# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dcee2e9e-bff1-5707-8259-cba969eecd94
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-11-12
**Language:** de
**Title:** TV-/Radiovermarktung: Schlussbericht vom 12. November 2014
**Docket/Reference:** TV_Radiovermarktung_Schlussbericht%20vom%2012
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2022/tv_radiovermarktung_schlussbericht_vom_12_november_2014.pdf.download.pdf/TV_Radiovermarktung_Schlussbericht%20vom%2012.%20November%202014.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Schlussbericht vom 12. November 2014 

in Sachen Vorabklärung gemäss Art. 26 KG betreffend 

32-0246: [Unternehmensgruppe] TV-
/Radiovermarktung 

wegen allenfalls unzulässiger Verhaltensweisen gemäss Art. 7 KG 

32/2009/03411/COO.2101.111.3.103498 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 

Sachverhalt ................................................................................................................ 3 

A.1  Gegenstand der Vorabklärung ..................................................................................... 3 
A.2 
[Unternehmensgruppe] ................................................................................................ 3 
A.3  Vermarktung bzw. Vermittlung von TV- und Radiowerbezeit in der Schweiz ................ 5 
Bedeutung der TV- und Radiowerbung ................................................................... 5 
A.3.1 
Vermarktung von TV-Werbezeit .............................................................................. 7 
A.3.2 
A.3.3 
Vermarktung bzw. Vermittlung von Radiowerbezeit................................................. 9 
A.4  Verfahrensgeschichte ................................................................................................ 10 

B 

Erwägungen ............................................................................................................. 11 

B.1  Geltungsbereich ......................................................................................................... 11 
B.2  Vorbehaltene Vorschriften ......................................................................................... 12 
B.3  Unzulässige Verhaltensweisen marktbeherrschender Unternehmen ......................... 12 
B.3.1  Marktbeherrschende Stellung ................................................................................ 13 
B.3.1.1  Relevante Märkte .................................................................................................. 13 
B.3.1.2  Marktstellung ......................................................................................................... 20 
B.3.1.3  Zwischenergebnis ................................................................................................. 23 
B.3.2  Möglicherweise unzulässige Verhaltensweisen ..................................................... 23 
B.3.2.1  Vereinbarungen über Rabatte bzw. Freespace im Bereich TV- und Radiowerbung24 
B.3.2.2  Koppelungsgeschäfte ............................................................................................ 27 
B.3.2.3  Einschränkung der Erzeugung, des Absatzes oder der technischen Entwicklung . 32 
B.3.3 
Zusammenfassung ................................................................................................ 35 
B.4  Massnahmen ............................................................................................................. 36 

C 

Schlussfolgerungen ................................................................................................ 38 

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A  Sachverhalt 

A.1  Gegenstand der Vorabklärung 

1.  Gegenstand  der  Vorabklärung  bildet  die  Vermarktung  bzw.  Vermittlung  von  TV-  und 
Radiowerbezeit in der Schweiz durch die [B], eine Konzerngesellschaft der [Unternehmens-
gruppe]. In diesem Zusammenhang wurde eine Anzeige beim Sekretariat der Wettbewerbs-
kommission (nachfolgend: Sekretariat) eingereicht. Darin wird [B] im Wesentlichen vorgewor-
fen,  dass  sie  ihre  Stellung  als  Exklusivvermarkterin  von  Schweizer  Werbefenstern  in  den 
Programmen  von  privaten  ausländischen  TV-Sendern  ausnutze,  indem  sie  Werbekunden 
und Mediaagenturen Freespace1 in diesen Werbefenstern gewähre, wenn Letztere sich ver-
traglich dazu verpflichteten, auch die Radiowerbung über [B] zu buchen. Die anderen Radi-
owerbevermittler hätten dadurch in den letzten Jahren Millionenumsätze an [B] verloren, was 
zu einer monopolartigen Stellung der [B] bei der Vermittlung von Radiowerbezeit geführt ha-
be.  

2. 
Im Rahmen der vorliegenden Vorabklärung gilt es zu prüfen, ob die gegenüber [B] er-
hobenen  Vorwürfe  zutreffen  könnten  und  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  [B]  eine 
marktbeherrschende  Stellung  im  Bereich  der TV-Vermarktung  und/oder  Radiowerbevermitt-
lung  im  Sinne  von  Art. 7  KG2  missbraucht  (hat).  Es  besteht  namentlich  der  Verdacht,  dass 
[B]  durch  Koppelungsgeschäfte  ihre  möglicherweise  marktbeherrschende  Stellung  im  Be-
reich  der TV-Vermarktung  im  Sinne  von  Art. 7  Abs. 2  Bst. f  KG  auf  den Bereich  der  Radio-
werbevermittlung übertragen und dadurch ihre Konkurrentinnen in diesem Bereich im Wett-
bewerb  behindert  haben  könnte  (sog.  Behinderungsmissbrauch).  Das  Sekretariat  hat  über-
dies  abgeklärt,  ob  sich  aus  dem  Verhalten  der  [B]  bei  der  Vermittlung  von  Radiowerbezeit 
Anhaltspunkte  für  eine  Einschränkung  der  Erzeugung,  des  Absatzes  oder  der  technischen 
Entwicklung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 Bst. e KG ergeben. 

A.2 

[Unternehmensgruppe] 

[A]  mit  Sitz  in  […]  und  ihre  Tochtergesellschaften  bilden  die  [Unternehmensgruppe].3 
3. 
Die  [Unternehmensgruppe]  ist  nach  eigenen  Angaben  das führende  Netzwerk für  elektroni-
sche Kommunikationslösungen sowie Kompetenz- und Logistikzentrum für die Vermarktung 
privater  elektronischer,  mobiler  und  interaktiver  Medien  in  den  Bereichen  TV,  Internet-
TV/Video,  Radio,  Digital  out  of  Home4, Online,  Suchmaschinen-  und  Mobile-Marketing.  Der 
Schwerpunkt der Aktivitäten der [Unternehmensgruppe] liegt in der Schweiz; die Gruppe ist 

1 Unter Freespace versteht man einen Naturalrabatt in Form von Zusatzwerbevolumen. 

2 Bundesgesetz vom 6. Oktober 1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kar-
tellgesetz, KG; SR 251).  

3 Im Oktober 2010 fasste die [Unternehmensgruppe] ihre Gruppengesellschaften unter der Dachmarke 
[…] zusammen und tritt seither mit den drei Business Lines […], […] und […] unter dem Namen «[Un-
ternehmensgruppe]» am Markt auf. Aus der bisherigen Holding mit der Bezeichnung […] wurde [A]. 

4 Die Stiftung Werbestatistik Schweiz unterscheidet dabei zwischen der sog. digitalen Plakatwerbung 
als Teil der Aussenwerbung und der sog. Adscreen-Werbung: Die digitale Plakatwerbung umfasst «al-
le Aushangformen von digitalen, buchbaren Kommunikationsflächen (wie z.B. eBoards/ePanels und 
Screens von > 55 Zoll auf privatem und öffentlichem Grund (inkl. Tourismus-Gebiete sowie Flughä-
fen)». Bei Adscreen handelt es sich um «um zentral gesteuerte audiovisuelle digitale Werbeträger di-
rekt am Verkaufs- und Informationspunkt» (vgl. Stiftung Werbestatistik Schweiz, Werbeaufwand 
Schweiz 2014 [nachfolgend: Werbeaufwand Schweiz 2014], S. 25 und 34). 

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aber auch in […], […] sowie in […] aktiv. Die Struktur der [Unternehmensgruppe] kann – für 
die Zwecke der vorliegenden Vorabklärung – vereinfacht wie folgt dargestellt werden:5 

[A]

[C]

[D]

[B]

[E]

Abbildung 1: Wesentliche Struktur der [Unternehmensgruppe]  

4.  Gegenstand  der  vorliegenden  Vorabklärung  bilden  Geschäftstätigkeiten  bzw.  Verhal-
tensweisen der [B], an welcher die [Unternehmensgruppe] zu […] % beteiligt ist. Weitere An-
teilseigner von [B] sind die [X]6 sowie die [X]7, welche je […] % des Aktienkapitals halten. Die 
[Unternehmensgruppe]  besitzt  die  Hälfte  der  Stimmrechte,  […] %  stehen  [X],  […] %  [Y]  zu. 
Zur [Unternehmensgruppe] gehören ferner die zwei Gesellschaften [C] und [D], an denen die 
[Unternehmensgruppe] jeweils zu […] % beteiligt ist. Auf Ausführungen zu den übrigen Toch-
tergesellschaften  der  [Unternehmensgruppe  kann  mangels  Relevanz  für  das  vorliegende 
Verfahren verzichtet werden. 

[B]  vermarktet  Schweizer  Werbefenster  von  privaten  ausländischen  TV-Sendern8  so-
5. 
wie  Schweizer  Privatsender9  und  Internet-TV-Plattformen10.  Daneben  ist  [B]  in  der  Vermitt-
lung von Werbung im Bereich Digital Out of Home11 tätig und vermarktet das Instore Radio12 
von […] und […]. Bis Mitte 2013 war [B] zudem als Vermittlerin für Werbung in Privatradios 
tätig,  die  in  der  Schweiz  terrestrisch  empfangbar  sind.  Per  1.  Juli  2013  wurde  der  entspre-
chende Geschäftsbereich in eine eigenständige Tochtergesellschaft, die [E], ausgegliedert. 

5 Vgl. zum Ganzen <[www]> (27.10.2014) sowie Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 
1.11.2012, Frage 2.  

6 [X] ist ein Tochterunternehmen der […] -Gruppe, zu welcher namentlich die in der Schweiz emp-
fangbaren TV-Sender […], […], […], […] und […] gehören.  

7 [Y] ist ein Tochterunternehmen der […] -Gruppe, zu welcher namentlich die in der Schweiz emp-
fangbaren TV-Sender […], […], […], […] und […] gehören.  

8 Namentlich […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […] und 
[…].  

9 Namentlich […], […], […], […], […], […], […], […], […] und […] sowie […]. 

10 Namentlich […], […], […], […] und […]. An der […] hält die [Unternehmensgruppe] eine Beteiligung 
von […] %. 

11 Vgl. Fn 4. Im Bereich Digital Out of Home ist [B] z. B. seit Kurzem als Schweizer Vermarkterin von 
[…], […], tätig. […] hat eine Partnerschaft mit […] abgeschlossen, im Zuge welcher insgesamt 54 […] 
Shops in der Schweiz mit digitalen Bildschirmen ausgestattet werden.  

12 Mit dem Begriff Instore Radio ist ein auf den Ort der Kaufentscheidung ausgerichtetes Radiopro-
gramm gemeint, in welchem die Platzierung von auf einzelne Verkaufsstellen abgestimmter Werbung 
möglich ist. 

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[C] ist in der Vermarktung und Vermittlung von Onlinewerbung, namentlich in den Be-
6. 
reichen Online-Display-, Video-, Mobile- und In-Game-Werbung, tätig. Dazu zählt neben der 
Vermarktung von klassischen Werbeplattformen (wie etwa die Newsportale von grossen Ver-
lagen) auch die Vermarktung von Business-Community-Plattformen (z. B. […]) und Kommu-
nikations-Plattformen (z. B. […]). 

7. 
[D]  versteht  sich  als  eigentliche  Digitalagentur.  Sie  entwickelt  Websites,  Werbekam-
pagnen und Mobile-Applikationen für Werbekunden und erbringt Dienstleistungen im Bereich 
Suchmaschinenmarketing, Social Media sowie Content-Management13. 

8. 
Die  [Unternehmensgruppe]  erzielte  2013  einen  Umsatz  von  insgesamt  […]  Franken, 
wovon […] Franken mittels TV-Vermarktung und […] Franken durch Radiowerbevermittlung 
erwirtschaftet wurden.14 

A.3  Vermarktung bzw. Vermittlung von TV- und Radiowerbezeit in der 

Schweiz 

A.3.1  Bedeutung der TV- und Radiowerbung  

Die  Mediengattungen  Radio  und  Fernsehen  gelten  gemeinhin  als  klassische  Werbe-
9. 
träger. Das Medium Fernsehen ist auf eine breite Kommunikation ausgerichtet und bietet die 
für Werbezwecke äusserst attraktive Kombination von akustischen und optischen Informatio-
nen.  TV-Werbung  eignet  sich  vorab  für  den  raschen  Bekanntheitsaufbau  von  Marken;  die 
Stärken  liegen  insbesondere  in  der  Übermittlung  von  emotionalen  Botschaften  sowie  der 
Demonstration von Produkten.15  

10.  Das Begleitmedium Radio wird insbesondere für lokale und regionale Werbung einge-
setzt  und  eignet  sich  insbesondere  für  die  Bekanntmachung  von  aktuellen  Angeboten  und 
Aktionen. Als beliebtes Informations- und Unterhaltungsmedium ist das Medium Radio aber 
auch für die Unterstützung von Kampagnen in anderen Medien geeignet und wird daher oft 
als Ergänzungsmedium eingesetzt.16 

11.  Gemäss den Erhebungen der Stiftung Werbestatistik Schweiz gestaltete sich die Ent-
wicklung der Netto-Werbeumsätze17 in der Schweiz über die Jahre 2008 bis 2013 wie folgt: 

13 Content-Management ist die Zusammenfassung aller Tätigkeiten, Prozesse und Hilfsmittel, die den 
Lebenszyklus digitaler Informationen in Form von Unterlagen und Dokumenten unterstützen.  

14 NZZ online vom 7.3.2014, <[www]> (27.10.2014).  

15 Vgl. Media Trend Journal 4-2013, Intermedia Vergleich 2014, S. 64. 

16 Vgl. Media Guide 2013 von […] (nachfolgend: Media Guide […]), S. 48.  

17 Die erhobenen Netto-Werbeumsätze basieren auf schriftlichen Umfragen bei den jeweiligen Medie-
nunternehmungen (Verlage, Sender usw.) und zeigen die Beträge, welche die Werbekunden effektiv 
für die Schaltung von Werbung bezahlt haben. Grundsätzlich gilt: Kunden-Netto-Werbeumsatz = Brut-
to-Umsatz minus Rabatte (z. B. für Mengen- oder Wiederholungsabschlüsse). Provisionen und Kom-
missionen (z. B. Jahresumsatzprämien oder Beraterkommissionen) sowie sonstige Vergünstigungen 
wurden nicht berücksichtigt. 

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Tabelle 1: Entwicklung der Netto-Werbeumsätze in der Schweiz (in Mio. Franken gerundet) 

2008 

2009 

2010 

2011 

2012 

2013 

Netto-Werbeumsätze Schweiz 

5111 

4494  4412* 

4503 

4281 

4209 

Printmedien 

2406 

1915 

2001 

2004 

1783 

1615 

Elektronische Medien 

803 

768 

844 

919 

914 

942 

Fernsehen (inkl. Sponsoring) 

Radio (inkl. Sponsoring) 

Übrige (Kino, Teletext, Adscreen18)  

628 

131 

44 

595 

135 

37 

669 

135 

40 

745 

139 

35 

726 

147 

41 

749 

157 

37 

Aussenwerbung 

Direktwerbung 

Onlinewerbung** 

633 

560 

566 

563 

567 

565 

1269 

1251  1019* 

1017  1017* 

1086 

300 

359 

452 

521 

572 

642 

* Nicht mit dem Vorjahr vergleichbar, da andere Berechnungsmethode angewandt wurde;** Schätzungen 

Quelle: Stiftung Werbestatistik Schweiz, Werbeaufwand Schweiz 2014. 

12.  Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, wurden im Jahr 2013 auf die Schweiz bezogene Netto-
Werbeumsätze  von  insgesamt  4‘209  Mio.  Franken  erzielt.  Mit  TV-Werbung  wurde  ein  Um-
satz  von  749  Mio.  Franken  generiert,  wovon  698  Mio.  Franken  auf  den  Verkauf  von  TV-
Werbesekunden und die restlichen 51 Mio. Franken auf das Sponsoring von TV-Sendungen 
zurückzuführen  sind.  Von  diesen  749  Mio.  Franken  wurden  374  Mio.  Franken  durch  die  öf-
fentlich-rechtlichen  Sender,  301 Mio.  Franken  durch  Werbefenster  von  privaten  ausländi-
schen Sendern und 74 Mio. Franken durch Schweizer Privatsender erwirtschaftet.19  

13.  Mit  Radiowerbung  wurde  2013  ein  Umsatz  von  insgesamt  157  Mio.  Franken  erzielt, 
wovon 115 Mio. Franken mit dem Verkauf von Radio-Werbesekunden und 42 Mio. Franken 
mit Radio-Sponsoring erwirtschaftet wurde.20  

14.  Auf Printmedien entfiel im Jahr 2013 ein Netto-Werbeumsatz von 1‘615 Mio. Franken, 
auf Aussenwerbung ein Netto-Umsatz von 565 Mio. Franken und auf Direktwerbung ein Net-
to-Umsatz  von  1‘086  Mio.  Franken.  Mit  Onlinewerbung  wurde  2013  ein  geschätzter  Netto-
Umsatz  von  642  Mio.  Franken  erzielt.  Während  die  Netto-Werbeumsätze  für  Printmedien 
über die letzten Jahre betrachtet stark rückläufig waren, konnten die elektronischen Medien 
Fernsehen und Radio sowie insbesondere auch der Bereich Onlinewerbung stark an Umsät-
zen zulegen. 

18 Vgl. Fn 4.  

19 Vgl. Werbeaufwand Schweiz 2014 (Fn 4), S. 19. 

20 Vgl. Werbeaufwand Schweiz 2014 (Fn 4), S. 21. 

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A.3.2  Vermarktung von TV-Werbezeit 

Anbieter von TV-Werbezeit 

15. 
In  der  Schweiz  kann  grundsätzlich  zwischen  drei  Typen  von  Anbietern  von  TV-
Werbezeit unterschieden werden: den öffentlich-rechtliche TV-Sendern der Schweizerischen 
Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR (nachfolgend: SRG), den privaten Schweizer TV-
Sendern21  und  den  privaten  ausländischen  TV-Sendern  mit  einem  Werbefenster  für  die 
Schweiz22.  TV-Werbezeit  wird  mehrheitlich  für  die  Ausstrahlung  von  klassischen  TV-
Werbespots,  aber  auch  für  andere  Werbeformen  wie  z. B.  das  Sponsoring  von  TV-
Sendungen genutzt.  

16.  Ein Schweizer Werbefenster entsteht dadurch, dass in einem in der Schweiz verbreite-
ten  TV-Programm  aus  dem  Ausland  die  Original-Werbung  (oder  Teile  davon)  gezielt  durch 
auf  das  Schweizer  Publikum  ausgerichtete  Werbung  ersetzt  wird.  Auf  diese  Art  kann  der 
Marktanteil,  den  der  ausländische  TV-Sender  auf  dem  Schweizer  Zuschauermarkt  erzielt, 
kommerzialisiert werden. Schweizer Werbefenster in ausländischen TV-Programmen existie-
ren  seit  1993  und  stellen  gemessen  am  erzielten  Netto-Werbeumsatz  (vgl.  Rz 12)  einen 
wichtigen Bestandteil der Schweizer Werbelandschaft dar.23 

TV-Vermarkter 

17.  TV-Sender  lassen  sich  in  aller  Regel  exklusiv  vermarkten.24  Hauptaufgabe  eines  TV-
Vermarkters ist die exklusive Vertretung von einem oder mehreren TV-Sender(n) betreffend 
den Verkauf von TV-Werbezeit an Werbekunden. 

18.  Die Werbemöglichkeiten in den TV-Sendern der SRG werden durch [F], eine Tochter-
gesellschaft  der  SRG,  kommerzialisiert.  Schweizer  Werbefenster  sowie  inländische  private 
TV-Sender lassen sich derzeit vor allem von [B] vermarkten (vgl. Fn 8 und 9). Als private TV-
Vermarkter sind daneben namentlich noch [G]25, [H]26 sowie [I]27 tätig (vgl. Rz 76).  

21 So u. a. […], […], […], […], […], […] und […], […], […], […] und […] für die deutschsprachige 
Schweiz sowie […] und […] für die französischsprachige Schweiz. Daneben existieren verschiedene 
regionale TV-Sender wie z. B. […], […], […], […], […], […], […], […] und […]. 

22 So namentlich in den (deutschsprachigen) Programmen von […], […], […], […], […], […], […], […], 
[…], […], […] und […] sowie in den (französischsprachigen) Programmen […], […], […], […] und […]. 
Für die italienischsprachige Schweiz existieren zurzeit noch keine Werbefenster in italienischen Fern-
sehprogrammen. 

23 Vgl. […], Studie Werbefenster im Schweizer Fernsehwerbemarkt, 2012 (nachfolgend: […]-Studie 
Werbefenster Schweiz 2012), S. 5 ff. 

24 Unter exklusiver Vermarktung ist die Vertretung des TV-Senders zu verstehen, ohne dass dieser 
andere Dritte mit seiner Vertretung beauftragt. 

25 [G] vermarktet neben dem eigenen Musiksender […] das Schweizer Werbefenster des französi-
schen TV-Senders […], das seit 2011 verfügbar ist.  

26 [H] vermarktet aktuell den deutschsprachigen TV-Sender […], der im Oktober 2013 auf Sendung 
gegangen ist. Aufgrund einer Zusammenarbeit mit der Vermarktungsagentur […] vermarktet [H] zu-
dem den deutschsprachigen Schweizer Privatsender […] sowie das Schweizer Werbefenster von […], 
[…] und […]. Bis Ende 2010 war [H] zudem als Vermarkterin der Schweizer Werbefenster von […] und 
[…] sowie von […], bevor auch diese von [B] vermarktet wurden. 

27 [I] vermarktet aktuell die regionalen TV-Sender […], […] und […] sowie die Werbekombination des 
[…] ([…], […], […], […], […] und […]). Seit Juni 2013 lässt sich auch der deutschsprachige Schweizer 

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Werbeagenturen und Mediaagenturen  

19.  Während  der  inhaltliche Teil  –  das  Kreative  –  einer TV-Kampagne  von Werbeagentu-
ren definiert und produziert wird, kommt den Mediaagenturen der planerisch-technische Teil 
zu. Als spezialisierte Dienstleister der Werbebranche beraten Mediaagenturen werbetreiben-
de  Unternehmen  bei  der  optimalen  Verteilung  von  deren  Werbeetat  auf  die  verschiedenen 
Medien. Zu diesem Zweck erstellen sie einen Mediaplan, d. h., sie sprechen konkrete Emp-
fehlungen  aus  für  die  zeitlich  und  geografisch  optimale  Platzierung  von  Anzeigen,  TV-
Werbung, Radiospots und anderen Werbeformaten. Mediaagenturen wickeln für ihre Kunden 
oft  auch  die  konkrete  Buchung  bei  den  verschiedenen  Medien  bzw.  deren  Vermarktern  ab 
und  verhandeln  mit  diesen  über  Preis  und  Leistung  sowie  auch  über  Rabatte  und  Sonder-
konditionen für die entsprechende Werbeschaltung. In der Schweiz sind derzeit etwa 20 Me-
diaagenturen tätig.  

Marktmechanismen  

20.  Mediaagenturen  kaufen  TV-Werbezeit  im  Namen  und  auf  Rechnung  ihrer Werbekun-
den bei TV-Vermarktern ein. In selteneren Fällen wird TV-Werbezeit auch von einer Werbe-
agentur,  die  die  TV-Kampagne  inhaltlich  gestaltet,  oder  durch  den Werbekunden  direkt  ge-
bucht.  

21.  Die Branchengrundsätze des Verbands der Werbe-, Media- und Kommunikationsagen-
turen  der  Schweiz  (bsw  leading  swiss  agencies)  sehen  vor,  dass  die  Mediaagenturen  von 
den  Werbekunden  mit  einem  Prozenthonorar  zum  verwalteten  Mediabudget  entschädigt 
werden.28 Daneben erhalten die Mediaagenturen von den Medienanbietern bzw. deren Ver-
marktern oft sog. Media Service Entschädigungen. Eine solche stellt zum Beispiel die Onli-
ne-Buchungs-Entschädigung  (OBE)  dar,  die  bei  einer  direkten  Buchung  über  das  Online-
Buchungs-Tool des Vermarkters gewährt wird.29  

22.  Gemäss  den  Branchengrundsätzen  sind  die  Mediaagenturen  grundsätzlich  dazu  ver-
pflichtet, sämtliche Kommissionen und Rabatte, die der Vermarkter auf den Preis für die ge-
buchte Werbung gewährt, an den jeweiligen Werbekunden weiterzureichen, soweit sie nicht 
gemäss  Vereinbarung mit  dem Werbekunden Teil  des  Honorars  sind.30  Hierunter fällt  auch 
die  sog.  Beraterkommission  (BK).  Die  BK  ist  ein  Rabatt,  der  den  Mediaagenturen  von  den 
Medienanbietern  bzw.  deren  Vermarktern  gewährt  wird,  da  durch  deren  Beratungstätigkeit 
weniger Aufwand entsteht.31  

23.  TV-Vermarkter, die nicht zum gleichen Unternehmen wie die vermarkteten TV-Sender 
gehören, werden für ihre Vermarktungsdienstleistung mittels Kommission entschädigt.  

Privatsender […] von [I] vermarkten. Anzumerken ist, dass [I] zur [...]-Gruppe gehört, zu welcher auch 
die von ihr vermarkteten TV-Sender […], […], […] und […] gehören. […] wird ab 1.1.2015 gemeinsam 
von [B] (gegenüber den Agenturen) und [I] (gegenüber Direktkunden) vermarktet. 

28 Vgl. bsw leading swiss agencies, Branchengrundsätze für Mediaagenturen (nachfolgend: Bran-
chengrundsätze Mediaagenturen), 2011, Ziff. 17. 

29 Bei [F] können die Mediaagenturen TV-Werbezeit online über das Buchungs- und Abwicklungssys-
tem […] buchen. [B] arbeitet mit dem eigenen Onlinebuchungstool […]. Durch direkte Onlinebuchun-
gen der Mediaagenturen wird der Buchungsprozess für die Vermarkter wesentlich vereinfacht. 

30 Vgl. Branchengrundsätze Mediaagenturen (Fn 28), Ziff. 16.  

31 Bei Werbung in Zeitungen beträgt die BK in der Regel 5 %, bei Werbung im Radio 10 % und bei 
Werbung im TV und Zeitschriften 15 %. 

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8 

 
 
 
 
 
                                                                                                                                                   
24.  Die  Preisfestsetzungshoheit  für  TV-Werbezeit  liegt  grundsätzlich  beim  jeweiligen  TV-
Sender. Der Preis für die Ausstrahlung eines TV-Werbespots hängt von mehreren Faktoren 
ab.  Massgebend  sind  die  Spotdauer,  die  Anzahl  Zuschauer,  die  den  Werbeblock  voraus-
sichtlich sehen werden, der Tausend-Kontakt-Preis (nachfolgend: TKP), die Zeitschiene so-
wie saisonale Faktoren.32 

A.3.3  Vermarktung bzw. Vermittlung von Radiowerbezeit 

Anbieter von Radiowerbezeit 

25. 
In der Schweiz können rund 50 Privatradios terrestrisch empfangen werden, in denen 
Werbung  geschaltet  werden  kann.33  Den  öffentlich-rechtlichen  Radioprogrammen  der  SRG 
ist die Ausstrahlung von klassischen Radiowerbespots verboten, das Sponsoring von Radio-
sendungen  ist  hingegen  erlaubt.34  Radiowerbezeit  wird  sowohl  für  die  Ausstrahlung  klassi-
scher Radiowerbespots als auch für andere Werbeformen wie z. B. das Sponsoring von Ra-
diosendungen genutzt. 

26.  Abgesehen  von  den  öffentlich-rechtlichen  Sendern  der  SRG  erreicht  kein  in  der 
Schweiz  empfangbarer  Radiosender  eine  nationale  Abdeckung.  Da  die  Sendegebiete  der 
einzelnen  Privatradios  durch  die jeweilige  Konzession klar  vorgegeben  sind, kann mit Wer-
bung in einem einzelnen Privatradio immer nur eine lokal begrenzte Reichweite erzielt wer-
den. Durch den Zusammenschluss zu sog. Radiowerbepools erreichen die einzelnen Privat-
radios eine bessere Abdeckung bzw. höhere Hörerreichweite, die das Medium Radio für die 
Schaltung von Werbung insgesamt attraktiver macht. Für die einzelnen Radiosender erhöht 
sich  damit  die  Chance,  für  überregionale  und  nationale  Werbekampagnen  eingesetzt  zu 
werden.  Auf  Seite  des Werbekunden  ist  die  Buchung  über  Radiowerbepools  mit  einem ge-
ringeren  administrativen  Einkaufsaufwand  verbunden,  da  keine  Einzelbuchungen  bei  ver-
schiedenen Radiosendern vorgenommen werden müssen. Aktuell gibt es in der Schweiz 32 
regionale bzw. sprachregionale Radiopools.35 Bis Ende 2010 existierte mit dem «[…]» auch 
ein sprachraumraumübergreifender Radiowerbepool.36  

Vermittler von Radiowerbezeit 

27.  Werbezeit in einem bestimmten Radiosender oder Radiowerbepool kann entweder di-
rekt  beim  Sender  oder  Werbepool  bzw.  der  entsprechenden  Vermarktungsorganisation 37  
oder  aber  über  einen  Vermittler  von  Radiowerbezeit  gebucht  werden.  Radiowerbevermittler 
fungieren als Mittler zwischen den Werbekunden bzw. deren Mediaagenturen auf der einen 

32 Vgl. Media Guide […] (Fn 16), S. 31.  

33 Vgl. <www> unter Radio > Privatradiomarkt Schweiz (27.10.2014).  

34 Vgl. Art. 14 RTVG.  

35 Vgl. <www> unter Radio > Privatradiomarkt Schweiz (27.10.2014). 

36 Der «[…]» bestand aus […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […], […] und […]. 
Der Pool wurde durch [J] vermarktet, an welcher zunächst [F] ([…] %) und die privaten Radiosender 
des «[…]» ([…] %) beteiligt waren. Anfang 2009 übernahmen die Radiosender auch die Beteiligung 
der [F]. Der «[…]» wurde schliesslich per 31. Dezember 2010 aufgelöst. 

37 So z. B. [J] (vgl. Fn 36) oder [K] («[…]»). Anzumerken ist, dass im Herbst 2014 acht Deutsch-
schweizer Privatradios ([…], […], […], […], […], […], […] und […]) die gemeinsame Vermarktungsfirma 
[P] gegründet haben. Die Sender bilden damit keinen neuen Radiowerbepool, sondern stellen eine of-
fen buchbare Buchungsplattform zur Verfügung.  

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Seite  und  den  Radiosendern  bzw.  Radiowerbepools  auf  der  anderen  Seite.  Anders  als TV-
Vermarkter besitzen Radiowerbevermittler keine Exklusivität.  

28.  Als Vermittler von Radiowerbezeit sind neben der zur [Unternehmensgruppe] gehören-
den  [E]  (vgl.  Rz 5)  derzeit  namentlich  noch [L], [M]  und  [N]  tätig.  Die  einst führende  Radio-
werbevermittlerin  [O],  welche  Mitte  2006  von  […]  bzw.  [H]  übernommen  wurde,  stellte  ihre 
Geschäftstätigkeit Ende 2010 ein (vgl. Rz 81).  

Marktmechanismen 

29.  Aus  der  Marktbefragung  des  Sekretariats  (vgl.  Rz 32)  geht  hervor,  dass  mehr  als  die 
Hälfte des Radiowerbeumsatzes mit Werbung erzielt wird, die ein klar lokales oder regiona-
les Publikum ansprechen. Die Buchung von lokaler und regionaler Radiowerbung erfolgt da-
bei  überwiegend  direkt  beim  Radiosender  bzw.  Radiowerbepool  und  nicht  über  einen  Ver-
mittler. Werbekunden, die ein nationales Publikum erreichen wollen, bzw. deren Mediaagen-
turen, buchen Radiowerbezeit hingegen fast ausschliesslich über einen Vermittler.  

30.  Vermittler  erhalten  für  ihre  Dienstleistung  von  den  Radiosendern  einen  prozentualen 
Anteil des von ihnen generierten Werbeumsatzes in Form einer Kommission. Betreffend die 
Entschädigung der Mediaagenturen kann auf die entsprechenden Ausführungen unter Rz 21 
verwiesen werden.  

31.  Die Preisfestsetzungshoheit für Radiowerbezeit liegt bei den einzelnen Sendern, wobei 
sich die Tarife für die Schaltung von Radiowerbespots insbesondere nach den Hörerzahlen 
und der Spotdauer sowie dem Ausstrahlungszeitpunkt richten. 

A.4  Verfahrensgeschichte 

32.  Am 30. August 2012 eröffnete das Sekretariat gestützt auf eine Anzeige eine Vorabklä-
rung  gegen  die  [Unternehmensgruppe].  In  der  Anzeige  wird  im  Wesentlichen  geltend  ge-
macht, dass [B] ihre Stellung als Exklusivvermarkterin von Schweizer Werbefenstern in den 
Programmen  von  privaten  ausländischen  TV-Sendern  ausnutze,  indem  sie  Werbekunden 
und  Mediaagenturen  Freespace  in  diesen Werbefenstern gewähre,  wenn  Letztere  sich  ver-
traglich dazu verpflichteten, auch die Radiowerbung über [B] zu buchen (vgl. Rz 1). Das Sek-
retariat stellte der [Unternehmensgruppe] ein Auskunftsbegehren zu und hat gleichzeitig 160 
Werbekunden, 20 Mediaagenturen und 37 Radiosender um Auskünfte gebeten. 

33.  Die  [Unternehmensgruppe]  reichte  die  verlangten  Auskünfte  und  Unterlagen  innert 
zweimal erstreckter Frist am 1. November 2012 ein. Mit Ausnahme von drei Radiostationen 
haben  sämtliche  der  befragten  Werbekunden,  Mediaagenturen  und  Radiosender  den  ent-
sprechenden Fragebogen beantwortet retourniert.  

34.  Am  18.  Juni  2014 fand ein  Treffen mit  Vertretern  der [Unternehmensgruppe]  statt,  an 
welchem das Sekretariat diese über die Ergebnisse der Vorabklärung informierte. Gleichzei-
tig regte das Sekretariat im Sinne von Art. 26 Abs. 2 KG gegenüber der [Unternehmensgrup-
pe] an, eine Verpflichtungserklärung betreffend ihr zukünftiges Verhalten in der Vermarktung 
bzw. Vermittlung von TV- und Radiowerbezeit abzugeben. Am 30. Juli 2014 fand ein zweites 
Treffen zwischen Vertretern der [Unternehmensgruppe] und dem Sekretariat statt.  

35.  Mit Schreiben vom 24. Oktober 2014 hat die [Unternehmensgruppe] eine entsprechen-
de Verpflichtungserklärung eingereicht. Deren Inhalt ist in Rz 156 wiedergegeben.  

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B  Erwägungen 

B.1  Geltungsbereich  

36.  Das Kartellgesetz (KG) gilt für Unternehmen des privaten und öffentlichen Rechts, die 
Kartell- oder andere Wettbewerbsabreden treffen, Marktmacht ausüben oder sich an Unter-
nehmenszusammenschlüssen beteiligen (Art. 2 KG). 

Unternehmen 

37.  Als Unternehmen im Sinne des Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfrager oder An-
bieter von Gütern und Dienstleistungen im Wirtschaftsprozess, unabhängig von ihrer Rechts- 
oder  Organisationsform  (Art. 2  Abs. 1bis  KG).  Das  Kartellgesetz  geht  damit  bei  der  Festle-
gung  des  persönlichen Geltungsbereichs  von  einem funktionalen  Unternehmensbegriff aus. 
Dies  führt  dazu,  dass  bei  Konzernen  die  rechtlich  selbstständigen  Konzerngesellschaften 
mangels  wirtschaftlicher  Selbstständigkeit  keine  Unternehmen  im  Sinne  von  Art. 2  Abs. 1bis 
KG darstellen. Als Unternehmen gilt in solchen Fällen der Konzern als Ganzes.38 

38.  Ein  Konzern  liegt  vor,  wenn  mehrere  rechtlich  selbständig  organisierte  Unternehmen 
wirtschaftlich  unter  einheitlicher  Leitung  zu  einem  Gesamtunternehmen  als  wirtschaftliche 
Einheit zusammengefasst sind.39 Die einzelnen Tochtergesellschaften eines Konzerns gelten 
in  der  Regel  nicht  als  Unternehmen,  sofern  die  Muttergesellschaft  erstens  ihre  Tochter 
effektiv zu kontrollieren vermag und zweitens diese Möglichkeit auch tatsächlich ausübt40, so 
dass  die  Konzerngesellschaften  nicht  in  der  Lage  sind,  sich  von  der  Muttergesellschaft 
unabhängig  zu  verhalten.  In  diesen  Fällen  wird  der  Konzern  gemäss  der  bisherigen 
Rechtsprechung als eine einzige wirtschaftliche Unternehmenseinheit betrachtet.41  

39.  Die  revidierten  Rechnungslegungsvorschriften  des  Obligationenrechts42  beschränken 
sich  seit  1.  Januar  2013  mit  Bezug  auf  die  Pflicht  zur  Erstellung  einer  konsolidierten 
Jahresrechnung  (Konzernrechnung)  auf  das  Kontrollprinzip,  d. h.  verzichten  auf  das 
Erfordernis der tatsächlichen Ausübung der Beherrschung im Sinne des Leitungsprinzips.43 

38 JENS LEHNE, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2010, Art. 2 KG N 27; 
SAMUEL JOST, Die Parteien im verwaltungsrechtlichen Kartellverfahren in der Schweiz, Basel 2013, 
Rz 335 und 341; vgl. auch Urteil des BGer 2C_484/2010 vom 29.6.2012, RPW 2013/1, 118 f. E. 3, 
Publigroupe SA et al./WEKO, und Urteil des BVGer, RPW 2010/2, 335 E. 4.1, Publigroupe SA und 
Mitbeteiligte/WEKO. 

39 RPW 2011/1, 109 Rz 95, SIX/Terminals mit Dynamic Currency Conversion (DCC); vgl. auch Urteil 
des BVGer, RPW 2010/2, 336 E. 4.2, Publigroupe SA und Mitbeteiligte/WEKO. 

40 Sog. «Leitungsprinzip» im Gegensatz zum «Kontrollprinzip», bei welchem bereits bei Bestehen ei-
ner Beherrschungsmöglichkeit vom Vorliegen eines Konzerns ausgegangen wird, auch – und dies im 
Unterschied zum Leitungsprinzip – wenn diese Möglichkeit effektiv gar nicht ausgeübt wird (vgl. RPW 
2014/1, 82 Rz 24 Fn 32, Eignerstrategie Energie Wasser Bern [ewb]). 

41 Urteil des BVGer, RPW 2010/2, 336 E. 4.1 Publigroupe SA und Mitbeteiligte/WEKO. 

42 Bundesgesetz vom 30.3.1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 
Fünfter Teil: Obligationenrecht (OR; SR 220). 

43 Vgl. Art. 663e Abs. 1 aOR, BBl 2008 1589, 1723 sowie Art. 963 Abs. 2 OR, der neu Kriterien fest-
legt, wann eine juristische Person ein anderes Unternehmen in rechtsrelevanter Weise kontrolliert; vgl. 
auch Botschaft vom 21. Dezember 2007 zur Änderung des Obligationenrechts, BBl 2008 1589, 
1722 f. Ziff. 2.2.5. 

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40.  Ein Gemeinschaftsunternehmen kann grundsätzlich nicht Teil eines Konzerns sein, da 
dieses  nicht  von  einem  einzigen  Unternehmen  beherrscht  wird,  sondern  unter  der  gemein-
samen Kontrolle von mehreren Muttergesellschaften steht.44 

41.  Wie bereits erwähnt, hält [Unternehmensgruppe] […] % des Aktienkapitals an [B] sowie 
die  Hälfte  der  Stimmrechte.  Daneben  halten  [X]  sowie  [Y]  je  […] %  des  Aktienkapitals  und 
[…] % bzw. […] % der Stimmrechte (vgl. Rz 4). In der konsolidierten Jahresrechnung (Kon-
zernrechnung) 2013 der [Unternehmensgruppe] sind sowohl [B] als auch [E] als Tochterge-
sellschaften  aufgeführt  (Vollkonsolidierung).  Es  kann  somit  davon  ausgegangen  werden, 
dass  es  sich  bei  [B]  sowie  auch  bei  [E]  um  Konzerntochtergesellschaften  der  [Unterneh-
mensgruppe]  handelt,  die  von  [A]  kontrolliert  werden.  Demnach  ist  vorliegend  die  [Unter-
nehmensgruppe],  d. h.  der  Konzern  als  Ganzes,  als  Unternehmen  im  Sinne  von  Art. 2 
Abs. 1bis KG zu qualifizieren.  

Marktmacht 

42.  Die  marktbeherrschende  Stellung  stellt  eine  qualifizierte  Form  der  Ausübung  von 
Marktmacht dar.45 Ob es sich bei der [Unternehmensgruppe] möglicherweise um ein markt-
beherrschendes Unternehmen gemäss Art. 4 Abs. 2 KG handeln könnte und Anhaltspunkte 
für  eine  unzulässige  Wettbewerbsbeschränkung  gemäss  Art. 7  KG  vorliegen,  wird  nachfol-
gend im Rahmen der Beurteilung erörtert. Wird nachstehend das Vorliegen von Anhaltspunk-
ten  für  eine  marktbeherrschende  Stellung  bejaht,  so  bestehen  auch  Anzeichen  von  Markt-
macht. Wird das Vorliegen von Anhaltspunkten für eine marktbeherrschende Stellung indes 
verneint,  so  ist  die  Prüfung  der  Marktmacht  obsolet,  da  in  diesem  Fall kein  möglicherweise 
kartellrechtsrelevantes Verhalten im Sinne von Art. 7 KG vorliegen kann.  

B.2  Vorbehaltene Vorschriften  

43.  Dem KG sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte Waren oder 
Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staatliche Markt- 
oder Preisordnung begründen, und solche, die einzelne Unternehmen zur Erfüllung öffentli-
cher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Ebenfalls nicht unter 
das  Gesetz  fallen  Wettbewerbswirkungen,  die  sich  ausschliesslich  aus  der  Gesetzgebung 
über das geistige Eigentum ergeben (Art. 3 Abs. 2 KG). 

44.  Das  Bundesgesetz  über  Radio  und  Fernsehen  (RTVG)46  sowie  dessen  Ausführungs-
verordnung47, welche u. a. Werbe- und Sponsoringvorschriften enthalten und Programmauf-
trag sowie Konzession der SRG regeln, enthalten keine Bestimmungen, die den Wettbewerb 
in den vorliegend zu beurteilenden Märkten nicht zulassen.  

B.3  Unzulässige Verhaltensweisen marktbeherrschender Unternehmen 

45.  Marktbeherrschende  Unternehmen  verhalten  sich  unzulässig,  wenn  sie  durch  den 
Missbrauch  ihrer  Stellung  auf  dem  Markt  andere  Unternehmen  in  der  Aufnahme  oder  Aus-

44 Vgl. RPW 2012/3, 696 Rz 29, GIM/Swissgas/FluxSwiss/Transitgas.  

45 Vgl. RPW 2001/2, 268 Rz 79, Watt/Migros - EFF; Botschaft vom 23. November 1994 zu einem Bun-
desgesetz über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (nachfolgend: Botschaft zum KG 
95), BBl 1995 I 468, 547 f.; JÜRG BORER, Kartellgesetz, 2011, Art. 2 KG N 14.  

46 Bundesgesetz vom 24. März 2006 über Radio und Fernsehen (RTVG; SR 784.40). 

47 Radio- und Fernsehverordnung vom 9. März 2007 (RTVV; SR 784.401).  

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übung  des  Wettbewerbs  behindern  oder  die  Marktgegenseite  benachteiligen  (Art. 7  Abs. 1 
KG). 

46.  Um  abklären  zu  können,  ob  Anhaltspunkte  für  eine  unzulässige  Verhaltensweise  im 
Sinne  von  Art. 7  KG  bestehen,  ist  zunächst  zu  prüfen,  ob  die  [Unternehmensgruppe]  mög-
licherweise über eine marktbeherrschende Stellung verfügt (B.3.1). In einem nachfolgenden 
Schritt  ist  zu  klären,  ob  und  welche  unzulässigen  Verhaltensweisen  vorliegend  erfüllt  sein 
könnten (B.3.2).  

B.3.1  Marktbeherrschende Stellung 

47.  Als  marktbeherrschende  Unternehmen  gelten  einzelne  oder  mehrere  Unternehmen, 
die auf einem Markt als Anbieter oder Nachfrager in der Lage sind, sich von anderen Markt-
teilnehmern in wesentlichem Umfang unabhängig zu verhalten (Art. 4 Abs. 2 KG). 

48.  Um  feststellen  zu  können,  ob  sich  die  [Unternehmensgruppe]  tatsächlich  in  wesentli-
chem  Umfang  von  anderen  Marktteilnehmern  unabhängig  verhalten  kann  bzw.  konnte,  ist 
vorab der relevante Markt abzugrenzen. 

B.3.1.1 

Relevante Märkte 

49.  Bei  der  Abgrenzung  des  relevanten  Marktes  ist  zu  bestimmen,  welche  Waren  oder 
Dienstleistungen für  die Marktgegenseite  in  sachlicher,  örtlicher  und  zeitlicher  Hinsicht  aus-
tauschbar sind.48 

B.3.1.1.1.  Sachlich relevante Märkte 

50.  Der sachliche Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite 
hinsichtlich  ihrer  Eigenschaften  und  ihres  vorgesehenen  Verwendungszwecks  als  substitu-
ierbar angesehen werden (Art. 11 Abs. 3 Bst. a VKU49, der hier analog anzuwenden ist). 

51.  Die Definition des sachlich relevanten Marktes erfolgt somit aus Sicht der Marktgegen-
seite:  Massgebend  ist,  ob  aus  deren  Optik  Waren  oder  Dienstleistungen  miteinander  im 
Wettbewerb  stehen.  Dies  hängt  davon  ab,  ob  sie  vom  Nachfrager  hinsichtlich  ihrer  Eigen-
schaften und des vorgesehenen Verwendungszwecks als substituierbar erachtet werden, al-
so  in  sachlicher,  örtlicher  und  zeitlicher  Hinsicht  austauschbar  sind.  Entscheidend  sind  die 
funktionelle  Austauschbarkeit  (Bedarfsmarktkonzept)  von  Waren  und  Dienstleistungen  aus 
Sicht  der  Marktgegenseite  sowie  weitere  Methoden  zur  Bestimmung  der  Austauschbarkeit 
der Waren und Dienstleistungen aus Nachfragersicht. Dabei ist stets vom Untersuchungsge-
genstand auszugehen.50 

52.  Untersuchungsgegenstand  bilden  vorliegend  Verhaltensweisen  der  [Unternehmens-
gruppe] bzw. deren Tochtergesellschaften [B] und [E] bei der Vermarktung resp. Vermittlung 
von Werbezeit in den Medien TV und Radio.  

Praxis im Bereich der Vermarktung bzw. Vermittlung von Werberaum bzw. Werbezeit  

53.  Betreffend den Bereich der Vermarktung bzw. Vermittlung von Werberaum bzw. Wer-
bezeit hat die WEKO im Rahmen der Untersuchung Richtlinien des Verbandes Schweizeri-

48 BGE 139 I 72, 92 E. 9.1 m. w. H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 

49 Verordnung vom 17.6.1996 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (VKU; 
SR 251.4). 

50 BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 

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scher Werbegesellschaften VSW über die Kommissionierung von Berufsvermittlern (nachfol-
gend: Fall «Publigroupe») einen sachlich relevanten Markt für die Vermittlung und den Ver-
kauf  von  Inserate-  und  Werberaum  in  Printmedien  abgegrenzt.51  Dabei  wurde  festgestellt, 
dass sich der Einbezug anderer Werbekanäle in den relevanten Markt nicht rechtfertige. An-
dere  Werbeträger  wie  insbesondere  auch  das  Internet  und  die  Direktwerbung  stünden  zu 
den  Printmedien  nicht  in  einer  Substitutions-,  sondern  vielmehr  in  einer  Ergänzungsbezie-
hung, welche Teil des Werbemixes darstellen könnten, ohne aber die Printmedien zu erset-
zen.52  Die  Marktabgrenzung  im  Fall  «Publigroupe»  wurde  von  Bundesverwaltungsgericht 
und Bundesgericht bestätigt.53 Letzteres hielt in seinen Erwägungen ausdrücklich fest, dass 
die  Eigenschaften  und  Gestaltungsoptionen  der  verschiedenen  Werbeträger  sowie  die 
(durch  die Werbung)  anzusprechende  Zielgruppe  die  massgebenden  Kriterien  für  die  Fest-
stellung des sachlich relevanten Marktes seien. So werde denn auch zu Recht davon ausge-
gangen, dass Radio-, TV- und Pressewerbung unterschiedliche Märkte darstellen. Werbung 
in  den  unterschiedlichen  Medientypen  unterscheide  sich  wesentlich  aufgrund  der  Gestal-
tungsoptionen und des Adressatenkreises. Jedes Medium weise hinsichtlich der Werbemög-
lichkeiten  unterschiedliche  Eigenschaften  und  Vorteile  auf.  Laut  Bundesgericht  ist  zudem 
auch  von  einem  eigenen Online-Werbemarkt  auszugehen,  der  in gewissen  Bereichen  noch 
weiter  abgestuft  werden kann.  Die  Vorinstanzen  seien  auch  zu  Recht  davon  ausgegangen, 
dass die verschiedenen Werbeträger eher komplementär zur Anwendung kämen.54  

54.  Die WEKO grenzte  weiter  regelmässig  einen  separaten  sachlichen  Markt für  die  Ver-
mittlung von Onlinewerbeflächen ab, der zudem noch weiter unterteilt werden kann.55 

55.  Betreffend die Vermittlung von Werbezeit in audiovisuellen Medien ging die WEKO bis-
lang im Rahmen von Zusammenschlussverfahren jeweils von einem umfassenden Markt für 
die  Vermittlung  von  TV-,  Radio-  und  Kinowerbung  (audiovisueller  Werbevermittlungsmarkt) 
aus56, wobei die Marktabgrenzung aus der Optik von Medienunternehmen (als die massge-
bliche  Marktgegenseite) vorgenommen wurde57. Die Abgrenzung eines audiovisuellen Wer-
bevermittlungsmarktes  wurde  namentlich  damit  begründet,  dass  für  die  Werbevermittler  im 
Bereich der audiovisuellen Medien eine Angebotsumstellung auf ein anderes audiovisuelles 
Medium in relativ kurzer Zeit möglich sei (Angebotsumstellungsflexibilität).58  

Im Gegensatz dazu geht das deutsche Bundeskartellamt nicht von einem einheitlichen 
56. 
audiovisuellen Werbevermittlungsmarkt aus: So grenzte es im Untersuchungsverfahren RMS 

51 RPW 2007/2, 201 ff, Rz 80 ff, Richtlinien des Verbandes Schweizerischer Werbegesellschaften 
VSW über die Kommissionierung von Berufsvermittlern. 

52 RPW 2007/2, 207 Rz. 119, Richtlinien des Verbandes Schweizerischer Werbegesellschaften VSW 
über die Kommissionierung von Berufsvermittlern. 

53Urteil des BVGer, RPW 2010/2, 336, E 5, Publigroupe/WEKO und BGE 139 I 72, 94 f. E. 9.2.3.5 
(= RPW 2013/1, 128 E. 9.2.3.5), Publigroupe SA et al./WEKO. 

54 BGE 139 I 72, 94 f. E. 9.2.3.5 (= RPW 2013/1, 128 E. 9.2.3.5), Publigroupe SA et al./WEKO. 

55 RPW 2009/3, 269 Rz 185, Tamedia/PPSR; RPW 2012/1, 155 Rz 105 ff., 
NZZ/Ringier/Tamedia/cXense/PPN; RPW 2013/1, 97f. Rz 44 ff., PubliGroupe/ImproveDigital; RPW 
2013/3, 353 f. Rz 30 ff., Tamedia AG/PPN AG.  

56 Vgl. RPW 2007/1, 114 Rz 15, Tamedia AG/Radio Basel 1 Werbe AG/Radio Regenbogen; RPW 
2007/4, 615 Rz 104, Tamedia AG/Espace Media Groupe; RPW 2009/3, 268 Rz 183, Tamedia/PPSR; 
RPW 2013/3, 395 Rz 46, PubliGroupe/S1TV. 

57 RPW 2007/1, 114 Rz 15, Tamedia AG/Radio Basel 1 Werbe AG/Radio Regenbogen. 

58 RPW 2007/1, 114 Rz 15, Tamedia AG/Radio Basel 1 Werbe AG/Radio Regenbogen. 

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14 

 
 
 
 
 
                                                
Radio Marketing Service GmbH & Co. KG einen separaten Markt, auf welchem die Hörfunk-
werbezeitenvermarkter als Anbieter von Dienstleistungen an Hörfunksender zur Vermarktung 
von Hörfunkwerbezeiten an nationale Werbekunden auftreten, sowie einen separaten Markt, 
auf  dem  die  Vermarkter  als  Anbieter  von  Hörfunkwerbezeiten  gegenüber  den  nationalen 
Werbekunden auftreten, ab.59 Im Übrigen geht auch das Bundeskartellamt – wie die WEKO 
–  nicht  von  einem  allgemeinen,  alle  Medien  umfassenden  Gesamtwerbemarkt  aus.  In  den 
Fusionskontrollverfahren  Axel  Springer  AG/ProSiebenSat.1  Media  AG  und  GU  ProSieben-
Sat.1 Media AG/RTL interactive AG grenzte es einen bundesweiten Fernsehwerbemarkt ab 
und hielt dabei fest, dass diesem Markt die übrigen Werbeträger (Print, Radio, Plakate, Kino, 
online) nicht angehören.60 

Ausführungen der [Unternehmensgruppe] 

57. 
Im  Zusammenhang mit der  Marktabgrenzung führt  die [Unternehmensgruppe]  in  ihrer 
Stellungnahme auf das Auskunftsersuchen des Sekretariats im Wesentlichen aus, ein Wer-
bekunde erwarte von seiner Mediaagentur, dass diese ihm aus der ganzen Palette von Me-
diengattungen (Print, Online, TV, Radio, Out of Home, Kino etc.) den besten Werbemix zu-
sammenstelle. Die Agenturen würden nicht isoliert Werbezeit im TV oder Radio nachfragen, 
sondern würden nach allen Medien fragen, welche sie zur Umsetzung ihrer Werbeziele ein-
setzen wollten. Das Ziel der Mediaagentur sei es, Knowhow und technische Instrumente auf-
zubauen, um den Werbekunden über verschiedene Medienkanäle bedienen zu können. Die 
Werbekunden  bzw.  deren  Mediaagenturen  würden  ihr  Budget  je  nach  Konditionen  platzie-
ren, die ihnen die verschiedenen Mediengattungen offerierten. Es gebe somit aus Sicht der 
Nachfrageseite  nicht  einen  TV-Werbemarkt  und  davon  getrennt  z. B.  einen  Print-
Werbemarkt.  Die  einzelnen  Mediengattungen  seien  schon  lange  zu  einem  umfassenden 
Werbemarkt  zusammengewachsen.  Wenn  ein  privater  TV-Sender  (z. B.  […])  den  Preis  für 
ein  Werbefenster  substanziell  erhöhen  würde,  würden  die  Werbekunden  bzw.  deren  Medi-
aagenturen auf andere TV-Sender und andere Mediengattungen (Print, Radio, etc.) auswei-
chen.  Wenn  ein  Radio  den  Preis  substanziell  anhebe,  dann  gehe  das  Werbebudget  in  ein 
anderes Medium (wie z. B. Plakat oder Print). Auch auf Seiten der Medienanbieter seien die 
Märkte  zusammengewachsen,  was  sich  beispielsweise  an  der  Vermarktungsstrategie  von 
[…] zeige. Weiter könne nicht zwischen regionaler und nationaler Werbung differenziert wer-
den. Mediaagenturen bzw. Werbekunden stünden nicht vor der Wahl, entweder maximal ei-
ne Region oder mindestens eine Sprachregion zu buchen. Bei Werbekampagnen seien die 
Übergänge  von  einer  Region  über  mehrere  Regionen  bis  hin  zum  Schweizer  Territorium 
fliessend. Weiter  werde  in  der  Radiowerbevermittlung  und  in  der  TV-Vermarktung  zwar  mit 
unterschiedlichen  IT-Tools  gearbeitet.  Die  Professionalisierung  in  den  letzten  Jahren  in  der 
Radiowerbung führe indes dazu, dass die Unterschiede im technisch-administrativen «Hand-
ling» immer kleiner würden. Dies gelte nicht nur in Bezug auf die Mediengattungen TV und 
Radio,  sondern  in  Bezug  auf  alle  Mediengattungen.  Dies  erkläre  zudem  den  Vorstoss  von 
Printmedienunternehmen  wie  […]  oder  […]  in  andere  Werbemediengattungen.  Der  Online- 
wie  auch  der  Radiowerbevermittlungsmarkt  kenne  praktisch  keine  Eintrittsbarrieren.  Es 

59 Beschluss des BKartA vom 15.8.2001 B6-127/99 RMS Radio Marketing Service GmbH & Co. KG, 
15 ff. 

60 Beschluss des BKartA vom 19.1.2006 B6-103-05 Axel Springer AG/ProSiebenSat.1 Media AG, 25 
E. 1.2.1; bestätigt durch Beschluss des BGH vom 8.6.2010 KVR 4/09 Springer/ProSieben II, 7 Rz 17; 
Beschluss des BKartA vom 17.3.2011 B6-94/10 GU ProSiebenSat.1 Media AG/RTL interactive 
GmbH, 15 f. Rz 45 ff. 

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15 

 
 
 
 
 
                                                
brauche  –  abgesehen  vom  Knowhow  und  den  technischen  Standardtools  –  praktisch keine 
Investitionen.61 

Sachliche Marktabgrenzung im vorliegenden Fall 

58.  Wie erwähnt, ist für die Marktabgrenzung im konkreten Fall stets vom jeweiligen Unter-
suchungsgegenstand auszugehen (vgl. Rz 51). Untersucht wird vorliegend das Verhalten der 
[Unternehmensgruppe] (bzw. deren Tochtergesellschaften [B] und [E]) bei der Vermarktung 
resp.  Vermittlung  von  TV-  und  Radiowerbezeit  für  die  Schweiz.  Als  TV-Vermarkterin  bzw. 
Radiowerbevermittlerin  stehen  der  [Unternehmensgruppe]  zwei  verschiedene  Marktgegen-
seiten gegenüber: Auf der einen Seite stehen die TV- und Radiosender, deren Werbezeit sie 
vermarktet bzw. vermittelt; auf der anderen Seite stehen die Werbekunden resp. deren Me-
diaagenturen, an welche sie die Werbezeit verkauft.  

59.  Der  Fokus  der  vorliegenden  Vorabklärung  liegt  auf  dem  Verhältnis  zwischen  der  [Un-
ternehmensgruppe]  und  den  Werbekunden  bzw.  deren  Mediaagenturen.  Somit  hat  die 
Marktabgrenzung nachfolgend aus der Optik der Werbekunden bzw. deren Mediaagenturen 
zu  erfolgen.  Sie  stellen  die  für  die  nachfolgende  Marktabgrenzung  massgebliche  Marktge-
genseite dar.  

60.  Es kann festgestellt  werden,  dass  die  massgebende  Marktgegenseite  bei [B]  die  Ver-
mittlung von Werbezeit im TV und/oder bei [E] die Vermittlung von Werbezeit im Radio nach-
fragt. Damit stellt sich nachfolgend nicht nur die Frage, ob die Vermittlung bzw. der Verkauf 
von  Werbezeit  im  TV  mit  der  Vermittlung  bzw.  dem  Verkauf  von  Werbezeit  im  Radio  aus-
tauschbar  ist,  sondern  ganz  grundsätzlich  die  Frage,  ob  die  Bereitstellung  von Werberaum 
bzw. Werbezeit in unterschiedlichen Mediengattungen, und davon abgeleitet die Vermittlung 
von Werbemöglichkeiten in diesen Mediengattungen, zum selben sachlichen Markt gehören.  

61.  Entscheidend  für  die  Beurteilung,  ob  hinsichtlich  der  Bereitstellung  von  Werberaum 
bzw. Werbezeit die verschiedenen Mediengattungen zum selben Markt gehören, ist nun, ob 
die  Nutzer  einer  bestimmten  Mediengattung  (z. B.  TV)  in  einem  signifikanten  Umfang  auch 
über Werbung  in  einer  anderen  Mediengattung  (z. B.  Radio)  mit  einer  vergleichbaren Wer-
bewirkung erreicht werden können.62 Im Fall «Publigroupe» hat das Bundegericht diesbezüg-
lich deutlich gemacht, dass nicht entscheidend sei, ob es Substitutionsangebote gebe, son-
dern vielmehr bis zu welchem Grad die fraglichen Güter austauschbar seien.63  

62.  Es gibt deutliche Hinweise, dass Werbung in den verschiedenen Mediengattungen aus 
der Sicht der Werbetreibenden keine hinreichenden Substitute darstellen, um einem einheit-
lichen sachlich relevanten Markt zugerechnet werden zu können. So veröffentlicht beispiels-
weise die Fachpublikation Media Trend Journal regelmässig eine Aufstellung über die Unter-
schiede bezüglich der Werbemöglichkeiten in den verschiedenen Mediengattungen, inklusive 
unterschiedlicher  Charakteristika,  Nutzerprofile,  Kosten  und  der  Aufgabe  der  verschiedene 
Mediengattungen  im  Medien-Mix.  In  dieser  Aufstellung  werden  deutlich  Unterschiede  her-
vorgehoben,  die  nicht  auf  eine  Austauschbarkeit  von Werbung  in  den  verschiedenen  Medi-
engattungen  schliessen  lassen.  TV-Werbung  wird  etwa  bezüglich  der  Aufgabe  im  Medien-
Mix  als  nationales  und  sprachregionales  Basismedium  dargestellt.  Im Gegensatz  dazu  wird 
Radiowerbung beschrieben als Ergänzungsmedium im lokalen und regionalen Bereich.64 Die 

61 Vgl. Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012, Vorbemerkung und Fragen 5, 16, 
22b und 22d.  

62 Vgl. RPW 2014/2, 427 Rz 42, Aurelius/Publicitas.  

63 BGE 139 I 72, 94 f. E. 9.2.3.5 (= RPW 2013/1, 128 E. 9.2.3.5), Publigroupe SA et al./WEKO. 

64 Media Trend Journal 4-2013, Intermedia Vergleich 2014, S. 64. 

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16 

 
 
 
 
 
                                                
verschiedenen  Mediengattungen  unterscheiden  sich  auch  ganz  grundsätzlich  in  den  mögli-
chen  Darstellungsformen  von  Werbung:  Während  beispielsweise  TV-Zuschauer  mit  multi-
sensorischen  Werbebotschaften  (Bild,  Ton,  Bewegung)  erreicht  werden  können,  sind  Ra-
diohörer nur akustisch (Sprache, Geräusche, Musik) und Leser von Printmedien nur mit Bild 
und Text zu erreichen.  

63.  Auch  eine  von  [B]  in  Auftrag  gegebene  Studie  zur  Bedeutung  der  Werbefenster  im 
Schweizer  TV-Werbemarkt  aus  dem  Jahr  2012  kommt  zum  Schluss,  dass  es  ein  Trug-
schluss  sei,  dass  Werbung  einfach  zwischen  den  einzelnen  Medien  und  Werbeträgern  hin 
und  her  geschoben  werde  könne.  Nicht  alle  Medien  und  Werbeträger  würden  identische 
Zielgruppen  erreichen.  Der  gewünschte  Werbedruck  in  einer  bestimmten  Zielgruppe  könne 
deshalb nicht einfach alternativ bei diesem oder jenem Medium oder Werbeträger eingekauft 
werden. Schon aus diesem Blickwinkel seien Medien und Werbeträger nur zu einem gewis-
sen  Grad  austauschbar.  Vor  allem  hohe  Reichweiten  müssten  in  der  Regel  über  mehrere 
Medienkanäle  hinweg  kumuliert  werden.  Bei  internationalen  Konzernen  könne  es  zudem 
Vorgaben im Hinblick auf die einzusetzenden Werbemittel geben, über die sich die einzelnen 
Länderdependancen  nur  schwerlich  hinwegsetzen  könnten.  Auch  in  diesem  Fall  könnten 
Medien und Werbeträger nicht einfach ausgetauscht werden.65 In dieselbe Richtung weisen 
auch die Ergebnisse der Marktbefragung des Sekretariats. Diese deuten darauf hin, dass die 
Werbekunden bzw. deren Mediaagenturen die verschiedenen Werbeträger bzw. Mediengat-
tungen hauptsächlich komplementär und weniger alternativ einsetzen.  

64.  Vor diesem Hintergrund kann davon ausgegangen werden, dass für die Bereitstellung 
von Werberaum bzw. Werbezeit in unterschiedlichen Mediengattungen im Grundsatz immer 
noch  gilt,  was  von  der  WEKO,  dem  Bundesverwaltungsgericht  und  dem  Bundesgericht  im 
Fall  «Publigroupe»  festgestellt  wurde,  dass  nämlich  aus  der  Perspektive  der Werbekunden 
bzw. deren Mediaagenturen die verschiedenen Mediengattungen – entsprechend der ständi-
gen Praxis der WEKO66 – nicht austauschbar sind und insbesondere auch Werbezeit im Ra-
dio kein hinreichendes Substitut zu Werbezeit im TV darstellt und umgekehrt. 

65.  Davon abgeleitet ist auch die Vermittlung von Werberaum bzw. Werbezeit in einer be-
stimmten Mediengattung (z. B. Radio) kein hinreichendes Substitut zur Vermittlung von Wer-
beraum  bzw. Werbezeit  in  einer  anderen  Mediengattung  (z. B. TV),  so  dass  es  sich  um je-
weils  gesonderte  Vermittlungsmärkte  handelt:  Bildet  nämlich  beispielsweise  TV-Werbung 
Bestandteil der Werbestrategie bzw. des Medien-Mixes eines Werbekunden, muss sich die-
ser  bzw.  dessen  Mediaagentur  für  den  Kauf  von  Werbezeit  zwingend  an  einen  TV-
Vermarkter  wenden  und  kann  nicht  alternativ  auf  die  Dienste  von  Radiowerbevermittlern  
oder  Vermittlern  von  Inserate-  und  Werberaum  in  Printmedien  ausweichen.  Es  kann  somit 
davon ausgegangen werden, dass die Vermittlung von Werbezeit im Radio – ebenso wenig 
wie  die  Vermittlung  von  Inserate-  und Werberaum  in  Printmedien  oder  die  Vermittlung  von 
Onlinewerbeflächen – ein hinreichendes Substitut für die Vermittlung von TV-Werbezeit dar-
stellt  und  umgekehrt.  Hinsichtlich  der  Angebotsumstellungsflexibilität  ist  anzumerken,  dass 
zwar  davon  ausgegangen  werden  kann,  dass  ein  TV-Vermarkter  in  relativ  kurzer  Zeit  und 
ohne  grosse  Investitionen  auch  als  Radiowerbevermittler  tätig  werden  könnte.  Demgegen-
über  dürfte  es  für  einen  Radiowerbevermittler  jedoch  aufgrund  des  Systems  der  Exklusiv-
vermarktung  im  Bereich der TV-Werbung  (vgl.  Rz 17)  und  der mehrjährigen  Vermarktungs-
verträge67 kaum möglich sein, kurzfristig und ohne zusätzliche Kosten und Risiken in das TV-
Vermarktungsgeschäft einzusteigen. 

65 […]-Studie Werbefenster Schweiz 2012 (Fn 23), S. 24 und 36 f. 

66 Vgl. statt vieler RPW 2009/3, 267, Rz 147, Rz 158, Rz 169 und Rz 172, Tamedia/PPSR. 

67 […]. 

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17 

 
 
 
 
 
                                                
66.  Aus  den  obgenannten  Gründen  erscheint  es  vorliegend  als  sachgerecht,  dass  die 
Vermittlung  von  TV-Werbezeit  und  die  Vermittlung  von  Radiowerbezeit  unterschiedlichen 
sachlich relevanten Märkten zugewiesen werden und nicht von einem audiovisuellen Werbe-
vermittlungsmarkt (vgl. Rz 55) ausgegangen wird.  

67.  Hinsichtlich  der  Vermittlung  von  TV-Werbezeit für  die  Schweiz  geht  aus  der  Marktbe-
fragung  hervor,  dass  TV-Werbung  in  der  Regel  im  Rahmen  von  nationalen Werbekampag-
nen geschaltet wird, die fast immer sowohl über die öffentlich-rechtlichen als auch über die 
privaten  TV-Sender  lanciert  werden. Während  die  privaten TV-Sender grundsätzlich  besser 
geeignet  seien,  um  ein  jüngeres  Zielpublikum  zu  erreichen,  seien  die  öffentlich-rechtlichen 
Sender der SRG besser geeignet, um ein älteres Zielpublikum anzusprechen. Es kann somit 
davon ausgegangen werden, dass nationale TV-Werbekampagnen in der Regel komplemen-
tär  sowohl  über  öffentlich-rechtliche  als  auch  über  private  TV-Sender  gebucht  werden,  um 
ein (bezogen auf das Alter der Zuschauer) möglichst breites Zielpublikum zu erreichen. Auch 
die  vorstehend  erwähnte  Studie  zur  Bedeutung  von  Werbefenstern  im  Schweizer  TV-
Werbemarkt  hält  fest,  dass  das  Fernsehen  seine  Stellung  als  Hauptwerbemedium,  mit  Ge-
samtreichweiten von 70 bis 80 % in breit angelegten Zielgruppen, nur durch die wechselsei-
tige  Kombination  der  Reichweiten  der  SRG-Programme  und  der  Werbefenster  behaupten 
könne.68  Aufgrund  dieser  Komplementarität  ist  es  zumindest  denkbar,  dass  die  Vermittlung 
von TV-Werbezeit in den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern der SRG einem anderen sachli-
chen  Markt  zuzuordnen  ist  als  die  Vermittlung  von  TV-Werbezeit  in  den  Schweizer Werbe-
fenstern  von  privaten  ausländischen  TV-Sendern  oder  den  privaten  inländischen  TV-
Sendern.69  Die  definitive  sachliche  Marktabgrenzung  betreffend  die  Vermittlung  von  TV-
Werbezeit für die Schweiz kann an dieser Stelle jedoch offengelassen werden. Wie nachfol-
gend aufgezeigt wird, hat die [Unternehmensgruppe] von sich aus Massnahmen zur Verhin-
derung  von  Wettbewerbsbeschränkungen  bei  der  Vermarktung  bzw.  Vermittlung  von  TV- 
und  Radiowerbezeit  getroffen  und  zusätzlich  gegenüber  dem  Sekretariat  eine  Verpflich-
tungserklärung  betreffend  ihr  zukünftiges  Verhalten  in  diesem  Bereich  abgegeben.  Vor  die-
sem Hintergrund rechtfertigt es sich nach Ansicht des Sekretariats insgesamt nicht, weitere 
aufwendige  Abklärungen  betreffend  die  Marktabgrenzung  im  Bereich  der  Vermittlung  bzw. 
des Verkaufs von TV-Werbezeit für die Schweiz vorzunehmen, zumal es selbst bei einer en-
gen Marktabgrenzung fraglich ist, ob die [Unternehmensgruppe] bzw. [B] im relevanten Zeit-
raum (2005 bis 2009) tatsächlich marktbeherrschend gewesen sein könnte (vgl. Rz 154 ff.).  

68.  Hinsichtlich der Vermittlung von Radiowerbezeit für die Schweiz geht aus der Marktbe-
fragung  hervor,  dass  nationale  bzw.  national  verbreitete  Radiowerbung  überwiegend  über 
Vermittler,  lokale  und regionale  bzw.  regional  verbreitete Werbung  dagegen  vorwiegend  di-
rekt  bei  den  einzelnen  Radiosendern (oder regionalen  Radiowerbepools) gebucht  wird  (vgl. 
Rz 29).  Dies  lässt  den  Schluss  zu,  dass  einerseits  für  nationale  Werbekunden  bzw.  deren 
Mediaagenturen  die  Direktbuchung  bei  mehreren  Radiosendern  in  der  Regel  kein  hinrei-
chendes Substitut zur Buchung über einen Vermittler darstellt und andererseits für lokale o-
der regionale Werbekunden die Buchung über einen Vermittler nicht als gangbare Alternative 

68 […]-Studie Werbefenster Schweiz 2012 (Fn 23) , S. 37 f.  

69 Ebenfalls denkbar wäre es, in Analogie zur ständigen Praxis der WEKO im Bereich der Bereitstel-
lung von TV-Werbezeit (vgl. statt vieler RPW 2009/3, 267, Rz 172, Tamedia/PPSR), den Markt für die 
Vermittlung bzw. den Verkauf von TV-Werbezeit für die Schweiz weiter in einen Markt für die Vermitt-
lung bzw. den Verkauf von nationaler TV-Werbezeit für die Schweiz sowie in weitere Märkte für die 
Vermittlung bzw. den Verkauf von regionaler bzw. lokaler TV-Werbezeit für die Schweiz zu unterteilen. 
Diese Unterscheidung kann für das vorliegende Verfahren indes unterbleiben, da in der Schweiz mit 
regionaler und lokaler TV-Werbung vergleichsweise geringe Werbeumsätze generiert werden und 
diese für die Beurteilung der Marktstellung der [Unternehmensgruppe] nicht ins Gewicht fallen dürften. 

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18 

 
 
 
 
 
                                                
zu einer Direktbuchung beim gewünschten Radiosender erscheint.70 In Analogie zur ständi-
gen Praxis der WEKO im Bereich der Bereitstellung von Radiowerbezeit71 erscheint deshalb 
vorliegend  als  sachgerecht,  zwischen  einem  sachlichen  Markt  für  die  Vermittlung  bzw.  den 
Verkauf von nationaler Radiowerbezeit für die Schweiz und weiteren sachlichen Märkten für 
die  Vermittlung  bzw.  den  Verkauf  von  lokaler  resp.  regionaler  Radiowerbezeit  für  die 
Schweiz  zu  unterscheiden.72  Ausgehend  von  der  Tätigkeit  von  [E]  als  Vermittlerin  von  Ra-
diowerbezeit ist für die vorliegende Vorabklärung vor allem der sachliche Markt für die Ver-
mittlung bzw. den Verkauf von nationaler Radiowerbezeit für die Schweiz relevant. 

B.3.1.1.2.  Räumlich relevante Märkte 

69.  Der räumlich relevante Markt umfasst das Gebiet, in welchem die Marktgegenseite die 
den sachlichen Markt umfassenden Waren oder Leistungen nachfragt oder anbietet (Art. 11 
Abs. 3 Bst. b VKU).  

Praxis der WEKO 

70.  Die  WEKO  grenzte  den  Markt  für  die  Vermittlung  von  TV-,  Radio-  und  Kinowerbung 
(sog.  audiovisueller  Werbevermittlungsmarkt)  in  ihrer  bisherigen  Praxis  national  ab,  wobei 
die  definitive  Marktabgrenzung  (eventuell  weitere  Unterteilung  nach  Sprachregionen)  offen-
gelassen  wurde.73  Betreffend  den  Markt  für  die  Vermittlung  und  den  Verkauf  von  Inserate- 
und Werberaum in Printmedien sowie auch den Markt für die Vermittlung von Onlinewerbe-
flächen wurde jeweils von nationalen Märkten ausgegangen.74 

Ausführungen der [Unternehmensgruppe] 

71.  Mit  Blick  auf  die  räumliche  Marktabgrenzung  führt  die  [Unternehmensgruppe]  in  ihrer 
Stellungnahme auf das Auskunftsersuchen des Sekretariats im Wesentlichen aus, dass eine 
Aussage  zur  Herkunft  der  Kunden  nicht  möglich  sei,  weil  im  Fragebogen  das  Kriterium  für 
eine  Unterteilung  in  Schweizer  Kunden  und  ausländische  Kunden  fehle.  So  sei  fraglich,  ob 
ein internationaler Konzern, der via seine Mediaagentur in der Schweiz buche, ein internatio-
naler  Kunde  sei.  Es  frage  sich  ferner,  ob  ein  international  tätiges  Schweizer  Unternehmen, 
das  den ganzen Werbeetat  durch  eine  internationale  Mediaagentur  vergebe,  ein  Schweizer 
Kunde sei. So lasse […] ihr Werbebudget durch eine Agentur in London buchen. Die beilie-
gende  Übersicht  zeige,  dass  […] %  der  TV-Werbekunden  von  [B]  aus  […]  Ländern  aus-
serhalb der Schweiz stammen.75 

70 Offengelassen werden kann, ob allenfalls die Direktbuchung bei einem sprachregionalen oder 
sprachraumübergreifenden Radiowerbepool wie dem «[…]» (vgl. Fn 36) oder über die neue Bu-
chungsplattform der [P] (vgl. Fn 37 und Rz 86) für nationale Werbekunden bzw. deren Mediaagentu-
ren ein hinreichendes Substitut zur Buchung über einen unabhängigen Vermittler darstellt.  

71 Vgl. statt vieler RPW 2009/3, 267, Rz 169, Tamedia/PPSR. 

72 Vgl. auch Beschluss des BKartA vom 15.8.2001, B6-127/99 RMS Radio Marketing Service GmbH & 
Co. KG, 15.  

73 RPW 2007/1, 114 Rz 16, Tamedia AG/Radio Basel 1 Werbe AG/Radio Regenbogen¸ RPW 2007/4, 
615 Rz 105, Tamedia AG/Espace Media Groupe; RPW 2009/3, 268 Rz 184, Tamedia/PPSR; RPW 
2013/3, 396 Rz 50, PubliGroupe/S1TV.  

74 RPW 2014/2, 428 Rz 50, Aurelius/Publicitas; RPW 2013/3, 354 Rz 39, Tamedia AG/PPN AG.  

75 Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012, Frage 5. 

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Räumliche Marktabgrenzung im vorliegenden Fall 

72. 
[B] vermarktet Schweizer Werbefenster von ausländischen privaten TV-Sendern sowie 
Werbezeit  in  inländischen  Privatsendern.  [E]  vermittelt  Werbezeit  von  sämtlichen  in  der 
Schweiz terrestrisch empfangbaren Privatradiosendern. Die Werbekunden bzw. deren Medi-
aagenturen fragen – unabhängig davon, wo sie domiziliert sind bzw. ob es sich um ein ledig-
lich in der Schweiz tätiges oder aber ein international tätiges Unternehmen handelt – bei [B] 
bzw. [E] TV- und Radiowerbezeit für die Schweiz bzw. für ein Schweizer Zielpublikum nach. 
Mit  Blick  auf  die  räumliche  Marktabgrenzung  ist  anzumerken,  dass  sämtliche  derzeit  im 
Markt aktiven Vermarkter bzw. Vermittler von TV- und Radiowerbezeit für die Schweiz in der 
Schweiz  domiziliert  sind.  Ungeachtet  dieser Tatsache  erscheint  es  aber als  wahrscheinlich, 
dass ein Werbekunde, der ein Schweizer Zielpublikum erreichen möchte, bzw. dessen Medi-
aagentur  die  Dienstleistung  der  Vermarktung  bzw.  Vermittlung  von  hierfür  notwendiger  TV- 
oder  Radiowerbezeit  auch  bei  einem  nicht  in  der  Schweiz  ansässigen  Anbieter  nachfragen 
würde. Da, wie erwähnt, alle derzeit relevanten Vermarkter bzw. Vermittler von TV- und Ra-
diowerbezeit  für  die  Schweiz  auch  hier  ansässig  sind,  kann  es  vorliegend  offengelassen 
werden, ob die sachlich relevanten Märkte national oder supranational abzugrenzen sind.  

B.3.1.1.3.  Zwischenergebnis 

73.  Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Rahmen der vorliegenden Vor-
abklärung von  

•  einem  Markt  für  die  Vermittlung  bzw.  den  Verkauf  von  TV-Werbezeit  für  die  Schweiz 
oder alternativ einem Markt für die Vermittlung bzw. den Verkauf von TV-Werbezeit für 
die Schweiz in Privatsendern (Schweizer Werbefenster von privaten ausländischen TV-
Sendern und private inländische TV-Sender); sowie 

•  einem  Markt  für  die  Vermittlung  bzw.  den  Verkauf  von  nationaler  Radiowerbezeit  für 

die Schweiz 

als  relevante  Märkte  ausgegangen  wird,  wobei  die  definitiven  sachlichen  und  räumlichen 
Marktabgrenzungen im Sinne der obigen Erwägungen offengelassen werden.  

74.  Wie in Rz 67 angemerkt, kann namentlich die definitive sachliche Marktabgrenzung be-
treffend die Vermittlung von TV-Werbezeit für die Schweiz im Rahmen der vorliegenden Vor-
abklärung offengelassen werden. 

B.3.1.2 

Marktstellung 

75.  Nach der Abgrenzung der relevanten Märkte gilt es nachfolgend zu prüfen, ob die [Un-
ternehmensgruppe]  mit  ihren  Tochtergesellschaften  [B]  und  [E]  möglicherweise  eine  markt-
beherrschende Stellung in diesen Märkten einnimmt.  

B.3.1.2.1.  Im Bereich der Vermittlung bzw. des Verkaufs von TV-Werbezeit für die 

Schweiz 

Aktuelle Konkurrenz 

76.  Wie erwähnt, werden die Werbemöglichkeiten in den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern 
der SRG durch deren Vermarktungstochter [F] kommerzialisiert. Die Schweizer Werbefens-
ter  sowie  die  inländischen  sprachregionalen  Privatsender  werden  dagegen  hauptsächlich 
durch [B] vermarktet (vgl. Fn 8 und 9). Als TV-Vermarkter sind daneben namentlich noch [G], 
[H] und [I] tätig (vgl. Rz 18).  

77.  Bei Abgrenzung eines (einheitlichen) Marktes für die Vermittlung bzw. den Verkauf von 
TV-Werbezeit  für  die  Schweiz  ist  von  einer  oligopolistischen  Marktstruktur  mit  den  beiden 

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20 

 
 
 
 
 
führenden  Anbietern  [F]  und  [B]  auszugehen.  Gemessen  am  TV-Netto-Werbeumsatz  (vgl. 
Rz 8 und 12) dürften [F] und [B] zusammen einen Marktanteil von rund [80-100] % auf sich 
vereinigen, wobei [F] der (leicht) gewichtigere Oligopolist sein dürfte. Es kann somit von ei-
ner sehr starken Stellung sowohl von [F] als auch von [B], jedoch eher nicht von einer markt-
beherrschenden Stellung von [B] allein ausgegangen werden.  

78.  Bei Abgrenzung eines separaten Marktes für die Vermittlung bzw. den Verkauf von TV-
Werbezeit für die Schweiz in Privatsendern (Schweizer Werbefenster von privaten ausländi-
schen TV-Sendern und private inländische TV-Sender) würde [B] derzeit gemessen am TV-
Netto-Werbeumsatz (vgl. Rz 8 und 12) einen Marktanteil von gegen [80-90] % auf sich verei-
nigen, und es wäre damit wohl von einer marktbeherrschenden Stellung von [B] auszugehen. 
Bis Ende 2010 dürfte hingegen von der [H], die bis dahin die Werbefenster von […] und […] 
sowie  von  […]  vermarktete  (vgl.  Fn 26),  ein  nicht  zu  vernachlässigender Wettbewerbsdruck 
auf  [B]  ausgegangen  sein.  Dass  –  wie  aus  den  von  der  [Unternehmensgruppe]  gemachten 
Angaben  ersichtlich  wird  –  [B]  ihren  Umsatz  mit  dem  Verkauf  von  TV-Werbezeit  für  die 
Schweiz im Jahr 2011 massiv steigern und ihren Marktanteil im Bereich der Vermittlung bzw. 
dem Verkauf von TV-Werbezeit für die Schweiz in Privatsendern von rund [50-70] % auf rund 
[80-90] % erhöhen konnte, dürfte denn auch vorab mit der Übernahme der Vermarktung der 
Werbefenster  von  […]  und  […]  sowie  von  […]  von  [H]  zusammenhängen.  Als  private  TV-
Vermarkter sind heute – wie erwähnt – neben [B] namentlich noch [G], [H] und [I] tätig (vgl. 
Rz 76).  

79.  Zusammenfassend  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  [B]  auf  einem  eng  abge-
grenzten  Markt  für  die  Vermittlung  bzw.  den  Verkauf  von  TV-Werbezeit  für  die  Schweiz  in 
Privatsendern  zumindest  seit  2011  über  eine  marktbeherrschende  Stellung  verfügt  haben 
und auch heute noch marktbeherrschend sein könnte. 

Potenzielle Konkurrenz 

80.  Mit  Blick  auf  die  beschränkte  Marktgrösse  der  Schweiz  ist  nicht  davon  auszugehen, 
dass in naher Zukunft weitere TV-Vermarkter in den Markt eintreten werden. Von den beste-
henden privaten TV-Vermarktern [G], [H] und [I]  dürfte aufgrund ihres beschränkten Sender-
portfolios (vgl. Rz 76) in naher Zukunft nur ein geringer Wettbewerbsdruck auf [B] ausgehen. 
Jene müssten  mit  der  Vermarktung  einiger  weiterer  Privatsender  bzw. Werbefenster  beauf-
tragt werden, um in der Vermittlung von TV-Werbezeit für die Schweiz an Bedeutung zu ge-
winnen und eine disziplinierende Wirkung auf das Verhalten der [B] ausüben zu können. An-
zumerken ist zudem, dass nicht davon auszugehen ist, dass die SRG-Vermarktungstochter 
[F] zukünftig auch als Vermarkterin von Schweizer Werbefenstern privater ausländischer TV-
Sender  oder  von  privaten  inländischen  TV-Sendern  aktiv  werden  wird.  Im  Übrigen  ist  auch 
kein  Trend  Richtung  Eigenvermarktung  der  TV-Sender  auszumachen,  der  sich  disziplinie-
rend auf das Verhalten der [B] auswirkt. Es kann davon ausgegangen werden, dass derzeit 
keine genügend starke potenzielle Konkurrenz besteht, die eine disziplinierende Wirkung auf 
das Verhalten von [B] auf einem eng abgegrenzten Markt für die Vermittlung bzw. den Ver-
kauf von TV-Werbezeit für die Schweiz in Privatsendern ausüben könnte.  

B.3.1.2.2.  Im Bereich der Vermittlung bzw. des Verkaufs von nationaler 

Radiowerbezeit für die Schweiz 

Aktuelle Konkurrenz 

81.  Als  Vermittler  sind  neben  [E]  derzeit  namentlich  noch  [L],  [M]  und  [N]  tätig.  Bis  Ende 
2010 war zudem [O], die Mitte 2006 von [H] übernommen worden war, als Radiowerbever-
mittlerin aktiv (vgl. Rz 28). Anzumerken ist auch, dass bis Ende 2010 mit dem «[…]» ein na-
tionaler  sprachraumraumübergreifender  Radiowerbepool  bestand,  der  von  [J]  vermarktet 
wurde (vgl. Rz 26 und Fn 36).  

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21 

 
 
 
 
 
82.  Aus den von der [Unternehmensgruppe] gemachten Angaben und eingereichten Unter-
lagen kann geschlossen werden, dass [B] bzw. (seit Mitte 2013) [E] (vgl. Rz 5) spätestens im 
Jahr 2007 zur bis dahin marktführenden [O] aufgeschlossen hatte und ihren Marktanteil seit-
her  weiter  kontinuierlich  steigern  konnte.  Dies  insbesondere  zulasten  der  [O],  die  ihre  Ge-
schäftstätigkeit – wie erwähnt – Ende 2010 aufgab. Die Marktbefragung hat zudem ergeben, 
dass die übrigen Radiowerbevermittler nur eine untergeordnete Rolle in der nationalen Radi-
owerbevermittlung spielen und kaum disziplinierend auf das Verhalten der [E] einwirken kön-
nen.  Anzumerken  ist  zudem,  dass  in  den  öffentlich-rechtlichen  Radioprogrammen  der  SRG 
die  Ausstrahlung  von  klassischen  Radiowerbespots  verboten  und  nur  das  Sponsoring  von 
Radiosendungen erlaubt ist (vgl. Rz 25). Von der [F] dürfte folglich ebenfalls nur eine geringe 
disziplinierende Wirkung auf [E] ausgehen. 

83.  Zusammenfassend kann davon ausgegangen werden, dass [B] bzw. (seit Mitte 2013) 
[E]  zumindest  seit  2011  über  eine  marktbeherrschende  Stellung  verfügt  haben  und  auch 
heute  noch  marktbeherrschend  sein  könnte.  Bis  2010  dürfte  hingegen  von  der  ehemaligen 
Marktführerin  [O]  sowie  unter  Umständen  auch  dem  sprachraumübergreifenden  Radiower-
bepool «[…]» ein gewisser Wettbewerbsdruck auf [B] ausgegangen sein.  

Potenzielle Konkurrenz 

Im  Zusammenhang  mit  der  Frage  der  potenziellen  Konkurrenz  führt  die  [Unterneh-
84. 
mensgruppe]  in  ihrer  Stellungnahme  auf  das  Auskunftsersuchen  des  Sekretariats  im  We-
sentlichen  aus,  dass  der  Online-  wie  auch  der  Radiovermittlungsmarkt  praktisch  keine  Ein-
trittsbarrieren  kenne.  Es  brauche  –  abgesehen  vom  Knowhow  und  den  technischen  Stan-
dardtools – praktisch keine Investitionen. Man gehe mit Blick auf die Entwicklung in den letz-
ten  Jahren  von  Marktzutritten  aus.  So  würde  [G] gegenwärtig  die  drei  Radio  […]  Sender  in 
Zürich,  Basel  und  Bern  beherrschen  und  könne  als  einziger  Marktteilnehmer  ein  Angebot 
über  drei  wichtige  Agglomerationen  in  der  Schweiz  aus  einer  Hand  anbieten.  Bezeichnen-
derweise vermarkte [G] die drei Sender selber. Zusammen mit der bekannten Strategie von 
[G], die gesamte Wertschöpfungskette nicht nur auf der Stufe der Medien, sondern auch im 
gesamten  Entertainmentbereich  abzudecken,  erwarte  man  einen  sehr  starken  neuen  Play-
er.76 

85.  Aus der Marktbefragung geht hervor, dass die Mehrheit der Mediaagenturen und Radi-
osender nicht mit Markteintritten von weiteren Vermittlern rechnet. Einige wenige der befrag-
ten Mediaagenturen und Radiosender halten es hingegen für möglich, dass [G] – neben der 
Vermarktung  der  eigenen  Radiosender  –  auch  in  der  Vermittlung  von  Radiowerbezeit  in 
Drittsendern aktiv werden könnte. Trotz den von der [Unternehmensgruppe] angeführten tie-
fen  Marktzutrittsschranken  ist  es  in  den  letzten  Jahren  nicht  zu  Markteintritten  von  Vermitt-
lern gekommen. [E] hat sich auf dem Markt etabliert und dürfte gegenüber [G] insofern über 
einen  Wettbewerbsvorteil  verfügen,  als  sie  namentlich  mit  [B]  im  Bereich  der  TV-
Vermarktung  aber  auch  mit  [C]  im  Bereich  Vermittlung  von  Onlinewerbevermittlung  über 
starke konzernverbundene Partnerinnen im Bereich der Vermarktung elektronischer Medien 
verfügt  und  so  von  gewissen  Synergieeffekten  profitieren  dürfte.  [G]  vermarktet  hingegen 
derzeit – neben dem 2013 lancierten eigenen Musiksender […] – nur das Schweizer Werbe-
fenster des französischen TV-Senders […] und dürfte als potenzielle Konkurrentin im Bereich 
Radiowerbevermittlung demzufolge wohl kaum von vergleichbaren Synergieeffekten profitie-
ren können. Folglich kann davon ausgegangen werden, dass auch von [G] in naher Zukunft 
nur ein geringer potenzieller Wettbewerbsdruck auf [E] ausgeht.  

86. 
Inwiefern  sich  [P],  die  im  Herbst  2014  von  acht  Deutschschweizer  Privatradios  zur 
Vermarktung deren Werbezeit gegründet wurde (vgl. Fn 37), im Bereich der Vermittlung bzw. 

76 Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012.  

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22 

 
 
 
 
 
                                                
des  Verkaufs  von  nationaler  Radiowerbezeit  für  die  Schweiz  wird  etablieren  können,  wird 
sich zeigen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Vermarktung der beteiligten 
Radiosender  durch  [P]  zumindest  in  naher  Zukunft  nicht  genügend  disziplinierend  auf  das 
Verhalten der [E] auswirken wird, zumal die [P] gemäss eigenen Angaben eine offen buchba-
re  Buchungsplattform  anbietet  und  sich  als  Ergänzung  zu  den  bestehenden  Marktpartnern 
versteht.77 

87.  Zusammenfassend  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  derzeit  keine  genügende 
potenzielle Konkurrenz bestehen dürfte, die eine disziplinierende Wirkung auf das Verhalten 
der [E] ausüben könnte.  

B.3.1.3 

Zwischenergebnis 

88. 
Im  Ergebnis  kann  festgehalten  werden,  dass  aufgrund  der  vorläufigen  Analyse  der 
Marktverhältnisse  im  Rahmen  der  Vorabklärung  Anhaltspunkte  bestehen,  wonach  die  [Un-
ternehmensgruppe] mit ihren Tochtergesellschaften [B] und [E] auf einem eng abgegrenzten 
Markt für die Vermittlung bzw. den Verkauf von TV-Werbezeit für die Schweiz in Privatsen-
dern sowie auf dem Markt für die Vermittlung bzw. den Verkauf von nationaler Radiowerbe-
zeit  für  die  Schweiz  zumindest  seit  2011  über  eine  marktbeherrschende  Stellung  im  Sinne 
von Art. 4 Abs. 2 KG verfügt.  

Im Folgenden wird demnach geprüft, ob Anhaltspunkte für den Missbrauch dieser all-

89. 
fälligen marktbeherrschenden Stellung im Sinne von Art. 7 KG vorliegen.  

B.3.2  Möglicherweise unzulässige Verhaltensweisen 

90.  Marktbeherrschende  Unternehmen  verhalten  sich  unzulässig,  wenn  sie  durch  den 
Missbrauch  ihrer  Stellung  auf  dem  Markt  andere  Unternehmen  in  der  Aufnahme  oder  Aus-
übung  des  Wettbewerbs  behindern  oder  die  Marktgegenseite  benachteiligen  (Art. 7  Abs. 1 
KG). 

91. 
In  Art. 7  Abs. 2  KG  hat  der  Gesetzgeber  eine  nicht  abschliessende  Liste  von  Verhal-
tensweisen aufgestellt, die das Verbot von Art. 7 Abs. 1 KG veranschaulichen bzw. konkreti-
sieren  soll.78  Ob  die  darin  aufgeführten  Verhaltensweisen  missbräuchlich  sind,  ist  –  wie  es 
das  Bundesgericht  im  Fall  «Publigroupe»  ausgeführt  hat  –  im  Zusammenhang  mit  Art. 7 
Abs. 1 KG zu beurteilen. Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine Verhaltensweise nach Art. 7 
Abs. 2  KG  eine  Behinderung  bzw.  Benachteiligung  im  Sinne  des  Art. 7 Abs. 1  KG  darstellt. 
Insofern  indizieren  die  Tatbestände  von  Art. 7  Abs. 2  KG  nicht  per  se  eine  unzulässige 
Verhaltensweise, weshalb anhand des dualen Prüfungsmuster zu eruieren ist, ob unzulässi-
ges  Verhalten  vorliegt:  In  einem  ersten  Schritt  sind  die  Wettbewerbsverfälschungen  (d.  h. 
Behinderung  bzw.  Benachteiligung  von  Marktteilnehmern)  herauszuarbeiten  und  in  einem 
zweiten  Schritt  mögliche  Rechtfertigungsgründe  (legitimate  business  reasons)  zu  prüfen. 
Unzulässiges Verhalten liegt dann vor, wenn kein sachlicher Grund für die Behinderung oder 
Benachteiligung bzw. Ausbeutung vorliegt. Daneben anerkennt die Lehre auch weitere Krite-
rien  wie  etwa  die  Behinderungs-  oder  Verdrängungsabsicht,  die  Schwächung  der  Wettbe-
werbsfähigkeit,  den  Nichtleistungswettbewerb  oder  die  normzweckorientierte  Interessenab-
wägung.79 

77 Vgl. Persoenlich.com vom 2.10.2014, <[www]> (27.10.2014).  

78 Vgl. Botschaft zum KG 1995, BBl 1995 468, 570.  

79 BGE 139 I 72, 104 E. 10.1.2 m. w. H. (= RPW 2013/1, 131 E. 10.1.2), Publigroupe SA et al./WEKO. 

32/2009/03411/COO.2101.111.3.103498  

23 

 
 
 
 
 
                                                
B.3.2.1 

Vereinbarungen über Rabatte bzw. Freespace im Bereich TV- und 

Radiowerbung 

92. 
In  ihrer  Stellungnahme  auf  das  Auskunftsersuchen  des  Sekretariats  gibt  die  [Unter-
nehmensgruppe]  an,  dass  sowohl  TV-  wie  auch  Radiosender  den Werbekunden  –  sei  dies 
direkt oder über eine entsprechende Vereinbarung mit der Mediaagentur des Werbekunden 
– Cash-Rabatte und Freespace80 gewähren.81 

93.  Die  [Unternehmensgruppe]  führt  zudem  aus,  dass  die  operativen  Gesellschaften  die 
Bereiche  TV,  Radio,  Digital  Out  of  Home,  Internet  und  Mobile  je  gesondert  vermitteln  bzw. 
vermarkten würden. Die zwingend getrennt zu erfolgende Vermarktung bzw. Vermittlung er-
gebe  sich  daraus,  dass  die  Preishoheit  bei  den  vertretenen  Medienunternehmen  liege.  [B] 
verkaufe stellvertretend für die TV- und Radiosender Werbezeit und erhalte dafür eine Kom-
mission. Dabei sei [B] an die Preisvorgaben des Senders gebunden. Ein TV-Sender bzw. ei-
ne Sendergruppe sei nicht daran interessiert, zugunsten von Radiosendern Preiskonzessio-
nen zu machen bzw. in crossmediale Deals einzusteigen. Eigentliche Cross-Media Angebote 
könne  [B]  deshalb  heute  nicht  unterbreiten.  [B]  könne  somit  Werbekunden  und  Agenturen 
nur  beraten  und  sensibilisieren,  einen  möglichst  optimalen  Werbemix  in  Erwägung  zu  zie-
hen.82  

94.  Zu  diesen  Ausführungen  der  [Unternehmensgruppe]  ist  Folgendes  anzumerken:  Die 
von der [Unternehmensgruppe] eingereichten Unterlagen deuten darauf hin, dass zumindest 
in  der  Vergangenheit  medienübergreifende  Rabatt-  bzw.  Freespace-Vereinbarungen  mit 
Werbekunden abgeschlossen worden sind.83 […].84 Es ist somit auch denkbar, dass die Un-
ternehmen  der [Unternehmensgruppe]  beim  Verkauf  von TV-  sowie  auch  Radiowerbezeit  – 
neben  der  Weitergabe  der  von  den  Sendern  festgelegten  Rabatt-  bzw.  Freespace-
Konditionen – Teile ihrer Vermarkter- bzw. Vermittlerkommission (vgl. Rz 23 und 30) als zu-
sätzliche  Rabatte  bzw.  Freespace  und  somit  den  Werbekunden  auch  Rabatte  bzw. 
Freespace auf eigene Rechnung gewähren. 

95.  Das Sekretariat hat deshalb von rund 30 Werbekunden und den befragten Mediaagen-
turen  detaillierte  Auskünfte  über  allfälligen  Rabatt-  bzw.  Freespace-Vereinbarungen  mit  [B] 
im Bereich TV- und Radiowerbung betreffend den Zeitraum 2004 bis 2012 einverlangt.  

B.3.2.1.1.  Vereinbarungen mit Werbekunden 

96.  Aus der Marktbefragung geht hervor, dass [B] mit Werbekunden, die über ein entspre-
chend hohes TV-Werbebudget verfügen, sog. «Kunden-Vereinbarungen» abschliesst. Darin 
werden  in  der  Regel  für  die  Dauer  eines  Jahres  auf  der  Basis  des  beabsichtigten  TV-
Investitionsvolumens in den von [B] vermarkteten TV-Sendern die Freespace-Konditionen für 
die Schaltung von Werbung in diesen Sendern festgelegt.85 Die Marktbefragung hat ergeben, 

80 Vgl. Fn 1. 

81 Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012, Frage 26.  

82 Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012, Fragen 4 und 5. 

83 Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012.  

84 Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012. 

85 Anzumerken ist, dass auch die SRG-Vermarktungstochter [F] entsprechende Rahmenvereinbarun-
gen mit Werbekunden abschliesst.  

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24 

 
 
 
 
 
                                                
dass seit 2011 dabei jeweils separate Vereinbarungen für die Sender der […]-Gruppe86, für 
die Sender der […]-Gruppe87 etc. abgeschlossen werden.  

97.  Die  von  einigen  namhaften  Werbekunden  eingereichten  Kunden-Vereinbarungen  be-
schränkten sich jedoch nicht nur auf die Festlegung der TV-Freespace-Konditionen, sondern 
enthielten auch Klauseln betreffend das Werbebudget in anderen Mediengattungen wie Ra-
dio,  Online  und  Adscreen88.  Es  handelt  sich  dabei  um  Vereinbarungen,  die  zwischen  2005 
und 2009 abgeschlossen wurden. Mit Blick auf eine mögliche Behinderung von Konkurrenten 
im  Bereich  der  Vermittlung  bzw.  des  Verkaufs  von  Radiowerbezeit  für  die  Schweiz  ist  das 
Sekretariat betreffend diese Vereinbarungen auf Folgendes aufmerksam geworden:  

Klausel zur medienübergreifenden Partnerschaft 

98.  Einige  dieser  Vereinbarungen  legten  zwar  nur  Freespace-Konditionen  in  den  von  [B] 
vermarkteten TV-Sendern fest, enthielten aber eine Klausel zur medienübergreifenden Part-
nerschaft, wonach sich die Werbekunden verpflichteten, einen Teil oder das gesamte Radi-
owerbebudget  sowie  teilweise  zusätzlich  noch  einen  Teil  oder  das  gesamte  Onlinewerbe-
budget exklusiv über [B] bzw. [Q]89 zu buchen. 

Medienübergreifendes Freespace-Angebot 

99.  Andere medienübergreifende Vereinbarungen enthielten neben Freespace-Konditionen 
für TV-Werbung  auch  separate,  umsatzabhängige  Rabatt-  und/oder  Freespace-Konditionen 
für  Radiowerbung  sowie  teilweise  zudem  auch  für  Adscreen-  und  Onlinewerbung.  Einem 
Werbekunden  unterbreitete  [B]  zusätzlich  noch  ein  medienübergreifendes  Freespace-
Angebot,  bei  welchem  der  Umsatz  mit  sämtlichen  Medien  und  Produkten  relevant  und  der 
Freespace anteilmässig auf den jeweiligen Medien zu beziehen war. 

Gewährung von Freespace im Radio wurde an eine Exklusivbuchungsverpflichtung geknüpft  

100.  In  einigen  Vereinbarungen  wurde  die  Gewährung  der  darin  vorgesehenen  umsatzab-
hängigen  Freespace-Konditionen  für  Radiowerbung  zudem  explizit  an  die  Bedingung  ge-
knüpft, dass das gesamte oder zumindest der überwiegenden Teil des Radiowerbevolumens 
exklusiv über [B] gebucht wurde. Es handelt sich dabei um Vereinbarungen, die alle im Jahr 
2009 abgeschlossen wurden. 

101.  Die zwischen 2010 und 2012 abgeschlossenen, eingereichten Kunden-Vereinbarungen 
(vgl.  Rz 96)  beschränkten  sich  auf  die  Festlegung  der  Freespace-Konditionen  für  TV-
Werbung und enthielten keine Klausel zur medienübergreifenden Partnerschaft (vgl. Rz 98), 
kein  medienübergreifendes  Freespace-Angebot  (vgl.  Rz 99)  und  keine  Exklusivbuchungs-
verpflichtung betreffend die Gewährung von Freespace im Radio (vgl. Rz 100) mehr. Die Er-
gebnisse  der  Marktbefragung  deuten  zudem  darauf  hin,  dass  im  Radiobereich  die  Rabatt- 
bzw. Freespace-Konditionen oft nicht mehr in schriftlichen Verträgen festgehalten werden.  

86 So […], […], […], […], […] und […].  

87 So […], […] und […].  

88 Vgl. Fn 18.  

89 Die [Unternehmensgruppe] beteiligte sich im Dezember 2003 zu […] % an der auf die Vermarktung 
von Internetwerbung spezialisierte [Q] und integrierte diese in die Gruppe. Im Mai 2007 übernahm die 
[Unternehmensgruppe] [Q] zu […] %. Im Oktober 2010 wurde [Q] in [C] umfirmiert (vgl. Fn 3 und 
Rz 6). 

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25 

 
 
 
 
 
                                                
Zielvereinbarung betreffend Rabatte und Freespace im Radio  

102.  Das  Sekretariat  ist  jedoch  auf  eine  Zielvereinbarung  für  das  Jahr  2012  aufmerksam 
geworden,  wonach  einem  Werbekunden  auf  der  Basis  eines  geplanten  Jahresradiowerbe-
umsatzes von rund [1,5-2,5] Mio. Franken ein Rabatt (inkl. BK90) in der Höhe von [20-30] % 
und  Freespace  in  der  Höhe  von  [5-15] %  eingeräumt  wurden.  Der  Werbekunde  hatte  An-
spruch auf den vereinbarten Rabatt bzw. Freespace im Radio, sofern mindestens [90-100] % 
des Zielumsatzes getätigt wurden. 

B.3.2.1.2.  Vereinbarungen mit Mediaagenturen 

103.  Die Ergebnisse der Marktbefragung deuten darauf hin, dass auf Agenturebene mit ge-
wissen  Mediaagenturen  Vereinbarungen  über  Rabatt-  bzw.  Freespace-Konditionen  beste-
hen, von welchen diejenigen Werbekunden profitieren, die über ein zu geringes Werbeinves-
titionsvolumen für den Abschluss einer kundenspezifischen Vereinbarung verfügen.  

104.  Aus den von der [Unternehmensgruppe] eingereichten Unterlagen geht jedoch hervor, 
dass  [B]  den  Fokus  auf  (direkte)  Vereinbarungen  mit  Werbekunden  gelegt  hat,  […].  […].91 
Vor  diesem  Hintergrund hat  das  Sekretariat  den Fokus  der  Vorabklärung  auf  die  Vereinba-
rungen mit Werbekunden, d. h. auf die vorstehend angesprochenen Kunden-Vereinbarungen 
gelegt. Anzumerken ist jedoch, dass die von der [Unternehmensgruppe] im Rahmen der vor-
liegenden Vorabklärung gegenüber dem Sekretariat abgegebene Verpflichtungserklärung im 
Sinne von Art. 26 Abs. 2 KG auch für Jahres- und andere Rahmenvereinbarungen über Ra-
batte bzw. Freespace mit Mediaagenturen gilt (vgl. Rz 156).  

B.3.2.1.3.  Ergebnis 

105.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  gemäss  den  Ergebnissen  der 
Marktbefragung  [B]  im  Zeitraum  von  2005  bis  2009  mit  einigen  namhaften  Werbekunden 
Kunden-Vereinbarungen  abgeschlossen  hat,  die  sich  nicht  nur  auf  die  Festlegung  der  TV-
Freespace-Konditionen  beschränkten,  sondern  auch  Klauseln  betreffend  das  Werbebudget 
in anderen Mediengattungen (Radio, Online und Adscreen) enthielten.  

106.  Einige  dieser  Vereinbarungen  legten  zwar  nur  Freespace-Konditionen  in  den  von  [B] 
vermarkteten TV-Sendern fest, enthielten aber eine Klausel, wonach sich die Werbekunden 
verpflichteten,  einen  Teil  oder  das  gesamte  Radiowerbebudget  sowie  teilweise  zusätzlich 
noch einen Teil oder das gesamte Onlinewerbebudget exklusiv über [B] bzw. [Q] zu buchen 
(vgl. Rz 98).  

107.  Andere  Vereinbarungen  enthielten  neben  Freespace-Konditionen  für  TV-Werbung 
auch separate, umsatzabhängige Rabatt- und/oder Freespace-Konditionen für Radio- sowie 
teilweise zudem noch für Adscreen- und Onlinewerbung. Einem Werbekunden wurde dabei 
zusätzlich noch ein medienübergreifendes Freespace-Angebot unterbreitet, bei welchem der 
Umsatz mit sämtlichen Medien und Produkten relevant und der Freespace anteilmässig auf 
den jeweiligen Medien zu beziehen war (vgl. Rz 99).  

108.  In  einigen  dieser  medienübergreifenden  Vereinbarungen  wurde  schliesslich  die  Ge-
währung  der  darin  vorgesehenen  umsatzabhängigen  Freespace-Konditionen  für  Radiower-
bung  explizit  an  die  Bedingung  geknüpft,  dass  das  gesamte  oder  zumindest  der  überwie-
genden Teil des Radiowerbevolumens exklusiv über [B] gebucht wurde. Es handelt sich da-
bei um Vereinbarungen, die alle im Jahr 2009 abgeschlossen wurden (vgl. Rz 100). 

90 Vgl. Rz 22.  

91 Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012. 

32/2009/03411/COO.2101.111.3.103498  

26 

 
 
 
 
 
                                                
109.  In  Anbetracht  der  eingereichten  Kunden-Vereinbarungen,  die  ab  2010  abgeschlossen 
wurden  (vgl.  Rz 101),  sowie  der  von  der  [Unternehmensgruppe]  gemachten  Angaben  und 
eingereichten  Unterlagen  (vgl.  Rz 93  f.)  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  ab  2010 
keine  solchen  Vereinbarungen  mehr  abgeschlossen  wurden  und  die  Rabatt-  bzw. 
Freespace-Konditionen  im  TV  und  Radio  seither  in  separaten  Vereinbarungen  festgelegt 
werden. 

110.  Das Sekretariat ist jedoch auf eine für das Jahr 2012 getroffene Zielvereinbarung auf-
merksam geworden, wonach einem Werbekunden Rabatte und Freespace im Radio auf der 
Basis des geplanten Jahresradiowerbeumsatzes (nachfolgend: Zielumsatz) eingeräumt wur-
den (vgl. Rz 102).  

111.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  sich  die  [Unter-
nehmensgruppe]  bzw.  deren  Tochtergesellschaft  [B]  durch  den  Abschluss  der  erwähnten 
Vereinbarungen missbräuchlich im Sinne von Art. 7 KG verhalten hat. Betreffend die Klausel 
zur  medienübergreifenden  Partnerschaft  (vgl.  Rz 98)  sowie  das  medienübergreifende 
Freespace-Angebot  (vgl.  Rz 99)  könnte  namentlich  eine  Koppelung  im  Sinne  von  Art. 7 
Abs. 2  Bst. f  KG  vorliegen.  Die  Exklusivbuchungsverpflichtungen  betreffend  die  Gewährung 
von  Freespace  im  Radio  (vgl.  Rz 100)  sowie  die  Zielvereinbarung  über  Rabatte  und 
Freespace im Radio (vgl. Rz 102) könnten dagegen namentlich zu einer Einschränkung der 
Erzeugung,  des  Absatzes  oder  der  technischen  Entwicklung  im  Sinne  von  Art. 7  Abs. 2 
Bst. e KG geführt haben.  

B.3.2.2 

Koppelungsgeschäfte 

112.  Ein  marktbeherrschendes  Unternehmen  verhält  sich  potenziell  unzulässig,  wenn  es 
den Abschluss bzw. die Konditionen von Verträgen an die Bedingung koppelt, dass die Ver-
tragspartner zusätzliche Leistungen annehmen oder erbringen. Der Tatbestand des Koppe-
lungsgeschäfts im Sinne von Art. 7 Abs. 2 Bst. f i. V. m. Abs. 1 KG ist jedenfalls dann erfüllt, 
wenn  neben  der  marktbeherrschenden  Stellung des  Anbieters  auf  dem Markt  des koppeln-
den Guts folgende Tatbestandsmerkmale vorliegen:92 

(1)  Das koppelnde und das gekoppelte Gut sind getrennte Güter; 

(2)  der Anbieter nimmt eine Koppelung der beiden Güter vor; 

(3)  durch  die  Koppelung  werden  andere  Unternehmen  in  der  Aufnahme  oder  Aus-

übung des Wettbewerbs behindert oder wird die Marktgegenseite benachteiligt; 

(4)  die  Koppelung  lässt  sich  nicht  objektiv  rechtfertigen  (keine  legitimate  business 

reasons). 

B.3.2.2.1.  Getrennte Güter 

113.  Damit eine Koppelung vorliegt, müssen zwei oder mehr unterschiedliche respektive ge-
trennte  Güter  vorliegen,  welche  durch  eine  Koppelung  kombiniert  werden.  Von  getrennten 
Gütern  ist  insbesondere  dann  auszugehen,  wenn  die  Verbraucher,  sofern  sie  die Wahl  ha-

92 Vgl. RPW 2011/1, 182 Rz 513, SIX/Terminals mit Dynamic Currency Conversion (DCC); MARC 
AMSTUTZ/BLAISE CARRON, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2010, Art. 7 
KG N 525; EVELYNE CLERC/PRANVERA KËLLEZI, in: Commmentaire Romand, Droit de la Concurrence, 
Martenet/Tercier/Bovet (Hrsg.), 2013, Art. 7 Abs. 2 KG N 272. Vgl. auch Mitteilung der EU-
Kommission zu den Prioritäten der Kommission bei der Anwendung von Artikel 82 des EG-Vertrags 
auf Fälle von Behinderungsmissbrauch durch marktbeherrschende Unternehmen, ABl. C 45 vom 
24.2.2009 S.15, Rz 50 (nachfolgend: EU-Prioritätenmitteilung). 

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ben, die gekoppelten Gütern von unterschiedlichen Anbietern beziehen können. Ein weiteres 
Indiz für das Vorliegen getrennter Güter ist dann gegeben, wenn Unternehmen im Markt tätig 
sind, welche sich auf das Angebot des gekoppelten Guts (ohne das Koppelungsgut) spezia-
lisiert haben.93 Bei Waren oder Dienstleistungen, die nach einer vertieften Marktanalyse ver-
schiedenen Märkten zugeordnet werden, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um 
getrennte Güter handelt.94 

114.  So wie die [Unternehmensgruppe] mit ihren Tochtergesellschaften [B] und [E] ist heute 
kein anderes Unternehmen sowohl als TV-Vermarkter als auch als unabhängiger Radiower-
bevermittler tätig. Die übrigen, neben [E] bestehenden Vermittler von Radiowerbezeit für die 
Schweiz  (vgl.  Rz 28  und  81)  sind  nicht  gleichzeitig  noch  als  TV-Vermarkter  aktiv.95  Wie  im 
Rahmen der Marktabgrenzung aufgezeigt wurde, gehören die Vermittlung von TV-Werbezeit 
und die Vermittlung von Radiowerbezeit sowie auch die Vermittlung von Onlinewerbeflächen 
separaten Märkten an (Rz 50 ff.). Es kann somit davon ausgegangen werden, dass es sich 
bei der Vermittlung bzw. dem Verkauf von TV-Werbezeit für die Schweiz sowie der Vermitt-
lung bzw. dem Verkauf von Radiowerbezeit für die Schweiz um separate Güter bzw. Dienst-
leistungen handelt.  

B.3.2.2.2.  Koppelung 

115.  Die Koppelung von Gütern oder Dienstleistungen kann auf verschiedene Arten vorge-
nommen werden: Sie kann auf einer entsprechenden Vertragsklausel beruhen (vertragliche 
Koppelung),  auf  einer  technischen  Entscheidung  bzw.  in  der  physischen Ausgestaltung der 
betreffenden Güter gründen (technologische bzw. physische Koppelung) oder durch ökono-
mische Anreize durchgesetzt werden.96 

116.  In  der  Literatur  werden  namentlich  die  folgenden  Koppelungstechniken  unterschie-
den:97  Beim  sog.  «tying» (Koppelung)  bietet  ein  Verkäufer  das  Gut  A (koppelndes  Gut)  nur 
unter der Bedingung an, dass auch das Gut B (gekoppeltes Gut) bezogen wird. Das Gut B ist 
dabei auch ohne den gleichzeitigen Erwerb von Gut A beziehbar. Beim sog. «pure bundling» 
(reine  Bündelung)  sind  die  Güter  A  und  B  nur  im  Bündel,  d. h.  nur  gemeinsam,  erhältlich. 
Beim  sog.  «mixed  bundling»  (gemischte  Bündelung),  oft  auch  als  Bündel-  oder  Paketrabatt 
bezeichnet, werden die Güter A und B einzeln sowie in einem Bündel angeboten. Dabei ist 

93 Vgl. RPW 2011/1, 183 Rz 514, SIX/Terminals mit Dynamic Currency Conversion (DCC). 

94 RPW 2011/1, 183 Rz 515, SIX/Terminals mit Dynamic Currency Conversion (DCC); RPW 2008/3, 
404 Rz 196, Publikation von Arzneimittelinformationen; vgl. auch ROGER ZÄCH, Schweizerisches Kar-
tellrecht, 2005, N 703. 

95 Anzumerken ist indes, dass bis Ende 2010 mit […] bzw. [H] ein weiteres Unternehmen sowohl als 
TV-Vermarkter (vgl. Rz 76) als auch als Vermittler von Radiowerbung (vgl. Rz 28 und 81) aktiv war. 
[…], die ursprünglich namentlich in der Vermittlung von Printwerbung war, stieg im Herbst 2004 durch 
die Übernahme des Kino- und TV-Vermarktungsunternehmens […] in das Vermarktungsgeschäft mit 
elektronischen Medien ein und übernahm Mitte 2006 auch die Radiowerbevermittlerin [O].  

96 Vgl. EVELYNE CLERC/PRANVERA KËLLEZI (Fn 92), Art. 7 Abs. 2 KG N 274 m. w. H. auf die europäi-
sche Rechtsprechung; BSK KG-AMSTUTZ/CARRON (Fn 92), Art. 7 KG N 533; BORER (Fn 45), Art. 7 KG 
N 27.  

97 Vgl. CR Concurrence-CLERC/KËLLEZI (Fn 92), Art. 7 Abs. 2 KG N 262 und 274; BSK KG-
AMSTUTZ/CARRON (Fn 92), Art. 7 KG N 494 ff.; EU-Prioritätenmitteilung (Fn 92), Rz 48; MOTTA, 
MASSIMO, Competition Policy. Theorie and Practice, 2004, S. 460 ff.; ECONOMIC ADVISORY GROUP 
FOR COMPETITION POLICY EAGCP, An economic approach to Article 82. Report by the EAGCP, 2005, 
S. 38 ff., <http://ec.europa.eu/dgs/competition/economist/eagcp_july_21_05.pdf> (11.11.2014). 

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die Summe der Preise im Einzelverkauf höher als der Preis des Bündels, wodurch ökonomi-
sche Anreize für den Bezug von beiden Gütern beim selben Unternehmen geschaffen wer-
den.  

117.  Mit  diesen  Koppelungstechniken  –  oder mit  Mischformen  davon  –  erreicht  ein für  das 
Gut A marktbeherrschender Anbieter, dass die Abnehmer nicht nur das Gut A bei ihm bezie-
hen, sondern auch das Gut B, welches eigentlich der Konkurrenz eines anderen Marktes un-
terworfen ist. 

Klausel zur medienübergreifenden Partnerschaft 

118.  Wie  erwähnt,  legten  einige  der  zwischen  2005  und  2009  abgeschlossenen  Kunden-
Vereinbarungen  zwar  nur  die  Freespace-Konditionen  in  den  von  [B]  vermarkteten  TV-
Sendern  fest,  enthielten  aber  gleichzeitig  eine  Klausel,  wonach  sich  die  Werbekunden  ver-
pflichteten, einen Teil oder das gesamte Radiowerbebudget sowie teilweise zusätzlich noch 
einen Teil oder das gesamte Onlinewerbebudget exklusiv über [B] bzw. [Q] zu buchen (vgl. 
Rz 98).  

119.  Diese Vereinbarungen dürften als Koppelungsgeschäft im oben erwähnten Sinn – kon-
kret wohl als eine Mischform zwischen «tying» (Koppelung) und «mixed bundling» (gemisch-
te Bündelung) – betrachtet werden: Die Werbekunden wurden im Rahmen dieser Vereinba-
rungen dazu verpflichtet, das Radio- sowie teilweise zusätzlich noch das Onlinewerbebudget 
bzw.  ein  Teil  desselben  ebenfalls  über  [B]  bzw.  [Q]  zu  buchen  (gekoppeltes  Gut),  um  von 
besseren Konditionen – in Form von Freespace – bei der Vermittlung bzw. dem Verkauf von 
TV-Werbezeit für die Schweiz (koppelndes Gut) profitieren zu können.  

Medienübergreifendes Freespace-Angebot 

120.  Andere  der  zwischen  2005  und  2009  abgeschlossenen  Kunden-Vereinbarungen  ent-
hielten neben Freespace-Konditionen für TV-Werbung auch separate, umsatzabhängige Ra-
batt-  und/oder  Freespace-Konditionen  für  Radiowerbung  sowie  teilweise  zudem  auch  für 
Adscreen-  und  Onlinewerbung.  Einem  Werbekunden  unterbreitete  [B]  zusätzlich  noch  ein 
medienübergreifendes Freespace-Angebot, bei welchem der Umsatz mit sämtlichen Medien 
und  Produkten  relevant  und  der  Freespace  anteilmässig  auf  den  jeweiligen  Medien  zu  be-
ziehen war.  

121.  Gemäss diesem Angebot hätte der Werbekunde von besseren Freespace-Konditionen 
(namentlich  im  TV,  aber  auch  in  den  anderen  Mediengattungen)  profitiert,  wenn  er  neben 
TV-Werbung auch die Werbung in anderen Mediengattungen (namentlich Radio, aber auch 
Adscreen  und  Online)  über  [B]  bzw.  [Q]  gebucht  hätte.  Bei  diesem  medienübergreifenden 
Freespace-Angebot dürfte es sich somit um ein «mixed bundling» (gemischte Bündelung) in 
Form eines Sortimentsrabatts98 handeln.  

B.3.2.2.3.  Wettbewerbsbehinderung 

122.  Eine  Koppelungsstrategie  kann  sowohl  zur  Verdrängung  von  Konkurrenten  als  auch 
zum  Schutz  oder  Verstärkung  der  eigenen  marktbeherrschenden  Stellung  eingesetzt  wer-

98 Als Sortimentsrabatt wird der Rabatt für eine Produktegruppe bezeichnet. Ein solcher Rabatt liegt 
vor, wenn die Kombination verschiedener Produkte günstiger als die Summe der Preise der einzelnen 
Produkte angeboten wird. Mengenrabatte knüpfen dagegen am Volumen eines separaten Produkts 
an. Ob es sich um einen Sortimentsrabatt oder einen Mengenrabatt handelt, hängt davon ab, ob die 
einzelnen Produkte separaten Märkten angehören oder nicht (MICHAEL TSCHUDIN, Rabatte als Miss-
brauch einer marktbeherrschenden Stellung, 2011, N 482). 

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den.  Ebenfalls  verwendet  werden  kann  eine  solche  Strategie  zur  Errichtung  von  Marktzu-
trittsschranken.99 

123.  Eine  Koppelungsstrategie  kann  es  dem  marktbeherrschenden  Unternehmen  nament-
lich ermöglichen, die Anzahl von Handelspartnern, welche mit seinen Konkurrenten auf dem 
Markt für das gekoppelte Gut kontrahieren können, zu reduzieren und somit seinen Marktan-
teil  auf  diesem  Markt  zu  erhöhen  (sog.  «Horizontale  Foreclosure»). Weiter  kann  ein  markt-
beherrschendes  Unternehmen  durch  eine  Koppelung  einen  Verdrängungseffekt  auf  dem 
Markt des gekoppelten Gutes herbeiführen und so seine Marktmacht auf diesen Markt über-
tragen (sog. «Leverage»-Theorie). Letzteres tritt vor allem dann auf, wenn das marktbeherr-
schende Unternehmen sowohl auf dem Markt des koppelnden Gutes als auch auf dem Markt 
des gekoppelten Gutes tätig ist.100 

124.  Mit der Koppelung der Gewährung von Freespace im TV an die Verpflichtung zur me-
dienübergreifenden  Partnerschaft  (vgl.  Rz 98)  sowie  auch  dem  medienübergreifenden 
Freespace-Angebot (vgl. Rz 99) könnte [B] darauf abgezielt haben, neben einem bestimmten 
TV-Werbebudget  auch  das  Radiowerbe-  sowie  teilweise  zusätzlich  noch  das  Onlinewerbe-
budget des jeweiligen Werbekunden an sich zu binden.  

125.  Werbekunden, die eine Kunden-Vereinbarung über Freespace im TV mit einer Klausel 
zur  medienübergreifenden  Partnerschaft  eingegangen  waren,  konnten  ihre  Radiowerbung 
nicht über einen anderen Radiowerbevermittler oder direkt bei den Radiosendern oder Radi-
opools  buchen,  da  sie  andernfalls  nicht  in  den  Genuss  der  vereinbarten  TV-Freespace-
Konditionen  gekommen  wären.  Es  bestehen  deshalb  Anhaltspunkte,  dass  [B]  mit  diesen 
Vereinbarungen ihren Konkurrenten im Bereich der Vermittlung bzw. des Verkaufs von nati-
onaler  Radiowerbezeit  für  die  Schweiz,  aber  auch  im  Bereich  der  Onlinewerbevermittlung 
Werbebudgets  künstlich  entzogen  bzw.  vorenthalten  haben  und  diese  dadurch  im  Wettbe-
werb behindert haben könnte. 

B.3.2.2.4.  Sachliche Rechtfertigungsgründe 

126.  Als sachliche Rechtfertigungsgründe für die Koppelung von Gütern und Dienstleistun-
gen sind namentlich zwingende technische oder wirtschaftliche Gründe sowie gewisse Erfor-
dernisse  der  Qualitätssicherung  anerkannt.  Einen  wichtigen  Rechtfertigungsgrund  können 
auch  Sicherheitsaspekte  darstellen.101  Anzumerken  ist  ferner,  dass  Rabatte  von  marktbe-
herrschenden Unternehmen sachlich gerechtfertigt und damit zulässig sind, wenn sie durch 
eine wirtschaftliche Gegenleistung des Handelspartners gerechtfertigt sind bzw. auf Kostein-
sparungen beim marktbeherrschenden Unternehmen beruhen.102 

127.  Eine  Rechtfertigung  aus  sachlichen  Gründen  kommt  nur  dann  in  Frage,  wenn  der 
Grundsatz der Verhältnismässigkeit eingehalten wird. Dies bedeutet namentlich, dass keine 
alternativen Verhaltensweisen zur Verfügung standen, welche sich weniger wettbewerbsver-
fälschend ausgewirkt hätten («Gebot der Unerlässlichkeit»).103  

99 BSK KG-AMSTUTZ/CARRON (Fn 92), Art. 7 KG N 537 f.  

100 Vgl. RPW 2011/1, 184 Rz 520 m. w. H., SIX/Terminals mit Dynamic Currency Conversion (DCC). 

101 Botschaft KG 1995, BBl 1995 I 468, 576.  

102 Vgl. RPW 1998/4, 675 f. E. 5.1, Swisscom/WEKO; RPW 2004/2, 441 Rz. 152, Swisscom ADSL; 
BORER (Fn 45), Art. 7 N 17. 

103 RPW 2011/1, 165 Rz 409 m. w. H., SIX/Terminals mit Dynamic Currency Conversion (DCC). 

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128.  Es sind nach dem derzeitigen Kenntnisstand keine sachlichen Gründe ersichtlich, wel-
che  es  rechtfertigen  würden,  die  Gewährung  von  Freespace  im  TV  an  die  Bedingung  zu 
knüpfen, dass auch die Werbung in anderen Mediengattungen (namentlich Radio und Onli-
ne)  über  ein  Unternehmen  der [Unternehmensgruppe] gebucht  wird.  Auch  die  von  der [Un-
ternehmensgruppe] in der Stellungnahme auf das Auskunftsersuchen des Sekretariats ange-
führte  Nachfrage  nach  crossmedialen  Angebotskonzepten  vermag  dies  kaum  zu  rechtferti-
gen.  Es  ist  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  das  medienübergreifende  Freespace-
Angebot durch entsprechende Kosteneinsparungen begründet war.  

129.  Die Koppelung von Rabatten bzw. Freespace im TV an die Verpflichtung, Werbung in 
anderen  Mediengattungen  ebenfalls  über  ein  Unternehmen  der  [Unternehmensgruppe]  zu 
buchen, sowie  auch  das  medienübergreifende  Freespace-Angebote  bilden  auch kaum  eine 
notwendige Voraussetzung, um Werbekunden Werbezeit- bzw. -raum in verschiedenen Me-
diengattungen  vermitteln  zu  können  oder  neue  crossmediale  Werbeformen  zu  entwickeln. 
Andernfalls hätte [B] kaum – wovon gemäss den Erkenntnissen der Vorabklärung auszuge-
hen  ist  –  ab  2010  keine  medienübergreifenden  Kunden-Vereinbarungen  mehr  abgeschlos-
sen (vgl. Rz 109).  

B.3.2.2.5.  Fazit 

130.  Es bestehen Anhaltspunkte, wonach [B] im Rahmen von Kunden-Vereinbarungen, die 
zwischen 2005 und 2009 abgeschlossen wurden, ohne sachlichen Grund Freespace im TV 
daran gekoppelt hat, dass auch ein Teil oder das gesamte Radiowerbebudget (sowie teilwei-
se zusätzlich noch ein Teil oder das gesamte Onlinewerbebudget) exklusiv über [B] bzw. [Q] 
gebucht  wurde,  und  [B]  dadurch  ihre  Konkurrenten  im  Bereich  der  nationalen  Radiowerbe-
vermittlung im Wettbewerb behindert haben könnte.  

131.  Der Tatbestand des missbräuchlichen Koppelungsgeschäfts im Sinne von Art. 7 Abs. 2 
Bst. f  i. V. m.  Abs. 1  KG  verlangt  jedoch,  dass  eine  marktbeherrschende  Stellung  (zumin-
dest) auf dem Markt des koppelnden Gutes besteht (vgl. Rz 112). Vorliegend stellt die Ver-
mittlung  bzw.  der  Verkauf  von  TV-Werbezeit  in  den  von  [B]  vermarkteten  TV-Sendern  das 
koppelnde  Gut  dar  (vgl.  Rz 118).  Es  müsste  somit  eine  marktbeherrschende  Stellung  der 
[Unternehmensgruppe]  bzw.  [B]  im  Bereich  der  Vermittlung  bzw.  des  Verkaufs  von  TV-
Werbezeit für die Schweiz vorliegen.  

132.  Wie  im  Rahmen  der  Beurteilung  der  Marktstellung  der  [Unternehmensgruppe]  festge-
halten, kann bei Abgrenzung eines (einheitlichen) Marktes für die Vermittlung bzw. den Ver-
kauf  von  TV-Werbezeit  für  die  Schweiz  jedoch  eher  nicht  von  einer  marktbeherrschenden 
Stellung  von  [B]  allein  ausgegangen  werden  (vgl.  Rz 77).  Bei  Abgrenzung  eines  separaten 
Marktes für  die  Vermittlung  bzw.  den  Verkauf  von TV-Werbezeit für  die Schweiz  in  Privats-
endern bestehen hingegen Anhaltspunkte, dass die [Unternehmensgruppe]  bzw. [B] zumin-
dest seit 2011 marktbeherrschend ist (vgl. Rz 78 und 88). Selbst bei einer solchen engeren 
Marktabgrenzung  ist  es  indes  fraglich,  ob  die  [Unternehmensgruppe]  bzw.  [B]  bereits  im  – 
gemäss den Erkenntnissen der Vorabklärung – relevanten Zeitraum von 2005 bis 2009, über 
eine  marktbeherrschende  Stellung  verfügt  haben könnte.  Dies  insbesondere  deshalb,  da  in 
diesem Zeitraum namhafte Schweizer Werbefenster wie […] und […] sowie der inländische 
Privatsender  […]  nicht  von  [B],  sondern  von  [H]  vermarktet  wurden  und  von  Letzterer 
dadurch ein nicht zu vernachlässigender Wettbewerbsdruck auf [B] ausgegangen sein dürfte 
(vgl. Rz 78).  

133.  Festzuhalten  ist  jedoch,  dass  es  im  Lichte  von  Art. 7  Abs. 2  Bst. f  i. V. m.  Abs. 1  KG 
problematisch wäre, wenn [B] heute (wieder) entsprechende Koppelungen vornehmen bzw. 
medienübergreifende  Freespace-Angebote  unterbreiten  würde.  Dies  deshalb,  da  bei  einer 
engen Marktabgrenzung heute Anhaltspunkte für eine marktbeherrschende Stellung der [Un-

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31 

 
 
 
 
 
ternehmensgruppe] bzw. [B] bestehen und diese mittels solcher Praktiken ihre Konkurrenten 
in der Radiowerbevermittlung, aber etwa auch im Bereich der Vermittlung der zunehmend an 
Bedeutung  gewinnenden  Onlinewerbung  Werbebudgets  künstlich  entziehen  und  diese 
dadurch im Wettbewerb behindern könnte. Anzumerken ist zudem, dass auch bei einer wei-
ten Marktabgrenzung – d.h. der Abgrenzung eines (einheitlichen) Marktes für die Vermittlung 
bzw.  den  Verkauf  von  TV-Werbezeit  für  die  Schweiz  –  immer  noch  von  einer  sehr  starken 
Marktstellung der [Unternehmensgruppe] bzw. [B] auszugehen ist (vgl. Rz 77). 

134.  Da  Anhaltspunkte  bestehen,  wonach  die  [Unternehmensgruppe]  bzw.  [E]  heute  über-
dies  im  Bereich  der  Vermittlung  bzw.  des  Verkaufs  von  nationaler  Radiowerbezeit  für  die 
Schweiz marktbeherrschend ist (vgl. Rz 81 ff. und Rz 88), wäre auch eine (zukünftige) Kop-
pelung von Rabatten bzw. Freespace im Radio an die Buchung des Werbevolumens in an-
deren  Mediengattungen  (TV,  Adscreen,  Online  etc.)  oder  ein  entsprechendes  medienüber-
greifendes  Freespace-Angebot,  bei  welchem  zusätzlich  zum  Umsatz  im  Radiobereich  auch 
der  Umsatz  in  anderen  Mediengattungen  (TV,  Adscreen,  Online  etc.)  freespacebildend  ist, 
im Lichte von Art. 7 Abs. 2 Bst. f i. V. m. Abs. 1 KG problematisch. Dies deshalb, da die [Un-
ternehmensgruppe] durch solche Praktiken neben dem Radiowerbebudget auch das Werbe-
budget der Medienkunden in anderen Mediengattungen (TV, Adscreen, Online etc.) an sich 
binden und dadurch namentlich Konkurrenten im Bereich der Vermittlung bzw. des Verkaufs 
von TV-Werbezeit, aber auch im Bereich der Vermittlung der zunehmend an Bedeutung ge-
winnenden Onlinewerbung im Wettbewerb behindern könnte.  

B.3.2.3 

Einschränkung der Erzeugung, des Absatzes oder der technischen 

Entwicklung 

135.  Ein marktbeherrschendes Unternehmen verhält sich potenziell unzulässig, wenn es die 
Erzeugung,  den  Absatz  oder  die  technische  Entwicklung  einschränkt.  Der  Tatbestand  der 
Einschränkung  der  Erzeugung,  des  Absatzes  oder  der  technischen  Entwicklung  im  Sinne 
von Art. 7 Abs. 2 Bst. e i. V. m. Art. 7 Abs. 1 KG ist erfüllt, wenn kumulativ die folgenden Tat-
bestandsmerkmale vorliegen: 

(1)  Es  liegt  eine  Verhaltensweise  vor,  die  zu  einer  Einschränkung  der  Erzeugung, 

des Absatzes oder der technischen Entwicklung führt; 

(2)  durch  die  Verhaltensweise  werden  andere  Unternehmen  in  der  Aufnahme  oder 
Ausübung des Wettbewerbs behindert oder wird die Marktgegenseite benachtei-
ligt; 

(3)  die  durch  die  Verhaltensweise  bewirkte  Einschränkung  der  Erzeugung,  des  Ab-
satzes  oder  der  technischen  Entwicklung  ist  nicht  sachlich  gerechtfertigt  (keine 
legitimate business reasons). 

B.3.2.3.1.  Einschränkung des Absatzes 

136.  Unter  die  «Einschränkung  des  Absatzes»  im  Sinne  von  Art. 7  Abs. 2  Bst. e  KG  fallen 
Verhaltensweisen  des  marktbeherrschenden  Unternehmens,  welche  darauf  abzielen,  das 
Marketingspektrum der Konkurrenz zu verringern und dadurch deren Marktzugang künstlich 
zu  beschränken.104  Erfasst  wird  sowohl  die  Beschränkung  des  eigenen  Absatzes  als  auch 
die Einwirkung auf den Absatz von Konkurrenten.105  

104 Vgl. BSK KG-AMSTUTZ/CARRON (Fn 92), Art. 7 KG N 418 und 441.  

105 ROBERTO DALLAFIOR, in: Kommentar zum schweizerischen Kartellgesetz, Homburger/Schmidhau-
ser/Hoffet/Ducrey (Hrsg.), 1997, Art. 7 KG N 141; ZÄCH (Fn 94), N 688.  

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32 

 
 
 
 
 
                                                
137.  Die Einschränkung des Absatzes kann verschiedene Formen annehmen. Sie kann uni-
lateralen Handlungen des marktbeherrschenden Unternehmens entspringen, indem sich die-
ses beispielsweise weigert, gewisse Käufer zu beliefern oder seine Geschäftspartner mit ei-
ner  Beschränkung  des  geografischen  Marktes  oder  des  Kundenkreises  belegt.  Das  Unter-
nehmen kann aber auch mit bilateralen Handlungen, meistens in Verträgen mit Handelspart-
nern oder Dritten, den Absatz von Konkurrenten einschränken, wie z. B. durch Ausschliess-
lichkeitsbindungen  in  Form  von  Alleinbezugsbindungen  oder  Rabatten.106  Alleinbezugsbin-
dungen können indes nicht nur mit entsprechenden Vertragsverpflichtungen, sondern de fac-
to  auch  mittels  Anreizmassnahmen  erwirkt  werden.  So  kann  ein  marktbeherrschendes  Un-
ternehmen  seinen  Geschäftspartnern  Vorzugskonditionen  anbieten,  wenn  sie  ihren  Bedarf 
ausschliesslich  bei  ihm  decken.  Dadurch  wird  für  die  Geschäftspartner  der  Anreiz  geschaf-
fen, von diesen günstigen Konditionen zu profitieren und auf Alternativangebote zu verzich-
ten, was eine Absatzeinschränkung der Konkurrenz bewirkt.107 

Gewährung von Freespace im Radio wurde an eine Exklusivbuchungsverpflichtung geknüpft 

138.  Wie erwähnt, wurde in einigen der medienübergreifenden Kunden-Vereinbarungen die 
Gewährung  der  darin  vorgesehenen  umsatzabhängigen  Freespace-Konditionen  im  Radio 
explizit an die Bedingung geknüpft, dass das gesamte oder zumindest der überwiegende Teil 
des  Radiowerbevolumens  exklusiv  über  [B]  gebucht  wurde.  Es  handelt  sich  dabei  um  Ver-
einbarungen, die alle im Jahr 2009 abgeschlossen wurden (vgl. Rz 100). 

139.  Die Werbekunden, die eine solche Vereinbarung eingegangen waren, bzw. deren Me-
diaagenturen mussten somit das gesamte oder zumindest den überwiegenden Teil des Ra-
diowerbevolumens  über  [B]  buchen,  um  in  den  Genuss  der  vorgesehenen  Freespace-
Konditionen  im  Radio  zu  kommen.  Die  Werbekunden  bzw.  deren  Mediaagenturen  wurden 
mithin in ihrer Wahlfreiheit eingeschränkt, einen Teil ihrer Radiowerbung über einen anderen 
Radiowerbevermittler oder unter Umständen auch direkt bei einem Radiopool oder den ein-
zelnen  Radiosendern  zu  buchen.  Die  in  den  Kunden-Vereinbarungen  vorgesehenen  Exklu-
sivbuchungsverpflichtungen  erscheinen  somit  grundsätzlich  geeignet,  um  die  Absatzmög-
lichkeiten  von  Konkurrenten  im  Bereich  der  Vermittlung  bzw.  des  Verkaufs  von  nationaler 
Radiowerbezeit für die Schweiz künstlich einzuschränken. 

Zielvereinbarung betreffend Rabatte und Freespace im Radio 

140.  Wie erwähnt, ist das Sekretariat ist zudem auf eine Zielvereinbarung für das Jahr 2012 
aufmerksam geworden, wonach einem Werbekunden auf der Basis eines geplanten Jahres-
radiowerbeumsatzes von rund [1,5-2,5] Mio. Franken (Zielumsatz) ein Rabatt (inkl. BK108) in 
der  Höhe  von  [20-30] %  und  Freespace  in  der  Höhe  von  [5-15] %  eingeräumt  wurden.  Der 
Werbekunde hatte Anspruch auf den vereinbarten Rabatt bzw. Freespace im Radio, sofern 
mindestens [90-100] % des Zielumsatzes getätigt wurden (vgl. Rz 102). 

141.  Rabatte bzw. Freespace im Rahmen solcher Zielvereinbarungen können als Zielrabat-
te qualifiziert werden. Als solche gelten Rabatte, die für jeden Kunden individuell für eine be-
stimmte,  relativ  lange  Referenzperiode  definiert  werden  und  die  Rabattgewährung  vom  Er-
reichen  eines  bestimmten  Jahresumsatzes  abhängig  machen.109  Wird  dabei  die  Rabatt-

106 BSK KG-AMSTUTZ/CARRON (Fn 92), Art. 7 KG N 442 f. m .w. H. 

107 BSK KG-AMSTUTZ/CARRON (Fn 92), Art. 7 KG N 446.  

108 Vgl. Rz 22.  

109 BSK KG-AMSTUTZ/CARRON (Fn 92), Art. 7 KG N 228. 

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schwelle in die Nähe des totalen Bedarfs des Abnehmers angesetzt, kann der Zielrabatt wie 
eine Alleinbezugsvereinbarung wirken.110  

142.  Falls  der  in  der  erwähnten  Zielvereinbarung  vorgesehene  Zielumsatz  dem  Gesamtra-
diowerbebudget für das Jahr 2012 des Werbekunden entsprochen hat, kann mit Blick auf die 
vorgesehene  Rabattschwelle  ([90-100] %  des  Zielumsatzes)  davon  ausgegangen  werden, 
dass  dieser  nur  dann  von  den  vereinbarten  Rabatten  bzw.  Freespace  im  Radio  profitierte, 
wenn  er  bzw.  seine  Mediaagentur  sämtliche  Radiokampagnen  über  [B]  buchte  und  auf  die 
Buchung  einzelner  Radiokampagnen  über  andere  Radiowerbevermittler  oder  auf  Direktbu-
chungen  bei  einzelnen  Radiosendern  oder  Radiopools  verzichtete.  Somit könnte  unter  Um-
ständen  auch  diese  Zielvereinbarung  geeignet  gewesen  sein,  die  Absatzmöglichkeiten  von 
Konkurrenten  im  Bereich  der  Vermittlung  bzw.  des  Verkaufs  von  nationaler  Radiowerbezeit 
für die Schweiz künstlich einzuschränken.  

B.3.2.3.2.  Wettbewerbsbehinderung 

143.  Im Fokus von Art. 7 Abs. 2 Bst. e KG stehen Behinderungs- resp. Verdrängungsprakti-
ken  des  marktbeherrschenden  Unternehmens  gegenüber  Konkurrenten.111  Erfasst  werden 
Verhaltensweisen,  die  den  Markzugang  von  aktuellen  oder  potenziellen  Konkurrenten  be-
schränken,  ohne  dass  dies  Folge  der  normalen  Marktentwicklung  bzw.  des  normalen  Leis-
tungswettbewerbs ist.112 

144.  Mit  dem  Vereinbaren  von  Exklusivbuchungsverpflichtungen 
in  den  Kunden-
Vereinbarungen  könnte  [B]  darauf  abgezielt  haben,  das  Radiowerbebudget  der  entspre-
chenden Werbekunden ganz an sich binden. [B] könnte dadurch die aktuelle und potenzielle 
Kundenbasis  ihrer  Konkurrenten künstlich geschmälert  haben  und  so  den  Leistungswettbe-
werb  in  der  nationalen  Radiowerbevermittlung  verfälscht  bzw.  Letztere  im  Wettbewerb  be-
hindert haben. 

145.  Auch  der  Abschluss  von  Zielvereinbarungen  bzw.  die  Gewährung  von  Zielrabatten 
kann – wie erwähnt – grundsätzlich geeignet sein, um die Absatzmöglichkeiten von Konkur-
renten einzuschränken und diese dadurch im Wettbewerb zu behindern.  

B.3.2.3.3.  Sachliche Rechtfertigungsgründe 

146.  Sachliche Rechtfertigungsgründe liegen insbesondere dann vor, wenn sich das Unter-
nehmen auf kaufmännische Grundsätze (z. B. das Verlangen der Zahlungsfähigkeit des Ver-
tragspartners) stützen kann. Andere Gründe können z. B. eine veränderte Nachfrage, Koste-
neinsparungen,  administrative  Vereinfachungen,  Transport-  und  Vertriebskosten  oder  tech-
nische Gründe sein.113  

147.  Es sind nach dem derzeitigen Kenntnisstand keine sachlichen Gründe ersichtlich, wel-
che  es  rechtfertigen  würden,  dass  [B]  bzw.  heute  [E]  die  Gewährung  von  Rabatten  und 
Freespace  im  Radio  –  sei  dies  explizit  mittels  einer  Exklusivbuchungsvereinbarung,  aber 
auch  implizit  über  eine  entsprechend  ausgestaltete  Zielvereinbarung  –  an  die  Bedingung 
knüpft,  dass  das  gesamte  oder  der  überwiegende  Teil  des  Radiowerbevolumens  exklusiv 
über [B] bzw. heute [E] abgewickelt wird. Dies gilt unabhängig davon, ob [B] bzw. heute [E] 

110 Vgl. auch TSCHUDIN (Fn 98), N 606. 

111 Vgl. BORER (Fn 45), Art. 7 KG N 26; BSK KG-AMSTUTZ/CARRON (Fn 92), Art. 7 KG N 425; 
CR Concurrence-CLERC/KËLLEZI (Fn 92), Art. 7 Abs. 2 KG N 235 und 246. 

112 CR Concurrence-CLERC/KËLLEZI (Fn 92), Art. 7 Abs. 2 KG N 235.  

113 BGE 139 I 72, 104 E. 10.1.2 (= RPW 2013/1, 131 E. 10.1.2), Publigroupe SA et. al./WEKO.  

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dabei  (nur)  die  von  den  Radiosendern  festgelegten  umsatzabhängigen  Rabatt-  und 
Freespace-Konditionen  weitergibt  oder  Rabatte  bzw.  Freespace  auf  eigene  Rechnung  (vgl. 
Rz 94) gewährt. 

148.  Betreffend  Letzteres  ist  noch  einmal  anzumerken,  dass  Rabatte  von  marktbeherr-
schenden Unternehmen sachlich gerechtfertigt und damit zulässig sind, wenn sie durch eine 
wirtschaftliche  Gegenleistung  des  Handelspartners  gerechtfertigt  sind  bzw.  auf  Kosteinspa-
rungen beim marktbeherrschenden Unternehmen beruhen (vgl. Rz 126).  

B.3.2.3.4.  Fazit 

149.  Es bestehen Anhaltspunkte, wonach [B] durch die in gewissen der im Jahr 2009 abge-
schlossenen  medienübergreifenden  Vereinbarungen  statuierte  Exklusivbuchungsverpflich-
tung  die  Absatzmöglichkeiten  ihrer  Konkurrenten  im  Bereich  der  Vermittlung  bzw.  des  Ver-
kaufs von Radiowerbezeit für die Schweiz ohne sachliche Rechtfertigung eingeschränkt und 
diese  dadurch  im  Wettbewerb  behindert  haben  könnte.  Unter  Umständen  könnte  auch  die 
erwähnte Zielvereinbarung ein geeignetes Mittel gewesen sein, um die Absatzmöglichkeiten 
von Konkurrenten einzuschränken und diese dadurch im Wettbewerb zu behindern. 

150.  Wie  im  Rahmen  der  Beurteilung  der  Marktstellung  der  [Unternehmensgruppe]  festge-
halten,  bestehen  Anhaltspunkte,  wonach  [B]  bzw.  (seit  Mitte  2013)  [E]  zumindest  seit  2011 
im Bereich der Vermittlung bzw. des Verkaufs von nationaler Radiowerbezeit für die Schweiz 
marktbeherrschend  ist.  Es  ist  hingegen  fraglich,  ob  [B]  bereits  im  Jahr  2009,  als  medien-
übergreifende  Vereinbarungen  mit  einer  Exklusivbuchungsverpflichtung  betreffend  Rabatte 
bzw. Freespace im Radio abgeschlossen wurden, auf diesem Markt über eine marktbeherr-
schende Stellung verfügt haben könnte. Dies insbesondere deshalb, da bis Ende 2010 von 
der  ehemaligen  Marktführerin  [O]  sowie  unter  Umständen  auch  dem  sprachraumübergrei-
fenden  Radiowerbepool  «[…]»  ein  gewisser  Wettbewerbsdruck  auf  [B]  ausgegangen  sein 
dürfte (vgl. Rz 81 ff.).  

151.  Festzuhalten  ist  jedoch,  dass  es  im  Lichte  von  Art. 7  Abs. 2  Bst. e  i. V. m.  Abs. 1  KG 
problematisch  wäre,  wenn  [E]  betreffend  die  Gewährung  von  Rabatten  bzw.  Freespace  im 
Radio heute (wieder) Exklusivbuchungs- oder (in ihrer Wirkung) vergleichbare Zielvereinba-
rungen abschliessen würde. Dies deshalb, da die [Unternehmensgruppe] bzw. [E] im Bereich 
der Vermittlung bzw. des Verkaufs von nationaler Radiowerbezeit für die Schweiz marktbe-
herrschend sein könnte und durch Vereinbarungen die Absatzmöglichkeiten von Konkurren-
ten eingeschränkt und diese dadurch im Wettbewerb behindert werden könnten.  

152.  Es wäre zudem auch problematisch, wenn [E] Werbekunden im Rahmen von Jahres-
vereinbarungen  auch  Rabatte  oder  Freespace  auf  eigene  Rechnung  einräumen  würde  und 
diese  nicht  auf  Kosteneinsparungen  beruhen,  sondern  darauf  abzielen  würden, Werbekun-
den  bzw.  deren  Mediaagenturen  von  der  Buchung  über  andere  Radiowerbevermittler  oder 
auch von Direktbuchungen bei den einzelnen Radiosendern bzw. Radiopools abzuhalten.  

B.3.3  Zusammenfassung 

153.  Zusammenfassend wird noch einmal festgehalten,  

•  dass Anhaltspunkte dafür bestehen, wonach [B] zwischen 2005 und 2009 Rabatte bzw. 
Freespace im TV ohne sachlichen Grund daran gekoppelt hat, dass auch ein Teil oder 
das gesamte Radiowerbebudget sowie teilweise zusätzlich ein Teil oder das gesamte 
Onlinewerbebudget exklusiv über [B] bzw. [Q] gebucht wurde, und [B] dadurch Konkur-
renten im Bereich der Vermittlung bzw. des Verkaufs von nationaler Radiowerbezeit für 
die Schweiz im Wettbewerb behindert haben könnte;  

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35 

 
 
 
 
 
•  dass  bei  einer  engen  Marktabgrenzung  bzw.  der  Abgrenzung  eines  Marktes  für  die 
Vermittlung bzw. den Verkauf von TV-Werbezeit für die Schweiz in Privatsendern An-
haltspunkte bestehen, wonach die [Unternehmensgruppe] bzw. [B] zumindest seit 2011 
über  eine  marktbeherrschende  Stellung  verfügt;  dass  es  jedoch  selbst  bei  einer  sol-
chen  engen  Marktabgrenzung  fraglich  ist,  ob  die  [Unternehmensgruppe]  bzw.  [B]  be-
reits für die Zeit von 2005 bis 2009 marktbeherrschend gewesen sein könnte;  

•  dass indes auch bei Abgrenzung eines (einheitlichen) Marktes für die Vermittlung bzw. 
den  Verkauf  von  TV-Werbezeit  für  die  Schweiz  von  einer  sehr  starken  Stellung  der 
[Unternehmensgruppe] bzw. [B] auszugehen ist;  

•  dass es deshalb im Lichte von Art. 7 Abs. 2 Bst. f i. V. m. Abs. 1 KG problematisch wä-
re,  wenn  [B]  die  Gewährung  von  Rabatten  bzw.  Freespace  im  TV  an  die  Bedingung 
koppeln  würde,  dass  auch  das  Werbevolumen  in  anderen  Mediengattungen  (Radio, 
Adscreen, Online etc.) über ein Unternehmen der [Unternehmensgruppe] gebucht wird, 
oder  ein  Freespace-Angebot  machen  würde,  bei  welchem  zusätzlich  zum  Umsatz  im 
TV-Bereich  auch  der  Umsatz  in  anderen  Mediengattungen  (Radio,  Adscreen,  Online 
etc.) rabatt- bzw. freespacebildend ist; 

•  dass  Anhaltspunkte  bestehen,  wonach  [B]  bzw.  (seit  Mitte  2013)  [E]  durch  im  Jahr 
2009  abgeschlossenen  Exklusivbuchungsvereinbarungen  betreffend  die  Gewährung 
von Freespace im Radio ohne sachlichen Grund die Absatzmöglichkeiten von Konkur-
renten eingeschränkt und diese dadurch im Wettbewerb behindert haben könnte; dass 
unter  Umständen  auch  die  im  Jahr  2012  abgeschlossene  Zielvereinbarung  geeignet 
gewesen sein könnte, die Absatzmöglichkeiten von Konkurrenten einzuschränken und 
diese dadurch im Wettbewerb zu behindern. 

•  dass Anhaltspunkte bestehen, wonach die [Unternehmensgruppe] bzw. [E] im Bereich 
der Vermittlung bzw. des Verkaufs von nationaler Radiowerbezeit für die Schweiz zu-
mindest  seit  2011  marktbeherrschend  ist;  dass  es  jedoch  fraglich  ist,  ob  die  [Unter-
nehmensgruppe] bzw. [E] bereits vor 2011 über eine marktbeherrschende Stellung ver-
fügt haben könnte; 

•  dass es deshalb im Lichte von Art. 7 Abs. 2 Bst. f i. V. m. Abs. 1 KG problematisch wä-
re, wenn [E] die Gewährung von Rabatten bzw. Freespace im Radio an die Bedingung 
koppeln  würde,  dass  auch  das  Werbevolumen  in  anderen  Mediengattungen  (TV, 
Adscreen, Online etc.) über ein Unternehmen der [Unternehmensgruppe] gebucht wird 
oder  ein  Freespace-Angebot  machen  würde,  bei  welchem  zusätzlich  zum  Umsatz  im 
Radiobereich  auch  der  Umsatz  in  anderen  Mediengattungen  (TV,  Adscreen,  Online 
etc.) rabatt- bzw. freespacebildend ist; 

•  dass es im Lichte von Art. 7 Abs. 2 Bst. e i. V. m. Abs. 1 KG problematisch wäre, wenn 
[E]  die  Gewährung  von  Rabatten  bzw.  Freespace  im  Radio  davon  abhängig  machen 
würde,  dass  das  gesamte  oder  der  Grossteil  des  Radiowerbevolumens  über  [E]  ge-
bucht wird; 

•  dass es schliesslich auch im Lichte von Art. 7 Abs. 2 Bst. e i. V. m. Abs. 1 KG proble-
matisch  wäre,  wenn [E] Werbekunden  Rabatte  oder  Freespace  auf  eigene  Rechnung 
einräumen würde und diese nicht auf Kosteneinsparungen beruhen.  

B.4  Massnahmen  

154.  Den von der [Unternehmensgruppe] eingereichten Unterlagen ist zu entnehmen, dass 
der  Verwaltungsrat  (nachfolgend:  VR)  der  [B]  im  September  2010  beschlossen  hat,  keine 
medienübergreifenden Verträge im Bereich TV und Radio (mehr) abzuschliessen. Gleichzei-
tig setzte der VR auf Antrag des Managements auch eine Arbeitsgruppe «Compliance» ein, 

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36 

 
 
 
 
 
um  in  Zusammenarbeit  mit  einem  Kartellrechtspezialisten  u. a.  die  vom  VR  und/oder  Ma-
nagement beschlossenen  Massnahmen  umzusetzen,  dem  VR  Verbesserungen  vorzuschla-
gen und die nachhaltige Umsetzung der kartellrechtlichen Compliance inklusive Information 
und Weiterbildung für die Mitarbeiter zu betreuen.114 Gemäss den Erkenntnissen der Vorab-
klärung  beschränkten  sich  die  von  [B]  ab  2010  abgeschlossenen  Kunden-Vereinbarungen 
denn  auch  auf  die  Festlegung  der  Freespace-Konditionen  für  TV-Werbung  und  enthielten 
keine  Klausel  zur  medienübergreifenden  Partnerschaft,  kein  medienübergreifendes 
Freespace-Angebot und keine Exklusivbuchungsverpflichtung betreffend die Gewährung von 
Freespace im Radio mehr (vgl. Rz 101 und 109).  

155.  [B] hat zudem Mitte 2013 den Geschäftsbereich Radiowerbevermittlung in eine eigen-
ständige Tochtergesellschaft, der [E], ausgegliedert, so dass für die TV-Vermarktung und die 
Radiowerbevermittlung heute nicht mehr dieselbe Gruppengesellschaft innerhalb der [Unter-
nehmensgruppe] zuständig ist (vgl. Rz 5). Anzumerken ist, dass auch die Vermarktung und 
Vermittlung im Bereich Onlinewerbung in einer separaten Gruppengesellschaft, der [C], an-
gesiedelt ist (vgl. Rz 6).  

156.  Darüber  hinaus  hat  die  [Unternehmensgruppe]  mit  Datum  vom  24.  Oktober  2014  auf 
entsprechende  Anregung  des  Sekretariats  im  Sinne  von  Art. 26  Abs. 2  KG  eine  Verpflich-
tungserklärung  abgegeben.  Im  Folgenden  wird  die  Verpflichtungserklärung  der  [Unterneh-
mensgruppe] im Wortlaut wiedergegeben:  

«Verpflichtungserklärung der [Unternehmensgruppe] gegenüber dem Sekreta-
riat der Wettbewerbskommission im Sinne von Art. 26 KG 

Im  Hinblick  auf  die  Einstellung  der  Vorabklärung  32-0246  in  Sachen  TV-  und  Ra-
diovermarktung  bestätigt  die  [Unternehmensgruppe],  dass  deren  Gruppengesell-
schaften  beim  Verkauf  von  TV-  und  Radiowerbezeit  im  Rahmen  von  Jahres-  bzw. 
anderen Rahmenvereinbarungen mit Werbekunden und/oder Mediaagenturen 

-  Rabatte  bzw.  Freespace  für  TV-Werbung  nicht  von  der  Bedingung  abhängig 
machen,  dass  das  gesamte  oder  der  Grossteil  des  Werbevolumens  in  einer 
anderen Mediengattung (Radio, Adscreen, Online etc.) über ein Unternehmen 
der [Unternehmensgruppe] gebucht wird;  

-  keine  medienübergreifenden  Rabatte  bzw.  Freespace  anbieten  bzw.  gewäh-
ren, bei denen zusätzlich zum Umsatz im TV-Bereich auch der Umsatz in an-
deren  Mediengattungen  (Radio,  Adscreen,  Online  etc.)  rabatt-  bzw.  freespa-
cebildend ist. Davon ausgenommen sind Angebote, welche TV-Werbung ver-
binden,  die  über  verschiedene  Verbreitungskanäle  (klassisches  TV,  IP-TV, 
Online-TV etc.) verbreitet wird, und im vorliegenden Zusammenhang dem TV-
Bereich zuzuordnen sind; 

-  Rabatte bzw. Freespace für Radiowerbung nicht von der Bedingung abhängig 
machen,  dass  das  gesamte  oder  der  Grossteil  des  Werbevolumens  in  einer 
anderen  Mediengattung  (TV,  Adscreen,  Online  etc.)  über  ein  Unternehmen 
der [Unternehmensgruppe] gebucht wird; 

-  keine  medienübergreifenden  Rabatte  bzw.  Freespace  anbieten  bzw.  gewäh-
ren,  bei  denen  zusätzlich  zum  Umsatz  im  Radiobereich  auch  der  Umsatz  in 
anderen Mediengattungen (TV, Adscreen, Online etc.) rabatt- bzw. freespace-
bildend ist;  

114 Stellungnahme der [Unternehmensgruppe] vom 1.11.2012.  

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-  keine  Exklusivbuchungsvereinbarungen  für  Radiowerbung  abschliessen,  d.h. 
insbesondere Rabatte bzw. Freespace für Radiowerbung nicht von der Bedin-
gung abhängig machen, dass das gesamte oder der Grossteil des Radiower-
bevolumens über ein Unternehmen der [Unternehmensgruppe] gebucht wird; 

-  mengen- bzw. umsatzbasierte Rabatte bzw. Freespace für Radiowerbung nur 
dann anbieten bzw. gewähren, wenn dies aufgrund einer wirtschaftlichen Ge-
genleistung bzw. aufgrund von Kosteneinsparungen gerechtfertigt ist. 

Diese Verpflichtungserklärung wirkt nicht zulasten Dritter, namentlich nicht zulasten 
der TV- bzw. Radiosender bei der Festlegung deren Geschäftspolitik, insbesondere 
deren Produkte-, Preis- und Rabattpolitik.» 

157.  Vor  diesem  Hintergrund  rechtfertigt  es  sich  nach  Ansicht  des  Sekretariats  insgesamt 
nicht,  weitere  aufwendige  Abklärungen  im  Rahmen  einer  Untersuchung gemäss  Art. 27  KG 
vorzunehmen,  um  abschliessend  zu  prüfen,  ob  und  gegebenenfalls  seit  wann  die  [Unter-
nehmensgruppe] im Bereich der Vermarktung bzw. Vermittlung von TV- und Radiowerbezeit 
über eine marktbeherrschende Stellung verfügt und ob sie diese im Sinne der vorstehenden 
Erwägungen missbraucht (hat). Dies insbesondere auch deshalb, weil es selbst bei der en-
gen  Abgrenzung  eines  Marktes  für  die  Vermittlung  bzw.  den  Verkauf  von  TV-Werbezeit  für 
die Schweiz in Privatsendern fraglich ist, ob die [Unternehmensgruppe] bzw. [B] im relevan-
ten Zeitraum von 2005 bis 2009 marktbeherrschend gewesen sein könnte. 

158.  Das Sekretariat beschliesst daher, die Vorabklärung einzustellen. Weitere Abklärungen 
und die Eröffnung einer Untersuchung im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums 
bleiben  jedoch  vorbehalten,  falls  sich  die  [Unternehmensgruppe]  bzw.  deren  Tochtergesell-
schaften  nicht  entsprechend  der  vorstehend  aufgeführten  Verpflichtungserklärung  verhalten 
sollte  oder  sich  sonstige  Hinweise  für  kartellrechtlich  problematische  Sachverhalte  ergeben 
sollten.  

159.  Anzumerken  ist  diesbezüglich,  dass  Gegenstand  der  vorliegenden  Vorabklärung  nur 
die  im  Schlussbericht  thematisierten  Jahres-  bzw.  Rahmenvereinbarungen  über  Rabatte 
bzw. Freespace im TV und Radio bildeten und diese grundsätzlich auch nur auf eine mögli-
che  Behinderung  von  Konkurrenten  im  Bereich der  Vermittlung  bzw.  des  Verkaufs  von  Ra-
diowerbezeit für die Schweiz hin überprüft wurden. 

C  Schlussfolgerungen 

Das  Sekretariat  der Wettbewerbskommission,  gestützt  auf  den  bekannten  Sachverhalt  und 
die vorangehenden Erwägungen,  

1. 

2. 

beschliesst, die Vorabklärung einzustellen;  

teilt der [Unternehmensgruppe] und dem/der Anzeiger/in die Einstellung der Vorab-
klärung mit;  

3. 

beschliesst, den Schlussbericht zu publizieren. 

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