# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 58fc6a4d-c90b-5fa1-ab5a-8ca1b596345d
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 17.10.2023 VBE.2023.107
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-107_2023-10-17.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2023.107 / sb / fi 
Art. 122 

 

 

Urteil vom 17. Oktober 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Merkofer  

Gerichtsschreiber Berner  

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____  

vertreten durch MLaw Gabriel Hüni, Rechtsanwalt, Stadtturmstrasse 10, 

Postfach, 5401 Baden  

 

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern  

vertreten durch Dr. iur. Sabine Baumann Wey, Rechtsanwältin,  

Pilatusstrasse 26, Postfach, 6002 Luzern  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 31. Januar 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1958 geborene Beschwerdeführer war seit dem 1. April 1989 bei der 

heutigen B._____ AG als Spezialreinigungsmitarbeiter beschäftigt und in 

dieser Eigenschaft bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch gegen die 

Folgen von Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten 

versichert. Am 7. September 2020 verletzte er sich beim Verschieben eines 

Gestells unter anderem am Rücken. Die Beschwerdegegnerin anerkannte 

ihre Leistungspflicht für die Folgen des fraglichen Ereignisses und richtete 

die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) aus. Nach wei-

teren medizinischen Abklärungen schloss sie den Fall mit Schreiben vom 

17. Dezember 2021 unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen per 

1. Mai 2022 ab und sprach dem Beschwerdeführer zudem mit Verfügung 

vom 28. Februar 2022 unter gleichzeitiger Verneinung eines Anspruchs auf 

eine Invalidenrente bei einer Integritätseinbusse von 5 % eine Integritäts-

entschädigung von Fr. 7'410.00 zu. Daran hielt sie mit Einspracheent-

scheid vom 31. Januar 2023 fest. 

 

2. 

2.1. 

Mit fristgerechter Beschwerde vom 23. Februar 2023 stellte der Beschwer-

deführer folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. 
Der Einspracheentscheid vom 31. Januar 2023 sei aufzuheben und es sei 
dem Beschwerdeführer ab dem 1. Mai 2022 eine Rente der obligatori-
schen Unfallversicherung in gesetzlicher Höhe zuzusprechen. 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegne-
rin."  

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 11. Mai 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 12. Juni 2023 hielt der 

Beschwerdeführer im Wesentlichen an seiner Beschwerde fest. Die Be-

schwerdegegnerin liess sich in der Folge nicht mehr vernehmen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen 

Invalidenrentenanspruch des Beschwerdeführers mit Einspracheentscheid 

vom 31. Januar 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 163) zu Recht ver-

neint hat.  

 - 3 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit 

das Gesetz nichts Anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfäl-

len sowie Berufskrankheiten gewährt. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die ver-

sicherte Person Anspruch auf eine zweckmässige Behandlung der Unfall-

folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat 

sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Wird sie infolge 

des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie nach Art. 18 Abs. 1 

UVG Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen 

des ordentlichen Rentenalters ereignet hat. 

 

2.2. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 

Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-

ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztli-

chen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel-

che Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können 

(BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f. mit Hinweisen).  

 

2.3. 

Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG) 

haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-

geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (BGE 125 V 351 

E. 3a S. 352; vgl. auch BGE 132 V 393 E. 2.1 S. 396). Hinsichtlich des Be-

weiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die 

geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam-

nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusam-

menhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-

folgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 

125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

3. 

3.1. 

In medizinischer Hinsicht stützte sich die Beschwerdegegnerin in ihrem 

Einspracheentscheid vom 31. Januar 2023 auf die Beurteilung von Kreis-

arzt Dr. med. C._____, Facharzt für Allgemeinmedizin (A), vom 1. Oktober 

2021. Dieser hielt fest, der Beschwerdeführer sei in einer angepassten 

wechselbelastenden körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne 

Tätigkeiten in längerer vorgeneigter Position, mit repetitiven Rotations- 

oder Inklinationsbewegungen unter Gewichtsbelastung von mehr als 5 kg 

und ohne kniende oder kauernde Tätigkeiten mit vorgeneigtem Oberkörper 

 - 4 - 

 

 

 

voll arbeitsfähig. Von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung sei keine 

namhafte Besserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers 

mehr zu erwarten (VB 103). Mit ergänzender Stellungnahme vom 29. März 

2023 präzisierte Dr. med. C._____ aufgrund der Rügen des 

Beschwerdeführers in dessen Beschwerde vom 23. Februar 2023, dass er 

sich bei seiner Beurteilung an der Klassifikation gemäss dem Dictionary of 

Occupational Titles (DOT) orientiert habe. Dort werde eine leichte bis 

mittelschwere Tätigkeit definiert durch seltene (d.h. mit einem 

Maximalanteil von 1 % bis 5 % der Arbeitszeit) Gewichtsbelastungen von 

10 bis 15 kg, mit einem Anteil von 6 bis 33 % von Gewichtsbelastungen bis 

7.5 kg und mit einem Anteil von 34 bis 66 % von Gewichtsbelastungen bis 

5 kg. Dieses Belastungsspektrum sei geringer, als das in der Beschwerde 

vom 23. Februar 2023 geltend gemachte (VB 173, S. 1).  

 

3.2. 

Die Beurteilung von Dr. med. C._____ wird vom Beschwerdeführer in 

dessen Replik vom 12. Juni 2023 mit Blick auf die ergänzende 

kreisärztliche Stellungnahme vom 29. März 2023 nicht mehr substantiiert 

in Frage gestellt. Nach Lage der Akten stehen ihr für den Zeitraum ab 

Oktober 2021 denn auch keine begründeten fachärztlichen abweichenden 

Einschätzungen entgegen. Insbesondere der vom Beschwerdeführer in 

seiner Beschwerde noch angeführte Bericht seines behandelnden Arztes 

Prof. Dr. med. D._____, Facharzt für Neurochirurgie, Kantonsspital 

E._____ vom 17. März 2021 (VB 69) betrifft einen früheren Zeitpunkt. 

Ferner enthält dieser Bericht einzig Angaben zur Arbeitsfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit, nicht aber zu derjenigen in einer angepassten 

Verweistätigkeit. Die vom Beschwerdeführer weiter angeführten (nicht 

fachärztlichen) Beurteilungen seines Hausarztes Dr. med. F._____, 

Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 10. April 2021 (VB 68) und 

vom 22. September 2021 (Eingang bei der Beschwerdegegnerin, VB 91) 

beziehen sich ebenfalls auf einen Zeitpunkt vor Oktober 2021 und enthalten 

ferner keine Begründung für die attestierte Arbeitsunfähigkeit. Schliesslich 

entspricht die Beurteilung von Dr. med. C._____ auch den vorerwähnten 

Anforderungen der Rechtsprechung (vgl. E. 2.3.). Es bestehen damit keine 

auch nur geringen Zweifel an dessen Einschätzung in seiner 

Stellungnahme vom 15. Oktober 2021, weshalb darauf abgestellt werden 

kann (vgl. hierzu BGE 145 V 97 E. 8.5 S. 105, 142 V 58 E. 5.1 S. 65 und 

135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.). 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerdegegnerin nahm in ihrem Einspracheentscheid vom 31. Ja-

nuar 2023 unter Anwendung von Art. 28 Abs. 4 UVV zur Beurteilung eines 

allfälligen Anspruchs des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente ge-

stützt auf die Tabellenlöhne der schweizerischen Lohnstrukturerhebung 

(LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) des Jahres 2020 (Tabelle TA1, 

 - 5 - 

 

 

 

Abteilungen 77 und 79 bis 82, "Sonst. wirtschaftliche Dienstl. (ohne [Abtei-

lung] 78)", Kompetenzniveau 2, Männer) und unter Berücksichtigung der 

betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 42.1 Stunden sowie der No-

minallohnentwicklung von 2020 bis 2022 für das Jahr 2022 ein Validenein-

kommen von Fr. 66'087.00 an. Das Invalideneinkommen bemass sie ge-

stützt auf den Totalwert der Tabelle TA1 der LSE 2020, Kompetenzni-

veau 1, Männer, und unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchent-

lichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden, der Nominallohnentwicklung von 2020 

bis 2022 und unter Gewährung eines leidensbedingten Abzugs von 5 % mit 

Fr. 62'770.00. Daraus errechnete sie einen Invaliditätsgrad von 5 % 

(VB 163, S. 4 f.).  

 

Der Beschwerdeführer bringt hinsichtlich des Valideneinkommens vor, die-

ses sei nicht anhand lohnstatistischer Angaben zu bemessen, sondern ge-

stützt auf die vom ihm vor dem Unfall vom 7. September 2020 ausgeübte 

Tätigkeit und unter Berücksichtigung von Art. 28 Abs. 4 UVV auf 

Fr. 78'190.00 per 2021 festzusetzen (Beschwerde, S. 6 ff.).  

 

4.2. 

4.2.1. 

In der Unfallversicherung gilt prinzipiell die in Art. 16 ATSG festgelegte Me-

thode zur Bestimmung der Invalidität (UELI KIESER, Kommentar zum Bun-

desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 

4. Aufl. 2020, N. 166 zu Art. 16 ATSG). Für die Bestimmung des Invalidi-

tätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach 

Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behand-

lung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Bezie-

hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (sogenannte allgemeine Methode des Einkom-

mensvergleichs). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise 

zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern-

mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, 

worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen 

lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4 S. 348 f. und 128 V 29 E. 1 S. 30). 

 

4.2.2. 

Das Valideneinkommen ist dasjenige Einkommen, das die versicherte Per-

son erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 

Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss 

entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des Beginns eines 

allfälligen Rentenanspruchs nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde, und nicht, 

was sie bestenfalls verdienen könnte (BGE 131 V 51 E. 5.1.2 S. 53 und 

128 V 174). Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der 

Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst 

 - 6 - 

 

 

 

angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesund-

heitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Erfah-

rungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein 

(BGE 135 V 58 E. 3.1 S. 59; vgl. auch BGE 135 V 297 E. 5.1 S. 300 f. und 

134 V 322 E. 4.1 S 325 f.). 

 

4.2.3. 

Wenn es nicht möglich ist, zur Bestimmung des Valideneinkommens vom 

zuletzt vor Invaliditätseintritt erzielten Lohn auszugehen, oder fehlen sonst 

konkrete Anhaltspunkte für dessen Bestimmung, dann ist auf Erfahrungs- 

und Durchschnittswerte zurückzugreifen (Urteil des Bundesge-

richts 9C_84/2020 vom 2. März 2020 E. 4 mit Hinweis unter anderem auf 

SVR 2009 IV Nr. 27 S. 75, 9C_93/2008 E. 6.3.2). Auf die Tabellenlöhne, 

das heisst auf die LSE des BFS (vgl. BGE 124 V 321), darf jedoch stets nur 

unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenen-

falls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden 

(Urteil des Bundesgerichts 9C_239/2019 vom 5. September 2019 E. 2.2.1; 

MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversi-

cherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 

4. Aufl. 2022, N. 56 zu Art. 28a IVG). 

 

4.2.4. 

Gemäss Art. 18 Abs. 2 UVG i.V.m. Art. 28 Abs. 4 UVV sind für die Bestim-

mung des Invaliditätsgrades die Erwerbseinkommen massgebend, die eine 

versicherte Person im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesund-

heitsschädigung erzielen könnte, wenn sie nach dem Unfall die Erwerbstä-

tigkeit altershalber nicht mehr aufnimmt oder wenn sich das vorgerückte 

Alter erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit aus-

wirkt (BGE 134 V 392 E. 6.2 S. 398, 122 V 426 E. 2 S. 426 f. und 122 V 418 

E. 1b S. 419). Nach der Rechtsprechung liegt das mittlere Alter im Sinne 

dieser Bestimmung bei etwa "42 Jahren" oder zwischen "40 und 45 Jahren" 

und das vorgerückte Alter im Bereich von "rund 60 Jahren", wobei für letz-

tes der Zeitpunkt des Rentenbeginns massgebend ist (BGE 122 V 426 E. 2 

S. 427 und 122 V 418 E. 1b S. 419). Die Gesetzmässigkeit dieser Sonder-

regel für die Invaliditätsbemessung wurde von der höchstrichterlichen 

Rechtsprechung bejaht (RUMO-JUNGO/HOLZER, Schweizerisches Unfallver-

sicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 141; vgl. auch BGE 134 V 392 E. 6.2 

S. 398 f. mit Hinweisen). Mit der Bestimmung von Art. 28 Abs. 4 UVV soll 

verhindert werden, dass bei älteren Versicherten zu hohe Invaliditätsgrade 

angenommen werden und dass dort Dauerrenten zugesprochen werden, 

wo sie mit Blick auf die unfallbedingte Invalidität eher die Funktion von Al-

tersrenten aufweisen. Dementsprechend wirkt sich die Anwendung dieser 

Bestimmung im Vergleich mit der allgemeinen Methode gemäss Art. 16 

ATSG in aller Regel rentenvermindernd aus (BGE 122 V 418 E. 3a S. 422; 

vgl. auch BGE 148 V 419 E. 8.3 S. 424 f. und 134 V 392 E. 6.2 S. 399).  

 

 - 7 - 

 

 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass vorliegend Art. 28 

Abs. 4 UVV anwendbar ist. Dies gibt mit Blick auf die Akten, das Alter des 

Beschwerdeführers sowie die vorerwähnten Grundsätze zu keinerlei Wei-

terungen Anlass, zumal die Rechtsprechung Art. 28 Abs. 4 UVV auch dann 

zu Anwendung bringt, wenn das vorgerückte Alter (bspw. wegen reduzier-

ter Umschulungs-, Wiedereingliederungs-, Anpassungs- oder Angewöh-

nungsfähigkeit) der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit entgegen steht (vgl. 

BGE 122 V 418 E. 3a S. 421 f. und SVR 2018 UV Nr. 14 S. 46, 

8C_307/2017 E. 4.2.2).  

 

4.3.2. 

Die Anwendbarkeit von Art. 28 Abs. 4 UVV führt lediglich – aber immer- 

hin – dazu, dass die Invaliditätsbemessung unter der Hypothese erfolgt, die 

versicherte Person sei mittleren Alters (THOMAS FLÜCKIGER, in: Frésard-

Fellay/Leuzinger/Pärli [Hrsg.], Basler Kommentar zum Unfallversiche-

rungsgesetz, 2019, N. 80 zu Art. 18 UVG). Entsprechend ist sowohl beim 

Validen- als auch beim Invalideneinkommen von den Verhältnissen einer 

versicherten Person mittleren Alters auszugehen (BGE 148 V 419 E. 8.5 

S. 426 sowie 122 V 418 E. 5 S. 425 f. und Urteil des Bundesge-

richts 8C_554/2017 vom 4. Juli 2018 E. 3.3.1). Der Unterschied zwischen 

dem Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG und demjenigen nach 

Art. 28 Abs. 4 UVV besteht folglich im Wesentlichen bloss darin, dass für 

die Ermittlung der Vergleichseinkommen in jenem Fall auf das tatsächliche 

Alter der versicherten Person und in diesem auf dasjenige einer versicher-

ten Person in mittlerem Alter abgestellt wird. Der Unterschied betrifft damit 

nicht die Art, wie der Einkommensvergleich durchzuführen ist, sondern die 

Elemente, welche beim Einkommensvergleich zu berücksichtigen sind 

(BGE 114 V 310 E. 3b S. 313 f.). Art. 28 Abs. 4 UVV ändert damit nichts an 

den vorerwähnten Grundsätzen zur Bestimmung des Valideneinkommens 

(vgl. E. 4.2.2 f.), weshalb sich in der Rechtsprechung denn auch Anwen-

dungsfälle mit (vgl. bspw. SVR 2023 UV Nr. 10 S. 31, 8C_383/2022 E. 4) 

und ohne (vgl. bspw. SVR 2018 UV Nr. 14 S. 46, 8C_307/2017 E. 3.2 und 

E. 5.1, oder Urteil des Bundesgerichts 8C_554/2017 vom 4. Juli 2018 

E. 4.3) Verwendung lohnstatistischer Angaben finden. 

 

4.3.3. 

Der Beschwerdeführer war seit dem 1. April 1989 bei der gleichen Arbeit-

geberin (zuletzt) als Spezialreinigungsmitarbeiter beschäftigt (vgl. die Un-

fallmeldung vom 9. September 2020 in VB 1 sowie die "Zusammenfassung 

der Entscheidungsgrundlagen für die Rentenfestsetzung" der Beschwerde-

gegnerin vom 25. Februar 2022 in VB 136, S. 1). Nach eigenen Angaben 

plante er zudem, ein Jahr über das ordentliche Pensionsalter hinaus ar-

beitstätig zu sein (vgl. die Aktennotiz vom 23. Juni 2021 in VB 77, S. 2). 

 - 8 - 

 

 

 

Den Akten sind keinerlei Hinweise zu entnehmen, dass der Beschwerde-

führer – welcher im Ausland die Grundschule absolviert und gegenüber der 

Invalidenversicherung als erlernten Beruf "Reinigungskraft" angegeben 

hatte (vgl. die Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversi-

cherung vom 25. März 2021 in VB 63, S. 6) – ohne das Ereignis vom 

7. September 2020 nicht weiterhin in der bisherigen Anstellung tätig geblie-

ben wäre. Eine Ausnahme vom Erfahrungssatz, dass die bisherige Tätig-

keit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre, ist damit nicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Entsprechend ist zur Fest-

setzung das Valideneinkommens an der zuletzt ausgeübten Tätigkeit an-

zuknüpfen (vgl. vorne E. 4.2.2.). Relevant wäre – unter Berücksichtigung 

von Art. 28 Abs. 4 UVV – demnach, was der Beschwerdeführer, wäre er 

am 9. September 2020 nicht verunfallt, im Jahr 2022 bei der bisherigen Ar-

beitgeberin unter der Hypothese verdient hätte, er sei 42 Jahre alt und 

weise ansonsten unveränderte berufliche und persönliche Fähigkeiten auf 

(vgl. vorne E. 4.3.2. und FLÜCKIGER, a.a.O., N. 80 zu Art. 18 UVG, sowie 

RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 141). Die Beschwerdegegnerin nahm 

keine diesbezüglichen Abklärungen vor. So können daher insbesondere 

weder das vom Beschwerdeführer im Alter von 42 Jahren aktenkundig tat-

sächlich erzielte Einkommen noch das von der Arbeitgeberin für die Jahre 

2020 bis 2022 als erzielbar angegebene Einkommen unbesehen Grund-

lage der Festsetzung des Valideneinkommens bilden, weil sich anhand der 

aktuellen Aktenlage gerade nicht überprüfen lässt, ob diese Einkommen 

einem Lohn entsprechen, den eine versicherte Person mittleren Alters in 

der gleichen beruflichen Situation und mit den gleichen Qualifikationen 

erzielen könnte (vgl. die in BGE 148 V 419 nicht publ., aber in SVR 2023 

UV Nr. 9 S. 27 veröffentlichte E. 9.3 des Urteils des Bundes-

gerichts 8C_716/2021 vom 12. Oktober 2022 sowie Urteil des Bundesge-

richts 8C_554/2017 vom 4. Juli 2018 E. 4.3).  

 

4.4. 

Zusammengefasst basiert der Einspracheentscheid der Beschwerdegeg-

nerin vom 31. Januar 2023 auf ungenügenden sachverhaltlichen Erhe-

bungen hinsichtlich des Valideneinkommens. Ein allfälliger Anspruch des 

Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente kann bereits deswegen (noch) 

nicht beurteilt werden. Folglich ist der Einspracheentscheid vom 31. Januar 

2023 in teilweiser Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde auf-

zuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und anschliessenden neu-

erlichen Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.  

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, der an-

gefochtene Einspracheentscheid vom 31. Januar 2023 aufzuheben und die 

Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neuver-

fügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.   

 - 9 - 

 

 

 

5.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid 

vom 31. Januar 2023 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung 

im Sinne der Erwägungen und Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 3'650.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 - 10 - 

 

 

 

   

Aarau, 17. Oktober 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Berner