# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c72f810f-9d09-5566-b647-5ef5ee87f37d
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-27
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP 27.08.2019 OG O3V-18-51 ARGVP 2019 3749
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_OG-O3V-18-51-ARGVP-2_2019-08-27.pdf

## Full Text

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AR GVP 31/2019, Nr. 3749 

Invalidenversicherungsrecht. Im Rahmen der Rentenanspruchsprüfung ist die Ausscheidung einzelner Be-
schwerden wegen vermeintlich fehlender invalidenrechtlicher Relevanz in der Regel nicht zielführend. Auch bei 

multifaktoriellen Diagnosen ist ein Leistungsanspruch gegenüber der Invalidenversicherung nicht zum Vornhe-

rein ausgeschlossen, wenn der Störung klar eine ressourcenhemmende Wirkung zukommt. 

Urteil des Obergerichts, 3. Abteilung, 27.08.2019, O3V 18 51 

Aus den Erwägungen: 

2.4  

b. Die Beschwerdeführerin wird namentlich durch die Übelkeitsattacken mit Erbrechen in ihrer Gesundheit 

beeinträchtigt mit der Folge, phasenweise vollständig arbeitsunfähig zu sein. Es ist nachvollziehbar, dass die 

Beschwerdeführerin aufgrund dieser Symptome in ihrem Alltag - sowohl dem beruflichen als auch dem priva-

ten - erheblich eingeschränkt wird. Die Gutachter weisen ausdrücklich darauf hin, dass, auch wenn sich Fre-

quenz und Schweregrad der Attacken von Übelkeit und Erbrechen seit dem erstmaligen Auftreten am [...] in-

zwischen verringert haben, diese keineswegs auf einen Schweregrad abgesunken wären, der keine Folgen für 

die Arbeitsfähigkeit der Explorandin hätte [...]. 

c. Sowohl die behandelnden Ärzte als auch die [...] Gutachter können aber die bei der Beschwerdeführerin 

festgestellten Symptome nicht klar einer einzigen Ursache zuordnen [...]. Dass die von der Beschwerdeführerin 

beschriebenen Übelkeitsattacken vorhanden sind und die Beschwerdeführerin entsprechend einschränken, 

wird aber an keiner Stelle bezweifelt. Ein allfälliges Aggravationsverhalten der Beschwerdeführerin konnte von 

den Gutachtern nicht festgestellt werden [...]. 

d. Dass im konkreten Fall aus medizinischer Sicht von einer multifaktoriellen Genese ausgegangen werden 

muss, kann unter den gegebenen Umständen nicht dazu führen, dass allein deshalb ein Leistungsanspruch 

gegenüber der Invalidenversicherung zum Vornherein ausgeschlossen wäre: Die Gutachter haben zwar keine 

Diagnose gestellt, auf welche sich die von der Beschwerdeführerin beklagten Symptome eindeutig zurückfüh-

ren liessen, sie beschreiben aber sehr wohl verschiedene multifaktorielle Diagnosen. Wie auch das Bundes-

gericht in der einschlägigen Rechtsprechung betont, ist eine Diagnose in erster Linie ein Instrument für die 

standardisierte Zuordnung von Beeinträchtigungen bzw. Symptomen zu Krankheiten und anderen medizini-

schen Befunden und für das Verständlichmachen der dazwischen bestehenden Zusammenhänge. Es liegt 

aber auf der Hand, dass das mit dieser Zielsetzung verbundene Streben nach definitorischer Präzision nicht 

notwendigerweise deckungsgleich ist mit dem Anliegen nach umfassender Bestandesaufnahme (vgl. dazu 

BGE 130 V 396 E. 6.2.2, m.w.H.). Letztlich sagt eine Diagnose als solche noch nichts über die für den Leis-

tungsanspruch entscheidende Frage aus, ob und inwieweit wegen des diagnostizierten Leidens die Arbeitsfä-

higkeit erheblich und langdauernd eingeschränkt ist. Gerade die Antwort auf diese Fragestellung interessiert 

aber, wenn es darum geht, zu beurteilen, inwieweit eine Person invalid ist oder nicht. Selbst wenn in einem 

Sonderfall gar keine Diagnosestellung möglich ist, gleichzeitig aber eine manifeste Beeinträchtigung vorliegt, 

darf die Anspruchsberechtigung daher letztlich nicht allein daran scheitern, dass es an einer eindeutigen Diag-

nosestellung fehlt (vgl. auch ULRICH MEIER-BLASER, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.] Schmerz und Arbeitsunfä-

higkeit, 2003, S. 64 f., Fn. 93; BGE 130 V 396 E. 6.3). Auch gemäss neuster Rechtsprechung ist es nicht Auf-

gabe der Rechtsanwendung, die medizinischen Befunde einzeln oder separat zu prüfen, sondern gesamthaft 

Gerichtsentscheid AR GVP 31/2019, Nr. 3749 
 

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die funktionellen Folgen eines Leidens zu würdigen. Die Ausscheidung einzelner Beschwerden wegen ver-

meintlich fehlender invalidenversicherungsrechtlicher Relevanz ist somit nicht zielführend. Festgestellte Stö-

rungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose zumindest als bedeutsame Komorbidität in Betracht, wenn ihnen 

im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 

8C_175/2018 vom 27. September 2018 E. 4, m.w.H.).