# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ba8f4e59-1635-5b3c-b2ca-4319350d2f22
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-06-16
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 16.06.2017 OG.2017.00036 (OGS.2018.41)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2017-00036_2017-06-16.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Entscheid
  vom 16. Juni 2017

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2017.00036

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
   

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch B______ 

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Beschwerdegegnerin

  
	
  vertreten
  durch die Staatsanwältin

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  amtliche
  Verteidigung

  
	
   

  
	
  über
  die Anträge:

  
	
   

  
	
  des
  Beschwerdeführers (gemäss Eingabe vom 12. Juni 2017, act. 2):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei die Verfügung der
    Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus vom 8. Juni 2017
    aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei die aufschiebende
    Wirkung anzuordnen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatsanwalt­schaft des Kantons Glarus.“

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  	
     

    
	
    1.— a) Die
    Staatsanwaltschaft führt gegen den Beschuldigten A.______ eine
    Strafuntersuchung wegen Verdachts auf Geldfälschung sowie Widerhandlung
    gegen das Betäubungsmittelgesetz in einem schweren Fall. Der Beschuldigte
    wurde am 19. April 2017 festge­nommen, worauf das hiesige
    Zwangsmassnahmengericht am 21. April 2017 gegen ihn wegen Kollusionsgefahr
    Untersuchungshaft anordnete, und zwar befristet bis 21. Mai 2017. Als
    amtlicher Verteidiger des Beschuldigten wurde durch die Staatsanwaltschaft
    (siehe Art. 133 Abs. 1 StPO) Rechtsanwalt B.______ eingesetzt
    (siehe zum Ganzen act. 1 S. 1; sodann im Verfahren SG.2017.00042,
    act. 6).

    
	
     

    
	
    b) Mit Eingabe vom
    17. Mai 2017 an das Zwangsmassnahmengericht stellte die
    Staatsanwaltschaft wegen fortwährender Kollusionsgefahr Antrag auf
    Verlängerung der Untersuchungshaft (Verfahren SG.2017.00061, act. 1).
    Das angerufene Gericht bejahte die geltend gemachte Kollusionsgefahr und
    verlängerte mit Entscheid vom 23. Mai 2017 die Untersuchungshaft gegen
    den Beschuldigten bis 30. Juni 2017 (Verfahren SG.2017.00061,
    act. 8). Eine dagegen erhobene Beschwerde des Beschuldigten wies das
    Obergericht am 31. Mai 2017 ab (Verfahren OG.2017.00031,
    act. 19).

    
	
     

    
	
    2.— a) Mit
    Verfügung vom 8. Juni 2017 setzte die Staatsanwaltschaft Rechtsanwalt
    B.______ als amtlichen Verteidiger des Beschuldigten ab. Sie führte zur
    Begründung dieses Schrittes zusammengefasst an, Rechtsanwalt B._____ habe
    das detaillierte Angaben zur laufenden Strafuntersuchung enthaltende
    Haftverlängerungsgesuch der Staatsanwaltschaft vom 17. Mai 2017 (siehe
    dazu soeben Erw. 1b) unbesehen der akuten Kollusionsgefahr per E-Mail
    an einen aussenstehenden Dritten weitergeleitet. Sie [die
    Staatsanwaltschaft] sei „aufgrund dieses offensichtlich fehlerhaften Prozessverhaltens“
    nicht mehr bereit, dem amtli­chen Verteidiger B.______ „in diesem Verfahren
    Akten jeglicher Art zur Kenntnis zukommen zu lassen“, da deren
    Weiterleitung an Dritte nicht mehr ausgeschlossen werden könne.
    Abgeschnitten von den Akten aber sei Rechtsanwalt B.______ nicht mehr in
    der Lage, seinen Mandanten in der Strafuntersuchung wirksam zu verteidigen,
    weshalb er in Anwendung von Art. 134 Abs. 2 StPO von seiner
    Funktion zu entbinden und die amtliche Verteidigung des Beschuldigten mit
    separater Verfügung einer anderen Person zu übertragen sei (zum Ganzen
    act. 1).

    
	
     

    
	
    b) Dagegen liess der
    Beschuldigte durch seinen bisherigen amtlichen Verteidiger am 12. Juni
    2017 beim Obergericht Beschwerde erheben mit den eingangs wiedergegebenen
    Anträgen (act. 2).

    
	
     

    
	
    c) Das Obergericht hat
    von der Staatsanwaltschaft die sachverhaltsrelevanten Belege einverlangt
    (act. 4 und act. 5/1-5/5), im Übrigen aber auf das Einholen einer
    Stellungnahme verzichtet.

    
	
    Der Beschwerdeführer hat dem
    Obergericht am 15. Juni 2017 eine Stellungnahme zu den von der
    Staatsanwaltschaft beigezogenen Unterlagen eingereicht (act. 7).

    
	
     

    
	
    3.— Die angefochtene
    Verfügung ist der Beschwerde zugänglich (Art. 393 Abs. 1
    lit. c StPO; siehe auch BSK-Ruckstuhl,
    N 15 zu Art. 134 StPO). Der Beschuldigte ist durch die Absetzung
    seines bisherigen Verteidigers beschwert und damit beschwerdelegitimiert
    (Art. 382 Abs. 1 StPO); die Anfechtungsfrist ist einge­halten
    (Art. 396 Abs. 1 StPO).

    

  

  
	
  II.

  
	
   

  
	
  	
    1.— Der Beschuldigte
    hält in seiner Beschwerde dafür, die Staatsanwaltschaft habe mit ihrem
    Entscheid, seinen bisherigen amtlichen Verteidiger B.______ abzusetzen,
    gegen Art. 134 Abs. 2 StPO verstossen, womit er sich auf den
    Beschwerdegrund der Rechtsverletzung im Sinne von Art. 393 Abs. 2
    lit. a StPO beruft (act. 2 Ziff. 6).

    
	
     

    
	
    2.— Art. 134 StPO
    regelt, wie bereits dessen Marginalie unmissverständlich anzeigt, den
    Widerruf und Wechsel der amtlichen Verteidigung. Gemäss Abs. 2 die­ser Bestimmung überträgt die Verfahrensleitung die amtliche
    Verteidigung einer anderen Person, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen
    der beschuldigten Person und ihrer amtlichen Verteidigung erheblich gestört
    oder eine wirksame Verteidigung aus andern Gründen nicht mehr gewährleistet
    ist.

    
	
     

    
	
    2.1.— Gegen den Beschuldigten A.______ wird wegen diverser strafbarer
    Handlungen ermittelt. Das Verfahren befindet sich im Untersuchungsstadium.
    Hier obliegt die Verfahrensleitung der Staatsanwaltschaft (Art. 61
    lit. a StPO). Diese war somit zum Erlass der vorliegend angefochtenen
    Verfügung betreffend Absetzung von Rechtsanwalt B.______ als amtlicher
    Verteidiger des Beschuldigten befugt.

    
	
     

    
	
    2.2.— a) Die Verfahrensleitung hat, wo erforderlich (siehe
    Art. 132 StPO), dem Beschuldigten nicht alleine nur eine amtliche
    Verteidigung zur Seite zu stellen (Art. 133 StPO), sondern – als
    Ausfluss der staatlichen Fürsorgepflicht ‑ ebenso sicherzustellen,
    dass die Verteidigung auch tatsächlich effektiv ist (BSK-Ruckstuhl, N 11 zu
    Art. 134 StPO).

    
	
     

    
	
    b) Gemäss hier angefochtener Verfügung (act. 1) soll
    Rechtsanwalt B.______ in seiner Funktion als amtlicher Verteidiger
    Informationen aus der Untersuchung gegen seinen Mandanten an einen
    aussenstehenden Dritten weitergeleitet haben. Aufgrund dieses Umstands ist
    die Staatsanwaltschaft nicht mehr bereit, ihm in der laufenden Untersuchung
    weiterhin Akteneinsicht zu gewähren. Dies wiederum hat aus Sicht der
    Staatsanwaltschaft zur Folge, dass Rechtsanwalt B.______ nicht mehr in der
    Lage sei, seinen Mandanten wirksam zu verteidigen, was daher im Lichte von
    Art. 134 Abs. 2 StPO seine Absetzung als amtlicher Verteidiger
    notwendig mache.

    
	
    Zur Entscheidung
    der hier strittigen Frage, ob die Staatsanwaltschaft mit der Absetzung von
    Rechtsanwalt B.______ im Lichte von Art. 134 Abs. 2 StPO korrekt
    vorgegangen ist – was der Beschwerdeführer bestreitet ‑, sind
    ausgehend von der Argumentationskaskade der Staatsanwaltschaft folgende
    Punkte in nachstehender Reihenfolge zu klären:

    
	
    -

    	
    sind
    Informationen aus der Untersuchung durch den amtlichen Verteidiger
    unzulässigerweise an Dritte weitergeleitet worden?; falls ja,

    
	
    -

    	
    darf deswegen dem
    Verteidiger fortan die Akteneinsicht verweigert werden?; wenn ja, 

    
	
    -

    	
    kann dadurch der
    Verteidiger sein Amt nicht mehr wirksam zugunsten des Beschuldigten
    ausüben?

    

  

  
	
  	
    2.3.—
    Vorwurf der Weiterleitung von Informationen an Dritte

    
	
     

    
	
    a) Das hiesige
    Zwangsmassnahmengericht hatte am 21. April 2017 gegen den Beschuldigten
    A.______ Untersuchungshaft angeordnet. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit
    hat allerdings das Zwangsmassnahmengericht die Untersuchungshaft befristet,
    dies vor allem deswegen, weil just zu dem Zeitpunkt der bis dahin lange
    arbeitslose Beschuldigte eine Arbeitsstelle in Aussicht hatte (Verfahren
    SG.2017.00042, act. 6 Erw. 6). Konkret lag dem
    Zwangsmassnahmengericht eine E-Mail von X.______ ([…]) an Rechtsanwalt B.______
    vom 20. April 2017 vor. Darin schrieb X.______, „dass A.______ in
    naher Zukunft bei mir als Hilfsarbeiter auf Stundenbasis eine mündliche
    Anstellung zugesprochen habe“; „durch die Schlechte Wirtschaftslage habe
    ich mit meinem Freund der auch im Besitz einer Firma ist […] besprochen
    A.______ gemeinsam in naher Zukunft einzusetzen“ (Verfahren SG.2017.00042,
    act. 5).

    
	
     

    
	
     

    
	
    b) Mit Eingabe vom
    17. Mai 2017 ersuchte die Staatsanwaltschaft das
    Zwangsmassnahmengericht um Verlängerung der Untersuchungshaft gegen A.______
    (Verfahren SG.2017.00061, act. 1). Darin beschrieb die
    Staatsanwaltschaft die bis dahin erfolgte Auswertung von sichergestellten
    Chat-Aufzeichnungen und nannte einige konkret daraus herausgelesene Namen
    von potenziellen Drogenlieferanten und –abnehmern. In Bezug auf diese
    eruierten Personennamen führte die Staatanwaltschaft weiter aus, aus
    ermittlungstaktischen Gründen könnten die bereits vorgenommenen
    Identifizierungen und erfolgten Einvernahmen und Festnahmen sowie die
    geplanten Untersuchungshandlungen derzeit nicht offen gelegt werden;
    jedenfalls seien bis Ende Juni 2017 weitere 6 Festnahmen geplant. All
    diese Ausführungen und Angaben machte die Staatsanwaltschaft gegenüber dem
    Zwangsmassnahmengericht, um die aus ihrer Sicht weiterhin bestehende Kollusionsgefahr
    darzulegen und die deswegen beantragte verlängerte Inhaftierung des
    Beschuldigten als begründet erscheinen zu lassen (Verfahren SG.2017.00061,
    act. 1 Ziff. 3). In Hinsicht auf die dem Beschuldigten angeblich
    offen stehende Arbeitsstelle merkte die Staatsanwaltschaft sodann an,
    diesbezüglich liege bloss eine „vom Verteidiger ins Recht gelegte
    Gefälligkeitsmail eines kleinen Handwerkbetriebs eines mazedonischen
    Landsmanns“ vor (Verfahren SG.2017.00061, act. 1 Ziff. 2).

    
	
     

    
	
    c) Die
    Staatsanwaltschaft hat den soeben besprochenen Haftverlängerungsantrag vom
    17. Mai 2017 per E-Mail auch dem Verteidiger B.______ übermittelt
    (Verfahren SG.2017.00061, act. 1 S. 3 unten).

    
	
     

    
	
    d) In der Folge hat
    Rechtsanwalt B.______ am Donnerstag, 18. Mai 2017, das Haftverlängerungsgesuch
    per E-Mail an X.______ weitergeleitet. Mit Bezug darauf hat er angemerkt:
    „Anbei überlasse ich Ihnen den Antrag der Staatsanwaltschaft betreffend
    Haftverlängerung. Da sehen Sie [X.______] auch, wie die Staatsanwaltschaft
    über Sie denkt. Für dieses Verfahren brauche ich eine aktualisierte
    Bestätigung [gemeint betreffend Arbeitsstelle] und danke Ihnen im Namen von
    A.______ für die Zustellung bis am Montag“ (act. 5/1). Dieser in den
    Akten aufgrund polizeilicher Ermittlungen klar dokumentierte Vorgang der
    Weiterleitung des Haftverlängerungsgesuchs der Staatsanwaltschaft vom
    17. Mai 2017 an X.______ wird in der vorliegenden Beschwerdeeingabe
    zugestanden. Konkret wird darin ausgeführt, der Beschwerdeführer habe nach
    Eingang des Gesuchs um Verlängerung der Untersuchungshaft darum gebeten,
    seinen Arbeitgeber zu informieren und habe zugestimmt, die Unterlagen
    weiterzugeben, dies vor allem deshalb, weil es als stossend empfunden
    worden sei, dass die Staatsanwaltschaft die Arbeitsbestätigung von X.______
    wegen dessen Herkunft pauschal als Gefälligkeitsschreiben beurteilt habe
    (act. 2 Ziff. 22).

    
	
     

    
	
    Nach polizeilichen
    Erkenntnissen hat X.______ das von Rechtsanwalt B.______ empfangene
    Dokument (Haftverlängerungsgesuch) in der Folge Drittpersonen zugänglich
    gemacht, darunter namentlich auch gegenüber einem im
    Haftverlängerungsgesuch bezeichneten möglichen weiteren Tatverdächtigen
    (act. 5/3-5/5).

    
	
     

    
	
    e) aa) Gemäss
    Art. 128 StPO ist die Verteidigung in den Schranken von Gesetz und
    Standesregeln allein den Interessen der beschuldigten Person verpflichtet.
    Insoweit die Standesregeln den Aktivitäten des Verteidigers Grenzen setzen,
    steht Art. 12 lit. a BGFA im Vordergrund, laut welcher Bestimmung der
    Anwalt seinen Be­ruf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben hat. Diese
    Verpflichtung gilt nicht nur für die Beziehung zwischen Anwalt und Klient,
    sondern insbesondere auch für das Verhalten des Anwalts im Verkehr mit
    Behörden (Fellmann, in:
    Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl., Zürich
    2011, N 36 zu Art. 12 BGFA). Weitere gesetzliche Schranken für die
    spezifische Verteidigungstätigkeit setzt das Strafrecht, insbesondere durch
    die Bestimmungen über die Rechtspflegedelikte, dabei gegebenenfalls
    namentlich der Straftatbestand der Begünstigung im Sinne von Art. 305
    StGB bei aktiver, prozesswidriger Vereitelung von Ermittlungen der
    staatlichen Behörden (BSK-Ruckstuhl,
    N 5 f. zu Art. 128 StPO).

    
	
     

    
	
    bb) Die
    Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Haftverlängerungsgesuch vom 17. Mai
    2017 (act. 5/11 Anhang; Verfahren SG.2017.00061, act. 1)
    gegenüber dem Zwangsmassnahmengericht notwendigerweise die Umstände
    darzulegen, welche die von ihr behauptete fortbestehende Kollusionsgefahr
    begründen und eine Verlängerung der Untersuchungshaft gegen den
    Beschuldigten A.______ rechtfertigen sollten. Dabei hat die
    Staatsanwaltschaft konkret weitere Tatverdächtige und/oder mitwissende
    Personen bezeichnet, gegen welche im Zusammenhang mit dem verfolgten
    mutmasslich umfangreichen Betäubungsmittelhandel noch Untersuchungen und
    teilweise Verhaftungen vorgesehen waren. Das betreffende
    Haftverlängerungsgesuch war in der Folge auch dem Verteidiger des
    Beschuldigten zugänglich zu machen (siehe Art. 101 StPO sowie
    insbesondere Art. 227 Abs. 3 StPO).

    
	
     

    
	
    cc) Rechtsanwalt
    B.______ musste bei der ihm obliegenden Sorgfaltspflicht (Art. 12
    lit. a BGFA) die Tragweite der im Haftverlängerungsgesuch enthaltenen
    detaillierten Informationen zur laufenden Strafuntersuchung erkennen. Indem
    darin konkret Namen von Personen bezeichnet waren, die von der Polizei bis
    dahin noch nicht abschliessend identifiziert und ausfindig gemacht werden
    konnten und gegen welche teilweise noch Zwangsmassnahmen geplant waren,
    musste ihm bewusst sein, dass eine Offenlegung dieses Dokuments gegenüber
    Drittpersonen die Interessen der Strafverfolgung möglicherweise gefährden
    wenn nicht gar vereiteln könnte. Folglich war die Verbreitung des Inhalts
    des Haftverlängerungsgesuchs nicht statthaft. Für die Weitergabe des
    vollständigen Haftverlängerungsgesuchs an X.______ ist auch schlicht kein
    anerkennenswertes Motiv ersichtlich. Alleine um X.______ darüber zu
    informieren, wie die Staatsanwaltschaft „über Sie denkt“ (act. 5/1),
    hätte es genügt, ihm einzig mitzuteilen, die Staatsanwaltschaft erachte die
    Arbeitsbestätigung „als Gefälligkeitsmail eines kleinen Handwerkbetriebs
    eines mazedonischen Landsmanns“ (act. 5/1 Anhang Ziff. 2). Alle
    weiteren Ausführungen und Angaben im Haftverlängerungsgesuch weisen keinen
    Bezug zum Thema einer möglichen Arbeitsstelle bei X.______ auf und bestand
    daher unter keinem Gesichtspunkt eine Veranlassung ihm diese bekannt zu
    geben. Dies hätte Rechtsanwalt B.______ bei Beachtung der erhöhten
    Verantwortung im Umgang mit den ihm gerade aufgrund des besonderen
    Vertrauensverhältnisses zwischen Verteidigung und Behörde überlassenen
    Akten klar sein müssen. Die Brisanz der im Haftverlängerungsgesuch
    enthaltenen Informationen über die laufenden Ermittlungen und die geplanten
    weiteren polizeilichen Massnahmen ist im Übrigen derart offensichtlich,
    dass auch ohne spezifischen Vertraulichkeitshinweis (Art. 73
    Abs. 2 StPO) Rechtsanwalt B.______ ohne weiteres bemerken musste, dass
    diese Informationen nicht an Drittpersonen weitergeleitet werden dürfen. Er
    vermag sich auch nicht damit zu entschuldigen, dass er das Haftverlängerungsgesuch
    einzig an X.______ weitergeleitet habe und die E-Mail ausschliesslich nur
    für diesen bestimmt gewesen sei (act. 7 Ziff. 10). X.______ ist
    mit Blick auf die laufenden Strafuntersuchungen eine gänzlich
    aussenstehende Drittperson, die weder eine Vertrauens- noch eine
    Garantenstellung in Bezug auf einen sorgsamen Umgang mit heiklen Daten
    innehat. Zu einer angeblich adäquaten Information von X.______ als
    (künftiger) Arbeitgeber von A.______ war es jedenfalls nicht notwendig, ihm
    über die Bekanntgabe einer möglichen Haftverlängerung hinaus auch noch
    vertrauliche Details zu hängigen Strafermittlungen zu offenbaren. Ferner
    ist, selbst wenn der vom Beschwerdeführer mehrfach zitierte Entscheid des
    Obergerichts des Kantons Thurgau einen anderen Standpunkt vertreten sollte
    (act. 2 Ziff. 24, act. 7 Ziff. 13 f.), im Lichte
    der vom Anwalt verlangten Sorgfalt (Art. 12 lit. a BGFA) sehr wohl zu
    erwarten, dass er sich über die Folgen einer Weitergabe von Akten Gedanken
    anstellt und dabei gegebenenfalls zur Erkenntnis gelangt, dass ein solches
    Vorgehen nicht zulässig ist.

    
	
     

    
	
    dd) Damit ist im
    Ergebnis festzuhalten, dass die hier erstellte Weiterleitung des
    Haftverlängerungsgesuchs an eine Drittperson (X.______) durch Rechtsanwalt
    B.______ nicht mehr mit der pflichtgemässen Ausübung der Tätigkeit eines
    Verteidigers zu rechtfertigen ist. Die dabei erfolgte Offenbarung von
    vertraulichen Informationen aus einer laufenden Strafuntersuchung an eine
    Drittperson ist als unzulässig zu qualifizieren. Jede andere Sichtweise
    würde im Übrigen bedeuten, dass eine Inhaftierung eines Strafverdächtigen
    wegen Kollusionsgefahr in Zukunft kaum mehr Sinn ergäbe, könnte sein
    Verteidiger fortwährend Drittpersonen über Inhalt und Gang der
    Strafermittlungen informieren. Bei X.______ handelte es sich im Übrigen
    auch nicht um einen Verfahrensbeteiligten im Sinne von Art. 105 StPO,
    wiewohl die Beschwerde eine solche Stellung zu konstruieren versucht
    (act. 2 Ziff. 20 und Ziff. 23). Entgegen den Ausführungen in
    der Beschwerde (act. 2 Ziff. 21) ist auch ohne Relevanz, dass
    X.______ bereits Kenntnis von der Inhaftierung des Beschuldigten A.______
    hatte; die Problematik der hier erfolgten Weiterleitung von Informationen
    beschlägt nicht diesen Umstand, sondern die Tatsache, dass X.______
    zugleich über Details zur laufenden Strafuntersuchung informiert wurde.

    
	
     

    
	
    2.4.—
    Verweigerung der weiteren Akteneinsicht

    
	
     

    
	
    a) Die
    Staatsanwaltschaft hat aufgrund der unbefugten Preisgabe von Informationen
    an Dritte durch Rechtsanwalt B.______ entschieden, diesem in der Strafuntersuchung
    gegen A.______ keine Akten mehr zur Kenntnis zukommen zu lassen, „da nicht
    mehr ausgeschlossen werden kann, dass diese an Dritte weitergleitet werden“
    (act. 1 S. 2 unten und S. 3 oben).

    
	
     

    
	
    b) Mit dieser Anordnung
    hat die Staatsanwaltschaft B.______ in der Strafuntersuchung gegen seinen
    Mandanten A.______ das Akteneinsichtsrecht per sofort verweigert. Dieser
    Schritt der Staatsanwaltschaft ist in Anbetracht der gesamten Umstände
    gerechtfertigt und vertretbar. Rechtsanwalt B.______ hat mit der Preisgabe
    vertraulicher Informationen über die laufende Strafuntersuchung derart
    leichtfertig gehandelt, dass er jedenfalls in Bezug auf das hier konkret in
    Frage stehende Verfahren keine Gewähr mehr bietet für einen
    verantwortungsbewussten Umgang mit Verfahrensakten. Gerade weil vorliegend
    die polizeilichen Ermittlungen nach wie vor im Gange sind, ist deren
    weitere Gefährdung durch B.______ nicht auszuschliessen.

    
	
     

    
	
    2.5.—
    Wirksamkeit der Verteidigung von A.______

    
	
     

    
	
    Rechtsanwalt B.______ ist, wie
    dargelegt, aus berechtigten Gründen nicht mehr befugt, Einblick in die
    Akten der Strafuntersuchung gegen A.______ zu nehmen. Damit ist er aber
    auch nicht mehr befähigt, seinen Mandanten weiterhin effektiv zu
    verteidigen. Insoweit mangelte es, würde Rechtsanwalt B.______ trotz
    fehlendem Akteneinsichtsrecht weiterhin in seinem amtlichen
    Verteidigermandat belassen, an einer wirksamen Verteidigung des
    Beschuldigten A.______. Die Staatsanwaltschaft hat daher im angefochtenen
    Entscheid in eigener Zuständigkeit (Art. 61 lit. a StPO) sowie in
    korrekter Anwendung von Art. 134 Abs. 2 StPO Rechtsanwalt
    B.______ als amtlichen Verteidiger des Beschuldigten A.______ abgesetzt.

    
	
     

    
	
    3.— Aus alldem ergibt
    sich, dass die Beschwerde des Beschuldigten gegen die Verfügung der
    Staatsanwaltschaft vom 8. Juni 2017 (act. 1) abzuweisen ist.

    

  

  
	
  III.

  
	
   

  
	
  Die Regelung der Kosten- und
  Entschädigungsfolgen hat im Endentscheid zu erfolgen (Art. 421 Abs. 1
  StPO). Die Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren ist zuhanden der das
  Strafverfahren abschliessenden Behörde auf Fr. 600.‑ festzu­legen
  (Art. 8 Abs. 2 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung [GS III A/5]).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    Beschwerdeverfahren wird zuhanden der das Strafverfahren abschliessenden
    Behörde auf Fr. 600.‑ festgelegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Schriftliche Mitteilung an: