# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 610171be-fd3c-5e8f-88fd-abee763f8292
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.07.2008 E-4491/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4491-2007_2008-07-16.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4491/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  J u l i  2 0 0 8

Richter Bruno Huber (Vorsitz), 
Richter Daniel Schmid, 
Richter Jean-Pierre Monnet, 
Gerichtsschreiberin Mareile Lettau.

A_______, geboren _______,
Sri Lanka,
p. A. Schweizerische Botschaft in _______ (Sri Lanka),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 18. Mai 2007 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4491/2007

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin tamilischer Ethnie ersuchte mit englischspra-
chiger Eingabe vom 23. August 2006 an die Schweizerische Botschaft 
in  _______ um Asyl  in  der  Schweiz. Das Gesuch ging bei  der  Bot-
schaft am 5. September 2006 ein. 

Die Beschwerdeführerin  machte im Wesentlichen geltend, sie sei seit 
19 Jahren Lehrerin und unterrichte an einer (...) in (...). Während der 
ethnischen Unruhen im Juli  1983 sei ihr Haus in (...)  zusammen mit 
ihren  Besitztümern  zerstört  worden,  was  sie  der  Polizei  gemeldet 
habe. Danach habe sie das Haus wieder aufgebaut und für fünf Jahre 
vermietet; zusammen mit ihrer Familie sei sie zu ihrer Mutter nach (...) 
gezogen. Nach  Ablauf  der  Mietdauer  habe  sie  von den  Mietern  die 
Räumung des Hauses verlangt,  was diese jedoch verweigert  hätten. 
Sie habe erfolglos dagegen geklagt, ihre gegen das abweisende Urteil 
eingereichte Berufung sei seit acht Jahren hängig. Im Juni 1990 sei ihr 
Haus  in  (...)  zerstört  worden,  weshalb  sie  bei  der  Polizei  Anzeige 
erstattet habe. Auch habe sie ihren ältesten Sohn verloren. Das Haus 
habe sie ihrer Schwester geschenkt. Die Lage in (...) sei angespannt 
und lebensbedrohlich. Sie sei verheiratet und habe vier minderjährige 
Kinder.

Der Eingabe lagen folgende Beweismittel als Kopien bei: ein Schrei-
ben  der  Polizeistation  (...)  vom  (...)  1983  mit  englischsprachiger 
Übersetzung,  eine  englischsprachige  Anzeige  bei  der  Polizei  in  (...) 
vom (...)  1990  und eine englischsprachige  Schenkungsurkunde vom 
(...) 1988.

B.
Mit Schreiben vom 27. September 2006 teilte die Schweizerische Bot-
schaft der Beschwerdeführerin mit, ihre Eingabe werde als Asylgesuch 
entgegengenommen. Sie wurde für den Fall, dass sie am Gesuch fest-
halten wolle, aufgefordert, ihre Vorbringen ("grievances") und allfällige 
unterstützende  Dokumente  sowie  Kopien  von Identitätspapieren  als 
letzte und bindende Eingabe ("your final and binding submission") bis 
zum 27. Oktober 2006 einzureichen. 

C.
Mit  beeideter  schriftlicher  Erklärung  in  englischer  Sprache  vom 

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16. Oktober 2006 an die Botschaft (Eingang bei der Botschaft: 25. Ok-
tober 2006) führte die Beschwerdeführerin aus, sie habe zusammen 
mit  ihren  Eltern  und  ihrer  einzigen  Schwester  in  (...)  gelebt,  in  (...) 
studiert,  im Jahre 1988 ihre Zulassung als  Lehrerin erhalten und im 
gleichen  Jahr  geheiratet.  Das  Haus  ihrer  Mutter  sei  eigentlich  zu 
gleichen Teilen ihrer  Schwester  und ihr  zugesprochen worden,  doch 
sei sie gezwungen gewesen, ihre Hälfte der Schwester abzutreten. Im 
Jahre  1990 habe  sie  während  der  Unruhen  wegziehen müssen und 
sich  in  einem  Flüchtlingslager  aufgehalten,  wo  sie  eine  (...)  gehabt 
habe.  Aufgrund  ihres  kritischen  Gesundheitszustandes  sei  sie  von 
IKRK-Mitarbeitern in ein Krankenhaus in der Stadt gebracht worden; 
ihr Ehemann habe wegen der Unruhen nicht nachkommen können und 
sei  als  Flüchtling  nach  Indien  gegangen.  Ihre  Schwester  sei  1992 
gestorben, die Mutter 1996. Der Schwager habe die Familie aus dem 
gemeinsamen Haus geworfen.

Der Eingabe lagen als Beweismittel in Kopien bei: eine eidestattliche 
Versicherung  der  Beschwerdeführerin  zur  Bestätigung  ihrer  Identität 
vom 17. Oktober 2006 (in englischer Sprache); zwei Fotografien, die 
Beschwerdeführerin  und  ihren  Ehemann  zeigend;  ein  Bestätigungs-
schreiben des (...), (...), von Oktober 2006 (in englischer Sprache); ein 
Zertifikat  betreffend  die  Lehrerausbildung  von  März  1993  (mit  eng-
lischer Übersetzung); ein Anstellungsschreiben; ein Zeugnis des (...), 
(...),  von  1986;  ein  Zertifikat  betreffend  einen  Computerkurs  von 
Oktober  2004;  ein  Zertifikat  betreffend  die  Teilnahme  an  einem 
Lehrerausbildungsprogramm;  ein  Zertifikat  betreffend  die  Teilnahme 
am  Kurs  eines  Schönheitssalons  von  Mai  2003;  eine  Teilnahmebe-
stätigung  eines  Lehrerworkshops  des  (...)  (Sri  Lanka)  von  Oktober 
2004;  eine  Teilnahmebestätigung  eines  Workshops  über  Gewerk-
schaftsrechte  von  Juni  2003;  eine  Teilnahmebescheinigung  eines 
Workshops zu Energiefragen im (...) von Mai 2001; eine Beschwerde 
bei der Polizei in (...) von Oktober 1990 (die Plünderung des Hauses 
betreffend, mit Beilagen); ein Bericht der Polizei in (...) von Dezember 
1983  (mit  englischer  Übersetzung);  eine  Bestätigung  über  den 
Aufenthalt in einem Flüchtlingslager von 1984 (in englischer Sprache); 
ein  Schreiben  eines  Rechtsvertreters  in  (...)  von  Juni  1999  im  Zu-
sammenhang  mit  dem  Berufungsverfahren;  eine  englischsprachige 
Übersetzung des Urteils des (...)  von September 1998; Schenkungs-
urkunden  (Nr.  2801,  9166  und  9165,  in  englischer  Sprache);  ein 
Mietvertrag  von 1983 in  englischer  Sprache; Zertifikate  des (...)  von 

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2001,  2002 und  2003 sowie  ein  Zertifikat  des  (...)  und  der  (...)  von 
2001.

D.
Mit Schreiben vom 20. Februar 2007 überwies die Schweizerische Bot-
schaft dem BFM (Eingang: 27. Februar 2007) die von der Beschwerde-
führerin  eingereichten Unterlagen mit  einem kurzen Kommentar,  wo-
nach diese nicht zu einer Anhörung eingeladen worden sei,  weil  sie 
lediglich allgemeine Probleme in der Familie und die generelle Lage im 
Heimatland, aber keine Verfolgungsvorbringen geltend gemacht habe.

E.
Mit  Verfügung  vom 18.  Mai  2007  wies  das  BFM  das  Einreise-  und 
Asylgesuch ab. Im Wesentlichen stützte es seinen Entscheid auf den 
fehlenden zeitlichen Kausalzusammenhang zwischen den geltend ge-
machten  Problemen in  den  achziger  und  neunziger  Jahren  und  der 
Einreichung des Asylgesuchs. Zudem vermöchten allgemeine Unruhen 
und private Rechtsstreitigkeiten mangels Vorliegens eines asylrelevan-
ten Verfolgungsmotives keine einreiserelevante Verfolgungssituation zu 
begründen. Zwar müsse die Sicherheitssituation am Wohnort der Be-
schwerdeführerin als kritisch eingestuft werden, aber diese könne sich 
den  lokal  und  regional  beschränkten  Nachteilen  mittels  Inanspruch-
nahme einer alternativen Aufenthaltsmöglichkeit innerhalb Sri Lankas, 
beispielsweise  im  Grossraum  Colombo,  entziehen.  Die  eingreichten 
Dokumente würden an dieser Einschätzung nichts ändern, da sie le-
diglich die nicht in Frage gestellten Vorbringen stützten. 

Die  Verfügung  ging  der  Beschwerdeführerin  durch  Vermittlung  der 
Schweizerischen Vertretung in (...) am 30. Mai 2007 zu.

F.
Mit englischsprachigem Schreiben vom 15. Juni 2007 an die Botschaft 
(Eingang: 21. Juni  2007)  erhob die  Beschwerdeführerin  sinngemäss 
Beschwerde  gegen  diese  Verfügung.  Die  Beschwerde  wurde  mit 
Schreiben vom 21. Juni 2007 an das Bundesverwaltungsgericht über-
mittelt,  wo  sie  am 3.  Juli  2007  einging.  Ihr  Inhalt  ist  weitestgehend 
identisch  mit  dem  Asylgesuch  vom  23.  August  2006.  Als  Beilagen 
reichte sie ein Bestätigungsschreiben des IKRK (Sri Lanka) von März 
2007 über die Zerstörung und den Verlust von Besitztümern sowie die 
bereits im Original eingereichte eidesstattliche Erklärung vom 16. Ok-
tober 2006 in Kopie ein.

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G.
Mit Verfügung vom 6. Juli 2007 lud das Bundesverwaltungsgericht die 
Vorinstanz  unter  Hinweis  auf  Art.  10  Abs.  1  und  2  der  Asylverord- 
nung  1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV  1, 
SR 142.311) zur Vernehmlassung ein.

H.
Das Bundesamt nahm nach mit Verfügung vom 19. Juli 2007 vom Ge-
richt gewährter Fristerstreckung am 17. August 2007 Stellung und be-
antragte Abweisung der Beschwerde. Bei Asylgesuchen aus dem Aus-
land könne sich eine persönliche Vorsprache des Gesuchstellers er-
übrigen, wenn das Gesuch so ausführlich begründet werde, dass es 
für die Entscheidfällung genüge. Auch aus organisatorischen und ka-
pazitätsmässigen Gründen könne darauf  verzichtet  werden,  jede ge-
suchstellende Person vor Ort anzuhören. Auch wenn eine unmittelbare 
asylrelevante  Gefährdung  glaubhaft  gemacht  werde,  könne auf  eine 
Anhörung verzichtet werden, wenn das Gesuch dem BFM schnell un-
terbreitet werden solle. Wenn das Bundesamt aber zum Schluss kom-
me, der rechtserhebliche Sachverhalt sei noch nicht genügend erstellt, 
so werde die schweizerische Vertretung angewiesen,  eine Anhörung 
durchzuführen. Vorliegend hätten sich aus dem Gesuch der Beschwer-
deführerin und der nach Aufforderung zur Substanziierung eingereich-
ten Eingabe keine konkreten Anhaltspunkte für eine gezielte und aktu-
elle asylrelevante Verfolgung ergeben, weshalb auf eine Anhörung ver-
zichtet  worden sei. Mittlerweile  würden tamilische Zuzügler  aus dem 
Norden und Osten nach Colombo nicht mehr deportiert, weshalb eine 
innerstaatliche Aufenthaltsalternative insbesondere im Grossraum Co-
lombo als zumutbar erachtet werde. 

I.
Der  Beschwerdeführerin  wurde  mit  Verfügung  vom  28.  September 
2007 Replikrecht gewährt, von welchem sie keinen Gebrauch machte.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 

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20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als 
Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. 
Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das 
Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]; 
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]). Gemäss ständiger Praxis erstreckt sich sodann 
die Zuständigkeit der Beschwerdeinstanz aufgrund des engen sachli-
chen Zusammenhangs auch auf die Verweigerung der Einreisebewil-
ligung im Sinne von Art. 20 Abs. 2  AsylG (vgl. Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2000 Nr. 12).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG).

1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abge-
fasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann 
indessen verzichtet werden, da der in englischer Sprache formulierten 
Eingabe genügend klare Rechtsbegehren und deren Begründung zu 
entnehmen sind und ohne weiteres darüber befunden werden kann.

1.4 Der  Zeitpunkt  der  Eröffnung der  angefochtenen Verfügung steht 
mangels Vorliegens einer Empfangsbestätigung nicht fest. Angesichts 
der vorstehend geschilderten Begleitumstände und der Tatsache, dass 
die Beweislast für die Zustellung an die Partei der eröffnenden Behör-
de  obliegt  (vgl.  FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2. Aufl., 
Bern 1983, S. 61),  ist  daher im vorliegenden Fall  zugunsten der Be-
schwerdeführerin  davon auszugehen, dass sie die Beschwerde,  wel-
che,  bei  der  schweizerischen  Botschaft  in  (...)  am  21.  Juni  2006 
eingegangen ist, rechtzeitig eingereicht hat.

2.
Die Beschwerdeführerin ist  legitimiert,  auf die Beschwerde ist - trotz 
des sprachlichen Mangels und der nicht zweifelsfrei belegten rechtzei-
tigen Einreichung des Rechtsmittels - einzutreten.  Art. 6 AsylG i.V.m. 
Art. 48 und 52 ff. VwVG). 

3.

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3.1 In formeller Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass gemäss Art. 
19 AsylG ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertre-
tung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das Bun-
desamt überweist  (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertre-
tung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung 
durch  (Art.  10  AsylV 1).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asyl-
suchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe 
schriftlich  festzuhalten  (Art.  10  Abs. 2  AsylV  1).  Das  Bundesverwal-
tungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  in  einem Urteil 
vom  27.  November  2007  (publiziert  unter  BVGE  2007/30)  erkannt, 
dass  sich  die  Unmöglichkeit  einer  Befragung  aus  organisatorischen 
oder kapazitätsmässigen Gründen bei  der jeweiligen Vertretung,  aus 
faktischen Hindernissen im betreffenden Land oder aus bei der asyl-
suchenden  Person  liegenden  persönlichen  Gründen  ergeben  kann 
(vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung der Sachverhalts-
erstellung  sowie  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  dient  (vgl. 
BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei gegebener Un-
möglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in 
einem individualisierten Schreiben mittels  konkreter  Fragen aufzufor-
dern,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardisiertes 
Schreiben vermag diesen Anforderungen damit in aller Regel nicht zu 
genügen (BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich eine Befragung 
beziehungsweise  eine  schriftliche  Sachverhaltsabklärung  erübrigen, 
wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs 
als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber 
dann im Sinne des rechtlichen Gehörs Gelegenheit zu geben, sich zu 
einem absehbaren negativen Entscheid schriftlich zu äussern (BVGE 
a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, 
den  Verzicht  auf  eine  Befragung  in  der  Verfügung  zu  begründen 
(BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7).

3.2

3.2.1 Im vorliegenden Fall  wurde die Beschwerdeführerin  weder  von 
der  schweizerischen  Vertretung  in  (...)  zu  ihrem  Asylgesuch  vom 
23. August 2006 befragt, noch wurde sie mittels eines individualisier-
ten Schreibens zur weiteren Konkretisierung ihrer  Asylgründe aufge-
fordert.  Das  der  Beschwerdeführerin  zugestellte,  standardisierte 
Schreiben  vom  27.  September  2006,  wonach  sie  die  Asylgründe 
schriftlich  festzuhalten  habe,  vermag den vorstehend erwähnten An-
forderungen nicht  zu genügen, da es an Fragen -  beispielsweise zu 

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mutmasslichen Verfolgern oder zu allfälliger Schutzsuche bei den Be-
hörden - mangelt.

Angesichts der ausführlichen schriftlichen Begründung des Asylgesu-
ches in der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 23. August 2006 und 
16. Oktober 2006 sowie den gleichzeitig eingereichten Beweismitteln, 
aus welchen sich insgesamt alle entscheidrelevanten Informationen er-
geben, erscheint indessen der rechtserhebliche Sachverhalt genügend 
abgeklärt, so dass sich eine Befragung beziehungsweise eine schriftli-
che Aufforderung zu weiteren Konkretisierungen der Angaben erübrig-
ten; insoweit hat das Bundesamt den gesetzlichen Bestimmungen Ge-
nüge getan.

3.2.2 Nach der vorstehend zitierten Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts hätte das BFM bei dieser Sachlage indessen einer-
seits  der  Beschwerdeführerin  Gelegenheit  geben  müssen,  sich  zum 
absehbaren  negativen  Entscheid  zu  äussern,  anderseits  hätte  das 
Bundesamt  in  der  Verfügung vom 18. Mai  2007  seinen  Verzicht  auf 
eine Befragung begründen müssen. Die Nichtbeachtung dieser Grund-
sätze stellt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, welche ange-
sichts dessen formeller Natur zur Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung führen würde (vgl. dazu EMARK 2004 Nr. 28 E. 7e S. 184 f.).

3.2.3 Das  BFM  stellt  sich  diesbezüglich  in  seiner  Vernehmlassung 
vom 17. August  2007 auf  den Standpunkt,  angesichts  dessen,  dass 
dem vollständig erstellten Sachverhalt klarerweise keine Hinweise auf 
eine  asylrelevante  Gefährdung  zu  entnehmen  gewesen  seien,  habe 
sich vorliegend eine Befragung erübrigt.

3.2.4 Hierzu ist festzuhalten, dass gemäss BVGE 2007/30 das Vorge-
hen des Bundesamtes als nicht rechtskonform zu bezeichnen ist. Die 
Aufhebung eines Entscheides des BFM, bei dem das Bundesamt die-
sem Erfordernis nicht nachgekommen ist, erscheint allerdings nicht in 
jedem Falle zwingend. Namentlich in Fällen, in welchen das BFM sei-
nen Entscheid betreffend die Fragen der Einreisebewilligung und des 
Asyls  vor  Bekanntwerden  des  vorgenannten  Urteils  des  Bundesver-
waltungsgerichts  getroffen  hat,  kann  es  angezeigt  erscheinen,  den 
Verfahrensmangel  zu  heilen  (vgl.  dazu  EMARK  1999  Nr.  3  E.  3c 
S. 20 f.), sofern aufgrund der Akten davon ausgegangen werden kann, 
dass der  asylsuchenden Person in  materieller  Hinsicht  kein Nachteil 
erwachsen ist; diese Voraussetzung ist gegeben, wenn der entscheid-

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wesentliche  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  des 
Asylgesuches  und  allfälliger  Beweismittel  als  hinreichend  erstellt  zu 
erachten  ist  und  der  asylsuchenden  Person  zumindest  auf  Be-
schwerdeebene die Möglichkeit offenstand, sich nochmals einlässlich 
zu ihren Asylgründen zu äussern.

3.3 Im  vorliegenden  Fall  sind  die  Voraussetzungen  für  eine  Heilung 
der  festgestellten  Verletzung  des  rechtlichen Gehörs  erfüllt,  und der 
rechtserhebliche Sachverhalt ist angesichts der Aktenlage - wie in der 
vorstehenden Erwägung 3.2.1 ausgeführt - als erstellt zu bezeichnen. 
Ferner hatte die Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdever-
fahren  Gelegenheit,  ihre  Asylgründe  erneut  ausführlich  darzulegen, 
was sie  auch  getan  hat.  Zudem wurde  ihr  das  Replikrecht  zur  Ver-
nehmlassung des BFM vom 17. August  2007 gewährt,  von dem sie 
allerdings keinen Gebrauch gemacht hat. Bei dieser Sachlage ist von 
einer Kassation der angefochtenen Verfügung abzusehen und in ma-
terieller Hinsicht zu prüfen, ob das Bundesamt der Beschwerdeführerin 
zu Recht die Einreise in die Schweiz verwehrt und ihr Asylgesuch ab-
gewiesen hat.

4.

4.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchenden die Einreise zur 
Abklärung  des  Sachverhaltes,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden 
kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein ande-
res Land auszureisen.

4.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die Beziehungsnähe zur  Schweiz,  die Möglichkeit  der  Schutzgewäh-
rung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen 
Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur an-
derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- 
und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiter-
hin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 1997 Nr. 15, insbesondere 
S. 131 ff., welche angesichts bloss redaktioneller Änderungen bei der 

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letzten Revision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit  hat). Aus-
schlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die 
Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 
E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im 
Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am 
Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet 
werden kann.

5.

5.1 In  materieller  Hinsicht  ist  festzustellen,  dass das  BFM zu Recht 
das Fehlen jeglicher asylrelevanter Gefährdungssituation verneint hat. 
Die  Beschwerdeführerin  macht  mit  den  Zerstörungen  der  Häuser  in 
(...)  und (...),  dem Diebstahl  der  sich  in  diesen befindenden  Besitz-
tümer,  der  verweigerten  Räumung  des  Hauses  in  (...)  durch  die 
dortigen Mieter  verbunden mit  jahrelangen Rechtsstreitigkeiten,  dem 
Verlust des von der Mutter geerbten Hauses an die Schwester und der 
Vertreibung  aus  dem  gemeinsamen  Haus  durch  den  Schwager 
ausschliesslich Verluste materieller Art geltend. Zudem mangelt es bei 
den in den achziger und neunziger Jahren stattgefundenen Ereignis-
sen am zeitlichen und sachlichen Zusammenhang zwischen den Ge-
schehnissen und dem Asylgesuch. Die eingereichten Belege über die 
materiellen Verluste, gerichtlichen Auseinandersetzungen und Proble-
me mit Wohneigentum sowie die beruflichen Qualifizierungen der Be-
schwerdeführerin  unterstreichen  den  nicht  in  Frage  gestellten,  asyl-
rechtlich  irrelevanten Sachverhalt  und führen zu keiner  anderen Be-
wertung. Bei  der  geltend  gemachten  allgemeinen  Sicherheitslage  in 
der  Heimatregion  der  Beschwerdeführerin  handelt  es  sich  nicht  um 
eine gezielte, flüchtlingsrechtlich relevant begründete und hinreichend 
intensive Verfolgung, denen diese und ihre Familie auf dem Gebiet des 
gesamten Heimatstaates schutzlos ausgeliefert wäre. 

Nachdem nicht  von einer  asylrechtlich  relevanten Gefährdungssitua-
tion auszugehen ist, braucht auf die Frage nach der Beziehungsnähe 
zur Schweiz, die nach den Akten als klar nicht gegeben anzusehen ist, 
oder anderen potenziellen Zufluchtstaaten nicht eingegangen zu wer-
den.

5.2 Zusammenfassend ist  festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin 
nicht auf den unmittelbaren flüchtlingsrechtlichen Schutz der Schweiz 
angewiesen ist. Das Bundesamt hat damit die Einreise zu Recht ver-
weigert und das Asylgesuch abgelehnt.

Seite 10

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6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.-- 
an sich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG); 
aus verwaltungsökonomischen Gründen wird indessen in Anwendung 
von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Beschwerdeführerin,  durch  die  schweizerische  Vertretung  in 
_______

- die schweizerische Vertretung in _______, mit  der Bitte  um Eröff-
nung dieses Urteils an die Beschwerdeführerin sowie um Zustellung 
der Empfangsbestätigung an das Bundesverwaltungsgericht ad acta

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Mareile Lettau

Versand: 

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