# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e9d8c5de-b5a7-5d2b-aeb8-af3c86c3d4e3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 E-3973/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3973-2006_2011-09-13.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­3973/2006

U r t e i l   v om   1 3 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter Maurice Brodard,
Gerichtsschreiber Jan Feichtinger.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan, 
(…),  
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des BFM 
vom 3. Februar 2005 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
A.a  Am  7. Juli 1998  suchte  der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer 
Staatsangehöriger aus Kabul, mit seiner Familie in der Schweiz um Asyl 
nach. 

A.b Mit Verfügung vom 30. Mai 2001 stellte das damalige Bundesamt für 
Flüchtlinge  (BFF)  fest,  der  Beschwerdeführer  und  seine 
Familienangehörigen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht,  lehnte die 
Asylgesuche  vom  7. Juli 1998  ab,  ordnete  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz an und schob deren Vollzug  infolge Unzumutbarkeit  zugunsten 
einer vorläufigen Aufnahme auf.

A.c  Mit  Urteil  der  [Gerichtsbehörde]  vom  (…)   März 2004  wurde  der 
Beschwerdeführer  wegen  mehrfacher  einfacher  Körperverletzung  (Art. 
123  Ziff.  1  Abs.  1  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom 
21. Dezember 1937  [StGB, SR 311.0]), mehrfacher versuchter Nötigung 
(Art.  181  i.V.m.  Art.  22  Abs.  1  StGB),  Hausfriedensbruchs  (Art.  186 
StGB), und Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB) – unter Gewährung des 
bedingten  Strafvollzugs  –  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  sieben  Monaten 
verurteilt.

A.d  Mit  Schreiben  vom  2. Dezember 2004  teilte  das  BFF  dem 
Beschwerdeführer mit,  es  erwäge mit  Blick  auf  das  vorgenannte  Urteil, 
die  am  30. Mai 2001  verfügte  vorläufige  Aufnahme  in  Anwendung  von 
Art. 14b Abs. 2 des damals noch in Kraft stehenden Bundesgesetzes vom 
26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, 
BS  1  121)  aufzuheben.  Angesichts  dessen  gewährte  das  Bundesamt 
dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zur  beabsichtigten 
Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  und  zum  damit  verbundenen 
Wegweisungsvollzug.

A.e  Der  Beschwerdeführer  liess  mit  Stellungnahme  seines 
Rechtsvertreters  vom 24. Januar 2005  beantragen,  es  sei  die  vorläufige 
Aufnahme  beizubehalten  und  von  der  Wegweisung  (recte:  vom 
Wegweisungsvollzug) abzusehen.

Zur Begründung wurde dabei  im Wesentlichen ausgeführt,  zwar sei das 
Fehlverhalten des Beschwerdeführers gegenüber seiner Familie nicht von 
der Hand zu weisen,  indessen sei  seine Delinquenz ausschliesslich auf 
die  vorübergehenden  familiären  Auseinandersetzungen  im 

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Zusammenhand mit  der  Trennung  der  Eheleute  zurückzuführen. Weiter 
sei  zu  beachten,  dass  insbesondere  die  Körperverletzungen  bei 
Handgreiflichkeiten  zustande  gekommen  seien  und  lediglich  Prellungen 
respektive  Schürfungen  hervorgerufen  hätten.  Seither  habe  sich  der 
Beschwerdeführer  nichts  mehr  zuschulden  kommen  lassen.  Das 
Verhältnis  zu  seinen  Kindern  habe  sich  gebessert,  auch  komme  er 
vollständig  für  den  Unterhalt  der  Familie  auf.  Eine  Wegweisung  des 
betagten  und  (…)  Beschwerdeführers  würde  deshalb  eine 
unverhältnismässige Härte bedeuten.

B. 
Mit  Verfügung  vom  3. Februar  2005  hob  das  BFM  die  vorläufige 
Aufnahme  des  Beschwerdeführers  auf,  forderte  ihn  auf,  die  Schweiz – 
unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  bis  zum 
3. April  2005  zu  verlassen,  und  beauftragte  den  Kanton  B._______ mit 
dem Vollzug der Wegweisung. Zur Begründung führte das BFM aus, das 
[Gericht] habe in seinem Urteil vom (…). März 2004 das Verschulden des 
Beschwerdeführers  als  nicht  mehr  leicht  eingestuft.  So  habe  er 
gegenüber  ihm  körperlich  unterlegene  Familienmitglieder  Gewalt 
angewendet  und  diese  dabei  erheblich  verletzt,  weiter  habe  er  mit 
erheblichen Repressionen gedroht. Schliesslich seien die Straftaten trotz 
– mit einzelrichterlichem Urteil vom (…). Juni 2003 verhängter – Vorstrafe 
erfolgt. In Anbetracht des Verhaltens des Beschwerdeführers erübrige es 
sich  zu  prüfen,  ob  der Wegweisungsvollzug  zu  einer  schwerwiegenden 
persönlichen Notlage führen würde.

C. 
Mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreters vom 2. März 2005 an die 
ARK  liess  der Beschwerdeführer Beschwerde erheben und beantragen, 
die  Verfügung  des  BFM  vom  3. Februar  2005  betreffend  Widerruf  der 
Verfügung vom 30. Mai 2001 sei aufzuheben.

In der Sache wurde der angefochtenen Verfügung entgegnet, die Delikte 
des  Beschwerdeführers,  bei  welchen  es  sich  allesamt  um  Formen  der 
häuslichen  Gewalt  handle,  seien  als  einmalige  Kurzschlussreaktion  zu 
verstehen.  Zudem  habe  das  Gericht  das  Verschulden  des 
Beschwerdeführers  als  "nicht mehr  leicht"  eingestuft,  wobei  es  sich  um 
die  zweitniedrigste  von  13  Intensitätsstufen  handle.  Ein  schweres 
Verschulden  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zu  Art. 
10  ANAG  könne  demgemäss  nicht  angenommen  werden.  Inzwischen 
habe  sich  der  Beschwerdeführer  mit  seinen  Angehörigen  versöhnt  und 

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unterhalte  mit  diesen  eine  normale  familiäre  Beziehung.  Eine 
Wegweisung des Beschwerdeführers würde ein Auseinanderreissen der 
Familie  entgegen  der  Interessen  der  auf  ihn  angewiesenen  Kinder 
bedeuten.  Vor  diesem  Hintergrund  sowie  angesichts  des  schlechten 
Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  und  der  allgemeinen 
Lage in Afghanistan erweise sich ein Asylwiderruf (recte: eine Aufhebung 
der vorläufigen Aufnahme) als unverhältnismässig.

D. 
Mit  prozessleitender  Verfügung  vom  21. März 2005  verzichtete  der 
damals  zuständige  Instruktionsrichter  der  ARK  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses. Mit Vernehmlassung  vom 11. April 2005  beantragte 
das BFM die Abweisung der Beschwerde.

E. 
Mit  Urteil  der  [Gerichtsbehörde]  vom  (…). März 2006  wurde  der 
Beschwerdeführer  wegen  mehrfacher  versuchter  Nötigung  (Art.  181 
i.V.m.  Art.  21  StGB)  sowie  Hinderung  einer  Amtshandlung  (Art. 286 
StGB) zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt.

Mit  gleichem Urteil  wurde  die Gewährung  des  bedingten  Strafvollzuges 
der mit Urteil  vom  (…). März 2004 ausgesprochenen Freiheitsstrafe  von 
sieben Monaten widerrufen.

F. 
Auf  Anfrage  der  zuständigen  Instruktionsrichterin  vom  22. Juli 2009 
übermittelte  [kantonale  Migrationsbehörde]  dem 
Bundesverwaltungsgericht  weitere  sachdienliche  Akten  betreffend  die 
nachstehenden Vorgänge.

 Am  (…). Mai 2006  wurde  über  den  Beschwerdeführer  Konkurs 
eröffnet. Mit Verfügung vom  (…). Mai 2007 erfolgte der Widerruf der 
Konkurseröffnung infolge vollständiger Befriedigung der Gläubiger.

 Am  16. November 2007  teilte  die  Staatsanwaltschaft  C._______  der 
Stadtpolizei  B._______  mit,  gegen  den  Beschwerdeführer  sei  eine 
Strafuntersuchung  wegen  Betrugs  (Art.  146  StGB)  respektive 
Pfändungsbetrugs  (Art. 163 Ziff. 1 StGB), Verstrickungsbruches  (Art. 
169  StGB)  und  Unterlassung  der  Buchführung  (Art.  166  StGB) 
eröffnet  –  sowie  die  Akten  zur  Untersuchung  eines  allfälligen 
Steuerbetrugs  an  die  kantonalen  Steuerämter  übermittelt  –  worden, 
und  ihr  einen  entsprechenden  Ermittlungsauftrag  erteilte. Weitere  in 

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Frage  kommende  Delikttatbestände  wie  Geldwäscherei  und 
Sozialhilfebetrug würden  direkt mit  dem zuständigen Sachbearbeiter 
besprochen.

G. 
Mit  Schreiben  vom  25. Januar 2010  teilte  der  Rechtsvertreter  des 
Beschwerdeführers die Mandatsniederlegung mit.

H. 
Mit zweiter Vernehmlassung vom 27. Januar 2010 hielt das BFM an den 
Erwägungen  in  seiner  Stellungnahme  vom  11. April 2005  fest  und 
beantragte  –  unter  Hinweis  zwischenzeitlich  eingetretenen  Ereignisse 
(vgl. Bst. E. und F.) die Abweisung der Beschwerde. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet unter anderem endgültig 
über Beschwerden  gegen Verfügungen  des BFM  in Sachen Aufhebung 
der  vorläufigen  Aufnahme  von  Ausländerinnen  und  Ausländern  in  der 
Schweiz  (Art.  84  Abs.  2  und  3  AuG  i.V.m.  Art. 31  und  33  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]; 
Art. 83  Bst.  c  Ziff.  3  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die 
Beurteilung  der  bei  der  ARK  am  31.  Dezember  2006  hängigen 
Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (Art. 
53 Abs. 2 VGG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtenen  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur 
Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  112  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und 
Ausländer  [AuG, SR 142.20]  i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50 
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes 
und  die Unangemessenheit  gerügt werden  (Art.  112 Abs.  1  AuG  i.V.m. 
Art. 49 VwVG).

2. 
2.1.  Die  am  1.  Januar  2008  in  Kraft  getretene  übergangsrechtliche 
Bestimmung von Art. 126a Abs. 4 AuG sieht vor, dass für Personen, die 
im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  der  Änderung  des  AsylG  vom  16. De­
zember 2005  sowie  des  AuG  vorläufig  aufgenommen  sind,  das  neue 
Recht gilt. Diese spezielle Regel geht der allgemeinen Regel von Art. 126 
Abs. 1 AuG (vgl. dazu BVGE 2008/1) vor. 

2.2.  Der  Beschwerdeführer  wurde  unter  altem  Recht  vorläufig 
aufgenommen.  Aufgrund  der  übergangsrechtlichen  Regelung  gemäss 
Art.  126a  Abs.  4  AuG  ist  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren 
betreffend Aufhebung der vorläufigen Aufnahme jedoch zu prüfen, ob die 
Voraussetzungen  für  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  nach 
neuem Recht – mithin nach Art. 84 Abs. 1 – 3 AuG – vorliegen.

2.3.  In  der  angefochtenen  Verfügung  beruft  sich  das  BFM  auf  Art.  10 
Abs. 1 Bst.  a   des Bundesgesetzes  vom 26. März 1931 über Aufenthalt 
und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121;  vgl.  die 
neurechtliche Entsprechung  in Art. 84 Abs. 3 AuG  i.V.m. Art. 83 Abs. 7 
Bst. a AuG), welche Norm besagt, dass ein Ausländer aus der Schweiz 
oder aus einem Kanton ausgewiesen werden kann, wenn er wegen eines 
Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft worden  ist. Zudem  fällt 
vorliegend  auch  die  Fallkonstellation  von  Bst.  b  derselben  Norm 
(respektive  Art.  84  Abs.  3  AuG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  7  Bst.  b  AuG)  in 
Betracht,  wonach  eine  Ausweisung  erfolgen  kann,  wenn  das  Verhalten 
des Betroffenen im allgemeinen und seine Handlungen darauf schliessen 
lassen,  dass  er  nicht  gewillt  oder  fähig  ist,  sich  in  die  im  Gaststaat 
geltende Ordnung einzufügen. 

Nachstehend  ist  demnach  zu  prüfen,  ob  die  Delinquenz  des 
Beschwerdeführers  die  zur  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme 
erforderliche  Intensität erreicht, wobei – wie unter Ziffer 2.2 aufgezeigt – 
die im AuG vorgesehenen Aufhebungsgründe zur Anwendung gelangen.

2.4.  Gemäss  Art.  84  Abs.  2  AuG  wird  die  vorläufige  Aufnahme 
aufgehoben und der Vollzug angeordnet, wenn die Voraussetzungen der 

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vorläufigen  Aufnahme  nicht  mehr  gegeben  sind,  d.h.  wenn  der  Vollzug 
(wieder)  zulässig,  zumutbar  und möglich  ist.  Die  Ausnahmeklausel  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG ist auch bei der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme 
anwendbar (vgl. Art. 84 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 84 Abs. 3 AuG i.V.m. 
Art. 83  Abs.  7  AuG  wird  die  vorläufige  Aufnahme  nicht  verfügt 
beziehungsweise aufgehoben, wenn die weg­ oder ausgewiesene Person 
zu  einer  längeren  Freiheitsstrafe  verurteilt  oder  gegen  sie  eine 
strafrechtliche Massnahme nach Art. 61 oder 64 StGB angeordnet wurde 
(Bst.  a)  oder  erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit 
und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese 
respektive die  innere oder die äussere Sicherheit gefährdet (Bst. b). Art. 
83 Abs. 7 AuG Bst. a und b stimmen inhaltlich überein mit den Bst. b und 
c  von  Art.  62  AuG,  welcher  die  allgemeinen  Voraussetzungen  des 
Widerrufs  von  Bewilligungen  oder  anderen  Verfügungen  nach  jenem 
Gesetz regelt. Aus dem Wortlaut der obgenannten Bestimmungen ergibt 
sich zunächst, dass nicht  jeder Verstoss gegen die gesetzliche Ordnung 
zu  einem  Widerruf  führt  beziehungsweise  für  eine  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  genügt,  sondern  dass  dieser  von  einer  gewissen 
Schwere sein muss.

Im  Weiteren  wird  das  Verhältnismässigkeitsprinzip  zu  beachten  sein. 
Dieses  Prinzip  (das  einen  allgemeinen  Grundsatz  staatlichen  Handelns 
bildet  (vgl.  Art.  5  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR  101]),  wird  für  den 
vorliegend relevanten Rechtsbereich durch Art. 96 Abs. 1 AuG spezifisch 
festgeschrieben,  wonach  die  zuständigen  Behörden  bei  der 
Ermessensausübung  die  öffentlichen  Interessen  und  die  persönlichen 
Verhältnisse  sowie  den  Grad  der  Integration  der  Ausländerinnen  und 
Ausländer zu berücksichtigen haben (vgl. hierzu Ziff. 5).

3. 
3.1. Grundlage  der  vorliegenden  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme 
stellt  gemäss  der  angefochtenen  Verfügung  vom  3. Februar  2005  das 
Urteil  der  [Gerichtsbehörde]  vom  (…). März 2004  dar.  Gemäss  der 
schriftlichen  Urteilsbegründung  (vgl.  Akten  BFM  B7)  liegen  den 
Schuldsprüchen  im  Wesentlichen  die  nachstehenden  Sachverhalte 
zugrunde:

 Mehrfache  einfache  Körperverletzung  im  Sinne  von  Art.  123  StGB, 
Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB:

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Am  (…). August 2003  kurz  vor  Mitternacht  versetzte  der 
Beschwerdeführer an einer Tramhaltestelle in B._______ seinen Söhnen 
D._______  und  E._______  jeweils  einen  Faustschlag  an  den  Kopf 
respektive Hals, wodurch diese stürzten und der Letztere kurzzeitig das 
Bewusstseins  verlor.  In  derselben  Situation  trat  er  seine  Ehefrau 
F._______ gegen den Oberschenkel und schlug sie mit der Faust gegen 
den  Kopf,  wodurch  sie  Schädel­,  Schulter­,  Ellbogen­  und 
Handgelenkskontusionen erlitt. 

 Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB: 

Am  (…). März 2003  betrat  der  Beschwerdeführer  trotz  ihm  bekannten 
Hausverbots die von seiner Familie bewohnte Liegenschaft. 

 Mehrfache  versuchte  Nötigung  im  Sinne  von  Art.  181  i.V.m  Art.  22 
Abs. 1 StGB:

Im  Dezember 2002  drohte  der  Beschwerdeführer  seinem  Sohn 
D._______,  er  werde  ihn,  seine  Mutter  und  seine  Geschwister  beim 
nächsten  Zusammentreffen  schlagen  respektive  die  Mafia  damit 
beauftragen,  falls  es  ihm  nicht  gelinge,  seine  Mutter  von  der 
Notwendigkeit  eines  erneuten Gesprächs  zu  überzeugen.  Im  Juni  /  Juli 
2003  sowie  anlässlich  eines  Quartierfests  am  (…). August 2003  drohte 
der  Beschwerdeführer  F._______  für  den  Fall,  dass  sie  nicht  zulassen 
würde, dass er wieder mit ihr zusammenleben könne. 

3.2. 
3.2.1.  Bereits  auf  Grundlage  dieses  Urteils  fällt  eine  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  gestützt  auf  Art.  83  Abs.  7  Bst.  a   AuG 
(Verurteilung  zu  einer  längerfristigen  Freiheitsstrafe)  in  Betracht.  Im 
Hinblick auf die erforderliche  Intensität genügen die  im genannten Urteil 
berücksichtigten Straftaten  zur Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme.  In 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission (EMARK) 2004 Nr. 39 wurde eine wiederholte und 
zu  einem  vergleichbaren  Strafmass  führende Delinquenz  (zehn Monate 
Freiheitsstrafe  unter  Gewährung  des  bedingten  Strafvollzugs)  als 
ausreichende  Grundlage  für  den  Ausschluss  von  der  vorläufigen 
Aufnahme  gemäss  dem  inhaltlich  weitestgehend  Art. 83  Abs.  7  AuG 
entsprechenden Art. 14a Abs. 6 des – mit der Inkraftsetzung des AuG am 
1. Januar 2008 aufgehobenen – ANAG erachtet.

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3.2.2. Sodann wurde der Beschwerdeführer mit Urteil  [Gerichtsbehörde] 
vom (…). März 2006 erneut zu einer Freiheitsstrafe  (von zehn Monaten) 
verurteilt.

Den neuerlichen Schuldsprüchen  liegen gemäss Urteilsbegründung  (vgl. 
pag.  67  ff.  Beschwerdeakten)  im  Wesentlichen  die  nachstehenden 
Sachverhalte zugrunde:

 Mehrfache  versuchte  Nötigung  im  Sinne  von  Art.  181  i.V.m  Art.  22 
Abs. 1 StGB:

Ab  August 2005  bis  zu  seiner  Verhaftung  am  (…). September 2005 
versuchte  der  Beschwerdeführer  in  nicht  bekannter  Häufigkeit,  sich 
Zugang  zur Wohnung  seiner  Angehörigen  zu  verschaffen.  Da  ihm  dies 
nicht gelang, drohte er seiner Frau F._______ und seinen Kindern, dass 
er  sie  auf  offener  Strasse  schlagen  respektive  umbringen  respektive 
jemanden  damit  beauftragen  würde,  dass  er  die  ganze  Familie  nach 
Afghanistan  entführen  würde,  dass  er  den  Kindern  die  Gedärme 
aufreissen und seine Töchter schänden würde, wenn seine Ehefrau nicht 
von der geplanten Scheidung absähe.

 Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB:

(…)

3.2.3.  Vor  dem  Hintergrund  der  Verurteilungen  zu  Freiheitsstrafen  von 
insgesamt 17 Monaten  ist – unter Hinweis auf das bereits  zuvor zitierte 
Urteil  EMARK  2004  Nr.  39  –  im  Sinne  eines  Zwischenergebnisses 
festzuhalten, dass eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme gestützt auf 
Art. 84 Abs. 3 AuG i.V.m. Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG – vorbehältlich deren 
Verhältnismässigkeit (vgl. hierzu Ziff. 5) – rechtens erscheint.

3.3.  Angesichts  der  umfangreichen  und  mehrere  Jahre  umfassenden 
Strafakten  ist zudem festzustellen, dass der Beschwerdeführer erheblich 
und  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der 
Schweiz  verstossen  hat,  weshalb  alternativ  auch  eine  Aufhebung  der 
vorläufigen Aufnahme gestützt auf Art. 84 Abs. 3 AuG i.V.m. Art. 83 Abs. 
7 Bst. b AuG in Betracht fällt.

3.3.1.  Wenngleich  den  im  Urteil  des  [Gerichts]  vom  (…). März 2004 
aufgeführten  Delikten  mit  der  Trennung  des  Beschwerdeführers  von 
seiner Familie dasselbe Motiv zugrunde zu liegen scheint, erscheinen die 

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einzelnen  Tathandlungen  keineswegs  als  Einheit.  Vielmehr  ist 
festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  seine Angehörigen wiederholt 
und  über  einen  längeren  Zeitraum  in  strafrechtlich  relevanter  Weise 
behelligt  hat. Der   Einwand  des Rechtsvertreters, wonach  jener  "genau 
einmal  straffällig"  geworden  sei  und  es  sich  hierbei  um  eine  "einmalige 
Kurzschlussreaktion"  handle,  kann  deshalb  klarerweise  nicht  gehört 
werden. 

Der Eindruck fortgesetzter Delinquenz wird zusätzlich verstärkt durch die 
Vorakten  der  [Polizeibehörde]  (pag.  87  Beschwerdeakten),  wonach  der 
Beschwerdeführer  seine Angehörigen  bereits  seit  2001  verschiedentlich 
in  rechtswidriger  Weise  behelligt  (insbesondere  Drohung, 
Hausfriedensbruch) habe.

3.3.2.  Als  zutreffend  erweist  sich  die  Feststellung  in  der 
Rechtsmitteleingabe, wonach dem Beschwerdeführer  im besagten Urteil 
eine  günstige  Prognose  gestellt  und  deshalb  der  bedingte  Strafvollzug 
gewährt wurde. Vor dem Hintergrund der heutigen Aktenlage ist hingegen 
festzustellen, dass sich diese Prognose in keiner Weise bewahrheitet hat. 
Dies  widerspiegelt  sich  insbesondere  im  Widerruf  der  Gewährung  des 
bedingten  Strafvollzugs  mit  Urteil  des  [Gerichts]  vom  (…). März 2006. 
Betreffend  den  Inhalt  dieses  Urteils  kann  auf  die  Zusammenstellung  in 
Ziffer 3.2.2 verwiesen werden.

3.3.3.  In Ergänzung hierzu  ist  festzustellen, dass die Staatsanwaltschaft 
C._______  im  November  2007  unter  dem  Tatvorwurf  verschiedener 
Betrugsdelikte  eine  Strafuntersuchung  gegen  den  Beschwerdeführer 
eingeleitet hat, welche gemäss Aktenlage nach wie vor hängig ist.

Dem  beiliegenden  Anzeigerapport  ist  als  Hintergrund  dieser 
Amtshandlung  namentlich  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer 
von  seinem  durch  Konkurs  belegten  Konto  die  Summe  von  (…) 
abgehoben  und  zudem  trotz  eines  Kontoguthabens  von  (…)  von  der 
Asylorganisation Hilfsleistungen bezogen habe.

Aufgrund  des  in  einem  rechtsstaatlichen  Strafverfahren  geltenden 
Grundprinzips  der  Unschuldsvermutung  müssen  diese  jüngsten 
Tatvorwürfe  bei  der  Beurteilung  des  vorliegenden  Verfahrens 
unberücksichtigt  bleiben.  Eine  Gesamtbetrachtung  der  Aktenlage  führt 
jedoch  unweigerlich  zur  Feststellung,  dass  der  Beschwerdeführer  seit 
2003  immer  wieder  in  Justizverfahren  verwickelt  war. Er  hat  durch  die 

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mehrfache Missachtung von gesetzlichen Vorschriften die in der Schweiz 
geltende  Rechtsordnung  wiederholt  verletzt  und  ist  –  wie  den  oben 
aufgeführten Strafurteilen zu entnehmen ist – wiederholt rechtskräftig für 
sein deliktisches Verhalten gerichtlich belangt worden.

Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  der  Auffassung,  der 
Beschwerdeführer  habe  durch  sein  Verhalten  die  öffentliche  Sicherheit 
und Ordnung im Sinne von Art 83 Abs. 7 Bst. b AuG in schwerwiegender 
Weise verletzt, und die Delinquenz des Beschwerdeführers habe die zur 
Aufhebung der vorläufigen Aufnahme erforderliche Intensität erreicht.

4. 
Nachdem  vorstehend  festgestellt  wurde,  dass  die  Tatbestandsvarianten 
von  Art.  83  Abs.  7  Bst.  a  und  b  AuG  vorliegend  erfüllt  sind,  bleibt  zu 
prüfen, ob der Vollzug der Wegweisung durchführbar (vgl. Ziff. 4.1 ff.) und 
verhältnismässig (vgl. Ziff. 5) ist.

4.1.    Mit  Verfügung  des  BFF  vom  30. Mai 2001  wurde  rechtskräftig 
festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht 
erfüllt.  Daher  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des 
flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine 
Anwendung  finden.  Sodann  ergeben  sich  aus  den  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers  und  den  übrigen  Akten  keine  glaubhaften  Hinweise 
auf eine menschenrechtswidrige Behandlung  (vgl. Art. 3 der Konvention 
vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  [EMRK,  SR  0.101]),  die  ihm  in  Afghanistan  drohen 
könnte.  Der  Vollzug  der Wegweisung  erweist  sich  vorliegend  daher  als 
zulässig.

4.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818).

Dieser  Vorbehalt  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  greift  im  Falle  des 
Beschwerdeführers.  Nach  dieser  Bestimmung  wird  die  vorläufige 
Aufnahme  insbesondere  dann  nicht  verfügt,  wenn  die  weg­  oder 

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ausgewiesene Person zu einer  längerfristigen Freiheitsstrafe  im In­ oder 
Ausland  verurteilt  wurde  oder  sie  erheblich  oder  wiederholt  gegen  die 
öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im  Ausland 
verstossen  hat  oder  diese  gefährdet.  Diese  Voraussetzungen  für  die 
Anwendbarkeit der Ausnahmeklausel von Art. 83 Abs. 7 AuG sind beim 
Beschwerdeführer,  der  in  der  Schweiz  wegen  verschiedener  Delikte 
Freiheitsstrafen  von  insgesamt  17 Monaten  erwirkt  hat,  wie  vorstehend 
aufgezeigt,  gegeben.  Somit  erübrigt  es  sich,  die  materiellen 
Zumutbarkeitsvoraussetzungen  näher  zu  prüfen  und  beispielsweise  auf 
die  aktuelle  politische  und  humanitäre  Lage  in  Afghanistan  oder  auf 
Zumutbarkeitserschwernisse individueller Art einzugehen.

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 
zumutbar.

4.3.    Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung als möglich zu bezeichnen ist (Art. 
83 Abs. 2 AuG). 

5. 
Nachdem festgestellt wurde, dass vorliegend die Aufhebungsgründe von 
Art. 84 Abs. 3 i.V.m. Art. 83 Abs. 7 Bstn. a und b AuG gegeben sind und 
der  Wegweisungsvollzug  nach  dem  oben  Gesagten  als  durchführbar 
gelten  kann,  muss  im Weiteren  geprüft  werden,  ob  die  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände 
verhältnismässig ist.

5.1.  Ausgangspunkt  der  durchzuführenden  Prüfung  ist  die  Praxis  der 
ARK,  wonach  die  Ausschlussklausel  von  Art.  14a  Abs.  6  ANAG  mit 
Zurückhaltung  und  insbesondere  unter  Beachtung  des 
Verhältnismässigkeitsprinzips  (das  einen  allgemeinen  Grundsatz 
staatlichen Handelns bildet, vgl. Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR  101]) 
anzuwenden  ist  (vgl.  EMARK  2003  Nr.  3  E.  3a).  Auch  nach  neuerer 
Praxis  zu  Art.  14a  Abs.  6  ANAG  ist  zu  überprüfen,  ob  das  öffentliche 
Interesse  am  Vollzug  der  verfügten  Wegweisung  die  persönlichen 
Interessen  des  Beschwerdeführers  am  Verbleib  in  der  Schweiz  zu 
überwiegen vermag (BVGE 2007/32).

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Mit  der  Einführung  des  AuG  wurde  Art.  14a  Abs.  6  ANAG  durch  den 
vergleichbar  ausgestalteten  Art.  83  Abs.  7  AuG  ersetzt,  weshalb  die 
vorstehend aufgezeigte Praxis auch  im Hinblick auf dessen Anwendung 
weiterzuführen  ist.  Die  genannte  Norm  ist  als  "Kann"­Bestimmung 
formuliert, was bedeutet, dass die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme 
fakultativ  ist und der Feststellung von Aufhebungsgründen  im Sinne von 
Art.  84  Abs.  3  AuG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  7  AuG  in  jedem  Fall  eine 
sorgfältige  behördliche  Interessenabwägung  folgen  muss  (vgl.  Art.  96 
Abs.  1  AuG;  vgl.  dazu  PETER  BOLZLI,  in  MARC  SPESCHA/HANSPETER 
THÜR/ANREAS  ZÜND/PETER  BOLZLI,  Kommentar  Migrationsrecht,  Zürich 
2008, N. 6 zu Art. 84 AuG und N. 23 zu Art. 83 AuG).

Daraus  ergibt  sich,  dass  bei  der  Beurteilung  der  Verhältnismässigkeit 
nicht von einer schematischen Betrachtungsweise auszugehen, sondern 
auf  die  gesamten  Umstände  des  Einzelfalles  abzustellen  ist.  Zu 
berücksichtigen sind insbesondere die Art der verletzten Rechtsgüter und 
die  Schwere  des  Verschuldens.  Steht  nicht  der  Ausschluss  von  der 
vorläufigen Aufnahme, sondern die Aufhebung derselben zur Diskussion, 
wird  auf  Seiten  des  Ausländers  im  Rahmen  der  Interessenabwägung 
namentlich der Dauer der Anwesenheit in der Schweiz sowie den mit dem 
Vollzug  der  Wegweisung  allenfalls  verbundenen  persönlichen  und 
familiären  Nachteilen  ein  relativ  hoher  Stellenwert  beizumessen  sein 
(zum Ganzen vgl. BVGE 2007/32 E. 3 S. 386 ff., EMARK 2006 Nr. 23 E. 
8.3 S. 247 ff; EMARK 2006 Nr. 11 E. 7 S. 124 ff. und EMARK 2004 Nr. 39 
E. 5.3 S. 271, mit je weiteren Verweisen).

5.2.  Zugunsten  des  Beschwerdeführers  fällt  (…)  zunächst  seine  lange 
Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  ins  Gewicht.  Er  hält  sich  seit  dem 
7. Juli 1998  –  mithin  seit  rund  13  Jahren  –  in  der  Schweiz  auf.  Auch 
bestehen  aufgrund  der  Aktenlage  gewisse  Anhaltspunkte  auf  eine  der 
langen  Anwesenheitsdauer  entsprechende  Integration  beziehungsweise 
auf  eine  gewisse  Bindung  des  Beschwerdeführers  an  die  Schweiz. 
Namentlich  ist  er  gemäss  den  vorliegenden  Akten  (…)  in  den 
Arbeitsmarkt eingebunden. 

Weiter  ist  die  allgemeine  Lage  in  Afghanistan  zu  berücksichtigen.  In 
weiten  Teilen  des  Landes  herrschen  eine  prekäre  Sicherheitslage  und 
derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen,  dass  die  Situation  als 
existenzbedrohend  zu  qualifizieren  ist.  Indessen  ist  von  dieser 
allgemeinen  Feststellung  die  Situation  in  Kabul,  dem  Herkunftsort  des 
Beschwerdeführers,  zu  unterscheiden.  In  der  Hauptstadt  ist  die 

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Sicherheitslage weniger bedrohlich als  in den anderen Landesteilen und 
die  humanitäre  Situation  ist  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten 
weniger dramatisch. Entsprechend gilt eine Rückkehr  in die Stadt Kabul 
gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  nicht  generell 
als  unzumutbar,  sondern  kann  unter  begünstigenden  als  zumutbar 
erkannt werden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­7625/2008 
vom 16. Juni 2011). Im Falle des Beschwerdeführers, der jedenfalls zum 
Zeitpunkt seiner Einreise über (…) in Afghanistan wohnhafte Geschwister 
(vgl.  A1  S.  2)  und  gemäss  Aktenlage  offenbar  über  ein  Vermögen  von 
über  (…)  verfügt,  ist  die  Lage  in  seinem  Heimatland  zwar  in  die 
Verhältnismässigkeitsprüfung  miteinzubeziehen,  doch  steht  sie  der 
Aufhebung der vorläufigen Aufnahme nicht grundsätzlich entgegen.

Mit  Stellungnahme  vom  24. Januar 2005  wurde  ausgeführt,  der 
Beschwerdeführer  sei  (…),  welcher  Umstand  im  Laufe  des  Verfahrens 
weder  belegt  noch  erneut  angerufen  wurde.  Afghanistan  zählt  noch 
immer  zu  den  Ländern  mit  der  schlechtesten  Gesundheitsversorgung 
weltweit.  Indessen  wäre  zumindest  in  Kabul  eine  allenfalls  vorliegende 
(…)  behandelbar.  Zwar  würde  eine  entsprechende  Behandlung  eine 
erhebliche finanzielle Belastung mit sich bringen, indessen vermöchte der 
Beschwerdeführer  dieselbe  angesichts  seiner  wirtschaftlichen 
Verhältnisse zu bestreiten.

Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe, wonach die Beziehung des 
Beschwerdeführers mit  seiner Familie ausgezeichnet  sei und die Kinder 
auf  die  Unterstützung  des  Beschwerdeführers  angewiesen  seien,  findet 
keine  Entsprechung  in  den  Verfahrensakten.  Vielmehr  ist  festzustellen, 
dass die Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme direkte Folge von gegen 
diese  Angehörigen  gerichteten  Delikten  des  Beschwerdeführers  waren. 
Aus  der  Tatsache,  dass  er  im  Falle  einer  Wegweisung  von  denselben 
getrennt würde, kann somit nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden.

5.3.  Wie  vorstehend  aufgezeigt,  sind  vorliegend  beide 
Tatbestandsvarianten von Art. 83 Abs. 7 (Bstn. a und b) AuG erfüllt (vgl. 
Ziff.  3.2.3  und  Ziff. 3.3.3).  Die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer 
rechtskräftig zu mehreren Strafen verurteilt wurde und zudem wiederholt 
und in erheblichem Masse gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung 
verstossen  hat,  lässt  das  öffentliche  Interesse  am Wegweisungsvollzug 
und  somit  an  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  des 
Beschwerdeführers  gewichtig  erscheinen.  Dabei  ist  an  dieser  Stelle 
darauf  hinzuweisen,  dass  insbesondere  die  erfolgte  Begehung  von 

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Körperverletzungen  und  Tätlichkeiten  ein  erhebliches  öffentliches 
Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung  begründen,  sind  doch  hiervon 
Rechtsgüter  wie  die  körperliche  und  psychische  Unversehrtheit  (vgl. 
EMARK 2006 Nr.  11 E.  7.2.1)  betroffen. Erschwerend  tritt  der Umstand 
hinzu,  dass  namentlich  der  Vorfall  vom  (…). August 2003  von  einer 
erheblichen  Gewaltbereitschaft  gekennzeichnet  war,  traktierte  der 
Beschwerdeführer  doch  seine  ihm  körperlich  unterlegenen Angehörigen 
mit Fäusten und Füssen. 

Auch  der  Umstand,  dass  auch  die  wiederholt  geäusserten  Drohungen 
des  Beschwerdeführers  besonders  wertvolle  Rechtsgüter  beschlagen, 
lassen  auf  keine  geringe  Gefährdung  der  öffentlichen  Sicherheit  und 
Ordnung mehr  schliessen. Die gesetzlichen Gründe  für  den Ausschluss 
respektive  die  Aufhebung  einer  vorläufigen  Aufnahme  erfüllen  auch 
präventive  Schutzinteressen;  sie  sind  nicht  nur  darauf  ausgerichtet, 
vergangene  Straftaten  zu  sanktionieren,  sondern  wollen  auch  die 
Öffentlichkeit  vor künftigen Delikten des Ausländers bewahren  (BOLZLI, 
a.a.O., N. 22 zu Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG). Seit dem Erlass der 
vorinstanzlichen  Verfügung  vom  3. Februar 2005  konnte  keine 
Stabilisierung  in  Bezug  auf  das  regelwidrige  Verhalten  des 
Beschwerdeführers  erreicht  werden.  Vielmehr  ist  die  Tendenz  und  zur 
wiederholten  Deliktsbegehung  zu  beobachten.  Dem  Beschwerdeführer 
kann  somit  kein  Wille  zur  Besserung  respektive  keine  Möglichkeit 
attestiert  werden,  sich  aus  der  Deliktsspirale  zu  lösen.  In  Anbetracht 
seiner  langjährigen  Delinquenz  kann  dem  Beschwerdeführer  insgesamt 
keine  gute  Prognose  gestellt  werden;  die  Gefahr  neuerlicher, 
insbesondere gleichartiger, gegen seine Angehörigen gerichteter Delikte 
für  die  nähere  Zukunft  kann  nicht  ausgeschlossen  werden.  Dabei  ist 
herauszustreichen,  dass  dem  Beschwerdeführer  bereits  mit  Entscheid 
des  BFF  vom  30. Mai  2001  betreffend  seine  vorläufige  Aufnahme  zur 
Kenntnis  gebracht  wurde,  dieselbe  könne  jederzeit  mittels  separater 
Verfügung widerrufen werden. Er hat sich aber  in den Jahren nach dem 
erstmaligen Kontakt mit der Justiz nicht einsichtig gezeigt, beging er doch 
mehrere  Delikte  innerhalb  der  Probezeit  der  mit  Urteil  vom 
(…). März 2004  bedingt  angeordneten  Sanktion.  Bemerkenswert  ist 
zudem, dass das BFM auf Grundlage dieser Verurteilung mit Verfügung 
vom  3. Februar 2005  die  vorläufige  Aufnahme  aufhob  und  dies  den 
Beschwerdeführer nicht davon abhielt, im August / September desselben 
Jahres  mehrere  Delikte  der  gleichen  Art  und  in  eher  gesteigerter 
Intensität zu begehen.  

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5.4  Nach  dieser  Gegenüberstellung  des  öffentlichen  Interesses  am 
Wegweisungsvollzug und dem privaten Interesse des Beschwerdeführers 
an  einem  weiteren  Verbleib  in  der  Schweiz  kommt  das 
Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  es  bestünden  keine  konkreten 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  künftig  die  öffentliche 
Sicherheit und Ordnung nicht mehr gefährden wird, weshalb an sich ein 
erhebliches  öffentliches  Interesse  am Wegweisungsvollzug  besteht.  Vor 
dem Hintergrund obiger Erwägungen überwiegt das öffentliche Interesse 
am Vollzug  der  verfügten Wegweisung  die  persönlichen  Interessen  des 
Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz.

6. 
Aus den obigen Erwägungen ergibt  sich,  dass die  durch die Vorinstanz 
angeordnete Aufhebung der vorläufigen Aufnahme zu bestätigen ist. Die 
angefochtene  Verfügung  verletzt  somit  Bundesrecht  nicht,  stellt  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  fest  und  ist 
angemessen. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7. 
Da  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Beschwerde  vollumfänglich 
unterlegen  ist,  sind  ihm  die  Verfahrenskosten  im  Betrag  von  Fr.  600.– 
(Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.3]) aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das 
BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Gabriela Freihofer Jan Feichtinger

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