# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 589635ca-28b4-5dff-9521-b0602f270795
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-04
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 04.04.2024 SST.2023.111
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-111_2024-04-04.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.111 
(ST.2022.81; StA.2020.7856) 

 

 

Urteil vom 4. April 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Rosset 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

Privatklägerin 1  A.B._____, 

geboren am tt.mm.1986, von Eritrea, 

[…] 

 

Privatklägerin 1 vertreten durch Rechtsanwältin Michèle Wehrli Roth,  

[…] 

 

Privatklägerin 2  C.B._____, 

geboren am tt.mm.2014, von Eritrea, 

[…] 

 

Privatkläger 3  D.B._____, 

geboren am tt.mm.2019, von Eritrea, 

[…] 

 

Privatkläger 2 und 3 vertreten durch Rechtsanwältin Marianne Wehrli,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B.B._____,  

geboren am tt.mm.1980, von Eritrea, 

z.Zt.: Justizvollzugsanstalt Lenzburg, Ziegeleiweg 13, 5600 Lenzburg  

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dominik Brändli,  

[…] 

  

 

 
 

Gegenstand  Versuchter Mord, schwere Körperverletzung, Drohung usw. 
 

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 28. März 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen versuchten Mordes, schwerer Körper-

verletzung, mehrfacher Drohung, mehrfacher, teilweise versuchter 

Nötigung, einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten gemäss Art. 126 

Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StGB.  

 

2. 

Mit Urteil vom 24. November 2022 sprach das Bezirksgericht Aarau den 

Beschuldigten wegen versuchten Mordes gemäss Art. 112 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB, schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB, 

mehrfacher Drohung gemäss Art. 180 StGB, mehrfacher, teilweise 

versuchter Nötigung gemäss Art. 181 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB, Tätlichkeiten gemäss Art. 126 StGB und einfacher Körperverletzung 

gemäss Art. 123 StGB schuldig und verurteilte ihn zu einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 15 Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 500.00, 

ersatzweise 5 Tage Freiheitsstrafe. Weiter ordnete es eine vollzugs-

begleitende ambulante Behandlung an, verwies den Beschuldigten für die 

Dauer von 12 Jahren des Landes und ordnete die Ausschreibung der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem an. Von der 

Anordnung eines Kontakt- und Rayonverbots wurde abgesehen und es 

wurde die Einziehung diverser Gegenstände sowie die Rückgabe diverser 

Gegenstände an die Privatklägerin A.B._____ oder den Beschuldigten 

angeordnet. Sodann wurde die Verwendung des sichergestellten 

Bankguthabens des Beschuldigten von Fr. 12'224.22 zur Deckung der 

Verfahrenskosten angeordnet. Der Beschuldigte wurde verpflichtet, der 

Privatklägerin A.B._____ eine Genugtuung von Fr. 180'000.00, der 

Privatklägerin C.B._____ eine Genugtuung von Fr. 50'000.00 und dem 

Privatkläger D.B._____ eine Genugtuung von Fr. 30'000.00, jeweils nebst 

Zins zu 5 % seit 4. Oktober 2020, zu bezahlen. Schliesslich wurde 

festgestellt, dass der Beschuldigte den Privatklägern A.B._____, 

C.B._____ und D.B._____ aus dem Ereignis vom 3./4. Oktober 2020 dem 

Grundsatze nach zu 100% ersatzpflichtig sei. Im Übrigen wurden die 

Zivilforderungen der Privatkläger A.B._____, C.B._____ und D.B._____ auf 

den Zivilweg verwiesen. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 16. Mai 2023 beantragte der Beschuldigte, er 

sei – anstelle des versuchten Mordes – des versuchten Totschlags schuldig 

zu sprechen und von den übrigen Tatvorwürfen freizusprechen. 

Eventualiter sei er der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig zu 

sprechen. Er sei mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren zu bestrafen, 

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eventualiter mit einer solchen von 8 Jahren. Sodann sei eine 

Landesverweisung für die Dauer von 5 Jahren auszusprechen und auf 

deren Ausschreibung im Schengener Informationssystem zu verzichten. Er 

sei zu verpflichten, der Privatklägerin A.B._____ eine Genugtuung von 

Fr. 100'000.00, der Privatklägerin C.B._____ eine solche von Fr. 30'000.00 

und dem Privatkläger D.B._____ eine Genugtuung von Fr. 18'000.00, 

jeweils nebst Zins zu 5 % seit 4. Oktober 2020, zu bezahlen.  

 

3.2. 

Am 2. August 2023 reichte der Beschuldigte vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein.  

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 28. August 2023 beantragten die 

Privatkläger C.B._____ und D.B._____, mit vorgängiger Berufungsantwort 

vom 29. August 2023 die Privatklägerin A.B._____ und mit vorgängiger 

Berufungsantwort vom 26. September 2023 die Staatsanwaltschaft die 

Abweisung der Berufung.  

 

3.4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 4. April 2024 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Das vorinstanzliche Urteil wurde durch den Beschuldigten hinsichtlich der 

Schuldsprüche des versuchten Mordes, der schweren Körperverletzung, 

der mehrfachen Drohung, der mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung, 

der einfachen Körperverletzung und der Tätlichkeiten, der ausgefällten 

Strafe, der Dauer der Landesverweisung sowie der Höhe der 

zugesprochenen Genugtuungsforderungen angefochten. In den übrigen 

unangefochten gebliebenen Punkten findet keine Überprüfung statt 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. Versuchter Mord 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten betreffend die Anklageziffer 1 des 

versuchten Mordes gemäss Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und 

der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB schuldig-

gesprochen. Sie hat es als erstellt erachtet, dass der Beschuldigte in der 

Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 2020 versucht habe, seine Ehefrau 

A.B._____ in der gemeinsamen Wohnung an der V-Strasse […] in W._____ 

besonders skrupellos zu töten, indem er aus nichtigem Grund mehrmals 

mit einem Küchenmesser sowie einem Tafelmesser auf ihren Kopf sowie 

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ihren Oberkörper eingestochen und diese dabei lebensgefährlich verletzt 

und ihr dauerhaft das Augenlicht genommen habe. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei stattdessen des 

versuchten Totschlags gemäss Art. 113 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, 

eventualiter der versuchten vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen (Berufungserklärung S. 3). 

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Privatkläger beantragen die 

Abweisung der Berufung (Berufungsantworten der Staatsanwaltschaft S. 1; 

der Privatkläger C.B._____ und D.B._____ S. 2 und der Privatklägerin 

A.B._____ S. 2). 

 

2.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und im Berufungsverfahren unbestritten 

geblieben, dass der Beschuldigte in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 

2020 A.B._____ mit einem Küchenmesser sowie einem Tafelmesser 

mehrere Stich- und Schnittverletzungen am Kopf und am Oberkörper 

zugefügt und dadurch versucht hat, diese zu töten. Umstritten ist jedoch die 

rechtliche Qualifikation. Der Beschuldigte macht geltend, nicht besonders 

skrupellos, sondern in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen 

Gemütsbewegung gehandelt zu haben (Berufungsbegründung S. 7 ff.; 

Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 3; 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 14).  

 

2.3. 

Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, erfüllt den Grundtatbestand der 

vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB. Ist der Täter zudem 

besonders skrupellos vorgegangen, hat er den qualifizierten Tatbestand 

des Mordes gemäss Art. 112 StGB verwirklicht. Besondere Skrupellosigkeit 

liegt namentlich dann vor, wenn der Beweggrund des Täters, der Zweck 

der Tat oder die Art der Tatausführung besonders verwerflich sind. Nach 

der Rechtsprechung zeichnet sich Mord durch eine aussergewöhnlich 

krasse Missachtung fremden Lebens bei der Durchsetzung der eigenen 

Absichten aus. Es geht um die besonders verwerfliche Auslöschung eines 

Menschenlebens. Für die Qualifikation verweist das Gesetz in nicht 

abschliessender Aufzählung auf äussere (Ausführung) und innere 

Merkmale (Beweggrund, Zweck). Diese müssen nicht alle erfüllt sein, um 

Mord anzunehmen. Entscheidend ist eine Gesamtwürdigung der äusseren 

und inneren Umstände der Tat. Die für eine Mordqualifikation konstitutiven 

Elemente sind jene der Tat selber, während Vorleben und Verhalten nach 

der Tat nur heranzuziehen sind, soweit sie tatbezogen sind und ein Bild der 

Täterpersönlichkeit geben (BGE 141 IV 61 E. 4.1; Urteil des Bundesge-

richts 6B_271/2015 vom 26. August 2015 E. 2.3.1; jeweils mit Hinweisen). 

 

Beim Totschlag nach Art. 113 StGB handelt es sich um eine gegenüber 

dem Grundtatbestand der vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB 

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privilegierte Variante, die dann zum Tragen kommt, wenn der Täter in einer 

nach den Umständen entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung oder 

unter grosser seelischer Belastung gehandelt hat. Bei der heftigen 

Gemütsbewegung handelt es sich um einen Affekt. Vorausgesetzt wird 

eine normalpsychologische – also nicht krankhafte – starke Gefühlsregung, 

welche die Fähigkeit des Täters, eine Situation einzuschätzen oder sich zu 

beherrschen, einschränkt (BGE 119 IV 202 E. 2a; BGE 118 IV 233 E. 2a; 

EGE, in: Annotierter Kommentar StGB, Bern 2020, N. 2 f. zu Art. 113 StGB). 

 

Ein Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter, 

nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens 

begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder, wenn der 

zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht 

eintreten kann. 

 

2.4.  

Der Beschuldigte handelte wissentlich und willentlich und damit vorsätzlich: 

Er wusste, dass Stiche mit einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge 

von ca. 17 cm (vgl. UA act. 1720) in den Kopf sowie in den Oberkörper 

einer Person zum Tod führen können. So hat das Bundesgericht bereits 

mehrfach ausgeführt, dass es keiner besonderen Intelligenz bedarf, um zu 

erkennen, dass (ungezielte) Messerstiche in die Brust eines Menschen den 

Tod zur Folge haben können (BGE 109 IV 5 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 

6B_829/2010 vom 28. Februar 2011 E. 3.2). Der Beschuldigte wollte den 

Tod von A.B._____, ging es ihm doch – wie nachfolgend aufgezeigt wird – 

darum, seine Ehefrau zu eliminieren, weil er der festen Überzeugung war, 

dass diese eine sexuelle Liaison mit einem seiner besten Freunde, 

E._____, hatte (vgl. Berufungsbegründung S. 7 ff. sowie nachfolgend die 

Ausführungen in E. 2.5). 

 

2.5. 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten ist sein Handeln als 

besonders skrupellos zu qualifizieren, da sowohl seine Beweggründe als 

auch die Art der Ausführung auf eine eigentliche Eliminierung seiner 

Ehefrau A.B._____ ausgerichtet und deshalb besonders verwerflich waren: 

 

Der Beschuldigte führt aus, in der Zeit vor der Tat eine krankhafte 

Eifersucht entwickelt zu haben, und der Überzeugung gewesen zu sein, 

seine Ehefrau A.B._____ würde ihn mit E._____ betrügen. Dies habe ihn 

zutiefst in seinen Gefühlen verletzt und gekränkt. Der Gedanke, dass sie 

ihn betrüge, habe ihn kaputtgemacht (Berufungsbegründung S. 7 ff.; UA 

act. 2132). Dies zeigt, dass es dem Beschuldigten, welcher sich mit der 

vermuteten Affäre seiner Ehefrau nicht abfinden konnte und sich in seiner 

Ehre und seinem Stolz verletzt fühlte, darum ging, seine Ehefrau zu 

eliminieren. Dass der Beschuldigte tatsächlich aufgrund der angeblichen 

sexuellen Liaison zwischen A.B._____ und E._____ versucht hat, seiner 

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Ehefrau das Leben zu nehmen, ergibt sich klar daraus, dass er, unmittelbar 

nachdem er mit den Messern auf A.B._____ eingestochen hatte und noch 

neben dieser stand, F._____, die Frau von E._____ angerufen und dieser 

mitgeteilt hat, dass A.B._____ eine Affäre mit E._____ habe. Der 

Beschuldigte habe dabei zu F._____ gesagt, dass sie von ihrem Ehemann 

und A.B._____, welche er als Schlampe betitelte, betrogen worden sei (UA 

act. 2075; 2090; Protokoll Berufungsverhandlung S. 4). Dies zeigt, dass der 

Beschuldigte nicht bereit war, die vermutete sexuelle Liaison zwischen 

seiner Ehefrau und E._____ hinzunehmen. Nichts anderes ergibt sich aus 

der Aussage eines Freundes des Beschuldigten, G._____, welcher angab, 

der Beschuldigte habe ihn nach der Tat angerufen und gesagt: «Ich wollte 

das nicht, sie hat mich dazu gebracht». Weiter habe der Beschuldigte zu 

G._____ gesagt, dass A.B._____ ihn, den Beschuldigten, in eine teuflische, 

schlechte Situation gebracht und ihm dies angetan habe. Sie habe seine 

Zukunft kaputt gemacht. Er sei sauer gewesen und habe sie deshalb mit 

dem Messer gestochen (UA act. 1960). Dass es sich bei ihm tatsächlich 

um einen hochgradig kontrollierenden und eifersüchtigen Mann handelt, 

geht aus seinem alltäglichen Verhalten gegenüber seiner Ehefrau hervor, 

welches eine systematische Überwachungs- und Kontrolltendenz aufzeigt. 

Dass der Beschuldigte seine Ehefrau konstant und obsessiv kontrolliert hat, 

hat A.B._____ bestätigt. So gab sie an, dass der Beschuldigte jeweils 

Videoanrufe getätigt habe, um zu sehen, was sie mache und mit wem sie 

gerade zusammen sei. Wenn sie das Telefon nicht sofort abgenommen 

habe, habe er sie daraufhin angeschrien und beleidigt (UA act. 2070). Der 

Beschuldigte habe nicht gewollt, dass sie Kontakt mit anderen Männern 

pflege. Sie habe seinen Regeln folgen müssen, was sie denn auch 

gemacht habe (GA act. 2440). Weiter habe der Beschuldigte immer wieder 

ihre SMS kontrolliert (UA act. 2008; Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 8 ff.). Die zu einer regelrechten Obsession gewordene Kontrolltendenz 

des Beschuldigten zeigt sich exemplarisch daran, dass er mittels eines 

durch ihn in der Familienwohnung eigens zu diesem Zweck platzierten 

Mobiltelefons Aufnahmen hergestellt hat, um damit seine Ehefrau 

überwachen zu können (vgl. UA act. 1487; 1951). Es war denn auch 

gerade eine dieser Aufnahmen, die den Beschuldigten in seinem Verdacht, 

seine Ehefrau würde ihn betrügen, vermeintlich bestätigte. So führte der 

Beschuldigte diesbezüglich aus, er habe auf einer durch ihn 

aufgenommenen Tonaufnahme gehört, dass A.B._____ die Tür 

aufgemacht, eine Person in die Wohnung hereingelassen und daraufhin 

«leise, leise» gesagt habe (UA act. 1946 ff.). Auch A.B._____ führte aus, 

dass der Beschuldigte auf sie losgegangen sei, weil er aufgrund der 

vorgenannten Tonaufnahme gedacht habe, sie habe jemanden in die 

Wohnung hineingelassen (UA act. 2008; Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 3). Dafür, dass A.B._____ den Beschuldigten tatsächlich betrogen hätte, 

wurden während der Ermittlungen jedoch keinerlei Hinweise gefunden (UA 

act. 1491; 2061). A.B._____ hatte dem Beschuldigten vor der Tat bereits 

mehrfach und somit wiederholt zu verstehen gegeben, ihn nicht zu 

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betrügen. Nichtsdestotrotz war er weiterhin der festen Überzeugung, dass 

seine Ehefrau ihn betrügen würde und interpretierte – wohl aufgrund einer 

Bildungslücke – den weissen infektionsbedingten Scheidenausfluss von 

A.B._____ fälschlicherweise als Sperma seines Freundes E._____ (vgl. 

Berufungsbegründung S. 9).  

 

Die gesamten Umstände lassen im Sinne einer Gesamtwürdigung für das 

Obergericht keinen Zweifel daran, dass der Beschuldigte aufgrund seiner 

gesteigerten Eifersucht A.B._____ eliminieren wollte, weil er der festen 

Überzeugung war, dass diese eine aussereheliche Liebesbeziehung mit 

E._____ unterhielt, was ihn in seinem Stolz und seiner Ehre zutiefst 

verletzte. Seine Vorgehensweise zeugt von einer extremen Gering-

schätzung des Lebens von A.B._____. Mithin hat er bei der Durchsetzung 

seiner eigenen Absichten eine aussergewöhnlich krasse Missachtung 

fremden Lebens an den Tag gelegt. Er war offensichtlich ohne Weiteres 

bereit, seiner Ehefrau A.B._____ deren Daseinsberechtigung 

abzusprechen. Nachdem es objektiv keinerlei konkrete Anhaltspunkte 

dafür gab, dass A.B._____ den Beschuldigten tatsächlich betrogen hätte, 

hat der Beschuldigte aus nichtigem Anlass gehandelt, was der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge als skrupellos zu qualifizieren 

ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_507/2020 vom 17. August 2020 E. 1.2.2). 

In das Gesamtbild passt auch das Nachtatverhalten des Beschuldigten. So 

hat er, nachdem er auf seine Ehefrau eingestochen hat und während diese 

aufgrund der Stiche u.a. in die Augen nichts mehr sehen konnte, hilflos 

sowie sich aufgrund des grossen Blutverlustes in einem eigentlichen 

Überlebenskampf befindlich am Boden lag, anstatt den Notruf zu wählen 

und zu versuchen, ihr das Leben zu retten, ein 25-minütiges 

Telefongespräch mit F._____, der Frau von E._____, geführt und dieser 

mitgeteilt, dass E._____ eine Affäre mit A.B._____ habe (UA act. 1853). 

Anschliessend hat der Beschuldigte seine hilflose Ehefrau einfach 

zurückgelassen und hat die Familienwohnung verlassen. Dies lässt das 

Vorgehen des Beschuldigten umso skrupelloser erscheinen. Sein 

Verhalten, das aus niedrigen Beweggründen wie verletzter Ehre, 

verletztem Stolz, Eifersucht und Vergeltungsdrang herrührte, ist in keiner 

Weise nachvollziehbar und steht in einem besonders krassen 

Missverhältnis zum Anlass der Tat. 

 

Weiter hat der Beschuldigte eine besonders brutale und skrupellose Art der 

Tatausführung offenbart. So hat er – nachdem er A.B._____ unvermittelt 

und damit für diese überraschend mit grosser Wucht einen Schlag in ihr 

Gesicht verpasst hat, sodass sie zu Boden gefallen und benommen am 

Boden gelegen ist, sich in die Küche begeben, um dort Messer zu holen – 

mit einem Tafelmesser mit einer Klingenlänge von knapp 10 cm sowie 

zusätzlich einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge von ca. 17 cm (vgl. 

UA act. 1720) diverse Male in das Gesicht von A.B._____ im Augen- und 

Stirnbereich (UA act. 1658 f.) und einmal in deren Oberkörper, nämlich in 

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die Leber eingestochen, die Klinge nach dem ersten Einstich etwas 

zurückgezogen und danach ein zweites Mal zugestochen (UA act. 1644). 

Dies zeugt von besonderer Brutalität (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

6B_445/2023 vom 20. Oktober 2023 E. 1.2.2; 6B_507/2020 vom 

17. August 2020 E. 1.2.2 ff.). Die extreme Wucht und Krafteinwirkung, mit 

welcher der Beschuldigte auf A.B._____ eingestochen hat, zeigt sich 

eindrücklich daran, dass das Tafelmesser verbogen wurde und die Klinge 

des Küchenmessers vor dem Griff gar abgebrochen ist (vgl. UA act. 1670; 

2139). 

 

Bei einer Gesamtwürdigung der inneren und äusseren Umstände ist das 

Vorgehen des Beschuldigten als besonders skrupellos im Sinne des 

Mordtatbestandes zu qualifizieren. Nachdem A.B._____ überlebt hat, ist es 

bei einem Versuch geblieben. Rechtfertigungs- oder Schuldausschluss-

gründe liegen nicht vor. Der Beschuldigte hat sich des versuchten Mordes 

gemäss Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Damit 

erweist sich seine Berufung hinsichtlich der Qualifikation als versuchter 

Mord als unbegründet. 

 

2.6. 

Betreffend den vom Beschuldigten beantragten Schuldspruch wegen 

versuchten Totschlags gemäss Art. 113 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Berufungserklärung S. 3) ist festzuhalten, dass eine Konkurrenz zwischen 

Mord und Totschlag ausgeschlossen ist, da die heftige Gemütsbewegung 

nicht entschuldbar sein kann, wenn die in diesem Zustand begangene 

Tötung gleichzeitig eine besondere Skrupellosigkeit des Täters zum 

Ausdruck bringt (SCHWARZENEGGER, in: Basler Kommentar, StGB, 4. Aufl. 

2019, N. 32 zu Art. 112 StGB; EGE, in: Annotierter Kommentar StGB, Bern 

2020, N. 9 zu Art. 112 StGB; vgl. DONATSCH, in: OF-Kommentar StGB, 

21. Aufl. 2022 N. 10 zu Art. 112 StGB).  

 

Ohnehin ist das Vorbringen des Beschuldigten, wonach er im Affekt, also 

in einer entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung gehandelt habe, da er 

sich aufgrund seiner Kränkung nicht mehr habe kontrollieren können 

(Berufungsbegründung S. 8; Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der 

Berufungsverhandlung S. 6), als offensichtliche Schutzbehauptung zu 

qualifizieren, denn die heftige Gemütsbewegung setzt voraus, dass der 

Täter mehr oder weniger unmittelbar auf ein plötzliches, ihn überwälti-

gendes Gefühl reagiert (BGE 119 IV 202 E. 2a). Zwar hat der Beschuldigte 

angegeben, während der Tat mit dem Kopf nicht dagewesen zu sein (UA 

act. 1952). Relevant und hervorzuheben ist jedoch, dass es sich dem 

Beschuldigten zufolge bei seiner Vorstellung, wonach ihn seine Ehefrau 

betrügen würde, um eine wachsende Überzeugung gehandelt habe. Er 

habe sich in diese Überzeugung, die zunehmend sein Leben und Denken 

dominiert habe, hineingesteigert (Berufungsbegründung S. 7 und 9). Dies 

zeigt, dass er bereits seit längerer Zeit davon überzeugt war, dass ihn 

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A.B._____ betrügen würde, was von ihm denn auch nicht bestritten wird. 

So hat er angegeben, bereits seit längerer Zeit vermutet zu haben, dass 

seine Frau ihn betrügen würde. Er habe vor dem Vorfall bereits mehrere 

Male mit A.B._____ darüber geredet (GA act. 2445). Sodann habe er 

eigenen Angaben zufolge bereits den ganzen Tag lang über die fragliche 

Tonaufnahme nachgedacht (UA act. 2017). Aufgrund dessen kann nicht 

von einem den Beschuldigten unmittelbar vor der Tatbegehung plötzlich 

überwältigenden Gefühl ausgegangen werden. Auch die Tatsache, dass er 

direkt nach der Tatbegehung dazu in der Lage war, 25 Minuten lang ein 

Telefongespräch zu führen, bestätigt, dass er die Situation sehr wohl noch 

beherrschen konnte. Nichts anderes ergibt sich aus der Tatsache, dass der 

Beschuldigte, nachdem er A.B._____ zuerst mit grosser Wucht gegen 

deren Kopf geschlagen hatte und diese deshalb benommen am Boden lag, 

sich zur Küche begeben und dort die beiden Tatmesser behändigen 

konnte. Es kann nicht von einer Kurzschlusshandlung aufgrund eines 

plötzlich auftretenden Emotionszustands gesprochen werden. In 

Würdigung der gesamten Umstände ist das Vorliegen einer entschuldbaren 

heftigen Gemütsbewegung zu verneinen. 

 

2.7. 

Der Beschuldigte hat eventualiter den Antrag gestellt, er sei der versuchten 

vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen (Berufungserklärung S. 3). Nachdem die versuchte 

Tötung von A.B._____ als versuchter Mord zu qualifizieren ist (vgl. E. 2.5), 

erübrigt sich eine Prüfung der versuchten vorsätzlichen Tötung. 

Infolgedessen ist nicht weiter auf die Vorbringen des Beschuldigen zur 

versuchten vorsätzlichen Tötung einzugehen (vgl. Berufungsbegründung 

S. 10). 

 

2.8. 

Entgegen der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 2.5.4) und der 

Staatsanwaltschaft (Plädoyer der Staatsanwaltschaft an der Berufungs-

verhandlung S. 3 und S. 14) hat in Bezug auf die A.B._____ an ihren Augen 

zugefügten Verletzungen kein zusätzlicher Schuldspruch wegen schwerer 

Körperverletzung zu ergehen, wird die schwere Körperverletzung doch 

durch den besonders skrupellosen Tötungsversuch konsumiert (BGE 137 

IV 113 E. 1). Beim Vorliegen eines Vorsatzes zur Ermordung einer Person 

– wie dies vorliegend der Fall ist – ist gleichzeitig kein Vorsatz zur schweren 

Verletzung derselben Person durch Entstellung des Gesichts möglich, 

würde ein solcher doch den Willen voraussetzen, dass die Person überlebt. 

Auch ist bereits aufgrund der Wucht und der Vielzahl der Stiche in die 

Augen von A.B._____ davon auszugehen, dass der Beschuldigte seine 

Ehefrau nicht bloss hat entstellen, sondern töten wollen. 

 

Mit dem Schuldspruch wegen versuchten Mordes ist der 

Anklagesachverhalt erschöpfend erledigt, ohne dass der Beschuldigte vom 

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Vorwurf der schweren Körperverletzung freizusprechen wäre (BGE 142 IV 

378 E. 1.3). 

 

3. Mehrfache Drohung 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten betreffend die Anklageziffer 2 der 

mehrfachen Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a StGB 

schuldig gesprochen. Sie hat es als erstellt erachtet, dass der Beschuldigte 

zwischen August 2019 und dem 4. Oktober 2020 seiner Ehefrau A.B._____ 

mehrmals angedroht habe, sie zu töten. Der Beschuldigte habe ihr 

wiederholt gesagt, dass er im Auto einen Gegenstand habe, mit dem er 

sich «wehren» könne. 

 

Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die 

Vorinstanz den Beschuldigten betreffend die Anklageziffer 3 vom Vorwurf 

der Drohung freigesprochen hat (vorinstanzliches Urteil E. 4.3.2), ohne dies 

jedoch ins Urteilsdispositiv aufzunehmen. Nachdem dieser unangefochten 

gebliebene Freispruch in Rechtskraft erwachsen ist, erübrigen sich weitere 

Ausführungen hierzu. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei betreffend die 

Anklageziffer 2 vom Vorwurf der mehrfachen Drohung freizusprechen 

(Berufungserklärung S. 3). Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die 

Privatklägerin A.B._____ beantragen die Abweisung der Berufung 

(Berufungsantworten der Staatsanwaltschaft S. 1 und der Privatklägerin 

A.B._____ S. 2). 

 

3.2. 

Nach Art. 180 Abs. 1 StGB wird auf Antrag bestraft, wer jemanden durch 

schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Subjektiv muss der 

Täter im Bewusstsein handeln, dass eine bestimmte Drohung geeignet ist, 

einen bestimmten Menschen mindestens möglicherweise in Angst und 

Schrecken zu versetzen und er muss dies wollen bzw. in Kauf nehmen. Ein 

Wille, die Drohung in die Tat umzusetzen, ist hingegen nicht erforderlich 

(BGE 137 IV 258 E. 2.6). 

 

Der Täter wird gemäss Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB von Amtes wegen 

verfolgt, wenn er der Ehegatte des Opfers ist und die Drohung während der 

Ehe begangen wurde. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte bestreitet, A.B._____ gedroht zu haben (Berufungs-

begründung S. 12 f.). Er habe nichts im Auto gehabt und habe seine Frau 

nicht eingeschüchtert (UA act. 2020; GA act. 2445).  

 

 - 11 - 

 

 

A.B._____ führte an ihrer Einvernahme vom 12. Oktober 2020 aus, dass 

der Beschuldigte sie immer wieder gewarnt habe, dass er etwas Spitziges 

im Auto habe, womit er sich wehren könne. Sie habe deshalb Angst davor 

gehabt, dass der Beschuldigte «irgendjemanden» damit verletzen könnte 

(UA act. 2008 f.). An ihrer Einvernahme vom 11. Januar 2021 gab sie zu 

Protokoll, dass der Beschuldigte ihr wiederholt gesagt habe, er werde sie 

umbringen. Er drohe ihr bereits seit dem 1. Januar 2020 mit dem Tod (UA 

act. 2088). An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab sie dagegen im 

Widerspruch zu ihren früheren Aussagen an, dass der Beschuldigte ihr 

nicht gesagt habe, dass er sie umbringen werde (GA act. 2439). An der 

Berufungsverhandlung führte sie aus, dass der Beschuldigte ihr nicht mit 

dem Tod gedroht habe resp., dass sie sich nicht mehr daran erinnern 

könne. Er habe ihr zwar gesagt, dass er in seinem Personenwagen einen 

spitzigen Gegenstand habe, um sich zu verteidigen, wobei sie dies nicht so 

verstanden habe, dass dieser Gegenstand für sie gedacht gewesen sei 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 8).  

 

Nachdem betreffend diesen Tatvorwurf sich widersprechende Aussagen 

von A.B._____ vorliegen und der Beschuldigte konstant bestritten hat, 

seiner Frau mit dem Tod gedroht zu haben, ist der vorliegende 

Anklagesachverhalt nicht erstellt. Aufgrund dessen ist der Beschuldigte 

betreffend die Anklageziffer 2 vom Vorwurf der mehrfachen Drohung 

freizusprechen und seine Berufung erweist sich in diesem Punkt als 

begründet.  

 

4. Nötigung (Anklageziffer 2) 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten betreffend die Anklageziffer 2 der 

mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB, 

teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldiggesprochen. Sie hat es als 

erstellt erachtet, dass der Beschuldigte zwischen August 2019 und dem 

4. Oktober 2020 seiner Ehefrau A.B._____ immer wieder untersagt habe, 

mit anderen Personen über ihre Eheprobleme zu reden, andernfalls er ihr 

etwas antun werde, woraufhin A.B._____ lediglich mit ihrer Tante über ihre 

Eheprobleme geredet habe. Weiter habe es A.B._____ aufgrund der 

Todesdrohungen des Beschuldigten zugelassen, dass dieser regelmässig 

ihr Mobiltelefon kontrolliert habe, habe sich nur zuhause aufgehalten und 

habe ohne die Zustimmung des Beschuldigten keine sozialen Kontakte 

unterhalten.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom vorgenannten Vorwurf 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 3). Sowohl die Staatsanwaltschaft 

als auch die Privatklägerin A.B._____ beantragen die Abweisung der 

Berufung (Berufungsantworten der Staatsanwaltschaft S. 1 und der 

Privatklägerin A.B._____ S. 2). 

 

 - 12 - 

 

 

4.2. 

Eine Nötigung nach Art. 181 StGB begeht, wer jemanden durch Gewalt 

oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung 

seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu 

dulden. Bei der Androhung ernstlicher Nachteile stellt der Täter dem Opfer 

ein Übel in Aussicht, dessen Eintritt er als von seinem Willen abhängig 

erscheinen lässt. Ernstlich sind Nachteile, wenn ihre Androhung nach 

einem objektiven Massstab geeignet ist, auch eine besonnene Person in 

der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und so seine Freiheit der 

Willensbildung oder -betätigung zu beschränken (BGE 122 IV 322 E. 1a). 

Eine Nötigung ist unrechtmässig, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt 

ist oder wenn das Mittel zum angestrebten Zweck nicht im richtigen 

Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich 

zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder 

sittenwidrig ist (BGE 141 IV 437 E. 3.2.1). Die Drohung muss eine gewisse 

Intensität aufweisen, die sich nach objektiven Kriterien und den Umständen 

des Einzelfalls bestimmt. Misslingt die Bestimmung von Willensbildung 

oder -betätigung, bleibt es beim Versuch (Urteil des Bundesgerichts 

6B_415/2021 vom 11. Oktober 2021 E. 5.3.1 mit Hinweisen).  

 

In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 181 StGB, dass der Täter mit Vorsatz 

handelt, das heisst, dass er, im Bewusstsein um die Unrechtmässigkeit 

seines eigenen Verhaltens, sein Opfer zu einem bestimmten Verhalten 

zwingen will; Eventualvorsatz genügt (BGE 120 IV 17 E. 2c). 

 

4.3. 

Betreffend die Anklageziffer 2 bestreitet der Beschuldigte den 

Anklagesachverhalt (Berufungsbegründung S. 12 f.). 

 

Wie bereits vorgängig im Rahmen der Prüfung der mehrfachen Drohung 

dargelegt, ist nicht erstellt, dass der Beschuldigte A.B._____ mit dem Tod 

oder anderweitig gedroht hat, nachdem diesbezüglich widersprüchliche 

Aussagen von A.B._____ vorliegen und der Beschuldigte dies konstant 

bestritten hat (vgl. E. 3.3). Folglich ist die Androhung ernstlicher Nachteile 

nicht erstellt.  

 

Sodann bleibt betreffend die dem Beschuldigten vorgeworfene Nötigung 

von A.B._____ zur Duldung der Kontrolle ihres Mobiltelefons aufgrund 

seiner Eifersucht und zur Unterlassung von Aussenkontakten aufgrund der 

regelmässigen Kontrollen durch den Beschuldigten festzuhalten, dass 

diese keine Nötigungsmittel i.S.v. Art. 181 StGB darstellen. So liegt 

insbesondere auch nicht das Nötigungsmittel der anderen Beschränkung 

der Handlungsfreiheit vor. Dieses Zwangsmittel muss, um tatbestands-

mässig zu sein, das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in 

ähnlicher Weise eindeutig überschreiten, wie es für die im Gesetz 

ausdrücklich genannten Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung 

 - 13 - 

 

 

ernstlicher Nachteile gilt. Es muss ihnen mithin eine den gesetzlich 

genannten Mitteln vergleichbare Zwangswirkung zukommen (BGE 141 IV 

437 E. 3.2.1). Dies ist bei der Eifersucht wie auch bei der Kontrolle mittels 

eines Mobiltelefons nicht der Fall. 

 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte betreffend die Anklageziffer 2 vom 

Vorwurf der mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung freizusprechen. 

Seine Berufung erweist sich in diesem Punkt als begründet. 

 

5. Tätlichkeiten 

5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten betreffend die Anklageziffer 3 wegen 

Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StGB schuldig 

gesprochen. Sie hat es als erstellt erachtet, dass der Beschuldigte seine 

Ehefrau A.B._____ während der Ehe immer wieder geschlagen habe und 

sie in der Silvesternacht 2019/2020 geschlagen, am Hals gepackt und auf 

den Boden geworfen habe, wodurch sie mehrere blaue Flecken am Arm 

erlitten habe. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom vorgenannten Vorwurf 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 3). Sowohl die Staatsanwaltschaft 

als auch die Privatklägerin A.B._____ beantragen die Abweisung der 

Berufung (Berufungsantworten der Staatsanwaltschaft S. 1 und der 

Privatklägerin A.B._____ S. 2). 

 

5.2. 

Der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer 

gegen jemanden Tätlichkeiten verübt, die keine Schädigung des Körpers 

oder der Gesundheit zur Folge haben. 

 

Der Täter wird gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB u.a. dann von Amtes 

wegen verfolgt, wenn er die Tat wiederholt während der Ehe an seinem 

Ehegatten begeht. Erfasst werden ausschliesslich wiederholte Tätlich-

keiten, was anzunehmen ist, wenn mindestens zwei selbständige Vorfälle 

innert kürzerer Zeit vorliegen, nicht aber, wenn die Tätlichkeiten längere 

Zeit auseinanderliegen oder ein sehr enger Zusammenhang im Sinne einer 

«Tracht Prügel» vorliegt (EGE, Annotierter Kommentar StGB, Bern 2020, N. 

8 zu Art. 126 StGB; Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich SB180029 

vom 23. Januar 2019 E. IV.1.3).  

 

5.3. 

Entgegen der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 4.4.4) liegen keine 

wiederholten Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB vor. So 

wird dem Beschuldigten lediglich vorgeworfen, A.B._____ in der Nacht vom 

31. Dezember 2019 auf den 1. Januar 2020 im Rahmen eines Streits auf 

 - 14 - 

 

 

den Boden geworfen, geschlagen und am Hals gepackt zu haben, was er 

bestreitet (Berufungsbegründung S. 13 f.; GA act. 2445). 

 

Die Prüfung des Vorliegens einer Tätlichkeit gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB 

dagegen fällt ausser Betracht, da diese einen Strafantrag gemäss Art. 30 

StGB voraussetzt und A.B._____ mit Schreiben vom 15. Dezember 2023 

eine Desinteressenserklärung an der Strafverfolgung abgegeben hat, 

welche als Rückzug des Strafantrags (vgl. UA act. 1212 f.) zu verstehen ist 

(BGE 143 IV 104 E. 5.1). 

 

Folglich ist der Beschuldigte betreffend die Anklageziffer 3 vom Vorwurf der 

Tätlichkeiten freizusprechen. Damit erweist sich seine Berufung in diesem 

Punkt als begründet. 

 

6. Gefährdung des Lebens 

6.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten betreffend die Anklageziffer 4 der 

einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 al. 1 und 

al. 4 StGB schuldig gesprochen. Sie hat es als erstellt erachtet, dass der 

Beschuldigte in der Nacht vom 13. Februar 2020 seine Ehefrau A.B._____ 

bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt habe, wodurch er den objektiven und 

subjektiven Tatbestand der einfachen Körperverletzung erfüllt habe.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom vorgenannten Vorwurf 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 3). Sowohl die Staatsanwaltschaft 

als auch die Privatklägerin A.B._____ beantragen die Abweisung der 

Berufung (Berufungsantworten der Staatsanwaltschaft S. 1 und der 

Privatklägerin A.B._____ S. 2). 

 

6.2. 

Das Obergericht hat den Parteien an der Berufungsverhandlung eröffnet, 

den Sachverhalt gemäss Anklageziffer 4 gestützt auf Art. 344 StPO auch 

unter dem Tatbestand der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB 

prüfen zu wollen und den Parteien die Gelegenheit zur Stellungnahme 

gegeben (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung S. 2). 

 

6.3. 

Der Beschuldigte bestreitet, A.B._____ in der Nacht vom 13. Februar 2020 

geschlagen und diese bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben 

(Berufungsbegründung S. 14; Protokoll Berufungsverhandlung S. 16). 

 

A.B._____ führte an ihrer Einvernahme vom 27. November 2020 aus, dass 

der Beschuldigte sie in der Nacht vom 13. Februar 2020 fest geschlagen 

habe und sie bewusstlos geworden sei. Sie sei im Bett wieder zu 

Bewusstsein gekommen und habe nicht gewusst, was passiert sei. Der 

Beschuldigte habe ihr dann gesagt, dass er sie reanimiert habe, nachdem 

 - 15 - 

 

 

er sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt habe (UA act. 2074). An ihrer 

Einvernahme vom 11. Januar 2021 gab sie an, sich nicht mehr genau 

daran zu erinnern und das, was sie noch wisse, bei ihrer letzten 

Einvernahme erzählt zu haben (UA act. 2087). An der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung führte A.B._____ aus, dass der Beschuldigte sie am 

Hals gewürgt habe und sie deswegen bewusstlos gewesen sei, was sie 

wisse, weil der Beschuldigte ihr dies erzählt habe (GA act. 2441). An der 

Berufungsverhandlung bestätigte A.B._____, dass der Beschuldigte sie am 

13. oder 14. Februar 2020 gewürgt habe und sie deshalb ohnmächtig 

geworden sei. Aufgrund dessen habe sie in ihre Hose uriniert (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 8 f.). 

 

Gestützt auf die als glaubhaft zu qualifizierenden Aussagen von A.B._____, 

welche konstant ausgeführt hat, dass der Beschuldigte sie bis zur 

Bewusstlosigkeit gewürgt habe, erachtet das Obergericht diesen 

Anklagesachverhalt als erstellt. Nicht erstellt ist dagegen, dass der 

Beschuldigte A.B._____ davor geschlagen haben soll, hat A.B._____ dies 

doch einzig einmal zu Protokoll gegeben und im Rahmen ihrer weiteren 

Einvernahmen nicht mehr bestätigt. 

 

6.4. 

Eine Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB begeht, wer einen 

Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt. 

Unmittelbar ist die Lebensgefahr, wenn sich aus dem Verhalten des Täters 

direkt die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Todesfolge ergibt. 

Darüber hinaus erfordert der Tatbestand skrupelloses Verhalten. Unter 

einem skrupellosen Verhalten ist ein in schwerem Grad vorwerfbares, 

rücksichts- oder hemmungsloses Verhalten zu verstehen. Je grösser die 

vom Täter geschaffene Gefahr ist und je weniger seine Beweggründe zu 

billigen sind, desto eher ist die Skrupellosigkeit zu bejahen. Skrupellosigkeit 

liegt stets vor, wenn die Lebensgefahr aus nichtigem Grund geschaffen 

wird oder deutlich unverhältnismässig erscheint, so dass sie von einer 

tiefen Geringschätzung des Lebens zeugt. Der subjektive Tatbestand 

verlangt in Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr direkten Vorsatz. 

Eventualvorsatz genügt nicht. Die Verwirklichung der Lebensgefahr muss 

der Täter nicht gewollt haben, ansonsten läge ein Tötungsversuch vor. Da 

immer dann, wenn der Täter die Verwirklichung der Lebensgefahr in Kauf 

nimmt, ein eventualvorsätzlicher Tötungsversuch anzunehmen ist, kommt 

eine Verurteilung nach Art. 129 StGB nur in Betracht, wenn der Täter trotz 

der erkannten Lebensgefahr handelt, aber darauf vertraut, die Gefahr 

werde sich nicht realisieren (BGE 133 IV 1 E. 5.1; BGE 136 IV 76 E. 2.4; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1017/2019 vom 20. November 2019 E. 2.2). 

 

Der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Abs. 1 StGB macht sich 

dagegen strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise als 

nach Art. 122 StGB an Körper oder Gesundheit schädigt. Der Täter wird 

 - 16 - 

 

 

gemäss Art. 123 Abs. 2 StGB u.a. dann von Amtes wegen verfolgt, wenn 

er der Ehegatte des Opfers ist und die Tat während der Ehe begangen 

wurde.  

 

6.5. 

Die Vorinstanz hat den Anklagesachverhalt fälschlicherweise als einfache 

Körperverletzung gewürdigt. Das Würgen von A.B._____ bis hin zu ihrer 

Bewusstlosigkeit erfüllt jedoch, nachdem A.B._____, soweit ersichtlich, 

durch das Würgen nicht verletzt worden ist, nicht den Tatbestand der 

einfachen Körperverletzung, sondern denjenigen der Gefährdung des 

Lebens gemäss Art. 129 StGB. Dies ist damit zu erklären, dass der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge derjenige, der so heftig 

würgt, dass das Opfer, ohne dabei (erhebliche) Körperverletzungen zu 

erleiden, in unmittelbare Lebensgefahr gerät, keine einfache (und auch 

keine schwere) Körperverletzung begeht, sondern eine Gefährdung des 

Lebens (BGE 124 IV 53 E. 2). Entgegen dem Vorbringen des 

Beschuldigten (Protokoll Berufungsverhandlung S. 24), hat er seine 

Ehefrau A.B._____ durch das Würgen in unmittelbare Lebensgefahr 

gebracht. So ist diese ohnmächtig geworden und hatte Urinabgang. Bei 

Würgevorfällen wird eine unmittelbare Lebensgefahr u.a. dann 

angenommen, wenn der Täter mit derartiger Intensität (und/oder Dauer) 

auf das Opfer einwirkt, dass Symptome einer Asphyxie (Atemstillstand mit 

Bewusstseinsstörung) als handfeste Befunde für eine Hirndurchblutungs-

störung auftreten. Bewusstlosigkeit und Urinabgang stellen relevante 

Strangulationsformen dar. Der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

zufolge ist in der Regel denn auch bereits dann von einer unmittelbaren 

Lebensgefahr auszugehen, wenn der Täter das Opfer stranguliert, ohne 

ihm ernsthafte Verletzungen beizufügen und ohne, dass das Opfer 

ohnmächtig wird (Urteile des Bundesgerichts 6B_964/2021 vom 12. Januar 

2022 E. 4.5.1; 6B_1258/2020 vom 12. November 2021 E. 1.4). 

 

Das Verhalten des Beschuldigten ist als skrupellos zu qualifizieren, hat er 

seine Ehefrau A.B._____ doch aus nichtigen Beweggründen in 

Lebensgefahr gebracht. So hat er angegeben, bereits im Februar 2020 den 

Verdacht gehegt zu haben, dass seine Ehefrau ihn betrüge (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 16). Folglich handelte er, wie auch anlässlich des 

Vorfalls vom 3./4. Oktober 2020, aus krankhafter Eifersucht, aus purem 

Egoismus sowie aus Vergeltungsdrang, weil er der festen Überzeugung 

war, dass A.B._____ eine sexuelle Liaison mit einem seiner besten 

Freunde hatte, was ihn in seinem Stolz und seiner Ehre zutiefst verletzt hat. 

Das Vorgehen des Beschuldigten erscheint völlig unverhältnismässig und 

zeugt von einer tiefen Geringschätzung des Lebens von A.B._____. Er 

wusste um die unmittelbare Lebensgefahr und handelte gerade mit dem 

Willen, diese aus den vorgenannten Gründen herbeizuführen. Damit 

handelte er in Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr direktvorsätzlich. 

 

 - 17 - 

 

 

Der Beschuldigte hat sich betreffend die Anklageziffer 4 der Gefährdung 

des Lebens gemäss Art. 129 StGB schuldig gemacht. Seine Berufung 

erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 

 

6.6. 

Mit dem Schuldspruch wegen Gefährdung des Lebens ist der Anklage-

sachverhalt erschöpfend erledigt, ohne dass der Beschuldigte vom Vorwurf 

der einfachen Körperverletzung freizusprechen wäre (BGE 142 IV 378 

E. 1.3). 

 

7. Nötigung (Anklageziffer 4) 

7.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten betreffend die Anklageziffer 4 der 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB schuldig gesprochen. Sie hat es als erstellt 

erachtet, dass er seine Ehefrau A.B._____ am 13. Februar 2020 durch 

bereits länger andauernde Drohungen, Schläge und ihre konstante 

Überwachung einem ständigen Klima der Gewalt und Angst ausgesetzt 

habe und sie in diesem Rahmen dazu genötigt habe, einen Suizidversuch 

mittels der Einnahme von Putzmitteln zu unternehmen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom vorgenannten Vorwurf 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 3). Sowohl die Staatsanwaltschaft 

als auch die Privatklägerin A.B._____ beantragen die Abweisung der 

Berufung (Berufungsantworten der Staatsanwaltschaft S. 1 und der 

Privatklägerin A.B._____ S. 2). 

 

7.2. 

Entgegen der Vorinstanz ist nicht erkennbar, dass der Beschuldigte 

A.B._____ dazu genötigt hätte, einen Suizidversuch zu unternehmen, 

entsprach dieser ihren eigenen Angaben zufolge doch ihrem freien Willen. 

So hat sie diesbezüglich ausgeführt, dass sie sich das Leben habe nehmen 

wollen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 8). Nichts anderes ergibt sich 

daraus, dass der Beschuldigte unverzüglich gehandelt hat, um seiner 

Ehefrau das Leben zu retten, indem er A.B._____ Milch und Wasser zu 

trinken gegeben hat, damit diese das von ihr zuvor eingenommene 

Putzmittel hat erbrechen können (UA act. 2074). Der Beschuldigte ist 

folglich betreffend die Anklageziffer 4 vom Vorwurf der Nötigung 

freizusprechen. Seine Berufung erweist sich in diesem Punkt als 

begründet. 

 

8. Strafzumessung 

8.1. 

Der Beschuldigte hat sich des versuchten Mordes gemäss Art. 112 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und der Gefährdung des Lebens gemäss 

Art. 129 StGB schuldig gemacht. Dafür ist er angemessen zu bestrafen.  

 

 - 18 - 

 

 

8.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 15 Jahren sowie einer Busse von Fr. 500.00, ersatzweise 5 Tage 

Freiheitsstrafe, bestraft.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, ausgehend von den von ihm 

beantragten Freisprüchen, er sei mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren, 

eventualiter mit einer solchen von 8 Jahren zu bestrafen 

(Berufungserklärung S. 3). Die Staatsanwaltschaft beantragt die 

Abweisung der Berufung (Berufungsantwort S. 1). 

 

Aufgrund des Freispruchs vom Vorwurf der Tätlichkeiten entfällt die von der 

Vorinstanz dafür ausgesprochene Busse. 

 

8.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

8.4. 

Der Mord nach Art. 112 StGB sieht als Strafe lebenslängliche 

Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren vor. Die 

Vernichtung fremden Lebens ist immer von einer extremen Schwere. Allein 

der Umstand, dass der Beschuldigte das höchste Rechtsgut eines 

Menschen, das Leben, zu verletzten beabsichtigt hat, rechtfertigt aber nicht 

per se die Ausfällung der Maximalstrafe. Die Rechtsgutverletzung als 

solche ist unergiebig, wenn es um einen Mord geht, da die Vernichtung des 

höchsten Rechtsguts den Tatbestand des Art. 112 StGB begründet. 

Insoweit ist aus der beabsichtigten Rechtsgutverletzung allein nichts für die 

Strafzumessung abzuleiten. Beim weiten Strafrahmen für Mord hängt die 

Bemessung der konkreten Strafe insbesondere vom Ausmass der 

besonderen Skrupellosigkeit ab, welches die Schwere des Verschuldens 

wesentlich mitbestimmt. Eine unzulässige Doppelverwertung ist damit nicht 

verbunden (Urteile des Bundesgerichts 6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 

E. 2.6.1; 6B_55/2015 vom 7. April 2015 E. 3.3). 

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Betreffend die Art und Weise der Tatausführung ist Folgendes festzuhalten: 

Der Beschuldigte hat in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 2020 seiner 

Ehefrau A.B._____ mit einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 

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 - 19 - 

 

 

ca. 17 cm sowie einem Tafelmesser mit einer Klingenlänge von knapp 

10 cm mehrere Stich- und Schnittverletzungen am Kopf im Bereich der 

Stirn sowie der Augen und am Oberkörper im Bereich der Leber zugefügt 

und dadurch versucht, sie auf besonders skrupellose Art und Weise zu 

töten. Er handelte in der Absicht, seine Ehefrau aufgrund seiner 

krankhaften Eifersucht, aus purem Egoismus sowie aus Vergeltungsdrang 

zu eliminieren, weil er der festen Überzeugung war, dass diese eine 

sexuelle Liaison mit einem seiner besten Freunde hatte, was ihn in seinem 

Stolz und seiner Ehre zutiefst verletzt hat. Seine Vorgehensweise aus 

nichtigem Anlass zeugt von einer extremen Geringschätzung des Lebens 

von A.B._____. Die Art der Tatausführung zeugt von besonderer Brutalität, 

hat der Beschuldigte doch, nachdem er A.B._____ unvermittelt in deren 

Gesicht geschlagen hat, während diese benommen am Boden lag diverse 

Male in ihren Augen- und Stirnbereich sowie in ihre Leber eingestochen, 

das Messer nach dem ersten Einstich etwas zurückgezogen und danach 

ein zweites Mal zugestochen. Er hat dabei so oft und wuchtig zugestochen, 

dass eines der Messer verbogen wurde und das andere abgebrochen ist. 

Aufgrund der Tat ist A.B._____ vollständig erblindet, weshalb in ihrem 

Alltag ohne Unterstützung eigenen Angaben zufolge gar nichts mehr alleine 

möglich sei (GA act. 2442 f.). Nach der Tat sei sie einen Monat lang 

hospitalisiert gewesen, habe zwei Operationen über sich ergehen lassen 

müssen und habe höllische Schmerzen im Bauchbereich erlitten. An der 

Berufungsverhandlung führte A.B._____ aus, aufgrund des Vorfalls nach 

wie vor eine Psychotherapie zu absolvieren (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 6 ff.). Besonders skrupellos erscheint, dass der 

Beschuldigte, nachdem er auf seine Ehefrau eingestochen hat und 

während diese erblindet, hilflos sowie sich in einem eigentlichen 

Überlebenskampf befindlich am Boden lag, anstatt den Notruf zu wählen 

und zu versuchen, ihr das Leben zu retten, ein 25-minütiges 

Telefongespräch mit F._____ geführt hat, um dieser mitzuteilen, dass 

deren Ehemann, E._____, eine Affäre mit A.B._____ habe. Anschliessend 

hat der Beschuldigte seine Ehefrau in der Familienwohnung, in welcher 

sich auch noch die beiden schlafenden Kinder – welche damals ein Jahr 

resp. sechs Jahre alt waren – befanden, zurückgelassen. Insgesamt ist von 

einem sehr erheblichen Ausmass der besonderen Skrupellosigkeit 

auszugehen. Entsprechend schwer wiegt das Verschulden des 

Beschuldigten. 

 

Dem forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. med. J._____ vom 

25. Juni 2021 zufolge sei die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten im 

Tatzeitpunkt nicht eingeschränkt gewesen, während dessen Steuerungs-

fähigkeit beeinträchtig gewesen sei, woraus sich jedoch höchstens eine 

leichtgradig verminderte Schuldfähigkeit ergebe (UA act. 243). Daran hielt 

der Sachverständige Dr. med. J._____ an der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung fest (GA act. 2451). Die gutachterlichen Ausführungen 

sind schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf abzustellen ist. Es ist 

 - 20 - 

 

 

deshalb davon auszugehen, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt in 

seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war, woraus sich eine 

leichtgradig verminderte Schuldfähigkeit ergibt. Im Übrigen ist es jedoch 

nicht so, dass es keinen anderen Ausweg für den Beschuldigten gegeben 

hätte. Insbesondere ist nicht ersichtlich, weshalb er nicht einfach das 

Gespräch mit A.B._____ gesucht oder sich von ihr getrennt oder scheiden 

lassen hat. Im Ergebnis hat er aus rein egoistischen Gründen einfach den 

aus seiner Sicht einfachsten Weg zur Entledigung seiner Ehefrau gewählt. 

Je leichter es ihm aber gefallen wäre, die körperliche Integrität bzw. das 

Leben von A.B._____ zu respektieren, desto schwerer wiegt die 

Entscheidung dagegen und damit einhergehend sein Verschulden (vgl. 

BGE 117 IV 112 E. 1; BGE 127 IV 101 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 

6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt wäre unter Berücksichtigung des Strafrahmens von 10 Jahren 

Freiheitsstrafe bis zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe bei 

uneingeschränkter Schuldfähigkeit für den vollendeten Mord von einem 

sehr schweren Verschulden und einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe 

von 20 Jahren auszugehen. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass die 

Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt leichtgradig vermindert 

war, womit sich das sehr schwere Verschulden zu einem schweren 

Verschulden vermindert (siehe BGE 136 IV 55), wofür eine Freiheitsstrafe 

von 18 Jahren angemessen wäre. Nachdem es bei einem Versuch 

geblieben ist, ist eine Strafminderung gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB 

vorzunehmen. Dabei hat die Strafminderung umso geringer auszufallen, je 

näher der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen 

Folgen der Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). Der Taterfolg ist nur deshalb 

nicht eigetreten, weil es A.B._____ – nachdem der Beschuldigte den Tatort 

verlassen hatte – glücklicherweise gelungen ist, durch laute Hilfsschreie 

ihre Nachbarin auf sich aufmerksam zu machen, welche – mit der Hilfe 

weiterer Nachbarn – die Rettungskräfte alarmieren und lebensrettende 

Sofortmassnahmen ergreifen konnte. Folglich hat der Beschuldigte nicht 

aus eigenem Antrieb von einer Weiterverfolgung der Tat abgesehen, 

sondern diverse Male auf seine Ehefrau eingestochen und diese 

anschliessend in der Wohnung zurückgelassen. Dem rechtsmedizinischen 

Gutachten des Kantonsspitals Aarau vom 19. Januar 2021 zufolge, sei im 

Spital eine umgehende Verlegung von A.B._____ in den Operationssaal 

von Nöten gewesen und aufgrund des erheblichen Blutverlustes habe eine 

konkrete Lebensgefahr vorgelegen (UA act. 1645). Die tatsächlichen 

Folgen wiegen aufgrund der irreversiblen Erblindung sehr schwer, auch 

wenn sich A.B._____ im Übrigen körperlich gut erholt hat. Der Umstand, 

dass es bei einem blossen Versuch geblieben ist, ist nach dem Gesagten 

nur leicht verschuldensmindernd mit 2 Jahren zu berücksichtigen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3). 

Damit resultiert eine angemessene Freiheitsstrafe von 16 Jahren. 

 

 - 21 - 

 

 

8.5. 

Diese Freiheitsstrafe wäre an sich für die Gefährdung des Lebens, für 

welche aufgrund der Schwere des Verschuldens auf eine Freiheitsstrafe zu 

erkennen wäre, in Anwendung des Asperationsprinzips gemäss Art. 49 

Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen, was auch unter Berücksichtigung 

der sich im Umfang von 1 Jahr strafmindernd auswirkenden 

Täterkomponente (siehe nachstehend) zu einer höheren als von der 

Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 15 Jahren führen würde. 

Aufgrund des zu beachtenden Verschlechterungsverbots gemäss Art. 391 

Abs. 2 StPO, da lediglich der Beschuldigte die Berufung erklärt hat und 

keine Anschlussberufung erhoben worden ist, ist es dem Obergericht 

jedoch verwehrt, eine höhere Freiheitsstrafe auszusprechen, weshalb es 

damit sein Bewenden hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 

18. Januar 2023 E. 3.4.3, demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die 

weiteren Delikte nicht mehr im Einzelnen asperiert werden, wenn eine 

Strafe aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht zu Lasten der 

beschuldigten Person abgeändert werden darf). Nach dem Gesagten bleibt 

es bei der von der Vorinstanz festgelegten und als mild zu bezeichnenden 

Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Diese Strafe kann auch unter Berück-

sichtigung einer leichten Verletzung des Beschleunigungsgebots im 

Berufungsverfahren (vgl. Art. 408 Abs. 2 StPO [in Kraft seit 1. Januar 

2024]) nicht herabgesetzt werden. 

 

8.6. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

ist im Strafregister nicht verzeichnet (vgl. aktueller Strafregisterauszug), 

was sich neutral auswirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Er hat sich nach der 

Tatbegehung von sich aus bei der Polizei gemeldet und im Rahmen seiner 

ersten Einvernahme eingestanden, seine Ehefrau geschlagen und sie an 

ihren Augen verletzt zu haben (UA act. 1484; 1943 ff.). Insbesondere 

hinsichtlich des Tötungsversuchs wäre ein Leugnen seiner Täterschaft 

aufgrund der klaren Beweislage zwecklos gewesen. Dennoch hat sein 

Geständnis zur teilweisen Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens 

beigetragen, weshalb es nicht gänzlich unberücksichtigt bleiben darf (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_65/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.4). Es ist 

jedoch auch zu berücksichtigten, dass sein Geständnis weder auf eine 

nachhaltige Einsicht in das begangene Unrecht noch auf aufrichtige Reue, 

sondern bloss auf eine Tatfolgenreue schliessen lässt. So fällt auf, dass er 

die Schuld für die durch ihn begangene Tat in erster Linie seiner Ehefrau 

zuschiebt, hat er doch ausgesagt, dass es so weit gekommen sei, weil sie 

ihn betrogen und ihn sodann in Bezug auf diesen Vorwurf nicht ernst 

genommen und ausgelacht habe (UA act. 2131). Eine erhebliche 

Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an vollumfänglich 

geständigen, nachhaltig einsichtigen und aufrichtig reuigen Täter möglich 

ist, kommt deshalb nicht infrage. 

 

 - 22 - 

 

 

Was die persönlichen Verhältnisse anbelangt, so ist der heute 44-jährige 

Beschuldigte, welcher sich aktuell in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg 

befindet, trotz der von ihm begangenen Taten nach wie vor mit seiner 

Ehefrau A.B._____, die ihm verziehen hat, zusammen (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 10). Er hat mit dieser zusammen zwei 

minderjährige Kinder. Vor seiner Verhaftung war er in einer Bäckerei 

angestellt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 22). Es ist zwar unbestritten, 

dass der Strafvollzug eine Belastung für den Beschuldigten und seine 

minderjährigen Kinder darstellt und auch in Zukunft darstellen wird. Die 

Verbüssung einer Freiheitsstrafe ist aber für jede in ein familiäres und 

berufliches Umfeld eingebettete Person mit einer gewissen Härte 

verbunden. Der Umstand allein, dass er Vater minderjähriger Kinder ist, 

führt noch nicht zur Annahme einer besonderen Strafempfindlichkeit (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_40/2020 vom 17. August 2020 E. 3.2.2 f.). 

Das Bundesgericht hat denn auch wiederholt betont, dass eine erhöhte 

Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen ist 

(statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1354/2021 vom 22. März 2023 

E. 2.4.3 mit Hinweisen). Solche liegen hier nicht vor. Damit überwiegen die 

positiven Faktoren, womit die Täterkomponente im Umfang von einem Jahr 

strafmindernd zu berücksichtigen ist, was sich – da eine höhere als von der 

Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe auszufällen wäre (siehe oben), 

nicht dazu führt, dass die vorinstanzliche Freiheitsstrafe von 15 Jahren 

herabgesetzt werden könnte. 

 

8.7. 

Bei einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren kommt nur der unbedingte 

Strafvollzug in Betracht (vgl. Art. 42 f. StGB). 

 

8.8. 

Zusammenfassend bleibt es für den versuchten Mord und die Gefährdung 

des Lebens aufgrund des zu beachtenden Verschlechterungsverbots bei 

der von der Vorinstanz ausgesprochenen unbedingten Freiheitsstrafe von 

15 Jahren. 

 

8.9. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft und der vorzeitige Strafvollzug von 

insgesamt 1'219 Tagen (4. Oktober 2020 bis 4. April 2024) sind auf die 

Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; 

Art. 236 Abs. 4 StPO). 

 

9. Landesverweisung 

9.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von 12 Jahren des 

Landes verwiesen und die Ausschreibung der Landesverweisung im 

Schengener Informationssystem angeordnet.  

 

 - 23 - 

 

 

Der Beschuldigte wendet sich mit Berufung gegen die Dauer der 

ausgesprochenen Landesverweisung und beantragt, diese sei lediglich für 

die Dauer von 5 Jahren anzuordnen und nicht im Schengener 

Informationssystem auszuschreiben (Berufungserklärung S. 3). Die 

Anordnung der Landesverweisung an sich ist damit unangefochten 

geblieben und nicht zu überprüfen.  

 

9.2. 

Die Landesverweisung dauert zwischen 5 und 15 Jahre. Dem Gericht 

kommt bei der Festsetzung der Dauer ein grosser Ermessenspielraum zu. 

Der Beschuldigte wird mit vorliegendem Urteil wegen versuchten Mordes 

und Gefährdung des Lebens, bei welchen es sich um Katalogtaten gemäss 

Art. 66a Abs. 1 lit. a und lit. b StGB handelt, schuldiggesprochen. Dafür 

wird er mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Jahren bestraft. Zudem 

ist – was im Berufungsverfahren unangefochten geblieben ist – eine 

vollzugsbegleitende ambulante Massnahme gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB 

anzuordnen. Mithin ist ihm eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_986/2021 vom 19. Mai 2022 E. 1.3). Der 

Beschuldigte hat mit beiden Katalogtaten ein sehr hohes Mass an 

krimineller Energie gezeigt und es kann ihm aufgrund der Schwere der 

begangenen Delikte sowie unter Berücksichtigung seiner fehlenden 

Einsicht und Reue, auch ohne Vorstrafen, keine positive Legalprognose 

gestellt werden. Er hat mit dem versuchten Mord, wie auch mit der 

Gefährdung des Lebens, jeweils das höchste Rechtsgut überhaupt, das 

Leben, in schwerwiegender Weise gefährdet. Hinzukommt, dass er im 

Rahmen des versuchten Mordes äusserst brutal vorgegangen ist, was zur 

vollständigen Erblindungen des Opfers, bei welchem es sich um seine 

Ehefrau handelt, geführt hat. Mit den begangenen Taten zeigt er, dass er 

das Leben anderer Personen in keiner Weise respektiert und aufgrund 

besonders verwerflicher Beweggründe nicht davor zurückgeschreckt ist, zu 

versuchen, seine Ehefrau und zugleich die Mutter seiner eigenen Kinder zu 

ermorden und diese in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr zu 

bringen. Insgesamt besteht ein sehr hohes öffentliches Interesse an der 

Landesverweisung, welche seine privaten Interessen an einem Verbleib in 

der Schweiz deutlich überwiegen. 

 

In Würdigung der gesamten Umstände erscheint die von der Vorinstanz auf 

12 Jahre festgelegte Dauer der Landesverweisung als angemessen und 

kann unter keinem Titel verkürzt werden. 

 

9.3. 

Mit vorliegendem Urteil wird der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 

15 Jahren verurteilt und es wird eine obligatorische Landesverweisung 

angeordnet. Entsprechend ist davon auszugehen, dass er eine Gefahr für 

die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-

Verordnung darstellt. Gründe, welche eine Ausschreibung im SIS als 

 - 24 - 

 

 

unverhältnismässig erscheinen lassen würden, sind keine ersichtlich 

(vgl. BGE 146 IV 172 E. 3.2). Somit ist die Ausschreibung der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) anzuordnen. 

 

9.4. 

Zusammenfassend ist eine obligatorische Landesverweisung für die Dauer 

von 12 Jahren anzuordnen und diese ist im SIS einzutragen. Die Berufung 

des Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt somit als unbegründet. 

 

10. Zivilforderungen 

10.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin 

A.B._____ eine Genugtuung von Fr. 180'000.00, der Privatklägerin 

C.B._____ eine solche von Fr. 50'000.00 und dem Privatkläger D.B._____ 

eine Genugtuung von Fr. 30'000.00, jeweils nebst Zins zu 5 % seit 

4. Oktober 2020, zu bezahlen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei stattdessen zu verpflichten, 

der Privatklägerin A.B._____ eine Genugtuung von Fr. 100'000.00, der 

Privatklägerin C.B._____ eine solche von Fr. 30'000.00 und dem 

Privatkläger D.B._____ eine Genugtuung von Fr. 18'000.00, jeweils nebst 

Zins zu 5 % seit 4. Oktober 2020, zu bezahlen (Berufungserklärung S. 3 f.). 

Folglich wendet sich der Beschuldigte nicht gegen die Genugtuungs-

ansprüche an sich, sondern lediglich gegen deren Höhe. Sowohl die 

Staatsanwaltschaft als auch die Privatkläger beantragen die Abweisung der 

Berufung (Berufungsantworten der Staatsanwaltschaft S. 1; der 

Privatkläger C.B._____ und D.B._____ S. 2 und der Privatklägerin 

A.B._____ S. 2). 

 

10.2. 

Das Gericht entscheidet u.a. dann über die anhängig gemachte Zivilklage, 

wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a 

StPO). Bei Tötung eines Menschen oder Körperverletzung kann der Richter 

unter Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den 

Angehörigen des Getöteten eine angemessene Geldsumme als 

Genugtuung zusprechen (Art. 47 OR). Die Genugtuung bezweckt den 

Ausgleich für erlittene seelische Unbill. Ihre Bemessung richtet sich im 

Wesentlichen nach der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und 

Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, dem Grad 

des Verschuldens des Haftpflichtigen, einem allfälligen Selbstverschulden 

des Geschädigten, sowie der Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch 

die Zahlung eines Geldbetrags. Nicht jede immaterielle Unbill rechtfertigt 

die Zusprechung einer Genugtuung. Vorausgesetzt sind nach Art. 47 OR 

«besondere Umstände». Die Verletzung muss damit einen relativ hohen 

Intensitätsgrad aufweisen. Die Festsetzung der Höhe der Genugtuung ist 

eine Entscheidung nach Billigkeit und beruht auf richterlichem Ermessen. 

 - 25 - 

 

 

Sie ist nicht schematisch vorzunehmen, sondern muss dem Einzelfall 

angepasst werden (BGE 132 II 117 E. 2.2.2 f.; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1070/2015 vom 2. August 2016 E. 1.3.2). 

 

10.3. 

Der Beschuldigte wird mit vorliegendem Urteil u.a. wegen versuchten 

Mordes schuldiggesprochen. A.B._____ hat die ihr durch den 

Beschuldigten zugefügten Messerstiche dank der raschen Hilfeleistung 

ihrer Nachbarn und anschliessender Notoperationen überlebt, wobei sie 

seither vollständig und dauerhaft erblindet ist, weshalb sie in ihrem Alltag 

auf viel Unterstützung angewiesen ist (vgl. GA act. 2481 ff.). Nach der Tat 

war sie einen Monat lang hospitalisiert und musste zwei Operationen über 

sich ergehen lassen. Eigenen Angaben zufolge, habe A.B._____ höllische 

Schmerzen an ihrem Bauch durchstehen müssen, wobei die Verletzung an 

ihrer Leber mittlerweile vollständig verheilt sei. An der Berufungs-

verhandlung führte sie aus, aufgrund des Vorfalls nach wie vor eine 

Psychotherapie zu absolvieren und zusammen mit ihren beiden 

minderjährigen Kindern im Mutter-Kind-Wohnen in X._____ zu wohnen. 

Folglich liegt mit ihrer dauerhaften Erblindung eine schwere und irreversible 

Verletzung vor, welche sich auch auf ihre Psyche auswirkt. Ein 

Selbstverschulden von A.B._____ liegt nicht vor und das Verschulden des 

Beschuldigten ist als schwer zu qualifizieren (vgl. E. 8.4). Es muss jedoch 

ebenfalls berücksichtigt werden, dass A.B._____ dem Beschuldigten, mit 

welchem sie nach wie vor verheiratet ist und eine Beziehung führt, 

vergeben hat, ihn regelmässig im Gefängnis besucht und nach dessen 

Entlassung aus der Haft gerne wieder mit ihm zusammenwohnen würde 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 6 ff.), was den Genugtuungsanspruch 

gegenüber dem Beschuldigten als Täter vor dem Hintergrund des 

Ausgleichs für erlittene seelische Unbill als erheblich vermindert erscheinen 

lässt. Bei einer Gesamtwürdigung erscheint die der Privatklägerin 

A.B._____ von der Vorinstanz zugesprochene Genugtuung von 

Fr. 180'000.00 als übermässig hoch. Nachdem im Adhäsionsprozess die 

Dispositions- wie auch die Verhandlungsmaxime gilt (DOLGE, in: Basler 

Kommentar, StPO, 3. Aufl. 2023, N. 22 f. zu Art. 122 StPO) und der 

Beschuldigte die Genugtuungsforderung der Privatklägerin A.B._____ im 

Umfang von Fr. 100'000.00 anerkannt hat (Berufungserklärung S. 3), ist 

der Beschuldigte zu verpflichten, ihr eine Genugtuung in vorgenannter 

Höhe zu bezahlen. 

 

10.4. 

Die von der Vorinstanz auf Fr. 50'000.00 festgelegte Genugtuung für 

C.B._____ und diejenige von Fr. 30'000.00 für D.B._____ erscheinen unter 

Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach im 

Falle des Verlusts eines Elternteils und somit bei Eintritt des Todesfalls eine 

Genugtuung von Fr. 25'000.00 angemessen sei (Urteil des Bundesgerichts 

4A_423/2008 vom 12. November 2008 E. 2.6), als unangemessen hoch. 

 - 26 - 

 

 

Zwar muss berücksichtigt werden, dass sich ihre bisherigen 

Lebensverhältnisse seit der Tat abrupt verändert haben, da sie nach der 

Tat während rund acht Monaten von ihrer Mutter getrennt im Kinderheim 

untergebracht wurden und seit Juli 2021 zusammen mit ihrer Mutter im 

Mutter-Kind-Wohnen in X._____ wohnhaft sind. Im Vergleich zum 

vollständigen Verlust im Falle einer Tötung der Mutter wiegt dieser 

Umstand aber weniger schwer. Hinzu kommt, dass beim Privatkläger 

D.B._____, welcher im Tatzeitpunkt erst ein Jahr alt war, gar keine 

Erinnerungen und bei der Privatklägerin C.B._____, die damals 

sechs Jahre alt war, keine detaillierten Erinnerungen an diese Zeit zu 

erwarten sind. Nachdem der Beschuldigte jedoch Genugtuungshöhen von 

Fr. 30'000.00 in Bezug auf die Privatklägerin C.B._____ und Fr. 18'000.00 

betreffend den Privatkläger D.B._____ anerkennt, kann offenbleiben, ob 

die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung vorliegend 

erfüllt wären. 

 

10.5. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin 

A.B._____ eine Genugtuung von Fr. 100'000.00, der Privatklägerin 

C.B._____ eine solche von Fr. 30'000.00 und dem Privatkläger D.B._____ 

eine Genugtuung von Fr. 18'000.00, allesamt nebst Zins zu 5 % seit 

4. Oktober 2020, zu bezahlen. Damit erweist sich seine Berufung in diesem 

Punkt als begründet. 

 

11. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

11.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 

13. Oktober 2023 E. 3.2.1).  

 

Der Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung, dass er von den Vorwürfen 

der mehrfachen Drohung, der mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung 

und der Tätlichkeiten freigesprochen wird. Dies wirkt sich jedoch nur 

insofern auf die Strafe aus, als dass die vorinstanzlich ausgesprochene 

Busse entfällt. Insbesondere bleibt es beim Schuldspruch wegen 

versuchten Mordes sowie der Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Weiter obsiegt 

der Beschuldigte in Bezug auf die beantragte Reduktion der Höhe der 

Genugtuungen. Im Übrigen ist seine Berufung abzuweisen. Bei diesem 

Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, die obergerichtlichen Verfahrens-

kosten von Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD) dem Beschuldigten zu 4/5 mit 

Fr. 4'000.00 aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen, 

zumal den Privatklägern die unentgeltliche Rechtspflege in Bezug auf die 

 - 27 - 

 

 

Befreiung von den Verfahrenskosten gewährt worden ist (vgl. Art. 138 Abs. 

1bis StPO). 

 

11.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das obergerichtliche Verfahren gestützt auf 

seine anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichte Kostennote, 

angepasst an die effektive Dauer der Berufungsverhandlung, mit gerundet 

Fr. 7'600.00 aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO 

i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). Bei einem amtlichen 

Mandat gilt ein Stundenansatz von Fr. 200.00 für erbrachte Leistungen bis 

zum 31. Dezember 2023 (vgl. § 9 Abs. 3bis AnwT [in der bis 31. Dezember 

2023 geltenden Fassung]; zur zeitlichen Anwendung: als Leitentscheid 

publiziertes Urteil des Obergerichts SST.2023.55 vom 26. Januar 2024 

E. 4.2). Entgegen dem Antrag des amtlichen Verteidigers (Plädoyer des 

amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 12) ist kein 

Nachzahlungsvorbehalt im Urteilsdispositiv zu vermerken, nachdem gar 

kein Normenkontrollverfahren hängig ist. 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten ausgangsgemäss zu 4/5 mit 

Fr. 6'000.00 zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

11.3. 

Die Privatklägerin A.B._____, welche die Abweisung der Berufung des 

Beschuldigten beantragt hat, obsiegt betreffend die Schuldsprüche und 

unterliegt in Bezug auf die zusätzlich ergehenden Freisprüche sowie die 

Genugtuung. Der Beschuldigte ist deshalb zu verpflichten, der 

Privatklägerin A.B._____ eine Parteientschädigung von Fr. 1'325.00, 

entsprechend 1/3 ihrer Parteikosten, zu bezahlen (Art. 436 Abs. 1 StPO 

i.V.m. Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). 

 

11.4. 

Die Privatkläger C.B._____ und D.B._____, welche die Abweisung der 

Berufung des Beschuldigten beantragt haben, obsiegen betreffend die 

Schuldsprüche und unterliegen in Bezug auf die zusätzlich ergehenden 

Freisprüche sowie die Höhe der Genugtuungen. Der Beschuldigte ist 

deshalb zu verpflichten, den Privatklägern C.B._____ und D.B._____ eine 

Parteientschädigung von je Fr. 617.00, entsprechend 1/3 ihrer jeweiligen 

Parteikosten, zu bezahlen (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 lit. a 

StPO). 

 

11.5. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

 - 28 - 

 

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die 

Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Im Falle eines teilweisen 

Freispruchs können ihr auch dann die gesamten Verfahrenskosten 

auferlegt werden, wenn die ihr zur Last gelegten Handlungen in einem 

engen und direkten Zusammenhang stehen und alle Untersuchungs-

handlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig waren. Bei einem 

einheitlichen Sachverhaltskomplex ist vom Grundsatz der vollständigen 

Kostenauflage mithin nur abzuweichen, wenn die Strafuntersuchung im 

freisprechenden Punkt zu Mehrkosten geführt hat. Für die Kostenauflage 

gemäss Art. 426 StPO ist nicht die rechtliche Würdigung und die Anzahl 

der angeklagten Tatbestände, sondern der zur Anklage gebrachte 

Sachverhalt massgebend (Urteile des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 

13. Oktober 2023 E. 3.2.2 mit Hinweisen; 6B_343/2020 vom 14. Dezember 

2021 E. 8.3). 

 

Der Beschuldigte wird von den Vorwürfen der mehrfachen Drohung, der 

mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung und der Tätlichkeiten 

freigesprochen. Die vorgenannten Vorwürfe standen in einem sehr engen 

persönlichen Zusammenhang zum versuchten Mord sowie zur Gefährdung 

des Lebens, betreffend welche Schuldsprüche ergehen. Betreffend die 

Vorwürfe, hinsichtlich welcher es zu Freisprüchen gekommen ist, sind denn 

auch keine aussonderbaren Kosten entstanden. Aufgrund dessen 

rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die erstinstanzlichen Kosten von 

Fr. 41'373.15 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 4'600.00) vollumfänglich 

aufzuerlegen. 

 

11.6. 

Die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers von Fr. 28'669.20 

für das erstinstanzliche Verfahren ist im Berufungsverfahren unbestritten 

geblieben, weshalb darauf nicht zurückzukommen ist (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.4).  

 

Diese Entschädigung ist ausgangsgemäss vollumfänglich vom 

Beschuldigten zurückzufordern, sobald es seine finanziellen Verhältnisse 

erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

11.7. 

Die Höhe der Entschädigung der unentgeltlichen Vertreterin der 

Privatklägerin A.B._____ von Fr. 19'190.70 ist im Berufungsverfahren 

unbestritten geblieben, weshalb darauf nicht zurückgekommen werden 

kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019). 

Die unentgeltliche Vertreterin ist aus der Staatskasse zu bezahlen, wobei 

der Beschuldigte – entgegen der Vorinstanz – diese Kosten nur trägt, wenn 

er sich in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 426 Abs. 4 

StPO). Dies ist vorliegend nicht der Fall. 

 

 - 29 - 

 

 

11.8. 

Die Höhe der Entschädigung der unentgeltlichen Vertreterin der 

Privatkläger C.B._____ und D.B._____ von Fr. 10'641.95 ist im 

Berufungsverfahren unbestritten geblieben, weshalb darauf nicht 

zurückgekommen werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019). Die unentgeltliche Vertreterin ist aus 

der Staatskasse zu bezahlen, wobei der Beschuldigte – entgegen der 

Vorinstanz – diese Kosten nur trägt, wenn er sich in günstigen 

wirtschaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 426 Abs. 4 StPO). Dies ist 

vorliegend nicht der Fall. 

 

12. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1.  

Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen  

- der mehrfachen Drohung 

- der mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung 

- der Tätlichkeiten. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- des versuchten Mordes gemäss Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB 

- der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 19 Abs. 2 StGB, 

Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 40 StGB 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. 

 

3.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft und der ausgestandene vorzeitige 

Strafvollzug von insgesamt 1'219 Tagen (4. Oktober 2020 bis 4. April 2024) 

werden auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

 - 30 - 

 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Es wird eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme gemäss Art. 63 

Abs. 1 StGB angeordnet.  

 

5. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. a und lit. b StGB für 

die Dauer von 12 Jahren des Landes verwiesen.  

 

Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem (SIS) 

ausgeschrieben. 

 

6. [in Rechtskraft erwachsen] 

6.1. 

Folgende beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen: 

 

- 1 Plastikstück 

- 1 Tafelmesser 

- 1 Klinge eines Küchenmessers 

- 1 Mobiltelefon […] 

- 1 Messergriff 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen.  

 

6.2. 

Den berechtigten Personen werden folgende beschlagnahmten 

Gegenstände auf Verlangen herausgegeben:  

 

- 1 Küchentuch 

- 1 Lappen 

- 1 Jacke 

- 1 Jeanshose 

- 1 Jäckchen 

- 1 Kissenbezug 

- 1 Bettüberwurf 

- 1 Kordel 

- 1 Damenslip 

- 1 Mobiltelefon […] 

- 1 Stück Plastik 

- 5 Reinigungstücher 

- 1 Kunststoffteilstück 

- 1 Paar Schuhe […] 

- 1 Laptop […] 

- 1 Mobiltelefon […] 

- 1 Mobiltelefon […] 

- 1 iPad […] 

- 11 Tafelmesser  

 - 31 - 

 

 

- 1 Dokument Gutachten vom 22. Juli 2020 

- 1 Personalkarte Coop und 1 Personalkarte Migros 

- 2 Medikamente 

- 1 Plastikhülle mutmasslich von einem Tafelmesser  

- 1 Trägertop  

- 1 Hose 

- 1 T-Shirt 

- 1 Unterhose 

- 2 Socken 

- 1 Hemd  

- 1 Unterhemd  

- 1 Paar Turnschuhe  

- 2 Socken 

- 1 Jeanshose inkl. Gurt 

- 1 Unterhose  

- 1 Mobiltelefon […] 

- Diverse Feuchtigkeitstücher 

- 1 Zigarettenschachtel  

- 1 Reisepass […] 

- 1 Schlüsselbund und 1 Badge  

- 1 Fahrtschreiber-Diagrammscheibe 

 

Werden die Gegenstände nicht innert 30 Tagen seit Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils herausverlangt, trifft die Staatsanwaltschaft die 

sachgemässen Verfügungen. 

 

6.3. 

Die beschlagnahmten Fr. 12'224.22 werden zur Deckung der Verfahrens-

kosten verwendet.  

 

7. 

7.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A.B._____ eine 

Genugtuung von Fr. 100'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 4. Oktober 2020 zu 

bezahlen.  

 

7.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C.B._____ eine 

Genugtuung von Fr. 30'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 4. Oktober 2020 zu 

bezahlen.  

 

7.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D.B._____ eine 

Genugtuung von Fr. 18'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 4. Oktober 2020 zu 

bezahlen.  

 

 - 32 - 

 

 

7.4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird in Bezug auf die künftigen, adäquat-kausalen 

Schadenersatzforderungen der Privatkläger A.B._____, C.B._____ und 

D.B._____ dem Grundsatz nach zu 100% schadenersatzpflichtig erklärt. Im 

Übrigen werden die Zivilklagen auf den Zivilweg verwiesen.  

 

8. 

8.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu 4/5 mit Fr. 4'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen.  

 

8.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 7'600.00 auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 4/5 mit Fr. 6'000.00 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

8.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A.B._____ für das 

Berufungsverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 1'325.00 zu 

bezahlen. 

 

8.4. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern C.B._____ und 

D.B._____ für das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung von je 

Fr. 617.00 zu bezahlen. 

 

9. 

9.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 41'373.15 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 4'600.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

9.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 28'669.20 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

9.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin 

 - 33 - 

 

 

A.B._____ für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 19'190.70 auszurichten.  

 

9.4. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin der Privatkläger 

C.B._____ und D.B._____ für das erstinstanzliche Verfahren eine 

Entschädigung von Fr. 10'641.95 auszurichten.  

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 
 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 4. April 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     Rosset