# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 84070fee-2b3b-51cb-b93e-65c5e6a606f0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.09.2011 D-1416/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1416-2011_2011-09-22.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­1416/2011

U r t e i l   v om   2 2 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richter Walter Lang;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

Parteien A._______, geboren (…),
Eritrea,  
vertreten durch Katerina Baumann, Fürsprecherin, 
Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, 
(…),
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Flüchtlingseigenschaft; 
Verfügung des BFM vom 2. Februar 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin  reichte  am  4.  Januar  2011  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch ein. Dazu wurde sie 
am 7. Januar 2011  im EVZ B._______ befragt  (Kurzbefragung) und am 
19. Januar 2011 am selben Ort angehört (Anhörung).

Zur  Begründung  ihres  Asylgesuchs  machte  die  Beschwerdeführerin  im 
Wesentlichen geltend, sie sei eritreische Staatsangehörige, stamme aus 
C._______  und  habe  vor  ihrer  Ausreise  in  D._______  (Region 
E._______)  gewohnt.  Im  Juni/Juli  2006  sei  ihr  Mann  aus  unbekannten 
Gründen  inhaftiert  worden.  Er  sei  Staatsangestellter  gewesen  und  an 
seiner Arbeitsstellte verhaftet worden. Sie wisse nicht, wo er sich zurzeit 
im  Gefängnis  befinde,  obwohl  sie  sich  mehrmals  nach  ihm  erkundigt 
habe.  Kurz  nach  der  Inhaftierung  ihres  Mannes  habe  man  ihr  ohne 
Erklärung mitgeteilt, dass sie nicht mehr zu ihrer Arbeit im (…) erscheinen 
solle.  Nach  ihrer  Entlassung  sei  sie  mehrmals  von  Soldaten  und 
unbekannten Leuten in Zivil nach ihrem Mann gefragt worden. Zudem sei 
ihr  Leben  sehr  schwierig  geworden,  da  sie  über  kein Einkommen mehr 
verfügt  habe  und  von  der  Unterstützung  ihrer  Verwandten  habe  leben 
müssen.  So  habe  sie  auch  ihren  Kindern  keine  Sicherheit  und  keine 
Zukunft  gewährleisten  können.  Aus  diesen  Gründen  sei  sie  Ende 
Oktober/Anfang November 2010 mit der Hilfe eines Schleppers  illegal  in 
den  Sudan  gereist,  wo  sie  sich  zirka  zwei  Monate  aufgehalten  habe. 
Anschliessend  sei  sie  zusammen  mit  einem  Mann  von  Khartum  nach 
Mailand geflogen, von wo sie per Zug in die Schweiz gereist sei. Für die 
übrigen Aussagen wird auf die Akten verwiesen. 

Im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  reichte  die  Beschwerdeführerin  ihre 
eritreische Identitätskarte zu den Akten. 

B. 
Die Vorinstanz stellte mit Verfügung vom 2. Februar 2011 – eröffnet am 
folgenden  Tag  –  fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
ordnete  das  BFM  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  aus  der 
Schweiz  an,  wobei  es  den  Vollzug  der  Wegweisung  wegen 
Unzulässigkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob. 

Als  Begründung  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  trotz 
mehrfacher  Nachfrage  habe  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der 

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Kurzbefragung  keine  Befragungen  zum  Aufenthaltsort  ihres  Mannes 
geltend  gemacht.  In  ihrem  freien  Bericht  habe  sie  von  der  Inhaftierung 
ihres  Mannes,  ihrem  fehlenden  Einkommen  sowie  ihrer  Entlassung 
gesprochen. Die Frage, ob sie persönliche Probleme mit der Regierung 
gehabt  habe,  habe  sie  in  der  Folge  mit  der  Aussage  beantwortet,  sie 
habe  kein Einkommen gehabt. Erst  im Verlaufe der Anhörung habe die 
Beschwerdeführerin mehrere Befragungen durch Soldaten und Zivilisten 
geltend  gemacht.  Aus  diesem  Grund  ergäben  sich  Zweifel  an  der 
Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Vorbringen. Zudem habe sich die 
Beschwerdeführerin  bei  den  Befragungen  mehrfach  widersprochen. 
Insbesondere zu den Befragungen durch Soldaten und Zivilsten habe sie 
widersprüchliche Aussagen gemacht. Überdies sei sie bei der Anhörung 
nicht  in  der  Lage  gewesen  darzulegen,  wann  sie  letztmals  von  zivilen 
Personen  befragt  worden  sei,  weshalb  ernsthafte  Zweifel  am 
Wahrheitsgehalt  der  geltend  gemachten  Probleme  bestünden. 
Ausserdem  seien  die  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten 
Nachteile zwischen Mitte 2006 und der angeblichen Ausreise Ende 2010 
in ihrer Art und Intensität nicht dergestalt gewesen, dass sie ihr in Eritrea 
ein  menschenwürdiges  Leben  verunmöglicht  hätten,  zumal  sie  bei  der 
Mutter habe leben können, Hilfe durch Verwandte erhalten habe und sie 
gemäss eigenen Aussagen in der letzten Zeit vor der Ausreise nicht mehr 
befragt worden sei. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten somit 
weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) noch denjenigen an 
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. 

Für die weitere Begründung der Verfügung wird auf die vorinstanzlichen 
Erwägungen verwiesen. 

C. 
Mit Beschwerde vom 3. März 2011  (Poststempel: 2. März 2011) an das 
Bundesverwaltungsgericht  liess  die  Beschwerdeführerin  durch  ihre  neu 
mandatierte Rechtsvertreterin  beantragen,  der  Entscheid  des BFM  vom 
2.  Februar  2011  sei  teilweise  aufzuheben  und  sie  sei  als  Flüchtling 
anzuerkennen.  Zudem  sei  ihr  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu 
bewilligen,  die  Unterzeichnende  als  unentgeltlicher  Rechtsbeistand 
einzusetzen  sowie  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu 
verzichten. Überdies sei eine Parteientschädigung zu gewähren. Auf die 
Begründung der Beschwerde wird,  soweit  für den Entscheid wesentlich, 
in den Erwägungen eingegangen. 

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Der  Beschwerde  lag  die  Kopie  einer  Unterstützungsbestätigung  vom  1. 
März 2011 bei.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  11.  März  2011  verfügte  der 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts,  dass  über  das 
Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von 
Art.  65 Abs.  1  des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  im  Endentscheid  befunden 
werde.  Gleichzeitig  wies  er  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG ab und 
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem lud er die 
Vorinstanz zur Einreichung einer Stellungnahme bis zum 25. März 2011 
ein.

E. 
In ihrer Vernehmlassung vom 24. März 2011 hielt die Vorinstanz an ihren 
Erwägungen  fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Diese 
Vernehmlassung wurde  der  Beschwerdeführerin  am  28. März  2011  zur 
Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

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1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Die 
Beschwerdeführerin  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Die  Ablehnung  des  Asylgesuches  blieb  vorliegend  unangefochten 
und  ist mit Ablauf der Beschwerdefrist  in Rechtskraft erwachsen. Da die 
Wegweisung  als  solche  nur  aufgehoben  werden  kann,  wenn  eine 
Aufenthaltsbewilligung  vorliegt  oder  ein  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen  und Mitteilungen  der  [vormaligen] 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21,  BVGE 
2008/34 E.  9.2),  diese Voraussetzungen  jedoch nicht  erfüllt  sind,  bilden 
Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  somit  einzig  die 
Frage, ob die Beschwerdeführerin aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe 
die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt,  zumal  die  Beschwerdeführerin  mit 
Verfügung  vom  2.  Februar  2011  wegen  Unzulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzuges vorläufig aufgenommen wurde. 

3.2.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  insbesondere  illegales 
Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte  Republikflucht),  Einreichung 
eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaatlichen 
Behörden  unerwünschte  exilpolitische  Betätigung,  wenn  sie  die  Gefahr 
einer  zukünftigen  Verfolgung  begründen.  Personen  mit  subjektiven 
Nachfluchtgründen  erhalten  zwar  gemäss  Art.  54  AsylG  kein  Asyl, 
werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. EMARK 2006 
Nr.  1  E.  6.1  S.  10,  mit  weiteren  Hinweisen).  Durch  Republikflucht  zum 
Flüchtling  wird,  wer  sich  aufgrund  der  unerlaubten  Ausreise  mit 
Sanktionen  seines  Heimatstaates  konfrontiert  sieht,  die  bezüglich  ihrer 
Intensität und der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile 
gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1, BVGE 
2009/29 E. 5.1 und Urteil D­3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.1).

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3.3.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  sie  habe  Eritrea  illegal 
verlassen  und  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch  gestellt,  weshalb  sie  bei 
einer allfälligen Rückkehr  in  ihr Heimatland eine gravierende Verfolgung 
zu befürchten habe. 

3.4. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass über Eritrea im Allgemeinen und 
über  die  oftmals  willkürliche  Praxis  bei  der  Anwendung  des  nationalen 
Rechts  in  diesem  Land  im  Speziellen  nur  wenige  zuverlässige  und 
unabhängige Quellen verfügbar sind; das Land selber verfolgt eine gegen 
innen und gegen aussen äusserst restriktive Informationspolitik. Dennoch 
ergibt  sich  aus  den  vorhandenen  Unterlagen  (vgl.  namentlich  U.S. 
Department of State, 2009 Human Rights Report Eritrea, 11. März 2010; 
UK Border Agency, Country of Origin Information Report Eritrea, 15. April 
2011;  SFH,  Eritrea,  Update  vom  Februar  2010;  UNHCR  Eligibility 
guidelines  for  assessing  the  international  protection  needs  of  asylum­
seekers  from  Eritrea,  20.  April  2011;  schriftliche  Angaben  eines 
unabhängigen  Eritrea­Experten  vom  30.  September  2008  und  vom  27. 
April  2009  gegenüber  dem  Bundesverwaltungsgericht;  alle  Berichte 
jeweils mit Hinweisen auf weitere Quellen) ein schlüssiges Bild in Bezug 
auf  die  von  illegal  ausreisenden  Staatsangehörigen  zu  erwartenden 
staatlichen  Sanktionen.  So  ist  gemäss  Art.  11  der  "Proclamation  No. 
24/1992" – welche die Ein­ und Ausreise nach und von Eritrea regelt – ein 
legales Verlassen des Landes lediglich mit einem gültigen Reisepass und 
einem  zusätzlichen  Ausreisevisum  möglich.  Die  Ausreise  ohne  die 
erforderlichen Dokumente wird gemäss Art. 29 dieses Erlasses mit einer 
Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und/oder einer Busse bis zu 10'000 
Birr – der in Eritrea bis zur Einführung der eigenen Landeswährung Nakfa 
gültigen  äthiopischen  Währung  –  sanktioniert.  In  der  Praxis  werden 
Ausreisevisa  bereits  seit  mehreren  Jahren  nur  noch  unter  sehr 
restriktiven  Bedingungen  und  gegen  Bezahlung  hoher  Geldbeträge  (im 
Gegenwert  von  rund $ 10'000) an wenige, als  loyal beurteilte Personen 
ausgestellt,  wobei  Kinder  ab  elf  Jahren,  Männer  bis  zum  Alter  von  54 
Jahren  und  Frauen  bis  47  Jahre  grundsätzlich  von  der  Visumserteilung 
ausgeschlossen  sind.  Verschiedentlich  gab  es  auch  Zeiten,  in  welchen 
überhaupt keine derartigen Dokumente mehr erhältlich waren, selbst bei 
Vorliegen  eines  gültigen  Reisepasses.  Wer  versucht,  das  Land  ohne 
behördliche  Erlaubnis  zu  verlassen,  riskiert  neben  der  gesetzlich 
angedrohten Bestrafung sein Leben, da die Grenzschutztruppen gemäss 
übereinstimmenden  Quellen  den  Befehl  haben,  Fluchtversuche  mit 
gezielten  Schüssen  zu  verhindern.  Wie  von  der  Beschwerdeführerin 
zutreffend  dargestellt,  erachtet  das  eritreische  Regime  das  illegale 

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Verlassen  des  Landes  als  Zeichen  politischer  Opposition  gegen  den 
Staat  und  versucht  mit  den  drakonischen  Massnahmen  der  sinkenden 
Wehrbereitschaft  und  der  Massenfluchtbewegung  in  der  Bevölkerung – 
jährlich kehren mehrere Tausend Staatsangehörige dem Land wegen der 
zunehmenden Militarisierung, der unbegrenzten Dienstdauer und der sich 
verschlechternden Menschenrechtslage den Rücken – Herr zu werden.

3.5.  Aufgrund  der  Akten,  insbesondere  unter  Berücksichtigung  der 
Aussage der Beschwerdeführerin, wonach sie nie einen eritreischen Pass 
besessen habe, ist trotz ihrer teilweise unglaubhaften Asylvorbringen und 
ihres Alters  in Übereinstimmung mit  der  Vorinstanz  davon  auszugehen, 
dass  sie  ihren  Heimatstaat  illegal,  das  heisst  ohne  behördliches 
Ausreisevisum,  verlassen  und  angesichts  der  vorstehend  in  E.  3.4 
genannten Umstände begründete Furcht hat, bei einer Rückkehr dorthin 
erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. 
Die  Beschwerdeführerin  erfüllt  demnach  die  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft.

4. 
Die  Beschwerdeführerin  wurde  vom  BFM  wegen  Unzulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzuges  vorläufig  aufgenommen,  weshalb  sich 
Erörterungen dazu erübrigen.

5. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  verletzt,  soweit  sie  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft 
betrifft. Da lediglich im Flüchtlingspunkt Beschwerde geführt wurde, ist sie 
nach dem Gesagten (vollständig) gutzuheissen, die Verfügung des BFM 
vom  2.  Februar  2011  teilweise  –  die  Dispositiv­Ziffer  1  betreffend – 
aufzuheben und das Bundesamt anzuweisen, die Flüchtlingseigenschaft 
der Beschwerdeführerin anzuerkennen.

6. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin keine 
Kosten  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG),  weshalb  das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  gegenstandslos  geworden 
ist. 

7. 
Der Beschwerdeführerin ist – als vollständig obsiegender Partei – für die 
ihr  im  Beschwerdeverfahren  erwachsenen  notwendigen  Kosten 

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antragsgemäss  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  64  Abs.  1 
VwVG, Art.  16 Abs. 1 Bst.  a VGG  i.V.m. Art.  7 Abs. 1 des Reglements 
vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Die 
Beschwerdeführerin hat im Verlauf des Verfahrens darauf verzichtet, eine 
Kostennote  ihrer  Vertreterin  vorzulegen  (Art.  14 Abs.  1  VGKE).  Auf  die 
Einforderung  einer  solchen  kann  verzichtet  werden,  zumal  sich  der 
notwendige Zeitaufwand mit hinreichender Genauigkeit abschätzen  lässt 
(Art. 9 Abs. 1 Bst. a, Art. 10 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Die 
Entschädigung  ist  deshalb  aufgrund  der  Akten  festzusetzen  und  auf 
insgesamt  Fr.  600.­­  zu  bemessen  (Art.  10  Abs.  2  VGKE).  Neben  den 
Kosten  der  Vertretung  macht  die  Beschwerdeführerin  keine  weiteren 
notwendigen Auslagen geltend (Art. 8 VGKE). Das BFM ist anzuweisen, 
der  Beschwerdeführerin  den  Betrag  von  Fr.  600.­­  (inkl.  Auslagen  und 
Mehrwertsteuer) auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die  Verfügung  der  Vorinstanz  vom  2.  Februar  2011  wird  teilweise – 
soweit  Dispositiv­Ziffer  1  betreffend  –  aufgehoben  und  das  BFM  wird 
angewiesen, die Beschwerdeführerin als Flüchtling anzuerkennen. 

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von 
insgesamt Fr. 600.­­ zu entrichten. 

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

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