# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 32dd8ca3-4bde-5fe5-aa42-234a89111c35
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-22
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 22.06.2023 SST.2022.204
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-204_2023-06-22.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.204 
(ST.2021.167; StA.2020.6531) 

 

 

Urteil vom 22. Juni 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Cotti 

Gerichtsschreiberin Gilgen 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am [tt.mm.1999], von Trub, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Renate Senn,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Raub, Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 24. September 2021 erhob die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

gegen den Beschuldigten Anklage wegen Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 

StGB und mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG (GA act. 1 ff.). 

 

2. 

Das Bezirksgericht Aarau fällte am 30. März 2022 folgendes Urteil:  

 

Das Gericht beschliesst: 
 
Das Verfahren wird eingestellt in Bezug auf die Anklage betreffend mehrfachen Konsums 
von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Zeitraum vom 24. September 2018 
bis und mit 29. März 2019). 
 
 
Das Gericht erkennt: 
 
1. 
Der Beschuldigte ist schuldig:  
- des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB (Mittäterschaft), 
- des mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG 

(Zeitraum von 30. März 2019 bis 18. November 2020). 
 
2. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 al. 1 erwähnten Bestimmung und gestützt 
auf Art. 40 und Art. 47 StGB zu 15 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Freiheitsstrafe der bedingte 
Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre 
festgesetzt. 
 
[…] 
 
4. 
Die Untersuchungshaft von 37 Tagen (von 18. November 2020 bis und mit 23. Dezember 
2020) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf eine zu vollziehende Freiheitsstrafe angerechnet. 
 
5. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 al. 2 erwähnten Bestimmung und gestützt 
auf Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 200.00 verurteilt. 
 
6. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen 
vollzogen. 
 
7. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 2 StGB werden folgende Gegenstände eingezogen und 
vernichtet: 
 

 - 3 - 

 

 

- 17.1 Gramm Marihuana (rückgewogen 16.4 Gramm [BA act. 1527], 
Polizeikommando/Betäubungsmittelgruppe) 

 
8. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von  Fr.  1'750.00 
b) der Anklagegebühr von  Fr. 2'100.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von  Fr.  9'045.20 
d) andere Auslagen  Fr.  1'377.00 

Total  Fr.  14'272.20 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 
gemäss lit. d) Positionen im Gesamtbetrag von Fr. 5'227.00 auferlegt. 
 
9. 
Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 9'045.20 (inkl. Fr. 646.70 MwSt.) werden 
einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton 
Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
10. 
Der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 9'045.20 
(inkl. Fr. 646.70 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen.  

 

2.1. 

Der Beschuldigte meldete gegen dieses Urteil mit Eingabe vom 8. April 

2022 die Berufung an (GA act. 144). Das begründete Urteil wurde dem 

Beschuldigten am 17. August 2022 zugestellt (GA act. 179).  

 

2.2. 

Mit Berufungserklärung vom 6. September 2022 beantragte der 

Beschuldigte, er sei vom Vorwurf des Raubs freizusprechen, womit die 

Ziffern 1-3 des Urteilsdispositivs aufzuheben seien. Weiter seien die erst-

instanzlichen Verfahrenskosten und die Entschädigung der amtlichen 

Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

2.3. 

Mit Anschlussberufung vom 8. September 2022 beantragte die Staats-

anwaltschaft, der Beschuldigte sei in Abänderung von Ziff. 2 und 3 des 

Urteils des Bezirksgerichts Aarau vom 30. März 2022 zu einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu verurteilen. 

 

2.4. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 28. September 2022 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Anschlussberufungsbegründung 

ein. 

 

2.5. 

Der Beschuldigte reichte am 7. November 2022 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 - 4 - 

 

 

 

2.6. 

Der Beschuldigte reichte am 28. November 2022 eine Anschlussberufungs-

antwort ein. Er beantragte die vollumfängliche Abweisung der Anträge der 

Staatsanwaltschaft. 

 

2.7. 

Mit Berufungsantwort vom 30. November 2022 beantragte die Staats-

anwaltschaft, die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen. 

 

2.8. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahmen des Beschuldigten sowie der 

Auskunftsperson B. fand am 22. Juni 2023 zusammen mit dem Berufungs-

verfahren i.S. C. (SST.2022.193) statt. Der Mitbeschuldigte C., dem die 

Vorladung wegen unbekannten Aufenthalts nicht hat zugestellt werden 

können, ist nicht zur Berufungsverhandlung erschienen. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Zu überprüfen sind infolge der beschränkten Berufung des Beschuldigten 

bzw. Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft der Vorwurf des Raubs 

(Anklageziffer 1), die Strafzumessung hinsichtlich des Vorwurfs des Raubs 

inklusive der Vollzugsart sowie damit einhergehend die Verlegung der 

erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

Nicht zu überprüfen sind demgegenüber die Verfahrenseinstellung 

bezüglich des Vorwurfs der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Anklageziffer 2) für den 

Zeitraum vom 24. September 2018 bis 29. März 2019, der Schuldspruch 

der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

gemäss Art. 19a Ziff. 1 StGB (Dispositivziffer 1 Alinea 2) für den Zeitraum 

vom 30. März 2019 bis 18. November 2020, die Anrechnung der 

Untersuchungshaft an die Freiheitsstrafe (Dispositivziffer 4), die Busse von 

Fr. 200.00 inkl. der Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen (Dispositivziffern 5 

und 6), die Einziehung des beschlagnahmten Marihuanas (Dispositivziffer 

7), die Höhe der erstinstanzlichen Verfahrenskosten sowie die Höhe der 

Entschädigung der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Ver-

fahren (Dispositivziffer 10). 

 
2.  

2.1. 

Hinsichtlich des Raubs wird dem Beschuldigten in tatsächlicher Hinsicht 

folgendes Verhalten vorgeworfen. Er soll am 23. August 2020 um ca. 01.50 

Uhr gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten C. unter der Kettenbrücke in 

 - 5 - 

 

 

Aarau dem Taxifahrer B. zugewinkt haben, wobei letzter jedoch bereits 

Kundschaft gehabt habe und weitergefahren sei. Um 01.54 Uhr hätten die 

beiden Mitbeschuldigten B. angerufen und ihm mitgeteilt, dass sie ihm ein 

Zeichen gegeben hätten, da sie ein Taxi nach Gemeinde Q. benötigen 

würden. Hiervor sei bereits gemeinsam beschlossen worden, B. das 

Portemonnaie zu entwenden. B. sei in der Folge zur Bushaltestelle 

Kettenbrücke gefahren, wo sich die Mitbeschuldigten aufgehalten hätten 

und habe dort die Fensterscheibe heruntergelassen. C. habe ihn nach den 

Fahrtkosten für die Fahrt nach Gemeinde Q. und nach Wechselgeld 

gefragt, wobei der Beschuldigte neben C. bei der Fahrertüre gestanden sei. 

B. habe sodann sein Portemonnaie hervorgenommen, worauf der 

Beschuldigte durch das Fenster nach dem Portemonnaie gegriffen habe, 

um dieses zu entwenden. Da B. das Portemonnaie festgehalten habe, habe 

ihm C. mit der Faust gegen den Kopf geschlagen, um ihn zum Loslassen 

zu bewegen. B. habe das Portemonnaie in der Folge losgelassen und der 

Beschuldigte habe dieses an sich gerissen. In der Folge seien die 

Mitbeschuldigten in unterschiedliche Richtungen davongerannt und hätten 

sich später erneut getroffen, um den Deliktsbetrag von Fr. 890.00 

aufzuteilen. 

 

Die Vorinstanz hat diesen Sachverhalt grundsätzlich als erstellt erachtet 

und den Beschuldigten des Raubs in Mittäterschaft schuldig gesprochen. 

Sie ging jedoch nicht von einem Faustschlag, sondern von einem 

«gewöhnlichen» Schlag aus. Der Beschuldigte wendet sich mit seiner 

Berufung gegen den Schuldspruch. 

 

2.2. 

Den Tatbestand des Raubs erfüllt, wer mit Gewalt gegen eine Person oder 

unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder nachdem 

er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl 

begeht (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), oder wer, bei einem Diebstahl auf 

frischer Tat ertappt, Nötigungshandlungen nach Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

begeht, um die gestohlene Sache zu behalten (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB).  

 

Unter dem Begriff der Gewalt von Art. 140 Ziff. 1 StGB ist die unmittelbare 

physische Einwirkung auf den Körper des Opfers zu verstehen. Den Grund-

tatbestand erfüllt bereits, wer das Opfer durch Gewalt veranlasst, die 

Wegnahme einer Sache zu dulden. Die Gewalt muss darauf gerichtet sein, 

den Widerstand des Opfers zu brechen. Massgeblich ist die Intensität der 

Gewalt. Die Einwirkung auf den Körper muss einen Schweregrad erreicht 

haben, der normalerweise genügt, um dem Opfer eine wirksame Gegen-

wehr zu verunmöglichen oder doch wesentlich zu erschweren. Dass das 

Opfer Widerstand leistet, ist keine zwingende Tatbestandsvoraussetzung. 

Der Tatbestand ist vielmehr auch erfüllt, wenn das Opfer wegen der 

Gewaltanwendung keinen Widerstand leisten kann oder will. In subjektiver 

Hinsicht verlangt der Tatbestand – über die Diebstahlsabsicht hinaus – 

 - 6 - 

 

 

Vorsatz, der sich auf die Ausführung der Nötigungshandlung gegenüber 

dem Opfer zum Zwecke eines Diebstahls bezieht. Der Täter muss also die 

Wegnahme der Sache erzwingen wollen oder zumindest in Kauf nehmen, 

dass er den Widerstand des Opfers durch die ausgeübte Gewalt bricht (vgl. 

zum Ganzen statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1404/2020 vom 17. 

Januar 2022 E. 1.2 und 1.5, nicht publ. in: BGE 148 IV 124 mit Hinweisen). 

 

Zur Abgrenzung des Raubs zum Entreissdiebstahl (Art. 139 Ziff. 1 StGB) 

ist Folgendes auszuführen: Typisches Merkmal des Entreissdiebstahls ist 

das Ausnutzen eines Überraschungsmoments. Der Täter, der sein Opfer 

mit einem unerwarteten Handstreich verblüfft oder überrascht und damit 

versucht, einem Widerstand desselben zuvorzukommen und diesem den 

anvisierten Wertgegenstand ohne Anwendung unmittelbarer physischer 

Einwirkung auf den Körper zu entreissen, begeht nach der Rechtsprechung 

mangels Gewalt gegen eine Person keinen Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 

StGB. Anders verhält es sich, wenn sich der Täter über den erwarteten oder 

tatsächlich geleisteten Widerstand des Opfers mit Gewalt hinwegsetzt, um 

diesem den anvisierten Gegenstand wegzunehmen (BGE 133 IV 207 E. 

4.4 und 5).  

 

Nach der Rechtsprechung gilt als Mittäter, wer bei der Entschliessung, 

Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender 

Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter 

dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag (nach den 

Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan) für die Ausführung des 

Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Der Mittäter 

muss bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch 

tatsächlich mitwirken. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an 

der eigentlichen Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen 

vermag. Tatbestandsmässige Ausführungshandlungen sind nicht not-

wendige Voraussetzung für die Annahme von Mittäterschaft (BGE 

135 IV 152 E. 2.3.1 S. 155; Urteil des Bundesgerichts 6B_712/2017 vom 

23. Mai 2018 E. 2.3.2, nicht publ. in: BGE 144 IV 198). In Mittäterschaft 

begangene Tatbeiträge werden jedem Mittäter zugerechnet (BGE 

143 IV 361 E. 4.10 S. 371; Urteile des Bundesgerichts 6B_371/2020 vom 

10. September 2020 E. 2.3 sowie 6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 1.3.2). 

 

2.3. 

Bestritten wird vom Beschuldigten sowie C., dass es zu einem Schlag bzw. 

Faustschlag gegen den Kopf von B. gekommen ist, welcher diesen zum 

Loslassen des Portemonnaies bewegen sollte. Damit wird auch bestritten, 

dass es zu einem vorgängigen kurzen Festhalten des Portemonnaies durch 

B. gekommen ist. Schliesslich wird bestritten, dass die Höhe des Delikt-

betrags mehr als Fr. 250.00 betragen hat. 

 

 - 7 - 

 

 

Von allen Beteiligten unbestritten geblieben ist, dass der Beschuldigte und 

C. am 23. August 2020 den Taxifahrer B. gesichtet haben, ihm zugewinkt 

haben und nachdem Letzterer mit einem anderen Kunden davongefahren 

ist, C. ihn mit einem Mobiltelefon angerufen und darum gebeten hat, dass 

er den Beschuldigten abhole. Daraufhin ist B. zum Standort der 

Mitbeschuldigten an der Kettenbrücke in Aarau gefahren, hat dort 

angehalten und die Fensterscheibe auf der Fahrerseite heruntergelassen. 

Unbestritten ist weiter, dass C. ihn nach den Kosten für die Fahrt nach 

Gemeinde Q. und Wechselgeld für die Parkuhr gefragt hat, worauf B. sein 

Portemonnaie hervorgenommen hat. Sowohl C. als auch der Beschuldigte 

haben sodann danach gegriffen, wobei Letzterer dieses hat greifen können 

und es B. in der Folge entrissen hat. Sodann sind die beiden 

Mitbeschuldigten in unterschiedliche Richtungen geflüchtet und haben 

später den erbeuteten Betrag aufgeteilt. Schliesslich ist unbestritten, dass 

bereits beim Anruf geplant war, sich des Portemonnaies zu behändigen, 

um sich finanziell zu bereichern. B. sei ausgesucht worden, da er von seiner 

Postur her etwas «fester» sei, was die Tatbegehung bzw. eine erfolgreiche 

Flucht erleichtert habe. Die Idee zum «Diebstahl» sei ihnen gemeinsam 

und spontan gekommen (C. UA act. 1548 ff., UA act. 1584 ff., GA act. 56 

ff.; Beschuldigter: UA act. 1537 f., GA act. 67 ff., B.: UA act. 1607 ff).  

 

2.4.  

2.4.1. 

Für das Obergericht ist aus nachfolgenden Gründen erstellt, dass der 

Beschuldigte und C. einen Raub in Mittäterschaft zum Nachteil von B. 

begangen haben: 

 

2.4.2. 

2.4.2.1. 

B. hat den Ablauf von Anfang an konstant, schlüssig und nachvollziehbar 

geschildert; bereits wenige Stunden nach dem Vorfall machte er dieselben 

Aussagen wie an sämtlichen späteren Befragungen. Er gab an, dass 

nachdem er das Portemonnaie hervorgenommen habe und die beiden 

Mitbeschuldigten vor dem Fenster der Fahrertüre gestanden seien, der 

Beschuldigte nach diesem gegriffen und daran gezogen habe, wobei er (B.) 

dieses noch ein bisschen bzw. einige Sekunden festgehalten und «hey hey 

hey» gerufen habe. Es sei dann alles sehr schnell gegangen und dann sei 

der Schlag gekommen, aufgrund dessen er das Portemonnaie habe 

loslassen müssen, was er dann auch gemacht habe; er habe ein bisschen 

Angst bekommen und es losgelassen. Der Schlag sei gegen die rechte 

Kopfseite bzw. Kopfhälfte oberhalb der Schläfe erfolgt, er habe nicht 

gesehen, ob es ein Schlag bzw. Klap oder ein «Box» gewesen sei. Die 

Intensität des Schlags auf einer Skala von 1 bis 10 sei etwa 5 oder 6, 

maximal 8 gewesen. Er sei durch den Schlag nicht verletzt worden (UA act. 

1610, 1635 ff., GA act. 54 f., Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 ff.). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung konnte er den Beschuldigten 

 - 8 - 

 

 

eindeutig identifizieren, auch wenn dieser zum Tatzeitpunkt «noch etwas 

dicker» gewesen sei (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3). 

 

Bereits in der ersten Einvernahme gab er an, dass der Schlag von C. 

gekommen sei (UA act. 1610). Ab der zweiten Einvernahme gab er 

hiernach gefragt an, er habe nicht genau gesehen, von wem der Schlag 

gekommen sei; er habe es einfach gespürt und gedacht bzw. logisch 

gefunden, dass der Schlag von C. gekommen sein müsse, da der 

Beschuldigte das Portemonnaie festgehalten habe und auch wegen der 

Position von C., da dieser von ihm aus gesehen rechts gestanden und vor 

dem Beschuldigten gestanden sei (UA act. 1635 f., GA act. 55, Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 5). Damit legte er offen, dass er sich nicht sicher 

war, wer den Schlag ausgeführt hat, was für die Glaubhaftigkeit seiner 

Aussagen spricht. Zudem ist es schlüssig, dass er den Kopf gesenkt 

gehalten hat und auf das Portemonnaie geschaut hat und deshalb den 

Schlag nicht hat sehen kommen. Dies erklärt auch, weshalb er nicht 

präzisieren konnte, ob es sich um einen Schlag mit der flachen Hand oder 

einen Faustschlag gehandelt hat und mit welchem Arm dieser ausgeführt 

worden ist (GA act. 55), da er den Schlag nur gefühlt hat. Entsprechend 

den Schilderungen von B. ist ein Schlag aus der Position von C. – nämlich 

vom Fahrersitz des Taxis aus gesehen rechts bzw. ungefähr von der 

Position des Seitenspiegels aus – räumlich gesehen durchaus denkbar. C. 

räumte auch selbst ein, zeitgleich mit dem Beschuldigten nach dem 

Portemonnaie gegriffen zu haben (UA act. 1548). Sein Arm befand sich 

somit schon in der Nähe des Kopfs von B.. Offenbleiben kann dabei, mit 

welchem Arm und ob mit der Faust oder der flachen Hand geschlagen 

worden ist. 

 

Die Aussagen von B. enthalten keine ersichtliche Tendenz, das 

Geschehene bzw. den Schlag zu dramatisieren. B. hat vor diesem Vorfall 

weder den Beschuldigten noch C. gekannt, die Beschuldigten haben seine 

Telefonnummer von der Reklame an seinem Taxi abgelesen und haben ihn 

so kontaktieren können (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3), und es ist 

auch kein Grund ersichtlich, weshalb er einen Schlag erfinden sollte. Auf 

die Geltendmachung einer Zivilforderung hat er verzichtet, was ebenfalls 

gegen ein Interesse an der Dramatisierung der Geschehnisse spricht, auch 

wenn dieser Umstand allein kein Beleg für die Wahrheit seiner Aussagen 

ist. Jedoch hat B. stets nachvollziehbar geschildert, nun als Taxifahrer 

gemischte Gefühle bei Kunden zu haben und kein Vertrauen mehr in diese 

zu haben und bei seiner Arbeit Angst zu haben, dass so etwas wie der 

Raub wieder passiere (UA act. 1610; UA act. 1622 ff.). Er sei einmal bei 

einem Psychiater gewesen, wobei ihm dies nur bedingt geholfen habe. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung gab er an, den Beruf als Taxifahrer 

zu 80-90% aufgrund der durch den Vorfall entstandenen Ängste 

aufgegeben zu haben und nun als Lastwagenchauffeur tätig zu sein 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 6). All diese Umstände sprechen für 

 - 9 - 

 

 

die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Nach dem Gesagten ist hinsichtlich 

der Frage, ob und wie stark er geschlagen worden ist, auf die konstanten, 

schlüssigen und glaubhaften Aussagen von B. abzustellen.  

 

2.4.2.2. 

An der Feststellung, dass es zu einem Schlag gegen den Kopf von B. 

gekommen ist, vermögen die Ausführungen des Beschuldigten und von C. 

nichts zu ändern, wobei die Aussagen von C., der den Schlag ausgeführt 

haben soll, zuerst zu betrachten sind. C. bestätigte zwar die von B. 

angegebenen Standortpositionen der Beteiligten, jedoch bestritt er das 

Greifen nach dem Portemonnaie während 2 bis 3 Sekunden von ihm oder 

dem Beschuldigten sowie den Schlag gegen den Kopf von B. konstant (UA 

act. 1548, GA act. 56 f.). Vielmehr sei alles sehr schnell gegangen und der 

Beschuldigte habe das Portemonnaie schon entrissen und in der Hand 

gehabt (GA act. 56).  

 

Auf diese Aussagen kann nicht abgestellt werden. Hierzu ist auszuführen, 

dass die teilweisen Eingeständnisse von C. zwar grundsätzlich für die 

Glaubhaftigkeit von dessen Aussagen sprechen könnten. Jedoch ist zu 

beachten, dass ein völliges Abstreiten der Vorwürfe vorliegend schlicht 

sinnlos gewesen wäre. So lagen als sachliche Beweismittel die Ortung des 

benutzten Mobiltelefons nahe des Tatorts (UA act. 928 ff., 1597 ff.) und 

eine Sprachnachricht zur Aufteilung eines Geldbetrags von C. an den 

Beschuldigten (UA act. 1459 ff.) vor und B. konnte C. als Täter 

identifizieren. Es ist somit naheliegend, dass C. gerade so viel einräumte, 

wie ihm nachgewiesen werden konnte.  

 

Zur Erklärung der Schilderungen von B. gab er zudem an, B. könne dies 

gesagt haben, da er sich von der Polizei nicht ernst genommen gefühlt 

habe, zumal die Polizei nicht fähig gewesen sei, sie (gemeint den 

Beschuldigten und C.) aufzufinden, B. sie jedoch zweimal in der Nacht 

habe antreffen können (UA act. 1584 f.). Dieser Erklärungsversuch vermag 

keine Zweifel an den Aussagen von B. zu erwecken, da nicht ersichtlich 

wäre, dass er sich aus diesem Grund zu einer Falschaussage hätte 

verleiten lassen. 

 

Auch seine Ausführungen, dass er aus seiner Position nicht habe schlagen 

können, da die Scheibe dazwischen gewesen sei und er mit links hätte 

schlagen müssen obwohl er Rechtshänder sei (GA act. 57), überzeugen 

nicht. Die Scheibe an der Fahrertüre war heruntergelassen und B. hatte 

sein Gesicht in Richtung des Fensters gedreht, um mit den Beschuldigten 

zu sprechen und Geld zu wechseln, wobei er nach unten geschaut hat. Wie 

oben ausgeführt, ist ein Schlag von der Position des Beschuldigten aus, 

von B. aus gesehen rechts, damit durchaus möglich, wobei es keine Rolle 

spielt, mit welchem Arm geschlagen worden ist. Entgegen dem 

Beschuldigten ist auch davon auszugehen, dass B. es hätte differenzieren 

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können, wenn er den Kopf bloss selber angeschlagen und nicht einen 

Schlag erhalten hätte.  

 

Gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen von C. spricht zudem, dass er 

mehrfach geltend gemacht hat, sich aufgrund seines Alkohol- und teilweise 

Marihuanakonsums nicht mehr an Einzelheiten erinnern zu können (UA 

act. 1549 ff., GA act. 56). Aus seinen Aussagen wird jedoch ersichtlich, 

dass er sich an die Geschehnisse im Allgemeinen noch detailliert erinnert 

und die Erinnerungslücken insbesondere dort vorbringt, wo es seiner 

Argumentation dient. 

 

Schliesslich hat C. aufgrund der härteren rechtlichen Konsequenzen bei 

einem Schuldspruch wegen Raubs als bei einem Schuldspruch wegen 

Diebstahls ein beträchtliches Interesse daran, dass der Vorfall nicht als 

Raub gewürdigt wird. Dafür ist für seinen Standpunkt von entscheidender 

Bedeutung, dass kein Schlag, der einen Diebstahl ermöglicht hat, erfolgt 

ist. Wie dem Abschlussbericht des Institution E. entnommen werden kann, 

sind C. juristische Grundlagen teilweise bestens bekannt (Abschlussbericht 

S. 32), was eine derartige Überlegung umso wahrscheinlicher macht. 

 

2.4.2.3. 

Ebenfalls vermögen die Aussagen des Beschuldigten keine Zweifel daran 

zu erwecken, dass es zu einem Schlag gegen den Kopf von B. gekommen 

ist. In diesem Zusammenhang ist vorab darauf hinzuweisen, dass er 

anlässlich der ersten Einvernahme vom 18. November 2020 noch seine 

gesamte Beteiligung am Raub abgestritten und stattdessen angegeben 

hatte, sein Telefon einer dunkelhäutigen Person geliehen zu haben und 

dann nicht mehr beim Tatort gewesen zu sein (UA act. 1525). In der Folge 

war er am 8. Dezember 2020 bei der Einvernahme von C. anwesend, wobei 

dieser einen Teil des Sachverhalts eingestanden hat. Dabei hat sich C. 

sogar direkt an den Beschuldigten gewendet und gesagt: «Bro es ist 

besser, wenn wir die Wahrheit sagen A.» (UA act. 1548). Der Beschuldigte 

konnte seine Aussagen vom 22. Dezember 2020 dementsprechend genau 

den Eingeständnissen von C. anpassen, ein darüberhinausgehendes 

Bestreiten wäre auch sinnlos gewesen. So gab auch er in der Folge an, 

dass er und C. B. das Portemonnaie entrissen hätten, es jedoch nicht zu 

einem (Faust-)Schlag gekommen sei (UA act. 1538 und GA act. 68). 

Zudem habe es kein Halten des Portemonnaies gegeben (GA act. 68). 

Jedoch schilderte er selbst, dass sie beide nach dem Portemonnaie 

gegriffen hätten und zunächst C. schneller gewesen sei, worauf jedoch er 

selbst das Portemonnaie dann gehalten und es entrissen habe. Damit 

bestätigen seine Aussagen zumindest ein kurzweiliges Halten. Was den 

Schlag betrifft, wollte er sich offenbar nicht eindeutig festlegen, führte er 

doch aus, er wisse nicht, was C. gemacht habe, als er selbst das Porte-

monnaie gehalten habe (GA act. 68). Dabei handelt es sich um eine 

 - 11 - 

 

 

offensichtliche Schutzbehauptung, zumal auch der Beschuldigte ein klares 

Interesse daran hat, dieses Sachverhaltselement zu bestreiten.  

 

2.4.3. 

Auch hinsichtlich des Deliktsbetrages stützt sich das Obergericht auf die 

Aussagen von B.. Entgegen den Ausführungen der beiden 

Mitbeschuldigten sind diese konstant und schlüssig. 

 

B. führte anlässlich der ersten Einvernahme aus, es habe sich neben 

diversen Ausweisen und Karten Bargeld, nämlich Notengeld à 6 x Fr. 

100.00, 4 x Fr. 50.00, 40 x Fr. 20.00, 1 x Fr. 10.00 und etwas Kleingeld im 

Portemonnaie befunden (UA act. 1611). Bei den «40 x Fr. 20.00» handelt 

es sich unbestrittenermassen um einen Schreibfehler, gemeint sind statt-

dessen «4 x Fr. 20.00». Damit ergäbe sich ein Betrag von Fr. 890.00 plus 

Kleingeld, was dem angeklagten Betrag, jedoch ohne Kleingeld, entspricht. 

Es ist denn auch nicht erstaunlich, dass B. dieser Schreibfehler bei der 

Durchsicht des Protokolls nicht aufgefallen ist, zumal dieser nicht ins Auge 

springt. Anlässlich der zweiten Einvernahme erklärte er, ca. Fr. 950.00 plus 

Kleingeld dabei gehabt zu haben (UA act. 1638). Anlässlich der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab er an, an diesem Tag ca. Fr. 

900.00 dabeigehabt zu haben (GA act. 56). An der Berufungsverhandlung 

führte er schliesslich aus, er habe ca. Fr. 900.00 plus Kleingeld im Wert von 

Fr. 30.00 bis Fr. 40.00 dabeigehabt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5). 

Es ergibt sich damit eine Abweichung von lediglich Fr. 60.00, was in 

Anbetracht des Zeitablaufs keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner 

Aussagen zur Grössenordnung des im Portemonnaie enthaltenen 

Geldbetrags weckt. 

 

B. konnte auch plausibel darlegen, weshalb er einen eher hohen 

Bargeldbetrag dabeihatte. So habe er für die Bezahlung von Rechnungen, 

die er am Samstag 22. August 2020 habe bezahlen wollen, Fr. 600.00 im 

Portemonnaie gehabt, die Rechnungen habe er jedoch nicht zahlen 

können, da ihm etwas dazwischengekommen sei, er sei zu spät auf der 

Post gewesen. Vom Umsatz seien es Fr. 350.00 und noch etwas Kleingeld 

gewesen. Vom Arbeitsbeginn, um ca. 23.00 bis 24.00 Uhr, bis zum Ereignis 

habe er ca. 6 bis 8 bzw. 4 bis 6 Fahrten gemacht, wobei er von zu Hause 

aus gestartet sei, es sei ein guter Abend in der Coronakrise gewesen. 

Normalerweise führe er zu Arbeitsbeginn Fr. 100.00 bis Fr. 150.00 mit sich 

(UA act. 1638 f., GA act. 56, Protokoll Berufungsverhandlung S. 5 f.). Dies 

hat er ab der zweiten Einvernahme so geschildert, bei der ersten 

Einvernahme war er dazu nicht näher befragt worden, somit können seine 

Aussagen diesbezüglich als konstant bezeichnet werden. Bei jemandem, 

der seinen Lebensunterhalt als selbstständig Erwerbender in Bargeld 

erhält, der täglich mit Bargeld zu tun hat und der auch seine Rechnungen 

mit Bargeld bezahlt, ist denn auch nicht erstaunlich, dass er den Inhalt 

seines Portemonnaies und die Stückelung der Banknoten 

 - 12 - 

 

 

annäherungsweise genau kennt; dies ist vielmehr zu erwarten. B. hat den 

Schaden gemäss eigenen Angaben im Übrigen nie ersetzt bekommen 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 6). 

 

Es ist nach dem Gesagten und gestützt auf den angeklagten Sachverhalt 

davon auszugehen, dass sich ein Bargeldbetrag von annähernd Fr. 900.00 

im entwendeten Portemonnaie befunden hat. Der genaue Betrag ist für die 

Qualifikation als Raub ohnehin nicht entscheidend, denn wer sich bewusst 

dazu entschliesst, einem Taxifahrer das Portemonnaie zu entwenden, 

begeht diese Tat in der Erwartung, mindestens mehrere Hundert, wenn 

nicht gar mehrere Tausend Franken zu erbeuten. Mithin ist aus-

geschlossen, dass sich die Tat nur auf die zugestandenen ca. Fr. 250.00 

bis Fr. 300.00 und damit einen geringen Vermögenswert im Sinne von Art. 

172ter StGB gerichtet hat, wie dies der Beschuldigte und C. ausführen (vgl. 

BGE 123 IV 113, 6B_158/2018 vom 14.6.18 E. 2.2). 

 

2.5. 

Nach dem Gesagten haben die Mitbeschuldigten nicht bloss einen 

Entreissdiebstahl in einem Überraschungsmoment begangen. Vielmehr ist 

es so, dass es denn Mitbeschuldigten zuerst nicht gelungen ist, B., der das 

Portemonnaie nach der Frage nach Wechselgeld hervorgenommen hatte, 

dieses aus dem Taxi heraus zu entreissen. Dies ist ihnen erst geglückt, 

nachdem B., der sich gegen das Wegreissen des Portemonnaies wehrte, 

ein Schlag ins Gesicht versetzt worden ist. Erst diese Gewaltanwendung 

hat dazu geführt, dass B. Angst bekommen hat und das Portemonnaie nicht 

mehr hat festhalten können. Aufgrund dieser äusseren Umstände ist auch 

darauf zu schliessen, dass die gemeinsam agierenden Mitbeschuldigten, 

welche aufgrund ihrer gemeinsamen Planung und Tatausführung 

zweifellos als Mittäter zu qualifizieren sind, mindestens in Kauf genommen 

haben, gegen B. Gewalt in Form eines Schlages gegen das Gesicht 

anzuwenden, sollte sich dieser gegen die Wegnahme des Portemonnaies 

wehren. Es spielt deshalb auch gar keine Rolle, wer den Schlag ausgeführt 

hat, lag dieser doch nicht ausserhalb des gemeinsamen Tatplans und muss 

sich deshalb ein jeder der Mittäter das Handeln des anderen anrechnen 

lassen. Dabei ist unerheblich, ob der Beschuldigte die Anwendung von 

Gewalt gewollt hat, denn die Inkaufnahme durch Billigen oder das 

Einverständnis im Sinne des Eventualvorsatzes erfasst auch den un-

erwünschten, aber um des Handlungsziels willen hingenommenen Erfolg 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_789/2020 vom 31. Januar 2022 E. 2.3.6 mit 

Hinweisen). Das Obergericht hat keinen Zweifel daran, dass der 

Beschuldigte hinsichtlich der Ausführung des gemeinsam gefassten Planes 

die Anwendung von Gewalt in Form eines Schlages gegen den Kopf von 

B. ernsthaft für möglich gehalten hat und sich mit diesem zur Erlangung 

des Portemonnaies zur persönlichen Bereicherung zumindest billigend 

abgefunden hat. 

 

 - 13 - 

 

 

Somit ist der Tatbestand des Raubs erfüllt. Es sind keine Rechtfertigungs- 

oder Schuldausschlussgründe ersichtlich, dies insbesondere auch nicht 

gestützt auf einen allfälligen Alkohol- oder Drogenkonsum. Der 

Beschuldigte ist in Mittäterschaft mit C. des Raubs schuldig zu sprechen 

und seine Berufung ist diesbezüglich abzuweisen. 

 

3.  

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich des Raubs (Art. 140 Ziff. 1 StGB, Anklageziffer 

1) und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

(Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Anklageziffer 2, im Zeitraum vom 30. März 2019 bis 

18. November 2020) schuldig gemacht und ist dafür angemessen zu 

bestrafen. 

 

3.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hierfür zu einer bedingten Freiheits-

strafe von 15 Monaten, Probezeit 3 Jahre, sowie einer Busse von Fr. 

200.00, ersatzweise 2 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung – ausgehend vom beantragten 

Freispruch vom Vorwurf des Raubs – den Verzicht auf eine Freiheitsstrafe. 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Anschlussberufung, der Beschuldigte 

sei in Abänderung von Ziff. 2 und 3 des Urteils des Bezirksgerichts Aarau 

vom 30. März 2022 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe zu verurteilen. 

 

Die Höhe der Busse von Fr. 200.00 für die Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz sowie die Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen sind 

im Berufungsverfahren unangefochten geblieben, worauf nicht zurückzu-

kommen ist. 

 

3.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.4. 

Ausgangspunkt für die Bestimmung des Verschuldens ist die Schwere der 

Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 

StGB).  

 

Der Tatbestand des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB schützt sowohl 

das Vermögen als auch die persönliche Freiheit bzw. die Willensfreiheit. In 

der Tatvariante der Anwendung von Gewalt wird auch die körperliche 

Unversehrtheit geschützt. Es handelt sich dabei um (teilweise) hoch-

stehende Rechtsgüter. Der Beschuldigte hat B. das Portemonnaie 

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 - 14 - 

 

 

entrissen, wobei der Mittäter C. diesem gegen die rechte Kopfseite 

geschlagen hat, damit er das Portemonnaie loslässt. Die Gewalt-

anwendung ist nicht über die Erfüllung des Raubtatbestands bzw. das zur 

Verwirklichung des Taterfolgs Notwendige hinausgegangen. B. hat rein 

körperlich keine nennenswerten Folgen des Raubs bzw. Schlags 

davongetragen, obwohl die Intensität des Schlags nicht nur geringfügig war 

und gegen eine empfindliche Körperstelle erfolgt ist. Der Raub und die 

damit einhergehende Beeinträchtigung der Willensfreiheit haben auch nicht 

sehr lange angedauert. Gleichwohl war die Gewaltanwendung geeignet, 

das Sicherheitsgefühl von B. nachhaltig zu beeinträchtigen, was auch der 

Täterschaft bewusst gewesen sein muss. Es leuchtet ohne weiteres ein, 

dass eine solche Tat nicht folgenlos an einem Taxifahrer vorbeigeht, was 

auch vorliegend gilt. B. beschrieb sein Sicherheitsgefühl bei seiner Arbeit 

als Taxifahrer seit dem Vorfall als beeinträchtigt, und hat nun, wie von ihm 

anlässlich der Berufungsverhandlung glaubhaft ausgeführt, hauptsächlich 

aufgrund des Vorfalls auch seinen Beruf gewechselt, was für eine 

erhebliche Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls und Einschränkung 

der persönlichen Freiheit spricht. Der Deliktsbetrag beträgt Fr. 890.00, der 

Beschuldigte und C. konnten jedoch nicht wissen, wie viel Geld sich in dem 

Portemonnaie befinden würde und haben einen möglichst hohen Betrag 

angestrebt. Der üblicherweise zu erwartende Betrag in einem Porte-

monnaie eines Taxifahrers dürfte erwartungsgemäss jedoch nicht 

wesentlich über dem vorliegend erbeuteten Betrag liegen. Der rein 

monetäre Taterfolg ist jedoch nicht zu bagatellisieren, dies auch im 

Vergleich zum damaligen monatlichen Nettoeinkommen von ungefähr 

Fr. 2'800.00 bis Fr. 3'500.00 von B. (Protokoll Berufungsverhandlung S. 6 

f.). Die Verletzung der geschützten Rechtsgüter ist damit insgesamt als 

nicht mehr leicht bis mittelschwer zu qualifizieren. 

 

Zur Vorgehensweise des Beschuldigten und der Verwerflichkeit seines 

Handelns ist auszuführen, dass er bewusst und gezielt mit C. 

zusammengewirkt hat. Die sich daraus ergebende 2-zu-1 Stellung der 

beiden Täter zum Geschädigten ist nicht unerheblich über die blosse 

Erfüllung des Tatbestands hinausgegangen, was sich leicht verschuldens-

erhöhend auswirkt. Der Raub war zwar nicht von langer Hand geplant, die 

Vorgehensweise, B. bewusst anzurufen, ihn hinsichtlich einer Taxifahrt in 

ein Gespräch zu verwickeln und ihn im Hinblick auf das Entwenden des 

Portemonnaies nach Wechselgeld zu fragen, spricht jedoch für ein nicht 

unerhebliches Mass an krimineller Energie. Was den effektiven Tatbeitrag 

des Beschuldigten betrifft, so war dieser keinesfalls von untergeordneter 

Natur, war er es doch, der nach dem Portemonnaie gegriffen hat, es B. 

schliesslich hat entreissen können und damit geflüchtet ist. Entsprechend 

der gemeinsamen Planung und Tatausführung wurde denn auch die Beute 

hälftig geteilt. Die Rollenverteilung wirkt sich insgesamt neutral aus. Leicht 

verschuldensmindernd ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 

hinsichtlich der Gewaltanwendung durch den Mitbeschuldigten nicht mit 

 - 15 - 

 

 

direktem Vorsatz gehandelt hat, sondern diese nur billigend in Kauf 

genommen hat, was unter Verschuldensgesichtspunkten weniger schwer 

wiegt. 

 

Der Beschuldigte hat sodann hinsichtlich der Wegnahme des Porte-

monnaies zwar aus monetären Gründen gehandelt. Das kann jedoch nicht 

verschuldenserhöhend berücksichtigt werden, da monetäre Gründe jedem 

Vermögensdelikt immanent sind und beim Raub bereits durch das 

Tatbestandsmerkmal der unrechtmässigen Bereicherung erfasst werden 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1327/2015 vom 16. März 2016 E. 4.2). 

Leicht verschuldenserhöhend ist hingegen zu berücksichtigen, dass der 

Beschuldigte über ein sehr hohes Mass an Entscheidungsfreiheit verfügt 

hat. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, das Vermögen und die 

Willensfreiheit von B. zu respektieren, desto schwerer wiegt die 

Entscheidung dagegen (BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). Es ist nicht ersichtlich, 

dass der Beschuldigte unter dem starken Druck seines Kollegen oder aus 

einer subjektiv aussichtlos empfundenen Lage heraus gehandelt hätte. Er 

konnte denn auch keinen nachvollziehbaren Grund nennen, wieso er Geld 

gebraucht hätte, stattdessen sei ein Teil des Geldes nachträglich in einem 

Club ausgegeben worden. Seine Entscheidungsfreiheit war auch nicht 

massgeblich durch den Konsum von Alkohol oder Marihuana ein-

geschränkt, was das planmässige Vorgehen und die erfolgreiche Tat-

begehung offenbaren.  

 

Insgesamt ist das Verschulden des Beschuldigten in Bezug auf den Raub 

unter Berücksichtigung des weiten Strafrahmens von sechs Monaten bis 

zu 10 Jahren Freiheitsstrafe und der ganzen Bandbreite von Sachverhalten 

und Vorgehensweisen, die vom Tatbestand erfasst werden, als nicht mehr 

leicht bis mittelschwer einzustufen, wofür eine Freiheitsstrafe von 18 

Monaten angemessen erscheint. 

 

3.5. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ist festzuhalten, dass der heute 23 Jahre 

alte Beschuldigte zwei Einträge im Strafregister hat (aktueller Straf-

registerauszug). Er wurde mit Urteil des Jugendgerichts des Kantons 

Solothurn vom 24. April 2013 wegen sexueller Handlungen mit einem Kind 

verurteilt, wobei es sich um einen Vorfall im Juli 2011 gehandelt hat; der 

Beschuldigte war damals 12 Jahre alt. Dabei ist auf eine Strafe verzichtet 

und eine ambulante Behandlung nach Art. 14 JStG mit einer offenen 

Unterbringung nach Art. 15 Abs. 1 JStG angeordnet worden, welche am 7. 

August 2018 aufgehoben worden ist. Weiter wurde er mit Urteil der 

Jugendanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 2. Dezember 2015 wegen 

Sachbeschädigung, Beschimpfung, Gewalt oder Drohung gegen Behörden 

oder Beamte, Benützung eines Fahrzeugs ohne Fahrausweis i.S. des 

Personenbeförderungsgesetzes (mehrfache Begehung), Übertretung nach 

 - 16 - 

 

 

Art. 19a des Betäubungsmittelgesetzes, Drohung, und geringfügigen 

Diebstahls zu einem bedingten Freiheitsentzug von 4 Wochen verurteilt, 

wobei die Probezeit auf 1 Jahr festgelegt worden ist. Der Deliktszeitraum 

lag hierbei zwischen dem 20. Januar 2015 und 7. November 2015 (UA act. 

30), wobei der Beschuldigte damals 16 Jahre alt war. Diese Vorstrafe ist 

teilweise einschlägig zum Raub, insbesondere wurden durch den gering-

fügigen Diebstahl sowie im weiteren Sinne die Sachbeschädigung das 

Vermögen beeinträchtigt. Bei der Drohung wurde zudem analog zum Raub 

die innere Freiheit und das Sicherheitsgefühl verletzt. Zudem ergeht 

vorliegend erneut ein Schuldspruch wegen mehrfacher Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG. Bei der 

ausgesprochenen Strafe handelt es sich um eine solche gemäss Jugend-

strafgesetz, die im Vergleich zu Strafen nach dem Erwachsenenstrafrecht 

vergleichsweise gering ausgefallen ist. Die genannten Urteile, 

insbesondere das zweitgenannte, sind damit straferhöhend zu berück-

sichtigen, da der Beschuldigte scheinbar keine genügende Lehre daraus 

gezogen hat, zumal er im Jahr 2020 erneut delinquiert hat (BGE 136 IV 1 

E. 2.6.2). Die beiden Vorstrafen dürfen jedoch lediglich leicht straferhöhend 

gewichtet werden. Der Beschuldigte hat die Delikte als Kind bzw. 

Jugendlicher begangen und es ist davon auszugehen, dass er damals in 

seiner Einstellung und seinem Verhalten noch nicht gefestigt war und sich 

in seiner Entwicklung befand, womit diese weniger ins Gewicht fallen 

dürfen. Zwischen diesen Delikten und dem Raub lagen rund fünf Jahre. Die 

am 2. Dezember 2015 ausgesprochene bedingte Strafe musste nicht 

widerrufen werden. Weiter ist zu beachten, dass aus dem täterbezogenen 

Strafzumessungskriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein tatbezogenes 

Kriterium gemacht werden darf. Mithin dürfen die Vorstrafen nach 

Jugendstrafgesetz nicht wie eigenständige Delikte gewürdigt werden (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit 

Hinweisen). 

 

Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist zu sagen, dass 

er ledig und kinderlos ist und alleine in Gemeinde R. in einer Mietwohnung 

lebt. Er hat keine Ausbildung absolviert und ist aktuell nicht berufstätig. 

Aufgrund eines psychischen Gebrechens hat er am 18. März 2023 die 

schriftliche Zusicherung einer IV-Rente erhalten, womit seine finanzielle 

Situation vorerst (zumindest teilweise) gesichert erscheint; neben der 

vollen IV-Rente von monatlich Fr. 1'663.00 erhält er Sozialhilfe von rund Fr. 

670.00 (siehe Beilagen Protokoll Berufungsverhandlung). Die genaue 

Diagnose bzw. die psychische Erkrankung des Beschuldigten ist dem 

Gericht nicht bekannt. Den Cannabis-Konsum hat er gemäss eigenen 

Angaben eingestellt (GA act. 171 ff., Protokoll Berufungsverhandlung S. 7 

ff.). Relevante, sich auf die Strafhöhe auswirkende Täterkomponenten sind 

dabei nicht ersichtlich. Insbesondere erscheint seine Strafempfindlichkeit 

nicht überdurchschnittlich. Die Rechtsprechung des Bundesgerichts hat 

 - 17 - 

 

 

wiederholt betont, dass eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei ausser-

gewöhnlichen Umständen zu bejahen ist (statt vieler: Urteil des Bundes-

gerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen). Solche 

liegen hier nicht vor. Leicht strafmindernd ist einzig die schwierige Kindheit 

des Beschuldigten zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_603/2018 vom 7. Juni 2019 E. 3.3.3 mit Hinweis), er kam als 5-jähriger 

aus Nigeria in die Schweiz und hat seine Kindheit überwiegend in diversen 

Kinderheimen verbracht und mit seinen Eltern nur sporadischen Kontakt 

gehabt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 8). 

 

Seit der Tat vom 23. August 2020, somit seit knapp drei Jahren, hat sich 

der Beschuldigte soweit ersichtlich wohlverhalten. Ein Wohlverhalten nach 

der Tat stellt allerdings keine besondere Leistung dar und wirkt sich 

deshalb neutral aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_87/2010 vom 

17. Mai 2010 E. 5.4). Der Umstand, dass der Beschuldigte die Tat zunächst 

geleugnet hat und erst nach der Aussage von C. teilweise eingeräumt hat, 

kann weder strafmindernd noch strafschärfend berücksichtigt werden, sein 

teilweises Geständnis hat die Strafverfolgung nicht wesentlich erleichtert.  

 

Insgesamt halten sich die positiven und negativen Faktoren in etwa die 

Waage, womit sich die Täterkomponente insgesamt neutral auswirkt. 

 

3.6. 

Zusammenfassend erscheint dem Obergericht eine Freiheitsstrafe von 

18 Monaten in Anbetracht des gerade noch leichten Verschuldens und den 

persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten als angemessen. 

 

3.7. 

Mit der Vorinstanz ist die ausgesprochene Freiheitsstrafe aus folgenden 

Gründen bedingt auszusprechen: 

 

3.7.1. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe 

von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe 

nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer 

Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Der 

Beschuldigte ist vorliegend zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu 

verurteilen, ein Aufschub des Vollzugs ist aufgrund des Strafmasses 

folglich möglich.  

 

In die Beurteilung mit einzubeziehen sind neben den Tatumständen auch 

das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige 

Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner 

Bewährung zulassen. Für die Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein 

Gesamtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich. Relevante Faktoren sind 

 - 18 - 

 

 

etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie und Arbeits-

verhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtgefähr-

dungen usw. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt 

des Entscheides mit einzubeziehen. Es ist unzulässig, einzelnen Um-

ständen eine vorrangige Bedeutung beizumessen und andere zu vernach-

lässigen oder überhaupt ausser Acht zu lassen (BGE 134 IV 1 E. 4.2.1). 

Der Strafaufschub ist die Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger 

Prognose abgewichen werden darf. Er hat im breiten Mittelfeld der 

Ungewissheit den Vorrang (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2). Vorliegend wurde der 

Beschuldigte innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat auch zu keiner 

bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten 

verurteilt, womit die Besonderheit in der Prognosebildung gemäss Art. 42 

Abs. 2 StGB nicht zur Anwendung gelangt.  

 

3.7.2. 

Zur Legalprognose des Beschuldigten ist das Folgende auszuführen: Wie 

erwähnt sind aus der Vergangenheit zwei Strafverfahren nach Jugend-

strafrecht bekannt (siehe dazu oben). Im ersten Urteil des Jugendgerichts 

des Kantons Solothurn vom 24. April 2013 ging es um einen einmaligen 

Vorfall im Juli 2011, bei dem es jedoch zu relativ schwerwiegenden 

sexuellen Handlungen, nämlich einem kurzen Eindringen des 12-jährigen 

Beschuldigten mit dem Penis in den After seiner 5-jährigen Schwester, 

gekommen ist. Es wurde im Urteil festgestellt, dass seine Steuerungs-

fähigkeit und damit Schuldfähigkeit mittelgradig beeinträchtigt gewesen sei, 

er unter der Tat leide und das Opfer (bisher) keine schweren Tatfolgen 

davongetragen habe (UA act. 6 ff.), weshalb keine Strafe, sondern eine 

ambulante Behandlung mit einer offenen Unterbringung angeordnet 

worden ist. Im Entscheid der Jugendanwaltschaft des Kantons Solothurn 

vom 2. Dezember 2015 ging es um verschiedene Vorwürfe, bei deren 

Begehung der Beschuldigte 16 Jahre alt war, es wurde ein bedingter 

Freiheitsentzug von 4 Wochen angeordnet. Nach dem Entscheid vom 2. 

Dezember 2015 hat sich der Beschuldigte weiter fast 5 Jahre lang wohl 

verhalten und ist am 23. August 2020 – neben dem mehrfachen Konsum 

von Marihuana – einmalig erneut strafrechtlich in Erscheinung getreten, 

wobei es sich um den ersten Vorfall nach Erwachsenenstrafrecht gehandelt 

hat. Seither hat er sich wiederum seit knapp 3 Jahren wohlverhalten. 

 

Die aktuellen persönlichen Umstände des Beschuldigten sehen so aus, 

dass er keine Lehre absolviert hat und nicht berufstätig ist. Seine zwischen-

zeitliche Tätigkeit bei der F. Genossenschaft. in Gemeinde S., also einer 

Institution zur beruflichen und sozialen Eingliederung von Menschen mit 

einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, hat er mittlerweile beendet. 

Gemäss dem Schreiben zur Zusprechung einer IV-Rente (Beilage Protokoll 

Berufungsverhandlung) hat es sich dabei um eine erneute berufliche 

Abklärung gehandelt, wobei sich jedoch diverse Einschränkungen gezeigt 

hätten, sodass die Abklärung abgebrochen und die Rentenprüfung 

 - 19 - 

 

 

eingeleitet worden sei. In ihrem Schreiben kommt die IV-Stelle Solothurn 

zum Schluss, dass es dem Beschuldigten aus gesundheitlichen Gründen 

aktuell nicht möglich sei, eine Ausbildung oder Erwerbstätigkeit auf-

zunehmen. Dies hat auch der Beschuldigte selbst anlässlich der 

Berufungsverhandlung so angegeben. Anstrengungen zur Absolvierung 

einer Ausbildung unternimmt er aktuell nicht, obwohl dies noch immer sein 

Wunsch sei. Er lebt von einer IV-Rente, daneben bezieht er Sozialhilfe 

(siehe oben). Er hat Schulden, zu deren Höhe er keine Angaben machen 

konnte. Seine sozialen Kontakte sind überschaubar und bestehen 

insbesondere aus den sporadischen telefonischen Kontakten zur Mutter, 

die nicht mehr in der Schweiz lebe; zum Vater bestehe kein Kontakt. Den 

Kontakt zu seinem früheren besten Kollegen, C., habe er gemäss eigenen 

Angaben eingestellt. Dem Beschuldigten wurde eine Beiständin bestellt, 

welche ihm bei allfälligen Problemen helfe und mit der er in regelmässigem 

Kontakt stehe. Zudem verbringe er den Donnerstag häufig in einem 

sogenannten Treffpunkt, wo er sich selbst mit diversen Aktivitäten 

beschäftigen könne. Dies ist ihm offenbar empfohlen oder angeordnet 

worden (Protokoll Berufungsverhandlung S. 9). An den übrigen Tagen sei 

er zu Hause. Anlässlich der Berufungsverhandlung konnte er keine 

Tagesstruktur beschreiben. Er hat gemäss eigenen Angaben seinen 

Cannabis-Konsum eingestellt und führte dazu aus, dass dieser nicht gut für 

seinen Gesundheitszustand gewesen sei. An Alkohol und Drogen sei er 

momentan nicht interessiert (GA act. 171 ff., Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 7 ff.).  

 

Bei der Würdigung der genannten Faktoren ist einerseits zu beachten, dass 

der Beschuldigte bei der Verübung der früheren Delikte noch im Kindes- 

bzw. Jungendalter war. Hinsichtlich der sexuellen Handlungen mit einem 

Kind ist auszuführen, dass diese nicht einschlägig zu den aktuellen Delikten 

sind und im Rahmen der ambulanten Massnahme eine Behandlung und 

Aufarbeitung des Delikts stattgefunden hat, von der eine Verbesserung der 

diesbezüglichen Prognose erwartet werden kann. Dennoch zeigt dieses 

Delikt, dass der Beschuldigte erhebliche Mühe damit bekundet, offen-

sichtliche Grenzen einzuhalten, auch wenn dies einen anders gelagerten 

Bereich betroffen hat. Die zweite Vorstrafe ist zwar einschlägig und deren 

Strafmass, ein bedingter Freiheitsentzug von 4 Wochen, ist im Bereich des 

Jugendstrafrechts nicht zu bagatellisieren. Sie ist für die Prognose negativ 

zu gewichten, dennoch wiegt sie auch nicht besonders schwer. Negativ auf 

die Prognosestellung wirkt sich auch aus, dass sich der Beschuldigte 

anlässlich der erstinstanzlichen Befragung nicht mehr an die Vorstrafe 

gemäss dem Urteil vom 2. Dezember 2015 erinnern konnte (GA act. 172). 

Ebenfalls negativ ist die erneute, nicht harmlose Tatbegehung im Jahr 2020 

zu werten. Die persönlichen Umstände des Beschuldigten lassen – auch 

unter Berücksichtigung der angeblichen Abstinenz von Betäubungsmitteln, 

der eingesetzten Beiständin sowie der zugesprochenen IV-Rente – auf 

keine positiven Entwicklungen schliessen. Der Beschuldigte verfügt über 

 - 20 - 

 

 

keine Tagesstruktur oder Zukunftsperspektiven, er hat kaum stützende 

Sozialkontakte und scheint unangenehme Themen, so auch der anlässlich 

der Berufungsverhandlung gewonnene Eindruck, vornehmlich zu 

verdrängen (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung S. 7 ff.). Nach dem 

Gesagten bestehen nicht unerhebliche Bedenken an der Legalbewährung 

des Beschuldigten und eine günstige Prognose entfällt. Dennoch kann ihm 

unter den vorliegenden Umständen bei einer Gesamtbetrachtung 

insbesondere aus zwei Gründen auch keine Schlechtprognose gestellt 

werden. Einerseits ist davon auszugehen, dass die im vorliegenden 

Verfahren ausgestandene Untersuchungshaft von 37 Tagen dem 

Beschuldigten, der zuvor noch nie in Haft gewesen ist, die möglichen 

Folgen seiner Delinquenz deutlich vor Augen geführt haben und eine 

gewisse Schock- und Warnwirkung auf ihn gehabt haben dürfte. 

Andererseits droht ihm bei der bedingten Aussprache der vorliegenden 

Freiheitsstrafe von 18 Monaten bei einer erneuten Delinquenz zukünftig 

deren Vollzug, wovon eine positive Auswirkung auf seine Legalprognose 

zu erwarten ist. So gab er an, es wäre für ihn schlimm, wenn er ins 

Gefängnis müsste und seine Einstellung habe sich geändert, da er den 

Stress (Anmerkung: eines Strafverfahrens) nicht mehr möchte (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 12). Hierauf deutet auch sein Wohlverhalten seit 

der letzten Tatbegehung hin. 

 

Unter diesen Umständen fehlt es an einer eigentlichen Schlechtprognose. 

Entsprechend ist davon auszugehen, dass eine bedingte Freiheitsstrafe 

eine ausreichende abschreckende Wirkung zeigen wird. Es ist ihm der 

bedingte Strafvollzug für die Freiheitsstrafe zu gewähren. Dem Obergericht 

verbleiben jedoch – auch durch den persönlichen Eindruck, den es an der 

Berufungsverhandlung vom Beschuldigten gewonnen hat – relativ 

erhebliche Bedenken an der Legalbewährung des Beschuldigten. Diesen 

ist mit einer erhöhten Probezeit von 4 Jahren Rechnung zu tragen (Art. 44 

Abs. 1 StGB). 

 

3.8. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 37 Tagen (18. November 2020 

bis 23. Dezember 2020; UA act. 203 ff.) ist gestützt auf Art. 51 StGB auf 

die Freiheitsstrafe anzurechnen.  

 

4. 

4.1. 

Die Parteien tragen die Kosten im Rechtsmittelverfahren nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gut-

geheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). 

 

 - 21 - 

 

 

Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung, mit der er einen Freispruch 

vom Vorwurf des Raubs beantragt hat, vollumfänglich. Die Staatsanwalt-

schaft dringt mit ihrer Anschlussberufung insoweit durch, als die 

Freiheitstrafe auf 18 Monate und die auf Probezeit auf 4 Jahre zu erhöhen 

sind. Hinsichtlich des beantragten unbedingten Strafvollzugs ist sie 

abzuweisen. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich bei einer 

Gewichtung der entsprechenden Anträge dem Beschuldigten die ober-

gerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) zu 3/4 mit 

Fr. 3'000.00 aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

4.2. 

Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten ist für das Berufungs-

verfahren gestützt auf die von ihr anlässlich der Berufungsverhandlung 

eingereichte Kostennote, angepasst an die effektive Dauer der Berufungs-

verhandlung, mit gerundet Fr. 3'235.00 (inkl. Auslagen und Mehrwert-

steuer) aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. 

§ 9 Abs. 1 und 2bis AnwT).  

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten ausgangsgemäss zu 3/4 mit 

gerundet Fr. 2'425.00 zurückzufordern, sobald es seine finanziellen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

5. 

5.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 

auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Nachdem die Berufung des 

Beschuldigten hinsichtlich des Schuldpunkts abzuweisen und er im 

erstinstanzlichen Verfahren grösstenteils schuldig gesprochen worden ist, 

ist die vorinstanzliche Kostenverlegung nach wie vor korrekt. Die 

Verfahrenseinstellung bezüglich des Vorwurfs der mehrfachen Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz für den Zeitraum vom 24. 

September 2018 bis 29. März 2019 rechtfertigt eine bloss teilweise 

Auferlegung der Verfahrenskosten nicht. Denn einerseits handelt es sich 

um einen vergleichsweise untergeordneten Punkt, andererseits standen 

diese Handlungen in einem engen Zusammenhang mit den mehrfachen 

Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz für den Zeitraum 

vom 30. März 2019 bis 18. November 2020, für welche ein Schuldspruch 

erfolgt (Urteil des Bundesgerichts 6B_580/2019 vom 8. August 2019 E. 2.2 

mit Hinweisen). Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'227.00 

(inkl. Anklagegebühr von Fr. 2'100.00) sind ihm demnach vollumfänglich 

aufzuerlegen. 

 

 - 22 - 

 

 

5.2. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren zu-

gesprochene Entschädigung ist mit Berufung nicht angefochten worden, 

weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen 

werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 

2019).  

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine finanziellen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).  

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Strafverfahren wird bezüglich des Vorwurfs der mehrfachen 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 

BetmG (Anklageziffer 2, für den Zeitraum vom 24. September 2018 bis 29. 

März 2019) eingestellt. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB (Anklageziffer 1); 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Anklageziffer 2, für den Zeitraum vom 

30. März 2019 bis 18. November 2020) [in Rechtskraft erwachsen]. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 40 

StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten, Probezeit 4 Jahre,  

 

und zu einer Busse von Fr. 200.00, ersatzweise 2 Tage Freiheitsstrafe,  

 

verurteilt. 

 

 - 23 - 

 

 

3.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 37 Tagen (18. November 2020 

bis 23. Dezember 2020) wird dem Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe 

angerechnet.  

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Folgende beschlagnahmten Drogen werden eingezogen: 

- 17.1 Gramm Marihuana (rückgewogen 16.4 Gramm [UA act. 1527]; 

Polizeikommando/Betäubungsmittelgruppe) 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

5. 

5.1. 

Die auf das Berufungsverfahren des Beschuldigten entfallenden 

obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu 3/4 mit Fr. 3'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 3'235.00 auszubezahlen. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 3/4 mit Fr. 2'425.00 

zurückgefordert, sobald es seine finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'227.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'100.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

6.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 9'045.20 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

  

 - 24 - 

 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 22. Juni 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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