# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d8926ac0-1d13-5608-9c0b-a3e629cc2a9c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2021 E-4624/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4624-2021_2021-11-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4624/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  N o v e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Barbara Balmelli, 

mit Zustimmung von Richterin Constance Leisinger;   

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Ass. iur. Marcus Hegelein,  

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung 

(ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 24. September 2021 / N (…). 

 

 

 

E-4624/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden, afghanische Staatsangehörige, verliessen den 

Iran gemäss eigenen Angaben am 27. Juni 2019. Am 9. Juli 2021 reisten 

sie in die Schweiz ein und suchten gleichentags um Asyl nach.  

B.  

Am 14. Juli 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. Dabei gab der 

Beschwerdeführer an, er sei hazarischer Ethnie und stamme aus der Pro-

vinz C._______. Vor (…) Jahren habe er Afghanistan in Richtung 

D._______, E._______, verlassen. Seit (…) Jahren sei er verheiratet und 

habe mit seiner Ehefrau (…) Töchter. Die Beschwerdeführerin gab an, sie 

sei hazarischer Ethnie und im E._______ geboren worden.  

B.a Gleichentags beauftragten die Beschwerdeführenden die ihnen zuge-

wiesene Rechtsvertretung. 

C.  

Am 21. Juli 2021 fanden die persönlichen Gespräche gemäss Art. 5 der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) 

statt. 

C.a Dabei gab der Beschwerdeführer an, seine Ehefrau und (…) Töchter 

befänden sich derzeit in Griechenland. Die (…) Tochter – die Beschwerde-

führerin –, welche gesundheitliche Probleme habe, sei mit ihm in die 

Schweiz gereist. Er selbst habe Probleme mit dem (…), da eine (…) wor-

den sei. 

C.b Die Beschwerdeführerin führte aus, seit ihrer Kindheit sei sie krank. Im 

E._______ sei sie insgesamt vier Mal am (…) operiert worden; die Prob-

leme mit der (…) bestünden aber weiterhin. 

D.  

Am 27. August 2021 beendete die Vorinstanz das Dublin-Verfahren und 

nahm das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren auf. 

E-4624/2021 

Seite 3 

E.  

Die Vorinstanz hörte die Beschwerdeführenden am 14. September 2021 

einlässlich zu ihren Asylgründen an. 

E.a Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei im Dorf F._______, Distrikt 

G._______, geboren. Sein Vater sei von einem (…) wegen einer (…) um-

gebracht worden. Er sei Einzelkind. Infolge einer erneuten Heirat seiner 

Mutter habe er (…) Halbgeschwister. Im Dorf habe es keine Schule gege-

ben. Er habe wenige Monate eine Koranschule besucht und sei Analpha-

bet. Im Alter von (…) oder (…) Jahren habe er begonnen, in der (…) und 

(…) zu arbeiten. Als (…) sei er mit seiner Mutter nach H._______ gegan-

gen. Nach (…) Jahren hätten sie H._______ in Richtung E._______ ver-

lassen. Dort habe er während der Arbeit in der (…) seine Ehefrau kennen-

gelernt. Seine Mutter und (…) Halbgeschwister lebten in D._______. Ein 

(…) sei im Jahr (…)17 nach Afghanistan zurückgekehrt; seither habe er 

nichts mehr von ihm gehört. Abgesehen von einem Onkel und dessen bei-

den Söhnen, mit welchen er ebenfalls seit Jahren keinen Kontakt mehr 

habe, habe er keine weiteren Verwandten in Afghanistan. Auch sonst habe 

er mit niemandem Kontakt in Afghanistan.  

Zu seinen Asylgründen führte er aus, er habe Afghanistan wegen der (…) 

innerhalb der Familie und dem Krieg verlassen. Nach der Ermordung des 

Vaters durch (…) habe sich seine Mutter nicht mehr sichergefühlt. Bis im 

Jahr (…)17 sei er in Kontakt mit den beiden Onkeln gestanden, die damals 

in die (…) involviert gewesen seien. Er habe ihnen während Jahren ge-

schrieben, dass er das (…), worauf er jeweils bedroht worden sei. Ein On-

kel sei mittlerweile verstorben. Als weitere Asylgründe gab er an, er werde 

als Hazara von den Taliban sowie dem sogenannten Islamischen Staat (IS) 

als Ungläubig betrachtet. Ferner sei er in Griechenland zum Christentum 

konvertiert. 

Den E._______ habe er mit seiner Familie verlassen müssen, weil seine 

Ehefrau und (…) Töchter nach einem Besuch eines Kurses der 

«I._______» ([…]) festgenommen worden seien. Es sei ein Verfahren ge-

gen sie eröffnet worden. Es sei ihm angeboten worden, die Anklage fallen 

zu lassen, falls er für (…) Monate nach J._______ in den (…) gehe. Da-

raufhin habe er sich zur Ausreise entschieden. Ferner habe er vor (…) oder 

(…) Jahren im E._______ einen Film über das Christentum gesehen und 

von einem Arbeitskollegen eine Bibel erhalten, welche seine Ehefrau in den 

Müll geworfen habe. Nach der Ankunft auf der griechischen Insel 

K._______ im September 2019 seien er erneut mit dem Christentum in 

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Seite 4 

Kontakt gekommen. Er und seine Familie hätten eine Pfarrerin kennenge-

lernt, welche ihnen aus der Bibel vorgelesen habe. Sie hätten regelmässig 

religiöse Kurse besucht. Im (…) 2020 seien sie in Griechenland getauft 

worden. Durch die Konversion zum Christentum wolle er sich nicht mehr 

an seinem Onkel rächen und könne verzeihen. In L._______ habe er (…) 

Personen missioniert und sei aufgrund seines Glaubens bedroht worden. 

In der Schweiz seien er und seine Familie bisher etwa vier oder fünf Mal in 

die Kirche gegangen. Ab und zu komme eine Person in die Unterkunft und 

bete mit ihnen. Bisher habe er keine Möglichkeit gehabt, mit Personen aus-

serhalb der Kirche über seinen Glauben zu sprechen.  

E.b Die Beschwerdeführerin führte aus, sie sei im E._______ geboren und 

aufgewachsen. In Afghanistan sei sie nie gewesen. Die Schule habe sie 

bis zur (…) Klasse besucht.  

Die Familie habe den E._______ verlassen müssen, weil sie, ihre Mutter 

sowie (…) nach Besuch einer (…) einen Tag lang inhaftiert worden seien. 

Nach Afghanistan könne sie aufgrund einer (…) innerhalb der Familie und 

ihrer hazarischen Ethnie nicht zurückkehren. In Griechenland sei sie zum 

Christentum konvertiert. Sie habe die Bibel gelesen und sich taufen lassen. 

In der Schweiz sei sie jeweils sonntags in die Kirche gegangen. Der Got-

tesdienst finde aber auf Deutsch statt, weshalb sie nicht mehr daran teilge-

nommen habe. Stattdessen nehme sie über «Zoom» an Gottesdiensten 

auf Farsi teil, welche in Griechenland stattfinden würden.  

Als Beweismittel gaben die Beschwerdeführenden eine Übersetzung ihrer 

Tazkiras, ihre Taufscheine, E._______ Flüchtlingsausweise, diverse Arzt- 

und Spitalberichte aus der Schweiz, Arztberichte aus Griechenland mit 

Übersetzung – alles jeweils in Kopie – und ein Schreiben einer Kirche vom 

13. September 2021 im Original zu den Akten.  

F.  

F.a Am 22. September 2021 gewährte die Vorinstanz den Beschwerdefüh-

renden das rechtliche Gehör zum Entscheidentwurf.  

F.b Am folgenden Tag nahmen die Beschwerdeführenden Stellung.  

G.  

Mit Verfügung vom 24. September 2021 verneinte die Vorinstanz die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte die Asylgesuche 

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Seite 5 

ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der Weg-

weisung schob sie infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen 

Aufnahme auf. 

H.  

Mit Eingabe vom 21. Oktober 2021 erhoben die Beschwerdeführenden 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragen, die Ziffern 

1 und 3 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben und sie seien als 

Flüchtlinge anzuerkennen. Eventualiter seien die Ziffern 1 und 3 der ange-

fochtenen Verfügung aufzuheben und zur erneuten Prüfung an die Vor- 

instanz zurückzuweisen. Prozessual sei ihnen die unentgeltliche Prozess-

führung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei 

zu verzichten.  

Als Beweismittel gaben die Beschwerdeführenden zwei Schreiben einer 

Kirche in Griechenland vom 13. September 2021, zwei Taufscheine vom 

21. September 2020, ein Schreiben einer Privatperson vom 13. April 2021, 

ein Schreiben eines Pfarrers und 12. September 2021, eine Schnellsuche 

für OSAR-Länderanalysen zu Afghanistan: Apostasie vom 2. April 2020, 

einen Beitrag von M._______ zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

D-4952/2014 vom 23. August 2017 und ein Themenpapier der Schweizeri-

schen Flüchtlingshilfe (SFH) zu Afghanistan: Rückkehrgefährdung auf-

grund von «Verwestlichung» vom 26. März 2021 zu den Akten.  

I.  

Am 22. Oktober 2021 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG, SR 142.31). Die Be-

schwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutre-

ten. 

 

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Seite 6 

2.  

Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Ziffern 1 

(Verneinung der Flüchtlingseigenschaft) und 3 (verfügte Wegweisung) der 

angefochtenen Verfügung. Die Ziffer 2 (Asyl) ist mangels Anfechtung in 

Rechtskraft erwachsen.  

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

4.  

Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als offen-

sichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zustän-

digkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise eines 

zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schrif-

tenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist  

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst 

geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. 

Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-

eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach  

Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls. Stattdessen werden Personen, 

welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen 

können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 

E. 7.1 S. 352, m.w.H.). 

 

 

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Seite 7 

6.  

6.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten den Anforderungen an 

die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

Die mutmassliche Verfolgung durch den Onkel aufgrund einer (…) sei nicht 

auf ein Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG zurückzuführen, weswegen sie 

flüchtlingsrechtlich nicht relevant sei.  

Allfällige Asylvorbringen, die sich im E._______ ereignet hätten, seien ein-

zig dann geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn diese 

auch im Heimatstaat zu einer Verfolgungssituation führten. Es sei jedoch 

nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der vorge-

brachten Probleme im E._______ auch in Afghanistan entsprechende 

Nachteile zu befürchten habe, weswegen darauf verzichtet werde, das im 

E._______ Erlebte einer Glaubhaftigkeitsprüfung zu unterziehen. Die im 

E._______ erlittenen Nachteile seien demnach flüchtlingsrechtlich nicht re-

levant.  

Betreffend die in Griechenland erfolgte Konversion der gesamten Familie 

zum Christentum habe der Beschwerdeführer zwar angegeben, er lebe sei-

nen Glauben in der Schweiz frei aus und andere Afghanen würden davon 

erfahren. Weder in Griechenland noch in der Schweiz habe er aber seinen 

Glauben in exponierter Art und Weise ausgeübt. Er habe Afghanistan vor 

über (…) Jahren verlassen und die Beschwerdeführerin sei im E._______ 

geboren und nie in Afghanistan gewesen. Der Beschwerdeführer habe 

selbst ausgeführt, er kenne niemanden in Afghanistan und habe zu nie-

mandem Kontakt. Letztmals habe er im Jahr (…) mit einem Onkel Kontakt 

gehabt. Es sei daher schlicht nicht möglich, dass jemand in Afghanistan 

von der Konversion erfahren könnte und die Beschwerdeführenden bei ei-

ner hypothetischen Rückkehr Nachteile zu befürchten hätten. Die pau-

schale Behauptung, in Afghanistan gingen die Menschen fünf Mal am Tag 

in die Moschee und es deshalb auffallen würde, wenn sie nicht hingehen 

würden, reiche nicht aus, um eine begründete Furcht vor Verfolgung anzu-

nehmen. Auch in Afghanistan gebe es viele Menschen, die selten oder nie 

in die Moschee gingen. Schliesslich seien die eingereichten Beweismittel, 

namentlich die Taufurkunde und Schreiben der Kirche nicht geeignet, zu 

einem anderen Schluss zu gelangen, da die Konversion nicht angezweifelt 

werde. Dieses Vorbringen sei demnach flüchtlingsrechtlich ebenfalls nicht 

relevant.  

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Seite 8 

6.2 In der Rechtmitteleingabe machen die Beschwerdeführenden geltend, 

in Griechenland zum Christentum konvertiert zu sein, womit sie subjektive 

Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG erfüllen würden. Sie hätten sich in 

Griechenland taufen lassen und regelmässig Gottesdienste besucht. Auch 

in der Schweiz würden sie Gottesdienste und Bibelkurse besuchen. Bei 

einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan würden sie ihren Glauben wei-

terhin ausleben und andere Menschen überzeugen wollen, zum Christen-

tum zu konvertieren. Die Vorinstanz übersehe, dass ein Onkel des Be-

schwerdeführers in Afghanistan lebe, welcher deren Apostasie bekannt 

machen werde. Apostasie gelte in Afghanistan als Straftat und könne mit 

Todesstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 20 Jahren belegt werden. Gemäss 

bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung könne das tägliche und 

riskante Verstecken sowie Verleugnen der inneren Überzeugung im Kon-

text der konservativ und religiös geprägten Gesellschaft Afghanistans zu 

einem unerträglichen psychischen Druck führen. Angesichts ihres ausge-

prägten Missionierungsbedürfnisses sei eine diskrete Glaubensausübung 

gar nicht möglich. Ferner sei davon auszugehen, dass sich die Verfolgung 

von religiösen Minderheiten mit der Machtübernahme durch die Taliban in-

tensivieren werde. Schliesslich sei eine Gefährdung nur schon aufgrund 

der Rückkehr der Beschwerdeführenden aus dem «Westen» anzunehmen. 

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung davon 

aus, dass Personen, deren Apostasie (Abfall vom Glauben; vgl. das Urteil 

des BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 5.2 [als Referenzurteil 

publiziert]) in Afghanistan bekannt wird, objektiv begründete Furcht vor 

ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG haben. Es sei zu 

prüfen, inwieweit von einer Person vernünftigerweise erwartet werden 

könne, die drohende Verfolgung durch das eigene (diskrete) Verhalten ab-

zuwenden, oder ob solches für sie zu einem unerträglichen psychischen 

Druck führe (vgl. a.a.O. E. 7.5.5 f.). Dass sich die Situation für Apostaten 

und Apostatinnen infolge der Machtübernahme durch die Taliban im August 

2021 diesbezüglich verbessert hätte, ist nicht zu erwarten, weshalb an der 

bisherigen Rechtsprechung festzuhalten ist. 

7.2 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer Afgha-

nistan vor über (…) Jahren verlassen hat und sich die Beschwerdeführerin 

nie dort aufgehalten hat. Gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers 

leben lediglich ein Onkel und dessen beiden Söhne in Afghanistan. Mit die-

sen pflegt er seit Jahren keinen Kontakt mehr und auch mit niemandem 

sonst in Afghanistan (vgl. SEM-Akten 1101947-60/15 F28 f., F43, F68 und 

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Seite 9 

F71 ff.). Insofern ist nicht davon auszugehen, dass die Verwandten oder 

Drittpersonen in Afghanistan von der Konversion der Beschwerdeführen-

den erfahren haben. Die Beschwerdeführenden könnten daher bei einer 

allfälligen Rückkehr in einem Umfeld leben, in welchem die soziale Kon-

trolle nicht derart ausgeprägt ist, dass ihre religiöse Überzeugung von In-

teresse wäre beziehungsweise die Abkehr vom Islam zwangsläufig auffal-

len würde. Ferner beschränkt sich die Glaubensausübung der Beschwer-

deführenden in der Schweiz auf das Besuchen von Gottesdiensten und 

beten in der Unterkunft. Ausserhalb der Kirche hätten sie noch keine Gele-

genheit gehabt, über ihren Glauben zu sprechen (vgl. a.a.O. F86). Von ei-

nem ausgeprägten Missionierungsbedürfnis kann demnach – entgegen 

der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – nicht die Rede sein. Es ist 

deshalb nicht anzunehmen, dass sie bei einer allfälligen Rückkehr nach 

Afghanistan ein Doppelleben führen oder ihre religiöse Überzeugung der-

art unterdrücken müssten, dass sie einem unerträglichen psychischen 

Druck ausgesetzt wären. Die eingereichten Beweismittel, insbesondere die 

Taufscheine und Bestätigungen über die Glaubensausübung der Be-

schwerdeführenden, sind nicht geeignet, zu einer anderen Schlussfolge-

rung zu führen, zumal die Konversion unabhängig von deren Glaubhaf-

tigkeit flüchtlingsrechtlich nicht relevant ist. Auch der Aufenthalt in einem 

westlichen Land begründet nicht per se eine flüchtlingsrechtlich relevante 

Furcht vor einer Verfolgung. 

7.3 Soweit die Beschwerdeführenden vorbringen, die Vorinstanz habe den 

Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt, ist festzuhalten, dass ihnen zahl-

reiche Fragen zur geltend gemachten Konversion gestellt wurden (vgl. 

SEM-Akten 1101947-60/15 F76 ff. und 1101947-59/8 F23 ff.). Wie die Vor-

instanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend festhielt, ist nicht ent-

scheidend, ob die befragende Person oder die Rechtsvertretung die Fra-

gen stellt. Im Übrigen wurden die Beschwerdeführenden nicht nur von der 

Rechtsvertretung, sondern auch von der Mitarbeiterin des SEM zur Kon-

version befragt (vgl. etwa SEM-Akten 1101947-60/15 F76 und F78 ff. und 

1101947-59/8 F23 ff.). Zudem werden in der Beschwerde keine neuen 

Sachverhaltselemente in Bezug auf die Konversion vorgebracht. Soweit 

die Beschwerdeführenden eine Verletzung der Begründungspflicht rügen, 

indem die Vorinstanz die von ihnen zitierten Urteile des Bundesverwal-

tungsgerichts nicht gewürdigt habe, ist festzuhalten, dass sich die Vor- 

instanz mit den wesentlichen Vorbringen auseinandergesetzt hat und eine 

sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war. Die formellen Rügen 

erweisen sich demnach als unbegründet, weshalb für eine Rückweisung 

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Seite 10 

der Sache an die Vorinstanz und Zuweisung ins erweiterte Verfahren kein 

Anlass besteht. 

7.4 Zusammenfassend ist das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgrün-

den gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen. Die Vorinstanz hat die Flüchtlings-

eigenschaft der Beschwerdeführenden zu Recht verneint.  

8.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. 

BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu 

beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Die Beschwerdeführenden beantragen die Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt 

sich, dass ihre Begehren als aussichtlos zu gelten haben, womit eine der 

kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG 

nicht gegeben ist, weshalb das Gesuch abzuweisen ist. 

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschw-

erdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

10.3 Mit dem vorliegenden Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

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Seite 11 

 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin 

 

 

Versand: