# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3a1d7ee2-c36c-56e8-aa9d-5696cb3d38e1
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-03
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 03.04.2025 SST.2024.25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-25_2025-04-03.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2024.25 
(ST.2022.131; STA.2020.3803) 

 

 

Urteil vom 3. April 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Eichenberger 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen 

 

Privatklägerin   A._____, 

[…]  

vertreten durch Rechtsanwältin Claudia Trösch,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1988, von Kosovo, 

[…]  

verteidigt durch Rechtsanwalt Alain Joset,  

[…] 

 

 
 

Gegenstand  Vergewaltigung, sexuelle Handlungen mit einem Kind usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau erhob am 23. September 

2022 Anklage gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher sexueller 

Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB [in der bis zum 30. Juni 2024 

geltenden Fassung], mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB [in der bis zum 30. Juni 2024 geltenden 

Fassung] und Vergewaltigung gemäss Art. 190 StGB [in der bis zum 

30. Juni 2024 geltenden Fassung]. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Zofingen trat mit Urteil vom 17. August 2023 auf die 

Anklageziffer B.4./5. lit. b) mangels schweizerischer Strafverfolgungs-

zuständigkeit nicht ein, stellte die Anklageziffern A.1./2. lit. c), A.1./2. lit. d) 

und B.4./5. lit. a) zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung für den 

Zeitraum vom 20. April 2008 bis 17. August 2008 ein und erkannte: 

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig: 
- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB 

(Anklageziffern A.1./2. lit. a), b) und e)) 
- der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB (Anklageziffern 

A.1./2. lit. a), b) und e)) 
- der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB (Anklageziffer A.3.) 
 
2. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40, 47, 49 und 101 Abs. 2 StGB zu 4 ½ Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3. 
3.1 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 (A._____) eine 
Genugtuung von Fr. 30'000.00, zzgl. Zins à 5 % seit 30. November 2013 zu zahlen. 
 
3.2 
Der Beschuldigte ist der Zivil- und Strafklägerin 1 (A._____) dem Grundsatz nach für 
sämtliche Forderungen, die auf die Delikte gemäss Ziff. 1 hiervor zurückzuführen sind, zu 
100 % schadenersatzpflichtig. 
 
3.3 
Gestützt auf Art. 433 Abs. 1 StPO wird der Beschuldigte verpflichtet, der Zivil- und 
Strafklägerin 1 (A._____) deren gerichtlich genehmigten Anwaltskosten von Fr. 18'202.60 
(inkl. Fr. 1'301.40 MWST) zu bezahlen. 
 
4. 
Die Zivilforderung der Zivil- und Strafklägerin 2 (C._____) wird abgewiesen. 
 
5. 
5.1 
Die Anklagegebühr wird auf Fr. 2'100.00 festgesetzt und dem Beschuldigten zu ¾ und 
somit im Betrag von Fr. 1'575.00 auferlegt. Die Restanz geht zu Lasten der Staatskasse. 
 

 - 3 - 

 

 

5.2 
Die weiteren Verfahrenskosten bestehen aus: 
 
a) der Gerichtsgebühr von  Fr. 4'000.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 19'215.35 
c) den Beweisführungskosten von Fr.    373.25 
d) den Kosten IT-Forensik (EDV Auswertungen) Fr. 1'500.00 
e) den Spesen von Fr.   318.00 
Total Fr. 25'406.60 
 
Dem Beschuldigten werden die Gebühr sowie die Kosten gemäss lit. c-d zu ¾, somit der 
Betrag von Fr. 4'643.45 auferlegt. Die Restanz geht zu Lasten der Staatskasse. 
 
5.3 
Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten von Fr. 19'215.35 (inkl. 
Fr. 1'373.65 MWST) werden einstweilen auf die Staatskasse genommen. 
 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau ¾ der Kosten für die amtliche 
Verteidigung und somit den Betrag von Fr. 14'411.50 zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
5.4 
Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 8. Februar 2024 beantragte der Beschuldigte, 

auf die Anklageziffern A.1/2. lit. a), b) und e) und A.3. sei nicht einzutreten, 

eventualiter sei er von den Vorwürfen der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit einem Kind, der mehrfachen sexuellen Nötigung sowie der 

Vergewaltigung freizusprechen. 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 6. Januar 2025 teilte der Beschuldigte mit, dass er fortan 

freigewählt durch Rechtsanwalt Alain Joset verteidigt werde. 

 

3.3. 

Die Berufungsverhandlung fand am 3. April 2025 statt. Die Staats-

anwaltschaft beantragte die Abweisung der Berufung des Beschuldigten. 

Die Privatklägerin beantragte die Abweisung der Berufung sowie die 

Ausrichtung einer Parteientschädigung gemäss eingereichter Honorarnote. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte hat die vorinstanzlichen Schuldsprüche vollumfänglich 

angefochten. Nicht angefochten wurde das vorinstanzliche Nichteintreten 

auf Anklageziffer B.4./5. lit. b) sowie die vorinstanzlichen Einstellungen 

betreffend die Anklageziffern A.1./2. lit c), lit. d) und B.4./5. lit. a). In diesen 

 - 4 - 

 

 

Punkten ist das erstinstanzliche Urteil nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 

StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, in der Zeit vom 7. Februar 2006 

bis Ende 2008 seine Cousine A._____ zu verschiedenen Malen am 

damaligen Wohnort der Familie des Beschuldigten an der Q-Strasse in 

R._____ anlässlich der fast wöchentlichen Verwandtenbesuche 

gezwungen zu haben, ihn oral zu befriedigen. Er habe sie jeweils in seinem 

Zimmer hinter die Türe oder ins Badezimmer gezogen und ihren Kopf mit 

der Hand gegen seinen erigierten Penis gedrückt. Er habe ihr erklärt, was 

sie machen müsse und dass es schnell gehe. Er habe den Samen sehr oft 

in ihren Mund gespritzt, einige Male auch auf den Boden. Er habe Gewalt 

angewandt, indem er sie am Kopf festgehalten habe, sodass sie seinem 

Penis nicht habe ausweichen können. Wenn sie begonnen habe, sich zu 

wehren, habe er sie beschwichtigt, dass das nicht so schlimm und etwas 

Harmloses und normal in einer Familie sei (Anklageziffer A.1./2. lit. a).  

 

In der gleichen Zeitspanne vom 7. Februar 2006 bis Ende 2008 sei es 

mehrere Male vorgekommen, dass der Beschuldigte A._____ genötigt 

habe, ihn anstatt oral mit der Hand zu befriedigen. Wenn sie habe 

weglaufen wollen, habe er sie am Handgelenk gepackt oder sie am T-Shirt 

gerissen. Er habe ihr klar gemacht, dass er das toll finde und sie ihm doch 

eine Freude machen solle (Anklageziffer A.1./2. lit. b). 

 

Als A._____ ca. 10 Jahre alt gewesen sei, ca. ab Mitte 2006, genaues 

Datum nicht bekannt, seien die beiden Familien im Alpamare in Pfäffikon 

SZ gewesen. A._____ habe allein oder mit der Schwester auf die Bahnen 

gewollt, der Beschuldigte habe sie aber einfach gepackt, sodass sie 

mehrere Male mit ihm hinunter habe rutschen müssen. Während des 

Rutschens habe der Beschuldigte unter ihr Höschen gegriffen und mit dem 

Finger an ihrem Geschlechtsteil gerieben. Wenn sie versucht habe, die 

Beine zu kreuzen, habe er ihre Beine gewaltsam auseinander gegriffen, 

sodass er sie dazwischen unter dem Höschen habe anfassen können 

(Anklageziffer A.1./2. lit. e). 

 

Zudem soll sich A._____ an einem nicht mehr genau definierbaren Tag 

zwischen September und November 2013 am späteren Nachmittag nach 

R._____ zur Tante (Mutter des Beschuldigten) begeben haben. Da diese 

noch nicht zu Hause gewesen sei, habe A._____ im Wohnzimmer 

gewartet. Plötzlich sei der Beschuldigte ins Wohnzimmer gekommen und 

habe gesagt, dass er Sex wolle. Sie habe erwidert, dass sie das nicht wolle. 

Der Beschuldigte habe sie am Handgelenk gepackt und sie trotz 

Gegenwehr in die Küche gezerrt. Weil sie sich immer noch körperlich und 

verbal gewehrt habe, sei er gröber geworden und habe ihr gewaltsam die 

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Hose runtergerissen. Er habe sie an den Kühlschrank gedrückt und sei mit 

seinem Penis ohne Kondom von hinten vaginal in sie eingedrungen. Der 

mit Gewalt erzwungene Geschlechtsverkehr habe ca. 3-5 Minuten 

gedauert, danach habe er auf den Küchenboden ejakuliert (Anklageziffer 

A.3.).  

 

2.2. 

2.2.1. 

Die Vorinstanz ist auf die Anklageziffer B.4./5. lit. b mangels 

schweizerischer Strafverfolgungszuständigkeit nicht eingetreten und hat 

die Anklageziffern A.1./2. lit. c und lit. d sowie die Anklageziffer B.4./5. lit. a 

zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung für den Zeitraum vom 20. April 

2008 bis 17. August 2008 eingestellt, was unbestritten geblieben ist. 

Vorliegend zu prüfen ist, ob sich der Beschuldigte gemäss den 

Anklageziffern A.1./2. lit. a, lit. b und lit. e sowie der Anklageziffer A.3. der 

sexuellen Handlungen mit einem Kind, der sexuellen Nötigungen und der 

Vergewaltigung schuldig gemacht hat. 

 

2.2.2. 

Die Vorinstanz hat es im Wesentlichen gestützt auf die als glaubhaft 

qualifizierten Aussagen von A._____ als erwiesen erachtet, dass der 

Beschuldigte die ihm gemäss Anklage vorgeworfenen sexuellen Übergriffe 

im genannten Zeitraum begangen habe (vorinstanzliches Urteil E. 5). 

Demgegenüber beantragt der Beschuldigte im Hauptstandpunkt, auf die 

Anklage sei nicht einzutreten, da der Anklagegrundsatz verletzt worden sei 

(Berufungserklärung, S. 1; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 23). Im 

Eventualstandpunkt beantragt er einen Freispruch. 

 

Es kann offenbleiben, ob der Anklagegrundsatz verletzt worden ist. Denn 

wie zu zeigen sein wird, ist der Beschuldigte von Schuld und Strafe 

freizusprechen. 

 

2.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 - 6 - 

 

 

2.4. 

Die dem Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum 

Nachteil von A._____ sollen sich vom 7. Februar 2006 bis Ende 2008 sowie 

zwischen September und November 2013 zugetragen haben, als sie 

zwischen 9 und 12 Jahre sowie 17 Jahre alt war. A._____ erstattete am 

18. Juni 2020 Strafanzeige, ihre erste Befragung fand am 15. Juli 2020 im 

Alter von 24 Jahren statt. Es liegen keine tatnahen Aussagen von ihr im 

Kindes- oder Vorpubertätsalter vor. Ihre Befragung fand erst beinahe 

7 Jahre nach dem letzten angeklagten Vorfall – der Vergewaltigung – bzw. 

zwischen 12 und 14 Jahren nach den weiteren angeklagten Vorfällen statt, 

womit keine tatnahen Aussagen von A._____ zum gesamten Geschehen 

vorliegen. 

 

Wie sich aus der rechtspsychologischen Lehre ergibt, sind bei einer erst 

spät erfolgten ersten Einvernahme zahlreiche Sekundäreinflüsse in Form 

von Gesprächen, Beratungen und Therapien möglich. Weiter besteht die 

Möglichkeit von autosuggestiven Prozessen, die von aussen angestossen 

werden und ihren Ausgangspunkt häufig in einem schlechten psychischen 

Befinden haben. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Aussagen, die auf voll 

ausgebildeten Pseudoerinnerungen beruhen, eine ähnlich hohe Qualität 

erreichen können wie erlebnisbasierte Aussagen. Wenn in der 

Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage suggestive 

Prozesse begründbar sind, stellt die Inhaltsanalyse im Einzelfall kein 

valides Mittel zur Verifizierung von Aussagen mehr dar (vgl. zum Ganzen: 

Urteil des Bundesgerichts 6B_317/2024 vom 5. August 2024 E. 6.1). 

 

2.5. 

2.5.1. 

Entgegen der Vorinstanz kann nicht unbesehen auf die erst im 

Erwachsenenalter von A._____ erfolgten Aussagen abgestellt werden. 

Vielmehr bestehen mit Blick auf die Entstehungs- und 

Entwicklungsgeschichte der Aussagen von A._____ erhebliche Hinweise 

auf Sekundäreinflüsse bzw. auto- und/oder fremdsuggestive Prozesse 

bzw. ein hohes Suggestionspotential. 

 

2.5.2. 

Das psychische Befinden von A._____ ist und war bereits im Zeitraum der 

Anzeigeerstattung und zuvor schlecht. A._____ zufolge sei sie in ein 

starkes Tief gekommen, als sie 17 Jahre alt gewesen sei. Die Lehre habe 

sie überfordert, mit ihrem Freund sei Schluss gewesen, die Trennung habe 

sie sehr mitgenommen (UA act. 138). Gemäss Bericht des Spitals D._____ 

vom 29. November 2012 habe sie aufgrund eines Verdachts auf eine 

Mischintoxikation in suizidaler Absicht notfallmässig stationär 

aufgenommen werden müssen (UA act. 224). Sodann ist sie im Juni 2013 

für zwei Wochen im Spital E._____ in stationärer Behandlung gewesen (UA 

act. 215). 

 - 7 - 

 

 

Von Januar 2019 bis Mai 2019 ist A._____ bei F._____ in der Praxis 

G._____ in Behandlung gewesen (UA act. 232). Vom 30. Januar 2020 bis 

Oktober 2020 hat sich A._____ sodann in der Praxis H._____ bei 

Dr. I._____ in Behandlung befunden. Dr. I._____ diagnostizierte eine 

komplexe posttraumatische Belastungsstörung, dissoziative Störungen der 

Bewegung und der Empfindungen, eine dissoziative Teilamnesie sowie ein 

Depersonalisations- und Derealisationssyndrom (UA act. 207). Sodann hat 

sich A._____ vom 16. Oktober 2020 bis am 27. April 2022 in der Klinik 

J._____ in psychotherapeutischer Behandlung befunden, wobei die letzte 

Konsultation am 24. November 2021 stattgefunden habe. Im 

Behandlungszeitraum hätten 28 psychologisch-psychotherapeutische 

Einzelkonsultationen und drei psychiatrische Konsultationen stattgefunden. 

Die Thematik der sexuellen Übergriffe sei das zentrale Element der 

psychotherapeutischen Behandlung gewesen und demgemäss in den 

Konsultationen mehrfach thematisiert worden (GA act. 39 und act. 59). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung reichte A._____ einen Bericht 

darüber ein, dass sie sich seit dem 31. Januar 2025 alle ein bis zwei 

Wochen in psychotherapeutischer Behandlung in S._____ befinde. 

 

Den zeitlichen Ablauf der Anzeigeerstattung hat A._____ so geschildert, 

dass sie ihrer Hypnotiseurin, F._____, relativ detailliert vom Missbrauch – 

mit Ausnahme der Vergewaltigung – erzählt habe (UA act. 75 und act. 139). 

Mit Dr. I._____ habe sie sodann über alles gesprochen; sie sei die Erste 

gewesen, die alles erfahren habe (UA act. 149). Ausserhalb von 

Fachpersonen habe sie die Vorfälle noch ihrem Ex-Freund erzählt (UA act. 

75). 2019 habe sie dann ihrem jetzigen Freund zum ersten Mal davon 

erzählt (UA act. 139). Ihr Freund, ihr Ex-Freund und eine Kollegin wüssten, 

dass sie missbraucht und vergewaltigt worden sei (UA act. 149). Ihren 

Eltern habe sie im Jahr 2020 von den Vorfällen berichtet (UA act. 152).  

 

A._____ hat somit sowohl in der Therapie als auch mit Familien-

angehörigen und weiteren Bezugspersonen über die mutmasslichen 

Vorfälle gesprochen. Die Gespräche hierüber dürften eine entscheidende 

Rolle bei der Anzeigeerstattung gespielt haben. A._____ zufolge hätten die 

Personen, mit denen sie zu tun gehabt habe, einen grossen Einfluss 

gehabt. So habe sie gemerkt, je detaillierter sie erzähle, desto näher bringe 

sie dies ihrer Selbstheilung (UA act. 76). Sie habe 2019 ihrem Freund von 

den Vorfällen erzählt und sich von da an immer mehr zu einer Anzeige 

entschlossen (UA act. 139). 

 

Nach dem Gesagten steht fest, dass die mutmasslichen Vorfälle innerhalb 

und ausserhalb der Familie verschiedentlich besprochen worden sind. 

Folglich können weder Sekundäreinflüsse noch auto- oder fremd-

suggestive Prozesse ausgeschlossen werden. Damit sind die erst sehr 

lange nach den angeklagten Vorfällen erfolgten Aussagen von A._____ 

einer inhaltlichen Analyse anhand von Realkennzeichen und somit einer 

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Überprüfung des Wahrheitsgehalts nur derart beschränkt zugänglich, dass 

ausgehend von der Nullhypothese keine Verurteilung erfolgen kann. Die 

Inhaltsanalyse stellt im vorliegend zu beurteilenden Fall demnach kein 

valides Mittel zur Verifizierung der Aussagen dar. 

 

2.5.3. 

Zu berücksichtigen ist auch, dass A._____ die angeblichen Missbräuche 

eigener Aussage zufolge stark verdrängt hat. Als sie 16 oder 17 Jahre alt 

gewesen sei, seien immer mehr Erinnerungen hochgekommen, als sie mit 

ihrem ersten Freund ihre ersten sexuellen Erfahrungen gemacht habe 

(UA act. 138). Die Erinnerungen seien noch sehr dunkel und undefinierbar 

gewesen. Sie habe einfach gewusst, dass sie etwas in der Kindheit 

traumatisiert habe (UA act. 138 f.). Dies wird auch im Kurzbericht von 

Dr. I._____ vom 15. September 2020 festgehalten. Gemäss diesem 

Kurzbericht habe A._____ die Geschehnisse zwischen dem 13. und 

16. Lebensjahr komplett abgespalten und sich nicht mehr daran erinnert 

(UA act. 208). 

 

Diese dokumentierte Verdrängung zeigt, dass die Inhaltsanalyse ihrer erst 

Jahre später gemachten Aussagen kein valides Mittel zur Verifizierung der 

Aussagen darstellen kann. 

 

2.5.4. 

Gemäss A._____ sollen die Vorfälle bereits im Alter von vier Jahren 

begonnen haben. Sie hat jedoch niemandem gegenüber Andeutungen 

gemacht, was aber zu erwarten gewesen wäre, zumal sie in diesem Alter 

solche Handlungen noch gar nicht als sexuelle Handlung hat einordnen 

können und sie auch nicht behauptet, der Beschuldigte habe ihr ein 

Schweigegebot auferlegt. Auch als sie älter war, habe sie mit niemandem 

aus der Familie über die angeblichen sexuellen Übergriffe gesprochen. 

 

Die angeklagten sexuellen Übergriffe lassen sich denn auch nicht gestützt 

auf die Aussagen der einvernommenen Zeuginnen K._____ (Mutter von 

A._____), L._____ (Mutter des Beschuldigten), M._____ (Schwester des 

Beschuldigten) und N._____ (Cousine von A._____ und des 

Beschuldigten) erstellen. 

 

Die Zeugin K._____ führte aus, sie habe – als A._____ 9 oder 10 Jahre alt 

gewesen sei – gesagt, dass Jungs manchmal versuchen, Mädchen 

anzufassen, woraufhin A._____ ihr gesagt habe, sie wisse nicht, was sie – 

gemeint sind sie und ihre Schwester – erlebt hätten (UA act. 177). Als sie 

nachgefragt habe, habe ihr A._____ keine Antwort gegeben und als sie 

nach R._____ gewollt hätten, habe A._____ «nein» gesagt und dass der 

Beschuldigte ein Arschloch sei (UA act. 177). Ihre Töchter (A._____ und 

C._____) seien nicht mehr gerne mit auf Besuch zur Familie des 

Beschuldigten gekommen, als sie ca. 9 oder 10 Jahre alt gewesen seien 

 - 9 - 

 

 

(UA act. 176). Es habe aber nie eine Situation gegeben, in welcher ihr der 

Verdacht gekommen sei, dass etwas Sexuelles zwischen A._____ und 

dem Beschuldigen vorgefallen sein könnte (UA act. 178). Sie habe nie 

etwas gemerkt. A._____ habe erst später gesagt, er sei ein Idiot und ein 

Arschloch (UA act. 178). Auch die Zeugin L._____ hat nie den Verdacht 

gehabt, dass zwischen dem Beschuldigten und seinen Cousinen etwas 

Sexuelles vorgefallen sein könnte (UA act. 188). A._____ sei von 2003 bis 

im Mai 2020 ca. einmal pro Woche zu Besuch gekommen (UA act. 188). 

Ihre Nichten seien immer mit den Eltern zu Besuch gekommen; sie habe 

nie das Gefühl gehabt, dass sie nicht gerne gekommen wären (UA 

act. 188). Schliesslich hat es auch gemäss der Zeugin M._____, welche ein 

sehr enges Verhältnis sowohl zum Beschuldigten als auch zu A._____ 

gehabt hat (UA act. 198 f.), nie eine Situation gegeben, wo ihr der Verdacht 

gekommen ist, es könnte zwischen dem Beschuldigten und seinen 

Cousinen etwas Sexuelles vorgefallen sein (UA act. 199). 

 

Die Zeugin N._____ führte vor Obergericht aus, ihre Cousine A._____ habe 

sich ihr gegenüber nie dahingehend geäussert, dass sie vom 

Beschuldigten sexuell belästigt worden sei (Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 5). Auch seitens des Beschuldigten habe sie nie 

Andeutungen in diese Richtung vernommen (Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 5). Auch habe sie A._____ und den Beschuldigten weder 

zusammen wahrnehmen können, noch habe sie mitbekommen, dass diese 

anlässlich der Familientreffen manchmal zu zweit verschwunden und 

wieder zusammen erschienen wären. Es wäre ihr aufgefallen, wenn dies 

so geschehen wäre (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 6).  

 

2.5.5. 

Dass nicht unbesehen auf die Aussagen von A._____ abgestellt werden 

kann, zeigt sich sodann daran, dass sich gewisse Behauptungen bzw. 

Aussagen von A._____ durch Zeugenaussagen eindeutig widerlegen 

lassen. 

 

Anlässlich der staatsanwaltlichen Einvernahme schilderte A._____ einen 

Vorfall zwischen dem Beschuldigten und ihrer Cousine, gemeint ist 

N._____. Sie habe in das Zimmer des Beschuldigten geschaut und 

gesehen, wie ihre Cousine auf dem Beschuldigten sitze und Bewegungen 

wie beim Sex mache – nur mit Kleidern. Ihre Cousine sei danach aus dem 

Zimmer gekommen und habe ihr gesagt, dass etwas Komisches passiert 

sei und sie auf ihn habe draufsitzen und sich habe hin und her bewegen 

müssen (UA act. 138). Die vor Obergericht als Zeugin befragte N._____ 

konnte diesen Vorfall jedoch nicht bestätigen. Im Gegenteil führte sie aus, 

es habe nie eine Berührung oder etwas anderes, was sie betroffen hätte, 

gegeben (GA act. 176; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 4). Der 

Beschuldigte sei für sie der grosse Bruder gewesen, den sie nie gehabt 

habe. Er sei immer ein guter Ratgeber, ein Zuhörer, ein Beschützer seiner 

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ganzen Familie gewesen, er sei respektvoll und aufmerksam gewesen, sie 

könnte eine ganze Reihe an Komplimenten für ihn aufzählen (GA act. 176). 

Sie habe auch heute noch eine sehr enge Beziehung zu ihm (GA act. 176). 

 

Eine weitere Unstimmigkeit liegt in der Behauptung von A._____, sie habe 

die erlebten Missbräuche auf ihrem Laptop aufgeschrieben, als sie ca. 

13 Jahre alt gewesen sei (UA act. 149 f.). Ihre Mutter habe das gelesen 

und sie mehrfach gefragt, ob das stimme, was sie verneint habe, da sie ab 

dem Realwerden derart erschrocken sei (UA act. 150). Ihre Mutter K._____ 

konnte sich an einen solchen Vorfall hingegen nicht erinnern (UA act. 178). 

Damit im Einklang steht, dass die behaupteten Aufzeichnungen nicht 

aktenkundig sind. 

 

Weiter sagte A._____ auf die Frage, wie ihre Eltern reagiert hätten, als sie 

ihnen im Jahr 2020 von den Vorfällen erzählt habe, aus, alle, die den 

Beschuldigten kennen würden, seien nicht überrascht gewesen. Alle hätten 

gesagt, er habe sich früher krankhaft und sehr auffällig in Bezug auf seine 

Sexualität verhalten. Alle hätten gesagt, er sei seine Sexualität betreffend 

total krank gewesen (UA act. 152). Diese Behauptungen stehen jedoch im 

Widerspruch zu den Zeugenaussagen. So hat die Zeugin K._____, die 

Mutter von A._____, keine Auffälligkeiten im Hinblick auf sein 

Sexualverhalten bemerkt (UA act. 178). Konfrontiert mit der Frage, wonach 

sie gemäss ihrer Tochter A._____ einmal erwähnt habe, dass der 

Beschuldigte als Kind schon nicht altersgerechte Allüren gehabt und 

obszöne Sachen gemacht oder gesagt habe, gab K._____ zu Protokoll, er 

sei als Kind zwar temperamentvoll gewesen, aber was das Sexuelle 

betreffe, wisse sie es nicht (UA act. 178). Auch dass sie gemäss A._____ 

gesagt haben soll, der Beschuldigte habe sich schon als kleiner Junge 

vulgär und abnormal für sein Alter verhalten, konnte K._____ nicht 

bestätigen. Sie habe ihn als Kind ganz normal erlebt (UA act. 181). Auch 

die Zeugin L._____, die Mutter des Beschuldigten, beschrieb ihn als 

normales Kind, das nie Probleme nach Hause gebracht oder Probleme 

gemacht habe (UA act. 188). Auch ihr sind nie Auffälligkeiten hinsichtlich 

seines Sexualverhaltens aufgefallen (UA act. 188), ebenso wenig wie der 

Zeugin N._____, der Cousine des Beschuldigten, welche in seinem 

Verhalten nie etwas Spezielles oder etwas, das nicht in Ordnung gewesen 

sei, erblickt hat (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5). 

 

Die Unstimmigkeiten in den Aussagen von A._____ haben sich vor 

Obergericht nicht plausibel erklären oder nachvollziehbar auflösen lassen. 

Daran ändert auch nichts, dass A._____ anlässlich der 

Berufungsverhandlung ausgeführt hat, die ihren Aussagen wider-

sprechenden Zeugenaussagen würden sie nicht erstaunen, da in ihrer 

Familie und «Kultur» nicht über Sexuelles gesprochen werde. Der Verweis 

auf kulturelle Umstände ist jedoch pauschal und unsubstanziert geblieben. 

Keiner der aus dem nahen Umfeld von A._____ befragten Personen hat je 

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einen sexuellen Übergriff auf A._____ wahrgenommen, obwohl diese ihren 

Aussagen zufolge sehr zahlreich gewesen sein und sich über mehrere 

Jahre hinweg anlässlich der Familientreffen ereignet haben sollen. Trotz 

enger Platzverhältnisse und der Anwesenheit vieler Familienmitglieder hat 

niemand gesehen oder nur ansatzweise mitbekommen, dass A._____ 

allein mit dem Beschuldigten gewesen wäre. Es ist sodann auch nicht 

davon auszugehen, dass die jeweils anderen anwesenden Personen, 

insbesondere die Eltern von A._____ und des Beschuldigten, die massiven 

sexuellen Übergriffe, wie sie angeklagt worden sind, einfach taten- und 

folgenlos toleriert hätten, wenn sie tatsächlich erfolgt und bekannt gewesen 

wären. 

 

2.5.6. 

Die Anklage beruht einzig auf den Aussagen von A._____, welche sie 

erstmals viele Jahre nach den angeblichen Vorfällen im Erwachsenenalter 

gemacht hat und die vorliegend für eine Verurteilung nicht ausreichend 

sind. Objektive Beweismittel wie Arztberichte, Spuren oder ähnliches, die 

zur Beweiswürdigung beigezogen werden könnten, liegen nicht vor. 

 

Auch die den Akten beiliegenden Screenshots von Chat-Nachrichten, 

welche A._____ dem Beschuldigten am 8. Juli 2018, 12. Dezember 2018, 

8. Dezember 2019 und am 2. Januar 2020 – mithin ebenfalls mehrere Jahre 

nach den angeklagten Vorfällen – geschrieben hat (UA act. 83 ff.), 

vermögen nicht zur Feststellung des tatbestandserheblichen Sachverhalts 

beizutragen. A._____ schrieb darin u.a.: «Due mer mini frog beantworte du 

schwein!!! Wieso hesch du eus sexuell missbrucht ond hesxh du jemous 

es schlächts gwösse kha????», «Wenn eusi familie wösst das du en 

pedofile besch wörde di aui hasse», «E wird’s aune säge..e wird allne säge 

das du en pedophile bisch! Stöu der vor was passiert wenn alli erfahre dass 

du chinder missbrucht hesch.» Der Beschuldigte hat mit Ausnahme seiner 

Frage, was für Störungen A._____ habe (UA act. 84), nie auf ihre 

Nachrichten reagiert bzw. geantwortet. 

 

Diese Chat-Nachrichten von A._____ lassen zwar erkennen, dass sie im 

damaligen Zeitpunkt von sexuellen Übergriffen durch den als pädophil 

bezeichneten Beschuldigten ausgegangen ist. Auch diese erst sehr lange 

nach den angeklagten Vorfällen erfolgten Chat-Nachrichten sind – zumal 

erhebliche Hinweise auf Sekundäreinflüsse bzw. auto- und/oder 

fremdsuggestive Prozesse bzw. ein hohes Suggestionspotential vorliegen 

– einer inhaltlichen Analyse anhand von Realkennzeichen und somit einer 

Überprüfung des Wahrheitsgehalts aber nur derart beschränkt zugänglich, 

dass ausgehend von der Nullhypothese keine Verurteilung erfolgen kann. 

 

2.5.7. 

Der Beschuldigte bestreitet, A._____ sexuell missbraucht zu haben. Auch 

wenn es eigenartig anmutet, dass er die ihm vorgeworfenen sexuellen 

 - 12 - 

 

 

Handlungen nicht vehement bestritten hat, sondern in Bezug auf gewisse 

Vorfälle mit «Ich wüsste es auch nicht mehr, aber ich denke nicht, dass es 

so war» (UA act. 124), «Nicht, dass ich wüsste» (UA act. 125), «Nicht, dass 

ich wüsste, dass ich jemals so etwas gesagt hätte» (UA act. 125), 

antwortete, liegt klarerweise kein Geständnis vor. Aus den Aussagen des 

Beschuldigten und seinem Aussageverhalten kann mithin nicht darauf 

geschlossen werden, dass es zu den in der Anklage geschilderten Vorfällen 

gekommen ist. 

 

2.6. 

Insgesamt ist für das Obergericht vor dem Hintergrund der sich vorliegend 

aufdrängenden Möglichkeit der Fremd- und/oder Autosuggestion 

zweifelhaft, ob sich die dem Beschuldigten gemäss Anklage vorgeworfenen 

mehrfachen sexuellen Handlungen wirklich zugetragen haben. Nachdem 

keine objektiven Beweise vorliegen und es sich bei den vorliegenden 

Zweifeln nicht bloss um abstrakte oder theoretische Bedenken, sondern um 

nicht zu unterdrückende Zweifel handelt, ist der Beschuldigte in 

Nachachtung des Grundsatzes «in dubio pro reo» von den Vorwürfen der 

mehrfachen sexuellen Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen 

mit einem Kind und der Vergewaltigung freizusprechen. 

 

3. 

Das Gericht entscheidet über eine anhängig gemachte Zivilklage, wenn es 

die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 

126 Abs. 1 lit. b StPO). 

 

Vorliegend kann die Täterschaft des Beschuldigten nicht erstellt werden, 

was zu einem vollumfänglichen Freispruch führt. Damit entfällt die 

Grundlage für die von der Vorinstanz A._____ zugesprochene Genugtuung 

oder von Schadenersatz. Damit ist ihre Zivilklage abzuweisen. 

 

4. 

4.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Ob eine Partei im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, 

hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten 

Anträge gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 

vom 13. Oktober 2023 E. 3.2.1). Sind mehrere Personen kostenpflichtig, so 

werden die Kosten anteilsmässig auferlegt (Art. 418 Abs. 1 StPO). 

 

Der Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung, dass er hinsichtlich der nicht 

bereits erstinstanzlich eingestellten und verjährten Vorwürfe von Schuld 

und Strafe freigesprochen und die Zivilklage der Privatklägerin A._____ 

abgewiesen wird. Die Privatklägerin und die Staatsanwaltschaft, welche die 

 - 13 - 

 

 

Abweisung der Berufung beantragt haben, unterliegen. Bei diesem 

Ausgang rechtfertigt es sich, die obergerichtlichen Verfahrenskosten von 

Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD) zur Hälfte der Privatklägerin aufzuerlegen und im 

Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. Die in Art. 30 Abs. 1 OHG 

statuierte Kostenfreiheit gilt im Berufungsverfahren nicht, weshalb auch die 

Privatklägerin entsprechend dem Ausgang kostenpflichtig wird (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_370/2016 vom 16. März 2017 E. 1.2 mit Hinweis auf 

BGE 141 IV 262 E. 2.2). Zufolge der ihr gewährten unentgeltlichen 

Rechtspflege ist der auf sie entfallende Betrag jedoch einstweilen 

vorzumerken (Art. 136 Abs. 2 lit. b StPO). 

 

4.2. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten sind ausgangsgemäss auf die 

Staatskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO e 

contrario). 

 

4.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte Anspruch auf Entschädigung 

seiner im Berufungsverfahren durch den Beizug seines freigewählten 

Wahlverteidigers, Rechtsanwalt Alain Joset, entstandenen Aufwendungen 

(Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO). Dabei steht der 

Anspruch ausschliesslich der Wahlverteidigung zu (Art. 429 Abs. 3 StPO). 

Abzustellen ist grundsätzlich auf die von Rechtsanwalt Alain Joset 

anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichte Kostennote. Auch wenn 

der freigewählte Verteidiger erst im Berufungsverfahren beigezogen 

worden ist, handelt es sich nicht um einen besonders schwierigen Fall; 

andererseits liegt auch kein einfacher Fall vor, weshalb der 

Regelstundenansatz von Fr. 240.00 gemäss § 9 Abs. 2bis AnwT zur 

Anwendung gelangt. Hinsichtlich des vom eingesetzten Anwalts-

praktikanten erbrachten Aufwands ist der Stundenansatz auf praxisgemäss 

Fr. 120.00 zu reduzieren (§ 9 Abs. 2ter AnwT). Unter Hinzurechnung der 

Dauer der Berufungsverhandlung ergibt dies ein zu entschädigender 

Aufwand von gerundet 22 Stunden à Fr. 240.00 und 9 Stunden 

à Fr. 120.00. Hinzu kommen die Auslagen von praxisgemäss 3 % (§ 13 

Abs. 1 AnwT) sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer von 8.1 %, was eine 

dem Wahlverteidiger zuzusprechende Entschädigung für das Berufungs-

verfahren von gerundet Fr. 7'100.00 ergibt. 

 

Der ehemalige amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Marco Uffer, ist für das 

obergerichtliche Verfahren bis zu seiner Entlassung aus dem Amt gestützt 

auf die von ihm eingereichten Kostennoten mit Fr. 2'933.35 aus der 

Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 

Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). Die dem ehemaligen amtlichen Verteidiger für 

das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene Entschädigung von 

Fr. 19'215.35 ist mit Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf 

im Berufungsverfahren nicht zurückzukommen ist (Urteil des 

 - 14 - 

 

 

Bundesgerichts 6B_1231/2022 vom 10. März 2023 E. 2.1). 

Ausgangsgemäss ist der Beschuldigte nicht verpflichtet, die der amtlichen 

Verteidigung auszurichtenden Entschädigungen zurückzuzahlen (Art. 135 

Abs. 4 StPO e contrario). Gemäss Art. 30 Abs. 3 OHG kommt A._____ im 

Umfang ihres Unterliegens keine Rückerstattungspflicht zu (BGE 

141 IV 262). 

 

4.4. 

Die Privatklägerin A._____, der im Berufungsverfahren die unentgeltliche 

Rechtspflege nur für die Verfahrenskosten, nicht aber die unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung gewährt worden ist, hat ihre Parteikosten im 

Berufungsverfahren ausgangsgemäss selber zu tragen (Art. 436 Abs. 1 

i.V.m. Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO e contrario). Ausgangsgemäss hat sie 

auch keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung im erstinstanzlichen 

Verfahren (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO e contrario). 

 

5. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, fällt es ein 

neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO). 

 

  

 - 15 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Auf die Anklageziffer B.4./5. lit. b) wird mangels Schweizerischer 

Strafverfolgungszuständigkeit nicht eingetreten. 

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Strafverfahren wird hinsichtlich der Anklageziffern A.1./2. lit. c, A.1./2. 

lit. d und B.4./5. lit. a zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung für den 

Zeitraum vom 20. April 2008 bis 17. August 2008 eingestellt. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird im Übrigen von Schuld und Strafe freigesprochen. 

 

4. 

4.1. 

Die Zivilklage der Privatklägerin A._____ wird abgewiesen. 

 

4.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Zivilklage der Privatklägerin C._____ wird abgewiesen. 

 

5. 

5.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden der 

Privatklägerin A._____ zur Hälfte mit Fr. 2'500.00 auferlegt und im Übrigen 

auf die Staatskasse genommen. 

 

Der auf die Privatklägerin A._____ entfallende Anteil wird zufolge der ihr 

gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen vorgemerkt. 

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem freigewählten Verteidiger für 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 7'100.00 auszu-

richten. 

 

5.3. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem ehemaligen amtlichen 

Verteidiger, Rechtsanwalt Marco Uffer, für das Berufungsverfahren eine 

Entschädigung von Fr. 2'933.35 auszurichten. 

 

5.4. 

Die Privatklägerin A._____ hat ihre Parteikosten für das obergerichtliche 

Verfahren selbst zu tragen. 

 

 - 16 - 

 

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse 

genommen. 

 

6.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem ehemaligen amtlichen Verteidiger, 

Rechtsanwalt Marco Uffer, für das erstinstanzliche Verfahren eine 

Entschädigung von Fr. 19'215.35 auszurichten. 

 

6.3. 

Die Privatklägerin A._____ hat ihre Parteikosten für das erstinstanzliche 

Verfahren selbst zu tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 
   

Aarau, 3. April 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six Eichenberger