# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 079d3593-e15c-5cd0-bb5b-0e97912f50ce
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.02.2024 F-1886/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-1886-2023_2024-02-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-1886/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  F e b r u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Sebastian Kempe (Vorsitz), 

Richter Basil Cupa, 

Richter Gregor Chatton,    

Gerichtsschreiberin Fabienne Thoma-Hasler. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Schengen-Visum zu Besuchszwecken zugunsten von 

B._______, C._______, D._______, E._______ und 

F._______; Verfügung des SEM vom 8. März 2023. 

 

 

 

F-1886/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 7. November 2022 ersuchten die indischen Staatsangehörigen 

B._______ (Gesuchstellerin 1; geb. 1990), C._______ (Gesuchsteller 2; 

geb. 2006), D._______ (Gesuchsteller 3; geb. 1997), E._______ (Gesuch-

steller 4; geb. 2007) und F._______ (Gesuchstellerin 5; geb. 1996) bei der 

schweizerischen Botschaft in Indien (im Folgenden: Botschaft) um Ausstel-

lung von Schengen-Visa für eine Bildungsreise vom 15. bis zum 30. De-

zember 2022. Die Reise und der Aufenthalt der Gesuchstellenden in der 

Schweiz wurden vom Verein A._______ (im Folgenden: Beschwerdeführe-

rin), vertreten durch G._______, organisiert. 

B.  

Mit Formularverfügungen vom 14. November 2022 verweigerte die Bot-

schaft den Gesuchstellenden die Schengen-Visa. 

C.  

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 5. Dezember 

2022 Einsprache bei der Vorinstanz. In der Folge übermittelte die 

Vorinstanz die Gesuchsunterlagen zwecks Inlandabklärung und Stellung-

nahme an das Migrationsamt des Kantons H._______. 

D.  

Mit Verfügung vom 8. März 2023 wies die Vorinstanz die Einsprache der 

Beschwerdeführerin ab. 

E.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 4. April 2023 gelangte die Beschwerdeführe-

rin an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss die Auf-

hebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung von Schengen-

Visa zugunsten der Gesuchstellenden. 

F.  

In ihrer Vernehmlassung vom 15. Juni 2023 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde. 

G.  

Die Beschwerdeführerin liess sich nicht weiter zur Sache vernehmen. 

F-1886/2023 

Seite 3 

H.  

Am 24. Oktober 2023 legte die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin 

ihr Mandat nieder. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend Schengen-Visa sind mit Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 AIG 

[SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ent-

scheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG).  

1.3 Die Beschwerdeführerin hat am vorangegangenen Einspracheverfah-

ren teilgenommen und ist als Gastgeberin der Gesuchstellenden durch den 

angefochtenen Entscheid besonders berührt. Obwohl der ursprünglich an-

gestrebte Besuchszeitraum inzwischen abgelaufen ist, kann – nicht zuletzt 

angesichts der Einreichung des Rechtsmittels – auf ein fortbestehendes 

Rechtsschutzinteresse geschlossen werden. Die Beschwerdeführerin ist 

daher zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist ein-

zutreten (vgl. Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und – sofern wie vorliegend keine kantonale Behörde 

als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Be-

gründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus an-

deren als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-

scheids (vgl. BVGE 2020 VII/4 E. 2.2 m.H.). 

  

F-1886/2023 

Seite 4 

3.  

3.1 Dem angefochtenen Entscheid liegen die Gesuche von fünf indischen 

Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums zu Besuchszwecken für die 

Schweiz zugrunde. Da sie sich als sogenannte Drittstaatsangehörige nicht 

aus eigenem und vorliegend auch nicht aus abgeleitetem Recht auf die 

EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen können und die be-

absichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 

Tagen nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönli-

chen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-Assoziierungsab-

kommen (aufgeführt im Anhang I Ziff. 1 des AIG [SR 142.20]), mit denen 

die Schweiz den Schengen-Besitzstand sowie die dazugehörigen gemein-

schaftsrechtlichen Rechtsakte (nachfolgend: Schengen-Recht) übernom-

men hat. Das AIG und seine Ausführungsbestimmungen, in casu nament-

lich die Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Visu-

merteilung (VEV, SR 142.204), gelangen nur soweit zur Anwendung, als 

die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun-

gen enthalten (Art. 2 Abs. 2–5 AIG; Art. 1 Abs. 2 VEV). 

3.2 Zum einschlägigen Schengen-Recht gehören die Verordnung (EG) 

Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 

2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft (Visakodex, VK, ABl. L 243/1 

vom 15.09.2009), die Verordnung (EG) Nr. 2016/399 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschafts-

kodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (kodifizierter 

Text) (Schengener Grenzkodex, SGK, Abl. L 77/1 vom 23.03.2016) und die 

Verordnung (EU) 2018/1806 des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 14. November 2018 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren 

Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines 

Visums sein müssen, sowie die Liste der Drittländer, deren Staatsangehö-

rige von dieser Visumpflicht befreit sind (kodifizierter Text) (nachfolgend: 

Verordnung [EU] 2018/1806, ABl. L 303/39 vom 28.11.2018). In ihrem An-

wendungsbereich regeln sie umfassend die Visumpflicht, die Visum-

vergabe und die Einreise in das Hoheitsgebiet der durch das Schengen-

Recht gebundenen Staaten (nachfolgend: Mitgliedstaaten). 

4.  

4.1 Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich 

im Anwendungsbereich der genannten Rechtsgrundlagen wie folgt:  

4.2 Das schweizerische Recht kennt für drittstaatsangehörige Personen 

Visa für kurzfristige Aufenthalte und solche für längerfristige Aufenthalte. 

F-1886/2023 

Seite 5 

Die Visa für kurzfristige Aufenthalte fallen in den Regelungsbereich des 

Schengen-Rechts. Sie werden für einen Aufenthalt von höchstens 90 Ta-

gen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen ausgestellt und können für 

das Hoheitsgebiet aller Schengen-Staaten gültig sein (einheitliches 

[Schengen-]Visum; nachfolgend: Visum) (Art. 2 Bst. d Ziff. 1 VEV) oder sich 

auf das Hoheitsgebiet eines oder mehrerer Schengen-Staaten beschrän-

ken ([Schengen-]Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit; nachfolgend: 

VrG-Visum) (Art. 2 Bst. d Ziff. 2 VEV). Die Visa für längerfristige Aufenthalte 

sind nationale Visa (Art. 2 Bst. f VEV). Sie unterstehen ausschliesslich dem 

Landesrecht. Ob eine drittstaatsangehörige Person für einen kurzfristigen 

Aufenthalt der Visumpflicht untersteht, bestimmt sich grundsätzlich nach 

der Verordnung (EU) 2018/1806 (Art. 8 Abs. 1 und 3 VEV), wobei das Ver-

fahren und die Voraussetzungen der Visumerteilung vom Visakodex gere-

gelt werden (Art. 12 Abs. 1 VEV). Gemäss Art. 21 Abs. 1 VK ist ein (formell 

zulässiges) Visumgesuch daraufhin zu überprüfen, ob die allgemeinen Ein-

reisevoraussetzungen des Art. 6 Abs. 1 Bst. a, c, d und e SGK erfüllt sind 

(zur Bezugnahme des Art. 21 Abs. 1 VK auf Art. 5 Abs. 1 Bst. a, c, d und e 

SGK vgl. Art. 44 SGK i.V.m. der Entsprechungstabelle im Anhang X). Der 

restliche Inhalt des Art. 21 VK differenziert und konkretisiert diese Prüfung, 

wobei besonders wichtige Aspekte eine eingehende Regelung erfahren.  

4.3 Die Ablehnungsgründe des Art. 32 Abs. 1 VK spiegeln die Prüfung ei-

nes Visumgesuchs auf Erfüllung der allgemeinen Einreisevoraussetzun-

gen wider. Ist einer der dort aufgelisteten Tatbestände gegeben – weitere 

Ablehnungsgründe ergeben sich implizit aus Art. 25 VK –, darf ein Visum 

nicht erteilt werden. Ansonsten ist es auszustellen. Ein Rechtsfolgeermes-

sen besteht nicht (so das Urteil des Europäischen Gerichtshofs [EuGH] 

vom 19. Dezember 2013 C-84/12 Koushkaki, EU:C:2013:862, Rn. 26–55, 

63; zur Auslegung des innerstaatlichen Rechts im Lichte dieses Urteils vgl. 

BVGE 2014/1 E. 4.1 m.H.). Ein Rechtsanspruch auf Erteilung eines Visums 

wird der gesuchstellenden Person gleichwohl nicht vermittelt (BVGE 

2014/1 E. 4.1.5 m.H.). Ist das Visum zu verweigern, weil einer oder meh-

rere Ablehnungsgründe gegeben sind, kann ausnahmsweise ein VrG-Vi-

sum nach Art. 25 VK erteilt werden. Ein Ausnahmefall, der die Ausstellung 

eines VrG-Visums gestattet, liegt namentlich vor, wenn es ein Mitgliedstaat 

aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder 

aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforderlich hält, vom Grund-

satz abzuweichen, dass die in Art. 6 Abs. 1 Bst. a, c, d und e SGK festge-

legten Einreisevoraussetzungen erfüllt sein müssen (Art. 25 Abs. 1 Bst. a 

Ziff. i VK). 

F-1886/2023 

Seite 6 

5.  

5.1 Indische Staatsangehörige in der Situation der Gesuchstellenden un-

terstehen der Visumpflicht (Art. 3 Abs. 1 der Verordnung [EU] 2018/1806 

i.V.m. deren Anhang I Ziff. 1). Die Erteilung der Visa wurde ihnen auf Ein-

sprache hin verweigert, weil begründete Zweifel an der Absicht, das Ho-

heitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf des Visums zu verlassen, sowie 

an den Gründen für den geplanten Aufenthalt bestünden. Damit wurde auf 

den Verweigerungsgrund des Art. 32 Abs. 1 Bst. b VK Bezug genommen, 

demgemäss das Visum der gesuchstellenden Person zu verweigern ist, 

«wenn begründete Zweifel (…) an der Glaubwürdigkeit (ihrer) Aussagen 

oder der von (ihr) bekundeten Absicht bestehen, das Hoheitsgebiet der Mit-

gliedstaaten vor Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums zu verlas-

sen.» 

5.2 Bei der Beurteilung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise 

muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden, wozu nur Prognosen ge-

troffen werden können. Dabei sind sämtliche Umstände des konkreten Ein-

zelfalls zu würdigen, insbesondere auch die allgemeinen Verhältnisse im 

Herkunftsland der gesuchstellenden Person. Bei Einreisegesuchen von 

Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, sozial oder wirtschaft-

lich ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Praxis, da die 

persönliche Interessenlage in solchen Fällen erfahrungsgemäss nicht mit 

dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung im Ein-

klang steht. Der zuständigen Behörde kommt dabei ein erheblicher Beur-

teilungsspielraum zu (vgl. BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.; ferner statt vieler Ur-

teile des BVGer F-5322/2022 vom 9. Juni 2023; F-1826/2022 vom 24. Mai 

2023 E. 6.1; F-1086/2020 vom 23. Februar 2021 E. 4.1; F-2881/2018 vom 

24. Januar 2019 E. 6; vgl. auch Urteil Koushkaki Rn. 56–63). 

6.  

6.1 Betreffend die allgemeinen Verhältnisse in Indien ist Folgendes festzu-

halten: Mit mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern ist Indien das bevölkerungs-

reichste Land der Welt und die fünftgrösste Volkswirtschaft 

(< https://www.bmz.de > Länder > Indien, abgerufen am 28.01.2024). Laut 

dem Index der mehrdimensionalen Armut von 2022 verringerte sich der 

Anteil der Armen in Indien zwischen 2005 und 2021 von 55 auf etwa 16 

Prozent (Global Multidimensional Poverty Index 2022, S. 19, 

< https://hdr.undp.org/content/2022-global-multidimensional-poverty-in-

dex-mpi#/indicies/MPI >, abgerufen am 28.01.2024). Einer wachsenden 

Mittel- und Oberschicht standen jedoch 2022 immer noch rund 180 Millio-

nen Menschen gegenüber, die umgerechnet mit weniger als 2,15 US-

F-1886/2023 

Seite 7 

Dollar pro Tag auskommen müssen. Die Corona-Pandemie und ihre Fol-

gen haben Arbeitslosigkeit und Armut insbesondere innerhalb der benach-

teiligten Gruppen wieder ansteigen lassen (< https://www.bmz.de > Länder 

> Indien > Aktuelle Situation > abgerufen am 28.01.2024). Auf dem aktuel-

len Index der menschlichen Entwicklung, der durch das Entwicklungspro-

gramm der Vereinten Nationen im Sinne eines Wohlstandsindikators er-

stellt wird, belegt Indien sodann lediglich Platz 132 von 191 gelisteten Staa-

ten (vgl. < https://hdr.undp.org > Data Center ˃ Country Insights > India, 

abgerufen am 28.01.2024). 

6.2 Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz 

das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von Besucherinnen 

und Besuchern aus Indien allgemein als hoch einschätzt (vgl. Urteil des 

BVGer F-4547/2022 vom 26. Juni 2023 E. 6.4). 

6.3 An der vorstehenden Beurteilung ändert auch der Blick auf die konkrete 

Herkunftsregion der Gesuchstellenden nichts. Die Gesuchstellenden kom-

men aus der Region Punjab im Nord-Westen Indiens. Das Grenzgebiet zu 

Pakistan, wozu neben dem Punjab auch die nördlich davon gelegenen in-

dischen Bundesstaaten Jammu und Kashmir gehören, ist seit Jahrzehnten 

von politischen und ethnisch-religiösen Auseinandersetzungen geprägt 

(vgl. < https://www.eda.admin.ch > Reisehinweise und Vertretungen > Län-

derauswahl > Indien > Reisehinweise für Indien < Spezifische regionale 

Risiken, abgerufen am 28.01.2024). 

7.  

7.1 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine Um-

stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des kon-

kreten Einzelfalls zu berücksichtigen. Dabei sind in die Prognose über die 

Absicht einer gesuchstellenden Person, den Schengen-Raum fristgerecht 

wieder zu verlassen, deren persönliche, familiäre und berufliche bzw. wirt-

schaftliche Situation sowie deren Interessenlage miteinzubeziehen (BVGE 

2014/1 E. 6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland 

beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre 

Verantwortung, kann dies die Prognose für eine anstandslose Wiederaus-

reise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat 

keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländer-

rechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise 

als vergleichsweise hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1; 

2009/27 E. 8).  

F-1886/2023 

Seite 8 

7.2 Bei den Gesuchstellenden handelt es sich um die Leiterin (Gesuchstel-

lerin 1), eine Lehrperson (Gesuchstellerin 5), einen Mitarbeiter (Gesuch-

steller 3) sowie zwei Schüler (Gesuchsteller 2 und 4) der I._______ (im 

Folgenden: Schule), welche sich im Dorf J._______ im indischen Bunde-

staat Punjab befindet. G.________, der im Kanton K._______ wohnhaft ist 

und die Beschwerdeführerin (also den schweizerischen Verein A._______) 

im vorliegenden Verfahren vertritt, ist in J._______ aufgewachsen und hat 

dort den Verein L._______ gegründet. Dieser betreibt wiederum die 

Schule, bei der die Gesuchstellenden angestellt sind bzw. welche sie be-

suchen. Aus den vorinstanzlichen Akten ist ersichtlich, dass die Schule 

plant, jedes Jahr einige ihrer Angestellten und Schüler in die Schweiz zu 

senden, damit sie das schweizerische Bildungssystem kennenlernen. Für 

das Schuljahr 2022/23 wurden die fünf Gesuchstellenden für eine Reise in 

die Schweiz ausgesucht. Sie sind zwischen 16 und 33 Jahre alt und alle-

samt ledig und kinderlos. Sie waren vorher noch nie in der Schweiz und 

haben auch sonst keine Reisevorgeschichte. Weder aus der Beschwerde-

schrift noch aus den Unterlagen ist ersichtlich, dass ihnen besondere ge-

sellschaftliche oder familiäre Verpflichtungen obliegen würden. In der Be-

schwerdeschrift wird lediglich pauschal ausgeführt, die Gesuchstellenden 

seien allesamt bildungs- und kulturinteressierte Bürger, die ein westliches 

Land besuchen wollten. Alle seien in familiäre Verhältnisse eingebettet und 

indisch sozialisiert. Diese unsubstantiierten Ausführungen vermögen die 

aufgrund der allgemeinen Lage in Indien bestehenden Zweifel an einer 

fristgerechten Wiederausreise der Gesuchstellenden jedoch nicht zu be-

seitigen. 

7.3 In Bezug auf die wirtschaftliche und berufliche Situation der Gesuch-

stellenden ergibt sich Folgendes: Gemäss Schreiben der Schule vom 

15. September 2022 handelt es sich bei ihr um eine Nichtregierungsorga-

nisation (NGO), bei der ca. 20 bis 30 Personen angestellt seien. Die Jah-

resgehälter der angestellten Lehrpersonen würden zwischen INR 150.– 

und 350.– (umgerechnet CHF 1.50 und 3.60; Tageskurs vom 19.12.2023) 

betragen. Hierbei würde es sich somit lediglich um einen symbolischen Be-

trag handeln. Aus den Unterlagen ist jedoch ersichtlich, dass zumindest die 

Gesuchstellerin 1 und die Gesuchstellerin 5 ein höheres monatliches Ein-

kommen erhalten. Die konkrete finanzielle Situation der einzelnen Gesuch-

stellenden präsentiert sich wie folgt (Umrechnungen jeweils mit dem Ta-

geskurs vom 19.12.2023): 

7.3.1 Die Gesuchstellerin 1 (Schulleiterin) verdient monatlich knapp 

CHF 110.– netto. Dies liegt weit unter dem Durchschnittslohn im 

F-1886/2023 

Seite 9 

Bundesstaat Punjab, der im Jahr 2023 monatlich ca. CHF 190.– betrug 

(vgl. <https://www.forbes.com/advisor/in/business/average-salary-by-

state-in-india/>, abgerufen am 28.01.2024). In der Steuerperiode 2022/23 

betrug das Bruttoeinkommen der Gesuchstellerin 1 knapp CHF 1'200.–. 

Gemäss Kontoauszug vom 3. November 2022 verfügte sie zu jenem Zeit-

punkt über ein Vermögen von INR 194'639.84 (umgerechnet 

ca. CHF 2'035.–). 

7.3.2 Die Gesuchstellerin 5 (Lehrperson) verdient monatlich CHF 75.–. Ihr 

Bruttoeinkommen betrug in der Steuerperiode 2022/23 gemäss Steuerun-

terlagen CHF 731.–. Ihr Bankkonto wies am 2. November 2022 einen 

Saldo von INR 11'278.78 (umgerechnet ca. CHF 118.–) auf. 

7.3.3 Der Gesuchsteller 3 (Mitarbeiter) ist gemäss eingereichten Unterla-

gen als Freiwilliger bei der Schule tätig. Er hat keine Einkommensnach-

weise eingereicht. Gemäss schriftlicher Erklärung seines Vaters vom 

28. Oktober 2022 arbeitet er – der Gesuchsteller 3 – hauptberuflich in der 

Landwirtschaft. In den Unterlagen finden sich jedoch auch bezüglich dieser 

Tätigkeit keine Angaben zum Einkommen oder entsprechende Lohnnach-

weise. Seine Mutter verdiente gemäss Steuerauszug im Steuerjahr 

2022/23 insgesamt rund CHF 5'210.–. Das Bankkonto des Vaters des Ge-

suchstellers 3 wies per 31. Oktober 2022 einen Saldo von 

INR 1’417'054.95 (umgerechnet CHF 14'815.–) auf. Dabei ist auffällig, 

dass an eben jenem 31. Oktober 2022 eine Überweisung in der Höhe von 

INR 470'485.– (also rund ein Drittel des gesamten Betrags) auf das Konto 

getätigt wurde. Die Herkunft dieses Geldes ist nicht ersichtlich. 

7.3.4 Die noch minderjährigen Gesuchsteller 2 und 4 haben als Schüler 

noch kein Einkommen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Erziehungs-

berechtigten werden nicht offengelegt. In den Unterlagen findet sich ledig-

lich das Fomular «Child Travel Consent Form», gemäss welchem die je-

weiligen Eltern der beiden mit der Reise in die Schweiz einverstanden sind. 

7.3.5 In einer Gesamtbetrachtung der finanziellen Situation ist festzustel-

len, dass bei keinem der Gesuchstellenden hinreichende Belege für eine 

sichere wirtschaftliche Existenz in Indien vorliegen. Damit erhöht sich das 

Risiko einer Emigration bei objektiver Betrachtung zusätzlich. 

7.4 Unter Berücksichtigung der allgemeinen Situation im Herkunftsland 

und vor den dargelegten persönlichen Hintergründen durfte die Vorinstanz 

davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte 

F-1886/2023 

Seite 10 

und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellenden nach einem Be-

suchsaufenthalt besteht. Zwar ist der infrage stehende Aufenthaltszweck 

zeitlich und inhaltlich klar umrissen – nämlich eine rund zweiwöchige Bil-

dungsreise in der Schweiz –, dennoch lassen die persönlichen Lebensum-

stände der Gesuchstellenden in Indien – soweit bekannt – in der Gesamt-

betrachtung nicht auf eine ausreichende Gewähr für die fristgerechte Wie-

derausreise schliessen. Die Voraussetzungen für die Erteilung der Besu-

chervisa im Sinne von Art. 6 SGK beziehungsweise Art. 5 AIG sind dem-

nach nicht erfüllt. Folglich hat die Vorinstanz die Ausstellung der Visa zu 

Recht verweigert. 

8.  

Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfü-

gung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be-

schwerde ist daher abzuweisen.  

9.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird die unterliegende Be-

schwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-1886/2023 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1’000.– werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Sie sind durch den am 8. Mai 2023 in gleicher Höhe geleisteten 

Kostenvorschuss gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Fabienne Thoma-Hasler 

 

 

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