# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bdfa9d68-642b-5649-9ce9-0cc365b1319c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.05.2007 A-1355/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1355-2006_2007-05-21.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1355/2006
{T 0/2}

Urteil vom 21. Mai 2007

Mitwirkung: Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz);
Richter Thomas Stadelmann (Kammerpräsident);
Richter Pascal Mollard;
Gerichtsschreiber Jürg Steiger.

F._______,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 
Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern,
Vorinstanz,

betreffend

MWST (1. Quartal 2001 bis 4. Quartal 2002).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

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Sachverhalt:

A. Die F._______ ist seit dem 1. Januar 1995 im Register der Mehrwertsteu-
erpflichtigen bei  der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) eingetra-
gen. Ihr Zweck besteht insbesondere in der Herstellung und dem Vertrieb 
von sowie Handel mit Primär- und Sekundärpackmitteln, besonders für die 
chemische und pharmazeutische Industrie (Auszug aus dem Handelsregis-
ters des Kantons ..... vom 26. Januar 2007).

B. Vom 10. bis am 13. März 2003 führte die ESTV bei der Steuerpflichtigen 
eine Kontrolle durch. Anlässlich dieser stellte sie fest, dass die Mutterge-
sellschaft der Steuerpflichtigen, die F._______Holding, zwar über kein Per-
sonal  verfügt,  jedoch  Lizenzerträge  (Royalties)  aus  dem  Transfer  von 
Know-how an ihre ausländischen Tochtergesellschaften erzielt hat. Da die-
ses technische Wissen von der Steuerpflichtigen als Produktionsbetrieb er-
arbeitet worden und dafür keine Rechnung gestellt worden sei, liege eine 
geldwerte Leistung von dieser an ihre Muttergesellschaft vor. Diese Leis-
tung sei zu versteuern. Im Weiteren stellte die ESTV fest, dass auch die 
inländische  Schwestergesellschaft  der  Steuerpflichtigen,  die  J._______, 
über kein Personal  verfügt,  obwohl  diese sich vertraglich zur Erbringung 
von verschiedenen Dienstleistungen (Handelsvertretung und Produktever-
trieb) für die Konzerngesellschaften im Ausland verpflichtet habe. Daraus 
schloss die ESTV, dass die Steuerpflichtige diese Leistungen für ihre in-
ländische Schwestergesellschaft  erbracht habe und folglich ein steuerba-
rer  Leistungsaustausch  zwischen  diesen  beiden  Unternehmen  vorliegen 
müsse.

Mit Schreiben vom 27. März 2003 nahm die Steuerpflichtige zu den Vor-
bringen der ESTV Stellung. Darin bestritt sie, dass es zwischen ihr und der 
Muttergesellschaft zu einem Leistungsaustausch gekommen sei, da diese 
die Inhaberin des Know-how sei, welches an die ausländischen Konzern-
gesellschaften  lizenziert  worden  sei.  In  ihrem  Eventualstandpunkt  führte 
die Steuerpflichtige  aus,  es sei  zwar  richtig,  dass sie Leistungen für  die 
J._______ erbracht habe, jedoch nur im Umfange einer Mitarbeiterstelle.

C. Die ESTV hielt an ihrer Ansicht fest und forderte in der Folge mit Ergän-
zungsabrechnung (EA) Nr. ... vom 28. März 2003 von der Steuerpflichtigen 
hinsichtlich der in Frage stehenden Royalties und der Leistungen an die 
J._______ für das 1. Quartal 2001 bis 4. Quartal 2002 Fr. 443'950.-- Mehr-
wertsteuern zuzüglich Verzugszins von 5% nach.

Auf Verlangen der Steuerpflichtigen erliess die ESTV am 18. August 2003 
einen anfechtbaren Entscheid, worin sie ihre Nachforderung in der Höhe 
von Fr. 443'950.-- Mehrwertsteuern zuzüglich Verzugszins zu 5% bestätig-
te. Zur Begründung des Entscheides verwies sie ESTV auf die EA Nr. ... 
vom 28. März 2003.

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D. Am 15. September 2003 erhob die Steuerpflichtige gegen den Entscheid 
der ESTV vom 18. August 2003 Einsprache und beantragte, die Mehrwert-
steuerforderung  über  Fr.  443'950.--  zuzüglich  Verzugszinsen  sei  vollum-
fänglich aufzuheben. Eventualiter sei die Mehrwertsteuerforderung auf den 
Betrag von Fr.  27'968.-- herabzusetzen.  Sie begründete  ihre Einsprache 
im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Muttergesellschaft  seit  mindestens  10 
Jahren Lizenzerträge von den ausländischen Konzerngesellschaften ver-
einnahme.  Die  Lizenzrechte,  welche  auf  einem  Technologiestand  von 
1985 - 1990 basierten, würden dabei von der Muttergesellschaft gehalten. 
Die entsprechenden Unterlagen über die Lizenzrechte seien jedoch nicht 
mehr lückenlos vorhanden. Im Weiteren könne die Muttergesellschaft ge-
genüber den ausländischen Konzerngesellschaften den technischen Sup-
port erbringen, da sie eine allfällige technische Unterstützung im Auftrags-
verhältnis durch eine Drittpartei  ausführen lasse. Die Einsprecherin habe 
somit  keine geldwerte  Leistung  an ihre  Muttergesellschaft  erbracht.  Hin-
sichtlich der Aufrechnung im Zusammenhang mit der J._______ beruft sie 
sich auf kantonale Privilegien für Holding- und Domizilgesellschaften. Die 
vorliegenden  steuerliche  Nachbelastung  mache  die  Vorteile  aus  diesen 
Privilegien zunichte.  Es sei  deshalb auf die Nachforderung zu verzichten 
bzw.  eine  solche  höchstens  im tatsächlichen  Ausmass  zuzulassen.  Auf-
grund  firmeninternen  Abklärungen  dürfte  die  Arbeitsbelastung  für  die 
J._______ durch ein 100% Arbeitspensum abgedeckt sein. Da die verrech-
neten Kosten dem Drittvergleich standhalten müssten, sei von einer jährli-
che Entschädigung von Fr. 184'000.-- auszugehen.

E. Mit Einspracheentscheid vom 29. März 2004 wies die ESTV die Einspra-
che  ab  und  erkannte,  dass  die  Einsprecherin  für  die  Steuerperioden 
1. Quartal 2001 bis 4. Quartal 2002 Fr. 443'950.-- Mehrwertsteuer zuzüg-
lich 5% Verzugszins seit 15. April 2002 schulde. Zur Begründung brachte 
die ESTV im Wesentlichen vor, es sei unbestritten, dass die Muttergesell-
schaft über kein eigenes Personal verfüge. Die entscheidrelevanten Leis-
tungen, nämlich diejenigen,  welche bei der Muttergesellschaft  zu Lizenz-
einnahmen führten,  seien ausschliesslich von der Einsprecherin  als Pro-
duktionsbetrieb  erbracht  worden.  Es sei  offensichtlich,  dass  folglich  zwi-
schen ihr und der Muttergesellschaft ein Leistungsaustausch stattgefunden 
habe. Die Konzerngesellschaften in Ungarn und Mexiko erhielten technolo-
gische Kenntnisse, welche sie vorher nicht besassen. Im Lichte dieser Tat-
sache spiele das Alter des zur Verfügung gestellten Know-how keine Rol-
le.  Entscheidend sei allein, dass ein Technologietransfer stattfand,  wofür 
die  Muttergesellschaft  der  effektiven  Leistungserbringerin,  d.h.  der  Ein-
sprecherin,  im  Normalfall  ein  Entgelt  zu  zahlen  hätte.  Hinsichtlich  der 
Nachbelastung im Zusammenhang mit der J._______ führte die ESTV aus, 
dass kantonale Privilegien für Holding- und Domizilgesellschaften für die 
Mehrwertsteuer  nicht  relevant  seien.  Die Beurteilung der  Sachlage  habe 
sich allein nach den bundesrechtlichen Vorgaben des MWSTG zur richten. 
Entgegen der Ansicht der Einsprecherin habe sie im Übrigen für die ent-
sprechende Aufrechnung nicht  die "Cost-Plus"-Methode angewandt,  son-

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dern sich auf den ihr ausgehändigten Vertrag zwischen der J._______ und 
der  ungarischen  Tochtergesellschaft  (Vertretungsvertrag  vom  1.  Januar 
2002) abgestützt.

F. Die F._______ (Beschwerdeführerin) führt mit Eingabe vom 10. Mai 2004 
gegen den Einspracheentscheid der ESTV vom 29. März 2004 Beschwer-
de an die Eidgenössische Steuerrekurskommission (SRK) mit den folgen-
den Anträgen: "Der Entscheid der Vorinstanz vom 29. März 2004 sei auf-
zuheben und auf eine Mehrwertsteuernachforderung zu verzichten. Unter 
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz. Eventualiter 
soll  der Entscheid der Vorinstanz vom 29. März 2004 angepasst und die 
Mehrwertsteuernachforderung auf Fr. 27'968.-- reduziert werden. Ebenfalls 
unter  Kosten-  und Entschädigungsfolgen zu Lasten  der  Vorinstanz".  Zur 
Begründung bringt sie vor, dass der Sachverhalt im Einspracheentscheid 
zum Teil nicht richtig dargestellt worden sei. Sie wiederholt, dass die Mut-
tergesellschaft die Besitzerin des Know-how sei, welches an die Konzern-
gesellschaften in Ungarn und Mexiko lizenziert wurde. Zudem verfüge die 
Muttergesellschaft über eigenes Personal, das auch die Lizenzverwaltung 
erbringen könne. Im Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, dass sie 
die Assistenz-/Supportleistungen aufgrund eines Mandatsvertrages mit der 
Muttergesellschaft übernommen habe und jeweils direkt mit den ausländi-
schen  Schwestergesellschaften  abgerechnet  habe.  Ein  Leistungsaus-
tausch  zwischen  ihr  und  der  Muttergesellschaft  liege  deshalb  nicht  vor. 
Hinsichtlich der Aufrechnung im Zusammenhang mit der J._______ macht 
die Beschwerdeführerin geltend, dass die im Bundesgesetz über die Har-
monisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden veranker-
ten  Privilegien  für  Holding-  und  Domizilgesellschaften  sehr  wohl  für  die 
Mehrwertsteuer massgebend seien.

G. Mit  Vernehmlassung vom 23.  Juni  2004 beantragt  die ESTV die vollum-
fängliche  Abweisung  der  Verwaltungsbeschwerde,  unter  Kostenfolge  zu 
Lasten der Beschwerdeführerin. Sie verweist in erster Linie auf die Erwä-
gungen ihres Einspracheentscheides vom 29. März 2004. Die ESTV geht 
im Übrigen weiterhin  davon aus,  dass die Beschwerdeführerin  und nicht 
die Muttergesellschaft über die Lizenzrechte verfügt. Die Beschwerdefüh-
rerin habe ihrer Muttergesellschaft das Know-how bloss zur Verfügung ge-
stellt, damit eine Lizenzierung auf der Ebene "Muttergesellschaft – auslän-
dische Konzerngesellschaften"  erfolgen könne.  Das dafür  geleistete Ent-
gelt  (Zahlungen der ausländischen Konzerngesellschaften an die Mutter-
gesellschaft,  welche es weiterzuleiten gelte) sei folglich auch bei der Be-
schwerdeführerin zu erfassen und von dieser zu versteuern.

H. Mit  Schreiben  vom 15.  November  2006  teilt  die  SRK den  Parteien  mit, 
dass  das  Bundesverwaltungsgericht  das  hängige  Beschwerdeverfahren 
gemäss Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungs-
gericht vom 17. Juni 2005 (Verwaltungsgerichtsgesetz [VGG], SR 173.32) 
übernimmt.

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Auf die Begründung der Beschwerde wird – soweit entscheidwesentlich – 
im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss Art.  31 VGG beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern kei-
ne Ausnahme nach Art.  32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor 
und die Vorinstanz ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das Bun-
desverwaltungsgericht  ist  daher für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es übernimmt die Beurteilung der am 1. Januar 2007 
bei  der  SRK hängigen  Beschwerden  und  wendet  das  neue  Verfahrens-
recht an (Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Einspracheent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfange überprüfen. Die Beschwerdeführe-
rin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 lit. a VwVG) und 
der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen 
Sachverhaltes (Art. 49 lit. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit 
erheben (Art. 49 lit. c VwVG; ANDRÉ MOSER, in ANDRÉ MOSER/PETER UEBERSAX, 
Prozessieren vor eidgenössischen Rekurskommissionen, Basel und Frank-
furt am Main 1998, Rz. 2.59; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, All-
gemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1758 ff.).

1.3 Am 1. Januar 2001 sind das Bundesgesetz vom 2. September 1999 über 
die  Mehrwertsteuer  (MWSTG,  SR 641.20)  sowie  die  zugehörige  Verord-
nung  (MWSTGV,  SR  641.201)  in  Kraft  getreten.  Sachverhalte,  die  sich 
nach dem 31. Dezember 2000 zugetragen haben, unterliegen dem neuen 
Recht (Art. 94 MWSTG). Auf die vorliegende Beschwerde ist deshalb das 
MWSTG  anwendbar,  sind  doch  Umsätze  zu  beurteilen,  die  nach  dem 
1. Januar 2001 realisiert wurden.

2.

2.1 Nach  Art.  5  MWSTG  unterliegen  Lieferungen  und  Dienstleistungen  der 
Mehrwertsteuer nur, wenn sie gegen Entgelt erbracht werden. Die Entgelt-
lichkeit erfordert einen Leistungsaustausch zwischen dem steuerpflichtigen 
Leistungserbringer und dem Empfänger. Das Bundesgericht hat zum Be-
griff  des  Leistungsaustausches  in  grundsätzlicher  Hinsicht  Stellung  ge-
nommen (BGE 126 II 451 f. E. 6; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 
25.  August  2000,  veröffentlicht  in  Steuer-Revue  [StR]  1/2001  S.  55  ff. 
E. 6). Danach findet erst mit dem Austausch von Leistungen ein steuerba-
rer  Umsatz  statt.  Die  Leistung  besteht  entweder  in  einer  Lieferung  oder 
Dienstleistung,  die Gegenleistung des Empfängers im Entgelt.  Zusätzlich 
ist eine wirtschaftliche Verknüpfung zwischen Leistung und Gegenleistung 

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erforderlich. Es muss ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Leistung 
und Gegenleistung bestehen (DANIEL RIEDO, Vom Wesen der Mehrwertsteu-
er als allgemeine Verbrauchsteuer und von den entsprechenden Wirkun-
gen auf das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 223 ff.). Dies ist insbe-
sondere  dann der Fall,  wenn der  Leistungsaustausch auf  einem Vertrag 
beruht (BGE 126 II  249 E. 4a, 443 E. 6a). Ein Leistungsaustausch kann 
aber unter Umständen auch gegeben sein, ohne dass ein Vertrag vorliegt 
(Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2000, veröffentlicht in MWST-Jour-
nal 2/200 S. 151 f. E. 4a).

2.2 Die Mehrwertsteuer stellt auf wirtschaftliche Vorgänge ab und sie besteu-
ert den wirtschaftlichen Konsum. Bestand und Umfang einer der Mehrwert-
steuer  unterstehenden  Leistung  wird  aufgrund  der  wirtschaftlichen  Be-
trachtungsweise bestimmt. Die mehrwertsteuerliche Qualifikation von Vor-
gängen hat nicht in erster Linie aus einer zivil-, sprich vertragsrechtlichen 
Sicht,  sondern  nach  wirtschaftlichen,  tatsächlichen  Kriterien  zu  erfolgen 
(Urteil des Bundesgerichts 2A.304/2003 vom 14. November 2003 E. 3.6.1 
mit Hinweisen; Entscheide der SRK vom 5. Juli 2005, veröffentlicht in Ver-
waltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 70.7 E. 2a mit Hinweisen; vom 
18. November 2002, veröffentlicht in VPB 67.49 E. 3c/aa mit  Hinweisen; 
ausführlich:  DANIEL RIEDO,  a.a.O.,  S.  112  Fn. 125;  JEAN-MARC RIVIER/ANNIE 
ROCHAT, La taxe sur la valeur ajoutée, Fribourg 2000, S. 24). Der wirtschaft-
lichen Betrachtungsweise kommt im Bereich der Mehrwertsteuer einerseits 
bei der Auslegung von zivilrechtlichen und von steuerrechtlichen Begriffen 
sowie andererseits bei der rechtlichen Qualifikation von Sachverhalten Be-
deutung zu (Urteil  des Bundesgerichts  vom 8.  Januar 2003,  publiziert  in 
Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 73 S. 569 E. 3.2; Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1341/2006 vom 7. März 2007 E. 2.4).

2.3 Die Steuer  wird gemäss Art.  33 Abs.  1 MWSTG vom Entgelt  berechnet. 
Zum Entgelt gehört nach Art. 33 Abs. 2 MWSTG alles, was der Empfänger 
oder an seiner Stelle ein Dritter als Gegenleistung für die Lieferung oder 
Dienstleistung aufwendet. Die Gegenleistung umfasst auch den Ersatz al-
ler Kosten, selbst wenn diese gesondert in Rechnung gestellt werden. Im 
Falle einer Lieferung oder Dienstleistung an eine nahestehende Person gilt 
als Entgelt der Wert, der unter unabhängigen Dritten vereinbart würde.

Als  nahestehende  Personen  werden  an  einer  Firma beteiligte  Personen 
bezeichnet (z.B. Aktionäre usw.) sowie liierte Unternehmen (z.B. aufgrund 
enger  Verbindung wie Konzernzugehörigkeit  oder  aufgrund vertraglicher, 
wirtschaftlicher  oder  personeller  Beziehung)  (Entscheide  der  SRK  vom 
16. Februar  2000,  veröffentlicht  in  VPB  64.81  E.  5e;  vom  4.  Juli  2005 
[SRK 2004-065] E. 3b/bb, cc).

2.4 Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt  nach  dem 
Selbstveranlagungsprinzip (Art. 46 f. MWSTG; vgl. ERNST BLUMENSTEIN/PETER 
LOCHER, System des Steuerrechts, 6. Auflage, Zürich 2002, S. 421 ff.). Dies 

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bedeutet,  dass der Steuerpflichtige selbst  und unaufgefordert  über seine 
Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und innerhalb von 60 Tagen nach 
Ablauf  der  Abrechnungsperiode  den  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrag 
an die ESTV abzuliefern hat. Die ESTV ermittelt die Höhe des geschulde-
ten  Mehrwertsteuerbetrages  nur  dann  an  Stelle  des  Steuerpflichtigen, 
wenn  dieser  seinen  Pflichten  nicht  nachkommt.  Der  Steuerpflichtige  hat 
seine  Mehrwertsteuerforderung  selbst  festzustellen;  er  ist  allein  für  die 
vollständige  und  richtige  Versteuerung  seiner  steuerbaren  Umsätze  und 
für die korrekte Ermittlung der Vorsteuer verantwortlich (ISABELLE HOMBERGER 
GUT, in mwst.com, Basel/ Genf/ München 2000, Art. 46, N 1 ff.;  CAMENZIND/ 
HONAUER/  VALLENDER,  Handbuch  zum Mehrwertsteuergesetz,  2.  Aufl.,  Bern 
2003, Rz. 1579 ff.). 

2.5 Gemäss Art. 58 Abs. 1 MWSTG hat der Steuerpflichtige seine Geschäfts-
bücher ordnungsgemäss zu führen und so einzurichten, dass sich aus ih-
nen die  für  die  Feststellung  der  Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die Be-
rechnung der Steuer und der abziehbaren Vorsteuern massgebenden Tat-
sachen leicht  und zuverlässig  ermitteln  lassen.  Die ESTV kann hierüber 
nähere  Bestimmungen  aufstellen.  Von  dieser  Befugnis  hat  sie  mit  der 
Wegleitung  2001 für  Mehrwertsteuerpflichtige  Gebrauch gemacht.  In  der 
Wegleitung sind genauere Angaben enthalten, wie eine derartige Buchhal-
tung auszugestalten ist. Insbesondere müssen alle Geschäftsfälle fortlau-
fend,  chronologisch  und  lückenlos  aufgezeichnet  werden  (Rz.  884  der 
Wegleitung 2001).

2.6 Nach Art. 60 MWSTG nimmt die ESTV eine Schätzung nach pflichtgemä-
ssem Ermessen vor, wenn keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen 
vorliegen oder die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachver-
halt  offensichtlich nicht übereinstimmen. Eine Schätzung muss insbeson-
dere auch dann erfolgen, wenn die Verstösse gegen die formellen Buch-
haltungsregeln  derart  gravierend sind,  dass  sie die materielle  Richtigkeit 
der Buchhaltungsergebnisse in Frage stellen (BGE 105 Ib 182 ff.; ASA 61 
S.  819  E.  3a;  Urteil  des  Bundesgerichtes  vom  10.  März  2006 
[2A.109/2005] E. 2.2). Selbst eine formell einwandfreie Buchführung kann 
die Durchführung einer Schätzung erfordern, wenn die in den Büchern ent-
haltenen  Geschäftsergebnisse  von den Erfahrungszahlen  wesentlich  ab-
weichen (ASA 58 S. 383 E. 2b; 42 S. 407 E. 2c; 35 S. 479 E. 2). Dabei hat 
die Verwaltung diejenige Schätzungsmethode zu wählen, die den individu-
ellen  Verhältnissen  im  Betrieb  des  Steuerpflichtigen  soweit  als  möglich 
Rechnung  trägt,  auf  plausiblen  Angaben beruht  und deren Ergebnis  der 
wirklichen Situation möglichst  nahe kommt (ASA 61 S.  819 E. 3a;  Urteil 
des Bundesgerichtes vom 3. Februar 2006 [2A.253/2005]  E. 4.1).  In Be-
tracht  fallen einerseits  Methoden,  die auf  eine Ergänzung oder Rekonst-
ruktion  der  ungenügenden  Buchhaltung  hinauslaufen,  andererseits  Um-
satzschätzungen  aufgrund  unbestrittener  Teil-Rechnungsergebnisse  in 
Verbindung  mit  Erfahrungssätzen (ASA 73 S.  233 f.  E.  2c/aa;  Entscheid 
der SRK vom 24. Oktober 2005, veröffentlicht in VPB 70.41 E. 2d.aa.).

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Sind die Voraussetzungen einer Ermessenstaxation erfüllt, obliegt es dem 
Mehrwertsteuerpflichtigen, den Beweis für die Unrichtigkeit der Schätzung 
zu erbringen (vgl. Entscheide der SRK vom 15. Oktober 1999, veröffent-
licht in VPB 64.47 E. 5b; vom 29. Oktober 1999 [SRK 1998-102 und SRK 
1998-103]  E.  5,  bestätigt  durch  Urteil  des  Bundesgerichts  vom 21.  Juni 
2000  [2A.580/1999]).  Erst  wenn  der  Mehrwertsteuerpflichtige  den  Nach-
weis  dafür  erbringt,  dass  die  Verwaltung mit  der  Ermessensveranlagung 
Bundesrecht verletzt bzw. dass ihr dabei erhebliche Ermessensfehler un-
terlaufen sind, nimmt die Rekurskommission eine Korrektur der Schätzung 
vor (vgl.  Entscheide der SRK vom 5. Januar 2000,  veröffentlicht  in VPB 
64.83 E. 2; vom 25. August 1998, veröffentlicht in VPB 63.27 E. 5c;  vom 
24. Oktober 2005 [SRK 2003-105] E. 2d/bb). Für das Bundesverwaltungs-
gericht besteht kein Anlass von diesem Vorgehen abzuweichen.

3. Was die Leistungen anbelangt, welche die Gesellschaften in Ungarn und 
Mexiko erhalten haben, sind zwei Problemkreise strittig. Zum einen liegt im 
Streit, ob die Beschwerdeführerin durch die Übernahme der technische As-
sistenz bei der Produktion in Ungarn und Mexiko, welche ihre Muttergesell-
schaft  zu erbringen hatte, einen mehrwertsteuerrechtlich relevanten Leis-
tungsaustausch  zwischen  ihr  und  der  Muttergesellschaft  bewirkt  hat 
(E. 3.2). Andererseits ist strittig, ob die Beschwerdeführerin für ihre Mutter-
gesellschaft den Konzerngesellschaften in Ungarn und Mexiko Know-how 
zur  Verfügung  stellte  und  somit  ihrer  Muttergesellschaft  eine  Dienstleis-
tung mit  allfälliger  mehrwertsteuerrechtlicher  Konsequenz  erbrachte  (vgl. 
E. 3.3).

3.1 Gemäss Vertrag vom 2. Januar 1996 zwischen der Muttergesellschaft der 
Beschwerdeführerin und der Konzerngesellschaft  in Ungarn (nachfolgend 
"der Vertrag") hatte die Muttergesellschaft, soweit hier interessiert, folgen-
de Leistungen zu erbringen: Sie stellt ihr technologisches Wissen ("Know-
how") zur Verfügung.  Darunter  fallen u.a.  die Zeichnungen,  Produktions-
methoden, Qualitätskontrolle, Literatur bezüglich Applikationen sowie Han-
delsgeheimnisse (Art. 2 Ziff.  2 des Vertrages).  Sie leistet zudem "techni-
sche Assistenz/Unterstützung". Sie bietet Beratung betreffend allen auftau-
chenden Problemen hinsichtlich der Produktion an. Sie ist  bereit,  techni-
sches Personal  nach Ungarn zu schicken.  Dieses Personal  steht  für  die 
technische Assistenz, Herstellung und Benutzung der Produkte zur Verfü-
gung.  Sie  verpflichtet  sich,  den  Angestellten  der  Konzerngesellschaft  in 
Ungarn  oder  deren Kunden Ausbildung,  Assistenz und Beratung zukom-
men zu lassen (Art. 3). Jede Partei hat im Übrigen die andere sofort über 
alle Verbesserungen der Technologie zu informieren und es wurde ein ge-
genseitiges "Erstkopie-Recht" vereinbart für den Fall, dass eine Partei ein 
neues Produkt oder eine Prozessverbesserung patentieren lässt (Art. 8).

Als Entgelt  für diese Leistungen hatte die Konzerngesellschaft  in Ungarn 
der Muttergesellschaft  Lizenzzahlungen ("Royalties") zu entrichten. Diese 

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beliefen sich auf 5% des Nettoverkaufpreises jedes hergestellten Produk-
tes (Art. 5). Die Definition in Art. 2 Ziff. 10 des Vertrags hält fest, dass die 
"Royalties"  die Honorare  sind,  die durch die technische Assistenz/Unter-
stützung und die technologischen Kenntnisse/Know-how anfallen.

Dass  eine  analoge  Vereinbarung  über  einen  Know-how-Transfer  sowie 
technologische  Assistenz  zwischen  der  Muttergesellschaft  und  der  Kon-
zerngesellschaft in Mexiko vorlag, ist unbestritten. Es bestehen im Weite-
ren  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  entsprechende  Vertrag  mit  der 
Konzerngesellschaft in Mexiko nicht gleich ausgestaltet war wie derjenige 
mit der Konzerngesellschaft in Ungarn.

3.2

3.2.1 Betreffend die Verpflichtung der Muttergesellschaft zur Leistung der tech-
nischen  Assistenz  bzw.  Unterstützung  bei  der  Produktion  legt  die  Be-
schwerdeführerin  in  ihrer  Beschwerde  vom 10.  Mai  2004 dar,  dass  zwi-
schen  ihr  und  der  Muttergesellschaft  ein  Mandatsverhältnis  bestanden 
habe.  Der  Mandatsvertrag habe vorgesehen,  dass sie für  ihre Mutterge-
sellschaft  die technische Assistenz bzw. Unterstützung bei den Konzern-
gesellschaften  in  Ungarn  und Mexiko  übernehme.  Einer  ihrer  Mitarbeiter 
sei dabei vor Ort tätig gewesen. Sie habe jedoch diese Leistungen direkt 
mit der Konzernunternehmung in Ungarn respektive Mexiko abgerechnet. 
Zwischen ihr und der Muttergesellschaft habe deshalb kein Leistungsaus-
tausch vorgelegen.

3.2.2 Die ESTV wendet dazu in ihrer Vernehmlassung vom 23. Juni 2004 ein, 
dass die Beschwerdeführerin Aufgaben bzw. Verpflichtungen erfüllte, wel-
che vertraglich der Muttergesellschaft oblagen. Solche Auslagerungen von 
vertraglich geschuldeten Leistungen führten zwangsläufig zur Annahme ei-
nes  Leistungsaustauschverhältnisses  auf  der  Ebene  Muttergesellschaft-
Beschwerdeführerin.  Darüber  hinaus erwähne die Beschwerdeführerin  ja 
selber mehrmals, dass der Support im Rahmen eines Auftrags- bzw. Man-
datsverhältnisses  erledigt  worden sei.  Einen Auftrag ohne Leistungsaus-
tausch gäbe es jedoch nicht.

3.2.3 Unbestritten ist zudem, dass die technische Assistenz/Unterstützung, wel-
che  die  Beschwerdeführerin  gegenüber  den  Schwestergesellschaften  in 
Ungarn und Mexiko erbracht hat,  für die Muttergesellschaft  erbracht wur-
de.  Jene  war  nämlich  aufgrund  des  Vertrags  gegenüber  den  ausländi-
schen Konzerngesellschaften selber verpflichtet, solche Leistungen zu er-
bringen, und sie wurde dafür auch gemäss Art. 2 Ziff. 10 entschädigt (vgl. 
E. 3.1). Die Muttergesellschaft hat somit die Leistungen, die sie selbst zu 
erbringen gehabt hätte,  an die Beschwerdeführerin zur Ausführung über-
geben.  Davon gehen auch die Parteien  übereinstimmend aus,  wenn  sie 
ausführen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund eines zwischen ihr und 
der  Muttergesellschaft  bestehenden  Mandatsverhältnisses  gehandelt 
habe.  Mehrwertsteuerrechtlich  wäre  das  Vorliegen  eines  Vertrages  aber 
nicht einmal erforderlich, denn massgebend ist die wirtschaftliche Betrach-
tungsweise  und  der  erforderliche  wirtschaftliche  Zusammenhang  kann 

10

auch gegeben sein, wenn kein Vertrag vorliegt (vgl. E. 2.1). Was fehlt, ist 
somit  nicht  das  Vorliegen  einer  entgeltliche  Leistung  der  Tochtergesell-
schaft an die Muttergesellschaft im Sinne von Art. 5 MWSTG, sondern le-
diglich die Rechnungstellung an diese (zur Höhe des steuerbaren Entgelts 
vgl. E. 3.4).

3.2.4 Die Beschwerdeführerin hat keinerlei Nachweise für die von ihr behaupte-
ten direkten Zahlungen durch die ausländischen Konzerngesellschaften an 
sie geliefert. Auch hat die ESTV im Rahmen ihrer Kontrolle keine Anhalts-
punkte für erfolgte Direktzahlungen festgestellt. Zudem stehen solche Zah-
lungen in klarem Widerspruch zum Vertrag. In diesem wird festgehalten, 
dass die von der ausländischen Konzerngesellschaft an die Muttergesell-
schaft zu bezahlenden Royalties sowohl die Vergütung für den Know-how-
Transfer  als  auch  für  die  technische  Assistenz/Unterstützung  umfassen 
(vgl. Art. 2 Ziff. 10). Damit stellt sich auch die Frage nach einer allfälligen 
Steuerbefreiung aufgrund des Dienstleistungsexportes nicht.

3.2.5 Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass die Beschwerde-
führerin die für die Muttergesellschaft erbrachten Assistenzleistungen nach 
Art. 5 lit. b MWSTG zu versteuern hat (zur Höhe des steuerbaren Entgelts 
vgl. E. 3.4).

3.3

3.3.1 Hinsichtlich der Verpflichtung der Muttergesellschaft zur Zurverfügungstel-
lung der technologischen Kenntnisse  macht  die Beschwerdeführerin  gel-
tend,  dass  ihre  Muttergesellschaft  den Konzerngesellschaften  in  Ungarn 
und Mexiko bloss Know-how überliess, welches sie in den Jahren 1985 bis 
1990 entwickelt habe. Dieses Know-how habe sie noch unter dem WUST-
Regime, d.h. vor 1995, auf ihre Muttergesellschaft übertragen. Folglich sei 
ihre Muttergesellschaft  alleinige Eigentümerin dieses Know-how bzw. der 
entsprechenden Lizenzrechte. Indem die Muttergesellschaft den Konzern-
gesellschaften in Ungarn und Mexiko dieses Wissen zur Verfügung stellte, 
sei es folglich nur zwischen dieser und jenen, nicht aber zwischen ihr und 
der Muttergesellschaft zu einem Leistungsaustausch gekommen.

3.3.2 Demgegenüber  geht  die  ESTV davon  aus,  dass  keine  Übertragung  des 
Know-how  von  der  Beschwerdeführerin  auf  die  Muttergesellschaft  statt-
fand. Die Beschwerdeführerin habe der Muttergeselleschaft das von ihr er-
arbeitete  Know-how lediglich zur Verfügung gestellt.  Für diese Annahme 
sprächen  verschiedene  Anhaltspunkte.  So  habe  die  Beschwerdeführerin 
weder den genauen Zeitpunkt der angeblichen Übertragung noch die dafür 
normalerweise in Rechnung gestellte Entschädigung nachweisen können. 
Zudem seien die technologischen Kenntnisse nicht als geschütztes Imma-
terialgüterrecht  (z.B.  als Patent)  ausgestaltet  worden.  Im Weiteren stelle 
sich die Frage, aufgrund welcher vertraglichen Basis die Beschwerdefüh-
rerin  ihre  weitere  Entwicklungsarbeit  leiste,  sofern  die Muttergesellschaft 
alleinige Inhaberin der Lizenzrechte sein sollte.

3.3.3 Es ist vorliegend fraglich, ob die Muttergesellschaft  Inhaberin des betref-
fenden von der Beschwerdeführerin  in den Jahren 1985 bis  1990 entwi-

11

ckelten  Wissens ist  respektive  ob die behauptete  Übertragung stattfand. 
Für die Berechtigung der Muttergesellschaft sprechen die Tatsache, dass 
diese das Know-how den Konzerngesellschaften im Ausland entgeltlich zur 
Verfügung stellt sowie die Verbuchung der Royalties. Dagegen spricht je-
doch, dass die Muttergesellschaft  das Know-how in der Bilanz nicht akti-
viert hat, dass Belege zur behaupteten Übertragung fehlen und – wie die 
ESTV zu Recht ausführt – dass nicht dargelegt wurde, auf welcher vertrag-
lichen Basis die Beschwerdeführerin berechtigt  ist,  das Know-how weiter 
zu entwickeln.  Gegen die erfolgte Übertragung an die Muttergesellschaft 
spricht  auch der  Zweck der Muttergesellschaft,  der laut  Handelsregister-
eintrag wie folgt lautet: "Erwerb von Beteiligungen an Unternehmen im In- 
und Ausland; die Gesellschaft  kann Gesellschaften gründen, sich an sol-
chen beteiligen, mit  anderen Gesellschaften fusionieren oder Kooperatio-
nen eingehen sowie Liegenschaften im In- und Ausland erwerben, belas-
ten und verkaufen" (Auszug des Handelsregisters des Kantons ... vom 26. 
Januar 2007). Der Zweck der Muttergesellschaft  enthält  demnach keinen 
Hinweis auf ein Halten bzw. Verwalten von Immaterialgüterrechten. Damit 
ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  Berechtigte  des 
Know-hows ist  und die Muttergesellschaft  zu dessen Nutzung einer  ent-
sprechenden  Übertragung  der  Nutzungsbefugnis  durch  die  Beschwerde-
führerin bedarf.

3.3.4 Auch das weitere Argument der Beschwerdeführerin, sie sei gar nicht ver-
pflichtet, aktuelles Know-how an die Gesellschaften in Ungarn und Mexiko 
weiter zu geben, geht fehl. Eine solche Pflicht ist zum Mindesten Voraus-
setzung von vertraglichen Pflichten.  So wurde im Vertrag explizit  festge-
halten,  dass jede Partei  die andere sofort  über alle Verbesserungen der 
Technologie  informieren  müsse  (Art.  8  Ziff.  1).  Auch  aus  der  Tatsache, 
dass der Know-how-Transfer an die Konzerngesellschaften in Ungarn und 
Mexiko mit einer technischen Assistenz bzw. Unterstützung inklusive Bera-
tung und Ausbildung verknüpft war (vgl. Art. 3 des Vertrags) - welche un-
bestrittenermassen  die  Beschwerdeführerin  als  Produktionsbetrieb  er-
brachte  – kann  geschlossen  werden,  dass  auch aktuelles  Know-how an 
die Konzerngesellschaften im Ausland weitergegeben wurde. Unbestritten 
ist im Übrigen, dass die Beschwerdeführerin neues technologisches Know-
how entwickelte  (vgl.  Einsprache  der  Beschwerdeführerin  vom 15.  Sep-
tember 2003, Seite 3). Das Argument der Beschwerdeführerin, dass für die 
Konzerngesellschaften in  den Schwellenländern  Ungarn und Mexiko  das 
Know-how aus der Zeit von 1985 bis 1990 ausreichend war, ist im Weite-
ren  wenig  glaubhaft.  Dies  nicht  zuletzt  auch  deshalb,  da  zumindest  die 
Konzerngesellschaft  in  Ungarn  eine  breit  gestreute  internationale  Kund-
schaft aufweist, darunter auch namhafte multinationale Konzerne, die sich 
wohl nicht mit mehr als zehnjährigem Know-how zufrieden gaben (vgl. Ver-
tretungsvertrag der Konzerngesellschaft in Ungarn mit der J._______ vom 
1. Januar 2002, Beilage 1).

3.3.5 Die Royalties wurden vorliegend somit (zumindest) auch für das Zurverfü-
gungstellen  von  aktuellem  Know-how  bzw.  von  solchem,  welches  nach 
1990 entwickelt wurde und demnach nur der Beschwerdeführerin zugeord-

12

net  werden  kann,  bezahlt.  Die  Beschwerdeführerin  gab  somit  aktuelles 
Know-how im  Sinne  von  Technologieverbesserungen  (Art.  8  Ziff.  1  des 
Vertrages) oder im Rahmen der Beratung und Ausbildung (Art. 3 des Ver-
trages)  für  die  Muttergesellschaft  –  welche  gemäss  Vertrag  verpflichtet 
war, diese Leistungen zu erbringen – an die Konzerngesellschaften in Un-
garn und Mexiko weiter. Die Beschwerdeführerin erbrachte der Mutterge-
sellschaft  somit  zwangsläufig  eine Leistung,  welche  unter  unabhängigen 
Dritten nur gegen Entgelt getätigt würde. Ein Leistungsaustausch zwischen 
der  Beschwerdeführerin  und  der  Muttergesellschaft  liegt  demnach  auch 
bezüglich den Know-hows vor. 

3.3.6 Weiter ist  der Einwand der Beschwerdeführerin  nicht zu hören, dass die 
Muttergesellschaft über genügend Personal verfügte, um die Lizenzrechte 
zu verwalten.  Die von der Beschwerdeführerin hier diskutierte der Mutter-
gesellschaft  erbrachte  Dienstleistung  bestand  nicht  in  der  Lizenzverwal-
tung,  sondern  im  Weiterentwickeln  von  Know-how.  Mit  dem  Know-how-
Transfer  erbrachte  die  Beschwerdeführerin  der  Muttergesellschaft  somit 
eine Dienstleistung, welche sie gemäss Art. 5 lit. b MWSTG zu versteuern 
hat (zur Höhe des steuerbaren Entgelts vgl. E. 3.4).

3.4 Nachdem feststeht, dass die Beschwerdeführerin gegenüber der Mutterge-
sellschaft sowohl mittels der Assistenz/Unterstützung der Schwestergesell-
schaften als auch bezüglich des Know-how-Transfers entgeltliche Leistun-
gen erbracht  hat,  gilt  es, die Höhe des steuerlich relevanten Entgelts  zu 
bestimmen; die Beschwerdeführerin hat diese bekanntlich gar nicht dekla-
riert. Zu beachten ist, dass es sich bei der Muttergesellschaft um eine na-
hestehende Person im Sinne von Art. 33 Abs. 2 MWSTG handelt. Als Ent-
gelt gilt somit der Wert, der unter unabhängigen Dritten vereinbart würde. 
Mangels Aufzeichnungen nahm die ESTV eine annäherungsweise Ermitt-
lung des Wertes  der Leistungen im Sinne von Art.  60 MWSTG vor.  Die 
ESTV hat dabei das steuerbare Entgelt auf der Basis der von der Mutter-
gesellschaft  verbuchten Royalties  geschätzt.  Sie nahm folgende Berech-
nung vor:

Einnahmen bei der Muttergesellschaft (Royalties): 105%
abzüglich Wertschöpfung der Muttergesellschaft: 5%
ergibt eine erbrachte Leistung der Beschwerdeführerin von: 100%

Es handelt  sich dabei um eine sachgerechte Schätzung im Rahmen von 
konzerninternen Leistungen (vgl.  Spezialbroschüre  Nr.  6 der ESTV, Kür-
zung  des  Vorsteuerabzuges  bei  gemischter  Verwendung,  September 
2000, Ziff. 7.6.3). Da die Voraussetzungen für die Ermessenstaxation er-
füllt sind, obliegt es der Beschwerdeführerin den Beweis für die Unrichtig-
keit der Schätzung zu erbringen (vgl. E. 2.6). Einen solchen Nachweis hat 
sie  indessen  nicht  erbracht.  Insbesondere  konnte  sie  nicht  nachweisen, 
dass  –  wie  von  ihr  behauptet  –  die  Muttergesellschaft  Inhaberin  der  Li-
zenzrechte hinsichtlich des Know-how aus der Zeit von 1985 bis 1990 ist 
und welcher Anteil der erhaltenen Royalties diesem (alten) Know-how zu-

13

zurechnen wäre. Wie die ESTV zu Recht darauf hinweist, ist diese Berech-
nungsmethode an sich von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt 
worden.

4. Im Weiteren sind die Steuerbarkeit und der Umfang der von der Beschwer-
deführerin an die J._______ erbrachten Leistungen umstritten.

Die J._______ ist eine Schwestergesellschaft der Beschwerdeführerin. Sie 
erbringt für die Konzerngesellschaften in Ungarn und Mexiko die exklusive 
Handelsvertretung und den Vertrieb ihrer Produkte in verschiedenen Län-
dern. Es ist unbestritten,  dass die Beschwerdeführerin  für die J._______ 
vorliegend die entsprechenden Leistungen erbrachte, da die letztere weder 
über   Personal  verfügt  noch   Leistungen  bei  Dritten  einkaufte.  Die  Be-
schwerdeführerin hatte diese an die J._______ erbrachten Leistungen je-
doch nicht deklariert, weshalb die ESTV eine Nachbelastung vornahm.

4.1 Die Beschwerdeführerin wendet ein, dass Lehre und Praxis betreffend den 
Domizil-  und  Verwaltungsgesellschaften  klar  die  Meinung  vertreten  wür-
den, für die privilegierten Gesellschaften sei keine Infrastruktur notwendig. 
Die durch das Steuerharmonisierungsgesetz geschaffenen Privilegien zur 
Attraktivitätssteigerung  des  Steuerstandortes  Schweiz  dürften  durch  die 
Mehrwertsteuer nicht zunichte gemacht werden.

Die Beschwerdeführerin verkennt, dass die von ihr ins Feld geführten Privi-
legien für Holding- und Domizilgesellschaften für die Mehrwertsteuer keine 
Relevanz aufweisen. Für die mehrwertsteuerrechtliche Qualifikation eines 
Sachverhaltes  sind  die  Bestimmungen  des  Steuerharmonisierungsgeset-
zes grundsätzlich nicht massgebend.

4.2 Die  Beschwerdeführerin  begründet  ihren  Eventualantrag  damit,  dass  die 
Leistung,  welche sie  an die J._______ erbracht  hat,  auf  den tatsächlich 
Umfang zu beschränken sei. Sie macht geltend, nur einer ihrer Angestell-
ten sei für die J._______ tätig gewesen. Die Bewertung der Dienstleistung 
zu  Drittpreisen  würde  zu  einer  jährlichen  Aufrechnung  von  ungefähr 
Fr. 184'000.--  führen,  was  einer  Mehrwertsteuernachbelastung  von 
Fr. 27'968.-- entspräche.

Zutreffend ist, dass für die Bewertung der Leistungen der Beschwerdefüh-
rerin gemäss Art. 33 Abs. 2 MWSTG der Drittpreis massgebend ist, da es 
sich bei der Leistungsempfängerin um die Schwestergesellschaft und so-
mit um eine nahestehende Person im Sinn des genannten Artikel handelt. 
Da keine detaillierten Aufzeichnungen vorlagen, musste die ESTV für die 
vorliegend  relevante  Zeit  eine  annäherungsweise  Ermittlung  des  Wertes 
der Leistung vornehmen (Art. 60 MWSTG). Die ESTV stützte sich bei der 
Schätzung  des  Umfanges  der  Leistung  auf  den  Vertrag  vom  1.  Januar 
2002 zwischen der J._______ und der Konzerngesellschaft in Ungarn. Die-
ser  sieht  für  die  J._______  eine  Provision  von  5% für  die  Zeit  bis  zum 

14

30. September 2002 und ab dem Jahr 2003 eine solche von 10% des Ver-
kaufpreises der Produkte vor. Die ESTV schätzte in der Folge die von der 
Beschwerdeführerin an die J._______ erbrachte Leistung auf 5% des von 
dieser  in der vorliegend relevanten Zeit  erzielten  Verkaufsumsatzes.  Die 
Höhe des Verkaufsumsatzes ist  dabei nicht strittig.  Die ESTV ging somit 
davon aus, die J._______ habe auch vor dem Vertrag vom 1. Januar 2002 
eine Provision in entsprechender Höhe erhalten bzw. vor dem schriftlichen 
Vertrag  habe  zumindest  eine  mündliche  Vereinbarung  zu  den  gleichen 
Mindestbedingungen existiert.  Diese Annahme ist gerechtfertigt, da keine 
gegenteiligen Anhaltspunkte  vorliegen.  Die annäherungsweise Ermittlung 
der ESTV ist demnach sachgerecht. Da die Voraussetzungen der Ermes-
senstaxation gegeben sind, obliegt der Nachweis für die Unrichtigkeit der 
Schätzung der Beschwerdeführerin (E. 2.6). Einen solchen Nachweis hat 
sie  indessen  nicht  erbracht.  Insbesondere  konnte  sie  ihre  Behauptung, 
dass nur ein Angestellter für die J._______ tätig war, nicht belegen, noch 
sonst eine vertragliche Abmachung zwischen ihr und der J._______ bei-
bringen.

5. Dem Gesagten zufolge ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Ver-
fahrensausgang  sind  der  Beschwerdeführerin  als  unterliegender  Partei 
sämtliche  Kosten  für  das  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwal-
tungsgericht aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskos-
ten  werden  mit  Fr.  3'500.--  festgesetzt  und  der  Beschwerdeführerin  zur 
Zahlung  auferlegt.  Eine  Parteientschädigung  ist  nicht  zuzusprechen 
(Art. 64 Abs. 1 VwVG).

15

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die  Verfahrenskosten  im  Betrag  von  Fr.  3'500.--  werden  der 
Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  dem  von  ihr  geleisteten 
Kostenvorschuss von Fr. 3'500.-- verrechnet.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Dieses Urteil wird eröffnet: 

- der Beschwerdeführerin (mit Gerichtsurkunde)

- der Vorinstanz (mit Gerichtsurkunde)

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Thomas Stadelmann Jürg Steiger

Rechtsmittelbelehrung
Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  können  innert  30  Tagen  seit  der 
Eröffnung  beim  Schweizerischen  Bundesgericht  in  Lausanne  angefochten 
werden.  Die Beschwerde  ist  unzulässig  gegen  Entscheide  über  die Stundung 
oder  den  Erlass  von  Abgaben.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache 
abzufassen  und  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der 
Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Sie muss spätestens am letzten 
Tag  der  Frist  beim  Bundesgericht  eingereicht  oder  zu  dessen  Handen  der 
Schweizerischen  Post  oder  einer  schweizerischen  diplomatischen  oder 
konsularischen Vertretung übergeben werden (vgl. Art. 42, 48, 54, 83 Bst. l und 
100 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG]; SR 173.110).

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