# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e627d7cb-b733-5c3d-9224-9195c3744773
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.04.2017 E-8078/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8078-2016_2017-04-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-8078/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  A p r i l  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Esther Marti;   

Gerichtsschreiber Arthur Brunner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

angeblich Eritrea,   

vertreten durch MLaw Angela Stettler,  

Advokatur Kanonengasse, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 30. November 2016 / N (…). 

 

 

 

E-8078/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat, angeblich Eritrea, ei-

genen Angaben zufolge am 2. Februar 2014. Am 25. Juli 2014 suchte er in 

der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 

6. August 2014 und der ausführlichen Anhörung vom 4. Juli 2016 

führte er im Wesentlichen Folgendes aus: 

 

Geboren worden und aufgewachsen sei er in B._______, Zoba Geluj, Sub-

zoba Gash-Barka, Eritrea. Zwei beziehungsweise vier Jahre lang habe er 

die Koranschule in B._______ besucht. Bis zu seiner Ausreise aus Eritrea 

habe er Viehzucht betrieben. Im Januar 2014 habe die lokale Verwaltung 

seinem Vater mitgeteilt, er müsse sich zum Militärdienst melden. Er selbst 

sei zu diesem Zeitpunkt auf dem Feld gewesen und habe vom Aufgebot 

zunächst nichts erfahren. Am 1. Februar 2014 habe er auf dem Feld eini-

gen bewaffneten Männern Milch gegeben. Eine Stunde später seien Si-

cherheitsleute gekommen und hätten ihn namentlich identifiziert; weil er 

den unbekannten Männern – möglicherweise Oppositionellen – Milch ge-

geben habe, hätten sie ihn bedroht und geschlagen. Er sei deshalb nach 

Hause zurückgekehrt. Sein Vater habe ihn bei dieser Gelegenheit auch 

über das Militäraufgebot in Kenntnis gesetzt. Aus Angst, in den Militärdienst 

eingezogen zu werden, sei er am Tag darauf in den Sudan ausgereist. 

 

Als Beweismittel reichte er im Verlaufe des Verfahrens die Kopie der Iden-

titätskarte seines Vaters sowie die Kopie eines von der lokalen Verwaltung 

im Jahr 2004 ausgestellten Formulars zu den Akten.  

B.  

Mit Schreiben vom 24. Oktober 2016 setzte das SEM den Beschwerdefüh-

rer darüber in Kenntnis, dass es beabsichtige, seine Staatsangehörigkeit 

auf unbekannt abzuändern. Aus seinen Aussagen in den Befragungen sei 

zu schliessen, dass er das SEM über seine Herkunft täuschen wolle. Dazu 

gewährte es ihm das rechtliche Gehör. 

 

Mit Eingabe vom 31. Oktober 2016 hielt der Beschwerdeführer an seiner 

eritreischen Staatsangehörigkeit fest. 

C.  

Mit Verfügung vom 30. November 2016 – eröffnet an 2. Dezember 2016 –

E-8078/2016 

Seite 3 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht und wies sein Asylgesuch ab. Zudem ordnete es die Wegwei-

sung aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug an. 

D.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 28. Dezember 2016 focht der 

Beschwerdeführer die Verfügung des SEM vom 30. November 2016 beim 

Bundesverwaltungsgericht an.  

 

Materiell beantragte er, die Verfügung der Vorinstanz sei vollumfänglich 

aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl 

zu gewähren. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Sube-

ventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklä-

rung und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

 

In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses. Zudem sei ihm in der Person seiner Rechtsvertreterin eine amtliche 

Rechtsbeiständin zu bestellen. 

 

Der Beschwerde beigelegt waren eine „behelfsmässige Übersetzung“ des 

bereits im vorinstanzlichen Verfahren in Kopie eingereichten Formulars ei-

ner eritreischen Verwaltungsbehörde vom 30. Dezember 2014 sowie eine 

Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit des Beschwerdeführers des (…) 

vom 22. Dezember 2016. 

E.  

Am 29. Dezember 2016 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde. 

F.  

Mit Eingabe vom 10. Januar 2017 reichte der Beschwerdeführer das Origi-

nal des von der lokalen Verwaltung ausgestellten Formulars vom 30. De-

zember 2014 einschliesslich des Zustellcouverts zu den Akten. 

 

  

E-8078/2016 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der 

Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-

gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

2.  

2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung 

auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige und unvollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

Im Zusammenhang mit dem Wegweisungsvollzug kann zudem die Unan-

gemessenheit gerügt werden (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 

2014/26 E. 5).  

2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet das Bundesverwaltungs-

gericht vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels.  

3.  

Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe vor dem Hintergrund ihrer 

Zweifel an seiner Herkunft zu Unrecht auf die Durchführung einer LINGUA-

Analyse beziehungsweise einer vertieften Herkunftsanalyse verzichtet. Da-

mit habe sie den Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i. V. m. Art. 12 

VwVG) verletzt. 

 

3.1 Im Asylverfahren gilt – wie in anderen Verwaltungsverfahren – der Un-

tersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG in Verbindung mit Art. 12 VwVG). Nach 

dem Untersuchungsgrundsatz muss die entscheidende Behörde den 

Sachverhalt von sich aus abklären, ist mithin selbst verantwortlich für die 

Beschaffung der für den Entscheid notwendigen Unterlagen und das Ab-

klären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsachen (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Ver-

waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 

2013, Rz. 142; KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, Rz. 20 ff. zu Art. 12 

VwVG, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwal-

tungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016). 

 

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Seite 5 

3.2 Bei Zweifeln an der Herkunft einer asylsuchenden Person ist das SEM 

– unter Vorbehalt der Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) – grundsätzlich ge-

halten, entsprechende Sachverhaltsinstruktionen vorzunehmen (vgl. Urteil 

des BVGer E-907/2015 vom 17. Oktober 2016 E. 4.2). Bei Asylgesuchen 

von Personen, die angeblich aus dem Tibet stammen, wird zu diesem 

Zweck regelmässig eine Lingua-Analyse oder eine Evaluation des Alltags-

wissens durchgeführt, wobei diesbezüglich aufgrund des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG) gewisse Mindestan-

forderungen einzuhalten sind (vgl. BVGE 2015/10). Nur in Fällen offen-

sichtlicher Haltlosigkeit kann auf eine Lingua-Analyse oder eine vertiefte 

Herkunftsabklärung gänzlich verzichtet werden (vgl. Urteil des BVGer  

D-3623/2014 vom 9. Juli 2014 E. 5). Das Bundesverwaltungsgericht wen-

det diese Rechtsprechung auch auf Asylverfahren angeblich aus Eritrea 

stammender Asylsuchender an (vgl. Urteil des BVGer D-3736/2015 vom 9. 

November 2015 E. 5). 

 

3.3 Das SEM ist der Auffassung, dem Beschwerdeführer sei es nicht ge-

lungen, seine Herkunft glaubhaft zu machen. Es führte jedoch weder eine 

Lingua-Analyse noch eine vertiefte Herkunftsabklärung durch. Dieses Vor-

gehen wäre im Hinblick auf den Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG in 

Verbindung mit Art. 12 VwVG) nach dem Gesagten nur dann zulässig, 

wenn die Angaben des Beschwerdeführers in der BzP und der ausführli-

chen Anhörung als offensichtlich haltlos bezeichnet werden könnten. Dies 

ist nachfolgend zu prüfen. 

 

3.3.1 Die Vorinstanz begründet ihre Auffassung bezüglich der Herkunft des 

Beschwerdeführers wie folgt: 

 

Der Beschwerdeführer spreche nur wenig Tigrinya. Für eine Person, die in 

Eritrea geboren und aufgewachsen sei, sei dies unüblich. Er habe wider-

sprüchliche Angaben zur Dauer seines Besuchs der Koranschule gemacht; 

in der BzP habe er von zwei Jahren gesprochen, in der Anhörung von vier 

bis fünf Jahren. Unplausibel erscheine auch seine Aussage, dass er sein 

ganzes Leben nie in der nahegelegenen Stadt C._______ gewesen sei. 

Aufgrund dieser unstimmigen Aussagen bestünden Zweifel an der gel-

tend gemachten Ausbildung und Herkunft. Diese Zweifel würden dadurch 

erhärtet, dass er keine Identitätspapiere eingereicht habe. Er habe wider-

sprüchliche Angaben dazu gemacht, ob er solche Identitätspapiere über-

haupt beantragt habe. In der BzP habe er einen solchen Antrag verneint, 

in der ausführlichen Anhörung hingegen erklärt, er habe ein- beziehungs-

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Seite 6 

weise zweimal eine Identitätskarte beantragt, eine solche jedoch nicht er-

halten. Die Lebensgeschichte und Herkunft des Beschwerdeführers seien 

daher insgesamt unglaubhaft, weshalb auch die weiteren Fluchtvorbringen 

erheblich anzuzweifeln seien. 

 

Ohnehin wiesen die diesbezüglichen Schilderungen aber weitere Unstim-

migkeiten auf. Den Vorfall mit den Sicherheitsleuten habe er in der BzP mit 

keinem Wort erwähnt. In Anbetracht seiner drastischen Schilderung, bei 

diesem Vorfall eine Stunde gefesselt und zwei Stunden geschlagen wor-

den zu sein, sei dies nicht nachvollziehbar. In der BzP habe er abgesehen 

davon ausdrücklich verneint, Behördenkontakt gehabt zu haben. Auch sei 

die Schilderung des Vorfalls wenig anschaulich ausgefallen; der Beschwer-

deführer habe keine detaillierte Schilderung des Ablaufs geben können, 

obwohl er mehrere Stunden festgehalten worden sei. Widersprüchlich 

seien auch seine Angaben zu den Vorladungen für den Militärdienst aus-

gefallen. In der BzP habe er ausgesagt, nur einmal – im Jahr 2014 – vor-

geladen worden zu sein. In der ausführlichen Anhörung habe er hingegen 

zu Protokoll gegeben, einmal im Jahr 2010 und einmal im Jahr 2014 zur 

Absolvierung des Militärdiensts aufgefordert worden zu sein. Auch zur 

Form der Aufforderung habe er sich widersprochen: In der BzP habe er von 

einem mündlichen, in der ausführlichen Anhörung von einem schriftlichen 

Aufgebot gesprochen. Im Übrigen erscheine nicht plausibel, dass die Si-

cherheitsleute ihn im Jahr 2014 einfach hätten gehen lassen sollen, wenn 

er 2010 tatsächlich zum Militärdienst aufgefordert worden wäre und diesem 

Aufgebot keine Folge geleistet hätte. Die oberflächliche und teilweise wi-

dersprüchliche Schilderung seiner Ausreise aus Eritrea erhärte die An-

nahme, dass er nicht in Eritrea sozialisiert worden sei und folglich auch nie 

illegal ausgereist sei. 

 

Die Muttersprache des Beschwerdeführers – Tigré – werde auch im Sudan 

gesprochen, so dass namentlich nicht ausgeschlossen werden könne, 

dass er dort sozialisiert worden sei. Aus den eingereichten Beweismitteln 

könne der Beschwerdeführer nichts für sich ableiten: Weil er seine eigene 

Identität nicht belegt habe, könne es sich bei der in Kopie eingereichten 

Identitätskarte um das Ausweisdokument einer beliebigen Person handeln. 

Dasselbe gelte für die Bestätigung der örtlichen Verwaltung; bei dem Do-

kument handle es sich überdies um eine Kopie ohne Beweiswert. 

3.3.2 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, er könne die überwie-

gende Mehrheit der von der Vorinstanz aufgeführten Ungereimtheiten ent-

kräften. Diese Einschätzung trifft teilweise zu. 

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Seite 7 

Dem Beschwerdeführer ist zuzustimmen, dass seine eingeschränkten 

Kenntnisse der tigrinischen Sprache die Herkunft aus Eritrea nicht per se 

als unplausibel erscheinen lassen. Insbesondere wenn zutrifft, dass er – 

trotz des gesetzlichen Schulobligatoriums bis zur achten Klasse (vgl. Eu-

ropean Asylum Support Office [EASO], Länderfokus Eritrea von Mai 2015, 

S. 20, abrufbar unter <https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/internati-

onales/herkunftslaender/afrika/eri/ERI-ber-easo-d.pdf>, zuletzt abgerufen 

am 27. Februar 2017) – nur sehr kurz die Schule besucht hat, schliessen 

die eingeschränkten Sprachkenntnisse eine Sozialisierung in Eritrea nicht 

aus. Gemäss einschlägigen Quellen sind Sprecher des Tigré in Eritrea häu-

fig einsprachig (EASO, a.a.O., S. 14, m.w.H.). 

Umgekehrt weisen seine Ausführungen in der BzP und der Anhörung je-

doch auch verschiedene Elemente auf, die tatsächlich an seiner Sozialisie-

rung in Eritrea zweifeln lassen: 

 

Erstens ist unplausibel, dass ihm trotz eines behaupteten Aufenthalts in 

Eritrea bis im Februar 2014 nie eine Identitätskarte ausgestellt worden sein 

soll. Gemäss öffentlich zugänglichen Informationen stellte das eritreische 

Departement für Immigration und Staatsbürgerschaft die Identitätskarte je-

denfalls bis Februar 2014 an eritreische Staatsangehörige über 18 Jahren 

aus (vgl. Bericht des niederländischen Ministerie van Buitenlandse Zaken 

vom 30. November 2011, Algemeen Ambtsbericht Eritrea, S. 27-28, abruf-

bar unter <https://www.rijksoverheid.nl/documenten/ambtsberich-

ten/2011/12/05/eritrea-2011-11-30, zuletzt abgerufen am 27. Februar 2017; 

EASO, a.a.O., S. 51). Der Besitz einer Identitätskarte ist für alle Eritreer 

über 18 Jahren obligatorisch. Wer sie nicht auf sich trägt, riskiert eine Ver-

haftung (vgl. Ministerie van Buitenlandse Zaken, a.a.O.). Der Hinweis des 

Beschwerdeführers, ihm sei die Ausstellung einer Identitätskarte verwei-

gert worden, weil er in der Viehzucht tätig sei, ist nicht plausibel. Abgese-

hen davon ist unverständlich, warum er nicht auf einer Ausstellung beharrt 

hat, wenn ihm ohne die Identitätskarte jederzeit die Verhaftung ge-

droht hätte. 

 

Zweitens ist nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer trotz eines Militär-

dienstaufgebotes im Jahr 2010 vier weitere Jahre unbehelligt in der Vieh-

zucht tätig sein konnte, ohne mit den Behörden in Kontakt gekommen zu 

sein. Wehrdienstverweigerung steht in Eritrea unter Strafe; die eritreischen 

Behörden versuchen, mit regelmässigen Razzien (sog. giffas) sicherzustel-

len, dass sich niemand seiner Wehrdienstpflicht entziehen kann (EASO, 

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Seite 8 

Eritrea – National service and illegal exit, November 2016, S. 22-23, abruf-

bar unter <https://www.easo.europa.eu/sites/default/files/publications/COI-

%20Eritrea-Dec2016_LR.pdf>, zuletzt abgerufen am 27. Februar 2017). 

Vor diesem Hintergrund ist nicht plausibel, dass die eritreischen Behörden 

bis 2014 untätig geblieben sein sollten und ihn dann einfach ein weiteres 

Mal zum Militärdienst einberufen hätten. 

 

Drittens ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer vage 

und widersprüchliche Ausführungen zu den Militärdienstaufgeboten, zu 

den Vorfällen im Februar 2014 und zu seiner Ausreise aus Eritrea gemacht 

hat. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die zutreffenden Aus-

führungen der Vorinstanz verwiesen werden. 

3.3.3 Die Vorinstanz stützte sich in ihrer Einschätzung der Unplausibilität 

der Herkunft des Beschwerdeführers massgeblich auf dessen mangelnde 

Sprachkenntnisse des Tigrinischen. Wie der Beschwerdeführer zu Recht 

vorbringt, schliesst sein linguistisches Profil eine Sozialisierung in Eritrea 

jedoch nicht aus; insbesondere trifft zu, dass Tigré-sprechende Personen 

gemäss den verfügbaren Quellen häufig einsprachig sind (vgl. oben, 

E. 3.3.2). Auch wenn verschiedene weitere Angaben des Beschwerdefüh-

res unplausibel erscheinen, kann daher nicht gesagt werden, dass seine 

Behauptung, aus Eritrea zu stammen, offensichtlich haltlos wäre.  

3.4 Nachdem die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Herkunft 

nicht als offensichtlich haltlos qualifiziert werden können, wäre die Vo-

rinstanz gehalten gewesen, eine Lingua-Analyse oder eine vertiefte Her-

kunftsabklärung durchzuführen. Durch ihre diesbezügliche Unterlassung 

hat sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt (Art. 6 AsylG in Verbindung 

mit Art. 12 VwVG) und den Sachverhalt unvollständig festgestellt (Art. 106 

Abs. 1 AsylG). 

 

4.  

Nach Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in 

der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Wei-

sungen an die Vorinstanz zurück. Eine Rückweisung kommt insbesondere 

dann in Betracht, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und 

ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist (WEISSENBER-

GER/HIRZEL, N 16 zu Art. 61 VwVG, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], 

Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016). Dies ist 

hier der Fall: Die Vorinstanz wird zur Feststellung der Herkunft des Be-

schwerdeführers vor neuem Entscheid entweder eine Lingua-Analyse oder 

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Seite 9 

eine vertiefte Herkunftsabklärung durchführen müssen. Angesichts der Tat-

sache, dass sich die Entscheidungsreife im vorliegenden Fall nicht mit ge-

ringem Aufwand herstellen lässt, ist es gestützt auf Art. 61 Abs. 1 VwVG 

angezeigt, die Sache zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsabklä-

rung im Sinne der vorangegangenen Erwägungen – unter rechtsgenügli-

cher Gewährung des rechtlichen Gehörs – ans SEM zurückzuweisen. Die 

Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz bean-

tragt wird. 

5.  

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  

5.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 37 VGG kann der 

obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädi-

gung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen 

Kosten zugesprochen werden (vgl. Art. 7 ff. des Reglements über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 

21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens der Rechtsvertreterin 

des Beschwerdeführers wurde keine Kostennote eingereicht. Auf die Nach-

forderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 

VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand zuverlässig abge-

schätzt werden kann. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-

sungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) sind dem Beschwerdeführer Fr. 1‘500.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) als Parteientschädigung zuzuspre-

chen. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das SEM zu entrich-

ten. 

5.3 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 

Abs. 1 VwVG) und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin 

(Art. 110a Abs. 1 AsylG) sind mit dem vorliegenden Entscheid gegen-

standslos geworden 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-8078/2016 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 30. November 2016 wird aufgehoben und die 

Angelegenheit im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vor-

instanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von Fr. 1500.– zu-

gesprochen, die ihm durch das SEM zu entrichten ist. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

David R. Wenger Arthur Brunner 

 

 

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