# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f60af603-800f-5d1f-9fd4-c67420d835ed
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1997-09-05
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 05.09.1997 JAAC 62.65
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-62-65--_1997-09-05.pdf

## Full Text

JAAC 62.65

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 5. September 1997 in

Sachen J. gegen Bundesamt für Industrie, Gewerbe
und Arbeit; 97/5C-003

Service civil. Conflit de conscience. Commission d’admission. Pouvoir
d’examen de l’autorité de recours.

Art. 18 Cst. Art. 1 LSC. Principe. Conflit de conscience.

Le service militaire est la règle et le service civil l’exception (consid. 2).

L’examen de la crédibilité d’un conflit de conscience au sens de la
loi nécessite l’appréciation de processus intérieurs complexes qui ne
peuvent pas être prouvés (consid. 3.1).

Il n’est pas possible de dresser une liste exhaustive des motifs de
conscience ouvrant la voie au service civil. Est décisive la question de
savoir si les motifs allégués dans le cas particulier rendent crédible un
conflit de conscience inconciliable avec le service militaire (consid. 3.2).

Art. 16 et 18 LSC. Art. 27 OSCi. Art. 2, 8 et 11 OCSC. Fonction de la
commission d’admission. Pouvoir d’examen de l’autorité de recours.

La commission d’admission est indépendante de l’administration en ce
qui concerne sa composition et sa méthode de travail. En revanche, de
par sa fonction, elle est une commission administrative interne qui émet
une «proposition» à l’intention de l’organe d’exécution (consid. 4.1).

Le requérant n’a pas un droit à consulter la proposition de la
commission d’admission en tant qu’elle sert uniquement à former
l’opinion de l’autorité administrative (consid. 4.1).

La Commission de recours DFE exerce son pouvoir d’examen avec une
certaine retenue lorsqu’il s’agit d’apprécier la plausibilité des allégués
du requérant formulés devant la commission d’admission (consid. 4.2).

1

Zivildienst. Gewissenskonflikt. Zulassungskommission. Überprüfung
durch die Rechtsmittelinstanz.

Art. 18 BV. Art. 1 ZDG. Grundsatz. Gewissenskonflikt.

Der Militärdienst ist die Regel und der Zivildienst die Ausnahme (E. 2).

Die Beurteilung, ob ein Gewissenskonflikt im Sinne des Gesetzes
glaubhaft gemacht werden kann, beinhaltet eine Bewertung innerer
Vorgänge oder eines seelisch-psychischen Zustandes, über die kein
direkter Beweis geführt werden kann (E. 3.1).

Eine positive und allgemeingültige Umschreibung der Gewissensgründe,
die zu einem zivilen Ersatzdienst führen können, ist nicht möglich.
Entscheidend ist, ob sich die vorgetragenen Überlegungen im Einzelfall
derart verdichten, dass sie den behaupteten Konflikt zwischen Gewissen
und Militärdienst glaubhaft erscheinen lassen (E. 3.2).

Art. 16 und 18 ZDG. Art. 27 ZDV. Art. 2, 8 und 11 VKZD. Funktion
und Stellung der Zulassungskommission. Überprüfung durch die
Rechtsmittelinstanz.

Die Zulassungskommission ist bezüglich ihrer Zusammensetzung und
Arbeitsweise zwar verwaltungsunabhängig, ihrer Funktion nach aber
verwaltungsinterne Fachkommission, die der Vollzugsstelle «Antrag auf
Entscheidung» stellt (E. 4.1).

Der Gesuchsteller hat kein Einsichtsrecht in den Antrag der
Zulassungskommission an die Vollzugsstelle, solange dieser
ausschliesslich der verwaltungsinternen Meinungsbildung dient (E. 4.1).

Die Rekurskommission EVD auferlegt sich bei der nachträglichen
Überprüfung der Glaubhaftigkeit der gegenüber der
Zulassungskommission gemachten Vorbringen des Gesuchstellers
eine gewisse Zurückhaltung (E. 4.2).

Servizio civile. Conflitto di coscienza. Commissione d’ammissione.
Potere d’esame dell’autorità di ricorso.

Art. 18 Cost. Art. 1 LSC. Principio. Conflitto di coscienza.

Il servizio militare è la regola e il servizio civile l’eccezione (consid. 2).

Per accertare la credibilità di un conflitto di coscienza ai sensi della
legge è necessario valutare processi interiori complessi o condizioni
psico-fisiche che non possono essere provati (consid. 3.1).

Non è possibile definire in modo positivo e generale i motivi di
coscienza che conducono al servizio civile. È determinante stabilire se
i motivi addotti nel caso particolare rendono credibile un conflitto di
coscienza inconciliabile con il servizio militare (consid. 3.2).

2

Art. 16 e 18 LSC. Art. 27 OSCi. Art. 2, 8 e 11 OCSC. Funzione e posizione
della commissione d’ammissione. Potere d’esame dell’autorità di
ricorso.

La commissione d’ammissione è indipendente dall’amministrazione per
quanto riguarda composizione e metodo di lavoro. Per quanto attiene
alla funzione, invece, è una commissione amministrativa interna
che emana una «proposta di decisione» all’attenzione dell’organo
d’esecuzione (consid. 4.1).

Il richiedente non è autorizzato a consultare la proposta della
commissione d’ammissione poiché essa serve unicamente a formare
l’opinione dell’autorità amministrativa (consid. 4.1).

La Commissione di ricorso DFE esercita il suo potere d’esame con un
certo riserbo se si tratta di valutare la credibilità delle argomentazioni
formulate dal richiedente dinnanzi alla commissione d’ammissione
(consid. 4.2).

Aus dem Sachverhalt:

J. stellte am 15. Juni 1996 ein Gesuch um Zulassung zum Zivildienst. Nachdem
er von der Zulassungskommission am 7. November 1996 persönlich angehört
worden war, wies das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit[6]
(hiernach: Bundesamt) das Gesuch mit Verfügung vom 4. Dezember 1996
ab.

Gegen diese Verfügung erhob J. (Beschwerdeführer) am 30. Dezember 1996
Verwaltungsbeschwerde bei der Rekurskommission EVD und beantragt
sinngemäss seine Zulassung zum Zivildienst.

Aus den Erwägungen:

(...)

2. Gemäss Bundesverfassung ist jeder Schweizer wehrpflichtig, wobei das
Gesetz einen zivilen Ersatzdienst vorsieht (Art. 18 Abs. 1 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 [BV], SR 101).
Verfassungsrechtlich wurde dem Gesetzgeber unter anderem vorgegeben,
das Primat der Wehrpflicht gegenüber dem Zivildienst zu erhalten, keine
freie Wahl zwischen Militär- und Zivildienst vorzusehen sowie die Zulassung
zum Zivildienst von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig zu
machen (vgl. Botschaft vom 22. Juni 1994 zum Bundesgesetz über den zivilen
Ersatzdienst, BBl 1994 III 1626; sowie Rainer J. Schweizer in: Kommentar zur
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Ergänzungen zu
Art. 18 Abs. 1-3, Ziff. 23 ff.).

Gestützt auf die erwähnte verfassungsrechtliche Grundlage
wurde das Bundesgesetz vom 6. Oktober 1995 über den zivilen
Ersatzdienst (Zivildienstgesetz [ZDG], SR 824.0) erlassen. Danach leisten

3

Militärdienstpflichtige, die glaubhaft darlegen, dass sie den Militärdienst
mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, Zivildienst (Art. 1 ZDG). So
können Militärdienstpflichtige, die Zivildienst leisten wollen, jederzeit bei der
Vollzugsstelle ein schriftliches Gesuch einreichen, in welchem sie ausdrücklich
zu erklären haben, Zivildienst nach diesem Gesetz leisten zu wollen. Weiter
sind ihre persönlichen Überlegungen, welche zum Gewissensentscheid
gegen den Militärdienst geführt haben, darzulegen (Art. 16 Abs. 1 und 2
ZDG). Über die Zulassung zum Zivildienst entscheidet die Vollzugsstelle
(Abteilung Zivildienst im Bundesamt), auf Antrag der Zulassungskommission
(Art. 18 Abs. 1 ZDG und Art. 1 Abs. 1 der Verordnung vom 11. September
1996 über den zivilen Ersatzdienst [Zivildienstverordnung, ZDV], SR
824.01). Die Zulassungskommission prüft die Zulassungsvoraussetzungen
und hört die Gesuchstellenden persönlich an (Art. 18 Abs. 2 ZDG). Der
Bundesrat regelt Zusammensetzung, Wahl, Organisation und Verfahren
der Zulassungskommission (Art. 18 Abs. 4 ZDG). Die Mitglieder der
Zulassungskommission müssen in der Lage sein zu beurteilen, ob eine
Person glaubhaft darlegt, dass sie den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht
vereinbaren kann (Art. 8 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Mai 1996 über die
Kommissionen des Zivildienstes [VKZD], SR 824.013).

3. Was Gewissen ist, kann inhaltlich nicht allgemeingültig umschrieben
werden. In der bundesrätlichen Botschaft zum Zivildienstgesetz (BBl 1994
III 1636 f.) wird der Begriff «Gewissen» wie folgt definiert:

«Gewissen setzt sich zusammen aus der Erkenntnis von Erlaubtem und
Verbotenem, von Recht und Unrecht und aus der für die einzelne Person daraus
erwachsenden zwingenden Verpflichtung, entsprechend dieser Erkenntnis
zu handeln. Gewissensentscheide sind komplexe innere Vorgänge, welche
die einzelne Person dermassen zu einem bestimmten Verhalten verpflichten,
dass daraus eine Identitätsfrage wird: Gewissensentscheide wirken derart
verpflichtend, dass gegen sie nicht ohne Not verstossen werden kann. Ein
Zuwiderhandeln gegen den Gewissensentscheid - gegen den inneren Zwang -
würde die sittliche Persönlichkeit schädigen oder zerbrechen.»

3.1. Voraussetzung für die Zulassung zum Zivildienst ist gemäss Art. 1 ZDG
die glaubhafte Darlegung, dass der Gesuchsteller bei der Ausübung des
Militärdienstes in eine Gewissensnot geraten würde, die als Gewissenskonflikt
umschrieben werden kann. Der Gewissenskonflikt setzt somit zwangsläufig
eine Gewissensentscheidung voraus.

Zum einen wird somit verlangt, dass sich der Gewissensentscheid generell
und absolut gegen jeglichen Militärdienst im Sinne des Assistenz- und
Aktivdienstes richten muss (BBl 1994 III 1636 ff.). Zum anderen muss,
wie gesehen, ein Gewissenskonflikt vorliegen. Das heisst, die getroffene
Entscheidung muss innerlich derart verankert und verpflichtend sein,
dass man gegen sie nicht «ohne Schaden an der sittlichen Persönlichkeit»
verstossen kann (BBl 1994 III 1637; Harald Elbert / Klaus Fröbe,
Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst, 7. Aufl., Köln 1995, S. 9 f. mit
Hinweisen auf die Rechtsprechung des deutschen Bundesverfassungsgerichts).

Damit die Gewissensentscheidung gegen den Militärdienst nachvollzogen
werden kann, muss der Gesuchsteller die Motive, die bei ihm zur
Gewissensentscheidung geführt haben, darlegen. Für die Zulassung zum

4

Zivildienst müssen die geltend gemachten Gewissensgründe, welche im
Hinblick auf den zu leistenden Militärdienst beim Gesuchsteller effektiv zu
einem Gewissenskonflikt führen, überdies glaubhaft gemacht werden.

Die Beantwortung der Frage, ob die gesuchstellende Person ihren
Gewissenskonflikt glaubhaft darlegen konnte und damit zum Zivildienst
zuzulassen ist, beinhaltet eine Prüfung und Beurteilung innerer Vorgänge,
mithin eines seelisch oder psychischen Zustandes, über den in der Regel kein
direkter Beweis geführt werden kann. Der Gewissensentscheid kann sich
aber in einer bestimmten Lebensgrundhaltung, mithin etwa aufgrund von
Indizien, Hinweisen, Vorkommnissen oder Verhaltensregeln im täglichen
Leben eines Gesuchstellers manifestieren. Insofern gelangen in erheblichem
Masse persönliche Verhältnisse und Umstände zur Beurteilung, welche am
besten aufgrund unmittelbarer Wahrnehmungen und Eindrücke anlässlich
der gesetzlich vorgesehenen persönlichen und mündlichen Anhörung des
Gesuchstellers und vorab durch die nach bestimmten Kriterien gewählte
Zulassungskommission erhoben werden können. Die hier vorzunehmende
Beurteilung hängt gezwungenermassen auch vom subjektiv und individuell
gefärbten Gesamteindruck und der Glaubwürdigkeit ab, die der Gesuchsteller
vor der Zulassungskommission hinterlässt. Die Beurteilung solchermassen
innerer Zustände ist kaum nach eindeutig definierten Parametern möglich
und auch vom Beurteilenden mit persönlichen subjektiven Erfahrungen,
Erwartungshaltungen und Idealvorstellungen über Ethik und Moral behaftet.
Insofern geht es bei der Beurteilung der Ernsthaftigkeit der vorgebrachten
Gewissensgründe um einen Entscheid, dessen Natur einer eigentlichen
Rechtskontrolle wenig zugänglich ist (de internis non judicat praetor).

3.2. Nach der gesetzlichen Prozessordnung entscheidet die
Beschwerdeinstanz grundsätzlich mit voller Überprüfungsbefugnis,
weshalb als Beschwerdegründe nicht nur Rechtsverletzungen oder die
Sachverhaltsfeststellungen, sondern auch die Unangemessenheit gerügt
werden können (Art. 49 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember
1968 [VwVG], SR 172.021).

Weder das Gesetz noch die Verordnung umschreiben näher, welches genau
die Gründe sind, die geeignet sein können, aufzuzeigen, dass Militärdienst
nicht mehr mit dem Gewissen zu vereinbaren ist. Die Situation beim Entscheid
darüber, ob die geltend gemachten Motive als eigentliche Gewissensgründe
in Betracht fallen können, ist mit der Beurteilung eines unbestimmten
Rechtsbegriffes vergleichbar. Es könnte sich deshalb rechtfertigen, für die
Beurteilung, ob eigentliche Gewissensgründe vorgebracht werden oder
nicht, analogieweise auf die Regeln und Kriterien abzustellen, welche die
Praxis und Lehre für die Anwendung und Überprüfung von unbestimmten
Rechtsbegriffen entwickelt hat. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
bildet die Auslegung und Anwendung unbestimmter Gesetzesbegriffe
eine Rechtsfrage, die grundsätzlich ohne Beschränkung der richterlichen
Überprüfungsbefugnis zu beurteilen ist (Alfred Kölz / Isabelle Häner,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Zürich
1993, Rz. 277 und 421; BGE 119 Ib 33 E. 3b). Nach konstanter Praxis und
Lehrmeinung ist bei der Überprüfung der Auslegung und Anwendung von
unbestimmten Rechtsbegriffen jedoch Zurückhaltung auszuüben und der
Behörde ein gewisser Beurteilungsspielraum zuzugestehen, wenn örtliche,
technische oder persönliche Verhältnisse zu beurteilen sind (BGE 103 Ia 272

5

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_119_Ib_33&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_103_Ia_272&resolve=1

E. 6c, 119 Ia 378 E. 6a mit weiteren Hinweisen). In diesem Zusammenhang,
aber auch aufgrund des speziellen Charakters des Prüfungsgegenstandes
(«Gewissen») in Verbindung mit der besonderen Verfahrensausgestaltung
(Spezialkommission) drängt sich bei der Überprüfung der Glaubhaftigkeit
der gesuchstellerischen Vorbringen eine ähnliche Zurückhaltung auf, wie
nachfolgend zu zeigen sein wird.

Die Gewichtung der Motive, die einen Militärdienstpflichtigen zu
einer Gewissensentscheidung gegen den Militärdienst führen können,
hängt weitgehend vom ethisch-moralischen Bewertungsmassstab ab,
an dem die Entscheidung hierüber gemessen wird und muss nicht
allgemeingültig anhand einer positiven Auflistung aller in Frage
kommenden Gründe, sondern kann in jedem Einzelfall geklärt werden. Die
bundesrätliche Botschaft zum Zivildienstgesetz geht davon aus, dass religiöse,
ethisch-humanitäre und moralische oder vernunft- und verstandesgemässe,
politische und gesellschaftliche Überlegungen Motive sind, die zu einer
Gewissensentscheidung gegen den Militärdienst und einen entsprechenden
Gewissenskonflikt führen können (BBl 1994 III 1638 f.). Immerhin ist aber
anzumerken, dass dem Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit stets eine zentrale
Rolle zukommen dürfte (BBl 1994 III 1638). Entscheidend ist, ob sich die
persönlichen Reflexionen zu eigentlichen Gewissensentscheiden verdichtet
haben. Somit führen rein politisch-taktische Erwägungen, als auch rein
persönliche Gründe wie Aus- und Weiterbildung oder wirtschaftliche
Erwägungen nicht zur Zulassung zum Zivildienst (BBl 1994 III 1637). Im
übrigen ergibt sich auch aus den Vorbereitungsarbeiten, dass mit der
Einführung des Zivildienstes insbesondere den Leuten Rechnung getragen
werden sollte, welche «mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, einen
Menschen zu töten oder mitzuhelfen, jemanden zu töten, auch wenn es zur
eigenen Verteidigung dient» (Bericht der Kommission des Nationalrats vom
20. März 1991 zur Parlamentarischen Initiative der Kommission Zivildienst.
Änderung der Bundesverfassung, BBl 1991 II 439). Schliesslich ist Zivildienst,
wenn auch nur in entsprechend begründeten Ausnahmefällen, als Ersatz
für Militärdienst in der Armee und nicht für irgendeinen Dienst am Staate
vorgesehen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine positive allgemeingültige
Umschreibung der Gewissensgründe, die zu einem zivilen Ersatzdienst
führen können, nicht möglich ist. Denkbar ist einzig der einzelfallweise
Ausschluss von Gründen, die fraglos nicht mehr in Betracht fallen
können. Sodann ist letztlich ausschlaggebend, dass ein Gesuchsteller seine
Unvereinbarkeitsgründe im Sinne von Art. 1 ZGD und den drohenden
Gewissenskonflikt glaubhaft vorbringen kann.

4. Entsprechend der Delegationsnorm von Art. 18 Abs. 4 ZGD hat der
Bundesrat vorgeschrieben, die Zulassungskommission, welche aufgrund
der persönlichen Anhörung über die Zulassung einen Antrag zu stellen
hat, müsse in der Lage sein zu beurteilen, ob der Gesuchsteller glaubhaft
darlegt, dass er den Militärdienst mit seinem Gewissen nicht vereinbaren
kann (Art. 8 Abs. 1 VKZD). Entsprechend hat er dem EVD als Wahlbehörde
der Zulassungskommission aufgetragen, darauf zu achten, dass die
«Persönlichkeiten» - gemeint sind die zu wählenden Mitglieder der
Zulassungskommission - bestimmte Eigenschaften mitbringen (vgl. Art. 2
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 und 3 VKZD).

6

Aus dieser Ordnung geht hervor, dass der Verordnungsgeber der
Zulassungskommission als gesetzlich vorgesehenen Spezialkommission die
Aufgabe übertragen hat, anhand der persönlichen Anhörung zu prüfen, ob die
vorgetragenen Gewissensgründe beziehungsweise der Konflikt im Hinblick auf
den zu leistenden Militärdienst vom Gesuchsteller glaubhaft dargelegt werden.
Die Zulassungskommission soll «mittels einer gründlichen, gesprächsweisen
Auseinandersetzung mit der gesuchstellenden Person die Ernsthaftigkeit
des Gewissensentscheides zu ergründen versuchen» und nach Prüfung den
materiellen Entscheid formulieren (Art. 18 Abs. 2 ZDG; BBl 1994 1670). Sie ist
damit die sachlich zuständige Instanz für die Überprüfung und Beurteilung
der An- und Zurechenbarkeit der vom Gesuchsteller vorgebrachten Gründe.

4.1. Die Zulassungskommission ist der Vollzugsstelle administrativ unterstellt.
Sie beurteilt die Ernsthaftigkeit der vorgebrachten Gesuchsgründe von ihrer
personellen Zusammensetzung her aber als unabhängige Fachkommission
(Art. 18 Abs. 4 ZDG in Verbindung mit Art. 8 VKZD). Die Zulassungskommission
prüft wie gesehen die Zulassungsvoraussetzungen und stellt einen Antrag
über die Zulassung, während die Zulassungsverfügung als solche im Namen
der Vollzugsstelle ergeht (Art. 18 Abs. 1 und Art. 2 ZDG; BBl 1994 1670). Die
Zulassungskommission ist nach dem Gesagten bezüglich Zusammensetzung
und Arbeitsweise eine verwaltungsunabhängige, der Funktion nach aber
eine verwaltungsinterne beratende und antragstellende Fachkommission
der Vollzugsstelle. Prozessual ergibt sich hieraus eine Situation, wie
sie vom Bundesgericht für die Eidgenössische Arzneimittelkommission
beschrieben worden ist (BGE 108 V 130 E. 4; vgl. auch VPB 51.9 E. 2). Daraus
folgt, dass die für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der vorgebrachten
Gesuchsgründe zuständige Zulassungskommission nicht ohne weiteres
als ein Gremium von Sachverständigen und dessen Antrag als Gutachten
im Sinne des Verwaltungsverfahrensgesetzes (Art. 12 Bst. e VwVG)
betrachtet werden kann. In diesem Sinne lässt sich auch für die richterliche
Überprüfungsbefugnis nicht auf die Rechtsprechung zum Beweiswert von
Expertengutachten verweisen (André Grisel, Traité de droit administratif,
vol. II, Neuchâtel 1984, S. 929;Max Imboden / René Rhinow, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Basel 1978, Band I, S. 419; VPB 49.34; REKO/EVD
94/7B-060 E. 5.1, publiziert in: VPB 60.53).

Gemäss Zivildienstverordnung hat der Gesuchsteller kein Einsichtsrecht
in den Antrag der Zulassungskommission an die Vollzugsstelle (Art. 27
Abs. 3 ZDV). Damit qualifiziert die Zivildienstverordnung den Antrag der
Zulassungskommission als verwaltungsinternes Aktenstück, welches im
Prinzip auch nicht in die Akten zu Handen der Gerichtsbehörden gehört.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung besteht weder nach der
Akteneinsichtsordnung des Verwaltungsverfahrensgesetzes noch aufgrund
des verfassungsmässigen Mindestschutzes nach Art. 4 BV Anspruch auf
Einsicht in verwaltungsinterne Akten. Dies jedenfalls solange, als diesen
Unterlagen für die Behandlung des Falles kein Beweischarakter zukommt
und sie ausschliesslich der verwaltungsinternen Meinungsbildung dienen
(BGE 115 V 297 E. 2 f., 113 Ia 286 E. 2d mit Hinweisen auf Literatur und
Rechtsprechung).

Soweit die Zulassungskommission als antragstellende Behörde abzuklären
hat, ob und wie weit die vorgebrachten Gewissensgründe glaubhaft sind,
stellt sie - allerdings für die Vollzugsstelle - vorab den rechtserheblichen

7

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_108_V_130&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000632.pdf?ID=150000632
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003110.pdf?ID=150003110
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_115_V_297&resolve=1

Sachverhalt fest. Hierzu dienen die Gesprächsnotiz (Art. 27 Abs. 2 ZDV),
die dem Gesuchsteller ohne weiteres zur Einsicht offen steht (Art. 26
VwVG), sowie das Gesuch und die im Gesetz genannten Gesuchsbeilagen
(Art. 16 Abs. 3 ZDG). Die Vollzugsstelle entscheidet dann letztlich darüber,
ob der Gesuchsteller aufgrund des Antrages der Zulassungskommission
zum Zivildienst zugelassen wird. Somit liegt die Subsumption des
rechtswesentlichen Sachverhaltes bei der Vollzugsstelle. Im Rahmen der
Beweiserhebung verlangt Art. 12 in Verbindung mit Art. 19 VwVG und Art. 49
des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess
(BZP, SR 273), dass die Beweisergebnisse in schriftlicher Form und
somit aktenkundig vorhanden sein müssen (BGE 117 V 282 E. 4 f.). Der
Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt sodann eine überzeugende und
verständliche Darlegung der entscheidwesentlichen Gründe (BGE 115 Ia 8
E. 2 b; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 321). Im
Zusammenhang mit der funktionell verwaltungsinternen Rechtsstellung
der Zulassungskommission und dem internen Charakter des Antrages muss
es aber genügen, dass die letztlich allein verantwortliche Vollzugsstelle
den mit Hilfe der Zulassungskommission erstellten entscheidwesentlichen
Sachverhalt in der Begründung ihrer Verfügung vollständig wiedergibt
(BGE 108 V 130 E. 4). Wird der von der Vollzugsstelle in der angefochtenen
Verfügung übernommene und als gegeben erachtete Sachverhalt mittels
Beschwerde als unrichtig oder unvollständig gerügt, so muss hierüber
aufgrund einer Würdigung aller sachverhaltsrelevanten Unterlagen, wozu
auch die Beschwerdeantwort der Vollzugsstelle gehört, entschieden werden.

4.2. Das Bundesgericht hat klar zum Ausdruck gebracht, dass gegenüber
«solcher Fachkenntnis» (vgl. E. 4.1 ab initio) - gemeint ist die Fachkenntnis
einer wie in casu funktional verwaltungsinternen und von der
Aufgabenerfüllung her unabhängigen Kommission - richterliche
Zurückhaltung selbst bei Zuständigkeit zur Angemessenheitskontrolle
(im Sinne von Art. 49 Bst. c VwVG) am Platze ist. Dies jedenfalls, solange
nicht ernsthafte Gründe für Zweifel bestehen und soweit es um Fragen
geht, die die Beschwerdeinstanz nicht ebensogut beurteilen kann wie
die Verwaltung (BGE 108 V 130 E. 4c/dd und BGE 109 V 207 E. 1). Diese
Rechtsprechung ist analogieweise heranzuziehen, soweit es um die
Überprüfung der Glaubhaftigkeit und der Ernsthaftigkeit der vorgebrachten
Gewissensgründe geht, deren Beurteilung durch die gesetzlich vorgesehene
Zulassungskommission erfolgt. Bis hierher steht auch fest, dass sich
die Rekurskommission EVD nicht ohne weiteres an die Stelle der
Zulassungskommission setzen soll, um die von ihr vorgenommene Prüfung
und Beurteilung der Ernsthaftigkeit der vorgebrachten Gewissensgründe
praktisch zu wiederholen.

Art. 16 ZGD hält fest, dass der Gesuchsteller seine persönlichen Überlegungen,
die ihn zum Gewissensentscheid gegen den Militärdienst geführt haben,
bereits im Gesuch darzulegen hat. Hieraus und aus dem vorher Gesagten
folgt, dass ein Gesuchsteller seine zentralen Gewissensgründe im wesentlichen
bereits im Gesuch und spätestens vor der Zulassungskommission vorbringen
muss. Der Gesuchsteller kann nicht damit rechnen, dass erstmals vor der
Beschwerdeinstanz detailliert und glaubhaft vorgebrachte Gründe oder

8

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_117_V_282&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_115_Ia_8&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_108_V_130&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_108_V_130&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_109_V_207&resolve=1

Vorbringen, im nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz grundsätzlich
schriftlich zu erfolgenden Beschwerdeverfahren, ohne weiteres berücksichtigt
werden.

4.3. Die Beurteilung, ob tatsächlich und allenfalls welcher Gewissenskonflikt
im Sinne des Zivildienstgesetzes glaubhaft gemacht werden konnte oder
gemacht wird, beinhaltet wie erwähnt eine Bewertung innerer Vorgänge oder
eines seelisch-psychischen Zustandes, über die kein direkter Beweis geführt
werden kann. Entsprechend sieht das Gesetz vor, dass der Gewissenskonflikt
«glaubhaft dargelegt» werde. Bei der Glaubhaftmachung sind die
Beweisanforderungen herabgesetzt. So genügt bereits ein «erheblicher
Grad von Wahrscheinlichkeit für die Annahme eines rechtserheblichen
Sachumstandes» (Gygi, a. a. O., S. 272). Eine Behauptung gilt bereits als
glaubhaft gemacht, wenn für das Vorhandensein der in Frage stehenden
Tatsache eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht, auch wenn noch mit der
Möglichkeit zu rechnen ist, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (vgl.
zur Glaubhaftmachung: Max Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht,
3. Aufl., Zürich 1979, S. 323; Oskar Vogel, Grundriss des Zivilprozessrechts,
4. Aufl., Bern 1995, S. 240; Georg Leuch / Omar Marbach / Franz Kellerhals, Die
Zivilprozessordnung für den Kanton Bern, 4. Aufl., Bern 1995, S. 463; BGE
120 II 393 E. 4c; Praxis 77/1988, Nr. 14, S. 61; VPB 51.64 mit Hinweisen).

Die vom Gesetz geforderte «glaubhafte Darlegung» der
Unvereinbarkeitsgründe, weil diese in der Regel nicht auf direktem Beweis
beruhen können, verlangt eine besonders detaillierte und substantiierte
Begründung. Gemäss der bundesrätlichen Botschaft müssen die Vorbringen
der gesuchstellenden Person genügend substantiiert, in sich schlüssig und
plausibel sein. Schliesslich muss die gesuchstellende Person glaubwürdig
sowie die Ernsthaftigkeit des Gewissensentscheides für die entscheidende
Behörde erkennbar sein (BBl 1994 III 1648).

Anderseits geht aus dieser gesetzlichen Beweisvorschrift hervor, dass es
dem Beschwerdeführer obliegt, Gewissensgründe glaubhaft geltend zu
machen. So hat die Rechtsmittelbehörde nicht von Amtes wegen weitere
Instruktionsmassnahmen zu treffen, um allenfalls herauszufinden, ob
nicht doch noch Unvereinbarkeitsgründe im Sinne des Zivildienstgesetzes
(Art. 1 ZDG) vorhanden sein könnten, wenn es dem Gesuchsteller und
Beschwerdeführer selbst nicht gelungen ist, diese glaubhaft darzulegen.

5. Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vom 30. Dezember
1996 bezüglich seines «Gewissenskonflikts» insbesondere vor, dass dieser
nicht erst kürzlich, sondern bereits in der Rekrutenschule entstanden sei. Es
sei für ihn äusserst schwierig gewesen, sich den hierarchischen Strukturen
unterzuordnen, der Sinn- und Hilflosigkeit ausgesetzt zu sein, zu wenig Schlaf
zu haben, menschliche Kälte und Gefühlsarmut zu ertragen. Aus Angst vor den
möglichen Konsequenzen habe er sich angepasst. Seine Meditation habe ihm
geholfen, den bereits zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Gewissenskonflikt
zu verdrängen. Die Krise sei vorgezeichnet gewesen. Als er nach seinen
Erlebnissen in Kroatien nach Hause gekommen sei und das Gewehr gesehen
habe, habe er tiefe Abscheu und Hass gegen das Militär empfunden. Von
diesem Zeitpunkt sei es für ihn unmöglich gewesen, das Gewehr weiterhin

9

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_120_II_393&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_120_II_393&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000533.pdf?ID=150000533

zu gebrauchen. Aus diesem Grunde könne er auch die obligatorische
Schiesspflicht nicht mehr erfüllen und ein weiterer Militärdienst würde einer
«Vergewaltigung» gleichkommen.

5.1. Die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach in einer
Rekrutenschule und im militärischen Dienstbetrieb generell hierarchische
Strukturen vorherrschen würden, die Gefühlsebene in gewissen Situationen
mitunter nicht oder zu wenig zum Tragen komme und oft zu wenig Zeit zum
Schlafen zur Verfügung stehe, ist bekannt und für den Militärbetrieb nicht
ungewöhnlich. Ebenfalls nicht ungewöhnlich ist, dass diese Umstände von
jedem Einzelnen verschieden und mit unterschiedlicher Intensität empfunden
werden. Allein die Aufzählung dieser Unzukömmlichkeiten - die meisten
können übrigens auch in zivilen Bereichen insbesondere auch im Berufsleben
in Erscheinung treten - beinhaltet noch keinen Hinweis auf einen eigentlichen
Gewissenskonflikt beim Beschwerdeführer. Hass und Abscheu können auf
dem Unvermögen, sich in hierarchischen Strukturen einzuordnen, und aus
der entwickelten Aversion gegenüber solchen Strukturen herrühren, müssen
jedoch nicht automatisch auf einem Gewissenskonflikt gründen oder zu einem
solchen führen.

5.2. Die vom Beschwerdeführer vor der Rekurskommission EVD erstmals
vertretene Hinwendung zur Gewaltfreiheit verdient an sich Respekt
und Anerkennung und könnte als Hinweis für eine ethisch-moralische
Grundhaltung verstanden werden, welche grundsätzlich mit der
Militärdienstpflicht in Konflikt geraten mag. Sie sagt aber noch nichts
Konkretes darüber aus, ob und inwiefern der Beschwerdeführer effektiv
in einen Gewissenskonflikt geraten könnte oder Gewissensbisse auszutragen
hätte, wenn er dennoch seinen Militärdienst weiterführen beziehungsweise
beenden würde. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer das Element der
Gewaltfreiheit erstmals vor der Beschwerdeinstanz geltend macht, ohne
aber gleichzeitig auszuführen, inwiefern sich die vertretene Grundhaltung in
seinem Leben manifestiert und im Falle eines Militärdienstes zu Konflikten
führt, lassen, wie auch die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 6. März
1997 ausführt, erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit entstehen.
Aufgrund des in E. 4.2 Gesagten hätten derartige Ausführungen ohnehin
bereits vor der Zulassungskommission beziehungsweise bereits im Gesuch
erfolgen müssen.

5.3. Der Beschwerdeführer machte in seinem Gesuch und in der Anhörung
geltend, dass ihn seine Mitarbeit bei der «Friedensbrücke Basel», insbesondere
der Workshop für kooperatives Lernen für «ex-jugoslawische» Lehrer in
Südungarn im Jahre 1994, während dessen Dauer ihm sein Arbeitgeber
bezahlten Urlaub gewährt habe, die Gespräche und der Kontakt mit den
«kriegsgeschädigten» Personen, stark betroffen und tief beeindruckt hätten.
Im Mai 1995 habe er noch einmal denselben Workshop unter den gleichen
Bedingungen abhalten dürfen. Diesmal habe er noch Bekannte im ehemaligen
Kriegsgebiet in Kroatien besucht und sei von den Verwüstungen beeindruckt
gewesen. Obwohl für ihn der Militärdienst vor diesen Erlebnissen auch etwas
mit Friedenserhaltung zu tun gehabt habe, habe ihm die neue Arbeit gezeigt,
dass er mehr für den Frieden tun könne.

10

Es ist nicht zum vornherein auszuschliessen, dass ein oder mehrere
Einzelerlebnisse zu einer derart verdichteten Gewissensentscheidung führen
können, dass von einem Gewissenskonflikt gesprochen werden muss. Die
Argumente im Zusammenhang mit den Erlebnissen während der Workshops
brachte der Beschwerdeführer aber lediglich vor, um zum Ausdruck zu
bringen, dass es in seinen Augen noch eine sinnvollere Friedensarbeit gebe,
als es der Militärdienst darstelle. Es reicht aber grundsätzlich nicht aus, den
Militärdienst oder die Armee als sinnlos oder eine andere Friedensarbeit
als sinnvoller zu halten. In diesem Sinn ist die Würdigung der Vorinstanz
zutreffend und nicht zu beanstanden.

5.4. Den Angaben des Beschwerdeführers zufolge würde ein weiterer
Militärdienst einer «Vergewaltigung» seiner selbst gleichkommen. Mit dieser
Aussage wird ein möglicher Konflikt zwar angesprochen, aber weder konkret
oder näher dargelegt noch genügend klar substantiiert. Allein die Angabe der
Gewaltfreiheit als Lebensprinzip dokumentiert noch keinen Gewissenskonflikt,
auch wenn sie, im Zusammenhang mit dem Militärdienst, grundsätzlich
Anlass zu einem solchen geben könnte. Es muss verlangt werden, dass ein
Gesuchsteller entweder konkrete Sach- und Lebensumstände kundtut, die auf
eine persönliche Gewissenssituation hinweisen und konkret geeignet sind,
um mit dem Absolvieren des Militärdienstes in Konflikt zu geraten und/oder
die Unvereinbarkeit beziehungsweise den Gewissenskonflikt selbst näher
umschreibt, was wiederum Rückschlüsse auf die besondere persönliche
Gewissenssituation zuliesse. Diesen Mindestanforderungen wurde der
Beschwerdeführer nicht gerecht. Es sind keine konkreten Anhaltspunkte
ersichtlich, wonach die Zulassungskommission von einem unrichtigen
oder unvollständigen Sachverhalt ausgegangen ist, oder wonach dieser auf
rechtlich unhaltbare Weise gewürdigt worden wäre.

Auch die Gewissheit über allfällige Konsequenzen, welche den
Beschwerdeführer während der Rekrutenschule möglicherweise davon
abhielten, einfach wegzulaufen, vermögen einen Gewissenskonflikt noch
nicht darzulegen.

Es muss von einem Gesuchsteller nämlich verlangt werden können, dass sich
sein Gewissensentscheid zu einem eigentlichen Lebensprinzip verdichtet hat,
zu dessen Einhaltung das eigene Gewissen einen unmittelbaren Zwang ausübt.
So muss er sich in seinem Innersten, in seinem Gewissen so verpflichtet
fühlen, entsprechend dieser rationalen Erkenntnis zu handeln. Diese
konkrete Umsetzung in seine Lebensführung vermag der Beschwerdeführer
aber nicht aufzuzeigen. Auch müsste allein die Teilnahme an einem der
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Workshops noch nicht als
praktische Umsetzung einer nach einem Gewissenskonflikt erfolgten
Gewissensentscheidung angesehen werden. Aus dem Umstand, dass die
Auslandaufenthalte im Rahmen der besuchten Workshops durch einen
unbezahlten Urlaub ermöglicht wurden, kann der Beschwerdeführer mit
Sicherheit nichts zu seinen Gunsten ableiten.

5.5. Der Beschwerdeführer vermag aber auch über die Entstehung des
Gewissenskonfliktes nicht schlüssig zu argumentieren. So ist seinem Gesuch
vom 15. Juni 1996 um Zulassung zum Zivildienst zu entnehmen, dass sich seine
Sicht, was Friedensarbeit sein könne, nach der Absolvierung eines Workshops
für kooperatives Lernen ex-jugoslawischer Lehrer, grundsätzlich geändert

11

habe. Die Rekrutenschule und die nachfolgenden Wiederholungskurse habe er
unterschiedlich erlebt. Nach anfänglichen Problemen (Hinterfragung von Sinn
und Zweck des Militärs, Unterordnung, fehlende Menschlichkeit) habe er sich
immer besser zurechtgefunden. Nach einigen Jahren habe er sich sogar auf
einen Wiederholungskurs gefreut. Anlässlich der persönlichen Anhörung
vom 7. November 1996 machte er zuerst geltend, dass die militärischen
Vorgesetzten keine Gefühle und Wärme entgegenzubringen vermochten
und dass bei ihm viel Wut gegen das Militär vorhanden sei. Später führte er
weiter aus, er habe im Militärdienst oft im Stillen meditiert. Die Vorgesetzten
hätten dabei immer Verständnis gezeigt. Er habe sich diesbezüglich von den
Vorgesetzten verstanden gefühlt. In der Beschwerde vom 30. Dezember 1996
macht der Beschwerdeführer nun geltend, der Gewissenskonflikt sei bereits
in der Rekrutenschule entstanden. Das Militär sei für ihn schon immer ein
«Horror» gewesen, er habe sich jedoch angepasst. Er habe aber erst heute den
Mut, den Gewissenskonflikt «darzulegen».

Auch in diesem Zusammenhang kann nicht behauptet werden, dass die
Zulassungskommission die Gewissenslage des Beschwerdeführers völlig
verfehlt beurteilt habe. Zum einen sind diese unterschiedlichen Aussagen
des Beschwerdeführers nicht in sich schlüssig. So reichen die Empfindungen
bezüglich des Militärs von vereinzelter Freude auf einen Wiederholungskurs
bis zum immerwährenden Horror, dem er sich angepasst habe. Zum anderen
müsste eine nach einem Gewissenskonflikt erfolgte Gewissensentscheidung
eine praktische Umsetzung im täglichen Leben erfahren. Ob man, wie die
Vorinstanz festhält, so weit gehen und verlangen will, dass sich die gesetzten
moralischen Normen nach der Gewissensentscheidung wie ein roter Faden
durch die gesamte Lebensführung des Beschwerdeführers ziehen müssen,
kann offen bleiben. Die Ausführungen des Beschwerdeführers sind ohnehin
wenig substantiiert, bleiben an der Oberfläche und vermögen weder die
von ihm vertretene gewaltfreie Grundhaltung noch die sich hieraus für ihn
ergebenden Konsequenzen konkret aufzuzeigen.

5.6. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zwar
die Gewaltfreiheit als ethische Lebensgrundlage anspricht und einen
Gewissenskonflikt behauptet. Er hat jedoch selbst in der Beschwerdeschrift
nicht konkret dargelegt, aufgrund von welchen Lebensumständen auf
die Unvereinbarkeit eines weiteren Militärdienstes konkret zu schliessen
wäre. Ausser, dass der Beschwerdeführer das Prinzip der Gewaltfreiheit
auch in seinem Beruf als Lehrer verfolge, indem er «Liebe an die Stelle von
Gewalt» setze, macht er keine näheren Angaben, die konkrete Schlüsse
auf seine Gewissenslage und folglich auf mögliche Gewissenskonflikte in
Zusammenhang mit dem Militärdienst zulassen könnten. Auch der Hinweis,
der Beschwerdeführer habe nach seinen «Kroatienerlebnissen» beim Anblick
seines Gewehres eine tiefe Abscheu empfunden und es sei für ihn unmöglich,
das Gewehr weiterhin zu benutzen, lässt nicht ohne weiteres darauf schliessen,
der Militärdienst sei nicht mit seinem Gewissen zu vereinbaren. Denn dieses
Argument des Beschwerdeführers würde, ungeachtet der Glaubhaftigkeit,
allenfalls vorab für einen Gewissenskonflikt im Hinblick auf bewaffneten
Militärdienst jedoch nicht unbedingt auch für einen waffenlosen Militärdienst,
welcher dem Zivildienst ebenfalls vorgeht, sprechen (BBl 1994 1627).

12

Die Zulassungskommission hat die persönliche Situation des
Beschwerdeführers nicht offensichtlich falsch beurteilt, wenn sie davon
ausging, dass der Beschwerde

führer nicht glaubhaft darlegen konnte, dass, beziehungsweise weshalb, ein
weiterer Militärdienst nicht mit seinem Gewissen zu vereinbaren wäre.

(Die Rekurskommission EVD weist die Beschwerde ab)

[6] Heute: Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit (BWA).

13

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 62.65 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 5.

September 1997 in Sachen J. gegen Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit; 97/5C-

003

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1998
Année

Anno

Band 62
Volume

Volume

Seite ---
Page

Pagina

Ref. No 150 003 989

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 5. September 1997 in Sachen J. gegen Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit; 97/5C-003
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: