# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 20a8efea-2588-5954-9b00-2627f73f8605
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-01
**Language:** de
**Title:** Auf aktenbasierte Einschätzung des beratenden Arztes kann nicht abgestellt werden. Rückweisung zur Einholung eines Gutachtens.
**Docket/Reference:** UV.2020.00124
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2020.00124.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2020.00124
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiberin Stadler
Urteil
vom
1. März 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
Avenue de Cour 41, 1007 Lausanne
Beschwerdegegnerin
Zustelladresse: VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
Place de Milan, Case
postale
120, 1001 Lausanne
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1972, ist seit dem
1.
Januar 1999 bei der
Y.___
als
Typografin
in einem 20%-Pensum angestellt und dadurch bei der
Vau
doise
Allgemeine, Versicherungs
-G
esellschaft AG, gegen die Folgen von Un
fäl
len ver
sichert. Am 26. Ok
to
ber 2011 stürzte sie mit ihrem Fahrrad auf die rechte Schulter (vgl. Bagatell-Unfall
meldung vom 7. No
vember 2011,
Urk.
7/1).
Die Erst
konsultation erfolgte am
1.
November 2011 bei Dr. med.
Z.___
, Fach
arzt FMH für Innere Medizin, der
ein
e
Periarthritis
humeroscapularis
(
PHS
) post
traumatisch mit
Impingement
-Symptomatik
diagnostizierte
und ein
e
50%ige Arbeitsunfähigkeit für zwei bis drei Wochen attestierte
(vgl. Arzt
zeugnis UVG vom 1
8.
November 2011, Urk. 7/3). Die
Vaudoise
Allgemeine erbrachte in der Folge die gesetz
lichen
Heil
be
handlungs
- und Taggeldleistungen.
Gestützt auf die Beurteilung des beratenden Arztes Dr. med.
A.___
, Fach
arzt Chirurgie
FMH
, vom
2
7.
September
2019
stellte die
Vaudoise
Allgemeine ihre Ver
siche
rungs
leistungen (Heilbe
handlung) ein
, wobei sie festhielt, dass auf eine Rückforderung der bereits erbrachten Kosten verzichtet werde
(vgl. Verfügung
vom
2
0.
November 2019
, Urk. 7/
66
).
Dagegen erhob die Versicherte am
1
7. Dezem
ber
2019
Ein
spra
che
(Urk
. 7/71
) und reichte den Arztbericht der
B.___
vom 31. Januar 2020 (Urk.
7/76) sowie die radiologische Beurteilung vom 3
1.
Januar 2020 (Urk. 7/78a) zu den Akten. Unter Berücksichtigung der Beur
teilung des beratenden Arztes
vom 18. März 2020
(
Urk.
7/79) wies die
Vaudoise
Allgemeine die Einsprache mit Ein
sprache
entscheid vom 3
1.
März
2020 ab (
Urk.
7/82 =
Urk.
2)
.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
9.
Mai 2020 (Urk. 1) unter Beilage ak
tueller Arztberichte (
Urk.
3/5-6
) Be
schwer
de und beantragte, der an
ge
fochtene Einsprache
entscheid sei aufzu
heben und es seien ih
r
die gesetzlichen Un
fall
ver
siche
rungs
leistungen weiterhin aus
zu
richten
.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
3.
Juli
2020
auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 6, unter Beilage der
A
kten [
Urk.
7/1-82] sowie einer weiteren Stellungnahme von
Dr.
A.___
vom 1
9.
Juni 2020
)
.
Mit Ver
fügung vom
9.
Juli
2020 wurde de
r
Beschwerdeführer
in
die Beschwerdeantwort zuge
stellt und gleichzeitig ein zwei
ter Schriftenwechsel angeordnet
(
Urk.
8)
.
Am
9.
September
2020 reichte
die
Be
schwer
deführer
in
eine Replik ein
(
Urk.
10) und
legte
eine Stellungnahme der
B.___
vom
1.
September 2020 (
Urk.
11)
ins Recht
. Unter Beilage einer Stellungnahme des beratenden Arztes vom 2
0.
November 2020 (Urk. 16) reichte d
ie Beschwerdegegnerin am
2
4.
Novem
ber
2020 ihre Duplik ein, wobei sie auf ihre Ausführungen
im Einsprache
entscheid sowie
in der
Be
schwer
de
antwort vom
3.
Juli 2020 verwies (
Urk.
15
), was de
r Beschwerde
führerin
am
2
6.
November
2020 zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk.
17
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
brochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
6.
Oktober 2011
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krank
heiten gewährt (
Abs.
1).
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts [ATSG]
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und
allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlos
sen
sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleis
tungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG er
hoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender gering
fü
giger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
1.4
1.4.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie
gen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich
hiebei
um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweis
grundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.5
1.5.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen
Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.6
1.6.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.6.2
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
in
ternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.6.3
Auf Aktenberichte kann abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich festste
henden medizinischen Sachverhaltes geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2015
vom 1
7.
Dezember 2015 E. 3.3.3 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid vom
3
1.
März 2020 (
Urk. 2),
in ihrer Beschwer
de
antwort vom
3.
Juli
2020 (Urk.
6
)
sowie in der Duplik vom 2
4.
November 2020
(Urk. 15)
ging die Beschwerdegegnerin ge
stützt auf die medizinischen Abklä
run
gen
und insbesondere die Einschätzung von Dr.
A.___
davon aus, dass
der Status quo sine
vel
ante ca.
sechs
Monate nach der Operation vom
8.
Mai 2012 ein
getreten
sei
. Da die Kosten bis lange nach diesem Zeitpunkt erbracht worden seien, ins
be
sondere auch die Kosten der Operation im Jahr 2013, könne auf die Festsetzung eines genaueren Datums verzichtet werden, da eine Rückforderung dieser Kosten nicht
geltend gemacht
werde.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 1
9.
Mai 2020 (Urk. 1)
sowie in ihrer Replik vom
9.
September 2020 (
Urk.
10)
zusammen
gefasst geltend, sie könne den Alltag nur eingeschränkt und mittels regelmässiger Einnahme von starken Schmerzmitteln bestreiten.
Vor dem Unfallereignis am 26.
Ok
tober 2011 sei sie völlig beschwerdefrei und in keiner Weise eingeschränkt gewesen. Der Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den jetz
i
gen Beschwerden sei medizinisch belegt.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin infolge des Unfallereignisses vom 2
6.
Oktober 2011
weiterhin (über den 3
1.
März 2020 hinaus)
Anspruch auf Leistungen der Beschwerdegegnerin hat.
Dabei stellt sich die Frage, ob
sechs
Monate nach der Operation vom
8.
Mai 2012, das heisst am
8.
November 2012,
der so
genannte Status quo sine
vel
ante
erreicht war.
3.
3.1
Nach dem Velosturz am 2
6.
Oktober 2011 mit Kontusion des rechten Schulter
gelenkes (vgl. Unfallmeldung vom
7.
November
2011,
Urk.
7/1)
wurde bei Schmerz
persistenz über zwei Monate
eine Abklärung in der Orthopädie der
B.___
veranlasst (vgl.
Urk.
7/7). In deren Rahmen wurde
ein sub
acro
miales
Impingement
bei Status nach Schulterkontusion rechts am 2
6.
Oktober 2011 sowie
bei Status nach zweimaliger Stabilisierungs
operation mit Kapsel
raffung der Schulter rechts (1997 und 1998) diagnostiziert
.
Zugleich wurde unter der Anamnese vermerkt, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 26.
Oktober 2011 direkt auf die rechte Schulter gefallen sei. Eine Subluxation oder Luxation habe nicht stattgefunden
(vgl. Arzt
bericht vom 24. Februar 2012;
Urk.
7/8).
Die untersuchenden Ärzte hielten
ausser
dem
fest, das
durchgeführte
Arthro
-CT
gebe zusätzlich
Hinweise auf eine beginnende Arthrose im
Glenohu
me
ralgelenk
.
Ei
ne
in der Folge
veranlasste
subacromiale
Infil
tra
tion
habe
ge
mäss Angaben der Beschwerdeführerin
keine Verbesserung gebracht
(vgl. Arztbericht vom 2
4.
April 2012,
Urk.
7/9).
Die Ärzte
ordneten
eine
Arthro
-MRI-Untersuchung der rechten Schulter
an
,
im Rahmen derer
sich
Hinweise einer
sub
acro
mialen
Bursitis
präsentiert hätten
. Die
Supraspinatus
-
und
Infraspinatus
sehne
seien intakt. Die lange
Bicepssehne
sei subluxiert in die Subscapularis
sehne, welche eine Teil
ruptur aufweise. Des Weiteren würden sich bereits bekann
te
arthrotische
Verän
de
rungen mit Knorpelschäden des
gleno
humeralen
Gelenkes zeigen
. Dem
entsprechend
dignostizierten
die Ärzte eine
Bicepstendinopathie
/Sublux
a
tion und Sub
s
capularis-Läsion (DD:
Mikroin
stabilität) bei
sub
acro
mialem
Impingement
rechts
(vgl. Arzt
bericht vom
3.
Mai 2012 [
Urk.
7/11
], MRI-Bericht [
Urk.
7/14]
)
.
Gestützt auf diese
bildgebenden
Befunde
und aufgrund des anhaltenden Leidens
drucks
wurde am 8. Mai 2012 eine Schulter
arthroskopie mit
Bicepstenodese
,
Ro
ta
toren
manschet
ten
rekon
struk
tion
, subacromiales
Débri
de
ment
sowie
Acro
mio
plastik
an
der rechten Seite durchgeführt (vgl. Operations
bericht [Urk.
7/13], Arzt
bericht vom 1
4.
Mai 2012 [
Urk.
7/12]).
3.2
Gemäss Aussage des operierenden Oberarztes
Dr.
med.
C.___
, Facharzt
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
habe sich s
echs und zwölf Wochen postoperativ ein komplikationsloser und ins
ge
samt sehr erfreulicher Verlauf
gezeigt
. Initial hätte
die Beschwerdeführerin von wesentlich weniger Schmerzen berichtet
. Er
empfahl die Fortsetzung der Physiotherapie und in Bezug auf die
von der Beschwerdeführerin
im Verlauf
angegebenen teils belas
tungs
abhängigen Schmerzen die Durchführung einer therapeutischen
glenohu
me
ralen
sub
acro
mi
alen
Infiltra
tion (vgl. Arzt
berichte vom
6.
Juli 2012 [Urk.
7/17] und
4.
September 2012 [Urk. 7/19]).
Im
Zuge
einer Verlaufskontrolle sechs Monate postoperativ habe die Be
schwer
defüh
rerin über persistierende recht
s
s
eitige Schulterschmerzen
, vor allem im
an
te
rioren
Bereich,
berich
tet
(vgl. Arztberi
cht vom 1
3.
November 2012, Urk.
7/20)
.
In der Folge wurde sie durch Prof.
Dr.
med. D.___
,
Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH
, untersucht, der die vorherrschenden Beschwerden auf eine beginnende
Omarthrose
mit deut
lichem Knorpelschaden, auf die inferiore Instabilität sowie auf die
Supra
spinatus
sehnen-Degeneration
mit partiellen Läsionen zurückführte (vgl. Arztbericht vom 2
0.
November 2012,
Urk.
7/21).
Zur Beurteilung der Sub
scapu
la
ris-Rekon
struk
tion wurde am 2
2.
November 2012 ein neues
Arthro
-CT durch
geführt. Diese
s
zeige
- so die
untersuchenden
Ärzte -
gegen
über demjenigen vom 20.
Februar 2012 ein un
verändertes Ausmass der
gleno
humeralen
Knorpel
schä
den.
Nach zwischen
zeitlich erfolgter
Bicepstenodese
und Subscapularis-
Repair
seien nun
Unregel
mässigkeiten am
Oberrand
der Sub
scapularissehne ersicht
lich (vgl. MRI-Bericht, Urk. 7/22).
In Anbetracht der lang
wierigen Situation er
ach
teten die be
handelnden Ärzte die Indikation zur
Re
arthro
skopie
und zur
posteroinferioren
Kapselraffung und Stabilisation gegeben
(vgl. Arztbericht vom 29.
No
vember 2012, Urk. 7/23).
3.3
Zur
Einholung einer zweiten Meinung wurde
die Beschwerde
führerin am 27.
November 2012 bei
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH für Ortho
pädische Chirurgie, in der
F.___
vorstellig. Dieser kon
sta
tierte,
es zeige sich ein Bild einer schmerzhaften, leicht instabilen rechten Schulter, wobei keine Luxationsphänomene bestehen würden. K
linisch würden
jedoch
Sub
luxationen bestehen und der Bewegungsumfang sei durch die Schmerz
provo
kation deutlich eingeschränkt. Da die Beschwerde
führerin prak
tisch nicht auf die Infiltrationen angesprochen habe, gehe er davon aus, dass der Knorpeldefekt keinen wesent
lichen Anteil bei der Schmerzgenese spielen würde. In dieser Situa
tion könne eine Revisionsarthroskopie mit Kapsel
raffung durch
geführt werden, um die Sub
luxations
phänomene zu reduzieren (vgl.
Urk.
7/24).
3.4
Bei schmerzhafter rezidivierender Schulterinstabilität wurde a
m 1
8.
Januar 2013 ein weiterer operativer Eingriff (Schulterarthroskopie rechts, Rekonstruktion HAGL
nach festgestellter
HAGL
-Läsion
,
posteroinferior
Bankart-Rekonstruktion 2
Jugger-Knots
) in der
B.___
durchgeführt (vgl. Operations
bericht,
Urk.
7/61a). Es zeige sich - so die behandelnden Ärzte - ein kompli
ka
tionsloser postoperativer Verlauf. Die Beschwerdeführerin habe an
ge
geben, keine Schmerzen mehr zu haben (vgl. Arztbericht vom 2
6.
März 2013, Urk. 7/30).
3.5
Prof. Dr.
D.___
führte auf Anfrage von Dr. med.
G.___
, beratender Arzt der
Beschwerdegegnerin (Urk. 7/29), im Bericht vom 3. April 2012 aus, die am 8. April
2012 durchgeführte
Arthro
-MRI-Untersuchung der rechten Schulter habe eine Teilruptur der Subscapularissehne sowie eine Subluxation der langen
Bicepssehne
gezeigt. Die Ätiologie dieser Verletzungen sei höchstwahrscheinlich der Sturz
vom 26. Oktober 2011. Nach der Operation vom 8. Mai 2012 habe sich bei der Kon
trolle sechs Monate postoperativ ein gemischtes Beschwerdebild mit begin
nender
Omarthrose
, deutlichem Knorpelschaden, inferiorer Instabilität sowie
Supra
spinatusdegeneration
mit partieller Läsion präsentiert. Aufgrund der persi
stierenden inferioren Schulterinstabilität und aufgrund des grossen Leidensdrucks sei am 18. Januar 2013 erneut eine Schulterarthroskopie erfolgt. Die erneute inferiore Schulterinstabilität sei am ehesten als Folge des Unfalls vom 26. Oktober 2011 zu beurteilen (Urk. 7/31). Dieser Einschätzung schloss sich in der Folge Dr.
G.___
an (Urk. 7/32).
3.6
Bei
persistierender schmerzhafter Bewegungseinschränkung mit Projektion über die anteriore rechte Schulter begab sich die Beschwerdeführerin im Juni 2014 erneut in Behandlung in der
B.___
.
Prof.
Dr.
D.___
kon
sta
tier
te
,
es würden unklare Schmerzen in der rechten Schulter persistieren, wobei
eine
gleno
humerale
Schmerzquelle bei negativem Ansprechen auf die Infiltration un
wahrscheinlich
erscheine
.
Es sei fraglich, ob die persistierenden Bewegungsein
schränkungen nicht als postoperativ nach multiplen stabilisierenden Eingriffen zu interpretieren seien.
Bei zeitweilig auch in den Arm hinunter aus
strah
len
den Schmerzen mit der Anamnese
von
Nackenbeschwerden werde
die Durch
führung eines
MRI der Halswirbelsäule
veranlasst
(vgl. Arztberichte vom 16. Juni 2014 [Urk. 7/34] und
1
1.
Juli 2014 [
Urk.
7/35]).
Diese
s
wurde am 2
5.
August 2014 durchgeführt und zeig
t
e - so die behandelnden Ärzte - keine Nerven
kom
pres
sio
nen.
Prof.
Dr.
D.___
äusserte den Verdacht auf zum Teil durch die Arthrose her
vor
gerufene Schmerzen. Zusätzlich zur Arthrose bestehe der Verdacht auf eine mögliche zusätzliche vordere Instabilität (vgl. Arzt
bericht vom 2
6.
August 2014,
Urk.
7/38c). Er erach
te
te
es bei nun bereits zweimal erfolgloser Arthro
skopie und ins
gesamt vier Eingriffen am sinnvollsten, die konservativen Möglich
keiten aus
zu
schöpfen (vgl. Arzt
bericht vom
3.
November 2014,
Urk.
7/38d).
3.7
Im November 2017 begab sich die Beschwerdeführerin a
ufgrund bewegungs- und belastungsabhängiger unklarer Schulterschmerzen auf der rechten Seite erneut in
die
B.___
und wünschte eine
Reevaluation
der rechten Schulter (vgl. Arztbericht vom 2
1.
November 2017,
Urk.
7/48). In diesem Zusam
men
hang wurde am 1
9.
Dezember 2017 ein erneutes
Arthro
-MRI der rechten Schulter zur Beurteilung des S
t
atus quo, insbesondere der
Rotatoren
man
schette
und des
glenoidalen
und
humeralen
Knorpelüberzuges, durchgeführt. Darin sei eine progrediente Partialruptur der oberen Anteile der Subscapularis
sehne bei Status nach Rekonstruktion eben dieser ersichtlich (vgl. Urk. 7/52a).
Prof.
Dr.
D.___
führte aus, die Beschwerden würden entweder von der Früharthrose oder den Partialrupturen der
Rotatorenmanschette
herrühren
. Im Rahmen der aktuellen Untersuchung gebe es
jedoch
wenig Hinweis auf eine
Rota
to
ren
man
schetten-Pathologie
. Vielmehr sei von einer postoperativen
Frozen
Shoulder
aus
zu
gehen.
Er empfahl eine
glenohumerale
Arthroskopie mit
Biopsie
entnahme
, eine
Refixa
tion
von offensichtlich
störenden Rupturen, sofern dies nur einen Teil der Seh
nen betreffe, und ein
Débridement
subacromial
und
glenohumeral
(vgl. Arzt
be
richt vom 2
7.
Dezember 2017,
Urk.
7/49).
3.8
Zur
Einschätzung der unfallbedingten Einschränkungen
veranlasste die Be
schwer
de
gegnerin eine
weitere
Konsultation
in der
B.___
, über welche am 1
9.
Juni 2019 berichtet wurde (
Urk.
7/63).
Die Ärzte hielte
n
eine unveränderte Situation fest. Eine Instabi
lität lasse sich nicht mit Sicherheit objektivieren und werde subjektiv nicht be
klagt. Im Vordergrund stünden klar die Schmerzen. Die therapeutischen Optio
nen seien daher erschwert. Weder die Physiotherapie noch die operativen Ein
griffe hätten eine nachhaltende Wirkung gezeigt.
3.9
Im Rahmen einer Fallbesprechung konstatierte
Dr.
A.___
in seiner Stellungnahme vom 2
7.
September 2019 (
Urk.
7/64), bereits vier Monate nach dem Unfallereignis vom 2
6.
Oktober 2011 hätten sich im CT und MRI vorbekannte
arthrotische
Veränderungen mit Knorpelschäden
glenohumeral
gezeigt. Diese hätten nicht in
der
kurzen Zeit zwischen Ereignis und Bildgebung entstehen können. Knorpel
veränderungen seien schon im Operationsbericht im Jahr 1998 erwähnt worden. Eine multidirektionale Schulterinstabilität sei vorbestehend
und seit 1998 be
kannt
. Aus den Akten sei ersichtlich, dass sich die Beschwerdeführerin im vor
deren Schulter
bereich verletzt habe (Sehne des
Musculus
subscapularis
und der
Bicepssehne
). Dies sei am
8.
Mai 2012 operativ behoben worden. Die Läsion, die anlässlich der Operation im Januar 2013 angegangen worden sei, betreffe hin
gegen die multi
direktionale Instabilität und sei seines Erachtens unfallfremd be
züglich des Ereig
nis
ses vom 2
6.
Oktober 201
1.
Die Instabilität nach
caudal
und dorsal sei vorbe
stehend. Der Status quo sine sei ca. sechs Monate nach der Ope
ra
tion vom
8.
Mai 2012 erreicht, denn gemäss Operationsbericht vom 21. Ja
nuar 2013 sei die Re
kon
struktion intakt eingeheilt.
3.10
Am 3
1.
Januar 2020 wurde eine weitere MRI-Untersuchung der rechten Schulter durchgeführt
(
Urk.
7/78a). Darin sei die bekannte Oberrandläsion der rekon
stru
ier
ten Subscapularissehne ersichtlich
, welche stationär sei
. Ausserdem würden sich
tendino
pathische
Veränderungen der
Supraspinatus
- und weniger ausge
prägt der
Infra
spinatus
sehne
zeigen. Der
glenohumerale
Knorpelüberzug sei teil
weise etwas aus
gedünnt.
Dr.
med.
H.___
, Oberarzt Orthopädie in der
B.___
, konstatierte, es zeige sich eine komplexe Situation mit einer Kombination von Problemen an der rechten Schulter, wo sich sekundär auch eine
Skapuladys
ki
ne
sie
zeige. Es bestehe eine Einschränkung der kom
binier
ten A
bduktion und Innen
rotation (GIR
D), ebenso wie eine residuelle anteriore inferiore Instabilität, eine partielle
Subscapularissehnen-Reruptur
und eine be
ginnende sekundäre
Om
arth
rose
.
Laut
Dr.
H.___
sind
die aktuellen Restbe
schwer
den mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis im Ok
tober 2011 zurückzuführen. Nach der Stabilisierungs
operation in den 90er Jahren sei die Beschwerdeführerin bis zu diesem frischen Trauma beschwerdefrei ge
wesen und hätte auch wieder Baseball und Tennis spielen können. Insofern sei der Zusammenhang mit dem neuen Ereignis vom Oktober 2011 eindeutig vor
handen, da diese Sportarten eine normale Schulter
funktion voraussetzen würden
(vgl. Arztbericht vom 3
1.
Januar 2020,
Urk.
7/76)
.
3.11
Demgegenüber hielt
Dr.
A.___
in seiner Stellungnahme vom 1
8.
März
2020 (Urk. 7/79) fest, die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nach den ersten Ope
ra
tionen in den Jahren 1997 und 1998 ihre schulterbelastende
n
Sport
tätigkeiten
wieder habe ausüben können und später nicht mehr, könne nicht als Kausalitäts
beweis geltend gemacht werden.
Fakt sei, dass im MRI vom 3
1.
Januar 2020 im Wesentlichen stationäre Befunde festgehalten worden seien. Die
Omarthrose
und Instabilität seien vorbestehend. Die Veränderungen ventral, die durch mehrere Operationen entstanden seien, seien stationär. Dass das Schulter
problem progre
dient sei und sich dies auch in der zunehmenden Ein
schränkung der Beweg
lich
keit äussere, sei zu erwar
ten
, denn n
eben den bestehenden Verände
run
gen wür
den sich auch noch altersbedingte Veränderungen einstellen. Dies äussere sich auch im MRI Befund, wo von einer
tendinopathisch
veränderten
Rotatoren
man
schette
ge
sprochen werde.
3.12
Dr.
H.___
hielt im Bericht vom 15. Mai 2020 (Urk. 3/6) fest, aus schulter
ortho
pädischer Sicht seien die aktuellen Restbeschwerden, welche im Vordergrund stünden (partielle Re-Ruptur Subscapularis, eingeschränkte Beweglichkeit infolge des
HAGL-Repairs
sowie schmerzhafte
suprapectorale
Bizepstenodese
) klar auf das Unfallereignis vom 26. Oktober 2011 zurückzuführen.
3.13
Darauf bezugnehmend erklärte Dr.
A.___
im Bericht vom 19. Juni 2020 (Urk. 6), nach dem Unfall vom 26. Oktober 2011 sei initial eine Schulterkontusion nach Velosturz diagnostiziert worden. Explizit werde darauf hingewiesen, dass sich beim Sturz keine Schulterluxation beziehungsweise Subluxation ereignet habe. Die Problematik, die zur Operation vom 8. Mai 2012 geführt habe, werde im MRI vom 18. April 2012 diagnostisch als
Bizepssehnentendinopathie
/Subluxation und Subscapularis-Läsion (DD: Mikroinstabilität) mit/bei
subakromialen
Impingement
rechts angegeben. Dem Bericht zur Operation vom 8. Mai 2012 sei zu entnehmen, dass die Subscapularissehne nur partiell im oberen Drittel eingerissen gewesen und
refixiert
worden sei. Mit der Operation seien aber hauptsächlich degenerativ bedingte Veränderungen behoben worden. Da eine Läsion der Subscapularissehne im Alter von 39 Jahre eher traumatisch bedingt sei, habe die Beschwerdegegnerin die damalige Behandlung trotzdem übernommen. Eine HAGL-Läsion sei indes weder im besagten MRI noch intraoperativ beschrieben. Da es in der Folge zwar initial zu einer Besserung, dann aber wieder zu zunehmenden belastungs
ab
hängigen Schmerzen gekommen sei, hätten Prof. Dr.
D.___
und Prof. Dr.
I.___
die Beschwerdeführerin nochmals untersucht. Die Beschwerden hätten sie im Rahmen einer
posterioren
Instabilität beurteilt und die Operation vom 18. Januar 2013 empfohlen. Anlässlich dieser habe Prof. Dr.
I.___
ein abgerissenes HAGL rekonstruiert
und
zusätzlich ein postinferiores Bankart-
Repair
ausgeführt. Prof. Dr.
I.___
habe damit also Instabilitätsprobleme bei einer vermehrten
Laxität
des Schultergelenkes und rezidivierenden Instabilitäten behoben. Eine Unfallkau
sa
lität diesbezüglich bestehe aber nicht. Im weiteren Verlauf sei es leider nicht zur
erhofften Beschwerdefreiheit gekommen. Das Beschwerdebild werde aufgrund der erlittenen Instabilitäten und der verschiedenen Operationen als komplex be
schrieben. Unter anderem werde auch eine sekundäre
Omarthrose
aufgeführt. Diese stehe nicht im Zusammenhang mit dem Unfall vom 26. Oktober 201
1
. Sie sei auf die vorgängigen Instabilitätsereignisse zurückzuführen und damit vorbe
stehend.
3.1
4
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin die Stel
lung
nahme von
Dr.
H.___
vom
1.
September 2020 zu den Akten (
Urk.
11). Dieser führte aus, dass die Beschwerdeführerin am 2
6.
Oktober 2011 eine
Sub
scapularis
sehnenruptur
sowie eine Bizeps
Pulley
-Läsion erlitten habe. Am 8. Mai 2012 sei eine arthroskopische
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion der Subsca
pu
laris
sehne und einer
Bicepstenodese
erfolgt. Zusätzlich habe die Be
schwerdeführerin eine HAGL-Läsion erlitten,
welche erst sekundär diagnostiziert worden sei,
so dass bei inferiorer Schulter
in
sta
bi
lität am 1
8.
Ja
nuar 2013 auch ein
arthros
ko
pischer
HAGL-Repair
erfolgt sei. Alle drei Diagno
sen (Subscapularis-Ruptur,
Pulley
-Läsion mit
Bizepsinstabiliät
und HAGL-Läsion) seien damals erstmalig aufgetret
en und könnten nicht auf
die
V
oroperationen
der Beschwerdeführerin in den Jahren 1997 und 1998 aufgrund einer vorderen Instabilität zurückgeführt werden.
Nun leide die
Beschwerdeführerin an Restbeschwerden aufgrund einer partiellen Re-Ruptur der Subscapularissehne, einer schmerzhaften suprapes
to
ra
len
Bizepstenodese
sowie einem
G
IRD
(Einschränkung der
glenohumeralen
Innenrotation in Abduktionsstellung).
Festzuhalten bleibe auch, dass die radio
lo
gisch ersichtliche diskrete
Omarthrose
, welche im Vergleich zu den oben ge
nannten Diagnosen tatsächlich auf die Vorschädigungen infolge der 1997 und 1998 durch
geführten Operationen und der damals bestehenden vorderen Insta
bilitäts
problematik zurückzuführen sei, nicht im Vordergrund stehe und sich klinisch völlig asymp
to
matisch zeige.
3.15
Dr.
A.___
konstatierte in seiner Stellungnahme vom 2
0.
November 2020 (
Urk.
16), die Beschwerden und die Einschränkung bezüglich aktiver Beweglichkeit wären bei den von
Dr.
H.___
genannten Diagnosen
einer akuten Subscapularis-Ruptur
,
einer frischen
Pulley
-Läsion und einer HAGL-Läsion
ausgeprägter gewesen und hätten nicht nur bei gewissen Bewegungen Schmerzen ausgelöst. Die beim
Velo
sturz erlittene Verletzung könne n
icht erheblich gewesen sein, weshalb die Diag
nose einer Schulterkontusion
genannt
worden sei. Eine HAGL-Läsion werde im ersten MRI nicht beschrieben und erst im Rahmen der vierten Schulter
operation diagnostiziert.
Eine HAGL-
Verletzung erfolge durch ein
glenohumerales
Instabili
tätsereignis, wie beispielsweise eine Luxation. Eine solche Verletzung habe am 2
6.
Oktober 2011 nachweislich nicht stattgefunden.
Im Rahmen der Operation vo
m
8.
Mai 2012 sei die
Bizepssehne
tenodesiert
und die Oberrandläsion der Sub
scapularissehne
refixiert
worden, wobei festzuhalten bleibe, dass die Subsca
pularissehne und die vordere Kapsel bereits zweimal voroperiert
gewesen seien
. Seines
(
Dr.
A.___
)
Erachtens
habe
somit ke
ine frische
Pulley
-
Verletzung vor
ge
legen
, son
dern eine Luxation einer fortgeschrittenen degenerativ veränderten
Bizepssehne
und eine Oberrandläsion der Sehne des
Musculus
subscapularis
nach mehreren Voroperationen. Die anlässlich der Operation vom
8.
Mai 2012 durch
ge
führte Rekonstruktion der Sehne des
Musculus
subscapularis
sei bei der Opera
tion im Januar 2013 nachweislich
als
intakt beschrieben worden.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Einschätzung, wonach mit medizinischen Massnahmen keine Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr erreicht wer
den könne, insbesondere auf die aktenbasierte Einschätzung des beratenden Arztes
Dr.
A.___
vom
2
7.
September 2019 (
Urk.
7/64) und 1
8.
März 2020 (Urk. 7/79).
Ein medizinischer Aktenbericht als
Entscheidgrundlage
ist zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegen
wärti
gen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind; der Untersuchungs
befund muss lückenlos vor
liegen, damit der Experte imstande ist, sich aufgrund der vor
hande
nen Unterlagen ein vollständiges Bild zu verschaffen (Urteil des Bun
des
ge
richts 8C_833/2009 vom 2
6.
J
anuar 2010 E. 5.1 mit Hinweisen
).
Alleine d
er Umstand, dass der
bera
tende Arzt
keine eigene Untersuchung durch
geführt hat, ver
mag
daher
den Be
weis
wert seiner Beurteilung nicht zu schmälern, zumal es mit der
Fra
ge nach der Unfallkausalität einen feststehenden medizinischen Sachverhalt zu erörtern galt, ohne dass zusätzliche Unter
suchungen notwendig gewesen wären. Praxis
gemäss kann unter diesen Voraus
setzungen auch ein reines Akten
gut
achten voll beweis
wertig sein (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_325/2009 vom 2
3.
Sep
tember 2009 E. 3.4.1 mit Hinweisen).
4.2
Dr.
A.___
anerkennt, dass der Unfall vom 26. Oktober 2011 zu einer Läsion der langen
Bicepssehne
und der Subscapularis-Teilruptur geführt hatte. Er ist aber der Meinung, dass diese Unfallfolgen durch die Operation vom 8.
Mai
2012 behoben wurden. Dies überzeugt insofern, als die anlässlich der Operation vom 8. Mai 2012 rekonstruierte Sehne des
Musculus
subscapularis
bei der Operation vom 17. Januar 2013 nachweislich intakt war (Urk. 7/61a).
Ebenfalls ist Dr.
A.___
beizupflichten, dass nach der Operation vom 8. Mai 2012 sich vor allem Beschwerden aufgrund der nach wie vor bestehenden multi
direktionalen Instabilität zeigten (vgl. Urk. 16). Dazu hält er fest, dass 1997 und 1998 die vordere Instabilität operativ behoben worden sei. Die hintere und untere Instabilität seien im Rahmen der Operation vom 18. Januar 2013 angegangen worden. Diese Instabilitäten seien unfallfremd (Urk. 11 S. 3, Urk. 16). Eine nähere Begründung hierfür lässt er jedoch vermissen und hätte sich umso mehr auf
gedrängt, als Prof. Dr.
D.___
im Bericht vom 3. April 2013 festgehalten hatte, dass die inferiore Schulterinstabilität am ehesten auf den Unfall vom 26. Oktober 2011 zurückzuführen sei (Urk.
7/31). Dieser Beurteilung folgte schliesslich Dr.
G.___
(Urk. 7/32). Auch Dr.
H.___
geht davon aus (Urk. 11).
Im Bericht der Operation vom 18. Januar 2013 wurde eine schmerzhafte rezi
di
vierende Schulterinstabilität mit HAGL-Läsion rechts diagnostiziert (Urk. 7/61a). Zu Recht weist Dr.
A.___
darauf hin, dass weder
im MRI vom 18. April 2012
noch
im Operationsbericht vom 8. Mai 2012 eine HAGL-Läsion beschrieben wird (Urk.
6).
Jedoch hält auch er fest, dass die HAGL-Läsion traumatischen Ursprungs sei (Urk. 16). Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin nach dem Unfall vom 26. Oktober 2011 bis zur Operation vom 18. Januar 2013 ein weiteres trau
matisches Ereignis erlitten hätte, bestehen jedoch nicht. Vor diesem Hintergrund spricht Dr.
H.___
denn auch davon, dass die HAGL-Läsion erst sekundär diag
nos
tiziert worden sei (Urk. 11).
Ein wesentlicher Punkt in der Argumentationskette von Dr.
A.___
ist, dass beim Unfall vom 26. Oktober 2011 keine Luxation beziehungsweise keine Subluxation stattgefunden habe. So führte er aus, eine HAGL-Verletzung erfolge durch ein
glen
o
humerales
Instabilitätsereignis, wie etwa durch eine Luxation. Eine solche Verletzung habe aber am 26. Oktober 2011 nachweislich nicht stattgefunden (Urk.
16). Dazu ist zu bemerken, dass unter der Anamnese in den Berichten der
B.___
vom 24. Februar 2012 und 24. April 2012 erwähnt wird, dass die Beschwerdeführerin anlässlich des Unfalls vom 26. Oktober 2011 keine Luxa
tion beziehungsweise keine Subluxation erlitten habe (Urk. 7/8, Urk. 7/9). Die entsprechende Angabe basiert somit auf der eigenen Aussage der Beschwerde
führerin. Gleichwohl bestand bereits zum damaligen Zeitpunkt eine Beschwer
de
symptomatik, die auf eine Luxation oder Subluxation hindeutete, hielten die Ärzte doch bereits damals eine
glenohumerale
Beweglichkeit fest (Urk. 7/9). Selbst
Dr.
A.___
spricht im Bericht vom 20. November 2020 von einer Luxation der vor
bestehenden degenerativ veränderten
Bizepssehne
(Urk. 16). Ob nun eine Luxa
tion beziehungsweise eine Subluxation stattgefunden hat oder nicht, erscheint
daher unklar. Es fehlt in den Akten an einer über
zeugend
en Erklärung dazu und
damit einhergehend
, weshalb das vorliegende Beschwerdebild nun besteht. Dabei ist zu beachten, dass es für die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin genügt, wenn der Unfall vom 26. Oktober 2011 Teilursache für die Beschwerden bildet (vgl. E. 1.4.1 hiervor).
4.3
Nach dem Gesagten bestehen somit Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Einschätzung von Dr.
A.___
. Gleiches gilt indessen auch hinsichtlich der Beurteilung von Dr.
H.___
. Im Wesentlichen begründete er die
Unfallkausalität der Schulterbeschwerden der Be
schwerdefüh
rerin damit
, dass diese erst nach dem Unfall vom
26. Oktober 2011 sympto
ma
tisch geworden seien respektive
die Beschwerdeführerin nach der Stabilisie
rungs
ope
ration in den 90er Jahren bi
s zum Unfall im Oktober 2011 be
schwerde
frei ge
wesen sei. D
em
ist
entgegenzuhalten, dass eine gesundheitliche Schädigung nicht schon dann als durch einen Unfall verursacht gelten kann, weil sie nach diesem aufgetreten ist (
post
hoc, ergo
propter
hoc) und zum Beweis eines natürlichen Kausalzusammenhanges nicht genügt (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
mit Hinweis, Urteil des Bundesgerichts 8C_636/2016 vom 16. No
vember 2016 E. 5.2 mit weite
ren Hinweisen).
Im Weiteren räumte Dr.
H.___
ein, dass die
Omarthrose
unfall
fremd ist. Mit seiner Ansicht, dass diese asymptomatisch sei, steht er jedoch alleine. Nicht nur Dr.
A.___
, sondern auch Prof. Dr.
D.___
zeichnet die arthro
tischen Veränderungen für die Beschwerdesymptomatik als mitverantwortlich (Urk. 7/31, Urk. 7/38c Urk. 16). Es bestehen somit keine Gründe, um der fach
ärztlichen Beurteilung von Dr.
A.___
respektive von Dr.
H.___
ausschlagge
bendes Gewicht beizumessen. Damit lässt sich auch nicht beurteilen, ob der
status
quo sine
vel
ante - wie die Beschwerdegegnerin behauptet - eingetreten ist.
4.4
Nach dem Gesagten ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Kausalzusammenhang in einem externen medizinischen Gutachten beurteilen lässt und anschliessend neu verfügt. Insofern ist die Beschwerde gut
zuheissen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Einspracheentscheid vom 31.
März 2020 aufgehoben und die Sache an die
Vaudoise
Allgemeine, Versicherungs-Gesellschaft AG, zurückgewiesen wird, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und hernach über den Leistungsanspruch neu verfüge
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstStadler