# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 49f0b20e-b5e2-55fc-9330-d3131496b7f4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-01-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.01.2022 E-5033/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5033-2021_2022-01-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J a n u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Lorenz Noli (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz, Richter William Waeber,    

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am 15. April 1994, 

Sri Lanka,   

vertreten durch MLaw Lara Märki, Rechtsanwältin,  

Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 14. Oktober 2021 / N (…). 

 

 

 

 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer 

Ethnie aus B._______, Distrikt Jaffna (Nordprovinz), suchte am 23. Juni 

2021 in der Schweiz um Asyl nach. 

Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Ostschweiz zugewie-

sen und am 15. Juli 2021 vertieft zu seinen Asylgründen gemäss Art. 29 

AsylG angehört. Am 23. Juli 2021 wurde er dem erweiterten Verfahren zu-

geteilt. Am 1. September 2021 fand eine ergänzende Anhörung durch ein 

männliches Befragungsteam statt. 

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer gel-

tend, gegenüber der Autowerkstatt seines Vaters – in der er schon als 

Schüler seit 2005 seinem Vater behilflich gewesen sei und ab 2012 als La-

ckierer gearbeitet habe – habe sich eine Basis der LTTE (Liberation Tigers 

of Tamil Eelam) befunden. Von 2004/2005 bis 2009 habe sein Vater diesen 

dabei geholfen, Geld und Wertgegenstände wie Gold und Schmuck in 

Fahrzeugen zu verstecken. Er habe damals als kleiner Junge seinem Vater 

in der Werkstatt geholfen. Angehörige der LTTE hätten die fraglichen Fahr-

zeuge dann durch die Kontrollposten der sri-lankischen Sicherheitskräfte 

in andere, von den LTTE kontrollierten Gebieten gefahren. Das Geld und 

die Wertgegenstände seien an den jeweiligen Zielorten beispielsweise zum 

Waffenkauf aus dem Ausland verwendet worden. Weder er noch sein Vater 

hätten jemals Einzelheiten über diese Transporte und den Verbleib der in 

den Fahrzeugen versteckten Gegenständen erfahren. Nach dem Ende des 

Bürgerkriegs habe sich die sri-lankische Armee im Jahre 2009 bei Bewoh-

nern seines Dorfes über seine Familie erkundigt und 2010 seinen Vater ein 

erstes Mal einvernommen unter dem Vorwurf, während des Krieges Auf-

träge für die LTTE ausgeführt zu haben und im Besitz von Beträgen der 

LTTE in Millionenhöhe zu sein. Auch sei ihm vorgehalten worden, zu wis-

sen, wo die LTTE Geld und Schmuck verstecken würde. Sein Vater sei 

wiederholt einvernommen, geschlagen und mit dem Tod bedroht worden, 

wobei man auch ihn, den Beschwerdeführer, im Jahr 2010 einmal verhört 

habe, nachdem er wohl von den Behörden in der Garage seines Vaters 

gesehen worden sei. Am 1. März 2013 sei sein Vater aufgrund von gesund-

heitlichen Komplikationen wegen erlittener Folterungen durch die Behör-

den verstorben. Er selbst sei zwischen 2014 und 2016 wiederholt von den 

Sicherheitsbehörden Zuhause festgenommen und unter Anwendung von 

 

Seite 3 

Schlägen und auch sexueller Misshandlung (Rektale Penetration mit ei-

nem länglichen Gegenstand) einvernommen worden, um von ihm die Ver-

stecke der LTTE in Erfahrung zu bringen. Die Behörden hätten ihm vorge-

halten, dass sein Vater ihm diese zu Lebzeiten verraten habe. Es habe sich 

um illegale Handlungen der Sicherheitsbehörden gehandelt, welche sich 

auf diese Weise das Geld und die Wertgegenstände der LTTE hätten an-

eignen wollen. Er habe es nicht gewagt, sich in irgendeiner Weise gegen 

das behördliche Vorgehen zur Wehr zu setzen. Im Anschluss an die be-

sagten Vorfälle von 2015 habe er hospitalisiert und wegen der schweren 

Verletzung seines Afters operiert werden müssen. Aufgrund der Bedro-

hungslage sei er im November 2017 legal in die C._______ gereist, wo er 

mit einer Arbeitsbewilligung als Reinigungskraft tätig gewesen sei. Er habe 

durch die Einreichung von Visagesuchen vergeblich versucht, von dort le-

gal nach Europa zu gelangen. Während seiner Landesabwesenheit hätten 

sich die Behörden wiederholt bei seiner Mutter nach seinem Verbleib er-

kundigt. Nach Ablauf seiner für D._______ geltenden Arbeitsbewilligung 

sei er im Februar 2019 nach Sri Lanka zurückgeflogen und zu seiner Mutter 

und zu seiner Schwester zurückgekehrt. Er habe begonnen, für seinen 

«Onkel» – eigentlich ein Cousin seiner Mutter – auf dem Bau zu arbeiten. 

In der Folge sei er im April und im Oktober 2019 erneut zum versteckten 

Geld befragt worden, obwohl er stets beteuert habe, nichts über die Ver-

stecke zu wissen. Nach Bestechung eines Polizeibeamten durch seine 

Mutter und seinen Onkel im Oktober 2019 sei er freigelassen worden. Sei-

nem Onkel sei zugetragen worden, dass das CID seine baldige Verhaftung 

beabsichtigen könnte, weshalb er sich bis zu seiner endgültigen Ausreise 

überwiegend bei seiner Schwester aufgehalten habe. Er sei mithilfe eines 

Schleppers, der alles organisiert habe, von E._______ nach F._______ ge-

flogen. Am Flughafen von Colombo sei er dem Schlepper gefolgt, der die 

Reisepapiere auf sich gehabt habe. Er wisse nicht, was mit seinem per-

sönlichen Reisepass, welchen er bereits im April oder Mai 2019 dem 

Schlepper übergeben habe, geschehen sei. Nach einem einmonatigen 

Aufenthalt in Moskau sei er in die G._______ gefahren, wo er eineinhalb 

Jahre in einer unterirdischen Unterkunft gelebt habe. Danach sei er mit ei-

nem Auto durch ihm unbekannte Länder gefahren worden und sei schliess-

lich am 22. Juni 2021 illegal in die Schweiz eingereist. 

C.  

In gesundheitlicher Hinsicht machte der Beschwerdeführer geltend, an Hä-

morrhoiden und wiederkehrenden Blutungen zu leiden. Er habe auch Be-

schwerden an seinem rechten Fuss. Psychisch gehe es ihm zwar gut und 

er habe noch nie Psychopharmaka eingenommen, wünsche jedoch eine 

 

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psychiatrische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Die Rechtsvertretung 

beantragte anlässlich der Anhörung und der ergänzenden Anhörung eine 

Abklärung des Gesundheitszustandes ihres Mandanten gemäss Istanbul-

Protokoll. 

D.  

Zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen reichte 

der Beschwerdeführer eine Identitätskarte im Original und eine Geburtsur-

kunde in Kopie, Kopien der Todesurkunde seines Vaters, eines Arztberich-

tes (ihn selber betreffend) sowie einer Klage seiner Mutter bei der Human 

Rights Organization ein. 

E.  

Mit Schreiben vom 6. September 2021 wurde der Beschwerdeführer zur 

Einreichung der anlässlich der ergänzenden Anhörung vom 1. September 

2021 in Aussicht gestellten Beweismittel bis zum 30. September 2021 auf-

gefordert. Diese Frist wurde antragsgemäss bis zum 7. Oktober 2021 er-

streckt. Im Weiteren wurde dem Beschwerdeführer innert gleicher Frist Ge-

legenheit gegeben, zu einem Widerspruch in den Akten Stellung zu neh-

men. 

F.  

Mit Eingabe vom 7. Oktober 2021 reichte die Rechtsvertretung die Origi-

nale der unter Punkt D aufgeführten Kopien sowie eine Publikation von 

SWISSLEX in Kopie ein. 

G.  

Mit Entscheid vom 14. Oktober 2021 (Eröffnung am 19. Oktober 2021) wies 

das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 23. Juni 2021 we-

gen Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ab und ordnete die Wegweisung und 

deren Vollzug an. 

H.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 18. November 2021 erhob der 

Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Ent-

scheid Beschwerde. Es wurde die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung 

beantragt. Eventualiter sei der Beschwerdeführer wegen Unzulässigkeit 

beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in 

der Schweiz aufzunehmen, subeventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

 

Seite 5 

wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unent-

geltlichen Rechtsverbeiständung ersucht. 

I.  

Mit Schreiben vom 19. November 2021 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Eingang der Beschwerde. 

J.  

Mit Eingabe vom 13. Januar 2022 reichte die Rechtsvertretung ein als «Do-

kument des Polizeihauptquartiers Colombo» bezeichnetes Beweismittel, 

datiert auf den 15. November 2021, ein.  

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden ge-

gen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden 

nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-

gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 

VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für 

die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersu-

chens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz 

sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme 

im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bun-

desverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Da es 

sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, ist 

der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen (Art. 114a Abs. 2 

AsylG). 

 

 

Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Das SEM erachtete die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als 

nicht glaubhaft. 

3.2 Es führte aus, dass die Angaben des Beschwerdeführers in mehreren 

Punkten der allgemeinen Erfahrung oder Logik des Handelns widerspre-

chen würden.  

So sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des 

Bürgerkriegsendes erst fünfzehn Jahre und nie Mitglied der LTTE gewesen 

sei. Auch sein Vater sei kein LTTE-Mitglied und auch nicht in Rehabilitati-

onshaft gewesen, sondern habe lediglich mit den LTTE sympathisiert. Da-

her erscheine es bereits fragwürdig, ob die Sicherheitsbehörden überhaupt 

davon ausgegangen seien, dass die LTTE den Vater des Beschwerdefüh-

rers über die erwähnten "Geld- und Schmuck-Verstecke" informiert hätten; 

geschweige denn den Beschwerdeführer selbst, der zum entsprechenden 

Zeitpunkt noch erst ein minderjähriges Kind war. Schliesslich habe der Be-

schwerdeführer auch nicht plausibel erklären können, weshalb die Behör-

den die Vorgänge in der Garage angeblich beobachtet, aber die dort vor-

bereiteten Fahrzeuge offenbar nicht bei ihrer Fahrt verfolgt und angehalten 

hätten. Im Weiteren erscheine auch die Überzeugung der Behörden, dass 

die geschmuggelten Wertsachen in Verstecken gelagert beziehungsweise 

auch heute noch versteckt seien, fragwürdig. Der Beschwerdeführer habe 

schliesslich angegeben, dass das Geld für den Eigenbedarf der LTTE, zum 

Beispiel für den Waffenkauf, verwendet worden sei. Demnach wäre heute 

nicht einfach von der Existenz solcher Verstecke auszugehen. Dabei über-

rasche, dass die Behörden trotz des Verdachts, dass der Vater Geld ver-

steckt habe, das Elternhaus des Beschwerdeführers nie durchsucht und 

auch keine anderen Familienangehörige oder Angestellte der Werkstatt 

einvernommen hätten. Der Erklärungsversuch, wonach der Vater des Be-

schwerdeführers keine engen Kontakte zur Verwandtschaft gepflegt habe, 

vermöge das Versäumnis der Behörden nicht zu erklären. Im Weiteren er-

scheine auch die Überzeugung der Behörden, dass die geschmuggelten 

Wertsachen in Verstecken gelagert beziehungsweise auch heute noch ver-

steckt seien, fragwürdig. Der Beschwerdeführer habe schliesslich angege-

ben, dass das Geld für den Eigenbedarf der LTTE, zum Beispiel für den 

 

Seite 7 

Waffenkauf, verwendet worden sei. Demnach wäre heute nicht einfach von 

der Existenz solcher Verstecke auszugehen. Es sei auch nicht nachvoll-

ziehbar, dass die Behörden nach dem Bürgerkrieg im Mai 2009 nicht sofort 

gehandelt hätten, um die Verstecke ausfindig zu machen. Das Vorgehen 

der Behörden, stattdessen den Vater des Beschwerdeführers immer wie-

der erfolglos zu den Verstecken zu befragen, sei realitätsfremd. Schliess-

lich habe der Beschwerdeführer auch nicht schlüssig zu erklären vermocht, 

weshalb er nicht bereits nach den angeblichen Misshandlungen im Jahre 

2015 seinen Heimatort verlassen habe und innerhalb des Landes umgezo-

gen sei, zumal er diese Misshandlungen als seine schlimmsten bezeichnet 

habe.   

Anhand der erfassten Visa-Gesuchen bei den (…), (…) und (…) Behörden 

stehe im Weiteren fest, dass sich der Beschwerdeführer zumindest wäh-

rend eines nicht näher bestimmten Zeitraumes von 2018 bis 2019 in den 

C._______ aufgehalten habe. Indes bleibe die Rückkehr des Beschwerde-

führers nach Sri Lanka im Februar 2019 und der dortige Aufenthalt bis zur 

endgültigen Ausreise am 7. Januar 2020 unbelegt. Auch den Ablauf der 

Arbeitserlaubnis in Dubai sei vom Beschwerdeführer nicht dokumentiert 

worden. Es sei hinsichtlich der angeblichen Rückkehr nach Sri Lanka im 

Februar 2019 ohnehin beachtenswert, dass der Beschwerdeführer legal 

eingereist sei, weshalb eine damalige behördliche Suche nach ihm ausge-

schlossen werden könne. Im Übrigen sei bemerkenswert, dass der Be-

schwerdeführer trotz massiver Probleme mit den Behörden vor der Aus-

reise und angeblicher Suche nach ihm während seiner Landesabwesen-

heit dennoch in sein Heimatdorf zurückgekehrt sei. Entsprechenden Fra-

gen und Vorbehalten habe der Beschwerdeführer nichts Nachvollziehbares 

entgegnen können. So habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, nie-

manden ausserhalb Kopays zu kennen, obschon er sehr wohl Angehörige 

ausserhalb dieser Ortschaft habe. Schliesslich habe der Beschwerdeführer 

seine Rückkehr damit erklärt, dass er von der Normalisierung der Situation 

ausgegangen sei (vgl. A33 F20-F21).  

3.3 Im Weiteren habe der Beschwerdeführer im Verlauf des Verfahrens zu 

wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht. 

So habe er anlässlich der ersten Anhörung von insgesamt vier Festnahmen 

im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 berichtet, indessen im Rahmen der 

zweiten Anhörung von lediglich drei Festnahmen gesprochen. Auf entspre-

chenden Vorbehalt habe der Beschwerdeführer erklärt, beim vierten Mal 

habe es sich bloss um eine Befragung anlässlich einer Personenkontrolle 

 

Seite 8 

gehandelt (vgl. A33 F150-152). Diese Erklärung sei aktenwidrig, habe der 

Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung jedes Mal davon gesprochen, 

mitgenommen und festgesetzt worden zu sein, und zwar für jeweils zwei, 

sechs, acht und zwei bis drei Tage (vgl. A22 F47 und F51). Im Weiteren 

habe der Beschwerdeführer, abweichend von der Angabe anlässlich der 

Anhörung, wonach die Behörden ihn im April 2019 sechs Tage lang festge-

halten hätten, im Rahmen der ergänzenden Anhörung geltend gemacht, im 

April 2019 am gleichen Tag der Festnahme wieder freigelassen worden zu 

sein. Auf Vorhalt habe der Beschwerdeführer lediglich letztere Angabe be-

kräftigt (vgl. A22 F54 sowie A33 F34 und F156). Schliesslich habe der Be-

schwerdeführer anlässlich der Anhörung angegeben, im Oktober 2019 an 

einen ihm unbekannten Ort gebracht worden zu sein, indessen im Rahmen 

der ergänzenden Anhörung geltend gemacht, im Oktober 2019 in das Po-

lizeigebäude in H._______ und dort in ein jeweils anderes Gebäude ge-

bracht worden zu sein. Den entsprechenden Vorhalt habe er nicht über-

zeugend entkräften können (vgl. A33 F36-38 und F157-158). Die genann-

ten Ungereimtheiten habe der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 7. 

Oktober 2021 unaufgefordert wiederaufgenommen und sich erneut dar-

über geäussert, ohne allerdings diese auflösen zu können (vgl. A39, S. 2). 

Das SEM habe den Beschwerdeführer zudem nach der ergänzenden An-

hörung aufgefordert, schriftlich zum Umstand Stellung zu nehmen, dass er 

seine Verletzung am rechten Fuss im Dublin-Gespräch auf Misshandlun-

gen im Jahre 2016 zurückgeführt habe, während er diese anlässlich der 

ergänzenden Anhörung mit seiner letzten Verhaftung im Oktober 2019 in 

Verbindung gebracht habe (vgl. A15; S. 2 sowie A33, F36). Der Beschwer-

deführer habe als Erklärungsversuch nur erklärt, es handle sich nicht um 

eine, sondern um verschiedene Fussverletzungen; es scheine, als ob die 

verschiedenen Verletzungen nicht auseinandergehalten worden seien (vgl. 

A39, S. 3f). Diese Erklärung vermöge nicht zu überzeugen, habe der Be-

schwerdeführer vorher nie von verschiedenen Fussverletzungen gespro-

chen.  

Für weitere, weniger gravierende Ungereimtheiten in den Aussagen des 

Beschwerdeführers sei an dieser Stelle auf die jeweiligen Vorbehalte des 

SEM sowie die Stellungnahmen des Beschwerdeführers in der Eingabe 

vom 7. Oktober 2021 zu verweisen (vgl. A33 F153-155 sowie A39, S. 2f).  

3.4 Im Weiteren seien zentrale Vorbringen in wesentlichen Punkten unbe-

stimmt und wenig detailliert ausgefallen und damit nicht hinreichend be-

gründet worden. 

 

Seite 9 

So sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, die Antworten auf 

Fragen zu den durchlebten Einvernahmen und Haftzeiten in hinreichend 

substantiierter Weise zu beantworten. Der Beschwerdeführer habe sich auf 

einfache Dialoge und die Misshandlungen fokussiert, ohne dabei jedoch 

erlebnisgeprägte Einzelheiten oder persönlich gefärbte Erinnerungen wie-

derzugeben (vgl. A33 F33, F36, F39-42 und F46). Auch seine Schilderun-

gen über die angeblichen sexuellen Übergriffe im Jahre 2015 seien sche-

matisch und rudimentär ausgefallen (vgl. A33 F124-130). Demgegenüber 

habe der Beschwerdeführer ausführlich über seine Wunde im Rektalbe-

reich, deren Folgewirkungen und Behandlung gesprochen (vgl. A22 F50), 

deren Vorhandensein vom SEM nicht bestritten werde. Darüber hinaus 

seien die Angaben hinsichtlich der angeblichen Aufträge für die LTTE un-

ergiebig ausgefallen (vgl. A33 F78-79 und F93-96). Zwar seien die Schil-

derungen im Rahmen der freien Rede rein quantitativ betrachtet lange aus-

gefallen, jedoch mangle es ihnen an Aussagequalität und typischen Merk-

malen (Realkennzeichen) wie Detailreichtum, die Beschreibungen von 

Emotionen und Gedankengängen, die räumliche und zeitliche Verknüpfung 

der erzählten Ereignisse sowie die Schilderungen von nebensächlichen 

und ausgefallenen Einzelheiten, die normalerweise die Erzählungen von 

erlebten Begebenheiten prägten. 

3.5 Die eingereichten Beweismittel seien zur Stützung des flüchtlingsrecht-

lich relevanten Sachverhalts untauglich. 

Dem Totenschein des Vaters des Beschwerdeführers sei als Ursache sei-

nes Todes lediglich zu entnehmen, dass dieser an einer Leberkrankheit 

(«liver disease») gestorben sei (Beweismittel 6). Dies lasse keine Rück-

schlüsse auf die vom Beschwerdeführer beschriebenen Hintergründe des 

Ablebens seines Vaters zu (Eintritt des Todes als Folge von angeblich er-

littenen Verletzungen durch Folter). Dasselbe lasse sich auch über den In-

halt des den Beschwerdeführer betreffenden ärztlichen Zeugnisses sagen 

(Beweismittel 7). Die erwähnte Behandlung von Hämorrhoiden bezie-

hungsweise einer Operation liessen nicht auf die vom Beschwerdeführer 

angegebenen Ursachen folgern. Schliesslich müsse die Klage der Mutter 

des Beschwerdeführers bei der Human Rights Organization als reines Par-

tei- und Gefälligkeitsschreiben taxiert werden, das zudem erst eineinhalb 

Jahre nach der Ausreise des Beschwerdeführers, am 13. Juli 2021, ver-

fasst worden sei (Beweismittel 5). Zudem sei die Tatsache, dass sich die 

Mutter des Beschwerdeführers angeblich erstmals im März 2021 an die 

genannte Organisation gewandt habe, angesichts der geltend gemachten 

Bedrohungslage in Sri Lanka äusserst fragwürdig (vgl. hierzu auch A33 F 

 

Seite 10 

67-69). Dies gelte umso mehr, als kein Sinn hinter dem Ersuchen der Mut-

ter des Beschwerdeführers an die Organisation zu erkennen sei, ihren 

Sohn von einer lebensbedrohlichen Situation («death risky situation») zu 

bewahren, nachdem dieser das Land bereits verlassen habe.  

3.6 Aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen bestehe auch keine 

Veranlassung, dem Antrag der Rechtsvertretung auf eine Abklärung ge-

mäss Instanbul-Protokoll zu entsprechen. Auch der nachgereichten Publi-

kation von SWISSLEX (Beweismittel 12) sei im vorliegenden Fall keine 

weitere Bedeutung beizumessen. 

3.7 Wie vorgängig ausgeführt, seien die Verfolgungsvorbringen vor der 

Ausreise als nicht glaubhaft zu erachten. Es gelte zu prüfen, ob der Be-

schwerdeführer im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka begründete Furcht 

vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG habe. 

Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung sei diese Prü-

fung anhand sogenannter Risikofaktoren (Referenzurteil des BVGer E-

1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8, 9.1). Wie bereits vorstehend erwähnt, 

habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen können, vor seiner 

Ausreise flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausge-

setzt gewesen zu sein. Vielmehr sei der Beschwerdeführer bis Oktober 

2015 in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach Kriegsende noch 

insgesamt sechs Jahre in seinem Heimatsstaat gelebt. Allfällige, im Zeit-

punkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfol-

gungsinteresse auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht 

ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer nach einer Rückkehr nach Sri 

Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten sollte. Diesbezüglich 

seien auch die kleinen Narben am rechten Fussgelenk unerheblich. Auch 

die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem Sieg 

von Gotabaya Rajapaksa vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. 

Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der ge-

nannten Präsidentschaftswahlen sei ein persönlicher Bezug der asylsu-

chenden Person zu diesem Ergebnis beziehungsweise dessen Folgen; ein 

solcher sei vorliegend nicht aufgezeigt worden. Ebenso fehle ein persönli-

cher Bezug des Beschwerdeführers zu den am 21. April 2019 verübten 

Terroranschlägen in Sri Lanka als auch zur Präsidentschaftswahl vom 

16. November 2019. Somit bestehe keine begründete Furcht vor künftiger 

Verfolgung. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht 

und sein Asylgesuch sei abzulehnen.  

 

 

Seite 11 

4.   

4.1 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, die erste Anhörung (A22) 

sei mangelhaft durchgeführt worden. Der Beschwerdeführer sei nicht we-

niger als zehn Mal unterbrochen worden (vgl. A22 F39-43, F45, F52-53), 

darunter mehrere Male, in denen er sich «im freien Bericht befunden 

habe». Auch sei er mehrfach gebeten worden, sich kürzer zu halten (vgl. 

A22 F46, F51). Mit insgesamt zehn Unterbrechungen sei durch das SEM 

eine Atmosphäre geschaffen worden, welche der freien und gründlichen 

Sachverhaltsforschung zuwidergelaufen sei.  

4.2 Einleitend habe die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung mit 

dem Hinweis darauf, dass weder der Vater des Beschwerdeführers noch 

dieser selbst Mitglieder der LTTE gewesen seien, es als unglaubhaft er-

achtet, dass die LTTE dem Vater des Beschwerdeführers Informationen 

über die Verstecke hätten zukommen lassen. Dem sei zu entgegnen, dass 

der Vater engen und der Beschwerdeführer trotz seines jungen Alters guten 

Kontakt zur Mitgliedern der LTTE gehabt hätten. Weitere Ausführungen 

habe das SEM wiederholt unterbunden. Im Weiteren habe es das SEM 

aufgrund der fehlenden Mitgliedschaft zu den LTTE als nicht nachvollzieh-

bar erachtet, dass die Sicherheitskräfte von der Kenntnis des Beschwer-

deführers beziehungsweise seines Vaters von den erwähnten Verstecken 

ausgegangen seien. Hierzu sei festzuhalten, dass der Vater immerhin mit 

den LTTE sympathisiert, Steuern bezahlt und mit diesen einen vertrauten 

Umgang gepflegt habe. Auch habe es das SEM als nicht nachvollziehbar 

erachtet, dass die sri-lankischen Sicherheitsbehörden von einem Informa-

tionsaustausch zwischen dem Vater des Beschwerdeführers und seinem 

Sohn ausgegangen seien. Indessen sei zu berücksichtigen, dass der Be-

schwerdeführer als einziger Sohn viele Stunden in der Werkstatt seines 

Vaters verbracht habe. Im Weiteren habe es das SEM als unglaubhaft er-

achtet, dass die präparierten Autos ohne Kontrollen und Nachverfolgung in 

die von den LTTE kontrollierten Gebieten hätten entkommen können. In-

dessen hätten weder der Beschwerdeführer noch die Vorinstanz sichere 

Kenntnis darüber, ob die Autos effektiv verfolgt worden seien. Es sei dem-

nach zumindest nicht auszuschliessen, dass entsprechende behördliche 

Bemühungen stattgefunden hätten. Im Weiteren habe das SEM die An-

nahme der Behörden, dass die geschmuggelten Wertsachen (immer noch) 

in Verstecken gelagert seien, als fraglich erachtet. Es bestünden indessen 

einige Gründe, warum die Behörden von noch bestehenden Verstecken 

hätten ausgehen können. So erscheine es durchaus möglich, dass die 

LTTE die Gelder für künftige Projekte ansammelten oder darauf warteten, 

diese zu einem späteren Zeitpunkt unauffällig auszugeben. Im Weiteren 

 

Seite 12 

hätten die sri-lankischen Sicherheitsbehörden das Elternhaus des Be-

schwerdeführers nicht durchsucht, da es sich bei dem vermuteten Vermö-

gen um ein solches in millionenfacher Höhe gehandelt habe und die Be-

hörden deshalb nicht davon ausgegangen seien, dass sich ein solches Ver-

mögen im Haus befinden würde. Da es sich um ein kleines Haus handle, 

hätten die Behörden wohl ohne gründliche Durchsuchung feststellen kön-

nen, dass dort keine grösseren Vermögenswerte versteckt seien. Die Ver-

wandten des Beschwerdeführers (Mutter, Schwestern, Onkel) seien von 

den Behörden nicht befragt worden, weil diese nichts mit der Werkstatt zu 

tun gehabt hätten, zudem seien die Schwestern bereits verheiratet und leb-

ten nicht mehr in der Umgebung. Mit dem Rest der Verwandtschaft pflege 

die Familie des Beschwerdeführers kaum Kontakt. Entgegen der Auffas-

sung der Vorinstanz sei es durchaus plausibel, dass die Behörden den Be-

schwerdeführer über einen langen Zeitraum immer wieder wegen der Ver-

stecke der LTTE einvernommen hätten, obwohl dieser immer wieder zu 

verstehen gegeben habe, nichts zu wissen, seien die Verstecke doch ge-

rade nicht entdeckt worden, weshalb die sri-lankischen Behörden ein fort-

laufendes Interesse am Beschwerdeführer gehabt hätten. Ausserdem 

habe in Sri Lanka 30 Jahre lang Krieg geherrscht, welcher einen tiefen 

Graben und ein tiefes Misstrauen zwischen den Ethnien hinterlassen habe. 

Wie aus der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 

12. Januar 2021 hervorgehe, würden auch Personen, welche verdächtigt 

würden, eine auch nur schwache Verbindung zur LTTE zu haben, entführt 

und gefoltert. Ebenfalls sei der SFH-Länderanalyse sowie dem Bericht des 

International Truth and Justice Project (ITJP) zu entnehmen, dass die Pra-

xis der «White-Van-Abductions» tamilischer Personen auch nach dem 

Ende des bewaffneten Konfliktes fortgeführt worden sei. Demnach müsse 

der Argumentation der Vorinstanz, wonach die Behörden bereits nach Bür-

gerkriegsende schnellmöglich und mit Nachdruck dem Verdacht hätten 

nachgehen müssen, widersprochen werden. Das behördliche Verhalten wi-

derspreche nicht der allgemeinen Erfahrung. Aus der Länderanalyse der 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe gehe vielmehr hervor, dass «Angehörige 

staatlicher Sicherheitskräfte und des Militärs in Sri Lanka Personen entfüh-

ren, illegal in Haft halten, foltern und anschliessend gegen Lösegeldzah-

lungen wieder freilassen» würden. Im Weiteren gebe es Gründe, warum 

der Beschwerdeführer nach den erlittenen Misshandlungen im Jahre 2015 

B._______ nicht verlassen habe, um innerhalb des Landes einen Fluchtort 

zu finden. Es gelte zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer noch 

sehr jung gewesen sei und seine Arbeit als Maurer bei seinem Onkel nicht 

habe aufgeben wollen. Er habe die Familie finanzieren und die Ausbildung 

seiner jüngeren Schwester bezahlen müssen (vgl. A33 F137). Sein Umfeld 

 

Seite 13 

habe sich in seinem Heimatort befunden und gerade nach der erlittenen 

Folter erscheine es nachvollziehbar, sich bei vertrauten Familienangehöri-

gen aufzuhalten, die ihm eine mentale Unterstützung hätten sein können. 

Im Weiteren treffe es, wie vom SEM behauptet, nicht zu, dass der Be-

schwerdeführer nach seinem Aufenthalt in den C._______ im Jahre 2019 

legal nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. Die Vorinstanz verweise zwar auf 

A22 F20-21 (meine dabei wohl A33 F20-F21), unterlasse es aber, die da-

rauffolgende Frage zu berücksichtigen. So habe der Beschwerdeführer auf 

die Frage, ob es Probleme bei der Einreise gegeben habe, angegeben, 

dass er angehalten worden sei und 50'000 Rupien hätte zahlen müssen. 

Bei dieser Summe habe es sich um ein Bestechungsgeld gehandelt, da 

der Beschwerdeführer weniger als diese 50'000 Rupien, nämlich 200 Euro, 

bezahlt habe, womit nicht die genaue Höhe, sondern eine Bezahlung ins-

gesamt entscheidend gewesen sei, was eine übliche Einreisegebühr aus-

schliesse. Dies sei sodann mit der nachfolgenden Frage der Vorinstanz 

auch richtig festgestellt worden (vgl. A33 F23). Dies habe die Vorinstanz 

indessen in ihrem Entscheid nicht mehr berücksichtigt. Es sei somit entge-

gen der Auffassung des SEM nicht darauf zu schliessen, dass der Be-

schwerdeführer nicht behördlich gesucht worden wäre. Vermutungsweise 

handle es sich bei den Einvernahmen des Beschwerdeführers durch die 

Sicherheitskräfte nicht um offizielle, behördlich angeordnete Massnahmen. 

Der weitere Umstand, dass der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr 

im Jahre 2019 erneut nach B._______ zurückgekehrt sei, liege darin be-

gründet, dass die Visa-Gesuche bei verschiedenen europäischen Behör-

den allesamt abgelehnt worden seien. Ausserdem habe der Beschwerde-

führer auf eine Normalisierung der Situation mit den Sicherheitskräften in 

seiner Heimat gehofft (vgl. A33 F56). Entgegen der Auffassung des SEM 

sei diese Aussage vereinbar mit dem Visumsgesuch bei der (…) in 

I._______ vom 30. Januar 2019, habe der Beschwerdeführer doch jegliche 

Möglichkeit wahrzunehmen versucht, um nicht nach Sri Lanka zurückkeh-

ren zu müssen. Schliesslich habe der Beschwerdeführer mit dem Ablauf 

der Arbeitsbewilligung in Dubai auch seine finanzielle Selbstständigkeit 

eingebüsst.  

4.3 Sodann habe die Vorinstanz auf einzelne widersprüchliche Aussagen 

hingewiesen. So habe sie festgehalten, dass der Beschwerdeführer bei der 

ersten Anhörung von vier, im Rahmen der ergänzenden Anhörung von nur 

noch drei Festnahmen gesprochen habe. Dabei handle es sich um einen 

marginalen Unterschied, auch liege der Sachverhalt länger zurück. Einen 

weiteren Widerspruch habe das SEM darin gesehen, dass der Beschwer-

deführer anlässlich der Anhörung angegeben habe, im April 2019 sechs 

 

Seite 14 

Tage festgehalten worden zu sein, und davon abweichend im Rahmen der 

Anhörung geltend gemacht habe, am selben Tag freigelassen worden zu 

sein. Indessen sei betreffend Haftdauer kein Widerspruch ersichtlich. Wäh-

rend der ersten Anhörung habe der Beschwerdeführer die Haftdauer vom 

Oktober 2019 genannt, im Rahmen der ergänzenden Anhörung sei er nur 

noch zur Dauer im April 2019 befragt worden. Das seien zwei unterschied-

liche Sachverhaltselemente, die das SEM vermischt habe. Der Vorwurf sei 

entschieden zurückzuweisen. Im Weiteren habe das SEM in der angefoch-

tenen Verfügung darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer während 

der ersten Anhörung angegeben habe, nicht zu wissen, wo er im Oktober 

2019 eingesperrt worden sei, während er anlässlich der ergänzenden An-

hörung angegeben habe, sowohl im April 2019 als auch im Oktober 2019 

im Polizeigebäude in H._______ festgehalten worden zu sein. Dieser an-

gebliche Widerspruch müsse indes im Kontext der ersten Befragung ge-

deutet werden. Wie angesprochen, sei der Beschwerdeführer anlässlich 

der ersten Befragung immer wieder unterbrochen worden. Daher habe er 

sich auf kurze Antworten beschränkt. Er habe, da es bei der Hinfahrt dunkel 

gewesen sei, erst bei der Freilassung beziehungsweise bei der Ankunft er-

kannt, dass man ihn bereits im April 2019 von diesem Ort freigelassen 

habe. Auf Nachfrage, weshalb er nicht bereits während der Anhörung er-

wähnt habe, in Jaffna festgehalten worden zu sein, habe der Beschwerde-

führer angegeben, eventuell nervös gewesen zu sein. Insgesamt bestün-

den keine gravierenden Widersprüche.  

4.4 Die Vorinstanz habe die Schilderung der Asylvorbringen als insgesamt 

oberflächlich erachtet. Dies treffe nicht zu, habe der Beschwerdeführer 

doch in seinen Ausführungen zahlreiche Realkennzeichen verwendet (statt 

vieler: A22 F45).  

Entgegen der Auffassung der Vorinstanz seien die eingereichten Beweis-

mittel geeignet, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu stützen. Hin-

sichtlich des Vorwurfs des SEM, es sei nicht nachvollziehbar, warum die 

Mutter des Beschwerdeführers angesichts der jahrelangen Bedrohungs-

lage erst im Jahre 2021 die Klage erhoben habe, sei darauf hinzuweisen, 

dass diese, nachdem sie bereits ihren Ehemann aufgrund von Folterungen 

verloren habe, ihren Sohn mit einer solchen Klage habe schützen wollen, 

mit deren Einreichung indessen noch zugewartet habe, bis sich der Be-

schwerdeführer an einem sicheren Ort im Ausland befunden habe. Zum 

Nachweis der Fussverletzung des Beschwerdeführers werde mit der Be-

schwerde eine entsprechende Röntgenaufnahme eingereicht.  

 

Seite 15 

4.5 Aus den genannten Gründen habe der Beschwerdeführer den Sach-

verhalt glaubhaft dargetan. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer in-

haftiert worden sei, sei als risikoerhöhend zu berücksichtigen (vgl. Refe-

renzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8). Die Tatsache, 

dass ihm von behördlicher Seite Nachteile zugefügt worden seien, sei asyl-

relevant und schliesse eine innerstaatliche Fluchtalternative aus. Der Be-

schwerdeführer sei sexuell missbraucht und Opfer von körperlicher Gewalt 

geworden, weshalb objektive Gründe für das Vorhandensein einer ausge-

prägten subjektiven Furcht vorlägen.  

5.  

5.1 Wie obenstehend erwähnt wird in der Beschwerde geltend gemacht, 

die erste Anhörung (A22) sei mangelhaft durchgeführt worden. Der Be-

schwerdeführer sei nicht weniger als zehn Mal unterbrochen worden (vgl. 

A22 F39-43, F45, F52-53), darunter mehrere Male, in denen er sich «im 

freien Bericht befunden habe», und er sei mehrfach gebeten worden, sich 

kürzer zu halten (vgl. A22 F46, F51). Mit dieser Vorgehensweise habe die 

Vorinstanz eine Atmosphäre geschaffen, welche eine umfassende Sach-

verhaltsfeststellung erschwert, wenn nicht verhindert habe. Mit dieser Ar-

gumentation wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und des Unter-

suchungsgrundsatzes gerügt. Diese Rügen erweisen sich als unbegrün-

det.  

5.1.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen 

Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-

sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte 

Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, 

sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG), 

sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-

findung zu berücksichtigen (vgl. KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Ver-

fahrensrecht, 3. Aufl. 2021). 

Die Sachverhaltsfeststellung ist unvollständig, wenn die angefochtene Ver-

fügung nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-

rücksichtigt (KÖLZ/IHÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-

tungsrechtspflege des Bundes, Zürich 2013, 3. Aufl., Rz. 456) und zusätz-

liche Abklärungen sind dann vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der Par-

teivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte 

Anlass besteht. 

 

Seite 16 

5.1.2 Aus dem Anhörungsprotokoll ergibt sich, dass die befragende Person 

den Beschwerdeführer einleitend darüber in Kenntnis setzte, dass er ihn 

bei der Darlegung der Asylgründe unterbrechen könne, wenn dessen Aus-

sagen für den Asylentscheid unwesentlich seien; sollten nicht alle wesent-

lichen Informationen erhoben werden können, werde ein zweiter Befra-

gungstermin angesetzt werden. Im Weiteren wurde der Beschwerdeführer 

dazu aufgefordert, «ganz kurz zu erzählen, warum er den Heimatstaat 

habe verlassen müssen, aber dabei alle Gründe zu nennen». In der Folge 

wurde der Beschwerdeführer bei seiner freien Rede mit der Begründung 

unterbrochen, im Moment gehe es nur darum, einen Überblick über die 

Ausreisegründe zu erhalten. In der Folge wurde der Beschwerdeführer mit 

dem Hinweis, später darauf zurückzukommen, mehrere Male unterbro-

chen, wenn dieser die einzelnen Asylgründe zu detailliert zu schildern ver-

suchte. Tatsächlich erhielt der Beschwerdeführer, nachdem sich die befra-

gende Person durch gezielte Fragen offenbar einen ersten Überblick über 

die Asylgründe verschafft hatte, Gelegenheit, seine Asylgründe zu schil-

dern. Die befragende Person unterbrach den Beschwerdeführer im Verlauf 

der freien Rede einmal mit der Bitte, «sich über die Dinge, die seinem Vater 

geschehen seien, etwas kürzer zu fassen», und an anderer Stelle mit dem 

Hinweis, er werde nochmals zu einer Anhörung eingeladen, «es gehe im 

Moment nur darum, grob zusammenfassend zu wissen, was passiert sei». 

Ein anderes Mal wurde der Beschwerdeführer in seiner ansonsten freien 

Rede von der befragenden Person unterbrochen, um eine klärende Nach-

frage zu stellen. Am Ende der Befragung wies die anwesende Rechtsver-

tretung darauf hin, dass der Beschwerdeführer oft unterbrochen worden 

sei und er seine Asylvorbringen nicht frei und vollständig habe erzählen 

können. Hierzu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer dazu aufge-

fordert wurde, als erstes nur einen kurzen Überblick seiner gesamten Asyl-

gründe zu geben. Da sich der Beschwerdeführer in seiner freien Rede im-

mer wieder in Details verlor, erscheint es nicht unangemessen, dass die 

befragende Person diesen, wo nötig, unterbrach. Der Beschwerdeführer 

erhielt denn auch in der Folge Gelegenheit, seine Asylgründe ausführlich 

zu schildern mit dem Vorbehalt, dass es Ziel dieser ersten Anhörung sei, 

sich einen groben Überblick über die Asylgründe zu verschaffen, und er in 

einer ergänzenden Anhörung nochmals ausführlicher über seine Asyl-

gründe befragt werden würde. Auch in Berücksichtigung der Tatsache, 

dass der Beschwerdeführer im Rahmen der nachfolgenden ergänzenden 

Anhörung tatsächlich hinreichend Gelegenheit erhielt, seine Asylgründe 

detaillierter zu schildern, ist festzuhalten, dass weder eine Verletzung des 

rechtlichen Gehörs noch eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung vor-

liegt. 

 

Seite 17 

5.2 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung die geltend gemachten 

Asylvorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als nicht glaubhaft erach-

tet.  

5.2.1 Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches 

im Wesentlichen geltend, nach dem Ende des Bürgerkrieges im Mai 2009 

habe die sri-lankische Armee seinen Vater von 2010 bis zu dessen Tod am 

1. März 2013 unter dem Vorwurf, im Besitz von Beträgen der LTTE in Mil-

lionenhöhe zu sein und zu wissen, wo dieses Geld und Schmuck versteck-

ten, wiederholt einvernommen, gefoltert und mit dem Tod bedroht. Auch 

ihn, den Beschwerdeführer, habe man im Jahr 2010 ein erstes Mal, und 

zwischen 2014 und 2016 mehrere Male unter Anwendung von Schlägen 

und auch sexueller Misshandlung einvernommen, um von ihm die Verste-

cke der LTTE (welche sein Vater ihm zu Lebzeiten verraten habe) in Erfah-

rung zu bringen. Aufgrund der Bedrohungslage sei er im November 2017 

legal in die C._______ gereist, wo er sich mit einer Arbeitsbewilligung auf-

gehalten und durch die Einreichung von Visagesuchen vergeblich versucht 

habe, von dort legal nach Europa zu gelangen. Während seiner Landesab-

wesenheit hätten sich die Behörden wiederholt bei seiner Mutter nach sei-

nem Verbleib erkundigt. Nach Ablauf seiner für Dubai geltenden Arbeitsbe-

willigung sei er im Februar 2019 nach Sri Lanka zurückgeflogen und zu 

seiner Mutter und zu seiner Schwester zurückgekehrt, wo er im April und 

im Oktober 2019 erneut zum versteckten Geld befragt worden sei, obwohl 

er stets beteuert habe, nichts über die Verstecke zu wissen. Nach Beste-

chung eines Polizeibeamten durch seine Mutter und seinen Onkel im Ok-

tober 2019 sei er freigelassen worden und ausgereist. 

5.2.2 Das angeblich jahrelang andauernde behördliche Interesse an sei-

nem Vater und ihm selbst begründete der Beschwerdeführer stets damit, 

dass sich gegenüber der Autowerkstatt seines Vaters eine grosse Basis 

der LTTE befunden habe und sein Vater diesen von 2004/2005 bis 2009 

dabei geholfen habe, Geld und Wertgegenstände wie Gold und Schmuck 

in Fahrzeugen zu verstecken, welche dann von Angehörigen der LTTE 

durch die Kontrollposten der sri-lankischen Sicherheitskräfte in andere, von 

den LTTE kontrollierte Gebiete gefahren worden seien.  

5.2.3 Indessen vermochte der Beschwerdeführer nicht plausibel darzule-

gen, aus welchen Gründen sein Vater (der wie der Beschwerdeführer nie 

ein Mitglied der LTTE gewesen war) und er selbst unter den genannten 

steten Verdacht der Behörden geraten sein sollten.  

 

Seite 18 

In diesem Zusammenhang ist besonders beachtlich, dass der Beschwer-

deführer zu Beginn der angeblichen Unterstützungsleistungen der LTTE 

durch seinen Vater im Jahre 2005 erst zehn Jahre alt und somit bloss ein 

kleines Kind war. Daher erscheint nicht nachvollziehbar, warum die Behör-

den davon ausgehen sollten, dass der Beschwerdeführer als damals noch 

kleines Kind Kenntnis von den Verstecken der LTTE haben sollte, wo sich 

angeblich Millionenbeträge befanden. Aus diesem Grund erscheint auch 

die erste Festnahme des damals erst fünfzehn Jahre alten Beschwerde-

führers im Jahre 2010 sehr unwahrscheinlich. Noch unwahrscheinlicher er-

scheint das Vorgehen der Behörden, den Beschwerdeführer über einen 

längeren Zeitraum und unter Anwendung massiver Gewalt immer wieder 

nach den Verstecken der LTTE zu befragen, obwohl bereits der in der Zwi-

schenzeit verstorbene Vater des Beschwerdeführers stets beteuert hatte, 

nichts von den Verstecken zu wissen. Die (auch in der Beschwerde) gel-

tend gemachte Tatsache, dass der Vater des Beschwerdeführers mit den 

LTTE sympathisiert und mit diesen einen vertrauten Umgang gepflegt 

habe, vermag den Verdacht der Behörden, der Vater des Beschwerdefüh-

rers habe Kenntnis von Verstecken der LTTE und bewahre selbst grosse 

Geldbeträge bei sich auf, realistischerweise nicht zu begründen. Es er-

scheint wenig plausibel, dass die LTTE einem einfachen Automechaniker 

ohne weiteren Bezug zu ihnen Verstecke anvertrauen, wo angeblich Milli-

onenbeträge lagerten. Noch unwahrscheinlicher ist, dass sodann der Be-

schwerdeführer selbst, als damals noch kleines Kind in solche Geheim-

nisse eingeweiht worden sein sollte. Die Behauptung, die Behörde sei jah-

relang davon ausgegangen, er habe Kenntnis von solchen Verstecken, er-

scheint realitätsfern. Selbst, wenn die Behörden, wie behauptet, die Vor-

kommnisse in der Garage beobachtet hätten, ist nicht nachvollziehbar, wa-

rum sie aufgrund dieser blossen Beobachtungen zur festen Überzeugung 

gelangt sein sollten, dass der Vater des Beschwerdeführers genaue Kennt-

nis von den Verstecken der LTTE habe, geschweige denn der noch sehr 

junge Beschwerdeführer. In diesem Zusammenhang ist mit dem SEM fest-

zustellen, dass ohnehin nicht nachvollziehbar erscheint, dass die Behör-

den, hätten sie die Vorkommnisse in der Garage tatsächlich beobachtet, 

die präparierten Fahrzeuge in der Folge an den Kontrollposten der Armee 

nicht hätten abfangen können. Der Erklärungsversucht in der Beschwerde, 

wonach weder der Beschwerdeführer noch das SEM davon Kenntnis hät-

ten, ob solche Nachverfolgungen nicht vielleicht doch tatsächlich stattge-

funden hätten, vermag nicht zu überzeugen. So ist davon auszugehen, 

dass die LTTE, wären ihre Fahrzeuge von den Behörden abgefangen, kon-

trolliert und konfisziert worden, ihre Vorgehensweise geändert hätten. Im 

 

Seite 19 

Weiteren vermögen die Erklärungen in der Beschwerde, wonach die Be-

hörden das Elternhaus des Beschwerdeführers nicht durchsucht hätten, da 

es sich beim vermuteten Vermögen um ein solches in Millionenhöhe handle 

beziehungsweise das Haus so klein sei, dass eine gründliche Durchsu-

chung nicht nötig gewesen wäre, die unterlassene Hausdurchsuchung 

nicht plausibel zu erklären. Es ist mit dem SEM festzuhalten, dass die be-

hördliche Vorgehensweise, trotz angeblich jahrelang andauerndem Inte-

resse am Beschwerdeführer dessen Verwandten nie in die Ermittlungs-

handlungen einzubeziehen, realitätsfremd erscheint. Die Entgegnungen in 

der Beschwerde, wonach diese nicht befragt worden seien, weil sie nichts 

mit der Garage zu tun gehabt hätten und zudem die Schwestern nicht mehr 

in der Umgebung lebten, vermögen nicht zu überzeugen. Darüber hinaus  

konnte der Beschwerdeführer nicht plausibel erklären, warum er nach den 

erlittenen Misshandlungen im Jahr 2015 seinen Heimatort B._______ nicht 

schon damals verlassen hat, um temporär an einem anderen Ort in Sri 

Lanka sicherer zu leben. Die Hinweise in der Beschwerde auf sein jugend-

liches Alter und seine Erwerbsmöglichkeit am Heimatort stellen durchaus 

Gründe für ein Bleiben dar, vermögen indessen die offenbar gehegte 

Furcht vor weiterer Folter nicht aufzuwiegen.  

Die (unter Bezugnahme auf entsprechende Berichte) in der Beschwerde 

gemachten Ausführungen zur allgemeinen Gefährdungssituation von Ta-

milen in Sri Lanka, welche auch nach Ende des Bürgerkrieges weiterhin 

bestehe, vermögen bereits wegen fehlendem Sachzusammenhang mit 

den Vorbringen des Beschwerdeführers nichts an der Einschätzung zu än-

dern. Auch die eingereichten Beweismittel sind, wie das SEM zutreffend 

festgehalten hat, zur Stützung der geltend gemachten Vorbringen nicht ge-

eignet. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die zu bestätigen-

den vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden, auf die in der Be-

schwerde nur bezüglich der von der Mutter des Beschwerdeführers bei der 

Human Rights Organization eingereichten Klage eingegangen wird. Mit der 

Behauptung, wonach die Mutter des Beschwerdeführers, die ihren Sohn 

mit einer solchen Klage habe schützen wollen, mit deren Einreichung in-

dessen noch zugewartet habe, bis sich der Beschwerdeführer an einem 

sicheren Ort im Ausland befunden habe, vermag nicht plausibel erklärt zu 

werden, warum diese angesichts der jahrelangen Bedrohungslage erst im 

Jahre 2021 die Klage eingereicht hat und dies wohlgemerkt zudem zu ei-

nem Zeitpunkt, zu dem sich der Beschwerdeführer bereits längst ins Aus-

land begeben hatte und damit gar nicht mehr unmittelbar bedroht war. An-

geblich im Zusammenhang mit der genannten Klage der Mutter bei der 

 

Seite 20 

Human Rights Organization vom 13. Juli 2021 wurde auf Beschwerde-

ebene ein als «(…)» bezeichnetes Bestätigungsschreiben vom 15. Novem-

ber 2021 nachgereicht. Vorab ist festzuhalten, dass dieses Dokument kei-

nerlei Sicherheitsmerkmale aufweist und somit sehr einfach fälschbar ist. 

Bereits vor diesem Hintergrund kann diesem lediglich ein eingeschränkter 

Beweiswert zuerkannt werden. Zusätzlich kommt in casu erschwerend 

hinzu, dass das betreffende Dokument auch mehrere inhaltliche Unstim-

migkeiten und Auffälligkeiten aufweist. Vorab fällt auf, dass das Schreiben 

keinerlei Einleitung enthält und weder ersichtlich ist aus welchem Grund 

diese Ausführungen überhaupt hätten gemacht werden sollen, noch auf-

grund wessen Anfrage dies erfolgte, noch an wen dieses Dokument über-

haupt gerichtet ist. Das Schreiben stellt vielmehr eine ohne erkennbaren 

Grund getätigte simple Auflistung angeblicher Einzelgeschehnisse dar. 

Hierbei sticht ins Auge, dass diese Auflistung in sehr auffallender Weise 

sich an die Behauptungen des Beschwerdeführers anlehnt, daneben aber 

keinerlei weitere Sachangaben, Details oder sachdienliche Zusatzaspekte 

enthält, wie sie in einem in realiter erfolgten polizeilichen Schreiben eigent-

lich zu erwarten gewesen wären. Auch die sprachliche Ausprägung er-

scheint für ein offizielles polizeiliches Schreiben eher ungeeignet und wirkt 

ganz im Gegenteil sogar auffallend laienhaft. Zusätzlich kommt hinzu, dass 

einige inhaltliche Aspekte dieses Schreibens nicht realitätsnah sind und in 

einem authentischen polizeilichen Schreiben kaum je so enthalten wären. 

So wird beispielsweise preisgegeben, welche Polizeieinheiten angeblich 

mit der Verhaftung des Beschwerdeführers beauftragt worden sein sollen 

und dass der Beschwerdeführer umgehend verhaftet würde, sollte er ge-

fasst werden. Gleichzeitig wird angegeben, diese Information sei auch der 

Mutter des Beschwerdeführers an deren Privatadresse zugestellt worden. 

Dieses Vorgehen erscheint lebensfremd. Der Zweck einer Ausschreibung 

zur Verhaftung besteht darin, dass eine gesuchte Person rasch aufgegrif-

fen und verhaftet werden kann. Eine polizeiliche Mitteilung an die Angehö-

rigen des Gesuchten, dass dieser zur Verhaftung ausgeschrieben worden 

sei, würde indes gerade bewirken, dass dieser frühzeitig gewarnt ist und 

sich dadurch problemlos einer Verhaftung entziehen könnte. Es ist daher 

kaum anzunehmen, dass die Polizei die von ihr geplante Verhaftung gleich 

selber aktiv dadurch verhindert, indem sie die Angehörigen des Gesuchten 

über die Gefahr einer Verhaftung selber vorinformiert. Rein zur Vollständig-

keit sei an dieser Stelle ergänzend erwähnt, dass auch der Briefkopf des 

Schreibens vom 15. November 2021 Anlass zu gewissen Zweifeln gibt. Die 

Telefon- und Faxnummern der Polizeieinheiten der sri-lankischen Polizei 

können online der Homepage der sri-lankischen Polizei entnommen wer-

den. Die im Schreiben vom 15. November 2021 aufgeführte Fax-Nummer 

 

Seite 21 

kann hierbei der (…) zugeordnet werden. Die im Briefkopf des Schreibens 

vom 15. November 2021 ebenfalls aufgeführte Telefonnummer korrespon-

diert demgegenüber aber nicht mit der online ersichtlichen Telefonnummer 

dieser Einheit (vgl. Angaben unter: Functional Division (police.lk). Der Um-

stand, dass in einem offiziellen Schreiben die Telefon- und Fax-Nummern 

nicht der gleichen Polizeieinheit zugeordnet werden können, erscheint da-

her zumindest ungewöhnlich. Angesichts der fraglichen Beschaffenheit, 

der fraglichen Herkunft und des fraglichen Inhalts des Schreibens vom 15. 

November 2021 ist vor dem Hintergrund der ohnehin bereits bestehenden 

Unglaubhaftigkeit der Vorbringen die Beweiskraft des genannten Bestäti-

gungsschreibens als bloss gering einzustufen. Mit der Beschwerde wurde 

schliesslich zum Nachweis der Fussverletzung des Beschwerdeführers 

eine entsprechende Röntgenaufnahme eingereicht, ohne anzugeben, in-

wiefern der Beschwerdeführer damit etwas zu seinen Gunsten ableiten 

können sollte.  

5.2.4 Der Eindruck, dass es sich bei den genannten Vorbringen um ein of-

fensichtliches Konstrukt handelt, wird durch weitere Unglaubhaftigkeitsele-

mente bestätigt. So hat der Beschwerdeführer, wie das SEM in der ange-

fochtenen Verfügung zutreffend ausführte, anlässlich der Anhörung von 

insgesamt vier Festnahmen im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 berich-

tet, indessen im Rahmen der Anhörung von lediglich drei Festnahmen ge-

sprochen. In der Beschwerde wurde hierzu bloss entgegnet, dass es sich 

um einen marginalen Unterschied handle und «der Sachverhalt länger zu-

rückliege». Im Weiteren hat das SEM in der angefochtenen Verfügung zu 

Recht darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer während der ersten 

Anhörung angegeben habe, nicht zu wissen, wo er im Oktober 2019 ein-

gesperrt worden sei, während er anlässlich der ergänzenden Anhörung an-

gegeben habe, sowohl im April 2019 als auch im Oktober 2019 im Polizei-

gebäude in H._______ festgehalten worden zu sein. Die Argumentation in 

der Beschwerde, wonach der Beschwerdeführer, da es bei der Hinfahrt 

dunkel gewesen sei und er erst bei der Freilassung beziehungsweise bei 

der Ankunft erkannt habe, dass er bereits im April 2019 von diesem Ort 

freigelassen worden sei, vermag nicht zu erklären, warum er nicht bereits 

während der Anhörung erwähnt hat, in Jaffna festgehalten worden zu sein.  

5.2.5 Im Weiteren trifft es zu, dass die Schilderungen des Beschwerdefüh-

rers in wesentlichen Punkten substanzarm ausgefallen sind. Eine Durch-

sicht des Protokolls der ergänzenden Anhörung bestätigt die Einschätzung 

des SEM, dass sich der Beschwerdeführer bei Fragen zu den Einvernah-

 

Seite 22 

men und Haftbedingungen auf einfache Dialoge und die angeblichen Miss-

handlungen fokussiert hat, ohne dabei erlebnisgeprägte Einzelheiten oder 

persönlich gefärbte Erinnerungen wiederzugeben. Auch die Schilderungen 

über die angeblichen sexuellen Übergriffe im Jahre 2015 erwecken nicht 

den Eindruck von selbst Erlebtem, sondern sind schematisch und rudimen-

tär ausgefallen. Die vom SEM angegebenen Protokollstellen geben diesen 

Eindruck zutreffend wieder (vgl. A33 F33, F36, F39-42 und F46, F124-130). 

Es fällt insbesondere auf, dass die Schilderungen im Rahmen der freien 

Rede zwar lange, aber nicht ausführlich ausgefallen sind (kaum Realkenn-

zeichen wie Beschreibungen von Emotionen und Gedankengängen). Der 

Eindruck, dass sich der Beschwerdeführer bewusst auf immer die gleichen 

oder ähnlichen Sachverhaltselemente bezieht, vermag in der Beschwerde 

mit dem Hinweis auf einzelne Protokollstellen nicht entkräftet werden, sind 

doch in den zitierten einzelnen Aussagen kaum Realkennzeichen vorhan-

den (z.B. «Sie riefen meinen Vater mit seinem Decknamen J._______», 

«Mein Vater hat diese Sachen unter dem Sitz..] versteckt.»  Ebenso wenig 

trifft es zu, dass die allgemein gehaltenen Aussagen «Ich habe auch mei-

nem Vater oft abgeraten, solche Arbeit [...] zu erledigen, aber Vater ist einer 

anderen Meinung gewesen. [...] Ich habe meinen Vater auch mehrmals ge-

warnt. [...] Wir müssen mit Konsequenzen rechnen», wie in der Be-

schwerde behauptet, Ausdruck von vom Beschwerdeführer benannten in-

neren Konflikten sind. Auch die Beschreibung des Beschwerdeführers sei-

ner Peiniger «Diese Leute von den Sicherheitskräften sind sehr korpulent. 

Sie sind sehr kräftig», sind entgegen der Auffassung in der Beschwerde 

keineswegs detailliert ausgefallen.  Bei dieser klaren Aktenlage hat das 

SEM zu Recht die Notwendigkeit der Einholung eines Gutachtens nach 

Istanbul-Protokoll verneint. Entsprechendes erschiene ohnehin nur dann 

angebracht, wenn sich die betroffenen Vorbringen überhaupt wider-

spruchslos und nachvollziehbar in das übrige Sachgeschehen einbetten 

liessen. Eine solche Ausgangslage liegt aber in casu angesichts der zahl-

reichen Unstimmigkeiten gerade offenkundig nicht vor.   

5.2.6 Hinzu kommt, dass, wie vom SEM zutreffend erkannt, nicht feststeht, 

ob der Beschwerdeführer nach seinem Aufenthalt in den C._______ tat-

sächlich im Februar 2019 nach Sri Lanka zurückgekehrt ist. Die Rückkehr 

nach Sri Lanka und der dortige Aufenthalt bis zur endgültigen Ausreise am 

7. Januar 2020 blieb unbelegt. Auch den Ablauf der Arbeitserlaubnis in 

D._______ hat der Beschwerdeführer nicht dokumentiert. Im Weiteren 

wies das SEM darauf hin, dass der Beschwerdeführer offensichtlich legal 

nach Sri Lanka zurückgekehrt sei, weshalb eine damalige behördliche Su-

 

Seite 23 

che nach ihm ausgeschlossen werden könne. In der Beschwerde wird be-

stritten, dass der Beschwerdeführer im Jahre 2019 legal nach Sri Lanka 

zurückgekehrt sei. Der Beschwerdeführer habe auf die Frage, ob es Prob-

leme bei der Einreise gegeben habe, angegeben, dass er angehalten wor-

den sei und 50'000 Rupien hätte zahlen müssen. Bei dieser Summe habe 

es sich um ein Bestechungsgeld gehandelt, da der Beschwerdeführer we-

niger als diese 50'000 Rupien bezahlt habe, womit nicht die genaue Höhe, 

sondern eine Bezahlung insgesamt entscheidend gewesen sei, was eine 

übliche Einreisegebühr ausschliesse. Dies sei sodann mit der nachfolgen-

den Frage der Vorinstanz auch richtig festgestellt worden (vgl. A33 F23). 

Aus dem Protokoll der ergänzenden Anhörung ergibt sich, dass der Be-

schwerdeführer ausdrücklich angab, mit seinem Reisepass legal nach Sri 

Lanka eingereist zu sein (vgl. A33 F22). Er ergänzte auf Nachfrage, ob es 

am Flughafen bei der Einreise zu irgendwelchen Problemen gekommen 

sei (vgl. A33 F23), dass er als grenzpolizeiliche Massnahme befragt wor-

den sei. Die Immigrationsbehörden hätten von ihm wissen wollen, warum 

er in den C._______ gewesen sei und was er dort getan habe (vgl. A33 

F23). Er sei aufgefordert worden, 50'000 Rupien zu bezahlen, worauf er 

nach Zahlung von 200 Euro habe einreisen können. In der Beschwerde 

wird nun geltend gemacht, dass es sich bei der Zahlung dieser Geldsumme 

um ein Bestechungsgeld gehandelt habe, da der Beschwerdeführer mit der 

Zahlung von 200 Euro umgerechnet weniger als 50'000 Rupien entrichtet 

habe, was eine übliche Einreisegebühr ausschliesse. Der Beschwerdefüh-

rer habe denn auch die Frage, ob es sich hierbei um ein Schmiergeld ge-

handelt habe, bejaht (vgl. A33 F24). Hierzu ist festzuhalten, dass der Be-

schwerdeführer zwar anscheinend erst nach Zahlung eines Schmiergeldes 

einreisen konnte, die Immigrationsbehörden indessen offenbar keinerlei 

Kenntnis von einer behördlichen Suche nach ihm hatten. Aufgrund der 

strengen Kontrollen im Flughafen in Colombo ist daher von einer fehlenden 

behördlichen Suche nach dem Beschwerdeführer auszugehen, was ein 

weiteres Indiz für eine fehlende Gefährdungssituation darstellt.  

Weiter kommt hinzu, dass der Umstand, dass der Beschwerdeführer ohne 

zwingende Gründe wieder freiwillig nach Sri Lanka zurückkehrte und mit 

seinem eigene Reisepass über den gut kontrollierten Flughafen Colombo 

einreiste, auch entschieden gegen eine subjektive Verfolgungsfurcht 

spricht.  

5.3 Aus den genannten Gründen ist es dem Beschwerdeführer nicht ge-

lungen, eine Verfolgung im Heimatstaat glaubhaft darzulegen. Das Vorlie-

gen der Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Ausreise ist zu verneinen.  

 

Seite 24 

5.4 Es bestehen vorliegend keine Risikofaktoren (vgl. zu diesen Faktoren 

das Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2 [als Refe-

renzurteil publiziert]), bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgungsmass-

nahmen ausgesetzt zu werden. Der Beschwerdeführer konnte nicht glaub-

haft machen, nach Kriegsende die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Be-

hörden auf sich gezogen zu haben. Aufgrund des fehlenden Risikoprofils 

ist daher nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt sein wird. 

5.5 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war 

die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei 

namentlich politische Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an 

Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsi-

denten von Sri Lanka zu erwähnen sind. Der neue Präsident war unter sei-

nem älteren Bruder Mahinda Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015 

Präsident Sri Lankas war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahl-

reiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten 

begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts-

verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet 

die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri 

Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei-

nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, 

Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-

hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett 

zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. 

https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-

brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministersof state/20191127174753/, 

abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minder-

heiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Über-

wachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen 

und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. 

Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste 

bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-

ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri 

Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020). Die Neuwahlen haben 

im August 2020 stattgefunden; Rajapaksas Partei ist siegreich daraus her-

vorgegangen. 

Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka 

bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt 

sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand 

 

Seite 25 

durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-

gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind 

beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des 

Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human Rights 

Watch, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020). 

Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass 

seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv 

einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im 

Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-

nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren 

Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vorliegend, wie sich aus den vorste-

henden Erwägungen ergibt, nicht ersichtlich. 

5.6 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt. 

6.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. 

BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 

7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-

liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder 

des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-

stehen. 

Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das 

flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG auf ihn nicht anwendbar. Die Zulässigkeit 

des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- 

und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Über-

einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

 

Seite 26 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 

0.105]; Art. 3 EMRK). 

Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-

sungsvollzug – auch mit Blick auf die in der Beschwerde zitierten Berichte 

– nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Euro-

päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festge-

stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri 

Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse 

im Einzelfall vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-

reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Be-

schwerdeausführungen noch aus den Akten ergeben sich konkrete An-

haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaf-

fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach 

EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. So 

weist der Beschwerdeführer kein Profil auf, das auf die Gefahr hindeutet, 

zukünftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein. Es sind 

keine Anhaltspunkte ersichtlich, nach denen der Beschwerdeführer Mass-

nahmen zu befürchten hätte, die – wenn überhaupt – über einen sogenann-

ten background check (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- 

und Ausland) hinausgingen oder dass ihm persönlich im Falle einer Rück-

kehr eine Gefährdung drohen würde. 

7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.  

Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den 

LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-

der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch angesichts 

der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. Urteil des BVGer D-2205/2018 vom 

25. Januar 2019, E. 11.2.1). Mit Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 

2016 hat das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung 

(vgl. BVGE 2011/24) und die gegenwärtige Praxis des SEM bestätigt, wo-

nach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz grundsätzlich 

zumutbar ist, was gemäss Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (als 

Referenzurteil publiziert) auch für das Vanni-Gebiet gilt. 

Da SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit, 

dass weder die allgemeine Lage in Sri Lanka noch individuelle Faktoren 

 

Seite 27 

gegen die Zumutbarkeit sprächen. Der Beschwerdeführer stamme aus der 

Nordprovinz (B._______, Stadt H._______) und verfüge dort über ein trag-

fähiges Beziehungsnetz (Mutter, Schwestern), eine gesicherte Wohnsitua-

tion und (auch in Berücksichtigung der gesundheitlichen Situation [Hämor-

rhoiden, Fussbeschwerden]) die Möglichkeit, einer Erwerbstätigkeit nach-

zugehen. Im Weiteren sei hinsichtlich des geäusserten Wunsches des Be-

schwerdeführers, sich in psychiatrische Behandlung zu begeben, auf die 

vorhandenen psychotherapeutischen Strukturen im Norden Sri Lankas, 

insbesondere in der Stadt H._______, zu verweisen. Diese Ansicht erweist 

sich als zutreffend. In der Beschwerde werden keine Argumente vorge-

bracht, welche nicht schon Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens 

gewesen wären. 

7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen, 

weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-

digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-

staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 12). 

Der Vollzug ist möglich.  

7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-

bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung der vorläufigen Auf-

nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Zur Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wird 

in der Rechtsmitteleingabe die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung inklusive Rechtsverbeiständung beantragt. 

Vorliegend haben sich die Beschwerdebegehren nicht als aussichtslos er-

wiesen. Aufgrund der eingereichten Fürsorgebestätigung des K._______ 

vom 4. November 2021 (vgl. Beilage 9 zur Beschwerdeeingabe) ist von der 

prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen, weshalb 

 

Seite 28 

die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt sind. 

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist gutzu-

heissen. Auf die der Auferlegung der Verfahrenskosten ist deshalb zu ver-

zichten. Das Gesuch, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-

zichten, ist mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos geworden. 

9.2 Damit ist gestützt auf Art. 102m AsylG auch das Gesuch um unentgelt-

liche Rechtsverbeiständung gutzuheissen. 

Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch wurde vom Gericht bisher noch 

nicht instruktionsweise behandelt; es ist mit dem vorliegenden Urteil gutzu-

heissen. Die Rechtsvertreterin, MLaw Lara Märki, Rechtsanwältin, Rechts-

beratungsstelle für Asylsuchende Aargau, 5001 Aarau, ist als amtliche 

Rechtsbeiständin einzusetzen, nachdem sie die entsprechenden persönli-

chen Voraussetzungen gemäss Art. 102m AsylG erfüllt. 

Der von der Rechtsvertreterin geleistete Vertretungsaufwand ist mithin un-

ter dem Titel des amtlichen Honorars zu entschädigen. Mit der Beschwer-

deeingabe wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb der Vertretungs-

aufwand vom Gericht zu schätzen ist. Gestützt auf die in Betracht zu zie-

henden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist das amtliche Honorar 

zulasten der Gerichtskasse auf insgesamt Fr. 1‘200.- (inkl. Mehrwertsteuer 

und Auslagen) festzusetzen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

 

Seite 29 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 

3.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung 

wird gutgeheissen. 

4.  

MLaw Lara Märki, Rechtsanwältin, Rechtsberatungsstelle für Asylsu-

chende Aargau, 5001 Aarau, wird dem Beschwerdeführer als amtliche 

Rechtsbeiständin beigeordnet. 

5.  

Der Rechtsvertreterin wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Honorar für die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung von Fr. 1'200.- ausgerichtet. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde.  

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

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