# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ebe24515-c2e4-5ebd-906f-e305cd69d336
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-05-22
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 22.05.2013 MV 2012/2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_MV-2012-2_2013-05-22.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: MV 2012/2

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: MV - Militärversicherung

Publikationsdatum: 23.08.2019

Entscheiddatum: 22.05.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 22.05.2013
Art. 43 ATSG. Tinnitus. Knalltrauma. Abklärungspflicht. Die von einem Hals-
Nasen-Ohren-Arzt empfohlene ergänzende psychiatrische Begutachtung ist 
nicht allein deshalb überflüssig, weil damit erwartungsgemäss nicht 
sämtliche Fragen beantwortet werden können oder weil davon auszugehen 
ist, der adäquate Kausalzusammenhang zwischen einer allfälligen 
psychischen Beeinträchtigung und dem versicherten Ereignis sei ohnehin zu 
verneinen. Für die Adäquanzprüfung sind ohnehin sämtliche Umstände des 
Einzelfalls angemessen zu würdigen; eine Prüfung nach „Schema F“ greift 
zu kurz (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 
22. Mai 2013, MV 2012/2).

Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider, 

Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 22. Mai 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21, 

Postfach 27, 9004 St. Gallen,

gegen

Suva Militärversicherung, Laupenstrasse 11, Postfach 8715, 3001 Bern,

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Beschwerdegegnerin,

betreffend

Invalidenrente

Sachverhalt:

A. 

A.___ erlitt am 10. Mai 1990 während einer Schiessübung im Rahmen eines 

militärischen Wiederholungskurses ein akustisches Trauma. Dr. med. B.___, Facharzt 

für Oto-Rhino-Laryngologie, berichtete am 27. August 1990, dem Versicherten sei beim 

Schiessen im Stand der Gehörschutz aus dem linken Ohr gefallen. Bis er diesen 

wenige Sekunden später wieder eingesetzt gehabt habe, hätten die Kameraden weiter 

geschossen. Der Truppenarzt habe dem Versicherten ein Medikament abgegeben, das 

er jedoch nicht eingenommen habe, weil er es nicht gekannt habe. Dr. B.___ erläuterte 

weiter, der Versicherte habe ihn erstmals am 13. Juni 1990 aufgesucht, weil er vorher 

für einen Arztbesuch keine Zeit gehabt habe (MV-act. 5). Nach einer Abklärung bei der 

Kreisärztin teilte die Militärversicherung dem Versicherten am 26. November 1990 mit, 

dass der errechnete Hörverlust von rechts 0,7 Prozent und links 0,6 Prozent nicht als 

erheblicher Integritätsschaden zu qualifizieren sei (MV-act. 11).

B. 

B.a Am 18. August 2000 reichte der Versicherte dem Bundesamt für 

Militärversicherung eine Krankheits- und Unfallmeldung ein (MV-act. 15). 

Dr. med. C.___, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, bestätigte am 13. September 

2000, der Versicherte leide wegen eines Knalltraumas im Militär an einem Tinnitus im 

linken Ohr (MV-act. 16). Weitere Abklärungen der Militärversicherung vom 16. Oktober 

2000 ergaben, dass der Versicherte beim Abschluss der Behandlung im Juni 1990 

einen leichten, stationären Pfeifton gehört habe, der subjektiv seither angehalten habe. 

Heute würde ihn der Pfeifton im Ohr im Gegensatz zur Situation im Jahr 1990 in seiner 

Lebensgestaltung beeinträchtigen. Der Ton würde bei Unterhaltungen mit mehreren 

Personen stören und sich auch bei der Arbeit als Inhaber eines Möbelgeschäftes 

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bemerkbar machen. Der Versicherte müsse sich heute viel mehr konzentrieren und 

Lärmquellen mit Hall meiden. Das Pfeifen wirke sich vor allem in ruhiger Umgebung 

störend aus. Er habe deswegen aber keine Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Er 

lasse sich alternativ-medizinisch behandeln, wisse aber, dass die Militärversicherung 

diese Kosten nicht übernehme (MV-act. 18).

B.b Dr. med. D.___, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halskrankheiten, spez. Hals- 

und Gesichtschirurgie, diagnostizierte am 12. September 2001 einen Hochtonverlust 

sowie einen Tinnitus links nach Knalltrauma im Militär im Jahr 1990. Der Versicherte 

werde seit diesem Vorfall von einem sehr heftigen Tinnitus links geplagt. Deswegen 

habe er oft Mühe, die Leute (auch am Telefon) zu verstehen. Eine medikamentöse 

Behandlung sei nach elf Jahren kaum mehr erfolgversprechend; es könne wohl keine 

Linderung mehr erzielt werden. Für eine Hörgeräteversorgung sei der Hörverlust zu 

gering. Diskutiert werden könnte die Anpassung eines so genannten Tinnitus-Maskers. 

Allerdings sei die Akzeptanz eines solchen Geräts beim Versicherten wohl gering (MV-

act. 26). Dr. med. E.___, Facharzt FMH für Oto-Rhino-Laryngologie, berichtete am 

17. Dezember 2001 über eine Untersuchung vom 7. September 2001 und 

diagnostizierte einen chronischen dekompensierten Tinnitus links (MV-act. 31).

B.c Am 26. März 2002 erfolgte eine Untersuchung zur Beurteilung des 

Integritätsschadens durch Dr. med. F.___, Facharzt FMH für Innere Medizin, vom ärzt­

lichen Dienst der Militärversicherung. Dr. F.___ hielt fest, bezüglich Hörverlust und 

Tinnitus sei von einem stabilen Zustand auszugehen, der durch medizinische 

Massnahmen nicht mehr gebessert werden könne. Der Versicherte habe von einem 

dauernd bestehenden Pfeifen im linken Ohr, das vom Umgebungsschall nicht 

verdrängt werde, mit dem Lärm des Verkehrs auf einer Autobahn vergleichbar sei und 

auf einer in zehn Einheiten unterteilten Lärmskala bei einem Wert von mindestens 

Sechs bis Sieben einzustufen sei, berichtet. Der bei Ruhe besonders stark störende 

Ton könne auch durch Lesen oder konzentriertes Arbeiten nicht zum Verschwinden 

gebracht werden. Er sei immer durch den lauten, durchdringenden Pfeifton gestört 

gewesen, der sich bei Umgebungslärm, Musik, Nebengeräuschen, 

Schreibmaschinenlärm und Türenschlagen noch verstärke. Für Entspannung während 

seiner Berufsarbeit als Geschäftsführer eines Möbelgeschäfts finde er keine Zeit. Öfters 

werde er auch nachts am Einschlafen gehindert. Wenn er todmüde sei, könne er zwar 

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einschlafen, wache aber gegen vier Uhr morgens wieder auf und könne dann wegen 

des Tinnitus nicht mehr einschlafen. In den letzten Jahren sei die Intensität des Tinnitus 

zwar gleich geblieben. Er sei aber empfindlicher geworden und müsse sich immer mehr 

zusammennehmen, um bei Umgebungslärm und wenn er Gespräche in einer Gruppe 

nicht verstehe, die zunehmende Aggressivität im Griff zu behalten. Seit ungefähr zehn 

Jahren leide er auch an einem gesteigerten Hörempfinden. Normale Geräusche würden 

ihn derart stören, dass er oft die Kraft nicht aufbringe, die Überempfindlichkeit zu 

beherrschen. Dr. F.___ gelangte zum Schluss, es liege ein mittelschwerer bis schwerer 

chronischer, dekompensierter linksseitiger Tinnitus mit störender Hyperakusis nach 

einem Knalltrauma mit leichter bis mittelgradiger Hochtonschwerhörigkeit links 

oberhalb 4000 Hertz vor (MV-act. 34).

B.d Dr. med. G.___, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, vom Chefärztlichen 

Dienst des Bundesamtes für Militärversicherung gelangte nach seiner Beurteilung am 

8. April 2002 zum Schluss, die beim Versicherten als Folge eines Knalltraumas in 

Erscheinung getretene Innenohrschädigung stelle einen Integritätsschaden von fünf 

Prozent dar (MV-act. 36). Nachdem der Beginn der Integritätsschadenrente aufgrund 

des fachärztlichen Berichts von Dr. D.___ vom 12. September 2001 auf den 

1. September 2001 festgesetzt worden war (vgl. MV-act. 38), sprach die 

Militärversicherung dem Versicherten mit Verfügung vom 22. August 2002 ab dem 

1. September 2001 eine Integritätsschadenrente von fünf Prozent bzw. Fr. 131.60 pro 

Monat auf unbestimmte Zeit zu (MV-act. 44). Eine dagegen erhobene Einsprache 

wurde ebenso wie die gegen den Einspracheentscheid vom 13. Februar 2003 erhobene 

Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen abgewiesen 

(Entscheid MV 2003/1 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 

21. Januar 2004; vgl. MV-act. 93).

B.e Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens hatte der Versicherte einen Arztbericht von 

Dr. D.___ vom 10. Mai 2003 eingereicht, in welchem über eine depressive 

Grundstimmung berichtet worden war. Dr. D.___ hatte festgehalten, die sehr 

belastenden Ohrgeräusche hätten im Lauf der Zeit zu einer eigentlichen psychischen 

Dekompensation geführt, die seiner Ansicht nach psychologisch behandelt und 

beurteilt werden müsse (vgl. Entscheid MV 2003/1, a.a.O., S. 5 f.). Sodann hatte der 

Versicherte einen Bericht von Dr. med. H.___, Fachärztin FMH für Psychiatrie und 

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Psychotherapie, vom 16. Januar 2004 eingereicht, in welchem über eine Untersuchung 

vom 14. Januar 2004 berichtet worden war. Dr. H.___ hatte über multiple psychische 

Beschwerden, die auf ein Hörtrauma zurückzuführen seien, bzw. über eine 

zunehmende psychische Dekompensation, welche den Versicherten in seiner 

subjektiven Befindlichkeit, seiner Beziehungsfähigkeit und seiner Leistungsfähigkeit 

„massiv“ beeinträchtigen würde, berichtet (MV-act. 99). Am 21. Juni 2004 empfahl 

Dr. med. I.___, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin vom ärztlichen Dienst der 

Militärversicherung, einen ausführlichen Bericht bei Dr. H.___ einzuholen (MV-act. 101). 

Am 30. Juni 2004 teilte Dr. H.___ mit, die Behandlung sei am 12. Januar 2004 (gemeint 

wohl: 14.) abgeschlossen worden (IV-act. 104).

B.f  Berufliche Massnahmen in Form eines Computer- und eines Computer-

Intensivkurses (vgl. MV-act. 87 und 106) wurden im Juni 2005 abgeschlossen (vgl. MV-

act. 110).

B.g Am 28. März 2006 erstattete Dr. D.___ einen Verlaufsbericht, in dem er ausführte, 

der Versicherte sei während der Arbeit stets gereizt und habe oftmals Mühe, den 

rechten Umgang mit den Kunden zu finden. Kleinigkeiten würden ihn rasch stark 

verärgern. Er scheine nicht depressiv zu sein, weshalb eine psychiatrische Behandlung 

wenig sinnvoll sei (MV-act. 120). Auf Anfrage der Militärversicherung um einen 

ausführlichen Bericht teilte Dr. D.___ am 30. Juni 2006 mit, es lägen eine Hochtonsenke 

links und ein „unerträglicher“ Tinnitus links vor. Volle Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr zu 

erwarten (MV-act. 123).

B.h Am 11. Juli 2006 teilte Dr. med. J.___, Facharzt FMH für Chirurgie und Kreisarzt der 

Suva Militärversicherung, mit, eine gewisse Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit durch 

die militärversicherte Gehörschädigung sei nachvollziehbar. Um das genaue Ausmass 

beurteilen zu können, müsse eine Abklärung des Arbeitsplatzes mit Erstellung eines 

Arbeitsprofils durchgeführt werden (MV-act. 124). Anlässlich der Abklärung durch den 

Aussendienst bekundete der Versicherte Interesse an einer Untersuchung und 

allfälligen Behandlung durch die Tinnitusklinik und hielt dafür, lediglich noch zu 50 

Prozent arbeitsfähig zu sein (MV-act. 125.3). Anlässlich des Erstgesprächs 

diagnostizierte Dr. med. K.___, Oberärztin in der Tinnitusklinik, einen chronischen, 

dekompensierten Tinnitus, den Verdacht auf eine Hyperakusis sowie den Verdacht auf 

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eine mittelgradige depressive Episode und empfahl eine stationäre Behandlung (MV-

act. 133). Aufgrund persönlicher Vorbehalte des Versicherten gegenüber Dr. K.___ kam 

der stationäre Aufenthalt in der Folge jedoch nicht zustande (MV-act. 137). Stattdessen 

beauftragte die Militärversicherung Prof. Dr. med. L.___, Klinik für Ohren-, Nasen-, 

Hals- und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Zürich, ein fachärztliches 

Gutachten zu erstellen (MV-act. 139).

B.i In seinem Gutachten vom 23. Juli 2007 diagnostizierte Prof. L.___ einen Status nach 

Knalltrauma links mit teilweise dekompensiertem Tinnitus und Hochton-Schwer­

hörigkeit. Die Entwicklung der Tinnitus-bedingten Beeinträchtigung sei eher 

ungewöhnlich, da sie den Versicherten in den ersten zehn Jahren zu keinen weiteren 

medizinischen Konsultationen bewegt habe. Seine Angaben seien teilweise 

widersprüchlich gewesen. Einerseits habe er glaubhaft Schlafstörungen und 

Beeinträchtigungen im Alltag geschildert, andererseits habe der Leidensdruck nicht 

einmal dazu geführt, die Tinnitus-Fragebögen auszufüllen. Er scheine eine robuste 

Persönlichkeit zu besitzen, ohne Anzeichen für eine Depression und mit durchaus 

erhaltener Genussfähigkeit, was nicht vollständig zu einer Arbeitsunfähigkeit aufgrund 

einer Tinnitusbelastung passe. Es empfehle sich eine tiefere psychologisch-

psychiatrische Analyse zur Eruierung der Ursachen der eher ungewöhnlichen 

Entwicklung und der Zusammenhänge mit der Persönlichkeit des Versicherten sowie 

zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit. Aufgrund des Hörschadens oder 

des Tinnitus allein sei die Arbeitsfähigkeit jedenfalls nicht beeinträchtigt (MV-act. 141). 

Die Kreisarzt-Stellvertreterin Dr. med. M.___, Fachärztin FMH für Innere Medizin, Suva 

Versicherungsmedizin hielt unter Berücksichtigung des Gutachtens von Prof. L.___ und 

der übrigen medizinischen Akten am 3. August 2007 dafür, dass eine psychiatrische 

Abklärung unnötig sei. Ein Psychiater dürfte ihrer Meinung nach kaum in der Lage sein, 

im Nachhinein Vorgänge, die sich in den letzten 17 Jahren abgespielt hätten, zu 

erkennen und deren Rolle auf die psychische Gesundheit objektiv zu beurteilen, zumal 

das Verlangen des Versicherten nach einer Rente „so vordergründig“ sei. Zudem 

hätten zwei erfahrene Fachärzte, welche regelmässig mit Tinnitus-Erkrankten zu tun 

hätten, den Eindruck erhalten, der Versicherte wirke nicht depressiv. Bezüglich 

Arbeitsfähigkeit könne allgemein ausgeführt werden, dass Arbeitsplätze mit 

Lärmexposition und sehr ruhige Arbeitsplätze nicht, andere Tätigkeiten hingegen 

vollumfänglich zumutbar seien (MV-act. 142.1).

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B.j Mit Verfügung vom 30. August 2007 verneinte die Militärversicherung einen 

Anspruch auf Taggeld- oder Invalidenrentenleistungen (MV-act. 144).

C. 

Dagegen erhob der Versicherte am 12. September 2007 Einsprache (MV-act. 145), 

welche mit Entscheid vom 24. Januar 2012 abgewiesen wurde (MV-act. 155).

D. 

D.a Gegen den Einspracheentscheid vom 24. Januar 2012 richtet sich die am 2. März 

2012 (Postaufgabe) erhobene (act. G 1) und am 15. Mai 2012 (act. G 5) und am 18. Juni 

2012 (act. G 7) ergänzte Beschwerde, mit der sinngemäss die Zusprache einer 

Invalidenrente sowie eventualiter die Rückweisung der Angelegenheit an die 

Militärversicherung zu weiteren Abklärungen beantragt wird.

D.b Die Beschwerdegegnerin schliesst insbesondere unter Hinweis auf BGE 138 V 248 

auf Abweisung der Beschwerde (act. G 11, G 14 und G 16).

D.c Die Möglichkeit für einen zweiten Schriftenwechsel wurde von den Parteien nicht 

genutzt.

Erwägungen:

1.

1.1  Ist ein Versicherter infolge einer versicherten Gesundheitsschädigung 

arbeitsunfähig, so hat er gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Militärversicherung (MVG; SR 833.1) Anspruch auf ein Taggeld. Kann von der 

Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des 

Gesundheitszustands mehr erwartet werden und hinterlässt die 

Gesundheitsschädigung nach der zumutbaren Eingliederung eine voraussichtlich 

bleibende oder länger dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit, so ist an Stelle 

des Taggeldes eine Invalidenrente auszurichten (Art. 40 Abs. 1 MVG).

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1.2  Im Verfahren betreffend Leistungen der Militärversicherung gilt grundsätzlich der 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Dieser Grad übersteigt einerseits 

die Annahme einer blossen Möglichkeit bzw. einer Hypothese und liegt andererseits 

unter demjenigen der strikten Annahme der zu beweisenden Tatsache. Die 

Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, wenn der begründeten Überzeugung 

keine konkreten Einwände entgegenstehen. Gilt es, zwischen mehreren Möglichkeiten 

zu entscheiden, ist diejenige überwiegend wahrscheinlich, welche sich am ehesten 

zugetragen hat (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Art. 43 N 30, mit 

Hinweisen). Daraus folgt allerdings nicht, dass der massgebende Sachverhalt nur 

soweit mittels Beweisen zu erheben ist, bis gestützt darauf eine Überzeugung 

begründet werden kann, der keine konkreten Einwände entgegenstehen. Der 

Beweisgrad beeinflusst mit anderen Worten nicht die Pflicht zur umfassenden 

Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen gemäss Art. 43 Abs. 1 bzw. Art. 61 lit. c des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; 

SR 830.1). Der relevante Sachverhalt ist vielmehr in jedem Fall so umfassend als 

möglich zu erstellen, ohne dass dabei bereits dem Beweisgrad Rechnung getragen 

würde. Der Beweisgrad wirkt sich erst auf die Beweiswürdigung aus, nicht bereits auf 

die Beweiserhebung.

2.

2.1  Vorliegend ist eine Verfügung angefochten, mit der ein Anspruch sowohl auf 

Taggeldleistungen als auch auf eine Invalidenrente verneint wurde. Dieser Verfügung 

wie auch dem dieselbe bestätigenden Einspracheentscheid liegt die Annahme 

zugrunde, der nach dem Knalltrauma im Jahr 1990 aufgetretene und fachärztlich 

bestätigte Tinnitus beeinträchtige die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht 

derart, dass dadurch ein Anspruch auf eine Invalidenrente begründet werde. In 

medizinischer Hinsicht stützt sich der Entscheid insbesondere auf das Gutachten von 

Prof. L.___ und die Beurteilung der Kreisarzt-Stellvertreterin Dr. M.___. Der Facharzt 

Prof. L.___ hatte aus rein otorhinolaryngologischer Sicht eine wesentliche 

Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aufgrund des Tinnitus – zumindest in 

quantitativer Hinsicht – verneint, jedoch eine psychiatrische Begutachtung angeregt. 

Die Kreisarzt-Stellvertreterin Dr. M.___ erachtete eine solche allerdings als überflüssig, 

weil sich Inkonsistenzen bei der Begutachtung durch Prof. L.___ gezeigt hatten und 

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weil es einem Psychiater ihrer Meinung nach nicht möglich sei, beweiskräftige 

Aussagen zum Verlauf während der vergangenen (mittlerweile über 20) Jahre zu 

machen. Zudem hätten zwei erfahrene Gutachter eine depressive Störung als 

unwahrscheinlich erachtet.

2.2  Die Kreisarzt-Stellvertreterin Dr. M.___ verkannte, dass die Frage nach dem Verlauf 

bzw. der Entwicklung der vom Beschwerdeführer behaupteten erheblichen 

psychischen Beeinträchtigung nicht die einzige Frage ist, die anhand eines 

psychiatrischen Gutachtens zu beantworten wäre. Primär ist vielmehr von Interesse, ob 

der Beschwerdeführer heute an einer relevanten psychischen 

Gesundheitsbeeinträchtigung leidet und ob ein kausaler Zusammenhang zwischen 

derselben und dem als nachgewiesen erachteten Tinnitus besteht. Obwohl Prof. L.___ 

über eine reiche Erfahrung bei der Untersuchung von Tinnitus-Patienten zu verfügen 

scheint und daher auch die Zusammenhänge zwischen der für dieses Beschwerdebild 

typischen Vermischung von otorhinolaryngologischen und psychischen Befunden 

kennt, hat er keine abschliessende Beurteilung abgegeben, sondern sich vielmehr auf 

sein Fachgebiet beschränkt und darauf hingewiesen, dass der Verlauf eher 

ungewöhnlich sei und eine psychiatrische Abklärung empfohlen. Gründe dafür, die vom 

erfahrenen Gutachter empfohlene zusätzliche Abklärung nicht durchzuführen, sind 

nicht ersichtlich. Weder sprechen die Tatsache, dass Prof. L.___ depressive Symptome 

verneint hat, noch die anzunehmende Unmöglichkeit, den bisherigen Verlauf aus 

psychiatrischer Sicht vollständig erfassen und dokumentieren zu können, dagegen, 

eine psychiatrische Begutachtung durchzuführen. Immerhin dürften von einem solchen 

Gutachten verbindliche Aussagen zum aktuellen psychischen Gesundheitszustand und 

zum Zusammenhang einer allfälligen psychischen Beeinträchtigung und dem Tinnitus 

erwartet werden. Es handelt sich dabei um eine nahe liegende, für die vollständige 

Ermittlung des relevanten Sachverhalts notwendige Beweiserhebungsmassnahme, zu 

der die Beschwerdegegnerin aufgrund von Art. 43 Abs. 1 ATSG verpflichtet gewesen 

wäre.

2.3  Daran ändert auch BGE 138 V 248 grundsätzlich nichts. Bei der so genannten 

Adäquanzprüfung, also der Beurteilung, ob eine bestimmte 

Gesundheitsbeeinträchtigung in einem adäquaten Kausalzusammenhang zu einem 

bestimmten versicherten Ereignis steht, handelt es sich um eine juristische 

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Wertungsfrage, die – wie alle anderen rechtlichen Würdigungen auch – einen 

hinreichend abgeklärten Sachverhalt voraussetzt. Bevor nicht ein psychiatrischer 

Gutachter sich zu allfälligen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen und allenfalls 

deren Zusammenhang mit dem Tinnitus geäussert hat, kann die Adäquanzprüfung 

nicht zuverlässig vorgenommen werden. Gerade auch angesichts des komplexen 

Zusammenwirkens von otorhinolaryngologischen und psychischen Beeinträchtigungen 

bei chronischem Tinnitus scheint zudem eine Adäquanzprüfung nicht schematisch 

vorgenommen werden zu können. Wesentlich ist, wie Prof. L.___, überzeugend 

dargelegt hat, welchen (so genannten) Persönlichkeitswert der Tinnitus hat, also wie 

sich das chronische unangenehme Pfeifen auf die Persönlichkeit des 

Beschwerdeführers auswirkt. Für die Beantwortung dieser Frage, die in hohem Mass 

auch medizinische Komponenten aufweist, ist den gesamten Umständen Rechnung zu 

tragen. Die blosse Beurteilung hauptsächlich des Ereignisses vor mehr als 20 Jahren 

anhand fix vorgegebener Kriterien wird dem nicht gerecht (vgl. in diesem 

Zusammenhang auch die Kritik von Ueli Kieser an BGE 138 V 248 in: AJP 11/2012, 

S. 1643 ff., sowie diejenige aus medizinischer Sicht von Dr. med. Jörg Jeger in: Jus­

letter vom 27. August 2012). Die Einholung eines unabhängigen psychiatrischen 

Gutachtens ist jedenfalls vorliegend zwingend erforderlich.

3.

Da es nicht Sache des Versicherungsgerichts ist, Abklärungen, die im 

Verwaltungsverfahren versäumt wurden, nachzuholen, ist die Angelegenheit zur 

Einholung eines versicherungsexternen psychiatrischen Gutachtens und allenfalls einer 

Konsensbeurteilung zwischen dem psychiatrischen Consiliarius und Prof. L.___ sowie 

weiteren notwendigen Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

Gerichtskosten sind keine zu erheben. Da die Rückweisung zu weiteren Abklärungen 

hinsichtlich Kosten- und Entschädigungsfolgen praxisgemäss als vollständiges 

Obsiegen der Beschwerde führenden Partei zu qualifizieren ist, hat die 

Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer mit einer aufgrund des einfachen 

Schriftenwechsels und des unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwands reduzierten 

Pauschale von Fr. 2’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu 

entschädigen.

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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 

VRP entschieden:

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene 

Einspracheentscheid vom 24. Januar 2012 aufgehoben und die Angelegenheit zur 

Durchführung weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und anschliessender 

Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit Fr. 2’500.-- (einschliesslich 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

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