# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3dec54e7-5aef-5932-b328-47f1a7509188
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-05
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 05.02.2021 SK 2018 528
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-528_2021-02-05.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 18 528+529

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 5. Februar 2021 

Besetzung Oberrichter Vicari (Präsident), 
Oberrichterin Sanwald, Oberrichter Josi 
Gerichtsschreiberin Ragonesi

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
amtlich vertreten durch Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin/Anschlussberufungsführerin

Gegenstand sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung, Widerhandlung gegen 
das Strassenverkehrsgesetz sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 9. August 2018 (PEN 18 165-167)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Einzelgericht, nachfolgend: Vorin-
stanz) vom 9. August 2018 wurde A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) freige-
sprochen von der Anschuldigung der versuchten Nötigung, evtl. Drohung, angeb-
lich mehrfach begangen ca. anfangs Juni 2016 in Bern, E.________ und evtl. an-
derswo zum Nachteil von C.________ und von der Anschuldigung der Widerhand-
lung gegen das Strassenverkehrsgesetz durch Missbrauch von Ausweisen und 
Schildern durch Nichtabgabe von Ausweisen und Kontrollschildern trotz behördli-
cher Aufforderung, angeblich begangen am 2. August 2017 in Bern. Dies ohne 
Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

Hingegen wurde er schuldig erklärt der sexuellen Nötigung, begangen ca. Ende 
April/anfangs Mai 2016 in Bern, zum Nachteil von C.________, der sexuellen 
Belästigung, mehrfach begangen ca. im April 2016 in E.________, auf der Auto-
fahrt von Zürich nach Bern und in Bern, zum Nachteil von C.________ und der 
groben Verkehrsregelverletzung durch Nichtbeachten eines Lichtsignals, fahrlässig 
begangen am 22. September 2016 in Bern. Zudem wurde die mit Urteil der Staats-
anwaltschaft Bern-Mittelland vom 30. August 2013 bedingt ausgesprochene Gelds-
trafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 50.00 widerrufen. Im Sinne einer Gesamtstra-
fe wurde er zu einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 
CHF 50.00, ausmachend CHF 9‘000.00, als Zusatzstrafe zu den Urteilen der 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 16. Februar 2018 und vom 10. Juli 2018 
verurteilt sowie weiter zu einer Übertretungsbusse von CHF 1‘500.00 (Ersatzfrei-
heitsstrafe von 15 Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung). Ferner wurden ihm die 
erstinstanzlichen Verfahrenskosten in Höhe von CHF 8'622.00 zur Bezahlung auf-
erlegt und das amtliche Honorar der unentgeltlichen Rechtsbeiständin von 
C.________ bestimmt. Schliesslich wurde der dem Beschuldigten mit Urteil des 
Obergerichts des Kantons Bern vom 4. September 2016 für eine Geldstrafe von 
264 Tagessätzen zu je CHF 50.00 abzüglich 2 Tagessätze als Untersuchungshaft, 
ausmachend somit CHF 13‘100.00, gewährte bedingte Vollzug nicht widerrufen, die 
Probezeit um 1/2 Jahr verlängert und dem Beschuldigten hierfür die Verfahrens-
kosten von CHF 300.00 auferlegt. Die Zivilklage wurde dem Grundsatz nach gut-
geheissen und für die vollständige Beurteilung der Forderung auf den Zivilweg ver-
wiesen, wobei für den Zivilpunkt keine Kosten ausgeschieden wurden (pag. 414 
ff.).

2. Berufung

Mit Schreiben vom 16. August 2018 (pag. 421) meldete Rechtsanwalt F.________ 
namens und auftrags des Beschuldigten Berufung gegen das ergangene Urteil an. 
Die Urteilsbegründung datiert vom 13. Dezember 2018 (pag. 427 ff.). Die Beru-
fungserklärung folgte am 7. Januar 2019 (pag. 491 ff.). Darin beschränkte Rechts-
anwalt F.________ die Berufung auf die Schuldpunkte der sexuellen Nötigung und 

3

sexuellen Belästigung zum Nachteil von C.________, die Bemessung der Strafe, 
die Kosten- und Entschädigungsfolgen, soweit zulasten des Beschuldigten ausfal-
lend sowie die Zivilansprüche der Straf- und Zivilklägerin. Beantragt wurden Frei-
sprüche von den Vorwürfen der sexuellen Nötigung und sexuellen Nötigung (recte: 
wohl Belästigung). Weiter wurde beantragt, der Beschuldigte sei für den verbliebe-
nen Schuldspruch wegen grober Verkehrsregelverletzung durch Nichtbeachten ei-
nes Lichtsignals zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen, unter Gewährung 
des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von zwei Jahren und unter Verzicht 
des Widerrufs des Urteils der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 30. August 
2013 (BM 12 7071) und des Urteils des Obergerichts des Kantons Bern vom 4. 
September 2016 (SK 15 256) bzw. unter Verzicht der Verlängerung der Probezeit. 
Die Zivilklagen der Privatklägerin seien ohne Grundsatzentscheid vollumfänglich 
auf den Zivilweg zu verweisen, sämtliche Verfahrenskosten des Berufungsverfah-
rens im Straf- und Zivilpunkt sowie die auf die Freisprüche entfallenden Verfah-
renskosten im Straf- und Zivilpunkt des erstinstanzlichen Verfahrens seien dem 
Kanton Bern aufzuerlegen und dem Beschuldigten sei eine Parteientschädigung für 
das erst- und oberinstanzliche Verfahren auszurichten. Gleichzeitig stellte der Be-
schuldigte den Antrag, es sei die Straf- und Zivilklägerin, C.________, als Zeugin 
zu befragen (pag. 491 ff.). 

Mit Verfügung vom 8. Januar 2019 wurde den übrigen Parteien Gelegenheit gebo-
ten, innert Frist von 20 Tagen Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein 
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen sowie zum gestellten Beweisantrag 
Stellung zu nehmen (pag. 498 f.). Mit Eingabe vom 24. Januar 2019 verzichtete die 
Generalstaatsanwaltschaft auf die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 
502 f.). C.________ (nachfolgend: Straf- und Zivilklägerin) erklärte am 29. Januar 
2019 Anschlussberufung gegen das Urteil der Vorinstanz. Angefochten wurde Ziff. 
VII.1. des erstinstanzlichen Dispositivs in Bezug auf die Genugtuung und dies le-
diglich insoweit, als die Genugtuungsforderung nur dem Grundsatz nach gutge-
heissen und die Straf- und Zivilklägerin für die vollständige Beurteilung dieser For-
derung auf den Zivilweg verwiesen wurde. Beantragt wurde die Verurteilung des 
Beschuldigten zur Bezahlung einer angemessenen Genugtuung von nicht unter 
CHF 8‘000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 1. Mai 2016 (mittlerer Verfall). Zudem 
seien die Kosten des Berufungsverfahrens dem Beschuldigten aufzuerlegen und 
das Honorar der amtlichen Anwältin der Straf- und Zivilklägerin gemäss Honorarno-
te gerichtlich festzusetzen, ohne Rück- bzw. Nachzahlungspflicht. Dem Beweisan-
trag des Beschuldigten widersetzte sich die Straf- und Zivilklägerin nicht, diese sei 
jedoch als Auskunftsperson einzuvernehmen (pag. 504 f.). 

Mit Verfügung vom 13. März 2019 wurde die Berufungsverhandlung auf den 
12. August 2019 angesetzt (pag. 522 ff.). Mit Schreiben vom 22. Juli 2019 teilte 
Rechtsanwalt F.________ mit, dass er die Interessen des Beschuldigten ab sofort 
nicht mehr vertrete und sein Mandat erloschen sei (pag. 545). Hierauf beantragte 
der Beschuldigte mit Schreiben vom 8. August 2019 die Verschiebung des geplan-
ten Verhandlungstermins, um eine neue Verteidigung zu beauftragen (pag. 550). 
Das Gesuch wurde mit Beschluss vom 8. August 2019 gutgeheissen und die Ver-
handlung vom 12. August 2019 abgesetzt (pag. 556 ff.). Mit Verfügung vom 
16. September 2019 wurde dem Beschuldigten eine amtliche Verteidigung beige-

4

ordnet und als amtlicher Verteidiger Rechtsanwalt B.________ ernannt (pag. 573 
f.). Die Berufungsverhandlung wurde mit Vorladung vom 9. Oktober 2019 auf den 
23. April 2020 angesetzt (pag. 595 ff.). Mit Eingabe vom 6. April 2020 teilte die Ver-
teidigung mit, dass der Beschuldigte zu den «besonders gefährdeten Personen» im 
Sinne der Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus 
gehöre und ersuchte um Verschiebung der oberinstanzlichen Verhandlung vom 
23. April 2020 (pag. 628). Die Berufungsverhandlung wurde mit Verfügung vom 
8. April 2020 abgesetzt (pag. 630 f.). Mit Vorladung vom 5. Juni 2020 wurde die Be-
rufungsverhandlung auf den 4./5. Februar 2021 angesetzt (pag. 642 ff.) und mit 
Verfügung vom 4. Januar 2021 auf den 5. Februar 2021 verschoben (pag. 651 und 
pag. 652 f.).

Die Straf- und Zivilklägerin wurde mit Ausnahme ihrer eigenen Befragung von der 
Verhandlung dispensiert. Ebenso wurde eine Konfrontation vermieden und die Öf-
fentlichkeit während ihrer Befragung ausgeschlossen (vgl. Verfügungen vom 
17. April 2019, pag. 533 ff. und 12. März 2020, pag. 606 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Verfügung vom 13. März 2019 bzw. Schreiben vom 22. Januar 2021 wurden 
die Akten SK 15 256 des Obergerichts des Kantons Bern sowie BM 18 26316, BM 
18 2823 und BM 20 42877 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland ediert (pag. 522 
ff., pag. 661). Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden aktuelle Strafregis-
terauszüge (pag. 624 ff., pag. 657 ff.), ein aktueller Leumundsbericht sowie ein Be-
richt über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten (pag. 610 ff.) einge-
holt. Der von der Straf- und Zivilklägerin eingereichte Kurzbericht von lic. phil. 
G.________ vom 10. Juli 2019 (pag. 584 f.) wurde mit Verfügung vom 2. Oktober 
2019 zu den Akten erkannt (pag. 582 f.).

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden der Beschuldigte und die Straf- und 
Zivilklägerin ergänzend befragt sowie der von der Straf- und Zivilklägerin mit 
Schreiben vom 2. Februar 2021 eingereichte Kurzbericht von lic. phil G.________ 
vom 27. Januar 2021 (pag. 665 f.) sowie der Handelsregisterauszug betreffend die 
H.________ AG (pag. 667 f.) zu den Akten erkannt. 

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete anlässlich der Berufungsver-
handlung namens und auftrags des Beschuldigten die folgenden Anträge (pag. 693 
f.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 9. August 2018 hin-
sichtlich Ziff. I. (Freisprüche) und Ziff. II. 3. (Schuldspruch grobe Verkehrsregelverletzung) sowie Ziff. 
IV. (Widerrufsverfahren) in Rechtskraft erwachsen ist.

5

II.

Das Widerrufsverfahren hinsichtlich des Urteils der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 30. Au-
gust 2013 sei einzustellen.

III.

Herr A.________, vgt. sei

freizusprechen:

1. von der Anschuldigung der sexuellen Nötigung, angeblich begangen ca. Ende April/anfangs Mai 
2016 in Bern zum Nachteil von C.________;

2. von der Anschuldigung der sexuellen Belästigung, angeblich mehrfach begangen ca. im April 
2016 in E.________, auf der Autofahrt von Zürich nach Bern und in Bern, zum Nachteil von 
C.________;

unter Auferlegung der darauf entfallenden Verfahrenskosten der ersten und oberen Instanz an den 
Kanton Bern und unter Ausrichtung einer Entschädigung für die Verteidigungskosten gemäss Kosten-
noten der privaten und amtlichen Verteidigung.

IV.

Herr A.________ sei gestützt auf den rechtskräftigen Schuldspruch wegen grober Verkehrsregelver-
letzung (Ziff. 3. des Urteils vom 09.08.2018)

zu verurteilen:

1. zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu CHF 30.00 unter Gewährung des bedingten Straf-
vollzuges mit einer Probezeit von 5 Jahren;

2. zu den entsprechenden Verfahrenskosten bis und mit der ersten Instanz.

V.

Die Zivilklage von Frau C.________ sei abzuweisen.

VI.

Im Weiteren sei

zu verfügen:

1. Das Honorar des amtlichen Verteidigers vor oberer Instanz sei gemäss eingereichter Kostennote 
festzusetzen.

2. Die erforderlichen weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

Rechtsanwältin D.________ stellte und begründete namens der Straf- und Zivilklä-
gerin die folgenden Anträge (pag. 700 f.):

I.

Der Beschuldigte sei schuldig zu erklären:

1. der sexuellen Nötigung, begangen ca. Ende April / Anfang Mai 2016 in Bern, zum Nachteil der 
Privatklägerin C.________;

6

2. der sexuellen Belästigung, mehrfach begangen ca. im April 2016 in E.________, auf der Auto-
fahrt von Zürich nach Bern und in Bern zum Nachteil der Privatklägerin C.________.

II.

1. Der Beschuldigte sei zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen.

2. Die Verfahrenskosten der ersten Instanz sowie die Verfahrenskosten der zweiten Instanz seien 
dem Beschuldigten zur Bezahlung aufzuerlegen.

3. Weiter sei der Beschuldigte zu verurteilen:

a. zur Erstattung der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung der 
Privatklägerin in erster Instanz an den Kanton und zur Bezahlung der Differenz von 
Fr. 2'102.10 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar an die Privat-
klägerin zuhanden von deren Rechtsanwältin;

b. zur Bezahlung der Interventionskosten der Privatklägerin in zweiter Instanz gemäss Hono-
rarnote.

III.

Zivilansprüche der Privatklägerin:

1. Der Beschuldigte sei zu verurteilen, der Privatklägerin eine angemessene Genugtuung von nicht 
unter Fr. 8'000.—zuzüglich Zins zu 5% seit 1. Mai 2016 (mittlerer Verfall) zu bezahlen.

2. Die Schadenersatzforderung der Privatklägerin sei dem Grundsatz nach gutzuheissen und für 
die vollständige Beurteilung auf den Zivilweg zu verweisen.

3. Für die Beurteilung der Zivilklage seien keine Kosten auszuscheiden.

IV

Weiter sei zu verfügen:

Das Honorar der amtlichen Anwältin der Privatklägerin C.________ sei gemäss Honorarnote gericht-
lich festzusetzen, ohne Rückzahlungs- beziehungsweise Nachzahlungspflicht.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Urteil der Vorinstanz wurde nur teilweise angefochten (vgl. Ziff. 2. und 4. hier-
vor) und ist damit bezüglich der Freisprüche von den Anschuldigungen der ver-
suchten Nötigung evtl. Drohung und der Widerhandlung gegen das Strassenver-
kehrsgesetz durch Missbrauch von Ausweisen und Schildern durch Nichtabgabe 
von Ausweisen und Kontrollschildern trotz behördlicher Aufforderung (Ziff. I. 1.-2. 
des erstinstanzlichen Dispositivs, exkl. Kosten- und Entschädigungspunkt), des 
Schuldspruchs wegen grober Verkehrsregelverletzung durch Nichtbeachten eines 
Lichtsignals (Ziff. II. 3. des erstinstanzlichen Dispositivs) sowie hinsichtlich des Ver-
zichts auf den Widerruf der mit Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 
4. September 2016 ausgesprochenen bedingten Geldstrafe (inkl. Verlängerung der 
Probezeit und Kostenfolge, Ziff. VI. 1.-3. des erstinstanzlichen Dispositivs) in 
Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind damit die 
Schuldsprüche unter Ziff. II. 1. und 2. des erstinstanzlichen Dispositivs (sexuelle 
Nötigung und mehrfache sexuelle Belästigung), der Widerruf der bedingt gewähr-
ten Strafe aus dem Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 30. August 

7

2013 (Ziff. III. des erstinstanzlichen Dispositivs), die Sanktionen (Geldstrafe und 
Übertretungsbusse, Ziff. IV. 1.-2. des erstinstanzlichen Dispositivs), der gesamte 
Kosten- und Entschädigungspunkt sowie der Zivilpunkt (Ziff. VII. 1.-2. des erstin-
stanzlichen Dispositivs).

Das Urteil kann ausser betreffend die Frage der Genugtuung nicht zuungunsten 
des Beschuldigten verschlechtert werden, da in den meisten Punkten nur er Beru-
fung erklärt hat (Verbot der sog. «reformatio in peius», Art. 391 Abs. 2 StPO). Die 
Kammer beurteilt den vorliegenden Fall mit voller Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO).

II. Einstellung 

6. Ausgangslage

Die Vorinstanz hat die mit Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 
30. August 2013 ausgesprochene Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 50.00 
widerrufen und eine Gesamtstrafe gebildet. Sie hielt hierzu Folgendes fest (S. 50 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 476; Hervorhebungen im Original):

A.________ wurde mit Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 30.8.2013 u.a. wegen 
Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 
CHF 50.00, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 3 Jahren, verurteilt. Während der Probezeit 
machte sich der Beschuldigte erneut strafbar, auch im Gebiet Strassenverkehr. Somit kann ihm keine 
günstige Prognose mehr gestellt werden. Der bedingte Vollzug aus dem Urteil der Staatsanwaltschaft 
Bern-Mittelland vom 30.8.2013 für eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 50.00 ist zu wider-
rufen. 

Gemäss Art. 46 Abs. 1 nStGB ist nun mit der neuen Geldstrafe eine Gesamtstrafe zu bilden. Die wi-
derrufenen 10 Tagessätze werden mit 8 Tagessätzen zu den 172 Tagessätzen asperiert. Dies führt 
im Ergebnis zu einer Gesamtgeldstrafe von 180 Tagessätzen zu je CHF 50.00.

7. Erwägungen der Kammer

Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und 
ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so widerruft das 
Gericht gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB die bedingte Strafe oder den bedingten Teil 
der Strafe. Sind die widerrufene und die neue Strafe gleicher Art, so bildet es in 
sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe. Der Widerruf darf 
nicht mehr angeordnet werden, wenn seit dem Ablauf der Probezeit drei Jahre ver-
gangen sind (Art. 46 Abs. 5 StGB). Die Probezeit beginnt mit der Eröffnung des Ur-
teils zu laufen, das vollstreckbar wird. Massgebend für die Einhaltung der Frist 
nach Art. 46 Abs. 5 StGB ist das Urteil der Berufungsinstanz, soweit es das erstin-
stanzliche Urteil auch betreffend den Widerruf ersetzt (Urteil des Bundesgerichts 
[BGer] 6B_733/2019 vom 15. November 2019 E. 1.3.1. f., BGE 143 IV 441 E. 2.2).

Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass ein Widerruf der mit Urteil der Staats-
anwaltschaft Bern-Mittelland vom 30. August 2013 bedingt ausgesprochenen 
Geldstrafe in Anwendung von Art. 46 Abs. 5 StGB zum jetzigen Zeitpunkt nicht 
mehr möglich ist, zumal seit Ablauf der Probezeit am 30. August 2016 mehr als drei 
Jahre vergangen sind. Das Widerrufsverfahren ist demnach einzustellen.

8

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird gemäss Ziff. I.1. und 3 der Anklageschrift vom 7. März 
2018 folgendes vorgeworfen (pag. 318 ff., Hervorhebungen im Original):

Sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB)

begangen ca. Ende April/anfangs Mai 2016 in Bern, I.________ (Strasse), Büroräumlichkeiten der 
H.________ AG, zN von C.________

A.________, Geschäftsführer der H.________ AG, packte die Angestellte der Firma H.________ AG, 
C.________, in den Büroräumlichkeiten (J.________) der H.________ AG mit seinen Händen an ih-
rem Gesäss und zog sie zu sich heran. C.________ wich zurück und wollte den Raum verlassen. 
A.________ schloss in der Folge die Türe und stellte sich vor diese. Er zog C.________ erneut mit 
seinen Armen zu sich heran, wobei sie ihm sagte, dass er aufhören solle und sie dies nicht wolle. 
A.________ liess in der Folge von C.________ ab und machte Schmerzen an seiner Brust geltend. Er 
stand immer noch vor der Türe. Er beugte sich dann zu C.________ vor und küsste sie auf den Mund. 
Danach zog er sie erneut zu sich hin, hielt sie fest und presste sie an sich. Er küsste sie zudem am 
Hals sowie am Dekolleté und berührte ihre Brüste über den Kleidern. Zudem fragte A.________ 
C.________, ob sie ihn spüre, womit er sein Glied meinte. C.________ konnte sich zunächst nicht 
losreissen. Sie sagte A.________ mehrfach, er solle sie loslassen, und begann zu schreien. Schliess-
lich liess A.________ C.________ los. C.________ verliess in der Folge das J.________ und wollte 
auch das Büro verlassen, wobei A.________ von hinten kam und sie von hinten mit seinen Armen 
umfasste, sie mit einem Arm auf der Höhe der Taille festhielt und ihr mit der anderen Hand von oben 
in ihre Hosen und Unterhosen hineingriff. Er berührte dabei mit seiner Hand ihren Genitalbereich. 
C.________ ging in die Hocke und konnte sich so aus der Umklammerung lösen. Sie trat mit ihrem 
Fuss nach hinten und traf das Knie von A.________. Sie verliess in der Folge die Büroräumlichkeiten.

Sexuelle Belästigung (Art. 198 StGB), mehrfach begangen

a) begangen ca. im April 2016 in E.________, K.________ (Strasse), zN von C.________

A.________ packte in seiner Wohnung mit seinen Händen die Hände von C.________, liess sie 
dann los, strich ihre Haare über die Schultern zurück und umfasste mit seinen beiden Händen 
ihr Gesicht. Sie schlug seine Hände weg und sagte ihm, er solle nie mehr ihr Gesicht berühren. 
Plötzlich packte er mit seiner Hand den Hinterkopf von C.________, zog sie zu sich heran und 
küsste sie auf den Mund. Nachdem die beiden die Wohnung verlassen hatten und im Lift nach 
unten fuhren, packte A.________ dann die Hand von C.________ und fuhr damit über der Hose 
über seinen Genitalbereich. 

b) begangen ca. im April 2016 auf der Autofahrt von Zürich nach Bern, I.________(Strasse), zN 
von C.________

Während einer Autofahrt griff A.________, der auf dem Beifahrersitz sass, C.________, welche 
den Personenwagen lenkte, zwischen die Beine und presste seine Hand über der Hose an ihren 
Genitalbereich. C.________ packte die Hand von A.________ und drückte sie weg.

c) begangen ca. im April 2016 in Bern, I.________(Strasse), zN von C.________

A.________ ging in den Büroräumlichkeiten der H.________ AG zum Arbeitsplatz von 
C.________, um ihr etwas zu erklären, und küsste sie auf den Mund. 

9

A.________ nahm diese Handlungen ohne Einwilligung von C.________ vor. Durch diese Berührun-
gen belästigte A.________ C.________ sexuell.

9. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz wies im Rahmen ihrer Urteilsbegründung vom 13. Dezember 2018 
zwar kein Beweisergebnis bzw. -fazit als solches aus, ging aufgrund einer Ge-
samtwürdigung der vorliegenden Beweismittel aber von dem rechtserheblichen 
Sachverhalt aus, wie er von der Straf- und Zivilklägerin geschildert und in der An-
klageschrift vom 7. März 2018 umschrieben wurde (Ziff. I. 1. und 3. der Anklage-
schrift, S. 33 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 459).

10. Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

10.1 Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ brachte im Rahmen der Berufungsverhandlung im We-
sentlichen vor, die Vorinstanz habe dem Beschuldigten aufgrund seines Schwurs 
jegliche Glaubwürdigkeit abgesprochen. Es liege ein klassisches Vieraugendelikt 
vor. Die Vorinstanz habe festgehalten, dass nur wenige und subjektive Beweismit-
tel vorliegen würden. Es gebe Selfies, Arztberichte, verschiedene Kurzberichte und 
die Aussagen. Die Arztberichte und Kurzberichte würden vorliegend nicht wirklich 
weiterhelfen. Ausschlaggebend sei die Aussagenanalyse. Die Vorinstanz habe die 
Aussagen auf lediglich drei Seiten gewürdigt und dabei entscheidende Faktoren 
weggelassen. So etwa die Umstände und den Zeitpunkt der Verfahrensanhebung 
durch die Straf- und Zivilklägerin, die persönliche Beziehung der Parteien, das Ver-
halten der Straf- und Zivilklägerin nach dem angeblichen ersten Übergriff und die 
einseitige Verfolgung der Strafbehörden gestützt auf die von der Straf- und Zivilklä-
gerin eingereichten Beweismittel. Die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin könnten 
nicht pauschal als unglaubhaft abgetan werden, was die Beurteilung schwieriger 
mache. Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass sie die Nebenschauplätze 
und die arbeitsrechtlichen Fragen immer sehr detailliert beschreibe, den Kernsach-
verhalt demgegenüber nicht. Die erste Einvernahme sei auf Wunsch der Straf- und 
Zivilklägerin unterbrochen worden. Es gebe zudem Widersprüche, welche die Vor-
instanz nicht beachtet habe. So habe die Straf- und Zivilklägerin hinsichtlich der 
Fahrt im L.________ ausgesagt, der Beschuldigte habe ihr über die Hose gestri-
chen. Zuvor habe sie noch zu Protokoll gegeben, er habe seine Hand an ihren In-
timbereich gepresst. Dies sei ein entscheidendes Detail. Gleiches gelte hinsichtlich 
des weiteren angeblichen Übergriffs im Auto, wo die Straf- und Zivilklägerin unter-
schiedliche Angaben dazu gemacht habe, ob der Beschuldigte sie unter oder über 
dem Büstenhalter angefasst und wie oft er zugedrückt habe. Es gebe auch im 
Kernsachverhalt grosse Widersprüche. Die Straf- und Zivilklägerin habe mit dem 
Strafverfahren wohl eine gute Grundlage für das Zivilverfahren schaffen wollen, 
zumal auch Ansprüche aus dem Gleichstellungsgesetz geltend gemacht worden 
seien. Das Zivilverfahren sei bis heute sistiert. Es müsse berücksichtigt werden, 
dass die Straf- und Zivilklägerin dadurch ein grosses Interesse habe, den Beschul-
digten einer strafrechtlichen Verurteilung zuzuführen. Wenn diese ferner geltend 
mache, sie sei aufgrund der angeblichen Übergriffe stark traumatisiert, so sei fest-
zuhalten, dass sie die Verfahren selber angestrengt habe und zumindest das Zivil-

10

verfahren aktiv bewirtschafte. Unglaubhaft sei weiter, dass sie aufgrund der angeb-
lichen Übergriffe durch den Beschuldigten «Flashbacks» habe, sei doch der Über-
griff durch den Onkel weitaus traumatisierender gewesen. 

Weiter unklar sei die persönliche Beziehung zwischen der Straf- und Zivilklägerin 
und dem Beschuldigten. Dass zwischen den beiden nicht nur ein rein berufliches 
Verhältnis bestanden habe, ergebe sich auch aus den Aussagen der Auskunftsper-
son M.________. Die Aussagen von Frau N.________ seien demgegenüber mit 
Vorsicht zu geniessen, insbesondere was nach der Einvernahme noch ergänzt 
worden sei. Schliesslich habe die Straf- und Zivilklägerin nur diejenigen Chatnach-
richten in das Verfahren eingebracht, welche zu ihren Aussagen passen würden. 
Es sei weiter davon auszugehen, dass sie sich anders verhalten hätte, wenn die 
Übergriffe vom 22. März 2016 tatsächlich stattgefunden hätten. Sie habe aber ein-
fach weitergearbeitet und zugelassen, dass sie mit dem angeblich übergriffigen 
Chef alleine sei, habe sich herumfahren lassen bzw. sei immer wieder in das Auto 
eingestiegen und sei in seine Wohnung gegangen. Seltsam sei auch, dass die 
Straf- und Zivilklägerin ihre Schwester und die beste Freundin dem angeblich über-
griffigen Chef habe aussetzen wollen. Es könne gut sein, dass die Straf- und Zivil-
klägerin die Nähe zum Beschuldigten allenfalls nicht so sehr gesucht habe, wie er 
ihre Nähe oder die eine oder andere Zärtlichkeit. Es könne auch nicht ausge-
schlossen werden, dass er ihr nähergekommen sei, als sie dies evtl. gewollt habe 
bzw. sie aufgrund ihres Alters nicht abgeblockt oder widersprüchliche Signale ge-
sendet habe. Fest stehe jedoch, dass die angeklagten Vorwürfe nicht zweifelsfrei 
erstellt seien, weshalb der Beschuldigte in dubio pro reo freizusprechen sei (pag. 
685 ff.).

10.2 Straf- und Zivilklägerin

Rechtsanwältin D.________ brachte im Rahmen der Berufungsverhandlung zu-
sammengefasst vor, es gehe vorliegend um vier Vorwürfe von sexuellen Übergrif-
fen, wobei keine objektiven Beweismittel vorliegen würden. Die Straf- und Zivilklä-
gerin habe bei der Polizei ausführlich geschildert, wie sie den Beschuldigten ken-
nengelernt habe, dass sie bereits im März mit ihrer Arbeit begonnen habe und was 
in der Folge geschehen sei. Der erste Übergriff vom März 2016 sei nicht angeklagt 
worden, weil der Strafantrag zu spät gestellt worden sei. Wenn die Straf- und Zivil-
klägerin den Beschuldigten zu Unrecht hätte belasten wollen, so hätte sie den 
Strafantrag wohl früher gestellt. Die erste Befragung sei sodann in zwei Teilen ab-
gelaufen und habe sechs Stunden gedauert. Am Freitag sei die Einvernahme un-
terbrochen und erst am Montag darauf fortgesetzt worden. Dass die Fortsetzung 
nicht bereits am darauffolgenden Tag stattgefunden habe, sei wohl eher auf die Po-
lizei als auf die Straf- und Zivilklägerin zurückzuführen. Die erste Befragung umfas-
se daher die Einvernahme vom 1. und vom 4. Juli 2016. Die Straf- und Zivilklägerin 
habe ihre Erlebnisse in chronologischer Reihenfolge geschildert, weshalb sie den 
letzten bzw. schlimmsten Vorfall dann auch erst im Rahmen des zweiten Teils am 
4. Juli 2016 angesprochen habe. Ihre Aussagen bei der Polizei seien sehr detailliert 
ausgefallen, es gebe keine Übertreibungen und auch keine Widersprüche. Hin-
sichtlich der Frage, ob der Beschuldigte sie unter oder über dem Büstenhalter 
berührt habe, sei sie sich nicht sicher gewesen. Die Straf- und Zivilklägerin habe 

11

geschildert, wie sich der Beschuldigte jeweils entschuldigt habe. Dies sei auch der 
Grund, weshalb sie nicht einfach davongelaufen sei. Sie sei weiter ehrlich respekti-
ve authentisch gewesen und es würden sich keine Aggravierungstendenzen zei-
gen. Ihre Aussagen würden sich sodann durch die eingereichten Chatnachrichten 
bestätigen lassen. Die Initiative, das Drängen und Werben sei klar vom Beschuldig-
ten ausgegangen. Er nenne sie mehrfach «Liebling» und entschuldige sich auch 
mehrmals. Hinzu würden die Aussagen von Frau N.________ kommen, welche 
einfach ihre Erinnerungen zu Protokoll gegeben habe. Dem Arztbericht von Frau 
O.________ sei sodann zu entnehmen, dass sich die Straf- und Zivilklägerin mehr-
fach bei ihr gemeldet und von Belästigungen durch den Arbeitgeber berichtet habe. 

Der Beschuldigte gehe demgegenüber bereits bei seiner ersten Einvernahme zum 
Gegenangriff über und dies ziehe sich dann über alle Befragungen hin. So behaup-
te er, die Straf- und Zivilklägerin und Frau N.________ hätten das Arbeitsklima 
vergiftet, die Straf- und Zivilklägerin sei betrunken gewesen und habe ihn küssen 
wollen, sie habe seine Hand genommen und auf ihren Oberschenkel gelegt. Neben 
den Gegenangriffen würden die Übergriffe vom Beschuldigten verharmlost werden. 
Er stelle die Straf- und Zivilklägerin auch hinsichtlich ihrer Arbeitsleistung schlecht 
dar. Hier müsse man sich aber fragen, weshalb er sie dann nicht in der Probezeit 
entlassen habe. Hinsichtlich der Art seiner Beziehung zu ihr habe der Beschuldigte 
sodann widersprüchliche Aussagen gemacht, etwa zur Frage der Liebesbeziehung 
oder zu den Küssen. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung habe er 
auch erstmals vorgebracht, dass die Straf- und Zivilklägerin ihm bei der Autofahrt 
zwischen die Beine gefasst habe. Dies zeige ein klares Aggravieren seinerseits 
und sei denn auch nicht nachvollziehbar, habe der Beschuldigte doch selber ge-
sagt, dass zwischen ihnen beiden nichts Sexuelles gewesen sei. Es seien keine 
strukturellen Unterschiede in den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zum Ar-
beitsverhältnis und zu den sexuellen Handlungen zu erkennen. Auch einen grossen 
Widerspruch im Kernsachverhalt gebe es nicht. Wenn ein Opfer sich sodann nicht 
wehren dürfe, könne es seine Rechte nie wahrnehmen. Aus den Chatnachrichten 
sei weiter erkennbar, dass die Straf- und Zivilklägerin bei weitem nicht so viel und 
auch ganz anders geschrieben habe als der Beschuldigte. Sie sei in der Anstellung 
geblieben, weil sie sich für ihre Familie einen Kredit erhofft und der Beschuldigte 
sich auch immer wieder entschuldigt habe. Er habe sich ja auch nicht immer dane-
ben verhalten. Nach dem schlimmsten Vorfall sei sie dann aber nicht mehr zur Ar-
beit gegangen. Insgesamt seien die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin glaubhaft 
und diejenigen des Beschuldigten nicht (pag. 687 ff.).

11. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist im Zusammenhang mit den vorgeworfenen Tathandlungen einzig, 
dass der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin bei ihr zu Hause kennengelernt 
und ihr eine Stelle im Betrieb der H.________ AG angeboten, diese sich in der Fol-
ge mit ihm im P.________ getroffen und anschliessend in der Zeit von ca. 
März/April 2016 bis Ende Mai 2016 bei der H.________ AG, unter dem Beschuldig-
ten als Geschäftsführer, gearbeitet hat.

12

Sämtliche in den Ziff. I. 1. und 3. der Anklageschrift vom 7. März 2018 erwähnten 
Tathandlungen zum Nachteil der Straf- und Zivilklägerin werden vom Beschuldigten 
zurückgewiesen.

12. Beweismittel

Wie bereits die Vorinstanz festgehalten hat, sind vorliegend nur wenige objektive 
Beweismittel vorhanden. In den Akten befinden sich Chat-Nachrichten (pag. 26 ff.), 
einige Selfies (pag. 21 ff.), ein Organigramm (pag. 17), eine Liste mit Personenda-
ten (pag. 18 f.), Unterlagen zur Anstellung der Straf- und Zivilklägerin (pag. 24 ff.), 
diverse ärztliche Zeugnisse und Berichte (pag. 132 ff.), ein von der Staatsanwalt-
schaft eingeholter Bericht von Frau Dr. med. E. O.________ vom 7. November 
2017 (pag. 149) sowie diverse Berichte von lic. phil. G.________ (pag. 362 ff., pag. 
584 f., pag. 665 f.), ein Beratungsbericht von Q.________ Bern (pag. 364 ff.) und 
ein Handelsregisterauszug der H.________ AG (pag. 667 f.).

Der Kammer liegen ferner der Anzeigerapport vom 4. August 2016 (pag. 5 ff.), der 
Nachtrag vom 3. Februar 2017 (pag. 12 ff.) sowie die Aussagen der Straf- und Zi-
vilklägerin (pag. 68 ff., pag. 75 ff., pag. 82 ff., pag. 386 ff., pag. 673 ff.) und des Be-
schuldigten (pag. 45 ff., pag. 58 ff., pag. 391 ff., pag. 679 ff.) sowie der Auskunfts-
personen N.________ (pag. 99 ff., vgl. auch Anmerkungen bzw. Ergänzungen per 
E-Mail, pag. 107 ff.), R.________ (pag. 110 ff.), S.________ (pag. 117 ff., pag. 119 
ff.) und M.________ (pag. 123 ff.) vor.

Die Vorinstanz hat die bis anhin gemachten Aussagen eingehend und korrekt zu-
sammengefasst, weshalb an dieser Stelle darauf verwiesen werden kann (S. 9 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 435 ff.). Soweit notwendig, wird im 
Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung näher darauf eingegangen. Dies gilt 
auch für die Aussagen des Beschuldigten und der Straf- und Zivilklägerin anlässlich 
der oberinstanzlichen Hauptverhandlung (pag. 673 ff.).

13. Beweiswürdigung der Kammer

13.1 Theoretische Ausführungen

Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussagenanalyse 
kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (S. 5 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 431 ff.). 

13.2 Würdigung der objektiven Beweismittel

Hinsichtlich der Würdigung der objektiven Beweismittel kann im Wesentlichen 
ebenfalls auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (S. 29 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 455 f.).

Diese hielt hinsichtlich der Chat-Nachrichten (pag. 26 ff.) etwa fest:

Die, wie ebenfalls bereits erwähnt, nicht vollständigen Chat-Nachrichten vermögen A.________ weder 
gross zu belasten, noch zu entlasten, zeigen aber auch auf, dass sich der Beschuldigte zumindest ein 
Mal bei C.________ entschuldigt hat. Sie vermögen aber, mangels wenig Aussagekraft, auch nicht 
die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin als unglaubwürdig erscheinen zu lassen.

13

Die Kammer teilt die Auffassung der Vorinstanz, wonach die Chat-Nachrichten den 
Beschuldigten weder gross zu belasten, noch zu entlasten vermögen. Ob diese 
Chats inhaltlich vollständig sind oder nicht, kann nicht abschliessend beurteilt wer-
den. Auffällig ist jedoch, dass der Beschuldigte viele zeitlich kurz aufeinanderfol-
gende Nachrichten verschickte (etwa pag. 33 f.) und den vorliegenden Auszügen 
auch Antworten der Straf- und Zivilklägerin zu entnehmen sind (etwa pag. 31 f.). Ab 
pag. 40 ff. sind die vorliegenden Nachrichten dann auch übersetzt. Es lässt sich 
daraus unschwer ablesen, dass der Beschuldigte eine ganz andere Sprache 
spricht als die Straf- und Zivilklägerin: Ausdrücke wie «mein Herz» kommen bei ihm 
häufig, bei ihr kaum vor; sie spricht von «was Du mir angetan hast» (pag. 43), er 
davon, dass er sie sehr liebt (pag 43). Bezeichnend ist denn auch die vom Be-
schuldigten gewählte Häufigkeit und Auswahl der verschickten sog. «Emoticons» 
(etwa pag. 34 f.).

Die Vorinstanz hielt zu den sich in den Akten befindlichen Selfies (pag. 21 ff.) Fol-
gendes fest: 

Eher nichtssagend sind nach Ansicht des Gerichts die sich in den Akten befindlichen Selfies, welche 
Aufschluss über eine allfällige Beziehung zwischen C.________ und A.________ geben sollten. Kei-
nesfalls stehen diese im Widerspruch zu den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin. Das Gericht ist 
hier eher der Auffassung, dass C.________ auf den eingelangten Fotografien einen nicht allzu glück-
lichen Eindruck hinterlässt (insbesondere pag. 21 und 23).

Die Kammer kann sich den Ausführungen der Vorinstanz grundsätzlich anschlies-
sen, wobei sich der Gemütszustand der Straf- und Zivilklägerin gestützt auf die vor-
liegenden Selfies nicht einschätzen lässt. Diese haben hinsichtlich der vorliegend 
zu beurteilenden Vorwürfe ferner nur wenig Aussagekraft und vermögen keinen 
Aufschluss über eine allfällige Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der 
Straf- und Zivilklägerin zu geben. Die Selfies zeigen ohne Weiteres auf, dass zwi-
schen den beiden eine gewisse Nähe bestanden hat. Daraus lässt sich allerdings 
noch nicht ableiten, dass die von der Straf- und Zivilklägerin geschilderten Übergrif-
fe nicht passiert sind. 

Hinsichtlich Bericht von Dr. med. O.________ vom 7. November 2017 (pag. 149) 
kann sich die Kammer ebenfalls den Erwägungen der Vorinstanz anschliessen. 
Dem besagten Bericht ist zu entnehmen, dass sich die Straf- und Zivilklägerin be-
reits seit dem 8. Januar 2016 in ambulanter psychiatrischer Behandlung befindet. 
Bezüglich der hier zu beurteilenden Fälle habe die Patientin einige Vorfälle er-
wähnt, an denen sie sexuell vom Beschuldigten belästigt worden sei. Er habe sie 
z.B. im Auto zwischen den Beinen berührt. An einem anderen Tag habe er sie im 
Büro belästigt (hastige Berührungen), als würde er spassen. Weiter habe er ver-
sucht, sie bei der Arbeit unter der Kleidung zu berühren (Bauchbereich, Unterleib), 
als sie habe gehen wollen. Tatsache ist, dass die Straf- und Zivilklägerin gegenü-
ber Dr. med. O.________ Übergriffe durch den Beschuldigten angesprochen hat. 
Wann diese erstmals erwähnt und was diesbezüglich genau geschildert wurde, 
lässt sich dem relativ kurz gefassten Bericht nicht entnehmen. 

Dem Bericht von lic. phil. G.________ vom 17. Juli 2018 (pag. 362 f.) ist zu-
sammengefasst zu entnehmen, dass die Straf- und Zivilklägerin seit dem 26. Juli 

14

2018 in traumatherapeutischer Behandlung sei. Sie berichte von täglichen Wein-
krämpfen, sei deprimiert, ängstlich und hoffnungslos. Sie klage über Ein- und 
Durchschlafstörungen, Alpträume sowie über Wechsel zwischen Appetitlosigkeit 
und vermehrtem Appetit. Sie nehme sich selber als verändert war, es würden 
Schamgefühle bestehen und sie vermeide sexuelle Kontakte gänzlich. Die sexuel-
len Belästigungen hätten bei ihr zu einer Traumatisierung bzw. Retraumatisierung 
geführt und die Erinnerungen an die sexuelle Ausbeutung aus der Kindheit seien 
reaktiviert worden. Sie sei depressiv, suizidal und zeige Anzeichen einer posttrau-
matischen Belastungsstörung. Nach den Vorkommnissen sei die Straf- und Zivil-
klägerin wegen Depressionen und Suizidalität stationär psychiatrisch behandelt 
worden.

Dem Kurzbericht von lic. phil. G.________ vom 10. Juli 2019 (pag. 584 f.) lässt 
sich zusammengefasst entnehmen, dass die im ersten Bericht geschilderten Sym-
ptome unverändert seien und ein Klinikaufenthalt in Betracht gezogen werden 
müsse. Die Gedanken der Straf- und Zivilklägerin würden täglich um den Beschul-
digten kreisen, ihre Stressaktivierung sei chronisch erhöht, der soziale Rückzug 
habe sich noch verstärkt und in die Therapie komme sie nur in Begleitung. Sie ha-
be visuelle und körperliche Flashbacks (Erlebnisse mit dem Onkel und Arbeitge-
ber), Alpträume, berichte von Aggressionsphantasien gegenüber dem Beschuldig-
ten und leide unter einer chronischen Magenentzündung, die zumindest teilweise 
stressinduziert scheine. Das weiterhin laufende Verfahren sowie die Präsenz des 
ehemaligen Arbeitgebers in T.________ mache es für sie unmöglich, sich länger-
fristig zu stabilisieren und ihre Energie voll auf ihren Alltag und ihre berufliche Zu-
kunft zu konzentrieren.

Dem letzten Kurzbericht von lic. phil. G.________ vom 27. Januar 2021 (pag. 
665 f.) ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass die Arbeitstätigkeit der Straf- und 
Zivilklägerin zu mehr Zufriedenheit, Selbstbewusstsein, Ablenkung von der Ver-
gangenheit und einer besseren sozialen Integration führe. Wenn sie nicht arbeits-
tätig sei oder über ihr Leben nachdenke sei ihre Grundstimmung gereizt und trau-
rig. Ihre Gedanken würden insbesondere um ihre aktuelle Lebenssituation sowie 
um die Geschehnisse mit dem Beschuldigten kreisen. Sie klage über Ein-
schlafstörungen und regelmässige Alpträume mit visuellen Eindrücken der vergan-
genen traumatischen Übergriffe und leide an morgendlichen Weinkrämpfen und 
Antriebslosigkeit. Seit der ehemalige Arbeitgeber in T.________ ein Restaurant 
eröffnet habe, fürchte sie sich, das Haus zu verlassen. Trotz leicht verbessertem 
Grundempfinden im Jahr 2020 komme es regelmässig zu den beschriebenen Ein-
brüchen, was 2020 zu einer notfallmässigen Konsultation in den Universitären 
Psychiatrischen Diensten Bern geführt habe. Stressfaktoren, wie das laufende Ver-
fahren und allgemeine Termine, bei denen die Vergangenheit Thema sei, würden 
häufig zu stressinduziertem Erbrechen führen.

Dem Beratungsbericht von Q.________ Bern vom 25. Juli 2018 (pag. 364 ff.) ist 
zusammengefasst zu entnehmen, dass die Straf- und Zivilklägerin die sexuelle 
Belästigung am Arbeitsplatz als traumatisches Ereignis erlebt habe und dies bei ihr 
Erinnerungen an die jahrelange massive sexuelle Ausbeutung in der Kindheit her-

15

vorgerufen habe. Sie leide an verschiedenen Symptomen, die in ihrer Gesamtheit 
als posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werden könnten.

Diesen Berichten ist zu entnehmen, dass die Straf- und Zivilklägerin gesundheitlich 
seit längerer Zeit angeschlagen ist und es auch aktuell immer wieder zu körperli-
chen und psychischen Einbrüchen kommt. Tatsache ist, dass die Straf- und Zivil-
klägerin auch gegenüber lic. phil. G.________ und der Q.________ Bern Übergriffe 
durch den Beschuldigten erwähnt hat und lic. phil. G.________ die psychischen 
bzw. körperlichen Beschwerden der Straf- und Zivilklägerin zumindest teilweise auf 
die geschilderten Erlebnisse mit dem Beschuldigten zurückführt. Genaue Rück-
schlüsse lassen sich gestützt auf die vorliegenden Berichte allerdings keine ziehen. 
Welche in diesen Berichten beschriebenen psychischen bzw. körperlichen Sym-
ptome auf die geschilderten Übergriffe durch den Beschuldigten zurückzuführen 
sind, lässt sich – mit Blick auf die erwähnte sexuelle Ausbeutung in der Kindheit – 
nicht abschliessend beurteilen.

Auf die übrigen objektiven Beweismittel wird – sofern relevant – im Rahmen der 
nachfolgenden Beweiswürdigung eingegangen.

13.3 Würdigung der subjektiven Beweismittel

13.3.1 Zu den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Vorab ist festzustellen, dass sich weder aus den vorliegenden Chat-Nachrichten 
noch aus den sich in den Akten befindlichen Selfies Rückschlüsse in Bezug auf die 
Glaubhaftigkeit der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin ziehen lassen. Allerdings 
helfen sie auch betreffend die zu behandelnden Vorwürfe nur bedingt weiter. Daher 
hat die Kammer in ihrer Würdigung das Augenmerk auf die im Verfahren gemach-
ten Aussagen der beteiligten Personen, beginnend mit der Straf- und Zivilklägerin, 
zu richten. Die Urteilsbegründung der Vorinstanz ist ausführlich und detailliert aus-
gefallen. Es kann vorweggenommen werden, dass sich die Kammer in vielen Punk-
ten den Argumenten der Vorinstanz anschliesst und auf die sorgfältig zitierten Aus-
sagen und deren Würdigung verwiesen werden kann. 

Gerade die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin anlässlich ihrer Einvernahmen bei 
der Polizei imponieren durch zahlreiche Realkennzeichen. Über weite Strecken er-
folgten Schilderungen zum Rahmen- und Kerngeschehen auf offene Fragen in frei-
er und gleichbleibender Erzählung ohne Strukturbrüche (vgl. insbesondere pag. 70, 
Z. 65 ff., pag. 72, Z. 184 ff., pag. 77, Z. 60 ff.). Die Aussagen zeichnen sich durch 
logische Konsistenz und Widerspruchsfreiheit aus. In den Ausführungen ist zwar 
keine ungeordnete Reproduktionsweise auszumachen, d.h. der Geschehensablauf 
wurde chronologisch und örtlich geordnet vorgetragen; nichtsdestotrotz erscheinen 
die Aussagen als erlebnisbasiert und nicht als Produkt konstruierter Überlegungen 
aufgrund bewusster oder unbewusster Falschanschuldigungen. Auch sind die Aus-
sagen der Straf- und Zivilklägerin weder detailarm noch sonst wie auffällig karg. Sie 
verfügen über erheblichen Detailreichtum sowohl zum Rahmen- als auch zum ei-
gentlichen Kerngeschehen. Im Sinne der kontextuellen Einbettung sind ihre Aussa-
gen über das Geschehen spezifisch verknüpft mit einem örtlichen, zeitlichen und 
handlungsbezogenen Kontext. Zudem beschrieb sie Interaktionen, d.h. psycholo-
gisch nachvollziehbare Sequenzen von Aktionen und darauffolgende Reaktionen, 

16

die sich gegenseitig bedingen und aufeinander beziehen, angefangen beim ersten 
Treffen mit dem Beschuldigten bei ihr zu Hause (pag. 69 f., Z. 55 ff.) bis hin zum 
letzten Vorfall im Büro bzw. ihrer Reaktion auf die Worte und Berührungen des Be-
schuldigten (pag. 78, Z. 112 ff.). Eindrücklich erscheint beim Kerngeschehen ins-
besondere, wie detailreich sie die Abläufe der Übergriffe, die Reaktionen des Be-
schuldigten sowie die darauffolgenden Gegebenheiten (etwa ständiges Entschuldi-
gen, pag. 72, Z. 164, Z. 178 und Z. 180 f., pag. 76, Z. 45 f., pag. 77, Z. 87 f.) zu 
Protokoll gab. Sie führte etwa aus, wie der Beschuldigte bei ihm zu Hause ihre 
Hände gepackt und anschliessend mit seinen beiden Händen ihr Gesicht umfasst 
habe. Wie er weiter mit der rechten Hand ihren Hinterkopf gepackt, sie an sich her-
angezogen und ihr einen Kuss auf die Lippen gedrückt habe und wie der Beschul-
digte später im Lift eine Hand von ihr gepackt, zu seinem Schritt geführt und mit ih-
rer Hand über der Hose über sein Geschlecht gefahren sei (pag. 73, Z. 237 ff.). 
Oder wie der Beschuldigte ihr an ihrem Arbeitsplatz etwas habe erklären wollen 
und ihr einen Kuss auf den Mund gegeben habe. Sie schilderte nicht nur den ei-
gentlichen Übergriff, sondern auch den darauffolgenden Gesprächsverlauf, was 
das solle, was passiere, wenn das jemand sehe und wie der Beschuldigte ihr ge-
antwortet habe, dass sie ihm viel wichtiger sei als alles andere (pag. 76, Z. 47 ff.). 
Nur kurz darauf schilderte die Straf- und Zivilklägerin eindrücklich den Vorfall im 
L.________, als sich der Beschuldigte während der Fahrt zu ihr gebeugt, ihr mit 
seiner rechten Hand zwischen die Beine gefasst und seine Hand an ihren Intimbe-
reich gedrückt habe (pag. 77, Z. 65 ff.). In gleich detaillierter Weise schilderte sie 
auch den letzten Vorfall im Büro des Beschuldigten, wo er sie mit beiden Händen 
an ihrem Gesäss gepackt und zu sich herangezogen sowie sich zu ihr gebeugt und 
sie auf den Mund geküsst habe. Wie er sie danach festgehalten und sie am Hals 
geküsst, sie fest an sich gepresst, auch ihre Brüste berührt und gefragt habe, ob 
sie ihn spüre. Damit habe er sein Glied gemeint. Die ganze Zeit über als er sie an 
sich gepresst habe, habe er ihren Hals und ihr Dekolleté geküsst. Als er sie losge-
lassen habe und sie das Büro habe verlassen wollen, sei er von hinten gekommen 
und habe sie mit seinen Armen umfasst. Auf der Höhe der Taille habe er sie dann 
mit einem Arm festgehalten und mit dem anderen Arm, respektive mit seiner Hand 
habe er ihr von oben herab in die Hosen und Unterhosen hineingegriffen und sie 
dabei an ihren Genitalien berührt. Sofort habe sie reagiert und sei in die Hocke ge-
gangen, damit er sie nicht noch weiter habe berühren können (pag. 78, Z. 112 ff.).

Weiter mangelt es in den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin nicht an inhaltlichen 
Besonderheiten bzw. ebenso wurden ungewöhnliche bzw. originelle Details er-
wähnt. So sprach sie etwa davon, wie ihr der Beschuldigte mehrfach gesagt habe, 
dass es ihm schlecht gehe, er Schmerzen habe und er sich dabei an sein Herz 
bzw. an die Brust gefasst habe (pag. 77, Z. 85 ff., pag. 78, Z. 126 ff.) oder dass er 
ihr ständig Komplimente gemacht und ihr auch gesagt habe, dass er sie liebe (pag. 
71, Z. 139 ff., pag. 72, Z. 207 ff., pag. 73, Z. 246 f., pag. 78, Z. 113 ff.). Mit den de-
taillierten Schilderungen durch die Straf- und Zivilklägerin verbunden ist auch deren 
Schilderung von Nebensächlichkeiten bzw. überflüssigen Details, d.h. von Einzel-
heiten, die mit dem Tathergang selbst nichts zu tun haben und für das Kernge-
schehen unnötig sind. Unter anderem erzählte sie, wie ihr der Beschuldigte nach 
einem Gespräch bei ihr zu Hause betreffend Kredit der Eltern einen Job angeboten 

17

habe, er weder Lebenslauf noch Bewerbung habe sehen wollen und ihr erklärt ha-
be, dass er schon vor vier Jahren von ihrem damaligen Arbeitgeber gehört habe, 
sie sei eine «super Arbeiterin» (pag. 69 f., Z. 55 ff.). Ferner gab sie auch zu Proto-
koll, wie der Beschuldigte ihr bei ihm zu Hause die Kinderzimmer habe zeigen wol-
len, sie gemeinsam einen Kaffee getrunken und die Becher anschliessend im Abfall 
entsorgt hätten (pag. 73, Z. 218 ff.). Darüber hinaus enthalten die Aussagen der 
Straf- und Zivilklägerin Beschreibungen diverser eigener psychischer Vorgänge. So 
führte sie etwa aus, dass es ihr nicht gut gehe und sie sich schmutzig, hässlich und 
depressiv fühle (pag. 69, Z. 43), sie traurig und schockiert gewesen sei und ge-
weint habe (pag. 72, Z. 177 f., pag. 73, Z. 251, pag. 74, Z. 262) sowie wie sie nach 
dem letzten Vorfall weinend zu Hause eingetroffen sei (pag. 78, Z. 145 f.). Anhand 
der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin wird denn auch deutlich, dass sie sich 
wegen ihrer Familie in einer grossen Abhängigkeit vom Beschuldigten fühlte (Kredit 
des Vaters, pag. 69, Z. 55, Übernahme Betreibungen des Bruders, pag. 70, Z. 60 
f., Anstellung Schwester und eigene Lohnerhöhung, pag. 80, Z. 257 ff.). Dass die 
Straf- und Zivilklägerin die Firma nicht umgehend nach dem ersten Vorfall verlas-
sen und den Kontakt zum Beschuldigten abgebrochen hast, ist daher auch nach-
vollziehbar. All diese Realkennzeichen sprechen für ein reales, selbst erlebtes Ge-
schehen. Nennenswerte spontane Selbstkorrekturen, Zugeben von Erinnerungslü-
cken und Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Aussagen sind in diesen tatnächs-
ten Aussagen der Straf- und Zivilklägerin kaum auszumachen. Hingegen ist festzu-
stellen, dass die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten nicht unnötig belastete, 
gerade in Bezug auf die eigentlichen Übergriffe. Sie sprach von Küssen, relativierte 
aber sogleich, dass diese ohne Zunge gewesen seien (pag. 73, Z. 250.), dass er 
ihre Hand über der Hose über sein Geschlecht gefahren habe (pag. 73, Z. 258), 
dass er sie nach dem Vorfall bei sich zu Hause bei der Rückfahrt wirklich in Ruhe 
gelassen habe (pag. 74, Z. 267) und es anlässlich des letzten Vorfalls ein kurzer 
Kuss auf den Mund gewesen sei (pag. 78, Z. 130 f.). Zudem erwähnte sie auch 
mehrfach, wie sie sich verbal und körperlich gegen die Übergriffe gewehrt respekti-
ve emotional reagiert (etwa pag. 72, Z. 177 ff., pag. 73, Z. 245 ff. und Z. 259, pag. 
76, Z. 49 f., pag. 77, Z. 83 ff., pag. 78, Z. 116 ff. und Z. 123 sowie 140 ff.) und sich 
der Beschuldigte anschliessend jeweils entschuldigt habe (pag. 72, Z. 164, Z. 178 
und Z. 180 f., pag. 76, Z. 45 f., pag. 77, Z. 87 f.).

Allein diese Erstaussagen der Straf- und Zivilklägerin erscheinen der Kammer als 
sehr detailliert und glaubhaft, und zwar sowohl bezüglich des Rahmen- als auch 
des Kerngeschehens. 

Gleiches gilt auch für die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin anlässlich ihrer 
staatsanwaltlichen Einvernahme. Ihre Aussagen betreffend das Kerngeschehen 
(Vorfälle im Auto, am Wohnort des Beschuldigten, anlässlich der Fahrt mit dem 
L.________ sowie in den Räumlichkeiten der Firma) blieben konstant und 
grundsätzlich widerspruchsfrei, wenn auch nicht gleich detailliert wie die Erstaus-
sagen bei der Polizei. Dies ist allerdings nicht weiter erstaunlich, zumal die staats-
anwaltliche Einvernahme erst am 9. August 2017 und damit über ein Jahr nach den 
Vorfällen stattfand. Im Verlaufe der Zeit verblassen Erinnerungen, gewisse Dinge 
werden verdrängt oder schlicht und einfach vergessen. Es darf nicht erwartet wer-
den, dass die Schilderungen immer schön chronologisch, vollständig, klar und im-

18

mer gleich im Ablauf ausfallen. Die Straf- und Zivilklägerin erwähnte aber wiederum 
den Vorfall am Wohnort des Beschuldigten, wo dieser ihr Gesicht umfasst, sie 
geküsst und im Lift anschliessend ihre Hand über den Hosen über sein Glied ge-
streift habe (pag. 84, Z. 68 ff.). Weiter schilderte sie erneut den Vorfall in den 
Räumlichkeiten der H.________ AG, als der Beschuldigte sie gepackt, geküsst so-
wie an den Brüsten und unter den Unterhosen am Genitalbereich berührt habe 
(pag. 85, Z. 93 ff.) sowie den Vorfall anlässlich der Rückfahrt von Zürich, als sie der 
Beschuldigte über der Hose am Genitalbereich berührt habe (pag. 85, Z. 124 ff.). 
Kleine Ungereimtheiten, wie etwa die Frage, ob der Beschuldigte sie anlässlich des 
ersten (hier nicht zu beurteilenden) Vorfalls vom 22. März 2016 über oder unter 
dem Büstenhalter berührt habe, stören vorliegend nicht. Der guten Ordnung halber 
ist festzuhalten, dass die Straf- und Zivilklägerin auf diesbezügliche Nachfrage hin 
ergänzte, dass sie im Schock gewesen und deshalb nicht sicher sei (pag. 86, Z. 
144 ff.). Es ist – wie die Vorinstanz zu recht festgehalten hat – praktisch unmöglich, 
aufgrund des häufig dynamischen Ablaufes in solchen Situationen, alles chronolo-
gisch aufzuzählen, sämtliche Einzelheiten in Erinnerung zu haben und diese dann 
auch noch in jeder Befragung genau gleich wiederzugeben. Auffällig ist schliesslich 
wiederum, wie die Straf- und Zivilklägerin erneut darum bemüht war, den Beschul-
digten nicht übermässig zu belasten. Sie führte aus, dass es nie einen Zungenkuss 
gegeben (pag. 84, Z. 63), er sie jeweils zwei bis drei Tage in Ruhe gelassen und 
sich entschuldigt habe (pag. 84, Z. 84 f.), er ihre Brüste über den Kleidern und si-
cherlich nicht unter den Kleidern berührt (pag. 85, Z. 108 f.) und er sich wiederum 
entschuldigt habe (pag. 85, Z. 110, pag. 86, Z. 142 f.). Es ist in Anbetracht dieser 
Umstände kaum vorstellbar, dass die Straf- und Zivilklägerin die geschilderten Vor-
fälle frei erfunden haben soll.

Anlässlich der erst- und oberinstanzlichen Hauptverhandlung wurden keine Einzel-
heiten mehr erfragt, sondern es ging eher um allgemeine Fragen. Die Straf- und Zi-
vilklägerin bestätigte ihre bisher gemachten Aussagen und betonte auch bei der 
Vorinstanz, dass der Beschuldigte sie eingesperrt, ihr Herzschmerzen vorgespielt, 
sie immer angefasst und geküsst (pag. 387, Z. 5 ff.) sowie sich immer wieder ent-
schuldigt habe (pag. 386 f., Z. 17 ff., Z. 36 ff.). Im Rahmen der Berufungsverhand-
lung bestätigte die Straf- und Zivilklägerin, dass sie bisher die Wahrheit gesagt ha-
be (pag. 674, Z. 26) und ergänzte von sich aus, dass es für sie am schlimmsten 
gewesen sei, als der Beschuldigte sie im J.________ festgehalten, sie gepackt und 
nicht losgelassen habe. Nach Verlesen des Protokolls ergänzte sie ferner, dass 
dies das erste Mal gewesen sei, als er ihr unter die Kleider gegangen sei und sie 
daraufhin in die Hocke gegangen sei und ihn mit dem Fuss getreten habe (pag. 
674, Z 29 ff.). Auch hier fällt wiederum auf, dass die Straf- und Zivilklägerin den 
Beschuldigten nicht übermässig belastet und klarstellt, dass er ihr nur einmal «un-
ter die Kleider» gegangen sei. Würde die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten 
zu Unrecht belasten, wäre sie kaum um diese Präzisierungen zu Gunsten des Be-
schuldigten bemüht und hätte weitaus erheblichere Vorwürfe erheben können.

Insgesamt kommt die Kammer zu keinem anderen Schluss als die Vorinstanz. In 
den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin sind keine Lügensignale ersichtlich, sie 
sind frei von Übertreibungen und Aggravierungen im Laufe der Zeit. Ein Motiv, 
weshalb sie den Beschuldigten fälschlicherweise belasten sollte, ist ebenso wenig 

19

ersichtlich. Dass sie Anzeige gegen den Beschuldigten eingereicht hat und auch 
auf dem Zivilweg gegen ihn bzw. die H.________ AG vorgeht respektive ihre Ar-
beitsstelle nach dem ersten Vorfall nicht sogleich gekündigt hat, vermag ihre 
Glaubwürdigkeit als Person bzw. die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht in Frage 
zu stellen. Es ist einerseits auf die hiervor erwähnte (insb.) finanzielle Abhängigkeit 
zu verweisen. Andererseits gibt es auch keine generellen Erkenntnisse darüber, 
wie ein Opfer sich nach einem negativen Ereignis verhält. Vielmehr ist es gerichts-
notorisch, dass sich Opfer sehr unterschiedlich verhalten und sehr unterschiedlich 
mit dem Erlebten umgehen. Es bestehen im Gesamtkontext keine Gründe für eine 
Falschbelastung des Beschuldigten durch die Straf- und Zivilklägerin. Im Fazit kann 
und muss auf die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin abgestellt werden.

13.3.2 Zu den Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte wurde insgesamt drei Mal einvernommen. Auffällig ist insbeson-
dere, dass er bereits bei der ersten Befragung zum totalen Gegenangriff überging. 
Sämtliche ihm zur Last gelegten Vorwürfe wurden von ihm ins Gegenteil gedreht. 
Die Straf- und Zivilklägerin sei ihm immer nahegekommen, sie habe seine Hand 
immer selber genommen (pag. 48, Z. 91 f.). Sie habe ihn küssen wollen, er habe 
dies aber nicht zugelassen (pag. 50, Z. 183 f.). Sie sei es auch gewesen, die seine 
Hand genommen und auf ihren oder seinen Oberschenkel gelegt oder ihre Hand 
auf seine gelegt bzw. seine Hand gehalten (pag. 50, Z. 207 ff.) und ihn immer 
«Schatz» genannt habe (pag. 54, Z. 385). Der Beschuldigte stellte die Straf- und 
Zivilklägerin auch in einem schlechten Licht dar. So führte er etwa aus, dass sie 
sehr betrunken gewesen sei und Gras geraucht habe (pag. 49 f., Z. 172 ff.). Sie 
und ihre Freundin hätten das Ganze inszeniert und sie seien mit schlechten Ab-
sichten in die Firma gekommen (pag. 48, Z. 114 ff.). Seit diese Frauen (Anmerkung 
der Kammer: gemeint sind wohl die Straf- und Zivilklägerin sowie N.________) zu 
ihnen gekommen seien, habe es begonnen, das Klima bei H.________ habe sich 
verändert (pag. 49, Z. 139 f.). Was sie nun mit dem Sexuellen über ihn erzähle, 
mache sie nur, weil er ihr gekündigt habe (pag. 47, Z 42 f.). Offenbar schlecht ma-
chen wollte der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin auch im Zusammenhang 
mit einem Geschäftswagen, in welchem angeblich leere Kondomschachteln gefun-
den worden seien (pag. 52, Z. 304 ff.). So hat der Beschuldigte aber selber ange-
geben, er habe der Straf- und Zivilklägerin klar gesagt, dass er nie mit ihr schlafen 
wolle, worauf sie ihm geantwortet habe, dass sie das eh nicht könnte, da sie ver-
gewaltigt worden sei (pag. 54, Z. 428 f.). Der Beschuldigte gab weiter zu Protokoll, 
dass seine Frau wegen dem Ganzen, also wegen der Straf- und Zivilklägerin, zum 
Psychiater habe gehen müssen (pag. 53, Z. 366 f.). Hierbei handelt es sich um ei-
ne unbegründete Behauptung. Die dokumentierten blauen Flecken seiner Frau sei-
en vielleicht wegen etwas hartem Sex, vielleicht wegen einer Auseinandersetzung, 
die er mit ihr wegen der Straf- und Zivilklägerin gehabt habe, er habe damals seine 
Frau etwas weggestossen, weil sie sehr nah zu ihm gekommen sei. Bezeichnend 
ist denn auch wieder der Sinn dieser Aussagen, wonach die Straf- und Zivilklägerin 
möglicherweise für die Notwendigkeit einer Konsultation beim Psychiater und der 
blauen Flecken seiner Frau verantwortlich sei. Seine Frau habe auch manchmal 
Fotos von seinem Büro erhalten, die von der Straf- und Zivilklägerin gekommen 
seien. Die Straf- und Zivilklägerin sei viel bei seiner Frau gewesen, sie sei gefähr-

20

lich (pag. 53, Z. 359 f.). Er habe ihr einmal gesagt, sie sei nicht als Spionin in sei-
nem Geschäft, sondern zum arbeiten (pag. 53, Z. 370 f.). Der Beschuldigte sprach 
auch davon, dass die Straf- und Zivilklägerin in ihrem Job fast nichts gemacht habe 
bzw. so wenig gearbeitet habe, er wisse gar nicht, wofür er sie bezahlt habe (pag. 
52, Z. 293 ff.). An anderer Stelle meinte er demgegenüber, sie seien manchmal 
auch bis 24:00 Uhr im Büro gewesen (pag. 55, Z. 440) und er habe ihr manchmal 
gesagt, Gott habe sie geschickt, er habe eine solche Person im Betrieb gebraucht 
(pag. 56, Z. 502 ff.). Hier stellt sich die Frage, wie er dazu kommt, überhaupt solche 
Sachen zu sagen, wenn sie – gemäss seinen eigenen vorherigen Aussagen – ja 
praktisch nichts gearbeitet haben solle. Auf Vorhalt eines Chatverlaufs (pag. 54, Z. 
396 f.) gab der Beschuldigte an, die Straf- und Zivilklägerin lasse dies so aussehen, 
als wäre es eine Entschuldigung für eine sexuelle Belästigung. Warum nur habe er 
seine Nachrichten gelöscht, das sehe jetzt natürlich schon anders aus, als es wirk-
lich gewesen sei (pag. 54, Z. 406 ff.). Als Folge zum Löschen meinte der Beschul-
digte: «Sie war sehr clever» (pag. 54, Z. 408). Selbst bei Handlungen von sich ver-
suchte der Beschuldigte, die «Cleverness» bzw. die angebliche Durchtriebenheit 
der Straf- und Zivilklägerin in den Vordergrund zu stellen, was aus Sicht der Kam-
mer ein klares Lügensignal ist. Zum Schluss der Einvernahme meinte der Beschul-
digte, die Straf- und Zivilklägerin habe seiner Frau gegenüber gesagt, sie würde ihn 
auch noch lieben, selbst wenn er sie entlasse (pag. 57, Z. 544 f.). Dass sie so et-
was gesagt hat und er sie dann nur wenige Monate nach Stellenantritt auch 
tatsächlich entlässt, ist schon als Zufall zu taxieren; dass sie es ausgerechnet sei-
ner Frau gesagt haben solle, die er aber nicht als Zeugin kommen lassen wollte, 
weil dies seine Ehe gefährde, wirkt konstruiert (pag. 57, Z. 545 f.). Unklar blieb im 
Rahmen seiner Erstbefragung auch die Beziehung zu der Straf- und Zivilklägerin. 
So will der Beschuldigte mit ihr in «überhaupt keiner» Beziehung gestanden haben. 
Er ergänzte aber sogleich, dass sie vor dem Vertrag eine sehr nahe Beziehung ge-
habt hätten bzw. wirklich enge Freunde gewesen seien (pag. 47, Z. 64 f.). 

Auch im Rahmen seiner Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft versuchte der 
Beschuldigte auf vielfältige Art und Weise, die Straf- und Zivilklägerin schlecht zu 
machen. Er habe bemerkt, dass sie seine Freundschaft nur habe ausnützen wollen 
(pag. 59, Z. 51 f.) bzw. er habe dazumal Schwierigkeiten zu Hause gehabt und sie 
habe das Ganze nur ausgenutzt (pag. 60, Z. 81 f.), sie habe es zum Teil etwas 
übertrieben, z.B. einmal mit Alkohol, er habe nie die Kontrolle verloren (pag. 59, 
Z. 54 f.). Sie habe begonnen ihre Arbeit nicht mehr gut zu machen, also eigentlich 
habe sie nie etwas gut gemacht. Sie habe sich zwar Mühe gegeben, aber eigent-
lich habe es für sie keinen Job gegeben (pag. 60, Z. 61 ff.). Das sei nur ein Spiel 
gewesen, sie habe bereits von Anfang an gewusst, wohin das führe. Es sei Absicht 
gewesen. Sie habe entweder gedacht, sie könne bei ihnen arbeiten ohne etwas zu 
machen und Chefin zu spielen oder sie habe gedacht, er sei so reich, dass er ihr fi-
nanziell unter die Arme greife (pag. 61, Z- 95 ff.). Weiter behauptete der Beschul-
digte erstmals gehört zu haben, dass sie mit einem anderen Arbeitgeber fast das-
selbe gemacht und in einem Schlichtungsverfahren gewonnen habe (pag. 61, 
Z. 100 ff.). Betreffend das Verhältnis zu der Straf- und Zivilklägerin machte der Be-
schuldigte sodann von seinen Erstaussagen abweichende Angaben. So gab er et-
wa an, es sei zwar keine Liebesbeziehung gewesen, Aussenstehende würden aber 

21

vielleicht sagen, sie hätten eine Liebesbeziehung gehabt (pag. 60, Z. 79 f.). Auf-
grund der Vorwürfe und der Tatsache, dass wohl auch im näheren Umfeld (vgl. et-
wa die Aussagen von M.________) nicht verborgen geblieben ist, dass der Be-
schuldigte und die Straf- und Zivilklägerin häufig zusammen unterwegs waren, 
blieb ihm wohl nichts Anderes übrig, als seine diesbezüglichen Aussagen etwas zu 
relativieren (pag. 61, Z. 116 ff.). Zudem ist auch den zahlreichen Chat-Nachrichten 
zu entnehmen, dass es sich nicht um ein «normales» Arbeitgeber- und Arbeitneh-
merverhältnis handelte. Der Beschuldigte sprach anlässlich seiner zweiten Einver-
nahme ferner von einer «unkontrollierten» Freundschaft bzw. mehr als einer nor-
malen Freundschaft (pag. 61, Z. 111 f.), betonte aber nur kurze Zeit später, dass 
sexuell nie etwas zwischen ihnen gelaufen sei (pag. 61, Z. 120 f.). Dennoch gab er 
nun auf einmal an – nachdem er dies im Rahmen seiner ersten Einvernahme noch 
verneinte (pag. 49, Z. 172) – dass es zu «freundschaftlichen» Küssen auf den 
Mund gekommen sei (pag. 61, Z. 124 ff.). Dies relativierte er allerdings sogleich 
wieder, es seien nur Küsse auf die Wange gewesen (pag. 62, Z. 133 f.). Die An-
schuldigungen der Straf- und Zivilklägerin wurden von ihm wiederum ins Gegenteil 
gedreht. So habe sie ihn mit der Hand berührt (pag. 61, Z. 118 f.), sie habe die 
freundschaftlichen Küsse damals im Auto gewollt (pag. 61, Z. 129 f.), es sei auch 
vorgekommen, dass sie ihre Hand auf sein Bein gelegt habe (pag. 62, Z. 139 f.). 
Die Vorhalte zu den konkreten Vorwürfen wurden demgegenüber lediglich mit 
«stimmt nicht» (pag. 62, Z. 138), «stimmt überhaupt nicht» (pag. 62, Z. 147), 
«nein» bzw. «Nein.Lüge» (pag. 62, Z. 162 und Z. 168) kommentiert und als «Blöd-
sinn» (pag. 62, Z. 155) abgetan. Auffällig oft hat der Beschuldigte seine Antworten 
– auch bereits im Rahmen der ersten Einvernahme – mit einem Schwur unterlegt 
(«Stimmt überhaupt nicht. Nie. Ich schwöre, Zeugen sind immer nur wir zwei und 
Gott, so schwöre ich auf Gott», pag. 62, Z. 147 f.; «ich schwöre, diese Frauen [ge-
meint sind die Straf- und Zivilklägerin und N.________], haben das Ganze pro-
grammiert und gespielt», pag. 49, Z. 158; «Ich schwöre, sie hat die Hand genom-
men und sie sich auf den Oberschenkel oder so gelegt», pag. 50, Z. 208 f.). Die 
Kammer schliesst daraus zwar nicht direkt auf klare Lügensignale, dennoch kann – 
insbesondere mit Blick auf das übrige Aussageverhalten des Beschuldigten – der 
Wahrheitsgehalt dieser Aussagen besonders hinterfragt werden.

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung fielen die Aussagen des Be-
schuldigten etwas moderater aus. Trotzdem hat er auch bei der Vorinstanz wieder-
um einen Gegenangriff gestartet. So behauptete er, wenn sie sage, er habe ihr 
beim Autofahren zwischen die Beine gefasst, habe er auch Fakten, dass sie ihm 
einmal während des Autofahrens zwischen die Beine gefasst habe; er sei damals 
am Steuer gesessen (pag. 392, Z. 16 ff.). Es ist dies das erste Mal, dass der Be-
schuldigte von diesem angeblichen Vorfall berichtet und erstaunt doch, dass ihm 
dies erst an der Hauptverhandlung in den Sinn gekommen ist; zudem wirkt es eher 
wie eine Retourkutsche. Weiter hat der Beschuldigte anlässlich der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung ausgeführt, sie seien sich in dieser Zeit (Anmerkung der 
Kammer: wohl als die Straf- und Zivilklägerin im Betrieb arbeitete) sehr nah ge-
kommen, man könne von einer Liebesbeziehung sprechen (pag. 392, Z. 1 f.). Bei 
der Staatsanwaltschaft hatte er demgegenüber noch angegeben, dass dies nie ei-
ne Liebesbeziehung gewesen sei (pag. 60, Z 79). Anlässlich dieser Einvernahme 

22

erklärte er dann weiter, er habe die Straf- und Zivilklägerin nie geküsst, sie seien 
sich nah gekommen, aber geküsst hätten sie sich nie (pag. 393, Z. 20). Die Aussa-
gen des Beschuldigten sind also auch bei diesen, an und für sich einfachen Fragen 
unpräzise und keineswegs konstant.

Im Rahmen der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte seine bisheri-
gen Aussagen (pag. 681, Z. 12 ff.). Er führte aus, dass sie gesagt hätten, die Straf- 
und Zivilklägerin sei für den Job nicht geeignet. Sie habe quasi Polizist gespielt 
über ihn und seine Frau. Dann habe er sie sofort entlassen, ab da habe sie sich to-
tal verändert. Sie habe geschworen, dass sie ihn kaputt machen wolle und er sie 
kennenlernen werde (pag. 681, Z. 25 ff.). Diese Anschuldigungen brachte der Be-
schuldigte nun erstmalig hervor. Er führte weiter aus, dass das Verhältnis sehr gut 
gewesen sei, bevor er sie entlassen habe (pag. 681, Z. 24 f.). Am Anfang habe er 
ihr auch vertraut, dass sie schauen könne, ob die Anderen ihre Arbeit gut machen 
würden, wenn er nicht im Büro sei (pag. 682, Z. 4 ff.). Diese Aussage scheint aller-
dings etwas merkwürdig, hat der Beschuldigte in früheren Einvernahme noch aus-
gesagt, die Straf- und Zivilklägerin habe fast nichts (pag. 52, Z. 293 ff.) und eigent-
lich nie etwas gut gemacht (pag. 60, Z. 61 ff.). In diesem Zusammenhang scheint 
unverständlich, weshalb die Straf- und Zivilklägerin andere Mitarbeiter hätte kon-
trollieren bzw. die Aufsicht hätte ausüben sollen. Der Beschuldigte konnte auch im 
oberinstanzlichen Verfahren nicht über sein Verhältnis zu der Straf- und Zivilkläge-
rin aufklären. Er gab an, sie seien sich sehr nah gekommen, es habe von aussen 
ausgehen wie eine Liebesbeziehung. Es sei nicht wirklich Liebe gewesen, sie hät-
ten nichts Sexuelles gehabt aber sie seien sich sehr nah gewesen, auch körperlich 
(pag. 682, Z. 7 ff.). Sie seien aber kein Liebespaar gewesen. Sie habe gesagt, dass 
sie ihn liebe und ihm helfen wolle allgemein (pag. 682, Z. 18 ff.). Es sei quasi wie 
eine Liebe, aber es sei keine Liebe. Sie hätten zusammen kommuniziert wie ein 
Liebespaar (pag. 684, Z. 3). Entsprechende Auszüge sind den vorliegenden Nach-
richten zwar zu entnehmen, wobei aus diesen aber klar hervorgeht, dass der Be-
schuldigte vielmehr und vor allem in einer anderen Art und Weise kommunizierte 
als die Straf- und Zivilklägerin. Es ist ferner darauf hinzuweisen, wie viel Zeit (Mit-
tagessen, Autofahrten, Geschäftserledigungen etc.) der Beschuldigte mit der Straf- 
und Zivilklägerin verbracht hat, wie persönlich die ihr geschickten 
(Chat-)Nachrichten ausfielen, wie von aussen der Eindruck entstanden sei, die bei-
den seien ein Liebespaar, wie er jeweils die Nachrichten der Straf- und Zivilklägerin 
gelöscht haben solle, bevor er nach Hause zu seiner Frau gegangen sei (pag. 683, 
Z. 12 ff.) und wie «eng und nah» die Beziehung – laut dem Beschuldigten – zwi-
schen ihnen beiden bereits vor dem Vertrag (Anmerkung der Kammer: wohl Ab-
schluss des Vertrags oder Stellenantritt gemäss Vertrag) gewesen sei. Vor dem 
Vertrag kannten sich der Beschuldigte und die Straf- und Zivilklägerin, gemäss sei-
nen eigenen Aussagen, aber gerade Mal zwei bis drei Wochen (pag. 681, Z. 41 f.).

Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten 
teilweise widersprüchlich sowie unlogisch sind und sich darauf beschränken, jegli-
che Schuld von sich zu weisen, die Vorwürfe ins Gegenteilige umzudrehen und das 
Ganze als Komplott der Straf- und Zivilklägerin darzustellen. Die Schilderungen des 
Beschuldigten enthalten zahlreiche Lügensignale und sind insgesamt nicht stim-
mig, weshalb nicht darauf abzustellen ist.

23

13.3.3 Zu den Aussagen der Auskunftspersonen

Hinsichtlich N.________ ist vorab festzuhalten, dass es sich dabei um eine gute 
Freundin der Straf- und Zivilklägerin handelt, welche – zumindest für eine kurze 
Zeit – ebenfalls im Betrieb des Beschuldigten gearbeitet bzw. sich auf eine Stelle 
im Aussendienst vorbereitet hat. N.________ wurde einmal polizeilich einvernom-
men, wobei sich der Beschuldigte und die Straf- und Zivilklägerin bzw. ihre damali-
ge Rechtsvertreterin für die entsprechende Einvernahme abgemeldet haben (pag. 
99). N.________ schilderte im Rahmen dieser Einvernahme, dass sie schon den 
Eindruck gehabt habe, der Beschuldigte habe mehr als eine rein geschäftliche Be-
ziehung mit der Straf- und Zivilklägerin gewollt (pag. 102, Z. 149 ff.). Sie habe es 
speziell gefunden, dass er sich so häufig bei der Straf- und Zivilklägerin gemeldet 
und ihr geschrieben habe. Sie habe auch Textnachrichten bei ihr gesehen, in wel-
chen er sie gefragt habe, wo sie sei und was sie gerade mache. Sachen, die ei-
gentlich über eine geschäftliche Beziehung hinausgehen würden. Er habe ihr auch 
Herzen geschickt, was für sie bedeutet habe, dass er schon Interesse an der Straf- 
und Zivilklägerin gehabt habe (pag. 102 f., Z. 154 ff.). N.________ gab an, selber 
keine Übergriffe des Beschuldigten auf die Straf- und Zivilklägerin beobachtet zu 
haben, berichtete jedoch von zwei Vorfällen (Anfassen der Brüste, Versuch des 
Beschuldigten, die Hand der Straf- und Zivilklägerin auf sein Stück zu legen, glaub-
lich im Lift oder bei ihm zu Hause, pag. 103, Z. 198 ff.). Auch wenn sie nachträglich 
der Staatsanwaltschaft per E-Mail mitgeteilt hat, dass der Beschuldigte die Straf- 
und Zivilklägerin gegen ihren Willen am Oberschenkel angefasst und sie selber 
dies im Büro beobachtet habe, können in ihren Aussagen keine Übertreibungen 
oder übermässige Belastungen gegenüber dem Beschuldigten festgestellt werden. 
Dass sie nochmals zur Polizei gegangen ist zeigt ihre Bemühungen, vollständige 
Aussagen zu machen. Auch erscheinen die beiden zunächst erwähnten Vorfälle 
nicht mit der Straf- und Zivilklägerin abgesprochen, da N.________ ansonsten wohl 
bereits im Rahmen ihrer Einvernahme handfestere und vor allem sämtliche akten-
kundigen Beschuldigungen erwähnt hätte. Nach Auffassung der Kammer kann 
zwar nicht unbesehen auf die Aussagen von N.________ abgestellt werden. Diese 
vermögen jedoch eher die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin 
zu stützen bzw. werfen zumindest kein schlechtes Licht auf sie respektive ihre 
Aussagen.

Die Vorinstanz ging nach Auffassung der Kammer zu Recht davon aus, dass sich 
aus den Aussagen von R.________ nichts Wesentliches ableiten lasse. 
R.________, ein ehemaliger Mitarbeiter der H.________ AG, gab anlässlich seiner 
Einvernahme an, ihm sei im Umgang der Beiden nichts aufgefallen, auch keine 
spasshaften Berührungen (pag. 113, Z. 120 f. und Z. 139, pag. 114, Z. 144 ff.). In-
sofern helfen seine Aussagen nicht weiter und es erscheint der Eindruck, als wolle 
er sich aus der ganzen Sache raushalten. Daran vermag auch nichts zu ändern, 
dass er die Straf- und Zivilklägerin als herablassend und impulsiv bezeichnete 
(pag. 113, Z. 109 ff.).

Befragt wurde sodann auch S.________, die Ehefrau des Beschuldigten. Sie 
machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und gab zu Protokoll, ihr 
Leben sei Privatsache und sie möchte nichts weiter dazu sagen (pag. 118, 

24

Z. 14 f.). Sie möchte nicht über die Straf- und Zivilklägerin sprechen und habe auch 
keine Nachrichten oder Chatverläufe mit ihr auf ihrem Mobiltelefon gespeichert 
(pag. 121, Z. 66 ff.). Insofern helfen die Aussagen der Ehefrau des Beschuldigten 
nicht weiter. Der guten Ordnung halber ist festzuhalten, dass sie – entgegen den 
Aussagen des Beschuldigten, wonach seine Frau und die Straf- und Zivilklägerin 
ein sehr gutes Verhältnis gehabt hätten (pag. 53, Z. 358) und diese einmal bei sei-
ner Frau bzw. «x Mal» bei ihnen zu Hause gewesen sei, aber niemals mit ihm allei-
ne (pag. 62, Z. 155 ff.) – zu Protokoll gab, sie habe die Straf- und Zivilklägerin le-
diglich ein bis zwei Mal im Büro ihres Mannes gesehen (pag. 120, Z. 41 f.).

Auch die Aussagen von M.________, ehemaliger Geschäftsfüh-
rer/Geschäftspartner des Lokals U.________, helfen im vorliegenden Fall nicht 
wirklich weiter. So führte er im Rahmen seiner Einvernahme bei der Polizei zwar 
aus, er habe das Gefühl gehabt, der Beschuldigte und die Straf- und Zivilklägerin 
seien sehr eng befreundet. Sie seien praktisch Tag und Nacht zusammen gewesen 
(pag 125, Z. 64 f.). Was die Beiden zusammen gemacht hätten, könne er aber nicht 
sagen (pag. 126, Z. 102 f.). Sie seien sehr vertraut miteinander gewesen und hät-
ten, ausser Küssen, von jeder Möglichkeit Gebrauch gemacht, Nähe zu zeigen 
(pag 126, Z. 108 f.). Er habe das Gefühl, dass beide gleich füreinander empfunden 
hätten (pag. 126, Z. 111 f.) und man habe gesehen, dass die beiden wie ein Lie-
bespaar gewesen seien (pag. 127, Z. 150). Zu den angezeigten Tatbeständen 
konnte er keine Angaben machen und die Nachrichten der Beiden hatte er – 
gemäss eigenen Angaben – bereits gelöscht. Nach Auffassung der Kammer lässt 
sich daraus lediglich ableiten, dass die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten 
wohl nicht in jeder Hinsicht schlecht gefunden hatte, was aber ohnehin unbestritten 
ist. Mehr ergibt sich daraus nicht.

13.4 Gesamtwürdigung und erstellter Sachverhalt
Alles in allem ist festzuhalten, dass die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin sehr 
glaubhaft sind und erlebnisbasiert wirken. Es gibt – entgegen der Auffassung der 
Verteidigung – keine generellen Erkenntnisse darüber, wie ein Opfer sich nach ei-
nem negativen Ereignis verhält. Vielmehr ist es gerichtsnotorisch, dass sich Opfer 
sehr unterschiedlich verhalten und sehr unterschiedlich mit dem Erlebten umgehen. 
In den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin sind keine Auffälligkeiten auszuma-
chen. Dass sie die Übergriffe durch den Beschuldigten nicht im gesamten Verfah-
ren in gleich detaillierter Weise schildern konnte, ist angesichts des Zeitablaufs und 
der Dynamik solcher Übergriffe ohne Weiteres nachvollziehbar. Die Straf- und Zi-
vilklägerin schilderte das Kerngeschehen dennoch gleichbleibend und legte im ge-
samten Verfahren Wert darauf, den Beschuldigten nicht übermässig zu belasten. 
Sie war stets um eine präzise Schilderung sowohl des Rahmen- als auch des 
Kerngeschehens bemüht. Sie schilderte nicht nur die besagten Übergriffe, sondern 
auch ihre darauffolgenden teils emotionalen Reaktionen gegenüber dem Beschul-
digten lebensnah. Auch stimmen die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin insofern 
mit den objektiven Beweismitteln (Nachrichten und Selfies) überein, als sie schil-
derte, dass der Beschuldigte ihr oftmals persönliche Nachrichten geschickt habe 
und sie beide (auch von ihrem Handy aus) Selfies gemacht hätten. Die Kammer 
kann – insbesondere auch mit Blick auf die Aussagen von M.________ – nicht 

25

ausschliessen, dass die Straf- und Zivilklägerin das etwas nähere Verhältnis zum 
Beschuldigten zunächst zugelassen hat. Dies eventuell deshalb, weil er ihr 
zunächst sympathisch und eben nicht alles schlecht war, wegen den zahlreichen 
Entschuldigungen oder allenfalls auch aufgrund der finanziellen Umstände ihrer 
Familie und der damit zusammenhängenden Abhängigkeit. Letztlich wurde auch im 
Rahmen des Schlussvortrags an der Berufungsverhandlung speziell darauf hinge-
wiesen, dass der Beschuldigte sich gegenüber der Straf- und Zivilklägerin nicht nur 
schlecht verhalten habe. Auch die Kammer geht deshalb davon aus, dass – zumin-
dest zu Beginn – eine gewisse Nähe zwischen den Beiden bestanden hat. Dies 
wirkt sich jedoch nicht zuungunsten der Straf- und Zivilklägerin aus. Die Aussagen 
des Beschuldigten fielen demgegenüber vage, widersprüchlich und teilweise nicht 
nachvollziehbar aus. Er machte nicht nur unterschiedliche Angaben zum Verhältnis 
zu der Straf- und Zivilklägerin, sondern konnte auch bis zuletzt und auf konkrete 
Nachfrage hin nicht über dieses aufklären. Er war im gesamten Verfahren darum 
bemüht, die Straf- und Zivilklägerin schlecht zu machen und die von ihr geschilder-
ten Vorfälle ins Gegenteilige umzudrehen und sie für die entsprechenden Übergrif-
fe sowie auch für den Besuch seiner Ehefrau beim Psychiater verantwortlich zu 
machen. Auch zur Arbeitsleistung der Straf- und Zivilklägerin machte er wider-
sprüchliche Aussagen. Zusammenfassend vermögen seine Aussagen nicht zu 
überzeugen. Auch wenn die Kammer nicht ausschliessen kann, dass der Beschul-
digte das Verhältnis zu der Straf- und Zivilklägerin möglicherweise zunächst falsch 
gedeutet hat, so machte diese ihre Ablehnung im Rahmen der nunmehr zu beurtei-
lenden Vorfälle aber ohne Weiteres deutlich. Aus der Würdigung der vorliegenden 
Beweismittel ergibt sich damit ein stimmiges Gesamtbild, wonach die von der Straf- 
und Zivilklägerin geschilderten Berührungen und Küsse durch den Beschuldigten 
stattgefunden haben, bei denen sich dieser bewusst und teilweise auch durch kör-
perlichen Einsatz über den Willen der Straf- und Zivilklägerin hinwegsetzte. Es be-
stehen damit keine unüberwindlichen Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzun-
gen der angeklagten Taten (Art. 10 Abs. 3 StPO). 

Für die Kammer ergibt sich nach Würdigung der vorliegenden Beweismittel ein Ge-
samtbild, das dem angeklagten Sachverhalt, wie er in der Anklageschrift in Ziff. I. 1. 
und 3. a-c umschrieben wird, entspricht. 

Auch die Kammer geht daher davon aus, dass der Beschuldigte die Straf- und Zi-
vilklägerin Ende April/anfangs Mai 2016 in den Büroräumlichkeiten der H.________ 
AG mit seinen Händen an ihrem Gesäss packte und zu sich heranzog. Als die 
Straf- und Zivilklägerin den Raum verlassen wollte, schloss der Beschuldigte die 
Türe und stellte sich vor diese. Er zog die Straf- und Zivilklägerin erneut an sich 
heran, wobei sie ihm sagte, dass er aufhören solle und sie dies nicht wolle. Nach-
dem der Beschuldigte Schmerzen in der Brust geltend machte, beugte er sich zu 
der Straf- und Zivilklägerin und küsste sie auf den Mund. Danach zog er sie erneut 
zu sich hin, hielt sie fest und presste sie an sich. Er küsste sie zudem am Hals so-
wie am Dekolleté und berührte ihre Brüste über den Kleidern. Zudem fragte der 
Beschuldigte, ob sie ihn spüre, womit er sein Glied meinte. Die Straf- und Zivilklä-
gerin entgegnete mehrfach, er solle sie loslassen. Als sie sich losreissen und das 
Büro verlassen wollte, kam der Beschuldigte von hinten, umfasste sie mit den Ar-
men, hielt sie auf Höhe der Taille fest und fasste ihr mit einem Arm von oben in ihre 

26

Hosen und Unterhosen an ihren Genitalbereich. Die Straf- und Zivilklägerin ging in 
die Hocke und konnte sich so aus der Umklammerung lösen. Sie trat mit ihrem 
Fuss nach hinten und traf das Knie des Beschuldigten. 

Weiter erachtet die Kammer auch die übrigen Übergriffe ca. im April 2016 als er-
stellt: Der Beschuldigte packte in seiner Wohnung das Gesicht der Straf- und Zivil-
klägerin, welche seine Hände wegschlug und ihm sagte, er solle nie mehr ihr Ge-
sicht berühren. Anschliessend packte er sie am Hinterkopf, zog sie zu sich heran 
und küsste sie auf den Mund. Nachdem die beiden die Wohnung verlassen hatten 
und im Lift nach unten fuhren, packte der Beschuldigte die Hand der Straf- und Zi-
vilklägerin und fuhr damit über der Hose über seinen Genitalbereich. An einem an-
deren Tag ca. im April 2016 griff der Beschuldigte der Straf- und Zivilklägerin, wel-
che ein Auto lenke, zwischen die Beine und presste seine Hand über ihren Hosen 
an ihren Genitalbereich. Auch ca. im April 2016 ging der Beschuldigte in den 
Büroräumlichkeiten auf die Straf- und Zivilklägerin zu und küsste sie auf den Mund.

IV. Rechtliche Würdigung

14. Sexuelle Nötigung (Art. 189 Ziff. 1 StGB)

14.1 Theoretische Ausführungen

Betreffend die allgemeinen rechtlichen Ausführungen kann grundsätzlich auf die 
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (S. 33 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 459 f.). Zur Übersicht und Vollständigkeit wer-
den die relevanten theoretischen Grundlagen vorliegend nochmals wiedergegeben 
und ergänzt.

Gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer eine Person zur Duldung einer 
beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, namentlich in-
dem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum 
Widerstand unfähig macht. Unter sexueller Handlung ist zunächst jede körperliche 
Betätigung zu verstehen, die nach ihrem äusseren Erscheinungsbild vom Stand-
punkt eines objektiven Betrachters aus betrachtet eindeutig sexualbezogen ist. Die 
Handlung muss sich daher jedenfalls auf geschlechtsspezifische oder mindestens 
erogene Körperteile beziehen. Das Küssen auf den Mund und Wangen wird in der 
Regel nicht als sexuelle Handlung qualifiziert (Urteil des BGer 6B_1260/2019 vom 
12. November 2020 E. 2.2.3., BGE 125 IV 58 E. 3b). Eine Vielzahl von an sich 
noch nicht erheblichen sexuellen Verhaltensweisen kann in einem Gesamtkontext 
aber unter Umständen als sexuelle Handlung qualifiziert werden (MAIER, Basler 
Kommentar StGB/JStG, 4. Aufl. 2019 N 11 zu Art. 187 StGB). Die Tatmotive, das 
subjektive Empfinden oder die Bedeutung solcher eindeutig sexualbezogener 
Handlungen für Täter und Opfer sind dabei belanglos (WEDER, StGB/JStG Kom-
mentar, 20. Aufl. 2018, N 5 f. zu Art. 187 StGB mit Hinweisen auf die bundesge-
richtliche Rechtsprechung, N 5 zu Art. 189 StGB). Nötigen kann der Täter durch 
Gewalt, Drohung oder psychischen Druck. Als Gewalt wird etwa das Niederdrü-
cken, mit überlegener Körperkraft festhalten, brutal zu Boden stossen etc. definiert, 
wobei bereits das Festhalten oder Einsetzen von Körpergewicht genügen kann 

27

(MAIER, a.a.O., N. 22 und 22a zu Art. 189). Das Opfer muss sich nicht auf einen 
Kampf einlassen oder Verletzungen in Kauf nehmen (Urteile des BGer 6B_95/2015 
vom 25. Januar 2016 E. 5.1 und 6B_993/2013 vom 17. Juli 2014 E. 3.3.-4.). Es 
genügt, wenn der Täter seine überlegene Kraft einsetzt, indem er das Opfer 
festhält oder sich mit seinem Gewicht auf es legt. Setzt der Täter ein Überra-
schungsmoment und ist er dem Opfer physisch überlegen, muss er auch nicht be-
sonders viel Kraft aufwenden (MAIER, a.a.O., N 22a zu Art. 189 StGB, Urteile des 
BGer 6B_587/2017 vom 16. Oktober 2017 E. 4.4 und 6B_826/2017 vom 26. Januar 
2018 E. 1.4). Das Opfer muss die Tat dulden (TRECHSEL/BERTOSSA, Praxiskom-
mentar StGB, 3. Aufl. 2018, N. 10 zu Art. 189). Zwischen der Nötigungshandlung 
und dem Dulden der sexuellen Handlung muss Kausalität bestehen; der Täter 
muss gerade durch die Nötigungshandlung die Duldung der sexuellen Handlung 
erzwungen haben, ansonsten kommt nur Versuch in Betracht (TRECH-
SEL/BERTOSSA, a.a.O., 
N. 11 zu Art. 189).

Subjektiv verlangt der Tatbestand Vorsatz, bezüglich des Erkennens eines «Neins» 
des Opfers mindestens Eventualvorsatz. Der Täter muss um die Bedeutung des 
auf- und abgenötigten Verhaltens wissen. Dazu gehört auch, dass er zumindest in 
Kauf nimmt, sich über den entgegenstehenden Willen des Opfers hinwegzusetzen 
(MAIER, a.a.O., N. 54 zu Art. 189 StGB).

14.2 Subsumtion

Gemäss Beweisergebnis zog der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin in den 
Räumlichkeiten der Firma H.________ AG an ihrem Gesäss zu sich heran, ver-
schloss in der Folge die Türe und stellte sich vor diese. Er zog die Straf- und Zivil-
klägerin erneut zu sich, beugte sich zu ihr und küsste sie auf den Mund. Anschlies-
send hielt er sie fest und presste sie an sich. Er küsste sie zudem am Hals, am De-
kolleté und berührte ihre Brüste über den Kleidern. Als sich die Straf- und Zivilklä-
gerin losreissen und das Büro verlassen wollte, kam der Beschuldigte von hinten, 
umfasste sie mit seinen Armen, hielt sie mit einem Arm auf der Höhe der Taille fest 
und griff ihr mit der anderen Hand in ihre Hosen und Unterhosen, wobei er ihren 
Genitalbereich berührte. Die Straf- und Zivilklägerin setzte sich bei allen Handlun-
gen verbal zur Wehr. Sie ging anschliessend in die Hocke und konnte sich so aus 
der Umklammerung lösen. Sie trat mit ihrem Fuss nach dem Beschuldigten. 

Wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, haben folgende Handlungen gemäss 
Ziff. I. 1. der Anklageschrift vom 7. März 2018 als potentiell sexuell zu gelten: Die 
Küsse auf den Mund, die Küsse am Hals sowie am Dekolleté, das Berühren der 
Brüste über den Kleidern sowie das Hineingreifen in die Hosen und Unterhosen mit 
dem Berühren des Genitalbereichs. Indem der Beschuldigte die Brüste der Straf- 
und Zivilklägerin berührte und mit seiner Hand in ihre Hose bzw. Unterhose fasste 
und ihren Genitalbereich berührte, beging er zweifellos sexuelle Handlungen. Auch 
die Kammer geht betreffend die Küsse auf den Mund, an den Hals und das Dekol-
leté davon aus, dass diese Handlungen in Anbetracht der damaligen Gesam-
tumstände (begleitende Handlungen bzw. Übergriffe mit recht hoher Intensität, ab-
geschlossener Raum, klare Abwehrhaltung der Straf- und Zivilklägerin) sexuelle 
Handlungen darstellen.

28

Für die Erfüllung des Tatbestands von Art. 189 StGB ist nicht erforderlich, dass 
sich das Opfer andauernd wehrt oder widerstandsunfähig wird. Das Erstere ist dem 
Opfer nicht zuzumuten und Letzteres stimmt oft nicht mit den Tatabläufen überein. 
Viele Opfer geben nach dem ersten Angriff des Täters den Widerstand auf, sam-
meln dann aber wieder ihre Kräfte und versuchen anschliessend erneut, sich zur 
Wehr zu setzen (MAIER, a.a.O. N. 22 zu Art. 189). Der Beschuldigte befand sich zur 
fraglichen Zeit mit der Straf- und Zivilklägerin in den von ihm abgeschlossenen 
Büroräumlichkeiten. Obwohl die Straf- und Zivilklägerin versuchte, den Raum zu 
verlassen, hat der Beschuldigte sie immer wieder festgehalten und an sich ge-
presst, indem er seine körperliche Überlegenheit ausgenutzt und eine räumliche 
Zwangslage geschaffen hat. Die Straf- und Zivilklägerin widersetzte sich verbal, als 
der Beschuldigte sie auf den Mund, am Hals und am Dekolleté küsste sowie ihre 
Brüste berührte. Der Beschuldigte reagierte jedoch nicht und setzte sich damit über 
den Willen der Straf- und Zivilklägerin hinweg. Es gelang der Straf- und Zivilkläge-
rin, sich aus den Fängen des Beschuldigten zu lösen. Dennoch ging der Beschul-
digte weiter vor, hielt sie von hinten fest und griff ihr in die Hose bzw. Unterhose an 
den Genitalbereich. Gegen diesen Übergriff setzte sich die Straf- und Zivilklägerin 
nunmehr auch körperlich direkt zur Wehr, indem sie in die Hocke ging und mit ih-
rem Fuss gegen den Beschuldigten trat. Schlussendlich konnte sie das Büro ver-
lassen. Auch wenn die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel nicht von 
hoher Intensität gewesen sind, so reichen sie dennoch aus, um den Tatbestand der 
sexuellen Nötigung zu erfüllen. Der Beschuldigte hat nicht allein seine Körperkraft 
eingesetzt, um sein Ziel zu erreichen, er schaffte durch das Schliessen der Türe 
und das sich vor die Türe stellen auch eine räumliche Zwangslage, die für das Op-
fer unangenehm war. Die Straf- und Zivilklägerin hat sich soweit gewehrt, als es ihr 
unter den gegebenen Umständen und in Anbetracht ihrer persönlichen Verhältnis-
se möglich und zumutbar war, um sich den Nötigungen des Beschuldigten zu ent-
ziehen. Wie die Vorinstanz richtigerweise festgehalten hat, ist es unerheblich, dass 
sie sich mit einem Tritt nach Hinten selbst aus dieser Lage befreien konnte. Zwi-
schen dem Festhalten, an sich pressen etc. durch den Beschuldigten und dem 
Dulden der sexuellen Handlungen besteht zweifellos Kausalität. Der guten Ord-
nung halber ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten betreffend die hiervor be-
schriebenen sexuellen Handlungen angesichts des zeitlich und räumlich engen 
Konnexes lediglich eine sexuelle Nötigung vorgeworfen wird. Der Umstand, dass er 
dabei verschiedene Handlungen beging, ist bei der Strafzumessung zu berücksich-
tigen. 

Aufgrund der mehrfachen verbalen Äusserungen der Straf- und Zivilklägerin und 
letztlich auch der körperlichen Abwehr musste dem Beschuldigten bewusst sein, 
dass er gegen den Willen der Straf- und Zivilklägerin handelte. Dies nicht zuletzt 
aufgrund der bereits vorher stattgefundenen Übergriffe, denen sich die Straf- und 
Zivilklägerin ebenfalls widersetzte. Er wollte den sexuellen Kontakt mit der Straf- 
und Zivilklägerin und setzte sich dabei über ihren geäusserten Willen hinweg. Der 
Beschuldigte handelte damit direktvorsätzlich. Dass sich die Straf- und Zivilklägerin 
nicht bereits bei den ersten Vorfällen körperlich wehrte, ändert daran nichts (vgl. 
dazu auch Urteil des BGer 6B_78/2017 vom 6. September 2017 E. 2.3). Damit ist 

29

der Tatbestand der sexuellen Nötigung erfüllt. Es sind weder Rechtfertigungs- noch 
Schuldausschliessungsgründe ersichtlich oder dargetan.

15. Sexuelle Belästigung (Art. 198 StGB)

15.1 Theoretische Ausführungen

Betreffend die allgemeinen rechtlichen Ausführungen kann grundsätzlich wiederum 
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (S. 35 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 461 f.). Die Kammer erachtet folgende 
Ergänzungen bzw. Wiederholungen für angezeigt:

Auf Antrag macht sich nach Art. 198 StGB der sexuellen Belästigung schuldig, wer 
vor jemandem, der dies nicht erwartet, eine sexuelle Handlung vornimmt und da-
durch Ärgernis erregt, wer jemanden tätlich oder in grober Weise durch Worte se-
xuell belästigt. 

Der Begriff der «sexuellen Handlungen» deckt sich mit demjenigen in Art. 187 
StGB. Sexuelle Handlungen lassen sich nach der Eindeutigkeit ihres Sexualbezugs 
abgrenzen. Keine sexuellen Handlungen sind Verhaltensweisen, die nach ihrem 
äusseren Erscheinungsbild keinen unmittelbaren sexuellen Bezug aufweisen. Als 
sexuelle Handlungen im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB gelten hingegen 
Verhaltensweisen, die für den Aussenstehenden nach ihrem äusseren Erschei-
nungsbild eindeutig sexualbezogen sind. Die Bestimmung von Art. 198 StGB er-
fasst geringfügigere Beeinträchtigungen der sexuellen Integrität, wobei zweifelhaft 
sein kann, ob sie eine Verletzung der Selbstbestimmung darstellen. Weil sie die be-
troffene Person ohne ihren Willen mit Sexualität konfrontieren, sind sie jedenfalls 
mit solchen Eingriffen vergleichbar. Bei den Belästigungen im Sinne dieses Tatbe-
stands handelt es sich um qualifiziert unerwünschte sexuelle Annäherungen bzw. 
um physische, optische und verbale Zumutungen sexueller Art. Aus dem Merkmal 
der Belästigung ergibt sich, dass das Opfer in diese weder eingewilligt noch sie – 
etwa spasseshalber – provoziert haben darf. Die tätliche Belästigung setzt eine 
körperliche Kontaktnahme voraus, wobei bereits wenig intensive Annäherungsver-
suche oder Zudringlichkeiten genügen, solange sie nach ihrem äusseren Erschei-
nungsbild sexuelle Bedeutung haben. Darunter fallen auch weniger aufdringliche 
Berührungen wie das Antasten der Brust oder am Gesäss, das Betasten von 
Bauch und Beinen auch über den Kleidern, das Anpressen oder Umarmungen. Zu 
berücksichtigen ist, ob dem Opfer zugemutet werden kann, sich der Belästigung zu 
entziehen, was am Arbeitsplatz oder an ähnlichen Örtlichkeiten in der Regel weni-
ger einfach ist als etwa in öffentlichen Lokalitäten (zum Ganzen Urteil des BGer 
6B_1102/2019 vom 28. November 2019 E. 2.1 mit Hinweis auf BGE 137 IV 263 
E. 3.1). Für die Beurteilung der Erheblichkeit sind qualitativ die Art und quantitativ 
die Intensität und Dauer der Handlung bedeutsam, wobei die Gesamtumstände zu 
berücksichtigen sind (Urteil des BGer 6B_1102/2019 vom 28. November 2019 
E. 2.2 mit Hinweisen). Subjektiv ist eine vorsätzliche tätliche oder verbale Belästi-
gung erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (statt vieler BGE 137 IV 267 
E. 3.1).

30

15.2 Subsumtion

Es liegt ein gültiger Strafantrag der Straf- und Zivilklägerin vor (pag. 9). Vorliegend 
sind drei Vorfälle zu beurteilen. Gemäss Beweisergebnis umfasste der Beschuldig-
te bei sich zu Hause das Gesicht der Straf- und Zivilklägerin, worauf sie seine Hän-
de wegschlug und sagte, er solle nie mehr ihr Gesicht berühren. Anschliessend hat 
er die Straf- und Zivilklägerin zu sich herangezogen und auf den Mund geküsst. Im 
Lift nach unten hat der Beschuldigte ihre Hand gepackt und ist damit über der Hose 
über seinen Genitalbereich gefahren. Während einer Autofahrt hat der Beschuldig-
te der Straf- und Zivilklägerin zwischen die Beine gefasst bzw. seine Hand über der 
Hose an ihren Genitalbereich gepresst. Schliesslich hat der Beschuldigte die Straf- 
und Zivilklägerin an ihrem Arbeitsplatz auf den Mund geküsst.

Die hiervor genannten Handlungen des Beschuldigten, d.h. die Küsse auf den 
Mund, das Streichen über der Hose über den eigenen Genitalbereich sowie der 
Griff bzw. das Pressen der eigenen Hand über der Hose an den Genitalbereich der 
Straf- und Zivilklägerin stellen offensichtlich tätliche Belästigungen im Sinne von 
Art. 198 StGB dar, der sich die Straf- und Zivilklägerin bereits angesichts des Über-
raschungseffekts nicht entziehen konnte. Die Straf- und Zivilklägerin hatte nicht in 
die entsprechenden Handlungen eingewilligt und setzte sich dagegen verbal und 
teilweise auch körperlich zur Wehr. Dem Beschuldigten war von Beginn weg klar, 
dass die Straf- und Zivilklägerin keinen entsprechenden Körperkontakt wünschte. 
Dennoch setzte er sich über ihren Willen hinweg. Der objektive und subjektive Tat-
bestand von Art. 198 StGB ist demnach erfüllt, wobei von direktem Vorsatz des 
Beschuldigten auszugehen ist. Es sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldaus-
schliessungsgründe ersichtlich oder dargetan.

16. Fazit

Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte der sexuellen Nötigung sowie der 
mehrfachen sexuellen Belästigung zum Nachteil der Straf- und Zivilklägerin schul-
dig gemacht.

V. Strafzumessung

17. Anwendbares Recht

Vorweg ist im Rahmen der Strafzumessung jeweils die Frage des anwendbaren 
Rechts zu klären, sofern ein oder mehrere Sachverhalte zu beurteilen sind, die sich 
vor Inkrafttreten des StGB in seiner aktuellen Fassung ereignet haben (Art. 2 Abs. 
1 StGB). Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen 
Teils des StGB in Kraft getreten. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor 
Inkrafttreten des neuen Strafgesetzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber 
erst nachher, so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, 
wenn dieses für ihn das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener 
Strafnormen ist nach der sogenannten konkreten Methode vorzunehmen, wonach 
sich umfassende Beurteilungen des Sachverhalts nach altem und nach neuem 
Recht gegenüberzustellen sind. Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat 
nur entweder das alte oder das neue Recht. Eine kombinierte Anwendung der bei-

31

den Rechte ist ausgeschlossen. Hat der Täter mehrere selbständige strafbare 
Handlungen begangen, so ist in Bezug auf jede einzelne Handlung gesondert zu 
prüfen, ob das alte oder das neue Recht milder ist. Gegebenenfalls ist eine Ge-
samtstrafe zu bilden (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1 und 6.2.3). Ausschlaggebend ist, 
nach welchem der beiden Rechte der Täter für die gerade zu beurteilende Tat bes-
ser wegkommt (vgl. zum Ganzen TRECHSEL/VEST, Praxiskommentar StGB, 3. Aufl. 
2018, N 11 zu Art. 2 StGB mit Hinweisen; DONATSCH, Schweizerisches Strafge-
setzbuch, 19. Aufl., Zürich 2013, S. 34 N 10). Der Gesetzesvergleich hat sich aus-
schliesslich nach objektiven Gesichtspunkten zu richten (BGE 134 IV 82 E. 6.2.2). 
Sind die Sanktionen im Einzelfall gleichwertig, so ist altes Recht anzuwenden 
(POPP/BERKEMEIER, Basler Kommentar StGB/JStG, 4. Aufl. 2019, N 20 zu Art. 2 
StGB). 

Sexuelle Nötigung wird – sowohl nach alten wie auch nach neuem Recht – mit 
Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft (Art. 189 Abs. 1 StGB). Für die sexuelle 
Belästigung ist nach wie vor eine Busse vorgesehen (Art. 198 StGB). Das neue 
Recht sieht für die Geldstrafe einen Strafrahmen von drei bis 180 Tagessätzen vor 
(Art. 34 Abs. 1 StGB). Gemäss altem Recht war eine Geldstrafe von bis zu 360 Ta-
gessätzen möglich (Art. 34 Abs. 1 aStGB). Da oberinstanzlich das Verschlechte-
rungsverbot zu beachten ist, kommt für die sexuelle Nötigung und die rechtskräftige 
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz lediglich eine Geldstrafe in 
Frage. Mit Blick auf die Verhältnismässigkeit würde die Kammer aber auch unab-
hängig vom geltenden Verschlechterungsverbot zu keinem anderen Schluss ge-
langen. Da sich die beiden Delikte zudem ereignet haben, bevor der Beschuldigte 
wegen anderer Taten rechtskräftig verurteilt wurde, wird in Anwendung von Art. 49 
Abs. 2 StGB (sowohl nach alten wie auch nach neuem Recht) zwingend eine Ge-
samtstrafe zu bilden sein (vgl. Ziff. 18 und 19.5 hiernach). 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat der Gesetzgeber die Konkurren-
zen in Art. 49 StGB ausdrücklich und abschliessend geregelt und sich für eine auf 
Strafen gleicher Art beschränkte Gesamtstrafenbildung in Anwendung des Aspera-
tionsprinzip entschieden. Es ist hinzunehmen, dass die getroffene Konkurrenzrege