# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed66baab-d867-5088-8f3e-81147f2dfcae
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.11.2010 C-2848/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-2848-2008_2010-11-17.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-2848/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), 
Richter Antonio Imoberdorf, Richter Blaise Vuille, 
Gerichtsschreiber Daniel Brand.

B._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-2848/2008

Sachverhalt:

A.
Nachdem sich der aus der Türkei stammende Beschwerdeführer (geb. 
1969)  seit  1989  als  (abgewiesener)  Asylbewerber  mit  einer  so-
genannten "Duldung"  (Aussetzung der  Abschiebung)  in  der  Bundes-
republik Deutschland aufgehalten hatte, reiste er am 5. Februar 2008 
mittels eines gültigen Einreisevisums zur Vorbereitung der Heirat  mit 
einer  im  Kanton  Aargau  niedergelassenen  türkischen  Staats-
angehörigen  in  die  Schweiz  ein. Infolge  seiner  Eheschliessung  vom 
22. Februar 2008 wurde ihm in der Folge eine Aufenthaltsbewilligung 
im Rahmen des Familiennachzuges erteilt.

B.
Am 19. März 2008 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um Aus-
stellung eines Passes für eine ausländische Person, wobei er sich als 
staatenlos  bezeichnete  und  entsprechende  Dokumente  in  Kopie  zu 
den Akten reichte  (u.a. "Nüfus  Cüzdani",  Auszug aus dem Geburts-
register,  Ausbürgerungsbescheinigung  des  türkischen  General-
konsulats in Stuttgart vom 7. Dezember 2007).

C.
Mit Verfügung vom 7. April 2008 wies die Vorinstanz dieses Gesuch ab. 
Zur Begründung wurde sinngemäss ausgeführt, der Beschwerdeführer 
sei  in  der  Schweiz  nicht  gestützt  auf  das  (internationale)  Überein-
kommen  vom  28.  September  1954  über  die  Rechtsstellung  der 
Staatenlosen  (Staatenlosen-Übereinkommen;  SR  0.142.40)  als 
staatenlos anerkannt worden. Aus den eingereichten Unterlagen gehe 
hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  am  11.  März  1999  gestützt  auf 
Art. 25 Bst. d (recte: ç)  des türkischen Staatsangehörigkeitsgesetzes 
Nr. 403  durch  den  Beschluss  des  Ministerrates  mit  der  Nummer 
1999/12588 ausgebürgert worden sei; dies, weil er keinen Militärdienst 
geleistet habe. Die Leistung von Militärdienst stelle auch in der Türkei  
eine staatsbürgerliche  Pflicht  dar,  weshalb  sich  die  Nichtausstellung 
eines  türkischen  Reisepasses  nicht  a  priori  als  ungerechtfertigt  er -
weise. Es sei  dem Beschwerdeführer  daher  zuzumuten,  mit  den zu-
ständigen Behörden seines Heimatlandes die Modalitäten eines nach-
träglich  zu  leistenden  Militärdienstes  bzw.  einer  allenfalls  zu  ent-
richtenden Militärpflichtersatzgabe zu klären. Nach Erkenntnissen des 
BFM sollte  dann einem Gesuch zur  Wiedererlangung der türkischen 

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Staatsbürgerschaft  nichts  mehr  im  Wege  stehen.  Der 
Beschwerdeführer gelte somit nicht als schriftenlos.

D.
Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  28.  April  2008  beantragt  der  Be-
schwerdeführer  sinngemäss  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Ver-
fügung und die  Ausstellung des beantragten Ersatzreisepapiers. Zur 
Begründung  bringt  er  im  Wesentlichen  vor,  wegen  des  nicht  ge-
leisteten Militärdienstes sei  er von der Türkei ohne Vorwarnung aus-
gebürgert  worden.  Nach  achtjähriger  (faktischer)  Staatenlosigkeit 
könne er von keinem Land gezwungen werden, sich wieder einbürgern 
zu  lassen,  um  ein  gültiges  Reisedokument  erhalten  zu  können. Als 
Kurde sei es ihm nicht zumutbar, zu diesem Zweck mit dem türkischen 
Konsulat Kontakt aufzunehmen. 

Als Beweismittel legte der Beschwerdeführer zahlreiche Dokumente in 
Kopie ins Recht ("Entscheidung" der deutschen Asylbehörden, Unter-
lagen  im  Zusammenhang  mit  der  Eheschliessung  bzw.  der  Über-
siedlung  in  die  Schweiz,  Bescheinigungen  des  türkischen  General-
konsulats in Stuttgart, Ausweispapiere des Sohnes, usw.).

E.
Am 16. Juni  2008 reichte der Beschwerdeführer unaufgefordert  eine 
Bestätigung des  türkischen Generalkonsulats  in  Zürich  vom 20. Mai 
2008  zu  den  Akten.  Aus dieser  geht  hervor,  dass  türkische  Staats-
angehörige,  die  sich  in  keinem  Asylverfahren  (mehr)  befinden  und 
deren Aufenthalt  in der Schweiz seit  mindestens drei  Jahren als  Er-
werbstätige geregelt ist, bis zum vollendeten 38. Altersjahr gegen Ent -
richtung  eines  Geldbetrages  von  5'112  Euro  einen  (verkürzten) 
Militärdienst  von 21 Tagen leisten können. Das eingereichte Beweis-
mittel  hält  im  Weitern  fest,  dass  sich  nach  Überschreitung  dieser 
Altersgrenze der Geldbetrag auf  7'668 Euro erhöhe und die "Militär-
dienststellung"  des  Beschwerdeführers  ausschliesslich  von  der  zu-
ständigen Militärdienststelle in der Türkei entschieden werde.

F.
Die Vorinstanz schliesst  in  ihrer  Vernehmlassung vom 27. Juni  2008 
auf Abweisung der Beschwerde und hält ergänzend fest, vorliegendes 
Verfahren um Abgabe eines schweizerischen Reisedokumentes biete 
keinen Raum für eine allfällige Anerkennung als staatenlose Person. 
Die  Frage betreffend Staatenlosigkeit  gemäss Staatenlosen-Überein-

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kommen sei gegebenenfalls in einem separatem Verfahren geltend zu 
machen.

G.
In seiner Replik vom 11. August 2008 verweist der Beschwerdeführer 
erneut auf seine Staatenlosigkeit.

H.
Mit  Verfügung vom 31. Juli  2009 gab die Vorinstanz auch einem er-
neuten  Gesuch  um Ausstellung  eines  Passes  für  eine  ausländische 
Person nicht  statt. Es sei  dem Beschwerdeführer zuzumuten,  die im 
Schreiben  des  türkischen  Generalkonsulats  in  Zürich  vom  2.  Juni 
(recte: 20. Mai)  2008 aufgeführten  Bedingungen zu erfüllen,  um die 
türkische Staatsbürgerschaft wieder zu erlangen. Er gelte nach wie vor 
nicht als schriftenlos. 

Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

I.
Auf den weiteren Akteninhalt  wird, soweit rechtserheblich, in den Er-
wägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17.  Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht – un-
ter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  –  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde er-
lassen  wurden.  Dazu  gehören  Verfügungen  des  BFM  betreffend 
Reisedokumente für ausländische Personen. Das Urteil  des Bundes-
verwaltungsgerichts  ist  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  6  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht nach dem VwVG, soweit das Gesetz nichts ande-
res bestimmt.

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1.3 Der Beschwerdeführer  ist  gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur  Be-
schwerde  legitimiert.  Am  Fortbestehen  des  Rechtsschutzinteresses 
vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass die Vorinstanz – in 
Missachtung  des  Devolutiveffekts  der  Beschwerde  (vgl.  HANSJÖRG 
SEILER, in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], 
Zürich  2009,  Art.  54  N  3  ff.)  –  während  hängigem  Beschwerde-
verfahren  eine  neue  Verfügung  in  gleicher  Sache  erlassen  hat,  die 
unangefochten in  Rechtskraft  erwachsen ist. Auf  die  frist-  und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 
VwVG).

2.
Mit  Inkrafttreten  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über 
die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20)  am 1.  Januar 
2008  wurde  das Bundesgesetz  vom 26. März  1931  über  Aufenthalt 
und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  aufgehoben 
(Art. 125 AuG i.V.m. Ziffer I  Anhang 2 AuG). Zudem trat am 1. März 
2010 die neue Verordnung vom 20. Januar 2010 über die Ausstellung 
von Reisedokumenten für ausländische Personen (RDV, SR 143.5) in 
Kraft, welche sich auf Art. 59 Abs. 1 und Art. 111 Abs. 6 AuG stützt,  
die bisherige Verordnung vom 27. Oktober 2004 über die Ausstellung 
von Reisedokumenten für ausländische Personen (RDV von 2004, AS 
2004  4577)  ersetzt  und  gemäss  Übergangsbestimmungen  (Art.  25 
RDV) für alle im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängigen Verfahren gilt. 
Auf  die  vorliegende  Beschwerde  findet  daher  die  neue  RDV  An-
wendung,  deren  hier  relevante  Bestimmungen  inhaltlich  allerdings 
keine  (wesentlichen)  Änderungen  erfahren  haben  (vgl.  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  C-1082/2006  vom 7.  Oktober  2010  E.  2 
und C-7328/2007 vom 16. April 2010 E. 1.2 und 1.3). 

3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde 
als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-
schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den gel tend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 

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grundsätzlich  die  Rechts-  und  Sachlage  zum Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur-
teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003).

4.
4.1 Anspruch  auf  einen  Pass  für  eine  ausländische  Person  haben 
nach  dem  Staatenlosen-Übereinkommen  als  staatenlos  anerkannte 
ausländische Personen sowie schriftenlose ausländische Personen mit 
Niederlassungsbewilligung  (Art.  59  Abs.  2  Bst.  b  und  c  AuG  i.V.m. 
Art. 3 Abs. 1 RDV). Sofern sie als schriftenlos gelten, kann ein solcher 
Pass auch an ausländische Personen mit Jahresaufenthaltsbewilligung 
abgegeben werden (Art. 59 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 3 Abs. 2 RDV).

4.2 Als schriftenlos gilt  eine ausländische Person, die keine gültigen 
Reisedokumente ihres Heimat- oder Herkunftsstaates besitzt und von 
der nicht verlangt werden kann, dass sie sich bei den zuständigen Be-
hörden ihres Heimat- oder Herkunftsstaates um die Ausstellung oder 
Verlängerung  eines  Reisedokuments  bemüht  (Art.  6  Abs.  1  Bst.  a 
RDV) oder für welche die Beschaffung von Reisedokumenten unmög-
lich ist (Art. 6 Abs. 1 Bst. b RDV). Die Schriftenlosigkeit wird im Rah-
men der  Gesuchsprüfung  durch  das BFM festgestellt  (Art.  6  Abs. 4 
RDV).

5.
5.1 Es  ist  deshalb  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  beim  Beschwerde-
führer zu Recht dessen Schriftenlosigkeit verneint hat,  indem sie die 
Möglichkeit und Zumutbarkeit zur Beschaffung eines heimatlichen Rei-
sepasses als gegeben erachtete. Die Frage, ob die Beschaffung von 
Reisedokumenten bei den Heimatbehörden von den betreffenden Per-
sonen verlangt  werden kann (bzw. die Zumutbarkeit),  ist  dabei  nicht 
nach subjektiven, sondern nach objektiven Massstäben zu beurteilen 
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 2A.335/2006 vom 18. Oktober 2006 E. 
2.1 sowie 2A.12/2005 und 2A.13/2005 vom 25. April  2005 E. 3.2 mit 
Hinweisen).

5.2 Aus  den  Akten  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  zurzeit 
über kein gültiges heimatliches Reisepapier verfügt. Damit eine Rück-
kehr in den Heimatstaat jederzeit möglich bleibt, müssen ausländische 
Personen während ihres Aufenthaltes in der Schweiz im Besitze eines 
gültigen,  nach Art. 13 Abs. 1 AuG anerkannten Ausweispapiers sein 
(PETER UEBERSAX,  Einreise  und  Anwesenheit,  in:  Peter  Uebersax/Beat 
Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.],  Ausländerrecht, Eine 

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umfassende Darstellung der  Rechtsstellung von Ausländerinnen und 
Ausländern  in  der  Schweiz  –  von  A(syl)  bis  Z(ivilrecht),  2.  Auflage, 
Basel  2009,  Rz.  7.284  mit  weiteren  Hinweisen;  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3709 ff., 3819). Sie sind verpflichtet, Ausweispapiere 
zu beschaffen oder  bei  deren Beschaffung durch die  Behörden mit -
zuwirken (vgl. Art. 89 sowie Art. 90 Bst. c AuG). Diese Verpflichtung 
bestand im Übrigen bereits unter der altrechtlichen Regelung (vgl. Art. 
3  ANAG,  Art.  5  der  Vollziehungsverordnung  vom 1. März  1949  zum 
Bundesgesetz  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer 
[ANAV, AS 1949 228]).

5.3 Aufgrund  der  Aktenlage  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Be-
schwerdeführer die türkische Staatsangehörigkeit nicht (mehr) besitzt. 
Aus den von ihm eingereichten Unterlagen geht  hervor, dass er am 
11. März  1999  gestützt  auf  Art.  25  des  türkischen  Staatsangehörig-
keitsgesetzes  Nr.  403  durch  Beschluss  des  Ministerrates  mit  der 
Nummer 1999/12588 ausgebürgert worden ist (vgl. Bescheinigung des 
türkischen  Generalkonsulats  in  Stuttgart  vom  7.  Dezember  2007). 
Aufgrund  der  türkischen  Gesetzgebung  hätte  der  Beschwerdeführer 
jedoch grundsätzlich die Möglichkeit, seine frühere Staatsbürgerschaft 
wieder zu erlangen und dadurch die Bedingungen für die Ausstellung 
eines heimatlichen Passes zu erfüllen, indem er sich bereit erklärt, die 
Angelegenheit  des  noch  nicht  geleisteten  Militärdienstes  mit  den 
türkischen  Behörden  zu  regeln  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts C-5327/2007 vom 4. August 2009 E. 4.1). 

Dies  wird  vom  Beschwerdeführer  auch  nicht  bestritten.  Er  bringt 
jedoch vor, wegen des nicht geleisteten Militärdienstes sei er von der  
Türkei  ohne  Vorwarnung  ausgebürgert  worden.  Nach  achtjähriger 
(faktischer)  Staatenlosigkeit  könne  er  daher  von  keinem  Land  ge-
zwungen werden, sich wieder einbürgern zu lassen, um ein gültiges 
Reisedokument  erhalten  zu  können,  zumal  es  ihm  als  Kurde  nicht 
zumutbar sei, zu diesem Zweck mit dem türkischen Konsulat Kontakt 
aufzunehmen.

6.  
6.1 Wie  das  Bundesverwaltungsgericht  im  erwähnten  Urteil  C- 
7328/2007 vom 16. April 2010 unter Hinweis auf die türkische Militär-
gesetzgebung (vgl. die Auszüge in englischer Sprache des "Law No. 
1111, Military Law [Turkey]" vom 20. März 1927, zu finden im Internet 

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unter:  http://www.unhcr.org/refworld/docid/3ae6b4d020.html  )  fest-
gehalten hat, können türkische Staatsangehörige, welche im Ausland 
wohnhaft und erwerbstätig sind (und sich nicht [mehr] in einem Asyl -
verfahren befinden), von einem verkürzten Militärdienst von 21 Tagen 
profitieren. Allerdings  haben  sie,  sofern  sie  das  38. Altersjahr  über -
schritten haben, einen Geldbetrag von 7'668 Euro zu leisten. 

Gegenüber  dem  Beschwerdeführer  nannte  das  türkische  General-
konsulat in Zürich in seinem Schreiben vom 20. Mai 2008 nebst diesen 
Bedingungen als weitere Voraussetzung einen mindestens dreijährigen 
geregelten Aufenthalt  in  der  Schweiz als  Erwerbstätiger  und wies in 
diesem Zusammenhang darauf hin, dass die von ihm als Asylbewerber 
in  der  Bundesrepublik  Deutschland  (und  allenfalls  in  der  Schweiz) 
verbrachte Zeit nicht angerechnet werden könne. Somit dürfte der Be-
schwerdeführer,  welcher  seit  Februar  2008  über  einen  geregelten 
Aufenthalt in der Schweiz verfügt, spätestens Anfang nächsten Jahres 
auch die vorgenannten zeitlichen Voraussetzungen erfüllen.

6.2 In  casu  ist  allerdings  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Be-
schwerdeführer  weiterhin  militärdienstpflichtig  ist,  da  die  türkische 
Militärdienstgesetzgebung  festhält,  pflichtig  seien  Männer  zwischen 
ihrem 20. und 41. Lebensjahr (Art. 2 des obgenannten Militärgesetzes; 
vgl. das erwähnte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-5327/2007 
vom 4. August 2009 E. 4.3.2 mit Hinweisen, bestätigt in C-1082/2006 
vom 7. Oktober 2010 E. 6.2). In diesem Sinne hat bereits das EJPD, 
welches allerdings von einer Militärdienstpflicht in der Türkei vom 20. 
bis zum 46. Lebensjahr ausging, bei ähnlicher Konstellation in seinem 
unveröffentlichten  Entscheid  vom 21. September  2006  angeführt,  im 
Alter  von mehr als 50 Jahren könne der fragliche Beschwerdeführer 
nicht  mehr  eingezogen  bzw.  die  Wiedereinbürgerung  nicht  von  der 
Leistung des Militärdienstes abhängig gemacht werden. 

Der Beschwerdeführer,  geboren am 1. Juli  1969,  hat  inzwischen die 
fragliche  Zeitlimite  von  41  Jahren  gemäss  türkischem  Militärgesetz 
überschritten. Die Klärung, ob für  türkische Staatsangehörige dieses 
Alters  überhaupt  noch  eine  Militärdienstleistung  verlangt  wird  bzw. 
welche  Ersatzleistung  allenfalls  zu  erbringen  wäre,  muss  von  ihm 
selbst an die Hand genommen werden. Der Beschwerdeführer hat sich 
deshalb  zwecks  Regelung  seines  noch  nicht  abgeleisteten  Militär-
dienstes  persönlich  an  das  Generalkonsulat  der  Republik  Türkei  zu 
wenden. Unter welchen Bedingungen ein heimatliches Reisedokument 

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http://www.unhcr.org/refworld/docid/3ae6b4d020.html

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auszustellen  ist,  beurteilt  sich  allein  nach  der  Gesetzgebung  des 
jeweiligen Staates und nicht nach der schweizerischen Rechtslage. 

6.3 Die Leistung von Militärdienst gehört  in der Türkei – wie auch in 
der Schweiz – zu den staatsbürgerlichen Pflichten. Demnach ist  die 
Verknüpfung der Ausstellung eines Reisepasses (bzw. der Wiederein-
bürgerung)  mit  der  Leistung  des  obligatorischen  Militärdienstes 
und/oder  der  Entrichtung einer  allfälligen Ersatzabgabe nicht  per  se 
ungerechtfertigt,  ist  es  doch  Teil  der  staatlichen  Souveränität  der 
Türkei zu bestimmen, unter welchen Voraussetzungen ihren im Aus-
land  lebenden  Staatsangehörigen  Reisepässe  ausgestellt  werden 
können (vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-2648/2007 
vom 31. März  2008 E. 5.1  in  Bezug  auf  einen armenischen Staats-
angehörigen). Demnach kann es nicht  Aufgabe der  schweizerischen 
Behörden  sein,  Ersatzreisepapiere  an  ausländische  Personen  abzu-
geben,  welche  die  formellen  Voraussetzungen  für  die  Ausstellung 
eines  heimatlichen  Reisepasses  nicht  zu  erfüllen  vermögen. 
Andernfalls  führte  dies  zu  einer  Befreiung  von der  Leistung  des  im 
Heimatland  geschuldeten  Militärdienstes  und  damit  zu  einem  un-
zulässigen  Eingriff  in  die  Souveränität  bzw. die  Passhoheit  des  be-
troffenen  Drittstaates  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C-
3044/2007 vom 23. Januar  2009 E. 3.3).  Insofern  erweisen sich  die 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  es  ihm als  Kurde  nicht 
zumutbar sei, mit dem türkischen Konsulat Kontakt aufzunehmen, um 
einen türkischen Reisepass erlangen zu können, als unbehelflich. Dies 
umso mehr, als allfällige subjektive Empfindlichkeiten eines Gesuch-
stellers, die jedoch auf keiner (potentiellen) Gefährdungslage im Sinne 
von  Art.  6  Abs. 3  RDV (betreffend  die  "schutzbedürftigen  und  asyl-
suchenden  Personen")  beruhen,  gemäss  höchstrichterlicher  Recht-
sprechung  nicht  als  Hindernis  anerkannt  werden  könnten  (vgl.  die 
unter Ziff. 5.1 erwähnten Urteile des Bundesgerichts 2A.335/2006 vom 
18. Oktober 2006 E. 2.1, 2A. 12/2005 vom 25. April 2005 E. 3.2).

7.
7.1 Wie  die  Vorinstanz,  geht  auch  das  Bundesverwaltungsgericht 
davon aus, dass der Beschwerdeführer – auf sein Ersuchen hin – die 
türkische  Staatsangehörigkeit  wieder  erlangen  kann  und  an-
schliessend ein Reisedokument von seinem Heimatstaat erhalten wird, 
sobald  er  die  Frage  der  Abgeltung  seiner  Militärdienstpflicht  –  in 
welcher  Form  auch  immer  –  geregelt  hat  (vgl.  auch  Urteile  des 
Bundesgerichts  2A.658/2006  vom  10.  Januar  2007  E.  2.4  und 

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2A.147/2002 vom 27. Juni 2002 E. 3 und 4). In casu erweist sich die 
Beschaffung  eines  türkischen  Reisepasses  somit  nicht  als  objektiv 
unmöglich im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. b RDV. Die weiteren Aus-
führungen  in  der  Beschwerde  sind  nicht  geeignet,  zu  einer  ab-
weichenden rechtlichen Würdigung zu gelangen.

7.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass zum heutigen Zeitpunkt 
keine  objektiven Gründe vorliegen,  aufgrund  derer  der  Beschwerde-
führer als schriftenlos im Sinne von Art. 6 RDV anzusehen wäre. Dies 
umso  weniger,  als  sich  aus  den  Akten  keinerlei  Anhaltspunkte  er-
geben,  die  heimatlichen  Behörden  würden  sich  ohne  zureichende 
Gründe,  und  damit  willkürlich,  weigern,  dem  Beschwerdeführer  ein 
Reisepapier auszustellen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
C-4253/2007 vom 19. November 2007 E. 4.1, bestätigt in C-1059/2006 
vom 15. Januar 2010 E. 7 mit weiteren Hinweisen). 

8.
Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt.  Der  rechtserhebliche  Sachverhalt  wurde 
richtig und vollständig festgestellt,  und die Vorinstanz hat das ihr zu-
stehende  Ermessen  pflichtgemäss  gehandhabt  (vgl.  Art. 49  VwVG). 
Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.

9.
Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wird  der  unterliegende 
Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Ver-
fahrenskosten sind auf Fr. 700.- festzusetzen (Art. 1 ff. des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 700.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Sie werden mit dem am 2. Juni 2008 geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. N [...] zurück)
- das Migrationsamt Kanton Aargau (ad AG [...])

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Marianne Teuscher Daniel Brand

Versand: 

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