# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 067ab5bd-41a3-59f6-aca6-c1f78571ec8e
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Kammer für Kindes-und Erwachsenenschutz 12.09.2023 XBE.2023.46
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_002_XBE-2023-46_2023-09-12.pdf

## Full Text

Obergericht 

Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz 

 

 

XBE.2023.46  
(KE.2021.299; KEMN.2022.479)  

Art. 72 

 

Entscheid vom 12. September 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Merkofer, Präsidentin  

Oberrichter Lindner  

Oberrichter Giese  

Gerichtsschreiberin Corazza    

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,  

[…] 

 

vertreten durch MLaw Dominik Buchser,  

[…] 

 

Beiständin: B._____,  

[…] 

 

 

Anfechtungs-

gegenstand 

 Entscheid des Familiengerichts Kulm vom 17. Februar 2023 

 

 

Betreff  Prüfung einer Massnahme 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entnimmt den 

Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 28. Juli 2022 erstattete das Spital E. beim Regionalen Sozialdienst F. 

für die Betroffene A. eine Gefährdungsmeldung, die mit Schreiben vom 

2. August 2022 zuständigkeitshalber an das Familiengericht Kulm 

weitergeleitet wurde (KEMN.2022.479 act. 1 ff.).  

 

1.2. 

Nach Einholung des Austrittsberichtes des Spitals E. vom 12. August 2022 

(KEMN.2022.479 act. 28 f.) sowie des Sozialberichtes des Regionalen 

Sozialdiensts F. vom 11. November 2022 (KEMN.2022.479 act. 9 ff.), des 

Erhalts der E-Mail des Regionalen Sozialdiensts F. vom 15. Dezember 

2022 (KEMN.2022.479 act. 24) und der Anhörung der Betroffenen vom 

4. Januar 2023 (KEMN.2022.479 act. 25 ff.) fällte das Familiengericht Kulm 

am 17. Februar 2023 folgenden Entscheid (KEMN.2022.479): 

 

" 1. 
Für die Betroffene wird eine Vertretungsbeistandschaft mit 
Vermögensverwaltung i.S.v. Art. 394 Abs. 1 i.V.m. Art. 395 ZGB errichtet. 
 
2. 
Die in Ziffer 1. hiervor angeordnete Vertretungsbeistandschaft gemäss 
Art. 394 i.V.m. Art. 395 ZGB umfasst folgende Aufgabenbereiche: 
 
- Vertretung beim Erledigen der administrativen Angelegenheiten, 

insbesondere auch im Verkehr mit Behörden, Ämtern, Banken, Post, 
(Sozial-) Versicherungen und sonstigen Institutionen; 

- Verwaltung des Einkommens und Vermögens, Sicherstellung des 
Rechnungsverkehrs und Geltendmachung zustehender (Sozial-) 
Versicherungsleistungen; 

- Förderung des gesundheitlichen und sozialen Wohls, Sicherstellung 
hinreichender medizinischer Betreuung und Vertretung bei allen in 
diesem Zusammenhang erforderlichen Handlungen; 

- Sicherstellung einer geeigneten Wohnsituation und Vertretung bei 
allen in diesem Zusammenhang erforderlichen Handlungen. 

 
3. 
Als Beiständin wird B., […], ernannt. 
 
4. 
Die Beiständin wird aufgefordert, nötigenfalls unverzüglich Antrag auf 
Anpassung der behördlichen Massnahme an veränderte Verhältnisse oder 
auf Aufhebung der Beistandschaft zu stellen (Art. 414 ZGB). 
 
5. 
5.1. 
Die Beiständin wird aufgefordert, per 17. Februar 2023 ein Inventar der zu 
verwaltenden Vermögenswerte aufzunehmen (Art. 405 Abs. 2 ZGB) und 
dieses innert 30 Tagen dem Familiengericht einzureichen. 

 - 3 - 

 

 

 

 
5.2. 
Die Beiständin wird aufgefordert, alle zwei Jahre schriftlich Bericht über die 
Rechnungsführung (Art. 410 ZGB) sowie über die Lage und die Ausübung 
der Beistandschaft (Art. 411 ZGB) zu erstatten. Der nächste ordentliche 
Bericht mit Rechnung ist per 31. Januar 2025 zu erstellen und dem Fami-
liengericht bis spätestens 30. April 2025 unaufgefordert in doppelter 
Ausfertigung einzureichen. 
 
Für Fragen und zur Unterstützung steht das Revisorat des 
Familiengerichts gerne zur Verfügung. 
 
6. 
Auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr wird verzichtet. 
 
7. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 
8. 
Einer allfälligen Beschwerde wird die aufschiebende Wirkung entzogen." 

 

2. 

2.1. 

Die gegen den Entzug der aufschiebenden Wirkung erhobene Beschwerde 

der Betroffenen vom 27. Februar 2023 wurde von der Kammer für Kindes- 

und Erwachsenenschutz des Obergerichts des Kantons Aargau mit 

Entscheid vom 17. April 2023 abgewiesen.  

 

2.2. 

Gegen den ihr am 20. April 2023 in begründeter Ausfertigung zugestellten 

Entscheid erhob die Betroffene (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit 

Eingabe vom 24. April 2023 Beschwerde an die Kammer für Kindes- und 

Erwachsenenschutz des Obergerichts des Kantons Aargau und stellte 

folgende Anträge:  

 

" 1.  
 Der Entscheid KEMN.2022.479 des Bezirksgerichts Kulm vom 17. Februar 

2023 sei aufzuheben und es sei auf die Anordnung von Massnahmen zu 
verzichten.  

 
 2.  
 Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7% MWST." 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 22. Mai 2023 reichte die Beschwerdeführerin weitere 

Unterlagen ein.  

 

 

 

 

 

 - 4 - 

 

 

 

 
   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz zieht in 

Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Zuständig für Beschwerdeverfahren gegen Entscheide der Kindes- und  

Erwachsenenschutzbehörde wie das vorliegende ist die Kammer für 

Kindes- und Erwachsenenschutz des Obergerichts des Kantons Aargau als 

einzige Beschwerdeinstanz (§ 41 EG ZGB i.V.m. § 10 Abs. 1 lit. c EG ZPO 

und § 10 Abs. 1 der Geschäftsordnung des Obergerichts des Kantons 

Aargau vom 21. November 2012 [GKA 155.200.3.101] i.V.m. deren 

Anhang 1 Ziff. 5 Abs. 7 lit. b). 

 

1.2. 

Zur Beschwerde befugt sind die am Verfahren beteiligten Personen, die der 

betroffenen Person nahestehenden Personen und Personen, die ein 

rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des 

angefochtenen Entscheids haben (Art. 450 Abs. 2 ZGB). Die 

Beschwerdeführerin ist als betroffene Person vorliegend zur Beschwerde 

legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher 

einzutreten. 

 

1.3. 

Die Rechtsmittelinstanz prüft den erstinstanzlichen Entscheid von Amtes 

wegen in Anwendung der Untersuchungs- und Offizialmaxime – in der 

Regel beschränkt auf den Umfang der Anfechtung – in rechtlicher und 

tatsächlicher Hinsicht umfassend und beurteilt ihn neu (Art. 446 Abs. 4 

ZGB; Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung des Schweizerischen 

Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht], 

BBl 2006 7001 ff., S. 7083). 

 

2. 

2.1. 

Die Beschwerde richtet sich in der Sache gegen die Errichtung der 

Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung 

für die Beschwerdeführerin. Nicht Gegenstand des vorliegenden 

Verfahrens ist die vor dem Familiengericht Kulm beantragte Akteneinsicht 

(Beschwerde, N. 14; vgl. auch Schreiben vom 27. Februar 2023, 

KEMN.2022.479 act. 41). Soweit es diesbezüglich Unstimmigkeiten gibt, 

hat die Vorinstanz über eine allfällige Verweigerung der Akteneinsicht 

formell zu verfügen. Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz des 

Obergerichts des Kantons Aargau kann darüber nicht als erste Instanz 

entscheiden. 

 

 - 5 - 

 

 

 

2.2. 

Kann eine volljährige Person wegen einer geistigen Behinderung, einer 

psychischen Störung oder eines ähnlichen in der Person liegenden 

Schwächezustandes ihre Angelegenheiten nur teilweise oder gar nicht 

besorgen, errichtet die Erwachsenenschutzbehörde eine Beistandschaft 

(Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Liegt ein Schwächezustand vor, braucht es 

zusätzlich ein daraus resultierendes teilweises oder gänzliches 

Unvermögen, die eigenen Angelegenheiten hinreichend zu besorgen oder 

jemanden damit rechtsgenügend zu beauftragen oder zu bevollmächtigen 

(BIDERBOST, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 7. Auflage 2022, N. 2 

zu Art. 390 ZGB). In Art. 389 ZGB unterstellt der Gesetzgeber alle 

behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes den beiden 

Maximen der Subsidiarität und der Verhältnismässigkeit. Ist die gebotene 

Unterstützung der hilfsbedürftigen Person auf andere Art – durch die 

Familie, andere nahestehende Personen oder private oder öffentliche 

Dienste (BGE 140 III 49 E. 4.3.1) – schon gewährleistet, so ordnet die 

Erwachsenenschutzbehörde keine Massnahme an (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 

ZGB). Die blosse Möglichkeit, einen privaten Vertreter für die Besorgung 

der eigenen Angelegenheiten zu bezeichnen, reicht jedoch nicht, sondern 

die betroffene Person muss die Fähigkeit haben, den von ihr ernannten 

Stellvertreter zu überwachen, zu instruieren und aus seiner Funktion zu 

entlassen (MEIER, in: FamKomm, Erwachsenenschutz, 2013, N. 24 zu 

Art. 390 ZGB; BGE 134 III 385 E. 4.2). Kommt die Erwachsenenschutz-

behörde demgegenüber zum Schluss, die vorhandene Unterstützung der 

hilfsbedürftigen Person sei nicht ausreichend oder von vornherein 

ungenügend, so muss ihre behördliche Massnahme verhältnismässig, das 

heisst erforderlich und geeignet sein (Art. 389 Abs. 2 ZGB). Die 

Erwachsenenschutzbehörde hat dabei nicht gesetzlich fest umschriebene, 

starre Massnahmen, sondern "Massnahmen nach Mass" zu treffen, die den 

Bedürfnissen der betroffenen Person entsprechen (Art. 391 Abs. 1 ZGB). 

 

2.3. 

Eine Vertretungsbeistandschaft wird errichtet, wenn die hilfsbedürftige 

Person bestimmte Angelegenheiten nicht erledigen kann und deshalb 

vertreten werden muss (Art. 394 Abs. 1 ZGB). Die Erwachsenenschutz-

behörde kann die Handlungsfähigkeit der betroffenen Person 

entsprechend einschränken (Art. 394 Abs. 2 ZGB). Auch wenn die 

Handlungsfähigkeit nicht eingeschränkt ist, muss die betroffene Person 

sich die Handlungen des Beistands oder der Beiständin anrechnen oder 

gefallen lassen (Art. 394 Abs. 3 ZGB). Für die Errichtung einer 

Vertretungsbeistandschaft braucht die betroffene Person nicht 

urteilsunfähig zu sein, sondern bloss hilfs- und/oder schutzbedürftig (vgl. 

FOUNTOULAKIS, in: Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- 

und Familienrecht, Partnerschaftsgesetz, 3. Auflage 2016, N. 2 zu Art. 394 

ZGB).  

 

 - 6 - 

 

 

 

Die Angelegenheiten, in denen der Beistand die betroffene Person zu 

vertreten hat, ergeben sich aus den ihm übertragenen Aufgabenbereichen 

(Art. 391 Abs. 1 ZGB). Sie können die Personensorge, die 

Vermögenssorge oder den Rechtsverkehr betreffen (Art. 391 Abs. 2 ZGB), 

soweit sie einer Vertretung zugänglich sind. Als bestimmte 

Angelegenheiten, welche die hilfsbedürftige Person nicht erledigen kann, 

kommen die Sorge um eine geeignete Wohnsituation, gesundheitliches 

Wohl, medizinische Betreuung und soziale Integration ebenso wie die 

Besorgung der administrativen und finanziellen Angelegenheiten in Frage 

sowie in Kombination mit Art. 395 ZGB die Verwaltung von Einkommen und 

Vermögen (vgl. BIDERBOST, a.a.O., N. 1, 2 und 11 zu Art. 394 ZGB).  

 

2.4. 

Die Vorinstanz hielt zusammengefasst fest, in Anbetracht des 

Anhörungsprotokolls vom 4. Januar 2023 sowie der ärztlichen Diagnose 

lasse sich schlussfolgern, dass die Beschwerdeführerin alltägliche 

Handlungen, welche ihr bekannt seien und eine Routine darstellen, 

selbstständig vornehmen könne. Seit über einem Jahr gebe sie den 

Behörden an, sie sei das Haus am Ausmisten und sie werde ein 

Unternehmen mit der Entsorgung beauftragen. Es sei in diesem Bereich 

jedoch noch nichts passiert. Es sei davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin weder in der Lage sei, die desolaten Zustände in ihrem 

Haus selbst zu beseitigen noch jemand Drittes damit zu beauftragen 

(E. 2.5.1 des angefochtenen Entscheids). Weiter sei ihr mehrfach durch die 

Spitex mitgeteilt worden, sie müsse die Wunde am Kopf einem Arzt zeigen 

gehen, da dies dringend notwendig sei. Auch in dieser Angelegenheit 

könne die Beschwerdeführerin die Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit der 

Situation nicht erkennen und unternehme nichts. Mit der ärztlich 

festgestellten dementiellen Entwicklung erscheine es als nicht zumutbar, 

die Beschwerdeführerin in die häusliche Selbstständigkeit und Selbst-

versorgung zurückkehren zu lassen (E. 2.5.2 des angefochtenen 

Entscheids). Aufgrund diverser Meldungen betreffend offene Spitex-

Rechnungen oder dem Hinweis dahingehend, dass die Beschwerde-

führerin nicht im Stande sei, Termine selbstständig abzumachen, könne 

daraus geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin Unterstützung 

in den genannten Bereichen benötige. Folglich sei es nicht notwendig, die 

Handlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin einzuschränken, sondern 

lediglich eine Vertretungsbeistandschaft ohne Einschränkung der 

Handlungsfähigkeit zu errichten (E. 2.6.2 des angefochtenen Entscheids).  

 

2.5. 

Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, aus dem 

Sozialbericht gehe hervor, dass bei ihr zwar ein gewisser 

Unterstützungsbedarf bestehe, dass dieser jedoch mit dem privaten 

Helfernetz gewährleistet werden könne (Beschwerde, N. 8). Zwar seien 

einzelne Zimmer ihres Hauses zu einem gewissen Teil überstellt. Aus der 

 - 7 - 

 

 

 

Wohnsituation resultiere für sie aber keine Gefährdung, zumal die 

wichtigsten Räume zugänglich seien (Beschwerde, N. 10). Bei der Wunde 

am Kopf handle es sich um eine Bagatelle, die inzwischen verheilt sei. Die 

Spitex sei ausserdem ebenfalls in der Lage, eine Wundversorgung 

vorzunehmen. Tatsächlich habe sie diese Situation zu Recht anders 

eingeschätzt und sei zum Ergebnis gekommen, dass sie diese Bagatelle 

nicht mit einem Arzt besprechen möchte. Es gelinge ihr jedenfalls, ihr 

Leben selbst zu organisieren und nach Bedarf private Helfer (Reinigung, 

Spitex, Einkaufen) beizuziehen. Daran zeige sich, dass sie auch in der 

Lage sei, allfällige weitere (Arzt-)Termine, soweit diese notwendig sein 

sollten, zu vereinbaren oder vereinbaren zu lassen (Beschwerde, N. 11). 

Bei den Rechnungen der Spitex handle es sich um einzelne Rechnungen, 

die aufgrund eines Missverständnisses der Krankenkasse nicht bezahlt 

worden und inzwischen überdies beglichen seien. Wäre sie tatsächlich 

nicht in der Lage, ihre administrativen und finanziellen Angelegenheiten zu 

besorgen, würden sich Rechnungen und Post bei ihr massenhaft stapeln 

(Beschwerde, N. 12).  

 

3. 

3.1. 

Den Akten kann in Bezug auf einen allfälligen Schwächezustand der 

Beschwerdeführerin das Folgende entnommen werden:  

 

Gemäss den Ausführungen im Sozialbericht, der sich auf umfassende 

Abklärungen mit dem Umfeld der Beschwerdeführerin und einem 

Hausbesuch vom 28. Oktober 2022 stützt, leidet die Beschwerdeführerin 

an einem Schwächezustand und benötigt diverse Unterstützung, um ihren 

Alltag zu meistern (KEMN.2022.479 act. 13). Dem Austrittsbericht des 

Spitals E. vom 12. August 2022 ist zu entnehmen, dass die 

Beschwerdeführerin an einer objektivierbaren dementiellen Entwicklung 

mit psychotischen Zügen leide. Im täglichen Umgang seien reduzierte 

Merkfähigkeit und eine reduzierte Kognition sowie Gedankenkreisen und 

psychotisches Erleben aufgefallen (Austrittsbericht, KEMN.2022.479 

act. 28 Rückseite). Aus den Unterlagen ist weiter ersichtlich, dass die 

Beschwerdeführerin wiederholt notfallmässig medizinische Hilfe 

beanspruchte (Kurzabklärung, KEMN.2021.359; Sozialbericht, act. 10 ff.; 

Austrittsbericht, act. 28 f., beides in KEMN.2022.479).  

 

Betreffend die jüngsten Entwicklungen der gesundheitlichen Situation der 

Beschwerdeführerin ist festzuhalten, dass im Zusammenhang mit einer 

Wunde am Kopf und einer Augenerkrankung medizinischer 

Handlungsbedarf besteht bzw. bis vor Kurzem bestand (Sozialbericht, 

act. 11; E-Mail von B., act. 24; beides in KEMN.2022.479; Beschwerde, 

N. 11). Trotz akuter gesundheitlicher Leiden und konträr zu ihren objektiven 

Gesundheitsinteressen verzichtete die Beschwerdeführerin auf die 

Konsultation eines Arztes bzw. zögerte diese ohne Angabe von 

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nachvollziehbaren Gründen hinaus, obwohl sie dadurch teilweise 

beeinträchtigt gewesen ist (E-Mail der Spitex H., act. 24: "[Die Wunde am 

Kopf] sollte dringend vom Arzt angeschaut werden. Für die Augen 

benötigte sie eine Operation (Laserbehandlung). Die Klientin ist nicht mehr 

in der Lage die Termine selber zu organisieren. Es ist ihr zu viel und somit 

lässt sie es sein."; Anhörungsprotokoll, act. 25 Rückseite: "Frau C. bringt 

ein, dass [die Laserbehandlung] eigentlich keine grosse Sache wäre, nur 

mache die Betroffene keinen Termin ab." und "Die Betroffene erwiderte, 

dass dies nur ein Pflaster sei und sie deshalb nicht zum Arzt gehe. Sie wolle 

dann irgendwann schon gehen, aber sie zögere dies hinaus." sowie act. 26: 

"Sie lese sehr viel, v.a. Zeitung, den Spiegel etc., aber nur soweit es gehe 

aufgrund des grünen Star[…]s.", beides in KEMN.2022.479).  

 

Die Beschwerdeführerin lebt gemäss mehreren übereinstimmenden 

Berichten in äusserst unordentlichen Wohnverhältnissen (Gefährdungs-

meldung, act. 4: "Messi[e]-Haushalt"; Sozialbericht, act. 10; 

Anhörungsprotokoll, act. 27, alles in KEMN.2022.479; Polizeibericht der G. 

vom 30. August 2021 [inkl. Fotos], KEMN.2021.359). In der 7-Zimmer-

Liegenschaft sei lediglich noch ein Raum bewohnbar und die Küche 

grösstenteils zugestellt (Sozialbericht, KEMN.2022.479 act. 10). Die 

Elektrogeräte im Haushalt – namentlich der Geschirrspüler sowie der Herd 

– könnten nicht mehr bedient werden (Sozialbericht, KEMN.2022.479 act. 

10). Obwohl die Beschwerdeführerin wiederholt betont, dass sie eine 

Räumung organisieren wolle (Sozialbericht, KEMN.2022.479 act. 10; 

Kurzabklärung, KEMN.2021.359), hat sich ihre Wohnsituation während 

rund einem Jahr nicht massgebend verbessert bzw. sich nach einer 

vorübergehenden Besserung wieder verschlechtert (Kurzabklärung, S. 2, 

KEMN.2021.359: "Die Wohnung hat sie schon teilweise seit dem Vorfall 

aufgeräumt. […] Die freien Zugänge zu der Küche, dem Bad und ihrer 

Schlaf[…]gelegenheit bestehen."; Anhörungsprotokoll, KEMN.2022.479 

act. 27: "Einzelne Zimmer wie auch z.T. der Gang und vor allem die Küche 

sind komplett zugestellt. Auf dem noch funktionierenden Herd kann nicht 

gekocht werden, da es keinen freien Platz mehr gibt."). Erst mit Eingabe 

vom 22. Mai 2023 reichte die Beschwerdeführerin eine Auftragsbestätigung 

für eine Hausräumung ein (Schreiben Auftragsbestätigung, Beilage zur 

Eingabe vom 22. Mai 2023).  

 

In Bezug auf administrative Angelegenheiten lässt sich den Akten 

entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ihr monatliches Einkommen 

zwar ungefähr beziffern kann (Sozialbericht, act. 12; vgl. auch 

Veranlagungsdetails vom 10. November 2022, beides in KEMN.2022.479 

act. 15). Ihr fehle jedoch der Überblick über ihre Ausgaben 

(Gefährdungsmeldung, act. 4; Sozialbericht, act. 12; E-Mail des 

Regionalen Sozialdiensts, act. 24; Anhörungsprotokoll, act. 26, alles in 

KEMN.2022.479). Sie lasse hohe Geldsummen offen herumliegen und für 

alltägliche Besorgungen stelle sie unverhältnismässige Beträge zur 

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Verfügung (Gefährdungsmeldung, act. 4; Sozialbericht, act. 12, beides in 

KEMN.2022.479). Über die pendenten Spitex-Rechnungen war die 

Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Anhörung noch nicht informiert 

(Anhörungsprotokoll, KEMN.2022.479 act. 26).  

 

3.2.  

Die vorinstanzliche Schlussfolgerung bezüglich des Vorliegens eines 

Schwächezustands der Beschwerdeführerin ist angesichts der im 

Austrittsbericht des Spitals E. vom 12. August 2022 gestellten Diagnose 

sowie der darin enthaltenen ärztlichen Beobachtungen, der fehlenden 

Eigeninitiative der Beschwerdeführerin in Bezug auf ihren gesundheitlichen 

Zustand, der Einschätzung der sie unterstützenden Spitex sowie dem 

unmittelbaren Eindruck der Vorinstanz nachvollziehbar und überzeugend. 

Die Beschwerdeführerin scheint nicht fähig zu sein, in medizinischen 

Belangen ihre Situation korrekt einzuschätzen sowie adäquat zu handeln.  

 

Mit Blick auf das Ausmass der Unordnung, das monatelange Zuwarten der 

Beschwerdeführerin sowie unter Berücksichtigung ihres Gesundheits-

zustandes erscheint eine Änderung ihrer unzumutbaren Wohnsituation aus 

eigener Kraft nicht wahrscheinlich (Sozialbericht, act. 10; 

Anhörungsprotokoll, act. 26 Rückseite, beides in KEMN.2022.479). 

Hinsichtlich der finanziellen und administrativen Situation ist festzustellen, 

dass der Beschwerdeführerin die nötige Übersicht über ihre Finanzen fehlt 

und sie nicht in der Lage ist, die notwendigen Termine rechtzeitig zu 

vereinbaren (Gefährdungsmeldung, act. 4: "Waschmaschine defekt. 

Patient könne nicht waschen. Ruft keinen Monteur. […] Patientin habe ihre 

Brille verloren. Pat könne sich nicht um eine neue kümmern.", act. 11: 

"Weiter leide sie unter einem grauen Starr, den sie operieren müsste. Die 

Operation schiebe sie aber derzeit etwas vor sich hin.", alles in 

KEMN.2022.479; vgl. zudem die vorstehenden Ausführungen in E. 3.1 

hiervor). Die konsequente Weigerung, dem zuständigen Fachrichter 

Einsicht in ihre administrative Organisation zu gewähren 

(Anhörungsprotokoll, KEMN.2022.479 act. 26 f.) indiziert sodann, dass 

diese ungenügend ist. Dass sie die Rechnungen zuerst ablegen und 

ordnen müsse (Anhörungsprotokoll, KEMN.2022.479 act. 26), erklärt ihren 

diesbezüglichen Widerstand nicht. Dass sie bis anhin soweit ersichtlich 

nicht betrieben wurde und sie eine einzelne Rechnung für die Spitex-

Leistungen im Juli 2022 fristgerecht bezahlte, ist nicht ausschlaggebend 

und relativiert die wiederholten Ausführungen und Beobachtungen der 

unmittelbar involvierten Personen nicht.  

 

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht von einem Schwächezustand und 

einer daraus resultierenden Schutzbedürftigkeit in finanziellen, 

administrativen und gesundheitlichen Angelegenheiten ausgegangen. 

 - 10 - 

 

 

 

4. 

4.1. 

Mit Blick auf die Subsidiarität der behördlichen Massnahmen ist zu prüfen, 

ob die Unterstützung der Beschwerdeführerin – wie von dieser vorgebracht 

(Beschwerde, N. 11 und 13) – durch die von ihr beauftragten Personen 

bzw. Dienstleistungsgesellschaften sichergestellt ist bzw. werden kann.  

 

4.2. 

Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass sie die notwendige 

Unterstützung von ihrem privaten Helfernetz – namentlich zwei privaten 

Reinigungskräften, D. und der Firma "I." (Sozialbericht, KEMN.2022.479 

act. 10 ff.) –, der Spitex sowie dem beauftragen Entsorgungsunternehmen 

erhalten wird (Beschwerde, N. 11 und 13). Sollte sie mehr Unterstützung 

benötigen, würde sie sich an subsidiäre Fachstellen wenden (Sozialbericht, 

KEMN.2022.479 act. 13).  

 

Obwohl die Beschwerdeführerin bereits umfangreiche Unterstützung 

erhalten hat, verhinderte diese die medizinischen Notfälle nicht. Die 

Einschätzung der Spitex, wonach die von ihr geleistete und von der 

Beschwerdeführerin beanspruchte medizinische Betreuung hinsichtlich der 

Kopfverletzung nicht ausreichend ist und für eine weitergehende 

Unterstützung keine Kapazität besteht, erscheint nachvollziehbar 

(Gefährdungsmeldung, act. 5 und E-Mail der Spitex H., act. 24, beides in 

KEMN.2022.479). Dass die Wunde am Kopf – gemäss der Behauptung der 

Beschwerdeführerin – mittlerweile nach monatelangem Zuwarten verheilt 

ist, lässt sie nicht als Bagatelle erscheinen, die nicht durch einen Arzt hätte 

begutachten werden müssen (Beschwerde, N. 11). Die 

Beschwerdeführerin hat trotz akuten Gesundheitsproblemen und entgegen 

der fachlichen Auskunft der Spitex keinen Arzt konsultiert, obwohl sie 

teilweise den Behandlungsbedarf erkannte (vgl. Anhörungsprotokoll, 

KEMN.2022.479 act. 25 Rückseite). Das gesundheitliche Wohl der 

Beschwerdeführerin ist durch ihre medizinischen Beschwerden, die nicht 

fachgerecht behandelt werden, erheblich gefährdet. Es besteht folglich die 

Gefahr, dass sich ihr Gesundheitszustand erneut erheblich verschlechtert, 

weil sie die adäquate Unterstützung nicht oder zumindest verspätet in 

Anspruch nimmt. Bezeichnenderweise wurden ihre bisherigen 

Spitaleinweisungen sodann jeweils nicht von ihr selbst vorgenommen, 

sondern mussten notfallmässig von Dritten initiiert werden (vgl. 

Polizeibericht der G. vom 30. August 2021, KEMN.2021.359; 

Austrittsbericht, KEMN.2022.479 act. 28). Der mittlerweile von der 

Beschwerdeführerin getragene Alarmknopf (Anhörungsprotokoll, 

KEMN.2022.479 act. 26 Rückseite) vermag einen erneuten medizinischen 

Notfall folglich nicht zuverlässig zu verhindern. Die bisherige subsidiäre 

Unterstützung in medizinischen Belangen, die erst nach der ersten 

Gefährdungsmeldung in Anspruch genommen wurde und im Sozialbericht 

noch als genügend betrachtet wurde (Polizeibericht der G. vom 30. August 

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2021, KEMN.2021.359; Sozialbericht, KEMN.2022.479 act. 10), erscheint 

daher nicht mehr als ausreichend. Weitergehende Hilfe möchte die 

Beschwerdeführerin diesbezüglich ohnehin nicht beanspruchen 

(Gefährdungsmeldung, KEMN.2022.479 act. 4 Rückseite).  

 

In Bezug auf die Wohnsituation ist festzustellen, dass die für die 

Grundbedürfnisse dienenden Räumlichkeiten (Schlafzimmer, Bad und 

Küche) nicht mehr ohne weiteres zugänglich sind. Die den Alltag 

erleichternde elektronischen Geräte sind entweder zugestellt oder aber 

nicht mehr funktionsfähig. Dass die Beschwerdeführerin – wie von ihr 

behauptet – tatsächlich die Unterstützung von zwei Putzkräften 

beansprucht, erscheint in Anbetracht der Auskunft der Spitex zweifelhaft 

(Gefährdungsmeldung, KEMN.2022.479 act. 4). Die diesbezügliche Hilfe 

wäre mit Blick auf den (unveränderten) Zustand der Wohnung ohnehin 

ungenügend. Die Beschwerdeführerin hat einen Räumungsauftrag für das 

Haus ins Recht gelegt (Schreiben Auftragsbestätigung, Beilage zur 

Eingabe vom 22. Mai 2023). Allerdings wurde kein konkretes Datum 

vereinbart und es ist – selbst bei Einhaltung des in Aussicht gestellten 

Termins – erneut eine nicht nachvollziehbare mehrmonatige Verzögerung 

der Räumung ersichtlich (vgl. Schreiben Auftragsbestätigung: 

"Besichtigung vom 13.03.2023, […] Ausführung hat gemäss Kundin im Juni 

2023 [zu erfolgen]", Beilage zur Eingabe vom 22. Mai 2023). Hinzu kommt, 

dass die Räumung der Wohnung als grössere administrative 

Angelegenheit der Koordination bedarf. Angesichts ihres Gesundheits-

zustandes erscheint die sachgerechte Instruktion der beauftragten 

Personen unwahrscheinlich (vgl. auch E-Mail der Spitex H., 

KEMN.2022.479 act. 24). Mit Blick auf das bisherige Vorgehen der 

Beschwerdeführerin ist nicht davon auszugehen, dass die 

Räumungsarbeiten unter ihrer Führung zügig und ordnungsgemäss 

erfolgen würden. Der erhöhte Unterstützungsbedarf der 

Beschwerdeführerin hinsichtlich ihrer Wohnsituation ist folglich nicht 

ausreichend gedeckt. Dasselbe hat in Bezug auf die weiteren 

administrativen und finanziellen Angelegenheiten zu gelten. Die 

Beschwerdeführerin ist – trotz Kenntnis der Unordnung – der Meinung, sie 

könne die Finanzen selbst regeln (Anhörungsprotokoll, KEMN.2022.479 

act. 26 f.) und benötige keine Hilfe. Aufgrund ihrer Weigerung 

entsprechende Hilfe anzunehmen, vor dem Hintergrund, dass ihr in 

finanziellen Belangen die Übersicht fehlt und angesichts der 

unzureichenden finanziellen Organisation, erscheint sowohl die freiwillige 

Auftragserteilung als auch die angemessene Kontrolle der jeweils 

beauftragten Person nicht gewährleistet.  

 

4.3. 

Zusammenfassend kann sowohl in gesundheitlicher als auch finanzieller 

sowie administrativer Hinsicht die gebotene Unterstützung der 

Beschwerdeführerin nicht durch die freiwillige Inanspruchnahme von 

 - 12 - 

 

 

 

Dienstleistungen gewährleistet werden. Die von der Vorinstanz 

angeordnete Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und 

Vermögensverwaltung in den verfügten Aufgabenbereichen ist zur 

Sicherstellung der gebotenen Unterstützung unumgänglich. Der Eingriff ist 

auch – wie bereits von der Vorinstanz festgehalten (E. 2.6.2 des 

angefochtenen Entscheids) – nicht übermässig, da die Beschwerdeführerin 

die volle Handlungsfähigkeit behält. Die Massnahme ist somit 

verhältnismässig. Die Voraussetzungen für die Errichtung einer 

Erwachsenenschutzmassnahme sind daher erfüllt und die Beschwerde ist 

abzuweisen.  

 

5. 

Ausgangsgemäss sind die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend 

aus einer Entscheidgebühr von Fr. 800.00, der unterliegenden 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (§ 37 Abs. 5 EG ZGB i.V.m. Art. 106 

Abs. 1 ZPO). Eine Parteientschädigung ist nicht auszurichten. 

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

 

2. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der 

Beschwerdeführerin auferlegt.  

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.