# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d3f60718-4af0-550f-8b5d-f56949c80486
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.08.2010 D-309/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-309-2008_2010-08-13.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-309/2008/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 3 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richter Daniel Schmid, Richter Bendicht Tellenbach; 
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

A._______, geboren ...,
B._______, geboren ...,
C._______, geboren ...,
D._______, geboren ...,
E._______, geboren ...,
F._______, geboren ...,
G._______, geboren ...,
H._______, geboren ...,
Kosovo,
alle vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, 
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; 
Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2007 / N ______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-309/2008

Sachverhalt:

A.
A.a Der Beschwerdeführer und seine Kinder C._______, D._______, 
E._______,  F._______ und G._______ –  alle  Angehörige der  Volks-
gruppe der Ägypter aus Kosovo – verliessen ihre Heimat eigenen An-
gaben zufolge am 11. Mai 2004 und reisten am 13. Mai 2004 in die 
Schweiz ein. Am gleichen Tag reichten die Beschwerdeführenden Asyl-
gesuche  ein,  worauf  sie  vom  damaligen  Bundesamt  für  Flüchtlinge 
(BFF) am 14. Mai 2004 kurz befragt und am 27. Mai 2004 ein lässlich 
zu ihren Gesuchsgründen angehört wurden. 

Zur Begründung ihrer Asylgesuche führten sie aus, sie würden aus der 
Ortschaft  X._______ stammen. Seit  dem Krieg sei  der  Beschwerde-
führer nicht mehr arbeitstätig gewesen; die Minderheiten würden in der 
Arbeitssuche benachteiligt. Zwar wäre er  2001 zur  Absolvierung der 
Polizeischule zugelassen gewesen, er sei aber von albanischen Nach-
barn bedroht worden und habe deshalb auf die Ausbildung verzichten 
müssen. Gelebt hätten sie von der Sozialhilfe, was allerdings nicht ge-
nügt habe, sodass sie auch von Familienangehörigen aus dem Aus-
land hätten unterstützt  werden müssen. Ständig seien sie von Alba-
nern  beschimpft  worden. Im März 2004 sei  es,  ausgelöst  durch den 
Tod einiger albanischer Kinder, zu Unruhen beziehungsweise Angriffen 
auf die Minderheiten im Kosovo gekommen. Die Albaner seien auf An-
gehörige  der  Serben,  Roma  und  Ägypter  losgegangen,  maskierte 
Männer seien in die Häuser eingedrungen und hätten die Bevölkerung 
malträtiert. Den Beschwerdeführenden sei persönlich nichts zugestos-
sen. Aus Angst vor ernsthaften Nachteilen seien sie jedoch ausgereist. 

Die Herkunft aus dem Kosovo und die Zugehörigkeit zur Volksgruppe 
der Ägypter wurde durch ein LINGUA-Gutachten vom 18. Mai 2004 be-
stätigt.

A.b Mit  Verfügung  vom 28. Mai  2004  –  am gleichen  Tag eröffnet  – 
stellte  das  BFF  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flücht-
lingseigenschaft  nicht,  lehnte  die  Asylgesuche  ab  und  ordnete  die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Im 
Rahmen der  Begründung seines Entscheides erkannte  das BFF die 
Gesuchsvorbringen  im  Wesentlichen  als  asylrechtlich  nicht  relevant, 
die Sicherheitskräfte vor Ort seien Willens und in der Lage, die  Min-

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derheiten vor allfälligen Übergriffen zu schützen. Der Vollzug der Weg-
weisung sei zulässig, zumutbar und möglich.

B.
B.a Die  Beschwerdeführerin  und  ihr  jüngstes  Kind  H._______ 
– ebenfalls Angehörige der Volksgruppe der Ägypter aus Kosovo – ver-
liessen  ihre  Heimat  eigenen  Angaben  zufolge  zusammen  mit  dem 
Ehemann und den anderen Kindern am 11. Mai 2004. In Montenegro 
sei die Familie getrennt worden und die Beschwerdeführerinnen reis-
ten am 24. Juni 2004 in die Schweiz ein. Am 27. Juni 2004 reichten die 
Beschwerdeführerinnen Asylgesuche ein, worauf die Beschwerdefüh-
rerin vom BFF am 28. Juni 2004 kurz befragt und am 30. Juni 2004 
einlässlich zu ihren Gesuchsgründen angehört wurde. Die Beschwer-
deführerin machte im Wesentlichen die gleichen Fluchtgründe geltend, 
wie bereits ihr Ehemann und ihre weiteren Kinder.

B.b Mit Verfügung vom 1. Juli 2004 – am gleichen Tag eröffnet – stell-
te das BFF fest, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlingsei-
genschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Im Rahmen 
der Begründung seines Entscheides erkannte das BFF die Gesuchs-
vorbringen im Wesentlichen als asylrechtlich nicht relevant; die Sicher-
heitskräfte vor Ort seien Willens und in der Lage, die Minderheiten vor 
allfälligen Übergriffen zu schützen,  und der  Vollzug der Wegweisung 
sei zulässig, zumutbar und möglich. 

C.
Gegen die jeweiligen Entscheide des BFF reichten die Beschwerde-
führenden  am  25.  Juni  2004  (Poststempel)  beziehungsweise  am 
22. Juli  2004 (Poststempel) – beschränkt auf die Frage des Wegwei-
sungsvollzuges – bei der damals zuständigen Schweizerischen Asylre-
kurskommission (ARK) Beschwerden ein, wobei in den Eingaben zur 
Hauptsache  die  Gewährung  einer  vorläufigen  Aufnahme  in  der 
Schweiz zufolge Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzuges beantragt wurde.

D.
Am 4. April  2006 hob das BFM im Rahmen der Vernehmlassung die 
angefochtenen  Entscheide  im  Vollzugspunkt  wiedererwägungsweise 
auf und ordnete die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in 
der Schweiz zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an. 

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Als Folge dieses Entscheides schrieb die ARK am 7. April  2006 die 
Beschwerdeverfahren als gegenstandslos geworden ab. 

E.
Nach Abklärungen durch das schweizerische Verbindungsbüro vor Ort 
gewährte das BFM mit Schreiben vom 9. Oktober 2007 den Beschwer-
deführenden das rechtliche Gehör im Hinblick auf eine Aufhebung der 
gewährten vorläufigen Aufnahme in der Schweiz und dem damit ver-
bundenen Wegweisungsvollzug. Gemäss dem Abklärungsbericht habe 
sich ergeben, dass ein grosser Teil der Familienangehörigen der Be-
schwerdeführenden im Ausland lebten. Im Quartier, aus dem die Be-
schwerdeführenden  stammten,  gehörten  90%  der  Bevölkerung  der 
Minderheit  der Ägypter an. Im Haus der Beschwerdeführenden habe 
zunächst – mit deren Einverständnis – eine Familie aus Y._______ ge-
wohnt. Heute stehe das Haus jedoch zur Verfügung und sei gut  be-
wohnbar. Die  Nachbarhäuser  würden den Cousins des Beschwerde-
führers gehören, die dort ihre Ferien verbrächten. Die Sicherheitslage 
in der Region sei auch für  die Minderheiten gut,  jedoch sei die wirt-
schaftliche  Situation  schwierig.  Aufgrund  dieses  Berichtes  teilte  das 
BFM den Beschwerdeführenden mit, es erachte den Vollzug der Weg-
weisung als  zumutbar, zumal  sich  die Situation für  die Minderheiten 
aus dem Kosovo verbessert habe und gemäss Abklärungen vor Ort im 
Heimatland eine gesicherte Wohnsituation vorliege. Zudem sprächen 
in ihrem Fall auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit 
des Wegweisungsvollzuges. 

Mit  Stellungnahme vom 12. November 2007 teilten die Beschwerde-
führenden dem BFM mit,  eine Rückkehr in ihre Heimat sei weiterhin 
nicht zumutbar. So würden ihr Haus und die Häuser ihrer ausgewan-
derten  Familienangehörigen  heute  von  albanischen  Kosovaren  be-
wohnt und es sei  naiv  anzunehmen, diese würden die Häuser ohne 
weiteres  frei  geben. Auch  müsse  vor  diesem Hintergrund  bezweifelt 
werden, dass der Anteil der ägyptischen Bevölkerung in ihrem Quartier 
tatsächlich, wie es die Abklärungen des schweizerischen Verbindungs-
büros – das im Übrigen mit albanischen Übersetzern arbeite – erge-
ben hätte, bei 90% liege. Dabei würde es sich vielmehr um die Zahlen 
der Bevölkerung vor dem Krieg handeln, die nicht mehr adäquat seien. 
Die  Familienangehörigen  der  Beschwerdeführenden  würden  sich 
schliesslich im Ausland aufhalten, weshalb auch nicht von einem trag-
fähigen Beziehungsnetz vor Ort ausgegangen werden könne. Bei Prü-
fung der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme sei angesichts der fort -

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geschrittenen Integration der  Kinder  der  Beschwerdeführenden denn 
auch der Kinderrechtskonvention (KRK) Rechnung zu tragen.

Das schweizerische Verbindungsbüro nahm am 22. November 2007 zu 
den entsprechenden Einwänden Stellung und führte  aus,  es  arbeite 
immer mit Übersetzern zusammen, die der gleichen Volksgruppe an-
gehörten,  wie  die  betroffenen Gesuchsteller. Die  prozentuale  Auftei-
lung der Bevölkerung im Quartier sei von Mitgliedern der ägyptischen 
Volksgruppe  angegeben  worden  und  schliesslich  würden  das  Haus 
des  Beschwerdeführers  wie  auch  die  seiner  Familienangehörigen  in 
der Nachbarschaft leer stehen beziehungsweise als Ferienhäuser ge-
nutzt. 

F.
Mit  Verfügung vom 12. Dezember 2007 – eröffnet am 17. Dezember 
2007 – hob das BFM die am 4. April 2006 angeordnete vorläufige Auf-
nahme der  Beschwerdeführenden  auf  und  forderte  sie  unter  Andro-
hung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall auf, die Schweiz bis zum 
10.  Februar  2008  zu  verlassen.  In  seinem  Entscheid  erkannte  das 
BFM  den  Wegweisungsvollzug  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich, 
weshalb die den Beschwerdeführenden gewährte vorläufige Aufnahme 
aufzuheben sei. Betreffend die Frage der Zulässigkeit verwies es auf 
die  rechtskräftige  Abweisung  des  Asylgesuches. Den  Wegweisungs-
vollzug in den Kosovo erklärte das BFM aufgrund der heutigen Verhält-
nisse als grundsätzlich zumutbar, wobei auch im Falle der Beschwer-
deführenden keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges sprächen. Vielmehr habe die Einzelfallprüfung 
ergeben,  dass  eine  gesicherte  Wohnsituation  bestehe  und  die  Be-
schwerdeführenden über ein breites Familiennetz im Kosovo wie auch 
im Ausland verfügen würden. Die Beschwerdeführenden sollten somit 
in der Lage sein, sich in ihrer Heimat zu reintegrieren und eine wirt-
schaftliche Existenzgrundlage zu schaffen. Abschliessend erklärte das 
BFM den Vollzug der Wegweisung in den Kosovo auch als möglich.

G.
Am 16. Januar 2008 (Poststempel) liessen die Beschwerdeführenden 
durch ihren Rechtsvertreter gegen den Entscheid des BFM Beschwer-
de erheben. In der Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht wurde 
namentlich die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Wei-
terführung  der  vorläufigen  Aufnahme  zufolge  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges beantragt. Eventualiter sei die Sache zur Neu-

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beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die 
Vorinstanz  anzuweisen,  die  Ausreisefrist  unter  Rücksichtnahme  auf 
das Schuljahr auf Ende Juli 2008 anzusetzen. In prozessualer Hinsicht 
ersuchten  die  Beschwerdeführenden  um  vollständige  Akteneinsicht, 
um Erlass der Verfahrenskosten sowie um Befreiung von der Kosten-
vorschusspflicht. 

H.
Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  23. Ja-
nuar 2008 wurden die Gesuche um Akteneinsicht und um Erlass der 
Verfahrenskosten (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  abgewiesen und den Beschwerdeführenden wurde zur 
Bezahlung des Kostenvorschusses eine Frist angesetzt. 

I.
Mit Eingabe vom 29. Januar 2008 wurde ein Bericht der SFH zu den 
Abklärungsergebnissen der  schweizerischen Botschaft  zu den Akten 
gereicht, wonach Abklärungen vor Ort ergeben hätten, dass nicht alle 
Informationen den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen würden. 
Aufgrund dieses Berichtes wurde das Gesuch gestellt, es sei wiederer-
wägungsweise auf die Verfügung vom 23. Januar 2008 zurückzukom-
men und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.

J.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Januar 2008 wurde wiedererwägungs-
weise  auf  die  Erhebung  des  Kostenvorschusses  verzichtet  und  das 
Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten gutgeheissen. Die Beschwer-
deführenden  hatten  indes  den  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von 
Fr. 600.– bereits am 28. Januar 2008 zu Handen des Gerichts einbe-
zahlt. 

K.
In seiner Vernehmlassung vom 20. Februar 2008 beantragte das BFM 
die Abweisung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Vernehmlassung 
wurde den Beschwerdeführenden am 21. Februar 2008 zur Kenntnis-
nahme zugestellt. 

L.
Mit Eingaben vom 4. März 2007, 10. Februar 2010, 7. Juni 2010 und 
18. Juni 2010 wurden Belege für die erfolgreiche Integration der Be-

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schwerdeführenden sowie Unterlagen zu einer beim zuständigen Kan-
ton angestrebten Härtefallbewilligung zu den Akten gereicht. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet unter anderem endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM in Sachen Aufhe-
bung der vorläufigen Aufnahme von Ausländerinnen und Ausländern in 
der Schweiz (Art. 84 Abs. 2 und 3 des Bundesgesetzes vom 16. De-
zember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]  i.V.m.  Art. 31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. c Ziff. 3 des Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 des Bundes-
gesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG, SR 172.021]).

1.3 Die Beschwerdeführenden sind zur Beschwerde legitimiert und sie 
haben ihre Eingabe frist- und formgerecht eingereicht, weshalb auf die 
Beschwerde einzutreten ist (vgl. dazu Art. 37 VGG i.V.m. Art. 112 AuG 
und Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). 

2.
2.1 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren geht  es um die Frage, ob 
die Vorinstanz die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden zu 
Recht  aufgehoben  hat.  Die  Voraussetzungen  für  die  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  werden  seit  dem  1.  Januar  2008  in  Art.  84 
Abs. 2 AuG umschrieben. Davor wurde die vorläufige Aufnahme durch 
das Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlas-
sung der Ausländer (ANAG, BS 1 121) geregelt, welches zeitgleich mit 
dem Inkrafttreten des AuG aufgehoben wurde (vgl. Art. 125 AuG i.V.m. 
Ziff. I Anhang 2 zum AuG). Gemäss Art. 126a Abs. 4 AuG gilt – unter  
Vorbehalt der Absätze 5-7 – für Personen, die im Zeitpunkt des Inkraft-
tretens der am 16. Dezember 2005 beschlossenen Änderung des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]  sowie des AuG vor-
läufig aufgenommen waren, das neue Recht. Nachdem der Beschwer-

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deführer vom BFM mit Verfügung vom 20. Februar 2006 vorläufig auf-
genommen wurde,  ist  aufgrund der  genannten übergangsrechtlichen 
Regelung das Vorliegen der Voraussetzungen für  die Aufhebung der 
vorläufigen Aufnahme nach neuem Recht – mithin nach Art. 84 Abs. 2 
AuG – zu prüfen.

2.2 Wurde  eine  Ausländerin  oder  ein  Ausländer  vorläufig  in  der 
Schweiz aufgenommen, so überprüft das BFM periodisch, ob im jewei -
ligen  Einzelfall  die  Voraussetzungen  für  eine  vorläufige  Aufnahme 
noch gegeben sind (Art. 84 Abs. 1 AuG). Das BFM hebt die vorläufige 
Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der Weg- oder Ausweisung an, 
wenn die Voraussetzungen nicht  mehr  gegeben sind (Art. 84  Abs. 2 
AuG).  Die  Voraussetzungen  für  die  vorläufige  Aufnahme  sind  nicht 
mehr gegeben, wenn der Vollzug der rechtskräftig angeordneten Weg-
weisung zulässig (Art. 83 Abs. 3 AuG) und es der ausländischen Per-
son  zumutbar  (Art.  83  Abs. 4  AuG)  und  möglich  ist  (Art.  83  Abs. 2 
AuG), sich rechtmässig in ihren Heimat-, in den Herkunftsstaat oder in 
einen Drittstaat zu begeben. 

2.3 Zu prüfen ist damit, ob der Vollzug der Wegweisung zulässig, zu-
mutbar  und möglich  ist. Für  das Bundesverwaltungsgericht  ist  dabei 
die  bei  Ausfällung  des  vorliegenden  Urteils  bestehende  Aktenlage 
massgeblich.  Der  angefochtene  Aufhebungsentscheid  des  BFM  hat 
sich  somit  nicht  nur vor der  im Moment  seines Erlasses gegebenen 
Sach- und Rechtslage zu behaupten, sondern auch gegenüber den im 
Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens  hinzugetretenen  Tatsachen  und 
Beweismittel zu bewähren.

2.4 Sind nicht alle drei  genannten Bedingungen (Zulässigkeit,  Zumut-
barkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs)  gleichzeitig  erfüllt 
(vgl. zur entgegengesetzten Konstellation bei der Gewährung einer vor-
läufigen Aufnahme BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748), erweist sich der Voll-
zug der Wegweisung unverändert als undurchführbar, und eine Aufhe-
bung der vorläufigen Aufnahme fällt – Art. 84 Abs. 3 AuG vorbehalten 
–  nicht  in  Betracht.  Wie  im Folgenden  darzulegen  sein  wird,  ist  der 
Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden (weiterhin) als un-
zumutbar  zu  beurteilen. Dementsprechend erübrigt  sich  eine Erörte-
rung der beiden anderen Kriterien.

3.
3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-

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staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

3.2 Als  hauptsächlichen  Grund  für  seinen  Entscheid,  die  vorläufige 
Aufnahme wieder aufzuheben, gab das BFM an, es lägen hinsichtlich 
eines  Wegweisungsvollzugs  keine  individuellen  Unzumutbarkeitsindi-
zien  mehr  vor,  zumal  die  Abklärungen  des  schweizerischen  Verbin-
dungsbüros  in  Pristina  ergeben hätten,  dass  die Beschwerdeführen-
den im Heimatstaat über ein familiäres Beziehungsnetz und eine gesi-
cherte  Wohnsituation  verfügten.  So  würden  verschiedene  Verwandte 
des Beschwerdeführers, die sich überwiegend im Ausland aufhielten, 
über  Wohnhäuser  in  der  Heimat  verfügen,  die  als  Ferienhäuser  ge-
nutzt  würden. Auch  das  Haus  der  Beschwerdeführenden  stehe  leer 
und sei bewohnbar. Im Quartier der Beschwerdeführenden seien 90% 
der Bevölkerung Angehörige einer Minderheit, weshalb auch in diesem 
Sinne von einer stabilen Situation ausgegangen werden könne. Zudem 
könnten  die  Beschwerdeführenden  zumindest  für  die  Anfangsphase 
auf die Unterstützung der Verwandten im In- und Ausland zählen und 
auch von Rückkehrhilfe profitieren. Trotz der unbestreitbar schwierigen 
Verhältnisse im Kosovo bestünden somit keine Hinweise, wonach die 
Beschwerdeführenden bei  einer Rückkehr aus wirtschaftlichen Grün-
den in eine existenzbedrohende Situation geraten würden. 

3.3 Die Beschwerdeführenden hielten dem unter Eingabe eines per-
sönlichen Abklärungsberichts der SFH entgegen, ihr Haus bestehe le-
diglich aus einem Wohnzimmer, einem Schlafzimmer und einer Küche 
und sei nicht mehr bewohnbar. Es bedürfe umfassender Renovations-
arbeiten. Ausserdem würde vor Ort  nur  noch eine Cousine mit  ihrer 
Familie leben, die selbst unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedin-
gungen leide und deshalb keine Unterstützung leisten könne. Alle an-
deren Verwandten würden im Ausland leben. In diesem Sinne könnten 
auch die Angaben des schweizerischen Verbindungsbüros nicht stim-
men, wonach 90% der Quartierbevölkerung Angehörige der Minderhei-
ten seien. Schliesslich seien die Möglichkeiten für eine berufliche Re-
integration des Beschwerdeführers schlecht, liege doch die Arbeitslo-
senquote bereits für die kosovo-albanische Bevölkerung bei über 50% 
und für die Minderheiten noch sehr viel höher. Sozialhilfe würde nur er-

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halten, wer für ein Kind zu sorgen hat, das unter fünf Jahre alt sei. Die 
Lebensbedingungen  seien  für  Angehörige  der  Minderheiten  prekär 
und es sei für junge Leute schwierig, eine adäquate Ausbildung zu er-
langen. Die Beschwerdeführenden machen in ihren Eingaben ausser-
dem auf  die  weit  fortgeschrittene  Integration  der  sechs  Kinder  auf-
merksam,  für  die  eine  Rückkehr  angesichts  der  damit  verbundenen 
Entwurzelung und der fehlenden Ausbildungs- und Berufsmöglichkei-
ten im Heimatstaat verheerende Folgen hätte. Alle Kinder würden per-
fekt Schweizerdeutsch sprechen, hätten sich mühelos in das schwei-
zerische Bildungssystem integriert und die jüngeren seien nicht in der 
Lage Albanisch zu lesen und zu schreiben. Die Rückkehr der achtköp-
figen Familie sei unter den gegebenen Umständen nicht zumutbar.

4.
4.1 Im Zusammenhang mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  sich  bereits  aufgrund 
der  ethnischen  Zugehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  zur  Volks-
gruppe  der  Ägypter  bei  einer  Rückkehr  in  den  Kosovo  erhebliche 
Schwierigkeiten ergeben können. 

4.1.1 Die ehemalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) er-
achtete den Vollzug der Wegweisung von albanischsprachigen Roma, 
Ashkali und sogenannten Ägyptern als grundsätzlich zulässig und zu-
mutbar, sofern eine Einzelfallabklärung vor Ort (insbesondere über das 
damalige schweizerische Verbindungsbüro im Kosovo [heute: schwei-
zerische Botschaft im Kosovo]) ergab, dass bestimmte Kriterien erfüllt 
waren (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 
2006  Nr. 10).  Als  Gegenstand  einer  derartigen  Prüfung bezeichnete 
die  Kommission  namentlich  die  Aspekte  der  beruflichen Ausbildung, 
des  Gesundheitszustands,  des  Alters,  der  wirtschaftlichen  Lebens-
grundlage sowie des sozialen oder verwandtschaftlichen Beziehungs-
netzes. 

4.1.2 Diese Beurteilung der ARK hat nach wie vor ihre Gültigkeit (vgl. 
BVGE 2007/10 E. 5.3 ff.), zumal die gesellschaftliche, wirtschaftliche 
und politische Lage im Kosovo auch nach dessen Unabhängigkeitser-
klärung  bislang  keine  massgeblichen  Veränderungen  erfahren  hat. 
Nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts sind die ko-

sovarischen Roma, Ashkali und sogenannten Ägypter noch immer er-

heblichen sozialen und ökonomischen Diskriminierungen ausgesetzt. 

Insbesondere liegt die Quote der Arbeitslosigkeit bei diesen Bevölke-

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rungsgruppen mit gegen 98% weit über dem allgemeinen Durchschnitt 

im Kosovo. Zudem sind diese ethnischen Minderheiten nach wie vor 

mit  Diskriminierungen  in  den Bereichen Wohnen,  Schulbildung,  Für-

sorge, Gesundheitsvorsorge sowie bei der Registrierung konfrontiert.

4.1.3 Im vorliegenden Fall wurden durch das BFM spezifische Abklä-

rungen vor Ort veranlasst, mit welchen insbesondere das Bestehen ei-

nes familiären und sozialen Beziehungsnetzes sowie weiterer konkre-

ter Existenzbedingungen wie etwa der Wohnsituation überprüft werden 

konnten. Dabei hat  sich ergeben, dass die Beschwerdeführenden im 

Kosovo noch ein Haus besitzen und eine Cousine noch vor Ort lebt. 

Die übrigen Familienangehörigen der Beschwerdeführenden befinden 

sich hingegen überwiegend im Ausland. Zweifellos dürften sich die Be-

schwerdeführenden zumindest in einer Anfangsphase auf die finanziel-

le  Unterstützung der  im  Ausland lebenden  Verwandten  stützen kön-

nen. Dies dürfte aber dennoch ein tragfähiges Beziehungsnetz vor Ort 

nicht  gänzlich ersetzen können,  das  wohl  nötig  wäre,  um unter  den 

äusserst  schwierigen  Bedingungen  für  Angehörige  der  Minderheiten 

eine  erfolgreiche  berufliche  Reintegration  zu  ermöglichen.  Immerhin 

hat die Vorinstanz zu Recht festgehalten, dass die Wohnsituation gesi-

chert scheint; auch wenn das eigene Haus der Beschwerdeführenden 

vorerst  unbewohnbar  ist,  stehen  offenbar  andere  Häuser  von  Ver-

wandten – die von diesen als Ferienhäuser genutzt werden – zur Ver-

fügung. Dennoch dürfte die achtköpfige Familie im Falle der Rückkehr 

mit  prekären  wirtschaftlichen  Bedingungen  konfrontiert  sein,  auch 

wenn diese für sich alleine noch nicht zur Unzumutbarkeit  des Weg-

weisungsvollzuges zu führen vermögen.

4.2
4.2.1 In Fortführung der Praxis der ARK (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 6 
S. 55 ff.) und in völkerrechtskonformer Auslegung von Art. 83 Abs. 4 
AuG im Licht von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. Novem-
ber 1989 über die Rechte des Kindes (KRK; SR 0.107) legt  das Bun-
desverwaltungsgericht  besonderes  Gewicht  auf  den Aspekt  des Kin-
deswohls, sofern von einem Vollzug der Wegweisung Kinder betroffen 
sind. Folgerichtig sind sämtliche Umstände einzubeziehen und zu wür-
digen, denen im Hinblick auf eine Wegweisung gemessen an den be-
rechtigten  Interessen  des  Kindes  eine  wesentliche  Bedeutung  zu-
kommt. Namentlich können dabei folgende Kriterien im Rahmen einer 
gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhän-
gigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Ei-

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genschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbe-
reitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/-
Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem länge-
ren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des 
Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chan-
cen  und  Hindernisse  einer  Reintegration  im  Heimatland  bei  einem 
Kind  als  gewichtiger  Faktor  zu  werten,  da  Kinder  nicht  ohne  guten 
Grund  aus  einem  einmal  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden 
sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur das 
unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) 
zu berücksichtigen,  sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. 
Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die 
Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine 
starke Assimilierung in der Schweiz eine Entwurzelung im Heimatstaat 
zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin 
als  unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  BVGE 2009/51  E. 5.6  S. 749, 
BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f.).

4.2.2 Die vorliegend von der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme be-
troffenen  Kinder  sind  im Alter  von  11  (E._______),  10  (F._______), 
8 (G._______) und 3 (H._______) Jahren in die Schweiz eingereist. In 
den seither verstrichenen sechs Jahren haben sie hierzulande Lebens-
abschnitte  verbracht,  die  zwangsläufig  ihre  Persönlichkeit  nachhaltig 
geprägt  haben.  In  verschiedenen  Berichten  und  Referenzschreiben 
(vgl. Eingabe vom 10. Februar 2010) wird durch verschiedene Vertrete-
rinnen der Behörden bestätigt, dass sämtliche vier Kinder Schweizer-
deutsch sprächen und sich in den jeweiligen Klassen (Sekundarschu-
le, 6. und 2. Klasse Primarschule) gut integriert hätten. Die vier Kinder 
seien  durchwegs  angenehme Schüler  und  lieferten über  das  Ganze 
gesehen genügende bis gute Leistungen ab. 

Das BFM äusserte  sich  in  seiner  Vernehmlassung  vom 20. Februar 
2008 nicht zur Frage der Vereinbarkeit eines Wegweisungsvollzugs mit 
dem Gebot der Achtung des Kindeswohls im Allgemeinen und der Si -
tuation der vier Kinder in der Schweiz im Besonderen. In der angefoch-
tenen Verfügung vertrat es den Standpunkt,  ein Wegzug ins Ausland 
sei  auch mit  Sicht  auf  den im damaligen Zeitpunkt  erst  dreijährigen 
Aufenthalt der Familie in der Schweiz zumutbar. Vorliegend ist jedoch 
die Situation aus heutiger Sicht  zu beachten,  nachdem sich die Be-
schwerdeführenden nunmehr seit mehr als sechs Jahren hier aufhal-
ten. Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auch auf die bundes-

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gerichtliche Rechtsprechung, wonach gerade auch die Bedeutung der 
Einschulung als  Mittel  der selbständigen Einfügung in die alltägliche 
Realität in der Schweiz hervorgehoben wird. Eine weitere Differenzie-
rung nahm das Bundesgericht sodann dadurch vor, dass es der in der 
Phase der Adoleszenz verbrachten Schulzeit  spezielles Gewicht bei-
mass. Konkret führte es aus, dass der Schulbesuch in diesem Lebens-
abschnitt (nach Definition der Weltgesundheitsorganisation [WHO] die 
Periode des Lebens zwischen 10 und 20 Jahren [Anm. des Gerichts]) 
in endgültiger Weise zur Integration des Kindes in eine bestimmte so-
zio-kulturelle Gesellschaft beitrage, wenn auch im Einzelfall die nähe-
ren Umstände wie namentlich die Dauer der Schulzeit, das dabei er-
reichte Niveau und das Resultat eines allfälligen Schulabschlusses be-
rücksichtigt werden müssten (BGE 123 II 125 E. 4b S. 130).

Vorliegend ist aufgrund der Akten davon auszugehen, dass die Assimi-
lierung der vier Kinder weit fortgeschritten ist und sich unterdessen ei-
ne Adaptation an tragende Vorstellungen der schweizerischen Kultur 
und Lebensweise vollzogen hat. Hinweise, wonach die Eltern eine der-
artige Entwicklung zu verhindern versucht hätten, sind nicht aktenkun-
dig. Gerade der  Besuch der  Schule über einen Zeitraum von bis  zu 
sechs Jahren hinweg, die natürliche Interaktion mit Klassenkameradin-
nen und -kameraden sowie das kontinuierliche Erlernen der (schwei-
zer-)deutschen Sprache dürften eine weitreichende Anpassung an die 
schweizerische Lebensweise bewirkt haben, so dass die abrupte Tren-
nung vom gewohnten Umfeld sich zwangsläufig als Hypothek für ihre 
individuelle Entwicklung auswirken würde. Auch angesichts der – wei-
terhin  beträchtlichen –  kulturellen  Differenzen zwischen  der  Schweiz 
und Kosovo wäre ihre (Re-)Integration massiv erschwert. So dürfte der 
Umgang mit den in der Heimat verbreiteten sozio-kulturellen Gepflo-
genheiten komplett in den Hintergrund getreten sein, sofern eine ent-
sprechende  Prägung  in  den  ersten  Lebensjahren  im  Kosovo  oder 
durch  Übernahme  von  den  Eltern  befolgter  Verhaltensregeln  in  der 
Schweiz überhaupt stattgefunden hat. Zudem fehlen den Kindern jene 
– namentlich schriftlichen – Kenntnisse ihrer Muttersprache, welche für 
eine erfolgreiche Eingliederung ins Schulsystem respektive für die be-
rufliche Aus- und Weiterbildung in der Heimat vorauszusetzen wären. 
Es besteht bei dieser Sachlage für die vier Kinder die erhebliche Ge-
fahr, dass die mit einem Vollzug der Wegweisung verbundene Entwur-
zelung aus dem gewachsenen sozialen Umfeld in der Schweiz einer-
seits  und  die  sich  gleichzeitig  abzeichnende  Problematik  einer 
(Re-)Integration in die ihnen weitgehend fremde respektive fremdge-

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wordene  Kultur  und  Umgebung andererseits,  wo sie  darüber  hinaus 
als  Angehörige einer  Minderheit  mit  Diskriminierung konfrontiert  wä-
ren, zu starken Belastungen in ihrer jugendlichen Entwicklung führen 
würden, die mit dem Schutzanliegen des Kindeswohls nicht vereinbar 
wären  (vgl.  BVGE 2009/51  E. 5.8.2  S. 753,  BVGE  2009/28  E. 9.3.4 
S. 368 f.; EMARK 2005 Nr. 6 E. 7.1 S. 58 f.).

4.3 Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der genannten Aspekte und 
unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Einheit der Familie (vgl. 
Art.  44  Abs. 1  AsylG in  fine; EMARK 1998  Nr. 31  E. 8c.ee  S. 258, 
EMARK  1996  Nr.  18  E.  14e  S.  189  f.,  EMARK  1995  Nr.  24  E.  11 
S. 230 ff.)  gelangt  das Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss,  dass 
der  Vollzug  der  Wegweisung  gegenüber  den  Kindern  E._______, 
F._______, G._______ und H._______ sowie den – zu ihrer Erziehung 
berechtigten – Eltern zum heutigen Zeitpunkt als nicht zumutbar zu er-
achten  ist.  Dabei  kommt  dem Kindeswohl  ein  zentrales  Gewicht  zu, 
wobei  die übrigen Elemente (Diskriminierung der Ägypter und deren 
wirtschaftliche  Existenzbedingungen  im  Kosovo)  eine  verschärfende 
Rolle  spielen. Die  allgemeinen  Lebensbedingungen  der  Volksgruppe 
der Ägypter wie auch der verwandten ethnischen Minderheiten der Ro-
ma im Kosovo haben sich bis heute noch nicht wesentlich verbessert. 
Zwar wurden diese Minderheiten in letzter Zeit nicht mehr Opfer gene-
reller direkter Gewaltakte, jedoch sind sie nach wie vor schwerwiegen-
den  Diskriminierungen  in  den  Bereichen  der  sozialen  Fürsorge,  der 
Schulbildung, der Gesundheitsversorgung, des Wohnens und der Be-
schäftigung  ausgesetzt  (vgl.  SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE 
[SFH]/RAINER MATTERN,  Kosovo. Update:  Aktuelle  Entwicklungen,  Bern 
2008, S. 19; SFH, Asylsuchende Roma aus Kosovo, Bern 2008, S. 2; 
SFH/RAINER MATTERN, Kosovo: Zur Rückführung von Roma, Bern 2009, 
insb. S. 13 ff.). Abgesehen davon, dass die Beschwerdeführenden im 
Kosovo nur über ein sehr beschränktes familiäres Netz verfügen (vgl. 
E. 4.1.3),  ist  es  angesichts  der  unter  den  Ashkali,  Roma und  soge-
nannten  Ägyptern  herrschenden  enormen Arbeitslosigkeitsquote  von 
gegen 98% als unwahrscheinlich zu bezeichnen,  dass der Ehemann 

und die älteren Kinder im Heimatland eine Arbeitsstelle fänden, die es 

ermöglichen würden, die Existenz der achtköpfigen Familie zu sichern. 

Im Zusammenhang mit dem Kindeswohl ist ausserdem angesichts der 

entsprechenden  Diskriminierung  als  fraglich  zu  bezeichnen,  ob  die 

Kinder  der  Beschwerdeführenden  Zugang  zu  angemessener  schuli-

scher Bildung hätten beziehungsweise ihre in der Schweiz begonnene 

Ausbildung weiterführen könnten. 

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4.4 Auf die heute volljährigen Töchter, C._______ und D._______, ist 
die KRK nicht anwendbar. Da aufgrund der Akten bei einer Rückkehr 
ins Heimatland bei ihnen keine Gefährdung an Leib und Leben mehr 
ersichtlich  ist,  käme  eine  vorläufige  Aufnahme  grundsätzlich  nicht 
mehr in Betracht. Im Weiteren ist festzustellen, dass bereits mit der auf 
den 1. Januar 2007 teilweise in Kraft gesetzten Revision des Asylge-
setzes vom 16. Dezember 2005 die bisherigen asylrechtlichen Bestim-
mungen betreffend die vorläufige Aufnahme im Falle des Vorliegens ei-
ner schwerwiegenden persönlichen Notlage (Art. 44 Abs. 3-5 aAsylG) 
aufgehoben  wurden,  weshalb  eine  vorläufige  Aufnahme  von 
C._______ und D._______ im Rahmen des Beschwerdeverfahrens we-
gen einer schwerwiegenden persönlichen Notlage nicht (mehr) in Be-
tracht fällt. Nach geltendem Recht ist es nunmehr dem Kanton vorbe-
halten,  mit Zustimmung des Bundesamtes einer ihm nach Gesetz zu-
gewiesenen Person auf deren Gesuch hin eine Aufenthaltsbewilligung 
zu erteilen, wenn wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwer-
wiegender persönlicher Härtefall vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG). 
Das Bundesverwaltungsgericht trägt jedoch der besonderen Situation 
der Angehörigen der Minderheiten dadurch Rechnung, dass es die Be-
urteilung der Zumutbarkeit  des Vollzugs nach den Regeln der Indivi-
dualprüfung  vornimmt,  wobei  eine  Unzumutbarkeit  anzunehmen  ist, 
wenn sich aus der persönlichen Situation ein zusätzliches – das heisst 
über  die  schwierige  Alltagslage  der  Minderheiten  hinausgehendes  – 
individuelles Gefährdungsindiz ergibt. Zusätzliche Indizien können sich 
zum Beispiel aus dem fehlenden Beziehungsnetz, der beruflichen oder 
familiären Situation  oder  wegen gesundheitlicher  Schwierigkeiten er-
geben (vgl. EMARK 2002 Nr. 22 E. 4d S. 179 f.).

Demzufolge ist zu berücksichtigen, dass C._______ bei der Einreise in 
die  Schweiz  siebzehnjährig  war,  sich  erfolgreich  integrierte  und  ein 
einjähriges  Pflegepraktikum in  einem Alterszentrum absolvierte. Seit 
mehreren Jahren arbeitet C._______ heute als Pflegehelferin im psy-
chiatrischen Pflegeheim .... in ... . D._______ ist im Alter von fünfzehn 
in die Schweiz gereist, und hat ihrerseits mit einer Lehre als Detailhan-
delsassistentin bei ... erfolgreich den Schritt in die Erwerbstätigkeit ge-
schafft. Beide jungen Frauen haben sich offenbar in sprachlicher wie 
sozialer Hinsicht gut in die hiesigen Verhältnisse integriert. Zudem ist 
zu beachten, dass sie einen Grossteil ihrer prägenden Jugendjahre in 
der Schweiz verbracht haben. Demgegenüber ist  bei C._______ und 
D._______ nicht davon auszugehen, dass sie eine enge Beziehung zu 
ihrem Heimatstaat  aufweisen. Zufolge ihrer  über  sechsjährigen  Lan-

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desabwesenheit müssten sie bei einer Rückkehr in ein ihnen weitge-
hend  fremd  gewordenes  Land  mit  existenzgefährdenden  Reintegra-
tionsschwierigkeiten rechnen. Die Rückkehr müsste ohne ihre Familie 
erfolgen und im Heimatland befindet sich einzig die Familie einer Cou-
sine des Vaters. Hinzu kommt, dass sie als alleinstehende junge Frau-
en in eine Gesellschaft zurückkehren müssten, die nach wie vor von 
patriarchalen Strukturen geprägt ist. Auf die Hilfe eines ihnen naheste-
hendes männliches Familienmitgliedes vor Ort könnten sie sich nicht 
stützen. Eine Rückkehr unter diesen Bedingungen ist insgesamt nicht 
zumutbar.

4.5 Der  Wegweisungsvollzug der  Beschwerdeführenden  erweist  sich 
demzufolge insbesondere aufgrund einer Würdigung der Gesamtum-
stände als  unzumutbar  im Sinne von Art. 83  Abs. 4 AuG. Nachdem 
sich aus den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Ausschluss-
gründen im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Vorausset-
zungen für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme weiterhin erfüllt.

5.
Aus dem Erwogenen ergibt sich, dass die Verfügung vom 12. Dezem-
ber 2007 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben ist, wodurch die 
mit  Verfügung  vom 4.  April  2006  angeordnete  vorläufige  Aufnahme 
weiterhin wirksam bleibt.

6.
6.1 Mit Blick auf  die Kostenverlegung ist  dem Gesagten zufolge von 
einem vollständigen Obsiegen der Beschwerdeführenden auszugehen. 
Diesem  Verfahrensausgang  entsprechend  sind  den  Beschwerdefüh-
renden keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG ist damit als gegenstandslos zu betrachten und 
der einbezahlte Kostenvorschuss ist zurückzuerstatten.

6.2 Den Beschwerdeführenden ist – als vollständig obsiegender Par-
tei – für die ihnen im Beschwerdeverfahren erwachsenen notwendigen 
Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, 
Art. 16  Abs. 1 Bst. a  VGG i.V.m. Art. 7  Abs. 1 des Reglements vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2]).  Die  Beschwerdefüh-
renden  haben  ihre  Rechtsbegehren  unter  Entschädigungsfolge  ge-
stellt, im Verlauf des Verfahrens jedoch darauf verzichtet, eine Kosten-
note ihres Vertreters vorzulegen (Art. 14 Abs. 1 VGKE). Auf die Einfor-

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derung einer solchen kann verzichtet werden, zumal sich der notwen-
dige  Zeitaufwand  mit  hinreichender  Genauigkeit  abschätzen  lässt 
(Art. 9 Abs. 1 Bst. a, Art. 10 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). 
Die Entschädigung ist  deshalb aufgrund der  Akten festzusetzen und 
auf insgesamt Fr. 1'400.– zu bemessen (Art. 10 Abs. 2 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2007 wird aufgehoben.

3.
Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben  und  der  am 28. Januar 
2008 eingezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– wird un-
ter Vorbehalt allfälliger Verrechnungsansprüche zurückerstattet.

4.
Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteient-
schädigung von Fr. 1'400.– auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertretung der Beschwerdeführenden (Einschreiben;
  Beilage: Formular für Zahladresse und Antwortcouvert)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N ______ (per
  Kurier; in Kopie)
- ...

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer

Versand:

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