# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a32c0f9-252a-5f42-acba-12855969be39
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-20
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 20.06.2018 SB170432
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB170432_2018-06-20.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB170432-O/U/mc-cw 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, lic. iur. Stiefel und Ober-

richterin lic. iur. Wasser-Keller sowie die Gerichtsschreiberin MLaw 

Höchli 

 

Urteil vom 20. Juni 2018 

 

in Sachen 

 

1. A._____,  
2. B._____,  
Beschuldigte und Berufungskläger 

 

1 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

2 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis,  
vertreten durch Leitende Staatsanwältin lic. iur. Wiederkehr,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend mehrfachen Diebstahl etc. (Rückweisung des Schweizerischen 
Bundesgerichts) 

Berufung gegen die Urteile des Bezirksgerichts Dietikon vom 28. Januar 
2016 (DG140037 und DG140038); Urteile des Obergerichts des Kantons Zü-
rich, II. Strafkammer, vom 6. Dezember 2016 (SB160334 und SB160335); Ur-
teil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 25. Oktober 2017 
(6B_191/2017, 6B_191/2017) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschriften der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis je vom 25. Septem-

ber 2014 sind diesem Urteil beigeheftet (Urk 25; Urk. 76/24). 

Urteil der Vorinstanz vom 28. Januar 2016 
(Beschuldigter 1, A._____): 

(Urk. 47) 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

- des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, 

- der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses im 

Sinne von Art. 321ter Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 

Fr. 50.00, wovon 36 Tagessätze als durch Anrechnung von 36 Tagen Poli-

zeiverhaft und Untersuchungshaft geleistet gelten. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 17. April 

2013 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 838.85 (eingebucht bei der Be-

zirksgerichtskasse Dietikon) wird eingezogen und zur teilweisen Deckung 

der Verfahrenskosten verwendet. 

5. Die Privatklägerin C._____ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

6. Die Privatklägerin D._____ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

-   3   - 

Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 350.–   Auslagen Vorverfahren; 

Fr. 450.–   Kosten Kantonspolizei; 

Fr. 1'600.–   Gebühr Strafuntersuchung. 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

8. Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher 

Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 19'207.00 (inkl. 

Barauslagen und 8 % MwSt.) entschädigt. 

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten 

auferlegt. 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO. 

Urteil der Vorinstanz vom 28. Januar 2016 
(Beschuldigter 2, B._____): 

(Urk. 76/47) 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

- der Anstiftung zum mehrfachen Diebstahl im Sinne von Art. 24 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 1 StGB, 

- der Anstiftung zur mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldege-

heimnisses im Sinne von Art. 24 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 321ter Abs. 1 StGB, 

- der mehrfachen Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 

Fr. 50.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

-   4   - 

Zürich-Sihl vom 6. November 2012, wovon 36 Tagessätze als durch An-

rechnung von 36 Tagen Polizeiverhaft und Untersuchungshaft geleistet gel-

ten. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Zürich-Sihl vom 6. November 2012 ausgefällten Geldstrafe von 20 Tages-

sätzen zu Fr. 70.00 (Geschäfts-Nr. E-4/2012/4092) wird widerrufen; die Stra-

fe wird vollzogen. 

5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 19. Juni 

2014 beschlagnahmte Buchgeld in Höhe von Fr. 8'764.00 (eingebucht bei 

der Bezirksgerichtskasse Dietikon) wird eingezogen und zur Deckung der 

Verfahrenskosten (ausgenommen die Kosten der amtlichen Verteidigung) 

und der mit heutigem Urteil widerrufenen Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 

Fr. 70.00 gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 

6. November 2012 verwendet. Ein allfälliger Restbetrag wird nach Eintritt der 

Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen an den Beschuldigten überwie-

sen. 

6. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 17. April 

2013 und 19. Juni 2014 beschlagnahmte Barschaft (lagernd bei der Bezirks-

gerichtskasse Dietikon) bestehend aus: 

- EUR 3'815.00; 

- Fr. 10'780.00; 

- USD 325.00; 

- 50er Note, Währung unbekannt; 

wird nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils dem Beschuldigten auf erstes 

Verlangen herausgegeben. 

7. Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis 

vom 19. Juni 2014 beschlagnahmten Gegenstände (lagernd bei der Be-

-   5   - 

zirksgerichtskasse Dietikon bzw. bei den Akten) werden dem Beschuldigten 

nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgege-

ben: 

- div. Quittungen in Minigrip-Säcklein; 

- div. Zettel in Minigrip-Säcklein; 

- div. Losquittungen "D._____" in Minigrip-Säcklein; 

- A-4 Zettel "E._____"; 

- Zettel Statistik D._____ vom 7. April 2013 bis 11. April 2013; 

- Rechnung D._____ Nr. …; 

- blauer Ordner D._____. 

8. Die Privatklägerin C._____ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

9. Die Privatklägerin D._____ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 350.00   Auslagen Vorverfahren; 

Fr. 1'598.20   Entschädigung vormalige amtliche Verteidigung; 

Fr. 450.00   Kosten Kantonspolizei; 

Fr. 1'600.00   Gebühr Strafuntersuchung. 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

11. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher 

Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 19'436.60 (inkl. 

Barauslagen und 8 % MwSt.) entschädigt. 

12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten 

auferlegt. 

-   6   - 

13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO. 

Berufungsanträge im ersten Berufungsverfahren 
(Beschuldigter 1, A._____): 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten 1: 

(Urk. 48 S. 3 f.) 

1. Die Dispositiv-Ziff. 1 bis und mit 6. sowie 9. des im Verfahren mit der 

Geschäfts-Nr. DG140038-M/U vor Bezirksgericht Dietikon ergangenen 

Urteils vom 28.01.2016 (angefochtenes Urteil) seien aufzuheben. 

2. Der Beschuldigte sei von den Vorwürfen des mehrfachen Diebstahls 

i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Verletzung des 

Post- und Fernmeldegeheimnis i.S.v. Art. 321ter Abs. 1 StGB von 

Schuld und Strafe freizusprechen. 

3. Die mit Verfügung der Anklägerin vom 17.04.2013 verfügte und mit an-

gefochtenem Urteil (Ziff. VIII.) bestätigte Beschlagnahme einer Bar-

schaft in der Höhe von CHF 838.85 sei aufzuheben und dem Beschul-

digten auszuhändigen. 

4. Es seien die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens sowie des vorlie-

genden Berufungsverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen und es 

sei der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten für dessen Bemü-

hungen und Auslagen im Zusammenhang mit dem vorliegenden Beru-

fungsverfahren eine angemessene Entschädigung zzgl. MwSt. zulas-

ten derselben zuzusprechen. 

b) Der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis:  

(Urk. 52, schriftlich) 

 
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

-   7   - 

 Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Hauptverhandlung. 

Berufungsanträge im ersten Berufungsverfahren 
(Beschuldigter 2, B._____): 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten 2: 

(Urk. 76/59 S. 1) 

1. Es sei der Beschuldigte von den Vorwürfen 

 - der Anstiftung zum mehrfachen Diebstahl im Sinne von Art. 24 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziffer 1 StGB, 

 - der Anstiftung zur mehrfachen Verletzung des Post- und Fern-

meldegeheimnisses im Sinne von Art. 24 Abs. 1 in Verbindung 

mit Art. 312ter Abs. 1 StGB 

 - sowie der mehrfachen Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB 

 von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen. 

2. Es sei der Beschuldigte für die erlittene Unbill (Haft) sowie für die wirtschaft-

liche Einbusse angemessen zu entschädigen. 

3. Es seien dem Beschuldigten sämtliche beschlagnahmten Vermögenswerte 

herauszugeben. 

4. Es seien die Zivilforderungen vollumfänglich abzuweisen. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates. 

b) der Staatsanwaltschaft:  

(Urk. 76/51, schriftlich) 

 
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

 Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Hauptverhandlung 

-   8   - 

Beschluss und Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 
6. Dezember 2016 (Beschuldigter 1, A._____): 

(Urk. 60) 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 

28. Januar 2016 bezüglich der Dispositivziffern 7 (Kostenfestsetzung) und 

8 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung) in Rechtskraft erwachsen ist. 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie 

− der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses im 

Sinne von Art. 321ter Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 

Fr. 50.–, wovon 36 Tagesätze als durch Untersuchungshaft geleistet gelten. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 17. April 

2013 beschlagnahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 838.85 wird nach Ein-

tritt der Vollstreckbarkeit dieses Urteils zur Deckung der Verfahrenskosten 

verwendet. 

5. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin C._____ AG wird auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

-   9   - 

6. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin D._____ wird auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

7. Die Kosten des Vorverfahrens sowie des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-

rens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, werden dem 

Beschuldigten zu einem Viertel auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse 

genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichts-

kasse genommen. Die Rückzahlungspflicht im Umfang von einem Viertel 

bleibt vorbehalten. 

8. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 6'000.00   amtliche Verteidigung 

 

9. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die 

Rückzahlungspflicht bleibt vorbehalten. 

Beschluss und Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 
6. Dezember 2016 (Beschuldigter 2, B._____): 

(Urk. 76/63) 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 28. 

Januar 2016 bezüglich der Dispositivziffern 6 und 7 (Herausgabe Barschaft 

und Gegenstände) sowie 11 (Entschädigung amtliche Verteidigung) in 

Rechtskraft erwachsen ist. 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

-   10   - 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist schuldig 

- der Anstiftung zu mehrfachem Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB 

- der Anstiftung zu mehrfacher Verletzung des Post- und Fernmeldege-

heimnisses im Sinne von Art. 321ter Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 24 Abs. 1 StGB sowie 

- der mehrfachen Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 

Fr. 40.–, wovon 36 Tagessätze als durch Untersuchungshaft geleistet gel-

ten, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zü-

rich–Sihl vom 6. November 2012. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich–Sihl vom 6. November 

2012 ausgefällte bedingt aufgeschobene Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 

Fr. 70.– wird vollzogen. 

5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 19. Juni 

2014 beschlagnahmten Vermögenswerte in der Höhe von Fr. 8'764.– wer-

den nach Eintritt der Vollstreckbarkeit dieses Urteils zur Deckung der Ver-

fahrenskosten sowie der widerrufenen Geldstrafe verwendet. Ein allfälliger 

Überschuss wird dem Beschuldigten auf erstes Verlangen herausgegeben. 

6. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin C._____ AG wird auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

7. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin D._____ wird auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

-   11   - 

8. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Ziff. 10) wird bestätigt. 

9. Die Kosten des Vorverfahrens sowie des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-

rens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, werden dem 

Beschuldigten zu einem Viertel auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse 

genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichts-

kasse genommen. Die Rückzahlungspflicht im Umfang von einem Viertel 

bleibt vorbehalten. 

10. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'350.00   amtliche Verteidigung 

11. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-

chen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die 

Rückzahlungspflicht bleibt vorbehalten. 

Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2017 
(Urk. 71) 

1. Die Verfahren 6B_178/2017 und 6B_191/2017 werden vereinigt. 

2. Die Beschwerde des Beschwerdeführers 1, 6B_191/2017, wird teilweise 

gutgeheissen. Das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 

6. Dezember 2016 (Geschäfts-Nr. SB160344) wird aufgehoben und die Sa-

che zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Im Übrigen 

wird die Beschwerde abgewiesen. 

3. Die Beschwerde des Beschwerdeführers 2, 6B_178/2017, wird teilweise 

gutgeheissen. Das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 

6. Dezember 2016 (Geschäfts-Nr. SB160335) wird aufgehoben und die Sa-

che zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Im Übrigen 

wird auf die Beschwerde nicht eingetreten. 

-   12   - 

4. Das Gesuch des Beschwerdeführers 1 um unentgeltliche Rechtspflege und 

Verbeiständung wird abgewiesen, soweit es nicht gegenstandslos geworden 

ist. 

5. Das Gesuch des Beschwerdeführers 2 um unentgeltliche Rechtspflege und 

Verbeiständung wird abgewiesen, soweit es nicht gegenstandslos geworden 

ist. 

6. Die Gerichtskosten werden im Umfang von Fr. 600.– dem Beschwerdefüh-

rer 1 und im Umfang von Fr. 600.– dem Beschwerdeführer 2 auferlegt. 

7. Der Kanton Zürich hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 1, 

Rechtsanwalt X._____, eine Entschädigung von Fr. 1'500.– zu bezahlen. 

8. Der Kanton Zürich hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 2, 

Rechtsanwalt Y._____, eine Entschädigung von Fr. 1'500.– zu bezahlen. 

Berufungsanträge im zweiten Berufungsverfahren: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten 1: 

(Urk. 86 S. 3, schriftlich) 

1. Die Dispositiv-Ziff. 1 bis und mit 6. sowie 9. des erstinstanzlichen Ur-

teils seien aufzuheben. 

2. Der Beschuldigte 1 sei von den Vorwürfen des mehrfachen Diebstahls 

i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Verletzung des 

Post- und Fernmeldegeheimnis i.S.v. Art. 321ter Abs. 1 StGB von 

Schuld und Strafe freizusprechen. 

3. Die mit Verfügung der Anklägerin vom 17.04.2013 verfügte und mit an-

gefochtenem Urteil (Dispositiv-Ziff. VIII) bestätigte Beschlagnahme ei-

ner Barschaft in der Höhe von Fr. 838.85 sei aufzuheben und dem Be-

schuldigten 1 auszuhändigen. 

-   13   - 

4. Es seien die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens sowie des 1. und 

2. Berufungsverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen und es sei der 

Verteidigung des Beschuldigten 1 für dessen Bemühungen und Ausla-

gen im Zusammenhang mit dem 2. Berufungsverfahren eine angemes-

sene Entschädigung zzgl. MwSt. zulasten derselben zuzusprechen. 

 

b) Der Verteidigung des Beschuldigten 2:  

(Urk. 83 S. 1, schriftlich) 

1. Es sei der Beschuldigte 2 von Schuld und Strafe vollumfänglich freizu-

sprechen. 

2. Es sei der Beschuldigte 2 für die erlittene Unbill (Haft) sowie für die 

wirtschaftliche Einbusse angemessen zu entschädigen. 

3. Es seien dem Beschuldigten 2 sämtliche noch beschlagnahmten Ver-

mögenswerte herauszugeben. 

4. Es seien die Zivilforderungen vollumfänglich abzuweisen. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates. 

-   14   - 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

 1. Verfahrensgang betreffend den Beschuldigten 1 

 1.1 Der Beschuldigte 1 wurde mit Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 

28. Januar 2016 des mehrfachen Diebstahls sowie der mehrfachen Verletzung 

des Post- und Fernmeldegeheimnisses schuldig gesprochen und mit einer be-

dingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 50.– bestraft. Ferner wurde ent-

schieden, dass die beschlagnahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 838.85 zur 

teilweisen Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden sei, und die Privatkläge-

rinnen C._____ AG (nachfolgend Privatklägerin 1) und D._____ (nachfolgend Pri-

vatklägerin 2) wurden mit ihren jeweiligen Schadenersatzbegehren auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. Schliesslich wurden die Kostenfolgen festgesetzt 

(Urk. 47 S. 51 ff.). 

 1.2 Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte 1 mit Eingabe der Verteidi-

gung vom 29. Januar 2016 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 39). Das begrün-

dete Urteil wurde der Verteidigung am 7. Juli 2016 zugestellt (Urk. 46/2). Mit Ein-

gabe vom 27. Juli 2016 (Aufgabe der Postsendung am selben Tag) reichte die 

Verteidigung fristwahrend die Berufungserklärung ein (Urk. 48). Mit Präsidialver-

fügung vom 8. August 2016 wurde den vorerwähnten Privatklägerinnen und der 

Staatsanwaltschaft eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt und Frist zur 

Anschlussberufung oder für einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 50). 

Während die Privatklägerinnen diese Frist verstreichen liessen, beantragte die 

Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 11. August 2016 die Bestätigung des vor-

instanzlichen Urteils (Urk. 52). Mit Eingabe vom 30. August 2016 liess der Be-

schuldigte 1 aufforderungsgemäss Unterlagen zu seinen wirtschaftlichen Verhält-

nissen einreichen (Urk. 53/1-6). Am 15. September 2016 wurde zur Berufungs-

verhandlung auf den 6. Dezember 2016 vorgeladen (Urk. 54). 

-   15   - 

 1.3 Nach Durchführung der mündlichen Berufungsverhandlung am 6. De-

zember 2016 erging gleichentags das erste Berufungsurteil (Urk. 59 S. 3 ff.; 

Urk. 60). Mit Entscheid vom 6. Dezember 2016 stellte die erkennende Kammer 

vorab (mittels Beschluss) fest, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 

28. Januar 2016 hinsichtlich der Kostenfestsetzung sowie der Entschädigung der 

amtlichen Verteidigung in Rechtskraft erwachsen sei. Im Erkenntnis verurteilte 

sie den Beschuldigten 1 in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils wegen 

mehrfachen Diebstahls sowie mehrfacher Verletzung des Post- und Fernmelde-

geheimnisses zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 50.–. 

Bezüglich der beschlagnahmten Barschaft wurde ebenfalls bestätigt, dass diese 

zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden sei. Vom erstin-

stanzlichen Urteil abweichend wurden dem Beschuldigten 1 die Kosten des Vor-

verfahrens sowie des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme derje-

nigen der amtlichen Verteidigung, nicht mehr vollumfänglich, sondern nur zu ei-

nem Viertel auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen. Hinsicht-

lich der Kosten des ersten Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der 

amtlichen Verteidigung, erfolgte hingegen eine vollumfängliche Kostenauflage zu 

seinen Lasten (Urk. 60 S. 17 f.). 

 1.4 Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte 1 mit Eingabe vom 6. Febru-

ar 2017 Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht erheben (Urk. 65; 

Urk. 66/2).  

 2. Verfahrensgang betreffend den Beschuldigten 2 

 2.1 Mit Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 28. Januar 2016 wurde der 

Beschuldigte 2 der Anstiftung zu mehrfachem Diebstahl, der Anstiftung zu mehr-

facher Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses sowie der mehrfachen 

Hehlerei schuldig gesprochen und – teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft Zürich–Sihl vom 6. November 2012 – mit einer bedingten 

Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 50.– bestraft. Weiter widerrief die erste In-

stanz den bedingten Aufschub des Vollzugs der mit Strafbefehl der Staatsanwalt-

schaft Zürich–Sihl vom 6. November 2012 ausgefällten Geldstrafe von 20 Ta-

gessätzen zu Fr. 70.–. Ferner wurde hinsichtlich des beschlagnahmten Buchgel-

-   16   - 

des in der Höhe von Fr. 8'764.– entschieden, dass dieses zur Deckung der Ver-

fahrenskosten und der für vollziehbar erklärten Geldstrafe aus der Vorstrafe zu 

verwenden und ein allfälliger Restbetrag nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils 

auf erstes Verlangen an den Beschuldigten 2 zu überweisen sei. Weitere im Vor-

verfahren beschlagnahmte Gelder und Gegenstände wurden auf den Zeitpunkt 

des Eintritts der Rechtskraft des Urteils zugunsten des Beschuldigten 2 freigege-

ben. Die Privatklägerinnen 1 und 2 wurden mit ihren jeweiligen Schadenersatzbe-

gehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Letztlich wurde über die Kos-

tenfolgen entschieden (Urk. 76/47 S. 58 ff.). 

 2.2 Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte 2 mit Eingabe der Verteidi-

gung vom 8. Februar 2016 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 76/40). Das be-

gründete Urteil wurde der Verteidigung am 7. Juli 2016 zugestellt. Mit Eingabe 

vom 27. Juli 2016 (Aufgabe der Postsendung am selben Tag) reichte die Verteidi-

gung fristwahrend die Berufungserklärung ein (Urk. 76/46/3; Urk. 76/48 mit Anh.). 

Mit Präsidialverfügung vom 8. August 2016 wurde den vorerwähnten Privatkläge-

rinnen und der Staatsanwaltschaft eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt 

und Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt 

(Urk. 76/49). Die Staatsanwaltschaft hat mit Eingabe vom 11. August 2016 die 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt (Urk. 76/51). Mit Eingabe vom 

30. August 2016 liess der Beschuldigte 2 aufforderungsgemäss Unterlagen zu 

seinen wirtschaftlichen Verhältnissen einreichen (Urk. 76/52/1–7). Am 15. Sep-

tember 2016 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 6. Dezember 2016 vorge-

laden (Urk. 76/53). 

 2.3 Nach Durchführung der mündlichen Berufungsverhandlung am 

6. Dezember 2016 erging gleichentags das erste Berufungsurteil (Urk. 62 S. 3 ff.; 

Urk. 63). Mit Entscheid vom 6. Dezember 2016 stellte die erkennende Kammer 

vorab (mittels Beschluss) fest, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 

28. Januar 2016 hinsichtlich der Herausgabe der beschlagnahmten Barschaften 

und Gegenstände sowie der Entschädigung der amtlichen Verteidigung in 

Rechtskraft erwachsen sei. Im Erkenntnis verurteilte sie den Beschuldigten 2 in 

Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils wegen Anstiftung zu mehrfachem Dieb-

-   17   - 

stahl, Anstiftung zu mehrfacher Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnis-

ses sowie mehrfacher Hehlerei zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessät-

zen zu Fr. 40.–, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwalt-

schaft Zürich-Sihl vom 6. November 2012. Weiter wurde der Vollzug der mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. November 2012 bedingt 

ausgefällten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 70.– angeordnet. Bezüglich 

der beschlagnahmten Vermögenswerte in der Höhe von Fr. 8'764.– wurde eben-

falls bestätigt, dass diese zur Deckung der Verfahrenskosten sowie der widerru-

fenen Geldstrafe zu verwenden seien, wobei ein allfälliger Überschuss dem Be-

schuldigten 2 nach Eintritt der Vollstreckbarkeit des Urteils auf erstes Verlangen 

herauszugeben sei. Die Zivilforderungen der Privatklägerinnen 1 und 2 wurden 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen, und die erstinstanzliche Kostenfest-

setzung wurde bestätigt. In Abweichung des erstinstanzlichen Urteils wurden die 

Kosten des Vorverfahrens sowie des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, mit 

Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten 2 nicht 

mehr vollumfänglich, sondern nur zu einem Viertel auferlegt und im Übrigen auf 

die Staatskasse genommen. Hinsichtlich der Kosten des ersten Berufungsverfah-

rens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, erfolgte hingegen ei-

ne vollumfängliche Kostenauflage zu seinen Lasten (Urk. 76/63 S. 30 ff.). 

 2.4 Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte 2 mit Eingabe vom 

1. Februar 2017 Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht erheben 

(Urk. 76/69; Urk. 76/70/2). 

 3. Zweites Berufungsverfahren 

 3.1 Das Bundesgericht vereinigte die beiden Beschwerdeverfahren und 

hiess sowohl die Beschwerde des Beschuldigten 1 als auch diejenige des Be-

schuldigten 2 mit Urteil vom 25. Oktober 2017 teilweise gut. Während die Be-

schwerde des Beschuldigten 1 im Übrigen abgewiesen wurde, wurde auf diejeni-

ge des Beschuldigten 2 im Übrigen nicht eingetreten. Mit demselben Urteil wur-

den weiter sowohl das Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 

6. Dezember 2016 betreffend den Beschuldigten 1 (Geschäfts-Nr. SB160334) als 

auch dasjenige betreffend den Beschuldigten 2 (Geschäfts-Nr. SB160335) auf-

-   18   - 

gehoben, und die jeweilige Sache wurde zur neuen Entscheidung an das Ober-

gericht des Kantons Zürich zurückgewiesen (Urk. 71 S. 12). 

 3.2 Mit Beschluss vom 17. November 2017 wurde das gegen den Beschul-

digten 2 geführte zweite Berufungsverfahren (Geschäfts-Nr. SB170433) mit dem 

gegen den Beschuldigten 1 geführten zweiten Berufungsverfahren (Geschäfts-Nr. 

SB170432) vereinigt und unter der letztgenannten Geschäfts-Nr. weitergeführt. 

Der Prozess mit der Geschäftsnummer SB170433 wurde als erledigt abgeschrie-

ben. Mit demselben Beschluss wurde sodann das schriftliche Verfahren angeord-

net und den Beschuldigten 1 und 2 Frist angesetzt, die Berufungsanträge zu stel-

len und zu begründen (Urk. 74). Nach zweimal erstreckter Frist liess der Beschul-

digte 2 rechtzeitig mit Eingabe vom 22. Januar 2018 seine Berufungsanträge, de-

ren Begründung, Beilagen sowie eine Honorarnote einreichen (Urk. 77; Urk. 80; 

Urk. 82; Urk. 83; Urk. 84/1-11; Urk 85). Ebenfalls nach zweimal erstreckter Frist 

liess der Beschuldigte 1 am 23. Januar 2018 seine Berufungsanträge, deren Be-

gründung, Beilagen sowie eine Honorarnote einreichen (Urk. 79; Urk. 81; Urk. 86; 

Urk. 87/1-6; Urk. 88). Die Berufungsbegründungen sowie die Beilagen dazu wur-

den der Staatsanwaltschaft sowie der Vorinstanz mit Präsidialverfügung vom 

24. Januar 2018 zugestellt. Gleichzeitig wurde der Staatsanwaltschaft Frist zur 

Stellungnahme sowie der Vorinstanz Frist zur freigestellten Vernehmlassung an-

gesetzt (Urk. 89). Sowohl die Vorinstanz als auch die Staatsanwaltschaft verzich-

teten darauf, sich dazu vernehmen zu lassen (Urk. 91; Urk. 92). Der Fall erweist 

sich somit als spruchreif. 

II. Prozessuales 

 1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-

kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. 

 1.1 Nachdem das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 28. Januar 2016 

betreffend den Beschuldigten 1 (DG140038) bezüglich der Urteilsdispositivzif-

fern 7 (Kostenfestsetzung) und 8 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung) un-

-   19   - 

angefochten blieb (Urk. 48 S. 3 f.; Urk. 86 S. 3), ist mittels Beschluss festzustel-

len, dass das Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist. 

 1.2 Was das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 28. Januar 2016 betref-

fend den Beschuldigten 2 (DG140037) angeht, ist vorab mittels Beschluss festzu-

stellen, dass dieses bezüglich der Dispositivziffern 6 - 7 (Herausgabe Barschaft 

und Gegenstände) und 11 (Entschädigung amtliche Verteidigung) in Rechtskraft 

erwachsen ist, da es in diesem Umfang unangefochten blieb (Urk. 76/59 S. 1; 

Urk. 83 S. 1). 

 1.3 Ferner ist mittels Beschluss festzustellen, dass die Urteile des Bezirks-

gerichts Dietikon betreffend die Beschuldigten 1 und 2 (DG140037 und 

DG140038) auch in Bezug auf die impliziten Teilfreisprüche der beiden Beschul-

digten hinsichtlich der Vorwürfe bezüglich sämtlicher Paketlieferungen, ausge-

nommen diejenigen vom 19. April 2012, vom 8. Mai 2012 sowie vom 12. April 

2013, in Rechtskraft erwachsen sind. 

 1.4 Im Berufungsverfahren bleibt aufgrund der Berufungen der beiden Be-

schuldigten somit zu prüfen, ob sich der Beschuldigte 1 des mehrfachen Dieb-

stahls sowie der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses 

und der Beschuldigte 2 der Anstiftung zu mehrfachem Diebstahl, der Anstiftung zu 

mehrfacher Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses sowie der mehrfa-

chen Hehlerei schuldig gemacht haben. Ferner sind allenfalls die Strafen zu be-

messen, und es ist über die Frage des Widerrufs des bedingten Vollzugs der mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. November 2012 für den Be-

schuldigten 2 ausgefällten Geldstrafe, die Zivilforderungen der Privatklägerinnen, 

die Verwendung der beschlagnahmten Vermögenswerte, allfällige Entschädigun-

gen der Beschuldigten sowie die Kostenfolgen zu entscheiden. 

 2. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angele-

genheit zur neuen Beurteilung an das Berufungsgericht zurück, darf sich dieses 

von Bundesrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundes-

gericht kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in das 

neue Urteil zu übernehmen. Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit seinem 

-   20   - 

Rückweisungsentscheid formell in der Regel das ganze angefochtene Urteil auf-

hebt. Entscheidend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des 

bundesgerichtlichen Entscheids (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1; Urteil des Bundesge-

richts 6B_765/2015 vom 3. Februar 2016 E. 4; je mit Hinweisen). Die neue Ent-

scheidung der kantonalen Instanz ist somit auf diejenige Thematik beschränkt, die 

sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beur-

teilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies not-

wendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu 

tragen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1366/2016 vom 6. Juni 2017 E. 3.2.1). 

 2.1 Im ersten Berufungsverfahren stellten sich beide Beschuldigten wie be-

reits vor erster Instanz auf den Standpunkt, dass die Einvernahmen des Beschul-

digten 1 vom 12. April 2013 und vom 13. April 2013 für das vorliegende Verfahren 

unbeachtlich seien, da diese ohne die Anwesenheit einer Verteidigung stattgefun-

den hätten, obwohl ab der ersten Einvernahme ein Fall notwendiger Verteidigung 

vorgelegen habe (Urk. 35 S. 5 ff.; Urk. 57 S. 3; Urk. 76/59 S. 2 f., S. 7 f.). Wäh-

rend die erkennende Kammer im ersten Berufungsverfahren zum Schluss gelang-

te, dass die Voraussetzungen von Art. 131 Abs. 2 StPO eingehalten worden seien 

und die Beweisverwertungseinschränkung im Sinne von Art. 131 Abs. 3 StPO 

keine Anwendung finde (Urk. 60 S. 8; Urk. 76/63 S. 9), kam das Bundesgericht im 

Urteil vom 25. Oktober 2017 zum gegenteiligen Ergebnis. So erwog dieses, dass 

die Untersuchung spätestens nach der vorläufigen polizeilichen Festnahme und 

vor der polizeilichen Einvernahme vom 12. April 2013 zu eröffnen gewesen wäre. 

Ausserdem wäre gemäss den Erwägungen des Bundesgerichts bereits zum da-

maligen Zeitpunkt erkennbar gewesen, dass bezüglich den Beschuldigten 1 und 2 

die Voraussetzungen einer notwendigen Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. b 

StPO gegeben waren. Da die Untersuchung verspätet eröffnet und die erkennba-

re notwendige Verteidigung zu spät sichergestellt worden seien, würden die nach 

dem für die Untersuchungseröffnung relevanten Zeitpunkt erhobenen Beweise 

der Beweisverwertungseinschränkung von Art. 131 Abs. 3 StPO unterliegen 

(Urk. 71 S. 7 f. E. 2.6). 

-   21   - 

 2.2 Das Bundesgericht hat vor dem Hintergrund dieser Erwägungen rechts-

verbindlich entschieden (Urk. 71 S. 8 E. 2.7), dass die vor der Bestellung der Ver-

teidigung vom 15. resp. 16. April 2013 (Art. 130 StPO; Urk. 19/1; Urk. 19/3) erfolg-

ten Beweiserhebungen vom 12. und 13. April 2013 nicht verwertbar sind, zumal 

der Beschuldigte 1 auf ihre Wiederholung nicht verzichtet habe. Dies betrifft die 

polizeiliche Befragung des Beschuldigten 1 vom 12. April 2013 sowie dessen 

staatsanwaltschaftliche Befragung vom 13. April 2013. Entsprechendes gelte für 

die an denselben Daten durchgeführten Einvernahmen des Beschuldigten 2. Wei-

ter wies das Bundesgericht darauf hin, dass die erkennende Kammer die Be-

weiswürdigung aus diesem Grund ohne Berücksichtigung der entsprechenden 

Aussagen neu vorzunehmen habe (Urk. 71 S. 8 E. 2.8). Demgegenüber wurde 

durch das Bundesgericht ausdrücklich festgehalten, dass die vor der vorläufigen 

polizeilichen Festnahme erhobenen Beweise, mithin insbesondere die polizeiliche 

Observation vom 12. April 2013 und die "chemische Täterfalle" (von der Polizei 

präpariertes Postpaket; Urk. 2/1) vom Beweisverwertungsverbot nicht betroffen 

seien (Urk. 71 S. 8 E. 2.7). 

 2.3 Die Beweiswürdigung ist daher ohne Berücksichtigung der nicht ver-

wertbaren Aussagen der Beschuldigten 1 und 2 vom 12. und 13. April 2013 vor-

zunehmen (Urk. 71 S. 8 E. 2.8). 

III. Sachverhalt 

 1. Dem Beschuldigten 1 wird durch die Anklagebehörde zusammengefasst 

vorgeworfen, im Zeitraum zwischen dem 9. März 2010 und dem 10. April 2013 

insgesamt 46 Postsendungen des Absenders D._____ mit einem Gesamtwert von 

Fr. 90'500.– dem Beschuldigten 2 überbracht zu haben, obwohl diese Sendungen 

jeweils nicht an diesen adressiert gewesen seien. Weiter wird dem Beschuldig-

ten 1 zur Last gelegt, am 12. April 2013 ein zusätzliches Paket des Absenders 

D._____ mit einem Gesamtwert von Fr. 480.– entgegen seiner Plicht als Ange-

stellter der Privatklägerin 1 zur Auslieferung an den angegebenen Empfänger er-

neut an den Beschuldigten 2 statt an die Schweizerische Post, Poststelle … [Ort], 

-   22   - 

überbracht zu haben. Durch diese Zustellungen an den Beschuldigten 2 soll er 

diesem zudem ermöglicht haben, die nicht für diesen bestimmten Pakete zu öff-

nen und von deren Inhalt Kenntnis zu nehmen. Diese Taten soll der Beschuldigte 

1 zu seiner eigenen sowie zur finanziellen Besserstellung des Beschuldigten 2 

und im Wissen darum, dass er an das Postgeheimnis gebunden war, begangen 

haben (Urk. 25 S. 2 ff.). 

 Demgegenüber wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten 2 gemäss der 

anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung korrigierten Anklageschrift im 

Wesentlichen vor, den Beschuldigten 1 zu einem nicht genauer bestimmbaren 

Zeitpunkt im Winter oder Frühling 2010 dazu angestiftet zu haben, ihm die zuvor 

beschriebenen 46 Postsendungen zu überbringen, obwohl die Pakete, wie sie 

beide gewusst hätten, nicht an ihn bzw. an seinen Kiosk Shop F._____ adressiert 

gewesen seien. Dadurch sei den Privatklägerinnen 1 und 2 ein Gesamtschaden 

von Fr. 90'500.– entstanden. Ausserdem soll der Beschuldigte 2 am 12. April 

2013 das zusätzliche ebenfalls zuvor beschriebene Paket des Absenders 

D._____ mit einem Gesamtwert von Fr. 480.– ohne umgehende unterschriftliche 

Bestätigung des Empfangs vom Beschuldigten 1 entgegengenommen haben, 

welches dieser an die Schweizerische Post, Poststelle ... [Ort], hätte zustellen sol-

len. Durch diese pflichtwidrigen Paketzustellungen habe der Beschuldigte 1 dem 

Beschuldigten 2 ermöglicht, die nicht für ihn bestimmten Pakete zu öffnen und 

von deren Inhalt Kenntnis zu nehmen. Dabei sei dem Beschuldigten 2 stets be-

wusst gewesen, dass der Beschuldigte 1 nicht dazu berechtigt gewesen sei, die 

nicht für sie bestimmten Pakete zu behändigen und pflichtwidrig nicht an die an-

gegebenen Adressaten auszuliefern. Dennoch habe er den Beschuldigten 1 je-

weils in der Absicht, sich unrechtmässig wirtschaftlich besserzustellen, zu diesem 

Tun aufgefordert, die Pakete an sich genommen und dem Beschuldigten 1 gele-

gentlich Kaffee und Zigaretten als Gegenleistung gegeben (Urk. 76/24 S. 2 ff.; 

Prot. I S. 6). 

 1.1 Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass der Beschuldigte 1 am 12. April 

2013 sowie zu zwei Gelegenheiten im Jahre 2012, am 19. April 2012 und am 

8. Mai 2012, Pakete der Privatklägerin 2 als Absender im Gesamtwert von 

-   23   - 

Fr. 1'780.– entgegen seiner Verpflichtung an den Beschuldigten 2 bzw. an den 

Kiosk F._____ statt an die adressierten Empfänger überbracht habe (Urk. 47 

S. 40). In Bezug auf den Vorwurf, auch die übrigen in der Anklageschrift aufgelis-

teten Pakete an den Beschuldigten 2 statt an die adressierten Empfänger über-

bracht zu haben, wurde der Beschuldigte 1 durch die Vorinstanz implizit freige-

sprochen (Urk. 47 S. 40). In Anbetracht dessen, dass die Staatsanwaltschaft kei-

ne Anschlussberufung erhob, ist dieser implizite Teilfreispruch unangefochten. 

Gegenstand des Berufungsverfahrens bilden demnach noch die Vorwürfe im Zu-

sammenhang mit den Paketsendungen vom 19. April 2012, vom 8. Mai 2012 so-

wie vom 12. April 2013. 

 1.2 Auch betreffend den Beschuldigten 2 erachtete es die Vorinstanz als er-

stellt, dass er den Beschuldigten 1 gebeten habe, ihm Pakete der Privatklägerin 2 

zuzustellen, welche eigentlich für andere Empfänger bestimmt gewesen wären. 

Weiter kam sie zum Schluss, dass der Beschuldigte 2 in der Folge am 19. April 

2012, am 8. Mai 2012 sowie am 12. April 2013 jeweils ein Paket mit Losen vom 

Beschuldigten 1 entgegengenommen habe, obwohl ihm dabei bewusst gewesen 

sei, dass diese nicht an ihn adressiert waren und der Beschuldigte 1 nicht dazu 

berechtigt war, ihm diese Pakete zuzustellen. In Bezug auf den Vorwurf, auch die 

übrigen in der Anklageschrift aufgelisteten Pakete vom Beschuldigten 1 entge-

gengenommen zu haben, wurde der Beschuldigte 2 durch die Vorinstanz implizit 

freigesprochen (Urk. 76/47 S. 39 f.). 

 2. Hinsichtlich des erstinstanzlichen Schuldspruchs bezüglich der Entwen-

dung von insgesamt drei Paketen, bringt die Verteidigung des Beschuldigten 1 

nun vor, die Vorinstanz habe bezüglich dieses Schuldspruchs ausschliesslich auf 

das Teilgeständnis des Beschuldigten 1 aus dessen ersten beiden Einvernahmen 

abgestellt. Da sich dieses nun als unverwertbar erwiesen habe, fehle es entspre-

chend der vorinstanzlichen Argumentation an jeglicher Basis für eine Verurteilung 

des Beschuldigten 1, weshalb ein Freispruch zu ergehen habe (Urk. 86 S. 4). 

 2.1 Diese Auffassung der Verteidigung des Beschuldigten 1 kann nicht ge-

teilt werden. Zwar ist nicht in Abrede zu stellen, dass der erstinstanzliche Schuld-

spruch in der Tat im Wesentlichen auf dem Teilgeständnis des Beschuldigten 1 

-   24   - 

gründete. Dennoch stützte die Vorinstanz ihre Begründung auch auf weitere Be-

weismittel wie beispielsweise die Aussagen des Zeugen G._____, die Auswertung 

der Verlustliste der Glückslossendungen und der Diensteinsatzpläne der Privat-

klägerin 1, die nach wie vor verwertbaren Aussagen der beiden Beschuldigten 

oder die Beobachtungen der Kantonspolizei Zürich, welche ihrer Verhaftung vo-

rausgingen (Urk. 47 S. 9 ff.). Da daher die unverwertbaren Aussagen des Be-

schuldigten 1 aus dessen ersten beiden Einvernahmen nicht das einzige Be-

weismittel darstellen, ist ein Schuldspruch entgegen dem Vorbringen seiner Ver-

teidigung nicht von vornherein ausgeschlossen (Urk. 86 S. 4). 

 2.2 Es sind somit die noch Streitgegenstand bildenden bestrittenen Ankla-

gevorwürfe hinsichtlich der beiden Vorfälle im Jahre 2012 (19. April 2012 und 

8. Mai 2012) sowie vom 12. April 2013 aufgrund der verbleibenden Untersu-

chungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein 

gültigen Beweisregeln zu prüfen. 

 3. Die gegen beide Beschuldigten geführten Strafverfahren gehen auf eine 

Strafanzeige der Privatklägerin 1 vom 25. Oktober 2012 zurück. Darin tat diese 

kund, dass die Distributionsbasis … [Ort] seit mindestens dem Jahre 2010 mit 

Verlusten von Paketpostsendungen zu kämpfen habe. Dabei seien die Verluste 

der durch die Privatklägerin 2 versandten Pakete, welche überwiegend Gewinnlo-

se zum Verkauf enthalten hätten, am auffälligsten. Es handle sich konkret um 42 

Sendungen der Privatklägerin 2, welche nie bei den Empfängern angekommen 

seien (ND Urk. 4/2 S. 3). Weiter geht aus jener Strafanzeige hervor, dass interne 

Nachforschungen bei der Privatklägerin 1 gezeigt hätten, dass der Beschuldigte 1 

an sämtlichen Daten, an welchen die entsprechenden Verluste verzeichnet wor-

den seien, anwesend gewesen sei (ND Urk. 4/2 S. 4). Gestützt auf diese Auswer-

tung der Arbeitseinsätze wurde der Beschuldigte 1 verdächtigt, mit diesen Paket-

verlusten in Zusammenhang zu stehen (Urk. 1 S. 4). Dieser Verdacht wurde so-

dann zum Anlass genommen, dessen Zustellroute am 12. April 2013 ein Paket 

mit Lotterielosen der Privatklägerin 2, welches an die Poststelle in … [Ort] adres-

siert war, zuzuteilen (Urk. 1 S. 7). In der Folge wurde durch die Kantonspolizei Zü-

rich beobachtet, wie der Beschuldigte 1 dieses Paket auf seiner Zustelltour dem 

-   25   - 

Beschuldigten 2 in dessen Kiosk am H._____ … [Strasse], I._____ [Ort] übergab 

und wie letzterer dieses hinter der Theke versteckte (Urk. 1 S. 4). Das Paket wur-

de nach der Zustellung jedoch weder gescannt noch wurde die Übergabe durch 

den Beschuldigten 2 mittels Unterschrift bestätigt (Urk. 1 S. 7). 

 4. Durch diese Beobachtung der Polizei wird der Verdacht, dass der Be-

schuldigte 1 etwas mit den verschwundenen Paketen mit Lotterielosen zu tun ha-

ben könnte, weiter verstärkt. Der Beschuldigte 1 bestreitet diesen Vorwurf jedoch 

generell (Urk. 6/6 S. 9; Urk. 6/12 S.10; Prot. I S. 7; Urk. 59 S. 11) und stellt insbe-

sondere auch in Abrede, das an die Poststelle … [Ort] adressierte Paket der Pri-

vatklägerin 2 am 12. April 2013 absichtlich dem Beschuldigten 2 zugestellt zu ha-

ben (Urk. 6/11 S. 12 f.; Urk. 59 S. 14). Zwar machte er dies konstant geltend. Sei-

ne Erklärungsversuche, weshalb es zu dieser Falschzustellung kommen konnte, 

weisen jedoch verschiedene Ungereimtheiten auf. 

 4.1 Die Paketzustellung vom 12. April 2013 schilderte der Beschuldigte 1 an-

lässlich der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 13. Mai 2013 so, dass er 

sich schon gedacht habe, dass das Lotteriepaket für den Beschuldigten 2 be-

stimmt gewesen sei, weshalb er es diesem dann übergeben habe. Zum Zeitpunkt 

der Übergabe habe dieser aber gerade Kundschaft gehabt und er habe ihn des-

wegen nicht stressen wollen. Er habe ihm gesagt, dass er später wieder kommen 

würde, um seine Unterschrift zu holen. Dann sei er weggegangen, um die ande-

ren Pakete, welche er zuvor auf den Wagen geladen habe, zu Fuss zu verteilen. 

Er selbst sei damals unter grossem Stress gestanden. Nach der Verteilung der 

anderen Pakete habe er sich dann wieder in Richtung Kiosk begeben. Kurz bevor 

er den Kiosk erreicht habe, sei er aber durch zwei Zivilpolizisten festgehalten 

worden (Urk. 6/6 S. 2, 8, 10). Dass er an jenem Tag gewusst habe, welche Pake-

te für den Kiosk des Beschuldigten 2 bestimmt gewesen seien, bestätigte er so-

dann im Verlaufe jener Einvernahme erneut (Urk. 6/6 S. 10). Sowohl im Rahmen 

der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten 2, welche am 23. April 

2014 und somit rund ein Jahr nach dem Vorfall stattfand, als auch vor Vorinstanz 

wiederholte der Beschuldigte 1 seine diesbezüglichen Angaben. Zusätzlich er-

wähnte er in jenen Einvernahmen, dass es damals kurz vor 12.00 Uhr mittags 

-   26   - 

gewesen sei, als er das fragliche Paket dem Beschuldigten 2 gebracht habe. Er 

sei in Eile und im Stress gewesen, da er andere Pakete noch an Empfänger habe 

zustellen müssen, die ab 12.00 Uhr nicht mehr erreichbar gewesen wären, und da 

der Beschuldigte 2 gerade mit Kundschaft beschäftigt gewesen sei, habe er die-

sem das Paket nur abgegeben. Die Unterschrift habe er sich von diesem dann 

später geben lassen wollen. Dies wäre gemäss seinen Angaben möglich gewe-

sen, da der Kiosk des Beschuldigten 2 auch über Mittag geöffnet gewesen wäre. 

Zunächst habe er aber seine ausstehenden Zustellungen ausführen wollen. Zur 

Einholung der Unterschrift sei es dann nur nicht gekommen, weil er schon zuvor 

durch die Polizei verhaftet worden sei (Urk. 6/11 S. 11; Prot. I S. 9). 

 4.2 Vor dem Hintergrund dieser Angaben des Beschuldigten 1 zum Ablauf 

der Paketübergabe vom 12. April 2013 drängt sich zunächst die Frage auf, ob er 

tatsächlich berechtigte Gründe für die Annahme hatte, das Paket der Privatkläge-

rin 2 sei für den Beschuldigten 2 bestimmt, oder ob es sich dabei lediglich um ei-

ne Schutzbehauptung handelt. Ausserdem stellt sich die Frage, weshalb der Be-

schuldigte 1, wenn er, wie er dies mehrmals betonte, unter grossem Zeitdruck 

stand (Urk. 6/6 S. 2; Urk. 6/11 S. 14; Prot. I S. 9), überhaupt schon zu Beginn sei-

ner Tour zum Beschuldigten 2 ging, und nicht erst nach der Zustellung der Pakete 

an jene Kunden, welche nach 12.00 Uhr nicht mehr erreichbar gewesen wären. 

Und schliesslich leuchtet auch nicht ohne Weiteres ein, weshalb der Beschuldig-

te 1 nicht sogleich bei der Übergabe des Pakets die Unterschrift des Beschuldig-

ten 2 einforderte, zumal dieser trotz der Kundschaft die Zeit fand, das Paket zu-

mindest entgegenzunehmen. 

 4.2.1 Die Gründe für seine Annahme, beim Beschuldigten 2 habe es sich um 

den rechtmässigen Empfänger des fraglichen Pakets gehandelt, legte der Be-

schuldigte 1 im Laufe des Verfahrens uneinheitlich dar. So erklärte er im Rahmen 

der Einvernahme vom 24. April 2014 auf konkrete Nachfrage, weshalb er dem 

Beschuldigten 2 ein Paket gebracht habe, welches gar nicht an diesen adressiert 

gewesen sei, dass ihm das gar nicht aufgefallen sei. Ausserdem fügte er an, dass 

dieselben Pakete immer zum Beschuldigten 2 bzw. zu dessen Kiosk gegangen 

seien (Urk. 6/11 S. 12). Weiter wurde er gefragt, ob er jeweils auf die Adresse 

-   27   - 

schaue, wenn er einem Kunden ein Paket überbringe. Dazu führte der Beschul-

digte 1 aus, dies normalerweise schon zu tun. Manchmal würden aber halt Fehler 

passieren. Es sei zum Beispiel vorgekommen, dass er ein J._____ Paket an die 

falsche Adresse geliefert habe, und es dann am nächsten Tag zu Reklamationen 

gekommen sei. Solche Sachen würden halt vorkommen, das sei menschlich 

(Urk. 6/11 S. 12). Vor Vorinstanz erklärte der Beschuldigte 1 demgegenüber auf 

die Frage, weshalb er dem Beschuldigten 2 damals ein Paket mit Losen überge-

ben habe, welches an die Poststelle … [Ort] adressiert gewesen sei, dass letzte-

rer damals gesagt habe, dass er eine Woche später ein Paket erwarten würde 

(Prot. I S. 9). Im Rahmen der Berufungsverhandlung gab er sodann an, dass er 

damals nicht gemerkt habe, dass das Paket nicht für den Beschuldigten 2 be-

stimmt gewesen sei. Er habe die Adresse gar nicht richtig angeschaut. Sie hätten 

sehr viel zu tun, und es gebe immer wieder falsche Pakete, die man einfach wie-

der zurückbringe. Das komme immer wieder vor und treffe nicht nur ihn, sondern 

viele Personen (Urk. 59 S. 14). 

 4.2.2 Während er somit bezüglich der Falschzustellung einmal geltend 

machte, aus Gewohnheit gehandelt zu haben, da diese Lospakete immer an den 

Beschuldigten 2 gegangen seien (Urk. 6/11 S. 12), begründete er sein Handeln 

ein anderes Mal damit, dass ihm der Beschuldigte 2 konkret eine solche Lieferung 

angekündigt habe (Prot. I S. 9). Schliesslich machte er eine gewisse Unvorsich-

tigkeit bei der Überprüfung seinerseits für die Fehllieferung verantwortlich, wobei 

er diese als menschlich und daher verzeihlich beschrieb (Urk. 6/11 S. 12; Urk. 59 

S. 14). Dass er konsequent und durch alle zulässigen Befragungen hindurch zu 

Protokoll gegeben habe, dass er das fragliche Paket aufgrund seiner Erfahrung 

dem Beschuldigten 2 zugeordnet habe, wie es seine Verteidigung behauptet 

(Urk. 86 S. 5), trifft somit gerade nicht zu. Angesichts des Zeitablaufs zwischen 

der Falschzustellung vom 12. April 2013 und der erstinstanzlichen Hauptverhand-

lung vom 25. Januar 2016 wäre es grundsätzlich verständlich, wenn sich der Be-

schuldigte 1 nicht mehr an sämtliche Details des Geschehens vom 12. April 2013 

hätte erinnern können. Hätte der Beschuldigte 1 jenes Paket aber tatsächlich dem 

Beschuldigten 2 aufgrund einer vorgängigen entsprechenden Ankündigung zuge-

ordnet, so wäre zu erwarten gewesen, dass er diesen Umstand bereits zu Beginn 

-   28   - 

des Strafverfahrens zur Sprache gebracht hätte. In Anbetracht dessen, dass er 

von dieser angeblichen Ankündigung stattdessen erst rund drei Jahre nach dem 

Vorfall erstmals berichtete, entsteht der Eindruck, dass es sich dabei um einen 

nachträglichen Versuch handelte, seine eigentlichen Beweggründe zu verschlei-

ern. Hätte es sich tatsächlich um ein Versehen seinerseits gehandelt, weil er sich 

aufgrund der hohen Belastung und des Zeitdrucks die Adresse auf dem Paket 

nicht genau angesehen hatte, ist auch nicht ersichtlich, weshalb er überhaupt zu-

sätzlich hätte vorbringen sollen, der Beschuldigte 2 habe eine entsprechende Lie-

ferung angekündigt. Es bestehen daher auch aus diesem Grund Zweifel an der 

Glaubhaftigkeit seiner Angaben und mithin am Wahrheitsgehalt seiner Beteue-

rungen, das Paket nicht absichtlich dem falschen Empfänger zugestellt zu haben. 

 4.2.3 Im Zusammenhang mit dem Vorbringen, dass diese Lospakete immer 

an den Beschuldigten 2 gegangen seien (Urk. 6/11 S. 12), wurde der Beschuldig-

te 1 anlässlich der Berufungsverhandlung gefragt, wie viele Kioske er jeweils mit 

Losen der Privatklägerin 2 beliefert habe. Dazu erklärte er, dass es sich um drei 

oder vier Kioske gehandelt habe. Genau habe er es aber nicht mehr im Kopf. Si-

cher seien es jedoch drei gewesen (Urk. 59 S. 12). Weshalb er das Paket mit den 

Losen gerade dem Beschuldigten 2 gebracht habe, wenn er doch aber drei bis 

vier Kioske mit solchen Losen beliefert habe, begründete der Beschuldigte 1 wie-

derum damit, dass er es nicht gemerkt habe, da er aufgrund von Stress die Ad-

ressen nicht richtig angeschaut habe (Urk. 59 S. 14). Da sich auf seiner Tour so-

mit mehrere Kioske befanden, welche er ab und zu mit Paketen der Privatkläge-

rin 2 belieferte, vermag seine Herleitung, dass es sich beim Beschuldigten 2 um 

den Adressaten des Pakets gehandelt haben musste, da diese Lotteriepakete 

immer für diesen bestimmt gewesen seien (Urk. 6/11 S. 12), nicht zu überzeugen. 

Zudem hätte gerade der Umstand, dass er bereits von aussen erkannt hatte, dass 

es sich um ein Paket der Privatklägerin 2 mit Losen und somit um einen Inhalt mit 

gewissem Wert handelte, erwarten lassen, dass er bei der Zustellung eine umso 

höhere Vorsicht aufgebracht hätte, um solche Falschzustellungen zu vermeiden. 

Die Zweifel daran, dass es sich tatsächlich um einen Irrtum handelte, welchen er 

lediglich aufgrund seines Zeitdrucks nicht vermeiden konnte, bleiben daher be-

stehen. 

-   29   - 

 4.2.4 Sein Vorgehen an jenem Vormittag wirft weiter die Frage auf, weshalb 

er das Paket dem Beschuldigten 2 nicht einfach am Schluss seiner Tour ausliefer-

te, zumal er gemäss seinen Angaben ohnehin oft seine Mittagspause in dessen 

Kiosk verbrachte und er dann nicht mehr den Druck gehabt hätte, die übrigen Pa-

kete noch vor 12.00 Uhr ausliefern zu müssen. Diesbezüglich gab der Beschuldig-

te 1 in der Einvernahme vom 24. April 2014 an, dass er es immer so gemacht ha-

be. Er habe dem Beschuldigten 2 die Pakete gebracht, habe dann die anderen 

Kunden beliefert und sei vor seiner Pause wieder zum Beschuldigten 2 zurückge-

kehrt, um die Unterschriften einzuholen (Urk. 6/11 S. 11 f.). So sei er vorgegan-

gen, um nicht noch zum Auto gehen zu müssen, wegen der Distanz. Er habe 

nicht zwei oder dreimal hin- und hergehen wollen. Daher habe er alles zusammen 

gemacht (Urk. 6/11 S. 12). Im Gegensatz zu seiner Verteidigung, gemäss welcher 

in zeitlicher Hinsicht völlig unerheblich gewesen wäre, ob er den Beschuldigten 2 

bereits zu Beginn oder am Schluss seiner Tour beliefert hätte (Urk. 86 S. 5), 

machte der Beschuldigte 1 somit geltend, dass sein Vorgehen mit der Übergabe 

zu Beginn der Tour effizienter gewesen sei. Während der Beschuldigte 1 in der 

Berufungsverhandlung zwar wiederholte, dass er es immer so gemacht habe, 

dass er die Unterschrift erst später eingeholt habe (Urk. 59 S. 14), stellte er diese 

Vorgehensweise vor Vorinstanz eher als Variante für den Fall dar, dass der Be-

schuldigte 2 in seinem Kiosk mit Kunden beschäftigt gewesen sei (Prot. I S. 10). 

Darauf, dass es sich bei der nachträglichen Einholung der Unterschrift eher um 

eine Ausnahme handelte, weist zudem auch seine Antwort auf die Ergänzungs-

frage seiner Verteidigung in der Einvernahme vom 23. April 2014 hin. So antwor-

tete er auf die Frage seiner Verteidigung, ob er die Unterschrift des Beschuldig-

ten 2 sofort eingeholt hätte, wenn dieser Zeit gehabt hätte, mit "Ja, natürlich" 

(Urk. 6/11 S. 14). Abgesehen davon, dass es kaum im Sinne seiner damaligen 

Arbeitgeberin, der Privatklägerin 1, gewesen sein konnte, wenn er jeweils nicht 

umgehend nach der Zustellung eines Pakets die dafür erforderliche Unterschrift 

eingeholt hätte, weisen somit auch diese unsteten Angaben darauf hin, dass es 

sich damals bei der Zustellung ohne unmittelbare Visierung um eine Ausnahme 

und nicht um eine ständige Praxis handelte. Schliesslich gab auch der Beschul-

digte 2 an, dass der Beschuldigte 1 durchaus manchmal auch direkt seine Unter-

-   30   - 

schrift verlangt habe. Allerdings räumte er auch ein, dass es vorgekommen sei, 

dass der Beschuldigte 1 die Pakete auf den Kühlschrank gelegt habe. Ab und zu 

habe er zehn Minuten länger Pause gemacht und erst nach dieser Zeit dann er-

klärt, dass er noch eine Unterschrift brauche (Urk. 6/5 S. 7). Zwar kann aufgrund 

dieser Angaben nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte 1 tatsäch-

lich schon mehrmals zuwartete, bis er sich eine Zustellung unterschriftlich bestäti-

gen liess, dass er immer so vorging, wie er dies mehrmals behauptete, trifft hin-

gegen nicht zu. Die Zweifel an der grundsätzlichen Glaubhaftigkeit seiner Anga-

ben bleiben daher auch aufgrund der diesbezüglichen Unstimmigkeiten in seinen 

Aussagen bestehen. 

 4.2.5 Schliesslich steht die Begründung des Beschuldigten 1, er habe mit 

der Einholung der Unterschrift des Beschuldigten 2 zugewartet, weil dieser mit 

Kundschaft beschäftigt gewesen sei und daher keine Zeit gehabt habe, mit des-

sen Verhalten bei der Entgegennahme des Pakets im Widerspruch. Zwar wider-

spricht der Beschuldigte 2 dem Rapport der Kantonspolizei Zürich dahingehend, 

dass er das Paket nicht hinter seiner Theke versteckt habe. Er räumte aber in den 

Einvernahmen vom 30. April 2013 und vom 10. Juli 2014 ein, dieses nach der 

Entgegennahme auf seinen Drehstuhl gelegt zu haben (Urk. 6/13 S. 10; Urk. 6/5 

S. 1). Ausführlicher erklärte er dann im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptver-

handlung, er habe sich damals am Kaffeetisch mit einer Vertreterin von K._____ 

beschäftigt, als der Beschuldigte 1 mit dem Paket gekommen sei. Da er durch ei-

ne Tumorerkrankung an einer Erblindung leide, könne er nicht alles gleichzeitig 

sehen. Als die Vertreterin von K._____ gegangen sei, habe er das Paket ange-

schaut und gesehen, dass das Paket gar nicht ihm gehöre. Er habe das Paket 

weder aufgemacht noch versteckt. Er habe es bei sich hinten auf den Tisch gelegt 

und gewartet, bis der Beschuldigte 1 wieder zurückkommen würde. Noch bevor 

dieser zurückgekommen sei, seien dann aber Polizisten in seinen Kiosk gestürmt 

und hätten von ihm gewollt, dass er das Paket gebe (Prot. I S. 15). Im Rahmen 

der Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte 2, dass er damals am Kaf-

feetisch gewesen sei und nicht nach dem Paket geschaut habe. Er habe es ein-

fach auf den Tisch gelegt, bis der Beschuldigte 1 zurückkommen würde. Die Poli-

zei sei dann ca. 10 Minuten später gekommen. Das Paket habe er nicht aufge-

-   31   - 

macht, da es nicht für ihn gewesen sei (Urk. 76/62 S. 9). Dass sich der Beschul-

digte 2 angesichts des langen Zeitablaufs seit dem Vorfall nicht mehr genau da-

ran zu erinnern vermag, wo er das Paket damals deponierte, und er daher unter-

schiedliche Angaben zum Ablageort tätigte, ist grundsätzlich nachvollziehbar. 

Übereinstimmend schilderte er aber jeweils, dass er das Paket vom Kaffeetisch, 

an welchem er gewesen sei, "nach hinten" gebracht und dort deponiert habe. 

Wenn ihm dies trotz seiner Kundschaft möglich war, so stellt sich die Frage, wes-

halb er nicht auch die kurze Zeit hätte aufbringen können, um dem Beschuldig-

ten 1 eine Unterschrift zu geben. Insbesondere in Anbetracht dessen, dass das 

Gespräch mit der Kundschaft durch die Übergabe des Pakets an sich bereits un-

terbrochen wurde und dieser Unterbruch durch das Visieren nur unwesentlich 

länger gedauert hätte, ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, weshalb sich der 

Beschuldigte 1 die Übergabe nicht sogleich vorschriftsgemäss mit einer Unter-

schrift bestätigen liess. 

 4.2.6 Dass er bei der Übergabe auf die gleichzeitige Visierung verzichtete, 

vermag auch das entsprechende Vorbringen seiner Verteidigung, dass für den 

Beschuldigten 1 bereits eine sehr geringe zeitliche Verzögerung ausschlagge-

bend gewesen sei (Urk. 86 S. 5), nicht zu erklären. Der Beschuldigte 1 gab von 

sich aus an, dass es damals kurz vor 12.00 Uhr mittags gewesen sei und er da-

mals zuerst jene Kunden beliefert habe, welche über Mittag nicht erreichbar ge-

wesen seien, um anschliessend die anderen Kunden zu beliefern, von welchen er 

gewusst habe, dass sie über Mittag nicht zumachen würden (Urk. 6/11 S. 11; 

Prot. I S. 10). Da er wusste, dass der Kiosk des Beschuldigten 2 über Mittag offen 

war (Urk. 6/11 S. 11), stellt sich wiederum die Frage, weshalb er diesen nicht 

auch erst nach denjenigen Kunden belieferte, welche nur bis um 12.00 Uhr er-

reichbar waren, um nicht in Zeitnot zu geraten. Zwar ist nicht auszuschliessen, 

dass sich der Beschuldigte 1 schlicht keine Überlegungen dazu machte, wie er 

dem Druck entgehen könnte, alle Kunden, welche ab 12.00 Uhr nicht mehr er-

reichbar gewesen wären, noch beliefern zu können. Gerade in Anbetracht des-

sen, dass er erklärte, oft unter Stress gestanden zu sein und diese Route nicht 

das erste Mal bedient zu haben (Urk. 6/6 S. 2, 4; Urk. 6/11 S. 12; Urk. 59 S. 14; 

Prot. I S. 9 f.), bleibt der Eindruck bestehen, dass der Beschuldigte 1 bewusst und 

-   32   - 

nicht bloss aus Zeitnot auf die Unterschrift des Beschuldigten 2 verzichtete, um 

die Zustellung eines eigentlich für einen anderen Empfänger bestimmten Pakets 

zu verheimlichen. 

 4.3 Dass der Beschuldigte 1 das fragliche Paket dem Beschuldigten 2 im 

Wissen darum brachte, dass er es eigentlich einem anderen Empfänger hätte zu-

stellen müssen, zeigt sich schliesslich auch aufgrund der Angaben, welche er am 

15. April 2013 im Rahmen des Schlussworts in seiner Hafteinvernahme vor dem 

Zwangsmassnahmengericht des Bezirks Dietikon tätigte. Zu Beginn jener Einver-

nahme, welche drei Tage nach seiner Verhaftung in Anwesenheit seiner Verteidi-

gung stattfand, wurde dem Beschuldigten 1 der Antrag der Staatsanwaltschaft 

Limmattal-Albis vom 12. April 2013 auf Anordnung von Untersuchungshaft über-

setzt (Urk. 20/11 S. 1). Aus jenem Antrag geht hervor, dass der Beschuldigte 1 

dringend verdächtigt wurde, am 12. April 2013 an seinem Arbeitsort in der Post-

verteilzentrale in … [Ort] bzw. auf der Verteiltour eine Postsendung mit Lotterielo-

sen, welche an "Post, Poststelle ... [Ort], Postfach, ... [Ort]" adressiert gewesen 

sei, gestohlen und dem Beschuldigten 2 in dessen Kiosk am H._____ … in 

I._____ geliefert zu haben, in der Absicht, sich bzw. den Beschuldigten 2 aus dem 

Erlös der Lose oder einem allfälligen Gewinn einen ihnen nicht zustehenden Ver-

mögensvorteil zu verschaffen. Weiter ist daraus zu entnehmen, dass er zudem im 

dringenden Verdacht stand, bereits in der Zeit von anfangs 2010 bis am 

3. Oktober 2012 aus der Postverteilzentrale … [Ort] bzw. auf der Verteiltour diver-

se Pakete mit Losen im Deliktsbetrag von insgesamt ca. Fr. 92'513.– gestohlen 

zu haben (Urk. 20/7 S. 2). 

 4.3.1 Nach der Übersetzung dieses Antrags machte der Beschuldigte 1 im 

Rahmen seines Schlussworts die nachfolgenden Ausführungen: "Ich bleibe bei 

meinen Aussagen und es tut mir alles sehr leid und bereue es sehr. Wenn ich 

nochmals auf die Welt kommen würde, würde ich mich nie wieder in solche Sa-

chen einmischen. Das ist passiert, weil ich von einer anderen Person unter Druck 

gesetzt worden bin. Deshalb habe ich diesen Fehler gemacht. Seit 25 Jahren ar-

beite ich bei der C._____ und ich verfluche mich selber dafür, dass ich das ge-

macht habe und diese Person kennen gelernt habe. Es tut mir alles sehr leid. Ich 

-   33   - 

hoffe, dass Sie mir glauben und dass Sie mich nicht in Haft setzen. Ich wäre be-

reit, wenn Sie mich in einem Zimmer einschliessen. Sie können mir alles weg-

nehmen. Aus dem Herzen sage ich Ihnen, dass ich bereue, dass ich das gemacht 

habe. Ich bereue das wirklich sehr, glauben Sie mir. Weil ich von dieser Person 

unter Druck gesetzt wurde, habe ich das gemacht. Aber ich hatte immer grosse 

Angst, dass ich erwischt werden könnte und mein Leben damit zu Ende wäre. Ich 

schäme mich sehr, dass ich das gemacht habe. Sogar finde ich mich selber ekel-

haft, dass ich so was gemacht habe (Urk. 20/11 S. 2)." 

 4.3.2 Zwar machte der Beschuldigte 1 anlässlich dieser Hafteinvernahme 

keine konkreten Zugeständnisse. Diese Reuebekundungen weisen jedoch un-

missverständlich darauf hin, dass er sich eines Fehlers, welchen er im Zusam-

menhang mit seiner Arbeitgeberin begangen hatte, bewusst war und er diesen am 

liebsten rückgängig gemacht hätte. Dass es sich bei diesem Fehler zumindest um 

einen Teil der ihm in der Anklageschrift vorgeworfenen Taten handelt, steht ange-

sichts des ihm vorgehaltenen Tatverdachts aus dem Antrag auf Anordnung für 

Untersuchungshaft ausser Frage. Aufgrund dieser Reuebekundungen und dem 

Umstand, dass er im Rahmen jenes Schlussworts auch keine Einwände gegen 

einzelne Vorhalte erhob, erweisen sich die späteren Bestreitungen dieser Vorwür-

fe durch den Beschuldigten 1 als umso weniger glaubhaft. Wäre er sich tatsäch-

lich keiner Schuld bewusst gewesen, wie er dies später darzustellen versuchte, so 

hätte für ihn damals vor dem Zwangsmassnahmengericht keinerlei Anlass dazu 

bestanden, entsprechende Fehler einzugestehen, zumal er damals eine Verteidi-

gung an seiner Seite wusste. 

 4.3.3 Vor diesem Hintergrund erweist es sich als erstellt, dass der Beschul-

digte 1 dem Beschuldigten 2 am 12. April 2013 ein Paket mit Losen der Privatklä-

gerin 2 zustellte, obwohl er wusste, dass dieses für einen anderen Empfänger be-

stimmt war. Um die Suche nach dem Verbleib des Pakets zu erschweren unter-

liess er es sodann nicht nur, dieses bei der Übergabe zu scannen, sondern ver-

zichtete auch darauf, sich die Zustellung durch den Beschuldigten 2 unterschrift-

lich zu bestätigen. Dass es sich bei der Fehlzustellung um ein Versehen handelte 

und den Beschuldigten 1 und 2 lediglich aufgrund des Zugriffs der Polizei die 

-   34   - 

Möglichkeit genommen worden sei, den Tatbeweis ihrer lauteren Absichten zu er-

bringen, wie dies die Verteidigung des Beschuldigten 2 vorbringt, erweist sich da-

her als widerlegt (Urk. 83 S. 6, 7). 

 4.4 Dass er den Beschuldigten 1 zu diesem Handeln angestiftet haben soll, 

streitet der Beschuldigte 2 gänzlich ab (Urk. 6/13 S. 10; Prot. I S. 14; Urk. 76/62 

S. 9). Dass er am 12. April 2013 das Paket, welches ihm der Beschuldigte 1 

brachte, entgegennahm, stellte er hingegen nicht in Abrede (Urk. 6/13 S. 10). Ob 

er dieses im Wissen entgegennahm, dass es eigentlich gar nicht für ihn bestimmt 

gewesen wäre, und ob er den Beschuldigten 1 entgegen seinen Bestreitungen 

vorgängig dazu aufforderte, ihm solche Pakete der Privatklägerin 2 unrechtmässig 

zuzustellen, ist zu prüfen. 

 4.4.1 Zunächst ist in Betracht zu ziehen, dass der Beschuldigte 1 keinen 

Nutzen davon gehabt hätte, wenn er nicht nur in Verletzung seiner Pflichten als 

Arbeitnehmer, sondern auch in Verletzung strafrechtlicher Normen ein wertvolles 

Paket absichtlich einer beliebigen Drittperson hätte zukommen lassen sollen. Hät-

te er sich von einer entsprechenden Pflichtverletzung einen finanziellen Nutzen 

versprochen, so wäre in erster Linie zu erwarten gewesen, dass er das Paket für 

sich selber einbehalten hätte. In Anbetracht dessen, dass er es nun aber dem Be-

schuldigten 2 brachte, liegt der Verdacht nahe, dass zwischen ihnen beiden eine 

entsprechende Abmachung bestand. 

 4.4.2 Eine unmittelbare Reaktion des Beschuldigten 2 darauf, dass ihm 

durch den Beschuldigten 1 ein Paket überbracht wurde, das nicht an ihn adres-

siert war, blieb aus. Es ist daher zu prüfen, ob eine umgehende Rückgabe des 

Pakets an den Beschuldigten 1 allenfalls nur deshalb ausblieb, weil der Beschul-

digte 2 bereits zum Zeitpunkt der Übergabe Bescheid wusste, dass er ein Paket 

entgegennahm, welches eigentlich gar nicht für ihn bestimmt gewesen wäre. Da 

der Beschuldigte 2 an seinem Kiosk Lose der Privatklägerin 2 verkaufte, liegt na-

he, dass auch er trotz seiner eingeschränkten Sehfähigkeit, wie der Beschuldig-

te 1, auf den ersten Blick erkannte, dass es sich am 12. April 2013 um ein Paket 

der Privatklägerin 2 mit Losen handelte, welches ihm der Beschuldigte 1 über-

brachte. Ausserdem wäre von ihm als Geschäftsführer des Kiosks zu erwarten, 

-   35   - 

dass er jeweils ungefähr wusste, wann er mit durch ihn getätigten Lieferungen 

von einem gewissen Wert rechnen konnte. Die an die Poststelle ... [Ort] adressier-

te Lieferung mit Losen wurde nicht durch den Beschuldigten 2 bestellt. Es stellt 

sich daher die Frage, ob ihm nicht aufgefallen wäre, dass er gar keine entspre-

chende Lieferung erwartete und er daher nicht zumindest die Anschrift überprüft 

und so den Fehler umgehend entdeckt hätte. Da es allerdings durchaus möglich 

ist, dass der Beschuldigte 2 zu jener Zeit tatsächlich eine bestellte Lieferung von 

Losen der Privatklägerin 2 erwartete, ist nicht auszuschliessen, dass er die Pa-

ketsendung aus diesem Grund zum Zeitpunkt der Übergabe nicht genauer prüfte. 

Dennoch bleibt auch die Möglichkeit bestehen, dass er sich der eigentlichen 

Falschzustellung bewusst war, er das Paket dem Beschuldigten 1 aber deshalb 

nicht wieder aushändigte, weil er mit der Entgegennahme des an einen anderen 

Empfänger adressierten Pakets mit Losen der Privatklägerin 2 einverstanden war. 

 4.4.3 Weiter weist der Umstand, dass die Aussagen des Beschuldigten 2 

teilweise denjenigen des Beschuldigten 1 widersprechen, darauf hin, dass auch 

ersterer im Laufe des Strafverfahrens seinen Tatbeitrag zu verschleiern versucht 

haben könnte. So erklärte der Beschuldigte 1 auf die Frage, wie viele falsch 

adressierte Pakete er an den Beschuldigten 2 geliefert habe, dass dies, wie er 

glaube, ein- bis zweimal passiert sei. Der Beschuldigte 2 habe ihm dann diese 

Pakete wieder zurückgegeben, da sie für andere Kioske bestimmt gewesen seien 

(Urk. 6/6 S. 6). Der Beschuldigte 2 hingegen gab vor Vorinstanz an, dass es sich 

beim Vorfall vom 12. April 2013 um das erste Mal gehandelt habe, dass er vom 

Beschuldigten 1 ein Paket erhalten habe, das gar nicht an ihn adressiert gewesen 

sei (Prot. I S. 15). Da nicht ersichtlich ist, weshalb der Beschuldigte 1 ohne Grund 

hätte eingestehen sollen, dass es bereits zuvor zu Fehllieferungen an den Be-

schuldigten 2 gekommen sei, stellt sich die Frage, weshalb der Beschuldigte 2 

Entsprechendes in Abrede stellte. Zwar lagen zwischen dem 12. April 2013 und 

der erstinstanzlichen Hauptverhandlung rund drei Jahre, weshalb gewisse Erinne-

rungslücken des Beschuldigten 2 durchaus nachvollziehbar sind. In Anbetracht 

dessen, dass Paketzustellungen des Beschuldigten 1 an den Beschuldigten 2 das 

zentrale Thema des gegen diese beiden geführten Strafverfahrens und mithin 

auch den Grund dafür darstellten, dass der Beschuldigte 2 rund einen Monat in 

-   36   - 

Untersuchungshaft verbringen musste, erscheint hingegen zweifelhaft, dass er 

sich tatsächlich nicht mehr an einzelne Fehlzustellungen hätte erinnern können. 

Vielmehr entsteht der Eindruck, dass der Beschuldigte 2 schon vor dem 12. April 

2013 erfolgte Falschzustellungen zu verheimlichen versuchte, um nicht in Ver-

dacht zu geraten, etwas mit den verschwundenen Paketen, welche Gegenstand 

der Anklage bilden, zu tun zu haben. 

 4.4.4 Darauf, dass zwischen dem Beschuldigten 1 und dem Beschuldigten 2 

nicht nur eine Absprache dahingehend bestand, dass ersterer letzterem fremde 

Pakete der Privatklägerin 2 bringen würde, um gewisse Gratisleistungen zu erhal-

ten, sondern dass dieses Vorhaben durch den Beschuldigten 2 angeregt wurde, 

weisen schliesslich die Aussagen des Zeugen G._____ hin. Dieser übernahm 

während der krankheitsbedingten Abwesenheit des Beschuldigten 1 im Februar 

2013 dessen Tour und belieferte somit auch den Beschuldigten 2 mit Paketen. Er 

erklärte im Rahmen der polizeilichen Einvernahme vom 13. Mai 2013, der Be-

schuldigte 2 habe ihm gegenüber damals einmal angedeutet, ob er ihm Lose, 

welche für einen anderen Kiosk bestimmt wären, bringen könnte (Urk. 6/8 S. 1). 

Dies müsse ungefähr im Februar 2013 gewesen sein (Urk. 6/8 S.2). Zwar gab er 

auch an, dass er den Beschuldigten 2 öfters nicht richtig verstanden habe, da die-

ser so leise spreche (Urk. 6/8 S. 1). Hinsichtlich dieser durch ihn erwähnten Aus-

sage erklärte er jedoch ausdrücklich, dass er sich sicher sei, diesen richtig ver-

standen zu haben. Er wiederholte die entsprechenden Angaben denn auch in 

Anwesenheit des Beschuldigten 2 sowie in Anwesenheit der Verteidiger beider 

Beschuldigten im Rahmen der Zeugeneinvernahme vom 23. April 2014. Ergän-

zend gab er zudem an, es damals als Scherz aufgefasst und dankend abgelehnt 

zu haben (Urk. 6/10). 

 4.4.5 Der Beschuldigte 2 bringt diesbezüglich vor, G._____ habe von sich 

aus gesagt, dass er ihn teilweise nicht richtig verstanden habe, weil er nur gebro-

chen Deutsch spreche und er ihn daher wahrscheinlich falsch verstanden habe. 

Normalerweise frage er Pöstler immer, ob sie etwas für ihn hätten (Urk. 6/11 

S. 13). Auch seine Verteidigung bringt diesbezüglich vor, dass sich aus diesen 

Angaben nichts zu Lasten des Beschuldigten 2 ableiten lasse: Abgesehen davon, 

-   37   - 

dass der Zeuge den genauen Wortlaut nicht habe wiedergeben können, habe 

dieser von sich aus gesagt, dass er die Aussagen des Beschuldigten 2 als Scherz 

aufgefasst habe. Gerade das zeige, dass es sich ohnehin lediglich um eine Inter-

pretation durch G._____ gehandelt habe. Es könne daher nicht ausgeschlossen 

werden, dass es sich beim Gehörten tatsächlich einfach nur um die übliche Be-

grüssungsfloskel des Beschuldigten 2 und somit um die Frage, ob er etwas für ihn 

habe, gehandelt habe. Ausserdem stellt die Verteidigung des Beschuldigten 2 in 

den Raum, dass es sich bei den Angaben des Zeugen auch um Erinnerungsfehler 

gehandelt haben könnte, welche nicht zuletzt auf eine allenfalls erhoffte Profilie-

rung durch die Mithilfe bei der Aufdeckung eines Falls bei seiner Arbeitgeberin, 

der Privatklägerin 1, zurückzuführen sei (Urk. 83 S. 5). 

 4.4.6 Hinweise darauf, dass der Zeuge G._____ dem Beschuldigten 2 ge-

genüber feindlich gesinnt gewesen wäre, liegen keine vor. Entsprechend ist auch 

nicht ersichtlich, weshalb er diesen zu Unrecht hätte belasten sollen, lediglich mit 

der Motivation, sich bei seiner Arbeitgeberin zu profilieren. Entgegen den Vorbrin-

gen des Beschuldigten 2 und seiner Verteidigung, G._____ könnte ihn allenfalls 

falsch verstanden haben, erweisen sich die Angaben des Zeugen als glaubhaft. 

So nahm er jene Aussage des Beschuldigten 2 ausdrücklich davon aus, dass er 

seine Äusserungen sonst teilweise nicht richtig verstanden habe (Urk. 6/10 S. 3). 

Zudem wird die Glaubhaftigkeit der Angabe dadurch verstärkt, dass er die Schil-

derung seiner Erinnerung an die Anfrage des Beschuldigten 2 damit verknüpfte, 

dass er diese damals als Scherz aufgefasst habe (Urk. 6/8 S. 1; Urk. 6/10 S. 3). 

Schliesslich lässt gerade der Umstand, dass der Beschuldigte 2 am 12. April 2013 

dabei beobachtet wurde, wie er ein Paket mit Losen entgegennahm, welches 

nicht an ihn adressiert war, die durch G._____ geschilderte Anfrage des Beschul-

digten 2 betreffend die Zustellung fremder Lospakete umso plausibler erscheinen. 

Diese glaubhafte Aussage von G._____ stellt somit einen weiteren Hinweis dafür 

dar, dass es sich bei der Entgegennahme jenes Pakets um ein gezieltes und ge-

plantes Vorgehen des Beschuldigten 2 handelte. 

 4.4.7 Dass der Beschuldigte 2 am 12. April 2013 das Paket mit den Losen, 

welches ihm der Beschuldigte 1 im Wissen darum brachte, dass es nicht an die-

-   38   - 

sen adressiert war, entgegennahm und in seinem Kiosk deponierte, lässt vor dem 

Hintergrund, dass dieses Vorgehen für den Beschuldigten 1 als Einzeltäter von 

keinem Nutzen gewesen wäre, darauf schliessen, dass zwischen den Beschuldig-

ten eine diesbezügliche Abmachung bestand. Darauf, dass die Idee einer solchen 

Abmachung nicht vom Beschuldigten 1, sondern vom Beschuldigten 2 ausging, 

weist sodann der Umstand hin, dass der Beschuldigte 2 auch schon einen ande-

ren Postboten anfragte, ob er ihm Pakete mit Losen bringen könnte, die eigentlich 

für einen anderen Kiosk bestimmt sind. Dieser Eindruck wird sodann dadurch be-

stätigt, dass der Beschuldigte 1 in seiner Hafteinvernahme vor dem Zwangs-

massnahmengericht neben seinen Reuebekundungen auch davon berichtete, 

dass er von einer Person unter Druck gesetzt worden sei, und er bereue, diese 

Person kennengelernt zu haben (Urk. 20/11 S. 2). Diese Aussage weist ebenfalls 

darauf hin, dass die Idee, Lospakete zu entwenden, nicht von ihm ausging, son-

dern von einer weiteren Person an ihn herangetragen wurde. Zwar nannte er in 

diesem Zusammenhang nicht den Namen des Beschuldigten 2, eine weitere Per-

son, welche von einer entsprechenden Paketzustellung hätte profitieren sollen 

und die ihn unter Druck gesetzt haben könnte, erwähnte er jedoch zu keinem 

Zeitpunkt. Dass die Anregung zu diesem Vorgehen vom Beschuldigten 2 ausging, 

zeigt sich schliesslich daran, dass der Beschuldigte 1, hätte er den Entschluss, 

das Paket der Privatklägerin 2 in Verletzung seiner Pflichten an einen falschen 

Adressaten zuzustellen, von sich aus und alleine gefasst, den Beschuldigten 2 zu 

diesem Zwecke nicht gebraucht hätte. Der Beschuldigte 2 hingegen war darauf 

angewiesen, dass der Beschuldigte 1 das Paket nicht auftragsgemäss ausliefern, 

sondern ihm überbringen würde. Dass der Beschuldigte 1 dem Beschuldigten 2 

von sich aus angeboten hätte, seine Arbeitnehmerpflichten zu verletzen und sich 

strafbar zu machen, um diesem finanzielle Vorteile zu verschaffen, scheint dem-

gegenüber geradezu abwegig. 

 4.5 Der Anklagesachverhalt erweist sich somit insofern als erstellt, als der 

Beschuldigte 1 dem Beschuldigten 2 am 12. April 2013 ein Paket der Privatkläge-

rin 2 mit Lotterielosen zustellte, obwohl er wusste, dass dieses Paket eigentlich 

für eine andere Adressatin bestimmt gewesen wäre. Ausserdem ist erstellt, dass 

der Beschuldigte 1 vorgängig durch den Beschuldigten 2 zu diesem Handeln auf-

-   39   - 

gefordert wurde und letzterer das Paket auch im Wissen darum, dass der Be-

schuldigte 1 es einem anderen Empfänger hätte zustellen sollen, entgegennahm. 

Demgegenüber bestehen unüberwindliche Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 

StPO daran, dass die Beschuldigten 1 und 2 auch hinsichtlich der verlorengegan-

genen Paketlieferungen vom 19. April 2012 und vom 8. Mai 2012 in derselben 

Weise vorgingen. Hinsichtlich der Anklagevorwürfe im Zusammenhang mit diesen 

Paketlieferungen sind die Beschuldigten 1 und 2 daher freizusprechen. 

IV. Rechtliche Würdigung 

 1. Die Vorinstanz würdigte das Vorgehen des Beschuldigten 1 in Bezug auf 

die Paketlieferung vom 12. April 2013 der Anklagebehörde entsprechend als 

Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie als Verletzung des Post- und 

Fernmeldegeheimnisses im Sinne von Art. 321ter Abs. 1 StGB (Urk. 47 S. 40 ff.). 

Die Taten des Beschuldigten 2 im Zusammenhang mit derselben Paketlieferung 

würdigte sie demgegenüber – ebenfalls der Anklagebehörde entsprechend – als 

Anstiftung zum Diebstahl im Sinne von Art. 24 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 139 Ziff. 1 StGB, Anstiftung zur Verletzung des Post- und Fernmeldegeheim-

nisses im Sinne von Art. 24 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 321ter Abs. 1 

StGB sowie als Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Beide Be-

schuldigten verlangen mit ihren Berufungen einen vollumfänglichen Freispruch, 

wobei sie in erster Linie in Abrede stellen, dass sich der Anklagesachverhalt 

überhaupt rechtsgenügend erstellen lasse. Die rechtliche Würdigung der Vor-

instanz wurde demgegenüber nicht ausdrücklich bestritten (Urk. 86 S. 6; Urk. 83 

S. 9). 

 2. Diebstahl 

 2.1 Hinsichtlich der theoretischen Erwägungen zu den Tatbestandsmerkma-

len des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB kann auf die zutreffenden 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 40 f.; Art. 82 Abs. 4 

StPO). 

-   40   - 

 2.1.1 Der Beschuldigte 1 überbrachte dem Beschuldigten 2 am 12. April 

2013 ein Paket der Privatklägerin 2, welches nicht für diesen, sondern für die 

Poststelle ... [Ort] bestimmt gewesen wäre. Dass dieses Paket nicht an den Be-

schuldigten 2 adressiert war, es Lotterielose enthielt und er es der rechtmässigen 

Empfängerin durch die Übergabe an den Beschuldigten 2 vorenthalten würde, 

wusste der Beschuldigte 1. Die objektiven Tatbestandsvoraussetzungen des 

Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sind demnach erfüllt. Er brachte es 

dem Beschuldigten 2 dennoch, um diesen und aufgrund der ihm versprochenen 

Gegenleistungen auch sich selbst zu bereichern. Der Beschuldigte 1 handelte 

somit mit direktem Vorsatz und Bereicherungsabsicht. 

 2.1.2 Der Beschuldigte 1 hat sich demnach hinsichtlich der Paketlieferung 

vom 12. April 2013 des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig 

gemacht. 

 2.2 Anstifter zu einer Straftat im Sinne von Art. 24 StGB ist, wer bei einer 

anderen Person den Entschluss zur Begehung des Delikts hervorruft. Dies kann 

nicht nur mittels einer direkten und expliziten Aufforderung zur Tatbegehung, son-

dern auch auf subtilere Weise geschehen. Es genügt jedes motivierende Tun, je-

de Einflussnahme auf die Willensbildung des Täters, welche geeignet ist, den Ta-

tentschluss zu bewirken, auch eine blosse Bitte oder Anregung. Nicht erforderlich 

ist, dass beim Anzustiftenden Widerstände zu überwinden wären. Keine Anstif-

tung begeht demgegenüber, wer ohne unmittelbare Einwirkung auf den Täter 

bloss eine Situation schafft, in der sich dieser voraussichtlich zur Verübung der 

Straftat entschliessen wird (BGE 127 IV 122 E. 2.b/aa; DONATSCH, in: DO-

NATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER [Hrsg.], StGB Kommentar, 20. Aufl. 2018, 

N 17 zu Art. 24 StGB). Anstiftung kann nur vorsätzlich begangen werden, aber 

auch mit Eventualvorsatz (STRATENWERTH/WOHLERS, Handkommentar StGB, 

3. Aufl. 2013, N 5 zu Art. 24; DONATSCH, a.a.O. N 25 zu Art. 24 StGB). Der Anstif-

ter muss daher um die Tatumstände wissen, die das Delikt als ein bestimmtes 

kennzeichnen (STRATENWERTH/WOHLERS, a.a.O., N 5 zu Art. 24 StGB; DONATSCH, 

a.a.O., N 26 zu Art. 24 StGB). 

-   41   - 

 2.2.1 Zwar ist nicht bekannt, wann genau der Beschuldigte 2 die Idee auf-

kommen liess, der Beschuldigte 1 könnte ihm Pakete mit Losen der Privatkläge-

rin 2 zustellen, die gar nicht für ihn bestimmt waren. Dass er den Beschuldigten 1 

vor dem 12. April 2013 auf diese Möglichkeit hinwies, ist jedoch rechtsgenügend 

erstellt. Da bereits eine blosse Bitte oder eine Anregung zu einem Tun als Anstif-

tungshandlung genügen, ist dieses Kriterium auch aufgrund des durch den Be-

schuldigten 2 beim Beschuldigten 1 unterbreiteten Vorschlags erfüllt. 

 2.2.2 Der Beschuldigte 2 hat sich demnach bezüglich der Paketlieferung 

vom 12. April 2013 der Anstiftung zu Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB 

in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

 3. Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses 

 3.1 Hinsichtlich der theoretischen Erwägungen zu den Tatbestandsmerkma-

len der Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses kann auf die zutreffen-

den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 41 f.; Art. 82 

Abs. 4 StPO). 

 3.1.1 Der Beschuldigte 1 war zum Tatzeitpunkt Angestellter der Privatkläge-

rin 1, der C._____, und kommt daher als Täter dieses Sonderdelikts in Frage. 

Dadurch, dass er dem Beschuldigten 2 ein Paket überbrachte, das eigentlich für 

einen anderen Empfänger bestimmt war, ermöglichte er es dem Beschuldigten 2, 

eine verschlossene Sendung zu öffnen und so Kenntnis über den Postverkehr 

Dritter zu erhalten. Da sich der Beschuldigte 1 bewusst war, dass es sich beim 

Beschuldigten 2 nicht um den rechtmässigen Empfänger handelte, musste ihm 

auch bewusst sein, dass dieser weder dazu berechtigt gewesen wäre, das Paket 

zu öffnen noch von dessen Inhalt Kenntnis zu nehmen. Da er dem Beschuldigten 

2 das an die Poststelle ... [Ort] adressierte Paket dennoch übergab, erweisen sich 

sowohl die objektiven als auch die subjektiven Tatbestandsmerkmale als erfüllt. 

 3.1.2 Der Beschuldigte 1 hat sich demnach hinsichtlich der Paketlieferung 

vom 12. April 2013 der Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses im Sin-

ne von Art. 321ter Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

-   42   - 

 3.2 Welches die Voraussetzungen einer Anstiftungshandlung sind, wurde 

bereits erwogen (vgl. Erw. IV.2.2). Da es sich beim Tatbestand der Verletzung 

des Post- und Fernmeldegeheimnisses um ein Sonderdelikt handelt, ist zudem zu 

beachten, dass der Teilnehmer, dem die besondere Pflicht, welche die Strafbar-

keit begründet, nicht obliegt, gemäss Art. 26 StGB milder bestraft wird. 

 3.2.1 Da es der Beschuldigte 2 war, der dem Beschuldigten 1, von welchem 

er wusste, dass er bei der Privatklägerin 1, der C._____, angestellt war, den Vor-

schlag unterbreitete, dieser könnte ihm ein Paket mit Losen zustellen, welches ei-

gentlich gar nicht an ihn adressiert ist, erweisen sich auch die Voraussetzungen 

einer Anstiftungshandlung zur Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses 

als erfüllt. 

 3.2.2 Der Beschuldigte 2 hat sich somit im Zusammenhang mit der Paketlie-

ferung vom 12. April 2013 der Anstiftung zur Verletzung des Post- und Fernmel-

degeheimnisses im Sinne von Art. 321ter Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 

StGB schuldig gemacht. 

 4. Hehlerei 

 4.1 Auf die theoretischen Erwägungen der Vorinstanz zu den Tatbestands-

voraussetzungen der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und ins-

besondere auf ihren zutreffenden Hinweis darauf, dass zwischen der Anstiftung 

zur Vortat und der Hehlerei echte Konkurrenz besteht, kann verwiesen werden 

(Urk. 76/47 S. 43; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 4.2 Der Beschuldigte 2 hat das ihm durch den Beschuldigten 1 am 12. April 

2013 überbrachte Paket im Wissen darum, dass es ihm der Beschuldigte 1 brach-

te, obwohl es ihm nicht zugestanden hätte und dieser es daher durch die Bege-

hung einer Straftat erlangte, entgegengenommen. Dadurch hat er sich der Hehle-

rei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB strafbar gemacht. 

 5. Der Beschuldigte 1 ist somit im Zusammenhang mit der Paketlieferung 

vom 12. April 2013 des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie der 

Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses im Sinne von Art. 321ter Abs. 1 

-   43   - 

StGB schuldig zu sprechen. Der Beschuldigte 2 ist demgegenüber im Zusam-

menhang mit derselben Paketlieferung der Anstiftung zu Diebstahl im Sinne von 

Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB, der Anstiftung zu Ver-

letzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses im Sinne von Art. 321ter Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB sowie der Hehlerei im Sinne von 

Art. 160 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. Beide Beschuldigten sind von den 

Vorwürfen im Zusammenhang mit den übrigen in der Anklageschrift aufgeführten 

Paketlieferungen freizusprechen. 

V. Strafzumessung 

 1. Anwendbares Recht 

 1.1 Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils 

des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) gemäss der Änderung 

vom 19. Juni 2015 in Kraft getreten (AS 2016 1249). Die Beschuldigten 1 und 2 

haben die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten des neuen Rechts verübt. 

Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach neuem Recht nur beurteilt, wer nach dessen 

Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat. Hat der Täter ein Ver-

brechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen, erfolgt die 

Beurteilung aber erst nachher, ist das neue Recht anzuwenden, wenn es für den 

Täter milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Ob das neue Recht das mildere ist, hat das 

Gericht nach der konkreten Methode zu ermitteln (DONATSCH, a.a.O., N 10 zu 

Art. 2 StGB). 

 1.2 Wie zu zeigen sein wird, sind die beiden Beschuldigten je mit einer 

Geldstrafe unter 180 Tagessätzen zu bestrafen (vgl. Erw. V.2.8; V.3.10). Ausser-

dem kommt für den Beschuldigten 2 auch ein Widerruf des bedingten Vollzugs 

der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. November 2012 

ausgefällten Geldstrafe und daher auch die Ausfällung einer Gesamtstrafe im 

Sinne des revidierten Art. 46 Abs. 1 StGB nicht mehr in Betracht (vgl. Erw. VII.2). 

Da eine Bestrafung der Beschuldigten nach neuem Recht zur Ausfällung dersel-

-   44   - 

ben Strafen und mithin nicht zu einer milderen Bestrafung führen würde, kommt 

das alte Recht zur Anwendung.  

 2. Bemessung der Strafe des Beschuldigten 1 

 2.1 Im angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte 1 mit einer Geldstrafe 

von 100 Tagessätzen zu Fr. 50.– bestraft, wobei deren Vollzug aufgeschoben und 

die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde. Diese Strafe wurde durch die Vor-

instanz jedoch unter anderem auch für die Begehung von Delikten ausgefällt, von 

welchen der Beschuldigte 1 heute freizusprechen ist. Der Beschuldigte 1 verlangt 

mit seiner Berufung einen vollumfänglich Freispruch von Schuld und Strafe, wäh-

rend die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils bean-

tragt (Urk. 48; Urk. 86 S. 3; Urk. 52). 

 2.2 Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im 

vorinstanzlichen Urteil unter Hinweis auf die Lehre und Rechtsprechung korrekt 

und umfassend wiedergegeben und der massgebliche Strafrahmen von einem 

Tagessatz Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe (Art. 139 Ziff. 1 StGB) kor-

rekt abgesteckt (Urk. 47 S. 42 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden. Nach-

dem die Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel ergriffen hat, steht einer strengeren 

Bestrafung als mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen das Verbot der reforma-

tio in peius entgegen (Art. 391 Abs. 2 StPO). Die Ausfällung einer Freiheitsstrafe 

fällt mithin von vornherein ausser Betracht. 

 2.3 Ausgehend vom schwersten der zu bestrafenden Delikte ist demzufolge 

zunächst die Tatkomponente des Diebstahls zu bewerten. 

 2.3.1 Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass es sich um 

ein einzelnes Paket der Privatklägerin 2 mit Losen handelte, welches der Be-

schuldigte 1 dem Beschuldigten 2 zustellte, obwohl es an eine andere Empfänge-

rin adressiert war. Dieses Paket hatte einen Wert von insgesamt Fr. 480.–. Der 

Deliktsbetrag überschreitet daher die Grenze der Geringfügigkeit eines Vermö-

gensdelikts im Sinne von Art. 172ter Abs. 1 StGB, welche bei Fr. 300.– liegt, nur 

knapp. Da das Paket, wie dem Beschuldigten 1 bewusst war, aber Lotterielose 

-   45   - 

enthielt, ist weiter zu bemerken, dass der Inhalt des Pakets potenziell von noch 

grösserem Wert hätte sein können, falls diese Lose grosse Gewinne beinhaltet 

hätten. In Anbetracht dessen, dass die Pakete aber auch vorwiegend Nieten hät-

ten enthalten können, ist dem Deliktsbetrag, wie dies bereits die Vorinstanz zu 

Recht anfügte (Urk. 47 S. 44), eine nicht allzu grosse Bedeutung beizumessen. 

Ins Gewicht fällt jedoch, dass der Beschuldigte 1 nicht davor zurückschreckte, 

durch sein Handeln auch seine langjährige Arbeitgeberin, die Privatklägerin 1, zu 

schädigen und ihr Vertrauen zu missbrauchen, was von einer gewissen kriminel-

len Energie zeugt. 

 Die objektive Schwere dieser Tat ist daher als innerhalb des weit gesetzten 

Strafrahmens von bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe als leicht zu qualifizieren. Die 

Festsetzung der hypothetischen Einsatzstrafe auf 60 Tagessätze Geldstrafe er-

scheint angemessen. 

 2.3.2 Was die subjektive Tatschwere anbelangt, fällt ins Gewicht, dass der 

Beschuldigte 1 seine Tat insofern geplant hatte, als er das Paket gezielt aus sei-

ner eigentlichen Sortierung nach Empfängern aussonderte, um dieses dem Be-

schuldigten 2 zu übergeben. Um die unrichtige Zustellung zu verheimlichen, un-

terliess er es weiter, den Beschuldigten 2 den Empfang des Pakets mit dessen 

Unterschrift bestätigen zu lassen. Der Beschuldigte 1 handelte mithin mit direktem 

Vorsatz und in der Absicht, sowohl sich selbst, vor allem aber den Beschuldig-

ten 2 zu bereichern. Hingegen ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass der Beschul-

digte 1 durch den Beschuldigten 2 zu dieser Tat angestiftet wurde. 

 2.3.3 Die subjektive Schwere der Tat vermag die objektive Tatschwere da-

her nicht zu relativieren. Das Verschulden ist insgesamt als leicht einzustufen. Die 

Einsatzstrafe von 60 Tagessätzen Geldstrafe bleibt unverändert. 

 2.4 Im Rahmen der Asperation gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB ist nun die Tat-

komponente der Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses zu gewichten. 

 2.4.1 In Bezug auf die objektive Tatschwere der Verletzung des Post- und 

Fernmeldegeheimnisses ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz in 

-   46   - 

zutreffender Weise festhielt, dass es sich bei diesem Delikt um eine Begleiter-

scheinung des Diebstahls handelt. Auch berücksichtigte die Vorinstanz zu Recht, 

dass dem Paket gemäss den Angaben des Beschuldigten 1 bereits von aussen 

anzusehen war, dass dieses Lose der der Privatklägerin 2 enthalten würde 

(Urk. 47 S. 45). Dennoch fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte 1 den Inhalt die-

ser Postsendung nicht nur einem Unberechtigten offenbarte, sondern dass er es 

ausserdem verunmöglichte, dass die eigentlich Berechtigte ihre Postsendung er-

hielt. Dadurch nahm der Beschuldigte 1 auch zusätzlichen administrativen Auf-

wand in Kauf, welcher nötig geworden wäre, um dem Verbleib der Postsendun-

gen nachzugehen, wäre die Tat nicht sogleich aufgeklärt worden. 

 Die objektive Schwere dieser Tat ist daher als leicht zu bezeichnen. In An-

wendung des Asperationsprinzips rechtfertigt sich eine Erhöhung der Einsatzstra-

fe um 20 Tagessätze auf neu 80 Tagessätze Geldstrafe. 

 2.4.2 Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere der Verletzung des Post- und 

Fernmeldegeheimnisses ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte 1 in erster 

Line versuchte, dem Beschuldigten 2 und letztlich auch sich selbst einen finanziel-

len Vorteil zu verschaffen. Dazu, dass er oder der Beschuldigte 2 sich in einer 

akuten finanziellen Notlage befunden hätten, liegen keine Hinweise vor. Die Lose 

wären sodann auch nicht dazu geeignet gewesen, einer finanzielle Notlage um-

gehend entgegenzuwirken, da sie zunächst entweder noch hätten eingelöst oder 

verkauft werden müssen. 

 Die subjektive Tatschwere der Verletzung des Post- und Fernmeldegeheim-

nisses vermag die objektive Tatschwere daher nicht zu mindern. Das Verschulden 

dieser Tat ist insgesamt als leicht einzustufen. Die hypothetische Einsatzstrafe 

bleibt demnach unverändert bei 80 Tagessätzen Geldstrafe. 

 2.5 Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-

messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu 

tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-

sentlichen täterbezogene Komponenten wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-

strafen, Leumund und Nachtatverhalten, wie Geständnis, Einsicht, Reue etc. 

-   47   - 

(HUG, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER [Hrsg.], Kommentar zum 

StGB, 20. Aufl. 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB). 

 2.5.1 Der Beschuldigte 1 wurde am 14. November 1967 in … [Ort] geboren. 

Zu seinen persönlichen Verhältnissen erklärte er weiter, in der Türkei zusammen 

mit einer Schwester und zwei Brüdern aufgewachsen zu sein. Sein Vater, der im 

Jahre 2003 verstorben sei, sei bereits 1970 in die Schweiz eingereist. Mit Aus-

nahme seiner Schwester sei seine Familie dann in die Schweiz nachgezogen. 

Mittlerweile seien alle seine Geschwister verheiratet. Seine beiden Brüder würden 

in der Schweiz leben und seine Schwester sowie seine Mutter seien in die Türkei 

zurückgekehrt. 

 Er selbst habe in der Türkei die Grundschule sowie ein Jahr der Oberstufen-

schule besucht. Danach sei er im Jahre 1984 in die Schweiz gekommen. Im sel-

ben Jahr habe er auch geheiratet. Mit seiner Ehefrau habe er zwei Kinder. Sein 

Sohn sei im Jahre 1985 und seine Tochter im Jahre 1987 zur Welt gekommen. 

 Eine Berufslehre habe er nicht absolviert. Als er in die Schweiz gekommen 

sei, habe er zunächst als Küchenhilfe in einem Restaurant und dann in einer Bä-

ckerei gearbeitet. Seit dem Jahre 1986 arbeite er bei der Privatklägerin 1, der 

C._____. Im Rahmen dieser Tätigkeit habe er auch verschiedene Kurse besucht 

und dadurch ein Zertifikat erhalten. Seine Arbeitsstelle bei der Post habe er auf-

grund der vorliegend zu beurteilenden Delikte verloren. Danach sei er bei der 

L._____ GmbH in … [Ort] tätig gewesen. Seine Ehefrau sei aus gesundheitlichen 

Gründen nicht mehr berufstätig (Urk. 6/12 S. 12 f.; Urk. 21/1; Urk. 21/5 S. 1 ff.; 

Urk. 53/2; Urk. 53/5; Urk. 53/6; Prot. I S. 11 f. und Prot. II S. 8 ff.). 

 Gemäss den Angaben der Verteidigung hat der Beschuldigte 1 die Schweiz 

im letzten Jahr verlassen. Zusammen mit seiner Ehefrau wohne er nun in der 

Türkei. Seine Ehefrau sei dort Eigentümerin eines Zweifamilienhauses. Die eine 

Wohnung werde von der Familie des Beschuldigten 1 bewohnt und die andere 

werde vermietet. Weder der Beschuldigte 1 noch seine Ehefrau würden in der 

Türkei einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie würden demnächst die Ausrichtung 

einer Rente erwarten. Zu diesem Zwecke habe der Beschuldigte 1 veranlasst, 

-   48   - 

dass ihm sein gesamtes AHV-Guthaben in eine Vorsorgeeinrichtung in der Türkei 

ausbezahlt würde. Dieses Vorhaben habe aber noch nicht umgesetzt werden 

können, weshalb entsprechend auch die Rente noch ausstehe (Urk. 86 S. 7 ff.). 

 2.5.2 Aus dem Werdegang und den persönlichen Verhältnissen des Be-

schuldigten 1 ergeben sich keine Besonderheiten, aus welchen sich strafmassre-

levante Faktoren ableiten lassen. 

 2.5.3 Der Beschuldigte 1 ist im Schweizerischen Strafregister nicht ver-

zeichnet (Urk. 94). Die Vorstrafenlosigkeit ist neutral zu behandeln (BGE 

136 IV 1). 

 2.5.4 Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und 

im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-

ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue 

wirken strafmindernd. Dabei können umfangreiche und prozessentscheidende 

Geständnisse eine Strafreduktion von maximal bis zu einem Drittel bewirken 

(BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). 

 2.5.5 Ein Teilgeständnis legte der Beschuldigte 1 im Rahmen dieses Straf-

verfahrens lediglich im Rahmen der ersten polizeilichen Einvernahme vom 

12. April 2013, welche sich im Nachhinein jedoch als unverwertbar erwies 

(Urk. 71 S. 8 E. 2.7), ab. Diese Eingeständnisse sowie seine Reuebekundungen 

anlässlich der Hafteinvernahme vor dem Zwangsmassnahmengericht des Bezirks 

Dietikon vom 15. April 2013 widerrief er im Verlaufe des Vorverfahrens jedoch 

und stellte fortan sämtliche ihm gemachten Vorwürfe in Abrede (Urk. 20/11 S. 2; 

Urk. 59 S. 11). Eine Strafreduktion unter dem Titel des Nachtatverhaltens fällt vor 

diesem Hintergrund ausser Betracht. 

 2.6 Die Vorinstanz berücksichtigte die Verfahrensdauer bis zum vorinstanzli-

chen Urteil von knapp drei Jahren strafmindernd ohne eingehendere Begründung 

(Urk. 47 S. 46). 

 2.6.1 Zur Garantie eines gerechten Verfahrens nach Art. 29 Abs. 1 BV gehö-

ren der ausdrückliche Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist und 

-   49   - 

das Verbot der Rechtsverzögerung. Sie gelten in allgemeiner Weise für sämtliche 

Sachbereiche und alle Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsbehörden. Über-

dies konkretisiert Art. 5 StPO das Beschleunigungsgebot für den Bereich des 

Strafrechts; nach Abs. 1 dieser Bestimmung nehmen die Strafbehörden die Straf-

verfahren unverzüglich an die Hand und bringen sie ohne unbegründete Verzöge-

rung zum Abschluss. Diese Grundsätze kommen sowohl auf die Behörden der 

Strafverfolgung (Art. 12 und Art. 15 ff. StPO) wie auf die mit Strafsachen befass-

ten Gerichte (Art. 13 und Art. 18 ff. StPO) zur Anwendung. Nach der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung wird der Anspruch auf Beurteilung innert angemesse-

ner Frist missachtet, wenn eine Sache über Gebühr verschleppt wird. Die Beurtei-

lung der angemessenen Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Es ist 

vielmehr in jedem Einzelfall zu prüfen, ob sich die Dauer unter den konkreten 

Umständen als angemessen erweist. Der Streitgegenstand und die damit verbun-

dene Interessenlage können raschere Entscheide erfordern oder längere Behand-

lungsperioden erlauben. Entscheidend ist weiter der Umfang und die Komplexität 

der aufgeworfenen Sachverhalts