# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8469f9db-1f3e-5e75-8634-bec3aeafe694
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-01-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 16.01.2006 PZ 2005 235
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_PZ-2005-235_2006-01-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 16. Januar 2006 Schriftlich mitgeteilt am: 
PZ 05 235

Verfügung
Kantonsgerichtspräsidium

Vorsitz Präsident Brunner
Aktuarin ad hoc Halter

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In der Beschwerde

der X., Gesuchsgegnerin und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt 
lic. iur. Peter Nowak, Winterthur ARAG, Quaderstrasse 16, 7001 Chur,

gegen

den Entscheid des Kreispräsidenten-Stellvertreters Thusis vom 23. November 
2005, mitgeteilt am 25. November 2005, in Sachen der Gesuchsgegnerin und Be-
schwerdeführerin gegen Y., Gesuchsteller und Beschwerdegegner, 

betreffend Amtsbefehl (Besitzesschutz),

hat sich ergeben:

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A. Am 20. April 2005 unterzeichnete Y. einen Kaufvertrag über die Par-
zelle 1 (neu gebildete Parzelle, abgetrennt von Parzelle 2), Grundbuchplan 3 in der 
Gemeinde B.. Dabei handelt es sich um 52 m2 Wiese im Gebiet „Curtgin“. Die 
Grundbucheintragung erfolgte am 8. Juli 2005. Gestützt auf die Rechnung betref-
fend Notariats- und Grundbuchgebühren des Grundbuchamtes Thusis vom 2. Au-
gust 2005 sowie gestützt auf die von der Gemeinde B. am 28. September 2004 
erteilte Baubewilligung verfasste der Beschwerdegegner am 5. August 2005 ein 
Schreiben an die Beschwerdeführerin, in dem er sie aufforderte, im Hinblick auf die 
bewilligte Terrainveränderung den erdverlegten Wasserschlauch auf der Parzelle 1 
bis am 25. August 2005 zu entfernen. Nachdem Elisabeth X. bis zur gesetzten Frist 
nichts unternommen hatte, gelangte der Beschwerdegegner mit Schreiben vom 9. 
September 2005 erneut an die Beschwerdeführerin mit der Aufforderung, den Was-
serschlauch innert zehn Tagen zu entfernen. Da auch dieses Schreiben nichts 
fruchtete, stellte Y. am 26. September 2005 ein Amtsbefehlsgesuch zwecks Entfer-
nung des erdverlegten Wasserschlauchs auf Parzelle 1, Grundbuchplan 4, Ge-
meinde B., durch Elisabeth X. an das Kreisamt Thusis. In ihrer Vernehmlassung 
vom 13. Oktober 2005 beharrte die Beschwerdeführerin auf ihrem Standpunkt.

B. In der Folge lud der Kreispräsident-Stellvertreter Thusis am 7. Novem-
ber 2005 die Parteien zu einem Augenschein auf den 14. November 2005 in A. vor. 
Die Besichtigung vor Ort ergab, dass es sich um einen in die Erde verlegten Was-
serschlauch aus gummiähnlichem Kunststoff von ca. 2 cm Durchmesser handelt, 
der ausgehend vom Brunnen auf Parzelle 4 (Eigentümer Y.) in südöstlicher Rich-
tung abwärts durch die Parzelle 3 (Eigentümerin Elisabeth X.), dann durch das Ge-
meindesträsschen führt und in Parzelle 1 (Eigentümer Y.) endet. Die Parzelle 1 wird 
wenige Meter berührt, wobei das Schlauchende so aus dem Boden ragt, dass Was-
ser gezapft werden kann. Das Gelände (Wiesland) ist recht steil; die Erdüberde-
ckung des Schlauchs gering. Der Wasserschlauch soll in den sechziger Jahren von 
vormaligen Parzellenpächtern erstellt worden sein und diene seither der Zuführung 
von Wasser für die Viehtränke während des Weidgangs im Herbst auf den umge-
benden Wiesen. Über die tatsächliche jährliche Nutzungsdauer waren sich die Par-
teien nicht einig. Da diese auch von den jeweiligen saisonalen Weideverhältnissen 
abhängig sei, hielt der Kreispräsident-Stellvertreter fest, dass sich die Nutzungs-
dauer etwa über 2-3 Wochen erstrecke und dass der zu versorgende Viehbestand 
klein sei. Die Parzelle 1 diene im Schlauchbereich als Zapfstelle; weiter sei sie nicht 
berührt. Elisabeth X. sei ausschliessliche, jahrelange Nutzerin des Schlauchs. Die 
Eigentumsverhältnisse am Wasserschlauch seien unklar: Y. bestreite eine Eigentü-
merschaft und auch X. bezeichne sich nicht direkt als Eigentümerin, da die Leitung 

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nicht durch sie erstellt worden sei, sondern sie diese bloss nutze. Schriftliche Un-
terlagen zum Ganzen existierten nicht.

Mit Entscheid des Kreispräsidenten-Stellvertreters Thusis vom 23. November 
2005, mitgeteilt am 25. November 2005, wurde der Beschwerdeführerin amtlich be-
fohlen, bis am 31. Dezember 2005 den Wasserschlauch auf Parzelle 1 so zu ent-
fernen bzw. zu verkürzen, dass er dort nicht mehr störe, was der Fall sei, wenn der 
Schlauch an der Grenze der Parzelle 3 von Elisabeth X. ende.

Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, dass aus dem grundbuch-
amtlichen öffentlich beurkundeten Kaufvertrag keinerlei Vormerkungen und Grund-
lasten ersichtlich seien, aus denen sich für X. Rechte ergäben. Auch aus der langen 
Duldung des Schlauchs durch die Voreigentümer liessen sich keine Rechte zu Las-
ten des heutigen Eigentümers ableiten. Weiter zeige der Augenschein, dass andere, 
recht einfache Lösungen zur Sicherstellung der Viehtränke möglich seien. Der 
Schlauch störe somit den Besitz der Parzelle 1 im Sinne von Art. 928 ZGB. Deren 
Eigentümer könne die Beseitigung der Störung mit Amtsbefehl gemäss Art. 146 
Abs. 1 Ziff. 1 ZPO erzwingen.

C. Gegen diesen Entscheid erhob X. am 6. Dezember 2005 Beschwerde 
beim Kantonsgerichtspräsidium und stellte folgende Rechtsbegehren:

„1. Der Entscheid des Kreispräsident-Stellvertreters Thusis vom 
23.11.2005 sei aufzuheben und die erhobene Klage des Beschwerde-
gegners wegen Besitzesstörung gemäss Art. 928 ZGB sei abzuwei-
sen.

2. Der Beschwerde sei vorsorglich aufschiebende Wirkung zu erteilen.

3. Die Kostenfolge sei die gesetzliche.“

Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, dass das Gericht 
das Vorliegen der formellen Voraussetzungen der Besitzesschutzklage gemäss Art. 
929 ZGB vorliegend offenbar nicht geprüft bzw. als gegeben vorausgesetzt habe. 
Dies sei vorliegend unverständlich, müsse doch der Besitzer die Rechtzeitigkeit sei-
ner Rüge beweisen. Da der Beschwerdegegner das besagte Grundstück bereits am 
20. April 2005 erworben habe und damit Besitzer der besagten Liegenschaft gewor-
den sei, könne er die Besitzesstörung nach mehr als drei Monaten nach Besitzantritt 
nicht mehr geltend machen. Dies entspreche nicht mehr dem gesetzlichen Erforder-
nis der sofortigen Rüge gemäss Art. 929 Abs. 1 ZGB. Aus diesem Grund müssten 

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allfällige Beseitigungsansprüche des Beschwerdegegners im ordentlichen Verfah-
ren beurteilt werden.

D. In seiner Vernehmlassung vom 13. Dezember 2005 hielt der Kreisprä-
sident-Stellvertreter Thusis an seiner Darstellung des Sachverhaltes fest. Ausser-
dem verwies er auf das sehr schlechte nachbarschaftliche Verhältnis der Parteien. 
Y. stellte in seiner Stellungnahme vom 15. Dezember 2005 das Rechtsbegehren, 
die Beschwerde von X. vom 6. Dezember 2005 sei aufzuheben und der Entscheid 
des Kreispräsident-Stellvertreters Thusis vom 23. November 2005 sei gutzuheis-
sen. Im Weiteren führte er auf, weshalb sich die Bauarbeiten verzögerten (Bauein-
sprache der Beschwerdeführerin, BaB-Verfahren, BGBB-Verfahren, Bewilligung 
des DIV Graubünden, Tod der ursprünglichen Eigentümerin von Parzelle 2). Nebst 
diesen Dokumenten reichte der Beschwerdegegner auch eine Bilddokumentation 
ein. Aus all diesen Dokumenten gehe klar hervor, dass es sich im Grunde genom-
men um eine Bagatelle handle, die von X. dazu benutzt werde, sein Bauvorhaben 
willkürlich zu verhindern. Die Beschwerdeführerin stellte in ihrer Vernehmlassung 
vom 11. Januar 2006 fest, dass der Beschwerdegegner in zweiter Instanz neue Be-
weise vorgebracht habe, die er bereits vor Kreisamt hätte vorbringen müssen. Doch 
auch diese neu vorgebrachten Beweise änderten nichts an der Tatsache, dass Y. 
den Nachweis für die rechtzeitige Rüge im Sinne von Art. 929 ZGB nicht erbringen 
könne. Ausserdem sei irrelevant, wann Y. über die Beurkundung bzw. den Eintrag 
im Grundbuch informiert wurde. Dies habe auf seine Stellung als Besitzer/Eigentü-
mer bzw. auf den Fristenlauf keinen Einfluss.

Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sowie in den 
Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen. 

Das Kantonsgerichtspräsidium zieht in Erwägung :

1. Gegen Entscheide im Amtsbefehlsverfahren nach Art. 145 ff. ZPO 
kann innert 10 Tagen seit der Mitteilung beim Kantonsgerichtspräsidenten Be-
schwerde geführt werden. Die vorliegende Beschwerde wurde form- und fristge-
recht eingereicht, weshalb auf sie einzutreten ist.

2.a) Der Beschwerdegegner hat im Beschwerdeverfahren vor dem Kan-
tonsgerichtspräsidenten neue Urkunden eingereicht. Es stellt sich daher zunächst 

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die Frage, ob dies im Beschwerdeverfahren gegen einen Amtsbefehl überhaupt 
zulässig ist.

Die Einlage neuer Urkunden ist im Beschwerdeverfahren nach Art. 152 ZPO 
weder ausdrücklich zugelassen noch explizit ausgeschlossen. Vielmehr findet sich 
hiezu keine Regelung. Ebensowenig enthält die Norm einen Hinweis auf die Be-
stimmungen der Berufung nach Art. 218 ff. ZPO oder der Beschwerde nach Art. 232 
ff. ZPO. Art. 152 Abs. 3 ZPO ist indessen zu entnehmen, dass der Kantonsgerichts-
präsident von Amtes wegen neue Beweise erheben kann. Ist es dem Kantonsge-
richtspräsidenten aber möglich, von Amtes wegen neue Beweise zu erheben, ist 
nicht einzusehen, weshalb auf Seiten der Parteien eine Beschränkung auf die erste 
Instanz bestehen soll. Der Nachreichung von Beweismitteln kommt gerade in dem 
gemäss Art. 137 Ziff. 14 ZPO im summarischen Verfahren durchgeführten Amtsbe-
fehlsverfahren aufgrund der raschen Rechtsfindung eine grössere Bedeutung zu als 
im ordentlichen Zivilprozess. Eine Nachreichung von Urkunden durch die Parteien 
muss aus diesen Gründen auch im Beschwerdeverfahren gegen einen Amtsbefehl 
möglich sein (PKG 2001 Nr. 39). 

b) In Art. 152 ZPO wird offengelassen, ob dem Kantonsgerichtspräsiden-
ten im Beschwerdeverfahren eine volle Kognition oder eine bloss beschränkte Prü-
fungsbefugnis zusteht. Die Bezeichnung des Rechtsmittels als Beschwerde lässt 
zwar eher auf das Letztere schliessen. Die Möglichkeit, von Amtes wegen Beweise 
erheben zu können, spricht hingegen klar für eine volle Kognition. Von der Sache 
her ist eine Überprüfung auf Angemessenheit denn auch angezeigt, da es im Be-
fehlsverfahren häufig um Ermessensfragen geht und das Rechtsmittel an prakti-
scher Bedeutung verlöre, wenn der Kantonsgerichtspräsident nur bei Missbrauch 
des Ermessens und offensichtlich falscher Feststellung des Sachverhaltes ein-
schreiten könnte. Auch das Fehlen eines Hinweises auf die Beschwerde nach Art. 
232 ff. ZPO lässt den Schluss zu, der Gesetzgeber habe eine Beschränkung der 
Kognition nicht gewollt (Nay, Zivilprozessordnung und Gerichtsverfassungsgesetz 
des Kantons Graubünden, Chur 1986, S. 101). Damit ist dem Kantonsgerichtsprä-
sidenten eine volle Kognition zuzuerkennen. Er ist weder in rechtlicher noch in 
tatsächlicher Hinsicht an den Entscheid der Vorinstanz gebunden (PKG 2001 Nr. 
39).

c) Die Regelung des Verfahrens des bundesrechtlichen Besitzesschut-
zes ist dem kantonalen Recht überlassen. Der bündnerische Zivilprozess sieht 
gemäss Art. 137 Ziff. 14 ZPO für den Besitzesschutz ausschliesslich das Befehls-

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verfahren vor. Dies liegt darin begründet, dass beim Besitzesschutz im Allgemeinen 
verhältnismässig einfach festgestellt werden kann, ob der Anspruch ausgewiesen 
ist und sich das summarische Verfahren durchaus für die Erledigung von Besitzes-
schutzangelegenheiten eignet. Im summarischen Verfahren gelten grundsätzlich 
die Vorschriften des beschleunigten Verfahrens mit gewissen Einschränkungen, die 
sich aus Art. 138 Ziff. 4 ZPO ergeben. Wenn die durch das summarische Verfahren 
bedingte Beweismittelbeschränkung eine Verschlechterung der Stellung einer Par-
tei zu Folge hat, müsste an sich der ordentliche Prozessweg zur Verfügung stehen. 
Da im bündnerischen Recht aber ausschliesslich das Amtsbefehlsverfahren dafür 
vorgesehen ist und eine Überweisung ins ordentliche Verfahren nach dem rechts-
kräftigen Erlass eines Amtsbefehls nicht erfolgt, mit anderen Worten mit dem Amts-
befehl ein abschliessender possessorischer Entscheid ergeht, sind im Besitzes-
schutzverfahren alle erheblichen Beweise zuzulassen (vgl. Art. 138 Ziff. 4 ZPO). 
Das Verfahren büsst damit den Charakter eines reinen summarischen Verfahrens 
ein (Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1979, S. 589; zum 
Ganzen PKG 2001 Nr. 39).

Der Einwand der Beschwerdeführerin, das Vorbringen neuer Beweise im Be-
schwerdeverfahren sei unzulässig, geht somit fehl. Der Beschwerdegegner darf im 
Beschwerdeverfahren gegen einen Amtsbefehl neue Urkunden vorbringen.

3. In ihrer Beschwerde vom 6. Dezember 2005 macht die Beschwerde-
führerin geltend, Y. habe die Rüge der Besitzesstörung gemäss Art. 929 ZGB zu 
spät erhoben. Dieser Einwand erweist sich nun aber seinerseits als verspätet. Ob 
eine Behauptung oder Einrede ordnungsgemäss erhoben ist, bestimmt sich nach 
kantonalem Prozessrecht (BGE 76 II 298, Erw. 3). Die Verjährungseinrede muss im 
Rahmen der jeweiligen kantonalrechtlichen Eventualmaxime erhoben werden, an-
sonsten sie vom kantonalen Recht ohne Verletzung von Bundesrecht als verspätet 
unberücksichtigt bleiben darf (BGE 80 III 52, Erw. 2). Der Grundsatz der für das 
bündnerische Zivilprozessrecht gültigen Verhandlungsmaxime („da mihi factum, 
dabo tibi ius; quod non est in actis, non est in mundo“) besagt, dass es Sache der 
Parteien ist, dem Gericht das Tatsächliche des Rechtsstreites darzulegen und das 
Gericht seinem Verfahren nur rechtzeitig geltend gemachte Tatsachen zugrunde 
legt (vgl. Art. 118 ZPO). Der Einführung der Tatsachen und entsprechenden Be-
hauptungen dient im ordentlichen Verfahren der – einfache beziehungsweise dop-
pelte – Rechtsschriftenwechsel (vgl. Art. 82 Abs. 1 Ziff. 3 ZPO hinsichtlich der Pro-
zesseingabe und Art. 87 Abs. 3 ZPO hinsichtlich Prozessantwort und allfälliger Re-
plik und Duplik). Nach Schluss des Rechtsschriftenwechsels dürfen keine neuen 

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Tatsachenbehauptungen mehr erhoben werden (vgl. PKG 1976 Nr. 22 sowie Nay, 
Kommentar zur Zivilprozessordnung und zum Gerichtsverfassungsgesetz des Kan-
tons Graubünden, Chur 1986, N.1c zu Art. 82 ZPO, S. 64). Dies gilt jedoch nicht nur 
für eigentliche Tatsachenbehauptungen, sondern auch für Einreden materiellrecht-
licher Natur wie die Verjährung, die im Gegensatz zu den Einreden formeller Natur 
(vgl. hierzu PKG 1968 Nr.9 und PKG 1977 Nr. 11; Art. 87 Abs. 1 ZPO) im Gesetz 
nicht ausdrücklich erwähnt sind. Deshalb gilt auch für Einreden materiellrechtlicher 
Art, die im Zeitpunkt des Rechtsschriftenwechsels geltend gemacht werden können 
und nicht von Amtes wegen berücksichtigt werden müssen, dass sie in den Rechts-
schriften bei Verwirkung im Unterlassungsfalle anzubringen sind (PKG 1996 Nr. 9). 
Dies gilt auch für das summarische Befehlsverfahren (Verfügung KGP vom 
17.11.2004 in Sachen H., PZ 04 150).

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Einwand der Verjährung zu spät 
erfolgt ist. Er hätte im Rechtsschriftenwechsel – somit in der Stellungnahme von X. 
vor dem Kreispräsidenten-Stellvertreter – vorgebracht werden müssen und nicht 
erst im Beschwerdeverfahren. Der Einwand ist deshalb für den Entscheid in der 
Sache ohne Bedeutung.

4.a) Das Befehlsverfahren vor dem Kreispräsidenten zum Erlass eines 
Amtsbefehls gemäss Art. 145 ff. ZPO ist unter anderem zulässig zum Schutze eines 
bedrohten Besitzstandes nach Art. 928 ZGB, wenn jemand durch die beabsichtigte 
oder begonnene Handlung eines andern in seinem Besitz verletzt oder gefährdet 
wird (Art. 146 Abs. 1 Ziff. 1 ZPO in Verbindung mit Art. 145 ZPO). Gemäss Art. 928 
ZGB kann der Besitzer gegen den Störenden Klage erheben, wenn der Besitz durch 
verbotene Eigenmacht gestört wird (Klage aus Besitzesstörung). Als Störung des 
Besitzes gilt jede Beeinträchtigung der ungeschmälerten tatsächlichen Gewalt in ir-
gendeiner ihrer Äusserungen, soweit sie nicht zum Verlust des Besitzes geführt hat 
(Stark, Berner Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, IV/3, Bern 2001, N. 
18 der Vorbemerkungen zu Art. 926-929 ZGB). Bei Grundstücken kann nicht der 
Besitzer das Recht geltend machen, sondern nur der im Grundbuch Eingetragene 
(Art. 937 ZGB; Stark, a.a.O., N. 96 der Vorbemerkungen zu Art. 926-929 ZGB).

Y. ist am 8. Juli 2005 im Grundbuch Thusis eingetragen worden und ist dem-
nach zur Klage aus Besitzesstörung legitimiert. Der Besitz wird gestört durch einen 
Wasserschlauch, der eine bewilligte Terrainveränderung verhindert.

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b) Die Beschwerdeführerin geht von der Auffassung aus, dass Y. bereits 
ein Rechtsmittel hätte ergreifen müssen, um die Frist gemäss Art. 929 ZGB zu wah-
ren. Dies ist nicht der Fall. Die sofortige gerichtliche Geltendmachung der Besitzes-
schutzansprüche ist nicht notwendig. Es genügt vielmehr zunächst jede Willenser-
klärung des beeinträchtigten Besitzers. Diese kann auch formlos erfolgen, muss 
dem Gegner aber zukommen (Stark, a.a.O., N. 4 zu Art. 929 ZGB). In casu protes-
tierte der Beschwerdegegner mit seinem Schreiben vom 5. August 2005 gegen die 
Besitzesstörung. Die Beschwerdeführerin hat den Erhalt des Briefes nie bestritten. 

c) Im vorliegenden Fall wurde Y. gemäss Ziff. 2 des Kaufvertrages vom 
20. April 2005 mit der Eigentumsübertragung Besitzer des Grundstücks. Gemäss 
Art. 656 Abs. 1 ZGB erwirbt man das Eigentum mit der Eintragung ins Grundbuch, 
welche am 8. Juli 2005 erfolgte. Wann diese Eintragung dem Beschwerdegegner 
mitgeteilt wurde, geht aus den Akten nicht klar hervor. Die Rechnung des Grund-
buchamtes Thusis betreffend Notariats- und Grundbuchgebühren wurde auf jeden 
Fall erst am 2. August 2005 zugestellt. Es ist somit ohne weiteres möglich, dass Y. 
erst zu diesem Zeitpunkt das Datum des Grundbucheintrages erfahren hat, wie er 
dies in seinem Schreiben vom 5. August 2005 geltend machte. Selbst wenn man 
indessen davon ausginge, Y. habe kurz nach dem 8. Juli 2005 vom Eigentums-
übergang erfahren, wäre die Geltendmachung seines Anspruches rechtzeitig gewe-
sen. Der Beschwerdegegner protestierte nämlich innerhalb von rund drei Wochen 
seit der Eintragung im Grundbuch. Gemäss Art. 929 Abs. 1 ZGB ist die Klage aus 
verbotener Eigenmacht nur zulässig, wenn der Besitzer sofort, nachdem ihm der 
Eingriff und der Täter bekannt geworden sind, die Beseitigung der Störung verlangt. 
Rechtzeitig ist die Reaktion des Besitzers nicht nur dann, wenn sie unmittelbar nach 
dem Bekanntwerden des Eingriffs und der Person des Täters erfolgt; der Besitzer 
geht des Besitzesschutzes nur verlustig, wenn er gegen die Beeinträchtigung nicht 
innert einer für eine erste Prüfung des Sachverhaltes angemessenen Frist protes-
tiert. Die Länge des ihm zur Verfügung stehenden Zeitraumes wird nicht vom Ge-
setz festgelegt; der Richter hat diese Frage nach freiem Ermessen unter Würdigung 
der Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Sicher nicht rechtzeitig ist die Reaktion 
des Besitzers, die erst nach einem oder mehreren Jahren erfolgt. Dasselbe gilt auch 
für eine Reaktion im Juli gegen Störungen im April oder Mai desselben Jahres 
(Stark, a.a.O., N. 6 f. zu Art. 929 ZGB). Im vorliegenden Fall handelt es sich um 
einen Protest innerhalb von drei Wochen, was ohne weiteres noch als rechtzeitig 
angesehen werden muss.

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5. Weitere Gründe, weshalb der Amtsbefehl unrichtig sein sollte, werden 
nicht vorgebracht. Insbesondere wird nicht behauptet, dass keine Besitzesstörung 
durch den ohne Einwilligung des Eigentümers verlegten Wasserschlauch vorliegt. 
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.

Da die vom Kreispräsidenten-Stellvertreter gesetzte Frist zur Entfernung des 
Wasserschlauchs bis Ende Dezember 2005 in der Zwischenzeit verstrichen ist, ist 
der Beschwerdeführerin eine neue Frist anzusetzen. Angesichts der jetzt herrschen-
den winterlichen Verhältnisse erscheint es angemessen, Elisabeth X. zu befehlen, 
den Wasserschlauch bis Mitte März 2006 vom Grundstück von Y. zu beseitigen.

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Kantons-
gerichtspräsidiums zu Lasten der Beschwerdeführerin. Eine aussergerichtliche Ent-
schädigung wurde nicht verlangt.

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Demnach verfügt das Kantonsgerichtspräsidium :

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Der Beschwerdeführerin wird eine neue Frist zur Entfernung des Wasser-
schlauchs von der Parzelle des Beschwerdegegners bis zum 15. März 2006 
gesetzt.

3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 1'000.-- gehen zu Lasten der 
Beschwerdeführerin.

4. Mitteilung an:

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Für das Kantonsgerichtspräsidium von Graubünden 
Der Präsident: Die Aktuarin ad hoc: