# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3cf98f6f-3604-5041-85cc-870c3bca5b75
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.11.2008 D-6857/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6857-2008_2008-11-24.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6857/2008/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 4 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Einzelrichter Daniel Schmid, 
mit Zustimmung von 
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro;
Gerichtsschreiber Alfred Weber.

A._______, geboren (...),
alias A._______, geboren (...),
alias A._______, geboren (...),
Nigeria,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 18. September 2008
N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6857/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge den Heimatstaat 
mit dem Schiff Ende März/Anfang April 2008 verliess und über ihm un-
bekannte  Länder  am 26. April  2008  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er 
gleichentags um Asyl ersuchte,

dass er keine Ausweispapiere vorlegte, worauf er mit einem Informati-
onsblatt  zur  Abgabe  sämtlicher  bei  anderen  Behörden  hinterlegter 
oder  anderweitig  verfügbarer  Identitätsdokumente  innerhalb  von 
48 Stunden aufgefordert wurde,

dass am 30. April 2008 beim Beschwerdeführer eine Knochenalterbe-
stimmung durchgeführt wurde,

dass der zuständige Arzt im entsprechenden Kurzbericht vom gleichen 
Tag  ausführte,  aufgrund  des  Knochenwachstums  der  Hand  betrage 
das Alter des Beschwerdeführers mehr als 18 Jahre, was eine signifi-
kante Differenz zu dem von ihm angegebenen Alter darstelle, 

dass er am 2. Juni 2008 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 
(...) summarisch zum Reiseweg und zu den Gründen für das Verlassen 
des Heimatlandes befragt wurde,

dass das BFM in der Folge das Geburtsdatum des Beschwerdeführers 
auf (volljährig) änderte,

dass  das  BFM  am  9.  September  2008  in  Anwendung  von  Art.  29 
Abs. 1  des  Asylgesetzes vom 26. Juni  1998 (AsylG,  SR 142.31)  die 
Anhörung zu den Asylgründen durchführte,

dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im 
Wesentlichen  ausführte,  die  Mutter  sei  bei  seiner  Geburt  gestorben 
und sein Vater als er 12 Jahre alt gewesen sei,

dass  er  am  Herkunftsort  zunächst  während  vier  Jahren  seinen  Le-
bensunterhalt als Strassenverkäufer verdient habe, ehe er sich zu ei-
nem Freund seines Vaters nach (Ort 1) begeben habe, bei dem er sich 
ungefähr zwei Wochen aufgehalten habe,

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dass dieser Freund eines Tages verschwunden und er in der Folge von 
fremden Leuten,  denen  jener  Geld  gestohlen  habe,  entführt  worden 
sei,

dass er von den Entführern, welche sich die Bekanntgabe des Aufent-
haltsortes  des  Freundes  seines  Vaters  durch  ihn  erhofft  hätten,  mit 
dem Auto an einen ihm unbekannten Ort gebracht worden sei, wo man 
ihn in  einem Haus rund drei  Monate gefangen gehalten und massiv 
misshandelt habe, 

dass ihm eines Nachts die Flucht in eine andere Stadt gelungen sei, 
die Entführer ihn jedoch wieder gefunden und zurückgebracht hätten,

dass ihm später anlässlich der Essensübergabe durch einen Wächter 
endgültig die Flucht gelungen sei und er sich in der Folge mit dem Bus 
nach (Ort 1) begeben habe, wo ihm ein Mann bei der Organisation der 
Ausreise auf dem Seeweg nach Europa geholfen habe,

dass der Beschwerdeführer, auf das Ergebnis der Knochenaltersanaly-
se angesprochen, bei beiden Befragungen (EVZ/direkte Bundesanhö-
rung) auf seiner Minderjährigkeit beharrte, 

dass das BFM mit Verfügung vom 18. September 2008 in Anwendung 
von  Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3  AsylG  auf das Asylgesuch nicht 
eintrat  und die  Wegweisung aus der  Schweiz  sowie  den Vollzug für 
den Tag nach Eintritt der Rechtskraft anordnete,

dass  das  BFM zur  Begründung des Nichteintretens  auf  das  Asylge-
such  zusammenfassend  festhielt,  der  Beschwerdeführer  habe  innert 
48  Stunden  nach  Gesuchseinreichung  ohne  entschuldbare  Gründe 
keine Reise- oder Identitätspapiere abgegeben, er erfülle die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht und zusätzliche Ab-
klärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Weg-
weisungsvollzugshindernisses seien in  seinem Fall  aufgrund der  Ak-
tenlage nicht erforderlich,

dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei,

dass am 14. Oktober 2008 die Rechtskraftmitteilung des BFM erfolgte,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 30. Oktober 2008 (Post-
stempel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-

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schwerde erhob und unter Kosten- und Entschädigungsfolge unter an-
derem beantragte, es sei ihm die Verfügung des BFM korrekt zu eröff-
nen, und die Verfügung des BFM sei aufzuheben sei,

dass er zur Begründung unter anderem anführte, er habe keine Abho-
lungseinladung erhalten und habe daher die Verfügung des BFM vom 
18. September 2008 nicht abholen können,

dass mit Zwischenverfügung vom 6. November 2008 die Eingabe des 
Beschwerdeführers als Beschwerde entgegen genommen und ihm er-
laubt wurde, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten,

dass zur  Begründung ausgeführt  wurde,  die Verfügung inklusive der 
editionspflichtigen Akten sei am 22. September 2008 (Aufgabedatum) 
an die dem BFM zuletzt bekannte Adresse (kantonale Unterkunft) des 
Beschwerdeführers versandt worden,

dass die Briefsendung von der Post mit dem Vermerk "Nicht abgeholt" 
an das BFM retourniert worden sei (Eingang BFM: 2. Oktober 2007), 

dass das BFM am 14. Oktober 2008 die Rechtskraftmitteilung erlassen 
und  diese  Mitteilung  dem (zuständige  kantonale  Behörde)  habe  zu-
kommen lassen,

dass das  (zuständige kantonale  Behörde)  in  der  Folge mit  dem Be-
schwerdeführer im Zusammenhang mit dessen Rückkehr nach Nigeria 
und der Papierbeschaffung am 23. Oktober 2008 ein Gespräch durch-
geführt habe,

dass ihm im Rahmen dieses Ausreisegesprächs eine Kopie der Verfü-
gung des BFM vom 18. September 2008 ausgehändigt worden sei, 

dass für die gehörige Eröffnung der angefochtenen Verfügung die Be-
hörde beweispflichtig sei,

dass aufgrund der Akten und gestützt auf Abklärungen beim Verant-
wortlichen der kantonalen Unterkunft nicht mit hinreichender Gewiss-
heit  auszuschliessen  sei,  der  zur  Diskussion  stehende  Sachver-
haltsumstand hätte sich nicht – wie vom Beschwerdeführer geschildert 
– zugetragen,

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dass  im  vorliegenden  Fall  daher  vom Datum des  23. Oktober  2008 
auszugehen sei (Ausreisegespräch [bei der zuständigen Behörde]), an 
dem der Beschwerdeführer erstmals Kenntnis von der Verfügung des 
BFM vom 18. September 2008 erlangt habe, 

dass  bei  dieser  Annahme  die  Beschwerde  vom  30.  Oktober  2008 
rechtzeitig,  mithin innert  der bei Nichteintretensentscheiden vorgese-
henen Rechtsmittelfrist von fünf Arbeitstagen (Art. 108 Abs. 2 AsylG) 
eingereicht worden sei,

dass somit die Rechtskraftmitteilung des BFM vom 14. Oktober 2008 
zu Unrecht erfolgt sei,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31-34 des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  die  Beschwerde  im  Übrigen  form-  und  fristgerecht  eingereicht 
wurde (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG; Art. 108 Abs. 2 AsylG res-
pektive  die  diesbezüglichen  Erwägungen  in  der  Zwischenverfügung 
vom 6. November 2008) und daher auf die Beschwerde einzutreten ist,

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungswei-
se  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG) 
und es sich vorliegend – wie nachfolgend aufgezeigt – um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

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dass  aufgrund  der  vorliegenden  Aktenlage  gestützt  auf  Art. 111a 
Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel verzichtet wird,

dass das BFM gestützt auf das Ergebnis der beim Beschwerdeführer 
durchgeführten  Knochenaltersanalyse  dessen behauptete  Minderjäh-
rigkeit  offenbar als unglaubhaft  erachtete (vgl. A12/1)  und ihn in der 
Folge in verfahrensrechtlicher Hinsicht als Volljährigen behandelte,

dass  es  gemäss  Rechtsprechung  zulässig  ist,  vor  der  einlässlichen 
Anhörung zu den Asylgründen und ohne Beiordnung einer Vertrauens-
person vorfrageweise über die Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend 
gemachten Minderjährigkeit zu befinden, wenn Zweifel an den Alters-
angaben  der  asylsuchenden  Person  bestehen  (vgl.  Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2004  Nr. 30  E. 6.4.5  S. 214;  hinsichtlich  des  Beweiswerts  von  Kno-
chenalteranalysen vgl. auch a.a.O. E. 6.2 S. 210 f. sowie EMARK 2004 
Nr. 31 S. 218 ff.),

dass das BFM in seiner Verfügung vom 18. September 2008 jedoch 
mit keinem Wort darlegt, weshalb es den Beschwerdeführer als volljäh-
rig erachtet,

dass  diese  Vorgehensweise  eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs 
respektive der Begründungspflicht darstellt,

dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV i.V.m. 
Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG) nämlich verlangt, dass die verfügen-
de Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig 
und  ernsthaft  prüft  und  in  der  Entscheidfindung  berücksichtigt,  was 
sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss 
(vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG; EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3 S. 264 mit weite-
ren Hinweisen),

dass sich der festgestellte Verfahrensmangel offensichtlich als schwer-
wiegend erweist und im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfah-
rens nicht heilen lässt,

dass die Beschwerde demnach gutzuheissen, die Verfügung des BFM 
vom 18. September 2008 aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-
lung im Sinne der vorstehenden Erwägungen an die Vorinstanz zurück-
zuweisen ist,

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dass bei  diesem Verfahrensausgang auf  die  übrigen Beschwerdebe-
gehren nicht weiter einzugehen ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),

dass dem anwaltlich nicht vertretenen Beschwerdeführer keine Kosten 
im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG erwachsen sind und daher keine 
Parteientschädigung zu entrichten ist.

(Dispositiv auf der nächsten Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung 
wird aufgehoben.

2.
Das Verfahren wird im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an 
das BFM zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) ad (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Schmid Alfred Weber

Versand:

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