# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 84991dc8-9c25-5da7-b6d7-0e9b76389340
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2011 D-4444/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4444-2010_2011-11-11.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­4444/2010

U r t e i l   v om   1 1 .   No v embe r   2 0 1 1  

Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz),
Richterin Nina Spälti Giannakitsas,
Richter Robert Galliker,
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

Parteien A._______, geboren am (…),
Syrien,  
vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
(vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF)
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Flüchtlingseigenschaft/Gewährung der vorläufigen 
Aufnahme; Verfügung des BFM vom 12. Mai 2010 / N 
_______.

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Sachverhalt:

A. 

A.a Der Beschwerdeführer reiste am 30. Juni 1998 zusammen mit seinen 
Eltern und zwei Brüdern in die Schweiz ein und gemeinsam ersuchten sie 
um  Asyl.  Mit  Verfügung  vom  9.  Juni  2000  lehnte  die  Vorinstanz  die 
Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung der gesamten Familie aus 
der Schweiz an.

A.b  Noch  während  des  ersten  hängigen  Asylverfahrens  der  Eltern 
verheiratete  sich  der  Beschwerdeführer  am  6.  Oktober  2003  in 
B._______  mit  einer  Schweizer  Bürgerin  und  erhielt  eine 
Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau.

A.c Das erste Asylverfahren der Eltern  inklusive des Beschwerdeführers 
wurde mit Urteil der ehemaligen Schweizerischen Asylrekurskommission 
(ARK) vom 26. Juni 2002 abgewiesen. 

A.d  Im April 2005 hob der Beschwerdeführer die eheliche Gemeinschaft 
wieder auf und unterhielt  im Anschluss daran keine eheliche Beziehung 
mehr  zu  seiner  Ehefrau.  Infolgedessen  wies  das  Migrationsamt  des 
Kantons B._______ mit Verfügung vom 21. November 2006 das Gesuch 
des Beschwerdeführers  um Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  ab 
und forderte ihn gleichzeitig zum Verlassen des Kantons B._______ auf. 
Seit dem 14. Dezember 2006 ist der Beschwerdeführer geschieden.

B. 
Mit Eingabe vom 21. November 2006 erhob der Beschwerdeführer gegen 
diese  Verfügung  Beschwerde,  welche mit  Regierungsratsbeschluss  des 
Kantons  B._______  vom  8.  April  2009  ebenfalls  abgewiesen  wurde. 
Gleichzeitig  wies  der  Regierungsrat  des  Kantons  B._______  das 
Migrationsamt  des  Kantons  B._______  an,  beim  BFM  die  vorläufige 
Aufnahme  des  Beschwerdeführers  zu  beantragen.  Dies  vor  allem 
aufgrund  der  Tatsache,  dass  das  BFM  die  Eltern  und Geschwister  des 
Beschwerdeführers  im  Rahmen  eines  zweiten  Asylverfahrens  mit 
Verfügung vom 26. September 2007 vorläufig aufgenommen habe. 

C. 
Mit  Schreiben  vom  29.  Mai  2009  beantragte  das  Migrationsamt  des 
Kantons  B._______  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss 
Art.  83  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die 

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Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20),  da  der  Vollzug  der 
Wegweisung nicht zumutbar sei.

D. 
Mit Verfügung vom 12. Mai 2010 – eröffnet am 21. Mai 2010 – schob das 
BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  wegen  Unzumutbarkeit  zugunsten 
einer vorläufigen Aufnahme auf, und beauftragte den Kanton B._______ 
mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme.

E. 
Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  18.  Juni  2010  an  das 
Bundesverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer beantragen, er sei 
als Flüchtling anzuerkennen. Es sei  in der angefochtenen Verfügung die 
Ziffer  1  des  Dispositivs  abzuändern,  indem  die  Wegweisung  wegen 
Unzulässigkeit und nicht wegen Unzumutbarkeit nicht vollzogen werde. 

Der  Beschwerdeführer  habe  im  Rahmen  der  Wahrung  des  rechtlichen 
Gehörs durch seinen Rechtsvertreter neu exilpolitische Aktivitäten  in der 
Schweiz  geltend  gemacht  und  dazu  später  auch  entsprechende 
Beweismittel eingereicht. Dazu lasse sich das BFM in der angefochtenen 
Verfügung in keiner Weise vernehmen. Diese beruhe deshalb auf einem 
unvollständig festgestellten Sachverhalt.

Indem  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  erstinstanzlichen 
Verfahrens  bei  der  Wahrnehmung  des  rechtlichen  Gehörs  zum 
Wegweisungsvollzug erstmals subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von 
Art. 54 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) geltend 
gemacht habe, habe er eigentlich ein zweites Asylgesuch gestellt. Nach 
der  ständigen  Praxis  der  ehemaligen  ARK  und  des 
Bundesverwaltungsgerichts  hätte  die Vorinstanz, welche  das Recht  von 
Amtes  wegen  anzuwenden  habe,  unter  diesen  Umständen  eine 
Anhörung  des  Beschwerdeführers  im  Sinne  von  Art.  29  AsylG 
durchführen  müssen.  Indem  sie  dies  nicht  getan  habe,  habe  sie  den 
Gehörsanspruch  des  Beschwerdeführers  derart  verletzt,  dass  eine 
Heilung  dieser  Verletzung  im  Rahmen  des  vorliegenden 
Beschwerdeverfahrens  nicht  möglich  erscheine.  Die  angefochtenen 
Verfügung sei deshalb zur Ergänzung des Sachverhalts an die Vorinstanz 
zurückzuweisen.

Auf die weitere Begründung, wird soweit für den Entscheid wesentlich, in 
den Erwägungen eingegangen.

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F. 

F.a  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 
29. Juni 2010  wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  er  könne  den 
Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde der 
Beschwerdeführer  unter  Hinweis  auf  die  Säumnisfolge  aufgefordert,  bis 
zum  14.  Juli  2010  einen  Kostenvorschuss  zur  Deckung  der 
mutmasslichen Verfahrenskosten zu leisten.

F.b  Der  Beschwerdeführer  leistete  den  einverlangten  Kostenvorschuss 
am 12. Juli 2010.

G. 
Mit  Vernehmlassung  vom  9.  September  2011  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Zur  Begründung  wurde  ausgeführt,  das 
BFM  teile  die  Einschätzung  des  Beschwerdeführers,  wonach  das  der 
Verfügung vom 12. Mai 2010 zugrunde liegende Gesuch materiell (wegen 
geltend  gemachter  subjektiver  Nachflucht)  ein  zweites  Asylgesuch 
darstelle, in welchem das BFM eine Anhörung im Sinne von Art. 29 AsylG 
hätte durchführen müssen und so eine Gehörsverletzung vorliege, nicht. 

Der  Verfügung  vom  12.  Mai  2010  liege  vielmehr  ein  Beschluss  des 
Regierungsrates des Kantons B._______ vom 8. April 2009 zugrunde, in 
welchem dieser beim BFM beantragt habe, den Beschwerdeführer nach 
der  rechtskräftigen  Ablehnung  seines  Gesuches  um  Verlängerung  der 
Aufenthaltsbewilligung vorläufig aufzunehmen. Am 28. Mai 2009 habe der 
Beschwerdeführer  beim  BFM  ein  entsprechendes  Gesuch  einreichen 
lassen,  das nicht  als Asylgesuch bezeichnet worden  sei. Ebenso wenig 
gehe  aus  einer  Stellungnahme,  welche  der  Beschwerdeführer  im 
Rahmen  des  ihm  zu  Abklärungsergebnissen  gewährten  rechtlichen 
Gehörs  am  23. Februar  2010  habe  abgeben  lassen,  hervor,  dass  das 
vorliegende  Verfahren  ein  Asylverfahren  darstelle  und  als  solches  zu 
behandeln gewesen wäre. Vielmehr  liege der  vorliegenden Beschwerde 
ein  rein  ausländerrechtliches  Verfahren  zugrunde,  welches 
ausschliesslich  zum Gegenstand  habe,  nach  der Nichtverlängerung  der 
Aufenthaltsbewilligung  allfällige  Wegweisungshindernisse  im  Sinne  von 
Art. 83 AuG zu prüfen. Es stelle sich somit höchstens die Frage, ob die 
vorliegend  verfügte  vorläufige  Aufnahme  wegen  unzumutbarem  Vollzug 
der  Wegweisung  stattdessen  wegen  unzulässigem  Vollzug  der 

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Wegweisung  hätte  angeordnet  werden  können.  Hierzu  gelte  es 
festzuhalten,  dass  diese  Frage  angesichts  der  sich  daraus  ergebenden 
identischen  Rechtsfolgen  –  nämlich  der  Anordnung  einer  vorläufigen 
Aufnahme – offen gelassen werden könne.

H. 
Mit Verfügung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 13. September 2011 
wurde  dem Beschwerdeführer Gelegenheit  eingeräumt,  sich  innert  Frist 
zur Vernehmlassung des BFM schriftlich zu äussern.

I. 
Mit  Eingabe  vom  14.  September  2011  äusserte  sich  der 
Beschwerdeführer  zur  Vernehmlassung  des  BFM wie  folgt:  Er  halte  an 
der Geltendmachung subjektiver Nachfluchtgründe  im Sinne von Art. 54 
AsylG fest, zumal es nach Art. 18 AsylG nicht darauf ankommen könne, 
in  welcher  Form  die  Asyl  suchende  Person  die  Schweiz  um  Schutz 
ersuche. Berücksichtige man die  bisher  ergangenen Akten,  ergebe  sich 
zweifelfrei,  dass  der  Beschwerdeführer  letzteres  getan  habe.  Sein 
Rechtsvertreter stelle  fest, dass es  für den Beschwerdeführer sehr wohl 
darauf  ankomme,  ob er  den Flüchtlingsstatus  erhalte  oder  nicht. Dieser 
verleihe  ihm  eine  bessere  Rechtsstellung.  Im  Übrigen  halte  er  an  den 
geltend  gemachten  Vorbringen  und  Standpunkten  fest  und  ersuche  um 
Gutheissung der Anträge.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

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Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG; Art. 105 
und Art. 6 AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1  AsylG).  Das 
Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Entscheid  jedoch 
ungeachtet  der  erhobenen  Rügen  grundsätzlich  in  vollem  Umfang 
überprüfen.  Es  stellt  den  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  fest  (Art. 12 
VwVG)  und  wendet  das  Recht  von  Amtes  wegen  an  (Art. 62  Abs.  4 
VwVG). Es  ist mithin  nicht  an  die Begründung  der Begehren  gebunden 
und  kann  den  Entscheid  auch  aus  anderen  Gründen  gutheissen  oder 
abweisen.

3. 
Im  Verwaltungsverfahren  und  im  spezifischen  Asylverfahren  gilt  der 
Untersuchungsgrundsatz,  das  heisst  die  Behörde  stellt  den 
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. 
Art. 12 VwVG;  vgl.  Art.  106  Abs.  1  Bst.  b  AsylG).  Die  Bestimmung  von 
Art. 13  VwVG  beschränkt  den  Untersuchungsgrundsatz  und  hält  fest, 
dass die Parteien verpflichtet sind, an der Feststellung des Sachverhalts 
mitzuwirken.  Eine  im  Vergleich  zum  Verwaltungsverfahren  verstärkte 
Mitwirkungspflicht  ist  in  Art.  8  AsylG  vorgesehen  und  detailliert 
umschrieben.  Dahinter  steckt  der  Grundgedanke,  dass  die  zuständige 
Behörde  den  Sachverhalt  nicht  selber  ermitteln  muss,  wenn  ein 
Asylsuchender die erforderliche Mitwirkung verweigert.

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4. 
Für das erstinstanzliche Asylverfahren bedeutet dies, dass das BFM zur 
richtigen  und  vollständigen  Ermittlung  und  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  verpflichtet  ist  und  auch  nach  allen 
Elementen  zu  forschen  hat,  die  zugunsten  der  asylsuchenden  Person 
sprechen. Sofern es zur Feststellung des Sachverhalts notwendig ist und 
die  gesetzlichen  Mitwirkungspflichten  durch  die  asylsuchende  Person 
nicht verletzt worden sind, ist das Bundesamt gesetzlich verpflichtet, über 
die  Befragung  hinaus  weitere  Abklärungen  vorzunehmen  (vgl.  Art.  41 
Abs.  1  AsylG).  Nach  Lehre  und  Praxis  besteht  eine  Notwendigkeit  für 
weitere Abklärungen  insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen 
der  asylsuchenden  Person  und  der  von  ihr  eingereichten  oder 
angebotenen  Beweismittel  Zweifel  und  Unsicherheiten  am  Sachverhalt 
weiterbestehen,  die  voraussichtlich  mit  Ermittlungen  von  Amtes  wegen 
beseitigt  werden  können  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
ehemaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1995  Nr. 
23 E. 5a mit weiteren Hinweisen). 

5. 
Weiter verlangt der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999  [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) unter 
anderem, dass die  verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 
berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung 
niederschlagen  muss  (vgl.  Art. 35  Abs.  1  VwVG).  Ferner  soll  die 
Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid 
gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich 
sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die 
Tragweite  des  Entscheides  ein  Bild  machen  können,  wobei  sich  die 
verfügende  Behörde  allerdings  nicht  ausdrücklich  mit  jeder 
tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand 
auseinandersetzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen 
Gesichtspunkte  beschränken  kann.  Die  Begründungsdichte  richtet  sich 
dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und 
den Interessen des Betroffenen (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f. mit 
weiteren Hinweisen).

6. 
Im vorliegenden Fall  ist die Vorinstanz  ihren Pflichten, die sich aus dem 
Untersuchungsgrundsatz  sowie  aus  dem  Anspruch  des 

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Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  ergeben,  nicht  hinreichend 
nachgekommen. 

6.1.  Der  Beschwerdeführer  liess  bereits  in  seiner  Eingabe  vom  23. 
Februar  2010  an  das  BFM  verlauten,  er  befürchte,  gestützt  auf  die 
aktenkundigen exilpolitischen Aktivitäten seines Vaters sowie gestützt auf 
der daraus folgenden Anerkennung aller seiner in der Schweiz lebenden 
Angehörigen  als  Flüchtlinge,  eine  Anschluss­  beziehungsweise 
Reflexverfolgung.  Auch  befürchte  er  eine  staatliche  Verfolgung,  weil  er 
seit  einiger  Zeit  zusammen  mit  seinem  Vater  im  Rahmen  der  syrisch­
kurdischen Exilopposition  in der Yekiti­Partei  politisch aktiv gewesen sei 
(vgl.  a.a.O.  S.  3).  Mit  Eingabe  vom  31.  März  2010  liess  der 
Beschwerdeführer  ein  Arztzeugnis  vom  18.  März  2010  sowie  ein 
Referenzschreiben der Yekiti­Partei Schweiz (PYKS) vom 24. März 2010 
zu den Akten reichen.

6.2.  Somit  hat  der  Beschwerdeführer  klar  subjektive  Nachfluchtgründe 
geltend gemacht, auf die die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung 
nicht  eingegangen  ist.  Dadurch  hat  das  BFM  den  Anspruch  des 
Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  verletzt  und  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  respektive  unvollständig 
festgestellt,  zumal  bei  einer  allfälligen  positiven  Prüfung  der  Vorbringen 
des Beschwerdeführers dieser die Flüchtlingseigenschaft erfüllen könnte.

6.3. Gemäss Art.  36 Abs.  1 AsylG  findet  eine Anhörung nach Art.  29  f. 
AsylG in den Fällen nach Art. 32 Abs. 1 und 2 Bst. a und f, nach Art. 33 
und Art.  34 Abs.  1  und 2 Bst.  a,  b,  c  und e AsylG  sowie  in  den Fällen 
nach Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  statt,  wenn  die  asylsuchende Person 
aus ihrem Heimat­ oder Herkunftsstaat  in die Schweiz zurückgekehrt  ist, 
sowie  in  den  Fällen  nach  Art.  35a  Abs.  2  AsylG,  wenn  im  bisherigen 
Verfahren  keine  Anhörung  stattgefunden  hat  oder  wenn  die  betroffene 
Person  bei  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  neue  Vorbringen 
geltend  macht  und  Hinweise  bestehen,  die  geeignet  sind,  die 
Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung 
vorübergehenden  Schutzes  relevant  sind.  Art.  36  Abs.  2  AsylG  zufolge 
wird  in den übrigen Fällen nach Art. 32, Art. 34 Abs. 2 Bst. d sowie Art. 
35a der asylsuchenden Person das rechtliche Gehör gewährt.

6.3.1.  Wird  nun  ein  Verwaltungsverfahren  nicht  von  Amtes  wegen, 
sondern auf Gesuch hin eingeleitet,  ist es grundsätzlich nicht notwendig, 
der  gesuchstellenden  Person  vor  Erlass  der  Verfügung  explizit  das 

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rechtliche  Gehör  zu  gewähren,  da  nach  Treu  und  Glauben  erwartet 
werden  darf,  dass  sie  mit  der  Gesuchseinreichung  die  ihr  wesentlich 
erscheinenden  Elemente  aufgezeigt  und  der  Sachverhalt  somit 
rechtsgenüglich  festgestellt  werden  kann.  Der  Anspruch  auf  rechtliches 
Gehör wird somit – auch mit Blick auf die Verfahrensökonomie –  in der 
Regel  von  der  gesuchstellenden  Person  vor  der  Gesucheinreichung 
wahrgenommen (vgl. BVGE 2009/53 E.5.5 mit Hinweis). 

6.3.2. Ist – wie im vorliegenden Fall – eine Person, welche in der Schweiz 
erfolglos ein Asylverfahren durchlaufen hat, in der Schweiz geblieben und 
begründet  ihr  zweites  Asylgesuch  mit  exilpolitischen  Aktivitäten,  darf 
erwartet  werden,  dass  sie  in  ihrem  Gesuch  alle  notwendigen  und 
verfügbaren  Informationen  vorbringt  (vgl.  BVGE  2009/53  E.  5.6  mit 
Hinweisen).

Soweit das BFM nach Treu und Glauben davon ausgehen darf, aufgrund 
des  von  einer  Person,  welche  nach  erfolglosem  Durchlaufen  eines 
Asylverfahrens  in  der  Schweiz  verblieben  ist,  neu  eingereichten 
Asylgesuchs  sei  der  Sachverhalt  vollständig  erstellt,  kann  es  von  einer 
zusätzlichen Gewährung des  rechtlichen Gehörs absehen, da  in diesem 
Fall der diesbezügliche Anspruch von der gesuchstellenden Person in der 
Regel  bereits  mit  der  Gesuchseinreichung  wahrgenommen  worden  ist 
(vgl. BVGE 2009/53 E.5.7 mit Hinweis). 

Die Frage, ob das BFM den Beschwerdeführer auch gestützt auf Art. 29 
AsylG zu seinen (neuen) Asylgründen hätte anhören müssen, kann somit 
an  dieser  Stelle  offen  gelassen  werden,  weil  der  Vorinstanz  nicht 
vorzugreifen  ist,  allfällige  zusätzliche  Untersuchungsmassnahmen – 
beispielsweise eine Anhörung – durchzuführen.

7. 

7.1.  Eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  führt  grundsätzlich  –  das 
heisst  ungeachtet  der  materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des 
daraufhin  ergangenen Entscheides. Die Heilung einer Gehörsverletzung 
aus  prozessökonomischen  Gründen  auf  Beschwerdeebene  ist  jedoch 
möglich,  sofern  das  Versäumte  nachgeholt  wird,  der  Beschwerdeführer 
dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall 
die  freie  Überprüfungsbefugnis  in  Bezug  auf  Tatbestand  und 
Rechtsanwendung  zukommt,  sowie  die  festgestellte  Verletzung  nicht 
schwerwiegender  Natur  ist  und  die  fehlende  Entscheidreife  durch  die 

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Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand  hergestellt  werden  kann 
(vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f. mit weiteren Hinweisen).

7.2.  Vorliegend  ist  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  nicht  richtig  und 
vollständig  festgestellt  worden.  Es  kann  nicht  Sinn  des 
Beschwerdeverfahrens  sein,  für  eine  vollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  zu  sorgen,  wenn  im  vorinstanzlichen 
Verfahren  die  erforderlichen  Sachverhaltsabklärungen  unterbleiben.  Die 
diesbezüglich  erforderlichen  Abklärungen  überschreiten  in  ihrem 
Ausmass  und  ihrer  Dauer  den  für  das  Bundesverwaltungsgericht 
vertretbaren  Aufwand.  Demzufolge  kann  der  vorliegende  Mangel  auf 
Beschwerdeebene  nicht  geheilt  werden.  Gegen  eine  Heilung  des 
Verfahrensmangels  spricht  insbesondere  auch  der  Umstand,  dass  dem 
Beschwerdeführer andernfalls eine Instanz verloren ginge.

7.3.  Überdies  hat  sich  die  aktuelle  Lage  im  Heimatland  des 
Beschwerdeführers  in  den  letzten  Monaten  drastisch  verändert,  was 
sicherlich  auch  zu  weiteren  Abklärungen  im  Sinne  eines 
Beweisverfahrens führen wird. 

7.4. Nach dem Gesagten erscheint es sachgerecht, das Verfahren an die 
Vorinstanz  zurückzuweisen,  damit  diese  die  nötigen  Massnahmen 
(Entgegennahme  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
subjektiven  Nachfluchtgründe  als  zweites  Asylgesuch  und  dessen 
allfällige Anhörung gemäss Art. 29 AsylG sowie die Berücksichtigung der 
allgemeinen Lage  im Heimatland des Beschwerdeführers) vornimmt und 
die  Sache  im  Rahmen  eines  neuen  beschwerdefähigen  Entscheides 
einer rechtlichen Würdigung unterzieht. Die Beschwerde ist infolgedessen 
im Sinne der Erwägungen gutzuheissen und die angefochtene Verfügung 
aufzuheben.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  37  VGG)  und  der  am 
12. Juli 2010 geleistete Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 600.– ist dem 
Beschwerdeführer zurück zu erstatten. 

9. 
Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei 
von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  ihr 
erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe Kosten  zusprechen 

D­4444/2010

Seite 11

(Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Der 
Beschwerdeführer  obsiegt  nur  teilweise  mit  der  Kassation.  Seitens  der 
Rechtsvertretung  liegt  keine  Kostennote  vor.  Aufgrund  der  Akten  lässt 
sich  der  Parteiaufwand  jedoch  hinreichend  zuverlässig  abschätzen, 
weshalb  die  Entschädigung  für  das  Beschwerdeverfahren  aufgrund  der 
Akten  festzusetzen  ist  (Art.  14  Abs.  2  in  fine  VKGE).  Unter 
Berücksichtigung  der  massgebenden  Bemessungsfaktoren  (Art.  9­13 
VGKE)  und  der  Entschädigungspraxis  in  Vergleichsfällen  ist  das  BFM 
anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  für  das  Rechtsmittelverfahren  eine 
reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 800.– (inkl. 
Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

D­4444/2010

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen

2. 
Die  Verfügung  des  BFM  vom  12.  Mai  2010  wird  aufgehoben  und  die 
Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen

3.  .
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Der am 12. Juli 2010 geleistete Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 600.­­ 
wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.

5. 
Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  800.­­ 
auszurichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

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