# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d3994cad-d2ae-533c-a787-48d0d769f594
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-02-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.02.2021 F-4921/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-4921-2020_2021-02-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-4921/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  F e b r u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter Andreas Trommer, 

mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;  

Gerichtsschreiber Mathias Lanz. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, und deren Kind  

2. B._______,  

Beschwerdeführende,  

beide vertreten durch Alfred Ngoyi Wa Mwanza,  

Consultation juridique pour étrangers,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,  

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Kantonszuweisung / Kantonswechsel. 

 

 

 

F-4921/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin 1, eine 1995 geborene angolanische Staatsange-

hörige, ersuchte am 25. Dezember 2019 in der Schweiz um Asyl (Akten 

des Staatssekretariats für Migration [SEM-act.] 1). In der Folge wurde sie 

im Bundesasylzentrum (…), ab 21. Januar 2020 im Bundesasylzentrum 

(…) untergebracht. 

B.  

Am 19. März 2020 trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 

Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein, ordnete die Weg-

weisung nach Portugal an und forderte die Beschwerdeführerin 1 auf, die 

Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen (SEM-

act. 25).  

Die Verfügung blieb unangefochten und erwuchs in Rechtskraft. Zu einem 

Vollzug der Wegweisung kam es in der Folge nicht. 

C.  

In einer Formularverfügung vom 23. Juni 2020 wies das SEM die bis dahin 

nach wie vor im Bundesasylzentrum (…) untergebrachte Beschwerdefüh-

rerin 1 für den weiteren Aufenthalt dem Kanton Thurgau zu (SEM-act. 45). 

Die Verfügung blieb unangefochten. 

D.  

Mit einer Eingabe vom 10. September 2020 liess die Beschwerdeführerin 1 

durch ihren Rechtsvertreter bei der Vorinstanz um wiedererwägungsweise 

Aufhebung des Nichteintretens- und Wegweisungsentscheids vom 

19. März 2020 und Durchführung des nationalen Asylverfahrens in der 

Schweiz ersuchen. Sie machte geltend, die sechsmonatige Überstellungs-

frist gemäss Art. 29 Abs. 2 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europä-

ischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem 

Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(nachfolgend: Dublin-III-VO), sei abgelaufen, wodurch die Schweiz für die 

Antragsprüfung zuständig geworden sei. Zudem sei sie schwanger und 

stehe mit dem Vater des ungeborenen Kindes in einer Liebesbeziehung. 

Er selbst lebe im Kanton Bern und verfüge dort über eine Niederlassungs-

bewilligung. Einem Zuzug von ihr zur gemeinsamen Wohnsitznahme habe 

er zugestimmt. Das Verfahren auf Anerkennung der Vaterschaft sei durch 

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den Partner bei den Thurgauer Zivilstandsbehörden bereits eingeleitet wor-

den.  

Dem Wiedererwägungsgesuch beigelegt wurde ein Schreiben des be-

haupteten Partners der Beschwerdeführerin 1 und Vaters des Beschwer-

deführers 2 vom 29. Mai 2020, in welchem dieser eine seit Dezember 2019 

bestehende Liebesbeziehung, seine Vaterschaft zum ungeborenen Kind 

und den Wunsch bestätigte, als Familie an seinem Domizil zusammenle-

ben zu können.  

E.  

Am (…) September 2020 kam der Beschwerdeführer 2 als Kind der Be-

schwerdeführerin 1 zur Welt (SEM-act. 60).  

F.  

Mit Verfügung vom 24. September 2020 hob die Vorinstanz den Nichtein-

tretensentscheid vom 19. März 2020 auf und eröffnete das nationale Asyl-

verfahren. Gleichzeitig führte sie aus, dass die bisherige Kantonszuteilung 

keine Gültigkeit mehr habe und wies die Beschwerdeführerin 1 «im Rah-

men der Wiederaufnahme des Asylverfahrens» neu dem Kanton Graubün-

den zu (SEM-act. 46). 

In einem an den Rechtsvertreter gerichteten Schreiben vom 25. September 

2020 hielt die Vorinstanz nochmals fest, dass man – worüber sie und ihr 

Rechtsvertreter bereits informiert worden seien – den Nichteintretensent-

scheid betreffend Asyl vom 23. März (recte: 19. März) 2020 aufgehoben 

habe und das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren durchführen 

werde. Das Wiedererwägungsgesuch vom 10. September 2020 sei somit 

«hinfällig» und werde ad acta gelegt.  

G.  

Gegen die Verfügung vom 24. September 2020 gelangten die Beschwer-

deführenden mit einer Rechtsmitteleingabe vom 5. Oktober 2020 an das 

Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten die Aufhebung des Zuwei-

sungsentscheides und ihre Zuweisung an den Kanton Bern. Eventualiter 

sei die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts und zu neuer 

Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Zur Begründung rügten sie im Wesentlichen eine materielle Unrichtigkeit 

des Zuweisungsentscheides durch Missachtung des Prinzips der Familien-

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Seite 4 

einheit sowie unvollständige und unrichtige Erhebung des entscheidwe-

sentlichen Sachverhalts (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-

act.] 1). 

H.  

Mit Vernehmlassung vom 19. Oktober 2020 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde. Sie führte an, die Voraussetzungen zur An-

nahme einer Familieneinheit seien im jetzigen Zeitpunkt nicht erfüllt. Die 

Beschwerdeführerin 1 sei nach Einreichung ihres Asylgesuchs vom 25. De-

zember 2019 dem Bundesasylzentrum (…) zugewiesen und am 21. Januar 

2020 in das Bundesasylzentrum (…) transferiert worden, wo sie sich bis zu 

ihrem Austritt in den Kanton am 25. September 2020 aufgehalten habe. Es 

liege demnach weder eine gelebte Beziehung im Sinne eines Konkubinats 

noch sonst eine feste Beziehung vor, in der sich beide Partner umfassen-

den Beistand leisteten. Daran ändere nichts, dass die Vorinstanz im Zeit-

punkt der Kantonszuweisung bereits Kenntnis von der Beziehung der Be-

schwerdeführerin 1 zum Kindsvater gehabt habe. Der Beschwerdeführerin 

1 stehe es frei, nach Abschluss des Asylverfahrens in der Schweiz erneut 

einen Kantonswechsel zu beantragen (BVGer-act. 3).   

I.  

In einer Zwischenverfügung vom 28. Oktober 2020 hiess das Bundesver-

waltungsgericht die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Ein-

setzung des mandatierten Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbei-

stand gut (BVGer-act. 6). 

J.  

Mit einer Replik vom 11. November 2020 hielten die Beschwerdeführenden 

an ihren Anträgen und deren Begründung fest (BVGer-act. 7). Zusätzlich 

rügten sie dabei eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör, 

indem es die Vorinstanz pflichtwidrig unterlassen habe, die Beschwerde-

führerin 1 vor ihrem Entscheid anzuhören. 

K.  

In einem Abschreibungsentscheid vom 3. Dezember 2020 bestätigte das 

erstinstanzliche Zivilgericht (…) das Bestehen eines Kindsverhältnisses 

zwischen dem Beschwerdeführer 2 und dem von den Parteien angegebe-

nen Kindsvater (BVGer-act. 8).  

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt auf Beschwerde hin selbstän-

dig anfechtbare Zwischenverfügungen des SEM betreffend Kantonszuwei-

sung und Kantonswechsel (Art. 27 Abs. 3 i.V.m. Art. 107 Abs. 1 AsylG; 

Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG; Art. 5 VwVG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das AsylG nichts anderes be-

stimmt (Art. 37 VGG; Art. 2 Abs. 4 VwVG; Art. 6 AsylG). 

1.3 Entscheide über die Zuweisung der asylsuchenden Person an einen 

Kanton oder über den Kantonswechsel können gemäss Art. 27 Abs. 3 

AsylG – Art. 27 Abs. 3 AsylG geht als spezielle Bestimmung der allgemei-

nen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vor (Art. 106 Abs. 2 AsylG) – nur mit 

der Begründung angefochten werden, sie verletzten den Grundsatz der 

Einheit der Familie (BVGE 2009/54 E. 1.3.1; 2008/47 E. 1.2 und E. 1.3.2; 

Urteil des BVGer F-6234/2018 vom 5. Oktober 2020 E. 4). Die Beschwer-

deführenden rügen in vertretbarer Weise eine Verletzung des Grundsatzes 

der Einheit der Familie und beantragen die Zuweisung in den Kanton Bern, 

dem Wohnort des Partners und Kindsvaters.  

1.4 Da die Beschwerdeführenden zudem zur Einreichung der Beschwerde 

legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), ist auf die im 

Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten 

(Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – als 

offensichtlich begründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständig-

keit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zwei-

ten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) zu behandeln. Der Beschwerdeent-

scheid ist gestützt auf Art. 111a Abs. 2 AsylG nur summarisch zu begrün-

den. 

3.  

Die Beschwerdeführenden rügen im Rechtsmittelverfahren eine Verletzung 

ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör, indem die Vorinstanz sie vor Erlass 

der angefochtenen Verfügung nicht angehört und ihre Vorbringen und Be-

lege unberücksichtigt gelassen habe.  

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3.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst eine Anzahl verschiede-

ner verfassungsrechtlicher Garantien (BGE 140 I 99 E. 3.4). Zunächst ge-

hört dazu das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung (vgl. Art. 30 

Abs. 1 VwVG). Dieses beinhaltet insbesondere, dass die Behörde sich 

beim Erlass ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen abstützen darf, zu denen 

sich die von der Verfügung betroffene Person nicht vorgängig äussern und 

diesbezüglich Beweis führen konnte (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.1 m.w.H.). 

Daraus folgt die Pflicht der Behörde, alle form- und fristgerecht eingebrach-

ten Vorbringen einer Partei, die zur Sache gehören und zu deren Klärung 

beitragen können, zu prüfen, zu würdigen und bei der Entscheidfindung zu 

berücksichtigen (Art. 32 Abs. 1 VwVG; BGE 145 IV 99 E. 3.1; 144 I 11 

E. 5.3; 143 III 65 E. 3.2; BVGE 2014/22 E. 5.1; WALDMANN/BICKEL, in: 

Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, 

N. 80 ff. zu Art. 29, N. 3 ff. zu Art. 30 und N. 7 ff. zu Art. 32; 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 214 ff. und Rz. 546 f.). In einer engen 

Verbindung zur Prüfungs- und Berücksichtigungspflicht steht die Begrün-

dungspflicht (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn erst aus der Begründung wird 

ersichtlich, ob ein Vorbringen berücksichtigt wurde (vgl. WALDMANN/BICKEL, 

a.a.O., N. 21 zu Art. 32). 

3.2 Die Begründungspflicht gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG dient der rationa-

len und transparenten Entscheidfindung durch die Behörde und soll die 

Betroffenen in die Lage versetzen, den Entscheid sachgerecht anfechten 

zu können. Die Behörde hat daher kurz die wesentlichen Überlegungen zu 

nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid ab-

stützt. Je weiter der Entscheidungsspielraum, je komplexer die Sach- und 

Rechtslage und je schwerwiegender der Eingriff in die Rechtsstellung der 

betroffenen Person, desto höhere Anforderungen sind an die Begründung 

zu stellen (vgl. BGE 145 III 324 E. 6.1; 142 II 324 E. 3.6; 143 III 65 E. 5.2; 

137 II 266 E. 3.2; BVGE 2012/24 E. 3.2; 2009/35 E. 6.4.1; 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 629 ff.). Hat die asylsuchende Person 

um Zuteilung in einen bestimmten Kanton ersucht oder ergeben sich aus 

den Akten Umstände, die für eine bestimmte Zuweisung sprechen würden, 

muss sich die Vorinstanz damit konkret auseinandersetzen. Eine blosse 

Formularverfügung ohne Begründung genügt in einem solchen Fall den 

Anforderungen an die Begründungspflicht nicht (vgl. BVGE 2009/54 E. 2.3; 

2008/47 E. 3.3.3; Urteil des BVGer F-4798/2019 vom 10. Oktober 2019 

E. 3.3). 

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Seite 7 

4.  

4.1 Mit ihrem Wiedererwägungsgesuch vom 10. September 2020 ersuchte 

die Beschwerdeführerin 1 erkennbar nicht nur um Aufhebung des Nichtein-

tretensentscheides und der Wegweisung im Asylpunkt, sondern erklärte 

auch, mit ihrem Partner im Kanton Bern künftig zusammenleben zu wollen. 

Obwohl solchermassen kundgetan, wies die Vorinstanz die Beschwerde-

führerin 1 ohne vorgängige Anhörung dem Kanton Graubünden zu und ent-

hielt die angefochtene Verfügung keine Erwägungen zum Zuweisungsent-

scheid.  

4.2 Mit ihrem Vorgehen hat die Vorinstanz die Ansprüche der Beschwerde-

führerin 1 auf rechtliches Gehör gleich in zweifacher Hinsicht missachtet:  

4.2.1 Die Vorinstanz hat es trotz deutlichen Hinweisen für eine allfällige Zu-

teilung in den Kanton Bern unterlassen, die Beschwerdeführerin 1 vorgän-

gig anzuhören. Dazu wäre sie aber gehalten gewesen, zumal Art. 30 Abs. 1 

VwVG in allgemeiner Weise dazu verpflichtet und keiner der in Art. 30 

Abs. 2 VwVG aufgeführten Ausnahmegründe vorlag (vgl. WALDMANN/BI-

CKEL, a.a.O., N. 56 ff. zu Art. 30).  

4.2.2 In diesem Zusammenhang ist auch auf die Untersuchungsmaxime 

hinzuweisen, wonach die Asylbehörden den entscheidwesentlichen Sach-

verhalt grundsätzlich von Amtes wegen feststellen (Art. 6 AsylG i.V.m. 

Art. 12 VwVG). Dabei hat die Behörde die für das Verfahren notwendigen 

Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären 

und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen (BVGE 2012/21 E. 5.1). 

Eine einlässliche Überprüfung der Verhältnisse durch die Vorinstanz vor 

deren Entscheid über das Zuweisungsgesuch wäre insoweit am Platz ge-

wesen, als die zeitweisen Abwesenheiten der Beschwerdeführerin 1 vom 

ihr zugewiesenen Aufenthaltsort und die unmittelbar bevorstehende Geburt 

des Beschwerdeführers 2 aktenmässig erstellt waren.  

4.2.3 Die Vorinstanz hat die Ansprüche der Beschwerdeführenden auf 

rechtliches Gehör aber auch damit verletzt, dass sie den (belastenden) Zu-

weisungsentscheid in der angefochtenen Verfügung nicht begründete. 

Dadurch blieb nicht erkennbar, ob und inwieweit sie sich mit den persönli-

chen Verhältnissen der Beschwerdeführenden auseinandergesetzt und 

diese anhand der Kriterien zur Annahme von Ansprüchen aus dem Begriff 

der Familieneinheit geprüft beziehungsweise weshalb sie diese nicht als 

relevant erachtet hat. Da die Beschwerdeführerin 1 konkrete Umstände 

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Seite 8 

dargelegt hatte, die ihrer Auffassung nach für eine Zuweisung in den Kan-

ton Bern sprachen, hätte die Vorinstanz in der Begründung der Zuwei-

sungsverfügung auf die behauptete Partnerschaft und auf das Kindsver-

hältnis des Partners zum Beschwerdeführer 2 eingehen müssen (BVGE 

2008/47 E. 3.3.3). Insbesondere bei der Beziehung des Beschwerdefüh-

rers 2 zum inzwischen gerichtlich bestätigten Kindsvater war nicht von 

Vornherein ausgeschlossen, dass diese in den Schutzbereich von Art. 8 

EMRK fallen konnte (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1; Urteile des BVGer  

F-4450/2019 vom 15. Juli 2020 E. 4; F-7538/2016 vom 14. Februar 2017 

E. 5.2; F-5156/2015 vom 16. Januar 2017 E. 6.5). 

4.3 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Vorinstanz die ihr oblie-

genden Pflichten, der Beschwerdeführerin 1 das Recht zur vorgängigen 

Äusserung einzuräumen und ihre Vorbringen betreffend die geltend ge-

machte Beziehung zum Partner und dessen Vaterschaft zum Beschwerde-

führer 2 sorgfältig und ernsthaft zu prüfen, verletzt hat. Darüber hinaus hat 

sie ihren Zuweisungsentscheid nicht begründet. Daraus resultiert in zwei-

facher Hinsicht eine Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführenden 

auf rechtliches Gehör. 

5.  

5.1 Angesichts des formellen Charakters des Gehörsanspruchs führt eine 

Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör grundsätzlich zur Kassa-

tion und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz; dies unabhängig da-

von, ob die angefochtene Verfügung bei korrekter Verfahrensführung im 

Ergebnis anders ausgefallen wäre. Im Beschwerdeverfahren kann die Ge-

hörsverletzung unter Umständen aus prozessökonomischen Gründen ge-

heilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz über die volle Kognition verfügt, 

das Versäumte nachgeholt wird, die beschwerdeführende Person dazu 

Stellung nehmen kann und die festgestellte Verletzung nicht schwerwie-

gender Natur ist (vgl. BGE 144 IV 302 E. 3.1; 137 I 195 E. 2.3.2; 

BVGE 2017 I/4 E. 4.2; 2015/10 E. 7.1 m.w.H.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, 

a.a.O., Rz. 548 ff. und Rz. 645).  

5.2 Die Verletzung des Gehörsanspruchs erweist sich insgesamt als 

schwerwiegender Natur. Zwar hat sich die Vorinstanz in ihrer Vernehmlas-

sung noch nachträglich zum Anspruch der Beschwerdeführenden auf Fa-

milieneinheit geäussert. Auch diese Äusserungen, mit denen vor allem auf 

die behördlich geregelte Unterbringung der Beschwerdeführerin 1 im  

massgeblichen Zeitraum verwiesen wurde, lassen allerdings eine vollstän-

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Seite 9 

dige Prüfung der Sachumstände nicht erkennen. Das Bundesverwaltungs-

gericht sieht unter diesen Umständen keinen hinreichenden Anlass, die 

Verletzung des rechtlichen Gehörs auf Rechtsmittelebene zu heilen und 

die Beschwerde materiell zu beurteilen. 

6.  

Bei dieser Sachlage ist die Verfügung der Vorinstanz vom 24. September 

2020 aufzuheben und das Verfahren zur Gewährung des rechtlichen Ge-

hörs, allfälligen ergänzenden Sachverhaltsabklärung und anschliessenden 

neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

7.  

7.1 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind keine Kosten zu er-

heben (Art. 63 Abs. 1 und Abs. 2 VwVG). 

7.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens 

eine angemessene Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen not-

wendigen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der 

Rechtsvertreter hat am 11. November 2020 eine Kostennote über Fr. 975.– 

(Zeitaufwand von 6.5 Std. à Fr. 150.–) eingereicht, die angemessen er-

scheint. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführenden diesen 

Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. Die mit Zwischenverfügung 

vom 28. Oktober 2020 gewährte unentgeltliche Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung vom 5. Oktober 2020 erweist sich damit – da ge-

genüber dem Anspruch auf Parteientschädigung subsidiär –  als gegen-

standslos. 

8.  

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Rechtsma-

terie endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur Gewäh-

rung des rechtlichen Gehörs, allfällig ergänzenden Sachverhaltsabklärung 

und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück-

gewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung im Betrag 

von Fr. 975.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführenden (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (ad Ref-Nr. N […]; Beilagen: Replik der Beschwerdefüh-

renden vom 11. November 2020 [in Kopie] sowie Eingabe vom 22. De-

zember 2020 mitsamt Beilagen [in Kopie]; Akten Ref-Nr. N […] retour) 

– die Migrationsbehörde des Kantons Graubünden (in Kopie) 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Andreas Trommer Mathias Lanz 

 

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