# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2fa1b75e-ff2c-5c7a-a5ee-6660000550a9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.07.2010 D-1267/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1267-2010_2010-07-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1267/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  J u l i  2 0 1 0

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richterin Gabriela Freihofer, Richter Hans Schürch; 
Gerichtsschreiberin Sara Steiner.

A._______, geboren (...), Sri Lanka,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 18. Januar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1267/2010

Sachverhalt:

A.
Mit englischer Eingabe vom 22. Mai 2009 an die schweizerische Bot-
schaft  in  Colombo  ersuchte  der  Beschwerdeführer  –  srilankischer 
Staatsangehörigkeit  und  tamilischer  Ethnie  aus  Z._______/Jaffna  – 
um Gewährung von Asyl. Mit  Schreiben vom 11. Juni 2009 wurde er 
von der schweizerischen Vertretung aufgefordert, seine Gesuchsgrün-
de zu substanziieren und Beweismittel  vorzulegen. Der Beschwerde-
führer reichte in der Folge am 21. Juli 2009 eine ergänzende Eingabe 
nach. Am 20. Oktober 2009 wurde er in den Räumen der schweizeri-
schen Vertretung in Colombo persönlich angehört.

Zur Begründung seines Gesuches machte der Beschwerdeführer zur 
Hauptsache geltend, wegen Belästigungen durch die PLOTE (People's 
Liberation Organisation of Tamil Eelam) habe er Z._______ im Jahre 
1987  verlassen  und  sei  nach  Colombo  gekommen. Aufgrund  seiner 
Prothese – er habe sein Bein 1995 in Saudi Arabien bei einem Unfall  
verloren – werde er von Anwohnern für ein Mitglied der LTTE gehalten. 
Er werde deswegen auch telefonisch bedroht,  und einmal habe eine 
Gruppe von Leuten sein Haus umstellt  und ihn zu Boden gestossen. 
Er sei zur Polizei gegangen, doch diese habe nichts unternommen. Am 
Abend des 15. August 2008 seien Unbekannte beziehungsweise Leute 
der Terrorist Investigation Unit (TID) zu ihnen nach Hause gekommen 
und hätten ihn aufgrund der Aussage einer fremden Person beschul-
digt, ein Paket mit Chemikalien und Geld zu verstecken. Sie hätten das 
Haus durchsucht, ihn und seine Familie beschimpft und ihn anschlies-
send wegen LTTE-Verdachts verhaftet und auf eine Polizeistation ge-
bracht. Am 16. August 2008 sei er zur TID verlegt worden, wo er drei 
Wochen lang festgehalten und jede Nacht verhört und gefoltert worden 
sei.  Anschliessend  sei  er  für  sechs  Monate  im  X._______  Camp 
inhaftiert  worden.  Seine  Frau  habe  sich  bei  der  schweizerischen 
Botschaft,  verschiedenen  Menschenrechtsorganisationen  und  der 
Polizei  über  seine Entführung beschwert. Am 7. Februar 2009 sei  er 
wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden. Seither werde er 
sehr  oft  von  den  Sicherheitskräften  kontrolliert,  sein  Haus  werde 
immer  wieder  durchsucht,  und  er  sei  aufgefordert  worden,  mit  den 
Sicherheitskräften zusammenzuarbeiten.

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer diverse 
Schreiben  in  Zusammenhang  mit  den  Beschwerden,  welche  seine 

Seite 2

D-1267/2010

Ehefrau wegen seiner Verhaftung deponiert  hatte, einen Auszug aus 
dem Polizeibericht vom 11. Februar 2009, gemäss dem er am 7. Janu-
ar 2009 freigesprochen worden sei,  einen Zeitungsartikel  über  seine 
Verhaftung,  einen  Besuchsantrag  seiner  Ehefrau  ans  X._______ 
Camp vom 15. September 2008  und  eine  Haftbestätigung  des  IKRK 
vom 10. Februar 2009 ein.

B.
Mit Begleitschreiben vom 20. Oktober 2009 übermittelte die schweize-
rische Botschaft in Colombo dem BFM die Akten zum Entscheid.

C.
Mit  Verfügung  vom 18. Januar 2010  verweigerte  das  BFM dem Be-
schwerdeführer  die Einreise in  die  Schweiz  und lehnte  sein  Asylge-
such ab.

D.
Mit  Eingabe  ans  Bundesverwaltungsgericht  vom  23. Februar 2010 
(Eingang am 2. März 2010) erhob der Beschwerdeführer sinngemäss 
gegen diesen Entscheid Beschwerde und beantragte, die angefochte-
ne  Verfügung  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihm  die  Einreise  in  die 
Schweiz zu bewilligen beziehungsweise Asyl zu gewähren.

E.
Gemäss  der  Verfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 
5. März 2010 teilte das BFM mit Schreiben vom 22. März 2010 mit, die 
schweizerische Botschaft  in Colombo habe die vorinstanzliche Verfü-
gung  am 2. Februar 2010  an  den  Beschwerdeführer  verschickt.  Der 
Stempel  auf  der  Empfangsbestätigung – welche dem Bundesverwal-
tungsgericht nachträglich übermittelt wurde – sei aber unleserlich.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 

Seite 3

D-1267/2010

SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem 
Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 26. Ju-
ni 1998 [AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  37  VGG, 
Art. 105 AsylG, Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer ist durch die an-
gefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist da-
her zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art.  48 Abs. 1 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde von der Durchführung des 
Schriftenwechsels abgesehen.

4.
4.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu letzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei -
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).

Seite 4

D-1267/2010

4.2 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ableh-
nen,  wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft  ma-
chen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (Art. 3, 7 und 52 Abs. 2 AsylG). Ist dagegen eine unmittelba-
re Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund 
nach Art.  3  Abs. 1  AsylG glaubhaft  gemacht  worden oder  kann der 
asylsuchenden  Person der  Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer 
der Sachverhaltsabklärung nicht zugemutet werden, ist die Einreise in 
die Schweiz zu bewilligen, sei  dies im Hinblick auf die Anerkennung 
als Flüchtling und Asylgewährung, sei dies zur näheren Abklärung des 
Sachverhalts (vgl. Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG).

4.3 Die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung 
sind  grundsätzlich  restriktiv  umschrieben. Den  Asylbehörden  kommt 
dabei  ein  weiter  Ermessensspielraum  zu.  Neben  der  erforderlichen 
Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  sind  namentlich  die  Bezie-
hungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Möglichkeit der 
Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die praktische Möglich-
keit und objektive Zumutbarkeit  einer anderweitigen Schutzsuche so-
wie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs-  und  Assimilationsmöglich-
keiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend ist mit anderen Worten 
die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, das heisst die Beant-
wortung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 
nicht  auszuschliessen ist  und der  Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die 
Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden  kann,  bezie-
hungsweise ob der betreffenden Person – ohne nähere Prüfung einer 
allfälligen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG – zuzumuten ist, sich 
in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 20 E. S. 130 f. und Nr. 21 E. 2 S. 136 f., 2005 Nr. 19 
E. 4 S. 174 ff.).

5.  
5.1 Das BFM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen damit, dass eine vergangene Verfolgung nur dann beachtlich sei, 
wenn sie noch andauere oder konkrete Hinweise auf eine zukünftige 
Verfolgung bestünden. Der Haft vom August 2008 bis im Februar 2009, 
aus der der Beschwerdeführer als unschuldig und ohne Auflagen ent-
lassen worden sei,  komme demnach keine einreiserelevante  Bedeu-
tung zu. Weiter kämen behördlichen Massnahmen wie Kontrollen, wel -
che der Prävention von Anschlägen seitens der LTTE dienten, gemäss 

Seite 5

D-1267/2010

ständiger Praxis keine einreiserelevante Bedeutung zu. Diese stellten 
nämlich  angesichts  ihrer  vergleichsweise  geringen  Eingriffsintensität 
keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG dar. Ferner kom-
me auch der Unterlassung behördlicher Massnahmen gegen telefoni-
sche Bedrohungen keine einreisebeachtliche Bedeutung zu, weil auch 
solche Drohungen – selbst wenn sie von den Behörden zu verantwor-
ten  wären  –  keine  genügende  Intensität  aufwiesen.  Bezüglich  der 
Angst  des  Beschwerdeführers,  erneut  Verfolgungsmassnahmen aus-
gesetzt zu werden, sei festzuhalten, dass vorliegend nicht mit überwie-
gender  Wahrscheinlichkeit  von  einer  akuten  Gefährdung  bei  einem 
Verbleib im Heimatland ausgegangen werden müsse. Zunächst sei da-
rauf  hinzuweisen,  dass  der  Krieg zwischen der  srilankischen Regie-
rung und der LTTE im Mai 2009 mit der Niederlage der LTTE zu Ende 
gegangen sei. Auch wenn nicht abzustreiten sei,  dass auch mit dem 
Ende des Bürgerkrieges zahlreiche Probleme in Sri Lanka nicht gelöst 
seien, sei festzustellen, dass die Sicherheits- und Menschenrechtslage 
zwar noch nicht befriedigend, aber – so insbesondere im Süden des 
Landes – deutlich besser sei. Die Kontrollen, die beim Beschwerdefüh-
rer seit seiner Haftentlassung häufig durchgeführt worden seien, hät-
ten nie mehr zu weitergehenden Konsequenzen wie beispielsweise ei -
ner  erneuten  Mitnahme geführt.  Dies  lege  den  Schluss  nahe,  dass 
heute seitens der Behörden kein Verfolgungsinteresse an seiner Per-
son mehr existiere. Er sei daher auf den Schutz der Schweiz nicht an-
gewiesen. An diesen Erwägungen vermöchten auch die eingereichten 
Dokumente  nichts  zu  ändern.  Bei  offensichtlich  fehlender  Schutzbe-
dürftigkeit sei darauf zu verzichten, auf allfällig vorhandene Unglaub-
haftigkeitselemente einzugehen.

5.2 Der Beschwerdeführer wiederholte in seiner Eingabe im Wesentli-
chen seine Asylvorbringen.

6.
6.1 Zunächst  sind  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  Aussagen  des 
Beschwerdeführers in Bezug auf die angeblich erlebte Folter anzubrin-
gen. So gab er bei der Befragung zuerst an, er sei nicht misshandelt 
worden. Nachdem er darauf aufmerksam gemacht worden war, dass er 
in seinen Schreiben angegeben habe, er sei misshandelt worden, führ-
te er aus, sie hätten ihn am Kragen gepackt und geschüttelt. Später im 
Verlauf der Anhörung sagte er hingegen aus, sie hätten einen Sack mit 
Benzin über seinen Kopf gestülpt und zugebunden und seine Hände 
hinter dem Rücken gefesselt und ihn getreten. Auf die Frage, wieso er 

Seite 6

D-1267/2010

vorher lediglich angegeben habe, dass sie ihn beim Kragen gepackt 
und geschüttelt hätten, antwortete er, er habe sich erst aufgrund der 
Fragen an der Anhörung an den Rest  erinnert  (S. 11 des Protokolls 
der Anhörung). Aufgrund dieses Aussageverhaltens ist  jedenfalls der 
Schluss zu ziehen, dass allfällige vom Beschwerdeführer erlebte Miss-
handlungen nicht besonders gravierend gewesen sein konnten, hätte 
er sich doch andernfalls nicht erst auf Nachfrage hin daran erinnert.  
Wie die Vorinstanz geht  aber auch das Bundesverwaltungsgericht  in 
den nachfolgenden Erwägungen von der Glaubhaftigkeit der Haft vom 
August 2008 bis Februar 2009 aus. 

6.2 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in 
absehbarer  Zukunft  keine  ernsthaften  Nachteile  durch  Verfolgungs-
massnahmen  der  srilankischen  Sicherheitskräfte  zu  befürchten  hat. 
Zwar bedeutet die sechsmonatige Inhaftierung des Beschwerdeführers 
einen schwerwiegenden Eingriff in dessen Recht auf persönliche Frei-
heit und seine physische wie psychische Integrität. Der Beschwerde-
führer wurde aber am 7. Februar 2009 schliesslich ohne Auflagen we-
gen Mangels an Beweisen freigesprochen. Es ist demnach davon aus-
zugehen, dass nichts gegen ihn vorliegt. Dieser Schluss drängt  sich 
insbesondere auf, da seit der Haftentlassung schon mehr als ein Jahr 
zurückliegt  und der Beschwerdeführer seither ein den Umständen in 
Sri  Lanka entsprechend unbehelligtes  Leben führen konnte. Wie  die 
Vorinstanz  richtigerweise  erkannte,  kann  die  Sache  somit  als  abge-
schlossen gelten. 

6.3 Was die geltend gemachten häufig erfolgten behördlichen Kontrol-
len nach der Haftentlassung betrifft, so sind diese vor dem Hintergrund 
der Bekämpfung des Terrorismus der LTTE durch die srilankische Ar-
mee zu sehen. Auch nach dem Ende des  Bürgerkrieges mit dem am 
18.  Mai  2009  ausgerufenen  Sieg  der  srilankischen  Armee  über  die 
LTTE werden die Sicherheitsmassnahmen – namentlich im Grossraum 
Colombo – nur sehr langsam gelockert.  So bleiben Notstandsgesetze 
(Emergency  Rules)  und  das  Anti-Terror-Gesetz  (Prevention  of  Ter-
rorism Act) weiterhin in Kraft (Freedom House, Countries at the Cross-
roads 2010 - Sri Lanka, April 2010). Daher laufen aufgrund der ange-
spannten Lage in Sri  Lanka Angehörige der tamilischen Volksgruppe 
nach wie vor Gefahr, überall  und jederzeit  von srilankischem Sicher -
heitspersonal einer minuziösen Personenkontrolle unterzogen und öf-
ters  auch  für  eingehendere  Abklärungen  auf  den  Posten  mitgenom-
men oder in ein Armeecamp beordert zu werden. Auf den Beschwer-

Seite 7

D-1267/2010

deführer dürfte dies aufgrund seiner Beinprothese, welche als Kampf-
verletzung gedeutet  werden könnte,  in  verstärktem Masse zutreffen. 
Auf  der  anderen  Seite  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer 
nunmehr seit Jahren in Colombo registriert  und dort arbeitstätig war. 
Mit  der  LTTE stehen weder  er  noch  andere Familienmitglieder  in  ir-
gendeiner Verbindung. Der Beschwerdeführer war denn auch vor sei-
ner Haft und insbesondere danach keinen ernsthaften Behelligungen 
mehr ausgesetzt. Insgesamt weist  er  damit trotz der erlebten sechs-
monatigen Haft  kein besonderes Risikoprofil  auf, das ihn aktuell  aus 
objektiver Sicht als gefährdet erscheinen liesse. Daran vermögen auch 
die  Erlebnisse  des  Beschwerdeführers  nichts  zu  ändern,  zumal  ihm 
die angeblich erlebte Folter nicht geglaubt werden konnte. Den Kon-
trollen  alleine  kommt  demnach  bereits  aufgrund  ihrer  Eingriffsdauer 
und Intensität kein Verfolgungscharakter zu, und es besteht aus objek-
tiver Sicht auch nicht die Gefahr, der Beschwerdeführer werde erneut 
ernsthaften Nachteilen ausgesetzt. Die von ihm geschilderten Vorfälle 
im Nachgang zur Haftentlassung im Jahre 2009 stellen demnach keine 
ernsthaften Nachteile im Sinne des Gesetzes dar.

6.4 Soweit der Beschwerdeführer eine Bedrohung durch Unbekannte 
geltend macht, kann auf die Ausführungen des BFM – welche vom Be-
schwerdeführer überdies nicht bestritten werden – verwiesen werden, 
wonach solche Drohungen keine genügende Intensität aufweisen.

7.
7.1 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend 
festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine aktuelle und unmittel -
bare Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG darzulegen vermochte. An 
dieser Einschätzung vermögen auch die Vorbringen in der Beschwerde 
nichts zu  ändern,  zumal  sich  der  Beschwerdeführer  in  keiner  Weise 
mit den Erwägungen des BFM auseinandersetzte und sich stattdessen 
auf eine Wiederholung seiner Gesuchsvorbringen beschränkte.

7.2 Das BFM hat demnach dem Beschwerdeführer zu Recht die Ein-
reise in die Schweiz verweigert beziehungsweise dessen Asylgesuch 
abgelehnt. Zwar erkennt das Bundesverwaltungsgericht, dass die Si-
cherheitssituation des Beschwerdeführers trotz des im Mai letzten Jah-
res  beendeten  langjährigen  Bürgerkrieges  in  Sri  Lanka  generell  als 
schwierig und belastend zu bezeichnen ist. Dieser Umstand betrifft in-
dessen letztlich die Mehrheit  der Zivilbevölkerung in  Sri  Lanka, wes-
halb  die  vorinstanzliche Verfügung angesichts der  restriktiven Praxis 

Seite 8

D-1267/2010

im Bereich der Auslandsverfahren, bei denen sich die Frage von all fäl-
ligen Wegweisungsvollzugshindernissen gerade nicht stellt, zu bestäti-
gen ist. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Schutzbedürftig-
keit  des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 20 i.V.m. Art. 3 AsylG 
als nicht gegeben zu qualifizieren ist und auch keine anderen Gründe 
die Erteilung einer Einreisebewilligung indizieren würden.

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungsökono-
mischen Gründen und in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG 
und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 
SR 173.320.2) ist allerdings auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu 
verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

D-1267/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer durch Vermittlung der schweizerischen Ver-
tretung in Colombo (per EDA-Kurier)

- die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo  (Ref.Nr.  [...]),  mit  der 
Bitte  um Eröffnung des Urteils  an den Beschwerdeführer  und um 
Zustellung der beiliegenden Empfangsbestätigung an das Bundes-
verwaltungsgericht (per EDA-Kurier, in Kopie)

- das  BFM,  Abteilung  Asylverfahren,  mit  den  Akten  Ref.-Nr.  N (...) 
(per Kurier; in Kopie)

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner

Versand: 

Seite 10