# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed51c0b8-ecad-588f-8d24-3898d88894a8
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-06-21
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 21.06.2013 SF130006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SF130006_2013-06-21.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SF130006-O/U/cs 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, und lic. iur. Burger, 

Oberrichterin Dr. Janssen und Gerichtsschreiber Dr. Bruggmann 

Beschluss vom 21. Juni 2013 

 

in Sachen 

 

A._____, 
Gesuchstellerin 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, Oberrichter lic. iur. B._____, 
Oberrichterin lic. iur. C._____, Ersatzoberrichter lic. iur. D._____, Gerichtsschrei-

berin Dr. E._____ 

Gesuchsgegnerin 

 

betreffend Ausstandsbegehren 
 

- 2 - 

Erwägungen: 

I. 

1. Am 16. Mai 2013 fand vor dem Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkam-

mer, die Berufungsverhandlung in Sachen A._____ gegen die Staatsanwaltschaft 

Zürich-Sihl betreffend mehrfache Nötigung (begangen zum Nachteil der Privatklä-

ger FH._____ und GH._____) statt. Im Anschluss an die Befragung der Beschul-

digten stellte ihr Verteidiger verschiedene Beweisanträge. Er beantragte, es sei 

eine Konfrontationseinvernahme mit den Privatklägern durchzuführen, und es sei 

ein neues Gutachten einzuholen, eventualiter sei das vorliegende Gutachten zu 

ergänzen resp. die Einholung eines Privatgutachtens zuzulassen. Nachdem das 

Gericht über die Beweisanträge beraten hatte, wies es diese ab, wobei die Ver-

fahrensleitung in der Folge die Gründe, welche die Kammer zu diesem Entscheid 

bewogen hatten, kurz erläuterte. Die Abweisung der Beweisanträge wurde zu-

sammengefasst damit begründet, dass sich die Durchführung einer neuen Kon-

frontationseinvernahme erübrige, da eine solche bereits stattgefunden habe und 

die Aussagen verwertbar seien, und Weiterungen in Bezug auf das Gutachten 

seien nicht erforderlich, da bereits ein Ergänzungsgutachten vorliege. Anschlies-

send erklärte die Verfahrensleitung das Beweisverfahren als geschlossen (vgl. 

dazu SB120505 Prot. II S. 6 und 9-11). 

2. Daraufhin stellte der Verteidiger gegen die anwesenden Gerichtsmitglieder 

(Oberrichter lic. iur. B._____, Oberrichterin lic. iur. C._____, Ersatzoberrichter 

lic. iur. D._____ und Gerichtsschreiberin Dr. E._____) ein Ausstandsbegehren 

(SB120505 Prot. II S. 11; SB120505 Urk. 142 S. 1). Dabei machte er geltend, die 

mit der Sache befassten Gerichtsmitglieder seien befangen bzw. erschienen als 

befangen (Art. 56 lit. f StPO), da sie nicht gewillt seien, die Fehler und Versäum-

nisse der Staatsanwaltschaft und des Bezirksgerichts einzugestehen und die zeit-

lichen und finanziellen Konsequenzen zu tragen (vgl. dazu SB120505 Urk. 142 

S. 3). 

- 3 - 

3. Am 17. Mai 2013 gab die betreffende Gerichtsbesetzung gestützt auf Art. 58 

Abs. 2 StPO die gewissenhafte Erklärung ab, dass sie sich nicht befangen fühle 

(Urk. 2). 

4. Mit Schreiben vom 22. Mai 2013 überwies der Präsident der I. Strafkammer 

das Ausstandsbegehren an die II. Strafkammer, welche gemäss Art. 59 Abs. 1 

lit. c StPO sowie konstanter Praxis zum Entscheid sachlich zuständig ist, wenn 

gegen Mitglieder der I. Strafkammer ein Ausstandsgesuch gestellt wird. 

5. Mit Präsidialverfügung vom 23. Mai 2013 wurde dem Verteidiger Gelegenheit 

gegeben, um sich zur Stellungnahme der abgelehnten Gerichtsbesetzung zu äus-

sern (Urk. 4). Die entsprechende Zuschrift des Verteidigers datiert vom 7. Juni 

2013 (Urk. 6). Darin machte er im Wesentlichen geltend, unter den gegebenen 

Umständen müsse davon ausgegangen werden, dass das Urteil zuungunsten der 

Beschuldigten gefällt werde, weshalb der Anschein der Befangenheit erweckt 

werde (a.a.O., S. 4). 

 

II. 

1. Vorab ist festzuhalten, dass die Abweisung eines Beweisantrages im Vorfeld 

der Urteilsberatung nicht automatisch dazu führen kann, dass die Mitglieder des 

betreffenden Gerichts befangen sind. Dies ergibt sich etwa daraus, dass das Ge-

setz in Art. 331 Abs. 3 StPO ausdrücklich vorsieht, dass vorgängig über Beweis-

anträge entschieden wird. 

2. Klarzustellen ist ferner, dass die Beantwortung der Frage, ob die I. Strafkam-

mer die Beweisanträge zu Recht oder zu Unrecht abwies, mithin die umfassende 

materielle Überprüfung des entsprechenden Entscheids, nicht Gegenstand des 

vorliegenden Ausstandsverfahrens sein kann. Eine solche Überprüfung wäre im 

Übrigen nicht möglich, da in diesem Stadium des Verfahrens noch keine schriftli-

che Begründung vorliegt. Anzufügen ist, dass der besagte Entscheid auch nicht 

selbständig angefochten werden kann (vgl. dazu Schmid, Handbuch des schwei-

zerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, N 1334 mit FN 106). Die 

- 4 - 

Überprüfung dieses Entscheids ist vielmehr einem allfälligen gegen das spätere 

Urteil anzustrengenden Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht vorbehalten. 

3. Ein Anschein der Befangenheit wäre immerhin in Fällen denkbar, in welchen 

Beweisanträge offensichtlich zu Unrecht abgewiesen werden und/oder das Ge-

richt bei der Mitteilung seines Entscheides eine Haltung gegenüber einer Partei 

zum Ausdruck bringt, welche es als befangen erscheinen lässt. Für letzteres sind 

vorliegend keinerlei Anhaltspunkte erkennbar (vgl. dazu etwa SB120505 Prot. II 

S. 11). Hinzu kommt, dass die Verteidigung diesbezüglich nichts Konkretes vor-

bringt. Davon, dass die Beweisanträge offensichtlich zu Unrecht abgewiesen wur-

den, kann ausserdem keine Rede sein: Einerseits wurden die beiden Privatkläger 

in der Untersuchung in Anwesenheit der Beschuldigten und ihrer damaligen An-

wältin formell als Auskunftspersonen befragt, wobei die Beschuldigte jeweils Ge-

legenheit hatte, Ergänzungsfragen zu stellen. (SB120505 Urk. 4/6 und Urk. 4/7). 

Anderseits liegen ein (neueres) 28-seitiges psychiatrisches Gutachten von 

Dr. med. I._____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 

20. Februar 2012 (SB120505 Urk. 9/9), zwei (aktuelle) Verlaufsberichte der Psy-

chiatrischen Klinik J._____ vom 14. Juni 2012 (SB120505 Urk. 63) und 26. April 

2013 (SB120505 Urk. 120) sowie eine allerneueste Einschätzung des Gutachters 

vom 16. Mai 2013 (SB120505 Urk. 140) bei den Akten. Damit liegt eine ganze 

Fülle aktueller medizinischer Unterlagen vor, wobei insbesondere aufgrund der 

jüngsten Ausführungen des Gutachters die Einholung weiterer Berichte bzw. Gut-

achten nicht angezeigt scheint. 

4. Nach dem Gesagten liegt keine Befangenheit der eingangs namentlich aufge-

führten Mitglieder der I. Strafkammer vor, weshalb das Ausstandsbegehren ab-

zuweisen ist. 

 

III. 

In Anbetracht der angespannten finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten (vgl. 

dazu SB120505 Urk. 141 S. 8 f.) und des Umstandes, dass sie sich im (vorzeiti-

- 5 - 

gen) Massnahmevollzug befindet (SB120505 Urk. 37) und deshalb kein Erwerbs-

einkommen erzielen kann, rechtfertigt es sich, die Kosten dieses Verfahrens, ein-

schliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, gestützt auf Art. 425 StPO auf 

die Gerichtskasse zu nehmen. 

 

Demnach wird beschlossen: 

1. Das Ausstandsbegehren wird abgewiesen. 

2. Die Gerichtsgebühr für dieses Verfahren fällt ausser Ansatz. 

3. Die weiteren Kosten dieses Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtli-

chen Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genommen. 

4. Schriftliche Mitteilung an  

− die Gesuchstellerin bzw. ihren Verteidiger 
− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 
− das Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, Proz.Nr. 

SB120505 
− Oberrichter lic. iur. B._____ 
− Oberrichterin lic. iur. C._____ 
− Ersatzoberrichter lic. iur. D._____ 
− Gerichtschreiberin Dr. E._____. 

5. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

- 6 - 

 Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 21. Juni 2013  
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter Dr. Bussmann 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

Dr. Bruggmann  
 

 
 
 
 

	Beschluss vom 21. Juni 2013
	Demnach wird beschlossen:
	1. Das Ausstandsbegehren wird abgewiesen.
	2. Die Gerichtsgebühr für dieses Verfahren fällt ausser Ansatz.
	3. Die weiteren Kosten dieses Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genommen.
	4. Schriftliche Mitteilung an
	 die Gesuchstellerin bzw. ihren Verteidiger
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
	 das Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, Proz.Nr. SB120505
	 Oberrichter lic. iur. B._____
	 Oberrichterin lic. iur. C._____
	 Ersatzoberrichter lic. iur. D._____
	 Gerichtschreiberin Dr. E._____.

	5. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.