# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c25ee3ee-1dd6-515b-b90d-ba2735332ea9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.05.2010 D-4038/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4038-2007_2010-05-11.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4038/2007/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Daniel Schmid, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger.

A._______, geboren [...], Kongo (Kinshasa),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 10. Mai 2007 / N [...],

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4038/2007

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin,  eine  Staatsangehörige  der  Demokratischen 
Republik Kongo mit letztem Wohnsitz in Kinshasa, verliess ihren Hei-
matstaat  eigenen  Angaben  zufolge  am  10. März 2007  und  gelangte 
am 11. April 2007  in  die  Schweiz,  wo sie  am gleichen  Tag um Asyl 
nachsuchte. Anlässlich der Kurzbefragung im Empfangs- und Verfah-
renszentrum Kreuzlingen vom 19. April 2007 und der direkten Bundes-
anhörung vom 27. April 2007 durch das BFM machte sie im Wesentli-
chen geltend, sie habe sich am 27. Januar 2007 gemeinsam mit ihrem 
Freund nach X._______ begeben,  um dort  ihren  Bruder  zu  suchen. 
Nach  viertägiger  erfolgloser  Suche hätten  sie  sich  entschlossen  mit 
einem  Bus  nach  Kinshasa  zurückzufahren,  wobei  sie  an  einer 
Strassensperre von Soldaten kontrolliert  worden seien. Die Soldaten 
hätten  bei  der  anschliessenden  Durchsuchung  des  Gepäcks  der  im 
Bus mitgereisten Händler  Waffen entdeckt und sie und ihren Freund 
als  Komplizen dieser  Händler  angeschaut,  weil  es in  X._______ zur 
gleichen Zeit Unruhen gegeben habe. Gemäss den Aussagen der Be-
schwerdeführerin sei der Unruhestifter in X._______ ein Mann namens 
B._______ gewesen. Nach der Anhaltung seien sie, ihr Freund sowie 
andere  Mitreisende  festgenommen  und  nach  Y._______  gebracht 
worden. Am nächsten Tag habe man sie getrennt von ihrem Freund in 
das  Gefängnis  von  Kinshasa  überführt,  wo  sie  zunächst  von  drei 
Soldaten unter anderem mit dem Tode bedroht und danach vergewal-
tigt  worden sei. Einen Tag später  habe ihr  ein  Polizist  geholfen aus 
dem Gefängnis  zu  fliehen,  um sie  zu  heiraten. Er  habe  sie  in  sein 
Haus gebracht, wo er sie anschliessend eingesperrt und vergewaltigt 
habe, ehe ihr am folgenden Tag die Flucht aus dem Fenster gelungen 
sei. Sie habe sich danach eine Zeit lang bei einer Freundin aufgehal-
ten  und  am  10. März 2007  von  dieser  erfahren,  dass  Soldaten  das 
Haus der Beschwerdeführerin durchsucht hätten und ihr Freund eben-
falls aus dem Gefängnis geflohen sei. Aus Angst sei sie noch am glei-
chen Tag nach Brazzaville,  Republik Kongo, gegangen, wo sie einen 
Freund ihres Freundes getroffen habe. Am 9. April 2007 sei sie mit ei-
nem fremden Pass mit einer Zwischenlandung in Paris nach Mailand 
geflogen,  von wo sie danach mit  dem Auto am 11. April 2007 in  die 
Schweiz einreiste.

Seite 2

D-4038/2007

B.
Mit Verfügung vom 10. Mai 2007 – eröffnet am 15. Mai 2007 – lehnte 
das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete de-
ren Wegweisung aus der Schweiz an. Den Wegweisungsvollzug erach-
tete es als zulässig, zumutbar und möglich.

Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides führte das Bundes-
amt im Wesentlichen aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hiel-
ten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit von Art. 7  des Asylge-
setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass ihre 
Asylrelevanz nicht überprüft zu werden brauche. Die Ausführungen der 
Beschwerdeführerin hinsichtlich der von ihr angeblich erlebten Vorfälle 
seien in jeglicher Hinsicht unsubstanziiert und wirkten insgesamt kon-
struiert.  Ihre  Angaben vermittelten  nicht  den Eindruck,  dass  sie  das 
Geschilderte selbst erlebt habe. Weiter sei sie nicht im Stande gewe-
sen, das Gefängnis in Kinshasa auch nur annähernd zu beschreiben. 
Sie habe diesbezüglich ausweichend, undifferenziert und unpersönlich 
geantwortet. Zudem habe sie unterschiedliche Angaben zu ihrer Haft-
zeit in Kinshasa gemacht. Auch fehle es den Schilderungen über die 
angeblich erlittenen Vergewaltigungen an spontanen Ausdrücken per-
sönlicher  Betroffenheit.  Die  Angaben  zu  ihrer  Freilassung  aus  dem 
Gefängnis durch einen Polizisten, welchen sie anschliessend heiraten 
sollte, seien ebenfalls realitätsfremd und wenig stichhaltig. Die Kennt-
nisse der Beschwerdeführerin die Unruhen anfangs Februar 2007 und 
deren Hintergründe betreffend seien unzureichend und teilweise auch 
nicht zutreffend. Die Beschwerdeführerin verfüge über eine gute Schul-
bildung und ein soziales Beziehungsnetz im Heimatstaat, sodass der 
Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei.

C.
Mit Beschwerde vom 13. Juni 2007 an das Bundesverwaltungsgericht 
beantragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der vorinstanzlichen 
Verfügung. Es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl 
zu  gewähren,  eventualiter  seien die Unzulässigkeit  des Vollzugs der 
Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In 
prozessualer  Hinsicht  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  um  Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses.  Der  vorliegenden  Beschwerde  sei  zudem  die  auf-
schiebende Wirkung zu erteilen.

Seite 3

D-4038/2007

Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den 
Erwägungen eingegangen.

D.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Juni 2007 hielt der zuständige Instruk-
tionsrichter fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten. Weiter wies er das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
VwVG wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerde ab und forderte die 
Beschwerdeführerin unter Androhung des Nichteintretens im Unterlas-
sungsfall auf, bis am 3. Juli 2007 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– 
zu leisten. Dieser wurde in der Folge am 29. Juni 2007 bezahlt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht  ist  daher  zuständig für  die  Beurteilung der  vorliegenden Be-
schwerde  und  entscheidet  im  Bereich  des  Asyls  endgültig  (Art. 105 
AsylG  und  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert  (Art. 108 Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG so-
wie Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichti-
ge  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachver-

Seite 4

D-4038/2007

halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um ei-
ne solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.
4.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tra-
gen (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

5.
5.1 Die  Vorinstanz  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom 
10. Mai 2007  ausführlich  dargelegt,  weshalb  die  Vorbringen  der  Be-
schwerdeführerin  als  unglaubhaft  zu  erachten  sind.  Zur  Vermeidung 
von Wiederholungen kann daher vorab auf die nicht zu beanstanden-

Seite 5

D-4038/2007

den Ausführungen des BFM in der angefochtenen Verfügung verwie-
sen werden.

5.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin bezüglich der Festnahme, 
der  Haft  und der  Flucht  aus dem Gefängnis  wirken insgesamt nicht 
nachvollziehbar  beziehungsweise  stereotyp  und  erwecken  mangels 
Realitätskennzeichen und Details den Eindruck, sie habe diese Bege-
benheiten  nicht  selber  erlebt.  In  der  Beschwerdeschrift  vom 13. Ju-
ni 2007 wendet  sie  unter  anderem ein,  sie  habe sich  betreffend die 
Dauer ihrer Haftzeit  nicht widersprochen. Dazu führt  sie aus, sie sei 
insgesamt, also mit der Haft in Y._______ und Kinshasa sowie der Ein-
sperrung beim Polizisten, drei oder vier Tage festgehalten worden. Sie 
sehe deshalb bei den beiden Protokollen keinen Widerspruch. Dem ist 
entgegenzuhalten, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Erstbe-
fragung  explizit  vom Gefängnis  in  Kinshasa,  wo sie  “noch drei  oder 
vier Tage lang in Haft war“ (vgl. Akten A1 S. 9) und nicht wie behauptet 
von der gesamten Haftdauer sprach. Ihr Einwand erweist sich deshalb 
als unbegründet.

Die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin, mit welchen sie die 
vom BFM vorgehaltenen Widersprüche in ihren Aussagen zu relativie-
ren versucht, vermögen ebenfalls nicht zu überzeugen. Die übrigen Ar-
gumente in der Beschwerdeschrift erschöpfen sich dabei in einer Wie-
derholung der bereits im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens gel-
tend  gemachten  Vorbringen,  blossen  Behauptungen,  unbehelflichen 
Erklärungsversuchen  und  allgemeinen  Ausführungen,  weshalb  nicht 
weiter darauf einzugehen ist.

5.3 Die geltend gemachten Vorbringen genügen daher den Anforde-
rungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht. Es ge-
lingt  der  Beschwerdeführerin  insgesamt  nicht,  die  Flüchtlingseigen-
schaft  nachzuweisen oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb 
das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Be-
gründung abgelehnt hat.

6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

Seite 6

D-4038/2007

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).

7.
7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen ist,  eine  asylrechtlich  er-
hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft  zu machen, kann 

Seite 7

D-4038/2007

das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-
Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Ei-
ne Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Kongo (Kinshasa) ist dem-
nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe-
rin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei-
ner  Rückführung  in  ihren  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des 
UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Ur-
teil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit 
weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in 
Kongo (Kinshasa) lässt  den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung ist 
daher  sowohl  im Sinne der  asyl-  als  auch der  völkerrechtlichen Be-
stimmungen zulässig.

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

7.4.1 Für die allgemeine Lage in Kongo (Kinshasa) kann auf die de-
taillierte, in den Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 33 publizierte Lageanalyse 
zu diesem Land verwiesen werden, welche das Bundesverwaltungsge-
richt  als  im  Wesentlichen  weiterhin  zutreffend  erachtet.  Namentlich 
geht es davon aus, dass dort nicht landesweit eine Bürgerkriegssitua-
tion  oder  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht.  Mittlerweile  – 
nach den zwischenzeitlichen Unruhen von Anfang 2007 – kann sogar 
von einer Stabilisierung der Lage gesprochen werden (vgl. beispiels-
weise  die  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D-4304/2008  vom 

Seite 8

D-4038/2007

25. Februar 2010 E. 6.3.2, D-1032/2008 vom 9. Februar 2010 E. 6.3.1 
sowie E-4539/2007 vom 21. Dezember 2009 E. 5.2.3).

7.4.2 Gemäss der in EMARK 2004 Nr. 33 dargelegten, nach wie vor 
gültigen Praxis kann die Rückkehr von Personen aus Kongo (Kinsha-
sa)  nur unter  bestimmten,  eingeschränkten Voraussetzungen als  zu-
mutbar  bezeichnet  werden.  Dies  ist  dann  der  Fall,  wenn  der  letzte 
Wohnsitz  der  betroffenen Person –  unabhängig  ob männlichen oder 
weiblichen Geschlechts – die Hauptstadt Kinshasa oder eine andere, 
über  einen Flughafen verfügende Stadt  im Westen des  Landes war, 
oder wenn die Person in einer dieser Städte über ein gefestigtes Be-
ziehungsnetz  verfügt.  Doch  selbst  bei  Vorliegen  der  vorstehend  ge-
nannten Kriterien wird der Vollzug der Wegweisung – nach sorgfältiger 
Prüfung  und  Abwägung  der  individuellen  Umstände –  in  aller  Regel 
auch dann als nicht zumutbar erachtet, wenn die zurückführende Per-
son (kleine) Kinder in ihrer Begleitung hat, für mehrere Kinder verant-
wortlich ist, sich bereits im fortgeschrittenen Alter befindet oder es sich 
bei ihr um eine alleinstehende, nicht über ein soziales oder familiäres 
Netz verfügende Frau handelt (vgl. E. 8.3 S. 237).

Es  ergeben  sich  aufgrund  der  Akten  keine  in  der  Person  der  Be-
schwerdeführerin  liegende Gründe,  welche den Vollzug der  Wegwei-
sung nach Kongo (Kinshasa) als unzumutbar erscheinen lassen könn-
ten. Gemäss eigenen Angaben lebte die junge und – soweit aktenkun-
dig – gesunde Beschwerdeführerin seit ihrer Geburt bis zu ihrer Aus-
reise in Kinshasa. Sie hat zwölf Jahre lang die Schule besucht, jedoch 
das anschliessende Studium nach zwei Jahren abgebrochen (vgl. Ak-
ten A1 S. 3). Ausser dem Geschilderten, das als unglaubhaft erachtet 
wurde (vgl. oben), verneinte sie ausdrücklich irgendwelche Schwierig-
keiten  mit  den  heimatlichen  Behörden  (A1  S. 8).  Ihre  in  Z._______ 
lebenden  Eltern  können  sie  bei  einer  Rückkehr  in  ihr  Heimatland 
unterstützen.  Im  Weiteren  ist  davon  auszugehen,  dass  sie  während 
den  beinahe  25 Jahren,  die  sie  in  Kinshasa  gelebt  hat, 
Freundschaften und Bekanntschaften gepflegt hat, weshalb dort auch 
von einem genügenden sozialen Beziehungsnetz auszugehen ist.

Gestützt  auf  die vorstehenden Erwägungen ist  der Vollzug der Weg-
weisung sowohl vor dem Hintergrund der allgemeinen Lage in Kongo 
(Kinshasa) als auch in individueller Hinsicht als zumutbar zu erachten.

7.5 Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-

Seite 9

D-4038/2007

digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

8.
Insgesamt ist  der  durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu bestätigen. Dieser wurde zu Recht als zulässig, zumutbar und mög-
lich  erachtet.  Eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  fällt  somit 
ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist daher abzuweisen.

10.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  von  Fr. 600.– 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen (Art. 63  Abs. 1 
VwVG) und mit dem in der gleichen Höhe am 29. Juni 2007 geleisteten 
Kostenvorschuss zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

D-4038/2007

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher 
Höhe verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 

Kurier; in Kopie)
- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Jacqueline Augsburger

Versand:

Seite 11