# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d46ced5a-b9c0-5f5d-aa99-c346e18c8b11
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-23
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 23.09.2014 SB140051
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140051_2014-09-23.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    

 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB140051-O/U/eh 
 
 
Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, Oberrichterin lic. iur.  

Ch. von Moos und Ersatzoberrichter lic. iur. A. Flury sowie die  

Gerichtsschreiberin lic. iur. C. Grieder  

 

Urteil vom 23. September 2014 

in Sachen 
 

A._____, 
Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 
 

gegen 
 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. R. Jäger,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin  

 

sowie 
 

1.  B._____ 
2.  C._____ 
3.  D._____, 

1  vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ 

Privatkläger 

 

betreffend 

versuchte sowie mehrfach vollendete Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 
23. August 2013 (DG130024) 

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 27. März 

2013 (HD act. 23) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

- der versuchten sowie mehrfach vollendeten Vergewaltigung im Sinne 

von Art. 190 Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB, 

- der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, 

- der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, 

- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB, 

- des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG 

in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie 

- der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in 

Verbindung mit Art. 100 Ziff. 1 Abs. 1 SVG und Art. 41 Abs. 1 SVG  

sowie Art. 30 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 2 lit. a VRV. 

Vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB wird der 

Beschuldigte freigesprochen. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten,  

wovon 5 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von 

Fr. 300.–, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Zürich - Sihl vom 9. Dezember 2009. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

3 Jahre festgesetzt. 

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. 

- 3 - 

 

4. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ eine Ge-

nugtuung in der Höhe von Fr. 10'000.— zuzüglich Zins zu 5 % seit 

1. April 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbe-

gehren abgewiesen. 

b) Der Privatkläger C._____ wird mit seinen Forderungen auf den  

Zivilweg verwiesen. 

c) Der Privatkläger D._____ wird mit seiner Forderung auf den 

Zivilweg verwiesen. 

5. a) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

15. November 2011 beschlagnahmten Bierflaschen werden einge-

zogen und nach Eintritt der Rechtskraft vernichtet. 

b) Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unter-

land vom 15. November 2011 beschlagnahmten Unterlagen, werden 

dem Beschuldigten auf erstes Verlangen nach Eintritt der Rechtskraft 

herausgegeben: 

 - Bewerbungen 

 - Stelleninserate 

 - Arbeitsverträge 

 - Zeugnisse 

 - Schreiben RAV 

 - Lohnabrechnungen August 2006 und Oktober 2006 

 - Lohnabrechnungen Januar 2007 bis Dezember 2007 

 - Lohnabrechnungen Januar 2008 bis Dezember 2008 

 - Lohnabrechnungen Januar 2009 bis Dezember 2009 

 - Lohnabrechnungen Januar 2010 bis Juli 2010 und September 

2010, Monate Juni und Juli auch Arbeitslosenentschädigungs-

Abrechnung 

 - Lohnabrechnungen April/Mai/Juni (... Arbeitslosenkasse)  

und Juni 2011 bis August 2011 (Abrechnungen der Firma  

E._____ AG) 

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  Arbeitsrapporte der Firma E._____ AG 

 - Kontoauszüge 

 - Zahlungsbefehl vom 20. Mai 2011 

 - Abrechnung Visa Card (Postfinance) 

 - Schreiben Bezirksgericht (Eheschutzrichter) 

 - Steuererklärung Jahr 2007 

 - Lohnausweise der Jahre 2007/2008/2009/2010 

 - Steuerrechnung für das Jahr 2008 

 - ID Karte gültig 2010 bis 2016 (Rückgabe am 13.10.2011) 

 - alter Reisepass gültig 2004 bis 2010, alte ID Karten 

 - Familienbuch 

 - Zivilstandsdokument von Bolivien 

 - Familienausweis 

 - Geburtsurkunde 

 - Domizilzeugnis und Kopien Reisepass B._____ 

 Werden die vorgenannten Gegenstände nicht innert 3 Monaten nach 

Eintritt der Rechtskraft herausverlangt, werden sie bei den Akten  

belassen oder vernichtet. 

6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:  

Fr. 6'000.— ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'002.05   Auslagen Vorverfahren (gemäss RIS) 

Fr. 5'000.—   Gebühr Strafuntersuchung 
Fr. 5'762.45   Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung (be-

reits bezahlt) 
Fr. 8'463.85   Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung (noch 

zu bezahlen) 
Fr. 6'372.30   Kosten der amtlichen Verteidigung (RAin Z1._____, be-

reits bezahlt) 
Fr. 25'805.35   Kosten der amtlichen Verteidigung (RAin X2._____, noch 

zu bezahlen) 
Fr. 59'406.—   Total 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

 Wird auf die Begründung dieses Urteils verzichtet, reduziert sich die  

Gerichtsgebühr auf zwei Drittel. 

 

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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich derjenigen für die amtlichen Verteidigungen, werden dem Beschuldigten 

zu drei Vierteln auferlegt und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse  

genommen. 

Die Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung werden dem  

Beschuldigten in vollem Umfang auferlegt. 

Die Kosten für die amtlichen Verteidigungen sowie die unentgeltliche  

Geschädigtenvertretung werden indessen einstweilen auf die Gerichtskasse 

genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vor-

behalten. 

8. Der Antrag des Beschuldigten, wonach die Privatkläger 2 und 3 zur  

Bezahlung einer angemessenen Parteikostenentschädigung im Sinne von 

Art. 432 StPO an den Beschuldigten zu verpflichten seien, wird abgewiesen. 

9. (Mitteilungen) 

10. (Rechtsmittel) 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 90 S. 2) 

1. In Aufhebung der Dispositivziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts  

Winterthur sei der Beschuldigte von folgenden Vorwürfen freizusprechen:  

− der versuchten sowie mehrfach vollendeten Vergewaltigung i.S.v.  

Art. 190 Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB; 

− der sexuellen Nötigung i.S.v. Art. 189 Abs. 1 StGB; 

− der mehrfachen Nötigung i.S.v. Art. 181 StGB. 

2. In Aufhebung der Dispositivziffern 2 und 3 des Urteils des Bezirksgerichts 

Winterthur sei der Beschuldigte mit einer bedingten Geldstrafe von  

10 Tagessätzen à CHF 50.-- (bei Ansetzung einer Probezeit von zwei Jah- 

 

- 6 - 

 

ren und unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft von  

5 Tagen) sowie einer Busse von CHF 300.-- zu bestrafen; 

3. In Aufhebung der Dispositivziffer 4a) des Urteils des Bezirksgerichts  

Winterthur seien die Zivilforderungen der Privatklägerin 1 abzuweisen; 

4. In Aufhebung der Dispositivziffer 4b) des Urteils des Bezirksgerichts  

Winterthur sei das Forderungsbegehren des Privatklägers C._____  

abzuweisen;  

5. In Aufhebung der Dispositivziffer 4c) des Urteils des Bezirksgerichts  

Winterthur sei das Forderungsbegehren des Privatklägers D._____ abzu-

weisen; 

6. Die Kosten des Vor- und des erstinstanzlichen Verfahrens wie auch des  

Berufungsverfahrens, der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung und der 

amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen; 

7. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 23. August 

2013 (Geschäftsnummer DG130024-K) zu bestätigen. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 91 S. 1) 

1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten sowie einer 

Busse von Fr. 1'000.-- zu bestrafen, teilweise als Zusatzstrafe zum Straf-

befehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 9. Dezember 2009 und als 

Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

vom 19. März 2014. 

2. Der Vollzug von 10 Monaten Freiheitsstrafe sei anzuordnen und für die rest-

lichen 20 Monate Freiheitsstrafe sei der Vollzug bedingt aufzuschieben unter 

Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.  

c) Der Vertreterin der Privatklägerin B._____:  

(Urk. 67 S. 2) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils  

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Erwägungen: 

I. Verfahrensgang / Prozessuales 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Der Verlauf des Verfahrens bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus 

dem Entscheid vom 23. August 2013 (Urk. 58 S. 5f.).  

1.2. Mit dem vorstehend aufgeführten Urteil sprach die Vorinstanz den Beschul-

digten am 23. August 2013 der versuchten sowie der mehrfachen vollendeten 

Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB, der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, 

der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, der Tätlichkeiten im Sinne 

von Art. 126 Abs. 1 StGB, des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 

Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie der Verletzung der 

Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 100 Ziff. 1 

Abs. 1 SVG und Art. 41 Abs. 1 SVG sowie Art. 30 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 2 lit. a 

VRV schuldig. Vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB 

wurde der Beschuldigte freigesprochen. Der Beschuldigte wurde bestraft mit einer 

Freiheitsstrafe von 22 Monaten, wovon 5 Tage durch Haft erstanden sind, sowie 

mit einer Busse von Fr. 300.-, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 9. Dezember 2009. Der Vollzug der Freiheits-

strafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Für  

die Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen bei schuldhaftem Nicht-

bezahlen der Busse angesetzt. Der Beschuldigte wurde zudem verpflichtet, der 

Privatklägerin B._____ eine Genugtuung in der Höhe von  

Fr. 10'000.- zuzüglich Zins zu 5% seit 1 April 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen. Die Privatkläger C._____ und 

D._____ wurden mit ihren Forderungen auf den Zivilweg verwiesen. Sodann wur-

de über beschlagnahmte Gegenstände und Unterlagen befunden. Die Kosten der 

Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen für die 

amtliche Verteidigung, wurde dem Beschuldigten zu drei Vierteln auferlegt.  

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Die Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung wurden dem Beschuldig-

ten in vollem Umfang auferlegt. Die Kosten für die amtliche Verteidigung und die 

unentgeltliche Geschädigtenvertretung wurden unter Vorbehalt der Rück-

zahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtkasse genommen. 

Der Antrag des Beschuldigten auf Bezahlung einer angemessenen Parteikosten-

entschädigung durch die Privatkläger 2 und 3 wurde abgewiesen (Urk. 58 S. 60).  

1.3. Gegen dieses am 23. August 2013 mündlich eröffnete, kurz begründete und 

den Parteien schriftlich im Dispositiv übergebene Urteil (Prot. I S. 42f.) liess der 

Beschuldigte gleichentags Berufung anmelden (Urk. 48). Am 23. Oktober 2013 

teilte RAin X2._____ dem Gericht telefonisch mit, dass sie infolge Wahl als  

Bezirksrichterin ans Bezirksgericht … ihre Anwaltstätigkeit per Ende Oktober 

2013 niederlegen und das Mandat ihrem Kollegen RA Dr. X._____ übergeben 

werde (Urk. 49). Mit Eingabe vom 12. November 2013 (Urk. 51) ersuchte  

RAin X2._____ mit Verweis auf die eingereichte Vollmacht (Urk. 52) um  

Entlassung als amtliche Verteidigerin des Beschuldigten und um Bestellung von  

RA Dr. X._____ als neuer amtlicher Verteidiger. Mit Verfügung der Vorinstanz 

vom 13. November 2013 wurde die bisherige amtliche Verteidigerin entlassen und 

neu RA Dr. X._____ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten bestellt  

(Urk. 53). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 55, Urk. 56) am  

13. Januar 2014 liess der Beschuldigte dem Obergericht die Berufungserklärung 

einreichen und Beweisanträge stellen (Urk. 59).  

1.4. Mit Präsidialverfügung vom 13. Februar 2014 erhielten die Privatkläger und 

die Staatsanwaltschaft die Berufungserklärung zugestellt, um gegebenenfalls  

Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu  

beantragen. Der Staatsanwaltschaft und der Vertreterin der Privatklägerin 

B._____ wurde sodann eine Frist zur obligatorischen Stellungnahme zu den Be-

weisanträgen des Beschuldigten angesetzt. Der Privatklägerin B._____ (Privat-

klägerin 1) wurde Frist angesetzt, um schriftlich zu erklären, ob sie beantrage, 

dass dem urteilenden Gericht eine Person gleichen  

Geschlechts angehöre, ob sie für den Falle ihrer Befragung von einer Person 

gleichen Geschlechts einvernommen werden solle und ob im Falle einer Befra-

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gung für die Übersetzung ebenfalls eine Person gleichen Geschlechtes  

beigezogen werden solle (Urk. 63). Mit Eingabe vom 10. März 2014 erhob die  

Staatsanwaltschaft Anschlussberufung, wobei sie diese auf die Strafzumessung  

beschränkte, und beantragte die Abweisung des Beweisantrages des Beschuldig-

ten (Urk. 65). Die Vertreterin der Privatklägerin 1 beantragte mit Eingabe vom  

10. März 2014 ebenfalls die Abweisung des Beweisantrages des Beschuldigten. 

Sodann liess die Privatklägerin 1 beantragen, dass das urteilende Gericht mit 

mindestens einer Person gleichen Geschlechts zu besetzen sei und im Falle einer 

Befragung der Privatklägerin 1 diese durch eine Person gleichen Geschlechts 

einzuvernehmen sei und für eine Übersetzung ihrer Befragung eine Person  

gleichen Geschlechts beizuziehen sei. Weiter wurde die Dispensation der Privat-

klägerin 1 von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung und der Ausschluss 

der Öffentlichkeit beantragt (Urk. 67). Mit Präsidialverfügung vom 14. März 2014 

wurden die Anschlussberufungserklärung der Staatsanwaltschaft und die Eingabe 

der Privatklägerin B._____ je den übrigen Parteien zugestellt  

(Urk. 69). Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 20. März 2014 Stellung  

nehmen (Urk. 71). 

1.5. Am 23. April 2014 ging ein Strafbefehl gegen den Beschuldigten wegen  

vorsätzlichen Fahrens ohne Berechtigung ein (Urk. 76). Mit Präsidialverfügung 

vom 2. Mai 2014 wurden die Beweisanträge des Beschuldigten auf Einholung  

eines Glaubhaftigkeitsgutachtens zu den Aussagen und dem Aussageverhalten 

der Privatklägerin und auf persönliche Befragung der Privatklägerin 1 abge-

wiesen. Sodann wurde die Publikumsöffentlichkeit von der Berufungsverhandlung 

ausgeschlossen und den akkreditierten Gerichtsberichterstattern die Teilnahme 

an der betreffenden Berufungsverhandlung gestattet mit der Auflage, dass sie  

in ihrer Berichterstattung nichts erwähnten, was die Identifikation der Privat-

klägerin 1 erlauben würde (Urk. 77 S. 10).  

1.6. In der Folge wurde am 26. Juni 2014 auf den 22. September 2014 zur Beru-

fungsverhandlung vorgeladen (Urk. 80). Nachdem die Vorladung dem Beschuldig-

ten nicht zugestellt werden konnte, wurde diese am 11. Juli 2014 erneut zugestellt 

(Urk. 83).  

 

- 10 - 

1.7. Am 22. September 2014 fand die Berufungsverhandlung statt (Prot.II S. 7ff.).  

2. Strafanträge 

Die Geschädigten C._____ und D._____ haben rechtzeitig Strafantrag betreffend 

Tätlichkeiten gestellt (ND 4 Urk. 3/1 und 3/2).  

3. Umfang der Berufung 

3.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldpunkt betref-

fend versuchte sowie mehrfache vollendete Vergewaltigung, sexuelle Nötigung 

und mehrfache Nötigung (Dispositivziffer 1 Abs. 1 al. 1-3). Die Berufung des  

Beschuldigten betreffend die Tätlichkeiten (Anklageziffer 1.3) wurde anlässlich der 

Berufungsverhandlung zurückgezogen (Prot. II S. 9), wovon vorab mittels  

Beschluss Vormerk zu nehmen ist. Angefochten sind weiter die Strafe, der Voll-

zug der Strafe sowie dementsprechend die Genugtuungs- und Kostenfolgen  

(Dispositivziffern 4 und 7). 

3.2. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Anschlussberufung auf die Strafzumessung 

(Dispositivziffer 2) und die Frage des Strafvollzuges (Dispositivziffer 3) beschränkt 

(Urk. 65 S. 2).  

3.3. Nicht (mehr) angefochten und demgemäss in Rechtskraft erwachsen ist der 

Schuldspruch betreffend Tätlichkeiten, Fahren ohne Berechtigung und Verletzung 

der Verkehrsregeln (Dispositivziffern 1 Abs. 1 al. 4 - 6), der Freispruch vom Vor-

wurf des Raufhandels (Dispositivziffer 1 Abs. 2), die Einziehungen (Dispositiv-

ziffern 5a und 5.b), die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 6) und die Abweisung 

des Antrages des Beschuldigten auf Parteikostenentschädigung (Dispositiv- 

ziffer 8). Die Rechtskraft dieser vorinstanzlichen Dispositivziffern ist vorab mittels  

Beschluss festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und  

437 StPO).  

4. Vorfragen 

Der Verteidiger stellte anlässlich der Berufungsverhandlung den Antrag, es seien 

Urk. 6/1-4 und Urk. 6/6-7 aus den Akten zu entfernen (Urk. 88 S. 2). In den Ein-

vernahmen gemäss Urk. 6/1-4 sei kein Verteidiger anwesend gewesen, obschon 

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es sich um einen Fall von notwendiger Verteidigung gehandelt habe. Da der Be-

schuldigte nicht auf eine Wiederholung der Einvernahmen verzichtet habe, seien 

diese Beweiserhebungen nicht gültig und die entsprechenden Einvernahmen sei-

en aus den Akten zu entfernen. Dasselbe gelte für die Einvernahmen gemäss 

Urk. 6/6-7: Der Verfahrensleitung im Haftverfahren sei klar gewesen, dass der 

Beschuldigte noch andere Verfahren offen gehabt habe, in welchen er notwendig 

verteidigt gewesen sei. Wegen dem Grundsatz der Verfahrenseinheit hätte die 

notwendige Verteidigung auch im Verfahren wegen Raufhandels von Anfang an 

sichergestellt werden müssen. Das Recht auf Wiederholung könne auch nicht 

verwirkt werden (Urk. 88 S. 2f.).  

4.1. Gemäss Art. 130 lit. b StPO muss der Beschuldigte notwendig verteidigt 

werden, wenn ihm eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr droht. Es ist  

dabei von der Verfahrensleitung unverzüglich eine Verteidigung zu bestellen 

(Art. 131 Abs. 1 StPO). Beweiserhebungen, die gemacht wurden, bevor eine  

erkennbare notwendige Verteidigung bestellt wurde, sind nur gültig, wenn der  

Beschuldigte auf die Wiederholung der Beweiserhebung verzichtet (Art. 131  

Abs. 3 StPO).  

4.2. In der Einvernahme vom 18. August 2011 (Urk. 6/1) ging es bereits um den 

Vorwurf der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung, wobei die Mindeststrafe 

für letzteres Delikt ein Jahr Freiheitsstrafe ist, weshalb ein Fall von notwendiger 

Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. b StPO vorlag. Da kein Verzicht seitens 

des Beschuldigten auf eine Wiederholung der erwähnten Einvernahme vorliegt, 

kann sie nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden, ist aber weiterhin bei 

den Akten zu belassen.  

4.3. Anlässlich der Einvernahme vom 19. August 2011, 8.00 Uhr, erklärte der 

Beschuldigte, seine Verteidigerin weile in den Ferien, er sei aber damit ein-

verstanden, dass die Einvernahmen ohne Anwesenheit seiner Anwältin stattfinde 

(Urk. 6/2). Demnach hat der Beschuldigte auf die Teilnahme seiner Verteidigerin 

explizit verzichtet, weshalb diese Einvernahme vollumfänglich verwertbar ist.  

 

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4.4. In der Einvernahme vom 19. August 2011, 11:05 Uhr, ging es um den Vor-

wurf der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten (Urk. 6/3), in der Einvernahme 

vom 19. August 2011, 11:55 Uhr um Widerhandlung gegen das Ausländergesetz 

(Urk. 6/4) und in der Einvernahme vom 13. Oktober 2011 wiederum um die  

Vernachlässigung von Unterhaltspflichten (Urk. 6/6), welche Tatbestände gar 

nicht vom vorliegenden Anklagesachverhalt umfasst sind, weshalb die Verwert-

barkeit dieser Einvernahmen vorliegend keine Rolle spielt.  

4.5. In der Einvernahme vom 30. Oktober 2011 ging es um den Tatbestand der 

Tätlichkeiten, hinsichtlich welchem Vorfall anlässlich der Berufungsverhandlung 

ein Rückzug erfolgte (Prot. II S. 9) und welcher folglich in Rechtskraft erwachsen 

ist, weshalb die Verwertbarkeit der erwähnten Einvernahme irrelevant ist.  

5. Beweisanträge 

5.1. Die vom Beschuldigten gestellten Beweisanträge wurden mit Präsidial-

verfügung vom 2. Mai 2014 abgewiesen (Urk. 77).  

5.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde auf das Stellen weiterer  

Beweisanträge verzichtet (Prot. II S. 10). 

6. Anwendbares Recht 

Das Sexualstrafrecht wurde per 1. Januar 2007 revidiert. Dem Beschuldigten wird 

in Anklageziffer 1.1.1 mehrfache Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 StGB  

zwischen Dezember 2006 und März 2007 vorgeworfen.  

Der Beschuldigte soll demnach gemäss Anklageschrift einen Teil der Vergewalti-

gungen unter der zwischen dem 1. Oktober 1992 und 31. Dezember 2006  

gültigen Fassung begangen haben, weshalb grundsätzlich auch jene Fassung zur 

Anwendung gelangt, ausser das neue Recht sei das mildere (Art. 2 Abs. 2 StGB). 

Da bezüglich Anklageziffer 1.1.1 jedoch – wie noch zu zeigen sein wird (vgl.  

Ziff. II. 6.3.) – ohnehin ein Freispruch zu erfolgen hat, kann die Frage des  

anwendbaren Rechts offen bleiben.  

 

 

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II. Sachverhalt 

Vorab ist festzuhalten, dass der Beschuldigte im Berufungsverfahren die gleichen 

Sachverhalte anerkennt, bestreitet oder teilweise bestreitet wie schon vor Vor-

instanz. Die Vorinstanz hat sich ausführlich mit den Vorbringen des Beschuldigten 

zu sämtlichen Sachverhalten befasst. Es ist zusammengefasst von folgender 

Ausgangslage auszugehen:  

1. Ausgangslage 

1.1. Der Beschuldigte hat sowohl in der Untersuchung als auch vor Vorinstanz 

den Vorwurf betreffend Fahren ohne Berechtigung und Verletzung der Verkehrs-

regeln anerkannt. Die entsprechenden vorinstanzlichen Schuldsprüche sind 

rechtskräftig. Ebenfalls rechtskräftig ist der Freispruch vom Vorwurf des Rauf-

handels. Sodann hat der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung die 

Berufung betreffend die Tätlichkeiten (Anklageziffer 1.3) zurückgezogen, weshalb 

dieser Schuldspruch ebenfalls in Rechtskraft erwachsen ist.  

1.2. Die übrigen eingeklagten Sachverhalte betreffend mehrfache vollendete 

Vergewaltigung in der Ehe im Zeitraum von Dezember 2006 bis März 2007  

(Anklageziffer 1.1.1), sexuelle Nötigung im Frühling 2010 (Anklageziffer 1.1.2), 

versuchte Vergewaltigung/sexuelle Nötigung ebenfalls im Frühling 2010 (Anklage-

ziffer 1.1.3) und mehrfache Nötigung, erstmals im Januar 2006 bis ca. Mitte März 

2007, werden vom Beschuldigten bestritten, weshalb diese zu erstellen sind. 

2. Beweiswürdigung 

2.1. Somit ist im Folgenden zu prüfen, ob die eingeklagten Sachverhalte auf-

grund der Akten rechtsgenügend nachgewiesen werden können.  

2.2. Vorab sind die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung festzuhalten:  

Die bestrittenen Sachverhalte sind aufgrund der Untersuchungsakten und der vor 

Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu 

erstellen. Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2  

 

 

- 14 - 

EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis  

seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklag-

te unschuldig ist (Urteile des Bundesgerichts 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, 

E. 7.2. und 1P.437/2004 vom 1. Dezember 2004, E. 4.2. f.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 

und S. 957 f. Nr. 180; BGE 127 I 40, 120 Ia 31 E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel 

besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den 

Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei  

objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht 

hat. Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstandesgemäss einleuch-

tenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar 

sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 

2005, Rz 11 ff. zu § 54). Dabei beruht die nötige richterliche Überzeugung nicht 

auf äusseren, sondern alleine auf der inneren Autorität eines Beweismittels,  

bestehend in dessen zwingend-überzeugender Kraft (Schmid, Strafprozessrecht, 

4. Aufl., Zürich 2004, Rz 291; drs. Handbuch des schweizerischen Strafprozess-

rechts, 2. Auflage, Zürich/St.Gallen 2013, Rz 229).  

Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des 

Beschuldigten hätte zweifeln müssen (BGE 127 I 41, 124 IV 87 E. 2a). Wenn  

erhebliche oder nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sach-

verhalt so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, so ist der Beschuldigte nach dem 

Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio pro 

reo", in ZBJV 1993 S. 419 f.). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der 

Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen 

Indizien, deren "Mosaik" (Arzt, In dubio contra, in Zeitschrift für Strafrecht 115, 

S. 197) zu würdigen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4; Pra 2002 

Nr. 180 S. 962 f. Ziff. 3.4.).  

Ein Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld des  

Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür 

vorliegen, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den 

ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann nicht verlangt 

werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen  

 

- 15 - 

Aspekten unwiderlegbar feststehe (vgl. Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. A., 

Zürich 2004, Rz 288, S. 96). Es muss genügen, wenn vernünftige Zweifel an der 

Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden können. Aufgabe des Richters 

ist es, seinem Gewissen verpflichtet, in objektiver Würdigung des gesamten  

Beweisergebnisses, zu prüfen, ob er von einem bestimmten Sachverhalt über-

zeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen Richtigkeit zu überwinden  

vermag (§ 284 StPO/ZH; ZR 72 Nr. 80; Guldener, Beweiswürdigung und Beweis-

last, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4.; BGE 124 IV 88, 120 Ia 31 E. 2c).  

Es liegt in der Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine  

absolute Sicherheit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es 

genügen, dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist 

(vgl. Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni 2003 Nr. 2002/387S E. 2.2.1 samt  

Hinweisen). Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht mass-

gebend sein, weil solche immer möglich sind (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., 

Rz 12 zu § 54, und Urteile des Bundesgerichtes 6B_297/2007 vom 4. September 

2007 E. 3.4. und 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2.). Es genügt also, 

wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausgeschlossen werden können, hin-

gegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen. Lässt 

sich ein Sachverhalt nicht mit letzter Gewissheit feststellen, was schon im Wesen 

menschlichen Erkenntnisvermögens liegt, so hindert dies den Richter nicht,  

subjektiv mit Gewissheit davon überzeugt zu sein.  

Dabei können auch indirekte, mittelbare Beweise, sogenannte Anzeichen oder  

Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen Schluss erlauben. Indizien 

sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, unmittelbar erhebliche  

Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird mithin vermutet, dass eine nicht  

bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfolgerung aus  

bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung aufdrängt. Der Indi-

zienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/Hartmann, 

a.a.O., § 59 Rz. 14). Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlich-

keit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die 

Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (Hans Walder, 

Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309, derselbe, Die  

 

- 16 - 

Beweisführung in Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, 

S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, 

welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf 

eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen  

lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu  

schliessen (Hauser/ Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 Rz. 15 und Urteil des  

Bundesgerichtes 6B_297/2007 vom 4. September 2007 E. 3.4.). 

Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese frei 

zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und den 

Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend 

ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, ver-

bunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der Würdigung von 

Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdig-

keit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die Glaub-

haftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Gemäss BGE 129 I 49 

E.5 hat sich bei der Abklärung des Wahrheitsgehalts von Aussagen die Aus-

sageanalyse weitgehend durchgesetzt. Nach dem empirischen Ausgangspunkt 

der Aussageanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche 

geistige Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, ob die 

aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen 

Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen  

Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise 

vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens 

durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, so genannte Real-

kennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des 

Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft 

und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert werden. Bei 

der Glaubhaftigkeitsbegutachtung ist immer davon auszugehen, dass die  

Aussage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese  

Unwahrhypothese (Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Über-

einstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die Alternativ-

hypothese, dass die Aussage wahr sei. Erforderlich ist dafür besonders auch die  

 

- 17 - 

Analyse der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage (vgl. dazu 

die im erwähnten BGE angegebene Literatur). 

Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, das heisst der 

verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tat-

bestandselemente nachzuweisen (vgl. dazu Schmid, a.a.O., S. 198, N 599) und 

nicht der Angeklagte hat seine Unschuld zu beweisen (BGE 127 I 40 und Urteile 

des Bundesgerichtes 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2. und 1P.437/2004 

vom 1. Dezember 2004, E. 4.3.; 6S.154/2004 vom 30. November 2005 E. 4). 

Die Teilnahmerechte des Beschuldigten bei den Beweiserhebungen wurden ge-

wahrt und die nachgenannten Beweismittel sind uneingeschränkt verwertbar. 

3. Beweismittel 

In Bezug auf die Anklageziffern 1.1 und 1.2 liegen als Beweismittel die Aussagen 

der Privatklägerin 1 und des Beschuldigten vor.  

4. Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 1 

Den Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 1 

(Urk. 58 S. 22-24) ist zuzustimmen. Zu berücksichtigen ist, dass zwischen der 

Privatklägerin 1 und dem Beschuldigten ein Scheidungsverfahren lief, das sich in 

Bezug auf die Kinderbelange schwierig gestaltete. In diese Zeit fällt die Anzeige-

erstattung durch die Privatklägerin 1. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass 

durch diesen Schritt eine Stärkung der Position im Scheidungsverfahren ange-

strebt worden ist. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass möglicherweise mit der 

Trennung beziehungsweise mit dem Scheidungsverfahren, welches die Privat-

klägerin 1 am 1. Oktober 2010 einleiten liess, bei ihr ein grosser Druck wegfiel 

und es aus diesem Grund erst in diesem Zeitpunkt zur Strafanzeige vom 

17. November 2010 kam.  

5. Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 

5.1. Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass den Beschuldigten keine 

Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 163 Abs. 2 StPO treffe und er als vom Ver- 

 

- 18 - 

fahren direkt Betroffener ein - insofern legitimes - Interesse daran habe, die  

Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Seine Aussagen sind 

daher grundsätzlich mit Vorsicht zu würdigen, wobei jedoch auch bei ihm der  

materielle Gehalt seiner Aussagen und damit deren Glaubhaftigkeit, und nicht 

seine prozessuale Stellung massgebend ist.  

5.2. Der Umstand, dass der Beschuldigte sich, nach Ablehnung seines  

Gesuches für eine Einreise in die Schweiz, eine zweite Identität zugelegt hat  

(Urk. 6/1 S. 5 f.) und sich gegenüber der Privatklägerin 1 zu Beginn als "F._____" 

ausgegeben hat, schmälert seine Glaubwürdigkeit höchstens marginal. 

 

6. Mehrfache Vergewaltigung in der Ehe (Anklageziffer 1.1.1) 

Der Deliktszeitraum gemäss Anklage ist nicht genau eruierbar, betrifft aber den 

Zeitraum von Dezember 2006 bis März 2007, d.h. rund vier Monate. Gemäss  

Anklage ereigneten sich die Delikte grundsätzlich regelmässig einmal am  

Wochenende.  

6.1. Aussagen des Beschuldigten  

6.1.1. In der Hafteinvernahme bei der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

vom 19. August 2011 (Urk. 6/5) sagte der Beschuldigte auf die Frage, wann die 

Schwierigkeiten mit seiner Frau begonnen hätten, dass dies nach der Geburt  

ihres Sohnes gewesen sei. Auf die Frage, wann es damit begonnen habe, dass 

seine Frau (Privatklägerin 1) ihm Vorwürfe mache, die nicht zuträfen, sagte der 

Beschuldigte: "Seit ich eine neue Beziehung hatte. Sie hat das gesehen, dass es 

mir gut geht seither. Das Ganze hat sich intensiviert seit ich die Scheidung wollte" 

(Urk. 6/5 S. 13). Auf die Frage, ob seine Ehefrau in der Vergangenheit einmal  

anderen Leuten gegenüber falsche Anschuldigungen geäussert habe, bejahte 

dies der Beschuldigte. Dazu führte er aus, dass die Privatklägerin 1 seiner  

Exfreundin gegenüber gesagt habe, dass jedes Mal, wenn er zu ihr gehen würde, 

er versuchen würde, sie anzufassen. Seine Exfreundin habe ihr dies nicht  

geglaubt. Für ihn sei klar gewesen, dass sie einfach seine Beziehung habe kaputt 

machen und ihm habe schaden wollen (Urk. 6/5 S. 13).  

- 19 - 

 

6.1.2. Am 29. März 2012 wurde der Beschuldigte bei der Staatsanwaltschaft  

Winterthur/Unterland einvernommen (Urk. 6/11). Im Rahmen der Stellungnahme 

zur Einvernahme der Privatklägerin 1 führte der Beschuldigte aus, dass die Vor-

würfe in Bezug auf die sexuellen Übergriffe zum Nachteil seiner Frau nicht  

stimmen würden. Er finde es auch komisch, dass sie plötzlich damit gekommen 

sei, dass es noch einen weiteren sexuellen Übergriff seinerseits gegeben habe. 

Er finde es einfach komisch, da sie es, bevor er die Scheidung verlangt habe, gut 

miteinander gehabt hätten. Damit meine er, dass seine Frau zu ihm nach Hause 

in die Wohnung, wo er mit seiner jetzigen Freundin lebe, gekommen sei. Sie drei 

hätten es alle gut miteinander gehabt. Sie seien gut miteinander ausgekommen. 

Deswegen verstehe er nun nicht, weshalb sie das Ganze mache. Dass er die 

Scheidung verlangt habe, sei vielleicht ein Grund dafür. Es stimme auch nicht, 

dass er ihr gesagt habe, dass er ihr Gesicht verunstalten wolle. Es stimme auch 

nicht, dass er sie jedes Wochenende zum Sex gezwungen habe. Er sei der  

Meinung, dass er eine sehr geduldige und verständnisvolle Person sei und das 

wisse auch seine Frau (Urk. 6/11 S. 2). 

Dazu befragt, wonach es zwischen Dezember 2006 bis März 2007 jeweils am 

Wochenende immer wieder zu Geschlechtsverkehr zwischen ihm und der Privat-

klägerin 1 gekommen sei, obwohl diese nicht gewollt habe, sagte der Beschuldig-

te, dass sie damals noch ein gute sexuelle Beziehung gehabt hätten. Dass er sie 

jemals zu Sex gezwungen hätte, sei nicht richtig. Das habe er nie getan. Für ihn 

als Mann sei es wichtig, dass die Frau beim Sex auch mitmache, dass sie nicht 

nur teilnahmslos daliege. Er habe sie im Zusammenhang mit dem Sex auch nie 

verbal oder mit seiner Gestik bedroht. Er könne zu seiner Verteidigung noch  

anfügen, dass seine jetzige Freundin zurzeit gesundheitliche Probleme habe und 

sie deswegen schon längere Zeit keinen Geschlechtsverkehr mehr miteinander 

gehabt hätten. Er wolle damit sagen, dass er sehr geduldig sein könne. Er könne 

eine Frau nicht zum Sex zwingen (Urk. 6/11 S. 7).  

6.1.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte aus, sie  

hätten in der fraglichen Zeit ein- bis zweimal wöchentlich Geschlechtsverkehr ge-

habt, wobei die Initiative jeweils von beiden ausgegangen sei. Er sei in dieser Zeit  

- 20 - 

 

zweimal monatlich in den Ausgang gegangen. Es sei nicht so extrem gewesen, 

wie es die Privatklägerin 1 gesagt habe. Es stimme nicht, dass er jeweils nach 

dem Ausgang Geschlechtsverkehr von der Privatklägerin 1 verlangt habe, er habe 

dann vielmehr schlafen wollen. Es sei dabei selten zum Geschlechtsverkehr ge-

kommen, sie sei dann aber jeweils einverstanden gewesen. Die Privatklägerin 1 

sei dabei weder aktiv noch passiv gewesen. Er habe gemerkt, wenn sie nicht  

gewollt habe. Das merke man, wenn man jemanden gut kenne. Sie habe dann 

auch gesagt, dass sie keine Lust habe. Er könne nicht mit einer Frau  

Geschlechtsverkehr haben, wenn sie dies nicht wolle. Er glaube, sie habe damals 

die Pille genommen. Sie hätten aber nicht konkret darüber gesprochen. Er sei  

davon ausgegangen, dass sie die Pille nehme. Er wisse, dass sie einmal 

schwanger geworden sei. Sie hätten sich zusammen für eine Abtreibung  

entschieden. Er habe nicht gegen den Willen der Privatklägerin mit dieser  

Geschlechtsverkehr gehabt. Er habe sie nicht vergewaltigt (Urk. 89 S. 7-11). In 

Bezug auf die Trennung räumte der Beschuldigte entgegen früheren Aussagen 

erstmals ein, dass die Privatklägerin 1 die Initiative zur Scheidung ergriffen habe 

(Urk. 89 S. 16 unten), wodurch auch seine These, dass die unberechtigten Vor-

würfe seitens der Privatklägerin 1 schlimmer geworden seien, als er die Schei-

dung gewollt habe, entkräftet wird. 

6.2. Aussagen der Privatklägerin 1 

6.2.1. Die Privatklägerin 1 sagte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom  

22. November 2011 (Urk. 7/2) auf die Frage, ob es jemals gegen ihren Willen zu  

Geschlechtsverkehr gekommen sei, folgendes: "Nein. Er hat immer vorher auf-

gehört. Es war sicher manchmal so, dass ich Sex hatte obwohl ich keine Lust  

dazu hatte. Ich hatte Angst, dass er mich schlägt, wenn ich nein sage." (Urk. 7/2 

S. 8 Antwort zu Frage 58). Auf die Frage, ob das häufig passiert sei, sagte die 

Privatklägerin 1 dass es am Schluss jedes Wochenende so gewesen sei. Es  

seien die letzten neun Monate der Beziehung zwischen September 2006 und 

März 2007 gewesen. Es sei jedes Wochenende und manchmal auch mehrmals 

pro Wochenende gewesen. Die Frage, ob der Beschuldigte das gewusst habe, 

bejahte die Privatklägerin 1 und sagte, dass er gewusst habe, dass sie keine Lust 

- 21 - 

  

habe. Sie habe auch gesagt, dass sie ihn "gruusig" finde, wenn er nach Alkohol 

und Zigaretten stinke. Das sei ihm egal gewesen. Sie habe sich dagegen einfach 

nur mit Worten gewehrt (Urk. 7/2 S. 8 Antworten auf Fragen 59-64).  

6.2.2. Die Privatklägerin 1 wurde am 23. November 2011 bei der Staatsanwalt-

schaft Winterthur/Unterland befragt (Urk. 7/3). Sie führte aus, dass am Anfang  

alles gut und schön gewesen sei. Am Anfang der Ehe sei auch alles gut gelaufen. 

Nachdem G._____ dann auf der Welt gewesen sei, sei der Beschuldigte nur noch 

in den Ausgang gegangen. Sie hätten sich dann eigentlich nur noch am Wochen-

ende gesehen und er sei jeweils bereits am Freitagabend in den Ausgang  

gegangen und sei erst gegen Samstagmitttag besoffen zurück gekommen. Dann 

habe er geschlafen und am Samstagabend habe sich das Ganze wiederholt. Es 

sei richtig, dass die Probleme erst nach der Geburt begonnen hätten. Das Sexual-

leben in ihrer Beziehung sei auch immer schlimmer geworden. Am Schluss sei er 

dann jeweils besoffen nach Hause gekommen und habe gewollt und sie habe 

nicht gewollt (Urk. 7/3 S. 6).  

Im Verlauf der weiteren Befragung führte die Privatklägerin 1 auf entsprechende 

Frage aus, dass das Sexualleben nicht mehr so das Wahre gewesen sei. Er sei ja 

immer im Ausgang gewesen und sei dann nach Hause gekommen und habe nach 

Alkohol gestunken. Er habe dann jeweils noch gewollt und sie habe gegen den 

Schluss nur noch "hingehalten". Sie habe zu diesem Zeitpunkt dann auch die Pille 

abgesetzt, in der Hoffnung, dass er dann nicht mehr wolle, weil sie schwanger 

werden könnte. Dies habe jedoch nichts genutzt. Als sie dann das zweite Mal 

schwanger geworden sei habe er ihr auch gesagt, dass sie blöd sei, weil sie so 

schnell schwanger werde (Urk. 7/3 S. 14).  

Sie habe sich zu Beginn gewehrt, dies habe jedoch nichts genutzt, er sei besoffen 

und "hässig" gewesen (DVD STR/2011/621 STA-Einvernahme B'._____ vom 23. 

November 2011,1/2, Zeit: 01:25:25). Wenn sie jeweils nicht gewollt habe,  

habe er sie auch geschlagen. Dann habe sie jeweils einfach hingehalten und 

nichts mehr gesagt und getan (Urk. 7/3 S. 15).  

 

- 22 - 

 

6.2.3. Die Privatklägerin 1 wurde am 6. März 2012 erneut bei der Staatsanwalt-

schaft Winterthur/Unterland befragt (Urk. 7/5). Auf die Frage, was die Privat-

klägerin 1 damit meine, wenn sie sage, dass sie nur noch hingehalten habe, gab 

sie zu Protokoll, dass es so gewesen sei, dass ihr Mann in den letzten paar  

Monaten, in denen sie noch mit ihm zusammengewohnt habe, am Freitag immer 

in den Ausgang gegangen sei. Er habe getrunken. Ob er auch Drogen konsumiert 

habe wisse sie nicht. Er habe einfach immer rote Augen gehabt und habe beim 

Sprechen jeweils mit den Zähnen geknirscht. Wenn sie jeweils nicht gewollt habe, 

habe der Beschuldigte sie geschlagen oder ihr gedroht (Urk. 7/5 S. 4). Meistens 

sei er ja besoffen nach Hause gekommen und habe dann noch etwas von ihr  

gewollt. Wenn sie nein gesagt habe, dann habe er seine Hand erhoben, als wolle 

er sie schlagen, er habe sie auch beschimpft. Dann habe sie es einfach machen 

lassen, da sie Angst gehabt habe. Er habe gesagt, dass sie nie Lust habe. Das 

würde nicht gehen. Die Männer würden sagen können wie es laufe. Die Frauen 

hätten zu gehorchen. Sie habe dann einfach auf dem Rücken gelegen und  

er habe seinen Akt vollzogen. Sie habe sich auf dem Bett befunden als er  

gekommen sei. Er sei jeweils früh morgens gegen 03.00 oder 04.00 Uhr nach 

Hause gekommen. Da sei sie noch im Bett gewesen. Er sei dann ins Schlafzim-

mer gekommen und habe einen riesigen Lärm gemacht, da er überall hinein-

gelaufen sei. Sie sei dann erwacht. Es sei dann meistens zu Streitereien  

gekommen und er habe wirres Zeug geredet und geflucht. Dann sei er über sie 

her gekommen und wenn sie nicht gewollt habe, habe er gesagt, er würde sie 

schlagen. Er habe sie manchmal einfach gestossen, sie wisse es nicht mehr  

genau. Sie sei oft aufgesessen, wenn er herumgetorkelt sei. Er habe sie so  

gestossen, dass sie wieder gelegen sei, einfach zurückgestossen (Urk. 7/5 S. 5). 

Dann sei sie einfach liegen geblieben und er habe meistens seine und ihre Hose 

abgezogen. Dann hätten sie Sex gehabt, dann sei es vorbei gewesen und sie  

hätten geschlafen. Sie habe dann auch die Pille abgesetzt und sich gedacht, dass 

das nütze und er nicht mehr mit ihr schlafe. Das habe auch ein paar Mal funktio-

niert. Dann aber nicht mehr. Sie sei dann auch einmal noch schwanger geworden 

und habe dann abgetrieben (Urk. 7/5 S. 6). Dies ausführend, war die Privat-

klägerin 1 sichtlich berührt (vgl. Protokollnotiz Urk. 7/5 S. 6).  

- 23 - 

 

Auf die Frage, wie sie jeweils reagiert habe, wenn er ins Schlafzimmer gekommen 

sei und sie zurückgestossen habe, sagte die Privatklägerin 1, dass sie ihm ein-

fach gesagt habe, er solle dies lassen und sie habe ihn ebenfalls beschimpft. Sie 

habe ihm auch gesagt, dass sie ansonsten gehen würde. Dass dies so nicht  

gehe. Er habe dann auch gesagt, wenn sie gehe, würde er das Kind entführen 

(Urk. 7/5 S. 6).  

6.3. Würdigung 

Die Privatklägerin 1 verneinte in der ersten Einvernahme zu diesem Anklage-

vorwurf, dass sie je gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldig-

ten gehabt habe. Sie ergänzte dabei, dass es sicherlich manchmal so gewesen 

sei, dass sie keine Lust gehabt habe, aber Angst gehabt habe, dass der Beschul-

digte sie schlagen würde (Urk. 7/2 S. 8). Sie sagte dabei explizit aus, dass er  

immer vorher aufgehört habe, wenn sie den Geschlechtsverkehr nicht gewollt  

habe. In den folgenden Einvernahmen stellte sie sich dagegen teilweise auf den 

Standpunkt, der Beschuldigte habe sie geschlagen oder mit Gewalt gedroht, 

wenn sie sich geweigert habe. Die Aussagen der Privatklägerin 1 sind demzufolge 

inkonstant und weisen überdies eine deutliche Aggravierungstendenz auf, was 

aufhorchen lässt und gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 1 

spricht. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Privatklägerin 1 den  

Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten jeweils einfach über sich ergehen 

liess, auch wenn sie keine Lust darauf hatte, so wie sie dies zu Beginn des Straf-

verfahrens auch aussagte. Es bestehen aufgrund der divergierenden und  

aggravierenden Aussagen der Privatklägerin 1 erhebliche Zweifel, dass sie sich 

mit genügender Deutlichkeit gegen die Annäherungen des Beschuldigten zur 

Wehr gesetzt hat. Demzufolge lässt sich nicht zweifellos erstellen, dass für den 

Beschuldigten erkennbar war, dass die Privatklägerin 1 in den eingeklagten Fällen 

jeweils keinen Geschlechtsverkehr mit ihm wollte.  

Weiter bestehen bezüglich der Quantität der angeklagten Vergewaltigungen  

widersprüchliche Aussagen: Die Privatklägerin 1 sagte aus, dass der Beschuldig-

te sich nach dem Absetzen der Pille ein paar Mal vom Geschlechtsverkehr habe 

abhalten lassen, weshalb sich der Anklagesachverhalt auch nicht dahingehend  

- 24 - 

 

erstellen lässt, dass zwischen Dezember 2006 und März 2007 regelmässig  

einmal am Wochenende eine Vergewaltigung stattfand. Dann sagte die Privat-

klägerin 1 in einer Einvernahme aus, der Beschuldigte sei jeweils von Freitag-

abend bis Samstagmittag und von Samstagabend bis Sonntagmittag im Ausgang 

gewesen (Urk. 7/3 S. 6). An anderer Stelle führte die Privatklägerin 1 dagegen 

aus, der Beschuldigte sei jeweils nach dem Ausgang gegen 03.00 / 04.00 Uhr ins 

Zimmer gekommen und habe sie schliesslich vergewaltigt (Urk. 7/5 S. 5). Dieser 

Widerspruch lässt sich nicht auflösen, weshalb sich der Anklagesachverhalt auch 

in quantitativer Hinsicht nicht erstellen lässt. Wenn der Beschuldigte jeweils bis 

Samstag / Sonntag Mittag weg war, kann er sie nicht jedes Wochenende jeweils 

gegen 03.00 / 04.00 Uhr vergewaltigt haben.  

Aufgrund dieser Erwägungen ist der Beschuldigte vom Anklagevorwurf der mehr-

fachen Vergewaltigung in der Ehe (Anklageziffer 1.1.1) in dubio pro reo frei-

zusprechen.  

7. Sexuelle Nötigung (Anklageziffer 1.1.2) 

7.1. Die Vorinstanz fasste die diesen Sachverhalt betreffenden Aussagen des 

Beschuldigten (Urk. 58 S. 9) und der Privatklägerin 1 (Urk. 58 S. 19 f.) korrekt  

zusammen. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann darauf verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Berufungsverhandlung sagte der Beschul-

digte aus, es treffe zu, dass er einmal bei der Privatklägerin 1 zum Lernen  

gewesen sei. Sein Sohn sei nicht dort gewesen. Sie hätten dann Pizza gegessen 

und er sei in der Folge nach Hause gegangen. Es sei damals zu keinen sexuellen 

Handlungen gekommen. Er habe da ja auch eine Freundin gehabt. Er wisse nicht, 

ob die Privatklägerin 1 einen Vibrator besitze. Die Vorwürfe der Privatklägerin 1 

würden nicht zutreffen (Urk. 89 S. 12f.). 

7.2. Es trifft mit der Verteidigung zu, dass die Privatklägerin 1 diesen Vorfall  

zuerst mit einem weiteren, drei Wochen vorher vorgefallenen Ereignis verwech-

selte (Anklageziffer 1.1.3, vgl. unten Ziff. 8): "Ich habe mich bei der Polizei einfach 

an eine Sache erinnert und es waren zwei Sachen und jetzt habe ich wie ein 

durcheinander." (Urk. 7/3 S. 16) und "Vielleicht an den Brüsten. Ich bin mir jedoch  

- 25 - 

 

nicht sicher, da kurz vor diesem Vorfall noch etwas passiert ist und ich nun ein 

Durcheinander habe." bzw. "Da die beiden Vorfälle so nahe aufeinander statt-

gefunden haben, kann ich sie im Kopf nicht wirklich voneinander trennen. Ich  

habe deswegen ein durcheinander" (Urk. 7/3 S. 23). Später in der selben Einver-

nahme konnte sich die Privatklägerin 1 aber wieder daran erinnern, dass der  

Beschuldigte ihre Brüste beim Vorfall mit dem Vibrator berührt habe (Urk. 7/3  

S. 25) und hat insgesamt den Ablauf des fraglichen Vorfalls detailliert und lebens-

nah geschildert: "Da kam er zu mir, da er lernen musste. Es war irgendetwas mit 

Mathematik. Es war Zinsrechnen. Da haben wir zuerst gelernt. Dann hat er  

nebenan beim Pizzakurier eine Pizza geholt. Wir haben diese gegessen und dann 

hat er mich gefragt, ob ich einen Vibrator hätte. Ich erwiderte, dass ihn dies nichts 

angehe. Er lief dann ins Schlafzimmer und durchsuchte dieses. Als ich hineinging 

um zu fragen, was dies solle, hat er die Türe geschlossen. Er schloss die Türe mit 

dem Schlüssel und zog den Schlüssel ab. Er hat mich da dann auf das Bett  

geschmissen und ist dann mit dem Vibrator in mich eingedrungen." (Urk. 7/3  

S. 23), "Er kniete über mir und hatte seine Beine ausserhalb von meinen Beinen, 

d.h. meine Beine waren zwischen seinen Knien." (Urk. 7/3 S. 24).  

Weiter hat die Privatklägerin 1 sich gemäss ihren Aussagen verbal gegen den  

sexuellen Übergriff des Beschuldigten gewehrt. Auf die Frage, ob sie sich körper-

lich zur Wehr gesetzt habe, antwortete sie: "Nein. Einmal habe ich einfach gesagt, 

er solle aufhören wegen seiner Freundin. Er sagte hierauf, dass ihm diese egal 

sei, er liebe sowieso eine andere.". Die Frage der Staatsanwaltschaft, ob die  

Privatklägerin 1 ihm einmal gesagt habe, dass er aufhören solle, weil sie dies 

nicht möchte, bejahte sie. Auf den Hinweis der Staatsanwaltschaft, dass sie dies 

zuvor nicht erwähnt habe, erklärte die Privatklägerin 1: "Ja, ich habe ihm einfach 

gesagt, dass er aufhören solle wegen der Freundin. Ich kann mich erinnern, dass 

ich ihm dies sagte, als er meine Brüste berührte." (Urk. 7/3 S. 25). Damit hat die 

Privatklägerin 1 gemäss ihren Ausführungen klar zum Ausdruck gebracht, dass 

sie mit der sexuellen Handlung des Beschuldigten nicht einverstanden war.  

7.3. Der Beschuldigte hatte seinerseits weniger Mühe, die zwei Begebenheiten 

(Anklageziffer 1.1.2 und 1.1.3) auseinanderzuhalten: Er hat stets erwähnt, dass er  

- 26 - 

 

einmal seinen Sohn besucht hat, weil dieser krank gewesen sei und er deshalb 

sein Besuchsrecht nicht habe ausüben können (vgl. unten Ziff. 8.1.). An einem 

anderen Tag sei er zum Lernen zur Privatklägerin 1 gegangen, wobei sein Sohn 

nicht anwesend gewesen sei. Er sei danach aus Dankbarkeit eine Pizza kaufen 

gegangen (Urk. 6/11 S. 5) bzw. sie hätten eine Pizza gegessen (Urk. 89 S. 12). 

Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin das Pizza-Essen zuerst 

erwähnte (Einvernahme vom 23. November 2011, Urk. 7/3 S. 23) und der  

Beschuldigte sich dieser Aussage in der Folge anschloss (Einvernahme vom  

29. März 2012, Urk. 6/11 S. 5, Urk. 89 S. 12). Vom Rahmengeschehen her  

– Lernen und Pizza essen – decken sich die Aussagen des Beschuldigten jeden-

falls mit denen der Privatklägerin 1 und vermögen deren Aussagen nicht abzu-

schwächen.  

7.4. Es besteht kein Anlass, an den authentischen Aussagen der Privatklägerin 1 

zu zweifeln. Es spricht ausserdem für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der  

Privatklägerin 1, dass sie die zwei tatsächlich ähnlich gelagerten Fälle der einge-

klagten sexuellen Nötigungen bzw. der versuchten Vergewaltigung zuerst durch-

einander gebracht und dies auch eingeräumt hat. Schliesslich erklärte sie aber 

explizit, sich wieder erinnern zu können.  

7.5. Gemäss Verteidigung ist bei der von der Privatklägerin 1 geschilderten  

Position der Beine des Beschuldigten und derjenigen der Privatklägerin 1 eine 

Vaginalpenetration mit einem Vibrator kaum möglich, da sie demnach die Beine 

nicht gespreizt gehabt hätte, was jedoch notwendig gewesen wäre, um den  

Vibrator einzuführen (Urk. 90 S. 25). Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass je 

nachdem, auf welcher Höhe der Beine der Privatklägerin 1 sich die Knie des  

Beschuldigten befanden, eine Vaginalpenetration sehr wohl möglich ist.  

7.6. Gestützt auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz, auf welche in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden kann und gestützt auf 

obige Ausführungen ist der eingeklagte Sachverhalt erstellt.  

 
 

- 27 - 
 

8. Versuchte Vergewaltigung / sexuelle Nötigung (Anklageziffer 1.1.3) 

8.1. Aussagen des Beschuldigten  

8.1.1. Der Beschuldigte bestritt den ihm in Anklageziffer 1.1.3 gemachten Vorwurf 

und machte geltend, das habe sich nie so zugetragen (Urk. 6/1 S. 5, Urk. 6/5 S. 3, 

Urk. 6/15 S. 7, Prot. I S. 13, Prot. II S. 15).  

8.1.2. Anlässlich der Hafteinvernahme vom 19. August 2011 erklärte der Beschul-

digte, er sei zu seiner Frau gegangen und sie hätten kurz gelernt. Aber sie hätten 

nicht wirklich gelernt, da sein Sohn in unmittelbarer Nähe gespielt habe. Sie  

hätten im Gang an einem Tisch gelernt. Sein Sohn sei krank gewesen, aber nicht 

schlimm. Nach dem Lernen habe er mit ihm in seinem Zimmer gespielt. Seine 

Frau sei im Wohn- oder Esszimmer gewesen. Sie sei vielleicht einmal dabei  

gewesen, als sein Sohn ihm etwas am Computer gezeigt habe. Sein Sohn sei die 

ganze Zeit wach gewesen. Er sei ca. fünf Stunden dort gewesen (Urk. 6/5 S. 5f.).  

8.1.3. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. März 2012 

erklärte der Beschuldigte, es sei richtig, dass er zwei- bis dreimal zu seiner Frau 

gegangen sei, um Mathematik zu lernen. Einmal sei sein Sohn anwesend  

gewesen. G._____ sei damals krank gewesen, weshalb er zu ihm gegangen sei 

und ihn nicht zu sich genommen habe. Er sei seine Frau jedoch nicht sexuell  

angegangen, er habe mit seinem Sohn gespielt. Dieser habe eine Eisenbahn  

bekommen. Er sei die ganze Zeit im Zimmer seines Sohnes gewesen. Er wisse 

nicht, wo seine Frau gewesen sei, jedenfalls nicht im selben Zimmer. Es sei nichts 

passiert, er habe einfach gespielt. Er sei an diesem Tag dorthin gegangen, um 

seinen Sohn zu besuchen, er wisse nicht, ob er allenfalls Unterlagen zum Lernen 

mitgenommen habe. Er sei jedenfalls nicht dazu gekommen, da er nur mit seinem 

Sohn gespielt habe (Urk. 6/11 S. 4f.).  

8.1.4. In der Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte aus, er habe seinen Sohn 

besucht, weil dieser krank gewesen sei und habe die ganze Zeit mit diesem und 

dessen kleinem Zug gespielt. Er sei nicht mehr als drei Stunden dort gewesen. 

Sein Sohn sei wach gewesen (Prot. I S. 13ff.).  

- 28 - 

 

8.1.5.  Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu Protokoll, 

es sei an einem Wochenende gewesen und sein Sohn sei krank gewesen. Er sei 

ihn darum besuchen gegangen und habe mit ihm mit der Eisenbahn und anderen 

Spielsachen, zum Beispiel dem "Fischli-Spiel" gespielt. Er sei ca. drei Stunden bei 

ihm gewesen. Er denke, er sei am Nachmittag da gewesen. Sein Sohn sei damals 

erkältet gewesen. Er sei die ganze Zeit im Zimmer seines Sohnes gewesen. Die 

Privatklägerin 1 sei im Wohn- oder im Esszimmer gewesen. Sein Sohn sei nicht 

eingeschlafen, er sei die ganze Zeit bei ihm im Zimmer gewesen. Die Anklage-

vorwürfe seien nicht zutreffend (Urk. 89 S. 14f.). 

8.2. Aussagen der Privatklägerin 1 

8.2.1. Die Aussagen der Privatklägerin wurden von der Vorinstanz zutreffend  

zusammengefasst (Urk. 58 S. 16 und 19) und es kann darauf verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO).  

8.2.2. Der Verteidiger hat anlässlich der Berufungsverhandlung geltend gemacht, 

die polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin 1 vom 22. November 2010 

(Urk. 7/2) sei zulasten des Beschuldigten nicht verwertbar, da der Beschuldigte 

nicht anwesend gewesen sei und deshalb seine Teilnahmerechte nicht habe 

wahrnehmen dürfen.  

Da diese Einvernahme noch vor Inkrafttreten der Schweizerischen Strafprozess-

ordnung durchgeführt wurde, ist zu prüfen, ob die darin gemachten Aussagen 

nach dem alten, zürcherischen Strafprozessrecht verwertbar sind (vgl. Schmid, 

StPO Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009, Art. 448 Abs. 2). Gemäss § 14 

Abs. 1 StPO/ZH haben der Angeschuldigte (neurechtlich: Beschuldigter) und sein 

Verteidiger grundsätzlich das Recht auf Teilnahme an Zeugeneinvernahmen und 

das Stellen von Ergänzungsfragen anlässlich derselben. Aussagen, die ein  

Belastungszeuge im polizeilichen Ermittlungsverfahren gemacht hat – wie dies 

vorliegend der Fall ist – sind jedoch trotz Abwesenheit des Angeschuldigten und 

seines Verteidigers verwertbar, wenn die dort gemachten Aussagen des  

Belastungszeugen von diesem in einer späteren Einvernahme wiederholt werden, 

in welcher die Anwesenheitsrechte des Angeschuldigten und seines Verteidigers  

- 29 - 

 

gewahrt werden (Donatsch / Lieber in: Donatsch / Schmid, Kommentar zur Straf-

prozessordnung des Kantons Zürich, August 2006, N 18 zu § 14). In der polizei-

lichen Einvernahme vom 22. November 2010 hat die Privatklägerin 1 einzig  

anklagerelevante und den Beschuldigten belastende Aussagen betreffend die  

sexuelle Nötigung / versuchte Vergewaltigung gemacht (Urk. 7/2 S. 5ff.). Diese 

Aussagen hat sie dann in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 23. 

November 2011, bei der sowohl der Beschuldigte als auch dessen Verteidigung 

anwesend waren, wiederholt (Urk. 7/3 S. 15ff.). Demzufolge sind die in der  

polizeilichen Einvernahme vom 22. November 2010 gemachten Aussagen auch 

zulasten des Beschuldigten verwertbar.  

8.3. Würdigung 

Der Einwand der Verteidigung, die Schilderungen der Privatklägerin 1 zeichneten 

sich durch das Fehlen jeglicher Realitätskriterien aus, trifft nicht zu. Die Schilde-

rungen der Privatklägerin 1 sind detailreich, authentisch und glaubhaft. Es ist ins-

besondere angesichts der Krankheit G._____s realistisch, dass dieser nach dem 

Spielen mit seinem Vater auf seinem Bett eingeschlafen ist und der Beschuldigte 

dann zu ihr ins Schlafzimmer gekommen ist. Dagegen erscheint die Aussage des 

Beschuldigten weniger plausibel, dass er fünf (Aussage in der Hafteinvernahme) 

bzw. drei Stunden (gemäss den folgenden Einvernahmen) mit seinem kranken 

Sohn gespielt haben soll: Sowohl fünf als auch drei Stunden sind eine sehr lange 

Dauer, um ununterbrochen mit einem zur Tatzeit viereinhalbjährigen, kranken 

Kind zu spielen. Immerhin war der Sohn gemäss eigenen Aussagen des Beschul-

digten ja offenbar so krank, dass Letzterer ihn nicht zu sich mit nach Hause  

nehmen konnte. Weiter spricht für die Version der Privatklägerin 1 deren  

Umschreibung, wie es zum Vorfall gekommen sei: Der Beschuldigte sei zu ihr  

– die sich nicht wohl gefühlt und deshalb auf dem Bett gelegen habe (Urk. 7/2  

S. 5, Urk. 7/3 S. 15) – ins Schlafzimmer gekommen, habe sie an den Brüsten  

angefasst, sei dann mit zwei oder drei Fingern in sie eingedrungen und habe 

Stossbewegungen gemacht, wobei er ihr mit seinem Unterarm (des anderen 

Arms) den Beckenbereich nach unten gedrückt habe. Sie habe sich zu wehren 

versucht, indem sie im Bett immer weiter nach oben gerutscht sei, bis zur Wand.  

- 30 - 

 

Der Beschuldigte sei dann wieder aufgestanden, habe seine Hosen geöffnet,  

habe mit seiner Hand in seine Unterhose gefasst und seinen Penis hervorgeholt 

(Urk. 7/3 S. 20f.). Weiter ist authentisch, dass sie nach dem Vorfall geblutet habe, 

da sie ja auch trocken gewesen sei. Ebenfalls ist die Schilderung der Privat-

klägerin 1 realistisch, wonach sie erfolglos versucht habe, seinen Arm wegzu-

drücken (Urk. 7/2 S. 7).  

Ebenso spricht für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 1, dass sie 

sich an Details erinnern kann, die der Tat vorausgingen. So führte sie aus, dass 

der Beschuldigte mit ihrem Sohn das "Fischlispiel" gespielt habe, was ja auch 

vom Beschuldigten bestätigt wurde. Das sei ein Spiel, wo man mit einer Rute die 

Fische herausfischen könne. Sie habe dies von ihrem Zimmer aus gehört, weil 

dieses Spiel Lärm mache (Urk. 7/3 S. 16).  

Schliesslich sind die Aussagen der Privatklägerin in Bezug auf das Schreien 

durchaus lebensnah: Sie habe sich nicht zu schreien getraut, weil G._____ ge-

schlafen habe. Der Beschuldigte habe ihr ausserdem auch gesagt, sie solle nicht 

schreien, damit G._____ nichts mitbekomme (Urk. 7/3 S. 20).  

Der eingeklagte Sachverhalt ist demnach gestützt auf die Aussagen der Privat-

klägerin und mit der Vorinstanz erstellt. 

9. Mehrfache Nötigung (Anklageziffer 1.2) 

9.1.  In der polizeilichen Einvernahme vom 19. August 2011 bestritt der Beschul-

digte zuerst, dass der Vorwurf der Androhung der Entführung des gemeinsamen  

Sohnes der Wahrheit entspreche (Urk. 6/2 Antwort 7). Dann zeigte er sich jedoch 

geständig, der Privatklägerin 1 einmal damit gedroht zu haben. Er habe dies  

jedoch nicht ernst gemeint (Urk. 6/2 Antwort 8). Der Beschuldigte bestätigte auch 

in den weiteren Einvernahmen, der Privatklägerin 1 im Jahre 2006 oder 2007, an 

der H._____-Strasse ..., gesagt zu haben, er werde G._____ nach Bolivien  

mitnehmen, wenn sie ihn verlasse (Urk. 6/5 S. 8; Prot. I S. 15). Er habe dies  

indessen nur einmal gesagt und sich danach entschuldigt. Hingegen habe er der  

Privatklägerin 1 nie gesagt, er werde ihr Gesicht verunstalten (Urk. 6/5 S. 8, 

Urk. 6/15 S. 8; Prot. I S. 15, Urk. 89 S. 16). In der Berufungsverhandlung  

- 31 - 

 

präzisierte er, es sei ein einmaliger Vorfall gewesen. Es sei einfach dumm von 

ihm gewesen, dass er das gesagt habe. Er sei vielleicht eifersüchtig gewesen, 

dass sie ihn verlasse. Er habe das nicht ernst gemeint. Für ihn sei das nicht so 

wie eine Drohung gewesen. Er habe das leider aus einer Wut heraus  

gesagt. Er habe nie versucht, seinen Sohn von seiner Mutter wegzunehmen, das 

wolle er gar nicht. Er könne sich vorstellen, dass die Privatklägerin wegen seiner 

Äusserung Angst gehabt habe (Urk. 89 S. 16).  

9.2. Die Vorinstanz hat die diesbezüglichen Aussagen der Privatklägerin 1  

umfassend und korrekt wiedergegeben (Urk. 58 S. 14f. und 22). Es kann darauf 

verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend dazu sind die Aussagen der 

ersten polizeilichen Einvernahme der Privatklägerin 1 auszuführen: Der Beschul-

digte habe öfters gesagt, dass er den gemeinsamen Sohn entführen würde, wenn 

sie ihn verlassen würde. Seine Mutter könne genau so gut auf den Sohn auf-

passen wie ihre Mutter oder sie selber. Sie habe Streit gehabt und dann ihre  

Sachen gepackt und sei ins Elternhaus zurückgegangen. Ihr sei es aber trotzdem 

schlecht gegangen und sie sei wieder zu ihm zurückgekehrt. Das sei im Frühling 

2006 gewesen, als das alles angefangen habe. Er habe diese Drohungen regel-

mässig und immer wieder ausgestossen, wenn sie Streit gehabt hätten. Gegen 

Schluss im März 2007 hätten sie ziemlich viel Streit gehabt. Ihr Mann sei in der 

Lage gewesen, diese Drohungen wahr zu machen. Er habe verschiedene Pässe 

mit verschiedenen Namen gehabt und keinen festen Arbeitsplatz, weshalb es für 

ihn ein Leichtes gewesen wäre, mit dem Sohn abzuhauen (Urk. 7/1 S. 1f.). Weiter 

sagte die Privatklägerin 1 in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme aus, die 

Drohungen seien meistens gefallen, wenn sie mit ihm gesprochen habe, als er 

nicht besoffen gewesen sei und sie gesagt habe, dass sie das nicht mehr mit-

mache. Sie sei auch einmal zu ihrer Mutter gegangen und dann wieder zurück-

gekehrt, wobei der Beschuldigte dann gesagt habe, dass sie dies gefälligst nicht 

mehr machen solle (Urk. 7/5 S. 10f.).  

9.3.  Würdigung 

Bezüglich der Androhung, er würde ihren gemeinsamen Sohn entführen, ist der 

Beschuldigte geständig, dies einmal gesagt zu haben. Wenn die Verteidigung  

- 32 - 

 

anlässlich der Berufungsverhandlung geltend macht, er habe damit nur andeuten 

wollen, dass er im Falle einer Trennung die Obhut bzw. die elterliche Sorge bean-

tragen werde, ist dem zu entgegnen, dass der Beschuldigte selbst dieses  

Argument zu keinem Zeitpunkt vorbrachte, sondern vielmehr einräumte, diese 

Äusserung aus einer Wut heraus gesagt zu haben. Dieser Einwand der Verteidi-

gung ist folglich nicht zu hören. Der Beschuldigte musste für den Fall der  

Trennung damit rechnen, auch die Obhut über seinen Sohn zu verlieren. Es ist 

darum auch nachvollziehbar, dass der Beschuldigte verzweifelt war und sich in 

einer schwierigen Situation befand. Dass er der Privatklägerin 1 in ebendieser  

Situation mit der Entführung des Sohnes – um von ebendiesem nicht getrennt zu 

werden – bzw. der Verunstaltung ihres Gesichtes – um die Privatklägerin 1 zu  

bestrafen – drohte, scheint realistisch. Es ist insbesondere auch nicht einzusehen, 

wieso die Privatklägerin 1 die Androhung mit der Verunstaltung des Gesichts  

erfunden haben sollte. Wenn es ihr nur darum gegangen wäre, den Beschuldigten 

"in die Pfanne zu hauen", hätte es gereicht, ihn nur wegen der Androhung mit der 

Kindsentführung zu beschuldigen. Ebenso authentisch ist, dass er diese Drohun-

gen jeweils anlässlich der immer häufiger werdenden Streite geäussert haben 

soll, also mehrfach. Es ist weiter nachvollziehbar, dass sich die Privatklägerin 1 

von diesen in Aussicht gestellten Nachteilen, die ihren Sohn und ihre eigenen 

körperliche Integrität betrafen, einschüchtern liess und aus diesem Grund beim 

Beschuldigten blieb bzw. wieder zu diesem zurückkehrte. Dass die Privatklägerin 

1 eingeschüchtert war, anerkannte sogar der Beschuldigte implizit, indem er  

anlässlich der Berufungsverhandlung aussagte, er wünsche sich, dass er seinen 

Sohn in die Ferien nehmen könne, ohne dass die Privatklägerin 1 Angst habe 

(Urk. 89 S. 5). Zudem gab er explizit zu Protokoll, dass er nachvollziehen könne, 

dass die Privatklägerin wegen seiner Äusserung Angst gehabt habe (Urk. 89  

S. 16). Schliesslich kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 58 S. 28f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

Der diesbezüglich eingeklagte Sachverhalt ist gestützt auf die obigen Erwägun-

gen und mit Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Art. 82 

Abs. 4 StPO) erstellt.  

- 33 - 

 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Sexuelle Nötigung (Anklageziffer 1.1.2) 

1.1. Die theoretischen Grundlagen zu diesem Straftatbestand finden sich im  

angefochtenen Urteil. Es kann darauf verwiesen werden (Urk. 58 S. 37; Art. 82 

Abs. 4 StPO).  

1.2. Der Beschuldigte nötigte die Privatklägerin 1, indem er sie entgegen deren 

klar geäusserten Willen entkleidete, sich über sie kniete, sie sodann an den  

Brüsten berührte und küsste und nachfolgend mit einem Vibrator in deren Vagina 

eindrang und damit die Privatklägerin 1 während zwei bis drei Minuten vaginal 

penetrierte. Obwohl die Privatklägerin 1 mehrmals mit den Worten, er solle auf-

hören bzw. sie wolle dies nicht und er habe doch eine Freundin, klar dazu auf-

forderte, von ihr abzulassen, nahm er weitere sexuelle Handlungen vor und  

ignorierte ihre Gegenwehr. Indem der Beschuldigte die Zimmertür abschloss und 

den Schlüssel aus dem Schloss zog, wodurch der Privatklägerin 1 eine Flucht 

verunmöglicht wurde und er sie zudem auf das Bett stiess, nötigte er sie dazu, die 

Penetration mit dem Vibrator zu erdulden. Es trifft indes entgegen der Ansicht der 

Verteidigung (Urk. 90 S. 30 mit Verweis auf S. 22) nicht zu, dass es der  

Nötigungshandlung des Beschuldigten an der erforderlichen Intensität mangelte, 

hatte die Privatklägerin 1 durch das Abschliessen der Tür durch den Beschuldig-

ten buchstäblich gar keinen Ausweg mehr aus dieser misslichen Situation. Zudem 

setzte sich der Beschuldigte auf die Beine der Privatklägerin, so dass deren  

Mobilität vorübergehend vollends aufgehoben war. Durch dieses Verhalten hat 

der Beschuldigte den objektiven Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB erfüllt.  

1.3. Durch die verbalen Äusserungen der Privatklägerin 1 war für den Beschul-

digten klar erkennbar, dass sie die sexuellen Handlungen nicht wollte. Dennoch 

führte der Beschuldigte sein Vorhaben aus, setzte sich damit über den klar  

erkennbaren Willen der Privatklägerin hinweg, weshalb er vorsätzlich handelte. 

Der subjektive Tatbestand der Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB ist 

damit erfüllt.  

- 34 - 

 

1.4. Mangels Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe ist der Beschuldigte 

in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der sexuellen Nötigung im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

2. Versuchte Vergewaltigung / sexuelle Nötigung (Anklageziffer 1.1.3) 

2.1. Die theoretischen Grundlagen zu diesen Straftatbeständen finden sich im 

angefochtenen Urteil im Zusammenhang mit der rechtlichen Würdigung betref-

fend die Anklageziffern 1.1.1 und 1.1.2 (Urk. 58 S. 34f. u. S. 37). Es kann darauf 

verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

2.2. Entgegen dem Willen der Privatklägerin 1 ist der Beschuldigte bei gleich-

zeitiger Fixierung ihres Beckens mit seinem rechten Unterarm, mit dem  

Zeige- und Mittelfinger seiner linken Hand in die Vagina der Privatklägerin einge-

drungen und hat damit den objektiven Tatbestand der sexuellen Nötigung im  

Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB erfüllt. Im Anschluss daran hat er sein erigiertes 

Glied hervorgeholt, in der Absicht, trotz entgegenstehendem Willen der Privat-

klägerin 1 Geschlechtsverkehr an dieser zu vollziehen, wovon er schliesslich  

absah, weil der Sohn G._____ zu schreien begonnen hatte. Demnach wurde der 

Beschuldigte einzig durch äussere Umstände von der Vollendung der Tat abge-

halten. Vergewaltigung ist ein reines Tätigkeitsdelikt, weshalb die Schwelle zum 

Versuch bereits mit der Gewaltanwendung – der digitalen Penetration der Vagina 

der Privatklägerin 1 und dem Fixieren ihres Beckens – überschritten wurde (vgl. 

dazu Trechsel/Bertossa, Praxiskommentar StGB, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 

2013, Art. 190 N 7, m.w.H.). Der Verteidiger argumentierte diesbezüglich, dass 

der Versuch bis zur Penetration unvollendet sei und sich demzufolge das Urteil 

der Vorinstanz in rechtlicher Hinsicht als unhaltbar erweise (Urk. 90 S. 38). Dem 

ist zu entgegnen, dass bei einem Tätigkeitsdelikt nur ein unvollendeter Versuch in 

Frage kommt und ein vollendeter Versuch schlicht nicht möglich ist (vgl. dazu  

Donatsch/ Flachsmann/ Weder/ Hug, Kommentar zum StGB, 19. Auflage, Art. 23 

N 3 e contrario), Ersterer aber strafrechtlich genau so relevant ist wie Letzterer 

(vgl. Art. 22 Abs. 1 StGB). Demzufolge hat der Beschuldigte den Tatbestand der 

versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB in objektiver Hinsicht erfüllt.  

- 35 - 

 

2.3. Die Privatklägerin 1 hat dem Beschuldigten deutlich zu verstehen gegeben, 

dass sie dies nicht wolle und er aufhören solle. Gleichzeitig versuchte die Privat-

klägerin 1 sich dem Beschuldigten zu entwinden. Obwohl dies für den Beschuldig-

ten klar erkennbar war, liess er nicht von der Privatklägerin 1 ab, sondern drückte 

sie mit seinem rechten Arm über den Beckenknochen gewaltsam nach unten und 

fixierte sie derart auf dem Bett. Somit liegt vorsätzliches Handeln vor. Der  

Tat-bestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB und der 

versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB sind damit auch in subjektiver Hinsicht erfüllt.  

2.4. In Bezug auf die Konkurrenz der beiden Straftatbestände hat die Vorinstanz 

zutreffend festgehalten, dass durch beide Tatbestände das gleiche Rechtsgut, 

nämlich die sexuelle Freiheit, geschützt ist. Dem Vergewaltigungsversuch voran-

gehenden Eindringen mit dem Zeige- und Mittelfinger des Beschuldigten in die 

Vagina der Privatklägerin 1 kommt keine selbständige Bedeutung zu. Das  

gesamte in Ziffer 1.1.3 eingeklagte Verhalten des Beschuldigten ist damit als  

versuchte Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu qualifizieren.  

2.5. Mangels Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe ist der Beschuldigte 

der versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

3. Mehrfache Nötigung (Anklageziffer 1.2) 

3.1. Die theoretischen Grundlagen ergeben sich aus dem vorinstanzlichen Urteil, 

worauf zu verweisen ist (Urk. 58 S. 40; Art. 82 Abs. 4 StPO). Lediglich ergänzend 

ist festzuhalten, dass der Täter die ausgesprochene Drohung nicht ernst meinen 

oder wahrmachen wollen muss. Entscheidend ist, dass das Opfer die Drohung 

ernst nimmt. Massgebend für die Ernsthaftigkeit des angedrohten Nachteils sind 

grundsätzlich objektive, absolute Kriterien - es ist zu fragen, ob die "Androhung 

geeignet ist, auch eine verständige Person in der Lage des Betroffenen gefügig 

zu machen" (Trechsel/Fingerhuth, Praxiskommentar StGB, 2. Auflage, Zürich/ 

St. Gallen 2013, Art. 181 N 4 f., m.w.H.). 

- 36 - 

 

3.2. Bei mehreren Streitereien, bei denen die Privatklägerin 1 dem Beschuldigten 

gegenüber die Trennung in Aussicht stellte, sagte der Beschuldigte, dass er in 

diesem Fall den gemeinsamen Sohn G._____ nach Bolivien entführen bzw. ihr  

Gesicht verunstalten werde. Damit nötigte er die Privatklägerin 1, sich nicht von 

ihm zu trennen. Der Verteidiger macht diesbezüglich geltend, es müsste nach-

gewiesen werden, dass die Trennung nur aufgrund der angeblichen Nötigung  

unterblieben sei, ansonsten lediglich eine versuchte Nötigung vorläge (Urk. 90  

S. 41f.). Es ist jedoch gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin 1 

erstellt (vgl. oben Ziff. II. 9.3.), dass die Privatklägerin 1 sich durch diese  

Drohungen des Beschuldigten derart einschüchtern liess, dass sie trotz  

Trennungsabsicht bei ihm geblieben ist. Weiter ist die Rechtswidrigkeit der  

Nötigungen zu bejahen, war doch das Nötigungsmittel (Androhung der Kindes-

entführung bzw. Verunstaltung des Gesichtes der Privatklägerin 1) klarerweise 

unerlaubt. Der Tatbestand der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB ist in objekti-

ver Hinsicht erfüllt.  

3.3. In subjektiver Hinsicht ist der Tatbestand erfüllt, wenn der Täter vorsätzlich 

handelt. Mittels der Drohung, er werde den gemeinsamen Sohn nach Bolivien ent-

führen bzw. das Gesicht der Privatklägerin 1 verunstalten, bewirkte der Beschul-

digte, dass die Privatklägerin 1 sich zunächst nicht von ihm trennte. Dies war das 

unmittelbare Ziel des Beschuldigten, weshalb vorsätzliches Handeln vorliegt.  

3.4. Es liegen weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor, wes-

halb der Beschuldigte der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB 

schuldig zu sprechen ist.  

IV. Strafzumessung 

1. Ausgangslage 

Die Staatsanwaltschaft stellte vor Vorinstanz den Antrag, den Beschuldigten mit 

einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, unter Anrechnung der erstandenen Haft, 

und einer Busse von Fr. 800.- zu bestrafen. Die Vorinstanz belegte den Beschul-

digten mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, unter Anrechnung von 5 Tagen  

- 37 - 

 

erstandener Haft, und einer Busse von Fr. 300.-, als teilweise Zusatzstrafe zum 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 9. Dezember 2009. Die  

Verteidigung erachtet diese Strafe – unter Hinweis auf die beantragten Frei-

sprüche – als viel zu hoch und beantragt eine bedingte Geldstrafe von  

10 Tagessätzen à Fr. 50.- unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft von 

5 Tagen und eine Busse von Fr. 300.-- (Urk. 90 S. 2). Für die Staatsanwaltschaft 

ist diese Strafe zu niedrig und sie beantragt, den Beschuldigten mit einer  

Freiheitsstrafe von 30 Monaten sowie einer Busse von Fr. 1'000.- zu bestrafen  

(Urk. 91 S. 1). 

2. Beanstandungen 

2.1. Die Staatsanwaltschaft macht geltend, dass strafschärfend und zugleich  

erheblich straferhöhend die Mehrheit von Straftaten zu berücksichtigen sei. Auf 

der anderen Seite liege zwar bei einer von mehreren Vergewaltigungen lediglich 

ein Versuch vor, der zwar grundsätzlich zu einer Strafmilderung führen könne,  

jedoch mangels aussergewöhnlicher Umstände hier nicht zu einem Verlassen des 

ordentlichen Strafrahmen führe. Weitere Strafmilderungsgründe seien nicht  

konkret ersichtlich. Insbesondere halte die Staatsanwaltschaft nichts davon, dem  

Beschuldigten bei den Vergewaltigungen gemäss Anklageziffer 1.1.1 aufgrund  

einer angeblichen, nicht annähernd quantifizierbaren Alkoholisierung eine leicht 

verminderte Schuldfähigkeit zuzugestehen. Die objektive Tatschwere bei den 

mehrfachen Vergewaltigungen der Ehefrau sei mittelschwer. Wiederholt habe er 

sich über das sexuelle Selbstbestimmungsrecht seiner Ehefrau egoistisch hin-

weggesetzt. Er habe in der Summe doch einige kriminelle Energie eingesetzt, um 

sich erbarmungslos zu holen, nach was es ihn gelüstet habe. Dabei sei er auch 

von nötigenden Mitteln nicht zurückgeschreckt, was mittelschwer wiege. Zur  

subjektiven Tatschwere sei als Motiv auf die wiederholte Machtdemonstration zur 

egoistischen Befriedigung der eigenen Bedürfnisse bzw. Lust festzuhalten. Über 

die Beurteilung der Vorinstanz hinaus sei für den Tatkomplex der Vergewaltigung 

und sexuellen Nötigung insgesamt von einem mehr als nur erheblichen, sondern 

von einem mittelschweren Verschulden auszugehen. Bei der Tatkomponente der 

Tätlichkeiten könne mit der Vorinstanz insgesamt noch von einem leichten Ver-

schulden ausgegangen werden. Bei der Tatkomponente der SVG-Delikte sei  

- 38 - 

 

ebenfalls von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen. Ohne Skrupel 

habe er sich über den verfügten Ausweisentzug hinweggesetzt. Bei einer  

Gesamtwürdigung aller Delikte und unter Beachtung des Asperationsprinzips sei 

von einer hypothetischen Einsatzstrafe von 36 Monaten Freiheitsstrafe auszu-

gehen, so dass die Vorinstanz eindeutig zu tief gelegen habe. Zur Täter-

komponente sei mit der Vorinstanz festzuhalten, dass dem Beschuldigten der 

Führerausweis schon mehrfach habe entzogen werden müssen. Dass die zwei im 

SVG-Bereich einschlägigen Vorstrafen aus dem Jahr 2009 (leicht) straferhöhend 

wirkten, habe die Vorinstanz richtig erkannt. Auch der getrübte automobilistische 

Leumund sei leicht straferhöhend zu berücksichtigen. Das wirklich nur marginale 

Geständnis des Beschuldigten könne sich auch nur leicht zugunsten des  

Beschuldigten auswirken. Leicht strafmindernd wirke der einmalige Versuch, was 

jedoch durch die mehrfach vollendeten Vergewaltigungen wieder kompensiert 

werde. Dass beim Beschuldigten die Verfahrensdauer und die verstrichene Zeit 

seit den Vergewaltigungen leicht strafmindernd zu berücksichtigen seien, könne 

die Staatsanwaltschaft nachvollziehen. Im Ergebnis gehe die Staatsanwaltschaft 

mit der Vorinstanz nur soweit einig, dass sich die Täterkomponente gegenüber 

der Tatkomponente insgesamt nur leicht strafmindernd auswirke. In Würdigung  

aller massgeblichen Strafzumessungsfaktoren sei ausgehend von einer höheren 

Einsatzstrafe nunmehr eine Freiheitsstrafe von insgesamt 30 Monaten, verbunden 

für die Übertretung mit einer Busse von Fr. 1'000.-, teilweise als Zusatzstrafe zum 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 9. Dezember 2009 und als 

Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

19. März 2014 angemessen (Urk. 65 S. 3f., 91 S. 4ff.). 

2.2. Die Verteidigung beantragt für den Schuldspruch betreffend die Strassen-

verkehrsdelikte eine bedingte Geldstrafe (Anklageziffer 1.4). Aufgrund des Ein-

kommens des Beschuldigten, seiner monatlichen Verpflichtungen und seiner 

Schuldenlast erscheine ein Tagessatz von Fr. 50.- vorliegend angemessen. Für 

die Tätlichkeiten (Anklageziffer 1.3) sei der Beschuldigte mit einer Busse von 

Fr. 300.- zu bestrafen. 

- 39 - 

 

Lediglich im Sinne eines Eventualantrages sei zu fordern, dass für den Fall  

anderweitiger Verurteilungen jegliche Strafe bedingt zu vollziehen sei. Der  

Beschuldigte sei noch nie zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe 

von mindestens sechs Monaten respektive 180 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt 

worden, weshalb Art. 42 Abs. 2 StGB nicht zur Anwendung gelange. Ein unbe-

dingter Vollzug der Strafe sei weder notwendig noch angemessen, um den  

Beschuldigten von der Begehung weiterer Taten abzuhalten (Urk. 90 S. 43).  

3. Strafrahmen 

3.1. Hat der Täter, wie hier der Beschuldigte, mehrere Straftatbestände und teil-

weise mehrfach erfüllt, ist für die Strafzumessung von der Tat mit der höchsten 

Strafdrohung auszugehen und die Dauer der für sie auszufällenden Strafe ange-

messen, jedoch nicht um mehr als die Hälfte, zu erhöhen. Dabei ist der Richter an 

das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).  

3.2. Es ist von der (versuchten) Vergewaltigung im Sinne von Art 190 Abs. 1 

StGB, als schwerstem vom Beschuldigten begangenen Delikt, auszugehen. Der 

Strafrahmen für Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB reicht von  

einem Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Strafschärfend wirken sich die  

Deliktsmehrheit aus. Vorliegend besteht kein Anlass, den ordentlichen Straf-

rahmen des schwersten Deliktes zu verlassen, da sich die Strafe ohne Berück-

sichtigung des Strafschärfungsgrundes nicht am oberen Rand des ordentlichen 

Strafrahmen des schwersten Deliktes bewegen würde. Die Deliktsmehrheit ist  

daher im Rahmen der Tatkomponente lediglich straferhöhend zu berücksichtigen 

(BGE 136 IV 55 E. 5.8).  

3.3. Zutreffend hat die Vorinstanz ausgeführt, dass die Strafmilderung des  

Versuchs dazu führe, dass das Gericht nicht an die angedrohte Mindeststrafe  

gebunden sei jedoch mangels Vorliegens aussergewöhnlicher Umstände  

der ordentliche Strafrahmen nicht zu verlassen sei (Urk. 58 S. 44 mit Verweis  

auf Urteil des Bundesgerichts 6B_611/2010 vom 26. April 2011). Auf die dies-

bezügliche Strafmilderung ist bei der Strafzumessung für die versuchte Vergewal-

tigung zurückzukommen (unten Ziff. 4.2.3.).  

- 40 - 

 

3.4. Für die Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB und die Widerhandlung 

gegen Art. 90 Abs. 1 SVG ist eine Busse festzulegen, wobei deren Maximalhöhe 

Fr. 10'000.- beträgt (Art. 106 Abs. 1 StGB; vgl. Ziff. III. 4.10.).  

4. Strafzumessung 

4.1. Theorie 

4.1.1. Zu den theoretischen Grundsätzen der Strafzumessung kann vorab auf die 

Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 58 S. 45, Art. 82 Abs. 4 StPO) und auf das  

Urteil des Bundesgerichts 6B_380/2009 vom 14. Januar 2010 E. 2.3.1. (mit Hin-

weisen auf die weitere bundesgerichtliche Praxis) verwiesen werden.  

4.1.2. Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Ver-

schuldensbewertung festzulegen und zu bewerten. Es gilt zu prüfen, wie stark das 

strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Darunter 

fallen etwa das Ausmass des Erfolges (Deliktsbetrag, Gefährdung, Risiko, Sach-

schaden etc.) sowie die Art und Weise des Vorgehens. Von Bedeutung ist auch 

die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat und die Tatausübung offenbart wird 

(BSK StGB I, 3. Auflage, Basel 2013, Art. 47 N 68 ff.; Trechsel / Affolter-Eijsten, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 

2013, Art. 47 N 19 ff.).  

4.1.3. Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt sich die Frage, wie 

dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Der Richter hat 

im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche verschuldens-

erhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamtein-

schätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Dazu gehören etwa die Frage der 

Schuldfähigkeit (Art. 19 StGB) sowie das Motiv. Auch ist in diesem Zusammen-

hang entscheidend, über welches Mass an Entscheidungsfreiheit der Täter  

verfügte. Unter anderem trifft denjenigen einen geringeren Schuldvorwurf, dem 

lediglich eventualvorsätzliches Handeln anzulasten ist (Art. 12 Abs. 2 StGB) oder 

der die Tat durch Unterlassung begeht (Art. 11 Abs. 4 StGB).  

 

- 41 - 

 

4.2. Versuchte Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) 

4.2.1. Objektive Tatschwere 

Die Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB gehört zu den schwersten 

Delikten im Strafgesetzbuch und zählt insbesondere auch zu den qualifizierten 

Anlasstaten gemäss Art. 64 StGB. Geschützt ist jede weibliche Person in ihrer 

sexuellen Selbstbestimmung. Über dieses Selbstbestimmungsrecht der Privat-

klägerin 1 hat sich der Beschuldigte in egoistischer Weise hinweggesetzt. Er hat 

das bestehende Vertrauensverhältnis zwischen ihm und seiner von ihm getrennt 

lebenden Ehefrau, der Privatklägerin 1, ausgenutzt, indem er sich in ihr Schlaf-

zimmer zu der auf dem Bett liegenden und sich nicht wohl fühlenden Privat-

klägerin 1 begab und sich an dieser verging, wobei sein Sohn in Hörweite schlief. 

Das Verschulden des Beschuldigten wiegt nicht mehr leicht.  

4.2.2. Subjektive Tatschwere 

In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte direkt vorsätzlich 

handelte. Dem Beschuldigten ging es vor allem um die Befriedigung seiner  

eigenen Bedürfnisse, aber auch um die Durchsetzung seiner eigenen Vorstellun-

gen und um Machtdemonstration, wobei sich die Privatklägerin 1 zu unterwerfen 

hatte. Sein Motiv war rein egoistischer Natur.  

4.2.3. Die objektive Tatschwere wird somit durch das subjektive Tatverschulden 

nicht relativiert. Weiter fällt die versuchte Tatbegehung strafmildernd ins Gewicht, 

wobei auch festzuhalten ist, dass sich der Versuch in einem relativ frühen Stadi-

um befand, jedenfalls stand die geschlechtliche Penetration noch nicht unmittel-

bar bevor. Dagegen fällt aber erschwerend ins Gewicht, dass der Beschuldigte 

einzig wegen äusserer Umstände von der Vollendung der Vergewaltigung abge-

sehen hat, nämlich weil sein Sohn nach seiner Mutter (der Privatklägerin 1) rief. 

Es ist insgesamt für die versuchte Vergewaltigung von einem noch nicht erhebli-

chen Verschulden auszugehen. Es resultiert eine hypothetische Einsatzstrafe für 

diese schwerste Tat von 20 Monaten Freiheitsstrafe. 

 

- 42 - 

 

4.3. Sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB) 

4.3.1. Objektive Tatschwere  

Auch dieses Delikt zählt mit einem Strafrahmen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe 

zu den schweren im Strafgesetzbuch. Mit seinem Handeln hat der Beschuldigte 

die Privatklägerin 1 wiederum zum blossen Sexualobjekt degradiert. Er hat das 

Vertrauensverhältnis zwischen ihm und der Privatklägerin 1 ausgenutzt. Trotzdem 

ist von der Vorgehensweise (Berühren und Küssen der Brüste, Einführen eines 

Vibrators in die Vagina der Privatklägerin 1 und Penetration mit diesem während 

zwei bis drei Minuten) und von den Nötigungsmitteln her (Zimmertüre abschlies-

sen, Stossen der Privatklägerin auf das Bett) noch von einem eher leichten Fall 

auszugehen, weshalb die Strafe im unteren Bereich anzusetzen ist.  

4.3.2. Subjektive Tatschwere 

Auch dieser Tat liegt direkter Vorsatz und ein egoistisches Motiv zugrunde. Die 

Schuldfähigkeit des Beschuldigten war intakt. Die subjektive Tatkomponente  

vermag das objektive Verschulden nicht zu relativieren. 

4.4. Mehrfache Nötigung (Art. 181 StGB) 

4.4.1. Objektive Tatschwere 

Der Beschuldigte hat seine Drohungen er werde den gemeinsamen Sohn 

G._____ nach Bolivien mitnehmen und er werde des Gesicht der Privatklägerin 1 

verunstalten vorsätzlich ausgesprochen mit dem Ziel, dass diese sich nicht von 

ihm trennt. Die Privatklägerin 1 hat diese Drohungen ernst genommen und es 

hielt sie letztlich davon ab, sich schon früher zu trennen. Die Androhung der Kin-

des-entführung aber auch der Gesichtsverunstaltung ist ein äusserst perfides 

Druckmittel. Die mehrfache Tatbegehung wirkt sich straferhöhend aus. Das Ver-

schulden des Beschuldigten wiegt erheblich.  

 

 

- 43 - 

4.4.2. Subjektive Tatschwere 

Das Motiv des Beschuldigten war rein egoistisch, so wollte er die Beschuldigte 

davon abhalten, sich von ihm zu trennen. Er wusste, dass nur schon die  

Androhung einer Entführung des gemeinsamen Sohnes nach Bolivien für die  

Privatklägerin 1 als Mutter eine katastrophale Auswirkung hat.  

4.5. SVG-Delikte 

4.5.1. Der Vorinstanz folgend, ist das Fahren ohne Berechtigung im Sinne von 

Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie die  

Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung 

mit Art. 100 Ziff. 1 Abs. 1 SVG und Art. 41 Abs. 1 SVG sowie Art. 30 Abs. 1 und 

Art. 31 Abs. 2 lit. a VRV gemeinsam als Tatkomplex zu würdigen.  

4.5.2. Bezüglich der objektiven Tatschwere führte die Vorinstanz richtigerweise 

aus, dass der Beschuldigte das allgemeine Interesse der Verkehrssicherheit und 

damit die körperliche Integrität der Verkehrsteilnehmer verletzte, indem er trotz 

Führerausweisentzug ein Fahrzeug geführt habe. Seine Taten seien nicht durch-

dacht gewesen, doch habe er sich ohne Skrupel über den Ausweisentzug hinweg 

gesetzt (Urk. 58 S. 47, Art. 82 Abs. 4 StPO). Das Abblendlicht vergass er schlicht 

anzuschalten, nachdem er bei laufendem Motor – aber noch ohne eingeschalte-

tem Abblendlicht – gemerkt hatte, dass er das Parkticket noch nicht bezahlt hatte 

und dies noch hatte nachholen müssen (Urk. 6/18 S. 4). Das diesbezügliche  

objektive Verschulden ist eher noch leicht. 

4.5.3. Als Motiv gab der Beschuldigte in Bezug auf das Fahren trotz Führer-

ausweisentzug an, dass seine Kollegin ihre Brille vergessen habe, welche diese 

aber gebraucht habe, um im Dunkeln zu fahren (Urk  6/18 S. 2).  

4.5.4. Es ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Widerhandlung gegen 

Art. 90 Abs. 1 SVG um eine Übertretung handelt, welche mit einer Busse zu  

ahnden ist, worauf noch zurückzukommen ist (vgl. dazu weiter unten Ziff. III. 

4.10.). 

 

- 44 - 

4.6. Fazit Tatkomponente  

Ausgehend von einer hypothetischen Einsatzstrafe von 20 Monaten Freiheits-

strafe für das schwerste Delikt der versuchten Vergewaltigung rechtfertigt es sich 

im Rahmen einer Gesamtbetrachtung unter Beachtung des Asperationsprinzips, 

die genannte Einsatzstrafe unter Einbezug der weiteren Delikte auf 28 Monate 

Freiheitsstrafe zu erhöhen.  

4.7. Täterkomponente 

4.7.1. Persönliche Verhältnisse, Werdegang 

Bezüglich der persönlichen Verhältnisse und des Werdegangs des Beschuldigten 

kann auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen 

werden (Urk. 58 S. 48f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aktualisierend und 

ergänzend aus, seine Mutter sei in die Schweiz ausgewandert, als er zwischen 

acht und zehn Jahren alt gewesen sei. Die Zeit, die er bei seinen Grosseltern  

verbracht habe, sei schön gewesen. Sie seien wie Eltern für ihn gewesen. Im 

Februar sei er letztmals in Bolivien gewesen, um sie zu besuchen. Er telefoniere 

ein- bis zweimal monatlich mit ihnen. Er sehe seine Mutter und seinen Stiefvater 

nicht so oft, sie hätten eine normale Beziehung. Ebenso habe er ein normales 

Verhältnis zu seinen zwei Stiefbrüdern. Er habe regelmässigen Kontakt zu ihnen. 

Er habe wieder eine Freundin, mit der er zusammenwohne, wobei sich die  

Beziehung noch im Anfangsstadium befinde. Zur Privatklägerin 1 habe er wegen 

des Kindes einen ganz normalen und guten Kontakt. Er nehme seinen Sohn an 

zwei Wochenenden pro Monat zu sich. Es gebe keine Probleme bei der Aus-

übung des Besuchsrechts. Hinsichtlich seiner Arbeitssituation habe sich nichts 

verändert. Er habe wegen der wiederholten Delinquenz im Strassenverkehr einen 

Psychologen aufgesucht, was aber nicht viel gebracht habe. Er habe seinen Aus-

weis schon dreimal abgeben müssen. Er konsumiere ab und zu Alkohol, aber 

nicht mehr so viel wie damals. Drogen seien kein Thema. Die fünf Tage in Unter-

suchungshaft seien schlimm für ihn gewesen. Er habe oft an seinen Sohn  

 

- 45 - 

gedacht. Er hoffe, dass die ganze Geschichte mit seiner Ex-Frau abgeschlossen 

werden könne und die Beziehung zu ihr gut bleibe. Und dass er seinen Sohn in 

die Ferien nehmen könne, ohne dass sie Angst habe. Er möchte auch eine neue 

Familie gründen (Urk. 89 S. 2-5). Demzufolge konnte sich der Beschuldigte  

stabilisieren und pflegt heute eine normale Beziehung zur Privatklägerin 1 und 

dem gemeinsamen Sohn G._____. Aus den persönlichen Verhältnissen und dem 

Werdegang lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten.  

4.7.2. Vorstrafen / Delinquenz während laufenden Strafverfahrens 

Der Beschuldigte hat zwei Vorstrafen wegen Strassenverkehrsdelikten aus dem 

Jahre 2009 (Urk. 62). Diese einschlägigen Vorstrafen wirken sich straferhöhend 

aus. Inzwischen wurde der Beschuldigte wiederum wegen vorsätzlichen Fahrens 

ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG mit einem Strafbefehl 

bestraft (Urk. 76). Der Beschuldigte hat diese Straftat am 5. Juni 2013 begangen, 

weshalb er während laufenden Strafverfahrens delinquierte, was ebenfalls straf-

erhöhend zu berücksichtigen ist.  

4.7.3. Weitere Strafzumessungskriterien 

Der Beschuldigte zeigte sich nur wenig geständig, was minimal strafmindernd zu 

berücksichtigen ist. Weiter ist dem Beschuldigten sein kooperatives Nachtat-

verhalten positiv anzurechnen.  

Seit den vorliegend zu beurteilenden Taten sind mehrere Jahre vergangen. Die 

Verfahrensdauer ist ebenfalls leicht strafmindernd zu berücksichtigen.  

4.7.4. Fazit Täterkomponente 

Die strafmindernden Kriterien halten sich mit den straferhöhenden Komponenten 

in etwa die Waage und wirken sich deshalb neutral auf die Strafzumessung aus.  

4.8. Fazit Freiheitsstrafe 

In Würdigung aller Strafzumessungskriterien erscheint eine Freiheitsstrafe von  

28 Monaten dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen angemessen.  

 

- 46 - 

4.9. Zusatzstrafe 

Da es sich bei der heute auszufällenden Strafe um eine Freiheitsstrafe und damit 

um eine andersartige Strafe als die mit Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft  

Zürich-Sihl vom 9. Dezember 2009 (gemeinnützige Arbeit) und die mit Strafbefehl 

vom 19. März 2014 (Geldstrafe) ausgesprochenen Strafen handelt, ist die heute 

auszufällende Strafe nicht als Zusatzstrafe auszufällen (BGE 137 IV 58, BGE 138 

IV 122f.). 

4.10. Busse 

4.10.1. Für die Widerhandlung gegen Art. 90 Abs. 1 SVG und für die Tätlichkeiten 

gemäss Art. 126 Abs. 1 ist zusätzlich eine Busse auszufällen (Urk. 58 S. 44).  

4.10.2. Das Gericht bemisst die Busse nach den Verhältnissen des Täters so, 

dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 

Abs. 3 StGB). Bei der Bemessung der Busse ist nebst dem Verschulden der  

finanziellen Leistungsfähigkeit Rechnung zu tragen. Für die Verhältnisse des  

Täters relevant sind namentlich sein Einkommen und sein Vermögen, sein  

Familienstand und seine Familienpflichten, sein Beruf und Erwerb, sein Alter und 

seine Gesundheit (Donatsch/Flachsmann/Weder/Hug, Kommentar zum StGB, 19. 

Auflage, Art. 106 N 4; BGE 129 IV 21). Für den Fall, dass die Busse schuldhaft 

nicht bezahlt wird, spricht das Gericht eine Ersatzfreiheitsstrafe aus (Art. 106  

Abs. 2 StGB). 

4.10.3. Zur objektiven Tatschwere hinsichtlich der Tätlichkeiten führte die Vor-

instanz zutreffend aus, dass der Beschuldigte durch den Stoss in den Rücken die 

körperliche Integrität des Privatklägers 3 und durch die Schläge diejenige des  

Privatklägers 2 verletzte. Die Tat erfolgte spontan. Bei der subjektiven Tatschwere 

ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt alkoholisiert war, 

weshalb zugunsten des Beschuldigten von einer leichten Strafminderung ausge-

gangen werden muss. Nichtdestotrotz hätte der Beschuldigte sich aus dem Streit 

heraushalten können. Insgesamt ist von einem eher leichten Verschulden des 

Beschuldigten auszugehen.  

 

- 47 - 

4.10.4. Ebenso ist unter Hinweis auf die obigen Ausführungen (Ziff. III. 4.5.) bei 

der Widerhandlung gegen Art. 90 Abs. 1 SVG noch von einem eher leichten  

Verschulden auszugehen. 

4.10.5. Betreffend die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten ergibt sich, 

dass dieser nach wie vor bei der I._____ in ... als Logistikmitarbeiter tätig ist und 

Fr. 4'100.- netto zuzüglich Kinderzulagen und 13 Monatslohn  

verdient. Ausserdem bezahlt er monatlich Fr. 700.- Unterhaltsbeiträge zugunsten 

seines Sohnes.  

4.10.6. Insgesamt scheint eine Busse von Fr. 500.- angemessen.  

5. Ergebnis Sanktion 

Insgesamt ist der Beschuldigte somit mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten 

sowie mit einer Busse von Fr. 500.- zu bestrafen.  

Der Beschuldigte befand sich vom 18. August 2011 bis 19. August 2011 

(Urk. 14/6) und vom 30. Oktober 2011 bis 1. November 2011 in Haft (Urk. 14/13, 

Urk. 14/20). Es sind ihm daher 5 Tage erstandene Haft anzurechnen. 

V. Vollzug 

1. Freiheitsstrafe 

1.1. Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geld-

strafe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens  

sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbe-

dingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter vor der Begehung weiterer  

Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Für den Aufschub der Strafe muss der 

Richter eine günstige Prognose für die Zukunft stellen können, welche aufgrund 

einer Gesamtwürdigung vorgenommen wird. Neben den Tatumständen müssen 

das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige 

Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung  

zulassen, miteinbezogen werden (BGE 123 IV 107). Neben dem Leumund sind  

 

- 48 - 

bei der Prognosestellung das Verhalten des Delinquenten nach der Tat, sowie die 

Schock- und Warnwirkung des Strafverfahrens und der erlittenen Haft von grosser 

Bedeutung (BSK StGB I, a.a.o., Art. 47 N 60 ff.).  

Gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe 

von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, 

wenn dies notwendig erscheint, um dem Verschulden des Täters genügend 

Rechnung zu tragen. Der unbedingt vollziehbare Teil darf die Hälfte der Strafe 

nicht überschreiten (Art. 43 Abs. 2 StGB) und sowohl der aufgeschobene  

wie auch der zu vollziehende Teil der Freiheitsstrafe müssen mindestens  

sechs Monate betragen (Art. 43 Abs. 3 StGB).  

1.2. Der Beschuldigte wird mit 28 Monaten Freiheitsstrafe bestraft, weshalb vor-

liegend lediglich der teilbedingte, nicht aber der vollbedingte Vollzug möglich ist. 

Die Ausfällung einer teilbedingten Strafe verlangt, dass die subjektiven Voraus-

setzungen für den bedingten Strafvollzug erfüllt sind (BGE 134 IV 1, E. 5.3.1. mit 

Hinweisen). Der Beschuldigte ist in der Schweiz zwar vorbestraft, hat aber ein  

fixes Einkommen, lebt mit seiner Freundin zusammen und konnte a