# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 18174217-44eb-5158-807b-02dddd163295
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-08-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.08.2009 D-4881/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4881-2009_2009-08-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4881/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  A u g u s t  2 0 0 9

Einzelrichter Bendicht Tellenbach,
mit Zustimmung von Richter François Badoud;
Gerichtsschreiber Martin Scheyli

A._______ B._______, geboren [...], Irak,

vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri, 
Asylhilfe Bern, Bahnhöheweg 44, 3018 Bern,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 3. Juli 2009 / N _______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4881/2009

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  ist  irakischer  Staatsbürger  arabischer  Ethnie 
sowie katholischer Religionszugehörigkeit und stammt aus Mossul. Er 
verliess  seinen  Heimatstaat  nach  eigenen  Angaben  am 12. Oktober 
2007 in Richtung Türkei. Am 1. Januar 2009 reiste er von Deutschland 
her kommend illegal in die Schweiz ein und stellte am 2. Januar 2009 
beim  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  Basel  ein  Asylgesuch.  Am 
14. Januar 2009 wurde er dort summarisch zu seinen Asylgründen an-
gehört und anschliessend dem Kanton Bern zugewiesen. 

B.
Im Rahmen seiner Anhörung beim Empfangs- und Verfahrenszentrum 
gab der Beschwerdeführer unter anderem Folgendes zu Protokoll: Am 
29. Oktober  2007  sei  er  mit  dem  Ziel  Italien  auf  dem  Schiff  einer 
Schlepperorganisation  in  Istanbul  aufgebrochen. Aufgrund eines  De-
fekts habe das Schiff indessen unterwegs in einem griechischen Hafen 
anlegen müssen. Von den griechischen Behörden habe er ein Schrei-
ben des Inhalts  erhalten,  er  habe das Land innert  dreier  Monate zu 
verlassen. In der Folge sei er nach Deutschland weitergereist, wo er 
am 10. April 2008 ein Asylgesuch gestellt habe. Die deutschen Behör-
den hätten ihm indessen angedroht, ihn gemäss dem Dubliner Abkom-
men nach Griechenland zurückzuschicken, worauf er sich bis zu sei-
ner Weiterreise in die Schweiz versteckt gehalten habe. 

C.
Am 23. April 2009 richtete das Bundesamt für Migration (BFM) an die 
zuständigen  griechischen  Behörden  die  Mitteilung,  gestützt  auf  die 
einschlägigen Staatsverträge (Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen 
Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur  Bestimmung des 
zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder 
in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin-Assoziierungsabkom-
men, SR 0.142.392.68]; Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 
18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig ist [VO Dublin]; Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommis-
sion  vom  2. September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur 

Seite 2

D-4881/2009

Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des  Rates [DVO Dublin])  werde Grie-
chenland als zur Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet.

D.
Mit  Zwischenverfügung  vom 24. April  2009  teilte  das  BFM dem Be-
schwerdeführer mit,  es stehe fest,  dass er am 4. Dezember 2007 in 
Griechenland  ein  Asylgesuch  gestellt  habe  und  daktyloskopisch  er-
fasst  worden  sei.  Es  werde  die  Zuständigkeit  Griechenlands  für  die 
Durchführung  des  Asylverfahrens  geprüft.  Falls  Griechenland  der 
Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  zustimme,  werde  auf  sein 
Asylgesuch gestützt  auf  Art. 34  Abs. 2 Bst. d  des Asylgesetzes vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  eingetreten,  sofern  keine 
Gründe gegen die Wegweisung sprächen. Er habe Gelegenheit, sich 
hierzu bis zum 5. Mai 2009 schriftlich zu äussern.

E.
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  an  das  BFM vom 5. Mai  2009 
nahm der Beschwerdeführer zur erwähnten Zwischenverfügung Stel-
lung. Auf  den Inhalt  dieser  Stellungnahme wird,  soweit  für  den Ent-
scheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

F.
Mit  Verfügung  vom  3. Juli  2009  trat  das  BFM  gestützt  auf  Art. 34 
Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 
ein und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz nach Griechen-
land sowie den Vollzug an. Des Weiteren wies das Bundesamt den Be-
schwerdeführer an, die Schweiz sofort zu verlassen. Auf die Begrün-
dung der Verfügung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den 
Erwägungen eingegangen.

G.
Mit Verfügung vom 8. Juli 2009 ordnete der Migrationsdienst des Kan-
tons Bern gestützt auf Art. 76 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 
2005 über  die  Ausländerinnen und Ausländer  (AuG,  SR 142.20)  die 
Ausschaffungshaft des Beschwerdeführers an.

H.
Mit  per  Telefax  übermittelter  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom 
31. Juli 2009 focht der Beschwerdeführer die Verfügung des BFM vom 
3. Juli  2009 beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte er, 
die genannte Verfügung sei aufzuheben und das Bundesamt sei anzu-
weisen,  die Behandlung seines Asylgesuchs fortzusetzen. In prozes-

Seite 3

D-4881/2009

sualer  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  darum,  seiner  Be-
schwerde sei  aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei  ihm  die 
unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) zu gewähren. Auf die Begründung der Beschwer-
de wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen ein-
gegangen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer unter ande-
rem die Kopie eines Briefumschlags ein. 

I.
Mit Zwischenverfügung vom 3. August 2009 setzte der Instruktionsrich-
ter  des  Bundesverwaltungsgerichts  den  Vollzug  der  Wegweisung  im 
Sinne einer vorsorglichen Massnahme vorläufig aus.

J.
Mit Eingabe vom 3. August 2009 reichte der Beschwerdeführer durch 
seine Rechtsvertreterin das Original seiner Beschwerde nach.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Verfügungen, 
die gestützt auf das AsylG durch das BFM erlassen worden sind, ent-
scheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art. 105  AsylG 
i.V.m. Art. 31-34 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1  des Bundesgerichtsgeset-
zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Über-
schreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts  und die Unangemessenheit 
gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist  durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-

Seite 4

D-4881/2009

bung. Er ist damit zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 
Abs. 1 VwVG). 

2.2 Im vorinstanzlichen Aktendossier sind keinerlei Angaben dazu ent-
halten,  zu welchem Zeitpunkt  die vom 3. Juli  2009 datierende Verfü-
gung des BFM dem Beschwerdeführer eröffnet wurde. Indessen macht 
der Beschwerdeführer geltend, die angefochtene Verfügung sei seiner 
Rechtsvertreterin am 31. Juli 2009 durch die schweizerische Post zu-
gestellt worden. Diesbezüglich reichte er als Beweismittel die Kopie ei-
nes Briefumschlags ein. Aus diesem geht hervor, dass die Kantonspo-
lizei  Bern  der  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  am  30. Juli 
2009 eine eingeschriebene Sendung übermittelte. Diese konnte dem 
Beschwerdeführer  somit  frühestens  am 31. Juli  2009 zugestellt  wer-
den.  Aus  der  angefochtenen  Verfügung  ergibt  sich  ferner,  dass  das 
BFM die zuständigen Behörden des Kantons Bern darum bat, dem Be-
schwerdeführer den Entscheid auszuhändigen. Die Beweislast für die 
erfolgte Zustellung und deren Zeitpunkt trägt die Behörde, welche die 
Zustellung  veranlasst  hat  (vgl.  FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHWANK,  in: 
Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar 
VwVG, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 34, N 10). Somit ist im vorliegen-
den Fall angesichts des eingereichten Beweismittels und mangels an-
derweitiger Anhaltspunkte davon auszugehen, dass die angefochtene 
Verfügung dem Beschwerdeführer am 31. Juli 2009 eröffnet wurde. Die 
Beschwerde wurde nach dem Gesagten innert  der gesetzlichen Frist 
(Art. 108 Abs. 2  und 5  AsylG)  beim Bundesverwaltungsgericht  erho-
ben. Auf die im Übrigen formgerecht eingereichte Beschwerde ist so-
mit  einzutreten  (Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1,  Art.  50  und  52 
VwVG).

3.
3.1 Über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  wird  in  einzelrich-
terlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfol-
gend aufgezeigt  wird,  handelt  es  sich  im vorliegenden Fall  um eine 
solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begrün-
den ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf einen Schriftenwech-
sel verzichtet.

4.
Im vorliegenden Fall  besteht Anlass zur Frage, ob die Vorinstanz im 

Seite 5

D-4881/2009

Rahmen  der  angefochtenen  Verfügung  ihren  Pflichten  hinreichend 
nachgekommen ist,  die sich aus dem Anspruch des Beschwerdefüh-
rers auf rechtliches Gehör ergeben.

4.1
4.1.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör wird durch Art. 29-33 VwVG 
konkretisiert. Danach umfasst der Anspruch auf rechtliches Gehör als 
Teilaspekte  einen  Anspruch  der  Parteien  auf  vorgängige  Anhörung 
durch die Behörde (Art. 30 und 30a VwVG),  auf  Anhörung in Bezug 
auf erhebliche Vorbringen einer Gegenpartei (Art. 31 VwVG), auf Prü-
fung eigener erheblicher Vorbringen durch die Behörde (Art. 32 VwVG) 
sowie auf  Abnahme der angebotenen und tauglichen Beweise durch 
die Behörde (Art. 33 VwVG). Antworten auf die Frage, welche spezifi-
schen Teilgehalte der Anspruch des rechtlichen Gehörs im Einzelnen 
umfasse, können sich darüber hinaus auch unmittelbar aus dem über-
geordneten  Verfassungsrecht  in  Gestalt  des  Art. 29  Abs. 2  der  Bun-
desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 
1999 (BV, SR 101) ergeben.

4.1.2 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtli-
chen Gehörs im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV  umfasst unbestrittener-
massen eine Anzahl verschiedener verfassungsrechtlicher Verfahrens-
garantien  (vgl.  aus  der  Literatur  etwa  MICHELE ALBERTINI,  Der  verfas-
sungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfah-
ren des modernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.; ANDREAS AUER/GIORGIO 
MALINVERNI/MICHEL HOTTELIER,  Droit  constitutionnel  suisse.  Vol. II.  Les 
droits fondamentaux, 2. Aufl., Bern 2006, S. 606 ff.;  BENOIT BOVAY, Pro-
cédure  administrative,  Bern  2000,  S. 207 ff.;  ULRICH HÄFELIN/GEORG 
MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/ 
Basel/Genf/St. Gallen 2006,  S. 360 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Ver-
waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., 
Zürich  1998,  S. 46,  107 ff.;  MARKUS SCHEFER,  Grundrechte  in  der 
Schweiz, Bern 2005, S. 285 ff.). Zunächst – und für die Prozesspartei-
en regelmässig im Vordergrund stehend – gehört dazu das Recht auf 
vorgängige Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen einen 
Einfluss  auf  die  Ermittlung  des  wesentlichen  Sachverhaltes  sichert. 
Unerlässliches Gegenstück der Mitwirkungsrechte der Parteien bildet 
ausserdem als  weiterer  Teilgehalt  des rechtlichen Gehörs die Pflicht 
der Behörden, die Vorbringen der Betroffenen sorgfältig und ernsthaft 
zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen; daraus folgt 
schliesslich auch die grundsätzliche Pflicht  der Behörden, ihren Ent-

Seite 6

D-4881/2009

scheid zu begründen (BGE 123 I 31 E. 2c; vgl. etwa  AUER/MALINVERNI/ 
HOTTELIER,  a.a.O.,  S. 611 ff.;  REINHOLD HOTZ,  St.  Galler  Kommentar  zu 
Art. 29  BV,  Rz. 34  ff.;  KÖLZ/HÄNER,  a.a.O.,  S. 119;  SCHEFER,  a.a.O., 
S. 300 ff.). 

4.2 Es ist  festzustellen,  dass  der  angefochtene  Entscheid  des  BFM 
diesen Kriterien offensichtlich nicht gerecht wird. Zwar wurde dem Be-
schwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 24. April 2009 das Recht 
gewährt, sich zur Ansicht des Bundesamts zu äussern, für die Durch-
führung des Asylverfahrens sei Griechenland zuständig. Indessen wird 
das Recht auf vorgängige Anhörung durch die Pflicht der Behörde er-
gänzt,  die  Äusserungen des Betroffenen tatsächlich  zur  Kenntnis  zu 
nehmen  und  sich  damit  in  der  Entscheidfindung  und  -begründung 
sachgerecht auseinanderzusetzen (BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL,  in: 
Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar 
VwVG, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 30, N 5; vgl. ausserdem BERNHARD 
WALDMANN/JÜRG BICKEL,  ebd.,  Art. 32). In der angefochtenen Verfügung 
wird zwar festgehalten, dem Beschwerdeführer sei am 14. Januar (sic) 
sowie am 24. April 2009 das rechtliche Gehör gewährt worden. Indes-
sen wird weder erwähnt, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe sei-
ner Rechtsvertreterin an das BFM vom 5. Mai 2009 zur Zwischenverfü-
gung vom 24. April 2009 tatsächlich Stellung bezog, noch wird ausge-
führt, wie er sich dabei äusserte, noch wird auf seine entsprechenden 
Vorbringen  eingegangen. Zu  erwähnen  ist  dabei,  dass  sich  der  Be-
schwerdeführer in seiner Eingabe vom 5. Mai 2009 ausdrücklich dazu 
äusserte, weshalb er mit einer allfälligen Ausschaffung nach Griechen-
land nicht einverstanden sei. Somit ist offenkundig, dass das BFM sei-
ne Pflicht zur Berücksichtigung der Vorbringen des Beschwerdeführers 
nicht wahrgenommen und somit dessen Anspruch auf rechtliches Ge-
hör verletzt hat.

4.3 Nach dem Gesagten  ist  die  Beschwerde  insofern  gutzuheissen, 
als damit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird, 
und die Sache ist zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.

5.
Im vorliegenden Fall  besteht  ausserdem Anlass zu folgender Ergän-
zung. Wie bereits ausgeführt,  wurde die vom 3. Juli  2009 datierende 
Verfügung des BFM dem Beschwerdeführer erst am 31. Juli 2009 er-
öffnet. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb zwischen Verfügungs- und 

Seite 7

D-4881/2009

Eröffnungsdatum eine derart lange Zeitspanne liegt, zumal gegenüber 
dem  Beschwerdeführer  bereits  am  8. Juli  2009  mit  entsprechender 
Verfügung  des  Migrationsdiensts  des  Kantons  Bern  die  Ausschaf-
fungshaft  angeordnet  wurde. Dabei  erweist  sich  insbesondere,  dass 
die Anordnung der Ausschaffungshaft nicht unter Beachtung der dies-
bezüglich  geltenden  gesetzlichen  Bestimmungen  erfolgte.  Gemäss 
Art. 76 Abs. 1 AuG kann die zuständige Behörde die betroffene Person 
zur  Sicherstellung  des  Vollzugs  in  Haft  nehmen  (oder  i.Vm.  Art. 75 
AuG in Haft belassen), wenn ein erstinstanzlicher Weg- oder Auswei-
sungsentscheid eröffnet  wurde. Indem die betreffende Verfügung des 
BFM vom 3. Juli 2009 dem Beschwerdeführer erst am 31. Juli 2009 er-
öffnet wurde, war diese Voraussetzung zum Zeitpunkt der Anordnung 
der  kantonalen  Behörde  offensichtlich  nicht  erfüllt.  Im Übrigen  wäre 
auch die für die Inhaftnahme gemäss Art. 76 Abs. 1 Bst. b Ziff. 5 AuG 
verlangte Voraussetzung nicht erfüllt gewesen, wonach ein auf Art. 34 
Abs. 2 Bst. d  AsylG gestützter Wegweisungsentscheid  in  einer Emp-
fangsstelle eröffnet wird: Weder erfolgte die Eröffnung in einer Emp-
fangsstelle, noch wurde die Haft – wie in diesem Fall gesetzlich vorge-
sehen (Art. 80 Abs. 1 AuG) – durch das Bundesamt angeordnet. Fer-
ner ergeben sich aus den Akten auch keinerlei Hinweise auf das Vor-
liegen von Gründen, die eine Vorbereitungshaft  im Sinne von Art. 75 
Abs. 1  AuG  rechtfertigen  würden.  Die  Ausschaffungshaft  des  Be-
schwerdeführers  wurde  somit  offensichtlich  zu  Unrecht  angeordnet. 
Aus den vorinstanzlichen Akten geht  nicht  hervor, ob die Haftanord-
nung im Sinne von Art. 80 Abs. 2-4 AuG durch eine richterliche Behör-
de überprüft wurde.

6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 
(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).  Das mit  der Beschwerde-
schrift  gestellte  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erweist sich somit als gegen-
standslos.

6.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsie-
genden Partei  von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädi-
gung für  die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig ho-
hen Kosten zugesprochen werden (vgl. für die Grundsätze der Bemes-
sung  der  Parteientschädigung  ausserdem  Art. 7  ff.  des  Reglements 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt  vom  21. Februar  2008  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Seitens  der 

Seite 8

D-4881/2009

Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers wurde keine Kostennote ein-
gereicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet 
(vgl.  Art. 14  Abs. 2  VGKE),  weil  im  vorliegenden  Verfahren  der  Auf-
wand  des  Schriftenwechsels  zuverlässig  abgeschätzt  werden  kann. 
Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-
13 VGKE) sind dem Beschwerdeführer Fr. 200.--  (inkl. Auslagen und 
Mehrwertsteuer) als Parteientschädigung zuzusprechen. Dieser Betrag 
ist dem Beschwerdeführer durch das BFM zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

D-4881/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des BFM vom 
3. Juli 2009 wird aufgehoben. 

2.
Die Akten werden dem BFM zur erneuten Beurteilung der Sache über-
wiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Dem Beschwerdeführer  wird eine Parteientschädigung von Fr. 200.-- 
zugesprochen, die ihm durch das BFM zu entrichten ist.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (eingeschrieben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(in Kopie)
- den Migrationsdienst des Kantons Bern, zur Kenntnisnahme (in Ko-

pie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Martin Scheyli

Versand: 

Seite 10