# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b1e2493f-3a94-5353-b5b7-bb6adf610f7d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.09.2020 E-6106/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6106-2018_2020-09-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6106/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  S e p t e m b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Mia Fuchs,  

Richterin Esther Marti,    

Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

(…),   

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. September 2018 / N (…). 

 

 

 

E-6106/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin – eine eritreische Staatsangehörige tigrinischer 

Ethnie aus Asmara mit letztem Wohnsitz in B._______, C._______, 

D._______ – gelangte am 5. September 2015 in die Schweiz, wo sie am 

9. September 2015 um Asyl nachsuchte. Am 23. September 2015 fand die 

Befragung zur Person (BzP) statt. Am 30. Mai 2017 wurde sie ausführlich 

zu ihren Asylgründen angehört. 

Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen da-

mit, sie sei als Kleinkind zusammen mit ihrer Familie von Asmara nach 

B._______ umgezogen, wo sie bis zu ihrer Ausreise gewohnt habe. Ihr Va-

ter habe die Familie verlassen und eine andere Frau geheiratet, mit der er 

in E._______ – unweit der Grenze zu Äthiopien – lebe. Ihre Mutter habe 

bis im Jahr 2004, als sie an einer HIV-Infektion gestorben sei, ein (…) be-

trieben. Danach habe sich die Beschwerdeführerin um ihre Geschwister 

gekümmert. Ihr Vater und ihr in England wohnhafter Bruder hätten sie seit-

her finanziell unterstützt. Sie habe, um länger bei ihren Geschwistern zu 

Hause bleiben zu können, die Schulklassen mehrmals wiederholt. Sie 

habe sich schliesslich für die elfte Klasse registriert, um einen Passier-

schein erhalten zu können. Im Oktober 2014 habe sie die elfte Klasse im 

Alter von (…) Jahren abgebrochen, da sie sonst für die zwölfte Klasse nach 

Sawa hätte gehen müssen. Nachdem sie in der Folge vom Dorfverwalter 

eine Aufforderung für den Militärdienst erhalten habe, habe sie sich zur 

Ausreise entschlossen. Sie sei zwischen Oktober und November 2014 ille-

gal aus Eritrea in den Sudan ausgereist und habe sich dort von Dezember 

2014 bis August 2015 aufgehalten. In dieser Zeit habe sie einen Bekannten 

nach Brauch geheiratet. Ihr Ehemann habe jedoch aus finanziellen Grün-

den nicht (mit ihr) weiterreisen können. Sie habe seit ihrer Weiterreise kei-

nen Kontakt mehr mit ihm, zumal sie sich nicht mehr gut verstanden hätten. 

Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. 

Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens 

ihre Identitätskarte, einen Führerschein, ein Zertifikat "first aid" und ein Dip-

lom für "(…)", ausgestellt am 8. Oktober 2011 in Asmara, – alles im Original 

– als Beweismittel ein. 

B.  

Mit Verfügung vom 26. September 2018 stellte das SEM fest, die Be-

schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 

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Seite 3 

Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz 

und ordnete den Vollzug an. Es begründete seine Verfügung im Wesentli-

chen damit, die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden weder den An-

forderungen an die Flüchtlingseigenschaft noch denjenigen an die Glaub-

haftigkeit standhalten. 

C.  

Mit Eingabe vom 26. Oktober 2018 erhob die Beschwerdeführerin beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung, sinngemäss die Gewährung von Asyl, die Aner-

kennung der Flüchtlingseigenschaft und/oder die Anordnung der vorläufi-

gen Aufnahme, eventualiter die Feststellung der Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses.  

Gleichzeitig wurden eine Fürsorgebestätigung vom 15. Oktober 2018 und 

ein ärztlicher Bericht von F._______, vom 16. Oktober 2018 eingereicht. 

D.  

Mit Verfügung vom 31. Oktober 2018 wurde das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses verzichtet. Ferner wurde die Beschwerdeführe-

rin dazu aufgefordert, einen ärztlichen Bericht sowie eine ärztliche Entbin-

dungserklärung nachzureichen. 

E.  

Mit Eingabe vom 15. November 2018 reichte die Beschwerdeführerin ei-

nen ärztlichen Bericht ihres Hausarztes F._______, vom 8. November 

2018, und eine ärztliche Entbindungserklärung ein. 

F.  

Das SEM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 26. November 2018 

die Abweisung der Beschwerde und nahm dazu Stellung. 

G.  

Mit Eingabe vom 11. Dezember 2018 reichte die Beschwerdeführerin eine 

Replik ein. 

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Seite 4 

H.  

Mit Verfügung vom 9. Juni 2020 wurde die Beschwerdeführerin zur Einrei-

chung von aktualisierten Arzt- und Therapieberichten aufgefordert. 

I.  

Die Beschwerdeführerin reichte am 24. Juni 2020 einen ärztlichen Bericht 

von F._______, vom 22. Juni 2020 zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015).  

1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1-7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins 

AIG übernommen worden. Das Gericht verwendet nachfolgend die neue 

Gesetzesbezeichnung. 

1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

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angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Ent-

scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen 

Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf 

eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung 

für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen 

Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie 

und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheits-

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gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekenn-

zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere 

Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen ins-

besondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nach-

geschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht 

es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüg-

lich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der 

Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Ge-

suchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die 

positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es dem-

nach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in 

Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-

stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE KNEER und LINUS 

SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick 

über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015 

S. 5). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid damit, die 

Vorbringen der Beschwerdeführerin enthielten bedeutende Ungereimthei-

ten, welche auch ihre Biographie und ihre Familienverhältnisse betreffen 

würden. Während sie ausgesagt habe, sie sei bereits als kleines Kind zu-

sammen mit ihrer Familie nach B._______ umgezogen, habe ihre Schwes-

ter G._______ im Rahmen ihres Asylgesuchs im Jahre 2007 angegeben, 

sie selber sei im Jahre 2006 von Asmara weggegangen, ihre Geschwister 

hätten sich jedoch noch in Asmara aufgehalten. Aufgrund der Angaben der 

Beschwerdeführerin zu ihrem Alter wäre sie jedoch im Jahre 2006 bereits 

ungefähr (…) Jahre alt und somit kein kleines Kind mehr gewesen. Ge-

mäss den Angaben von G._______ sei die Mutter im Jahre 2005 in Asmara 

gestorben, somit hätten sich alle Geschwister noch dort aufgehalten. 

G._______ habe jedoch keinen Umzug nach B._______ erwähnt, der dem 

Tod ihrer Mutter vorausgegangen sei. Aus den Schilderungen von 

G._______ sei zu schliessen, dass diese nach dem Tod der Mutter als äl-

testes Kind für die Betreuung der Geschwister habe aufkommen müssen, 

währenddem die Beschwerdeführerin angegeben habe, sie habe die Ver-

antwortung der Familie übernehmen müssen. Weiter habe sich die Be-

schwerdeführerin in Bezug auf ihren Bildungsweg – den Ort ihrer Einschu-

lung (B._______ beziehungsweise Asmara) sowie ihre Berufsbildung (BzP: 

Keine Berufsausbildung respektive Anhörung: Ausbildung zur […]) – wider-

sprochen. Weitere Ungereimtheiten hätten sich in Bezug auf die Anzahl 

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ihrer Geschwister und den Namen einer Schwester ergeben. Konfrontiert 

mit einer Vielzahl dieser Widersprüche habe sie diese nicht ausräumen 

können. Es entstehe der Eindruck, dass sie sich länger als angegeben in 

Asmara aufgehalten habe. Die Divergenzen würden nicht zur Glaubhaf-

tigkeit ihrer Asylgründe beitragen. Ferner habe sie zum Zeitpunkt des Er-

halts des schriftlichen Aufgebots für den Militärdienst in der BzP und an-

lässlich der Anhörung verschiedene Angaben gemacht (BzP: Zuerst habe 

sie es nicht gewusst, dann aber "Ungefähr zwei Monate nach dem Schul-

abbruch im Oktober"; Anhörung: "Im Oktober 2014, im Monat des Schul-

abbruchs und nicht zwei Monate danach"). Zudem habe sie auf die Frage 

nach der Zeitspanne zwischen Schulabbruch und Erhalt des Aufgebots 

ausweichende Angaben gemacht. Im Weiteren habe sie zuerst angege-

ben, niemandem von ihrem Aufgebot erzählt zu haben; später habe sie 

jedoch berichtet, ihren Vater davon ins Bild gesetzt zu haben. Auch habe 

sie zum Aufenthalt in E._______ vor der vermeintlich illegalen Ausreise 

(Besuch des Vaters, Dauer, Reisevorbereitung, Anzahl mitreisender Per-

sonen) sowie zum Zeitpunkt ihrer Ausreise widersprüchliche Angaben ge-

macht.  

Die Vorinstanz hielt weiter fest, die Beschwerdeführerin habe die Begeben-

heit mit dem Polizisten, der sie belästigt und versucht habe, sie zu verge-

waltigen, in der BzP nicht erwähnt und damit anlässlich der Bundesanhö-

rung nachgeschoben. Ungeachtet dessen sei in diesem Vorbringen keine 

Asylrelevanz ersichtlich.  

Ferner erachtete es die Vorinstanz als unglaubhaft, die Beschwerdeführe-

rin sei ungefähr im Alter von (…) Jahren und nicht bereits nach Erlangung 

der Volljährigkeit mit 18 Jahren oder unmittelbar danach für den Militär-

dienst aufgeboten worden und damit ungefähr (…) Jahre vom Militärdienst 

verschont geblieben. Dies sei nicht nachvollziehbar, da die Schulbehörden 

dagegen gewesen seien, dass sie kontinuierlich die Klassen wiederholt 

habe. Diese hätten auf sie Druck ausgeübt. Dass es in den Jahren vor Er-

halt der Vorladung zu einer Häufung von glücklichen Zufällen gekommen 

sei, weswegen sie nicht aufgeboten worden sei, biete aufgrund der darge-

legten Konstellation keinen Aufschluss. Zudem seien ihre Aussagen zum 

Inhalt der Vorladung allgemeingültig und vage ausgefallen, was erstaune, 

da diese ein zentrales Element für ihren Ausreiseentschluss darstelle und 

somit substanziierte Aussagen zu erwarten wären. 

Schliesslich wies die Vorinstanz auf das Koordinationsurteil des Bundes-

verwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 hin, gemäss dem 

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nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass 

sich eritreische Staatsangehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit 

Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sehen würden, die asylrecht-

lich relevant wären. Weiter hielt sie fest, es seien vorliegend auch keine 

Anknüpfungspunkte ersichtlich, welche sie (die Beschwerdeführerin) in 

den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen 

lassen könnten, zumal ihre diesbezüglichen Vorbringen unglaubhaft aus-

gefallen seien. 

4.2 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Rechtsmitteleingabe zum ab-

lehnenden Asylentscheid geltend, die Probleme mit einem Polizisten im 

Jahre 2012/2013, welche nicht der Grund für ihre Ausreise gewesen seien, 

würden sie noch heute beschäftigen. Ihre in Eritrea gebliebenen Brüder 

seien im Militärdienst; einer sei vor fünf Jahren ins Gefängnis gesteckt und 

nicht wieder freigelassen worden. Auch ihr Bruder H._______ habe viele 

Klassen wiederholt, um nicht eingezogen zu werden. Sie sei zwei Tage 

nach Erhalt der Vorladung nach Asmara gereist und am nächsten Tag nach 

E._______. Von dort sei sie mit vielen Unterbrüchen nach I._______ ge-

langt, wo sie zu Fuss die Grenze nach J._______ illegal überquert habe. 

Im Falle einer Rückkehr nach Eritrea würde sie misshandelt und inhaftiert. 

Sie habe den Einberufungsbefehl nach Erhalt sofort weggeworfen und 

könne ihn deshalb nicht vorlegen. Sie habe detaillierte Angaben zu ihrer 

Flucht gemacht. Überdies seien ihre in Eritrea verbliebenen Familienmit-

glieder, da bereits zwei ihrer Geschwister – ihr Bruder nach Grossbritan-

nien und ihre Schwester in die Schweiz – illegal ausgereist waren, nun ex-

poniert.  

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu 

Recht abgelehnt hat. Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffen-

den Erkenntnis gelangt, dass die Verfolgungsvorbringen der Beschwerde-

führerin weder den Anforderungen an die Glaubhaftmachung noch denje-

nigen an die Asylrelevanz genügen. Die Ausführungen in der Beschwerde-

schrift und die dort gemachten Hinweise auf verschiedene Berichte sind 

nicht geeignet, zu einer anderen Schlussfolgerung zu führen.  

5.2 Insbesondere vermag die Beschwerdeführerin den Erwägungen der 

Vorinstanz nichts Substanzielles entgegenzusetzen, zumal sie sich in der 

Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen auf eine Wiederholung einzelner 

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Aussagen (Zeitpunkt des Umzugs nach B._______, Klassenwiederholun-

gen, Zeitpunkt des Schulabbruchs und des Erhalts des Einberufungs-

schreibens, Ausreiseumstände) beschränkt. Damit bringt sie hinsichtlich 

der von der Vorinstanz als unglaubhaft bezeichneten Vorbringen in Bezug 

auf ihre Biographie, ihre Familienverhältnisse und die Klassenwiederholun-

gen keine Argumente vor, die zu einem anderen Schluss führen könnten. 

Auch wenn in Bezug auf die Umstände (Zeitpunkt, Ort) des Wegzugs der 

Familie nicht ohne weiteres auf die Aussagen der Schwester (N […]) abge-

stellt werden darf, bestehen aus anderen Gründen erhebliche Zweifel an 

der von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Version. So machte sie gel-

tend, bereits als kleines Kind zusammen mit ihrer Familie von Asmara nach 

B._______ (C._______, D._______) gezogen zu sein und dort bis zu ihrer 

Ausreise gelebt zu haben (A7 S. 7, A21 F253). Dem im vorinstanzlichen 

Verfahren eingereichten Führerschein, der am (…) 2008 durch das Minis-

terium für Verkehr und Kommunikation, Abteilung Landverkehr, ausgestellt 

worden ist, ist indes als Wohnadresse K._______, Asmara, zu entnehmen. 

Dies steht im klaren Widerspruch zu ihren Angaben zum angegebenen 

Wohnort. Im Weiteren hat die Beschwerdeführerin gemäss dem Zertifikat, 

das am (…) 2011 vom Ministry of Education, L._______, ausgestellt wor-

den ist, in Asmara eine sechsmonatige Ausbildung zur (…) absolviert. Dies 

erstaunt, hat sie doch angegeben, in der Schule immer wieder die Klassen 

wiederholt und die elfte Klasse im Herbst 2014 abgebrochen zu haben, um 

ihre jüngeren Geschwister zu betreuen, und verneint, neben dem Ersthil-

fekurs eine Berufsausbildung absolviert zu haben (A7, S. 4). Diese Unter-

lagen – das Zertifikat sowie der Führerschein – sprechen somit für die Ver-

sion ihrer Schwester, wonach die Beschwerdeführerin und ihre Familie zum 

Zeitpunkt der Ausreise in Asmara gewohnt haben.  

5.3 Ferner hat die Vorinstanz im Zusammenhang mit dem Erhalt eines Mi-

litäraufgebots zu Recht auf weitere Widersprüche in den Angaben der Be-

schwerdeführerin – betreffend Zeitpunkt, Mitteilung an ihren Vater, Aufent-

halt in M._______, etcetera – hingewiesen, zu denen sie sich auf Be-

schwerdeebene nicht mehr geäussert hat. Ausserdem hat es die Vo-

rinstanz zu Recht als befremdend respektive nicht nachvollziehbar be-

zeichnet, dass es der Beschwerdeführerin gelungen sein soll, durch zahl-

reiche Klassenwiederholungen während ungefähr (…) Jahren vom Militär-

dienst verschont zu bleiben. Im Zusammenhang mit dem Erhalt des Mili-

täraufgebots hat sie zudem nur vage Aussagen machen können, was ge-

gen das von der Beschwerdeführerin doch als zentral für ihre Ausreise gel-

tend gemachte Vorbringen spricht. Mit ihrer Erklärung, sie habe den Ein-

berufungsbefehl nicht vorweisen können, weil sie nicht gewusst haben 

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konnte, dass sie diesen vorzuweisen habe, gelingt es ihr nicht, die ange-

führten Unglaubhaftigkeitselemente umzustossen.   

5.4 Soweit die Beschwerdeführerin auf ihre illegale Ausreise hinweist, hat 

die Vorinstanz sodann zu Recht auf die aktuelle Praxis des Bundesverwal-

tungsgerichts hingewiesen, gemäss welcher nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass einer Person einzig auf-

grund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung 

droht (vgl. Referenzurteil des BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 

E. 5.1). Das SEM hat zudem zutreffend ausgeführt, dass vorliegend keine 

anderen Anknüpfungspunkte ersichtlich sind, welche die Beschwerdefüh-

rerin in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person er-

scheinen lassen könnten. Zur Annahme solcher Anknüpfungspunkte ver-

mögen ihre Vorbringen, welche ohnehin unglaubhaft ausgefallen sind, 

nicht auszureichen. Auch der Hinweis auf ihre Geschwister, welche bereits 

vor einigen Jahren ausgereist seien – ihr Bruder nach England und ihre 

Schwester in die Schweiz –, lassen keine andere Schlussfolgerung zu, zu-

mal sie anlässlich ihren Anhörungen nie geltend gemacht hat, wegen die-

sen Geschwistern seitens der eritreischen Behörden Nachteilen ausge-

setzt gewesen zu sein. Schliesslich ist auch das Ereignis mit dem Polizis-

ten 2012/13 nicht geeignet als zusätzlicher Anknüpfungspunkt, zumal die 

Beschwerdeführerin angegeben hatte, nach ihrer Anzeige sei dieser ver-

setzt worden und danach habe sie Ruhe von ihm gehabt. 

5.5 Nach dem Gesagten ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, 

eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaub-

haft zu machen. Das SEM hat das Asylgesuch somit zu Recht abgewiesen. 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

 

 

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Seite 11 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwer-

deführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung 

nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran-

kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine 

Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimat-

staat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-

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Seite 12 

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat 

lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig 

erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 

im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug der Wegweisung für Aus-

länderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder 

Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei-

ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Art. 83 

Abs. 4 AIG findet insbesondere Anwendung auf Personen, die nach ihrer 

Rückkehr einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie aus objektiver 

Sicht wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrschein-

lichkeit in völlige und andauernde Armut gestossen würden, dem Hunger 

und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustan-

des, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (BVGE 2014/26 

E. 7.5, 2011/24 E. 11.1 m.w.H.). Aus medizinischen Gründen kann nur 

dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden, 

wenn eine notwendige Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung 

steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein-

trächtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führt. Da-

bei wird diejenige allgemeine und dringende medizinische Behandlung als 

relevant erachtet, die zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Exis-

tenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls nicht bereits 

dann vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat nicht eine dem hohen 

schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung mög-

lich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Wird eine konkrete Gefährdung fest-

gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-

nahme zu gewähren. 

7.4.1 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest, es bestün-

den weder individuelle Gründe noch besondere Umstände, welche auf eine 

Existenzbedrohung schliessen und den Wegweisungsvollzug der Be-

schwerdeführerin nach Eritrea als unzumutbar erscheinen liessen. Sie sei 

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Seite 13 

eine junge Frau, welche eine Berufsausbildung in Asmara absolviert und 

einen Führerschein erworben habe. Zudem sei davon auszugehen, dass 

sie in Asmara über ein Beziehungsnetz verfüge. Es würden gewisse Ge-

schwister in Eritrea leben, die zwar im Militärdienst seien, zu denen sie 

aber sporadisch Kontakt habe. Zudem seien ihr Vater und dessen Ehefrau 

in Eritrea. Ferner seien ihr in England wohnhafter Bruder und ihr Vater für 

den Lebensunterhalt ihrer in Eritrea lebenden Familie aufgekommen. Der-

selbe Bruder habe ihre Ausreise mit 3'600 USD finanziert, womit auch eine 

gewisse finanzielle Grundlage gegeben sei. Es seien keine gesundheitli-

chen Gründe vorhanden, die gegen den Vollzug der Wegweisung sprechen 

würden.  

7.4.2 Demgegenüber wies die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde 

auf gesundheitliche Probleme hin, die dem Vollzug der Wegweisung ent-

gegenstünden. Zudem führte sie aus, sie sei zwar einige Monate lang als 

(…) angelernt worden, habe jedoch nie auf diesem Beruf gearbeitet. Weiter 

verfüge sie über kein familiäres oder soziales Beziehungsnetz, da ihre Ge-

schwister im Ausland, im Gefängnis oder im Militärdienst seien. Von ihrem 

Vater habe sie seit ihrer Flucht nichts mehr gehört. 

In dem zusammen mit der Beschwerdeschrift eingereichten ärztlichen Be-

richt von F._______, vom 16. Oktober 2018, wurde bei ihr eine rezidivie-

rende mittelgradige depressive Störung, welche mit Antidepressiva und ei-

ner Gesprächstherapie behandelt werde, sowie eine primäre Dysmenor-

rhoe, welche mit Analgetika behandelt werde, diagnostiziert. 

7.4.3 Die Vorinstanz führte in ihrer Vernehmlassung zu den vorgebrachten 

gesundheitlichen Problemen aus, bei der Dysmenorrhoe handle es sich um 

Regelschmerzen, an denen viele Frauen leiden würden und für deren Be-

handlung sie Analgetika erhalte, die auch in Eritrea erhältlich sein dürften. 

In Eritrea bestünden zudem gewisse Möglichkeiten, um psychische Er-

krankungen zu behandeln, so in Asmara, wo die Beschwerdeführerin über 

Anknüpfungspunkte eines Beziehungsnetzes verfüge. Zwar sei der Zu-

gang zu psychiatrischer Behandlung mangels ausreichendem Fachperso-

nal erschwert. Es könne aber nicht geschlossen werden, dass sie bei einer 

Rückkehr mangels einer notwendigen medizinischen Behandlung einer 

akuten Lebensgefahr ausgesetzt wäre.  

7.4.4 Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Replik demgegenüber gel-

tend, gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts sei angesichts der 

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Seite 14 

schwierigen allgemeinen Lage in Eritrea in Einzelfällen von einer Existenz-

bedrohung auszugehen, wenn besondere Umstände vorliegen würden. 

Dies sei bei ihr der Fall, da sie körperlich und psychisch auf medizinische 

Betreuung angewiesen und der Zugang zu psychiatrischer Betreuung in 

Eritrea erschwert sei. Zudem verfüge sie über kein familiäres Beziehungs-

netz.  

7.4.5 In einem weiteren ärztlichen Bericht von F._______, vom 22. Juni 

2020, bestätigte dieser die bisherige Diagnose. Deshalb nehme die Be-

schwerdeführerin seit langem Antidepressiva sowie Analgetika ein und be-

finde sich bei ihm in Gesprächstherapie. Seit einigen Wochen leide sie 

auch an starken Kopfschmerzen, deren Ursache noch unklar sei. 

7.4.6 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem 

Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs-

weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge-

gangen werden. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig, 

jedoch haben sich in jüngster Zeit die Lebensbedingungen in einigen Be-

reichen verbessert. So haben sich die medizinische Grundversorgung, die 

Ernährungssituation, der Zugang zu Wasser und zur Bildung stabilisiert. 

Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse 

Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch 

die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil 

der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage 

des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-

bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. 

Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende 

individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-

2311/2016 vom 17. August 2017 E. 17). 

7.4.7 Im vorliegenden Einzelfall handelt es sich um eine (…)-jährige allein-

stehende Frau – zu ihrem Ehemann, den sie im Sudan geheiratet habe, 

habe sie den Kontakt abgebrochen – , welche gemäss den eingereichten 

Unterlagen über eine sechsmonatige Ausbildung als (…) verfügt und im 

Besitze eines Führerscheins ist. Zudem ist mit der Vorinstanz davon aus-

zugehen, dass sie weiterhin gewisse Kontakte zu ihren Brüdern in Eritrea 

hat. Auch spricht nichts gegen eine erneute Kontaktaufnahme mit ihrem 

Vater, mit dem sie seit ihrer Ausreise keinen Kontakt mehr gehabt haben 

soll, sowie dessen Ehefrau. Abgesehen davon ist davon auszugehen, dass 

sie an ihrem alten Wohnort über weitere Beziehungen und Kontakte und 

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Seite 15 

somit ein ausreichendes Beziehungsnetz verfügt. Ausserdem kann sie bei 

Bedarf erneut ihren Bruder in England um finanzielle Unterstützung bitten. 

Selbst wenn die Beschwerdeführerin nach einer längeren Landesabwe-

senheit bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea in einer ersten Zeit auf 

gewisse Anfangsschwierigkeiten stossen sollte, ist insgesamt davon aus-

zugehen, dass sie durch ihre Verwandten und Bekannten Unterstützung 

erhalten wird, so dass sie dort eine wirtschaftliche Existenz wird aufbauen 

können.  

7.4.8 Schliesslich spricht auch aus medizinischer Sicht nichts gegen eine 

Rückkehr der Beschwerdeführerin. Unter Berücksichtigung der eingereich-

ten, hievor erwähnten ärztlichen Berichte ist festzustellen, dass die medi-

zinische Grundversorgung in Eritrea grundsätzlich vorhanden ist, wenn 

auch bei weitem nicht auf dem hiesigen Niveau. Eine Behandlung der star-

ken Menstruationsbeschwerden der Beschwerdeführerin ist auch in Eritrea 

möglich, zumal die gebräuchlichsten Medikamente der Grundversorgung – 

so auch Analgetika, sogenannte Schmerzmittel – grundsätzlich verfügbar 

und kostenlos sind. Dies gilt im Übrigen auch in Bezug auf die bei der Be-

schwerdeführerin seit kurzem aufgetretenen Kopfschmerzen. 

Was die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin betrifft, ist der Zu-

gang zu psychiatrischer Behandlung trotz Verbesserung der medizinischen 

Infrastrukturen in Eritrea mangels ausreichenden Fachpersonals zwar 

nach wie vor erschwert (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), Eritrea: 

Gesundheitsversorgung, 3. Juli 2019; European Asylum Support Office, 

EASO-Bericht über Herkunftsländer-Informationen, Länderfokus Eritrea, 

Mai 2015). Mehrere Quellen erwähnen, dass das St. Mary Psychiatric Hos-

pital in Asmara die einzige Institution in Eritrea ist, die auf die Behandlung 

von psychischen Krankheiten ausgerichtet ist (SFH, Eritrea: Gesundheits-

versorgung, a.a.O.). Im Bericht der SFH wird ferner erwähnt, dass Psycho-

pharmaka in Eritrea kaum erhältlich sind und davon ausgegangen werden 

muss, dass die psychiatrische Grundversorgung in Eritrea nicht gewähr-

leistet ist. Allerdings ist vorliegend festzuhalten, dass auf Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs nur dann geschlossen werden kann, wenn eine 

notwendige medizinische Behandlung im Heimatstaat schlicht nicht zur 

Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden-

den Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur Invalidität oder gar 

zum Tod der betroffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allge-

meine und dringende Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung ei-

ner menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist (vgl. BVGE 2011/50 

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Seite 16 

E. 8.3). Keine Unzumutbarkeit liegt vor, wenn eine medizinische Behand-

lung im Heimat- oder Herkunftsstaat möglich ist; dies gilt auch dann, wenn 

die zur Verfügung stehende Behandlung nicht den schweizerischen Stan-

dards entspricht (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, BVGE 2009/2 E. 9.3.2, mit 

Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). 

7.4.9 Aus den vorliegend diagnostizierten Beeinträchtigungen kann nicht 

geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr 

mangels einer notwendigen medizinischen Behandlung einer akuten Le-

bensgefahr ausgesetzt wäre. Was die psychischen Beschwerden betrifft, 

welche gemäss den eingereichten ärztlichen Berichten "schon lange" mit 

Antidepressiva und Gesprächstherapie beim Hausarzt behandelt werden, 

kann den äusserst kurz gehaltenen ärztlichen Berichten des behandelnden 

Arztes vom 16. Oktober 2018 und 22. Juni 2020 nicht entnommen werden, 

dass die genannten Beschwerden eine Behandlung durch einen Facharzt 

notwendig gemacht hätten. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass die Be-

schwerdeführerin im Falle einer Rückkehr im Bedarfsfall in Asmara das St. 

Mary Psychiatric Hospital zwecks Behandlung aufsuchen kann, auch wenn 

eine dortige psychiatrische Behandlung auf einem tiefen Niveau liegt und 

mangels Fachpersonal stark eingeschränkt ist. Daher vermögen diese 

nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu sprechen, da 

die von der Rechtsprechung für die Unzumutbarkeit des Vollzugs gefor-

derte hohe Schwelle der gesundheitlichen Beeinträchtigung aufgrund der 

Aktenlage nicht erfüllt ist. Für eine medizinische Weiterbehandlung der Be-

schwerdeführerin ist ferner auf die Möglichkeit einer individuellen medizini-

schen Rückkehrhilfe, die nicht nur in der Form der Mitgabe von Medika-

menten, sondern beispielsweise auch in der Organisation und Übernahme 

von Kosten für notwendige Therapien bestehen kann, zu verweisen 

(Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 

1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). 

7.4.10 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

7.5 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass eine zwangsweise Rückfüh-

rung nach Eritrea derzeit generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der frei-

willigen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmög-

lichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG entge-

gen. Es obliegt daher der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen 

Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-

dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

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Seite 17 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

7.6 Im Übrigen steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-

zug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt vo-

raus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, son-

dern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf 

Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären 

Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission  

[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). 

Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss 

temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-

dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem 

etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatstaat angepasst 

wird. In diesem Rahmen würde auch eine allfällige Zugehörigkeit der Be-

schwerdeführerin zu einer Corona-Risikogruppe Rechnung zu tragen sein. 

7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Verfü-

gung vom 31. Oktober 2018 das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung gutgeheissen, womit auf die Erhebung von Verfah-

renskosten zu verzichten ist, zumal den Akten nicht zu entnehmen ist, dass 

sich die finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin verändert hätten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-6106/2018 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener 

 

 

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