# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 27c070d1-8a53-5804-ab4c-dce1e6d4ed62
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-23
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 23.12.2021 SK 2021 115
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-115_2021-12-23.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 21 115

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 23. Dezember 2021 

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Friederich Hörr, Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiber Schärer

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
amtlich vertreten durch Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilkläger

Gegenstand versuchter Mord, evtl. versuchte vorsätzliche Tötung, evtl. schwe-
re Körperverletzung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 22. Dezember 2020 (PEN 20 
125)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (nachfolgend Vorinstanz) erklärte 
den Beschuldigten/Berufungsführer A.________ (nachfolgend Beschuldigter) mit 
Urteil vom 22. Dezember 2020 des versuchten Mordes, begangen am 29. Mai 
2019 in F.________ (Ort) z.N. des Straf- und Zivilklägers C.________ (nachfol-
gend Straf- und Zivilkläger), schuldig, verurteilte ihn zu einer unbedingten Frei-
heitsstrafe von 11 Jahren und zu einer Landesverweisung von 12 Jahren und 
auferlegte ihm die Verfahrenskosten. Im Zivilpunkt wurde er verurteilt, dem Straf- 
und Zivilkläger eine Genugtuung von CHF 20'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 
29. Mai 2019 zu bezahlen. Die weitergehenden Schadenersatz- und Genugtu-
ungsforderungen des Straf- und Zivilklägers wurden abgewiesen. Für den Zivil-
punkt wurden keine Kosten ausgeschieden und es wurden keine Entschädigun-
gen zugesprochen. 

2. Berufung

Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten meldete mit Schreiben vom 24. De-
zember 2020 fristgerecht Berufung gegen das Urteil der Vorinstanz an 
(pag. 1822). Die schriftliche Urteilsbegründung wurde dem Beschuldigten, der 
Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau und dem Straf- und Zivil-
kläger mit Verfügung vom 11. März 2021 am 15. März 2021 zugestellt (pag. 1908 
und 1915 ff.). Die schriftliche Berufungserklärung des Beschuldigten datiert vom 
6. April 2021 und ist am 7. April 2021 form- und fristgerecht beim Obergericht ein-
gegangen (pag. 1923 ff.).

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Schreiben vom 15. April 2021 mit, sie 
beantrage weder ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten noch er-
kläre sie die Anschlussberufung (pag. 1938). Der Straf- und Zivilkläger machte im 
Schreiben vom 28. April 2021 ebenfalls keine Nichteintretensgründe geltend und 
verzichtete auf eine Anschlussberufung (pag. 1950).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurde beim Regionalgefängnis 
Burgdorf von Amtes wegen ein aktueller Führungsbericht über den Beschuldigten, 
datierend vom 1. Dezember 2021, eingeholt und zu den Akten genommen 
(pag. 2016 ff.). Auf die Einholung eines neuen Strafregisterauszugs wurde ver-
zichtet.

Auf Antrag des Beschuldigten wurden anlässlich der oberinstanzlichen Verhand-
lung je ein Zeitungsbericht aus der Berner Zeitung und aus dem ‹Blick›, beide da-
tierend vom 23. Dezember 2020, sowie ein Ausdruck des online-Artikels «Mein 
Vater wusste, dass etwas mit mir anders ist» (www..________, erschienen am 
13. Juni 2021), zu den Akten erkannt (pag. 2086 ff.).   

3

Darüber hinaus wurden in der oberinstanzlichen Verhandlung der Beschuldigte 
wie auch der Straf- und Zivilkläger nochmals zur Person und zur Sache einver-
nommen (pag. 2056 ff. und 2049 ff.). Zur Sache einvernommen wurde überdies – 
auf gutgeheissenen Beweisantrag des Beschuldigten hin (pag. 1925 und 1955) – 
G.________, Sachbearbeiter beim kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei 
Bern (nachfolgend KTD) und Verfasser des den Fall betreffenden Rapports des 
KTD vom 17. Dezember 2019 (pag. 483 ff.), als sachverständiger Zeuge 
(pag. 2043 ff.). Der von Amtes wegen ebenfalls als sachverständiger Zeuge vor-
geladene E.________, ebenfalls Sachbearbeiter beim KTD, wurde vorgängig zur 
oberinstanzlichen Verhandlung, am 17. Dezember 2021, positiv auf das Corona-
Virus getestet (pag. 2024). Seine Einvernahme entfiel deshalb. Dies wurde den 
Parteien mit Verfügung vom 20. Dezember 2021 vorgängig zur Verhandlung mit-
geteilt (pag. 2026). Gegen den Verzicht auf die Einvernahme wurden keine Ein-
wände erhoben. 

4. Wechsel der amtlichen Rechtsbeiständin des Straf- und Zivilklägers

Mit Schreiben vom 1. Juni 2021 beantragte die damalige amtliche Rechtsbeistän-
din des Straf- und Zivilklägers, Rechtsanwältin H.________, der Kammer die Ent-
lassung aus dem amtlichen Mandat per 11. Juni 2021 infolge Aufgabe der anwalt-
lichen Tätigkeit. Gleichzeitig beantragte sie die Einsetzung von Rechtsanwältin 
D.________ als neue amtliche Rechtsbeiständin des Straf- und Zivilklägers 
(pag. 1975). Mit Verfügung vom 3. Juni 2021 bewilligte die Verfahrensleitung den 
Wechsel und ordnete dem Straf- und Zivilkläger ab 2. Juni 2021 Rechtsanwältin 
D.________ als neue amtliche Rechtsbeiständin bei (pag. 1984). 

5. Anträge der Parteien

Die Verteidigung stellte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung im Namen 
des Beschuldigten folgende Anträge (pag. 2092):

1. Der Beschuldigte sei freizusprechen vom Vorwurf des versuchten Mordes, 
evtl. der versuchten vorsätzlichen Tötung, evtl. der schweren Körperverlet-
zung, angeblich begangen am 29. Mai 2019 an der Z.________(Strasse) in 
F.________ (Ort) z.N. des Straf- und Zivilklägers (Ziff. I.1. der Anklageschrift 
vom 19. Mai 2020; pag. 1519 ff. [nachfolgend Anklageschrift]), und er sei un-
verzüglich aus der Sicherheitshaft zu entlassen. 

2. Es sei dem Beschuldigten für die zu Unrecht ausgestandene Haft eine Ent-
schädigung in Höhe von CHF 141'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 9. Sep-
tember 2020 (mittlerer Verfall) auszurichten. 

3. Es sei dem Beschuldigten für die durch das Strafverfahren und die Vorverur-
teilung in den Medien und in der Öffentlichkeit erlittene Unbill eine Genugtu-
ung in Höhe von CHF 20'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 24. Oktober 2019 
auszurichten.

4. Die Zivilklage (Genugtuungsforderung) sei unter Kostenfolge abzuweisen, 
evtl. auf den Zivilweg zu verweisen. 

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5. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern 
aufzuerlegen. 

6. Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gemäss eingereichter Honorar-
note gerichtlich zu bestimmen. 

7. Es sei die Löschung der erfassten biometrischen erkennungsdienstlichen Da-
ten und des DNA-Profils gerichtlich zu veranlassen. 

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte anlässlich der oberinstanzlichen Verhand-
lung folgende Anträge (pag. 2095 f.):

1. Der Beschuldigte sei schuldig zu erklären des versuchten Mordes, begangen 
am 29. Mai 2019 in F.________ (Ort). z.N. des Straf- und Zivilklägers.

2. Der Beschuldigte sei zu verurteilen:

2.1. zu einer Freiheitsstrafe von 11 Jahren, unter Anrechnung der ausgestan-
denen Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 938 Tagen;

2.2. zu einer Landesverweisung von 12 Jahren (mit Ausschreibung der Ein-
reise- und Aufenthaltsverweigerung im Schengener Informationssystem);

2.3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. 
einer angemessenen Gebühr gemäss Art. 21 des Verfahrenskostende-
krets des Kantons Bern [VKD; BSG 161.12]).

3. Es sei weiter zu verfügen:

3.1. Der Beschuldigte sei in Sicherheitshaft zu belassen (Art. 231 Abs. 1 
Bst. a der Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]);

3.2. Die unter Ziff. IV.2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs aufgelisteten 
Gegenstände seien einzuziehen und zu vernichten (Art. 69 des Schwei-
zerischen Strafgesetzbuchs [StGB; SR 311.0]);

3.3. Zwei Ohrringe, silberfarben (Ass.-Nr. 005), seien dem Straf- und Zivilklä-
ger zurückzugeben;

3.4. Die unter Ziff. IV.4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs aufgelisteten 
Gegenstände seien dem Beschuldigten zurückzugeben;

3.5. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sowie das Honorar der amtli-
chen Vertreterin des Straf- und Zivilklägers seien gerichtlich zu bestim-
men (Art. 135 StPO);

3.6. Es sei die vorgängige Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-
Profils (PCN .________) und der erhobenen biometrischen erkennungs-
dienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist zu erteilen (Art. 16 
Abs. 1 Bst. e DNA-Profil-Gesetz [SR 363] und Art. 17 Abs. 1 Bst. e i.V.m. 
Art. 19 Abs. 1 der Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erken-
nungsdienstlicher Daten [SR 361.3]);

3.7. Das Urteil sei der zuständigen kantonalen Migrationsbehörde mitzuteilen 
(Art. 82 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbs-
tätigkeit [VZAE; SR 142.201]).

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Der Straf- und Zivilkläger liess anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung fol-
gende Anträge stellen (pag. 2097):

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen wegen ver-
suchten Mordes (Art. 112 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), begangen am 29. Mai 
2019 an der Z.________(Strasse) in F.________ (Ort) z.N. des Straf- und Zi-
vilklägers. 

2. Der Beschuldigte sei angemessen zu sanktionieren.

3. Der Beschuldigte sei zu verurteilen, dem Straf- und Zivilkläger eine Genugtu-
ung in der Höhe von CHF 20'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 29. Mai 2019 
zu bezahlen. Eventualiter sei die Zivilklage dem Grundsatz nach zu beurtei-
len.

4. Der Beschuldigte sei zu verurteilen, dem Straf- und Zivilkläger eine Parteien-
tschädigung gemäss eingereichter Kostennote auszurichten (Art. 433 Abs. 1 
StPO), unter Vorbehalt der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege.

5. Der Beschuldigte sei zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verurteilen 
(Art. 426 Abs. 1 StPO).

6. Die beschlagnahmten Ohrringe, silberfarben (Ass.-Nr. 005), seien dem Straf- 
und Zivilkläger auszuhändigen.

6. Untersuchungs- und Sicherheitshaft

Der Beschuldigte wurde am 29. Mai 2019 vorläufig festgenommen und mit Ent-
scheid des Zwangsmassnahmengerichts Emmental-Oberaargau vom 31. Mai 
2019 in Untersuchungshaft versetzt. Er befand sich seither ununterbrochen im 
Regionalgefängnis Burgdorf bzw. seit 27. Januar 2022 im Regionalgefängnis 
Thun in Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Mit Verfügung vom 29. März 2021 
verlängerte die Verfahrensleitung die von der Vorinstanz zuletzt bis am 15. April 
2021 befristete Sicherheitshaft und ordnete den (unbefristeten) Verbleib des Be-
schuldigten in Sicherheitshaft an (vgl. Dossier separates Haftprüfungsverfahren 
SK 21 116, pag. 15 ff.).

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich angefochten (vgl. 
pag. 1924). Die Kammer überprüft dieses somit in sämtlichen Punkten. 

Sie verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Mangels An-
schlussberufung oder eigenständiger Berufung der Generalstaatsanwaltschaft 
und/oder des Straf- und Zivilklägers darf das erstinstanzliche Urteil nicht zum 
Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden, es gilt das Verschlechterungs-
verbot (Art. 391 Abs. 2 StPO).

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II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Die Vorinstanz hat den Vorwurf gemäss Anklageschrift integral in ihre Erwägun-
gen eingefügt. Darauf kann verwiesen werden (S. 5 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung; pag. 1851 ff.).

9. Unbestrittener Sachverhalt

Es kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (S. 7 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1853 f., mit ent-
sprechenden Aktenstellen). Zusammengefasst ist folgender Sachverhalt unbe-
stritten: 

In der Wohnung des Beschuldigten, in welcher auch der Straf- und Zivilkläger 
nächtigte, ereignete sich ein Vorfall, bei welchem der Straf- und Zivilkläger die 
mehrfach dokumentierten Verletzungen, insbesondere die mindestens 
fünf Schnittverletzungen im Hals-, Gesichts- und Brustbereich, erlitt. Die Polizei 
stellte in der ganzen Wohnung, insbesondere im Wohnzimmer (= Schlafzimmer 
des Straf- und Zivilklägers), Blutspuren fest. In einer Blutlache neben der Matrat-
ze des Straf- und Zivilklägers lag zudem ein Messer. Im Zeitpunkt des Vorfalls be-
fanden sich nur der Beschuldigte und der Straf- und Zivilkläger in der Wohnung, 
eine Dritttäterschaft ist damit ausgeschlossen.

Unbestritten ist auch, dass auch der Beschuldigte Verletzungen trug (vgl. 
E. 14.3.1 hiernach). 

Zudem ist erstellt, dass der Straf- und Zivilkläger homo- bzw. transsexuell ist, dies 
jedoch seinen Eltern vor dem Vorfall vom 29. Mai 2019 nie explizit sagte. Die Ge-
schwister, der Bruder I.________ und die Schwester J.________, wussten jedoch 
beide davon. Aktenkundig sind schliesslich zwei Selbstmordversuche des Straf- 
und Zivilklägers vor und ein Versuch nach dem Vorfall vom 29. Mai 2019 sowie 
Suizidäusserungen und damit einhergehende psychische Probleme.

10. Bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet seine Täterschaft. Er sieht sich nicht als Verursacher 
der vom Straf- und Zivilkläger erlittenen Verletzungen und macht geltend, letzterer 
habe sich diese selber zugefügt. Er bestreitet auch, von der sexuellen Orientie-
rung bzw. Transsexualität des Straf- und Zivilklägers gewusst bzw. etwas in die-
ser Richtung vermutet zu haben. Vor dem Vorfall vom 29. Mai 2019 soll es des-
wegen nie Diskussionen gegeben haben.

Sachverhaltsmässig gilt es deshalb im Rahmen der Beweiswürdigung sowohl die 
Täterschaft, den Tatablauf als auch das Tatmotiv zu eruieren. 

11. Objektive Beweismittel

Wichtigste objektive Beweismittel sind die Akten des Kriminaltechnischen Diensts 
der Kantonspolizei Bern (KTD; pag. 482 ff.) sowie die rechtsmedizinischen Gut-
achten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern (IRM) zur körperlichen 

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Untersuchung des Straf- und Zivilklägers und des Beschuldigten (pag. 725 ff.). 
Darauf und auf die weiteren, von der Vorinstanz lückenlos aufgelisteten objekti-
ven Beweismittel (S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1855), ist, 
soweit relevant, in der konkreten Beweiswürdigung zurückzukommen. 

Bereits an dieser Stelle ist festzuhalten, dass der oberinstanzlich erhobene Vor-
wurf der Verteidigung, der KTD-Rapport beruhe auf die Täterschaft des Beschul-
digten bejahenden Annahmen und stelle einseitig auf die Schilderungen des 
Straf- und Zivilklägers ab, unbegründet ist. Der KTD hat die Spuren in objektiver 
Weise ermittelt und in seinem Rapport festgehalten. Dass er nach der Erhebung 
der Spuren diese mit Sachverhaltshypothesen und Aussagen der beteiligten Per-
sonen in Verbindung bringt, ändert an der Objektivität der Spurenauswertung 
nichts. Die Kammer stellt denn auch im Folgenden eigene Überlegungen an und 
übernimmt nicht einfach unkritisch die Schlussfolgerungen des KTD. 

12. Subjektive Beweismittel

Im Vordergrund stehen die Aussagen der beiden Protagonisten, ergänzt mit punk-
tuell relevanten Aussagen von Drittpersonen, insbesondere denjenigen der Nach-
barn/Vermieter K.________ und L.________, der beiden Frauen aus der Augen-
arztpraxis, M.________ und N.________, sowie der sachverständigen Zeugen 
O.________, Facharzt für Rechtsmedizin am IRM und Mitverfasser der rechts-
medizinischen Gutachten über den Beschuldigten und den Straf- und Zivilkläger, 
und G.________, Sachbearbeiter beim KTD und Verfasser des KTD-Rapports.

Wie die Vorinstanz verzichtet die Kammer auf eine eingehende allgemeine Aus-
sagenanalyse der Direktbeteiligten, zumal sich aus den jeweiligen Aussagen al-
leine nicht zweifelsfrei auf den Ablauf schliessen lässt (S. 14 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung; pag. 1860). 

13. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung kann vollumfänglich auf 
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (S. 12 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1858 f.).

Liegen keine direkten Beweise vor, ist auch ein indirekter Beweis zulässig. Beim 
Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtser-
heblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechts-
erhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich al-
leine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat 
hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lassen, 
können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeu-
gen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der 
Sachverhalt so verwirklicht hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_300/2015 vom 
3. Dezember 2015 E. 3.2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_781/2010 vom 13. De-
zember 2010 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_605/2016 vom 15. September 
2016 2016 E. 2.8).

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Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, sind im vorliegenden Fall keine direkten 
einzelnen Beweise vorhanden, welche bei isolierter Betrachtung den Tathergang 
schlüssig belegen würden. Es steht lediglich, aber immerhin, der Indizienbeweis 
offen, d.h. es ist aufgrund einer Gesamtbetrachtung und -würdigung diverser Indi-
zien zu entscheiden, ob dem Beschuldigten der in der Anklageschrift umschrie-
bene Sachverhalt rechtsgenüglich nachgewiesen werden kann (vgl. zum Indizi-
enbeweis allgemein S. 12 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1858 f.; 
und in concreto S. 13 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1859 f.).

14. Konkrete Beweiswürdigung durch die Kammer 

14.1 Allgemeine Bemerkung / Aufbau

Die im Zusammenhang mit der Eruierung der Täterschaft und des Kerngesche-
hens näher zu prüfenden Sachverhaltsaspekte wurden von der Vorinstanz klar 
herausgeschält. Auch die Kammer hält sich an die von der Vorinstanz gewählte 
Vorgehensweise und würdigt die verschiedenen Aussagen in Verbindung mit den 
objektiven Beweismitteln jeweils bei den relevanten Einzelfragen und -aspekten. 
Die Kammer wählt insofern einen von der erstinstanzlichen Urteilsbegründung 
abweichenden Aufbau, als sie sich zuerst mit den Spuren am Tatort auseinander-
setzt, und dann erst mit den Verletzungen und übrigen Spuren an den Beteiligten. 

14.2 Spurenbild am Tatort

14.2.1 Allgemeines / Ausgangslage

Nach Auffassung der Kammer sind die Sachspuren die aussagekräftigsten und 
damit zentralen Beweismittel. Es liegt ein umfangreiches Spurenbild vor, aus wel-
chem die Vorinstanz ausgehend vom Rapport des KTD vom 17. Dezember 2019 
(nachfolgend KTD-Rapport oder Rapport des KTD; pag. 483 ff.) nachvollziehbare, 
überzeugende Schlüsse gezogen hat (S. 19 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung; pag. 1865 ff.).

Gemäss KTD-Rapport erfolgte die Spurensicherung am Tatort am 29. Mai 2019 
ab ca. 11:00 Uhr (pag. 483). Im Wohnzimmer (im KTD-Rapport: Fernsehzimmer) 
der vom Beschuldigten und seinen Kindern, darunter auch dem Straf- und Zivil-
kläger, bewohnten 5-Zimmer-Wohnung (für eine Übersicht über die Wohnung 
siehe pag. 623 f.) wurde neben einer auf dem Boden liegenden Matratze eine 
grossflächige Blutlache festgestellt, in welcher ein Küchenmesser mit einer Klin-
genlänge von ca. 14 cm lag (pag. 484, 486, 488, 520 f. und 524). Das Wohnzim-
mer wurde vom KTD wie auch von der Vorinstanz als Ausgangspunkt des Ereig-
nisses gewertet (pag. 486 und S. 19 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 1865 f.). Dies stellte die Verteidigung anlässlich der oberinstanzlichen Ver-
handlung insofern in Frage, als sie geltend machte, die Brille des Straf- und Zivil-
klägers und die Blutspuren im Badezimmer (vgl. pag. 527 ff.) sowie die Blutspu-
ren und der blutige Fussabdruck auf dem grünen Sweatshirt im WC (vgl. pag. 535 
ff.) würden darauf hindeuten, dass das Geschehen im Badezimmer oder im WC 
begonnen habe (pag. 2067). Darauf wird nachfolgend in E. 14.2.7 eingegangen. 
Unstrittig ist indes, dass die gravierenden Schnittverletzungen am Hals des Straf- 
und Zivilklägers im Wohnzimmer im Bereich der Blutlache (pag. 520 f.) entstan-

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den. Dafür sprechen neben der eigentlichen Blutlache eindeutig die von dieser 
wegführenden Blutspuren des Straf- und Zivilklägers (vgl. E. 14.2.4 hiernach). 

14.2.2 Blutspritzfelder auf dem Wohnzimmerboden

Die auf pag. 521 ersichtlichen Blutspritzfelder (Bst. d) weisen gemäss KTD darauf 
hin, dass sich die Ausgangspunkte der Blutspritzer und damit auch die Position 
des Opfers im Zeitpunkt der Beibringung der Schnittverletzungen eher in Bo-
dennähe befunden haben. Das ist nachvollziehbar, zeichnen doch die Blutspritzer 
längliche, von einem gemeinsamen Zentrum ausgehende Spuren auf den Fuss-
boden. Wären die Blutspritzer in grösserer Höhe entstanden, wären sie stärker 
senkrecht auf dem Fussboden aufgetroffen und hätten eher punktförmige denn 
längliche Spuren hinterlassen. Dieses Spurenbild deckt sich mit den Aussagen 
des Straf- und Zivilklägers, wonach ihm der Beschuldigte die Verletzungen bei-
brachte, als er auf dem Boden lag. Auch eine Selbstverletzung wäre in dieser Po-
sition aber denkbar. 

14.2.3 Tatwaffe

Wie die Vorinstanz geht auch die Kammer davon aus, dass es sich beim besag-
ten Küchenmesser (vgl. E. 14.2.1 hiervor) um die Tatwaffe handelt, mit welcher 
insbesondere die Verletzungen im Halsbereich des Straf- und Zivilklägers zuge-
fügt wurden (S. 20 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1866). Dies wird 
weder vom Beschuldigten noch vom Straf- und Zivilkläger bestritten. Die Klinge 
und der Griff des Messers wiesen Blutanhaftungen auf (vgl. pag. 599). Der KTD 
entnahm ab fünf Bereichen des Messers DNA-Abriebe (pag. 505 f.). Sämtliche 
daraus erstellten DNA-Profile entsprachen dem DNA-Profil des Straf- und Zivil-
klägers, während das DNA-Profil des Beschuldigten weder am Griff noch an der 
Klinge des Messers nachgewiesen werden konnte. Im Bereich der Klinge konnten 
neben den DNA-Merkmalen des Straf- und Zivilklägers lediglich vereinzelte, nicht 
verwertbare Merkmale festgestellt werden (pag. 505 f. und 599). Auch konnten 
am Griff des Messers keine Kontaktspuren (Fingerabdrücke) erhoben werden. 
Dies erklärte der sachverständige Zeuge G.________ anlässlich der oberinstanz-
lichen Einvernahme indes schlüssig mit der starken Kontamination des gesamten 
Messers mit Blut (pag. 2046 Z. 30 ff.). Die fehlende DNA des Beschuldigten am 
Messer schliesst, wie die Vorinstanz zu Recht festhielt, nicht aus, dass der Be-
schuldigte das Messer am Tattag in den Händen hielt: Zunächst war das Messer, 
wie bereits erwähnt, vom Blut des Straf- und Zivilklägers derart ‹durchtränkt›, 
dass die Erhebung allfälliger weiterer Spuren erschwert war (pag. 488). Dem Be-
schuldigten selbst wurde mit dem Messer lediglich eine – insbesondere im Ver-
gleich zu den stark blutenden Verletzungen des Straf- und Zivilklägers – leichte 
Verletzung zugefügt (vgl. E. 14.3.1 hiernach). Schliesslich wurde das blutende 
Messer – mindestens dessen Klinge – an der Jeanshose des Beschuldigten ab-
gerieben, wodurch ebenfalls Spuren verloren gegangen sein dürften (vgl. 
E. 14.3.2 hiernach; pag. 490, 492, 608). Auch wenn im Übrigen DNA oder Kon-
taktspuren des Beschuldigten am Messer hätten festgestellt werden können, hät-
te dies die Täterschaft des Beschuldigten nicht bewiesen, wäre doch das Vorhan-
densein seiner DNA an seinem eigenen Küchenmesser auch ohne die Tat denk-
bar.

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14.2.4 Bluttropfspuren und blutige Handabdrücke / Bewegungsmuster des Straf- und 
Zivilklägers

Im Wohnzimmer wurden diverse weitere Spuren festgestellt, so insbesondere ein 
blutiger linker Handabdruck auf dem Sitzpolster des Sofas (pag. 520, 522), zahl-
reiche Bluttropfspuren auf dem Sofa und dem davor liegenden Kissen (pag. 520, 
522), ein blutiger linker Handabdruck des Straf- und Zivilklägers auf dem Pult 
(pag. 523) sowie zahlreiche Bluttropfspuren von ausgeatmetem Blut mit Speichel 
des Straf- und Zivilklägers auf dem Fussboden vor und auf dem Pult (pag. 523). 
Dieses Blutspurenbild bildet unstrittig den Weg ab, den der Straf- und Zivilkläger 
vom Ausgangspunkt des Ereignisses (vgl. E. 14.2.7 hiernach) durch das Wohn-
zimmer hindurch in Richtung Gang nahm (pag. 486; pag. 520 [blaue Linie]). 

Der Beschuldigte machte mehrfach geltend, der verletzte Straf- und Zivilkläger sei 
an seiner (des Beschuldigten) linken Seite vorbei in den Gang gerannt, nachdem 
er die Wohnzimmertür geöffnet habe (vgl. pag. 677; pag. 979 Z. 131; pag. 2058 
Z. 11, 18, 34 f.; pag. 2061 Z. 43 f.). Er sei ihm dabei aber nicht im Weg gestanden 
(pag. 2062 Z. 4). Diese Aussagen können nicht stimmen: Die auf pag. 677 er-
kennbaren Platzverhältnisse lassen es nicht zu, dass sich der verletzte Straf- und 
Zivilkläger links am sich im Türbereich befindlichen Beschuldigten vorbei in den 
Gang drängt, ohne dass ihm dieser im Weg stehen würde. Darüber hinaus fanden 
sich vor und auf dem Pult, welches sich direkt rechts (aus Sicht des Beschuldig-
ten) neben der Wohnzimmertür befindet, diverse Blut- und Speichelspuren des 
Straf- und Zivilklägers, sowie auf dem Pult ein blutiger linker Handabdruck von 
ebendiesem (pag. 520, 523, 677). Der Straf- und Zivilkläger muss damit zwangs-
läufig auf dieser rechten Seite vorbeigegangen sein. Im vom Beschuldigten aus 
gesehen linken Türbereich gibt es hingegen keine Blutspuren des Straf- und Zivil-
klägers, insbesondere keine Bluttropfspuren auf dem Fussboden. Die blutige 
Wischspur auf der Innenseite der Wohnzimmertüre (Ass-Nr. 156; pag. 505) konn-
te keiner Person zugeordnet werden. Aufgrund der fehlenden Bluttropfspuren im 
linken Türbereich – im Gegensatz zu der durchgehenden Bluttropfspur im rechten 
Türbereich – muss aber davon ausgegangen werden, dass diese Wischspur nicht 
vom Straf- und Zivilkläger, sondern vom Beschuldigten stammt, welcher nicht 
derart stark blutete wie der Straf- und Zivilkläger und deshalb die Wischspur hin-
terlassen konnte, ohne gleichzeitig Bluttropfen auf dem Boden zu hinterlassen. Es 
ist damit ausgeschlossen, dass sich der Straf- und Zivilkläger und der Beschuldig-
te auf die von diesem beschriebene Weise im Türbereich gekreuzt haben. Seine 
diesbezüglichen Aussagen sind nicht mit den objektiven Beweismitteln vereinbar 
und deshalb unglaubhaft. Vielmehr ist die Kammer überzeugt, dass sich der Be-
schuldigte (weit) im Zimmer drin befunden haben muss, als der Straf- und Zivil-
kläger dieses verliess. Dies entspricht auch den Aussagen des Straf- und Zivilklä-
gers zum ganzen Tatablauf, wonach der Vater ihn im Zimmer auf der Matratze 
angegriffen habe und er anschliessend durch die Zimmertüre geflohen sei.

Wie die Vorinstanz richtigerweise festhielt, ergibt sich auch der weitere (Flucht-) 
Weg des Straf- und Zivilklägers aus dem Wohnzimmer via Gang und Küche zur 
Terrassentür aus den vorhandenen Blutspuren (insb. Bluttropfen und blutige 
Handabdrücke; vgl. pag. 518 f. [blaue Linie], 525 [blaue Linie], 526, 531 f., 533 

11

[blaue Linie]), ist jedoch auch nicht weiter strittig. Aus dem Bewegungsmuster des 
Straf- und Zivilklägers alleine lässt sich nicht auf die Täterschaft schliessen, dürfte 
sich doch das Spurenbild bei Annahme einer Selbstbeibringung mit der Absicht 
einer Falschbelastung (vgl. E. 14.6.1 und E. 14.6.2 hiernach) grundsätzlich gleich 
präsentiert haben wie bei Annahme einer Fremdbeibringung durch den Beschul-
digten im Sinne der Anklage. 

14.2.5 Sockenspuren

Am Tatort wurden sodann blutige Sockenspuren festgestellt, welche vom Wohn-
zimmer über den Gang in die Küche, weiter in das WC und aus diesem hinaus 
wiederum durch die Küche in den Gang führten, wo sie sich schliesslich verloren 
(pag. 486 f., 535, 587 ff.). Der Beschuldigte trug bei seiner Anhaltung Socken mit 
Blutanhaftungen, während der Straf- und Zivilkläger barfuss in der Wohnung von 
K.________ und L.________ eintraf (pag. 487; pag. 614; pag. 962 Z. 150). Die 
Sockenspuren stammen demnach vom Beschuldigten, und es ist erstellt, dass 
diese das Bewegungsmuster des Beschuldigten aufzeigen. Dieses widerspricht 
aber den Aussagen des Beschuldigten zu seinem Bewegungsablauf: So sagte er 
mehrfach aus, er sei, nachdem er im Wohnzimmer das Messer gesehen habe, di-
rekt in den Wohnungseingang gegangen, habe sich die Schuhe angezogen und 
die Wohnung durch die Haupteingangstür verlassen, ohne noch in einem anderen 
Zimmer gewesen zu sein (pag. 987 Z. 467 ff.; pag. 1012 Z. 135 ff.; pag. 1013 
Z. 163 f. und 174).  Während seine blutigen Socken beim Verlassen des Wohn-
zimmers auf der Türschwelle noch einen Abdruck hinterliessen (pag. 587, gelbe 
Tafel Nr. 1), konnten aber weder im Bereich der Glastür, durch welche man in den 
Eingangsbereich gelangt (siehe pag. 680), noch im gleich anschliessenden Ein-
gangsbereich Sockenspuren festgestellt werden. Vielmehr führt die Sockenspur 
von der Türschwelle des Wohnzimmers direkt nach rechts – und damit in die ent-
gegengesetzte Richtung – den Gang entlang (pag. 587 f.). Erst auf Vorhalt der 
Spurenauswertung führte der Beschuldigte an der Einvernahme vom 18. Juni 
2019 aus, er sei später, nach dem Vorfall, mit der Polizei noch einmal in der 
Wohnung gewesen, um Papiere zu holen (anlässlich der Tatrekonstruktion vom 
14. November 2019: weil die Polizei wissen wollte, was er gemacht habe), wobei 
er möglicherweise die Sockenspuren hinterlassen habe (pag. 1013 Z. 194 f.; 
pag. 1093 Z. 30 ff.). In der ersten Einvernahme am Tattag erwähnte er das nicht. 
Er sei mit dem Polizisten durch die Hauptwohnungstür via Gang in die Küche ge-
laufen (pag. 1094 Z. 14 f.). Er würde die Wohnung nie mit Schuhen betreten und 
habe diese ausgezogen, bevor er mit dem Polizisten erneut die Wohnung betre-
ten habe (pag. 1014 Z. 199 f.). Selbst wenn diese Aussage stimmen würde, lässt 
sich nicht erklären, warum die Sockenspur erst im Gang und nicht bereits im Ein-
gangsbereich beginnt, wo der Beschuldigte seine Schuhe ausgezogen haben will 
(vgl. pag. 683). Des weiterein lässt sich auch nicht erklären, warum die Socken-
spur am Küchentisch, an dessen Stirnseite sich die angegebenen Unterlangen 
gemäss Angabe des Beschuldigten befunden haben sollen (bzw. effektiv befan-
den; vgl. pag. 591 und pag. 674), vorbei bis zur Terrassentür bzw. zum WC ge-
hen sollten (pag. 591 f.), wenn der Beschuldigte mit dem Polizisten die Wohnung 
lediglich betreten haben will, um zu zeigen, was er während des Vorfalls machte. 
Um das zu demonstrieren, hätte der Beschuldigte sich nicht bis zur Terrassentür 

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zu begeben brauchen, denn dort hat er sich seinen Angaben zufolge nicht aufge-
halten. Er sagte anlässlich der Tatrekonstruktion am 14. November 2019 auch 
aus, er habe sich mit dem Polizisten nicht durch die Küche bewegt (pag. 1098 
Z. 23). Noch weniger erklären lassen sich aber die Sockenspuren, welche ins WC 
hinein, vor das Lavabo und wieder hinausführen, denn das WC hat der Beschul-
digte seinen klaren konstanten Aussagen zufolge weder alleine noch mit dem Po-
lizisten betreten (pag. 1014 Z. 218; pag. 1094 Z. 3 f.; pag. 1094 Z. 3 f.). Auch die 
Schrittlänge, welche aufgrund der Spuren ermittelt wurde, spricht klar gegen eine 
Entstehung im Beisein eines Polizisten: Der KTD errechnete basierend auf der 
Schrittlänge schlüssig, dass sich der Verursacher der Spuren «rasch, mutmass-
lich rennend», durch den Gang in Richtung Küche bewegte (pag. 487 und 588). 
Dass der Beschuldigte mit dem Polizisten durch den Gang rannte, damit er ihm 
zeigen konnte, wo er sich während des Vorfalls befand, ist schlicht abwegig. Un-
glaubhaft ist auch die Aussage des Beschuldigten, er habe sich vor dem neuerli-
chen Betreten der Wohnung die Schuhe wieder ausgezogen: Unmittelbar nach-
dem er von den Polizisten P.________ und Q.________, welche als erste am 
Tatort eintrafen, angehalten worden war und ihnen gegenüber spontan den Vor-
fall geschildert hatte, deckten ihm die beiden Polizisten die Hände mittels KTD-
Säcken ab, um den Spurenschutz zu gewährleisten (pag. 397, 448). Dass er sich 
mit den KTD-Säcken an den Händen die Schuhe auszog, ist unmöglich (vgl. dazu 
pag. 539). Die beiden Polizisten P.________ und Q.________ bewachten den 
Beschuldigten ab dem Zeitpunkt des Aufeinandertreffens – auch gemäss dessen 
eigener Aussage (pag. 1074 Z. 41 f.) – bis zur Überführung auf die Polizeiwache 
durchgehend und erklärten anlässlich ihrer Einvernahmen durch die Staatsan-
waltschaft schlüssig und nachvollziehbar, der Beschuldigte habe nach seiner An-
haltung weder in Begleitung eines Polizisten noch alleine die Wohnung erneut be-
treten (pag. 893 Z. 60 f.; pag. 895 Z. 137 f. und 144 f.; pag. 951 Z. 88 und 110 f.). 
Die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten sind demnach nicht mit den ob-
jektiven Beweismitteln vereinbar und widersprechen den Aussagen der beteiligten 
Polizisten. Sie sind unglaubhaft.  

14.2.6 Blutanhaftungen im WC und im Badezimmer

Des Weiteren fand sich im WC am Heisswasserknauf des Lavabos eine Blutan-
haftung (pag. 536). Das daraus erstellte DNA-Mischprofil entspricht den Merkma-
len des DNA-Profils des Straf- und Zivilklägers (pag. 514, 536). Auch im Bade-
zimmer (vgl. pag. 623 f.) wurden im Bereich des Lichtschalters sowie auf dem 
Frottiertuch blutverdächtige Anhaftungen festgestellt (pag. 487, 527 ff.). Das aus 
der blutverdächtigen Anhaftung im Bereich des Lichtschalters erstellte DNA-Profil 
stimmt mit demjenigen des Straf- und Zivilklägers überein (pag. 509). Die Kam-
mer geht indes aufgrund des Spurenbilds nicht davon aus, dass der Straf- und Zi-
vilkläger nach dem Vorfall das WC und/oder das Bad noch einmal betrat: Die Fo-
todokumentation des KTD vom Tatort zeigt deutlich, dass der Straf- und Zivilklä-
ger auf dem Weg durch die Wohnung sehr viel Blut verlor. Überall dort, wo er sich 
aufhielt, hinterliess er deutliche Blutspuren auf dem Fussboden (pag. 520, 522, 
523, 524, 525, 533, 587, 588, 590, 591, 592, 594, 595). Auch ausserhalb der 
Wohnung, auf dem Weg, welchen der Straf- und Zivilkläger über die Terrasse um 
das Haus herum zum Haupteingang nahm, dokumentierte der KTD Bluttropfspu-

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ren (pag. 486). Die Auskunftsperson M.________, welche zusammen mit weite-
ren Personen erste Hilfe leistete, wie auch die eintreffenden Polizisten stellten 
schliesslich Bluttropfspuren auch noch im Treppenhaus und im 1. Stockwerk auf 
dem Weg zur Wohnung von Herrn und Frau L.________ fest (pag. 397; pag. 961 
Z. 85 f. und 90). Auf den Bildern auf pag. 535 und 593 ist demgegenüber deutlich 
zu sehen, dass es auf dem gesamten Fussboden im WC keinerlei Bluttropfspuren 
gibt. Das gleiche gilt für den Fussboden des Badezimmers (pag. 527 und 529). 
Damit hat der Straf- und Zivilkläger mindestens von dem Moment an, als er sich 
die stark blutenden Verletzungen am Hals zuzog, das WC und das Badezimmer 
nicht mehr betreten. Die Blutanhaftungen am Heisswasserknauf im WC sowie am 
Frottiertuch und im Bereich des Lichtschalters im Badezimmer müssen demnach 
entweder vor dem Vorfall im Wohnzimmer oder aber durch den Beschuldigten 
dorthin gelangt sein. 

14.2.7 Brille / grünes Sweatshirt / Handwechsel / Aussagen von K.________ (Probier-
schnitte)

Die Verteidigung brachte in der oberinstanzlichen Verhandlung vor, das Gesche-
hen habe nicht erst im Wohnzimmer, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach be-
reits im WC oder Badezimmer begonnen. Der Straf- und Zivilkläger habe bereits 
vor den eigentlichen, vom IRM dokumentierten Schnitten in den Halsbereich erste 
Probeschnitte im WC oder Badezimmer ausgeführt, während der Beschuldigte mit 
seinem anderen Sohn R.________ auf dem Weg zur Schule gewesen sei. Dies 
erkläre nicht nur die Blutspuren, sondern auch die Brille des Straf- und Zivilklä-
gers im Bad (vgl. pag. 527). In diesem Szenario werde auch der vom IRM be-
schriebene Handwechsel (vgl. E. 14.4.1 hiernach) plausibel, da es durchaus rea-
listisch sei, dass man die Probierschnitte vor dem Badezimmerspiegel mal mit der 
einen und mal mit der anderen Hand mache. Das Szenario, nach welchem sich 
der Straf- und Zivilkläger zunächst Probierschnitte zugefügt habe, erkläre 
schliesslich auch die Schnittwunden an den übrigen Körperstellen wie auch die 
Aussagen von K.________, wonach der Straf- und Zivilkläger teilweise bereits 
eingetrocknetes (andersfarbiges) Blut an sich gehabt habe (pag. 2066). Schliess-
lich sei auch der Fussabdruck auf dem grünen Sweatshirt im WC (pag. 514), wel-
cher gemäss dem KTD zwingend dem Straf- und Zivilkläger zugeordnet werden 
müsse, ein Indiz für einen Aufenthalt des Straf- und Zivilklägers im WC 
(pag. 2066 f.).

Dem ist folgendes entgegenzuhalten: Zunächst gibt es Blutanhaftungen sowohl 
am Heisswasserknauf des Lavabos im WC wie auch im Bereich des Lichtschal-
ters und am Frottiertuch des Badezimmers. Es ist nicht ersichtlich, wozu der 
Straf- und Zivilkläger Probierschnitte in beiden Nasszellen gemacht haben sollte. 
Dafür gäbe es keinen Grund. 

Unwahrscheinlich ist auch, dass der Straf- und Zivilkläger seine Brille zwar mit ins 
Badezimmer genommen haben soll – wo sie nach dem Vorfall vorgefunden wurde 
(pag. 527) –, um sich Probierschnitte zuzufügen, ohne sie dann aber für das wei-
tere Geschehen (weitere Probeschnitte im WC oder eigentliche Schnitte im 
Wohnzimmer) wieder aufzusetzen. Die Brille ist auch aus einem weiteren Grund 
ein Indiz für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Straf- und Zivilklägers: Dieser 

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sagte anlässlich der Tatrekonstruktion aus, er habe vor dem Einschlafen auf dem 
Handy noch eine Serie geschaut, und er schaue nie ohne Brille in das Handy. Er 
sei nicht mehr auf die Toilette gegangen und könne sich nicht erklären, warum 
seine Brille im Bad gewesen sei (pag. 810 Z. 8 ff.; pag. 811 Z. 10 ff.). Auch in der 
Einvernahme vom 11. Februar 2020 konnte er sich nicht erklären, wie die Brille in 
das Badezimmer kam (pag. 788 Z. 83 ff.), sagte aber, er wisse nicht mehr, ob er 
noch auf die Toilette gegangen sei (pag. 788 Z. 87). Hätte der Straf- und Zivilklä-
ger die Tat tatsächlich inszeniert – wie vom Beschuldigten angedeutet –, hätte er 
nicht unstimmige Aussagen im Zusammenhang mit der Brille gemacht. Er schaff-
te hier vielmehr eine Komplikation, welche für seine Glaubwürdigkeit spricht. Wie 
die Brille des Straf- und Zivilklägers in das Badezimmer gelangte, muss letztlich 
offenbleiben. Wie bereits für die Vorinstanz (S. 23 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung; pag. 1869) ist es auch aus Sicht der Kammer denkbar, dass der Straf- 
und Zivilkläger vor dem Einschlafen doch noch auf die Toilette ging und seine 
Brille dort liegen liess, sich jedoch – möglicherweise aufgrund des vorgängigen 
Cannabiskonsums (vgl. pag. 771 Z. 52; pag. 758) – nicht mehr daran erinnern 
konnte. Möglich ist im Übrigen auch, dass der Beschuldigte die Brille in das Ba-
dezimmer legte. 

Wie die Verteidigung ausführte, ist es durchaus denkbar, dass man gerade Pro-
bierschnitte mit beiden Händen an verschiedenen, zunächst auch an nicht kriti-
schen, Körperstellen durchführt, um gewisse Erfahrungen zu sammeln. Damit 
liessen sich die oberflächlichen Schnittverletzungen des Straf- und Zivilklägers 
(pag. 753), insbesondere auch die Schnittverletzung am rechten Oberarm, welche 
im Falle einer Selbstbeibringung einen Handwechsel von der rechten zur linken 
Hand erfordert hätte (pag. 755; pag. 1774 Z. 23 ff.), erklären. Dagegen spricht 
aber gemäss dem rechtsmedizinischen Gutachten des IRM der Umstand, dass 
die oberflächlichen Schnittverletzungen teilweise auf den Gesichtsbereich über-
gingen, was wiederum eher typisch für eine Fremdbeibringung ist (pag. 755). Dies 
erscheint der Kammer logisch, gibt es doch keinen Grund, Probierschnitte ausge-
rechnet im Gesicht durchzuführen, wo man sich später sicher nicht die lebensge-
fährdenden Verletzungen zuführen wird. 

K.________, welche gemeinsam mit ihrem Mann L.________ die Wohnung über 
der Wohnung des Beschuldigten bewohnt, und welche auch an der Erstversor-
gung des Straf- und Zivilklägers beteiligt war, sagte anlässlich ihrer Einvernahme 
am Tattag aus, sie habe sehr viel Blut am Oberkörper und an den Armen des 
Straf- und Zivilklägers gesehen. Der Straf- und Zivilkläger habe eine riesige Wun-
de am Hals gehabt, deren Blutung sie in der Folge mit Handtüchern zu stoppen 
versucht habe (pag. 851). In einem von ihr verfassten «Nachtrag zu [ihrer] polizei-
lichen Aussage vom 29. Mai [20]19» hielt sie präzisierend folgendes fest: «Ich 
rannte durch meine Wohnung ins Treppenhaus. Mitte lange Treppe bin [ich] ste-
hen geblieben und habe [den Straf- und Zivilkläger] mit hängenden Armen gese-
hen und mit eingetrocknetem Blut am Oberkörper» (pag. 855). An der delegierten 
Einvernahme vom 24. Juni 2019 präzisierte sie diese Äusserungen erneut folgen-
dermassen: «Ich sah die grosse Wunde am Hals[,] welche ‹glänzte›. Es blutete 
noch ein wenig. Als ich ihn dann auf den Boden gelegt habe, sah ich, dass das 
Blut an seinen Armen bereits eingetrocknet war. […] C.________ hatte einen frei-

15

en Oberkörper. Das Blut war zweifarbig. Das am Hals hat geglänzt und das am 
Arm war matt» (pag. 861 Z. 133 ff. und 139 ff.). Es ist zunächst festzuhalten, dass 
K.________ das eingetrocknete Blut in ihrer ersten, ausführlichen Einvernahme 
am Tattag nicht erwähnte, obwohl sie explizit vom Blut am Oberkörper und an 
den Armen des Straf- und Zivilklägers sprach (pag. 851). Den ausführlichen 
Wahrnehmungsbericht, in welchem sie das eingetrocknete Blut erstmals schilder-
te, verfasste sie im Nachgang zur Tat, in der Zeit zwischen dem Tattag und dem 
17. Juni 2019 (pag. 862 Z. 184 ff. und pag. 854). Es ist durchaus nicht unwahr-
scheinlich, dass sich K.________ mit zunehmender zeitlicher Entfernung vom 
Geschehen an die Nebensächlichkeit, ob und welches Blut am Körper des Straf- 
und Zivilklägers eingetrocknet war, und was überhaupt «eingetrocknet» bedeutet, 
nicht mehr genau erinnern konnte, oder sich im Eifer der Ermittlungsunterstützung 
an Details zu erinnern versuchte, welche sie möglicherweise im Zeitpunkt des 
Vorfalls gar nicht wahrnahm. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, wurde das 
von K.________ geschilderte Blut auch weder von der Augenärztin M.________ 
noch vom erstversorgenden Rettungssanitäter S.________ beschrieben (S. 27 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1873). Selbst wenn die Schilderun-
gen von K.________ aber zutreffend sein sollten, lassen sich diese durchaus mit 
dem von der Vorinstanz erstellten Geschehensablauf vereinbaren: Die Schnitt-
wunden am Hals waren tief und bluteten stark, auch noch in der Wohnung von 
L.________ und K.________, wo die Blutung mit Handtüchern gestillt werden 
musste. Das frisch austretende Blut wurde von K.________ als ‹glänzend› wahr-
genommen. Die übrigen Schnittwunden am Oberkörper und an den Armen waren 
deutlich weniger tief (vgl. pag. 570, 572 f.) und es trat folglich deutlich weniger 
Blut aus diesen aus. Die dadurch entstandene dünne Blutschicht dürfte dann 
auch schon nach kurzer Zeit eingetrocknet sein. Es ist auch nicht auszuschlies-
sen, dass sich in der Dynamik des Geschehens aus den Wunden ausgetretenes 
Blut teilweise nur oberflächlich auf dem Oberkörper und den Armen des Beschul-
digten verteilte, wo es innert kurzer Zeit eintrocknete, während das aus dem Hals 
ausströmende Blut weiter ‹glänzte›.

Das eingetrocknete Blut – sofern solches überhaupt vorhanden war – kann dem-
nach sowohl im Rahmen der von der Vorinstanz angenommenen Auseinander-
setzung als auch bei der Durchführung von Probeschnitten entstanden sein. Im 
Ergebnis sprechen deshalb die von K.________ gemachten Schilderungen weder 
eindeutig für eine Fremd- noch für eine Selbstbeibringung.

Die Verteidigung machte weiter geltend, der Fussabdruck auf dem grünen Sweat-
shirt spreche für eine Anwesenheit des Straf- und Zivilklägers im WC. Tatsächlich 
ist auf pag. 535 ein auf dem Fussboden des WC im Bereich vor dem Lavabo lie-
gendes grünes Sweatshirt zu sehen, welches den blutigen Abdruck eines in Rich-
tung Lavabo weisenden linken Fusses trägt (pag. 537). Der Beschuldigte sagte 
anlässlich seiner Einvernahme vom 12. August 2019 aus, sie hätten einen sol-
chen Pullover jeweils als Unterlage beim Waschbecken benutzt (pag. 1013 
Z. 190). Wäre der Fussabdruck tatsächlich bei der Zuführung von Probierschnit-
ten entstanden, würde das bedeuten, dass die Probierschnitte derart massiv ge-
blutet haben müssten, dass Blut auf den Boden tropfte. Es ist aus Sicht der 
Kammer undenkbar, dass zwar genug Blut geflossen sein soll, um den Abdruck 

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fast eines gesamten Fusses (vgl. pag. 537) hinterlassen zu können, aber auf dem 
gesamten Weg vom WC den Gang entlang bis ins Wohnzimmer, wo sich der 
Straf- und Zivilkläger später – gemäss dem Szenario der Selbstbeibringung – die 
eigentlichen Verletzungen zufügte, kein Blut mehr auf den Boden tropfte. 
Schliesslich führen auch keine Fuss-, sondern lediglich Sockenspuren aus dem 
WC hinaus. Es ist unwahrscheinlich, dass der blutige Fuss keine einzige weitere 
Spur hinterliess. Nachdem für die Kammer aufgrund des übrigen Spurenbilds be-
reits erwiesen ist, dass der Straf- und Zivilkläger nach seiner gravierenden Verlet-
zung im Halsbereich das WC nicht (mehr) betreten hat (E. 14.2.6 hiervor), spricht 
der Fussabdruck auf dem grünen Sweatshirt auch nicht für eine Anwesenheit des 
Straf- und Zivilklägers im WC vor Zufügung der eigentlichen Verletzungen, etwa 
um Probeschnitte vor dem Spiegel auszuführen: Aus den vom KTD angefertigten 
Bildern auf pag. 535 und pag. 593 (wo das Sweatshirt offenbar zur Sicherung der 
übrigen Spuren bereits entfernt wurde) ist ersichtlich, dass sich der blutige Fuss-
abdruck auf dem Sweatshirt im der direkten Verlängerung der auf dem Plattenbo-
den zum Lavabo hinführenden Sockenspur befindet. Während in der Fotodoku-
mentation zu den Fuss- und Sockenspuren begrifflich zwischen Sockenspuren 
und Fusspuren unterschieden wird (pag. 586 ff.), verwendet die allgemeine Foto-
dokumentation zum Tatort, in welcher die Unterscheidung zwischen Fuss- und 
Sockenspuren einstweilen keine Rolle spielt, für die fragliche Spur uneinheitlich 
einmal den Ausdruck «ein blutiger Fussspur» (pag. 535) und «ein blutiger Fuss-
abdruck» (pag. 537). Die Bezeichnungen erfolgten auch nicht durch die gleiche 
Person (pag. 586 ff.: G.________; pag. 535 und 537: T.________ [pag. 517]). Es 
ist für die Kammer durchaus denkbar, dass für die Beschreibung der Spur auf 
pag. 535 und 537 untechnisch die Begriffe «Fussspur» bzw. «Fussabdruck» ver-
wendet wurden, ohne damit eine begriffliche Unterscheidung von Sockenspuren 
vornehmen zu wollen. Dazu kommt, dass auch in der Fotodokumentation zu den 
Fuss- und Sockenspuren der Begriff «Fussspuren» als Oberbegriff verwendet 
wird (etwa für die Bezeichnung von Spuren, von welchen nicht gesagt werden 
kann, ob die verursachende Person Socken trug oder nicht; vgl. pag. 587), 
während für die Bezeichnung von effektiven Fussspuren der Begriff jeweils mit 
dem Hinweis («barfuss») ergänzt wird (vgl. pag. 587 und 592). Entsprechend un-
differenziert wird die Spur auch auf pag. 514 als «Fussabdruck» beschrieben. Es 
ist deshalb aus Sicht der Kammer wahrscheinlich, dass es sich bei der Spur auf 
dem Sweatshirt um den Abdruck einer blutigen Socke und nicht um den Abdruck 
eines blutigen Fusses handelt. Damit fügt sich die Spur nahtlos in die bereits vor-
handene Sockenspur (pag. 593) ein. 

Die Kammer ist aufgrund der gesamten genannten Umstände überzeugt, dass 
sich der Straf- und Zivilkläger nicht im WC und/oder im Badezimmer aufgehalten 
hat, um Probierschnitte durchzuführen. Damit ist auch erstellt, dass die Blutanhaf-
tungen am Heisswasserknauf des Lavabos im WC sowie am Frottiertuch und im 
Bereich des Lichtschalters im Badezimmer durch den Beschuldigten dorthin ge-
langt sein müssen. Dies widerspricht aber seiner klaren und konstanten Aussage, 
er habe sich nach dem Vorfall zu keiner Zeit weder im WC noch im Badezimmer 
befunden. Seine diesbezüglichen Aussagen sind damit offensichtlich unwahr. Der 

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Ausgangspunkt des Geschehens befand sich demnach – wie bereits von der 
Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz angenommen – im Wohnzimmer. 

14.2.8 Offene Küchenschublade

Auf pag. 533 f. ist zu sehen, dass die Küchenschublade, welche auch die 
Küchenmesser enthielt, offenstand. Ansonsten war die Küche – wie auch vom 
KTD festgehalten – ordentlich aufgeräumt (pag. 487, 533 f.). Seinen Angaben zu-
folge sass der Beschuldigte, bevor er den Schrei des Straf- und Zivilklägers ver-
nahm und sich zum Wohnzimmer begab, in der Küche am Esstisch und studierte 
Unterlagen (pag. 978 Z. 80 ff.; pag. 674). Wie die Vorinstanz richtigerweise erwog 
(S. 23 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1869), ist es zwar nicht aus-
geschlossen, dass die Schublade bereits seit längerer Zeit offenstand; unter 
Berücksichtigung der ansonsten ordentlich aufgeräumten Küche mutet aber die-
ser Umstand eher seltsam an und es wäre in der Tat zu erwarten gewesen, dass 
der Beschuldigte dies im Verlauf des frühen Morgens bemerkt und die Schublade 
geschlossen hätte. So aber deutet die offene Schublade auch nach dem Dafür-
halten der Kammer darauf hin, dass der Beschuldigte ein Küchenmesser aus der 
Schublade behändigte, die Schublade dabei offen liess und sich mit dem Messer 
in das Wohnzimmer begab, wo der Straf- und Zivilkläger schlief.

14.2.9 Blutiger Schuhsohlenabdruck auf dem Fussabtreter vor der Terrassentüre

Die Verteidigung brachte in der oberinstanzlichen Verhandlung unter Verweis auf 
das auf pag. 503 erwähnte Fragment eines blutigen Schuhsohlenabdrucks, wel-
ches vom KTD auf dem Fussabtreter vor der Terrassentüre festgestellt wurde, 
vor, das Spurenbild sei offenbar bereits kontaminiert gewesen, als man die Spu-
rensicherung gemacht habe. Das im KTD-Rapport dokumentierte Spurenbild und 
die darauf gestützten Erwägungen seien deshalb nicht verwertbar. Es seien nach 
dem Vorfall nachweislich noch mehrere Polizisten und auch Herr L.________ in 
der Wohnung gewesen, bevor die Spuren gesichert worden seien (pag. 2067).

Tatsächlich haben sowohl L.________ wie auch die Polizisten Q.________ und 
P.________ angegeben, noch in der Wohnung gewesen zu sein. L.________ 
ging seinen Angaben zufolge den Flur entlang und schaute nach links und rechts 
in die Zimmer hinein (pag. 871 Z. 49 ff.). Er betrat ausdrücklich weder das Wohn-
zimmer noch eines der anderen Zimmer (pag. 875). Er trug dabei ‹Crocs› 
(pag. 1780 Z. 23 f.). Polizist Q.________ sagte aus, nur den Eingangsbereich der 
Wohnung betreten und rechts in das Wohnzimmer geschaut zu haben. Er habe 
aber weder dieses betreten noch sei er weiter in die Wohnung hineingegangen 
(pag. 893 Z. 51 ff.). Er sei jedoch mit dem KTD noch von hinten her zur Küchentü-
re (Anm.: Terrassentüre) gegangen. Er könne nicht sagen, ob sie von da aus die 
Wohnung noch betreten oder nur hineingeschaut hätten. Der Mitarbeitende des 
KTD sei dann aber sicher hineingegangen (pag. 893 Z. 56 ff.). Später sagte Poli-
zist Q.________ dann noch aus, jemand von der Polizei, nicht aber er, habe die 
Wohnung noch betreten, um Kleider und eine Brille zu holen (pag. 894 Z. 113 ff.). 
Polizist P.________ schilderte in seiner Einvernahme, er habe die Wohnung be-
treten, um zu schauen, ob sich noch weitere Personen in dieser befänden. Er sei 
dazu überall in der Wohnung gewesen und habe auch die Räume betreten 

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(pag. 950 Z. 47 und 52 f.). Er bestätigte, dass noch jemand in der Wohnung war, 
um Ersatzkleider des Beschuldigten zu holen. Er sei es aber nicht gewesen 
(pag. 952 Z. 129 f.).

Es gibt für die Kammer keinerlei Anhaltspunkte für die Annahme, das Spurenbild 
könnte kontaminiert worden sein. Die Spuren zeigen keinerlei Hinweise auf eine 
Einwirkung durch eine Drittperson. Es gibt in der Wohnung selber keine (blutigen) 
Schuhsohlenspuren. Damit kann ausgeschlossen werden, dass einer der Polizis-
ten oder L.________ in die Blutspuren in der Wohnung trat und damit das Spu-
renbild verfälschte. Der blutige Schuhsohlenabdruck auf dem Fussabtreter vor der 
Terrassentüre dürfte entstanden sein, als sich Polizist Q.________ mit dem Mit-
arbeiter des KTD von aussen her zur Terrassentüre begab, wobei einer der bei-
den in die Blutspur getreten sein muss, die der Straf- und Zivilkläger auf dem Weg 
über die Terrasse hinterliess. Das relevante Spurenbild hat sich damit weder in 
der Wohnung noch im Aussenbereich verändert. Das Spurenbild und die sich 
darauf stützenden Erkenntnisse sind ohne Weiteres verwertbar. 

14.2.10 Fazit Bewegungsmuster des Beschuldigten

Aus den nachweislich dem Beschuldigten zuzuordnenden Sockenspuren im Gang 
und im WC, den Blutanhaftungen im WC und im Badezimmer und der offenen 
Küchenschublade ergibt sich für die Kammer folgendes Bewegungsmuster des 
Beschuldigten: Der Beschuldigte behändigte in der Küche das Messer und begab 
sich in das Wohnzimmer. Dort kontaminierte er – mutmasslich in der grossen 
Blutlache – seine Socken mit Blut. Daraufhin rannte er dem Straf- und Zivilkläger 
hinterher den Gang entlang, am Küchentisch vorbei durch die Küche bis vor die 
Terrassentür. Als er dort bemerkte, dass der Straf- und Zivilkläger bereits durch 
die Terrassentür geflohen war, begab er sich mit den noch immer blutigen Socken 
in das WC, betätigte den Heisswasserknauf, an welchem er das sich an seinen 
Händen befindliche Blut des Straf- und Zivilklägers hinterliess, und versuchte, 
sich das Blut von den Händen zu waschen. Vom WC aus bewegte er sich – nach 
wie vor die blutige Sockenspur hinterlassend – wieder durch die Küche zurück in 
Richtung Gang, wo sich seine Sockenspur verliert. Dies lässt sich ohne Weiteres 
dadurch erklären, dass sich unterdessen nicht mehr genügend Blut an den So-
cken befand, um weiterhin Abdrücke zu hinterlassen. Der Beschuldigte begab 
sich via Gang ins Badezimmer – nun ohne Fussspuren zu hinterlassen – und ver-
suchte dort abermals, sich das Blut des Straf- und Zivilklägers von den Händen 
zu waschen, wobei er Blutanhaftungen am Lichtschalter und am Frottiertuch hin-
terliess. In der Folge begab er sich – wie von ihm geschildert – zum Hauptein-
gang der Wohnung, zog seine Schuhe an und ging nach draussen, wo er von 
L.________ angetroffen wurde. 

Dieses Bewegungsmuster ist auch in zeitlicher Hinsicht schlüssig: Während der 
Straf- und Zivilkläger von der Terrassentür aus den langen Weg um das grosse 
Haus ging, in die Augenarztpraxis stürzte, um Hilfe bat, diese wieder verliess und 
im Treppenhaus von K.________ in Empfang genommen wurde (vgl. pag. 518 f.; 
pag. 851 f.; pag. 968 Z. 85 ff.), hatte der Beschuldigte genügend Zeit, sich im WC 
und im Badezimmer die Hände zu waschen und sich nach draussen zu begeben, 

19

wo er dann von N.________ und L.________ angetroffen wurde, nachdem letzte-
rer bereits die Sanität aufgeboten hatte (pag. 875; pag. 968 Z. 110).

14.2.11 Fazit Spuren am Tatort

Das Spurenbild am Tatort und insbesondere das Bewegungsmuster des Be-
schuldigten bilden zusammen mit dem Spurenbild am Beschuldigten (E. 14.3 
hiernach) und am Straf- und Zivilkläger (E. 14.4 hiernach) sowie dem Aussage-
verhalten insbesondere des Beschuldigten ein gewichtiges Indiz zu Gunsten des 
vom Straf- und Zivilkläger geschilderten Tatablaufs und damit für eine Täterschaft 
des Beschuldigten.  

14.3 Spurenbild am Beschuldigten

14.3.1 Verletzungen

Mit den Verletzungen des Beschuldigten und den diese betreffenden Ausführun-
gen des IRM wie auch des Gutachters O.________ hat sich die Vorinstanz im De-
tail auseinandergesetzt. Es kann vorab auf die erstinstanzliche Urteilsbegründung 
(S. 17 ff.; pag. 1863 ff.) verwiesen werden. 

Demnach wies der Beschuldigte am Morgen des 29. Mai 2019 insbesondere eine 
frisch imponierende, strichförmige, ca. 2 cm lange Hautdurchtrennung an der 
Streckseite des linken Unterarms nahe des Handgelenks auf (pag. 727 f.). Diese 
Hautdurchtrennung wurde gemäss dem Gutachten des IRM durch scharfe Ge-
walteinwirkung verursacht und ist als Schnittverletzung zu qualifizieren. Eine zeit-
liche Entstehung der Verletzung am frühen Morgen des 29. Mai 2019 sei möglich, 
wobei eine zeitliche Entstehung am Vortag ebenfalls nicht ausgeschlossen wer-
den könne. Das Küchenmesser (vgl. E. 14.2.3 hiervor) komme als verursachen-
des Werkzeug der Schnittverletzung in Betracht. Die Schnittverletzung könne so-
wohl durch fremde als auch durch eigene Hand beigebracht worden sein 
(pag. 728). 

Wie auf dem Foto auf pag. 542 deutlich zu sehen ist und vom IRM im Gutachten 
festgehalten wurde (pag. 727), war die Schnittwunde im Zeitpunkt der Anhaltung 
des Beschuldigten am 29. Mai 2019 von eingetrocknetem Blut umgeben. Nach 
der Wundreinigung präsentierte sich der Schnitt mit glatten Wundrändern und 
dunkelrotem, eher feuchtem Wundgrund (pag. 543, 727).

Etwas weiter links, ebenfalls am linken Handgelenk, trug der Beschuldigte eine 
weitere, kleinere, ebenfalls strichförmige Verletzung (ca. 0,7 cm), welche – wie 
auch der grössere Schnitt – quer zur Armlängsachse verlief (pag. 541, 544 f., 
727). Aus Sicht der Kammer dürfte es sich auch bei dieser – vom IRM als 
«Hautabtragung» bezeichneten – Verletzung um eine Schnittverletzung handeln.

Der Beschuldigte sagte im Zusammenhang mit der Schnittverletzung am Handge-
lenk in der Einvernahme am Tattag zunächst aus, er wisse nicht, woher die Ver-
letzung stamme. Es könne sein, dass er sich die Verletzung am Vortag beim Put-
zen zugezogen habe, vielleicht habe er sich an etwas angeschlagen. Festgestellt 
habe er nichts (pag. 984 Z. 353 f.; pag. 985 Z. 358 f. und 364 f.). Später in der 
gleichen Einvernahme sagte er aus, er habe am Vortag die Wohnung geputzt, die 
Toilette, die Lavabos, die Scheiben und so weiter. Auch die Schiebetüre im Bad. 

20

Er habe sich die Verletzung (wohl) dabei zugezogen. Sie sei nicht neu (pag. 986 
Z.455 ff.). Anlässlich der Einvernahme zur Hafteröffnung ebenfalls vom 29. Mai 
2019 bestätigte er, er habe sich die Verletzung wahrscheinlich beim Putzen der 
Schiebetüren im Bad zugezogen. Er habe aber nicht bemerkt, wie er sich die Ver-
letzung zugezogen habe. Er sei in Eile gewesen, weil er mit dem Putzen habe fer-
tig sein wollen, bevor sein Sohn R.________ von der Schule nach Hause ge-
kommen sei (pag. 994 f. Z. 154 ff.). Auch in der Einvernahme vom 12. August 
2019 bekräftigte der Beschuldigte, die Verletzung habe mit dem Putzen am Vor-
tag zu tun (pag. 1015 Z. 275). In der oberinstanzlichen Verhandlung sagte er aus, 
es komme nur in Frage, dass er sich die Verletzung beim Putzen zugezogen ha-
be. Er habe aber selber nicht mitbekommen, wie er sich verletzt habe (pag. 2059 
Z. 35 f. und 40; pag. 2061 Z. 6 f.). 

Die Aussagen des Beschuldigten sind unglaubhaft. Es ist nach Ansicht der Kam-
mer unmöglich, sich einen mehrere Zentimeter langen Schnitt, welcher tief genug 
ist, dass Blut austritt und sich um die Wunde verteilt, beim Putzen zuzuziehen, 
ohne davon zumindest Notiz zu nehmen. Ausserdem sind Glasschiebetüren von 
Duschen oder Badewannen nicht so beschaffen, dass man sich beim Putzen dar-
an schneiden kann. Die Schiebetür müsste also irgendwo kaputt gewesen sein. 
Etwas Derartiges brachte der Beschuldigte aber nicht vor. Auch nicht ersichtlich 
ist, wieso der Beschuldigte sich beim Putzen der Schiebetür an der Ober- und 
nicht an der Unterseite des Handgelenks, beinahe auf dem Handrücken, verletzt 
haben sollte. Der Handrücken kommt beim Putzen üblicherweise nicht zum Ein-
satz. Ebenfalls unglaubhaft ist, dass der Beschuldigte nach dem Putzen, welches 
seinen Aussagen zufolge am Vormittag vor der Rückkehr von R.________ von 
der Schule stattgefunden haben soll, den ganzen restlichen Tag über die Verlet-
zung, welche nicht zuletzt aufgrund des umliegenden eingetrockneten Bluts deut-
lich sichtbar war, weder gesehen noch gespürt haben soll, weder beim Kochen, 
noch bei der Abendtoilette, noch beim Studieren der Einbürgerungsunterlagen am 
nächsten Morgen (vgl. pag. 978 Z. 81 f.). Insgesamt sind die Aussagen des Be-
schuldigten detailarm und flach. In der Einvernahme am Tattag sagte er noch 
aus, er sei beim Putzen am Vortag in Eile gewesen, weil er um 12 Uhr schnell et-
was zu Essen habe machen müssen (pag. 985 Z. 386). In der Einvernahme zur 
Hafteröffnung (ebenfalls am Tattag) sagte er dann hingegen aus, er sei beim Put-
zen in Eile gewesen, weil er habe fertig sein wollen, bevor sein Sohn R.________ 
nach Hause komme. Grund dafür sei gewesen, dass er die Wohnung feucht auf-
genommen habe, und wenn der Boden noch nass gewesen wäre, wenn der Sohn 
nach Hause kommt, wäre alles umsonst gewesen (pag. 994 f. Z. 157 ff.). Diese 
widersprüchliche und inkonsistente Schilderung spricht ebenfalls gegen die 
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten. 

Der Beschuldigte brachte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung sinn-
gemäss vor, wenn er sich die Verletzung bei einer Auseinandersetzung mit dem 
Straf- und Zivilkläger am Morgen des 29. Mai 2019 zugezogen hätte, hätte sie 
noch geblutet, als die Polizei eintraf. Dies sei aber nicht der Fall gewesen 
(pag. 2059 Z. 40 ff.). Die kriminaltechnische/rechtsmedizinische Untersuchung 
des Beschuldigten, anlässlich welcher auch die erwähnten Fotos auf pag. 541 f. 
und 544 aufgenommen wurden, fand am Tattag ab 12:45 Uhr und damit rund 

21

4 Stunden nach der Tat statt (pag. 444, 484). Aus den Aufnahmen der Schnitt-
wunde lässt sich daher nicht schliessen, ob die Wunde bei der Anhaltung des Be-
schuldigten noch blutete oder nicht. Auch aus den übrigen Akten ergeben sich 
keine konkreten Anhaltspunkte. So oder anders geht die Kammer aber davon 
aus, dass das aus der verhältnismässig kleinen und nicht übermässig tiefen 
Schnittverletzung ausgetretene Blut aufgrund der Blutgerinnung innerhalb von 
kurzer Zeit trocknete. Selbst wenn also die Wunde – wie vom Beschuldigten vor-
gebracht – im Zeitpunkt seiner Anhaltung bereits trocken gewesen sein sollte, 
spräche dies nicht gegen eine Entstehung der Verletzung am Tatmorgen. 

Die Verletzung lässt sich indessen ausgesprochen gut mit der Schilderung des 
Vorfalls durch den Straf- und Zivilkläger vereinbaren. Gemäss diesem drückte der 
Beschuldigte ihn mit der linken Hand zu Boden und fügte ihm mit dem Messer in 
der rechten Hand die Schnittverletzungen zu (vgl. pag. 661 f.; pag. 814 Z. 3 ff.). 
Der Beschuldigte ist Rechtshänder (pag. 977 Z. 60), dürfte also tatsächlich das 
Messer mit der rechten Hand geführt haben. Mit der linken Hand hätte er dem-
nach den Straf- und Zivilkläger zu Boden gedrückt. Es ist für die Kammer auf-
grund der Gesamtumstände sehr wahrscheinlich, dass sich der Beschuldigte die 
Schnittverletzung(en) im Rahmen der vom Straf- und Zivilkläger beschriebenen 
körperlichen Auseinandersetzung, bei welcher das Messer gemäss der Analyse 
des IRM dynamisch geführt wurde (pag. 755), selber zugefügt hat, indem er sich 
mit dem mit der rechten Hand geführten Messer in den Bereich des linken Hand-
gelenks schnitt.  

Der Beschuldigte wies gemäss dem Gutachten des IRM weiter betont am Rücken 
und an den Unterarmen Zeichen teils frischer, teils älter imponierender stumpfer 
Einwirkungen in Form von Hautrötungen, Hautabschürfungen, Hauteinblutungen 
und Schorfkrusten auf. Dem IRM zufolge handelt es sich durchwegs um Bagatell-
verletzungen, welche beispielsweise im Rahmen einer körperlichen Auseinander-
setzung entstanden sein könnten. Zeitlich könnten die frischer imponierenden 
Verletzungen (Hautrötung im unteren Rückenbereich, Hautrötungen und Hautein-
blutungen in der rechten Ellenbeuge, Hautabschürfungen an beiden Ellenbogen) 
am frühen Morgen des 29. Mai 2019 entstanden sein (pag. 728; vgl. auch 
pag. 546 ff.). Es handelt sich also um weitere Indizien, welche für den vom Straf- 
und Zivilkläger geschilderten Tatablauf sprechen. 

In der rechten Ellenbeuge, wo der Beschuldigte ebenfalls eine Verletzung (Hau-
trötungen und Hauteinblutungen) trug (pag. 728; vgl. auch pag. 546), wurde vom 
KTD DNA des Straf- und Zivilklägers nachgewiesen (pag. 488, 491, 497). 
O.________, Mitverfasser der IRM-Gutachten über den Beschuldigten und den 
Straf- und Zivilkläger, führte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung als sach-
verständiger Zeuge aus, die plausibelste Erklärung dafür sei, dass der Beschul-
digte den Straf- und Zivilkläger angefasst und sich dadurch dessen DNA auf Ers-
teren übertragen habe. Eine Drittübertragung könne aber auch nicht ausge-
schlossen werden. DNA könne in der Regel bis maximal 72 Stunden nach der 
Übertragung nachgewiesen werden. Durch waschen oder duschen könne die 
Spur aber auch innert kürzester Zeit verloren gehen (pag. 1776 Z. 15 ff., 21 ff. 
und 27 f.; pag. 1778 Z.  8). 

22

Der Beschuldigte gab an, den Straf- und Zivilkläger letztmals einen oder zwei Ta-
ge vor der Tat gesehen zu haben, als dieser zur Arbeit ging (pag. 978 Z. 95 f. und 
98). Er kann die Herkunft der Verletzung und das Vorhandensein der DNA des 
Straf- und Zivilklägers in seiner Armbeuge nicht erklären (pag. 1016 Z. 331, 335 
und 339 f.). Es sei zwischen ihm und dem Straf- und Zivilkläger zu keiner 
Berührung gekommen (pag. 1078 Z. 162; pag. 2060 Z. 24). Dies hält die Kammer 
für ausgeschlossen: Fremde DNA kann gemäss den plausiblen Aussagen von 
O.________ maximal rund 72 Stunden auf dem Körper nachgewiesen werden. 
Der Beschuldigte will den Straf- und Zivilkläger einen oder zwei Tage vor der Tat 
letztmals gesehen haben. Dass sich die beiden umarmt oder sonstwie berührt 
hätten, ist angesichts des dauerhaft angespannten Verhältnisses unwahrschein-
lich (vgl. dazu E. 14.10.2 hiernach). Die DNA müsste also zu einem noch früheren 
Zeitpunkt an den Beschuldigten gelangt sein. Dass dieser sich in der Zeit nie ge-
duscht oder gewaschen hätte, ist ebenfalls nicht wahrscheinlich. So muss die 
DNA am Tatmorgen an den Beschuldigten gelangt sein. Dies widerspricht aber 
seiner Aussage, es sei zu keiner Berührung zwischen ihm und dem Straf- und Zi-
vilkläger gekommen, was die Aussage unglaubhaft erscheinen lässt. Die Verlet-
zung in der Ellenbeuge und die darin festgestellte DNA des Straf- und Zivilklägers 
lassen sich aber wiederum bestens mit dem vom Straf- und Zivilkläger geschilder-
ten Tatablauf vereinbaren, wonach er versucht habe, den Beschuldigten während 
des Angriffs an den Armen festzuhalten oder wegzudrücken (vgl. dazu pag. 661 
f., 816 Z. 28 ff.; vgl. auch E. 14.4.1 hiernach).

Gemäss rechtsmedizinischem Ergänzungsgutachten des IRM vom 26. November 
2019 (pag. 735 f.) wies der Beschuldigte weiter an der Innenseite der Oberlippe 
mittig eine ca. 0,6 x 0,4 cm grosse, dunkelblaue Schleimhauteinblutung und an 
der Innenseite der Unterlippe rechts ebenfalls eine ca. 0,2 x 0,1 cm grosse, 
blaurötliche Schleimhauteinblutung auf. Nach Ansicht des IRM dürften diese Ver-
letzungen durch stumpfe Gewalteinwirkung entstanden sein und wären zeitlich 
mit einer Entstehung am Morgen des 29. Mai 2019 im Rahmen einer körperlichen 
Auseinandersetzung vereinbar (pag. 736). Sichtbar sind die Verletzungen auch in 
der Fotodokumentation des KTD auf pag. 554 f. O.________ sagte dazu in der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung, es sei denkbar, dass die Verletzungen durch 
einen Schlag gegen die Lippen entstanden seien. Es sei aber auch denkbar, dass 
der Beschuldigte selber irgendwo angeschlagen und sich dadurch die Verletzung 
zugezogen habe. Welche der Varianten wahrscheinlicher sei, könne nicht gesagt 
werden. Untypisch wäre jedenfalls, wenn sich der Beschuldigte die Verletzungen 
zugezogen hätte, indem er sich selbst auf die Lippen gebissen hätte. Bei der un-
teren Lippe sei dies zwar denkbar; bei der Oberlippe sei es hingegen schwierig, 
sich selber Bissverletzungen zuzufügen. Das IRM gehe bei den Verletzungen je-
denfalls eher von stumpfer Gewalt aus (pag. 1775 Z. 35 ff. und 44 f.; pag. 1776 
Z. 1 ff.). Der Beschuldigte erklärte in der Einvernahme vom 11. Februar 2020 auf 
Vorhalt der Verletzungen an den Lippen, so etwas passiere beim Essen. Das sei 
ihm schon mehr als hundert Mal passiert. Er habe aber nichts gespürt. Wenn man 
hingegen eine Faust oder einen Stein an den Mund bekomme, würde die Stelle 
anschwellen. Auf Nachfrage führte er aus, er wisse nicht genau, wie man essen 
müsse, um sich so zu verletzen. Aber man esse ja manchmal schnell und sei im 

23

Stress, oder nehme ein hartes Stück und verletze sich mit den Zähnen (pag. 1079 
Z. 201 ff. und 207 f.).

Die Aussagen des Beschuldigten müssen als reine Schutzbehauptungen ange-
sehen werden. Es ist abwegig, sich in einem derart engen Zeitraum (beide Verlet-
zungen könnten am 29. Mai 2019 entstanden sein) gleich zwei Mal derart fest auf 
die Lippen zu beissen, noch dazu einmal auf die Unter- und einmal auf die Ober-
lippe, dass man solche Verletzungen davonträgt. Gemäss den nachvollziehbaren 
Ausführungen von O.________ ist es darüber hinaus ohnehin höchst unwahr-
scheinlich, dass man sich beim Essen auf die Oberlippe beisst. Das Aussagever-
halten des Beschuldigten ist widersprüchlich, wenn er von sich aus erklärt, die 
Verletzung könne nicht durch einen Faustschlag entstanden sein, obwohl er gar 
nicht auf einen Faustschlag angesprochen wurde. Eine stumpfe Gewalteinwir-
kung etwa in Form eines Anschlagens schliesst er damit gleich selber aus. Auch 
die übrigen Aussagen des Beschuldigten zu den Verletzungen an den Lippen 
(Entstehen beim Essen) sind unglaubhaft. Es ist offensichtlich, dass er auch für 
diese Verletzungen keine plausible Erklärung hat. Es ist auf das IRM-
Ergänzungsgutachten abzustellen, welches bei den Verletzungen an der Lippe 
von stumpfer Gewalteinwirkung im Rahmen einer körperlichen Auseinanderset-
zung ausgeht. Damit sprechen auch diese Verletzungen für den vom Straf- und 
Zivilkläger geschilderten Tatablauf, wonach es eine (kurze) körperliche Auseinan-
dersetzung zwischen ihm und dem Beschuldigten gegeben habe (vgl. pag. 661 f., 
816 Z. 28 ff.), und damit für eine Täterschaft des Beschuldigten. 

Seine übrigen Verletzungen erklärte der Beschuldigte folgendermassen: Die 
Schürfwunden an den beiden Ellenbogen (pag. 548 f., 550 f. und 727) habe er 
nicht festgestellt, die kämen aber möglicherweise daher, dass er trockene Haut 
habe. Woher die Schürfung am Rücken (pag. 552 f. und 726 f.) komme, wisse er 
nicht. Auch die Verletzungen im oberen Rücken- und Schulterbereich (pag. 726) 
kann er nicht erklären. Die Hautabschürfung am rechten Unterarm (pag. 727) ha-
be er sich wahrscheinlich auch beim Putzen zugezogen (pag. 985 Z. 371 ff.). Wie 
die Vorinstanz zu Recht erwog (S. 19 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 1865), lassen sich die einzelnen Erklärungen des Beschuldigten zwar nicht 
widerlegen. Es ist aus Sicht der Kammer aber wenig plausibel, dass man sich im 
normalen Alltagsgeschehen derart regelmässig an so vielen verschiedenen Kör-
perstellen verletzt, erst recht, ohne davon Notiz zu nehmen. Für viele der Verlet-
zungen hat der Beschuldigte gar keine Erklärung, liefert Begründungen statt Fak-
ten oder beantwortet die diesbezüglichen Fragen ausweichend (exemplarisch 
pag. 1016 Z. 333 ff. auf die Frage, wie die DNA des Straf- und Zivilklägers in sei-
ne Armbeuge gekommen sei, und auf den Vorhalt, er müsse den Straf- und Zivil-
kläger berührt haben: «Ich möchte lieber wissen, aus welchem Grund 
C.________ zwei Tage davor nicht nach Hause gekommen ist»). 

Für die Kammer ergeben die Verletzungen des Beschuldigten ein Gesamtbild, 
welches klar für eine körperliche Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem 
Sohn spricht. 

24

14.3.2 Kleider

Die Vorinstanz hat ausgehend vom KTD-Bericht auch das Spurenbild an der Klei-
dung des Beschuldigten zutreffend gewürdigt (S. 24 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung; pag. 1870 ff.). Darauf kann vorab verwiesen werden.

Wie die Vorinstanz korrekt wiedergab, wurden an der Vorderseite des Hemds, 
welches der Beschuldigte bei seiner Anhaltung trug, rund 30 Blutspritzer festge-
stellt (pag. 490, 499, 601 f.). Zwei dieser Blutspritzer wurden ausgewertet und 
führten zu einer Übereinstimmung mit dem DNA-Profil des Straf- und Zivilklägers 
(pag. 488 f., 490, 499). Aufgrund des Spurenbilds ist gemäss dem KTD davon 
auszugehen, dass sich der Beschuldigte bei der Übertragung in der Nähe des Ur-
sprungs der Spritzer, sprich in der Nähe des Opfers, befunden haben muss 
(pag. 490). 

Der Beschuldigte sagte in der ersten Einvernahme am Tattag zunächst aus, er 
habe sich die Hose und das Hemd mit Blut verschmiert, als er die Bettdecke 
hochgehoben habe (pag. 986 Z.433 f.). In der Einvernahme vom 12. August 2019 
mutmasste er dann, das Blut sei wohl auf sein Hemd gespritzt, als der Straf- und 
Zivilkläger an ihm vorbeigerannt sei (pag. 1014 Z. 238 ff. und 244 f.). Anlässlich 
der Tatrekonstruktion vom 14. November 2019 gab er auf die Frage, ob ihn der 
Straf- und Zivilkläger beim Herausrennen aus dem Wohnzimmer irgendwie 
berührt habe, an, der Straf- und Zivilkläger habe mit den Händen Bewegungen 
gemacht. Genau wisse er es nicht, aber er gehe davon aus, dass dadurch das 
Blut auf seine Kleider gelangt sei (pag. 1090 Z. 20 f.). Bei der Einvernahme durch 
die Staatsanwaltschaft am 11. Februar 2020 spekulierte er dann, möglicherweise 
sei er im Schock gar im Wohnzimmer auf den Boden gefallen, und dadurch sei 
das Blut womöglich an seine Kleider gelangt (pag. 1077 Z. 126 f.). In der oberin-
stanzlichen Verhandlung sagte er auf die Frage nach dem Blut an seinem Hemd 
dann erneut aus, der Straf- und Zivilkläger habe möglicherweise seine Hand oder 
seine Hände geschüttelt, als er an ihm vorbeigerannt sei, wodurch das Blut an 
sein Hemd gelangt sein könnte (pag. 2060 Z. 3 ff.).

Der sachverständige Zeuge G.________ erläuterte in der oberinstanzlichen Ver-
handlung dazu folgendes: Es sei nicht völlig ausgeschlossen, dass die Blutsprit-
zer am Hemd durch das Vorbeirennen entstanden sein könnten, aber doch weni-
ger wahrscheinlich als eine Entstehung durch die unmittelbare Nähe zu einer 
Quelle, aus der das Blut herausgespritzt sei. Er erklärte schlüssig, dass beim 
Vorbeilaufen und insbesondere beim vom Beschuldigten beschriebenen Abschüt-
teln des Blutes von den Händen charakteristische Abwurfspuren in Form von Li-
nien entstehen würden. Das vorliegende Blutspurenbild spreche hingegen – 
mangels solcher Linien – eher für eine Entstehung durch Rausspritzen (pag. 2044 
Z. 13 ff.).

Die Aussagen des Beschuldigten sind nicht nur in sich widersprüchlich und inkon-
sequent, sondern auch nicht mit den objektiven Beweismitteln vereinbar: Auf 
pag. 520 und 524 deutlich ersichtlich und im KTD-Rapport (pag. 486) explizit er-
wähnt ist, dass sich auf oder an der Bettdecke nur wenige Bluttropfen und Blut-
anhaftungen befanden. Dass von dieser Bettdecke durch deren Anheben hätte 

25

Blut abspritzen und die zahlreichen und weit verstreuten Tropfspuren auf dem 
Hemd des Beschuldigten hinterlassen können, ist ausgeschlossen. Dazu ist we-
der die Bewegung des blossen Anhebens noch die Blutmenge auf der Bettdecke 
geeignet. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführte, erschiene das am Hemd vorge-
fundene Blutspurenbild selbst in der Annahme, dass die Decke mehr Blut aufge-
wiesen hätte, wenig überzeugend, da der Stoff der Bettdecke das Blut grössten-
teils bereits aufgesogen gehabt und ein neuerliches Abspritzen auf das Hemd des 
Beschuldigten unmöglich gemacht hätte. Wenn überhaupt wären in diesem Sze-
nario zusammenhängende Blutflecken und nicht die ersichtlichen Tropfspuren 
entstanden. Dafür, dass die Bettdecke ausgetauscht wurde, wie dies der Be-
schuldigte erstmals in der oberinstanzlichen Verhandlung mutmasste, gibt es kei-
nerlei Anhaltspunkte (pag. 2083).

Unglaubhaft ist auch der nachgeschobene Erklärungsversuch des Beschuldigten, 
die Blutspritzer seien beim Vorbeilaufen oder Vorbeirennen des Straf- und Zivil-
klägers entstanden. Der sachverständige Zeuge G.________ schilderte nachvoll-
ziehbar, dass in diesem Fall Abwurfspuren in Form von Linien entstanden wären. 
Ausserdem sagte der Beschuldige selbst konsequent aus, der Straf- und Zivilklä-
ger habe sich mit der Hand den blutenden Hals zugehalten. Wie – und warum – 
er beim Vorbeirennen am Beschuldigten – welches im Übrigen erwiesenermas-
sen nicht stattgefunden hat, vgl. E. 14.2.4 hiervor – noch seine Hände in dessen 
Richtung hätte schütteln sollen, erschliesst sich der Kammer nicht. Wie die Vorin-
stanz ist auch die Kammer überzeugt, dass sich beim vom Beschuldigten be-
schriebenen lediglich kurzen und nahen Vorbeigehen des Straf- und Zivilklägers 
nicht derart viele und über das gesamte Hemd (inkl. beider Ärmel) verteilte Blut-
spritzer übertragen hätten (S. 25 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 1871; vgl. auch pag. 601). Gegen diesen Erklärungsversuch des Beschuldig-
ten spricht schliesslich auch, dass nicht nur vorne, sondern auch hinten an sei-
nem Hemd Blutspritzer festgestellt wurden (pag. 490, 605). 

Vollkommen abwegig ist nach Ansicht der Kammer schliesslich die Erklärung des 
Beschuldigten, er sei möglicherweise im Schock hingefallen und es habe sich da-
durch das Blut auf sein Hemd übertragen. Auch in diesem Fall wären nicht Blut-
spritzer, sondern Blutflecken, entstanden, und es würde auch nicht erklären, wes-
halb sich Blutspritzer sowohl auf der Vorder- wie auf der Rückseite des Hemdes 
fanden. 

Die Verteidigung machte in der oberinstanzlichen Verhandlung geltend, der Be-
schuldigte habe nie behauptet, sicher zu wissen, wie das Blut an seine Kleider 
gekommen sei. Es sei aber plausibel, dass im Schock Handlungen vorgenommen 
würden, die im Anschluss nicht mehr wiedergegeben werden könnten 
(pag. 2066). Weiter wurde vorgebracht, es sei nicht ersichtlich, warum die Blut-
spritzer im Wohnzimmer hinter dem Sofa (vgl. pag. 520 Bst. e) beim Vorbeilaufen 
hätten entstehen können, nicht aber die Blutspritzer auf dem Hemd des Beschul-
digten (pag. 2067). Dem ist entgegenzuhalten, dass der sachverständige Zeuge 
G.________ in der oberinstanzlichen Verhandlung nachvollziehbar erklärte, man 
gehe aufgrund der Lage und Verteilung der Blutspritzer im Bereich des Sofas 
(nicht nur an der Wand, sondern auch hinter dem Sofa, nicht aber auf dem Sofa) 

26

und aufgrund weiterer Merkmale wie Tropfenform, Tropfengrösse und -winkel, 
davon aus, dass sich auch der Ursprung dieser Blutspritzer im Bereich der Blutla-
che (pag. 520 Bst. a) befunden habe (pag. 2044 Z. 37 ff. und pag. 2045 Z 1 ff.). 
Die Spritzer entstanden also ebenfalls nicht im Vorbeilaufen. Durch welche ande-
ren Handlungen, die der Beschuldigte im angeblichen Schockzustand vornahm, 
Blutspritzer auf sein Hemd hätten gelangen können, ist nicht ersichtlich. Das 
diesbezügliche Vorbringen ist eine reine Schutzbehauptung. 

Auf pag. 601 f. ist zu sehen, dass sich neben den Blutspritzern eine grossflächi-
gere, längliche Blutanhaftung auf dem Hemd des Beschuldigten, im Bereich der 
rechten Brust, fand. Im Gegensatz zu den Blutspritzern stammt das Blut der Blut-
anhaftung nicht vom Straf- und Zivilkläger, sondern vom Beschuldigten selbst 
(pag. 488, 490, 499). Der Beschuldigte hat keine Erklärung dafür, wie das Blut an 
sein Hemd gelangte. Darauf angesprochen, sagte er in der Einvernahme vom 
12. August 2019 vielmehr aus, das könne nicht sein, das sei nicht sein Blut. Aus-
ser vom Straf- und Zivilkläger könne es kein Blut an seinem Hemd haben 
(pag. 1015 Z. 251 f.). Man solle lieber das Gehirn des Straf- und Zivilklägers un-
tersuchen. Auf Nachfrage blieb er dabei, es wisse nichts von Blut an seinem 
Hemd. Man solle besser das Verbrechen untersuchen, dass gegen seinen Sohn 
begangen worden sei (pag. 1015 Z. 256 f. und 261). Auch auf der Vorderseite des 
Unterhemds, welches der Beschuldigte im Zeitpunkt seiner Anhaltung trug, wurde 
eine Blutanhaftung festgestellt, welche sich in Form und Lokalisation mit der Blut-
anhaftung auf dem Hemd deckt (pag. 602 ff.). Auch dieses Blut stammte vom Be-
schuldigten selbst (pag. 502 f.). Die Kammer erachtet es als erwiesen, dass die 
Blutanhaftung auf dem Unterhemd durch Durchsickern des Bluts von der Blutan-
haftung am Hemd des Beschuldigten entstand. Dafür sprechen neben Form und 
Lokalisation auch die verminderte Dichte der Blutanhaftung im Vergleich zu der-
jenigen auf dem Hemd und der Umstand, dass der Beschuldigte im Bereich der 
rechten Brust keine Verletzung aufwies, so dass die Blutspur von aussen her ent-
standen sein muss (vgl. pag. 491 und pag. 727 f. e contrario). Es ist aus Sicht der 
Kammer höchst unwahrscheinlich, dass sich der Beschuldigte die Blutanhaftun-
gen an den beiden Kleidungsstücken zu einem Zeitpunkt vor dem Morgen des 
29. Mai 2019 hätte zugezogen haben können: Beide Blutanhaftungen, insbeson-
dere die auf dem Unterhemd, sind deutlich sichtbar, so dass der Beschuldigte sie 
beim Aus- oder wieder Anziehen der Kleidungsstücke oder bei der Abend- oder 
Morgentoilette zwangsläufig hätte sehen müssen. Zwar ist es nicht ausgeschlos-
sen, dass der Beschuldigte die Kleidungsstücke trotz der Blutspuren wieder an-
zog; in diesem Fall wäre aber davon auszugehen, dass er entsprechende Aussa-
gen machen würde. Er bestritt aber, dass das Blut überhaupt von ihm stamme. 
Dies erscheint unglaubhaft. Wie der KTD hält es auch die Kammer für sehr wahr-
scheinlich, dass die Blutanhaftungen von einer Berührung mit den Verletzungen 
am linken Unterarm des Beschuldigten herrühren, welche sich dieser im Rahmen 
der körperlichen Auseinandersetzung mit dem Straf- und Zivilkläger am Tatmor-
gen zuzog (vgl. pag. 491 und E. 14.3.1 hiervor).

Auf pag. 607 und 609 ist weiter eine grossflächige Blutanhaftung am linken Knie 
der Jeanshose des Beschuldigten zu sehen. Das Blut konnte aufgrund eines 
DNA-Abgleichs dem Straf- und Zivilkläger zugeordnet werden (pag. 491 und 501). 

27

Gemäss dem Rapport des KTD ist dieses Blutspurenbild charakteristisch für das 
Hineinknien in eine Blutlache (pag. 491). Der Beschuldigte kann die Blutanhaf-
tung nicht erklären (pag. 1016 Z. 324). Er sagte konstant aus, er habe sich am 
Tatmorgen in der Küche befunden, als er plötzlich einen Schrei des Straf- und Zi-
vilklägers gehört habe. Er sei daraufhin zum Wohnzimmer gegangen, und als er 
die Tür öffnete, sei der Straf- und Zivilkläger an ihm vorbei aus dem Zimmer ge-
rannt. Er sei daraufhin in das Zimmer hineingegangen und habe die Bettdecke 
hochgehoben, um zu sehen, was passiert sei. Dabei sei einerseits das Messer 
auf den Boden in die Blutlache gefallen, und andererseits habe er sich mit der 
blutigen Bettdecke seine Kleider mit Blut kontaminiert (pag. 978 Z. 78 ff.; pag. 979 
Z. 121 ff.; pag. 986 Z. 433 f.; pag. 1012 Z. 133 f.; pag. 1014 Z. 230 f.; pag. 1057 
Z.59 f.; pag. 1077 Z. 127 ff.; pag. 2060 Z. 12 f.). Nachdem er das Messer gese-
hen habe, habe er das Zimmer sofort wieder verlassen (pag. 979 Z. 153 f.; 
pag. 1012 Z. 135 f.; pag. 1057 Z. 60 f.). Er habe sich im Zimmer bei der Türe ne-
ben dem Bett aufgehalten (pag. 1013 Z. 155). Auch an der Tatrekonstruktion vom 
14. November 2019 gab er explizit an, sich lediglich im Bereich vor der Matratze, 
also im Eingangsbereich des Zimmers, aufgehalten und die sich auf der Matratze 
befindliche Bettdecke hochgehoben zu haben (vgl. pag. 679; 712 Z. 12 «ich bin 
bis zur Matratze gegangen»). In der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft 
vom 11. Februar 2020 widersprach er dann auf Vorhalt, er habe nie ausgesagt, er 
sei nicht auf die andere Seite der Matratze gegangen. Er sei derart unter Schock 
gewesen, dass es sogar sein könne, dass er gestürzt sei (pag. 1077 Z. 139 ff.). In 
der oberinstanzlichen Hauptverhandlung sagte er dann wieder aus, er sei «viel-
leicht nur zwei Meter» in das Zimmer hineingegangen und habe dann die Bettde-
cke hochgehoben (pag. 2058 Z. 40 f.). In der delegierten Einvernahme vom 
7. November 2019 ergänzte er auf offene Frage von sich aus, das Blut an der 
Rückseite seines linken Hosenbeins komme wahrscheinlich daher, dass er bei 
der Polizei die Beine übereinandergeschlagen habe (pag. 1056 Z. 29 ff.). In der 
Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 11. Februar 2020 mutmasste er 
auf den Vorhalt, dass seine bisherigen Angaben nicht mit dem vorhandenen Spu-
renbild übereinstimmten, es könne sein, dass er im Schock auf den Boden gefal-
len sei (pag. 1077 Z. 126 f.). Noch an der Tatrekonstruktion vom 14. November 
2019 sagte er aber auf die Frage, wie er sich im Wohnzimmer aufgehalten habe, 
«[i]ch stand einfach hier» (pag. 713 Z. 31).

Wie bereits im Zusammenhang mit den Blutspritzern auf dem Hemd erläutert, war 
die Bettdecke aufgrund ihrer sehr geringen Kontamination mit Blut nicht geeignet, 
Blut auf ein anderes Kleidungsstück zu übertragen. Erst recht konnte sie nicht ei-
ne derart grossflächige Blutanhaftung wie die im Bereich des linken Knies am Ho-
senbein des Beschuldigten hinterlassen. Die Verteidigung des Beschuldigten 
mutmasste in der oberinstanzlichen Verhandlung, die Blutanhaftung könnte durch 
den Kontakt mit dem stark blutbehafteten Pyjamaoberteil (vgl. pag. 524 Bst. d; 
pag. 616 ff. Bst. a), welches ebenfalls neben der Matratze vorgefunden wurde, 
entstanden sein. Dem ist entgegenzuhalten, dass der Beschuldigte konstant aus-
sagte, lediglich die Bettdecke hochgehoben zu haben (explizit auf pag. 713 
Z. 16). Das Pyjamaoberteil sei wahrscheinlich unter der Decke gewesen 
(pag. 1015 Z. 293). Selbst wenn – was vom Beschuldigten selbst aber nicht vor-

28

gebracht wird – das Pyjamaoberteil in die Bettdecke eingewickelt gewesen und 
beim Anheben der Bettdecke heruntergefallen sein sollte, hätte eine allfällige 
Kontaktzeit nicht ausgereicht, um derart grossflächige Blutanhaftungen an der 
Hose des Beschuldigten zu hinterlassen. 

Die Aussagen des Beschuldigten sind widersprüchlich und unglaubhaft. Es ist 
nicht möglich, dass die Blutanhaftungen am linken Knie durch den Kontakt mit der 
Bettdecke oder dem Pyjamaoberteil entstanden sind. Aufgrund der Bilder auf 
pag. 607 und 611 kann auch ausgeschlossen werden, dass eine Übertagung – 
wie vom Beschuldigten als Erklärung nachgeschoben wurde – durch das Über-
schlagen der Beine bei der Polizei entstanden sein könnte: Das rechte Hosenbein 
weist deutlich weniger Blutanhaftungen auf als das linke. Es kann demnach nicht 
sein, dass die grossen Blutanhaftungen am linken Hosenbein – weder auf der 
Vor- noch auf der Rückseite – durch das Übereinanderschlagen der Beine ent-
standen. Selbst dann wäre über den Ursprung der Blutanhaftungen an der Hose 
noch nichts gesagt. Vollkommen unglaubhaft ist wiederum auch die nachgescho-
bene pauschale Schutzbehauptung des Beschuldigten, er sei im Schock mögli-
cherweise hingefallen. Diese Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage. Das Hin-
fallen im Schock erwähnte er erstmals in seiner insgesamt siebten Befragung, als 
ihm von der Staatsanwaltschaft am 11. Februar 2020 vorgehalten wurde, seine 
Angaben stimmten nicht mit dem vorhandenen Spurenbild überein (pag. 1077 
Z. 126 f.). Vorher schilderte er den Geschehensablauf konstant ohne Erwähnung 
eines angeblichen Hinfallens. In seiner ersten Einvernahme am Tattag konnte er 
sich gar detailliert erinnern, wie er, als er das Messer gesehen habe, das Zimmer 
sofort wieder verlassen habe (pag. 979 Z. 153 f.). Auch noch anlässlich der Ta-
trekonstruktion vom 14. November 2019 sagte er auf die Frage, wo er sich im 
Wohnzimmer aufgehalten habe, aus, «[i]ch stand einfach hier». Er beschrieb zu 
keinem Zeitpunkt weder einen Sturz noch ein sich wieder Aufrappeln. Auch sagte 
er zunächst konstant aus, er habe sich lediglich bis zur Matratze in das Zimmer 
hineinbewegt. Erst auf den erwähnten Vorhalt der Staatsanwaltschaft hin relati-
vierte er auch seine diesbezüglichen bisherigen Aussagen und sagte sinngemäss 
aus, er habe sich möglicherweise im Schock auf die andere Seite der Matratze, 
wo sich auch die Blutlache befand, begeben, und sich dort – möglicherweise beim 
Hinfallen im Schock – die Blutanhaftungen zugezogen (pag. 1077 Z. 139 ff.). Es 
handelt sich hier offensichtlich um ein weiteres inkonsequentes und taktisch moti-
viertes Aussageverhalten, was wiederum ein klares Lügensignal ist. 

Die Blutanhaftungen am Knie, welche gemäss KTD charakteristisch für ein Hin-
einknien in eine Blutlache sind, lassen sich hingegen gut mit dem vom Straf- und 
Zivilkläger geschilderten Tatablauf vereinbaren: Dieser sagte mehrfach aus, der 
Beschuldigte sei auf ihm gesessen, als er ihm die Schnitte zugefügt habe 
(pag. 773 Z. 124 f.; pag. 779 Z. 457 ff.; pag. 812 Z. 12 ff.). Auch anlässlich der Ta-
trekonstruktion gab er an, der Beschuldigte sei auf ihm oben gewesen, wobei er 
das eine Knie sicherlich am Boden gehabt habe (pag. 812 Z. 13 ff.; vgl. auch 
pag. 662). Es erscheint im Gesamtkontext naheliegend, dass der Beschuldigte im 
Rahmen der körperlichen Auseinandersetzung mit dem Straf- und Zivilkläger zu 
irgend einem Zeitpunkt in die grosse Blutlache (vgl. pag. 520 f.) hineinkniete bzw. 
mit dieser in Kontakt kam. 

29

Gar keine Erklärung hat der Beschuldigte weiter für die auf pag. 607 f. ersichtli-
chen linienförmigen Blutanhaftungen am rechten Oberschenkel seiner Jeansho-
se. Auch dieses Blut stammt gemäss DNA-Vergleich vom Straf- und Zivilkläger 
(pag. 502). Der KTD beschrieb in seinem Rapport die Blutanhaftungen folgen-
dermassen: «Am rechten Hosenbein der Jeans, im Bereich des Oberschenkels, 
konnten längliche, in gerader Linie verlaufende Blutanhaftungen festgestellt wer-
den. […] Diese dürften von einem länglichen, blutbehafteten Gegenstand stam-
men.» Diese Spuren sind offensichtlich weder durch das Anheben der Bettdecke 
noch das Vorbeilaufen des Straf- und Zivilklägers oder durch ein Hinfallen im 
Schock entstanden. Es gab am Tatort keinen anderen länglichen blutbehafteten 
Gegenstand als die Tatwaffe (vgl. pag. 483 ff. und pag. 407). Es gibt für die 
Kammer deshalb keinen Zweifel, dass die Blutanhaftungen durch das blutige 
Messer entstanden sind. Am wahrscheinlichsten dürfte sein, dass der Beschuldig-
te während der Tat mit dem Messer abrutschte und seiner Hose entlangschramm-
te, oder dass er nach der Tat versuchte, das blutige Messer an seiner Hose ab-
zuwischen. Der Beschuldigte aber will gemäss seinen konstanten Angaben das 
Messer zu keiner Zeit berührt haben. Diese Aussagen können nicht wahr sein. 
Das Spurenbild passt wiederum vielmehr zum vom Straf- und Zivilkläger geschil-
derten Tatablauf, wonach der Beschuldigte ihn auf dem Boden mit dem Messer 
angegriffen und ihm die Verletzungen am Hals zugefügt habe. 

Schliesslich konnten auf der Jeans des Beschuldigten, im Bereich des rechten 
Schienbeins, vereinzelte, diagonal verlaufende Blutspritzer festgestellt werden 
(pag. 610). Der KTD geht gemäss seinem Bericht aufgrund des Spurenbilds da-
von aus, dass sich der Beschuldigte in der Nähe des Ursprungs der Spritzer be-
funden haben muss, als diese auf die Hose gelangten (pag. 490, 492). Auch dies 
spricht für die Schilderungen des Straf- und Zivilklägers. 

14.3.3 Fazit Spurenbild am Beschuldigten

Beim den Spuren am Körper und an der Kleidung des Beschuldigten handelt es 
sich nach Auffassung der Kammer um weitere gewichtige belastende Indizien, 
welche für eine Täterschaft des Beschuldigten sprechen. Die Spuren lassen sich 
allesamt mit der vom Straf- und Zivilkläger geschilderten Messerattacke seines 
Vaters in Einklang bringen. Der Beschuldigte hingegen kann weder die Verlet-
zungen an seinem Körper noch die Vielzahl unterschiedlicher Blutspuren an sei-
ner Kleidung plausibel erklären. 

14.4 Spurenbild am Straf- und Zivilkläger

14.4.1 Verletzungen

Die Vorinstanz hat die Verletzungen des Straf- und Zivilklägers grundsätzlich 
vollständig aufgeführt und daraus aus Sicht der Kammer zutreffende Schlüsse 
gezogen. Auf ihre Ausführungen kann vorab verwiesen werden (S. 14 ff. der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1860 ff.).

Es ist unbestritten und erstellt, dass der Straf- und Zivilkläger am Morgen des 
29. Mai 2019 diverse Verletzungen am ganzen Körper aufwies. Das IRM hielt in 
seinem rechtsmedizinischen Gutachten u.a. folgende Verletzungen fest (pag. 745 
ff.; vgl. auch pag. 564 ff.): 

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- am Hals, rechtsseitig, etwa hinter dem Ohrmuschelansatz beginnend, eine 
von hinten oben nach vorne unten verlaufende, strichförmige, bis ca. 10 cm 
lange, leicht schräg zur Halslängsachse stehende Verletzung;

- diese Verletzung setzt sich fort auf den vorderen Halsanteil und geht über ca. 
10 cm leicht nach hinten oben ansteigend auf die linke Halsseite über;

- von der Verletzung geht an der vorderen Halsmitte von mittig oben schräg 
nach rechts unten eine ca. 2 cm lange Verletzung aus, die direkt in eine Ver-
letzung von ca. 4 cm Länge am Hals mittig rechts im unteren Drittel übergeht, 
die eher senkrecht zur Halslängsachse steht. 

- Letztgenannter Befund zweigt sich mittig am Hals vorne auf und setzt sich 
über ca. 8 cm auf die linke Halsseite im unteren Halsdrittel fort und ist dabei 
leicht nach hingen oben ansteigend. Die Verletzung geht teils in zuvor be-
schriebene Verletzung im oberen Halsdrittel der linken Halsseite über. 

- Von letztgenanntem Befund geht in seinem Verlauf an der vorderen-mittigen 
Halsregion eine schräg zur Körperlängsachse nach unten auf die linke Brus-
tregion verlaufende, ca. 15 cm lange Verletzung aus.

- An der rechten Wangenregion zwei schräg zur Kopflängsachse stehende, 
strichförmige, bis ca. 3 cm lange Oberhautabtragungen, die in Richtung des 
Kinns keilartig zusammenlaufen.

- Im Bereich des Kinns, mittig, eine strichförmige, ca. 2,5 cm lange, sehr ober-
flächliche, annähernd senkrecht zur Kopflängsachse stehende Oberhaut-
durchtrennung, bogenförmig übergehend in eine rechts am Kinn und der 
Mundbodenregion verlaufende, annähernd längs zur Kopflängsachse ste-
hende, ca. 4 cm lange Hautdurchtrennung, teils nur Hautabschürfung.

- Im Bereich des linken Schulterdachs, nahe der Halsregion, eine ca. 2 cm 
lange, annähernd entlang der Körperquerachse ausgerichtete, leicht bogen-
förmig verlaufende, oberflächliche Hautdurchtrennung.

- Im Bereich des Halses, linksseitig, im oberen Drittel, oberhalb der adaptierten 
Hautverletzungen, eine strichförmige, ca. 12 cm lange, nahezu entlang der 
Halsquerachse ausgerichtete, leicht wellenförmig anmutende, sehr oberfläch-
liche, teils in sich unterbrochene Hautdurchtrennung. Die Verletzung reicht 
vom Haaransatz des Halses bis auf die linke Mundbodenunterseite. 

- Im Bereich des rechten Schulterdachs bis hin zur rechten Schulter mehrere 
strichförmige, bis ca. 3 cm lange Hautrötungen.

- Am Brustkorb, vorderseitig, rechts, eine strichförmige, ca. 3 cm lange, ent-
lang der Körperquerachse ausgerichtete, oberflächliche Hautabschürfung.

- Am Rücken rechts, im Bereich der Schulterblattregion, eine annähernd keil-
förmig imponierende Hautvertrocknung, darin gelegen oberflächliche Hautab-
tragungen. 

- Auf etwa gleicher Höhe am Rücken links oben mittig eine ca. 3 x 2,5 cm 
grosse Hautrötung. Darin gelegen eine ca. 1 cm lange, strichförmige Hautver-
trocknung.

31

- Im oberen Rückenbereich, rechtsseitig aussen, eine ca. 4 x 3 cm grosse 
Hautverfärbung.

- Am Rücken links oben, im Bereich der linken Schulterblattregion, eine etwa 
entlang der Körperachse ausgerichtete, ca. 12 x 1 cm grosse, unregelmässig 
begrenzte Hautverfärbung. Im unteren Anteil dieser Verletzung, mittig, eine 
ca. 6 cm lange, eher oberflächlich imponierende Hautdurchtrennung.

- Im unteren Rückenbereich, mittig rechts, auf Höhe der Lendenwirbelsäule, 
eine ca. 15 x 5 cm grosse blau-rote Hautein- und -unterblutung. Im äusseren 
Anteil dieser Verletzung mehrere oberflächliche Hautabtragungen. 

- Am rechten Oberarm, im körpernahen Drittel, vorderseitig, eine strichförmige, 
bis ca. 5 cm lange Hauteinblutung. Ebenfalls am rechten Oberarm, im mittle-
ren bis körperfernen Drittel, vorderseitig, eine ca. 15 cm lange, etwa schräg 
entlang der Armlängsachse ausgerichtete, leicht wellenförmig verlaufende 
Hautdurchtrennung. Ebenfalls am rechten Oberarm diverse Hauteinblutun-
gen. Zentral in der rechten Ellenbeuge ein punktförmiger, rot imponierender 
Hautdefekt. 

- Am linken Oberarm, im mittleren Drittel, rückseitig, eine rechtwinklig imponie-
rende rötliche Hauteinblutung. Am linken Unterarm eine rote Hautverfärbung. 

- Am rechten Handrücken, zentral, eine strichförmige, ca. 2 mm lange, ober-
flächliche Hautdurchtrennung. Die Handinnenflächen sind unverletzt. 

- An den Oberschenkeln und Knien diverse Hautverfärbungen und Hautab-
schürfungen.

Das IRM äusserte sich zu den Befunden folgendermassen (pag. 753 f.): 

«Anlässlich der körperlichen Untersuchung von Herrn C.________ zeigten sich 
am Hals vorne (teils übergreifend auf die linke Brustregion und die Mundboden- 
bzw. Kinnregion) und an beiden Halsseiten mehrere, bereits chirurgisch versorgte 
Hautverletzungen. […] Soweit auf den Fotos erkennbar und unter Berücksichti-
gung der uns bekannten klinischen Informationen dürfte es sich bei den […] Be-
funden […] um durch scharfe Gewalteinwirkung entstandene Schnittverletzungen 
handeln. Diese Schnittverletzungen verliefen zumeist etwa quer zur Hals-
längsachse und imponierten dabei teils von vorne nach hinten ansteigend. Die 
genaue Anzahl der Schnittverletzungen am Hals ist aufgrund der insgesamt ein-
geschränkten Wundbeurteilung und da die Verletzungen teils ineinander überge-
hen, nicht bestimmbar. Es dürfte sich schätzungsweise um ca. 5 bis 6 tiefere 
Schnittverletzungen am Hals (teils übergehend auf die linke Brustregion) gehan-
delt haben. Betont an der linken Halsseite fanden sich zudem mehrere, ebenfalls 
eher quer zur Halslängsachse verlaufende, oberflächlichere Hautdurchtrennun-
gen, die teils auf die Gesichtsregion bzw. den Mundboden und das Kinn übergin-
gen und ebenfalls als Folge scharfer Gewalteinwirkung entstanden sein dürften. 

Weitere, durch scharfe Gewaltanwendung verursachte Schnittverletzungen fan-
den sich an der linken oberen Schulterregion und an der Beugeseite des rechten 
Oberarmes. Der übrige Körper zeigte keine weiteren Verletzungen, welche ein-
deutig scharfen Gewalteinwirkungen zugeordnet werden könnten. Insbesondere 

32

die Hände und Unterarme wiesen keine Verletzungen als Folge scharfer Gewalt 
auf. 

Das [auf pag. 748] beschriebene Messer kommt hierbei zwanglos als verursa-
chendes Werkzeug aller oben genannten Schnittverletzungen in Betracht. 

An der rechten Gesichtsseite fanden sich zwei unspezifische strichförmige Ober-
hautabtragungen bei denen es sich nicht um Schnittverletzungen handelte, die 
aber beispielsweise durch aufdrücken einer Messerklinge auf die Haut ohne ei-
gentliche Schnittbewegung entstanden sein könnten. 

Am Körper fanden sich weiter Zeichen frischer stumpfer Gewalteinwirkungen in 
Form von teils Hautabschürfungen, Hautein- und -unterblutungen betont an der 
oberen Brustkorbregion und dem Rücken. Eine zumindest teilweise Entstehung 
dieser Verletzungen im Rahmen einer körperlichen Auseinandersetzung am gel-
tend gemachten Ereigniszeitpunkt ist denkbar. Insgesamt handelt es sich jedoch 
nicht um gröbere stumpfmechanische Einwirkungen.»

Das Gutachten kommt zum Schluss (pag. 754 f.), dass aus rechtsmedizinischer 
Sicht letztlich nicht sicher zwischen einer Fremdbeibringung und einer Selbstbei-
bringung der Schnittverletzungen an Hals und Brust sowie Gesicht unterschieden 
werden könne. Generell gebe es bei derartigen Fällen keine Befundkonstellatio-
nen, welche eine Selbst- oder Fremdbeibringung beweisen könnten, sondern le-
diglich Befunde, die typisch oder charakteristisch für entweder das eine oder das 
andere seien. Es träten aber auch immer wieder Befundkonstellationen auf, in 
denen es Abweichungen von den bekannten charakteristischen Mustern gebe.

Als typisch für selbstbeigebrachte Schnittverletzungen gelte eine enge Gruppie-
rung der Wunden in einem eng begrenzten Areal und die Anwesenheit sowohl tie-
fer Schnitte als auch oberflächlicher Verletzungen in der Art von Probierschnitten 
bzw. Zauderverletzungen. Bei Rechtshändern sei eher zu erwarten, dass die 
Schnitte an der linken Halsseite lokalisiert seien und, bezogen auf die Horizonta-
le, schräg von aussen