# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 764be7c0-5ca8-5560-a736-6e00a41f37f5
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-30
**Language:** de
**Title:** Rentenbeginn strittig. Aufgrund echtzeitlicher medizinischer Belege ist das Wartejahr früher als von der Beschwerdegegnerin angenommen zu eröffnen.
**Docket/Reference:** IV.2022.00039
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00039.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00039
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Kübler
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Gerichtsschreiberin R. Müller
Urteil
vom
30. Januar 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
Kasernenstrasse 15, Postfach, 8021 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X.___
, gelernte kaufmännische Angestellte, war bis am 31. August 2016 als Mitarbeiterin Administration in einem Pensum von 80 % bei der
Y.___
AG angestellt und meldete sich am 16. November 2016 (Posteingang) unter Hinweis auf eine Multiple Sklerose erstmals bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/6, 13). Die IV-Stelle holte einen Bericht der behandelnden Neurologin ein (Urk. 7/11) und tätigte erwerbliche Abklärungen (Urk. 7/13). Mit Verfügung vom 3. Mai 2017 verneinte sie einen Anspruch der Versicherten auf eine Invaliden
rente und berufliche Eingliederungsmassnahmen mangels eines länger dauernden Ausfalls der Erwerbs
fähig
keit (Urk. 7/17). Diese Verfügung erwuchs unangefoch
ten in Rechtskraft.
1.2
Mit Schreiben vom 25. September 2017 (Posteingang) ersuchte die Versicherte unter Beilage eines Berichts vom 19. Juli 2017 über die neuropsychologi
sche/verhaltensneurologische Untersuchung vom 14. Juli 2017 sowie unter Hinweis auf die durch die Multiple Sklerose ausgelösten Symptome (kognitive Einschränkungen) erneut um Unterstützung durch die IV-Stelle (Urk. 7/20). Es folgten Eingliederungsmassnahmen in Form von Arbeitsvermittlung zunächst durch eine Eingliederungsfachperson der IV-Stelle (Urk. 7/28, 32) und ab dem 30. November 2017 durch die
Z.___
AG (Urk. 7/37, 40). Mit Mitteilung vom 9. Februar 2018 erteilte die IV-Stelle sodann Kostengutsprache für ein Arbeits
training bei der
A.___
GmbH vom 6. Februar bis 5. August 2018 und sprach der Versicherten für denselben Zeitraum ein Taggeld zu (Urk. 7/52). Nachdem die Versicherte die ihr im Anschluss an das Arbeitstraining seitens der
A.___
GmbH angebotene Festanstellung in einem 50 % Pensum aus persönlichen Gründen abgelehnt hatte, schloss die IV-Stelle die Eingliederungsmassnahmen mit Mitteilung vom 3. August 2018 ab und teilte der Versicherten mit, dass der Rentenentscheid zu einem späteren Zeitpunkt erfolge (Urk. 7/58). Nach der Aktualisierung der medizinischen Aktenlage (Urk. 7/65, 69, 87, 88), stellte die IV
Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 26. November 2019 mangels Verschlechterung des Gesundheitszustands die Abweisung ihres Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (Urk. 7/101). Nachdem die Versicherte am 10.
Dezember 2019 (Posteingang) und mit ergänzender Begründung vom 3. Februar 2020 dagegen Einwand erhoben hatte (Urk. 7/102, 108), veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung beim Zentrum
B.___ (
Urk. 7/116). Das Gutachten wurde am 15. April 2021 erstattet (Urk. 7/130),
woraufhin die IV-Stelle der Versicherten nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1. Juni 2021 [Urk. 7/134]; Einwand vom 10. Juni 2021 [Urk. 7/137]) mit Verfügung vom 2. Dezember 2021 eine halbe Rente ab 1. November 2018 zusprach (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
1
. Januar 2022 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei dahingehend abzuändern, als das Wartejahr bereits ab 3. Mai 2016 zu eröffnen und ihr bereits ab 1. März 2018 eine halbe Rente zuzusprechen sei. Eventualiter sei das Wartejahr ab 10. Juli 2017 zu eröffnen und ihr eine halbe Rente ab 1. Juli 2018 zuzusprechen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 16. Februar 2022 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom 17. Februar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Mit Beschluss vom 10. Oktober 2022 wurde der Beschwerdeführerin Frist angesetzt, um zu der vom Gericht in Erwägung gezogenen Abänderung der angefochtenen Verfügung zu ihrem Nachteil (
reformatio
in
peius
) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (Urk. 9). Mit Schreiben vom 3
0
.
Dezember 2022
nahm
die Beschwerdeführerin
dazu Stellung
und teilte
unter Beilage diverser Unterlagen mit, an ihrer Beschwerde festzuhalten (Urk. 13 und 14/1-12).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
- hier den 2.
Dezember 2021 -
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021
gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
4
Die Wartezeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entspre
chender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-
the
oretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Einschät
zung, die ordentlicherweise echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annah
men und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung vom 2. Dezember 2021, die ursprünglich ablehnende Verfügung vom 3. Mai 2017 sei in Rechtskraft erwach
sen. Die Beschwerdeführerin habe am 25. September 2017 ein Zusatzgesuch eingereicht. Im Rahmen von
«
Eingliederung vor Rente
»
seien im Jahr 2018 Einglie
derungsmassnahmen durchgeführt worden, wobei die Beschwerdeführerin vom 6. Februar 2018 bis am 5. August 2018 IV-Taggelder bezogen habe. Von Gesetzes wegen bestehe kein Rentenanspruch, solange Eingliederungs
-
massnahmen
absol
viert und Taggelder beansprucht würden. Die nach Abschluss der Eingliederungs
massnahmen in Auftrag gegebene medizinische Beurteilung habe ergeben, dass es der Beschwerdeführerin seit dem 8. November 2017 möglich sei, sowohl ihrer bisherigen Tätigkeit als Mitarbeiterin Administration als auch einer angepassten Tätigkeit in einem 50 %-Pensum nachzugehen. Dies sei der Beginn des gesetzli
chen Wartejahres, welches am 7. November 2018 abgelaufen sei. Es entstehe eine Erwerbseinbusse von 50 %, welche auch dem Invaliditätsgrad der Beschwerde
führerin entspreche. Sie habe somit ab dem 1. November 2018 Anspruch auf eine halbe Rente.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, aus den einzelnen Teil
gutachten gehe hervor, dass die Fachärzte die Einschränkungen der Arbeitsfähig
keit schon seit der Diagnosestellung im Mai 2016 als gegeben erachten würden. So habe der neurologische Gutachter aus rein somatisch-neurologischer Sicht bereits wegen der Fatigue eine Rendement-Reduktion von 30 % attestiert, wobei dabei die neurokognitiven Defizite nicht mitberücksichtigt seien. Diese Ein
schränkung gelte gemäss neurologischem Gutachter seit der Diagnosestellung, respektive sicher seit der ersten neuropsychologischen Testung im Oktober 2016. Weiter hielt die Beschwerdeführerin fest, gemäss den in den Akten enthaltenen echtzeitlichen Arbeitsunfähigkeitszeugnissen sowie den Arztberichten sei eine durchschnittlich mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit ohne wesentlichen Unterbruch seit dem 3. Mai 2016 erstellt. Ab dem 14. Juli 2017 sei sogar eine dauerhaft mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden.
3.
3.1
Der angefochtenen Verfügung vom 2. Dezember 2021 liegt das durch das
Zentrum B.___
am 15. April 2021 erstattete polydisziplinäre Gutachten zugrunde. Die Gutachter stellten darin folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/130/9):
-
Encephalomyelitis
disseminata
(EM 2004, ED 05/2016)
-
Schubförmiger Verlauf; EDSS 2.0
-
Klinisch und kernspintomographisch seit letztem Ereignis 05/2016 stabile Situation (NEDA-3)
-
Unter
Fingolimod
seit 08/2016
-
Schwere Fatigue
-
Leicht- bis mittelschwere neurokognitive Defizite
-
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung
Daneben stellten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit (Urk. 7/130/9):
-
Depressive Episode, leichtgradig ausgeprägt
-
Verdacht auf ADHS mit Fortsetzung im Erwachsenenalter
-
Psychosoziale Belastungssituation mit Stellenlosigkeit
-
Status nach Kopfschmerzepisoden, nicht sicher klassifizierbar
-
Status nach Nikotinabusus (8
packyears
)
-
Status nach Hysterektomie 2015
-
Status nach Methadonintoxikation 1988
3.2
Beschwerdemässig beschreibe die Versicherte auf somatischem Gebiet ein kon
stant vorhandenes Kribbeln und Ameisenlaufen an den Zehen und Fingern beid
seits. Beklagt würden auch eine ausgeprägte Müdigkeit, welche schon am Morgen auch nach gutem Schlaf vorhanden sei, sowie auch eine schnelle Ablenkbarkeit, Konzentrationsstörungen, Beeinträchtigungen der mnestischen Funktionen und eine Verlangsamung. Zudem beschreibe die Versicherte ein zwanghaftes Verhal
ten (Urk. 7/130/7).
3.3
Im internistischen Fachbereich fänden sich keine relevanten Diagnosen. Aus neu
rologischer Sicht bestünden keine Zweifel am Vorliegen einer Encephalomyelitis
disseminata
mit schubförmigem Verlauf. Abgestützt auf die Eigenangaben der Versicherten sei die Erstmanifestation im Jahr 2004 im Sinne einer
transversen
Myelitis gewesen. Im Mai 2016 sei es zu einem zweiten Schub bestehend aus einer
Okulomotorikstörung
sowie einer Stand- und
Gangat
a
xie
gekommen, wobei dann abgestützt auf MRI-Befunde und einen Liquor mit positiven oligoklonalen Banden die Diagnosestellung erfolgt sei. Ab August 2016 sei eine Basistherapie mit
Fingolimod
erfolgt, wobei die Dosis bei ausgeprägter
Lymphopenie
auf eine Einnahme von Tabletten à 0,5 mg jeden zweiten Tag reduziert worden sei. In der Folge sei es nicht mehr zu Schüben gekommen und auch kernspintomographisch seien keine neuen Läsionen aufgetreten respektive habe nach Kontrastmittelgabe nie ein Enhancement bestanden. Die Situation sei somit unter Therapie ruhig, einem
NEDA(
No
Evidence
of
Disease
Activity
)-3 Zustand entsprechend. Der EDSS (
Expanded
Disability Status
Scale
) liege bei 2.0. Nicht im EDSS Niederschlag finde die Fatigue, welche abgestützt auf den Selbstfragebogen der Versicherten schwer sei. Abgestützt auf den MRI-Befund mit einerseits einer deutlichen Läsionslast und andererseits – und diesbezüglich im Vordergrund stehend – zumindest visuell auch dem Vorliegen einer Atrophie könnten kognitive Defizite (sowie auch eine Fatigue) aus somatisch-neurologischer Sicht gut begründet werden.
Aus psychiatrischer Sicht bestünden Zwänge seit der Kindheit. Die Persönlich
keitsabklärung zeige einen deutlich erhöhten Wert für Zwanghaftigkeit, sodass insgesamt von einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung ausgegangen werde. Die Versicherte habe unterschiedliche Zwangshandlungen mit Kontroll- und Waschzwängen und sei insgesamt rigide. Die Zwänge hätten Einfluss auf den Alltag und würden sich bei Stress verstärken. Um die Zwänge auszuführen, brau
che sie mehr Zeit, sich ihnen zu widersetzen, brauche Kraft. In Bezug auf die Zwangsstörung bestehe zudem eine grosse Scham. Möglich
er
weise sei die Zwangsstörung Folge eines ADHS. Die Versicherte empfinde sich als müder und nicht mehr so aktiv, was an den Auswirkungen der Multiplen Sklerose liegen oder Zeichen einer depressiven Symptomatik sein könnte. Aus psychiatrischer Sicht ergäben sich auch Hinweise auf ein ADHS. Die Versicherte schildere leichte Ablenkbarkeit, Unaufmerksamkeit und motorische Unruhe. Sie sei in der Schule aufgefallen. Die Versicherte nehme ihre Symptome zwar wahr, dissimuliere sie aber und habe eine reduzierte Körperwahrnehmung. Die allfällige ADHS-Symptomatik werde auch durch die Multiple Sklerose beeinflusst und zeige sich anders, möglich auch abgeschwächter als ohne die Multiple Sklerose. Die Affekt
labilität mit Weinen, die Müdigkeit, der Rückzug, die Unsicherheit sowie die angegebenen Schmerzen würden als leichte depressive Symptomatik gewertet. Es ergäben sich hier Überschneidungen zu den oben erwähnten Diagnosen.
Die neuropsychologische Untersuchung habe in Übereinstimmung mit den Vor
befunden eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung ergeben. Das kognitive Ausfallsprofil sei vereinbar mit der Diagnose einer Multiplen Sklerose. Nachweisen lassen hätten sich Defizite im Aufmerksamkeitsbereich (insbe
sondere geteilte Aufmerksamkeit, Ablenkbarkeit), in der Verarbeitungs
-
geschwin
digkeit, in den exekutiven Funktionen sowie in den visuell-räumlichen Funktio
nen. Die intellektuelle Leistungsfähigkeit liege im unteren Normbereich, wobei diese sicherlich durch die aktuelle kognitive Leistungsfähigkeit negativ überlagert werde. In Zusammenschau sei von einem höheren prämorbiden Gesamt-IQ (als testpsychologisch objektiviert) auszugehen. Die Testbefunde seien in sich konsis
tent und die Beschwerdevalidierungsverfahren seien unauffällig ausgefallen (Urk. 7/130/7 f.).
3.
4
Aus somatisch-neurologischer Sicht bestünden nur geringe funktionelle Ein
schränkungen betreffend das Gleichgewicht, sodass Situationen mit diesbezüg
lich höheren Anforderungen die Versicherte vor Probleme stellen würden. Eine funktionelle Einschränkung ergebe sich aber auch durch die abgestützt auf den Fragebogen schwere Fatigue. Aus neuropsychologischer Sicht sei die Funktions
fähigkeit bei einer leichten
bis mittelschweren Störung
im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen leicht eingeschränkt. Die Person falle auch in ihrem sozialen Umfeld leicht auf. In Berufen oder bei Aufgaben mit hohen Anforderungen sei die Funktionsfähigkeit mittelgradig eingeschränkt. Die Versi
cherte sei in ihrer Flexibilität und Umstellungsfähigkeit deutlich eingeschränkt, sie profitiere von fixen Strukturen und von Regelmässigkeit. Die Durchhaltefä
higkeit sei vermindert. In Stresssituationen würden sich vermehrt Zwänge zeigen, was für sie schamhaft sei, Zeit koste und zu einer unbefriedigenden Arbeitssitu
ation führe. Die Versicherte könne sich grundsätzlich an Regeln und Routinen anpassen und sie sei urteilsfähig. Sie neige zur Dissimulation, könne sich jedoch ausreichend selbst pflegen. Bei einer für sie interessanten Arbeit könne sie besser arbeiten, bei langweiligen Tätigkeiten sei sie vermehrt ablenkbar und unkon
zentriert. Sie könne mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem eigenen Auto unterschiedliche Orte aufsuchen. Günstig seien kleine überschaubare Gruppen. Bei grossen Gruppen komme es zu vermehrter Ablenkbarkeit. Die Versicherte brauche ihr eigenes Tempo, eine gewisse Eigenständigkeit, wobei klare Strukturen günstig seien. Je nach Situation habe sie Mühe, Prioritäten zu setzen und benö
tige hier eine gewisse Anleitung (Urk. 7/130/10).
3.
5
Die Versicherte habe eine Ausbildung als kaufmännische Angestellte und sei bis heute – wenn auch seit Längerem in reduziertem Pensum – in diesem Aufgaben
bereich tätig. Unter Berücksichtigung sämtlicher Einschränkungen sei sie in dieser Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. Dabei sei
eine Präsenz
von fünf Stunden pro Tag mit reduziertem Rendement möglich, wobei die Arbeitszeit durch eine Pause von circa einer Stunde unterbrochen werden sollte. Diese Einschränkung gelte seit der Krankschreibung
neurologischerseits
Anfang November 2017. Arbeitstätigkeiten, in der die Arbeitsfähigkeit der Versicherten höher wäre, könnten nicht genannt werden. Es sollte sich um ein Arbeitsumfeld mit klaren Strukturen handeln, um eine Tätigkeit, welche das Interesse der Versicherten wecke. Sie sollte im Rahmen dieser Tätigkeit auch eine gewisse Selbständigkeit in der Ausübung haben (Urk. 7/130/11 f.)
4.
4.1
In medizinischer Hinsicht ging die Beschwerdegegnerin gemäss den Feststel
lungsblättern vom 1. Juni 2021 (Urk. 7/132) und vom 12. Oktober 2021 (Urk. 7/144) gestützt auf die Stellungnahme ihres RAD (Urk. 7/133/24 f.; Urk. 7/144/3) mit den
Zentrum B.___
-Gutachtern von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in angepasster Tätigkeit seit dem 8. November 2017 aus (Urk. 2). Die Höhe der attestierten Arbeitsunfähigkeit wurde von der
Beschwerdeführerin
nicht bestritten
(vgl. Urk. 1 S. 5 erster Satz) und ist auch nicht zu beanstanden, erfüllt das
Zentrum B.___
-Gutachten doch die Beweiswertanforde
rungen (vgl. E. 1.
5
), weshalb
darauf abgestellt werden kann. So beruht es auf allseitigen Untersuchungen (Urk. 7/130/29, 35 f., 49, 62-66), berücksichtigt die geklagten Beschwerden (Urk. 7/130/7, 23 f., 33 f., 41-43, 58-60) und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Urk. 7/130/5-6, 15
22, 32, 37, 56 f., 70 f.) abgegeben. Darüber hinaus leuchtet es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schlussfolgerungen (Urk. 7/130/7-13, 30 f., 37-40, 50-53, 67-73).
4.2
4.2.1
Die Beschwerdegegnerin errechnete unter Zugrundelegung der von den Gut
-
achtern des
Zentrums B.___
attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit sowohl in der
angestammten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte als auch in jeglichen ange
passten Tätigkeiten (Urk. 7/130/11) sowie unter Annahme einer 100%igen Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall (Urk. 7/132/6) einen Invaliditätsgrad von 50 % (Urk. 2)
.
4.2.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode d
er Invalidi
tätsbemessung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE
144
I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren
(vgl. Art. 27 IVV)
sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerbli
chen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massge
bend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125
V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen
).
4.2.3
Gemäss eigenen Angaben war die Beschwerdeführerin nach Abschluss der Lehre zur kaufmännischen Angestellten vom Mai 1990 bis im Juni 1993 zu 100 % und in der Folge bis Juni 1994 in einem Pensum von 50 %-100 % erwerbstätig. Seit Juli 1994 bis August 2018 war sie sodann mit Ausnahme von wenigen Monaten (September 2001 bis November 2001 90 %; Juli 2006 bis September 2006 100 %; Dezember 2006 bis August 2007 100 %; Januar 2012 bis März 2012 100 %) über
wiegend
lediglich
in einem Pensum von 80 % angestellt (Urk. 7/107/1).
Aufgrund der im Beschwerdeverfahren eingereichten Unterlagen ist allerdings davon aus
zugehen, dass die Beschwerdeführerin auch im Rahmen dieser 80%igen Anstel
lungsverhältnisse oftmals ein über d
as
vereinbarte 80 %
-Pensum
hinausgehendes Arbeitspensum leistete
(Urk. 13, 14/1-12)
.
Die Beschwerdeführerin ist sodann kinderlos (Urk. 7/130/24).
Vor diesem Hintergrund ist die von der Beschwerde
gegnerin vorgenommene Qualifikation der Beschwerdeführerin als
Vollerwerbs
tätige
plausibel
.
Damit erweist sich auch der von der Beschwerdegegnerin ermittelte Invaliditäts
grad von 50 % als zutreffend. Dieser wurde von der Beschwerdeführerin denn auch nicht beanstandet.
Bei einem Invaliditätsgrad von 50 % hat die Beschwer
deführerin Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung.
5.
5.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerd
egegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
zu Recht erst ab dem 1. November 2018 bejaht hat.
5.2
Für die Entstehung des Rentenanspruches setzt Art. 28 Abs. 1 IVG zusätzlich zur (noch) fehlenden Eingliederungsfähigkeit (
lit
. a) voraus, dass während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat (
lit
. b) und nach Ablauf des Wartejahrs eine Invalidität von mindestens 40 % besteht (
lit
. c). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenan
spruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs.
Der Anspruch entsteht
jedoch
nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach
Art. 22 IVG
beanspruchen kann (Art. 29 Abs. 2 IVG).
Da die Anmeldung zum Rentenbezug vorliegend am 25. September 2017 erfolgte (Urk. 7/20) und die Beschwerdeführerin vom 6. Februar bis 5. August 2018 ein Taggeld
beanspruchte
(Urk.
7/55
),
konnte ein Rentenanspruch frühestens im August 2018 entstehen
. Entsprechend interessiert hinsichtlich des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG insbesondere die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit im Jahr davor ab August 2017.
5.3
Zur Beurteilung, ob das Wartejahr erfüllt ist, sind – soweit vorhanden – echtzeit
liche medizinische Berichte heranzuziehen (vgl. vorstehend E. 1.5).
Im Rahmen der ambulanten neuropsychologischen und verhaltensneurologischen Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 20. Oktober 2016 wurde
eine leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung festgestellt, welche unter Berück
sichtigung der Phänomenologie primär im Rahmen der Grunderkrankung (MS) interpretierbar sei. Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Ärzte fest,
es
sei in der bishe
rigen Tätigkeit als kaufmännische Angestellte mit leichten Einschränkungen im Rendement zu rechnen, wobei die Leistungen
im aktuellen Zeitpunkt
in qualita
tiver und quantitativer Hinsicht je nach Arbeitsumfeld und Arbeitsinhalt um mindestens 35 % eingeschränkt seien
. Eine genaue Beurteilung der zeitlichen Belastbarkeit und die konkrete Auswirkung der festges
t
ellten kog
n
itiven Minder
leistungen in praxi sei vom Schreibtisch aus jedoch schwierig. Die Beschwerde
führerin plane den beruflichen Wiedereinstieg ab Oktober 2016 mit einem 90
%
Pensum,
eine Anstellung sei
aber
noch nicht sicher. Aufgrund der neuropsy
chologischen Befunde sei aber
dennoch
eine vorsorgliche Anmeldung bei der IV angezeigt
(Urk. 7/69/16 f.). Im Bericht vom 19. Juli 2017 über die ambulante neuropsychologische und verhaltensneurologische Untersuchung der Beschwer
deführerin vom 14. Juli 2017 bestätigten die Ärzte
das Vorliegen einer leichten
bis mittelschweren kognitiven Störung
. Zur Arbeitsfähigkeit führten sie aus, es sei von relevanten Einschränkungen im Rendement auszugehen, wobei eine zeit
liche Präsenz von über 60-70 % nicht realistisch sei. In einem entsprechenden, zeitlich angepassten Pensum von 60-70 % sei aufgrund der festgestellten neu
ropsychologischen Defizite von zusätzlichen qualitativen und quantitativen
Leis
tungseinschränkungen im Rendement von ca. 30-35 % auszugehen (Urk. 7/69/8).
Die behandelnde Neurologin der Beschwerdeführerin, Dr. med.
C.___
, Fachärztin FMH für Neurologie, attestierte
sodann
eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit seit 1. Septem
b
er 2017 (Urk. 7/20/2
, 7/34, 7/56
)
.
Unter Berücksichtigung der vorliegenden echtzeitlichen medizinischen Berichte
ist bei der Beschwerdeführerin (
jedenfalls
) seit Juli 2017 von einer Arbeitsunfä
higkeit in der bisherigen Tätigkeit von 50 % auszugehen.
Dies korreliert denn auch mit der retrospektiven E
inschätzung des neurologischen Gutachters. So führte dieser aus, die von ihm unter Berücksichtigung der Fatigue attestierte Rendement-Reduktion von 30 % bestehe seit der Diagnosestellung sicher aber seit der ersten neuropsychologischen Testung im Oktober 2016. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass neurokognitive Defizite nicht mitberücksichtigt seien und ver
wies diesbezüglich auf das fachspezifische Teilgutachten (Urk. 7/130/40).
Die neuropsychologische Gutachterin wiederum attestierte unter Berücksichtigung der Fatigue sowie der testpsychologisch objektivierten Defizite eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (Urk. 7/130/72).
Nach dem Dargelegten war das vorausgesetzte Wartejahr
im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
im August 2018 erfüllt.
5.4
Gestützt auf die Aktenlage, so insbesondere das Gutachten des
Zentrums B.___
(vgl. insbe
sondere Urk. 7/
130/11 f.)
, ist sodann mit dem im Sozialversicherungsrecht mass
gebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin spätestens seit November 2017
–
und somit auch im Zeit
punkt des frühestmöglichen Rentenbeginns im August 2018
–
auch in jeglichen angepassten Tätigkeiten zu 50 %
arbeitsunfähig war, mithin nach Ablauf des Wartejahrs eine Invalidität von mindestens 40 % bestand.
5.5
Nach dem Gesagten steht fest, dass der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bereits
im August
2018 entstand.
Gemäss Art. 29 Abs. 3 IVG wird die Rente vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht. Löst eine Rente das Taggeld ab, so wird in Abweichung von Art. 19 Abs. 3 ATSG die Rente auch für den Monat, in dem der Taggeldanspruch endet, ungekürzt ausgerichtet. Hingegen wird das Taggeld in diesem Monat um einen Dreissigstel des Renten
betrags gekürzt (Art. 47 Abs. 2 IVG).
Entsprechend hat die Beschwerdeführerin ab dem 1. August 2018 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung.
Die vom 1. bis 5. August 2018 aus
gerichteten Taggelder sind in Anwendung von Art. 47 Abs. 2 IVG um einen Dreissigstel des Rentenbetrages zu kürzen.
Insofern ist die Beschwerde gutzu
heissen. Im Übrigen (Rentenanspruch ab dem 1. März 2018) ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind sie auf Fr. 800
.--
anzusetzen
und ausgangsgemäss den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Als weitere Bemessungskriterien nennt § 7
GebV
SVGer
den Zeitauf
wand und die Barauslagen.
Nachdem die Beschwerdeführerin bloss teilweise obsiegt, ist ihr eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1'100.-- zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
vom 2. Dezember 2021 insofern abgeändert, als festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. August 2018 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
den Parteien je zur Hälfte
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
den
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
reduzierte
Prozessent
schädigung von Fr.
1
’100
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage
je einer Kopie
von Urk. 13 sowie Urk. 14/1-12
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelR. Müller