# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8fbe33c9-e54d-5d9b-9ccb-a84c774e2ba9
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 23.11.2021 IV 2021/88
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2021-88_2021-11-23.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2021/88

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 30.03.2022

Entscheiddatum: 23.11.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 23.11.2021
Art. 8 und 17 IVG. Anspruch auf eine Umschulung. Der Anspruch auf eine 
Umschulung setzt eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens etwa 20 Prozent 
im erlernten Beruf oder in einem Beruf voraus, den die versicherte Person im 
Rahmen einer Umschulung erlernt hat (Entscheid des Versicherungsgerichts 
des Kantons St. Gallen vom 23. November 2021, IV 2021/88).

Entscheid vom 23. November 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiberin Vera Kolb

Geschäftsnr.

IV 2021/88

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

IV-Leistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich am 3. Juli 2019 wegen eines Morbus Scheuermann zum Bezug 

von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Er gab an, seit dem 22. Februar 2019 voll 

arbeitsunfähig zu sein. Er habe eine Ausbildung zum Modeberater absolviert und sei 

seit dem Jahr 2011 als Sicherheitsangestellter tätig.

A.a. 

Am 19. Juli 2019 berichtete Dr. med. B.___, Fachärztin für Allgemeine und Innere 

Medizin FMH, beim Versicherten bestehe ein Verdacht auf ein spondylogenes 

Schmerzsyndrom untere LWS mit/bei einem thorakalen Morbus Scheuermann Th4-L1 

von 80°. Die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund einer starken Dorsalgie, lumbalbetont und 

vor allem bei längerem Stehen, eingeschränkt. Eine Tätigkeit mit wechselnden 

Positionen (Sitzen, Gehen, Stehen) könne der Versicherte noch ausüben. Eine 

Umschulung sei erforderlich. Dr. med. C.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, hatte am 29. März 2019 angegeben (IV-

act. 9-3 f.), der Versicherte leide am ehesten an den Folgen eines Morbus 

Scheuermann mit einer kompensatorischen Hyperlordose der LWS und einer 

Spondylarthrose. Er habe mit dem Versicherten ein intensives, gezieltes 

Kräftigungsprogramm der autochthonen Rückenmuskulatur thorakal sowie der 

Rumpfmuskulatur lumbal besprochen. Weiter sei eine Umschulung diskutiert worden; 

diese sei im Sinne einer Wechseltätigkeit zu empfehlen.

A.b. 

Die letzte Arbeitgeberin berichtete am 5. August 2019 (IV-act. 13), der Versicherte 

sei vom 15. Oktober 2011 bis 21. Februar 2019 bei ihr in einem Pensum von ca. 50 bis 

60% im Sicherheitsdienst tätig gewesen.

A.c. 

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Am 29. August 2019 berichtete Dr. med. D.___, Fachärztin für Orthopädische 

Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, sie habe den 

Versicherten im Auftrag der Krankentaggeldversicherung untersucht (Fremdakten act. 

2-4 ff.). Sie gab an, sie habe beim Versicherten folgende Diagnosen erhoben: 

Langjährige Beschwerden der Wirbelsäule bei einem bekannten Morbus Scheuermann 

thoracal, fixierte Brustkyphose, erhebliche muskuläre Dysbalancen trotz intensiver 

Fitness-Gymnastik, da vorwiegend die Bewegungsmuskulatur und nicht die kleine 

stabilisierende Muskulatur trainiert sei, kein nervenwurzelbezogenes neurologisches 

Defizit, erheblich verkürzte Ischiokruralmuskulatur. Die vorgetragenen Beschwerden 

thorakolumbal, lumbal und zeitweise auch nuchal fänden ihr Korrelat in einer Fehlstatik 

und einer Haltungsinsuffizienz. Der Versicherte habe eine gut trainierte 

Bewegungsmuskulatur am Rumpf und an den oberen Extremitäten. Bereits beim 

Stehen im Einbeinstand und beim Hüpfen bestünden aber Probleme, da die Kraft der 

unteren Extremitäten nicht ausreichend sei und die Koordination fehle. Anhand der 

erhobenen Untersuchungsbefunde ergebe sich unter anderem die Indikation zur 

Kräftigung der kleinen stabilisierenden Muskulatur. In körperlich leichten und 

gelegentlich mittelschweren Tätigkeiten, die bevorzugt aus wechselnder Ausgangslage 

verrichtet werden könnten, sei der Versicherte ab sofort einsatzfähig. Die Prognose sei 

als gut zu erachten, da zurzeit funktionelle Beschwerden im Vordergrund stünden, die 

einer Therapie gut zugänglich seien. Eine Arbeitsplatzbeschreibung liege nicht bei. 

Einschränkungen ergäben sich für häufiges Gehen und Stehen sowie für mittelschwere 

und schwere Tätigkeiten. Bücken und Zwangshaltungen seien vorübergehend noch zu 

vermeiden. Für berufliche Massnahmen bestehe ab sofort eine vollständige 

Arbeitsfähigkeit, wenn es sich um überwiegend körperlich leichte Arbeiten handle, die 

bevorzugt aus wechselnder Ausgangslage verrichtet werden könnten.

A.d. 

Der RAD-Arzt Dr. med. E.___ hielt am 16. September 2019 fest (IV-act. 16), in der 

bisherigen Tätigkeit, sofern sie häufiges Gehen und Stehen sowie mittelschwere 

Arbeitsbelastungen und Zwangshaltungen umfasse, verfüge der Versicherte über keine 

Arbeitsfähigkeit mehr. Ein versicherungsmedizinisch verwertbares Profil hinsichtlich der 

bisherigen Tätigkeit liege allerdings nicht vor. In einer adaptierten Tätigkeit verfüge der 

Versicherte, in Übereinstimmung mit Dr. D.___, über eine vollständige Arbeitsfähigkeit. 

A.e. 

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Als Adaptionskriterien nannte Dr. E.___ eine körperlich überwiegend leichte, wechsel­

belastende Tätigkeit ohne die Einnahme von Zwangshaltungen.

Mit einem Vorbescheid vom 19. September 2019 kündigte die IV-Stelle dem Ver­

sicherten an, sie beabsichtige, sein Begehren um berufliche Massnahmen und 

Rentenleistungen abzuweisen (IV-act. 20). Zur Begründung führte sie aus, Abklärungen 

hätten ergeben, dass in einer adaptierten, also in einer überwiegend körperlich leichten, 

wechselbelastenden Tätigkeit ohne die Einnahme von Zwangshaltungen, eine 

vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe. Am 13. November 2019 verfügte die IV-Stelle wie 

angekündigt (IV-act. 28).

A.f. 

Am 11. Dezember 2019 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung 

vom 13. November 2019 (IV-act. 32-2). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der 

Verfügung vom 13. November 2019 und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. 

Zur Begründung machte er geltend, wegen des Morbus Scheuermann sei sein Alltag 

mit sehr vielen Schmerzen beim Sitzen, langen Laufen und langen Stehen 

beeinträchtigt. Im beigelegten Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie des Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen vom 

22. November 2019 hatten die Fachärzte angegeben (IV-act. 34), beim Versicherten 

bestehe der bekannte Morbus Scheuermann mit einer Hyperlordosierung des zerviko-

thorakalen Übergangs. Aufgrund der durch den Morbus Scheuermann veränderten 

Wirbelsäulenkonfiguration sei eine Weiterführung der Tätigkeit als 

Sicherheitsangestellter nicht anzuraten, da der Versicherte bei dieser Tätigkeit mehrere 

Stunden durchgehend stehen oder gehen müsse. Sie hätten bereits früher zu einem 

Wechsel in eine Tätigkeit mit abwechselndem Stehen und Sitzen geraten. Die IV-Stelle 

beantragte am 27. Januar 2020 die Abweisung der Beschwerde (IV-act. 36). Der nun 

anwaltlich vertretene Versicherte änderte in der Replik vom 20. Mai 2020 (IV-act. 43) 

seine Anträge dahingehend, dass die Verfügung vom 13. November 2019 aufzuheben 

und die IV-Stelle anzuweisen sei, die Umschulungskosten zu übernehmen. Die IV-Stelle 

liess in ihrer Duplik vom 9. Juni 2020 an ihrem Antrag festhalten (IV-act. 44). In seinem 

Entscheid vom 10. September 2020 hiess das Versicherungsgericht des Kantons 

St.Gallen die Beschwerde teilweise gut (IV-act. 46); es hob die Verfügung vom 13. 

November 2019 auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der 

Erwägungen an die IV-Stelle zurück. Zur Begründung führte es aus, der Versicherte 

A.g. 

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habe die Abweisung des Rentenbegehrens nicht angefochten. Die Verfügung vom 13. 

November 2019 sei also soweit formell rechtskräftig geworden, als sie einen 

Rentenanspruch des Versicherten verneint habe. Da der Versicherte nur eine 

Umschulung beantragt habe, bilde nur diese den Streitgegenstand. Die IV-Stelle habe 

nicht abgeklärt, ob der Beschwerdeführer eine Ausbildung absolviert habe, sei es als 

Modeberater, als Sicherheitsangestellter oder in einem anderen Bereich. Damit habe 

sie ihre Untersuchungspflicht verletzt (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Die IV-Stelle habe daher 

noch abzuklären, ob der Versicherte eine Berufsbildung abgeschlossen habe oder ob 

er als Hilfsarbeiter zu qualifizieren sei. Der RAD-Arzt Dr. E.___ habe keine 

überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung des Beschwerdeführers für die Tätigkeit als 

Modeberater oder als Sicherheitsangestellter abgeben können, da ihm die 

berufsspezifischen Belastungsprofile nicht bekannt gewesen seien. Die 

berufsberaterische Fachperson werde also auch ein Belastungsprofil für die Tätigkeit 

im erlernten Beruf auszuarbeiten haben. Für eine überzeugende 

Arbeitsfähigkeitsschätzung fehle es auch an einer Äusserung über eine mögliche 

Verbesserung des Gesundheitszustandes und damit auch der Arbeitsfähigkeit des 

Versicherten für die allenfalls erlernte Berufstätigkeit (Modeberater oder 

Sicherheitsangestellter) durch therapeutische Massnahmen.

Mit einem Schreiben vom 1. Dezember 2020 gab die IV-Stelle dem Versicherten 

bekannt (IV-act. 51), dass die Verfügung vom 13. November 2019 infolge des 

Entscheids des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen aufgehoben werde. Am 

18. Dezember 2020 reichte der Versicherte diverse Arbeitszeugnisse und Diplome/

Fähigkeitsausweise ein (IV-act. 62 ff.). Unter anderem reichte er folgende Unterlagen 

ein: Diplom als kaufmännischer Sachbearbeiter vom Juli 2020 der G.___ (IV-act. 64-1), 

Bestätigung Grundkurs H.___ (Kurs vom 10. August 2011 bis 19. August 2011) vom 21. 

Oktober 2020 (IV-act. 64-2), Staplerausweis Kategorie A1 vom 10. Oktober 2008 (IV-

act. 64-8), Diplom als Fitness Betreuer vom September 2003 (IV-act. 64-6) und 

Fähigkeitsausweis als Verkäufer in der Textilbranche vom 31. Juli 2001 (IV-act. 64-8 f.).

A.h. 

Bereits am 24. November 2020 hatte Dr. med. F.___, Facharzt für Neurologie FMH, 

gegenüber der SUVA St.Gallen berichtet (IV-act. 69-15 ff.), er habe beim Versicherten 

folgende Diagnosen erhoben: Status nach Autounfall am 10. August 2020 mit 

Heckauffahrunfall mit initialen Oberarmschmerzen links sowie seither chronifizierten 

A.i. 

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B.  

Wirbelsäulenschmerzen zervikal bis lumbal sowie subjektiv empfundener 

Beeinträchtigung der Gedächtnisfunktion, kein Hinweis für fokal neurologische, 

klinische Defizite bei anamnestisch Skoliose und Morbus Scheuermann. Bei aktuell 

fehlenden fokal neurologischen Defiziten bestehe beim Versicherten aus neurologischer 

Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, wobei wahrscheinlich Tätigkeiten im 

Sicherheitsdienst mit häufig vermehrt körperlicher Aktivität eher ungünstig seien. 

Tätigkeiten in Wechselhaltung, z.B. als kaufmännischer Sachbearbeiter, seien 

sicherlich zu empfehlen. Der RAD-Arzt Dr. E.___ hielt am 5. Januar 2021 fest (IV-act. 

70-4), der Versicherte sei in einer adaptierten, körperlich leichten, wechselbelastenden, 

im Büro auszuübenden Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig. Dieses Arbeitsprofil 

entspreche der Tätigkeit im Detailhandel. Als Mitarbeiter im Sicherheitsdienst bestehe 

eine volle Arbeitsunfähigkeit.

Mit einem Vorbescheid vom 12. Januar 2021 kündigte die IV-Stelle dem 

Versicherten an (IV-act. 73), sie beabsichtige den Antrag auf Umschulung und andere 

berufliche Massnahmen sowie den Anspruch auf Rentenleistungen abzuweisen. Sie 

führte aus, der Versicherte könne in einer leidensadaptierten Tätigkeit bei einer vollen 

Arbeitsfähigkeit ein gleichwertiges Erwerbseinkommen wie in der zuletzt ausgeübten 

Tätigkeit als Mitarbeiter im Sicherheitsdienst erzielen. Somit bestehe auch ohne 

Umschulungsmassnahme eine gleichwertige Erwerbsmöglichkeit. Aufgrund der vollen 

Arbeitsfähigkeit bestehe auch kein Anspruch auf andere berufliche Massnahmen und 

Rentenleistungen. Am 11. Februar 2021 liess der Versicherte Einwand gegen den 

Vorbescheid vom 12. Januar 2021 erheben (IV-act. 80); eine Begründung innert 

Nachfrist blieb jedoch aus. Am 19. März 2021 verfügte die IV-Stelle, das 

Leistungsbegehren für eine Umschulung und andere berufliche Massnahmen sowie für 

Rentenleistungen werde abgewiesen (IV-act. 82).

A.j. 

Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) liess am 7. Mai 2021 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. März 2021 der IV-Stelle (nachfolgend: 

Beschwerdegegnerin) erheben. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, die Kosten für die 

Umschulung zu übernehmen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, die 

B.a. 

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Erwägungen

1.

In ihrer Verfügung vom 19. März 2021 hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf 

Umschulung, andere berufliche Massnahme und Rentenleistungen verneint. Daher gilt 

es zunächst zu klären, was der Streitgegenstand des vorliegenden 

Beschwerdeverfahrens bildet. Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat in seiner 

Beschwerde die Aufhebung der Verfügung vom 19. März 2021 und die Anweisung der 

Beschwerdegegnerin, die Umschulungskosten zu übernehmen, beantragt. Die 

Abweisung des Rentenbegehrens und der anderen beruflichen Massnahmen hat der 

Beschwerdegegnerin nehme an, er könne in einer leidensadaptierten Tätigkeit ein 

gleichwertiges Einkommen wie in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiter im 

Sicherheitsdienst erzielen. Als Sicherheitsmitarbeiter habe er bei einem 70%-Pensum 

einen Jahreslohn von Fr. 41'202.00 erhalten. Ohne die gesundheitliche Einschränkung 

wäre er in einem 100% Pensum tätig und würde daher ein Valideneinkommen von Fr. 

58'860.00 erzielen. Weiter sei keine dem Entscheid des Versicherungsgerichts des 

Kantons St.Gallen vom 19. September 2020 entsprechende Abklärung über das 

Belastungsprofil im erlernten Beruf des Beschwerdeführers erfolgt. Der 

Beschwerdeführer sei in seinen angestammten Tätigkeiten (Modeberater und 

Sicherheitsangestellter) je voll arbeitsunfähig, da diese Berufe ein ganztägiges Stehen 

mit sich brächten. Aufgrund der Fähigkeitsausweise dürfe der Beschwerdeführer nicht 

als Hilfsarbeiter eingestuft werden. Im erlernten Beruf sei eine mindestens 20%ige 

gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse gegeben, weshalb ein Umschulungsanspruch 

bestehe.

In einer Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2021 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Sie führte aus, die 

geforderten Abklärungen des Versicherungsgerichts vorgenommen zu haben. Gestützt 

darauf habe der RAD festgehalten, der Beschwerdeführer sei im Detailhandel zu 100% 

arbeitsfähig. Eine Erwerbseinbusse von 20% sei nicht gegeben, womit kein Anspruch 

auf Umschulung bestehe.

B.b. 

Die Beschwerdeführerin reichte keine Replik ein (act. G 6).B.c. 

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Beschwerdeführer damit nicht angefochten. Streitgegenstand bildet somit 

ausschliesslich ein allfälliger Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Umschulung.

2.

Eine invalide oder von einer Invalidität bedrohte versicherte Person hat gemäss Art. 8 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) einen 

Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, 

die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten und zu verbessern, und die 

Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind. Zu den 

Eingliederungsmassnahmen gehören gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG die Massnahmen 

beruflicher Art, also auch die Umschulung. Eine versicherte Person hat laut dem Art. 17 

Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine Umschulung in eine neue Erwerbstätigkeit, wenn 

eine solche infolge einer Invalidität notwendig ist und wenn dadurch die 

Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann. Eine 

umschulungsspezifische Invalidität liegt vor, wenn der erlernte Beruf infolge einer 

Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mehr uneingeschränkt ausgeübt werden kann. 

Gemäss der langjährigen konstanten Rechtsprechung des Bundesgerichtes setzt ein 

Umschulungsanspruch eine Erwerbseinbusse von etwa 20 Prozent voraus (Urteil des 

Bundesgerichts vom 28. Februar 2020, 8C_792/2019, E. 3.1; BGE 130 V 488, E. 4.2; 

124 V 110, E. 2b). Dies ist in Anbetracht des Sinns und Zwecks einer Umschulung so 

zu interpretieren, dass für den Umschulungsanspruch eine Erwerbseinbusse von etwa 

20% im erlernten Beruf vorausgesetzt ist. Eine Umschulung hat nämlich zum Ziel, der 

versicherten Person eine im Vergleich zur bisher ausgeübten Erwerbstätigkeit 

gleichwertige Erwerbstätigkeit zu ermöglichen (so bereits BGE 100 V 18 und die oben 

angeführten Bundesgerichtsurteile). Eine gleichwertige Erwerbstätigkeit beinhaltet nicht 

nur ein quantitatives Element, das heisst die Ausübung einer Erwerbstätigkeit mit einer 

annähernd gleichen Verdienstmöglichkeit wie in der vor Eintritt der Invalidität 

ausgeübten Tätigkeit, sondern auch ein qualitatives Element, indem der versicherten 

Person durch eine Umschulung ermöglicht werden soll, einen Beruf auszuüben, der 

ihren Fähigkeiten entspricht (vgl. Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über 

die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, N 14 zu Art. 17). Deshalb kann eine 

unqualifizierte Hilfsarbeitertätigkeit bei einer versicherten Person, die eine 

Berufsausbildung abgeschlossen hat, nie eine annähernd gleichwertige 

Erwerbstätigkeit darstellen (vgl. Meyer/Reichmuth, a.a.O., N 18 zu Art. 17; BGE 124 V 

111, E. 3). Ist es also das Ziel, der versicherten Person mittels einer Umschulung zu 

einer im Vergleich zur bisher ausgeübten Erwerbstätigkeit gleichwertigen 

Erwerbstätigkeit zu verhelfen, kann sich der rechtsprechungsgemäss geforderte 

Minderverdienst von etwa 20% als Voraussetzung für einen Umschulungsanspruch nur 

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auf eine Erwerbseinbusse im erlernten Beruf beziehen. Das (umschulungsspezifische) 

versicherte Gut ist also die Erwerbsfähigkeit im erlernten Beruf. Um diese ermitteln zu 

können, bedarf es einer medizinisch-theoretischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit 

im erlernten Beruf. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass eine Arbeitsunfähigkeit am 

letzten Arbeitsplatz nicht mit einer Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf gleichzusetzen 

ist. Es ist nämlich nicht auszuschliessen, dass eine versicherte Person aufgrund einer 

Gesundheitsbeeinträchtigung am letzten Arbeitsplatz nicht mehr oder nur noch 

teilweise ausüben kann, an einer anderen Arbeitsstelle, aber im gleichen Beruf, 

uneingeschränkt arbeitsfähig ist. Eine umschulungsspezifische Invalidität liegt dann 

nicht vor. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass ein Umschulungsanspruch 

eine gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse von etwa 20% im erlernten Beruf

voraussetzt.

3.  

Der Beschwerdeführer hat im Jahr 2001 die Berufsbildung zum Verkäufer in der 

Textilbranche abgeschlossen (IV-act. 64-8 f.). Dabei handelt es sich um seinen 

angestammten Beruf. Als Verkäufer ist der Beschwerdeführer gemäss den 

überzeugenden Abklärungen der Beschwerdegegnerin aufgrund seiner 

gesundheitlichen Beeinträchtigung voll arbeitsunfähig. Eine Umschulung hat zum Ziel, 

den Beschwerdeführer, der gesundheitsbedingt in seinem angestammten Beruf als 

Verkäufer nicht mehr arbeitsfähig ist, in die Lage zu versetzen, in einem anderen Beruf 

eine Arbeitsstelle zu finden, an der er einen vergleichbaren Lohn erzielen kann. Um zu 

prüfen, ob in einer anderen Tätigkeit ein vergleichbarer Lohn erzielt werden kann, muss 

als Vergleichsbasis vorab feststehen, welchen Lohn der Beschwerdeführer als 

Verkäufer, insbesondere unter Berücksichtigung seines Alters und seiner beruflichen 

Fähigkeiten (auch unter Berücksichtigung von allfälligen Weiterbildungen wie z.B. 

Lehrmeisterkurs), erzielen könnte. Die Beschwerdeführerin hat dies jedoch nicht 

abgeklärt. Da dem Versicherungsgericht das berufsberaterische Fachwissen für eine 

solche Einkommensermittlung fehlt, ist die Sache zur weiteren Abklärung über den 

möglichen Lohn des Beschwerdeführers als Verkäufers (unter Berücksichtigung von 

möglichen Zusatzqualifikationen) in der Textilbranche an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen.

3.1. 

Neben seiner Berufsbildung zum Verkäufer hat der Beschwerdeführer weitere 

berufliche Ausbildungen absolviert. Er hat im September 2003 ein Diplom als 

Fitnessbetreuer erhalten (IV-act. 64-6). Im Mai 2004 hat er einen Kurs zum Lehrmeister 

absolviert (IV-act. 64-7) und im August 2011 hat er einen 10tägigen Grundkurs H.___ 

besucht (IV-act. 64-2). Im Juli 2020 hat er schliesslich das Diplom für den erfolgreichen 

3.2. 

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Abschluss des Lehrgangs als kaufmännischer Sachbearbeiter an der G.___ erhalten 

(IV-act. 64-1). Ob es sich dabei um die Verwirklichung von Berufswünschen oder um 

eine versuchte Selbsteingliederung des Beschwerdeführers gehandelt hat, kann 

offenbleiben. Massgebend ist, ob der Beschwerdeführer in einem dieser Berufe ein mit 

dem Lohn als Verkäufer in der Textilbranche vergleichbares Einkommen erzielen 

könnte und wenn ja, ob er in diesem Beruf zu wenigstens 80% arbeitsfähig ist. Da der 

Beschwerdeführer als Securitasmitarbeiter gemäss den überzeugenden Abklärungen 

der Beschwerdegegnerin voll arbeitsunfähig ist, fällt diese Tätigkeit als geeignete 

alternative Tätigkeit von vornherein ausser Betracht. Demnach ist zu prüfen, ob der 

Beschwerdeführer als kaufmännischer Sachbearbeiter oder als Fitnessbetreuer mit der 

verbleibenden Arbeitsfähigkeit einen vergleichen Lohn, der nicht tiefer als 80% 

desjenigen als Verkäufers (im fiktiven "Gesundheitsfall") sein darf, erzielen kann.

Die Tätigkeit als kaufmännischer Sachbearbeiter ist dem Beschwerdeführer 

gemäss den überzeugenden Abklärungen der Beschwerdegegnerin zu 100% 

zumutbar. Anhand des eingereichten Diploms lässt sich jedoch nicht ermitteln, welcher 

Ausbildungsstufe (bspw. eidgenössisch anerkannte Berufsbildung) die vom 

Beschwerdeführer abgeschlossene Weiterbildung als kaufmännischer Sachbearbeiter 

gleichkommt. Für die Ermittlung des möglichen Einkommens wäre dies jedoch 

notwendig. Da dem Versicherungsgericht das berufsberaterische Fachwissen fehlt, um 

dies zu ermitteln, hat die Beschwerdegegnerin abzuklären, welcher Ausbildungsstufe 

der Abschluss als kaufmännischer Sachbearbeiter entspricht. Danach hat die 

Beschwerdegegnerin weiter berufsberaterisch abzuklären, wie viel der 

Beschwerdeführer als kaufmännischer Sachbearbeiter auf einem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt verdienen würde, um so einen Vergleich zum möglichen Lohn des 

Beschwerdeführes als Verkäufer vornehmen zu können. Die Sache ist damit auch 

diesbezüglich zur weiteren berufsberaterischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen.

3.2.1. 

Wie das Belastungsprofil für die Tätigkeit als Fitnessbetreuer aussieht und ob 

diesbezüglich noch eine verbleibende Arbeitsfähigkeit besteht, hat die 

Beschwerdegegnerin ebenfalls nicht abgeklärt. Aufgrund des Verdachts auf eine 

Anabolika-induzierte medikamentöse toxische Hepatopathie kann eine Arbeitsfähigkeit 

als Fitnessbetreuer ohne genauere Abklärungen weder bejaht noch ausgeschlossen 

werden. Die Beschwerdegegnerin hat folglich sowohl berufsberaterisch das 

Belastungsprofil als auch medizinisch die verbleibende Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers als Fitnessbetreuer abzuklären. Falls eine verbleibende 

Arbeitsfähigkeit vorhanden ist, hat die Beschwerdegegnerin weiter berufsberaterisch 

3.2.2. 

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4.  

Entscheid

abzuklären, wie hoch das Einkommen des Beschwerdeführers hierfür wäre. Die Sache 

ist deshalb nicht nur zur berufsberaterischen, sondern auch zur ergänzenden 

medizinischen Abklärung, das heisst zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers (unter Berücksichtigung allfälliger medizinischer Massnahmen) für 

die Tätigkeit als Fitnessbetreuer an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

Wenn der Beschwerdeführer als kaufmännischer Sachbearbeiter oder Fitness­

betreuer (falls er für letzteres arbeitsfähig ist) nicht mehr als 20% weniger verdient als in 

einer Tätigkeit als Verkäufer, hat er keinen Anspruch auf eine Umschulung. Verdient er 

hingegen weniger als 80% von dem, was er als Verkäufer aktuell im fiktiven 

"Gesundheitsfall" verdienen würde, hat er einen Umschulungsanspruch, da ihm ohne 

Umschulung keine geeignete alternative Tätigkeit zur Verfügung steht, mit er die 

annähernd gleichen Verdienstmöglichkeiten erzielen könnte.

3.2.3. 

Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 13. November 2019 in dem die 

Umschulung betreffenden Teil aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme von 

weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen.

3.3. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erweist 

sich als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist diese Gebühr 

vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss 

in gleicher Höhe ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

4.1. 

bis

Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach 

Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis 

Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Honorarnote 

eingereicht. Der Vertretungsaufwand ist als deutlich unterdurchschnittlich zu 

qualifizieren, da die seit dem letzten Beschwerdeverfahren neu hinzugekommenen 

Akten gering gewesen sind und da der Rechtsvertreter keine Replik verfasst hat. Somit 

ist die Entschädigung auf Fr. 2'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) 

festzusetzen.

4.2. 

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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 19. März 2021 

für den die Umschulung betreffenden Teil aufgehoben und die Sache wird zur weiteren 

Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen; der 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.

3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 2'500.-- zu bezahlen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 23.11.2021
	Art. 8 und 17 IVG. Anspruch auf eine Umschulung. Der Anspruch auf eine Umschulung setzt eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens etwa 20 Prozent im erlernten Beruf oder in einem Beruf voraus, den die versicherte Person im Rahmen einer Umschulung erlernt hat (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. November 2021, IV 2021/88).

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		2025-07-19T02:15:16+0200
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