigerin die Differenz zwischen der amtlichen Entschä-
digung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. b 
StPO). Der Anspruch des Kantons verjährt in 10 Jahren nach 
Rechtskraft des Entscheids (Art. 135 Abs. 5 StPO). 

c. (Rechtsmittel Kostenentscheid der amtlichen Verteidigung)

8. (Rechtsmittel)

Seite  10 — 60

9. (Mitteilung)

F. Nachdem die amtliche Verteidigerin am 30. Januar 2017 Berufung ange-
meldet hatte, teilte das Regionalgericht O.1_____ am 26. April 2017 das begrün-
dete Urteil mit und übermittelte die Berufungsanmeldung samt Akten an das Kan-
tonsgericht von Graubünden (vgl. act. D.1).

G. Mit Verfügung vom 19. Mai 2017 forderte der damalige Vorsitzende der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden die amtliche Verteidigerin auf, 
ihre Teil-Berufungserklärung vom 17. Mai 2017 hinsichtlich der im Einzelnen ange-
fochtenen Sachverhaltspunkte zu verdeutlichen. Innert Frist reichte die amtliche 
Verteidigerin am 1. Juni 2017 eine präzisierte Teil-Berufungserklärung mit den 
folgenden Anträgen ein (vgl. act. A.3):

1. Es sei der Beschuldigte des Verkaufs von Betäubungsmitteln insgesamt 
lediglich im Umfange von 153,75 Gramm reinem Kokain sowie von 
142,9 Gramm Marihuana des Verbrechens gegen Art. 19 Abs. 2 lit. a 
BetmG sowie des mehrfachen Vergehens gegen Art. 19 Abs. 1 lit. c 
BetmG schuldig zu sprechen.

Insbesondere seien folgende in Erwägung 6 des Urteils des Regional-
gerichts O.1_____ vom 25. Januar 2017 als erstellt angesehene Sach-
verhalte als nicht bzw. lediglich im folgend genannten Umfange erstellt 
zu qualifizieren:

G._____: Im Umfange von 14,2 Gramm Kokain

H._____: Nicht erstellt

I._____: Im Umfange von 2 Gramm Kokaingemisch

J._____: Im Umfange von 21 Gramm Kokain

K._____: Im Umfange von 13,5 Gramm Kokain

L._____: Im Umfange von 46 Gramm Kokaingemisch

M._____: Im Umfange von 4 Gramm Kokain

A._____: Im Umfange von 20,3 Gramm Marihuana

N._____: Im Umfange von 0,4 Gramm Kokain und 25 Gramm Marihua-
na

O._____: Im Umfange von 0,2 Gramm Kokain

P._____: Im Umfange von 3 Gramm Kokain

B._____: Nicht erstellt

C._____: Nicht erstellt

Q._____: Nicht erstellt

Wohnung von L._____: Im Umfange von 18,6 Gramm Kokaingemisch

2. Es sei der Beschuldigte des Hausfriedensbruches gemäss Art. 186 
StGB freizusprechen.

Seite  11 — 60

3. Es sei der Beschuldigte mit einer zu vollziehenden Freiheitsstrafe von 
20 Monaten zu bestrafen.

4. Es sei vom Widerruf der mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes 
F._____ vom 9. Juni 2015 ausgefällten Strafe abzusehen.

Einleitend vermerkte die amtliche Verteidigerin, dass sich die Teilberufung auf den 
Schuldpunkt hinsichtlich des Handels mit Betäubungsmitteln (Dispositivziffer 1, 
Spiegelstrich 1 und 2) sowie hinsichtlich des Hausfriedensbruches (Dispositivziffer 
1, Spiegelstrich 5), gegen die Bemessung der Strafe (Dispositivziffer 2.a.) sowie 
gegen den Widerruf der mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes F._____ vom 9. 
Juni 2015 ausgefällten Strafe (Dispositivziffer 3) beschränke.

H. Die Staatsanwaltschaft hat auf die Ausübung der ihr von Art. 400 Abs. 3 
StPO gewährleisteten Rechte verzichtet (vgl. act. D.4).

I. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 12. Dezember 2017 vor dem 
Kantonsgericht von Graubünden waren der Beschuldigte in Begleitung seiner amt-
lichen Verteidigerin, lic. iur. Dina Raewel, anwesend. Des Weiteren zugegen wa-
ren der Erste Staatsanwalt, lic. iur. Claudio Riedi, V._____ als Dolmetscher sowie 
ein Polizist der Sicherheitspolizei Graubünden. Der Vorsitzende eröffnete die 
Hauptverhandlung um 09.06 Uhr. Einwände gegen die Zuständigkeit und die Zu-
sammensetzung des Gerichts wurden nicht erhoben, woraufhin der Vorsitzende 
das Gericht für legitimiert erklärte. 

Der Vorsitzende wies zu Beginn der Verhandlung darauf hin, dass vorab über die 
sich dem Berufungsgericht stellende Vorfrage der Verwertbarkeit der Einvernah-
men von C._____ zu befinden sei. Die Parteien nahmen hierzu Stellung. 

Sodann wies der Vorsitzende darauf hin, dass sich die Berufungsinstanz vorbehal-
ten werde, den Sachverhalt in Bezug auf die bloss gelagerten und nicht verkauften 
Betäubungsmittel von der Vorinstanz rechtlich abweichend zu würdigen, sollte sich 
dieser Sachverhaltsvorwurf erstellen lassen. Konkret würde sich die Berufungsin-
stanz vorbehalten, die gelagerten Betäubungsmitteln unter Art. 19 Abs. 1 lit. d 
BetmG und nicht unter lit. c der selbigen Bestimmung zu subsumieren. Die Partei-
en nahmen hierzu Stellung. Nach einer kurzen Unterbrechung der Hauptverhand-
lung entschied das Berufungsgericht, dass die Aussagen von C._____ in Anwen-
dung von Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden 
können (vgl. HV-Protokoll [act. F.2], S. 3).

Seite  12 — 60

Schliesslich wies der Vorsitzende die amtliche Verteidigerin darauf hin, dass auch 
die präzisierte Teil-Berufungserklärung vom 1. Juni 2017 Unklarheiten aufweise. 
So beschränke sich die Teil-Berufungserklärung in Antrag 1 darauf, nur einzelne 
Sachverhaltsfeststellungen (Handlungen) von Erwägung 6 des angefochtenen 
Urteils zu bestreiten bzw. in einem geringeren Umfang anzuerkennen. Es sei nicht 
ersichtlich, ob auch die weiteren Sachverhaltsfeststellungen von Erwägung 6 be-
stritten seien. Die amtliche Verteidigerin klärte auf, dass die in Erwägung 6 des 
angefochtenen Urteils enthaltenen Sachverhaltsfeststellungen angefochten seien, 
sofern diese in Antrag 1 der Teil-Berufungserklärung aufgeführt und ausdrücklich 
bestritten bzw. in einem geringeren Umfange anerkannt seien. Die amtliche Ver-
teidigerin bestätigte dies auch im Laufe der Berufungsverhandlung mehrmals. 

Sodann erfolgte die richterliche Befragung des Beschuldigten als beschuldigte 
Person. Im Übrigen wird auf das separate Verhandlungsprotokoll verwiesen (vgl. 
HV-Protokoll [act. F.2]).

J. Anlässlich der Hauptverhandlung stellten die Parteien folgende Schlussan-
träge:

Anträge der amtlichen Verteidigung

1. Es sei der Beschuldigte des Verkaufs und Aufbewahrung von Betäu-
bungsmitteln insgesamt lediglich im Umfange von 194.75 Gramm Ko-
kaingemisch bzw. 60.37 Gramm reinem Kokain sowie von 108.3 
Gramm Marihuana, bestehend aus den jetzt anerkannten 45.3 Gramm 
sowie den 63 Gramm bereits anerkannten Menge, des Verbrechens 
gegen Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie des mehrfachen Vergehens 
gegen Art. 19 Abs. 1 lit. c und lit. d schuldig zu sprechen. 

Insbesondere folgende in Erwägung 6 des Urteils des Regionalgerich-
tes O.1_____ vom 25. Januar 2017 werden in diesem Umfange als er-
stellt angesehene Sachverhalte als nicht, bzw. lediglich im folgend ge-
nannten Umfange als erstellt zu qualifizieren (sic!):

G._____: Im Umfange von 14,2 Gramm Kokaingemisch

H._____: Nicht erstellt

I._____: Im Umfange von 2 Gramm Kokaingemisch

J._____: Im Umfange von 21 Gramm Kokaingemisch

K._____: Im Umfange von 13,5 Gramm Kokaingemisch

L._____: Im Umfange von 46 Gramm Kokaingemisch

M._____: Im Umfange von 4 Gramm Kokaingemisch

A._____: Im Umfange von 20,3 Gramm Marihuana

N._____: Im Umfange von 0,4 Gramm Kokaingemisch und 25 Gramm 
Marihuana

O._____: Im Umfange von 0,2 Gramm Kokaingemisch

Seite  13 — 60

P._____: Im Umfange von 3 Gramm Kokaingemisch

B._____: Nicht erstellt

C._____: Nicht erstellt

Q._____: Nicht erstellt

Wohnung von L._____: Im Umfange von 60 Gramm Kokaingemisch

2. Es sei der Beschuldigte des Hausfriedensbruches gemäss Art. 186 
StGB freizusprechen.

3. Es sei der Beschuldigte mit einer zu vollziehenden Freiheitsstrafe von 
20 Monaten zu bestrafen und dementsprechend aus der Haft zu entlas-
sen.

4. Es sei vom Widerruf der mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes 
F._____ vom 9. Juni 2015 ausgefällten Strafe abzusehen.

Antrag der Staatsanwaltschaft Graubünden

Abweisung der Berufung unter Kostenfolge. 

K. X._____ (nachfolgend Beschuldigter) befand sich vom 26. August 2014 bis 
27. August 2014 sowie am 28. Juni 2015 und vom 9. September 2015 bis 6. Juni 
2016 in Polizei- bzw. Untersuchungshaft. Seit dem 7. Juni 2016 um 00.00 Uhr be-
findet sich der Beschuldigte im vorzeitigen Straf- und Massnahmenvollzug.

II. Erwägungen

1.1 Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit de-
nen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (vgl. Art. 398 
Abs. 1 StPO). Somit bezieht sich die Berufung auf Entscheide, in denen über 
Straf- und Zivilfragen materiell befunden wird (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO). 
Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht in-
nert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll an-
zumelden, worauf das erstinstanzliche Gericht die Anmeldung nach Ausfertigung 
des begründeten Urteils zusammen mit den Akten dem Kantonsgericht von 
Graubünden als Berufungsgericht übermittelt (Art. 399 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 22 
des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung [EGzStPO; 
BR 350.100]). Nach Art. 399 Abs. 3 StPO reicht die Partei, welche Berufung an-
gemeldet hat, dem Kantonsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des be-
gründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung ein, worin sie anzugeben 
hat, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (lit. a), welche 
Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt (lit. b) und welche Be-
weisanträge sie stellt (lit. c). Die Rechtsmittelfrist beginnt im Falle eines Urteils mit 

Seite  14 — 60

der Aushändigung oder Zustellung des schriftlichen Dispositivs (Art. 384 lit. a. 
StPO). Innerhalb des Kantonsgerichts von Graubünden amtet die I. Strafkammer 
als Berufungsinstanz (Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Organisation des Kan-
tonsgerichts; BR 173.100).

1.2 Gegen das am 25. Januar 2017 gefällte, am 26. Januar 2017 im Dispositiv 
mitgeteilte Urteil des Regionalgerichts O.1_____, reichte der Beschuldigte dem 
Regionalgericht O.1_____ ein als "Berufungserklärung in Sachen X._____" betitel-
tes Schreiben vom 30. Januar 2017 ein, in welchem darauf hingewiesen wird, 
dass Berufung erhoben werde. Ein entsprechendes Schreiben genügt als Beru-
fungsanmeldung, werden an diese Eingabe doch generell keine hohen Anforde-
rungen gestellt. So genügt es, wenn aus der Eingabe ersichtlich wird, dass der 
Verurteilte das Urteil nicht akzeptieren möchte, was vorliegend offensichtlich zu-
trifft (vgl. hierzu Markus Hug/Alexandra Scheidegger, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur schweizerischen Strafprozess-
ordnung, 2. Aufl., Zürich 2014, N 1 zu Art. 399 StPO; vgl. zur Berufungsanmel-
dung Beschluss des Kantonsgerichts von Graubünden SK1 16 44 E. 1b/aa). Die 
Anmeldung erfolgte somit innert Frist. 

Nach der am 26. April 2017 erfolgten Mitteilung des begründeten Urteils liess der 
Beschuldigte dem Kantonsgericht von Graubünden am 17. Mai 2017 fristgemäss 
seine Teil-Berufungserklärung einreichen. Weil die Teil-Berufungserklärung indes-
sen nicht aufführte, hinsichtlich welcher Handlungen das Urteil der Vorinstanz an-
gefochten wird (Art. 399 Abs. 4 lit. a StPO), forderte der damalige Vorsitzende die 
amtliche Verteidigerin zur Verdeutlichung der Teil-Berufungserklärung in diesen 
Punkten auf (vgl. act. D.5). Die entsprechend angepasste Teil-Berufungserklärung 
ging sodann am 1. Juni 2017 innert Frist ein. Die übrigen Voraussetzungen geben 
zu keine Bemerkungen Anlass. Auf die Berufung ist einzutreten. 

2. Gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung Rechtsverletzun-
gen, einschliesslich Überschreiten und Missbrauch des Ermessens, Rechtsver-
weigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden. 
Tritt die Rechtsmittelinstanz auf die Berufung ein, so fällt sie ein neues Urteil, wel-
ches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO). 

3. Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den ange-
fochtenen Punkten (vgl. Art. 404 Abs. 1 StPO). In Art. 399 Abs. 4 StPO wird der 
Grundsatz festgehalten, dass die Berufung auf gewisse Punkte beschränkt wer-

Seite  15 — 60

den kann. Entscheidende Bedeutung kommt dabei der Berufungserklärung zu. 
Denn bereits in dieser ist – bei einer teilweisen Anfechtung des Urteils – verbind-
lich anzugeben, auf welche Punkte sich die Berufung beschränkt. Eine spätere 
Ausdehnung des einmal eingeschränkten Berufungsthemas ist nicht möglich (vgl. 
Markus Hug/Alexandra Scheidegger, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2014, N 14 
zu Art. 399 StPO). 

Gemäss Einleitungssatz der Teilberufungserklärung vom 1. Juni 2017 (act. A. 3) 
richtet sich die Berufung gegen den Schuldpunkt hinsichtlich des Handels mit 
Betäubungsmitteln (Dispositivziffer 1, Spiegelstrich 1 und 2) sowie hinsichtlich des 
Hausfriedensbruches (Dispositivziffer 1, Spiegelstrich 5), gegen die Bemessung 
der Strafe (Dispositivziffer 2.a.) sowie gegen den Widerruf der mit Strafbefehl des 
Untersuchungsamtes F._____ vom 9. Juni 2015 ausgefällten Strafe (Dispositivzif-
fer 3). 

Dies bedeutet, dass Dispositivziffer 1 des Urteils des Regionalgerichts O.1_____ 
vom 25. Januar 2017 hinsichtlich des darin enthaltenen Schuldspruches bezüglich 
der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes gemäss Art. 19a Ziff. 
1 BetmG (Spiegelstrich 3), des Diebstahls (Spiegelstrich 4), der Übertretung des 
Personenbeförderungsgesetzes gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG (Spiegelstrich 6), der 
rechtswidrigen Einreise gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG (Spiegelstrich 7), des 
mehrfachen rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG (Spie-
gelstrich 8) und der mehrfachen Missachtung der Eingrenzung gemäss Art. 119 
Abs. 1 AuG (Spiegelstrich 9) nicht angefochten wurde. Der Sanktionspunkt hin-
sichtlich der ausgesprochenen Busse (Dispositivziffer 2.b.) sowie die angeordnete 
Einziehung und Verwertung gemäss Dispositivziffer 4. blieben ebenfalls unange-
fochten. Unangefochten gebliebene Dispositivziffern erwachsen in Rechtskraft 
(vgl. Art. 402 StPO) und sind nur noch im Rahmen der Strafzumessung zu 
berücksichtigen. 

Im vorliegenden Fall ist überdies auf das Folgende hinzuweisen: Der Vorsitzende 
der I. Strafkammer forderte die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten mit 
Schreiben vom 19. Mai 2017 auf, die eingereichte Teil-Berufungserklärung vom 
17. Mai 2017 dahingehend zu präzisieren, als anzugeben sei, hinsichtlich welcher 
(einzelner) Handlungen das Urteil angefochten werde (act. D.5). Mit Teil-
Berufungserklärung vom 1. Juni 2017 kam die amtliche Verteidigung dieser Auf-
forderung nach (vgl. act. A.3). Nunmehr hielt sie in Begehren 1 fest, dass die ein-
zelnen Sachverhaltsfeststellungen von Erwägung 6 des angefochtenen Urteils nur 

Seite  16 — 60

entsprechend ihrer Auflistung in der Teil-Berufungserklärung bestritten seien. Im 
Umkehrschluss seien sämtliche nicht aufgeführte Sachverhaltsfeststellungen 
(Handlungen) unbestritten und als erstellt zu betrachten. Wird die Berufung unter 
anderem auf den Schuldpunkt beschränkt, sind die einzelnen Handlungen anzu-
geben, auf welche sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 lit. a StPO). Folg-
lich hat das Berufungsgericht die in Erwägung 6 des angefochtenen Urteils enthal-
tenen Sachverhaltsfeststellungen nur zu prüfen, sofern diese in der Teil-
Berufungserklärung explizit bestritten werden. Dies wurde von der amtlichen Ver-
teidigerin anlässlich der Hauptverhandlung denn auch mehrfach bestätigt (vgl. HV-
Protokoll [act. F.2], S. 3, 4 und 5). Vor diesem Hintergrund sind lediglich die be-
strittenen Sachverhaltsfeststellungen hinsichtlich G._____ (Anklageschrift 1.1.1.a), 
H._____ (Anklageschrift 1.1.1.b), I._____ (Anklageschrift 1.1.1.c), J._____ (Ankla-
geschrift 1.1.1.d), K._____ (Anklageschrift 1.1.1.e), L._____ (gemäss Anklage-
schrift 1.1.1.g), M._____ (Anklageschrift 1.1.1.h), A._____ (Anklageschrift 1.1.1.i), 
N._____ (Anklageschrift 1.1.1.k), O._____ (Anklageschrift 1.1.1.l), P._____ (An-
klageschrift 1.1.1.m), B._____ (Anklageschrift 1.1.1.n), C._____ (Anklageschrift 
1.1.1.o), Q._____ (Anklageschrift 1.1.1.s) sowie den Anklageschriftpunkt 1.1.4 zu 
überprüfen (angefochtenes Urteil, E. 6, S. 11 ff.).

4.1 Nach Eröffnung der Hauptverhandlung können das Gericht und die Parteien 
unter anderem Vorfragen betreffend die Akten und die erhobenen Beweise auf-
werfen (Art. 339 Abs. 2 lit. d. StPO i.V.m. Art. 379 StPO). Über aufgeworfene Vor-
fragen entscheidet das gesamte Gericht in Form eines einfachen verfahrenslei-
tenden Entscheides. Die Begründung erfolgt im Endentscheid. Gegenstand einer 
aufgeworfenen Vorfrage kann insbesondere die Verwertbarkeit von Aktenstücken 
oder anderen Beweismitteln sein (Max Hauri/Petra Venetz, in: Nigg-
li/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessord-
nung, 2. Aufl., Basel 2014, N 16 zu Art. 339 StPO). Der Vorsitzende hielt fest, 
dass der Beschuldigte den Einvernahmen von C._____ vom 28. September 2015, 
vom 29. September 2015 sowie vom 5. Januar 2016 (staatsanwaltschaftliche act. 
10/17, 10/18 und 10/47; Anklageschrift 1.1.1.o) nicht beiwohnen konnte. Eine Kon-
frontationseinvernahme sei unterblieben, weil C._____ am 9. Januar 2016 versta-
rb. Es stelle sich daher die Frage nach der Verwertbarkeit dieser Einvernahmen 
(Art. 147 Abs. 1 und 4 StPO bzw. Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK). 

Die Verteidigung macht geltend, mangels Konfrontationseinvernahme seien die 
Einvernahmen von C._____ nicht verwertbar. Der dem Beschuldigten in Ziffer 
1.1.1.o der Anklageschrift vorgeworfene Sachverhalt, Verkauf von 10 Gramm Ko-
kaingemisch an C._____, lasse sich daher nicht erstellen. Die Staatsanwaltschaft 

Seite  17 — 60

Graubünden bestreitet den Anspruch auf Durchführung einer Konfrontationsein-
vernahme nicht. Dennoch erachtet sie die Einvernahmen von C._____ – unter 
Verweisung auf die Rechtsprechung des EGMR – für verwertbar. 

4.2 Der in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch des Angeschuldigten, 
den Belastungszeugen Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des Rechts 
auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Eine belastende Zeugenaus-
sage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn der Beschuldigte wenigstens einmal 
während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, das 
Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Ergänzungsfragen zu stellen. Der Beschuldigte 
muss in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer Aussage zu prüfen und ihren Be-
weiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe und in Frage zu stellen. Das 
kann entweder im Zeitpunkt, in welchem der Belastungszeuge seine Aussage 
macht, oder auch in einem späteren Verfahrensstadium erfolgen (BGE 133 I 33 
E. 3.1; Urteil 6B_ 251/2012 vom 2. Oktober 2012 E. 2.3.2; je mit Hinweisen).

Der Anspruch auf Konfrontation gilt indes nicht uneingeschränkt. Nach der Recht-
sprechung des Bundesgerichts verletzt die fehlende Befragung des Belastungs-
zeugen die Garantie dann nicht, wenn der Zeuge berechtigterweise das Zeugnis 
verweigert, wenn er trotz angemessener Nachforschungen unauffindbar bleibt, 
dauernd oder für lange Zeit einvernahmeunfähig wird oder wenn er verstorben ist. 
Die Verwertbarkeit der Aussage erfordert allerdings, dass der Beschuldigte zu den 
belastenden Aussagen hinreichend Stellung nehmen konnte, die Aussagen sorg-
fältig geprüft wurden und sich ein Schuldspruch nicht allein auf diese abstützt. 
Ausserdem darf der Umstand, dass der Angeschuldigte seine Rechte nicht (recht-
zeitig) wahrnehmen konnte, nicht in der Verantwortung der Behörde liegen (BGE 
131 I 476 E. 2.2 und E. 2.3.4; 125 I 127 E. 6c/dd S. 136; je mit Hinweisen). 

Nach neuerer Rechtsprechung des EGMR kann ein streitiges Zeugnis von aus-
schlaggebender Bedeutung ohne Konfrontation mit dem Belastungszeugen ver-
wertbar sein, wenn ausreichend kompensierende Faktoren gegeben sind, die den 
Anspruch des Angeschuldigten auf ein faires Verfahren und die Überprüfung der 
Verlässlichkeit des Beweismittels gewährleisten (Urteil des Europäischen Ge-
richtshofs für Menschenrechte [EGMR] i.S. Al-Khawaja und Tahery gegen Gross-
britannien vom 15. Dezember 2011, § 147; vgl. Urteile des Bundesgerichts 
6B_75/2013 vom 10. Mai 2013 E. 3.3.1; 6B_670/2012 vom 15. Juli 2013 E. 4.3, 
6B_125/2012 vom 28. Juni 2012 E. 3.3.1; je mit Hinweisen). Das Kriterium des 
ausschlaggebenden Beweises bleibt aber ein besonders gewichtiges Element bei 
der Gesamtwürdigung (Dorrit Schleiminger Mettler, Basler Kommentar, Schweize-

Seite  18 — 60

rische Strafprozessordnung, N 34 zu Art. 147 StPO mit Verweisungen auf die 
Rechtsprechung).

4.3 Zwar wurden drei polizeiliche Einvernahmen im Auftrag der Staatsanwalt-
schaft mit C._____ durchgeführt, in welchen sie den Beschuldigten stark belastete 
(staatsanwaltschaftliche act. 10/17, 10/18 und 10/47). Eine Konfrontationseinver-
nahme mit dem Beschuldigten unterblieb jedoch, weil C._____ am 9. Januar 2016 
verstarb. Dem Beschuldigten wurde keine Möglichkeit eingeräumt, sich zu den 
Aussagen von C._____ unmittelbar zu äussern, die Aussagen in Zweifel zu ziehen 
bzw. ihr Ergänzungsfragen zu stellen. Zwar ist mit der Vorinstanz festzuhalten, 
dass die Staatsanwaltschaft dieses prozessuale Manko nicht selbst zu vertreten 
hat und ihr nicht vorwerfbar ist. Zum damaligen Zeitpunkt bestanden keinerlei An-
haltspunkte, die auf ein baldiges Versterben von C._____ hingedeutet hätten und 
welche die Staatsanwaltschaft zur zeitnahen Durchführung einer Konfronteinver-
nahme hätte veranlassen müssen. 

Die Vorinstanz stützte sich ausschliesslich auf die Aussage von C._____ anläss-
lich ihrer Einvernahme vom 5. Januar 2016, wonach diese vom Beschuldigten im 
Frühling/Sommer unter mehreren Malen 10 Gramm Kokaingemisch gekauft habe 
(vgl. staatsanwaltschaftliches act. 10/47, F. 7). Zumindest implizit sprach die Vor-
instanz dieser Aussage volle Beweiskraft zu und betrachtete den dieser Aussage 
zugrunde liegenden Sachverhalt als erstellt. Zwar dürfen, wie vorstehend erläutert, 
auch unkonfrontierte Aussagen verwertet werden. Dies aber nur dann, wenn 
genügend ausreichend kompensierende Faktoren gegeben sind. Solche sind der 
I. Strafkammer nicht ersichtlich. Zwar weisen die Aussagen von G._____ anläss-
lich seiner Einvernahmen einen gewissen Bezug zum Sachverhaltsvorwurf 
gemäss Ziff. 1.1.1.o der Anklageschrift auf. Er führte aber nur aus, C._____ habe 
beim Beschuldigten Kokain gekauft. Über die genaue Menge konnte er keine ver-
lässlichen bzw. aussagekräftigen Angaben machen (staatsanwaltschaftliche act. 
10/9 und 10/14). Zumindest was die gekaufte Menge betrifft, liesse sich eine Ver-
urteilung somit nur auf die Aussage von C._____ stützen. Weitere Beweise bzw. 
Indizien, im Sinne kompensierender Faktoren, fehlen. 

Aus dem Dargelegten wird deutlich, dass die Aussagen von C._____ anlässlich 
ihrer Einvernahmen vom 28. September 2015, 29. September 2015 sowie 5. Ja-
nuar 2016 (staatsanwaltschaftliche act. 10/17, 10/18 und 10/47) nicht als Beweis 
gegen den Beschuldigten verwertet werden dürfen.

Seite  19 — 60

5.1 Das Gericht würdigt die Beweise gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach sei-
ner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis 
zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). Be-
stehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-
gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person 
günstigeren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Nach der aus Art. 32 Abs. 1 
BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO fliessenden Beweiswürdigungsre-
gel in dubio pro reo darf sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den 
Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären, wenn bei objektiver 
Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verurteilendes 
Erkenntnis bestehen (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2.a). Bloss theoretische und abstrakte 
Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und ab-
solute Gewissheit nicht verlangt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 
2C_242/2013 vom 25. Oktober 2013 E. 3.1; BGE 138 V 74 E. 7). Bei sich wider-
sprechenden Beweismitteln, wie sie bei einer Situation in der sich be- und entlas-
tende Aussagen gegenüberstehen, muss der Grundsatz in dubio pro reo nicht 
zwingend zur Anwendung kommen. Das Gericht kann sich im Rahmen der freien 
Beweiswürdigung davon überzeugen, dass eine der beiden gegensätzlichen Aus-
sagen zutreffend ist (Wolfgang Wohlers, a.a.O., N 12 zu Art. 10 StPO; Brigitte 
Tag, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische 
Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 83 zu Art. 10 StPO; Urteil des Bun-
desgerichts 1B_31/2015 vom 16. Februar 2015 E. 3.2; BGE 137 IV 122 E. 3.3). 
Aussagen von Zeugen, Auskunftspersonen und Beschuldigten stellen auch bei 
direkter Beteiligung am Verfahren vollgültige Beweismittel dar und sind entspre-
chend richterlich auf ihre materielle Richtigkeit hin zu würdigen (Andreas Do-
natsch, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 
Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2014, N 13 zu Art. 162 StPO). 

5.2 Bei der Abklärung des Wahrheitsgehaltes von Zeugenaussagen bzw. sol-
chen von Auskunftspersonen bzw. der beschuldigten Person hat sich die soge-
nannte Aussageanalyse weitgehend durchgesetzt. Es geht dabei nicht um die 
Glaubwürdigkeit der einvernommenen Person, sondern um die Glaubhaftigkeit 
ihrer Aussage (Martin Hussels, Von Wahrheiten und Lügen – Eine Darstellung der 
Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, in: forumpoenale 6/2012 
vom 11. Dezember 2012, S. 368 und 374). Unter diesem Aspekt gehen denn auch 
die einleitend gemachten pauschalen Vorbringen der amtlichen Verteidigerin, 
sämtliche Personen, die gegen den Beschuldigten ausgesagt hätten, seien selbst 
drogenabhängig, fehl. Dieses Vorbringen zielt nur auf die Glaubwürdigkeit der 

Seite  20 — 60

Personen ab, sagt aber gerade nichts über die – schlussendlich entscheidende – 
Glaubhaftigkeit deren konkreten Aussagen aus (vgl. Plädoyer vom 12. Dezember 
2017 [act. D.24]). 

Die Glaubhaftigkeit einer konkreten Aussage wird durch methodische Analyse ih-
res Inhalts darauf überprüft, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen 
Aussagen einem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. Damit eine Aus-
sage als zuverlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vor-
handensein von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesi-
gnalen zu überprüfen. Ausgangspunkt ist die sogenannte Nullhypothese, d.h. die 
Annahme, dass die Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist. Erst wenn sich 
diese Annahme anhand der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten 
lässt, wird darauf geschlossen, dass die Aussage dem wirklich Erlebten entspricht 
(BGE 133 I 33 E. 4.3 mit Verweis auf BGE 129 I 49 E. 5 und BGE 128 I 81 E. 2). 
Wahre und falsche Schilderungen erfordern unterschiedliche geistige Leistungen. 
Daher ist zu überprüfen, ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der 
Umstände, der intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche 
Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund machen könnte (vgl. hierzu BGE 
133 I 33 E. 4.2; 129 I 49 E. 5; 128 I 81 E. 2). Schliesslich gilt es zu berücksichti-
gen, in welchem Umfeld und unter welcher Motivationslage die Aussage gemacht 
wurde. 

5.3 Anzumerken bleibt, dass der „Aussage der ersten Stunde“ vor der Polizei 
besondere Aufmerksamkeit gebührt, erfolgt sie doch zeitnah zum Geschehen und 
ist sie weniger mit Erinnerungslücken und allfälligen Absprachen behaftet als eine 
Aussage, welche Wochen oder Monate später erfolgt (vgl. dazu auch PKG 1991 
Nr. 39 E. 3 sowie im Bereich des Sozialversicherungsrechts: BGE 121 V 47, wo-
nach die spontanen „Aussagen der ersten Stunde“ in der Regel unbefangener und 
zuverlässiger sind als die späteren Darstellungen).

6. Eingangs ist festzuhalten, dass es Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelin-
stanzen mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt, für die tatsächliche und recht-
liche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der 
Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser vollumfänglich beipflichten (vgl. BGE 
141 IV 244 E. 1.2.3). Auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente 
ist demgegenüber immer einzugehen, wenn diese erst im Rechtsmittelverfahren 
vorgetragen werden (Daniela Brüschweiler, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2014, N 9 zu Art. 
82 StPO). 

Seite  21 — 60

7. In Ziffer 1.1 der Anklageschrift vom 27. September 2016 wird dem Beschul-
digten vorgeworfen, mehrere Betäubungsmittelabgaben und -verkäufe von insge-
samt 1'150.7 Gramm Kokaingemisch und 177.4 Gramm Marihuana getätigt zu 
haben (vorinstanzliches act. 24). Zu prüfen sind indes nur die in der Teil-
Berufungserklärung bzw. in Antrag Ziffer 1 des Plädoyers vom 12. Dezember 2017 
bestrittenen Sachverhaltsfeststellungen von Erwägung 6 des angefochtenen Ur-
teils (vgl. vorstehend E. 3). 

Die folgenden vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen von Erwägung 6 des 
angefochtenen Urteils gelten demgegenüber nicht als bestritten und damit als er-
stellt: W._____ (Anklageschrift 1.1.1.f): Verkauf von mindestens 5 Gramm Kokain-
gemisch und 1 Gramm Marihuana; S._____ (Anklageschrift 1.1.1.j): Verkauf von 1 
Gramm Kokaingemisch; D._____ (Anklageschrift 1.1.1.p): Verkauf von 4.5 Gramm 
Kokaingemisch und 60 Gramm Marihuana unter mehreren Malen; T._____ (An-
klageschrift 1.1.1.q): Verkauf von 3 Gramm Marihuana; E._____ (Anklageschrift 
1.1.1.r): Abgabe unter mehreren Malen von 2 Gramm Kokaingemisch gegen se-
xuelle Dienstleistungen; Bunkerung von 44 Portionen Kokain, insgesamt 18.35 
Gramm, zusammen mit 2.17 Gramm Marihuana (Anklageschrift 1.1.2). Schliess-
lich ist auch erstellt, dass der Beschuldigte 85 Gramm Marihuana sowie 19 Tablet-
ten Benzodiazepine im Asyl-Minimalzentrum in O.1_____ versteckte (Anklage-
schrift 1.1.3).

8.1 Die Vorinstanz erwog, der Beschuldigte habe G._____ (Anklageschrift 
1.1.1.a) insgesamt 22.4 Gramm Kokaingemisch und 12 Gramm Marihuana ver-
kauft. Sie stützte sich dabei auf die Aussagen von G._____ während der Konfron-
teinvernahme, anlässlich welcher er angab, während eines Jahres wöchentlich 0.3 
Gramm Kokaingemisch bezogen zu haben und für die vier Wochen, während wel-
chen der Beschuldigte bei ihm wohnte, 2 Gramm Kokaingemisch pro Woche er-
halten habe (staatsanwaltschaftliches act. 12/11, Fragen 17 und 22). Zu Gunsten 
des Beschuldigten rechnete die Vorinstanz für die vier Wochen kein zusätzlich 
erworbenes Kokaingemisch an. Den Verkauf von 12 Gramm Marihuana habe 
G._____ bis zum Schluss bestätigt. Der Beschuldigte habe sich dazu nicht geäus-
sert. 

8.2 Die amtliche Verteidigerin moniert, es sei zu Gunsten des Beschuldigten 
lediglich von einer Bezugszeit von Januar 2015 bis September 2015 auszugehen, 
da sich beide erst ab diesem Zeitpunkt gekannt haben. Bei wöchentlich bezoge-
nen 0.3 Gramm Kokaingemisch entspreche dies einer Bezugsmenge von 10.8 
Gramm Kokaingemisch. Ferner sei lediglich erstellt, dass er während zwei Wo-

Seite  22 — 60

chen bei G._____ gewohnt habe, wofür er G._____ 4 Kugeln à 1 Gramm Kokain-
gemisch gegeben habe. Gesamthaft habe er G._____ lediglich 14.2 Gramm Ko-
kaingemisch abgegeben (vgl. Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 
4, S. 4).

8.3 Durch seine Aussagen, vom Beschuldigten Kokain und Marihuana bezogen 
zu haben, belastet G._____ nicht nur den Beschuldigten sondern auch sich selbst 
stark. Dieser Umstand rückt seine Aussagen, soweit diese den Bezug von Kokain 
und Marihuana vom Beschuldigten betreffen, in ein besonders glaubhaftes Licht, 
zumal keinerlei Motive erkennbar sind, weshalb G._____ den Beschuldigten falsch 
bezichtigen sollte. Vielmehr klärte er Missverständnisse aktiv auf, welche den Be-
schuldigten (falsch) belastet hätten (staatsanwaltschaftliches act. 12/11, F. 5). 
Daraus erhellt, dass es G._____ nicht darum geht, den Beschuldigten grundlos 
anzuschwärzen. Auch die Aussagen von L._____ anlässlich seiner Einvernahme 
vom 23. September 2015, G._____ habe beim Beschuldigten Drogen bezogen, 
stützen die Angaben von G._____. Der Beschuldigte bestritt anfänglich, G._____ 
Drogen verkauft zu haben (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 11/11). Diese Aussa-
ge widerrief er sodann anlässlich seiner Einvernahme vom 4. Dezember 2015 und 
führte aus, insgesamt 8 Gramm Kokain an G._____, aber kein Marihuana, ver-
kauft zu haben. Anlässlich seiner Einvernahme vor der Berufungsinstanz bestritt 
der Beschuldigte dann, den Verkauf von 8 Gramm Kokain an G._____ überhaupt 
zugegeben zu haben. Dies sei falsch protokolliert worden (Einvernahmeprotokoll 
[act. F.3], Ziff. VI.a, S. 2). Im Gegensatz zum erratischen Aussageverhalten des 
Beschuldigten sind die Aussagen von G._____ als äusserst glaubhaft und erleb-
nisbasiert zu qualifizieren. Es hat als erstellt zu gelten, dass er vom Beschuldigten 
Kokain kaufte. 

Demgegenüber sind die behaupteten Bezugsmengen nicht nachvollziehbar, was 
die Verteidigerin zu Recht moniert. So variierten die Mengenangaben von 
G._____ während der Untersuchung von 50 Gramm über 145 Gramm zu 135 
Gramm Kokaingemisch (vgl. staatsanwaltschaftliche act. 10/11, Frage 4; 10/14, 
Fragen 4 und 10). Aufgrund der langen Bezugsdauer können aber kaum genaue – 
aus dem Stehgreif erfolgte – Schätzungen der Gesamtmenge erwartet werden. 
Umso mehr Beachtung ist dabei einzelnen Faktoren zu schenken, aufgrund derer 
sich die Gesamtmenge ermitteln lässt und an die man sich infolge ihrer Regel-
mässigkeit gut erinnert. Hierzu zählen beispielsweise die Intervalle zwischen den 
einzelnen Bezügen, die Anzahl Bezüge pro Woche, die Bezugsdauer und die je-
weilige Bezugsmenge. Hierzu führte G._____ konstant aus, er habe beim Be-
schuldigten wöchentlich Kokain bezogen (staatsanwaltschaftliche act. 10/11, Fra-

Seite  23 — 60

ge 3; 10/14 Frage 4; 12/11, Frage 17). Die relativ kurzen Intervalle zwischen den 
einzelnen Bezügen werden durch die Aussage von L._____ gestützt, welcher an-
gab, G._____ habe vom Beschuldigten täglich Kokain bezogen. Zugunsten des 
Beschuldigten ist aber den konstanten Aussagen von G._____ zu folgen. Hinsicht-
lich der jeweiligen Bezugsmenge führte G._____ aus, zwischen 0.3 und 0.5 
Gramm Kokain bezogen zu haben. Die Bezugsmenge von 0.3 Gramm wird sei-
tens der Verteidigung anerkannt (Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], 
Ziffer 4 S. 4). Während der Konfronteinvernahme vom 11. Februar 2016 gab 
G._____ – in Übereinstimmung mit den Ausführungen des Beschuldigten – an, 
den Beschuldigten erst seit dem Jahr 2015 zu kennen (staatsanwaltschaftliches 
act. 12/11, F. 17; Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 4, S. 4). So-
mit ist von einer Bezugszeit von Januar 2015 bis zur Verhaftung des Beschuldig-
ten am 9. September 2015 auszugehen (35 Wochen; vgl. Plädoyer vom 12. De-
zember 2017 [act. D.24], Ziff. 4, S. 4), was einer Bezugsmenge von 10.8 Gramm 
Kokaingemisch entspricht. 

Unbestritten ist weiter, dass G._____ den Beschuldigten in seiner Wohnung woh-
nen liess und als Gegenleistung pro Woche 2 Kügelchen à 1 Gramm Kokainge-
misch erhielt (Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 4, S. 4; vorin-
stanzliches act. 10, Ziff. 24). Es ist jedoch mit der amtlichen Verteidigerin festzu-
halten, dass die genaue Dauer, während welcher der Beschuldigte bei G._____ 
gewohnt hat, insbesondere aufgrund der widersprüchlichen Angaben von G._____ 
(ursprünglich 1 ½ Monate [vgl. staatsanwaltschaftliches act. 10/11, F. 6], schliess-
lich vier Wochen [staatsanwaltschaftliches act. 12/11, F. 18]) nicht genügend er-
stellt werden kann. Folglich ist zugunsten des Beschuldigten von einer anerkann-
ten Aufenthaltsdauer von 2 Wochen auszugehen, wofür er G._____ pro Woche 
mit 2 Kügelchen à 1 Gramm Kokaingemisch entschädigte.

G._____ gab stets konstant wieder, vom Beschuldigten Marihuana bezogen zu 
haben (vgl. staatsanwaltschaftliche act. 10/11, 10/14, 12/11). Der Beschuldigte 
bestritt diese Anschuldigungen (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 11/14, F. 26 und 
Einvernahmeprotokoll vom 12. Dezember 2017 [act. F.3], Ziff. VI.a, S. 2). Vor dem 
Hintergrund, dass diverse Personen unabhängig voneinander ausführten, der Be-
schuldigte habe auch mit Marihuana gedealt, sind die Ausführungen von G._____ 
als plausibel und glaubhaft zu qualifizieren. Hinsichtlich der Bezugsmenge ist zu 
vermerken, dass die Mengenangaben in seinen Einvernahmen lediglich geringfü-
gig schwankten, im Kern aber kongruent sind. So gab er in seiner Einvernahme 
vom 15. September 2015 an, vom Beschuldigten für etwa CHF 200.00 Marihuana 
gekauft zu haben, was ca. 18 Gramm entsprechen würde (staatsanwaltschaftli-

Seite  24 — 60

ches act. 10/11, F. 3). Während der Konfronteinvernahme gab G._____ an, ca. 3 
Mal für ca. CHF 50.00 Marihuana beim Beschuldigten erworben zu haben, was ca. 
12 bis 14 Gramm Marihuana gewesen sein dürfte (staatsanwaltschaftliches act. 
12/11 F. 10). Zugunsten des Beschuldigten ist indessen von der geringeren Men-
ge von 12 Gramm auszugehen. 

Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte G._____ insgesamt 14.8 Gramm Kokain-
gemisch sowie 12 Gramm Marihuana abgebeben hat.

9.1 In Bezug auf den Anklagesachverhalt von Ziffer 1.1.1.b (H._____) erwog 
die Vorinstanz, angesichts der selbstbelastenden Aussagen von H._____ sowie 
der minimen Menge verkauften Marihuanas, sei davon auszugehen, dass die An-
gaben zutreffend seien und der eingeklagte Sachverhalt als erstellt zu gelten ha-
be. Es sei folglich erstellt, dass H._____ vom Beschuldigten im April 2014 ge-
samthaft 3 Gramm Marihuana bezogen habe (vgl. angefochtenes Urteil E. 6, S. 12 
und 13).

9.2 Seitens des Beschuldigten werden keine neuen Vorbringen vorgetragen 
(vgl. vorinstanzliches act. 10, Ziff. 25 f.; Plädoyer vom 12. Dezember 2017, Ziff. 6). 
Gründe dafür, von der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung abzuweichen, 
sind der Berufungsinstanz nicht ersichtlich, weshalb vollumfänglich auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz, welche auf die Vorbringen des Beschuldigten 
schon eingegangen ist, verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; vgl. ange-
fochtenes Urteil E. 6, S. 12). Anzumerken ist überdies, dass das allgemeine Be-
streiten des Marihuanaverkaufes durch den Beschuldigten angesichts der belas-
tenden Aussagen von mehreren Personen, die ausführten, von ihm Marihuana 
bezogen zu haben, insgesamt nicht glaubhaft erscheint.

10.1 In Ziffer 1.1.1.c der Anklageschrift vom 27. September 2016 wird dem Be-
schuldigten vorgeworfen, I._____ 21.2 Gramm Kokaingemisch abgegeben zu ha-
ben, wovon er ihr 11.2 Gramm verkauft und 10 Gramm gegen sexuelle Dienstleis-
tungen abgeben habe. Aufgrund der Tatsache, dass sich I._____ mit ihren Aussa-
gen stark selber belaste und in ihren Aussagen keine Widersprüche zu finden sei-
en, könne ihren Aussagen gefolgt werden. 

10.2 Anlässlich der Hauptverhandlung wurden seitens der amtlichen Verteidige-
rin keine neuen Tatsachen vorgetragen. Sie belässt es ausschliesslich bei bereits 
im vorinstanzlichen Verfahren vorgetragenen Vorbringen, mit denen sich die Vor-
instanz bereits schlüssig und korrekt auseinandergesetzt hat (vgl. vorinstanzliches 
act. 10, Ziff. 27 f.; Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 7). In An-

Seite  25 — 60

wendung von Art. 82 Abs. 4 StPO wird auf die diesbezüglichen Sachverhaltsfest-
stellungen der Vorinstanz vollumfänglich verwiesen. Angemerkt sei lediglich das 
Folgende: Die Ausführungen von I._____ erscheinen insgesamt sehr glaubhaft. 
Dies umso mehr, als auch weitere Frauen unabhängig von ihr ihre Aussage 
bestätigten, Betäubungsmittel gegen sexuelle Dienstleistungen erhalten zu haben 
(vgl. E. 7. sowie E. 14. ff.).

11.1 In Ziffer 1.1.1.d der Anklageschrift vom 27. September 2016 wird dem Be-
schuldigten vorgeworfen, er habe von Januar 2015 bis anfangs August 2015 an 
J._____ unter mehreren Malen insgesamt mindestens 400 Gramm Kokaingemisch 
für CHF 40'000.00 sowie 3.9 Gramm Marihuana für CHF 100.00 verkauft.

11.2 Die Vorinstanz folgte hinsichtlich des Bezugszeitraumes den Aussagen von 
J._____, welcher ausführte, vom Beschuldigten zwischen Januar 2015 und August 
2015 täglich Kokain bezogen zu haben, somit während 30 Wochen (staatsanwalt-
schaftliche act. 10/2, F. 8 und 11/15, F. 13). Zugunsten des Beschuldigten ging die 
Vorinstanz von einer Kügelchengrösse von 0.5 Gramm Kokaingemisch aus, was 
bei einer Bezugsdauer während 30 Wochen total 105 Gramm Kokaingemisch er-
gibt. Ebenfalls als erstellt erachtete die Vorinstanz den Bezug von 3.9 Gramm Ma-
rihuana vom Beschuldigten, weil nicht nachvollziehbar sei, weshalb J._____ beim 
Beschuldigte diese Menge bezogen haben soll, handle es sich dabei doch im Ver-
gleich zum Kokainbezug um eine vernachlässigbare Menge Marihuana (angefoch-
tenes Urteil E. 6, S. 13). 

11.3 Die amtliche Verteidigerin bringt dagegen vor, J._____ und der Beschuldig-
te hätten den Bezugszeitpunkt übereinstimmend auf Juli 2015 bis August 2015 
festgesetzt, was bei täglich bezogenen Kokainkügelchen à 0.5 Gramm eine Ge-
samtmenge von lediglich 21 Gramm Kokaingemisch ausmache. Hinsichtlich des 
Verkaufes von Marihuana seien die Aussagen beider widersprüchlich, sodass zu 
Gunsten vom Beschuldigten der Sachverhalt als nicht erstellt zu gelten habe (vgl. 
Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 8, Seite 6).

11.4 Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass J._____ beim Beschuldigten 
insgesamt 3.9 Gramm Marihuana bezogen hatte. Auch stellte die Vorinstanz rich-
tig fest, dass J._____ vom Beschuldigten täglich Kokainkügelchen à 0.5 Gramm 
Kokaingemisch gekauft hatte (angefochtenes Urteil E. 6, S. 13). Mit den von der 
Verteidigerin im Rahmen der Berufung erneut vorgetragenen Einwendungen hat 
sich die Vorinstanz bereits auseinandergesetzt. Auf die erwähnten vorinstanzli-
chen Erwägungen kann zur Vermeidung von Wiederholungen in Anwendung von 

Seite  26 — 60

Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden. Demgegenüber erweist sich die vorin-
stanzliche Feststellung hinsichtlich der Bezugsdauer als nicht zutreffend. 

Das Ende der Bezugsdauer ist aufgrund der Angaben von J._____ sowie des Be-
schuldigten genügend erstellt. Beide definierten den Bezug bis Anfang des Monats 
August 2015 (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 12/6, F. 6. ff.). Bezüglich des Be-
zugsbeginns führte J._____ indessen einmal aus: "Ich habe von Anfang 2015 bis 
ich nach Realta in den Strafvollzug musste, anfangs August 2015, bei ihm Kokain 
gekauft." (vorinstanzliches act. 12/6, F. 6). Davon unbesehen definierte er den Be-
zugszeitrahmen aber auch auf ein halbes Jahr, also anfangs Februar 2015 (vgl. 
staatsanwaltschaftliches act. 12/6, F. 3.). Dem Grundsatz in dubio pro reo folgend 
ist vorliegend von einer Bezugsdauer von einem halben Jahr, mithin 26 Wochen 
bzw. 182 Tage, auszugehen, was einer Gesamtbezugsmenge von 91 Gramm Ko-
kaingemisch entspricht (182 Tage à 0.5 Gramm). Damit ist erstellt, dass der Be-
schuldigte J._____ während mehreren Malen insgesamt 91 Gramm Kokainge-
misch sowie 3.9 Gramm Marihuana verkaufte.

12.1 Die Vorinstanz erachtete den dem Beschuldigten vorgeworfenen Sachver-
halt entsprechend Ziffer 1.1.1.e der Anklageschrift vom 27. September 2016 als 
erstellt. K._____ habe stets und übereinstimmend ausgesagt, von Februar 2014 
bis Februar 2015 beim Beschuldigten ca. 80 Gramm Kokain für den Eigenkonsum 
bezogen zu haben und 40 Gramm Kokain vom Beschuldigten an zwei weitere 
Personen vermittelt zu haben. Hinsichtlich dieser 120 Gramm sei der Sachverhalt 
erstellt.

12.2 Die amtliche Verteidigerin rügt, die Vorinstanz sei fälschlicherweise von der 
Richtigkeit der Aussagen von K._____ ausgegangen. Er habe erst in der Konfron-
teinvernahme zugegeben, das Kokain nicht nur gegen Geld, sondern auch gegen 
Mobiltelefone erhalten zu haben. Die amtliche Verteidigerin erkennt darin ein der-
art unzutreffendes Aussageverhalten, dass den Aussagen von K._____ hinsicht-
lich der Bezugsmenge nicht gefolgt werden könne. Es sei dem Grundsatz in dubio 
pro reo folgend der Sachverhalt nur entsprechend des Geständnisses des Be-
schuldigten im Umfang von 13.5 Gramm Kokain erstellt (vgl. Plädoyer vom 12. 
Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 9, S. 6 f.). 

12.3 Der Beschuldigte bestritt ursprünglich gänzlich, K._____ Kokain verkauft zu 
haben (staatsanwaltschaftliches act. 11/12, F. 4). Bereits am 4. Dezember 2015 
widerrief er jedoch diese Aussage und gestand, K._____ zwischen 15 und 17 
Gramm Kokain verkauft zu haben (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 11/13, F. 3). 

Seite  27 — 60

Im Verlaufe der Einvernahme wich er von dieser Angabe ab und gab an, mindes-
tens 9 Gramm Kokain an K._____ verkauft zu haben. Auf entsprechenden Vorhalt 
der Staatsanwältin, er habe 15 bis 17 Gramm Kokain angegeben, führte der Be-
schuldigte aus: „K._____ sagte aus, dass er von mir 135 Gramm Kokain erhalten 
habe. Deshalb habe ich auf diese Aussage gesagt, dass ich lediglich 15 Gramm 
bis 17 Gramm Kokain an K._____ übergeben habe.“ Auf Nachfrage der Staatsan-
wältin, ob seine Aussage von der Mengenangabe von K._____ abhängen würde, 
hielt der Beschuldigte fest: „Es ist so, dass die Mindestmenge bei 9 Gramm Ko-
kain liegt und es allenfalls 15 bis 17 Gramm Kokain gewesen sein könnten.“ 
(staatsanwaltschaftliches act. 11/13, F. 26). Sodann gab der Beschuldigte an, 
K._____ nur 13.1 Gramm Kokaingemisch übergeben zu haben. Zu dieser Menge 
gelangt er aufgrund einer eigenen Berechnung, die sich auf die Anzahl erhaltener 
Mobiltelefone stützt, für welche er jeweils einen selbst geschätzten Wert veran-
schlagt und den entsprechenden Gegenwert in Kokain eruiert. Dieses Aussage-
verhalten des Beschuldigten bezüglich der Bezugsmenge erweist sich als nicht 
stringent und widersprüchlich. 

Noch weniger glaubhaft erscheinen die Aussagen des Beschuldigten angesichts 
der von ihm behaupteten Gegenleistung. So habe ihm K._____ für 13.1 Gramm 
Kokaingemisch insgesamt sieben Mobiltelefone im Wert von total CHF 3'040.00 
übergeben (staatsanwaltschaftliches act. 11/13, F. 29). Der resultierende Kokain-
preis von ca. CHF 230.00 pro Gramm ist angesichts der üblichen Preise des Be-
schuldigten in Höhe von ca. CHF 30.00 für 0.2 Gramm Kokain, als zu hoch und 
nicht glaubhaft einzustufen (vgl. staatsanwaltschaftliche act. 10/1, F. 13; act. 10/4, 
F. 9; act. 10/7, F. 19; act. 10/8, F. 14; act. 10/9, F. 8). Überdies fielen auch seine 
Aussagen hinsichtlich der Anzahl erhaltener Mobiltelefone widersprüchlich aus, 
gab er doch in der Schlusseinvernahme an, nur ein Mobiltelefon erhalten zu haben 
(staatsanwaltschaftliches act. 1/4, F. 7). Auf Vorhalt der Staatsanwältin, ein Preis 
von CHF 230.00 pro Gramm Kokain erscheine ihr zu hoch, führte der Beschuldigte 
aus, dass es sich bei den von ihm angegebenen Werten um den ungefähren 
Neuwert der Mobiltelefone handeln würde, er aber den aktuellen Gegenwert be-
rechnet habe, der etwa der Hälfte entsprechen würde (staatsanwaltschaftliches 
act. 11/13, F. 30). Der Beschuldigte verstrickt sich dabei weiter in Widersprüche, 
gab er doch sogleich an, dass sämtliche Geräte neu und noch original verpackt 
gewesen seien (staatsanwaltschaftliches act. 11/13, F. 30). Auch erscheinen die 
von ihm angegebenen Mobiltelefonpreise nicht stimmig. Er gab an, dass das 
günstigste Mobiltelefon einen Gegenwert von ca. CHF 380.00 und das teuerste 
Modell einen Gegenwert von CHF 500.00 aufgewiesen hätte. Vor dem Hinter-

Seite  28 — 60

grund, dass der Beschuldigte angab, mehrheitlich (neue) iPhone-Mobiltelefone 
verkauft zu haben, sind diese Aussagen nicht glaubhaft (staatsanwaltschaftliches 
act. 11/13, F. 31 und 34). 

Die Aussage des Beschuldigten, K._____ erst im Herbst 2015 kennengelernt zu 
haben, widerspricht seinen späteren Aussagen, wonach er K._____ erstmals im 
Frühling 2015 bzw. letztmals im Mai oder Juni 2015 Kokain übergeben habe (vgl. 
staatsanwaltschaftliche act. 11/13, F. 5, F. 17 und F. 21). 

Vor dem Hintergrund des Gesagten erweist sich das erratische Aussageverhalten 
des Beschuldigten als schwer nachvollziehbar, widersprüchlich und nicht glaub-
haft. 

Demgegenüber machte K._____ anlässlich seiner ersten Einvernahme klare und 
nachvollziehbare Angaben. Er führte aus, beim Beschuldigten von Februar 2014 
bis Februar 2015 Kokain bezogen zu haben (staatsanwaltschaftliches act. 10/21, 
F. 16). Während dieser Zeit habe er ca. 80 Gramm Kokain für den Eigenkonsum 
beim Beschuldigten gekauft (F. 16 und 41). Ausserdem habe er 40 Gramm Kokain 
vom Beschuldigten an zwei weitere Personen vermittelt (F. 27 und 41). Er habe 
somit total 120 Gramm Kokaingemisch vom Beschuldigten gekauft (staatsanwalt-
schaftliches act. 12/10, F. 4). Zwar war er an der Konfronteinvernahme nicht mehr 
in der Lage, sich an die genaue Menge zu erinnern. Dieses Eingestehen von Wis-
senslücken lässt seine Aussagen aber nicht minder glaubhaft erscheinen. Daraus 
wird nämlich deutlich, dass K._____ den Beschuldigten nicht grundlos bzw. mit 
ihm nicht mehr präsenten Erinnerungen falsch belasten möchte, stattdessen sich 
lieber einer Aussage enthält. Seine klaren Aussagen hinsichtlich der bezogenen 
Menge Kokain lassen sich überdies anhand der von ihm angegebenen Geldbeträ-
ge nachvollziehen. So sagte er aus, monatlich ca. CHF 500.00 für Kokain ausge-
geben zu haben (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 10/21, F. 10). Der Beschuldigte 
habe CHF 100.00 pro Gramm Kokain verlangt (staatsanwaltschaftliche act. 10/21, 
F. 17 und 12/10, F. 9). Wenn er fünf Gramm gekauft habe, habe er diese für 
CHF 400.00 erhalten (staatsanwaltschaftliches act. 10/21, F. 17). Wenn er in die-
sem Jahr wie angegeben 80 Gramm Kokaingemisch vom Beschuldigten gekauft 
hat, entspricht dies 1.5 Gramm pro Woche bzw. CHF 150.00 pro Woche oder 
CHF 600.00 pro Monat. Ferner sind keine Motive ersichtlich, weshalb K._____ den 
Beschuldigten falsch anschuldigen würde. Vielmehr läge es – in Anbetracht mögli-
cher strafrechtlicher Konsequenzen – im Interesse von K._____, die vom Be-
schuldigten bezogene Kokainmenge möglichst tief zu beziffern.

Seite  29 — 60

Vor dem Hintergrund des vorstehend Gesagten erweisen sich die Aussagen von 
K._____ als nachvollziehbar und in sich stimmig. Widersprüche sind keine auszu-
machen. Die Aussagen erweisen sich als sehr glaubhaft. Damit ist erstellt, dass 
K._____ vom Beschuldigten gesamthaft 120 Gramm Kokaingemisch übernommen 
hat. 

13.1 In der Anklageschrift (Ziffer 1.1.1.g) wird ausgeführt, L._____ habe in der 
Zeit von September/Oktober 2014 bis September 2015 vom Beschuldigten unter 
mehreren Malen insgesamt 70 Gramm Kokaingemisch sowie 5 Gramm Marihuana 
übernommen (vorinstanzliches act. 24). Die Vorinstanz erwog, es sei nicht nach-
vollziehbar, wie die Anklagebehörde auf diese Gesamtmenge gekommen sei. 
L._____ habe angegeben, während der Zeit seit 4. August 2014 bis 23. Septem-
ber 2015, beziehungsweise während 49 Wochen, ein Gramm wöchentlich konsu-
miert zu haben. Dies ergebe folglich 49 Gramm bezogenes Kokaingemisch. Hin-
gegen sei nicht erstellt, dass L._____ beim Beschuldigten 5 Gramm Marihuana 
bezogen hätte (angefochtenes Urteil E. 6, S. 14). 

13.2 Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe (vgl. staatsanwaltschaftliche act. 
12/2 und act. 1/4). Die amtliche Verteidigerin, die in jedem Falle eine Gesamtmen-
ge von 46 Gramm Kokaingemisch anerkennt (Plädoyer vom 12. Dezember 2017 
[act. D.24], Ziff. 10), moniert, die Vorinstanz sei fälschlicherweise von einer Be-
zugsdauer von 49 Wochen ausgegangen. L._____ habe angegeben, dass der 
Beschuldigte anfänglich in seiner Wohnung gewohnt habe und er während dieser 
Zeit keine Kenntnis über die Drogengeschäfte des Beschuldigten gehabt haben 
konnte (Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 10, S. 8). Es sei daher 
davon auszugehen, dass L._____ erst ab dem 13. Oktober 2014, während 46 
Wochen und pro Woche 1 Gramm Kokain bezogen habe. 

13.3 Der Beschuldigte bestritt stets, L._____ Kokain und Marihuana verkauft zu 
haben. Er habe sich lediglich in dessen Wohnung aufgehalten, um Tee zu trinken 
und um sich zu duschen. Als er in der Wohnung von L._____ festgenommen wor-
den sei, habe er dort zum ersten Mal Kokain abgepackt (staatsanwaltschaftliches 
act. 12/2, F. 22; vgl. auch Einvernahmeprotokoll vom 12. Dezember 2017, [act. 
F.3], Ziff. VI.f, Frage 1). Weiter führte der Beschuldigte aus, L._____ erst seit Fe-
bruar/März 2015 zu kennen. Er habe ihn erst kennen gelernt, als er nach 
O.1_____ gekommen sei (staatsanwaltschaftliches act. 11/3, F. 3). Diese Aussage 
ist jedoch vor dem Hintergrund, dass er von L._____ schon im Frühling 2013 ein 
Mobiltelefon erhalten hatte (staatsanwaltschaftliche act. 11/8, F. 2) und L._____ 
am 2. Juni 2015 angab, den Beschuldigten seit zwei Jahren zu kennen, nicht 

Seite  30 — 60

glaubhaft (staatsanwaltschaftliche act. 10/1, F. 4). Schliesslich ist nicht überzeu-
gend, dass L._____ dem Beschuldigten sowie dessen Freundin seine Wohnung 
und sein Mobiltelefon ohne entsprechende Gegenleistung überlassen haben soll 
(staatsanwaltschaftliches act. 11/5, F. 55). Die Aussagen des Beschuldigten sind 
insgesamt nicht nachvollziehbar und nicht glaubhaft.

Hinsichtlich der Bezugsdauer gab L._____ anlässlich seiner Einvernahme vom 2. 
Juni 2015 an, vor ca. 2 Monaten, also im April 2015, das erste Mal vom Beschul-
digten Kokain geschenkt erhalten zu haben (staatsanwaltschaftliches act. 10/1, F. 
6). In späteren Einvernahmen gab er indessen konstant an, bereits ab Septem-
ber/Oktober 2014 Kokain vom Beschuldigten erhalten zu haben (staatsanwalt-
schaftliche act. 12/1, F. 13; act. 12/1, F. 5 und act. 12/2, F. 3 und 11). Ohne aus-
drücklich danach gefragt worden zu sein, wies L._____ spontan darauf hin, dass 
er schon seit 2014 vom Beschuldigten Betäubungsmittel bezogen habe. Er führte 
hierzu aus: "[…] X.1_____, also damit meine ich X._____, kam in unregelmässi-
gen Abständen immer wieder zu mir und durfte bei mir auch übernachten. Als Ge-
genleistung habe ich von ihm jeweils 0.5 Gramm Koks erhalten. Ich würde sagen, 
dass ich von ihm pro Woche ca. 1.0 Gramm Koks bekommen habe. Es kam dann 
auch dazu, dass ich von ihm gekauft habe. Angefangen hat das Ganze im Jahr 
2014. Ich kann heute nicht mehr genau sagen, ab wann X.1_____ bei mir in unre-
gelmässigen Abständen übernachtet hat. […]" (staatsanwaltschaftliches act. 12/1, 
F. 2). Die Aussagen von L._____ erweisen sich in Bezug auf den Bezugszeitraum 
als nachvollziehbar und erlebnisbasiert und damit glaubhaft. Zugunsten des Be-
schuldigten ist aber der Bezugszeitpunkt auf den 1. Oktober 2014 festzusetzen.

L._____ führte stets kongruent und plausibel aus, vom Beschuldigten während 
des vorgenannten Zeitraumes wöchentlich 0.5 Gramm Kokaingemisch als Gegen-
leistung erhalten zu haben und weitere 0.5 Gramm Kokaingemisch käuflich erwor-
ben zu haben. Auch andere Abnehmer gaben an, für das Zurverfügungstellen ih-
rer Wohnung Kokain erhalten zu haben (staatsanwaltschaftliche act. 10/1, F. 7; 
act. 12/1, F. 2; act. 12/1, F. 13; act. 12/2 F. 3 und 11; vgl. auch act. 10/8, F. 18). 
Die konstant wiedergegebenen Ausführungen von L._____, die sich mit Angaben 
Dritter decken, erscheinen glaubhaft, zumal überdies keine Gründe ersichtlich 
sind, weshalb L._____ den Beschuldigten falsch bezichtigen sollte und er sich mit 
seinen Aussagen selbst belastet. 

Vor dem Hintergrund des Gesagten erweisen sich die Schilderungen von L._____ 
als stimmig und schlüssig. Sie lassen den Ablauf des dem Beschuldigten vorge-
worfenen Verhaltens als logisch und glaubhaft erscheinen, wohingegen die mit 

Seite  31 — 60

unlogischen Aspekten behafteten Ausführungen des Beschuldigten insgesamt 
wenig glaubhaft sind. Es gilt daher als erstellt, dass der Beschuldigte L._____ 
während 49 Wochen, d.h. von Oktober 2014 bis zu seiner Festnahme im Septem-
ber 2015, jeweils wöchentlich 1 Gramm Kokaingemisch, total 49 Gramm Kokain-
gemisch, abgab. Der Sachverhalt hinsichtlich des bezogenen Marihuanas (5 
Gramm) konnte demgegenüber nicht erstellt werden, lassen sich doch keine Aus-
sagen von L._____ in diese Richtung finden. 

14.1 In Ziffer 1.1.1.h der Anklageschrift vom 27. September 2016 wird dem Be-
schuldigten vorgeworfen, an M._____ unter mehreren Malen insgesamt 45 
Gramm Kokaingemisch gegen Entgelt sowie gegen sexuelle Dienstleistungen ab-
gegeben zu haben (vgl. vorinstanzliches act. 24). Aufgrund der bis zum Schluss 
gleichbleibenden Aussagen von M._____ und mangels Zweifel an der Richtigkeit 
dieser Aussagen erachtete die Vorinstanz den eingeklagten Sachverhalt als er-
stellt.

14.2 Die amtliche Verteidigerin rügt, es könne in Anwendung des in dubio pro 
reo Grundsatzes lediglich die Abgabe von 4 Gramm Kokaingemisch als erstellt 
gelten (vgl. Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 14, S. 8)

14.3 Der Beschuldigte bestritt bis zum Schluss, M._____ Kokain verkauft zu ha-
ben (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 12/4, F. 7; vgl. auch Einvernahmeprotokoll 
vom 12. Dezember 2017, [act. F.3], Ziff. VI.g, F.1 und F.2). Konfrontiert mit den 
Ausführungen von M._____ zeigte er sich ob der Tatsache gar überrascht, dass 
M._____ Betäubungsmittel konsumiert. Er habe nie gesehen, dass sie Betäu-
bungsmittel konsumiere (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 11/17, F. 3, 4 und 6). 
Angesichts der Aussagen diverser Personen, die unabhängig voneinander 
bestätigten, dass M._____ beim Beschuldigten Kokain erwarb (staatsanwaltschaft-
liche act. 10/16, F. 24; act. 10/14, F. 36 und act. 10/31, F. 31), sind diese Aus-
führungen nicht glaubhaft. 

Es ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass M._____ bis zum Schluss ihre bei der 
Polizei gemachten Aussagen, wonach sie vom Beschuldigten – und nur bei ihm 
(staatsanwaltschaftliches act. 10/19, F. 8) – während der Dauer von 7 bis 8 Mona-
ten (staatsanwaltschaftliches act. 10/19, F. 1) ungefähr 45 Gramm Kokaingemisch 
gegen Entgelt und gegen sexuelle Dienstleistungen bezogen hatte, bestätigte (vgl. 
staatsanwaltschaftliche act. 10/19, F. 7 und act. 12/4, F. 1 sowie Ergänzungsfrage 
1). Obschon die von M._____ angegebene Menge lediglich von ihr geschätzt wur-
de, kann darauf abgestützt werden. Einerseits ist kein Grund ersichtlich, weshalb 

Seite  32 — 60

M._____ den Beschuldigten falsch belasten sollte, zumal sie sich durch die relativ 
hohe Mengenangabe selbst schwer belastet. Andererseits erscheint die angege-
bene Menge angesichts der wöchentlichen Bezüge, die von G._____ bestätigt 
wurden (staatsanwaltschaftliches act. 10/14, F. 36), nachvollziehbar und plausibel. 
Schliesslich wird die Mengenangabe auch durch die Aussage von L._____ ge-
stützt, welcher M._____ gut kennt (staatsanwaltschaftliche act. 10/16, F. 13 und 
act. 12/4, F. 9) und ebenfalls die von ihr bezogene Menge hoch, d.h. auf über 60 
Gramm Kokaingemisch, geschätzt hatte (staatsanwaltschaftliches act. 10/16, F. 
24). Als nachvollziehbar und stimmig sind auch die Ausführungen zu werten, wo-
nach M._____ das Kokaingemisch teilweise gegen sexuelle Dienstleistungen er-
hielt, zumal auch I._____ ausführte, vom Beschuldigten gegen sexuelle Leistun-
gen Kokain erhalten zu haben (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 10/10, F. 32). In 
Würdigung dieser Umstände kommt die Berufungsinstanz zum Schluss, dass kein 
Zweifel daran besteht, dass der Beschuldigte M._____ insgesamt 45 Gramm Ko-
kaingemisch gegen Entgelt und sexuelle Dienstleistungen abgegeben hat. Für die 
Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo, wie es die Verteidigerin verlangt 
(Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 11, S. 8), bleibt insoweit kein 
Raum.

15.1 Dem Beschuldigten wird ferner vorgeworfen, A._____ in der Zeit von Au-
gust 2014 bis März 2015 in O.2_____ in mehreren Malen insgesamt 30 Gramm 
Marihuana verkauft zu haben (Anklageschrift Ziff. 1.1.1.i). Die Vorinstanz erachte-
te den eingeklagten Sachverhalt als erstellt, weil sich A._____ bis zum Schluss 
übereinstimmend geäussert habe (angefochtenes Urteil E. 6, S. 14). 

15.2 Die amtliche Verteidigerin bringt vor, dass den Ausführungen von A._____ 
nicht gefolgt werden könne. Zwar könne als erstellt betrachtet werden, dass 
A._____ vom Beschuldigten Marihuana erworben habe, doch sei die diesbezügli-
che Menge falsch. A._____ habe sich nämlich mehrfach widersprochen und ihre 
Aussagen würden insgesamt wirr erscheinen. Es sei zugunsten des Beschuldigten 
lediglich eine verkaufte Menge Marihuana in Höhe von 20.3 Gramm als erstellt zu 
betrachten (Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 12, S. 9).

15.3 Die Vorinstanz hat zu Unrecht erwogen, dass die Verteidigerin die gesamte 
zur Anklage gebrachte Menge anerkannt habe. Aus den vorinstanzlichen Plädoy-
ernotizen geht hervor, dass lediglich der Verkauf von 20.3 Gramm Marihuana an-
erkannt wurde (vorinstanzliches act. 10, Ziff. 39, S. 13). Auch vor der Berufungsin-
stanz wird seitens der Verteidigung lediglich diese Menge anerkannt (Plädoyer 
vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 12, S. 9). Mit der Verteidigerin ist ferner 

Seite  33 — 60

festzuhalten, dass die von A._____ angegebene Bezugsmenge nicht konstant mit 
30 Gramm beziffert wurde (vgl. hierzu staatsanwaltschaftliche act. 10/3, F. 3; act. 
10/38, F. 10 und act. 12/14, F. 3). Vor diesem Hintergrund ist zugunsten des Be-
schuldigten von der tieferen anerkannten Menge von 20.3 Gramm Marihuana aus-
zugehen.

16.1 Die Vorinstanz erachtete den dem Beschuldigten in Ziffer 1.1.1.k der Ankla-
geschrift vorgeworfenen Sachverhalt nur hinsichtlich des Verkaufs von total 180 
Gramm Kokaingemisch und 20 Gramm Marihuana an N._____ als erstellt (ange-
fochtenes Urteil E. 6, S. 15). 

16.2 Die amtliche Verteidigerin argumentiert mit dem identischen Vorbringen wie 
bereits vor der Vorinstanz (vorinstanzliches act. 10, Ziff. 42, S. 14) dagegen, 
N._____ habe seine ursprüngliche Aussage, vom Beschuldigten insgesamt 252 
Gramm Kokaingemisch bezogen zu haben, dahingehend relativiert, als er in 
späteren Einvernahmen nur noch von 180 Gramm bezogenem Kokaingemisch 
gesprochen habe. Der Beschuldigte habe demgegenüber stets den Verkauf von 
0.4 Gramm eingestanden. Da sich diese Mengenangaben diametral entge-
genstünden, sei in Anwendung des Prinzips in dubio pro reo den Ausführungen 
des Beschuldigten zu folgen.

16.3 Im Vergleich zum vorinstanzlichen Verfahren werden in tatsächlicher Hin-
sicht keine neuen Einwände vorgetragen. Die Berufungsinstanz schliesst sich den 
überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz an. In Anwendung von Art. 82 Abs. 4 
StPO wird auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz vollumfänglich 
verwiesen (angefochtenes Urteil E. 6, S. 15). Damit ist erstellt, dass der Beschul-
digte N._____ in der Zeit von April 2015 bis anfangs September 2015 pro Woche 
10 Gramm Kokaingemisch, insgesamt 180 Gramm Kokaingemisch, sowie 
20 Gramm Marihuana verkaufte.

17.1 Gemäss Ziffer 1.1.1.l der Anklageschrift vom 27. September 2016 soll der 
Beschuldigte O._____ in der Zeit von anfangs Juli 2015 bis September 2015 vor-
wiegend in O.1_____, aber auch in O.7_____ und O.9_____ in mehreren Malen 
gesamthaft 60 Gramm Kokaingemisch für insgesamt CHF 6'000.00 verkauft ha-
ben. Die Vorinstanz schenkte den Aussagen von O._____ anlässlich der Konfron-
teinvernahme Glauben, wonach er 50 bis 60 Gramm Kokaingemisch vom Be-
schuldigten erworben habe. An seinen Aussagen könne nicht gezweifelt werden. 
Es sei aber zugunsten des Beschuldigten von einer bezogenen Menge von nur 50 
Gramm Kokaingemisch auszugehen.

Seite  34 — 60

17.2 Die amtliche Verteidigerin bringt vor, die von O._____ angegebene Be-
zugsmenge von 50 bis 60 Gramm Kokaingemisch könne nicht als erstellt gelten. 
Es sei davon auszugehen, dass O._____ als Drogensüchtiger keine bewusste 
Kontrolle und damit keine Kenntnis bezüglich seiner effektiven Drogenbezüge ge-
habt habe. Die von ihm angegebenen Preisangaben würden sich auch nicht mit 
der von ihm angegebenen Mengenangabe nachvollziehen lassen. Es sei den An-
gaben des Beschuldigten zu folgen, wonach er ihm 0.2 Gramm Kokain verkauft 
habe (Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 14, S. 10).

17.3 Zwar führte O._____ in seiner ersten Einvernahme vom 16. November 
2015 noch aus, vom Beschuldigten kein Kokain bezogen zu haben (staatsanwalt-
schaftliches act. 10/35, F. 20) und diesen auch nicht näher zu kennen (act. 10/35, 
F. 14). Dieses Bestreiten ist aber angesichts der möglichen strafrechtlichen Kon-
sequenzen als reine Schutzbehauptungen zu qualifizieren, zumal selbst der Be-
schuldigte O._____ belastet. Sodann stellte O._____ gleich anlässlich seiner zwei-
ten Einvernahme richtig, den Beschuldigten seit ungefähr Mitte Juli bzw. anfangs 
Juli 2015 zu kennen (staatsanwaltschaftliches act. 10/53, F. 2 und 3). Weiter führ-
te er aus: "In der Zeitspanne von Anfangs (sic!) Juli bis Anfangs (sic!) September 
habe ich mich mit X.1_____ (dem Beschuldigten [Anmerkung des Verf.]) getroffen. 
Es waren sicher 50 - 60 Treffen. Es kam vor, dass ich mich mehrmals im Tag mit 
ihm getroffen habe. Zu Beginn am Tag holte ich für CHF 30.00 und dann für 
CHF 50.00. Es gab Tage da bekam ich bis zu 1.5 Gramm Kokain zusammen, 
manchmal waren es nur für CHF 50.00. Mehr als 1.5 Gramm Kokain pro Tag habe 
ich nie genommen[…]." (staatsanwaltschaftliches act. 10/53, F. 11). Hinsichtlich 
der vom Beschuldigten erworbenen Gesamtmenge gab O._____ an: "Ich denke 
die Menge würde sich bei 50 - 60 Treffen, bei einem durchschnittlichen Bezug von 
1 Gramm, würde sich die Gesamtmenge des Kokain welche ich von X.1_____ 
käuflich erworben habe (sic!), auf mindestens 60 Gramm beziffern. Dies ist sicher 
so." (staatsanwaltschaftliches act. 10/53, F. 13). Anlässlich der Konfronteinver-
nahme vom 11. Februar 2016 führte O._____ dazu aus: "Ich habe ausschliesslich 
Kokain bei ihm gekauft. Verteilt auf die Zeit, während der ich bei ihm gekauft habe, 
war es ca. 50 Gramm." (staatsanwaltschaftliches act. 12/12, F. 2). Die Aussagen 
von O._____ fallen insgesamt konstant und schlüssig sowie widerspruchsfrei aus. 

Demgegenüber erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten, er habe O._____ 
lediglich 0.2 Gramm Kokain verkauft, aus den nachfolgenden Gründen nicht 
glaubhaft: Folgt man den Angaben des Beschuldigten, wonach er als kleinste Ein-
heit 0.2 Gramm verkaufte (Einvernahmeprotokoll vom 12. Dezember 2017 
[act. F.3], Ziff. VI.k, S. 5), wäre bereits nach einer Kokainübergabe die vom Be-

Seite  35 — 60

schuldigten angegebene Kokainmenge von 0.2 Gramm erreicht. Weitere Treffen 
hätten folglich nicht mehr stattfinden müssen. Nachweislich kam es aber insbe-
sondere während der kurzen Zeit vom 13. Mai 2015 und dem 26. August 2015 zu 
insgesamt 97 Telefonkontakten zwischen dem Beschuldigten und O._____ (vgl. 
staatsanwaltschaftliches act. 6/22). Angesichts dieser häufigen Telefonkontakte 
erscheint ein einmaliges Treffen zwecks Kokainkaufs nicht plausibel. Ferner nann-
te O._____ mehrere unterschiedliche Drogenübergabeorte, die sich mit von ande-
ren Abnehmern genannten Übergabeorten decken. Auch daraus ist auf mehr als 
nur eine erfolgte Drogenübergabe zu schliessen (vgl. act. 10/53, F. 15; act. 10/37; 
act. 10/21, F. 42; act. 10/11, F. 18; 10/15, F. 21 und 22). Überdies sind die Aussa-
gen von I._____ zu berücksichtigen, die aussagte, dass O._____ viel Kokain vom 
Beschuldigten gekauft habe und er "[…]gibt sicher alles Geld, welches er vom 
RAV erhält, an X.1_____ ab für Kokain. Ich habe mit meinen eigenen Augen ge-
sehen, wie er von X.1_____ Kokain gekauft hat." (staatsanwaltschaftliches act. 
10/15 F. 23). Diese Aussage stützt denn auch die von O._____ angegebene grös-
sere Bezugsmenge und steht der Aussage des Beschuldigten entgegen. 

Vor dem Hintergrund des Gesagten erweisen sich die stets gleich bleibenden und 
mit den Aussagen von Dritten übereinstimmenden Angaben von O._____ als 
glaubhaft, zumal sich dieser mit seinen Aussagen selbst stark belastet. Demge-
genüber erweisen sich die Angaben des Beschuldigten angesichts der vorliegen-
den Indizien als nicht plausibel. Der pauschale Hinweis der amtlichen Verteidige-
rin, O._____ sei drogenabhängig, ändert daran nichts, zielt dieser Einwand doch 
nur auf die – nicht relevante – Glaubwürdigkeit von O._____ ab, betrifft aber nicht 
im Geringsten dessen Aussageverhalten (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesge-
richts 6B_684/2007 vom 26. Februar 2008 E. 4.6). Es ist folglich den glaubhaften 
Angaben von O._____ zu folgen, wobei zugunsten des Beschuldigten von der tie-
feren Mengenangabe, d.h. 50 Gramm Kokaingemisch, auszugehen ist. 

Es ist folglich erstellt, dass der Beschuldigte O._____ insgesamt 50 Gramm Ko-
kaingemisch verkaufte.

18.1 Die Vorinstanz sah den dem Beschuldigten in Ziff. 1.1.1.m vorgeworfenen 
Sachverhalt als erstellt, wonach dieser P._____ in der Zeit von April 2015 bis 8. 
August 215 unter mehreren Malen insgesamt 30 Gramm Kokaingemisch verkauft 
hat (angefochtenes Urteil E. 6., S. 15). 

18.2 Der Beschuldigte bzw. dessen amtliche Verteidigerin bestreitet diesen Vor-
wurf und macht geltend, es könne dem Beschuldigten lediglich der Verkauf von 3 

Seite  36 — 60

Gramm Kokaingemisch nachgewiesen werden. P._____ habe anlässlich der Kon-
fronteinvernahme angegeben, sich nicht mehr genau an die erworbene Kokain-
menge erinnern zu können. Die Mengenangabe könne daher nicht erstellt werden. 
Insgesamt erscheine die Aussage von P._____ als unglaubhaft, zumal er angege-
ben habe, sich mit dem Beschuldigten auf Deutsch unterhalten zu haben, obwohl 
letzterer kaum Deutsch spreche (Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], 
Ziff. 15, S. 11). 

18.3 P._____ gab in seiner ersten polizeilichen Einvernahme klar und stringent 
an, vom Beschuldigten erstmals anfangs April 2015 Kokain bezogen zu haben. 
Letztmals habe er bei diesem am 8. August 2015 Kokain erworben 
(vgl. staatsanwaltschaftliches act. 10/23, F. 15 und 16). Während dieser Zeit habe 
er durchschnittlich zwei Mal Kokain pro Woche beim Beschuldigten gekauft 
(staatsanwaltschaftliches act. 10/23, F. 17). Nachdem die Staatsanwältin zusam-
menfassend festhielt, er habe folglich insgesamt 34 Gramm Kokain vom Beschul-
digten erworben, wies er spontan und nachvollziehbar darauf hin, dass es auch 
Wochen gegeben habe, in welchen er kein Kokain bezogen habe, es aber sicher-
lich eine Mindestmenge von 30 Gramm Kokain gewesen sei, die er beim Beschul-
digten bezogen habe (staatsanwaltschaftliches act. 10/23, F. 25). Auch wenn nun 
P._____, wie die amtliche Verteidigerin moniert, sich an der Konfronteinvernahme 
weniger klar äusserte und angab, es hätten auch ungefähr 20 Gramm Kokain ge-
wesen sein können, vermag dies den Glaubhaftigkeitsgehalt seiner ersten Aussa-
ge nicht zu reduzieren. Dies aus folgenden Gründen: Die Tatsache, dass zwi-
schen dem Beschuldigten und P._____ während der Zeit vom 5. März 2015 bis 
zum 7. September 2015 insgesamt 122 Telefonkontakte stattfanden, erhärten die 
von P._____ angegebene Bezugshäufigkeit sowie die bezogene Gesamtmenge 
und lässt gleichzeitig die Aussage des Beschuldigten, es hätten lediglich drei Tref-
fen stattgefunden, als falsch erscheinen. Die häufigen Telefonkontakte, die nach-
weislich auch vom Beschuldigten ausgingen, was er bestreitet (staatsanwalt-
schaftliches act. 11/18, F. 20), lassen auf zahlreiche durchgeführte Treffen 
schliessen (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 6/22). Schliesslich decken sich die 
Bezugsdauer (18 Wochen und drei Tage) und die einzelnen Bezugsmengen (2 x 1 
Gramm wöchentlich), total also 36 Gramm, mit der von ihm angebenden Gesamt-
bezugsmenge von 30 Gramm, wie er sie anlässlich seiner ersten Einvernahme 
angab. Die geringe Differenz von 6 Gramm lässt sich namentlich damit begrün-
den, dass P._____ nicht jede Woche Kokain bezog. Insgesamt erweisen sich die 
Aussagen von P._____ anlässlich seiner ersten Einvernahme als plausibel und in 
sich schlüssig. Das Vorbringen, seine Angaben seien nicht glaubhaft, weil er an-

Seite  37 — 60

gegeben habe, mit dem Beschuldigten trotz dessen schlechten Deutschkenntnisse 
Deutsch gesprochen zu haben, verfangen nicht. Dieses Vorbringen weist keinen 
Bezug zu den konkreten Aussagen von P._____ auf. 

Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte P._____ insgesamt 30 Gramm Kokain-
gemisch verkaufte.

19.1 In Ziffer 1.1.1.n der Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, 
B._____ im Sommer 2015 unter mehreren Malen insgesamt 10.5 Gramm Marihu-
ana verkauft zu haben. Weil nicht einzusehen sei, weshalb sich B._____ mit einer 
solchen Kleinstmenge selbst belasten sollte, sah die Vorinstanz diesen Sachver-
halt als erstellt (angefochtenes Urteil E. 6, S. 15). Nach Ansicht der amtlichen Ver-
teidigerin könne dieser Sachverhalt indessen nicht erstellt werden. Die Aussagen 
von B._____ seien nicht glaubhaft. Es sei davon auszugehen, dass sie den Be-
schuldigten falsch belasten wolle, weil sie sich von diesem bedrängt gefühlt habe 
(Plädoyer vom 12. Dezember 2017 [act. D.24], Ziff. 16, S. 12). 

19.2 Der Beschuldigte bestritt stets pauschal, überhaupt mit Marihuana gedealt 
zu haben. Dementsprechend bestritt er auch den Verkauf von 10.5 Gramm Mari-
huana an B._____ (vgl. insbesondere das Einvernahmeprotokoll vom 12. Dezem-
ber 2017 [act. F.3], Ziff. VI.c; staatsanwaltschaftliches act. 11/20, F. 16). Überdies 
bestritt er, jemals mit B._____ telefoniert zu haben. Er habe nie über ihre Telefon-
nummer verfügt (staatsanwaltschaftliches act. 11/20, F. 9 bis 12). Diese Aussage 
ist angesichts der Tatsache, dass aufgrund der ausgewerteten Mobiltelefondaten 
nachgewiesen werden konnte, dass zwischen beiden ein telefonischer Austausch 
stattgefunden hatte und B._____ diesen Kontakt auch bestätigte, schlicht falsch 
(staatsanwaltschaftliches act. 6/22). Ferner bestätigte auch die Schwester von 
B._____, T._____, dass ihre Schwester, B._____, beim Beschuldigten Marihuana 
gekauft habe (siehe unter anderem staatsanwaltschaftliches act. 12/17, F. 6). Ur-
sprünglich gab B._____ an, vom Beschuldigten an 5 Treffen jeweils 4 Gramm Ma-
rihuana, total ca. 20 Gramm Marihuana, für CHF 250.00 gekauft zu haben (vgl. 
staatsanwaltschaftliches act. 10/20, F. 15 und 32). In der Konfronteinvernahme 
vom 17. Februar 2016 gab sie hierzu das Folgende an: "Das war 2 bis 3 Mal für je 
CHF 50.00. Das Marihuana war in einem durchsichtigen Säcklein, Grip genannt, 
eingepackt. Ich denke, dass es je ca. 3.5 Gramm Marihuana waren." (staatsan-
waltschaftliches act. 12/18, F. 3). Auf entsprechenden Vorhalt der Staatsanwältin, 
sie habe bei der Polizei ausgesagt, insgesamt 20 Gramm Marihuana für CHF 
250.00 gekauft zu haben, antwortete B._____: "Es stimmt, dass ich vom hier an-
wesenden Beschuldigten, den ich "Habibi" nannte, ca. 3 Mal je 3.5 Gramm Mari-

Seite  38 — 60

huana gekauft habe. Insgesamt somit 10.5 Gramm Marihuana. Bei der Polizei ha-
be ich ausgesagt, dass es ca. 3.5 bis 4 Gramm waren pro Mal. Ich meine, dass ich 
sicher 10.5 Gramm Marihuana gekauft habe. […]." (staatsanwaltschaftliches act. 
12/18, F. 5). Zwar fallen die beiden Mengenangaben nicht kongruent aus. Dies 
führt aber nicht automatisch dazu, dass die Aussagen insgesamt als unglaubhaft 
erscheinen. Die Mengendifferenz resultiert nämlich nur daher, dass B._____ die 
Anzahl Käufe von anfänglich 5 auf 2-3 korrigiert, während die Preisangabe sowie 
die gekaufte Menge Marihuana pro Treffen (ca. 3.5 bis 4 Gramm) bestätigt wer-
den. Sie definierte die bezogene Menge denn auch eindeutig mit mindestens 10.5 
Gramm. Dass B._____ den Beschuldigten falsch anschuldigt, weil sie sich von 
diesem bedrängt fühlt, erscheint nicht nachvollziehbar (vgl. Plädoyer vom 12. De-
zember 2017 [act. D.24], Ziff. 16, S. 12). B._____ hatte gemäss eigener Aussage 
bereits seit ca. August 2015 keinen Kontakt mehr mit diesem (staatsanwaltschaft-
liches act. 10/20, F. 19). 

Vor dem Hintergrund des Gesagten erweisen sich die Angaben des Beschuldigten 
als nicht nachvollziehbar, während die Aussagen von B._____ als stringent und 
erlebnisbezogen zu qualifizieren sind. Zugunsten des Beschuldigten ist indessen 
von der zuletzt angegebenen Bezugsmenge von 10.5 Gramm Marihuana auszu-
gehen. Es ist damit erstellt, dass der Beschuldigte B._____ 10.5 Gramm Marihua-
na verkaufte.

20.1 Gestützt auf sichergestellte Spuren sowie nachgewiesene 19 Telefonkon-
takte, sah die Vorinstanz den dem Beschuldigten in Ziffer 1.1.1.s der Anklage-
schrift vorgeworfenen Sachverhalt als erstellt, wonach er Q._____ am 26. August 
2015 insgesamt 24 Gramm Marihuana verkauft habe (angefochtenes Urteil E. 6, 
S. 16). 

20.2 Die amtliche Verteidigerin rügt diese Sachverhaltsfeststellung. Ihrer Ansicht 
nach würden die Telefonkontakte im Zeitraum vom 11. Januar 2015 bis 30. April 
2015 keine Rückschlüsse auf einen möglichen Kauf von Marihuana am 26. August 
2015 zulassen. Aufgrund der Umstände sei nicht genügend zweifelsfrei erstellt, 
dass Q._____ das Minigrip-Säckchen tatsächlich vom Beschuldigten gekauft ha-
be. Des Weiteren genüge der Auswertungsbericht betreffend die Fingerabdrücke 
nicht den Anforderungen an ein verwertbares Gutachten im Sinne von Art. 182 
StPO, weshalb die daktyloskopischen Spuren nicht verwertet werden können. 
Dies umso mehr, als sich der Beschuldigte zu den entsprechenden Spuren nicht 
habe äussern können, weil eine staatsanwaltschaftliche Einvernahme nie durch-
geführt worden sei. 

Seite  39 — 60

20.3 Der Einwand, der Beschuldigte habe sich zu den gefundenen daktyloskopi-
schen Spuren nicht äussern können, ist unbegründet. Er wurde anlässlich der Ein-
vernahme vom 2. Februar 2016 zu diesen befragt (staatsanwaltschaftliches 
act. 11/37, F. 4 und 6).

20.4 Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von 
Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig 
sind (Art. 139 Abs. 1 StPO). Ein numerus clausus der Beweismittel besteht nicht. 
Grundsätzlich alle zur Erforschung der Wahrheit geeigneten Beweismittel können 
eingesetzt werden, unabhängig davon, ob diese im Gesetz ausdrücklich erwähnt 
werden oder nicht (vgl. Wolfgang Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2014, N 3 
zu Art. 139 StPO). Die Polizei stellt im Ermittlungsverfahren auf der Grundlage von 
Anzeigen, Anweisungen der Staatsanwaltschaft oder eigenen Feststellungen den 
für eine Straftat relevanten Sachverhalt fest. Sie hat namentlich Spuren und Be-
weise sicherzustellen und auszuwerten (vgl. Art. 306 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a 
StPO). Zur Auswertung von Spuren, also zum Versuch, gefundene Beweismittel 
und Spuren einer bestimmten Person zuzuordnen, bedarf die Polizei keines be-
sonderen Auftrags seitens der Staatsanwaltschaft (Niklaus Schmid/Daniel Jo-
sitsch, Praxiskommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl., Zürich 
2017, N 6 zu Art. 306 StPO). 

Vorliegend wurde seitens des Spezialdienstes 4 der Kantonspolizei dem Kriminal-
technischen Dienst der Kantonspolizei das bei Q._____ gefundene Drogenpaket 
zugestellt. Dem entsprechenden Auswertungsbericht ist zu entnehmen, dass die 
darauf gefundenen Fingerabdruckspuren dem Beschuldigten zugeordnet werden 
konnten (vgl. staatsanwaltschaftliches act. 6/13). Die amtliche Verteidigerin ver-
kennt, dass das Gericht die ausgewerteten Spuren unter dem Gesichtspunkt der 
freien Beweiswürdigung und der Tatsache, dass die StPO keinen numerus clau-
sus an zulässigen Beweismitteln vorsieht, zwar nicht als Gutachten, aber als (kri-
minaltechnische) Sachbeweise – rein technische oder naturwissenschaftliche 
Routineuntersuchungen im Sinne von Art. 184 Abs. 3 StPO sind eher als Sachbe-
weise denn als Ergebnisse von Gutachten eines Sachverständigen zu verstehen 
(hierzu auch Marianne Heer, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Schweizerische 
Strafprozessordnung, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, N 23 zu Art. 184 
StPO) – verwerten und würdigen kann (vgl. Niklaus Ruckstuhl/Volker Ditt-
mann/Jörg Arnold, Strafprozessrecht, Zürich 2011, N 431; Andreas Donatsch, in: 
Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl., Zürich 2014, N 10 zu Art. 182 StPO). Insoweit verfangen die 

Seite  40 — 60

Einwände der amtlichen Verteidigerin nicht und ihr Hinweis auf Art. 182 ff. StPO 
geht fehl (vgl. überdies Art. 195 StPO). 

20.5 Der Beschuldigte stritt stets ab, Q._____ das bei diesem sichergestellte 
Marihuana verkauft zu haben. Auch bestritt er gänzlich, Q._____ zu kennen sowie 
das bei diesem sichergestellte Marihuanapaket jemals gesehen zu haben (vgl. 
staatsanwaltschaftliches act. 37/11, F. 4 f.; Einvernahmeprotokoll vom 12. De-
zember 2017 [act. F.3], Ziff. VI.p, F. 1 bis 3). 

Q._____ gab an, die 24 Gramm Marihuana auf der Strasse gefunden zu haben 
(staatsanwaltschaftliches act. 10/6, F. 2), wobei er auf entsprechende Nachfrage 
angab: "Ich bin mit dem Zug heute auf Gleis 7 oder 8 angekommen. Danach be-
gab ich mich zur Rolltreppe. Irgendwo dazwischen habe ich das Marihuana gefun-
den. Genauere Angaben kann ich nicht mehr machen." (staatsanwaltschaftliches 
act. 10/6, F. 4). Es ist nicht nachvollziehbar, dass sich Q._____ nicht mehr an den 
genauen Auffindungsort des Marihuanapakets erinnern konnte, war zwischen dem 
Auffindungszeitpunkt des Pakets und seiner Einvernahme doch nur kurze Zeit 
verstrichen. Seine Behauptung, er habe direkt nach Auffinden des Pakets nach 
dem Paketinhalt geschaut, tritt in offenbaren Widerspruch zur Tatsache, dass das 
Paket verschlossen und der Paketinhalt von aussen nicht erkennbar war (staats-
anwaltschaftliches act. 10/6, F. 5 und 6). Dass Q._____ ein verschlossenes Paket 
mit unbekanntem Inhalt mitnimmt und ungeöffnet mit sich führt, ist abwe