# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e45f159-e3d8-555d-8f3b-797c09169041
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-02
**Language:** de
**Title:** (Noch) kein invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen; Rückweisung zur Durchführung von Eingliederungsmassnahmen bei drohender Invalidität.
**Docket/Reference:** IV.2016.01030
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.01030.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.01030
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Peter-Schwarzenberger
Urteil vom 2. Oktober 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein
advokatur rechtsanker
Ankerstrasse 24, Postfach 9822, 8036 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1976, leidet am Geburtsgebrechen Ziff. 387 (angeborene Epilepsie) gemäss dem Anhang zur Verordnung über Geburtsgebre
chen (GgV-Anhang).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, übernahm die Kosten für die medizinischen Massnahmen zur Behandlung des genannten Geburtsgebrechens bis zum 30. April 1996, mithin bis zur Voll
jährigkeit des Beschwerdeführers (vgl. Verfügung vom 30. Januar 1995, Urk. 7/1).
1.2
Der Versicherte meldete sich am 26. Juni
2013 unter Hinweis auf ein psychi
sches Leiden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2, vgl. Urk. 7/5, Urk. 7/10). Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und erteilte dem Versicherten mit Mitteilung vom 27. Februar
2014 (Urk. 7/20) Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining vom 3. März bis 31. Mai
2014, welches jedoch vorzeitig per 7. März 2014 beendet wurde (vgl. Mitteilung vom 19. März
2014, Urk. 7/28). Zudem holte die IV-Stelle ein neu
rologisches Gutachten mit interdisziplinärer Beurteilung ein, das am 16. Juli 2015 erstattet wurde (Urk. 7/61/14-40). Nach durchgeführtem Vorbescheidver
fahren (Urk. 7/63, Urk. 7/69, Urk. 7/74) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. August 2016 (Urk. 7/99 = Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Der
Versicherte erhob am 14. September 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 10. August 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm
eine ganze Invalidenrente auszurichten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2016 (Urk. 6) die Abwei
sung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 16. November 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8). Mit Verfügung vom 2. Dezember 2016 (Urk. 13) wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozess
führung und Rechtsvertretung bewilligt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November
2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest, dass die medizinischen Abklärungen gezeigt hätten, dass aufgrund der Epilepsie des Beschwerdeführers gewisse gesundheitliche Einschränkungen vorhanden seien, sich diese jedoch nicht negativ auf seine Arbeitsfähigkeit auswirken wür
den. Die psychiatrische Diagnose sei nicht invalidisierend, da grundsätzlich eine Prognose vorliege, welche eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit möglich erscheinen lasse. Eine Therapieresistenz könne daher verneint werden
(S. 1 un
ten
f
.
).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1), gestützt auf sä
mtliche medizinischen Berichte
stehe
fest
, dass er seit spä
testens Januar
2013 für sämtliche Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig sei und somit ab Januar
2014 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe (S. 7 Ziff. II.7-8).
2.3
Streitig und zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Die Ärzte des Schweizerischen Epilepsie-Zentrums (EPI) führten in ihrem Be
richt vom 8. Oktober
2013 (Urk. 7/13/3-7) aus, dass sie den Beschwerdeführer seit Juni
1997 behandeln würden (Ziff. 1.2), und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
vermutlich idiopathische generalisierte Epilepsie mit tonisch-klonischen Anfällen und Absenzen, Differenzialdiagnose: kryptogene fokale Epilep
sie, seit
1988
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0), anamnestisch rezidi
vierende depressive Episoden
Der Beschwerdeführer habe keinen Beruf erlernt und sein Pädagogikstudium habe er aufgrund der psychiatrischen Komorbidität unterbrechen müssen. Aus rein epileptologischer Sicht bestehe keine Einschränkung dahingehend, dass das Studium nicht fortgeführt werden könnte. Bei fehlender Anfallsfreiheit gälten jedoch qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit: keine Tätigkeiten in ungesicherter Höhe (Leitern, Gerüste
), keine Arbeiten an gefahrenträchtigen Maschinen und Geräten, keine Tätigkeiten, die das Führen eines fahrausweis
pflichtigen Motorfahrzeuges erfordern, sowie keine Tätigkeiten, welche die al
lei
ni
ge Verantwortung für Schutzbefohlene umfassen würden (Ziff. 1.7).
3.2
Die Ärzte des
Y.___
führten in ihrem undatierten, bei der Be
schwerdegegnerin am 1. November
2013 eingegangenen Bericht (Urk. 7/16) aus, dass der Beschwerdeführer vom 18. März bis am 26. Juni 2013 im
Y.___
stationär behandelt worden sei. Am 1. Oktober 2013 sei er erneut ein
getreten und werde voraussichtlich bis am 1. Januar
2014 bleiben (Ziff. 1.2). Die Ärzte nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) als Hauptdiagnose
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und zwanghaften Tendenzen seit der Jugend (ICD-10 F61.0) als Nebendiagnosen
-
generalisierte idiopathische Epilepsie und epileptische Symptome mit to
nisch-klonischen Anfällen und Absenzen, Differenzialdiagnose: krypto
gene fokale Epilepsie, seit dem 12. Lebensjahr, als Nebendiagnose
Während dem stationärem Aufenthalt vom 18. März bis 26. Juni
2013 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden und seit dem Wiedereintritt am 1. Oktober
2013 sei der Beschwerdeführer zu 100 %
arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Mit einem Arbeits- und Belastungstraining sollte eine 50- bis 60%ige Arbeitsfä
higkeit erreicht werden können (Ziff. 1.7).
3.3
Dem Verlaufsprotokoll der Berufsberatung vom 19. März
2014 (Urk. 7/27) ist zu entnehmen, dass der schrittweise Wiedereinstieg mit Integrationsmassnahmen auf Wunsch des Beschwerdeführers und Empfehlung des
Y.___
geplant worden sei. Der Beschwerdeführer habe am 3. März
2014 ein Belastbar
keitstraining bei der
Z.___
begonnen, welches jedoch nach nur vier Tagen durch die Institution abgebrochen worden sei. Das Verhalten des Beschwerde
führers sei für die Gruppe nicht tragbar gewesen. Sowohl aus berufsberateri
scher Sicht wie auch aus Job-Coaching-Sicht sei eine Eingliederung zum jetzi
gen Zeitpunkt nicht zielführend. Es werde eine Rentenprüfung empfohlen. Be
vor zu einem späteren Zeitpunkt erneut berufliche Massnahmen geprüft wür
den, sei es notwendig, dass sich der Beschwerdeführer in regelmässiger psy
chotherapeutischer Behandlung befinde. Mit dem jetzigen Verhalten sei eine Eingliederung in der ersten Arbeitsmarkt nicht möglich (S. 1, vgl. auch den Abschlussbericht der
Z.___
vom 7. März 2014, Urk. 7/25).
3.4
Dr. (phil.) A.___
, Psychotherapeut,
FSP/ASP,
übernahm in seinem Bericht vom 9. Juni
2014 (Urk. 7/37 = Urk. 7/39) die von den Ärzten des
Y.___
genannten Diagnosen (Ziff. 1, vgl. vorstehend E. 3.2). Der Beschwerdeführer sei zu 100 % arbeitsunfähig und werde auch in Zukunft nicht oder sehr beschränkt arbeitsfähig sein (Ziff. 2-3).
3.5
In ihrem Bericht vom 19. Januar 2015 (Urk. 7/49/1-4) nannten die Ärzte des EPI die gleichen Diagnosen wie in ihrem Bericht vom 8. Oktober 2013 (vorstehend E. 3.1). Sie führten aus, dass die Fortsetzung des Pädagogikstudiums aus rein epileptologischer Sicht möglich sei und nannten wiederum die gleichen qualita
ti
ven Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bei fehlender Anfallsfreiheit (Ziff. 1.7)
.
3.6
Dr. med. B.___
, Facharzt für Neurologie, erstattete das von der Be
schwerdegegnerin in Auftrag gegebene neurologische Gutachten mit interdis
z
i
pli
närer Beurteilung, namentlich unter Berücksichtigung des psychiatrischen Gutachtens von PD
Dr. C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, vom 30. Juni
2015 (vgl. Urk. 7/61/14-40 = Urk. 7/67), am 16. Juli
2015 (Urk. 7/61/1-13).
Dr. B.___ nannte keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9 Ziff. 6.1), als Diagnosen ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er jedoch (S. 9 Ziff. 6.2):
-
idiopathische/genetische primär generalisierte Epilepsie seit 1988; oligo
symptomatisch unter antiepileptischer Zweierkombination
-
narzisstische Persönlichkeitsstörung
Dr.
B.___
führte aus, dass aus rein neurologisch-epileptologischer Sicht keine be
ruf
lichen Einschränkungen betreffend das Pädagogikstudium bestünden; der Beschwerdeführer sei aus rein neurologisch-epileptologischer Sicht seit jeher zu 100 % arbeitsfähig als Pädagogikstudent (S. 10 f. Ziff. 7.5, Ziff. 8.1). Aufgrund der Epilepsie seien berufliche Tätigkeiten, die eine aktive Teilnahme am motori
sierten Strassenverkehr, auf Leitern und Gerüsten und im Schichtdienst oder an laufenden und verletzungsträchtigen Maschinen erforderten, nicht zuträglich. Ansonsten bestünde auch in einer anderen Tätigkeit rein aufgrund der Epilepsie eine Arbeitsfähigkeit von 100 %.
Aus psychiatrischer Sicht bestünden ebenfalls keine beruflichen Einschränkun
gen (S. 11 Ziff. 8.2). Dabei stützte sich Dr.
B.___
auf das psychiatrische Gutach
ten von Dr.
C.___
(Urk. 7/61/14-40 = Urk. 7/67), wonach der Beschwerdeführer an einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften An
teilen leide, nicht jedoch an einer darüber hinaus gegenwärtig komorbiden nachweisbaren weiteren krankheitswertigen Störung, weshalb eine medizinisch theoretisch uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 22 Ziff. 6.1-6.2, Ziff. 6.4, Ziff. 8.1-8.2).
Dr. C.___
war der Ansicht, dass eine Therapiefähigkeit bestehe und grundsätzlich eine Prognose, die eine Wiederaufnahme einer Ar
beitstätigkeit möglich erscheinen lasse (S. 24 Ziff. 8.5.3.d).
Dr.
B.___
kam zum Schluss, dass somit aus neurologischer und aus psychiatri
scher Sicht das Pädagogikstudium wieder aufgenommen werden könnte (S. 11 Ziff. 8.3). Zudem riet er zu einer verhaltenstherapeutisch-psychotherapeutischen Begleitung der ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit berufli
chem Coaching (S. 11 Ziff. 8.4).
3.7
PD
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 22. Juli
2015 (Urk. 7/62/6) aus, dass auf das neurologisch-psychiatrische Gutachten abgestellt werden kön
ne, wonach keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wor
den sei.
3.8
Dr. A.___
nahm am 13. Oktober
2015 (Urk. 7/73) zum psychiatrischen Gutachten von Dr.
C.___
vom Juni
2015 (vorstehend E. 3.6) Stellung und führte hierzu aus, dass aus dem Gutachten klar hervor gehe, dass der Beschwerdefüh
rer bei einer schweren, narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften An
tei
len nicht arbeitsfähig sei. Die Persönlichkeitsstörung mit erheblichen psy
chosozialen Fehlentwicklungen lasse sich praktisch und realistisch nicht
so
the
ra
pieren, dass eine Eingliederung in die Arbeitswelt wieder möglich wäre (S. 3).
3.9
PD Dr.
C.___
nahm am 2. Februar 2016 (Urk. 7/86) zu den Einwänden des Rechts
vertreters des Beschwerdeführers im Vorbescheidverfahren (vgl. Urk. 7/69, Urk. 7/74) sowie zur Stellungnahme von Dr.
A.___
vom 13. Oktober 2015 (vorstehend E. 3.8) Stellung (vgl. Urk. 7/80, Urk. 7/85). Er legte dar, dass die Problematik im vorliegenden Fall in der Tat komplex sei, in
sofern hier keine
manifeste Erkrankung etwa im Sinne einer depressiven Epi
sode oder einer Zwangsstörung mit entsprechenden gravierenden Symptomen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege, sondern es sich um ein klini
sches Erschei
nungs
bild handle, das gekennzeichnet sei durch eine schwere nar
zisstische Per
sönlichkeitsakzentuierung oder auch Persönlichkeitsstörung. Die Problematik bestehe darin, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner schweren nar
zisstischen Störung die Notwendigkeit eines „normalen Arbeitslebens“ mit einer zu erwartenden Arbeitsleistung für sich nicht zu akzeptieren vermöge (S. 3 f.).
Die in seinem psychiatrischen Gutachten erwähnte „medizinisch theoretische Arbeitsfähigkeit“ (vorstehend E. 3.6) beziehe sich darauf, dass bei einer entspre
chenden therapeutischen Begleitung eine Wiedereingliederung nicht nur mög
lich sei, sondern, wenn es gelinge, die gesunden Ich-Anteile des Beschwerde
führers in einem therapeutischen Coaching anzusprechen und zu fördern, auch eine Hinführung in einen normalen Arbeitsprozess mindestens mit teilweiser Leistung und anteiligem Pensum möglich sei (S. 6 oben). Therapeutisch müsse es im vorliegenden Fall darum gehen, und dies setze ganz erhebliche therapeu
tische Qualifikationen und Erfahrungen voraus, den Beschwerdeführer schritt
weise an normale Lebensprozesse heranzuführen, ihm dabei zu vermitteln, dass auch ein normaler Lebensvollzug eine Selbstbestätigung in ausreichendem Umfang beinhalten könne, und dabei gleichzeitig zu verhindern, dass der de
struktive Narzissmus wieder Überhand gewinne und ihm suggeriere, alles um ihn herum sei viel zu gewöhnlich, als dass er sich damit abgeben müsse. Im Zusammenhang solcher isolationistischer Tendenzen sei dann auch Suizidalität ein Thema (S. 5 Mitte). In der Tat lasse sich beim Beschwerdeführer zum ge
genwärtigen Zeitpunkt keine Erkrankung mit entsprechender Symptomatik nachweisen, welche die Arbeitsfähigkeit gravierend beeinträchtigen würde. Die bestehende gravierende Persönlichkeitsstörung sei von einer Qualität, die dazu ermutigen müsse, einen therapeutisch begleiteten Arbeitsversuch zu beginnen (S. 7 Mitte).
3.10
RAD-Arzt PD
Dr. D.___
äusserte sich in seiner Stellungnahme vom 15. April 2016 (Urk. 7/94/3) zur ergänzenden Stellungnahme des psychiatrischen Gut
achters
PD Dr. C.___
vom 2. Februar
2016 (vorstehend E. 3.9) und führte hierzu aus, dass dieser die therapeutische Zugänglichkeit der Psychopathologie beim Beschwerdeführer betont und seine bisher getätigten Einschätzungen bekräftigt habe.
3.11
Dr. med. E.___, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom
20. Mai
2016 (Urk. 7/89 = Urk. 7/91) aus, dass er den Be
schwerdeführer seit Januar
2003 behandle (Ziff. 1.2), und nannte folgende Di
ag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und zwanghaften Tendenzen (ICD-10 F61.0)
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
generalisierte idiopathische Epilepsie und epileptische Syndrome
Die Prognose sei in diesem Stadium nicht beurteilbar, es sei eher keine Arbeitstä
tigkeit möglich (Ziff. 1.4).
3.12
In seinem Schreiben vom 1.
Juli 2016 (Urk. 7/93) legte Dr.
A.___
dar, dass der Beschwerdeführer zurzeit und sicher auch in den nächsten Jahren zu 100 % arbeitsunfähig sei.
3.13
Dr. med. F.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem
– nach Verfügungserlass erstellten –
Bericht vom 23. August
2016 (Urk. 3) folgende Diagnosen (S. 3 oben):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, ängstlichen und zwanghaften Tendenzen (ICD-10 F61.0)
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
generalisierte idiopathische Epilepsie und epileptische Syndrome
In Anbetracht des Alters des Beschwerdeführers sei die Wirksamkeit einer Psy
chotherapie stark verzögert, er brauche über längere Zeit eine wirksame Psy
chotherapie. Da der Beschwerdeführer auf längere Zeit 100 % arbeitsunfähig sei, werde eine 100%ige Invalidenrente als Therapiekonzept empfohlen (S. 3).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer wurde am 30. Juni
2015 im Auftrag der Beschwer
de
gegne
rin im Rahmen einer neurologischen und psychiatrischen Be
gutachtung un
ters
ucht (vorstehend E. 3.6, vgl. Urk. 7/61/1-13 S. 1 unten, Urk. 7/61/14-40 = Urk. 7/67 S. 6 oben). Der neurologische Gutachter Dr.
B.___
und der psychiatrische Gutachter Dr.
C.___
verfügen über den entsprechenden Facharzttitel, so dass sie zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der Ar
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers grundsätzlich befähigt sind. Das neurolo
gische Gutachten mit interdisziplinärer Beurteilung, mithin unter Berücksichti
gung des psychiatrischen Gutachtens, wurde unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und in Kenntnis der Vorakten erstat
tet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung. Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vor
genommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet. Die Beurteilung durch den neurologischen Gut
achter als auch durch den psychiatrischen Gutachter  ist nach dem Gesagten für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend. Das
bidisziplinäre
Gutach
ten erfüllt damit die praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungsgrundlagen (vgl. vorstehend E. 1.4) vollumfänglich, so dass für die Entscheidfindung darauf abgestellt werden kann.
4.2
Der neurologische Gutachter
stellte
– unter Berücksichtigung des psychiatri
schen Gutachtens – keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, nannte jedoch eine seit 1988 bestehende idiopathische/genetische primär gene
ralisierte Epilepsie sowie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit. Die attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, mithin als Pädagogikstudent, aus rein neurologisch-epileptologischer Sicht (vorstehend E. 3.6) begründete der neurologische Gut
achter damit, dass beim Beschwerdeführer unter einer antiepileptischen Zweier
kombination nur noch selten Anfälle aufträten, zuletzt im September 2014 und meistens nicht häufiger als einmal pro Jahr (Urk. 7/61/1-13 S. 10 Ziff. 7.1, vgl. S. 4 f. Ziff. 3.2.1-3.2.2). Er legte in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, dass dem Beschwerdeführer jedoch aufgrund der Epilepsie berufliche Tätigkei
ten, die eine aktive Teilnahme am motorisierten Strassenverkehr, auf Leitern und Gerüsten und im Schichtdienst oder an laufenden und verletzungsträchti
gen Maschinen erforderten, nicht mehr möglich seien. Ansonsten bestünde auch in einer anderen Tätigkeit rein aufgrund der Epilepsie eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (vorstehend E. 3.6). Diese Einschätzung stimmt denn auch mit derjenigen der Ärzte des EPI überein (vorstehend E. 3.1, E. 3.5).
Zudem kam der neurologische Gutachter zum Schluss, dass auch aus psychiatri
scher Sicht keine beruflichen Einschränkungen bestünden. Dabei stützte er sich auf das psychiatrische Gutachten, wonach der Beschwerdeführer an einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften Anteilen leide, jedoch eine Therapiefähigkeit vorliege (vorstehend E. 3.6). Der psychiatrische Gutachter legte sodann in seinem Gutachten in schlüssiger und nachvollzieh
barer Weise dar, dass eine medizinische (psychiatrische) Notwendigkeit vorliege, eine intensive Verhaltenstherapie durchzuführen, um dem Beschwerdeführer schrittweise den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Gegenwärtig bestehe ein labiler, jedoch nicht im engeren Sinne krankheitswertiger Zustand. Der Beschwerdeführer bedürfe für die Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit und mit dem Ziel einer Nachreifung in Richtung auf mehr sozialen Verhaltens
spielraum dringend einer Verhaltenstherapie oder eines „therapeutischen Coachings“. Medizinisch theoretisch liege uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor, da n
eben der Persönlichkeitsstörung
gegenwärtig
keine
nachweisbaren weiteren krankheitswertigen Störung
en
vorlägen (S. 20 Ziff. 5.1, S. 22 Ziff. 6.1
-
6.2, Ziff. 6.4, Ziff. 8.1
-8.2). Der psychiatrische Gutachter
war sodann der An
sicht, dass nicht von einem verfestigten, therapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen Verlauf gesprochen werden könne. Nach dem klaren Eindruck der Untersuchung bestehe eine Therapiefähigkeit und grundsätzlich eine Prog
nose, die eine Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit möglich erscheinen lasse. Die Therapie bedürfe jedoch angesichts der gravierenden Persönlichkeitsstörung einer besonderen Kompetenz (S. 24 f. Ziff. 8.5.3.d).
In seiner Stellungnahme vom Februar 2016 (vorstehend E. 3.9) äusserte sich der psychiatrische Gutachter dahingehend, dass beim Beschwerdeführer keine Er
krankung vorliege, welche die Arbeitsfähigkeit gravierend beeinträchtigen würde. Der Beschwerdeführer bedürfe einer therapeutischen Begleitung bei der Wiedereingliederung, welche erhebliche therapeutis
che Qualifikationen und Er
fahrung
voraussetze.
4.3
Wie bereits ausgeführt, ist eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie aus
gewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein (vorstehend E. 1.3).
Gestützt auf das neurologische Gutachten, das unter Berücksichtigung des psy
chi
atrischen Gutachtens erstellt wurde, ergibt sich, dass
es sich bei der diag
nos
ti
zierten schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften Anteilen
zwar
um einen Gesundheitsschaden handelt, der jedoch (n
och) nicht invalidisierend ist, da mittels therapeutischer Begleitung die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers möglich erscheint.
4.4
Den Berichten des behandelnden Psychotherapeuten Dr.
A.___
(vor
ste
hend E. 3.4, E. 3.8, E. 3.12) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig sei, wobei er sich insbesondere auf die subjektiven An
gaben des Beschwerdeführers stützte (vgl. Urk. 7/37 = Urk. 7/39, Urk. 7/73, Urk. 7/93). Die Einschätzung von Dr.
A.___
zeigt die Erfahrungstatsa
che auf, dass Hausärzte sowie behandelnde
Spezialärzte
im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
, weshalb auch die Einschätzung des behandelnden Psychotherapeuten nichts an der Beweiskraft des bidisziplinären Gutachtens zu ändern vermag. Im Übrigen ist Dr. A.___ mutmasslich Psychologe und nicht Arzt, ver
fügt jedenfalls nicht über einen Facharzttitel.
4.5
In Bezug auf den nach Verfügungserlass erstellten Bericht von Dr. F.___ (vor
ste
hend E. 3.13) gilt, dass nach ständiger Rechtsprechung das Sozialversiche
rungs
gericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachverhalt beurteilt, der zur Zeit des Abschlusses des Ver
wal
tungs
verfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs
verfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Der Bericht von Dr. F.___ wurde zwar nach Verfügungserlass erstellt, äusserte sich jedoch zum vorliegend umstrittenen Sachverhalt im Verfügungszeitpunkt, weshalb er grundsätzlich herangezogen werden kann. Dr. F.___ stützte sich jedoch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, wie
Dr.
A.___, ins
besondere
auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführer
s (vgl. Urk. 3), weshalb auf das oben Gesagte verwiesen werden kann (vorstehend E. 4.4).
4.6
Der Beschwerdeführer machte sodann geltend, dass der psychiatrische Gutachter in seinem Gutachten verfehlte Ausführungen gemacht habe, indem dieser davon ausgegangen sei, dass wegen fehlender psychischer Komorbidität keine Arbeits
un
fähigkeit vorliege (vgl. Urk. 1 S. 6 Ziff. II.6).
Dies monierte der Beschwerde
führer bereits in seinem Einwand vom 14. September 2015 gegen den Vorbe
scheid (Urk. 7/69 S. 2). Aus der Stellungnahme des psychiatrischen Gutachters PD Dr. C.___ vom 2. Februar 2016 (Urk. 7/86)
geht jedoch hervor, dass er sich bei seinen
Ausführungen zur fehlenden Komorbidität nicht auf das Überwind
bar
keits
kriterium der früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu somato
for
men Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen Leiden be
zog. Vie
lmehr wollte er dartun, dass es an einer manifesten psychiatrischen Er
kran
kung wie einer
Depression oder einer Zwangsstörung mit entsprechenden gra
vie
renden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Gutachtenszeitpunkt ge
fehlt habe (S. 3).
4.7
Nach
dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu betrachten, dass derzeit kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt, da mittels therapeutischer Begleitung die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers als möglich erscheint.
5.
5.1
Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Eingliederungsmass
nahmen hat.
5.2
Invalide o
der
von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (lit. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit.
d).
5.3
Art. 8 Abs. 1 IVG räumt den Eingliederungsanspruch nicht nur den schon Invali
den ein, sondern auch den Versicherten, die von einer Invalidität bedroht sind.
Nach Art. 1
novies
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) liegt drohende Invalidität vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwie
gend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist unerheblich.
5.4
Beim Beschwerdeführer liegt, wie bereits festgehalten wurde, derzeit kein in
validi
sierender Gesundheitsschaden vor, da mittels therapeutischer Begleitung die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit möglich erscheint (vorstehend E. 4.3, E. 4.7). Der psychiatrische Gutachter hielt jedoch in seinem Gutachten bezüglich der therapeutischen Begleitung fest, dass der therapeutische Coach über eine sehr hohe psychotherapeutische Qualifikation als auch über viel Erfahrung verfügen müsse (vorstehend E.4.2). Der Beschwerdeführer bedarf demnach zwingend der Unterstützung durch einen therapeutischen Coach und einer en
gen Begleitung während dem Eingliederungsprozess. Nur so besteht die Chance einer Wiedereingliederung, wobei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden kann, ob dies auch tatsächlich gelingen wird. So ist aus den Akten er
sichtlich, dass das im März
2014 begonnene Belastbarkeitstraining nach nur vier Tagen abgebrochen wurde (vorstehend E. 3.3); weitere berufliche Mass
nahmen wurden nicht durchgeführt. Ohne enge therapeutische Begleitung wird die Wiedereingliederung des Beschwerdeführers in den ersten Arbeitsmarkt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht erfolgreich sein, womit der Beschwer
deführer von einer Invalidität bedroht ist.
5.5
Die Sache ist demnach an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen veranlasse, um einer dro
henden Invalidität vorzubeugen. Gleichzeitig hat sich der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht einer geeigneten Psychotherapie zu un
ter
ziehen. Hernach hat sie erneut über den Rentenanspruch zu verfügen, ge
gebenenfalls unter Einholung eines medizinischen Verlaufsgutachtens. In die
sem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensauf
wand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG) und ermessensweise auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Die Kosten sind ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Der unentgeltliche
Rechtsvertreter de
s
Beschwerdeführer
s reichte dem Gericht am 25. September 2017 die Honorarnote in Höhe von Fr. 2‘121.-- (inklusive Bar
auslagen und MWSt) ein (Urk. 16). Die Höhe der Honorarnote erweist sich als angemessen. Die dem Beschwerdeführer zuzusprechende Parteientschädi
gung ist daher auf Fr. 2‘121.-- zu bemessen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 10. August 2016 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwä
gungen Eingliederungsmassnahmen durchführe, und hernach erneut über den Ren
tenanspruch verfüge.
2
.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3
.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich,
eine Prozessentschädi
gung von
Fr.
2'121
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 16
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis
und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannPeter-Schwarzenberger