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**Case Identifier:** 1af18b7e-fee6-5519-b58a-22739b485d33
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-28
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 28.03.2024 IV 2023/77
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2023-77_2024-03-28.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2023/77

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 17.04.2024

Entscheiddatum: 28.03.2024

Entscheid Versicherungsgericht, 28.03.2024
Art. 28 IVG. Anspruch auf eine IV-Rente. Beweiskraft eines Gutachtens vs. 
Beweiskraft der Berichte von behandelnden Spezialärzten. Verwertbarkeit 
der Restarbeitsfähigkeit bejaht, weil der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch 
für eine 61-jährige Versicherte, die seit vielen Jahren nicht mehr arbeitstätig 
gewesen ist, einen Arbeitsplatz als Hilfsarbeiterin kennt. Abweisung der 
Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 
vom 28. März 2024, IV 2023/77). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 
8C_302/2024.

Entscheid vom 28. März 2024

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Tanja 

Petrik-Haltiner; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger

Geschäftsnr.

IV 2023/77

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich erstmals im Januar 2009 bei der IV-Stelle des Kantons St. 

Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, dass sie in B.___ acht 

Jahre lang die Schule besucht habe. Einen Beruf habe sie nicht erlernt. Zuletzt habe sie 

zu 100 % bei der C.___ AG gearbeitet. Ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen (linkes 

Knie, Rücken, Psyche) seien die Folge eines Unfalls vom 15. Juni 2007.

A.a. 

Die Ärzte der Rehaklinik Bellikon gaben im Austrittsbericht vom 19. August 2008 

über den stationären Aufenthalt der Versicherten vom 3. Juli 2008 bis 25. Juli 2008 an 

(IV-act. 34), dass die Versicherte am 15. Juni 2007 beim Velofahren von einem Auto 

erfasst worden sei und sich dabei eine Fussverletzung zugezogen habe. Als Diagnosen 

nannten sie chronische Schmerzen und eine Funktionseinschränkung am linken Fuss, 

eine leichte Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: 

F43.22), eine Kniegelenksarthrose links im Reizzustand, medialbetont, und eine AC-

Gelenksarthrose bds. Die Ärzte attestierten der Versicherten für die bisherige Tätigkeit 

als Näherin eine volle Arbeitsfähigkeit.

A.b. 

Die C.___ AG berichtete der IV-Stelle am 21. März 2009 (IV-act. 23), dass sie die 

Versicherte vom 1. September 1997 bis zum 31. August 2008 als Näherin beschäftigt 

habe. Der letzte effektive Arbeitstag sei der 15. Juni 2007 gewesen. Die Versicherte 

habe einen Stundenlohn (Grundlohn) von Fr. 20.30 zuzüglich einer 

Ferienentschädigung von 9.7 %, einer Feiertagsentschädigung (in Stunden ausbezahlt) 

und einer Gratifikation (Fr. 700.-- im Jahr 2007) erhalten. Heute würde die Versicherte 

ohne den Gesundheitsschaden einen Stundenlohn von Fr. 20.70 erhalten. Bei der 

Tätigkeit als Näherin habe es sich um eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit seltenem 

Heben oder Tragen von leichten Gewichten gehandelt.

A.c. 

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Am 23. Mai 2009 berichtete die behandelnde Psychiaterin Dr. med. D.___ der IV-

Stelle, dass die Versicherte an einer generalisierten Angststörung (F41.1) auf dem 

Boden einer einfach strukturierten Persönlichkeit und an einer störenden 

Persönlichkeitsänderung nach dem Velounfall vom 15. Juni 2007 leide (F61.1). Eine 

adaptierte Tätigkeit sei ihr höchstens noch halbtags zumutbar (IV-act. 28). Auch der 

Hausarzt Dr. med. E.___ schätzte die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einer 

angepassten Tätigkeit auf 50 % (Bericht vom 20. November 2009, IV-act. 38).

A.d. 

Am 20. und 21. April 2010 wurde die Versicherte von der Medas Zentralschweiz 

polydisziplinär (allgemein-internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch) untersucht 

(Gutachten vom 25. Juni 2010, IV-act. 49). Die Gutachter gaben als Diagnosen mit 

wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit einen chronifizierten 

residuellen Fussschmerz links bei Status nach einem Fahrradunfall am 15. Juni 2007 

mit einer komplexen Fussverletzung links sowie eine manifeste mediale Gonarthrose 

links und leichte Femoropatellararthrose beidseits an. Die Gutachter wiesen darauf hin, 

dass das gesamte Erscheinungsbild sehr wahrscheinlich durch eine erhebliche 

Selbstlimitierung, die keinen Krankheitswert habe, mitgeprägt sei. Für die zuletzt 

ausgeübte Tätigkeit als Näherin sowie für andere angepasste Tätigkeiten gingen die 

Gutachter von einer Restarbeitsfähigkeit von 80 % aus. Mit Verfügung vom 3. Januar 

2011 wies die IV-Stelle das Rentengesuch der Versicherten bei einem IV-Grad von 20 

% ab (IV-act. 59).

A.e. 

Im Mai 2012 meldete sich die Versicherte mit Verweis auf den Velounfall vom 

15. Juni 2007 zum zweiten Mal zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 65). Sie gab 

an, sie habe seit dem Unfall keine berufliche Tätigkeit mehr ausgeübt. Dr. D.___ gab im 

Bericht vom 6. Juni 2012 eine anhaltende ängstlich-depressive Störung mittelschwerer 

Ausprägung vor dem Hintergrund eines chronischen Schmerzsyndroms an (IV-act. 

67-8). Eine Verlaufsbegutachtung durch die Medas Zentralschweiz ergab eine 

unveränderte Arbeitsfähigkeit gegenüber der Referenzsituation vom 3. Januar 2011. 

Die Gutachter wiesen darauf hin, dass keine zwischenzeitliche psychische Veränderung 

zu konstatieren sei (Gutachten vom 19. Dezember 2012, IV-act. 74). Mit Verfügung vom 

21. August 2013 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 16 % ab 

(IV-act. 100).

A.f. 

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B.  

Im Oktober 2014 erfolgte die dritte IV-Anmeldung der Versicherten (IV-act. 102). 

Die neue behandelnde Psychiaterin Dr. med. F.___ erwähnte im Bericht vom 17. Mai 

2015 eine schwere agitierte depressive Störung rezidivierender Art ohne psychotische 

Anteile (F33.2; IV-act. 118). Im Verlaufsgutachten vom 30. September 2015 hielten die 

Gutachter der Medas Zentralschweiz wiederum fest (IV-act. 133), dass eine 

Verschlechterung seit der letzten Begutachtung vom 19. Dezember 2012 nicht 

objektivierbar sei. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2016 wies die IV-Stelle das 

Rentengesuch bei einem IV-Grad von 20 % ab (IV-act. 166).

A.g. 

Auf das vierte Gesuch um IV-Leistungen vom November 2017 trat die IV-Stelle am 

14. Februar 2018 mit der Begründung, die Versicherte habe nicht glaubhaft dargelegt, 

dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert 

hätten, nicht ein (IV-act. 180).

A.h. 

Im April 2019 meldete sich die Versicherte zum fünften Mal zum Bezug von IV-

Leistungen an (IV-act. 182). Einem beiliegenden Kurzaustrittsbericht der Klinik G.___ 

vom 7. März 2019 war zu entnehmen, dass die Versicherte vom 14. Januar 2019 bis 

zum 6. März 2019 hospitalisiert gewesen war (IV-act. 183). Die Klinikärzte hatten unter 

anderem eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode 

(F33.1), und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 

Faktoren (F45.41) angegeben.

B.a. 

Dr. med. H.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete der IV-Stelle am 

5. September 2019 (IV-act. 193), dass die Versicherte an einer rezidivierenden 

depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.11), leide (IV-act. 193). 

Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sowie in einer ideal adaptierten 

Tätigkeit betrage 50 %. Mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr zu 

rechnen. Die Versicherte habe akzentuierte infantil-histrionische Persönlichkeitszüge 

und einige gravierende traumatisierende Ereignisse erlebt.

B.b. 

Am 12. Juni 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Kosten für 

eine berufliche Abklärung im I.___ vom 22. Juni 2020 bis 18. September 2020 

übernehme (IV-act. 206). Dem Schlussbericht vom 22. September 2020 über die 

B.c. 

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berufliche Abklärung (IV-act. 209) war zu entnehmen, dass die momentane 

Arbeitsfähigkeit auf maximal 50 % geschätzt werde; die Leistungsfähigkeit betrage 20 

%. Die Versicherte sei aus gesundheitlichen Gründen vorwiegend in der Lingerie (und 

nicht im Liegenschaftsunterhalt) eingesetzt worden. Die Versicherte sei grundsätzlich 

eingliederungswillig. Allerdings sei unklar geblieben, ob sie wirklich gerne arbeiten 

würde oder ob es ihr mehr um die Aufrechterhaltung einer Tagesstruktur gehe. Im 

Moment bestehe keine Möglichkeit für eine Eingliederung im ersten Arbeitsmarkt. Der 

Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 17. November 2020 (IV-

act. 210), verschiedene Hinweise liessen vermuten, dass die Versicherte während der 

Abklärungsphase ein aggravierendes respektive dramatisch-theatralisches Verhalten 

gegenüber der beruflichen Abklärungsstelle und der IV-Stelle gezeigt habe. Das 

beobachtete Freizeitverhalten der Versicherten (mit Velo zur Arbeit, Führen des eigenen 

Haushaltes) werfe die Frage auf, warum die Versicherte nicht in der Lage gewesen sei, 

adaptierte Reinigungstätigkeiten im I.___, sondern nur einfachste und 

"niederschwelligste" Tätigkeiten in der Wäscherei/Lingerie auszuführen. Am 26. 

November 2020 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche 

Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 212). Zur Begründung hielt sie fest, dass sich 

die Versicherte nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.

Mit Vorbescheid vom 9. Juni 2021 stellte die IV-Stelle der Versicherten bei einem 

IV-Grad von 20 % die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 219). 

Dagegen wendete der damalige Vertreter der Versicherten am 16. August 2021 ein (IV-

act. 225), dass ein unabhängiges polydisziplinäres Gutachten sowie eine 

berufspraktische Beurteilung notwendig seien, um die Arbeitsunfähigkeit zuverlässig 

feststellen zu können. Mit Verfügung vom 20. Januar 2022 wies die IV-Stelle das 

Rentengesuch wie angekündigt ab (IV-act. 231). Gegen diese Verfügung liess die 

Versicherte am 21. Februar 2022 Beschwerde erheben; ihr damaliger Vertreter 

beantragte die Zusprache einer vollen (richtig: ganzen) IV-Rente ab dem 14. Dezember 

2016 oder seit wann rechtens (IV-act. 233). Am 10. Februar 2022 hatte der Hausarzt Dr. 

J.___ dem damaligen Vertreter der Versicherten berichtet (IV-act. 236-1 f.), dass die 

Arbeitsfähigkeit der Versicherten durch die Schmerzen, die Belastungsintoleranz, den 

schlechten Schlaf und die erhebliche psychische Komponente mit innerer Unruhe, 

schlechter Konzentration und Fahrigkeit zu 50 % eingeschränkt sei. Dr. H.___ hatte 

B.d. 

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dem damaligen Vertreter am 1. März 2022 berichtet, dass die Versicherte seit dem Jahr 

2016 an einer anhaltenden depressiven Symptomatik ohne Remissionsphasen leide. 

Unter Mitberücksichtigung der ICD-11-Richtlinien müsse seit 2016 auch von einer 

dekompensierten kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und 

abhängigen Zügen (F61.0) ausgegangen werden IV-act. 236-5 f.). Bei der Versicherten 

könne zukünftig von einer anhaltenden, mindestens 50 %igen Arbeitsunfähigkeit 

ausgegangen werden.

Am 3. Mai 2022 widerrief IV-Stelle die Verfügung vom 20. Januar 2022 (IV-

act. 240). Das Versicherungsgericht schrieb das Beschwerdeverfahren am 10. Mai 

2022 ab (IV-act. 244).

B.e. 

Am 17. Oktober 2022 erstattete das ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut ein 

interdisziplinäres Gutachten (IV-act. 270). Als Diagnosen mit Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter ein chronisches lumbospondylogenes/

fazettogenes Schmerzsyndrom rechtsbetont und ein chronisches, primär myogelotisch 

bedingtes zervikales Schmerzsyndrom (vollständige Diagnoseliste: IV-act. 270-10). Die 

Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten (vollständige Diagnoseliste: 

IV-act. 270-11): Status nach traumatischer Volkmann-Fraktur linker Fuss nach Unfall 

vom 5. Juni (richtig: 15. Juni) 2007 mit Ruptur der vorderen Syndesmose, Partialruptur 

der hinteren Syndesmose, Ruptur Ligamentum fibulocalcaneare, Partialruptur 

Ligamentum fibulotalare anterius sowie Zerrung und Partialruptur des Ligamentum 

deltoideum, aktenanamnestisch beginnende Patellofemoralarthrose (klinisch 

unauffälliger Kniegelenksstatus bds.), rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig 

remittiert, episodisches Spannungstyp-Kopfweh, Adipositas mit BMI von 32 kg/m , 

Dyslipidämie und primäre substituierte Autoimmunhypothyreose Typ Hashimoto. Der 

allgemeininternistische Gutachter Dr. med. K.___ hielt fest, dass eine adäquate 

Behandlung der Dyslipidämie und der Schilddrüsenfunktionsstörung bestehe. Aus 

allgemeininternistischer Sicht seien bei der Versicherten keine Diagnosen festgestellt 

worden, die die Arbeitsfähigkeit negativ beeinflussen würden. Der psychiatrische 

Gutachter L.___ führte aus, dass aktenanamnestisch eine rezidivierende 

Depressionserkrankung beschrieben werde, die im Gefolge der Kündigung des 

Arbeitsplatzes nach dem Unfallereignis im Jahr 2007 aufgetreten sei und bis heute 

fortbestehe. In der aktuellen Untersuchung habe die Versicherte jedoch keine 

B.f. 

2

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depressive Symptomatik gezeigt, weshalb diagnostisch von einer rezidivierenden 

depressiven Störung, gegenwärtig remittiert, auszugehen sei. Die Versicherte habe ein 

deutlich aggravatorisches Verhalten gezeigt. Es bestehe ein sekundärer 

Krankheitsgewinn bei selbstlimitierenden Tendenzen. Die Versicherte sei im Gespräch 

mehrfach mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Stuhl hin- und hergerutscht und 

habe angegeben, sämtliche Unterlagen, die sie zur Untersuchung hätte mitbringen 

müssen, vergessen zu haben. Ein deutlicher Leidensdruck sei in der Untersuchung 

jedoch nicht spürbar gewesen. Auch in der Alltagsgestaltung sei die Versicherte nicht 

höhergradig eingeschränkt. Bezüglich der beklagten Schmerzen sei bei einem 

organischen Kern von einer Schmerzausweitung auszugehen. Ein Störungsbild aus 

dem Spektrum der somatoformen Störungen sei jedoch nicht zu diagnostizieren. Die 

von der Versicherten wahrgenommenen Schmerzen seien als durch die affektive 

Symptomatik verstärkt zu werten. Weitere Diagnosen aus dem Spektrum der 

psychischen Erkrankungen, insbesondere eine Persönlichkeitsstörung oder eine 

Traumafolgestörung, seien nicht zu stellen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der 

bisherigen wie auch in einer optimal angepassten Tätigkeit keine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit. Auch retrospektiv ergäben sich aus psychiatrischer Sicht keine 

Anhaltspunkte für eine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Der 

rheumatologische Gutachter Dr. med. K.___ erklärte, dass sich als Hauptbefund der 

klinischen Untersuchung eine schmerzhaft reduzierte Funktionsfähigkeit der 

Lendenwirbelsäule gezeigt habe; vor allem bei der kombinierten Lateralflexion nach 

rechts und der Reklination habe ein deutlicher Schmerz lumbogluteal rechts provoziert 

werden können. Bei der endphasigen Flexion sei es zu einer zunehmenden 

Ausstrahlung ins rechte Bein gekommen. Unter Berücksichtigung der MRT-Bildgebung 

vom August 2021 könnten die beklagten Beschwerden pathoanatomisch gut erklärt 

werden. Die klinisch festgestellte leichte Einschränkung der HWS-Beweglichkeit könne 

primär myogelotisch erklärt werden. Das gesamte Ausmass der nun seit 15 Jahren 

massiv eingeschränkten Leistungsfähigkeit könne aufgrund der klinischen Befunde am 

Bewegungsapparat nicht adäquat erklärt werden. Es sei von einer erheblichen 

funktionellen Überlagerung und einem chronifizierten Schmerzsyndrom mit deutlicher 

Selbstlimitierung auszugehen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe eine volle 

Arbeitsunfähigkeit. Eine theoretisch vorstellbare Tätigkeit müsse physisch leicht und 

wechselbelastend sein. Eine solche Tätigkeit sei der Versicherten sechs Stunden pro 

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Tag möglich. Idealerweise sollte die Arbeitszeit über den Tag verteilt werden. 

Insgesamt schätze er die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf 70 %. Der 

neurologische Gutachter Dr. med. M.___ führte aus, dass die Versicherte 

Kreuzschmerzen mit einer Ausstrahlung ins rechte Bein hinten bis zum Fussrücken 

beschrieben habe. Unter Berücksichtigung des Resultats der MRI-Untersuchung der 

LWS vom 19. August 2021 (diskoligamentärer foraminaler Kontakt zur Nervenwurzel L5 

rechts bei mässiggradigem Diskusbulging auf Höhe LWK5/SWK1) komme eine 

intermittierende Irritation der Wurzel L5 rechts als Erklärung für die Ausstrahlung in 

Frage. Zum Untersuchungszeitpunkt habe aber keine Radikulopathie objektiviert 

werden können. Die funktionelle Überlagerung habe die Beurteilung erschwert. So sei 

eine Kraftprüfung wegen des "Nachlassens quasi am ganzen Körper" nicht möglich 

gewesen und die angegebenediffuse Sensibilitätsstörung am rechten Bein respektive 

mit medialer Betonung könne nicht radikulär in Korrelation zum MRI-Befund 

zugeordnet werden. Nebenbefundlich habe die Versicherte intermittierende 

Hinterkopfschmerzen ohne Begleitsymptome beschrieben, welche an weniger als der 

Hälfte der Tage manifest seien. Hierbei handle es sich um ein episodisches 

Spannungstyp-Kopfweh. In einer körperlich leichten Tätigkeit ohne Zwangshaltungen 

und mit der Möglichkeit von Positionswechseln sei die Versicherte aus neurologischer 

Sicht bei ganztägiger Präsenz zu 80 % arbeitsfähig. Die Rendementreduktion sei durch 

die Schmerzen und den etwas erhöhten Pausenbedarf begründet. Die Einschränkung 

aus neurologischer Sicht gelte spätestens seit der Durchführung des MRI der LWS am 

19. August 2021. Für die Zeit davor sei keine Aussage möglich, da somatische Akten 

ab Juni 2016 fehlten. Die Gutachter hielten in der Gesamtbeurteilung fest, dass sich die 

Einschränkungen aus rheumatologischer und neurologischer Sicht nicht addierten, da 

dieselbe Symptomatik beschrieben worden sei und dieselben Zeitabschnitte zum 

Einlegen von Pausen und zur Erholung genutzt werden könnten. Aus polydisziplinärer 

Sicht bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer 

physisch leichten, wechselbelastenden Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70 

%. Aufgrund der ungenügend dokumentierten Situation insbesondere aus der Sicht 

des Bewegungsapparates könne diese Einschätzung seit dem Zeitpunkt der letzten IV-

Anmeldung im April 2019 angenommen werden.

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RAD-Arzt Dr. med. N.___, Facharzt Chirurgie, notierte am 24. Oktober 2022 (IV-

act. 273), dass das Gutachten die versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle, 

weshalb auf es abgestellt werden könne. Allerdings sei unverständlich, weshalb die 

Gutachterstelle auf der Seite 9 des Gutachtens unter Ziff. 4.2 bei der Beurteilung der 

Konsistenz und der Plausibilität auf die einzelnen Teilgutachten verwiesen habe. Auch 

zu weiteren Fragen hätten die Gutachter nicht explizit Stellung genommen, sondern auf 

Punkte im Gutachten verwiesen. Auf eine entsprechende Anfrage antwortete das ABI 

am 9. November 2022 (IV-act. 277), dass es in Situationen, in denen in den 

Teilgutachten zur genau gleichen Fragestellung Angaben aus den verschiedenen 

Fachrichtungen erfolgt seien, die nicht weiter zu diskutieren seien und für sich ständen, 

keinen Sinn mache, diese nochmals hineinzukopieren. In solchen Fällen könne ohne 

Qualitätsverlust ein Verweis angebracht werden.

B.g. 

RAD-Arzt Dr. N.___ notierte am 17. November 2022 (IV-act. 278), dass das 

Gutachten formell nicht korrekt sei. Der RAD-Arzt, die fallverantwortliche IV-

Sachbearbeiterin und ein Rechtsdienstmitarbeiter kamen bei einem Fallgespräch vom 

18. Januar 2023 (IV-act. 280) zum Schluss, dass aus medizinischer Sicht gemäss der 

"Festlegung des BSV" die Frage nach der Konsistenz und Plausibilität explizit zu 

beantworten sei. Die medizinische Einschätzung sei aus der Sicht des RAD jedoch 

nachvollziehbar und schlüssig. Eine Indikatorenprüfung habe stattgefunden. Aus 

juristischer Sicht könne auf das Gutachten abgestellt werden.

B.h. 

Mit Vorbescheid vom 20. Januar 2023 stellte die IV-Stelle der Versicherten bei 

einem IV-Grad von 30 % die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 283). 

Zur Begründung hielt sie fest, dass gemäss dem polydisziplinären Gutachten vom 17. 

Oktober 2022 in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als Näherin keine verwertbare 

Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit 

könne von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % ausgegangen werden. Da die Versicherte 

zuletzt kein regelmässiges Einkommen habe erzielen können, sei für die Festlegung 

des Valideneinkommens auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik 

abzustellen (LSE-Tabelle, privater Sektor, Niveau 1 Frauen, Jahr 2020: Fr. 54'137.-- 

[inkl. Indexierung auf das Jahr 2022]). Für die Festlegung des Invalideneinkommens sei 

ebenfalls auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik abzustellen (Fr. 

54'137.--). Bei der Verwertung der Arbeitsfähigkeit von 70 % sei es der Versicherten 

B.i. 

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C.  

damit noch möglich, ein Jahreseinkommen von Fr. 37'896.-- zu erzielen. Dagegen 

wendete die Versicherte am 27. Februar 2023 ein (IV-act. 287), dass die Verwertbarkeit 

der Restarbeitsfähigkeit aufgrund der langen Abstinenz vom Berufsleben (15 Jahre), 

ihres hohen Alters (61 Jahre), ihrer psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen, 

des grossen Umstellungs- und Einarbeitungsaufwands und ihrer eingeschränkten 

geistigen Fähigkeiten nicht gegeben sei. Die IV-Stelle hätte für die Ermittlung der 

Arbeitsfähigkeit die Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung 

einschalten müssen. Die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit sei ihr nicht zumutbar, 

weshalb ihr ab dem 30. April 2019 oder ab wann rechtens eine ganze Rente zu 

gewähren sei.

Mit Verfügung vom 7. März 2023 wies die IV-Stelle das Rentengesuch wie 

angekündigt bei einem IV-Grad von 30 % ab (IV-act. 288). Zum Einwand hielt sie fest, 

gemäss dem Gutachten bestünden keine spezifischen Einschränkungen für manuelle 

Tätigkeiten an einem ergonomisch gut eingestellten Arbeitsplatz. Eine Anfrage an die 

Berufsberatung bzw. die berufliche Integration sei deshalb nicht notwendig. Die Hürden 

für die Annahme einer unverwertbaren Restarbeitsfähigkeit bei älteren Menschen und 

die Verneinung von intakten Anstellungschancen auf dem von Gesetzes wegen als 

ausgeglichen zu betrachtenden Arbeitsmarkt seien relativ hoch. Daher bleibe es bei der 

bisherigen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit.

B.j. 

Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

am 24. April 2023 Beschwerde erheben (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der 

Verfügung vom 7. März 2023 und die Zusprache einer vollen (richtig: ganzen) IV-Rente 

ab dem 30. April 2019 oder ab wann rechtens. Eventualiter sei die Sache, verbunden 

mit der Anweisung, den rechtserheblichen Sachverhalt im Rahmen einer 

berufspraktischen Begutachtung vollständig und widerspruchsfrei festzustellen und 

das widersprüchliche ABI-Gutachten berichtigen zu lassen, zur neuen Entscheidung an 

die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Des Weiteren 

beantragte die Beschwerdeführerin die Zusprache einer Parteientschädigung. Zur 

Begründung der Beschwerde hielt sie fest, unter Ziff. 8.1.3 des rheumatologischen 

Teilgutachtens des ABI habe der Gutachter eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 

C.a. 

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attestiert. Im Widerspruch dazu sei die Beschwerdegegnerin von einer 70 %igen 

Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Auch im Bericht der Klinik für Rheumatologie vom 22. 

Juni 2016 sei ihr eine klar höhere Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden. Ausserdem 

sei die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit im Hinblick auf die lange Abstinenz vom 

Berufsleben und wegen des hohen Alters nicht gegeben. Die Eingliederungsfachperson 

habe nach der Durchführung der beruflichen Abklärungen festgehalten, dass die 

psychische und physische Belastbarkeit niedrig sei. Die Arbeitsfähigkeit betrage 

maximal 50 %. Die Einschätzung der Beschwerdegegnerin, wonach die 

Restarbeitsfähigkeit 70 % betrage, sei somit akten- und tatsachenwidrig. Die 

Beschwerdegegnerin selbst habe gerügt, dass das ABI in seinem Gutachten teilweise 

nicht explizit zu den Fragen Stellung genommen, sondern Verweise angebracht habe. 

Der RAD habe das ABI-Gutachten als formell nicht korrekt und widersprüchlich 

bezeichnet. Daher bestünden berechtigte Zweifel am Beweiswert des ABI-Gutachtens. 

Es sei im Sinne einer Zwischenverfügung zu entscheiden, ob das ABI-Gutachten 

korrekt und widerspruchsfrei erstellt worden sei, oder ob es einer gerichtlichen 

Expertise bedürfe.

Am 2. Mai 2023 teilte die verfahrensleitende Richterin der Beschwerdeführerin mit, 

dass im Kanton St. Gallen die berufsmässige Vertretung vor Gericht durch das 

Anwaltsgesetz den Rechtsanwälten und Rechtagenten mit 

Berufsausübungsbewilligung vorbehalten sei (act. G 2). Eine Ausnahme sehe Art. 12 

des Anwaltsgesetzes (AnwG, sGS 963.70) nur für bestimmte Verfahren und 

Personenkategorien vor, unter die ihr Vertreter als HR & Law Consultant jedoch nicht 

falle. Die verfahrensleitende Richterin forderte den Vertreter auf, von der weiteren 

Vertretung der Beschwerdeführerin im laufenden Prozess abzusehen oder den 

Nachweis zu erbringen, dass die Vertretung nicht berufsmässig erfolge. Weder der 

Vertreter noch die Beschwerdeführerin liessen sich vernehmen.

C.b. 

Am 22. Mai 2023 stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege (act. G 3).

C.c. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. Juni 2023 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung hielt sie fest, die Arbeitsfähigkeit einer 

versicherten Person könne nicht aufgrund der Ergebnisse einer beruflichen Abklärung 

C.d. 

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festgelegt werden. Vielmehr sei die Arbeitsfähigkeit ausschliesslich medizinisch-

theoretisch zu bestimmen. Aufgrund der bei der Beschwerdeführerin vorhandenen 

subjektiven Krankheitsüberzeugung seien Arbeitsversuche von vornherein zum 

Scheitern verurteilt. Der von der Beschwerdeführerin erwähnte Bericht der Klinik für 

Rheumatologie des KSSG vom 22. Juni 2016 enthalte keine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung. Zudem sei dieser Bericht vom ABI gewürdigt worden. Die 

Antwort des ABI vom 9. November 2022 sei schlüssig und halte der Rechtsprechung 

des Bundesgerichts hinsichtlich der Indikatorenprüfung stand. Der RAD habe 

anlässlich des Fallgesprächs vom 19. Januar 2023 ebenfalls ausgeführt, dass die 

medizinische Einschätzung des ABI nachvollziehbar sei. Daher sei auf das ausführliche 

und nachvollziehbare ABI-Gutachten abzustellen. Für die Beschwerdeführerin kämen 

leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten 

und leichtere Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung in Frage. Ihr 

jetziges Alter sei nicht ausschlaggebend für die Beurteilung der Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit, weil sie in einer angepassten Tätigkeit stets zu 80 % bzw. 70 % 

hätte erwerbstätig sein können. Die 15-jährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt sei auf 

invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen. Die Restarbeitsfähigkeit sei somit 

verwertbar.

Am 7. Juli 2023 teilte die verfahrensleitende Richterin der Beschwerdeführerin mit 

(act. G 8), dass dem Gesuch um unentgeltliche Rechtpflege wegen der Verneinung der 

Prozessarmut nicht entsprochen werden könne. Ohne ausdrücklichen Gegenbericht 

gehe das Gericht davon aus, dass sie mit der formlosen Erledigung des Gesuchs um 

unentgeltliche Rechtspflege einverstanden sei. Die Beschwerdeführerin liess sich nicht 

vernehmen.

C.e. 

In ihrer Replik vom 2. Oktober 2023 (act. G 12) machte die Beschwerdeführerin 

ergänzend geltend, die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit zu verwerten, 

hänge nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine 

berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur 

Verfügung stehe. Mit knapp 62 Jahren und in Anbetracht der erheblichen 

gesundheitlichen Probleme sei sie nicht mehr vermittelbar. Erschwerend komme hinzu, 

dass die Beschwerdeführerin über keinen Berufsabschluss verfüge. Aktuell leide sie an 

starken Fuss-, Rücken- und Knieschmerzen. Die ständigen Schmerzen hinderten sie 

C.f. 

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Erwägungen

1.

Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss Art. 60 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

(ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der 

Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung datiert vom 7. März 2023. Die 

Verfügung ist der Beschwerdeführerin resp. ihrem Vertreter am 9. März 2023 zugestellt 

worden. Gesetzliche oder behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt 

sind, stehen vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern still 

(Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG). Der Ostersonntag ist im Jahr 2023 auf den 9. April gefallen, 

d.h. die Frist hat vom Sonntag, 2. April bis Sonntag, 16. April 2023 stillgestanden. Vom 

10. März 2023 bis 1. April sind 23 Tage der Frist verstrichen. Der 17. April ist also der 

24. Tag und der 23. April − ein Sonntag − der 30. und damit letzte Tag der Frist 

gewesen. Ist der letzte Tag der Frist ein Sonntag, so endet sie am nächstfolgenden 

Werktag (Art. 38 Abs. 3 ATSG). Die Frist hat somit am Montag, 24. April 2023 geendet. 

Die Beschwerdeführerin hat an diesem Tag und somit rechtzeitig Beschwerde erhoben. 

Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.

2.

Die Beschwerdeführerin hat im Begründungsteil der Beschwerdeschrift den Antrag 

gestellt, es sei im Sinne einer Zwischenverfügung zu entscheiden, ob das ABI-

Gutachten korrekt und widerspruchsfrei erstellt worden sei, oder ob es einer 

gerichtlichen Expertise bedürfe. Die Frage, ob das ABI-Gutachten beweiskräftig ist, ist 

im Rahmen des das Beschwerdeverfahren abschliessenden Entscheides zu beurteilen. 

Die Beschwerdeführerin hat nicht aufgezeigt und es ist auch nicht ersichtlich gewesen, 

inwiefern sie ein schutzwürdiges Interesse an einer vorfrageweisen Klärung dieser 

Frage haben sollte. Auf eine entsprechende verfahrensleitende Verfügung ist daher 

verzichtet worden.

daran, die im Gutachten geforderte angepasste Tätigkeit auszuüben. Auch die akuten 

Schlafprobleme und die Antriebslosigkeit stünden der geforderten Erwerbstätigkeit klar 

entgegen. Eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit sei auch vor diesem Hintergrund 

unzumutbar. Der Beschwerdeführerin sei eine ganze Rente zuzusprechen.

Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 14).C.g. 

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3.

Bei der Anmeldung vom April 2019 zum Bezug von IV-Leistungen hat es sich bereits 

um das fünfte Gesuch der Beschwerdeführerin gehandelt. Zuletzt ist das 

Rentengesuch am 14. Dezember 2016 abgewiesen worden. Gemäss Art. 87 Abs. 3 der 

Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) wird eine neue 

Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der 

Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die 

Beschwerdegegnerin hat mit der Anmeldung vom April 2019 einen Kurzaustrittsbericht 

der Klinik G.___ vom 7. März 2019 über einen stationären Aufenthalt der 

Beschwerdeführerin vom 14. Januar 2019 bis 6. März 2019 eingereicht. Dem Bericht 

waren unter anderem die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, 

gegenwärtig mittelgradige Episode, und einer chronischen Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren zu entnehmen. Hierauf hat die 

Beschwerdegegnerin den vollständigen Austrittsbericht vom 29. März 2019 

angefordert. Der RAD hat am 24. September 2019 festgehalten, dass das Vorliegen 

einer mittelgradigen depressiven Störung durch die im Bericht enthaltenen Befunde 

glaubhaft gemacht worden sei (IV-act. 194). Dem Bericht ist zu entnehmen, dass sich 

die depressive Symptomatik besonders in einer niedergedrückten Stimmung, einem 

Verlust von Freude, Auffassungs- und Konzentrationsstörungen und einem 

verminderten Antrieb sowie Schamgefühlen gezeigt habe. Demgegenüber hatte der 

psychiatrische Gutachter bei der Verlaufsbegutachtung im August 2015 nur eine 

chronische depressive Störung, gegenwärtig subsyndromale bis leichte depressive 

Episode ohne somatisches Syndrom, feststellen können. Damit ist eine 

Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin 

glaubhaft gemacht worden. Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht auf die 

Neuanmeldung vom April 2019 eingetreten.

4.

Mit der angefochtenen Verfügung vom 7. März 2023 hat die Beschwerdegegnerin das 

Rentengesuch der Beschwerdeführerin abgewiesen. Gemäss dem Bundesgericht muss 

bei einer erneuten Anmeldung nach einer vorausgegangenen rechtskräftigen 

Abweisung eines Rentenbegehrens geprüft werden, ob ein Revisionsgrund im Sinne 

von Art. 17 ATSG vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2015, 

9C_9/2015). Diese Praxis ist jedoch gesetzeswidrig: Mit Art. 29 Abs. 1 ATSG besteht 

eine abschliessende gesetzliche Regelung der Wirkung von Neuanmeldungen, sodass 

keine ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke vorliegt, die durch eine analoge Anwendung 

des Art. 17 ATSG auf die Neuanmeldung auszufüllen wäre (vgl. Entscheid des 

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Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Dezember 2016, IV 2014/188 

E. 1.3 ff.). Die Neuanmeldung unterscheidet sich also nicht von einer erstmaligen 

Anmeldung. Demnach ist im vorliegenden Fall nur zu prüfen, ob die 

Beschwerdeführerin in einem rentenbegründenden Ausmass invalid ist.

5.  

6.  

Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG).

5.1. 

Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad 

grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen).

5.2. 

Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die 

Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdeführerin ist im September 2022 durch 

das ABI polydisziplinär begutachtet worden. Nachfolgend ist zu prüfen, ob dieses 

Gutachten voll beweiskräftig ist und für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit darauf 

abgestellt werden kann.

6.1. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 16/25

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Der RAD-Arzt Dr. N.___ hat bemängelt, dass die Gutachterstelle in der 

interdisziplinären Konsensbeurteilung bei der Frage "Beurteilung der Konsistenz und 

Plausibilität" lediglich auf die einzelnen Teilgutachten verwiesen habe. Auch zu 

weiteren Fragen hätten die Gutachter nicht explizit Stellung genommen, sondern auf 

andere Punkte im Gutachten verwiesen. Das Gutachten sei formell nicht korrekt. Das 

ABI hat dieser Kritik auf eine Rückfrage hin entgegengehalten, dass es in Situationen, 

in denen in den Teilgutachten zur genau gleichen Fragestellung Angaben aus den 

verschiedenen Fachrichtungen erfolgt seien, die nicht weiter zu diskutieren seien und 

für sich ständen, keinen Sinn mache, diese nochmals hineinzukopieren. In solchen 

Fällen könne ohne Qualitätsverlust ein Verweis angebracht werden. Entscheidend für 

den Beweiswert eines Gutachtens ist, ob es die streitigen Belange umfassend beurteilt, 

auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden würdigt, die 

Vorakten berücksichtigt, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge 

einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 

231 E. 5.1 und BGE 122 V 157 E. 1c). Bezüglich der Konsistenz und Plausibilität der 

geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist also entscheidend, dass 

alle Teilgutachter diese Frage beantwortet haben und dass unterschiedliche 

Beobachtungen bzw. Schlussfolgerungen in der Gesamtbeurteilung diskutiert werden. 

Sofern es hinsichtlich der Konsistenz und Plausibilität keine Widersprüche zwischen 

den einzelnen Teilgutachten gibt, schmälert es den Beweiswert eines Gutachtens nicht, 

wenn in der Gesamtbeurteilung lediglich auf die einzelnen Teilgutachten verwiesen 

wird. Einem Gutachten deswegen den Beweiswert abzusprechen, wäre überspitzt 

formalistisch. Der allgemein-internistische Gutachter hat auf eine Diskussion der 

Konsistenz und Plausibilität der geltend gemachten Beschwerden auf seinem 

Fachgebiet verzichtet (IV-act. 270-40). Dies ist gerechtfertigt gewesen, da er keine 

allgemein-internistischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt hat. 

Alle anderen beteiligten Gutachter haben sich mit der Konsistenz und Plausibilität in 

ihren Teilgutachten auseinandergesetzt (IV-act. 270-47 f., IV-act. 270-58, IV-act. 

270-67). Die Ausführungen des psychiatrischen, des rheumatologischen und des 

neurologischen Gutachters sind untereinander konsistent und werfen keine Fragen auf. 

Der Umstand, dass in der Gesamtbeurteilung betreffend die Konsistenz und 

Plausibilität der geltend gemachten Beschwerden auf die Teilgutachten verwiesen wird, 

verringert den Beweiswert des Gutachtens daher nicht. Bei den weiteren Verweisen, 

die der RAD-Arzt erwähnt hat, hat es sich um Verweise "innerhalb" der 

Gesamtbeurteilung gehandelt, da diese Fragen doch bereits andernorts beantwortet 

worden sind (siehe IV-act. 270-13). Diese Verweise sind, auch um Wiederholungen zu 

vermeiden, ebenfalls zulässig gewesen. In formeller Hinsicht ist das ABI-Gutachten 

somit nicht zu beanstanden.

6.2. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 17/25

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In materieller Hinsicht hat der RAD-Arzt festgehalten, dass das Gutachten die 

versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle und dass auf es abgestellt werden 

könne. In psychiatrischer Hinsicht liegen neben dem psychiatrischen Teilgutachten des 

ABI der Austrittsbericht der Klinik G.___ vom 29. März 2019 und die Berichte des 

behandelnden Psychiaters Dr. H.___ vom 5. September 2019, 1. April 2021 und 1. März 

2022 im Recht. Da die Beschwerdeführerin in der gutachterlichen Untersuchung keine 

depressive Symptomatik gezeigt hat, ist der psychiatrische Gutachter von einer 

rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert, ausgegangen. 

Übereinstimmend mit Dr. H.___ hat er erklärt, dass die Beschwerdeführerin nicht an 

einem Störungsbild aus dem Spektrum der somatoformen Störungen leide, sondern 

dass die Schmerzen als durch die affektive Symptomatik verstärkt zu werten seien. Der 

Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem Syndrom von Dr. 

H.___ sei deshalb zu folgen. Demgegenüber hat die Klinik G.___ eine chronische 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert. Beim 

Klinikaufenthalt hatte die depressive Symptomatik allerdings klar im Vordergrund 

gestanden. Hinzu kommt, dass dem Bericht zwar zu entnehmen ist, dass die 

Beschwerdeführerin an chronischen Schmerzen und diversen körperlichen Symptomen 

litt. Allerdings fehlen jegliche Angaben zur Herleitung der Diagnose einer chronischen 

Schmerzstörung. Des Weiteren hat die Beschwerdeführerin gemäss dem 

psychiatrischen Gutachter in der Untersuchung ein deutlich aggravatorisches Verhalten 

gezeigt. Es war nämlich kein deutlicher Leidensdruck spürbar und die Alltagsgestaltung 

der Beschwerdeführerin war nicht höhergradig eingeschränkt gewesen. Der 

psychiatrische Gutachter hat erklärt, dass ein sekundärer Krankheitsgewinn bei 

selbstlimitierenden Tendenzen bestehe. Diese gutachterlichen Feststellungen erklären 

auch die Divergenzen zwischen den Angaben der Behandler und den Angaben des 

psychiatrischen Gutachters hinsichtlich der depressiven Symptomatik. Der 

psychiatrische Gutachter hat in seinem Teilgutachten darauf hingewiesen, dass die von 

der Klinik G.___ angegebene Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode aus 

dem erhobenen psychopathologischen Befund nicht abgeleitet werden könne. Die 

Beschwerdeführerin sei allenfalls als affektiv ängstlich, deprimiert, leicht ratlos und 

klagsam beschrieben worden. Darüber hinaus hätten aber nur eingeschränkte 

Deutschkenntnisse bestanden, sodass die Beschwerdeführerin immer wieder an den 

Fragen vorbeigeredet bzw. diese nicht verstanden habe. Dr. H.___ hat in seinem 

Bericht vom 1. März 2022 festgehalten, dass die Beschwerdeführerin seit 2016 an einer 

anhaltenden depressiven Symptomatik ohne Remissionsphasen leide (IV-act. 236-5). In 

seinen Berichten hat er jeweils eine mittelgradige Episode angegeben. Der vom 

psychiatrischen Gutachter festgestellten Aggravation hat Dr. H.___ in seinen Berichten 

nicht Rechnung getragen. Behandelnde Ärzte pflegen wegen ihrer auftragsrechtlichen 

6.3. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 18/25

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Vertrauensstellung erfahrungsgemäss im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten 

auszusagen (vgl. etwa das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 

5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Auch neigen sie erfahrungsgemäss dazu, die 

(pessimistischen) Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen 

zu qualifizieren (siehe Entscheid des Versicherungsgerichts vom 19. November 2019, 

IV 2016/323 E. 3.4). Gerade in Fällen wie dem vorliegenden, in denen der Gutachter ein 

aggravatorisches Verhalten und einen sekundären Krankheitsgewinn bei 

selbstlimitierenden Tendenzen festgestellt hat, kommt den Berichten der behandelnden 

Ärzte deshalb nur ein geringer Beweiswert zu. Die Problematik, dass die behandelnden 

Ärzte die gesundheitliche Beeinträchtigung schwerer und die Arbeitsunfähigkeit höher 

einschätzen als unabhängige Gutachter, hat sich bezüglich der Beschwerdeführerin 

bereits in den drei vorhergehenden Verwaltungsverfahren gezeigt: Die 

Beschwerdeführerin ist bereits in den Jahren 2010, 2012 und 2015 begutachtet 

worden. In allen Fällen haben die Gutachter insbesondere die psychischen 

Beschwerden als weniger gravierend eingestuft und der Beschwerdeführerin − anders 

als die jeweils behandelnden Psychiater − keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer 

Sicht attestiert. Bereits im ersten Gutachten aus dem Jahr 2010 haben die Gutachter 

festgehalten, es sei sehr wahrscheinlich, dass das gesamte Erscheinungsbild durch 

eine erhebliche Selbstlimitierung, die keinen Krankheitswert habe, mitgeprägt sei. Auch 

die von Dr. H.___ neben der depressiven Störung angegebene Diagnose einer 

kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und abhängigen Zügen 

(F61.0) überzeugt nicht, denn Dr. H.___ hat diese Diagnose nicht ausreichend 

begründet. Er hat lediglich erklärt, dass unter Berücksichtigung der ICD-11 Richtlinien 

seit 2016 von einer dekompensierten kombinierten Persönlichkeitsstörung 

ausgegangen werden müsse (Bericht vom 1. März 2022, IV-act. 236-5 f.). Der 

psychiatrische Gutachter hat darauf hingewiesen, dass sich lebensgeschichtlich keine 

Anhaltspunkte für eine Persönlichkeitsstörung gezeigt hätten. Als Eingangskriterien 

müssten seit der Kindheit oder Jugend dysfunktionale Verhaltens- und 

Wahrnehmungsmuster vorhanden sein, die durchgehend und nicht auf einzelne 

Episoden beschränkt seien und die zu einem mit der Zeit in verschiedenen 

Lebensbereichen deutlich reduzierten psychosozialen Funktionsniveau geführt hätten. 

Dies sei bei der Beschwerdeführerin nicht der Fall. Demnach kann − auch retrospektiv 

ab 2018 bis zur psychiatrischen Begutachtung im September 2022 − nicht auf die 

Beurteilungen von Dr. H.___ und der Klinik G.___ abgestellt werden. Von weiteren 

Abklärungsmassnahmen ist kein Erkenntnisgewinn zu erwarten, da sich die 

Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitraum in keiner anderen fachärztlichen 

psychiatrischen Behandlung befunden hat. Für die Zeit vor der Begutachtung bedeutet 

dies, dass nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 19/25

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dass die Beschwerdeführerin ab 2018 wegen der rezidivierenden depressiven Störung 

längerdauernd in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist. Den Nachteil der 

Beweislosigkeit hat die Beschwerdeführerin zu tragen, da sie aus dem unbewiesen 

gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (vgl. BGE 117 V 261 E. 3b). Für die Zeit 

ab der Begutachtung ist auf die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters 

abzustellen, wonach die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.

Der rheumatologische Gutachter hat als Diagnosen mit Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbospondylogenes/fazettogenes Schmerzsyndrom 

rechtsbetont und ein chronisches, primär myogelotisch bedingtes zervikales 

Schmerzsyndrom angegeben. Er hat erklärt, dass der Hauptbefund der klinischen 

Untersuchung eine schmerzhaft reduzierte Funktionsfähigkeit der Lendenwirbelsäule 

gewesen sei. Unter Berücksichtigung der MRT-Bildgebung vom August 2021 könnten 

die beklagten lumboglutealen Schmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein gut erklärt 

werden. Die klinisch festgestellte leichte Einschränkung der HWS-Beweglichkeit könne 

primär myogelotisch (Verhärtung der Muskulatur) erklärt werden. Das gesamte 

Ausmass der massiv eingeschränkten Leistungsfähigkeit könne aufgrund der klinischen 

Befunde am Bewegungsapparat nicht adäquat erklärt werden. Es sei von einer 

erheblichen funktionellen Überlagerung und von einem chronifizierten Schmerzsyndrom 

mit einer deutlichen Selbstlimitierung auszugehen. Der rheumatologische Gutachter hat 

die angestammte Tätigkeit als Näherin als nicht mehr zumutbar erachtet. Für 

adaptierte, körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeiten hat er die 

Arbeitsfähigkeit auf 70 % geschätzt. Der neurologische Gutachter hat als Diagnose mit 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebral-Syndrom angegeben. 

Er hat erklärt, dass unter Berücksichtigung des Resultats der MRI-Untersuchung der 

LWS vom 19. August 2021 eine intermittierende Irritation der Wurzel L5 rechts als 

Erklärung für die Ausstrahlung ins rechte Bein hinten bis zum Fussrücken in Frage 

komme. Zum Untersuchungszeitpunkt habe aber keine Radikulopathie objektiviert 

werden können. Die funktionelle Überlagerung habe die Beurteilung erschwert. Der 

neurologische Gutachter hat der Beschwerdeführerin für adaptierte Tätigkeiten eine 

Arbeitsfähigkeit von 80 % attestiert. In der Gesamtbeurteilung haben die Gutachter 

festgehalten, dass sich die Einschränkungen aus rheumatologischer und 

neurologischer Sicht nicht addierten, da dieselben Zeitabschnitte zum Einlegen von 

Pausen und zur Erholung genutzt werden könnten. Die Beschwerdeführerin hat in der 

Beschwerdeschrift geltend gemacht, der rheumatologische Gutachter habe ihr in Ziff. 

8.1.3 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Dies ist insoweit korrekt, als es um 

die bisherige Tätigkeit als Näherin gegangen ist. Für eine adaptierte Tätigkeit hat er der 

6.4. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 20/25

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Beschwerdeführerin jedoch eine Arbeitsfähigkeit von 70 % bescheinigt. Die 

Beschwerdegegnerin ist bei der Berechnung des IV-Grades von der Arbeitsfähigkeit für 

adaptierte Tätigkeiten ausgegangen. Entgegen der Behauptung der 

Beschwerdeführerin liegt also kein Widerspruch vor. In Bezug auf die eventualiter 

geforderte berufspraktische Begutachtung ist zu berücksichtigen, dass es bei der 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit darum geht festzustellen, ob bzw. in welchem 

Ausmass einer versicherten Person eine Erwerbstätigkeit objektiv betrachtet noch 

zumutbar ist. Die im Rahmen eines Arbeitsversuchs oder einer berufspraktischen 

Abklärung gezeigte Arbeitsleistung wird wesentlich durch subjektive Faktoren wie die 

von der versicherten Person empfundenen Schmerzen, ihre Motivation und ihre 

Willenskraft mitbestimmt. Aus diesem Grund kann nicht von der im Rahmen eines 

Arbeitsversuchs oder einer berufspraktischen Abklärung gezeigten Arbeitsleistung auf 

die medizinisch-theoretisch mögliche und zumutbare Arbeitsleistung geschlossen 

werden (siehe z.B. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 29. Oktober 2019, IV 

2017/248 E. 3.4). Eine berufspraktische Abklärung ist somit zum Vornherein nicht 

geeignet, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus medizinisch-theoretischer 

Sicht zu ermitteln. Die Beschwerdeführerin hat weiter vorgebracht, dass auch im 

Bericht der Klinik für Rheumatologie des KSSG vom 22. Juni 2016 unter Angabe eines 

chronifizierten panvertebralen Schmerzsyndroms bei einer mittelgradig ausgeprägten 

depressiven Störung klar von einer höheren Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden 

sei. Besagter Bericht ist im Anmeldezeitpunkt (April 2019) fast drei Jahre alt gewesen. 

Er stammt aus einer Zeit, für die bereits ein rechtskräftiger Rentenabweisungsentscheid 

(Verfügung vom 14. Dezember 2016) vorliegt und hat der Beschwerdegegnerin im 

damaligen Verwaltungsverfahren bereits vorgelegen (IV-act. 153, eingegangen am 31. 

August 2016). Seine Aussagekraft ist also bereits deshalb gering, weil er veraltet ist. 

Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie haben der Beschwerdeführerin damals auch für 

körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten eine maximale Arbeitsfähigkeit von 

50 % attestiert. Ob es sich hierbei um eine andauernde oder lediglich um eine 

vorübergehende Arbeitsfähigkeitsschätzung gehandelt hat, geht aus dem Bericht nicht 

hervor. Zudem haben die Klinikärzte ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht begründet 

und sich nicht mit der von den Gutachtern bereits im Jahr 2010 festgestellten 

erheblichen Selbstlimitierung auseinandergesetzt, was nachvollziehbar ist, weil sie als 

behandelnde Spezialärzte nicht über das laufende IV-Verfahren und die vorhandenen 

Gutachten orientiert gewesen sind. Demzufolge muss davon ausgegangen werden, 

dass die Klinikärzte die von der Beschwerdeführerin geschilderten subjektiven 

Beschwerden nicht kritisch hinterfragt und in ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung 

berücksichtigt haben. Der Bericht des KSSG vom 22. Juni 2016 lässt daher keine 

Zweifel an der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung aufkommen. Der Hausarzt 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 21/25

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7.  

der Beschwerdeführerin hat in seinem Bericht vom 10. Februar 2022 als Diagnosen 

unter anderem eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 

Faktoren, chronische Wirbelsäulenbeschwerden bei einer Neuroforamenstenose L5/S1, 

eine psychische Komponente mit einem hohen Leidensdruck und mit einer 

Schlafstörung sowie eine schwere Gonarthrose angegeben. Er hat erklärt, dass die 

Arbeitsfähigkeit durch Schmerzen, Belastungsintoleranz, schlechten Schlaf und die 

erhebliche psychische Komponente mit innerer Unruhe, schlechter Konzentration und 

Fahrigkeit eingeschränkt erscheine. Er schätze die aktuelle Arbeitsfähigkeit als um 

mehr als 20 % eingeschränkt ein, eher um 50 %. Die mittelfristige oder langfristige 

Arbeitsperspektive scheine ungünstig, da sich die Beschwerdeführerin aufgrund ihres 

Leidens und wiederholter Rückschläge scheinbar bereits aufgegeben habe und sich 

bislang keine dauerhafte Lösung habe finden lassen. Die zurückhaltende Wortwahl des 

Hausarztes lässt darauf schliessen, dass ihm die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin schwergefallen ist. Dies ist auch verständlich, da er der 

psychischen Komponente ein erhebliches Gewicht beigemessen hat. Die Beurteilung 

einer psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung und deren Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit ist grundsätzlich Sache der psychiatrischen Fachärzte, da in der Regel 

nur sie über das hierfür notwendige Fachwissen und die entsprechende Erfahrung 

verfügen. Die Einschätzung des Hausarztes lässt daher keine Zweifel an der 

gutachterlichen Beurteilung aufkommen. Da das rheumatologische und das 

neurologische Gutachten widerspruchsfrei und schlüssig sind, kann auf sie abgestellt 

werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin die zuletzt 

ausgeübte Tätigkeit als Näherin nicht mehr zumutbar ist. Hingegen ist sie in einer 

adaptierten, körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit noch zu 70 % arbeitsfähig. Da, wie nachfolgend aufgezeigt wird, 

kein Rentenanspruch resultiert, kann offengelassen werden, wann diese − im Vergleich 

mit der letzten medizinischen Begutachtung − höhergradige Arbeitsunfähigkeit 

eingetreten ist.

Somit bleibt noch der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene 

Einkommensvergleich zu überprüfen. Die massgebenden Validen- und 

Invalideneinkommen sind unter Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse im 

Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns festzusetzen (vgl. BGE 129 V 222; vgl. Rz. 3205 

des Kreisschreibens über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung, KSIR, 

Stand 1. Januar 2022). Die Beschwerdeführerin hat sich im April 2019 zum 

Leistungsbezug angemeldet. Unter Berücksichtigung der sechsmonatigen Wartezeit 

7.1. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 22/25

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gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG würde ein allfälliger Rentenanspruch frühestens am 1. 

Oktober 2019 entstehen. Die Beschwerdeführerin hat keinen Beruf erlernt. Von 1997 

bis August 2008 hat sie als Näherin im selben Unternehmen gearbeitet. Laut dem 

Bericht der Arbeitgeberin vom 21. März 2009 hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 

2009 einen Stundenlohn (Grundlohn) von Fr. 20.70, zuzüglich einer 

Ferienentschädigung von 9.7 %, einer Feiertagsentschädigung (in Stunden ausbezahlt) 

und einer Gratifikation, erhalten. Die Gratifikation hat in den Jahren 2005 und 2006 Fr. 

1'500.-- betragen und im Jahr 2007 Fr. 700.--. Die tiefer ausgefallene Gratifikation im 

Jahr 2007 ist darauf zurückzuführen, dass die Beschwerdeführerin nach dem Velounfall 

am 15. Juni 2007 nicht mehr gearbeitet hat. Für die Ermittlung des Valideneinkommens 

ist daher auf die Gratifikation der Vorjahre abzustellen. Ausgehend von einer 

Gratifikation von Fr. 1'500.-- hätte sich der Lohn im Jahr 2009 auf Fr. 47'086.-- 

belaufen ([Fr. 20.70 x 42.35 Stunden x 52 Wochen] + Fr. 1'500.--). Gemäss der 

Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) hat das durchschnittliche 

Einkommen einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2009 in der Schweiz, aufgerechnet auf die 

betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden, Fr. 52'457.-- betragen 

(siehe Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2012). Die 

Beschwerdeführerin hat in ihrer letzten Anstellung also ein unterdurchschnittliches 

Erwerbseinkommen erzielt. Das Valideneinkommen ist anhand der (hypothetischen) 

Verhältnisse auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt festzulegen. Es ist nicht davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerin freiwillig zu einem unterdurchschnittlichen 

Lohn gearbeitet hat, sondern dass sie aufgrund der Wirtschaftslage bzw. der Situation 

auf dem realen Arbeitsmarkt keine besser bezahlte Arbeitsstelle gefunden hat. Hätte 

der damalige Arbeitsmarkt ihr eine durchschnittlich entlöhnte Hilfsarbeiterinnenstelle 

geboten, hätte die Beschwerdeführerin diese Stelle angenommen. Das 

Valideneinkommen entspricht daher nicht dem zuletzt erzielten, unterdurchschnittlichen 

Erwerbseinkommen als Näherin, sondern demjenigen Lohn, den die 

Beschwerdeführerin bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage hätte erzielen können, 

nämlich dem durchschnittlichen Lohn einer Hilfsarbeiterin (d.h. dem Zentralwert der 

Löhne aller Hilfsarbeiterinnen). Da der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren 

Invalideneinkommens ebenfalls dem statistischen Zentralwert der 

Hilfsarbeiterinnenlöhne entspricht, kann sein Betrag bei der Berechnung des 

Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen. Der Invaliditätsgrad entspricht 

dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen, dem sogenannten 

Tabellenlohnabzug analogen Abzug (sog. Prozentvergleich). Ein solcher Abzug wird 

gewährt, wenn davon ausgegangen werden muss, dass die versicherte Person ihre 

Arbeitsfähigkeit nicht mit demselben ökonomischen Erfolg verwerten kann wie eine 

gesunde, im selben Pensum tätige Person. Ein strikt ökonomisch-betriebswirtschaftlich 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 23/25

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denkender, also keinen Soziallohn ausrichtender Arbeitgeber wird einer versicherten 

Person nämlich keinen durchschnittlichen, sondern nur einen unterdurchschnittlichen 

Lohn ausbezahlen, um seinen aus der Anstellung resultierenden „Arbeitsmehrwert“ – 

die Differenz zwischen dem ökonomischen Wert der Arbeitsleistung und den direkten 

und indirekten Lohn- und Lohnnebenkosten – auf einen durchschnittlichen Betrag zu 

erhöhen, wenn die versicherte Person nur einen unterdurchschnittlichen ökonomischen 

Mehrwert generieren kann respektive wenn die indirekten Lohnkosten und die 

Lohnnebenkosten überdurchschnittlich hoch sind, sodass für den Arbeitgeber nur ein 

unterdurchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Ein strikt betriebswirtschaftlich 

operierender, also ganz bewusst keinen Soziallohn ausrichtender Arbeitgeber wird das 

nicht hinnehmen, sondern diese „Einbusse“ auf die versicherte Person überwälzen, 

indem er ihr nur einen unterdurchschnittlichen Lohn bezahlt, sodass für ihn im Ergebnis 

ein durchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Ein potentieller Arbeitgeber müsste 

bei einer Beschäftigung der Beschwerdeführerin unter anderem in Kauf nehmen, dass 

die Beschwerdeführerin nicht so flexibel wie eine gesunde, in einem Pensum von 70 % 

tätige Arbeitnehmerin eingesetzt werden könnte, weil sie nur ideal leidensadaptierte 

Tätigkeiten ausführen und weil sie keine Mehr- oder Überstunden leisten könnte, weil 

das zumutbare Pensum von 70 % das Maximum dessen darstellen würde, was sie zu 

leisten in der Lage ist. Nach der ständigen Praxis der Abteilung II des 

Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen rechtfertigen diese Einschränkungen, 

allerdings nur wenn von einer relevanten Arbeitsunfähigkeit ausgegangen wird, einen 

zusätzlichen Abzug von maximal zehn Prozent. Bei der für die Beschwerdeführerin 

günstigsten Berechnungsvariante wäre also ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30 % und 

ein dem sogenannten Tabellenlohnabzug analoger Abzug von maximal zehn Prozent zu 

berücksichtigen, was einen Invaliditätsgrad von maximal 37 % ergäbe (= 30 % + [70 % 

x 0.1]; vgl. zum Ganzen Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 

vom 16. Januar 2024, IV 2023/104 E. 3.5).

Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass die Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit aufgrund ihrer langen Abstinenz vom Berufsleben (15 Jahre), ihres 

hohen Alters (61 Jahre), der psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen, dem 

grossen Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und ihren eingeschränkten geistigen 

Fähigkeiten nicht gegeben sei. Ob eine versicherte Person die verbliebene 

Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch verwerten kann, lässt 

sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen 

des Einzelfalls ab. Die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist anzunehmen, wenn 

die zumutbare Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der 

ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem 

7.2. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 24/25

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8.  

Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden 

einer entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint. Fehlt 

es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige 

Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Juli 2014, 9C_272/2014 E. 2.1 mit Hinweisen; 

Urteil vom 15. März 2023, 9C_403/2022 E. 5.1 mit Hinweisen). Auf dem allgemeinen 

und ausgeglichenen Arbeitsmarkt existieren Arbeitsplätze für die im 

Verfügungszeitpunkt 61 Jahre alt gewesene Beschwerdeführerin. Die lange 

Abwesenheit vom Berufsleben ist bei Hilfsarbeiten, welche in der Regel eben gerade 

keinen grossen Einarbeitungsaufwand erfordern, irrelevant. Die gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen sind in der Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt worden, 

beeinflussen die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit in der Regel jedoch nicht. Dies 

ist nur dann möglich, wenn eine versicherte Person wegen ihrer gesundheitlichen 

Beeinträchtigung jedem Arbeitgeber unzumutbar wäre, beispielsweise weil sie wegen 

einer Schizophrenie eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen würde. Eine solche 

Konstellation liegt hier jedoch nicht vor. Hilfsarbeiten erfordern in der Regel auch keine 

intellektuellen Fähigkeiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2019, 

9C_574/2019 E. 2.3). In den Akten sind keine Hinweise dafür vorhanden, dass die 

geistigen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin stark eingeschränkt wären; auf den 

psychiatrischen Gutachter des ABI hat sie vielmehr normintelligent gewirkt (IV-act. 

270-47). Die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist demnach zu bejahen. Bei einem 

IV-Grad von maximal 37 % hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine IV-

Rente.

Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.7.3. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem 

Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin 

aufzuerlegen. Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss 

von Fr. 600.-- gedeckt.

8.1. 

bis

Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdeschrift durch eine Person ausfertigen 

und einreichen lassen, die nicht Rechtsanwalt ist. Diese Person hat für die 

Beschwerdeführerin ein Gesuch um eine Parteientschädigung gestellt. Die 

8.2. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 25/25

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Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Beschwerdeführerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen; diese ist 

durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.

3.

Das Begehren um die Zusprache einer Parteientschädigung wird abgewiesen

verfahrensleitende Richterin hat die vertretende Person am 2. Mai 2023 darauf 

hingewiesen, dass die berufsmässige Vertretung vor Gericht den Rechtsanwälten und 

Rechtsagenten mit Berufsausübungsbewilligung vorbehalten sei (Art. 10 Abs. 1 und 

Art. 11 lit. c AnwG). Die vertretende Person als HR & Law Consultant falle weder unter 

Art. 10 und 11 AnwG noch unter die Ausnahmen nach Art. 12 AnwG. Die 

verfahrensleitende Richterin hat die vertretende Person aufgefordert, von der weiteren 

Vertretung der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren abzusehen oder den 

Nachweis zu erbringen, dass die Vertretung nicht berufsmässig erfolgt. In der Folge hat 

die Beschwerdeführerin die weiteren Eingaben selbst eingereicht. Demnach hat sie für 

das gesamte Beschwerdeverfahren als "nicht vertreten" zu gelten. Eine Partei, die sich 

nicht vertreten lässt, hat grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung 

(Art. 98  VRP in Verbindung mit Art. 95 Abs. 3 der Schweizerischen 

Zivilprozessordnung; Zivilprozessordnung, SR 272). Da die Beschwerdeführerin mit 

ihren Anträgen vollständig unterliegt, besteht im Übrigen ohnehin kein Anspruch auf 

eine Parteientschädigung. Das Begehren um die Zusprache einer Parteientschädigung 

ist deshalb abzuweisen.

ter

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	Entscheid Versicherungsgericht, 28.03.2024
	Art. 28 IVG. Anspruch auf eine IV-Rente. Beweiskraft eines Gutachtens vs. Beweiskraft der Berichte von behandelnden Spezialärzten. Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bejaht, weil der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch für eine 61-jährige Versicherte, die seit vielen Jahren nicht mehr arbeitstätig gewesen ist, einen Arbeitsplatz als Hilfsarbeiterin kennt. Abweisung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. März 2024, IV 2023/77). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_302/2024.

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		2026-01-28T05:26:44+0100
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