# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0308af01-0650-5de4-b896-161d2bfd5de6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.01.2023 D-6046/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6046-2022_2023-01-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6046/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Chiara Piras, 

mit Zustimmung von Richter Markus König; 

Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Burundi, 

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 20. Dezember 2022 / N (…). 

 

 

 

D-6046/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der burundische Staatsangehörige A._______ (nachfolgend: der Be-

schwerdeführer) reiste zusammen mit seiner Schwester, B._______ 

(N […]), in die Schweiz ein und suchte am 7. November 2022 um Asyl 

nach. 

A.b Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der eu-

ropäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) vom 

11. November 2022 ergab, dass er bereits am (…) 2022 in Kroatien einen 

Asylantrag gestellt hatte. 

A.c Die Personalienaufnahme (PA) fand am 16. November 2022 statt. 

A.d Am 17. November 2022 mandatierte der Beschwerdeführer die ihm 

zugewiesene Rechtsvertretung des Bundesasylzentrums (BAZ) der Re-

gion C._______. 

A.e Am 5. Dezember 2022 erfolgte das persönliche Gespräch gemäss 

Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-

ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-

stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: 

Dublin-III-VO). Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel-

tend, er habe sich (…) Tage in Kroatien aufgehalten, wobei er kein Asylge-

such eingereicht habe. Da er schlecht behandelt worden sei, sei er nach 

Slowenien und anschliessend nach Italien weitergereist. Im Hinblick auf 

eine mögliche Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und 

Wegweisungsverfahrens beziehungsweise zur Wegweisung dorthin 

brachte er vor, mit anderen Leuten einige Tage im Wald unterwegs gewe-

sen zu sein, als sie von bewaffneten Polizisten mit Hunden festgehalten, 

tätlich angegriffen und aufgefordert worden seien, zurückzugehen. Da er 

angegeben habe, nicht zurückkehren zu können und sich auch nicht aus-

zukennen, sei er mit dem Auto in einen anderen Waldteil gebracht worden, 

wo er eine Nacht verbracht habe. Am nächsten Tag sei er erneut von Poli-

zisten aufgegriffen und mit Stöcken geschlagen worden. Er sei daraufhin 

zu einer Garage gebracht worden, wo er unter Zwang Dokumente unter-

schrieben habe, ohne zu verstehen, um was für Papiere es sich handle. 

Nach zwei Tagen sei er in ein Camp gebracht worden, wo er erstmals zu 

essen und zu trinken erhalten habe. Zu seinem Gesundheitszustand führte 

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Seite 3 

er aus, psychisch gehe es ihm gut, er leide jedoch an (…) und habe manch-

mal (…). 

B.  

B.a Am 5. Dezember 2022 ersuchte das Staatssekretariat für Migration 

(SEM) die kroatischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerde-

führers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. 

B.b Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen am 19. Dezember 

2022 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. 

C.  

C.a Mit Eingabe vom 5. Dezember 2022 liess der Beschwerdeführer einen 

ambulanten Bericht des (…) vom 14. November 2022 zu den Akten rei-

chen. 

C.b Am 20. Dezember 2022 ging bei der Vorinstanz derselbe Bericht mit-

samt Laborbericht ein. Gleichentags erkundigte sich die Vorinstanz telefo-

nisch bei den Gesundheitsdiensten der BAZ D._______ und E._______ 

über den aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. 

D.  

Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 20. Dezember 2022 trat das SEM 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 

1998 (AsylG; SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 

ein und verfügte die Wegweisung nach Kroatien und forderte ihn unter An-

drohung von Zwangsmitteln auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ab-

lauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wurde der Kanton 

C._______ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Zudem verfügte 

es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und hielt schliesslich 

fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme von Geset-

zes wegen keine aufschiebende Wirkung zu. 

E.  

Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers teile dem SEM mit Schrei-

ben vom 21. Dezember 2022 die Beendigung des Mandatsverhältnisses 

mit. 

F.  

F.a Mit Eingabe vom 28. Dezember 2022 (Datum des Poststempels) erhob 

der Beschwerdeführer gegen den Nichteintretensentscheid Beschwerde 

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Seite 4 

und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Vor-

instanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das Asylver-

fahren in der Schweiz durchzuführen, eventualiter sei die angefochtene 

Verfügung aufzuheben und die Sache zu weiteren Sachverhaltsabklärun-

gen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und um Befreiung von der Pflicht zur Leis-

tung des Kostenvorschusses. 

F.b Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

29. Dezember 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

Gleichentags wurde der Vollzug der Überstellung des Beschwerdeführers 

mit superprovisorischer Massnahme gestützt auf Art. 56 des Bundesgeset-

zes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1986 (VwVG; 

SR 172.021) per sofort einstweilen ausgesetzt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-

desverwaltungsgericht (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das 

SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor-

instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 

Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-

tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so 

auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-

desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

somit einzutreten. 

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Seite 5 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

Das vorliegende Verfahren wird mit dem Verfahren D-6047/2022 (Schwes-

ter des Beschwerdeführers) koordiniert und es werden die entsprechenden 

Akten beigezogen. 

4.  

Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht-

lich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständig-

keit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zwei-

ten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines Schriften-

wechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a 

Abs. 1 und 2 AsylG). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer rügte eine Verletzung des Untersuchungs-

grundsatzes und des rechtlichen Gehörs sowie eine fehlerhafte oder un-

vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Er machte 

im Wesentlichen geltend, die Vorinstanz habe sich weder konkret mit der 

aktuellen Situation in Kroatien im Allgemeinen auseinandergesetzt noch 

die individuelle Gefahr für ihn in Kroatien geprüft. Angesichts der Erkennt-

nisse zur allgemeinen Situation von Asylsuchenden in Kroatien und der von 

ihm geschilderten Vorfälle wäre das SEM gehalten gewesen, zu prüfen, ob 

in Kroatien systemische Mängel vorliegen. Diese formellen Rügen sind 

vorab zu behandeln, da sie bei berechtigtem Vorbringen zur Kassation der 

angefochtenen Verfügung führen können (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).

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5.2  

5.2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen 

Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) haben die Parteien 

Anspruch auf rechtliches Gehör. Dies umfasst als Mitwirkungsrecht alle 

Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah-

ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 

E. 5.3, 135 II 286 E. 5.1 sowie BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörs-

anspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu 

hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu 

berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen 

Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-

bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 

5.2.2 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren auch – gilt 

der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach 

muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären. 

Sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid notwendi-

gen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsachen 

(vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfah-

ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, N 142; PAT-

RICK KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER/FABIO BABEY, in: Waldmann/Weis-

senberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 

2. Aufl. 2016, N 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behörd-

lichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 

Abs. 1 Bst. b AsylG, Art. 49 Bst. b VwVG). Unrichtig ist die Sachverhalts-

feststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder 

nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig 

ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt 

nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung we-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ 

ANJA MARTINA BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum 

Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N 16 

zu Art. 12 VwVG). 

5.3 Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers hat sich die Vor-

instanz im angefochtenen Entscheid ausführlich mit der allgemeinen Lage 

von Asylsuchenden in Kroatien sowie der Kritik an den kroatischen Behör-

den, insbesondere mit den sogenannten Push-backs auseinandergesetzt 

und dabei festgestellt, dass diese Problematik nach ihren aktuellen Er-

kenntnissen nicht mit den Rückführungen nach Kroatien gestützt auf die 

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Dublin-III-VO in Verbindung gebracht werden könne (vgl. E. II, S. 3 ff. der 

angefochtenen Verfügung). Sodann ist nicht ersichtlich, inwiefern sie den 

Sachverhalt in Bezug auf allfällige systemische Schwachstellen unvollstän-

dig abgeklärt haben sollte, stützte sie ihre Erwägungen doch insbesondere 

auf fundierte Abklärungen der zuständigen Schweizerischen Botschaft (vgl. 

hierzu E. II, S. 5 der angefochtenen Verfügung). Das SEM hat ferner auch 

die individuelle Situation des Beschwerdeführers bei der Entscheidfindung 

hinreichend berücksichtigt (vgl. E. II, S. 5 f. der angefochtenen Verfügung). 

Ferner vermag der Beschwerdeführer aus dem Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts F-5675/2021 vom 6. Januar 2022 nichts zu seinen Gunsten 

abzuleiten, zumal in dem angerufenen Verfahren insbesondere weitere Ab-

klärungen notwendig waren, der (medizinische) Sachverhalt anders gela-

gert war und die kroatischen Behörden die Wiederaufnahme des Be-

schwerdeführers vorliegend aufgrund seines dort eingereichten Asylge-

suchs bestätigt haben (vgl. a.a.O. E. 4.4). Allein der Umstand, dass der 

Beschwerdeführer die Lageeinschätzung des SEM und des Bundesverwal-

tungsgerichts betreffend das Asyl- und Aufnahmeverfahren in Kroatien 

nicht teilt, stellt jedenfalls weder eine Verletzung des Untersuchungsgrund-

satzes respektive der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhalts noch des rechtlichen Gehörs dar. 

5.4 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-

det. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur 

weiteren Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung ist demzufolge abzu-

weisen. 

6.  

6.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers eingetreten ist. 

6.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-

dung. 

6.3 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfah-

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Seite 8 

ren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, so-

bald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 

Abs. 1 Dublin-III-VO). 

Im Rahmen eines – hier interessierenden – Wiederaufnahmeverfahrens 

(engl.: take back; Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (er-

neute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 

2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). Die Zuständigkeit beziehungsweise die 

Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt 

aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO 

(vgl. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union [EuGH], Grosse Kam-

mer vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C-583/17, EU:C:2019:280, 

Rn. 47-50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

6.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, 

ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-

ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

6.5 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1; SR 142.311) konkretisiert und 

das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-

tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO 

ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1).

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Seite 9 

7.  

7.1 Zur Begründung ihres Nichteintretensentscheids führte die Vorinstanz 

aus, der Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac weise 

nach, dass der Beschwerdeführer am (…) 2022 in Kroatien ein Asylgesuch 

eingereicht habe. Die kroatischen Behörden hätten ihr Ersuchen um Über-

nahme gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gutgeheissen, womit die 

Zuständigkeit bei Kroatien liege, das weitere Verfahren durchzuführen. 

Ferner gebe es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gemäss Art. 3 

Abs. 2 Dublin-III-VO, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingun-

gen für Asylsuchende in Kroatien Schwachstellen aufweisen würden, die 

eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im 

Sinne von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 der Konvention zum 

Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 

(EMRK; SR 0.101) mit sich bringen würden. Es würden keine konkreten 

Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich Kroatien nicht an seine völker-

rechtlichen Verpflichtungen halten und die Asyl- und Wegweisungsverfah-

ren nicht korrekt durchführen würde. Es sei nicht davon auszugehen, dass 

der Beschwerdeführer bei einer Überstellung nach Kroatien gravierenden 

Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und 

Art. 3 EMRK ausgesetzt werde, in eine existenzielle Notlage gerate oder 

ohne Prüfung seines Asylgesuchs und unter Verletzung des Non-Refoule-

ment-Gebots in seinen Heimat- oder Herkunftsstaat überstellt werde. Zu-

dem lägen keine systemischen Mängel in Kroatiens Asyl- und Aufnahme-

system vor. Gründe, welche die Schweiz gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-

VO zur Prüfung der Asylgesuche verpflichten würden, seien ebenfalls nicht 

gegeben. Sodann verfüge Kroatien über eine ausreichende medizinische 

Infrastruktur und sei aufgrund der Aufnahmerichtlinie verpflichtet, dem Be-

schwerdeführer die erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren. 

Es bestünden keine Hinweise, wonach ihm Kroatien eine medizinische Be-

handlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde. Schliesslich 

gebe es keinen Grund, die Souveränitätsklausel im Sinne von Art. 17 

Abs. 1 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 anzuwenden. 

7.2 Der Beschwerdeführer machte in der Rechtsmittelschrift mit Hinweis 

auf diverse Berichte im Wesentlichen geltend, in Kroatien würden systemi-

sche Mängel vorliegen. So würden Geflüchtete von den Behörden syste-

matisch misshandelt und ausgeraubt. Dabei seien Asylsuchende der Poli-

zeigewalt schutzlos ausgesetzt, zumal sie selbst dann, wenn sie über Be-

weise für die Menschenrechtsverletzungen verfügen würden, kaum Chan-

cen auf eine effektive Strafuntersuchung, Verurteilung der Täter und allfäl-

lige Schadenersatz- oder Genugtuungszahlungen, sowie Hilfestellungen 

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Seite 10 

für die Bewältigung der Traumata, welche mit der Gewalt einhergehen wür-

den, hätten. Weiter stünden Push-backs an der Tagesordnung. Kroatien 

komme seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nach, was auch das 

Bundesverwaltungsgericht im Urteil F-5675/2021 vom 6. Januar 2022 be-

stätigt habe. Im Fall einer Rückkehr nach Kroatien drohe ihm mit hoher 

Wahrscheinlichkeit erneut unmenschliche Behandlung oder gar Folter 

durch die Polizei, was eine Verletzung von Art. 3 EMRK und Art. 3 FoK dar-

stelle. Weiter sei er gesundheitlich angeschlagen und es müsse davon aus-

gegangen werden, dass er auf medizinische Betreuung angewiesen sei, 

was aufgrund der systemischen Mängel in Kroatien, insbesondere der Lü-

cken in den Krankenversicherungen und fehlenden Übersetzerinnen und 

Übersetzer, nicht gewährleistet werden könne. 

8.  

8.1 Der Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Eu-

rodac-Datenbank ergab, dass dieser am (…) 2022 in Kroatien ein Asylge-

such eingereicht hatte (vgl. SEM-Akte […]-10/1). Das SEM ersuchte des-

halb die kroatischen Behörden am 5. Dezember 2022 um Wiederaufnahme 

des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die 

kroatischen Behörden stimmten dem Gesuch um Rückübernahme gestützt 

auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO am 19. Dezember 2022 mit dem Hinweis 

zu, der Beschwerdeführer "expressed intention to apply for international 

protection on 28/10/2022 and he left the Reception Centre before the inter-

view" (vgl. SEM-Akte […]-21/2). 

8.2 Dem unbewiesenen Einwand des Beschwerdeführers, er sei in Kroa-

tien zur Abgabe seiner Fingerabdrücke gezwungen worden, ist entgegen 

zu halten, dass sich die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einreisen-

den ausländischen Personen und Asylsuchenden auf Art. 14 Abs. 1 der 

Verordnung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats 

vom 26. Juni 2013 (Eurodac-Verordnung) stützt. Das Vorgehen der kroati-

schen Behörden ist damit insoweit nicht zu beanstanden. Im Übrigen räumt 

die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag 

prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

8.3 Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens ist somit gegeben. Nachfolgend ist zu 

prüfen, ob Gründe für die Übernahme der Zuständigkeit durch die Schweiz 

vorliegen.

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Seite 11 

9.  

9.1 Vorliegend gibt es keine wesentlichen Gründe für die Annahme, das 

Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroa-

tien würden systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zwei-

ter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen, die eine Gefahr einer un-

menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der 

EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden. Dies aus den folgenden 

Gründen: 

9.1.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Des Weiteren darf die Schweiz davon ausgehen, dieser 

Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus 

den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rats 2013/32/EU 

vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und 

Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-

wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass aktu-

ell, auch unter Würdigung von kritischen Berichten nationaler und interna-

tionaler Organisationen bezüglich des kroatischen Asylverfahrens, im Be-

reich der Wiederaufnahmeverfahren keine Gründe für die Annahme vorlie-

gen, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende 

in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinn von Art. 3 Abs. 2 

zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen (vgl. dazu etwa die Urteile 

des BVGer E-5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2 und E-5839/2022 vom 

22. Dezember 2022 E. 7.1.1). 

9.1.2 Auch unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer anlässlich 

des Dublin-Gesprächs und in der Beschwerdeschrift geschilderten Erleb-

nisse mit Polizeibeamten während seines Aufenthalts in Kroatien ist nicht 

davon auszugehen, Kroatien verstosse zum heutigen Zeitpunkt systema-

tisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen als zuständiger Dublin-Mit-

gliedstaat im Falle einer Rücküberweisung von Asylsuchenden. Die unbe-

legt gebliebenen Einwände des Beschwerdeführers rechtfertigen es nicht, 

davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr mit hoher Wahrscheinlich-

keit Opfer einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinn 

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von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta wird. Bei 

allfälligem Fehlverhalten einzelner Polizeibeamter kann er sich zudem mit 

Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen an die zuständigen kro-

atischen Stellen wenden. Allein der Umstand, dass solche Schritte in Kro-

atien allenfalls mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten als in der 

Schweiz verbunden sind, vermag noch keine systemischen Schwachstel-

len im kroatischen Asyl- und Aufnahmeverfahren zu begründen (vgl. Urteil 

des BVGer E-5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 

9.1.3 In Bezug auf die sogenannten Push-backs, wegen welchen sich Kro-

atien schon seit geraumer Zeit mit Vorwürfen konfrontiert sieht, wird in der 

angefochtenen Verfügung ausführlich und zutreffend festgestellt (vgl. dort 

E. II S. 4 f.), dass solche Ereignisse offensichtlich im Zusammenhang mit 

illegalen Einreisen nach Kroatien, insbesondere von Bosnien und Herze-

gowina sowie von Serbien, stehen. Sie betreffen demnach die Aussengren-

zen Kroatiens zu seinen Nachbarstaaten und die Frage des Zugangs zum 

Asylverfahren respektive die Möglichkeit, in Kroatien durch die Asylgesuch-

stellung ein Asylverfahren einzuleiten. Die vom Beschwerdeführer geschil-

derten Zustände beim Grenzübertritt haben die Asylgesuchstellung nicht 

verhindert. Der Beschwerdeführer wurde indes dazu angehalten, sich ins 

kroatische Asylverfahren zu begeben, und er wurde hierzu daktyloskopisch 

erfasst. Im Übrigen ist damit nichts zur vorliegend interessierenden Situa-

tion der Rückkehr nach Kroatien nach einer Asylantragstellung gesagt (vgl. 

hierzu Urteil des BVGer D-5299/2022 vom 30. November 2022 E. 6.2). Bei 

einer Rücküberstellung nach Kroatien würde der Beschwerdeführer auf le-

galem Weg in die Hauptstadt Zagreb überstellt. Die Vorinstanz hat eine 

Einzelfallprüfung vorgenommen und ist unter Verweis auf Abklärungen 

durch die Schweizer Botschaft in Kroatien zu Recht zum Schluss gekom-

men, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach 

Kroatien – als für die Asylgesuchprüfung zuständigen Mitgliedstaat – zu-

rückgeführt werden, nicht von der Push-back-Praxis betroffen sind (vgl. Ur-

teile des BVGer E-5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.4 und E-5839/2022 

vom 22. Dezember 2022 E. 7.1.3, je m.H.). Aus den in der Beschwerde 

zitierten Urteilen der deutschen Gerichte, die angeblich zu einer anderen 

Erkenntnis gelangt seien, und den zitierten Berichten kann der Beschwer-

deführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. 

9.1.4 An diesen Feststellungen vermag schliesslich das Vorbringen des 

Beschwerdeführers, die kroatischen Behörden hätten ihn nicht in einer ihm 

verständlichen Sprache schriftlich über alle Aspekte des Asylverfahrens in-

formiert (vgl. Beschwerde E. II, Ziff. 1 Bst. a, S. 3), nichts zu ändern. Dies 

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dürfte im Übrigen auch mit seiner Schilderung zu tun haben, er habe sich 

lediglich während (…) Tagen in Kroatien aufgehalten (vgl. SEM-Akte […]-

16/2 [nachfolgend: SEM-Akte 16/2]). 

9.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

10.  

10.1 Weiter ist der Frage nachzugehen, ob – wie vom Beschwerdeführer 

geltend gemacht – völkerrechtliche Vollzugshindernisse nach Art. 3 EMRK 

oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrechtlichen Bestimmung 

bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbsteintritt nach 

Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ergeben würden. 

10.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-

getan, die kroatischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder aufzu-

nehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der 

Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine 

Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den 

Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein 

Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen 

würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausser-

dem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückfüh-

rung erwartenden Bedingungen in Kroatien seien derart schlecht, dass sie 

zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK 

oder Art. 3 FoK führen könnten. Des Weiteren vermochte er keine individu-

ellen Umstände geltend zu machen, gestützt auf welche sich die Annahme 

rechtfertigen würde, Kroatien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnah-

merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei 

einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Übri-

gen nötigenfalls an die dortigen Behörden wenden und die ihm zustehen-

den Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 

Aufnahmerichtlinie). 

10.2.1  

10.2.1.1 Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte, sein Gesundheitszu-

stand stehe einer Überstellung nach Kroatien entgegen, ist festzuhalten, 

dass eine Verletzung von Art. 3 EMRK aus gesundheitlichen Gründen er-

reicht sein kann, wenn eine schwer kranke Person durch die Abschiebung 

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– mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit ei-

nem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwie-

derbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt 

zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung 

der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des Europäischen Gerichts-

hofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien 13. Dezem-

ber 2016, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 

10.2.1.2 Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der geltend gemach-

ten gesundheitlichen Gründe ([…] und […]; vgl. SEM-Akte 16/2) offenkun-

dig nicht gegeben. Gemäss ambulantem Bericht vom 14. November 2022 

wurde er wegen (…) (am ehesten […]) medikamentös behandelt (vgl. 

SEM-Akten […]-20/4 und […]-22/4). Gemäss Auskunft der Gesundheits-

dienste des zuständigen BAZ seien zurzeit keine Arzttermine ausstehend, 

bei erneutem Auftreten eines (…) ([…]) sei allerdings ein Aufgebot für eine 

(…) Sprechstunde angezeigt (vgl. SEM-Akte […]-23/1). Da auf Beschwer-

deebene keine weiteren medizinischen Unterlagen zu den Akten gereicht 

wurden, ist davon auszugehen, dass sich die geltend gemachten gesund-

heitlichen Probleme des Beschwerdeführers nicht verschlimmert haben. 

Seine gesundheitlichen Beschwerden vermögen eine Unzulässigkeit im 

Sinne der oben zitierten restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen, 

stellen kein schweres medizinisches Leiden dar, welches nach der Ankunft 

in Kroatien eine sofortige und lückenlose medizinische Versorgung im 

Sinne der Rechtsprechung erfordern würde und sind zudem nicht von einer 

derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Überstel-

lung abgesehen werden müsste. 

10.2.1.3 Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Kroatien über eine ausrei-

chende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. statt vieler Urteile des 

BVGer E-5671/2022 vom 16. Dezember 2022 E. 7.3.3 und D-5623/2022 

vom 12. Dezember 2022 E. 6.2.2). Es liegen keine Hinweise vor, wonach 

Kroatien dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung 

verweigern würde. Bezüglich der Reisefähigkeit sowie der Durchführung 

der Überstellung (Art. 31 f. Dublin-III-VO) kann im Übrigen ebenfalls auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. dort 

S. 7). 

10.2.2 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer 

habe in Kroatien den Mörder seines Vaters angetroffen; es sei für ihn un-

vorstellbar, in ein Land zurückzukehren, in dem dieser Mann lebe und auch 

seine Sicherheit bedrohe (vgl. Beschwerde S. 4). Solche Befürchtungen 

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Seite 15 

brachte der Beschwerdeführer bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs 

zu einer Rücküberführung nach Kroatien mit keinem Wort vor (vgl. SEM-

Akte 16/2). Abgesehen davon wäre es ihm möglich und zuzumuten, sich 

mit diesen Feststellungen an die kroatischen Polizei- und Strafverfolgungs-

behörden zu wenden. 

10.3 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei 

der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über 

einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene 

Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden. Das Gericht 

enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

10.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Grund für eine Anwen-

dung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO oder von Art. 29a 

Abs. 3 AsylV 1 vorliegt. Somit bleibt Kroatien der für die Behandlung des 

Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss 

Dublin-III-VO. 

11.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er 

nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung 

ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von Art. 44 AsylG 

ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 

12.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachver-

halt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-

schwerde ist folglich abzuweisen. 

13.  

13.1 Der am 29. Dezember 2022 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vor-

liegenden Urteil dahin. 

13.2 Mit dem Entscheid ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, 

weshalb sich die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung nach 

Art. 107a Abs. 2 AsylG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG als gegenstandslos erweisen.

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Seite 16 

14.  

14.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist – unbesehen der geltend gemachten Bedürf-

tigkeit – abzuweisen, da sich die Begehren – entsprechend den vorstehen-

den Erwägungen – als aussichtlos erwiesen haben. 

14.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; 

SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Kathrin Rohrer 

 

 

Versand: