# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8bb9f0f2-1e22-55d5-9017-93a07b0417e8
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2007-05-25
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 25.05.2007 IV 2006/221
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2006-221_2007-05-25.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2006/221

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 12.05.2020

Entscheiddatum: 25.05.2007

Entscheid Versicherungsgericht, 25.05.2007
Art. 12 IVG. Anspruch auf eine medizinische Massnahme in der Form der 
Übernahme der Kosten einer Eltern-Kind-Therapie (besondere Form der 
Psychotherapie) bei einem minderjährigen, an einer reaktiven 
Bindungsstörung (ICD-10 F 94.1) leidenden Kind (Entscheid des 
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 25. Mai 2007, IV 2006/221).

Versicherungsrichterinnen Lisbeth Mattle Frei (Vorsitz) und Monika Gehrer, 

Versicherungsrichter Franz Schlauri; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

Entscheid vom 25. Mai 2007

In Sachen

T.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienste

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

medizinische Massnahmen

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hat das Versicherungsgericht in Erwägung gezogen:

I.

A.- Der am 25. Dezember 2001 in der Schweiz geborene iranische Staatsangehörige 

T.___ wurde am 16. September 2003 von seinen Eltern zum Bezug von IV-Leistungen 

angemeldet. Der heilpädagogische Dienst A.___ berichtete der IV-Stelle am 26. April 

2003, T.___ weise einen deutlichen Entwicklungsrückstand auf. Er zeige so gut wie kein 

Erkundungsverhalten. Er sei ständig in Bewegung. In der Abklärungssituation lasse er 

sich auf nichts ein, wechsle ständig von einem zum anderen und könne mit 

Gegenständen nichts anfangen. Damit er lerne, Inhalte zu begreifen und sich mit 

Gegenständen intensiv auseinanderzusetzen, sei dringend eine heilpädagogische 

Früherziehung erforderlich. Mit einer Verfügung vom 24. Oktober 2003 übernahm die 

IV-Stelle die Kosten der heilpädagogischen Früherziehung.

B.- Am 5. September 2005 wurde T.___ zum Bezug medizinischer Massnahmen 

angemeldet. Dr. med. B.___ von den kinder- und jugendpsychiatrischen Diensten 

berichtete der IV-Stelle am 17. Januar 2006, T.___ leide an einer reaktiven 

Bindungsstörung eines Knaben bei Eltern, die aufgrund ihrer schweren Traumatisierung 

in ihrer Elternschaft verunsichert seien (ICD-10 F. 94.1). T.___ werde seit dem 1. April 

2004 behandelt. Seine Eltern seien politische Flüchtlinge. Sie seien im Ausländerstatus 

F, d.h. die Aufenthaltsgenehmigung müsse immer wieder erneuert werden. Die Eltern 

schienen schon seit der Geburt von T.___ mit der Betreuung überfordert gewesen zu 

sein. Sie hätten keine pädagogische Unterstützung gefunden. T.___ habe sich zu einem 

ständig fordernden Baby entwickelt. Er sei unruhig, unkonzentriert und aggressiv. Er 

könne in der Nacht nicht schlafen. T.___ sei ein kräftiger Bub, der älter wirke. Er 

verlange ständige Präsenz seiner Umgebung, denn er demoliere Gegenstände, 

bekritzle den Tisch und werfe mit Spielsachen um sich. Bei sicherer und aufmerksamer 

Führung verhalte er sich weniger auffällig. Die motorische und die sprachliche 

Entwicklung seien verzögert. Es erfolge eine Familientherapie mit Videomikroanalyse 

(zuletzt ca. dreiwöchentlich). T.___ besuche eine Krippe, wo er pädagogisch gut geführt 

und heilpädagogisch betreut werde. Ohne diese umfassende Betreuung bestünde die 

Gefahr einer psychischen Fehlentwicklung. Die IV-Stelle führte am 20. Januar 2006 in 

einer Anfrage an den RAD aus, die Therapie falle nicht zulasten der 

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Invalidenversicherung, weil keine regelmässige Therapie erfolge (Therapien, die einmal 

monatlich durchgeführt würden, seien praxisgemäss nicht als regelmässig zu 

qualifizieren) und weil in dieser Therapie sicher auch das Fehlverhalten der Eltern 

angegangen werde. Dr. med. C.___ schloss sich dieser Argumentation an. Mit einer 

Verfügung vom 8. Februar 2006 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab. Die 

Begründung lautete: "Unsere Abklärungen haben ergeben, dass es sich nicht um eine 

schwere psychische Erkrankung im Sinne der Invalidenversicherung handelt. Es 

handelt sich um ein Problem, bei welchem die ganze Familie betroffen ist. Ausserdem 

kann von der Therapiefrequenz nicht von regelmässig ausgegangen werden".

C.- Dr. med. B.___ erhob am 8. März 2006 für T.___ Einsprache gegen diese 

Abweisungsverfügung. Am 10. März 2006 führte er aus, die reaktive Bindungsstörung 

des Kindesalters (ICD-10 F 94.1) sei eine schwere psychische Erkrankung, die 

grundsätzlich psychotherapeutisch behandelbar sei. Eine solche Störung sei 

gekennzeichnet durch widersprüchliche oder ambivalente soziale Reaktionen in 

verschiedenen sozialen Situationen. Sie gehe einher mit einer emotionalen Störung mit 

Verlust der emotionalen Ansprechbarkeit, mit aggressiven Reaktionen auf eigenes 

Unglücklichsein und ängstlicher Überempfindlichkeit. Diese Symptome seien bei T.___ 

vorhanden. Werde die Störung nicht behandelt, bestehe die Gefahr einer psychischen 

Fehlentwicklung. Dies schliesse die Möglichkeit einer dissozialen oder einer 

depressiven Entwicklung ein. Mit einer psychotherapeutischen Behandlung ergänzend 

zur pädagogischen und heilpädagogischen Förderung könne die Prognose für die 

Entwicklung von T.___ deutlich gebessert werden. Es handle sich tatsächlich um ein 

Problem, von dem die ganze Familie betroffen sei. Dies gelte für alle 

behandlungsbedürftigen kinderpsychiatrischen Entwicklungen. Je jünger ein Kind sei, 

desto eher müssten die Kindeseltern in die Behandlung mit einbezogen werden. Die 

therapeutische Behandlung sei seit dem 1. April 2004 im Durchschnitt alle drei Wochen 

regelmässig durchgeführt worden. In Krisenphasen sei die Frequenz etwas höher 

gewesen. Die Therapiemethode sei eine Eltern-Kind-Therapie mit Videomikroanalyse, 

die zu den Familientherapien gehöre. Eine derartige Therapie müsse nicht wöchentlich 

stattfinden.

D.- In einer internen Notiz hielt die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle am 4. April 

2006 fest, es handle sich nicht um ein schweres erworbenes psychisches Leiden, weil 

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die Therapie nur alle drei Wochen stattfinde. Dies sei nicht als regelmässig anzusehen. 

Zudem handle es sich um eine Familientherapie, da die Eltern in der Betreuung des 

Kindes überfordert seien. Die IV-Stelle wies die Einsprache am 29. September 2006 ab. 

Sie führte zur Begründung aus, die Familientherapie solle eine Änderung des 

Fehlverhaltens der traumatisierten Eltern bewirken. Selbst wenn man annähme, T.___ 

werde dabei ebenfalls behandelt, wären die Voraussetzungen des Art. 12 IVG nicht 

erfüllt, weil die Psychotherapie auf die Behandlung des Leidens an sich gerichtet sei. 

Würde man davon ausgehen, dass die Behandlung auf die Eingliederung ins 

Erwerbsleben gerichtet wäre, könnten die Kosten nicht übernommen werden, weil kein 

schweres erworbenes psychisches Leiden vorliege. Da die Therapie nur alle drei 

Wochen stattfinde, sei sie nicht intensiv. Ob die Krankenversicherung die Therapie der 

depressiven und untergewichtigen Mutter und des traumatisierten Vaters übernehmen 

müsse, sei nicht Gegenstand des IV-Verfahrens.

E.- Dr. med. B.___ erhob am 24. Oktober 2006 Beschwerde gegen diesen 

Einspracheentscheid. Er beantragte die Übernahme der Kosten der 

psychotherapeutischen Behandlung. Am 30. Oktober 2006 führte er aus, man habe die 

Diagnose einer reaktiven Bindungsstörung gestellt. Die Eltern seien aufgrund ihrer 

eigenen schweren Traumatisierung in ihrer Elternschaft verunsichert. Es werde eine 

Eltern-Kind-Therapie durchgeführt. Dabei handle es sich um eine besondere Form der 

Familientherapie. Der Einbezug der Eltern sei bei jeder kinderpsychiatrischen 

Behandlung angezeigt. Je jünger das zu behandelnde Kind sei, desto mehr stütze sich 

die Behandlung auf die Eltern. Die Therapiefrequenz variiere zwischen 14-täglich und 

dreiwöchentlich. Bei der reaktiven Bindungsstörung handle es sich um ein schweres 

erworbenes psychisches Leiden. Eine solche Störung sei gekennzeichnet durch 

widersprüchliche oder ambivalente soziale Reaktionen in verschiedenen sozialen 

Situationen. Sie gehe einher mit einer emotionalen Störung mit Verlust der emotionalen 

Ansprechbarkeit, mit aggressiven Reaktionen auf eigenes Unglücklichsein und 

ängstlicher Überempfindlichkeit. Grundsätzlich hätten Kinder mit einer reaktiven 

Bindungsstörung grosse Schwierigkeiten, die für ihre normale gesunde Entwicklung 

unabdingbaren kontinuierlichen sozialen Bindungen einzugehen und aufrecht zu 

erhalten. Diese Schwierigkeiten könnten sogar einen normalen Schulbesuch 

verunmöglichen. Man könnte die Therapiefrequenz zwar erhöhen, die Wirksamkeit der 

Behandlung würde dadurch aber nicht sicher erhöht. Die psychotherapeutische 

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Behandlung könne nicht die heilpädagogische Früherziehung ersetzen und umgekehrt. 

Diese beiden Massnahmen ergänzten sich gegenseitig. Der Schwerpunkt der 

psychotherapeutischen Behandlung liege auf einer Förderung der interaktiven 

Kompetenzen von Eltern und Kind. Ein Kind im Alter von T.___ allein, ohne Einbezug 

der Eltern zu behandeln, wäre fachlich nicht sinnvoll und ohne anhaltende Wirkung. Die 

gewählte Behandlungsmethode habe zum Ziel, auf die gesamte restliche gemeinsame 

Zeit von Eltern und Kleinkind positiv verändernd einzuwirken. Mit der durchgeführten 

intensiven spezifischen psychotherapeutischen Behandlung könne der Gefahr eines 

drohenden Defekts mit seinen negativen Wirkungen auf die weitere Entwicklung, 

insbesondere die Beschulung, die spätere Berufsausbildung und die Erwerbstätigkeit in 

einem wesentlichen Ausmass entgegen gewirkt werden. Die Behandlung richte sich 

also nicht auf das Leiden an sich, sondern sei eine wichtige Voraussetzung für die 

Eingliederung in den Kindergarten und die Schule. Ohne die Behandlung sei die Gefahr 

einer psychischen Fehlentwicklung beispielsweise im Sinne einer dissozialen 

Entwicklung oder einer depressiven Entwicklung sehr hoch und die Eingliederung 

erheblich gefährdet. Kinder mit einer dissozialen Störung hätten Schwierigkeiten, dem 

Unterricht zu folgen. Sie suchten Aufmerksamkeit durch störendes Verhalten oder sie 

blieben der Schule fern. In Überforderungssituationen neigten sie zu verbalen und 

körperlichen Aggressionen gegenüber anderen Kindern. Sie forderten sowohl den 

Lehrer als auch die Eltern zu immer wieder neuen pädagogischen Massnahmen heraus. 

Das Risiko, eine Suchtkrankheit zu entwickeln, sei deutlich erhöht, die Chancen einer 

Integration in das Erwerbsleben deutlich reduziert. Im Fall einer depressiven 

Entwicklung bestehe die Gefahr eines zunehmenden inneren und äusseren sozialen 

Rückzuges mit schliesslich selbstverletzenden Verhaltensweisen und suizidalem Risiko.

F.- Die IV-Stelle beantragte am 7. November 2006 die Abweisung der Beschwerde.

G.- Dr. med. B.___ wies am 13. November 2006 nochmals darauf hin, dass ein 

schweres erworbenes psychisches Leiden vorliege, dass die Behandlung intensiv 

gewesen sei und dass sie sich auf die Eingliederungsfähigkeit bezogen habe. Die 

psychotherapeutische Behandlung und die heilpädagogische Früherziehung seien sich 

gegenseitig ergänzende Massnahmen.

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H.- Die Gerichtsleitung ersuchte das Ausländeramt am 26. April 2007, bekannt zu 

geben, ob das Kind den Flüchtlingsstatus habe. Das Ausländeramt stellte dem Gericht 

am 30. April 2007 eine Kopie des Entscheides des Bundesamtes für Migration vom 21. 

Juli 2005 zu, laut dem die Schweizerische Asylrekurskommission den Eltern und dem 

Kind T.___ selbst die Flüchtlingseigenschaft zugestanden, jedoch die Gewährung des 

Asyls aufgrund von Ausschlussgründen verneint hatte, und laut dem die Eltern und das 

Kind T.___ nun vorläufig aufgenommen wurden, weil der Vollzug der Wegweisung nicht 

möglich bzw. nicht zulässig war. Die Gerichtsleitung gab den Parteien am 1. Mai 2007 

die Gelegenheit, sich dazu vernehmen zu lassen. Diese Gelegenheit wurde nicht 

benützt.

II.

1.- a) Minderjährige Kinder mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz 

haben gemäss Art. 2 Abs. 2 des sich auf Art. 24 des internationalen Abkommens über 

die Rechtstellung von Flüchtlingen (SR 0.142.30) stützenden Bundesbeschlusses vom 

4. Oktober 1962 (FlüB) als Flüchtlinge unter den gleichen Voraussetzungen wie 

Schweizerbürger einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen der 

Invalidenversicherung, wenn sie sich unmittelbar vor dem Eintritt der Invalidität 

ununterbrochen während mindestens eines Jahres in der Schweiz aufgehalten haben 

oder wenn sie in der Schweiz invalid geboren sind oder sich seit der Geburt 

ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten haben. Diese Regelung geht, da sie sich 

auf Staatsvertragsrecht stützt, Art. 9 Abs. 3 IVG vor. Ihre Anwendung setzt voraus, 

dass eine Anerkennung als Flüchtling erfolgt ist (vgl. BGE 121 V 251 ff.). Diese 

Bedingung ist beim Beschwerdeführer erfüllt.

b) Der Beschwerdeführer hält sich seit der Geburt in der Schweiz auf. Er hat deshalb 

unter denselben Voraussetzungen wie ein gleichaltriger Schweizerbürger einen 

Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen. Gemäss Art. 5 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 

2 ATSG gelten nichterwerbstätige Minderjährige als invalid, wenn die 

Gesundheitsbeeinträchtigung voraussichtlich eine Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben 

wird. Invalide Personen haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (Art. 8 Abs. 1 

IVG). Dazu gehören gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG auch medizinische Massnahmen. Da 

der Beschwerdeführer nicht an einem Geburtsgebrechen, sondern an einer nach der 

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Geburt erworbenen Krankheit leidet, ist ein Anspruch auf medizinische Massnahmen 

gestützt auf Art. 12 IVG zu prüfen. Laut dieser Bestimmung setzt ein 

Leistungsanspruch voraus, dass die in Frage stehende medizinische Massnahme nicht 

auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung 

gerichtet ist und dass sie geeignet ist, die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu 

verbessern. Bei nichterwerbstätigen Minderjährigen kann eine medizinische 

Massnahme auch in der Behandlung eines noch nicht stabilisierten Zustandes 

bestehen, wenn andernfalls eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter 

Zustand eintreten würde, so dass die Berufsausbildung und/oder die Erwerbsfähigkeit 

beeinträchtigt würden (vgl. Rz 35, 54 KSME). Die medizinische Massnahme darf nicht 

von unbestimmter Dauer sein, d.h. sie darf nicht Dauercharakter haben. Es muss eine 

hinlängliche Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, dass die Prognose günstig ist (vgl. Rz 

53 KSME). Die zu erwartende Verbesserung der Berufsbildungsfähigkeit und damit der 

späteren Erwerbsfähigkeit durch die in Frage stehende medizinische Massnahme muss 

wesentlich und dauerhaft sein (vgl. Rz 32 KSME).

c) Hätte ein erworbenes psychisches Leiden eines nichterwerbstätigen Minderjährigen 

ohne eine Behandlung mit grosser Wahrscheinlichkeit einen erheblichen, schwer 

korrigierbaren Defekt zur Folge, der die Berufsbildung und/oder die Erwerbsfähigkeit 

wesentlich behindern würde, ist die erforderliche Psychotherapie zu übernehmen (vgl. 

Rz 645-647/845-847.3 KSME). Bei Krankheiten und Defekten, die ohne eine zeitlich 

unbegrenzte Behandlung nicht gebessert werden können oder die eine lang dauernde 

Therapie erfordern und bei denen sich keine zuverlässige Prognose stellen lässt, 

besteht kein Anspruch auf eine Psychotherapie (vgl. Rz 645-647/845-847.4 KSME). Es 

muss sich um ein schweres psychisches Leiden handeln, das sich trotz intensiver 

fachgerechter Behandlung während eines Jahres nicht genügend gebessert hat, von 

dem aber trotzdem erwartet werden kann, dass bei einer weiteren Behandlung ein 

drohender Defekt mit seinen negativen Wirkungen auf die Berufsausbildung und die 

Erwerbsfähigkeit ganz oder zumindest in einem wesentlichen Umfang verhindert 

werden kann. Die Kostenübernahme erfolgt praxisgemäss erst ab dem zweiten 

Behandlungsjahr (vgl. Rz 645-647/845-847.5 KSME).

2.- a) Die Eltern-Kind-Therapie dient zwar der Behandlung eines Leidens an sich, 

nämlich der reaktiven Bindungsstörung, an welcher der Beschwerdeführer leidet. 

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Entgegen der von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid 

vertretenen Auffassung schliesst dies aber die Übernahme der entsprechenden Kosten 

als medizinische Massnahme gemäss Art. 12 IVG nicht aus. Gemäss den 

überzeugenden Ausführungen von Dr. med. B.___ wäre nämlich mit dem Auftreten 

eines erheblichen, schwer korrigierbaren und die Schul- und Berufsausbildung 

wesentlich behindernden Defekts zu rechnen, wenn die Eltern-Kind-Therapie 

unterbliebe. Beim minderjährigen Beschwerdeführer reicht diese Gefahr praxisgemäss 

aus, um einen Anspruch auf eine medizinische Massnahme nach Art. 12 IVG zu 

begründen. Dr. med. B.___ hat dargelegt, dass es sich bei der reaktiven 

Bindungsstörung um ein schweres Leiden handle, weil das Unterlassen einer Eltern-

Kind-Therapie zusätzlich ein deutlich erhöhtes Risiko einer späteren Suchterkrankung 

und eines späteren sozialen Rückzuges (mit schliesslich selbstverletzenden 

Verhaltensweisen und mit einer Suizidgefahr) zur Folge hätte.

b) Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin beinhaltet die Eltern-Kind-

Therapie keine Behandlung der Depression der Mutter oder der Traumatisierung des 

Vaters des Beschwerdeführers. Diese Therapie ist ausschliesslich darauf gerichtet, die 

reaktive Bindungsstörung des Beschwerdeführers zu heilen. Sie muss die Eltern 

einbeziehen, weil die Krankheit gerade darin besteht, dass der Beschwerdeführer in 

seiner Fähigkeit zur Interaktion mit den Eltern (und demzufolge auch mit anderen 

Personen) beeinträchtigt ist. Dr. med. B.___ hat darauf hingewiesen, dass eine nur den 

Beschwerdeführer einbeziehende Therapie nicht wirksam wäre, weil es darum gehen 

müsse, die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und dessen Eltern positiv zu 

beeinflussen. Vereinfacht ausgedrückt setzt dies voraus, dass auch den Eltern geholfen 

wird, ihre Erziehungsaufgabe und damit ihre Aufgabe, bei der Überwindung der 

reaktiven Bindungsstörung mitzuhelfen, besser zu erfüllen. Sollte sich dies auch auf 

den psychischen Gesundheitszustand der Eltern auswirken, so ist das nur eine 

willkommene, aber keine therapeutisch angestrebte Folge der Eltern-Kind-Therapie, die 

aber möglicherweise einen positiven Einfluss auf den Beschwerdeführer hat. Bei der 

Eltern-Kind-Therapie geht es also entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin 

nicht darum, gleichzeitig sowohl den Beschwerdeführer als auch dessen Eltern zu 

therapieren.

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c) Im Verlauf des Verwaltungsverfahren hat die Beschwerdegegnerin argumentiert, die 

Eltern-Kind-Therapie sei nicht regelmässig genug, da sie nur alle drei Wochen 

durchgeführt werde. Gemeint war damit, dass diese Therapie nicht intensiv genug und 

damit nicht wirksam sei. Dr. med. B.___ hat darauf hingewiesen, dass die 

heilpädagogische Früherziehung und die Eltern-Kind-Therapie kumulativ erforderlich 

seien, um den Beschwerdeführer erfolgreich zu behandeln. Die eine Massnahme sei 

ohne die andere nicht sinnvoll. Weiter hat er ausgeführt, der Schwerpunkt der Eltern-

Kind-Therapie liege auf der Förderung der interaktiven Kompetenzen von Eltern und 

Kind. Die Wirksamkeit dieser Therapie könne durch eine Erhöhung der 

Therapiefrequenz nicht gesteigert werden. Ob die Leistungsvoraussetzung einer 

intensiven, d.h. wirksamen Therapie erfüllt ist, muss deshalb unter Berücksichtigung 

der Gesamtmassnahme bestehend aus der heilpädagogischen Früherziehung und aus 

der Eltern-Kind-Therapie beurteilt werden. Schon aus diesem Grund macht es keinen 

Sinn, die Wirksamkeit der Eltern-Kind-Therapie anhand der Behandlungsfrequenz 

bemessen zu wollen. Es ist aber auch nicht zulässig, die erforderliche Wirksamkeit 

einer Therapie unter Ausserachtlassung der Besonderheiten des konkreten Falles 

durch eine allgemeingültige Mindestfrequenz der Therapiesitzungen zu definieren. 

Nicht jede Psychotherapie kann erst dann als wirksam qualifiziert werden, wenn sie 

mindestens einmal wöchentlich durchgeführt wird. Andernfalls würden jene Fälle in 

Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes von der Leistungsberechtigung 

ausgeschlossen, in denen die – wirksame – Psychotherapie nur alle drei oder vier 

Wochen durchgeführt wird, entweder weil eine höhere Behandlungsfrequenz die 

Wirksamkeit nicht erhöht oder weil die versicherte Person eine höhere 

Behandlungsfrequenz nicht verkraftet. Die Frage, ob eine Psychotherapie ausreichend 

wirksam ist, um einen Anspruch auf eine medizinische Massnahme gemäss Art. 12 IVG 

zu rechtfertigen, ist deshalb im Einzelfall anhand des konkreten medizinischen 

Behandlungsbedarfs und nicht anhand einer für alle Fälle gültigen "Mindestfrequenz" 

der Behandlung zu ermitteln. Im Fall des Beschwerdeführers stimmt die effektive 

Frequenz der Eltern-Kind-Therapie mit dem medizinischen Behandlungsbedarf überein. 

Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin wird der Beschwerdeführer 

wirksam behandelt. Die Prognose ist gut, wie Dr. med. B.___ in der Einsprache vom 10. 

März 2006 überzeugend ausgeführt hat.

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3.- Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sämtliche Voraussetzungen eines 

Anspruchs auf eine medizinische Massnahme gemäss Art. 12 IVG erfüllt sind. Der 

Beschwerdeführer hat ab 1. April 2005 (vgl. Rz 645-647/845-847.5 KSME) einen 

Anspruch auf die Übernahme der Kosten der Eltern-Kind-Therapie durch die 

Beschwerdegegnerin. Der angefochtene Einspracheentscheid ist deshalb in 

Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und dem Beschwerdeführer ist gestützt auf 

Art. 12 IVG eine medizinische Massnahme zur Behandlung der reaktiven 

Bindungsstörung in der Form einer Eltern-Kind-Therapie zuzusprechen. Die Sache ist 

zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 61 

lit. a ATSH i.V.m. lit. b der Übergangsbestimmungen zur Änderung des IVG vom 16. 

Dezember 2005).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 29. September 

2006 aufgehoben und die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, die Kosten der Eltern-

Kind-Therapie zu übernehmen; die Sache wird zur Festsetzung und zur Ausrichtung 

der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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