# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 689ec2ce-f402-5ff6-87eb-86d55912d37d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-01
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 01.11.2022 SB210333
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210333_2022-11-01.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB210333-O/U/jv 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. B. Amacker und  

Ersatzoberrichter lic. iur. K. Vogel sowie der Gerichtsschreiber 

MLaw L. Zanetti 

 

Urteil vom 1. November 2022 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. R. Egli, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend Entziehung von Minderjährigen  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,  
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 9. März 2021 (GG200213) 
 
 
 

 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 15. September 2020 

(Urk. 13) sowie die Ergänzung vom 5. April 2022 (Urk. 72) sind diesem Urteil 

beigeheftet. 

 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 44 S. 31 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig der Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB 

in Bezug auf den Vorwurf der Weigerung der Rückgabe (2. Sachverhaltsteil). 

2. Im Übrigen ist der Beschuldigte nicht schuldig und wird freigesprochen der Entziehung von 

Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB in Bezug auf den Vorwurf der Entziehung vom 

8. Juni 2018 (1. Sachverhaltsteil). 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 10.–. 

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.  

5. Die Privatklägerin B._____ wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 2'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'100.–   Gebühr für das Vorverfahren 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten 

auferlegt. 

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ für das gesamte Verfahren 

eine Prozessentschädigung von Fr. 5'695.40 (inkl. MWST.) zu bezahlen. 

9. Das Begehren des Beschuldigten um Entschädigung seines Verteidigers wird abgewiesen.  

10. Die weiteren Anträge der Parteien werden abgewiesen. 

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11. (Mitteilungen) 

12. (Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 46 S. 2 und Urk. 67 S. 1, teilweise sinngemäss) 

1. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 1 des vorinstanzlichen Urteils sei der 

Beschuldigte vom Vorwurf der Entziehung eines Minderjährigen nach 

Art. 220 StGB (vollumfänglich) freizusprechen. 

2. Dispositiv-Ziff. 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils seien ersatzlos aufzu-

heben. 

3. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 7 seien die Kosten der Untersuchung und 

des erstinstanzlichen Verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen. 

4. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 8 sei davon abzusehen, den Beschuldig-

ten zu verpflichten, der Privatklägerin ihre Anwaltskosten zu erstatten, even-

tualiter seien jene auf die Staatskasse zu nehmen. 

5. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 9 sei der Beschuldigte für seine anwalt-

lichen Aufwendungen im Zusammenhang mit dem erstinstanzlichen Ver-

fahren schadlos zu halten und entsprechend mit rund Fr. 7'500.– zu ent-

schädigen (Schadenersatz), wobei dieser Betrag direkt der Verteidigung zu 

überweisen bzw. zuzusprechen sei. 

6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der 

Staatskasse. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 54, schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

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c) Der Vertreterin der Privatklägerin: 

(Urk. 68 S. 1 f., teilweise sinngemäss) 

1. Es sei festzustellen, dass Dispositiv-Ziff. 2, 5, 6 sowie 10 und 11 des 

vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen sind. 

2. In Bestätigung von Dispositiv-Ziff. 1, 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils sei 

der Beschuldigte der Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 

StGB in Bezug auf den Vorwurf der Weigerung der Rückgabe (2. Sachver-

haltsteil) schuldig zu sprechen und zu einer angemessenen Strafe nach 

gerichtlichem Ermessen zu verurteilen. 

3. In Bestätigung von Dispositiv-Ziff. 7 und 8 des vorinstanzlichen Urteils seien 

die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens dem Beschuldigten aufzuerle-

gen und dieser sei zu verpflichten, der Privatklägerin für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 5'695.40 (inkl. MwSt.) zu bezah-

len.  

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Berufungskläger auf-

zuerlegen und der Berufungskläger sei zu verpflichten, der Privatklägerin ei-

ne  Parteientschädigung in Höhe der am 10. Februar 2022 eingereichten 

Honorarnote auszurichten. Für den Fall der Nichterhältlichkeit der Partei-

entschädigung des erst- und oberinstanzlichen Verfahrens sei der Privat-

klägerin das amtliche Honorar gemäss Honorarnoten vom 9. März 2021 und 

10. Februar 2022 von der Staatskasse auszurichten. 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang, Berufungsumfang 

1. Verfahrensgang 

1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-

dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz 

im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 44 S. 5). 

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1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 

9. März 2021 wurde der Beschuldigte gemäss dem eingangs wiedergegebenen 

Urteilsdispositiv teilweise schuldig gesprochen und im Übrigen freigesprochen. 

Gegen das Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 10. März 2021 Berufung 

anmelden (Urk. 39). Am 29. Juni 2021 ging die Berufungserklärung des Be-

schuldigten ein. Gleichzeitig liess er einen Beweisantrag stellen (Urk. 46). Mit 

Präsidialverfügung vom 29. Juni 2021 wurde der Staatsanwaltschaft und der 

Privatklägerin je Frist angesetzt, um bezüglich der Berufung des Beschuldigten 

Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die 

Berufung zu beantragen. Zusätzlich wurde diesen je Frist angesetzt, um zum 

Beweisantrag Stellung zu nehmen (Urk. 49). Die Staatsanwaltschaft verzichtete 

mit Eingabe vom 7. Juli 2021 auf Anschlussberufung und beantragte die 

Abweisung des Beweisantrages (Urk. 54). Mit Eingabe vom 20. Juli 2021 liess die 

Privatklägerin Verzicht auf Anschlussberufung erklären und nahm – ohne einen 

entsprechenden Antrag zu formulieren – zum Beweisantrag Stellung (Urk. 55). Mit 

Präsidialverfügung vom 11. August 2021 wurde der Beweisantrag abgewiesen 

(Urk. 57).  

1.3. Die Berufungsverhandlung fand am 17. Februar 2022 statt, zu welcher der 

Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers sowie die Privatklägerin in Beglei-

tung ihrer Vertreterin erschienen sind (Prot. II S. 5). Über Vorfragen war nicht zu 

entscheiden und – abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 66) 

– auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 5 ff.). Im Anschluss an die Beru-

fungsverhandlung fasste die Kammer den Beschluss, das Verfahren zwecks Er-

gänzung der Anklageschrift an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen, wobei das 

Berufungsverfahren bis zum Eingang der ergänzten Anklageschrift pendent bleibe 

(Urk. 70). Die Parteien erklärten sich in diesem Zusammenhang mit der schrift-

lichen Fortsetzung des Berufungsverfahrens einverstanden. Nach Hinweis, dass 

infolge Pensionierung des bisherigen Vorsitzenden eine Änderung in der Ge-

richtsbesetzung erfolgen werde, erklärten die Parteien zudem, auf eine Wiederho-

lung der Berufungsverhandlung zu verzichten (Prot. II S. 15). Die Staatsanwalt-

schaft ergänzte ihre Anklageschrift in der Folge mit Eingabe vom 5. April 2022 

(Urk. 72), woraufhin das Berufungsverfahren wieder aufgenommen und dem Be-

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schuldigten Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt wurde (Urk. 73). Der Be-

schuldigte nahm zur Ergänzung der Anklageschrift mit Eingabe vom 

25. April 2022 Stellung (Urk. 75). Die Staatsanwaltschaft verzichtet in der Folge 

auf eine weitere Vernehmlassung (Urk. 79). Die Privatklägerin liess sich zu den 

Ausführungen des Beschuldigten erneut vernehmen (Urk. 80), wobei nach Zustel-

lung dieser Eingabe an die übrigen Verfahrensparteien keine weitere Eingabe 

einging. Das Verfahren ist damit spruchreif. 

2. Berufungsumfang 

Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf die Dispositiv Ziffern 1 (Schuld-

spruch betreffend Entziehung von Unmündigen gemäss 2. Sachverhaltsteil), 

3 (Sanktion), 4 (Vollzug der Sanktion), 7 (Kostenauflage), 8 (Prozessentschädi-

gung Privatklägerin) und 9 (Entschädigung Verteidiger) (Urk. 46 S. 2).  

Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositivziffern 2 

(Freispruch vom Vorwurf Entziehung von Unmündigen gemäss 1. 

Sachverhaltsteil), 5 (Schadenersatzbegehren Privatklägerin), 

6 (Kostenfestsetzung) und 10 (übrige Anträge) in Rechtskraft erwachsen, was 

vorab mittels Beschlusses festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO). Im Übrigen 

steht das vorinstanzliche Urteil unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbots 

gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition. 

3. Internationale und örtliche Zuständigkeit 

Der Beschuldigte bestritt im nach der Berufungsverhandlung durchgeführten 

Schriftenwechsel die internationale Zuständigkeit der Schweizerischen Gerichte 

und damit auch die Anwendbarkeit des Schweizerischen Straf- und 

Zivilgesetzbuches (Urk. 75 S. 5). Art. 3 Abs. 1 StGB bestimmt, dass dem 

Schweizerische Strafgesetzbuch unterworfen ist, wer in der Schweiz ein 

Verbrechen oder Vergehen begeht. Ein Verbrechen oder Vergehen gilt als da 

begangen, wo der Täter es ausführt oder pflichtwidrig untätig bleibt, und da, wo 

der Erfolg eingetreten ist (Art. 8 Abs. 1 StGB). Bei der im Berufungsverfahren 

noch relevanten zweiten Tatbestandsvariante des Art. 220 StGB (Weigerung der 

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Rückgabe) gilt jener Ort als Begehungsort, wo die Rechtspflicht der Rückgabe zu 

erfüllen wäre (BGE 125 IV 14, E. 2c; OFK-WEDER N 8 zu Art. 220 StGB). Da die 

Privatklägerin ihren Wohnsitz in C._____ hat und der Beschuldigte – gemäss 

Anklageschrift – das Kind dorthin hätte zurückbringen müssen, ist das 

Schweizerische Strafgesetzbuch anwendbar. Entsprechend sind die 

Schweizerischen und Zürcherischen Gerichte zur Behandlung der vorliegenden 

Strafsache zuständig. Nachdem der dem Beschuldigten ursprünglich gemachte 

Vorwurf des Entziehens von Minderjährigen gemäss Anklageschrift am bzw. vom 

Wohnsitz des Beschuldigten aus begangen worden sein soll, war die Vorinstanz 

gestützt auf Art. 34 Abs. 1 StPO im Übrigen für die Beurteilung beider 

Tatbestandsvarianten von Art. 220 StGB (Entziehen und Weigerung der 

Rückgabe) zuständig.  

II. Schuldpunkt 

1. Da die Strafbarkeit der Unterlassungen des Beschuldigten im Wesentlichen 

von den damaligen zivilrechtlichen Verhältnissen abhängt, ist vorab ein kurzer 

Abriss über die zivilrechtlichen Aspekte und Begrifflichkeiten angezeigt.  

2. Nach Zivilrecht bestimmt sich, wer Inhaber des Aufenthaltsbestimmungs-

rechts ist (vgl. BGE 128 IV 154, 160; BGE 141 IV 210), welchen Inhalt und welche 

Grenzen es hat (vgl. Art. 301a ZGB bei gemeinsamer elterlicher Sorge). Seit 

1. Juli 2014 ist das Aufenthaltsbestimmungsrecht Bestandteil der elterlichen 

Sorge (vgl. 301a ZGB) und nicht mehr der elterlichen Obhut (Botschaft BBl 2011 

9107; BGE 141 IV 18; BGer 6B_787/2016, E. 4.1). Eine behördliche Zuweisung 

des Aufenthaltsbestimmungsrechts (bisher: rechtliche Obhut) an nur einen 

Elternteil ist bei gemeinsamer elterlicher Sorge nicht mehr möglich (BSK-ZGB-

SCHWENZER/COTTIER Art. 301a N 4; anders noch BGE 136 III 353 ff.). Üben die 

Eltern die elterliche Sorge gemeinsam aus, dann üben sie auch das 

Aufenthaltsbestimmungsrecht grundsätzlich gemeinsam aus. Vorbehalten ist der 

Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts gegenüber einem Elternteil oder 

beiden Elternteilen (Art. 310 ZGB). Sind die Eltern verheiratet, kommt ihnen die 

elterliche Sorge grundsätzlich gemeinsam zu (vgl. Art. 296 ff. ZGB). Sie 

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überdauert grundsätzlich auch ein Eheschutzverfahren und die Scheidung (vgl. 

Art. 298 Abs. 1 ZGB). Mit Aufenthaltsort des Kindes ist derjenige Ort gemeint, wo 

das Kind seinen Lebensmittelpunkt oder einen gewöhnlichen Aufenthalt hat, 

jedenfalls nicht ein blosser Ferienort (vgl. BSK-ZGB-SCHWENZER/COTTIER, 

Art. 301a N 7 m.w.N.). Wo das ZGB nach wie vor von der Obhut spricht, ist 

ausschliesslich die faktische Obhut gemeint (Botschaft BBl 2011 9101). Inhaber 

der faktischen Obhut ist, wer mit dem Kind in häuslicher Gemeinschaft lebt; das 

können auch beide Elternteile sein. Zuweisung der faktischen Obhut an einen 

Elternteil ist jedoch möglich (vgl. auch WOHLERS, in: Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. Aufl., Bern 2020, Art. 220 N 2 ff.). 

3. Der Beschuldigte ist der Vater und die Privatklägerin die Mutter von D._____ 

(nachfolgend Kind; Urk. 2/2 S. 4). Die Eltern waren zum Tatzeitpunkt gerichtlich 

getrennt. Mit Entscheid des Einzelgerichts am Bezirksgericht Zürich vom 

8. August 2017 wurde unter anderem entschieden, die elterliche Sorge beiden El-

tern zu belassen und die Obhut der Mutter zuzuteilen (Urk. 2/4 S. 3). Mit Ent-

scheidung der KESB Olten - Gösgen vom 11. April 2018 wurde den Eltern das 

Aufenthaltsbestimmungsrecht über das Kind entzogen, da es fremdplatziert wur-

de. Nebst dem Aufenthalt wurde auch der persönliche Verkehr mit den Eltern ge-

regelt. Diesen wurde je ein monatliches Wochenendbesuchsrecht gewährt 

(Urk. 2/5 S. 5). Mit Verfügung der KESB Olten Gösgen vom 21. Juni 2018 wurde 

die Fremdplatzierung des Kindes und der Entzug des Aufenthaltsbestimmungs-

rechts gegenüber den Eltern aufgehoben, weil das Kind nach unbekannt geflüch-

tet war. Neue Anordnungen hinsichtlich der Obhut wurden eben so wenig getrof-

fen wie bezüglich des persönlichen Verkehrs mit den Eltern (Urk. 2/12 S. 3). 

Durch die Aufhebung des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungsrecht, welcher 

insbesondere aufgrund der Fremdplatzierung in einem Heim angeordnet worden 

war, lebte die  zuvor geltende Regelung wieder auf. Mit anderen Worten trat damit 

die vom Bezirksgericht Zürich im Entscheid vom 8. August 2017 getroffene 

Regelung (elterliche Sorge bei beiden Elternteilen; Obhut bei der Kindsmutter) 

wieder in Kraft.  

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Im Zeitpunkt, als sich das Kind in E._____ [Stadt in Deutschland] aufgehalten hat, 

war dessen Aufenthaltsort dem Beschuldigten bekannt (Urk. 66 S. 8). Der Be-

schuldigte war dem Kind sogar dabei behilflich, einen neuen Reisepass zu be-

schaffen und sodann nach F._____ [Stadt in Spanien] zu reisen, wo er es ein-

schulen liess (Prot. I S. 34 und S. 41 f.). Vor diesem Hintergrund ist ohne Weite-

res davon auszugehen, dass der Beschuldigte das Kind unter seiner Gewalt hat-

te. 

4. Wie die Vorinstanz festgehalten hat, lässt sich nicht erstellen, dass der 

Beschuldigte an der Flucht des Kindes nach Deutschland beteiligt war und sprach 

ihn dementsprechend von den Vorwürfen des ersten Sachverhaltsteils der Ankla-

ge frei (Urk. 44 S. 12 ff.). 

5. Hinsichtlich des in der geänderten Anklage vom 5. April 2022 (Urk. 72) 

thematisierten und einzig noch interessierenden Sachverhaltsteils – welcher sich 

auf die Zeit, nachdem sich das Kind nach E._____ begeben hatte, bezieht – ist 

ohne weiteres erstellt, dass der Beschuldigte das Kind im anklagerelevanten 

Zeitraum vom 8. Juni 2018 bis zum 3. Oktober 2018 nicht zur Privatklägerin 

verbrachte. Ebenso erstellen lässt sich der Vorwurf, dass der Beschuldigte den 

Aufenthaltsort des Kindes nicht mitgeteilt hat. 

5.1. Mit Schreiben vom 20. Juni 2018 hat die Vertreterin des Beschuldigten der 

zuständigen KESB Olten-Gösgen mitgeteilt, dass der Beschuldigte den Aufent-

haltsort kenne und dass dies der Privatklägerin mitzuteilen sei, er aber nicht wolle, 

dass die KESB den Aufenthaltsort erfahre (Urk. 2/11). In der Folge wurde er im 

Entscheid, mit welchem die Fremdplatzierung aufgehoben und der Entzug des 

Aufenthaltsbestimmungsrechts gegenüber beiden Eltern aufgehoben wurde, ver-

pflichtet, den genauen Aufenthaltsort des Kindes bekannt zu geben (Urk. 2/12 

S. 3). Dieser Aufforderung kam er nicht nach. Der nämlichen Aufforderung des 

Bezirksgerichts Zürich gemäss Verfügung vom 7. September 2018 (Urk. 5/2) kam 

er insofern nach, als er die Meldeadresse in E._____ mitgeteilt hatte und bekannt 

gab, dass dieser eine internationale Schule besuche (Urk. 5/1). Nachdem das 

Kind seit dem 6. September 2018 die Deutsche Schule in F._____ besuchte und 

sich demzufolge auch dort aufhielt (Urk. 7/1), war der Beschuldigte auch 

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hinsichtlich dieser Aufforderung säumig. Wenn der Beschuldigte im Rahmen der 

vorinstanzlichen Befragung angab, dass er nicht gesagt habe, dass sich das Kind 

in F._____ aufhalte, weil das Gericht ihn explizit aufgefordert habe, mitzuteilen, 

wo dieses gemeldet sei, so ist dies aktenwidrig (Prot. I S. 35). Gefragt wurde aus-

drücklich nach dem Aufenthaltsort (Urk. 5/2 S. 4). Diesen hat er erstmals im 

Rahmen der familienrechtlichen Verhandlung vom 3. Oktober 2018 bekannt ge-

geben (Urk. 29 S. 17). 

6. Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass auch der Sachverhalts-

teil betreffend den Zeitraum, nachdem sich das Kind nach E._____ begeben hat-

te, gestützt auf die erwähnten Urkunden und die Zugaben des Beschuldigten er-

stellt ist. 

7. Entziehen von Minderjährigen 

7.1. Die im Berufungsverfahren einzig noch interessierende Tatbestandsvariante 

von Art. 220 StGB, der Weigerung der Rückgabe, setzt einerseits voraus, dass 

sich der Minderjährige in der Obhut des Täters befindet und dass der Täter zur 

Herausgabe des Kindes rechtlich verpflichtet ist (BSK StGB-ECKERT, Art. 220 N 

27 f.).  

7.2. Tauglicher Täter ist – mit Ausnahme der minderjährigen Person selber – 

jedermann, der das Aufenthaltsbestimmungsrecht über die minderjährige Person 

(vgl. Art. 14 ZGB) nicht allein und uneingeschränkt innehat (BGE 141 IV 205.; 

BGer 5A_293/2016 vom 8. August 2016 E. 4.3, vgl. zu aArt. 220: BGE 91 IV 137, 

229; 95 IV 68; 104 IV 90 ff; 110 IV 37; 125 IV 14; 126 IV 224 = Pra. 2001 Nr. 90; 

BGer 1A.175/2002, E. 4.3 = Pra. 2003 Nr. 149; OGer ZH, SB090558, E. 1.4 ff = 

FP 2011, 10). Die Tatbestandsverwirklichung durch einen Elternteil kommt in 

Betracht bei gemeinsamer elterlicher Sorge, sofern die Eltern das 

Aufenthaltsbestimmungsrecht gemeinsam ausüben (vgl. Art. 301a ZGB; 

nachstehend N 4) sowie in Fällen, in denen der Elternteil die elterliche Sorge nicht 

(mehr) innehat (vgl. Art. 311 ZGB) oder ihm das Aufenthaltsbestimmungsrecht als 

Teil der elterlichen Sorge entzogen wurde (vgl. Art. 310 ZGB). Üben die Eltern die 

elterliche Sorge gemeinsam aus und will ein Elternteil den Aufenthaltsort des 

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Kindes verlegen, so bedarf dies im Inlandverhältnis der Zustimmung des andern 

Elternteils oder der Entscheidung des Gerichts bzw. der Kindesschutzbehörde, 

wenn der Wechsel des Aufenthaltsortes erhebliche Auswirkungen auf die 

Ausübung der elterlichen Sorge und den persönlichen Verkehr durch den anderen 

Elternteil hat (Art. 301a Abs. 2 lit. b ZGB; BGE 142 III 502 E. 2.2).  

7.3. Die Verweigerung der Rückgabe der minderjährigen Person hat in den Fall-

gestaltungen eigenständige Bedeutung, in denen sich die minderjährige Person in 

der tatsächlichen Gewalt des Täters befindet, ohne dass hierdurch die Tatvariante 

des Entziehens erfüllt ist (vgl. BGE 125 IV 14 [gestattete Mitnahme des Kindes in 

die Ferien nach Ägypten]; 141 IV 205 [gestattete Mitnahme des Kindes in die 

Ferien in der Ukraine]), weil entweder die Begründung dieser Position mit dem 

Einverständnis des Inhabers des Aufenthaltsbestimmungsrechtes erfolgt oder 

aber das Ergebnis eines eigeninitiativen Verhaltens der minderjährigen Person ist 

(vgl. BGE 92 IV 3; 99 IV 271; 101 IV 305). Die Strafbarkeit setzt hier stets voraus, 

dass der Täter zur Heraushabe der minderjährigen Person rechtlich verpflichtet ist 

(WOHLERS, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. Aufl., Bern 

2020, Art. 220 N 8). 

Weiter setzt die Strafbarkeit voraus, dass überhaupt eine Pflicht des Täters zur 

Überbringung des Kindes bestand. Denn es kann sich einzig derjenige Täter 

strafbar machen, für welchen eine zivilrechtliche Verpflichtung zur Rückgabe be-

steht (vgl. BGE 125 IV 14, E. 2b; BGE 104 IV 90, E. 1; BGE 92 IV 156, E. 3; BGE 

91 IV 228, E. 1; MIGNOLI MARCO, in: Graf Damian K. (Hrsg.), StGB Annotierter 

Kommentar, Bern 2020, Art. 220 StGB N 10). 

7.4 Wie oben ausgeführt, verbrachte der Beschuldigte das Kind von 

Deutschland (E._____) nach Spanien (F._____), wo es eingeschult wurde. Für 

einen solchen Wechsel des Aufenthaltsortes wäre die Zustimmung der 

Privatklägerin notwendig gewesen, da gemäss Art. 301a Abs. 2 lit. a ZGB die 

Inhaber der elterlichen Sorge beide ihre Zustimmung abgeben müssen, bevor ein 

Kind ins Ausland gebracht werden darf. Entgegen der Ansicht der Verteidigung 

(Urk. 75 S. 5) ist Art. 301a Abs. 2 lit. a ZGB nicht so zu verstehen, als dass eine 

Zustimmung nur dann einzuholen wäre, wenn ein Minderjähriger von der Schweiz 

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ins Ausland gebracht wird, nicht aber wenn der Minderjährige von einem 

ausländischen Land in ein anderes gebracht wird. Hält man sich vor Augen, dass 

gemäss Art. 301a Abs. 2 lit. b ZGB auch dann die Zustimmung beider Elternteile 

notwendig ist, wenn die Veränderung des Aufenthaltsortes des Kindes für den 

anderen Elternteil erhebliche Auswirkungen auf den persönlichen Verkehr hat, so 

wird klar, dass dies durch die Verbringung von einem ausländischen Staat in 

einen anderen ohne Weiteres der Fall sein muss. Es macht nämlich einen 

durchaus gewichtigen Unterschied, ob sich ein Kind in E._____ oder F._____ 

befindet. Einerseits gilt dies mit Blick auf die Anreise, andererseits handelt es sich 

um eine andere Stadt in einem anderen Staat, womit auch andere gesetzliche 

Regelungen zur Anwendung gelangen. 

Da die Obhut über das Kind nach der Aufhebung des Entzugs des Aufenthalts-

bestimmungsrechts wieder bei der Privatklägerin lag (vgl. oben Erw. III.3), wäre 

der Beschuldigte zudem verpflichtet gewesen, das Kind zu ihr zurückzubringen. 

Das Verbringen von E._____ nach F._____ ist dabei als Manifestierung des Wil-

lens, dass das Kind nicht zur Privatklägerin zurückgebracht werden soll, zu quali-

fizieren. Diesen Willen bekräftigte der Beschuldigte zudem durch seine via 

Rechtsvertreterin kommunizierte Mitteilung, wonach das Kind in E._____ gemel-

det sei und eine internationale Schule besuche, zumal damit geflissentlich ver-

schwiegen wurde, dass sich das Kind in F._____ befindet (Urk. 5/1). 

Im Übrigen wäre der Beschuldigte – selbst wenn die vom Bezirksgericht Zürich im 

Entscheid vom 8. August 2017 getroffene Regelung (elterliche Sorge bei beiden 

Elternteilen; Obhut bei der Kindsmutter) nicht wieder aufgelebt wäre – wie ausge-

führt, ohnehin nicht berechtigt gewesen, das Kind eigenmächtig von E._____ 

nach F._____ zu verbringen, zumal hierfür zwingend die Zustimmung beider In-

haber der elterlichen Sorge notwendig gewesen wäre. 

Der Beschuldigte hat zudem nie behauptet, er habe tatsächlich versucht, das Kind 

zurück in die Schweiz zu bringen. Er kann vor diesem Hintergrund nun nicht 

pauschal geltend machen, ein solches Vorgehen wäre ohnehin am Widerstand 

des Kindes gescheitert (Prot. II S. 11, Urk. 75 S. 5). Zumindest ein Versuch wäre 

notwendig gewesen, zumal er als Vater einen nicht zu unterschätzenden Einfluss 

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auf das Kind hat und dieses gegebenenfalls zur Rückkehr hätte überzeugen kön-

nen. Dass ein solches Vorgehen nicht bereits von vornherein als nicht zielführend 

zu betrachten war, zeigt schliesslich der Umstand, dass das Kind letztlich doch 

mit der Privatklägerin in die Schweiz zurückgekehrt ist. 

Die zivilrechtliche Verpflichtung, das Kind der Privatklägerin zurückzugeben, 

ergibt sich aus dem – bereits im Sachverhaltsteil dargelegten (vgl. Erw. II.3) – 

Umstand, dass durch die Aufhebung des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungs-

recht die vom Bezirksgericht Zürich getroffene Obhutsregelung wieder auflebte. 

Entsprechend lag die Obhut grundsätzlich bei der Privatklägerin, weshalb ihr das 

Kind zurückzugeben gewesen wäre. 

8.1 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschuldigte durch das Verbringen 

des Kindes von E._____ nach F._____ sowie seine Weigerung, das Kind der 

Privatklägerin zurückzubringen, den objektiven Tatbestand des Entziehens von 

Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB erfüllt hat. 

8.2 Der Beschuldigte handelte hierbei vorsätzlich, zumal ihm rechtsgültig eröff-

net wurde, dass die Obhut vom Bezirksgericht Zürich der Privatklägerin zugeteilt 

worden war und ihm nach Aufhebung des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungs-

rechts bewusst sein musste, dass diese Regelung wieder in Kraft getreten war. 

Selbst wenn er diesbezüglich eine Unklarheit gehabt haben sollte, so hätte er sich 

entsprechend informieren müssen. Sollte er dies nicht getan haben, wäre es ihm 

in Sinne eines "bewussten Nichtwissens" anzurechnen. 

Auch seine Verpflichtung, den Aufenthaltsort des Kindes bekannt zu geben, war 

dem Beschuldigten aufgrund der expliziten und unter Androhung der Bestrafung 

nach Art. 292 StGB Aufforderung des Bezirksgerichts Zürich ohne Weiteres be-

kannt. Der Beschuldigte handelte entsprechend mit Wissen und Willen, weshalb 

er auch den subjektiven Tatbestand von Art. 220 StGB erfüllt hat. 

8.3 Der Beschuldigte ist daher in Bezug auf den Sachverhaltsteil betreffend den 

Zeitraum, nachdem sich das Kind nach E._____ begeben hatte, des Entziehens 

von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB schuldig zu sprechen. 

- 14 - 

III. Sanktion und Vollzug 

1. Die Vorinstanz hat die relevanten theoretischen Grundlagen zur Strafzu-

messung zum vorliegend anwendbaren Strafrahmen zutreffend ausgeführt 

(Urk. 44 S. 24 ff.). Darauf wird verwiesen. 

2.1 Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu bemerken, dass der Beschul-

digte das Kind nicht nur für wenige Tage der Privatklägerin vorenthielt. Der Tat-

zeitraum erstreckte sich vielmehr über ungefähr vier Monate. Weiter wurde das 

Kind im Ausland der Privatklägerin vorenthalten, was aufgrund der räumlichen 

Distanz im Vergleich zu einem Vorenthalten im Inland erschwerend zu werten ist. 

2.2 In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz zu bemerken, dass der Be-

schuldigte wohl aus seiner Sicht das Beste für das Kind tun und es deshalb nicht 

in die Schweiz zurückbringen wollte. Gleichwohl verstiess er damit gegen die 

einschlägigen rechtlichen Vorschriften und verunmöglichte der Privatklägerin den 

persönlichen Kontakt zum Kind. 

2.3 Insgesamt ist das Tatverschulden im Gesamtspektrum aller denkbaren 

Konstellationen des Tatbestandes als noch leicht zu bezeichnen. Es ist eine 

Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe auszufällen. 

3.1 Die Vorinstanz hat die vom Beschuldigten zu Protokoll gegebenen Angaben 

zu den persönlichen Verhältnissen zutreffend aufgeführt, weshalb darauf zu ver-

weisen ist (Urk. 44 S. 27). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte der Be-

schuldigte, nach wie vor von der Unterstützung durch Bekannte und Freunde zu 

leben (Prot. II S. 4). Seine Schulden bezifferte er hingegen im Gegensatz zur An-

gabe bei der Vorinstanz nicht mehr auf Fr. 1.2 Millionen, sondern nunmehr noch 

auf Fr. 400'000.– bis Fr. 500'000.– (Prot. II S. 5). Aus den persönlichen Verhält-

nissen des Beschuldigten ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Fakto-

ren. 

3.2 Im Strafregisterauszug des Beschuldigten ist eine Vorstrafe verzeichnet. Am 

22. Januar 2016 wurde er wegen Führens eines Motorfahrzeugs ohne erforder-

lichen Führerausweis, Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Verletzung der Ver-

- 15 - 

kehrsregeln und Nichtabgabe von Ausweisen und / oder Kontrollschildern 

schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– 

(bedingt, Probezeit 2 Jahre) sowie eine Busse von Fr. 900.– bestraft (Urk. 45). Da 

die Vorstrafe nicht einschlägig ist und nunmehr bereits mehr als 6 Jahre 

zurückliegt, fällt sie bei der Strafzumessung nicht mehr merklich ins Gewicht. 

4. Nach Berücksichtigung aller massgeblichen Strafzumessungsfaktoren ist ei-

ne Geldstrafe von 90 Tagessätzen auszufällen. Der von der Vorinstanz auf die 

gesetzlich minimale Höhe von Fr. 10.– festgesetzte Tagessatz erscheint ange-

sichts der nach wie vor prekären finanziellen Verhältnisse auch im heutigen Zeit-

punkt als angemessen. 

5. Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 90 Tages-

sätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen.  

6. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten den bedingten Vollzug der Geldstrafe 

gewährt und eine minimale Probezeit von zwei Jahren angesetzt (Urk. 44 S. 28; 

vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB). Dies ist aufgrund des Verschlechterungsverbots 

(Art. 391 Abs. 2 StPO) ohne Weiteres zu bestätigen. 

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung 

und des gerichtlichen Verfahrens vollumfänglich, da die dem Beschuldigten zur 

Last gelegten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen 

würden und die Untersuchungshandlungen hinsichtlich aller Anklagepunkte not-

wendig gewesen seien (Urk. 44 S. 30 mit Verweis auf BGer Urteil 6B_151/2014 

vom 4. Dezember 2014, E. 3.2). Diesen Erwägungen der Vorinstanz ist vollum-

fänglich zu folgen, zumal der von der Vorinstanz entschiedene Freispruch nicht 

etwa einen separaten Sachverhalt betroffen, sondern sich vielmehr auf einen 

Teilaspekt des vorliegend angeklagten Geschehens bezogen hat. Entsprechend 

rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und des vo-

rinstanzlichen Verfahrens vollumfänglich aufzuerlegen. Anspruch auf eine Ent-

schädigung für die erbetene Verteidigung hat der Beschuldigte angesichts dieser 

- 16 - 

Kostenauflage nicht (vgl. BGE 137 IV 352 E. 2.4.2). Nicht konkret beanstandet 

wurde die von der Vorinstanz vorgenommene Verpflichtung des Beschuldigten 

zur Bezahlung einer Prozessentschädigung an die Privatklägerin, welche ange-

sichts des Verfahrensausgangs ebenfalls zu bestätigen ist. 

Zusammenfassend ist die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung 

(Dispositivziffern 7-9) daher gesamthaft zu bestätigen. 

2.1 Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf 

Fr. 3'000.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 

GebV OG). 

2.2 Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt 

vollumfänglich. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind entsprechend ihm 

aufzuerlegen. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin ist für das 

Berufungsverfahren unter Berücksichtigung ihrer geltend gemachten 

Aufwendungen (vgl. Urk. 64) sowie unter Hinzurechnung eines Zuschlages für 

den nach der Berufungsverhandlung durchgeführten Schriftenwechsel eine 

Pauschalentschädigung in Höhe von Fr. 4'500.– aus der Gerichtskasse 

zuzusprechen. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin 

sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 4 StPO). 

Vorbehalten bleibt eine Rückforderung beim Beschuldigten gestützt auf Art. 138 

Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO. 

 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung 

Einzelgericht vom 9. März 2021 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"Es wird erkannt: 

1. […] 

- 17 - 

2. Im Übrigen ist der Beschuldigte nicht schuldig und wird freigesprochen der Entzie-

hung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB in Bezug auf den Vorwurf der 

Entziehung vom 8. Juni 2018 (1. Sachverhaltsteil). 

3. […] 

4. […]  

- 18 - 

5. Die Privatklägerin B._____ wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbegeh-

ren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 2'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'100.–   Gebühr für das Vorverfahren 

 Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

7. […] 

8. […] 

9. […]  

10. Die weiteren Anträge der Parteien werden abgewiesen. 

11. [Mitteilungen] 

12. [Rechtsmittel]" 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig des Entziehens von Minderjährigen 

(betr. Weigerung der Rückgabe) im Sinne von Art. 220 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 

Fr. 10.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung (Dispositivziffern  

7-9) wird bestätigt. 

- 19 - 

5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 4'500.–   unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft 

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt 

Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt eine Rück-

forderung beim Beschuldigten gestützt auf Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 

Abs. 4 StPO. 

7. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl  

− die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privat-
klägerschaft  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 

− die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

− das Migrationsamt des Kantons Zürich. 

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

- 20 - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Strafkammer 
 

Zürich, 1. November 2022 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. B. Gut 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

MLaw L. Zanetti 
 

 
 

Zur Beachtung: 

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht: 

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe. 

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB), 

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet. 

 

	Urteil vom 1. November 2022
	Anklage:
	Urteil der Vorinstanz: (Urk. 44 S. 31 ff.)
	"Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte ist schuldig der Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB in Bezug auf den Vorwurf der Weigerung der Rückgabe (2. Sachverhaltsteil).
	2. Im Übrigen ist der Beschuldigte nicht schuldig und wird freigesprochen der Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB in Bezug auf den Vorwurf der Entziehung vom 8. Juni 2018 (1. Sachverhaltsteil).
	3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 10.–.
	4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	5. Die Privatklägerin B._____ wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
	6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
	Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
	7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt.
	8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'695.40 (inkl. MWST.) zu bezahlen.
	9. Das Begehren des Beschuldigten um Entschädigung seines Verteidigers wird abgewiesen.
	10. Die weiteren Anträge der Parteien werden abgewiesen.
	11. (Mitteilungen)
	12. (Rechtsmittel)"
	Berufungsanträge:
	1. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 1 des vorinstanzlichen Urteils sei der Beschuldigte vom Vorwurf der Entziehung eines Minderjährigen nach Art. 220 StGB (vollumfänglich) freizusprechen.
	2. Dispositiv-Ziff. 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils seien ersatzlos aufzuheben.
	3. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 7 seien die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen.
	4. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 8 sei davon abzusehen, den Beschuldigten zu verpflichten, der Privatklägerin ihre Anwaltskosten zu erstatten, eventualiter seien jene auf die Staatskasse zu nehmen.
	5. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 9 sei der Beschuldigte für seine anwaltlichen Aufwendungen im Zusammenhang mit dem erstinstanzlichen Verfahren schadlos zu halten und entsprechend mit rund Fr. 7'500.– zu entschädigen (Schadenersatz), wobei die...
	6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der Staatskasse.
	1. Es sei festzustellen, dass Dispositiv-Ziff. 2, 5, 6 sowie 10 und 11 des vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen sind.
	2. In Bestätigung von Dispositiv-Ziff. 1, 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils sei der Beschuldigte der Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB in Bezug auf den Vorwurf der Weigerung der Rückgabe (2. Sachverhaltsteil) schuldig zu sprechen...
	3. In Bestätigung von Dispositiv-Ziff. 7 und 8 des vorinstanzlichen Urteils seien die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens dem Beschuldigten aufzuerlegen und dieser sei zu verpflichten, der Privatklägerin für das erstinstanzliche Verfahren eine Par...
	4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Berufungskläger aufzuerlegen und der Berufungskläger sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine  Parteientschädigung in Höhe der am 10. Februar 2022 eingereichten Honorarnote auszurichten. Für den Fal...
	Erwägungen:
	I. Verfahrensgang, Berufungsumfang
	II. Schuldpunkt
	III. Sanktion und Vollzug
	V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung Einzelgericht vom 9. März 2021 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:
	"Es wird erkannt:
	1. […]
	2. Im Übrigen ist der Beschuldigte nicht schuldig und wird freigesprochen der Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB in Bezug auf den Vorwurf der Entziehung vom 8. Juni 2018 (1. Sachverhaltsteil).
	3. […]
	4. […]
	5. Die Privatklägerin B._____ wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
	6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
	Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
	7. […]
	8. […]
	9. […]
	10. Die weiteren Anträge der Parteien werden abgewiesen.
	11. [Mitteilungen]
	12. [Rechtsmittel]"
	2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig des Entziehens von Minderjährigen (betr. Weigerung der Rückgabe) im Sinne von Art. 220 StGB.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 10.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung (Dispositivziffern  7-9) wird bestätigt.
	5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	6. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt eine Rückforderung beim Beschuldigten gestü...
	7. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
	 die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privatklägerschaft
	 die Vorinstanz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich.

	8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Zur Beachtung:
	- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.