# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 80c23182-28be-5140-9dd4-b424a97189f2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.08.2023 F-4027/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-4027-2023_2023-08-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-4027/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Sebastian Kempe (Vorsitz), 

Richter Basil Cupa,  

Richterin Regula Schenker Senn 

Gerichtsschreiberin Caroline Rausch. 
 

 
 

Parteien 
 A._______ 

vertreten durch Dr. iur. Stefan Suter, Advokat,  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Gesuch um Aufhebung eines Einreiseverbots; 

Verfügung des SEM vom 19. Juli 2023. 

 

 

 

F-4027/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die aus der Türkei stammende Beschwerdeführerin, geboren 1986, ist (…) 

1998 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz eingereist. Am 

20. März 2011 meldete sie sich nach Frankreich ab. 

B.  

Mit Verfügung vom 9. Februar 2022 hat die Vorinstanz ein vom 11. Februar 

2022 bis zum 10. Februar 2024 gültiges Einreiseverbot gegen die Be-

schwerdeführerin erlassen.  

C.  

Am 10. Februar 2022 wurde sie von der Staatsanwaltschaft des Kantons 

B.______ wegen rechtswidrigen Aufenthalts sowie Ausübung einer Er-

werbstätigkeit ohne Bewilligung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Ta-

gessätzen zu je Fr. 30.–, unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren, 

sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 600.– verurteilt.   

D.  

Am 14. Juni 2022 wurde sie von der Staatsanwaltschaft des B.______ we-

gen rechtswidriger Einreise zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 

Fr. 30.– verurteilt. Am 15. November 2022 hat das Strafgericht B.______ 

die Beschwerdeführerin zu einer Busse von Fr. 200.– verurteilt. 

E.  

Am 4. Juli 2023 ersuchte die Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz um 

wiedererwägungsweise Aufhebung des gegen sie verfügten Einreisever-

bots.  

F.  

Mit Verfügung vom 19. Juli 2023 wies die Vorinstanz das Gesuch vom 

4. Juli 2023 um vorzeitige Aufhebung des Einreiseverbots ab. 

G.  

Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 20. Juli 

2023 beantragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der Verfügung 

vom 19. Juli 2023 und des Einreiseverbots. Es seien keine Kosten zu er-

heben und es sei ihr eine angemessene Parteientschädigung zuzuspre-

chen. Zudem sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege einschliesslich Verbei-

ständung zu gewähren. 

F-4027/2023 

Seite 3 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen der Vorinstanz, die ein Gesuch um Wiedererwägung ei-

nes Einreiseverbots im Sinne von Art. 67 des Ausländer- und Integrations-

gesetzes (AIG, SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Be-

schwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. 

Art. 31 ff. VGG).  

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG).  

1.3 Die Beschwerdeführerin ist Verfügungsadressatin und somit zur Be-

schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteils-

voraussetzungen (Rechtsmittelfrist [Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form der 

Beschwerde [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt, weshalb auf die Be-

schwerde einzutreten ist.  

1.4 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal-

tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).  

2.  

2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet-

zung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch 

des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhaltes und – solange wie vorliegend keine kantonale 

Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-

dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus 

anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-

scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).  

2.2 Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als 

offensichtlich unbegründet, weshalb sie ohne Durchführung eines Schrif-

tenwechsels zu behandeln ist (Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario).  

F-4027/2023 

Seite 4 

3.  

Die Vorinstanz ist auf das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführe-

rin vom 4. Juli 2023, mit dem sie sich auf eine nachträglich veränderte 

Sachlage berufen hatte, eingetreten, hat dieses materiell geprüft und einen 

neuen Sachentscheid gefällt. Das Bundesverwaltungsgericht hat daher mit 

voller Kognition zu prüfen, ob sich das Einreiseverbot bzw. dessen Dauer 

zum heutigen Zeitpunkt noch als zulässig erweist. Die Frage, ob die ur-

sprüngliche, inzwischen in Rechtskraft erwachsene Verfügung zu Recht er-

lassen wurde, kann demgegenüber grundsätzlich nicht mehr Gegenstand 

des vorliegenden Verfahrens bilden (BVGE 2008/24 E. 2.2; Urteil des 

BVGer F-5116/2020 vom 24. März 2023 E. 3). 

4.  

4.1 Das SEM kann Einreiseverbote gegenüber Ausländerinnen und Aus-

ländern verfügen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der 

Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 

Abs. 2 Bst. a AIG in der hier anwendbaren, bis am 21. November 2022 gül-

tig gewesenen Fassung vom 18. Juni 2010 [AS 2010 5925]). Das Einreise-

verbot wird im Normalfall für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt 

(Art. 67 Abs. 3 AIG).  

4.2 Aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen kann ausnahms-

weise von der Verhängung eines Einreiseverbots abgesehen oder ein Ein-

reiseverbot aufgehoben oder suspendiert werden. Dabei sind namentlich 

die Gründe, die zum Einreiseverbot geführt haben, sowie der Schutz der 

öffentlichen Sicherheit und Ordnung und die Wahrung der inneren oder 

äusseren Sicherheit der Schweiz gegenüber den privaten Interessen der 

betroffenen Person an einer Aufhebung abzuwägen (Art. 67 Abs. 5 AIG). 

Mit dieser Bestimmung existiert eine spezialgesetzliche Grundlage für die 

Wiedererwägung eines Einreiseverbots (vgl. BVGE 2021 VII/2 E. 3.2; vgl. 

auch Urteil des BGer 2C_487/2012 vom 2. April 2013 E. 4.2).  

4.3 Wie jede behördliche Verfügung kann ein rechtskräftiges Einreisever-

bot rechtsprechungsgemäss sodann auch über Art. 67 Abs. 5 AIG hinaus 

auf Gesuch hin wiedererwägungsweise aufgehoben oder abgeändert wer-

den, wenn eine massgebliche Änderung der relevanten Umstände – oder, 

bei Dauersachverhalten, des einschlägigen Rechts – die Verfügung nach-

träglich fehlerhaft erscheinen lässt (vgl. BVGE 2021 VII/2 E. 3.1, BGE 138 

I 61 E. 4.3, je mit Verweis auf Art. 29 Abs. 1 BV).  

F-4027/2023 

Seite 5 

4.4 Nach dem Gesagten ist vorliegend konkret zu prüfen, ob sich im heuti-

gen Zeitpunkt (gegenüber dem Verfügungszeitpunkt des rechtskräftigen 

Einreiseverbots) der relevante Sachverhalt dergestalt geändert hat, dass 

das öffentliche Interesse an der Fernhaltung der Beschwerdeführerin das 

private Interesse an einer Aufhebung der Fernhaltemassnahme nicht mehr 

zu überwiegen vermag. Diesfalls erwiese sich das Einreiseverbot neu als 

unverhältnismässig und wäre aufzuheben.  

5.  

5.1 Die Vorinstanz stellte sich in der vorliegend angefochtenen Verfügung 

auf den Standpunkt, dass die Dauer der Massnahme rechtmässig und 

nach wie vor verhältnismässig sei. Was die Beschwerdeführerin neu be-

treffend die schwierige Situation mit ihrem Ehemann und ihrem Umfeld in 

C._____ vorgebracht habe, vermöge eine vorzeitige Aufhebung des Ein-

reiseverbots nicht zu rechtfertigen.  

5.2 Die Beschwerdeführerin hielt in der Rechtsmitteleingabe vom 20. Juli 

2023 sinngemäss dagegen, dass ihre erheblichen privaten Interessen zu 

berücksichtigen seien. Sie lebe derzeit in D.______ und sei Opfer häusli-

cher Gewalt. Sie sei den Übergriffen ihres Ehemanns ausgesetzt und 

müsse vor ihm flüchten. Da ihr gesamtes Umfeld in C._____ lebe, wo sie 

aufgewachsen sei, wolle sie wieder in die Schweiz einreisen. Es sei zudem 

zu berücksichtigen, dass das Einreiseverbot nur noch bis zum 10. Februar 

2024 andauere und das öffentliche Interesse an einer Fernhaltung folglich 

relativ gering sei.  

6.  

6.1 Die Beschwerdeführerin hat durch rechtswidrigen Aufenthalt sowie 

Ausübung einer Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung gegen die öffentliche 

Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG verstossen. 

Dieses Fehlverhalten wiegt nicht leicht, kommt doch den ausländerrechtli-

chen Normen im Zusammenhang mit Einreise, Aufenthalt und Aufnahme 

einer Erwerbstätigkeit grundsätzlich eine zentrale Bedeutung zu, wenn es 

darum geht, eine funktionierende Rechtsordnung zu gewährleisten (vgl. 

BVGE 2016/33 E. 4.3; 2014/20 E. 8.2; statt vieler Urteil des BVGer 

F-4666/2021 vom 10. Mai 2023 E. 6.2). Aus den vorliegenden Akten ergibt 

sich zudem, dass die Beschwerdeführerin gegen das verhängte Einreise-

verbot verstossen hat. Hervorzuheben ist auch, dass sie in der polizeilichen 

Einvernahme der französischen Behörden vom 21. Juni 2023 äusserte, 

derzeit bei ihrer Cousine in der Schweiz zu leben. Nach dem Gesagten 

besteht sowohl in general- als auch in spezialpräventiver Hinsicht ein 

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Seite 6 

grosses öffentliches Interesse an der Aufrechterhaltung des Einreisever-

bots. Das Fortbestehen des Einreiseverbots soll die Beschwerdeführerin 

dazu anhalten, künftig keine weiteren Verstösse gegen die öffentliche Si-

cherheit und Ordnung mehr zu begehen und insbesondere die ausländer-

rechtlichen Vorschriften betreffend Einreise, Aufenthaltsdauer und Er-

werbstätigkeit zu beachten. Die Tatsache, dass das Einreiseverbot bereits 

am 10. Februar 2024 verfällt, vermag an dieser Einschätzung nichts zu än-

dern und das öffentliche Interesse an der Fernhaltung der Beschwerdefüh-

rerin nicht zu relativieren. Wenn überhaupt, relativiert sich durch den zeit-

nahen Ablauf der Fernhaltemassnahme die Intensität der damit einherge-

henden Grundrechtseingriffe und damit das private Interesse der Be-

schwerdeführerin an einer vorzeitigen Aufhebung. 

6.2 Was das private Interesse an einer Aufhebung der rechtskräftigen 

Fernhaltemassnahme betrifft, steht das von der Beschwerdeführerin be-

tonte, ausweislich der Akten prinzipiell nachvollziehbare Bedürfnis im Vor-

dergrund, sich ihrem Ehemann zu entziehen und in C.______ eine umfas-

sende Unterstützung durch ihr Umfeld zu erhalten. Das daraus resultie-

rende private Interesse an einer vorzeitigen Aufhebung des Einreisever-

bots ist indes höchstens als mittel zu qualifizieren. So stehen der Be-

schwerdeführerin auch in Frankreich zahlreiche behördliche und zivilge-

sellschaftliche Unterstützungsangebote für Opfer häuslicher Gewalt zur 

Verfügung. Zudem liegt C._____ unmittelbar an der französischen Grenze, 

rund 15 Autominuten von D._____ entfernt. Über den jederzeit möglichen 

fernmeldetechnischen Kontakt hinaus kann das in C.______ lebende Um-

feld der Beschwerdeführerin diese während der Restdauer des Einreise-

verbots somit grundsätzlich problemlos im Rahmen von Besuchen in 

Frankreich unterstützen. 

6.3 Eine Abwägung der dargelegten öffentlichen und privaten Interessen 

führt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass zum jetzigen Zeit-

punkt eindeutig kein Anlass besteht, das bis zum 10. Februar 2024 ange-

ordnete Einreiseverbot wiedererwägungsweise aufzuheben oder zu ver-

kürzen.  

6.4 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin liegt auch keine Verlet-

zung der Begründungspflicht vor. Die Vorinstanz hat sich in ihrer Verfügung 

mit den vorgetragenen Argumenten der Beschwerdeführerin bezüglich ih-

res Ehemanns und dem Standort ihres Umfelds in C.______ rechtsgenü-

gend auseinandergesetzt. 

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Seite 7 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung of-

fensichtlich nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist demzufolge ab-

zuweisen.  

8.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-

sen, da die Begehren − wie sich aus den vorstehenden Erwägungen 

ergibt − als aussichtslos zu bezeichnen sind und dies auch schon im Zeit-

punkt der Gesuchstellung waren (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Ver-

fahrenskosten können erlassen werden, wenn Gründe in der Sache oder 

in der Person der Partei es als unverhältnismässig erscheinen lassen, sie 

der Partei aufzuerlegen (Art. 6 Bst. b VGKE). In Anbetracht der gesamten 

Umstände ist dies vorliegend der Fall, insbesondere weil die Beschwerde 

ohne Durchführung eines Schriftenwechsels behandelt werden konnte und 

zugleich der Beschwerdeführerin infolge des Direktentscheids die Möglich-

keit genommen wird, ihre Beschwerde nach Abweisung des Gesuchs um 

unentgeltliche Rechtspflege zurückzuziehen. Auf die Erhebung von Verfah-

renskosten ist demnach zu verzichten. Eine Parteientschädigung fällt aus-

gangsgemäss ausser Betracht (Art. 64 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Caroline Rausch 

 

 

 

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