# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a64aae4d-312a-5353-bcc0-8b15da79d604
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-29
**Language:** de
**Title:** Stadt Zürich. Festlegung einer Naturschutzzone. Erstellung eines Rebbergs.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0072/2016
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nr._0072-2016_vom_29._april_2016.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE I Nr. 

R1S.2015.05051 
0072/2016 

Entscheid vom 29. April 2016 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Bruno Grossmann, Baurichter Ulrich Weiss, Baurichter 
Jürg Trachsel, Gerichtsschreiber Robert Durisch     

in Sachen 

Rekurrent 

O. H., [….] 

gegen 

Rekursgegner 

1.  Stadtrat von Zürich, Stadthaus, 8022 Zürich  

Mitbeteiligte 

2.  Gesamteigentümer  S., [….]  
3. 
4.  R. und A. M., [….]  

I. D., [….]  

betreffend 

Stadtratsbeschluss vom 20. November 2013; Erlass der Schutzverordnung 
Fluntern  (ersetzt  Stadtratsbeschluss  vom  10.  Juli  2013),  Kat.-Nr.  FL1015, 
Zürich 7 - Fluntern;  

Rückweisung zum Neuentscheid mit VB.2014.00465 vom 15. Januar 2015 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A.  

Der  Stadtrat  von  Zürich  erliess  mit  Beschluss  vom  10. Juli  2013  die  kom-

munale  Schutzverordnung  "Kirchrain  Fluntern",  die  auf  dem  Grundstück 

Kat.-Nr. FL1015  zwischen  der  Gloriastrasse  und  der  Grossen  Kirche 

Fluntern neben der Festlegung von Naturschutzzonen die Erstellung eines 

Rebbergs auf einer eigens ausgeschiedenen Rebbergschutzzone vorsah.  

Gegen  den  Erlass  dieser  Schutzverordnung  erhoben  die  Gesamteigentü-

mer S., und einzelne Anwohner dieser Strasse, im Einzelnen I. D. sowie R. 

und  A.  M.,  mit  Eingabe  vom  23. August  2013  beim  Baurekursgericht  des 

Kantons  Zürich  Rekurs  (Verfahren  G.-Nr. R1S.2013.05083).  Sie  beantrag-

ten  die  Abänderung  der  Schutzverordnung,  wonach  für  das  Schutzobjekt 

allein Naturschutzzonen festzusetzen seien und auf die Anlage eines Reb-

bergs zu verzichten sei.  

Die Vorinstanz hob mit Beschluss vom 20. November 2013 die angefochte-

ne  Schutzanordnung  auf  und  erliess  an  ihrer  Stelle  die  Schutzverordnung 

"Fluntern", die das Schutzgebiet einer einzigen Naturschutzzone zuwies.  

Darauf wurde das Rekursverfahren mit Verfügung vom 30. Mai 2014 einst-

weilen sistiert.  

B.  

Mit  Eingabe  vom  10. Februar  2014  rekurrierte  O.  H.,  ebenfalls  Anlieger, 

gegen  den  Erlass  der  Schutzverordnung  "Fluntern"  (Verfahren  G.-Nr. 

R1S.2014.05015). Der Rekurrent beantragte die Aufhebung des Beschlus-

ses vom 20. November 2013 unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu-

lasten der Vorinstanz.  

Letztere  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  12. März  2014,  es  sei  auf 

den  Rekurs  nicht  einzutreten,  eventualiter  sei  dieser  abzuweisen,  unter 

Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Rekurrenten. Hierauf liess 

sich der Rekurrent mit Replik vom 10. April 2014 und am 12. Mai 2014 mit 

einer weiteren Stellungnahme vernehmen.  

R1S.2015.05051 

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Das  Baurekursgericht  entschied  am  19. Juni  2014,  mangels  Legitimation 

des Rekurrenten auf den Rekurs nicht einzutreten (BRGE I Nr. 0074/2014).  

C.  

Die  Beschwerde,  die  der  Rekurrent  in  der  Folge  gegen  den  Rekursent-

scheid erhoben hatte, hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich mit 

Urteil  vom  15. Januar  2016  gut  (VB.2014.00465).  Es  hob  den  Rekursent-

scheid vom 19. Juni 2014 auf und wies die Streitsache an das  Baurekurs-

gericht zur materiellen Entscheidung zurück.  

Mit Verfügung vom 6. Mai 2015 wurde von der Rückweisung der Akten (des 

Verfahrens G.-Nr. R1S.2014.05015) durch das Verwaltungsgericht Vormerk 

genommen  und  das  Verfahren  unter  der  neuen  G.-Nr. R1S.2015.05051 

fortgesetzt. Weiter  verfügte  das  Baurekursgericht  am  7. Mai 2015  die  Bei-

ziehung  der  Akten  des  sistierten  Verfahrens  G.-Nr. R1S.2013.05083  und 

die Aufnahme der Rekurrierenden jenes Verfahrens als Mitbeteiligte in das 

fortgesetzte  Verfahren;  zugleich  wurde  die  Durchführung  eines  weiteren 

Schriftenwechsels angeordnet.  

Die  Vorinstanz  und  die  Mitbeteiligten  beantragten  mit  separaten  Eingaben 

vom 5. Juni 2015 und 8. Juli 2015 die Abweisung des Rekurses unter Kos-

ten-  und Entschädigungsfolgen  zulasten  des  Rekurrenten.  Derselbe  bean-

tragte mit Eingabe vom 8. Juli 2015 die Abweisung des Rekurses der Mit-

beteiligten  (im  Verfahren  G.-Nr. R1S.2013.05083)  und  die  Sistierung  der 

beiden rechtshängigen Verfahren, bis über die Initiative von Hans Diehl be-

funden worden sei.  

Am  3. Juli  2015  führte  die  1. Abteilung  des  Baurekursgerichts  im  Beisein 

der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch.  

D.  

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  und  die  anlässlich  des  Lokaltermins  ge-

machten  Feststellungen  wird,  soweit  für  den  Rekursentscheid  erforderlich, 

in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.  

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Es kommt in Betracht: 

1. 

Das  Verwaltungsgericht  befand  mit  Urteil  vom  15. Januar  2015,  dass  der 

Rekurrent berechtigt sei, gegen den Erlass der kommunalen Schutzverord-

nung "Fluntern" zu rekurrieren (VB.2014.00465, E. 3-5). Auf den Rekurs (im 

fortgesetzten Verfahren G.-Nr. R1S.2015.05051) ist deshalb einzutreten, da 

neben  der  Legitimation  auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt 

sind.  

2.  

Im  besagten  Urteil  wurde  eine  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches 
Gehör feststellt. Das Verwaltungsgericht erwog dazu Folgendes (E. 6.2):  

"Der Beschwerdegegner [in diesem Verfahren die Vorinstanz] stützte sich im Be-
schluss  vom  20. November  2013  im  Wesentlichen  auf  die  Rekursschrift  von  An-
wohnern [in diesem Verfahren die Mitbeteiligten], welche sich gegen die ursprüng-
liche  Schutzverordnung  vom  10. Juli  2013  gewandt  hatten  (Verfahren  G.-
Nr. R1S.2013.05083). Bevor über diesen Rekurs entschieden worden war, kam der 
Beschwerdegegner  ohne  nähere  Ausführungen  dazu  im  Beschluss  vom  20.  No-
vember 2013 zur Überzeugung, dass der Rekurs grosse Chancen habe, gutgeheis-
sen zu werden. Weiter stützte er sich auf nicht näher bezeichnete Sparbemühungen, 
was ihn dazu bewog, das Projekt eines Rebbergs nicht weiter zu verfolgen und die 
ursprüngliche Schutzverfügung vom 10. Juli 2013 aufzuheben.  
Im  erwähnten  Vorgehen  des  Beschwerdegegners  liegt  eine  klare  Verletzung  des 
Anspruchs des  Beschwerdeführers [in diesem Verfahren der Rekurrent] auf genü-
gende  Begründung  und  damit  eine  erhebliche  Verletzung  seines  rechtlichen  Ge-
hörs. Da der  Beschwerdeführer weder Partei  noch Beteiligter im Rekursverfahren 
G.-Nr. R1S.2013.05083 war, hatte er zumindest zum  Zeitpunkt,  als  der Beschluss 
vom  20. November  2013  publiziert  wurde,  keinen  Einblick  in  die  massgebende 
Rekursschrift,  noch  erfuhr  er  etwas  Wesentliches  über  deren  Inhalt  aus  dem  Be-
schluss vom  20. November 2013. Die  genannte  Rekursschrift wurde auch formell 
nicht beigezogen und liegt nicht bei den Akten. Allerdings erhielt der Beschwerde-
führer im vorangegangenen Rekursverfahren [G.-Nr. R1S.2014.05015] Einsicht in 
die genannte Rekursschrift, indem ihm diese auf sein Betreiben hin zugestellt wur-
de, und deren Inhalt wurde im Rekursverfahren weitgehend thematisiert. Ob damit 
der  Mangel  einer  ausreichenden  Begründung  des  Entscheids  vom  20. November 
2013 im Rekursverfahren geheilt wurde, lässt sich mangels Vorliegen der Rekurs-
schrift hier nicht beurteilen und bleibt von der Vorinstanz zu entscheiden".  

Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs kann geheilt werden, wenn die un-
terlassene  Anhörung, Akteneinsicht oder Begründung  in einem  Rechtsmit-

telverfahren  nachgeholt  wird,  das  eine  Prüfung  im  gleichen  Umfang  wie 

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durch  die  Vorinstanz  erlaubt  (BGE 134 I 150).  Letztere  Voraussetzung  ist 

im Rekursverfahren gegeben (vgl. § 20 des Verwaltungsrechtspflegegeset-

zes  [VRG]).  Sodann  wurden  in  diesem  Verfahren  die  Akten  des  sistierten 

Verfahrens  G.-Nr. R1S.2013.05083  samt  der  Rekursschrift  der  Mitbeteilig-

ten vom 23. August 2013 beigezogen, worauf sämtliche Parteien Gelegen-

heit  erhielten,  ein  weiteres  Mal  zur  Streitsache  Stellung  zu  nehmen.  Mit 

Eingabe vom 8. Juli 2015 (act. 13) hat der Rekurrent zu der vorgenannten 

Rekursschrift  Stellung  bezogen.  Es  kann  deshalb  davon  ausgegangen 

werden,  dass  eine  ausreichende  Heilung  der  Gehörsverletzung  erfolgt  ist. 

Eine  alternative  Rückweisung  der  Angelegenheit  an  die  Vorinstanz  würde 

demgegenüber  zu  einem  formalistischen  Leerlauf  und  damit  zu  unnötigen 

Verzögerungen  führen,  die  mit  dem  Interesse  der  Parteien  an  einer 

beförderlichen  Beurteilung  der  Sache  nicht  zu  vereinbaren  wären  (vgl. 

BGE 132 V 390).  

3.  

In der Rekursschrift vom 10. Februar 2014 beantragte der Rekurrent seine 

Beiladung  im  Verfahren  G.-Nr. R1S.2013.05083  (act. 3.2  S. 2).  Durch  die 

Beiziehung  sämtlicher  Rekursakten  und  die  anschliessende  Durchführung 

eines Schriftenwechsels ist diesem Verfahrensantrag nunmehr Genüge ge-

tan.  

Sodann stellte der Rekurrent mit Eingabe vom 8. Juli 2015 den Antrag, die 

Rekursverfahren seien zu sistieren, bis über die Gültigkeit der Initiative von 

Hans Diehl entschieden worden sei (act. 13. S. 2). Dieses Begehren ist in-

zwischen  gegenstandslos  geworden,  nachdem  der Gemeinderat  der Stadt 

Zürich am 11. November 2015 beschlossen hat, die besagte Einzelinitiative 

zur Errichtung eines Rebbergs auf der Wiese unterhalb der Kirche Fluntern 

für  ungültig  zu  erklären  (http://www.gemeinderat-zuerich.ch/geschaefte/-

detailansicht-geschaeft?gId=6ceeabbd-1dcb-4803-834c-81451528ae2a).  

4.  

Die Parzelle Kat.-Nr. FL1015 befindet sich zwischen der Gloriastrasse und 

der  Grossen  Kirche  Fluntern  in  der  Freihaltezone.  Bei  diesem  Grundstück 
handelt es  sich um  eine  47 a  (Aren) grosse  Magerwiese,  die  zum  Verwal-
tungsvermögen von Grün Stadt Zürich gehört. Bis Ende der 1930-er Jahre 

bestand  dort  ein  Rebberg.  Nach  dessen  Aufgabe  wurde  der  Hang  am 

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Kirchrain  bis  in  das  Jahr  2009  beweidet.  Seither  dient  die  Fläche  als 

Heuwiese.  

Die Magerwiese reicht im Südwesten der Kirche Fluntern über das Grund-

stück Kat.-Nr. FL1015 hinaus. Sie ist seit 1990 im Inventar der kommunalen 

Natur-  und  Landschaftsschutzobjekte  (KSO)  unter  der  Inventarnummer 

KSO-33.13  verzeichnet.  Gemäss  Eintrag  in  das  KSO  ist  die  Magerweide 

bei  der  Kirche  Fluntern  "sehr  wertvoll".  Im  Weiteren  lautet  der  Eintrag  fol-

gendermassen:  

"Beschreibung:  
Gegen  Südwesten  exponierte,  65 a  grosse  Schafweide  zwischen  der  Gloriastrasse 
und der Kirche Fluntern. Auf der Steilböschung zur Gloriastrasse hin gedeiht eine 
magere, artenreiche Trespen-Wiese, welche jedoch durch Trittschäden beeinträch-
tigt ist. Im oberen, leicht geneigten Bereich wächst eine magere Fettwiese. Die Flä-
che liegt in der Freihaltezone inmitten von Wohnhäusern. Oben grenzt eine schma-
le Hecke die Weide vom Kinderspielplatz ab.  

Bedeutung:  
Lebensraum  von  regional  sowie  in  der  Stadt  selten  gewordenen  Pflanzenarten. 
Schönes Anschauungsobjekt mit Erholungswert für die Anwohner.  
Die ganze Wiese, vor allem aber der Steilhang bei der Gloriastrasse, weist ein ho-
hes  ökologisches  Potential  auf.  Heute  infolge  der  zu  intensiven  Beweidung  nicht 
im Optimal-Zustand.  

Ziel:  
Erhaltung als artenreiche, magere Schafweide, Förderung der Artenvielfalt. Exten-
sivierung der Beweidung."  

5.1.  

Die  kommunale  Schutzverordnung  "Kirchrain  Fluntern",  welche  die  Vorin-

stanz am 10. Juli 2013 erlassen hatte, stellte das Schutzobjekt KSO-33.13 

auf der Parzelle Kat.-Nr. FL1015 unter Schutz (act. 6/3, Dispositivziffer 1/I). 

Das Schutzgebiet wurde im Süden entlang der Gloriastrasse und im nord-

westlichen  Teil  der  Parzelle  Naturschutzzonen  und  im  Übrigen  der 

Rebbergschutzzone 10R 

zugewiesen 

(Dispositivziffer 1/III).  Verfügte 

Schutzziele  waren  die  ungeschmälerte  Erhaltung,  Aufwertung  und  Neu-

schaffung  des  Schutzobjekts  als  Lebensraum  seltener  und  geschützter 

Tier-  und  Pflanzenarten  und  -gemeinschaften  sowie  als  wesentliches  Ele-

ment  der Landschaft und als Zeuge früherer Bewirtschaftungsformen.  Ge-
mäss  diesen  Zielen  benötige  der  Halbtrockenrasen  entlang  der  Gloria-

strasse besonderen Schutz und der nordwestliche Teil der Fromentalwiese 
eine  gezielte  Aufwertung.  Der  auf  der  übrigen  Fromentalwiese  geplante 

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Rebberg  habe  höchsten  ökologischen  Ansprüchen  zu  genügen  und  möge 

sich  zu  einem  vielfältigen  Lebensraum  mit  mageren  Wiesenböschungen, 

einzelnen  Dornensträuchern  und  weiteren  Kleinstrukturen  für  Insekten, 

Reptilien und Vögeln entwickeln. Zudem seien die Flora magerer Standorte 

und  lokaltypische  Rebberg-Arten  besonders  zu  fördern  (Dispositivzif-

fer 1/II).  

Der Erlass der Schutzverordnung wurde wie folgt begründet:  

Der  Quartierverein  Fluntern,  die  Zunft  Fluntern  und  die  evangelisch-

reformierte  Kirchgemeinde  Zürich-Fluntern  seien  mit  dem  Wunsch,  am 

Kirchrain einen Rebberg anzulegen, an Grün Stadt Zürich gelangt. Hierauf 

seien  die  Realisierbarkeit  eines  Rebbergs  und  dessen  Vereinbarkeit  mit 

den im Inventar genannten Zielen für das Schutzobjekt geprüft worden.  

Der  Weinbau  sei  bis  zur  Eingemeindung  von  Fluntern  der  wichtigste  Er-
werbszweig der im Quartier ansässigen Landwirtschaft gewesen. Am Kirch-

rain habe bis mindestens Ende der 1930-er Jahre ein Rebberg bestanden.  

Nach Aufgabe dieser Nutzung sei die Fläche bis 2009 beweidet worden. Im 

Laufe  der  Zeit  habe  sich  darauf  eine  der  wichtigsten  Magerwiesen  am 

Zürichberg entwickelt. Auf der Steilböschung zur Gloriastrasse hin wachse 

ein Halbtrockenrasen. Im oberen, leicht geneigten Bereich befinde sich eine 

Fromentalwiese.  Entlang  dem  Fussweg  Oberer  Gloriasteig  gedeihe  eine 

Fettwiese,  die  unterhalb  des  Kinderspielplatzes  durch  einzelne  schmale 

Hecken  abgelöst  werde.  Die  unter  Schutz  gestellte  Fläche  sei  insgesamt 

artenreich  und  beherberge  einzelne  Pflanzen-  und  Tierarten,  die  in  der 

Stadt  Zürich  und  in  der  Region  selten  geworden  seien.  Die  blütenreichen 

Wiesen bereicherten die Sicht auf die Kirche Fluntern.  

In Zusammenarbeit mit Sachverständigen sei festgestellt worden, dass der 

ökologische Wert des Schutzobjekts mit einem Rebberg auf einer Teilfläche 

der  Fromentalwiese  erhalten,  wenn  nicht  sogar  gesteigert  werden  könne. 

Voraussetzung  dazu  bilde,  dass  sowohl  bei  der  Realisierung  als  auch  bei 

der  Bewirtschaftung  des  Rebbergs  ökologische  Rahmenbedingungen  ein-

gehalten würden. Unter anderem sei dem städtischen Gutsbetrieb Juchhof 

die Verantwortung für den Rebbau zu übertragen und sicherzustellen, dass 

die von der Quartierbevölkerung geleistete Arbeit am Rebberg unter fachli-

cher Aufsicht erfolge. Durch den Rebberg sei es möglich, die Bevölkerung 

im Quartier beispielhaft für Naturwerte zu sensibilisieren.  

Der 10 a grosse Halbtrockenrasen entlang der Gloriastrasse werde umfas-

send  geschützt.  Durch  neue  Böschungen  im  Rebberg  entstünden  weitere 

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Abschnitte  floristisch  wertvoller  Magerwiesen,  wodurch  die  Fläche  des 

Halbtrockenrasens vergrössert werden könne.  

Die flachgeneigte Fromentalwiese bilde mit 34 a die grösste Teilfläche des 

Schutzobjekts.  Die  Wiese  sei  faunistisch  artenreich  und  weise  grössere 

Vorkommen von Hauhechel-Bläulingen und Gewöhnlichen Widderchen auf. 

Als  Folge  der  jahrelangen  Beweidung  und  des  damit  einhergehenden 

Nährstoffeintrags  schöpfe  die  Wiese  ihr  floristisches  Potential  noch  nicht 

aus.  Zwar  führe  der  neue  Rebberg  zu  einer  Verkleinerung  der Wiesenflä-

che, doch könne dieser Verlust durch Schaffung von Lebensräumen inner-

halb des Rebbergs und ökologische Aufwertung der verbleibenden Fläche 

wettgemacht werden.  

Durch  die  Anlage  eines  artenreichen  Rebbergs  auf  rund  26 a  werde  die 

Biodiversität erhöht. Die vorgesehene Terrassierung parallel zum Hang er-

mögliche die Erstellung von steilen, gut besonnten Böschungen, auf denen 
sich  artenreiche  Magerwiesen  ausbilden  könnten.  Die  Flächen  zwischen 

den Rebreihen und Böschungen bildeten Fahrgassen, die ein bedeutendes 

ökologisches  Potential  aufwiesen.  Die  Fahrgassen  könnten  differenziert 

gestaltet und bewirtschaftet werden und dadurch zu mehr Biodiversität bei-

tragen.  Weiter  bilde  der  Unterstock  der  Reben  Lebensraum  für  lokaltypi-

sche  Rebberg-Arten  wie  z. B.  Weinberg-Tulpe  (Wilde  Tulpe),  Doldiger 

Milchstern und Traubenhyazinthe.  

Darüber  hinaus  sei  geplant,  die  Randbereiche  des  Schutzobjekts  entlang 

dem  Oberen  Gloriasteig  und  dem  Kinderspielplatz  zu  wertvollen  Lebens-

räumen mit grösserem Artenreichtum umzugestalten. An geeigneten Stan-

dorten  würden  Kleinstrukturen  wie  Steinhaufen  oder  Dornensträucher  für 

Insekten, Reptilien und Vögel geschaffen.  

5.2.  

In der Folge wurde, wie erwähnt, die Schutzverordnung "Kirchrain Fluntern" 

von  den  Mitbeteiligten  angefochten  und  am  20. November 2013  durch  die 

Schutzverordnung  "Fluntern"  ersetzt  (act. 3/3.1,  Dispositivziffer 1/IX).  Die 

wiederum  unter  Schutz  gestellte  Parzelle  wurde  nunmehr  gesamthaft  der 

Naturschutzzone 1  zugeteilt  (Dispositivziffer 1/III).  Gemäss  Schutzziel  be-

nötigten  insbesondere  der  Halbtrockenrasen  und  die  Fromentalwiese  be-

sonderen  Schutz  und  gezielte  Förderung.  Gefördert  würden  insbesondere 

die  Flora  magerer  Standorte  und  lokaltypische  Arten  extensiver  Wiesen 
(Dispositivziffer 1/II).  

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Zum Erlass des neuen Entscheids führte die Vorinstanz Folgendes an:  

Der  Rekurs  der  Mitbeteiligten  gegen  die  Schutzverordnung  "Kirchrain 

Fluntern"  sei  fundiert.  Ausserdem  habe  die  Vorinstanz  Sparmassnahmen 

zu treffen, die für das Jahr 2017 ein ausgeglichenes Budget ermöglichten. 

Mit  Blick  auf  diese  Sparbemühungen  und  angesichts  des  hoch  einzustu-

fenden  Prozessrisikos  betreffend  die  angefochtene  Schutzverordnung  sei 

der Bau eines neuen Rebbergs am Kirchrain nicht angezeigt. Die bisherige 

Schutzanordnung  werde  deshalb  widerrufen  und  durch  eine  neue  Schutz-

verordnung ersetzt.  

Der  floristisch  besonders  wertvolle  Halbtrockenrasen  und  die  daran  an-

schliessende  Fromentalwiese  würden  nun  umfassend  geschützt.  Die  bei-

den  Wiesen  seien  faunistisch  artenreich  und  wiesen  insbesondere  ein 

grösseres  Vorkommen  des  Gewöhnlichen Widderchens  auf. Gemäss  dem 

Werk  "Flora  der  Stadt  Zürich"  von  Elias  Landolt  seien  magere  Wiesen  in 

der Stadt Zürich sehr selten und gelte die Wiese unter der Kirche Fluntern 

als Beispiel für guten Magerrasen.  

6.  

Der  Rekurrent  beanstandet,  dass  die  Schutzverordnung  "Kirchrain 

Fluntern"  zu  Unrecht  widerrufen  worden  sei.  Diese  Verordnung  sei  nicht 

mangelhaft  und  verhülfe  dem  objektiven  Recht  vollauf  zum  Durchbruch, 

weshalb  kein  Grund  für  ihren Widerruf  gegeben  sei.  Bis  anhin  sei  geplant 

gewesen,  auf  der Fromentalwiese  einen  Rebberg  zu  errichten,  der höchs-

ten  ökologischen  Ansprüchen  genügte.  Durch  den  Rebberg  erführe  das 

Schutzgebiet  eine  erhebliche  ökologische  Aufwertung.  So  würden  mit  der 

Terrassierung Böschungen entstehen, die für eine artenreiche Flora geeig-

net seien. In den Fahrgassen vermöchten verschiedenste Kräuter und Pio-

nierpflanzen gedeihen. Aus der gestaffelten Pflege der Reben ergäbe sich 

ein  grosses  Reservoir  an  Blüten,  womit  auch  die  Vielfalt  an  Arthropoden 

(Gliederfüsser) zunähme. Es entstünden zudem neue Lebensräume für lo-

kaltypische Rebberg-Arten, wie Wilde Tulpe, Doldiger Milchstern und Trau-

benhyazinthe. Rebberge bildeten einen äusserst reichhaltigen ökologischen 

Mikrokosmos.  Mit  der  Errichtung  eines  Rebbergs  würde  deshalb  die 

Biodiversität  am  Kirchrain  optimiert.  Eine  vergleichbare  Aufwertung  des 
Schutzobjekts sei demgegenüber mit der angefochtenen Schutzverordnung 
"Fluntern" nicht möglich. Darin sei der ökologische Schwerpunkt zu Unrecht 

auf das Gewöhnliche Widderchen gelegt, obgleich das Schutzobjekt für den 

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längerfristigen Erhalt der Population zu klein sei. Die betreffenden Schutz-

massnahmen seien unverhältnismässig. Am Kirchrain könnten sodann frü-

here  Bewirtschaftungsformen  nur  anhand  von  Reben  aufgezeigt  werden; 

ohne Errichtung eines Rebbergs sei das entsprechende Schutzziel nicht er-

reichbar.  Ausserdem  dürften  Sparmassnahmen,  welche  die  Vorinstanz 

nicht weiter substantiiert habe, nicht dazu führen, dass auf die Anordnung 

der  treffenden  Schutzmassnahme  verzichtet  werde;  ohnehin  sei  der  Reb-

berg,  einmal  erstellt,  selbsttragend.  Die  Vorinstanz  habe  darüber  hinaus 

gegen  den  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben  verstossen,  denn  die  unbe-

greifliche  Kehrtwendung  in  der  Ausgestaltung  der  Unterschutzstellung  un-

terlaufe den Vertrauensschutz und missachte das Verbot widersprüchlichen 

Verhaltens. Im Übrigen sei der verfehlte Widerruf der Rechtssicherheit ab-

träglich.  

Dem halten die Vorinstanz und die Mitbeteiligten zusammengefasst entge-

gen, dass die schützenswerten Wiesen mit der ihr eigenen Flora und Fauna 

durch die Erstellung und den Betrieb eines Rebbergs erheblich beeinträch-

tigt  würden.  Die  Anlage  eines  Rebbergs  verstiesse  gegen  verschiedene 

Bestimmungen des Natur- und Heimatschutzes und sei mit den Zielen, die 

im KSO für das Schutzobjekt bestimmt seien, nicht vereinbar. Die Schutz-

verordnung "Kirchrain Fluntern" sei deshalb zu Recht widerrufen und durch 

die angemessene Schutzanordnung "Fluntern" ersetzt worden.  

7.1.  
Eine fehlerhafte Verfügung, die – beispielsweise ohne angefochten zu wer-
den  –  nach  Ablauf  der  Rechtsmittelfrist  in  formelle  Rechtskraft  erwachsen 
ist,  kann  unter  bestimmten  Voraussetzungen  zurückgenommen  werden. 

Fehlt eine einschlägige  gesetzliche Regelung, ist die Möglichkeit, eine for-

mell  rechtskräftige  Verfügung  zu  widerrufen,  aufgrund  einer  Interessenab-

wägung zu beurteilen. Dabei sind das Interesse an der richtigen Durchfüh-

rung  des  objektiven  Rechts  und  dasjenige  an  der  Wahrung  der  Rechtssi-

cherheit  gegeneinander  abzuwägen.  In  der  Regel  geht  das  Postulat  der 

Rechtssicherheit  dem  Interesse  an  der  Durchsetzung  des  objektiven 

Rechts  vor  und  ist  ein  Widerruf  nicht  zulässig,  wenn  durch  die  Verfügung 

ein subjektives Recht begründet worden oder die Verfügung in einem Ver-
fahren ergangen ist, in dem die sich gegenüberstehenden Interessen allsei-
tig zu prüfen und gegeneinander abzuwägen waren, oder wenn der Verfü-

gungsadressat  von  einer  ihm  durch  die  Verfügung  eingeräumten  Befugnis 

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Seite 10 

 
 
bereits Gebrauch gemacht hat. Diese Regeln gelten allerdings nicht abso-

lut; auch in den genannten Fällen kann ein Widerruf in Frage kommen, so-

fern er durch ein besonderes gewichtiges öffentliches Interesse geboten ist.  

Die Rücknahme von Verfügungen, die – beispielsweise infolge Anfechtung 
–  nicht  in  formelle  Rechtskraft  erwachsen  sind,  ist  hingegen  nicht  densel-
ben  strengen  Voraussetzungen  unterworfen.  Grund  hierfür  bildet  der  Um-

stand,  dass  dem  Gebot  der  Rechtssicherheit  und  dem  Anspruch  auf  Ver-

trauensschutz bis zum Eintritt der formellen Rechtskraft der Verfügung nicht 

die gleiche Bedeutung wie nach diesem Zeitpunkt zuzumessen ist. Auf eine 

fehlerhafte  Verfügung,  die  nicht  in  Rechtskraft  erwachsen  ist,  darf  die  Be-

hörde somit in der Regel zurückkommen, ohne dass besondere Vorausset-

zungen erfüllt sein müssen (vgl. BGE 121 II 276 f., E. 1.a/aa).  

7.2.  

Die  vorab  ergangene  Schutzverordnung  "Kirchrain  Fluntern"  wurde  mit 

Rechtsschrift  vom  23. August  2013  von  den  Mitbeteiligten  angefochten. 

Diese  Schutzanordnung,  die  aufgrund  des  Weiterzugs  nicht  in  formelle 

Rechtskraft erwachsen  ist,  wurde  hierauf durch  den  Erlass  der Schutzver-

ordnung  "Fluntern"  aufgehoben.  Die  Rücknahme  der  ersten  Schutzanord-

nung ist nach den oben stehenden Erläuterungen ohne besondere Voraus-

setzungen  zulässig,  sofern  sich  die  Anordnung  als  materiell  unrichtig  er-
weist  –  was  anschliessend  zu  erörtern  sein  wird.  Unter  dieser  Prämisse 
kann der Vorinstanz nicht vorgehalten werden, sie habe ihren einst einge-

nommenen  Standpunkt  hinsichtlich  des  Schutzobjekts  ohne  sachlichen 

Grund gewechselt; ein widersprüchliches Verhalten der Behörde, das nicht 

statthaft wäre, fällt damit ausser Betracht.  

Ebenso ist ein Anspruch auf Vertrauensschutz zu verneinen. Die widerrufe-

ne  Schutzverordnung  hat  keine  verbindliche  Geltung  erlangt  und  bildet 

deshalb  keine  ausreichende  Grundlage,  auf  die  der  Rekurrent  berechtig-

terweise  vertrauen  konnte.  Der  Rekurrent  macht  keine  anderweitige  Ver-

trauensgrundlage  geltend.  Aus  den  Akten  ergeben  sich  denn  auch  keine 
Hinweise, dass die städtischen Behörden – beispielsweise bei Gesprächen 
–  gegenüber  ihm  oder  den  an  einem  Rebberg  interessierten  Organisatio-
nen vorbehaltlose Zusagen erteilten. Davon abgesehen bestehen auch kei-
ne  Anhaltspunkte  für  geldwerte  Dispositionen,  die  der  Rekurrent  gestützt 
auf  sein  allfälliges  Vertrauen  getätigt  hat  (vgl.  act. 3/9  S. 7  Rz. 18);  ohne 

R1S.2015.05051 

Seite 11 

 
 
schützenswerte Vertrauensbetätigung entfällt jedoch ein Anspruch auf Ver-

trauensschutz.  

Der Rekurrent kann sich auch nicht erfolgreich auf die Rechtssicherheit be-

rufen,  nachdem  das  Schicksal  der  zuerst  verfügten  Schutzverordnung  bis 

zu ihrem Widerruf in der Schwebe geblieben ist.  

7.3.  

Im Weiteren  ist  folglich  zu  prüfen,  ob  der  Erlass  der  neuen  Schutzverord-

nung "Fluntern" in Einklang mit dem objektiven Recht steht und der Wider-

ruf der vormaligen Schutzanordnung zu Recht erfolgt ist.  

8.1.  

Seltene oder vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen und die für ihre 

Erhaltung  nötigen  Lebensräume  sind  gemäss  § 203  Abs. 1  lit. g  des  Pla-

nungs-  und  Baugesetzes  (PBG)  Schutzobjekte.  Zu  den  Naturschutzobjek-
ten zählen auch Trockenrasen und Magerwiesen (vgl. Art. 18 Abs. 1bis des 
Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz [NHG] und § 13 Abs. 1 

der  Kantonalen  Natur-  und  Heimatschutzverordnung  [KNHV]).  Der  Schutz 

erfolgt unter anderem durch Verordnung, insbesondere wenn Schutzmass-

nahmen angeordnet werden, die ein grösseres Gebiet erfassen (§ 205 lit. b 

PBG). Die Schutzmassnahmen verhindern Beeinträchtigungen der Schutz-

objekte,  stellen  deren  Pflege  und  Unterhalt  sicher  und  ordnen  nötigenfalls 

die  Restaurierung  an; ihr Umfang  ist  jeweils  örtlich  und  sachlich  genau  zu 

umschreiben (§ 207 Abs. 1 PBG). Für Naturschutzobjekte sind ausserdem 

Vorschriften  zu  erlassen,  welche  alle  Tätigkeiten,  Vorkehren  und  Einrich-

tungen verbieten, die Pflanzen oder Tiere zerstören, schädigen, gefährden, 

beeinträchtigen oder sonst wie stören oder die Beschaffenheit des Bodens 

sowie  andere  natürliche  Verhältnisse  nachteilig  verändern  können  (vgl. 

§ 15 Abs. 1 KNHV).  

8.2.  

Die  Vorinstanz  beauftragte  die  Zürcher  Hochschule  für  Angewandte  Wis-

senschaften  ZHAW  und  einen  privaten  Dienstleister  für  Planung  und  Pro-

jektmanagement  im  Natur-  und  Umweltschutz  mit  der  Abklärung  von 

Schutzmassnahmen und der Erstellung eines Konzepts für einen Rebberg. 
Hierauf  hat  die  ZHAW  das  "Konzept  für  einen  Rebberg  am  Kirchrain 

R1S.2015.05051 

Seite 12 

 
 
Fluntern  und  Planung der Bewirtschaftung"  vom 17. Juli  2012  (act. 6/5.10) 

und  "Entomologische  Ergänzungskartierungen"  vom  26. September  2012 

(act. 6/5.11)  ausgearbeitet  und  dabei  unter  anderem  den  floristischen  und 

faunistischen  (Ist-)Zustand  des  Schutzobjekts  erhoben.  Das  ökologische 

Beratungsunternehmen  Pluspunkt  hat  mit  Dokumentation  vom  September 

2012/Frühjahr 2013 (act. 6/5.15) die Schutzwürdigkeit der Magerwiese ab-

geklärt  und  mit  Bericht  vom  März  2013  (act. 6/5.17)  ökologische  Begleit-

massnahmen für den projektierten Rebberg erläutert.  

Die Berichte der beigezogenen Sachverständigen zeigen insbesondere auf, 

dass  im  Schutzgebiet  rund  70 Gefässpflanzen  und  mindestens  25  Tierar-

ten,  neben  verschiedenen  Vogelarten  namentlich  die  Artengruppen  Heu-

schrecken und Tagfalter, nachgewiesen sind (vgl. auch die Dokumentation 

der  Ziel-  und  Leitarten  von  Grün  Stadt  Zürich  vom  27. Februar  2012, 

act. 6/5.16). Darunter befinden sich keine gefährdeten Arten, die in den Ro-

ten  Listen  der  Schweiz  verzeichnet  sind.  Von  den  nachgewiesenen  Ge-

fässpflanzen  gilt  auf  kommunaler  Ebene  die  Traubenhyazinthe  (Muscari 

racemosum) als gefährdet; auf regionaler Ebene sind der vorhandene Wie-

sensalbei  (Salvia  pratensis)  und  der  Weinberg-Lauch  (Allium  vineale)  ge-

fährdet (act. 6/5.15 S. 5). Bei der Fromentalwiese, auf der geplant war, ei-

nen  Rebberg  anzulegen,  handelt  es  sich  um  eine  relativ  nährstoffreiche 

Glatthaferwiese mit viel Knolligem Hahnenfuss (Ranunculus bulbosus) und 

Knaulgras  (Dactylis  glomerata)  sowie  auffallend  viel  Zottigem  Klappertopf 

(Rhinanthus  alectorolophus).  Weiter  finden  sich  in  dieser  Wiese  verschie-

dene  Magerkeitszeiger,  z. B.  Wiesen-Flockenblumen  (Centaurea  jacea), 

Wiesen-Goldhafer 

(Trisetum 

flavescens),  Flaumiger  Wiesenhafer 

(Helictotrichon  pubescens),  Gewöhnliches  Ruchgras 

(Anthoxanthum 

odoratum)  oder  Wiesensalbei.  Bemerkenswert  sind  kleinere  Vorkommen 

von  Traubenhyazinthe  und  Weinberg-Lauch  (act. 6/5.10  S. 22).  Die  früher 

weit verbreiteten Glatthaferwiesen sind heute selten geworden; in der Stadt 

Zürich  bestehen  vergleichbare  Bestände  im  Irchelpark  (act. 6/5.10  S. 23). 

Weiter  gedeiht  auf  der  Böschung  entlang  der  Gloriastrasse  ein  Halbtro-

ckenrasen, auf dem Aufrechte Trespe (Bromus erectus) und Wiesensalbei 

dominieren.  Im  Halbtrockenrasen  sind  folgende  Arten  erwähnenswert: 

Weinberg-Lauch,  Flaumiger  Wiesenhafer,  Traubenhyazinthe,  Knolliger 

Hahnenfuss  und Wiesen-Goldhafer.  Die  Böschung  bildet  hinsichtlich  Flora 
und Vegetation die wertvollste Teilfläche des Schutzobjekts. Allerdings sind 
die  Standortbedingungen  an  der Böschung  nur marginal trockener und  le-

diglich  wenig  nährstoffärmer  als  auf  der  Glatthaferwiese  (act. 6/5.10 

R1S.2015.05051 

Seite 13 

 
 
S. 24 f.). Dieser Umstand berechtigt zur Annahme, dass sich die Glatthafer- 

bzw.  Fromentalwiese  in  einen  deutlich  artenreicheren  Halbtrockenrasen 

entwickeln  kann  und  damit  über  ein  grosses  Aufwertungspotential verfügt. 

Für eine solche Entwicklung steht das sehr häufige Auftreten des Zottigen 

Klappertopfs,  der  in  entsprechenden  Übergangsstadien  einer  Wiese  stark 

aufkommt (act. 6/5.15 S. 6 f.).  

Bei den verschiedenen Begehungen des Schutzobjekts im Jahre 2012 stell-

te der Sachverständige der ZHAW 11 Arten von Tagfaltern, 3 Arten tagakti-

ver Nachtfalter und 1 Art Widderchen fest. Grössere Populationen bestehen 

nach  der  Durchforschung  des  Schutzobjekts  für  die  beiden  Arten  Hauhe-

chel-Bläuling 

(Polyommatus 

icarus)  und  Gewöhnliches  Widderchen 

(Zygaena 

filipendulae).  Schwerpunkt 

ihrer  Verbreitung  bildet  die 

Fromentalwiese, während im Halbtrockenrasen die Dichte beider Arten we-

sentlich  tiefer  ist.  Das  zahlreiche  Auftreten  des  aus  vielen  Teilen  des  Mit-

tellandes  verschwundenen  Gewöhnlichen  Widderchens  überraschte  den 

Sachverständigen (vgl. act. 3/18.6). In städtischen Gebieten und insbeson-

dere  auf  zentrumsnahen  Grünflächen  sind  ihm  keine  Vorkommen  mit  ver-

gleichbarer  Individuen-Dichte  bekannt.  Der  Hauhechel-Bläuling,  der  zwar 

als Ubiquist und häufigste Bläulings-Art gilt, ist in den letzten Jahren vieler-

orts stark zurückgedrängt worden. Beide Falter-Arten reagieren auf Eintrag 

von  Dünger  sehr  empfindlich  (act. 6/5.11  S. 3 f.).  Gemäss  dem  Sachver-

ständigen  sind  zudem  die  Vorkommen  des  Schachbrettfalters  (Melanargia 

galathea),  des  Grossen  Ochsenauges  (Maniola  jurtina),  des  Kurzschwän-

zigen Bläulings (Cupido argiades) und des Braunen Feuerfalters (Lycaena 

tityrus) erwähnenswert. In der Stadt Zürich ist der Schachbrettfalter vor al-

lem  auf  Waldlichtungen  des  Wehrenbachtobels  und  an  den  Hängen  des 

Uetlibergs  nachgewiesen,  ansonsten  ist  die  Art  selten.  In  Zentrumsnähe 

waren  bisher  keine  Vorkommen  bekannt,  auch  nicht  im  Quartier  Fluntern. 

Die Art kommt nur in extensiv bewirtschafteten, blütenreichen Grünflächen 

vor (act. 6/5.11 S. 4). Im Laufe der Begehungen wurden sodann vier Arten 

von  Heuschrecken  beobachtet.  Keine  davon  befindet  sich  auf  der  Roten 

Liste  der  gefährdeten  Heuschrecken,  obschon  die  vorgefundene  Lauch-

schrecke (Mecostethus parapleurus) früher als gefährdet eingestuft wurde. 

Ein  kleiner  Bestand  der  Lauchschrecke  konnte  in  der  Fromentalwiese 

nachgewiesen  werden;  im  Halbtrockenrasen  fanden  sich  hingegen  keine 
Lauchschrecken.  Das  Vorkommen  der  Lauchschrecke  sticht  deshalb  her-
vor,  weil  die  Art  als  sensibler  Indikator  für  extensiv  genutzte  Wiesen  mit 

Vertikalstrukturen gilt (act. 6/5.11 S. 8, vgl. act. 6/5.10 S. 33).  

R1S.2015.05051 

Seite 14 

 
 
In  seiner  aus  den  Begehungen  gezogenen  Schlussfolgerung  wies  der 

Sachverständige darauf hin, dass der entomologische Wert des Kirchrains 

Fluntern sehr beachtlich sei und bei weitem dessen floristische Bedeutung 

übersteige;  das  gelte  auch  für  die  vom  geplanten  Rebberg  betroffene 

Fromentalwiese.  Herausragend  sei,  wie  der  Sachverständige  weiter  aus-

führt, die grosse Population des selten gewordenen Gewöhnlichen Widder-

chens  in  der  Fromentalwiese.  Dieses  trete  hier  in  einer  Individuen-Dichte 

auf, die ihres gleichen suche und für zentrumsnahe Gebiete des Schweizer 

Mittellandes  absolut  aussergewöhnlich  sei  (vgl.  act. 6/5.10  S. 31-33).  Mit 

insgesamt 15 in nur einer Beobachtungssaison festgestellten Arten an Tag-

faltern, tagaktiven Nachtfaltern und Widderchen sei die Vielfalt für eine iso-

lierte  und  zentrumsnahe  städtische  Wiese  überraschend  hoch.  Darüber 

hinaus sei das Artenspektrum hervorzuheben, das Indikatoren für extensiv 

genutzte, blütenreiche Grünlandflächen enthalte. Dazu zählten die in weiten 

Teilen  des  Mittellandes  selten  gewordenen  Schachbrettfalter  und  Grosses 

Ochsenauge. Bei den Heuschrecken falle die Lauchschrecke auf, die eben-

falls selten geworden sei und wiederum als Anzeiger einer intakten und ex-

tensiv genutzten Wiese gelte (act. 6/5.11 S. 10 f.).  

Der Sachverständige von Pluspunkt hebt die Vielfalt an Arten und Lebens-

räumen im Halbtrockenrasen und in der Fromentalwiese sowie die Grösse 

des Schutzobjekts im urbanen Kontext hervor. Auch wenn keine in den Ro-

ten  Listen  aufgeführten  Arten  vorkämen,  existiere  seiner  Einschätzung 

nach eine artenreiche Lebensgemeinschaft, die sich von der trivialen Flora 

und  Fauna  der  umliegenden  bebauten  Flächen  deutlich  abhebe.  Das  Ob-

jekt sei deshalb schutzwürdig (act. 6/5.15 S. 7 f.).  

8.3.  

Die  zwei  erörterten  Wiesen  auf  der  Parzelle  Kat.-Nr. FL1015  sind  mit  der 

Schutzverordnung "Fluntern"  umfassend unter Schutz gestellt worden. Die 

Verordnung weist das gesamte Schutzgebiet der Naturschutzzone 1 zu, de-

ren  Zweck  es  ist,  die  geschützte  Wiese  als  Lebensraum  seltener  und  ge-

fährdeter  Tier-  und  Pflanzenarten  und  -gemeinschaften  zu  erhalten  und 

aufzuwerten und die Landschaft zu schützen. Ziel der Anordnung bildet vor 

allem, dem Halbtrockenrasen und der Fromentalwiese besonderen Schutz 

und eine gezielte Förderung angedeihen zu lassen, wobei die Flora mage-

rer  Standorte  und  die  lokaltypischen  Arten  extensiver  Wiesen  besonders 
gefördert  werden  sollen.  In  der  zugewiesenen  Naturschutzzone  sind  unter 

R1S.2015.05051 

Seite 15 

 
 
anderem  das  Errichten  von  Bauten  und  Anlagen,  Geländeveränderungen, 

das Düngen und der Einsatz von Giftstoffen sowie das Weidenlassen ver-

boten. Die beiden Wiesen sind nach festgelegten Schnittzeitpunkten regel-

mässig zu mähen und das Schnittgut ist wegzuführen.  

Die revidierte Schutzverordnung stellt einerseits seltene Tiere und Pflanzen 

unter Schutz  und  anderseits  den für ihre Erhaltung  erforderlichen Lebens-

raum  (Biotop) sicher und  entspricht  damit  § 203 Abs. 1  lit. g  PBG. Die  ge-

troffenen  Schutzmassnahmen  verhindern  jedwede  Beeinträchtigung  der 

geschützten  Wiesen  und  stellen  deren  Pflege  und  Unterhalt  sicher,  womit 

§ 207 Abs. 1 PBG nachgekommen wird. Weiter wird mit der angeordneten 

Erhaltung  des  Biotops  und  dem  vorgesehenen  besonderen  Schutz  des 
Trockenrasens Art. 18 Abs. 1 und Abs. 1bis NHG gebührend Rechnung ge-
tragen.  Indem  die  Schutzverordnung  umfassende  Vorkehren  trifft,  um  den 

artenreichen  Lebensraum  und  die  mageren  Wiesen  zu  erhalten,  die  Nut-

zung  des Wieslands  zu  extensivieren  und  dadurch die  Artenvielfalt  zu  för-

dern, wird auch die im KSO formulierte Zielsetzung erfüllt.  

Bei der Beurteilung der überarbeiteten Schutzverordnung fällt zudem in Be-

tracht,  dass  nach  dem  Stand  der  Umsetzung  des  Naturschutzgesamtkon-

zepts  für  den  Kanton  Zürich  im  Jahr  2005  kantonsweit  nur  noch  rund 

600 ha  Magerwiesen  und  artenreiche  Fettwiesen  vorhanden  waren.  Der 

Bestand entspricht inzwischen noch etwa 1% von jenem um 1939. Gemäss 

dem entsprechenden Vollzugsbericht der Baudirektion Kanton Zürich reicht 

diese Fläche für die Erhaltung oder gar für die Förderung der eigentlichen 

Magerwiesenarten  nicht  aus.  Damit  aus  geeigneten  Flächen  wieder  Ma-

gerwiesen entstehen können, müssen solche Flächen langfristig entwickelt 

und  gesichert,  das  heisst  ausgemagert  oder  aufgewertet  und  optimal  be-

wirtschaftet  werden.  Ein  grosser  Teil  der  Magerwiesenarten  wird,  wie  der 

Bericht  weiter  darlegt,  lokal  oder  kantonal  aussterben,  sofern  nicht  rasch 

wirksame  Massnahmen  zur  Erhaltung  der  Magerwiesen  ergriffen  werden. 

Der Schutz und die Förderung der noch vorhandenen Flächen und die ge-

zielte  Neuschaffung  dieser  artenreichen  Biotoptypen  bilden  ein  wichtiges 

kantonales  Naturschutzziel  (10 Jahre  Naturschutzgesamtkonzept  für  den 

Kanton  Zürich  1995-2005,  S. 50 f.,  http://www.aln.zh.ch/internet/baudirek-

tion/aln/de/naturschutz/nsgk.html;  vgl.  act. 3/18.2).  Wie  erläutert  garantie-

ren  die  revidierten  Schutzmassnahmen  auf  lange  Sicht  den  vollständigen 

Erhalt,  die  nachhaltige  Förderung  und  die  sorgsame  Pflege  der  beiden 
schützenswerten  Wiesen  am  Kirchrain.  Mit  der  Unterschutzstellung  wird 

R1S.2015.05051 

Seite 16 

 
 
somit  inmitten  der  Stadt  Zürich  ein  wertvoller  Beitrag  zur  Erreichung  des 

übergeordneten Naturschutzziels für Wiesen geleistet.  

Aus den erwähnten Gutachten geht sodann hervor, dass die Sachverstän-

digen  dem  festgestellten  grossen  Vorkommen  des  Gewöhnlichen  Widder-

chens,  das  im  Mitteland  mancherorts  selten  geworden  sei,  ausserordentli-

che Bedeutung zumessen (act. 6/5.11 S. 3 und 10 sowie act. 6/5.15 S. 7). 

Dabei  ist  mit  zu  berücksichtigen,  dass  für Widderchen  bislang  keine  Rote 

Liste erstellt worden ist (act. 6/5.15 S. 5) und insofern der Gefährdungsgrad 

der Art nicht abschliessend bestimmt ist. Das Gewöhnliche Widderchen gilt 

als  standorttreu  (vgl.  act. 3/18.6)  mit  vermutlich  geringen  Flächenansprü-

chen. Für den längerfristigen Erhalt der Art sind geschätzte Mindestflächen 

von ungefähr 1-5 ha erforderlich; dabei handelt es sich allerdings um eine 

Grobschätzung  (act. 6/5.10  S. 32 f.).  Das  Schutzobjekt  weist  lediglich  eine 

Fläche von rund 0,5 ha auf. Den Akten ist anderseits zu entnehmen, dass 

bereits  2011  mehrere Dutzend  Gewöhnliche Widderchen  auf  dem Schutz-

gebiet  beobachtet  wurden  (act. 6/5.10  S. 32).  Daraus  kann  grundsätzlich 

auf  die  Etablierung  der  hiesigen  Population  geschlossen  werden.  Die  bei-

gezogenen Biologen haben zudem darauf hingewiesen, dass es für die Er-

haltung des Gewöhnlichen Widderchens und anderer seltener und sensib-

ler Insekten  wichtig  sei,  den  Umfang  des  vergleichsweise  kleinen Lebens-

raums am Kirchrain sicherzustellen (act. 6/5.11 S. 11 und act. 6/5.15 S. 8). 

Die  revidierte  Schutzverordnung  trägt  dieser  Einschätzung  der  Experten 

Rechnung und erklärt deshalb das gesamte Schutzgebiet zur Naturschutz-

zone,  was  den  ungeschmälerten  Fortbestand  des  bestehenden  Habitats 

garantiert. Der Rekurrent ortet darin zu Unrecht einen Verstoss gegen den 

Grundsatz der Verhältnismässigkeit, zumal gerade anderweitige  Massnah-

men, die zu wenig zur Erreichung des betreffenden Schutzziels (Erhaltung 

eines  Habitats  für  seltene  Tierarten)  beitragen  würden,  nicht  angemessen 

und damit unverhältnismässig wären (vgl. Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix 

Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., 2016, Rz. 593).  

Demzufolge ist als Zwischenergebnis festzuhalten, dass die Schutzverord-

nung "Fluntern" dem objektiven Recht zum Durchbruch verhilft und mit den 

massgeblichen Zielen für das Schutzobjekt übereinstimmt. Es bleibt zu prü-

fen,  ob  durch  die  Errichtung  eines  Rebbergs  auf  der  Fromentalwiese  ver-

gleichsweise bessere Resultate erzielt würden.  

R1S.2015.05051 

Seite 17 

 
 
8.4.  

In der widerrufenen Schutzverornung "Kirchrain Fluntern" war vorgesehen, 

im  Zentrum  der  Fromentalwiese  einen  rund  26 a  grossen  Rebberg  zu  er-

stellen.  Das  Projekt  umfasste  10 terrassierte  Rebenreihen,  die  parallel  zur 

Böschungskante verlaufen. Der geplante Reihenabstand betrug 2,6 m, wo-

von  1,5 m  auf  die  Fahrgasse  und  0,8 m  auf  die  Böschung  entfielen 

(act. 6/5.10 S. 35 ff.). Bei den Reben fiel die Wahl auf die weisse Sorte Jo-

hanniter und die rote Sorte Prior (act. 6/5.10 S. 41 ff.).  

Bereits im Konzept für einen Rebberg im Juli 2012 wurde darauf hingewie-

sen,  dass  der  aus  dem  Projekt 

resultierende  Flächenverlust  der 

Fromentalwiese  den  Lebensraum  der  Fauna  am  Kirchrain  verkleinert 

(act. 6/5.10  S. 56).  Im  Anschluss  an  die  entomologischen  Ergänzungskar-

tierungen zog der Sachverständige dann im September 2012 das folgende 

Fazit (act. 6/5.11 S. 11):  

"Es  muss  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Erstellung  des  Rebbergs  zu  einer 
Reduktion  der  Populationsgrössen  bei  Tagfaltern  und  weiteren  Insektengruppen 
führen wird. Sensible Arten wie etwa das Gewöhnliche Widderchen oder das Gros-
se Ochsenauge, die auf den Lebensraum 'Extensivwiese' angewiesen sind, könnten 
sogar lokal verschwinden. Dies ist deshalb besonders heikel, weil die isolierte Lage 
der Extensivwiesen am Kirchrain Fluntern einen Individuen-Austausch mit anderen 
Extensivwiesen verunmöglicht oder zumindest stark einschränkt. Geeignete Kom-
pensationsmassnahmen bei der Rebberggestaltung und -pflege können andererseits 
auch eine fördernde Wirkung auf ausgewählte Tier- und Pflanzenarten haben. Die 
Güterabwägung zwischen Gefährdung der Fauna und dem kulturellen Mehrnutzen 
des Rebbergs muss durch den Auftraggeber erfolgen."  

Beim Schutzobjekt handelt es sich, wie bereits erwähnt, um eine ehemalige 

Magerweide, die sich inzwischen zu einer Fromentalwiese und einem Halb-

trockenrasen  mit  zahlreichen  Pflanzen  und  seltenen  Insekten  gewandelt 

hat.  Das  Objekt  umfasst  hingegen  weder  eine  geschichtliche  Stätte  noch 

einen kulturell bedeutsamen Rebberg oder anderweitig schützenswerte An-

lagen (vgl. § 203 Abs. 1 lit. a bis lit. f PBG). Die Vorinstanz hat deshalb bei-

de  Schutzverordnungen  zu  Recht  gestützt  auf  § 203  Abs. 1  lit. g  PBG  er-

lassen,  wonach  seltene  Tiere  und  Pflanzen  und  die  zugehörigen  Biotope 

unter  Schutz  fallen.  Daraus  folgt,  dass  beim  Erlass  von  geeigneten 

Schutzmassnahmen  vorliegend  in  erster  Linie,  wenn  nicht  sogar  aus-

schliesslich,  naturschutzrechtliche  Belange  massgeblich  sind.  Bei  der  Un-

terschutzstellung der beiden Wiesen kommen demgegenüber der kulturhis-
torischen  Bereicherung,  die  ein  neuer  Rebberg  am  Kirchrain  darstellen 
würde (act. 3/2 S. 11 f. und act. 6/5.10 S. 55), und dem zwischenmenschli-

chen Nutzen, der sich aus der Mitarbeit von Bewohnern im Quartier bei der 

R1S.2015.05051 

Seite 18 

 
 
Pflege der Reben ergäbe (act. 3/2 S. 12), keine entscheidende Bedeutung 

zu.  

Aufgrund  der  Akten  fällt  sodann  insbesondere  ins  Auge,  dass  der  vorab 

geplante Rebberg eine durchgehende Terrassierung und Abböschung des 

betreffenden  Terrains  erfordern  und  dadurch  die 

bestehende 

Fromentalwiese unweigerlich grösstenteils zerstören würde (vgl. act. 6/5.10 

S. 37 f.  und  act. 6/2  S. 24).  Auf  dieser  Wiese  existieren  jedoch,  worauf 

schon  verwiesen  wurde,  viele  Pflanzen  und  seltene  Insekten,  namentlich 

die grössten örtlichen Bestände des Gewöhnlichen Widderchens, des Hau-

hechel-Bläulings,  des  Grossen  Ochsenauges  und  der  Lauchschrecke 

(act. 6/5.11  S. 3 f.  und  S. 8).  Ausserdem  müssten  die  ausgewählten  Re-

bensorten  bis  vier  Mal  jährlich  mit  Fungizid  behandelt  werden,  um  wahr-

scheinlichen  Pilzbefall  zu  bekämpfen  (act. 6/5.10  S. 43 f.).  Die  Auswirkun-

gen der zum Einsatz vorgesehenen Pflanzenschutzmittel, im Einzelnen die 

Fungizide  Myco-Sin,  Netzschwefel und  Kupfer sowie  das  Insektizid  Delfin, 

auf  die  Flora  und  Fauna  sind  kaum  bekannt  und  es  muss  mit  negativen 

Folgen  auf  die  Begleitfauna  gerechnet  werden  (act. 6/5.17  S. 13 f.  und 

act. 6/5.10  S. 47 f.).  Ausserdem  ist  die  jährliche  Versorgung  der  Fahrgas-

sen mit Dünger vorgesehen, welche die Nährstoffe Kalium und Magnesium 

enthalten; bei zu geringem Wuchs wird zusätzlich der Eintrag von Stickstoff 

empfohlen  (act. 6/5.10  S. 51).  Die  Zufuhr  von  externen  Nährstoffen  ins 

Schutzgebiet  würde  jedoch  einen  erheblichen  Unterschied  zur  heutigen 

Bewirtschaftung  darstellen  und  hätte,  wie  aus  dem  Bericht  über  Begleit-

massnahmen hervor geht, aller Voraussicht nach einen nachteiligen Effekt 

auf Flora und Fauna (act. 6/5.17 S. 14). Aufgrund all dieser Faktoren ist es 

jedoch  schwer  nachvollziehbar,  wie  der  ökologische  Wert  des  Schutzob-

jekts mit der Anlage eines Rebbergs erhalten, wenn nicht sogar gesteigert 

werden könnte (vgl. act. 6/3 S. 1). 

Daran  vermögen  auch  die  mit  diesem  Projekt  verbundenen  ökologischen 

Gegenleistungen nichts zu ändern. So ergaben die fachkundigen Untersu-

chungen  zur  Begrünung  und  Bodenpflege  des  Rebbergs,  dass  die  terras-

sierten Fahrgassen oft wassergesättigt wären und der Pflanzenschutz häu-

fige Fahrten auf den nassen Böden auslösen würde; eine robuste Grasnar-

be wäre erforderlich, um die oberflächliche Verdichtung zu vermindern; al-

lenfalls  seien  Magnesium-  und/oder  Kaliumdünger  auszubringen;  das  Ziel 

auf diesen Flächen sei, ein von Gräsern dominierter Mulchrasen zu erstel-
len.  Auf  den  Böschungen  empfiehlt  das  Konzept  die  Einsaat  von  Wildblu-

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men,  die  der  blumenreichen  Fromentalwiese  entsprächen.  Auch  könne 

durch das Hacken des Unterstocks die Artenvielfalt erhöht werden. Die Ein-

führung  von  typischen  Weinberg-Geophyten,  wie  Ackergelbstern  (Gagea 

villosa),  Doldiger  Milchstern  (Ornithogalum  umbellatum),  Gemeine  Trau-

benhyazinthe 

(Muscari 

racemosum),  Weinbergs-Traubenhyazinthe 

(Muscari  neglectum)  und  Wilde  Tulpe  (Tulipa  sylvestris),  sei  allerdings 

schwierig;  denn  solche  Arten  vermöchten  aufgrund  der  vorliegend  hohen 

Niederschlagsmengen nur auf einem sehr mageren und sonnenexponierten 

Standort gedeihen; diese Voraussetzung sei (ansatzweise) nur im Halbtro-

ckenrasen  gegeben  (act. 6/5.10  S. 49 f.).  Zusammengefasst  lässt  sich  da-

raus  schliessen,  dass  der  auf  dem  Rebberg  geplante  Ausgleich  keine  ins 

Gewicht fallende Aufwertung des Schutzobjekts auslösen dürfte. Jedenfalls 

stünde dazu der erhebliche Schaden, den das  Schutzobjekt infolge Errich-

tung  eines  Rebbergs  nähme,  in  keinem  vertretbaren  Verhältnis  (vgl. 

act. 10.3  S. 1  unten).  Davon  abgesehen  können  die  Verbesserungen,  die 

auf der übrigen Fläche vorgeschlagen worden sind, auch ohne Umnutzung 

realisiert werden (act. 6/5.15 S. 8 und act. 6/5.10 S. 52-54; vgl. auch act. 14 

S. 12 ff.).  

Im Übrigen würde die Errichtung eines Rebbergs nicht unerhebliche Investi-

tionen  erfordern  (vgl.  act. 9  S. 7  Rz. 8).  Der  Rekurrent  macht  hierzu  zu 

Recht  nicht  geltend,  die  Umsetzung  der  widerrufenen  Schutzverordnung 

wäre  für  die  Vorinstanz  kostengünstiger  als  die  Aufwendungen,  die  aus 

dem Unterhalt und der Pflege der bestehenden Wiesen entstehen.  

Insgesamt  ist  bei alldem  davon  auszugehen,  dass  die  Errichtung  des  vor-

mals  geplanten  Rebbergs  das  Schutzobjekt  erheblich  geschädigt  und  die 

vorhandene vielfältige Flora und seltene Fauna stark beeinträchtigt und ge-

fährdet hätte. Die widerrufene Verordnung widersprach damit § 207 Abs. 1 

PBG, wonach Schutzmassnahmen Beeinträchtigungen von Schutzobjekten 

zu verhindern haben, und erwies sich demzufolge als widerrechtlich.  

8.5.  

Demnach ist der Erlass der Schutzverordnung "Fluntern" und der darin an-

geordnete  Widderuf  der  vormaligen  Schutzanordnung  "Kirchrain  Fluntern" 

nicht zu beanstanden.  

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9.  

Der Rekurs ist somit abzuweisen.  

[….] 

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