# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f98fc74-c76e-5bed-844c-0dadaae539cb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.08.2008 E-7386/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7386-2007_2008-08-28.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-7386/2007/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richter Kurt Gysi (Vorsitz), 
Richterin Christa Luterbacher, 
Richter François Badoud, 
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A_______, geboren _______,
Serbien,
_______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylwiderruf; Verfügung des BFM vom 2. Oktober 2007 / 
N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-7386/2007

Sachverhalt:

A.
Mit Verfügung vom 23. März 1998 gewährte das damalige Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF) der Beschwerdeführerin in der Schweiz Asyl.

B.
Am 19. September 2007 teilte das BFM der Beschwerdeführerin mit, 
dass  diesem  eine  Heiratsurkunde  vom  (...)  2006  vorliege,  gemäss 
welcher sie in (...) (Kosovo) geheiratet habe. Gleichzeitig räumte das 
Bundesamt  ihr  im  Hinblick  auf  die  Aberkennung  der  Flüchtlings-
eigenschaft und einen Widerruf des Asyls die Möglichkeit zur Stellung-
nahme ein. 

C.
Die Beschwerdeführerin teilte dem BFM am 25. September 2007 mit, 
dass sie und ihr Mann eigentlich in der Schweiz hätten heiraten wollen. 
Das Standesamt in (...) habe ihnen jedoch auf Anfrage hin mitgeteilt, 
dass dies, wenn beide Partner Ausländer seien, auch im Heimatland 
vollzogen  werden könne. Da  die  Beschwerdeführerin  standesamtlich 
habe heiraten müssen, um den Wohnortswechsel nach (...) bestätigen 
zu können und um hier auch eine Arbeitsstelle zu finden, hätten sie 
sich  entschlossen,  für  zwei  Tage  in  die  Heimat  zu  reisen  und  zu 
heiraten. Sie sei sich sicher gewesen, dass der kurze Aufenthalt nicht 
gefährlich sei,  da dort  die Sicherheit  von der  KFOR (Kosovo Force) 
und  der  UNMIK  (United  Nations  Interim  Administration  Mission  in 
Kosovo)  gewährleistet  sei.  Da  sie  nun  auch  volljährig  sei,  habe  sie 
nicht daran gedacht, dass die Einreise in den Kosovo eine Gefahr für 
ihren asylrechtlichen Status darstelle,  ansonsten sie wohl  kaum dort 
geheiratet und dem BFM die Heiratsurkunde zugestellt hätte.

D.
Mit Verfügung vom 2. Oktober 2007 aberkannte das BFM gestützt auf 
Art. 63 Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 
142.31) die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und wider-
rief das ihr gewährte Asyl.

E.
Mit  Eingabe an das BFM (weitergeleitet  an das Bundesverwaltungs-

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gericht)  vom  28.  Oktober  2007  beantragt  die  Beschwerdeführerin 
implizit die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung.

F.
Mit  Zwischenverfügung vom 9. November  2007 forderte  der  Instruk-
tionsrichter die Beschwerdeführerin unter Androhung des Nichteintre-
tens  auf  die  Beschwerde  auf,  innert  Frist  den  Kostenvorschuss  zu 
leisten.

G.
Das  BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom 17.  Dezember 
2007 die Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105 
AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju-
ni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerdeführerin  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung 
berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  be-
ziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1VwVG). Auf die 
im  Übrigen  form-  und  fristgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  ein-
zutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3.  

3.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG widerruft das Bundesamt das 
Asyl oder aberkennt die Flüchtlingseigenschaft aus Gründen nach Art. 
1  Bst.  C  Ziff.  1-6  des  Abkommens  vom  28.  Juli  1951  über  die 
Rechtstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30).  Ein  Flüchtling  fällt 
dabei nicht mehr unter das Abkommen, wenn er sich freiwillig wieder 
unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, 
gestellt  hat (Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK). Lehre und Praxis gehen grund-
sätzlich davon aus, dass nicht jeder Kontakt mit den Heimatbehörden 
einen  Asylbeendigungsgrund  im  Sinne  der  oben  erwähnten  Bestim-
mung der FK darstellt; drei Voraussetzungen müssen dabei kumulativ 
erfüllt  sein:  Der  Flüchtling  muss  freiwillig  in  Kontakt  mit  seinem 
Heimatland  getreten  sein  -  relevant  sind  in  diesem Zusammenhang 
insbesondere  Gründe  und  Häufigkeit  des  Kontaktes  -,  er  muss  die 
Absicht gehabt haben, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch zu 
nehmen, und dieser muss ihm tatsächlich gewährt  worden sein (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission  [EMARK]  1996  Nr.  7  ).  Es  ist  anzuerkennen,  dass  ein 
Flüchtling zwar zwischen zwei Staaten steht, sich jedoch für eine der 
beiden Rechtsordnungen klar  zu  entscheiden hat. Ein  Flüchtling  hat 
durch  seinen  Status  nicht  nur  Rechte,  sondern  auch  Pflichten.  Wer 
gleichzeitig  die  Vorteile  des  Flüchtlingsstatus  im  Aufenthaltsstaat, 
nämlich  eine  weitgehende  Gleichstellung  mit  den  Inländern,  in  An-
spruch nimmt, kann nicht nach Belieben die allenfalls in einem Punkt 
für ihn günstigere Rechtsordnung des Heimatstaates wählen. Könnte 
der Flüchtling dies, wäre er nicht nur besser gestellt als die Ausländer, 
sondern auch als die Inländer. Aus diesen Gründen ist davon auszu-
gehen,  dass,  wer  sich  freiwillig  in  einem einzelnen  Punkt  unter  die 
Rechtsordnung  des  Heimatstaates  stellt,  seine  Beziehungen  zum 
Heimatstaat  normalisiert  und  in  Zukunft  auf  Asyl  zu  verzichten  hat. 
Gewisse Verhältnisse können den Flüchtling jedoch nahezu zwingen, 
mit  den  Heimatbehörden  Kontakt  aufzunehmen.  Es  ist  daher  den 
Betroffenen ohne Nachteile für deren Flüchtlingseigenschaft zuzubilli-
gen,  wenn  diese  aus  beachtlichen  Gründen  geschehen.  Ob  solche 
vorliegen,  ist  von Fall  zu  Fall  zu  entscheiden. Jedenfalls  führt  nicht 
jeder Kontakt mit  den heimatlichen Behörden unreflektiert  zum Asyl-
widerruf und der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft. Als mit dem 
Flüchtlingsstatus  vereinbar  zu  betrachten  sind  beispielsweise  das 
Anfordern  eines  Ehefähigkeitszeugnisses,  Regelungen  von  Erb-
schafts-  und  Vormundschaftsangelegenheiten  im  Heimatstaat,  das 

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Stellen von Einladungsgesuchen für Verwandte auf der Vertretung des 
Heimatstaates  in  der  Schweiz,  die  Beschaffung  eines  Führeraus-
weises bei den Heimatbehörden oder eine kurze Heimatreise zwecks 
Besuch eines todkranken Elternteiles (vgl. EMARK 1993 Nr. 22).

3.2 Das Urteil  bestätigt  eine  am 2. Oktober  2007  ergangene  Verfü-
gung des BFM betreffend Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und 
Asylwiderruf  für  eine  als  Flüchtling  anerkannte  asylberechtigte  Frau 
aus dem Kosovo, die Ende Juli / anfangs August 2006 nach Hause in 
den Kosovo gereist ist, um dort zu heiraten.

Das Urteil stützt sich auf EMARK 2002 Nr. 8 (Unterschutzstellung nicht 
unter Heimatbehörden, sondern unter UN-Schutztruppen im fraglichen 
Gebiet, also UNMIK und KFOR im Kosovo) und wendet dies auch vor-
liegend an.

4.  

4.1 Die Vorinstanz führte  zur  Begründung ihres Entscheides im We-
sentlichen aus, dass gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG das Asyl aus 
Gründen nach Art. 1 Bst. C Ziff. 1-6 FK widerrufen werde. Art. 1 Bst. C 
Ziff. 1 FK halte fest, dass eine Person nicht mehr unter das Abkommen 
falle,  wenn  sie  sich  freiwillig  wieder  unter  den  Schutz  des  Landes, 
dessen Staatsangehörigkeit sie besitze, gestellt habe. Gemäss Recht-
sprechung  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
(ARK) komme diese Bestimmung nur dann zur Anwendung, wenn die 
drei folgenden Voraussetzungen kumulativ erfüllt seien: Erstens müsse 
die Handlung des Flüchtlings  freiwillig  erfolgt  sein,  das  heisse ohne 
äusseren Zwang durch die Umstände im Asylland oder durch die Be-
hörden dieses Landes. Zweitens müsse die betroffene Person in der 
Absicht gehandelt haben, sich erneut dem Schutz des Heimatstaates 
zu  unterstellen  und drittens  müsse die  Schutzgewährung durch den 
Heimatstaat tatsächlich erfolgt sein.

In  ihrer  Stellungnahme  vom  25.  September  2007  mache  die  Be-
schwerdeführerin  keine  entschuldbaren  Gründe  für  die  Reise  in  ihr 
Heimatland geltend. Die angebliche Auskunft  durch das Standesamt 
(...)  rechtfertige  die  Reise  ins  Heimatland  nicht,  zumal  ihr  mit  dem 
positiven  Asylentscheid  ausdrücklich  mitgeteilt  worden  sei,  dass 
Heimatreisen  nicht  erlaubt  seien.  Dies  gelte  auch  für  den  Kosovo, 
welcher nach wie vor ein Teil der Republik Serbien sei. Weil die obigen 

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Bedingungen erfüllt  seien,  werde daher das Asyl  widerrufen und die 
Flüchtlingseigenschaft aberkannt.

4.2 In der Beschwerde wird der Argumentation der Vorinstanz Folgen-
des entgegengehalten: Es sei  der Beschwerdeführerin  nicht bewusst 
gewesen,  dass  sie  straffällig  gehandelt  habe.  Ihre  Familie  werde  in 
Serbien  nach  wie  vor  politisch  verfolgt  und  sie  würde  sich  nie 
getrauen, nach Serbien zu reisen. Die Situation im Heimatland der Be-
schwerdeführerin  sei  nach  wie  vor  verwirrend.  Sie  bedauere  sehr, 
diesen Fehler gemacht zu haben.

4.3 Wie von der Beschwerdeführerin eingeräumt, hat sie sich zwecks 
Heirat mit ihrem Mann im August 2006 für zwei Tage nach (...) in ihr 
Heimatland begeben. Diese Reise erfolgte zweifelsfrei freiwillig. Daran 
vermag auch die angebliche Auskunft des Standesamtes in (...) nichts 
zu ändern. Die Beschwerdeführerin hätte auch in der Schweiz heiraten 
können. Somit sind keine zwingenden Gründe zu erkennen, welche sie 
praktisch gezwungen hätten, in ihr Heimatland zurückzukehren. Durch 
die  Heirat  ist  sie  ausserdem  mit  den  entsprechenden  Behörden  in 
Kontakt getreten. Was aber bleibt, sind die Fragen, ob die Beschwer-
deführerin dadurch in rechtlich relevanter Weise in Kontakt mit ihrem 
Heimatstaat  getreten  ist  (Schutzbeanspruchung)  und  sich  unter  den 
Schutz des Heimatstaates gestellt hat (Schutzgewährung).

Vorliegend ist  zu  berücksichtigen,  dass  in  der  von der  Beschwerde-
führerin  besuchten  Region,  dem  Kosovo,  eine  Sondersituation 
herrschte  (und auch nach wie  vor  herrscht). Die  faktische Macht  im 
Kosovo  wurde  zum  Zeitpunkt  der  Heirat  nicht  von  der  serbischen 
Regierung, sondern von der UNMIK, teilweise in Zusammenarbeit mit 
regionalen Verwaltungseinheiten, ausgeübt. Dass der Kosovo im Jahre 
2006 formell  dem jugoslawischen Staatsgebiet zugehört  hat,  vermag 
an dieser Einschätzung nichts zu ändern.

Die Anwendung von Art. 1 C Ziff. 1 FK setzt jedoch voraus, dass eine 
Unterschutzstellung  und  eine  tatsächliche  Schutzgewährung  stattge-
funden  hat,  was  einen  tatsächlichen  Kontakt  mit  den  heimatlichen 
Behörden  bedingt.  In  diesem Zusammenhang ist  unbestritten,  "dass 
mit  den  heimatlichen  Behörden  diejenigen  gemeint  sind,  welche 
grundsätzlich  auch  für  die  asylrelevante  Verfolgung  verantwortlich 
waren" (vgl. EMARK 1996 Nr. 9, S. 72, unter Verweis auf S. Werenfels, 
Der  Flüchtlingsbegriff  im  schweizerischen  Asylrecht,  Bern  1987, 

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S. 305). Die vorübergehende Rückkehr in ein Gebiet, das von der UNO 
verwaltet  wird  und  in  dem  die  formelle  Landesregierung  keinerlei 
Machtbefugnisse  hat,  kann  nicht  als  Kontaktnahme  im  Sinne  der 
erwähnten Bestimmung betrachtet werden. Dasselbe gilt für die Heirat 
vor  den  lokalen  Behörden  Kosovos,  zumal  letztere  von  der  UNMIK 
eingesetzt  worden  sind  und  nicht  als  Organe  der  serbischen  Re-
gierung betrachtet werden können. Hiebei ist daran zu erinnern, dass 
es  ja  gerade eine  der  Aufgaben  der  KFOR war,  die  Einwohner  des 
Kosovos  vor  Übergriffen  der  serbischen  Machthaber  zu  schützen. 
Mithin ist nicht davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin 
in den tatsächlichen "Machtbereich" des Verfolgerstaates begeben hat.

4.4 Die  Flüchtlingskonvention  basiert  bekanntlich  auf  dem  Grund-
gedanken der Subsidiarität; sie beurteilt den Schutz eines Flüchtlings 
dann  nicht  mehr  als  notwendig,  wenn  dieser  den  Schutz  seines 
Heimatstaates  beansprucht  und  diesen  auch  erhalten  hat.  Es  stellt 
sich also zusätzlich die Frage, ob auch ein bloss regionaler Schutz in 
einem Teilgebiet  des  Heimatlandes  für  die  Aberkennung  der  Flücht-
lingseigenschaft  und den Asylwiderruf zu genügen vermag. Die ARK 
hat dazu in einem Urteil (EMARK 2002 Nr. 8) zur Situation im Kosovo 
folgendes  ausgeführt:  "Die  Ausgestaltung  des  UNO-  (und  NATO-) 
Mandates für Kosovo macht  klar, dass hier eine umfassende Macht-
substitution konzipiert und in der Folge auch umgesetzt wurde. In den 
Jahren der Entstehung der Flüchtlingskonvention (16. Januar 1950 bis 
25. Juli 1951) war ein derartiger Ersatz des staatlichen Gewaltmono-
pols  durch die  damals  gerade fünf  Jahre  alte  UNO in  keiner  Weise 
absehbar. In Anbetracht dieser veränderten Rolle, die die UNO in der 
heutigen Zeit  spielen  kann,  ist  es  (...)  im Sinne einer  zeitgemässen 
Auslegung gerechtfertigt, eine gewisse Aufweichung des dem Wortlaut 
der Flüchtlingskonvention folgenden Prinzips, dass es das Heimatland 
sein  muss,  unter  dessen  Schutz  sich  der  Flüchtling  gestellt  und 
dessen Schutz er tatsächlich erhalten hat,  zuzulassen. (...)  nach der 
für die Interpretation völkerrechtlicher Verträge massgebenden Wiener 
Vertragsrechtskonvention  (WVK;  SR  0.111)  ist  ein  Vertrag  unter 
anderem  "im  Lichte  seines  Zieles  und  Zweckes  auszulegen",  wobei 
jede  gleichzeitig  oder  später  geschlossene  sich  auf  den  Vertrag 
beziehende Übereinkunft für die Auslegung mit zu berücksichtigen ist 
(Art. 31 WVK). Der Flüchtlingskonvention, ihrem Protokoll und all den 
vielen  darauf  bezugnehmenden  Übereinkünften  liegen  das  Ziel  und 
der Zweck zugrunde, einem Verfolgten Schutz vor Verfolgung und eine 
gesicherte Rechtsstellung zu gewähren. Kann vom Signatarstaat  der 

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Nachweis erbracht werden, dass der Flüchtling des einmal gewährten 
Schutzes und der ihm eingeräumten Rechtsstellung nicht mehr bedarf, 
folgt er mit einer Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft vollumfäng-
lich dem Ziel und dem Zweck der Flüchtlingskonvention, sofern er das 
ebenfalls  konventionsimmanente  Gebot,  einen  einmal  gewährten 
Status  nicht  ständig  zu  überprüfen  und  nicht  leichthin  zu  entziehen 
(...), beachtet. Neben dieser allgemein gültigen Feststellung, dass die 
zuständige UNMIK im Zusammenspiel mit der KFOR unter Umständen 
einer vormals verfolgten Person albanischer Ethnie Schutz gewähren 
und dass dieser Schutz in rechtlicher Hinsicht genügen kann, bedarf 
es  allerdings  zusätzlich  des  Erfordernisses,  dass  der  erbrachte  be-
ziehungsweise zu erwartende Schutz vom Flüchtling als ausreichend 
betrachtet  wird.  Dieses  Erfordernis,  das  hier  zu  den  drei  üblichen 
Voraussetzungen (...) dazu kommt, entspringt der Erkenntnis, dass ein 
regionaler  und  von  supranationalen  Institutionen  erbrachter  Schutz 
insbesondere  in  völkerrechtlicher  und  diplomatischer  Hinsicht  dem 
staatlichen Schutz nicht gleichkommen kann: Damit ist angezeigt, dass 
bei der Anwendung des Aberkennungsgrundes gemäss Art. 1 C Ziff. 1 
FK bei einem kosovarischen Flüchtling in der gegenwärtigen Situation 
der durch die UNMIK gewährleisteten Interimsverwaltung massgebend 
auf das Verhalten des Flüchtlings abzustellen ist. Können aus seinen 
Äusserungen oder Handlungen unzweifelhafte Rückschlüsse auf seine 
fehlende  Furcht  und  seine  subjektive  Empfindung,  ausreichenden 
effektiven Schutz zu erhalten, gezogen werden, so ist der betreffende 
Beendigungsgrund erfüllt" (EMARK 2002 Nr. 8 S. 69ff). Vorliegend sind 
keine  Gründe  ersichtlich,  welche  ein  Abweichen  von  diesen  Erwä-
gungen nahelegen würden.

4.5 Der  Beschwerdeführerin  ist  anlässlich  ihrer  Reise  in  den  Hei-
matstaat durch die Anwesenheit der UNMIK, der KFOR und weiterer 
internationaler Organisationen offensichtlich effektiver Schutz vor Ver-
folgung  zuteil  geworden.  Sie  war  ausserdem  in  der  Lage,  sich  vor 
regionalen Behörden trauen zu lassen und ihr wurden entsprechende 
Zivilstandsakten  ausgehändigt.  Insgesamt  erfüllten  die  UNMIK  (und 
mit  ihr  die  KFOR)  für  die  Beschwerdeführerin  damit  weitestgehend 
diejenigen  Schutzaufgaben,  die  von  einem  Heimatstaat  erwartet 
werden können. Damit erlangte die Beschwerdeführerin effektiven und 
dauerhaften  Schutz.  Obwohl  dieser  Schutz  nicht  vom  Heimatstaat, 
sondern von einer regionalen UN-Interimsverwaltung ausgeht,  ist  die 
Beschwerdeführerin  auf  den  flüchtlingsrechtlichen  Schutz  offen-
sichtlich  nicht  mehr  angewiesen;  sie  profitierte  vielmehr  von  den 

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Vorteilen, die ihr als anerkanntem Flüchtling erwachsen, wie auch von 
solchen,  die  ihr  aufgrund  ihrer  Staatsangehörigkeit  zustehen.  Unter 
diesen  Umständen  ist  es  nach  Ansicht  des  Bundesverwaltungs-
gerichts unter Berücksichtigung der im vorliegenden Fall zu beurteilen-
den Begleitumstände gerechtfertigt,  den effektiven und umfassenden 
regionalen  Schutz  demjenigen  des  Heimatstaates  im  Sinne  von 
Art.  1  C  Abs. 1  FK gleichzusetzen  und  damit  das  Prinzip  der  Sub-
sidiarität des Schutzes gemäss Flüchtlingskonvention gegenüber dem-
jenigen des Gebotes der engen Auslegung der Beendigungsklauseln 
stärker  zu  gewichten.  Das  BFM  hat  demnach  zu  Recht  die  Flücht-
lingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  aberkannt  und  das  ihr 
seinerzeit gewährte Asyl widerrufen.

5.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 

Wie die Vorinstanz der Beschwerdeführerin bereits im Schreiben vom 
19. September 2007 mitgeteilt hat, bedeutet der Asylwiderruf und die 
Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  jedoch  nicht,  dass  sie  die 
Schweiz verlassen muss, sondern einzig, dass sie nun nicht mehr dem 
AsylG, sondern dem allgemeinen Ausländerrecht untersteht.

6.
Bei  diesem Ausgang des Verfahrens sind  die  Kosten der  Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesver-
waltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser Betrag wird mit  dem 
am 26. November 2007 geleisteten Kostenvorschuss ver-rechnet.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von Fr. 600.--  werden der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss 
verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)
- das _______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Jonas Tschan

Versand: 

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