# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8dd97e4f-3736-533c-8fc6-29a86ec989ae
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-12-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.12.2012 D-4617/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4617-2010_2012-12-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-4617/2010/was 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  D e z e m b e r  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richter Hans Schürch (Vorsitz), 

Richter Kurt Gysi, Richterin Nina Spälti Giannakitsas; 

Gerichtsschreiberin Corinne Krüger. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch lic. iur. Anita Biedermann, 

Bündner Beratungsstelle für Asyl Suchende,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 26. Mai 2010 / N (…). 

 

 

D-4617/2010 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein srilankischer Staatsangehöriger tamilischer 

Ethnie aus B._______, Distrikt C._______ (Ostprovinz), beantragte mit 

Schreiben vom 22. Dezember 2008 bei der Schweizerischen Botschaft in 

Colombo um Asyl und um Einreisebewilligung in die Schweiz. Am 9. April 

2009 sowie am 16. Juli 2009 wurde er von der Schweizerischen Botschaft 

in Colombo zu seinen Asylgründen angehört.  

B.  

B.a Zur Begründung seines Einreisegesuchs machte der Beschwerdefüh-

rer im Wesentlichen geltend, er sei in B._______, Distrikt C._______ 

(Ostprovinz) geboren. Im Jahre 1990 sei seine Familie wegen des Bür-

gerkrieges nach Indien geflüchtet. Seine Eltern, er selber und eine seiner 

drei Schwestern seien 2004 zurück nach B._______ gezogen. Seine an-

deren zwei Schwestern seien in Indien geblieben. Seit ihrer Rückkehr 

nach Sri Lanka seien sie von der Navy unzählige Male kontrolliert wor-

den. Sie hätten ihnen vorgeworfen, die Liberation Tigers of Tamil Eelam 

(LTTE) unterstützt zu haben, und ihnen gedroht, sie deswegen zu er-

schiessen. Am 14. April 2007 habe die Navy bei ihnen eine Hausdurchsu-

chung vorgenommen. Sie hätten den Beschwerdeführer und seinen Vater 

geschlagen und private Fotos mitgenommen. Am 23. Mai 2007 sei sein 

Vater auf dem Weg zum Friseur (vermutlich) von der Navy erschossen 

worden. Danach sei die Navy wieder zu ihnen nach Hause gekommen 

und habe ihnen mit dem Tod gedroht, falls sie die LTTE unterstützen soll-

ten. Nach dem Tod seines Vaters habe er die Schule verlassen und als 

Bauarbeiter gearbeitet, um für seine Mutter und seine Schwester sorgen 

zu können. Im August bzw. Oktober 2007 sei er auf dem Nachhauseweg 

von zwei Angehörigen der Navy angehalten und befragt worden. Am 15. 

Juni 2008 sei seine Schwester auf dem Weg zu einem nahen Geschäft 

von unbekannten Personen (vermutlich von der Navy) erschossen wor-

den. Ihr Ehemann sei bereits 2005 von den LTTE entführt bzw. eingezo-

gen worden und seither nicht wieder aufgetaucht. Nach diesen Vorfällen 

sei seine Mutter im August 2008 wieder zu den beiden Schwestern des 

Beschwerdeführers nach Indien gegangen. Er habe sich dann eine Zeit 

lang bei seiner Halbschwester (Tochter der ersten Frau des Vaters) in 

C._______ aufgehalten. Seit dem Tod seiner Schwester sei er bei ver-

schiedenen Verwandten von der Navy gesucht worden.  

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B.b Der Beschwerdeführer machte weiter geltend, in verschiedenen regi-

onalen Organisationen tätig (gewesen) zu sein, so sei er Präsident der 

"D._______", Mitglied der "E._______" und Sekretär des "F._______" in 

seinem Dorf. Im Oktober 2008 sei er zu einem "Youth Service Officer" 

nach G._______ gegangen. Dort sei er am 23. Oktober 2008 verhaftet, 

aber wieder freigelassen und zurück nach C._______ geschickt worden. 

Ab dem 18. Dezember 2008 habe er in einer Bar gearbeitet. Dort aller-

dings habe ihn die Polizei am 3. Januar 2009 festgenommen, weil er 

noch nicht 21 Jahre alt gewesen sei und deshalb dort nicht hätte arbeiten 

dürfen. Danach habe er sich bei Verwandten versteckt, erst bei seinem 

Onkel in H._______, B._______ und seit Ende Februar 2009 bei seiner 

Grosstante (Schwester seiner Grossmutter). Seit März 2009 arbeite er in 

einem Hindu-Tempel, wo er auch wohne und Verpflegung erhalte. Ende 

März und Ende Juni 2009 sei er bei seiner Grosstante von bewaffneten 

Männern gesucht worden. 

B.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer Kopien 

seines Reisepasses, seiner Identitätskarte, von diversen fremdsprachigen 

Schreiben bzw. Dokumenten sowie Auszüge aus dem Geburts-, Todes-, 

Familien- und Eheregister ein. 

C.  

Am 28. August 2009 bewilligte das BFM dem Beschwerdeführer die Ein-

reise in die Schweiz. Mitte November 2009 reiste er nach Colombo und 

begab sich zur Schweizerischen Botschaft, wo man ihm ein Visum aus-

händigte. Am 17. November 2009 wurde der Beschwerdeführer bei sei-

nem Ausreiseversuch von der Terrorist Investigations Division (TID) am 

Flughafen in Colombo festgenommen und bis am 21. Januar 2010 in Haft 

gehalten.  

D.  

Am 4. Februar 2010 reiste der Beschwerdeführer zurück nach Colombo 

und meldete sich am darauffolgenden Tag bei der Schweizerischen Bot-

schaft. Am 6. Februar 2010 reiste der Beschwerdeführer auf dem Luftweg 

via Doha in die Schweiz ein und ersuchte gleichentags beim Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) I._______ um Asyl. Am 11. Februar 2010 

wurde er dort zu seinen Personalien und summarisch zu seinen Ausrei-

segründen sowie zu seinem Reiseweg befragt. Am 11. Mai 2010 hörte ihn 

das BFM einlässlich zu seinen Asylgründen an. 

E.  

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Seite 4 

E.a Zur Begründung seines Asylgesuchs ergänzte der Beschwerdeführer 

vor dem BFM seine Vorbringen wie folgt: Im August bzw. September 2009 

sei er bei seiner Grosstante von zwei Personen auf Motorrädern gesucht 

worden. Er sei zu dem Zeitpunkt im Tempel bei der Arbeit gewesen. Am 

17. November 2009 sei er, als er Sri Lanka mit dem Visum für die 

Schweiz habe verlassen wollen, am Flughafen festgenommen worden. 

Nach der Passkontrolle hätten ihn Beamte des TID festgehalten und be-

fragt. Er habe unterschreiben sollen, dass sein Vater die LTTE mit Le-

bensmitteln unterstützt habe. Weil er sich geweigert habe, dies zu unter-

schreiben, sei er mit einem Besenstiel und mit einem Kabel geschlagen 

worden. Nach zwei Tagen Haft am Flughafen sei er zum TID-Gebäude in 

Colombo in den sechsten Stock gebracht und dort mehrmals befragt wor-

den. Er habe sich ausziehen müssen. Sie hätten seine Hände auf den 

Rücken gefesselt und ihn mit Händen, Füssen und mit einem Holzstock 

geschlagen. Dort hätten sie von ihm wieder verlangt zu unterschreiben, 

dass er und sein Vater den LTTE geholfen hätten. Durch die Schläge (un-

ter anderem in den Bauch) habe er sehr starke Schmerzen gehabt. Er 

habe Blut erbrochen und im Stuhl gehabt, sich nicht richtig bewegen und 

kaum atmen können. Sie hätten ihn über sein ganzes Leben ausgefragt. 

Er habe gesagt, dass er keine Verbindung zu den LTTE habe. Das Befra-

gungsprotokoll habe er unterschrieben. Am 24. November 2009 sei er ins 

Gefängnis nach Boosa gebracht worden. Dort habe er Infusionen be-

kommen. Nach einer Woche sei er auch dort befragt, aber nicht wieder 

geschlagen worden. Am 21. Januar 2010 sei er vor Gericht gebracht und 

aus der Haft entlassen worden. Er habe gesagt, dass er in sein Dorf zu-

rückkehren werde. Vom Gericht habe er keine Unterlagen erhalten, er sei 

jedoch aufgefordert worden, eine Woche später dorthin zu kommen, da-

mit sie ihm die Unterlagen aushändigen könnten. Der Beschwerdeführer 

erklärte weiter, sowohl im TID-Office im sechsten Stock als auch in Boosa 

vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) besucht worden zu 

sein. Dazu reichte er zwei IKRK-Karten zu den Akten (IKRK-Nr. (…)). 

Nach seiner Freilassung sei er für einen Tag zu seiner Grosstante zu-

rückgekehrt und habe sich danach bei einer Tante aufgehalten. Am 

4. Februar 2010 sei er mit dem Zug nach Colombo gereist und habe 

nochmals bei der Schweizerischen Botschaft vorgesprochen. Am 

5. Februar 2010 sei er zwecks Ausreise aus Sri Lanka zum Flughafen 

gegangen. Nach den Geschehnissen beim ersten Ausreiseversuch habe 

er furchtbare Angst gehabt. Zuerst sei er von der Armee und dann vom 

Criminal Investigation Department (CID) kontrolliert worden. Nachdem er 

schon die Migrationskontrolle passiert gehabt und einen Stempel in sei-

nen Pass erhalten habe, habe ihn die TID festgehalten und unter ande-

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rem nach seinem Reiseziel befragt. Er habe gesagt, dass er seinen Onkel 

in der Schweiz besuchen wolle. Er habe den Beamten seinen Pass mit 

dem Visum gezeigt sowie die Bestätigung eines Rückflugtickets für den 

16. Februar 2010. Sie hätten seinen Pass kontrolliert und ihn, nachdem 

sie sich versichert hätten, dass er tatsächlich zurückkehren wolle, gehen 

lassen. Auf Nachfrage des BFM erklärte der Beschwerdeführer, er wisse 

nicht, weshalb er und seine Familienangehörigen Probleme mit der Navy 

gehabt hätten. Er wisse nicht, ob sein Vater etwas mit den LTTE zu tun 

gehabt habe. Er selber habe keine Verbindung zu den LTTE gehabt, 

weshalb er ja auch freigelassen worden sei. Er sei lediglich einmal auf 

dem Nachhauseweg von der Schule von den LTTE angesprochen und 

aufgefordert worden, ihnen beizutreten. Er habe dies aber abgelehnt. Da-

nach sei er von ihnen in Ruhe gelassen worden. 

E.b Anlässlich der Befragungen reichte der Beschwerdeführer seinen 

Reisepass (Nr. (…), ausgestellt am (…) in J._______ mit Visum für die 

Schweiz (…), gültig vom (…) bis am (…)), seine Identitätskarte (Nr. (…), 

ausgestellt am (…) in J._______), zwei Karten des IKRK betreffend den 

Beschwerdeführer (IKRK-Nr. (…)), eine Unterstützungskarte aus dem Ge-

fängnis in Boosa und einen Faxausdruck einer Rückflugsbestätigung für 

den 15./16. Februar 2010 von Zürich nach Colombo, lautend auf den Be-

schwerdeführer, zu den Akten. 

F.  

Mit Verfügung vom 26. Mai 2010 stellte das BFM fest, der Beschwerde-

führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab 

und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Zur Begründung seiner 

Verfügung führte das BFM aus, die Vorbringen hielten den Anforderungen 

an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. Gleichzeitig ordnete das 

BFM infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige 

Aufnahme des Beschwerdeführers an. 

G.  

Mit Eingabe vom 26. Juni 2010 liess der Beschwerdeführer durch seine 

Rechtsvertreterin gegen diese Verfügung Beschwerde erheben und bean-

tragen, es sei die Verfügung des BFM vom 26. Mai 2010 aufzuheben und 

es sei ihm in der Folge Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Verfügung 

des BFM aufzuheben und es sei die Sache zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er be-

antragen, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und es 

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sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Zusammen 

mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer ein Schreiben seiner 

Grosstante vom 6. Juni 2010 ein, wonach er auch nach seiner Ausreise 

aus Sri Lanka weiter gesucht worden sei. So hätten sich am 22. Januar 

2010, am 11. März 2010 und am 26. Mai 2010 unbekannte bewaffnete 

Personen nach seinem Verbleib erkundigt. 

H.  

Mit Verfügung vom 2. Juli 2010 hiess der Instruktionsrichter die Gesuche 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 

(VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses gut. Gleichzeitig wurden die Beschwerdeakten zur Stellung-

nahme an das BFM übermittelt. 

I.  

Am 16. Juli 2010 gelangte die Rechtsvertreterin mit einem Schreiben an 

das Bundesverwaltungsgericht. Diesem lag ein Ausdruck einer E-Mail der 

Grosstante des Beschwerdeführers bei, in welcher sie die Schweizeri-

sche Botschaft in Colombo um Schutz und Hilfe ersuchte, um Sri Lanka 

verlassen zu können. Sie erklärte in dem Schreiben, sie sei wegen ihrer 

Unterstützung des Beschwerdeführers mehrmals von unbekannten Män-

nern aufgesucht, nach dem Beschwerdeführer gefragt, verbal und phy-

sisch bedroht und misshandelt worden. Nachdem sie und ihre Tochter am 

9. Mai 2010 massiv bedroht und eingeschüchtert worden seien, hätten sie 

sich 15 Tage lang bei Verwandten versteckt. Danach seien sie wieder in 

ihr Haus zurückgekehrt, wo sie nun in grosser Furcht leben würden.  

J.  

Am 20. Juli 2010 reichte das BFM eine Vernehmlassung zur Beschwerde 

vom 26. Juni 2010 ein und beantragte darin deren Abweisung. Die Ver-

nehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 26. Juli 2010 zur Replik-

nahme zugestellt. Am 27. August 2010 nahm die Rechtsvertreterin Stel-

lung zur Vernehmlassung des BFM.  

K.  

Mit Schreiben vom 10. Februar 2011 ersuchte die Rechtsvertreterin des 

Beschwerdeführers das Bundesverwaltungsgericht darum, über die Be-

schwerde bald zu entscheiden. Der Beschwerdeführer sei aufgrund der 

erlittenen Verfolgung in Sri Lanka psychisch stark angeschlagen und ma-

che den Eindruck einer traumatisierten Person. Deswegen sei er in 

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K._______ bei Dr. med. L._______ in ärztlicher Behandlung. Um eine 

Therapie allenfalls auch im Folteropferzentrum in M._______ fortsetzen 

zu können, brauche er einen definitiven Asylentscheid. Eine Therapie sei 

wichtig, um zu verhindern, dass sich das Leiden des Beschwerdeführers 

chronifiziere. Am 18. Februar 2011 teilte der Instruktionsrichter der 

Rechtsvertreterin mit, dass das Verfahren noch nicht spruchreif sei, das 

Gericht sich indessen bemühen werde, den Fall so schnell wie möglich 

abzuschliessen. 

L.  

Mit Schreiben vom 1. Dezember 2011 ersuchte die Rechtsvertreterin er-

neut darum, den Fall bald zu entscheiden. Sie erklärte, der Beschwerde-

führer sei stark traumatisiert und benötige ärztliche Behandlung. Mit dem 

gegenwärtigen F-Status erhalte er lediglich das Minimum an ärztlicher, 

psychiatrischer Betreuung. Der Beschwerdeführer leide auch stark unter 

der Unterbringungssituation im überfüllten Asylheim, wo er einer Umge-

bung ausgesetzt sei – Lärm, Alkoholkonsum, Streitereien – die ihm kei-

nen Rückzug erlaube und die sich sehr nachteilig auf seine psychische 

Verfassung auswirke. So lange er den F-Status beibehalte, sei es nicht 

möglich, das Asylheim zu verlassen.  

M.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. Februar 2012 forderte der Instruktions-

richter den Beschwerdeführer auf, bezüglich seiner geltend gemachten 

gesundheitlichen Probleme bis zum 15. März 2012 einen aktuellen ärztli-

chen Bericht sowie eine Erklärung über die Entbindung von der ärztlichen 

Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden einzureichen. 

N.  

Mit Schreiben vom 12. März 2012 erklärte die Rechtsvertreterin, dass für 

den Beschwerdeführer, da er psychische Auffälligkeiten gezeigt habe, am 

30. September 2010 ein Termin beim Hausarzt Dr. med. L._______ ver-

einbart worden sei. Dem beiliegenden Schreiben von Dr. med. L._______ 

vom 2. März 2012 ist zu entnehmen, dass er den Beschwerdeführer am 

30. September 2010 untersucht hat. Aufgrund des damaligen Zustandes 

sei er zum Schluss gekommen, dass der Patient eine psychiatrische Ex-

ploration und Behandlung benötige, weshalb er ihn an den Psychiater 

Dr. N._______ überwiesen habe. Gemäss Schreiben der Rechtsvertrete-

rin wurde dieser vereinbarte Termin vom Erstaufnahmezentrum abgesagt, 

da der Beschwerdeführer an diesem Tag in ein Zentrum für Asylsuchende 

transferiert worden sei. Kurz danach habe er eine Saisonarbeitsstelle an-

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genommen. Seither habe der Beschwerdeführer einmal Dr. med. 

L._______, aber keinen Psychiater aufgesucht. Sein Zustand sei jedoch 

weiter labil. Er selber bemühe sich, die traumatischen Erlebnisse zu ver-

drängen, was jedoch auf Dauer keine Lösung sein könne. Wenn der Be-

schwerdeführer unter Stress komme – wie zum Beispiel, wenn im Zent-

rum zu viel Unruhe herrsche – mache sich die Traumatisierung bemerk-

bar. Die Rechtsvertreterin erklärte schliesslich, dass der Beschwerdefüh-

rer auf den ersten Eindruck ruhig wirke, doch sei auch ihr als Laie aufge-

fallen, dass mit ihm etwas nicht "stimme" und dass eine Behandlung an-

gezeigt wäre, um eine Chronifizierung der Traumatisierung zu verhindern. 

Deshalb ersuche sie darum, beim Folteropferzentrum eine Abklärung 

über den psychischen Zustand und das Ausmass der Traumatisierung 

des Beschwerdeführers zu veranlassen.  

O.  

Am 26. April 2012 gelangte das Bundesverwaltungsgericht mit einer An-

frage um einlässliche Abklärung einiger offener Fragen bezüglich die An-

gaben des Beschwerdeführers an die Schweizerische Botschaft in Co-

lombo. 

P.  

Mit Schreiben vom 23. Oktober 2012 teilte die Schweizerische Botschaft 

in Colombo dem Bundesverwaltungsgericht die Ergebnisse ihrer Abklä-

rungen mit. 

Q.  

Mit Instruktionsverfügung vom 9. November 2012 wurde dem Beschwer-

deführer Gelegenheit gegeben, innert 15 Tagen ab Erhalt der Verfügung 

(definitive Frist bis 4. Dezember 2012) eine Stellungnahme zu den Abklä-

rungsergebnissen der Schweizerischen Botschaft in Colombo vom 

23. Oktober 2012 einzureichen. Mit Eingabe vom 30. November 2012 

(Eingang am 3. Dezember 2012) beantragte die Rechtsvertreterin auf-

grund von Arbeitsüberlastung eine Erstreckung der Frist bis zum 20. De-

zember 2012. Mit Zwischenverfügung vom 6. Dezember 2012 wies der 

Instruktionsrichter das Gesuch um Fristerstreckung unter Hinweis auf 

Art. 32 Abs. 2 VwVG ab. 

 

  

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Seite 9 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden 

nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-

gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-

nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das 

Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs.  1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Nachdem die Vorinstanz mit der vorliegend angefochtenen Verfügung 

vom 26. Mai 2010 die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der 

Schweiz angeordnet hat, ist nachfolgend einzig zu beurteilen, ob das 

BFM hinsichtlich Flüchtlingseigenschaft und Asyl zu Recht negativ ent-

schieden und die Wegweisung verfügt hat. 

 

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Seite 10 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des 

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken. Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG erfüllt eine asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung 

dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-

hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-

kunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Ver-

folgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatli-

che Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden 

drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37).  

4.2 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die 

Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 

begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des 

Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität 

der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven 

Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind des-

halb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu 

berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.; Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 

Nr. 2 E. 8a S. 20; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi 

Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.17 und 

11.18).  

4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

 

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Seite 11 

5.  

5.1  

5.1.1 Die Vorinstanz wies das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der 

Begründung ab, dass dessen Vorbringen den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhielten. Das BFM 

erklärte, dass für die Bestimmung der Flüchtlingseigenschaft der Zeit-

punkt des Asylentscheides massgebend sei. Deshalb setze die Asylge-

währung voraus, dass ein Asylsuchender im Zeitpunkt des Asylentschei-

des von asylrelevanter Verfolgung bedroht sei und somit Schutz brauche. 

Die Asylgewährung diene somit nicht dem Ausgleich vergangenen Un-

rechts. Es stehe ausser Zweifel, dass der Beschwerdeführer in seinem 

Heimatland von zahlreichen schweren Schicksalsschlägen betroffen ge-

wesen sei. Insbesondere sei zu verweisen auf den schmerzlichen Verlust 

seines Vaters im Jahre 2007, den gewaltsamen Tod einer Schwester im 

Jahre 2008 sowie die persönlich erlittenen Misshandlungen anlässlich der 

Haft bei der TID im November 2009. Weil es sich dabei jedoch um Vor-

kommnisse handle, die bereits einige Zeit zurücklägen, vermöchten sie 

im Sinne obiger Ausführungen – und soweit sie überhaupt einen genü-

gend engen Bezug zum Beschwerdeführer aufwiesen – die Flüchtlingsei-

genschaft nicht zu begründen. Diesen Vorbringen komme daher keine 

asylrelevante Bedeutung zu.  

5.1.2 Weiter führte das BFM aus, dass Befürchtungen, künftig staatlichen 

Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein, nur dann asylrelevant sei-

en, wenn begründeter Anlass zur Annahme bestehe, dass sich die Verfol-

gung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ver-

wirklichen werde. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, er sei 

zwischen dem 17. November 2009 und dem 21. Januar 2010 in Haft ge-

wesen. Weiter hätten Angehörige der Navy im Jahre 2008 bei einem On-

kel und Motorradfahrer – wohl auch Leute der Navy – im Jahre 2009 bei 

einer Schwester seiner Grossmutter nach ihm gesucht. Angesichts des-

sen erscheine es verständlich, dass der Beschwerdeführer subjektiv be-

trachtet Angst davor habe, erneut von Übergriffen betroffen zu werden. Es 

gelte daher nachfolgend zu prüfen, ob eine Furcht des Beschwerdefüh-

rers vor Verfolgung auch bei einer objektivierten Betrachtungsweise als 

begründet einzustufen sei. Zwar sei der Beschwerdeführer anlässlich sei-

nes ersten Ausreiseversuches aus Sri Lanka am 17. November 2009 im 

Flughafen von Colombo festgenommen worden. Diese Festnahme sei im 

Kontext des in jenem Zeitraum recht verbreiteten Vorgehens seitens der 

srilankischen Behörden – insbesondere der TID und des CID – zu sehen, 

welche nach der Niederschlagung der LTTE im Mai 2009 hätten verhin-

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Seite 12 

dern wollen, dass sich überlebende Kader der Tamil Tigers ins Ausland 

absetzen konnten. Die anlässlich dieser Inhaftierung des Beschwerdefüh-

rers durchgeführten Untersuchungen hätten indessen ergeben, dass er 

keine Verbindungen zur LTTE unterhalte und ihm nichts anzulasten sei. 

Daher sei er vor Gericht freigesprochen und am 21. Januar 2010 ohne 

Auflagen aus der Haft entlassen worden. Weiter habe der Beschwerde-

führer vorgebracht, er sei nach der Entlassung aus der Haft in Gefängnis 

von Boosa nach C._______ und am 4. Februar 2010 von C._______ zu-

rück nach Colombo gereist. Anlässlich dieser Reisen, bei denen er auch 

kontrolliert worden sei, sei er von keinen Problemen betroffen gewesen. 

Auch habe man ihn am 5. Februar 2010 unbehelligt aus Sri Lanka ausrei-

sen lassen. Wenn nun aber die srilankischen Behörden auch heute noch 

die Absicht hätten, den Beschwerdeführer zu verfolgen, wäre er anläss-

lich dieser zahlreichen Kontrollen seit seiner Entlassung aus der Haft er-

wartungsgemäss erneut festgenommen worden. Weil ihm jedoch nichts 

mehr zugestossen sei, könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus-

geschlossen werden, dass er heute in Sri Lanka Verfolgungsmassnah-

men seitens der Behörden zu befürchten habe. Zwar habe der Be-

schwerdeführer vorgebracht, er habe sich nach seiner Rückkehr nach 

C._______ nur eine Nacht bei der Schwester seiner Grossmutter auf-

gehalten und sei danach zu einer anderen Verwandten in der Gegend 

gegangen, weil die Navy ihn zuvor bei der Schwester der Grossmutter 

gesucht habe. Auf Nachfrage hin habe er jedoch bestätigt, dass dies 

letztmals im August 2009 vorgekommen sei, was – auch vor dem Hinter-

grund der sich zusehends verbessernden allgemeinen Lage in Sri Lanka 

– auf ein aktuell nicht mehr vorhandenes Verfolgungsinteresse seitens 

der heimatlichen Behörden schliessen lasse. Ferner befürchte der Be-

schwerdeführer Verfolgungsmassnahmen seitens der heimatlichen Be-

hörden, weil er sein anlässlich der Ausreise aus Sri Lanka gegenüber An-

gehörigen der TID gemachtes Versprechen, im Februar 2010 nach Sri 

Lanka zurückzukehren, nicht eingehalten habe. Zudem habe er bei der 

Haftentlassung erklärt, sich nun in seinem Dorf im Distrikt C._______ 

aufzuhalten. Auch gemäss Einschätzung des BFM sei nicht auszu-

schliessen, dass der Beschwerdeführer bei einer allfälligen Rückkehr 

nach Sri Lanka bei der Ankunft im Flughafen von Colombo über die Um-

stände seines Aufenthaltes im Ausland verhört werde. Gemäss Einschät-

zung des BFM erscheine es indessen ausgesprochen wenig wahrschein-

lich, dass eine behördliche Kontrollmassnahme dieser Art bezüglich ihrer 

Eingriffsintensität ein asylrelevantes Ausmass annehme. Zusammenfas-

send sei demnach festzuhalten, dass das BFM im Lichte obiger Ausfüh-

rungen und vor dem Hintergrund der verbesserten Sicherheitslage in Sri 

D-4617/2010 

Seite 13 

Lanka mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliesse, dass der Be-

schwerdeführer bei einer allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka von asylre-

levanter Verfolgung betroffen werde. Seine Furcht vor Verfolgung sei da-

her als unbegründet im Sinne des Asylgesetzes einzustufen.  

5.2  

5.2.1 Auf Beschwerdeebene hielt die Rechtsvertreterin diesen Erwägun-

gen entgegen, dass die vom BFM nicht in Zweifel gezogenen Ereignisse 

keinesfalls zu weit zurücklägen, um asylrelevant zu sein, sei doch der 

Beschwerdeführer anlässlich seines ersten Ausreiseversuchs im Novem-

ber 2009 verhaftet, schwer misshandelt und mehr als zwei Monate im Ge-

fängnis festgehalten worden. Kurze Zeit nach der Freilassung am 21. Ja-

nuar 2010 sei ihm am 5. Februar 2010 der zweite Ausreiseversuch ge-

lungen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Haft und die schweren 

Misshandlungen – stattgefunden unmittelbar vor der zweiten Ausreise – 

zu weit zurückliegen und nicht mehr asylrelevant sein sollten. Der Tod der 

Schwester und derjenige des Vaters seien bei der Ausreise des Be-

schwerdeführers gut anderthalb bzw. zweieinhalb Jahre zurückgelegen. 

Trotzdem könne nicht behauptet werden, diese Ereignisse lägen zu weit 

zurück. Sie hätten zu Folgehandlungen geführt, die den Beschwerdefüh-

rer beträfen. Er sei nämlich verschiedentlich von der Navy gesucht wor-

den und habe sich einer Festnahme nur entziehen können, weil er das 

Haus seiner Mutter, die nach dem Tod ihres Ehemannes und ihrer Tochter 

nach Indien zurückgekehrt sei, nicht mehr aufgesucht habe. Der Be-

schwerdeführer sei verdächtigt worden, der LTTE anzugehören und sei 

deshalb bei seinem ersten Ausreiseversuch im November 2009 vom TID 

verhaftet und in den berüchtigten sechsten Stock gebracht worden, wo 

Terrorverdächtige befragt würden. Er habe glaubwürdig und ausführlich 

geschildert, wie er brutal geschlagen worden sei. Man habe ihn zwingen 

wollen zu unterschreiben, dass er der LTTE angehört habe. In der Folge 

sei er mehr als zwei Monate inhaftiert gewesen, bis er am 21. Januar 

2010 freigelassen worden sei. Aufgrund der aus politischen Gründen erlit-

tenen Haft und den Misshandlungen, die als ernsthafte Nachteile im Sin-

ne des Asylgesetzes zu qualifizieren seien, erfülle der Beschwerdeführer 

die Voraussetzungen von Art. 3 AsylG. 

5.2.2 Weiter führte die Rechtsvertreterin aus, erstaune die Argumentation 

der Vorinstanz, wonach die Angst des Beschwerdeführers vor weiteren 

Übergriffen zwar aufgrund seines subjektiven Erlebens verständlich, ob-

jektiv aber nicht nachvollziehbar und begründet sei. Sie zitierte aus dem 

Befragungsprotokoll vom 11. Mai 2010, als er auf die Frage: "Aber hatten 

D-4617/2010 

Seite 14 

Sie da nicht furchtbare Angst, nachdem was vorher passiert war?" geant-

wortet habe: " Nein. Ich habe gedacht, alles ist jetzt vorbei. Ich habe ge-

dacht, ich werde jetzt sterben und bin mit diesem Mut hingegangen." Dies 

belege eindrücklich, dass dem Beschwerdeführer vom Befrager des BFM 

objektiv furchbare Angst zugestanden worden sei. Eine furchtbare Angst, 

die der Beschwerdeführer auch subjektiv stark empfunden habe, als er 

mit dem Mut der Verzweiflung ein zweites Mal zum Flughafen gegangen 

sei. 

5.2.3 Die Rechtsvertreterin erklärte weiter, die Vorinstanz behaupte, der 

Beschwerdeführer habe am 5. Februar 2010 unbehelligt aus Sri Lanka 

ausreisen können. Dies stimme so nicht. Aus den Akten gehe hervor, 

dass er auch bei der zweiten Ausreise vom TID festgenommen und be-

fragt worden sei. Dabei habe er angegeben, seinen Onkel in der Schweiz 

zu besuchen und versprochen, in einer Woche zurück zu sein. Zudem 

habe er ein Retourticket sowie seine Identitätskarte dabei gehabt, zwei 

Dokumente, die seinen Rückkehrwillen bestätigt hätten. 

5.2.4 Dem Argument der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe unbe-

helligt von C._______ nach Colombo reisen können, was nicht möglich 

gewesen wäre, wenn er tatsächlich gesucht worden wäre, hielt die 

Rechtsvertreterin entgegen, dass der Beschwerdeführer mit dem Zug ge-

reist und nur einmal beim Einsteigen kontrolliert worden sei. Er habe ab-

sichtlich den Zug und nicht den Bus gewählt, da dieser auf der Fahrt nach 

Colombo mehrere Check Points passieren müsse.  

5.2.5 Die Vorinstanz habe zugegeben, dass es nicht auszuschliessen sei, 

dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bei der 

Ankunft am Flughafen zu seinem Auslandaufenthalt verhört würde. Ein 

solches Ereignis würde aber bezüglich Eingriffsintensität nicht ein asylre-

levantes Ausmass annehmen. Diesbezüglich sei noch einmal zu vermer-

ken, dass die Festnahme und die anschliessenden Misshandlungen im 

November 2009 mit Sicherheit eine Eingriffsintensität von asylrelevantem 

Ausmass dargestellt hätten. Weshalb der Beschwerdeführer nicht be-

fürchten müsse, bei einer erneuten Festnahme durch den TID nochmals 

dasselbe Schicksal zu erleiden wie im November 2009, führe die Vorin-

stanz aber nicht aus. Der Beschwerdeführer habe glaubhaft dargelegt, 

dass Personen, die aus dem Boosa-Gefängnis freikämen, in aller Regel 

nicht mehr in Ruhe leben könnten. Ein Verdacht bleibe an ihnen haften 

und sie müssten weiterhin mit Verfolgungshandlungen rechnen. So auch 

im Falle des Beschwerdeführers, der weiterhin gesucht werde. Dazu ver-

D-4617/2010 

Seite 15 

wies die Rechtsvertreterin auf ein der Beschwerde beiliegendes Schrei-

ben der Grosstante des Beschwerdeführers, wonach sich auch nach sei-

ner Ausreise aus Sri Lanka am 22. Januar 2010, am 11. März 2010 und 

am 26. Mai 2010 unbekannte bewaffnete Personen nach seinem Verbleib 

erkundigt hätten. Aufgrund dieses Schreibens und der bereits abgegebe-

nen Beweismittel müsse davon ausgegangen werden, dass der Be-

schwerdeführer begründete Furcht habe, künftig ernsthafte Nachteile zu 

erleiden. Die Sicherheitslage in Sri Lanka sei nämlich immer noch sehr 

angespannt, wie aus verschiedenen Berichten hervorgehe. Als besonders 

gefährdete Gruppen würden Mitglieder und Sympathisanten – auch ver-

meintliche – der LTTE sowie deren Angehörige genannt. Zu dieser Grup-

pe gehöre auch der Beschwerdeführer.  

5.3 Am 16. Juli 2010 reichte die Rechtsvertreterin den Ausdruck einer E-

Mail der Grosstante des Beschwerdeführers zu den Akten, in welcher 

diese die Schweizerische Vertretung in Colombo um Schutz und Hilfe er-

suchte, um Sri Lanka verlassen zu können. Sie erklärte darin, sie sei we-

gen ihrer Unterstützung des Beschwerdeführers mehrmals von unbe-

kannten Männern aufgesucht, nach ihm gefragt, verbal und physisch be-

droht und misshandelt worden. Nachdem sie und ihre Tochter am 9. Mai 

2010 massiv bedroht und eingeschüchtert worden seien, hätten sie sich 

15 Tage lang bei Verwandten versteckt. Danach seien sie wieder in ihr 

Haus zurückgekehrt, wo sie nun in grosser Furcht leben würden. 

5.4 In seiner Vernehmlassung vom 20. Juli 2010 führte das BFM aus, 

dass der Beschwerdeführer im Rahmen seines Beschwerdeverfahrens 

ein Schreiben einer Tante eingereicht habe, aus welchem hervorgehe, 

dass ihn Unbekannte am 22. Januar 2010, am 11. März 2010 sowie am 

26. Mai 2010 gesucht und dabei einige Verwandte angegriffen und teil-

weise schwer verletzt hätten. Dies belege, dass er in Sri Lanka heute 

noch gefährdet sei. Das BFM führte hierzu aus, dass Schreiben von Per-

sonen, welche einen engen Bezug zu Beschwerdeführern aufwiesen, in 

aller Regel keinen genügenden Beweiswert entfalten würden, weil solche 

Personen als befangen einzustufen seien. Auch vorliegend dränge sich 

daher der Schluss auf, dass das nachgereichte Schreiben ein Gefällig-

keitsschreiben darstelle, da deren Autorin eine Tante des Beschwerdefüh-

rers sei. Diese Einschätzung werde auch dadurch bestätigt, dass der Be-

schwerdeführer selbst die angebliche Suche nach ihm am 22. Januar 

2010 – d.h. zu einem Zeitpunkt, als er sich noch in Sri Lanka aufgehalten 

habe – anlässlich seiner Anhörung vom 11. Mai 2010 mit keinem Wort 

erwähnt habe. Zudem wäre zu erwarten gewesen, dass er schwerwie-

D-4617/2010 

Seite 16 

gende Übergriffe gegenüber von Verwandten mit entsprechenden Be-

weismitteln belegen könne, was er jedoch unterlassen habe. Das BFM 

erklärte weiter, dass es sich durchaus der Tatsache bewusst sei, dass der 

Beschwerdeführer in Sri Lanka von schweren Schicksalsschlägen betrof-

fen gewesen sei. Die Anerkennung als Flüchtling respektive die Gewäh-

rung von Asyl diene jedoch nicht dem Ausgleich vergangenen Unrechts, 

sondern solle demjenigen gewährt werden, der aktuell des Schutzes be-

dürfe respektive begründete Furcht vor weiterer Verfolgung habe. Ge-

mäss Einschätzung des BFM sei dies im vorliegenden Fall nicht gegeben. 

Der Beschwerdeführer weise kein Profil auf, welches erwarten lasse, 

dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von erneuter Verfolgung 

betroffen werde, wenn er in sein Heimatland zurückkehre. Insbesondere 

sei darauf hinzuweisen, dass die Behörden ihm anlässlich seiner Haft 

keine Verbindung zur LTTE hätten nachweisen können und solche Ver-

bindungen gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers auch nicht 

existierten. Angesichts dessen könne mit überwiegender Wahrscheinlich-

keit ausgeschlossen werden, dass allfällige zukünftige Kontrollmassnah-

men seitens der Behörden – auch angesichts der sich verbessernden 

Menschenrechtslage in Sri Lanka – ein asylrelevantes Ausmass anneh-

men würden.  

5.5 Mit Replik vom 27. August 2010 nahm die Rechtsvertreterin zur Ver-

nehmlassung des BFM Stellung. Zu dem von der Vorinstanz als Gefällig-

keitsschreiben qualifizierten Schreiben erklärte sie, dieses sei zwar von 

der Grosstante eingeholt worden, sei jedoch von verschiedenen lokalen 

Amtsstellen unterzeichnet, welche belegen würden, dass die Familie des 

Beschwerdeführers sowie er selber verfolgt und bedroht worden seien, 

sowie dass sein Vater und seine Schwester ermordet worden seien. Be-

züglich des zweiten Vorwurfs, er habe die angebliche Suche nach ihm am 

22. Januar 2010 bei der Befragung nicht erwähnt, erklärte die Rechts-

vertreterin, dass der Beschwerdeführer am 21. Januar 2010 aus dem La-

ger Boosa freigelassen worden sei und sich danach in seine Heimatpro-

vinz begeben habe. Aus Angst vor Verfolgung sei er aber nur ganz kurz 

ins Haus seiner Mutter gegangen und danach an die O._______ in 

C._______, wo er bei Bekannten seiner Grosstante Unterschlupf gefun-

den habe. Dort habe er das Haus kaum verlassen, bis er am 4. Februar 

2010 nach Colombo gereist sei und Sri Lanka am 5. Februar 2010 ver-

lassen habe. Da er sich nach der Freilassung aus dem Lager Boosa die 

meiste Zeit versteckt gehalten habe, sei es durchaus nachvollziehbar, 

dass er die Suche nach ihm nicht mitbekommen habe und deshalb auch 

keine konkreten Auskünfte darüber habe erteilen können. An der Anhö-

D-4617/2010 

Seite 17 

rung durch das BFM vom 11. Mai 2010 habe er jedoch erwähnt, dass er 

sich nach der Freilassung aus Boosa deshalb kaum zu Hause aufgehal-

ten habe, weil nach ihm gesucht worden sei. Die Rechtsvertreterin erklär-

te zudem, dass der Beschwerdeführer an seinem Heimatort in Sri Lanka 

nur noch seine Grosstante habe, zu der er telefonischen Kontakt herstel-

len könnte. Seine Mutter und seine Schwestern mit Kindern würden in der 

Stadt P._______ in Q._______ (Indien) leben. Sie hätten aufgrund der 

Vorfälle, von denen die Familie betroffen gewesen sei, Angst, nach Sri 

Lanka zurückzukehren. Schliesslich hielt die Rechtsvertreterin den Be-

merkungen des BFM, der Beschwerdeführer habe in Sri Lanka nichts 

mehr zu befürchten, weil er aus dem Lager Boosa freigelassen worden 

sei, entgegen, dass ehemalige Insassen des Lagers Boosa weiterhin un-

ter Beobachtung der Behörden ständen und potentiell Verdächtige seien. 

Der Beschwerdeführer habe allen Grund, begründete Furcht vor weiteren 

Verfolgungshandlungen zu haben.  

5.6  

5.6.1 Die Abklärungen der Schweizerischen Botschaft in Sri Lanka erga-

ben, dass nicht mit absoluter Sicherheit abgeklärt werden könne, ob der 

Beschwerdeführer Beziehungen zur LTTE gehabt habe. Diesbezüglich 

könnte man allenfalls – wenn überhaupt anzutreffen – ihm bekannte Per-

sonen fragen. Damit würde es sich aber nur um Aussagen von Drittper-

sonen handeln. Dasselbe gelte für die Frage, ob Familienmitglieder des 

Beschwerdeführers Kontakte zu den LTTE (gehabt) hätten. Eine Reflex-

verfolgung infolge LTTE-Mitgliedschaft von Verwandten sei in Sri Lanka 

unwahrscheinlich und nur in Einzelfällen mit besonderem Profil denkbar.  

5.6.2 Bezüglich der Frage, ob im Falle der Ermordung von Vater und 

Schwester des Beschwerdeführers Untersuchungen gemacht worden 

seien, erklärte die Vertretung der Schweizerischen Botschaft, dass man 

zu deren Abklärung das zuständige Gericht und die Fall-Nummer kennen 

müsste, da die Gerichte im Osten Sri Lankas nach wie vor manuell arbei-

ten und sämtliche Einträge von Hand erfasst würden. Ob der Beschwer-

deführer vor seiner Ausreise von Sicherheitskräften bzw. der Navy ge-

sucht worden sei, könne nicht mit Sicherheit abgeklärt werden. Auch hier-

zu müsste auf Aussagen Dritter abgestützt werden.  

5.6.3 Weiter ergaben die Abklärungen der Schweizerischen Botschaft 

beim IKRK, dass der Beschwerdeführer dem IKRK bekannt sei und ihn 

Delegierte des IKRK sowohl beim TID als auch in Boosa angetroffen hät-

ten (am 24. November 2009, am 8. Dezember 2009 und am 20. Januar 

D-4617/2010 

Seite 18 

2010). Gemäss IKRK sei er am 21. Januar 2010 vom TID entlassen wor-

den. Die Vertretung der Schweizerischen Botschaft führte dazu aus, dass 

dies dafür spreche, dass der Beschwerdeführer als Verdächtiger verhaftet 

und als solcher ohne "Evidence"-Beweise wieder entlassen worden sei. 

Solche Haftentlassungen seien in der Regel nicht an Bedingungen ge-

knüpft. Um diesbezüglich jedoch völlige Sicherheit zu haben, müsste man 

ein Gerichtsdokument haben, das die Gerichts-Registrierung aufweise. 

5.6.4 Hinsichtlich der Frage, ob der Beschwerdeführer zum heutigen 

Zeitpunkt in seinem Heimatland von den staatlichen Behörden gesucht 

werde, befragte die Vertretung der Schweizerischen Botschaft die Ver-

trauensanwältin. Diese habe bestätigt, dass am Flughafen eine schwarze 

Liste existiere, die aber nicht einsehbar sei. Sie halte es für möglich, dass 

die Botschaft direkt um Einsicht, respektive Überprüfung ersuchen könn-

te. Diese Abklärungen könnten allerdings nicht mit der erforderlichen Dis-

kretion vorgenommen werden. Dasselbe gelte für Abklärungen bei Poli-

zeiposten, die Listen von gesuchten Personen führten, welche ebenfalls 

nicht öffentlich einsehbar seien.  

5.6.5 Weiter erklärte die Botschaftsvertretung, dass der längere Ausland-

aufenthalt (an sich) keinen Grund darstelle, eine erneute Verhaftung zu 

mutmassen. Die Botschaft habe eine Rückführung einer Person, die meh-

rere Jahre in der Schweiz gewesen sei, bei der Einreise nach Sri Lanka 

begleitet. Dabei habe es keinerlei Schwierigkeiten oder Nachfragen ge-

geben. 

5.6.6 Schliesslich übermittelte die Schweizerische Botschaft dem Bun-

desverwaltungsgericht die Kopien einer Aktennotiz vom 19. November 

2009 sowie einer E-Mail vom 26. Januar 2010. Gemäss dieser E-Mail hat 

offenbar ein leitender Beamter der "Grossmutter" des Beschwerdeführers 

ein Angebot gemacht, wonach dieser für 2'500 USD freigelassen werden 

könnte. Die Botschaftsvertretung erklärte dazu, dass es also so aussehe, 

als ob der Beschwerdeführer gegen Bezahlung einer Geldsumme aus der 

Haft entlassen worden sei, diese Vermutungen allerdings nicht überprüft 

werden könne. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Abwägung sämtlicher 

Aussagen und unter Berücksichtigung des jüngsten Länderurteils des 

Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24), wel-

ches sich einlässlich mit den Risikogruppen der auch nach Beendigung 

D-4617/2010 

Seite 19 

des Bürgerkrieges noch gefährdeten Personen auseinandersetzt, zum 

Schluss, dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Un-

recht abgewiesen hat. 

6.2 Vorab ist festzustellen, dass im Wesentlichen die Glaubhaftigkeit der 

Vorbringen des Beschwerdeführers weder von der Vorinstanz noch vom 

Bundesverwaltungsgericht bezweifelt wird. Die Einschätzung der Glaub-

haftigkeit wird zudem von der Schweizerischen Botschaft in Colombo in 

ihren beiden Übermittlungsschreiben an das BFM vom 9. April 2009 und 

vom 16. Juli 2009 geteilt (vgl. vorinstanzliche Akten A7 und A11). Das 

BFM wendet lediglich in seiner Vernehmlassung ein, das zusammen mit 

der Beschwerde eingereichte Schreiben der Grosstante des Beschwerde-

führers sei als Beweismittel nicht geeignet. Es bezweifelt somit, dass der 

Beschwerdeführer nach seiner Haftentlassung am 21. Januar 2010 weiter 

gesucht wurde bzw. gesucht wird.  

6.3 Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführer heute 

noch ein Risikoprofil aufweist. Hierzu ist das oben erwähnte Länderurteil 

BVGE 2011/24 heranzuziehen, welches sich ausführlich mit der gegen-

wärtigen Lage in Sri Lanka und den Kategorien gefährdeter Personen-

kreise auseinandersetzt. 

6.3.1 Das erwähnte Urteil definiert diverse Personenkreise, die trotz der 

verbesserten Sicherheitslage seit Beendigung des militärischen Konfliktes 

immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind. Dazu ge-

hören unter anderem Personen, welche auch nach Beendigung des Krie-

ges verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen bezie-

hungsweise gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex-Generals Sa-

rath Fonseka. Auch unabhängige Journalisten beziehungsweise regie-

rungskritische Medienschaffende haben ein erhöhtes Risikoprofil. Im Wei-

teren ist bei Opfern und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen und 

Personen, die entsprechende Übergriffe behördlich angezeigt haben, mit 

erhöhter Verfolgungsgefahr zu rechnen. Wegen drohender Erpressung, 

Kidnapping und anderen Verfolgungshandlungen bilden Personen, wel-

che über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen, eine weitere Risiko-

gruppe. Bei allen Personen, die dieser Risikogruppe angehören, muss al-

lerdings bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft das Motiv der jeweili-

gen Verfolgungshandlungen sorgfältig untersucht werden. Hinsichtlich der 

Gefährdung von abgewiesenen Asylbewerbern hält das Urteil fest, dass 

zwar nicht generell angenommen werden könne, dass abgewiesene tami-

lische Asylsuchende aus der Schweiz bei der Rückkehr nach Sri Lanka 

D-4617/2010 

Seite 20 

alleine aus diesem Grund in einen behördlichen Verdacht geraten, wäh-

rend ihres Aufenthaltes in der Schweiz Kontakte mit führenden LTTE-

Kadern unterhalten zu haben. Weder das UNHCR noch andere Organisa-

tionen hätten bisher auf eine diesbezügliche, generell drohende Gefahr 

hingewiesen. Dies schliesse indessen nicht aus, dass abgewiesenen ta-

milischen Asylsuchenden im Einzelfall nahe Kontakte zu LTTE-Kadern 

unterstellt werden könnten, was eine konkrete Gefährdung bedeuten 

könne. Die Einschätzung einer diesbezüglich gearteten Gefahr könne 

nicht generell vorgenommen werden, sondern hänge von den individuel-

len Gegebenheiten im Einzelfall ab. Je näher die betreffende Person in 

das Umfeld der oben beschriebenen Risikogruppen gerate, desto höher 

müsse die entsprechende Gefahr eingeschätzt werden, seitens der sri-

lankischen Behörden der Entfaltung missliebiger politischer Kontakte re-

spektive Tätigkeiten bezichtigt und in der Folge in asylbeachtlichem Aus-

mass verfolgt zu werden (vgl. BVGE 2011/24 E. 8). 

6.3.2 Mit der Gefährdungssituation, jedoch im Hinblick auf eine EMRK-

widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen 

Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, hat sich auch der Europäi-

sche Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wiederholt befasst (vgl. 

NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 

2008; P.K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Ja-

nuar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom  

20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Ent-

scheid vom 31. Mai 2011). Auch der EGMR hält fest, dass nicht in gene-

reller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe un-

menschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse 

vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich ins-

gesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte 

Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Fest-

nahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende 

Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrie-

rung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen 

einer Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft 

oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses 

oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheits-

kräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von 

London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE-

Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID-Papieren oder 

anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Ver-

wandtschaft mit einem LTTE-Mitglied (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2).  

D-4617/2010 

Seite 21 

6.4 Wie bereits erwähnt, hat der Beschwerdeführer glaubhaft geltend 

gemacht, von den srilankischen Behörden verdächtigt zu werden, mit den 

LTTE in Verbindung zu stehen. Der Familie des Beschwerdeführers wird 

seit ihrer Rückkehr aus Indien im Jahre 2004 vorgeworfen, die LTTE zu 

unterstützen. Im Jahre 2005 oder 2006 wurde sein Schwager von den 

LTTE entführt bzw. eingezogen und tauchte seither nicht mehr auf. Die 

Familie wurde regelmässig von der Navy kontrolliert. Im April 2007 führ-

ten sie bei ihnen zuhause eine Hausdurchsuchung durch. Dabei wurden 

der Beschwerdeführer und sein Vater geschlagen. Im Mai 2007 wurde der 

Vater des Beschwerdeführers erschossen. Danach wurde die Familie des 

Beschwerdeführers von der Navy weiter aufgesucht und mit dem Tod be-

droht. Im Juni 2008 wurde seine Schwester erschossen. Seine Mutter 

verliess Sri Lanka und ging zu den beiden Töchtern nach Indien. Seit dem 

Tod seiner Schwester wurde der Beschwerdeführer mehrfach von be-

waffneten Männern bei verschiedenen Verwandten gesucht. Deshalb hielt 

sich der Beschwerdeführer fortan bei seiner Halbschwester in C._______, 

bei einem Bekannten in G._______, bei einem Onkel in B._______, bei 

seiner Grosstante in C._______ und schliesslich in einem Hindu-Tempel 

in C._______ auf, wo er auch arbeitete. Am 22. Dezember 2008 reichte 

er bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo ein Asylgesuch ein. Das 

Bundesverwaltungsgericht sieht den Kausalzusammenhang zwischen 

den erwähnten Ereignissen und der Einreichung des Asylgesuchs gege-

ben und teilt die Ansicht des BFM nicht, wonach diese zu weit zurücklä-

gen, um asylrelevant zu sein. 

6.5 Nachdem ihm die Einreise in die Schweiz am 28. August 2009 bewil-

ligt und ein Visum ausgestellt worden war, wurde der Beschwerdeführer 

am 17. November 2009 bei seinem ersten Ausreiseversuch am Flughafen 

in Colombo vom TID festgenommen. Weil er sich weigerte, zu unter-

schreiben, dass sein Vater die LTTE unterstützt habe, wurde er mit einem 

Besenstiel und mit einem Kabel geschlagen. Nach zwei Tagen Haft am 

Flughafen wurde er zum TID-Gebäude in Colombo in den sechsten Stock 

gebracht, wo er erneut misshandelt wurde, nachdem er sich weigerte zu 

unterschreiben, die LTTE unterstützt zu haben. Am 24. November 2009 

wurde er ins Boosa-Gefängnis gebracht und dort bis am 21. Januar 2010 

in Haft gehalten. Auch hier kann die Einschätzung des BFM, dass diese 

Vorkommnisse zu weit zurücklägen, um die Flüchtlingseigenschaft zu be-

gründen, nicht geteilt werden. Schliesslich wurde der Beschwerdeführer 

eben bei seinem Ausreiseversuch festgenommen und verdächtigt, mit 

den LTTE in Verbindung zu stehen. Nur einige Tage nach seiner Haftent-

D-4617/2010 

Seite 22 

lassung wagte er seinen zweiten Ausreiseversuch, der schliesslich auch 

gelang. 

6.6 An dieser Stelle ist festzuhalten, dass eine (körperliche) Misshand-

lung selbst zur Durchsetzung eines rechtsstaatlich anerkannten 

(End-)Zwecks in Anbetracht der Absolutheit der in Art. 3 der Konvention 

vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-

freiheiten (EMRK, SR 0.101) sowie Art. 1 des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) stipulierten 

Misshandlungsverbote niemals eine legitime staatliche Massnahme dar-

stellt. Dies Haft belegt, dass der Beschwerdeführer wegen Verdachts auf 

eine LTTE-Zugehörigkeit festgenommen und misshandelt wurde, was trif-

tige Anhaltspunkte für die Annahme eines asylrelevanten Risikoprofils lie-

fert. 

6.7 Der Beschwerdeführer wurde am 21. Januar 2010 zwar (mangels 

Beweisen) aus der Haft entlassen. Dennoch kann nicht davon ausgegan-

gen werden, dass er deshalb in Zukunft keine Furcht vor Verfolgung mehr 

hätte. Die Botschaftsabklärung hat ergeben, dass der Beschwerdeführer 

vermutlich durch Bezahlung einer grösseren Summe durch die Grossmut-

ter freigekommen ist. Dies lässt daran zweifeln, dass er ein ordentliches 

Gerichtsverfahren bekommen hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass er bei 

Auftauchen neuer Verdachtsmomente gegen ihn erneut inhaftiert wird, ist 

gross. 

6.8 Entgegen der Ansicht des BFM konnte der Beschwerdeführer am 

5. Februar 2010 nicht unbehelligt aus Sri Lanka ausreisen. Bei seinem 

zweiten Ausreiseversuch wurde er nach dem Passieren der Migrati-

onskontrolle ausführlich vom TID kontrolliert und befragt. Zu der schliess-

lich erfolgreichen Ausreise beigetragen hat sicherlich der Umstand, dass 

der Beschwerdeführer den Behörden glaubhaft machen konnte, er wolle 

in der Schweiz einen Onkel besuchen und werde in etwa zehn Tagen 

nach Sri Lanka zurückkehren. Um dies zu belegen, wies er die Bestäti-

gung eines elektronischen Rückflugtickets für den 16. Februar 2010 vor. 

Die Behörden haben dies zur Kenntnis genommen und schriftlich fest-

gehalten. Die Befürchtung des Beschwerdeführers, dass er aufgrund die-

ser Täuschung der Behörden bei einer Rückkehr ernsthafte Probleme be-

kommen könnte, erscheint deshalb als durchaus plausibel. Damit wird 

das Gefährdungsprofil des Beschwerdeführers zusätzlich geschärft.  

D-4617/2010 

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6.9 Am Internationalen Flughafen in Colombo werden sowohl Ausreisen-

de wie auch Einreisende noch immer streng überwacht. Die Schweizeri-

sche Flüchtlingshilfe (SFH) hat sich in einem Themenpapier vom 

22. September 2011 eingehend mit der Situation von Rückkehrern nach 

Sri Lanka befasst. Demnach gehen die meisten Quellen davon aus, dass 

alle zwangsweisen Rückführungen dem CID für Nationalitäts- und Vor-

strafenüberprüfungen gemeldet werden und allen Zurückgeführten Finge-

rabdrücke genommen werden. Die Person kann auch dem State Intelli-

gence Service (SIS) und/oder dem TID für Verhöre überstellt werden.  

Rückkehrer, bei denen festgestellt wird, dass sie ein Asylverfahren durch-

laufen haben, werden aus den Warteschlangen herausgenommen und 

zunächst für Befragungen festgehalten, manchmal für wenige Stunden, 

manchmal für Tage oder Monate, bis eine Sicherheitsfreigabe erfolgt. 

Personen, die nicht sogleich freigelassen werden, werden vom Flughafen 

gewöhnlich zum Gefängnis in Negombo verbracht, wo sie inhaftiert wer-

den. Das SIS hat Zugang zu verschiedenen elektronischen Registern. 

Gesuchte Personen werden inhaftiert. Personen mit Vorstrafen oder 

mutmasslichen Verbindungen zu den LTTE durchlaufen ein weiteres Ver-

hör und können deshalb in Haft bleiben. Der Hauptvorwurf gegen die 

Auslandstamilen ist, dass sie die LTTE finanziert und unterstützt haben 

und das immer noch tun (SFH, Sri Lanka: Situation für aus dem Norden 

oder Osten stammende Tamilinnen in Colombo und für Rückkehrerinnen 

nach Sri Lanka, Bern, 22. September 2011, mit weiteren Hinweisen).  

6.10 Wie die Botschaftsabklärungen ergaben, existiert am Flughafen eine 

schwarze Liste, die allerdings nicht einsehbar ist. Ob der Beschwerdefüh-

rer aktiv gesucht wird, konnte deshalb nicht abgeklärt werden. Aufgrund 

der obenstehenden Erwägungen ist das Bundesverwaltungsgericht aller-

dings der Meinung, dass der Beschwerdeführer im Gesamtkontext seiner 

Vorbringen (Familiengeschichte, mehrmonatige Haft und Misshandlung 

als LTTE-Verdächtiger, falsche Angaben und Behördentäuschung bei der 

Ausreise) bei einer Rückkehr nach Sri Lanka damit rechnen muss, erneut 

verhaftet zu werden.  

6.11 Im Weiteren erhöhen die Umstände, dass dem Beschwerdeführer 

von den Asylbehörden die Einreise in die Schweiz bewilligt wurde, dass 

er die srilankischen Behörden darüber sowie über eine unbedingte Rück-

kehr nach Sri Lanka nach einigen Tagen getäuscht hat, die Gefahr, dass 

ihm von den Behörden nahe Kontakte zu LTTE-Kadern (im Ausland) un-

terstellt werden könnten. 

D-4617/2010 

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6.12 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht unter Be-

rücksichtigung sämtlicher Risikofaktoren zum Schluss, dass der Be-

schwerdeführer einer bei einer Rückkehr gefährdeten Personenkategorie 

zugehörig zu erklären ist und eine zukünftige Verfolgung aufgrund einer 

relevanten Verfolgungsmotivation mit erheblicher Wahrscheinlichkeit ge-

wärtigen muss. Dem Beschwerdeführer ist – nicht zuletzt auch aufgrund 

der erlittenen Vorverfolgung – auch heute noch eine begründete Furcht 

vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Asyl zu attestieren. Aufgrund des Ge-

sagten ist dem Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft zuzuerken-

nen und Asyl zu gewähren. Gründe für eine Verweigerung des Asyls be-

ziehungsweise einen Ausschluss aus der Flüchtlingseigenschaft liegen 

nicht vor (vgl. Art. 53 AsylG).  

7.  

Es ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, 

den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig feststellt 

und unangemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist daher gutzu-

heissen und die Verfügung des BFM vom 26. Mai 2010 aufzuheben. Die 

Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuer-

kennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. 

Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.  

Sodann ist dem vertretenen Beschwerdeführer angesichts seines Ob-

siegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädi-

gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen. Auf die Einholung einer Kostennote kann verzichtet werden, da sich 

der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten hinreichend zu-

verlässig abschätzen lässt. Die von der Vorinstanz zu entrichtende Par-

teientschädigung wird in Anwendung der genannten Bestimmungen und 

unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. 

VGKE) auf insgesamt Fr. 1'200.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) 

festgelegt.  

D-4617/2010 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 26. Mai 2010 wird aufgehoben. Das BFM wird ange-

wiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung in der Höhe von Fr. 1'200.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu 

entrichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi-

ge kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Hans Schürch Corinne Krüger 

 

 

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