# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8d4b7057-d13c-58ca-aeb5-c2de05fec152
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-23
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 23.01.2023 200 2022 491
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-491_2023-01-23.pdf

## Full Text

200 22 491 IV
FUE/SCC/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 23. Januar 2023

Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichterin Mauerhofer
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 27. Juni 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Jan. 2023, IV/22/491, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 2003 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) 
begann im August 2020 eine Berufslehre als ... EFZ im C.________ 
(C.________; Akten der Invalidenversicherung [act. II] 14). Am 20. Novem-
ber 2020 teilte der Lehrbetrieb mit, das Lehrverhältnis werde per 30. No-
vember 2020 aufgelöst (act. II 13/12). Am 3. Februar 2021 meldete sich der 
Versicherte, vertreten durch seine Eltern, bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. 
Beschwerdegegnerin) an und beantragte Massnahmen für die berufliche 
Eingliederung; als gesundheitliche Beeinträchtigungen wurden ein ADHS 
gemischter Typ mit Lese- und Rechtschreibstörung, Verhaltensauffälligkei-
ten, soziale Interaktionsschwierigkeiten, tiefe Impulskontrolle und ein Ver-
dacht auf eine Autismusspektrumstörung angegeben (act. II 1). Mit Mittei-
lung vom 1. März 2021 bejahte die IVB den Anspruch auf eine erstmalige 
berufliche Ausbildung (act. II 19). Der Versicherte führte seine Lehre als ... 
EFZ im C.________ ab März 2021 fort (act. II 49/3) und die IVB erteilte 
Kostengutsprache für ein Coaching (act. II 31, 41) sowie für Nachhilfeunter-
richt (act. II 36). Infolge einer gesundheitlichen Verschlechterung (act. II 70, 
95 ff.) brach die IVB die beruflichen Massnahmen per 14. Januar 2022 ab 
(act. II 85). Nach einer kinderpsychiatrischen Abklärung und Behandlung 
vom 27. September 2021 bis 20. Januar 2022 in den psychiatrischen 
Diensten D.________ (psychiatrische Dienste D.________; act. II 98) und 
einem stationären Aufenthalt in der Klinik E.________ vom 21. Januar bis 
23. März 2022 (act. II 95) bot die IVB dem Versicherten eine Integrations-
massnahme in der F.________ an (vgl. act. II 93). Am 5. April 2022 trat der 
Versicherte in die Institution G.________ ein (act. II 100). Nach Durch-
führung des Vorbescheidverfahrens (act. II 103, 104) verfügte die IVB am 
27. Juni 2022 den Abschluss der beruflichen Eingliederungsmassnahmen, 
da sich der Versicherte zurzeit in der Institution G.________ aufhalte und 
deren Angebot keine solche Massnahme darstelle (act. II 110).

B.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Jan. 2023, IV/22/491, Seite 3

Mit Eingabe vom 29. August 2022 erhob der Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwalt B.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern 
Beschwerde. Er beantragte, die Verfügung vom 27. Juni 2022 sei aufzuhe-
ben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, rückwirkend per 
5. April 2022 und bis auf Weiteres Kostengutsprache für ein Aufbautraining 
(inklusive Wohnen) in der Institution G.________ zu erteilen. Eventualiter 
sei die Sache zurückzuweisen, damit die Beschwerdegegnerin den An-
spruch auf Integrationsmassnahmen neu prüfe. 

Am 5. September 2022 reichte der Beschwerdeführer einen Zwischenbe-
richt der Institution G.________ vom 22. August 2022 zu den Akten (Be-
schwerdeakten [act. I] 3).

Mit Beschwerdeantwort vom 3. Oktober 2022 schloss die Beschwerdegeg-
nerin auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 

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über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 27. Juni 2022 (act. II 
110). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf 
berufliche Eingliederungsmassnahmen und hierbei insbesondere, ob die 
Beschwerdegegnerin die Kosten der durch die Institution G.________ 
durchgeführten Massnahme rückwirkend ab 5. April 2022 zu übernehmen 
hat.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) 
in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich 
besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 
364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Die angefochtene Verfügung 
datiert vom 27. Juni 2022 und umstritten sind Leistungen ab 5. April 2022, 
weshalb die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung vom 
17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in der 
seit dem 1. Januar 2022 gültigen Fassung anwendbar sind.

2.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von einer Invalidität 
(Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmass-
nahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit 

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oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustel-
len, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den 
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Der Anspruch 
auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung 
einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der 
Massnahmen sind insbesondere das Alter (lit. a), der Entwicklungsstand 
(lit. b), die Fähigkeiten der versicherten Person (lit. c) und die zu erwarten-
de Dauer des Erwerbslebens (lit. d) zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1bis 
IVG). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen u.a. in Integrationsmass-
nahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Art. 8 Abs. 3 
lit. ater IVG).

2.3 Gemäss Art. 14a IVG haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen 
zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnah-
men): Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 % 
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) sind (lit. a); nicht erwerbstätige Personen vor 
der Vollendung des 25. Altersjahres, sofern sie von einer Invalidität bedroht 
sind (Art. 8 Abs. 2 ATSG; lit. b). Der Anspruch besteht nur, wenn durch die 
Integrationsmassnahmen die Voraussetzungen für die Durchführung von 
Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (Art. 14a lit. 1bis 
IVG). Gemäss Art. 14a Abs. 2 IVG gelten als Integrationsmassnahmen 
gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozi-
al-beruflichen Rehabilitation (lit. a) und Beschäftigungsmassnahmen (lit. b). 
Integrationsmassnahmen können mehrmals zugesprochen werden. Eine 
Massnahme darf nicht länger als ein Jahr dauern; sie kann in Ausnahmefäl-
len um höchstens ein Jahr verlängert werden (Art. 14a Abs. 3 IVG). Die 
Massnahmen, die im Betrieb erfolgen, werden in enger Zusammenarbeit 
mit dem Arbeitgeber getroffen und umgesetzt. Die Versicherung kann dem 
Arbeitgeber einen Beitrag leisten. Der Bundesrat legt den Betrag, die Dauer 
und die Bedingungen der Auszahlung fest (Art. 14a Abs. 5 IVG).

Bei der Erfüllung der ihnen durch das Gesetz und diese Verordnung über-
tragenen Aufgaben achten die IV-Stellen auf eine durchgehende und ein-
heitliche Fallführung (Art. 41a Abs. 1 IVV). Die Fallführung umfasst die Be-
gleitung und Überwachung der zugesprochenen Leistungen der Invaliden-
versicherung (Art. 41a Abs. 2 lit. c IVV).

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2.3.1 Eingliederungsmassnahmen unterliegen den allgemeinen An-
spruchsvoraussetzungen des Art. 8 Abs. 1 IVG. Eine Eingliederungsmass-
nahme hat somit neben den dort ausdrücklich genannten Erfordernissen 
der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit 
(Verhältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des Verhält-
nismässigkeitsgrundsatzes zu genügen. Danach muss sie unter Berück-
sichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Ein-
zelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliede-
rungsziel stehen. Hinsichtlich der Angemessenheit lassen sich vier Teilas-
pekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und 
die persönliche Angemessenheit. Danach muss die Massnahme prognos-
tisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit aufweisen; so-
dann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte Eingliederungserfolg 
voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu 
erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der kon-
kreten Eingliederungsmassnahme stehen; schliesslich muss die Massnah-
me dem Betroffenen auch zumutbar sein (BGE 142 V 523 E. 2.3 S. 526).

2.3.2 Auf die berufliche Eingliederung gerichtet sind die Integrations-
massnahmen, indem die Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation 
die Eingliederungsfähigkeit in Bezug auf Massnahmen beruflicher Art her-
stellen und die Beschäftigungsmassnahmen die Eingliederungsfähigkeit in 
Bezug auf Massnahmen beruflicher Art erhalten sollen. "Gezielt" auf die 
berufliche Eingliederung gerichtet sind die Integrationsmassnahmen, indem 
sie im Rahmen eines individuellen Eingliederungsplanes im Hinblick auf ein 
konkretes Ziel der beruflichen Eingliederung erfolgen (SILVIA BUCHER, Ein-
gliederungsrecht der Invalidenversicherung, 2011, S. 278 Rz. 538). Dieser 
vom Bundesrat betonten, sich auch aus dem Grundsatz der Verhältnis-
mässigkeit ergebenden Fokussierung dienen der individuelle Eingliede-
rungsplan mit Zielvereinbarung sowie der ausdrückliche Auftrag an die IV-
Stelle in (a)Art. 14a Abs. 4 (IVV; in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewe-
senen Fassung), die versicherte Person zu begleiten und den Erfolg der 
Massnahmen zu überwachen. "Gezielt" bedeutet auch, dass auf den Ein-
zelfall bezogen und verbindlich geplant vorzugehen ist und dass – auch als 
Korrelat zur intensivierten Begleitung durch die IV-Stelle – die Mitwirkungs-
pflicht der versicherten Person einzufordern ist (ERWIN MURER, Invaliden-

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versicherungsgesetz [Art. 1-27bis IVG], 2014, Rz. 64). Die IV-Stelle über-
wacht den Erfolg der Massnahmen (aArt. 14a Abs. 4 IVG; nunmehr Art. 
41a Abs. 2 lit. c IVV [in Kraft seit 1. Januar 2022]) in dem Sinne, dass sie 
anhand des sich in einer schriftlichen Zielvereinbarung zwischen dem An-
bieter der Integrationsmassnahme, der versicherten Person und der IV-
Stelle niederschlagenden Eingliederungsplans überprüft, ob die Zwischen-
ziele erreicht wurden, wobei sich bei Nichterreichung der Zwischenziele die 
Frage einer vorzeitigen Beendigung oder Unterbrechung der Massnahme 
nach Art. 4sexies Abs. 3 IVV stellt (SILVIA BUCHER, a.a.O., 2011, S. 299 
Rz. 579).

3.

3.1 Zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist den medizini-
schen Akten im Wesentlichen das Folgende zu entnehmen:

3.1.1 Im Austrittsbericht vom 31. März 2022 – nach einem Aufenthalt vom 
21. Januar bis 23. März 2022 – diagnostizierten die Ärzte der Klinik 
E.________ eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), ein 
Asperger-Syndrom (ICD-10 F84.5; Erstdiagnose [ED] im Jahr 2021 durch 
die Klinik H.________) und attestierten eine überdurchschnittliche Intelli-
genz (IQ, WAIS 5, ED im Jahr 2021 durch die Klinik H.________). Aus me-
dizinischer und therapeutischer Sicht sei die Indikation für eine begleitete 
Wohnform für den Beschwerdeführer gegeben. Die aktuellen Rahmenbe-
dingungen der psychiatrischen Krankheitskonstellation verhinderten mo-
mentan eine selbstständige Lebensführung. Mit Unterstützung einer beglei-
teten Wohnform könne der Patient weiterhin bei lebenspraktischen Fähig-
keiten im Alltag gestärkt und das Ziel des selbstständigen Wohnens ange-
strebt werden. Der Patient habe sich diesbezüglich sehr motiviert und be-
reit gezeigt, erste Schritte in diese Richtung zu unternehmen. In diesem 
Sinne würden die Ärzte der Klinik E.________ sowie der Patient und seine 
Familie die Institution G.________ für die fachliche Begleitung und Unter-
stützung durch spezifische Angebote im Rahmen der Autismus-Diagnose 
als sehr geeignet ansehen (act. II 95). 

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3.1.2 Im Austrittsbericht vom 6. April 2022 – nach einer ambulanten Be-
handlung vom 27. September 2022 (recte: 2021) bis 20. Januar 2022 – 
diagnostizierten die Ärzte der psychiatrischen Diensten D.________ eine 
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), eine Autismusspek-
trumstörung (ASS; ICD-10 F84.5 [Asperger-Syndrom]) und eine einfache 
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0; ED durch Praxis 
I.________, 2016). Er verfüge über eine hohe Intelligenz 115-129 (WAIS-V; 
act. II 99/1). Der Patient habe sich zum Zeitpunkt der Behandlung im zwei-
ten Ausbildungsjahr zum ... EFZ am C.________ befunden. Aufgrund sei-
nes psychischen Zustandes und des hohen Leidensdrucks hätten zusätz-
lich zur Abklärung regelmässige Einzel- und Familiengespräche stattgefun-
den (act. II 99/1). Beruflich sei der Patient stets sehr motiviert gewesen und 
gewillt, seine Lehre abschliessen zu können. Dies sei ihm, aufgrund seiner 
komplexen und sehr differenzierten Denkweise, der depressiven Sympto-
matik und der Schwierigkeit, mit starken Gefühlen umgehen zu können, 
schwergefallen. Der grosse Wille, es trotz den vielen Belastungen schaffen 
zu wollen, und die Erkenntnis, dass alles zu viel sei, habe eine grosse Er-
schöpfung ausgelöst. Ein Wechsel in einen geschützten Rahmen sei drin-
gend indiziert. In Absprache mit der IV sei kurzfristig ein Krisengespräch 
(7. Januar 2022) in der F.________ organisiert worden. Die Verschlechte-
rung des psychischen Befindens mit zunehmender depressiver Symptoma-
tik und wiederkehrende Suizidgedanken hätten es dem Patienten nicht er-
möglicht, den Termin wahrnehmen zu können (act. II 99/2). Eine individuel-
le Begleitung am Arbeitsplatz, abgestimmt an seine besonderen Bedürfnis-
se, sei dringend indiziert. Eine Entlastung am Arbeitsplatz könne zur psy-
chischen Stabilisierung beitragen und seine Ressourcen und Kompetenzen 
freisetzen. Eine schnelle Integration im Arbeitsmarkt und der Gesellschaft 
sei für eine gesunde Entwicklung notwendig (act. II 99/3).

3.1.3 Im Bericht vom 7. April 2022 hielten die Ärzte der Klinik E.________ 
u.a. fest, die aktuellen Rahmenbedingungen der psychiatrischen Krank-
heitskonstellation verhinderten momentan eine selbstständige Lebens-
führung. Mit Unterstützung einer begleiteten Wohnform könne der Patient 
weiterhin bei lebenspraktischen Fähigkeiten im Alltag gestärkt und das Ziel 
des selbstständigen Wohnens angestrebt werden. In diesem Sinne sei die 
Institution G.________ für die fachliche Begleitung und Unterstützung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Jan. 2023, IV/22/491, Seite 9

durch spezifische Angebote im Rahmen der Autismus-Diagnose sehr ge-
eignet (act. II 97/6 Ziff. 2.8).

3.2 Gestützt auf die obgenannten medizinischen Berichte ist davon 
auszugehen, dass beim Beschwerdeführer eine ASS (ICD-10 F84.5), eine 
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0), eine ho-
he Intelligenz sowie eine (mittelgradige) depressive Episode vorliegen (act. 
II 95-98). Gemäss den behandelnden Ärzten löste die Belastung mit der 
Lehre eine grosse Erschöpfung aus; ein Wechsel in einen geschützten 
Rahmen ist dringend indiziert und der Beschwerdeführer ist möglichst 
schnell in den Arbeitsmarkt sowie die Gesellschaft zu integrieren (act. II 
99/3). 

3.3 Unter den Parteien ist zu Recht unbestritten (Beschwerde S. 5 
Ziff. 3, Beschwerdeantwort S. 2 Ziff. 4), dass der Beschwerdeführer als 
nicht erwerbstätige Person unter 25 Jahren von einer Invalidität bedroht ist 
(Art. 14 Abs. 1 lit. b IVG) und dass er Anspruch auf Eingliederungsmass-
nahmen in Form einer Integrationsmassnahme zur Vorbereitung auf die 
berufliche Eingliederung im Sinne von Massnahmen zur sozial-beruflichen 
Rehabilitation hat (Art. 8 Abs. 3 lit. ater IVG i.V.m. Art. 14a Abs. 2 lit. a IVG). 

Den Akten ist zu entnehmen, dass ihm anlässlich eines Gesprächs am 
31. März 2022 in der F.________ eine solche Integrationsmassnahme vor-
gestellt wurde (act. II 85, 90, 93), mit welcher die notwendige Präsenz- und 
Leistungsfähigkeit für eine Folgemassnahme erreicht werden könnte (Art. 
14a Abs. 1bis IVG), und dass die Beschwerdegegnerin – wie im Schreiben 
vom 4. April 2022 dargelegt ("Somit konnte für Sie ein passendes Angebot 
bei einem unserer Vertragspartner, der F.________ gefunden werden" [act. 
II 93]) – implizit deren Finanzierung anbot. Der Beschwerdeführer zog es 
indessen vor, am 5. April 2022 eine Massnahme bei der Institution 
G.________ zu beginnen (act. II 100). Zu prüfen ist nachfolgend, ob die 
Beschwerdegegnerin die Kosten der durch die Institution G.________ 
durchgeführten Massnahme zu übernehmen hat.

3.4 Die Parteien stimmen insoweit – zu Recht – überein, dass eine Leis-
tungsvereinbarung zwischen einer Institution und der IV-Stelle keine zwin-
gende Voraussetzung für die Gewährung einer Integrationsmassnahme ist 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Jan. 2023, IV/22/491, Seite 10

(Beschwerde S. 5; Beschwerdeantwort S. 3 Ziff. 9). Die Beschwerdegegne-
rin begründet das Fehlen einer Leistungsvereinbarung mit der Institution 
G.________ jedoch damit, dass Letztere die Voraussetzung einer gezielten 
beruflichen Eingliederung ganz grundsätzlich nicht erfülle, weshalb die Kos-
ten der Massnahme des Beschwerdeführers nicht übernommen werden 
könnten (Beschwerdeantwort S. 3 Ziff. 9). Demgegenüber bringt der Be-
schwerdeführer vor, die Institution G.________ sei auf junge Menschen mit 
ASS spezialisiert und von den Ärzten der Klinik E.________ als sehr ge-
eignet bezeichnet worden; sie erfülle sämtliche Voraussetzungen. Die Inte-
gration in den Arbeitsmarkt sei ein zentraler Bestandteil des Programms. 
Der Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Institution G.________ diene 
der Stabilisierung der Persönlichkeit, der Gewöhnung an den Arbeitspro-
zess und dem Aufbau der Arbeitsfähigkeit (Beschwerde S. 6 f.). 

Mit Blick auf die Beschwerdeantwort ist vorab festzuhalten, dass vorliegend 
nicht zu beurteilen ist, ob die Institution G.________ die Anforderungen der 
Beschwerdegegnerin in grundsätzlicher Hinsicht erfüllt, sondern einzig, ob 
diejenige Massnahme, die der Beschwerdeführer am 5. April 2022 in dieser 
Institution antrat, den Voraussetzungen von Art. 14a Abs. 2 IVG entspricht. 

3.5 Als Integrationsmassnahmen dürfen wie bereits dargelegt nur sol-
che zählen, die – entsprechend Art. 14a Abs. 2 erster Satzteil IVG – "ge-
zielt" auf die berufliche Eingliederung vorbereiten (vgl. E. 2.3.2 hiervor). 
Dazu dient der individuelle Eingliederungsplan (im Hinblick auf ein konkre-
tes Ziel der beruflichen Eingliederung) mit Zielvereinbarung, wobei die Ziele 
regelmässig von den IV-Stellen im Rahmen der Fallführung (Art. 41a Abs. 2 
lit. c 1 IVV) überprüft werden (E. 2.3.2 hiervor; vgl. auch Ausführungsbe-
stimmungen zur Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung [Weiterentwicklung der IV] Erläuternder Bericht [nach Vernehm-
lassung] S. 59). 

Aufgrund der Akten, insbesondere des Zwischenberichts der Institution 
G.________ vom 22. August 2022 (act. I 3), ist nicht erstellt, dass die vom 
Beschwerdeführer angetretene Massnahme in dargelegten Sinne "gezielt" 
– namentlich bezogen auf ein konkretes Ziel der beruflichen Eingliederung 
– erfolgte. Dem Zwischenbericht vom 22. August 2022 kann entnommen 
werden, dass die Massnahme namentlich auf das Etablieren von klaren 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Jan. 2023, IV/22/491, Seite 11

Tagesstrukturen und eine Verbesserung der psychischen Situation zielte 
(Ziff. 2, 4 und 5 des Berichts). Die im Rahmen der Massnahme durchge-
führten Arbeitstrainings (z.B. handwerkliche Tätigkeiten [...], Mitarbeit in der 
..., Schnupperpraktikum im ...- und ...bereich) bezweckten keine Vorberei-
tung auf die berufliche Eingliederung mit einem konkreten Eingliederungs-
ziel (namentlich der – jedenfalls zeitweise angestrebten [Protokolleintrag 
vom 9. Februar 2022; in den Gerichtsakten] – Fortsetzung der Lehre als ... 
EFZ), sondern dienten vielmehr der Entwicklung bzw. Förderung von 
Grundarbeitskompetenzen (u.a. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Selbständig-
keit) und weiteren Kompetenzen (personelle Interaktions- und Kommunika-
tionsfähigkeiten ([vgl. Ziff. 3 des Zwischenberichts]). Dementsprechend 
wurde zwischen der Institution G.________ und dem Beschwerdeführer 
auch kein individueller Eingliederungsplan mit Zielvereinbarung erstellt. 
Vielmehr wurde laut Zwischenbericht im weiteren Verlauf die Durchführung 
eines Praktikums/Schnupperzeit in Erwägung gezogen, welches der Ab-
klärung der beruflichen Ausrichtung, der Stärkung des Selbstwerts, der 
Mitarbeit in einem Team, dem kontinuierlichen Aufbau der personellen, 
insbesondere der kommunikativen Kompetenzen und das "Trainee der 
Selbstregulation" in einem Arbeitsumfeld an der Schnittstelle von erstem 
und zweitem Arbeitsmarkt diene (Ziff. 5 des Zwischenberichts). Mangels 
eines individuellen Eingliederungsplans bzw. einer Zielvereinbarung wäre 
es der Beschwerdegegnerin somit nicht möglich gewesen, die ihr obliegen-
de Fallführung (Art. 41a IVV; vgl. auch Ziff. 1060 des Kreisschreibens zur 
Fallführung in der Invalidenversicherung [KSFF]) wahrzunehmen, d.h. re-
gelmässig die Ziele zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen und 
über das weitere Vorgehen zu entscheiden (vgl. E. 2.3.2 hiervor; vgl. auch 
Weiterentwicklung der IV, Erläuternder Bericht [nach Vernehmlassung] 
S. 59). 

Dass mit der Massnahme bei der Institution G.________ nicht eine "geziel-
te" berufliche Eingliederung in Zentrum stand bzw. gar nicht beabsichtigt 
war, ergibt sich im Übrigen auch aus dem Protokolleintrag vom 22. März 
2022 (Protokoll S. 11, in den Gerichtsakten). Darin führte der Vater aus, 
das Team der Institution G.________ komme in Frage, da es autismusspe-
zifisch sei, "für einen Aufbau und zur Erlangung einer Stabilität". Die 
F.________ komme in einer späteren Phase wieder in Frage, wenn es um 

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die Absolvierung einer Ausbildung gehe. Desgleichen berichtete der Vater 
in der E-Mail vom 11. April 2022, es gehe um den zeitnahen Beginn einer 
"Stabilisierungsphase" bzw. darum, die Wahrscheinlichkeit einer Destabili-
sierung nach erfolgreicher Krisenintervention in der Klinik E.________ zu 
minimieren und so das mittelfristige Ziel des Wiedereinstiegs in die Berufs-
bildung zu sichern (act. II 100/1). Im Einklang mit den Aussagen des Vaters 
des Beschwerdeführers, wonach die Massnahme in der Institution 
G.________ primär der Stabilisierung diente und (im Umkehrschluss) nicht 
der gezielten Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung, steht schliess-
lich die Empfehlung der Klinik E.________, der Beschwerdeführer solle in 
die Institution G.________ eintreten, um "die lebenspraktischen Fähigkei-
ten im Alltag zu stärken" und das "Ziel des selbständigen Wohnens" anzu-
streben, da die psychiatrische Krankheitskonstellation momentan eine 
selbstständige Lebensführung verhindere (act. II 95 S. 3). 

Mithin ist die durch die Institution G.________ durchgeführte Massnahme 
nicht als lntegrationsmassnahme im Sinne des Art. 14a IVG zu qualifizie-
ren. Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf Eingliederungsmass-
nahmen in Form einer lntegrationsmassnahme zur Vorbereitung auf die 
berufliche Eingliederung in der Institution G.________ folglich zu Recht 
verneint. Weil mit der in der Institution G.________ bereits angetretenen 
Massnahme eine Stabilisierung und nicht eine gezielte Vorbereitung auf 
eine berufliche Eingliederung angestrebt wurde, fehlte es dem Beschwer-
deführer ferner an einem Eingliederungswillen bzw. einer subjektiven Ein-
gliederungsfähigkeit für eine gezielte Vorbereitungsmassnahme, sodass 
die Verwaltung die beruflichen Eingliederungsmassnahmen ohne Durch-
führung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens abschliessen durfte (vgl. 
SVR 2022 IV Nr. 23 S. 73; Entscheid des Bundesgerichts vom 17. August 
2022, 8C_287/2022 E. 5.2.4 mit Hinweisen).

3.6 Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 27. Ju-
ni 2022 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist 
abzuweisen. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass es – wie die Beschwerde-
gegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 27. Juni 2022 ausdrücklich 
festhielt (act. II 110) – dem Beschwerdeführer unbenommen bleibt, sich 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Jan. 2023, IV/22/491, Seite 13

wieder bei der Beschwerdegegnerin zu melden, sobald er bereit und in der 
Lage ist, an einer beruflichen Eingliederungsmassnahme teilzunehmen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Bezah-
lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent-
nommen.

4.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Jan. 2023, IV/22/491, Seite 14

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.