# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aca86778-96fd-5f87-b918-7a75b29d32b0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-08-23
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 23.08.2016 SK 2016 12
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2016-12_2016-08-23.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 16 12

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 23. August 2016 

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), Oberrichterin Bratschi, Ober-
richter Aebi
Gerichtsschreiber Erismann

Verfahrensbeteiligte A.________, Staatsangehörigkeit Mazedonien, ________, Maze-
donien (ohne Domizil in der Schweiz) 
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt X.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern
Anschlussberufungsführerin

und

B.________
vertreten durch Fürsprecherin Y.________

Strafklägerin

Gegenstand sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Betrug etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 30. April 2015 (PEN 14 244)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 30. April 2015 erkannte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau 
(Einzelgericht) in der Strafsache PEN 14 244, was folgt:

«I.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung des Betrugs, angeblich begangen in der Zeit von Anfang 2007 bis ca. Früh-
ling 2007 in R.________ und evtl. anderswo (Ziff. I. 3.3. AK),

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird hingegen schuldig erklärt:

1. der sexuellen Nötigung, begangen am 23. April 2011 in R.________ z.N. d. B.________

2. der Vergewaltigung, begangen am 23. April 2011 in R.________ z.N. d. B.________

3. des Betrugs, mehrfach begangen, teilweise Versuch

3.1. in der Zeit von 24. Februar 2007 bis 14. Juni 2007 in R.________ und evtl. anders-
wo z.N.d. C.________Versicherung (DB: Fr. 17'000.--).

3.2. in der Zeit von 24. Februar 2007 bis 14. Juni 2007 in R.________ und evtl. anders-
wo z.N.d. C.________Versicherung (DB: ca. Fr. 18'000.--, Versuch).

3.3. in der Zeit von 1. Dezember 2009 bis 31. März 2010 in R.________ und evtl. an-
derswo z.N.d. D.________Versicherung (DB: Fr. 865.75).

4. des versuchten Diebstahls, begangen am 4. Juni 2012 in Schüpfen z.N.d. K.________

5. des geringfügigen Diebstahls, begangen am 4. Juni 2012 in Schüpfen z.N.d. K.________ 
(DB: Fr. 28.80)

6. der Sachbeschädigung, begangen am 4. Juni 2012 in Schüpfen z.N.d. K.________ 
(DB: ca. Fr. 500.--)

7. des Hausfriedensbruchs, begangen am 4. Juni 2012 in Schüpfen z.N.d. K.________ 

8. der Nichtabgabe entzogener Ausweise und Kontrollschilder trotz behördlicher Auffor-
derung, begangen am 11. September 2011 in Hinterkappelen 

und in Anwendung der Art. 97 Abs. 1 SVG; 22, 40, 42, 44, 47, 49, 51, 139 Ziff. 1, 144 Abs. 1, 146 
Abs. 1, 172ter, 186, 189 Abs. 1, 190 Abs. 1 StGB; Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

Die Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 186 Tagen wird auf die Freiheitsstrafe ange-
rechnet.

3

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-
setzt.

2. Zu einer Übertretungsbusse von Fr. 150.--. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 2 Tage festgesetzt.

3. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von Fr. 7'536.-- und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von Fr. 19'378.45, insgesamt bestimmt auf 
Fr. 26'914.45 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung auf Fr. 8'536.--).

[Zusammensetzung der Gebühren und Auslagen und reduzierte Verfahrenskosten]

4. A.________ hat der Privatklägerin im Strafpunkt, B.________, eine Entschädigung von 
Fr. 5'686.15 für ihre Aufwendungen im Verfahren zu bezahlen.

III.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwalt X.________ werden – ohne Einschluss des bereits mit 
Verfügung der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau vom 30. Juli 2012 ausgerichteten 
Honorars – noch wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 63.50 200.00 CHF 12'700.00

CHF 917.10
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 13'617.10 CHF 1'089.35

CHF
Total, vom Kanton Bern noch auszurichten CHF 14'706.45

volles Honorar 63.5 250.00 CHF 15'875.00
CHF 917.10

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 16'792.10 CHF 1'343.35
CHF 0.00

Total CHF 18'135.45

nachforderbarer Betrag CHF 3'429.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt X.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ nochmals mit Fr. 14'706.45. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzu-
zahlen und Rechtsanwalt X.________ die Differenz von Fr. 3'429.-- zwischen der 
amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaft-    
lichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

IV.

Weiter wird verfügt:

1. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(PCN-Nr. 15 531917 34) erteilt (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-ProfilG).

2. Schriftlich zu eröffnen:

- den Parteien, vgt.

4

Schriftlich mitzuteilen:

- dem Amt für Migration und Personenstand (MIP, Art. 82 VZAE)
- dem Staatssekretariat für Migration (SEM)»

2. Berufung

2.1 Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt X.________ namens von A.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) mit Eingabe vom 4. Mai 2015 (pag. 679) fristgerecht 
die Berufung an.

2.2 Die schriftliche Urteilsbegründung des Regionalgerichts datiert vom 14. Januar 
2016.

2.3 Am 15. Januar 2016 reichte der Beschuldigte form- und fristgerecht die Berufungs-
erklärung ein (pag. 733 ff.). Darin beschränkte er die Berufung auf die Schuld-
sprüche gemäss Ziff. II.1., 2. und 3.3. des Urteils des Regionalgerichts und «die 
damit zusammenhängenden Folgepunkte».

3. Anschlussberufung

3.1 Mit Eingabe vom 27. Januar 2016 (pag. 747 f.) erhob die Generalstaatsanwalt-
schaft form- und fristgerecht Anschlussberufung und beschränkte diese auf die 
Sanktion.

3.2 Fürsprecherin Y.________ teilte mit Eingabe vom 6. Februar 2016 (pag. 749) na-
mens von B.________ (nachfolgend: Strafklägerin) mit, sie könne sich «den Aus-
führungen [der Generalstaatsanwaltschaft] vollumfänglich anschliessen».

Der Verfahrensleitung interpretierte diese Erklärung als Anschlussberufung der 
Strafklägerin (vgl. Verfügung vom 9. Februar 2016, pag. 751 f.).

Die Parteien machten kein Nichteintretensgründe auf die jeweiligen Berufungser-
klärungen geltend (pag. 756, 758 f.). 

Mit Eingabe vom 10. März 2016 (pag. 760) teilte die Strafklägerin mit, es sei offen-
bar zu einem Missverständnis gekommen. Sie habe lediglich den Ausführungen 
der Generalstaatsanwaltschaft beipflichten, jedoch keine Anschlussberufung erhe-
ben wollen. 

3.3 Zusammenfassend führt somit lediglich die Generalstaatsanwaltschaft Anschluss-
berufung, dies beschränkt auf die Sanktion.

4. Beweisergänzungen

4.1 Von Amtes wegen wurde im Vorfeld der Berufungsverhandlung ein aktueller 
Strafregisterauszug (datierend vom 5. Juli 2016, pag. 798) eingeholt. Daraus geht 
hervor, dass der Beschuldigte mit Strafbefehl SAO 15 749 der Staatsanwaltschaft 
des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, Visp, vom 10. Juni 2015 wegen 
rechtswidrigen Aufenthalts und Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung zu einer beding-
ten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 60.00 (Probezeit 2 Jahre) sowie einer 
Verbindungsbusse von CHF 800.00 verurteilt wurde. Die entsprechenden Akten 
wurden beigezogen (pag. 802 ff.).

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Weiter wurde von Amtes wegen ein aktueller Leumundsbericht («Verwaltungsbe-
richt») der Kantonspolizei Wallis vom 30. Juni 2016 (pag. 796) eingeholt. Der Be-
schuldigte konnte aufgrund seines unbekannten Aufenthaltsorts allerdings nicht be-
fragt werden.

Deshalb wurde der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung noch einmal zu sei-
nen aktuellen persönlichen Verhältnissen einvernommen (pag. 833 ff.).

Die Parteien beantragten keine weiteren Beweisergänzungen.

5. Anträge der Parteien

5.1 Die Verteidigung beantragte an der Berufungsverhandlung vom 23. August 2016 
namens des Beschuldigten, was folgt (pag. 842 f.): 

«I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 30. April 2015 
hinsichtlich der Ziffern I., II. 3.1., 3.2. und 4. – 8., sowie IV. in Rechtskraft erwachsen ist.

II.

A.________ [...] sei freizusprechen

1. von der Anschuldigung der sexuellen Nötigung, angeblich begangen am 23. April 2011 in 
R.________ z.N. B.________ (Ziff. II. 1. des Urteils);

2. von der Anschuldigung der Vergewaltigung, angeblich begangen am 23. April 2011 in 
R.________ z.N. B.________ (Ziff. II. 2. des Urteils);

3. von der Anschuldigung des Betrugs, angeblich begangen in der Zeit von Anfang Dezember 
2009 bis 31. März 2010 in R.________ z.N. der D.________Versicherung, Bern 
(Ziff. II. 3.3. des Urteils);

unter Ausscheidung und Auferlegung von 1/3 der erstinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton 
Bern und unter Ausrichtung einer Entschädigung von 1/3 der Verteidigungskosten für das erstinstanz-
liche Verfahren, sowie unter Auferlegung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton Bern 
und Ausrichtung einer Entschädigung für die Verteidigungskosten für das oberinstanzliche Verfahren 
gemäss eingereichter Kostennote.

III.

A.________ [...] sei gestützt auf die rechtskräftig gewordenen Schuldsprüche in Anwendung der ein-
schlägigen gesetzlichen Bestimmungen zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, unter Feststellung der Tilgung durch die ausge-     
standene Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft.

2. zu einer Busse von CHF 150.00, unter Feststellung der Tilgung durch die ausgestandene 
Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft.

3. zur Bezahlung der auf die Schuldsprüche fallenden anteilsmässigen Verfahrenskosten.

IV.

Das Honorar für die amtliche Verteidigung sei gemäss eingereichter Kostennote zu bestimmen.»

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5.2 Die anschlussberufungsführende Generalstaatsanwaltschaft stellte an der Beru-
fungsverhandlung folgende Anträge (pag. 849 f.): 

«I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau 
(Einzelgericht) vom 30. April 2015 insoweit in Rechtskraft erwachsen ist als

1. A.________ – ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfah-
renskosten – freigesprochen worden ist von der Anschuldigung des Betrugs, angeblich be-
gangen in der Zeit von Anfang 2007 bis. ca. Frühling 2007 in R.________ und evtl. anders-
wo;

2. A.________ schuldig erklärt worden ist wegen

a) Betrugs, mehrfach begangen, teilweise Versuch, in der Zeit vom 24. Februar 2007 
bis 14. Juni 2007 in R.________ und evtl. anderswo z.N. C.________Versicherung 
(DB: CHF 17‘000.00) und in der Zeit vom 24. Februar 2007 bis 14. Juni 2007 in 
R.________ und evtl. anderswo z.N. der C.________Versicherung (DB: ca.              
CHF 18‘000.00, Versuch),

b) versuchten Diebstahls, begangen am 4. Juni 2002 [recte 2012] in Schüpfen z.N. der
K.________,

c) geringfügigen Diebstahls, begangen am 4. Juni 2012 in Schüpfen z.N. der 
K.________ (DB: CHF 28.80),

d) Sachbeschädigung, begangen am 4. Juni 2012 in Schüpfen z.N. der K.________ 
(Schaden: ca. CHF 500.00),

e) Hausfriedensbruchs, begangen am 4. Juni 2012 in Schüpfen z.N. der K.________,

f) Nichtabgabe entzogener Ausweise und Kontrollschilder trotz behördlicher Aufforde-
rung, begangen am 11. September 2011 in Hinterkappelen;

3. A.________ verurteilt worden ist zu einer Übertretungsbusse von 150.00 (Ersatzfreiheits-
strafe von 2 Tagen).

II.

A.________ sei schuldig zu erklären wegen

1. sexueller Nötigung, begangen am 23. April 2011 in R.________ z.N. von B.________ ;

2. Vergewaltigung, begangen am 23. April 2011 in R.________ z.N. von B.________ ;

3. Betrugs, begangen in der Zeit vom 1. Dezember 2009 bis 31. März 2010 in R.________ und 
evtl. anderswo z.N. der D.________Versicherung (DB: CHF 865.75).

III.

A.________ sei gestützt darauf sowie gestützt auf die rechtskräftigen Schuldsprüche in Anwendung 
von Art. 97 Abs. 1 SVG; 22, 40, 42, 44, 47, 49, 51, 139 Ziff. 1, 144 Abs. 1, 146 Abs. 1, 186, 189 Abs. 
1, 190 Abs.1 StGB; Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

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1. zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren, unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer 
Probezeit von 2 Jahren sowie unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- und       
Sicherheitshaft von 186 Tagen;

2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemesse-
ne Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

2. Dem zuständigen Bundesamt sei die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(PCN-NR. 15 531917 34) zu erteilen (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-ProfilG).»

5.3 Die Strafklägerin hat mit Schreiben vom 28. April 2016 (pag. 782) bzw. gemäss 
telefonischer Rücksprache vom 18. August 2016 (pag. 801) auf die Teilnahme an 
der oberinstanzlichen Verhandlung verzichtet und auch keine Anträge gestellt.

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

6.1 Der Beschuldigte hat die Berufung auf einzelne Schuldsprüche beschränkt. Die 
Generalstaatsanwaltschaft hat ihrerseits die Anschlussberufung auf die Sanktion 
beschränkt. 

Es kann folglich festgestellt werden, dass die Freisprüche gem. Ziff. I. (inkl. Kosten 
und Entschädigungspunkt) und die Schuldsprüche gemäss Ziff. II. 3.1., 3.2., 4., 5., 
6., 7. und 8. des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 30. April 
2015 in Rechtkraft erwachsen sind. Ebenfalls in Rechtskraft erwachsen ist die für 
die rechtskräftig beurteilte Übertretung (geringfügiger Diebstahl) ausgesprochene 
Busse von CHF 150.00. Entgegen den Anträgen des Beschuldigten an der Beru-
fungsverhandlung hat die Kammer hierüber nicht reformatorisch zu befinden, da 
die Berufung in der Berufungserklärung auf die erwähnten Schuldsprüche und de-
ren «Folgepunkte» beschränkt worden war und entsprechend auch keine diesbe-
züglichen Abänderungsanträge gestellt worden waren (pag. 733 f.).

6.2 Die übrigen Punkte des Urteils des Regionalgerichts wurden angefochten oder sind 
der Rechtskraft nicht zugänglich.

Die Kammer hat also insbesondere zu befinden über

- die Anschuldigungen der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung, beides 
angeblich begangen am 23. April 2011 in R.________ z.N. B.________;

- die Anschuldigung des Betrugs, angeblich begangen in der Zeit von Anfang 
Dezember 2009 bis Frühling 2010 in R.________ und evtl. andernorts z.N. 
D.________Versicherung (DB: CHF 865.75); 

- die für die erstinstanzlich rechtskräftig beurteilten Verbrechen und Vergehen 
sowie für allfällige oberinstanzliche Schuldsprüche auszusprechende Sanktion;

- die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten;

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- die Entschädigung des amtlichen Verteidigers der beschuldigten Person für 
das erst- und oberinstanzliche Verfahren bzw. allfällige diesbezügliche Rück- 
und Nachzahlungspflichten des Beschuldigten;

- eine allfällige Entschädigung der Strafklägerin für ihre Aufwendungen im erst-
instanzlichen Verfahren (in oberer Instanz wurde keine Antrag auf Entschädi-
gung gestellt); sowie über 

- das Schicksal des erstellten DNA-Profils.

6.3 Diese Punkte überprüft die Kammer umfassend, mit voller Kognition (Art. 398 
Abs. 2 und 3 StPO).

Sie ist aufgrund der Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft dabei im 
Sanktionenpunkt nicht an das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) ge-
bunden. Eine strengere Bestrafung des Beschuldigten ist somit nicht ausgeschlos-
sen.

Allerdings ist die Strafe in ihrer Höhe aufgrund Anklageerhebung beim Einzelge-
richt limitiert. Die Strafobergrenze liegt bei 24 Monaten Freiheitsstrafe (Art. 19 Abs. 
2 lit. b StPO i.V.m. Art. 56 Abs. 2 lit. a des Einführungsgesetzes zur 
Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafprozessordnung 
vom 11. Juni 2009 [EG ZSJ; BSG 271.1] sowie Art. 334 Abs. 1 StPO; vgl. auch Ur-
teil SK 13 37 der 2. Strafkammer vom 2. Juli 2013).

II. Sachverhalt 

7. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Hinsichtlich der allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung, insbesondere der 
Aussagenanalyse, wird auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Ziff. II. 
ihrer Erwägungen, pag. 687 ff.) verwiesen.

8. Vorwurf der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung

8.1 Sachverhalt gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in Ziff. I.1. der Anklageschrift vom 5. September 2014 vor-
geworfen, er habe am 23. April 2011 in R.________ mit offenem Hosenschlitz, aus 
welchem sein erigiertes Glied herausgeragt habe, das Wohnzimmer der ehelichen 
Wohnung betreten. Dort habe er der Strafklägerin befohlen, ihn oral zu befriedigen, 
was diese ablehnt habe. Daraufhin habe er ihren Kopf gepackt, diesen mit beiden 
Händen gewaltsam gegen sein erigiertes Glied gedrückt und die Strafklägerin ge-
zwungen, ihn mit dem Mund oral zu befriedigen, wobei sie ihm gesagt habe, dass 
sie das nicht wolle, und sie sich mit Körperkraft gegen die Übergriffe gewehrt habe. 
Heftige körperliche Gegenwehr oder lautes Schreien habe sie aus Angst vor kör-
perlicher Gewalt durch den Beschuldigten unterlassen (pag. 483).

In Ziff. I.2. der Anklageschrift wird dem Beschuldigten weiter vorgeworfen, die 
Strafklägerin anschliessend gewaltsam ins Schlafzimmer gezerrt und ihr die Trai-
ner- und Unterhose ausgezogen zu haben. Er habe sie auf das Bett gestossen und 
sie gegen ihren Willen erneut dazu gezwungen, sein Glied in den Mund zu neh-

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men,  habe mit Gewalt ihre Beine auseinandergepresst und sei mit seinem Glied in 
ihre Scheide eingedrungen bis er zum Samenerguss gekommen sei, wobei sie im-
mer wieder gesagt habe, dass sie das nicht wolle und sich mit Körperkraft gegen 
die Übergriffe gewehrt habe. Heftige körperliche Gegenwehr oder lautes Schreien 
habe sie aber aus Angst vor körperlicher Gewalt durch den Beschuldigten [auch 
jetzt] unterlassen (pag. 484).

8.2 Ausgangslage / unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte am 17. April 2011 auf dem Mobiltelefon 
der Strafklägerin eine SMS entdeckte, welche diese zuvor an einen anderen Mann 
gesendet hatte. In der Folge begab er sich am 21. April 2011 zu seinem Onkel bzw. 
dessen Sohn nach S.________. Am 23. April 2011 kehrte er nach R.________ in 
das eheliche Domizil zurück. 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass es an diesem am Abend des 23. April 2011 
in der Folge zu Oral- und Vaginalverkehr zwischen ihm und der Strafklägerin ge-
kommen ist. Allerdings habe dieser nicht im Wohnzimmer, sondern lediglich im 
Schlafzimmer stattgefunden und sei einvernehmlich gewesen. Der Beschuldige be-
streitet mithin den genauen Ablauf der sexuellen Handlungen und insbesondere, 
dass diese nicht freiwillig zustande gekommen seien.

Unbestritten ist dagegen, dass der Beschuldigte am nächsten Morgen, dem 24. 
April 2011, persönlich auf der Polizeiwache in R.________ vorstellig wurde und 
meldete, seine Frau habe Selbstmordabsichten geäussert, nachdem er sie wegen 
eines Kontakts zu einem anderen Mann konfrontiert habe. Von der Polizei auf ei-
nem Spielplatz ausfindig gemacht, äusserte die Strafklägerin allerdings, es gehe ihr 
gut, alles sei in Ordnung. 

Am 29. April 2011 erschien die Strafklägerin selber auf der Polizeiwache 
R.________ und gab nun an, es gehe ihr nicht so gut. Sie erkundigte sich nach den 
rechtlich zulässigen Möglichkeiten, die Benützung ihres eigenen PWs durch denn 
Beschuldigten zu unterbinden, da dieser das Auto möglicherweise nicht mehr 
zurückbringen werde. Zudem gab sie an, die Türschlösser ausgewechselt zu ha-
ben, weil sie Angst habe, ihr Mann könnte ihr den gemeinsamen Sohn wegneh-
men. Sie kündigte an, in der folgenden Woche noch einmal vorbeizukommen und 
«etwas zu sagen», doch müsse sie «zuerst zu sich finden».

Am 2. Mai 2011 wurde die die Strafklägerin erneut auf der Polizeiwache 
R.________ vorstellig und meldete eine Vergewaltigung durch ihren Mann. An der 
anschliessenden Einvernahme gab sie zu Protokoll, dass sie am 23. April 2011 
vom Beschuldigten vergewaltigt worden sei. Bereits ca. 2 Jahre zuvor sei es einmal 
zu unfreiwilligem Sex gekommen. Nach der Einvernahme gab sie zudem an, der 
Polizei zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr über kriminelle Machenschaften ih-
res Mannes erzählen zu wollen. Es handle sich um Versicherungsbetrug. 

Anlässlich der Einvernahme vom 20. Mai 2011 bezichtigte die Strafklägerin den 
Beschuldigten dann konkret diverser Versicherungsbetrüge. So habe dieser einmal 
selber das Auto zerkratzt, um von der Versicherung Geld für eine neue Lackierung 
zu erhalten. Ein andermal habe er einen Autounfall bewusst herbeigeführt bzw. 
zumindest nicht vermieden, um Versicherungsleistungen zu kassieren. Er habe 

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auch gesundheitliche Folgen aus diesem Unfall geltend gemacht, die gar nicht be-
standen hätten. Weiter habe er einmal einen Einbruchdiebstahl vorgetäuscht, denn 
der dabei angeblich gestohlene Schmuck sei später plötzlich wieder aufgetaucht 
und der Beschuldigte habe der Versicherung Sachen als gestohlen gemeldet, die 
sie gar nie besessen hätten. Schliesslich habe er sie einmal angewiesen, der Haft-
pflichtversicherung gegenüber anzugeben, sie habe den Fernseher ihrer Schwester 
kaputt gemacht, wobei der Beschuldigte eigentlich den nicht versicherten eigenen 
Fernseher beschädigt habe.

8.3 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhalt gestützt auf die glaubhaften 
und mit den objektiven Beweismitteln übereinstimmenden Aussagen der Strafklä-
gerin als erstellt. 

Zusammengefasst erwog sie, die Strafklägerin habe bei jeder Einvernahme von 
sich aus nicht nur die Vorfälle selber, sondern auch das ganze Rahmengeschehen 
geschildert, in welches diese Vorfälle eingebettet seien. Sie hinterlasse beim Ge-
richt den Eindruck, nichts verbergen zu wollen. Die Aussagen der Strafklägerin sei-
en im Verlauf des Verfahrens weitestgehend konstant geblieben. Ihre Erzählungen 
wirkten in sich logisch, seien nachvollziehbar und ergäben ein stimmiges Ganzes. 
Die Aussagen seien ausserdem detailreich und enthielten zahlreiche ausgefallene 
Nebensächlichkeiten. Auch schildere sie ihre Gefühle und stelle Überlegungen zu 
den mutmasslich psychischen Vorgängen beim Beschuldigten an. Die Strafklägerin 
übertreibe nicht und verzichte darauf, den Beschuldigten unnötig zu belasten. Ihre 
Schilderungen enthielten im Gegenteil auch zahlreiche positive Aussagen über die-
sen. Gleichzeitig sei die Strafklägerin selbstkritisch und belaste sich selbst. Dies al-
les spreche für die Erlebnisbasiertheit ihrer Aussagen, während sich darin keine 
Fantasiesignale fänden.

Die Aussagen des Beschuldigten enthielten hingegen so gut wie keine Realkenn-
zeichen, jedoch jede Menge Fantasiesignale. So fänden sich darin zahlreiche Wi-
dersprüche, etwa, dass er zunächst die Strafklägerin am 23. April 2011 «nicht an-
gefasst» haben wolle, während er später angegeben habe, dass es zu ganz nor-
malem Sex gekommen sei. Weiter habe der Beschuldigte sein Aussageverhalten 
fortwährend seinem ihm von den Strafverfolgungsbehörden offengelegten Wis-
sensstand angepasst. Seine Aussagen seien zudem vielerorts karg und verarmt 
ausgefallen, insbesondere zu den sexuellen Handlungen mit der Strafklägerin habe 
er sich nur sehr allgemein geäussert. Die Schilderungen des Beschuldigten seien 
oft auch unlogisch und für das Gericht kaum nachvollziehbar, etwa, wenn er be-
haupte, die Situation nach seiner Rückkehr an jenem Abend des 23. April 2011 sei 
trotz des Umstandes, dass er die Strafklägerin bereits zuvor für einige Tage verlas-
sen hatte, «ganz normal» gewesen. Auch habe der Beschuldigte keinen einleuch-
tenden Grund für seinen Besuch vom 24. April 2011 bei der Polizei angeben kön-
nen. Auf die wirklichkeitsfremden Aussagen des Beschuldigten könne nicht abge-
stellt werden. 

Es sei folglich auf die Aussagen der Strafklägerin abzustellen. Der Sex sei dem-
nach nicht einvernehmlich gewesen. Es habe sich wohl vorwiegend um eine 

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Machtdemonstration des Beschuldigten gehandelt. Dieser habe dabei die von ihm 
während der Ehe bei der Strafklägerin konditionierte Angst vor körperlicher Gewalt 
schamlos ausgenützt.

8.4 Vorbringen der Parteien

8.4.1 Verteidigung

Die Verteidigung rügte an der Berufungsverhandlung eine falsche Sachverhalts-
feststellung durch die Vorinstanz.

Wenn diese ausführe, die Strafklägerin übertreibe nicht bzw. belaste den Beschul-
digten nicht unnötig, so treffe dies zwar hinsichtlich des Kerngeschehens der an-
geblichen Vergewaltigung/sexuellen Nötigung vom 23. April 2011 zu. Im Übrigen 
habe die Strafklägerin aber – gemeinsam mit ihrer Familie – eine richtige Breitseite 
gegen den Beschuldigten abgefeuert.  

So habe sie – noch bevor sie bei der Polizei das angebliche Sexualdelikt angezeigt 
habe – den Beschuldigten bei der Versicherung in minutiöser Schilderung sämtli-
cher Details wegen des angeblichen Versicherungsbetrugs im Zusammenhang mit 
dem Autounfall angeschwärzt. Die dabei ebenfalls anwesenden Eltern hätten bei 
den Anschuldigungen «munter mitgemischt». Der Vorwurf habe sich aber als halt-
los erwiesen und das Strafverfahren sei diesbezüglich eingestellt worden. Zu der 
Einvernahme bei der Polizei vom 2. Mai 2011 sei die Strafklägerin dann – trotz des 
gewichtigen Vorwurfs der Vergewaltigung – erst noch zu spät gekommen. Auch 
beim Versicherungsbetrug im Zusammenhang mit dem Einbruchdiebstahl habe die 
Strafklägerin versucht, sämtliche Schuld auf den Beschuldigten abzuwälzen, indem 
sie etwa behauptet habe, dieser habe die der Versicherung unterbreitete Liste mit 
den angeblich gestohlenen Gegenständen erstellt. Der Bruder der Strafklägerin 
habe aber bestätigt, dass sie bei der Erstellung dieser Liste beteiligt gewesen sei, 
was im Übrigen auch aus den darauf verwendeten Formulierungen hervorgehe. 
Der Schmuck sei dann bei ihren Eltern gefunden worden, was zeige, dass die 
Strafklägerin entgegen ihrer Darstellung massgeblich an diesem Versicherungsbe-
trug beteiligt gewesen sei. Was schliesslich den Vorwurf des Versicherungsbetrugs 
im Zusammenhang mit den Kratzern am Auto betreffe, sei der Schadensfall be-
zeichnenderweise über den Vater der Strafklägerin abgewickelt worden. Der Gara-
gier habe ausgesagt, es sei sicher nicht der Beschuldigte gewesen. Die Vorinstanz 
sei zum selben Schluss gekommen.

Dies alles lasse auch die Vorwürfe der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung 
in einem anderen Licht erscheinen.

Der wahre Grund für die Trennung der Strafklägerin und des Beschuldigten habe 
denn auch nicht in der angeblichen Vergewaltigung, sondern in ihrer Beziehung zu 
diesem anderen Mann gelegen. Davon habe der Vater der Strafklägerin nichts er-
fahren dürfen. Diese habe Angst vor ihren Eltern gehabt und mit der aussereheli-
chen Beziehung den Kontakt zu ihrer Familie riskiert. Mit der Anschuldigung der 
Vergewaltigung habe sie sich quasi reinwaschen wollen, um ihr Gesicht wahren zu 
können. Die Strafklägerin habe dem Beschuldigten gegenüber denn auch bereits 
angekündigt, sie werde dafür sorgen, dass er nach Mazedonien zurückgehen müs-
se.

12

Komme hinzu, dass die Strafklägerin am 24. April 2011, Tag nach der angeblichen 
Vergewaltigung, der Polizei gegenüber in keinster Weise angedeutet habe, dass es 
zu einem derartigen Vorfall gekommen sei. Vielmehr habe sie gemäss Polizeirap-
port in einem guten Zustand befunden. Erst eine Woche später sei sie dann zur Po-
lizei gegangen, dies allerdings wieder nicht wegen einer Vergewaltigung, sondern 
weil sie sich um ihr Auto gesorgt habe.

Dies alles sei bei der Würdigung der Aussagen der Strafklägerin zu der angebli-
chen Vergewaltigung mit zu berücksichtigen. 

Zudem fänden sich in ihren Aussagen durchaus Widersprüche, einerseits solche zu 
den Aussagen ihrer Eltern, andererseits aber auch solche innerhalb der Aussagen 
der Strafklägerin selbst. So habe diese etwa zunächst von einer zweiten, früheren 
Vergewaltigung berichtet, sich dann aber bei einer späteren Befragung nicht mehr 
an eine solche erinnert. Weiter habe sie zunächst ausgesagt, sie habe nach der 
angeblichen Vergewaltigung Schmerzen gehabt, jedoch keinen Arzt aufgesucht. 
Später habe sie dann zu Protokoll gegeben, sie habe keine Verletzungen gehabt, 
sei aber zur Frauenärztin gegangen. Auch habe die Strafklägerin die ersten Ehe-
jahre zunächst als super beschrieben, später aber ausgesagt, der Beschuldigte 
habe sie bereits damals geschlagen.

Die Aussagen des Beschuldigten zu diesem Anklagepunkt seien zwar zugegebe-
nermassen karger als diejenigen der Strafklägerin. Dies sei jedoch vor dem Hinter-
grund einerseits seiner beschränkten Deutsch-Kenntnisse – der Beschuldigte habe 
einen beschränkten Wortschatz und wisse nicht um die Feinheiten in der Bedeu-
tung gewisser Aussagen – und andererseits seines Charakters zu sehen – er gebe 
sich schnell mit einer Antwort zufrieden. Auch die ihm von der Vorinstanz vorge-
worfenen Widersprüche träfen so nicht zu: Dass er der Polizei gegenüber angege-
ben habe, er habe die Strafklägerin «nicht angefasst», bedeute nicht, dass er damit 
gemeint habe, es sei nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen. Und auch seine 
Aussage, dass alles «ganz normal» gewesen sei, heisse noch lange nicht, dass er 
behauptet habe, alles sei wunderbar gewesen.

Schliesslich seien das von der Strafklägerin für die Vergewaltigung genannte an-
gebliche Motiv der Wut und die Annahme der Vorinstanz, dass es sich um eine 
Machtdemonstration gehandelt habe, nicht nachvollziehbar.

Insgesamt ergäben sich aus den genannten Gründen erhebliche Zweifel an der 
Darstellung der Strafklägerin. Der Beschuldigte sei daher in dubio von den Vorwür-
fen der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung freizusprechen.

8.4.2 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft brachte an der Berufungsverhandlung hingegen vor, 
wenn die Strafklägerin falsche Anschuldigungen hätte erheben wollen, hätte sie 
damit nicht noch zugewartet und der Polizei gegenüber gesagt, sie müsse zuerst 
zu sich finden. Ein solches Vorgehen wäre äusserst kaltblütig und sei der Strafklä-
gerin schlicht nicht zuzutrauen. Hingegen sei das gezeigte Verhalten bei einer er-
lebten Vergewaltigung und gleichzeitig fehlender Unterstützung durch die Eltern 
durchaus nachvollziehbar. Es sei lebensfremd, wenn die Verteidigung verlange, 
dass die Strafklägerin bereits am 24. April 2011 auf dem Spielplatz und erst noch in 

13

Anwesenheit ihres Mannes der Polizei gegenüber belastende Aussagen hätte ma-
chen sollen. Insgesamt habe die Strafklägerin ein opfertypisches Verhalten an den 
Tag gelegt. 

Was das von der Verteidigung vorgebrachte angebliche Motiv für eine Falschbe-
schuldigung anbelange, habe die Strafklägerin den Kontakt zu dem fremden Mann 
von Anfang an zugegeben und dies habe auch nicht zu grösseren Problemen mit 
ihrer Familie geführt. Hinsichtlich der angeblichen Gründe für eine Falschbeschul-
digung habe der Beschuldigte ausserdem widersprüchlich ausgesagt. Einmal soll 
es wegen der Angst der Strafklägerin vor ihrem Vater, dann aber gewesen sein, 
weil sie befürchtet habe, der Beschuldigte nehme den gemeinsamen Sohn mit sich 
nach Mazedonien.

Soweit das Strafverfahren gegen den Beschuldigten in gewissen Punkten einge-
stellt worden sei, sei dies weiter nicht deshalb geschehen, weil man der Strafkläge-
rin nicht geglaubt habe, sondern weil sie den Beschuldigten in jenen Punkten gera-
de nicht stark bzw. über Gebühr belastet habe.

Der Umstand, dass sie die Versicherungsbetrüge chronologisch vor der Vergewal-
tigung gemeldet habe, könne sodann auch darin gründen, dass diese Vorgänge 
nicht gleich schambehaftet seien, wie Sexualdelikte. Eine allfällige Verharmlosung 
ihrer eigenen Rolle bei diesen Versicherungsbetrügen schade der Glaubhaftigkeit 
ihrer Aussagen zur Vergewaltigung nicht. 

Schaue man sich die Aussagen der Strafklägerin an, so fänden sich darin keine 
Strukturbrüche. Sie enthielten zahlreiche originelle Details, auch zum Rahmenge-
schehen. Ihre Aussagen seien in sich stimmig und für Ungereimtheiten gebe die 
Strafklägerin befriedigende Erklärungen. Kleine Widersprüche gebe es aufgrund 
des menschlichen Erinnerungsvermögens immer. Zentral sei, dass diese nicht das 
Kerngeschehen beträfen.

In den Aussagen des Beschuldigten fänden sich dagegen gravierende Wider-
sprüche. So habe er zunächst ausgesagt, er habe die Strafklägerin «nicht ange-
fasst», später aber von sogar zweimaligem einvernehmlichem Sex berichtet. Weiter 
habe er zu Protokoll gegeben, an jenem Abend im Wohnzimmer geschlafen zu ha-
ben, nur um auf Nachhaken seine Aussage dahingehend anzupassen, dass er 
doch im Schlafzimmer geschlafen habe. Es hätte ja auch keinen Grund gegeben, 
im Wohnzimmer zu schlafen, wenn doch nach den Worten des Beschuldigten alles 
«ganz normal» gewesen sei. Der Beschuldigte habe gleichzeitig aber auch ausge-
sagt, er habe sich wegen der SMS an den fremden Mann von der Strafklägerin ge-
trennt, und die Strafklägerin habe ihm vorgeworfen, sie habe «keinen Mann da-
heim». Trotzdem solle es gemäss seinen Aussagen an jenem Abend zu Sex ge-
kommen sein, und dies sogar auf ihre Initiative hin. Diese Geschichte gehe einfach 
nicht auf. An diesem Abend habe nicht die Stimmung für zweimaligen einvernehm-
lichen Geschlechtsverkehr  geherrscht. Der Beschuldigte verstehe im Übrigen die 
deutsche Sprache offenkundig ganz gut, was sich auch an der oberinstanzlichen 
Einvernahme nochmals gezeigt habe. Es möge zutreffen, dass er ein gewisses 
Manko in sprachlichen Finessen habe. Dies könne aber nicht sämtliche seiner Wi-
dersprüche erklären.

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Bezeichnend sei im Übrigen auch die prophylaktische Aussage des Beschuldigten 
bei der Polizei am Tag nach dem Vorfall. Damit habe er die Flucht nach vorne an-
getreten. Auffällig sei diesbezüglich ausserdem, dass er diesen Polizeibesuch vor 
der Strafklägerin verheimlicht habe, obwohl er diesen doch angeblich aus Fürsorge 
ihr gegenüber gemacht habe. 

Zusammengefasst habe die Vorinstanz daher den angeklagten Sachverhalt zu 
Recht als erwiesen erachtet.

8.5 Beweismittel und -würdigung

8.5.1 Aussagen der Strafklägerin

8.5.1.1 Vorbemerkung

Die Strafklägerin wurde im Verlauf des Verfahrens dreimal zu den Sexualdelikten 
befragt: bei der Anzeigeerstattung am 2. Mai 2011, am 20. Mai 2014 und anlässlich 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung am 30. April 2015. Die letzten beiden Ein-
vernahmen wurde parteiöffentlich durchgeführt, wobei die Verteidigung darauf ver-
zichtet hatte, an der Befragung vom 20. Mai 2014 teilzunehmen (pag. 151). Mit die-
ser zweiten Befragung musste derart lange zugewartet werden, weil der Beschul-
digte ab Sommer/Herbst 2012 untergetaucht war. Er war zwar bereits im Septem-
ber 2013 angehalten worden und hatte sich zwecks Vollzugs einer früheren Strafe 
für wenige Tage im Regionalgefängnis Bern befunden. Versehentlich war jedoch 
die Staatsanwaltschaft, welche ihn ebenfalls zur Verhaftung ausgeschrieben hatte, 
nicht informiert worden (pag. 26 f.). Am 15. April 2014 konnte der Beschuldigte 
schliesslich (erneut) verhaftet werden, worauf die Zweitbefragung angeordnet wur-
de.

Die Erstaussagen der Strafklägerin erweisen sich daher im vorliegenden Fall nicht 
nur aufgrund ihrer zeitlichen Nähe zum strittigen Ereignis, sondern auch aufgrund 
der verhältnismässig langen Dauer bis zur Zweitbefragung als besonders auf-
schlussreich. 

8.5.1.2 Erstaussagen

Zur Vorgeschichte  

Die Strafklägerin erklärte am 2. Mai 2011 detailliert, wie sie am 17. April 2011 mit 
dem Beschuldigten Streit gehabt habe. Dieser habe auf ihrem Handy eine von ihr 
an einen Kollegen gesendete SMS gesehen und geargwöhnt, sie gehe fremd. Am 
21. April 2011 (Gründonnerstag) habe sie dann einen Anruf vom Beschuldigten er-
halten. Dieser habe ihr mitgeteilt, dass er sich zur Beruhigung bei seinem Onkel in 
S.________ befinde und am Folgetag wieder nach Hause komme. Sie habe ihn 
noch gebeten, früher nach Hause zu kommen, damit sie alles besprechen könnten 
(pag. 142 f. Z. 49 ff.). Als sie den Beschuldigten dann am 22. April 2011 angerufen 
habe, um ihn zu fragen ob er nun noch am gleichen Tag nach Hause kommen 
werde, habe dieser erklärt, sie habe ihm genug befohlen, nun befehle er (pag. 143 
Z. 55 ff.). Der Beschuldigte sei dann am 23. April 2011 um ca. 18 Uhr nach Hause 
gekommen. Beim ihrem Versuch, ihn zu umarmen, habe er sie zurückgestossen 
und auch Kaffee und Kuchen habe er nicht gewollt. Sie habe über die gemeinsa-
men Probleme sprechen wollen, aber erst, wenn der zweijährige Sohn eingeschla-

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fen sei, womit der Beschuldigte einverstanden gewesen sei (pag. 143 Z. 57 ff.). Der 
Beschuldigte habe daraufhin im Wohnzimmer mit dem Sohn gespielt und sie gebe-
ten, ihm einen Kaffee zu machen. Als sie ihm diesen gebracht habe, habe er die-
sen und auch ihren Kaffee genommen und wieder in die Küche zurückgestellt. Als 
er zurück in das Wohnzimmer gekommen sei, sei sein Hosenschlitz geöffnet gewe-
sen und daraus habe sein steifes Glied herausgeragt. Sie selbst habe zu diesem 
Zeitpunkt auf dem Sofa gesessen und der Sohn habe sich auf dem Teppich am 
Boden befunden. Der Beschuldigte habe zu ihr gesagt: «Nimm es». Sie habe dar-
aufhin gesagt: «Nein, ich will zuerst über unsere Probleme reden». Er habe erwi-
dert: «Nein, nimm es, wir reden später». Sie habe ihm dann gesagt: «Sicher nicht 
vor unserem Sohn» (pag. 143 Z. 61 ff.).  

Würdigung: Diese Aussagen der Strafklägerin bis unmittelbar vor der ersten hier zu 
beurteilenden strittigen sexuellen Handlung erscheinen gestützt auf die Erkenntnis-
se der Aussagepsychologie glaubhaft. Sie sind reich an originellen Details, etwa 
dem Umstand, dass das steife Glied des Beschuldigten aus dem Hosenstall her-
ausgeragt habe. Weiter beschreiben sie einen eher komplexen und aussergewöhn-
lichen Handlungsablauf, der auch unerwartete Komplikationen beinhaltet, indem 
der Beschuldigte etwa zunächst keinen Kaffee und Kuchen gewollt, dann doch 
nach einem Kaffee verlangt, diesen aber umgehend wieder in die Küche zurückge-
stellt habe. Die Strafklägerin schildert lebensnah einen durch die SMS an den 
fremden Mann ausgelösten Beziehungskonflikt und beschreibt ein dazu passendes 
Verhalten des Beschuldigten, indem dieser sich zunächst zur Beruhigung nach 
S.________ begeben habe, dann aber nicht wie zunächst angekündigt am 22., 
sondern erst aber plötzlich und unangekündigt am 23. April 2011 nach Hause ge-
kommen sei, nachdem er zuvor geäussert habe, jetzt sei er es, der befehle. Stim-
mig ist deshalb auch ihre mit dem Zurückstossen bei der Begrüssung bildhaft um-
schriebene Schilderung der eher angespannten Stimmung und jedenfalls nicht 
normalen Situation, welche am Abend des 23. April 2011 im Hause der Familie 
A.________ herrschte. Es erscheint deshalb auch naheliegend, dass die Strafklä-
gerin reden wollte, hingegen sexuelle Handlungen ablehnte, zumal sich der ge-
meinsame zweijährige Sohn in unmittelbarer Nähe aufhielt. Umso unerwarteter er-
scheint deshalb der von der Strafklägerin beschriebene Wechsel der Situation, in-
dem der Beschuldigte, nachdem er sie zuvor noch zurückgestossen hatte, nun 
plötzlich unvermittelt Oralverkehr von ihr verlangt habe. Die diesbezügliche Auffor-
derung des Beschuldigten gibt die Strafklägerin in direkter Rede wieder und schil-
dert dabei wiederum ein plausibles Hin und Her. Hinzu kommt, dass die Strafkläge-
rin bei der Schilderung dieses Geschehens gemäss Protokoll wiederholt weinen 
musste und zitterte, was zeigt, wie emotional aufgewühlt sie war (pag. 143 Z. 68 
und 72). Zusammenfassend enthalten ihre Aussagen zur Vorgeschichte derart vie-
le Realkennzeichen, dass sie kaum der Fantasie entsprungen sein können. Eine 
erfundene Aussage würde wesentlich flacher und komplikationsloser ausfallen.

Zum ersten Oralverkehr im Wohnzimmer 

Die Strafklägerin schilderte bei ihrer Erstbefragung weiter, wie ihr der Beschuldigte 
mit beiden Händen ihren Hinterkopf genommen und diesen an sein erregtes Glied 
gedrückt habe. Sie habe versucht, den Kopf «entgegen» zu halten, jedoch erfolg-

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los. Als sie bemerkt habe, dass sie sich nicht weiter wehren könne, habe sie sein 
erregtes Glied in den Mund genommen und den Beschuldigten dann während ca. 
zwei Minuten befriedigt. Sie habe jedoch mehrmals zu ihm gesagt, dass sie dies 
nicht wolle. Der Beschuldigte habe geantwortet: «Halt die Fresse und mach es ein-
fach». Sie hätten kein Kondom verwendet und er sei bei diesem Oralverkehr auch 
nicht zum Samenerguss gekommen (pag. 143 Z. 73 ff.). 

Würdigung: Auch diese Darstellung ist detailliert und wirkt lebensnah. Die geschil-
derte Situation passt räumlich zu der zuvor beschriebenen Situation mit der auf 
dem Sofa sitzenden Strafklägerin und dem aus der Küche zurückkommenden, auf-
recht stehenden Beschuldigten (vgl. auch die von der Strafklägerin angefertigte 
Skizze auf pag. 149). Es ist nachvollziehbar, dass die Strafklägerin ihren Kopf auf 
der Höhe des Penis des Beschuldigten hatte und dieser deshalb ihren Kopf, den 
Hinterkopf beidhändig packend, an sein Glied drücken konnte, auch wenn dies per 
se noch nichts über die Einvernehmlichkeit des Oralverkehrs aussagt. Der be-
schriebene Handlungsablauf erscheint zudem insofern aussergewöhnlich, als die 
Strafklägerin nicht etwa beschrieb, der Beschuldigte habe sie fortwährend mit wei-
terer Gewalt daran gehindert, sich zu entfernen, sondern dass sie, nachdem sie 
bemerkt habe, dass Widerstand zwecklos war, seinem Druck nachgegeben und 
gehorcht habe, nicht ohne jedoch noch mehrmals zu sagen, dass sie den Oralver-
kehr nicht wolle. Bei einer Falschbezichtigung wäre eher die Schilderung eines ge-
walttätigeren Vorgehens zu erwarten. Wiederum beschrieb die Strafklägerin zudem 
lebendig in direkter Rede, wie der Beschuldigte auf ihren vergeblichen Appell erwi-
derte, sie solle einfach die Fresse halten und machen. Wie auch der eher spezielle 
Handlungsablauf stellt auch die Wiedergabe von Gesprächen ein Realkennzeichen 
dar, welches bei einem erfundenen Geschehen nicht zu erwarten wäre. Die 
Erstaussage der Strafklägerin erscheint deshalb in Bezug auf den ersten Oralver-
kehr im Wohnzimmer glaubhaft.

Zu den weiteren sexuellen Handlungen im Schlafzimmer

Die Strafklägerin fuhr fort, der Beschuldigte habe sie dann plötzlich mit seiner rech-
ten Hand an ihrem linken Unterarm gepackt und zu ihr gesagt: «Komm ins Schlaf-
zimmer». Wiederum habe sie sich zu wehren versucht. Daraufhin sei sie ihm in das 
Schlafzimmer gefolgt. Eigentlich habe sie schon gewusst, dass er sie nun verge-
waltigen würde, weil er dies bereits zuvor einmal gemacht habe, als er sie vermut-
lich habe «verletzen» wollen. Der Sohn sei ihnen in das Schlafzimmer nachgelau-
fen. Der Beschuldigte habe diesen wieder in das Wohnzimmer «gestellt» und dort 
dessen Spielsachen ausgeleert, damit dieser habe spielen können. Sie habe auf 
dem Bettrand des Ehebettes, auf der Seite des Kinderbettes, gesessen, als der 
Beschuldigte zurückgekommen sei. Er habe die Tür hinter sich geschlossen und 
seine beige Hose und seine schwarzen Boxershorts ausgezogen, sein weisses 
Puma Poloshirt jedoch anbehalten. Der Beschuldigte habe ihr erneut befohlen, ihn 
oral zu befriedigen. Sie habe dies tun müssen, ansonsten er sie wieder geschlagen 
hätte. Als sie ihn oral befriedigt habe – er habe noch immer ein steifes Glied gehabt 
– habe der Beschuldigte sie an beiden Schultern gepackt und sie «aufgestellt». 
Noch immer habe er keinen Samenerguss gehabt. Er habe ihr die schwarze Trai-
nerhose und die Unterhose ausgezogen, deren Farbe sie nicht mehr wisse. Am 

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Oberkörper sei sie bekleidet geblieben. Er habe sie auf das Ehebett gestossen, wo 
sie dann parallel zum Schrank gelegen habe. Sofort habe der Beschuldigte sich auf 
sie gelegt und mit seinen Händen ihre Beine auseinandergepresst. Er sei mit sei-
nem Glied während knapp einer Minute in ihre Scheide eingedrungen. Während 
dieser Zeit habe er sich ständig auf und ab bewegt, sei jedoch stets in ihr drin ge-
wesen. Danach habe er sie erneut «aufgezogen», so dass sie auf dem Bettrand 
gewesen sei und er vor ihr gestanden habe. Der Beschuldigte habe zu ihr gesagt: 
«Nimm es». Sie habe gesagt: «Nein, ich will das nicht, es ist eklig», worauf der Be-
schuldigte erwidert habe: «Es ist überhaupt nicht eklig». Erneut habe sie während 
ca. 30 Sekunden sein erregtes Glied oral befriedigen müssen. Dann habe er sie 
wie zuvor wieder auf das Bett gestossen. Erneut habe er ihre Beine auseinander 
gepresst und sei mit seinem erregten Glied in ihre Scheide eingedrungen. Nach 
wenigen Sekunden habe er dann einen Samenerguss gehabt. Während der Ver-
gewaltigung habe der Beschuldigte seine Hände an ihrem Hinterkopf oder auf dem 
Bett gehabt und kein Kondom benützt (pag. 143 f. Z. 78 ff.). Auf entsprechende 
Frage verneinte die Strafklägerin, während des Vorfalls vom Beschuldigten gewürgt 
worden zu sein (pag. 144 Z. 119). Auf Frage, welche Empfindungen sie während 
des Akts gehabt habe, antwortete sie: «Ich fand mich die ganze Zeit Scheisse und 
einfach nur schmutzig». Sie habe dem Beschuldigten nur gehorcht, weil sie Angst 
gehabt habe, dass er sie ansonsten schlage (pag. 144 Z  137). Auf entsprechende 
Nachfrage, gab sie an, der Beschuldigte schlage sie seit acht Jahren wöchentlich, 
jeweils mit den Fäusten und den Füssen. Er habe sie auch schon an den Haaren 
gezogen oder Gegenstände wie Handy, Aschenbecher oder Fernsehbedienung 
nach ihr geworfen. Sie habe oft blaue Flecken und Schmerzen gehabt. Einmal, ca. 
fünf Jahre zuvor, sei sie im Inselspital gewesen, weil ihr Kiefer von den Schlägen 
des Beschuldigten verschoben gewesen sei. Der Beschuldigte habe ihr aber befoh-
len, im Spital zu sagen, dass dies von einem Treppensturz herrühre (pag. 144 f. 
Z.141 ff.). 

Würdigung: Erneut beschrieb die Strafklägerin hier detailliert, in einer für solche 
Delikte selten genauen Art und Weise, was sich im Schlafzimmer zwischen ihr und 
dem Beschuldigten abgespielt hatte. Der geschilderte Handlungsablauf fügt sich 
nahtlos an die Ereignisse im Wohnzimmer an, wobei der vorläufige Abbruch des 
Oralverkehrs für die Strafklägerin aber offenbar unerwartet kam, habe dieser sie 
doch «plötzlich» am Unterarm gepackt und ihr gesagt habe, sie solle ins Schlaf-
zimmer mitkommen. Nicht nur diese subjektiv unerwartete Wendung und die erneu-
te Schilderung von Gesprächsinhalten in direkter Rede, sondern auch die weitere 
Aussage der Strafklägerin, wonach sie eigentlich schon gewusst habe, was nun 
passieren werde, sprechen für ihre Glaubhaftigkeit. Das Preisgeben solcher innerer 
Gedanken wäre bei einer nicht erlebnisbasierten Aussage nicht zu erwarten. Ein 
weiteres starkes Realkennzeichen stellt die Komplikation im Handlungsablauf dar, 
die sich dadurch ergab, dass der gemeinsame Sohn den Eltern in das Schlafzim-
mer folgte. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die originellen Details, 
wonach der Beschuldigte dem Sohn Spielsachen ausgeleert und dann die Türe 
zum Wohnzimmer geschlossen habe, nachdem er diesen bildhaft dorthin zurück 
«gestellt» habe. Allerdings ist einzuräumen, dass dies auch bei einvernehmlichen 
sexuellen Handlungen so hätte geschehen können. Lebensnah und im räumlichen 

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Kontext passend beschrieb die Strafklägerin sodann den erneuten (zweiten) er-
zwungenen Oralverkehr im Schlafzimmer und den anschliessenden Vollzug des 
Beischlafs durch den Beschuldigten, wobei dieser durch den erneuten (dritten) Ora-
lverkehr unterbrochen worden sei. Dabei hielt sie die einzelnen Phasen auch zeit-
lich klar auseinander und beschrieb, wie der Beschuldigte zunächst länger nicht, 
am Schluss dann aber innert Sekunden zum Samenerguss gekommen sei. Die 
Strafklägerin konnte dabei benennen, welche Kleidungsstücke der Beschuldigte ihr, 
aber auch sich selbst ausgezogen habe, und welche nicht. In Bezug auf die Farbe 
ihrer Unterhose und die Art ihres Oberteils gab sie Erinnerungslücken zu. Erneut 
schilderte die Strafklägerin zudem spezielle Gesprächsinhalte in direkter Rede («Es 
ist überhaupt nicht eklig»). Schliesslich konnte sie ihre Gefühle während der sexu-
ellen Handlungen beschreiben. Diese sind opfertypisch und ebenso nachvollzieh-
bar, wie ihre Erklärung, wonach sie dem Beschuldigten schliesslich gehorcht bzw. 
keine weitere Gegenwehr geleistet habe, weil sie aus Erfahrung befürchtet habe, 
dass er sie sonst schlage. Bemerkenswert ist auch, dass die Strafklägerin vernein-
te, vom Beschuldigten gewürgt worden zu sein, obwohl ihr von der Polizei eine ent-
sprechende Frage mit gewissem Suggestionspotenzial gestellt worden war. Sie be-
lastete den Beschuldigten also nicht über Gebühr und blieb bei ihrer Darstellung, 
wonach es nicht zu übermässiger körperlicher Gewalt gekommen sei.

Die von der Strafklägerin beschriebene Kieferverletzung wird durch die beim Insel-
spital edierten Unterlagen (pag. 345 f.) insofern objektiviert, als die Strafklägerin 
gemäss diesen Unterlagen am 13. September 2004 wegen einer Kontusion des 
Kiefergelenks rechts zugewiesen worden sei. Bei der Notfallanamnese gab die 
Strafklägerin an, ca. 10 Stufen einer Treppe heruntergestürzt zu sein. Im Inselspital 
wurde eine mögliche Fraktur diagnostiziert (pag. 346 f.). Zudem bestätigten sowohl 
die Mutter als auch der Vater der Strafklägerin, dass diese ihnen gegenüber erzählt 
habe, öfters vom Beschuldigten geschlagen worden zu sein und dass sie sich des-
wegen auch einmal im Inselspital wegen einer Kieferverletzung habe röntgen las-
sen müssen, dort aber gesagt habe, sie sei die Treppe hinuntergestürzt (pag. 162 
Z. 94 ff.; pag. 166 Z. 150 ff.) (vgl. zur häuslichen Gewalt auch nachstehend 
E. II.8.5.1.3).

Dies alles spricht für die Glaubhaftigkeit auch der Aussagen zum Kerngeschehen, 
welches sich im Schlafzimmer zutrug.

Zu den Geschehnissen unmittelbar nach dem Samenerguss des Beschuldigten 
und im weiteren Verlauf jenes Abends

Die Strafklägerin schilderte an der Einvernahme vom 2. Mai 2011 weiter, nach dem 
Samenerguss sei der Beschuldigte aufgestanden und habe sich, ohne ein Wort zu 
sagen, unter die Dusche begeben. Sie selbst habe ihre Unterhose und ihre Hose 
wieder angezogen und dabei geweint. Danach sei sie zu ihrem Kind gegangen, bis 
der Beschuldigte aus der Dusche gekommen sei. Er habe sich mit einer neuen 
Trainerhose und dem bereits zuvor getragenen Poloshirt bekleidet gehabt. Der Be-
schuldigte habe dann einen Kaffee getrunken und dazu in der Küche eine Zigarette 
geraucht. Seit der Vergewaltigung habe er kein Wort zu ihr gesagt gehabt. Sie 
selbst habe sich dann unter die Dusche begeben, weil sie sich sehr schmutzig ge-
fühlt habe, «einfach Scheisse». Sie habe die ganze Zeit geweint und dies sehr laut. 

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Den Beschuldigten habe dies überhaupt nicht gekümmert. Sie habe ihre Trainerho-
se, ihre Unterhose, und ihr Oberteil – alles, was sie an die Vergewaltigung erinnert 
habe – in die Wäsche geworfen und sich andere Kleider angezogen. Sie habe ein-
fach alles schmutzig gefunden, sogar die Wohnung. Aus diesem Grund habe sie 
auch ihren Sohn geduscht (pag. 144 Z. 104 ff.). An diesem Abend des 23. April 
2011 habe sie mit dem Beschuldigten noch über ihre gemeinsamen Probleme ge-
sprochen. Der Beschuldigte habe zu ihr gesagt, dass er sie und ihren Sohn liebe 
und ihr verzeihe, weil sie ihm in den letzten acht Jahren auch viel verziehen habe. 
Damit habe er gemeint, dass er sie geschlagen habe und während zwei Jahren fast 
jedes Wochenende bei einem Kollegen in T.________ gewesen sei. Der Beschul-
digte habe weiter gesagt, egal was passiere, er wolle, dass sie Kollegen blieben 
und zusammen zu ihrem Sohn schauten. Als sie ihn gefragt habe, was er damit 
meine, habe er geantwortet, man wisse ja nie, was passiere, vielleicht komme er 
irgendeinmal nicht mehr zurück. Sie habe zu weinen begonnen. Er sei dann ins 
Bett gegangen und habe gemeint, sie solle alles vergessen, was er gesagt habe, er 
habe sie nur provozieren wollen (pag. 145 Z. 189 ff.).

Würdigung: Auch diese Aussagen imponieren durch ihre Details und ein geschil-
dertes Empfinden, das für einen erlittenen sexuellen Übergriff deliktstypisch ist. 
Viele Opfer von sexuellen Straftaten berichten über das Gefühl von Schmutzigkeit 
nach der Tat. Ein besonders starkes Realkennzeichen liegt dabei in der Schilde-
rung der Strafklägerin, wonach sie deswegen sogar ihren Sohn geduscht habe. Ein 
derart ausgefallenes Detail kann kaum erfunden sein und zeigt, dass sich die von 
der Strafklägerin beschriebenen Gefühle auch über ihr lautstarkes Weinen hinaus 
manifestiert haben. Getroffen zu haben scheint sie auch der von ihr wiederholt er-
wähnte Umstand, dass der Beschuldigte nach dem Geschlechtsverkehr trotz ihres 
lauten Weinens zunächst längere Zeit einfach kein Wort zu ihr gesagt habe. Zu ei-
nem solchen, seine Macht unterstreichenden Verhalten passt auch, dass der Be-
schuldigte bei dem späteren Gespräch über die gemeinsamen Probleme gegenü-
ber der Strafklägerin einerseits gesagt haben soll, ihr – gütig – zu verzeihen, 
gleichzeitig aber auch angedeutet haben soll, vielleicht eines Tages nicht mehr 
zurückzukehren, um sie so zu provozieren und zu ängstigen, was er denn (jeden-
falls gemäss den Aussagen der Strafklägerin) gleich selbst zugab. Zu erwähnen 
sind überdies Details wie jenes, dass der Beschuldigte zwar eine neue Hose, aber 
wieder das alte Poloshirt angezogen habe. Insgesamt beschreibt die Strafklägerin 
damit die Situation unmittelbar nach der Tat bis zum Ende jenes Abends sehr 
stimmig. Das Opferverhalten ist deliktstypisch und das beschriebene Verhalten des 
Beschuldigten passt nicht nur zu der grundsätzlich angespannten und konfliktgela-
den Situation an jenem Abend, sondern auch zu einem vorangehenden sexuellen 
Übergriff. 

Zum weiteren Verlauf bis zur Anzeige

Die Strafklägerin gab weiter zu Protokoll, am Morgen des 24. April 2011 um ca. 
zehn Uhr habe ihr Mann das Haus verlassen, weil er angeblich Zigaretten habe 
kaufen wollen. Er sei aber erst nach einer Stunde zurückgekommen. Um die Mit-
tagszeit habe sie dann einen Spaziergang mit ihrem Sohn gemacht, während der 
Beschuldigte und ihr Bruder zusammen einen Kaffee trinken gegangen seien. Als 

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sie vor der Migros mit ihrem Sohn gespielt habe und auch ihr Mann wieder dazu 
gestossen sei, sei plötzlich der Polizist E.________ erschienen und habe sie ge-
fragt, ob es ihr gut gehe. Sie habe dies bejaht, worauf der Polizist sich nochmals 
versichert und auch ihren Sohn gefragt habe. Ihr Mann habe die Farbe vom Ge-
sicht verloren, was ihr seltsam vorgekommen sei und ihr ein ungutes Gefühl be-
schert habe. Sie habe ihn deshalb fragend angeschaut und der Beschuldigte habe 
gesagt, dass sie wohl zu laut gewesen seien. Als sie ihn auf dem Nachhauseweg 
gefragt habe, ob er etwa die Polizei avisiert habe, habe der Beschuldigte dies ver-
neint. Der Rest des Sonntagnachmittags sei normal und ohne Streit verlaufen (pag. 
146 Z. 204 ff.). Als sie den Beschuldigen am Dienstag, 26. April 2011, per SMS ge-
fragt habe, wann er zum Abendessen komme, habe dieser geschrieben, er arbeite 
noch und komme nie mehr. In einer weiteren SMS habe er ihr geschrieben, sie sol-
le ihn in Ruhe lassen, es gehe ihm nicht gut, und weiter, sie solle es mit ihrem 
Sohn geniessen, denn was er nun machen werde, mache er nicht gerne. Nach 
mehreren Anrufversuchen ihrerseits habe er schliesslich das Telefon abgenommen 
und gesagt, es sei aus [zwischen ihnen], sie solle ihren Vater informieren. Darauf-
hin habe ihr Vater den Beschuldigten angerufen, um ein Treffen zu vereinbaren. Ihr 
Vater habe dann ihren Mann in Bern getroffen und um Mitternacht seien ihr Vater 
und der Schwiegervater in ihre Wohnung gekommen. Den Beschuldigten habe sie 
seither nicht mehr gesehen (pag. 146 Z. 225 ff.). Am 28. April 2011 habe der Be-
schuldigten sie dann angerufen und ihr gesagt, dass er ihr den gemeinsamen Sohn 
nicht einfach so lasse. Er sei nicht blöd, er werde den Sohn nicht nach Mazedonien 
nehmen, denn dann könne er nicht mehr in die Schweiz kommen. Seither habe sie 
nichts mehr vom Beschuldigten gehört (pag. 146 Z. 241 ff.). Am 28. April 2011 ha-
be sie ausserdem festgestellt, das ihr Konto im Minus und gesperrt gewesen sei. 
Sie vermute, dass ihr Mann das Konto geleert habe (pag. 147 Z. 259 ff.). Am 29. 
April 2011 habe sie durch die Verwaltung die Schlösser ihrer Wohnung auswech-
seln lassen. Später sei sie noch auf der Polizeiwache beim Polizisten E.________ 
gewesen. Sie habe von diesem wissen wollen, warum er sich am 25. [recte 24.] 
April 2011 nach ihrem Befinden erkundigt habe. Weiter habe sie diesem gesagt, 
dass sie in der darauffolgenden Woche vorbeikommen werde, weil sie im Moment 
noch nicht so weit sei (pag. 146 Z. 246 ff.). 

Würdigung: Die Kammer hat aus aussagepsychologischer Sicht auch hier keine 
Gründe, an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Strafklägerin zu zweifeln. Hin-
sichtlich des Verhaltens des Beschuldigten fügen sie sich in das Bild eines ge-
kränkten, latent drohenden Ehemannes. Diese von der Strafklägerin einmal mehr in 
direkter Rede geschilderten, am Telefon und per SMS geäusserten Drohungen be-
zogen sich nun offenkundig auch auf den gemeinsamen Sohn, indem der Beschul-
digte vage in Aussicht stellte, diesen der Strafklägerin wegzunehmen, auch wenn 
er gleichzeitig offenbar angab, diesen schon nicht mit nach Mazedonien nehmen zu 
wollen. Glaubhaft erscheint auch die von der Strafklägerin mit ihren dabei empfun-
denen Gefühlen verbundene Schilderung des Zusammentreffens mit dem Polizis-
ten E.________ auf dem Spielplatz vor der Migros. Besonders interessant ist dabei 
das Detail, wonach dem Beschuldigten die Farbe aus dem Gesicht gewichen sei 
und dass dieser offenkundig eine Ausrede für das Anrücken der Polizei erfand. 

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Dieser Vorfall vom 24. April 2011 wie auch das nachfolgende Aufsuchen der Poli-
zeiwache durch die Strafklägerin am 29. April 2011 wird nämlich – mit deren Aus-
sagen übereinstimmend – im Rapport vom 10. Mai 2011 wie folgt beschrieben: Der 
Beschuldigte sei am 24. April.2011 um 10:56 Uhr auf der Polizeiwache erschienen 
und habe sinngemäss gesagt, er habe am 21. April 2011 festgestellt, dass seine 
Frau telefonisch mit einem anderen Mann Kontakt gehabt habe. Als er sie darauf 
angesprochen habe, habe sie dies nicht abgestritten. Sie habe gesagt, sie wolle 
sich umbringen. Er habe aber seiner Frau nichts getan und werde ihr auch nichts 
antun. Er habe gemerkt, dass seine Frau sehr nervös und komisch sei, wenn er mit 
ihr sprechen wolle. Er habe aber nicht das Gefühl, dass sie sich wirklich etwas an-
tun werde. Der Polizist E.________ habe sich daraufhin auf die Suche nach der 
Strafklägerin gemacht und die Familie A.________ schliesslich auf dem Spielplatz 
bei der Migros angetroffen. Als er die Strafklägerin angesprochen habe, habe diese 
gesagt, es gehe ihr gut, alles sei in Ordnung. Aus Sicht des Polizisten habe sie sich 
in einem guten Zustand befunden. Am 29. April 2011 habe sich die Strafklägerin 
dann auf der Polizeiwache gemeldet und angegeben, es gehe ihr nicht so gut. Sie 
habe Angst, dass ihr Mann ihr Auto nehmen und nicht mehr zurückbringen werde, 
ob sie es ihm wegnehmen dürfe. Zudem habe sie angegeben, die Türschlösser 
ausgewechselt zu haben. Sie habe Angst, dass ihr Mann den gemeinsamen Sohn 
mitnehmen werde, sie denke er habe nun eine eigene Wohnung. Schliesslich stell-
te die Strafklägerin in Aussicht, in der darauffolgenden Woche noch einmal auf die 
Polizeiwache zu kommen. Schliesslich habe die Strafklägerin angekündigt in der 
darauffolgenden Woche noch einmal auf die Polizeiwache zu kommen. Sie habe 
noch etwas, was sie sagen wolle, aber sie müsse zuerst zu sich finden (pag. 136 f., 
vgl. auch pag. 129 f.). 

Dass die Strafklägerin am 24. April 2011 auf dem Spielplatz vor der Migros ge-
genüber dem Polizisten E.________ angab, es gehe ihr gut, und der Polizist auch 
von sich aus keinen gegenteiligen Eindruck hatte, spricht entgegen der Verteidi-
gung nicht für eine Falschbeschuldigung. Wie die Generalstaatsanwaltschaft zu 
Recht ausführte, kann von einem Opfer einer Vergewaltigung kaum erwartet wer-
den, in Anwesenheit des Täters, mit welchem es ausserdem in einer langjährigen 
Beziehung steht und einen Sohn hat, der ebenfalls anwesend ist, sich sogleich den 
Behörden anzuvertrauen. Vielmehr ist die Aussage der Strafklägerin, sie habe 
zunächst zu sich finden müssen, durchaus nachvollziehbar. Das Bedürfnis, die Si-
tuation zuerst zu analysieren und die Möglichkeiten des weiteren Vorgehens gege-
neinander abzuwägen, erscheint normal (vgl. zur "Geburtsstunde" der Aussagen 
der Strafklägerin auch nachfolgend E. II.8.5.1.4).

Weitere Aussagen vom 2. Mai 2011

Auf entsprechende Frage gab die Strafklägerin am 2. Mai 2011 zu Protokoll, sie 
habe keine sichtbaren Verletzungen von der Vergewaltigung gehabt, aber während 
ca. dreier Tage Schmerzen im Unterleib. Sie habe jedoch keinen Arzt aufgesucht 
(pag. 144 Z. 123 f.). Mit ihrem Mann habe sie nicht über das Ereignis gesprochen, 
jedoch mit einer Nachbarin. Diese wolle aber nicht in die Sache hineingezogen 
werden und sie wolle auch den Namen dieser Nachbarin nicht bekannt geben 
(pag. 145 Z. 163 ff.). Auf Frage, ob sie bereits zu einem früheren Zeitpunkt gleiche 

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oder ähnliche Erfahren gemacht habe, gab die Strafklägerin zu Protokoll, ca. zwei 
Jahre zuvor sei ihr Mann betrunken nach Hause gekommen, habe sie geküsst und 
ihr den Pyjama ausgezogen. Sie habe ihn gefragt: «Spinnst du, ich schlafe; oder 
bist du am Schlafwandeln?». Er habe kein Wort gesagt und sie wisse nur noch, 
dass er damals mit seinem erregten Glied in ihre Scheide eingedrungen sei und 
sich an ihr bis zum Samenerguss befriedigt habe. Sie betrachte dies ebenfalls als 
Vergewaltigung, könne aber leider nicht mehr dazu sagen, da es schon zwei Jahre 
zurückliege (pag. 145 Z. 177 ff.).

Würdigung: Die Kammer hat auch in Bezug auf diese weiteren Aussagen keine 
Gründe anzunehmen, dass die Strafklägerin Falschangaben machte. Soweit die 
Verteidigung diesbezüglich auf Widersprüche zu späteren Aussagen der Strafklä-
gerin hinweist, wird dies dort gewürdigt (sogleich nachstehend E. II.8.5.1.3).

Zwischenfazit zur Glaubhaftigkeit der Erstaussagen der Strafklägerin

Die Erstaussagen der Strafklägerin weisen zahlreiche Realkennzeichen auf, 
während keinerlei Fantasiesignale ersichtlich sind. Sie ergeben ein stimmiges Ge-
samtbild des Geschehens, angefangen bei der Vorgeschichte, über das Kernge-
schehen bis hin zum weiteren Verlauf bis zur Anzeige. Die Aussagen der Strafklä-
gerin sind daher – jedenfalls für sich alleine betrachtet – glaubhaft. Sie werden zu-
dem (zumindest in Teilen) durch Polizeirapporte, edierte Spitalunterlagen und Aus-
sagen ihrer Eltern gestützt. 

8.5.1.3 Weitere Aussageentwicklung

Zweite Einvernahme vom 20. Mai 2014

Anlässlich ihrer parteiöffentlichen zweiten Einvernahme vom 20. Mai 2014 bestätig-
te die Strafklägerin ihre bisherigen Aussagen. Ausführlicher ging die Strafklägerin 
auf die auch schon in der Erstbefragung erwähnten regelmässigen Schläge ein, die 
sie vom Beschuldigten während Jahren erhalten habe. Sie gab zu Protokoll, sie 
seien seit 2003 und damit acht Jahre verheiratet gewesen. Die ersten zwei Jahre 
seien gut gewesen, eigentlich super, er sei ein guter Ehemann gewesen. Dann ha-
be sich alles gewendet, der Beschuldigte habe angefangen, sie zu schlagen und 
Versicherungsbetrüge zu machen. Die anderen sechs Jahre seien eine Katastro-
phe gewesen (pag. 151 Z. 27 ff.). Wenn der Beschuldigte sage, sie hätten eine 
ganz normale Beziehung geführt, dann könne dies für ihn schon normal sein. Er 
habe sich ja im Unterschied zu ihr frei bewegen können. Der Beschuldigte habe sie 
eingeschlossen, ihr das Natel und den Hausschlüssel weggenommen. Dadurch 
habe es jeweils Streit gegeben und er habe sie geschlagen. Für sie sei das nicht 
normal (pag. 152 Z. 55 ff.). Zum Sohn habe der Beschuldigte aber sehr gut ge-
schaut. Als sie noch zusammen gewesen seien, habe er viel mit diesem unter-
nommen (pag. 152 Z. 85 f.). Auf Vorhalt ihrer Erstaussage, wonach der Beschuldig-
te sie während acht Jahren wöchentlich geschlagen habe, erläuterte die Strafkläge-
rin, damit meine sie, dass er sie mit den Fäusten, mit den Händen und mit den 
Füssen geschlagen habe. Manchmal habe er sie gepackt und weggestossen. Sie 
habe am Boden gelegen und er habe nur noch geschlagen. Manchmal habe sie 
sich eingeschlossen, dann habe er auf die Türe eingeschlagen, bis sie aufge-
schlossen und sich ergeben habe. Er habe auch Aschenbecher und die Fernbedie-

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nung des TVs nach ihr geworfen, alles, was er gerade zur Hand gehabt habe. 
Wenn sich habe hinausgehen wollen, weil sie einfach nicht mehr gekonnt habe, 
habe sie dies auch nicht gedurft. Er habe sie gehalten und die Tür abgeschlossen. 
Dann habe er gesagt: «Jetzt kannst du weinen». Er habe sie in diesen sechs katas-
trophalen Ehejahren wöchentlich geschlagen. In ihrer Kultur sei es so, dass, wenn 
man verheiratet sei, man auch so bleibe. Sie habe von niemandem Hilfe erhalten, 
auch nicht von den Eltern. Ein Grund für die Schläge sei z.B. gewesen, wenn sie 
selbständig Rechnungen bezahlt habe, dass habe ihm nicht gepasst. Er habe sie 
überall geschlagen. Er habe sich ja dabei jeweils nicht unter Kontrolle gehabt. Ein-
mal habe sie so schwere Verletzungen gehabt, dass sie ins Inselspital habe gehen 
müssen. Mehrfach habe sie auch Blutergüsse gehabt. Es treffe zu, dass er sie 
auch an den Haaren gezogen habe (pag. 153 Z. 101 ff.). Den Sohn habe er aber 
nicht geschlagen (pag. 154 Z. 151). Nach Verlesen des Protokolls ergänzte die 
Strafklägerin, dass der Beschuldigte sie schon während der ersten beiden Ehejahre 
geschlagen habe (pag. 158 Z. 357).

Auf Frage, weshalb sie die Vorfälle nicht früher der Polizei gemeldet habe, meinte 
die Strafklägerin, im ersten Jahr, in welchem sie geschlagen worden sei, habe sie 
dies ihrem Vater erzählt. Dieser habe aber gesagt, dass sie ja diesen Mann gewollt 
habe und nun auch damit leben müsse. Wenn die Familie zu Besuch gekommen 
sei, hätten sie jeweils ihre blauen Flecken gesehen, aber immer gesagt: «Das ist 
dein Mann und man bleibt» (pag. 154 Z. 155 ff.). Von der Vergewaltigung habe sie 
ihrem Vater nichts erzählt, da man in ihrer Kultur nicht über Sexualität spreche. Ih-
rer Mutter habe sie es inzwischen erzählt, aber nicht im Detail. Sie habe nichts da-
zu gesagt. Ansonsten habe sie es inzwischen noch F.________, welche früher 
ebenfalls in R.________ gewohnt habe, erzählt. Sie hätten aber heute keinen Kon-
takt mehr (pag. 155 Z. 232 ff.).

Angesprochen auf ihre frühere Aussage, wonach sie von ihrem Mann bereits früher 
einmal vergewaltigt worden sei, gab die Strafklägerin an, davon wolle sie nicht 
nochmal erzählen. Damit habe sie wirklich abgeschlossen. Auch nachdem die Be-
fragung durch eine Frau übernommen worden war, wollte die Strafklägerin nicht 
mehr dazu sagen. Sie könne sich an die erste Vergewaltigung wirklich nicht mehr 
erinnern (pag. 154 Z. 175 ff.; vgl. auch pag. 155 Z. 222). 

Das gemeinsame Sexualleben sei eher nicht normal gewesen, da sie lediglich alle 
vier Monate miteinander geschlafen hätten, und dann sei die Initiative jeweils eher 
von ihr aus gekommen (pag. 155 Z. 202). 

Auf Frage, weshalb es damals gleichwohl zur Vergewaltigung gekommen sei, 
meinte die Strafklägerin, aus Wut. Sie hätten damals Streit miteinander gehabt, 
nachdem der Beschuldigte eine SMS gesehen habe, welche sie an einen Mann 
geschrieben habe. Als Frau habe sie nämlich keinen männlichen Kollegen haben 
dürfen (pag. 155 Z. 209). Was der Inhalt dieser SMS gewesen sei, wisse sie nicht 
mehr, es habe aber ziemlichen Streit deswegen gegeben. Der Mann habe Semir 
geheissen. Sie habe ihn bei der Arbeit kennengelernt, er sei Kunde beim ________ 
gewesen (pag. 156 Z. 287 ff.). Er sei nur ein Kollege gewesen, aber Frauen dürften 
eben keine Kollegen haben. Wenn sie ihrem Vater sagen würde, dass sie männli-
che Kollegen habe, wäre dies nicht gut (pag. 157 Z. 296 ff.). Wenn eine verheirate-

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te Frau einen andern Mann habe, dann führe das in ihrer Kultur sofort zur Schei-
dung (pag. 157 Z. 330 f.). Es sei diese SMS gewesen, welches das Ganze habe 
eskalieren lassen, auch wenn es sicherlich auch ein Problem gewesen sei, dass 
der Beschuldigte nicht gearbeitet und sich wegen dem Unfall krank gemeldet habe 
(pag. 157 Z. 324; pag. 157 Z. 340 ff.). 

Auf Frage, ob sie beim Vorfall vom 23. April 2011 verletzt worden sei, antwortete 
die Strafklägerin, sie wisse es nicht mehr. Nach einer Woche sei sie zur Frauenärz-
tin gegangen, weil sie Unterleibsschmerzen gehabt habe. Sie habe glaublich Ta-
bletten bekommen (pag. 156 Z. 250 ff.).

Einvernahmen im Zusammenhang mit den Betrugsvorwürfen

Auch anlässlich der Einvernahmen zu den Betrugsvorwürfen, gab die Strafklägerin 
wiederholt an, der Beschuldigte habe sie geschlagen, ihr verboten, hinaus zu ge-
hen und sie eingeschlossen. Er habe ihr jeweils gesagt, dass sie sowieso nichts 
machen könne. Er habe sie psychisch kaputt gemacht (pag. 217 Z. 152 ff., 
pag. 218 Z. 215 f., pag. 223 Z. 125 ff., pag. 224. Z. 189 ff., vgl. auch pag. 216 
Z. 103 und pag. 645 Z. 2 f.)

Erstinstanzliche Hauptverhandlung

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 30. April 2015 bestätigte 
die Strafklägerin nochmals ihre früheren Aussagen. Die Vorfälle seien in der Ankla-
geschrift richtig umschrieben. Es stimme, dass sie zweimal geschlechtlichen Kon-
takt gehabt hätten an diesem 23. April 2011. Sie verstehe den Unterschied zwi-
schen sexueller Nötigung und Vergewaltigung (pag. 639 Z. 20 ff.). 

Die Strafklägerin hielt auch explizit fest, dass es damals keine normale Situation 
gewesen sei. Sie habe keinen sexuellen Kontakt mit ihrem Mann gewollt. Ihr Sohn 
sei anwesend gewesen und ausserdem hätten sie sich ja wegen der SMS gestrit-
ten gehabt. Die Situation sei nicht gut gewesen, nicht so dass man miteinander 
schlafen würde. Er sei ja in S.________ gewesen und dann an diesem Abend 
plötzlich nach Hause gekommen (pag. 639 f. Z. 26 ff.). 

Auf Vorhalt ihrer früheren Aussage, wonach sie dem Beschuldigten gesagt habe, 
sie wolle seinen Penis nicht in den Mund nehmen, dass sei eklig, führte die Straf-
klägerin aus, mit eklig habe sie «grusig» gemeint. Dies habe sie gesagt, weil sie es 
damals nicht gewollt habe, nicht wegen des Geruchs oder so (pag. 641 f. Z. 33 ff.). 

Nach den sexuellen Handlungen hätten sie an jenem 23. April 2011 im gleichen 
Bett übernachtet. Er habe sie ja in den acht Jahren Ehe fast wöchentlich geschla-
gen und trotzdem habe sie immer dort geschlafen (pag. 645 Z. 18 ff.).

Der Beschuldigte habe sie schon so oft geschlagen gehabt und sie habe nicht ge-
wollt, dass er sie wieder schlage (pag. 641 Z. 21 ff.). Sie würde sagen, es sei fast 
wöchentlich vorgekommen, dass der Beschuldigte sie geschlagen habe. Der Grund 
sei gewesen, dass er immer weggegangen sei und alles Geld mitgenommen habe. 
Das habe sie nicht gewollt und auch gesagt. Deswegen, weil sie ihrem Mann we-
gen des Geldes widersprochen habe, habe er sie geschlagen, ihr auch das Natel 
weggenommen und sie in der Wohnung eingesperrt. In der mazedonischen Menta-

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lität dürfe man dem Mann nicht widersprechen (pag. 642 Z. 4 ff.). Man müsse den 
Männern gehorchen, sonst werde man geschlagen (pag. 643 Z. 3 f.). 

Sodann bestätigte die Strafklägerin auch ihre früheren Aussagen zum weiteren 
Verlauf bis hin zur Trennung vom Beschuldigten am 26. April 2011 (pag. 640 f. 
Z. 9 ff.). Die definitive Trennung habe der Beschuldigte verlangt. Sie habe ihm da-
mals noch geschrieben, dass er bleiben und nach Hause kommen solle (pag. 645 
Z. 24 ff.). Zur Trennung habe ihre Familie nichts zu sagen gehabt, gleichgültig sei-
en sie aber sicher nicht gewesen, sondern traurig, da sie ja danach alleinerziehend 
gewesen sei (pag. 646 Z. 6 ff.).

Sie habe damals überhaupt nicht gewusst, dass Vergewaltigung in der Ehe in der 
Schweiz strafbar sei. Erst als ihre Nachbarin ihr gesagt habe, dass man dies in der 
Ehe nicht dürfe und sie ihren Mann anzeigen könne, habe sie dies dann gemacht 
(pag. 645 Z. 31 ff.). 

Als sie den Missbrauch und die Betrügereien bei der Polizei angezeigt habe, sei ih-
re Familie hinter ihr gestanden. Sie hätten es nicht gerade begrüsst, aber akzeptiert 
(pag. 646 Z. 10 ff.). 

Würdigung

Die Strafklägerin hat ihre Erstaussagen anlässlich der weiteren Einvernahmen wei-
testgehend bestätigt. Insbesondere zum Kerngeschehen, also zum unfreiwilligen 
Oral- und Geschlechtsverkehr in Wohn- und Schlafzimmer finden sich keinerlei Wi-
dersprüche. Gleichbleibend gab die Strafklägerin auch zu Protokoll, sie habe sich 
dem Beschuldigten letztlich aus Angst vor erneuten Schlägen ergeben und sich 
nicht weiter gewehrt.

Dass der Beschuldigte sie bereits seit Jahren beinahe wöchentlich geschlagen, sie 
auch gestossen, an den Haaren gezogen, mit allen möglichen Dingen nach ihr ge-
worfen, sie eingesperrt und ihr das Telefon und den Hausschlüssel weggenommen 
habe, sagte die Strafklägerin ebenfalls über alle Einvernahmen hinweg konstant 
aus. Sie nannte dafür auch konkrete Anlässe, z.B. wenn sie sich in die Verwaltung 
des Geldes bzw. das Bezahlen von Rechnungen eingemischt habe. Nachvollzieh-
bar sagte sie auch aus, dass sie von ihren Eltern keine Hilfe zu erwarten gehabt 
habe, weil in diesem Kulturkreis eine Frau dem von ihr ausgewählten Mann zu ge-
horchen, sich ihm nicht zu widersetzen und hinzunehmen habe, dass er sie an-
dernfalls schlage. 

Dies wurde von den Eltern der Strafklägerin bestätigt. Ihre Mutter gab zu Protokoll, 
sie hätten den Schwiegersohn nie von sich aus angezeigt. Ihre Tochter habe ihr 
schon von Misshandlungen erzählt, «aber nach unserer Tradition ist er der 
Mann...» (pag. 126 Z. 96). Der Vater der Strafklägerin seinerseits bestätigte, dass 
er im ersten Jahr der Ehe mitbekommen habe, dass der Beschuldigte seine Toch-
ter geschlagen habe. Er habe dann mit den beiden gesprochen und der Strafkläge-
rin gesagt, dass sie sich an die Polizei wenden solle, jedoch nicht mitbekommen, 
ob dann noch weitere Vorfälle passiert seien. Er habe auch selten nachgefragt und 
sich nicht in die Ehe einmischen wollen, habe zwar nicht wegschauen wollen, aber 
auch nichts gross gemacht (pag. 165 f. Z. 98 ff.). In ihrem Kulturkreis sei es so, 
dass der Mann einer Frau mehr zu sagen habe. Deshalb habe er dem Beschuldig-

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ten auch nicht sagen wollen, wie er die Ehe mit seiner Tochter zu führen habe. Nur 
einmal habe er ihm gesagt, dass er die Strafklägerin nicht schlagen solle (pag. 166 
Z. 105 ff.). Über sexuelle Angelegenheiten spreche er wenig mit seiner Tochter 
(pag. 167  Z. 158). Er fühle sich schuldig, er habe sich nicht einmischen wollen 
(pag. 167 Z. 198 f.). 

Der von der Verteidigung angeführte angebliche Widerspruch in Bezug auf die ers-
ten beiden Ehejahre, erachtet die Kammer als nicht relevant. Es stimmt zwar, dass 
die Strafklägerin einerseits aussagte, die ersten beiden Ehejahre seien super ge-
wesen und erst die weiteren sechs Jahre dann katastrophal, sie andererseits aber 
auch zu Protokoll gab, sie sei während den ganzen acht Jahren fast wöchentlich 
geschlagen worden. Die Strafklägerin hat diese Ungereimtheit zum einen selbst be-
richtigt, indem sie beim Verlesen des Einvernahmeprotokolls präzisierte, der Be-
schuldigte habe sie auch schon während der ersten beiden Ehejahre geschlagen, 
was im Übrigen mit den Aussagen des Vaters übereinstimmt. Zum anderen hat sie 
jedenfalls konstant ausgesagt, sie sei vor den fraglichen sexuellen Handlungen 
während Jahren immer wieder geschlagen worden, was ihre Angst vor weiterer 
Gewalt im Falle der Verweigerung von Oral- und Vaginalverkehr ohne weiteres 
nachvollziehbar erscheinen lässt.

Dass das wegen Freiheitsberaubung, einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten 
gegen den Beschuldigten geführte Verfahren mit Verfügung vom 3. September 
2014 schliesslich eingestellt wurde (pag. 479 ff.), ändert daran nichts. Die Kammer 
hat aufgrund der konstanten, mit den Aussagen ihrer Eltern und den Spitalunterla-
gen übereinstimmenden Aussagen der Strafklägerin keine Zweifel, dass der Be-
schuldigte in der Vergangenheit wiederholt körperliche Gewalt gegen diese aus-
geübt hatte. Im Übrigen sah auch die Staatsanwaltschaft die Tatbestände der ein-
fachen Körperverletzung (Kieferbruch) sowie der Tätlichkeiten (Schläge, Tritte und 
Ziehen an den Haaren) als beweismässig grundsätzlich erstellt an, stellte das Ver-
fahren aber zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung ein (pag. 481).

Auch bei den weiteren von der Verteidigung angeführten angeblichen Wider-
sprüchen in den Aussagen der Strafklägerin handelt es sich um bloss schein- oder 
zumindest erklärbare:

So widersprach sich die Strafklägerin zwar prima vista tatsächlich hinsichtlich des 
Arztbesuchs nach dem Vorfall vom 23. April 2011, indem sie am 2. Mai 2011 aus-
sagte, sie habe keinen Arzt aufgesucht, hingegen am 20. Mai 2014 dann zu Proto-
koll gab, sie sei nach einer Woche zur Frauenärztin gegangen. Nachdem im Zeit-
punkt der früheren Aussage aber erst gut eine Woche seit dem Vorfall vergangen 
war, kann es durchaus sein, dass die Strafklägerin erst nach der polizeilichen Ein-
vernahme vom 2. Mai 2011 zu ihrer Frauenärztin ging. Gleichbleibend beschrieb 
die Strafklägerin im Übrigen, sie habe nach dem Vorfall Unterleibsschmerzen ge-
habt. 

Auch trifft zu, dass die Strafklägerin ihre Erstaussage zu der früheren, angeblich 
ca. zwei Jahre vor dem 23. April 2011 stattgefundenen Vergewaltigung anlässlich 
ihrer Zweiteinvernahme vom 20. Mai 2014 nicht mehr bestätigte und insofern einen 
Widerspruch schuf, als sie schliesslich angab, sich nicht mehr daran erinnern zu 

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können. Es ist allerdings aufgrund ihrer Wortwahl und Begründung davon auszu-
gehen, dass sie sich eher nicht mehr daran erinnern wollte. Schon ursprünglich 
hatte sie aber diese angebliche frühere Vergewaltigung nur am Rande erwähnt und 
dann erst auf Nachfrage der Polizei etwas näher geschildert. Sie hatte also für die 
Strafklägerin von Anfang an eine klar untergeordnete Bedeutung und war nicht 
Grund für ihren Gang zur Polizei. Die Staatsanwaltschaft hat das diesbezüglich ge-
gen den Beschuldigten geführte Verfahren mit Verfügung vom 3. September 2014 
schliesslich eingestellt, da aus den Schilderungen der Strafklägerin nicht hervorge-
he, dass sie sich gegen den Geschlechtsverkehr gewehrt hätte bzw. dem Beschul-
digten zu erkennen gegeben habe, dass sie sich keinen sexuellen Kontakt wün-
sche und keine Anwendung von psychischer oder physischer Gewalt erkennbar sei 
(pag. 480). Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Strafklägerin am 2. Mai 2011 fal-
sche Aussagen gemacht hätte. Vielmehr waren es rechtliche Argumente, welche 
zur Einstellung führten.

Zu den von der Verteidigung ins Feld geführten angeblichen Widersprüchen und 
weiteren Vorbringen im Zusammenhang mit den Versicherungsbetrügen siehe 
nachstehend E. II.8.5.1.4.

Dass F.________ die Aussage der Strafklägerin, wonach sie dieser von der Ver-
gewaltigung erzählt habe, nicht bestätigte (pag. 160 Z. 18), ist der Glaubhaftigkeit 
der Aussagen der Strafklägerin ebenfalls nicht abträglich. Frau F.________ wollte, 
wie bereits von der Strafklägerin zu Protokoll gegeben, offenkundig nicht in die Sa-
che hineingezogen werden.

Schliesslich ist nochmals hervorzuheben, dass die Strafklägerin den Beschuldigten 
auch in diesen späteren Aussagen nicht über Gebühr belastete, wenn sie etwa an-
gab, dieser habe während der Ehe sehr gut zum Sohn geschaut und diesen auch 
nie geschlagen. Bemerkenswert ist zudem, dass sich die Strafklägerin nicht gene-
rell als reines Objekt der sexuellen Begierde ihres Mannes darstellte, sondern an-
deutete, sie hätte früher gerne mehr Sex gehabt, und explizit angab, die Initiative 
dazu sei damals meistens von ihr gekommen.

Zwischenfazit zur weiteren Aussageentwicklung

Die Aussagen der Strafklägerin, insbesondere zum Kerngeschehen, blieben auch 
über die zweite und dritte Einvernahme hinweg konstant. Aber auch in den Aussa-
gen zum Rahmengeschehen finden sich keine, jedenfalls keine nicht erklärbaren 
und damit auch keine relevanten Widersprüche. Vielmehr fügen sich die späteren 
Aussagen der Strafklägerin, namentlich zu der erlebten häuslichen Gewalt, in das 
bereits aufgrund der Erstaussagen gezeichnete Bild und machen diese noch 
glaubhafter. 

8.5.1.4 "Geburtsstunde" der Aussage der Strafklägerin / Motivation für eine allfällige
Falschbeschuldigung

Chronologie der Ereignisse

Chronologisch betrachtet kamen die den Beschuldigten belastenden Erstaussagen 
der Strafklägerin wie folgt zustande:

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Am 17. April 2011 entdeckte der Beschuldigte auf dem Handy der Strafklägerin ei-
ne SMS an einen anderen Mann. In der Folge kam es zu einem verbalen Streit, der 
sich aber aus Sicht der Strafklägerin wieder legte (pag. 142 Z. 49 ff.).

Vom 21. bis zum 23. April 2011 hielt sich der Beschuldigte in S.________ bei sei-
nem Onkel und dessen Sohn auf, um sich zu beruhigen, wobei er laut den Aussa-
gen der Strafklägerin zunächst in Aussicht gestellt hatte, schon am 22. April 2011 
wieder nach Hause zu kommen, an jenem Tag dann aber auf telefonische Nach-
frage der Strafklägerin hin geäussert habe, sie habe ihm genug befohlen, jetzt be-
fehle er (pag. 142 f. Z. 51 ff.). 

Am Abend des 23. April 2011 kam der Beschuldigte unangekündigt nach Hause. In 
der Folge sollen die strittigen sexuellen Handlungen stattgefunden haben. Danach 
hätten sie und der Beschuldigte laut der Strafklägerin noch über ihre gemeinsamen 
Probleme gesprochen, wobei er auch gesagt habe, vielleicht komme er irgendein-
mal nicht mehr zurück (pag. 145 Z. 195 ff.).

Am 24. April 2011 meldete sich der Beschuldigte auf dem Polizeiposten in 
R.________ und gab sinngemäss an, seine Frau habe Selbstmordabsichten 
geäussert. Weiter gab er an, er habe sie nicht angefasst. Der Polizist E.________ 
suchte daraufhin nach der Strafklägerin und traf diese in Begleitung ihres Mannes 
und des gemeinsamen Sohnes  auf dem Spielplatz vor der Migros an. Die Strafklä-
gerin gab an, es gehe ihr gut (pag. 136 f.). Laut ihren Aussagen habe der Beschul-
digte geleugnet, die Polizei avisiert zu haben und stattdessen angegeben, vielleicht 
seien sie auf dem Spielplatz zu laut gewesen (pag. 146 Z. 219 ff.).

Am 26. April 2011 sei es laut der Strafklägerin zu einem gegenseitigen Austausch 
von SMS und einem Anruf zwischen ihr und dem Beschuldigten gekommen, wobei 
dieser zunächst unterschwellig drohend geäussert habe, sie solle es mit ihrem 
Sohn geniessen, und ihr schliesslich mitgeteilt habe, es sei aus zwischen ihnen. 
Die Strafklägerin informierte ihren Vater darüber und dieser organisierte ein Treffen 
mit dem Beschuldigten und dessen Vater. Gegen Mitternacht kamen alle drei zur 
Strafklägerin in die eheliche Wohnung. Der Beschuldigte nahm seine Sachen, dar-
unter seinen Pass, mit und zog aus (pag. 146 Z. 225 ff., vgl. auch die damit über-
einstimmenden Aussagen ihres Vaters, pag. 164 Z. 18 ff.).

Am 28. April 2011 habe sich der Beschuldigte laut der Strafklägerin telefonisch bei 
ihr gemeldet und gesagt, dass er ihr den gemeinsam Sohn nicht einfach so lassen 
werde (pag. 146 Z. 241 ff.).

Am 29. April 2011 liess die Strafklägerin die Schlösser ihrer Wohnung auswech-
seln. Um ca. 10 Uhr meldete sie sich auf der Polizeiwache R.________ und gab 
an, es gehe ihr nicht so gut. Sie habe Angst, dass ihr Mann ihr Auto nehmen und 
nicht mehr zurückbringen werde, ob sie es ihm wegnehmen dürfe. Weiter habe sie 
Angst, dass ihr Mann den gemeinsamen Sohn mitnehmen werde. Schliesslich stell-
te die Strafklägerin in Aussicht, in der darauffolgenden Woche noch einmal auf die 
Polizeiwache zu kommen. Sie habe noch etwas, was sie sagen wolle, aber sie 
müsse zuerst zu sich finden (pag. 137).

Ebenfalls am 29. April 2011meldete sich die Strafklägerin (zu einer nicht näher be-
kannten Uhrzeit) telefonisch bei der G.________Versicherung und teilte mit, dass 

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der Beschuldigte Verletzungen [aus einem Autounfall vom 20. April 2009] nur vor-
spiele und dass er diesen Unfall selbst provoziert habe. Sie habe es bisher nicht 
gewagt, davon zu erzählen, da sie vom Beschuldigten geschlagen worden sei. Nun 
sei dieser aber von zu Hause verschwunden und werde auch nicht wiederkommen, 
so dass sie nun diesen Schritt gewagt habe. Weiter habe es auch einen Versiche-
rungsbetrug zu Lasten der C.________Versicherung gegeben: Der Beschuldigte 
habe einen Einbruchdiebstahl fingiert und diverse Wertgegenstände als gestohlen 
gemeldet. Sie selbst sei von ihrem Mann unter Druck gesetzt worden, damit sie bei 
diesem Betrug mitgemacht habe. Der zuständige Sachbearbeiter der 
G.________Versicherung vereinbarte deshalb für den 2. Mai 2011 um 09:00 Uhr 
eine Besprechung mit der Strafklägerin und riet dieser weiter, sowohl die häusliche 
Gewalt wie auch die Betrüge bei der Polizei zu melden (Unterlagen Versicherung, 
Band II, Telefonnotiz vom 29. April 2011).

Am 2. Mai 2011 kam es am Domizil der Eltern der Strafklägerin zur vereinbarten 
Besprechung der G.________Versicherung. Anwesend waren nebst der Strafklä-
gerin und den Vertretern der G.________Versicherung die Eltern sowie der Sohn 
der Strafklägerin. Der Besprechungsnotiz vom 5. Mai 2011 lässt sich entnehmen, 
dass die Strafklägerin «sämtliche telefonisch gemachten Vorwürfe an ihren Ehe-
mann» bestätigt und diese «immer wieder mit diversen Details» ergänzt habe. So 
habe sie u.a. «minutiös» erklärt, wie ihr Ehemann die diversen Medikamente ent-
weder in der Toilette entsorgt oder an Bekannte weiterverschenkt habe, da er diese 
mangels Schmerzen selbst gar nie benötigt habe. Den Autounfall habe der Be-
schuldigte gemäss der Strafklägerin «wohl bewusst provoziert», nachdem das Au-
tomatikgetriebe des Autos defekt gewesen sei und die Familie sich eine Reparatur 
nicht habe leisten können. Ausserdem habe der Beschuldigte ihr mitgeteilt, dass er 
den Verkehrsunfall durch Abbremsen ohne weiteres hätte verhindern können. Die-
se Aussage wurde gemäss der Besprechungsnotiz auch vom Vater der Strafkläge-
rin bestätigt. Dieser habe angegeben, dass der Beschuldigte absichtlich beschleu-
nigt habe. Der Besprechungsnotiz ist weiter zu entnehmen, dass der Beschuldigte 
der Strafklägerin zu diesem Zeitpunkt mitgeteilt gehabt habe, dass er bereits eine 
neue Wohnung gefunden und nichts mehr mit ihr zu tun haben wolle, weil sei ihn 
mit einem anderen Mann betrogen habe. Diesen Vorwurf habe die Strafklägerin an-
lässlich der Besprechung allerdings vehement bestritten. Kurz vor seinem Weg-
gang habe der Beschuldigte gemäss der Strafklägerin auch noch das Lohnkonto 
und das Konto des gemeinsamen Sohnes geplündert (Unterlagen Versicherung, 
Band II, Besprechungsnotiz von V.________ vom 5. Mai 2011). Die Vorwürfe fass-
te die Strafklägerin zudem in einer schriftlichen Erklärung zu Handen der Versiche-
rung zusammen (Anhang zur Besprechungsnotiz). 

Am gleichen Tag um 14:30 Uhr erschien die Strafklägerin auf der Polizeiwache 
R.________ und meldete eine Vergewaltigung durch ihren Ehemann. Die in der 
Folge durchgeführte Einvernahme dauerte von 16:00 bis 20:15 Uhr (pag. 141 ff.). 
Unmittelbar anschliessend an die Einvernahme gab die Strafklägerin der Polizei 
gegenüber an, sie wolle zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr über kriminelle 
Machenschaften ihres Mannes erzählen. Es handle sich um Versicherungsbetrug. 
Es wurde deshalb eine weitere Einvernahme am 20. Mai 2011 vereinbart 
(pag. 184). 

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Anlässlich dieser Einvernahme vom 20. Mai 2011 (pag. 215 ff.) bezichtigte die 
Strafklägerin den Beschuldigten dann auch bei der Polizei konkret wegen Versiche-
rungsbetrugs im Zusammenhang mit dem Autounfall vom 20. April 2009 (provozier-
ter Zusammenstoss, keine körperlichen Unfallfolgen). Darüber hinaus gab sie an, 
der Beschuldigte habe ca. drei Jahre zuvor den PW neu lackieren wollen. Deshalb 
habe er mit seinem Schlüssel diverse Kratzer am Auto angebracht. Das habe er ihr 
selbst erzählt. Die Versicherung habe dann CHF 3‘000.00 bezahlt (pag. 218 Z. 172 
ff.). Ausserdem gab die Strafklägerin zu Protokoll, der Wohnungseinbruch vom 
24. Februar 2007 sei vorgetäuscht gewesen. Sie sei damals davon ausgegangen, 
dass tatsächlich eingebrochen worden sei, da die Türe defekt und die Kleider 
durchwühlt gewesen seien. Ihr Mann habe gesagt, das sei ja super, was passiert 
sei. Der Beschuldigte habe dann für die C.________Versicherung eine Liste mit 
dem Deliktsgut erstellt und darauf auch Dinge angegeben, die sie gar nicht beses-
sen hätten. Sie selbst habe bei der Polizei den Schmuck bezeichnet, der gestohlen 
worden sei. Nach ca. 5 Monaten – nachdem sie von der Versicherung bereits eine 
Entschädigung erhalten hätten – habe ihr Mann ihr dann den Schmuck plötzlich 
übergeben, ohne zu sagen, wo er diesen her habe. Danach habe er den Schmuck 
für zwei Jahre zu seiner Mutter nach Mazedonien gebracht, bevor er ihn wieder in 
die Schweiz geholt habe. Sie habe das Auffinden des Schmucks nicht gemeldet, da 
sie nichts habe sagen dürfen. Ihr Mann habe ihr gesagt, dass sie «mithänge» 
(pag. 218 Z. 181 ff.). Schliesslich gab die Strafklägerin an, anlässlich eines Streits 
habe der Beschuldigte durch einen Wurf mit der Fernbedienung den eigenen Fern-
seher kaputt gemacht. Er habe ihr daraufhin befohlen, der Versicherung zu melden, 
dass sie den Fernseher der Schwester beschädigt habe. Die 
D.________Versicherung habe daraufhin den Schaden bezahlt. Sie habe die Ver-
sicherung angelogen, jedoch nur auf Drängen des Beschuldigten (pag. 217 Z. 161 
ff.).

Es ist davon auszugehen, dass die Strafklägerin von sich aus sagte, der erwähnte 
Schmuck befinde sich nun bei ihren Eltern (vgl. pag. 218 Z. 189 und pag. 234 
Z. 107 f.). Denn dort konnte die Polizei unmittelbar anschliessend an die Einver-
nahme vom 20. Mai 2011 bei einer Hausdurchsuchung (mit Einwilligung) diversen 
Schmuck sicherstellen (pag. 336 ff.), welchen die Strafklägerin gemäss ihrer Mutter 
nach der Trennung vom Beschuldigten dorthin gebracht habe (pag. 234 Z. 104 ff.). 

Anlässlich ihrer weiteren Einvernahmen vom 20. Mai 2014 und auch an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung hielt die Strafklägerin an ihren Vorwürfen im Zu-
sammenhang mit den mutmasslichen Versicherungsbetrügen fest. In Bezug auf 
den Schmuckdiebstahl gab sie zu, an der Erstellung der Liste für die Versicherung 
beteiligt gewesen zu sein (pag. 226 Z. 275), was ihr Bruder bestätigte, indem er 
aussagte, der Beschuldigte und die Strafklägerin hätten ihm gesagt, was gestohlen 
worden sei und er habe es notiert (pag. 244 Z. 37 ff., Listen auf pag. 247 f.).

Ausgang des Verfahrens wegen (mehrfachen) Versicherungsbetrugs

Die Staatsanwaltschaft stellte das gegen den Beschuldigten geführte Verfahren in 
Bezug auf den Vorwurf des Betrugs im Zusammenhang mit dem Autounfall vom 
20. April 2009 mit Verfügung vom 3. September 2014 rechtskräftig ein, da nicht 
mehr zu eruieren sei, ob der Beschuldigte tatsächlich ein Mitverschulden am fragli-

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chen Unfall gehabt oder diesen gar absichtlich herbeigeführt habe. Weder hierfür 
noch für das angebliche Simulieren des Beschuldigten ergäben sich aus den Akten 
Hinweise. Der Nachweis des Versicherungsbetrugs könne daher nicht erbracht 
werden (pag. 481 f.).

In Bezug auf die weiteren von der Strafklägerin erhobenen Vorwürfe klagte die 
Staatsanwaltschaft den Beschuldigten dagegen an wegen mehrfachen, eventualiter 
teilweise versuchten Betrugs, (teilweise eventualiter) begangen gemeinsam mit der 
Strafklägerin (Ziff. I.3 der Anklageschrift, pag. 484 f.).

In Bezug auf den Anklagepunkt I.3.3. (Kratzer am Auto) kam die Vorinstanz in du-
bio pro reo zum Schluss, nicht der Beschuldigte selbst, sondern ein unbekannter 
Dritter habe dem Auto die Kratzer beigefügt. Gestützt auf den insoweit geständigen 
Beschuldigten, erachtete es die Vorinstanz gleichzeitig als erstellt, dass dieser Ver-
sicherungsleistungen erhalten habe, obwohl er die Reparatur nicht habe ausführen 
lassen. Hingegen kam sie zum Schluss, die Versicherungsleistung sei nicht auf-
grund einer Scheinrechnung erfolgt, da dieser Rechnung nichts über eine tatsächli-
che vorgenommene Reparatur zu entnehmen sei (Ziff. IV.1.4.3 und IV.1.5.3 ihrer 
Erwägungen, pag. 709 ff.). Sie sprach den Beschuldigten vom Vorwurf des Betrugs 
frei, da dieser der Versicherung gegenüber keine falschen Angaben gemacht habe, 
diese nicht einem Irrtum erlegen sei und es deshalb an einer arglistigen Täuschung 
fehle. Fraglich sei auch, ob eine Bereicherung eingetreten sei, nachdem der Per-
sonenwagen einen Wertverlust im Umfang der ausbezahlten Leistung erlitten habe. 
Insofern habe der Beschuldigte nicht in Bereicherungsabsicht gehandelt und der 
subjektive Tatbestand sei nicht erfüllt, nachdem der Beschuldigte den Zusammen-
hang von der Täuschung bis zum Schaden in seinen Umrissen nicht gewollt habe 
(Ziff. V.2.1.3.c. ihrer Erwägungen, pag. 717). Dieser Freispruch (Ziff. I. des vorin-
stanzlichen Urteilsdispositivs) ist mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen 
(vorstehend E. I.6.1.).

Bezüglich des Anklagepunkts I.3.2. (Schmuckdiebstahl) erwog die Vorinstanz, es 
könne dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, dass er (gemeinsam mit 
der Strafklägerin und ev. weiteren unbekannten Mittätern) den Einbruchdiebstahl 
vorgetäuscht habe bzw. habe vortäuschen lassen. Hingegen sei erstellt, dass der 
Beschuldigte (gemeinsam mit der Strafklägerin) einen Einbruchdiebstahl in seine 
Wohnung zum Anlass genommen habe, um ungerechtfertigte Versicherungsleis-
tungen zu erlangen, indem er (gemeinsam mit der Strafklägerin) der 
C.________Versicherung gegenüber Gold- und Silberschmuck im Wert von angeb-
lich CHF 19‘000.00, CHF 7‘200.00 Bargeld und weitere Gegenstände im Wert von 
ca. CHF 9‘800.00 als gestohlen gemeldet habe, obwohl sich die Gegenstände im-
mer noch in seinem Besitz befunden hätten und er diese verborgen habe (Ziff. 
IV.1.4.2 und IV.1.5.2 ihrer Erwägungen, pag. 708 ff.). Da die Versicherung jedoch 
lediglich Leistungen in der Höhe von CHF 17‘000.00 erbracht hatte, sprach die Vor-
instanz den Beschuldigten auch nur in diesem Umfang des vollendeten Betrugs, im 
Umfang der restlichen der Versicherung angegebenen CHF 18‘000.00 dagegen 
versuchten Betrugs schuldig (Ziff. II.3.1. und 3.2. ihres Urteilsdispositivs). Diese 
Schuldsprüche wurden vom Beschuldigten nicht angefochten und sind daher eben-
falls in Rechtskraft erwachsen (vorstehend E. I.6.1.).

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Auch im Anklagepunkt I.3.1. (Fernseher) sprach die Vorinstanz den Beschuldigten 
des Betrugs (begangen gemeinsam mit der Strafklägerin) schuldig (Ziff. II.3.3. ihres 
Urteilsdispositivs). Im Gegensatz zu den anderen Schuldsprüchen wurde dieser 
vom Beschuldigten nicht akzeptiert und ist Gegenstand der vorliegenden Überprü-
fung durch die Kammer (nachstehend E. II.9.). 

Würdigung in Bezug auf eine allfällige Falschbeschuldigung

Zunächst ist festzustellen, dass sich aus der Chronologie der Ereignisse aus Sicht 
der Kammer nichts ergibt, was Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der 
Strafklägerin zu den sexuellen Handlungen erwecken würde: 

Es wurde bereits festgehalten, dass es nachvollziehbar ist, dass die Strafklägerin in 
ihrer damaligen Situation nicht umgehend die Polizei involvierte und insbesondere 
am 24. April 2011 gegenüber dem Polizisten E.________ noch nichts erwähnte. 
Die Ereignisse der nachfolgenden Tage, als der Beschuldigte sich dann von ihr 
trennte und ihr unterschwellig auch zu drohen begann, ihr den Sohn wegzuneh-
men, dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die Strafklägerin sich schliesslich 
entschied, ihn nicht weiter zu schützen und reinen Tisch zu machen. 

Entsprechend gab sie zu Protokoll, jetzt sei sie endlich frei und könne sagen, was 
sie denke und fühle. Ihr Mann habe sie oft angewiesen, Dinge zu sagen, die sie 
nicht gewollt habe (pag. 216 Z. 101 ff.). Sie hasse sich dafür, nicht früher zur Poli-
zei gegangen zu sein. Nachdem der Beschuldigte sie jeweils geschlagen habe, ha-
be sie ihm zwar schon gedroht, zur Polizei zu gehen. Er habe ihr aber gesagt, dass 
sie sowieso nichts gegen ihn machen könne (pag. 217 Z. 147 ff.; vgl. auch 
pag. 223 Z. 124 ff.). Er habe sie psychisch kaputt gemacht (pag. 218 Z. 181 ff.).

Dass sie für diesen Entschluss eine gewisse Zeit benötigte, ist nicht weiter erstaun-
lich, zumal sie sich ja zumindest in der Frage der Gewaltanwendung in der Ehe von 
ihrem Umfeld ziemlich allein gelassen worden war und zunächst auch noch ver-
suchte, eine definitive Trennung zu vermeiden, indem sie den Beschuldigten bat, 
zurück nach Hause zu kommen.

Es wäre zwar theoretisch denkbar, dass die Strafklägerin versuchte, die Trennung 
– als diese aus ihrer Sicht dann unausweichlich geworden war – vor ihrer Familie 
zu rechtfertigen, indem sie dem Beschuldigten Straftaten vorwarf, die dieser gar 
nicht begangen hatte, und so die eigentlichen Gründe, insbesondere ihren Kontakt 
zu dem fremden Mann – so geringfügig er auch gewesen sein mag –, zu kaschie-
ren. 

Konkrete Anhaltspunkte für eine derartige Falschbeschuldigung bestehen indessen 
nicht. Im Gegenteil sprechen zunächst die Vielzahl der Realkennzeichen sowie die 
Konstanz ihrer Aussagen klar für selbst erlebte Vorgänge. Insbesondere auch der 
Umstand, dass sie den Beschuldigten trotz Fragen mit entsprechendem Suggesti-
onspotential nicht übermässig belastete, sondern durchaus differenzierte Aussagen 
über diesen machte, ist äusserst untypisch für eine falsche Anschuldigung. Wer ei-
ne andere Person falsch beschuldigt, wird nichts unversucht lassen, diese anzu-
schwärzen und schlecht zu machen. Sodann erwähnte die Strafklägerin zwar 
selbst, dass es nicht von Vorteil wäre, wenn sie ihrem Vater sagen würde, dass sie 
männliche Kollegen habe. Gleichzeitig hat sie vorliegend aber genau dies letztend-

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lich gegenüber ihrem Vater offengelegt, auch wenn es sein mag, dass sie dabei 
das Ausmass des Kontaktes herunterspielte (wofür aber keine Anhaltspunkte be-
stehen). Selbst wenn die Strafklägerin eine Affäre gehabt hätte, wäre es zudem 
aus ihrer Sicht – mit Blick auf ihren kulturellen Hintergrund – logischer gewesen, 
einen solchen Kontakt zu einem fremden Mann gänzlich zu negieren oder zumin-
dest zu behaupten, sie habe diesen Kontakt gar nicht gewollt oder ähnliches.

Es trifft sodann nur bedingt zu, wenn die Verteidigung ausführt, die Strafklägerin 
habe den Beschuldigten bei der Versicherung angeschwärzt, bevor sie zur Polizei 
gegangen sei. Sowohl bei der Polizei, wie auch bei der Versicherung meldete sie 
sich nämlich erstmals am selben Tag, dem 29. April 2011, auch wenn sie gegenü-
ber der Versicherung zu diesem Zeitpunkt zugegebenermassen schon konkretere 
Angaben machte als gegenüber der Polizei. Richtig konkret wurden diese Angaben 
dann anlässlich der Besprechung mit der G.________Versicherung vom 2. Mai 
2011. Noch am selben Tag meldete sich die Strafklägerin aber auch bei der Polizei, 
zeigte dort die Vergewaltigung an, und stellte bereits weitere Aussagen zu Versi-
cherungsbetrügen ihres Mannes in Aussicht. Dass die Strafklägerin im Übrigen zu 
spät zu dieser Einvernahme erschienen sei, wie von der Verteidigung behauptet, 
lässt sich den Akten nicht entnehmen. Ohnehin könnte der Beschuldigte nichts für 
sich daraus ableiten.

Dass die Strafklägerin gegenüber der Versicherung bereits am 29. April 2011 kon-
kretere Angaben gemacht hatte, könnte darin gründen, dass diese Sache für die 
Strafklägerin aufgrund der Mitbetroffenheit ihrer Eltern subjektiv tatsächlich eine 
höhere Priorität hatte als die Sexualdelikte. Möglicherweise zeigte sie letztere auch 
erst auf Anraten der Versicherung überhaupt an. Weshalb sie umgekehrt am 2. Mai 
2011 nicht auch gegenüber der Polizei schon konkretere Angaben über Versiche-
rungsbet