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**Case Identifier:** 40e6e0dc-3a38-501b-a2b3-40469b04fe7d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.04.2017 C-3900/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-3900-2015_2017-04-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung III 

C-3900/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  A p r i l  2 0 1 7   

Besetzung 
 Richter Michael Peterli (Vorsitz), 

Richterin Franziska Schneider, Richter Christoph Rohrer,    

Gerichtsschreiberin Susanne Fankhauser. 
 

 
 

Parteien 
 1. Kantonsspital Graubünden,   

2. Spital Davos AG,  

3. Spital Oberengadin,  

4. Ospedale San Sisto,  

5. Spital Thusis,  

6. Spital Unterengadin,  

7. Ospedale Bregaglia,  

8. Ospidal Val Müstair,  

9. Kreisspital Surses,  

10. Hochgebirgsklinik Davos,  

11. Klinik Gut St. Moritz AG,   

alle vertreten durch Bündner Spital- und Heimverband,  

dieser vertreten durch Dr. iur. Eva Druey Just, 

Rechtsanwältin,  

Beschwerdeführende,  

 
 

 
gegen 

 
 

Regierung des Kantons Graubünden,   

Vorinstanz, 

 

 

 

1. Assura-Basis SA,  

2. SUPRA 1846 SA,  

Mitbeteiligte.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Krankenversicherung, nachträgliche Befristung der 

Tariffestsetzung (Beschluss vom 2. Juni 2015 

[RRB 512/2015]). 

 

 

 

C-3900/2015 

Seite 3 

Sachverhalt: 

A.  

Aufgrund der Revision des KVG (SR 832.10) zur Spitalfinanzierung (Ände-

rung vom 21. Dezember 2007, AS 2008 2049) waren per 1. Januar 2012 

die Tarife im Sinne von Art. 49 Abs. 1 KVG (Fallpauschale für eine Behand-

lung bei Schweregrad 1.0 gemäss der Tarifstruktur SwissDRG [DRG = Di-

agnosis Related Groups]; im Folgenden: Basisfallwert oder Baserate) für 

die akutsomatischen Spitäler im Kanton Graubünden (neu) festzulegen. 

A.a Nach Durchführung eines Tariffestsetzungsverfahrens im Sinne von 

Art. 47 Abs. 1 KVG setzte die Regierung des Kantons Graubünden (nach-

folgend: Regierung) mit Beschluss vom 10. September 2013 (RRB 858/ 

2013) die ab 1. Januar 2012 anwendbaren Basisfallwerte für folgende Spi-

täler fest: Kantonsspital Graubünden, Spitäler Davos, Oberengadin, Prät-

tigau, Surselva, San Sisto, Thusis, Unterengadin, Bregaglia, Val Müstair, 

Surses, Hochgebirgsklinik Davos und Klinik Gut. Die Festsetzung gelte ge-

genüber den im Kanton tätigen Versicherern, „soweit keine von der Regie-

rung genehmigten Tarifverträge vorliegen“ (Dispositiv Ziff. 1). Gegen die-

sen Beschluss liessen 45 von tarifsuisse ag vertretene Krankenversicherer 

(Verfahren C-5749/2013) sowie die Klinik Gut (Verfahren C-5849/2013) Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben. 

A.b Mit Schreiben vom 26. Januar 2015 an tarifsuisse ag, Bündner Spital- 

und Heimverband sowie Helsana Versicherungen AG (nachfolgend: Hel-

sana) teilte das Gesundheitsamt Graubünden (nachfolgend: Gesundheits-

amt) den Tarifparteien mit, es beabsichtige, der Regierung eine Befristung 

der mit RRB 858/2013 festgesetzten Baserates bis zum 31. Dezember 

2014 zu beantragen (Akten Vorinstanz [V-act.] 2). Dazu liessen sich der 

Bündner Spital- und Heimverband (als Vertreter der Spitäler) und 

tarifsuisse ag vernehmen (vgl. V-act. 3 und 4). Mit Beschluss vom 2. Juni 

2015 (RRB 512/2015) begrenzte die Regierung die mit RRB 858/2013 

hoheitlich festgesetzten Baserates bis zum 31. Dezember 2014 (V-act. 8). 

Zur Begründung wird insbesondere auf Art. 3 der Verordnung der Regie-

rung vom 11. Dezember 2007 zum Gesetz des Kantons Graubünden über 

die Förderung der Krankenpflege und der Betreuung von betagten und 

pflegebedürftigen Personen (Verordnung zum Krankenpflegegesetz; BR 

506.060) verwiesen. Nach dieser Bestimmung würden Tarifverträge in der 

Regel für ein Jahr genehmigt (Abs. 1); sofern der Vertrag eine Teuerungs-

klausel enthalte, könne der Tarifvertrag für zwei Jahre genehmigt werden 

C-3900/2015 

Seite 4 

(Abs. 2). Diese Regelung sei sinngemäss auch auf die hoheitliche Tariffest-

setzung anzuwenden. Weiter sei die Tariffestsetzungsbehörde zur regel-

mässigen Überprüfung der Tarife verpflichtet. Die dem Festsetzungs-

beschluss vom 10. September 2013 zugrunde liegenden Kostendaten 

hätten sich in der Zwischenzeit wesentlich verändert. Schliesslich wird 

festgehalten, nach der Rechtsprechung sei es zulässig, den festgesetzten 

Tarif zu befristen, ohne einen neuen Tarif festzusetzen. Die Tarifparteien 

seien gehalten, für stationäre Behandlungen ab 1. Januar 2015 neue Tarife 

zu verhandeln. 

B.  

Mit Eingabe vom 19. Juni 2015 liess der Bündner Spital- und Heimverband 

als Vertreter von zehn Spitälern (Kantonsspital Graubünden, Spital Davos, 

Spital Oberengadin, Ospedale San Sisto, Spital Thusis, Spital Unterenga-

din, Ospedale Bregaglia, Ospidal Val Müstair, Kreisspital Surses, Hochge-

birgsklinik Davos), vertreten durch Rechtsanwältin Eva Druey Just, Be-

schwerde erheben (act. 1). Die Beschwerdeführer liessen beantragen, die 

angefochtene Verfügung sei – unter gesetzlicher Kosten- und Entschädi-

gungsfolge – aufzuheben.  

Zur Begründung wird namentlich geltend gemacht, die Vorinstanz habe ei-

nen teilweisen Widerruf des RRB 858/2013 vorgenommen, obwohl die da-

für erforderlichen Voraussetzungen nicht erfüllt gewesen seien. Völlig un-

verständlich sei die rückwirkende Aufhebung der Tarife. Die Tarifparteien 

hätten keine Möglichkeit gehabt, rechtzeitig wieder Vertragsverhandlungen 

aufzunehmen oder im Falle von deren Scheitern ein neues Tariffestset-

zungsverfahren anzuheben. Schliesslich sei unklar, ob die provisorisch 

festgesetzten Tarife ebenfalls befristet würden.  

Mit Eingabe vom 23. Juni 2015 liess die Klinik Gut St. Moritz AG erklären, 

dass sie sich der Beschwerde anschliesse (act. 3). 

C.  

Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 10. Juli 2015, die 

Beschwerde sei abzuweisen (act. 8). Entgegen der Ansicht der Beschwer-

deführerinnen sei eine ursprüngliche oder nachträgliche Widerrechtlichkeit 

der festgesetzten Tarife nicht erforderlich, um den Festsetzungsbeschluss 

zu begrenzen. Es genüge, dass sich – wie vorliegend – die Bemessungs-

grundlagen seit der Festsetzung geändert hätten. 

C-3900/2015 

Seite 5 

D.  

Die der Einkaufsgemeinschaft tarifsuisse ag angeschlossenen Kranken-

versicherer liessen mit Eingabe vom 14. Juli 2015 mitteilen, dass sie auf 

das Einreichen einer Beschwerdeantwort verzichten (act. 9 und 11).  

Die Helsana, als Vertreterin der Einkaufsgemeinschaft Helsana/Sanitas/ 

KPT (HSK), teilte am 22. Juli 2015 mit, sie beanspruche keine Parteistel-

lung. Bereits im vorinstanzlichen Verfahren sei auf eine Stellungnahme ver-

zichtet worden, zumal für die Tarifjahre 2013 bis 2015 bereits verschiedene 

Tarifverfahren der HSK vor der Vorinstanz hängig beziehungsweise teil-

weise abgeschlossen seien (act. 10).  

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Urteil C-5749/2013 vom 31. Au-

gust 2015 die Beschwerde der 45 von tarifsuisse ag vertretenen Kranken-

versicherer teilweise gut und hob den angefochtenen Beschluss (soweit 

die Verfahrensparteien betreffend) auf. Die Sache wurde an die Vorinstanz 

zurückgewiesen, damit sie im Sinne der Erwägungen die Basisfallwerte 

neu festsetze. Die Beschwerde der Klinik wies das Bundesverwaltungsge-

richt im Sinne der Erwägungen ab (Urteil C-5849/2013 vom 31. August 

2015). Im Urteil C-5849/2013 beanstandete das Gericht, dass aus dem an-

gefochtenen Beschluss nicht zweifelsfrei hervorgehe, gegenüber welchen 

Versicherern die einzelnen Tarife hoheitlich festgesetzt worden seien 

(E. 2.5). 

F.  

Mit Verfügung vom 4. September 2015 wurde die Vorinstanz aufgefordert, 

im Detail darzulegen, für welche Tarifparteien sich die streitige Befristung 

der festgesetzten Basisfallwerte am 1. Januar 2015 noch auswirkte bezie-

hungsweise aktuell noch auswirke (act. 12).  

G.  

Die Vorinstanz reichte mit Eingabe vom 23. September 2015 ihre Stellung-

nahme sowie drei Regierungsbeschlüsse betreffend Genehmigung von Ta-

rifverträgen ein. Zusammenfassend hielt sie fest, die mit RRB 512/2015 

beschlossene Befristung der Tariffestsetzungen betreffe aktuell noch das 

Verhältnis zwischen den Beschwerde führenden Spitälern und den beiden 

Krankenversicherern Assura-Basis SA (nachfolgend: Assura) und SUPRA 

1846 SA (nachfolgend: SUPRA [act. 14]). 

C-3900/2015 

Seite 6 

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2015 stellte der Instruktionsrichter 

fest, dass die 45 von tarifsuisse ag und die 13 von Helsana vertretenen 

Krankenversicherer nicht mehr als Verfahrensbeteiligte zu qualifizieren 

seien. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2015 wurden die Beschwerdeführer, 

die Mitbeteiligten (Krankenversicherer Assura und SUPRA) sowie die Vor-

instanz eingeladen, allfällige Schlussbemerkungen einzureichen (act. 16).   

I.  

Die Beschwerdeführer liessen mit Eingabe vom 10. November 2015 an ih-

ren Rechtsbegehren gemäss Beschwerde festhalten und verzichteten auf 

weitere Bemerkungen (act. 21). Vorinstanz und Mitbeteiligte liessen sich 

nicht vernehmen. 

J.  

Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereich-

ten Akten wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen 

der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 53 Abs. 1 KVG kann gegen Beschlüsse der Kantonsregierun-

gen nach Art. 47 KVG beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ge-

führt werden (vgl. auch Art. 90a Abs. 2 KVG). Mit dem angefochtenen Be-

schluss hat die Vorinstanz die Geltungsdauer der von ihr gestützt auf 

Art. 47 Abs. 1 KVG festgesetzten Tarife nachträglich beschränkt. Das Bun-

desverwaltungsgericht ist deshalb zur Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig. 

1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich gemäss 

Art. 37 VGG und Art. 53 Abs. 2 Satz 1 KVG grundsätzlich nach den Vor-

schriften des VwVG. Vorbehalten bleiben allfällige Abweichungen des VGG 

und die besonderen Bestimmungen des Art. 53 Abs. 2 KVG.  

1.2 Die Beschwerdeführer sind primäre Adressaten des angefochtenen 

Beschlusses und ohne Zweifel zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist da-

her einzutreten (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

C-3900/2015 

Seite 7 

1.3 Die Beschwerdeführer können im Rahmen des Beschwerdeverfahrens 

die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs oder 

der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemes-

senheit des Entscheids beanstanden (Art. 49 VwVG). 

2.  

Die Spitäler machten in ihrer Beschwerde vom 19. Juni 2015 unter ande-

rem geltend, die Vorinstanz habe mit dem vorliegend angefochtenen RRB 

512/2015 eine unzulässige Wiedererwägung des Festsetzungsbeschlus-

ses vom 10. September 2013 (RRB 858/2013) vorgenommen. Letzterer 

bilde Gegenstand des Verfahrens C-5749/2013, in welchem die Vorinstanz 

bereits zweimal Stellung genommen habe und der Schriftenwechsel längst 

abgeschlossen sei. 

2.1 Die Behandlung der Sache, die Gegenstand der mit Beschwerde an-

gefochtenen Verfügung bildet, geht mit Einreichung der Beschwerde auf 

die Beschwerdeinstanz über (Art. 54 VwVG). Gemäss Art. 58 Abs. 1 VwVG 

kann die Vorinstanz jedoch bis zu ihrer Vernehmlassung die angefochtene 

Verfügung in Wiedererwägung ziehen. 

2.2 Mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2015 hat der Instruktionsrichter 

festgestellt, dass rückwirkend ab 1. Januar 2013 für alle Beschwerde füh-

renden Spitäler im Verhältnis zu den HSK-Versicherern vertraglich verein-

barte und von der Vorinstanz genehmigte Tarife vorlagen. Insoweit sei die 

hoheitliche Tariffestsetzung vom 10. September 2013 durch die Vertrags-

tarife derogiert worden, weshalb die HSK-Versicherer vom angefochtenen 

Beschluss (RRB 512/2015) nicht betroffen seien. Weiter wurde erwogen, 

aufgrund des Urteils C-5749/2013, mit welchem die Beschwerde der 45 

von tarifsuisse AG vertretenen Krankenversicherer in dem Sinne teilweise 

gutgeheissen wurde, dass der angefochtene Beschluss aufgehoben und 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen wurde, sei auch der 

streitige Begrenzungsbeschluss – soweit die Beschwerdeführerinnen im 

Verfahren C-5749/2013 betreffend – dahingefallen.  

Der angefochtene Beschluss betrifft somit nur noch das Verhältnis zwi-

schen den (Beschwerde führenden) Spitälern und den beiden Krankenver-

sicherern Assura und SUPRA, welche den Festsetzungsbeschluss vom 

10. September 2013 nicht angefochten haben. Ob die Vorinstanz aufgrund 

der Devolutivwirkung noch zum Erlass des RRB 512/2015 befugt gewesen 

ist, muss daher nicht geprüft werden. 

C-3900/2015 

Seite 8 

3.  

Streitig und im vorliegenden Verfahren zu beurteilen ist die rückwirkende 

Beschränkung der Geltungsdauer der mit RRB 858/2013 mit Wirkung ab 

1. Januar 2012 für unbefristete Dauer festgesetzten Basisfallwerte für die 

Bündner akutsomatischen Spitäler. 

3.1 Zunächst ist auf die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen des KVG-Ta-

rifrechts hinzuweisen (in der seit 1. Januar 2012 anwendbaren Fassung, 

vgl. Urteil C-5749/2013 E. 2).  

3.1.1 Gemäss Art. 43 KVG erstellen die (zugelassenen) Leistungserbringer 

(für Spitäler vgl. Art. 39 Abs. 1 i.V.m. Art. 35 KVG) ihre Rechnungen nach 

Tarifen oder Preisen (Abs. 1). Tarife und Preise werden in Verträgen zwi-

schen Versicherern und Leistungserbringern (Tarifvertrag) vereinbart oder 

in den vom Gesetz bestimmten Fällen von der zuständigen Behörde fest-

gesetzt. Dabei ist auf eine betriebswirtschaftliche Bemessung und eine 

sachgerechte Struktur der Tarife zu achten (Abs. 4). Die Vertragspartner 

und die zuständigen Behörden achten darauf, dass eine qualitativ hoch 

stehende und zweckmässige gesundheitliche Versorgung zu möglichst 

günstigen Kosten erreicht wird (Abs. 6). Der Bundesrat kann Grundsätze 

für eine wirtschaftliche Bemessung und eine sachgerechte Struktur sowie 

für die Anpassung der Tarife aufstellen. Er sorgt für die Koordination mit 

den Tarifordnungen der anderen Sozialversicherungen (Abs. 7). 

3.1.2 Parteien eines Tarifvertrages sind einzelne oder mehrere Leistungs-

erbringer oder deren Verbände einerseits sowie einzelne oder mehrere 

Versicherer oder deren Verbände anderseits (Art. 46 Abs. 1 KVG). Der 

Tarifvertrag bedarf der Genehmigung durch die zuständige Kantonsregie-

rung oder, wenn er in der ganzen Schweiz gelten soll, durch den Bundesrat 

(Art. 46 Abs. 4 Satz 1 KVG). Die Genehmigungsbehörde prüft, ob der 

Tarifvertrag mit dem Gesetz und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und 

Billigkeit in Einklang steht (Art. 46 Abs. 4 Satz 2 KVG). Kommt zwischen 

Leistungserbringern und Versicherern kein Tarifvertrag zustande, so setzt 

die Kantonsregierung nach Anhören der Beteiligten den Tarif fest (Art. 47 

Abs. 1 KVG). 

3.1.3 Art. 49 KVG trägt den Titel „Tarifverträge mit Spitälern“. Obwohl sich 

diese Bestimmung nach ihrem Wortlaut (nur) an die Tarifparteien richtet, 

sind die darin verankerten Grundsätze auch bei einer hoheitlichen Festset-

zung im Sinne von Art. 47 KVG zu beachten (BVGE 2014/3 E. 2.7). Nach 

Abs. 1 des Art. 49 KVG vereinbaren die Vertragsparteien für die Vergütung 

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Seite 9 

der stationären Behandlung einschliesslich Aufenthalt und Pflegeleistun-

gen in einem Spital (Art. 39 Abs. 1) oder einem Geburtshaus (Art. 29) Pau-

schalen. In der Regel sind Fallpauschalen festzulegen. Die Pauschalen 

sind leistungsbezogen und beruhen auf gesamtschweizerisch einheitlichen 

Strukturen (grundlegend zur Festlegung der Basisfallwerte für leistungsbe-

zogene und auf der SwissDRG-Tarifstruktur beruhende Fallpauschalen 

BVGE 2014/3; 2014/36). 

3.1.4 Die Leistungserbringer müssen sich laut Art. 44 Abs. 1 Satz 1 KVG 

an die vertraglich oder behördlich festgelegten Tarife und Preise halten und 

dürfen für Leistungen nach KVG keine weitergehenden Vergütungen be-

rechnen (Tarifschutz). Mit den Vergütungen nach Art. 49 Abs. 1 und 4 KVG 

(letzterer regelt die Abgrenzung des Spitaltarifs vom Pflegeheimtarif) sind 

alle Ansprüche eines akutsomatischen Spitals für die Leistungen nach 

KVG abgegolten (Art. 49 Abs. 5 KVG). 

3.1.5 Die versicherte Person kann für die stationäre Behandlung unter den 

Spitälern frei wählen, die auf der Spitalliste ihres Wohnkantons oder jener 

des Standortkantons aufgeführt sind (Listenspital). Der Versicherer und der 

Wohnkanton übernehmen bei stationärer Behandlung in einem Listenspital 

die Vergütung anteilsmässig nach Art. 49a KVG höchstens nach dem Tarif, 

der in einem Listenspital des Wohnkantons für die betreffende Behandlung 

gilt (Art. 41 Abs. 1bis KVG). 

3.1.6 Nach Art. 59c Abs. 1 KVV prüft die Genehmigungsbehörde (im Sinne 

von Art. 46 Abs. 4 KVG), ob der Tarifvertrag namentlich folgenden Grund-

sätzen entspricht: Der Tarif darf höchstens die transparent ausgewiesenen 

Kosten der Leistung decken (Bst. a). Der Tarif darf höchstens die für eine 

effiziente Leistungserbringung erforderlichen Kosten decken (Bst. b). Ein 

Wechsel des Tarifmodells darf keine Mehrkosten verursachen (Bst. c). Die 

Vertragsparteien müssen die Tarife regelmässig überprüfen und anpassen, 

wenn die Erfüllung der Grundsätze nach Abs. 1 Bst. a und b nicht mehr 

gewährleistet ist. Die zuständigen Behörden sind über die Resultate der 

Überprüfungen zu informieren (Art. 59c Abs. 2 KVV). Gemäss Art. 59c 

Abs. 3 KVV sind diese Grundsätze bei Tariffestsetzungen nach Art. 47 KVG 

sinngemäss anzuwenden.  

3.2 Die Vorinstanz verweist insbesondere auf Art. 59c Abs. 2 in Verbindung 

mit Abs. 3 KVV, wonach sie zur regelmässigen Überprüfung der Tarife ver-

pflichtet sei. Den mit Wirkung ab 1. Januar 2012 festgesetzten Basisfall-

werten hätten die Kostendaten aus dem Jahr 2010 zugrunde gelegen. Die 

C-3900/2015 

Seite 10 

für die Tarife 2015 massgebenden Kostendaten des Jahres 2013 hätten 

sich gegenüber denjenigen von 2010 wesentlich verändert. Auch der auf 

der Basis des Benchmarkings der Einkaufsgemeinschaft HSK oder der ta-

rifsuisse ag ermittelte Referenzwert habe sich seit Einführung des 

SwissDRG-Systems verändert. Unter Hinweis auf BVGE 2014/36 hält die 

Vorinstanz zudem fest, die Regierung sei erst dann berechtigt, einen Tarif 

festzusetzen, wenn die Parteien Gelegenheit hatten, vorher zu verhandeln 

(vgl. BVGE 2014/36 E. 24.4.4). Die Befristung des Tarifs ohne Festsetzung 

eines neuen Tarifs sei zulässig. 

3.3 Nach der Rechtsprechung gilt ein gestützt auf Art. 47 Abs. 1 KVG ho-

heitlich festgesetzter Tarif grundsätzlich für die Dauer des tarifvertragslo-

sen Zustandes und ist in der Regel nicht zu befristen. Das Bundesrecht 

verpflichtet die Kantonsregierungen nicht dazu, die Geltungsdauer der Ta-

rife im Sinne einer Maximaldauer zu befristen oder jährlich neue Tarife fest-

zusetzen, verbietet dies allerdings auch nicht. Nicht mit dem KVG verein-

bar ist es hingegen, für einen Tarif eine Mindestgeltungsdauer oder eine 

feste Dauer vorzusehen. Vielmehr steht es den Tarifpartnern jederzeit frei, 

selbst im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens und auch wenn der Tarif 

einer (Maximal-)Befristung unterliegt, Verhandlungen für einen Tarifvertrag 

aufzunehmen, einen neuen Tarif zu vereinbaren und den entsprechenden 

Tarifvertrag von der Kantonsregierung genehmigen zu lassen oder beim 

Scheitern der Verhandlungen eine neue hoheitliche Tariffestsetzung zu be-

antragen. Insbesondere steht es den Parteien auch frei, bereits für das 

dem betroffenen Tarifjahr folgende Tarifjahr eine neue Tarifrunde einzulei-

ten. Ein aufgrund einer solchen neuen Tarifrunde vereinbarter und geneh-

migter oder hoheitlich festgesetzter Tarif geht dem vorgängig festgelegten 

hoheitlichen Tarif vor beziehungsweise tritt an dessen Stelle (BVGE 

2012/18 E. 7.3 m.w.H.; Urteil BVGer C-8453/2015 vom 18. Januar 2017 

E. 18.1). 

3.4 Dass die Vorinstanz berechtigt gewesen wäre, mit RRB 858/2013 nicht 

zeitlich unbefristete Basisfallwerte festzusetzen, sondern diese bis Ende 

2014 zu befristen, steht ausser Frage. Vorliegend hat sie jedoch die Gel-

tungsdauer der hoheitlich festgesetzten Tarife erst nachträglich (mit Be-

schluss vom 2. Juni 2015) und rückwirkend bis zum 31. Dezember 2014 

beschränkt, ohne neue Tarife festzusetzen. Es stellt sich die Frage, ob 

überhaupt eine Befristung im Sinne der dargelegten Rechtsprechung vor-

genommen wurde. 

C-3900/2015 

Seite 11 

3.4.1 Im Verwaltungsrecht gehört die Befristung – wie die Auflagen und Be-

dingungen – zu den sogenannten Nebenbestimmungen von Verfügungen 

(vgl. HÄFELIN/ MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 

2016, Rz. 906 ff.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/ MÜLLER, Allgemeines Verwal-

tungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 28 Rz. 90 ff.). Die Befristung begrenzt die zeit-

liche Rechtswirksamkeit einer Verfügung (TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, 

a.a.O., Rz. 91). Nach Ablauf der Frist fallen die behördlichen Anordnungen 

(bzw. die eingeräumten Rechte oder auferlegten Pflichten, vgl. Art. 5 

VwVG) dahin, ohne dass es einer neuen (aufhebenden) Verfügung bedarf. 

Wird die Geltungsdauer einer Verfügung über ein Dauerrechtsverhältnis 

(Dauerverfügung), welche in formelle Rechtskraft erwachsen ist, erst spä-

ter mit einer neuen Verfügung und zudem rückwirkend (auf einen vor Erlass 

der neuen Verfügung bestimmten Zeitpunkt) beschränkt, liegt keine Befris-

tung im Rechtssinn vor; vielmehr ist die Behörde auf ihre frühere Verfügung 

zurückgekommen (Widerruf, zum Teil auch als Wiedererwägung bezeich-

net; vgl. TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 31 Rz. 22). 

3.4.2 Mit dem angefochtenen RRB 512/2015 hat die Vorinstanz demnach 

keine Befristung der Tarife vorgenommen, sondern ihren Tariffestsetzungs-

beschluss vom 10. September 2013 nachträglich abgeändert. Im Verhält-

nis zwischen den Beschwerde führenden Spitälern und den Mitbeteiligten 

(Assura und SUPRA) sind die mit RRB 858/2013 festgesetzten Basisfall-

werte in formelle Rechtskraft erwachsen. Diesem Beschluss kommt 

Rechtsbeständigkeit zu, weshalb er nur mehr unter bestimmten Vorausset-

zungen einseitig aufgehoben oder zum Nachteil der Adressaten abgeän-

dert werden darf (vgl. BGE 137 I 69 E. 2.2 m.w.H.; TSCHANNEN/ZIM-

MERLI/MÜLLER, a.a.O., § 31 Rz. 19 ff.; HÄFELIN/MÜLLER/ UHLMANN, a.a.O., 

Rz. 1224 ff.).  

4.  

4.1 Regelt das Spezialgesetz die Voraussetzungen für eine Abänderung 

formell rechtskräftiger Verfügungen nicht, sind die nach Lehre und Recht-

sprechung massgebenden Grundsätze anwendbar (BGE 137 I 69 E. 2.3; 

127 II 306 E. 7a). Zunächst ist zu prüfen, ob die Verfügung materiell un-

richtig ist, wobei es sich – jedenfalls bei Dauerverfügungen – um eine ur-

sprünglich fehlerhafte oder eine nachträglich fehlerhafte Verfügung han-

deln kann. Liegt eine materiell unrichtige Verfügung vor, ist das Interesse 

an der richtigen Durchführung des objektiven Rechts demjenigen am Ver-

trauensschutz gegenüberzustellen; die beiden Interessen sind gegenei-

nander abzuwägen (BGE 137 I 69 E. 2.3; 127 II 306 E. 7a; Urteil BGer 

C-3900/2015 

Seite 12 

2C_659/2010 vom 16. Februar 2011 E. 2.1; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, 

a.a.O., § 31 Rz. 29 ff.).  

4.1.1 Gemäss Art. 25 Abs. 1 des Gesetzes des Kantons Graubünden vom 

31. August 2006 über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; Bündner Rechts-

buch [BR] 370.100) kann die Verwaltungsbehörde einen rechtskräftigen 

Entscheid von Amtes wegen oder auf Gesuch hin ändern oder aufheben, 

wenn sich die Sach- oder Rechtslage gegenüber der ursprünglichen Ent-

scheidungsgrundlage geändert hat und nicht überwiegende öffentliche  

oder private Interessen dem Widerruf entgegenstehen. Diese Bestimmung 

ist auf Dauerverfügungen zugeschnitten, die bei ihrem Erlass rechtmässig 

waren, aber wegen wesentlich geänderter Sach- oder Rechtslage nicht 

mehr gesetzeskonform sind (vgl. Urteil BGer 2C_114/2011 vom 26. August 

2011 E. 3.1; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden 

U 08 33 vom 11. November 2008 E. 3). Für Verfügungen, die bereits bei 

ihrem Erlass fehlerhaft waren, sind die allgemeinen Grundsätze anwend-

bar (vgl. Urteil U 08 33 E. 3). 

4.1.2 Das KVG regelt die Frage nicht, ob und unter welchen Voraussetzun-

gen eine formell rechtskräftige Tariffestsetzung nachträglich abgeändert 

werden darf. Art. 59c Abs. 3 KVV regelt Pflichten der Kantonsbehörde im 

Rahmen eines Tariffestsetzungsverfahrens, stellt aber keine spezialge-

setzliche Grundlage für den Widerruf eines formell rechtskräftigen Tariffest-

setzungsbeschlusses dar. Insbesondere entbindet die Verordnungsbestim-

mung die Kantonsregierung nicht davon, die nach den allgemeinen 

Grundsätzen sowie nach Art. 25 Abs. 1 VRG erforderliche Interessenab-

wägung vorzunehmen.  

4.2 Im angefochtenen Beschluss hält die Vorinstanz zunächst fest, eine ur-

sprüngliche oder nachträgliche Widerrechtlichkeit sei nicht erforderlich, um 

die Geltungsdauer der festgesetzten Baserates nachträglich zu „befristen“ 

(E. 2 S. 4). Anschliessend begründet sie aber, weshalb „die für die Aufhe-

bung des festgesetzten Tarifs erforderliche Veränderung der Bemessungs-

grundlage“ stattgefunden habe (E. 2.1 S. 5). Ob die von der Vorinstanz an-

geführten Veränderungen eine nachträgliche Fehlerhaftigkeit begründen 

und ein Zurückkommen auf die Tariffestsetzung rechtfertigen könnten, 

muss vorliegend nicht geprüft werden. Wie das Bundesverwaltungsgericht 

mit Urteil C-5749/2013 festgestellt hat, standen die mit RRB 858/2013 fest-

gesetzten Basisfallwerte nicht im Einklang mit dem KVG, weshalb bereits 

eine ursprüngliche Fehlerhaftigkeit besteht. Da sich bei Dauerverfügungen 

eine Gesetzwidrigkeit noch über eine längere Zeitspanne auswirken kann, 

C-3900/2015 

Seite 13 

müssen der Verfügung nicht derart schwerwiegende materielle Fehler an-

haften wie den sogenannten urteilsähnlichen Verfügungen, um ein Rück-

kommen zu rechtfertigen (vgl. TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 31 

Rz. 39 ff.; BGE 127 II 306 E. 7a). Das Zurückkommen auf die Tariffestset-

zung gemäss RRB 858/2013 ist daher nicht unzulässig, wenn das Inte-

resse an der richtigen Durchführung des objektiven Rechts demjenigen an 

der Rechtssicherheit beziehungsweise dem Vertrauensschutz vorgeht (vgl. 

Urteil BGer 1C_573/2014 vom 29. April 2015 E. 2.2; HÄFELIN/MÜLLER/UHL-

MANN, a.a.O., Rz. 1227). 

4.3 Die Vorinstanz hat keine solche Interessenabwägung vorgenommen. 

4.3.1 Das Interesse an der Rechtssicherheit beziehungsweise am Vertrau-

ensschutz überwiegt nach der Rechtsprechung in der Regel dann, wenn 

durch die Verwaltungsverfügung ein subjektives Recht begründet worden 

oder die Verfügung in einem Verfahren ergangen ist, in dem die sich ge-

genüberstehenden Interessen allseitig zu prüfen und gegeneinander abzu-

wägen waren, oder wenn der Private von einer ihm durch die Verfügung 

eingeräumten Befugnis bereits Gebrauch gemacht hat. Diese Regel gilt al-

lerdings nicht absolut; auch in diesen drei Fällen kann ein Widerruf in Frage 

kommen, wenn er durch ein besonders gewichtiges öffentliches Interesse 

geboten ist (BGE 137 I 69 E. 2.3 m.w.H.; Urteil 1C_573/2014 E. 2.2). Die 

bundesgerichtliche Formel ist auf die Änderung begünstigender Verfügun-

gen zulasten des Privaten (z.B. Entzug der Betriebsbewilligung) zuge-

schnitten (TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 31 Rz. 51). Nach der 

Rechtsprechung sind aber in jedem Fall alle Aspekte des Einzelfalls einzu-

beziehen (BGE 137 I 69 E. 2.3). 

4.3.2 Vorliegend wäre namentlich zu berücksichtigen gewesen, dass eine 

Tariffestsetzung nicht nur einem (einzelnen) Verfügungsadressaten ein 

Recht einräumt. Im Festsetzungsverfahren sind immer beide Tarifparteien 

(Leistungserbringer und Versicherer) beteiligt, weshalb sich die Festset-

zungsbehörde mit den sich gegenüberstehenden Interessen der Parteien 

(sowie der einzuholenden Stellungnahme der Preisüberwachung; vgl. 

BVGE 2014/3 E. 1.4.2 m.w.H.; RKUV 4/1997 E. II.4 S. 231 f.) auseinander-

setzen muss. Die von der zuständigen Behörde festgesetzte Baserate legt 

zusammen mit der anwendbaren Tarifstruktur (vgl. Art. 49 Abs. 2 KVG) 

fest, welche Vergütung das Spital für eine erbrachte Leistung verlangen 

darf. Gleichzeitig wird bestimmt, welchen Betrag der Versicherer (und der 

Kanton) zu übernehmen hat (vgl. Art. 49a Abs. 1 und 2 KVG). Ist eine Ta-

riffestsetzung in Rechtskraft erwachsen, kann das Spital diesen Tarif seiner 

C-3900/2015 

Seite 14 

Budgetplanung zugrunde legen; bei nur provisorisch festgesetzten Tarifen 

muss hingegen stets mit einer späteren Rückabwicklung gerechnet werden 

(vgl. bspw. Zwischenverfügung des BVGer C-6561/2015 vom 3. Dezember 

2015; Urteil BVGer C-124/2012 vom 23. April 2012 E. 3.5.1 m.w.H.; Urteil 

BVGer C-1220/2012 vom 22. September 2015 E. 8). Zu beachten ist im 

Weiteren, dass nicht nur die direkten Adressaten des Festsetzungsbe-

schlusses ein Interesse an Rechtssicherheit haben, sondern auch die Ver-

sicherten, die Anspruch auf Tarifschutz haben und allenfalls von ihrer Spi-

talwahlfreiheit im Sinne von Art. 41 Abs. 1bis KVG Gebrauch machen wollen 

(vgl. dazu nachfolgende E. 5.3.2).  

4.4 Es ist grundsätzlich nicht Aufgabe der Beschwerdeinstanz, eine von 

der Vorinstanz unterlassene Interessenabwägung nachzuholen. Dies gilt 

insbesondere in einem Bereich wie dem vorliegenden, in dem den Vor-

instanzen ein weiter Beurteilungs- und Ermessensspielraum zuzugestehen 

ist und das Bundesverwaltungsgericht als einzige Gerichtsinstanz urteilt 

(vgl. Urteil C-5749/2013 E. 7.1 m.w.H.; BVGE 2014/3 E. 1.4.1 und 10.4). 

Ein gewichtiges öffentliches Interesse an einer rückwirkenden Aufhebung 

des festgesetzten Tarifs ist vorliegend jedoch nicht auszumachen. Vielmehr 

verstösst diese gegen Grundsätze des KVG, wie nachfolgend darzulegen 

ist. Eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Vornahme der Interessenab-

wägung ist deshalb nicht angezeigt. 

5.  

5.1 Im System des KVG sollen Tarifverträge die Regel und hoheitliche Ta-

riffestsetzungen die Ausnahme bilden (BVGE 2014/37 E. 3.5.1). Gemäss 

Art. 47 Abs. 1 KVG darf eine Kantonsregierung nur dann einen Tarif fest-

setzen, wenn zwischen den Leistungserbringern und Versicherern kein Ta-

rifvertrag zustande gekommen ist (und den Tarifparteien das rechtliche Ge-

hör gewährt wurde). Nach der Rechtsprechung setzt Art. 47 Abs. 1 KVG 

auch voraus, dass zwischen den Tarifparteien (ergebnislos) Vertragsver-

handlungen geführt worden sind beziehungsweise die Tarifparteien Gele-

genheit hatten, vorher zu verhandeln (BVGE 2014/36 E. 24.4. - 24.4.4). 

Wie die Vorinstanz grundsätzlich zu Recht erkannt hat, waren die Voraus-

setzungen für eine hoheitliche Tariffestsetzung bei Erlass des streitigen 

RRB 512/2015 nicht erfüllt. Daher wäre die Vorinstanz nicht befugt gewe-

sen, neue Basisfallwerte festzusetzen, welche die mit RRB 858/2013 fest-

gesetzten Tarife ersetzt hätten (vgl. vorne E. 3.3 in fine). 

C-3900/2015 

Seite 15 

5.2 Es stellt sich deshalb die auch für befristete Tariffestsetzungen wesent-

liche Frage, ob beziehungsweise unter welchen Voraussetzungen die Kan-

tonsregierung einen Tarif auf einen in der Vergangenheit liegenden Zeit-

raum beschränken darf, wenn sie für die Zeit danach keinen neuen Tarif 

festsetzen kann. Der Rechtsprechung lässt sich dazu Folgendes entneh-

men. 

5.2.1 Im Fall C-3717/2014 hatte das Bundesverwaltungsgericht zu beurtei-

len, ob die von der Kantonsregierung am 27. Mai 2014 beschlossene Be-

fristung der Basisfallwerte auf das Kalenderjahr 2012 bundesrechtswidrig 

sei. Das Gericht erwog, dass vorliegend auch für den Tarif ab dem 1. Ja-

nuar 2013 ein Festsetzungsverfahren eingeleitet worden und diesbezüg-

lich die auf den 1. Januar 2013 in Kraft gesetzte Tarifstruktur SwissDRG 

2.0 massgeblich sei, weshalb die Befristung der Tariffestsetzung auf das 

Jahr 2012 nicht zu beanstanden sei (Urteil BVGer C-3717/2014 vom 

14. März 2016 E. 9.2; vgl. auch Urteil BVGer C-2350/2014 vom 29. Januar 

2016 E. 10.3). Auch im Fall, welcher BVGE 2012/18 zugrunde lag, erach-

tete das Gericht die von der Vorinstanz am 30. Juni 2010 beschlossene 

Befristung der Tarife bis (maximal) 31. Dezember 2009 als zulässig, nach-

dem für die Zeit ab 1. Januar 2010 bereits ein neuer Tarif festgesetzt wor-

den war (BVGE 2012/18 E. 7.1 und 7.5). In weiteren Urteilen wurde auf die 

grundsätzliche Zulässigkeit einer „Maximalbefristung“ beziehungsweise 

auf die in BVGE 2012/18 dargelegte Rechtsprechung verwiesen, ohne auf 

die hier interessierende Frage einzugehen (Urteile BVGer C-4310/2013 

vom 20. April 2015 E. 4.4.4 und C-4223/2013 vom 26. März 2015 E. 5.5.3). 

5.2.2 In BVGE 2010/62 wurde festgehalten, dass ein Tarif von Bundes-

rechts wegen grundsätzlich nicht zu befristen ist. Werde dies trotzdem ge-

tan, so sei bei Ablauf der Frist ein neuer Tarif festzusetzen, falls zwischen-

zeitlich kein Vertrag zustande gekommen sei (BVGE 2010/62 E. 6.13 mit 

Hinweis auf RKUV 6/2002 S. 480 ff.). Die Vorinstanz hatte am 4. November 

2008 einen bis am 31. Dezember 2008 befristeten Tarif von Fr. 3‘981.- fest-

gesetzt. Diesen reduzierte das Bundesverwaltungsgericht auf Fr. 3‘926.- 

und legte den Tarif mit unbefristeter Geltungsdauer fest, um einen tariflosen 

Zustand zu vermeiden (BVGE 2010/62 E. 6.13). 

5.2.3 In dem mit Urteil C-8453/2015 beurteilten Fall hatten die Tarifparteien 

nur die Festsetzung des Tarifs für das Jahr 2012 beantragt. Dennoch hatte 

die Vorinstanz einen unbefristeten Tarif festgesetzt. Das Bundesverwal-

tungsgericht erwog, die besonderen Umstände würden vorliegend eine Be-

C-3900/2015 

Seite 16 

fristung zwar rechtfertigen. Trotz des Vertragsprimats liege es aber im Er-

messen der Vorinstanz, die Geltungsdauer des Tarifs hier nicht zu befris-

ten. Es liege in erster Linie an den Tarifpartnern, neue Verhandlungen – 

allenfalls auch rückwirkend – aufzunehmen und einen Vertrag abzuschlies-

sen, sobald sich die Umstände verändert hätten oder allenfalls neue Fest-

setzungsbegehren zu stellen (Urteil C-8453/2015 E. 18.5; vgl. auch Urteil 

BVGer C-4287/2011 vom 14. Mai 2014 E. 8). 

5.2.4 Eine auf einen in der Vergangenheit liegenden Zeitraum beschränkte 

Tariffestsetzung ist namentlich dann unproblematisch, wenn für die Zeit da-

nach bereits neue Tarife festgesetzt oder genehmigt wurden oder ein Fest-

setzungsverfahren hängig ist. 

5.3 Die Kantonsregierung hat nicht nur das Vertragsprimat und die durch 

das KVG gewährleistete Vertragsautonomie (vgl. BVGE 2014/36 E. 24.3.1; 

2014/37 E. 3.5.1) zu respektieren, sie hat auch dafür zu sorgen, dass für 

die zugelassenen Spitäler KVG-konforme Tarife festgelegt werden.  

5.3.1 Der Kanton, welcher die entsprechenden Leistungsaufträge erteilt 

hat, hat darüber zu wachen, dass die erforderlichen Tarifverträge tatsäch-

lich abgeschlossen und ihm zur Genehmigung vorgelegt werden; im ver-

tragslosen Zustand hat er gestützt auf Art. 47 Abs. 1 KVG einen Tarif fest-

zusetzen (BVGE 2013/8 E. 2.4.5 und 2.5.1 m.w.H.; vgl. auch BVGE 

2013/17 E. 2.5; BGE 131 V 133 E. 9.2 und 9.3). Die der Kantonsregierung 

mit Art. 47 Abs. 1 KVG eingeräumte Kompetenz, im vertragslosen Zustand 

hoheitlich einen Tarif festzusetzen, dient der Durchsetzung des für die Ver-

sicherten unerlässlichen Tarifschutzes (RKUV 2/2006 KV 359 E. II.2.2 

S. 118 mit Hinweis auf die Botschaft zum KVG). Ein über längere Zeit dau-

ernder vertragsloser Zustand entspricht – wie der Bundesrat als Rechtspre-

chungsbehörde in RKUV 2/2006 KV 359 E. II.2.2 festgehalten hat – nicht 

den gesetzlichen Vorgaben (vgl. auch BGE 131 V 133 E. 9.2; BVGE 

2013/17 E. 2.3.3).  

5.3.2 Die nur obligatorisch Versicherten werden in ihrer durch das KVG ge-

währleisteten Spitalwahlfreiheit eingeschränkt, wenn die grundsätzlich zur 

Auswahl stehenden ausserkantonalen Spitäler über keinen Tarif verfügen 

(vgl. betreffend Art. 41 aAbs. 1 KVG [in Kraft bis 31. Dezember 2008] 

RKUV 2/2006 KV 359 E. II.2.2 sowie BGE 131 V 133). Ist unklar, ob der 

Tarif des zur Wahl stehenden Spitals über dem Referenztarif im Sinne von 

Art. 41 Abs. 1bis Satz 2 KVG liegen wird, kann die versicherte Person ihr 

Kostenrisiko nicht abschätzen und wird daher eher auf die Ausübung ihres 

C-3900/2015 

Seite 17 

Wahlrechts verzichten und ein innerkantonales Spital aufsuchen. Dies läuft 

den mit der KVG-Revision zur neuen Spitalfinanzierung angestrebten Zie-

len, den interkantonalen Wettbewerb zu fördern und die Spitalwahlfreiheit 

zu verbessern (vgl. BVGE 2013/17 E. 2.4.3 und BGE 141 V 206 E. 3.3.2, 

je m.w.H.), entgegen. Der angestrebte interkantonale Wettbewerb kann nur 

spielen, wenn die Versicherten von ihrer Spitalwahlfreiheit auch Gebrauch 

machen (BVGE 2013/17 E. 2.4.4). Dies ist bei ausserkantonalen Wahlbe-

handlungen am besten gewährleistet, wenn sie als Teil der Grundversor-

gung betrachtet werden und sich deren Kosten folglich nach den Tarifbe-

stimmungen des KVG richten (BGE 141 V 206 E. 3.3.2). Die ausserkanto-

nale Wahlbehandlung wird daher der Grundversorgung zugerechnet und 

als Pflichtleistung der OKP qualifiziert. Als solche untersteht sie insofern 

dem Tarifschutz, als dafür höchstens der KVG-Tarif des Leistungserbrin-

gers verrechnet werden darf (BGE 141 V 206 E. 3.3.4; vgl. auch Urteil 

BGer 9C_151/2016 vom 27. Januar 2017 E. 6.1).  

5.4 Vor diesem Hintergrund lässt sich eine auf einen in der Vergangenheit 

liegenden Zeitraum beschränkte Tariffestsetzung nur bei Vorliegen ausser-

ordentlicher Umstände rechtfertigen, sofern für die Zeit danach keine Tarife 

vorliegen oder nicht zumindest ein Festsetzungsverfahren hängig ist. In ei-

nem solchen Fall hat die Festsetzungsbehörde aber dafür zu sorgen, dass 

der tariflose Zustand nicht über längere Zeit andauert und insbesondere 

hat sie – als vorsorgliche Massnahme – einen provisorischen Tarif festzu-

legen (vgl. dazu Urteil C-124/2012; Zwischenverfügungen BVGer C-

3454/2013 vom 18. Juli 2013 und C-6561/2015 vom 3. Dezember 2015).  

Sind diese besonderen Voraussetzungen nicht gegeben, hat die Kantons-

regierung zu beachten, dass Tarife – aus Gründen der Rechtssicherheit – 

im Normalfall vor deren Inkrafttreten zu vereinbaren und zu genehmigen 

beziehungsweise festzusetzen sind (vgl. BVGE 2012/18 E. 6.2.2; 2014/3 

E. 3.5; 2015/39 E. 10.2). Setzt sie befristete Tarife fest, ist der Fristablauf 

in der Regel so weit in der Zukunft anzusetzen, dass die Tarifparteien ihrer 

Pflicht, Tarifverhandlungen aufzunehmen (vgl. BVGE 2010/24 E. 5.2 und 

6) und die Tarife – wie Art. 59c KVV vorschreibt – zu überprüfen und allen-

falls anzupassen, nachkommen können.  

5.5 Die Vorinstanz hat mit der am 2. Juni 2015 rückwirkend beschlossenen 

Beschränkung der Geltungsdauer der festgesetzten Basisfallwerte bis zum 

31. Dezember 2014 einen tariflosen Zustand provoziert. Dafür hat sie we-

der ausserordentliche Umstände angeführt, welche dies allenfalls rechtfer-

C-3900/2015 

Seite 18 

tigen könnten, noch hat sie einen provisorischen Tarif festgesetzt. Nach-

dem die Tariffestsetzung vom 10. September 2013 – im Verhältnis zwi-

schen den Verfahrensbeteiligten im vorliegenden Verfahren – in Rechts-

kraft erwachsen ist, sind die mit Beschluss vom 13. Februar 2012 (RRB 

116/2012 [Beschwerdebeilage 3]) für die Dauer des Tariffestsetzungsver-

fahren festgesetzten provisorischen Tarife dahingefallen (vgl. Zwischenver-

fügung BVGer C-3454/2013 vom 18. Juli 2013). Für die Versicherten der 

Krankenversicherer Assura und SUPRA würde somit seit dem 1. Januar 

2015 kein (auch kein provisorischer) Tarif für die stationäre Behandlung in 

einem der Beschwerde führenden Spitäler vorliegen. Der Tarifschutz wäre 

damit nicht mehr gewährleistet. 

6.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit dem angefochtenen RRB 

512/2015 ein unzulässiger Widerruf des RRB 858/2013 betreffend Tarif-

festsetzung vorgenommen wurde. Die Vorinstanz hat es unterlassen, die 

für einen Widerruf zwingend erforderliche Interessenabwägung vorzuneh-

men. Zudem verstösst der angefochten Beschluss gegen den Tarifschutz 

(Art. 44 Abs. 1 KVG) und Spitalwahlfreiheit im Sinne von Art. 41 Abs. 1bis 

KVG. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und der angefochtene 

RRB 512/2015 ist aufzuheben. 

7.  

Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-

schädigung. 

7.1 Die beiden Krankenversicherer haben sich nicht am Verfahren beteiligt 

und sind weder als obsiegende noch als unterliegende Partei im Sinne von 

Art. 63 und Art. 64 VwVG zu qualifizieren. 

7.2 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der 

Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die unterliegende 

Vorinstanz ist jedoch nicht kostenpflichtig (vgl. Art. 63 Abs. 2 VwVG). Es 

sind deshalb keine Verfahrenskosten zu erheben.  

7.3 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG haben die obsiegenden Beschwerdefüh-

rer Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen not-

wendigen und verhältnismässig hohen Kosten (vgl. auch Art. 7 ff. des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Entschädi-

gung ist von der Vorinstanz zu leisten (vgl. Art. 64 Abs. 2 VwVG). Mangels 

C-3900/2015 

Seite 19 

Kostennote ist die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (vgl. 

Art. 14 Abs. 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des gebotenen und akten-

kundigen Aufwandes erscheint eine Entschädigung von CHF 6'000.- (inkl. 

Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) ange-

messen. 

8.  

Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-

gericht gegen Entscheide auf dem Gebiet der Krankenversicherung, die 

das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 33 Bst. i VGG in Verbin-

dung mit Art. 53 Abs. 1 KVG getroffen hat, ist gemäss Art. 83 Bst. r BGG 

(SR 173.110) unzulässig. Das vorliegende Urteil ist somit endgültig.  

 

  

C-3900/2015 

Seite 20 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefochtene Beschluss wird 

aufgehoben. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Den Beschwerdeführern wird eine Parteientschädigung zu Lasten der 

Vorinstanz von CHF 6‘000.- zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) 

– die Mitbeteiligte 1 (Gerichtsurkunde) 

– die Mitbeteiligte 2 (Gerichtsurkunde) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. RRB 512; Gerichtsurkunde) 

– das Bundesamt für Gesundheit (Einschreiben) 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Michael Peterli Susanne Fankhauser 

 

 

 

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