# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9ef10eeb-9f6c-59d3-b704-e42dc48bab47
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-06
**Language:** de
**Title:** Denkmalpflege. Kino Sternen, Zürich - Oerlikon.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0146/2015
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nr._0146-2015_vom_6._november_2015v.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE I Nr. 

R1S.2015.05058 
0146/2015 

Entscheid vom 6. November 2015 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Bruno  Grossmann,  Baurichter  Walter  Baumann,  Bau-
richter Jürg Trachsel, Gerichtsschreiber Marcus Schmutz     

in Sachen 

Rekurrentin 

X. AG, [….]  

gegen 

Rekursgegner 

Stadtrat von Zürich, Stadthausquai 17, 8022 Zürich  

betreffend 

Beschluss  des  Stadtrates  von  Zürich  vom  1.  April  2015;  Unterschutzstel-
lung  des  Gebäudes  Kino  "Sternen",  Kat.-Nr.  OE4476,  Franklinstrasse 9, 
Zürich 11 - Oerlikon 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 1. April 2015 stellte der Stadtrat von Zürich das Gebäu-

de  Assek.-Nr.  27200804  auf  dem  Grundstück  Kat.-Nr.  OE4476  an  der 

Franklinstrasse 9 in Zürich-Oerlikon (Kino Sternen) unter Denkmalschutz. 

B. 

Hiergegen gelangte die X. AG mit Eingabe vom 11. Mai 2015 an das Bau-

rekursgericht des Kantons Zürich und beantrage die Aufhebung des ange-

fochtenen Beschlusses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten 

der Vorinstanz. 

C. 

Mit  Verfügung  vom  13.  Mai  2015  wurde  vom  Eingang  des  Rekurses  Vor-

merk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Mit  Eingabe  vom  10.  Juli  2015  erstattete  die  Vorinstanz  ihre  Vernehmlas-

sung mit dem Antrag, der Rekurs sei unter Kosten- und Entschädigungsfol-

gen zu Lasten der Rekurrentin abzuweisen.  

E. 

Der  zweite  Schriftenwechsel  wurde  mit  der  vorinstanzlichen  Duplik  vom 

24. August  2015  abgeschlossen,  alles  unter  Aufrechterhaltung  der gestell-

ten Anträge.  

F. 

Am  1.  September  2015  führte  die  1.  Abteilung  des  Baurekursgerichts  im 

Beisein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch. 

G. 

Auf die Parteivorbringen und die Ergebnisse des Lokaltermins wird, soweit 
es die Begründung des Entscheides erfordert, in den nachfolgenden Erwä-
gungen Bezug genommen. 

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Es kommt in Betracht: 

1. 

Als  Adressatin  des  Beschlusses  über  die  Unterschutzstellung  bzw.  als  Ei-

gentümerin der unter Schutz gestellten Liegenschaft ist die Rekurrentin oh-

ne  weiteres  rekurslegitimiert  (§  338a  PBG).  Auch  die  übrigen  Prozessvo-

raussetzungen sind erfüllt. Mithin ist auf den Rekurs einzutreten. 

2. 

Der Schutzentscheid wurde ausgelöst durch das Provokationsbegehren der 

nachmaligen Rekurrentin vom 22. April 2013. Zurzeit dient das Kinogebäu-

de dem Betrieb eines Sexkinos, das nach der Darstellung der Rekurrentin 
im Provokationsbegehren seit geraumer Zeit defizitär ist; der Betrieb soll in 

absehbarer  Zeit  vollständig  eingestellt  werden.  Die  Rekurrentin  plant,  das 

Kinogebäude durch ein Wohn- und Geschäftshaus zu ersetzen. Sie ist der 

Auffassung,  beim  fraglichen  Gebäude  handle  es  sich  nicht  um  ein  Denk-

malschutzobjekt. Überdies sei die Unterschutzstellung unverhältnismässig. 

3.1.  

Die  Vorinstanz  hat  den  angefochtenen  Beschluss  einlässlich  begründet. 

Unter dem Titel "Städtebauliche Situation" führt sie an, die Gemeinde Oerli-

kon sei 1934 eingemeindet worden und verdanke ihre Bedeutung dem Bau 

der  Nordostbahn  anno  1885,  was  nordwestlich  des  Bahnhofs  zur  Ansied-

lung  einer  Reihe  von  grossen  Industriebetrieben  wie  der  Maschinenfabrik 

Oerlikon  MFO  (1863),  der Akkumulatorenfabrik  (1895) und der Werkzeug-

maschinenfabrik Bührle (1906) geführt habe. Auf Grund der zugewanderten 

Zahl  an  Fabrikarbeitern  habe  sich  der  Siedlungsschwerpunkt  auf  die  süd-

östliche Seite des Bahnhofs verlagert, wo nach 1880 ein städtisch verdich-

tetes Ortszentrum entstanden sei.  

Vier-  und  fünfgeschossige  Wohn-  und  Geschäftshäuser  in  geschlossener 

Blockrandbebauung hätten ein rechteckig angelegtes Strassenraster gebil-

det, in deren Mitte anno 1927 der Wasenacker zum Marktplatz umgestaltet 

worden  sei.  Mit  den  parallel  zu  den  Höhenkurven  und  den  Ackergrenzen 
des Gubelhangs angelegten Strassenzügen, die spitzwinklig auf die Bahn-

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gleise und die Schaffhauserstrasse träfen, seien die für Oerlikon typischen 

Strassendreiecke  entstanden.  Das  Kino  Sternen  sei  stirnseitig  gegen  die 

sich  platzartig  weitende  Strassenkreuzung  der  Edisonstrasse  und  der 

Franklinstrasse  (vormals  Bahnhofstrasse  und  Centralstrasse)  zu  stehen 

gekommen.  Die  nach  der  Eingemeindung  nötige  Änderung  der  Strassen-

namen erinnere in Anspielung an die lokalen Industriebetriebe der Elektro-

technik  an  die  Erfinder  der  elektrischen  Glühbirne  und  des  Blitzableiters. 

Ein  Umstand,  der  auch  auf  die  Bedeutung  von  Licht  und  Energie  für  das 

Massenmedium  des  Kinos  hinweise,  das  als  Kind  des  Elektrizitätsalters 

gelte.  

Das Kino Sternen habe ein 1893 in Sichtbackstein errichtetes dreigeschos-

siges  Wohnhaus  mit  Ladenlokal,  dessen  Untergeschoss  als  Bade-  und 

Waschanstalt gedient habe, ersetzt. Der zum Schulsteig orientierte ehema-

lige Vorgarten des Vorgängerbaus diene in Verbindung mit dem Restaurant 

im Kinogebäude als Gartenwirtschaft. Der Schulsteig gehöre zur senkrecht 

verlaufenden Fussgängererschliessung des Gubelhangs.  

Der  sanft  ansteigende  Gubelhang  habe  sich  zu  Beginn  des  20.  Jahrhun-

derts  zu  einem  locker  überbauten  Villenquartier  mit  grosszügigen  Grün-

räumen  entwickelt.  Gleichzeitig  vermittle  der  Hügel  mit  seinen  zahlreichen 

Repräsentationsbauten  wie  der  reformierten  Kirche  (1906  -  1908),  dem 

Gemeindehaus  (1909  -  1911),  den  Schulhäusern  Halde  A  und  B  (1874, 

1894),  Gubel  A  und  B  (1904/1910  und  1932)  und  Liguster  A  (1924)  den 

Repräsentationsanspruch  der  florierenden  Industriestadt  Oerlikon,  die  mit 

einer  fortschrittlichen  Planung  die  städtebauliche  Entwicklung  zu  steuern 

verstanden habe. Alle Gebäude seien im Inventar der kunst- und kulturhis-

torischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung aufgeführt.  

Zu  Beginn  des  20.  Jahrhunderts  habe  die  Gemeinde  Oerlikon  auf  einem 

rückseitig  an  das  Kino  Sternen  angrenzenden  Grundstück  an  der  Baum-

ackerstrasse  20  ein  Doppelwohnhaus  mit  Arbeiterwohnungen  (1912),  das 

als frühes Beispiel des kommunalen Wohnungsbaus in einer Zürcher Vor-

ortsgemeinde  gelte,  erstellt.  Das  kommunale  Feuerwehrgebäude  an  der 

Baumackerstrasse 18 sei anno 1913 in die unmittelbare Nachbarschaft zu 

stehen  gekommen.  Beide  Gebäude  seien  vom  Architekten  Anton 

F. Scotoni-Eichmüller  entworfen  worden.  Das  von  Karl  Scheer  erbaute 

Volkshaus  Baumacker  (1928  -  1930)  auf  der  gegenüberliegenden  Stras-
senseite  an  der  Baumackerstrasse  15  ergänze  mit  dem  als  Gegenstück 

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zum urbanen Marktplatz konzipierten Park dieses architektonisch hochwer-

tige  städtebauliche  Ensemble.  Alle  Gebäude  seien  im  Inventar  der  kunst- 

und  kulturhistorischen  Schutzobjekte  von  kommunaler  Bedeutung  aufge-

führt.  

3.2. 

Unter  dem  Titel  "Baugeschichte/Baubeschreibung"  wird  im  angefochtenen 

Beschluss ausgeführt, das Kino Sternen sei 1949/50 durch den Architekten 

Werner  Stücheli  als  eine  der  wenigen  freistehenden  Kinozweckbauten  in 

der  Stadt  Zürich  erstellt  worden.  Auf  Grund  der  klein  bemessenen  Grund-

stücksfläche  habe  Stücheli  den  Kinosaal  im  Obergeschoss  angeordnet. 

Leinwandnische  und  Projektionskabine  träten  jeweils  stirnseitig  als  eigen-

ständige Bauelemente aus der Fassadenflucht hervor, so dass das Medium 

des Films mit den benötigten technischen Apparaturen formal ablesbar sei. 
Das zurückversetzte Erdgeschoss ergebe einen auf Eisenbetonstützen ru-

henden  Baukörper,  der  Raum  für  einen  überdachten  Vorplatz  biete.  Die 

verglaste Sockelzone erzeuge eine Transparenz, die einen reizvollen Kon-

trast  zum  muralen  Kinosaal  schaffe.  Die  innere  Raumabfolge  aus  Wind-

fang, Kassenhalle, Foyer und Garderobe sei aus den betrieblichen Anforde-

rungen eines Kinozweckbaus heraus entwickelt worden. Mit der nachträgli-

chen  Erweiterung  des  ehemaligen  Tea-Rooms  sei  der  Haupteingang  aus 

der Mittelachse verschoben worden.  

Die bezüglich Raumakustik wenig vorteilhafte Rechteckform sei das Resul-

tat  einer  optimalen  Ausnutzung  der  Grundstücksfläche.  Diesem  Nachteil 

habe  Stücheli  mit  leicht  geneigten  Wandschalen  und  einer  Wölbung  von 

Fussboden  und  Decke  entgegengewirkt.  Die  beidseitig  verlaufenden 

Fluchtbalkone nähmen die Wölbung des Fussbodens auf. Das flach anstei-

gende Satteldach trete optisch kaum in Erscheinung und werde von aussen 

als weit auskragendes Flachdach wahrgenommen. Das Kino Sternen gehö-

re  in  eine  Reihe  von  kommerziellen  Bauten  der  sich  in  Zürich-Oerlikon  zu 

Beginn des 20. Jahrhunderts etablierenden Freizeit- und Unterhaltungskul-

tur  der  1950er-Jahre.  Mit  dem  im  Jahre  1911  im  Hof  einer  Blockrandbe-

bauung errichteten früheren Kino Colosseum an der Welchogasse 6 könne 

Oerlikon  zwei  hervorragende  Vertreter  der Kinoarchitektur  vorweisen.  Das 

Kino Sternen werde in verschiedenen (im Einzelnen aufgeführten) Publika-

tionen erwähnt.  

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3.3. 

Unter  dem  Titel  "Begründung"  (der  Schutzmassnahme)  ist  dem  angefoch-

tenen Beschluss schliesslich zu entnehmen, der Verzweigungsbereich von 

Franklin-  und  Edisonstrasse  besitze  mit  den  für  Oerlikon  typischen  Stras-

sendreiecken  eine  hohe  städtebauliche  Bedeutung.  Das freistehende  Kino 

Sternen  füge  sich  in  den  von  dreigeschossigen  Solitärbauten  geprägten 

Strassenabschnitt  der  Franklinstrasse  ein.  Mit  der  auskragenden  Lein-

wandnische  des  Kinos  Sternen  habe  Stücheli  auf  die  spitzwinklige  Stras-

senverzweigung mit der vorgelagerten Platzsituation reagiert. Aus der Stra-

tegie,  den  Film  mit  der  plastischen  Behandlung  des  Baukörpers  im  Stadt-

bild  zu  verankern,  resultiere  im  Brennpunkt  der  Strassenverzweigung  von 

Franklinstrasse und Edisonstrasse ein städtebaulich markanter Ort, der die 

einheitlichen Fassadenfluchten durchbreche und den Strassenraum als op-

tischen Blickfang für das Massenmedium des Kinos dynamisiere. Der Film 

als  Produkt  der  Unterhaltungskultur  ziehe  die  Blicke  der  vorbeieilenden 

Passanten auf sich und werde architektonisch als "Schauplatz des Filmge-

schehens"  zum  Stadtbild  prägenden  Faktor.  Das  Kino  Sternen  sei  neben 

dem 1911 erbauten Kino Colosseum (1987 unter Schutz gestellt) eine der 

wenigen gut erhaltenen, freistehenden Kinozweckbauten in Stadt und Kan-

ton Zürich.  

In  Abweichung  von  den  baurechtlichen  Bestimmungen  der  kantonalen  Ki-

noverordnung von 1916 sei der Zuschauerraum im Obergeschoss unterge-

bracht  worden,  was  1950 

im  Kanton  Zürich  und  vermutlich  auch 

schweizweit  ein  Novum  dargestellt  habe.  Der  Ersatz  des  hochbrennbaren 

Nitrocellulose-Films durch einen Sicherheitsfilm nach dem 2. Weltkrieg sei 

Voraussetzung  für  diese  Ausnahmebewilligung  gewesen.  Die  als  Pendent 

zur Leinwandnische mit einer separaten Fluchttreppe konzipierte rückseiti-

ge  Projektionskabine  verdanke  ihre  Typologie  der  restriktiven  Kinoverord-

nung von 1916, die einen separaten Fluchtweg für den Filmoperateur zwin-

gend  vorgeschrieben  habe.  Die  entlang  der  Längsfassaden  verlaufenden 

Fluchtbalkone nähmen die Wölbung des Fussbodens im Kinosaal auf. Ob-

schon die innere Raumfolge aus Windfang, Kassenhalle, Foyer und Garde-

robe im Erdgeschoss konventionell sei, habe die Typologie des Kinos Ster-

nen  in  der  Schweizer  Kinoarchitektur  keine  Nachahmung  gefunden.  Die 

eingezogene  Arkade  des  Kinos  Sternen,  die  von  Stücheli  beim  Gastrono-
mie- und Geschäftshaus Clipper (1949 - 51) wieder aufgenommen worden 
sei, stehe in der Nachfolge des von Otto Rudolf von Salvisberg 1939/40 er-

richteten  Bleicherhofs,  der  als  Prototyp  der  Geschäftshausarchitektur  der 

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Nachkriegszeit gelte. Im Kontext der Kinoarchitektur biete die Arkadenreihe 

im  Erdgeschoss  einen  witterungsgeschützten  Aufenthaltsort  gegen  den 

Strassenraum,  wie  er  bereits  beim  1928  erstellten  Kino  Apollo  an  der 

Stauffacherstrasse 41 in Zürich (1988 abgebrochen) zur Verfügung gestan-

den habe.  

Während das  als avantgardistisches  Gesamtkunstwerk geltende Kino  Stu-

dio 4 (1948/49) von Werner Frey und Roman Clemens als optisches Kabi-

nett konzipiert sei, sei die Fassade des Kinos Sternen in baukünstlerischer 

Hinsicht als ein komplexes, auf die Kinokultur verweisendes Symbolsystem 

instrumentiert.  Das  Konzept  des  mit  Leinwandnische,  Fluchtbalkonen  und 

Projektionskabine  in  den  Aussenraum  expandierenden  Kinosaals  gelte  in 

architektonischer Hinsicht als singuläre Lösung. Die Architektur visualisiere 

das  Geschehen  im  Innern  der  Kino-Black-Box,  so  dass  das  Begriffspaar 

"Kino  und  Film"  als  Abspielort  und  Schauplatz  einer  Geschichte  an  der 

Fassade  ablesbar  und  durch  die  Verkleidung  mit  Kunststeinplatten  nobili-

tiert  werde.  Das  Fugenbild  der  Kunststeinplatten-Verkleidung  sei  als  An-

spielung auf den fotographischen Film einer Kamera zu verstehen, der be-

liebige  Reihen  von  Einzelbildern  aufzeichne,  die  mit  einem  Filmprojektor 

vorgeführt werden könnten. Es handle sich dabei um ein Motiv, das in der 

Kinoarchitektur  seit  den  1920er-Jahren  in  unterschiedlicher  Ausprägung 

aufgegriffen werde. 

Mit der zweiten Blüte der Kinokultur in der Nachkriegszeit habe die Typolo-

gie des freistehenden Kinozweckbaus in den Aussenquartieren und in den 

Agglomerationsgemeinden  der  Stadt  Zürich  an  Bedeutung  gewonnen.  Die 

sozial-  und  kulturgeschichtliche  Bedeutung  des  Kinos  Sternen  habe  mit 

dem  wirtschaftlichen  Take-off  in  die  Nachkriegszeit  und  der  Anerkennung 

des Films als Kunstform zu tun, der in den Jahrzehnten zuvor auf Grund ri-

gider  Moralvorstellungen  als  "Kulturschande"  diskreditiert  worden  sei.  Mit 

den  neu  gewonnenen  Konsumfreiheiten  habe  sich  die  restriktive  Anwen-

dung der Kinoverordnung von 1916 gelockert, wovon die Ausnahmebewilli-

gung  für  einen  im  Obergeschoss  situierten  Kinosaal  zeuge.  Die  heute 

selbstverständliche  Verbindung  von  Kino  und  Gastronomie,  die  im  Kino 

Sternen unter einem Dach vereint seien, knüpfe in kinohistoriographischer 

Hinsicht  an  die  Pionierphase  der  Kinokultur  an.  Die  Kinobauten  der 

1950er-Jahre hätten sich mit angegliedertem Restaurant, Bar und Dancing 

zu  innerstädtischen  Vergnügungszentren  entwickelt.  Ausserhalb  von  Aus-
sersihl und Innenstadt weise der Industrieort Oerlikon um 1950 die höchste 

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Kinodichte auf. Das Kino Sternen gehöre deshalb auch in den Kontext einer 

Freizeit-,  Sport-  und  Vergnügungskultur.  Mit  dem  Hallenstadion,  der  Mes-

sehalle,  dem  Stadthof  11  und  der  offenen  Rennbahn  habe  sich  das  städ-

tisch  geprägte  Oerlikon  den  Ruf  eines  über  die  Stadtgrenzen  hinaus  be-

kannten  "Trendsetter"  der  populären  Massenkultur  erworben.  Im  Kontext 

der Kinokultur der Nachkriegszeit manifestiere das als Vorstadt- und Quar-

tierkino  konzipierte  Kino  Sternen  die  Bedeutung  des  Films  als  kulturelle 

Ausdrucksform, die allen sozialen Schichten des Quartiers ein kostengüns-

tiges Angebot an Kultur, Bildung und Unterhaltung bereitgestellt habe.  

Das  1949/50  erbaute  Kino  Sternen  sei,  so  die  Vorinstanz  abschliessend, 

gemäss § 203 Abs. 1 lit. c PBG ein wichtiger Zeuge der Kinoarchitektur der 

Nachkriegszeit. Auf Grund der städtebaulichen, typologischen, baukünstle-

rischen  sowie  sozial-  und  kulturhistorischen  Bedeutung  dieses  Bauwerks 

des für Zürich prägenden Architekten Werner Stücheli sei das Kino Sternen 

unter Schutz zu stellen. 

4. 

Gestützt  auf  diese  Begründung  sowie  die  Begründung  betreffend  die  Ver-

hältnismässigkeit  der  Schutzmassnahme  (hierzu  nachstehend  Erwägung 

Ziffer 11) hat die Vorinstanz folgende Teile des Gebäudes unter Schutz ge-

stellt und folgende bauliche Veränderungsmöglichkeiten eröffnet:  

Am  Gebäudeäusseren  die  Gebäudehülle  mit  Fassadenverputz  und  Kunst-

steinplatten-Verkleidung  der  Leinwandnische;  die  frei  stehenden  und  seit-

lich verkleideten Eisenbetonstützen der Arkaden im Erdgeschoss; die origi-

nal erhaltenen Fenster- und Türöffnungen mit den Steingewänden in allen 

Geschossen;  die  Fenstergitter;  die  Fluchtbalkone  mit  den  Brüstungen  und 

Fluchttreppen;  die  Projektionskabine  mitsamt  der  original  erhaltenen  Türe 

samt  Steingewände,  die  Fluchttreppe  mit  Geländer  und  der  integrierten 

Aussenbeleuchtung;  die  original  erhaltene  Türe  im  Untergeschoss  an  der 

Westfassade;  die  Dachuntersichten  des  Flugdaches  und  die  Ziegeleinde-

ckung  des Satteldaches;  die original erhaltene  Plakatvitrine  beim heutigen 

Kinoeingang links.  

Die  Verglasung  der  sechs  Fluchttüren  und  zusätzliche  Fensteröffnung  für 

die Belichtung einer allfälligen Galerie sind bei sorgfältiger Gestaltung und 

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guter Einpassung in die Längsfassaden in Absprache mit der Denkmalpfle-

ge möglich.  

Im Gebäudeinnern hat die Vorinstanz unter Schutz gestellt: Die Primärkon-

struktion  aus  Eisenbeton  und  Mauerwerk  mit  sämtlichen  Geschossdecken 

sowie  die  Satteldachkonstruktion;  die  zweiarmige  Haupttreppe  zum  Zu-

schauerraum;  die  original  erhaltene  Bodenfläche  aus  Kunststein  im  Kino-

foyer.  

Der Einzug einer Galerie im Kinosaal ist bei sorgfältiger Gestaltung und gu-

ter räumlicher Einpassung in Absprache mit der Denkmalpflege möglich. 

5.1. 

Die  Rekurrentin bringt  vor, dem  streitbetroffenen  Kinogebäude  komme  die 
von  der  Vorinstanz  behauptete  städtebauliche  Bedeutung  nicht  zu.  Das 

Gebäude präge den Platz mit der Verzweigung nicht. Die Behauptung, der 

Architekt  habe  mit  der  Leinwandnische  auf  die  Strassenverzweigung  und 

die Platzsituation reagiert, sei nicht nachvollziehbar. An anderer Stelle wer-

de  behauptet,  die  Leinwandnische  zeige  die  Kinonutzung.  Die  Bedeutung 

der  Nische  werde  somit  konträr  gewürdigt.  Beides  stimme  nicht.  Die  Idee 

des  Architekten  sei  offenkundig  gewesen,  mit  einem  vorspringenden  Ge-

bäudeteil  die  Baulinie  zu  überstellen,  nachdem  der Bauplatz  nach  Ansicht 

der Vorinstanz  ohnehin  zu  klein  gewesen  sei.  Das  Kino  vermittle mangels 

Fenster  und  auf  Grund  der  massiven  Leinwandnische  den  abweisenden 

Eindruck  einer  Lagerhalle.  Dass  es  sich  um  ein  Kino  handle,  werde  sich 

kaum  je  einem  Passanten  erschliessen.  Die  Kunststeinplatten  erinnerten 

eher an technische Elemente als an einen fotografischen Film. Die Namen 

der  Edisonstrasse  und  der  Franklinstrasse  hätten  nichts  mit  dem  Kinoge-

bäude  zu  tun.  Die  Hochwertigkeit  der  Gebäude  am  Gubelhang  sei  nicht 

nachvollziehbar.  Es  liege  kein  Ensemble  vor.  Zwischen  diesen  Gebäuden 

und  dem  Kinogebäude  gebe  es  keinen  Bezug.  Die  Vorinstanz  vermöge 

keine zutreffenden Argumente für die städtebauliche Bedeutung des Kinos 

vorzubringen. Solche gebe es auch nicht. 

Mit Blick auf die typologische und baukünstlerische Bedeutung des Kinoge-

bäudes  macht  die  Rekurrentin  geltend,  dass  das  Kino  ein  Werk  des  Zür-

cher Architekten Werner Stücheli sei, mache es nicht per se schutzwürdig. 
Das  Werk  von  Stücheli  sei  nicht  so  bedeutungsvoll,  dass  jeder  Bau  unter 

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Schutz  zu  stellen  wäre.  Dass  es  sich  beim  streitbetroffenen  Gebäude  um 

eine der wenigen noch erhaltenen Kinozweckbauten handle, mache dieses 

nicht  zu  einem  Schutzobjekt.  Die  verglaste  Sockelzone,  die  innere  Raum-

aufteilung  und  die  Wandschalen  und  Wölbungen  der  Decke  und  des  Bo-

dens  zur  Herstellung  einer  besseren  Akustik  zeugten  zwar  von  einem 

durchdachten  Konzept  des  Architekten.  Auch  hieraus  könne  jedoch  keine 

Schutzwürdigkeit  des  Gebäudes  abgeleitet werden.  Die  Verschiebung  des 

Haupteingangs aus der Mittelachse stelle eine Verfälschung des ursprüng-

lichen  Projekts  dar.  Das  flach  ansteigende  Satteldach  und  die  breiten 

Fluchtbalkone  unterstrichen  den  optischen  Eindruck  einer  Lagerhalle.  Die 

aufblühende Kinokultur der 1950er-Jahre dürfte keine schützenswerte Epo-

che darstellen.  

Unter  dem  Titel  "Historische  Bedeutung"  führt  die  Rekurrentin  schliesslich 

aus, die Vorinstanz gehe selber davon aus, dass das Kino Sternen in sei-

ner äusseren wie inneren Gestaltung aussergewöhnlich konzipiert sei. Eine 

Aussergewöhnlichkeit könne indes als solche kein Schutzobjekt sein. Aus-

sergewöhnliches falle aus der Reihe und sei singulär. Letztlich sei die Bau-

te  aber  nicht  einmal  aussergewöhnlich,  sondern  eine  reine  Zweckbaute. 

Hinsichtlich  der  Kinoarchitektur  sei  sie  nicht  repräsentativ.  Insgesamt  sei 

das Kinogebäude nicht schutzwürdig. Ein öffentliches Interesse an der Un-

terschutzstellung sei zu verneinen. 

5.2. 

Die  Vorinstanz  macht  demgegenüber  geltend,  Architekt  Stücheli  habe  mit 

der Kinobaute sehr wohl auf die besondere städtebauliche Situation an der 

Verzweigung Edisonstrasse / Franklinstrasse reagiert. Die Leinwandnische 

sei  nicht  einer  Laune  des  Architekten  entsprungen,  was  alleine  schon  die 

Tatsache zeige, dass  für die Überschreitung der Baulinie eine Ausnahme-

bewilligung  nötig  gewesen  sei.  Es  spreche  für  die  Qualitäten  des  Kinos 

Sternen,  dass  Stücheli  aus  dem  Studium  der  städtischen  Gegebenheiten 

zu  dieser  Formgebung  gelangt  sei.  Dass  ein  wichtiges  Element  wie  die 

auskragende Leinwandnische nicht nur eine städtebauliche Funktion habe, 

sondern  zugleich  einen  weiteren  Bedeutungszusammenhang  eröffne,  sei 

nicht  Beleg  für  eine  konträre  Würdigung.  Der  Kunsthistoriker  Christoph 
Bignens habe in seiner Dissertation "Kinos – Architektur und Marketing, Ki-
no  als  massenkulturelle  Institution,  Themen  der  Kinoarchitektur,  Zürcher 
Kinos  1900  -  1963",  S. 35,  nachgewiesen,  dass  die  Kinofassade  als  "Ort 

der Begegnung zwischen Filmindustrie und dem Fussgänger auf der Stras-

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se  gilt"  und  auf  Grund  ihrer  besonderen  Gestaltung  zum  Kauf  einer  Ein-

trittskarte motivieren könne und müsse. Genau aus diesem Grund präsen-

tiere sich die Leinwandnische im Unterschied zu den übrigen Fassadenpar-

tien  mit  der  Kunststeinplatten-Verkleidung 

in  einer  andersartigen 

Materialisierung, so dass ihr die Funktion eines Blickfangs zukomme. 

Das  Kino  Sternen  vermittle  nicht  den  Eindruck  einer Lagerhalle.  Lagerhal-

len, von denen in der Stadt Zürich einige als Schutzobjekte eingestuft sei-

en,  verfügten  über  Fenster.  Die  Gebäudetypologie  einer  Lagerhalle  ent-

spreche  nicht  derjenigen  eines  Kinos.  Der  Vergleich  mit  einer  Lagerhalle 

sei  unhaltbar.  Das  Zusammenfallen  der  Strassennamen  "Franklinstrasse" 

und  "Edisonstrasse"  mit  dem  Kino  sei  lediglich  als  schöne  Koinzidenz  zu 

verstehen.  Am  Gubelhang  sei  ein  wertvolles  Ensemble  festzustellen.  Ein 

Ersatz  des  Kinos  Sternen  durch  ein  fünfgeschossiges  Wohn-  und  Ge-

schäftshaus würde dieses Ensemble in hohem Masse beeinträchtigen. Ins-

gesamt  vermöge  die  Rekurrentin  die  städtebauliche  Bedeutung  des  Kinos 

in keiner Weise in Frage zu stellen.  

Das  Kino  Sternen  gehöre  zu  den  bedeutendsten  Werken  des  Architekten 

Stücheli. Es sei ein singulärer Zeuge in der Kinoarchitektur der Nachkriegs-

zeit und das einzige Kinogebäude im Werk Stüchelis, das der Stadtrat als 

schützenswert  erachte.  Beim  Kino  Sternen  handle  es  sich  um  den  einzig 

übrig gebliebenen historischen Zeugen der Kinoarchitektur der Nachkriegs-

zeit,  der als Solitär von  hoher architektonischer Qualität  konzipiert  worden 

sei. Die konstruktiven, funktionalen und gestalterischen Qualitäten zeichne-

ten das Kino Sternen als signifikanten Zeugen der Nachkriegszeit aus. Die 

besondere typologische Bedeutung, welche das Kino Sternen von allen an-

dern  Kinozweckbauten  unterscheide,  sei  darin  begründet,  dass  die  seitli-

chen Fluchtbalkone die gleiche Wölbung wie der Fussboden aufwiesen. Die 

Verschiebung  des  Haupteingangs  aus  der  Mittelachse  im  Jahre  1967  sei 

auf  Grund  einer  früheren  Projektänderung  durch  Stücheli  naheliegend  ge-

wesen.  Die  Kinoblüte  der  Nachkriegszeit  sei  ausgewiesen.  Die  Kinoarchi-

tektur  der  Nachkriegszeit  sei  durch  andere  unter  Schutz  gestellte  Kinoge-

bäude  nicht  hinreichend  bezeugt.  Es  gebe  nur  noch  zwei  solche  Zeugen. 

Das Kino Sternen sei der einzige noch erhaltene Kinozweckbau der Nach-

kriegszeit  in  der  Stadt  Zürich,  der  als  Solitärbau  konzipiert  und  mit  dieser 

Typologie die Boomphase des Vorstadt- und Quartierkinos repräsentiere. 

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Seite 11 

 
 
Ein  Gebäude  bedürfe  nicht  einer  besonderen,  aussergewöhnlichen  oder 

auffälligen  architektonischen  Formgebung,  um  als  Schutzobjekt  zu  gelten. 

Das  treffe  auch  für  die  Baugattung  der  Kinoarchitektur  zu.  Die  negative 

Konnotation  des  Kinos  Sternen  seitens  der  Rekurrentin  basiere  auf  deren 

individuellem ästhetischem Geschmacksempfinden. Damit entziehe sie sich 

den Kriterien von § 203 PBG. Das PBG verzichte generell auf die Verwen-

dung von Attributen wie "schön" oder "hässlich". 

6.1. 

Bei  der  streitbetroffenen  Baute  handelt  es  sich  um  das  1949/50  an  der 

Franklinstrasse  9  errichtete  Gebäude  des  Kinos  Sternen,  projektiert  vom 

Zürcher  Architekten  Werner  Stücheli.  Das  Standortgrundstück  stösst  auf 

der Westseite an den den Gubelhang hinaufführenden Schulsteig an, wel-

cher die Franklinstrasse mit der hinter dem Baugrundstück zuzüglich einer 

weiteren  Bautiefe  verlaufenden  Baumackerstrasse  verbindet.  Gegenüber 

dem  Kinogebäude,  auf  der  andern  Seite  der  Franklinstrasse,  mündet  die 

Edisonstrasse spitzwinklig in die Franklinstrasse ein. 

Das  Gebäude  steht  innerhalb  einer  heterogen  überbauten  Häuserzeile  an 

der Franklinstrasse. Im Osten, also auf der andern Seite des Schulsteiges, 

steht ein sechs oberirdische Geschosse aufweisendes Gebäude mit einem 

Restaurationsbetrieb  im  Erdgeschoss.  Westlich  des  Kinogebäudes  folgen 

zunächst  zwei  zusammengebaute  und  im  Übrigen  freistehende  Gebäude 

älteren  Datums  (wohl  Ende  19.  Jh.)  mit  drei  Vollgeschossen,  das  Erdge-

schoss (Ladengeschoss) modernisiert. Dem folgt ein freistehendes dreige-

schossiges  Einzelgebäude  ebenfalls  älteren  Datums  und  mit  modernisier-

tem  Ladengeschoss.  Abgeschlossen  wird  der  Häuserzug  von  der  fünfge-

schossigen  Kopfbaute  Ecke  Franklinstrasse  /  Schaffhauserstrasse,  in  wel-

chem sich das Hotel Sternen Oerlikon befindet.  

Auf  der  dem  Kino  gegenüberliegenden  Strassenseite  fällt  vor  allem  die 

markante,  sechsgeschossige  Kopfbaute  Ecke  Franklinstrasse  /  Edison-

strasse  auf.  Dieser  vorgelagert  ist  eine  kleine,  in  den  spitzwinkligen  Mün-

dungsbereich hineingezogene Platzinsel mit zwei Bäumen.   

6.2. 
Das Kinogebäude weist eine rechteckige Gebäudegrundfläche von 13,44 m 

(Strassenseite) x 25,64 m und zwei oberirdische Geschosse auf. Im Erdge-

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Seite 12 

 
 
schoss befinden sich der Eingang zum Kino mit dahinter liegendem Foyer 

mit  Aufgang  zum  Kinosaal  und  ein  Restaurationsbetrieb.  Das  Oberge-

schoss birgt den Kinosaal. Hinzu kommt ein Untergeschoss.  

Das  Obergeschoss  des  Kinogebäudes  ist  in  etwa  dreimal  höher  als  das 

Erdgeschoss.  Abgesehen  von  den  seitlichen  je  drei  Notausgängen  ist  es 

vollständig geschlossen. Vor diesen Notausgängen sind an den Seitenfas-

saden Fluchtbalkone mit auf Erdgeschossniveau hinab führenden Treppen 

angebracht. Der Boden im Kinosaal war ursprünglich (in der Mitte nach un-

ten) gewölbt ausgestaltet. Die Fluchtbalkone nehmen diese Wölbung auf. 

Strassenseitig  weist  das  Obergeschoss  unter  dem  gerundeten  Dachvor-

sprung einen beinahe über die ganze Geschosshöhe reichenden, mit 8,2 m 

Breite  knapp  zwei  Drittel  der  Fassadenbreite  einnehmenden,  1,5  m  tiefen 

Vorsprung auf, welcher die Leinwandwandnische bildet. Frontseitig ist die-
ser  Vorsprung  mit  Kunststeinplatten  (sechs  in  der  Horizontale  und  vier  in 

der  Vertikale)  verkleidet,  zwischen  denen  feine,  das  gesamte  Feld  in 

Rechtecke aufteilende Fugen bestehen. Rückwärtig befindet sich in einem 

erkerartigen Vorsprung der Raum des Filmvorführers.  

Das Obergeschoss kragt strassenseitig gegenüber der auf dieser Seite ei-

nen  erheblichen  Verglasungsanteil  aufweisenden  Erdgeschossfassade  vor 

und ist dort auf vier Eisenpfeiler abgestützt (Arkade). Dergestalt besteht ein 

witterungsgeschützter  Aussenraum.  Dahinter  liegen  links  der  Kinoeingang 

und rechts (gegen den Schulsteig) der Restaurationsbetrieb, dieser mit ei-

genem, ebenfalls strassenseitigem Eingang. Zum Restaurationsbetrieb ge-

hört nebst dem Innenrestaurant auch ein teilweise durch einen dort stehen-

den  Baum  abgedecktes  Aussenrestaurant  zwischen  Gebäude  und  Schul-

steig. 

Das mit geringer Neigung ausgestaltete Satteldach springt auf allen Seiten 

deutlich vor, was dementsprechende Dachuntersichten schafft.  

7.1. 

Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-

ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die 
als  wichtige  Zeugen  einer  politischen,  wirtschaftlichen,  sozialen  oder  bau-
künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-

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Seite 13 

 
 
lungen wesentlich mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen Um-

gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG). 

Aus  der  vom  Gesetz  alternativ  zur  landschafts-  oder  siedlungsprägenden 

Wirkung  vorausgesetzten  Zeugeneigenschaft  ergibt  sich  das  Erfordernis, 

dass  ein  Objekt,  über  welches  Schutzmassnahmen  verhängt  werden  sol-

len,  namentlich  auf  Grund  seiner  ortsbaulichen,  baulichen  oder  ausstat-

tungsmässigen  Eigenschaften  von  einer  Epoche  Zeugnis  abzulegen,  d.h. 

die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne 

zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-

che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-

schaft  noch  nicht  ausreichend.  Zudem  lässt  das  Gesetz  auch  die  blosse 

Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-

mehr ein wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschie-

denen,  hier  nicht  abschliessend  aufzuzählenden  Gründen  ergeben.  Ein 

wichtiger Zeuge liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf 

Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräf-

tig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag. 

Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-

siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im 

Allgemeinen  kaum  als  "Epochen"  zu  bezeichnen  wären.  Namentlich  mit 

Blick auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die 

Übergänge  zwischen  solchen  bezeugen,  Schutzobjekte  sein  können.  Zu 

verlangen  ist  allerdings  stets,  dass  die  betreffende  politische,  wirtschaftli-

che, soziale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann. 

7.2. 

Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften 

oder  Siedlungen  wesentlich  mitprägen,  bezweckt  §  203  Abs.  1  lit.  c  PBG 

anders  als  mit  dem  Schutz  wichtiger  Zeugen  nicht  die  Dokumentation  ge-

schichtlicher  Epochen,  sondern  die  Erhaltung  qualifizierter  Landschafts- 

und  Siedlungsbilder.  In  der  Praxis  wird  hierbei  oftmals  auch  vom  Situati-

onswert eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Vorausset-
zungen  für  eine  Unterschutzstellung  –  Zeugeneigenschaft  oder  prägende 
Wirkung  –  alternativ  aufzählt,  lässt  sich  auch  allein  schon  mit  letzterer die 
Anordnung  von  Schutzmassnahmen  an  Gebäuden  oder  Gebäudegruppen 
begründen.  Allerdings  rechtfertigt  nicht  jede  Optimierung  von  Siedlungs- 

oder Landschaftsbildern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die posi-

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Seite 14 

 
 
tiv  prägende Wirkung  muss  vielmehr  objektiv  ausgewiesen  und  begründet 

sein, was etwa bei für das geschützte Ortsbild wichtigen Kernzonenbauten 

der Fall sein kann (VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011). 

8.1. 

Nach der Lehre kommt bei sich auf § 203 PBG stützenden denkmalpflege-

rischen Anordnungen den kommunalen und kantonalen Denkmalpflegebe-

hörden eine besondere Entscheidungsfreiheit zu, da sie dabei im Grenzbe-

reich  zwischen  Rechtsanwendung  und  Ermessensbetätigung  handeln.  Die 

Entscheidungsfreiheit  der  Denkmalpflegebehörde  bezieht  sich  namentlich 

auf die Frage der Qualifikation eines Objekts als wichtiger Zeuge, auf den 

konkret  erforderlichen  Umfang  einer  Schutzmassnahme  und  gegebenen-

falls auf die Auswahl unter mehreren in Betracht fallenden Schutzobjekten. 

Die  Rekursbehörde  darf  eine  noch  vertretbare Wertung  der  Behörde  nicht 

durch  eine  abweichende  eigene  Wertung  ersetzen.  Auch  bei  Inventarent-

lassungen greift die Rekursinstanz nur bei sachlich nicht mehr vertretbaren 

Entscheiden ein. Die Rekursbehörde verfügt damit insoweit über keine wei-

tere  Prüfungsbefugnis  als  das  auf  Rechtskontrolle  beschränkte  Verwal-

tungsgericht. 

Die von der Rekursbehörde zu wahrende Zurückhaltung, so die Lehre wei-

ter,  steht  nicht  im  Zusammenhang  mit  der  Gemeindeautonomie.  Die  Zu-

rückhaltung greift daher nur, soweit es um die Würdigung örtlicher Verhält-

nisse  oder  um  technische  oder  andere  Fragen  geht,  die  ein  bestimmtes 

Fachwissen voraussetzen, zumal die Beratung durch Fachstellen ausdrück-

lich  im  Gesetz  vorgesehen  ist  (§  216  PBG).  Dies  ist  nicht  der Fall  bei der 

Beantwortung der Frage, was unter einem wertvollen Baum oder Baumbe-

stand bzw. Feldgehölze im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. f PBG zu verstehen 

ist (Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, 

§ 20 Rz. 85 f., mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). 

8.2. 

Aus dem vorstehend Wiedergegebenen ergibt sich zutreffend, dass die Re-

kursinstanz (auch) die Frage, was unter einem Schutzobjekt im Sinne von 

§ 203 Abs. 1 lit. c PBG zu verstehen ist, frei beantworten kann. Im Übrigen 
kann  der  Lehre  nur  eingeschränkt  zugestimmt  werden.  Soweit  der  Rekur-
sinstanz die örtlichen Verhältnisse hinreichend bekannt sind, kann sie diese 

in der Regel frei würdigen. Geht es um bautechnische  Fragen, namentlich 

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Seite 15 

 
 
um  solche  der  Erhaltungs-  und  Renovationsfähigkeit  von  Schutzobjekten 

oder von Teilen hiervon, ist das Baurekursgericht als Fachgericht in Bausa-

chen zu deren Beantwortung nicht weniger berufen als die Denkmalpflege-

behörden. Zurückhaltung mag demgegenüber angezeigt sein, wenn es um 

historische  Fachfragen  geht,  wie  sie  sich  namentlich  bei  der  Frage  der 

Qualifikation  eines  Objekts  als  wichtiger  Zeuge,  bei  der  Bestimmung  des 

Umfangs  einer  Schutzmassnahme  oder  bei  der  Auswahl  unter  mehreren 

Schutzobjekten stellen können. Allerdings führt dies nicht etwa dazu, dass 

die Rekursinstanz gleich wie das Verwaltungsgericht auf eine reine Rechts-

kontrolle  beschränkt  wäre  (§  20  Abs.  1  und  §  50  des  Verwaltungsrechts-

pflegegesetzes  [VRG]).  Konsequenz  ist  vielmehr,  dass  das  Baurekursge-

richt den angefochtenen Entscheid unter gebührender Berücksichtigung der 

Entscheidgründe  der  Denkmalpflegebehörde  und  in  sorgfältiger,  einlässli-

cher Auseinandersetzung mit diesen zu überprüfen hat. Dergestalt ist zwi-

schen der Entscheidungsfreiheit der Denkmalpflegebehörde einerseits und 

dem Anspruch auf wirksamen Rechtsschutz andererseits (Art. 77 der Kan-

tonsverfassung  [KV]  und  Art.  29a  der  Bundesverfassung  [BV])  praktische 

Konkordanz  herzustellen  (Donatsch,  §  20  Rz.  64  ff.).  Im  Übrigen  kommt 

dem  Baurekursgericht  bei  der  Überprüfung  von  sich  auf  §  203  PBG  stüt-

zenden denkmalpflegerischen Anordnungen in der Regel volle Kognition zu 

(§ 20 Abs. 1 VRG). 

Nachfolgend geht es im Wesentlichen um die Qualifikation des streitbetrof-

fenen Kinogebäudes als Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG. 

9.1. 

Der angefochtene Beschluss enthält zunächst Ausführungen unter dem Ti-

tel "Städtebauliche Situation" (vgl. vorstehend Erwägung Ziffer 3.1).  

Diesen  Erwägungen  ist  zwar  eine  gut  nachvollziehbare  Beschreibung  der 

Stadtbaugeschichte Oerlikons im Allgemeinen und vor Ort sowie des wert-

vollen baulichen Umfelds am Gubelhang zu entnehmen. Indes lassen diese 

Ausführungen keine besondere städtebauliche Bedeutung des Kinogebäu-

des erkennen. Dies gilt auch für die an sich zutreffende Feststellung, dass 

das Kinogebäude gegenüber der Spitze eines für Oerlikon typischen Stras-

sendreiecks erstellt wurde.  

R1S.2015.05058 

Seite 16 

 
 
Dass die nach der Eingemeindung von Oerlikon erfolgte Strassennamens-

gebung mit "Franklinstrasse" und "Edisonstrasse" einen Bezug zu den da-

maligen  lokalen  Industriebetrieben  der  Elektrotechnik  aufweist,  indem  es 

sich  bei  den  genannten  Personen  und  die  Erfinder  der  elektrischen  Glüh-

birne und des Blitzableiters handelt, erscheint plausibel. Was die Feststel-

lung "Ein Umstand, der auch auf die Bedeutung von Licht und Energie für 

das Massenmedium des Kinos hinweist, das als Kind des Elektrizitätsalters 

gilt"  besagen  soll,  bleibt  demgegenüber  unklar.  Es  sollte  wohl  eine  Ver-

knüpfung zwischen den Strassennamen und dem Kino Sternen hergestellt 

werden. Die Eingemeindung und mit ihr die Strassenumbenennung erfolg-

ten in etwa 15 Jahre vor dem Bau des Kinos. Ein Bezug zwischen Kino ei-
nerseits und Strassennamen andererseits – in der Tat hat beides mit Elekt-
rizität und Licht zu tun – wäre gegeben, wenn das Baugrundstück bewusst 
gerade  an  jener  Verzweigung  gewählt  worden  wäre,  um  dergestalt  an  die 

Strassennamen  anzuknüpfen.  Solches  ist  indes  in  keiner Weise  belegt.  In 

der  Rekursvernehmlassung  hat  sich  die  Vorinstanz  denn  auch  darauf  be-

schränkt, nur mehr eine "schöne Koinzidenz" und damit die städtebauliche 

Unerheblichkeit der Strassennamen im Verhältnis zum Kino festzustellen.  

Die Vorinstanz nimmt Bezug auf den Gubelhang, an dessen Fusse das Ki-

no steht und welchen hinauf der Schulsteig führt. Sie erwähnt, dass der ge-

gen den Schulsteig orientierte ehemalige Vorgarten des Vorgängerbaus in 

Verbindung  mit  dem  (Innen-)Restaurant  als  Gartenwirtschaft  dient.  Hierzu 

ist festzustellen, dass ein Vorgarten im Sinne eines begrünten Aussenrau-

mes, sollte er denn dort je existiert haben, spätestens mit der Erstellung der 

Kinobaute  beseitigt  worden  war  (vgl.  das  in  einem  Pressebericht  über  die 

Unterschutzstellung  veröffentlichte  Foto  [Autor  Erich  Wullschleger,  für 

Stücheli Architekten]). Der heute in jenem Bereich stehende Baum ist dem-

nach erst später gepflanzt worden. Ohnehin wurde der Vorgarten nicht un-

ter  Schutz  gestellt,  und  die  Restaurantnutzung  kann  jederzeit  durch  eine 

andere  Nutzung  ersetzt  werden.  Die  diesbezüglichen  Ausführungen  der 

Vorinstanz erweisen sich damit als bedeutungslos.  

Alsdann  beschreibt  die  Vorinstanz  ausführlich  die  Geschichte  der  Bebau-

ung  des  Gubelhangs.  Danach  ist  der  Gubelhang  mit  denkmalpflegerisch 

wertvollen und daher inventarisierten Gebäuden überbaut, die eine öffentli-

che  Funktion  wahrnehmen  und  der  Repräsentation  dienen,  was  hier  nicht 

weiter in Frage gestellt werden soll. Ob diese Gebäude zusammen ein En-
semble bilden, welchen Standpunkt die Vorinstanz in ihrer Rekursvernehm-

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Seite 17 

 
 
lassung  zu  bekräftigen  scheint,  oder  ob  nicht  vielmehr  eine  Gruppe  von 

Einzelbauten vorliegt, was Standpunkt der Rekurrentin ist, kann offen blei-

ben.  Denn  so  oder  anders  ist  nicht  zu  erkennen,  dass  diese  Gebäude  zu 

einer  erhöhten  städtebaulichen  Bedeutung  des  streitbetroffenen  Kinoge-

bäudes  führten.  Dieses  ist  nicht  dem  Typ  der  öffentlichen  Baute  zuzuord-

nen, und mit seinen eher geringen Ausmassen und seinem in sich gekehr-

ten Äussern ist es frei von jeder Repräsentativität. Namentlich befindet sich 

das Gebäude nicht am Gubelhang, sondern an der Franklinstrasse und ge-

hört städtebaulich zur dortigen Überbauung. Mithin kann aus der Nähe der 

Gebäude  am  Gubelhang  keine  städtebauliche  Bedeutung  der  streitbetrof-

fenen Kinobaute hergeleitet werden. 

Klarerweise nicht haltbar wäre es, das Kinogebäude (auch) deswegen un-

ter Schutz zu stellen, damit der Blick auf die Gebäude am Gubelhang, sei 

es  von  der  Baumackerstrasse,  sei  es  von  andern  Standorten  aus  nicht 

durch  eine  Ersatzneubaute  beeinträchtigt  würde.  Dies  scheint  die  Vorins-

tanz indes zu vertreten, macht sie doch in der Rekursvernehmlassung gel-

tend:  "Allerdings  würde  ein  Ersatz  des  Kinos  Sternen  durch  ein  fünfge-

schossiges Wohn- und Geschäftshaus mit Attika die Schutzwürdigkeit die-

ses städtebauliches Ensembles in hohem Masse beeinträchtigen". Mit einer 

so  begründeten  Unterschutzstellung  würde  nicht  der Bedeutung  des  Kino-

gebäudes  Rechnung  getragen,  sondern  dem  Umstand,  dass  –  aus  Sicht 
der Denkmalpflege – die Nutzungsplanung die qualifizierten Überbauungs-
verhältnissen  am  Gubelhang  nicht  berücksichtigt  hätte,  indem  an  dessen 

Fuss  zu  viele  Geschosse  bzw.  zu  hohe  Gebäude  zugelassen  worden  wä-

ren.  Dies  auf  dem Wege  der  Unterschutzstellung  der  Altbaute  zu  korrigie-

ren, indem damit die bauliche Umsetzung der als ungenügend eingestuften 

Nutzungsplanung verhindert würde, fände in § 203 Abs. 1 lit. c PBG offen-

kundig keinerlei Stütze. Namentlich kann in der Unterschutzstellung des Ki-

nogebäudes  nicht  etwa  eine  Umgebungsschutzmassnahme  zu  den  Ge-

bäuden am Gubelhang erkannt werden.  

9.2. 

Der angefochtene Beschluss enthält alsdann Ausführungen unter dem Titel 

"Baugeschichte  /  Baubeschreibung"  (vgl.  vorstehend  Erwägung  Ziffer 3.2). 

Diese beinhalten (wie schon der Titel besagt) die Feststellung baulicher Ei-

genschaften und Elemente des Gebäudes, auf welche die Vorinstanz her-

R1S.2015.05058 

Seite 18 

 
 
nach  unter  dem  Titel  "Begründung"  wieder  Bezug  nimmt.  Darüber  hinaus 

bleibt zu diesen Ausführungen Folgendes festzuhalten:  

Hält die Vorinstanz fest, dass die innere Raumabfolge aus Windfang, Kas-

senhalle, Foyer und Garderobe aus den betrieblichen Anforderungen eines 

Kinozweckbaus  heraus  entwickelt  wurde,  so  besagt  dies  nichts  über  sich 

selbst  Hinausgehendes;  namentlich  wird  damit  nichts  Zeugenhaftes  be-

nannt. Im Übrigen hat das Gebäude im Eingangsbereich wesentliche Ände-

rungen erfahren, womit die Vorinstanz auf einen baulichen Bestand Bezug 

nimmt, der in dieser Form gar nicht mehr existiert.  

Wird alsdann festgestellt, dass der bezüglich Raumakustik wenig vorteilhaf-

ten Rechtseckform, die ihrerseits das Resultat einer optimalen Grundstück-

ausnützung darstellt, mit leicht geneigten Wandschalen und einer Wölbung 

von Fussboden und Decke entgegengewirkt wurde, mit welcher Massnah-
me eine von allen Sitzplätzen aus ungehinderte Sicht auf die Leinwand ge-

währleistet  wurde,  ist hierzu  festzuhalten, dass  dies  zwar  von  einem  tech-

nisch  vollwertigen  Konzept  des  Architekten  zeugt.  Mehr  kann  indes  nicht 

erkannt  werden.  Namentlich  ist  es  nicht  Aussergewöhnliches,  dass  ein 

Zweckgebäude ein seinen Zwecken entsprechendes Innenraumkonzept er-

kennen  lässt.  Üblich  ist  alsdann  auch,  dass  Kinosäle  so  konzipiert  sind, 

dass  von  allen  Sitzen  aus  mehr  oder  minder  freie  Sicht  auf  die  Leinwand 

besteht. Aus diesen Bauelementen lässt sich nichts Zeugenhaftes ableiten. 

9.3.1. 

In  den  weiteren  Darlegungen,  diese  nun  unter  dem  Titel  "Begründung" 

(vorstehend  Erwägung  Ziffer 3.3.),  nimmt  die  Vorinstanz  erneut  auf  den 

Verzweigungsbereich  von  Franklinstrasse  und  Edisonstrasse  Bezug.  Die 

Verzweigung besitze mit den für Oerlikon typischen Strassendreiecken eine 

hohe  städtebauliche  Bedeutung.  Mit  der  auskragenden  Leinwandnische 

des  Kinos  Sternen  habe  Architekt  Stücheli  auf  die  spitzwinklige  Strassen-

verzweigung mit der vorgelagerten Platzsituation reagiert. 

Hierzu  ist  festzustellen,  dass  in  der  mit  der  Leinwandnische  sehr  ausge-

prägten  strassenseitigen  Fassade  des  Gebäudes  zwar  ein  Reagieren  auf 

Strassenverzweigung  und  Platzsituation  erkannt  werden  kann.  Die  Lein-
wandnische so zu interpretieren, erscheint vertretbar. Besagter Interpretati-
on soll nicht widersprochen werden. Namentlich wird sie nicht etwa dadurch 

widerlegt,  dass  die  Leinwandnische  angesichts  der  beengten  Verhältnisse 

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Seite 19 

 
 
auf dem Baugrundstück auch, wenn nicht sogar in erster Linie dem Gewinn 

nutzbarer Fläche dient, schliesst doch die eine Lesart die andere nicht aus. 

Indes kann nicht gesagt werden, dass die in Rede stehende Bezugnahme 

dem  Gebäude  eine  erhöhte  städtebauliche  Bedeutung  verleihen  würde. 

Das  Reagieren  auf  städtebauliche  Situationen  bildet  nicht  mehr  und  nicht 

weniger  als  ein  übliches  Element  der  lege  artis  zu  verlangenden  Einpas-

sung  von  Gebäuden  in  ihre  Umgebung.  Mehr  ist  auch  vorliegend  nicht  zu 

erkennen.  Daran  ändert auch  nichts,  dass der Architekt  auf  eine für Oerli-

kon offenbar sehr typische Strassensituation reagierte, die, wie die Vorins-

tanz  in  ihrer  Rekursvernehmlassung  ausführt,  Ergebnis  eines  voraus-

schauenden Planwerks bildet.  

Für  die  Überschreitung  der Baulinie  war  eine  Ausnahmebewilligung  zu  er-

teilen. Diese wurde damit begründet, dass die Auskragung eine vom archi-

tektonisch-städtebaulichen Standpunkt aus erfreuliche Belebung der mono-

tonen  fensterlosen  Fassade  bringe,  was  umso  erwünschter  sei,  als  das 

Bauprojekt  nicht  in  einer  Strassenflucht,  sondern  im  Brennpunkt  einer 

Strassenkreuzung liege. Auch dies lässt nicht auf mehr als einen Akt übli-

cher Einpassung schliessen. 

Im Übrigen könnte nicht etwa davon gesprochen werden, beim streitbetrof-

fenen Gebäude handle es sich um ein Objekt, welches "Siedlungen" – hier 
also den Strassenzug der Franklinstrasse im Bereich der Verzweigung mit 
der  Edisonstrasse  –  wesentlich  mitprägte.  Eine  ortsbildprägende  Wirkung 
wird  als  Begründung  für  die  Schutzwürdigkeit  denn  auch  nicht  angeführt. 

Erst  unter  dem  Titel  "Verhältnismässigkeit  der  Massnahme"  (1. Abschnitt) 

taucht  der  Begriff  der  ortsbildprägenden  Wirkung  im  angefochtenen  Be-

schluss  auf,  ohne  dass  allerdings  klar  würde,  worauf  sich  die  Vorinstanz 

damit beziehen will. Ein Situationswert im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG 

kommt dem Gebäude jedenfalls nicht zu. 

Führt  die  Vorinstanz  schliesslich  an,  dass  sich  die  Kinobaute  in  den  von 

dreigeschossigen  Solitärbauten  geprägten  Strassenabschnitt  der  Franklin-

strasse einfüge, ergibt sich hieraus erneut nicht mehr und nicht weniger als 

die Einpassung der Kinobaute in die bauliche Umgebung. 

9.3.2. 

Im  Einzelnen  ist  dem  angefochtenen  Beschluss  zu  entnehmen:  "Aus  der 
Strategie,  den  Film  mit  der  plastischen  Behandlung  des  Baukörpers  im 

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Seite 20 

 
 
Stadtbild zu verankern, resultiert im Brennpunkt der Strassenkreuzung von 

Franklin-  und  Edisonstrasse  ein  städtebaulich  markanter  Ort,  der  die  ein-

heitlichen  Fassadenfluchten  durchbricht  und  den  Strassenraum  als  opti-

scher Blickfang für das Massenmedium des Kinos dynamisiert. Der Film als 

Produkt der Unterhaltungskultur zieht die Blicke der vorbeieilenden Passan-

ten auf sich  und wird architektonisch als 'Schauplatz des Filmgeschehens' 

zum Stadtbild prägenden Faktor".  

Diese  Ausführungen  greifen  mehrfach  zu  weit.  Bloss  auf  Grund  der  nach 

aussen  tretenden  Leinwandnische  kann  noch  kaum  von  einer  "Strategie, 

den  Film  mit  der  plastischen  Behandlung  des  Baukörpers  im  Stadtbild  zu 

verankern"  gesprochen  werden.  Ebenso  wenig  ergibt  sich  ein  "städtebau-

lich markanter Ort", weil die zufolge Baulinie einheitliche Fassadenflucht im 

fraglichen Abschnitt der Franklinstrasse (vgl. den Katasterplan der Bauein-

gabe von 1949) mit der Leinwandnische durchbrochen wird. Kommt hinzu, 

dass  diese  einheitliche  Fassadenflucht  heute  nicht  mehr  besteht,  weil  das 

Gebäude westlich des Schulsteigs zurückversetzt steht.  

Der von der Vorinstanz alsdann angesprochene "optische Blickfang" resul-

tiert heute im Wesentlichen nur mehr daraus, dass das streitbetroffene Ge-

bäude  mit  seiner  Fensterlosigkeit  über  das  ganze  hohe,  langgezogene 

Obergeschoss  völlig  anders  aussieht  als  alle  andern  Gebäude  im  Stras-

senzug. Wird auf das vorstehend bereits erwähnte Foto abgestellt, war dies 

früher, zu Zeiten des Kinos Sternen, jedenfalls am Abend deutlich anders. 

Mit der intensiven und zugleich differenzierten Fassadenbeleuchtung unter 

anderem  mit  Hinterleuchtung  der  Kunststeinplatten-Verkleidung,  den  im 

Obergeschoss  vorne  auf  der  Leinwandnische  und  seitlich  angebrachten 

Schriften "Kino" und "Kino Sternen" sowie den beiden Logos mit dem Ster-

ne-Motiv  war im  Strassenraum  ein  sehr ansprechend  gestalteter  Blickfang 

gegeben.  Hinzu  kam das  beleuchtete  Schaufenster mit den  Standfotos  im 

Erdgeschoss.  Kino  und  Film  waren  auf  diese Weise  weitherum  sichtbar  in 

attraktiver Weise präsent. Spricht die Vorinstanz in ihrer Rekursantwort da-

von,  dass  Kinoarchitektur  immer  auch  eine  "verführerische  Nachtarchitek-

tur" sein will, so lässt sich dies anhand dieser Aufnahme des Kinos Sternen 

sehr  gut  nachvollziehen.  Besagte  Gestaltungselemente  (Licht,  Schrift,  Lo-

go)  einschliesslich  des  Schaufensters  bestehen  indes  heute  nicht  mehr. 

Sollte  mit  der  streitbetroffenen  Baute  je  der  "Strassenraum  als  optischer 

Blickfang für das Massenmedium Kino dynamisiert" worden sein, und sollte 
je "der Film als Produkt der Unterhaltungskultur (…) die Blicke der vorbeiei-

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Seite 21 

 
 
lenden  Passanten  auf  sich"  gezogen  haben  und  "architektonisch  als  '-

Schauplatz  des  Filmgeschehens'  zum  Stadtbild  prägenden  Faktor"  gewor-

den sein, so muss festgestellt werden, dass dies sich heute endgültig nicht 

mehr so verhält. Geblieben ist einzig eine  eher abweisend in Erscheinung 

tretende fensterlose Gebäudehülle, frei von jeder Attraktivität und schon gar 

nicht geeignet, "verführerische Nachtarchitektur" zu sein. Die Zeugnisfähig-

keit der Baute erweist sich damit als ganz erheblich geschmälert.  

9.3.3. 

In der Begründung des angefochtenen Beschlusses wird weiter darauf hin-

gewiesen, dass in Abweichung von den baurechtlichen Bestimmungen der 

kantonalen  Kinoverordnung  von  1916  der  Zuschauerraum  im  Oberge-

schoss untergebracht worden sei, was 1950 im Kanton Zürich und vermut-

lich schweizweit ein Novum dargestellt habe. Der Ersatz des hochbrennba-

ren Nitrocellulose-Films durch einen Sicherheitsfilm nach dem 2. Weltkrieg 

sei  Voraussetzung  für  diese  Ausnahmebewilligung  gewesen.  Die  als  Pen-

dent zur Leinwandnische mit einer separaten Fluchttreppe konzipierte rück-

seitige  Projektionskabine  verdanke  ihre Typologie  der restriktiven Kinover-

ordnung  von  1916,  die  einen  separaten  Fluchtweg  für  den  Filmoperateur 

zwingend vorgeschrieben habe. 

Damit  ist  der  streitbetroffenen  Baute  ein  gewisses,  wenn  gleich  nur  gerin-

ges  Mass  an  Geschichtlichkeit  zuzusprechen,  indem  die  Platzierung  des 

Zuschauerraums im ersten Obergeschoss, zunächst der klein bemessenen 

Grundstücksfläche  geschuldet,  die  Entwicklung  und  Einführung  eines 

Sicherheitsfilms voraussetzte und diesen Vorgang nun eben bezeugt. Glei-

ches gilt für die damals erforderliche Ausnahmebewilligung. 

Hinzu kommt die Vorschrift über den separaten Fluchtweg für den Filmope-

rateur. Ob allerdings die rückwärtige, erkerhaft ausgeformte Projektionska-

bine  auf  diese  Vorschrift  zurückzuführen  ist,  erscheint  fraglich,  führt  doch 

der separate Fluchtweg zunächst durch das Gebäude. Mithin hätte die Pro-

jektionskabine, um der Vorschrift zu genügen, auch anders denn als Erker 

ausgeführt werden können. 

9.3.4. 

Die Vorinstanz stellt alsdann fest, dass die entlang der Längsfassaden ver-

laufenden  Fluchtbalkone  die  Wölbung  des  Fussbodens  im  Kinosaal  auf-
nehmen. Dies trifft zu. Indes ist hierin kaum eine besondere Gestaltung zu 

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Seite 22 

 
 
erblicken,  ist  doch die Wölbung  der Fluchtbalkone dem  Umstand geschul-

det,  dass  die  Notausgänge  stufenfrei  auf  dem  Niveau  des  gewölbten  In-

nenbodens  anzubringen  waren,  und  die  Fluchtbalkone  wiederum  auf  dem 

Niveau der Notausgänge. Hierin eine besondere "typologische Bedeutung" 

zu erkennen, und alsdann bezüglich der Fluchtbalkone weiter festzustellen: 

"Typologische  Eigenheiten  und  baukünstlerische  Gestaltung  gehen  gewis-

sermassen  eine  architektonische  Symbiose  ein,  die  ohne  Vergleichsbei-

spiel  dasteht  und  zu  den  Spitzenleistungen  der  Kinoarchitektur  der  Nach-

kriegszeit  zu  zählen ist", erscheint deutlich übertrieben. Es ging einzig da-

rum, im Brandfall gefährliche Schwellen zu vermeiden. 

Alsdann  besagt  die  Feststellung,  dass,  obwohl  die  innere  Raumfolge  aus 

Windfang,  Kassenhalle,  Foyer  und  Garderobe  im  Erdgeschoss  konventio-

nell sei, die Typologie des Kinos Sternen in der Schweizer Kinoarchitektur 

keine  Nachahmung  gefunden  habe,  nichts  über  sich  selbst  Hinausgehen-

des; insbesondere wird nichts Zeugenhaftes benannt. 

Dass die Arkade der Kinobaute (Aussenraum vor zurückversetztem Erdge-

schoss  unter  auf  Pfeilern  abgestütztem  Obergeschoss)  von  Architekt 

Stücheli  beim  Gastronomie-  und  Geschäftshaus  Clipper  (Zürich,  bei  der 

Sihlpost; 1949 - 51) wieder aufgenommen wurde und zugleich in der Nach-

folge des von Otto Rudolf von Salvisberg 1939/40 errichteten Bleicherhofs 

(Zürich, am Bleicherweg) steht, der seinerseits als Prototyp der Geschäfts-

hausarchitektur  der  Nachkriegszeit  gilt,  ist  als  fachhistorische  Aussage 

nicht in Frage zu stellen. Es erscheint vertretbar, in dieser Arkadenreihe ein 

allerdings  nicht  allzu  bedeutendes  Element  baukünstlerischer  Zeugenhaf-

tigkeit zu erkennen. 

Mit  der  Vorinstanz  in  der  Fassade  des  Kinos  Sternen  ein  in  baukünstleri-

scher Hinsicht "komplexes, auf die Kinokultur verweisendes Symbolsystem" 

zu  erkennen,  fällt  demgegenüber  schwer.  Zwar  ist  es  nachvollziehbar, 

wenn die Vorinstanz vom Konzept eines "mit Leinwandnische, Fluchtbalko-

nen und Projektionskabine in den Aussenraum expandierenden Kinosaals" 
spricht. Diese architektonische Lösung – die Auslagerung einzelner Kinotei-
le  –  mag  singulär  sein  oder  jedenfalls  Seltenheitswert  haben.  Hierin  kann 
indes, auch wenn der Vorinstanz bei der Interpretation von Bauwerken ein 

gewisser  Spielraum  zukommen  mag,  kaum  ein  "Symbolsystem"  und  dazu 

noch  ein  "komplexes"  erkannt  werden.  Im  Ergebnis  festzustellen  ist  viel-
mehr  einzig,  dass  die  mit  dem  langgezogenen,  hohen,  fensterlosen  Ober-

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Seite 23 

 
 
geschoss  ohnehin  schon  gegebene  Ablesbarkeit  der  Funktion  der  Baute 

mit diesen baulichen Elementen architektonisch noch gesteigert wurde.  

Hält  die  Vorinstanz  alsdann  fest:  "Die  Architektur  visualisiert  das  Gesche-

hen im Innern der Kino-Black-Box, so dass das Begriffspaar 'Kino und Film' 

als  Abspielort  und  Schauplatz  einer  Geschichte  an  der  Fassade  ablesbar 

und durch die Verkleidung aus Kunststeinplatten nobilitiert wird", und: "Das 

Fugenbild der Kunststeinplatten-Verkleidung ist als Anspielung auf den fo-

tografischen  Film  einer  Kamera  zu  verstehen,  der  beliebige  Reihen  von 

Einzelbildern  aufzeichnet,  die  mit  einem  Filmprojektor  vorgeführt  werden 

können", so ergibt sich auch hieraus nicht mehr und nicht weniger als eine 

Kinobaute,  die  so  projektiert  wurde,  dass  sie  sich  als  solche  nach  aussen 

zu  manifestieren  vermag.  Dass  ein  publikumsorientiertes  Zweckgebäude 

auf sich aufmerksam machen muss, dass ein Kino zum Kauf einer Eintritts-

karte motivieren muss, stellt indes nichts Aussergewöhnliches dar, sondern 

bildet,  letztlich  ökonomisch  bedingt,  den  Regelfall.  Der von  der Vorinstanz 

als  besonderes  Gestaltungselement  hervorgehobenen  Kunststeinplatten-

Verkleidung  konnte  hierbei  höchstens  eine  untergeordnete  Rolle  zukom-

men,  ist  sie  doch  von  weitem  kaum  zu  erkennen;  ins  Auge  stachen  die 

Leinwandnische in ihrer räumlichen Ausformung und, jedenfalls bei nächtli-

cher Beleuchtung, die nicht mehr existenten Logos mit Schrift und Sterne-

motiv. 

9.3.5. 

Schliesslich  stellt  die  Vorinstanz  das  streitbetroffene  Kinogebäude  auch  in 

einen  kulturhistorischen  Zusammenhang,  worauf  nachfolgend  Bezug  zu 

nehmen ist. 

Die Feststellung, dass es in der Nachkriegszeit eine zweite Blüte der Kino-

kultur  gab,  vernehmlassungsweise  ergänzt  um  die  Ausführung,  dass  ge-

mäss  Filmwissenschaft,  Kunst-  und  Architekturgeschichte  die  Nachkriegs-

zeit  als  Boomphase  gewertet  werde,  in  der  Stadt  Zürich  ausgewiesen  mit 

jährlich rund 7 Mio. Kinoeintritten, ist nicht in Zweifel zu ziehen; ebenso we-

nig die Feststellung, dass die Typologie der freistehenden Kinozweckbaute 

in  den  Aussenquartieren  und  in  den  Agglomerationsgemeinden  der  Stadt 

Zürich in jener Zeit an Bedeutung gewonnen habe. Ob allerdings auch ge-

sagt  werden  kann,  dass  dem  Film  (erst)  dannzumal  Anerkennung  zuteil 

wurde,  während  er  in  den  Jahrzehnten  zuvor  auf  Grund  rigider  Moralvor-
stellungen als "Kulturschande" diskreditiert worden sei, erscheint eher frag-

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Seite 24 

 
 
lich,  braucht  hier  aber  nicht  weiter  vertieft  zu  werden.  Unhaltbar  ist  hinge-

gen die Auffassung, die Ausnahmebewilligung für den im Obergeschoss si-

tuierten Kinosaal sei den in der Nachkriegszeit neu gewonnenen Konsum-

freiheiten  geschuldet,  die  dazu  geführt  hätten,  dass  die  restriktive  Anwen-

dung  der  Kinoverordnung  von  1916  gelockert  worden  sei.  Diese  Ausnah-

mebewilligung  wurde von der Vorinstanz bereits der Einführung eines feu-

ersicheren Filmmaterials und damit einem völlig andersartigen und wesent-

lich überzeugenderen Grund zugeordnet. 

Legt  die  Vorinstanz  weiter  dar,  die  heute  selbstverständliche  Verbindung 

von Kino und Gastronomie, die im Kino Sternen unter einem Dach vereint 

seien,  knüpfe  in  kinohistoriographischer  Hinsicht  an  die  Pionierphase  der 

Kinokultur an, und die  Kinobauten  der 1950er-Jahre  hätten  sich mit  ange-

gliedertem Restaurant, Bar und Dancing zu innerstädtischen Vergnügungs-

zentren  entwickelt,  kann  festgestellt  werden,  dass  das  Kino  Sternen  mit 

seinem  damaligen  kleinen  (alkoholfreien)  Tea-Room  wohl  kaum  als  "Ver-

gnügungszentrum"  angesprochen  werden  kann  und  damit  diese  Entwick-

lung  höchstens  sehr  beschränkt  zu  bezeugen  vermag.  Wies  ausserhalb 

von  Aussersihl  und  der  Innenstadt  der  Industrieort  Oerlikon  um  1950  die 

höchste  Kinodichte  auf,  so  hatte  das  Kino Sternen  zwar durch  seinen  Be-

stand hierzu einen Beitrag geleistet; als Einzelobjekt vermag es indes diese 

Dichte  offenkundig  nicht  zu  bezeugen.  Die  vorinstanzliche  Feststellung, 

Oerlikon  habe  sich  mit  dem  Hallenstadion,  der  Messehalle,  dem  Stadthof 

11 und der offenen Rennbahn den Ruf eines über die Stadtgrenzen hinaus 

bekannten  "Trendsetters"  der  populären  Massenkultur  erworben,  ist  als 

solche  nicht  Frage  zu  stellen.  Hingegen  liegt  auf  der  Hand,  dass  das  im 

Vergleich mit diesen Stätten viel kleinere Kino Sternen an dieser überkom-

munalen  Ausstrahlung  kaum  partizipiert  haben  kann.  Eine  diesbezügliche 

Zeugenhaftigkeit ist folglich zu verneinen. Wesentlich zutreffender erscheint 

die  vorinstanzliche  Einstufung  des  Kinos  Sternen  als  Vorstadt-  und  Quar-

tierkino.  Stellt  die  Vorinstanz  allerdings  fest,  dass  das  Kino  Sternen,  als 

Vorstadt- und Quartierkino konzipiert, die Bedeutung des Films als kulturel-

le  Ausdrucksform,  die  allen  sozialen  Schichten  ein  kostengünstiges  Ange-

bot an Kultur, Bildung und Unterhaltung bereitgestellt hat, manifestiere, so 

muss dem entgegengehalten werden, dass sich dies letztlich von jedem Ki-

no sagen lässt. 

R1S.2015.05058 

Seite 25 

 
 
10.1. 

Mit dem in ein Geschäftshaus an der Nüschelerstrasse 11 integrierten Stu-

dio 4 von 1949 (unter Schutz seit 1992) und dem in eine Hotelbaute an der 

Zähringerstrasse  44  integrierten  Kino  Alba  von  1958  (unter  Schutz  seit 

1999) sind heute in der Stadt Zürich bereits zwei Kinobauten aus dem frag-

lichen  Zeitraum  (Ende  1940er-Jahre /  1950er-Jahre) unter Schutz  gestellt. 

Diese  Kinos  sind  als  Schutzobjekte  deutlich  höher  zu  gewichten  sind  als 

das Kino Sternen, werden sie doch nach wie vor (und  gewiss noch lange) 

zu Kinozwecken genutzt. Ist nebst Baute und Zubehör auch noch die origi-

nale, dem Zweck der Baute entsprechende Nutzung erhalten, so ergibt dies 

offenkundig  ein  wesentlich  vitaleres  Zeugnis,  als  es  eine  umgenutzte  Ge-

bäudehülle  abzulegen  vermag.  An  dieser  Gewichtung  ändert  auch  nichts, 

dass  das  Zürcher  Denkmalpflegerecht  keine  Grundlage  zur  Unterschutz-

stellung von Nutzungen kennt (BRGE I Nr. 0056/2015 vom 8. Mai 2015, E. 

5 ff.). Das von der Vorinstanz betonte Alleinstellungsmerkmal, dass es sich 

beim Kino Sternen um das letzte freistehende Kino aus dem fraglichen Zeit-

raum handelt, vermag diese Inferiorität bei Weitem nicht aufzuwiegen. 

10.2. 

Beim  Architekten Werner  Stücheli  handelt  es  sich  unzweifelhaft  um  einen 

für Zürich bedeutenden Architekten; hiervon scheinen die Parteien überein-

stimmend auszugehen. Die Vorinstanz hat die Schutzwürdigkeit indes nicht 

etwa  vorrangig  mit  dem  Projektverfasser  begründet.  Dem  angefochtenen 

Beschluss  ist  nirgends  zu  entnehmen,  das  streitbetroffene  Gebäude  sei 

schon  deswegen  zu  erhalten,  weil  es  von Werner Stücheli  projektiert wor-

den  sei.  Vernehmlassungsweise  macht  die  Vorinstanz  vielmehr  geltend, 

das  Werk  von  Werner  Stücheli  geniesse  nicht  jene  denkmalpflegerische 

Vorzugsbehandlung, bei der jeder Bau unter Schutz gestellt. Demnach wä-

re  in  der  Begründung  des  angefochtenen  Beschlusses  eine  Auseinander-

setzung mit dem Werk von Werner Stücheli und der Verortung des streitbe-

troffenen Gebäudes innerhalb dieses Werkes zu erwarten gewesen. Hieran 

fehlt es indes.  

In  der  Vernehmlassung  hat  die  Vorinstanz  festgestellt,  entgegen  der  An-

sicht der Rekurrentin gehöre das Kino Sternen zu den bedeutendsten Wer-

ken des Architekten Werner Stücheli. Begründet wird diese Auffassung in-

des einzig  damit, das Kino Sternen  sei das einzige  Kinogebäude  im Werk 
Stüchelis, was offenkundig unzureichend ist.  

R1S.2015.05058 

Seite 26 

 
 
10.3. 

Die Vorinstanz hat sich, wie die vorstehend annähernd vollständig wieder-

gegebene  Begründung  der  wichtigen  Zeugenschaft  zeigt  (Erwägung  Zif-

fer 3), bei ihrer Einstufung weitestgehend auf die städtebaulichen, typologi-

schen und baukünstlerischen Merkmale sowie sozial- und kulturhistorische 

Bedeutung  des  Bauwerks  abgestützt.  Diesen  Merkmalen  und  dieser  Be-

deutung  kommt  indes,  wie  vorstehend  (Erwägung  Ziffer 9) einlässlich  dar-

getan,  nicht  jenes  Gewicht  zu,  das  es  erlaubte,  von  einem  wichtigen  Zeu-

gen im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu sprechen. 

Letztlich  zu  konstatieren  ist  nicht  mehr  und  nicht  weniger  als  eine  gut  ge-

lungene Umsetzung der Bauaufgabe, auf dem streitbetroffenen Grundstück 

eine  freistehende,  sich  als  solche  präsentierende  Kinobaute  zu  errichten. 

"Gut  gelungen"  insbesondere  deswegen,  weil  der  Architekt  es  verstanden 

hat, mit dem Kehren gewisser Kinoteile nach aussen (Leinwandnische, Pro-

jektionskabine, Fluchtbalkone) gleich Mehreres zu bewerkstelligen: Die ge-

ringe Grundstücksgrösse zu kompensieren, das Gebäude als Kinogebäude 

in  erhöhtem  Masse  kenntlich  zu  machen  und  mit  der  Leinwandnische  auf 

die städtebauliche Situation zu reagieren. Es steht ausser Zweifel, dass das 

Gebäude als Ganzes wie auch in seinen einzelnen Teilen gut gestaltet  ist; 

über die schon mehrfach genannten Bauteile hinaus sind etwa die Dachge-

staltung einschliesslich Dachuntersichten oder die von den Fluchtbalkonen 

hinab führenden, wellenartig gestalteten Treppen zu nennen. Auch lässt die 

Baute  ihre  Entstehungszeit,  die  frühen  Fünfzigerjahre,  gut  erkennen.  Eine 

wenn  auch  nicht  allzu  bedeutsame  kino-architekturgeschichtliche  Beson-

derheit  besteht  in  der  Situierung  des  Kinosaals  im  Obergeschoss.  Zudem 

kann die Arkade in einen architekturgeschichtlichen Zusammenhang einge-

reiht  werden  und  damit  eine  gewisse  Zeugenhaftigkeit  für  sich  beanspru-

chen. Diese Ansätze reichen indes nicht dazu aus, das Gebäude als wich-

tigen Zeugen einzustufen, woran auch die teilweise deutlich überhöhte Dik-

tion der Vorinstanz nichts ändert. 

10.4. 

Schutzobjektsqualität ist umso weniger festzustellen, als dass das Gebäu-

de heute nur mehr in stark verändertem Zustand besteht. Im Erdgeschoss 
sind  massive  Eingriffe  zu  verzeichnen.  Ursprünglich  lag  der  –  offenbar für 
Kino und Tea-Room gemeinsame – Eingang in der Mitte der strassenseiti-
gen  Fassade.  Im  Jahre  1967  wurde  diese  Situation  verändert.  Heute  hat 

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Seite 27 

 
 
das Kino einen separaten Eingang zur Linken, und der Eingang zum Res-

taurant  befindet  sich  weiter  rechts.  Das  Schaufenster  mit  den  Standfotos 

zur  Linken  des  ursprünglichen  Eingangs  existiert  wie  erwähnt  nicht  mehr. 

Zwar  kann  auch  heute  noch  von  einer  verglasten  Sockelzone,  die  einen 

gestalterisch  gewollten  Kontrast  zum  muralen  Obergeschoss  erkennen 

lässt,  gesprochen  werden.  Die  heutige  Gestaltung  der  strassenseitigen 

Erdgeschossfassade ist indes erstens nicht mehr die originale und bewegt 

sich  zweitens  auf  deutlich  tieferem  Niveau.  An  alldem  ändert  auch  nichts, 

wenn die Vorinstanz vernehmlassungsweise geltend macht, eine nochmali-

ge Versetzung des Kinoeingangs in den Bereich der Ostfassade zu Guns-

ten  einer  Restaurantvergrösserung  sei  "naheliegend"  gewesen,  nachdem 

auf Grund einer Projektänderung durch Architekt Stücheli auf das links des 

Haupteingangs geplante Ladengeschäft zu Gunsten von zwei Büroräumen 

verzichtet und die Fassadenflucht gegenüber der verglasten Front des Res-

taurants  leicht  zurückversetzt  worden  sei.  Abgesehen  davon,  dass  in  der 

späteren Änderung nichts zufolge der Projektänderung "Naheliegendes" zu 

erkennen  ist,  bleibt  es  dabei, dass  der Originalzustand erheblich und  zum 

Schlechteren verändert wurde. Auf den Wegfall von Fassadenbeleuchtung, 

Schriften und Logos im Obergeschoss als wichtigen Gestaltungselementen 

wurde bereits vorstehend hingewiesen. 

Im Inneren des Gebäudes hat die Vorinstanz – abgesehen von der Primär-
konstruktion  aus  Eisenbeton  und  Mauerwerk  mit  sämtlichen  Geschossde-
cken  und  der  Satteldachkonstruktion  –  einzig  die  Treppe  zum  Zuschauer-
raum  und  die  original  erhaltene  Bodenfläche  aus  Kunststein  im  Kinofoyer 

unter Schutz gestellt. Dies deswegen, weil im Übrigen nichts Entstehungs-

zeitliches mehr vorhanden ist. Auch die Treppe in ihrer aktuellen Ausgestal-

tung stammt nicht aus der Entstehungszeit, sondern nur die Treppenstruk-

tur;  die  Schutzverfügung  erfasst  wohl  nur  diese.  Der  Kunststeinboden  im 

Foyer ist zwar entstehungszeitlich, aber frei von jeder qualifizierenden Be-

sonderheit. Vom Zuschauerraum ist mangels Schutzwürdigkeit nichts unter 

Schutz  gestellt.  Der  ursprünglich  gewölbte  Boden  ist  heute  mit  einem  pla-

nen Parkettboden überdeckt, womit auch diese Besonderheit der Stücheli-

Baute verloren gegangen ist; eine künftige Nutzung welcher Art auch immer 

würde  sich  mit  aller  Wahrscheinlichkeit  auf  einem  flachen  und  nicht  mehr 

auf einem gewölbten Boden abspielen.  

Den  veränderten  Bodenverhältnissen  im  Inneren  entspricht  auf  dem  west-
seitigen  Fluchtbalkon  die  bestehende  plane  Anhebung  der  Gehfläche  mit 

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einem  metallenen  Aufbau,  die  mit  einer  erheblichen  ästhetischen  Beein-

trächtigung  verbunden  ist.  Dem  Erscheinungsbild  der  Baute  abträgliche 

Veränderungen sind im Übrigen auch auf der Westseite des Gebäudes im 

Bereich des Restaurationsbetriebes zu verzeichnen.  

Insgesamt  entfällt  es,  das  streitbetroffene  Gebäude  als  wichtigen  Zeugen 

im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG einzustufen. 

Der angefochtene Beschluss ist somit aufzuheben. 

11.1. 

Im angefochtenen Beschluss hat sich die Vorinstanz auch mit der Verhält-

nismässigkeit  der  Schutzmassnahme  und  mit  der  Abwägung  der  öffentli-

chen  und  privaten  Interessen  befasst.  Bemerkungsweise  ist  nachfolgend 
auch hierauf Bezug zu nehmen.  

Unter dem Titel "Verhältnismässigkeit der Massnahme" führt die Vorinstanz 

an, die  Denkmalpflegekommission  habe  an  ihrer Sitzung  vom  7.  Juli  2014 

befunden,  dass  das  Kino  Sternen  die  Kriterien  einer  Unterschutzstellung 

eindeutig  erfülle.  Die  Denkmalpflegekommission  habe  die  Schwierigkeiten 

anerkannt, an dieser zentralen Lage ein Kino zu betreiben; alternative Nut-

zungen sei diskutiert worden. Mit dem Ziel, einen Beitrag zur Belebung des 

städtisch  geprägten  Zentrums  von  Oerlikon  zu  leisten,  habe  das  in  Zürich 

verwurzelte  Immobilienunternehmen  S.  AG  Kontakt  mit  der  Eigentümerin 

des  Kino  Sternen  aufgenommen.  Gemäss  der  Absichtserklärung  vom 

25. März 2015 werde die S. AG in enger Zusammenarbeit mit dem Zürcher 

Büro  P.  ein  publikumsorientiertes  Nutzungskonzept  ausarbeiten,  das  als 

Basis für den  Kauf  des  Kino  Sternen durch einen  gemeinnützigen  Bauträ-
ger – vorzugsweise eine Baugenossenschaft – diene. Im Vordergrund ste-
he  das  Interesse  an  einer  nachhaltigen  Quartierentwicklung,  welche  zu-

gleich  die  Chance  für  den  langfristigen  Erhalt  des  Kinos  Sternen  als 

Schutzobjekt biete. Die X. AG habe ihr Interesse an einem Verkauf der Lie-

genschaft und an einer Zusammenarbeit mit der S. AG bekundet.  

Der Schutzumfang sei mit Blick auf ein flexibles Nutzungskonzept, das ex-

plizit  nicht  auf  eine Kinonutzung  eingeengt  werden  solle,  so  zu  definieren, 
dass  beispielsweise  durch  eine  grosszügige  Verglasung  der sechs  Flucht-
türen  Tageslicht  in  den  Kinosaal  geführt  werden  könne.  Der  Einzug  einer 

Galerie im Kinosaal und damit die Schaffung einer zusätzlichen Geschoss-

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Seite 29 

 
 
fläche mit neuen Fensteröffnungen an den Längsfassaden solle nicht aus-

geschlossen  werden.  Da  die  strassenseitige  Fassade  mit  der  auskragen-

den  Leinwandnische  als  geschlossenes  plastisches  Element  erhalten  und 

das  Begriffspaar  "Kino  und  Film"  in  städtebaulicher  und  architektonischer 

Hinsicht  ablesbar  bleibe,  würde  der  Charakter  der  Kinoarchitektur  durch 

diesen  Eingriff  nicht  erheblich  beeinträchtigt.  Bei  einer  architektonisch  gu-

ten  Lösung  mit  entsprechend  sorgfältiger  Ausführung  könnten  die  neuen 

Fenster  des  Galeriegeschosses  gar  zur  Belebung  der  geschlossenen 

Längsfassaden  beitragen.  Die  in  kinohistoriographischer  Hinsicht  einzigar-

tigen  Fluchtbalkone  würden  vom  Einzug  einer  Galerie  im  Obergeschoss 

nicht tangiert werden. Das Gebäude könne somit weiterhin für eine öffentli-

che  Nutzung  mit  Gastronomiebereich  zur  Verfügung  stehen.  Solche  An-

passungen  an  künftige  Anforderungen  und  Bedürfnisse  ermöglichten  wei-

terhin  eine  bestimmungsgemässe,  wirtschaftliche  sinnvolle  und  gute  Nut-

zung  des  Grundstücks.  Eine  Unterschutzstellung  in  diesem  Umfange  sei 

deshalb verhältnismässig. 

Unter dem Titel "Abwägung der öffentlichen und privaten Interessen" führt 

die  Vorinstanz  weiter aus: Ein  Schutzobjekt wie  das  Kino  Sternen,  das an 

zentraler  Lage  mit  einer  öffentlichen  Nutzung  der  lokalen  Bevölkerung  zu-

gute  komme,  sei  der  Aufwertung  des  Quartiers  förderlich  und  füge  sich 

nahtlos  in  die  städtische  Strategie  betreffend  die  Belebung  des  Oerlikoner 

Zentrums  ein.  Das  öffentliche  Interesse  am  Erhalt  des  Schutzobjektes 

überwiege deshalb das private Interesse an einer höheren Ausnutzung des 

Grundstücks.  Hinzu  komme,  dass  mit  dem  rückseitig  an  das  Grundstück 

des Kinos Sternen angrenzenden Wohnhauses aus dem Jahre 1912 an der 

Baumackerstrasse  20  und  mit  dem  benachbarten  Feuerwehrgebäude  aus 

dem Jahre 1913 an der Baumackerstrasse 18 zwei bedeutende Schutzob-

jekte stünden, die durch einen Ersatzneubau in ihrer Schutzwürdigkeit stark 

beeinträchtigt würden.  

11.2. 

Die  Rekurrentin  bestreitet  jedes  Interesse  an  einem  Verkauf  der  Liegen-

schaft und an einer Zusammenarbeit mit der S. AG. Eine Absichtserklärung 

vom 25. März 2015 sei ihr nicht bekannt. 

R1S.2015.05058 

Seite 30 

 
 
11.3. 

Staatliches Handeln, namentlich auch die Einschränkung von Grundrechten 

wie  der  Eigentumsgarantie  (Art.  26  der  Bundesverfassung  [BV])  oder  der 

Wirtschaftsfreiheit  (Art.  27  BV),  muss  verhältnismässig  sein  (Art.  5  Abs. 2 

und  Art.  36  Abs.  3  BV).  Damit  wird  zunächst  verlangt,  dass  staatliche 

Massnahmen  zwecktauglich  und  notwendig  sind  (Verhältnismässigkeit  im 

weiteren Sinne). Die Notwendigkeit bedeutet, dass eine Massnahme in ih-

rer konkreten Ausgestaltung über das zur Erreichung ihres Ziels Notwendi-

ge nicht hinausgehen darf. 

Alsdann  muss  die  Verhältnismässigkeit  auch  im  engeren  Sinne  gewahrt 

sein. Das heisst, dass ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem angestreb-

ten  Ziel und  dem  mit der Massnahme  verbundenen  Eingriff  in  die Rechts-

stellung  der  betroffenen  Person  bestehen  muss.  Staatliche  Massnahmen 

müssen  durch  ein  öffentliches  Interesse,  welches  das  private  überwiegt, 

gerechtfertigt sein, andernfalls sie für den Betroffenen unzumutbar sind. Für 

die Interessenabwägung massgeblich sind einerseits die Bedeutung der mit 

einer staatlichen  Massnahme  verfolgten  öffentlichen  Interessen  und  ande-

rerseits  das  Gewicht  der  im  Spiele  stehenden  privaten  Interessen.  Eine 

Massnahme,  die  tief  greifende  Auswirkungen  auf  die  Rechtsstellung  des 

betreffenden  Rechtssubjektes  hat,  jedoch  bloss  von  geringem  öffentlichen 

Interesse  ist,  ist  somit  als unzulässig  einzustufen  (vgl.  zum  Ganzen  Ulrich 

Häfelin/Georg  Müller/Felix  Uhlmann,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 

6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010 Rz. 581 ff.). 

11.4. 

Nach  dem  Gesagten  bildet  es  einen  von  mehreren  Aspekten  der  Verhält-

nismässigkeit,  dass  das  öffentliche  Interesse  an  der  zu  beurteilenden 

Massnahme das entgegenstehende private überwiegen muss. Hierbei sind 

nicht alle öffentliche Interessen in die Abwägung mit einzubeziehen. Ausser 

Betracht fallen  öffentliche  Interessen,  die  im  gegebenen  Kontext  als sach-

fremd einzustufen sind.   

Macht die Vorinstanz wie vorstehend wiedergegeben geltend, dass mit dem 

Wohnhauses an der Baumackerstrasse 20 und mit dem Feuerwehrgebäu-

de  an  der Baumackerstrasse  18  zwei bedeutende Schutzobjekte gegeben 
seien,  die  durch  einen  Ersatzneubau  an  Stelle  des  Kinos  Sternen  in  ihrer 
Schutzwürdigkeit  stark  beeinträchtigt  würden,  so  ist  auf  die  vorstehende 

Erwägung  Ziffer  9.1  in  fine  hinzuweisen.  Dort  wurde  festgestellt,  dass  es 

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Seite 31 

 
 
nicht anginge, das Kinogebäude (auch) deswegen unter Schutz zu stellen, 

damit  der  Blick  auf  die  Gebäude  am  Gubelhang  nicht  durch  eine  deutlich 

höher  als  das  Kinogebäude  ausfallende  Neubaute  beeinträchtigt  würde. 

Denn mit einer so begründeten Unterschutzstellung würde nicht der Bedeu-

tung des Kinogebäudes Rechnung getragen, sondern dem Umstand, dass 
– aus  Sicht  der  Denkmalpflege  –  die  Nutzungsplanung  die  qualifizierten 
Überbauungsverhältnissen  am  Gubelhang  nicht  berücksichtigt  hätte.  Dies 

auf  dem Wege  der  Unterschutzstellung  der Altbaute  zu  korrigieren,  indem 

damit die bauliche Umsetzung der als ungenügend eingestuften Nutzungs-

planung verhindert würde, fände in § 203 Abs. 1 lit. c PBG offenkundig kei-

nerlei Stütze. Namentlich könne in der Unterschutzstellung des Kinogebäu-

des  nicht  etwa  eine  Umgebungsschutzmassnahme  zu  den  Gebäuden  am 

Gubelhang erkannt werden.  

Hieraus ergibt sich, dass das öffentliche Interesse an einer für die schutz-

würdigen Gebäude am Gubelhang vorteilhaften baulichen Umgebung nicht 

als öffentliches Interesse an der Unterschutzstellung des Kinogebäudes in 

die Interessenabwägung mit einbezogen werden kann. Dem öffentlichen In-

teresse  an  der  Wahrung  der  Umgebungsqualität  ist  mit  der  Bauvorschrift 

von § 238 Abs. 2 PBG, wonach auf Schutzobjekte besondere Rücksicht zu 

nehmen  ist,  Rechnung  zu  tragen.  Ginge  die  Vorinstanz  vom  Ungenügen 

dieses Behelfes aus, müsste sie eine Zonenplanänderung anstreben. 

Für  den  Ausweis  eines  überwiegenden  öffentlichen  Interesses  an  der  Un-

terschutzstellung beruft sich die Vorinstanz weiterhin auch darauf, dass das 

Gebäude  mit  einer  öffentlichen  Neunutzung  der  lokalen  Bevölkerung  zu 

Gute käme; dies sei der Aufwertung des Quartiers förderlich und füge sich 

nahtlos  in  die  städtische  Strategie  zur  die  Belebung  des  Oerlikoner  Zent-

rums ein. Dieses Interesse erweist sich als vollends sachfremd. Massnah-

men des Denkmalschutzes dienen dem Kulturgüterschutz und nicht der Be-

reitstellung  von  Quartierzentren  und  dergleichen  mehr,  indem  ein  nicht 

mehr  profitabel  nutzbares  Schutzobjekt  dem  Grundeigentümer  abgekauft 

und  hernach  entsprechend  umgenutzt  werden  kann.  Ein  öffentliches  Inte-

resse  an einer Denkmalschutzmassnahme  so  zu  begründen, fällt ganz  of-

fensichtlich ausser Betracht. Dies umso mehr, als der Verkauf dem Grund-

eigentümer freigestellt ist.   

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Seite 32 

 
 
11.5. 

Den vorstehend in Erwägung Ziffer 11.1 wiedergegebenen Erwägungen der 

Vorinstanz nach zu schliessen geht auch diese davon aus, dass die Tage 

des Kinobetriebs gezählt sind. Mit Blick auf eine Umnutzung vertritt die Vor-

instanz  die  Auffassung,  dass  eine  Unterschutzstellung  unter  folgenden 

Vorgaben verhältnismässig sei: Grosszügige Verglasung der sechs Flucht-

türen sowie Einbau einer Galerie im Kinosaal mit neuen Fensteröffnungen 

an  den  Längsfassaden.  Dementsprechend  wurden  diese  baulichen  Mass-

nahmen  mit  dem  angefochten  Beschluss  erlaubt.  Damit  würde  zwar  die 

Nutzfläche  im  ehemaligen  Kinosaal  gesteigert  und  wäre  zugleich  die  not-

wendige  Belichtung  des  Raumes  gewährleistet,  was  eine  –  wenn  gleich 
nach  wie  vor  äusserst  eingeschränkte  –  Nutzbarkeit  schaffen  würde.  Hin-
gegen  würde  das  Gebäude  in  einem  Masse  Änderungen  erfahren,  die  es 

dem ursprünglichen Kino vollends entfremdeten. Die Ablesbarkeit der Kino-

funktion beruht in erster Linie auf dem langgezogenen, hohen, fensterlosen 
Obergeschoss. Wird dieses zweigeschossig befenstert, entfällt – in der Dik-
tion der Vorinstanz  – die "Kino-Black-Box"  und damit das architektonische 
Hauptmerkmal  schlechthin.  Die  strassenseitige  auskragende  Leinwandni-

sche wäre im veränderten Gebäudekontext weitgehend isoliert, ebenso die 

Fluchtbalkone.  Es  würde  weitgehend  zerstört,  was  erhalten  werden  sollte, 

nämlich  eine  Kinobaute.  Eine  solche  Unterschutzstellung  kann  nicht  mehr 

als  zwecktauglich  bezeichnet  werden.  Ohne  diese  baulichen  Verände-

rungsmöglichkeiten wäre die Baute praktisch nicht mehr nutzbar, womit die 
Unterschutzstellung nicht zumutbar wäre.  

Demnach  erweist  sich  der angefochtene  Beschluss  auch  als unverhältnis-

mässig. 

12.1. 

Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist.  

[….] 

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