# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9339cce4-88d5-5395-8cb3-0d9cb1138a2d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-11-28
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 28.11.2014 SB140270
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140270_2014-11-28.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB140270-O/U/gs 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, und lic. iur. Burger,  

die Ersatzoberrichterin lic. iur. Affolter sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. Oswald 

 

Urteil vom 28. November 2014 

 

in Sachen 

1. A._____, 
2. ... 

3. ... 

4. ... 

Privatkläger und Berufungskläger 

 

1 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

sowie 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 
Anklägerin und Berufungsklägerin 

 

gegen 

B._____, 
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ 

 

betreffend fahrlässige einfache Körperverletzung etc. 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 
25. März 2014 (DG130095) 

-   2   - 

Anklage:  

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 23. Septem-

ber 2013 ist diesem Urteil beigeheftet (HD Urk. 29). 

 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig des Hausfriedensbruchs im Sinne von 

Art. 186 StGB (C._____ AG). 

2. Vom Vorwurf des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 

StGB, der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 

1 StGB, der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 

1 StGB sowie des mehrfachen Hausfriedensbruch (in D._____ und in 

E._____) wird der Beschuldigte freigesprochen. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen 

zu Fr. 80.–, wovon 30 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten. 

4. Die Strafe ist zu vollziehen. 

5. Die Zivilforderungen der Privatkläger 1 und 4 werden auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen. 

6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 1'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 1'400.–   Gebühr für die Strafuntersuchung 

Fr. 250.–   Auslagen Vorverfahren (Kosten KaPo Zürich) 

Fr. 12'000.–   amtl. Verteidigungskosten (inkl. MWST) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. Verlangt keine der Parteien 

eine schriftliche Begründung des Urteils, ermässigt sich die Entscheidgebühr 

auf zwei Drittel. 

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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden 

dem Beschuldigten im Umfang von 10 % auferlegt und im Rest auf die 

Gerichtskasse genommen. Nicht dem Beschuldigten auferlegt werden 

die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche im Umfang von 10 % 

einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO und im 

Rest definitiv von der Gerichtskasse übernommen werden. 

8. Dem Beschuldigten wird keine Umtriebsentschädigung zugesprochen. 

Berufungsanträge:  

Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 101) 

1. Es sei festzustellen, dass Ziffer 1 des Urteils vom 25. März 2014 in 

Rechtskraft erwachsen ist. 

2. die Anträge des Berufungsklägers seien vollumfänglich abzuweisen 

und das Urteil der Vorinstanz vollständig zu bestätigen, 

3. alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beru-

fungsklägers. 

b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland: 

(Urk. 87, schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

c) Des Privatklägers A._____: 

(Urk. 99) 

1. Es sei Ziff. 2 des Urteilsdispositivs des Bezirksgerichts Bülach vom 

25. März 2014 (Geschäfts-Nr. DG130095) dahingehend aufzuheben, 

dass der Berufungsbeklagte im Fall ND 8 der fahrlässigen Körperver-

letzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen sei. 

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2. Es sei Ziff. 3 des Urteilsdispositivs des Bezirksgerichts Bülach vom 

25. März 2014 (Geschäfts-Nr. DG130095) aufzuheben, und es sei der 

Berufungsbeklagte unter Berücksichtigung des Tatbestands der fahr-

lässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB ange-

messen zu bestrafen. 

3. Es sei Ziff. 5 des Urteilsdispositivs des Bezirksgerichts Bülach vom 

25. März 2014 (Geschäfts-Nr. DG130095) aufzuheben. 

4. Es sei der Berufungsbeklagte zu verpflichten, dem Berufungskläger 

aus dem erlittenen Fahrzeugschaden Fr. 1'200.– zu bezahlen. 

5. Im Weiteren sei für den Personenschaden die volle Schadenersatz- 

und Genugtuungspflicht des Berufungsbeklagten gegenüber dem Beru-

fungskläger im Grundsatz festzustellen und für die Festsetzung des 

Quantitatives auf den Zivilweg zu verweisen. 

6. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, dem Berufungskläger für 

das erstinstanzliche Gerichtsverfahren eine angemessene Parteient-

schädigung (zuzüglich MWSt) auszurichten. 

7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt) zulas-

ten des Berufungsbeklagten. 

Erwägungen: 

I. Prozessverlauf und Gegenstand der Berufung 

1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung, vom 25. März 2014 wur-

de der Beschuldigte B._____ des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 

StGB zum Nachteil der C._____ AG schuldig gesprochen. Von den Vorwürfen 

des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen 

Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, der fahrlässigen Körper-

verletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB sowie des mehrfachen Hausfrie-

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densbruchs (in D._____ und in E._____) sprach das Bezirksgericht den Beschul-

digten frei. Er wurde bestraft mit einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessät-

zen zu Fr. 80.–, wovon 30 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten. Die Zivilfor-

derungen der Privatkläger 1 und 4 verwies die Vorinstanz auf den Weg des Zivil-

prozesses. Schliesslich auferlegte die Vorinstanz die Kosten der Untersuchung 

und des gerichtlichen Verfahrens – ausgenommen die Verteidigerkosten – dem 

Beschuldigten im Umfang von 10 %. Dieser Anteil von 10 % wurde einstweilen 

und unter Vorbehalt der Nachzahlung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Ge-

richtskasse genommen. In den restlichen 90 % wurden die Kosten definitiv auf die 

Gerichtskasse genommen. Eine Umtriebsentschädigung sprach die Vorinstanz 

dem Beschuldigten keine zu. 

2.1 Gegen dieses Urteil liess der Privatkläger 1, A._____, durch seinen Vertre-

ter, Rechtsanwalt lic. iur. X._____, mit Eingabe vom 31. März 2014 rechtzeitig Be-

rufung anmelden (Urk. 72). Mit Schreiben vom 1. April 2014 (Poststempel 3. April 

2014) meldete sodann die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland fristgerecht 

die Berufung an (Urk. 74). Mit Eingabe vom 24. Juni 2014, am Obergericht einge-

gangen am 26. Juni 2014, zog die Staatsanwaltschaft die vorsorglich erhobene 

Berufung zurück (Urk. 82), wovon Vormerk zu nehmen ist. In der Folge beantrag-

te sie die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und verzichtete darauf, Be-

weisanträge zu stellen (Urk. 87). Die Berufungserklärung des Privatklägers 1 [im 

folgenden Privatkläger] vom 27. Juni 2014 wurde ebenfalls in der Frist erstattet; 

Beweisanträge liess er keine stellen (Urk. 83). Der Beschuldigte verzichtete auf 

Anschlussberufung (Urk. 88). Das Datenerfassungsblatt wurde mit Schreiben der 

Verteidigung vom 15. August 2014 eingereicht (Urk. 89; Urk. 90), und am 17. 

September ging eine Kopie des Mietvertrages ein (Urk. 92/1 und 2).  

2.2 Der Privatkläger ficht den Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Körper-

verletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB (ND 8) an. Entsprechend beantragt 

er, Dispositiv-Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils dahingehend aufzuheben, dass 

der Beschuldigte der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen sei. Angefochten ist folglich auch die Sanktion von 

Dispositiv-Ziffer 3. Zudem beantragt der Privatkläger, den Beschuldigten in Auf-

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hebung von Dispositiv-Ziffer 5 zu verpflichten, ihm aus dem erlittenen Fahrzeug-

schaden Fr. 1'200.– zu bezahlen. Weiter stellt der Privatkläger den Antrag, es sei 

für den Personenschaden die volle Schadenersatz- und Genugtuungspflicht des 

Beschuldigten ihm gegenüber im Grundsatz festzustellen und er (Privatkläger) sei 

für die Festsetzung des Quantitativs auf den Weg des Zivilprozesses zu verwei-

sen. Schliesslich beantragt der Privatkläger, der Beschuldigte sei zu verpflichten, 

ihm für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren eine angemessene Parteientschä-

digung (zuzüglich MWST) zu bezahlen (Urk. 83 S. 2 f.). 

2.3 Nicht beanstandet sind der Schuldspruch bezüglich Hausfriedensbruch im 

Sinne von Art. 186 StGB zum Nachteil der C._____ AG (Dispositiv-Ziffer 1), der 

Freispruch von den Vorwürfen des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 

Ziff. 1 StGB, von der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 

StGB sowie vom mehrfachen Hausfriedensbruch in D._____ und in E._____ (Dis-

positiv-Ziffer 2), die Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 6) und die Nichtzuspre-

chung einer Umtriebsentschädigung an den Beschuldigten (Dispositiv-Ziffer 8). Es 

ist daher vorab mit Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in den 

genannten Dispositiv-Ziffern rechtskräftig geworden ist. 

3. Auf die Argumente des Beschuldigten und seiner Verteidigung ist im Rah-

men der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht 

nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein-

wand auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen; 

vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichts-

punkte beschränken (BGE 138 I 232 E. 5.1; BGE 138 IV 81 E. 2.2; BGE 133 I 270 

E. 3.1, je mit Hinweisen; Urteile 6B_484 /2013 vom 3. März 2014 E. 3.2, 

6B_441/2013 vom 4. November 2013 E. 7.6 und 6B_526/2009 vom 2. September 

2009 E. 3.2).  

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II. Prozessuales 

Der zum Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 1 StGB erforderliche Strafantrag des Privatklägers liegt vor. Einerseits hat 

der Privatkläger am 20. Mai 2012 den Strafantrag bei der Polizei zu Protokoll ge-

geben (ND 8/1 S. 8). Zudem hat er mit Eingabe vom 4. Juni 2012 durch seinen 

Rechtsvertreter schriftlich Strafantrag stellen lassen (ND 8/13/2). Mit seinen Erklä-

rungen hat sich der Privatkläger frist- und formgerecht als Straf- und Zivilkläger 

konstituiert (Art. 31 StGB; Art. 304 Abs. 1 StPO).  

III. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt ND 8 

1. Anklagesachverhalt 

1.1 Der in zweiter Gerichtsinstanz noch Verfahrensgegenstand bildende Ankla-

gesachverhalt ergibt sich aus der Anklageschrift vom 23. September 2013 (HD 

Urk. 29 S. 5) und ist auch im angefochtenen Urteil dargestellt (Urk. 80 S. 7 f.).  

Zusammengefasst wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe am Donnerstag, 

22. März 2012, ca. 18.53 Uhr den auf seinen Vater F._____ lautenden Personen-

wagen BMW 530i mit dem Kontrollschild ZH … auf der G._____-Strasse in Zürich 

in Fahrtrichtung H._____-Strasse/Zürich-Oerlikon gelenkt. Vor der Verzweigung 

G._____-Strasse/I._____-Strasse, wo sich die G._____-Strasse in zwei nicht 

markierte Fahrspuren teile, eine linke Spur, die hinunter in eine Unterführung füh-

re, und eine rechte Spur, die rechts ebenerdig entlang der Unterführung verlaufe, 

habe der Beschuldigte den PW hinter einem innerhalb der Fahrspur links einge-

spurten, von einem unbekannten Lenker geführten Fahrzeug unbekannten Typs 

bei "Rot" anzeigender Lichtsignalanlage angehalten. Nach dem Wechsel der 

Lichtsignalanlage auf "Grün" sei der Lenker des vor dem Beschuldigten fahrenden 

Fahrzeugs, welcher nach links in die I._____-Strasse abzubiegen gedachte und 

daher den linken Richtungsblinker betätigt hatte, wieder losgefahren. Inmitten der 

Kreuzung habe dieser sein Fahrzeug aber anhalten müssen, um dem aus der 

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Gegenrichtung nahenden und primär berechtigten Verkehr Vortritt zu gewähren. 

Der Beschuldigte sei nach dem Umschalten der Lichtsignalanlage mit seinem 

Fahrzeug ebenfalls wieder losgefahren und habe nun am Fahrzeug vor ihm, wel-

ches – wie beschrieben – inmitten der Kreuzung erneut angehalten habe, auf der 

rechten Seite vorbeifahren wollen. Zu diesem Zweck habe er sein Fahrzeug auf 

die rechte Hälfte der an dieser Stelle minimal 6 Meter breiten Strasse gelenkt, 

welche an dieser Stelle das zweispurige Befahren durch Motorfahrzeuge bereits 

zulasse. Hierbei habe der Beschuldigte infolge ungenügend ausgeführter Kon-

trollblicke das von hinten auf der rechten Fahrbahnseite nahende Motorrad Honda 

CN 250 des Privatklägers mit dem Kontrollschild ZH … übersehen, so dass es zu 

einer Kollision der beiden Fahrzeuge kam. Als Folge dieser Kollision habe sich 

der Privatkläger einen komplexen Tibiakopf- und Tibiaschaft-Trümmerbruch am 

linken Bein zugezogen, welche Verletzung ihm jedenfalls noch bis Mitte August 

2013 Beschwerden verursacht habe (Urk. 29 S. 5). 

1.2 Da der Beschuldigte diesen Sachverhalt nach wie vor bestreitet (Prot. II 

S. 12 f.) und auch die Verteidigung eine Bestätigung des erstinstanzlichen Frei-

spruchs beantragt (Urk. 101 S. 2), ist aufgrund der vorhandenen Beweismittel – 

soweit für die Urteilsfindung relevant – zu prüfen, ob der strittige Sachverhalt er-

stellt werden kann. 

2. Beweismittel 

Als Beweismittel liegen zum einen die Aussagen des Privatklägers (ND 8/2 und 

8/7) und jene des Beschuldigten (ND 8/3 und 8/6; HD Urk. 6/3; Prot. I S. 14 ff. und 

Prot. II S. 12 ff.) bei den Akten. Aktenkundig sind sodann mehrere Fotografien 

(ND 8/4; vgl. auch Urk. 65/2) und diverse Planausschnitte (ND 8/5 und 8/13/9; 

Urk. 42; Urk. 44/1-3; Urk. 65/1). Aufgrund dieser ist die Strassensituation am Un-

fallort deutlich ersichtlich, so dass sich ein Augenschein, wie dies von beiden Ver-

tretern eventualiter beantragt wurde, erübrigt (vgl. Prot. II S. 14). Weiter stehen 

mehrere Arztberichte betreffend die Verletzungen des Privatklägers zur Verfü-

gung (ND 8/10; ND 8/11 = Urk. 65/5; Urk. 65/4). Ferner wurde durch die Verteidi-

gung ein Schreiben der J._____, des Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherers von 

Fahrzeug-Halter F._____ eingereicht (Urk. 57 und 58). Schliesslich liegt die Ein-

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stellungsverfügung des Stadtrichteramtes Zürich vom 3. Juni 2013 betreffend den 

Privatkläger in der Übertretungsstrafsache zum hier gegenständlichen Ereignis 

vor. Die Verfahrenseinstellung geschah ohne Kostenfolge (ND 8/13/7 = Urk. 

65/3). 

3. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und der Beweiswürdigung 

3.1 Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten wurde im angefochtenen 

Entscheid zutreffend erwogen, dass ihn keine Pflicht zu wahrheitsgemässer Aus-

sage trifft (Urk. 80 S. 15). Ergänzend zu erwähnen ist, dass der Beschuldigte zwar 

ein – insofern legitimes – Interesse daran haben könnte, die Geschehnisse in ei-

nem für ihn günstigen Licht darzustellen. Seine Aussagen sind deswegen aber 

nicht mit besonderer Vorsicht zu würdigen, sondern entscheidend ist die Glaub-

haftigkeit seiner Aussagen. Das gilt analog für die Aussagen von Zeugen und 

Auskunftspersonen. Ihren Angaben kommt nicht schon deswegen ein höherer 

Wahrheitsgehalt zu, weil der aussagenden Person Strafandrohungen vorgehalten 

werden. Alleine aus der prozessualen Stellung einer am Strafverfahren beteiligten 

Person kann nichts hinsichtlich deren Glaubwürdigkeit abgeleitet werden. Der all-

gemeinen Glaubwürdigkeit eines Zeugen respektive einer einvernommen Person 

im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kommt nämlich kaum mehr 

relevante Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die 

allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage (BGE 

133 I 33 E. 4.3, Urteil des Bundesgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 

E. 1.4, je mit Hinweisen). Insgesamt ist daher festzuhalten, dass die Glaubwür-

digkeit des Beschuldigten und des Privatklägers auf der gleichen Stufe anzusie-

deln ist. 

3.2 Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es 

nach seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten ge-

schöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). 

Eine strafrechtliche Verurteilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Be-

schuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein 

vernünftiger Zweifel darüber bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der 

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Anklageschrift vorgeworfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, 

dass das Gericht eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn 

die vorliegenden Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeu-

ten, das Gericht aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Allfällige abstrak-

te theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind 

und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausreichen, wenn 

vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden 

können. 

Die blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu begründen. 

Nur wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von 

der Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu 

überzeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende Grundsatz "in 

dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche und nicht zu un-

terdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrän-

gen), so muss es den Beschuldigten freisprechen. 

Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Beteiligten, 

so sind diese frei zu würdigen. Steht Aussage gegen Aussage, ist anhand sämtli-

cher Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen, welche Sach-

darstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der 

Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. 

Massgebend ist die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussa-

gen. Diese sind einer Analyse bzw. kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei 

insbesondere auf das Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien Gewicht 

zu legen ist (BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaus-

sagen, SJZ 81, S. 53 ff.). 

4. Aussagen des Beschuldigten und Würdigung 

4.1 Wie in Ziffer 2 erwähnt wurde der Beschuldigte in der Untersuchung und vor 

beiden Gerichtsinstanzen mehrmals zur Sache befragt. 

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4.1.1  In der ersten Befragung bei der Stadtpolizei Zürich vom 22. März 2012 (vgl. 

ND 8/3), ein bis eineinhalb Stunden nach dem eingeklagten Geschehen, schilder-

te der Beschuldigte, er habe bei Rotlicht an der Ampel gestanden. Als es grün 

geworden sei, sei er ganz normal geradeaus losgefahren. Dann sei plötzlich das 

Motorrad vor ihm gewesen. Es habe ihn rechts überholt. Der Fahrer habe auch 

geradeaus in die Unterführung gewollt. Das Motorrad und er seien dann kollidiert. 

Der Motorradlenker sei ins Schleudern gekommen und hingefallen. Er habe sofort 

gebremst, als er das Motorrad gesehen habe. Nach der Kollision bzw. nach dem 

Sturz des Motorradlenkers habe er sofort angehalten, sei ausgestiegen und habe 

dem Lenker geholfen. Einer Frau, die dort gestanden sei, habe er gesagt, sie sol-

le die Sanität anrufen. Danach habe er sich auch gleich um den Verunfallten ge-

kümmert (ND 8/3 S. 1).  

Auf die Frage, ob bei Rotlicht an der Ampel ein weiteres Auto vor ihm gestanden 

habe, antwortete der Beschuldigte, dass er dies nicht mehr genau sagen könne, 

jedoch glaube er, dass ein weiteres Auto vor ihm gestanden habe. Er habe mit 

seinem Fahrzeug auch nicht ganz vor der Ampel gestanden, sondern vielleicht 10 

Meter davor. Bei grün sei er dann wie gesagt losgefahren und vom Motorrad 

rechts überholt worden. Als er an der Ampel gestanden sei, habe er im rechten 

Aussenspiegel das Motorrad in einer Entfernung von ca. 60 bis 70 Metern hinter 

sich gesehen. Beim Wechsel auf grün habe er nochmals in den rechten Aussen-

spiegel geschaut, das Motorrad jedoch nicht gesehen. Er sei dann losgefahren. Er 

wisse nicht, ob er dem Motorradlenker zu langsam gewesen sei, aber dieser sei 

plötzlich auf der Höhe seiner Motorhaube rechts aufgetaucht. Also müsse er (Mo-

torradlenker) ihn rechts überholt haben. Die Frage, ob er mit seinem Fahrzeug ei-

nen Schwenker nach rechts gemacht habe, verneinte der Beschuldigte; er sei nur 

geradeaus gefahren. Er sei auch nicht schnell gefahren, da eben erst losgefah-

ren. Er sei mit maximal 15 km/h gefahren, da er ja erst ca. 6 bis 8 Meter zurück-

gelegt habe. Nach der Kollision sei das Motorrad noch ein bis zwei Meter schleu-

dernd gefahren und dann auf die linke Seite gefallen. Er sei dann sofort ausge-

stiegen. Der Mann habe über einen schmerzenden Fuss geklagt, und er habe mit 

zwei weitern Männern den Motorradlenker zur Seite getragen und diesen bis zum 

Eintreffen der Sanität betreut (ND 8/3 S. 2). 

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Nach der ungefähren Geschwindigkeit des Motorradlenkers gefragt, antwortete 

der Beschuldigte, dies nicht genau sagen zu können, dieser sei jedoch deutlich 

schneller gefahren als er selbst. Der Motorradlenker habe ihn ja auch auf der 

rechten Seite überholt. Ergänzungen oder Korrekturen am Ende der Befragung 

brachte der Beschuldigte keine an (ND 8/3 S. 2 f.). 

4.1.2  Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 19. Juni 2013 (HD Urk. 6/3 S. 6 ff.) 

wurde der Beschuldigte erneut zum Verkehrsunfall vom 22. März 2012 befragt. 

Dabei gab er zu Protokoll, dass das Lichtsignal rot angezeigt und er angehalten 

habe. Als es grün geworden sei, sei er geradeaus losgefahren, er habe in die Un-

terführung fahren wollen. Der Motorradfahrer habe ihn rechts überholen wollen, 

dafür gebe es Zeugen. Der Motorradfahrer sei in seine rechte Seite gefahren und 

zu Boden gefallen. Er selber habe sofort angehalten, sei ausgestiegen, habe ers-

te Hilfe geleistet und die Sanität gerufen. Es gebe auch Zeugen, die das bestäti-

gen könnten. Vor der Kollision sei er nur 20 km/h gefahren und das geradeaus. 

Auf das damalige Verkehrsaufkommen angesprochen, bezeichnete er dieses als 

normal. Es habe noch ein Fahrzeug links neben ihm gegeben, welches links habe 

abbiegen wollen. Die Strasse sei dort zweispurig. Das Motorrad sei einfach von 

hinten gekommen. Es habe nicht hinter ihm gehalten, sondern sei etwa 50 bis 60 

Meter hinter ihm gekommen und habe einfach rechts neben ihm vorbeifahren wol-

len (HD Urk. 6/3 S. 6).  

Er habe von Schwamendingen nach Oerlikon fahren wollen. Auf Vorhalt einer Fo-

tografie (aus Google Streetview) der fraglichen Kreuzung bestätigte der Beschul-

digte, dass er in die Unterführung habe fahren wollen. Der Motorradfahrer habe 

dieselbe Richtung nehmen wollen und sei ihm in die Seite gefahren. Links neben 

ihm habe ein weiteres Fahrzeug gestanden, welches nach links habe abbiegen 

wollen. Dieses Fahrzeug sei ein wenig schräg hinter ihm gestanden und er habe 

gesehen, dass es blinkte und nach links wollte. Er (jener Fahrer) sei dann nach 

dem Unfall auch ausgestiegen und habe ihm geholfen, den Verunfallten, dessen 

Knie verletzt gewesen sei, zur Seite zu tragen. Auf Nachfrage bejahte der Be-

schuldigte, am Lichtsignal das vorderste Auto in der Kolonne gewesen zu sein, 

welches habe anhalten müssen, er sei sich aber nicht [keine Hervorhebung im 

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Original] hundert Prozent sicher. Er habe es so ausgesagt, und der Zeuge sei 

auch da gewesen und habe das so ausgesagt (HD Urk. 6/3 S. 7).  

Die Frage des Staatsanwaltes, ob er einfach geradeaus in Richtung der Unterfüh-

rung gefahren sei oder ob er allenfalls noch einem weiteren Fahrzeug habe aus-

weichen müssen, welches links vor ihm gestanden sei und nach links habe ab-

biegen wollen, beantwortete der Beschuldigte wie folgt: "Ich bin einfach gerade-

aus gefahren. Ich glaube man sieht das auch auf den Polizeifotos: Das Fahrzeug 

befand sich gerade bei der Mittellinie, als ich es anhielt. Ich bewegte es nachher 

auch nicht mehr. Der Motorradlenker ist mir wirklich von der rechten Seite her ins 

Auto gefahren." (HD Urk. 6/3 S. 7). Ob es noch andere Fahrzeuge hinter ihm ge-

habt habe, wusste der Beschuldigte nicht mehr. Den Motorradlenker habe er be-

reits vor der Kollision im Rückspiegel hinter sich gesehen, als er losgefahren sei. 

Auf einmal habe er gesehen, dass er (Motorradlenker) nicht langsam hinter ihm 

fahre, sondern ihn überholen wolle (HD Urk. 6/3 S. 8).  

Mit der Aussage des Privatklägers bei der Polizei konfrontiert, wonach vor dem 

Beschuldigten ein weiteres Fahrzeug gefahren sei, erwiderte der Beschuldigte: 

"Nein. Das kann sein. Es ist lange her, ich bin nicht ganz sicher." (HD Urk. 6/3 

S. 8). Auf Vorhalt der weiteren Darstellung des Privatklägers, dieses Fahrzeug vor 

dem Beschuldigten habe links abbiegen wollen und angehalten, da Gegenverkehr 

gekommen sei, entgegnete der Beschuldigte, er glaube, das sei nicht so gewe-

sen. Er habe aber schon ausgesagt, wie es gewesen sei. Es könne sein, dass 

noch ein Auto vor ihm gewesen sei, aber er sei völlig geradeaus gefahren und auf 

seiner Seite gewesen. Er sei weder nach links noch nach rechts gefahren. Die 

Schilderung des Privatklägers, der Beschuldigte sei nun rechts an diesem ste-

henden Fahrzeug vorbeigefahren und hierbei sei es zur Kollision gekommen, 

stimme nicht. Er sei langsam geradeaus gefahren und er (der Privatkläger) sei 

von rechts in ihn reingefahren, dies auf der Höhe des rechten Vorderrades. Nur 

dort sei das Fahrzeug seines Vaters beschädigt gewesen. Die auf einer Fotogra-

fie erkennbare Beschädigung an der Fahrzeugfront (vgl. ND 8/4) wies der Be-

schuldigte einem andern Ereignis zu. Danach gefragt, wer seiner Ansicht nach die 

Verantwortung für den Unfall trage, antwortete der Beschuldigte, der andere sei 

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verantwortlich, der sei in ihn hineingefahren (HD Urk. 6/3 S. 8). Zu Ergänzungen 

oder Berichtigungen nach Durchsicht des Protokolls sah sich der Beschuldigte 

nicht veranlasst (HD Urk. 6/3 S. 11 f.).  

4.1.3  In der Konfrontationseinvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 

20. August 2013 (ND 8/6) wurde dem Beschuldigten die Möglichkeit gegeben, zu 

den eben gehörten Ausführungen des Privatklägers Stellung zu nehmen. Dabei 

führte der Beschuldigte aus, der Privatkläger habe – entgegen dessen Schilde-

rungen – nicht neben ihm gestanden. Als es grün geworden sei, habe er den Pri-

vatkläger noch hinter sich im Spiegel gesehen. Er selbst sei einfach geradeaus 

gefahren. Der Privatkläger habe auch geradeaus fahren wollen und sei ihm von 

hinten rechts beim Vorderreifen ins Auto gefahren. Dabei sei er etwa einen Meter 

dem Auto entlang gestreift. Der Privatkläger sei keine Sekunde neben ihm gewe-

sen. Als er bei der Ampel losgefahren sei, habe er den Privatkläger ca. 15 Meter 

hinter sich im Spiegel gesehen. Auf Nachfrage bestätigte der Beschuldigte, den 

Privatkläger im Innen- und im rechten Aussenspiegel gesehen zu haben. Er sel-

ber sei weder nach links noch nach rechts gefahren sondern nur geradeaus. Der 

Privatkläger habe nie neben ihm gestanden, dafür hätte es auch gar keinen Platz 

gegeben. Die Frage, wie weit er beim Rotlicht vom rechten Fahrbahnrand weg 

gestanden habe, beantwortete der Beschuldigte mit "Vielleicht einen Meter, mehr 

nicht." (ND 8/6 S. 2). Auf ein Auto vor sich angesprochen, welches nach links ha-

be abbiegen wollen, verwies der Beschuldigte auf seine bisherigen Ausführungen, 

wonach ein solches Auto schräg links vor ihm gestanden habe. Auch im An-

schluss an diese Einvernahme bestand seitens des Beschuldigten kein Bedürfnis 

zu Ergänzungen oder Berichtigungen des Protokollierten (ND 8/6 S. 2).  

4.1.4  Anlässlich der Hauptverhandlung vom 25. März 2014 (Prot. I S. 14 ff.) be-

stätigte der Beschuldigte, dass er damals in die Unterführung habe fahren wollen. 

Er habe vor der Ampel angehalten, weil diese rot angezeigt habe. Ein Auto habe 

links von ihm gestanden, jedoch nicht auf gleicher Höhe, sondern zurückversetzt. 

Auf Vorhalt der beiden Skizzen des Privatklägers (vgl. ND 8/8 und 8/9), ob die Si-

tuation in etwa so gewesen sei, stimmte der Beschuldigte zu (Prot. I S. 15). Die 

Strasse sei an diesem Ort sehr breit. Neben ihm habe es etwa eineinhalb Meter 

-   15   - 

Platz gehabt. Das Motorrad habe er weit hinter sich gesehen. Das andere Fahr-

zeug habe links abbiegen wollen. Er selber sei bei grün weder nach links noch 

nach rechts ausgewichen, sondern langsam geradeaus in Richtung Unterführung 

gefahren. Da habe ihn das Motorrad plötzlich überholt bzw. sei rechts von ihm 

aufgetaucht, es habe auch in die Unterführung gewollt. Dann sei es in ihn hinein-

gefahren (Prot. I S. 14 f.). Im Zeitpunkt des Unfalls sei er ganz langsam, nicht 

schneller als 10 km/h gefahren und habe sich beim Unfall ca. 10 Meter nach der 

Anfahrt befunden. Der Motorradfahrer sei deutlich schneller unterwegs gewesen. 

Nach der Kollision habe er sofort angehalten und sein Auto nicht mehr bewegt bis 

die Polizei gekommen sei. Er habe zusammen mit einem Passanten dem am Knie 

verletzten Motorradfahrer auf dem Trottoir geholfen und die Sanität angerufen 

(Prot. I S. 15 f.). 

Die Absicht des Motorradfahrers in die Unterführung zu fahren, habe er dadurch 

gemerkt, dass dieser deutlich nach links abgebogen und in ihn hineingefahren sei. 

Die Frage des Vorsitzenden, ob er nicht wegen des andern Fahrzeuges, welches 

nach links habe abbiegen wollen, nach rechts habe ausweichen müssen, quittier-

te der Beschuldigte wie bisher mit Nein und erläuterte anhand der Fotografie in 

Urk. 44/1, er habe an erster Stelle vor der Ampel etwa in der Mitte [der Fahrbahn] 

gestanden und das andere Auto versetzt hinter ihm (Prot. I S. 16). Er sei zuerst 

losgefahren. Das andere Auto sei nicht hinter ihm hergefahren, sondern neben 

ihm. Nach dem Losfahren habe er via Seitenspiegel gemerkt, dass dieses Fahr-

zeug nach links habe abbiegen wollen, und da sei es auch bereits abgebogen. 

Sodann habe er den Motorradfahrer im Rückspiegel gesehen (Prot. I S. 17). Er 

selber sei weder nach rechts noch nach links ausgewichen, da er geradeaus in 

die Unterführung habe fahren wollen.  

4.1.5  An der Berufungsverhandlung vom 28. November 2014 führte er aus, er 

denke, beim Rotsignal bei der Kreuzung sei ein Auto vor ihm gestanden, welches 

links habe abbiegen wollen. Es sei lange her. Er bestätigte, dass er geltend ge-

macht habe, dass der Privatkläger mit seinem Motorrad rechts an ihm vorbeige-

fahren und seitlich vorne in ihn hineingefahren sei. Der Motorradfahrer habe in die 

Unterführung fahren wollen. Dieser habe ihn seitlich überholt und sei seitlich in ihn 

-   16   - 

hineingefahren. Er selber sei geradeaus gefahren. Den Motorradfahrer habe er im 

Rückspiegel gesehen und dann, als er von ihm überholt worden sei. Er denke, der 

Privatkläger habe in die Unterführung fahren wollen (Prot. II S. 12 f.). 

4.2 Der Standpunkt des Beschuldigten ist hinsichtlich seiner Behauptungen 

konstant, dass er nach dem Wechsel auf grün nur langsam geradeaus in Rich-

tung Unterführung losgefahren sei, ohne nach links oder nach rechts auszuwei-

chen sowie dass ihn plötzlich das Motorrad des Privatklägers, welches er bereits 

vorher hinter sich im Innen- bzw. im rechten Aussenspiegel gesehen und das 

auch geradeaus in die Unterführung gewollt habe, mit deutlich höherer Ge-

schwindigkeit rechts überholt habe und ihm von der rechten Seite her auf der Hö-

he des rechten Vorderrades ins Auto gefahren sei. Mehr oder weniger gleichblei-

bend beschrieb der Beschuldigte sodann, dass er nach der Kollision sofort ange-

halten, sein Fahrzeug stehen gelassen, den gestürzten Motorradlenker mit dritter 

Hilfe zur Seite getragen und diesen bis zum Eintreffen der Sanität betreut habe. 

Die Kontinuität bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass diese Angaben auch der 

Wirklichkeit entsprechen.  

Die weiteren Schilderungen des Beschuldigten sind durch zahlreiche Ungereimt-

heiten und Unklarheiten geprägt sowie in sich selbst mehrfach widersprüchlich 

und teilweise realitätsfern.  

4.2.1  Zum einen gibt es unterschiedliche Versionen zur Frage, ob bei Rotlicht an 

der Ampel eines weiteres Auto vor ihm gestanden habe.  

Kurz nach dem Unfall in der ersten Einvernahme (ND 8/3 S. 1 f.) gab der Be-

schuldigte – offensichtlich ausweichend – zunächst an, dies nicht mehr genau sa-

gen zu können. Er räumte dann aber ein zu glauben, dass ein weiteres Auto vor 
ihm gestanden habe. Seine anschliessende Bemerkung, er sei auch nicht ganz 
vor der Ampel gestanden, sondern vielleicht 10 Meter davor, ohne dass er einen 

speziellen Grund dafür nannte, spricht zusätzlich für ein vor ihm wartendes Fahr-

zeug. Es ist nämlich nicht einzusehen, weshalb der Beschuldigte im Falle einer 

freien Fahrbahn nicht bis zum Haltebalken hätte aufschliessen können (und wol-

len), zumal er gemäss eigenem Bekunden zu einem Kollegen nach Oerlikon un-

-   17   - 

terwegs war und somit ein konkretes Ziel hatte (HD Urk. 6/3 S. 7). Auch im Lichte 

von späteren abweichenden Aussagen des Beschuldigten zu diesem Punkt – wo-

nach er zuvorderst gestanden habe und das andere Auto schräg hinter ihm posi-

tioniert gewesen sein soll – hätte es keinen vernünftigen Sinn gemacht, nicht bis 

zum Haltebalken vorzufahren.  

Laut seiner Aussage in der zweiten Einvernahme und in Beantwortung der offe-

nen Frage, wie das Verkehrsaufkommen damals gewesen sei, befand sich das 

andere Fahrzeug nunmehr links neben ihm und wollte links abbiegen. Von ei-
nem geplanten Abbiegemanöver des andern Fahrzeuges hatte der Beschuldigte 

in der dem Unfall zeitnächsten Befragung noch nichts erwähnt. Ein paar Antwor-

ten weiter beschrieb er die Position dieses Fahrzeuges als ein wenig schräg hin-
ter ihm stehend. Auf konkrete Nachfrage bejahte er, am Lichtsignal das vorderste 
Auto in der Kolonne gewesen zu sein, um dies im gleichen Atemzug wieder zu re-

lativieren mit den Worten "ich bin mir aber nicht hundert Prozent sicher" (vgl. HD 

Urk. 6/3 S. 7). Dabei berief sich der Beschuldigte auf einen vor Ort anwesenden 

Zeugen, der das so ausgesagt habe, was ihn offenbar dazu bewogen haben soll, 

gleich auszusagen. Ein solcher Zeuge ist nicht aktenkundig. Diese völlig unsachli-

che Argumentation des Beschuldigten und die neue Behauptung eines nunmehr 

schräg hinter ihm stehenden Linksabbiegers überzeugen nicht. Mit der Aussage 

des Privatklägers bei der Polizei konfrontiert, vor ihm sei ein weiteres Auto gefah-

ren, äusserte der Beschuldigte dann diffus ein Nein, das könne sein, es sei lange 

her, er sei nicht ganz sicher. Und auch zum weitern Vorhalt, gemäss dem Privat-

kläger habe dieses Fahrzeug vor ihm links abbiegen wollen und angehalten, da 

Gegenverkehr gekommen sei, liess der Beschuldigte wiederum konturlos verlau-

ten, er glaube, das sei nicht so gewesen. Er habe aber schon ausgesagt, wie es 

gewesen sei. Es könne sein, dass noch ein Auto vor ihm gewesen sei. In dieser 
Einvernahme vom 19. Juni 2013 absolvierte der Beschuldigte einen regelrechten 

Slalomkurs betreffend die Position des andern Autos, ohne sich erkennbar festzu-

legen. 

Bei der folgenden Befragung in Gegenwart des Privatklägers rund einen Monat 

später zeigte sich keine Verdeutlichung, sondern vielmehr eine modifizierte Vari-

-   18   - 

ante im Sinne seiner anfänglichen Aussage: ein solches Auto, das links abbiegen 

wollte, sei schräg links vor ihm gestanden (ND 8/6 S. 2).  

Auch seine Aussage vor Vorinstanz beinhaltet drei Möglichkeiten: neben ihm 
(Prot. I S. 14 f.), links zurückversetzt neben ihm mit ihm selber an erster Stelle 
vor der Ampel (Prot. I S. 15), aber auch die Version des Privatklägers mit dem 

andern Auto vorne. Letzteres ergibt sich daraus, dass dem Beschuldigten Foto-
grafie und Skizze aus der Einvernahme des Privatklägers vorgehalten wurden 

(ND 8/8 und 8/9 in Verbindung mit ND 8/7 S. 4) – woraus sich unmissverständlich 

ergibt, dass nach der Darstellung des Privatklägers das Fahrzeug des Automobi-

listen, der links abbiegen wollte, zuvorderst an der Ampel stand und das Auto des 

Beschuldigten hinter diesem positioniert war – und der Beschuldigte die Frage be-

jahte, dass die Situation in etwa so war (Prot. I S. 15).  

Anlässlich der Berufungsverhandlung gab er an, er denke, dass sich bei der Am-

pel ein anderes Auto vor ihm befunden habe und dass dieses nach links habe 
abbiegen wollen. Er könne sich nicht mehr genau erinnern (Prot. II S. 12). 

Im Ergebnis zeigt sich in diesem zentralen Punkt ein ausgesprochen inkonsisten-

tes Aussageverhalten des Beschuldigten mit widersprüchlichen und sich gegen-

seitig ausschliessenden Standpunkten. Schon allein gestützt auf die Aussagen 

des Beschuldigten erscheint die Version mit dem linksabbiegenden Auto vor ihm 

als einzig logisch und daher klar im Fokus, zumal der jeweils verschwommen 

antwortende Beschuldigte dies primär so einräumte und fortan in keiner Befra-

gung explizit ausschloss, sondern eingestandenermassen ebenso für möglich 

hielt. Zudem stufte der Beschuldigte die ihm anlässlich der Hauptverhandlung 

präsentierte Fotografie und Skizze des Privatklägers zur Positionierung der Fahr-

zeuge, wie sie dann auch in die Anklage floss, als ungefähr korrekt ein. Damit hat-

te er über das gesprochene Wort hinaus auch optisch zur Sachlage Stellung 

nehmen können. Bereits aufgrund der Beschuldigtenaussagen drängt sich daher 

unweigerlich der Schluss auf, dass an der fraglichen Ampel der Verzweigung 

G._____-Strasse/I._____-Strasse vor dem Beschuldigten ein Fahrzeug, dessen 

Fahrer links abzubiegen gedachte und daher innerhalb der Fahrspur links einge-

spurt war, stand und dann bei grün anfuhr. Folglich befand sich der Beschuldigte 

-   19   - 

dahinter. Die unterschiedlichen davon abweichenden Darstellungen des Beschul-

digten sind demgegenüber allesamt unglaubhaft und als Ausflüchte zu taxieren.  

4.2.2  Der Beschuldigte gab stets an, den Motorradfahrer vor der Kollision gese-

hen zu haben. Seine diesbezüglichen Ausführungen sind aber keineswegs ein-

heitlich. Das betrifft namentlich die Distanzangaben und wann genau er den Pri-

vatkläger vorgängig gesehen hat sowie seine eigene Geschwindigkeit anlässlich 

der Kollision.  

Gemäss seiner Erstaussage (ND 8/3 S. 2) hat der Beschuldigte – als an der Am-

pel stehend – das Motorrad im rechten Aussenspiegel in einer Entfernung von 
ca. 60-70 Metern hinter sich gesehen. Beim Signalwechsel auf grün hat er es 
dann trotz nochmaligem Blick in den rechten Aussenspiegel nicht (mehr) gese-

hen, worauf er losgefahren ist und der deutlich schnellere Motorradfahrer dann 

plötzlich auf der Höhe seiner Motorhaube rechts auftauchte. Daraus zog der Be-
schuldigte den Schluss, dass dieser ihn rechts überholt haben müsse. Er stellte 

das Überholmanöver des Motorradfahrers als für ihn gänzlich überraschend dar. 

Seine eigene Geschwindigkeit im Kollisionszeitpunkt bezifferte er auf maximal 15 
km/h. 

Folgt man der Schilderung des Beschuldigten in seiner zweiten Einvernahme (HD 

Urk. 6/3 S. 6 ff.), hat er beim Losfahren den Privatkläger im Rückspiegel etwa 50 
bis 60 Meter hinter sich her kommen sehen. Ebenso gab er an gesehen zu ha-
ben, dass dieser nicht langsam hinter ihm herfuhr, sondern rechts neben ihm 
vorbeifahren, ihn überholen wollte. Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass 
die Absicht des Privatklägers, mit seinem Motorrad rechts am Beschuldigten vor-

beizufahren bzw. ihn rechts zu überholen, für den Beschuldigten bereits vor die-

sem Manöver erkennbar war und auch erkannt wurde, folglich nicht völlig überra-

schend kam. Die Darstellung deutet darauf, dass der Beschuldigte den Motorrad-

fahrer grundsätzlich im Auge behielt. Die eigene Geschwindigkeit bei der Kollision 

bezifferte der Beschuldigte nunmehr auf nur 20 km/h.  

-   20   - 

Der Befragung des Beschuldigten vom 20. August 2013 (ND 8/6) ist zu entneh-

men, dass er beim Losfahren den Privatkläger ca. 15 Meter hinter sich im Spiegel 
gesehen hat, nämlich im Innen- und rechten Aussenspiegel.  

Gegenüber der Vorinstanz (Prot. I S. 14 ff.) führte der Beschuldigte aus, das Mo-

torrad weit hinter sich im Rückspiegel gesehen zu haben und dass dieses dann 
plötzlich rechts von ihm gewesen und mit ihm kollidiert sei, womit er wieder zur 
Überraschungsvariante zurückkehrte. Im Zeitpunkt des Unfalls sei er selber ganz 

langsam, nicht schneller als 10 km/h gefahren, der Motorradfahrer deutlich 
schneller.  

Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, er habe den 

Privatkläger im Rückspiegel gesehen und dann wieder, als dieser ihn überholt 
habe (Prot. II S. 13). 

Aufgrund dieser Ausführungen des Beschuldigten steht jedenfalls fest, dass er 

durch Konsultieren seines Innenspiegels und/oder seines rechten Aussenspiegels 

von der Präsenz des mit höherer Geschwindigkeit von hinten herannahenden Mo-

torradfahrers wusste, und dies zeitlich klar vor dessen Vorbeifahren bzw. Überho-

len. Insoweit der Beschuldigte geltend macht, der Privatkläger sei plötzlich, ge-

wissermassen aus dem Nichts, an seiner rechten Fahrzeugseite aufgetaucht und 

in ihn hineingefahren, handelt es sich offenkundig um eine Schutzbehauptung. Im 

Übrigen sind die von Einvernahme zu Einvernahme in mehrfacher Hinsicht nicht 

nur geringfügig differierenden Zahlenangaben betreffend Distanz und Geschwin-

digkeit in ihrer Gesamtheit der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen abträglich.  

4.2.3  Der Beschuldigte behauptete stets, der Motorradfahrer habe auch gerade 

aus in die Unterführung gewollt.  

Es bleibt unerfindlich, woher der Beschuldigte damals gewusst haben will, in wel-

che Richtung der Privatkläger zu fahren gedachte, namentlich, ob er – wie der 

Beschuldigte – die (nicht durch markierte Fahrspuren geteilte) G._____-Strasse in 

Richtung Unterführung befahren wollte oder die rechts davon praktisch parallel 

dazu verlaufende ebenerdige Fahrspur der G._____-Strasse. Tatsache ist, dass 

-   21   - 

beide Destinationen grundsätzlich geradeaus führen. Der Beschuldigte versucht 

die Situation zu seiner Entlastung offensichtlich so darzustellen, dass der Privat-

kläger, der beim Wechsel auf grün und dem Losfahren des Beschuldigten noch 

deutlich hinter diesem gewesen sei (ND 8/3 S. 2; ND 8/6 S. 2; HD Urk. 6/3 S. 8; 

Prot. I S. 15 f.), das Fahrzeug des Beschuldigten geradezu waghalsig noch 

schnell überholen wollte, um vor ihm in die Unterführung zu gelangen.  

Zum einen ist allgemein die Frage aufzuwerfen, weshalb ein Motorradfahrer als 

weniger geschützter und damit schwächerer Verkehrsteilnehmer sich selber durch 

ein solch riskantes Manöver erheblich gefährden und einem Automobilisten von 

rechts ins (oder gerade noch vor das) Fahrzeug fahren sollte. Das gilt besonders 

dann, wenn sich der Motorradfahrer beim Wechsel einer Ampel auf grün – immer 

den Angaben des Beschuldigten folgend – noch wesentlich hinter dem Auto be-

findet und es überdies (rechts) neben dem noch stehenden Auto auch gar keinen 

Platz für das Motorrad gegeben hätte (ND 8/6 S. 2), weil angeblich das andere 

Auto, welches nach links abbiegen wollte, (links) neben dem Beschuldigten stand 

bzw. nach dem Anfahren links neben dem Beschuldigten herfuhr (Prot. I S. 15 

und 17). Dieser Frage braucht aber nicht weiter nachgegangen zu werden. Der 

Privatkläger selber – dies sei hier vorweggenommen – hat nämlich nie ausgesagt, 

dass er in die Unterführung fahren wollte. Im Gegenteil äusserte er konstant, dass 

er (ebenerdig) geradeaus wollte und nicht in die Unterführung, und er nannte 

auch sein damaliges, dies untermauerndes Ziel (ND 8/2 S. 8; ND 8/7 S. 5 f.; siehe 

hinten Ziffer III. 5.). Die Erklärung des Beschuldigten vor Vorinstanz, er habe ge-

merkt, dass der Motorradfahrer in die Unterführung gewollt habe, weil er deutlich 

nach links abgebogen und in ihn hinein gefahren sei (Prot. I S. 16), ist daher nicht 

zu hören, zumal er anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte, dass er es 

nicht habe wissen können, sondern den Schluss gezogen habe, dass der Privat-

läger in die Unterführung gewollt habe (Prot. II S. 13). 

Der Standpunkt des Beschuldigten, der Privatkläger habe auch in die Unterfüh-

rung fahren wollen, findet nach dem Gesagten in den Akten keine Stütze.  

4.2.4  Weiter machte der Beschuldigte geltend, dass er einfach geradeaus gefah-

ren (und nicht etwa einem weiteren Fahrzeug ausgewichen) sei, sehe man auch 

-   22   - 

auf den Polizeifotos: Das Fahrzeug habe sich gerade bei der Mittellinie befunden, 

als er es nach der Kollision sofort angehalten habe. Danach – so betonte er 

mehrmals – habe er das Auto bis zum Eintreffen der Polizei nicht mehr bewegt, 

sondern sich um den verletzten Motorradfahrer gekümmert und die Sanität geru-

fen (HD Urk. 6/7 S. 7; Prot. I S. 15 f.).  

Es ist nicht daran zu zweifeln, dass der Beschuldigte dem verletzten Privatkläger 

nach seinen Möglichkeiten beistand, wie er in all seinen Einvernahmen ausführte.  

Nicht glaubhaft, sondern nachweislich falsch ist jedoch, dass der Beschuldigte 

nach der Kollision sein Auto bis zur Ankunft der Polizei nicht bewegt, sondern am 

Kollisionsort gelassen habe. So ergibt sich schon aus dem Polizeirapport, dass 

beim Eintreffen der Polizei die Kollisionsendlage bereits verstellt und die Fahr-

zeuge beiseite gestellt waren (ND 8/1 S. 5 f.). Auch die Berufung auf die akten-

kundigen Polizeifotos, welche unbestritten den Unfallort und die beteiligten Fahr-

zeuge darstellen (vgl. ND 8/4, diverse Bilder), hilft dem Beschuldigten nicht. So-

wohl das Auto des Beschuldigten als auch das Motorrad des Privatklägers sind 

erkennbar neben dem Trottoir entlang der ebenerdig verlaufenden Fahrspur der 

G._____-Strasse parkiert. Bei der Strassenmarkierung, die der Beschuldigte als 

Mittellinie bezeichnet, handelt es sich klarerweise um eine Linie am Fahrbahn-

rand. Da unmittelbar nach der Einmündung der I._____-Strasse in die G._____-

Strasse bzw. der Kreuzung I._____-Strasse / G._____-Strasse, dürfte es sich um 

eine gelbe Halteverbotslinie gemäss Art. 79 Abs. 6 SSV in Verbindung mit SSV 

Anhang 2 Markierung 6.25 handeln, welche das freiwillige Halten an der markier-

ten Stelle verbietet. Das ist auch auf einigen bei den Akten befindlichen Planaus-

schnitten erkennbar (z.B. ND 8/5 und Urk. 44/3). Würde der sichtbare helle Strei-

fen unter dem vom Beschuldigten damals gelenkten BMW 530i, ZH … die Mittelli-

nie darstellen, wie der Beschuldigte postuliert, so hätte er sich beim unverzügli-

chen Anhalten nach der Kollision mit seinem Fahrzeug zudem weitestgehend auf 

der Gegenfahrbahn befunden (vgl. ND 8/4 und 8/5). Eine solche Kollisionsendla-

ge des zuvor nach eigenen Ausführungen korrekt auf seiner Fahrbahn zirkulie-

renden Beschuldigten liesse sich nicht annähernd durch das Kräfteverhältnis der 

beiden unfallbeteiligten Fahrzeuge erklären, abgesehen davon, dass es sich bei 

-   23   - 

deren Zusammenstoss nicht um eine Frontalkollision handelte, sondern eher um 

einen seitlichen Aufprall. Zudem steht eine derartige Position auch angesichts der 

erwähnten Polizeifotos, des Polizeirapportes (ND 8/1 S. 11) und der zitierten 

Planausschnitte unzweifelhaft ausser Debatte. Gemäss der Unfallskizze im Poli-

zeirapport (ND 8/1 S. 11) befindet sich der Kollisionspunkt vielmehr in der rechten 

Fahrbahnhälfte noch vor der Kreuzung bzw. vor der Einmündung der I._____-

Strasse, mithin wenige Meter nach der Ampel. Schliesslich widerspricht der 

Standpunkt des Beschuldigten, sein Fahrzeug habe sich beim sofortigen Anhalten 

nach der Kollision gerade bei der Mittellinie befunden, auch seiner eigenen Dar-

stellung, wonach sich links neben ihm das andere Auto, welches links abzubiegen 

beabsichtigte, befunden haben soll und sich die Kollision mit dem Privatkläger bei 

geringerer eigener Geschwindigkeit von 10 bis max. 15 km/h und nur ca. 6-8 bzw. 

10 Meter nach dem Anfahren ereignet habe (ND 8/3 S. 2; Prot. I S. 15). Die Kolli-

sionsstelle und die Unfallendlage befinden sind jedenfalls klar innerhalb der von 

den Unfallbeteiligten benützten Fahrbahn; wo genau, kann offen bleiben, da für 

die Sachverhaltserstellung nicht weiter relevant.  

Die hier diskutierte Behauptung des Beschuldigten, sein Auto habe sich beim 

Stillstand nach dem Unfall bei der Mittellinie befunden und er habe es bis zur An-

kunft der Polizei am Kollisionsort stehen lassen, entpuppt sich damit als Lüge. 

Das schwächt die Glaubhaftigkeit seiner Sachdarstellung zusätzlich.  

4.3 Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass die Darlegungen des Beschuldigten 

in vielerlei Hinsicht, und dies nicht nur in nebensächlichen Aspekten, diffus, in-

konsistent, widersprüchlich, unlogisch oder sogar nachweislich unwahr sind. 

Dadurch wird die Zuverlässigkeit seiner Aussagen, auch soweit konstant, negativ 

tangiert.  

Letzteres gilt insbesondere auch für seinen gleichbleibenden Standpunkt zum ei-

gentlichen Unfallgeschehen: dass er nur geradeaus, weder nach links noch nach 

rechts gefahren sei und insbesondere keinen Schwenker nach rechts gemacht 

habe, sondern vielmehr der Privatkläger unvermittelt in seine rechte Fahrzeugsei-

te gefahren sei. Diese Behauptung erscheint nicht plausibel. Wie gesehen steht 

schon aufgrund der Aussagen des Beschuldigten die eingeklagte Reihenfolge der 

-   24   - 

an der Ampel wartenden bzw. nach dem Wechsel auf grün anfahrenden Automo-

bile – nämlich linksabbiegender Dritter vorne und Beschuldigter hinter diesem in 

derselben (Zweier)Kolonne (vgl. Urk. 29 S. 5) – klar im Vordergrund. Da die 

G._____-Strasse, gut erkennbar auf den Fotos und Plänen (u.a. ND 8/4 und Urk. 

44/1-3), schon auf Höhe der Ampel zwei Autokolonnen zulässt – was auch der 

Beschuldigte so sieht, bezeichnete er doch die Strasse an diesem Ort als "sehr 

breit" (HD Urk. 6/3 S. 6; Prot. I S. 14 f., Prot. II S. 13) – und sich im Bereich der 

Kreuzung mit der I._____-Strasse noch zusätzlich verbreitert, bestand für ein 

rechts an dieser stehenden oder auch bereits rollenden (Zweier)Kolonne vorbei-

fahrendes weiteres Auto und erst recht ein Motorrad bei weitem genügend Raum, 

um gerade aus in die ebenerdige Fortsetzung der G._____-Strasse oder auch in 

die Unterführung der G._____-Strasse zu gelangen. Nicht anders würde es sich 

verhalten, wenn das Fahrzeug des Beschuldigten die (Zweier)Kolonne angeführt 

hätte. Die Tatsache, dass sich der hier zu beurteilende Unfall ereignete, lässt da-

her erhebliche Zweifel an der starren Behauptung des Beschuldigten, nur gerade-

aus gefahren zu sein, aufkommen, zumal die Absicht des Dritten, links abzubie-

gen, unbestritten ist.  

5. Aussagen des Privatklägers und Würdigung 

5.1 Der Privatkläger wurde zweimal befragt. Die erste Befragung durch die 

Stadtpolizei Zürich trägt das Datum vom 22. März 2012 (ND 8/2). Sodann wurde 

der Privatkläger am 20. August 2013 bei der Staatsanwaltschaft als Auskunfts-

person einvernommen (ND 8/7).  

5.1.1  Am 22. März 2012 (ND 8/2) gab der Privatkläger, der damals per FinZ-Set 

als Beschuldigter einvernommen wurde, zu Protokoll, vom Wohnort eines Kolle-

gen herkommend auf dem Weg nach Hause gewesen zu sein, als es auf der Ver-

zweigung G._____-Strasse / I._____-Strasse zu einer Kollision zwischen seinem 

Motorrad und dem Personenwagen des Beschuldigten gekommen sei (ND 8/2 

S. 3 und 6). Bei besagtem Kollegen an der G._____-Strasse … habe er 0.5 Liter 

Most getrunken, welcher etwas Alkohol enthalten habe. Er habe sich jedoch noch 

absolut fahrfähig gefühlt (ND 8/2 S. 6). Zum Unfallhergang führte der Privatkläger 

aus, er sei hinter zwei Autos hergefahren. Der erste Wagen habe links abbiegen, 

-   25   - 

er selbst hingegen geradeaus, nicht in die Unterführung fahren wollen (ND 8/2 

S. 8). Das Auto direkt vor ihm habe am ersten Wagen rechts vorbeifahren wollen. 

Dabei seien sie [gemeint das Auto vor ihm und er selber] kollidiert. Auf Befragen 

schilderte er weiter, er habe die beiden wartenden Autos rechts überholt, da sich 

weiter vorne die Strasse in zwei Fahrstreifen aufteile. Zum Vorbeifahren habe es 

viel Platz gehabt, weil der vorderste Wagen nach links abgebogen sei und das 

zweite Auto in die Unterführung gewollt habe (ND 8/2 S. 8). Das Auto vor ihm ha-

be den Richtungsblinker nicht betätigt. Da der erste Wagen wegen eines entge-

genkommenden Autos habe anhalten müssen, sei das zweite Auto nach rechts 

ausgewichen und dort mit ihm kollidiert. Wäre das zweite Auto nicht ausgewichen, 

wäre es in das vordere Auto gefahren. Die Geschwindigkeit des Autos vor ihm 

schätzte der Privatkläger auf ungefähr 50 km/h oder vielleicht auch mehr. Aber er 

könne dies nicht genau sagen. Auf die Frage nach seinem eigenen Tempo ant-

wortete er: "Nicht einmal 40 km/h" (ND 8/2 S. 9).  

Unklar ist, ob diese Aussagen alle am Unfalltag selbst oder allenfalls teilweise 

später zu Protokoll genommen wurden. Denn aufgrund seiner Verletzungen – der 

Privatkläger erlitt eine komplexe Tibiakopf- und Tibiaschaft-Trümmerfraktur links 

(ND 8/10 und 8/11) – musste der Privatkläger durch die Sanität ins Spital ver-

bracht und für längere Zeit stationär hospitalisiert werden. Aufgrund seiner 

Schmerzen konnte beim Privatkläger am Unfallort kein Atemlufttest durchgeführt 

werden (ND 8/1 S. 3 und 7). Aus dem Rapport der Stadtpolizei Zürich geht ferner 

hervor, dass nach der Spitalentlassung mit dem Privatkläger ein Termin zwecks 

Befragung und Erledigung der Formalitäten vereinbart und von diesem wahrge-

nommen wurde. Anlässlich dieses Termins, dessen Datum aus den Akten nicht 

ersichtlich ist, seien sowohl die OHG- und die Strafantragsformalitäten als auch 

das FinZ-Set erledigt worden (ND 8/1 S. 8).  

5.1.2  In der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 20. August 2013 (ND 

8/7) bestätigte der Privatkläger zunächst seine bisherigen Aussagen gegenüber 

der Polizei und führte dann auf die Bitte, den Vorgang nochmals zu schildern, fol-

gendes aus: Er sei von der Arbeit gekommen und habe mit seinem Kollegen ab-

gemacht gehabt, ihm einen Empfänger zu bringen, mit welchem man portugiesi-

-   26   - 

sche Fernsehsender empfangen könne (ND 8/7 S. 3). Beim Lichtsignal seien vor 

ihm das Auto des Beschuldigten und ein weiteres Auto gestanden. Der Beschul-

digte habe geradeaus fahren und das Auto vor diesem links abbiegen wollen. Er 

selber habe sich auf dem rechten Fahrstreifen befunden. Der Beschuldigte habe 

das Auto vor ihm [gemeint vor dem Beschuldigten] überholt und sei mit ihm [ge-

meint dem Privatkläger] zusammengestossen. Das Lichtsignal habe zunächst rot 

angezeigt und die beiden Fahrzeuge sowie er hätten an der Ampel gestanden. 

Dabei habe er nicht direkt hinter dem Wagen des Beschuldigten, sondern ein 

bisschen daneben gestanden. Zur Veranschaulichung zeichnete der Privatkläger 

anlässlich der Einvernahme die Positionen aller drei Fahrzeuge im Zeitpunkt des 

Unfalls (ND 8/8) sowie kurz zuvor, als die Ampel auf rot stand (ND 8/9) in zwei 

Übersichtspläne ein (ND 8/7 S. 4). Beim Wechsel der Ampel auf grün seien alle 

losgefahren, der Beschuldigte geradeaus. Der Fahrer vor diesem habe angehal-

ten, weil ein Auto entgegen gekommen sei und er links habe abbiegen wollen. 

Dass der Beschuldigte habe geradeaus fahren wollen, habe er daran gemerkt, 

dass er hinter dem anderen Auto gestanden habe. Hätte der Beschuldigte rechts 

fahren wollen, wäre er auf seiner [gemeint des Privatklägers] Seite gestanden. 

Zudem verneinte der Privatkläger, dass das Auto des Beschuldigten geblinkt ha-

be. Dies habe er, obwohl beinahe neben dem Beschuldigten gestanden, gut se-

hen können. Zwischen dem Fahrzeug des Beschuldigten und dem rechten Stras-

senrand seien mehr als zwei Meter verblieben. Da genügend Platz vorhanden 

gewesen sei, habe er am Auto des Beschuldigten vorbeifahren wollen, in dieser 

Situation habe er rechts überholen dürfen. Er sei rechts gestanden um geradeaus 

zu fahren, oben durch, "auf die Brücke", und nicht in die Unterführung. Links hätte 

er nicht stehen können (ND 8/7 S. 5 f.).  

Auf Ergänzungsfragen der Verteidigerin fügte der Privatkläger an, er habe das 

Empfangsgerät einem Kollegen bei der K._____ bringen wollen. Die K._____ sei 

bei der Strasse, wo man geradeaus "zur Brücke" hinauf fahre. Er habe die Stras-

se nehmen wollen, die rechts neben der Unterführung nach hinten führe. Dann 

gehe es rechts und man sei dort. Die weitere Ergänzungsfrage der Verteidigung, 

weshalb er beim vorhandenen Platz nicht bis zur weissen Linie vorgefahren sei, 

beantwortete der Privatkläger dahin, dass er nur ganz kurz, vielleicht während ei-

-   27   - 

ner Sekunde, angehalten habe und es schon wieder grün geworden sei. Kaum 

habe er zurückgeschaltet und abgebremst, sei es schon wieder grün geworden. 

Alles sei miteinander geschehen. Als er kurz angehalten habe, seien die andern 

wegen des Wechsels auf grün schon wieder gefahren. Sein Fuss sei fast nicht auf 

dem Boden gewesen (ND 8/7 S. 6 f.). Das Fahrzeug des Beschuldigten habe sein 

Motorrad im hinteren Teil touchiert, hinten links. Als Unfallfolge gab der Privatklä-

ger sodann an, dass er eine Prothese für sein linkes Knie benötige. Sein linkes 

Bein sei zwei Zentimeter kürzer, weshalb er spezielle Schuhe tragen müsse. Eine 

Zehe seines linken Fusses könne er kaum noch bewegen (ND 8/7 S. 8). 

5.2 Der Privatkläger hat – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 101 

S. 5) – weitestgehend konstante, widerspruchsfreie, in sich stimmige, anschauli-

che und sehr glaubhafte Aussagen zu Protokoll gegeben, die sich auch anhand 

der aktenkundigen Fotografien und Übersichtspläne nachvollziehen und verifizie-

ren lassen.  

5.2.1  So ergibt sich – zutreffend – aus seinen Schilderungen zum Unfallhergang, 

dass vor ihm zwei Autos bei rot hintereinander an der Ampel standen, wovon das 

vordere links abbiegen und das hintere, jenes des Beschuldigten, keinen Rich-

tungsblinker gestellt hatte und geradeaus in die Unterführung fahren wollte. 

Ebenso sachlich und authentisch präsentiert sich die Fortsetzung seiner Aussage, 

wonach das vordere Auto wegen des vortrittsberechtigten Gegenverkehrs aus der 

Unterführung nach dem Losfahren und vor dem Abbiegen nach links nochmals 

anhalten musste. Dass der Privatkläger, der aus derselben Richtung wie die zwei 

Autos kam und sich ebenfalls anschickte, die Kreuzung G._____-Strasse / 

I._____-Strasse zu überqueren, dies genau beobachten und korrekt berichten 

konnte, ist nicht zweifelhaft. Diese Darstellung lässt sich zudem wie dargelegt 

(vgl. vorne die Ziffern III. 4.2.1 und 4.3) auch mit den Ausführungen des Beschul-

digten in Einklang bringen.  

5.2.2  Als eigene beabsichtigte Wegfortsetzung nannte der Privatkläger stets die 

praktisch parallel zur Unterführung rechts davon ebenerdig verlaufende G._____-

Strasse. Daran Zweifel zu hegen besteht hier keinerlei Anlass. Zu diesem Zweck 

hatte sich der Privatkläger noch vor dem Lichtsignal innerhalb der nicht durch 

-   28   - 

Markierungen unterteilten breiten Fahrbahn folgerichtig auf der rechten Fahr-

bahnseite positioniert. Aufgrund des nach seiner Ankunft raschen Signalwechsels 

auf grün brauchte er nur ganz kurz, im hinteren Bereich der rechten Fahrzeugsei-

te des Beschuldigten (vgl. ND 8/7  S. 4; ND 8/9) anzuhalten ohne dass er dabei 

richtig abstehen musste – und schon begannen alle (wieder) zu fahren. Dank der 

bildhaft-plastischen Schilderung des Privatklägers ist dieses Geschehen gut vor-

stellbar und stellt im Übrigen eine im Strassenverkehr oft anzutreffende Dynamik 

dar. Sie passt auch zu den Ausführungen des Beschuldigten, wonach er bei Rot-

signal den Privatkläger zuerst via Spiegel noch weit hinter sich gesehen und die-

ser sich dann genähert hat, aber nie neben ihm gestanden ist.  

5.2.3  Nach Auffassung des Privatklägers verblieben zwischen dem Fahrzeug des 

Beschuldigten und dem rechten Fahrbahnrand mehr als zwei Meter und mithin 

genügend Platz für sein Motorrad (ND 8/7 S. 5). Ob es nun tatsächlich über zwei 

Meter waren oder aber weniger, ist von untergeordneter Bedeutung. Einerseits 

geht es um eine Schätzung. Zum andern lässt die Breite der Fahrbahn auf der 

G._____-Strasse vor der fraglichen Ampel wie vorne in Ziffer III. 4.3 aufgezeigt 

ohne weiteres zwei Autokolonnen zu, womit selbstredend auch für das Motorrad 

des Privatklägers rechts neben der bestehenden (Zweier)Autokolonne hinrei-

chend Raum vorhanden war. Auf die Behauptung des Beschuldigten, es hätte für 

den Privatkläger gar keinen Platz gehabt, weil diesem nicht mehr als vielleicht ein 

Meter für Verfügung gestanden hätte (ND 8/6 S. 2), ist demgegenüber nicht abzu-

stellen. Abgesehen davon hat der Beschuldigte seine Angabe vor Vorinstanz rela-

tiviert und von etwa eineinhalb Metern gesprochen (vgl. Prot. I S. 15), was genü-

gend Platz für ein Motorrad bietet. Ungefähr gleichviel wäre selbst dann für den 

Privatkläger zur Verfügung gestanden, wenn sich der Beschuldigte in der Mitte 

der Fahrbahn befunden hätte, welchen Standpunkt er teilweise auch einnahm 

(vgl. Urk. 44/3). Angesichts der Breite der Fahrbahn war es dem Privatkläger so-

wohl möglich und als auch gestattet (siehe die rechtliche Würdigung in Ziffer IV. 

hiernach), rechts an der Kolonne der beiden Autos vorbeizufahren, um geradeaus 

in die ebenerdig verlaufende G._____-Strasse zu gelangen. Dies insbesondere 

auch deshalb, weil sich die Kollision etliche Meter nach der Ampel bereits auf der 

Kreuzung ereignete, wo die Fahrbahn noch erheblich breiter wird, was auch den 

-   29   - 

diversen, mehrfach zitierten Planausschnitten zu entnehmen ist. Eine solche Vor-

beifahrt wäre dem Privatkläger selbst dann möglich und erlaubt gewesen, wenn er 

in die Unterführung hätte fahren wollen (vgl. auch Urk. 44/3; ND 8/1 S. 5 und 11; 

ND 8/13/7).  

5.2.4  Bei der oben in Ziffer 5.2.1 beschriebenen Konstellation des erneut zum 

Stillstand kommenden Linksabbiegers handelt es sich um eine alltägliche, jedem 

Fahrzeuglenker bekannte Situation im Strassenverkehr. Um diesfalls eine Kollisi-

on im Sinne eines Auffahrunfalles zu vermeiden, müssen auch die hinter dem 

Linksabbieger folgenden Fahrzeuge abbremsen und wenn nötig (erneut) anhal-

ten. Laut dem Privatkläger hat der Beschuldigte gerade dies nicht getan, sondern 

ist stattdessen nach rechts ausgewichen, um das vor ihm stehende Fahrzeug zu 

überholen, was zur Kollision mit dem Privatkläger führte, der in jenem Moment 

rechts an den zwei hintereinander positionierten Autos vorbeifahren wollte. Der 

Privatkläger hat dabei wiederholt realitätsnah beschrieben, dass der Beschuldigte, 

wäre er nicht nach rechts ausgewichen, in das vordere Auto geprallt wäre (ND 8/2 

S. 9; ND 8/7 S. 8). Es besteht kein Anlass, diese Schilderung zum Kerngesche-

hen des auch sonst sehr beständig und plausibel aussagenden Privatklägers in 

Frage zu stellen. Weshalb sollte der Privatkläger, der sich als Verkehrsteilnehmer 

regelkonform verhalten hatte und absolut fahrtüchtig war (das kurz zuvor konsu-

mierte Glas Most bewirkte lediglich eine minimale Spur Ethanol im Blut und nicht 

etwa einen Blutalkoholwert von 0.8 % wie die Verteidigung in Urk. 101 S. 5 fälsch-

licherweise geltend machte; vgl. ND 8/12/3), eine erfundene Geschichte zu Proto-

koll geben? Vielmehr ist seine Darstellung auch im Lichte seiner übrigen Deposi-

tionen sowie der aktenkundigen Fotografien und Planausschnitte glaubhaft und 

leuchtet ebenso inhaltlich ein. Der Beschuldigte selber führte zudem aus, im Zeit-

punkt der Kollision mit dem Privatkläger langsam gefahren zu sein mit einer Ge-

schwindigkeit von maximal 15 km/h bzw. nur 20 km/h oder ca. 10 km/h (ND 8/3 

S. 2; HD Urk. 6/3 S. 6; Prot. I S. 15 f.). Dass er selber hinter dem zum Stillstand 

gekommenen Fahrzeug, welches links abbiegen wollte, angehalten habe, machte 

er nie geltend und davon geht auch die Anklage nicht aus. So liegt es auf der 

Hand, dass der Beschuldigte, wollte er nicht mit dem vorderen angehaltenen 

Fahrzeug kollidieren, nach rechts ausweichen bzw. dieses rechts überholen 

-   30   - 

musste. Dies tat er denn auch, so dass es zum verhängnisvollen Zusammenstoss 

mit dem Privatkläger kam.  

5.2.5  Die stete Behauptung des Beschuldigten, nur geradeaus gefahren zu sein 

ohne nach links oder rechts auszuweichen, ist auch aus folgender Überlegung un-

logisch und damit unglaubhaft (vgl. Urk. 63 S. 3 f.): Der Beschuldigte wollte ge-

mäss eigenen Angaben geradeaus in die Unterführung. Dabei hatte er den linken 

Fahrstreifen bzw. die linke Fahrbahnhälfte zu benutzen, welche in die Unterfüh-

rung führt. Auch das Fahrzeug vor ihm, welches [auf der Kreuzung] links abbie-

gen wollte, kann sich aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nur auf dem linken 

Fahrstreifen bzw. in der linken Fahrbahnhälfte befunden haben, welche gerade-

aus in die Unterführung führt. Mithin befanden sich das Fahrzeug, welches links 

abzubiegen gedachte und der Beschuldigte auf demselben Fahrstreifen bzw. je in 

der linken Fahrbahnhälfte oder mit andern Worten in einer (Zweier)Kolonne hin-

tereinander. Unter diesen Umständen war es dem Beschuldigten nicht möglich, 

einfach geradeaus zu fahren, sondern er musste nach rechts ausweichen, um das 

vor ihm stillstehende links abbiegende Fahrzeug rechts umfahren zu können. Dies 

erklärt auch, dass der Beschuldigte teilweise davon sprach, dass sich das andere 

Fahrzeug links von ihm befunden habe. Als er dieses rechts überholte, befand 

sich dieses tatsächlich links von ihm. 

5.3 Entgegen der Verteidigung (Urk. 69 S. 15 f.; Urk. 101 S. 5 f.) wird die hohe 

Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nicht dadurch beeinträchtigt, dass der Privatklä-

ger in der ersten Einvernahme erwähnte, vom Wohnort eines Kollegen an der 

G._____-Strasse … gekommen zu sein und auf die Frage, wohin er damals fah-

ren wollte, mit "nach Hause" antwortete (ND 8/2 S. 6), während er gegenüber 

dem Staatsanwalt ausführte, er sei von der Arbeit gekommen und habe zur 

K._____ fahren wollen, um einem Kollegen einen Empfänger zu bringen, mit wel-

chem man portugiesische Fernsehsender empfangen könne (ND 8/7 S. 3). Ein 

"massiver Widerspruch" (Urk. 69 S. 15) ist darin keineswegs zu erkennen. Ange-

sichts seiner Verletzungen und Schmerzen wurde der Privatkläger am Unfall-

abend nur kurz und wie erwähnt nicht vollständig befragt. Die Einvernahme als 

Auskunftsperson erfolgte viel detaillierter. Seine Antwort in der ersten Befragung, 

-   31   - 

auf dem Weg nach Hause gewesen zu sein, schliesst einen Zwischenstopp bei 

der K._____ an der L._____-Strasse ... zwecks Übergabe eines Gegenstandes, 

wozu es kleinen Umweges, einer Zusatzschlaufe, bedurfte, nicht aus (vgl. Urk. 42 

Planausschnitt und Urk. 65/1 Auszug GoogleMaps mit Wegbeschreibung). Ähn-

lich verhält es sich mit seinen nicht deckungsgleichen Aussagen, er sei von der 

Arbeit gekommen bzw. vom Wohnort eines Kollegen an der G._____-Strasse … . 

Diesen Kollegen kann der Privatkläger ohne weiteres auf dem Arbeitsheimweg 

besucht haben. Als Kranführer arbeitete der Privatkläger zudem nicht an einem 

festen Ort, sondern kam auf unterschiedlichen Baustellen in der ganzen Stadt Zü-

rich zum Einsatz (ND 8/7 S. 7).  

Sicher zu hoch gegriffen sind die Geschwindigkeitsschätzungen, die der Privat-

kläger in der Erstbefragung gemacht hat. So sei das Auto vor ihm ungefähr mit 50 

km/h oder vielleicht auch mehr gefahren, genau könne es nicht sagen, während 

er sein eigenes Tempo mit "nicht einmal 40 km/h" bezeichnete (ND 8/2 S. 9). In 

der zweiten Einvernahme kam dies nicht mehr zur Sprache. Dazu ist einerseits zu 

bemerken, dass der Privatkläger mit beiden Angaben offensichtlich zu hoch liegt, 

weshalb sich die Vermutung aufdrängt, dass er damals ohne Übersetzung (vgl. 

ND 8/2 S. 1) die Frage nicht auf den Kollisionszeitpunkt bezog, sondern allenfalls 

auf die noch vor der Ampel gefahrene Geschwindigkeit. Die damalige Fragestel-

lung, "Wie schnell fuhr das Auto vor Ihnen ungefähr"? (ND 8/2 S. 9), liesse sich 

durchaus so deuten. Wie es sich damit verhält, kann offen bleiben. Die Zuverläs-

sigkeit der im Übrigen äusserst überzeugenden Aussagen des Privatklägers wird 

durch diese Geschwindigkeitsangaben jedenfalls nicht merklich beeinträchtigt.  

6. Gesamtwürdigung 

Unter Hinweis auf die vorstehenden Ziffern III. 2.-5. und ergänzend die Scha-

densbilder der in den Unfall involvierten Fahrzeuge (ND 8/4; auch Urk. 65/2) ist 

der Sachverhalt, wie er in der Anklageschrift vom 23. September 2013 aufgeführt 

ist (Urk. 29 S. 5 ND 8), rechtsgenügend erstellt.  

Die Schadensbilder lassen erkennen, dass das Auto des Beschuldigten vorne 

rechts mit dem linken hinteren Teil des Motorrades des Privatklägers kollidiert ist. 

-   32   - 

Das ist gut vereinbar mit dem soeben ermittelten Unfallhergang, nämlich dass der 

Beschuldigte nach rechts ausscherte, um das vor ihm links abbiegende Fahrzeug 

rechts zu umfahren, und dabei mit dem Motorrad des Privatklägers kollidierte, 

welches sich rechts von ihm befand und im Begriffe war, rechts entlang der zwei 

Autos vorbeizufahren, um in die ebenerdig verlaufende G._____-Strasse zu ge-

langen.  

Da der Privatkläger nicht in die Unterführung fahren wollte, sondern in die parallel 

dazu ebenerdig verlaufende G._____-Strasse rechts davon, ist nochmals zu be-

tonen, dass es schlicht abwegig ist, anzunehmen, dass er in die rechte Seite des 

Fahrzeuges des Beschuldigten gefahren ist und ihm so praktisch den Weg in die 

Unterführung hinein abgeschnitten hat.  

IV. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung 

1. Der Privatkläger beantragt wie schon vor Vorinstanz und in Übereinstim-

mung mit der Anklageschrift die Schuldigsprechung des Beschuldigten wegen 

fahrlässiger Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB (Urk. 29 S. 2 

und 5; Urk. 64 S. 2; Urk. 83 S. 2; Urk. 99 S. 1).  

2. Gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB wird auf Antrag bestraft, wer fahrlässig einen 

Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt.  

2.1 Objektiver Tatbestand 

Vorliegend ergibt sich aus den medizinischen Akten und seinen eigenen Aussa-

gen (vgl. Urk. 65/4-7; ND 8/7 S. 8; ND 8/10 und 8/11), dass sich der Privatkläger 

beim Verkehrsunfall vom 22. März 2012 eine komplexe Tibiakopf- und Tibia-

schaft-Trümmerfraktur links zugezogen hat. Er musste für längere Zeit stationär 

hospitalisiert werden. Sein linkes Bein ist zwei Zentimeter kürzer und er ist auf 

spezielle Schuhe angewiesen. Gemäss Beurteilung des behandelnden Chirurgen 

am Stadtspital Waid, Dr. med. M._____, ist davon auszugehen, dass der Patient 

langfristig nicht um die Intervention einer Knieprothese oder eine allfällige Arthro-

dese herumkommen wird. Selbst dies dürfte dem Privatkläger die angestammte 

-   33   - 

Tätigkeit als Kranführer nicht mehr ermöglichen. Auch in einer angepassten Tä-

tigkeit ist mit einer erheblichen persistierenden Leistungseinschränkung zu rech-

nen. Die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen werden auch vom Beschuldig-

ten anerkannt. Der objektive Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ist damit erfüllt.  

2.2 Subjektiver Tatbestand 

2.2.1  Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Un-

vorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt (Art. 12 Abs. 3 

StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 

StGB setzt voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfalts-

pflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum 

Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkei-

ten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen 

können und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos 

überschritten hat. Wo besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit dienen-

de Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der zu 

beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 134 IV 26 E. 

3.2.3; BGE 127 IV 34 E. 2a mit Hinweisen). Fehlen solche, kann auf analoge Re-

geln privater oder halbprivater Vereinigungen abgestellt werden, sofern diese all-

gemein anerkannt sind. Dies schliesst nicht aus, dass der Vorwurf der Fahrlässig-

keit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den allgemeinen Gefahren-

satz gestützt werden kann (BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64; BGE 127 IV 62 E. 2d S. 

64 f.; je mit Hinweisen). Die Zurechenbarkeit des Erfolgs bedingt die Vorherseh-

barkeit nach dem Massstab der Adäquanz. Weitere Voraussetzung ist, dass der 

Erfolg vermeidbar war. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht 

und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblie-

ben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Tä-

ters mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Er-

folgs bildete (BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64 f. mit Hinweisen).  

-   34   - 

2.2.2  Normenmissachtung 

2.2.2.1  Im vorliegenden Fall wurden Strassenverkehrsregeln verletzt.  

Die rechtliche Grundlage bildet zunächst Art. 34 Abs. 3 SVG. Danach hat der 

Fahrzeugführer, der seine Fahrrichtung ändern will, wie zum Abbiegen, Überho-

len, Einspuren und Wechseln des Fahrstreifens, auf den Gegenverkehr und auf 

die ihm nachfolgenden Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen. Er darf auf Strassen, die 

für den Verkehr in gleicher Richtung in mehrere Fahrstreifen unterteilt sind, seinen 

Streifen nur verlassen, wenn er dadurch den übrigen Verkehr nicht gefährdet 

(Art. 44 Abs. 1 SVG). "Fahrstreifen" sind nach Art. 1 Abs. 5 VRV i.V.m. Art. 74 

Abs. 1 SSV mit Leit-, Doppel- oder Sicherheitslinien begrenzte Teile der Fahr-

bahn, welche für die Fortbewegung einer Fahrzeugkolonne Raum bieten. Nach 

Art. 44 Abs. 2 SVG gelten sinngemäss die gleichen Regeln, wenn auf breiten 

Strassen ohne Fahrsteifen Fahrzeugkolonnen in gleicher Richtung nebeneinander 

fahren. Art. 44 SVG ist eine Vortrittsregel. Dem seinen Streifen oder seine Kolon-

ne beibehaltenden Verkehrsteilnehmer steht der Anspruch auf unbehinderte Fort-

setzung seiner Fahrt zu (Hans Giger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 

7. Aufl. 2008, Art. 44 N 2; Urteile des Bundesgerichts 6B_10/2011 vom 29. März 

2011 E. 2.2.1 und 6B_573/2010 vom 5. November 2015 E. 3.11). Ein Fahrspur-

wechsel ist nicht erst bei einer Gefährdung, sondern bereits bei einer Behinde-

rung des übrigen Verkehrs untersagt. Derjenige, der sein Fahrzeug in den Ver-

kehr einfügen, wenden oder rückwärts fahren will, darf andere Strassenbenützer 

nicht behindern; diese haben den Vortritt (Art. 36 Abs. 4 SVG; vgl. Art. 14 Abs. 1 

VRV). Entsprechendes gilt beim Wechseln des Fahrstreifens. Wer diesen ändern 

will, ist vortrittsbelastet (Urteile 6B_453/2012 vom 19. Februar 2013 E. 2.2.1 und 

6B_10/2011 vom 29. März 2011 E. 2.2.1 mit Hinweis). 

Jede Richtungsänderung ist zudem mit dem Richtungsanzeiger oder durch deutli-

che Handzeichen rechtzeitig bekannt zu geben (Art. 39 Abs. 1 SVG; Art. 28 

Abs. 1 VRV). Das gilt namentlich auch für das Wechseln des Fahrstreifens und 

das Abbiegen (Art. 39 Abs. 1 lit. a SVG). Eine Zeichengebung entbindet den 

Fahrzeugführer nicht von der gebotenen Vorsicht (Art. 39 Abs. 2 SVG).  

-   35   - 

2.2.2.2  Wie das Beweisergebnis gezeigt hat, wies die G._____-Strasse bereits 

vor der Lichtsignalanlage eine genügende Breite für ein Nebeneinander zweier 

Fahrzeugkolonnen auf. Das gilt erst recht für die anschliessende Kreuzung, auf 

welcher die Fahrbahn zwischen dem Ende des Fussgängerstreifens und der 

Kreuzungsmitte eine Breite von 6 - 8 Meter aufweist (Urk. 44/3; auch ND 8/1 S. 

5).  

Die Auffassung der J._____ AG, der Haftpflichtversicherung des Beschuldigten 

resp. von dessen Vater F._____ als Halter des Fahrzeuges, dass bis zur Ampel 

nur eine Fahrspur bestehe und diese sich erst auf der Verzweigung verbreitere 

und es dann etwa ab deren Mitte erlaubt sei, nach rechts auf eine zweite Spur 

einzuspuren (Urk. 58), was auch die Verteidigung geltend machte (Urk. 101 S. 7), 

ist daher unzutreffend.  

Der Beschuldigte, der zunächst auf der Fahrbahn links eingespurt war und dann 

nach der Anfahrt durch einen Schwenker nach rechts dem vorausfahrenden nach 

links abbiegenden Fahrzeug ausgewichen ist bzw. dieses rechts überholen wollte, 

hat einen Fahrstreifenwechsel im Sinne von Art. 44 Abs. 2 SVG vollzogen. Bei 

diesem Spurwechsel war er gegenüber den auf dem rechten Fahrstreifen bzw. 

rechts auf der Fahrbahn fahrenden Fahrzeugen vortrittsbelastet, denn ein Wech-

sel auch des nicht markierten Fahrstreifens stellt einen Richtungswechsel dar 

(Art. 36 Abs. 4 SVG; Art. 14 Abs. 1 VRV). In der Folge lenkte der Beschuldigte zu 

besagtem Zweck sein Fahrzeug nach dem Anfahren im Bereich der Kreuzung 

G._____-Strasse/I._____-Strasse auf die rechte Hälfte der Fahrbahn, mithin in die 

andere Fahrspur. Dies darf ein Fahrzeuglenker erst tun, wenn er alle Vorkehren 

getroffen hat, um den sich daraus ergebenden Gefahren begegnen zu können. 

Bei einer Situation wie der vorliegenden muss er durch aufmerksame Beobach-

tung des rückseitigen Verkehrs die Gewissheit erlangen, dass er nicht mit einem 

andern Verkehrsteilnehmer kollidieren werde (vgl. auch Ziffer IV. 2.2.2.4 hier-

nach). Offensichtlich infolge ungenügend ausgeführter Kontrollblicke übersah der 

Beschuldigte das von hinten auf der rechten Fahrspur nahende Motorrad des Pri-

vatklägers, welches er zuvor via Rück- bzw. Aussenspiegel wahrgenommen hat-

te, so dass es zur Kollision der beiden Fahrzeuge kam. Dieses Manöver nahm der 

-   36   - 

Beschuldigte zudem vor, ohne die beabsichtigte Richtungsänderung anzuzeigen 

(Art. 39 Abs. 1 SVG; Art. 28 Abs. 1 VRV). Aber auch wenn er die Richtungsände-

rung mit Stellen des rechten Blinkers angezeigt hätte, hätte ihn dies nicht von der 

gebotenen Vorsicht entbunden (Art. 39 Abs. 2 SVG). Durch sein Verhalten hat der 

Beschuldigte, dem die Örtlichkeit nicht unbekannt war (ND 8/3 S. 1), mithin meh-

rere Verkehrsvorschriften missachtet.  

Der Privatkläger als Benützer des rechten Fahrstreifens war hingegen berechtigt, 

rechts an den Fahrzeugen des Beschuldigten und des unbekannten Linksabbie-

gers vorbeizufahren, um geradeaus auf die ebenerdig verlaufende G._____-

Strasse zu gelangen, denn er hatte den Vortritt. Beim Fahren in parallelen Kolon-

nen sowie innerorts auf Strassen mit mehreren Fahrstreifen in der gleichen Rich-

tung ist das Rechtsvorbeifahren an andern Fahrzeugen gestattet (Art. 44; Art. 8 

Abs. 3 VRV). Untersagt ist demgegenüber das Rechtsüberholen durch Aus-

schwenken und Wiedereinbiegen, wie es der Beschuldigte im Ergebnis beabsich-

tigte, um auf der rechten Seite des ca. in Kreuzungsmitte angehaltenen linksab-

biegenden Fahrzeuges vorbei in die Unterführung zu fahren (Art. 8 Abs. 3 VRV).  

2.2.2.3  Selbst wenn man davon ausginge, dass die G._____-Strasse vor der 

Ampel nicht zwei parallele Fahrzeugkolonnen ermöglichen und die Fahrbahn erst 

im Bereich der Kreuzung mit der I._____-Strasse breiter würde, ergäbe sich kein 

anderes Resultat. Es ist wiederum auf Art. 34 Abs. 3 SVG zu verweisen, wonach 

der Fahrzeugführer, der seine Fahrrichtung ändern will, wie zum Abbiegen, Über-

holen, Einspuren und Wechseln des Fahrstreifens, auf den Gegenverkehr und auf 

die ihm nachfolgenden Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen hat. Als Richtungsände-

rung gilt jedes Abweichen vom natürlichen Verlauf einer Fahrbahn oder Fahrspur 

(BGE 96 IV 124 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6B_573/2010 vom 5. November 

2010 E. 3) und somit jedes Manöver, mit welchem der Fahrzeuglenker seine 

Fahrt seitlich verändert (Philippe Weissenberger, Kommentar zum Strassenver-

kehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, Art. 34 Rn. 25).  

Der Beschuldigte ist vor der Ampel und beim Anfahren zunächst links eingespurt 

bzw. hat sein Fahrzeug auf die linke Seite der Fahrbahn gelenkt, weil er gerade-

aus in die Unterführung wollte. Auch beim Anfahren hat er sich folgerichtig links 

-   37   - 

gehalten. Dieses Einspuren entsprach dem natürlichen Verlauf der Strasse, um in 

die Unterführung zu gelangen. Die Fortsetzung seiner Fahrt erforderte keine Ver-

schiebung des Fahrzeuges. Indem er dann auf der Kreuzung dem vor ihm fah-

renden Fahrzeug nach rechts ausgewichen ist resp. zum Rechtsüberholen ange-

setzt hat, folgte er nicht mehr dem natürlichen Verlauf der an dieser Stelle über 

die Kreuzung geradeaus in die Unterführung führenden Strasse. Durch diesen 

Schwenker hat er eine Richtungsänderung im Sinne von Art. 34 Abs. 3 SVG vor-

genommen, überdies ohne die ausgeführte Fahrbewegung nach rechts mittels 

des rechten Blinkers anzuzeigen (Art. 39 Abs. 1 SVG). Dadurch schnitt er dem im 

Kreuzungsbereich korrekt auf der rechten Fahrbahnhälfte eingespurten Privatklä-

ger den Weg ab, worauf es zur verhängnisvollen Kollision kam. Das Einspuren 

rechts durch den Privatkläger entsprach dem natürlichen Strassenverlauf, um ge-

radeaus auf die ebenerdig verlaufende G._____-Strasse zu fahren. Auch bei die-

ser Betrachtung war der Beschuldigte bei seiner Änderung der Fahrrichtung ge-

genüber dem Privatkläger vortrittsbelastet.  

Dass die Fahrbahn spätestens auf der Kreuzung genügend breit war, um ein un-

terbehindertes Rechtsvorbeifahren an den zwei Personenwagen durch das we-

sentlich schmalere Motorrad bzw. den Motorroller des Privatklägers (vgl. ND 8/4; 

Urk. 65/8) zu erlauben, ergibt sich nicht nur an den eigenen Aussagen des Be-

schuldigten, sondern auch aus dem an eben dieser Stelle begonnenen Rechts-

überholen des vorderen Autos durch den Beschuldigten mit seinem Fahrzeug. Wo 

zwei Autos im Strassenverkehr nebeneinander Platz finden, ist dies selbstredend 

auch für ein Auto und ein Motorrad der Fall. Da der Beschuldigte das von hinten 

nahende Motorrad des Privatklägers zuvor via Rück- bzw. Aussenspiegel wahr-

genommen hatte, musste er mit diesem rechnen. Das gilt erst recht wenn wie hier 

im Kreuzungsbereich auf der rechten Seite seines Fahrzeuges genügend Raum 

zum Vorbeifahren blieb und wo ebenerdig parallel zu der von ihm selber anvisier-

ten Unterführung eine weitere Strasse aus der Kreuzung führt (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6S.495/2006 vom 6. März 2007 E. 5.1). Offensichtlich infolge un-

genügend ausgeführter Kontrollblicke übersah der Beschuldigte den Privatkläger 

jedoch (vgl. Ziffer IV. 2.2.2.2 hiervor).  

-   38   - 

2.2.2.4  Mit seiner Aussage, er habe bei Rotsignal das Motorrad noch ca. 60-70 

Meter hinter sich gesehen, beim Wechsel auf grün dieses trotz Blick in den rech-

ten Aussenspiegel aber nicht mehr gesehen (ND 8/3 S. 2), spricht der Beschuldig-

te sinngemäss das Problem des sichttoten Winkels an.  

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts, welche namentlich im Zusam-

menhang mit Unfällen, bei denen Lastwagen und Fahrradfahrer bzw. Fussgänger 

beteiligt waren, entwickelt wurde – aber freilich analog für Personenwagen an-

wendbar ist, wo das Phänomen des sichttoten Winkels ebenfalls existiert –, han-

delt es sich beim sichttoten Winkel um einen in der Bauart des Fahrzeuges lie-

genden Faktor, den der Fahrzeuglenker grundsätzlich von vornherein in Rech-

nung zu stellen hat. Danach gehe es nicht an, das Verborgensein eines Verkehrs-

teilnehmers dem Zufall zuzuschreiben und die sich aus dem sichttoten Winkel er-

gebenden Risiken auf andere Strassenbenützer abzuwälzen. Vielmehr müsse der 

Fahrzeuglenker dafür besorgt sein, dass die sich aus jenem Faktor ergebenden 

Risiken ausgeschaltet werden (BGE 83 IV 163; BGE 107 IV 55). Für den Fall ei-

ner Sichtbeschränkung, die nicht durch entsprechende Spiegel, die vom Führer-

sitz aus Einblick in den sichttoten Winkel erlauben, behoben wird, müsse sich der 

Fahrzeugführer kurz vom Sitz erheben, sich vorbeugen oder etwas seitlich ver-

schieben, um genügende Einsicht zu gewinnen und sich zu vergewissern, dass 

sich niemand im unüberblickbaren Bereich seines Fahrzeuges befindet. Dies sei 

jedenfalls dann zumutbar, wenn nach den konkreten Umständen eine nahe Mög-

lichkeit bestehe, dass unmittelbar vor dem Fahrzeug Fussgänger durchgehen 

könnten (BGE 107 IV 55). In BGE 127 IV 34 ff. hat das Bundesgericht dann er-

gänzt, dass nichts anderes auch dort gelte, wo die Sicht seitlich nach rechts be-

schränkt sei. Der Massstab für die Sorgfalt, welche Lastwagenlenker aufzubrin-

gen haben, sei angesichts des von ihren Fahrzeugen ausgehenden Gefähr-

dungspotenzials hoch anzusetzen, aber nicht derart hoch, dass sie bei völlig nor-

malen Fahrmanövern im Einzelfall nicht mehr erfüllt werden könnten (BGE 127 IV 

44).  

Im hier zu beurteilenden Fall handelt es sich zwar um einen Personenwagen mit 

einem geringeren Gefährdungspotenzial. Aber auch wenn man die Sorgfaltsan-

-   39   - 

forderungen tiefer ansetzt, ist einerseits festzuhalten, dass der Beschuldigte kein 

völlig normales Fahrmanöver vollzog, sondern durch sein Verhalten Verkehrsre-

gelverletzungen beging. Ein Manöver wie vom Beschuldigten ausgeführt ist na-

mentlich für die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer gefahrenträchtig. Zudem hat 

der Beschuldigte das Motorrad des Privatklägers lange vor diesem Fahrmanöver 

hinter sich näher kommen gesehen und daher – entgegen der Auffassung der 

Verteidigung (Urk. 101 S. 7) – mit dessen Erscheinen rechnen müssen. Unter 

diesen Umständen wäre der Beschuldigte verpflichtet gewesen, den rückseitigen 

Verkehr, vor allem den nicht ohne weiteres überblickbaren Raum seiner rechten 

Fahrzeugseite mit besonderer Aufmerksamkeit zu beobachten und sich nament-

lich über den Verbleib des Motorrades zu vergewissern. Dieser Pflicht kam er in 

der Folge nur ungenügend nach. Zwar blickte er nach seiner Aussage beim 

Wechsel auf grün in den rechten Aussenspiegel, nicht aber in den Innenspiegel 

des Fahrzeuges. Sodann hat er sich unmittelbar vor seinem Manöver weder mit 

einem nochmaligen Blick in den Aussenspiegel noch mit einem Blick zur Seite hin 

über die rechte Schulter vergewissert, ob er sein Manöver gefahrlos durchführen 

könne. Der Blick in den Aussenspiegel allein beim Wechsel auf grün verschaffte 

ihm als zweites stehendes Fahrzeug vor der Ampel keine Gewissheit, dass er 

später nach dem Anfahren auf der Kreuzung durch sein Manöver nach rechts 

nicht mit einem andern Verkehrsteilnehmer, insbesondere mit dem zuvor hinter 

sich gesehenen Motorradfahrer, kollidieren werde. Indem er dennoch nach rechts 

ausscherte und zum Überholen ansetzte, hat er die gebotene Rücksicht ausser 

Acht gelassen und dadurch andere gefährdet, hier konkret den Privatkläger, mit 

dem es zum Zusammenstoss kam.  

2.2.2.5  Insoweit sich der Beschuldigte auf den Vertrauensgrundsatz nach Art. 26 

Abs. 1 SVG beruft – wonach sich jeder Verkehrsteilnehmer im Sinne einer allge-

meinen Sorgfaltspflicht so verhalten muss, dass er andere in der ordnungsge-

mässen Benützung der Strasse weder behindert noch gefährdet –, ist ihm entge-

gen zu halten, dass sich nur auf diesen Grundsatz stützen kann, wer sich selbst 

verkehrsregelkonform verhalten hat. Wer, wie der Beschuldigte, gegen die Ver-

kehrsregeln verstösst, indem er ausschwenkt bzw. zum Überholen ansetzt, ohne 

durch aufmerksame Beobachtung des rückseitigen Verkehrs die Gewissheit er-

-   40   - 

langt zu haben, dass er nicht mit einem andern (ihm nachfolgenden oder berech-

tigt neben ihm fahrenden) Verkehrsteilnehmer kollidieren werde und dadurch eine 

gefährliche Verkehrslage schafft, kann sich nicht auf den Vertrauensgrundsatz be-

rufen. Denn er kann nicht erwarten, dass andere die von ihm geschaffene Gefahr 

durch erhöhte Vorsicht ausgleichen (BGE 125 IV 83 E. 2b; Urteil des Bundesge-

richts 6S.495/2006 vom 6. März 2007 E. 4).  

2.2.2.6  Mit den Verkehrsregelverstössen hat der Beschuldigte als Automobilist 

pflichtwidrig unvorsichtig gehandelt und damit seine Sorgfaltspflicht verletzt.  

2.2.3. Kausalität 

Ein Fahrmanöver, wie es der Beschuldigte vollzogen hat, ist nach dem gewöhnli-

chen Lauf der Dinge und den allgemeinen Erfahrungen des Lebens geeignet, zu 

einem Verkehrsunfall zu führen mit den wie vom Privatkläger erlittenen Körperver-

letzungen. Der zu den Verletzungen führende Kausalverlauf wurde vom Beschul-

digten ausgelöst und war für diesen – wie noch zu zeigen ist – auch vorausseh-

bar. Irgendwelche mitverursachenden Faktoren, namentlich solche, die das Ver-

halten des Beschuldigten in den Hintergrund drängen (BGE 129 IV 284 f. E. 2.1) 

oder die natürliche Kausalität unterbrechen würden, sind – entgegen der Auffas-

sung der Verteidigung (Urk. 101 S. 7) – keine ersichtlich. Insbesondere musste 

der Beschuldigte damit rechnen, dass das vor ihm fahrende Auto, welches den 

linken Blinker gesetzt hatte und somit links abbiegen wollte, nach dem Anfahren 

auf der Kreuzung infolge Gegenverkehrs nochmals anhalten müsse. Die in der 

Anklage umschriebenen Verletzungen des Privatklägers wurden einzig durch das 

Verhalten des Beschuldigten verursacht, was letztlich unbestritten ist. Damit war 

das sorgfaltswidrige Handeln des Beschuldigten adäquat kausal für die Körper-

verletzung des Privatklägers. 

2.2.4  Voraussehbarkeit 

Bezüglich der Voraussehbarkeit lässt das Bundesgericht einen hohen Abstrakti-

onsgrad zu (BGE 130 IV 58 E. 9; BGE 98 IV 11 E. 4). Danach genügt es, dass 

der Beschuldigte überhaupt die Möglichkeit der Verletzung des Privatklägers als 

-   41   - 

Folge seines pflichtwidrigen Verhaltens nach den Umständen und seinen persön-

lichen Verhältnissen voraussehen konnte. 

Aufgrund der konkreten Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten als 

Automobilist hätte der Beschuldigte voraussehen können, dass er durch sein 

Fahrmanöver einen Unfall verursachen und einen andern Verkehrsteilnehmer ge-

fährden bzw. verletzen könnte. So hat der Beschuldigte beim Warten an der Am-

pel nach eigenen Angaben den Privatkläger im rechten Aussenspiegel weit hinter 

sich näher kommen sehen. Die Präsenz eines Motorradfahrers auf der gleichen 

Fahrbahn wie er in Richtung der Kreuzung G._____-Strasse / I._____-Strasse 

war ihm demnach bewusst. Er rechnete damit oder musste zumindest damit 

rechnen, dass das Motorrad im Bereich der Kreuzung zu ihm aufschliessen könn-

te oder sich schon auf seiner Höhe befinde, zumal wie dargelegt auf der Kreu-

zung ausreichend Raum vorhanden war, dass ein Motorrad rechts an ihm vorbei 

gerade aus etwa in die ebenerdige G._____-Strasse fahren konnte, wie dies der 

Privatkläger auch beabsichtigte. Es war mithin für den Beschuldigten erkennbar, 

dass er mit seinem Schwenker nach rechts zum Zwecke des Überholens andere 

Verkehrsteilnehmer, namentlich den zuvor gesichteten Motorradfahrer, einer Ge-

fährdung oder gar Verletzung aussetzen konnte.  

2.2.5  Vermeidbarkeit 

Entscheidende Bedeutung für die Strafbarkeit eines Täters kommt der Frage zu, 

ob der Erfolgseintritt, hier die Körperverletzung, vermeidbar gewesen wäre. Es 

muss daher stets geprüft werden, wie sich der hypothetische Kausalverlauf bei 

pflichtgemässem Verhalten des Täters entwickelt hätte. Da dies nicht mit absolu-

ter Sicherheit geschehen kann, ist nach Auffassung des Bundesgerichts der Er-

folg dem Täter nach der sogenannten Wahrscheinlichkeitstheorie schon dann an-

zurechnen, wenn er durch Anwendung pflichtgemässer Vorsicht mit hoher Wahr-

scheinlichkeit vermieden worden wäre (BGE 129 IV 284 f. und dort zitierte Recht-

sprechung).  

Wie in der vorstehenden Ziffer IV. 2.2.2.4 beschrieben, hätte sich der Beschuldig-

te durch entsprechende Vorsichtsmassnahmen vergewissern können und auch 

-   42   - 

müssen, ob er sein Manöver gefahrlos, d.h. ohne andere Verkehrsteilnehmer zu 

gefährden, durchführen könne. Dies hat er nicht oder zumindest nur ungenügend 

getan. Da er dennoch nach rechts ausscherte bzw. zum Rechtsüberholen des 

vorderen Fahrzeuges ansetzte, ergibt eine Überprüfung des hypothetischen Kau-

salverlaufs, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zur 

Kollision und zu den Verletzungen des Privatklägers gekommen wäre – diese also 

vermeidbar gewesen wären – wenn sich der Beschuldigte verkehrsregelkonform 

verhalten hätte. Es steht somit ausser Zweifel, dass sich bei pflichtgemässem und 

regelkonformem Verhalten des Beschuldigten die Verletzungen des Privatklägers 

vollständig hätten vermeiden lassen.  

2.2.6.  Zusammenfassend ist nochmals festzuhalten, dass die Kollision und die 

Verletzungen des Privatklägers die – wenn auch unerwünschten – Folgen ver-

kehrsregelwidrigen Verhaltens und damit einer Sorgfaltspflichtverletzung des Be-

schuldigten darstellen. Diese Folgen waren für den Beschuldigten sowohl voraus-

sehbar als auch vermeidbar. Die Verletzungen des Privatklägers sind dem Be-

schuldigten daher strafrechtlich anzurechnen. 

2.3 Der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 1 StGB ist somit sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht erfüllt. 

Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe sind keine gegeben. Der Be-

schuldigte ist daher der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

Wird die fahrlässige Körperverletzung durch die Erfüllung eines Gefährdungstat-

bestandes wie zum Beispiel Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 SVG be-

wirkt, so ist dieser nichts anderes als die Umschreibung und Begründung der 

pflichtwidrig verletzten Sorgfaltspflicht, die zur Bejahung der Fahrlässigkeit führt. 

Zu verurteilen ist alsdann allein wegen fahrlässiger Körperverletzung. Eine zu-

sätzliche Verurteilung wegen Verkehrsregelverletzung und damit eine Strafschär-

fung nach Art. 49 Abs. 1 StGB entfällt. Die Verkehrsregelverletzung ist durch den 

Verletzungstatbestand von Art. 125 Abs. 1 StGB konsumiert (BSK StGB II - 

Roth/Keshelava, 3. Aufl. Basel 2013, Art. 125 N 7).  

-   43   - 

V. Strafzumessung 

1. Strafrahmen 

1.1 Wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schä-

digt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe von 

einem bis zu 360 Tagessätzen bestraft (Art. 125 Abs. 1 StGB; Art. 34 Abs. 1 

StGB). Die gleiche Strafe droht demjenigen, der einen Hausfriedensbruch gemäss 

Art. 186 StGB begeht.  

1.2 Hat der Täter, wie hier der Beschuldigte, mehrere Straftatbestände erfüllt, ist 

die aufgrund des schwersten Delikts festgelegte Einsatzstrafe unter Einbezug der 

anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhö-

hen und allenfalls wegen wesentlicher Täterkomponenten zu verändern (Art. 49 

Abs. 1 StGB; BGE 136 IV 55; Urteile des Bundesgerichts 6B_611/2010 vom 

26. April 2011, 6B_524/2010 vom 8. Dezember 2011 sowie 6B_475/2011 vom 

30. Januar 2012). 

1.3 Trotz gleichem Strafrahmen erscheint vorliegend die fahrlässige Körperver-

letzung als das schwerere der beiden Delikte. Es liegen keine ausserordentlichen 

Umstände vor, die eine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens der schwers-

ten anzuwendenden Strafbestimmung nach oben oder unten rechtfertigen würden 

(BGE 136 IV 55 ff.). Der Strafschärfungsgrund der Deliktsmehrheit ist daher bei 

der Verschuldensbewertung straferhöhend zu berücksichtigen.  

2. Strafart 

2.1 Zur Strafzumessung gehört in der grossen Mehrzahl der Fälle die Bestim-

mung nicht nur des Masses, sondern auch der Art der Strafe. 

2.2 Für Strafen von weniger als sechs Monaten bzw. bis zu 180 Tagessätzen ist 

grundsätzlich eine Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit auszusprechen (Art. 34 

Abs. 1, Art. 37 Abs. 1, Art. 40 und 41 Abs. 1 StGB). Nach Art. 41 StGB kann das 

Gericht auf eine vollziehbare Freiheitsstrafe von weniger als sechs Monaten nur 

erkennen, wenn die Voraussetzungen für eine bedingte Strafe (Art. 42 StGB) 

-   44   - 

nicht gegeben sind und zu erwarten ist, dass eine Geldstrafe oder gemeinnützige 

Arbeit nicht vollzogen werden kann (Abs. 1). Es hat diese Strafform näher zu be-

gründen (Abs. 2). Mit Art. 41 StGB hat der Gesetzgeber für Strafen unter sechs 

Monaten eine gesetzliche Prioritätsordnung zugunsten nicht freiheitsentziehender 

Sanktionen eingeführt (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1; je mit Hin-

weisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_ 370/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.2.3 

und 6B_375/2014 vom 28.8.2014 E. 2.7.1). 

2.3 Für Strafen im Bereich von sechs Monaten bis zu einem Jahr sieht der All-

gemeine Teil des Strafgesetzbuches als Sanktionen Geld- (Art. 34 StGB) oder 

Freiheitsstrafe (Art. 40 StGB) vor. Wichtigste Kriterien bei der Wahl der Sankti-

onsart bilden die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen 

auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz (BGE 134 

IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit 

soll bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im Regelfall diejenige ge-

wählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen ein-

greift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft. Im Vordergrund steht daher auch bei 

Strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr die Geldstrafe, als gegenüber der 

Freiheitsstrafe mildere Sanktion (BGE 138 IV 120 E. 5.2; BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; 

BGE 134 IV 82 E. 4.1; je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_375/2014 

vom 28.8.2014 E. 2.7.1). 

2.4 Im vorliegenden Fall ist bei den Kriterien der präventiven Effizienz und der 

Zweckmässigkeit der Strafe anzuknüpfen.  

Als der Beschuldigte am 22. März 2012 die erste der vorliegend zu beurteilenden 

strafbaren Handlungen beging, wies er bereits drei Vorstrafen wegen verschiede-

ner Delikte auf (Urk. 93 S. 1 f.). Sämtliche in den entsprechenden Entscheiden 

bedingt oder teilbedingt ausgefällten Geldstrafen wurden widerrufen.  

Trotz laufenden Strafverfahrens betreffend die vorliegend zu beurteilenden straf-

baren Handlungen hat der Beschuldigte in der Folge weiter delinquiert. Das trug 

ihm vier Strafbefehle wegen Diebstählen und Einbruchdiebstahls ein, nämlich am 

13. April 2012, 10. August 2012, 28. Februar 2014 und 13. Juni 2014 (Urk. 93 S. 2 

-   45   - 

f.). Für den Einbruchdiebstahl wurde er durch die Staatsanwaltschaft Basel-

Landschaft, Hauptabteilung Liestal, am 10. August 2012 mit einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 6 Monaten belegt (vgl. HD Urk. 21/2) und nach der Strafdauer 

von zwei Dritteln am 30. September 2013 bedingt entlassen. Der Freiheitsentzug 

vermochte ihn anscheinend nicht nachhaltig zu beeindrucken, wurde er doch in-

nerhalb der einjährigen Probezeit erneut straffällig, was zum Widerruf der bedingt 

erlassenen Reststrafe führte. Auch die unbedingt angeordneten Geldstrafen aus 

den Strafmandaten ab April 2012 blieben offenbar wirkungslos und konnten den 

Beschuldigten nicht vor neuer Straffälligkeit abhalten. Aus alledem ist zu schlies-

sen, dass weder das laufende Strafverfahren noch die bereits vollzogene mehr-

monatige Freiheitsstrafe, noch die im April 2012 erlittene 11-tägige Untersu-

chungshaft (Urk. 93 S. 2 f.), noch die Vielzahl von zunächst auf Bewährung aus-

gesprochenen und später widerrufenen Geldstrafen noch die in jüngerer Zeit aus-

nahmslos ohne Aufschub ausgefällten Geldstrafen eine präventive Wirkung auf 

den Beschuldigten ausüben konnten. Der Beschuldigte offenbart vielmehr eine 

ausgeprägte Gleichgültigkeit gegenüber dem Straf- und Vollzugssystem. Unter all 

diesen Umständen besteht keine Veranlassung, heute eine mildere Strafart zu 

wählen als jene, die bereits 2013 ihren spezialpräventiven Zweck verfehlt hat. Ei-

ne weitere Geldstrafe erwiese sich als unzweckmässig, da sie den Beschuldigten 

wie gesehen nicht abschrecken und vor neuerlichen Delikten abhalten würde.  

Daher ist vorliegend vom Vorrang der Geldstrafe abzuweichen und a