# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2aaef86-bd70-5536-8852-e6520db548fb
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-07
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 07.05.2020 100 2019 222
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2019-222_2020-05-07.pdf

## Full Text

100.2019.222U
DAM/KUN/ROS

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 7. Mai 2020

Verwaltungsrichter Daum, präsidierendes Mitglied
a.o. Verwaltungsrichterin Baerfuss Klossner, 
Verwaltungsrichterin Steinmann
Gerichtsschreiber Spring

1. A.________
gesetzlich vertreten durch ihre Mutter B.________

2. B.________
beide vertreten durch Fürsprecherin …

Beschwerdeführerinnen

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Bern 
Kramgasse 20, 3011 Bern

betreffend Familiennachzug; nachträglicher Nachzug der Tochter durch 
aufenthaltsberechtigte Mutter (Entscheid der Polizei- und Militärdirektion 
des Kantons Bern vom 31. Mai 2019; 2019.POMGS.77)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die chilenische Staatsangehörige B.________ (geb. …, Jg. 1983; Be-
schwerdeführerin 2) heiratete am 14. Juni 2013 in Chile einen Schweizer 
Bürger. Sie ist Mutter von vier vorehelichen Kindern: C.________ (Jg. 
2000), A.________ (Jg. 2004; Beschwerdeführerin 1), D.________ (Jg. 
2005) und E.________ (Jg. 2009). Nach der Heirat lebte das Ehepaar 
zunächst mit C.________ und E.________ in Chile; A.________ und 
D.________ lebten dort bei ihrem leiblichen Vater. Nach der Rückkehr des 
Ehemanns in die Schweiz reiste B.________ zusammen mit den beiden bei 
ihr wohnhaften Kindern am 7. August 2014 in die Schweiz ein, wo sie eine 
Aufenthaltsbewilligung im Familiennachzug erhielten. Am 27. Februar 2017 
kam die gemeinsame Tochter F.________ zur Welt. Nachdem sich 
A.________ vom Dezember 2017 bis Februar 2018 erstmals in der 
Schweiz aufgehalten hatte, ersuchte sie am 22. Februar 2018 bei der 
Schweizer Botschaft in Santiago de Chile um ein Visum für den 
langfristigen Aufenthalt zwecks Verbleibs bei ihrer Mutter in der Schweiz; 
seit Februar 2018 lebt sie hier bei ihrer Familie. Mit Verfügung vom 
17. Dezember 2018 wies das Amt für Migration und Personenstand des 
Kantons Bern (MIP; heute: Amt für Bevölkerungsdienste [ABEV]), 
Migrationsdienst (MIDI), das Gesuch um Familiennachzug ab und wies 
A.________ aus der Schweiz weg. Zudem setzte es ihr eine Ausreisefrist.

B.

Hiergegen erhoben B.________ und A.________ am 21. Januar 2019 
Beschwerde bei der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern (POM; 
heute: Sicherheitsdirektion [SID]). Am 31. Mai 2019 wies die POM die 
Beschwerde ab und setzte A.________ eine Ausreisefrist bis zum 12. Juni 
2019.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
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C.

Gegen den Entscheid der POM haben B.________ und A.________ am 
2. Juli 2019 Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragen, der 
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und A.________ sei der Aufenthalt 
zwecks Verbleibs bei ihrer Mutter zu bewilligen. Des Weiteren haben sie 
den Antrag gestellt, A.________ sei während der Dauer des Verfahrens im 
Sinn einer vorsorglichen Massnahme der Aufenthalt in der Schweiz zu 
gestatten. Gleichzeitig haben sie für das verwaltungsgerichtliche Verfahren 
um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin 
als amtliche Anwältin ersucht.

Die POM beantragt mit Vernehmlassung vom 19. Juli 2019 die Abweisung 
der Beschwerde. Zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege hat sie sich 
eines Antrags enthalten. 

Mit Zwischenverfügung vom 24. Juli 2019 hat der Instruktionsrichter das 
Gesuch um Erlass einer vorsorglichen Massnahme gutgeheissen, zumal 
das MIP die Anwesenheit von A.________ geduldet und sich die POM dem 
Antrag nicht widersetzt hat. Er hat das MIP angewiesen, Handlungen zum 
Vollzug der Wegweisung vorläufig zu unterlassen.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig. Die Beschwerdeführerinnen haben am vorinstanz-
lichen Verfahren teilgenommen, sind durch den angefochtenen Entscheid 
besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Auf-
hebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über 

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Form und Frist sind eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf 
die Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Auf den 1. Januar 2019 ist eine Teilrevision des Bundesgesetzes vom 
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (Ausländer-
gesetz, AuG; SR 142.20) in Kraft getreten, die auch den Gesetzestitel und 
die offizielle Abkürzung geändert hat. Der Erlass heisst neu Bundesgesetz 
über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (Aus-
länder- und Integrationsgesetz, AIG). Mit der Teilrevision sind die Anforde-
rungen an den Familiennachzug erhöht worden. Das vorliegende Verfahren 
wurde jedoch vor Inkrafttreten dieser Gesetzesänderung eingeleitet, wes-
wegen das alte Recht (AuG und Verordnung vom 24. Oktober 2007 über 
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201] je in der 
bis zum 31.12.2018 gültigen Fassung [AS 2007 S. 5437 bzw. AS 2007 
S. 5497]) anwendbar bleibt (Art. 126 Abs. 1 AIG analog; vgl. statt vieler 
VGE 2018/378 vom 18.12.2019 E. 4 [zur Publ. bestimmt]).

3.

Strittig ist, ob die Vorinstanz den Nachzug der Beschwerdeführerin 1 zu 
Recht verweigert hat. Für den vorliegenden Fall sind folgende rechtliche 
Grundlagen massgebend:

3.1 Gemäss Art. 44 des hier noch anwendbaren AuG (vgl. E. 2 hiervor) 
kann ausländischen Ehegattinnen und -gatten und ledigen Kindern unter 18 
Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung eine Aufenthalts-
bewilligung erteilt werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen, eine be-
darfsgerechte Wohnung vorhanden ist und sie nicht auf Sozialhilfe an-
gewiesen sind. Diese Bestimmung vermittelt für sich genommen keinen 
Rechtsanspruch auf Familiennachzug. Vielmehr bleibt die Bewilligungs-

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erteilung – auch wenn die diesbezüglichen Voraussetzungen erfüllt sind – 
im fremdenpolizeilichen Ermessen (BGE 139 I 330 E. 1.2, 137 I 284 
E. 1.2). Der ausländische Elternteil kann sich für den Familiennachzug 
allerdings auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 der Europäischen 
Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) und Art. 13 Abs. 1 der Bun-
desverfassung (BV; SR 101) berufen, wenn er über ein gefestigtes An-
wesenheitsrecht verfügt und die familiären Beziehungen tatsächlich gelebt 
werden (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1 mit zahlreichen Hinweisen). Wie die Vor-
instanz zutreffend festgehalten hat, sind diese Voraussetzungen hier erfüllt. 
Insbesondere ist das Anwesenheitsrecht der Beschwerdeführerin 2 ge-
festigt, verfügt sie als Ehefrau eines Schweizer Bürgers doch über einen 
Aufenthaltsanspruch in der Schweiz (vgl. angefochtener Entscheid E. 4c). 
Ob auch die Beziehung der Beschwerdeführerin 1 zum Stiefvater ein Recht 
auf Familiennachzug begründen könnte (vgl. Beschwerde S. 5 f.), spielt bei 
dieser Ausgangslage keine Rolle. Die Beschwerdeführerinnen machen 
nicht geltend, daraus sei ein über Art. 8 EMRK hinausgehender Rechts-
anspruch auf Anwesenheit abzuleiten. Nicht zielführend ist der Hinweis auf 
die sog. Inländerdiskriminierung, die sich beim Familiennachzug von Dritt-
staatsangehörigen durch Schweizer Bürgerinnen und Bürger ergibt im Ver-
gleich zum Nachzug durch Freizügigkeitsberechtigte. Das Bundesgericht 
hat eine richterliche Korrektur der Schlechterstellung wiederholt abgelehnt 
(vgl. BGE 136 II 120 E. 3.5; BGer 2C_323/2018 vom 21.9.2018 E. 5; unter 
Anwendung des AIG etwa BGer 2C_836/2019 vom 18.3.2020 E. 2 mit Hin-
weisen). Es besteht kein Anlass, von der insoweit gefestigten Recht-
sprechung abzuweichen, zumal sich die Beschwerdeführerinnen nicht 
näher mit der Frage auseinandersetzen.

3.2 Der Familiennachzug setzt zusätzlich zu den in Art. 44 AuG ge-
nannten Erfordernissen voraus, dass der Nachzug innerhalb von zwölf Mo-
naten geltend gemacht wird (Kinder über zwölf Jahre; Art. 47 Abs. 1 und 3 
AuG sowie Art. 73 Abs. 1 VZAE), kein Rechtsmissbrauch und keine Wider-
rufsgründe nach Art. 62 AuG gegeben sind, der nachziehende Elternteil 
das Sorgerecht hat und das Kindeswohl dem Nachzug nicht entgegensteht. 
Ein Nachzug ausserhalb der erwähnten Frist wird nur bewilligt, wenn 
wichtige familiäre Gründe geltend gemacht werden (sog. nachträglicher 
Familiennachzug; Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG und Art. 73 Abs. 3 VZAE; vgl. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
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zum Ganzen BGE 137 I 284 E. 2.7, 136 II 78 E. 4.7 f. [Pra 99/2010 Nr. 70]). 
Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, ist die Verweigerung des Fami-
liennachzugs grundsätzlich mit Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV ver-
einbar (vgl. etwa BGE 139 I 330 E. 2 mit Hinweisen). Den Fristen in Art. 47 
AuG kommt (auch) die Funktion zu, den Zuzug von ausländischen Per-
sonen zu steuern. Hierbei handelt es sich praxisgemäss um ein legitimes 
staatliches Interesse, um das Recht auf Familienleben im Sinn von Art. 8 
Ziff. 2 EMRK beschränken zu können (BGer 2C_207/2017 vom 2.11.2017 
E. 5.2.2, 2C_1/2017 vom 22.5.2017 E. 4.1.2, u.a. mit Hinweis auf 
BGE 137 I 284 E. 2.1). Aus dem Übereinkommen vom 20. November 1989 
über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) er-
geben sich keine weitergehenden Bewilligungsansprüche (BGE 143 I 21 
E. 5.5.2).

3.3 Die Beschwerdeführerinnen anerkennen, dass die Frist von Art. 47 
Abs. 1 AuG mit dem Gesuch vom 22. Februar 2018 (Akten MIDI 3B 
pag. 1 ff.) nicht eingehalten ist und deshalb ein nachträglicher Familien-
nachzug zur Diskussion steht (Beschwerde S. 6). Wie die Vorinstanz zu-
treffend festgehalten hat (E. 4d), ist insoweit unerheblich, dass es der 
Mutter nur deshalb nicht möglich gewesen sein soll, ihre Tochter vor Ablauf 
der Frist nachzuziehen, weil der Vater die Übertragung des Sorgerechts 
verweigert habe (vgl. Beschwerde S. 7; dazu BGer 2C_917/2019 vom 
25.3.2020 E. 4.4.2 mit Hinweisen; ferner hinten E. 4.5). Die Beschwerde-
führerinnen sind der Ansicht, die Vorinstanz habe zu Unrecht das Vorliegen 
wichtiger familiärer Gründe verneint und dabei auch den Vorgaben der 
EMRK und KRK nicht gebührend Rechnung getragen (vgl. Beschwerde 
S. 5 ff. und 8).

3.4 Wichtige familiäre Gründe für die Bewilligung des nachträglichen 
Nachzugs nach Art. 47 Abs. 4 AuG liegen vor, wenn das Kindeswohl nur 
durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann (Art. 75 VZAE). 
Entgegen dem Wortlaut dieser Verordnungsbestimmung ist nach der 
Rechtsprechung jedoch nicht ausschliesslich auf das Kindeswohl ab-
zustellen; es bedarf vielmehr der Würdigung aller erheblichen Umstände im 
Einzelfall. Dabei ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dem 
vom Gesetzgeber beabsichtigten Zweck der Fristenregelung Rechnung zu 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
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tragen, welche die Integration der Kinder erleichtern will, indem diese durch 
einen frühzeitigen Nachzug unter anderem auch eine möglichst um-
fassende Schulbildung in der Schweiz geniessen sollen (vgl. 
BGer 2C_634/2017 vom 14.8.2018 E. 3.4.2, 2C_38/2017 vom 23.6.2017 
E. 4.2; zu den im Einzelfall zu berücksichtigenden Elementen vgl. etwa 
BGer 2C_132/2016 vom 7.7.2016 E. 2.3.3). Zudem geht es darum, Nach-
zugsgesuchen entgegenzuwirken, die erst kurz vor Erreichen des erwerbs-
fähigen Alters gestellt werden, wobei die erleichterte Zulassung zur Er-
werbstätigkeit und nicht (mehr) die Bildung einer echten Familiengemein-
schaft im Vordergrund steht. Die Bewilligung des Nachzugs nach Ablauf 
der Frist muss nach dem Willen des Gesetzgebers die Ausnahme bleiben; 
dabei ist Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG aber so zu handhaben, dass der An-
spruch auf Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 
Abs. 1 BV im Rahmen der erforderlichen Interessenabwägung gewahrt 
bleibt (vgl. etwa BGer 2C_802/2017 vom 10.6.2018 E. 4.1, 2C_1/2017 vom 
22.5.2017 E. 4.1.3, je mit weiteren Hinweisen). Im Einzelfall ist sorgfältig zu 
prüfen, ob dem Kindeswohl durch eine Kontinuität der bisherigen Be-
treuung oder durch einen Umzug in die (unvertraute) neue Umgebung 
besser entsprochen werden kann (BGer 2C_182/2016 vom 11.11.2016 
E. 2.2, u.a. mit Hinweis auf BGer 2C_303/2014 vom 20.2.2015 E. 6.1). Ein 
wichtiger Grund liegt etwa vor, wenn die weiterhin notwendige Betreuung 
der Kinder im Herkunftsland beispielsweise wegen des Todes oder der 
Krankheit der betreuenden Person nicht mehr gewährleistet ist. Praxis-
gemäss liegen indes keine wichtigen familiären Gründe vor, wenn im 
Heimatland alternative Pflegemöglichkeiten bestehen, die dem Kindeswohl 
besser entsprechen, weil dadurch vermieden werden kann, dass die Kinder 
aus ihrer bisherigen Umgebung und dem ihnen vertrauten Beziehungsnetz 
gerissen werden (vgl. BGer 2C_550/2018 vom 21.12.2018 E. 2.2, 
2C_591/2017 vom 16.4.2018 E. 2.2.2; zum Ganzen VGE 2019/57 vom 
25.6.2019 E. 4.3).

3.5 Zu prüfen ist somit, ob bzw. inwieweit eine Änderung der Be-
treuungs- und Erziehungsmöglichkeiten eingetreten ist, die eine Über-
siedlung der Beschwerdeführerin 1 in die Schweiz notwendig erscheinen 
lässt, und keine alternativen Betreuungsmöglichkeiten bestehen, die ihren 
Bedürfnissen besser entsprechen als ein Umzug in die Schweiz (vgl. zum 

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Prüfprogramm auch VGE 2017/137 vom 2.2.2018 E. 3.5). Es obliegt im 
Rahmen der prozessualen Mitwirkungspflicht der nachzugswilligen Person, 
die entsprechenden Umstände nicht nur zu behaupten, sondern auch zu 
belegen (vgl. Art. 20 Abs. 3 VRPG i.V.m. Art. 90 AuG; BGer 2C_1154/2016 
vom 25.8.2017 E. 3.1, 2C_1/2017 vom 22.5.2017 E. 4.1.4). An den Nach-
weis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland stellt die Recht-
sprechung umso höhere Anforderungen, je älter das nachzuziehende Kind 
ist und je grösser die Integrationsschwierigkeiten erscheinen, die ihm hier 
drohen (BGE 137 I 284 E. 2.2; BGer 2C_550/2018 vom 21.12.2018 E. 2.2, 
2C_340/2017 vom 15.6.2018 E. 2.3). Dabei geht es inhaltlich nicht darum, 
dass alternative Betreuungsmöglichkeiten im Heimatland überhaupt fehlen. 
Es ist nach der Rechtsprechung mit Art. 8 EMRK nicht vereinbar, einen Fa-
miliennachzug erst dann zuzulassen, wenn keine einzige andere Alter-
native zur Betreuung des Kindes in seinem Heimatland zur Verfügung 
steht. Eine solche Alternative muss aber dann ernsthaft in Betracht ge-
zogen und sorgfältig geprüft werden, wenn das Kind bereits älter ist, sich 
seine Integration schwieriger gestalten dürfte und die zum in der Schweiz 
lebenden Elternteil aufgenommene Beziehung noch nicht allzu eng er-
scheint (BGer 2C_591/2017 vom 16.4.2018 E. 2.2.2, 2C_467/2016 vom 
13.2.2017 E. 3.1.3, je mit Hinweis auf BGE 133 II 6 E. 3.1.2 [Pra 96/2007 
Nr. 124]; zum Ganzen VGE 2019/57 vom 25.6.2019 E. 4.4).

4.

Zu klären ist, ob im Fall der Beschwerdeführerin 1 wichtige familiäre 
Gründe für die Bewilligung des nachträglichen Familiennachzugs vorliegen.

4.1 Die Beschwerdeführerin 1 (geb. ... 2004) lebte nach der Trennung 
ihrer Eltern im April 2007 bei ihrem leiblichen Vater in Chile, der damals 
das alleinige Sorgerecht für sie innehatte; im Juli 2007 reiste ihre Mutter 
offenbar aus beruflichen Gründen nach Neuseeland, worauf fortan auch 
der jüngere Bruder D.________ (Jg. 2005) beim Vater lebte (vgl. 
Beschwerde S. 3; Akten MIDI 3C pag. 17; Akten MIDI 3B pag. 32; 
Beschwerdebeilage [BB] 4; unbestrittene Ausführungen POM in E. 6a). Die 
Beschwerdeführerinnen machen im Wesentlichen geltend, A.________ 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
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habe im Heimatland von ihrem Vater, der unter einer schweren 
Hautkrankheit leide, keine adäquate Betreuung (mehr) erfahren; sie sei im 
väterlichen Haushalt ausserdem einem gewaltgeprägten Umfeld aus-
gesetzt. Demgegenüber fühle sie sich bei ihrer Mutter und deren Familie in 
der Schweiz sehr wohl; sie wünsche sich nichts sehnlicher, als in ihrem 
aktuellen familiären Umfeld verbleiben zu können. Schliesslich habe sie 
sich hier in der Schweiz erfolgreich integriert und würden auch gesundheit-
liche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen.

4.2 Dem ins Recht gelegten Arztbericht vom 25. Juli 2018 lässt sich ent-
nehmen, dass der Vater der Beschwerdeführerin 1 seit 1998 an der Haut-
krankheit Psoriasis erythrodermica leidet (Schuppenflechte auf einem 
Grossteil der Haut mit entzündlichen Veränderungen) und deswegen in Be-
handlung ist (Akten MIDI 3B pag. 84 f.). Inwieweit die Krankheit seine Be-
treuungsfähigkeit beeinträchtigt, ist aus dem Bericht jedoch nicht ersicht-
lich. Eine solche Schlussfolgerung ergibt sich auch nicht anderweitig: Der 
Vater stellt sich mit Schreiben vom 13. Januar 2019 (BB 7) zwar auf den 
Standpunkt, 2017 sei für ihn in gesundheitlicher Hinsicht ein besonders 
schwieriges Jahr gewesen. Er habe viele schmerzhafte Wunden, wobei 
auch die Gelenke betroffen seien. Aufgrund der Krankheit sei sein «Stress-
niveau» angestiegen, was zu vielen Problemen mit seiner Tochter geführt 
habe. Seine Überforderung führt er allerdings selber darauf zurück, dass 
«seine Tochter nur zu ihrer Mutter» gewollt habe (vgl. S. 2 des Schreibens 
bzw. S. 1 der Übersetzung; Beschwerde S. 4). Daraus lässt sich mit der 
POM nicht ableiten, der Vater sei wegen seiner Krankheit nicht fähig, seine 
Tochter weiterhin zu betreuen. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten 
hat, sieht sich der Vater selber ausdrücklich in der Lage, den jüngeren 
Bruder von A.________ mit Hilfe der im gleichen Haushalt wohnenden 
Grosseltern weiterhin zu betreuen (vgl. S. 2 des erwähnten Schreibens 
bzw. S. S. 1 der Übersetzung). Auch dieser Umstand lässt an der be-
haupteten Betreuungsunfähigkeit erhebliche Zweifel aufkommen, zumal der 
Bruder unbestritten im väterlichen Haushalt verbleiben wird; ein Familien-
nachzug ist für ihn derzeit ausdrücklich nicht vorgesehen (Akten MIDI 3B 
pag. 35). Nichts anderes ergibt sich in diesem Zusammenhang schliesslich 
angesichts der Vorbringen der Beschwerdeführerin 1 selber: Danach 
konnte der Vater aufgrund der Hautverletzungen nicht gut schlafen; ausser-

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dem hätten sich die Medikamente nachteilig ausgewirkt und ihn irritiert (vgl. 
Schreiben vom 14.1.2019, BB 8). Sie führt insoweit einzig näher aus, der 
Vater sei wütend geworden, wenn sie sich nicht zu hundert Prozent an die 
Regeln gehalten habe (vgl. auch Beschwerde S. 4). Darin ist mit der Vor-
instanz keine unzureichende Betreuung der Beschwerdeführerin 1 auf-
grund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Vaters zu erblicken.

4.3 Die Beschwerdeführerinnen kritisieren, die Vorinstanz habe bei der 
Beurteilung der weiteren Umstände fälschlicherweise auf die Verhältnisse 
im Zeitpunkt des Beschwerdeentscheids abgestellt statt auf denjenigen der 
Gesuchseinreichung (Beschwerde S. 8 f.). – Es trifft zu, dass für den An-
spruch auf Familiennachzug nach Art. 42 ff. AuG grundsätzlich das Alter 
des Kindes im Zeitpunkt des Nachzugsgesuchs massgebend ist 
(BGE 136 II 497 E. 3.4 ff. [Pra 100/2011 Nr. 50]), dies im Unterschied zum 
Anwesenheitsanspruch, der aus Art. 8 EMRK abgeleitet wird (Zeitpunkt der 
Entscheidfindung; vgl. zum Ganzen BGE 145 I 227 [Bestätigung der Praxis; 
Pra 109/2020 Nr. 11]). Die Frage, ob die Bewilligungsvoraussetzungen 
nach dem nationalen Ausländerrecht erfüllt sind, beurteilt sich jedoch ent-
gegen den Ausführungen der Beschwerdeführerinnen nicht allein nach den 
Gegebenheiten im Gesuchszeitpunkt. Zu berücksichtigen sind vielmehr 
auch die Umstände, die sich bis zum Entscheidzeitpunkt ergeben. Das gilt 
namentlich für die Frage, inwiefern wichtige familiäre Gründe (insb. 
Kindeswohl) für einen nachträglichen Familiennachzug sprechen (vgl. 
BGer 2C_73/2016 vom 26.9.2016 E. 3.4).

4.4 Die Beschwerdeführerin 1 war im Gesuchszeitpunkt (22.2.2018) 
noch nicht ganz 14 Jahre alt. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, 
dass sie bereits früh Verantwortung übernommen hat, etwa bei der Unter-
stützung des Vaters, der Betreuung des jüngeren Bruders und im Haushalt 
(angefochtener Entscheid E. 6c). Das anerkennen die Beschwerde-
führerinnen letztlich ebenfalls, auch wenn sie die Lebensumstände in Chile 
unter dem Gesichtswinkel des Kindeswohls kritisieren (vgl. dazu hinten 
E. 4.6). Die Vorinstanz weist sodann zutreffend darauf hin, dass 
A.________ im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids bereits über 15-
jährig war (E. 6d); mittlerweile ist sie 16 Jahre alt. In diesem Alter ist der 
Ablösungsprozess der Kinder vom Elternhaus regelmässig weit fort-

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geschritten. Jugendliche in diesem Alter sind in der Lage, tägliche Ver-
richtungen selbständig wahrzunehmen. Eine gewisse Betreuung nament-
lich in schwierigen Lebenssituationen erscheint zwar weiterhin nötig, jedoch 
kann auf die punktuelle Unterstützung von Vertrauenspersonen – auch 
ausserhalb der engeren Familie – zurückgegriffen werden (vgl. 
BGer 2D_5/2013 vom 22.10.2013 E. 5.3, 2C_578/2012 vom 22.2.2013 
E. 5.3, 2C_174/2012 vom 22.10.2012 E. 4.2, 2C_305/2012 vom 1.10.2012 
E. 4.2; VGE 2019/57 vom 25.6.2019 E. 5.4). Es liegen keine Anhaltspunkte 
vor, dass A.________ nicht ein ihrem Alter entsprechendes hohes Mass an 
Eigenständigkeit erreicht hat. Auch vor diesem Hintergrund ist nicht erkenn-
bar, weshalb es dem Vater unmöglich sein soll, eine dem Alter seiner 
Tochter entsprechende punktuelle Betreuung zu übernehmen. Dasselbe 
gilt für die unbestrittenermassen in die Kinderbetreuung einbezogenen 
Grosseltern. Diese leiden zwar offenbar an altersbedingten Krankheiten 
und sollen teilweise körperlich behindert sein (vgl. Beschwerde S. 4; Akten 
MIDI 3B pag. 83); der Vater bezeichnete sie aber noch im Januar 2019 
selber als «grosse Hilfe» (vgl. dessen Schreiben 13.1.2019 S. 2 bzw. S. 1 
der Übersetzung, BB 7).

4.5 Was das geltend gemachte gewalttätige Umfeld im väterlichen 
Haushalt anbelangt, ist die Beschwerdeführerin 1 nach der Darstellung in 
der Beschwerdeschrift von ihrem Vater beschimpft und angeschrien 
worden; er habe ihr ausserdem damit gedroht, sie müsse arbeiten gehen, 
sollten die Leistungen in der Schule nachlassen (vgl. Beschwerde S. 4). 
Nähere Substanziierungen lassen die Ausführungen allerdings auch in 
diesem Zusammenhang vermissen; ergänzend wird nur angeführt, der 
Grossvater habe den Vater stets verteidigt und seine Enkelin geschlagen. 
Einmal habe A.________ grosse Angst gehabt und sich im Zimmer einge-
sperrt, worauf der Grossvater die Zimmertür zerstört habe, um seine 
Enkelin zu schlagen; später habe er die Beschwerdeführerin 1 vom Fahrrad 
gerissen, damit diese nicht die Polizei rufe. Die Beschwerdeführerinnen er-
wähnen aber mit keinem Wort, wann und unter welchen Umständen sich 
dieser Vorfall abgespielt und inwiefern es sich nicht um einen Einzelfall ge-
handelt haben soll. Konkrete Anhaltspunkte, dass die Beschwerde-
führerin 1 entsprechenden Übergriffen ausgesetzt gewesen wäre, ergeben 
sich denn auch nicht anderweitig. Wie die POM zutreffend erwogen hat 

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(E. 6c), wurde im Gegenteil noch im März 2018 als Grund für den Familien-
nachzug ausschliesslich die Krankheit des Vaters genannt. Im August 2018 
stand zwar erstmals zur Diskussion, die Tochter sei oftmals «verbal und 
körperlich nicht gut behandelt» worden (vgl. Akten MIDI 3B pag. 31 ff. und 
82). Das angeblich gewalttätige Umfeld im Heimatland rückte aber, wie die 
POM zutreffend festgehalten hat, erst im Lauf des Beschwerdeverfahrens 
zunehmend ins Zentrum; insoweit ist mit der Vorinstanz eine gewisse 
«Dramatisierung» nicht von der Hand zu weisen. Weiter will die Mutter 
nach eigenen Angaben bereits in den Jahren 2014 und 2016 festgestellt 
haben, dass es der Tochter bei deren Vater nicht besonders gut gehe bzw. 
der Vater bei der Kinderbetreuung Mühe habe (Beschwerde S. 3). Sie hat 
daraufhin aber – abgesehen von erfolglosen Bemühungen um die Zuteilung 
des alleinigen Sorgerechts (vgl. Beschwerde S. 3 und 6 f.) – offenbar nichts 
unternommen, um ihrer Tochter zu helfen; sie folgte im Gegenteil im Jahr 
2014 ihrem Ehemann in die Schweiz und liess ihre Tochter beim Kindes-
vater in Chile zurück. Ein Nachzug der Tochter war zu jenem Zeitpunkt 
nicht geplant (vgl. Akten MIDI 3C pag. 17). Obschon sie (auch) bei ihrem 
Besuch Anfang 2016 festgestellt habe, dass ihre Tochter vernachlässigt 
werde, reiste die Mutter erst im Verlauf des Jahres 2017 wieder nach Chile. 
Dieses Verhalten durfte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin 2 ent-
gegenhalten, auch wenn die drei anderen Kinder in der Schweiz ebenfalls 
auf sie angewiesen sind (vgl. Beschwerde S. 7). Dass sich die Mutter nur 
deshalb nicht stärker für ihre Tochter eingesetzt habe, weil durch eine 
polizeiliche Meldung «viel zu grosse Konsequenzen» für das Kind ent-
standen wären (vgl. Beschwerde S. 7), erscheint jedenfalls bei Auftreten 
tatsächlicher psychischer und physischer Gewalt im väterlichen Haushalt 
nicht nachvollziehbar. Weshalb die Sorgerechtsklage vom 8. Mai 2016 
(BB 4) erfolglos war, legt die Beschwerdeführerin 2 schliesslich nicht dar.

4.6 Ein kindeswohlgefährdendes Umfeld ergibt sich sodann auch nicht 
aus den weiteren Umständen und Unannehmlichkeiten, welche die Be-
schwerdeführerinnen schildern: Danach musste A.________ eine Mutter-
rolle einnehmen und ihren Bruder vollumfänglich anstelle des Vaters be-
treuen, mit ihrem Bruder und dem Vater ein Zimmer teilen und Letzterem, 
was sie nicht gern gemacht habe, eine Hautcreme auftragen. Sie sei «als 
junge Haushälterin gehalten» worden (vgl. Beschwerde S. 8 und 4). Diese 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
Seite 13

Vorbringen bleiben unbelegt. Wohl mag zutreffen, dass A.________ in 
einem patriarchalisch geprägten Haushalt gelebt und deshalb, insbeson-
dere auch im Vergleich zum jüngeren Bruder, gewisse Benachteiligungen 
erfahren hat. Es ist aber nicht aussergewöhnlich, dass Geschwister für ihre 
jüngeren Brüder und Schwestern eine gewisse Verantwortung über-
nehmen, sich verschiedene Familienmitglieder zusammen ein Zimmer 
teilen und innerhalb einer Familie gegenseitig auch unangenehme Gefällig-
keiten anfallen (vgl. angefochtener Entscheid E. 6c). Gegen eine ernsthafte 
kindeswohlgefährdende Umgebung spricht schliesslich, dass A.________ 
im Februar 2019 Ferien bei ihrer Familie in Chile verbracht hat (Akten POM 
pag. 25). Eine massgebliche Änderung der Betreuungssituation, welche 
eine Übersiedelung der Beschwerdeführerin 1 in die Schweiz erfordern 
würde, ist damit mit der Vorinstanz auch aus diesen Gründen zu verneinen. 
Dass die familiären, wohnlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Chile 
nicht mit dem Schweizer Standard vergleichbar sind, dürfte anzunehmen 
sein. Dieser Umstand begründet jedoch keinen wichtigen Grund im Sinn 
von Art. 47 Abs. 4 AuG.

4.7 Zu keinem anderen Ergebnis führt schliesslich der Gesundheits-
zustand der Beschwerdeführerin 1 selber: Gemäss Arztbericht vom 
16. April 2019 (BB 14) war sie nach rund acht Monaten Aufenthalt in der 
Schweiz erstmals wegen Adipositas und Prädiabetes in einer ärztlichen 
Sprechstunde; zudem ist sie offenbar bei der Erziehungsberatung an-
gemeldet (BB 13). Seit ihrer Einreise in der Schweiz habe sie über elf Kilo-
gramm Körpergewicht verloren, da sie hier – anders als in Chile – auf ihre 
Ernährung achte und sich regelmässig bewege (vgl. Beschwerde S. 11). 
Aus gesundheitlicher Sicht ist zwar erstrebenswert, dass A.________ ihr 
Gewicht weiter reduziert, um Spätfolgen des Übergewichts zu vermeiden, 
insbesondere die Entwicklung eines Diabetes mellitus. Es ist jedoch nicht 
ersichtlich, weshalb eine solche Gewichtsreduktion bzw. -kontrolle nur in 
der Schweiz möglich sein soll. Die Beschwerdeführerin 1 dürfte im Gegen-
teil inzwischen hinsichtlich Ernährung ein Gesundheitsbewusstsein ent-
wickelt haben, welches ihr auch ausserhalb ihres aktuellen Umfelds in der 
Schweiz ermöglicht, auf ihr Gewicht zu achten. Dass sie in Chile zu einer 
solchen Gewichtskontrolle vor allem wegen ihres psychischen Zustands 
bzw. den dortigen familiären Verhältnissen nicht in der Lage sein soll und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
Seite 14

ihr Vater sie dort zum Essen dränge (Beschwerde S. 11), ist nicht erstellt. 
Auch wenn die Beschwerdeführerin 1 in Chile während eines Ferien-
aufenthalts erneut an Gewicht zugelegt haben soll, sind die Ursachen für 
das Übergewicht unklar und es kann jedenfalls nicht geschlossen werden, 
dass das Übergewicht auf eine unzureichende Betreuung durch den Vater 
bzw. die Grosseltern zurückzuführen wäre; abgesehen davon ist die Be-
schwerdeführerin 1 gemeinsam mit ihrer Mutter nach Chile gereist. Wie die 
POM zutreffend festgehalten hat (E. 6e), steht es der Beschwerdeführerin 1 
abgesehen davon frei, auch im Heimatland – gegebenenfalls mit finan-
zieller Unterstützung ihrer Mutter – professionelle Hilfe in Anspruch zu 
nehmen (vgl. zur bisherigen finanziellen Unterstützung Akten MIDI 3B 
pag. 82). Es ist weder geltend gemacht noch ersichtlich, dass eine ent-
sprechende Behandlung in Chile nicht erhältlich wäre.

4.8 Nach dem Gesagten lässt sich mit der POM nicht auf fehlende Be-
treuungsmöglichkeiten bzw. eine massgebliche Änderung in der Be-
treuungssituation schliessen. Auch wenn es A.________ in der Schweiz 
nach eigener Darstellung besser geht als im Heimatland und sie sich bei 
ihrer hier wohnhaften Familie sehr wohl fühlt (vgl. Beschwerde S. 4, 7 und 
9), kann das Kindeswohl damit nicht vorrangig durch eine Übersiedelung in 
die Schweiz gewahrt werden, wie es für die Bewilligung des nachträglichen 
Familiennachzugs vorausgesetzt wird. Die Beschwerdeführerin 1 ist schon 
älter und hat über viele Jahre nicht mit ihrer Mutter zusammengelebt. Wie 
bisher kann die Unterstützung durch diesen Elternteil auch von der 
Schweiz aus geleistet werden. Die POM weist im Übrigen zu Recht darauf 
hin, dass sogar eine bezahlte Betreuung für A.________ zumutbar wäre. 
Den Kontakt mit den bisherigen Bezugspersonen könnte die Beschwerde-
führerin 1 auch in diesem Rahmen weiterhin pflegen (vgl. angefochtener 
Entscheid E. 6d; dazu etwa BGer 2C_578/2012 vom 22.2.2013 E. 5.3; 
VGE 2016/159 vom 4.4.2017 E. 3.4). Mit diesem Argument der POM 
setzen sich die Beschwerdeführerinnen mit keinem Wort auseinander und 
sie bestreiten nicht, dass alternative Betreuungsmöglichkeiten denkbar 
wären, sie sich aber nicht darum bemüht haben (vgl. Beschwerde S. 7 f.). 
Dass die Beschwerdeführerin 1 hier in der Schweiz eine Regelklasse be-
sucht und ihr die Integration in der Schule laut Bestätigung der Schulleitung 
«vollständig gelungen» ist (Beschwerde S. 3 und 9 f.; BB 6), führt zu 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
Seite 15

keinem anderen Ergebnis. Es wirft im Übrigen durchaus Fragen auf, dass 
die Beschwerdeführerin 1 ihr Schreiben vom 14. Januar 2019 (BB 8) in 
Spanisch verfasst hat, waren ihr doch bereits im November 2018 von der 
Schulleitung «stetig besser werdende Deutschkenntnisse» attestiert 
worden (BB 6). Insgesamt ist zumindest offen, ob sie sich auch längerfristig 
in die hiesigen Verhältnisse einzugliedern vermag; der Aufenthalt seit Fe-
bruar 2018 wird von den Behörden bloss geduldet bzw. ist prozessual be-
dingt, nicht aber bewilligt. Die Ausführungen der POM sind entgegen der 
Auffassung der Beschwerdeführerinnen auch in dieser Hinsicht nicht zu be-
anstanden (Beschwerde S. 10).

5.

Zusammenfassend ergibt sich Folgendes: Der Wunsch der Beschwerde-
führerinnen, A.________ in die Schweiz nachzuziehen und in die hiesige 
Familiengemeinschaft aufzunehmen, ist verständlich. Die Beschwerde-
führerinnen können aber keine Umstände namhaft machen, die einen 
Nachzug erforderlich erscheinen lassen. Es sind keine wesentlichen Ver-
änderungen in der Betreuungssituation der Beschwerdeführerin 1 ein-
getreten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass eine altersgerechte Be-
treuung von A.________ in ihrer Heimat gewährleistet ist, vorab durch 
ihren leiblichen Vater bzw. die Grosseltern, allenfalls unter Beizug weiterer 
Personen. Weiter liegen auch sonst keine wichtigen Gründe im Sinn des 
nachträglichen Familiennachzugs vor; A.________ befindet sich in ihrem 
Heimatland insbesondere nicht in einer kindeswohlgefährdenden Um-
gebung und es liegen auch in medizinischer Hinsicht keine zwingenden 
Gründe für eine Übersiedelung in die Schweiz vor. Die heute 16-jährige 
A.________ hat beinahe ihr gesamtes Leben in Chile verbracht und bis Fe-
bruar 2018 nur besuchsweise Kontakt mit ihrer Mutter gehabt. Auch wenn 
sie sich hier bei ihrer Familie in der Schweiz nach eigenen Angaben sehr 
wohl fühlt und ihr im Rahmen des bisherigen (unbewilligten) Aufenthalts in 
der Schweiz eine gewisse Integration gelungen ist, kann das Kindeswohl 
damit jedenfalls nicht vorrangig durch eine Übersiedelung von A.________ 
in die Schweiz gewahrt werden. Unter Berücksichtigung der verschiedenen 
Interessen (namentlich auch des Kindeswohls) ergibt sich somit, dass die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
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Vorinstanz zu Recht das Vorliegen wichtiger Gründe im Sinn von Art. 47 
Abs. 4 AuG verneint hat. Vor diesem Hintergrund erweist sich der 
angefochtene Entscheid auch im Licht von Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 
BV sowie der KRK als rechtmässig (vgl. vorne E. 3.2).

6.

Damit erweist sich die Beschwerde insgesamt als unbegründet und ist ab-
zuweisen. Wie bereits die POM festgehalten hat, ist mit der Nichterteilung 
der Aufenthaltsbewilligung als gesetzliche Folge die Wegweisung ver-
bunden (Art. 64 Abs. 1 Bst. c AuG; angefochtener Entscheid E. 8b). Voll-
zugshindernisse im Sinn von Art. 83 AuG bzw. AIG sind keine ersichtlich. 
Da die vorinstanzlich angesetzte Ausreisefrist abgelaufen ist, ist praxis-
gemäss eine neue festzulegen. Mit Rücksicht auf das laufende Schuljahr ist 
diese Frist ausnahmsweise grosszügig zu bemessen. Sie trägt auch der 
gegenwärtigen ausserordentliche Lage aufgrund des Coronavirus aus-
reichend Rechnung. Sollte die Ausreise bis zum 19. Juli 2020 aufgrund von 
Reisebeschränkungen nicht möglich sein, ist es Sache der Migrations-
behörde, eine neue Frist anzusetzen.

7.

7.1 Bei diesem Verfahrensausgang werden die unterliegenden Be-
schwerdeführerinnen an sich kostenpflichtig; Anspruch auf Parteikosten-
ersatz haben sie nicht (Art. 108 Abs. 1 und 3 VPRG). Sie haben aber um 
unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als 
amtliche Anwältin ersucht.

7.2 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Verfahrenskosten, wenn sie ihre Prozessbedürftigkeit nachweist und 
das Verfahren nicht von vornherein aussichtslos ist (Art. 111 Abs. 1 VRPG; 
vgl. auch Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. De-
zember 2008 [Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272]). Unter den gleichen 
Voraussetzungen kann einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt bei-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.05.2020, Nr. 100.2019.222U, 
Seite 17

geordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es 
rechtfertigen (Art. 111 Abs. 2 VRPG).

7.3 Ein Prozess ist nicht aussichtslos, wenn berechtigte Hoffnung be-
steht, ihn zu gewinnen, das heisst wenn Gewinnaussichten und Verlust-
gefahren sich ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind 
als diese. Als aussichtslos sind Prozessbegehren anzusehen, bei denen 
die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren 
und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Massgebend 
ist dabei, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei ver-
nünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen oder aber davon ab-
sehen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung 
und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb austragen können, weil er sie 
nichts kostet (BVR 2019 S. 128 E. 4.1; BGE 142 III 138 E. 5.1).

7.4 Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde muss in der Sache als von 
vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Die POM hat im ange-
fochtenen Entscheid die massgebliche Praxis zutreffend wiedergegeben 
und ausführlich begründet, weshalb die aufenthaltsverweigernde Mass-
nahme rechtmässig ist. Dies darf bei der Beurteilung der unentgeltlichen 
Rechtspflege im oberinstanzlichen Rechtsmittelverfahren berücksichtigt 
werden (vgl. BVR 2015 S. 487 E. 7.2 mit Hinweisen). Die Beschwerde-
führerinnen bringen dagegen im Verfahren vor Verwaltungsgericht nichts 
wesentlich Neues vor. Die geltend gemachte Betreuungsunfähigkeit des 
Vaters und das kindeswohlgefährdende Umfeld im Heimatland bleiben 
auch im verwaltungsgerichtlichen Verfahren weitgehend unbelegt, obwohl 
den (anwaltlich vertretenen) Beschwerdeführerinnen spätestens seit dem 
angefochtenen Entscheid bewusst sein musste, dass es an ihnen wäre, 
wichtige Gründe für den Familiennachzug konkret darzutun und sach-
dienlich zu belegen. Die Beschwerdeführerinnen haben sich zudem un-
bestrittenermassen nicht ernsthaft um alternative Betreuungsmöglichkeiten 
im Heimatland bemüht, die angesichts des jugendlichen Alters von 
A.________, der damit verbundenen Selbständigkeit und der weiteren 
Umstände zumutbar wären. Bei dieser Sachlage kann nicht gesagt werden, 
dass sich zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung im ver-
waltungsgerichtlichen Verfahren die Gewinn- und Verlustaussichten un-

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gefähr die Waage hielten bzw. jene nur geringfügig kleiner waren als diese. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist somit abzuweisen, ohne 
dass die Prozessarmut zu prüfen wäre.

7.5 Da über das Gesuch erst im Endentscheid befunden wird und die 
Beschwerdeführerinnen deshalb keine Gelegenheit hatten, ihr Rechtsmittel 
nach Abweisung dieses Begehrens zurückzuziehen und damit Kosten zu 
sparen, sind diese praxisgemäss bloss im Rahmen der üblichen Ab-
schreibungsgebühren zu erheben (BVR 2014 S. 437 E. 7.9).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Der Beschwerdeführerin 1 wird eine 
neue Ausreisefrist gesetzt auf den 19. Juli 2020.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung der 
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerinnen als amtliche Anwältin wird 
abgewiesen.

3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine reduzierte Pauschalgebühr von Fr. 500.--, werden den Be-
schwerdeführerinnen auferlegt.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

5. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführerinnen
- Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
- Staatssekretariat für Migration

Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber:

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Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.