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**Case Identifier:** 87f532d5-3a93-5026-a158-e12b38c420db
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-23
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 23.12.2022 VBE.2022.177
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-177_2022-12-23.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2022.177 / lf / ce       
Art. 146 

 

 

Urteil vom 23. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident 

Oberrichterin Fischer 

Oberrichterin Merkofer 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

vertreten durch lic. iur. Markus Zimmermann, Rechtsanwalt,  

Stadtturmstrasse 10, Postfach, 5401 Baden 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 23. März 2022) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1982 geborene Beschwerdeführerin war aufgrund ihres Anstellungs-

verhältnisses obligatorisch bei der Beschwerdegegnerin gegen die Folgen 

von Unfällen versichert, als sie am 10. Januar 2021 von einem Schlitten 

stürzte und sich dabei an der rechten Schulter prellte. Die Beschwerdegeg-

nerin anerkannte ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem fragli-

chen Ereignis und richtete die entsprechenden Versicherungsleistungen in 

Form von Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen aus. Mit Verfügung 

vom 9. August 2021 stellte sie diese mangels Unfallkausalität der noch ge-

klagten Beschwerden per 8. April 2021 ein. Die dagegen erhobene Ein-

sprache wies die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom 

23. März 2022 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 23. März 2022 erhob die Beschwer-

deführerin mit Eingabe vom 9. Mai 2022 fristgerecht Beschwerde und 

stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Der angefochtene Einsprache-Entscheid vom 23.03.2022 sei vollum-
fänglich aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien die gesetzlich 
geschuldeten Leistungen aus dem Unfall vom 10.01.2021, insbeson-
dere die Übernahme der Heilkosten und der Taggelder, zuzusprechen. 

2. Eventualiter sei die Sache zur ordnungsgemässen Abklärung des 
Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde-
gegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 3. Juni 2022 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungs-

leistungen im Zusammenhang mit dem Unfall vom 10. Januar 2021 zu 

Recht mit Einspracheentscheid vom 23. März 2022 per 8. April 2021 ein-

gestellt hat (Vernehmlassungsbeilage [VB] 69). 

 

 - 3 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, 

dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank-

heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursa-

chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, 

ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten  

oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten 

gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja-

hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein 

Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen 

ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be-

dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person 

beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden 

kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele 

(BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 

E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406). 

 

2.2. 

Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit 

nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Un-

fallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ur-

sache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch 

und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, 

wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar 

vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zu-

stand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften 

Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status 

quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche 

Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung 

von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Be-

weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 

S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181) nachgewiesen sein. 

 

3. 

3.1. 

In ihrem Einspracheentscheid vom 23. März 2022 (VB 69) stützte sich die 

Beschwerdegegnerin im Wesentlich auf die Aktenbeurteilungen von Kreis-

arzt Dr. med. univ. B., Praktischer Arzt, vom 3. Juni 2021 (VB 40) und 

8. Februar 2022 (VB 67). 

 

3.1.1. 

Dr. med. univ. B. führte am 3. Juni 2021 aus, bei den im MRI vorgefunde-

nen und am 3. Mai 2021 operierten Befunden handle es sich ausschliess-

lich um vorbestehende degenerative Veränderungen mit Schmerzauslö-

sung durch direkte Kontusion der rechten Schulter. Das geltend gemachte 

 - 4 - 

 

 

 

Ereignis wäre gegebenenfalls geeignet gewesen, eine AC-Gelenksverlet-

zung zu verursachen, nicht jedoch die im MRI vorgefundenen Befunde ei-

ner Rotatorenmanschetten-Teilruptur. Ursache dafür sei ein erhöhter kriti-

scher Schulterwinkel von über 40°, welcher unfallunabhängig zur Teilruptur 

der Rotatorenmanschette geführt habe. Entsprechend fänden sich auch 

kleine zystisch-degenerative Veränderungen im MRI vom 26. Januar 2021 

(VB 17) im Bereich der Läsionen der Rotatorenmanschette. Der Unfall sei 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht natürlich-kausal für die (im MRI 

nachgewiesenen) Befunde und die durchgeführte Operation (VB 40 

S. 2 f.). 

 

3.1.2. 

In seinem Bericht vom 28. September 2021 hielt der behandelnde Arzt 

Dr. med. C., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 

Bewegungsapparates, Q., fest, er sei in verschiedener Hinsicht nicht ein-

verstanden mit der medizinischen Einschätzung von Dr. med. univ. B. Der 

Kreisarzt habe den Unfall als direkte Schulterkontusion rechts nach dem 

Sturz mit dem Schlitten beschrieben. Das könne man aber nicht mit Sicher-

heit so beschreiben. In der Regel gebe es nach einem solchen Sturz eine 

Stütz-Abwehrreaktion mit den Armen, was zur Distorsion in der Schulter, 

wahrscheinlich auch mit Kontusionskomponenten, führe. Dieser Mechanis-

mus könne eine Rotatorenmanschettenläsion verursachen. Die Beschwer-

deführerin habe zudem vor dem Unfall keine Beschwerden in dieser Schul-

ter gehabt. Die MRI-Bilder würden eine frische, ausgedehnte RM-Unterflä-

chen-Teilruptur zeigen mit Längsriss auch der Subscapularissehne. Intrao-

perativ habe die Läsion vom Aspekt her traumatisch ausgesehen, es sei 

nicht nur eine Unterflächen-Teilruptur gewesen, sondern diese sei auch an 

einem Punkt transmural gewesen. Es sei zwar möglich, dass die Ursache 

der Rotatorenmanschetten-Teilruptur ein erhöhter kritischer Schulterwinkel 

von über 40° gewesen sei. Aber nicht alle Menschen, die radiologisch einen 

solchen anatomischen Befund hätten, würden eine Rotatorenmanschetten-

läsion erleben. Zudem hätten alle Menschen ab 30 Jahren „mehr oder we-

niger“ mindestens beginnende degenerative Veränderungen im Bewe-

gungsapparat. 96 % der Menschen in der Altersgruppe „um die 40 Jahre 

[…] brauch[t]en theoretisch einen Unfall für eine entsprechende Rotatoren-

manschetten-Läsion“. Die Rotatorenmanschettenläsion sei „definitiv“ mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 10. Januar 2021 zu-

rückzuführen (VB 62 S. 11 f.; Fragen an Dr. med. C., VB 62 S. 5). 

 

3.1.3. 

In seiner Aktenbeurteilung vom 8. Februar 2022 führte der Kreisarzt 

Dr. med. univ. B. aus, Dr. med. C. behaupte im Widerspruch zu den unter-

schriebenen Angaben der Beschwerdeführerin zum Unfallhergang einen 

abweichenden Pathomechanismus, welcher in seine – Dr. med. C. – Argu-

mentation passe. Es sei nicht nachvollziehbar, dass dieser behaupte, es 

gebe nach einem solchen Sturz eine Stütz-/Abwehrreaktion mit den Armen. 

 - 5 - 

 

 

 

Bei einer langsamen Rückwärtsfahrt auf einem Schlitten führe ein seitlicher 

Sturz aus derart geringer Höhe in aller Regel zum Versuch einer Abrollbe-

wegung, insbesondere auch wenn man, wie dies die Beschwerdeführerin 

getan habe, mit den Armen einen Rucksack umschliesse (VB 67 S. 1). 

Transmurale Rupturen würden in keiner Weise eine Unfallkausalität be-

gründen, sondern seien meist Folge fortgeschrittener degenerativer Verän-

derungen, wie im vorliegenden Fall mit kleinzystischen Läsionen im Bereich 

der Footprint und daraus resultierenden Sehnenläsion. Zudem gebe es Kri-

terien zur Beurteilung, ob es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um 

eine traumatische Ruptur handle oder nicht, wie z.B. Bone bruise am Tu-

berculum majus, isolierte Ruptur der Subscapularissehne, ödematöse Ver-

änderungen des Sehnenstumpfes und wellige Struktur desselben, unver-

züglicher Arztbesuch und unverzügliches Röntgen. Im vorliegenden Fall sei 

keines der Kriterien erfüllt. Dass die MRI-Bilder eine frische, ausgedehnte 

Rotatorenmanschettenunterflächenteilruptur zeigen würden, entbehre ei-

ner nachvollziehbaren Grundlage (VB 67 S. 2). Zusammenfassend sei fest-

zuhalten, dass im vorliegenden Fall keines der Kriterien zur Annahme einer 

traumatischen Läsion erfüllt sei und die Behauptungen von Dr. med. C. 

durch die Angaben der Beschwerdeführerin widerlegt seien und durch die 

einschlägige Fachliteratur nicht gestützt würden (VB 67 S. 3). 

 

3.1.4. 

In seinem im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht vom 26. April 

2022 hielt Dr. med. C. fest, er sei der Meinung, dass mehrere beschriebene 

Punkte und Aussagen von Dr. med. univ. B. kontrovers diskutiert werden 

könnten. Das solle aber „nur im Rahmen eines neutralen Gutachtens durch 

einen Schulterexperten durchgeführt werden“. Mit Verweis auf drei nicht 

näher bezeichnete und nicht aktenkundige Artikel führte er aus, es sei den 

meisten Patienten häufig nicht möglich, eine präzise Unfallbeschreibung 

abzugeben. Die Meinung der Schweizer Expertengruppe der Schulter- und 

Ellbogenchirurgie sei sogar, dass bei einem direkten Trauma der Schulter 

ebenfalls eine RM-Läsion entstehen könne. Zu bemerken sei, dass die Be-

schwerdeführerin 39-jährig sei und in einer Studie zu transmuralen RM-Lä-

sionen bei unter 50-Jährigen in 79.2 % der Fälle ein Trauma als Ursache 

der transmuralen RM-Läsionen festgestellt worden sei (Beschwerdebei-

lage [BB] 3 S. 1). Insgesamt seien die Argumente von Dr. med. univ. B. 

nicht konklusiv, weshalb es ein Gutachten durch einen Schulterexperten 

brauche (BB 3 S. 2). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

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zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.2.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. 

und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

3.2.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesgerichts 

8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 

2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

3.3. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen mit Verweis auf die Ein-

schätzung von Dr. med. C. vor, die kreisärztliche Beurteilung des Allge-

meinmediziners Dr. med. univ. B. sei unzutreffend. Die Kausalität des Un-

falls vom 10. Januar 2021 für die im Zeitpunkt der Leistungseinstellung 

noch geklagten Beschwerden sowie die dadurch notwendig gewordene 

Operation sei gestützt auf die detailliert begründeten Ausführungen des 

Chirurgen Dr. med. C. zu bejahen (vgl. Beschwerde S. 4, 13 ff.). 

 

3.4. 

Der behandelnde Arzt Dr. med. C. zeigte in seinen Berichten vom 28. Sep-

tember 2021 und 26. April 2022 lediglich auf, dass aufgrund der medizini-

schen Literatur beziehungsweise einer entsprechenden Studie bei unter 

50-Jährigen respektive medizinischer Erfahrung insbesondere angesichts 

des Alters der Beschwerdeführerin im Unfallzeitpunkt es durchaus möglich 

sei, dass die bei der Beschwerdeführerin festgestellte Rotatorenmanschet-

ten-Verletzung traumatischer Ursache sei (vgl. VB 62 S. 11 f.; BB 3). Er be-

gründet in keiner Weise, wieso im konkreten Falle der Beschwerdeführerin 

überwiegend wahrscheinlich von einer traumatischen – durch den Unfall 

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vom 10. Januar 2021 bedingten – Rotatorenmanschettenläsion auszuge-

hen wäre und ging überdies – bewusst – von einem von den übereinstim-

menden entsprechenden Darstellungen der Beschwerdeführerin (vgl. 

VB 35 S. 2; Beschwerde S. 3) abweichenden Unfallhergang aus (VB 62 

S. 11; BB 3 S. 70). Die blosse Möglichkeit eines natürlichen Kausalzusam-

menhangs zwischen einem Unfall und einer Gesundheitsstörung genügt für 

die Begründung eines Leistungsanspruches aber nicht (vgl. BGE 129 V 177 

E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_646/2019 vom 

6. März 2020 E. 8). Soweit Dr. med. C. des Weiteren festhielt, die Be-

schwerdeführerin habe vor dem Unfall keine Beschwerden in der rechten 

Schulter gehabt (VB 62 S. 11), ist darauf hinzuweisen, dass eine gesund-

heitliche Schädigung nicht schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, 

weil sie nach diesem aufgetreten ist. Eine derartige "post hoc, ergo propter 

hoc"-Argumentation ist beweisrechtlich nicht zulässig (BGE 142 V 325 

E. 2.3.2.2 S. 330 und 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 f.).  

 

Insgesamt vermögen die Berichte von Dr. med. C. damit keine Zweifel an 

den Aktenbeurteilungen von Dr. med. univ. B. (VB 40, VB 67) zu begrün-

den. Diese sind in sich schlüssig und plausibel begründet. Die Akten, auf 

die er sich stützte, beruhen auf verschiedenen persönlichen Untersuchun-

gen sowie einer Bildgebung (VB 40 S. 1 f.) und ergeben ein vollständiges 

Bild betreffend den vorliegend relevanten medizinischen Sachverhalt (vgl. 

E. 3.2.3. hiervor). Dr. med. univ. B. kam in Kenntnis und Würdigung dieser 

medizinischen Vorberichte, der angegeben Beschwerden, der bildgeben-

den Befunden sowie unter Bezugnahme auf entsprechende Fachliteratur 

zur nachvollziehbar begründeten Schlussfolgerung, dass ein natürlicher 

Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 10. Januar 2021 

und den vier Wochen nach dem Unfallereignis noch geklagten Schulterbe-

schwerden rechts nicht überwiegend wahrscheinlich sei (VB 19, vgl. E. 

3.1.1. und 3.1.3. hiervor). Gemäss Rechtsprechung sind Kreisärzte nach 

ihrer Funktion und beruflichen Stellung Fachärzte im Bereich der Unfallme-

dizin. Da sie ausschliesslich Unfallpatienten, unfallähnliche Körperschädi-

gungen und Berufskrankheiten diagnostisch beurteilen und therapeutisch 

begleiten, verfügen sie über besonders ausgeprägte traumatologische 

Kenntnisse und Erfahrungen, dies unabhängig von ihrem ursprünglich er-

worbenen Facharzttitel (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_480/2021 vom 

6. Dezember 2021 E. 4.2.1 und 8C_316/2019 vom 24. Oktober 2019 E. 5.4 

[je mit Hinweisen]). Dr. med. univ. B. verfügt als Kreisarzt somit entgegen 

der Ansicht der Beschwerdeführerin (vgl. Beschwerde S. 13 f.) über das 

notwendige Fachwissen, um im vorliegenden Fall eine qualifizierte Beurtei-

lung abgeben zu können. 

 

3.5. 

Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht auf 

die Beurteilung von Dr. med. univ. B. abgestellt hat. Der medizinische 

Sachverhalt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, 

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sodass auf die Einholung weiterer Beweismittel (vgl. Beschwerde S. 4 ff.) 

verzichtet werden kann, da von diesen keine weiteren Erkenntnisse zu er-

warten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 

mit Hinweisen; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4). Da demnach davon auszu-

gehen ist, dass die von der Beschwerdeführerin noch über den 8. April 

2021 hinaus geklagten rechtsseitigen Schulterbeschwerden in keinem na-

türlichen Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 10. Januar 2021 stan-

den, ist die per 8. April 2021 erfolgte Leistungseinstellung durch die Be-

schwerdegegnerin nicht zu beanstanden. Der Einspracheentscheid vom 

23. März 2022 (VB 69) ist damit zu bestätigen. 

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

4.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreter; 2-fach)  

die Beschwerdegegnerin  

das Bundesamt für Gesundheit 

  

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Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift der Beschwerdeführerin oder ihres 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 23. Dezember 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Roth Fricker