# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c4727492-b26d-508c-b042-420f381f203a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.09.2010 D-6819/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6819-2010_2010-09-28.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6819/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz),
mit Zustimmung von Richterin Emilia Antonioni,
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

B._______, Türkei,
zurzeit Transitzone, Flughafen Zürich-Kloten, 
8050 Zürich,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung (Flughafenverfahren); Verfügung 
des BFM vom 13. September 2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6819/2010

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer – ein türkischer Staatsangehöriger  kurdischer 
Ethnie mit letztem Wohnsitz in A._______ (Provinz C._______) – ver-
liess nach eigenen Angaben seinen Heimatstaat am 21. August 2010 
auf dem Seeweg nach Russland und gelangte von St. Petersburg mit 
dem Flugzeug am 25. August 2010 auf den Flughafen Zürich-Kloten, 
wo er tags darauf um Asyl nachsuchte.

B.
Mit  Zwischenverfügung  vom 26.  August  2010  verweigerte  das  BFM 
dem Beschwerdeführer vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies 
ihm für die Dauer von maximal 60 Tagen den Transitbereich des Flug-
hafens Zürich-Kloten als Aufenthaltsort zu.

C.
In den Anhörungen vom 29. August 2010 und vom 8. September 2010 
durch das BFM brachte der Beschwerdeführer zur Begründung seines 
Asylgesuches  im  Wesentlichen  vor,  er  stamme  ursprünglich  aus 
D._______  (Provinz  C._______),  habe  aber  seit  1993  in  E._______ 
beziehungsweise A._______ gelebt. Kurden würden in der Türkei dis-
kriminiert und mit rassistischen Sprüchen beleidigt. Er selber habe da-
rüber hinaus spezifische Probleme, welche ihn zur Ausreise aus sei-
nem Heimatstaat veranlasst hätten. So habe er sich, nachdem er seine 
gymnasiale Schulausbildung abgebrochen habe, ab dem Jahr 2008 für 
den Jugendflügel der heutigen BDP (Baris ve Demokrasi Partisi) – die 
nach dem gerichtlichen Verbot  der  DTP (Demokratik  Toplum Partisi) 
als deren legale Nachfolgeorganisation gegründet worden sei – enga-
giert, indem er Versammlungen organisiert und Jugendliche über politi-
sche Themen und das Verhalten bei öffentlichen Manifestationen infor-
miert  habe.  Aufgrund  dieser  Tätigkeiten  sei  er  im  Dezember  2009 
zweimal von der Polizei auf den Posten von A._______ verbracht und 
dort  während  jeweils  drei  bis  vier  Stunden  verhört  worden;  unter 
Schlägen habe man ihn dabei eingeschüchtert und ihm mit schlimme-
ren Sanktionen gedroht, falls man ihn erneut im Umfeld der Partei an-
treffen würden. Im März 2010 sei er sodann – im Grunde gegen seinen 
Willen – zum Delegierten seiner Partei erkoren worden, worauf er sich 
endgültig entschieden habe, seinen Heimatstaat zu verlassen. Er be-
fürchte nämlich, im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Militär-
dienst – zu dem er sich am 1. August 2010 hätte melden müssen – 

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wegen seiner  Ethnie  und seines politischen Engagements Probleme 
zu erhalten und im Osten der Türkei eingesetzt zu werden; aufgrund 
seiner Refraktion müsse er nunmehr zusätzlich mit einer Verurteilung 
durch ein Militärgericht rechnen. Hinzu komme, dass er aus einer poli-
tisch  aktiven  Familie  stamme  und  dies  den  Behörden  bekannt  sei, 
weshalb er befürchte, Opfer von Reflexverfolgung zu werden. So seien 
je ein Onkel väterlicher- und mütterlicherseits als Kämpfer in den Ber-
gen  gewesen  und  nach  ihrer  Festnahme zu  Freiheitsstrafen  von 37 
Jahren verurteilt  worden, welche sie seit  zwölf  Jahren absitzen wür-
den. Ferner habe sich ein Cousin seines Vaters der PKK (Partîya Kar-
karen Kurdistan) angeschlossen und sei ebenfalls in die Berge gegan-
gen, wo sich seine Spur verloren habe. Schliesslich seien zwei seiner 
Cousins, die Brüder F._______ und G._______, aus politischen Grün-
den in  die  Schweiz geflohen,  wo jedenfalls  F._______ als  Flüchtling 
anerkannt worden sei. Schliesslich sei er am Ende des Jahres 2009 
von einer für die PKK tätigen Person angefragt worden, ob er dieser 
Partei  beitreten und für sie in die Berge gehen wolle, was er jedoch 
abgelehnt habe.

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer mehrere 
Beweismittel  zu  den  Akten,  so  Kopien  seiner  Identitätskarte,  eines 
Auszuges aus dem Familienregister und von Mitgliedschaftsausweisen 
der BDP betreffend seine eigene Person und diejenige seines Vaters.

D.
Mit Verfügung vom 13. September 2010 – eröffnet am 14. September 
2010 – wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und 
ordnete  dessen  Wegweisung  und  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung 
führte das Bundesamt im Wesentlichen aus,  die Vorbringen des Be-
schwerdeführers vermöchten teilweise den Anforderungen von Art. 7 
des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  das 
Glaubhaftmachen  und  teilweise  denjenigen  von Art.  3  AsylG  an  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen. Auf die Erwägungen im ein-
zelnen  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen  einge-
gangen.

E.
Mit teilweise in Türkisch verfasster Eingabe vom 21. September 2010 
focht der Beschwerdeführer die Verfügung des BFM vom 13. Septem-
ber 2010 beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte die Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung sowie die Gewährung von Asyl, 

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eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. 
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Übersetzung der Beschwerde-
begründung von Amtes wegen sowie um Gewährung der unentgelt li-
chen Rechtspflege und Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021).

F.
Die durch den Instruktionsrichter in der Folge antragsgemäss von Am-
tes wegen veranlasste Übersetzung der Beschwerdebegründung ging 
am 27. September 2010 beim Bundesverwaltungsgericht ein. Auf den 
Inhalt wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegan-
gen.

G.
Mit Eingabe des Schweizerischen Roten Kreuzes vom 24. September 
2010 (Posteingang beim Bundesverwaltungsgericht am 27. September 
2010) reichte der Beschwerdeführer zwei fremdsprachige Beweismittel 
zu den Akten, bei welchen es sich nach seinen eigenen Angaben um 
ein Gerichtsurteil bezüglich eines Onkels sowie um ein Begleitschrei-
ben derselben Person handle.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine Vorinstanz des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht  ist  daher  zuständig für  die  Beurteilung der  vorliegenden Be-
schwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

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1.3 Die Beschwerde ist frist- und – abgesehen vom sprachlichen Man-
gel, der indessen von Amtes wegen behoben wurde – formgerecht ein-
gereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). 
Der  Beschwerdeführer  ist  durch die  angefochtene Verfügung beson-
ders  berührt  und hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhe-
bung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Be-
schwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG und  Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG).

2.2 Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels  im Sinne von Art.  57 
VwVG wurde angesichts der Aktenlage in Anwendung von Art. 111a 
Abs. 1 AsylG verzichtet.

2.3 Da sich der Beschwerdeführer in den Anhörungen als Angehöriger 
einer politisch aktiven Familie bezeichnete und eine daraus folgende 
asylrechtlich relevante Gefährdung geltend macht, hat das Bundesver-
waltungsgericht  die  Asylverfahrensakten  der  von  ihm  angegebenen 
Cousins F._______ (N [...]) und G._______ (N [...]) beigezogen. Ange-
sichts  des  für  den  Beschwerdeführer  positiven  Ausgangs  des  Be-
schwerdeverfahrens erübrigt es sich, ihm das rechtliche Gehör zu den 
Vorbringen dieser Personen zu gewähren (Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG).

3.
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt  
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei -
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 

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Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.
4.1 Das BFM führt zur Begründung seiner Verfügung vom 13. Septem-
ber 2010 im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers 
vermöchten  teilweise  den  Anforderungen  von  Art.  7  AsylG  an  das 
Glaubhaftmachen  und  teilweise  denjenigen  von Art.  3  AsylG  an  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht standzuhalten.

4.1.1 Als nicht glaubhaft erachtet die Vorinstanz die vom Beschwerde-
führer  geltend  gemachte  staatliche  Verfolgung  wegen Aktivitäten  für 
die BDP sowie den seitens der PKK auf ihn ausgeübten Druck. So ha-
be der Beschwerdeführer nur rudimentäre Angaben zu der Partei ma-
chen können, bei welcher er angeblich Mitglied sei. Bezüglich der DTP 
kenne er weder das Gericht, das die Partei verboten habe, noch das 
Datum und den Grund für dieses Verbot, und hinsichtlich der BDP sei 
er nicht in der Lage gewesen, die Strukturen des Jugendflügels zu be-
schreiben oder Einzelheiten zur Mutterpartei anzugeben. Im Weiteren 
habe er keine ausführlichen Angaben zu seinen politischen Aktivi täten 
gemacht und nicht überzeugend darzulegen vermocht, wieso er zum 
Delegierten der Partei erkoren worden sei. Auch die vorgebrachten po-
lizeilichen Festnahmen habe er angesichts seiner knappen und ober-
flächlichen Aussagen nicht plausibel geschildert. Insgesamt sei damit 
nicht  glaubhaft  gemacht,  dass  der  Beschwerdeführer  in  absehbarer 
Zukunft wegen politischer Aktivitäten Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt sein werde. Daran vermöge auch die von ihm eingereichte Kopie 
seines Mitgliedschaftsausweises der BDP nichts zu ändern, zumal sie 
lediglich in einer leicht manipulierbaren Kopie vorliege. Soweit den gel -
tend gemachten Druck seitens der PKK anbelangend, hält  das BFM 

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dafür, der Beschwerdeführer habe keine detaillierten Angaben machen 
können; so habe er sich nicht mehr an das Datum des Vorkommnisses 
erinnert und sei nicht sicher gewesen, ob die Person, welche ihn zum 
Beitritt  in  die PKK aufgefordert  habe, überhaupt dieser  Organisation 
angehört habe (vgl. zum Ganzen Verfügung des BFM vom 13. Septem-
ber 2010 E. I/1 S. 3 f.).

4.1.2 Hinsichtlich der übrigen Vorbringen des Beschwerdeführers be-
streitet  die  Vorinstanz  die  Glaubhaftigkeit  nicht,  erachtet  jedoch  die 
asylrechtliche Relevanz als nicht gegeben. So handle es sich bei der 
Militärdienstpflicht um eine staatsbürgerliche Pflicht,  deren Durchset-
zung keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstelle, und zudem 
würde eine  allfällige  Stationierung  des  Beschwerdeführers  im Osten 
der  Türkei  in  keinem Zusammenhang  mit  dessen  kurdischer  Ethnie 
stehen. Soweit der Beschwerdeführer im Weiteren geltend mache, er 
stamme  aus  einer  politisch  oppositionell  gesinnten  Familie  und  be-
fürchte,  wegen  seiner  Verwandtschaft  zu  verfolgten Personen selber 
Nachteile  zu  erleiden,  sei  festzuhalten,  dass  derartige  Reflexverfol-
gungsmassnahmen in der Türkei bis Ende der 1990er-Jahre verbreitet 
gewesen seien, sich aber die Situation heute – nachdem sich die Tür -
kei seit  dem Jahr 2001 sukzessive an europäische Menschenrechts-
standards angenähert habe – anders darstelle. Reflexverfolgung kom-
me zwar durchaus noch vor und eine entsprechende Gefährdung be-
stehe beispielsweise dann, wenn die Behörden nach einem geflüchte-
ten Aktivisten einer als separatistisch oder extremistisch eingestuften 
Gruppierung  fahnden  würden  und  Anlass  zur  Vermutung  bestehe, 
dass Familienangehörigen der gesuchten Person mit dieser in engem 
Kontakt stünden und ebenfalls politisch aktiv seien. Gemäss den Er-
kenntnissen  des  BFM  bestehe  demgegenüber  bei  Angehörigen  von 
bereits  inhaftierten  oder  ehemals  verfolgten  Personen in  aller  Regel 
keine Gefahr, dass sie heute noch von Reflexverfolgungsmassnahmen 
betroffen würden. Im Falle des Beschwerdeführers ergäben sich aus 
den  Akten  keine  Hinweise  darauf,  dass  er  wegen  seines  familiären 
Umfeldes mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und in  absehbarer  Zu-
kunft  von Reflexverfolgungsmassnahmen ernsthaften Ausmasses be-
troffen werden könnte. Schliesslich seien die Schikanen und Benach-
teiligungen verschiedenster Art, welchen die Kurden in der Türkei aus-
gesetzt sein könnten, nicht als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 
Abs. 2 AsylG zu bezeichnen; die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten  Schikanen  gingen  nicht  über  die  Nachteile  hinaus,  welche 
weite Teile der kurdischen Bevölkerung in ähnlicher Weise ausgesetzt 

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seien, weshalb sie asylrechtlich nicht relevant seien (vgl. zum Ganzen 
Verfügung des BFM vom 13. September 2010 E. I/2 S. 4 ff.).

4.2 Der  Beschwerdeführer  stellt  sich  demgegenüber  in  seiner  Be-
schwerdeeingabe vom 21. September 2010 auf den Standpunkt, er ha-
be sich in den Befragungen so gut wie möglich zu seinen politischen 
Aktivitäten geäussert und alle Beweismittel abgegeben, die ihm zu je-
nem Zeitpunkt vorgelegen hätten. Neben seinem eigenen Engagement 
sei seine Verwandtschaft zu Personen, die für die kurdische Sache in 
die Berge gegangen seien, Grund für Übergriffe seitens der türkischen 
Behörden. Am 21. September  2010 habe  er  diesbezüglich  erfahren, 
dass  sein  Cousin  Originaldokumente  betreffend  den  aus  politischen 
Gründen inhaftierten Onkel mütterlicherseits erhalten habe; diese Un-
terlagen werde er demnächst einreichen. Mit Eingabe des Schweizeri -
schen Roten Kreuzes vom 24. September 2010 reichte der Beschwer-
deführer alsdann zwei fremdsprachige Beweismittel zu den Akten, bei 
welchen es sich nach seinen eigenen Angaben um ein Gerichtsurteil  
bezüglich des Onkels sowie ein Begleitschreiben dieser Person hand-
le.

5.
5.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zum Schluss, dass der entscheidwesentliche Sachverhalt für die Prü-
fung der Frage, ob der Beschwerdeführer begründete Furcht vor Ver-
folgung hat,  nicht  rechtsgenüglich  abgeklärt  ist  beziehungsweise die 
vom  Bundesamt  festgestellte  teilweise  fehlende  Glaubhaftigkeit  der 
Vorbringen des Beschwerdeführers aufgrund der heutigen Aktenlage 
nicht bestätigt werden kann.

5.2 Soweit  zunächst  die  vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
eigenen politischen Tätigkeiten betreffend, ist festzuhalten, dass seine 
Vorbringen widerspruchsfrei, nachvollziehbar und – entgegen der Auf-
fassung des BFM – nicht unsubstanziiert ausgefallen sind. Seine Aus-
sagen über die BDP widerspiegeln durchaus das Parteiwissen eines 
einfachen Mitgliedes. So konnte er adäquate Angaben über die lokalen 
Strukturen der Partei in A._______ und seine Aufgaben in deren Ju-
gendflügel machen (vgl. etwa BFM act. A7, S. 4 f., zum Parteibüro, und 
BFM act. A11, S. 4, zu seinen Aufgaben und dem lokalen Vorgesetz-
ten).  Ferner  schilderte  er  das  gerichtliche  Verbot  der  DTP und  den 
Übertritt deren ehemaligen Mitglieder in die BDP in Übereinstimmung 
mit  den tatsächlichen Begebenheiten; dass er dabei  gewisse Einzel-

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heiten des nationalen Kontextes dieser Parteien nicht detailliert zu be-
nennen vermochte, spricht vor diesem Hintergrund nicht a priori gegen 
die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Mitgliedschaft und der kon-
kreten Handlungen des Beschwerdeführers. Entgegen den Erwägun-
gen der Vorinstanz erscheinen auch die vom Beschwerdeführer vorge-
brachten  kurzzeitigen  Mitnahmen  auf  den  Polizeiposten  von 
A._______ nicht von vornherein unplausibel. Auch wenn es sich beim 
Beschwerdeführer  nicht  um  ein  hochrangiges  Parteimitglied  der 
DTP/BDP handelt, sind die von ihm angegebenen Festhaltungen an-
gesichts  der  notorischen  Razzien  in  Parteilokalen  und  polizeilichen 
Befragungen von Mitgliedern nach dem am 11. Dezember 2009 vom 
türkischen  Verfassungsgericht  ausgesprochenen  Verbot  der  DTP 
durchaus nicht  unwahrscheinlich (vgl. dazu etwa UK Border Agency, 
Country of Origin Information Report, Turkey, 9. August 2010, S. 71 ff., 
Ziff. 14.18–14.25; deutsches Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 
Türkei, Mai 2010, S. 5 ff., Ziff. 1.6 und 1.7). Bei dieser Sachlage kann 
im Weiteren eine Reflexverfolgung des Beschwerdeführers wegen sei-
ner Verwandtschaft zu politisch aktiven Personen nicht leichthin ausge-
schlossen werden. Aus den im heutigen Zeitpunkt vorliegenden Unter-
lagen ergibt sich immerhin, dass der Beschwerdeführer aus einem Fa-
milienverband  stammt,  der  sich  der  kurdischen  Sache  verschrieben 
hat. So sind nach den Angaben des Beschwerdeführers neben zwei 
seiner Onkel und einem Cousin seines Vaters, die allesamt wegen Mit-
gliedschaft  bei der PKK verurteilt  worden seien,  auch seine eigenen 
Cousins F._______ und G._______ politisch tätig. Soweit  den Onkel 
mütterlicherseits  betreffend,  hat  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe 
des  Schweizerischen  Roten  Kreuzes  vom 24. September  2010  ent-
sprechende Beweismittel eingereicht, welche allerdings zunächst einer 
Übersetzung bedürfen, und hinsichtlich der beiden in der Schweiz le-
benden  Cousins  liegen  deren  Asylverfahrensakten  vor,  aus  welchen 
hervorgeht,  dass  diese Personen  unter  anderem in  Kiziltepe  für  die 
DEHAP, mithin die Vorgängerorganisation der DTP/BDP, beziehungs-
weise in Diyarbakir für die DEHAP und die DTP politisch aktiv gewe-
sen  sind.  Während  das  Asylverfahren  von  G._______  noch  erstin-
stanzlich  hängig  ist,  wurde  F._______  mit  Verfügung  des  BFM vom 
4. September 2007 als Flüchtling Asyl gewährt, nachdem das Bundes-
verwaltungsgericht  mit  Urteil  D-5433/2006  vom  29. August  2007  in 
Gutheissung einer Beschwerde dessen begründete Furcht vor Verfol-
gung festgestellt  hatte. Vor diesem Hintergrund bestehen prima vista 
wesentliche Anhaltspunkte für die Annahme einer begründeten Furcht 
des Beschwerdeführers vor (Reflex-)Verfolgung, zumal das BFM in der 

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angefochtenen Verfügung vom 13. September 2010 selber davon aus-
geht, dass eine Gefahr derartiger Verfolgung namentlich dann bestehe, 
wenn die türkischen Behörden nach einem geflüchteten Aktivisten ei-
ner  als  separatistisch  oder  extremistisch  eingestuften  Gruppierung 
fahnden würden und Anlass zur Vermutung bestehe, dass Familienan-
gehörige des Gesuchten mit  diesem in  engem Kontakt  stünden und 
und ebenfalls politisch aktiv seien (vgl. BFM-Verfügung vom 13. Sep-
tember 2010, Ziff. I/2, Bst. b, S. 4 f.).

5.3 Nach dem Gesagten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 
Schluss, dass die Auffassung des BFM, wonach der Beschwerdeführer 
seine eigenen politischen Aktivitäten und  die  in  Zusammenhang mit 
diesen stehenden polizeilichen Mitnahmen unglaubhaft dargestellt ha-
be, beim derzeitigen Aktenstand nicht zu überzeugen vermag. Unge-
achtet der Frage, ob das persönliche politische Engagement des Be-
schwerdeführers und die von ihm bereits erlittenen Benachteiligungen 
für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung im 
Sinne von Art. 3 AsylG zu genügen vermögen, kann sodann das Vor-
liegen einer Reflexverfolgungsgefahr angesichts des politischen Umfel-
des, welchem der Beschwerdeführer entstammt, nicht ausgeschlossen 
werden. Eine  abschliessende  Beurteilung  einer  entsprechenden Ge-
fährdung beziehungsweise der Frage einer allfälligen innerstaatlichen 
Fluchtalternative ist indessen im heutigen Zeitpunkt nicht möglich, da 
diese Beurteilung neben einer einlässlichen Prüfung der – vom BFM 
im erstinstanzlichen Asylverfahren, soweit ersichtlich, nicht beigezoge-
nen – Asylverfahrensakten von F._______ und G._______ weiterer Ab-
klärungen, etwa der Übersetzung und Würdigung der vom Beschwer-
deführer  eingereichten  Unterlagen  in  Zusammenhang mit  den  politi-
schen Aktivitäten seines Onkels mütterlicherseits und gegebenenfalls 
einer erneuten Befragung des Beschwerdeführers selber bedarf.

5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das BFM den entscheid-
wesentlichen Sachverhalt nicht genüglich abgeklärt und damit den An-
spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat. Die-
ser Anspruch ist formeller Natur, weshalb seine Verletzung grundsätz-
lich ohne weiteres – das heisst ungeachtet der materiellen Auswirkun-
gen – zur Aufhebung des daraufhin ergangenen Entscheides führt (vgl. 
BVGE 2008/14 E. 4.1  S. 185,  BVGE 2007/30 E. 8.2  S. 371 m.w.H., 
BVGE  2007/27  E.  10.1  S.  332).  Da  die  Gehörsverletzung  nicht  als 
leicht bezeichnet werden kann und zudem die Entscheidreife derzeit 
fehlt und mit weiteren Abklärungen hergestellt werden muss, kann der 

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Verfahrensmangel auf Beschwerdeebene nicht geheilt werden (vgl. da-
zu BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332, wonach eine Heilung die Ausnahme 
bleiben soll). Bei dieser Sachlage ist die Beschwerde im Sinne der Er-
wägungen gutzuheissen, die Verfügung des BFM vom 13. September 
2010 aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung des rechtser-
heblichen Sachverhaltes beziehungsweise zur Neubeurteilung an die 
Vorinstanz zurückzuweisen ist. Ferner ist  das Bundesamt angesichts 
der  Tatsache,  dass  das  vorliegende  Asylverfahren  wegen  der  vom 
BFM vorzunehmenden Abklärungen kaum vor Ablauf der gesetzlichen 
Maximaldauer der zulässigen Aufenthaltszuweisung in den Transitbe-
reich des Flughafens abgeschlossen werden kann, anzuweisen, dem 
Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz zu bewilligen.

6.
Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  zu  erheben 
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG); damit wird das Gesuch des Beschwerde-
führers  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG hinfällig. Ebenfalls gegenstandslos wird sodann 
sein  Gesuch  um Beiordnung  eines  amtlichen  Rechtsbeistandes  ge-
mäss Art. 65 Abs. 2 VwVG. Trotz seines Obsiegens ist dem Beschwer-
deführer schliesslich keine Parteientschädigung auszurichten, da er im 
Beschwerdeverfahren keine Rechtsvertretung mandatiert hat und sich 
aus den Akten keine Hinweise darauf ergeben, dass ihm selber durch 
die  Beschwerdeführung verhältnismässig  hohe Kosten im Sinne von 
Art. 64 Abs. 1 VwVG erwachsen wären.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die  Verfügung  des  BFM vom 13. September  2010  wird  aufgehoben 
und die Sache im Sinne der Erwägungen an das Bundesamt zurückge-
wiesen.

3.
Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer die Einreise in die 
Schweiz zu bewilligen.

4.
Es werden keine Kosten erhoben.

5.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Beschwerdeführer  durch  Vermittlung  der  Flughafenpolizei, 
Grenzpolizeiliche Massnahmen / Asyl (Einschreiben)

- das  BFM,  Dienst  Flughafenverfahren  (per  Telefax  zu  den  Akten 
Ref.-Nr. N [...])

- die Flughafenpolizei, Grenzpolizeiliche Massnahmen / Asyl (per Te-
lefax, mit der Bitte um Eröffnung des Urteils an den Beschwerdefüh-
rer  und  um Zustellung  der  beiliegenden  Empfangsbestätigung  an 
das Bundesverwaltungsgericht)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

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