# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11c1a9a5-5a5a-55d4-ab34-9e3b238d5bc6
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-07-30
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 30.07.2024 BG.2024.20
**Docket/Reference:** BG.2024.20
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2024-20_2024-07-30

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO)

Beschluss vom 30. Juli 2024 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 
Patrick Robert-Nicoud, Vorsitz, 
Daniel Kipfer Fasciati und  
Giorgio Bomio-Giovanascini,  
Gerichtsschreiber Martin Eckner  

   
Parteien   

KANTON BERN, Generalstaatsanwaltschaft,  

Gesuchsteller 
 

 gegen 
   

KANTON AARGAU, Oberstaatsanwaltschaft,  

Gesuchsgegner 
 
 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2024.20 
 
 
 
 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 
 

A. Das Migrationsamt des Kantons Zürich verfügte am 22. Dezember 2023 die 
Ausgrenzung von A. (nachfolgend «A.» oder «Beschuldigter») für das Gebiet 
der Stadt Zürich bis 22. Dezember 2025. Die Regionalpolizei Brugg erliess 
gegen A. am 18. Januar 2024 eine Wegweisung für das Stadtgebiet Brugg-
Windisch bis zum 17. Februar 2024. Der Migrationsdienst des Kantons Neu-
enburg verbot A. mit Verfügung vom 30. Januar 2024 bis am 29. Februar 
2024, sich ausserhalb eines Perimeters um das Bundesasylzentrum in Z. 
aufzuhalten. Der Dienst wies in der Verfügung darauf hin, dass eine Miss-
achtung der Eingrenzung als Verstoss gegen Art. 119 Abs. 1 des Bundesge-
setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 
(Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20) strafbar ist.  
 
Gemäss VOSTRA-Auszug vom 13. März 2024 eröffneten verschiedene 
Staatsanwaltschaften Strafverfahren gegen A. namentlich wegen Verstos-
ses gegen Art. 119 Abs. 1 AIG: die Berner Regionale Staatsanwaltschaften 
Emmental-Oberaargau (am 10. Februar 2024) und Bern-Mittelland (29. Feb-
ruar 2024; Verfahren BM 24 / 11629 LEH) sowie die Zürcher Staatsanwalt-
schaft Zürich-Limmat am 2. März 2024. Zwischenzeitlich eröffnete am 
12. Februar 2024 die Aargauer Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach (nachfol-
gend «StA/BZ») ein Strafverfahren gegen A. wegen geringfügigen Dieb-
stahls (Art. 139 StGB i.V.m. Art. 172ter StGB), Hausfriedensbruchs (Art. 186 
StGB) sowie Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen (Art. 292 StGB; 
act. 3.1).  
 
 

B. Am 14. März 2024 habe sich Frau B. von der regionalen Staatsanwaltschaft 
Bern-Mittelland telefonisch bei der StA/BZ (Frau C.) nach dem Verfahrens-
stand erkundigt. Sie habe die Auskunft erhalten, dass das Verfahren 
ST.2024.521 der StA/BZ bei Staatsanwalt D. noch hängig sei.  
 
 

C. Mit Schreiben vom 22. März 2024 ersuchte die Generalstaatsanwaltschaft 
des Kantons Bern (nachfolgend «GStA/BE») die StA/BZ mit Verweis auf die 
erhaltene telefonische Auskunft um Übernahme des Strafverfahrens, da die 
ersten Verfolgungshandlungen im Kanton Aargau erfolgt seien (act. 1.1). 
Staatsanwalt D. lehnte dies am 27. März 2024 für die StA/BZ ab, da sein 
Verfahren ST.2024.521 am 21. März 2024 bereits mit Strafbefehl erledigt 
worden sei (act. 1.2).  
 
 

- 3 - 

 

 

D. Am 28. März 2024 teilte die GStA/BE der StA/BZ mit, die Ablehnung nicht zu 
akzeptieren und stellte eine zweite Gerichtsstandsanfrage (act. 1.3). Habe 
eine Staatsanwaltschaft Kenntnis davon, dass dieselbe beschuldigte Person 
gleichzeitig in mehreren Kantonen verfolgt werde, so müsse sie sich um die 
Klärung des Gerichtsstands bemühen und könne sich nicht durch frühzeitige 
Beendigung ihres Verfahrens einer allfälligen Übernahme entziehen. Die 
StA/BZ habe mit der telefonischen Anfrage vom 14. März 2024 (vgl. obige 
litera B) um das Berner Verfahren gewusst. Die GStA/BE ersuchte die 
StA/BZ um Anerkennung der Zuständigkeit. Sie legte der Anfrage auch einen 
Anrufnachweis vom 14. März 2024 bei.  
 
Am 4. April 2024 antwortete Staatsanwalt D. für die StA/BZ, dass er bis zur 
ersten schriftlichen Gerichtsstandsanfrage (Eingang am 26. März 2024) nicht 
um den Anruf vom 14. März 2024 gewusst habe. Der Anruf stelle auch nicht 
eine telefonische Gerichtsstandsanfrage oder dergleichen dar, sondern le-
diglich eine Auskunftsanfrage. Die StA/BZ lehnte die Übernahme mit Verweis 
auf den Strafbefehl erneut ab (act. 1.4).  
 
 

E. Am 10. April 2024 leitete die GStA/BE den abschliessenden Meinungsaus-
tausch mit der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau (nachfolgend 
«OStA/AG») ein (act. 1.5). Die OStA/AG lehnte es am 23. April 2024 ab, das 
Berner Strafverfahren zu übernehmen (act. 1.6). 
 
 

F. Die GStA/BE ersuchte daraufhin am 29. April 2024 die Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts um Bestimmung des Gerichtsstands (act. 1). Es sei 
der Kanton Aargau für zuständig zu erklären. Die OStA/AG hielt in ihrer Ant-
wort vom 13. Mai 2024 dafür, die Zuständigkeit liege beim Kanton Bern 
(act. 3). Das Gericht brachte die Eingabe am 14. Mai 2024 der GStA/BE zur 
Kenntnis (act. 4).  
 
 
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.  
 
 
 

- 4 - 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-
schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und Form, 
vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2019.50 vom 22. Januar 2020 
E. 1.1) geben keinen Anlass zu Bemerkungen. Auf das Gesuch ist einzutre-
ten.  

 
 
2.  
2.1 Der Kanton Aargau führt aus (act. 3), die StA/BZ habe bereits mit der Staats-

anwaltschaft Emmental-Oberaargau eine Gerichtsstandskorrespondenz (in 
act. 3.1) geführt. Sie habe am 13. März 2024 das Strafverfahren der Staats-
anwaltschaft Zürich-Limmat und am 14. März 2024 dasjenige der Staatsan-
waltschaft Emmental-Oberaargau übernommen (S. 1). Nach Erhalt der Zür-
cher Abtretungsverfügung am 19. März 2024 sei das Verfahren entscheidreif 
gewesen und entsprechend habe die StA/BZ am 21. März 2024 einen Straf-
befehl erlassen. Erst danach, am 26. März 2024, habe sie die Berner Ge-
richtsstandsanfrage vom 22. März 2024 betreffend das Verfahren der Staats-
anwaltschaft Bern-Mittelland erhalten. Die StA/BZ habe entsprechend auf 
den Strafbefehl verwiesen und eine Übernahme abgelehnt. Sie habe eine 
(weitere) Gerichtsstandsanfrage, der Staatsanwaltschaft Winterthur-Unter-
land, ebenfalls abschlägig beantwortet. 

Der Kanton Bern schildere eine telefonische Anfrage, wobei die Kanzlei der 
StA/BZ der Berner Sachbearbeiterin mitgeteilt habe, das Aargauer Verfahren 
sei noch hängig. Es habe kein Gespräch mit dem fallführenden Staatsanwalt 
der StA/BZ stattgefunden. Die Anfrage sei im Geschäftsverwaltungspro-
gramm praxisgemäss auch nicht vermerkt worden, würden doch von diver-
sen Amtsstellen täglich diverse Anfragen erfolgen. Der genaue Inhalt des 
Telefonates vom 14. März 2024 sei unklar; insbesondere sei nicht belegt, 
dass der StA/BZ mitgeteilt worden sei, dass im Kanton Bern noch ein weite-
res Verfahren gegen den Beschuldigten hängig sei. Alleine eine telefonische 
Anfrage «ob ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft noch hängig sei» ver-
möge ein Gerichtsstandsverfahren weder einzuleiten noch müsse darauf 
zwingend geschlossen werden. Die Kanzlei sei weder um ein Gespräch mit 
dem Staatsanwalt, noch um Vormerknahme eines neuen Verfahrens gebe-
ten worden. Sie sei nicht auf den Grund der Anfrage hingewiesen worden 
und habe auch keine Dringlichkeit erkennen können. Eine einfache telefoni-
sche Anfrage könne nicht ein entscheidreifes Verfahren verzögern. Nach Zif-
fer 4 der Gerichtsstandsempfehlungen SSK erfolgten Gerichtsstandsanfra-
gen schriftlich und unter Beilage der Akten (S. 2 f.).  

- 5 - 

 

 

Eine Gerichtsstandsanfrage sei sodann umgehend zu stellen resp. unzwei-
felhaft in Aussicht zu stellen und die StA/BZ habe nach 12 Tagen nicht mit 
einer solchen rechnen müssen. Die StA/BZ habe weder nach Treu und Glau-
ben noch im Rahmen der interkantonalen Kollegialität mit einer neuerlichen 
Gerichtsstandsanfrage durch den Kanton Bern zu rechnen gehabt. Dass die 
GStA/BE bei solchen Anfragen praxisgemäss ausführe, es sei eine neue An-
zeige eingegangen, sei eine reine Behauptung, die weder erstellt noch be-
stätigt werden könne. Es werde auch bestritten, dass die StA/BZ Kenntnis 
von einem neuen Verfahren im Kanton Bern hatte oder hätte haben müssen. 
Aufgrund des ergangenen Strafbefehls seien die Verfahren gemäss Art. 34 
Abs. 2 StPO getrennt zu führen (S. 3).  

2.2 Der Kanton Bern hält fest (act. 1 S. 4 f.), es sei unbestritten, dass ein Tele-
fongespräch geführt wurde und ebenso, dass die ersten Verfolgungshand-
lungen am 23. Januar 2024 im Kanton Aargau geschahen. Es liege zwar 
keine Aktennotiz mit dem genauen Wortlaut des Telefonates vor. Die Sach-
bearbeiterin weise bei gerichtsstandsrelevanten Abklärungen jedoch praxis-
gemäss darauf hin, dass im Kanton Bern eine neue Anzeige gegen die be-
schuldigte Person eingegangen sei und deshalb der Verfahrensstand ange-
fragt werde. Offensichtlich diene ein solcher Anruf dazu, gerichtsstandsrele-
vante Informationen einzuholen und den anderen Kanton über ein Berner 
Verfahren in Kenntnis zu setzen. Die interne Kommunikation oder Vermerke 
im Geschäftsverwaltungssystem wiederum oblägen dem jeweilig angefrag-
ten Kanton selbst und entsprechende Schwierigkeiten dürften nicht zu Las-
ten des ersuchenden Kantons gehen. Ansonsten sei das grundlegende Ver-
trauen zwischen den Strafverfolgungsbehörde nicht mehr gegeben und jeg-
liche Gerichtsstandskorrespondenz wertlos. Stehe somit fest, dass beide 
Kantone Kenntnis von den Verfahren hatten, stehe die Vorgehensweise des 
Kantons Aargau im Widerspruch zum gesetzlichen Gerichtsstand des Art. 34 
Abs. 1 StPO und zur kollegialen und fairen Führung von Gerichtsstandsver-
fahren. Was die «lange» Dauer zwischen Telefonat und Eingang der Berner 
Gerichtsstandsanfrage betreffe, so sei die Dauer von vorliegend zwei Wo-
chen üblich. Sie sei nicht übermässig lange, zumal im Kanton Bern die Ge-
richtsstandsverfahren zentral geführt würden. 

 
 
3.  
3.1 Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten 

verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Be-
hörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte 
Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des 
Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen wor-
den sind (Art. 34 Abs. 1 StPO).  

- 6 - 

 

 

3.2 Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich 
die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-
mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung 
(Art. 39 Abs. 2 StPO). Das Gerichtsstandsverfahren ist im Wesentlichen in-
formeller Natur und eine Pflicht zur Schriftlichkeit eine blosse Ordnungsvor-
schrift. Ob und seit wann die ersuchte Behörde Kenntnis von weiteren Straf-
verfahren hat, ist eine Beweisfrage. Eine mündliche Information über ein zu-
sammenhängendes Strafverfahren löst die Pflicht aus, sich um eine Einigung 
zu bemühen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob diese Information behör-
denintern an die zuständige Stelle (den betreffenden Staatsanwalt) weiter-
geleitet worden war (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2021.35 vom 
6. Juli 2021 E. 3.4; BG.2017.21 vom 17. Januar 2018 E. 3.5/4.1).  

3.3 Nach Art. 40 Abs. 2 StPO unterbreitet bei Nichteinigung die Staatsanwalt-
schaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die Frage unver-
züglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, dem Bundesstrafgericht 
zum Entscheid. Nach Art. 34 Abs. 2 StPO werden die Verfahren getrennt 
geführt, wenn in einem beteiligten Kanton im Zeitpunkt des Gerichtsstands-
verfahrens nach den Artikeln 39-42 wegen einer der Straftaten schon An-
klage erhoben worden ist. Gemäss Art. 42 Abs. 3 StPO kann ein nach den 
Artikeln 38-41 festgelegter Gerichtsstand nur aus neuen wichtigen Gründen 
und nur vor der Anklageerhebung geändert werden. 

Anders ist die Situation, wenn der Meinungsaustausch vor Anklageerhebung 
eingeleitet wird und eine anklagende Behörde schon Kenntnis von einem 
«Zusammentreffen mehrerer Straftaten» hat (vgl. Beschlüsse des Bundes-
strafgerichts BG.2022.51 vom 22. Juni 2023 E. 3.4.3; BG.2012.24 vom 
18. Oktober 2012 E. 3.2; BAUMGARTNER, Die Zuständigkeit im Strafverfah-
ren, 2014, S. 490). Die Form der Kenntnisnahme ist dabei ohne Belang. Die 
Situation ist vergleichbar mit derjenigen bei Einstellungsverfügungen oder 
Erlass von Strafbefehlen während laufendem Gerichtsstandsverfahren. Diese 
kann eine Behörde nur erlassen, wenn sie weder wusste noch wissen musste, 
dass die beschuldigte Person gleichzeitig noch in anderen Kantonen verfolgt 
wird. Andernfalls gilt der Grundsatz, wonach sich eine Staatsanwaltschaft 
nicht durch frühzeitiges Erlassen z.B. einer Einstellungsverfügung der sich 
aus Art. 34 Abs. 1 StPO ergebenden Verpflichtung zur Bestimmung des Ge-
richtsstandes und gegebenenfalls zur Übernahme der Strafverfolgung und 
Beurteilung entziehen kann. Nicht massgeblich ist, ob eine nach Einleitung 
des Meinungsaustausches erfolgte Beendigung Teil des «courant normal» 
war. Auf die Gültigkeit der zwischenzeitlich vorgenommenen Verfahrens-
schritte hat diese Rechtsprechung keine Auswirkungen (vgl. Beschlüsse des 
Bundesstrafgerichts BG.2021.35 vom 6. Juli 2021 E. 3.4 f.; BG.2017.21 vom 
17. Januar 2018 E. 3.4/4.2; BG.2015.5 vom 26. März 2015 E.  2.1; BG.2014.31 

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vom 27. Januar 2015 E. 2.1; BG.2010.20 vom 27. Dezember 2010 E. 3.3.2; 
BG.2009.29 vom 30. März 2010 E. 2.5; vgl. auch BAUMGARTNER, a.a.O., 
S. 226 ff., 239).  
 

3.4 Vorliegend hat der Kanton Bern sich am 14. März 2024 im Zusammenhang 
mit einem Gerichtsstandsverfahren beim Kanton Aargau nach einem dorti-
gen Verfahren erkundigt. Der zuständige Aargauer Staatsanwalt hat danach 
am 21. März 2024 einen Strafbefehl erlassen, ohne dass er um die Anfrage 
des Kantons Bern wusste. Wie im ebenfalls den Kanton Aargau betreffenden 
Fall BG.2017.21 vom 17. Januar 2018 ist jedoch auch vorliegend dem ver-
fahrensführenden Staatsanwalt das Wissen seiner Kanzlei anzurechnen. Ein 
laufendes Gerichtsstandsverfahren kann nicht vermieden werden, indem 
das eigene Strafverfahren erledigt wird. Entsprechend ist der Gerichtsstand 
für das Berner Verfahren noch formell zu bestimmen, wobei vorliegend un-
bestritten ist, dass er nach Art. 34 Abs. 1 StPO (Ort der ersten Verfolgungs-
handlungen) im Kanton Aargau liegt. 
 

3.5 Zum gleichen Resultat führen bereits die Regeln zum Strafregister VOSTRA. 
 

3.5.1 Die Staatsanwaltschaften informieren sich hauptsächlich via das Strafregis-
ter-Informationssystem VOSTRA über die hängigen Strafverfahren. Ein Aus-
tausch der Staatsanwaltschaften zum Gerichtsstand ist nur möglich, wenn 
überhaupt bekannt ist, dass andere Strafbehörden ebenfalls gegen dieselben 
Beschuldigten ermitteln. Dem VOSTRA kommt im staatsanwaltschaftlichen 
Meinungsaustausch eine zentrale Rolle zu. Entsprechend sind die Strafbe-
hörden verpflichtet, Daten zu ihren Strafverfahren innert 10 Tagen einzutra-
gen (Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2023.35 vom 27. Juni 2024 
E. 5.5).  

3.5.2 Die Bestimmungen des Gerichtsstandsrechtes greifen grundsätzlich bei 
einem «Zusammentreffen mehrerer Straftaten» (vgl. die Titelüberschrift zu 
Art. 29/30 StPO). Entsprechend schafft schon die Tatsache der gleichzeiti-
gen Verfolgung mehrerer an verschiedenen Orten verübter strafbarer Hand-
lungen den Gerichtsstand des Art. 344 Abs. 1 aStGB (entspricht heutigem 
Art. 34 Abs. 1 StPO) und nicht erst die tatsächliche Vereinigung der Verfah-
ren (Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2009.29 vom 30. März 2010 
E. 2.5; SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in 
Strafsachen, 2. Aufl. 2004, N. 300). Die Anwendbarkeit der Bestimmungen 
des Gerichtsstandsrechtes setzt also nur voraus, dass der Beschuldigte in 
verschiedenen Kantonen gleichzeitig verfolgt wird. Massgeblich ist sodann 
der Grundsatz der Verfahrenseinheit nach Art. 29 StPO. Er ist Ausfluss des 
verfassungsmässigen Gleichbehandlungsgebots. Er bildet seit langem ein 
Wesensmerkmal des schweizerischen Straf- und Strafverfahrensrechts 

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(BGE 138 IV 214 E. 3.2; 138 IV 29 E. 3.2). Der Grundsatz der Verfahrens-
einheit ist als strafprozessualer Grundsatz von den Strafbehörden von Amtes 
wegen zu verwirklichen, wobei Strafbehörden bereits ihre eigene Zuständig-
keit von Amtes wegen zu prüfen haben (Art. 39 Abs. 1 StPO).  

3.5.3 Die Strafverfolgungsbehörden können das Strafregister VOSTRA ohne wei-
teres elektronisch konsultieren und erhalten in gewissen Fällen automati-
sierte Meldungen. Bei Verfahrenshandlungen (sei es ein Strafbefehl, eine 
Einstellung oder Anklageerhebung) ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen 
dafür vorliegen. Sind noch Gerichtsstandsfragen offen, so sind diese zu klä-
ren, bevor eine Strafuntersuchung abgeschlossen werden kann. Die Straf-
verfolgungsbehörden können dabei grundsätzlich nicht geltend machen, sie 
hätten das Strafregister nicht konsultiert oder sein Inhalt sei ihnen nicht be-
kannt gewesen.  

3.6 Vorliegend ergab sich bereits aus dem Strafregister, dass der Beschuldigte 
in verschiedenen Kantonen gleichzeitig verfolgt wird, was die Pflicht zum 
Austausch über den Gerichtsstand und zu einer möglichst raschen Einigung 
(Art. 39 Abs. 2 StPO) auslöst. Damit ist nicht entscheidend auf die Anfrage 
des Kantons Bern abzustellen und auch der genaue Inhalt des Gespräches 
ist nicht ausschlaggebend. Am 21. März 2024 waren demnach die Voraus-
setzungen noch nicht gegeben, um das Aargauer Verfahren durch Strafbe-
fehl abzuschliessen. Dies hat keine Auswirkung auf die Gültigkeit des Straf-
befehls. Indessen ist der Gerichtsstand für das Strafverfahren der Staatsan-
waltschaft Bern-Mittelland noch offen und zu klären. Vorliegend ist unbestrit-
ten, dass die StA/BZ die ersten Verfolgungshandlungen im vorliegenden Zu-
sammenhang am 23. Januar 2024 vornahm. Dies führt nach Art. 34 Abs. 1 
StPO zur Zuständigkeit des Kantons Aargau.  
 

3.7 Damit sind die Strafbehörden des Kantons Aargau für berechtigt und ver-
pflichtet zu erklären, die A. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu 
beurteilen.  

 
 
4. Praxisgemäss ist bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten keine Ge-

richtsgebühr zu erheben (TPF 2023 130 E. 5.1 m.w.H.). 
 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

1. Die Strafbehörden des Kantons Aargau sind berechtigt und verpflichtet, die A. 
zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.  

 
2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. 

 
 

Bellinzona, 31. Juli 2024 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Vizepräsident: Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern 
- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.