# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8baee05-867c-5079-80a4-8687fda18763
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.09.2023 E-1688/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1688-2023_2023-09-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1688/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einizelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler,  

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch Laura Heimgartner-Castelnovi, Berner 

Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 22. Februar 2023 / N (…). 

 

 

 

E-1688/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 9. Mai 2022 in der Schweiz um Asyl nach 

und Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Bern und am 

9. August 2022 dem erweiterten Verfahren zugewiesen. 

B.  

Im Rahmen der Anhörung vom 9. August 2022 und der ergänzenden An-

hörung vom 18. Oktober 2022 machte der Beschwerdeführer zur Begrün-

dung seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend, er sei als somalischer 

Staatsangehöriger und ethnischer Somali sowie Angehöriger der Clanfa-

milie B._______, des Clans C._______, des Subclans D._______ und des 

Subsubclans E._______ in F._______ geboren, wo er ungefähr bis 2017 

mit seinen Eltern und Geschwistern gelebt habe. Seine Eltern und Ge-

schwister seien auf dem Weg zum Laden des Vaters ungefähr im Oktober 

2017 bei einem ungezielten Bombenanschlag der AI Shabaab gestorben. 

Von 2017 bis 2019 habe er bei seiner Tante mütterlicherseits gelebt und 

zwei Jahre die Schule besucht. 2019 habe sein Onkel G._______ ihn nach 

H._______ in den Stadtteil I._______ nach Südsomalia mitgenommen, wo 

er mit ihm bis 2021 zusammengelebt und dort zwei Jahre die Koranschule 

besucht habe. Sein Onkel sei Fahrer auf der Route zwischen I._______ 

und J._______ gewesen und habe für den Lebensunterhalt gesorgt. Er 

habe auch Ackerfelder gehabt und Mais, Hirse und Tomaten angebaut. 

Im Jahre 2021 habe die AI Shabaab ihn zwangsrekrutiert, als er sich in der 

Koranschule aufgehalten habe. Al Shabaab Anhänger hätten die kräftige-

ren Schüler in der Klasse mitgenommen, wobei sich ein Junge gewehrt 

habe und getrennt abgeführt worden sei. Der Koranlehrer habe Angst ge-

habt und nichts unternommen. Mit Autos seien sie mit verbundenen Augen 

in ein umzäuntes Ausbildungszentrum gebracht worden, das aus Zelten 

bestanden habe und wo er sich vier bis fünf Monate aufgehalten habe. Er 

sei wie andere ohne bestimmten Grund regelmässig geschlagen worden. 

Eines Tages habe er von den Fluchtabsichten einer Gruppe von inhaftier-

ten Jugendlichen erfahren und diese hätten ihn in deren Pläne eingeweiht, 

nachdem er damit gedroht habe, sie ansonsten zu verraten. Eines Nachts 

seien sie gemeinsam geflüchtet und hätten sich auf der Strasse voneinan-

der getrennt. Er habe sich auf dem schnellsten Weg zu seinem Onkel in 

H._______ begeben, der ihn mit dem Auto nach J._______ gebracht habe. 

Sein Onkel und seine Tante mütterlicherseits hätten durch den Verkauf der 

Familiengrundstücke seine Ausreise finanzieren können. Ende 2021 sei er 

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mit einem Pass einer anderen Person von J._______ auf dem Luftweg 

nach Nairobi gereist. Während seines Aufenthalts in Nairobi sei sein Onkel 

väterlicherseits wegen der Unterstützung des Beschwerdeführers getötet 

worden. Die AI Shabaab hätten ihn als Murtad (Person, die ihre Religion 

verlassen habe) bezeichnet, was er von seinem Reisebegleiter erfahren 

habe. Weiter habe dieser gesagt, dass sie beide in Nairobi vor den AI 

Shabaab nicht sicher seien und flüchten müssten. Von Nairobi sei er des-

halb wiederum auf dem Luftweg an einen Ort in Europa weitergereist und 

von dort mit dem Auto am 9. März 2022 illegal in die Schweiz gelangt. 

C.  

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer zwei Foto-

grafien in Kopie ein, die Verbrennungen an seinen Beinen, zugefügt von 

der Al Shabaab zeigen sollen, ein. 

D.  

Mit Entscheid vom 22. Februar 2023 (Eröffnung am 23. Februar 2023) 

lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 9. Mai 2022 

ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an, nahm ihn indes-

sen wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der 

Schweiz auf. 

E.  

Mit Beschwerde vom 27. März 2023 wurde die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung in den Dispositivziffern 1-3, die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft und die Asylgewährung beantragt, eventualiter sei die Sa-

che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht wurde unter Verzicht auf das Erheben eines Kosten-

vorschusses die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die 

Rechtsverbeiständung in der Person der Rechtsvertretung beantragt. 

F.  

Mit Schreiben vom 29. März 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsge-

richt den Eingang der Beschwerde. 

G.  

Mit Eingabe vom 15. Juni 2023 reichte die Rechtsvertretung eine Fürsor-

gebestätigung ein. 

  

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 108 Abs. 2 

AsylG; 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist ein-

zutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend han-

delt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche, weshalb der Be-

schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde in Anwen-

dung von Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Die asyl-

suchende Person muss darlegen, dass sie selber von einer konkreten, ge-

gen sie gerichteten Verfolgungshandlung betroffen war oder begründete 

Furcht hat, Opfer einer derartigen Verfolgungshandlung zu werden (Erfor-

dernis der Gezieltheit der Verfolgung).  

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz erachtete die zentralen Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers, von den Al Shabaab rekrutiert worden zu sein und nach Aufenthalt in 

einem Ausbildungslager die Flucht gewagt zu haben, als nicht glaubhaft.  

5.2 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung als erstes darauf hin, 

dass es sich beim Beschwerdeführer um einen unbegleiteten minderjähri-

gen Asylsuchenden handle, weshalb ihm eine Rechtsvertretung, die zu-

gleich die Rolle der Vertrauensperson wahrnehme, zugeordnet worden sei. 

Diese habe ihn im Rahmen seiner Befragungen begleitet. Aus den Anga-

ben in der Anhörung ergebe sich, dass der Beschwerdeführer in der Lage 

gewesen sei, seine Anliegen sachgerecht und umfassend vorzutragen.  

5.3  

5.3.1 Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, er sei 2021 von Anhä-

ngern der AI Shabaab aus der Koranschule in K._______ mitgenommen 

und in ein Zeltlager gebracht worden, wo man ihn für den Kampf habe vor-

bereiten wollen. Dort habe er sich vier bis fünf Monate aufgehalten und sei 

von den AI Shabaab ausgebildet und geschlagen worden. Schliesslich 

habe er zusammen mit anderen Jungen flüchten können. Dem Beschwer-

deführer sei mehrfach Gelegenheit gegeben worden, seine Vorbringen frei 

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zu schildern, jedoch wiesen seine diesbezüglichen Aussagen nicht die 

Qualität auf, die zu erwarten wäre, wenn er diese selbst erlebt hätte.  

Zudem ergäben sich Unvereinbarkeiten sowie nicht plausible und nachge-

schobene Elemente in den Aussagen. So sei der Beschwerdeführer trotz 

mehrmaliger Nachfrage nicht in der Lage gewesen, die Mitnahme in der 

Schule durch die AI Shabaab substantiiert zu beschreiben. Zwar habe er 

in allen Befragungen ausgesagt, die AI Shabaab hätten die körperlich am 

meisten entwickelten Jungen mitgenommen, der Lehrer habe Angst gehabt 

und ein Schüler, der sich gewehrt habe, sei separat abgeführt worden. 

Dann habe man Ihnen die Augen verbunden und sie in Autos weggebracht. 

Ausser, dass es ein schöner und friedlicher Tag gewesen sei, bevor die 

Angehörigen der Al Shabaab gekommen seien, seien die Antworten arm 

an Realkennzeichen ausgefallen. Er habe auch das Zeltlager nicht mit dem 

nötigen Detailgrad beschreiben können. Danach gefragt, wie sein Zelt in-

nen ausgesehen habe, sei seine Antwort knapp und allgemeingültig aus-

gefallen, indem er im Wesentlichen ausgesagt habe, alle Zelte seien gleich 

gross gewesen (vgl. A45 F31). Erst nachdem ihm Nachfragen hierzu ge-

stellt worden seien, habe er erwidert, es habe einen Teppich gegeben und 

ungefähr acht oder zehn Jungen hätten dort drin geschlafen (vgl. A45 

F102ff). Seine Aussagen wirkten nacherzählt und liessen an besonderen 

Einzelheiten vermissen, die zu erwarten wären, da er seinen Äusserungen 

zufolge vier bis fünf Monate dort gelebt habe (vgl. A45 F77). Auch die Be-

schreibung des Lagers an sich liesse am nötigen Detailgrad vermissen, da 

er lediglich die Anzahl Zelte und deren Lage aufgezählt habe, wobei er sich 

in der Anzahl der Zelte widersprochen habe, indem er einmal ausgesagt 

habe, es habe fünf sehr grosse und drei kleine Zelte gegeben (A45, F34), 

und unmittelbar nach der nächsten Frage von vier grossen und drei kleinen 

Zelten gesprochen habe (vgl. A45 F35). Trotz Nachfrage habe er auch 

keine Besonderheit zum Lager aufzählen können (vgl. A45 F39). 

5.3.2 Gleiches gelte für die Beschreibung des Trainings, das ihm angeblich 

auferlegt worden sei. Zwar habe er ausgesagt, er könne sich erinnern, dass 

es sehr laut gewesen und es zu Handgreiflichkeiten gekommen sei (vgl. 

A3 F83). Obwohl er in der Bundesanhörung wie in der ergänzenden Anhö-

rung mehrmals danach gefragt worden sei, habe er im Wesentlichen den 

Tagesablauf (Hügel hinauf- und hinabrennen, Springübungen, Unterricht 

der Lehren der Al Shabaab) wiederholt (vgl. A31 F29, F80, F83, A45 F41). 

In der ergänzenden Anhörung habe er dann plötzlich ausgesagt, er sei 

auch an Waffen und im Bau von Sprengstoffen ausgebildet worden, was er 

aber in der Anhörung mit keinem Wort erwähnt gehabt habe. Damit wirke 

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dieses neue Element nachgeschoben. Nach erneuter Frage, ob es bei die-

sen Trainings irgendwelche Vorfälle gegeben habe, sei er ausgewichen 

(vgl. A45 F43f). Ein weiteres Mal gezielt nach dem Training mit den Spreng-

stoffen befragt, seien seine Antworten abermals ausweichend und nacher-

zählt ausgefallen. So habe er lediglich ausgesagt, die Sprengsätze seien 

aus Metall und rund gewesen, man habe rote Kabel platzieren müssen, 

ohne dass er diese Platzierung aber näher präzisiert habe (vgl. A45 F105).  

5.3.3 Im Weiteren sei der Beschwerdeführer im Verlauf der ergänzenden 

Anhörung mehrmals gefragt worden, ob es einen Tagesablauf, der beson-

ders herausgestochen sei, gegeben habe oder sich irgendwelche beson-

deren Vorkommnisse ereignet hätten. Er habe erwidert, jeder Tag sei der-

selbe gewesen und es seien Leute enthauptet worden (vgl. A45 F46f). Wie-

derum sei festzustellen, dass er die Enthauptungen in der Bundesanhö-

rung mit keinem Wort erwähnt habe. Vertieft danach gefragt, einen derarti-

gen Vorfall ausführlich zu schildern, habe er ausgesagt, er sei jedes Mal 

wieder schockiert gewesen, habe aber bereits mit dem Leben abgeschlos-

sen gehabt. Jedoch habe es seinem Bericht gänzlich an Erlebnisnähe, per-

sönliche Betroffenheit und situativen Einzelheiten gefehlt (vgl. A45 F48). 

Obwohl er bereits nach besonderen Vorfällen gefragt worden sei, sei der 

Beschwerdeführer auch erst nach explizitem Hinweis, dass er doch ge-

schlagen worden sei und diesbezügliche Vorfälle schildern möchte, darauf 

zu sprechen gekommen. Er habe von einem Vorfall berichtet, wonach er 

wegen des Fernbleibens von der täglichen Predigt an den Füssen ange-

kettet, kopfüber aufgehängt, mit dem Gewehrkolben in den Brustbereich 

geschlagen und an den Beinen verbrannt worden sei. Eine Nacht habe er 

in der Haftanstalt verbracht (vgl. A45 F50f). Auch diesbezüglich mangle es 

der Antwort des Beschwerdeführers am nötigen Konkretisierungsgrad. Zu-

dem habe der Beschwerdeführer bei der Beschreibung des Lagers die 

Haftanstalt mit keinem Wort erwähnt. Die Beweiskraft des eingereichten 

Beweismittels – den Angaben des Beschwerdeführers zufolge von der Al 

Shabaab zugefügte Verbrennungen – sei als gering einzustufen, da diese 

Narben auch unter anderen Umständen entstanden sein könnten.  

5.3.4 Was die Al Shabaab und deren Befehlsstruktur betreffe, habe der Be-

schwerdeführer ausgesagt, es habe Kämpfer gegeben, die Wächter und 

Soldaten gewesen seien. Die Imame hätten Befehle gegeben und auch 

solche ausgeführt, die er noch von höhergestellten Personen am Telefon 

erhalten habe, welche er aber nie gesehen habe (vgl. A45 F52ff). Zugleich 

habe er ausgesagt, dass es keine hierarchische Struktur im Lager gegeben 

habe, was nicht plausibel sei, da das Lager seinen Äusserungen zufolge 

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aus ungefähr 100 Personen bestanden habe (vgl. A45 F53, F55). Auf die 

Frage, ob ihm einer der AI Shabaab Leute besonders in Erinnerung geblie-

ben sei, habe er zwar ausgesagt, es sei ein Imam gewesen, der ständig 

rote Augen gehabt habe. Ausser dieser Besonderheit habe er aber lediglich 

in knapper und allgemeingültiger Weise angegeben, er habe einen langen 

Bart und eine traditionelle Kopfbedeckung getragen (vgl. A45 F56f).  

5.3.5 Gleiches gelte hinsichtlich Interaktionen mit anderen Personen im La-

ger. Zwar habe er nach expliziter Frage ausgesagt, er habe aus Angst mit 

anderen Jugendlichen nicht geredet und sich von einem guten Freund ent-

fernt, weil dieser im Lager aufsässig gewesen sei (vgl. A45, F32, F58), sei 

jedoch bei der Frage, wie die anderen Jugendlichen am ersten Abend bei 

der Ankunft im Lager reagiert hätten, ausgewichen und habe erwidert, er 

wisse nicht, wie die anderen sich gefühlt hätten. Auch diese Schilderung 

sei als allgemeingültig und vage zu bewerten. 

5.3.6 Hinsichtlich der Flucht aus dem Lager hätten sich zahlreiche grund-

legende Unstimmigkeiten in den Aussagen des Beschwerdeführers erge-

ben. So habe er in der Anhörung ausgesagt, er sei um Mitternacht geflüch-

tet, während er in der ergänzenden Anhörung angegeben habe, um vier 

Uhr morgens weggegangen zu sein (A31, F77, F73). Gemäss Anhörung 

seien sie zu viert geflüchtet, während er in der ergänzenden Anhörung gel-

tend gemacht habe, sie seien drei Jungen gewesen, welche die Flucht er-

griffen hätten (vgl. A31 F77, F74). In der Anhörung habe er zuerst ausge-

sagt, dass alle im Lager am Schlafen gewesen seien (A31 F77). Später 

habe er zu Protokoll gegeben, einige der AI Shabaab Anhänger seien mit 

gottesdienstlichen Ritualen beschäftigt gewesen, andere hätten weiter 

draussen vor dem Lager Autos angehalten (vgl. A31 F84). Demgegenüber 

habe er gemäss ergänzender Anhörung das Lager verlassen, als die AI 

Shabaab Anhänger am Beten gewesen seien (vgl. A45 F72). Gemäss An-

hörung habe er und die anderen Flüchtenden verschiedene Ausgänge ge-

nommen, während er in der ergänzenden Anhörung trotz mehrmaliger 

Nachfrage diesen zentralen Umstand nicht erwähnt habe und aus seinen 

Schilderungen zu schliessen sei, dass er zusammen mit ihnen aus dem 

Lager geflüchtet sei (A3 F84, A45, F76, F79). Ein weiteres Mal habe er sich 

widersprochen, indem er seinen Onkel zuerst in der gleichen Nacht nach 

der Flucht schlafend angetroffen habe, demgegenüber habe er in der er-

gänzenden Anhörung ausgesagt, sein Onkel sei am Beten gewesen, als er 

ihn nach der Flucht angetroffen habe (vgl. A31 F87, A45, F83). Diese mas-

siven Divergenzen habe er nach Vorhalt nicht auszuräumen vermocht.  

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In Ergänzung dazu sei erwähnt, dass die Schilderung zur Flucht aus dem 

Lager – das zentrale Element der Asylgründe – gänzlich am nötigen De-

tailgrad vermissen lasse. Weder habe er besondere Einzelheiten zur Ab-

sprache unter den Flüchtenden, noch wie er die Umzäunung des Lagers 

genau überwunden habe, genannt (vgl. A31 F84, A45, F71). Nach erneuter 

Aufforderung, die Flucht ausführlicher zu schildern, sei der Beschwerde-

führer ausgewichen und habe ausgesagt, er könne sich nur an das erin-

nern, was er bereits vorgetragen habe (vgl. A45 F72). Nach weiterer Rück-

frage, wie er sich aus dem Lager habe entfernen können, habe er ausge-

sagt, das Lager sei nicht umzäunt gewesen im klassischen Sinne, es sei 

lediglich mit Säcken voller Sand umrandet gewesen. Abermals zu dieser 

Sache befragt, habe er im Wesentlichen erwidert, die Anhänger der AI 

Shabaab hätten schon mit dem Gebet angefangen, während er mit ande-

ren noch für die rituelle Waschung angestanden sei, da es im Lager nur 

einen Wasserkelch gegeben habe. Daraus habe sich die Gelegenheit zur 

Flucht geboten (vgl. A45, F75, F76ff). Seine Antworten seien damit auswei-

chend und wenig substantiiert ausgefallen.  

5.3.7 Ferner würden sich auch in den Aussagen zu den Fluchtumständen 

erhebliche Abweichungen ergeben. Er habe einmal von wenigen Tagen 

Aufenthalt in J._______, ein anderes Mal von mehreren Monaten gespro-

chen. Seine Erklärung, er sei während der ergänzenden Anhörung durch-

einander gewesen und habe kein gutes Zeitgefühl gehabt, vermöge nicht 

zu überzeugen. Schliesslich seien auch die Aussagen zum Aufenthalt in 

J._______ allgemeingültig ausgefallen. Der Beschwerdeführer habe im 

Wesentlichen nur zu Protokoll gegeben, er habe dort gegessen und ge-

trunken und gewartet und Angst gehabt (A45, F89f, F93). Erst nach expli-

ziter Frage nach Sicherheitsvorkehrungen habe er erwidert, dass er und 

sein Onkel sich versteckt hätten und mehrere Male umgezogen seien, was 

wiederum als nachgeschoben zu qualifizieren sei, da er diese Begeben-

heiten nicht spontan erzählt habe (vgl. A45 F92). Zudem sei nicht nachvoll-

ziehbar, dass er aufgrund seines doch vorhandenen Bildungsstandes nicht 

gewusst habe, in welchen Ländern er per Flug gelandet sei (vgl. A11 5.02).  

5.4 Aus diesen Gründen seien die Vorbringen, von den Al Shaabab rekru-

tiert und aus deren Trainingslager geflüchtet zu sein, nicht glaubhaft. 

Die Vorbringen, seine Eltern und Geschwister seien bei einem Bombenat-

tentat im Jahre 2017 in F._______ ums Leben gekommen, seien mangels 

Gezieltheit und zeitlichem und sachlichem Kausalzusammenhang zur Aus-

reise asylrechtlich nicht relevant. Im Übrigen seien die Dossiers seines 

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Cousins und seiner Cousine konsultiert worden. Die Gefahr einer Re-

flexverfolgung könne verneint werden.  

Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht.  

6.  

6.1 In der Beschwerde wurde vorab geltend gemacht, dass der Beschwer-

deführer aufgrund des frühen Verlustes seiner Eltern und Geschwistern 

und der beschwerlichen Reise traumatisiert sei. Gemäss dem ärztlichen 

Bericht der L._______ vom (…) zeige der Beschwerdeführer Anspan-

nungs- und Angstzustände, Alpträume, Ein- und Durchschlafstörungen, 

Vergesslichkeit und Vermeidungsverhalten. Weiter komme hinzu, dass drei 

verschiedene Fachspezialisten für die Behandlung des Asylgesuches zu-

ständig gewesen seien. So seien die jeweiligen Befragungen von drei ver-

schiedenen Personen geführt und der Entscheid wiederum von der Fach-

spezialistin verfasst worden, welche die Anhörung vom 9. August 2022 

durchgeführt habe.  

6.2  

6.2.1 Hinsichtlich der vom SEM festgestellten fehlenden Substantiierung 

der Vorbringen sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer auf die Frage 

nach den Asylgründen mit einem langen, freien Redebeitrag geantwortet 

habe (Protokoll der Anhörung vom 9. August 2022 F77).  

6.2.2 Bereits während diesem habe er anschaulich geschildert, wie sich die 

Mitnahme durch die Al Shabaab abgespielt habe. Auf Nachfrage hin sei es 

ihm auch möglich gewesen anzugeben, dass die Al Shabaab mit drei Wa-

gen zur Schule gekommen und dass die Personen schwarz gekleidet ge-

wesen seien. Auch habe er ausgeführt, dass die Al Shabaab den Lehrer 

begrüsst habe und auf welche Weise dies geschehen sei. Auch habe er 

angegeben, dass elf bis zwölf Kinder mitgenommen worden seien und 

dass die Al Shabaab die körperlich grössten Jungs mitgenommen habe.   

Auch habe er sich an das Vorkommnis erinnert, dass sich ein Mitschüler, 

welche sich den Befehlen der Al Shabaab widersetzt habe, in der Folge 

geschlagen und mitgenommen worden sei. Dass es ihm nicht möglich ge-

wesen sei, die Hinfahrt zum Zeltlager detailreich zu schildern, sei damit zu 

erklären, dass ihm dabei die Augen verbunden worden seien, wobei er den-

noch erwähnt habe, dass der Weg sehr hügelig und das Auto aufgrund der 

unebenen Strassen „gehüpft“ hätten. Zudem habe er angegeben, dass 

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nicht sehr viel Zeit vergangen sei, bis er das Ausbildungszentrum erreicht 

habe (vgl. Protokoll der Anhörung vom 9. August 2022, F790 sowie F8). 

Die Vorinstanz habe auch vorgebracht, dass es ihm trotz mehrmaliger 

Nachfrage, nicht möglich gewesen sei, die Mitnahme in der Schule sub-

stantiiert zu beschreiben. Dem sei entgegenzuhalten, dass im Rahmen der 

Anhörung vom 9. August 2022 keine Folgefragen zur Mitnahme gestellt 

worden seien (Protokoll der Anhörung vom 9. August 2022, F80) und auch 

im Rahmen der ergänzenden Anhörung lediglich drei Fragen zu der Mit-

nahme gestellt worden seien, wobei diese Fragen lediglich die Aufforde-

rung beinhaltet hätten, möglichst alle Details wiederzugeben (vgl. Protokoll 

der ergänzenden Anhörung vom 18. Oktober 2022, F25 ff.).  

6.2.3 Auch der Vorwurf, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, das Zelt-

lager zu beschreiben, sei zurückzuweisen. Es sei nicht ersichtlich, welche 

weitere Details er hätte vorbringen sollen, ausser die Anzahl der Zelte und 

dass es in diesen jeweils einen Teppich gegeben habe, auf dem geschlafen 

worden sei und dass das Lager umzäunt gewesen sei. Zudem habe er von 

sich aus vorgebracht, dass es im Ausbildungszentrum einen Al Shabaab-

Abschnitt und auch noch ein kleines Zimmer gegeben habe. Ebenso spre-

che für seine Glaubhaftigkeit, dass er erwähnt habe, dass die Anzahl der 

Personen im Zelt variiert habe, da immer wieder Personen geholt und ge-

bracht worden seien (vgl. Protokoll, ergänzende Anhörung vom 18. Okto-

ber 2022, F34 ff.). Der Vorwurf, erst auf Nachfrage näher erklärt zu haben, 

wie es in den ZeIten ausgesehen habe, sei zurückzuweisen. So könne auf-

grund seines Alters und der mangelnden Schulbildung nicht erwartet wer-

den, dass er von Beginn weg detailliert antworte.   

Ferner sei zu beachten, dass er eine Misshandlung durch die Al Shabaab 

geschildert habe. Ferner habe er ausgeführt, dass er vor diesem Vorfall 

seine Notdurft habe verrichten müssen, während die tägliche Predigt ge-

halten worden sei. Auch habe er geschildert, dass er lange auf der Toilette 

gewesen sei und ihn die Al Shabaab Mitglieder deshalb gesucht hätten. Es 

seien Fotos von Narben zu den Akten gereicht worden.  

Auch dem Vorbringen, dass es ihm nicht möglich gewesen sein soll, das 

Training substantiiert zu beschreiben, könne nicht gefolgt werden. So sei 

darauf hinzuweisen, dass die Frage nach der Ausgestaltung des Trainings 

von der befragenden Person offen formuliert worden sei.   

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Ebenso sei der Vorwurf, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, einen Ta-

gesablauf im Ausbildungszentrum der Al Shabaab zu schildern, zu bestrei-

ten. So sei es dem Beschwerdeführer möglich gewesen, von sich aus dar-

über zu berichten, dass es jeweils Mais zum Frühstück gegeben habe und 

dass ihm ein Schlafplatz in der Nähe eines Baumes zugeteilt worden sei. 

Auch habe er zu Protokoll gegeben, dass er nach seiner Ankunft im Camp 

lediglich eine Boxershorts und eine sogenannte «Macwiis», eine traditio-

nelle Tracht, zum Anziehen erhalten habe. Schliesslich sei der Vorwurf, er 

habe nicht angeben können, wie die anderen Jugendlichen reagiert hätten, 

als er ins Camp gebracht worden sei, haltlos. Es sei nachvollziehbar, dass 

er mit seiner eigenen Gefühlswelt beschäftigt gewesen sei.  

6.2.4 Zu den Widersprüchen in der Schilderung der Fluchtumstände sei 

festzuhalten, dass er auch im Rahmen der Anhörung angegeben habe, in 

der Nacht geflüchtet zu sein. Weshalb dies mit Mitternacht übersetzt wor-

den sei, könne er sich nicht erklären. Bezüglich des Vorwurfs, er habe zu-

nächst angegeben, mit drei, danach mit vier Personen geflüchtet zu sein, 

sei darauf hinzuweisen, dass er angegeben habe, sich nicht genau daran 

erinnern zu können. Hinsichtlich seiner Aussage, wonach er nicht wisse, in 

welchem Land er nach seiner Ausreise gelandet sei, sei festzuhalten, dass 

er lediglich zwei Jahre lang die Schule besucht habe.  

6.2.5 Nach dem Gesagten habe der Beschwerdeführer die geltend ge-

machte Rekrutierung durch die Al Shaabab glaubhaft gemacht. Die Vor-

instanz blende die Elemente aus, die für die Glaubhaftigkeit der Aussagen 

sprechen würden. Ebenso werde seitens der Vorinstanz weder das junge 

Alter, der sozio-kulturelle Kontext und die kaum vorhandene Schuldbildung 

noch die psychische Situation des Beschwerdeführers berücksichtigt.  

7.  

Der Beschwerdeführer beantragt (eventualiter), die Sache sei allenfalls zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Hierzu ist vorab 

festzuhalten, dass weder in der Beschwerde dargetan wird, inwiefern ein 

solcher formaler Mangel vorliegen sollte, noch sich ein solcher aus den 

Akten ergibt. Daher ist das entsprechende Begehren um Rückweisung der 

Sache an die Vorinstanz abzuweisen. 

8.  

Die behauptete Zwangsrekrutierung durch die Al Shaabab und die damit 

verbundenen weiteren Vorbringen wurden von der Vorinstanz als nicht 

glaubhaft eingestuft. Das Gericht schliesst sich (wie nachfolgend 

E-1688/2023 

Seite 13 

dargestellt) der zutreffenden und überzeugend begründeten Einschätzung 

der Vorinstanz an. Grundsätzlich ist auf die ausführlichen Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen, die in der Beschwerde nicht entkräftet werden kön-

nen.  

8.1 Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ausgeführt hat, 

sind die zahlreichen Unglaubhaftigkeitselemente nicht mit einem vermeint-

lich schlechten Erinnerungsvermögen des Beschwerdeführers aufgrund 

psychischer Probleme zu erklären. Es bestehen keine konkreten Anhalts-

punkte auf eine verminderte Prozessfähigkeit des Beschwerdeführers und 

aus den Protokollen ergibt sich, dass die Befragungsweise dem jugendli-

chen Alter des Beschwerdeführers entsprach. Schliesslich ist nicht erkenn-

bar und wird in der Beschwerde auch nicht dargetan, inwiefern der in der 

Beschwerde geltend gemachte Umstand, dass die Anhörungen von zwei 

verschiedenen Befragenden geführt worden seien und eine dritte Person 

den Entscheid redigiert habe, nachteilig sein sollte, zumal aus den Akten 

ersichtlich ist, dass die Person, welche die erste Anhörung geführt hat, 

auch den Entscheid redigierte.  

8.2 Das SEM wies in seiner ausführlichen Begründung insbesondere auf 

die fehlende Substantiierung der geltend gemachten Vorbringen hin. Es 

zeigte überzeugend auf, dass die Schilderung des Beschwerdeführers der 

Mitnahme durch die Al Shaabab, den Aufenthalt im Ausbildungslager und 

der Flucht überwiegend ausweichend ausfiel und kaum Realkennzeichen 

aufwies. Insoweit in der Beschwerde auf diese Feststellungen der Vor- 

instanz konkret Bezug genommen wird, ist nachfolgend auf die Entgegnun-

gen in der Beschwerde näher einzugehen.  

8.2.1 Vorab ist festzuhalten, dass sich die Angaben des Beschwerdefüh-

rers weitestgehend in Allgemeinplätzen erschöpfen, die ohne weiteres 

auch von einer Person hätte geschildert werden können, die Entsprechen-

des bloss vom Hörensagen her kennt. Ferner ist davon auszugehen, dass 

die Lager der Al Shabaab im Heimatland des Beschwerdeführers allgemein 

bekannt sind und dass sich – insbesondere die jugendlichen Knaben – 

über diese unterhalten, Gehörtes miteinander austauschen oder sogar sel-

ber entsprechende Lager bereits von aussen beobachtet haben. Entspre-

chend ist von einer solchen Person, die behauptungsweise vorbringt, sich 

mehrere Monate in einem solchen Lager aufgehalten und dort eine Ausbil-

dung durchlaufen zu haben, zu erwarten, dass er die Abläufe, Standorte, 

Personen, Interaktionen und Erlebtes lebensnah schildern kann. Davon 

kann in casu keine Rede sein. Vielmehr erschöpfen sich die 

E-1688/2023 

Seite 14 

entsprechenden Angaben in Allgemeinaussagen. Diese Ausgangslage 

kann mit den in der Beschwerde getätigten Erklärungsversuchen nicht be-

gegnet werden. 

8.2.2 So wurde in der Beschwerde beispielsweise hinsichtlich der fehlen-

den Substanz der Mitnahme durch die Al Shabaab pauschal entgegenge-

halten, dass im Rahmen der Anhörung keine und in der ergänzenden An-

hörung lediglich drei Folgefragen zur Mitnahme gestellt worden seien. 

Diese Argumentation verfängt nicht. Es ist davon auszugehen, dass ein 

einschneidendes und nicht alltägliches Ereignis bei einer Person lange in 

Erinnerung verhaftet, so dass erwartet werden kann, dass diese einen Vor-

fall lebhaft und nachvollziehbar schildern kann. Entgegen der Einschät-

zung des Beschwerdeführers kann somit seine fehlende Substanz nicht mit 

der Anzahl gestellter Fragen erklärt werden.  

8.2.3 Auch die im Rahmen der Rechtsmitteleingabe vorgebrachten übrigen 

Erklärungsversuche, weshalb die Schilderungen des Zeltlagers substanz-

los ausgefallen sind (vgl. E. 6.2.2.) verfangen nicht. Hierzu ist mit der Vor-

instanz festzuhalten, dass der Detailgrad der Angaben bezüglich des Zelt-

lagers gering ausgefallen ist und der Vorhalt in der angefochtenen Verfü-

gung, wonach der Beschwerdeführer erst auf Nachfrage hin genauer er-

klärt habe, wie es in den Zelten ausgesehen habe, zutrifft. Dieser kann 

auch mit dem blossen Hinweis in der Beschwerde auf die «persönliche Si-

tuation des Beschwerdeführers» (jugendliches Alter, geringer Bildungs-

grad, sozio-kultureller Hintergrund) nicht widerlegt werden. Auch der Erklä-

rungsversuch des jugendlichen Alters geht fehl. So betrifft die Frage zu 

dem Zeltlager einen äussert einfach gehaltenen Sachverhalt, der keinerlei 

Komplexität aufweist und von einer Person im Alter des Beschwerdefüh-

rers problemlos sollte beantwortet werden können.  

8.2.4 Auch die Schilderungen der angeblichen Trainings lassen keine Re-

alkennzeichen erkennen. Von einer Person, die wie behauptet während 

zahlreicher Monate in einem Lager gelebt und dort tägliche Trainings 

durchlaufen hat, wäre zu erwarten gewesen, dass diese die Abläufe, Struk-

turen, Trainings und Ausbildungen anschaulich und mit klaren Beispielen 

schildern könnte. Entsprechendes liegt in casu nicht vor. Vielmehr erschöp-

fen sich die entsprechenden Angaben in reinen Allgemeinplätzen ohne Re-

albezug. Die Behauptung, er sein monatelang primär nur den Hügel hinauf 

und dann wieder hinab gerannt, erweist sich als realitätsfern und weist 

kaum Bezuge zu einer realen Ausbildung in einem Lager auf. 

E-1688/2023 

Seite 15 

Entsprechende Behauptungen lassen erkennen, dass dem Beschwerde-

führer offenbar entsprechende reale Erfahrungen abgehen.  

Gleiches gilt auch für die nachgeschobene Behauptung, gleichwohl an 

Waffen und Sprengmaterialien geschult worden zu sein. Eine Ausbildung 

an diesen Techniken würde zwangsweise die Erlernung grundlegender 

technischer Kenntnisse bedingen. Ein zielgerichteter Umgang mit Waffen 

oder Sprengmaterialien ist in einem Echteinsatz ohne entsprechende 

Schulung und ohne entsprechende Waffenkenntnisse weder denkbar, 

noch sinnvoll möglich. Entsprechendes Wissen wies der Beschwerdefüh-

rer aber ganz offensichtlich nicht auf (vgl. act 45, F43, 44). 

Wenig realitätsnah erscheinen auch die Angaben, in dem Lager habe es 

keine hierarchischen Strukturen gegeben. Ein streng geregelter Ablauf in 

einem Lager, die zwangsweise Ausbildung zahlreicher Personen wie auch 

die arbeitsteiligen Leistungen in einem solchen Lager wären ohne entspre-

chende hierarchische Strukturen kaum denkbar.   

8.2.5 Schliesslich wurde in der Beschwerde geltend gemacht, der Be-

schwerdeführer habe immerhin einiges genau schildern können. So habe 

er angegeben, dass die Al Shabaab mit drei Wagen zur Schule gekommen 

und dass die Personen schwarz gekleidet gewesen seien. Auch habe er 

von sich ausgeführt, dass die Al Shabaab zunächst den Lehrer begrüsst 

hätten und auf welche Art und Weise dies geschehen sei. Auch habe er 

schildern können, dass elf bis zwölf Kinder mitgenommen worden seien 

und dass die Al Shabaab die jeweils körperlich grössten Jungs mitgenom-

men habe. Er habe auch unaufgefordert seine inneren Gedankengänge 

erläutern können, indem er angegeben habe, befürchtet zu haben, ent-

hauptet zu werden, als er aufgerufen worden sei. Er habe auch anschaulich 

ausgeführt, wie er misshandelt worden sei und es seien Fotos der Narben, 

welche aus dieser Misshandlung stammten, zu den Akten gereicht worden. 

Hierzu ist festzuhalten, dass es sich bei den obgenannten Angaben in kei-

ner Weise um Schilderungen handelt, die eigenes Erleben nahelegen. 

Dass die Al Shabaab schwarze Kleidung tragen ist allgemein bekannt. 

Dass für ein Transport von Knaben einer Klasse mehrere Fahrzeuge be-

nötigt worden wären, ist ebenfalls nicht aussergewöhnlich. Sämtliche ent-

sprechenden Angaben könnten problemlos auch von einer Person vorge-

tragen werden, welche die entsprechenden Abläufe nicht selber erlebt hat.   

E-1688/2023 

Seite 16 

Auffallend ist im Weiteren, dass sich die Schilderung der Vorbringen im 

Rahmen der freien Rede und auf diesbezügliche konkrete Fragen in ihrer 

Aussagekraft deutlich voneinander unterscheiden und die Antworten des 

Beschwerdeführers überwiegend ausweichend und unbestimmt ausfielen 

und eine Konkretisierung ausblieb. Hierbei fällt auf, dass die Antworten zu 

jenen Fragen, von welchen der Beschwerdeführer bereits im Vorfeld sicher 

davon ausgehen konnte, dass diese gestellt werden und somit vorbereitbar 

sind, durchaus länger ausgefallen sind (vgl. beispielsweise act 31, F 77, 

84, 87 oder act. 45, F 25,77). Demgegenüber war er nicht in der Lage auf 

Nachfrage hin konkretisierende, substanzielle Angaben zu machen; dies 

obgleich diese Fragen auch das Kerngeschehen betrafen (vgl. beispiels-

weise act 45, F 35, 36, 39, 43, 47, 54). Ferner können die fehlende Sub-

stanz sowie die ausweichenden Antworten auch nicht auf ein einge-

schränktes Erinnerungsvermögen zurückgeführt werden. So war der Be-

schwerdeführer nämlich durchaus in der Lage, sich an Einzelheiten von 

Nebengeschehen oder weiter zurückliegende Vorkommnisse detailliert zu 

erinnern, so dass umso mehr zu erwarten gewesen wäre, dass er klare, 

substanziierte und glaubhafte Schilderungen des Kerngeschehens hätte 

vorbringen können (vgl. beispielsweise act. 31, F67). 

8.3 Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, die geltend gemachte 

Zwangsrekrutierung durch die Al Shaabab glaubhaft zu machen.  

8.4 Die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers, seine Eltern und Ge-

schwister seien bei einem Bombenattentat im Jahre 2017 in F._______ 

ums Leben gekommen, wurden vom SEM zutreffend mangels Gezieltheit 

und hinreichendem zeitlichem und sachlichem Kausalzusammenhang zur 

Ausreise als asylrechtlich nicht relevant erachtet. Im Weiteren führte das 

SEM überzeugend aus, aus welchen Gründen dem Beschwerdeführer auf-

grund der in der Schweiz lebenden Verwandten (Cousin und Cousine) 

keine Reflexverfolgung bei einer Rückkehr drohen würde.  

8.5 Somit erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nach 

Art.  3 AsylG nicht (Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Die Ablehnung des 

entsprechenden Gesuchs durch die Vorinstanz ist zu bestätigen. 

9.  

Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein solches 

hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 

AsylG). Vorliegend hat der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt und 

es besteht zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen, (vgl. BVGE 

E-1688/2023 

Seite 17 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die verfügte Wegweisung 

im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom 

SEM zu Recht angeordnet wurde. 

10.  

Der Beschwerdeführer wurde in der angefochtenen Verfügung wegen Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufge-

nommen, weshalb sich weitere Ausführungen zur Frage des Wegwei-

sungsvollzugs erübrigen. 

11.  

Da die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechts-

erheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 

AsylG), ist die Beschwerde abzuweisen. 

12.  

12.1 Mit Ergehen des vorliegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht 

auf das Erheben eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 

12.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden 

Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als von vornherein aus-

sichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Vo-

raussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. 

Aus demselben Grund ist auch das weitere Gesuch um unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens 

sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE], SR 173.320.2) somit dem Beschwerdeführer aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1688/2023 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsver-

beiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzerichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

 

 

Versand: