# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7f249978-9429-5efc-89dd-4e0f8c7b603f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-05
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 05.02.2024 SB230026
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230026_2024-02-05.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230026-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. C. Maira und lic. iur. 

B. Amacker sowie die Gerichtsschreiberin MLaw A. Blaser

Urteil vom 5. Februar 2024

in Sachen

A._____, 
Beschuldigter und Berufungskläger

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. G. Krayenbühl,

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend fahrlässige schwere Körperverletzung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 22. Dezember 2021 (1)

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Anklage:

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 2. März 2021 (Urk. 40) sowie die 

ergänzte Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 25. Januar 2024 (Urk. 89) 

sind diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 71 S. 63 ff.)

"Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 in 

Verbindung mit Abs. 2 StGB sowie

 der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde im 

Sinne von Art. 229 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 260.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-

setzt. 

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger B._____ aus 

dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach zur Leistung von Schadenersatz 

und Genugtuung verpflichtet ist. Zur genauen Feststellung seiner Zivilansprüche wird 

der Privatkläger B._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 1'500.00   Gebühr für das Vorverfahren sowie

Fr. 1'895.45   ½ Auslagen Gutachten FOR.

Weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt.

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7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ für das gesamte Straf-

verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 9'651.20 (inkl. Mehrwertsteuer) zu be-

zahlen.

8. [Mitteilungen]

9. [Rechtsmittel]"

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._____:

(Urk. 98 S. 1 in SB230026-O)

"1. A._____ sei freizusprechen.

 2. Eine geltend gemachte Zivilforderung der Privatklägerschaft sei auf den Zivilweg zu 

verweisen, soweit darauf einzutreten ist.

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zulasten des verfolgenden 

Kantons."

b) Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 74 in SB230025-O bzw. Urk. 77 in SB230026-O schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

c) Der Vertretung des Privatklägers:

(Urk. 92 S. 1 in SB230025-O bzw. Urk. 99 S. 1 in SB230026-O)

"1. Es seien die vorinstanzlichen Urteile in Bezug auf die Schuldsprüche von C._____ 

sowie A._____ wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie Gefährdung 

wegen fahrlässiger Verletzung der Regeln der Baukunde zu bestätigen. 

 2. Es seien die vorinstanzlichen Urteile in Bezug auf die Gutheissung der Schadener-

satz- und Genugtuungsansprüche des Privatklägers zu Lasten der Beschuldigten 

C._____ und A._____ zu bestätigen. Es seien Genugtuungs- und Schadenersatzfor-

derungen im Grundsatz gutzuheissen und auf den Zivilweg zu verweisen.

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge des erst- sowie zweitinstanzlichen Verfah-

rens zu Lasten der Beschuldigten C._____ und A._____."

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang, Berufungsumfang, Beweisanträge

1. Verfahrensgang

1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann auf die zutreffen-

den Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden 

(Urk. 71 S. 4).

1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung Einzelgericht, vom 

22. Dezember 2021 wurde der Beschuldigte der fahrlässigen schweren Körper-

verletzung sowie der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der 

Baukunde schuldig gesprochen. Gegen das Urteil liess der Beschuldigte mit 

Eingabe vom 3. Januar 2022 Berufung anmelden (Urk. 62). Über ein Jahr später, 

am 9. Januar 2023, ging beim Beschuldigten das begründete Urteil ein (Urk. 70/2). 

Am 31. Januar 2023 ging die Berufungserklärung des Beschuldigten ein (Urk. 73). 

Gleichzeitig wurde der Antrag auf Einvernahme weiterer Personen sowie auf 

Beizug weiterer Akten gestellt (Urk. 73). Mit Präsidialverfügung vom 3. Februar 

2023 wurde der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger Frist angesetzt, um 

bezüglich der Berufung des Beschuldigten Anschlussberufung zu erklären, oder 

begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen und zu den Bewei-

santrägen Stellung zu nehmen (Urk. 75). Mit Eingabe vom 9. Februar 2023 liess 

die Staatsanwaltschaft Verzicht auf Anschlussberufung erklären und teilte gleich-

zeitig mit, dass sie am Berufungsverfahren nicht aktiv teilnehmen werde und des-

halb um Dispensation von der Hauptverhandlung ersuche (Urk. 77). Der Privatklä-

ger liess mit Eingabe vom 28. Februar 2023 die Abweisung der Beweisanträge be-

antragen (Urk. 78). Mit Präsidialverfügung vom 9. März 2023 wurden die Bewei-

santräge des Beschuldigten abgewiesen mit Ausnahme der Zustellung des gegen 

den Mitbeschuldigten C._____ gefällten begründeten Urteils (Urk. 79). Mit 

Beschluss vom 15. Januar 2024 wurde der Staatsanwaltschaft Frist zur Anklage-

ergänzung angesetzt (Urk. 86). Mit Eingabe vom 25. Januar 2024 ging die ergänzte 

Anklageschrift ein (Urk. 88). 

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1.3. Am 5. Februar 2024 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der 

Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. 

X._____, der Mitbeschuldigte C._____ in Begleitung seines erbetenen Verteidigers, 

Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, sowie die Vertreterin des Privatklägers B._____, Ad-

vokatin Dr. iur. des. Z1._____, erschienen sind (Prot. II S. 6). Es war zwar nicht 

über Vorfragen jedoch über Beweisanträge zu befinden (Prot. II S. 8 f.). Das Ver-

fahren ist spruchreif. Daher erging das Urteil im Anschluss an die Berufungsver-

handlung (Prot. II S. 20 ff. i.V.m. Urk. 101). 

2. Berufungsumfang

Der Beschuldigte focht mit Ausnahme der Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 5) 

das gesamte Urteil an (Urk. 98 S. 1 i.V.m. Prot. II S. 7). Dementsprechend ist das 

vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositivziffer 5 (Kostenfestsetzung) in 

Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 404 

Abs. 1 StPO). Im Übrigen steht das vorinstanzliche Urteil zur Disposition.

3. Beweisanträge

3.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte die bereits mit 

Eingabe vom 30. Januar 2023 gestellten Beweisanträge erneut stellen (Urk. 96 

S. 1). Er liess hierzu ausführen, die Befragung der vier Mitarbeitenden des Privat-

klägers (D._____, E._____, F._____ und G._____; vgl. Urk. 73 S. 2), welche bis 

zum Unfall mit diesem auf dem Dach gearbeitet hätten, sei zur Erstellung des dem 

Beschuldigten vorgeworfenen Sachverhalts relevant. Diese könnten zum vor dem 

Unfallzeitpunkt erfolgten Abschluss der Arbeiten der H._____ AG aussagen. Diese 

könnten auch zu diversen weiteren Umständen Ausführungen machen, wie zur Ab-

tragung von Kies, bituminöser Dachpappe und Kork, Verwendung des Kompaktla-

ders, sonstigen Arbeitstätigkeiten, Anwesenheiten oder Anweisungen anderer Per-

sonen wie dem Mitbeschuldigten oder I._____, den Sichtverhältnisse auf dem 

Dach, Tragfähigkeit des Daches usw. Die Umstände bezüglich der zum Unfallzeit-

punkt bereits beendeten Arbeiten für die H._____ AG seien noch nicht genügend 

abgeklärt worden, zumal die Vorinstanz die Ausführungen des Beschuldigten 

hierzu als Mutmassung abgetan habe (Urk. 96 S. 1). Zulasten des Beschuldigten 

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gehe die Vorinstanz sodann davon aus, dass gemäss Aussagen des Privatklägers 

die bituminöse Dachpappe und der darunter liegende Kork nicht zu trennen gewe-

sen seien. Die von ihm genannten entlastenden Beweismittel seien hierzu jedoch 

nicht abgenommen worden. Sodann sei nebst den Mitarbeitern auch der Privatklä-

ger zu den angeblichen Warnhinweisen zur fehlenden Dachtraglast zu befragen. 

Hätte es Hinweise gegeben, dass das Dach nicht tragfähig sei, wären diese 

schliesslich ganz sicher nicht noch einmal zu Fuss hochgegangen. Letztlich könn-

ten die vom Beschuldigten beantragten Befragungen zumindest seine Aussagen 

als richtig bestätigen, was selbst für begleitende Ereignisse bei der Prüfung der 

Glaubhaftigkeit konkreter Aussagen bedeutsam sei. Vorliegend seien zwei Be-

schuldigte involviert, welche über den gleichen Sachverhalt widersprechende An-

gaben machen würden, sodass insoweit eine Aussage-gegen-Aussage-Situation 

vorliege. Deswegen seien die zulässigen und erreichbaren Beweismittel abzuneh-

men, die erlauben würden, die einzelnen Aussagen als glaubhafter oder weniger 

glaubhaft zu bewerten (Urk. 96 S. 2). Die Genehmigung des Kompaktladereinsat-

zes durch den Mitbeschuldigten sei eine logische Fortsetzung der Besprechung 

vom 13. Oktober 2017, als dieser in keiner Weise auf die ihm mitgeteilte ungenü-

gende Dachtraglast hingewiesen, keine Abschrankungen angebracht und den Ma-

schineneinsatz nicht verboten habe. Daher sei J._____ zu dieser Besprechung 

nochmals zu befragen. Der Beschuldigte sei sodann zu seiner Verteidigung darauf 

angewiesen, dass K._____ zu dessen eigener Notiz befragt werde, bevor diese 

zulasten des Beschuldigten jeder Beweiswert abgesprochen werde (Urk. 96 S. 2). 

3.2.1. Das Rechtsmittelverfahren setzt das Strafverfahren fort und richtet sich nach 

den Bestimmungen über die erstinstanzliche Hauptverhandlung (Art. 405 Abs. 1 

StPO). Es knüpft an die bereits erfolgten Verfahrenshandlungen, namentlich die 

bereits durchgeführten Beweiserhebungen an. Gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO 

beruht das Rechtsmittelverfahren grundsätzlich auf den Beweisen, die im Vorver-

fahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Dieser 

Grundsatz gelangt indes nur zur Anwendung, soweit die Beweise, auf welche die 

Rechtsmittelinstanz ihren Entscheid stützen will, prozessrechtskonform erhoben 

worden sind. Erweisen sich die Beweiserhebungen des erstinstanzlichen Gerichts 

als rechtsfehlerhaft (lit. a), unvollständig (lit. b) oder erscheinen sie als unzuver-

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lässig (lit. c), werden sie von der Rechtsmittelinstanz wiederholt (Art. 389 Abs. 2 

StPO). Sofern die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung 

notwendig erscheint, erhebt das Berufungsgericht zudem auch im Vorverfahren 

ordnungsgemäss erhobene Beweise noch einmal (Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 

Abs. 1 StPO; BGE 143 IV 288 E. 1.4.1., mit Hinweisen; BGer. 6B_422/2017 vom 

12. Dezember 2017 E. 4.3.1). 

3.2.2. Eine unmittelbare Abnahme eines Beweismittels ist namentlich notwendig, 

wenn es den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann, insbesondere wenn die 

Kraft des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der bei 

seiner Präsentation entsteht. Dies ist etwa der Fall, wenn es in besonderem Masse 

auf den unmittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage ankommt, so wenn die 

Aussage das einzige direkte Beweismittel (Aussage gegen Aussage-Konstellation) 

darstellt. Alleine der Inhalt der Aussage einer Person (was sie sagt), lässt eine 

erneute Beweisabnahme nicht notwendig erscheinen. Massgebend ist, ob das 

Urteil in entscheidender Weise von deren Aussageverhalten (wie sie es sagt) 

abhängt. Das Gericht verfügt bei der Frage, ob eine erneute Beweisabnahme 

erforderlich ist, über einen Ermessensspielraum (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2; BGer. 

6B_800/2016 vom 25. Oktober 2017 E. 9.2, nicht publ. in: BGE 143 IV 397 und 

BGer. 6B_888/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 143 IV 434, 

je mit Hinweisen). Weiter kann eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Beru-

fungsgericht in den Fällen von Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich sein, wenn dieses 

von den erstinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen abweichen will (BGE 140 

IV 196 E. 4.4.1, mit Hinweisen; BGer. 6B_383/2012 vom 29. November 2012 

E. 7.2; VIKTOR LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung 

[StPO], DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER [Hrsg.], 2. Aufl. 2014, N 6 zu Art. 389 StPO). 

In der Beschwerdeschrift muss dargelegt werden, weshalb die erneute Beweis-

abnahme notwendig ist (BGer. 6B_888/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 3.3; 

6B_430/2015 vom 12. Juni 2015 E. 2.3.2). Die erforderlichen zusätzlichen Beweise 

erhebt die Rechtsmittelinstanz gemäss Art. 389 Abs. 3 StPO schliesslich von 

Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei (zum Ganzen: BGer. 6B_918/2018 vom 

24. April 2019 E. 2.2.2.). Im Übrigen erfordern widersprüchliche Aussagen nicht 

notwendigerweise eine nochmalige Beweisabnahme vor Gericht (BSK StPO-WI-

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PRÄCHTIGER, Art. 343 N. 24). Zudem kam das Bundesgericht auf seine Entscheide, 

Art. 343 Abs. 3 StPO gelte sowohl für das erst- als auch für das zweitinstanzliche 

Verfahren, zurück. Es hielt unter Verweis auf BGE 140 IV 196 E. 4.4.1 ausdrücklich 

fest, Art. 343 Abs. 3 StPO statuiere (entgegen den zu apodiktischen Urteilen 

6B_70/2015 vom 20. April 2016 und 6B_1330/2017 vom 10. Januar 2019) eine ein-

malige Unmittelbarkeit im erstinstanzlichen Verfahren, in der Regel jedoch keine 

solche für das Rechtsmittelverfahren (BGer. 6B_639/2021 vom 27. September 

2022 E. 2.2.2, mit Hinweisen).

3.3. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, beruht die Erstellung des Sachverhalts 

und damit letztlich die Verurteilung des Beschuldigten auf dessen glaubhaften und 

belegten Zugeständnissen. Damit erübrigt sich die Einvernahme weiterer 

Personen. Es spielt denn auch weder für die tatsächliche noch die rechtliche 

Beurteilung eine Rolle, ob allenfalls auch andere Beteiligte – wie der Mitbeschul-

digte C._____ – Fehler begangen haben bzw. ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachge-

kommen sind. Ebenso irrelevant ist der konkrete Stand der Arbeiten auf dem Dach 

zum Zeitpunkt des Unfalls. Damit sind sämtliche Beweisanträge abzuweisen.

II. Sachverhalt

1. Einleitung A

Soweit dieser in der Anklage umschriebene Sachverhaltsteil für die Beurteilung 

überhaupt von Bedeutung ist, lässt sich die Funktion des Beschuldigten als 

Projektleiter bzw. Bauführer im Sinne eines technischen Leiters auf seine eigenen 

Angaben stützen (Prot. I S. 17 f.). Auch die übrigen Feststellungen erweisen sich 

unbestrittenermassen als mit der Aktenlage übereinstimmend und damit zutreffend. 

Dieser Sachverhaltsteil ist somit erstellt. 

2. Sachverhalt B

2.1. Absatz 1

Dieser Teil betrifft den Beschuldigten nicht direkt. Er stellt diesen auch nicht in 

Abrede (Urk. 5/8 S. 5). Der Mitbeschuldigte C._____ (nachfolgend: Mitbeschuldig-

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ter) anerkennt diesen Sachverhaltsteil sodann (Urk. 14; Urk. 6/1 S. 4 f.; Urk. 6/2 

S. 4; Urk. 56 S. 3; Urk. 89 S. 3; Prot. I S. 36). Damit ist der Sachverhalt in diesem 

Punkt erstellt. Der Mitbeschuldigte wusste von der eingeschränkten Tragfähigkeit 

des Daches. 

2.2. Absatz 2

Der Beschuldigte bestätigte, an der fraglichen Sitzung und Baustellenbegehung 

vom 17. Oktober 2017 mit dem Mitbeschuldigten, K._____ und dem Privatkläger, 

an der die auszuführenden Dacharbeiten besprochen wurden, anwesend gewesen 

zu sein. Dort sei unter anderem auch die Dachtraglast thematisiert worden. Entge-

gen der Anklage gab der Beschuldigte jedoch an, dass der Mitbeschuldigte vor Ort 

das Okay zum Einsatz des Kompaktladers gegeben habe, ohne dass dieser die 

Quelle seines Wissens angegeben habe (Urk. 5/1 S. 3; Urk. 5/2 S. 2; Urk. 5/3 

S. 4 ff.; Urk. 6/5 S. 3 ff.; Prot. I S. 23 i.V.m. S. 25 f.; Urk. 95 S. 4 f.). Der Beschuldigte 

bestreitet, dass er es gewesen sei, der dem Privatkläger nach der Besprechung die 

Erlaubnis zur Ausführung der Bauarbeiten mit dem Kompaktlader erteilt habe 

(Urk. 5/8 S. 5). Dieser Frage ist jedoch nicht weiter nachzugehen. Es spielt keine 

Rolle, ob der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger keine oder unzutreffende 

Angaben hinsichtlich der Traglast gemacht hat. Wie unter der rechtlichen Würdi-

gung noch aufzuzeigen sein wird, ist lediglich relevant, ob der Beschuldigte einen 

Nachweis zur Traglast eingeholt und die notwendigen Sicherungsvorkehrungen ge-

troffen hat. 

2.3. Absatz 3 

Der Durchbruch des Hallendachs und der dadurch verursachte Absturz des Privat-

klägers samt Maschine, die daraus resultierenden Folgen sowie die weiteren 

Begebenheiten des 23. Oktober 2017 werden vom Beschuldigten nicht bestritten. 

Dies ergibt sich sodann ohne weiteres aus den Akten (Urk. 13/1-2 i.V.m. Urk. 26/1-

17). Der Sachverhalt ist in diesem Punkt erstellt. 

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3. Vorwurf C

Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass ihm die Koordination und Überwachung der 

gesamten Bauarbeiten oblag, worunter insbesondere die Unfallverhütung und die 

zu ergreifenden Sicherheitsmassnahmen fallen (Urk. 5/8 S. 5 i.V.m. Urk. 95 S. 2 f.). 

Der Beschuldigte bestätigte sodann, sich auf die mündliche Zusicherung über die 

Dachtraglast seitens des Mitbeschuldigten verlassen zu haben und keine weiterge-

henden Abklärungen diesbezüglich getroffen zu haben (Urk. 5/1 S. 3 i.V.m. Urk. 5/2 

S. 2 und S. 4; Urk. 95 S. 4 i.V.m. S. 10 f.). Ebenso geht aus seinen Aussagen 

hervor, dass er keine Vorkehrungen hinsichtlich der Sicherung des Daches getätigt 

hat oder tätigen liess, insbesondere keine Absicherungen oder Beschriftungen 

anbrachte bzw. anbringen liess (Urk. 5/1 S. 4 i.V.m. Urk. 95 S. 10). Er führte jedoch 

aus, der Privatkläger habe ringsherum eine Lifeline gespannt gehabt (Urk. 95 

S. 10), worauf im Rahmen der rechtlichen Würdigung näher einzugehen sein wird. 

In tatsächlicher Hinsicht ist der Sachverhalt somit erstellt. Die weiteren Ausführ-

ungen unter diesem Titel sind rechtlicher Natur. Auf diese ist daher ebenfalls im 

Rahmen der rechtlichen Würdigung einzugehen. 

III. Rechtliche Würdigung

1. Vorwurf

Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, eine fahrlässige schwere Körperver-

letzung sowie eine Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der 

Baukunde begangen zu haben. Dies soll er getan haben, indem er es unterlassen 

habe, geeignete Abklärungen bezüglich der Tragfähigkeit des Hallendaches vorzu-

nehmen und entsprechende Massnahmen zur Vermeidung von Arbeiten zu treffen, 

welche die maximale Traglast des Hallendaches überschreiten würden. Konkret 

habe er es unterlassen, die Durchbruchsicherheit abzuklären, die L._____ GmbH 

von Arbeiten auf dem Dach mit schweren Geräten abzuhalten sowie 

Abschrankungen und/oder Warnsignale in allgemein verständlicher Sprache oder 

Symbolen, welche klar und deutlich darauf hingewiesen hätten, dass das Betreten 

bzw. Befahren des Hallendaches eingeschränkt ist und nicht mit schweren Maschi-

nen auf dem Hallendach gearbeitet werden darf, anbringen zu lassen. Auch ähn-

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liche Massnahmen, um eine Arbeitstätigkeit mit schweren Maschinen auf dem 

Hallendach zu verhindern, habe er nicht ergriffen (Urk. 89).

2. Unterlassungsdelikt

Auch wenn dies in der Anklage nicht explizit erwähnt wird, wirft die Staatsanwalt-

schaft dem Beschuldigten faktisch eine Tatbegehung durch Unterlassung im Sinne 

von Art. 11 StGB vor, zumal nicht etwa geltend gemacht wird, der Beschuldigte 

habe den Privatkläger oder die Regeln der Baukunde durch aktives Handeln ver-

letzt, sondern vielmehr durch seine Untätigkeit. Gemäss Art. 11 Abs. 1 StGB kann 

ein Verbrechen oder Vergehen auch durch pflichtwidrige Untätigkeit begangen 

werden. Pflichtwidrig untätig bleibt, wer die Gefährdung oder Verletzung eines 

strafrechtlich geschützten Rechtsguts nicht verhindert, obwohl er aufgrund seiner 

Rechtsstellung dazu verpflichtet ist, u.a. aufgrund des Gesetzes (Art. 11 Abs. 2 lit. a 

StGB). Die gesetzliche Pflicht muss eine gesteigerte Verantwortlichkeit begründen, 

wobei nicht nur ein Gesetz im formellen Sinn in Frage kommt. Denkbar ist z.B. auch 

eine Pflicht, die in einer Verordnung statuiert wird. Die Pflicht muss aber bestimmt 

sein und zu den wesentlichen Pflichten zählen, die von Gesetzes wegen in der 

konkreten Situation beachtet werden müssen (BSK StGB-NIGGLI/MUSKENS, Art. 11 

N. 76 f. mit Verweisen).  

3. Sorgfaltswidrigkeit 

3.1. Allgemeines

Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat – aufgrund 

der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten – die damit bewirkte 

Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und 

wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Wo beson-

dere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der zu 

beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Dies schliesst nicht 

aus, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze, 

wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz, gestützt werden kann (BGE 121 IV 10 

E. 3 mit Verweisen). Denn einerseits begründet nicht jeder Verstoss gegen eine 

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gesetzliche oder für bestimmte Tätigkeiten allgemein anerkannte Verhaltensnorm 

den Vorwurf der Fahrlässigkeit und andererseits kann ein Verhalten sorgfaltswidrig 

sein, auch wenn nicht gegen eine bestimmte Verhaltensnorm verstossen wurde 

(BGer. 6B_1058/2022 und BGer. 6B_107/2022 vom 29. Januar 2024 E. 3.1.). Die 

Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet ist, wird letztlich durch die konkreten 

Umstände und seine persönlichen Verhältnisse bestimmt, weil naturgemäss nicht 

alle tatsächlichen Gegebenheiten in Vorschriften gefasst werden können (BGE 140 

II 7 E. 3.4.).

3.2. Vorschriften des Bauwesens

3.2.1. Vorliegend ergab sich die Pflicht zum Handeln aus den zahlreichen und ein-

schlägigen Vorschriften aus dem Bereich des Bauwesens. Der Beschuldigte war 

– gemäss erstelltem Sachverhalt – als Projektleiter für die gesamte Koordination 

und Überwachung der Baustelle zuständig. So erklärte er anlässlich der Berufungs-

verhandlung gar selbst, er sei u.a. für die Abklärungen der Durchbruchsicherheit 

auf dem fraglichen Dach verantwortlich gewesen (Urk. 95 S. 3). Damit kam ihm 

bauleitende Funktion zu. Die Pflichten und Verantwortungen des Bauleiters erge-

ben sich sodann aus SIA Norm 118 Art. 34 Abs. 1, wonach der Bauleitung – soweit 

der Werkvertrag nichts anderes bestimmt – insbesondere die Beschaffung der 

Pläne, die Aufsicht über die Ausführung der Arbeiten sowie die Prüfung der Rech-

nungen und des Werkes obliegt. Diese allgemeine Pflicht wird in weiteren Erlassen 

konkretisiert. So in Art. 1.2.1 Ordnung SIA 102, wonach zur Sorgfaltspflicht die 

Erbringung der vertraglich vereinbarten Leistungen und die Beachtung der allge-

mein anerkannten Regeln seines Fachgebiets zählen. Dazu zählt insbesondere 

auch die Einhaltung der Bauarbeitenverordnung (BauAV). Diese Pflicht ergibt sich 

aus Art. 1.2.5 Ordnung SIA 102. Demnach gewährleistet der Beauftragte die 

Sicherheit der am Bauwerk Beschäftigten, indem er als Arbeitgeber die einschlägi-

gen Sicherheitsvorschriften (insbesondere VUV und BauAV) einhält und mit den 

Arbeitgebern anderer Betriebe, deren Arbeitnehmer auf der Baustelle tätig sind, die 

erforderlichen Absprachen trifft (Art. 9 Abs. 1 VUV).

3.2.2. Wer bei der Leitung oder Ausführung eines Bauwerks mitwirkt, ist dafür ver-

antwortlich, dass in seinem Bereich die Regeln der Baukunde eingehalten werden. 

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Soweit es um Massnahmen der Unfallverhütung geht, hat sodann nicht nur der-

jenige, der die spezifische Unfallgefahr geschaffen hat, für die vorschriftsgemässe 

Verminderung der Ausschaltung des Risikos besorgt zu sein, sondern jeder Arbeit-

geber hat erkennbare Mängel, welche eine vermeidbare Gefährdung bilden, zu 

beheben oder durch zweckmässige Intervention die Einhaltung der Unfallver-

hütungsvorschriften zu veranlassen (BGE 109 IV 15 E. 2a.). Die Bauleitung kann 

sich nicht blind darauf verlassen, dass der Auftragnehmer die vorgeschriebenen 

Sicherheitsmassnahmen ergreift. Er hat selbst darauf zu achten (BGE 104 IV 96 

E. 4). Nach der Rechtsprechung ist es zwar zulässig, die Verantwortung für die 

Einhaltung von Regeln der Baukunde zu delegieren. Der Vorgesetzte bleibt aber 

auch in diesem Fall für die Auswahl, die Instruktion und die Überwachung verant-

wortlich (BGE 104 IV 96 E. 5). 

3.2.3. Bauarbeitenverordnung

3.2.3.1. Mit Bezug auf Abbrucharbeiten auf Dächern kennt die einschlägige Bau-

arbeitenverordnung darüber hinaus präzise und detaillierte Pflichten, welche einzu-

halten sind. In casu kommt die zum Unfallzeitpunkt gültige Fassung vom 1. Novem-

ber 2011 zur Anwendung. Unter diese fallen auch Abbrucharbeiten (Art. 2 Abs. 1 

lit. a aBauAV).

3.2.3.2. Im Sinne einer allgemeinen Norm sind im Sinne von Art. 8 aBauAV die 

Arbeitsplätze sicher zu gestalten. Mit Bezug auf Dacharbeiten enthält die aBauAV 

zahlreiche detaillierte Bestimmungen und auferlegt namentlich dem Bauleiter – mit 

anderen Worten, Personen mit bauleitender Funktion – konkrete Pflichten. Demge-

mäss ist vor Beginn der Arbeiten abzuklären, ob die Dachflächen durchbruchsicher 

sind oder nicht (Art. 33 Abs. 1 aBauAV). Dabei ist es nicht im Belieben des Projekt-

leiters, worin diese Abklärungen bestehen. Vielmehr muss ein Nachweis der Durch-

bruchsicherheit erbracht werden, ansonsten die Massnahmen nach Art. 35 aBauAV 

getroffen werden müssen. Bei nur beschränkt durchbruchsicheren Dachflächen 

wären sodann Massnahmen nach Art. 34 aBauAV zu ergreifen. Der Nachweis der 

Belastbarkeit im Sinne von Art. 12 VUV ist sodann ingenieurmässig nach den an-

erkannten Regeln der Baustatik und Festigkeitslehre, die dem Stand der Technik 

entsprechen, zu führen. Er umfasst in der Regel den Tragfähigkeitsnachweis (inbe-

- 14 -

griffen Stabilitätsnachweis) und den Gebrauchsfähigkeitsnachweis (Ziff. 309.3 

Wegleitung der Eidgenössischen Kommission für Arbeitnehmersicherheit [EKAS] 

durch die Arbeitssicherheit, abrufbar unter: www.wegleitung.ekas.ch  Übersicht 

Wegleitung  Gebäude und andere Konstruktionen  Belastbarkeit von Gebäu-

den und anderen Konstruktionen  Nachweis der Tragfähigkeit). 

3.3. Vorbringen der Verteidigung 

3.3.1. Die Verteidigung machte zusammengefasst geltend, der Privatkläger sei zum 

Unfallzeitpunkt nicht mehr für die H._____ AG tätig gewesen, sondern für die 

M._____ AG. Daher habe der Beschuldigte keine Garantenstellung mehr inne 

gehabt (Urk. 98 S. 1-3 Rz. 2-6).

3.3.2. Wie bereits die Vorinstanz festhielt, führte der Privatkläger von Anfang an 

aus, dass das Abtragen von Bitumen und Kork nicht richtig voneinander hätten 

getrennt werden können (Urk. 8/1 S. 3; Urk. 8/2 S. 2). An gewissen Orten sei es 

sehr gut gegangen. An anderen Orten habe der Kork jedoch sehr fest gehalten 

(Urk. 8/1 S. 3). Die beiden Aufträge seien daher ineinander geflossen (Urk. 8/2 

S. 2). Genauer gesagt, sei nach Arbeitsbeginn relativ schnell klar geworden, dass 

der Kork, welcher sich unter der Bitumenschicht befunden habe, spröde gewesen 

sei. Er habe dies daraufhin jemandem der H._____ AG mitgeteilt, worauf er eine 

Telefonnummer der M._____ AG erhalten habe. Jemand von der M._____ AG sei 

dann vor Ort gewesen und habe ihn beauftragt, ebenfalls den Kork zu entfernen 

und eine zweite Mulde dafür zu bestellen. Sie seien dann so vorgegangen, dass 

sie jeweils zwanzig Meter Bitumen weggenommen und danach jeweils zwanzig 

Meter Kork entfernt hätten (Urk. 8/3 S. 6 f.). Er habe somit am 24. Oktober 2017 

sowohl Kork als auch Bitumen entfernt (Urk. 8/3 S. 15). Auf die Ausführungen der 

Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit des Privatklägers und der Glaubhaftigkeit seiner 

Aussagen zu diesem Punkt, kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen ohne 

Weiteres auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 19 f. 

E. III.4.3.3.4.). Die Aussagen sind glaubhaft. Auf dem vom Privatkläger gemachten 

Foto vom 23. Oktober 2017 ist denn auch die von ihm beschriebene Arbeitsweise 

ersichtlich. Die L._____ GmbH hat sich offensichtlich von hinten nach vorne vorge-

arbeitet. Im hinteren Bereich des Fotos sind weder Bitumen noch Kork ersichtlich, 

- 15 -

während im vorderen Bereich offenbar noch nicht gearbeitet wurde (Urk. 13/4 S. 6, 

Foto vom 23. Oktober 2017, 09.49 Uhr). Auf dem in den Akten liegenden Foto des 

Daches, welches offenbar einen Tag vor dem Unfall aufgenommen wurde, sind 

sodann sowohl Kork – im Übrigen wie vom Privatkläger beschrieben erkennbar 

spröde – als auch Bitumen zu sehen (Urk. 52/2.6). Damit ist ohne Weiteres erstellt, 

dass zum Unfallzeitpunkt – unabhängig davon, ob es möglich gewesen wäre, die 

Arbeiten strikt voneinander zu trennen – weder die eine noch die andere Arbeit 

abgeschlossen war. Selbst wenn dies – wie dies N._____ in seinem für den Be-

schuldigten erstellten Bericht nahelegt (vgl. Urk. 97/2) – nicht mehr der Fall gewe-

sen wäre, vermöge dies den Beschuldigten jedoch nicht zu entlasten. Dieser war 

der zuständige Ansprechpartner des Privatklägers und hat ihn in Missachtung sei-

ner Sorgfaltspflicht – ohne einen Durchbruchsicherheitsnachweis einzuholen oder 

entsprechende Sicherheitsmassnahmen zu ergreifen – auf dem Dach Arbeiten mit 

einem Kompaktlader verrichten lassen. Zu welchem Zeitpunkt der Privatkläger ge-

nau verunfallte, spielt damit weder für die Beurteilung der fahrlässigen Körperver-

letzung noch für die Beurteilung der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der 

Regeln der Baukunde eine Rolle. Die konkrete Gefährdung der Mitarbeitenden des 

Privatklägers war auch beim reinen Abtragen der Bitumenschicht bereits gegeben. 

Wann genau der Privatkläger verunfallte, war sodann letztlich vom Zufall abhängig. 

Bei einer derart niedrigen Dachtraglast war – unabhängig von der Frage, ob gerade 

Bitumen oder Kork abgetragen wird – jederzeit damit zu rechnen, dass es zu einem 

solchen Unfall kommen würde. Gestützt auf die vorliegende Aktenlage ist damit 

nicht von der Hand zu weisen, dass damit die M._____ AG bzw. die für diese han-

delnden Personen im gleichen Masse in der Verantwortung waren, wie der Be-

schuldigte und der Mitbeschuldigte. Mangels entsprechender Anklage kann dies 

vorliegend jedoch offen bleiben. 

3.3.3. Die Verteidigung machte weiter geltend, dem Beschuldigten sei keine Pflicht-

widrigkeit vorzuwerfen, da dieser die Dachtraglast beim Mitbeschuldigten, welcher 

die hierfür zuständige Stelle gewesen sei, abgeklärt habe. Dies sei das nach der 

Erfahrung notwendige, den gegebenen Verhältnissen angemessene und fachge-

rechte Prozedere gewesen. Auch die M._____ AG sei schon so vorgegangen, habe 

aber im Unterschied zum Beschuldigten die korrekte Auskunft erhalten, welche die 

- 16 -

H._____ AG nie erhalten habe (Urk. 98 S. 3 f. Rz. 7-9). Der Mitbeschuldigte sei 

spätestens ab Erhalt der Auskunft zur Dachtraglast mit E-Mail vom 6. Juli 2017 ver-

pflichtet gewesen, proaktiv und ungefragt, warnend auf die sehr beschränkte Dach-

traglast hinzuweisen. Er hätte sodann veranlassen müssen, dass geeignete Ab-

schrankungen oder Warnsignale angebracht werden, welche auf die beschränkte 

Dachtraglast hinweisen und verbieten, mit schweren Maschinen auf dem Dach zu 

arbeiten. Das Fehlen jeglicher zu erwartender Hinweise und Sicherheitsmassnah-

men – zumal zuvor bereits die M._____ AG auf dem Dach tätig gewesen sei – 

hätten beim Beschuldigten keine Zweifel an der vor Arbeitsbeginn erhaltenen Aus-

kunft wecken müssen (Urk. 98 S. 5 Rz. 14). 

3.3.4. Wenn die Verteidigung in diesem zentralen Punkt ausführt, dass der 

Beschuldigte im Zusammenhang mit den Abklärungen der Traglast nichts über-

sehen habe und lediglich seine pflichtgemässen Abklärungen nicht per E-Mail 

sondern bloss mündlich getätigt habe, so stellt genau dies die zentrale Pflichtver-

letzung dar. Der Beschuldigte verfügte vorliegend weder über einen mündlichen 

noch über einen schriftlichen Nachweis der Durchbruchsicherheit. Er erhielt 

gemäss seiner eigenen Aussage lediglich eine mündliche Auskunft des Mitbeschul-

digten über die Tragfähigkeit des Daches ohne irgendeine Quellenangabe, worauf 

er sich hierbei stütze. Auf diese durfte er sich nicht verlassen. Selbst in der 

Annahme, dass diese korrekt gewesen wäre, hätte sie den gesetzlichen Anforde-

rungen nicht genügt. Bei der mündlichen Auskunft des Mitbeschuldigten handelt es 

sich nämlich nicht um einen Nachweis der Belastbarkeit i.S.v. Art. 12 VUV. Diese 

Auskunft basiert schliesslich nicht auf einem ingenieurmässig nach den anerkann-

ten Regeln der Baustatik und Festigkeitslehre, die dem Stand der Technik entspre-

chen, geführten Nachweis. Ein rechtsgenügender mündlicher Nachweis wäre 

beispielsweise dann grundsätzlich gegeben, wenn der zuständige Bauingenieur 

resp. Statiker unter Zugrundelegung der anerkannten Regeln der Baustatik und 

Festigkeitslehre eine mündliche Auskunft hierzu erteilt. Damit laufen die Ausführ-

ungen der Verteidigung, wonach das UVG, die BauAV und die SIA Norm 118 dies-

bezüglich keine Schriftlichkeit verlangten und mit der mündlichen Abklärung keine 

Regel der Baukunde ausser Acht gelassen werde, im Resultat ins Leere (Urk. 54 

S. 3; Urk. 98 S. 3 f. Rz. 9). Die eingeholte mündliche Auskunft genügt den Anforde-

- 17 -

rungen schlicht nicht. O._____ von der M._____ AG ging im Übrigen nicht gleich 

vor wie der Beschuldigte. Im Gegensatz zu diesem, verlangte er vom Mitbeschul-

digten in seiner E-Mail explizit die Einholung der Information über die Dachtraglast 

beim Ingenieur und damit eine fundierte und den Anforderungen von Art. 12 VUV 

genügende Abklärung der Frage (Urk. 17/4 S. 2). 

3.4. Schlussfolgerungen

3.4.1. Ein Nachweis der Belastbarkeit lag gemäss erstelltem Sachverhalt weder 

mündlich noch schriftlich vor. Folglich wären, da nicht nachgewiesen wurde, dass 

die Dachfläche durchbruchsicher oder beschränkt durchbruchsicher war, die 

Massnahmen nach Art. 35 aBauAV zu treffen gewesen (Art. 33 Abs. 2 aBauAV). 

Demnach hätte vorliegend nur von Laufstegen aus gearbeitet werden dürfen, aus-

nahmsweise auch mit Auffangnetzen oder Fanggerüsten (Art. 35 Abs. 1 aBauAV), 

jedenfalls aber nicht mit mehreren hundert Kilo schweren Maschinen. Dies in die 

Wege zu leiten und zu kontrollieren hat der Beschuldigte vorliegend unterlassen. 

3.4.2. Darüber hinaus hätte vorliegend am Gebäude auch ein Seitenschutz oder 

ein Spenglergang angebracht werden müssen, da die Absturzhöhe mehr als zwei 

Meter betrug (Art. 15 Abs. 1 aBauAV, Art. 29 Abs. 1 aBauAV). Das vorliegend zur 

"Sicherung" angebrachte Seil (vgl. Urk. 5/2 S. 20 ff.) bzw. die geltend gemachte 

"Lifeline" (vgl. Urk. 52/2.6) entsprach den gesetzlichen Anforderungen (festes 

Geländer bestehend aus Geländeholm, Zwischenholm und Bordbrett) noch nicht 

einmal im Ansatz (Art. 16 aBauAV).  

3.4.3. Zudem hätten – da mangels Nachweis von einem nicht durchbruchsicheren 

Dach hätte ausgegangen werden müssen – Abschrankungen angebracht werden 

müssen und wären andere Massnahmen zu ergreifen gewesen, welche ein Bege-

hen der Dachfläche verhindert hätten (Art. 8 Abs. 2 lit. b aBauAV). Zusätzlich wären 

an den Zugängen Anschlagtafeln anzubringen gewesen, auf denen die Arbeit-

nehmerinnen und Arbeitnehmer in ihnen verständlichen Sprachen oder mittels 

Symbolen darauf hinzuweisen gewesen wären, dass das Betreten der Fläche 

verboten ist (Art. 8 Abs. 2 lit. d. aBauAV).

- 18 -

3.4.4. Der Beschuldigte, bei welchem als Projektleiter die Kenntnis der einschlägi-

gen Bestimmungen vorausgesetzt werden durfte und welcher angab, diese zu 

kennen (Urk. 95 S. 3), hat keine dieser Sicherheitsbestimmungen befolgt und 

folglich alles unterlassen, was zur Sicherung der Baustelle notwendig gewesen 

wäre. Und dies obwohl er wusste, dass auf dem Dach gearbeitet wird und zwar 

auch mit schweren Arbeitsmaschinen. Der Beschuldigte hat damit seine Sorgfalts-

pflichten aufs Gröbste vernachlässigt und damit pflichtwidrig gehandelt. 

3.4.5. Er hat also zusammengefasst – trotz Kenntnis der einschlägigen Bestimmun-

gen und im Wissen um seine Pflichten – weder einen Durchbruchsicherheits-

nachweis eingeholt noch in Ermangelung eines solchen Massnahmen nach Art. 35 

aBauAV ergriffen. Damit hat der Beschuldigte seine Sorgfaltspflichten aufs Gröbste 

vernachlässigt und blieb damit pflichtwidrig untätig. 

4. Fahrlässige Körperverletzung 

4.1.1. Wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt, 

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 125 Abs. 1 

StGB). Die fahrlässige Körperverletzung knüpft im objektiven Tatbestand an die 

Voraussetzungen der vorsätzlichen Körperverletzung nach Art. 122 und 123 StGB 

an. Es ist jedoch subjektiv nicht Vorsatz gefordert, sondern Fahrlässigkeit genügt 

(BSK StGB-ROTH/KESHELAVA, Art. 125 N. 1). Schwer ist die Körperverletzung dann, 

wenn ein Mensch lebensgefährlich verletzt wird, der Körper ein wichtiges Organ 

oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied 

unbrauchbar gemacht, ein Mensch bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder 

geisteskrank gemacht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt wird 

oder eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder 

geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht wird (Art. 122 StGB).

4.1.2. In subjektiver Hinsicht müssen bei der fahrlässigen Körperverletzung die 

regulären Voraussetzungen der Fahrlässigkeit gegeben sein (BSK StGB-ROTH/ 

KESHELAVA, Art. 125 N. 6). Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen 

sodann, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht 

bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, 

- 19 -

wenn der Täter nicht die Vorsicht beachtet, zu der er nach den Umständen und 

nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ins-

besondere muss der Täter mit seinem Verhalten eine Sorgfaltspflicht verletzt haben 

(PK StGB-TRECHSEL/FATEH-MOGHADAM, 4. Aufl. 2021, Art. 12 N. 29). Mithin muss 

der Täter den eingetretenen Erfolg verursacht oder mitverursacht haben, wobei 

sein Handeln pflichtwidrig unvorsichtig gewesen sein muss und der Erfolg sich als 

Auswirkung gerade der durch den Sorgfaltsmangel geschaffenen Gefahr darstellt 

(BSK StGB-NIGGLI/MAEDER, Art. 12 N. 88). 

4.2. Eintritt des tatbestandlichen Erfolgs

Die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen sind zweifellos als schwer im Sinne 

von Art. 122 StGB zu qualifizieren. Er erlitt mehrere Rippenfrakturen, eine Scham-

beinastfraktur, Lungenquetschung, Beschädigung von Milz und Niere, Wirbel-

säulenverletzungen, Schädelhirntraumata, offene Oberarmfrakturen, einen Schien-

beinbruch und mehrere Brüche am linken Fuss, welcher in der Folge amputiert 

werden musste (vgl. Urk. 26/1-17). 

4.3. Verursachung des Erfolges durch ein Unterlassen

4.3.1. Der Beschuldigte hat es unterlassen, die physisch real möglichen Abwen-

dungshandlungen vorzunehmen, obwohl er dies gekonnt hätte und damit die 

Tatmacht inne gehabt hätte. Namentlich hat er es unterlassen, vorab die Durch-

bruchsicherheit des Daches rechtsgenügend abzuklären und anschliessend die 

L._____ GmbH über die maximal zulässige Traglast zu informieren und diese da-

von abzuhalten, die Arbeiten auf dem Hallendach mit schweren Geräten, wie z.B. 

einem Kompaktlader, auszuführen. Weiter unterliess er es zu veranlassen, dass 

geeignete Abschrankungen und/oder Warnsignale in allgemein verständlicher 

Sprache oder Symbolen angebracht werden, welche klar und deutlich darauf 

hinweisen, dass das Betreten bzw. Befahren des Hallendaches eingeschränkt ist 

und nicht mit schweren Maschinen auf dem Hallendach gearbeitet werden darf. 

- 20 -

Ebenso unterliess er es ähnliche Massnahmen zu ergreifen, um eine Arbeitstätig-

keit mit schweren Maschinen auf dem Hallendach zu verhindern. 

4.3.2. Diese Unterlassungen waren für den Unfall ("Erfolg") kausal, wäre dieser 

doch mit der Vornahme der gebotenen Handlungen ausgeblieben, indem der 

Privatkläger im Wissen um die niedrige Dachtraglast bzw. aufgrund von entspre-

chenden Absperrungen und Gefahrensignalisationen seine Arbeiten eingestellt 

bzw. gar nicht erst mit einem Kompaktlader und ohne entsprechende Sicherungs-

massnahmen begonnen hätte. 

4.4. Garantenstellung des Täters

Diese ergibt sich für den Beschuldigten als Projektleiter, wie bereits vorstehend 

unter E. III.3. ausgeführt, aus Gesetz. 

4.5. Gleichwertigkeit des Unterlassens gegenüber dem aktiven Tun.

Nachdem die Sicherung der Baustelle und das Abhalten von Arbeitenden von 

gefährlichen Tätigkeiten zur Vermeidung von Unfällen und zum Schutz von Leib 

und Leben zu den Kernaufgaben des Beschuldigten zählte, ist die Unterlassung 

ebenso strafwürdig wie die Verletzung von Leib und Leben durch ein direktes Tun. 

4.6. Sorgfaltswidrigkeit des Verhaltens  

Wie bereits unter vorstehender Erwägung III. 3. festgehalten, ergibt sich die Pflicht 

zum Handeln vorliegend aus zahlreichen einschlägigen Vorschriften. Der Beschul-

digte durfte sich nicht darauf verlassen, dass die anderen Beteiligten die notwendi-

gen Massnahmen ergreifen. Daher verhielt er sich sorgfaltswidrig, indem er keinen 

Durchbruchsicherheitsnachweis einholte und trotz dessen Fehlen die Massnahmen 

nach Art. 35 aBauAV nicht ergriff, bzw. nicht für deren Ergreifen sorgte. 

- 21 -

4.7. Zurechnungszusammenhang zwischen Sorgfaltswidrigkeit und Deliktserfolg

4.7.1. Vorhersehbarkeit des Erfolgs 

4.7.1.1. Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und 

mithin für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die 

zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den konkreten Täter 

mindestens in den wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Zunächst ist daher zu 

fragen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte voraus-

sehen bzw. erkennen können und müssen. Hierbei gilt der Massstab der Adäquanz. 

Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizu-

führen oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn 

ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers bzw. eines 

Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit 

denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, 

dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen 

und so alle anderen mitverursachenden Faktoren in den Hintergrund drängen 

(BGE 135 IV 56 E. 2.1. mit Verweisen). 

4.7.1.2. In diesem Zusammenhang kann auf die obigen Ausführungen unter E. III.3. 

verwiesen werden. Mit Blick darauf war für den Beschuldigten aufgrund der 

konkreten Umstände und der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten erkennbar, dass 

ein Durchbruchsicherheitsnachweis einzuholen gewesen wäre und bei Fehlen 

eines solchen, Massnahmen nach Art. 35 aBauAV zu ergreifen gewesen wären, 

wobei er aufgrund der Missachtung dessen beim Arbeiten auf dem Dach, insbe-

sondere aber nicht nur mit schwerem Arbeitsgerät, mit einem Durchbruch des 

Daches samt entsprechenden Folgen rechnen musste. 

4.7.1.3. Den Privatkläger trifft zwar ein erhebliches Selbst- und den Mitbeschuldig-

ten ein erhebliches Mitverschulden. Sowohl der Privatkläger als auch der Mitbe-

schuldigte verletzten jeweils ihre Pflichten, genauso wie dies der Beschuldigte tat. 

Alle drei waren gleichermassen der Bauarbeitenverordnung und den darin statuier-

ten Pflichten unterworfen. Damit hatten sie auch dieselben Sicherungspflichten, 

- 22 -

denen sie gleichermassen nicht nachkamen. Insofern erscheinen die jeweiligen 

Tatbeiträge gleich hoch und vermögen nicht eine der Pflichtverletzungen – auch 

nicht jene des Beschuldigten – in den Hintergrund zu rücken. Das Mitverschulden 

des Privatklägers und des Mitbeschuldigten waren zwar sehr schwer aber nicht 

dergestalt, dass diese als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache die ande-

ren mitverursachenden Faktoren, so insbesondere das Verschulden des Beschul-

digten, in den Hintergrund zu drängen vermögen würden. Damit führt dies auch 

nicht zum Unterbruch des Kausalzusammenhangs.

4.7.2. Pflichtwidrigkeitszusammenhang (Vermeidbarkeit) 

Eine weitere Voraussetzung ist schliesslich, dass der Erfolg auch vermeidbar 

gewesen wäre, dass also bei pflichtgemässem Verhalten des Täters der Erfolg 

ausgeblieben wäre (BGE 135 IV 56 E. 2.1 m.w.H.). Auch diese Voraussetzung ist 

ohne weiteres erfüllt: Bei pflichtgemässem Verhalten, mithin dem Einholen eines 

Durchbruchsicherheitsnachweises und dem Ergreifen von Massnahmen nach 

Art. 35 aBauAV wäre der Unfall vermieden worden. Bei Beachtung der gesetzlichen 

Pflichten hätte der Privatkläger das Dach nicht mit einem Kompaktlader und ohne 

das Ergreifen entsprechender Sicherungsmassnahmen betreten. Daher wären 

sowohl der Unfall als auch die durch ihn erlittenen Verletzungen vermeidbar gewe-

sen.

4.7.3. Schutzzweck der Norm 

Die Zurechnung setzt weiter voraus, dass der eingetretene Erfolg zu der Klasse 

von Erfolgen gehört, die durch die vom Täter verletzte Sorgfaltsnorm gerade 

verhindert werden sollen. Die mehrfach missachtete BauAV legt fest, welche 

Massnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen 

und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten getroffen werden müssen und hat damit den 

Schutz von Leib und Leben zum Schutzzweck (Art. 1 Abs. 1 aBauAV). 

4.8. Fazit

Nachdem sowohl der objektive Tatbestand der schweren Körperverletzung erfüllt 

ist als auch die Voraussetzungen der Fahrlässigkeit zu bejahen sind und weder 

- 23 -

Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe erkennbar sind, ist der Beschul-

digte anklagegemäss der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.

5. Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde  

5.1. Wer vorsätzlich bei der Leitung oder Ausführung eines Bauwerks oder eines 

Abbruchs die anerkannten Regeln der Baukunde ausser Acht lässt und dadurch 

wissentlich Leib und Leben von Menschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 

fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Lässt der Täter die anerkannten Regeln der 

Baukunde fahrlässig ausser Acht, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre 

oder Geldstrafe (Art. 229 StGB).

5.2. Eintritt des tatbestandlichen Erfolgs

Erfasst sind die Fälle, in denen Leib und Leben von Mitmenschen – eine Selbstge-

fährdung reicht nicht aus – durch eine bautypische Gefahr konkret gefährdet 

werden (BSK StGB-ROELLI, Art. 229 N. 6 i.V.m. N. 41 mit Verweisen). Diese 

Voraussetzung ist vorliegend durch die akute Gefährdung der Mitarbeitenden des 

Privatklägers, welche sich zum Zeitpunkt des Dachdurchbruchs auf diesem befan-

den, ohne weiteres erfüllt.  

5.3. Verursachung des Erfolges durch ein Unterlassen

5.3.1. Das tatbestandsmässige Verhalten besteht darin, dass der Täter die aner-

kannten Regeln der Baukunde ausser Acht lässt, entweder durch aktives Tun oder 

durch Unterlassen gebotener Sicherungsmassnahmen (BGE 101 IV 28 E. 2a; 

BGE 109 IV 15 E. 2a; BGer. 6B_516/2009 vom 3. November 2009 E. 3.3.1; 

BGer. 6B_543/2012, vom 11. April 2013 E. 1.3.3). Welche Regeln einzuhalten sind, 

ergibt sich aus gesetzlichen Erlassen sowie geschriebenen und ungeschriebenen 

Vorschriften, die der Unfallverhütung dienen und den gesicherten Erkenntnissen 

der Baukunde entsprechen, ausgeübten Funktionen, konkreten Umständen sowie 

vertraglichen Abmachungen (BGer. 6B_516/2009 vom 3. November 2009 E. 3.3.1; 

BGer. 6B_566/2011 vom 13. März 2012 E. 2.3.3.). Hierzu kann auf die obigen Aus-

führungen unter E. III.3. verwiesen werden. 

- 24 -

5.3.2. Der Beschuldigte hat es vorliegend unterlassen, einen Traglastfähigkeits-

nachweis einzuholen sowie aufgrund des Fehlen eines solchen Massnahmen nach 

Art. 35 aBauAV zu ergreifen, mithin die physisch real möglichen Abwendungshand-

lungen in Form des Warnens vor der nicht feststehenden Durchbruchsicherheit, 

sowie des Absperrens des Dachs und das Anbringen der Gefahrensignalisation 

vorzunehmen, obwohl er dies gekonnt hätte und damit Tatmacht inne hatte.

5.4. Garantenstellung des Täters

Die Garantenstellung des Beschuldigten als Projektleiter ergibt sich, wie bereits 

ausgeführt, aus Gesetz (vgl. vorstehend E. III.3.). 

5.5. Gleichwertigkeit des Unterlassens gegenüber dem aktiven Tun

Nachdem die Sicherung der Baustelle und das Abhalten von Arbeitenden von 

gefährlichen Tätigkeiten zur Vermeidung von Unfällen und dem Schutz von Leib 

und Leben zu den Kernaufgaben des Beschuldigten zählte, ist die Unterlassung 

gleich strafwürdig wie die Verletzung von Leib und Leben durch ein direktes Tun. 

5.6. Sorgfaltswidrigkeit des Verhaltens  

Wie bereits vorstehend unter E. III.3. ausgeführt, ergibt sich die Pflicht zum Handeln 

vorliegend aus zahlreichen einschlägigen Vorschriften. Der Beschuldigte durfte 

sich nicht darauf verlassen, dass die anderen Beteiligten die notwendigen 

Massnahmen ergreifen. Daher verhielt er sich sorgfaltswidrig, indem er keinen 

Durchbruchsicherheitsnachweis einholte und in Ermangelung eines solchen auch 

die Massnahmen nach Art. 35 aBauAV nicht ergriff, bzw. nicht für deren Ergreifen 

sorgte. 

5.7. Zurechnungszusammenhang zwischen Sorgfaltswidrigkeit und Deliktserfolg

5.7.1. Vorhersehbarkeit des Erfolgs 

5.7.1.1. Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und 

mithin für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die 

zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den konkreten Täter 

- 25 -

mindestens in den wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Zunächst ist daher zu 

fragen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte voraus-

sehen bzw. erkennen können und müssen. Hierbei gilt der Massstab der Adäquanz. 

Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizufüh-

ren oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn 

ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers bzw. eines 

Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit 

denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, 

dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen 

und so alle anderen mitverursachenden Faktoren in den Hintergrund drängen. 

5.7.1.2. In diesem Zusammenhang kann auf das oben unter E. III.3. Ausgeführte 

verwiesen werden. Mit Blick darauf war für den Beschuldigten aufgrund der 

konkreten Umstände und der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten erkennbar, dass 

bei einem Betreten des Daches, insbesondere mit schwerem Arbeitsgerät, mit 

einem Durchbruch samt der damit verbundenen Gefährdung der sich auf dem Dach 

befindenden Mitarbeitenden des Privatklägers zu rechnen war. 

5.7.1.3. Hinsichtlich das Mit- bzw. Selbstverschulden des Mitbeschuldigten und des 

Privatklägers kann auf die vorstehenden Ausführungen unter E. III.4.7.1.3. ver-

wiesen werden. Zu einem Unterbruch des Kausalzusammenhangs kommt es 

deswegen vorliegend nicht. Bei einer festgestellten Verletzung von Regeln der 

Baukunde trifft die strafrechtliche Verantwortung nach Art. 229 StGB denn auch oft 

mehrere Personen gleichzeitig (Urteil des Kassationshofs 6P.58/2003 vom 

3. August 2004 E. 6.1. mit Verweisen).

5.7.2. Pflichtwidrigkeitszusammenhang (Vermeidbarkeit) 

Weitere Voraussetzung ist schliesslich, dass der Erfolg auch vermeidbar gewesen 

wäre, dass also bei pflichtgemässem Verhalten des Täters der Erfolg ausgeblieben 

wäre (BGE 135 IV 56 E. 2.1 m.w.H.). Auch diese Voraussetzung ist ohne weiteres 

erfüllt: Bei pflichtgemässem Verhalten, mithin dem Einholen eines Durchbruchs-

icherheitsnachweises bzw. – aufgrund des Fehlens eines solchen – dem Ergreifen 

- 26 -

von Massnahmen nach Art. 35 aBauAV, wäre die Gefährdung der Mitarbeitenden 

des Privatklägers vermieden worden. Bei Beachtung der gesetzlichen Pflichten 

hätten die Mitarbeitenden des Privatklägers das Dach nicht oder zumindest nicht 

ohne Ergreifen entsprechender Schutzmassnahmen betreten. Deren Gefährdung 

wäre bei Vornahme der gebotenen Handlungen ausgeblieben. 

5.7.3. Schutzzweck der Norm 

Die Zurechnung setzt weiter voraus, dass der eingetretene Erfolg zu der Klasse 

von Erfolgen gehört, die durch die vom Täter verletzte Sorgfaltsnorm gerade 

verhindert werden sollen. Die mehrfach missachtete BauAV legt fest, welche 

Massnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen 

und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten getroffen werden müssen und hat damit den 

Schutz von Leib und Leben zum Schutzzweck (Art. 1 Abs. 1 aBauAV). 

5.8. Fazit

Nachdem sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind und weder Rechtfertigungs- noch 

Schuldausschlussgründe erkennbar sind, ist der Beschuldigte anklagegemäss der 

Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde im Sinne von 

Art. 229 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.

IV. Sanktion 

1. Hinsichtlich des anzuwendenden Rechts, der Strafrahmen sowie der Strafzu-

messungsregeln kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 71 S. 51-55).

2. Hinsichtlich der Strafart gilt es vorliegend zu berücksichtigen, dass auf Grund 

der jeweiligen Verschuldenshöhen eine Sanktion auszufällen ist, welche weder im 

alten noch im neuen Recht die Ausfällung einer Geldstrafe zulässt. 

3. Beide Delikte weisen denselben Strafrahmen auf. Da bei der fahrlässigen 

Körperverletzung das Verschulden höher zu gewichten ist als bei der Gefährdung 

- 27 -

durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde, ist vorab die Einsatzstrafe 

für erstere festzusetzen und diese hernach um das Zweitdelikt zu asperieren. 

4. Fahrlässige Körperverletzung

4.1. Die erlittenen Verletzungen des Privatklägers sind sehr schwer. Sie 

erforderten wochenlange stationäre Behandlungen mit dutzenden von Operationen 

und bleibenden sehr schweren Verletzungen, namentlich die Amputation des linken 

Fusses (Urk. 26/1-17). Dabei haftet diesen Verletzungen durchaus etwas zufälliges 

an, bei einer Absturzhöhe von über sechs Metern mit einer mehrere hundert Kilo 

schweren Maschine wäre ohne weiteres auch mit noch schwereren Verletzungen 

oder dem Tod zu rechnen gewesen. Bei einem derartigen Sturz wären leichtere 

Verletzungen nur sehr schwer vorstellbar. 

4.2. Die vom Beschuldigten verletzten Pflichten sind elementar. Es handelt sich 

nicht nur um Ordnungsvorschriften oder blosse Empfehlungen von Berufsverbän-

den. Vielmehr handelt es sich um elementare und zentrale Bestimmungen nicht nur 

im Sinne von Empfehlungen, sondern um materielles eidgenössisches Recht auf 

Verordnungsstufe. Zudem gehörten die Einhaltung und Durchsetzung dieser 

Vorschriften zu den zentralen Aufgaben seiner Tätigkeit. Schliesslich wiegt die 

Verletzung dieser Verpflichtungen besonders krass, indem er diese nicht nur 

teilweise oder unvollständig sondern überhaupt nicht befolgt hat. 

4.3. Auf der anderen Seite gilt es das sehr hohe Selbstverschulden des Privat-

klägers zu berücksichtigen. Als Organ des Subunternehmers und Arbeitgebers von 

seinen ebenfalls am Bau beschäftigten Mitarbeitern trafen ihn mit Bezug auf die 

Sicherheitsvorkehrungen dieselben Pflichten wie den Beschuldigten und den 

Mitbeschuldigten. Gemäss Art. 3 Abs. 2 aBauAV hat der Arbeitgeber, der sich im 

Rahmen eines Werkvertrags als Unternehmer zur Ausführung von Bauarbeiten 

verpflichten will vor dem Vertragsabschluss zu prüfen, welche Massnahmen 

notwendig sind, um die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz bei der 

Ausführung seiner Arbeiten zu gewährleisten. Zudem hat der Arbeitgeber, der 

Bauarbeiten ausführt dafür zu sorgen, dass geeignete Materialien, Installationen 

und Geräte in genügender Menge und rechtzeitig zur Verfügung stehen. Sie 

- 28 -

müssen sich in betriebssicherem Zustand befinden und den Anforderungen der Ar-

beitssicherheit und des Gesundheitsschutzes entsprechen (Art. 3 Abs. 5 aBauAV). 

Diesen Verpflichtungen ist der Privatkläger nicht nachgekommen, er hat vielmehr 

auf bloss mündliche, nicht verifizierte Auskünfte vertraut. Gleiches gilt betreffend 

den Mitbeschuldigten.

4.4. Im Lichte dieser Strafzumessungskriterien ist eine Sanktion von 8 Monaten 

Freiheitsstrafe angemessen. 

4.5. In subjektiver Hinsicht gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte zwar 

nicht direktvorsätzlich gehandelt hat, die Pflichtverletzung indes derart grob war, 

dass sich sein Verhalten in Richtung Inkaufnahme des eingetretenen Erfolgs be-

wegt. Da der Beschuldigte nicht geständig ist, müssen die subjektiven Elemente 

und die Motivation naturgemäss im Dunkeln bleiben. Einzig wenn auf Grund äus-

serlich wahrnehmbarer Umstände zwingend auf innere Vorgänge geschlossen wer-

den kann, dürfen entsprechende Annahmen getroffen werden. Alles andere, wie 

beispielsweise das Unterstellen von Zeitdruck, Kosteneinsparungen oder pure Be-

quemlichkeit, welche bei dieser Deliktsart die typischen Ursachen und Motive sind, 

wäre eine reine und unzulässige Spekulation. Auf der subjektiven Seite sind somit 

keine Elemente erkennbar, welche für eine Erhöhung oder Reduzierung der Strafe 

sprechen würden, womit es bei einer Einsatzstrafe von 8 Monaten Freiheitsstrafe 

bleibt. 

5. Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde 

Hinsichtlich der geschaffenen Gefahr kann auf das oben zur Körperverletzung 

Ausgeführte verwiesen werden. Zusätzlich gilt es zu berücksichtigen, dass die 

geschaffene Gefahr sich über eine sehr lange Zeit hinzog, indem die Dachbaustelle 

während Wochen überhaupt nicht gesichert wurde. Bringt man die vorliegend 

geschaffene Gefahr beispielsweise mit derjenigen eines schweren Raserdelikts in 

Bezug, so ist die Anzahl der gefährdeten Personen und die Schwere der zu erwar-

tenden Verletzungen durchaus vergleichbar. Auf der anderen Seite gilt es auch hier 

das oben erwähnte grosse Selbstverschulden des Privatklägers und des Mitbe-

schuldigten zu berücksichtigen. In subjektiver Hinsicht gilt das zur Körperverletzung 

- 29 -

gesagte, weshalb auch hierfür eine Einzelstrafe von 8 Monaten Freiheitsstrafe 

angemessen ist. 

6. Asperation 

Wie bereits vorstehend unter E. IV.3. ausgeführt, wäre nun die Asperation vor-

zunehmen. Aufgrund des Verbots der reformatio in peius kann diese vorliegend 

unterbleiben, da es ohnehin bei der durch die Vorinstanz ausgesprochenen 

Geldstrafe sein Bewenden haben muss.

7. Täterkomponente und weitere Strafzumessungsgründe

7.1. Die Täterkomponente fällt mit der Vorinstanz (Urk. 71 S. 57 f.) strafzu-

messungsneutral aus. Der Beschuldigte ist hierzulande geboren und in geordneten 

Verhältnissen aufgewachsen. Nach einer Chauffeurlehre hat er sich fortan konti-

nuierlich weitergebildet, so in Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie. Seit 

2017 ist er als Projektleiter bei der H'._____ AG tätig. Er lebt in einer Partnerschaft 

und ist kinderlos (Prot. I S. 8 ff. i.V.m. Urk. 5/8 S. 7). Heute führte er ergänzend aus, 

er habe zwischenzeitlich geheiratet und sei Eigentümer einer Liegenschaft, auf wel-

cher eine Hypothek laste (Urk. 95 S. 1 f.). 

7.2. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 72). Dies wirkt sich strafzu-

messungsneutral aus. Dies gilt auch für sein Nachtatverhalten, welches unter 

anderem das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren, wie zum Beispiel 

Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit oder ein Geständnis umfasst (BSK StGB-

WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N. 167 ff.). Diesbezüglich lässt sich nichts zu seinen 

Gunsten oder Ungunsten ableiten. 

8. Fazit

Unter Berücksichtigung sämtlicher relevanten Strafzumessungsgründe wäre somit 

eine höhere Strafe als die von der Vorinstanz ausgesprochene auszufällen. Auf-

grund des Verbots der reformatio in peius muss es indessen bei den vorinstanzlich 

ausgefällten 60 Tagessätzen sein Bewenden haben. Die Tagessatzhöhe, welche 

nicht dem Verbot der reformation in peius unterliegt, ist mit Fr. 260.– angemessen. 

- 30 -

V. Strafvollzug 

Mit der Vorinstanz ist vorliegend der Vollzug aufzuschieben und die Probezeit auf 

2 Jahre anzusetzen (Urk. 71 S. 59). 

VI. Zivilansprüche

1. Die Vorinstanz hat den Privatkläger mit seinen Zivilansprüchen auf den Weg 

des ordentlichen Zivilprozesses verwiesen. Dies mit der Begründung, dass die 

Ansprüche weder beziffert noch belegt seien (Urk. 71 S. 60-62). Der Beschuldigte 

liess unter Verweis auf die beantragten Freisprüche die Abweisung der gestellten 

Zivilansprüche und eventualiter deren Verweis auf den Zivilweg beantragen 

(Urk. 98 S. 6 f. Rz. 18-20). Der Privatkläger liess hingegen die Bestätigung des 

vorinstanzlichen Urteils hinsichtlich der Zivilansprüche beantragen (Urk. 92 S. 1). 

2. Die Ausführungen der Vorinstanz erweisen sich als grundsätzlich zutreffend, 

weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 71 S. 60-62). Einzig der adäquate 

Kausalzusammenhang ist nicht ohne weiteres zu bejahen. Wie bereits ausgeführt, 

trifft den Privatkläger ein erhebliches Selbstverschulden und den Mitbeschuldigten 

ein erhebliches Mitverschulden. Es stellt sich somit in zivilrechtlicher Hinsicht die 

Frage, ob unter diesen Umständen die grundsätzliche Schadenersatzpflicht zu 

bejahen ist, denn eine der Voraussetzungen der Haftung nach Art. 41 OR ist der 

adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Schaden und der schädigenden 

Handlung. Der adäquate Kausalzusammenhang wird unterbrochen, wenn zu einer 

an sich adäquaten Ursache eine andere Ursache hinzutritt, die einen derart hohen 

Wirkungsgrad aufweist, dass erstere nach wertender Betrachtungsweise als recht-

lich nicht mehr beachtlich erscheint (BGE 116 II 519 E. 4b). Die hinzutretende 

andere Ursache kann dabei in einem schweren Selbstverschulden oder in einem 

schweren Drittverschulden bestehen. Selbst wenn der Geschädigte den Unfall 

eventuell hätte vermeiden können, führt dies für sich allein nicht zu einer Unterbre-

chung des Kausalzusammenhangs, sondern es steht allenfalls ein Mitverschulden 

zur Debatte. Eine vom Geschädigten gesetzte Ursache unterbricht den adäquaten 

Kausalzusammenhang zwischen der vom Schädiger gesetzten Ursache und dem 

- 31 -

Schaden nur, wenn sie einen derart hohen Wirkungsgrad aufweist, dass die vom 

Schädiger gesetzte Ursache als rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint. Entschei-

dend ist die Intensität der beiden Ursachen. Erscheint die eine bei wertender 

Betrachtung als derart intensiv, dass sie die andere gleichsam verdrängt und als 

unbedeutend erscheinen lässt, wird eine Unterbrechung des Kausalzusammen-

hangs angenommen (BGE 130 III 182 E. 5.4 mit Verweisen). 

3. Letzteres ist vorliegend nicht der Fall. Wohl ist die Pflichtverletzung des 

Privatklägers stark. Sie erscheint gegenüber jener des Mitbeschuldigten und des 

Beschuldigten jedoch als gleichwertig. Alle drei waren gleichermassen der BauAV 

unterworfen und hatten dieselben Sicherungspflichten. Insofern erscheinen die 

jeweiligen Beiträge an den Unfall und den Schaden gleich gross. Damit ist auch 

gesagt, dass die durch den Beschuldigten bzw. den Mitbeschuldigten gesetzten 

jeweiligen Ursachen jedenfalls nicht unbedeutend erscheinen und damit der zivil-

rechtliche Kausalzusammenhang nicht unterbrochen ist.

4. Haben mehrere den Schaden gemeinsam verschuldet, so haften sie dem Ge-

schädigten sodann solidarisch (Art. 50 Abs. 1 OR), was auch auf die Genugtuung 

Anwendung findet (OFK OR-FISCHER/BÖHME/GÄHWILER, Art 50 N. 3 mit Verweis).

5. Es ist somit die grundsätzliche Schadenersatz- und Genugtuungspflicht des 

Beschuldigten – unter solidarischer Haftung – zu bejahen und der Privatkläger im 

Übrigen auf den Zivilweg zu verweisen.

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die erstinstanzlichen Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'600.– festzu-

setzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 lit. b GebV OG). Die Kostenauflage erfolgt 

im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der 

Beschuldigte vollumfänglich unterliegt, sind ihm die zweitinstanzlichen Kosten 

- 32 -

vollumfänglich aufzuerlegen. Damit hat der Beschuldigte auch die Kosten der 

erbetenen Verteidigung selbst zu tragen.

3. Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf 

angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn 

sie obsiegt (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Die Entschädigungsforderung ist bei der 

Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu belegen. Kommt sie dieser Pflicht 

nicht nach, so tritt die Strafbehörde auf den Antrag nicht ein (Art. 433 Abs. 2 StPO). 

Die Vertretung des Privatklägers reichte eine Honorarnote ein, in welcher ihr Auf-

wand ausgewiesen wird (Urk. 100). Dieser erscheint angemessen. Der Beschul-

digte ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger für das zweitinstanzliche Verfahren 

eine Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– (unter solidarischer Haftung mit dem 

Mitbeschuldigten) zu bezahlen.

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung 

– Einzelgericht – vom 22. Dezember 2021 wie folgt in Rechtskraft erwachsen 

ist:

"1. (…)

 2. (…)

 3. (…)

 4. (…)

 5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 1'500.00   Gebühr für das Vorverfahren sowie

Fr. 1'895.40   ½ Auslagen Gutachten FOR.

Weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

 6. (…)

 7. (…)

- 33 -

 8. (Mitteilungen)

 9. (Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 i.V.m. 

Abs. 2 StGB sowie

 der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde 

im Sinne von Art. 229 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 

Fr. 260.–.

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt.

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 

B._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach solidarisch 

schadenersatz- und genugtuungspflichtig ist. Zur genauen Feststellung des 

Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozes-

ses verwiesen. 

5. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 6-7) wird 

bestätigt. 

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'600.–.

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt.

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ für das zweitin-

stanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– unter solida-

rischer Haftung mit dem Mitbeschuldigten C._____ zu bezahlen. 

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

- 34 -

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben)

 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (versandt)
 die Vertretung des Privatklägers, Advokat Z2._____, substituiert durch 

Advokatin Dr. des. Z1._____, im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft (versandt)

 die Verteidigung des Mitbeschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ im 
Doppel für sich und zuhanden des Mitbeschuldigten C._____ (überge-
ben)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 
 die Vertretung des Privatklägers, Advokat Z2._____, substituiert durch 

Advokatin Dr. des. Z1._____, im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft

 die Verteidigung des Mitbeschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ im 
Doppel für sich und zuhanden des Mitbeschuldigten C._____

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 
 die P._____ AG, … [Adresse] (Referenz 1, Dossier-Nr. 2). 

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lau-

sanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

- 35 -

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 5. Februar 2024

Der Präsident:

lic. iur. B. Gut

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw A. Blaser

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vorerst nicht 

bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe 

definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 bzw. 

Abs. 4 StGB),

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.