# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ff95584-5016-58ab-a5de-95eb8d0f30d8
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-11-10
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 10.11.2010 SK1 2010 17
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2010-17_2010-11-10.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 10. November 2010 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 10 17 [nicht mündlich eröffnet]

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
Richter/-in Brunner und Michael Dürst
Redaktion Aktuar ad hoc Walder

In der strafrechtlichen Berufung

des X., Angeklagter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt Marcel 
Bosonnet, Gartenhofstrasse 7, 8036 Zürich, 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 21. Januar 2010, mitgeteilt am 18. 
März 2010, in Sachen gegen den Berufungskläger,

betreffend sexuelle Handlungen mit Kindern etc.,

hat sich ergeben:

Seite  2 — 22

A. X. wurde am 8. August 1964 in A. geboren, wo er zusammen mit 
einem Bruder und drei Schwestern aufwuchs und zehn Jahre die Schulen 
besuchte; einen Beruf konnte er nicht erlernen. 1984 kam er in die Schweiz und 
wohnt seither immer in B.. Er verheiratete sich ein erstes Mal 1987 mit C., welcher 
Ehe die Kinder D., geboren am 11. Februar 1988, und E., geboren am 28. Oktober 
1991, entsprossen. Diese Ehe wurde 1994 wieder geschieden. Aus einer zweiten 
Verbindung mit F., welche er 2000 heiratete, gingen die beiden Kinder Y., geboren 
am 28. April 1992, und G., geboren am 21. November 2005, hervor. 

X. arbeitete von 1988 bis 1999 bei der Schweizerischen 
Speisewagengesellschaft und darauf bis 2008 im Restaurant H. in B., welches 
seiner zweiten Ehefrau gehörte. Seit dem 1. März 2009 ist er bei einem 
Arbeitspensum von 60 % beim Express-Pizzakurier in B. tätig, wo er nach seinen 
Angaben einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 2'000.00 bezieht. Er muss an den 
Unterhalt seiner beiden Kinder aus erster Ehe Fr. 1'000.00 pro Monat bezahlen. X. 
besitzt kein Vermögen, hingegen lagen gegen ihn bei Eröffnung des vorliegenden 
Strafverfahrens 32 Verlustscheine im Betrage von insgesamt Fr. 52'328.20 vor. 

Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit zwei Vorstrafen 
verzeichnet. Am 16. Mai 2007 bestrafte ihn der Kreispräsident B. wegen 
Unterlassung der Buchführung sowie wegen Vergehen gegen das Bundesgesetz 
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung unter Ansetzung einer Probezeit 
von zwei Jahren mit eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.00 sowie einer 
Busse von Fr. 1'000.00. Wegen der gleichen Verfehlungen sprach der 
Kreispräsident B. am 26. Februar 2008 eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 
30.00, wiederum bedingt vollziehbar mit einer Probezeit von zwei Jahren, und eine 
Busse von Fr. 800.00 aus.

Am 11. Mai 2008 wurde X. durch die Kantonspolizei Graubünden vorläufig 
festgenommen, und er befand sich darauf bis am 11. Juli 2008 in 
Untersuchungshaft. Er wurde im Zusammenhang mit den vorliegend zu 
beurteilenden Straftaten durch die psychiatrischen Dienste Graubünden 
begutachtet. In seiner Expertise vom 6. August 2008 kam der leitende Arzt, Dr. 
med. Christoph Burz, zum Schluss, der Explorand habe zur Zeit der Taten an 
keiner psychischen Störung gelitten. Die Rückfallsgefahr und die 
Wahrscheinlichkeit eines Suizids wurden als gering beurteilt, und die 
Voraussetzungen für eine Massnahme gemäss Art. 59, 60 oder 63 StGB als nicht 
erfüllt bezeichnet. Für den Fall, dass das Gericht den Anschuldigungen der 

Seite  3 — 22

Tochter folgen sollte, wäre nach dem Gutachter aber die deliktorientierte 
fachpsychiatrische Auseinandersetzung mit der Thematik im Rahmen einer 
vollzugsbegleitenden Weisung zu empfehlen.

B. 1. Mit Verfügung vom 14. Mai 2008 eröffnete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden gegen X. ein Strafverfahren wegen sexueller Handlungen mit Kindern 
usw. Mit Anklageschrift vom 28. Oktober 2009 wurde der Angeschuldigte in 
Anklagezustand versetzt und aufgrund des im Folgenden dargelegten 
Sachverhalts der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 
Ziff. 1, des mehrfachen Versuchs dazu gemäss Art. 187 Ziff. 1 in Verbindung mit 
Art. 22 Abs. 1, der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1, des 
mehrfachen Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1, der mehrfachen Pornographie 
gemäss Art. 197 Ziff. 1, der Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3bis, der Drohung 
gemäss Art. 180 Abs. 1 sowie der Tätlichkeit gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB 
angeklagt:

“1.1 X. missbrauchte seine am 28. April 1992 geborene Tochter Y. 
zwischen ca. Mai 2004 und ca. Ende April 2008 wiederholt sexuell 
(nachstehend Ziff. 1.1.1 - 1.1.7) oder versuchte es (nachstehend Ziff. 
1.1.8 - 1.1.11). Im Einzelnen geht es um folgende sexuelle 
Handlungen:

1.1.1 X. versuchte immer wieder, mit seinem Penis in Y.s Scheide 
einzudringen.

1.1.2 X. drückte hinter Y. liegend seinen Penis gegen deren Gesäss.

1.1.3 X. streichelte seine Tochter Y. am ganzen Körper, 
insbesondere am Gesäss, an den Brüsten und im Bereich der 
Scheide.

1.1.4 X. küsste und schleckte Y. am ganzen Körper, insbesondere 
auch an den Brüsten und im Intimbereich.

1.1.5 X. rieb seinen Penis zwischen den Beinen und den Brüsten 
seiner Tochter Y. bis zum Samenerguss.

1.1.6 X. legte sich mit oder ohne Kleider auf Y. und machte bis zur 
Ejakulation Stossbewegungen.

1.1.7 X. rasierte während einer gemeinsamen Dusche mehrmals Y.s 
Intimbereich, um sie dort besser lecken zu können.

1.1.8 X. wollte mit Y. einen Zungenkuss machen, was diese jedoch 
ablehnte.

1.1.9 X. nahm die Hand seiner Tochter Y. und legte sie über seinen 
Hosen an den Penis und forderte Y. auf, ihn zu wichsen. Y. 
weigerte sich.

1.1.10 X. wünschte, dass seine Tochter Y. ihn oral befriedige. Y. 
weigerte sich.

Seite  4 — 22

1.1.11 X. wünschte, Y. nackt zu fotografieren und zu filmen, um sich in 
ihrer Abwesenheit befriedigen zu können. Y. lehnte es ab, 
gefilmt zu werden.

1.2. Damit Y. die unter Ziff. 1.1 der Anklageschrift aufgeführten 
Handlungen über sich ergehen liess, wurde sie von X. massiv unter 
psychischen Druck gesetzt. Mitte August 2002 [recte 2004] sagte er zu 
ihr, dass für den Fall, dass sie etwas sagen würde, sie sehen werde, 
wie traurig ihre Mama sein werde. Zudem sagte er zu seiner Tochter, 
dass er entweder ins Bordell gehe oder sie es mit ihm mache. 
Schliesslich drohte X. Y. ab dem 2006 oder 2007, sich und sie alle 
umzubringen, falls sie der Polizei oder Kollegen von seinen 
Handlungen erzähle; er wolle nicht ins Gefängnis und sich vor der 
Verwandtschaft schämen und sich von ihr demütigen lassen.

1.3 X. versuchte mehrmals, mit seiner in gerader Linie blutsverwandten 
Tochter den Beischlaf zu vollziehen.

 Die erwähnten sexuellen Handlungen nahm X. zwischen ca. Mai 2004 
und ca. Ende April 2008 in ihrer damaligen Wohnung an der 
Bienenstrasse 4 in B. sowie ca. im Juni 2006 in einem Hotel in 
Meiningen (Österreich) vor.

 Der Angeklagte bestreitet die vorstehend genannten Handlungen 
gemäss Ziff. 1.1.1 - 1.1.6 und 1.1.8 - 1.1.11. Das gemeinsame 
Duschen und das Rasieren von Y. in deren Schamgegend gemäss 
Ziff. 1.1.7 gibt er zu, verneint aber sexuelle Hintergründe.

2.1 X. sah sich in der Wohnung an der Bienenstrasse 4 in B. zwischen ca. 
Mai 2004 und ca. Ende April 2008 mit Y. verschiedene DVD’s mit 
pornographischem Inhalt an.

 Nach dem 21. November 2007 zeigte X. seiner Tochter Y. einen 
Videoclip mit tierpornographischem Inhalt.

 X. bestreitet, seiner Tochter DVD’s mit pornographischem Inhalt sowie 
einen Videoclip mit tierpornographischem Inhalt gezeigt zu haben.

 Mit Verfügung vom 30. April 2009 beschlagnahmte der 
Untersuchungsrichter die bei X. von der Polizei sichergestellte VHS-
Videokassette (Dr. Michael Perry’s „How to make Love! - Was Frauen 
gerne haben“) sowie vier DVD’s (Devil Films presents: „International 
Throat Bangers 2“; Muschi Movie „Sex-Spiele Bizarr“ und „12 
Schwänze für Anna“; Dolly Buster präsentiert: “Triangel“ [defekt].

2.2 Am 21. November 2007 hielt sich im Restaurant H. in B. ein Kollege 
von X. auf, der ihm einen Videoclip mit tierpornographischem Inhalt 
zeigte. In der Folge liess sich X. diesen Clip via Bluetooth auf sein 
Mobiltelefon überspielen.

3.1 Anlässlich eines Familienstreites holte X. in der Wohnung an der 
Bienenstrasse 4 in B. am Abend des 04. Mai 2008 aus der Küche ein 
Messer und drohte den anwesenden Familienmitgliedern, darunter Y., 
alle Familienmitglieder umzubringen. Anlässlich dieses Streites 
erwähnte der Angeklagte eine Pistole, mit der er sich erschiessen 
wolle. 

3.2 Anlässlich dieses Streites wurde Y. von ihrem Vater X. geschlagen.“

Seite  5 — 22

2. Am 22. Juli 2009 reichte Y. durch Rechtsanwältin lic. iur. Diana 
Honegger Droll beim Untersuchungsrichteramt B. eine Adhäsionsklage mit 
folgendem Rechtsbegehren ein:

„1. Es sei festzustellen, dass X. gegenüber der Adhäsionsklägerin für die 
Folgen der strafbaren Handlungen gemäss Anklageschrift (sexuelle 
Handlungen mit Kindern etc.) vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.

 2. Es sei der Adhäsionsklägerin ein Nachklagerecht für allfälligen 
Schaden als unmittelbare Folge der strafbaren Handlungen gemäss 
Anklageschrift einzuräumen.

 3. Es sei X. zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin eine 
Genugtuungssumme von Fr. 20'000.-- nebst Zins zu 5% seit 
30.04.2008 zu bezahlen.

 4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“

C. Mit Urteil vom 21. Januar 2010 erkannte das Bezirksgericht Plessur:

„1. X. ist schuldig:

- der Tätlichkeit gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB

- der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB

- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 
187 Ziff. 1 StGB

- des mehrfachen Versuchs der sexuellen Handlungen mit Kindern 
gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB

- der mehrfachen Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 1 StGB

- der Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3bis StGB

- des mehrfachen Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1 StGB

- des mehrfachen Versuchs des Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1 
StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB

2. X. wird vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 
189 Abs. 1 StGB freigesprochen.

3. Auf den Widerruf der am 16. Mai 2007 und am 26. Februar 2008 vom 
Kreispräsidenten B. wegen Unterlassung der Buchführung und 
Vergehen gegen das BG über die Alters- und 
Hinterlassenenversicherung gewährten bedingten Vollzüge zweier 
Geldstrafen von 30 Tagessätzen zu CHF 50.00 bzw. von 20 
Tagessätzen zu CHF 30.00 wird verzichtet und die Probezeiten jeweils 
um 1 Jahr verlängert.

4.a) Für die begangenen Delikte nach obiger Ziffer 1 wird X. mit einer 
Freiheitsstrafe von 3 Jahren und einer Busse von CHF 200.00 bestraft.

   b) Von der Freiheitsstrafe sind 15 Monate unbedingt zu vollziehen, unter 
Anrechung der erstandenen Polizei- und Untersuchungshaft von 62 
Tagen. Für die restlichen 21 Monate Freiheitsstrafe wird der bedingte 
Strafvollzug gewährt, unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.

Seite  6 — 22

   c) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 2 Tage. Sie tritt an die 
Stelle der Busse, soweit X. dieselbe schuldhaft nicht bezahlt.

5. Die Abklärung und allfällige Durchführung der Therapierung des 
Verurteilten erfolgt im Sinne der Erwägungen.

6. Die mit untersuchungsrichterlicher Beschlagnahmeverfügung vom 30. 
April 2009 sichergestellten 4 DVD’s (einmal inkl. Hülle) und 1 VHS-
Videokassette mit pornografischem Inhalt werden gerichtlich 
eingezogen und sind zu vernichten.

7.a) Es wird festgestellt, dass X. gegenüber Y. für die Folgen der ihr 
gegenüber begangenen Straftaten vollumfänglich 
schadenersatzpflichtig ist.

   b) X. wird verpflichtet, Y. eine Genugtuung von CHF 20'000.00 zuzüglich 
Zins zu 5 % seit dem 30. April 2008 zu bezahlen.

   c) X. hat Y. aussergerichtlich mit CHF 7'352.75 (inkl. Barauslagen und 
MwSt.) zu entschädigen.

8.a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 29'938.60 (Untersuchungskosten 
der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 25'693.60, Gerichtskosten 
von CHF 4'000.00 und Bargebühren von CHF 245.00) gehen zu 
Lasten von X..

  b) Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft von CHF 10’485.00 
sowie des Strafvollzuges gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. 
Die Kosten einer allfälligen Massnahme gehen im Sinne der 
Erwägungen zu Lasten der Wohnsitzgemeinde. X. hat sich an den 
beiden Kostenarten nach Massgabe von Art. 380 Abs. 2 StGB zu 
beteiligen.

  c) X. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich total CHF 30'138.60 
(Busse: CHF 200.00, Verfahrenskosten: CHF 29'938.60). Dieser 
Betrag ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Urteils auf das PC-Konto 
70-3596-3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen.

9. Rechtsmittelbelehrung …

10. Mitteilung an …“

D. 1. Gegen dieses Urteil liess X. am 8. April 2010 die Berufung an das 
Kantonsgericht von Graubünden erklären mit dem Antrag:

„1. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen 
Handlungen von Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, des 
mehrfachen Versuchs sexueller Handlungen gemäss Art. 187 Ziff. 1 
StGB iVm Art. 22 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Pornografie gemäss 
Art. 197 Ziff. 1 StGB, des mehrfachen Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1 
StGB und des mehrfachen Versuchs des Inzests gemäss Art. 213 Abs. 
1 iVm Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen.

2. Es sei F. hinsichtlich des aktuellen Kontakts zwischen dem 
Berufungskläger und seiner Tochter Y. zu befragen.

3. Es sei eine mündliche Verhandlung iSv Art. 6 Ziff. 1 EMRK 
durchzuführen.

Seite  7 — 22

4. Eventualiter sei hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von Y. X. ein 
Gutachten zu erstellen.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse.“

Das Bezirksgericht Plessur verzichtete auf eine Vernehmlassung. Die 
Staatsanwaltschaft Graubünden und die Adhäsionsklägerin beantragten die 
kostenfällige Abweisung der Berufung und der gestellten Beweisanträge. Auf die 
Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen 
eingegangen. - Mit Schreiben vom 18. Mai 2010 zog Rechtsanwalt Marcel 
Bosonnet seinen Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung zurück.

Die I. Strafkammer zieht in Erwägung:

I. 1. X. wurde am 21. Januar 2010 vom Bezirksgericht Plessur wegen 
Tätlichkeit, Drohung, verschiedener strafbarer Handlungen gegen die sexuelle 
Integrität und Inzests teilweise als Zusatz zu 2007 und 2008 ausgesprochenen 
Strafen wegen Unterlassung der Buchführung und Vergehen gegen das 
Bundesgesetz über die AHV mit einer teilweise bedingt vollziehbaren 
Freiheitsstrafe von drei Jahren und einer Busse von Fr. 200.00 bestraft. Als 
Verurteilter ist X. gemäss Art. 141 Abs. 1 StPO legitimiert, gegen das am 18. März 
2010 schriftlich mitgeteilte Urteil Berufung beim Kantonsgericht einzulegen. Mit 
seiner den Anforderungen von Art. 142 Abs. 1 StPO genügenden Eingabe vom 8. 
April 2010 hat der Verurteilte die vom Gesetz vorgeschriebene Frist von zwanzig 
Tagen gewahrt, so dass auf das Rechtsmittel einzutreten ist.

2. Gemäss Art. 146 Abs. 1 StPO überprüft das Kantonsgericht als 
strafrechtliche Berufungsinstanz das erstinstanzliche Urteil in tatsächlicher und 
rechtlicher Hinsicht frei. Dieses Überprüfungsrecht ist abgesehen vom Verbot der 
reformatio in peius in keiner Weise eingeschränkt. Die Berufungsinstanz ist 
vielmehr berechtigt und verpflichtet, das angefochtene Urteil umfassend zu 
überprüfen, worin eine Ermessenkontrolle eingeschlossen ist. Sie schreitet 
allerdings nicht ein und ändert einen erstinstanzlichen Entscheid nicht ab, wenn 
nur eine geringe Abweichung von dem nach ihrer Auffassung richtigen Ermessen 
vorliegt. Diese Praxis liegt in der Natur der Sache und ist in prozessökonomischen 
Überlegungen begründet; solange der Entscheid der Vorinstanz noch als 
vertretbar erscheint, soll kein Anlass zu einer Berufung bestehen (PKG 1971 Nr. 
48).

Seite  8 — 22

3. Der Rechtsvertreter von X. hat in seiner Berufungsbegründung die 
Durchführung einer mündlichen Berufungsverhandlung beantragt. Dieses 
Begehren hat er mit Schreiben vom 18. Mai 2010 zurückgezogen. Das 
Kantonsgericht sieht keinen Anlass, eine mündliche Verhandlung von Amtes 
wegen anzuordnen; nach der Aktenlage ist die persönliche Anwesenheit des 
Berufungsklägers nicht erforderlich, so dass auf einen Vortritt verzichtet werden 
kann.

4. Der Berufungskläger beantragt, es sei F., die Mutter der 
Geschädigten, nochmals über die aktuellen Beziehungen zwischen ihm und seiner 
Tochter Y. zu befragen. Das Kantonsgericht sieht keinen Grund für eine solche 
Beweisergänzung. Es vermag im Umstand, dass Y., nachdem seit den 
Gegenstand des Verfahrens bildenden Vorkommnissen längere Zeit vergangen 
ist, nun wieder öfters Kontakt zu ihrer Familie hat und sich auch ab und zu in 
deren Wohnung aufhält und dabei auch gelegentlich ihrem Vater begegnet, 
entgegen der Auffassung der Vorinstanz keinen Umstand zu erblicken, welcher 
gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen im Rahmen der Strafuntersuchung 
sprechen würde. Y. hat in ihrer letzten Einvernahme durch die 
Untersuchungsrichterin auf die Frage, wie sie die kurze Begegnung mit ihrem 
Vater empfunden habe, geantwortet, es sei nicht so schlimm gewesen wie sonst, 
da sie ihn nun schon öfters gesehen habe. Wenn eine gewisse Wiederannäherung 
an die Familie im Gange ist, und Y. dabei in Kauf nimmt, in der elterlichen 
Wohnung oder an dessen Arbeitsort auch hin und wieder ihrem Vater gegenüber 
zu stehen, so ist darin eine durchaus natürliche Verarbeitung des Geschehenen 
zu sehen, welche für die Beurteilung des Falles keine Bedeutung haben kann. Im 
Übrigen mag auch der Umstand, dass Y. nun einen festen Freund hat, zu einer 
gewissen Entkrampfung des Verhältnisses zu ihrer Familie geführt haben. Es ist 
daher nicht einzusehen, was eine nochmalige Befragung der Mutter des Opfers an 
sachdienlichen Elementen zu erbringen vermöchte; der entsprechende Antrag ist 
daher abzuweisen.

5. Der Rechtsvertreter des Berufungsklägers stellte schliesslich den 
Eventualantrag, es sei hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von Y. ein Gutachten 
erstellen zu lassen. Der Verteidiger hält eine solche Massnahme deshalb für 
gerechtfertigt, weil sowohl die Anklage als auch die Vorinstanz die Verurteilung 
allein auf die Aussagen von Y. abstützten. Dazu ist vorweg zu bemerken, dass 
Sexualdelikte an Minderjährigen immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit 
erfolgen. Es liegt daher in der Natur der Sache, dass die Staatsanwaltschaft die 
Anklage und die Vorinstanz ihre Schuldsprüche allein mit den Aussagen der 

Seite  9 — 22

Geschädigten begründen konnten. Nur mit dem Hinweis auf diese 
Selbstverständlichkeit lässt sich also der Antrag auf Durchführung einer 
Glaubwürdigkeitsexpertise nicht rechtfertigen. Sowohl der Staatsanwalt als auch 
die Vertreterin des Opfers äussern sich denn zu Recht und mit überzeugender 
Begründung in abweisendem Sinne zu diesem Begehren. Auch das 
Kantonsgericht ist der Auffassung, dass keinerlei Anlass zur Anordnung einer 
solchen Expertise besteht. Es hat in ständiger Rechtsprechung stets betont, dass 
es in erster Linie Sache des Gerichts und dessen ureigenste Aufgabe sei, die 
Glaubhaftigkeit von Aussagen zu beurteilen. Ein Sachverständiger ist nach dieser 
Praxis nur beizuziehen, wenn das Gericht selbst zur Beurteilung der 
Glaubwürdigkeit einer Person beziehungsweise der Glaubhaftigkeit derer 
Aussagen nicht in der Lage ist, insbesondere wenn ihm die nötige Sachkunde 
fehlt. Auch im Falle von Zweifeln an der Glaubwürdigkeit von Zeugen oder 
Auskunftspersonen besteht grundsätzlich weder eine Pflicht noch ein Recht zur 
Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens; eine solche Massnahme drängt sich 
nur dann auf, wenn im Bereiche der Verständnisfähigkeit Defizite auftreten, also 
das Gericht ohne fachtechnische Hilfe nicht in der Lage ist, die Aussage richtig zu 
verstehen. Es bedarf also besonderer Umstände, aufgrund welcher die 
Glaubhaftigkeit der zu beurteilenden Aussagen als zweifelhaft erscheinen. Dies 
trifft namentlich dann zu, wenn es um die Glaubwürdigkeit von Äusserungen von 
Kindern, psychisch Abnormen und altersdementen Menschen sowie die 
Beurteilung von vorübergehenden Störungen wie zum Beispiel Alkoholrausch, 
akuter Drogenentzug oder starker Medikamenteneinfluss geht. Erwachsene und 
psychisch unauffällige Zeugen sind nach dieser Rechtsprechung nur 
ausnahmsweise und unter bestimmten Umständen zu begutachten, nämlich wenn 
besondere Ereignisse oder Begebenheiten im Werdegang des Zeugen 
hervortreten oder behauptet werden und dessen Glaubhaftigkeit zweifelhaft 
erscheinen lassen (vgl. PKG 2000 Nr. 33 mit Verweisungen). Solche Verhältnisse 
liegen im zu beurteilenden Fall nicht vor. Die Aussagen von Y. sind klar und 
verständlich; sie wirken nicht unglaubhaft und erwecken nicht den Eindruck einer 
Person, die nicht glaubwürdig wäre. Die Zeugin war bei der Einvernahme mehr als 
sechzehnjährig, also kein Kind mehr, und es deutet nichts darauf hin, dass ihr 
Geisteszustand Anlass dazu gäbe, ihre Aussagen als unzuverlässig oder 
verdächtig erscheinen zu lassen. Gerade auch die Videoaufnahmen vermitteln 
den Eindruck einer durchaus glaubwürdigen Person, deren Aussagen es nicht an 
Glaubhaftigkeit mangelt. Die Tatsache, dass die Geschädigte im Mai 2008 
erstmals gegen ihren Vater den Vorwurf erhob, sie sexuell missbraucht zu haben, 
obwohl sie bis dahin scheinbar nie bei Lehrern oder anderen Personen etwa durch 

Seite  10 — 22

Hypersexualität oder Andeutungen in dieser Richtung aufgefallen war, vermag 
nach Auffassung des Kantonsgerichts entgegen der entsprechenden Bemerkung 
im Gutachten über den Angeklagten keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der 
Zeugin zu wecken, welche die Anordnung eines entsprechenden Gutachtens 
rechtfertigen würden. Die Akten erlauben es dem Kantonsgericht ohne weiteres, 
die Glaubhaftigkeit der Aussagen von Y. im Rahmen der freien Beweiswürdigung 
selbst zu beurteilen. Das Eventualbegehren der Verteidigung ist daher 
abzuweisen.

II. 1. Der Berufungskläger liess das erstinstanzliche Urteil in 
verschiedenen Punkten unangefochten. So akzeptierte er den Schuldspruch 
bezüglich der Tatbestände der Tätlichkeit gemäss Art. 126 StGB, der Drohung 
gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB und der Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3bis 
StGB. Nicht mehr zur Diskussion steht sodann auch der Freispruch von der 
Anklage der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB. Die 
rechtliche Qualifikation der verbleibenden und im Berufungsverfahren noch 
streitigen strafbaren Handlungen des Angeklagten bietet keine Probleme, und es 
bestehen denn auch zwischen der Anklage und der Verteidigung diesbezüglich 
keine Meinungsverschiedenheiten. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht 
vielmehr die Beweiswürdigung. Die entscheidende Frage ist, ob das Gericht die 
von der Tochter Y. des Angeklagten erhobenen Anschuldigungen gegenüber 
ihrem Vater für erwiesen betrachtet oder ob angesichts der in den wesentlichen 
Punkten konsequenten Bestreitungen des Berufungsklägers Zweifel an seiner 
Täterschaft übrigbleiben, die so erheblich sind, dass nach dem sich aus der im 
Strafverfahren gültigen Unschuldsvermutung abgeleiteten Grundsatz „in dubio pro 
reo“ ein Freispruch erfolgen muss. Die Vorinstanz hat sich unter der Ziffer 3.b) 
ihrer Erwägungen eingehend mit den bei der Beweiswürdigung zu beachtenden 
Grundsätzen auseinandergesetzt. Die ausführlichen und durch Hinweise auf die 
einschlägige Literatur und Rechtsprechung dokumentierten Darlegungen geben 
einen umfassenden Überblick über das Thema, so dass ihnen nichts beizufügen 
ist und darauf verwiesen werden kann.

2. Vorweg kann festgehalten werden, dass sich die Vorinstanz sehr 
gründlich mit den in mehreren Einvernahmen gemachten Aussagen des Opfers, 
aber auch mit den Depositionen des Angeklagten und jener der Zeugen 
auseinandergesetzt und diese sehr sorgfältig abgewogen hat. Die Schlüsse, die 
das Bezirksgericht aufgrund seiner Beweiswürdigung vorgenommen hat, sind 
weitestgehend überzeugend und halten - wie im Folgenden dargelegt werden wird 
- der Überprüfung durch die Berufungsinstanz stand. Lediglich in zwei Punkten 

Seite  11 — 22

vermag das Kantonsgericht den Ausführungen der Vorinstanz nicht zu folgen. 
Diese führte auf den Seiten 21 und 22 ihres Urteils aus, X. habe eingestanden, 
mehrmals mit seiner Tochter Y. gemeinsam geduscht, sie an verschiedenen 
Körperstellen rasiert und danach am ganzen Körper eingecremt zu haben. 
Sämtliche übrigen Vorfälle habe der Angeklagte konsequent und übereinstimmend 
von der ersten polizeilichen Einvernahme bis zur Hauptverhandlung abgestritten, 
worin ein Indiz für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu sehen sei. Das 
Kantonsgericht teilt diese Ansicht nicht. Das konsequente Bestreiten von 
Anschuldigungen ist ein einfaches, wenn auch legitimes Mittel der Verteidigung, 
bietet es doch am ehesten Gewähr dafür, dass man sich nicht in Widersprüche 
verstrickt. So gesehen kann es nicht sein, dass ein Indiz für die Glaubhaftigkeit 
von Depositionen allein schon in der Tatsache zu sehen ist, dass der Angeklagte, 
der ja nicht zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet ist, während des ganzen 
Verfahrens stets die ihm vorgeworfenen strafbaren Handlungen bestreitet. - Nicht 
vollends einig geht das Kantonsgericht sodann mit den Ausführungen der 
Vorinstanz bezüglich der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen von Y.. Es 
ist nicht einzusehen, weshalb an Y.s Depositionen gezweifelt werden sollte, weil 
sie offenbar öfters in der Wohnung in den Boxershorts ihres Vaters herumgelaufen 
ist. Ihre Aussagen werden aber nach Auffassung des Kantonsgerichts auch nicht 
dadurch gemindert, dass sie anfänglich bestritt, mit ihrem Freund 
Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Auch die Vorinstanz räumt im Übrigen ein, 
dass das Verhalten Y.s psychologisch nachvollziehbar sei, so dass ihr 
anfängliches Lügen nicht überbewertet werden dürfe. Auch die Berufungsinstanz 
ist der Ansicht, dass die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen im Kernpunkt dadurch 
nicht gemindert wird.

3. a) Die bündnerische Strafprozessordnung schreibt in Art. 142 Abs. 1 
vor, dass die Berufung zu begründen ist und darzutun hat, welche Mängel des 
erstinstanzlichen Entscheides oder Gerichtsverfahrens gerügt werden und ob das 
ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden. Die 
Begründungspflicht dient dazu, die ordnungsgemässe, rationelle und ökonomische 
Abwicklung des Verfahrens zu gewährleisten. Die Berufung kommt diesen 
Anforderungen insofern nach, als unter der Ziffer 1 der Anträge festgehalten wird, 
welche Schuldsprüche angefochten werden. Wie oben festgehalten wurde, ergibt 
sich daraus, in welchen Punkten X. das erstinstanzliche Urteil akzeptiert und mit 
welchen Tatbeständen sich das Kantonsgericht somit nicht mehr zu befassen hat. 
Hingegen genügt die nicht sehr sorgfältig abgefasste Berufungsschrift der 
Begründungspflicht in weiten Teilen nicht. Sie erschöpft sich weitgehend in der 

Seite  12 — 22

seitenlangen Wiedergabe der Aussagen der Beteiligten und der Ausführungen im 
angefochtenen Urteil, setzt sich mit diesen jedoch nicht analytisch auseinander. 
Die Depositionen werden ohne vernetzten Bezug dargestellt, ohne dass 
aufgezeigt wird, inwiefern dies oder jenes nicht richtig sein könnte, und es wird 
nicht ausreichend aufgezeigt, wo ein Ermessensfehler oder eine offensichtlich 
falsche Beweiswürdigung vorliegen soll. Soweit sich der Berufungskläger mit der 
Wiedergabe von Aussagen begnügt, kann und braucht auf seine Ausführungen 
nicht eingegangen zu werden. 

b) Immerhin versucht der Berufungskläger mit verschiedenen 
Beispielen, die Glaubwürdigkeit seiner Tochter in Frage zu stellen. So verweist er 
auf die handschriftlichen Notizen, welche Y. auf Veranlassung der Polizeibeamtin, 
welche sie befragt hatte, eingereicht habe und welche Anweisungen enthalten 
würden, was sie aussagen soll. Diese Notizen seien nicht geeignet, das Erlebte 
frei wiederzugeben; es gebe Passagen im schriftlichen Text, die fast wortwörtlich 
in der Einvernahme wiederholt worden seien. Es könne also nicht ausgeschlossen 
werden, dass Y. mehr bemüht gewesen sei, in ihren Aussagen den Inhalt des 
zuvor eingereichten Textes als die Wahrheit zu Protokoll zu geben. Wenn daher 
die Vorinstanz argumentiere, die Aussagen von Y. seien bei den verschiedenen 
Einvernahmen in den wesentlichen Punkten übereinstimmend, so könne dies 
angesichts der schriftlichen Aufzeichnungen nicht überraschen. Das 
Kantonsgericht sieht die Glaubhaftigkeit der Aussagen von Y. durch die 
handschriftlichen Aufzeichnungen nicht in Frage gestellt. Es ergibt sich aus den 
Akten klar, wie diese Notizen zustande gekommen sind. Y. erzählte ihrer 
Firmgotte, was sich während der letzten vier Jahre zwischen ihr und ihrem Vater 
zugetragen hatte, und I. schrieb das Gehörte nieder. Am Schluss der Notizen 
fügte Y. selbst noch einige Zeilen bei. Ob Y. den ganzen Aufsatz eigenhändig 
geschrieben hat, wie aus ihren ersten Depositionen geschlossen werden könnte, 
oder ob - wie sie dies gegen Ende der Befragung präzisierte - ihre Firmgotte den 
grössten Teil entsprechend ihren Angaben niederschrieb, ist nebensächlich und 
beeinflusst die Glaubhaftigkeit der schriftlichen und mündlichen Schilderungen 
nicht. Wenn sodann gelegentlich in Klammern eingefügt wird, Y. soll diese oder 
jene Episode erzählen, tut das der Zuverlässigkeit der Darstellung der 
Vorkommnisse keinen Abbruch, sondern diente offensichtlich einfach dazu, auf 
gewisse Ereignisse hinzuweisen, ohne diese in aller Breite aufzeichnen zu 
müssen. Dass gewisse Formulierungen in den handschriftlichen Aufzeichnungen 
in ähnlicher Form in den anlässlich der Einvernahmen gemachten Aussagen 
wiederkehren, ist naheliegend, wurden doch die Notizen von I. aufgrund der 

Seite  13 — 22

Schilderungen von Y. niedergeschrieben, welche sich darauf in den Einvernahmen 
wiederum in der ihr eigenen Ausdrucksform äusserte. Sieht man sich die 
Videoaufzeichnungen an, so gewinnt man den Eindruck, dass das Opfer recht 
spontan und ohne sich an früher Gesagtes klammernd in Mundart auf die Fragen 
antwortete. Ihre Ausführungen vermitteln in Wort und Gestik das Bild einer 
Person, welche die geschilderten Geschehnisse persönlich erlebt hat. Sie wirken 
absolut authentisch und lassen nie den Verdacht aufkommen, sie könnten ganz 
oder auch nur teilweise erfunden sein. Es ist für das Kantonsgericht nicht 
vorstellbar, dass sich Y. in ihrer Phantasie eine Geschichte zurecht gelegt hat, 
diese durch ihre Firmgotte niederschreiben liess, sich alles genau einprägte und in 
späteren Einvernahmen ihre Aussagen nach dem sich dadurch geschaffenen 
Schema machte. Zahlreiche in den Notizen nicht enthaltene Details finden sich 
übereinstimmend in den Einvernahmen immer wieder und vermitteln den 
Aussagen ein hohes Mass an Glaubhaftigkeit.

c) Der Berufungskläger führt aus, Y. versuche, den Verlauf der 
Geschehnisse in den vier Jahren in zwei Phasen zu gliedern, wobei es in den 
beiden ersten Jahren nicht so schlimm, während der beiden letzten Jahren 
hingegen am Schlimmsten gewesen sei. Wenn er darauf geltend macht, die 
Schilderungen der Tochter unterschieden sich bezüglich der ihm vorgeworfenen 
Handlungen bezüglich der beiden Phasen nicht, so sieht er darin offenbar ein 
Element, das für die Unzuverlässigkeit der Aussagen spricht. Abgesehen davon, 
dass das Kantonsgericht dieser Argumentation nichts abzugewinnen vermag, stellt 
es durchaus Unterschiede in der Intensität des Verhaltens des Angeklagten fest. 
Auch wenn sich die Übergriffe als solche ähnelten, so änderte sich doch die 
Einstellung von X. gegenüber seiner Tochter. Ging es ihm offenbar anfänglich in 
erster Linie darum, an ihr seine Triebe zu befriedigen, so sah er in ihr im Laufe der 
Jahre eine Geliebte, welche ihm je länger je mehr seine Ehefrau ersetzen sollte, 
welche ihn nicht mehr sexuell zu stimulieren vermochte, so dass er mit ihr kaum 
mehr Geschlechtsverkehr hatte. Es ist durchaus verständlich, dass Y. diesen 
Wandel als besonders belastend empfand und unter den von ihrem Vater an ihr 
vorgenommenen sexuellen Handlungen immer mehr litt. In diese Zeit fielen im 
Übrigen auch die Vorkommnisse in Österreich, wo der Berufungskläger seine 
Tochter besonders intensiv missbrauchte. Das Kantonsgericht hat angesichts 
dieser Umstände durchaus Verständnis dafür, dass Y. die beiden letzten Jahre als 
besonders schlimm in Erinnerung hat und sieht keinen Grund, ihre 
diesbezüglichen Aussagen in Frage zu stellen.

Seite  14 — 22

d) In der Berufung wird sodann auf Aussagen vom 12. November 2008 
verwiesen, wo Y. aus unerfindlichen Gründen eine Blinddarmoperation erwähnt 
habe. Es wird geltend gemacht, es fehle ein Zusammenhang zwischen diesem 
Ereignis und den übrigen Aussagen; solche Sprünge würden in der 
Aussagenpsychologie bekanntlich als Lügensignale gewertet. Wie es sich mit der 
letztgenannten Behauptung verhält, kann dahingestellt bleiben. Von einem 
eigentlichen Gedankensprung kann jedenfalls nicht die Rede sein. Zwar unterhielt 
sich die Untersuchungsrichterin mit der Zeugin im fraglichen Abschnitt der 
Befragung vor allem darüber, wann und bei welcher Gelegenheit der Angeklagte 
bei seinen sexuellen Kontakten mit dem Opfer Kondome verwendet hatte, das 
schloss aber nicht aus, dass Y. im Rahmen der Beantwortung der entsprechenden 
Fragen Ereignisse in den Sinn kamen, die sie bisher nicht erwähnt hatte, die sie 
aber - um sie nicht zu vergessen - sofort in die Diskussion einbringen wollte. 
Inwiefern dieses Verhalten die Glaubwürdigkeit der Zeugin in Frage stellen sollte, 
ist schlechterdings nicht vorstellbar. Zutreffend ist, dass die Tatsache, dass in 
Kondomen Spermienspuren von E. gefunden wurden und eine DNA-Analyse 
ergeben hatte, dass diese Kondome auch mit Y. in Kontakt gekommen sein 
mussten, Fragen aufwirft. Es trifft hingegen nicht zu, dass Y. auf die Frage, ob sie 
mit ihrem Bruder Geschlechtsverkehr gehabt habe, ausweichend geantwortet 
hatte. Sie stellte dies - wie sich gerade auch aus den Videobefragungen ergibt - 
vielmehr ganz eindeutig in Abrede, und diese Antwort stimmt denn auch mit den 
Aussagen ihres Halbbruders völlig überein. Das Gegenteil konnte anhand der 
festgestellten DNA-Spuren nicht bewiesen werden, und die verbleibenden Fragen 
in diesem Punkt vermögen an der Glaubhaftigkeit der Aussagen von Y. über ihre 
Beziehungen zum Vater nichts zu ändern.

e) Der Berufungskläger befasst sich sodann mit den Aussagen der 
Tochter Y. anlässlich der Befragung durch die Untersuchungsrichterin vom 23. 
April 2009. Er führt aus, Y. habe ausgesagt, niemand habe sie im Schambereich 
rasiert, auch die Mutter nicht. Damit stelle sie sich in klaren Widerspruch zu den 
Aussagen ihrer Mutter, welche bezeugt habe, dass auch sie ihre Tochter in der 
Schamgegend rasiert habe. Zu diesem Thema ist festzuhalten, dass bezüglich 
des Rasierens keine Differenzen zwischen der Sachdarstellung von Y. und jener 
ihres Vaters bestehen; dieser hat nie bestritten, seine Tochter beim Duschen an 
verschiedenen Körperteilen, so auch im Intimbereich, rasiert zu haben. Soweit 
bezüglich dieses Sachverhalts gegenüber dem Angeklagten Vorwürfe erhoben 
wurden, sind diese unbestritten und als solche für das Berufungsverfahren ohne 
Interesse. Wenn in der Berufungsschrift auf dieses Thema zurückgekommen wird, 

Seite  15 — 22

so könnte dies also einzig dem Zwecke dienen, die Glaubhaftigkeit der Aussagen 
von Y. in Frage zu stellen. Diesbezüglich bringt das Argument jedoch nichts. Die 
Aussagen von Y. sind an der vom Berufungskläger angeführten Stelle recht 
unbestimmt, was an sich schon deshalb verständlich ist, da doch zwischen den 
fraglichen Vorkommnissen und der Einvernahme viel Zeit verstrichen ist. Zudem 
sind die diesbezüglichen Depositionen der Mutter auch nicht eindeutig. Die an sie 
gerichtete Frage lautete, wo sie und ihr Mann Y. rasiert hätten, worauf die Zeugin 
antwortete, am Rücken, beim Bauch und auch in der Schamgegend bei der 
Scheide; Y. habe immer Angst gehabt, dass sie sich schneide. Die Frage ging 
also dahin, wo die Mutter und der Vater Y. rasiert hätten. Dass der Vater seine 
Tochter auch im Intimbereich zu rasieren pflegte, ist unbestritten. Dass dies die 
Mutter jedenfalls an anderen Körperteilen auch zumindest einmal getan hatte, 
bestätigte auch Y.. Abgesehen davon, dass es sich bezüglich des Rasierens 
durch die Mutter um einen belanglosen Nebenpunkt handelt, bestehen zwischen 
den Aussagen also keineswegs unüberbrückbare Differenzen, welche die 
Glaubhaftigkeit der Aussagen von Y. zu erschüttern vermöchten. Gleiches gilt 
auch mit Bezug auf die vom Berufungskläger ebenfalls ins Feld geführten 
Unterschiede in den Aussagen über die Besuche in Österreich. Es wird dem 
Mädchen in der Berufungsschrift vorgeworfen, nach sehr langem Fragen habe es 
letztlich eingestanden, es sei mindestens viermal im gleichen Hotel in Österreich 
gewesen, in welchem ihm angeblich das Schlimmste in ihrem Leben zugestossen 
sei. Auch in diesem Punkt vermag das Kantonsgericht nichts zu erkennen, was 
gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen von Y. sprechen würde. Abgesehen 
davon, dass es völlig nebensächlich ist, ob es sich um drei oder vier Ausflüge 
nach Österreich gehandelt hat, hat Y. nie bestritten, dass sie vier Mal dorthin 
gefahren ist; es hat sich einfach im Laufe der Einvernahme ergeben, dass es 
offenbar tatsächlich vier und nicht nur zwei bis drei Ausflüge waren. Y. hat auch 
sehr überzeugend dargelegt, weshalb zwischen ihrer Aussage, wonach die 
Besuche mit ihrem Vater im Hotel in Meiningen für sie besonders schlimm waren, 
und sie später mit ihrer Familie trotzdem wieder gern ins Vorarlberg gefahren sei, 
kein Widerspruch besteht. Sie hat einfühlbar geschildert, dass die mit Einkaufen 
und Fischen verbundenen Ausflüge ihr durchaus gefallen hätten und sie daher 
gerne wieder hingefahren sei, dass sie aber von ihren schlimmen Erlebnissen mit 
dem Vater der Mutter, ihren Geschwistern und ihrer Freundin nichts habe erzählen 
können; sie habe ja auch im Alltag stets gesagt, es gehe ihr gut, obwohl es ihr 
beschissen gegangen sei. Diese Feststellung steht im Einklang mit den Aussagen 
ihrer Freundin J., welche das Gefühl hatte, das Familienleben der XY. sei 
durchaus harmonisch gewesen, und Y. habe sich mit ihrem Vater sehr gut 

Seite  16 — 22

verstanden. Allerdings war sie offenbar doch etwas über die Tatsache befremdet, 
dass sich Vater und Tochter auf den Mund küssten. Die Rechtsvertreterin von Y. 
weist in ihrer Stellungnahme zu Recht darauf hin, dass Y. sich gegen aussen stets 
lustig und normal gegeben habe, dass sie aber innerlich kaputt gewesen sei und 
viel geweint habe. Eine Bestätigung dafür, dass Y.s Aussagen über ihre 
Beziehungen zum Vater der Wahrheit entsprechen und sie unter den von ihr 
geschilderten Verhältnissen arg gelitten hat, findet sich denn auch tatsächlich in 
den Depositionen ihrer Mutter, welche in der polizeilichen Einvernahme aussagte, 
Y. habe sich in den letzten Jahren vielmals dahin geäussert, dass sie ihren Vater 
hasse und ihn am liebsten umbringen würde. Dies habe sie insofern erstaunt, als 
aus ihrer Sicht ihr Mann ein lieber Vater gewesen sei und ihrer Tochter viele 
Geschenke gemacht habe. Sodann sei ihr auch aufgefallen, dass Y. sie immer 
wieder gefragt habe, wann sie von der Arbeit nach Hause komme; sie habe nie mit 
ihrem Vater alleine sein wollen. Diese zu Beginn der Untersuchung und damit von 
der Zeugin spontan und sicher noch unbeeinflusst gemachten Aussagen belegen 
klar, dass die von Y. gegenüber ihren Freunden zum Ausdruck gebrachte 
Unbekümmertheit keineswegs ihrem inneren Gemütszustand entsprach. Die 
Aussagen der Mutter stellen damit entgegen den Einwänden des 
Berufungsklägers ein gewichtiges Argument zur Stützung der Glaubhaftigkeit der 
Schilderungen von Y. dar. Dass diese über die sehr intimen Beziehungen zu ihrem 
Vater auch nahen Angehörigen und guten Freundinnen nichts verlauten liess, ist 
für das Kantonsgericht mehr als verständlich und ändert an ihrer Glaubwürdigkeit 
nichts.

f) In der Berufung wird weiter geltend gemacht, aufgrund der 
Arbeitszeiten von F. und des Stundenplans von Y. hätten der Vater und die 
Tochter nur sehr kurze Zeit zusammen alleine zu Hause sein können. Diese 
Argumentation verdrängt die Tatsache, dass der Berufungskläger nachts 
ausreichend Gelegenheit hatte, sich an seiner Tochter zu vergehen. Er selbst 
gestand zu, während der Schwangerschaft seiner Frau in Y.s Zimmer geschlafen 
zu haben, während Y. sich zu ihrer Mutter begeben habe. Er habe jeweils noch 
etwas fern gesehen; wenn er den Fernseher abgestellt habe, sei Y. zu ihm 
gekommen und habe zu ihm gesagt, er solle bei ihr und nicht bei der Mutter 
schlafen. Aus diesen Schilderungen ergibt sich deutlich, dass der Einwand, es 
habe dem Berufungskläger an der Möglichkeit gefehlt, seine Tochter zu 
missbrauchen, nicht standhält.

g) Der Berufungskläger führt weiter aus, er sei auch wegen mehrfacher 
Pornografie gemäss Art. 197 Ziff. 1 StGB und wegen Pornografie gemäss Art. 197 

Seite  17 — 22

Ziff. 3bis StGB bestraft worden. Der zuletzt genannte Schuldspruch blieb im 
Berufungsbegehren unangefochten, hingegen macht X. bezüglich der ersten 
Verurteilung geltend, bei den Filmen, die er mit seiner Tochter angeschaut habe, 
handle es sich um normale Sexfilme ohne pornografischen Inhalt. Wenn in der 
Berufung sodann gerügt wird, die Vorinstanz stütze sich auch in diesem Punkt auf 
die Aussagen von Y., so ist nicht verständlich, was damit gesagt werden will. Dass 
er zusammen mit seiner Tochter solche Filme angeschaut hat, gab der Angeklagte 
von Anfang an zu; insofern standen seine Aussagen also nicht mit jenen von Y. im 
Widerspruch. Dass es sich nicht um die von der Polizei sichergestellten und bei 
den Akten liegenden Filme gehandelt habe, wird in der Berufung nicht behauptet. 
Die Vorinstanz hat aber bezüglich dieser Filme völlig zu Recht festgehalten, dass 
sie eindeutig als Pornografie zu qualifizieren seien. Hat der Angeklagte aber in der 
Einvernahme vom 22. Mai 2008 auf die Frage, ob er mit seiner Tochter DVD-Filme 
mit pornografischem Inhalt konsumiert habe, vorbehaltlos geantwortet, sie hätten 
Sexfilme miteinander angeschaut, und wurde im Laufe des Verfahrens nie 
bestritten, dass es die von der Vorinstanz erwähnten und als Pornografie 
bezeichneten Filme waren, so ist nicht ersichtlich, was der Berufungskläger mit 
dem Einwand geltend machen will, das Bezirksgericht habe seinen Schuldspruch 
allein auf die Aussagen von Y. abgestützt. Dass Y. auch mit ihrem Bruder 
Sexfilme angeschaut haben soll, wäre - selbst wenn es zutreffen würde - für das 
Verhalten des Angeklagten irrelevant. Immerhin hat im Übrigen auch die Mutter 
bestätigt (und der Angeklagte hat dies auch zugegeben), sie habe mit ihrem 
Ehemann gegen ihren Willen Sexfilme anschauen müssen und ihr Mann habe 
dann das Gesehene mit ihr praktizieren wollen. 

h) In der Berufung werden schliesslich die Aussagen von Y. im 
Zusammenhang mit den Drohungen ihres Vaters als unglaubwürdig bezeichnet. 
Gerade die letzten Einvernahmen zu diesem Thema vermitteln ein konfuses Bild 
und geben damit wohl eindrücklich den Gemütszustand der Tochter gerade in der 
letzten Phase des Familiendramas wieder. Dass Y. angesichts der Ausbrüche 
ihres Vaters in Furcht und Angst versetzt wurde, es könnte dieser ihren 
Angehörigen und auch sich selbst etwas antun, ist verständlich. Ihre Vertreterin 
weist denn auch zu Recht darauf hin, dass Y. durchaus Grund zur Angst gehabt 
habe, nachdem X. ja selbst gegenüber dem Gutachter angegeben habe, er wisse, 
dass er schnell einmal wütend werden könne und Angst habe, sich dann etwas 
anzutun. Wenn der Berufungskläger mit seinen Bemerkungen zu diesem Punkt 
die Aussagen seiner Tochter im Allgemeinen als unglaubwürdig abtun will, so 
gelingt ihm dies offensichtlich nicht. Falls er damit den ihm angelasteten 

Seite  18 — 22

Tatbestand der Drohung in Frage stellen will, braucht auf seine Ausführungen 
nicht eingegangen zu werden, da er den fraglichen Schuldspruch nicht 
angefochten hat.

4. Schon im erstinstanzlichen Verfahren hat sich der Rechtsvertreter des 
Angeklagten hauptsächlich mit der Beweiswürdigung befasst und die von der 
Staatsanwaltschaft vorgenommene rechtliche Subsumtion der zur Anklage 
gebrachten strafbaren Handlungen nicht in Frage gestellt. Allein bezüglich des 
Vorwurfs der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 
hielt das Bezirksgericht ein Tatbestandsmerkmal für nicht gegeben, weshalb es 
den Angeklagten freisprach. In allen übrigen Anklagepunkten erachtete die 
Vorinstanz die eingeklagten Straftatbestände sowohl in tatbeständlicher als auch 
in rechtlicher Hinsicht erfüllt und gelangte dementsprechend zu Schuldsprüchen. 
Im Berufungsverfahren setzte sich die Verteidigung wiederum ausschliesslich mit 
der Beweiswürdigung auseinander. Sie bestätigte den Standpunkt des 
Angeklagten, der nach wie vor bestreitet, seine Tochter durch die ihm von der 
Staatsanwaltschaft zur Last gelegten Taten sexuell missbraucht zu haben. Der 
Verteidiger beschränkte sich darauf, die sich vornehmlich auf die Aussagen der 
Tochter Y. gestützte Sachverhaltsdarstellung der Anklage in Zweifel zu ziehen, 
machte aber für den Fall, dass das Gericht den Sachverhalt als erstellt betrachten 
sollte, zur rechtlichen Würdigung der Straftaten keine Bemerkungen. Dass die in 
der Anklageschrift umschriebenen sexuellen Übergriffe die auf sie bezogenen 
gesetzlichen Straftatbestände in jeder Hinsicht erfüllen, hat das Bezirksgericht in 
gründlicher und in rechtlich einwandfreier Weise dargelegt. Das Kantonsgericht 
teilt die rechtliche Würdigung der Missetaten durch die Anklage und die Vorinstanz 
vorbehaltlos und hat den eingehenden Erwägungen im erstinstanzlichen Urteil 
nichts beizufügen; es kann damit auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen 
werden.

III.1. Der Berufungskläger äussert sich nicht zu der von der Vorinstanz 
vorgenommenen Strafzumessung. Da das erstinstanzliche Urteil in einigen 
Punkten unangefochten blieb, hätten dazu jedoch schon für den hypothetischen 
Fall der Gutheissung der Berufung Ausführungen gemacht werden müssen. 
Nachdem sich die Berufung mit den Erwägungen des Bezirksgerichts zur 
Strafzumessung nicht auseinandersetzt, kann davon ausgegangen werden, dass 
der Angeklagte die ausgesprochene Strafe für den Fall, dass es beim 
Schuldspruch des angefochtenen Urteils bleiben sollte, für angemessen hält. Nun 
hat das Schweizerische Bundesgericht allerdings in einem neusten Entscheid 
festgehalten, es gehöre zur richterlichen Fürsorgepflicht, dass der Verteidiger, der 

Seite  19 — 22

für den Fall eines allfälligen Schuldspruchs darauf verzichtet, Eventualanträge 
samt Ausführungen zur Strafzumessung zu stellen, zur entsprechenden 
Antragstellung und Stellungnahme aufzufordern sei (Urteil vom 22. April 2010, 
6B_100/2010). Es erachtete im konkreten Fall Bundesrecht jedoch nicht verletzt, 
obwohl das Kantonsgericht den amtlichen Verteidiger nicht dazu aufgefordert 
hatte, zum Strafpunkt Stellung zu nehmen, weil es das erstinstanzliche Urteil auch 
im Strafpunkt mit uneingeschränkter Kognition überprüft hatte. Angesichts dieser 
Rechtsprechung erscheint es angebracht, an dieser Stelle einige Überlegungen 
zur Strafzumessung anzustellen, obwohl die Berufung keine entsprechenden 
Anträge enthält. Auch aus der Sicht des Kantonsgerichts erweist sich die 
ausgefällte Strafe als ausgewogen und den Umständen des Falles angemessen. 
Ausgangspunkt der Strafzumessung bildet nach Art. 47 Abs. 1 StGB das 
Verschulden des Täters; das Gericht berücksichtigt das Vorleben und die 
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. 
- Das Verschulden wiegt im vorliegenden Fall ausgesprochen schwer. Der 
Angeklagte hat während Jahren seine Tochter in schwerwiegender Weise 
missbraucht. Er hat seine dominante Stellung in der Familie ausgenutzt und mit 
dem niedrigen Beweggrund, sexuelle Befriedigung zu suchen, Y. zweifellos 
schweren seelischen Schaden zugefügt. Schon dieses verwerfliche Handeln ruft 
nach einer empfindlichen Strafe. X. hat über die Jahre hinweg durch zahlreiche 
strafbare Handlungen die Voraussetzungen für mehrere Strafen erfüllt. 
Auszugehen ist von der schwersten Tat, der mehrfachen sexuellen Handlungen 
mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, welcher Tatbestand eine Freiheitsstrafe 
von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vorsieht. Die für diese Tat 
gerechtfertigt erscheinende Strafe ist wegen des Hinzukommens weiterer 
Straftatbestände angemessen zu erhöhen. In diesem Sinne wirken sich auch die 
Vorstrafen und die weitgehende Uneinsichtigkeit aus. Andererseits ist - wie die 
Vorinstanz ausführlich darlegte - zu berücksichtigen, dass die Strafe teilweise als 
Zusatz zu den vom Angeklagten 2007 und 2008 erlittenen Strafen auszusprechen 
ist. Es kann X. sodann zugute gehalten werden, dass er abgesehen von diesen 
beiden Strafen in seinem bisherigen Leben nicht negativ aufgefallen ist und in 
seiner Umgebung durch seine hier zur Diskussion stehenden Delikte an Ansehen 
eingebüsst hat und entsprechend strafempfindlich sein dürfte. Dass es in 
einzelnen Fällen beim Versuch geblieben ist, kann dem Angeklagten in allerdings 
nur untergeordnetem Masse strafmildernd angerechnet werden, ist es doch kaum 
seiner Einsicht zu verdanken, dass die fraglichen strafbaren Handlungen nicht zu 
Ende geführt wurden. Gesamthaft betrachtet ist das Kantonsgericht der 
Auffassung, dass die ausgesprochene Freiheitsstrafe von drei Jahren, verbunden 

Seite  20 — 22

mit einer Busse von Fr. 200.00, sich an der unteren Grenze dessen bewegt, was 
in Abwägung aller Strafzumessungsgründe gerechtfertigt erscheint; eine 
Reduktion dieser Strafe kommt jedenfalls nicht in Frage. Das Bezirksgericht ist 
dem Verurteilten auch entgegengekommen, indem es von der ausgefällten 
Freiheitsstrafe von 36 Monaten nur 15 Monate als unbedingt vollziehbar erklärte. 
Auch wenn es sich angesichts der Schwere der Taten auch durchaus hätte 
begründen lassen, die gesetzlichen Vorgaben voll auszuschöpfen, lässt sich der 
X. wohlgesinnte Entscheid der Vorinstanz angesichts der nicht ungünstigen 
Prognosen für künftiges Wohlverhalten immerhin vertreten; auch in diesem Punkt 
liesse sich jedoch ein weitergehendes Entgegenkommen nicht begründen. Das 
angefochtene Urteil ist somit auch im Strafpunkt zu bestätigen.

2. Die Vorinstanz hat unter der Ziffer 5 ihres Urteils festgestellt, die 
Abklärung und allfällige Durchführung der Therapierung des Verurteilten erfolge im 
Sinne der Erwägungen. In diesen hielt sie fest, der psychiatrische Gutachter sei 
zum Schluss gekommen, dass der Angeklagte zur Zeit der Taten an keiner 
psychischen Störung gelitten habe, folglich die Anordnung einer Massnahme 
entfalle und für den Fall einer Verurteilung lediglich die Auseinandersetzung mit 
der Thematik im Sinne einer Weisung empfohlen würde. Zwar könne das Gericht 
dem teilbedingt Verurteilten Weisungen gemäss Art. 94 StGB für die Probezeit 
erteilen. In casu würde es allerdings 15 Monate dauern bis eine Weisung 
ausgeführt werden könne, da die Probezeit erst dann beginne. Es dränge sich hier 
aber auf, bereits im Vollzug mit einer Therapierung im Sinne des Gutachtens zu 
beginnen. Da sich das Gesetz hinsichtlich des Erteilens von Weisungen in 
Verbindung mit zu vollziehenden Freiheitsstrafen ausschweige, werde es Sache 
des Strafvollzuges sein, der Empfehlung des Gutachters Rechnung zu tragen. - 
Das Amt für Justizvollzug Graubünden hat nach Empfang des Urteils dem 
Bezirksgericht mit Schreiben vom 31. März 2010 mitgeteilt, seinen Ausführungen 
könne nicht gefolgt werden. Die Probezeit beginne bei teilbedingten Strafen 
bereits mit der Eröffnung des Urteils zu laufen. Dies bedeute, dass eine für die 
Probezeit angeordnete Weisung bei teilbedingten Strafen ab Urteilseröffnung gelte 
und kontrolliert werden müsse. Für den vorliegenden Fall bedeute dies, dass bei 
gerichtlicher Anordnung einer Weisung für die Dauer der Probezeit eine 
Therapierung im Sinne des Gutachtens durchgeführt werden könne. Damit diese 
Therapierung jedoch formell als Weisung während des unbedingten 
Freiheitsentzugs und auch nach der Entlassung bis zum Ende der Probezeit 
durchgeführt werden könne, müsse der Auftrag seitens des Gerichts klar formuliert 

Seite  21 — 22

werden. Man ersuche daher um Mitteilung, ob die Therapierung als Weisung 
durchzuführen sei.

Die Ausführungen des Amtes für Justizvollzug sind zutreffend; die Art und 
Weise, wie das Bezirksgericht die Frage einer allfälligen Therapierung des 
Verurteilten in Ziffer 8 der Erwägungen und in Ziffer 5 des Dispositivs seines 
Urteils geregelt hat, ist nicht durchführbar. Entweder wird im Urteil eine Weisung 
formell angeordnet oder man verzichtet darauf. Der Gutachter hat eine solche 
empfohlen, sie aber nicht als zwingend notwendig bezeichnet. Da die Vorinstanz 
es versäumt hat, eine Weisung mit Bewährungshilfe anzuordnen, kann das 
Kantonsgericht diese Unterlassung wegen des Verbots der reformatio in peius 
nicht im vorliegenden Urteil korrigieren und von sich aus das Versäumte 
nachholen. Es bleibt vielmehr nichts anderes übrig, als das fehlerhafte 
erstinstanzliche Urteil in diesem Punkt von Amtes wegen aufzuheben.

3. Der Berufungskläger äussert sich nicht zu der vom Bezirksgericht der 
Adhäsionsklägerin zugesprochenen Genugtuung von Fr. 20'000.00, so dass es 
diesbezüglich beim durchaus angemessenen erstinstanzlichen Entscheid bleibt.

IV. Ist die Berufung abzuweisen, gehen die Kosten des Verfahrens vor dem 
Kantonsgericht zu Lasten des Berufungsklägers. Dieser hat die Rechtsvertreterin 
der Adhäsionsklägerin zudem für das Berufungsverfahren aussergerichtlich 
angemessen zu entschädigen.

Seite  22 — 22

III. Demnach wird erkannt

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Ziffer 5 des erstinstanzlichen Urteils wird von Amtes wegen 
aufgehoben.

3. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 4'000.00 gehen zu Lasten des 
Berufungsklägers, der Rechtsanwältin lic. iur. Diana Honegger Droll 
aussergerichtlich mit Fr. 2'000.00 (inkl. MwSt..) zu entschädigen hat.

4. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des 
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das 
Schweizerische Bundesgericht geführt werden. Diese ist dem 
Bundesgericht schriftlich innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen 
Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG 
vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die 
Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das Verfahren 
der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

5. Mitteilung an: