# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 268d5e43-4e55-52ad-b761-79510f5ae954
**Source:** Nidwalden (NW)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-09-19
**Language:** de
**Title:** Nidwalden Gerichte 19.09.2025 39571
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/NW_Gerichte/NW_OG_001_39571_2025-09-19.pdf

## Full Text

GERICHTE    VERWALTUNGSGERICHT  Marktgasse 4, Postfach 1244, 6371 Stans  

Tel. 041 618 79 70, www.nw.ch 

 

SV 24 2 

Entscheid vom 6. Mai 2024 

Sozialversicherungsabteilung 

 

 

 

Besetzung Vizepräsidentin Barbara Brodmann, Vorsitz, 

 Verwaltungsrichterin Dr. med. Carole Bodenmüller, 

 Verwaltungsrichter Stephan Zimmerli, 

Gerichtsschreiber Reto Rickenbacher. 

 

 

 

Verfahrensbeteiligte A.__, 

vertreten durch die Berufsbeiständin __ 

Beschwerdeführerin, 

gegen 

IV-Stelle Nidwalden, 

Stansstaderstrasse 88, Postfach, 6371 Stans, 

Beschwerdegegnerin. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gegenstand Interdisziplinäre Begutachtung;  

Beschwerde gegen die Zwischenverfügung der IV-Stelle 

Nidwalden vom 10. Januar 2024. 

2 │ 11 

 

Sachverhalt: 

A.  

A.__ («Beschwerdeführerin» und «Versicherte») meldete sich am 1. Juni 2020 mit der Diag-

nose Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2) bei der IV-Stelle Nidwalden 

(«IV-Stelle») zum Leistungsbezug an (IV-act. 1 ff.). Am 1. Juli 2020 teilte ihr die IV-Stelle mit, 

sie gewähre ihr Beratung und Unterstützung bei der sozialberuflichen Rehabilitation als Vor-

bereitung zur Erschliessung eines Arbeitsplatzes, sobald es ihre gesundheitliche Situation zu-

lasse (IV-act. 17).  

 

B.  

Die IV-Stelle holte die medizinischen Akten ein und unterbreitete sie dem regionalen ärztlichen 

Dienst (RAD), der in seiner Berichterstattung vom 24. Januar 2022 zum Schluss kam, bezogen 

auf die zuletzt ausgeübte und vergleichbare Tätigkeiten könne dem Dossier keine dauerhafte 

Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit entnommen werden (IV-act. 39). Die IV-

Stelle schlussfolgerte zunächst, es bestehe weder ein Anspruch auf erstmalige berufliche Aus-

bildung noch auf Umschulung. Hingegen habe die Versicherte aufgrund ihres jungen Alters 

Anspruch auf Integrationsmassnahmen (IV-act. 41 und 51). In der Folge erteilte die IV-Stelle 

Kostengutsprache für ein Aufbautraining im Atelier für Frauen vom 22. März bis 31. August 

2022, an der die Beschwerdeführerin infolge Krankschreibung ab dem 21. Juli 2022 nicht mehr 

teilnehmen konnte (IV-act. 43, 51 und 59).  

 

C.  

Bei einer spezialärztlichen psychosomatischen Abklärung am Universitätsspital Zürich vom 

11. Juli / 11. August 2022 wurde bei der Beschwerdeführerin neu ein chronisches Müdigkeits-

syndrom (ICD-10 G93.3) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Epi-

sode (ICD-10 F33.0) diagnostiziert (IV-act. 58 und 61). Gestützt auf die Information des Sozi-

aldienstes Nidwalden, wonach es der Beschwerdeführerin sehr schlecht gehe und an eine 

Tagesstruktur nicht zu denken sei, schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab (IV-

act. 62).  

 

 

 

 

3 │ 11 

 

D.  

Nach Aktualisierung der medizinischen Akten zeigte sich, dass sich der Zustand der Be-

schwerdeführerin verschlechtert hatte, sie vom 15. Februar bis 7. August 2023 in stationärer 

Therapie in der Luzerner Psychiatrie war und ihr dabei als neue Hauptdiagnose eine schizo-

type Störung (ICD-10 F21) gestellt wurde (IV-act. 77 und 80). Die IV-Stelle unterbreitete die 

medizinischen Akten erneut dem RAD, der eine polydisziplinäre Begutachtung mit den Fach-

richtungen Allgemeine innere Medizin, Infektiologie, Neurologie, Neuropsychologie und Psy-

chiatrie als notwendig erachtete (IV-act. 84).  

 

E.  

Nachdem die IV-Stelle der Beschwerdeführerin am 18. Oktober 2023 mitgeteilt hat, dass sie 

eine polydisziplinäre Begutachtung plant und die Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip aus-

gewählt wird (IV-act. 86), teilte die Berufsbeiständin der Beschwerdeführerin via E-Mail vom 

25. Oktober 2023 mit, die Beschwerdeführerin sei nicht reisefähig und fragte an, ob eine Be-

gutachtung am Wohnort möglich sei, was die IV-Stelle verneinte (IV-act. 89). Die Berufsbei-

ständin reichte am 11. Dezember 2023 ein ärztliches Attest des Universitätsspitals Zürich vom 

29. November 2023 ein, in dem der Beschwerdeführerin aufgrund einer myalgischen Enze-

phalomyelitis/chronischem Fatigue Syndrom (ME/CFS, ICD-10 G93.3) eine gesundheitsbe-

dingte Reise- und Transportunfähigkeit attestiert wird (IV-act. 92). In einer Stellungnahme dazu 

hat der RAD ausgeführt, die polydisziplinäre Begutachtung sei notwendig und zumutbar, wobei 

die IV-Stelle prüfen solle, ob sie für die Kosten eines Hotelzimmers in der Nähe des Begutach-

tungsortes aufkommen will (IV-act. 94). Die IV-Stelle erliess am 10. Januar 2024 eine Zwi-

schenverfügung, mit der sie an der externen interdisziplinären medizinischen Begutachtung 

festhielt und sich bereiterklärte, die Kosten für ein einfaches und zweckmässiges Hotelzimmer 

in der Nähe der ausgelosten medizinischen Abklärungsstelle zu übernehmen (IV-act. 95). 

 

F.  

Die Beschwerdeführerin erhob gegen diese Zwischenverfügung am 6. Februar 2024 Be-

schwerde am Verwaltungsgericht Nidwalden und beantragte, die interdisziplinäre medizini-

sche Begutachtung online oder am Wohnort der Beschwerdeführerin durchzuführen (amtl. 

Bel. 1).  

Sie leistete fristgerecht einen Kostenvorschuss von Fr. 400.– (amtl. Bel. 2 f.).  

 

 

4 │ 11 

 

G.  

In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. Februar 2024 beantragte die IV-Stelle die kostenfällige 

Abweisung der Beschwerde (amtl. Bel. 5). Gleichzeitig überwies sie das Versicherungsdossier 

(IV-act. 1 ff.). Damit war der Rechtschriftenwechsel abgeschlossen (amtl. Bel. 7). 

 

H.  

Die Sozialversicherungsabteilung des Verwaltungsgerichts Nidwalden hat die vorliegende Be-

schwerdesache anlässlich ihrer Sitzung vom 5. Dezember 2022 in Abwesenheit der Parteien 

beraten und beurteilt. Auf die Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Er-

wägungen eingegangen. 

 

 

 

Erwägungen: 

1.  

1.1  

Mit der angefochtenen Verfügung vom 10. Januar 2024 hat die IV-Stelle an der Durchführung 

einer polydisziplinären medizinischen Begutachtung bei einer externen MEDAS festgehalten. 

Da diese Verfügung das Administrativverfahren nicht abschliesst, handelt es sich um eine Zwi-

schenverfügung (Art. 55 Abs. 1 ATSG [SR 830.1] i.V.m. Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 VwVG 

[SR 172.021]). Zwischenverfügungen sind bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden 

Nachteils selbständig anfechtbar (Art. 46 Abs. 1 lit. a VwVG; BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6 f. 

m.w.V.). Bei der Anordnung eines medizinischen Gutachtens bejaht das Bundesgericht einen 

nicht wieder gutzumachenden Nachteil, unter anderem auch deshalb, weil die mit medizini-

schen Untersuchungen einhergehenden Belastungen zuweilen einen erheblichen Eingriff in 

die physische oder psychische Integrität bedeuten (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 m.w.V.). Die 

Verfügung vom 10. Januar 2024 stellt somit eine anfechtbare Zwischenverfügung dar. 

 

5 │ 11 

 

1.2  

Zuständig für die Beurteilung der Beschwerde ist die sozialversicherungsrechtliche Abteilung 

des Verwaltungsgerichts Nidwalden (Art. 57 ATSG [SR 830.1] i.V.m. Art. 39 GerG [NG 261.1]). 

Da auch die örtliche Zuständigkeit (Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG [SR 831.20]) sowie Frist und Form 

(Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

 

2.  

Die Beschwerdeführerin vertritt den Standpunkt, eine externe medizinische Begutachtung, die 

an einer Abklärungsstelle in der ganzen Schweiz stattfinden könne, sei zwar notwendig, aber 

nicht zumutbar.  

Sie wehre sich keineswegs gegen die Begutachtung und ihre Mitwirkung im IV-Prozess sei 

sehr wichtig. Die Reise zu begutachtenden Ärztinnen und Ärzten in der ganzen Schweiz sei 

angesichts ihres aktuellen Zustandes aber unrealistisch. Sie sei seit längerer Zeit nicht in der 

Lage, Verrichtungen ausserhalb ihres Wohnheimes vorzunehmen. Sie leide am Fatigue-Syn-

drom und die Erschöpfungssymptomatik nehme nach kleinsten Anstrengungen massiv zu. Vor 

ungefähr einem Jahr seien die Symptome so ausgeprägt gewesen, dass sie bettlägerig ge-

worden sei. Aktuell könne sie knapp 15 Minuten spazieren gehen. Der Hausarzt komme auf 

Visite und die Psychotherapie finde online oder bei der Beschwerdeführerin statt. Ihr sei es 

aufgrund des krankheitsbedingt eingeschränkten Bewegungsradius nicht möglich, ihr Wohn-

heim zu verlassen. Setze sie sich Anstrengungen aus, welche ihr persönliches Energieniveau 

übersteigen würden, sei der Preis, den sie dafür bezahle, sehr hoch: Die Bettlägerigkeit könne 

dann über Tage gegeben sein, was neben der körperlichen auch eine massive psychische 

Belastung darstelle. Die zuständige Psychiaterin Dr. med. B.__ habe ihr eine Reise- und 

Transportunfähigkeit attestiert. Die körperliche und psychische Belastung erachte sie als un-

zumutbar. Die IV-Stelle habe den Vorschlag, eine Begutachtung online oder am Wohnort der 

Beschwerdeführerin durchzuführen unter Verweis auf Art. 44 ATSG abgelehnt, wobei dieser 

Artikel nichts darüber aussage, wo die Begutachtung stattzufinden habe (amtl. Bel. 1).  

 

6 │ 11 

 

3.  

3.1  

Die medizinische Abklärung der objektiven Gesundheitsschäden ist eine unabdingbare ge-

setzlich verankerte Voraussetzung für die Zusprache einer Leistung der Invalidenversicherung 

(Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen 

Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat er 

einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit 

von medizinischen Erhebungen. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Versiche-

rer den Sachverhalt so weit zu ermitteln, dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit 

dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entscheiden kann. Soweit ärztliche 

oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die 

versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). 

Notwendig sind Untersuchungen, die dazu dienen, den rechtserheblichen Sachverhalt voll-

ständig und richtig zu ermitteln (CRISTINA SCHIAVI, in: Basler Kommentar zum ATSG, 2019, 

N 21 zu Art. 43 ATSG; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Rz 92 zu Art. 43 ATSG). 

Zumutbar ist die Mitwirkung, wenn der verfolgte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zur 

Beeinträchtigung des Pflichtigen steht. Für diese Beurteilung sind sowohl die objektiven als 

auch die subjektiven Umstände zu berücksichtigen. Dabei ist die Frage der subjektiven Zu-

mutbarkeit ebenfalls objektiv zu klären. D.h. massgebend ist nicht, ob die betroffene Person 

aus ihrer eigenen, subjektiven Wahrnehmung heraus die Untersuchung als zumutbar erachtet, 

sondern ob die subjektiven Umstände (Alter, Gesundheitszustand, bisherige Erfahrungen mit 

Abklärungen) objektiv betrachtet eine Untersuchung zulassen oder nicht. Die objektive Zumut-

barkeit hängt damit zusammen, dass eine medizinische Untersuchung oder gar eine Begut-

achtung die persönliche Freiheit eines Versicherten tangieren kann, wobei leichte Eingriffe in 

die persönliche Freiheit in Kauf genommen werden müssen. Die üblichen Untersuchungen in 

einer Gutachtensstelle sind ohne konkret entgegenstehende Umstände generell als zumutbar 

zu betrachten (Urteil des Bundesgerichts 8C_283/2020 vom 4. August 2020 E. 4.2.1 mit wei-

teren Hinweisen). Begutachtungen können für alle Versicherten (namentlich solche mit psy-

chischen Beschwerden wie Angststörungen, Traumafolgen, Hirnverletzungen oder Erschöp-

fungssyndromen) eine grosse Belastung darstellen, mit einer grossen Anstrengung verbunden 

sein und Ängste und Widerstände wecken, was ungeachtet der Ursache der Beeinträchtigung 

gilt. Eine gewisse Belastung muss in Kauf nehmen, wer eine Versicherungsleistung bean-

sprucht (Urteil des Bundesgerichts 8C_283/2020 vom 4. August 2020 E. 4.3.2.2 m.w.V.) Eine 

versicherte Person verhält sich rechtsmissbräuchlich, wenn sie selbst eingeholte Arztberichte 

7 │ 11 

 

zu den Akten gibt und den Versicherer daran hindert, deren Ergebnisse durch eigene Abklä-

rungen zu überprüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_481/2013 vom 7. November 2013 E. 4.1 

m.w.H.). 

Medizinische Gutachten, an denen drei oder mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, haben bei 

einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das BSV eine Vereinbarung getroffen hat 

(Art. 72bis Abs. 1 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung 

[IVV; SR 831.201]). Die Vergabe der Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Art. 72bis Abs. 

2 IVV). Die Gutachterwahl bei polydisziplinären MEDAS-Begutachtungen hat immer nach dem 

Zufallsprinzip zu erfolgen. Bei polydisziplinären Gutachten bleibt für eine einvernehmliche Be-

nennung der Experten kein Raum (BGE 140 V 507 E. 3.1 und 3.2.1 m.w.H.).  

 

3.2  

Die Beschwerdeführerin bestreitet die Notwendigkeit der Begutachtung nicht. Sie bestreitet 

allerdings die Zumutbarkeit einer externen polydisziplinären Begutachtung.  

Sie stützt sich dabei hauptsächlich auf ein Zeugnis vom 29. November 2023 von Dr. med. 

B.__, Oberärztin in der Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychomotorik am Universitätsspital 

Zürich (IV-act. 92). Darin wird zusammengefasst ausgeführt, bei der Beschwerdeführerin sei 

im Rahmen des Erstgesprächs vom 11. Juli 2022 eine myalgische Enzephalomyelitis/chroni-

sches Fatigue-Syndrom (ME/CFS; nach ICD-10: G93.3) und eine rezidivierende depressive 

Störung mit gegenwärtig leichter Episode (nach ICD-10: F33.0) diagnostiziert worden. Weiter 

wird ausgeführt, dass ein schwer ausgeprägtes Zustandsbild von ME/CFS vorliege, das mit 

wesentlichen Beeinträchtigungen im Alltag einhergehe. Die Patientin sei in der Lage, circa 20 

Minuten am Tag mit mehreren Ruhepausen zu spazieren und könne sich höchstens 10 – 20 

Minuten pro Tag mit Ruhepausen auf das Lesen eines Buches konzentrieren. Dr. med. B.__ 

bittet unter Verweis auf ihre klinischen Erfahrungswerte bei schwer an ME/CFS erkrankten 

Patientinnen, von einer gutachterlichen Untersuchung abzusehen. Diese bringe das Risiko 

einer Verschlechterung der postexertionellen Malaise mit sich. Falls es nicht anders möglich 

sein sollte, werde darum gebeten, die gutachterlichen Termine im Rahmen eines stationären 

Aufenthalts zu organisieren. Aus ärztlicher Sicht bestehe eine vollständige Reise- und Trans-

portfähigkeit.  

Die IV-Stelle hat dem RAD das Zeugnis von Dr. med. B.__ zur Reise- und Transportfähigkeit 

der Beschwerdeführerin und den vorhergehenden E-Mailverkehr mit ihrer Berufsbeiständin mit 

der Frage unterbreitet, ob aus versicherungsmedizinischer Sicht eine interdisziplinäre Abklä-

rung zumutbar sei (IV-act. 93). Der RAD-Arzt Dr. med. C.__ führt aus, in den E-Mails und dem 

8 │ 11 

 

Arztschreiben würden aus versicherungsmedizinischer Sicht keine neuen Befunde oder Fak-

ten vorgebracht, welche an der Notwendigkeit einer vertieften gutachterlichen Auseinander-

setzung bezüglich der Arbeitsfähigkeit eine Änderung ergeben würden. Unter vorstehenden 

Rahmenbedingungen erachte er die gutachterliche Untersuchung als zumutbar. Er erachte es 

allerdings als prüfenswert, ob die IV-Stelle für die Kosten eines Hotelzimmers in der Nähe der 

mit dem Gutachten beauftragen MEDAS (mit Anreise am Vortag) aufkommen solle (IV-act. 

94).  

Die Notwendigkeit der polydisziplinären Begutachtung ist richtigerweise unbestritten. Auch die 

Ausführungen des RAD-Arztes, wonach die polydisziplinäre Begutachtung zumutbar ist, sind 

nachvollziehbar und überzeugend. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind die übli-

chen Untersuchungen in einer Gutachtensstelle ohne konkret entgegenstehende Umstände 

generell als zumutbar zu betrachten, selbst wenn sie – wie namentlich bei Patienten mit Er-

schöpfungssyndromen – mit einer grossen Anstrengung verbunden sein können (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_283/2020 vom 4. August 2020 E. 4.2.1. und E. 4.3.2.2 m.w.V.). Vorliegend 

können keine konkreten Umstände objektiviert werden, die einer externen Begutachtung ent-

gegenstehen. Am 11. Juli 2022 und 11. August 2022 war es der Beschwerdeführerin offenbar 

möglich, für Konsultationen bei Dr. med. B.__ nach Zürich zu reisen und ihre Reisefähigkeit 

damit nicht massgeblich eingeschränkt (IV-act. 61). Danach trat zwar eine Zustandsver-

schlechterung mit einem stationären Aufenthalt vom 15. Februar 2023 bis 7. August 2023 in 

der Luzerner Psychiatrie (Klinik St. Urban) ein, aus dem die Beschwerdeführerin allerdings in 

stabilem Zustand ins Wohnhaus D.__ entlassen werden konnte (IV-act. 80). Das Zeugnis von 

Dr. med. B.__ zur Reise- und Transportunfähigkeit (IV-act. 92) basiert offenbar auf telefoni-

schen Konsultationen und damit auf rein subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin (IV-

act. 75). Es wird darin ausgeführt, dass aufgrund von «klinischen Erfahrungswerten» mit Pati-

enten, die schwer an ME/CFS erkrankt seien, eine gutachterliche Untersuchung das Risiko 

einer Zustandsverschlechterung mit sich bringe. Es wird allerdings nicht konkret ausgeführt, 

mit was für einer Zustandsverschlechterung bei der Beschwerdeführerin zu rechnen ist und 

wie hoch das Risiko dafür ist. Es ist zudem eine vom Bundesgericht mehrfach bestätigte Er-

fahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer 

Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc; BGE 135 V E. 4.5). Das Zeugnis von Dr. med. 

B.__ ist somit nicht geeignet, objektive und konkrete Gründe aufzuzeigen, die gegen eine ex-

terne polydisziplinäre Begutachtung sprechen. Auch den weiteren Akten lassen sich keine sol-

chen Gründe entnehmen.  

 

9 │ 11 

 

3.3  

Soweit die Beschwerdeführerin beantragt, die Begutachtung am Wohnort der Beschwerdefüh-

rerin oder online durchzuführen, kann ihr nicht gefolgt werden. Die konkrete Durchführung der 

Begutachtung obliegt der Begutachtungsstelle und der IV-Stelle und ist nicht vom Verwal-

tungsgericht anzuordnen. Die Gutachterstelle hat die Begutachtung so zu gestalten, dass der 

Zweck der Begutachtung erfüllt werden kann, aber auch die gesundheitlichen Beeinträchtigun-

gen für die Beschwerdeführerin möglichst geringgehalten werden. Es ist in diesem Zusam-

menhang zu begrüssen, dass die IV-Stelle bereits in der angefochtenen Verfügung erklärt hat, 

die Kosten für ein (einfaches und zweckmässiges) Hotelzimmer in der Nähe des Begutach-

tungsortes mit Anreise am Vortag zu übernehmen, um der Beschwerdeführerin eine mehrfa-

che An- und Rückreise zu ersparen.  

 

3.4  

Entgegen den Ausführungen im Zeugnis von Dr. med. B.__ ist nach der bisherigen Aktenlage, 

den Ausführungen des RAD und der Tatsache, dass die IV-Stelle der Beschwerdeführerin die 

Übernahme der Hotelkosten für die Dauer der Begutachtung (inkl. Anreise am Vortag) ange-

boten hat, nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin eine stationäre Begutach-

tung benötigt. Sollte eine solche allerdings, beispielsweise aufgrund einer entsprechenden 

vorläufigen Beurteilung der Gutachterstelle, nötig werden, obliegt es der IV-Stelle, die Durch-

führung der Begutachtung zu ermöglichen und die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, 

dass die Beschwerdeführerin für sie zumutbar begutachtet werden kann. 

 

3.5  

Eine polydisziplinäre Begutachtung ist unbestrittenermassen notwendig und der Beschwerde-

führerin objektiv und subjektiv zumutbar. Die konkrete Durchführung der Begutachtung obliegt 

der Begutachtungsstelle und der IV-Stelle und ist so zu gestalten, dass der Zweck der Begut-

achtung erfüllt und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin minimiert 

werden. Es ist demnach nicht am Verwaltungsgericht, eine Durchführung der Begutachtung 

am Wohnort der Beschwerdeführerin oder online anzuordnen. Es bestehen auch keine Anzei-

chen dafür, dass eine stationäre Begutachtung der Beschwerdeführerin nötig ist, zumal die IV-

Stelle die Hotelkosten (mit Anreise am Vortag) übernimmt. Die angefochtene Zwischenverfü-

gung der IV-Stelle ist demnach nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde 

vollumfänglich abzuweisen.  

 

10 │ 11 

 

4.  

4.1  

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli-

gung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kos-

tenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert 

im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1‘000.– festgelegt. Die angefochtene Zwischenverfügung hat 

zwar nicht direkt eine IV-Leistung zum Gegenstand. Der Anfechtungsgegenstand betrifft je-

doch die Abklärung des Leistungsanspruchs und hängt daher mit der Bewilligung oder Ver-

weigerung von IV-Leistungen eng zusammen. Dies führt zur Kostenpflicht des Verfahrens, 

wenn Fragen im Zusammenhang mit einer Gutachtensanordnung strittig sind (vgl. auch Urteil 

des Aargauer Versicherungsgerichts VBE.2021.499 vom 26. April 2022 E. 7.1; Urteil des Ver-

waltungsgerichts Zug S 2020 102 vom 16. August 2021 E. 6; Urteil des Verwaltungsgerichts 

des Kantons Bern 200 2022 1 vom 13. Juni 2022 E. 4.1). 

Die Gerichtskosten werden auf Fr. 400.– festgesetzt und ausgangsgemäss der Beschwerde-

führerin auferlegt. Sie werden mit dem von ihr geleisteten Gerichtskostenvorschuss von 

Fr. 400.– (amtl. Bel. 2 f.) verrechnet und sind bezahlt. 

 

4.2  

Es wird ausgangsgemäss keine Parteientschädigung zugesprochen.  

 
  

11 │ 11 

 

Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Die Gerichtskosten von Fr. 400.‒ werden der unterliegenden Beschwerdeführerin aufer-

legt, mit dem von ihr geleisteten Vorschuss verrechnet und sind bezahlt.  

 

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 

4. [Zustellung]. 

 

Stans, 6. Mai 2024 

VERWALTUNGSGERICHT NIDWALDEN 

Sozialversicherungsabteilung 

Die Vizepräsidentin 

 

 

 

lic. iur. Barbara Brodmann 

Der Gerichtsschreiber 

 

 

MLaw Reto Rickenbacher     Versand:   

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Schweizerischen Bundesgericht, 

Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht 

werden (Art. 82 ff. i.V.m. Art. 90 ff. BGG). Die Beschwerde hat die Begehren, deren Begründung mit 

Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent-

halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angeführten Urkunden sind beizule-

gen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG). Für den Fristenlauf gilt Art. 44 ff. BGG.