# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a8d36a9e-aab1-51dd-865f-ebce5194b035
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-03-14
**Language:** de
**Title:** Gebäudeversicherung. Hagelschaden. Leistungsreduktion infolge ungenügenden Gebäudeunterhaltes. Nicht ersetzte, überalterte PVC-Flachdachfolie. Verhinderbare Folgeschäden.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0029/2013
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_IV_0029_2013_377.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 0029/2013 vom 14. März 2013 in BEZ 2013 Nr. 20 

3.1 Mit dem angefochtenen Entscheid verweigerte die Vorinstanz eine über 
den  anerkannten  Betrag  von  Fr.  55  000.--  hinausgehende  Vergütung  des 
entstandenen  Hagelschadens  am  Gebäude  der  Rekurrentin.  Sie  macht 
zusammengefasst  geltend,  dass  der  geltend  gemachte  Schaden  (Dachsanie-
rung,  Austrocknung,  Ersatz  Parkettboden  Fitnessraum)  durch  zumutbare 
Massnahmen,  insbesondere  durch  ordentlichen  Unterhalt  des  Flachdaches 
bzw. Ersatz der Flachdachfolie, hätte verhindert bzw. minimiert werden können. 
So habe die Flachdachfolie mit ihren 25 Jahren ihre Lebensdauer überschritten. 
Die  Folie  sei  an  den  Rändern  extrem  abgespannt  gewesen  und  habe  eine 
«Trommel» gebildet. Der schützende Kies auf dem Flachdach sei entlang dem 
Dachrand  abgerutscht  gewesen.  Zum  Zeitpunkt  des  Schadeneintritts  sei  eine 
Totalsanierung  des  Daches  angezeigt  gewesen.  Der  geltend  gemachte 
Schaden  wäre  in  dieser  Höhe  nicht  entstanden,  wenn  die  Dachfolie  nicht 
abgespannt und spröde, sondern am Boden aufgelegt und von Kies geschützt 
gewesen wäre. Es könne sodann auch nicht sein, dass der Schaden im Inneren 
des  Gebäudes  (insb.  Wasserschaden  am  Parkett  im  Fitnessraum)  zu  einem 
grösseren  als  dem  vergüteten  Teil  infolge  der  zerschlagenen  Oblichter 
entstanden  sei.  Ursache  für  den  Wassereinbruch  sei  primär  die  vom  Hagel 
durchlöcherte Dachfolie gewesen. 

im  Fitnessraum  sowie 

für  den  neuen  Boden 

Anlässlich  des  Augenscheins  präzisierte  die  Rekurrentin  ihre  Forderung 
unter  Einreichung  einer  Kostenzusammenstellung  dahingehend,  dass  sie 
zusätzlich zu dem bereits anerkannten Schaden von Fr. 55 000.-- die Kosten für 
die  Dachreparatur, 
für 
Austrocknungs-/Malerarbeiten im Umfang von total Fr. 83 135.80 ersetzt haben 
will.  Sie  stellt  sich  zusammengefasst  auf  den  Standpunkt,  dass  auch  der 
Schaden  zu  ersetzen  sei,  der 
infolge  der  durch  Hagel  beschädigten 
Flachdachfolie  entstanden  sei.  So  sei  die  Flachdachfolie  nicht  überaltert 
gewesen, könne doch bei einer Konstruktion wie im vorliegenden Fall mit einer 
Lebensdauer  von  25-30  Jahren  gerechnet  werden.  Die  Folie  habe  noch  nicht 
zwingend  ersetzt  werden  müssen.  Aus  dem  Umstand,  dass  die  Randbereiche 
der  Dachhaut  konstruktionsbedingt  freigelegen  hätten,  könne  kein  Konstruk-
tionsmangel  und  auch  kein  mangelhafter  Unterhalt  abgeleitet  werden.  Die  seit 
der  Erstellung  des  Flachdachs  ungeschützten  Randbereiche  der  qualitativ 
hochwertigen Folie seien witterungsresistent gewesen. Sodann sei nicht nur die 
vom Hagel beschädigte Dachfolie ursächlich gewesen für den Parkettschaden, 
sondern  zu  einem  wesentlichen  Teil  die  durchschlagenen  Oblichter,  durch 
welche  ein  Grossteil  des  Wassers  ins  Gebäudeinnere  und  auf  den  Parkett-
boden im Fitnessraum habe gelangen können.  

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3.2 Gemäss § 19 GebVG sind Gebäude gegen Elementarschäden, wie sie 
beispielsweise durch Hagelschlag entstehen können (Ziff. 2), versichert. Es ist 
im vorliegenden Fall unbestritten, dass der aus dem Hagelereignis vom 1. Juli 
2012 resultierende Schaden grundsätzlich unter die genannte Bestimmung fällt. 

Umstritten  ist  hingegen,  ob  vorliegend  ein  Ausschlussgrund  gemäss  §  20 
GebVG  gegeben  ist.  Laut  §  20  Ziff.  3  GebVG  gelten  namentlich  Schäden,  die 
voraussehbar  waren  und  deren  Entstehung  durch  zumutbare  Massnahmen 
hätte  verhindert  werden  können,  nicht  als  Elementarschäden.  Das  Gesetz 
nennt  als  Beispiele  Schäden  zufolge  schlechten  Baugrunds,  unfachgemässer 
oder  unsolider  Bauausführung  oder  Abdichtung  oder  mangelhaften 
Gebäudeunterhalts. 

3.3  Im  vorliegenden  Fall  ist  strittig,  ob  der  geltend  gemachte  Schaden 
(Dacharbeiten,  Ersatz  Parkettboden  im  Fitnessraum,  Austrocknungs-/Maler-
arbeiten) durch zumutbare Massnahmen im Sinne von § 20 Ziff. 3 GebVG hätte 
verhindert  werden  können  und  damit  vermeidbar  gewesen  wäre.  Konkret  geht 
es  um  die  Frage,  ob  die  für  den  Schaden  (mit-)ursächliche  Flachdachfolie 
überaltert war und hätte ersetzt werden müssen. 

Unbestrittenermassen handelt es sich bei der Flachdachfolie um eine PVC-
Flachdachfolie  der  Firma  Sarnafil  (Sarnafil  G  410-18).  Das  Flachdach  wurde 
1987  als  sogenanntes  Warmdach  mit  einer  Schutzschicht  aus  Rundkies 
ausgebildet.  Die  Folie war also  beim  Schadenseintritt am  1.  Juli  2012  rund 25 
Jahre alt. 

Wie  das  Verwaltungsgericht  bereits  mehrfach  festgehalten  hat,  stellt  das 
Nichtersetzen einer überalterten Folie einen offensichtlich mangelhaften Gebäu-
deunterhalt im Sinne von § 20 Ziff. 3 GebVG dar. Dabei ist die bautechnische 
Lebensdauer einer PVC-Flachdachfolie bei 20 Jahren anzusetzen, hat doch ein 
von der Sarnafil International AG bei der B AG in Auftrag gegebenes Gutachten 
betreffend  Alterungsprobleme  und  Verbesserungsmassnahmen  bei  PVC-P-
Dachbahnen  vom  März  1998  ergeben,  dass  die  übliche  Nutzungsdauer 
entsprechender Flachdächer bei eben diesen 20 Jahren anzusetzen und infolge 
vorzeitiger Alterung gar noch um 5 bis 12 Jahre zu verkürzen ist. Hat eine PVC-
Flachdachfolie dieses Lebensalter erreicht, ist sie überaltert und kann nur noch 
als  beschränkt  witterungsresistent  gelten.  Spätestens  mit  dem  Überschreiten 
der Lebensdauer einer Flachdachfolie besteht für die Liegenschaftseigentümer 
das  Risiko,  dass  bei  heftigen  Witterungseinflüssen  −  also  auch  bei  Hagel  – 
Schäden an der Folie auftreten können. Grundsätzlich steht es dem Eigentümer 
− unter Vorbehalt von § 39 GebVG − zwar frei, das Risiko auf sich zu nehmen, 
eine veraltete Dachfolie nicht zu ersetzen und die Sanierungskosten auf diese 
Weise  um  einige  Jahre  hinaus  zu  schieben.  Dieses  Risiko  und  allfällige 
im 
Sanierungskosten,  die  sich  hieraus  Risikos  ergeben,  dürfen 
Schadensfall  nicht  auf  die  Gebäudeversicherung  überwälzt  werden  (vgl.  zum 
Ganzen  VGr,  5.  Februar  2003  VB.2002.00345;  VGr,  25.  Februar  2004, 
VB.2003.00434; VGr, 1. September 2004, VB.2004.00220). 

jedoch 

3.4 Wie  sich  den  Akten,  insbesondere  den  eingereichten  Fotografien  von 
der  Schadenaufnahme,  eindeutig  entnehmen  lässt  und  wie  selbst  die  von  der 

 
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Rekurrentin  eingereichte  Fachexpertise  ausführt,  hat  sich  die  25  Jahre  alte 
Flachdachfolie  infolge  Weichmacherverlusts  bzw.  -wanderung  und  Alterung 
vom  Dachrand  und  der  Oblichtfassung  abgelöst.  Die  Dachfolie  hat  sich 
abgespannt, und die darauf liegende Kiesschicht auf der vom Dachrand schief 
zur Dachfläche abfallenden Dachfolie ist abgerutscht. Die Folie zeigt am Rand 
zum  Teil  wulstartige  Verformungen,  welche  auf  Spannungen  hinweisen.  Sie 
bildet quasi eine gespannte «Trommel», die von einem stärkeren Hagelschlag, 
im  Kanton  Zürich  alle  paar  Jahre  vorkommt,  ohne  weiteres 
wie  er 
durchschlagen  werden  konnte.  Eine  nicht  abgespannte,  am  Boden  bzw. 
Dachrand  aufliegende  und  vom  Kies  vollständig  geschützte  Folie  wäre  durch 
das Hagelereignis vom 1. Juli 2012 nicht beschädigt worden. Das Nichtersetzen 
der  überalterten  Folie  durch  die  Rekurrentin  stellt  einen  offensichtlich 
mangelhaften Gebäudeunterhalt im Sinne von § 20 Ziff. 3 GebVG dar. Zu Recht 
hat  daher  die  GVZ  weder  den  Schaden  an  der  Dachfolie  selbst  noch  den 
aufgrund der beschädigten Dachfolie entstandenen Folgeschaden ersetzt. 

lässt  und  anlässlich  des  Augenscheins  erhellte, 

Zu  diesem  verhinderbaren  Folgeschaden  sind  einerseits  die  geltend 
gemachten  Aufwendungen  für  (provisorische)  Sanierungsarbeiten  am  Flach-
dach bzw. der beschädigten Folie zu zählen, andererseits aber auch die Kosten 
für den Ersatz des Parkettbodens im Fitnessraum und die Austrocknung/Maler-
arbeiten  in  der  geltend  gemachten  Höhe.  Wie  sich  nämlich  den  Akten 
entnehmen 
ist  der 
Wassereinbruch, der für den Parkettschaden im Fitnessraum, die Austrocknung 
der Räumlichkeiten sowie für die Malerarbeiten im Gebäudeinneren ursächlich 
war,  primär  auf  die  durchlöcherte  Dachfolie  zurückzuführen  und  nur  zu  einem 
kleinen  Teil  auf  die  vom  Hagel  beschädigten  Oblichter.  So  befand  sich  über 
dem beschädigten Parkettboden des Fitnessraumes nur ein einziges Oblicht mit 
einer  Doppelverschalung  aus  Kunststoffglas.  Ein  zweites  (kleineres)  doppel-
schaliges  Oblicht  befand  sich  über  dem  mit  einem  Plattenboden  versehenen 
Eingangsbereich  zum  Fitnessraum.  Letzteres  wurde  vom  Hagel nicht  komplett 
zerschlagen,  sondern  es  ist  nur  die  äussere  Verglasung  teilweise  in  Brüche 
gegangen. Durch dieses Oblicht konnte demnach – wenn überhaupt – nur eine 
kleinere Menge Wasser ins Gebäudeinnere, sprich in den Eingangsbereich und 
von  dort  in  den  Fitnessraum  und  auf  dessen  Parkettboden  gelangen.  Selbst 
wenn  zudem  auch  die  doppelschalige  Lichtkuppel  über  dem  Fitnessraum  vom 
Hagel vollständig zerschlagen worden wäre, wäre der den Wasserschaden am 
Parkettboden,  die  Austrocknung  der  Räumlichkeiten  und  die  Malerarbeiten 
bewirkende Wassereinbruch nicht primär auf die beiden beschädigten Oblichter 
zurückzuführen. So wiesen am Augenschein die unteren Einfasszargen beider 
Lichtkuppeln keinerlei Hinweise auf einen (grösseren) Wassereinbruch bei den 
Oblichtern auf. Es erhellte vielmehr, dass die entlang des gesamten Dachrands 
vom  Hagel  durchschlagene  Flachdachfolie  hauptursächlich 
für  den 
Wassereintritt und folglich für den Schaden im Gebäudeinneren war. Durch die 
durchlöcherte  Flachdachfolie  konnte  Meteorwasser  eindringen  und  praktisch 
ungehindert  durch  die  Holorib-Decke  und  entlang  der  diese  stützenden 
Stahlträger  auf  den  Parkettboden  des  Fitnessraums  fliessen,  der  gemäss 
rekurrentischen  Angaben  auf  einem  Teppich  schwimmend  verlegt  war.  Wenn 
die Vorinstanz nun für den Wasserschaden, der nicht infolge der beschädigten 
Flachdachfolie,  sondern  einzig  infolge  der  beschädigten  Verglasung  der 
Oblichter entstanden ist, pauschal Fr. 5000.-- vergütet, dagegen eine Vergütung 

 
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für  sämtliche  infolge  der  beschädigten  Flachdachfolie  entstandenen  Schäden 
ausgeschlossen hat, ist dies vertretbar und nicht zu beanstanden.