# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aae427bd-67e0-58de-b8ee-164ee92323dc
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-07-23
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 23.07.2015 UH150059
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_UH150059_2015-07-23.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
III. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: UH150059-O/U/bru 

 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Th. Meyer, Präsident, Oberrichterin lic. iur. A. 

Meier und Ersatzoberrichter lic. iur. A. Schärer und Gerichtsschrei-

berin Dr. S. Zuberbühler Elsässer 

 

Beschluss vom 23. Juli 2015 

 

in Sachen 

 

A._____,  

Beschwerdeführerin 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 
1. B._____,  

2. Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

Beschwerdegegner 

 

1 vertreten durch Rechtsanwalt Y._____,  

 

betreffend Schutzmassnahmen    
 
 
Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 18. Febru-
ar 2015 (anlässlich Konfrontationseinvernahme), A-4/2013/836 

 

- 2 - 

Erwägungen: 

I. 

1. Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich führt auf Strafanzeige von 

B._____ und der von diesem geführten C._____ GmbH ein Strafverfahren wegen 

ungetreuer Geschäftsbesorgung etc. gegen A._____ und D._____ (Urk. 12, Ver-

fahren A-4/2013/836). Anlässlich ihrer Einvernahme vom 15. Oktober 2012 erhob 

A._____ gegen B._____ den Vorwurf der Vergewaltigung (Urk. 12/3/1 S. 21), 

weshalb eine Strafuntersuchung auch gegen Letzteren eingeleitet wurde 

(Urk. 12a, Verfahren A-4/2013/817). Sie beantragte, dem Beanzeigten nicht direkt 

gegenübergestellt zu werden (Urk. 12a/7/4).  

Mit Schreiben vom 16. Oktober 2014 liess A._____ im Hinblick auf die zunächst 

per 17. Dezember 2014 anberaumte Konfrontationseinvernahme im gegen sie ge-

führten Verfahren betreffend ungetreue Geschäftsbesorgung etc. darauf hinwei-

sen, dass eine direkte Gegenüberstellung zu unterbleiben habe (Urk. 5 [bzw. 

Urk. 12/16/7]). Nachdem die Verhandlung aus anderen Gründen auf den 

18. Februar 2015 verschoben werden musste (vgl. Urk. 12/22), teilte die Staats-

anwaltschaft der Verteidigung am 17. Februar 2015 die Verweigerung von Opfer-

schutzrechten telefonisch mit (vgl. Urk. 11 S. 2 und Urk. 2 S. 3). Die Beschwerde-

führerin blieb der Einvernahme in der Folge fern. Die Staatsanwaltschaft hielt auf 

Antrag von B._____ (nachfolgend Beschwerdegegner 1) an der direkten Gegen-

überstellung fest (Protokoll der Konfrontationseinvernahme vom 18. Februar 2015 

[Urk. 3], S. 1). 

2. Dagegen liess A._____ (fortan Beschwerdeführerin) am 27. Februar 2015 

rechtzeitig Beschwerde erheben (Urk. 2) und diese mit Eingabe vom 2. März 2015 

ergänzen (Urk. 7). Sie beantragt, es sei die angefochtene Verfügung vom 

18. Februar 2015 aufzuheben und die Verfahrensleitung sei anzuweisen, mindes-

tens bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens wegen sexueller Gewalt 

gegen den Beschwerdegegner 1, jede direkte Konfrontation mit diesem während 

der weiteren Untersuchungshandlungen im gegen sie geführten Verfahren zu 

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vermeiden (Urk. 2 S. 1). Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Beschwer-

degegner 1 beantragen die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11 und Urk. 13). Die 

Staatsanwaltschaft verzichtete sodann auf Stellungnahme zur Beschwerdeergän-

zung (Urk. 18), und auch der Beschwerdegegner 1 liess sich dazu nicht mehr 

vernehmen (vgl. Urk. 19). Die Beschwerdeführerin reichte innert Frist keine Replik 

ein (vgl. Urk. 21).  

3. Wegen Ferienabwesenheit einer Richterin ergeht der Entscheid in einer an-

deren als der den Parteien angekündigten Besetzung. 

II.  

1. Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, es drohten ihr im 

gegen sie geführten Verfahren erhebliche Nachteile, wenn sie ihre Verteidigungs-

rechte nicht wahrnehmen könne. Dies dürfe nicht dadurch erschwert bzw. sogar 

aufgrund der psychischen Belastung einer direkten Begegnung mit dem Be-

schwerdegegner 1 faktisch verunmöglicht werden, indem ihr die Opferschutzrech-

te verweigert würden. Art. 153 StPO verpflichte die Verfahrensleitung dazu, unab-

hängig von einer allenfalls anders lautenden Verfahrensnummer oder der pro-

zessualen Stellung, Opfer sexueller Gewalt ganz generell zu schützen. Eine direk-

te Konfrontation dürfe nur dann erzwungen werden, wenn die Beweiserhebung 

nicht anderweitig möglich wäre. Art. 149 Abs. 1 StPO halte diese Fürsorgepflicht 

explizit auch für beschuldigte Personen fest. Das Opfer solle dem bezichtigten Tä-

ter nicht zur Wahrung der eigenen Parteirechte immer wieder begegnen müssen, 

und es sei vor einer weiteren Einflussnahme durch diesen zu schützen, unabhän-

gig davon, ob sich die Anschuldigungen später als strafrechtlich tragfähig erwie-

sen oder nicht (Urk. 2 S. 3 ff.).  

2. Der Beschwerdegegner 1 entgegnete im Wesentlichen, die Bestimmungen, 

auf welche sich die Beschwerdeführerin berufe, seien vorliegend nicht einschlä-

gig. Es gebe insbesondere dann keinen verfahrensübergreifenden Opferschutz, 

wenn das (vermeintliche) Opfer selbst Beschuldigter sei. Ansonsten könnte eine 

Konfrontation mit dem Geschädigten durch den Vorwurf eines Sexualdelikts auf 

einfachem Wege verhindert werden, zumal der Vorwurf mangels Zeugen nur 

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schwer überprüfbar wäre. Selbst wenn man einen verfahrensübergreifenden Op-

ferschutz bejahen wollte, wäre im konkreten Fall eine Interessenabwägung zwi-

schen Opferschutz und Teilnahmerecht vorzunehmen. Es sei zu beachten, dass 

die Beschwerdeführerin anlässlich der Einvernahme vor dem Handelsgericht Zü-

rich am 20. November 2014 dem Beschwerdegegner 1 ihre Hilfe im Zusammen-

hang mit der Geltendmachung von Rückvergütungen angeboten habe. Zudem 

habe die Beschwerdeführerin den Vergewaltigungsvorwurf erstmals im Laufe des 

gegen sie geführten Strafverfahrens erhoben, und ihre diesbezüglichen Aussagen 

seien in höchstem Masse widersprüchlich. Es könne nicht angehen, dass die bei-

den Beschuldigten zusammen im selben Raum befragt würden und er als Ge-

schädigter der Einvernahme nur per Videoübertragung beiwohnen könne. Eine di-

rekte Konfrontation diene in besonderem Masse der Wahrheitsfindung (Urk. 13 

S. 1 ff.).  

3. Die Staatsanwaltschaft führte in ihrer Vernehmlassung zusammengefasst 

aus, über den Gesetzeswortlaut von Art. 152 Abs. 1 StPO wahrten die Strafbe-

hörden nicht nur jederzeit die Persönlichkeitsrechte des Opfers, sondern grund-

sätzlich aller Verfahrensbeteiligter. Es könne aber selbst eine Gegenüberstellung 

des Opfers mit dem Beschuldigten im selben Verfahren angeordnet werden, wenn 

ein überwiegendes Interesse der Strafverfolgung dies zwingend erfordere. In der 

fraglichen Verhandlung hätten nicht die Tatvorwürfe zum Nachteil der sexuellen, 

körperlichen oder psychischen Integrität der Beschwerdeführerin besprochen 

werden sollen, sondern die ihr vorgeworfenen Delikte gegen das Vermögen. Die 

Gefahr einer Beeinflussung ihres Aussageverhaltens durch die Präsenz des Be-

schwerdegegners 1 habe nicht bestanden. Zudem hätte eine direkte Konfrontati-

on die Wahrheitsfindung gerade ermöglichen sollen. Es bleibe zwar die Gefahr 

einer weiteren Viktimisierung. Die Beschwerdeführerin habe aber ihren eigenen 

Angaben zufolge mit dem Beschwerdegegner 1 auch nach der beanzeigten Ver-

gewaltigung in der zweiten Jahreshälfte 2009 regelmässigen Kontakt gepflegt. 

Den Vergewaltigungsvorwurf habe sie erst anlässlich der Konfrontation mit den 

gegen sie erhobenen Tatvorwürfen vorgebracht. Es müsse daher pflichtgemäss 

auch der Gedanke an eine Schutzbehauptung als Teil der Verteidigungsstrategie 

erwogen werden. Vorliegend könne sodann lediglich eine simultane Gegenüber-

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stellung, z.B. in Form einer Videokonferenz in guter Qualität, den Zweck der Kon-

frontationseinvernahme ebenfalls erfüllen. Eine solche - für welche die Staatsan-

waltschaft derzeit noch nicht ausgerüstet sei - vermöge aber die Gefahr einer wei-

teren Viktimisierung nur so gering zu mindern, dass an der direkten Konfrontation 

festzuhalten sei (Urk. 11).  

III. 

1. Angefochten ist eine prozessleitende Verfügung der Staatsanwaltschaft, mit 

welcher dem Antrag der Beschwerdeführerin auf Vermeidung einer direkten Ge-

genüberstellung mit dem Beschwerdegegner 1 im Zusammenhang mit einer an-

beraumten Konfrontatinseinvernahme nicht stattgegeben wurde. Dagegen ist die 

Beschwerde beim Obergericht zulässig (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO und § 49 

GOG/ZH). Gemäss Art. 182 Abs. 1 StPO kann nur diejenige Partei ein Rechtsmit-

tel ergreifen, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände-

rung eines Entscheids hat. Ein rechtlich geschütztes Interesse ergibt sich daraus, 

dass die betreffende Person durch den angefochtenen Entscheid unmittelbar in 

ihrer Rechtsstellung berührt, d.h. beschwert, ist. Grundsätzlich ist zudem erforder-

lich, dass die Beschwer im Zeitpunkt des Rechtsmittelentscheids noch andauert. 

Die Konfrontationseinvernahme wurde am 18. Februar 2015 - im Beisein des Ver-

teidigers der Beschwerdeführerin - zwischen dem Beschwerdegegner 1 und dem 

zweiten Beschuldigten, D._____, durchgeführt (Urk. 3). Demnach stellt sich vor-

liegend die Frage nach der aktuellen Betroffenheit der Beschwerdeführerin. Vom 

Erfordernis des aktuellen praktischen Interesses ist gemäss der bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung dann abzusehen, wenn sich die aufgeworfene Frage jeder-

zeit unter gleichen oder ähnlichen Umständen wieder stellen könnte, die Beant-

wortung wegen deren grundsätzlichen Bedeutung im öffentlichen Interesse liegt 

und eine rechtzeitige Überprüfung kaum je möglich wäre (BGE 137 I 23, 24 

Erw. 1.3; BGE 135 I 79, 81 Erw. 1.1; BGE 129 I 113, 119 Erw. 1.7; BGE 125 I 

394, 397 Erw. 4b). 

Die mit der Beschwerde aufgeworfene Frage nach einem verfahrensübergreifen-

den Opferschutz ist von grundsätzlicher Natur und kann sich immer wieder stellen 

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und zwar auch für die Beschwerdeführerin im nach wie vor pendenten Strafver-

fahren. Zudem werden Beweiserhebungen in der Regel mehr oder weniger kurz-

fristig anberaumt, weshalb ein Beschwerdeverfahren kaum vor deren Durchfüh-

rung abgeschlossen werden könnte. Demnach ist vorliegend sowohl ein grund-

sätzliches Feststellungsinteresse als auch ein solches der Beschwerdeführerin zu 

bejahen. Insoweit ist auf die Beschwerde einzutreten.  

2. Art. 146 Abs. 1 StPO hält im Grundsatz fest, dass im Strafverfahren ver-

schiedene Personen nicht gleichzeitig oder wechselseitig, sondern je einzeln und 

insofern getrennt einvernommen werden. Abs. 2 der genannten Bestimmung re-

gelt - davon abweichend - den Sonderfall der Konfrontation. Nach einer erfolgten 

ersten Befragung können die Strafbehörden zur Wahrheitsfindung Beschuldigte, 

Zeugen und Auskunftspersonen etc. einander gegenüberstellen und wechselseitig 

befragen. Die Bestimmung bezieht sich auf die einvernahmetechnischen Modali-

täten und begründet keine selbständige gesetzliche Ausnahme zu den in den 

Art. 147 f. StPO geregelten Teilnahmerechten der Parteien (BGE 139 IV 25, 29 f. 

Erw. 4.1 und 5.1; Godenzi, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., 2. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 146 N 1 f.; BSK StPO I-Schleiminger Mettler, 

2. Aufl., Basel 2014, Art. 147 N 7c; vgl. sodann Schmid, Handbuch StPO, 2. Aufl., 

Zürich/St. Gallen 2013, N 818). Zudem bleiben gemäss Art. 146 Abs. 2 StPO die 

spezifischen Opferschutzrechte sowie generell die Schutzrechte nach Art. 149 ff. 

StPO vorbehalten (vgl. Godenzi, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 146 

N 6; BSK StPO I-Häring, a.a.O., Art. 146 N 12). 

Art. 147 Abs. 1 StPO gewährt den Parteien den prinzipiellen Anspruch, bei Be-

weiserhebungen und mithin sowohl bei Einzel- als auch bei Konfrontationseinver-

nahmen anwesend d.h. im Einvernahmeraum physisch präsent zu sein (Wohlers, 

in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 147 N 5; Christen, Zum Anwesen-

heitsrecht der Privatklägerschaft im schweizerischen Strafprozessrecht, ZStrR 

129 [2011] 463 ff., S. 467) und den einvernommenen Personen Fragen zu stellen. 

Der Grundsatz der Parteiöffentlichkeit nach Art. 147 Abs. 1 StPO fliesst aus dem 

Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV sowie explizit Art.107 Abs. 1 lit. 

b StPO) und generell dem Anspruch auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 Ziff. 1 

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EMRK. Verfassung und Konvention vermitteln einen Mindestanspruch auf jeden-

falls einmalige Konfrontation während des Strafverfahrens (Christen, a.a.O., 

S. 465 ff.; vgl. sodann Godenzi, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 146 N 

3, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).  

Einschränkungen der Teilnahmerechte sind einzig unter den gesetzlichen Vo-

raussetzungen von Art. 108 und Art. 146 Abs. 4 StPO sowie aufgrund der Gewäh-

rung von Schutzmassnahmen nach Art. 149 ff. StPO zulässig und müssen ver-

hältnismässig sein (vgl. Art. 36 Abs. 1 und 3 BV). Besteht ein besonderes Schutz-

bedürfnis der einzuvernehmenden Person im Sinne von Art. 149 ff. StPO, ist der 

Konfrontationsanspruch der Parteien mittels ausgleichender Ersatzmassnahmen 

so weit wie möglich zu kompensieren (Art. 149 Abs. 5 StPO). Die Teilnahmerech-

te nach Art. 147 Abs. 1 StPO sind verzichtbar, jedoch haben die vorgeladenen 

Personen zu behördlich anberaumten Gegenüberstellungen obligatorisch zu er-

scheinen (BSK StPO I-Häring, a.a.O., Art. 146 N 16; Schmid, Handbuch, a.a.O., 

N 819).  

3. Im Verfahren betreffend ungetreue Geschäftsbesorgung etc. wurde die Be-

schwerdeführerin im Auftrag der Staatsanwaltschaft am 15. Oktober 2012 polizei-

lich befragt, wobei dem Beschwerdegegner 1 damals kein Anwesenheitsrecht 

gewährt wurde (vgl. Urk. 12/3/1 und Urk. 12/22).  

Eine Beanspruchung der Rechte nach Art. 147 Abs. 1 StPO setzt Parteistellung 

voraus. Parteien sind im Untersuchungsverfahren die beschuldigte Person und 

die Privatklägerschaft (Art. 104 Abs. 1 lit. a und b StPO). Die anderen Verfah-

rensbeteiligten im Sinne von Art. 105 Abs. 1 StPO haben - mit Ausnahme des 

Geschädigten, der sich noch nicht als Privatkläger konstituieren konnte, - grund-

sätzlich kein umfassendes Teilnahmerecht im Sinne von Art. 147 StPO (vgl. BGE 

140 IV 172, 175 Erw. 1.2.2; BGE 139 IV 25, 30 Erw. 4.3; Godenzi, Teilnahmebe-

rechtigte "Parteien" bei getrennt geführten Strafverfahren, forumpoenale 2/2015, 

109 ff., 111; Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, 

Art. 147 N 4; Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 147 N 3; BSK 

StPO I-Schleiminger Mettler, a.a.O., Art. 147 N 7). Als Privatklägerschaft gilt die 

geschädigte Person, die ihren Willen zur Teilnahme am Verfahren kundgetan hat 

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(Art. 118 Abs. 1 StPO). Geschädigter im Sinne des Strafprozessrechts ist, wer 

durch die Straftat unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). In seinen 

Rechten unmittelbar verletzt ist, wer Träger des durch die verletzte Strafnorm ge-

schützten oder zumindest mitgeschützten Rechtsguts ist (BGE 140 IV 155, 157 f. 

Erw. 3.2, m.w.H.). 

Der Beschwerdegegner 1 hat im Verfahren gegen die Beschwerdeführerin den 

Willen geäussert, sich als Privatkläger konstituieren zu wollen (Urk. 12/14/3). 

Ebenso nahm er als einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer und damit Ver-

treter der im Handelsregister eingetragenen C._____ GmbH die Konstituierung für 

die juristische Person vor (Urk. 12/14/1; vgl. auch Urk. 12/1 S. 21). Dass mit Be-

zug auf die beanzeigten Vermögensdelikte der Beschwerdegegner 1 persönlich 

als Privatkläger in Frage kommt, erscheint gestützt auf die gegenwärtige Aktenla-

ge zumindest fraglich. Als Geschäftsführer und Gesellschafter der C._____ GmbH 

ist er durch die gemäss Anzeige zum Nachteil des Gesellschaftsvermögens ver-

übten Straftaten (vgl. Urk. 12/2/1, insbesondere S. 3-6, 29 f., 35 und 37 ff.) grund-

sätzlich nur "reflexgeschädigt" und somit nicht Geschädigter im Sinne des Straf-

prozessrechts. Dies gilt unabhängig vom Umfang seiner wirtschaftlichen Berech-

tigung (vgl. BGer 6B_60/2014 vom 24. Juni 2014 Erw. 3.3.1 m.w.H.; vgl. sodann 

die Beschlüsse des Obergerichts des Kantons Zürich UE130039 vom 14. Mai 

2013 Erw. II/6 und UE120223 vom 11. Februar 2013 Erw. II/5, je m.H.). Demge-

genüber ist die C._____ GmbH als Vermögensinhaberin in ihren Vermögensrech-

ten direkt beeinträchtigt. Für sie konnte der Beschwerdegegner 1 die Konstituie-

rung somit jedenfalls rechtsgültig vornehmen. Kraft ihrer Parteistellung stehen der 

Gesellschaft im Verfahren gegen die Beschwerdeführerin die Teilnahmerechte 

nach Art. 147 StPO zu. Als Vertreter der juristischen Person kann sich der Be-

schwerdegegner 1 somit darauf berufen. Er hat von Seiten der Privatklägerschaft 

zum Ausdruck gebracht, auf eine unmittelbare physische Präsenz an der Konfron-

tationseinvernahme nicht zu verzichten.  

4. 

4.1 Anlässlich der Einvernahme vom 15. Oktober 2012 im Verfahren betreffend 

ungetreue Geschäftsbesorgung etc. gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, 

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vom Beschwerdegegner 1 vergewaltigt worden zu sein (Urk. 12/3/1 S. 21). In den 

in diesem Zusammenhang durchgeführten Befragungen durch die Polizei und die 

Staatsanwaltschaft am 23. Oktober 2012 bzw. am 28. August 2014 schilderte sie 

zwei konkrete Vorfälle aus dem Jahr 2009, wonach es auf Druck des Beschwer-

degegners 1 ein erstes Mal in einem Hotel in E._____ und ein zweites Mal in ei-

nem Hotel in F._____ gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gekommen sei 

(Urk. 12a/4/1 S. 2 ff. und Urk. 12a/4/2 S. 7 ff.). Danach habe sie der Beschwerde-

gegner 1 bedroht, so dass sie mit niemandem über das Geschehene gesprochen 

habe und auch wieder zur Arbeit in dessen Firma zurückgekehrt sei (Urk. 12a/4/1 

S. 7 und Urk. 12a/4/2 S. 17 und 24 f.). Weiter führte sie aus, es sei ihr danach 

schlecht gegangen. Sie habe sehr schlecht geschlafen und die Wohnung fast 

nicht mehr verlassen (Urk. 12a/4/1 S. 7). In ihrer Kultur sei es eine Schande für 

die Frau, wenn sie vergewaltigt werde. Sie habe nur mit Dr. G._____, darüber ge-

sprochen (Urk. 12a/4/1 S. 5). Sie sei seither psychisch "kaputt". Schon früher sei 

sie wegen eines Unfalls von Dr. G._____ behandelt worden und habe 2010 wie-

der mit diesem Kontakt aufgenommen (Urk. 12a/4/2 S. 27). Dr. G._____ bestätig-

te, dass sich die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit wiederholt bei ihm in 

Behandlung befunden habe. Seinen Angaben zufolge fanden in den Monaten 

Februar bis März 2011 vier Therapiesitzungen statt, anlässlich derer die Be-

schwerdeführerin von einem sexuellen Übergriff durch einen Bekannten in einem 

Hotelzimmer in F._____ im September 2010 berichtet habe. Sie habe ihm gegen-

über angegeben, seit dem Übergriff unter der ständigen Angst zu leiden, dem Tä-

ter zu begegnen, weshalb sie sich kaum noch aus dem Haus traue und erschre-

cke, wenn sie jemanden sehe, der ihm gleiche. Er - Dr. G._____ - habe bei der 

Konsultation am 16. Februar 2011 festgestellt, dass die Beschwerdeführerin nie-

dergestimmt und angespannt gewesen sei, und sie habe unter Angstzuständen 

gelitten. Das Geschilderte sowie ihr Zustand hätten zu einer posttraumatischen 

Belastungsstörung nach erlittener Gewalt gepasst. Die Beschwerdeführerin habe 

schon vor 2011 an einer chronischen und invalidisierenden psychischen Störung 

gelitten, die von ihr berichtete sexuelle Traumatisierung könnte sie aber noch zu-

sätzlich destabilisiert haben (Urk. 12a/6/7). 

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4.2 Als Opfer gilt gemäss Art. 116 Abs. 1 StPO die geschädigte Person, die 

durch die Straftat in ihrer physischen, sexuellen oder psychischen Integrität unmit-

telbar beeinträchtigt worden ist. Vorausgesetzt ist eine tatsächliche Verschlechte-

rung des körperlichen bzw. geistigen Zustandes. Die Beeinträchtigung muss von 

einer gewissen Schwere sein, wobei in erster Linie der Grad der konkreten Betrof-

fenheit der geschädigten Person massgebend ist (Guidon, Die Beschwerde ge-

mäss Schweizerischer Strafprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N 284; 

Scheidegger, Minderjährige als Zeugen und Auskunftspersonen im Strafverfah-

ren, Diss. Zürich 2006 [= ZSzV Bd. 147], S. 7; Weishaupt, Die verfahrensrechtli-

chen Bestimmungen des Opferhilfegesetzes, Diss. Zürich 1998 [= ZSzS Bd. 33], 

S. 31 f.; vgl. sodann BGE 129 IV 95, 98 Erw. 3.1; BGE 125 II 265, 268 Erw. 4.a). 

An den Nachweis einer die Opferstellung begründenden Straftat sind im Hinblick 

auf die Gewährung von strafprozessualen Opferschutzrechten keine hohen An-

forderungen zu stellen. Es genügt, dass eine rechtswidrige Tatbestandsverwirkli-

chung in Betracht fällt und in der Folge ein Strafverfahren eröffnet wurde (vgl. 

BGE 134 II 33, 37 Erw. 5.4; BGE 125 II 265, 270 Erw. 4.c/aa; Scheidegger, 

a.a.O., S. 6 f.; Weishaupt, a.a.O., S. 45).  

Die Beschwerdeführerin ist Trägerin des vom Straftatbestand der Vergewaltigung 

(Art. 190 StGB) geschützten Rechtsguts der sexuellen Selbstbestimmung und 

mithin Geschädigte im Sinne des Strafprozessrechts (Art. 115 Abs. 1 StPO). Zu-

dem kommt ihr im Verfahren gegen den Beschwerdegegner 1 ohne Weiteres 

auch Opfereigenschaft gemäss Art. 116 Abs. 1 StPO zu, zumal eine Vergewalti-

gung stets zu einer schweren Beeinträchtigung jedenfalls der sexuellen Integrität 

führt (vgl. BSK StPO I-Mazzucchelli/Postizzi, a.a.O., Art. 116 N 9). Nach den Ak-

ten erscheint sodann eine Tatbestandsverwirklichung durch den Beschwerdegeg-

ner 1 zu ihrem Nachteil nicht ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft ging ge-

stützt in erster Linie auf ihre Aussagen von einem für die Untersuchungseröffnung 

hinreichenden Tatverdacht aus. Ob sich der Vorwurf der Vergewaltigung letztlich 

erstellen lässt und inwieweit den Aussagen der Beschwerdeführerin Glauben zu 

schenken ist, wird vom Sachrichter zu beurteilen sein und bildet Gegenstand der 

laufenden Strafuntersuchung, weshalb diesbezügliche Zweifel einer Bejahung der 

strafprozessualen Opferstellung nicht entgegenstehen können.  

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4.3 Die Beschwerdeführerin hat als Opfer im gegen den Beschwerdegegner 1 

geführten Verfahren ein Recht auf Schutzmassnahmen im Sinne von Art. 152-154 

StPO (Art. 117 Abs. 1 lit. c StPO).  

Nach Art. 152 Abs. 3 StPO sind die Behörden dazu verpflichtet, auf Verlangen 

des Opfers jedes persönliche Zusammentreffen mit dem Beschuldigten zu ver-

meiden und insofern alle in ihrem Machtbereich stehenden organisatorischen 

Massnahmen zu treffen. Explizit vorgesehen sind im Hinblick auf Einvernahmen 

die allgemeinen Schutzmassnahmen im Sinne von Art. 149 Abs. 2 lit. b und d 

StPO. Die Behörden haben darüber hinaus aber generell dafür zu sorgen, dass 

das Opfer dem Beschuldigten nicht begegnet, auch nicht zufällig, etwa auf dem 

Weg zu einer Einvernahme oder beim Warten auf eine solche (Wohlers, in: Do-

natsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 152 N 9; BSK StPO I-Wehrenberger, a.a.O., 

Art. 152 N 17; Weishaupt, a.a.O., S. 165). Die Möglichkeit, auf Verlangen des Op-

fers eine direkte Begegnung mit dem mutmasslichen Täter generell zu vermeiden 

ist von grosser Bedeutung. Eine nochmalige Traumatisierung (sekundäre Viktimi-

sierung) kann nicht nur dann auftreten, wenn das Opfer das Tatgeschehen an-

lässlich seiner Einvernahme nochmals durchleben muss, sondern bereits durch 

die erneute Begegnung an sich (Wohlers, Die Grenzen von Schutzmassnahmen 

zugunsten sensibler Zeugen und gefährdeter Personen, ZStrR 129 [2011] 127 ff., 

S. 129).  

Handelt es sich wie vorliegend um ein Opfer von Delikten gegen die sexuelle In-

tegrität hat eine direkte Gegenüberstellung sogar stets zu unterbleiben, wenn das 

Opfer dies verlangt, vorausgesetzt der Gehörsanspruch des Beschuldigten kann 

dennoch gewährleistet werden (Art. 153 Abs. 2 StPO). Im Unterschied zur allge-

meinen Regelung von Art. 152 Abs. 4 StPO dürfen die Behörden somit gegen den 

Willen des Opfers keine unmittelbare Konfrontation gestützt auf Strafverfolgungs-

interessen anordnen; sie verfügen diesbezüglich über keinen Ermessensspiel-

raum (vgl. Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 152 N 12 und 

Art. 153 N 5; BSK StPO I-Wehrenberg, a.a.O., Art. 152 N 20 ff.).  

4.4 Die Vermeidung einer direkten Gegenüberstellung im Verfahren gegen den 

Beschwerdegegner 1 wegen Vergewaltigung ist vorliegend unstrittig. Es stellt sich 

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aber die Frage, ob die Beschwerdeführerin die Schutzmassnahme auch im Zu-

sammenhang mit dem aktuell gegen sie geführten Verfahren wegen ungetreuer 

Geschäftsbesorgung etc. beanspruchen kann. Entgegen der Ansicht des Be-

schwerdegegners 1 ist ein entsprechender verfahrensübergreifender Opferschutz 

in der vorliegenden Konstellation grundsätzlich zu bejahen. Wie dargelegt sind 

nach Art. 152 Abs. 3 StPO Begegnungen jeglicher Art zwischen Opfer und mut-

masslichem Täter in den Räumlichkeiten der Strafbehörden zu verhindern. Folg-

lich kann ein wirksamer Opferschutz grundsätzlich ebenso die Vermeidung von 

Begegnungen im Zusammenhang mit einem allfälligen gleichzeitig laufenden an-

deren Strafverfahren erfordern und zwar unabhängig von der Stellung der Person 

des Opfers in diesem anderen Verfahren. Anders zu entscheiden hiesse unter 

Umständen den Opferschutz ins Leere laufen zu lassen. Daran vermag auch ein 

allfälliges Missbrauchspotential von Seiten eines vermeintlichen Opfers grund-

sätzlich nichts zu ändern. Zunächst läuft derjenige, der fälschlicherweise jeman-

den einer Straftat bezichtigt, selbst Gefahr, sich strafbar zu machen (vgl. Art. 303 

StGB). Auch diesbezügliche Beweisschwierigkeiten lassen die Vermeidung einer 

Missbrauchsgefahr nicht als vordringlich erscheinen. Der Opferschutz greift stets 

unabhängig davon, ob sich ein Vorwurf später erstellen lässt oder nicht. Die ande-

ren Parteien sowohl im die Opferrechte auslösenden wie auch im parallelen Ver-

fahren werden dadurch geschützt, dass ihr Anspruch auf rechtliches Gehör trotz 

Schutzmassnahmen so weit wie möglich gewahrt werden muss oder solche allen-

falls ausschliesst (vgl. Art. 149 Abs. 5 und Art. 152 Abs. 4 lit. a und Art. 153 Abs. 2 

StPO).  

Das Antragsrecht des Opfers auf Schutzmassnahmen besteht jederzeit und damit 

unabhängig von allenfalls zu einem früheren Zeitpunkt bereits erfolgten freiwilli-

gen oder unfreiwilligen Kontakten und Begegnungen (Donatsch/Lieber, in: Do-

natsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, 5. Lie-

ferung, Zürich 2007, § 14 N 44 f.; Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., 

Art. 152 N 8; Weishaupt, a.a.O., S. 156). Dass die Beschwerdeführerin nach der 

mutmasslichen Vergewaltigung weiterhin für den Beschwerdegegner 1 in dessen 

Firma tätig war und auch Begegnungen in Kauf nahm, sowie auch der Umstand, 

dass sie den Vorwurf der Vergewaltigung erst im Verlaufe des Verfahrens wegen 

- 13 - 

ungetreuer Geschäftsbesorgung erhob, spricht somit nicht gegen die Gewährung 

der beantragten Schutzmassnahmen. Zum Hinweis des Beschwerdegegners 1, 

sie habe im Hinblick auf ihre erste Einvernahme keinerlei Schutzmassnahmen 

beantragt (vgl. Urk. 13 S. 2 f.), ist anzumerken, dass seine Teilnahme nicht zur 

Diskussion gestanden hatte und die Beschwerdeführerin überdies noch nicht ver-

teidigt war (vgl. Urk. 12/3/1 und Urk. 12/16/1-2). Der Einvernahme des Beschwer-

degegners 1 als Privatkläger am 12. Februar 2013 blieb die Beschwerdeführerin 

im Übrigen krankheitshalber fern. Auch zu diesem Zeitpunkt war sie noch nicht 

vertreten (vgl. Urk. 12/4/1). Ebenso wenig vermag das Vorbringen des Beschwer-

degegners 1 den Anspruch grundsätzlich in Frage zu stellen, die Beschwerdefüh-

rerin habe in der Befragung vor dem Handelsgericht am 20. November 2014 ihre 

Hilfe bei der Geltendmachung von Rückvergütungen angeboten (Urk. 13 S. 2). 

Diesbezüglich steht jedenfalls keine direkte Begegnung im Raum, und auch diese 

Einvernahme erfolgte ohne direkte Gegenüberstellung (vgl. Urk. 15). 

Für die Gewährung der Opferschutzrechte auch im gegen die Beschwerdeführerin 

selbst geführten Verfahren spricht sodann die Regelung von Art. 149 Abs. 1 

StPO. Gemäss dem Wortlaut dieser Bestimmung profitieren von den Schutz-

massnahmen gemäss Abs. 2 nicht nur Zeugen, sondern ein weiter Kreis von Ver-

fahrensbeteiligten, namentlich auch die beschuldigte Person. Im Vordergrund 

steht zwar eine allfällige Gefährdung durch Mitbeschuldigte (vgl. BSK StPO I-

Wehrenberger, a.a.O., Art. 149 N 1; Schmid, Handbuch, a.a.O., N 836). Denkbar 

ist aber auch der Schutz des Beschuldigten etwa vor der Privatklägerschaft 

(Christen, a.a.O., S. 470; vgl. sodann Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, 

a.a.O., Art. 149 N 1). Sinn und Zweck der Regelung von Art. 149 StPO besteht 

darin, dass der Staat gegenüber allen am Verfahren zwingend beteiligten Perso-

nen die Pflicht hat, sie vor Beeinträchtigungen zu schützen, die ihnen als Folge 

davon drohen (Wohlers, Grenzen, a.a.O., S. 127 f.; vgl. sodann Botschaft zur 

Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085 ff., 1188). Nicht nur der 

Zeuge, sondern auch die beschuldigte Person, für die bis zur rechtskräftigen Ver-

urteilung die Unschuldsvermutung gilt (Art. 10 Abs. 1 StPO und Art. 32 Abs. 1 BV 

bzw. Art. 6 Ziff. 2 EMRK), ist unter Umständen ohne selbstverschuldetes Zutun 

ins Verfahren involviert.  

- 14 - 

Vorausgesetzt ist das Vorliegen einer Gefahrensituation im Sinne von Art. 149 

Abs. 1 StPO. Eine solche liegt vor, wenn die fragliche Person durch ihre Mitwir-

kung "einer erheblichen Gefahr für Leib und Leben oder einem anderen schweren 

Nachteil" ausgesetzt ist bzw. wenn Grund zur Annahme dafür besteht. Ein ande-

rer schwerer Nachteil kann auch in einer seelischen Schädigung liegen, die über 

den allgemeinen, mit einer Einvernahme üblicherweise verbundenen psychischen 

Druck hinausgeht (Wohlers, Grenzen, a.a.O., S. 139 und Wohlers, in: Do-

natsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 149 N 7; Schmid, Handbuch, a.a.O., N 836). 

Die Gefährdung muss glaubhaft gemacht werden (Wohlers, in: Donatsch/Hans-

jakob/Lieber, a.a.O., Art. 149 N 9). Die Beschwerdeführerin bringt sich im gegen 

sie geführten Verfahren zwar nicht durch die Aussagen selbst bzw. deren Inhalt in 

Gefahr. Gleichwohl birgt gerade ein Zusammentreffen mit dem Beschwerdegeg-

ner 1 anlässlich einer anberaumten Einvernahme die Gefahr einer sekundären 

Viktimisierung. Dass insofern von einer das allgemeine Mass übersteigenden 

psychischen Drucksituation auszugehen ist, braucht nicht näher dargelegt zu 

werden. Zudem sind gestützt auf ihre Aussagen und insbesondere auch die 

Schilderungen von Dr. G._____ konkrete Anhaltspunkte für eine als ernsthaft ein-

zustufende Gefahr zu bejahen. Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin 

dem Beschwerdegegner 1 nach der mutmasslichen Tat bereits früher wieder be-

gegnete. Ihren Angaben zufolge ist davon auszugehen, dass dies auf Druck er-

folgte, und es bestehen konkrete Hinweise auf eine bereits damals eingetretene 

posttraumatische Belastungsstörung. Zudem muss sich die Beschwerdeführerin 

im Zusammenhang mit den laufenden Verfahren mit der Vergangenheit detailliert 

auseinandersetzen. Auch im Verfahren betreffend ungetreue Geschäftsbesorgung 

etc. bildet die Beziehung zwischen ihr und dem Beschwerdegegner 1 Beweisthe-

ma (vgl. Urk. 3 S. 5). Der Katalog von Schutzmassnahmen gemäss Art. 149 

Abs. 2 StPO ist sodann nicht abschliessend. Explizit vorgesehen ist mit Bezug auf 

Einvernahmen der Ausschluss der Parteien (lit. b) sowie das Abschirmen der zu 

schützenden Person bzw. eine Veränderung von Aussehen und Stimme (lit. d). 

Demnach sind gestützt auf Art. 149 StPO jedenfalls auch weniger einschneidende 

Massnahmen zulässig.  

- 15 - 

Nach dem Gesagten ist ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf Schutzmass-

nahmen gestützt auf die gegenwärtige Aktenlage auch im gegen sie geführten 

Verfahren grundsätzlich zu bejahen. Wie erwähnt ist aber dem Anspruch der Pri-

vatklägerschaft auf rechtliches Gehör und den daraus abgeleiteten Teilnahme-

rechten soweit als möglich - allenfalls mittels Ersatzmassnahmen - Rechnung zu 

tragen (vgl. insbesondere Art. 149 Abs. 5 StPO). Eine direkte Gegenüberstellung 

darf dann erfolgen, wenn das rechtliche Gehör nicht anders gewährleistet werden 

kann (Art. 153 Abs. 2 StPO). Demnach sind im Folgenden das Teilnahmeinteres-

se der Privatklägerschaft und das Schutzinteresse der Beschwerdeführerin ge-

geneinander abzuwägen.  

5. Die Beschwerdeführerin soll vor einer möglichen Sekundärviktimisierung 

durch ein Zusammentreffen mit dem Beschwerdegegner 1 bzw. durch dessen 

physische Präsenz im Einvernahmeraum geschützt werden. Dass keine Beein-

flussung ihres Aussageverhaltens mit Bezug auf die den Beschwerdegegner 1 be-

lastenden Aussagen betreffend den Vorwurf der Vergewaltigung droht, spielt so-

mit keine Rolle. Sie wehrte sich sodann lediglich gegen die direkte Gegenüber-

stellung. Gegen eine mittelbare Konfrontation per Videoübertragung wendete sie 

nichts ein. Diese Massnahme wurde auch im Verfahren gegen den Beschwerde-

gegner 1 betreffend Vergewaltigung ergriffen (vgl. Urk. 12a/4/2). Auf der anderen 

Seite steht das Teilnahmerecht der Privatklägerschaft, das in seinem wesentli-

chen Gehalt die unmittelbare Einflussnahme auf das Zustandekommen des Be-

weismittels ermöglichen soll. 

Gemäss der Rechtsprechung zum Konfrontationsanspruch des Beschuldigten 

kann dessen Interessen in der Regel mit einer Simultanübertragung einer Einver-

nahme in einen anderen Raum hinreichend Rechnung getragen werden. Die 

Massnahme ermöglicht dem Teilnahmeberechtigten, in unmittelbarem zeitlichen 

Konnex Ergänzungsfragen zu stellen und ausserdem selbst Mimik und Gestik des 

Einvernommenen wahrzunehmen und auch darauf zu reagieren. Durch den Aus-

schluss einzig der physischen Präsenz im Einvernahmeraum bei mittelbarer An-

wesenheit, bleibt die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Beweiserhebung 

grundsätzlich erhalten, weshalb die Teilnahmerechte nach Art. 147 StPO keine 

- 16 - 

wesentliche Einschränkung erfahren (vgl. Donatsch/Lieber, in: Donatsch/Schmid, 

a.a.O., § 14 N 45; Weishaupt, a.a.O., S. 161; Wohlers, in: Donatsch/Hansja-

kob/Lieber, a.a.O., Art. 152 N 10; BSK StPO I-Schleiminger Mettler, a.a.O., 

Art. 147 N 23; Schmid, Handbuch, a.a.O., N 839; vgl. sodann BGE 133 I 33, 41 ff. 

Erw. 3; BGer 6B_98/2014 vom 30. September 2014 Erw. 3.6; BGer 6B_681/2012 

vom 12. März 2013 Erw. 2.4; BGer 6B_207/2012 vom 17. Juli 2012 Erw. 3.3.2; 

BGer 6B_324/2011 vom 26. Oktober 2011 Erw. 1.3).  

Inwiefern der Beschwerdegegner 1 zur Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen 

der Beschwerdeführerin im Verfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung etc. 

zusätzlich einer direkten Begegnung im selben Raum bedarf, legt er nicht hinrei-

chend dar, und dies ist auch nicht ersichtlich. Im Gegenteil liess er in der Stel-

lungnahme zur Beschwerde sogar ausführen, die Konfrontationseinvernahme hät-

te offensichtlich den Zweck gehabt, dass sich die Beschwerdeführerin im gegen 

sie geführten Verfahren verteidigen könne, und mithin hauptsächlich ihr genützt 

(vgl. Urk. 13 S. 3). Dem Sinn und Zweck nach steht beim Recht auf Konfrontation 

denn auch die Wahrung der Verteidigungsrechte im Vordergrund. Zeugen sollen 

ihre belastenden Aussagen in Anwesenheit der beschuldigen Person machen und 

zwar insbesondere dann, wenn die belastenden Aussagen das einzige Beweis-

mittel darstellen. Die vorliegenden Interessen auf Seiten der Privatklägerschaft 

dürften jedenfalls nicht über die Verteidigungsinteressen des im Verfahren wegen 

Vergewaltigung beschuldigten Beschwerdegegners 1 hinausgehen. Was den 

Konfrontationsanspruch mit Bezug auf den zweiten Beschuldigten, D._____, an-

belangt, wird dieser durch die vorliegend zur Diskussion stehenden Schutzmass-

nahme ebenfalls nur insofern tangiert, als er einer Gegenüberstellung der beiden 

Beschuldigten nur mittelbar beiwohnen kann.  

Der Hinweis der Staatsanwaltschaft, es könne an einer direkten Gegenüberstel-

lung festgehalten werden, weil nur eine Simultanübertragung, etwa in Form einer 

Videokonferenz in guter Qualität, den Zweck der Konfrontationseinvernahme 

ebenfalls zu erfüllen vermöge und eine solche die Gefahr einer weiteren Viktimi-

sierung nur gering mindere (vgl. Urk. 11 S. 3), geht fehl. Die Möglichkeit der Ge-

genüberstellung nach Art. 146 Abs. 2 StPO steht unter dem Vorbehalt der Schutz-

- 17 - 

rechte (vgl. Erw. III/2.). In der vorliegenden Konstellation besteht kein Raum, um 

gestützt auf Strafverfolgungsinteressen eine direkte Konfrontation anzuordnen. 

Den Interessen der Privatklägerschaft kann mittels (auch einfacher) Videoüber-

tragung hinreichend Rechnung getragen werden. Zudem erscheint die Massnah-

me unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit geboten. Zwar ist im 

Grundsatz richtig, dass auch eine audiovisuelle Direktübertragung zu einer psy-

chischen Belastung des Opfers führen kann (vgl. BGer 6B_207/2012 vom 17. Juli 

2012 Erw. 3.3). Die unmittelbare Präsenz des Beschwerdegegners 1 im selben 

Raum birgt für die Beschwerdeführerin aber jedenfalls eine erhöhte Belastungs-

gefahr, der mittels Videoübertragung begegnet werden kann.  

Die entsprechende Vorgehensweise wurde von der Beschwerdeführerin sodann 

selbst beantragt, womit sie ihrerseits im gegen sie geführten Strafverfahren be-

treffend Vermögensdelikte auf den vollen Konfrontationsanspruch im Sinne einer 

unmittelbaren Gegenüberstellung mit dem Beschwerdegegner 1 als Belastungs-

zeuge verzichtete. Auf diesem Verzicht wird sie zu behaften sein. Ein Anspruch 

auf faktische Einstellung des gegen sie geführten Strafverfahrens bis zur rechts-

kräftigen Erledigung des gegen den Beschwerdegegner 1 geführten Strafverfah-

rens bzw. auf Konfrontation mit diesem nach Rechtskraft dieses Verfahrens ist 

nicht ersichtlich und ergibt sich jedenfalls nicht aus den Bestimmungen über den 

Opferschutz. 

Im Übrigen bildet das Fehlen der entsprechenden technischen Einrichtung keinen 

Grund, um zulasten des Opfers an einer direkten Konfrontation festzuhalten, wie 

auch nicht deshalb von einer indirekten Konfrontation zulasten des Beschuldigten 

abgesehen werden könnte (vgl. BGer 6B_324/2011 vom 26. Oktober 2011 Erw. 

1.3, m.w.H.). Seit der Einführung der Schweizerischen Strafprozessordnung ist 

die Möglichkeit der Einvernahme mittels Videokonferenz - wenn auch in anderem 

Zusammenhang - sogar explizit im Gesetz vorgesehen (vgl. Art. 144 StPO).  

Demnach überwiegt gestützt auf die gegenwärtige Aktenlage das Schutzinteresse 

der Beschwerdeführerin gegenüber dem Interesse der Privatklägerschaft an der 

Ausübung des vollen Konfrontationsanspruchs, weshalb sich die Verweigerung 

- 18 - 

der im Hinblick auf die Konfrontationseinvernahme vom 18. Februar 2015 bean-

tragten Opferschutzmassnahmen als nicht gerechtfertigt erweist. 

6. Die Beschwerdeführerin beantragt im Weiteren, die Staatsanwaltschaft sei 

anzuweisen, während den weiteren Untersuchungshandlungen und bis zum 

rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens wegen Vergewaltigung eine direkte 

Konfrontation zwischen der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdegegner 1 

zu vermeiden (Urk. 2 S. 1). Weisungen der Beschwerdeinstanz im Hinblick auf die 

weitere Untersuchungsführung sind einzig in den in Art. 397 Abs. 3 und 4 StPO 

genannten Fällen zulässig. Vorliegend ist weder eine Einstellungsverfügung ange-

fochten, noch geht es um die Feststellung einer formellen Rechtsverweigerung 

oder Rechtsverzögerung. Auf dieses Begehren ist deshalb nicht einzutreten.  

7. Zusammenfassend ist die Beschwerde - soweit darauf einzutreten ist - gut-

zuheissen. Es ist festzustellen, dass die Staatsanwaltschaft die von der Be-

schwerdeführerin beantragten Opferschutzmassnahmen mit Verfügung vom 

18. Februar 2015 zu Unrecht verweigerte.  

 

IV. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens fällt die Gerichtsgebühr ausser Ansatz. Die 

Kosten der amtlichen Verteidigung für das Beschwerdeverfahren sind definitiv auf 

die Gerichtskasse zu nehmen. Dem unterliegenden Beschwerdegegner 1 steht 

keine Entschädigung zu. 

 
Es wird beschlossen: 

 

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten werden kann. 

Es wird festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft die von der Beschwerde-

führerin beantragten Opferschutzmassnahmen mit Verfügung vom 

18. Februar 2015 zu Unrecht verweigerte.  

2. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. 

- 19 - 

3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Beschwerdeverfahren werden de-

finitiv auf die Gerichtskasse genommen. 

4. Schriftliche Mitteilung an: 

− Rechtsanwalt lic. iur. X._____, im Doppel, für sich und die Beschwer-
deführerin (per Gerichtsurkunde) 

− Rechtsanwalt Y._____, im Doppel, für sich und den Beschwerdegegner 
1 

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich, unter gleichzeitiger 
Rücksendung der beigezogenen Akten [Urk. 12 und Urk. 12a] (gegen 
Empfangsbestätigung) 

5. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann Beschwerde in Strafsachen erhoben wer-
den. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang an gerechnet, bei 

der Ersten öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.  

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

Zürich, 23. Juli 2015 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
III. Strafkammer 

 
Präsident: 

 
 
 

lic. iur. Th. Meyer 

Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

Dr. S. Zuberbühler Elsässer 
 

	Beschluss vom 23. Juli 2015
	
	Erwägungen:
	I.
	II.
	III.
	IV.

	1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten werden kann. Es wird festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft die von der Beschwerdeführerin beantragten Opferschutzmassnahmen mit Verfügung vom 18. Februar 2015 zu Unrecht verweigerte.
	2. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz.
	3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Beschwerdeverfahren werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
	4. Schriftliche Mitteilung an:
	 Rechtsanwalt lic. iur. X._____, im Doppel, für sich und die Beschwerdeführerin (per Gerichtsurkunde)
	 Rechtsanwalt Y._____, im Doppel, für sich und den Beschwerdegegner 1
	 die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich, unter gleichzeitiger Rücksendung der beigezogenen Akten [Urk. 12 und Urk. 12a] (gegen Empfangsbestätigung)

	5. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann Beschwerde in Strafsachen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang an gerechnet, bei der Ersten öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. ...