# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e5e1c0c3-71ae-52f9-a965-866a313a567c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-13
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 13.03.2024 SB210296
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210296_2024-03-13.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB210296-O/U/sm

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Wenker, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi 

und Oberrichter lic. iur. Castrovilli sowie Gerichtsschreiberin MLaw 

Tresch

Urteil vom 13. März 2024

in Sachen

A._____,
Beschuldigter und Erstberufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. Stadelmann, 

Anklägerin und Zweitberufungsklägerin

- 2 -

sowie

1. B._____,
2. C._____,
Privatkläger

1 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____

2 vertreten durch Beiständin MLaw Z._____

betreffend vorsätzliche Tötung  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom 17. Juni 2020 
(DG190009)

- 3 -

Anklage:

Die (angepasste) Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

28. September 2023 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 256).

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 160 S. 86 ff.)

1. Der Beschuldigte, A._____, ist schuldig der eventualvorsätzlichen Tötung im 

Sinne von Art. 111 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 11 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 966 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafvollzug erstan-

den sind. 

3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

4. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I vom 20. Juni 2019 beschlag-

nahmte CH-Reisepass des Privatklägers 2 (Asservat Nr. A010'912'239) ist 

diesem auf erstes Verlangen innert 3 Monaten nach Rechtskraft dieses Ent-

scheids durch die Lagerbehörde (Forensisches Institut Zürich) herauszuge-

ben. Nach unbenütztem Ablauf dieser Frist wird dieser Gegenstand der La-

gerbehörde zur Vernichtung überlassen. 

5. Die folgenden, übrigen mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I vom 20. Juni 

2019 beschlagnahmten Gegenstände werden definitiv eingezogen und der 

Lagerbehörde nach Rechtskraft dieses Entscheids zur Vernichtung überlas-

sen:

 1x Mobiltelefon Samsung (Asservat Nr. A010'912'171, 
Standort: Asservate-Triage der Kantonspolizei Zürich)

 1x Mobiltelefon Samsung (klein/weiss) (Asservat Nr. A010'912'217, 
Standort: Asservate-Triage der Kantonspolizei Zürich)

 1x CH-Reisepass für A._____ (Asservat Nr. A010'912'228, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

 1x CH-Reisepass für D._____ (Asservat Nr. A010'912'240, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

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 1x Krankenkassenausweis D._____ - ASSURA (Asservat Nr. 
A010'912'251, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

 1x Tagebuch von D._____ "Mein Tagebuch" (Asservat Nr. 
A010'912'273, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

 1x Ringheft mit Handschrift-Einträgen und Kochrezepten (Asservat Nr. 
A010 912'284, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

 Div. Dokumente / Unterlagen (Asservat Nr. A010'912'308, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

 1x Damenslip, rosa (Asservat Nr. A010'912'319, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

 1x schwarze Trainerhose (Asservat Nr. A010'912'320, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

 Dokumentation in Coop-Plastiksack (Asservat Nr. A010'912'331, 
Standort: Forensisches Institut Zürich)

 1x leere Getränkedose "Energy" mit zwei Marlboro Zigarettenstummel 
(Asservat Nr. A010'912'342, Standort: Forensisches Institut Zürich)

 1x leere Zigarettenpackung Marlboro Rot mit einem Zigarettenstummel 
(Asservat Nr. A010'912'353, Standort: Forensisches Institut Zürich)

 1x gerolltes Papier, angekohlt (ähnlich Zigarettenstummel) 
(Asservat Nr. A010'912'375, Standort: Forensisches Institut Zürich)

 Diverse Papiere, zum Teil mit Couvert (Asservat Nr. A010'912'400, 
Standort: Forensisches Institut Zürich).

6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 

aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig 

ist, dies nebst Zins zu 5% seit dem 26. Oktober 2017. Zur genauen Feststel-

lung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin 1 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 2 

aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig 

ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches 

wird der Privatkläger 2 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung von 

Fr. 5'000.– zuzüglich Zins seit 26. Oktober 2017 zu bezahlen. 

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9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 eine Genugtuung von 

Fr. 150.– zuzüglich Zins seit 25. Oktober 2017 zu bezahlen. 

10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 8'600.00   Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 33'950.80   Auslagen (Gutachten/Expertisen)
Fr. 10'310.10   Auslagen Untersuchung

Fr. 4'784.00   Auslagen Polizei

Fr. 821.40   Entschädigung Zeugen

Fr. 1'000.00
  Obergericht des Kantons Zürich, Gerichtsgebühr gem.
  Beschluss vom 21. November 2017 (Geschäfts-Nr. 
  UB170143-O)

Fr. 1'000.00
  Obergericht des Kantons Zürich, Gerichtsgebühr gem. 
  Beschluss vom 22. März 2018 (Geschäfts-Nr.
  UB180063-O)

Fr. 1'200.00
  Obergericht des Kantons Zürich, Gerichtsgebühr gem. 
  Beschluss vom 16. Oktober 2018 (Geschäfts-Nr. 
  UB180143-O)

Fr. 86'445.20   amtliche Verteidigung (inkl. 8% resp. 7.7% MwSt.)

11. Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher 

Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 86'445.20 (inkl. 

8% MwSt. [auf den Betrag von Fr. 8'453.30] resp. 7.7% MwSt. [auf den Be-

trag von Fr. 71'788.10]) entschädigt.

12. Die Gerichtsgebühr sowie die weiteren Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 10, 

ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschul-

digten auferlegt.

13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO.

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14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 für das gesamte Ver-

fahren eine Parteientschädigung von Fr. 10'340.80 (inkl. 7.7% MwSt.) zu be-

zahlen.

15. Das Gesuch des Privatklägers 2 um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege wird als gegenstandslos geworden erledigt abgeschrieben.

Berufungsanträge:

a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 162; Urk. 208 S. 48; Prot. II S. 156; sinngemäss)

1. In Gutheissung der Berufung seien die Dispositivziffern 1-3, 6-10, 12 
und 14 des Urteils des Bezirksgerichts Affoltern vom 17. Juni 2020 
(DG190009-A/U/nf) aufzuheben;

2. der Beschuldigte A._____ sei vom Vorwurf der eventualvorsätzlichen 
Tötung im Sinne von Art. 111 StGB freizusprechen;

3. die Zivilforderungen seien abzuweisen;

4. der Beschuldigte sei gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO für den entgange-
nen Lohn mit insgesamt Fr. 263'989.– zu entschädigen und die erlit-
tene Überhaft mit Fr. 200.– pro Tag zu entschädigen, beides zzgl. 5% 
Verzugszins seit 27. Oktober 2017;

5. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staats, zzgl. 
7.7 % MwSt.;

6. der amtliche Verteidiger sei für seine Aufwendungen im Berufungsver-
fahren aus der Gerichtskasse entsprechend einer noch einzureichen-
den und zu genehmigenden Kostennote zu entschädigen.

b) Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich: 
(Urk. 209; Urk. 279 S. 5)

" 1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils in Bezug auf den Schuldpunkt 
(Disp. Ziff. 1).

2. Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren 
unter Anrechnung der erstandenen Haft.

3. Vollzug der Freiheitsstrafe."

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang

1. Hinsichtlich des Prozessverlaufs bis zum Abschluss des erstinstanzlichen 

Verfahrens kann auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid des Bezirksge-

richts Affoltern verwiesen werden (Urk. 160 S. 5 ff.). Mit dem eingangs im Disposi-

tiv wiedergegebenen Urteil vom 17. Juni 2020 sprach die Vorinstanz den Beschul-

digten der eventualvorsätzlichen Tötung schuldig und bestrafte ihn mit einer Frei-

heitsstrafe von 11 Jahren. Ferner wurde im Grundsatz festgestellt, dass er gegen-

über den Privatklägern 1 und 2 schadenersatzpflichtig ist; ebenso wurde er ver-

pflichtet, den Privatklägern je Genugtuung zu bezahlen. Im Übrigen befand die 

Vorinstanz über die beschlagnahmten Gegenstände und regelte die Kosten- und 

Entschädigungsfolgen (Urk. 160 S. 86 ff.). 

2.1. Gegen das mündlich am 29. Juni 2020 eröffnete Urteil (Prot. I S. 63 f.) 

wurde seitens des Beschuldigten mit Eingabe vom 30. Juni 2020 sowie seitens 

der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich mit Eingabe vom 2. Juli 2020 recht-

zeitig Berufung angemeldet (Urk. 146; Urk. 149). Nach Erhalt des begründeten 

Urteils, welches am 21. Mai 2021 an die Parteien verschickt wurde (Urk. 155 ff.), 

reichte die Verteidigung am 4. Juni 2021 sowie die Staatsanwaltschaft am 8. Juni 

2021 fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 162; Urk. 163). Demgegenüber 

liess sich weder die Privatklägerin 1 (B._____) noch der Privatkläger 2 (C._____) 

vernehmen. Auf die am 18. Juni 2021 angesetzte Frist für eine Anschlussberu-

fung oder einen Nichteintretensantrag wurde von keiner Seite reagiert (Urk. 164).

2.2. Mit Beschluss vom 6. Januar 2022 wurde von Amtes wegen beim Institut 

für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM Zürich) ein Ergänzungsgutachten in 

Auftrag gegeben. Im Übrigen wurden die von der Verteidigung mit der Berufungs-

erklärung gestellten Beweisanträge einstweilen abgewiesen (Urk. 169). Im An-

schluss daran ergingen die Vorladungen zur Berufungsverhandlung vom 22. No-

vember 2022 (Urk. 173). 

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2.3. Am 18. Mai 2022 leiteten die Strafvollzugsbehörden zuständigkeitshalber 

ein Urlaubsgesuch des sich im vorzeitigen Strafvollzug befindlichen Beschuldigten 

an die erkennende Kammer weiter, welche das Begehren mit Präsidialverfügung 

vom 19. Mai 2022 abwies (Urk. 174; Urk. 177).

2.4. Unter dem 30. Mai 2022 erstattete das IRM Zürich das gerichtlich ange-

forderte Ergänzungsgutachten (Urk. 180), welches sogleich den Verfahrensbetei-

ligten zugestellt wurde (Urk. 182/1-2). Mit Präsidialverfügung vom 21. Juni 2022 

wurde der daraufhin gestellte Antrag der Verteidigung auf mündliche Ergänzung 

und Erläuterung des Gutachtens anlässlich der Berufungsverhandlung einstweilen 

abgewiesen und stattdessen den Parteien Frist zur Stellung von schriftlichen Er-

gänzungsfragen an die Sachverständigen angesetzt (Urk. 184). Während die 

Staatsanwaltschaft darauf verzichtete (Urk. 186), ersuchte die Verteidigung am 

11. Juli 2022 um Stellung mehrerer Ergänzungsfragen an die Gutachterstelle 

(Urk. 187), was mit Präsidialverfügung vom 20. Juli 2022 indessen ebenfalls einst-

weilen abgelehnt wurde (Urk. 189). 

2.5. In der Folge liess die erkennende Kammer eine Abschrift der Videobefra-

gung des minderjährigen Privatklägers 2 vom 5. Dezember 2017 erstellen, die als 

Urk. 193 zu den Akten genommen wurde und den Parteien am 14. September 

2022 zur Kenntnis zugestellt wurde (Urk. 195/1-4). Sodann wurde mit Präsidial-

verfügung vom 19. Oktober 2022 die Befragung des Privatklägers 2 im Rahmen 

der Berufungsverhandlung angeordnet (Urk. 199); dies nachdem dessen Beistand 

am 6. Oktober 2021 signalisiert hatte, dass der Privatkläger 2 im Berufungsver-

fahren bereit sei, Aussagen zu machen (Urk. 168). Mit Eingabe vom 3. November 

2022 ersuchte die Rechtsvertretung des Privatklägers 2 zudem um Ausschluss 

der Publikumsöffentlichkeit von der Berufungsverhandlung (Urk. 202). Diesem An-

trag wurde – analog zur Regelung bei der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

(vgl. Urk. 62) – mit Beschluss vom 10. November 2022 entsprochen (Urk. 203). 

2.6. Die Berufungsverhandlung vom 22. November 2022 fand in Anwesenheit 

des Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers, der Vertreterin der Staats-

anwaltschaft, der Privatklägerin 1 und des Privatklägers 2 sowie deren jeweiligen 

Rechtsvertretungen statt (Prot. II S. 13 ff.). Ankündigungsgemäss wurden dabei 

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der Beschuldigte und der Privatkläger 2 gerichtlich befragt (Prot. II S. 15 ff.). An-

lässlich der Verhandlung wurde noch kein Urteil gefällt. 

2.7. Mit Beschluss vom 8. Dezember 2022 wurde ein weiteres rechtsmedizini-

sches Ergänzungsgutachten angeordnet und den Parteien Frist angesetzt, allfäl-

lige Einwände gegen den Gutachter Prof. Dr. med. E._____ vom Institut für 

Rechtsmedizin der Universität Bern (IRM Bern) zu erheben und allfällige Ergän-

zungsfragen zu stellen (Urk. 214). Ein entsprechender Antrag der Verteidigung 

auf Umformulierung einer Frage an den Gutachter (Urk. 220) wurde mit Beschluss 

vom 26. Januar 2023 abgewiesen und – nachdem gegen die Person des Gutach-

ters keine Einwände erhoben wurden – der vorgeschlagene Sachverständige for-

mell als Gutachter ernannt und der Gutachtensauftrag erteilt (Urk. 222 f.). Am 

26. April 2023 ging das Gutachten des IRM Bern vom 4. April 2023 ein (Urk. 235). 

Mit Präsidialverfügung vom 11. Mai 2023 wurde das Gutachten samt Rechnung 

den Parteien zugestellt und ihnen Frist zur freigestellten Vernehmlassung ange-

setzt (Urk. 238). Im Nachgang zur Stellungnahme der Verteidigung (Urk. 243/2) 

wurde der Sachverständige mit Beschluss vom 27. Juni 2023 aufgefordert, das 

Gutachten in einem Punkt zu erläutern und nötigenfalls zu ergänzen (Urk. 246). 

Am 19. Juli 2023 ging die Erläuterung des Gutachtens des IRM Bern ein 

(Urk. 248), welche in der Folge den Parteien zur Kenntnis zugestellt wurde 

(Urk. 251/1-4). 

2.8. Zwischenzeitlich war der hiesigen Kammer am 12. Juni 2023 vom Amt für 

Justizvollzug ein an dieses gerichtetes Gesuch um Gewährung von Vollzugslo-

ckerungen vom 24. April 2023 (Urk. 234) zuständigkeitshalber weitergeleitet wor-

den (Urk. 240). Mit Präsidialverfügung vom 16. Juni 2023 wurde das Gesuch ab-

gewiesen (Urk. 244).

2.9. Mit Beschluss vom 13. September 2023 wurde die Anklage an die Staats-

anwaltschaft zurückgewiesen und diese eingeladen, vor dem Hintergrund der 

neuen Erkenntnisse aus dem Gutachten des IRM Bern innert Frist den Anklage-

sachverhalt an das neue Beweisergebnis anzupassen (Urk. 253). In der Folge 

reichte die Staatsanwaltschaft die angepasste Anklageschrift vom 28. September 

2023 ein (Urk. 256). Diese wurde mit Präsidialverfügung vom 11. Oktober 2023 

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den Parteien zugestellt und ihnen Frist angesetzt, sich zur Frage, ob das Beru-

fungsverfahren aus ihrer Sicht mündlich oder schriftlich fortgesetzt werden solle, 

vernehmen zu lassen (Urk. 257). Einzig die Staatsanwaltschaft stimmte einer 

Fortsetzung des Berufungsverfahrens im schriftlichen Verfahren zu (Urk. 259). 

Die übrigen Parteien liessen sich nicht vernehmen. Der Beschuldigte erhob gegen 

den Beschluss vom 13. September 2023 betreffend Anklageanpassung Be-

schwerde in Strafsachen am Bundesgericht (Urk. 261). Ferner beantragte er mit 

Eingabe vom 20. Oktober 2023 die Sistierung des Berufungsverfahrens bis zum 

Ergehen des bundesgerichtlichen Beschwerdeentscheids und ersuchte gleichzei-

tig erneut um Gewährung von Vollzugslockerungen (Urk. 260). Das Begehren be-

treffend Vollzugslockerungen wurde mit Präsidialverfügung vom 31. Oktober 2023 

abgewiesen (Urk. 265). Auch gegen diesen Entscheid erhob der Beschuldigte Be-

schwerde in Strafsachen (Urk. 268). Diese Beschwerde war zum Zeitpunkt der 

Fällung des vorliegenden Urteils noch beim Bundesgericht hängig. Demgegen-

über trat das Bundesgericht mit Urteil vom 6. Dezember 2023 auf die vom Be-

schuldigten gegen die beschlossene Anpassung der Anklage erhobene Be-

schwerde nicht ein (Urk. 274). In der Folge wurde am 21. Dezember 2023 zur 

Fortsetzung der Berufungsverhandlung auf den 13. März 2024 vorgeladen 

(Urk. 275). Zuvor war mit Präsidialverfügung vom 11. Dezember 2023 noch ein 

Gesuch des amtlichen Verteidigers um Genehmigung von Akontozahlungen 

(Urk. 269) im Umfang von Fr. 18'000.– gutgeheissen worden (Urk. 272). 

2.10. Am 13. März 2024 fand die Fortsetzung der Berufungsverhandlung in An-

wesenheit des Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers, der Vertreterin 

der Staatsanwaltschaft, der Privatklägerin 1 und des Privatklägers 2 sowie deren 

jeweiligen Rechtsvertretungen statt (Prot. II S. 137 ff.). Gleichentags wurde das 

vorliegende Urteil gefällt und den Parteien mündlich eröffnet (Prot. II S. 168 ff.). 

II. Prozessuales

1. Dass die Strafprozessordnung auf den 1. Januar 2024 hin einer Teilrevi-

sion unterzogen wurde, hat auf das vorliegende Verfahren keine Auswirkungen, 

- 11 -

nachdem der angefochtene erstinstanzliche Entscheid vom 17. Juni 2020 vor dem 

Inkrafttreten der neuen Bestimmungen gefällt worden ist (Art. 453 Abs. 1 StPO). 

2. Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren einen vollumfängli-

chen Freispruch sowie die Abweisung der Zivilforderungen der Privatklägerschaft 

und die Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 162; Urk. 208). 

In ihrer Berufungserklärung lässt die Verteidigung zwar Dispositivziffer 10 (Kos-

tenfestsetzung) mitanfechten, wohingegen sie Dispositivziffer 13 (Auflage der 

Kosten der amtlichen Verteidigung) nicht erwähnt (Urk. 162). Anhand ihrer Aus-

führungen in diesem Verfahren (Prot. II S. 97 ff., S. 156 ff.) ist allerdings nicht er-

sichtlich, dass die Verteidigung die eigentliche Festsetzung der Kosten durch die 

Vorinstanz (Dispositivziffer 10) beanstanden würde. Demgegenüber ergibt sich 

aus ihren Anträgen insgesamt (vollumfänglicher Freispruch, Kostenfolgen zulas-

ten des Staates), dass die in der Berufungserklärung unerwähnt gebliebene Dis-

positivziffer 13 zumindest insofern als mitangefochten zu betrachten ist, als die 

Rückzahlung der Kosten der amtlichen Verteidigung durch den Beschuldigten vor-

behalten wurde. Dem wird im nachfolgenden Rechtskraftbeschluss Rechnung zu 

tragen sein. Die Staatsanwaltschaft appelliert ihrerseits gegen die Bemessung der 

Strafe (Urk. 163). In Rechtskraft erwachsen ist das vorinstanzliche Urteil folglich 

einzig hinsichtlich der Dispositivziffern 4 und 5 (Verwendung beschlagnahmter 

Gegenstände), 10 (Kostenfestsetzung), 11 (Entschädigung amtliche Verteidigung) 

sowie 15 (Gegenstandslosigkeit des privatklägerischen Gesuchs um unentgeltli-

che Prozessführung), was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (BÄHLER, Bas-

ler Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 402 StPO N 2). In allen übrigen Punkten 

steht der erstinstanzliche Entscheid demgegenüber im Rahmen des vorliegenden 

Beweisverfahrens zur Disposition.

3. Wie in der Darlegung des Prozessgangs bereits erwähnt, lud das Gericht 

die Staatsanwaltschaft nach durgeführter Beweisergänzung (Ergänzungsgutach-

ten IRM Bern) ein, den Anklagesachverhalt an das neue Beweisergebnis anzu-

passen, was mit neuer Anklageschrift vom 28. September 2023 geschah (s. dazu 

vorne Erw. I. 2.9.). Diesem Entscheid zugrunde lagen neue, den bisherigen Fest-

stellungen des IRM Zürich teilweise widersprechende Erkenntnisse des IRM Bern 

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einerseits zur Todesursache und andererseits auch zur Art und Weise der Entste-

hung der letztlich tödlichen Verletzungen, aus welchen sich Rückschlüsse über 

den möglichen Tathergang ziehen lassen (Urk. 235 S. 19 ff.). Für Details kann auf 

die Erwägungen im Beschluss vom 13. September 2023 (Urk. 253) sowie auf die 

nachfolgenden Erwägungen zum Sachverhalt (s. dazu hinten Erw. III. 6.1.3.1. ff.) 

verwiesen werden. Mit Blick auf die Frage der Zulässigkeit einer solchen Ankla-

geanpassung sei hier dennoch nochmals festzuhalten, dass Art. 329 Abs. 2 StPO 

eine Rückweisung der Anklage an die Staatsanwaltschaft zur Ergänzung erlaubt, 

wenn sich zu Beginn oder im Laufe des Verfahrens – auch noch im Berufungsver-

fahren – ergibt, dass ein Urteil zurzeit nicht ergehen kann. Nach der Rechtspre-

chung kommt ein solches Vorgehen insbesondere dann zur Anwendung, wenn 

das Beweisverfahren – wie im vorliegenden Fall – einen etwas anders gearteten 

Lebensvorgang nahe legt als in der Anklage geschildert und der Sachverhalt ent-

sprechend an das neue Beweisergebnis anzupassen ist (vgl. dazu Urk. 253 S. 4 f. 

mit Verweisen auf Rechtsprechung). Soweit sich die Verteidigung – wie sich ihrer 

Beschwerdeschrift an das Bundesgericht entnehmen lässt – auf den Standpunkt 

stellt, durch die Rückweisung der Anklage an die Staatsanwaltschaft sei das hie-

sige Gericht in der Kerntätigkeit der Funktion der anklagenden Partei tätig gewor-

den, weshalb der Grundsatz der objektiven (funktional-institutionellen) Unpartei-

lichkeit des Gerichts im Sinne von Art. 6 EMRK verletzt sei (vgl. Urk. 264/2 S. 28 

ff.), ist dem entgegenzuhalten, dass der Gesetzgeber die Möglichkeit der Rück-

weisung der Anklage zur Ergänzung bzw. Änderung durch das Gericht in der 

Strafprozessordnung ausdrücklich vorgesehen hat und das Bundesgericht solche 

vom Gericht – auch noch im Stadium des Berufungsverfahrens – veranlassten 

Anpassungen der Anklage auch bereits mehrfach geschützt hat (Urteile des Bun-

desgerichts 6B_941/2022 vom 23. November 2022 E. 2.1.1; 6B_894/2016 vom 

14. März 2017 E. 1.1.2; 6B_904/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.4 m.w.H.). Wenn 

die Verteidigung ferner bemängelt, anhand der Rückweisung sei ersichtlich, dass 

sich das Gericht insbesondere hinsichtlich der Frage der Täterschaft bereits fest-

gelegt zu haben scheine (Urk. 264/2), ist festzuhalten, dass sich die Einladung an 

die Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Anpassung der Anklageschrift wie darge-

legt auf die Erkenntnisse aus den neu erhobenen Beweisen in Form des Ergän-

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zungsgutachtens des IRM Bern bezog, die ein leicht anderes Tatvorgehen als in 

der ursprünglichen Anklageschrift nahelegten, das sich aber weiterhin klar inner-

halb der Grenzen des erstinstanzlich fixierten Verfahrensgegenstands bewegt. Im 

Kern des Tatvorwurfs und damit auch hinsichtlich der Frage der Täterschaft blieb 

die ursprüngliche Anklage jedenfalls unangetastet. Ausstandsgründe im Sinne 

von Art. 56 StPO macht die Verteidigung sodann zu Recht nicht geltend. Diesbe-

züglich hat das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung denn auch bereits fest-

gehalten, dass eine gerichtlich verfügte Rückweisung zur Anpassung der Ankla-

geschrift in der Regel nicht bedeute, dass sich das Gericht damit in einem Mass 

festgelegt hätte, dass es nicht mehr als unvoreingenommen gelten könnte und 

das Verfahren nicht mehr als offen erscheinen würde (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 1B_24/2017 vom 10. Mai 2017 E. 2.4).

4. Mit der Befragung des Privatklägers 2, der als gemeinsames Kind der 

Eheleute A._____D._____ neben dem Beschuldigten als einziger in der Lage ist, 

aus eigener Wahrnehmung sachverhaltsrelevante Angaben zur eingeklagten Tö-

tung von †D._____ zu machen, anlässlich der (ersten) Berufungsverhandlung 

wurde den bundesgerichtlichen Anforderungen an die Einhaltung des Unmittelbar-

keitsprinzips Genüge getan (Urteil des Bundesgerichts 6B_639/2021 vom 

27. September 2022 E. 2.2). Ferner hat die Verteidigung im Verlaufe des Beru-

fungsverfahrens diverse Beweisanträge gestellt, über die bereits entschieden 

wurde (Urk. 169, Urk. 184, Urk. 189 und Urk. 199). Teilweise hat sie dieselben an-

lässlich der Berufungsverhandlung wiederholt resp. hat sie neue und modifizierte 

Beweisbegehren formuliert (vgl. Urk. 208 S. 11; Prot. II S. 15, S. 138 f., S. 156). 

Soweit angezeigt, wird darauf im Rahmen der nachstehenden Erwägungen zum 

Sachverhalt zurückzukommen sein. Im Übrigen kann bereits an dieser Stelle dar-

auf hingewiesen werden, dass zwar das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV 

verlangt, dass das Gericht die Vorbringen des von einem Entscheid in seiner 

Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfin-

dung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass es sich mit allen Partei-

standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrü-

cklich widerlegt. Vielmehr kann sich die Berufungsinstanz vorliegend auf die für 

ihren Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 147 IV 409 

- 14 -

E. 5.3.4; 146 IV 297 E. 2.2.7; 141 IV 249 E. 1.3.1 m.w.H.; Urteile des Bundesge-

richts 6B_1135/2022 vom 21. September 2023 E. 3.2.3; 6B_1354/2021 vom 

22. März 2023 E. 4.4.2).

III. Sachverhalt

1. Gemäss angepasster Anklageschrift vom 28. September 2023 wird dem 

Beschuldigten vorgeworfen, seine Ehegattin †D._____, (eventual-) vorsätzlich ge-

tötet zu haben, indem er ihr zu einem nicht mehr genau eruierbaren Zeitpunkt, je-

doch vermutlich zwischen Mittwochmorgen, 25. Oktober 2017, und Donnerstag-

morgen, 26. Oktober 2017, im Verlauf einer oder allenfalls mehrerer tätlicher Aus-

einandersetzungen, die sich in der Familienwohnung an der F._____-strasse 1 in 

G._____ abgespielt hätten, mehrere Faustschläge sowie mehrere kräftige Fuss-

tritte gegen deren gesamten Körper, namentlich den Oberbauch rechts resp. den 

Brustkorb vorne rechts, versetzt habe, wobei die kräftigen Fusstritte, insbeson-

dere auch gegen das in Rücken- oder in leicht linksseitiger Rückenlage am Boden 

liegende Opfer, im Sinne eines "Zusammentretens" ausgeführt worden und derart 

tief in den Körper eingedrungen seien, dass diese Gewalt die Leber hinten gegen 

das Widerlager der Wirbelsäule habe prallen lassen, was zu Rissen an der Leber-

rückseite und Verletzungen mitten in der Leber geführt habe. Zudem habe der Be-

schuldigte mit einem Sitzhocker gegen den Kopf des Opfers geschlagen. Durch 

die körperlichen Einwirkungen habe das Opfer zahlreiche äusserliche und innere 

Verletzungen erlitten, wobei eine oder mehrere dieser Verletzungen in Kombina-

tion mit dem Blutverlust in die Bauchhöhle und dem damit verbundenen Verbluten 

nach innen den Tod verursacht hätten oder ein durch eine der zahlreichen schwe-

ren inneren Verletzungen verursachter zerebraler Krampfanfall zum Tod geführt 

habe. Dabei habe der physisch deutlich überlegene Beschuldigte bei seinen mit 

grosser Wucht gegen den Oberbauch bzw. den Brustkorb und insbesondere ge-

gen das am Boden liegende hilflose Opfer ausgeführten Schlägen und Fusstritten 

gewusst, dass seine Ehefrau dadurch sterben könnte und habe dies auch gewollt 

oder zumindest in Kauf genommen (Urk. 256 S. 2 f.). 

- 15 -

2. Der Beschuldigte gibt zu, dass es in der Vergangenheit zwischen 

†D._____ und ihm immer wieder zu ehelichen Auseinandersetzungen kam und er 

ihr gegenüber gewalttätig wurde (Urk. 3/4 F24; Urk. 17/32 S. 2; Urk. 3/6 F16, 

F107; Urk. 77 S. 14 ff.; Prot. II S. 60 ff.) Auch am Dienstagabend (24. Oktober 

2017) – so der Beschuldigte – hätten sie gestritten und habe er ihr Verletzungen 

zugefügt. Der Streit sei aber nach kurzer Zeit wieder beendet gewesen (Urk. 3/4 

F51 ff.; Urk. 3/6 F83 ff.; Urk. 3/10 F60; Urk. 3/11 F14 ff.; Urk. 77 S. 23 f.; Prot. II 

S. 59, S. 65 ff.). Zuletzt lebend gesehen habe er seine Ehefrau am Mittwochmor-

gen (25. Oktober 2017), bevor er zur Arbeit gefahren sei (Urk. 3/1 F27 ff.; Urk. 3/4 

F78; Urk. 3/6 F12; Urk. 3/8 F38 f.). Zudem habe er mit ihr am Mittag noch telefo-

niert (Prot. II S. 76 f.). Nach Arbeitsschluss sei der Beschuldigte am Mittwoch di-

rekt von seinem Arbeitsplatz in Zürich zum Sportplatz H._____ in I._____ gereist, 

wo er sich ein Fussball-Testspiel von C._____ – dem gemeinsamen Kind der 

Eheleute A._____D._____ – angesehen habe. Als er um 19.30 Uhr zusammen 

mit seinem Sohn heimgekehrt sei, hätten sie †D._____ in der Wohnung tot vorge-

funden (Urk. 3/4 F39; Urk. 3/6 F33 f.; Urk. 3/8 F31, F42; Urk. 3/10 F45 ff.; Urk. 77 

S. 23 f.; Prot. II S. 78). Am folgenden Donnerstagmorgen (26. Oktober 2017) 

seien sie schliesslich von seiner Ex-Partnerin J._____ im Auto nach Zürich gefah-

ren worden, wo zuerst C._____ in die Obhut der "Tante" – tatsächlich handelt es 

sich dabei um K._____, der leiblichen Grossmutter mütterlicherseits (vgl. zu den 

verwirrenden Verwandtschaftsverhältnissen der Herkunftsfamilie der Getöteten: 

Urk. O2/4/31 S. 2) – gegeben worden sei und anschliessend der Beschuldigte bei 

der Polizei den Tod seiner Ehefrau gemeldet habe (Urk. 3/4 F41; Urk. 17/32 S. 3; 

Urk. 3/8 F31; Urk. 77 S. 23 f.; Prot. II S. 83 ff.). 

3.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat, sind bei der Beweiswürdigung 

zunächst die Aussagen des Beschuldigten zu berücksichtigen, die dieser im Vor-

verfahren (Urk. 3/1-5; Urk. 17/32; Urk. 3/6-11 [wobei die Schlusseinvernahme 

vom 10. Mai 2019 fälschlicherweise als Urk. 3/10 einakturiert ist, weshalb sie 

fortan als Urk. 3/11 zitiert wird]), anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-

lung (Urk. 77) sowie anlässlich der beiden Berufungsverhandlungen gemacht hat 

(Prot. II S. 53 ff., S. 139 ff.). 

- 16 -

3.2. Zudem wurde C._____, das einzige Kind des Beschuldigten und der Ge-

töteten, der sich im Strafverfahren als Straf- und Zivilkläger konstituiert hat (Urk. 

9/3), am 5. Dezember 2017 mittels Videobefragung einvernommen (Urk. O1/4/2). 

Die Vorinstanz hat zwar zutreffend erwogen, dass hinsichtlich der Aussagen, wel-

che der damals 11-jährige Privatkläger 2 gemacht hat, eine Zusammenfassung 

bei den Akten liegt (Urk. 160 S. 18 f.), wobei nunmehr auch ein Wortprotokoll der 

Befragung besteht (vgl. Urk. 193). Verständlich ist auch, dass die Vorinstanz von 

einer weiteren Einvernahme des Privatklägers 2 abgesehen hat, nachdem dieser 

über seinen Prozessbeistand mehrfach hatte mitteilen lassen, dass er sich für 

eine weitere Befragung nicht zur Verfügung stellt (Urk. 13/6; Urk. 13/13; 

Urk. 13/19; Urk. 15/52). In der Folge verweist die Vorinstanz allerdings auf den 

Bericht der die Befragung vom 5. Dezember 2017 begleitenden Psychologin, wo-

nach bei Kindern, die von fortdauernder häuslicher Gewalt betroffen sind, die ei-

gene Wahrnehmung möglicherweise als bedrohlich erlebt und abgespaltet werde, 

was erklären könne, weshalb sich der Privatkläger 2 bei seinen Aussagen mehr-

heitlich an die väterlichen Erklärungen und Schuldzuweisung klammere. Ausser-

dem wird im angefochtenen Entscheid darauf hingewiesen, dass der Privatklä-

ger 2 durch den Todesfall von †D._____ einerseits den Verlust der Mutter erlitten 

habe und andererseits mit dem Wegfall des Kontakts zum Vater konfrontiert wor-

den sei, der als Tatverdächtigter sogleich inhaftiert worden sei und seither im Ge-

fängnis sitze. Gestützt darauf kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass der Wahr-

heitsgehalt der privatklägerischen Aussagen fragwürdig sei und dass seine Anga-

ben deshalb nicht geeignet seien, zur Sachverhaltserstellung beizutragen, wes-

halb sie im Folgenden ganz darauf verzichtet hat, die Depositionen des Kindes in 

die Beweiswürdigung miteinzubeziehen (Urk. 160 S. 20 f.). Dem kann nicht ge-

folgt werden, übergeht doch die Vorinstanz mit dem kompletten Ausschluss der 

Aussagen des Privatklägers 2 bei der Sachverhaltserstellung den Grundsatz der 

freien Beweiswürdigung. Zu Recht beklagt sich der Privatkläger 2 denn auch, 

dass für ihn nicht nachvollziehbar sei, weshalb man ganz auf die Würdigung sei-

ner Aussagen verzichtet habe (Urk. 168; Prot. II S. 22). Kommt hinzu, dass es 

sich beim Privatkläger 2 um diejenige Aussageperson handelt, die neben dem Be-

schuldigten als einzige die ehelichen Konflikte seiner Eltern unmittelbar miterlebt 

- 17 -

hat und die insbesondere auch mit Bezug auf die eingeklagten Geschehnisse aus 

eigener Wahrnehmung berichten kann. Entsprechend beruft sich auch die Vertei-

digung auf die ihrer Auffassung nach für den Beschuldigten entlastenden Aussa-

gen des Privatklägers 2 (Urk. 162 S. 6). Auch aus diesem Grund erscheint das 

vorinstanzliche Vorgehen als fehlerhaft. Und schliesslich wird auch in der von der 

Verteidigung eingereichten aussagepsychologischen Stellungnahme von Prof. 

Dr. L._____, Fachpsychologin für Rechtspsychologie, vom 12. März 2024 festge-

halten, dass keine Bedingungen ersichtlich seien, welche die Aussagetüchtigkeit 

– im Sinne der reinen Fähigkeit, einen spezifischen Sachverhalt zuverlässig wahr-

zunehmen und später in einer Befragung angemessen abzurufen und verbal wie-

derzugeben, losgelöst von der Frage der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen 

in diesem Strafverfahren – in Frage stellen würden (Urk. 278). Folgerichtig wird 

nachstehend – unter Beachtung der notwendigen Vorsicht, welche sich ange-

sichts der im angefochtenen Entscheid an sich zu Recht aufgeführten Umstände 

aufdrängt – eine umfassende Würdigung der privatklägerischen Aussagen nach-

zuholen sein (s. hinten E. III. 7.3.1. ff.). Entgegen dem von der Verteidigung an 

der zweiten Berufungsverhandlung erneuerten Beweisantrag (Urk. 162 S. 2; 

Prot. II S. 97 und S. 156) ist dazu auch kein aussagepsychologisches Gutachten 

notwendig. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist primär die Aufgabe 

des Gerichts. Eine Glaubwürdigkeitsbegutachtung durch eine sachverständige 

Person drängt sich nach der Rechtsprechung nur bei besonderen Umständen auf. 

Dies ist etwa der Fall, wenn bruchstückhafte oder schwer interpretierbare Äusse-

rungen eines Kleinkinds zu beurteilen sind, bei ernsthaften Anzeichen geistiger 

Störungen, welche die Aussageehrlichkeit des Einvernommenen beeinträchtigen 

könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass dieser unter dem Ein-

fluss von Drittpersonen steht. Dem Gericht steht bei der Beantwortung der Frage, 

ob aufgrund der konkreten Umstände der Beizug eines Sachverständigen not-

wendig ist, ein Ermessensspielraum zu (Urteile des Bundesgerichts 

6B_1090/2018 vom 17. Januar 2019 E. 1.2; 6B_297/2013 vom 27. Mai 2013 

E. 1.4.1; 6B_681/2012 vom 12. März 2013, E. 3.2 m.w.H.). Solche Umstände lie-

gen – und dafür spricht gerade auch die soeben erwähnte positive Einschätzung 

der Aussagetauglichkeit durch Prof. Dr. L._____ – hinsichtlich der Befragung des 

- 18 -

Privatklägers 2 nicht vor. Der Beweisantrag der Verteidigung ist entsprechend ab-

zuweisen. Ebenso wenig drängt es sich auf, dem Privatkläger 2 nochmals Gele-

genheit zu geben, zu Widersprüchen in seinen Aussagen Stellung zu nehmen, 

wie dies die Verteidigung angeregt hat (Prot. II S. 97). 

3.3. Des Weiteren wurden mehrere Personen aus dem familiären, persönli-

chen und beruflichen Umfeld der Eheleute A._____D._____ einvernommen (u.a. 

M._____, langjährige Freundin der Getöteten: Urk. O2/4/9-13; B._____, leibliche 

Schwester der Getöteten: Urk. O2/4/31-33; K._____, leibliche Mutter der Getöte-

ten: Urk. O2/4/14-15; N._____, Mutter des Beschuldigten: Urk. O2/4/19; J._____, 

Ex-Partnerin des Beschuldigten: Urk. O2/4/5-6; O._____, Arbeitskollege des Be-

schuldigten: Urk. O2/4/29; P._____, Erziehungsbeistand des Kindes: Urk. 

O2/4/20). Ebenso wurden diverse Nachbarn der Familie A._____D._____ befragt, 

sowohl am früheren Wohnort in Q._____ (R._____: Urk. O2/4/16; S._____: Urk. 

O2/4/7-8) wie auch am letzten Wohnsitz in G._____ (T._____: Urk. O2/4/23-24; 

U._____: Urk. O2/4/). Darüber hinaus liegen die Depositionen der beiden Angehö-

rigen der Stadtpolizei Zürich vor, die nach der Meldung des Todesfalls von 

†D._____ als Erste auf Seiten der Strafverfolgungsbehörden mit dem Beschuldig-

ten in Kontakt standen (V._____: Urk. O2/4/1-2; W._____: Urk. O2/4/3-4). Davon 

abgesehen wurden nicht bei allen aktenkundigen Einvernahmen die Teilnahme-

rechte der Beschuldigtenseite in Form einer Konfrontation gewahrt, weshalb die 

betreffenden Aussagen strafprozessual nicht verwertet werden können, ausser 

sie werden vom Beschuldigten anerkannt oder wirken sich für ihn nicht ungünstig 

aus (dies betrifft die Aussagen von AA._____ und AB._____, beides Nachbarin-

nen der Familie A._____D._____ in G._____: Urk. O2/4/22 und Urk. O2/4/25; 

AC._____, Vorgesetzter des Beschuldigten: Urk. O2/4/26; ebenso die polizeiliche 

Befragung von M._____ vom 31. Oktober 2018: Urk. O2/4/12). Oftmals ist bei den 

Schilderungen der vorgenannten Drittpersonen zudem zu beachten, dass diese 

nur das wiedergeben können, was ihnen †D._____ zu Lebzeiten, etwa über ge-

walttätige Übergriffe des Beschuldigten, berichtet hat oder was sie vom Beschul-

digten selber resp. vom Privatkläger 2 im Nachhinein über die Todesumstände 

von †D._____ gehört haben. Die Berücksichtigung solcher Aussagen vom Hören-

sagen im Rahmen der strafprozessualen Beweiswürdigung ist nach der Gerichts-

- 19 -

praxis keineswegs untersagt. Indessen ist bei der Glaubhaftigkeitsanalyse dem 

Umstand Rechnung zu tragen, dass die betreffenden Aussagepersonen höchs-

tens die ihnen gegenüber gemachte Äusserung direkt bezeugen können, nicht 

aber, ob deren Inhalt wahrheitsgetreu ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_1043/2021 vom 9. Juni 2022 E. 2.4 m.w.H.).

3.4. Schliesslich sind die vorhandenen Sachbeweismittel zu nennen, zu denen 

neben der Auswertung der Telefondaten (Urk. 1/10) und den Akten des Familien-

gerichts Bremgarten betreffend das KESB-Verfahren (Urk. 60/1-2) insbesondere 

die zahlreichen rechtsmedizinischen Gutachten sowie die Expertisen über die 

durchgeführten kriminaltechnischen Untersuchungen gehören, wie sie bereits im 

angefochtenen Entscheid aufgezählt sind (Urk. 160 S. 12 ff.). Ergänzend ist in 

diesem Zusammenhang auf das Ergänzungsgutachten des IRM Zürich vom 

30. Mai 2022 (Urk. 180) und das Gutachten des IRM Bern vom 4. April 2023 

(Urk. 235) sowie die Erläuterung zu diesem Gutachten vom 17. Juli 2023 

(Urk. 248) zu verweisen, welche im Rahmen des Berufungsverfahrens eingeholt 

wurden. 

4.1. Angesichts dessen, dass der Beschuldigte sich auf den Standpunkt stellt, 

dass er selber hinsichtlich des Vorwurfs in der angepassten Anklageschrift nicht 

als Täter in Frage kommt, fehlt es an direkten Beweismitteln für die Erstellung des 

Anklagesachverhalts. In Ergänzung der an sich zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz zu den Grundlagen der Beweiswürdigung in einem Strafprozess ist 

deshalb anzuführen, dass der Nachweis einer Straftat, sofern für die zentralen 

Punkte wie im vorliegenden Fall keine direkten Beweise vorliegen, auch mit mittel-

baren Beweisen geführt werden kann. Bei diesem sog. Indizienbeweis wird aus 

bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind 

(Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache ge-

schlossen. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig. Eine Mehr-

zahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahr-

scheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und inso-

fern Zweifel offen lassen, kann daher in ihrer Gesamtheit als "Mosaik" ein Bild er-

zeugen, das den Schluss auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat 

- 20 -

oder Täter erlaubt (Urteile des Bundesgerichts 6B_10/2023 vom 31. Juli 2023 

E. 6.5.4; 6B_1149/2020 vom 17. April 2023 E. 2.3.2.2; 6B_691/2021 vom 17. Ok-

tober 2022 E. 3.2.2; 6B_790/2021 vom 20. Januar 2022 E. 1.2.3 m.w.H.). Auch 

der strafprozessuale Grundsatz "in dubio pro reo" verlangt im Übrigen nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für die beschuldigte 

Person günstigeren Beweis abzustellen ist. Die entsprechende Entscheidregel fin-

det auf das einzelne Indiz keine Anwendung. Vielmehr entfaltet der Grundsatz 

seine Wirkung bei der Beweiswürdigung als Ganzes und kommt erst zum Tragen, 

nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben 

und ausgewertet worden sind. Massgebend ist mithin nicht eine isolierte Betrach-

tung der einzelnen Beweise, sondern deren gesamthafte Würdigung (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_160/2022 vom 5. Oktober 2022 E. 2.3.2; WOHLERS, Zürcher 

Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 10 StPO N 27; OBERHOLZER, Grundzüge des 

Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, N 1090). Auf diesen Aspekt zielt im Wesentli-

chen die Argumentation der Staatsanwaltschaft für eine Verurteilung des Beschul-

digten ab (Urk. 79 S. 16 f.).

4.2. Die Entscheidregel "in dubio pro reo" zwingt sodann auch nicht dazu, jede 

entlastende Angabe der beschuldigten Person, für deren Richtigkeit oder Unrich-

tigkeit kein spezifischer Beweis vorhanden ist, als unwiderlegt zu betrachten. Viel-

mehr darf das Gericht, sofern Anhaltspunkte für die Richtigkeit einer entlastenden 

Behauptung fehlen, in freier Beweiswürdigung zum Schluss kommen, dass die 

Vorbringen unglaubhaft sind. Darin liegt weder eine Missachtung des Aussage-

verweigerungsrechts einer beschuldigten Person gemäss Art. 113 Abs. 1 StPO 

bzw. Art. 6 EMRK noch eine verfassungswidrige Umkehr der Beweislast (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1385/2021 vom 29. August 2023 E. 2.4.1; 6B1205/2022 

vom 22. März 2023 E. 2.4.1; 6B_843/2018 vom 8. Januar 2019, E. 1.4 m.w.H.). 

Nicht jede aus der Luft gegriffene Schutzbehauptung braucht mithin durch einen 

hieb- und stichfesten Beweis widerlegt zu werden, insbesondere dort nicht, wo ein 

solcher Negativbeweis gar nicht zu erbringen ist. Ein "Gegenbeweis" der Strafbe-

hörden ist vielmehr nur dann zu verlangen, wenn gewisse Anhaltspunkte wie kon-

krete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Richtigkeit der Behauptung 

sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen lassen oder wenn die 

- 21 -

beschuldigte Person sie sonst wie glaubhaft macht. Andernfalls könnte jede An-

klage mit einer abstrusen Schutzbehauptung zu Fall gebracht werden (vgl. Urteile 

des Bundesgerichts 6B_824/2016, 6B_844/2016, 6B_946/2016, 6B_960/2016 

vom 10. April 2017 E. 15.3.2). 

5.1.1. Zur Vorgeschichte, die auch in der (angepassten) Anklageschrift Erwäh-

nung findet, indem darin ausgeführt wird, dass der Beschuldigte der Getöteten be-

reits bei früheren tätlichen Auseinandersetzungen massive Verletzungen zugefügt 

habe (vgl. Urk. 256 S. 3), hat die Vorinstanz sodann zutreffende Erwägungen ge-

macht, auf die an dieser Stelle in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen 

werden kann (Urk. 160 S. 15 f.). Der Beschuldigte hat nie in Abrede gestellt, dass 

†D._____ und er eine gewaltbeladene Beziehung geführt haben, bei der es immer 

wieder zu Auseinandersetzungen kam, die letztlich in physischer Gewalt münde-

ten (Urk. 77 S. 14). Nach seiner Schilderung seien die letzten 7 Ehejahre für das 

Kind und ihn die Hölle gewesen, weil †D._____ oft betrunken gewesen und in die-

sem Zustand aggressiv geworden sei (Urk. 3/4 F24; Urk. 3/6 F113; Prot. II S. 58, 

S. 60 f.). Sie hätten sich gegenseitig geschlagen (Urk. 17/32 S. 2; Urk. 3/11 F8). 

Er sei überfordert gewesen und habe mit Gewalt versucht zu erreichen, dass 

seine Ehefrau aufhört zu trinken (vgl. Urk. 77 S. 31; Prot. II S. 61 f.). Mithin ist un-

bestritten, dass der Beschuldigte bereits vor dem eingeklagten Vorfall gegenüber 

der Getöteten gewalttätig geworden war.

5.1.2. Besonders gut dokumentiert ist sodann ein Vorfall vom Mai 2016, als der 

behandelnde Arzt von †D._____ bei der Kantonspolizei Aargau – die Familie 

A._____D._____ war zu jenem Zeitpunkt in Q._____ wohnhaft – Anzeige erstat-

tete, weil diese Opfer von häuslicher Gewalt geworden war (Urk. 60 Abgriff 1). Die 

damals erstellte Fotodokumentation zeigt eindrücklich die zahlreichen Verletzun-

gen, die †D._____ im Gesicht und an verschiedenen Körperstellen (Arme, Schul-

ter, Beine, Rumpf) aufwies. Darüber hinaus wird von mehreren Beteiligten über-

einstimmend ein ähnlicher Vorfall aus dem Jahr 2015 beschrieben, als †D._____ 

mit Prellungen, zwei blauen Augen und offenen Lippen, die ihr gemäss ihren Aus-

sagen der Beschuldigte im Streit zugefügt hatte, während einiger Tage zu ihrer 

- 22 -

leiblichen Mutter zog (vgl. B._____: Urk. O2/4/31 F21; K._____: Urk. O2/4/15 

F28 ff.).

5.1.3. Schliesslich ergibt sich auch aus den rechtsmedizinischen Untersuchun-

gen, dass †D._____ bei ihrem Tod mehrere mehrzeitig erlittene äussere und in-

nere Läsionen aufwies, deren Entstehung hauptsächlich auf Schläge und Fuss-

tritte und nur teilweise auf allfällige Sturzgeschehen zurückzuführen sei (Urk. 5/10 

S. 4 f., S. 7). Namentlich konnten beidseitig sowohl frische wie auch ältere Rip-

penbrüche festgestellt werden, die in Fehlstellung verheilt waren (Urk. 5/19 S. 2; 

Urk. 235 S. 9). Nach dem Gesagten ist mithin davon auszugehen, dass die Getö-

tete bis zu ihrem Tod regelmässig massiver körperlicher Gewaltanwendung durch 

den Beschuldigten ausgesetzt war. 

5.1.4. Trotz des grundsätzlichen Eingeständnisses seitens des Beschuldigten, 

dass er in der Vergangenheit gegenüber seiner Ehefrau wiederholt gewalttätig ge-

worden ist, sind bei ihm eindeutige Relativierungs- und Verharmlosungstenden-

zen festzustellen. So führte er etwa anlässlich der Einvernahme vom 23. Januar 

2018 aus, wie er sich im Angesicht der Aggressionen seiner Ehefrau oftmals trotz-

dem zu beherrschen wusste und nur ausnahmsweise gezwungen war, sie zur ei-

genen Verteidigung wegzustossen oder ihr eine Ohrfeige zu geben (vgl. Urk. 3/4 

F25 f.), nur um sogleich auf Vorhalt der Aussagen seines Sohnes einräumen zu 

müssen, dass er seine Ehefrau sehr wohl auch schon getreten und mit der Faust 

geschlagen hat (Urk. 3/4 F29 f.). Dasselbe Muster zeigt sich zudem beim Vorfall 

aus dem Jahr 2016, sprach der Beschuldigte doch seinerzeit gegenüber der Poli-

zei davon, dass seine Ehefrau sich verletzt habe, als sich bei einem Gerangel mit 

ihm die Badezimmertür ausgehängt habe und auf sie gefallen sei und als sie sich 

an herumliegenden Glasscherben einer zerbrochenen Flasche geschnitten habe 

(Urk. 60 Abgriff 1). Dem ist indessen entgegenzuhalten, dass von der damaligen 

Nachbarin R._____, die †D._____ zum Arzt begleitet hatte, im vorliegenden Ver-

fahren glaubhaft bezeugt wird, dass beim medizinischen Untersuch überall am 

Körper des Opfers Hämatome zu sehen gewesen seien, die nach Einschätzung 

des Arztes "wie im Lehrbuch" häusliche Gewalt belegen würden (Urk. O2/4/16 

F14). Auffällig ist überdies, wie der Beschuldigte immer wieder grossen Wert dar-

- 23 -

auf legt, klarzustellen, dass er von †D._____ umgekehrt ebenfalls massive Ge-

waltanwendung erfahren hat, wobei er im Falle der Schilderung der Übergriffe 

durch seine Ehefrau nicht dieselbe Zurückhaltung walten lässt wie bei den eige-

nen, sondern beispielsweise sogleich sämtliche Gegenstände aufzählt, mit denen 

sie auf ihn losgegangen sei (drei- oder viermal mit einem Messer, mit Baseball-

schlägern und einmal sogar mit einem Revolver) (Urk. 3/4 F36 ff.; Urk. 3/6 F15; 

Urk. 77 S. 17; Prot. II S. 62). Keineswegs soll damit in Abrede gestellt werden, 

dass †D._____ im Verlauf der hochgradig konfliktträchtigen Ehe ihrerseits eben-

falls gegenüber dem Beschuldigten handgreiflich wurde. Gleichwohl erscheint die 

Diskrepanz zwischen der Beschreibung der eigenen Gewalttätigkeiten durch den 

Beschuldigten und jener seiner Ehefrau bemerkenswert. Bereits in diesem Zu-

sammenhang ist demnach festzustellen, dass der Beschuldigte offenbar stark 

dazu neigt, die Verantwortung für die gegenüber seiner Ehefrau ausgeübte Ge-

walt von sich zu weisen, indem er ihr letztlich das viel höhere Aggressionspoten-

zial unterstellt.

5.2.1. Mit der Vorinstanz ist im Weiteren festzuhalten, dass bei †D._____ offen-

sichtlich eine ausgeprägte Alkoholproblematik vorlag (Urk. 160 S. 16). Dass die 

Getötete übermässig Alkohol konsumierte, findet zudem in den Aussagen diver-

ser Personen Bestätigung, namentlich jenen des Privatklägers 2 (Urk. 193 F41, 

F131, F142 ff.) oder ihrer leiblichen Mutter K._____ (Urk. O2/4/15 F23). Das pro-

blematische Trinkverhalten von †D._____ war im Übrigen einer der Hauptgründe 

dafür, dass im Oktober 2016 eine Erziehungsbeistandschaft für den Privatkläger 2 

errichtet wurde (vgl. Urk. 60 Abgriff 3). Zudem ist aktenkundig, dass †D._____ 

wegen Alkoholmissbrauch und psychischer Selbstgefährdung am 14. September 

2017 – also nur rund 1 Monat vor ihrem Tod – mittels fürsorgerischer Unterbrin-

gung in die Klinik AD._____ in AE._____ eingeliefert werden musste, nachdem 

sie in betrunkenem und orientierungslosem Zustand in der Öffentlichkeit angetrof-

fen worden war (Urk. 7/3). In diesem Zusammenhang wurde bei ihr ein besorg-

niserregender Alkoholisierungsgrad von 1.380 mg/ℓ (entsprechend 2.76 Gewichts-

promille) gemessen (Urk. 2/1 S. 2). Darüber hinaus belegt auch die postmortal 

durchgeführte Haaranalyse bei †D._____ – nebst einem mittelstarken bis starken 

- 24 -

Kokainkonsum bis Mitte März 2017 – einen gleichbleibenden starken chronischen 

Alkoholkonsum bis zum Tod (Urk. 5/13 S. 4). 

5.2.2. Die Alkoholsucht von †D._____ wurden denn auch vom Beschuldigten 

schon zu Beginn der Strafuntersuchung angesprochen und wird seither wiederholt 

vorgebracht (vgl. Urk. 3/1 F30 f.; Urk. 3/4 F11 ff.; Urk. 3/6 F113; Urk. 77 S. 14 ff.; 

Prot. II S. 58). Der Leidensdruck, den der Beschuldigte aufgrund des exzessiven 

Alkoholkonsums seiner Ehefrau auszuhalten hatte, wirkt zwar ausgesprochen au-

thentisch. Dessen ungeachtet ist zu berücksichtigen, dass er in diesem Zusam-

menhang auch Aussagen gemacht hat, die eine unangemessene Wortwahl bein-

halten, etwa wenn er bei seiner Haftanhörung vom 2. Mai 2018 meinte, "Ich hätte 

sie sich zu Tode saufen lassen sollen" (Urk. 17/32 S. 3), oder bei der Einver-

nahme vom 20. Juni 2018 †D._____s Tagebucheinträge, welche die Ehepro-

bleme aus deren Sicht wiedergeben (vgl. Anhang 24a-f zu Urk. 3/6), als "besoffe-

nen Schwachsinn eines besoffenen Menschen" abtut (Urk. 3/6 F112). Darin offen-

baren sich auf Seiten des Beschuldigten deutliche Gefühle von Wut und Abwer-

tung gegenüber der Getöteten. Auffallend ist zudem, wie der Beschuldigte stets 

bestrebt ist, die gesamte Schuld an den Beziehungsproblemen mit †D._____ ein-

seitig ihr zuzuweisen, während er sich selber als fürsorglicher Ehemann und Vater 

darstellt (vgl. Urk. 3/1 F30; Urk. 3/4 F21; Urk. 77 S. 15). So äusserte er sich auch 

im Berufungsverfahren dahingehend, dass er der Trottel gewesen sei, der alles 

habe alleine erledigen müssen, und als Dank sei er dann auch noch von seiner 

Ehefrau geschlagen, angespuckt, bestohlen und sein Sohn von ihr wie Dreck be-

handelt worden. Dabei habe er, statt sie zu verlassen, jahrelang einfach alles ge-

schluckt (Prot. II S. 61).

6.1.1. Was die Umstände der eingeklagten Tötung anbelangt, basierte die ur-

sprüngliche Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 3. Juli 2019 (Urk. 28) noch 

auf das Todesfall-Gutachten des IRM Zürich vom 2. Februar 2018 (Urk. 5/10).

6.1.1.1.  In der genannten Expertise kam das IRM Zürich zum Schluss, dass 

†D._____ an den Folgen inneren Verblutens nach vier frischen Leberrissen ge-

storben sei. Diese hätten zu einem Blutverlust von 1'400 mℓ in den Bauchraum 

geführt. Daneben seien zusätzliche Einblutungen in das Darmaufhängeband, den 

- 25 -

Hinterbauchraum sowie die Nierenkapseln (rechtsbetont) ebenso wie frische Rip-

penbrüche (wiederum rechtsbetont) vorgefunden worden. Als indirekter Verblu-

tungsbefund seien überdies blutarme innere Organe sowie Schocknieren feststell-

bar gewesen. Die Aspiration von Blut in die peripheren Arterien und eine gering-

gradige Lungenarterienfettembolie seien sodann Zeichen dafür, dass †D._____ 

noch gelebt habe, als die genannten Verletzungen entstanden seien (Urk. 5/10 

S. 6 f.). 

6.1.1.2. Gemäss Einschätzung des IRM Zürich seien die todesursächlichen Ver-

letzungen an der Leber mit massiver stumpfer Gewalteinwirkung gegen den 

Bauch erklärbar, wobei am ehesten Schläge oder Fusstritte dafür in Frage kämen. 

Hingegen sei eine Entstehung durch Sturzgeschehen resp. mit Aufprall des Abdo-

mens auf eine Kante oder dergleichen mangels geformter Hautmantelverletzun-

gen auszuschliessen. Ferner fänden sich am Leichnam zahlreiche weitere mehr-

zeitig zugefügte äussere und innere Verletzungen – allesamt in der (angepassten) 

Anklageschrift aufgeführt (Urk. 256 S. 2 f.) –, die ebenfalls durch Schläge und 

Tritte und höchstens teilweise durch Sturzgeschehen entstanden sein können. 

Eine Selbstbeibringung all dieser Verletzungen sei äusserst unwahrscheinlich. 

Vielmehr sei namentlich bei den todesursächlichen Verletzungen eine Beibrin-

gung durch fremde Hand anzunehmen. Entsprechend sei aus rechtsmedizini-

scher Sicht von einem Tötungsdelikt auszugehen (Urk. 5/10 S. 7 f.). 

6.1.2. Wie dargelegt wurde im Rahmen des Berufungsverfahrens ein weiteres 

rechtsmedizinisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses vom IRM Bern er-

stellte Gutachten vom 4. April 2023 (Urk. 253) widerspricht dem Befund des IRM 

Zürich teilweise, so insbesondere hinsichtlich der Todesursache und der Entste-

hungsweise der Verletzungen der Getöteten.

6.1.3.1. Mit Blick auf das vom IRM Zürich festgestellte "Verbluten nach innen" hält 

das IRM Bern fest, dass dieser Schluss auf einer nicht nachvollziehbaren Abwei-

chung zu den Feststellungen der Obduktion zu beruhen scheine. Im Rahmen der 

Obduktion seien nämlich 1'400 mℓ "blutiger Flüssigkeit" in der Bauchhöhle lagernd 

festgestellt worden (vgl. Urk. 5/8 S. 14). Mit dieser Bezeichnung würden Flüssig-

keiten beschrieben, welche durch Beimengung von Blut einen blutigen Aspekt er-

- 26 -

halten. In casu dürfte die blutige Flüssigkeit aus der vorgängig im Bauchraum be-

findlichen Flüssigkeit und aus beigemengtem Blut bestehen, welches aus den Le-

berrissen ausgetreten sei. Wieviel Flüssigkeit vor den Leberrissen im Bauchraum 

der verstorbenen †D._____ gewesen sei, könne nicht gesagt werden. Damit 

könne auch nicht gesagt werden, wieviel Blut in den 1'400 mℓ blutiger Flüssigkeit 

enthalten sei. Mit der Beschreibung "ca. 1'400 mℓ blutige Flüssigkeit" sei also der 

Blutverlust nach innen nicht quantifiziert und dürfte in unbekanntem Ausmass ge-

ringer als 1'400 mℓ gewesen sein. Diese Annahme werde auch durch die postmor-

talen CT-Daten gestützt. Im Gutachten des IRM Zürich werde allerdings plötzlich 

von "ca. 1'400 mℓ flüssigem Blut" gesprochen (vgl. Urk. 5/10 S. 4, S. 6). Aus den 

anlässlich der Obduktion festgestellten ca. 1'400 mℓ einer Mischung von Blut und 

Bauchhöhlenflüssigkeit sei also ein reiner Blutverlust von ca. 1'400 mℓ und damit 

ein Befund gemacht worden, der sich anhand der postmortalen Untersuchungen 

nicht nachvollziehen lasse (Urk. 235 S. 11 f.). Tatsächlich stelle sich jedoch die 

Frage, ob ein den Tod hinreichend erklärender Blutverlust stattgefunden habe. 

Denn auch die bei der Obduktion beschriebenen übrigen Befunde betreffend To-

tenflecken, Erscheinungsbild der Bindehäute sowie der Leber und des Herzens 

(fehlende Subendokardblutungen) und verbliebener Blutgehalt in den Nieren bzw. 

der Lunge würden nicht die maximale Ausprägung der bei einem Verbluten typi-

scherweise zu erwartenden Begleitbefunde aufweisen (Urk. 235 S. 12 ff.). Ent-

sprechend gelangte das IRM Bern – in teilweisem Widerspruch zum IRM Zürich – 

zur Erkenntnis, dass der Blutverlust, welcher zu 1'400 mℓ blutiger Flüssigkeit in 

der Bauchhohle geführt hat, von einer anderen Todesursache entweder gänzlich 

"überholt" worden sei, bevor er selbst allenfalls ein alleinig todesursächliches Aus-

mass habe erreichen können, oder dass es mindestens einer, allenfalls mehrerer 

weiterer todesursächlich relevanter Veränderungen bedurft habe, die dann in 

Kombination mit dem angenommenen Blutverlust geeignet seien, den Tod zu er-

klären (Urk. 235 S. 15). 

6.1.3.2. Vor dem Hintergrund dieser Feststellung stellte das IRM Bern in der Folge 

Überlegungen an, welche alternativen todesursächlich relevanten Veränderungen 

darüber hinaus in Frage kämen, die entweder für sich alleine oder aber in Kombi-

nation mit dem nicht näher zu quantifizierenden Blutverlust den Tod von 

- 27 -

†D._____ erklären würden (Urk. 235 S. 15). Hinweise auf eine todesursächlich 

bedeutsame Intoxikation durch Substanzkonsum hätten sich keine ergeben. Es 

sei jedoch eine Einblutung an der Zungenspitze vorgefunden worden, was häufig 

das einzige morphologisch fassbare Anzeichen für einen zerebralen Krampfanfall 

darstelle, wobei solche Krampfanfälle nicht nur für sich genommen todesursäch-

lich sein könnten, sondern auch im Rahmen der finalen Sterbephase bei anderen 

Todesursachen (etwa Ertrinken oder Ersticken) auftreten. Des Weiteren falle im 

rechten Lungenunterlappen eine grosse Pneumatozele (luft- bzw. gasgefüllter 

Hohlraum) auf, bei der genügend Hinweise für eine traumatische Genese bestün-

den und die eine Luftembolie auslösen könne, was einen verhältnismässig ra-

schen Todeseintritt erklären würde. Als sehr auffällig präsentiere sich sodann der 

von der Nasenöffnung abgehende Schaumpilz. In Ermangelung einer morpholo-

gisch fassbaren Todesursache liesse sich die Schaumpilzbildung aus einem Aspi-

rationsgeschehen nach Art eines Ertrinkungsvorgangs ableiten. Schliesslich 

müssten auch Erstickungsvorgänge nach Art einer Bedeckung der Atemöffnun-

gen diskutiert werden (Urk. 253 S. 15 ff.). Auf der Basis der bestehenden Leichen-

dokumentation lasse sich allerdings keine sichere Benennung der Todesursache 

bei †D._____ vornehmen (Urk. 253 S. 18). Darüber hinaus käme unter Berück-

sichtigung weiterer aktenkundlicher Informationen, namentlich der vom Beschul-

digten nachgestellten Auffindesituation, auch eine positionsbedingte Beeinträchti-

gung der Atmung in Betracht, die bis zur Bewusstlosigkeit oder dem Tod führen 

könne. Demgegenüber sei eher auszuschliessen, dass †D._____ beim Abdu-

schen in der Badewanne, wo ihr Leichnam letztlich aufgefunden wurde, eine to-

desursächlich relevante Aspiration erlitten haben könnte (Urk. 253 S. 18). Infolge-

dessen kommt das IRM Bern zum Schluss, dass die möglicherweise todesursäch-

lich relevante Befundkonstellation aus frischen Unterblutungen der Rumpfweich-

teile rechts, mehreren frischen dislozierten Rippenbrüchen rechts, je zwei Rissen 

an der Vorder- und Rückseite der Leber, Einblutungen im zentralen Lebergewebe, 

traumatischen Pneumatozelen im rechten Lungenunterlappen sowie Blutungen im 

Retroperitoneum (hinterer Bauchraum) und in die Nierenkapsel (rechts stärker als 

links) bestehe (Urk. 253 S. 19). 

- 28 -

6.1.3.3. Nach Auffassung des IRM Bern liegt es zusammengefasst nahe, dass 

†D._____ an den Folgen ihrer schweren inneren Verletzungen verstorben sei. Als 

unmittelbare Todesursache wäre u.a. der erwähnte zerebrale Krampfanfall in Be-

tracht zu ziehen, wäre dies doch geeignet zu erklären, weshalb der Leichnam 

trotz schwerer innerer Verletzungen nicht das Bild eines Verblutungstodes prä-

sentiere. Dabei könnte der Krampfanfall selbst eine Folge der schweren Verlet-

zungen gewesen sein, welche die Getötete aufgewiesen habe (Urk. 253 S. 21). 

6.1.3.4. Gestützt auf die vorstehend abgehandelten Ausführungen des IRM Bern, 

die überzeugend und nachvollziehbar ausgefallen sind, lässt sich deshalb im 

Sinne eines Zwischenfazits festhalten, dass sich die unmittelbare Todesursache 

bei †D._____ angesichts der mannigfaltigen Befundkonstellation zwar nachträg-

lich nicht mehr im Einzelnen bestimmen lässt, dass jedoch aus rechtsmedizini-

scher Sicht am naheliegendsten ist, dass das Opfer an den (allenfalls kombinier-

ten) Folgen der schweren inneren Verletzungen gestorben ist. Dem trägt der an-

gepasste Vorhalt gemäss Anklageschrift vom 28. September 2023 Rechnung 

(Urk. 256 S. 3). Insofern ist der Sachverhalt demgemäss erstellt.

6.1.4.1. Mit Blick auf die Entstehung der Verletzungen bei †D._____ führte das 

IRM Bern weiter aus, dass die todesursächliche Befundkonstellation als Folge der 

Einwirkung äusserst heftiger stumpfer Gewalt auf die betreffende Körperregion, 

namentlich den Oberbauch rechts resp. den Brustkorb vorne rechts, erscheine, 

wobei die stumpfe Gewalt derart tief in den Körper der Getöteten eingedrungen 

sei, dass sie die Leber hinten gegen das Widerlager der Wirbelsäule prallen liess 

und so zu Rissen an der Leberrückseite und Verletzungen mitten in der Leber ge-

führt habe. Auf diese Weise sei es auch in die verhältnismässig gut geschützten 

Nieren zu Einblutungen gekommen (Urk. 253 S. 19). 

6.1.4.2. Zwar räumt das IRM Bern ein, dass sich aufgrund der vorliegenden Lei-

chendokumentation rechtsmedizinisch letztlich nicht klären lasse, wie es zu den 

massiven inneren Verletzungen von †D._____ gekommen sei (Urk. 253 S. 21). 

Für sich alleine betrachtet seien bei der vorgefundenen Befundkonstellation so-

wohl Hergänge nach Art von Anprallverletzungen bei Fussgängern bei Kollision 

z.B. mit Töfffahrern, Einklemmungssituationen im Rahmen schwerer Arbeitsun-

- 29 -

fälle oder Stürze auf eine entsprechend geeignete Struktur resp. ähnlich schwere 

stumpfe Gewalteinwirkung denkbar (Urk. 253 S. 19). Wenn man die von der Getö-

teten erlittenen schweren inneren Verletzungen im Rahmen einer körperlichen 

Auseinandersetzung erklären möchte, würden jedoch einfache Schläge mit der 

Hand oder Fusstritte im Verlaufe eines "Gerangels" nicht genügen. Vielmehr 

müsste einer oder mehrere heftige Tritte auf das in Rücken- oder leicht linksseiti-

ger Rückenlage liegende Opfers erfolgt sein, was einem "Zusammentreten" des 

am Boden liegenden Opfers entspräche (Urk. 235 S. 19 f.). 

6.1.4.3. Bereits das IRM Zürich identifizierte massive stumpfe Gewalteinwirkun-

gen gegen den Bauch von †D._____ als Ursache der von ihr erlittenen schweren 

inneren Verletzungen und legte überdies nachvollziehbar dar, dass eine Selbst-

beibringung aufgrund des Verteilungsmusters der inneren und auch äusseren 

Verletzungen als äusserst unwahrscheinlich zu erachten sei (Urk. 5/10 S. 7). 

Nachdem es keinerlei Anhaltspunkte für ein Szenario im Sinne der beispielhaften 

theoretischen Aufzählung des IRM Bern (Fussgängerkollision im Strassenverkehr, 

Einklemmsituation im Rahmen eines Arbeitsunfalls, Sturz auf entsprechend ge-

eignete Struktur wie eine Kante) gibt, demgegenüber aber sehr wohl physische 

Gewalteinwirkung auf die Getötete erfolgt ist, zumal eine solche (bis zu einem ge-

wissen Grad) auch vom Beschuldigten eingestanden wird, ist als erstellt zu erach-

ten, dass die Ausübung körperlicher Gewalt den Tod von †D._____ verursacht 

hat. Dies führt zwingend zum Schluss, dass es einen Täter geben muss, der 

†D._____ getötet hat. Nach Massgabe der überzeugenden Ausführungen im Gut-

achten des IRM Bern steht zudem fest, dass die todesursächliche Befundkonstel-

lation durch einen oder mehrere kräftige Fusstritte auf das in Rücken- oder leicht 

linksseitiger Rückenlage am Boden liegende Opfer verursacht wurde. Auch in die-

sem Punkt wurde der Vorhalt nunmehr in der Anklageschrift vom 28. September 

2023 angepasst (Urk. 256 S. 3). Entsprechend erweist sich der Sachverhalt auch 

mit Bezug auf den Tathergang als erstellt. 

6.1.5. Nicht zu folgen ist der Verteidigung hingegen insofern, als sie angesichts 

der abweichenden Beurteilungen durch das IRM Zürich einerseits und das IRM 

Bern andererseits beantragt, Ersterem sei Gelegenheit zu geben, um sich zu den 

- 30 -

Feststellungen und Schlussfolgerungen des Letzteren zu äussern (Urk. 243/2 

S. 5). Abgesehen von der Todesursache und dem etwas anders dargelegten Tat-

hergang bestehen zwischen der Analyse durch das IRM Zürich und jener des IRM 

Bern keine erheblichen Abweichungen. Zudem ist es dem Gericht auch dann, 

wenn zwei Sachverständige zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, nicht 

verwehrt, in den massgeblichen Einzelpunkten auf eine der beiden Expertisen al-

lein abzustellen, sofern die Ausführungen der einen Gutachterstelle diejenigen der 

anderen in nachvollziehbarer Weise widerlegen (DONATSCH, Zürcher Kommentar 

StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 189 StPO N 19 m.w.H.). Gerade hinsichtlich der abwei-

chenden Befunde (Todesursache / Tathergang) vermag der Standpunkt des IRM 

Bern wie erörtert indessen eher zu überzeugen als das IRM Zürich, weshalb es 

sich aufdrängt, diesbezüglich auf die Schlussfolgerungen des IRM Bern abzustel-

len. 

6.2.1. Hinsichtlich des Todeszeitpunkts von †D._____ legt sich das IRM Zürich 

im Todesfall-Gutachten insofern fest, als der anlässlich der Legalinspektion – die 

am 26. Oktober 2017, um 19.01 Uhr, am Leichnam durchgeführt wurde (Urk. 5/2) 

– erhobene Befund, wonach der Tod zwischen Mittwoch, 25. Oktober 2017, um 

07.01 Uhr, und Donnerstag, 26. Oktober 2017, um 07.01 Uhr, eintrat, keiner Kor-

rektur bedürfe (Urk. 5/10 S. 7). 

6.2.2. Aus Sicht des IRM Bern erscheint hingegen eine nachträgliche unabhän-

gige Schätzung der Todeszeit anhand der zur Verfügung stehenden Dokumenta-

tion der Leichenbefunde als nicht mehr möglich (Urk. 235 S. 20 f.). In seinem Er-

läuterungsgutachten kritisiert das IRM Bern insbesondere, dass im Bericht zur Le-

galinspektion des IRM Zürich die Zeitangaben zu den Temperaturmessungen feh-

len. So dürfte die einzige unter dem Begriff "Untersuchungszeit" vermerkte Zeitan-

gabe "19:01 Uhr" dem Beginn der Legalinspektion entsprechen, wohingegen die 

für die genauere Bestimmung des Todeszeitpunkts relevante Messung der Rek-

taltemperatur des Leichnams erst später im Verlauf der Legalinspektion stattge-

funden haben müsse. Unklar bleibe auch der Zeitpunkt der Messung der Umge-

bungstemperatur. Darüber hinaus würden sich im Bericht zur Legalinspektion 

auch keine Angaben zur Wegdrückbarkeit resp. Umlagerbarkeit der Totenflecken 

- 31 -

oder zum Wiedereintreten der überwundenen Totenstarre finden, womit auch eine 

Plausibilitätskontrolle der temperaturbasierten Todeszeitschätzung nicht mehr 

lege artis durchgeführt werden könne (Urk. 248 S. 3 f.). 

6.2.3. Im Sinne einer Einordung dieser Kritik des IRM Bern an der Bestimmung 

des Zeitintervalls für den Todeseintritt bei †D._____ ist anzumerken, dass das 

IRM Bern nicht die Schätzung des IRM Zürich als solche in Frage stellt, sondern 

vielmehr lediglich die mangelnde Dokumentation der Untersuchung moniert, die 

vom IRM Zürich am Leichnam durchgeführt wurde. Entsprechend sieht sich das 

IRM Bern – das im Gegensatz zum IRM Zürich den Leichnam von †D._____ nicht 

selber untersucht hat – zum Zeitpunkt der Gutachtenserstellung mehr als 5 Jahre 

nach dem Todesfall nicht mehr in der Lage, gestützt auf die vorhandenen Akten 

nachträglich eine eigene Berechnung des Todeszeitpunkts vorzunehmen. Daraus 

folgt freilich noch nicht, dass die vom IRM Zürich vorgenommene Berechnung des 

Todeszeitpunkts an sich falsch oder mangelhaft wäre. Dem Erläuterungsgutach-

ten des IRM Bern lässt sich sodann entnehmen, dass das IRM Zürich unter Ver-

wendung des Zeitpunkts bei Beginn der Legalinspektion das postmortale Intervall 

tendenziell überschätzt haben dürfte. Das Ausmass der angenommenen Über-

schätzung entspreche dabei der Differenz zwischen dem Beginn der Legalinspek-

tion (19.01 Uhr) und dem Zeitpunkt der tatsächlichen Messung der Rektaltempe-

ratur der Getöteten (vgl. Urk. 248 S. 4). So gesehen würde die Ungenauigkeit der 

Todeszeitschätzung, so denn eine solche überhaupt vorliegt, also wohl eher im 

Bereich von mehreren Minuten als von mehreren Stunden liegen, ergibt sich doch 

etwa aus dem Journal der an den Tatort ausgerückten Kantonspolizei Zürich, 

dass bereits um 20.30 Uhr bzw. 20.42 Uhr ein Sarg für den Abtransport der Lei-

che aufgeboten wurde und dass die Tatortarbeiten um 21.28 Uhr, also knapp 

2 Stunden nach Beginn der Legalinspektion, abgeschlossen waren (Urk. 1/1 S. 3, 

S. 7). Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen werden, muss anhand der übri-

gen Beweismittel (Aussagen des Beschuldigten und des Privatklägers 2 sowie re-

gistrierte Telefonanrufe ab dem Festnetzanschluss der Familie A._____D._____) 

überdies ohnehin davon ausgegangen werden, dass †D._____ in der ersten 

Phase des vom IRM Zürich geschätzten Zeitfensters noch gelebt hatte. Es ist so-

mit nicht entscheidend, ob mit Bezug auf den Beginn des Schätzungsintervalls 

- 32 -

eine leichte "Überschätzung" vorliegt oder nicht. Vielmehr ist aus rein rechtsmedi-

zinischer Sicht – selbst unter Berücksichtigung der Kritik des IRM Bern – als Aus-

gangspunkt für die weitere Erstellung des Sachverhalts gestützt auf die Einschät-

zung des IRM Zürich davon auszugehen, dass der Tod von †D._____ im Zeit-

raum zwischen Mittwoch, 25. Oktober 2017, um 07.01 Uhr (bzw. allenfalls auch 

kurze Zeit später, was für die Sachverhaltserstellung im konkreten Fall indessen 

irrelevant ist), und Donnerstag, 26. Oktober 2017, um 07.01 Uhr, eintrat.

6.2.4. Nach dem Gesagten lässt sich auf der Basis der am Leichnam von 

†D._____ dokumentierten Befunde und der übrigen Aktenlage eine genauere Ein-

grenzung des Todeszeitpunkts mithin auch nach dem Dafürhalten des IRM Bern 

aus rechtsmedizinischer Sicht nicht herleiten. Soweit die Verteidigung fordert, es 

sei das IRM Bern aufzufordern, anhand der Leichenstarre, der Fäulnisbildung und 

der Überwässerung des Gehirns der Getöteten eine Bestimmung des exakten To-

deszeitpunkts vorzunehmen, zielt dies also an der Sache vorbei (vgl. Urk. 243/2 

S. 8 ff.). Aus demselben Grund ist auch dem weiteren Begehren der Verteidigung, 

dem IRM Zürich seien bezüglich der Frage des Todeszeitpunkts dieselben Fragen 

wie dem IRM Bern zu stellen, nicht stattzugeben (Urk. 243/2 S. 14). Schliesslich 

besteht für die Annahme der Verteidigung, das IRM Zürich habe dem IRM Bern 

nicht sämtliche Unterlagen herausgegeben, welche erforderlich seien, um den ex-

akten Todeszeitpunkt zu eruieren, keinerlei Stütze in den Akten (Urk. 234/2 S. 5). 

Vielmehr standen dem IRM Bern selbstredend sämtliche Unterlagen zur Verfü-

gung, die in rechtsmedizinsicher Hinsicht erhoben worden waren (Urk. 253 S. 2).

6.3.1. Nachdem die Verteidigung stark auf den mit dem Todeszeitpunkt zusam-

menhängenden Tatzeitpunkt fokussiert, ist im Folgenden näher auf die zeitliche 

Abgrenzung zwischen der Beibringung der Verletzungen und dem Todeseintritt 

bei †D._____ einzugehen. 

6.3.2. Das IRM Zürich hat sich dazu in einem bereits im Vorverfahren in Auftrag 

gegebenen Ergänzungsgutachten vom 21. September 2018 (sog. Ergänzungsgut-

achten I) geäussert. Demnach gilt es aus rechtsmedizinischer Sicht bei der Wun-

daltersschätzung vereinfacht gesagt zu beachten, dass als Kriterien im Allgemei-

nen zunächst die Nachweisbarkeit einer sog. Granulozyteninfiltration von Bedeu-

- 33 -

tung ist, die bereits 15 bis 30 Minuten nach der Verwundung einsetzen kann. An-

schliessend kann die Einwanderung sog. Makrophagen beobachtet werden, die 

frühestens 3 Stunden nach der Verwundung einsetzt. Damit einhergehend lässt 

sich zur Altersbestimmung einer Wunde die Dominanz im Verhältnis der kurzlebi-

gen Granulozyten zu den mit tieferer Geschwindigkeit einwandernden Makropha-

gen feststellen. Und schliesslich kommt auch der Nachweisbarkeit der sog. Ery-

throphageninfiltration Relevanz zu, die in ihrer Hauptausprägungsform ca. 3 Tage 

nach der Verwundung zu erwarten ist. So gesehen bedeutet die Verwendung des 

Begriffes "frisch" im Zusammenhang mit der Alterseinschätzung einer Läsion des 

Gewebes in der Regel, dass noch nicht einmal Granulozyten in die Wunde einge-

wandert sind. Der Terminus "frisch bis einige Stunden alt" heisst demgegenüber, 

dass wohl bereits zahlreiche Granulozyten, gleichzeitig aber höchstens einzelne 

Makrophagen in die Wunde eingewandert sind. Schliesslich versteht man unter 

der Angabe "mindestens 1 Tag alt", dass reichlich Granulozyten, aber auch Ma-

krophagen und vereinzelt sogar schon Erythrophagen in die Wunde eingewandert 

sind (Urk. 5/19 S. 3 ff.). Im Fall von †D._____ war in Bezug auf die Leberrisse 

eine geringe zelluläre Reaktion im Feingewebe feststellbar. Entsprechend sind die 

Leberrisse in rechtsmedizinischer Hinsicht als "frisch" einzustufen, woraus zu fol-

gern ist, dass diese Verletzungen "am ehesten Minuten bis wenige Stunden vor 

dem Todeseintritt" entstanden (Urk. 5/19 S. 2 f.). Sachverhaltsmässig ergibt sich 

daraus, dass zwischen dem Zeitpunkt der Beibringung der inneren Verletzungen 

und demjenigen des Todes von †D._____ höchstens eine Zeitspanne von weni-

gen Stunden liegt. 

6.3.3. Aus Sicht der Vorinstanz hat sich weiter die Frage gestellt, ob der Wund-

heilungsprozess, welcher nach gutachterlicher Einschätzung durch viele individu-

elle Faktoren (z.B. Alter, Ernährung oder Medikamente) überlagert wird (Urk. 5/19 

S. 5), auch durch den jahrelangen Alkoholabusus der Getöteten beeinflusst wor-

den sein könnte. Entsprechend hat sie mit Beschluss vom 2. April 2020 das IRM 

Zürich mit einer Präzisierung des Ergänzungsgutachtens I beauftragt (Urk. 93), 

welches am 24. April 2020 erstattet wurde (sog. Ergänzungsgutachten II). Darin 

wird im Wesentlichen ausgeführt, dass klinische Erfahrung und Studien mit Tier-

versuchen zwar darauf schliessen liessen, dass ein chronischer Alkoholmiss-

- 34 -

brauch einen negativen Effekt auf die Knochenheilungstendenz haben könnte. 

Zudem zeige die klinische Erfahrung, dass sich ein schwerer langjähriger chroni-

scher Alkoholmissbrauch vermutlich ebenfalls negativ auf die Wundheilung aus-

wirkt. Allerdings sei diesbezüglich die Datenlage unklar und es fehlten konkrete 

Studienergebnisse, insbesondere auch für Verletzungen von inneren Organen. 

Festzuhalten sei immerhin, dass bei Patienten mit einer alkoholischen Leberzir-

rhose als Antwort auf Gewebeverletzungen der Haut eine normale Einwanderung 

von Granulozyten zu beobachten sei (Urk. 101 S. 2 f.). Eine genauere zeitliche 

Eingrenzung des Zeitpunkts der Leberrisse bei †D._____ erscheine daher aus 

rechtsmedizinischer Sicht nicht möglich, auch nicht im Sinne eines frühestmögli-

chen Entstehungszeitpunkts (Urk. 101 S. 3). 

6.3.4. Zu keinem anderen Schluss kommt hinsichtlich der Frage des Zeitpunkts 

der Beibringung der Leberrisse auch das IRM Bern, der die Zeitangaben des IRM 

Zürich anhand der eigenen Untersuchung der histologischen Präparate bestätigt 

hat, wobei das IRM Bern die Zeitspanne zwischen Zufügung der inneren Verlet-

zungen durch die stumpfe Gewalt und dem Todeseintritt dahingehend etwas zu 

präzisieren vermochte, als von einer Mindestüberlebenszeit von 10 bis 15 Minu-

ten ausgegangen werden könne und die Angabe "wenige Stunden" vor dem To-

deseintritt eine tiefe einstellige Zahl von Stunden bezeichne (Urk. 235 S. 21 [ins-

besondre Fn 75], S. 22).

6.3.5. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz lassen die vorstehenden über-

einstimmenden gutachterlichen Befunde keine substanzielle Ausdehnung der 

Zeitspanne zu, in der †D._____ die todesursächlichen Verletzungen zugefügt 

wurden (Urk. 160 S. 53 f.). Nicht nur wurde eine genauere zeitliche Eingrenzung 

des Begriffes "frisch", welche eine Erweiterung der Umschreibung "am ehesten 

Minuten bis wenige Stunden vor dem Todeseintritt" zulassen würde, im Ergän-

zungsgutachten II des IRM Zürich ausdrücklich abgelehnt. Vielmehr spricht auch 

die Feststellung im Ergänzungsgutachten I des IRM Zürich, wonach bei der Leber 

der Getöteten einzig fraglich marginalisierte Granulozyten im Randbereich der Lä-

sion angetroffen werden konnten, während weder die Infiltration durch Makropha-

gen noch die Einwanderung von Erythrophagen zu beobachten waren, im Lichte 

- 35 -

der allgemeinen Beschreibung des Wundheilungsprozesses dagegen, dass die 

Leberrisse bei †D._____ längere Zeit vor dem Todeseintritt entstanden (Urk. 5/19 

S. 5). Kommt hinzu, dass das IRM Bern im Wesentlichen ausschliesst, dass zwi-

schen der Zufügung der Verletzungen und dem Todeseintritt eine Zeitspanne von 

mehr als einer tiefen einstelligen Zahl von Stunden liegen kann (vgl. Urk. 235 

S. 22 f.). Gründe, die nach der Rechtsprechung ein Abweichen von diesen sach-

verständigen Ausführungen von nunmehr zwei unabhängigen rechtsmedizini-

schen Instituten zu begründen vermögen, sind nicht ersichtlich und können ohne 

Fachwissen auch nicht von sich aus durch das Gericht herangezogen werden 

(statt vieler BGE 148 IV 57 E. 2.3.2 m.w.H.). Wie die Verteidigung zu Recht ein-

wendet, kann deshalb der Schlussfolgerung im angefochtenen Entscheid, wonach 

denkbar sei, dass dem Opfer die todesursächlichen Verletzungen anlässlich einer 

Auseinandersetzung hätten zugefügt worden sein können, die auch schon am frü-

hen Dienstagabend (24. Oktober 2017) stattgefunden habe, nicht gefolgt werden 

(vgl. Urk. 162 S. 7 ff.). 

6.3.6. Demgemäss wird nachstehend in Übereinstimmung mit den Ergebnissen 

der beiden rechtsmedizinischen Begutachtungen durch das IRM Zürich und das 

IRM Bern anzunehmen sein, dass †D._____ die tödlichen Verletzungen zwischen 

wenigen Stunden (im Sinne einer tiefen einstelligen Anzahl Stunden) vor 07.01 

Uhr am Mittwoch, 25. Oktober 2017, bis Minuten vor 07.01 Uhr am Donnerstag, 

26. Oktober 2017, erlitten haben muss. 

7.1. In Bezug auf die Personalbeweismittel gestaltet sich die Beweislage inso-

fern besonders, als mit Bezug auf die Darstellung der Todesumstände von 

†D._____ einzig das Narrativ des Beschuldigten selbst sowie seines Sohnes 

C._____ (Privatkläger 2) besteht, dem keine Aussagen des Opfers entgegenge-

stellt werden können. Entsprechend wird im Folgenden auf die Sachverhaltsanga-

ben des Beschuldigten und des Privatklägers 2 einzugehen sein, wobei selbstre-

dend die Geschehnisse in den Tagen vom 24. bis zum 26. Oktober 2017 eine 

zentrale Rolle einnehmen werden. Vorab werden indessen die Aussagen der bei-

den Hauptbeteiligten einer allgemeinen Beurteilung zu unterziehen sein, wobei 

- 36 -

von Bedeutung insbesondere sein wird, wie sich ihr Aussageverhalten im Verlauf 

des Strafverfahrens entwickelt hat. 

7.2.1. In seinem ersten Verhör vom 27. Oktober 2017 erklärte der Beschuldigte 

gleich zu Beginn, dass er keine Aussagen machen werde (Urk. 3/1 F7). Sein Ver-

teidiger habe ihm geraten, sich nur zu persönlichen Dingen zu äussern (Urk. 3/1 

F15). Entsprechend fielen die damaligen Depositionen des Beschuldigten dünn 

aus. In Bezug auf die Gewaltanwendung gegenüber der Getöteten machte er kon-

sequent von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 3/1 F10 ff.). Da-

bei blieb es auch bei den nachfolgenden zwei Einvernahmeterminen (Urk. 3/2-3). 

Bezeichnend ist zudem, dass die Verteidigung am 8. November 2017 im Rahmen 

des Haftprüfungsverfahrens geltend machte, der Beschuldigte habe am 27. Okto-

ber 2017 bei der Uraniawache der Stadtpolizei Zürich lediglich den Todesfall von 

†D._____ gemeldet, mit keinem Wort aber Faustschläge und Fusstritte gegen-

über den Polizeibeamten erwähnt (Urk. 17/13 S. 4). Erst nachdem der Privatklä-

ger 2 am 5. Dezember 2017 einvernommen worden war, der angegeben hatte, 

dass es am Dienstagabend (24. Oktober 2017) zu einem Streit zwischen seinen 

Eltern gekommen sei, gab der Beschuldigte anlässlich der delegierten polizeili-

chen Befragung vom 23. Januar 2018 erstmals in protokollierter Form zu, seine 

Ehefrau an diesem Tag geschlagen zu haben (Urk. 3/4 F46, F52 f.). Damit ist die 

Behauptung der Verteidigung, wonach der Beschuldigte von Anfang an ausführ-

lich zur Sache ausgesagt habe (vgl. Prot. I S. 14), also klar widerlegt. Ferner 

zeigte sich der Beschuldigte bezüglich seiner Verantwortung für den Tod von 

†D._____ in der Folge sehr ambivalent. Stellte sich der Beschuldigte zunächst ei-

nerseits auf den Standpunkt, dass er sich nicht vorstellen könne, dass die todes-

ursächlichen Läsionen bei †D._____ bei der tätlichen Auseinandersetzung vom 

Dienstagabend (24. Oktober 2017) entstanden seien, zumal der damalige Streit 

nicht sehr heftig verlaufen sei (Urk. 3/6 F79), hatte er andererseits bereits am 

19. April 2018 um Durchführung des abgekürzten Verfahrens ersuchen lassen 

(Urk. 12/1) und hatte er sich in seiner Anhörung vom 2. Mai 2018 vor dem 

Zwangsmassnahmengericht noch insofern ausdrücklich geständig erklärt, als er 

mit dem Tod seiner Ehefrau etwas zu tun habe, weil er sie geschlagen habe, auch 

wenn er ohne Tötungsabsicht gehandelt habe (Urk. 17/32 S. 3). Erst ab der Ein-

- 37 -

vernahme vom 14. März 2019 bestritt der Beschuldigte schliesslich dezidiert, dass 

er seiner Ehefrau tödliche Verletzungen zugefügt hat (Urk. 3/8 F29 f.; Urk. 3/10 

F60; Urk. 3/11 F6; Urk. 77 S. 24 f.). Wie allerdings die Verteidigung selbst anführt, 

war für diesen Sinneswandel des Beschuldigten in erster Linie die Kenntnisnahme 

des Ergebnisses des rechtsmedizinischen Ergänzungsgutachtens I des IRM Zü-

rich im September 2018 entscheidend, das erstmals aufgezeigt habe, dass 

†D._____ die nur wenige Minuten bis maximal wenige Stunden vor dem Tod ein-

getretenen Leberrisse nicht bereits am Abend des 24. Oktober 2017 erlitten ha-

ben könne, weshalb der zugegebene damalige Streit als Todesursache auszusch-

liessen sei (Prot. I S. 17 ff.). Dies zeigt, wie der Beschuldigte sein Aussageverhal-

ten laufend dem jeweiligen Erkenntnisstand der Untersuchungsbehörden ange-

passt hat. 

7.2.2. Höchst fragwürdig erscheinen sodann die Angaben des Beschuldigten zur 

Art und Intensität der Gewaltanwendung, die er vor dem Tod von †D._____ ihr 

gegenüber ausgeübt haben will. Zwar gestand der Beschuldigte – nachdem er 

sich dazu entschlossen hatte, Aussagen dazu zu machen – ein, dass er beim letz-

ten Ehestreit vom Dienstagabend (24. Oktober 2017) seiner Ehefrau u.a. mehrere 

Faustschläge ins Gesicht und auf den Körper versetzt hat (Urk. 3/8 F36; Urk. 3/11 

F14). Allerdings blieb ihm auch nichts anderes übrig, nachdem bei der körperli-

chen Untersuchung unmittelbar nach seiner Inhaftierung vom 27. Oktober 2017 

Hautrötungen an den Fingergrundgelenken beider Hände zu sehen waren, was 

nahelegt, dass kurz zuvor eine tätliche Auseinandersetzung stattgefunden haben 

muss, bei der er seine Fäuste eingesetzt hat (Urk. 6/3 S. 4). Auffallend ist hinge-

gen, dass der Beschuldigte sich mit Bezug auf Fusstritte gegen †D._____, nie 

richtig festgelegt hat. Entsprechend wirken seine Angaben in diesem Punkt blass, 

beruft er sich doch dabei entweder auf Erinnerungslücken (Urk. 3/6 F83; Urk. 77 

S. 27) oder beschränkt er sich darauf zu sagen, dass er nicht ausschliessen will 

bzw. kann, dass er die Getötete auch in den Bauch getreten hat (Urk. 3/11 F16; 

Urk. 77 S. 17). Auch anlässlich der Befragung in der ersten Berufungsverhand-

lung vom 22. November 2022 erwähnte der Beschuldigte von sich aus zunächst 

nur, dass er seine Ehefrau mit den Händen geschlagen und sie an die Wand ge-

stossen habe. Auf Nachfrage, ob er sie im Rahmen dieses Streits auch getreten 

- 38 -

habe, gab er erneut an, dies nicht mehr genau zu wissen, bzw. dies – falls doch – 

nicht so bewusst getan zu haben. Er wisse auch nicht mehr, wohin seine allfälli-

gen Tritte gegangen seien. Er schliesse aber nicht aus, dass sie gegen den 

Bauch von †D._____ erfolgt seien, was allerdings nicht gezielt erfolgt sei (Prot. II 

S. 68 ff.). Im Rahmen der erneuten Befragung anlässlich der Fortsetzung der Be-

rufungsverhandlung am 13. März 2024 gab der Beschuldigte schliesslich – auch 

wieder erst auf mehrfache Nachfrage hin und in teilweisem Widerspruch zu sei-

nen früheren Aussagen – erstmals überhaupt konkret zu, er habe sie, als sie kni-

end vor ihm auf dem Boden gewesen sei, zwei- bis dreimal in den Bauch getreten 

(Prot. II S. 143 ff.). Dieses zurückhaltende und ausweichende Aussageverhalten 

des Beschuldigten in Bezug auf einen Sachverhaltsaspekt, der – wenngleich die 

unmittelbare Todesursache nicht im Rahmen dieses Streits vom Dienstag gesetzt 

wurde – für die Ermittlung der Todesumstände des Opfers insgesamt dennoch re-

levant ist, spricht somit von vornherein klar nicht für die Glaubhaftigkeit seiner 

Darstellung. 

7.2.3. Kommt hinzu, dass der Beschuldigte – so auch im Berufungsverfahren 

(Prot. II S. 70, S. 147) – vehement abstreitet, seiner Ehefrau vor deren Tod jemals 

einen Sitzhocker über den Kopf geschlagen zu haben, obschon diese Bestreitung 

völlig unglaubhaft ist. Denn wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, 

sind seine Aussagen, wonach er †D._____ an die Wand gestossen habe, die sich 

dabei eine Platzwunde am Hinterkopf zugezogen habe und anschliessend auf 

den Hocker gefallen sei, wie er dies auch an der Berufungsverhandlung angege-

ben hat (Prot. II S. 71), in sich unschlüssig und weder mit dem angetroffenen Spu-

renbild noch mit den Ergebnissen der durchgeführten kriminaltechnischen Unter-

suchung vereinbar (Urk. 160 S. 30 f.). So wurden einerseits an der Wand, wo das 

Opfer nach dem behaupteten Stoss des Beschuldigten aufgeprallt und die Platz-

wunde an ihrem Hinterkopf entstanden sein soll, keinerlei Blutspuren gefunden. 

Andererseits konnten an der Decke und am Boden des Wohnzimmers, in unmit-

telbarer Umgebung des beschädigten und mit grossflächigen Blutanhaftungen der 

Getöteten kontaminierten Sitzhockers im Wohnzimmer Blutspuren vorgefunden 

werden, die als Wegschleuderspuren (jene an der Decke) resp. Schlagspritzspu-

ren (jene am Boden) zu identifizieren sind. Diese sind zu erwarten, wenn ein mit 

- 39 -

Blut behaftetes Objekt über den Kopf einer Person geschwungen wird, wie dies 

beim Aufschlagen mit einem Sitzhocker gegen den Hinterkopf eines Gegenübers 

der Fall ist (Urk. 8/14 S. 7 f.). Des Weiteren wurden auf dem in der Nähe des 

Wohnorts des Beschuldigten gelegenen Grundstück an der AF._____-strasse 2 in 

G._____ mehrere Eckstreben sowie ein Möbelfuss sichergestellt, die sich spuren-

technisch eindeutig dem betreffenden Sitzhocker aus dem Wohnzimmer der Fa-

milie A._____D._____ zuordnen lassen, dem im Übrigen genau diese Bestand-

teile fehlten (Urk. 8/14 S. 6 f.). Die genannten Beschädigungen sind also ein wei-

teres klares Anzeichen dafür, dass der Hocker als Schlagegenstand eingesetzt 

wurde. Der Umstand, dass die Bestandteile des Hockers nur kurz nach dem Ein-

schalten der Polizei auf dem Gartensitzplatz des genannten Grundstücks zusam-

men mit einer blutverschmierten Damenjacke von †D._____ und weiteren Gegen-

ständen aufgefunden wurden (Urk. 8/7 S. 7), spricht zudem dafür, dass die Ge-

genstände und das Kleidungsstück kaum lange dort gelegen haben dürften. Da-

mit ist also zugleich die Behauptung des Beschuldigten widerlegt, wonach er nicht 

wisse, weshalb der Hocker beschädigt sei, er liege schon seit langem demoliert in 

der Wohnung herum (Urk. 3/6 F25; Urk. 3/8 F25; Urk. 77 S. 29). Schliesslich 

wurde in der Wohnung A._____D._____ eine Strickmütze sichergestellt, an deren 

Innenseite nicht nur Blutspuren der Getöteten anhafteten, die mit den Riss-

quetschwunden an deren Hinterkopf kompatibel sind (Urk. 8/12 S. 7), sondern 

auch ein Holzsplitter gefunden wurde, der zu einer Spanplatte gehört, wie sie 

auch bei der Holzkonstruktion des Sitzhockers verwendet wurde (Urk. 8/14 S. 5). 

Dafür hatte auch die Beschuldigtenseite keine Erklärung (Prot. II S. 72). All dies 

beweist endgültig, dass der Beschuldigte – wie in der (angepassten) Anklage-

schrift umschrieben – †D._____ mit dem Hocker auf den Kopf geschlagen hat. 

Die hartnäckigen Bestreitungen hinsichtlich der Verwendung des Sitzhockers ge-

gen seine Ehefrau lassen keinen anderen Schluss zu, als dass der Beschuldigte 

in diesem Zusammenhang etwas zu verbergen hat. Daraus resultiert mithin eine 

weitere grobe Unstimmigkeit in der Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten, 

die geeignet ist, die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen mit Bezug auf die Todesum-

stände von †D._____ generell zu erschüttern. 

- 40 -

7.3.1. In Bezug auf die Beurteilung der Aussagen des Privatklägers 2 ist demge-

genüber allem voran in Betracht zu ziehen, dass ihm als einzigem Kind der Ehe-

leute A._____D._____ im Alter von gerade einmal 11 Jahren durch den gewaltsa-

men Tod der Getöteten und die sogleich erfolgte Verhaftung des Beschuldigten 

auf einen Schlag beide Elternteile abhandengekommen sind. Darüber hinaus ist 

zu berücksichtigen, dass das Kind zu Lebzeiten seiner Mutter nicht nur mit deren 

hochproblematischen Trinkverhalten konfrontiert war (Urk. 193 F42, F131, 

F142 ff.), sondern auch regelmässig Zeuge der gewalttätigen Übergriffe wurde, 

die vom Vater auf sie verübt wurden (Urk. 193 F41, F132 ff.). Insofern erstaunt 

nicht, wenn die Kinderpsychologin, welche die privatklägerische Videobefragung 

am 5. Dezember 2017 mitverfolgt hat, in ihrem Bericht zum Schluss kommt, dass 

das Kind die eigene Wahrnehmung nach wie vor als zu bedrohlich und die damit 

verbundenen Gefühle als zu schmerzhaft empfinde. Dies könne eine Erklärung 

dafür sein, dass der Privatkläger 2 zwar in der Lage gewesen sei, bei der Befra-

gung über das Erlebte zu berichten, aber seine Gefühle nicht zulassen könne, 

sondern sich an die väterlichen Erklärungen und die Schuldzuweisungen klam-

mere (vgl. Urk. O1/4/3 S. 2). Wie erörtert können die angeführten Umstände zwar 

nicht dazu führen, dass die privatklägerischen Aussagen bei der Sachverhaltser-

stellung komplett ausgeblendet werden, wie dies die Vorinstanz getan hat 

(s. dazu vorn Erw. III. 3.2.). Indessen wird bei der Würdigung der Aussagen des 

Privatklägers 2, der sich nachvollziehbarerweise wünscht, dass sein Vater aus 

dem Gefängnis entlassen wird (Prot. II S. 19), durchaus zu bedenken sein, dass 

er aus Loyalität gegenüber seinem einzig verbliebenen Elternteil dazu geneigt 

sein könnte, die Unwahrheit zu sagen, falls dies der Entlastung des Beschuldigten 

dienen sollte. 

7.3.2. Des Weiteren ist anzuführen, dass sich der Privatkläger 2 nach seiner Er-

steinvernahme vom 5. Dezember 2017 bis zum Abschluss des erstinstanzlichen 

Verfahrens für keine weitere Befragung mehr zur Verfügung gestellt hat. Zwar 

fand im Rahmen der Berufungsverhandlung vom 22. November 2022 nunmehr 

die zweite Einvernahme statt. Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese erst 

rund 5 Jahre nach den eingeklagten Ereignissen erfolgte, wobei naturgemäss an-

genommen werden muss, dass mit dem langen Zeitablauf eine generelle Schwä-

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chung des Erinnerungsvermögens einhergeht. Erschwerend kommt im Fall des 

Privatklägers 2 sodann dazu, dass er bei seiner ersten Befragung noch 11-jährig 

war, während er bei der Zweiteinvernahme 16 Jahre alt war. Anders als bei einer 

voll ausgereiften erwachsenen Person hat der Privatkläger 2 somit in den dazwi-

schenliegenden 5 Jahren eine Entwicklungsphase durchlaufen, die bei Heran-

wachsenden für gewöhnlich grosse Persönlichkeitsveränderungen mit sich bringt. 

Insofern ist der Vergleich der früheren mit seinen aktuellen Aussagen in Bezug 

auf Konstanz und strukturelle Gleichheit über mehrere Befragungen hinweg von 

vornherein nur mit grossen Einschränkungen durchführbar. 

7.3.3. Im Zusammenhang mit der Analyse von Aussagen von Minderjährigen 

kommt ferner deren Entstehungsgeschichte überragende Bedeutung zu, da ge-

rade Kinder auf Fremdbeeinflussungen oder autosuggestive Prozesse besonders 

anfällig sind (vgl. zum aktuellen aussagepsychologischen Forschungsstand: NIE-

HAUS/VOLBERT/FEGERT, Entwicklungsgerechte Befragung von Kindern im Strafver-

fahren, 2017, S. 47 ff.; ferner Urteil des Bundesgerichts 6B_655/2020 vom 7. Ok-

tober 2020 E. 2.4.4). In diesem Zusammenhang lässt insbesondere die Äusse-

rung des Privatklägers 2 anlässlich der Einvernahme vom 5. Dezember 2017 auf-

horchen, wonach er bis zum Befragungstermin mit niemandem über die Todes-

umstände seiner Mutter gesprochen haben will (Urk. 193 F152), obschon ange-

sichts der absolut aussergewöhnlichen Situation klarerweise gegenteilige Aussa-

gen zu erwarten gewesen wären. Zudem steht die privatklägerische Behauptung 

in klarem Widerspruch zu den Schilderungen des Beschuldigten. Dieser hat näm-

lich im Wesentlichen konstant angegeben, dass er mit seinem Sohn noch in der 

damaligen Familienwohnung ein Gespräch geführt habe, als man realisiert habe, 

dass †D._____ tot sei. Darin habe der Beschuldigte angekündigt, dass er nun 

wohl ins Gefängnis müsse, weil er mit der Mutter Streit gehabt habe. Er habe des-

halb seinen Sohn angefragt, ob er zu den Verwandten väterlicherseits nach Italien 

oder zur Familie der Mutter gehen wolle. Die Antwort des Privatklägers 2 habe ge-

lautet, dass er lieber in der Schweiz bleibe, damit er weiterhin Fussball spielen 

könne (Urk. 3/4 F41 ff.; Urk. 3/8 F29 f.; Urk. 77 S. 23; Prot. II S. 83). Er habe ihn 

auch gefragt, ob er seine Mutter, deren Leichnam immer noch in der Dusche lag, 

noch einmal sehen wolle, was dieser aber abgelehnt habe (Prot. II S. 84). Unter 

- 42 -

den gegebenen Umständen liegt es also auf der Hand, dass der Beschuldigte in 

der Zeit nach der Tat bis zum Verlassen der Wohnung hinreichend Zeit und Gele-

genheit hatte, auf seinen 11-jährigen Sohn gewollt oder unbeabsichtigt so einzu-

wirken, dass dieser sich in wesentlichen Zügen dessen Sachverhaltsversion an-

geeignet hat. Zumindest aber erscheint es in Anbetracht der tragischen Situation, 

nach der die Mutter tot in der Duschwanne liegt, und der Aussicht darauf, dass 

der Vater bald ins Gefängnis kommen wird, als nicht unwahrscheinlich, dass das 

Kind schon unmittelbar nach der Tat erheblichen autosuggestiven Wirkungen aus-

gesetzt gewesen sein könnte, die es bei seiner Befragung am 5. Dezember 2017 

dazu brachten, von sich aus das auszusagen, von dem das Kind vermutete, dass 

der Vater dies von ihm erwartete, oder die bei ihm gar zur Bildung von eigentli-

chen Pseudoerinnerungen führten, aus denen es dann seine Schilderungen in der 

besagten Einvernahme geschöpft hat. Ob und inwiefern der Privatkläger 2 einer 

Autosuggestion unterlag oder sich durch den Beschuldigten beeinflussen liess, 

kann das Gericht letztlich nicht beantworten und muss deshalb offengelassen 

werden. Dennoch bleibt die wesentliche Feststellung, dass sowohl von den zeitli-

chen und äusseren Umständen her wie auch von der speziellen familiären Kon-

stellation in Verbindung mit seiner altersbedingten subjektiven Anfälligkeit her 

beim Privatkläger 2 zwei massgebende Aspekte für die Entstehung massiver Be-

einflussungsbedingungen vorlagen, die für das Zustandekommen seiner Aussa-

gen vom 5. Dezember 2017 möglicherweise eine zentrale Rolle spielten. Jeden-

falls ist unübersehbar, dass der Privatkläger 2 bei der damaligen Befragung alles 

andere als frei wirkt. So fragt er gleich zu Beginn, was die Strafe wäre, wenn er 

lügt (vgl. Urk.  O1/4/3 S. 1). Zudem stellt er sich von Anfang an auf den Stand-

punkt, dass er fast alles vergessen habe (vgl. Urk. 193 F14). Verdächtigerweise 

wiederholt er das dann ausgerechnet, wenn es um die Verwendung und allfällige 

nachträgliche Entsorgung des Sitzhockers geht, mit dem auf den Kopf der Getöte-

ten eingeschlagen wurde (Urk. 193 F119 ff.). Zu einzelnen Themen, wie etwa zum 

Ablauf des Streits zwischen den Eltern kurz vor dem Tod von †D._____, gibt er 

überdies nur widerwillig Antwort (vgl. Urk. 193 F92) und wird regelrecht ungehal-

ten, wenn man ihm hierzu Ergänzungsfragen stellt (vgl. Urk. 193 F160: "Wer hat 

diese doofe Frage gestellt?"). Auch unter diesem Gesichtspunkt ist das privatklä-

- 43 -

gerische Aussageverhalten deshalb generell nur mit besonderer Vorsicht zu wür-

digen. Insbesondere sind bei ihm selbst unwahre Sachverhaltsschilderungen nicht 

auszuschliessen, wobei diese wie erörtert keineswegs notwendigerweise einer 

bewussten Falschaussage zu entspringen brauchen. 

7.3.4. Zu beachten ist ferner, dass im Strafverfahren von mehreren Seiten be-

richtet worden ist, dass der Privatkläger 2 sich ihnen gegenüber zu den Todesum-

ständen von †D._____ geäussert hat. Dazu gehört in erster Linie M._____, eine 

langjährige Freundin der Getöteten, zu welcher der Privatkläger 2 seit der Inhaf-

tierung seines Vaters engen Kontakt pflegt, lebte er doch in der Folge gar 2 Jahre 

lang bei ihr, und die er – neben seinem Vater – als eine der wichtigsten Personen 

in seinem Leben bezeichnet (Prot. II S. 17 ff.). M._____ hat bereits in ihrer Einver-

nahme vom 16. Februar 2018 ausgeführt, der Privatkläger 2 habe ihr im Nach-

gang zur Befragung vom 5. Dezember 2017 verschiedene Versionen der Ge-

schehnisse erzählt, die deutlich von dessen Sachdarstellung anlässlich der Ein-

vernahme abweichen (Urk. O2/4/10 F12 ff.). Zudem hat sich M._____ im Oktober 

2018 von sich aus bei der Polizei gemeldet, um anzuzeigen, dass der Privatklä-

ger 2 ihr nunmehr offenbart hat, er habe bei der Polizei nicht die Wahrheit ausge-

sagt (Urk. O2/4/11). Auch in der nachfolgenden staatsanwaltschaftlichen Zeugen-

einvernahme vom 8. Februar 2019 präsentierte M._____ eine neue Sachverhalts-

darstellung, die der Privatkläger 2 ihr gegenüber erzählt haben soll (vgl. Urk. 

O2/4/13 F11 ff.). Dass er mit M._____ über den Tod seiner Mutter gesprochen 

hat, gibt der Privatkläger 2 denn auch zu, obschon er sogleich relativierend an-

fügt, sie hätten nicht detailliert über das Ganze gesprochen (Prot. II S. 18). Das-

selbe gilt für B._____ (Privatklägerin 1), der leiblichen Schwester der Getöteten, 

mit der der Privatkläger 2 eigenen Angaben zufolge die engste Beziehung aus 

seiner Verwandtschaft pflegt (Prot. II S. 19 f.). Die Privatklägerin 1 hat im Dezem-

ber 2018 ebenfalls von sich aus mit der Polizei Kontakt aufgenommen, um be-

kanntzugeben, dass der Privatkläger 2 ihr gegenüber bislang unbekannte Einzel-

heiten hinsichtlich der Todesumstände von †D._____ preisgegeben habe (vgl. 

Urk. O2/4/32). Auch sie wurde dazu am 8. Februar 2019 von der Staatsanwalt-

schaft einvernommen (Urk. O2/4/33 F11 ff.). Zwar handelt es sich bei der Privat-

klägerin 1 wie auch bei M._____ um Aussagepersonen, die aus dem familiären 

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bzw. freundschaftlichen Umfeld der Getöteten stammen. Wenig überraschend 

stehen sie dem Beschuldigten daher keineswegs unvoreingenommen, sondern 

teilweise sogar offen feindselig gegenüber (etwa wenn die Privatklägerin 1 aus-

führt, sie habe sich geweigert, ihre Zustimmung dazu zu geben, dass der Privat-

kläger 2 mit seinem Vater im Gefängnis telefonieren kann, weil sie dem Beschul-

digten "ja nicht noch das Leben leichter machen" müsse, vgl. dazu Urk. O2/4/33 

F23). Zudem handelt es sich bei ihnen um klassische Zeuginnen vom Hörensa-

gen, die den Wahrheitsgehalt der privatklägerischen Aussagen über den Tather-

gang natürlich nicht überprüfen können. Gleichwohl ist festzuhalten, dass beide 

glaubhaft dargelegt haben – und darüber können sie sehr wohl konsistente Anga-

ben machen –, wie der Privatkläger 2 ihnen die Abläufe der Geschehnisse so prä-

sentiert hat, dass sie in mehreren Punkten mit deren Darstellung bei seiner Ein-

vernahme vom 5. Dezember 2017 unvereinbar sind. Dies stellt nicht nur ein deut-

liches Anzeichen dafür dar, dass der Privatkläger 2 offenbar situativ und je nach 

Gegenüber dazu neigt, seine Aussagen anzupassen, sondern zeugt klar davon, 

wie empfänglich er letztlich für Fremdbeeinflussungen in die eine oder andere 

Richtung ist. Nicht zu vergessen ist überdies, dass der Privatkläger 2 nicht nur 

den Beeinflussungen aus dem Umfeld von †D._____, sondern auch solchen der 

Familie des Beschuldigten ausgesetzt ist. Dies geht nicht zuletzt aus einer Erklä-

rung des damaligen Prozessbeistands vom 8. Februar 2019 hervor, der darauf 

hinwies, dass sich das Kind von seiner in Italien wohnhaften Grossmutter väterli-

cherseits, mit der er gemäss seinen Angaben nach wie vor regelmässigen telefo-

nischen Kontakt hält und bei der er jeweils seine Winterferien verbringt (Prot. II 

S. 20 f.), unter Druck gesetzt fühlte (Urk. 13/11). Sogar der Beschuldigte selber 

räumte ein, dass er während des Vorverfahrens über seine Mutter versucht habe, 

den Privatkläger 2 dazu zu bringen, im Strafverfahren auszusagen (Urk. 3/9 F18). 

Aus all dem ergibt sich, dass sich der Privatkläger 2 in einem unübersehbaren 

Spannungsverhältnis befindet, stehen sich doch das Umfeld von †D._____ einer-

seits und der Beschuldigte mit seiner Fami