# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 85d9ab34-76c9-52b1-b0ff-459fa03f3cde
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.07.2008 E-4012/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4012-2006_2008-07-10.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4012/2006/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  J u l i  2 0 0 8

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 
Richter Hans Schürch, Richterin Gabriela Freihofer, 
Gerichtsschreiber Andreas Felder.

A_______, geboren (...),
Jemen,
vertreten durch Barbara Tschopp, 
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 23. Juni 2005 / N_______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4012/2006

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer verliess den Jemen mit seinen beiden Brüdern 
B_______ und C_______ am 2. Juli 2001 und reiste mit dem Flugzeug 
von  (...)  nach  Frankfurt  am Main  und  danach  via  Transitzone  direkt 
nach  Polen  weiter,  wo  sie  jedoch  wieder  zurück  nach  Deutschland 
abgeschoben  wurden.  In  Deutschland  haben  sie  danach  ein 
Asylgesuch  gestellt  und  sich  dort  zirka  8  Monate  aufgehalten.  Aus 
Angst  vor  einer  drohenden  Abschiebung  in  den  Jemen  sowie  dem 
Wunsch, wieder mit den Eltern zusammenleben zu können, reisten sie 
am 1. April 2002 unter Umgehung der Grenzkontrolle per Auto in die 
Schweiz ein, wo sie zuerst die bereits in der Schweiz ansässigen El-
tern besuchten, bevor sie am 10. April 2002 in der Empfangsstelle Ba-
sel ein Asylgesuch einreichten. In der Folge wurde der Beschwerde-
führer am 16. April 2002 summarisch und am 5. Juni 2002 eingehend 
zu seinen Asylgründen befragt (B3 und B19).

Zur Begründung seines Asylgesuches macht der Beschwerdeführer im 
Wesentlichen Folgendes geltend: Sein Vater sei nach dem Ende des 
jemenitischen Bürgerkrieges als ehemaliger Angehöriger der südjeme-
nitischen  Armee und  als  Mitglied  der  Sozialistischen  Partei  Jemens 
(YSP) von nordjemenitischer Seite her verfolgt worden und habe des-
halb den Jemen verlassen. In der Folge sei er mehrmals von der Poli-
zei  angehalten  und  über  den  Verbleib  seines  Vaters  ausgefragt 
worden. Auch seine beiden Brüder B_______ und C_______ seien von 
der Polizei behelligt worden. Deshalb hätten sie sich ebenfalls zur Aus-
reise  aus  dem  Jemen  entschieden.  Zudem  wollten  sie  wieder  zu-
sammen mit ihren Eltern leben.

B.
Mit Schreiben vom 13. Juni 2002 (B21) verlangte der damalige Rechts-
vertreter  des Beschwerdeführers,  dass die Ergebnisse der Anhörung 
vom 5.  Juni  2002  für  die  Entscheidfindung  nicht  zu  berücksichtigen 
seien und die kantonale Anhörung komplett zu wiederholen sei, da die 
Befragung  ohne  Anwesenheit  des  Rechtsvertreters  durchgeführt 
worden  sei.  Eventualiter  sei  dem  Rechtsvertreter  vorgängig  Akten-
einsicht in das Protokoll der Anhörung vom 5. Juni 2002 zu gewähren.

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C.
Mit Schreiben vom 27. September 2002 (B24) stellte das  Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF, heute: BFM) dem Rechtsvertreter des Beschwer-
deführers  eine  Kopie  der  Anhörungsprotokolle  zu  und  gewährte  ihm 
eine Frist für eine allfällige Stellungnahme.

D.
Am 29. Oktober 2002 (B27)erfolgte eine entsprechende Stellungnahme 
des  Beschwerdeführers  zum  Anhörungsprotokoll  vom  5.  Juni  2002. 
Weiter wurden die Anträge gestellt, dass der Beschwerdeführer erneut 
zu seinen Asylgründen anzuhören sei, oder dem Beschwerdeführer zu-
mindest eine erneute Frist für eine Stellungnahme eingeräumt werde.

E.
Mit  Schreiben vom 10. Februar 2004 (B29) informierte das BFF den 
Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  dass  es  bei  der  Schweize-
rischen Vertretung in  Riad um nähere Abklärungen zu eingereichten 
Dokumenten des Vaters des Beschwerdeführers ersucht habe. Der we-
sentliche Inhalt der Botschaftsauskünfte vom 15. September 2002 und 
25. März 2003 wurde dem Rechtsvertreter zur Kenntnis gebracht, und 
es wurde ihm die Möglichkeit zu einer entsprechenden Stellungnahme 
geboten.

F.
Mit Schreiben vom 25. Februar 2004 (B30) teilte Frau Barbara Tschopp 
dem BFF mit, dass sie das entsprechende Mandat übernommen habe 
und  die  neue  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  sei.  Gleich-
zeitig ersuchte sie um eine Fristverlängerung bezüglich der Stellung-
nahme zum Schreiben vom 10. Februar 2004.

G.
Mit Schreiben vom 7. April 2004 (B31) nahm der Beschwerdeführer zu 
den  Berichten  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Riad  Stellung.  Na-
mentlich nahm der Beschwerdeführer Bezug auf Dokumente aus dem 
Asylverfahren seines Vaters Mahdi Ibrahim Hassan, welche die Verfol-
gung seines Vaters und damit einhergehend auch die Verfolgung des 
Beschwerdeführers im Jemen belegen sollten.

H.
Mit  Verfügung  vom  23.  Juni  2005  (B33)  lehnte  das  BFM  das  Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Be-

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gründung  führte  es  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  und  ein-
gereichten Beweismittel  seien nicht  geeignet,  den vom Beschwerde-
führer geltend gemachten Sachverhalt glaubhaft darzustellen, weshalb 
die  Vorbringen  den  Anforderungen  an  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nicht  standhielten.  Weiter  sei  der 
Wegweisungsvollzug in den Jemen zulässig, zumutbar und möglich.

I.
Mit  Schreiben vom 29. Juni 2005 ersuchte die Rechtsvertreterin des 
Beschwerdeführers  die  Vorinstanz  um Gewährung  der  umfassenden 
Akteneinsicht in sämtliche Dokumente. 

J.
Mit Eingabe vom 28. Juli 2005 focht der Beschwerdeführer über seine 
Rechtsvertreterin die Verfügung des BFM vom 23. Juni 2005 bei der 
damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK) 
an.  Er  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die 
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung in der 
Schweiz. In verfahrensrechtlicher Hinsicht  ersuchte der Beschwerde-
führer  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Erlass 
des Kostenvorschusses.

K.
Mit Verfügung vom 5. August 2005 hielt die damals zuständige Instruk-
tionsrichterin der ARK fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang 
des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. Über das Gesuch um 
unentgeltliche  Rechtspflege  werde  zu  einem späteren  Zeitpunkt  be-
funden, jedoch werde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ver-
zichtet. Zudem wurden die Akten der Vorinstanz zur Vernehmlassung 
überwiesen, und die Vorinstanz wurde aufgefordert, dem Beschwerde-
führer Einsicht in die Akten des Beschwerdeführers zu gewähren, da 
bisher  fälschlicherweise lediglich  Einsicht  in  die  Verfahrensakten der 
Eltern des Beschwerdeführers gewährt wurde.

L.
In seiner Vernehmlassung vom 1. Dezember 2005 hielt  das BFM an 
seinem  Standpunkt  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Be-
schwerde. 

M.
Am 2. Dezember 2005 wurde die Vernehmlassung dem Beschwerde-
führer zur replikweisen Stellungnahme unterbreitet.

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N.
Am 19. Dezember 2005 folgte die entsprechende Stellungnahme des 
Beschwerdeführers.

O.
Mit Verfügung vom 22. November 2007 wurde der Beschwerdeführer 
vom  Bundesverwaltungsgericht  aufgefordert,  bisher  nicht  genannte 
Aktivitäten für die D_______ oder andere exilpolitische Gruppierungen 
in der Schweiz abschliessend aufzuzählen.

P.
Am  30.  November  2007  folgte  die  Antwort  des  Beschwerdeführers, 
dass  er  lediglich  als  gewöhnliches  Mitglied  der  D_______  fungiere, 
ohne jedoch namentlich erwähnt oder in exponierter Stellung tätig zu 
sein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört  zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105 
AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht  hat  am 1. Januar 2007 die Beur-
teilung  der  bei  der  ARK  hängigen  Rechtsmittel  übernommen.  Das 
neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-

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schwerde  legitimiert  (Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art.  48  Abs.  1  und  50  ff. 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer  politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  mass-
geblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

4.
4.1 Der Beschwerdeführer hat zur Begründung seines Asylgesuches 
vorgebracht,  dass er nach der Flucht seines Vaters aus dem Jemen 
mehrmals von der Polizei belästigt worden sei. Seither habe er sich im 
Jemen nicht mehr sicher gefühlt. Die erwähnte Bedrohung steht somit 
in  direktem  Zusammenhang  zur  angeblichen  Verfolgung  des  Vaters 
des Beschwerdeführers.

Der  Vater  des  Beschwerdeführers,  E_______,  hat  seinerseits  den 
Jemen im August 1999 verlassen und in der Folge in der Schweiz um 
Asyl  ersucht.  Mit  Urteil  vom  30.  Januar  2008  hat  das 
Bundesverwaltungsgericht  in  jenem  Verfahren  letztinstanzlich  ent-

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schieden (vgl. Urteil i.S. E-6990/2006).

Was die  vom Vater  des  Beschwerdeführers  geltend  gemachten Vor-
fluchtgründe  betrifft  (betreffend  die  Nachfluchtgründe  vgl.  unten,  E. 
4.3), kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, er habe zwar 
hinreichend belegen können, dass er Offizier in der südjemenitischen 
Armee  und  zudem  Mitglied  bei  der  Sozialistischen  Partei  Jemens 
(YSP) gewesen sei,  es erscheine jedoch unglaubhaft,  dass er in der 
Zeit  zwischen 1994 und seiner  Ausreise aus dem Jemen im August 
1999  in  der  von  ihm  geschilderten  Weise  verfolgt  worden  sei  (vgl. 
Urteil vom 30. Januar 2008 i.S. E-6990/2006 E. 4.1).

Aus der Tatsache, dass der Vater des Beschwerdeführers für den Zeit-
raum von 1994 bis zu seiner Ausreise im Jahre 1999 keine asylrele-
vante Verfolgung glaubhaft  machen konnte, erscheint  es somit  unre-
alistisch, dass der Beschwerdeführer nach der Ausreise seines Vaters 
von den jemenitischen Sicherheitskräften bis zur eigenen Ausreise im 
Jahr  2001  in  einer  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Weise  behelligt 
wurde.  Ob  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers,  wie  von  der  Vor-
instanz festgestellt, zudem unsubstanziiert seien, und ob die Anhörung 
ohne rechtzeitige Einladung des Rechtsvertreters korrekt habe durch-
geführt werden können (vgl. oben Bst. B und D), kann angesichts der 
nachfolgenden Erwägungen letztlich offenbleiben.

4.2 Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach 
Art. 3 AsylG ist indessen nicht die Situation im Zeitpunkt der Ausreise, 
sondern  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides.  So  ist  ge-
gebenenfalls  auch  eine  asylsuchende  Person  als  Flüchtling  anzu-
erkennen,  die  erst  aufgrund von Ereignissen nach ihrer  Ausreise im 
Falle einer Rückkehr in den Heimat- oder Herkunftsstaat in flüchtlings-
rechtlich relevanter Weise verfolgt würde. Zu unterscheiden ist  dabei 
zwischen  objektiven  und  subjektiven  Nachfluchtgründen.  Objektive 
Nachfluchtgründe - welche, wie sich zeigen wird, im kommenden Fall 
zum Tragen kommen - liegen vor, wenn äussere Umstände, auf welche 
die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohen-
den Verfolgung führen; der von einer Verfolgung bedrohten Person ist 
in solchen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu 
gewähren (vgl. EMARK 1994 Nr. 17 E. 3b u. 4 S. 135 u. 137 f.;  MARIO 
GATTIKER,  Das  Asyl-  und  Wegweisungsverfahren,  3. Aufl.,  Bern  1999, 
S. 85  f.;  WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt 
a.M.  1990,  S.  130  f.;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: 

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UEBERSAX/MÜNCH/GEISER/ARNOLD [Hrsg.],  Ausländerrecht, 
Basel/Genf/München 2002, Rz. 8.20).

4.3  Der  Vater  des  Beschwerdeführers  konnte  in  seinem  Verfahren 
glaubhaft darlegen, dass er sich in der Schweiz ab dem Jahre 2005 in 
stark exponierter Stellung exilpolitisch engagiert  hat und dadurch bei 
einer Rückkehr in den Jemen in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise 
gefährdet wäre (vgl. Urteil  vom 30. Januar 2008 i.S. E-6990/1006 E. 
8.2 - 8.5).

Das  politische  Engagement  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  hat 
unter anderem zur Folge, dass der Beschwerdeführer selbst bei einer 
Rückkehr in den Jemen persönlich gefährdet wäre und damit selbst-
ständig die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt. Obwohl 
es aufgrund der verfügbaren Quellen keine Hinweise gibt, dass in Je-
men  Familienangehörige  von  Regimegegnern  systematisch  verfolgt 
würden,  sind  genügend  Meldungen  über  sippenhafte  Behelligungen 
vorhanden  (vgl.  Amnesty  International,  Report  2007:  Yemen,  sowie 
Stellungnahmen gegenüber dem Verwaltungsgericht Giessen vom 11. 
Januar 1999 beziehungsweise dem Verwaltungsgericht Frankfurt a.M. 
vom 21. Februar 2001; U.S. Department of State, Country Reports on 
Human Rights  Practices  2006 und 2004: Yemen; „Yemen: Failure  or 
Democracy“, Yemen Times vom 22. - 25. Dezember 2005), um im Falle 
des Beschwerdeführers davon ausgehen zu können, dass er aufgrund 
der politischen Exilaktivitäten seines Vaters mit der konkreten Gefahr 
von Massnahmen im Sinne einer Reflexverfolgung (vgl. dazu allgemein 
EMARK 1994 Nr. 5) rechnen müsste. Weiter ist aus den Akten in kei-
ner Weise ersichtlich, dass der Beschwerdeführer den Entschluss sei-
nes Vaters,  sich in  der Schweiz exilpolitisch zu betätigen,  in  irgend-
einer Weise beeinflusst habe. Die beschriebene Gefahr einer Reflex-
verfolgung  ist  daher  unabhängig  vom  Verhalten  des  Beschwerde-
führers  nach  seiner  Ausreise  entstanden  und  bildet  entsprechend 
einen objektiven Nachfluchtgrund  (vgl. für die ähnliche Ausgangslage 
bei nachträglicher Gefährdung von Asylsuchenden durch politische Ak-
tivitäten  von  im  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  verbliebenen  Familien-
angehörigen EMARK 1994 Nr. 17 E. 3b S. 135 f.), bei dem ein Asyl-
ausschlussgrund  nach  Art.  54  AsylG  ausser  Betracht  fällt.  Der  Um-
stand,  dass  der  Beschwerdeführer  gemäss seiner  Aussage  vom 30. 
November 2007 selbst Mitglied bei der D_______ ist, ändert nichts an 
der  Sachlage.  Gemäss  seiner  Aussage  ist  der  Beschwerdeführer 
lediglich  ein  einfaches  Mitglied,  welches  nie  konkret  in  Erscheinung 

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getreten ist  und nicht einmal namentlich bekannt ist,  womit sich  mit 
dieser  Mitgliedschaft  auch  keine  subjektiven  Nachfluchtgründe 
verwirklicht haben. Da keine Anhaltspunkte für das Bestehen anderer 
Asylausschlussgründe bestehen, ist das BFM somit anzuweisen, dem 
Beschwerdeführer Asyl zu gewähren.

5.  
Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerde  gutzu-
heissen ist. Die angefochtene Verfügung des BFM vom 23. Juni 2005 
ist vollumfänglich aufzuheben, und das BFM ist anzuweisen, dem Be-
schwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren.

6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 
(vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch des Beschwerdeführers vom 
28.  Juli  2008  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
damit gegenstandlos und ist nicht mehr weiter zu prüfen.

6.2  Dem obsiegenden Beschwerdeführer sind in Anwendung von Art. 
64  Abs. 1  VwVG und Art.  7  des  Reglements  vom 21. Februar  2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor  dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2) zulasten der Vorinstanz eine Parteient-
schädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnis-
mässig  hohen  Kosten  zuzusprechen.  Die  Rechtsvertreterin  des  Be-
schwerdeführers hat hierzu am 28. Juli 2005 eine entsprechende Kos-
tennote  eingereicht  und  ihren  Aufwand  auf  insgesamt  Fr. 500.-  be-
ziffert; zusätzlich wurden in der Folge noch die Eingaben vom 19. De-
zember 2005 und vom 30. November 2007 eingereicht,  welcher Auf-
wand sich  zuverlässig  von Amtes wegen  abschätzen lässt. Die  vom 
BFM zu entrichtende Parteientschädigung ist insgesamt auf Fr. 700.-- 
(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 23. Juni 2005 wird aufgehoben.

3.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz 
Asyl zu gewähren.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

5.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 700.- zu entrichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier)
- (...)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Christa Luterbacher Andreas Felder

Versand: 

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