# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8ca80d22-cbb6-529f-8a9e-ed9e81a22e33
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-09-19
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 19.09.2006 A 2006 29
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_A-2006-29_2006-09-19.pdf

## Full Text

A 06 29
3. Kammer 

URTEIL
vom 19. September 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Schenkungssteuer

1. … war Eigentümerin der in … gelegenen Stockwerkeinheit Hauptbuchblatt 

52'185 (5-Zimmerwohnung). Mit Vertrag vom 13. August 1993 trat sie diese 

unter Rückbehalt der lebenslänglichen und unentgeltlichen Nutzniessung im 

Sinne von Art. 745 ff. ZGB an ihren Sohn … auf Rechnung künftiger Erbschaft 

ab. Mit Vertrag vom 3. November 2000 übertrug … die erwähnte, mit der 

Nutzniessung belastete Wohnung auf seine Ehefrau ... Am 2. Dezember 2004 

verzichtete … zu Gunsten ihrer Schwiegertochter … ohne irgendwelche 

Gegenleistung auf die ihr zustehende Nutzniessung. Darin erblickte die 

kantonale Steuerverwaltung eine steuerpflichtige Schenkung der 

Schwiegermutter an die Schwiegertochter. Der Wert der Schenkung wurde 

auf netto Fr. 222'800.-- festgesetzt. Die entsprechende kantonale 

Veranlagungsverfügung vom 21. Juli 2005 blieb unangefochten. Das 

Gemeindesteueramt St.  Moritz qualifizierte den  beschriebenen Vorgang 

ebenfalls als steuerpflichtige Schenkung. Vom kantonal veranlagten 

Schenkungsbetrag von Fr. 222'800.-- zog das Gemeindesteueramt die 

kantonale Schenkungssteuer von Fr. 11'140.-- ab und ermittelte auf diese 

Weise einen steuerpflichtigen Betrag von Fr. 211'660.--. Unter Anwendung 

des für eine Schwiegertochter massgebenden Steuersatzes von 10% (Art. 3 

Ziff. 4 des Erbschaftsgesetzes der Gemeinde … vom 14. Januar 1898, ErbG) 

veranlagte das Gemeindesteueramt mit Verfügung vom 26. Oktober 2005 

eine Schenkungssteuer von Fr. 21'166.--. Die dagegen erhobene Einsprache 

wies der Gemeindevorstand mit Entscheid vom 6. April 2006 ab. 

2. Dagegen erhob … am 10. Mai 2006 Rekurs an das Verwaltungsgericht mit 

dem Antrag, den angefochtenen Einspracheentscheid und die 

Veranlagungsverfügung aufzuheben. Die Rekurrentin macht 

zusammengefasst geltend, das kommunale Erbschaftssteuergesetz biete 

keine genügende gesetzliche Grundlage, um den Verzicht auf die 

Nutzniessung als Schenkung zu besteuern. Vielmehr gehe es in diesem 

Gesetz immer nur um Zuwendungen, die von Todes wegen oder sonst wie 

den Nachlass betreffend ausgerichtet würden. Überdies sei das Gesetz nie 

von der Regierung genehmigt worden und deshalb nicht anwendbar.

3. Die Gemeinde … beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung des 

Rekurses. Eine vernünftige Auslegung des Gesetzes nach seinem Sinn 

ergebe durchaus die Steuerbarkeit des Verzichtes auf das 

Nutzniessungsrecht als Schenkung. Eine Genehmigung des Steuergesetzes 

sei bei seinem Erlass nicht notwendig gewesen.

4. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten 

fest, ohne wesentliche neue Argumente vorzubringen.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Zu beurteilen ist vorliegend einzig, ob das Erbschaftsgesetz der Gemeinde 

eine genügende gesetzliche Grundlage für die Erhebung der umstrittenen 

Schenkungssteuer bietet. Dazu sind zunächst einige grundsätzliche 

Ausführungen zur Auslegung und zum Legalitätsprinzip im Steuerecht zu 

machen. 

2. a) Das Gesetz ist in erster Linie aus sich selbst heraus, d.h. nach Wortlaut, 

systematischer Stellung, Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden 

Wertungen, aber auch nach der Entstehungsgeschichte auszulegen (BGE 

123 II 9 E. 2,464 E. 3a; 124 II 241 E. 3,265 E. 3a). Ausgangspunkt jeder 

Auslegung ist der Wortlaut; doch kann dieser allein nicht massgebend sein. 

Vom Wortlaut kann abgewichen werden, wenn triftige Gründe für die 

Annahme bestehen, dass er nicht den wahren Sinn der Bestimmung 

wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte, aus 

Sinn und Zweck der Norm oder aus dem Zusammenhang mit anderen 

Gesetzesbestimmungen ergeben (BGE 124 II 265 E. 3a, mit Hinweisen). Die 

allgemeinen, aus Art. 1 ZGB abgeleiteten Auslegungsregeln sind auch für das 

Steuerrecht massgebend (Höhn/Waldburger, Steuerrecht, Band I, 8. A., 5. 

155 ff.).

b) Für die Erhebung von Steuern gilt nach Art. 127 Abs. 1 der Bundesverfassung 

(BV) sowie nach einhelliger Lehre und Rechtsprechung, dass die 

wesentlichen Elemente der Abgabe, der Kreis der Steuerpflichtigen, der 

Gegenstand der Steuer sowie die Grundsätze ihrer Bemessung in einem 

formellen  Gesetz selbst  enthalten sein  müssen.  Steuersubjekt, -objekt, -

bemessung und -mass müssen sich somit wenigstens in den Grundzügen aus 

dem Gesetz ergeben (vgl. BGE 129 I  346, 128 I 317; Widmer, Das 

Legalitätsprinzip im Abgaberecht, Zürich 1988, S. 97; Imboden/Krähenmann, 

Schweiz. Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband Nr. 113). Im Kanton 

Graubünden wird für die Gemeindesteuern in Art. 42 Gemeindegesetz (GG; 

BR 175.050) festgehalten, dass Steuern nur aufgrund allgemeinverbindlicher 

Erlasse erhoben werden dürfen, welche die Steuerpflicht sowie Gegenstand 

und Mass der Steuern regeln. Aus diesem Gesetzesvorbehalt leiten die 

Rechtsprechung des Bundesgerichtes sowie die massgebende Lehre das 

Erfordernis der Tatbestandsbestimmtheit ab. Das Bundesgericht hat dazu im 

wegleitenden BGE 109 Ia 283 ausgeführt:

"Darüber hinaus steht das Bestimmtheitserfordernis in einem engen 

Zusammenhang mit dem Gesetzesvorbehalt: Soll der Gesetzesvorbehalt eine 

möglichst wirksame rechtsstaatliche Schranke bilden, so muss verlangt 

werden, dass die belastende, in ein Individualrecht eingreifende Norm einen 

optimalen Grad der Bestimmtheit aufweist und nicht unnötig wesentliche 

Wertungen der Gesetzesanwendung überlässt. Die Forderung nach 

Bestimmtheit verwirklicht erst eigentlich den Grundsatz des 

Gesetzesvorbehalts." 

Nach dem gleichen Urteil ist dieses Bestimmtheitsgebot freilich nicht in 

absoluter Weise zu verstehen. Vor allem die Komplexität der im Einzelfall 

erforderlichen Entscheidung, die Notwendigkeit einer erst bei der 

Konkretisierung möglichen Wahl, die nicht abstrakt erfassbare Vielfalt der zu 

ordnenden Sachverhalte und das Bedürfnis nach einer sachgerechten 

Entscheidung im Einzelfall rechtfertigten durchaus eine gewisse 

Unbestimmtheit der Normen (BGE 109 Ia 284; ASA 60, S. 6). In einem 

anderen Fall (ASA 58 S. 695 f.; ASA 60, S. 6) leitete das Bundesgericht 

dieselben Anforderungen aus dem Grundsatz der Rechtssicherheit ab, ohne 

auf das Legalitätsprinzip ausdrücklich Bezug zu nehmen: 

"Die Rechtssicherheit ist im Rechtsstaat von grosser Bedeutung. Sie erfordert 

unter anderem Voraussehbarkeit, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit des 

Rechts... Für das Steuerrecht bedeutet dies, dass es möglich sein soll, das 

Steuerobjekt inhaltlich und umfänglich in genügendem Masse zu bestimmen, 

damit der Steuerpflichtige die Steuerlast, die auf ihn zukommt, auch 

einigermassen abschätzen und berechnen kann... Indessen lassen sich auch 

bei sorgfältigster gesetzgeberischer Arbeit Auslegungsschwierigkeiten nicht 

vermeiden. Daher bietet auch das beste Steuergesetz keine absolute 

Rechtssicherheit im Sinne der Voraussehbarkeit und Berechenbarkeit".

3. Die für die Beurteilung des Falles massgebenden Normen des 

Erbschaftsgesetzes haben folgenden Wortlaut:

"Art.1

Der Erbschaftssteuer sind unterworfen:

1. Die Hinterlassenschaft hiesiger Bürger und Einwohner mit Ausnahme 
desjenigen Teils der Erbschaft, welcher in Grundstücken und 
Gebäulichkeiten besteht, die ausser Gemeindegebiet liegen und 
nachweisbar schon auswärts mit einer Erbschaftssteuer belegt sind.

2. Das Vermögen, welches hiesigen Einwohnern von auswärts zufällt, 
insofern dafür nicht schon am Domizil des Erblassers eine 
Erbschaftssteuer entrichtet worden ist.

3. Die auf Gemeindegebiet liegenden Grundstücke und Gebäulichkeiten 
auswärts verstorbener Personen.

4. Schenkungen und Vermächtnisse jeder Art, welche von hiesigen 
Bürgern und Einwohnern herrühren.

Art.2

Von dieser Steuer sind befreit:

(1.)

2. Beträge von Erbschaften, Vermächtnissen und Schenkungen, welche für 
die einzelnen Empfänger Fr. 500.-- und, wenn es Vermächtnisse und 
Schenkungen zu Gunsten von Angestellten, Bediensteten und Taufpaten 
des Testators oder Schenkers betrifft, Fr. 1000.-- nicht übersteigen.

Art.5

Schenkungen, welche zu Lebzeiten eines Erblassers an erbberechtigte und 
nach gegenwärtigem Gesetz erbschaftssteuerpflichtige Verwandte oder an 
dritte, ebenfalls zur Zahlung der Erbschaftssteuer pflichtige Personen 
gemacht werden, sind den Vermächtnissen gleich zu achten und unterliegen 
der Steuer nach Massgabe von Art. 3. Periodische Unterstützungen und 
Erziehungskosten fallen dabei ausser Betracht."

4. Die Rekurrentin ist der Ansicht, dass im Erbschaftsgesetz der Begriff der 

Schenkung systematisch sowie dem Sinn und Zweck entsprechend nur 

diejenigen Zuwendungen meinen könne, die von Todes wegen oder sonst wie 

den Nachlass betreffend ausgerichtet würden. Dieser Auslegung steht schon 

der Wortlaut der oben zitierten Bestimmungen entgegen. So wird in Art. 1 Ziff. 

4 uneingeschränkt von Schenkungen und nicht etwa von Schenkungen auf 

den Todesfall hin gesprochen. In Art. 2 Ziff. 2 wird nicht nur für Erbschaften 

und Vermächtnisse, sondern ausdrücklich auch für Schenkungen des 

Schenkers an Angestellte oder Taufpaten ein Freibetrag eingeführt. 

Schliesslich ist in Art. 5 von Schenkungen zu Lebzeiten auch an dritte 

Personen die Rede, allerdings mit der Einschränkung, dass diese im Erbfall 

ebenfalls zur Zahlung der Erbschaftssteuer verpflichtet wären. Auf Letzteres 

wird noch zurückzukommen sein. Vorab ist aber festzuhalten, dass vom 

Gesetzeswortlaut her grundsätzlich jede Art der Schenkung, die über den 

Freibeträgen liegt, von einer Schenkungssteuer erfasst wird. Dies entspricht 

auch dem Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelungen. Dabei ist zu 

beachten, dass Steuerobjekt sowohl bei der Erbschaftssteuer als auch bei der 

Schenkungsteuer nicht der unentgeltliche Vermögensübergang als solcher, 

sondern vielmehr die Bereicherung des Empfängers ist. Steuerobjekt ist also 

der durch Erbschaft oder Schenkung bewirkte Nettovermögenszugang beim 

Empfänger. Sinn und Zweck beider Steuerarten ist es somit, den 

Vermögenszuwachs beim Bedachten bzw. Beschenkten zu besteuern. Da 

solche Vermögenszugänge allgemein von der Einkommenssteuer befreit sind 

(vgl. z.B. Art. 30 lit. a des kantonalen Steuergesetzes und Art. 7 Abs. 4 lit. a 

des Steuerharmonisierungsgesetzes), wäre es mit den Grundsätzen der 

allgemeinen und gleichen Besteuerung sowie der Besteuerung nach der 

wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nicht vereinbar, wenn ein unentgeltlicher 

Vermögenszugang je nachdem, ob er aus einer Erbschaft oder einer 

Schenkung herrührt, im einen Fall mit einer Spezialsteuer besteuert würde 

und im anderen nicht. Die vom Wortlaut der massgebenden Bestimmungen 

gedeckte Auslegung, dass auch Schenkungen der Steuer unterworfen sind, 

wird vom Sinn und Zweck des Gesetzes geradezu gefordert, zumal sie auch 

in Einklang mit den verfassungsrechtlichen Grundsätzen steht. Die fraglichen 

Vorschriften verstossen auch nicht gegen das Bestimmtheitsgebot, da für 

jedermann klar ersichtlich ist, dass eben durch Schenkungen bewirkte 

Vermögenszuwächse zu den Ansätzen der Erbschaftssteuer besteuert 

werden sollen. 

5. a) Die Rekurrentin bestreitet sinngemäss auch die Steuerhoheit der Gemeinde, 

da sie weder Bürgerin noch Einwohnerin sei und die Zuwendung auch kein 

auf Gemeindegebiet gelegenes Grundstück betreffe. Der Verzicht auf eine 

Nutzniessung könne nämlich nicht unter den Begriff des Grundstückes 

subsumiert werden. 

b) In Art. 1 des ErbG hat der Gesetzgeber neben der Festlegung der 

Steuerpflicht versucht, verschiedene Steuerhoheiten gegeneinander 

abzugrenzen, wenn darin die Besteuerung "hiesiger Bürger und Einwohner" 

oder von "auf dem Gemeindegebiet liegender Grundstücke und 

Gebäulichkeiten auswärts verstorbener Einwohner" geregelt wird. Es handelt 

sich somit um Kollisionsnormen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung. Als 

Kollisionsnorm in diesem Sinne ist aber auch Art. 5 insoweit zu verstehen, als 

auf die Erbschaftssteuerpflicht nach Art. 1 verwiesen wird. Es geht dort also 

nicht darum, nur Schenkungen, die im Zusammenhang mit Nachlässen 

stehen, der Steuer zu unterstellen - was wie gesehen nicht mit Sinn und 

Zweck des Gesetzes und Verfassungsgrundsätzen vereinbar wäre -, sondern 

um die Abgrenzung der diesbezüglichen kommunalen Steuerhoheit.

6. a) Unter Doppelbesteuerung wird kurz die Kollision mehrerer gleichrangiger 

Steuerhoheiten bei ein und derselben Person verstanden (Höhn/ Mäusli, 

Interkantonales Steuerrecht, 4.A., S. 4). Im interkantonalen Verhältnis besteht 

das Doppelbesteuerungsverbot gestützt auf Art. 127 Abs. 3 BV (früher Art. 46 

Abs. 2 aBV) und der dazu vom Bundesgericht entwickelten Rechtsprechung 

als verfassungsmässiges Recht (Höhn/ Mäusli, a.a.O., S. 10f.). Eine 

interkommunale Doppelbesteuerung liegt vor, wenn zwei oder mehrere 

Gemeinden des gleichen Kantons bei der gleichen Person die Steuerhoheit 

für das gleiche Objekt beanspruchen (vgl. Höhn/Mäusli, a.a.O., S. 7). 

Letzteres zu regeln ist grundsätzlich Sache der Kantone. Sie sind daher frei, 

zu entscheiden, ob und wie sie die kommunalen Steuerhoheiten 

gegeneinander abgrenzen wollen. Eine bundesrechtliche Schranke ergibt 

sich freilich aus dem Grundsatz der Rechtsgleichheit, wonach jede sachlich 

nicht gerechtfertigte Unterscheidung in der Steuererhebung ausgeschlossen 

ist. Aus dem Willkürverbot lässt sich ableiten, dass eine kantonalrechtliche 

Vorschrift, die im interkommunalen Verhältnis zu einer offensichtlichen 

Doppelbesteuerung führt und allgemein anerkannten 

Besteuerungsgrundsätzen widerspricht, wegen Verletzung des 

Rechtsgleichheitsgebotes aufgehoben werden muss (Reimann, Zuppinger, 

Schärer, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, IV, Bern 1966, N. 2 zu Art. 

139).

b) Der Kanton Graubünden hat bislang keine ausdrücklichen gesetzlichen 

Bestimmungen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung im interkommunalen 

Verhältnis erlassen. Die Gerichtspraxis leitete das Verbot der 

Doppelbesteuerung in diesem Bereich direkt aus Art. 40 Abs. 5 KV ab, 

welcher besagt, dass die Erhebung von Gemeindesteuern nach billigen und 

gerechten Grundsätzen zulässig ist; eine Schranke, die sich, wie erwähnt, 

bereits aus dem Willkürverbot ergibt. Die auf den 1. Januar 2004 in Kraft 

tretende neue Kantonsverfassung enthält in Art. 95 Abs. 3 nunmehr ein 

ausdrückliches Verbot der interkommunalen Doppelbesteuerung. Andere 

Kantone, zum Beispiel Zürich, haben in ihren Steuergesetzen die 

bundesrechtlichen Kollisionsnormen zum Doppelbesteuerungsverbot durch 

Verweisung als anwendbar erklärt. Der Kanton Graubünden hält sich in der 

Praxis ebenfalls weitgehend an die bundesrechtlichen Kollisionsnormen zum 

Doppelbesteuerungsverbot. Das Verwaltungsgericht hat den Grundsatz 

aufgestellt, dass diese Normen auch interkommunal anzuwenden sind, es sei 

denn, es bestehe aufgrund besonderer Verhältnisse hinreichender Anlass zu 

einem Abweichen von diesen Grundsätzen (PVG 1978 Nr. 78, 1987 Nr. 59, 

1995 Nr. 56). Da der Gesetzgeber - wie bereits erwähnt - keine 

Kollisionsnormen erlassen hat und dies im Übrigen auch durch die neue 

Kantonsverfassung nicht vorgesehen wird, ist das interkommunale wie auch 

das interkantonale Doppelbesteuerungsrecht - abgesehen von den im 

vorliegenden Zusammenhang nicht interessierenden Ausnahmen im 

Steuerharmonisierungsgesetz - ausschliesslich Richterrecht (Höhn/Mäusli, 

a.a.O., S. 13; Vallender/Wiederkehr, St. Galler Kommentar zu Art. 127 BV, Rz 

46). Für die Kantone bzw. die Gemeinden sind die vom Bundesgericht bzw. 

vom Verwaltungsgericht zur Vermeidung von Doppelbesteuerung 

aufgestellten Regeln in gleicher Weise verbindlich wie Bundesgesetze bzw. 

kantonale Gesetze; diesen richterlichen Kollisionsnormen kommt der 

Charakter einer gesetzesvertretenden Rechtsquelle zu 

(Vallender/Wiederkehr, a.a.O., Art. 127 Rz 47). Regelungen der Gemeinden, 

die ohnehin nur über eine abgeleitete Steuerhoheit verfügen (PVG 1997 Nr. 

38), mit welchen sie eine interkommunale Doppelbesteuerung vermeiden 

oder eine eigene Steuerhoheit begründen wollen, kommt demnach keine 

eigenständige Bedeutung zu. Sie sind nur gültig, wenn, soweit und solange 

sie nicht in Widerspruch zu den Kollisionsregeln des Verwaltungsgerichtes 

stehen bzw. den Umfang der vom Kanton verliehenen Steuerhoheit nicht 

sprengen (PVG 2003 Nr. 17).

7. Das Bundesgericht anerkennt in langjähriger Praxis den Vorrang der 

ausschliesslichen Besteuerung des Grundeigentums am Ort der gelegenen 

Sache (Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4.A., S. 51 mit zahlreichen 

Hinweisen und auch Art. 21 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die 

Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG]). 

Was nun im interkantonalen Verhältnis gilt, ist grundsätzlich auch im 

interkommunalen Verhältnis anwendbar (PVG 1987 Nr. 59). Unbewegliches 

Privatvermögen ist somit sowohl im interkantonalen als auch im 

interkommunalen Verhältnis am Spezialsteuerdomizil des Belegenheitsortes 

steuerbar. Dies gilt auch für das Nutzniessungsvermögen (Locher, Einführung 

in das interkantonale Steuerrecht, 2.A., Bern 2003, S. 80). Beim 

unentgeltlichen Verzicht auf eine Nutzniessung, also bei einer Schenkung, 

geht nun das Nutzniessungsvermögen auf den bis dahin damit belasteten 

Grundeigentümer über, indem dies bei ihm einen Reinvermögenszuwachs 

bewirkt. Der Verzicht auf dieses beschränkte dingliche Recht führt beim 

Grundeigentümer am Ort der gelegenen Sache zu einer Bereicherung, welche 

nach dem oben Gesagten Objekt der Schenkungssteuer ist. Demnach ist es 

in Anwendung der allgemeinen Kollisionsregel gerechtfertigt, die Steuerhoheit 

für die Schenkungssteuer in solchen Fällen am Ort der von der Nutzniessung 

belasteten Liegenschaft festzulegen. Der Rekurs erweist sich demnach auch 

in dieser Hinsicht als unbegründet. 

8. Die Rekurrentin ist schliesslich der Ansicht, das kommunale Erbschaftsgesetz 

sei nicht anwendbar, weil die nach geltendem Gemeindegesetz erforderliche, 

nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes konstitutive 

Genehmigung durch die Regierung nicht erfolgt sei. Wie das 

Verwaltungsgericht schon vor langem festgehalten hat, bezieht sich die 

Genehmigungspflicht nur auf kommunale Steuergesetze, die nach 

Inkrafttreten des Gemeindegesetzes am 1. Juli 1974 erlassen wurden (PVG 

1980 Nr. 67). Das vorliegende Gesetz wurde von der Gemeindeversammlung 

im Jahre 1898 beschlossen und unterstand daher der Genehmigungspflicht 

nicht, zumal im Gemeindegesetz auch keine Anpassungsfrist für alte Gesetze 

statuiert wurde. Der Rekurs erweist sich demnach unter allen Titeln als 

unbegründet.

9. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der Rekurrentin, 

welche überdies die anwaltlich vertretene Gemeinde angemessen 

aussergerichtlich zu entschädigen hat. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 2'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 221.--

zusammen Fr. 2'221.--

gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. … entschädigt die Gemeinde … aussergerichtlich mit Fr. 2'000.-- (inkl. 

MWST).