# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e7990c98-b7d1-5e4e-a18d-7b98e9f6fe59
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.08.2010 D-5957/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5957-2010_2010-08-27.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5957/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), 
Richter Blaise Pagan, Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Alfred Weber.

A._______, geboren [...], Syrien,
vertreten durch Ali Tüm, c/o Advokaturbüro Siegfried, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung (Fristwiederherstellungsgesuch); 
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4836/2010 
vom 3. August 2010.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5957/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM das (zweite) Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 
18. Januar 2008 mit Verfügung vom 4. Juni 2010 abwies und die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Eingabe  seines 
Rechtsvertreters vom 3. Juli 2010 beim Bundesverwaltungsgericht an-
focht und dabei in prozessrechtlicher Hinsicht um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) ersuchte,

dass der zuständige Instruktionsrichter den Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung D-4836/2010 vom 9. Juli 2010 – da dessen Bedürftig-
keit im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht ausgewiesen war – auf for-
derte,  bis  zum  26.  Juli  2010  entweder  eine  Fürsorgebestätigung 
nachzureichen oder einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten,

dass gleichzeitig das Nichteintreten auf die Beschwerde für den Unter-
lassungsfall angedroht wurde,

dass  diese  Zwischenverfügung  von  der  schweizerischen  Post  nach 
Ablauf der siebentägigen Abholfrist am 22. Juli 2010 mit dem Vermerk 
"nicht abgeholt" an das Bundesverwaltungsgericht retourniert wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  innert  Frist  weder  eine  Fürsorgebestäti-
gung nachreichte noch den Kostenvorschuss leistete,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4836/2010 vom 3. Au-
gust  2010  unter  Hinweis  auf  Art.  12  Abs.  1  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) androhungsgemäss nicht eintrat,

dass das BFM dem Beschwerdeführer  mit  Schreiben vom 5. August 
2010 eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz bis zum 17. August 
2010 einräumte,

dass der Beschwerdeführer mit  Eingabe an das BFM vom 9. August 
2010 (Eingang BFM: 12. August 2010) persönlich Stellung zu dessen 
Verfügung vom 4. Juni 2010 nahm (Stellungnahme zur im Rahmen des 
vorinstanzlichen Verfahrens vorgenommenen Botschaftsabklärung, Kri-

Seite 2

D-5957/2010

tik an der Einschätzung des BFM, es bestünden keine Vorfluchtgrün-
de),

dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit als "Wiedererwä-
gungsgesuch"  bezeichneter  Eingabe  an  das  BFM  vom  10. August 
2010  (Eingang  BFM:  16.  August  2010)  erneut  um  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung ersuchte,

dass der Beschwerdeführer mit an das BFM adressierter Eingabe vom 
16. August 2010 eine Fürsorgebestätigung der Gemeinde Z._______ 
(ausgestellt am gleichen Tag) einreichte und sinngemäss um Wieder-
herstellung der mit Zwischenverfügung D-4836/2010 vom 9. Juli 2010 
angesetzten Frist ersuchte,

dass  das  BFM  diese  letzte  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom 
16. August 2010 zuständigkeitshalber dem Bundesverwaltungsgericht 
am 23. August 2010 überwies,

und zieht in Erwägung,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Bereich  des  Asyls  endgültig 
über  Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass das Bundesverwaltungsgericht auch für die Behandlung von Ge-
suchen um Wiederherstellung von Fristen gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG 
zuständig  ist,  bei  denen es  im Falle  der  Wiederherstellung über  die 
nachgeholte Parteihandlung beziehungsweise Rechtsvorkehr zu befin-
den hat  (vgl.  URSINA BEERLI-BONORAND,  Die ausserordentlichen Rechts-
mittel  in  der  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes  und  der  Kantone, 
Zürich 1985, S. 233),

dass gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG eine Frist  wiederhergestellt  wird, 
wenn  ein  Gesuchsteller  oder  dessen  Vertreter  unverschuldeterweise 
abgehalten worden ist, binnen Frist zu handeln, sofern er unter Anga-
be des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum 
ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt,

dass der Gesuchsteller zur Begründung seines Gesuchs im Wesent li-
chen geltend macht,  er  habe  am 14. August  2010 von seinem "An-

Seite 3

D-5957/2010

walt", den "Brief vom 3. August" (Anmerkung des Bundesverwaltungs-
gerichts: das Urteil D-4836/2010 vom 3. August 2010) erhalten und bis 
zu diesem Tag die Zwischenverfügung D-4836/2010 vom 9. Juli 2010 
nie gesehen, und er finde in den Papieren, die ihm sein Rechtsvertre-
ter gegeben habe, keine Rechnung über Fr. 600.–,

dass es sodann ohnehin schwierig gewesen wäre, eine Fürsorgebe-
stätigung zu erhalten,  da seine "Bezugsperson" einen Monat lang in 
den Ferien gewesen sei,

dass zugleich auch sein "Anwalt" in den Ferien gewesen sei, und dass 
vielleicht "der Pöstler" ebenfalls Ferien gemacht und "jenen Brief", vom 
dem er nichts wisse (Anmerkung des Bundesverwaltungsgerichts: die 
Zwischenverfügung  D-4836/2010 vom 9. Juli  2010),  nicht  übermittelt 
habe,

dass er hiermit die verlangte Fürsorgebestätigung einreiche und zwar 
fristgerecht,  nämlich sofort, nachdem er von dieser Forderung Nach-
richt erhalten habe,

dass der  Gesuchsteller  sein  Gesuch um Wiederherstellung der  Frist 
zur Bezahlung des Kostenvorschusses respektive zum Nachweis sei-
ner Bedürftigkeit vom 16. August 2010 innert 30 Tagen seit Wegfall des 
genannten  Hindernisses  eingereicht  und  die  versäumte  Handlung 
(Nachweis der Bedürftigkeit) innert der gesetzlichen Frist von 30 Tagen 
(Art. 24 Abs. 1 VwVG) nach Wegfall  des Hindernisses die versäumte 
Rechtshandlung nachgeholt hat,

dass daher auf das Gesuch um Wiederherstellung Frist zur Leistung 
des  Kostenvorschusses  respektive  zum  Nachweis  der  Bedürftigkeit 
einzutreten ist,

dass  vorab  der  Vollständigkeit  halber  festzuhalten  ist,  dass  der  Ge-
suchsteller  das  Mandat  an  seinen  bisherigen  Rechtsvertreter  nicht 
widerrufen hat,

dass die Wiederherstellung von Fristen dazu dient, die Rechtsnachtei-
le zu beseitigen, die ein Verfahrensbeteiligter wegen unverschuldeter 
Fristversäumnis  erleidet  (vgl.  STEFAN VOGEL in:  AUER/MÜLLER/SCHINDLER 
[Hrsg.], VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungs-
verfahren, Zürich/St. Gallen 2008, N 1 zu Art. 24 VwVG),

Seite 4

D-5957/2010

dass ein Fristversäumnis dann unverschuldet ist, wenn dafür objektive 
Gründe  vorliegen  und  der  säumigen  Partei  beziehungsweise  ihrem 
Vertreter keine Nachlässigkeit vorgeworfen werden kann wie etwa im 
Falle  von Naturkatastrophen,  bei  Militärdienst  oder  schwerwiegender 
Erkrankung,

[...]

dass schliesslich auch eine Kumulation verschiedener Umstände, die 
je für sich betrachtet das Versäumnis nicht zu entschuldigen vermöch-
ten, die Voraussetzungen von Art. 24 VwVG erfüllen können (vgl.  zum 
Ganzen VOGEL, a.a.O. Rz 10 ff. zu Art. 24),

dass dem behördlichen Ermessen bei  der Beurteilung eines geltend 
gemachten Wiederherstellungsgrunds zwar ein weiter  Spielraum ein-
geräumt wird, jedoch im Interesse der Rechtssicherheit und eines ge-
ordneten Verfahrensgangs ein Hinderungsgrund nicht  leichthin ange-
nommen werden darf,

dass sich sodann ein Gesuchsteller  das schuldhafte Verhalten eines 
Vertreters  oder  einer  beigezogenen  Hilfsperson  anrechnen  lassen 
muss (vgl. zum Ganzen VOGEL, a.a.O. Rz. 7 ff. zu Art. 24) beziehungs-
weise dem Gesuchsteller und seinem Vertreter auch Fehler ihrer Hilfs-
personen angerechnet werden (vgl. FABIA BOCHSLER in: MAITRE/THALMANN, 
Praxiskommentar VwVG, WALDMANN/WEISSENBERGER [Hrsg.], Zürich 2009, 
N 12 zu Art. 24),

dass im vorliegenden Fall das Fristversäumnis nicht auf Krankheit oder 
eine falsche Einschätzung der Situation respektive mangelnde Kennt-
nisse des mit dem Asyl- und Verwaltungsverfahren vertrauten Rechts-
vertreters, sondern klarerweise auf Nachlässigkeit der Partei und de-
ren Hilfsperson respektive des Rechtsvertreters zurückzuführen ist,

dass  nämlich  Ferienabwesenheit  keinen  gültigen  Hinderungsgrund 
darstellt und der Rechtsvertreter gehalten gewesen wäre, während sei-
ner Abwesenheit die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, dass eine 
Zustellung der Zwischenverfügung vom 9. Juli 2010 sichergestellt ge-
wesen wäre (vgl. BOCHSLER, a.a.O., N 35 und 33 zu Art. 24),

dass  die  Mutmassung  des  Gesuchstellers,  die  Zwischenverfügung 
D-4836/2010 vom 9. Juli 2010 sei möglicherweise nicht zugestellt wor-
den, weil "der Pöstler" in den Ferien gewesen sei, völlig fehl geht, wur-

Seite 5

D-5957/2010

de doch die entsprechende Sendung nach erfolglosem Zustellversuch 
dem Bundesverwaltungsgericht mit  dem Vermerk "nicht abgeholt"  re-
tourniert  und  befindet  sich  demzufolge  bei  den  Beschwerdeakten 
D-4836/2010 (vgl. hierzu Art. 12 Abs. 1 AsylG),

dass somit weder objektive noch subjektive Gründe vorliegen, welche 
den Gesuchsteller beziehungsweise dessen Rechtsvertreter davon ab-
gehalten haben, innert Frist den Kostenvorschuss einzuzahlen respek-
tive den Nachweis der Bedürftigkeit zu erbringen,

dass demzufolge das Fristwiederherstellungsgesuch vom 16. August 
2010 abzuweisen ist,

dass die  Eingabe des Gesuchstellers  vom 9. August  2010 (Eingang 
BFM:  12.  August  2010)  sowie  diejenige  des  Rechtsvertreters  vom 
10. August  2010 (Eingang BFM: 16. August  2010) nicht  Gegenstand 
des vorliegenden Verfahrens bilden,

dass diese dem BFM zusammen mit den vorinstanzlichen Akten zur 
gutscheinenden Behandlung retourniert werden,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.– 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 
VwVG) sind.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 6

D-5957/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Das Fristwiederherstellungsgesuch wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Die Eingaben vom 9. August 2010 und vom 10. August 2010 werden 
dem  BFM  zusammen  mit  den  Akten  N  [...]  zur  gutscheinenden 
Behandlung retourniert.

4.
Dieses Urteil geht an:

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  und 
den Eingaben vom 9. und 10. August 2010 (per Kurier; in Kopie)

- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Schmid Alfred Weber

Versand:

Seite 7