# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 26dbbfcc-e000-59b8-81b6-7de201e70167
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-10
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 10.04.2024 SB230206
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230206_2024-04-10.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230206-O/U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. B. Amacker, Präsident, Oberrichterin Dr. iur. 

E. Borla und Ersatzoberrichterin Dr. iur. S. Bachmann sowie 

Gerichtsschreiberin MLaw A. Jacomet

Urteil vom 10. April 2024

in Sachen

A._____,
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. L._____,

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend versuchte schwere Körperverletzung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 
vom 5. Dezember 2022 (DG220087)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 20. April 2022 

ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20/7). 

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 66 S. 56 ff.)

"Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne 

von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

2. Der Beschuldigte A._____ wird vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB 

freigesprochen.

3. Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 30 Tage als 

durch Haft erstanden sind.

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

5. Der Beschuldigte A._____ wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes verwiesen.

6. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird angeord-

net.

7. ...

8. ...

9. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 19. April 

2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernden 

Gegenstände werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids dem Beschuldigten 

A._____ innert einer Frist von einem Monat auf erstes Verlangen hin herausgegeben, an-

sonsten sie der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen werden:

 1 Trainerhose schwarz (Asservat-Nr. A015'500'911)

 1 Pullover grau (Asservat-Nr. A015'500'922)

 1 Gilet schwarz (Asservat-Nr. A015'500'933)

 1 Paar Adidas Sneaker (Asservat-Nr. A015'500'944)

- 3 -

10. …

11. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 19. April 

2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernden 

Gegenstände werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids dem Privatkläger 

B._____ innert einer Frist von einem Monat auf erstes Verlangen hin herausgegeben, an-

sonsten sie der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen werden:

 1 blaue Jeanshose mit Gurt (Asservat-Nr. A015'501'049)

 1 schwarze Daunenjacke (Asservat-Nr. A015'501'050)

 1 schwarzes Shirt (Asservat-Nr. A015'501'072)

 1 Paar weisse Turnschuhe, Nike (Asservat-Nr. A015'501'107)

12. Die folgenden sichergestellten und unter der Geschäftsnummer 81346078 lagernden Gegen-

stände werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides der Lagerbehörde zur 

Vernichtung überlassen:

Beim Forensischen Institut Zürich lagernd:

 IRM-Fotografie (Asservat-Nr. A015'501'232)

Bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernd:

 DNA-Spur - Wattetupfer (Asservat-Nr. A015'501'243)

 DNA-Spur - Wattetupfer (Asservat-Nr. A015'501'254)

 Vergleichs-WSA (Asservat-Nr. A015'501'265)

13. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im Sinne von Art. 5 

des DNA-Profil-Gesetzes betreffend den Beschuldigten A._____ angeordnet. Die Kantons-

polizei Zürich wird mit dem Vollzug beauftragt und der Beschuldigte verpflichtet, innert 30 

Tagen ab Eintritt der Rechtskraft des Urteils bei der Kantonspolizei Zürich, Erkennungsdienst‚ 

… [Adresse] zwecks DNA-Probenahme für die DNA-Profilerstellung zu erscheinen. Kommt 

er dieser Verpflichtung unentschuldigt nicht nach, wird die Kantonspolizei hiermit verpflichtet, 

ihn zwangsweise vorzuführen. Der Beschuldigte wird auf Art. 205, 207 und 417 StPO auf-

merksam gemacht.

14. ...

15. Der Privatkläger B._____ wird mit seinem Schadenersatzbegehren gegenüber dem 

Beschuldigten A._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

- 4 -

16. Der Beschuldigte A._____ wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ CHF 1'000.00 zuzüg-

lich 5 % Zins ab 23. Oktober 2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

17. ...

18. Die Gerichtsgebühr wird in Bezug auf den Beschuldigten A._____ festgesetzt auf:

CHF 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:

CHF 2'200.00   Gebühr Anklagebehörde

CHF 2'252.80   Gutachten/Expertisen etc.

CHF 7'823.65   amtliche Verteidigung

CHF 2'966.92   unentgeltlicher Rechtsbeistand von B._____ (1/2 Kostenanteil)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

19. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens in Bezug auf den Beschul-

digten A._____, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und des Kostenanteils 

für den unentgeltlichen Rechtsbeistand, werden dem Beschuldigten A._____ auferlegt.

20. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____, Rechtsanwalt lic. iur. X._____, wird mit 

CHF 7'823.65 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine Nach-

forderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

21. Der unentgeltliche Rechtsbeistand des Privatklägers B._____, Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____, 

wird mit CHF 2'966.92 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt 

eine Nachforderung gegenüber dem Beschuldigten A._____ gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

22. ...

23. ...

24. ...

25. ...

26. (Mitteilungen)

27.-28. (Rechtsmittel)

30. (Rechtsmittel)"

- 5 -

Berufungsanträge:
(Prot. II S. 3 ff.)

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 81 S. 2 ff.)

I. Hauptantrag

1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der eventualvorsätzlich versuchten schwe-

ren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

freizusprechen (Änderung Urteilsdispo S. 3 Ziff. 1./3. und 4.)

2. Es sei von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen (Änderung 

Urteilsdispo S. 3 Ziff. 5. und 6.). 

3. Von der Anordnung einer DNA-Probenahme und Erstellung eines DNA-Profils 

betreffend den Beschuldigten sei abzusehen (Änderung Urteilsdispo S. 5 

Ziff. 13.). 

4. Die Zivilansprüche des Privatklägers seien abzuweisen (Schadenersatz- und 

Genugtuungsbegehren) (Änderung Urteilsdispo S. 5 Ziff. 15. und 16.). 

5. Der Beschuldigte sei mit Fr. 6'000.– zzgl. 5% Zins seit 24. Oktober 2021 für 

die erstandene Haft von 30 Tagen zu entschädigen (CHF 200 pro Tag).

6. Die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse 

zu nehmen. Die erst- und zweitinstanzlichen Kosten der amtlichen Vertei-

digung und der Kostenanteil für den unentgeltlichen Rechtsbeistand seien 

definitiv auf die Staatskasse zu nehmen (Änderung Urteilsdispo S. 6 Ziff. 18., 

19. und 21.). 

II. Eventualantrag

1. Der Beschuldigte sei wegen in einem Notwehrexzess begangener eventual-

vorsätzlich versuchter schwerer Körperverletzung zu verurteilen (Art. 122 

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StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 StGB) (Änderung 

Urteilsdispo S. 3 Ziff. 1.).

2. Er sei mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten zu bestrafen, wovon 30 Tage 

als durch Haft erstanden seien (Änderung Urteilsdispo S. 3 Ziff. 3.).

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf 

2 Jahre festzusetzen. 

3. Es sei von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen (Änderung 

Urteilsdispo S. 3 Ziff. 5. und 6.).

4. Von der Anordnung einer DNA-Probenahme und Erstellung eines DNA-Profils 

betreffend den Beschuldigten sei abzusehen (Änderung Urteilsdispo S. 5 

Ziff. 13.). 

5. Die zweitinstanzlichen Kosten seien auf die Staatskasse zu nehmen. Die 

zweitinstanzlichen Kosten der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen 

Rechtsbeistandes seien definitiv auf die Staatskasse zu nehmen. 

III. Subeventualantrag 

1. Schuldspruch gemäss Vorinstanz.

2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu bestrafen, 

wovon 30 Tage als durch Haft erstanden seien (Änderung Urteilsdispo S. 3 

Ziff. 3.).

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf 

2 Jahre festzusetzen.

3. Es sei von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen (Änderung 

Urteilsdispo S. 3 Ziff. 5. und 6.). 

4. Die zweitinstanzlichen Kosten seien zur Hälfte auf die Staatskasse zu 

nehmen. Die zweitinstanzlichen Kosten der amtlichen Verteidigung sowie des 

unentgeltlichen Rechtsbeistandes seien zur Hälfte definitiv auf die Staats-

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kasse zu nehmen und in Bezug auf die andere Hälfte auf den Beschuldigten 

zu überbinden.

b) Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 71)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

c) Des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Privatklägers B._____:

(Prot. II S. 15)

1. Die Berufung des Beschuldigten sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 

zu Lasten des Beschuldigten abzuweisen.

2. Die Kosten des Vertreters des Privatklägers seien auf die Staatskasse zu 

nehmen.

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang / Prozessuales

1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 5. Dezember 2022 wurde der Beschul-

digte A._____ der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Von den Vor-

würfen der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB und des 

Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB wurde er freigesprochen. Der Be-

schuldigte wurde mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten unter Anrech-

nung der erstandenen Haft bestraft. Die Probezeit wurde auf zwei Jahre festge-

setzt. Zudem wurde eine Landesverweisung von fünf Jahren ausgesprochen und 

deren Ausschreibung im Schengener Informationssystem angeordnet. Es wurde 

über diverse beschlagnahmte Gegenstände entschieden. Weiter wurde die Ab-

nahme einer DNA-Probe und die Erstellung eines DNA-Profils angeordnet und über 

die Zivilforderungen des Privatklägers entschieden. Die Kosten der Untersuchung 

und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens wurden, mit Ausnahme der Kosten 

der amtlichen Verteidigung und des Kostenanteils für den unentgeltlichen Rechts-

beistand des Privatklägers, dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung und der Kostenanteil des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Privat-

klägers wurden einstweilen unter dem Nachforderungsvorbehalt auf die Gerichts-

kasse genommen (Urk. 66 S. 56 ff.).

2. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Zürich meldete der amtliche Verteidiger 

des Beschuldigten mit Eingabe vom 14. Dezember 2022 die Berufung an (Urk. 51). 

Mit Eingabe vom 18. April 2023 reichte der Beschuldigte die Berufungserklärung 

ein, worin er das Urteil mehrheitlich anficht (Urk. 68). In der Folge wurde dem 

Privatkläger und der Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 25. April 2023 Frist an-

gesetzt, um zu erklären, ob sie Anschlussberufung erheben oder ein Nichteintreten 

auf die Berufung beantragen (Urk. 69). Die Staatsanwaltschaft teilte mit Eingabe 

vom 3. Mai 2023 fristgerecht mit, sie verzichte auf eine Anschlussberufung und 

beantrage die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 71). Die Berufung des 

Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch wegen versuchter schwerer 

Körperverletzung (Dispositiv Ziffer 1), die Bestrafung (Dispositiv Ziffer 3 und 4), den 

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Entscheid über die Landesverweisung (Dispositiv Ziffer 5 und 6), die Abnahme 

einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils (Dispositiv Ziffer 13), der 

Entscheid über die Zivilansprüche des Privatklägers (Dispositiv Ziffer 15 und 16) 

sowie die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen (Dispositiv Ziffer 18 bis 

21). Der Verteidiger bestätigte anlässlich der Berufungsverhandlung, dass sich die 

Berufung nicht nur gegen die Kostenauflage (Dispositiv Ziffer 19), sondern auch 

gegen die Kosten- und Entschädigungsfestsetzung gemäss den Dispositiv Ziffern 

20 und 21 richtet, zumal dort ein Nachforderungsvorbehalt festgelegt wurde (Prot. II 

S. 9). 

3. Es bleibt somit festzustellen, dass die Dispositiv Ziffern 2 (Freispruch wegen 

einfacher Körperverletzung und Raufhandel), 9, 11, 12 (Entscheide über diverse 

beschlagnahmten Gegenstände) und 18 (Kosten- und Entschädigungsfestsetzung) 

in Rechtskraft erwachsen sind, was vorab mittels Beschlusses festzustellen ist 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). Beweisanträge für das Berufungsverfahren wurden keine 

gestellt.

4. Nachdem der Beschuldigte betreffend die von ihm angefochtenen Punkte als 

einziger Berufung führt, steht die Überprüfung des angefochtenen Urteils insoweit 

unter dem Vorbehalt des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO).

5. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde seitens des unentgeltlichen Ver-

treters des Privatklägers eine prozessuale Vorfrage aufgeworfen (Prot. II S. 6 ff.). 

Der Privatklägervertreter stellte sich auf den Standpunkt, dass es entgegen den 

Ausführungen der Vorinstanz nicht so sei, dass der Privatkläger auf seine Stellung 

als Strafkläger verzichtet habe. Der Privatkläger habe am 24. Oktober 2021 

Strafantrag gegen den Beschuldigten in Bezug auf den vorliegenden Vorfall 

gestellt, womit er sich auch als Strafkläger konstituiert habe. Das Formular vom 

2. November 2021, mit welchem er in der Folge auf die Mitwirkung als Strafkläger 

verzichtet habe (Urk. 12/2), habe er jedoch, da er im damaligen Zeitpunkt noch 

nicht anwaltlich vertreten gewesen sei, falsch ausgefüllt. Dies habe der Privat-

klägervertreter der Vorinstanz mitgeteilt, was diese jedoch nicht habe gelten lassen 

wollen, zumal seitens des Privatklägers keine Willensmängel geltend gemacht 

worden seien. Eine Anschlussberufung sei aus Sicht des Privatklägervertreters 

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diesbezüglich allerdings nicht notwendig gewesen, da über diesen Punkt auch nicht 

im Dispositiv entschieden worden sei (Prot. II S. 6 ff.). 

6. Es kann vorab auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen wer-

den (Urk. 66 S. 5 f.). Der Privatkläger kreuzte auf dem von ihm am 2. November 

2021 unterzeichneten Formular "Geltendmachung von Rechten als Privatkläger-

schaft" die Frage, ob er als Strafkläger am Verfahren mitwirken wolle, explizit mit 

"Nein" an. Hingegen antwortete er mit "Ja" auf die Frage, ob er als Privatkläger 

Parteirechte ausüben wolle und stellte je ein Schadenersatz- und Genugtuungsbe-

gehren (Urk. 12/2). Damit verzichtete der Privatkläger endgültig auf seine Stellung 

als Strafkläger im Verfahren. Wie die Vorinstanz zu Recht erwog, werden keine 

Willensmängel seitens des Privatklägers angeführt. Auch wenn dieser zum Zeit-

punkt des Ausfüllens des Formulars (noch) nicht anwaltlich vertreten war, muss er 

sich diesen Verzicht, welcher durch ihn formgerecht ausgefüllt wurde, anrechnen 

lassen. Nach dem Gesagten hat sich der Privatkläger nur als Zivil- und nicht als 

Strafkläger konstituiert und sind die Ausführungen des Privatklägervertreters auch 

nur in diesem Sinne zu würdigen. 

II. Sachverhalt

1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, dass es am 23. Okto-

ber 2021 um ca. 23.37 Uhr auf Höhe C._____ [Strasse] …, … Zürich, versehentlich 

zu einem Streifen seiner Schulter mit jener des Privatklägers beim Vorbeigehen 

gekommen sei. Dies habe zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem 

Beschuldigten und D._____ einerseits und einigen Kollegen des Privatklägers ge-

führt. In der Folge sei der Beschuldigte zielgerichtet auf den Privatkläger zugegan-

gen, wobei er eine Hand in der Hosentasche oder Umhängetasche gehabt und sich 

vor den Privatkläger hingestellt habe. Der Privatkläger habe sich dadurch bedroht 

gefühlt, sei einen Schritt zurückgetreten und habe seine Hände hochgehoben, wäh-

rend der Beschuldigte noch näher an den Privatkläger herangetreten sei. Der Pri-

vatkläger habe dem Beschuldigten einen Faustschlag auf die linke Backe versetzt. 

In der Folge sei es zu einem Gerangel zwischen dem Beschuldigten und dem Pri-

vatkläger gekommen, in welchem der Beschuldigte mit einem mit sich geführten 

Messer einmal gegen den Rücken des Privatklägers eingestochen und ihm dabei 

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links der Wirbelsäule auf Höhe der 11. Rippe eine ca. 5 cm lange, 2 cm klaffende 

Stich- bzw. Schnittverletzung zugefügt habe. Der Beschuldigte habe mit diesem 

Verhalten bewusst und billigend in Kauf genommen, den Privatkläger lebensge-

fährlich zu verletzen.

2. Die Anklage stützt sich als Beweismittel auf die Einvernahmen des Beschuldigten 

(Urk. 2/1-5; Prot. I S. 10 ff.), die Aussagen des Privatklägers (Urk. 4/1-2), die Aus-

sagen von D._____ (ursprünglich Mitbeschuldigter; Urk. 3/1-6; Prot. I S. 24 ff.) und 

des Zeugen E._____ (Urk. 5/1; Urk. 5/3). Weiter befinden sich bei den Akten die 

pharmakologisch-toxikologischen Gutachten des Beschuldigten (Urk. 6/3), des Pri-

vatklägers (Urk. 8/6) und von D._____ (Urk. 7/3) sowie das Gutachten des Instituts 

für Rechtsmedizin zur körperlichen Untersuchung des Privatklägers vom 21. Fe-

bruar 2022 (Urk. 9/9) und der Austrittsbericht des Universitätsspitals Zürich vom 24. 

Oktober 2021 (Urk. 9/8). Diese Beweismittel sind allesamt verwertbar. Mit der Vor-

instanz kann festgehalten werden, dass die polizeiliche Einvernahme von F._____ 

(Urk. 5/2) lediglich zugunsten des Beschuldigten verwertbar ist, da die Teilnahme-

rechte des Beschuldigten nicht gewahrt wurden (Urk. 66 S. 17).

3. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung korrekt 

dargelegt. Es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden (Urk. 66 S. 6 ff.). Nach 

der Wiedergabe der relevanten Beweismittel und deren eingehender Würdigung 

kam die Vorinstanz zum Schluss, dass der Anklagesachverhalt erstellt sei. Diese 

Ansicht ist zu teilen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vollumfänglich 

darauf verwiesen werden (Urk. 66 S. 6 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Lediglich zur Ver-

deutlichung bzw. Präzisierung sind einige Ergänzungen zu machen.

4.1 Der Beschuldigte anerkennt, am 23. Oktober 2021, gegen ca. 23.27 Uhr, 

Richtung G._____ gegangen zu sein und dabei den Privatkläger, welcher in die 

entgegengesetzte Richtung gegangen sei, links passiert zu haben. Sodann aner-

kennt er, dass sich beim Vorbeigehen die linken Schultern des Privatklägers und 

von ihm streiften und es in der Folge zu einem verbalen Austausch kam. Sodann 

sei er an den Privatkläger herangetreten, worauf dieser ihm einen Faustschlag auf 

die linke Backe verpasst habe und es zu einem Gerangel gekommen sei (Urk. 2/1; 

Urk. 2/2). Unbestritten ist auch, dass sich der Privatkläger die ca. 5 cm lange und 

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2 cm klaffende sich am Rücken über der linken Flanke etwa auf Höhe der 11. Rippe 

befindende Schnitt- bzw. Stichverletzung, welche das Unterhautgewebe und 

teilweise die Rippenmuskulatur durchtrennte, im Laufe des Gerangels zuzog. Der 

Beschuldigte macht geltend, dass er nicht wisse, woher die Stich-/Schnittverletzung 

am Rücken des Privatklägers stammt (Urk. 2/1 S. 6). Nicht er habe den Privatkläger 

angegriffen, sondern er sei angegriffen worden (Urk. 2/1 S. 5; Urk. 2/2 S. 2). Die 

Tatwaffe konnte nicht sichergestellt werden.

4.2 Der Privatkläger schildert detailliert und stimmig, wie sich der Vorfall abspielte. 

Nachvollziehbar führt er aus, wie die Situation nach dem Schulterstreifen eskalierte. 

Ob sich der Privatkläger und der Beschuldigte "schon stark" oder weniger stark an 

den Schultern gestreift hätten (vgl. Urk. 81 S. 4), sagt entgegen der Verteidigung 

noch nichts darüber aus, wer an diesem Schulterstreifen "schuld" war. Im Übrigen 

schilderte der Privatkläger diesbezüglich glaubhaft, dass er sich gewundert habe, 

wieso der Beschuldigte und D._____ sie links passiert hätten, obwohl er und seine 

Kollegen ziemlich am Rand gelaufen und es rechts von ihnen viel mehr Platz ge-

habt habe (Urk. 4/2 S. 3.). Schliesslich überzeugen die Aussagen des Privatklägers 

zum Kerngeschehen – entgegen der Verteidigung (vgl. Urk. 81 S. 4 f. und S. 7) – 

ohne Weiteres: Lebensnah schildert der Privatkläger, dass er den Messerstich nicht 

unmittelbar wahrnahm, sondern erst als er sich an den blutenden Rücken fasste, 

als es am Rücken warm wurde. Er ist ernsthaft bemüht, den Vorfall möglichst kor-

rekt wiederzugeben. Sein eigenes Verhalten beschönigt er nicht. Im Gegenteil be-

lastet er sich selber, indem er seit Beginn einräumte, den ersten Faustschlag gegen 

den Beschuldigten ausgeführt zu haben und während der nachfolgenden tätlichen 

Auseinandersetzung weitere Schläge ausgeteilt zu haben. Offen gestand er ein, 

dass er sich nicht daran erinnern kann, wie es zum Messerstich kam. Und er ver-

mutet lediglich, dass der Beschuldigte ihm diese Schnitt- bzw. Stichverletzung zu-

gefügt hat. Damit belastet er den Beschuldigten nicht übermässig und zeigt, dass 

er nicht zu Übertreibungen neigt. Die Darstellung des Privatklägers ist konstant, 

erlebnisbasiert und wirkt glaubhaft.

4.3 Der Zeuge E._____ schildert den Ablauf des Vorfalls lebensnah und stimmig. 

Demnach ging der Beschuldigte mit seiner linken Hand in der Bauchtasche auf den 

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Privatkläger zu und die beiden standen dann Kopf an Kopf, wobei der Beschuldigte 

seine Hand immer noch in der Bauchtasche hatte. Der Beschuldigte hat dann etwas 

Schwarzes, Stielartiges, das er aufgrund der nachfolgenden Bewegung als Messer 

einordnete, aus seiner Bauchtasche genommen. Übereinstimmend schildert er, 

dass er die Klinge des Messers bzw. das Messer nicht gesehen hat. Allerdings 

konnte er in der Folge einmal eine Bewegung des Beschuldigten wahrnehmen, die 

er als Messerstichbewegung einordnete. Dann schlugen sich der Beschuldigte und 

der Privatkläger mit Fäusten. Eine oder mehrere Personen versuchten, die beiden 

auseinanderzunehmen (Urk. 5/1; Urk. 5/3). Mit seiner Schilderung belastet E._____ 

den Beschuldigten nicht übermässig und da diese mit jener des Privatklägers über-

einstimmt sind auch keine Übertreibungen ersichtlich. Insbesondere schildern der 

Privatkläger und E._____ übereinstimmend, wie der Beschuldigte, als er sich dem 

Privatkläger nähert, eine Hand in der Tasche versteckte. Auch E._____ legt über-

einstimmend mit dem Privatkläger und eindrücklich dar, wie die Auseinanderset-

zung zwischen dem Privatkläger und dem Beschuldigten eskalierte und zum Mes-

serstich führte, als der Beschuldigte nahe beim Privatkläger stand und die beiden 

sich um die Achse gedreht hätten. Besonders lebensnah erscheint die Schilderung 

der Erlebnisse nach dem Vorfall, nachdem die blutende Verletzung am Rücken des 

Privatklägers entdeckt wurde. Der Privatkläger war demnach sehr aufgebracht und 

hat sich nur schwer beruhigen lassen. Insgesamt sind die Aussagen von E._____ 

– entgegen der Verteidigung (vgl. Urk. 81 S. 6) – glaubhaft. 

4.4 D._____ ist ein Freund des Beschuldigten und betrachtet diesen wie einen Bru-

der (Urk. 3/1 S. 2). D._____ machte im Vorverfahren nur spärliche Ausführungen 

und verweigerte grösstenteils die Aussage. Er führte einzig aus, dass eine Person 

den Beschuldigten geschlagen hat und dann die ganze Gruppe auf den Beschul-

digten losging. Der Beschuldigte wehrte sich. Eine Erklärung für die Stichverletzung 

des Privatklägers hat er nicht. Er weiss nicht, ob der Beschuldigte ein Messer bei 

sich trug (Urk. 3/3 S. 3). Anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz gab 

D._____ an, vor dem Beschuldigten gegangen zu sein und hinter sich etwas gehört 

zu haben. Als er sich umdrehte, sah er, dass die andern Männer den Beschuldigten 

schlugen. Ob der Beschuldigte schlug bzw. sich wehrte, hat er nicht gesehen, weil 

dieser von der Gruppe umzingelt war. Er selbst will weder geschlagen haben noch 

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geschlagen worden sein (Prot. I S. 25 f.). Die Aussagen von D._____ tragen nichts 

zur Entlastung des Beschuldigten bei; sie sind auch nicht konstant. Immerhin räumt 

er ein, dass sich der Beschuldigte wehrte, obwohl er dies nicht sah (Prot. I S. 26). 

Weitere Wahrnehmungen konnte er nicht machen. Die Aussagen von D._____ 

widersprechen jenen des Privatklägers und E._____. Nachdem E._____ als Einzi-

ger das Geschehen von aussen beobachtete und sich an der Auseinandersetzung 

nicht beteiligte, ist auf seine glaubhaften Aussagen abzustellen.

4.5 Zum Aussageverhalten des Beschuldigten ist festzuhalten, dass dieser 

zunächst nur wenige Aussagen zur Sache machte und angab, sich nicht an die 

Beteiligung an einer tätlichen Auseinandersetzung erinnern zu können (Urk. 2/1 

S. 3 f.). Alsdann kann er sich doch an eine tätliche Auseinandersetzung erinnern, 

indem er ausführt, dass er während des Streits sein Mobiltelefon in der Hand 

gehalten hat und dass mehrere Personen auf ihn losgingen und auf ihn einschlugen 

(Urk. 2/1 S. 5). Er selbst will jedoch niemanden geschlagen haben (Urk. 2/1 S. 4). 

Demgegenüber ist er stark geschlagen worden und hat nichts mehr sehen können 

(Urk. 2/1 S. 6). Und obwohl der Beschuldigte nichts mehr gesehen hat, will er eben 

doch wahrgenommen haben, dass D._____ versuchte, ihm zu helfen, indem er ihn 

von den Angreifern wegzerrte und dass D._____ niemanden geschlagen hat (Urk. 

2/1 S. 7). Auf diesen Widerspruch angesprochen machte der Beschuldigte geltend, 

durch die harten Schläge sei seine Wahrnehmung zu Beginn etwas beeinträchtigt 

gewesen. Danach habe er gesehen, dass D._____ ihm zu Hilfe kam und nieman-

den schlug (Urk. 2/1 S. 7). Obwohl der Beschuldigte teilweise geltend macht, sich 

nicht an die Geschehnisse erinnern zu können, konnte er sich an das Verhalten 

des Privatklägers und D._____ erinnern. Eine solch selektive Wahrnehmung ist auf 

ein unglaubhaftes Aussageverhalten des Beschuldigten zurückzuführen.

Zu Beginn führte der Beschuldigte aus, er habe keine Bauchtasche bei sich gehabt 

(Urk. 2/1 S. 4). Sodann verneinte er, eine Hand im Hosensack gehabt zu haben. Er 

habe auch keine Bauchtasche mit sich geführt, sondern eine Schultertasche 

(Urk. 2/2 S. 3). Zur Frage, ob er selbst Gewalt angewendet oder ein Messer mit 

sich geführt hat, verweigerte der Beschuldigte – wie bereits in der polizeilichen 

Einvernahme – die Aussage bzw. machte geltend, er könne sich nicht erinnern 

- 15 -

(Urk. 2/1 S. 5 f.; Urk. 2/2 S. 3 f.). Auch vor Vorinstanz beantwortete der Beschuldigte 

die Fragen nach einem allfällig mitgeführten Messer nicht (Prot. I S. 22). Immerhin 

erkannte der Beschuldigte auf Vorhalt der Fotos mit den Verletzungen des Privat-

klägers, dass jemand gestochen wurde (Urk. 2/1 S. 6).

Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung machte der Beschuldigte 

erstmals ausführliche Aussagen und machte zunächst geltend, nichts in der Hand 

gehabt zu haben. Auf Vorhalt der Aussage des Zeugen E._____, wonach dieser 

gesehen habe, dass er etwas aus der Tasche genommen habe, führte der Beschul-

digte im Widerspruch zu seiner früheren Aussage aus, dass er ein Natel aus der 

Tasche herausholte. Auf Nachfrage erklärte der Beschuldigte sodann, dass er das 

Mobiltelefon bereits vor dem Vorfall in seiner Hand hielt (Prot. I S. 19). Diese 

Ausführungen des Beschuldigten enthalten diverse Ungereimtheiten. Zudem macht 

der Beschuldigte geltend, am fraglichen Abend eine Schultertasche auf der linken 

Seite getragen zu haben. Die Schultertasche beschreibt der Beschuldigte als 

viereckig mit einem Reissverschluss oben. Auf dem Reissverschluss soll sich eine 

Musikbox befunden haben (Prot. I S. 22 f.). Erstellt ist, dass der Beschuldigte 

anlässlich seiner Verhaftung eine graue Umhängetasche und eine schwarze 

Musikbox "JBL" mit sich führte, befanden sich doch diese beiden Gegenstände auf 

dem Effektenverzeichnis (Urk. 16/2). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte 

der Beschuldigte, sich aufgrund des Zeitablaufs nicht mehr genau an den Vorfall 

erinnern zu können und verwies auf seine bereits gemachten Aussagen im Ver-

fahren (Urk. 80 S. 6). 

Entgegen der Verteidigung (vgl. Urk. 81 S. 7) ist ohne jegliche Relevanz, wie die 

diversen Personen die vom Beschuldigten getragene Schultertasche bezeichneten. 

Nachdem feststeht, dass er tatsächlich eine graue Umhängetasche getragen hat, 

was er selbst einräumt und sich auch aus dem Effektenverzeichnis ergibt. Zudem 

gilt es zu berücksichtigen, dass aufgrund des Zeitpunktes des Vorfalles die Licht-

verhältnisse nicht gut waren. Einerseits ereignete sich der Vorfall mitten in der 

Nacht und andererseits führte E._____ aus, dass die Lichtverhältnisse schlecht wa-

ren (Urk. 5/3 S. 5). Es spielt daher keine Rolle, ob die vom Beschuldigten mit-

geführte Tasche als Bauchtasche, Schultertasche, Umhängetasche oder auch 

- 16 -

Hosensack bezeichnet wird. Jedenfalls hatte der Beschuldigte eine Tasche dabei, 

in welcher sich seine Hand befand, als er dicht zum Privatkläger herantrat. 

5. Insgesamt ist aufgrund der glaubhaften Aussagen des Privatklägers und des 

Zeugen E._____, welche zudem teilweise mit den Aussagen des Beschuldigten 

korrelieren, der Sachverhalt, wie er in der Anklageschrift geschildert ist, als rechts-

genügend erstellt zu erachten. Insbesondere gilt als erstellt, dass der Beschuldigte 

nicht von mehreren Personen angegriffen wurde. Die Auseinandersetzung spielte 

sich zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger ab, auch wenn der Privat-

kläger an diesem Abend mit sechs weiteren Personen unterwegs war. Insbeson-

dere bestehen keine Zweifel daran, dass es der Beschuldigte war, der dem Privat-

kläger die Schnitt- bzw. Stichverletzung am Rücken zufügte. Das im Gutachten des 

Instituts für Rechtsmedizin (Urk. 9/9) und im Austrittsbericht des Universitätsspitals 

Zürich (Urk. 9/8) beschriebene Verletzungsbild am Rücken des Privatklägers kann 

mit den dargelegten Abläufen in Einklang gebracht werden. Das Aussageverhalten 

des Beschuldigten in Bezug auf die Frage des Messereinsatzes hingegen über-

zeugt mit der Vorinstanz und der Privatklägervertretung (vgl. Prot. II S. 15) nicht. In 

diesem Zusammenhang verweigerte er entweder die Aussage oder machte 

geltend, er könne sich nicht daran erinnern, ob er während des Handgemenges mit 

einem Messer auf den Privatkläger eingestochen habe (vgl. Urk. 66 S. 12). Hinge-

gen konnte er sich an die Handlungen des Privatklägers sowie D._____ erinnern. 

Mit der Vorinstanz weisen die Aussagen des Beschuldigten diverse 

Ungereimtheiten auf und es kann nicht auf diese abgestellt werden.  

Auch überzeugt die erstmals an der Berufungsverhandlung vorgebrachte Hypo-

these der Verteidigung nicht, wonach nicht ausgeschlossen sei, dass angesichts 

der Vielzahl der anwesenden und in den Konflikt involvierten Personen und ange-

sichts des Durcheinanders anlässlich der Auseinandersetzung eine andere Person 

dem Privatkläger die Verletzung am Rücken beigefügt habe (Urk. 81 S. 6). Entge-

gen der Verteidigung gibt es hierfür keinerlei objektive Anhaltspunkte. Vielmehr 

schilderten sowohl der Privatkläger als auch der Zeuge E._____ übereinstimmend, 

wie der Beschuldigte, als er sich dem Privatkläger näherte, eine Hand in der Tasche 

hatte. Sodann konnte der Zeuge eine Bewegung des Beschuldigten ausmachen, 

- 17 -

welche er später als eine Messerstichbewegung identifizierte. Die tätliche Ausein-

andersetzung fand zwischen dem Privatkläger und dem Beschuldigten statt. Nach 

dem Gesagten spricht nichts für die Version einer Dritttäterschaft und diese stellt 

vielmehr eine nicht stichhaltige Hypothese dar. Damit ist der Sachverhalt, wie er in 

der Anklage steht, als erstellt zu betrachten. 

III. Rechtliche Würdigung

1. Die Anklagebehörde würdigt das Verhalten des Beschuldigten als eventualvor-

sätzlich begangene versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

2. Der Beschuldigte hat seine Tat vor Inkrafttreten der Harmonisierung der Straf-

rahmen am 1. Juli 2023 begangen. Da im neuen Art. 122 StGB die Mindeststrafe 

ein Jahr beträgt, ist das alte Recht, das eine Mindeststrafe von sechs Monaten 

vorsah, für den Beschuldigten milder. Es ist daher der alte Straftatbestand anzu-

wenden.

3. Eine schwere Körperverletzung nach Art. 122 aStGB begeht, wer vorsätzlich 

einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1) oder wer vorsätzlich den Körper, 

ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges 

Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, 

gebrechlich oder geisteskrank macht oder das Gesicht eines Menschen arg und 

bleibend entstellt (Abs. 2). Ein strafbarer Versuch liegt vor, wenn der Täter – nach-

dem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens begonnen hat – die 

strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der zur Vollendung der Tat gehörende 

Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht eintreten kann (Art. 22 Abs. 1 StGB). Beim 

Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale und manifes-

tiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle objektiven Tatbestandsmerkmale 

verwirklicht sind (BGE 140 IV 150 E. 3.4). Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder 

Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). 

Vorsätzlich handelt bereits, wer die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, 

aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt 

bzw. sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (sog. Eventualvor-

- 18 -

satz; vgl. Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung 

in diesem Sinne in Kauf genommen hat, muss das Gericht bei Fehlen eines 

Geständnisses des Beschuldigten aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu 

gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirk-

lichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters 

und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestands-

verwirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher 

darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf 

genommen. Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, 

wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass 

die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkauf-

nahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Eventualvorsatz kann indessen auch 

vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne 

sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem 

Wissen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme 

geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1424/2020 vom 31. Januar 2022 E. 1.3.3). Solche liegen 

etwa vor, wenn der Täter das ihm bekannte Risiko nicht kalkulieren und dosieren 

kann und das Opfer keine Abwehrchancen hat (BGE 133 IV 1 E. 4.5; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_760/2017 vom 23. März 2018 E. 3.3; Urteil des Obergerichts 

des Kantons Zürich SB190325 vom 2. Oktober 2020 E. III.5.3).

4. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, das unbekannte Tatwerkzeug 

sei als Schneidewerkzeug nicht geeignet, am Rücken des Privatklägers eine 

schwere bzw. lebensgefährliche Verletzung zu verursachen. Hierfür müsste 

ausnahmslos eine Stichwaffe verwendet werden (Urk. 41 S. 7).

5. Gemäss erstelltem Sachverhalt schnitt bzw. stach der Beschuldigte mit seinem 

mitgeführten Messer einmal in den Rücken des Privatklägers, wodurch dieser eine 

Stich-/Schnittverletzung am Rücken über der linken Flanke etwa auf Höhe der 

11. Rippe erlitt. Diese Verletzung war 5 cm lang, 2 cm klaffend sowie glatt um-

randet. Das Unterhautgewebe und teilweise die Rippenmuskulatur wurden durch-

trennt. Der Privatkläger befand sich nie in unmittelbarer Lebensgefahr. In unmittel-

- 19 -

barer Umgebung der Wunde befanden sich jedoch lebenswichtige Organe wie 

Lunge, Milz und Nieren sowie lebenswichtige Blutgefässe wie Rippenschlagadern, 

Bauchschlagader und die untere Hohlvene. Bei einer allfälligen Verletzung des 

Brust- und Lungenfells hätte es zu einem lebensgefährlichen Luft- und/oder Blut-

verlust im Sinne einer Luftbrust bzw. Blutung in den Brustraum mit Funktionsverlust 

der Atemmechanik und einer möglichen Sauerstoffunterversorgung und/oder eines 

inneren Verblutens und/oder einem Abknicken der zum Herzen zuführenden 

bzw. abführenden Blutgefässe mit Aussetzen der Herzfunktion führen können. Des 

Weiteren wäre bei einer Verletzung der Milz ein inneres Verbluten denkbar 

gewesen (Urk. 9/9). Der Beschuldigte selbst bezeichnete die Verletzung des 

Privatklägers auf Vorhalt der Fotos als Stichverletzung (Urk. 2/1 S. 6). Nachdem 

das eingesetzte Tatwerkzeug in der Lage war, oben beschriebene Verletzung 

zuzufügen und eine nicht unerhebliche Eindringtiefe vorlag, muss festgestellt 

werden, dass das eingesetzte Tatwerkzeug in der Lage war, tief in den Körper des 

Privatklägers einzudringen. Entgegen der Ansicht der Verteidigung spielt es somit 

keine Rolle, ob das Tatwerkzeug als Schneide- oder Stichwaffe bezeichnet wird. 

Auf jeden Fall war das eingesetzte Tatwerkzeug geeignet, schwere bzw. lebensge-

fährliche Verletzungen zuzufügen. Zudem erachteten die Gutachter des Instituts für 

Rechtsmedizin eine Selbstbeibringung der Verletzung als unwahrscheinlich, da sie 

nicht bloss oberflächlicher Natur war (Urk. 9/9 S. 6). Da der Privatkläger glück-

licherweise keine lebensgefährlichen Verletzungen erlitt, ist zu prüfen, ob ein 

versuchtes Delikt vorliegt.

6. Da keine Hinweise dafür vorliegen, dass das Zufügen einer lebensgefährlichen 

Verletzung das Ziel der Handlung des Beschuldigten war, kann in subjektiver 

Hinsicht direkter Vorsatz ausgeschlossen werden. Zu prüfen bleibt, ob sich eine 

eventualvorsätzliche Tatbegehung erstellen lässt. Mangels Geständnis des 

Beschuldigten ist aufgrund der Umstände zu entscheiden, ob der Beschuldigte in 

Kauf genommen hat, eine lebensgefährliche Verletzung zu verursachen. Darunter 

fallen die Grösse des Risikos der Tatbestandsverwirklichung, Beweggründe des 

Täters, Art der Tathandlung (BGE 133 IV 17). Dass im Bereich des Rückens 

lebenswichtige Organe und Blutgefässe liegen, deren Verletzung die Gefahr des 

Verblutens oder anderer lebensbedrohlicher Folgen mit sich bringt, gehört zum 

- 20 -

Allgemeinwissen und war auch dem Beschuldigten bekannt (Prot. I S. 23). Dem 

Beschuldigten war somit das Risiko der Tatbestandsverwirklichung bekannt, 

sodass er die Tat mit Wissen im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB ausführte. Beim 

Kreuzen kam es zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger zu einem 

Touchieren der linken Schultern. Daraufhin kam der Beschuldigte aggressiv und 

mit einer Hand in der Schultertasche, welche das Tatwerkzeug enthielt, gezielt auf 

den Privatkläger zu, was bei diesem Angst auslöste. Der Privatkläger sah sich 

gezwungen, dem Beschuldigten einen Faustschlag ins Gesicht zu versetzen. 

Anschliessend kam es zu einem Gerangel zwischen dem Beschuldigten und dem 

Privatkläger, in deren Folge der Beschuldigte dem Privatkläger mit einem Messer 

in den Rücken stach. Der Beschuldigte war aufgebracht und reagierte offensichtlich 

beleidigt und impulsiv. Der Privatkläger erwartete wohl einen Angriff des Beschul-

digten, sodass er den ersten Faustschlag ausführte, doch hatte er im weiteren 

Verlauf der Auseinandersetzung keine Abwehrchancen. Der Messereinsatz des 

Beschuldigten erfolgte unvermittelt und dem Privatkläger war es nicht möglich, 

diesem auszuweichen, zumal das Messer gegen seinen Rücken eingesetzt wurde, 

was er nicht sehen konnte. Aufgrund des dynamischen Geschehens mit Gegen-

wehr des Privatklägers konnte der Beschuldigte das effektive Verletzungsrisiko 

nicht steuern und somit auch nicht kalkulieren. Unter den gegebenen Umständen 

durfte der Beschuldigte nicht darauf vertrauen, dass nichts Schlimmes passiert, 

weshalb bewusste Fahrlässigkeit ausgeschlossen ist. Jedoch musste sich dem 

Beschuldigten die Gefahr von lebensbedrohlichen Verletzungen als dermassen 

wahrscheinlich aufdrängen, dass er solche mit seinem Verhalten billigend in Kauf 

nahm. Der Beschuldigte handelte damit eventualvorsätzlich. Der Tatbestand der 

versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 aStGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB ist damit in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt.

7. Die Verteidigung des Beschuldigten macht – im Berufungsverfahren als Eventu-

alantrag – aufgrund des durch den Privatkläger ausgeführten Faustschlages eine 

Notwehrsituation des Beschuldigten geltend. Zumindest sei dem Beschuldigten ein 

Notwehrexzess zuzubilligen (Urk. 41 S. 7; Urk. 81 S. 3 und S. 7 f.). Die Verteidigung 

begründete dies anlässlich der Berufungsverhandlung damit, dass der Beschul-

digte vom Privatkläger unmittelbar vor der nachfolgenden Auseinandersetzung mit 

- 21 -

einem Rempler tätlich angegangen worden und klarerweise provoziert worden sei. 

Auf diese Provokation hin habe der Beschuldigte den Privatkläger zur Rede stellen 

dürfen. Daraufhin habe der Privatkläger dem Beschuldigten mit der rechten Faust 

in die linke Gesichtshälfte geschlagen, weshalb sich der Privatkläger aufgrund 

dieser Vorgeschichte nicht rechtsgültig auf eine Notwehrsituation habe berufen 

dürfen. Hingegen habe sich der Beschuldigte sehr wohl in einer Notwehrsituation 

befunden, als er mit dem Faustschlag ins Gesicht geschlagen und damit rechts-

widrig angegriffen worden sei. Der anlässlich des folgenden Schlagabtauschs 

erfolgte Einsatz des Tatwerkzeugs sei somit im Zuge der Notwehrhandlung durch 

den Beschuldigten erfolgt, jedoch müsse das Ausmass der Abwehrhandlung als 

übermässig eingeschätzt werden, weshalb letztlich ein Notwehrexzess vorgelegen 

habe (Urk. 81 S. 7 f.). 

8. Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, 

so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den 

Umständen entsprechenden Weise abzuwehren (Art. 15 StGB).

Gemäss dem erstellten Sachverhalt befand sich der Beschuldigte nicht in einer Not-

wehrlage. Entgegen der Verteidigung und mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 66 S. 19) ist 

nicht erstellt, dass der Privatkläger dem Beschuldigten bewusst einen starken 

Schulterstoss zugefügt habe. Daher kann auch nicht ohne Weiteres davon ausge-

gangen werden, dass sich der Beschuldigte berechtigterweise provoziert fühlen 

durfte. Nach dem Schulterstreifen kam es zunächst zu einer verbalen Auseinander-

setzung zwischen dem Beschuldigten und der Gruppe. Anschliessend trat der 

Beschuldigte mit einer Hand in der Tasche sehr nahe an den Privatkläger heran. 

Der Privatkläger befürchtete dadurch, dass der Beschuldigte ein Messer in seiner 

Tasche hatte und verpasste dem Beschuldigten einen Faustschlag ins Gesicht. 

Nach diesem ersten Faustschlag kam es zu einem gegenseitigen Austausch von 

Faustschlägen. Erst im Rahmen dieser gegenseitigen tätlichen Auseinanderset-

zung stach der Beschuldigte den Privatkläger mit einem Messer. Der Einsatz des 

Messers erfolgte damit nicht als Reaktion auf den ersten Faustschlag des Privat-

klägers. Die Argumentation der Verteidigung verfängt in diesem Zusammenhang 

nicht. Vielmehr wirft die Vorinstanz zu Recht die Frage auf, ob der Beschuldigte die 

- 22 -

vermeintliche Notwehrsituation nicht selbst herbeiführte. Diesbezüglich kann auf 

die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 66 S. 32). 

Insgesamt lag keine Notwehrsituation vor. Da keine Notwehrsituation vorlag, kann 

auch kein Notwehrexzess vorliegen.

9. Weitere Schuldausschluss- oder Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich 

und wurden auch nicht geltend gemacht. Der Beschuldigte hat sich daher der 

versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 aStGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.

IV. Sanktion

1. Die Vorinstanz hat sich zutreffend zu den theoretischen Grundlagen der Strafzu-

messung geäussert, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich 

hierauf verwiesen werden kann (Urk. 66 S. 34 f.). 

2. Der Beschuldigte hat sich der versuchten schweren Körperverletzung schuldig 

gemacht. Zum Tatzeitpunkt galt – wie bereits erwähnt – ein Strafrahmen von sechs 

Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe (Art. 122 Abs. 4 aStGB). Gemäss 

heutiger Fassung würde ein Strafrahmen von einem Jahr bis zu zehn Jahren Frei-

heitsstrafe gelten (Art. 122 StGB). Da die neue Bestimmung für den Beschuldigten 

ungünstiger ist, ist auf die mildere altrechtliche Bestimmung abzustellen und von 

einem Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe auszu-

gehen. Aufgrund des Strafmilderungsgrunds des Versuchs würde sich der 

Strafrahmen nach unten öffnen und auch die Bindung an die Strafart entfallen. 

Wenn die Vorinstanz erwog, dass vorliegend die Strafe innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens festzusetzen ist, da keine aussergewöhnlichen Umstände vorliegen, 

um davon abzuweichen, so ist dies nicht zu beanstanden. Die Strafe ist daher 

innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzusetzen. Der Strafmilderungsgrund 

des Versuchs ist bei der Verschuldensbewertung mindernd zu berücksichtigen.

3. Bei der Bewertung der objektiven Tatkomponente gilt es zu berücksichtigen, 

dass die Berührung der Schultern zwischen dem Privatkläger und dem Beschuldig-

ten dazu führte, dass sich der Beschuldigte provoziert fühlte. Er trat zielgerichtet 

- 23 -

aggressiv mit einer Hand in der Tasche nahe zum Privatkläger hin, sodass sich 

dieser veranlasst sah, dem Beschuldigten einen Faustschlag ins Gesicht zu ver-

setzen. Dies führte zu einer tätlichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf der 

Beschuldigte dem Privatkläger mit einem Messer in den Rücken stach. Die Gewalt-

einwirkung auf den Rücken des Privatklägers hätte zu lebensbedrohlichen Ver-

letzungen des Privatklägers führen können. Bei einer allfälligen Verletzung des 

Brust- und Lungenfells hätte es zu einem lebensgefährlichen Luft- und/oder 

Blutverlust im Sinne einer Luftbrust bzw. Blutung in den Brustraum mit Funktions-

verlust der Atemmechanik und einer möglichen Sauerstoffunterversorgung und/ 

oder eines inneren Verblutens und/oder einem Abknicken der zum Herzen zu-

führenden bzw. abführenden Blutgefässe mit Aussetzen der Herzfunktion führen 

können. Des Weiteren wäre bei einer Verletzung der Milz ein inneres Verbluten 

denkbar gewesen (Urk. 9/9). Effektiv erlitt der Privatkläger eine Stichverletzung am 

Rücken über der linken Flanke etwa auf Höhe der 11. Rippe. Diese Verletzung war 

5 cm lang, 2 cm klaffend sowie glatt umrandet. Das Unterhautgewebe und teilweise 

die Rippenmuskulatur wurden durchtrennt. Damit hat sich der Privatkläger keine 

schweren Verletzungen zugezogen. Den effektiven Verletzungen des Privatklägers 

haftet etwas Zufälliges an und der Privatkläger kann froh sein, dass nichts Schlim-

meres passiert ist. Somit sind diese Umstände bei der Bemessung der objektiven 

Tatschwere nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, was nach dem norma-

len Lauf der Dinge hätte passieren können. Dem Umstand, dass die Verletzungen 

nicht gravierend waren, wird durch die Qualifikation als Versuch Rechnung getra-

gen. Vorausgesetzt der tatbestandsmässige Erfolg der schweren Körperverletzung 

wäre durch eine lebensgefährliche Verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 aStGB 

eingetreten, läge insgesamt eine nicht mehr leichte objektive Tatschwere vor. 

Ausgehend von einem mittleren objektiven Tatverschulden, rechtfertigt es sich, 

eine hypothetische Einsatzstrafe von 42 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen.

4. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

aus nichtigem Beweggrund handelte, indem er sich nach der Berührung der Schul-

tern provoziert fühlte und die Konfrontation mit dem Privatkläger suchte. Die Tat 

war nicht geplant. Das Verhalten des Beschuldigten zeugt jedoch von erschrecken-

der Gleichgültigkeit gegenüber der körperlichen Integrität eines anderen Menschen 

- 24 -

und erheblicher Gewaltbereitschaft. Verschuldensmindernd ist zu berücksichtigen, 

dass der Beschuldigte lediglich eventualvorsätzlich handelte. Die objektive 

Tatschwere wird durch die subjektiven Tatumstände insgesamt leicht vermindert. 

Es rechtfertigt sich eine Reduktion aufgrund der subjektiven Tatschwere auf 

36 Monate Freiheitsstrafe.

5. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist zu berücksichtigen, dass der 

Privatkläger keine schweren Verletzungen im Sinne von Art. 122 aStGB erlitten hat, 

sondern ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. Bei der Bemessung 

der Minderung der Strafe spielen die Nähe zum tatbestandsmässigen Erfolg und 

die tatsächlichen Folgen der Tat eine entscheidende Rolle. Es ist davon auszu-

gehen, dass die Verletzung des Privatklägers nach routinemässiger ärztlicher 

Versorgung komplikationslos heilte. Dieser glimpfliche Verlauf war aber nicht der 

Zurückhaltung des Beschuldigten, sondern lediglich dem Zufall geschuldet. Vor-

liegend fällt in Betracht, dass gemäss Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin 

diverse Szenarien einen lebensbedrohlichen Zustand des Privatklägers hätten 

bewirken können (Urk. 9/9). Die Nichtvollendung wirkt sich moderat strafmindernd 

aus. Der Beschuldigte hat jedoch alles unternommen, was zu einer schweren 

Körperverletzung führen kann. Eine Reduktion der Einsatzstrafe auf 28 Monate 

erscheint angemessen.

6. Bei der Täterkomponente kann bezüglich des Vorlebens und der persönlichen 

Verhältnisse des Beschuldigten vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorin-

stanz verwiesen werden (Urk. 66 S. 37). Anlässlich der Berufungsverhandlung 

wurde diesbezüglich ergänzt, dass der Beschuldigte seit April 2023 nicht mehr bei 

H._____ tätig ist und eine Grundausbildung als Logistiker bei I._____ absolviert, 

welche noch bis Mitte Mai 2024 dauert. Nach dem Praktikum plant der Beschul-

digte, im August 2024 eine Lehre bei I._____ zu beginnen, wobei diesbezüglich 

Gespräche im Gang sind, jedoch noch kein Vertrag vorliegt. Am Tag der Berufungs-

verhandlung kam das zweite gemeinsame Kind vom Beschuldigten und seiner Le-

benspartnerin zur Welt. Neben seiner Partnerin und den (nunmehr) zwei gemein-

samen Kindern und seiner Stieftochter, mit welchen der Beschuldigte seit einigen 

Monaten zusammenlebt, leben auch seine Eltern sowie zwei Brüder in der Schweiz. 

- 25 -

Zu seinen Verwandten im Sudan hat der Beschuldigte aufgrund des dortigen Bür-

gerkrieges keinen Kontakt mehr. Der Beschuldigte hatte vier Monate, nachdem er 

in die Schweiz gekommen war, mit einem Deutschkurs begonnen und auch eine 

Schule besucht. Auch bei der Arbeit spricht er Deutsch (Urk. 80 S. 2-5). Die 

Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach sich das Vorleben und die persönlichen 

Verhältnisse nicht auf die Strafzumessung auswirken, ist zutreffend. Der Beschul-

digte ist nicht vorbestraft, was sich strafzumessungsneutral auswirkt. Das Gleiche 

gilt in Bezug auf das fehlende Geständnis sowie die fehlende Reue und Einsicht in 

das Unrecht seiner Tat.

7. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass sich die Täterkomponente nicht auf die 

Höhe der Strafe auswirkt. Der Beschuldigte wäre mit einer Freiheitsstrafe von 

28 Monaten zu bestrafen. Infolge der zwingenden Berücksichtigung des 

Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO resultiert eine 

Reduktion auf 24 Monate Freiheitsstrafe. Der Anrechnung der 31 Tage erstandener 

Haft (23. Oktober 2021 bis 22. November 2021) im Sinne von Art. 51 StGB steht 

nichts entgegen.

V. Vollzug

Die Vorinstanz gewährte dem Beschuldigten den bedingten Vollzug der Freiheits-

strafe unter Ansetzung einer minimalen Probezeit von zwei Jahren, wobei dies-

bezüglich ohne Weiteres auf die korrekten vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen 

werden kann (Urk. 66 S. 38 f.). Mit der Vorinstanz sind sowohl die objektiven als 

auch die subjektiven Voraussetzungen für einen bedingten Vollzug gegeben. 

Entsprechend sind der bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe sowie die angesetzte 

Probezeit von zwei Jahren zu bestätigen. 

VI. Landesverweisung

1. Die Vorinstanz ordnete eine obligatorische Landesverweisung des Beschuldig-

ten für die Dauer von 5 Jahren sowie deren Ausschreibung im Schengener Infor-

mationssystem (SIS) an (Urk. 66 S. 56).

- 26 -

2.1 Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB verweist das Gericht einen Ausländer, der wegen 

einer im Deliktskatalog aufgeführten Tat verurteilt wird, unabhängig von der Höhe 

der Strafe für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz. Die Landesverweisung ist unab-

hängig von der konkreten Tatschwere und selbst dann, wenn es beim Versuch 

geblieben ist, auszusprechen.

2.2 Von der Landesverweisung kann nur "ausnahmsweise" abgesehen werden, 

wenn sie kumulativ (1) einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und 

(2) die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten 

Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist 

der besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz 

geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härtefallklausel). Die 

Härtefallklausel dient der Umsetzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (vgl. Art. 5 

Abs. 2 BV; BGE 146 IV 105, E. 3.4.2; 144 IV 332, E. 3.1.2 und E. 3.3.1). Sie ist 

restriktiv anzuwenden (BGE 144 IV 332, E. 3.3.1). Nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des Härtefalls im Sinne 

von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung über den "schwer-

wiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Okto-

ber 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 142.201) 

heranziehen. Da die Landesverweisung strafrechtlicher Natur ist, sind auch 

strafrechtliche Elemente wie die Aussichten auf soziale Wiedereingliederung des 

Täters in die Interessenabwägung miteinzubeziehen (BGE 144 IV 332, E. 3.3.2, mit 

Hinweisen). Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad der (persönlichen und 

wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre Bindungen des Ausländers in 

der Schweiz bzw. in der Heimat, Aufenthaltsdauer und Resozialisierungschancen. 

Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholten Delinquenz Rechnung zu tragen. 

Dabei darf das Gericht auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene 

Straftaten berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1070/2018 vom 

14. August 2019, E. 6.2.2, mit Hinweisen). Art. 66a StGB ist EMRK-konform aus-

zulegen. Die Interessenabwägung im Rahmen der Härtefallklausel von Art. 66a 

Abs. 2 StGB hat sich daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 

EMRK zu orientieren (BGE 145 IV 161, E. 3.4; Urteil des Bundesgerichts 

- 27 -

6B_1070/2018 vom 14. August 2019, E. 6.3.4, mit Hinweisen; vgl. auch zum Gan-

zen: Urteil des Bundesgerichts 6B_396/2020 vom 11. August 2020, E. 2.4.2. ff.).

2.3 Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB 

ist bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des Ausländers 

auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- 

und Familienlebens auszugehen. Unter dem familienrechtlichen Titel von Art. 8 

Ziff. 1 EMRK ist dessen Schutzbereich berührt, wenn eine Ausweisung eine nahe, 

echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung zu einer in der Schweiz gefestigt 

anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigen würde, ohne dass es dieser 

ohne Weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu 

pflegen. Intakte familiäre Beziehungen zu in der Schweiz niedergelassenen 

Familienmitgliedern sind grundsätzlich als erhebliches privates Interesse an einem 

weiteren Verbleib in der Schweiz zu gewichten. Jedoch reichen normale familiäre 

und emotionale Beziehungen nicht aus, um einen Aufenthaltsanspruch zu begrün-

den. Selbst ein (gefestigtes) Anwesenheitsrecht stünde unter dem Vorbehalt der 

Eingriffsrechtfertigung im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK. Weiter ist zu beachten, 

dass zum geschützten Familienkreis in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die 

Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern, gehört (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.5.3).

2.4 Nach Art. 66d Abs. 1 StGB kann schliesslich die zuständige kantonale Behörde 

(im Kanton Zürich: das Migrationsamt, vgl. § 16a StJVG/ZH) den Vollzug der 

obligatorischen Landesverweisung aufschieben, wenn der Betroffene (a.) ein von 

der Schweiz anerkannter Flüchtling ist und durch die Landesverweisung sein Leben 

oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu 

einer bestimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen Anschauungen gefähr-

det wäre oder (b.) andere zwingende Bestimmungen des Völkerrechts entgegen-

stehen, worunter namentlich das sog. Non-Refoulement-Gebot zu verstehen ist, 

welches die Auslieferung, Ausweisung oder Rückschiebung einer Person in ein an-

deres Land verbietet, falls ernsthafte Gründe für die Annahme vorliegen, dass für 

die betreffende Person im Zielland ein ernsthaftes Risiko von Folter bzw. 

unmenschlicher Behandlung oder einer anderen sehr schweren Menschenrechts-

- 28 -

verletzung besteht (vgl. Art 3 EMRK, Art. 3 Flüchtlingskonvention, Art. 3 Anti-

Folterkonvention, Art. 7 UNO-Pakt II sowie Art. 25 Abs. 2 BV). Gemäss bundesge-

richtlicher Rechtsprechung sind allfällige Schwierigkeiten, die der Beschuldigte im 

Falle seiner Rückführung in sein Zielland zu gewärtigen hätte, bereits im Rahmen 

der Härtefallbeurteilung bei der stattfindenden Prüfung der persönlichen Verhält-

nisse zu berücksichtigen (BGE 144 IV 332 E. 3.3). Ergibt sich, dass ein Beschul-

digter im Falle der Rückführung in sein Zielland mit hoher Wahrscheinlichkeit der 

Folter oder unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wäre, ist selbst bei sonst 

schwachem Bezug zur Schweiz unter Umständen von einem persönlichen Härtefall 

auszugehen, wobei jedoch noch nichts über die nachgelagerte Abwägung der 

privaten und öffentlichen Interessen ausgesagt ist. Auch eine allgemein problema-

tische Situation im Zielland ist unter gewissen besonderen Umständen im Rahmen 

der Gesamtwürdigung der persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen, wird aber 

für sich allein in der Regel nicht zur Annahme eines Härtefalles führen können. 

Solche nicht direkt mit der Person des Beschuldigten zusammenhängenden Pro-

bleme sind hauptsächlich im Rahmen des Vollzugs zu berücksichtigen. Das Gericht 

wird – jedenfalls bei instabilen, sich stets verändernden Verhältnissen im Zielland – 

nicht von einer Landesverweisung absehen, sondern die Vollzugsbehörde hat in 

Anwendung von Art. 66d StGB die Möglichkeit und die Pflicht, die Landesver-

weisung gegebenenfalls einstweilen auszusetzen (vgl. BGer 6B_651/2018 vom 

17. Oktober 2018, E. 8.3.3.).

2.5 Steht aufgrund einer Prüfung dieser Kriterien fest, dass die Landesverweisung 

zu einer schweren persönlichen Härte führen würde, sind sodann die privaten 

Interessen des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz den öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung, deren Gewicht wesentlich von der Art und 

Schwere der begangenen Delikte und der Legalprognose abhängt, gegenüber-

zustellen. Überwiegen die öffentlichen Interessen, muss die Landesverweisung 

ausgesprochen werden (BUSSLINGER/ÜBERSAX, a.a.O, S. 102 ff.).

3. Die Verteidigung macht geltend, es sei von einer Landesverweisung abzusehen, 

da der Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung 

freizusprechen sei. Sofern der Beschuldigte schuldig gesprochen werde, sei – im 

- 29 -

Sinne eines Eventualantrages – auf die Anordnung einer Landesverweisung zu ver-

zichten. Es sei von einem Notwehrexzess auszugehen. Als Subeventualantrag und 

im Falle einer Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs beantragte die Ver-

teidigung, es sei im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB von der Anordnung einer Lan-

desverweisung abzusehen (Urk. 81 S. 9 ff.). Der Beschuldigte habe sich seit seiner 

Einreise in die Schweiz im Jahre 2019 tadellos verhalten. Er sei hier gut integriert, 

spreche sehr gut Deutsch (Niveau B2) und verstehe auch Schweizerdeutsch. Auch 

habe sich der Beschuldigte beruflich gut entwickelt und sich berufliche Ziele ge-

steckt. So sei geplant, dass er im August 2024 eine Lehre als Logistiker bei der 

Firma I._____ beginne. Am tt.mm.2022 sei er Vater eines Sohnes geworden und 

nun sei ein weiteres Kind des Beschuldigten zur Welt gekommen. Der Beschuldigte 

pflege eine nahe, echte und tatsächlich gelebte intensive familiäre Beziehung zu 

seiner Lebenspartnerin und den mittlerweile drei Kindern sowie seinen Eltern und 

Brüdern in der Schweiz. Zu seinen Verwandten im Sudan habe er hingegen seit 

2019 keinen Kontakt mehr. Die Verteidigung verwies im Weiteren auf Referenz-

schreiben von zwei sehr guten Freundinnen des Beschuldigten, welche ihn einer-

seits als wertvollen Familienmenschen und andererseits als eine ehrliche, respekt-

volle und sehr mitfühlende Person beschreiben würden. Obwohl der Beschuldigte 

immer wieder mit unfreundlichen und teilweise rassistischen Vorfällen konfrontiert 

worden sei, sei es nie mehr zu einem Vorfall wie dem heute zu beurteilenden ge-

kommen. Es handle sich vorliegend um einen absoluten Einzelfall. Ferner sei auch 

zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt erst 20-jährig und da-

mit ein noch junger Erwachsener gewesen sei (Urk. 41 S. 8 f.; Prot. I S. 32 f.; 

Urk. 81 S. 9 ff.; Prot. II S. 12 f.; Urk. 82/5-6).

4.1 Mit der Vorinstanz (Urk. 66 S. 42) ist vorliegend festzustellen, dass es sich beim 

vom Beschuldigten verwirklichten Tatbestand der versuchten schweren Körperver-

letzung im Sinne von Art. 122 aStGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB um 

eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB handelt. Eine entschuldbare 

Notwehr oder ein entschuldbarer Notstand liegt wie erwähnt nicht vor (Art. 66a 

Abs. 3 StGB). Damit ist der Beschuldigte, welcher Staatsangehöriger von Sudan 

ist, grundsätzlich für 5 bis 15 Jahre des Landes zu verweisen.

- 30 -

4.2 Es kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Urk. 66 S. 42 ff.). Der heute 22-jährige Beschuldigte kam im Alter von 

18 Jahren (im April 2019) illegal in die Schweiz und lebt seither hier. Am 9. April 

2019 stellte er ein Asylgesuch. Sein Asylgesuch wurde mangels Flüchtlingseigen-

schaft am 1. Oktober 2020 abgewiesen und er wurde aus der Schweiz wegge-

wiesen (Urk. 32 S. 23 ff.). Mit Entscheid vom 27. November 2020 zog das Staats-

sekretariat für Migration den Wegweisungsentscheid in Wiedererwägung, sah vom 

Vollzug der Wegweisung ab und nahm den Beschuldigten vorläufig in der Schweiz 

auf (Urk. 32 S. 46 ff.). Seither verfügt der Beschuldigte über den Aufenthaltsstatus 

F (Urk. 32 S. 57; vgl. auch Urk. 80 S. 3). Der Beschuldigte verfügt demnach nicht 

über einen Flüchtlingsstatus im Sinne der Genfer Konvention.

4.3 Der mittlerweile 22-jährige Beschuldigte verbrachte seine prägenden Kinder- 

und Jugendjahre im Sudan. Er wurde wohl in J._____ geboren, zog jedoch mit vier 

Jahren in den Sudan. Im Jahre 2019 kam er – wie bereits erwähnt – zusammen mit 

seinem Vater und einem Bruder in die Schweiz. Seine Mutter und ein anderer Bru-

der kamen bereits 2008 in die Schweiz. Im Sudan absolvierte der Beschuldigte elf 

Jahre Grundschule und Gymnasium mit Abschluss. Aufgrund der finanziellen Ver-

hältnisse konnte er nicht studieren und arbeitete dann. Er ist daher mit den Verhält-

nissen und der Sprache im Sudan bestens vertraut. Seine Kindheit bezeichnete der 

Beschuldigte als normal und die finanziellen Verhältnisse waren durchschnittlich 

(Urk. 2/4 S. 3; Prot. I S. 12 f.). Zuletzt und vor Vorinstanz wohnten die Mehrheit 

seiner (Halb-) Geschwister und seine Tante, bei welcher er den Grossteil seiner 

Kindheit verbrachte, im Sudan. Anlässlich der Berufungsverhandlung schilderte der 

Beschuldigte bzw. die Verteidigung, dass er aufgrund der im Sudan herrschenden 

Kriegswirren keinen Kontakt mehr zu seinen Angehörigen habe und auch nicht 

wisse, wo sich diese befinden würden bzw. ob sie noch am Leben seien (Urk. 80 

S. 4; Prot. II S. 12 f.). Nichtsdestotrotz erscheint eine Wiedereingliederung im Su-

dan angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte den grössten Teil seines Le-

bens im Sudan verbrachte, die dortige Landessprache beherrscht sowie seiner 

Kenntnis der dortigen Verhältnisse und Kultur zumutbar.

- 31 -

4.4 In Bezug auf die wirtschaftliche Integration des Beschuldigten ist ihm zu Gute 

zu halten, dass er gut Deutsch spricht und auch anlässlich der Berufungsverhand-

lung trotz Aufgebots eines Dolmetschers dessen Dienste nicht in Anspruch nehmen 

musste (vgl. Prot. II S. 6; Urk. 80). Seit dem 12. Juni 2019 wurde der Beschuldigte 

für die Lebenshaltungskosten vollumfänglich von der K._____ unterstützt (Urk. 32 

S. 109). Erfreulicherweise konnte er ab 1. August 2022 eine 100%-Anstellung bei 

H._____ antreten. Obwohl der Beschuldigte in der Untersuchung angab, er habe 

eine Lehrstelle bei H._____ als Detailhandelsassistent erhalten und er gerne eine 

Lehre absolvieren würde, weist der abgeschlossene Vertrag darauf hin, dass er von 

Beginn weg als Angestellter arbeitete, wobei der Lohn während den ersten zwei 

Monaten Fr. 900.– betrug und sich nachher auf Fr. 4'100.– erhöhte (je brutto 

zuzüglich 13. Monatslohn; Urk. 32 S. 111 ff.). Anlässlich der Hauptverhandlung vor 

Vorinstanz führte der Beschuldigte dann aus, dass er keine Lehre absolviert (Prot. I 

S. 12). Gemäss seinen Angaben an der Berufungsverhandlung arbeitet der 

Beschuldigte zudem seit April 2023 nicht mehr bei H._____ und absolviert zurzeit 

eine Grundausbildung als Logistiker bei der Firma I._____, welche bis Mitte Mai 

2024 dauert und wofür er einen Praktikumslohn erhält. Weiter ist geplant, dass er 

im Anschluss an dieses Praktikum ab August 2024 eine Lehre bei I._____ beginnt, 

wobei diesbezüglich Gespräche im Gang sind (Urk. 80 S. 2 f.; Prot. II S. 11). Zwar 

hat sich der Beschuldigte – mit der Verteidigung – beruflich gut entwickelt und sich 

auch berufliche Ziele gesteckt. Allerdings hat er keine Festanstellung, sondern ist 

noch in Ausbildung bzw. absolviert ein Praktikum und liegt auch noch kein Vertrag 

für eine Lehre bei I._____ vor. Insgesamt spricht die wirtschaftliche Integration des 

Beschuldigten nicht gegen eine Landesverweisung.  

4.5 Hinsichtlich der familiären Beziehungen des Beschuldigten ist zu berücksichti-

gen, dass seine Eltern und zwei Brüder in der Schweiz wohnen. Er wohnt jedoch 

nicht mehr im gleichen Haushalt mit ihnen (Prot. I S. 12 f.). Aus diesem Grund 

gehören sie nicht mehr zu seiner Kernfamilie. Ein besonderes Abhängigkeits-

verhältnis, welches über eine normale affektive Bindung hinausgeht, wurde weder 

behauptet noch ist ein solches ersichtlich. Die Beziehungen des Beschuldigten zu 

seinen Eltern und Brüdern fallen damit nicht unter das durch Art. 8 Abs. 1 EMRK 

geschützte Familienleben. Die durch die Landesverweisung erfolgte Beeinträchti-

- 32 -

gung dieser familiären Beziehungen ist zwar einschneidend, vermag jedoch keinen 

schweren persönlichen Härtefall zu begründen.

4.6 Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte erstmals aus, er sei am tt.mm.2022 Va-

ter eines Sohnes geworden, den er fast täglich besuche. Damals wohnte er nicht 

mit seinem Sohn und dessen Mutter zusammen. Auch die Vaterschaft war noch 

nicht anerkannt (Prot. I S. 13 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung ergab sich, 

dass die Vaterschaftsanerkennung durch den Beschuldigten mittlerweile gesche-

hen und der Beschuldigte Vater eines weiteren Kindes mit seiner Lebenspartnerin 

geworden ist (Urk. 81 S. 10; Urk. 82/2; Urk. 80 S. 2). Seit Ende letzten Jahres 

lebt der Beschuldigte mit seiner Partnerin sowie den Kindern zusammen (vgl. 

Urk. 82/4). Letztlich vermag aber auch dies entgegen der Verteidigung keinen 

schweren persönlichen Härtefall zu begründen: Die Partnerin des Beschuldigten ist 

somalische Staatsangehörige, verfügt über den Aufenthaltsstatus F und lebt seit 

ca. sechs Jahren in der Schweiz. Sie spricht Arabisch, Deutsch und Somali. Mit 

dem Beschuldigten unterhält sie sich auf Arabisch (Prot. I S. 14 ff.). Auch wenn der 

Beschuldigte mittlerweile mit ihr und den Kindern zusammenlebt, reichen normale 

familiäre und emotionale Beziehungen selbst dann nicht, um einen Aufenthaltsan-

spruch zu begründen, wenn die anderen Familienmitglieder in der Schweiz nieder-

gelassen bzw. gefestigt anwesenheitsberechtigt sind. Vorliegend verfügen weder 

der Beschuldigte noch seine Partnerin über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht. Der 

Sohn sowie das neugeborene Kind des Beschuldigten sind in einem anpassungs-

fähigen Alter, weshalb es ihnen auch nicht unzumutbar wäre, mit dem Beschuldig-

ten die Schweiz zu verlassen, zumal die Partnerin der arabischen Sprache mächtig 

ist. An diesem Schluss und letztlich an der Verneinung eines schweren persön-

lichen Härtefalls vermögen auch die beiden von der Verteidigung eingereichten Re-

ferenzschreiben von zwei Freundinnen des Beschuldigten, welche er offenbar seit 

rund eineinhalb Jahren kennt (vgl. Urk. 82/5 S. 1), nichts zu ändern (Urk. 82/5-6). 

4.7 Gemäss der (allerdings nicht ganz einheitlichen) bundesgerichtlichen Recht-

sprechung hat sodann zwar bereits das Sachgericht bei der Prüfung der Anordnung 

einer Landesverweisung eine Prognose hinsichtlich deren Vollziehbarkeit zu treffen 

(vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.3.4. f.; 

- 33 -

6B_50/2021 vom 8. September 2021 E. 4.6; anders etwa: 6B_1130/2021 vom 

15. Oktober 2021). Jedoch ist aufgrund zu erwartender Vollzugshindernisse erst 

dann von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen, wenn keine oder 

bloss eine höchst unwahrscheinliche, rein theoretische Möglichkeit besteht, die 

Wegweisung zu vollziehen. 

Wie bereits ausgeführt kann sich der Beschuldigte nicht auf den Flüchtlingsstatus 

berufen. Seine geltend gemachten Asylgründe wurden abgelehnt und er besitzt als 

vorläufig Aufgenommener die Aufenthaltsbewilligung F. Mit Verfügung vom 

1. Oktober 2020 ordnete das SEM die Wegweisung des Beschuldigten an. Somit 

war zumindest in jenem Zeitpunkt eine Rückführung möglich. Anlässlich der 

Berufungsverhandlung brachte die Verteidigung vor, eine Wegweisung des 

Beschuldigten in den Sudan sei aufgrund der dort seit April 2023 stattfindenden 

Kampfhandlungen zwischen der Armee und einer paramilitärischen Gruppe nicht 

zulässig. Gemäss den aktuellen Reisehinweisen des Eidgenössischen Departe-

ments für auswärtige Angelegenheiten (EDA) forderten die Kampfhandlungen zahl-

reiche Todesopfer (Prot. II S. 13 f.). Das EDA rate grundsätzlich von einer Einreise 

in den Sudan ab (Urk. 83). 

Zwar ist mit der Verteidigung die derzeitige Lage im Sudan aufgrund der ausge-

brochenen Kampfhandlungen äusserst besorgniserregend und rät auch das EDA 

von Reisen in den Sudan ab. Nichtsdestotrotz ist nicht von einer eigentlichen Un-

durchführbarkeit der Landesverweisung auszugehen. Auch wenn die momentane 

politische Situation im Sudan unbeständig ist, kann sich diese verändern und ist 

nicht erkennbar, dass sie dauerhaft oder auf nicht absehbare Zeit fortbestehen 

würde. Dafür fehlen hinreichende Anhaltspunkte und auch die Verteidigung selber 

erklärte diesbezüglich, bei den Reisehinweisen des EDA handle es sich um die 

aktuelle und momentane Einschätzung der Gefahr im Sudan (vgl. Prot. II S. 14). 

Ferner ist im heutigen Zeitpunkt nicht ersichtlich und wird auch von der Verteidigung 

nicht vorgebracht, dass dem Beschuldigten im Sudan Folter, unmenschliche Be-

handlung oder Tod drohen würde. Somit kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt 

werden, der Vollzug der Landesverweisung sei definitiv undurchführbar. Es wird 

vielmehr an der zuständigen Vollzugsbehörde liegen, periodisch, sorgfältig und iso-

- 34 -

liert zu prüfen, ob eine Rückkehr des Beschuldigten in sein Heimatland zumutbar 

ist und vollzogen werden kann (vgl. zum Ganzen auch vorstehend, Ziff. VI. 2.4.). 

4.8 Da vorliegend ein schwerer persönlicher Härtefall verneint wird, erübrigt sich 

die Vornahme einer Interessenabwägung zwischen dem privaten Interesse des 

Straftäters am Verbleib in der Schweiz und dem öffentlichen Interesse der Schweiz 

an seiner Ausweisung (Urteil des Bundesgerichts 6B_34/2019 vom 5. September 

2019 E. 2.4.3). Es sei jedoch angemerkt, dass das öffentliche Interesse an einer 

Landesverweisung vorliegend deutlich überwiegen würde. Der Beschuldigte ist in 

der Schweiz nicht sozial und wirtschaftlich nur mässig integriert. Er hat hier seit 

kurzem eine Partnerin und mittlerweile zwei gemeinsame Kinder mit ihr, mit 

welchen er aber erst seit kurzem zusammenlebt. Beziehungen zu weiteren Perso-

nen hat er, abgesehen von den beiden Freundinnen, die er erst vor eineinhalb 

Jahren kennenlernte, keine. Er war nur kurze Zeit bei H._____ erwerbstätig und 

absolviert momentan ein Praktikum bei I._____, wobei jedoch nicht definitiv fest-

steht, ob er dort eine Lehre wird beginnen können. Zu seinen im Sudan lebenden 

Familienangehörigen hat er zwar gemäss eigenen Angaben keinen Kontakt mehr, 

doch beherrscht er die dortige Sprache und hat nach der Schulzeit im Sudan auch 

gearbeitet. Er kann sich daher ohne Weiteres wieder ein Leben im Sudan aufbauen, 

wo er im Übrigen den Grossteil seines Lebens verbracht hat. Der Beschuldigte 

wurde vorliegend zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt. Er hat sich der 

versuchten schweren Körperverletzung schuldig gemacht und damit eine schwere 

Straftat begangen. Er führte ein Messer mit sich, das er ohne zu zögern einsetzte. 

Das öffentliche Interesse daran, solche Delinquenz künftig zu verhindern, ist gross. 

Daran ändert auch nichts, dass der Beschuldigte erstmals strafrechtlich in Erschei-

nung tritt und ihm eine gute Legalprognose gestellt werden muss. Das persönliche 

– private – Interesse des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz ist hingegen 

verhältnismässig gering.

5. Die Anordnung einer obligatorischen Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 

StGB durch die Vorinstanz ist damit zu bestätigen. Die von der Vorinstanz festge-

legte Dauer der Landesverweisung von fünf Jahren stellt das gesetzliche Minimum 

- 35 -

dar. Die Ausfällung einer längeren Landesverweisung im Berufungsverfahren ist 

aufgrund des Verschlechterungsverbots ausgeschlossen (Art. 391 Abs. 2 StPO).

6. Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Ausschreibung der Landesverweisung im 

Schengener Informationssystem korrekt dargelegt. Es kann vollumfänglich darauf 

verwiesen werden (Urk. 66 S. 46 ff.). Auf Basis dieser Grundlagen kam die Vor-

instanz zum Schluss, dass vorliegend die Voraussetzungen für eine Ausschreibung 

der Landesverweisung im Schengener Informationssystem gegeben sind. Sudan 

ist kein Mitgliedstaat des Schengen-Übereinkommens, der Beschuldigte verfügt in 

keinem anderen Mitgliedsstaat über ein Aufenthaltsrecht und die vorliegende Ver-

urteilung erfolgt wegen einer Straftat, die eine Höchststrafe von mehr als einem 

Jahr vorsieht. Angesichts der vom Beschuldigten begangenen versuchten 

schweren Körperverletzung und des damit verbundenen Strafmasses besteht 

keinerlei Zweifel, dass der Beschuldigte eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit 

und Ordnung im Sinne von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung darstellt (BGE 146 

IV 172 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1102/2020 vom 20. Mai 2021 E. 3.5). 

Auch die gute Legalprognose und der damit einhergehende bedingte Strafvollzug 

steht der Ausschreibung nicht entgegen. Es ist daher die Ausschreibung der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem anzuordnen.

VII. Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils

1. Die Vorinstanz ordnete beim Beschuldigten die Abnahme einer DNA-Probe und 

Erstellung eines DNA-Profils gestützt auf Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes an. In der 

Zwischenzeit wurde Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes aufgehoben. Am 1. Januar 

2024 traten die revidierten Bestimmungen der StPO in Kraft. Gemäss Art. 453 

Abs. 1 StPO (unverändert belassen) werden Rechtsmittel gegen Entscheide, die 

vor Inkrafttreten der neuen Regelungen gefällt wurden, nach bisherigem Recht 

beurteilt. Infolgedessen ist für das vorliegende Rechtsmittelverfahren das alte 

Recht massgebend. Gemäss Art. 257 Abs. 1 lit. b aStPO kann das Gericht in 

seinem Urteil anordnen, dass von einer wegen eines vorsätzlich begangenen Ver-

brechens oder Vergehens gegen Leib und Leben oder gegen die sexuelle Integrität 

verurteilten Person eine Probe genommen und ein DNA-Profil erstellt werden kann.

- 36 -

2. Der Beschuldigte wird vorliegend wegen einer versuchten schweren Körperver-

letzung schuldig gesprochen. Dabei handelt es sich um ein vorsätzlich begangenes 

Vergehen gegen Leib und Leben und damit eines gewichtigen Delikts. Im Übrigen 

kann auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen 

werden (Urk. 66 S. 49 f.). Es ist demzufolge die Annahme einer DNA-Probe und 

die Erstellung eines DNA-Profils anzuordnen.

VIII. Zivilansprüche

1. Die Vorinstanz verwies das Schadenersatzbegehren des Privatklägers mangels 

hinreichender Substanziierung auf den Zivilweg. Sie verpflichtete den Beschuldig-

ten, dem Privatkläger eine Genugtuung von Fr. 1'000.– zuzüglich 5% Zins ab 

23. Oktober 2021 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren 

des Privatklägers abgewiesen (Urk. 66 S. 58). Der Privatkläger hat weder Berufung 

noch Anschlussberufung erhoben.

2. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen zur Anmeldung von Zivilansprüchen 

sowie zur Zusprechung von Schadenersatz und Genugtuung treffend dargelegt, 

darauf kann verwiesen werden (Urk. 66 S. 50 ff.). Ebenfalls hat die Vorinstanz mit 

zutreffender Begründung, auf welche vollumfänglich zu verweisen ist (Urk. 66 S. 50 

ff.), die Schadenersatzforderung des Privatklägers auf den Zivilweg verwiesen und 

eine Genugtuung von Fr. 1'000.– zuzüglich 5% Zins seit 23. Oktober 2021 zuge-

sprochen. Diese vorinstanzlichen Erwägungen bedürfen keiner Ergänzung und 

sind zu übernehmen.

IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 19-21) ist aus-

gangsgemäss zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

2.1 Die Kosten des Berufungsverfahrens sind nach Obsiegen und Unterliegen zu 

verteilen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Berufungs-

anträgen vollumfänglich. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind ihm deshalb, 

mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen 

Rechtsbeistands des Privatklägers, vollumfänglich aufzuerlegen. Die Kosten der 

- 37 -

amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Privatklägers 

sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine Rückforderung dieser 

Kosten beim Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.

2.2 Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'600.– festzusetzen 

(§ 16 Abs. 1 in Verbindung mit § 14 Abs. 1 lit. b GebV OG)

3.1 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten macht für seine Aufwendungen und 

Barauslagen im Berufungsverfahren Fr. 7'895.10 (inkl. MwSt., exklusive 

Berufungsverhandlung) geltend (Urk. 78). Das geltend gemachte Honorar steht im 

Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung und erweist sich als 

angemessen. Zusammen mit der Berufungsverhandlung ist er mit insgesamt 

Fr. 8'727.45 aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

3.2 Der unentgeltliche Rechtsbeistand des Privatklägers macht für seine Aufwen-

dungen und Barauslagen im Berufungsverfahren Fr. 1'664.95 (inkl. MwSt. und 

Berufungsverhandlung) geltend (Urk. 77). Das geltend gemachte Honorar ist aus-

gewiesen und angemessen und der unentgeltliche Rechtsbeistand entsprechend 

in diesem Umfang zu entschädigen.

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 5. Dezem-

ber 2022 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

1. (…)

2. Der Beschuldigte A._____ wird vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von Art. 133 

Abs. 1 StGB freigesprochen.

3.-6. (…)

9. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

19. April 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

- 38 -

lagernden Gegenstände werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids dem 

Beschuldigten A._____ innert einer Frist von einem Monat auf erstes Verlangen hin 

herausgegeben, ansonsten sie der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen werden:

 1 Trainerhose schwarz (Asservat-Nr. A015'500'911)

 1 Pullover grau (Asservat-Nr. A015'500'922)

 1 Gilet schwarz (Asservat-Nr. A015'500'933)

 1 Paar Adidas Sneaker (Asservat-Nr. A015'500'944)

11. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

19. April 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

lagernden Gegenstände werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids dem 

Privatkläger B._____ innert einer Frist von einem Monat auf erstes Verlangen hin her-

ausgegeben, ansonsten sie der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen werden:

 1 blaue Jeanshose mit Gurt (Asservat-Nr. A015'501'049)

 1 schwarze Daunenjacke (Asservat-Nr. A015'501'050)

 1 schwarzes Shirt (Asservat-Nr. A015'501'072)

 1 Paar weisse Turnschuhe, Nike (Asservat-Nr. A015'501'107)

12. Die folgenden sichergestellten und unter der Geschäftsnummer 81346078 lagernden 

Gegenstände werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides der Lagerbe-

hörde zur Vernichtung überlassen:

Beim Forensischen Institut Zürich lagernd:

 IRM-Fotografie (Asservat-Nr. A015'501'232)

Bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernd:

 DNA-Spur - Wattetupfer (Asservat-Nr. A015'501'243)

 DNA-Spur - Wattetupfer (Asservat-Nr. A015'501'254)

 Vergleichs-WSA (Asservat-Nr. A015'501'265)

13. (…)

15.-16. (…)

18. Die Gerichtsgebühr wird in Bezug auf den Beschuldigten A._____ festgesetzt auf:

- 39 -

CHF 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:

CHF 2'200.00   Gebühr Anklagebehörde

CHF 2'252.80   Gutachten/Expertisen etc.

CHF 7'823.65   amtliche Verteidigung

CHF 2'966.92   unentgeltlicher Rechtsbeistand von B._____ (1/2 Kostenanteil)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

19.-21. (…)

26. (Mitteilungen)

27.-28. (Rechtsmittel)

30. (Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten schweren Körperverlet-

zung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 31 Tage 

durch Haft erstanden sind.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

zwei Jahre festgesetzt. 

4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für fünf Jahre des Landes 

verwiesen.

5. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthalts-

verweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.

6. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im 

Sinne von Art. 257 Abs. 1 lit. b aStPO angeordnet. Das Forensische Institut 

- 40 -

Zürich (FOR) wird mit dem Vollzug beauftragt und der Beschuldigte verpflich-

tet, innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils beim Forensischen Institut 

Zürich, Polizei- & Justizzentrum PJZ, Erkennungsdienst, … [Adresse] zwecks 

DNA-Probenahme für die DNA-Profilerstellung zu erscheinen. Kommt er die-

ser Verpflichtung unentschuldigt nicht nach, wird die Kantonspolizei hiermit 

verpflichtet, ihn – auf entsprechende Mitteilung des Forensischen Instituts Zü-

rich hin – zwangsweise vorzuführen. Der Beschuldigte wird auf Art. 205, 207 

und 417 StPO aufmerksam gemacht.

7. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers B._____ wird auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 1'000.– zu-

züglich 5 % Zins seit 23. Oktober 2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

9. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 19-21) wird 

bestätigt.

10. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 8'727.45   amtliche Verteidigung

Fr. 1'664.95   unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft

11. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatkläger-

schaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Ver-

teidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des 

Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.

12. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)

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 die unentgeltliche Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und 
die Privatklägerschaft (übergeben)

 das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
 die unentgeltliche Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und 

die Privatklägerschaft

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 das Migrationsamt des Kantons Zürich 
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mittels Formular "Löschung des 

DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" 
 die amtliche Verteidigung des Beschuldigten betr. Fristbeginn gemäss 

Disp.-Ziff. 6
 das Forensische Institut, Erkennungsdienst, gemäss Disp.-Ziff. 6.

13. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lau-

sanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

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Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 10. April 2024

Der Präsident:

lic. iur. B. Amacker

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw A. Jacomet

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie 

die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheits-

strafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 

Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.