# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5ad50af2-46d1-5889-8a27-1450447c3632
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.09.2011 D-4749/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4749-2011_2011-09-22.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­4749/2011

U r t e i l   v om   2 2 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Daniele Cattaneo, Richter Hans Schürch,   
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

Parteien A._______, geboren …, Irak,  
vertreten durch lic. iur. Kristina Herenda, Rechtsanwältin, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Kantonszuweisung und Kantonswechsel; 
Verfügung des BFM vom 27. Juli 2011 / N … .

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  –  ein  Staatsangehöriger  des  Irak  aus  ...  [dem 
Zentralirak] – reichte am 2. März 2009 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. 
Dabei gab er im Rahmen der Kurzbefragung und der Anhörung zu seinen 
Gesuchsgründen unter anderem an, sein Vater sei auch in der Schweiz, 
er  sei  im  Kanton  V._______  wohnhaft  und  er  verfüge  dort  über  eine 
Aufenthaltsbewilligung. Seinen Vater  habe er  bereits  seit  sieben  Jahren 
nicht mehr gesehen und er wolle nun bei ihm sein. 

B. 
Vier  Tage  nach  der  Anhörung  zu  den Gesuchsgründen  –  am  17. März 
2009 – wies das BFM den bereits volljährigen Beschwerdeführer  für die 
Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  W._______  zu.  Dieser 
Zwischenentscheid blieb unangefochten. 

C. 
Ein  Jahr  später – mit Verfügung vom 17. März 2010 –  lehnte das BFM 
das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  verfügte  dessen 
Wegweisung.  Gleichzeitig  ordnete  das  Bundesamt  zufolge 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  in  den  Zentralirak  die 
vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  an.  Dabei 
wurde der bisherige Zuweisungskanton W._______ vom Bundesamt mit 
der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme beauftragt. Die Verfügung des 
BFM vom 17. März 2010 ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. 

D. 
Ein  weiteres  Jahr  später  –  mit  Eingabe  vom  11.  Mai  2011  –  liess  der 
Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin … [bei der zuständigen 
ausländerrechtlichen  Behörde]  des  Kantons  V._______  um  die 
Bewilligung  eines  Kantonswechsels  ersuchen.  In  seiner  Eingabe  führte 
der Beschwerdeführer aus, er sei in X._______ [Kanton W.] angemeldet, 
sein Arbeitsort liege jedoch seit geraumer Zeit in Y._______ [Kanton V.], 
wo  er  nach  drei  temporären Einsätzen  seit  dem 1. Mai  2011  über  eine 
Festanstellung  verfüge.  Nachdem  auch  seine  Eltern  im  Kanton 
V._______  wohnhaft  seien,  ersuche  er  um  die  Bewilligung  eines 
Wechsels  vom Kanton W._______  in  den Kanton V._______. Da  er  im 
gleichen  Betrieb  wie  sein  Vater  arbeite  und  seine  Eltern  in  Z._______ 
lebten, würde er nach dem Kantonswechsel zu seinen Eltern ziehen.

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E. 
Am  24.  Mai  2011  überwies  …  [die  zuständige  ausländerrechtliche 
Behörde]  des  Kantons  V._______  die  Gesucheingabe  ans  BFM,  wobei 
die  kantonale  Behörde  beim  Bundesamt  zugleich  die  Ablehnung  des 
Kantonswechselgesuches beantragte. 

F. 
Am 17. Juni 2011 gewährte das BFM dem Beschwerdeführer im Hinblick 
auf  eine  voraussichtliche  Ablehnung  des  Kantonswechselgesuches  das 
rechtliche Gehör. Dabei hielt das Bundesamt fest, der Kanton V._______ 
habe die Zustimmung zu einem Kantonswechsel verweigert und aufgrund 
der Gesuchseingabe sei nicht zu schliessen, dass der Beschwerdeführer 
über einen Anspruch auf Einheit der Familie verfüge oder dass in seinem 
Fall  von  einer  schwerwiegenden  Gefährdung  auszugehen  wäre.  Die 
Beziehung zu seinen  im Kanton V._______ wohnhaften Eltern könne er 
als volljährige Person auch ohne gemeinsamen Wohnsitz  leben und ein 
Härtefall  liege  nicht  vor,  weshalb  eine  Ablehnung  des 
Kantonswechselgesuches in Erwägung gezogen werde. 

G. 
Am 1. Juli 2011 wurde vorab eine Arbeitgeberbestätigung eingereicht und 
am  12. Juli  2011  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine 
Rechtsvertreterin  eine  Stellungnahme  nachreichen.  In  seiner 
Stellungnahme  machte  er  vorab  geltend,  der  Entscheid  über  einen 
Kantonswechsel  nach  Art. 85  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom  16. 
Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 
142.20)  unterliege  wie  alle  Verwaltungsakte  dem 
Verhältnismässigkeitsprinzip,  weshalb  das  öffentlich  Interesse  an  der 
Verweigerung  eines  Kantonswechsel  seinem  privaten  Interesse  an  der 
Erteilung  der  Bewilligung  gegenüberzustellen  sei.  In  dieser  Hinsicht 
machte  er  unter  Verweis  auf  seine  Festanstellung  bei  einem Betrieb  in 
Y._______,  seinen  sehr  langen  Arbeitsweg,  seine  Beschäftigung  im 
Schichtbetrieb  und  seine  erheblichen  Reisekosten  geltend,  bei  einem 
gemeinsamen Wohnsitz mit seinen Eltern würde sowohl er als auch seine 
Eltern  (wegen  geringerer Wohnkosten)  enorm  profitieren.  Der  bisherige 
Arbeitsweg  sei  demgegenüber  unzumutbar  lang  und  kostenintensiv, 
weshalb  ein  erhebliches  Interesse  am  Kantonswechsel  gegeben  sei. 
Zudem befinde sich sein gesamtes Beziehungsnetz rund um Y._______, 
weshalb  er  nach  Z._______  ziehen  wolle.  Zudem  bestehe  auch  eine 
enge  Bindung  zu  den  Eltern,  weshalb  er  sich  auch  auf  Art.  8  der 
Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 

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und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) stützen könne. Zwar sei er bereits 
volljährig,  doch  sei  eine  Berufung  auf  den  Schutzbereich  dieser 
Bestimmung  statthaft,  wenn  ein  besonderes  Abhängigkeitsverhältnis 
vorliege. In seinem Falle sei eine ausserordentliche Härte gegeben, da er 
an seinem Wohnort in X._______ komplett auf sich alleine gestellt sei.

H. 
Mit Verfügung des BFM vom 27. Juli 2011 – eröffnet am 29. Juli 2011 – 
wurde  das  Kantonswechselgesuch  abgelehnt.  Auf  die 
Entscheidbegründung wird nachfolgend eingegangen. 

I. 
Am  12.  August  2011  gelangte  der  Beschwerdeführer  durch  seine 
Rechtsvertreterin  mit  einer  als  "Wiedererwägungsgesuch"  bezeichneten 
Eingabe  ans  BFM,  worin  er  ausdrücklich  eine  (wiederwägungsweise) 
Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  vom  27.  Juli  2011  und  die 
Bewilligung  des  ersuchten  Kantonswechsels  beantragte.  Auf  die 
Begründung der Eingabe wird nachfolgend eingegangen.  

J. 
Diese  Eingabe  wurde  am  29. August  2011  vom  BFM  formlos  ans 
zuständige  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet  (vgl.  Art.  8  Abs.  1 
des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). 

K. 
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts  vom 31. August 
2011  wurde  die  vorgenannte  Eingabe  als  Beschwerde  gegen  die 
Verfügung des BFM vom 27. Juli 2011 entgegengenommen. Gleichzeitig 
wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  innert  Frist  einen 
Kostenvorschuss  von  Fr.  600.–  einzuzahlen,  unter  Androhung  des 
Nichteintretens im Unterlassungsfall (vgl. Art. 63 Abs. 4 VwVG). 

L. 
Am 31. August 2011 erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seine 
Rechtsvertreterin  –  mittels  Eingabe  ans  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde gegen den Entscheid  des BFM.  In  dieser  zweiten Eingabe 
beantragte er wiederum die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 27. 
Juli  2011  und  die  Bewilligung  des  ersuchten  Kantonswechsels.  Auf  die 
Begründung wird nachfolgend eingegangen.

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M. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  5. 
September  2011  wurde  die  vorgenannte  Eingabe  als 
Beschwerdeergänzung entgegen genommen und auf  die  noch  laufende 
Zahlungsfrist hingewiesen. 

N. 
Der einverlangte Kostenvorschuss wurde  in der Folge am 8. September 
2011 fristgerecht eingezahlt. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  unter  anderem  über 
Beschwerden  gegen Verfügungen  des BFM;  im Bereich  der  vorläufigen 
Aufnahme sind die Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts endgültig 
(vgl.  Art.  112  Abs.  1  AuG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie 
Art.  83  Bst.  c  Ziff.  3  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2.  Im  verwaltungsrechtlichen  Beschwerdeverfahren  kann  im  Regelfall 
die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige 
Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die 
Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Im  Zusammenhang 
mit  Kantonswechselgesuchen  von  vorläufig  in  der  Schweiz 
aufgenommenen  Personen  besteht  allerdings  insofern  eine 
Einschränkung, als ein diesbezüglicher Entscheid des BFM nur  insoweit 
angefochten  werden  kann,  als  geltend  gemacht  wird,  der  Entscheid 
verletze den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 85 Abs. 4 AuG). Die 
Bestimmungen  von  Art.  85  Abs.  4  AuG  und  Art. 27  Abs.  3  des 
Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31),  wonach  der 
Zuweisungsentscheid  beziehungsweise  ein  Entscheid  über  ein 
Kantonswechselgesuch  nur  mit  der  Begründung  angefochten  werden 
kann,  der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  sei  verletzt,  haben  den 
gleichen materiellen Inhalt, weshalb es sich rechtfertigt, die in Bezug auf 
Art. 27 Abs.  3 AsylG entwickelte Rechtsprechung auch  im Rahmen von 
Art.  85  Abs.  4  AuG  zu  berücksichtigen.  So  wurde  in  diesem 
Zusammenhang  mehrfach  auf  die  eingeschränkte  Kognition  des 
Bundesverwaltungsgerichts  verwiesen  (vgl.  statt  vieler  BVGE  2009/54), 

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was zudem dazu  führt,  dass auch  formelle Rügen nur  insoweit  zulässig 
sind,  als  sie  sich  auf  die  Frage  der  Einheit  der  Familie  beziehen  (vgl. 
BVGE 2008/47).

1.3. Der Beschwerdeführer  ist demnach insoweit  legitimiert (Art. 48 Abs. 
1 VwVG), als er eine Verletzung des Grundsatzes der Einheit der Familie 
geltend macht (Art. 85 Abs. 4 AuG). Die Beschwerde erweist sich als frist­ 
und formgerecht (Art. 50 Abs. 1 i.V.m. Art. 22a Abs. 1 Bst. b sowie Art. 52 
Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  daher  in  diesem  Sinne 
einzutreten. 

1.4. Gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG ist auf einen Schriftenwechsel zu 
verzichtet,  da  sich  die  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  als 
zum Vornherein unbegründet erweist. 

2. 
2.1. Zur Begründung seines Entscheides führt das BFM im Wesentlichen 
aus,  vorläufig  aufgenommene  Personen  seien  innerhalb  ihres 
Zuweisungskantons bei Wahl ihres Wohnortes frei, wogegen ein Wechsel 
des  Zuweisungskantons  nur  verfügt  werde,  wenn  ein  Anspruch  auf 
Einheit der Familie bestehe oder wenn eine schwerwiegende Gefährdung 
vorliege.  Würden  anderen  Gründe  geltend  gemacht,  bedürfe  dies  der 
Zustimmung  der  betroffenen  Kantone.  Nachdem  …  [die  zuständige 
ausländerrechtlichen Behörde]  des Kantons V._______ die Zustimmung 
zu  einem  Kantonswechsel  verweigert  habe  und  im  Falle  des 
Beschwerdeführers die  vorgenannten Kriterien  (Einheit  der Familie  oder 
schwerwiegende Gefährdung) nicht erfüllt seien, sei das Gesuch vom 11. 
Mai  2011  abzuweisen.  Entgegen  seinen  Vorbringen  könne  sich  der 
volljährige Beschwerdeführer auch nicht auf den Schutzbereich von Art. 8 
EMRK  berufen,  da  dieser  der  Kernfamilie  und  damit  Ehegatten  und 
minderjährigen  Kindern  vorbehalten  sei.  Als  volljähriges  Kind  könnte  er 
sich  darauf  nur  berufen,  wenn  er  wegen  körperlicher  oder  geistiger 
Invalidität  oder  schwerer  Krankheit  eine  dauernde  Betreuung  benötigen 
würde und in einem eigentlichen Abhängigkeitsverhältnis zu seinen Eltern 
stände. Dies sei jedoch nicht der Fall. 

2.2. Im Rahmen seiner Eingaben vom 12. und 31. August 2011 bekräftigt 
der  Beschwerdeführer  sein  Begehren  nach  einem  Wechsel  des 
Zuweisungskantons, welchem sowohl in Beachtung des Grundsatzes der 
Verhältnismässigkeit  nach  Art.  5  Abs.  2  und  Art.  36  der 
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 

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1999 (BV, SR 101) als auch vor dem Hintergrund seiner Ansprüche aus 
Art.  8 EMRK zu entsprechen  sei. Diesbezüglich  führt  er  in  der Eingabe 
vom 12. August 2011 an, sein persönliches Interesse an einem Wechsel 
des  Zuweisungskantons  sei  aufgrund  seiner  Arbeits­  und 
Familiensituation  offensichtlich  ausgewiesen,  wogegen  ein  öffentliches 
Interesse an einer Verweigerung der Bewilligung nicht erkennbar sei. Ein 
Wechsel  läge  vielmehr  auch  im  öffentlichen  Interesse,  da  damit  seine 
wirtschaftliche  Situation  gefestigt  und  der  Kanton  W._______  vor 
möglichem Schaden durch eine allfällige Sozialhilfeabhängigkeit bewahrt 
werde.  Mit  der  Verweigerung  der  Bewilligung  des  Kantonswechsels 
werde  er  zudem  in  seinen  grundrechtlich  geschützten  Ansprüchen  auf 
Bewegungsfreiheit  nach Art.  10 Abs.  2 BV und auf Gewährleistung des 
Familienlebens  nach Art.  14 BV  beeinträchtigt, was  sich mangels  eines 
öffentlichen  Interesses  an  der  Verweigerung  des  ersuchten 
Kantonswechsels als unverhältnismässig und mit Art. 36 BV unvereinbar 
erweise.  In  seiner  Eingabe  vom  31.  August  2011  bekräftigte  der 
Beschwerdeführer  seine  Ausführungen  zur  Frage  der 
Verhältnismässigkeit der Verweigerung des ersuchten Kantonswechsels, 
wobei  wiederum  auf  seine  kosten­  und  zeitmässige  Belastung  durch 
seinen  bisherigen  Wohnort  verwies,  respektive  auf  die  verschiedenen 
Entlastungsmöglichkeiten im Falle eines Kantonswechsels. Aus Gründen 
der  Verhältnismässigkeit  habe  er  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der 
Bewilligung  des  Kantonswechsels,  was  das  Bundesamt  in  seinem 
Entscheid nach Art. 85 Abs. 4 AuG – bei welchem das BFM nicht an die 
kantonalen Anträge gebunden sei – pflichtgemäss zu würdigen habe.  In 
dieser  Hinsicht  stehe  den  Kantonen  bei  der  Verweigerung  der 
Zustimmung  nicht  mehr  als  ein  blosses  Meinungsäusserungsrecht  zu. 
Auch sei seinem persönlichen Interesse in analoger Anwendung von Art. 
27  Abs.  3  AsylG  Nachachtung  zu  verschaffen.  Die  Bewilligung  des 
Kantonswechsels  stehe  ihm  jedoch  nicht  nur  aus  Gründen  der 
Verhältnismässigkeit zu, sondern auch unter Beachtung der Bestimmung 
von Art.  8  EMRK.  Als  bereits  volljähriges Kind  falle  er  zwar  nicht mehr 
unter  den  Schutzbereich  der  Kernfamilie,  eine  Berufung  auf  den 
Schutzbereich von Art. 8 EMRK sei aber dennoch statthaft, da er erst ein 
junger  Erwachsener  und  noch  sehr  stark  auf  die  Unterstützung  seines 
Elternhauses  angewiesen  sei.  Für  ihn  sei  es  eine  ausserordentliche 
Härte,  dass  er  an  seinem Wohnort …  komplett  auf  sich  alleine  gestellt 
sei, während ihn seine Eltern im Kanton V._______ unterstützen könnten. 
Da  sich  seine  gesamten  sozialen  Anknüpfungspunkte  im  Kanton 
V._______  befänden,  sei  er  aktuell  komplett  von  seinem 
Lebensmittelpunkt  ausgegrenzt.  Im  Übrigen  sei  es  im  Hinblick  auf  den 

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Schutz  des  Familienlebens  nicht  nachvollziehbar,  dass  seiner  aus  dem 
Herkunftsland  angereisten  Familie  in  der  Schweiz  eine 
Wiedervereinigung verwehrt werde.

3.  
3.1. Wurde eine vorläufig in der Schweiz aufgenommenen Person einem 
Kanton  zugewiesen,  so  wird  –  wie  vom  BFM  zu  Recht  erwogen  –  ein 
Wechsel  des  Zuweisungskantons  auf  Gesuch  hin  nur  bei  Zustimmung 
beider  Kantone,  bei  Anspruch  auf  Einheit  der  Familie  oder  bei 
schwerwiegender  Gefährdung  der  asylsuchenden  Person  oder  anderer 
Personen  verfügt  (Art.  85  Abs.  3  AuG;  Art. 21  der  Verordnung  vom 
11. August  1999  über  den  Vollzug  der  Weg­  und  Ausweisung  von 
ausländischen Personen  [VVWA, SR 142.281]  i.V.m. Art.  22 Abs. 2 der 
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1, 
SR 142.311]).

3.2. Gemäss Art. 85 Abs. 3 AuG ist das Gesuch um Kantonswechsel von 
vorläufig aufgenommenen Personen beim BFM einzureichen, wobei das 
Bundesamt  nach  Anhörung  der  betroffenen  Kantone  grundsätzlich 
endgültig  entscheidet.  Vorbehalten  bleibt  wie  bereits  erwähnt  gemäss 
Art. 85  Abs. 4  AuG  die  Anfechtung  und  dementsprechend  auch  die 
Überprüfung  dieses  Entscheides  bezüglich  einer  Verletzung  des 
Grundsatzes der Einheit der Familie. 

3.3. Auf  den Schutz  der Einheit  der Familie  im Sinne  von Art.  8 EMRK 
können  sich  zunächst  die Mitglieder  der  Kernfamilie  berufen, mithin  die 
Ehegatten  und  ihre  minderjährigen  Kinder.  Ferner  fallen  nach  der 
Rechtsprechung  der  Strassburger  Organe  grundsätzlich  auch  über 
diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande unter den 
Schutz  der Einheit  der  Familie,  sofern  eine  nahe,  echte  und  tatsächlich 
gelebte Beziehung zwischen den Angehörigen besteht  (vgl. dazu BVGE 
2008/47).  Gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  setzt  eine  über 
die  eigentliche  Kernfamilie  hinaus  gehende  schützenswerte 
verwandtschaftliche Beziehung  voraus,  dass  zwischen diesen Personen 
ein  eigentliches  Abhängigkeitsverhältnis  besteht  (vgl.  BGE  115  Ib  5  E. 
2c).  Von  diesem  Familienbegriff  ist  in  den  nachfolgenden  Erwägungen 
auszugehen (vgl. auch BVGE 2008/47).

4. 
4.1.  Der  volljährige  Beschwerdeführer  macht  namentlich  in  seiner 
Eingabe  vom  31. August  2011  das  Vorliegen  eines  besonderen 

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Abhängigkeitsverhältnisses  zu  seinen  Eltern  im  Sinne  der 
vorbeschriebenen  Praxis  geltend.  Seine  diesbezüglichen  Vorbringen 
können indes nicht überzeugen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich 
gemäss  den Akten  um einen  jungen Erwachsenen, welcher  bereits  seit 
dem  24.  Juli  2009  selbständig  in  X._______  (Kanton W._______)  lebt. 
Zuvor  war  er  während  vier  Monaten  …  [andernorts  im  Kanton 
W._______)  wohnhaft.  Zwar  macht  er  geltend,  er  sei  auf  die 
Unterstützung  seiner  Eltern  angewiesen.  Diese  Unterstützung  geht 
jedoch offensichtlich nicht weiter, als dies bei jungen Erwachsenen üblich 
ist,  sich also vorab auf moralischen Beistand beschränkt,  und damit ein 
Zusammenleben  in  keiner  Weise  bedingt.  Der  Beschwerdeführer  ist 
soweit  ersichtlich  bereits  seit  einem  Jahr  voll  erwerbstätig.  Dauernder 
persönlicher  Pflege  aufgrund  besonderer  Gebrechen  bedarf  er 
offenkundig nicht. Es besteht namentlich auch kein Anlass zur Annahme 
einer  psychischen  Instabilität,  aufgrund  welcher  der  Beschwerdeführer 
durch  die  Trennung  von  seinen  Eltern  akut  an  seiner  Gesundheit 
gefährdet wäre. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, der Grundsatz 
der Einheit  der Familie werde verletzt, weil  er durch eine Trennung von 
seinen  Eltern  ein  vollständig  isoliertes  Leben  führen  müsse,  erscheint 
aufgrund  dieser  Erwägungen  in  keiner  Weise  überzeugend. 
Bezeichnenderweise  wurde  denn  auch  das Gesuch  um  die  Bewilligung 
des  Kantonswechsels  vom  11.  Mai  2011  ausschliesslich  mit  der 
unterschiedlichen Lage von Arbeits­  und Wohnort  begründet,  respektive 
der grossen Distanz dazwischen und den  finanziellen sowie praktischen 
Vorteilen  einer  Wohnsitznahme  im  Kanton  V._______.  Von  einem 
Abhängigkeitsverhältnis  zwischen  dem  volljährigen  Sohn  und  seinen 
Eltern  im  Sinne  der  geltenden  Rechtsprechung  kann  unter  den 
gegebenen  Umständen  selbst  unter  Berücksichtigung  des 
Verhältnismässigkeitsprinzips keine Rede sein. 

4.2.  Wie  vorstehend  aufgezeigt  kann  der  Entscheid  über  ein 
Kantonswechselgesuch gemäss dem klaren Wortlaut von Art. 85 Abs. 4 
AuG  nur  mit  der  Begründung  angefochten  werden,  dieser  verletze  den 
Grundsatz  der  Einheit  der  Familie.  Vorliegend  ist  eine  entsprechende 
Verletzung im Sinne der vorstehenden erwähnten Praxis nicht ersichtlich 
gemacht,  weshalb  sich  weitere  Ausführungen  zu  den 
Beschwerdebegehren erübrigen.

5. 
Nach  dem  Gesagten  ist  festzustellen,  dass  im  Falle  des 
Beschwerdeführers  die  Verweigerung  der  Bewilligung  des  ersuchten 

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Kantonswechsels  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  im  Sinne  von 
Art.  85  Abs.  4  AuG  nicht  verletzt,  womit  die  Beschwerde  gegen  die 
Verfügung des BFM vom 27. Juli 2011 abzuweisen ist.

6. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer Kosten 
aufzuerlegen  (vgl.  Art. 63  Abs. 1  VwVG  und Art.  1  ­  3  des Reglements 
vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]). Die Kosten – welche 
auf  insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  sind  –  sind mit  dem  einbezahlten 
Kostenvorschuss vollständig gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Die  Kosten  sind  mit  dem  einbezahlten  Kostenvorschuss 
vollständig gedeckt und werden mit diesem verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständigen kantonalen Behörden.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer

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