# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11f8105a-3c94-5498-afcd-52d37983c5cd
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 16.05.2022 VBE.2021.520
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2021-520_2022-05-16.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2021.520 / lf / ce       
Art. 52 

 

 

Urteil vom 16. Mai 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Schircks Denzler 

Oberrichterin Gössi 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____   

unentgeltlich vertreten durch MLaw Jonas Steiner, Rechtsanwalt,  

Buchserstrasse 18, Postfach, 5001 Aarau 1 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene  B._____   

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 19. November 2021) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1974 geborene Beschwerdeführer, zuletzt tätig gewesen als Betriebs-

mitarbeiter, meldete sich am 16. Dezember 2019 bei der Beschwerdegeg-

nerin zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration, Rente) der Eidge-

nössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte 

berufliche sowie medizinische Abklärungen und liess den Beschwerdefüh-

rer nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) poly-

disziplinär begutachten (Gutachten der Zentrum für Interdisziplinäre Medi-

zinische Begutachtungen AG, Schwyz [ZIMB], vom 6. Juli 2021). Nach 

durchgeführtem Vorbescheidverfahren, dem Einholen einer ergänzenden 

gutachterlichen Stellungnahme und erneuter Rücksprache mit dem RAD 

wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdefüh-

rers mit Verfügung vom 19. November 2021 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 19. November 2021 erhob der Beschwerdefüh-

rer mit Eingabe vom 25. November 2021 fristgerecht Beschwerde und 

stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung vom 19.11.2021 sei aufzuheben. 
 
2. Es sei ein Obergutachten in Auftrag zu geben. 
 
3. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei-

sen, damit diese ein neues psychiatrisches Gutachten unter Aus-
schluss des Gutachters Dr. med. C. in Auftrag gibt. 

 
4. Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu ge-

währen und der Unterzeichnete als unentgeltlicher Vertreter einzuset-
zen. 

 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zulasten der Be-
schwerdegegnerin" 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 7. Dezember 2021 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 9. Dezember 2021 wurde dem 

Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und zu seinem 

unentgeltlichen Vertreter MLaw Jonas Steiner, Rechtsanwalt, Aarau, er-

nannt. 

 

 - 3 - 

 

 

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 9. Dezember 2021 wurde die 

berufliche Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers im Verfahren bei-

geladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Diese verzich-

tete mit Eingabe vom 21. Dezember 2021 auf eine Stellungnahme. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren 

des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 19. November 2021 (Vernehm-

lassungsbeilage [VB] 75) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

Die angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den all-

gemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich mass-

gebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 

E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen 

der IVV sowie des ATSG in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen 

Fassung anwendbar. 

 

3. 

In der angefochtenen Verfügung vom 19. November 2021 (VB 75) stützte 

sich die Beschwerdegegnerin insbesondere auf das polydisziplinäre  

(internistisch-kardiologisch-neurologisch-psychiatrisch-rheumatologische) 

ZIMB-Gutachten vom 6. Juli 2021. Darin wurden interdisziplinär die nach-

folgenden Diagnosen gestellt (VB 63.1 S. 9 f.): 

 

"a) Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

1. Chronische therapieresistente Epicondylopathia humeri radialis rechts 
(ICD-10 M77.1) 
(…) 

2. Residuelle Vorfussbeschwerden rechts 
- bei Status nach Arthrodese Grosszehengrundgelenk rechts am 

06.03.2020 
- bei sekundärer Grosszehengrundgelenksarthrose bei chronischer 

Arthritis urica sowie direkter Vorfusskontusion im Dezember 2018 
- Gicht (ICD-10 M10) 

3. Kongenitales Herzvitium (ICD-10 Q21.9, Q23.9) 
(…) 

 
b) Diagnosen ohne Einfluss auf Arbeitsfähigkeit 

1. Depressive Episode als remittiert zu beurteilen (ICD-10 F32.4) 
 DD Status nach Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) 
2. Unspezifisches myogelotisch und haltungsbedingtes zervikoskapuläres 

sowie lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.8) 
(…) 

3. Migräne mit Aura (ICD-10 G43.1) 

 - 4 - 

 

 

 

4. Hypertriglyceridämie (ICD-10 E78.1) 
5. Erhöhter Wert für Ferritin (ICD-10 R79.8) 
(…)". 

 

Nach "vorangehend nur punktuell, über Tage bis Wochen aufgehobener 

Arbeitsfähigkeit" bestehe – aus interdisziplinärer Sicht – seit November 

2020 in der bisherigen Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer 

angepassten, körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit der Mög-

lichkeit, die Arbeitspositionen regelmässig selbstständig wechseln zu kön-

nen, ohne physische Belastung des rechten dominanten Armes und somit 

ohne Tragen von Lasten, ohne Arbeiten mit stereotypen Rotationsbewe-

gungen oder mit steter Oberkörpervorneige oder -rückhalteposition, be-

stehe eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Für eine derartige 

adaptierte Tätigkeit habe auch in der Vergangenheit keine wesentliche, län-

ger dauernde höhergradige Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfä-

higkeit bestanden (VB 62.1 S. 11 f.). 

 

4. 

4.1. 

4.1.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.1.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

 

4.2. 

Das ZIMB-Gutachten vom 6. Juli 2021 wird den von der Rechtsprechung 

formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Stellung-

nahme (vgl. E. 4.1. hiervor) gerecht. Das Gutachten ist in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) erstellt worden (vgl. VB 63.1 S. 6 f.; 63.2; 63.3 S. 2; 

63.4 S. 1; 63.5 S. 1; 63.6 S. 1; 63.7 S. 1), gibt die subjektiven Angaben des 

Beschwerdeführers ausführlich wieder (vgl. VB 63.3 S. 2 ff.; 63.4 S. 1 ff.; 

63.5 S. 1 ff.; 63.6 S. 1 ff.; 63.7 S. 1 ff.), beruht auf allseitigen Untersuchun-

gen der beteiligten Fachdisziplinen (vgl. VB 63.3 S. 7; 63.4 S. 5 f.; 63.5 

 - 5 - 

 

 

 

S. 4 f.; 63.6 S. 3 f.; 63.7 S. 3 f.) und die Gutachter setzten sich im An-

schluss an die Herleitung der Diagnosen eingehend mit den subjektiven 

Beschwerdeangaben bzw. den medizinischen Akten auseinander (vgl. 

VB 63.1 S. 10 ff.; 63.3 S. 7 ff.; 63.4 S. 9 ff.; 63.5 S. 6 ff.; 63.6 S. 4 ff.; 63.7 

S. 4 ff.). Das Gutachten ist in der Beurteilung der medizinischen Zusam-

menhänge und der medizinischen Situation nachvollziehbar und damit 

grundsätzlich geeignet, den Beweis für den anspruchserheblichen medizi-

nischen Sachverhalt zu erbringen. 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber im Wesentlichen vor, das 

ZIMB-Gutachten, insbesondere das psychiatrische Teilgutachten, werde 

den Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten aus verschiedenen 

Gründen nicht gerecht, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne (vgl. 

Beschwerde S. 5 ff.): 

 

4.3.1. 

Im Gutachten fehle es an einer nachvollziehbaren Begründung aus inter-

disziplinärer Sicht, wie sich die gestellten Diagnosen gegenseitig beeinflus-

sen würden und weshalb diese gegenseitige Beeinflussung keine Auswir-

kung auf die Arbeitsfähigkeit "in polymorbider Hinsicht" haben solle. Im Gut-

achten werde zwar von einer interdisziplinären medizinischen Beurteilung 

gesprochen, aber es werde lediglich Absatz für Absatz eine Beurteilung aus 

den einzelnen Fachdisziplinen abgegeben. Eine eigentliche Diskussion der 

Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit "aus polymorbider Sicht" 

fehle gänzlich (vgl. Beschwerde S. 5 f.). 

 

Gemäss ZIMB-Gutachten findet jeweils an den Untersuchungstagen ein di-

rekter Austausch zwischen den involvierten Gutachtern statt. Dies sei die 

zentrale Konsensfindung der Gutachter (VB 63.1 S. 13). Folglich sind die 

Schlussfolgerungen konsensuell mit den beteiligten Gutachtern erarbeitet 

worden und die Unterzeichnenden haben sich damit einverstanden erklärt 

(vgl. VB 63.1 S. 13). Ausserdem enthält das Gutachten eine in Zusammen-

fassung aller Teilgutachten, der dabei erhobenen Anamnesen und Befunde 

sowie der Aktendaten erstellte interdisziplinäre Gesamtbeurteilung der Ar-

beitsfähigkeit, in welcher die Einschränkungen aus den einzelnen Fachge-

bieten nachvollziehbar berücksichtigt wurden, aber auch explizit eine poly-

disziplinäre Schlussfolgerung der Gesamtarbeitsfähigkeit festgehalten 

wurde (VB 63.1 S. 12). Schliesslich war es angesichts des Umstands, dass 

in keinem Teilgutachten eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wurde, auch 

nicht erforderlich, auf eine "gegenseitige Beeinflussung" der Diagnosen 

(Beschwerde S. 6) einzugehen. Dem ZIMB-Gutachten mangelt es damit 

nicht an Interdisziplinarität. 

 

 - 6 - 

 

 

 

4.3.2. 

Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, der psychiatrische Gutachter 

äussere sich mit keinem Wort zu den vom behandelnden Psychiater fest-

gehaltenen Befunden und der Diskrepanz zu dessen diametral anderen 

Einschätzung. Das Gutachten sei somit nicht umfassend und leuchte in der 

Darlegung der medizinischen Zusammenhänge nicht ein (vgl. Beschwerde 

S. 6 f., 10). 

 

Entscheidend ist, dass die Gutachter über das vollständige medizinische 

Dossier verfügen und ihre Beurteilung in Kenntnis der Unterlagen abgege-

ben haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2017 vom 19. Juni 2018 

E. 4.4 mit Hinweis). Es bedarf keiner ausdrücklichen Stellungnahme zu je-

der einzelnen abweichenden Meinung, sondern es wird von medizinischen 

Experten eine in Kenntnis der Aktenlage gebildete eigenständige Beurtei-

lung erwartet (vgl. SVR 2009 UV Nr. 29 S. 101, 8C_669/2008 vom 25. Feb-

ruar 2009 E. 3). Dies wurde im ZIMB-Gutachten vorgenommen. Dem psy-

chiatrischen Gutachter waren die Berichte des behandelnden Psychiaters 

bekannt, ebenso wie die Frequenz der psychiatrischen Konsultationen. Zu-

dem setzte er sich explizit mit den Ausführungen des behandelnden Psy-

chiaters auseinander (VB 63.4 S. 1 i.V.m. 63.2 S. 2 f.; 63.4 S. 3; 64.3 

S. 7 f.). Auch in der ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 

22. Oktober 2021 wurde festgehalten, das Gutachten sei in Kenntnis der 

Vorakten erstellt worden und der Bericht des behandelnden Psychiaters 

vom 12. April 2021 habe den Gutachtern vorgelegen, enthalte aber keine 

wesentlich neueren Angaben gegenüber dessen früheren Berichten (VB 73 

S. 1).  

 

Die ZIMB-Gutachter kamen in Kenntnis der Vorakten sowie der erfolgten 

Bildgebungen, in Würdigung der Ergebnisse der klinischen Untersuchun-

gen und unter eingehender Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer 

geklagten Beschwerden zu ihrer nachvollziehbar begründeten gutachterli-

chen Einschätzung (vgl. E. 4.2. hiervor). Der psychiatrische Gutachter hielt 

sodann fest, beim Beschwerdeführer sei eine depressive Störung in Be-

tracht zu ziehen gewesen. Bei der Untersuchung habe der Beschwerdefüh-

rer angegeben, dass er an einer depressiven Symptomatik erkrankt sei. 

Diese angegebene Symptomatik hätte in der Untersuchungssituation durch 

den Referenten so jedoch nicht objektiviert werden können (VB 63.4 S. 8). 

Es hätten sich Inkonsistenzen gefunden und die gemachten Angaben des 

Beschwerdeführers seien nicht plausibel gewesen. Zwischen der subjekti-

ven Beschwerdeschilderung des Beschwerdeführers und dessen Verhal-

ten in der Untersuchungssituation habe eine Diskrepanz bestanden. Bei 

der Begutachtung hätten sich verschiedene Auffälligkeiten gezeigt, die – 

insbesondere in ihrer Gesamtschau – zu dem "Urteil" führen würden, dass 

der Beschwerdeführer mindestens verdeutliche, wenn nicht sogar aggra-

viere (VB 63.4 S. 11). Zusammenfassend sei der psychiatrische Gutachter 

 - 7 - 

 

 

 

zur Überzeugung gekommen, dass sich bei der Untersuchung kein gravie-

render Hinweis einer tiefergehenden Funktions- und Leistungsbeeinträch-

tigung im psychiatrischen Bereich habe erkennen lassen (VB 63.4 S. 8). 

 

Bei der vom behandelnden Psychiater abweichenden Einschätzung 

(VB 63.8 S. 1 ff.) ist damit lediglich von einer unterschiedlichen Beurteilung 

des gleichen medizinischen Sachverhaltes auszugehen (Urteil des Bun-

desgerichts 8C_618/2014 vom 19. Dezember 2014 E. 2.1 mit Hinweisen), 

was angesichts der umfassenden gutachterlichen Abklärungen kein Abwei-

chen vom ZIMB-Gutachten rechtfertigt. Denn im Rahmen psychiatrischer 

Beurteilungen besteht immer ein gewisser Ermessensspielraum, innerhalb 

dessen verschiedene medizinische Interpretationen möglich, zulässig und 

zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil 

des Bundesgerichts 8C_548/2021 vom 25. Februar 2022 E. 7.2.1 mit Hin-

weisen). Vorliegend sind ausweislich der Akten weder Hinweise ersichtlich 

noch wurden derartige Anhaltspunkte schlüssig dargetan, wonach die Ein-

schätzung des psychiatrischen Gutachters nicht lege artis erfolgt wäre. 

Diese stimmt zudem im Wesentlichen mit der aktenkundigen Einschätzung 

von Dr. med. D., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, überein 

(VB 42 S. 16 f.; 63.4 S. 12), der im Auftrag der Krankentaggeldversiche-

rung des Beschwerdeführers am 27. November 2020 ein psychiatrisches 

Gutachten erstattet hatte. Hinsichtlich der Einschätzung des behandelnden 

Psychiaters ist sodann der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass 

behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau-

ensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen 

(BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen). Dementspre-

chend hielt auch der psychiatrische ZIMB-Gutachter fest, bei der Beurtei-

lung der Arbeitsfähigkeit komme es häufig zu divergierenden Meinungen 

zwischen Behandlern und Gutachtern. Diese Divergenz rühre aus dem un-

terschiedlichen Rollenverständnis (VB 63.4 S. 9). Eine mangelnde gut-

achterliche Auseinandersetzung ist damit insgesamt nicht ersichtlich. 

 

4.3.3. 

Der Beschwerdeführer hält weiter fest, es stimme nicht, dass er spazieren 

gehe, sich mit Personen treffe und soziale Kontakte zur Familie halte. Er 

ziehe sich zurück und gehe nicht in die Gesellschaft und die Kommunika-

tion mit seiner Frau und den Kindern sei "gestört". Was einzig stimme, sei 

die Tatsache, dass er bei schönem Wetter spazieren gehe. Weil er 

WhatsApp und Vider nutze und Kontakt zu seinem Vater und zur Schwester 

in Q. halte, könne zudem nicht darauf geschlossen werden, dass die sozi-

alen Aktivitäten von guter Qualität seien. Zum wiederholten Male würden 

die Angaben im psychiatrischen Gutachten nicht den Tatsachen entspre-

chen (vgl. Beschwerde S. 7 f.). 

 

In der ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 22. Oktober 2021 

wurde hinsichtlich dieses bereits im Einwandverfahren geltend gemachten 

 - 8 - 

 

 

 

Vorbringens des Beschwerdeführers festgehalten, dieses könne durch die 

Erfragungen insbesondere im internistischen und auch im psychiatrischen 

Teilgutachten widerlegt werden. Der Beschwerdeführer lebe zusammen 

mit seiner Ehefrau und den drei Kindern und habe durchaus soziale Kon-

takte angegeben, auch wenn diese reduziert seien. Zudem habe der Be-

schwerdeführer explizit angegeben, dass er sich nicht einsam fühle (VB 73 

S. 2). Daher und da der Beschwerdeführer weder das Zusammenwohnen 

mit seiner Familie, noch den Kontakt mit seinem Vater und seiner Schwes-

ter oder das Spazieren-Gehen bestreitet und die Angaben zum Tagesab-

lauf und zum Haushalt in den Teilgutachten einheitlich sind (VB 63.3 S. 5 f.; 

63.4 S. 4 f.; 63.5 S. 4; 63.6 S. 3; 63.7 S. 3), ist nicht ersichtlich, inwiefern 

die im Rahmen des Vorbescheids- und Beschwerdeverfahrens vorge-

brachten Behauptungen ein Abweichen vom Gutachten rechtfertigen wür-

den. Hinsichtlich der medizinischen Beurteilung des Sachverhalts durch 

den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 8) ist zu-

dem darauf hinzuweisen, dass diese bereits deshalb unbehelflich ist, weil 

er als medizinischer Laie hierfür nicht befähigt ist (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 9C_283/2017 vom 29. August 2017 E. 4.1.2). 

 

4.3.4. 

Der psychiatrische Gutachter habe des Weiteren die psychosozialen und 

soziokulturellen Faktoren nicht benannt und habe damit die nachfolgend 

von der Rechtsprechung erforderlichen medizinischen Diskussionen gar 

nicht rechtsgenüglich abklären können. Es fehle im Gutachten damit an der 

bundesgerichtlich vorgeschriebenen Auseinandersetzung zum verselbst-

ständigten Gesundheitsschaden bei invaliditätsfremden Faktoren (vgl. Be-

schwerde S. 8 ff.). 

 

Da der psychiatrische ZIMB-Gutachter nachvollziehbar begründet das Vor-

liegen einer psychischen Störung verneint hat (VB 63.4 S. 8; 11; 12 f.), er-

übrigte sich die vom Beschwerdeführer verlangte vertiefte Auseinanderset-

zung mit den möglichen psychosozialen und soziokulturellen Faktoren so-

wie mit der Frage, ob mit einem Wegfall der belastenden Lebensumstände 

unmittelbar auch die – im vorliegenden Fall gemäss Gutachter gar nicht 

vorhandene – psychische Störung verschwinden würde (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_14/2017 vom 15. März 2017 E. 5.3 mit Hinweisen). 

 

4.3.5. 

Schliesslich ist festzuhalten, dass in Übereinstimmung mit den Ausführun-

gen des Beschwerdeführers (Beschwerde S. 9 f.) und entgegen dem psy-

chiatrischen Gutachter (VB 63.4 S. 10) eine (gute) Therapierbarkeit einer 

Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis eine funktionelle Einschrän-

kung der Leistungsfähigkeit, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, nicht 

per se ausschliesst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 

15. Februar 2018 E. 5.1). Die Therapierbarkeit ist als Indiz in die gesamt-

haft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung mit einzubeziehen (vgl. 

 - 9 - 

 

 

 

BGE 141 V 281 E. 4. S. 298 ff.). Da im ZIMB-Gutachten eine Arbeitsunfä-

higkeit aus psychiatrischer Sicht aber nachvollziehbar begründet verneint 

wurde (VB 63.4 S. 8; 12 f.), und zudem eine Aggravationstendenz festge-

halten wurde (VB 63.4 S. 8; 11), blieb eine vertiefte Auseinandersetzung 

mit den Standardindikatoren entbehrlich (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 

S. 428 f.; 141 V 281 E. 2.2.1 S. 287). Abschliessend ist zudem auf die ak-

tuelle Rechtsprechung hinzuweisen, wonach sich eine leicht- bis mittelgra-

dige depressive Störung ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiat-

rische Komorbiditäten im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krank-

heit definieren lässt. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches 

Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheits-

schadens in Frage gestellt. Diesfalls müssen gewichtige Gründe vorliegen, 

damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden 

kann. Es ist Aufgabe der medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar 

aufzuzeigen, weshalb trotz lediglich leichter bis mittelschwerer Depression 

und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle 

Leistungseinschränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit 

auswirken (BGE 148 V 49 E. 6.6.2 S. 55 mit Hinweis). Auch vor diesem 

Hintergrund erweisen sich die Ausführungen des psychiatrischen Gutach-

ters insgesamt als schlüssig. 

 

4.4. 

Zusammenfassend sind weder den Ausführungen des Beschwerdeführers 

(vgl. Rügeprinzip, BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hinweis auf BGE 110 

V 48 E. 4a S. 53) noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche 

am ZIMB-Gutachten vom 6. Juli 2021 Zweifel zu begründen vermöchten 

(Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; BGE 134 V 109 

E. 9.5, mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1). Der medizinische Sachver-

halt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb 

auf weitere Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist, 

da von diesen keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind (BGE 127 V 

491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen). Gestützt auf das ZIMB-Gutachten vom 

6. Juli 2021 ist demnach in einer angepassten Tätigkeit von einer 100%igen 

Arbeits- und Leistungsfähigkeit auszugehen, die auch in der Vergangenheit 

nie wesentlich, länger dauernd, höhergradig eingeschränkt war (VB 63.1 

S. 12). 

 

5. 

Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens 

wurde die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invaliditätsgrader-

mittlung (VB 75 S. 1 f.) vom rechtskundig vertretenen Beschwerdeführer 

nicht beanstandet (vgl. Rügeprinzip; BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hin-

weis auf BGE 110 V 48 E. 4a S. 53), so dass sich diesbezügliche Weite-

rungen erübrigen. Die Beschwerdegegnerin hat das Rentenbegehren des 

Beschwerdeführers folglich mit Verfügung vom 19. November 2021 

(VB 75) zu Recht abgewiesen. 

 - 10 - 

 

 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da diesem die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-

merken. 

 

6.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter 

wird das angemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versiche-

rungsgerichtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein 

(§ 34 Abs. 3 VRPG i.V.m. Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO). 

 

6.4. 

Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der 

die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-

gemerkten Gerichtskosten sowie der dem Rechtsvertreter ausgerichteten 

Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.00 werden dem Beschwer-

deführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege 

werden sie einstweilen vorgemerkt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

  

 - 11 - 

 

 

 

4. 

Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird richterlich auf 

Fr. 2'450.00 festgesetzt. 

 

Die Obergerichtskasse wird gestützt auf § 12 Anwaltstarif angewiesen, 

dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers MLaw Jonas 

Steiner, Rechtsanwalt, Aarau, nach Eintritt der Rechtskraft das Honorar 

von Fr. 2'450.00 auszurichten. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Sozialversicherungen 

 

Mitteilung nach Rechtskraft an: 

die Obergerichtskasse 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 - 12 - 

 

 

 

   

Aarau, 16. Mai 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Fricker