# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 29019024-251d-52f7-9789-a2e25da54d7c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-23
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung; Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit vorangegangener Leistungsverweigerung ausgewiesen; bei Ausschöpfung der Restarbeitsfähigkeit kann weiterhin ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielt werden.
**Docket/Reference:** IV.2015.00259
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00259.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00259
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Senn-Buchter
Urteil
vom
23. September 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Rechtsanwältin Vanessa
Heimgartner
, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1958 geborene
X.___
absolvierte von 1975 bis 1977 eine
Kondukteurlehre
bei den
Y.___
und arbeitete
anschliessend
bis Frühling 2000 in seinem Beruf. Danach war er vom 1. Juli 2000 bis 30. April 2004 als Sicherheitsmitarbeiter bei der
Z.___
tätig, welche Anstellung er infolge Auftragsverlusts verlor (Urk. 8/9, Urk. 8/37). Am 2. Juni 2004 ersuchte er die Invalidenversicherung unter Hinweis auf eine
seit
dem Jahr
1995 bekannte
HIV-Infektion erstmals um
Ausrichtung von
Leis
tungen (Urk. 8/2). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, wies das Begehren des Versicherten mit
unangefochten gebliebener
Verfügung vom 23. August 2004 (Urk
. 8/13) mangels Invalidität ab
.
1.2
Am 5. August 2013 (Urk. 8/15) erneuerte der ab 1. August 2004
zunächst vollzeitlich und hernach in einem Teilzeitpensum
als Sicherheits
mitarbeiter
bei der
A.___
angestellte
(
Urk. 8/23/13,
Urk. 8/34
, Urk. 8/37, Urk. 8/78/3
)
X.___
sein Leistungsbegehren, wobei er
zusätzlich
auf eine
Poly
neuropathie
hinwies. Die IV-Stelle
klärte die medizinischen und erwerblich-beruflichen Verhältnisse ab. Dabei gab sie
bei der Medizinischen
Abklärungs
stelle
(MEDAS)
B.___
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, welches am 16. Juni 2014 erstattet wurde (Urk. 8/55
/1-24; vgl. auch Teilgutachten
Psychiatrie [Urk. 8/55/26-32] und Neurologie [Urk. 8/55/33-38] vom 12. und 13. Mai 2014
)
.
Nach durchlaufenem
Vorbe
scheid
verfahren
(
Urk. 8/63, Urk. 8/72, Urk. 8/75-77)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
27. Januar 2015 (Urk. 2) einen Rentena
nspruch de
s
Ver
sicherten
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 37 %.
2.
Hiergegen erhob
X.___
am 26. Februar 2015 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, ihm sei eine ganze Rente mit Wirkung ab Februar 2014 zuzu
sprechen. Eventualiter seien ergänzende medizinische Abklärungen zu veran
lassen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 9. April 2015 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 21. April 2015
mitgeteilt
wurde (Urk. 12). Mit Eingabe vom 25. Juni 2015 (Urk. 15) reichte
er
einen weiteren Arzt
bericht zu den Akten (Urk. 14). Da
von
wurde
der
IV-Stelle
am 26. Juni 2015 Kenntnis gegeben (Urk. 16).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Für die Bejahung eines Rentenanspruches im Rahmen einer Neuanmeldung nach
vorausgegangener rechtskräftiger Verneinung wird analog zur Rentenrevision ge
mäss Art. 17 Abs.
1 ATSG eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades verla
ngt (BGE
130 V 71, 117 V 198 E.
3a
mit Hinweis; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2 mit Hinweisen
). Die Frage, ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalt
e
s im Zeitpunkt der letzten materiellen rentenverweigernden rechtskräftigen Verfügung mit demjenigen zur Zeit de
s
auf die Neuanmeldung hin ergangenen
Entscheids
(BGE
130 V 64 E. 2
mit
Hinweis, 130 V 71 E. 3.1
mit Hinweisen).
Dabei ist zu beachten, dass Anlass zur Rentenrevision jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält
nissen
gibt, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen (BGE
130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Dagegen stellt eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich geblie
benen Sachverhaltes keine
revisionsbegründende Tatsachenände
rung im Sinne von Art. 17 Abs.
1 ATSG dar
(BGE
112 V 371 E.
2b; vgl. auch BGE
133 V 5
45 E. 6.1, 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Drei
viertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zini
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Praxisgemäss darf das Gericht Gutachten externer Spezialärzte, welche von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, vollen Beweiswert zuer
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigk
eit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E.
3b/
bb
).
1.5
1.5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invalidi
täts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommens
vergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Ein
kommens
entwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt
worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
sein (BGE
134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
1.5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE
126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E.
4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Ta
bellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe
A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr g
enerell eine Arbeitszeit von 40
Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenar
beitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E.
3b/
bb
, 124 V 321
E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a)
.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) um maximal 25
%
zu kürzen, wenn persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität
bezieh
ungsweise
Aufenthaltskategorie oder Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben und die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeits
fähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unter
durch
schnittlichem erwerblic
hem Erfolg verwerten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2, 126 V 75 E.
5b/
aa
-cc).
1.6
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen,
sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Str
eitgegenstand in engem Sach
zusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich
im
ablehnenden Rentenentscheid
(Urk. 2)
gestützt auf das von ihr eingeholte
B.___
-Gutachten
vom 16. Juni 2014
auf den Standpunkt
,
dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als
Sicherheits
angestellter
nurmehr
zu
50 % zumutbar sei
. Hingegen könne er einer
behin
derungs
angepassten
Tätigkeit
im Umfang
von
80 % nachgehen und dabei ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzie
len (Invaliditätsgrad von 37 %). An dieser Auffassung hielt sie im vorliegenden Verfahren fest (
B
eschwerde
antwort
,
Urk. 7).
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer
vor,
auf
das
neurologische
Teil
gutachten
des
B.___
könne
betreffend
Arbeitsfähigkeit und Belastungsprofil
n
icht abge
stellt werden
. Es
bestehe weiterer Abklärungsbedarf, soweit nicht auf die Beur
teilung
seines Hausarztes
abgestellt werde (Urk. 1 S. 5 ff. Ziff. 2 f.).
Sodann sei
für die Ermittlung des
Valideneinkommens
auf den
Lohn im
ursprünglich erlernten Beruf als
Kondukteur
abzustellen, da er aus gesundheitlichen Gründen zu einem Berufswechsel in die weniger qualifizierte Tätigkeit
als
Sicherheits
angestellter
gezwungen gewesen sei. Damit resultiere ein Invaliditätsgrad von 51 % (bei Annahme der strittigen Arbeitsfähigkeit von 80 %)
beziehungsweise
von 81 % (bei Annahme der
vom Hausarzt
attestierten Arbeitsfähigkeit
von 30 %; S. 7 ff. Ziff. 4-8).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich
die tatsächlichen Verhältnisse, namentlich der Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des
Be
schwerdeführers, seit der rechtskräftigen Leistungsverweigerung vom 23. August
2004 (Urk. 8/13)
bis zum Erlass der
vorliegend
angefochtenen
V
erfügung vom
27. Januar 2015 (Urk. 2)
dergestalt
verändert
haben, dass
dem Beschwerde
führer
nun
eine Invalidenrente
zu
steht.
3.2
3.2.1
Der abschlägige Rentenentscheid vom 23. August 2004 (Urk. 8/13) erging gestützt auf die folgende medizinische Aktenlage:
Der
den Beschwerdeführer
seit Oktober 1995 behandelnde Dr. med.
C.___
, FMH für Innere Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 6. Juli 2004 (Urk. 8/10/1-4) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine HIV-Infektion CDC Stadium A1 (Erstdiagnose 1995) und einen Verdacht auf eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung.
Einem
femoropatellären
Schmerzsyndrom und einer
Poly
allergie
mass er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bei
(S. 1
lit
. A).
Der Hausarzt
attestierte dem Beschwerdeführer „aufgrund der psychischen wie medizinischen Situation“ eine Arbeitsunfähigkeit von 20 bis 50 % für die bisherige
und jede
andere geeignet
e Tätigkeit
(möglichst selbständiges Arbeiten, wenig Stressfaktoren, keine komplizierten Kundenkontakte, körperlich leichtere Tätigkeiten)
ab 1. April 2004 und vermerkte, b
ei idealer Arbeit bestehe allenfalls gar keine Arbeitsunfähigkeit (S. 1
lit
. B, S. 2
lit
. D Ziff. 3, S. 4).
3.2.2
Die Ärzte des
D.___
, Departement für Innere Medizin, Abteilung Infektionskrankheiten und Spitalhygiene, berichteten am 13. Juli 2004 (Urk. 8/11) insbesondere von einer HIV-Infektion CDC-Stadium A1 (
Erst
diagnose
1995) und
von
Allergien auf diverse Stoffe.
Sie verneinten eine
infektiologisch
begründete Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und vermerkten, letztere könne durch medizinische Massnahmen (antiretrovirale Therapie) erhal
ten werden. Bei aktuellem Wissen über die Behandelbarkeit der HIV-Infek
tion sei die Prognose auch bezüglich der Arbeitsfähigkeit kurz- und mittelfristig als günstig zu beurteilen (S. 1
lit
. A und
lit
. C Ziff. 1 und 2, S. 2
lit
. D Ziff. 7).
3.2.3
In seiner Stellungnahme vom 23. August 2004 (Urk. 8/12/2) führte der regio
nale ärztliche Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin aus, eine Invalidität (Art. 4 IVG
beziehungsweise
Art. 8 ATSG) sei nicht ausgewiesen. Der Beschwer
deführer
habe vier Jahre lang ohne längere Arbeitsunfähigkeit voll gearbeitet bis Ende März 2004. Ab 1. April 2004 soll
e
er laut Hausarzt arbeitsunfähig sein, was nicht nachvollziehbar sei. Ausserdem werde ihm im aktuellsten Bericht der
Infektiologie
des
D.___
eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert.
3.3
3.3.1
Aus den im Neuanmeldeverfahren eingeholten Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer a
m 28. Dezember 2010
verunfallt
e
, als er
im Rahmen
der
dannzumal
in einem 80 %-Pensum ausgeübten
Tätigkeit
als
Sicherheits
mitarbeiter
bei der
A.___
auf
Glatteis ausrutschte und auf die rechte Körper
seite sowie auf den Rücken fiel (
Schadenmeldung UVG vom 6. Januar 2011,
Urk. 8/26/2
).
Der
am 3. Januar 2011
konsultierte Dr.
C.___
diagnostizierte zuhanden des Unfallversicherers eine Thorax- und Rückenkontusion nach besagtem
Sturz
ereignis
(erstes ärztliches Zeugnis UVG vom 1. Februar 2011, Urk. 8/26/3). Dieser erbrachte Taggeldleistungen nach Massgabe einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 28. Dezember 2010 bis 12. Februar 2011 (Urk. 8/26/4-9).
3.3.2
Am 13. April 2012 wurde der Beschwerdeführer
wegen einer seit etwa
ein bis zwei
Jahren progredienten Fühlminderung an den beiden unteren Extremitäten
sowie einer Gangunsicherheit in der Klinik für Neurologie des
D.___
vorstellig (vgl. Berichte vom 13. April und 16. Mai
2012
,
Urk. 8/23/14-20), wo am
22. August 2012
eine asymmetrische, distal- und beinbetonte
vorwiegend sensible
Polyneuropathie
mässiggradiger
Ausprägung
diagnostiziert
wurde (Bericht vom selben Datum, Urk. 8/23/12-13).
Zuhanden der
Beschwerde
gegnerin
berichteten die Ärzte am
30. August 2013
(Urk. 8/23/5-11)
von einer
Einschränkung der Steh- und
Gehdauer
sowie der Ganggeschwindigkeit (S. 3 Ziff. 1.6).
Sie hielten dafür, dem Beschwerdeführer sei die
Tätigkeit im Sicherheitsdienst
bei der
A.___
in einem zeitlichen Rahmen von
fünf bis acht
Stunden
ohne Minderung der Leistungsfähigkeit
zumutbar
(Ziff. 1.7).
In einem
adaptierte
n
Betätigungsfeld (
rein sitzende Tätigkeit
) bestehe eine Ein
satzfähigkeit von 100 % (S. 4 Ziff. 1.8
f.
; vgl. auch
die
Zumutbarkeitsangaben auf S. 5).
3.3.3
Dr.
C.___
stellte i
n seine
m
Bericht
vom
20. September 2013
an die
Beschwerde
gegnerin
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk. 8/33/1-6
S. 1 Ziff. 1.1):
-
Chronisches
femoropatelläres
Schmerzsyndrom seit 2001
-
Asymmetrische, distal- und beinbetonte vorwiegend sensible
Polyneuro
pathie
(Erstdiagnose 2012)
-
HIV-Infektion CDCA3 (Erstdiagnose 1995)
-
Verdacht auf zwanghafte Persönlichkeitsstörung
-
Status nach rezidivierenden Synkopen (kardiale Abklärung 2007)
-
Beginnende Arthrose
des
link
en oberen Sprunggelenks
(OSG,
seit 2008)
Er attestierte für die bisherige Tätigkeit als Angestellter bei einer
Bewach
ung
sfirma
eine Arbeitsunfähigkeit von zirka 30 % vom 15. Juni bis 11. September 2013 und
eine solche
von zirka 70 % (
zehn bis zwölf
Stunden pro Woche mit Maximalbelastung von zirka fünf Stunden am
Stück
beziehungsweise
pro Tag) ab 12. September 2013 bis auf weiteres (S. 2 Ziff. 1.6
und
S. 3 Ziff. 1.11
; vgl. auch Zeugnis vom 12. September
2013, Urk. 8/24
).
Er schilderte
Einschrän
kungen
durch zunehmende
Parästhesien
und
Dysästhesien
im Bereich der unteren Extremitäten, linksbetont bei längerem Gehen
,
Steh
en und
Sitzen
, sowie eine e
ingeschränkte psychische Belastbar
keit bei Persönlichkeitsstörung
. A
usserdem bestünden
rezidivierende Gelenksbeschwerden von Seiten des
femoropatellären
Schm
erzsyndroms unter OSG-Arthrose (Ziff. 1.7).
3.3.4
Die wie Dr.
C.___
in der
E.___
tätige
Dr. med.
F.___
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, diagnostizierte am 16. No
vember
2013
(Urk. 8/42/2-4) zuhanden des
Krankentaggeldversicher
ers
eine HIV-Infektion, eine Persönlichkeitsstörung
und
eine
Polyneuropathie (S. 1 Ziff. 1)
, wobei sie nur d
ie beiden letztgenannten Diagnosen
als einschränkend einstufte
(S. 2 Ziff. 9).
Dr.
F.___
befand, b
ei längerem Stehen, Gehen und Sitzen
komme es zu einer
Verstärkung der Beschwerden (S. 2 Ziff. 8).
Sie
bescheinigte für die Tätigkeit als Sicherheitsangestellter eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % ab 12. September
2013
(S. 2 Ziff. 4; vgl. auch Übersicht über
Krankentaggeld
leistungen
in
Urk. 8/42/8) und
notierte, eine leichtere Tätigkeit könne dem Beschwerdeführer im Umfang von maximal fünf Stunden pro Tag, allerdings nicht täglich
beziehungsweise
nicht an aufeinanderfolgenden Tagen, zugemutet werden (S. 2 Ziff. 6 und Ziff. 10, S. 3 Ziff. 12).
3.3.5
Im
von der Beschwerdegegnerin
eingeholten
B.___
-Gutachten vom 16. Juni 2014
(
Urk. 8/55
/1-24)
, beruhend auf allgemein-internistischen, psychiatrischen und neurologischen
Untersuchungen vom 28. und 30. April 2014
, wurden
folgende Diagnosen
gestellt (S. 18 f.
):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Sensomotorische
axonale
und
demyelinisierende
Polyneuropathie mittel
gradiger Ausprägung ungeklärter Ursache
-
wahrscheinlich
m
edikament
ös
bedingt
-
Zwanghafte (
anankastische
) Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
-
Hypomanisches Zustandsbild (ICD-10 F30.0)
-
Chronisches
femoropatelläres
Sch
merzsyndrom, bekannt seit 2001
-
Anamnestisch beginnende OSG-Arthrose linksseitig
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
HIV-Infektion 1995, initiales Stadium CDC A1, aktuelles Stadium A3
-
antiretrovirale Therapie mit
Lipodystrophie
und Gynäkomastie 2002
-
aktu
ell anamnestisch immunkompetent
-
Folsäure und Vitamin B12-Mangel seit 2012 (substituiert)
-
St
atus nach
Kontusion der Wirbelsäule 2010
-
Polyallergie auf
Po
llen, Milben, Hausstaub, Haustiere, Roggen, Apfel und Nuss
-
Status nach
Hepatitis A und B
-
Status nach
Morbus Scheuermann
-
Genua
valga
und
Coxa
valga
-
Status nach
Lues 1992, anamnestisch Stadium III
-
Status nach
analem
Kondylomata
-
Status nach
Fussfraktur 1991
-
Status nach
Herniotomie und Appendektomie
-
Status nach
Pneumonie 1970
-
Status nach
Zirkumzision
Die Sachverständigen attestierten für die bisherigen Tätigkeiten als
Kondukteur
und Sicherheitsmitarbeiter eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (S. 22 Ziff. 7) und hielten fest, die Arbeitsunfähigkeit begründe sich vor allem neurologisch. Der Beschwerdeführer leide an einer Polyneuropathie, welche zu einer Gangstörung führe und ihn für jeglichen Beruf, der stehend ausgeführt werden müsse, zu 50 % arbeitsunfähig mache. Aus psychiatrischer Sicht könne
er
in seiner aktuellen Arbeit ganztags mit einer 20%igen Leistungseinbusse (
Leistungsfähig
keit von
80 %) eingesetzt werden. Die Arbeitsunfähigkeit von 50 % im ange
stammten Beruf gelte ab August 2012 (Datum der
Diagnosestellung der
Poly
neuropathie
durch die neuromuskuläre Sprechstunde, vgl. dazu Urk. 8/
23/12-13
;
S. 22 Ziff. 8).
In einer leidensadaptierten Tätigkeit könne der Beschwerdeführer
– so die
B.___
-Gutachter –
zu 80 % eingesetzt werden. Aus neurologischer Sicht müsse berücksichtigt werden, dass
er
wegen seiner peripheren Neuropathie keine stehenden und gehenden Arbeiten ausführen könne. In einer sitzenden Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von
höchstens
20 %. Aus psychiatrischer Sicht könne der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der vorhandenen Defizite (schwere Beeinträchtigung der Flexibilität, Umstellungs- und
Selbstbehaup
tungs
fähigkeit
;
mittelgradige Beeinträchtigung der Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit sowie der Gruppenfähigkeit
;
leichte Beeinträchtigung bei Anwendung fachlicher Kompetenzen und
in der
Kontaktfähigkeit zu Dritten) zu 80 % eingesetzt werden (Leistungsminderung von 20 % bei ganztägigem Pensum). Insgesamt sei der Beschwerdeführer
seit
August 2013 (richtig wohl: 2012
; vgl. Urk. 8/55/22 Ziff. 8
)
in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % einsetzbar (S. 22 Ziff. 9).
3.3.6
Dr.
C.___
führte in seiner im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
ergangenen Stellung
n
ahme vom 2. Oktober 2014 (Urk. 8/76) aus, im
B.___
-
Gutachten
seien
als Gründe für die Arbeitsunfähigkeit in erster Linie die polyneuropathischen Beschwerden angeführt
worden
. Diese hätten sich in den letzten Jahren ver
stärkt und seit September 2013 zu einer Zunahme der Arbeitsunfähigkeit geführt. Im Rahmen der gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit seien die vorbestehenden (und ebenfalls zunehmenden) Beschwerden von Seiten der Gelenke zu wenig berücksichtigt worden. Beim hochgewachsenen Beschwerde
führer sei seit mindestens
de
m
Jahr
2001 ein
chronifiziertes
femoropa
telläres
Schmerzsyndrom bekannt. Ausserdem
bestünden seit einem Sturz im Jahr 2010 (vgl. dazu Urk. 8/
26
) rezidivierende Lumbalgien sowie Schmerzen im Rahmen einer beginnenden OSG-Arthrose links. Diese Schmerzen seien wesentlich mitverantwortlich für
die
Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit und beeinträchtigten di
e Steh- und
Gehdauer
wesentlich.
Z
udem träten sie beim Sitzen ab maximal einer Stunde auf. Aufgrund dieser
Beschwerden habe der Beschwerdeführer in den angestammten Tätigkeiten die Leist
ung nicht mehr erbringen können. E
r könne momentan noch zu 30 % einer Arbeit nachgehen, welche von den Beschwerden her möglich sei. Die psychischen Hintergründe und die HIV-Erkrankung wirkten sich am Rande ebenfalls auf die Arbeits
un
fähigkeit aus. Eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (in angepasster, wechselbelastender Form) entspreche nicht den gesundheitlichen Begebenheiten und sei nicht realistisch.
3.3.7
Dr. med.
G.___
, Facharzt FMH für Neurologie, hielt
im
Bericht vom 6. Mai 2015 (Urk. 14) an den zuweisenden Hausarzt fest, gemäss seiner Untersuchung vom Vortag habe die seit Frühjahr 2012 bekannte progrediente periphere Polyneuropathie mit vorwiegend sensiblen Ausfällen im Vergleich zur Unter
suchung in der neurologischen Poliklinik des
D.___
vom August 2012 (vgl. dazu
Urk. 8/23/12-13
) zugenommen
.
Die
sensible
n
Ausfälle gingen inzwischen bis in beide
Oberschenkel und an den Füssen bestehe e
in weitgehendes
Taubheits
gefühl
. I
m EMG sei die motorische Leitgeschwindigkeit des
Nervus
peronaeus
link
s
pathologisch
und
rechts leicht verlangsamt. Eine Arbeitsfähigkeit sei bei diesem Beschwerdebild nur noch in sehr beschränktem Rahmen möglich. Der Beschwerdeführer könne stundenweise in einer Bank als Archivar arbeiten, was seinem Leiden „recht optimal angepasst“ sei, da er die Arbeitszeiten selber wählen könne. Bei dieser Tätigkeit betrage die maximale Arbeitsf
ähigkeit 30 %.
4
.
4
.1
In Bezug auf
den
strittige
n
Renten
anspruch
steht ausser Frage
, dass das
B.___
-Gutachten vom
16. Juni
2014
zumindest hinsichtlich der Beurteilung der
Gesund
heits
schäden
voll beweiskräftig ist.
Uneins sind sich die Parteien indes darüber,
in
wieweit
die vorhandenen
gesundheitlichen
Beeinträchtigungen die Fähigkeit des Beschwerdeführers
einschränken, zumutbare Arbeit zu leisten.
Dabei steht ausser Frage, dass der Beschwerdeführer
psychi
atri
scher
seits
jeden
falls
im Umfang von
80 % a
rbeits-
beziehungsweise
l
eistungsfähig
ist
. Strittig
und zu prüfen
sind dagegen die Auswirkungen der körperlichen Beeinträch
tigungen auf das berufliche Leistungsvermögen.
Die
Sachverständigen des
B.___
gelangten zum Schluss, dass
dem Beschwerdeführer
in somatischer Hinsicht
die Ausübung der bisherigen Tätigkeiten als
Kondukteur
und Sicherheitsangestellter
nurmehr
zu 50 % zumutbar ist, er jedoch einer behinderungsangepassten (sitzenden) Tätigkeit zu 80 % nachgehen kann
(vgl. E. 3.3.5 hiervor)
.
4
.2
4
.2.1
Im Rahmen
seiner Kritik
am
B.___
-Gutachtens brachte der
Beschwerdeführer
vor,
der neurologische Sachverständige habe
den
von ihm geklagten Beschwer
den beim Sitzen nicht gebührend
Rechnung getragen
, obwohl er sich anlässlich der Begutachtung
(vgl. Gutachten S. 13 Ziff. 3.5)
dahingehend geäussert habe, dass sitzend „gar nichts gehe“, weil die Taubheitsgefühle in den Beinen deutlich zunähmen und er nach einer Stunde aufstehen müsse
(
Urk. 1 S.
6 oben
)
.
Zwar trifft es zu, dass
laut
den
beschwerdeweise
angerufenen Berichten
der
Dres
.
C.___
(vgl. E. 3.3.3 und E. 3.3.6 hiervor)
und
F.___
(
vgl. E. 3.3.4 hiervor)
längeres Sitzen mit Beschwerd
en verbunden ist. Gemäss
Medizinalberuferegister
des
Bundesamt
es
für Gesundheit
(
BAG
;
https://www.medregom.admin.ch) handelt es sich bei den angerufenen Medizinern allerdings
um Fach
ä
rz
te für Allgemeine Innere Medizin,
sodass
es
ihnen
an
der
erforderliche
n Sachkunde
zur Beurteilung der Auswirkungen der Polyneuropathie auf die A
rbeitsfähigkeit
fehlt
.
Dagegen besteht gemäss Einschätzung der involvierten neurologischen Fachärzte
der Klinik für Neurologie des
D.___
(vgl. E. 3.3.2 hiervor)
und
des
B.___
(vgl. E. 3.3.5 hiervor; vgl. auch neurologisches Teilgutachten, Urk. 8/55/33-38)
von Seiten der Polyneuropathie hinsichtlich
sitzender Tätigkeiten keine
bezieh
ungsweise
nur
eine
geringe E
inschränkung von höchstens 20 %
.
Ein
fachärzt
licher Bericht, welcher zu
einer
andere
n Beurteilung Anl
ass gäbe, ist nicht aktenkundig.
Darüber hinaus bereitete
n
dem Beschwerdeführer
die am 28. und 30. April 2014
im Zuge der MEDAS-Begutachtung zurückgelegten mehrstündigen Bahnreisen von Zürich ins Tessin (
H.___
und
I.___
)
und zurück (insge
samt vier Fahrten an zwei Tagen) offenbar keine Probleme und auch anlässlich der 1,75 Stunden dauernden psychiatrischen Begutachtung benötigte er keine Pausen (vgl. psychiatrische
s Teilgutachten S. 1 und S. 5; vgl. auch Gutachten S. 8 oben, wonach die
allgemein-internistische Untersuchung drei Stunden
dauerte).
In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass der Beschwerde
führer
aufgrund seiner gesundheitlichen Beschwerden
nicht auf eine rein sitzende Tätigkeit angewiesen ist. Die
in der Beschwerdeschrift (Urk. 1 S. 6) hervorgehobene
Aussage im
B.___
-
G
utachten (S. 22 Ziff. 9), wonach
er
aus neurologischer Sicht „wegen seiner peripheren Neuropathie keine stehenden und gehenden Arbeiten ausführen“ könne,
lässt sich
in dieser Absolut
heit
im Lichte der übrigen Aktenlage nicht halten.
Zum einen
sprach sich keiner
der involvierten (Fach-)Ärzte dafür aus, dass
dem Beschwerdeführer
derartige Tätig
keiten gänzlich verwehrt wären. Vielmehr
wurden diesbezüglich lediglich Einschränkungen postuliert.
Dies gilt namentlich auch für
die
Sachverständigen des
B.___
,
welche
für die
bisher
igen Tätigkeiten als
Kondukteur
und
Sicher
heitsmitarbeiter
beziehungsweise
für jegliche Berufe, die stehend ausgeführt werden müssen,
eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bescheinigten
(neurologisches Teilgutachten S. 5 unten
, Gutachten
S. 22).
Gemäss
Angaben
des
Beschwerde
führer
s umfasst
zum anderen
die von ihm
als Arbeitnehmer
der
A.___
ausgeübte Tätigkeit bei einer Bank
vorwiegend stehend und gehend zu ver
richtende, körperlich belastende Arbeiten (G
utachten S.
10,
psychiatrisches Teilgutachten S. 3)
.
Insofern ist davon auszugehen
, dass eine
Verweisungstätig
keit
nicht auf
rein
sitzende Tätigkeiten beschränkt ist, sondern idealerweise
auch
wechselbelastende Arbeit
en
umfasst (vgl. auch Zumutbarkeitsangaben im Bericht der Klinik für Neurologie des
D.___
vom 22. August 2013, Urk. 8/23/10).
4
.2.2
Der Rüge des Beschwerdeführers, das
femoropatelläre
Schmerzsyndrom und die beginnende OSG-Arthrose seien offensichtlich nicht in die Beurteilung des Belastungsprofils des Neurologen eingeflossen
(Urk. 1 S. 6 unten)
, ist entgegen
zuhalten, dass diese nicht dem Fachgebiet der Neurologie zuzuordnenden Erkrankungen im
B.___
-Gutachten
durchaus
als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gefasst wurden
.
Dass diesbezüglich im Rahmen der Begut
achtung keine weiteren Abklärungen erfolgten, ist nicht zu beanstanden. Denn es ist
anhand der vorliegenden Akten nicht ersichtlich und wurde vom Beschwerdeführer
auch
nicht
substanziiert
aufgezeigt, inwiefern deswegen hinsichtlich einer Verweisungstätigkeit eine weitergehende Einschränkung des beruflichen Leistungsvermögens bestehen soll. Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer anlässlich der allgemein-internistischen Untersuchung von „Schmerzen im Kniebereich und weniger auch im OSG-Bereich“ berichtete, welche ihn allerdings bei der aktuellen Tätigkeit nicht limitierten (
G
utachten S. 13 Ziff. 3.5). Vor diesem Hintergrund ist die entsprechende Kritik von Dr.
C.___
dem Beweiswert des
B.___
-Gutachtens nicht abträglich.
Auch die
Angabe
des Hausarztes, wonach seit dem im Jahr 2010 erlittenen Sturzereignis
rezidivierende und
die Arbeitsfähigkeit
limitierende
Lumbalgien bestünden (vgl. E. 3.3.6 hiervor), steht im
Widerspruch
zur
Darstellung
des Beschwerdeführers, welcher
gegenüber den Ärzten der Klinik für Neurologie des
D.___
Rücken
schmerzen
verneint
(vgl. Berichte vom 13. April und 16. Mai 2012,
Urk.
8/23/20 oben
und Urk. 8/23/14 Mitte)
und auch
anlässlich der Begutachtung
im
B.___
von einer Remission
derselben
berichtet
hatte
(
G
utachten
S. 12 Mitte und
S. 14 Ziff. 3.6)
, was mit dem Bericht von Dr.
C.___
vom 20.
September
2013 über
einstimmt, worin – nach Abheilung der im Januar 2011 zugezogenen
Rücken
kontusion
(E.
3.3.1 hie
r
vor) – keine Rückenbeschwerden mehr erwähnt wurden (E.
3.3.3
hiervor
)
. Rückenschmerzen wurden denn auch weder in der
IV-Anmeldung
vom 5. August
2013 (Urk. 8/15)
noch im
vorliegenden Verfahren geltend gemacht.
Insofern
vermögen
die hausärztlichen Ausführungen
keine ernsthaften Zweifel an
der Schlüssigkeit des
B.___
-Gutachtens
vom
16. Juni 2014 zu begründen.
4.2.3
Ebenfalls nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers abzuleiten ist
aus
dem im vorliegenden Verfahren ins Recht gelegten Bericht von Dr.
G.___
vom 6. Mai 2015 (vgl. E. 3.3.7 hiervor). Soweit darin eine seit August 2012 (Untersuchung im
D.___
) eingetretene Verschlechterung der Polyneuropathie beschrieben wird, ist festzuhalten, dass der neurologische
B.___
-Gutachter eine seither eingetretene Verschlechterung anerkannte
und von einer Polyneuropathie mittelschweren Grades ausging
(vgl.
neurologisches
Teilgutachten S. 5 oben).
Dass
es im
massgebenden Beurtei
lungszeitraum (BGE 134 V 392 E.
6, 132 V 215 E.
3.1.1, 129 V 167 E.
1) bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
27. Januar 2015 (Urk. 2) zu einer Zunahme der durch das neurologische Leiden bedingten Arbeitsunfähigkeit
gekommen wäre, ist entgegen der Auffassung des Beschwerde
führers (Urk. 15) anhand des Berichts von Dr.
G.___
nicht mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, da er auf Untersuchungen vom 5. Mai
2015 beruht und sich weder
auf den mass
gebenden Beurteilungszeitraum bezieht
noch
Rückschlüsse darauf zulassen würde und daher in die Beurteilung miteinzubeziehen wäre.
Ein allfällige
nach Verfügungserlass eingetretene
Verschlechterung
ist auf dem Weg
einer Neu
anmeldung (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
, IVV
) geltend zu machen.
4.
3
Zusammengefasst ergeben sich a
nhand der Akten keine konkreten Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit des
B.___
-Gutachtens vom
16. Juni
2014 sprechen
.
P
raxisgemäss ist deshalb auf dieses abzustellen (vgl. E.
1.4 hiervor).
Von
den im Eventualpunkt beantragten medizinischen Weiterungen
(Urk. 1
S. 2
und
S. 7 Ziff. 3)
sind keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (B
GE 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E.
1d) davon abzusehen ist.
5
.
5.1
Zu prüfen bleib
t
anhand der allgemeinen Methode de
s Einkommensvergleichs (vgl. E.
1.
5.1
hiervor), wie sich die
gesundheitliche Beeinträchtigung
in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
D
ie
dem abschlägigen Rentenentscheid zu Grunde liegende
Invaliditätsbemessung
(Urk. 2 S.
2
,
vgl. auch
Urk. 8/62)
wurde
beschwer
deweise
insoweit
beanstandet
, als
dabei
für die Bemessung des
Validen
ein
kommens
auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Sicherheits
angestellter
bei der
A.___
und nicht auf den ursprünglich erlernten
Beruf
als
Kondukteur
bei den
Y.___
ab
ge
stellt
wurd
e
(Urk. 1 S. 7 ff.)
.
5.
2
Entgegen
dem Standpunkt
des Beschwerdeführers ist
anhand der Akten
nicht
mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass der
im Frühjahr 2000
vollzogene
Berufswechsel
auf ein (invaliden
versicherungsrechtlich relevantes) psychisches Leiden mit Krankheitswert zurück
zuführen war.
Bei
der in den beschwerdeweise angerufenen Berichten von
Dr.
C.___
vom
8. Mai und 26. Juli
2000 (verdachtsweise) geäusserten zwanghaften Persönlichkeitsstörung (Urk. 8/10/18, Urk. 8/10/15) handelt es sich nicht um eine
fachärztlich
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abge
stützte psychiatrische Diagnose. Deswegen und unter Berücksichtigung der damals auch
von
somatischer
Seite
nicht aus
gewiesenen Beeinträchtigung wurde mit Verfügung vom 23. August
2004 (Urk. 8/13) ein Leistungsanspruch mangels Invalidität rechtskräftig verneint, was sich der Beschwerdeführer entgegenhalten lassen muss.
Darüber hinaus lassen auch die im Neuanmeldeverfahren ergangenen Akten den Schluss auf einen w
egen der gesundheitlichen Situation indiziert
en
Berufs
wechsel nicht zu
.
Bezüglich des hypomanischen Zustandsbildes (ICD-10 F30.0) wurde im psychiatrischen Teilgutachten (S. 6 oben)
ausdrücklich
festgehalten, Beginn und Dauer seien unklar. Daraus vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Sodann handelt es sich bei den ebenfalls
diagnostizierten zwanghaften Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1) um eine
Diagnose aus der Z-Kategorie (K
apitel XXI) des ICD-10
Klassifikationss
ystems, welche als solch
e
nicht unter den Begriff des rechtserheblichen
Gesund
heits
schadens
fällt
(
Urteil des Bundesgerichts
9C_894/2015
vom 25.
April 2016
E. 5.1)
.
Selbst wenn
indes
der Beschwerdeführer
–
wie von ihm behauptet
–
die Tätigkeit bei den
Y.___
wegen des für ihn angeblich mit Schwierigkeiten verbundenen Kundenkontakts
hätte
aufgeben
müssen
, bedeutet
e
dies nach allgemeiner Lebenserfahrung noch nicht, dass er
nur die wenig
er
einträgliche Tätigkeit
als
Sicherheits
mitarbeiter
ergreifen
konnte
und
darin verblei
ben
musste.
Es hätten ihm
, allenfalls sogar bei den
Y.___
,
durchaus
andere
berufliche
Tätigkeiten offen gestanden
(vgl. dazu etwa Bericht von Dr.
C.___
vom 26. Juli 2000, der einen weiten Bereich von noch zumutbaren Tätigkeiten beschreibt; Urk. 8/10/5, sowie Urk. 8/10/16)
, bei welchen er an den früheren Verdienst hätte anknüpfen können. Insofern ist davon auszugehen, dass er die Tätigkeit im Sicher
heits
dienst aus persönlichen Gründen gewählt hat.
Das
Anstellungs
verhältnis
bei der
Z.___
wurde per April 2004
ausgewiesenermassen
aus wirtschaftlichen und nicht aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst (Urk. 8/9/1), weshalb kein Raum dafür besteht, das
Valideneinkommen
anhand des dama
ligen Ein
kommens zu bemessen, was der Beschwerdeführer denn auch nicht geltend machte. Der in den ersten Anstellungsjahren bei der
A.___
erzielte Lohn (vgl. Urk. 8/21/2) sank in den Folgejahren
–
wohl auch wegen der im Jahr 2007 erfolgten Um
stellung von Monats- auf Stundenlohn (Urk. 8/34/1)
–
weit mehr als die gemäss Angabe des Beschwerdeführers gesundheitsbedingte Reduktion des Pensums auf 80 % (vgl. Urk. 8/37 unten). Es rechtfertigt sich daher auch nicht, das
Validen
einkommen
ausgehend vom bei der
A.___
anfänglich erzielten Einkommen festzusetzen.
In Anbetracht dieser Umstände
gibt es zu keiner Kritik Anlass
, dass die
Beschwerdegegnerin für die
Ermittlung des
Valideneinkommens
den vom Beschwerdeführer bei der
A.___
zuletzt
erzielten Verdienst heranzog (vgl. E. 1.5.2 hiervor).
Dementsprechend hat es bei dem von
ihr
gestützt auf
deren
Lohnangaben (Urk. 8/34
-35
, Urk. 8/42/10) ermittelten und im Übrigen unbestritten gebliebenen
Validen
lohn
von Fr. 63‘
998
.
-- (vgl. Urk. 8/62/1)
sein Bewenden, zumal diese
r
im Bereich der im individuellen Konto (IK; vgl. Auszug vom 23. August 2013, Urk. 8/21) ausgewiesenen beitragspflichtigen
Einkommen
(
hochgerechnet
auf ein Vollzeitpensum
)
liegt
.
Im Vergleich mit dem unbeanstandet gebliebenen Invalideneinkommen von Fr. 40‘493.--
(Urk. 8/62/2)
resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 23‘505.-- entsprechend einem
Invalidi
tätsgrad
von 37 %, welcher unter dem anspruchsbegründenden Wert von 40 % (vgl. E. 1.3 hiervor) liegt und daher nicht zum Bezug einer Rente berechtigt.
Damit erweist sich
der
abschlägige Renten
entscheid
der Beschwerdegegnerin
vom
27. Januar 2015
(Urk. 2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6
.
6
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig, wobei die Kosten nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt werden.
6
.2
Da vorliegend die Voraussetzungen gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt sind (vgl. Urk.
3, Urk. 10/1-10, Urk. 11, Urk. 13, Urk. 17
), ist dem Beschwerdeführer antragsgemäss (Urk. 1 S.
2
) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Der Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen, wonach er zur Nachzahlung der ih
m
erlassenen Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die auf Fr. 700.-- festzu
setzenden Gerichtskosten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Das Gericht beschliesst:
In Bewilligung des Gesuches vom
26. Februar 2015
wird de
m
Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung
gewährt,
und
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSenn-Buchter