# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5e9c4fd9-385a-5ba0-a96c-5de9528729af
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.12.2008 D-6547/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6547-2008_2008-12-23.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6547/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 3 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richterin Marianne Teuscher, Richter Hans Schürch, 
Gerichtsschreiberin Sara Steiner.

A._______, geboren (...), alias B._______, geboren (...), 
Äthiopien,
vertreten durch Rechtsanwalt Urs Ebnöther,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asyl und Wegweisung; Verfügung des 
BFM vom 6. Oktober 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6547/2008

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin  verliess eigenen Angaben zufolge Äthiopien 
im Jahre 2007 und reiste in den Libanon, wo sie zirka zehn Monate als 
Haushälterin gearbeitet habe. Von da gelangte sie am 5. Juli 2008 in 
die  Schweiz,  wo sie  am 15. August 2008  im Empfangs-  und  Verfah-
renszentrum  (EVZ)  Z._______  ein  Asylgesuch  stellte.  Auf  dem 
Personalienblatt gab sie den Namen C._______, geboren (...) an. Am 
8. September 2008  wurde  sie  im  Transitzentrum  (TZ)  Y._______  zu 
ihren Asylgründen befragt und gab dabei die Personalien D._______, 
geboren  (...)  (äthiopisches  Datum  [...])  an.  Die  Beschwerdeführerin 
reichte keine Identitätspapiere zu den Akten, gab aber an, sie besitze 
einen  Pass mit  einem Visum für  die  Schweiz  und  den  Libanon  und 
eine Identitätskarte, welche sich einerseits bei ihrer Arbeitgeberin und 
andererseits bei ihrer Tante in Addis Abeba befänden.

Zur  Begründung ihres  Gesuches machte  die  Beschwerdeführerin  im 
Wesentlichen geltend, ihr Stiefvater habe im Jahre 1999 (äthiopische 
Zeitrechnung) ihre Ehe mit einem älteren Mann arrangiert. Sie sei da-
mit nicht einverstanden gewesen und habe Selbstmord begehen wol-
len. Ihre Tante aus Addis Abeba sei mit der Ehe auch nicht einverstan-
den gewesen und habe ihr an der Hochzeit Geld gegeben, um nach 
Addis Abeba zu reisen. Nach ihrem Verschwinden hätten ihr Stiefvater 
und ihr Mann sie umbringen wollen. Nachdem ihre Tante sie habe ver-
gewaltigen lassen, habe sie ihre Ausreise nach Beirut organisiert. In 
Beirut  sei  sie  mehrmals  vom  Mann  ihrer  Arbeitgeberin  vergewaltigt 
worden. Die Arbeitgeberin habe sie beschuldigt, ihn verführt zu haben, 
sie  geschlagen,  ihr  nichts  mehr  zu  Essen  gegeben,  sie  eingesperrt 
und  nach  drei  Monaten  nicht  mehr  bezahlt.  Als  sie  mit  ihr  in  die 
Schweiz  gekommen  sei,  sei  es  noch  schlimmer  geworden  und  sie 
habe keinen Lohn mehr bekommen. Aus lauter Erschöpfung habe sie 
nicht mehr urinieren können. Weil sie deswegen nicht zum Arzt habe 
gehen dürfen, habe sie sich abgesetzt.

B. Gemäss  den  Akten  hielt  sich  die  Beschwerdeführerin  seit  dem 
5. Juli 2008 mit einem Schweizer Visum bei der Familie ihrer Arbeitge-
berin auf und verschwand am 26. Juli 2008. Am nächsten Tag erstatte-
te  der  Schwiegersohn der  Arbeitgeberin  eine  Vermisstenanzeige bei 
der Polizei. Im Laufe des Ermittlungsverfahrens wurde ein äthiopischer 
Pass  und  eine  libanesische  Aufenthaltsgenehmigung  mit  den 

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Personalien A._______, geboren (...)  abgegeben, ein DNA-Profil  der 
Beschwerdeführerin  erstellt  und  am  4. September 2008  eine 
Befragung durch die kantonalen Ermittlungsbehörden durchgeführt.

C.

C.a Am 8. September 2008 wurde der Beschwerdeführerin im Zusam-
menhang mit Art. 32 Abs. 2 lit. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 
(AsylG,  SR  142.31)  das  rechtliche  Gehör  zu  den  unterschiedlichen 
Identitätsangaben gewährt. Auf die Frage, wieso sie sich beim Asylge-
such unter einem anderen Namen und Geburtsdatum gemeldet habe, 
antwortete die Beschwerdeführerin, ihre Tante habe für den Pass ein 
falsches Geburtsdatum angegeben. Auf die unterschiedlichen Geburts-
daten  in  der  EVZ  Z._______  und  dem  TZ  Y._______  aufmerksam 
gemacht, gab die Beschwerdeführerin an, sie habe als Geburtsdatum 
den (...)  angegeben und das Formular nicht selber ausgefüllt,  da sie 
nicht  lesen  könne.  Zu  ihrem Verbleiben  zwischen  dem 26. Juli 2008 
und dem 15. August 2008, gab sie an, sie habe sich drei Wochen lang 
bei  einer  Frau,  welche  sie  nach  ihrem  Verschwinden  kennengelernt 
habe, versteckt und von ihr auch Medikamente wegen ihrer Probleme 
mit dem Urinieren erhalten.

C.b Am 12. September 2008 stellte das BFM dem Rechtsvertreter der 
Beschwerdeführerin zwecks allfälliger Stellungnahme zum gewährten 
rechtlichen Gehör bezüglich Verwendung einer anderen Identität eine 
Kopie des Protokolls der Anhörung zu. Am 24. September 2008 liess 
der Rechtsvertreter dem BFM einen Zeitungsartikel über das tragische 
Schicksal zahlreicher Hausangestellter im Libanon zukommen.

D.
Mit Verfügung vom 6. Oktober 2008 – versandt am 7. Oktober 2008 – 
trat das BFM in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 lit. b AsylG nicht auf 
das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ein, ordnete deren Wegwei-
sung aus der Schweiz an und verpflichtete den Kanton X._______, die 
Wegweisung zu vollziehen.

E.
Mit  Eingabe  vom 15. Oktober 2008  erhob  die  Beschwerdeführerin  – 
handelnd durch ihren Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung 
der Verfügung und die Rückweisung an die Vorinstanz zur Neubeurtei-
lung  beziehungsweise  materiellen  Prüfung.  In  formeller  Hinsicht  er-

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suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021) sowie  um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

F.
Mit  Verfügung vom 21. Oktober 2008 verzichtete die zuständige Inst-
ruktionsrichterin  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  lehnte 
das  Gesuch  um  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 2 VwVG ab und hiess das Gesuch um unentgeltlichen Rechtspfle-
ge im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Gleichzeitig wurden die Ak-
ten dem BFM zur Vernehmlassung zugestellt.

G.
Am 29. Oktober 2008 wurde die Beschwerdeführerin für die Dauer des 
Verfahrens dem Kanton X._______ zugewiesen.

H.
Mit  Schreiben vom 30. Oktober 2008 reichte die Beschwerdeführerin 
beim Bundesverwaltungsgericht eine gemäss ihren Angaben neu her-
gestellte äthiopische Identitätskarte zu den Akten, welche sie mit Hilfe 
von Bekannten in Äthiopien habe beschaffen können. Sie laute auf den 
Namen E._______, geboren nach äthiopischem Kalender am (...) und 
entspreche  somit  ihren  im  Asylverfahren  angegebenen  Personalien. 
Damit  liege  ein  Beweismittel  dafür  vor,  dass  sie  im  Rahmen  des 
Asylverfahrens zu  keinem Zeitpunkt  versucht  habe,  über  ihre  wahre 
Identität  hinwegzutäuschen.  Am  5. November 2008  wurde  eine 
Übersetzung  der  Identitätskarte  nachgereicht,  wonach  diese  auf  die 
Personalien  B._______,  geboren  (...)  laute.  Die  Dokumente  wurden 
dem BFM zugestellt, mit dem Hinweis, diese bei ihrer Vernehmlassung 
zu berücksichtigen.

I.
In seiner Vernehmlassung vom 17. November 2008 hielt das BFM an 
der Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

J.
Mit  Schreiben vom 2. Dezember 2008 nahm die  Beschwerdeführerin 
zur Vernehmlassung des BFM Stellung.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins-
tanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen-
den  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführerin  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung. Die  Beschwerdeführerin  ist  daher  zur  Einreichung der 
Beschwerde legitimiert  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
Bei der Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentschei-
de des BFM beschränkt sich die Beschwerdeinstanz nach konstanter 
Rechtsprechung  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommis-
sion (ARK), welche diesbezüglich auch für das Bundesverwaltungsge-
richt Geltung hat, auf die Überprüfung der Frage, ob die Vorinstanz zu 
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Die Beurteilungskom-
petenz des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  somit  darauf  be-schränkt, 
im Fall  der Begründetheit  des Rechtsmittels  die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorins-
tanz zurückgehen zu lassen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. 
S. 240  f.).  Lediglich  betreffend  die  verfügte  Wegweisung  und  deren 
Vollzug hat das Bundesverwaltungsgericht volle Kognition, weil  diese 
Punkte vom BFM bereits materiell geprüft wurden.

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4. Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht 
eingetreten, wenn Asylsuchende die Behörden über ihre Identität täu-
schen  und  diese  Täuschung  aufgrund  der  Ergebnisse  einer  erken-
nungsdienstlichen  Behandlung  oder  anderer  Beweismittel  feststeht. 
Gestützt auf Art. 1 Bst. a  der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311)  umfasst der Begriff  der 
Identität  im Rahmen des AsylG und der AsylV 1 Namen, Vornamen, 
Staatsangehörigkeit,  Ethnie,  Geburtsdatum,  Geburtsort  und  Ge-
schlecht.

5.  

5.1 In seinem Entscheid vom 6. Oktober 2008 führte das BFM im We-
sentlichen aus, die Beschwerdeführerin habe Äthiopien und später den 
Libanon mit einem ihr zustehenden Reisepass lautend auf die Identität 
A._______,  geboren  (...),  Äthiopien  verlassen.  Unter  Verwendung 
dieses Passes habe sie ein Schweizer Visum erhalten, mit dem sie am 
5. Juli 2008  in  die  Schweiz  eingereist  sei.  Ihr  Asylgesuch  habe  sie 
hingegen unter der Identität C._______, geboren (...) beziehungsweise 
D._______,  geboren  (...),  Äthiopien  eingereicht.  Für  diese  Identität 
lägen  keine  Ausweisdokumente  vor.  Die  Erklärung  anlässlich  des 
rechtlichen Gehörs, wonach ihre Tante für den Pass ein falsches Ge-
burtsdatum angegeben habe, sei als blosse Schutzbehauptung einzu-
stufen  und  könne  ihr  nicht  geglaubt  werden.  Aufgrunddessen  stehe 
fest, dass sie die Behörden im Rahmen des Asylverfahrens über ihre 
Identität getäuscht habe.

5.2 In ihrer  Beschwerde vom 15. Oktober 2008 führte die Beschwer-
deführerin unter Verweis auf EMARK 2003 Nr. 27 aus, die Schwelle für 
das  Vorliegen einer  Täuschung sei  hoch anzusetzen. Die Vorinstanz 
bewerte  den Umstand,  dass die  im Asylverfahren geltend gemachte 
Identität  nicht  mit  jener  der  Reisepapiere  übereinstimme,  lapidar  als 
Täuschung, ohne näher auf ihre im Rahmen der Befragung genannten 
Gründe einzugehen. Diese Erwägungen würden in keiner Weise den 
Anforderungen von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG genügen. Es sei nicht 
ersichtlich,  welches Interesse sie  an einer Täuschung gehabt  haben 
sollte. Die Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG ziele in erster 
Linie darauf ab, zu verhindern, dass Personen unter Vorspiegelung ei-
ner  falschen  Identität  unrechtmässigerweise  Asyl  erhielten.  Zumeist 
handle es sich hier um Fälle, in denen fälschlicherweise geltend ge-
macht  werde, einer bestimmten sozialen,  kulturellen oder politischen 

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Gruppe anzugehören,  die  in  einem bestimmten Land einer  asylrele-
vanten Verfolgung ausgesetzt seien. Sie gebe nicht an, aus einem an-
deren Land als Äthiopien zu stammen und Mitglied einer bestimmten 
Gruppe zu sein, die in diesem Land verfolgt werde. Ausserdem habe 
sie im Rahmen des Asylverfahrens nie verschiedene Angaben zu ihrer 
Identität gemacht und habe ihr Asylgesuch mit ihrem richtigen Namen 
und nicht mit der von der Tante aufgezwungenen Identität stellen wol-
len. Der  Name im  Reisepass  unterscheide  sich  nur  geringfügig  von 
den zu Protokoll gegebenen Namen. Abgesehen vom Zusatz des Na-
mens des Grossvaters väterlicherseits (F._______) seien die Angaben 
beinahe identisch (G._______ beziehungsweise D._______). Dabei sei 
anzumerken,  dass  es  sich  beim  Namen  H._______  um  eine  in 
Äthiopien  allgemein  bekannte  Kurzform  des  Vornamens  I._______ 
handle.  J._______  schliesslich  sei  der  Name  ihres  Vaters.  Die 
geringfügigen  Abweichungen  in  den  Identitätsangaben  (C._______, 
geboren  [...]  beziehungsweise  D._______,  geboren  [...])  seien 
einerseits  auf  ihren  Analphabetismus  und  andererseits  auf  die 
Verwendung  des  äthiopischem  Kalenders  zurückzuführen.  Für  das 
Ausfüllen  des  Personalienblattes  im EVZ Z._______ habe  sie  einen 
Asylsuchenden aus Äthiopien um Hilfe beten müssen, welcher das von 
ihr nach äthiopischem Kalender angegebene Datum – welches sie im 
Übrigen  auch  an  der  Befragung  angegeben  habe  –  falsch 
umgerechnet habe, was den Unterschied zum während der Befragung 
protokollierten Datum erkläre. Ihre Antwort, sie habe stets das Datum 
nach  äthiopischem  Kalender  angegeben,  sei  demnach  durchaus 
aussagekräftig. Zudem habe es die  Vorinstanz  unterlassen,  ihr  Alter 
zum  Beispiel  mittels  Knochenalteranalyse  zu  ermitteln  und  verletze 
damit ihre Untersuchungspflicht. Von einer soliden Beweislage, die klar 
auf eine Täuschung hindeute, könne keine Rede sein.

5.3 In seiner Vernehmlassung vom 17. November 2008 hielt das BFM 
den  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  entgegen,  dass  äthiopi-
sche  Namen  dreiteilig  seien  und  sich  aus  dem Namen der  Person, 
dem Namen ihres  Vaters  und  demjenigen  ihres  Grossvaters  väterli-
cherseits zusammensetzen würden. Entsprechend sei auch der Reise-
pass der Beschwerdeführerin ausgestellt  worden. Inwiefern diese Er-
fassung der Identität „von der Tante aufgezwungen“ worden sein solle, 
sei  nicht  nachvollziehbar,  handle  es  sich  ja  um  den  vollständigen 
richtigen  Namen  der  Beschwerdeführerin.  Zudem  sei  nicht 
nachvollziehbar,  wieso  die  Tante  einerseits  eine  Vergewaltigung 
organisiert haben solle und andererseits erhebliche Umtriebe in Kauf 

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nehme, indem sie der Beschwerdeführerin einen Pass „mit  falschem 
Geburtsdatum“ beschaffe, „um ihr ein höheres Alter bescheinigen zu 
lassen und damit ihre Ausreise in den Libanon zu ermöglichen“. Für 
den  Einwand,  sie  habe  das  Personlienblatt  nicht  selber  ausgefüllt, 
sondern einen Asylsuchenden aus Äthiopien um Hilfe bitten müssen, 
gebe es ausser den Angaben der Beschwerdeführerin keinen Hinweis. 
Gegen diese Version spreche der auf dem Personalienblatt vermerkte 
Hinweis, dass es selbst ausgefüllt worden sei. Die Abweichungen bei 
den Identitätsangaben seien erheblich: (...) beziehungsweise (...). Die 
von  der  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Abwesenheit  in  Äthiopien 
ausgestellte und nachträglich eingereichte Identitätskarte enthalte als 
Geburtsort  W._______ und nicht  wie  von ihr  angegeben V._______. 
Angesichts der Umstände der Beschaffung und dem Vorliegen eines 
authentischen  Reisepasses  sei  die  nachgereichte  Identitätskarte 
zudem nicht als „praktisch fälschungssicher“ einzustufen.

5.4 In  ihrer  Replik  hielt  die  Beschwerdeführerin  fest,  sie  wisse nicht 
aus  welchen  Motiven  ihre  Tante  gehandelt  habe.  Diese  Unkenntnis 
könne ihr jedoch nicht zum Vorwurf gemacht werden, da das Verhalten 
ihrer Tante nicht in ihrem Einfluss- beziehungsweise Verantwortungs-
bereich liege. Zum Ausfüllen des Personalienblattes sei in Erinnerung 
zu rufen, dass sie Analphabetin sei und es deshalb durchaus plausibel 
sei, dass sie auf Hilfe angewiesen gewesen sei und den Passus, wo-
nach  sie  das  Blatt  selbstständig  ausgefüllt  habe,  nicht  verstanden 
habe. Schliesslich sei  festzustellen,  dass die Abweichung der  Daten 
nicht so erheblich sei. Betreffend der angeblichen Abweichung des an-
gegebenen  Geburtsortes  gebe  es  eine  plausible  Erklärung. 
W._______  sei  ein  Dorf  in  V._______,  der  nächst  grösseren 
Verwaltungseinheit.

6.  

6.1 Gemäss EMARK 2003 Nr. 27 obliegt der Nachweis der Identitäts-
täuschung im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG der Behörde und 
es sind hohe Anforderungen an das Beweismass zu stellen, geht man 
doch im Falle der Identitätstäuschung ohne Befragung vom Nichtbe-
stehen der Flüchtlingseigenschaft aus. So kann nur dann vom Vorlie-
gen einer Identitätstäuschung im Sinne der genannten Nichteintretens-
bestimmung ausgegangen werden, wenn dies aufgrund der vorhande-
nen  Beweismittel  –  wie  beispielsweise  Herkunftsanalysen  der  BFF-
Fachstelle  LINGUA, sichergestellten Ausweispapieren,  Zeugenaussa-

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gen  oder  Eingeständnissen  der  asylsuchenden  Person  –  ohne  ver-
nünftigen Zweifel feststeht. 

6.2 Im vorliegenden Fall steht eine Identitätstäuschung der Schweize-
rischen Asylbehörden entgegen der Ansicht des BFM nicht ohne ver-
nünftigen Zweifel fest.

6.3 Es liegen zwei Identitätspapiere der Beschwerdeführerin vor, wel-
che abweichende Angaben zu ihren Personalien enthalten. So steht im 
Pass  der  Name  A._______  und  das  Geburtsdatum  (...)  und  in  der 
Identitätskarte der Name B._______ und das Geburtsdatum (...). Die 
Echtheit des Passes wird von keiner Partei bestritten. Im Zusammen-
hang mit der Identitätskarte hält das BFM zwar fest, sie sei nicht als 
„praktisch  fälschungssicher“  zu  bezeichnen,  wies  dabei  aber  auch 
nicht auf objektive Fälschungsmerkmale hin. Entgegen der Ansicht des 
BFM,  scheint  die  Erklärung  der  Beschwerdeführerin  für  die  abwei-
chenden Geburtsdaten im Pass und in der Identitätskarte, unabhängig 
davon,  ob  ihre  Fluchtgründe  ansonsten  als  glaubhaft  zu  betrachten 
sind, nicht unplausibel. So ist durchaus nachvollziehbar, dass sie sich 
im Pass für den Arbeitsantritt im Libanon älter machen liess, war sie 
doch am 4. September 2007, als sie gemäss Stempel in ihrem Pass in 
den Libanon einreiste, gemäss Angaben in der Identitätskarte erst (...) 
Jahre alt. Dass solche Veränderungen der Identität zur Ermöglichung 
des Arbeitsantritts im Ausland vorkommen, ergibt sich aus verschiede-
nen Länderberichten. Auch die abweichenden Geburtsorte vermag die 
Beschwerdeführerin durchaus plausibel zu erklären, indem sie angibt, 
die Namen würden sich nicht widersprechen sondern ergänzen, denn 
V._______ sei die nächst grössere Verwaltungseinheit von W._______. 
Insgesamt ist diesen Erwägungen gemäss eine Täuschung nicht mehr 
ohne  vernünftige  Zweifel  nachgewiesen.  Unter  den  gegebenen 
Umständen  könnte  nur  von  einer  Identitätstäuschung  ausgegangen 
werden,  wenn  die  Echtheit  der  nachgereichten  Identitätskarte  durch 
eine erkennungsdienstliche Behandlung widerlegt werden könnte. Dies 
ist vorliegend jedoch nicht der Fall und aus der Identitätskarte ergeben 
sich auch keine Fälschungsmerkmale.

6.4 Daran vermag auch die Tatsache, dass in Bezug auf den Nachna-
men unvollständige Angaben gemacht wurden und das Geburtsdatum 
variiert, nichts zu ändern. In Bezug auf das Geburtsdatum ist festzu-
stellen,  dass  die  Umrechnung  vom  äthiopischen  zum  europäischen 
Kalender regelmässig zu unterschiedlichen Daten führt. In diesem Zu-

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sammenhang ist auch festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ge-
mäss den Akten tatsächlich Analphabetin sein dürfte, weshalb sich ge-
wisse  Fragen  zum  selbständig  ausgefüllten  Personalienblatt  stellen. 
Gemäss BFM bestehen äthiopische Namen aus dem Namen der Per-
son  (K._______  oder  I._______  oder  H._______),  dem Namen des 
Vaters (J._______) und dem Namen des Grossvaters väterlicherseits 
(F._______).  Im  Asylverfahren  gab  die  Beschwerdeführerin  den 
Namen D._______  beziehungsweise  C._______ an. Es  ist  durchaus 
nachvollziehbar, dass sie den dreiteiligen Namen nicht ganz vollstän-
dig angab, dürfte dies doch im Alltag regelmässig stattfinden. Diesbe-
züglich von einer Täuschung auszugehen, lässt  sich nicht  rechtferti-
gen. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die 
Beschwerdeführerin  bereits  anlässlich  der  Befragung  an  der  Emp-
fangsstelle auf ihr Visum für die Schweiz, die Umstände ihrer Einreise 
und den bei der Arbeitgeberin verbliebenen Pass hinwies, was deutlich 
gegen eine versuchte Identitätstäuschung spricht.  

6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Nachweis der Identi-
tätstäuschung spätestens mit dem Vorliegen der Identitätskarte, deren 
Echtheit  bisher  nicht  durch  erkennungsdienstliche  Behandlung  oder 
andere Beweismittel widerlegt wurde, nicht mehr Bestand haben kann. 
Die Vorinstanz ist somit bei der gegebenen Aktenlage auf das Asylge-
such zu Unrecht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht eingetre-
ten.

7.
Die Beschwerde ist wegen Verletzung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG 
gutzuheissen und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.

8.
Beim  vorliegenden  Verfahrensausgang  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).

9.
Der Beschwerdeführerin ist  angesichts des Obsiegens im Beschwer-
deverfahren in  Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteient-
schädigung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  Vertretungskosten 
zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter  der Beschwerdeführerin 
reichte  keine  Kostennote  ein.  Der  notwendige  Vertretungsaufwand 

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lässt sich aufgrund der Aktenlage hinreichend zuverlässig abschätzen, 
weshalb  die  von der  Vorinstanz  auszurichtende Parteientschädigung 
unter  Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren von 
Amtes wegen auf Fr. 600.- festzusetzen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen  und  die  Verfügung  vom 
6. Oktober 2008 aufgehoben.

2.
Die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das 
BFM zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 600.- auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)
- L._______ (in Kopie)

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner

Versand: 

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