# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9a8c5b05-d2ae-58c5-b863-3c8323905bbd
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-04-13
**Language:** de
**Title:** Abstände. Vordach und Balkon im Grenz- bzw. Strassenabstand. Anwendbarkeit der Drittelsregel gemäss § 260 Abs. 3 PBG.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0050/2017
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_IV_0050_2017_154.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 0050/2017 vom 13. April 2017 in BEZ 2017 Nr. 27 

In  casu  war  die  Erstellung  eines  zweigeschossigen  Anbaus  geplant, 
welcher  talseitig  und  versetzt  an  ein  bestehendes  Einfamilienhaus  angefügt 
werden  sollte.  Südseitig  erstreckte  sich  entlang  der  ganzen  Fassade  ein 
Balkon,  welcher  mit  einer  Tiefe  von  1,5  m  in  den  Strassenabstand  reichte. 
Weiter  wies  die  Flachdachbaute  west-  und  südseitig  ein  Vordach  mit  einer 
Ausladung von 1,5 m auf, welches in den Grenz- bzw. Strassenabstand ragte. 
Der  Nachbarrekurrent  hielt  dafür,  dass  die  geplanten  Vorsprünge  der 
Drittelsbeschränkung gemäss § 260 Abs. 3 PBG unterworfen seien. 

Aus den Erwägungen: 

4.1 Der Rekurrent moniert, dass das geplante Vordach auf der West- und 
Südseite sowie die strassenseitige Balkonauskragung nicht abstandsprivilegiert 
im  Sinne  von  §  260  Abs.  3  PBG  seien,  da  nicht  mehr  von  einem  einzelnen 
Vorsprung gesprochen werden könne.  

Dem  hält  die  Vorinstanz  entgegen,  dass  die  Längenbeschränkung  auf 
einen  Drittel  der  Fassadenlänge  nur  für  Vorsprünge  wie  Erker,  Balkone  und 
dergleichen  gelte.  Dazu  seien  Vordächer  nicht  zu  zählen.  Das  geplante 
Vordach  dürfe  daher  auf  der  gesamten  Länge  in  den  Abstandsbereich  ragen. 
Sodann  würden  Balkone,  welche  wie  der  vorliegende  1,5  m 
in  den 
Strassenabstand  ragten,  von  der  Baubehörde  praxisgemäss  erlaubt,  weil 
solche  Vorsprünge  nicht  strenger  gewertet  werden  sollten  als  Besondere 
Gebäude,  welche  gemäss  Art.  26a  BZO  bis  3,5  m  an  die  Strasse  gebaut 
werden dürften.  

4.2 Gemäss § 260 Abs. 3 PBG dürfen einzelne Gebäudevorsprünge bis zu 
2 m  in  den  Abstandsbereich  hineinragen,  Erker,  Balkone  und  dergleichen 
jedoch  nur  auf  einem  Drittel  der  betreffenden  Fassadenlänge.  Dieses 
Abstandsprivileg gilt auch bei Strassen- und Wegabständen gemäss § 265 Abs. 
1  PBG  (BRKE  I  Nr.  0235/2011  =  BEZ  2012  Nr.  63,  dieser  bestätigt  mit 
VB.2012.00018 = BEZ 2012 Nr. 54).  

Das über dem westseitigen Sitzplatz frei auskragende Vordach aus Metall 
bildet  unbestrittenermassen  einen  privilegiert  abstandspflichtigen  Vorsprung 
des 
den 
betreffenden  Gebäudes,  womit 
Grenzabstandsbereich  auf  2 m  begrenzt 
ist.  Entgegen  der  Ansicht  der 
Baubehörde  unterliegt  der  vorgesehene  Vorsprung  auch  der  Drittelsbe-
schränkung von § 260 Abs. 3 PBG.  

seine  Ausladung 

in 

Abstandsvorschriften  haben  in  erster  Linie  nachbarschützende  Funktion. 
Damit  der  mit  den  Abstandvorschriften  verfolgte  Zweck  nicht  unterlaufen  wird, 
ist eine restriktive Auslegung der von der Abstandsprivilegierung von § 260 Abs. 
3  PBG  erfassten  Gebäudeteile  geboten.  Durch  klassische  Dachvorsprünge 
erhalten  Fassaden  einen  Witterungsschutz  und  wird  eine  bessere  Gestaltung 
erzielt. Nicht mehr konstruktionsbedingt ist der Vorsprung eines Daches jedoch 
dann,  wenn  er  eine  spezifische  zusätzliche  Funktion  zu  erfüllen  hat,  die  über 
den  allgemeinen  Schutz  des  Gebäudekörpers  hinausgeht,  d.h.  insbesondere 

 
 
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etwa  dann,  wenn  ein  Vordach  darum  besonders  weit  über  die  Fassade 
hinausgezogen wird, weil sie als Sitzplatzüberdachung dienen soll.  

Im  vorliegenden  Fall  ist  das  Vordach  nicht  konstruktionsbedingt  im  um-
schriebenen  Sinn  und  stellt  eine  das  Drittelmass  überschreitende  Länge  beim 
strittigen  Vorsprung  keinerlei  objektiv-architektonische  Notwendigkeit  dar. 
Vielmehr wird mit dem Vordach – gleich wie bei einem Erker oder Balkon – eine 
Erweiterung der dem Wohnen zuzuordnenden Fläche bezweckt und ermöglicht 
die  Überdachung  auch  bei schlechter Witterung  den  Aufenthalt  von  Personen. 
Unter  Beachtung  des  Nachbarschutzes  ist  in  einem  solchen  Fall  von  einem 
Vorsprung auszugehen, welcher der Drittelsbeschränkung gemäss § 260 Abs. 3 
PBG  unterworfen  ist.  Damit  verletzt  das  geplante,  in  den  westseitigen  Grenz-
abstandsbereich ragende Vordach das zulässige Längenmass.  

Das  gleiche  hat  für  den  die  gesamte  Südfassade  einnehmenden  Balkon 
sowie das darüber angebrachte Vordach zu gelten. Zwar ist einzuräumen, dass 
vorliegend  nicht  nachbarliche  Interessen  in  Frage  stehen,  da  die  strittigen 
Gebäudevorsprünge 
im  Strassenabstandsbereich  geplant  sind.  Da  der 
jedoch  mit  Strassen-  und  Wegabständen  analog  zu  den 
Gesetzgeber 
Grundgrenzabständen primär wohnhygienische Ziele verfolgt, geht es nicht an, 
der  Bestimmung  von  §  260  Abs.  3  PBG  je  nach  Art  des  in  Frage  stehenden 
Abstandes  einen  unterschiedlichen  Sinngehalt  zuzuweisen  (BRKE IV  Nr. 
0067/2004  E.  4c;  VB.2012.00018  E.  3.1).  Somit  ist  auch  eine  Gleichsetzung 
von Balkonen mit Besonderen Gebäuden an Strassen – wie dies die Vorinstanz 
praxisgemäss  macht  –  nicht  statthaft.  Vielmehr  gilt  die  Drittelsbeschränkung 
von  § 260  Abs. 3  PBG  auch für  abstandsprivilegierte  Vorsprünge  im Strassen-
abstandsbereich.  Die  Praxis  der  Vorinstanz  erweist  sich  damit  als  rechts-
verletzend.  

Der  festgestellte  Mangel  ist  einer  Heilung  durch  eine  Nebenbestimmung 
ohne  weiteres  zugänglich  (§  321  Abs.  1  PBG).  Es  genügt  eine  Auflage  des 
Inhalts,  dass  der  Balkon  sowie  das  Vordach  auf  der  West-  und  Südseite 
höchstes  auf  einem  Drittel  der  betreffenden  Fassadenläge  in  den  Abstands-
bereich hineinragen dürfen.