# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 98e2a709-7ddf-55c1-9404-c1556290a159
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-24
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 24.11.2022 UV 2021/82
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2021-82_2022-11-24.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2021/82

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 03.02.2023

Entscheiddatum: 24.11.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 24.11.2022
Art. 6 Abs. 1 UVG. Aufgrund der Aussage der ersten Stunde sowie den 
Widersprüchen der späteren Unfallschilderung ist beim strittigen 
Ereignishergang nicht von einem Unfall im Rechtssinne auszugehen. Art. 6 
Abs. 2 UVG. Die diagnostizierten Sehnen(partial-)rupturen in der Schulter 
und im Ellbogen sind überwiegend wahrscheinlich degenerativ bedingt, 
weshalb eine Leistungspflicht des Unfallversicherers zu verneinen ist 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. 
November 2022, UV 2021/82).

Entscheid vom 24. November 2022

Besetzung

Präsidentin Christiane Gallati Schneider, Versicherungsrichter Joachim Huber und 

Michael Rutz; Gerichtsschreiberin Jeannine Wiessner-Bodmer

Geschäftsnr.

UV 2021/82

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Susanne von Aesch, Kieser Senn Partner, 

Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich,

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gegen

Helsana Unfall AG, Zürichstrasse 130, 8600 Dübendorf,

Beschwerdegegnerin,

vertreten durch Helsana Unfall AG, Recht & Compliance, Postfach, 8081 Zürich 

Helsana,

Gegenstand

Versicherungsleistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherter) war bei der Gemeindeverwaltung B.___ 

angestellt und dadurch bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) gegen die 

Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Mit 

Bagatellunfallmeldung UVG vom 2. Dezember 2020 meldete die Arbeitgeberin, der 

Versicherte habe am 14. November 2020 einen am Boden liegenden Sandsack 

wegschieben wollen. Dabei habe er im rechten Arm einen stechenden Schmerz 

verspürt (UV-act. 2).

A.a. 

Nach Überweisung durch den erstbehandelnden Hausarzt Dr. med. C.___, 

Allgemeine Innere Medizin FMH, an Dr. med. D.___, Orthopädische Chirurgie FMH, 

wurden auf deren Zuweisung am 9. bzw. 11. Dezember 2020 im Röntgeninstitut E.___ 

ein MRT des rechten Ellbogens sowie eine MR-Arthrographie des rechten 

Schultergelenks durchgeführt (UV-act. 12f.). Gestützt darauf diagnostizierte Dr. D.___ 

im Bericht vom 15. Dezember 2020 eine Ruptur der distalen Bicepssehne des rechten 

Ellbogens und eine ausgedehnte Partialruptur der Supraspinatussehne mit 

transmuraler Komponente, eine Partialruptur der Infraspinatussehne am Oberrand und 

eine kleine Partialruptur der Subscapularissehne am Oberrand mit Medialisierung der 

langen Bicepssehne der rechten Schulter. Sie empfahl eine Operation zur Refixierung 

A.b. 

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B.  

der schon etwas retrahierten, rupturierten distalen Bicepssehne des rechten Ellbogens. 

Eine Rekonstruktion der Rotatorenmanschette könne noch hinausgezögert werden, da 

keine vollständige Ruptur und daher keine Retraktion vorliege (UV-act. 3).

Infolge des Schreibens der Helsana vom 17. Dezember 2020, worin diese eine 

Leistungspflicht verneint hatte, weil kein Unfall vorliege (UV-act. 4), ersuchte der 

Versicherte mit E-Mail vom 21. Dezember 2020 um Erlass einer einsprachefähigen 

Verfügung (UV-act. 9).

A.c. 

Die Helsana legte den Schadenfall ihrem beratenden Arzt Dr. med. F.___, Facharzt 

für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vor, der in 

der Beurteilung vom 30. Dezember 2020 ausführte, es liege eine Listenverletzung nach 

Art. 6 Abs. 2 lit. f des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) 

bzw. ein Sehnenriss jedoch keine frische Verletzung vor. Zudem bestünden sowohl am 

rechten Schultergelenk als auch am rechten Ellbogengelenk Vorzustände (UV-act. 16).

A.d. 

Am 4. Januar 2021 wurde der Versicherte am rechten Ellbogen operiert 

(transossäre Refixation der distalen Bicepssehne in der Technik nach Morrey rechts; 

UV-act. 17).

A.e. 

Mit Verfügung vom 12. Januar 2021 verneinte die Helsana einen Anspruch auf 

Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung. Zur Begründung führte sie im 

Wesentlichen aus, die Voraussetzungen für einen Unfall im Rechtssinne seien nicht 

erfüllt, da es gestützt auf den Ereignisverlauf an einem ungewöhnlichen äusseren 

Faktor fehle. Zudem sei beim Versicherten zwar ein Sehnenriss und damit eine 

unfallähnliche Körperschädigung diagnostiziert worden. Da dieser jedoch auf eine 

Abnützung zurückzuführen sei, sei eine Leistungspflicht zu verneinen (UV-act. 18).

A.f. 

Gegen die Verfügung vom 12. Januar 2021 liess der Versicherte durch 

Rechtsanwältin lic. iur. S. von Aesch vorsorglich am 9. Februar 2021 und mit 

Begründung vom 26. April 2021 Einsprache erheben. Die Rechtsvertreterin machte 

geltend, gestützt auf den Bericht der behandelnden Orthopädin Dr. D.___ vom 1. April 

2021 sei eine Leistungspflicht der Unfallversicherung begründet (UV-act. 26, 33f.).

B.a. 

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C.  

Mit Entscheid vom 13. Juli 2021 wies die Helsana die Einsprache gestützt auf eine 

weitere Beurteilung von Dr. F.___ vom 23. Mai 2021 ab. Sie hielt daran fest, dass der 

Unfallbegriff nicht erfüllt und die Bicepssehnenläsion sowie die Sehnenrupturen der 

Schulter mit einer über 50%igen Wahrscheinlichkeit auf Abnützung oder Erkrankung 

zurückzuführen seien (UV-act. 36f.).

B.b. 

Gegen diesen Entscheid liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer), 

weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin von Aesch, am 14. September 2021 

Beschwerde ans Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich erheben und 

folgendes beantragen: Es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die dem 

Beschwerdeführer zustehenden Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung 

auszurichten, insbesondere Übernahme der Heilbehandlungskosten und Ausrichtung 

von Taggeldern. Eventualiter seien medizinische Abklärungen zu tätigen und hernach 

sei erneut über die Ansprüche des Beschwerdeführers zu entscheiden; unter Kosten- 

und Entschädigungsfolgen (act. G 1.1).

C.a. 

Mit Beschluss vom 29. September 2021 trat das Sozialversicherungsgericht des 

Kantons Zürich auf die Beschwerde mangels örtlicher Zuständigkeit nicht ein und 

überwies die Sache nach Eintritt der Rechtskraft zur Weiterbehandlung ans 

Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (act. G 1).

C.b. 

In der Beschwerdeantwort vom 25. Januar 2022 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Beschwerdeabweisung; unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen (act. G 5).

C.c. 

Mit Replik vom 28. Februar 2022 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen 

fest (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 14. März 2022 auf 

die Einreichung einer Duplik (act. G 10).

C.d. 

Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der 

übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen 

eingegangen.

C.e. 

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Erwägungen

1.

Vorab ist festzustellen, dass auf die Beschwerde gestützt auf Art. 58 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 

830.1) einzutreten ist, da der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz im Zeitpunkt der 

Beschwerdeerhebung im Kanton St. Gallen hatte (vgl. act. G 1.5) und dessen 

Versicherungsgericht deshalb örtlich - und im Übrigen auch sachlich und funktionell - 

zuständig ist.

2.  

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin als obligatorischer 

Unfallversicherer für das Ereignis vom 14. November 2020 sowie die nachfolgend 

objektivierten Sehnenläsionen an der rechten Schulter und am rechten Ellbogen 

leistungspflichtig ist. In diesem Zusammenhang stellt sich zunächst die Frage, ob der 

Beschwerdeführer am 14. November 2020 einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG 

erlitten hat.

2.1. 

Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, 

Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes 

bestimmt.

2.2. 

Als Unfall gilt nach Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende 

Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die 

eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder 

den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit 

nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne 

Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor 

allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat (BGE 112 V 202 

f. E. 1). Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen 

Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich 

im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (André 

Nabold, N 22 zu Art. 6, in Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die 

Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 

[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 32 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-

Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler 

Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; BGE 134 V 76 E. 4.1 und 129 V 404 

2.3. 

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3.  

E. 2.1; je mit Hinweisen). Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des 

ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer 

unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei unkoordinierten Bewegungen ist das 

Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in der Aussenwelt begründeter 

Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam „programmwidrig“ 

beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, 

ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu 

verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt oder auszuführen versucht. 

Dass es tatsächlich zu einem Sturz kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt (BGE 130 V 

118 E. 2.1, Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E. 4.2, je mit 

Hinweisen). Wo sich eine Schädigung auf das Körperinnere beschränkt und sie 

erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheiten, namentlich von 

degenerativen Veränderungen eines Körperteils innerhalb eines durchaus normalen 

Geschehensablaufs auftreten kann, muss die unkoordinierte Bewegung als 

unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt 

worden sein; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich 

wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte 

Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE 134 V 80 f. E. 

4.3.2.1 mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 32 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 38 zu 

Art. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die 

Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des 

Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 40). Weiter bejaht die 

Rechtsprechung das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dann, wenn 

beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand 

erfolgt. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Verhebetrauma (KOSS UVG-Nabold, N 

33 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 40 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 42; BGE 

116 V 138 f. E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2).

Damit die Frage nach dem Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors 

geklärt werden kann, muss vorab geprüft werden, wie sich das Ereignis mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit abgespielt hat.

3.1. 

Im Unfallversicherungsrecht herrscht wie allgemein im Sozialversicherungsrecht 

der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben 

den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln, dürfen aber die Mitwirkung der 

leistungsansprechenden Person beanspruchen. Sie muss die Umstände des Unfalls 

glaubhaft machen. Kommt sie dieser Aufforderung nicht nach, indem sie 

3.2. 

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unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen 

eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine 

Leistungspflicht des Unfallversicherers (Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss 

des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 2 f. und N 20; Ueli Kieser, ATSG-

Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 43 N 13, Art. 61 N 96 ff., Art. 61 N 111 f.; Rumo-Jungo/

Holzer, a.a.O., S. 29; BGE 122 V 158 E. 1a, 114 V 305 f. E. 5b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 

50). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer 

Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast 

insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei 

ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (vgl. Rumo-

Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4 f. und 29; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen, 

1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Wird also auf dem Wege der 

Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht 

(Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N 58 f.; BGE 117 V 360 E. 4a mit Hinweisen) - so hat 

dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden 

Person auswirkt.

Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den 

Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime abgestellt werden, wonach 

die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener 

und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von 

nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst 

sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt, 

kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres 

Gewicht zu, als jenen, die sie nach einer Ablehnungsverfügung des Versicherers getan 

hat. Dabei handelt es sich indessen nicht um eine förmliche Beweisregel, sondern 

lediglich um eine im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) zu 

berücksichtigende Entscheidungshilfe. Sie kann zudem nur dann zur Anwendung 

gelangen, wenn von zusätzlichen Beweismassnahmen keine neuen Erkenntnisse mehr 

zu erwarten sind (Urteile des Bundesgerichts vom 22. September 2008, 8C_827/2007, 

E. 5, und 23. Oktober 2009, 8C_319/2009, E. 2; Urteil des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts [EVG] vom 26. Februar 2004, U 64/02, E. 1.2; BGE 121 V 47 E. 

1a mit Hinweisen; RKUV 1988 Nr. U 55 S. 363 E. 3b/aa; Rumo-Jungo, a.a.O., S. 29 f.). 

Bauen spätere Aussagen auf früheren Aussagen auf bzw. zeichnen sich erstere einzig 

durch einen höheren Detaillierungsgrad aus, kann auch ein im Nachhinein dargelegter 

Sachverhalt als ausgewiesen gelten bzw. berücksichtigt werden. Die verschiedenen 

Aussagen müssen jedoch in sich kongruent und miteinander vereinbar sein. Wird 

3.3. 

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dagegen zu einem späteren Zeitpunkt ein neuer, mit der bisherigen Schilderung nicht 

vereinbarer Sachverhalt hinzugefügt, ist dessen überwiegend wahrscheinliches 

Geschehen zweifelhaft bzw. lediglich als möglich zu betrachten (vgl. Urteile des 

Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. Oktober 2020, UV 2019/90, E. 

3.1.1, und 25. Juni 2012, UV 2011/90, E. 2.4).

Hinsichtlich des Hergangs des Ereignisses vom 14. November 2020 ergeben sich 

aus den Akten unterschiedliche, zum Teil miteinander nicht zu vereinbarende Angaben. 

So wollte der Beschwerdeführer gemäss der Bagatellunfall-Meldung vom 2. Dezember 

2020 einen am Boden liegenden Sandsack wegschieben. Dabei habe es im rechten 

Arm einen stechenden Schmerz gegeben, entweder einen Riss am Muskel oder an der 

Sehne, sowie einen Schmerz im Unterarm und Biceps. Nach eineinhalb Wochen seien 

auch im Achselbereich Schmerzen aufgetreten (UV-act. 2). Gegenüber der am 7. und 

15. Dezember 2020 aufgesuchten Orthopädin Dr. D.___ berichtete der 

Beschwerdeführer ebenfalls von einem "plötzlich einschiessenden Schmerz am rechten 

Ellbogen ähnlich einem Riss einer Saite", als er am 14. November 2020 einen schweren 

Sandsack weggeschoben habe. Danach sei die Beweglichkeit und Belastbarkeit des 

rechten Arms deutlich eingeschränkt gewesen. Mit Verzögerung sei es auch zu 

Schmerzen im Bereich der rechten Schulter gekommen, sodass er auf dieser nicht 

mehr habe liegen können (UV-act. 3). Nach Erlass der ablehnenden Verfügung vom 12. 

Januar 2021 ergänzte der Beschwerdeführer in der Einsprache seine Schilderung des 

Ereignisverlaufs dahingehend, dass ihm der Sandsack entglitten sei, als er ihn habe 

umplatzieren wollen, weshalb er gezwungen gewesen sei, nachzufassen (UV-act. 26, 

S. 2). Auch gegenüber Dr. D.___ gab er am 30. März 2021 an, er habe das Ereignis im 

ursprünglichen Unfallbericht nicht genau genug beschrieben. Er habe versucht, einen 

Sandsack zu verschieben, indem er ihn angehoben habe. Dieser sei ihm plötzlich 

entglitten, so dass er kräftig habe nachfassen müssen, damit ihm dieser nicht auf die 

Füsse hätte fallen können (UV-act. 33, S. 2). In der Beschwerdeschrift lässt der 

Beschwerdeführer geltend machen, der Sandsack sei ihm beim Wegschieben aus der 

Hand geglitten und er habe nachfassen müssen (act. G 1, S. 7).

3.4. 

Bei einer Gesamtbetrachtung der Schilderungen über den strittigen 

Ereignishergang (vgl. Erwägung 3.1) fällt auf, dass der Beschwerdeführer seine Version 

vom "Wegschieben des Sandsacks" hin zum "entglittenen Sandsack, den er 

nachfassen musste, damit er ihm nicht auf die Füsse fiel" erst änderte, nachdem die 

Beschwerdegegnerin verfügungsweise ihre Leistungspflicht verneint hatte. Eine 

Beeinflussung der früheren Ereignisdarstellungen durch nachträgliche Überlegungen 

versicherungsrechtlicher Art kann damit nicht ausgeschlossen werden. Zudem 

3.5. 

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4.  

erscheint es schwer nachvollziehbar, dass man es im Rahmen der Unfallschilderung 

unterlässt zu erwähnen, man habe einen Sandsack angehoben, um ihn zu verschieben. 

Dies zumal der "stechende" Schmerz im Ellbogen und der später aufgetretene 

Schmerz in der Schulter wiederum sehr differenziert geschildert worden sind. 

Ausserdem müssen gerade beim Anheben eines Sandsacks grössere Kräfte mobilisiert 

werden. Nachdem mithin das Anheben nicht nachgewiesen ist, fällt auch das 

Entgleiten und Nachfassen ausser Betracht. Im Folgenden ist damit auf die Schilderung 

des Ereignisses vor Erlass der Verfügung vom 12. Januar 2021 abzustellen. Von 

weiteren Abklärungsmassnahmen im Sinne von Zeugenbefragungen oder Gutachten 

sind keine neuen entscheidwesentlichen Aufschlüsse zu erwarten, weshalb auf die 

Abnahme weiterer Beweismittel zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 

136 I 236 f. E. 5.3 mit Hinweis).

Mit dem Sachverhalt des Wegschiebens eines Sandsacks ist das 

Unfallbegriffsmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht erfüllt. Dabei macht 

der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Wegschieben des Sandsacks 

keinerlei Besonderheiten beim Bewegungsablauf geltend, welche eine unkoordinierte 

Bewegung erkennen liessen. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass sowohl ein Ellbogen 

als auch eine Schulter geschaffen sind, im alltäglichen Bewegungsablauf und auch im 

Rahmen einer anstrengenden körperlichen Betätigung verschiedenste Bewegungen 

und Kraftaufwendungen zu tolerieren bzw. auszuhalten, ohne dass sie Schaden 

nehmen. Dies ist auch für das Wegschieben eines am Boden liegenden Sandsacks 

anzunehmen. Zu prüfen ist weiter, ob die äussere Einwirkung durch eine 

ausserordentliche Kraftanwendung und eine damit verbundene Überanstrengung zu 

bejahen wäre. Die höchstrichterliche Rechtsprechung orientiert sich beim Heben und 

Verschieben von Gegenständen an Gewichten, welche von der konkreten Person unter 

bestimmten Umständen getragen werden können. In Fällen, in denen eine den 

Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung verneint wurde, waren die zu hebenden 

Lasten zwischen 50 und 100 kg schwer (Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 

2011, 8C_246/2011, E. 4.4, und 11. Januar 2010, 8C_1029/2009, E. 2.1; Urteile des 

EVG vom 9. Oktober 2003, U 360/02, E 3.4, und 27. Juli 2001, U 7/00, E. 3). Obgleich 

konkrete Angaben zum Gewicht des Sandsackes vorliegend fehlen, kann davon 

ausgegangen werden, dass dieser eben gerade nicht über ein "erhebliches" Gewicht 

verfügte, zumal der Beschwerdeführer nicht geltend macht, der Sandsack habe 

wenigstens 50 kg gewogen, weshalb der Kraftaufwand für dessen Verschieben 

keinesfalls als ausserordentlich einzustufen ist. Kommt zum Heben oder Verschieben 

4.1. 

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einer Last ein zusätzliches Element hinzu (z.B. Eile, unangepasste Arbeitsposition), das 

zu einer unkoordinierten Bewegung führt (Ausrutschen, Nachgreifen), ist die 

Ungewöhnlichkeit unter Umständen zu bejahen (BSK UVG-Hofer, N 40 zu Art. 6). 

Vorliegend hat sich im Zusammenhang mit dem "einfachen" Wegschieben jedoch 

keine unkoordinierte Bewegung ergeben, die als programmwidrig im Sinne einer 

ungewöhnlichen äusseren Einwirkung auf den rechten Ellbogen und die rechte Schulter 

des Beschwerdeführers gewertet werden kann. Damit ist das Vorliegen eines 

ungewöhnlichen äusseren Faktors auch im Rahmen einer ausserordentlichen 

Kraftaufwendung zu verneinen.

 4.2. 

Selbst wenn nach der korrigierten Schilderung des Ereignishergangs mit 

Anheben und reflexartigem Nachfassen des Sandsackes mit der rechten oberen 

Extremität geprüft werden müsste, ob von einem ungewöhnlichen äusseren Faktor 

auszugehen wäre, wäre ein solcher zu verneinen.

4.2.1. 

Die vom Beschwerdeführer geschilderte reflexartige Arm-/Schulterbewegung des 

Nachfassens ist als solche weder ungewöhnlich noch in besonderer, einem Ausgleiten 

oder einem Sturz der versicherten Person vergleichbarer Weise geeignet, zu einer 

unphysiologischen Belastung einzelner Muskeln, Muskelgruppen oder Gelenke zu 

führen. Das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors ist auch nicht bereits 

deshalb zu bejahen, weil die Bewegung reflexartig ausgeführt worden ist. In 

vergleichbaren und sogar schwerwiegenderen Fällen hat das EVG das Vorliegen eines 

ungewöhnlichen äusseren Faktors verneint, so beim reflexartigen Auffangen eines 

weggekippten Einkaufwagens (Urteil des EVG vom 21. März 2006, U 222/05, E. 3.2), 

beim Nachfassen eines wegzugleiten drohenden gusseisernen Radiators von ca. 

100 kg (Urteil des EVG vom 12. April 2000, U 110/99, E. 3), beim Wiederherstellen des 

Gleichgewichts durch eine heftige Handbewegung anlässlich des Transports einer 

100 bis 150 kg schweren Türe, beim Heben eines ca. 60 kg wiegenden Papierstapels 

und reflexartigen Nachfassen, als dieser in sich zusammenzufallen drohte, und beim 

ruckartigen An-sich-nehmen eines von einem fahrbaren Wagenheber herunterzufallen 

drohenden Motors mit einem Gewicht von ca. 80 kg (siehe zu diesen Beispielen das 

Urteil des EVG vom 23. Mai 2006, U 144/06, E. 2.2 mit Hinweisen auf SUVA-

Jahresberichte). Auch im Fall einer versicherten Person, die vorgeschnellt und 

reflexartig mit einer Armbewegung versucht hatte, einen auf einem unvermittelt 

wegzukippen drohenden Transportroller stehenden Oleander in die Senkrechte zu 

reissen, hatte das EVG gleich entschieden (Urteil des EVG vom 23. Mai 2006, 

4.2.2. 

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5.  

U 144/06, E. 2.2). Ebenso verneinte das Bundesgericht die Ungewöhnlichkeit einer 

reflexartigen Bewegung einer versicherten Person, die beim Herausziehen einer sich 

ruckartig lösenden Harasse von ca. 25 kg aus einem Regal erforderlich wurde (Urteil 

des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E. 6.2).

Den genannten Sachverhalten und dem vom Beschwerdeführer dargelegten 

Ereignis ist sodann gemeinsam, dass der natürliche Ablauf der reflexartigen 

Körperbewegung im Rahmen des Nachfassens bzw. Abfangens des Sandsacks zur 

Verhinderung seines Fallens auf die Füsse des Beschwerdeführers jeweils nicht durch 

etwas Programmwidriges oder Sinnfälliges, wie eigenes Ausgleiten oder Stolpern, oder 

eines reflexartigen Abwehrens des eigenen Sturzes beeinträchtigt worden ist.

4.2.3. 

Etwas Ungewöhnliches lässt sich auch nicht im Kraftaufwand erkennen, der für 

das Nachfassen erforderlich war, wobei auf die Ausführungen in Erwägung 4.1 zu 

verweisen ist. Nachdem von weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu 

erwarten sind, ist darauf zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung, vgl. BGE 122 V 

157 E. 1d).

4.2.4. 

Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mangels 

überwiegend wahrscheinlichen Vorliegens eines Unfallereignisses keinen Anspruch auf 

Versicherungsleistungen aus Art. 6 Abs. 1 UVG hat.

4.3. 

Somit bleibt die Frage zu beantworten, ob die Beschwerdegegnerin Leistungen 

aus Art. 6 Abs. 2 UVG zu erbringen hat, wonach die Versicherung Leistungen auch bei 

folgenden Körperschädigungen schuldet, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung 

oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von 

Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), 

Sehnenrisse (lit f.), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h).

5.1. 

Im vorliegenden Fall wurde von keiner Seite bestritten, dass sowohl am rechten 

Schultergelenk als auch am rechten Ellbogengelenk von Körperschädigungen im Sinne 

von Art. 6 Abs. 2 UVG auszugehen ist (vgl. insbesondere UV-act. 16, S. 2). So hat das 

MRT des rechten Ellbogens vom 9. Dezember 2020 eine distale Bicepssehnenruptur 

mit leichtgradiger Retraktion (UV-act. 12, S. 1) und die MR-Arthrographie des rechten 

Schultergelenks vom 11. Dezember 2020 eine ausgedehnte Partialruptur der 

Supraspinatussehne mit transmuraler Komponente (10 x 10 mm), eine Partialruptur der 

Infraspinatussehne am Oberrand (maximal 30 %) und eine kleine Partialruptur der 

Subskapularissehne am Oberrand mit Medialisierung der langen Bicepssehne gezeigt 

5.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/16

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(UV-act. 13). Es ist somit an der Beschwerdegegnerin, den Nachweis zu erbringen, 

dass die Partialrupturen der Schultersehnen und die Ruptur der Bicepssehne mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung 

zurückzuführen sind. Dazu müssen die für die Beurteilung der 

versicherungsmedizinischen Pathogenese bedeutsamen Umstände bzw. Indizien 

erhoben und im Rahmen der Beweiswürdigung gegeneinander abgewogen werden 

(Evalotta Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, Das 

Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018, S. 351 ff.).

Zur Beurteilung der medizinischen Aspekte, konkret zur Beurteilung der 

vorgenannten Tatfrage, ob eine Schädigung vorwiegend auf Abnützung oder 

Erkrankung zurückzuführen ist, ist die rechtsanwendende Behörde auf eine sorgfältige 

spezialärztliche Abklärung angewiesen, worin sich die Medizinalpersonen zu den 

Wirkanteilen äussern müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. September 2019, 

8C_22/2019, E. 8.6; vgl. BGE 122 V 157 E. 1b mit zahlreichen Hinweisen; BSK UVG-

Hofer, N 59 zu Art. 6; Samuelsson, a.a.O., S. 357 f.). Das Gericht hat die medizinischen 

Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG; vgl. dazu auch Kieser, a.a.O., N 52 ff. zu Art. 43, 

N 120 zu Art. 61; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des 

Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 76 N. 25 ff.) frei, d.h. ohne Bindung an 

förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies 

bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen und 

danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige 

Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht 

bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es 

auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des 

Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob letzterer für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben 

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der 

Fachperson begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 351, E. 3a mit Hinweis 122 V 

157). Auch den Berichten beratender Ärzte und Ärztinnen von Versicherungen kann 

rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden. Auf das Ergebnis von 

Abklärungen beratender Ärzte und Ärztinnen kann nicht abgestellt werden, wenn auch 

nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 

229 E. 5.2, 135 V 469 f. E. 4.4 und 471 E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts vom 16. 

5.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/16

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September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2). Die Rechtsprechung erachtet sodann 

Aktengutachten als zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, 

Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. 

Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte bzw. die 

Expertin imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild 

zu verschaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1 

mit Hinweis).

Hinsichtlich der Partialrupturen der rechten Schulter befand Dr. F.___ in seiner 

Beurteilung vom 30. Dezember 2020, es sei von einem Vorzustand auszugehen. Das 

MRI des rechten Schultergelenks vom 11. Dezember 2020 habe eine Partialläsion der 

Supra-, Infra- und Subscapularissehne mit Medialisierung der langen Bicepssehne 

gezeigt. Darüber hinaus sei eine intramuskuläre Zyste am muskulotendinösen 

Übergang mit einem Durchmesser von 13 x 5 mm sichtbar. Unter der Annahme einer 

traumatischen Verursachung dieser Sehnenläsionen wäre der Nachweis traumatischer 

Hinweise, wie z.B. eines Knochenmarködems/Hämatoms, obligat zu erwarten. Ein 

solcher fehle jedoch. Ferner sei der klinische Befund vom 7. Dezember 2020 (Bericht 

Klinik Z.___) einer freien Beweglichkeit des rechten Schultergelenks ohne wesentliche 

Abschwächung medizinisch nicht erklärbar. Es werde eine unauffällige Funktion der 

Rotatorenmanschette beschrieben. Schliesslich seien auch die Schmerzen am rechten 

Schultergelenk erst mit einer Verzögerung aufgetreten, was gemäss Dr. F.___ für das 

Vorhandensein eines Vorzustandes spricht (UV-act. 16, S. 2). Auch Dr. D.___ sah in 

ihrer Stellungnahme vom 1. April 2021 keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen 

den Befunden in der Schulter und dem strittigen Ereignis. Die Partialläsionen dreier 

Rotatorenmanschetten-Sehnen mit Medialisierung der langen Bicepssehne und einer 

zusätzlichen intramuskulären Zyste seien mit grösserer Wahrscheinlichkeit einem 

degenerativen Geschehen zuzuordnen. Weiter befand sie jedoch, dass das Trauma 

"mit Sicherheit" einen Vorzustand verschlechtert oder sogar zu einer Vergrösserung der 

Läsionen geführt habe und thematisiert damit eine richtungsgebende Verschlimmerung 

eines degenerativen Vorzustands (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, 

Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2005, S. 579 ff.). Indem Dr. D.___ gleichzeitig 

einräumt, dass der Nachweis dazu schwierig sei, weil immer mit einer überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit argumentiert werde, bekundet sie, dass eine richtungsgebende 

Verschlimmerung auch im vorliegenden Fall nicht überwiegend wahrscheinlich 

nachgewiesen, sondern lediglich möglich ist. Ihre weitere Feststellung, dass mehrere 

Sehnen mit teils unterschiedlicher Zugrichtung bei einem einzelnen Ereignis gleichzeitig 

eine Partialläsion erleiden würden, sei eher unwahrscheinlich (UV-act. 33, S. 1), 

untermauert den ungenügenden Beweis einer überwiegend wahrscheinlich 

5.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/16

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richtungsgebenden Verschlimmerung eines Vorzustandes. Nachdem sich somit beide 

Experten darin einig sind, dass die Läsionen der rechten Schulter mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit als degenerative Vorzustände einzustufen sind (vgl. auch UV-act. 

33, S. 2), Dr. D.___ nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

eine richtungsgebende Verschlechterung der degenerativen Vorzustände zu begründen 

vermag und die Ausführungen beider Fachärzte hierzu schlüssig und nachvollziehbar 

escheinen, ist eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Folgen der 

betreffenden Schultersehnenrupturen auch nach Art. 6 Abs. 2 UVG zu verneinen.

Mit Bezug auf das rechte Ellbogengelenk befand Dr. F.___ in seiner Beurteilung 

vom 30. Dezember 2020 ebenfalls, dass überwiegend wahrscheinlich von einem 

Vorzustand auszugehen sei. So sei der klinische Befund mit freier Beweglichkeit nicht 

nachvollziehbar. Im MRI des rechten Ellbogengelenks vom 9. Dezember 2020 werde 

eine Läsion der distalen Bicepssehne am Ansatz der Tuberositas radii mit leichter 

Retraktion sowohl am Caput longum als auch am Caput breve dokumentiert. Der 

Lacertus fibrosus sei intakt. Der Radiologe beschreibe eine mediale/laterale 

Epicondylopathie mit kleinen Ossikeln bzw. heterotopen Ossifikationen angrenzend 

zum Ansatz der gemeinsamen Extensorensehne neben dem Epicondylus humeri 

lateralis (UV-act. 16, S. 2). Die dagegen von Dr. D.___ vorgebrachte Argumentation, der 

Beschwerdeführer sei kein Kraftsportler und übe keinen Beruf aus, der zu einer 

Degeneration der distalen Bicepssehne führe, was typisch für atraumatische bzw. 

degenerative Rupturen der distalen Bicepssehne sei (UV-act. 33, S. 1), vermag keine 

Zweifel an der Einschätzung von Dr. F.___ zu wecken. Eine Bicepssehnenruptur ist 

gemäss medizinscher Literatur häufig verschleissbedingter Natur. Sie tritt meist 

spontan aufgrund degenerativer Vorschädigung und nur selten traumatisch auf 

(Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 250, vgl. auch Debrunner, 

a.a.O., S. 732). Eine Degeneration ist ein fortschreitender Prozess, der sich in 

Veränderungen in verschiedenen Strukturen des Gelenks zeigen kann (vgl. Debrunner, 

a.a.O., S. 579 ff., 732). Insofern erscheint es naheliegend, bei der Beurteilung der 

vorliegenden Frage den Zustand des ganzen rechten Ellbogengelenks zu betrachten. 

Dr. F.___ wies auch nochmals in der Stellungnahme vom 23. Mai 2021 nachvollziehbar 

darauf hin, dass das MRI vom 10. Dezember 2020 neben einer medialen und lateralen 

Epicondylitis auch kleine Ossikel bzw. heterotope Ossifikationen gezeigt habe, die 

nicht nur von einer hohen Belastung des rechten Ellbogens zeugten, sondern auch 

degenerative Läsionen bzw. Schäden des rechten Ellbogens im Sinne eines 

Vorzustandes belegten. Laut wissenschaftlicher Literatur betrage die Inzidenz der 

distalen Bicepssehnenruptur ca. 1.2/100'000 Patienten pro Jahr. Meist seien Männer 

zwischen 30 und 60 Jahren betroffen (UV-act. 36, S. 1). Diese Begründung mittels einer 

5.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/16

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Gesamtbetrachtung vermag zu überzeugen. Auch wenn der Beschwerdeführer keine 

Kraftsportarten ausführt und seinen Ellbogen beruflich nicht übermässig beansprucht, 

ist die Ursache eines Traumas zumindest nicht wahrscheinlicher als eine durch 

Degeneration begünstigte Entwicklung.

Weiter hielt Dr. F.___ fest, die Struktur des Lacertus fibrosus stehe mit der Faszie 

der Flexorengruppe in Verbindung. Eine Flexion im Ellbogengelenk führe zusätzlich zur 

Traktion an der Bicepssehne auch zu einem Anspannen des Lacertus fibrosus. Bei 

einer exzentrischen Kraftkontraktion mit Beugung im Ellbogen könne nur dann von 

einer traumatischen Läsion ausgegangen werden, wenn der Lacertus fibrosus als 

Begleitschaden mit verletzt werde, was vorliegend nicht der Fall sei (UV-act. 16, S. 3). 

Nachdem Dr. D.___ dagegen vorbrachte, eine traumatische Ruptur der distalen 

Bicepssehne gehe nicht immer mit einer Verletzung des Lacertus fibrosus einher (vgl. 

UV-act. 33, S. 2), relativierte Dr. F.___ seine Aussage dahingehend, dass der Lacertus 

fibrosus nicht in 100 % der Fälle verletzt werde. Dennoch hielt er daran fest, dass es 

bei der Beugung im Ellbogen zusätzlich zur Traktion an der Bicepssehne auch zu 

einem Anspannen des Lacertus fibrosus mit Zug der distalen Bicepssehne nach medial 

ulnar komme. Bei dem von Dr. D.___ beschriebenen Hergang des Ereignisses wäre 

eine Beugung im Ellbogen und eine gewisse Supination anzunehmen. Dr. F.___ hielt 

jedoch daran fest, dass sich eine Ruptur der distalen Bicepssehne bei exzentrischer 

Kraftkontraktion in Supinationsstellung und Beugung nur dann traumatisch erklären 

lasse, wenn auch ein Begleitschaden im Lacertus fibrosus nachgewiesen werde. Leider 

sei Dr. D.___ nur vom Ereignishergang ausgegangen, wie ihn der Beschwerdeführer in 

der korrigierten Fassung geschildert habe und habe sich versicherungsmedizinisch 

nicht mit dem anfänglich beschriebenen Hergang auseinandergesetzt. Für die 

Kausalität der vorliegenden distalen Bicepssehnenruptur seien die 

versicherungsmedizinischen Kriterien grosser Sehnen anzuwenden. Grundsätzlich sei 

anzumerken, dass auch die Bicepssehne eine sehr hohe Reissfestigkeit besitze. Die 

Muskelkraft, die notwendig wäre, um die Sehne zu zerreissen, betrage ein Vielfaches 

der Kraft, die der Muskel imstande sei, aufbringen zu können. Auch hier gelte wie bei 

allen Sehnen, dass der zur Sehne gehörende Muskel nicht in der Lage sein könne, die 

eigene Sehne zu zerreissen. Falls doch, sei eine relevante Texturstörung (Degeneration) 

und somit eine Vorschädigung anzunehmen (UV-act. 36, S. 1f.). Somit ist gestützt auf 

die überzeugende Begründung von Dr. F.___ auch hinsichtlich der distalen 

Bicepssehnenruptur im rechten Ellbogen nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit vorwiegend von einem degenerativen Vorzustand auszugehen. Die 

Ausführungen von Dr. D.___ in ihrem Bericht vom 1. April 2021 (UV-act. 33) vermögen 

an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Wie sich aus den Erwägungen 5.5 und 5.6 

5.6. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/16

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6.  

Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 13. Juli 2021 nicht 

zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten 

sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. f

ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

ergibt, vermögen ihre Einwände keine auch nur geringen Zweifel an der Einschätzung 

von Dr. F.___ hervorzurufen.

Zusammenfassend ergibt sich, dass das Ereignis vom 14. November 2020 den 

Unfallbegriff nicht erfüllt. Zudem ist aufgrund der medizinischen Akten erstellt, dass die 

diagnostizierten Listendiagnosen überwiegend wahrscheinlich durch Abnützung und 

Krankheit entstanden sind, weshalb die Beschwerdegegnerin auch nicht nach Art. 6 

Abs. 2 UVG leistungspflichtig ist.

5.7. 

bis

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	Entscheid Versicherungsgericht, 24.11.2022
	Art. 6 Abs. 1 UVG. Aufgrund der Aussage der ersten Stunde sowie den Widersprüchen der späteren Unfallschilderung ist beim strittigen Ereignishergang nicht von einem Unfall im Rechtssinne auszugehen. Art. 6 Abs. 2 UVG. Die diagnostizierten Sehnen(partial-)rupturen in der Schulter und im Ellbogen sind überwiegend wahrscheinlich degenerativ bedingt, weshalb eine Leistungspflicht des Unfallversicherers zu verneinen ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. November 2022, UV 2021/82).

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