# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f9972f86-c0b3-592d-8fe9-82fa872fd828
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-16
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 16.11.2023 SK 2023 265
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-265_2023-11-16.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil 
SK 23 265

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. November 2023  

Besetzung Oberrichter Zuber (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Friederich Hörr, 
Oberrichterin Falkner
Gerichtsschreiberin Bucher

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
v.d. Rechtsanwalt D.________

Strafkläger 1

und

E.________

Strafklägerin 2

und

F.________

Strafklägerin 3

2

und

G.________
v.d. Rechtsanwalt H.________

Strafkläger 4

und

I.________

Strafkläger 5

und

J.________

Strafkläger 6

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen 
Behörden und Beamte, Hinderung einer Amtshandlung etc. (Neu-
beurteilung)

Neubeurteilung des Urteils der 2. Strafkammer des Obergerichts 
des Kantons Bern vom 1. November 2022 (SK 22 34)

3

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht; nachfolgend: Vorinstanz) fäll-
te am 28. Oktober 2021 das nachfolgende Urteil (pag. 1707 ff.; Hervorhebungen im 
Original):

«I.

Das Strafverfahren gegen A.________

wegen Verleumdung (evtl. übler Nachrede), angeblich begangen am 13. März 2020 in L.________ 
(Ortschaft) (AKS Ziff. I. 1.6)

wird infolge Rückzug des Strafantrags eingestellt.

Die Verfahrenskosten trägt der Kanton (Art. 423 StPO).

II.

A.________ wird freigesprochen von den Anschuldigungen:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 28. Juni 2020 an der M.________ 
(Strasse) in O.________ (Ortschaft) (N.________ (Ortschaft)) zum Nachteil von G.________ 
(Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 1);

2. der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte,

2.1. begangen am 8. August 2019 in R.________ (Ortschaft) zum Nachteil von P.________, 
I.________ und Q.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 3.1.1 – 3.1.3);

2.2. angeblich begangen am 26. Februar 2020 in L.________(Ortschaft) zum Nachteil vom 
S.________ (AKS Ziff. I. 3.2);

2.3. begangen am 30. Juni 2020 in O.________ (Ortschaft) zum Nachteil von J.________ 
(Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 3.3);

3. der mehrfachen Hinderung einer Amtshandlung,

3.1. angeblich begangen am 8. August 2019 in R.________(Ortschaft) (AKS Ziff. I. 4.1, 4.2, 
4.5);

3.2. begangen am 8. August 2019 in R.________(Ortschaft) (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 
4.3);

4. der mehrfachen Drohung,

4.1. angeblich begangen am 26. Februar 2020 in L.________(Ortschaft) zum Nachteil von 
S.________ (AKS Ziff. I. 5.1);

4.2. begangen am 3. März 2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) zum Nachteil von 
C.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 5.2);

4.3. angeblich begangen am 11. März 2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) zum 
Nachteil von T.________ und F.________ (AKS Ziff. I. 5.3);

4

5. der mehrfachen Beschimpfung,

5.1. begangen am 8. August 2019 in R.________(Ortschaft) zum Nachteil von P.________, 
I.________, U.________ und Q.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 7.1.1 – I. 
7.1.4);

5.2. begangen am 3. März 2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) zum Nachteil von 
C.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 7.2);

5.3. begangen am 7. März 2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) zum Nachteil von 
V.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 7.3);

6. der Verunreinigung von fremdem Eigentum, mehrfach begangen am 8. August 2019 in 
R.________(Ortschaft) (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 9).

Die Verfahrenskosten trägt der Kanton (Art. 419 und 423 StPO).

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

des Diebstahls, begangen am 28. Juni 2020 in O.________ (Ortschaft), W.________ (Ortschaft), 
zum Nachteil von X.________ und der Y.________ (Gesellschaft) (AKS Ziff. I. 2 und I. 8)

und in Anwendung der Art. 49 Abs. 2, 139 Ziff. 1 StGB

verurteilt:

zu einer Freiheitsstrafe von 13 Tagen,

als Zusatzstrafe zum Urteil des Tribunal régional Jura bernois-Seeland vom 8. Dezember 2020 und 

unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 220 Tagen (28. Juni 2020 – 2. Februar 2021) und Si-
cherheitshaft von 268 Tagen (3. Februar 2021 – 28. Oktober 2021), total ausmachend 488 Tage 
(Art. 51 StGB),

sowie ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

IV.

In Anwendung von Art. 19 Abs. 1 und 3, 59 StGB; Art. 419 StPO erkennt das Gericht:

1. Es wird für A.________ eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB an-
geordnet.

2. Die Verfahrenskosten trägt der Kanton Bern.

[Zusammenstellung der Verfahrenskosten]

V.

[Festsetzung der amtlichen Entschädigung der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten sowie Fest-
setzung der amtlichen Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Strafklägers 4]

VI.

Die folgenden Zivilklagen werden abgewiesen:

5

1. Die Schadenersatzforderung des Privatklägers G.________ sowie dessen Genugtuungsforde-
rung in der Höhe von CHF 3'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 28. Juni 2020 (Art. 54 OR);

2. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers P.________ in der Höhe von CHF 300.00 (Art. 54 
OR);

3. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers I.________ in der Höhe von CHF 600.00 (Art. 54 
OR);

4. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers J.________ in der Höhe von CHF 500.00 (Art. 54 
OR); 

5. Die Parteientschädigung des Privatklägers C.________ in der Höhe von CHF 6'739.80 (Art 433 
Abs. 1 StPO e contrario).

Für die Behandlung der Zivilklagen werden keine Verfahrenskosten ausgeschieden.

VII.

Weiter wird verfügt:

1. A.________ wird in Sicherheitshaft belassen. Die Sicherheitshaft wird vorerst bis am 28. Januar 
2022 befristet (Art. 231 i.V.m. Art. 227 StPO; gemäss separatem Beschluss).

2. Folgende Gegenstände werden A.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:

- 1 T-Shirt, grau;

- 1 kurze Hose, schwarz-weiss gemustert;

- Freizeitschuhe Nike, schwarz;

- 1 Kühlrucksack, grau;

- 1 Armbanduhr Marke GC;

3. Folgende Gegenstände bleiben als Beweismittel bei den Akten:

- 1 Gürteletui Victorinox;

- 1 Messeretui.

4. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (________; ________) sowie der bio-
metrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der Frist wird erteilt (Art. 16 Abs. 4 DNA-
ProfilG; Art. 17 Abs. 4 AFIS-VO).

[…]»

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte und Berufungsführer A.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) bereits anlässlich der Urteilseröffnung vom 
28. Oktober 2021 mündlich Berufung an (pag. 1630). Mit Eingabe vom 
8. November 2021 bestätigte der damalige amtliche Verteidiger des Beschuldigten, 
Rechtsanwalt Z.________, namens und im Auftrag des Beschuldigten die Beru-
fungsanmeldung (pag. 1770 f.). Mit Eingabe vom 7. Februar 2022 reichte der Be-
schuldigte fristgerecht die Berufungserklärung ein (pag. 1983 ff.). Die General-
staatsanwaltschaft und Anschlussberufungsführerin (nachfolgend: Generalstaats-

6

anwaltschaft) erhob mit Eingabe vom 4. März 2022 fristgerecht die Anschlussberu-
fung (pag. 2177 ff.).

3. Urteil der 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern vom 
1. November 2022

Die 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern (nachfolgend: Obergericht) 
erkannte mit Urteil SK 22 34 vom 1. November 2022 was folgt (pag. 2804 ff.; Her-
vorhebungen im Original):

«I.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht) vom 
28. Oktober 2021 insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als

A.

das Strafverfahren gegen A.________ wegen Verleumdung (evtl. übler Nachrede), angeblich began-
gen am 13. März 2020 in L.________(Ortschaft) (AKS Ziff. I. 6.) infolge Rückzugs des Strafantrags 
eingestellt wurde;

B.

A.________ freigesprochen wurde:

1. von der Anschuldigung der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, angeblich 
begangen am 26. Februar 2020 in L.________(Ortschaft) z.N. von S.________ (AKS Ziff. I. 3.2);

2. von der Anschuldigung der mehrfachen Hinderung einer Amtshandlung, angeblich begangen 
8. August 2019 in R.________(Ortschaft) (AKS Ziff. I. 4.1, 4.2, 4.5);

3. von der Anschuldigung der mehrfachen Drohung,

3.1. angeblich begangen am 26. Februar 2020 in L.________(Ortschaft) z.N. von S.________ 
(AKS Ziff. I. 5.1);

3.2. angeblich begangen am 11. März 2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) z.N. 
von T.________ und F.________ (AKS Ziff. I. 5.3);

C.

A.________ schuldig erklärt wurde:

des Diebstahls, begangen am 28. Juni 2020 in O.________ (Ortschaft), W.________(Ortschaft), z.N. 
von X.________ und der Y.________(Gesellschaft) (AKS Ziff. I. 2. und I. 8.);

D.

Die folgenden Zivilklagen ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten abgewiesen wurden:

1. Die Schadenersatzforderung des Privatklägers G.________ sowie dessen Genug-
tuungsforderung in der Höhe von CHF 3'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 28. Juni 2020 (Art. 
54 OR);

2. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers P.________ in der Höhe von CHF 300.00 (Art. 54 
OR);

7

3. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers I.________ in der Höhe von CHF 600.00 (Art. 54 
OR);

4. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers J.________ in der Höhe von CHF 500.00 (Art. 54 
OR);

5. Die Parteientschädigung des Privatklägers C.________ in der Höhe von CHF 6'739.80 (Art. 433 
Abs. 1 StPO e contrario);

E.

Weiter verfügt wurde:

1. Folgende Gegenstände werden A.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:

- 1 T-Shirt, grau;
- 1 kurze Hose, schwarz-weiss gemustert;
- Freizeitschuhe Nike, schwarz;
- 1 Kühlrucksack, grau;
- 1 Armbanduhr Marke GC;

2. Folgende Gegenstände bleiben als Beweismittel bei den Akten:

- 1 Gürteletui Victorinox;
- 1 Messeretui.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 28. Juni 2020 an der 
M.________(Strasse) in O.________ (Ortschaft) (N.________(Ortschaft)) z.N. von G.________ 
(AKS Ziff. I. 1.);

2. der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte,

2.1. mehrfach begangen am 8. August 2019 in R.________(Ortschaft) z.N. von P.________, 
I.________ und Q.________ (AKS Ziff. I. 3.1.1 – 3.1.3);

2.2. begangen am 30. Juni 2020 in O.________ (Ortschaft) z.N. von J.________ (AKS Ziff. I. 
3.3);

3. der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 8. August 2019 in R.________(Ortschaft) 
(AKS Ziff. I. 4.3);

4. der versuchten Drohung, begangen am 3. März 2020 im Regionalgefängnis 
L.________(Ortschaft) z.N. von C.________ (AKS Ziff. I. 5.2);

5. der mehrfachen Beschimpfung,

5.1. mehrfach begangen am 8. August 2019 in R.________(Ortschaft) z.N. von P.________, 
I.________, U.________ und Q.________ (AKS Ziff. I. 7.1.1 – 7.1.4);

5.2. begangen am 3. März 2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) z.N. von 
C.________ (AKS Ziff. I. 7.2);

8

5.3. begangen am 7. März 2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) u.N. von 
V.________ (AKS Ziff. I. 7.3);

6. der Verunreinigung von fremdem Eigentum, mehrfach begangen am 8. August 2019 in 
R.________(Ortschaft) (AKS Ziff. I. 9.);

und gestützt auf diese Schuldsprüche sowie auf den rechtskräftigen Schuldspruch gemäss Ziff. I. C. 
hiervor in Anwendung der Artikel

19 Abs. 2, 22 Abs. 1, 34, 40, 41, 47, 49, 51, 66a Abs. 1 Bst. b, 66b Abs. 1, 122 Abs. 1, 139 Ziff. 1, 177 
Abs. 1, 180 Abs. 1, 285 Ziff. 1 Abs. 1, 268 StGB
8 Abs. 1 KStrG
426 Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren.

Die Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 492 Tagen (28. Juni 2020 bis 1. November 2021) 
wird vollumfänglich auf die Freiheitsstrafe angerechnet. Es wird festgestellt, dass die Strafe am 
2. November 2021 vorzeitig angetreten wurde und dass A.________ am 28. Dezember 2021 in 
den vorzeitigen Massnahmenvollzug übertrat.

2. Zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu CHF 10.00, ausmachend CHF 700.00.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 2 Tage festgesetzt.

4. Zu einer Landesverweisung von 20 Jahren.

5. Zur Bezahlung von 4/5 der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von total CHF 55'428.20, 
ausmachend CHF 44'342.55.

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden im Umfang von 1/5, ausmachend 
CHF 11'085.65, vom Kanton Bern getragen.

6. Zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten von total CHF 22'905.00 (ohne 
Übersetzungskosten).

III.

1. Die Entschädigung der ehemaligen amtlichen Verteidigerin von A.________, Rechtsanwältin 
AA.________, wurde mit Verfügung vom 8. Juli 2020 wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 11.50 200.00 CHF 2’300.00

CHF 51.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 2’351.00 CHF 181.05
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 2’532.05

volles Honorar CHF 2’875.00
CHF 51.00

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 2’926.00 CHF 225.30
Total CHF 3’151.30

nachforderbarer Betrag CHF 619.25

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Es wird festgestellt, dass der Kanton Bern Rechtsanwältin AA.________ bereits mit 
CHF 2'532.05 entschädigt hat.

9

A.________ hat dem Kanton Bern die für das erstinstanzliche Verfahren ausgerichtete Entschä-
digung von insgesamt CHF 2'532.05 im Umfang von 4/5, ausmachend CHF 2'025.65 zurückzu-
zahlen und Rechtsanwältin AA.________ die Differenz von CHF 619.25 zwischen der amtlichen 
Entschädigung und dem vollen Honorar, im Umfang von 4/5, ausmachend CHF 495.40, zurück-
zuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die Entschädigung des ehemaligen amtlichen Verteidigers von A.________, Rechtsanwalt 
Z.________, wurde für das erstinstanzliche Verfahren wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 164.00 200.00 CHF 32’800.00
Reisezuschlag CHF 1’043.00

CHF 2’372.70
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 36’215.70 CHF 2’788.60
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 39’004.30

Auslagen MWST-pflichtig

Es wird festgestellt, dass der Kanton Bern Rechtsanwalt Z.________ bereits mit CHF 39'004.30 
entschädigt hat.

A.________ hat dem Kanton Bern die für das erstinstanzliche Verfahren ausgerichtete Entschä-
digung von insgesamt CHF 39'004.30 im Umfang von 4/5, ausmachend CHF 31'203.45 zurück-
zuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Es wird 
festgestellt, dass Rechtsanwalt Z.________ auf die Geltendmachung der Differenz zwischen der 
amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar verzichtet hat.

3. Die Entschädigung des ehemaligen amtlichen Verteidigers von A.________, Rechtsanwalt 
Z.________, wurde für das oberinstanzliche Verfahren (bis zum 11. August 2022) mit Verfü-
gung vom 16. September 2022 wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 10.00 200.00 CHF 2’000.00
Reisezuschlag CHF 150.00

CHF 507.40
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 2’657.40 CHF 204.60
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 2’862.00

Auslagen MWST-pflichtig

Es wird festgestellt, dass der Kanton Bern Rechtsanwalt Z.________ bereits mit CHF 2'862.00 
entschädigt hat.

A.________ hat dem Kanton Bern die für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichtete Ent-
schädigung von insgesamt CHF 2'862.00 zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Ver-
hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Mit Verfügung vom 16. September 2022 wurde fest-
gestellt, dass Rechtsanwalt Z.________ auf die Geltendmachung der Differenz zwischen der 
amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar verzichtet hat.

4. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin von A.________, Rechtsanwältin B.________ 
(ab 19. August 2022), wird für das oberinstanzliche Verfahren wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 47.83 200.00 CHF 9’566.67
Reisezuschlag CHF 450.00

CHF 287.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 10’303.67 CHF 793.40
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 11’097.07

Auslagen MWST-pflichtig

10

Rechtsanwältin B.________ wird vom Kanton Bern für ihre Aufwendungen im oberinstanzlichen 
Verfahren mit CHF 11'097.05 entschädigt.

A.________ hat dem Kanton Bern die für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichtete Ent-
schädigung von insgesamt CHF 11'097.05, zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen 
Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Es wird festgestellt, dass Rechtsanwältin 
B.________ auf die Geltendmachung der Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und 
dem vollen Honorar verzichtet hat.

5. Die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung von G.________, Rechtsanwalt 
H.________, wurde für das erstinstanzliche Verfahren wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 40.00 200.00 CHF 8’000.00
Reisezuschlag CHF 150.00

CHF 398.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 8’548.00 CHF 658.20
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 9’206.20

Auslagen MWST-pflichtig

Das volle Honorar von Rechtsanwalt H.________ und der nachforderbare Betrag werden wie 
folgt bestimmt:

Stunden Satz
volles Honorar 40.00 250.00 CHF 10’000.00
Reisezuschlag CHF 150.00

CHF 398.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 10’548.00 CHF 812.20
Total CHF 11’360.20

nachforderbarer Betrag CHF 2’154.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Es wird festgestellt, dass der Kanton Bern Rechtsanwalt H.________ für das erstinstanzliche 
Verfahren bereits mit CHF 9'206.20 entschädigt hat.

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von G.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirtschaftli-
chen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO).

A.________ wird verpflichtet, G.________ zuhanden von Rechtsanwalt H.________ die Diffe-
renz von CHF 2'154.00 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu be-
zahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 433 Abs. 1 StPO). Rechts-
anwalt H.________ hat in diesem Umfang gegenüber seiner Klientschaft ein Nachforderungs-
recht (Art. 42a KAG).

6. Die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung von G.________, Rechtsanwalt 
H.________, wird für das oberinstanzliche Verfahren (bis zum Widerruf des amtlichen Man-
dats per 8. April 2022) wie folgt bestimmt:

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amtliche Entschädigung 2.58 200.00 CHF 516.66
CHF 82.10

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 598.76 CHF 46.10
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 644.85

volles Honorar 2.58 250.00 CHF 645.83
CHF 82.10

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 727.93 CHF 56.05
CHF 0.00

Total CHF 784.00

nachforderbarer Betrag CHF 139.15

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt H.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von G.________ im oberinstanzlichen Verfahren mit CHF 644.85.

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von G.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirtschaftli-
chen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO).

A.________ wird verpflichtet, G.________ zuhanden von Rechtsanwalt H.________ die Diffe-
renz von CHF 139.15 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu bezah-
len, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 433 Abs. 1 StPO). Rechtsanwalt 
H.________ hat in diesem Umfang gegenüber seiner Klientschaft ein Nachforderungsrecht 
(Art. 42a KAG).

IV.

Weiter wird verfügt:

1. A.________ wird zuhanden der Bewährungs- und Vollzugsdienste (BVD) des Kantons Bern 
aus dem vorzeitigen Massnahmenvollzug entlassen.

Kurzbegründung:

[…]

2. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet.

3. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig erteilt (Art. 16 Abs. 4 i.V.m. Art. 17 Abs. 
1 DNA-ProfilG).

4. Dem für die Führung des AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig 
erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungs-
dienstlicher Daten).

[…]

4. Urteil des Bundesgerichts 6B_173/2023 vom 26. Mai 2023

Gegen dieses Urteil erhob der Beschuldigte am 2. Februar 2023 Beschwerde in 
Strafsachen an das Schweizerische Bundesgericht (pag. 2990 ff.). Mit Urteil 
6B_173/2023 vom 26. Mai 2023 (pag. 3028 ff.) hiess das Bundesgericht die Be-
schwerde des Beschuldigten gut, soweit darauf eingetreten wurde, hob das Urteil 

12

auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung an das Obergericht zurück (pag. 
3034, zum Umfang der daraus resultierenden Neubeurteilung siehe E. 8 hiernach).

5. Prozessgeschichte im Neubeurteilungsverfahren

Mit Blick auf die bundesgerichtlichen Erwägungen stellte die Verfahrensleitung mit 
Verfügung vom 14. Juni 2023 die Wiederaufnahme der Hauptverhandlung und die 
Abnahme einer Triplik des Beschuldigten in Aussicht. Weiter wurden der Beschul-
digte und die Generalstaatsanwaltschaft um Mitteilung der Verfügbarkeit für zeitna-
he Verhandlungstermine ersucht, sowie, ob aufgrund einer beabsichtigten Ände-
rung der Kammerbesetzung auf eine Wiederholung der Hauptverhandlung verzich-
tet werde (pag. 3036 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft führte mit Eingabe vom 
16. Juni 2023 aus, mit der beabsichtigen Änderung der Kammerzusammensetzung 
nicht einverstanden zu sein. Ferner stellte sie die Frage, ob einzig die Abnahme 
der Triplik genüge, um dem Anspruch des Beschuldigten auf rechtliches Gehör zu 
wahren oder ob nicht die gesamten Parteivorträge wiederholt werden müssten 
(pag. 3041 f.). Auch die Verteidigung gab für den Beschuldigten mit Eingabe vom 
19. Juni 2023 (pag. 3045 f.) bzw. mit E-Mail vom 18. Juni 2023 (pag. 3048) be-
kannt, nicht auf die Wiederholung der Hauptverhandlung verzichten zu wollen. Den 
Strafklägern 1 bis 4 und dem Strafkläger 6 wurde mit Verfügung vom 20. Juni 2023 
mitgeteilt, dass wiederum von einem Verzicht auf ihre Teilnahme am oberinstanzli-
chen Verfahren ausgegangen und beabsichtigt werde, sie einzig mit dem Urteil zu 
bedienen. Vorbehalten bleibe eine Vorladung zur Hauptverhandlung, soweit das 
persönliche Erscheinen erforderlich sei. Die Verfahrensleitung wies zudem darauf 
hin, dass Stillschweigen zum beabsichtigten Vorgehen als Zustimmung gelte. Mit 
gleicher Verfügung wurde der Strafkläger 5 ersucht, sich zu seiner weiteren Teil-
nahme am Verfahren zu äussern (pag. 3050 f.). Die Strafkläger 1 bis 4 und der 
Strafkläger 6 liessen sich innert Frist nicht vernehmen (pag. 3067). Der Strafkläger 
5 gab mit Schreiben vom 27. Juni 2023 bekannt, auf die Ausübung von Parteirech-
ten und auf die Teilnahme am weiteren Verfahren zu verzichten und bat um Eröff-
nung des oberinstanzlichen Urteils (pag. 3061). Die Verfahrensleitung teilte den 
Parteien mit Verfügung vom 22. August 2023 mit, dass die Kammer in unveränder-
ter Zusammensetzung verhandeln werde und entsprechend keine Wiederholung 
der gesamten Hauptverhandlung geplant sei. Weiter wurde ausgeführt, dass auf 
inhaltliche Wiederholungen in den Parteivorträgen verzichtet werden könne, da die 
bisherigen Ausführungen als bekannt gelten würden und es werde beabsichtigt, 
wiederum auf eine mündliche Urteilseröffnung zu verzichten. Schliesslich wurden 
oberinstanzliche Beweisergänzungsmassnahmen in Aussicht gestellt. Den Parteien 
wurde Gelegenheit gegeben, sich zum beabsichtigten Vorgehen zu äussern (pag. 
3091 ff.); es gingen innert Frist keine Bemerkungen ein (pag. 3117). 

Ferner nahm die Kammer Kenntnis vom Beschluss der 2. Strafkammer des Ober-
gerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2023, demnach der Beschuldigte im Zu-
sammenhang mit dem Strafverfahren wegen Brandstiftung (________) am 
9. August 2023 aus der Sicherheitshaft entlassen wurde (pag. 3070 ff.). 

13

6. Beweisergänzungen im Neubeurteilungsverfahren 

Mit Eingabe vom 19. Juni 2023 stellte der Beschuldigte den Beweisantrag, es seien 
dem Institut für Rechtsmedizin (nachfolgend: IRM) drei Zusatzfragen zu stellen 
(pag. 3045 f.). Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (pag. 3060) wurde der 
Beweisantrag des Beschuldigten mit begründetem Beschluss vom 7. Juli 2023 ab-
gewiesen (pag. 3066 ff.). Nach Einlangen der Stellungnahme der Generalstaats-
anwaltschaft vom 7. September 2023 (pag. 3121) wurde der mit Schreiben vom 
25. August 2023 gestellte Beweisantrag des Beschuldigten, es sei der Bericht von 
Dr. AJ.________ vom 11. August 2023 zu den Akten zu erkennen (pag. 3101), mit 
Verfügung vom 3. Oktober 2023 gutgeheissen und der Bericht zu den Akten er-
kannt (pag. 3103 f.; pag. 3125). 

Im Hinblick auf die Neubeurteilungsverhandlung wurden von Amtes wegen über 
den Beschuldigten ein aktueller Strafregisterauszug, datierend vom 
26. Oktober 2023 (pag. 3209 ff.), sowie ein Führungsbericht beim Regionalgefäng-
nis AB.________ (Ortschaft) vom 24. Oktober 2023 (pag. 3207 f.) eingeholt. Weiter 
wurden aus den Verfahrensakten ________ das erstinstanzliche Urteil vom 24. 
November 2022 (________), die oberinstanzliche Urteilsbegründung vom 20. April 
2023, die Urteilsberichtigung vom 24. Mai 2023 sowie die Beschwerde in Strafsa-
chen des Beschuldigten vom 12. Juni 2023 ediert (pag. 3098). Beigezogen wurden 
weiter die bislang vorhandenen Akten aus dem neu gegen den Beschuldigten 
eröffneten Verfahrens ________ der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland (pag. 3144 
ff.) sowie die Einvernahmeprotokolle vom 7. bzw. 8. November 2023 (pag. 3230 
ff.). Zu den Akten genommen wurde ferner die Verfügung der Beschwerdekammer 
des Obergerichts des Kantons Bern vom 7. November 2023 im Verfahren 
________ (pag. 3224 f.). Weiter nahm die Kammer von einem Rapport zu einem 
ausserordentlichen Ereignis und der Disziplinarverfügung des Regionalgefängnis-
ses O.________ (Ortschaft), beide datierend vom 14. November 2023, Kenntnis 
(pag. 3251 f.; pag. 3253 ff.). Im Rahmen der Neubeurteilungsverhandlung wurde 
ferner darauf hingeweisen, dass seitens der Verfahrensleitung versucht worden 
war, auf die mit Eingabe des Beschuldigten vom 13. November 2023 mitgeteilte 
Telefonnummer anzurufen und nach Wahl der Nummer die umgehende Mitteilung 
erfolgte, dass die Nummer ungültig sei (pag. 3262; pag. 3266).

Der mit Eingabe vom 13. November 2023 seitens des Beschuldigten gestellte 
Antrag, es seien die Akten des neuen, gegen ihn geführten Verfahrens ________ 
aus den Akten zu weisen (pag. 3256; vgl. auch pag. 3266), wurde nach Gewährung 
des rechtlichen Gehörs (pag. 3266 f.) mit Beschluss der Kammer vom 
16. November 2023 abgewiesen. Zur Begründung wurde ausgeführt, hinsichtlich 
der Akten des neuen Strafverfahrens sei nicht entscheidend, ob diese bereits 
parteiöffentlich seien, zumal die edierten Akten den an der Neubeur-
teilungsverhandlung anwesenden Parteien bekannt seien. Vorliegend gehe es nicht 
um die Beurteilung der Schuld oder Unschuld des Beschuldigten im fraglichen 
Strafverfahren. Die Akten würden berücksichtigt, da es Aussagen von 
verschiedenen Personen zum fraglichen Vorfall gebe und diese eventuell von 
Relevanz für das vorliegende Strafverfahren seien (pag. 3268).

14

Der ebenfalls mit Eingabe vom 13. November 2023 gestellte Beweisantrag des Be-
schuldigten, es sei AC.________ (AD.________) als Zeuge einzuvernehmen (pag. 
3245, vgl. auch pag. 3265) wurde, nachdem den Parteien das rechtliche Gehör 
gewährt wurde (pag. 3266 f.) mit Beschluss der Kammer vom 16. November 2023 
abgewiesen. Im Rahmen einer antizipierten Beweiswürdigung gelangte die 
Kammer zum Schluss, dass auf die Einvernahme von AC.________ AD.________ 
als Zeuge verzichtet werden könne. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass eine 
grosse Unsicherheit darüber bestehe, ob dieser überhaupt zu einer Einvernahme 
vorgeladen werden könne. Bereits vor der Staatsanwaltschaft sei geltend gemacht 
worden, dass der Strafklägers 4 G.________ (nachfolgend: Strafkläger 4) in der 
fraglichen Nacht mit einem AE.________ (Nationalität) zusammen gewesen sei. 
Später sei ergänzt worden, dass er AC.________ heisse und nun sei der 
Nachname AD.________ genannt worden. Die Vorinstanz habe verschiedene 
Abklärungen, unter anderem im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft), 
getroffen und versucht, diese Person ausfindig zu machen, was allerdings nicht 
gelungen sei. Auch der Anrufversuch auf die im Neubeurteilungsverfahren bekannt 
gegebene Telefonnummer sei gescheitert. Eine Adresse habe anscheinend auch 
die Verteidigung nicht in Erfahrung bringen können. Möglicherweise handle es sich 
um eine Person, die den Kontakt mit den Behörden scheue. Selbst bei einer 
Gutheissung des Antrages sei höchst fraglich, ob es tatsächlich zu einer Befragung 
kommen könne. Letztlich seien die Aussagen des angeblichen Zeugen lediglich ein 
kleines Puzzleteil neben anderen Beweismitteln. Zudem müsse berücksichtigt 
werden, dass der Zeuge gemeinsam mit dem Beschuldigten im Gefängnis 
gewesen und der Vorfall bereits drei Jahre her sei (pag. 3268 f.). 

Weiter reichte der Beschuldigte mit Eingabe vom 13. November 2023 einen Arztbe-
richt des Notfallzentrums des AF.________ (Spital) vom 19. Oktober 2023 ein und 
stellte sinngemäss den Antrag, diesen zu den Akten zu erkennen (pag. 3256; pag. 
3257 ff.). Dieser wurde mit Beschluss der Kammer vom 16. November 2023 
gutgeheissen und der Bericht zu den Akten erkannt (pag. 3268). 

7. Anträge der Parteien

7.1 Anträge der Verteidigung

Anlässlich der Neubeurteilungsverhandlung vom 16. November 2023 stellte und 
begründete Rechtsanwältin B.________ namens des Beschuldigten die Anträge, er 
sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil des 
Strafklägers 4 freizusprechen, eventualiter sei hinsichtlich der Massnahme dem 
Gutachten von Dr. med. K.________, betreffend die Schuldfähigkeit des Beschul-
digten dem Gutachten von med. pract. AG.________ zu folgen, mithin von einer 
Schuldunfähigkeit auszugehen (pag. 3277). Weiter verwies Rechtsanwältin 
B.________ auf ihre schriftlichen Ausführungen in der Beschwerde an das Bun-
desgericht (pag. 3278), deren Anträge wie folgt lauteten (pag. 3018 f.):

I. Le recours est admis.

II. Le jugement rendu le 1er novembre 2022 par la Cour suprême du Canton de Berne est réformé 
aux chiffres II : 1, 2 et 3 et chiffres 1, 2 et 4 des condamnations qui sont remplacés comme suit:

15

 1. A.________ wird der versuchten schweren Körperverletzung begangen am 28. Juni 2020 
freigesprochen.

2. A.________ wird der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörde und Beamte frei-
gesprochen, subsidiär die Strafe diesbezüglich wird herabgesetzt.

3. A.________ wird der Hinderung einer Amtshandlung freigesprochen, subsidiär die Strafe 
diesbezüglich wird herabgesetzt. 

Die Ziffer 1,2 und 4 der Verurteilungen werden wie folgt geändert: die Freiheitsstrafe wird 
massiv herabgesetzt, die Geldstrafe wird auf maximal 50 Tagessätze herabgesetzt und 
die Landesverweisung wird aufgehoben. 

Subsidiairement, le jugement attaqué est annulé et la cause est renvoyée à l'autorité 
intimée pour nouveau jugement dans le sens des considérants.

Ill. Les frais de justice de la décision attaquée et du défenseur d'office du recourant sont laissés à la 
charge du Canton de Berne.

7.2 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin AH.________ stellte und begründete ihrerseits für die General-
staatsanwaltschaft folgende Anträge (pag. 3285 ff., Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht in Dreierbesetzung) vom 28. Oktober 2021 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich der Frei-
sprüche von den Anschuldigungen der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss 
AKS Ziff. I. 3.2, Hinderung einer Amtshandlung gemäss AKS Ziff. I. 4.1, 4.2 und 4.5, mehrfacher Dro-
hung gemäss AKS Ziff. I. 5.1 und 5.3.

II.

Das Verfahren gegen A.________ wegen Verleumdung sei infolge Rückzug des Strafantrags einzu-
stellen; die diesbezüglichen Verfahrenskosten seien vom Kanton Bern zu tragen (Art. 423 StPO).

III.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 28. Juni 2020 an der 
M.________(Strasse) in O.________ (Ortschaft) zum Nachteil von G.________ (AKS Ziff. I. 1);

2. des Diebstahls, begangen 28. Juni 2020 in O.________ (Ortschaft) zum Nachteil von 
X.________ und der Y.________(Gesellschaft) (AKS Ziff. I. 2 und 8);

3. der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen am 8. Au-
gust 2019 in R.________(Ortschaft) zum Nachteil von P.________, I.________ und Q.________ 
sowie am 30. Juni 2020 in O.________ (Ortschaft) zum Nachteil von J.________ (AKS Ziff. I. 
3.1 und 3.3);

4. der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 8. August 20919 in R.________(Ortschaft) 
(AKS Ziff. I. 4.3);

5. der Drohung, begangen am 3. März 2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) zum 
Nachteil von C.________ (AKS Ziff. I. 5.2);

16

6. der mehrfachen Beschimpfung, begangen am 8. August 2019 in R.________(Ortschaft) zum 
Nachteil von P.________, I.________, U.________ und Q.________, und am 3. März 2020 im 
Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) zum Nachteil von C.________ sowie am 7. März 
2020 im Regionalgefängnis L.________(Ortschaft) zum Nachteil von V.________ (AKS Ziff. I. 
7.1-7.3);

7. der Verunreinigung von fremdem Eigentum, mehrfach begangen am 8. August 2019 in 
R.________(Ortschaft) (AKS Ziff. I. 9).

IV.

A.________ sei gestützt auf die anwendbaren Gesetzesbestimmungen

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft;

2. zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 900.00;

3. zu einer Landesverweisung von 20 Jahren, unter Ausschreibung der Landesverweisung im 
Schengener Informationssystem;

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

V.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Die beschlagnahmten Gegenstände gemäss Ziff. II./1.3.1 - II./1.3.8 der Anklageschrift vom 3. 
Februar 2021 seien nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils dem Beschuldigten 
herauszugeben.

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (________; ________) sowie der bio-
metrischen erkennungsdienstlichen Daten sei nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig zu er-
teilen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG; Art. 17 Abs. 4 AFIS-VO).

3. Das Honorar des amtlichen Verteidigers und das Honorar des amtlichen Vertreters des Privat-
klägers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

8. Umfang der Neubeurteilung 

Die Behörde, an welche zurückgewiesen wird, ist an die rechtlichen Erwägungen 
im Rückweisungsentscheid gebunden. Das Bundesgericht hielt in seinen Erwägun-
gen im Wesentlichen fest, der Beschuldigte rüge eine Verletzung von Art. 405 Abs. 
1 StPO i.V.m. Art. 346 StPO, des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie des 
Rechts auf ein faires Verfahren. Die Vorinstanz habe an der Berufungsverhandlung 
zuerst die Verteidigung und anschliessend die Staatsanwaltschaft plädieren lassen. 
Nach dem zweiten Parteivortrag sei der Verteidigung (nach demjenigen der 
Staatsanwaltschaft) kein weiterer Parteivortrag bzw. keine Stellungnahme gestattet 
und ihr nicht das letzte Wort gewährt worden. Nach der Rechtsprechung könne für 
das zweitinstanzliche Verfahren von der in Art. 346 Abs. 1 StPO vorgesehenen 
Reihenfolge der Parteivorträge abgewichen werden, da diese nicht zwingend sei 
und es näher liege, der die Berufung erklärenden Partei zunächst die Gelegenheit 

17

für die Begründung ihrer Einwände gegen das erstinstanzliche Urteil zu geben. 
Daraus würden der beschuldigten Person keine Nachteile erwachsen. Entschei-
dend sei dabei, dass dieser im Anschluss an den Parteivortrag der Staatsanwalt-
schaft und allfälliger Privatkläger die Gelegenheit eingeräumt werde, sich nochmals 
zu äussern (E. 2.2.1 des bundesgerichtlichen Urteils). Die Rechtsvertreterin des 
Beschuldigten habe im Rahmen der Vorfragen an der Berufungsverhandlung bean-
tragt, es sei ihr bei den Parteivorträgen das letzte Wort zu gewähren, auch für den 
Fall, dass die Reihenfolge der Parteivorträge nicht dem Gesetz entspreche. Das 
Obergericht habe dies mit der Begründung abgelehnt, praxisgemäss plädiere zu-
erst der Berufungsführer, danach der Anschlussberufungsführer, daraufhin folgten 
Replik und Duplik. Ein Recht der Verteidigung, zur Duplik erneut Stellung zu neh-
men, bestehe nicht. Unter Umständen rechtfertige sich das, wenn in der Duplik we-
sentliche neue Aspekte vorgetragen würden. Es seien keine Umstände ersichtlich, 
von dieser Vorgehensweise abzuweichen. Das letzte Wort stehe zudem dem Be-
schuldigten zu. Nach dem Beweisverfahren sei der Rechtsvertreterin des Beschul-
digten das Wort für den ersten Parteivortrag übergeben worden. Darauf folgend 
habe die Staatsanwältin plädiert. Alsdann habe die Rechtsvertreterin des Beschul-
digten repliziert und die Staatsanwältin dupliziert. Anschliessend an die Duplik der 
Staatsanwältin habe die Rechtsvertreterin des Beschuldigten um eine (weitere) 
Stellungnahme ersucht. Dies sei ihr nicht gestattet worden, da – mit Verweis auf 
den obgenannten, diesbezüglich gefassten Beschluss – die Staatsanwältin keine 
wesentlichen neuen Aspekte oder neue Tatsachen vorgebracht habe. Indem das 
Obergericht in der vorliegenden Konstellation für eine weitere Stellungnahme der 
Verteidigung wesentliche neue Aspekte oder neue Tatsachen verlangt habe, wei-
che sie – ohne sich damit auseinanderzusetzen – von der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung ab, welche eine solche Voraussetzung nicht vorsehe. Das Vorge-
hen des Obergerichts erweise sich als nicht rechtskonform und verletze den vorlie-
gend durch das Bundesgericht nicht heilbaren Anspruch auf rechtliches Gehör (E. 
2.3 des bundesgerichtlichen Urteils; pag. 3032). Als Folge davon wurde das Urteil 
des Obergerichts aufgehoben. Während im Neubeurteilungsverfahren nunmehr 
das rechtliche Gehör im Sinne der bundesrechtlichen Erwägungen gewährt wurde, 
finden sich im vorgenannten Entscheid keine Ausführungen, welche im Rahmen 
der materiellen Beurteilung zu berücksichtigen sind. 

Ausgangspunkt des Neubeurteilungsverfahrens ist das Urteil des Bundesgerichts 
6B_173/2023 vom 26. Mai 2023 (pag. 3028 ff.). Durch das kassatorische Rückwei-
sungsurteil des Bundesgerichts existiert das Urteil des Obergerichts SK 22 34 vom 
1. November 2022 formell nicht mehr. Dennoch ist die Sache nicht erneut als Ge-
samtes zu beurteilen: Entscheidend für den im Neubeurteilungsverfahren noch zu 
behandelnden Gegenstand ist nicht das Dispositiv des bundesgerichtlichen Rück-
weisungsentscheids, sondern dessen materielle Tragweite (BGE 143 IV 214 E. 
5.2.1 mit Hinweisen). Wird eine Beschwerde in Strafsachen gutgeheissen und das 
vorinstanzliche Urteil aufgehoben, soll das Verfahren nicht als Ganzes neu in Gang 
gesetzt werden, sondern nur insoweit, als dies notwendig ist, um den verbindlichen 
Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu tragen (BGE 123 IV 1 E. 1; BGE 
117 IV 97 E. 4; Urteil des Bundesgerichts 6B_434/2014 vom 24. November 2014 E. 
1.3.3). Als Folge davon darf auf diejenigen Punkte, die vor Bundesgericht nicht an-

18

gefochten waren, materiell nicht mehr zurückgekommen werden. Sie sind im Neu-
beurteilungsverfahren lediglich formell neu zu verkünden, da sie infolge der integra-
len Kassation des ersten oberinstanzlichen Entscheids nicht in Rechtskraft erwach-
sen sind (vgl. BGE 135 III 334 E. 2 S. 335 f.; Urteile des Bundesgerichts 
6B_16/2016 vom 28. Dezember 2016 E. 2.3.2; 6B_1276/2015 vom 29. Juni 2016 
E. 1.2.1; 6B_51/2016 vom 3. Juni 2016 E. 1.1). 

Vorliegend hat der Beschuldigte seine Beschwerde in Strafsachen ausdrücklich auf 
die Schuldsprüche wegen versuchter schwerer Körperverletzung, wegen mehrfa-
cher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und wegen Hinderung ei-
ner Amtshandlung sowie auf die damit zusammenhängenden Sanktionen, nament-
lich die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und einer Geldstrafe 
von 70 Tagessätzen zu CHF 10.00, die Landesverweisung inklusive Ausschreibung 
im Schengener Informationssystem sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen 
beschränkt. Im Übrigen hatte der Beschuldigte das Urteil der 2. Strafkammer des 
Obergerichts SK 22 34 vom 1. November 2022 nicht angefochten und insoweit ak-
zeptiert (vgl. Ziff. II. und III. der Beschwerde in Strafsachen; pag. 3018 f.). 

Entsprechend ist im Neubeurteilungsverfahren das Urteil SK 22 34 nicht mehr zu 
prüfen, soweit die teilweise Rechtskraft des erstinstanzlichen Urteils festgestellt 
wurde (Ziff. I. des Urteils der 2. Strafkammer), soweit der Beschuldigte wegen ver-
suchter Drohung, mehrfacher Beschimpfung und mehrfacher Verunreinigung von 
fremdem Eigentum schuldig gesprochen wurde (Ziff. II., Schuldsprüche 4. - 6. des 
Urteils der 2. Strafkammer) und soweit er zu einer Übertretungsbusse von 
CHF 200.00 verurteilt und die entsprechende Ersatzfreiheitsstrafe festgelegt wurde 
(Ziff. II., Sanktion 3. des Urteils der 2. Strafkammer). Die entsprechenden Punkte 
sind jedoch formell neu zu verkünden; insofern werden die entsprechenden Teile 
der Begründung sowie die entsprechenden Dispositivziffern nachfolgend unverän-
dert aufgenommen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_765/2015 vom 3. Februar 
2016 E. 4.1.). 

Materiell zu prüfen bleiben demgegenüber die erstinstanzlichen Freisprüche zufol-
ge Schuldunfähigkeit von den Anschuldigungen der versuchten schweren Körper-
verletzung, begangen am 28. Juni 2020 zum Nachteil des Strafklägers 4 (Ziff. II.1. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), der mehrfachen Gewalt und Drohung ge-
gen Behörden und Beamte, begangen am 8. August 2019 zum Nachteil von 
P.________, des Strafklägers 5 I.________ (nachfolgend: Strafkläger 5) und 
Q.________ (Ziff. II.2.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) und am 
30. Juni 2020 zum Nachteil des Strafklägers 6 J.________ (nachfolgend: Strafklä-
ger 6; Ziff. II.2.3. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie der Hinderung einer 
Amtshandlung, begangen am 8. August 2019 (Ziff. II.3.2. des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs). Ebenfalls zu prüfen bleibt der gesamte Sanktionenpunkt (inkl. Lan-
desverweisung sowie deren Ausschreibung ins Schengener Informationssystem), 
mit Ausnahme der Übertretungsbusse. Ebenso zu überprüfen sind die Kosten- und 
Entschädigungsfolgen der kantonalen Instanzen inkl. der Rück- und Nachzah-
lungspflichten bezüglich der amtlichen Honorare, zumal der Kosten- und Entschä-
digungspunkt in engem Zusammenhang mit den zu prüfenden Punkten steht. Die 
erstinstanzlich festgesetzte Höhe der amtlichen Entschädigungen wurde allerdings 

19

weder durch Rechtsanwältin AA.________, Rechtsanwalt Z.________, Rechtsan-
walt H.________ noch durch die Generalstaatsanwaltschaft angefochten, womit 
diese in Rechtskraft erwachsen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1231/2022 
vom 10. März 2023). Letztendlich ist auch bezüglich der Löschung des erstellten 
DNA-Profils sowie der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten er-
neut zu verfügen (Ziff. VII.4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

9. Kognition der Kammer und Reformatio in peius

Die Kammer hat bei der Überprüfung der zu beurteilenden Punkte volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 2 StPO). 

In Bezug auf das erstinstanzliche Urteil vom 28. Oktober 2021 ist die Kammer in-
folge der Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft nicht an das Ver-
schlechterungsgebot gebunden und darf dieses Urteil auch zu Ungunsten des Be-
schuldigten abändern (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO e contrario). 

Das erste oberinstanzliche Urteil wurde einzig vom Beschuldigten an das Bundes-
gericht weitergezogen. Nach ständiger Rechtsprechung folgt aus der Bindung an 
die Parteibegehren ein Verbot der reformatio in peius nach bundesgerichtlicher 
Rückweisung (BGE 135 IV 87 E. 6; BGE 141 II 353 E. 2; BGE 143 IV 214 E. 5.2.1; 
vgl. das Urteil des Bundesgerichts 6B_1047/2017 vom 17. November 2017). Damit 
steht fest, dass im Neubeurteilungsverfahren das oberinstanzliche Urteil SK 22 34 
vom 1. November 2022 nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abgeändert werden 
kann. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

10. Vorbemerkungen

Bezüglich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung sowie der Aussa-
genanalyse kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (pag. 1844 ff.; S. 13 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Nachfolgend ist der Sachverhalt der einzelnen zur Last gelegten Handlungen – so-
weit oberinstanzlich noch zu beurteilen – zu erstellen. Soweit verschiedene Hand-
lungen im engen Sachzusammenhang stehen, erfolgt – analog der Vorinstanz – die 
Beweiswürdigung gemeinsam. Weiter ist die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zu 
prüfen.

11. Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung 

11.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 3. Februar 2021 folgendes De-
likt zur Last gelegt (pag. 618 f.; S. 2 der Anklageschrift [Hervorhebung im Original]):

1. versuchte schwere Körperverletzung (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB)
eventualvorsätzlich begangen kurz vor 08:00 Uhr des 28.06.2020 in O.________ (Ortschaft), 
M.________(Strasse), Vorplatz N.________(Ortschaft) auf der AI.________ (Ortschaft) zum 
Nachteil G.________.

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20

Zur eingangs aufgeführten Zeit kam es am eingangs erwähnten Ort zu einer mehrere Minuten 
dauernden verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten A.________ und dem 
Straf- und Zivilkläger G.________, welche in Handgreiflichkeiten und schliesslich in eine ge-
genseitige körperliche Auseinandersetzung ausartete. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung 
fügte der Beschuldigte A.________ dem Straf- und Zivilkläger G.________ mit einem Messer 
mit einer Klingenlänge von 4-5 cm (wohl mit einem Sackmesser) mittels einer seitlichen 
Schwenkbewegung mit der rechten Hand eine ca. 3-4 cm tiefe Wunde entlang der Brustkorb-
wand am Rücken links zu.

Indem der Beschuldigte A.________ während der körperlichen Auseinandersetzung mit 
G.________ im Rahmen eines dynamischen unkontrollierbaren Geschehens mit einem Mes-
ser mit geöffneter Klinge mit einer Klingenlänge von 4-5 cm mit einer seitlichen Schwenkbe-
wegung gegen dessen Brustkorb im linken Rückenbereich einwirkte, nahm er lebensbedrohli-
che bzw. dauerhaft schädigende Verletzungen, wie beispielsweise einen lebensgefährlichen 
oder dauerhaft schädigenden Spannungspneumothorax oder lebensgefährliche bzw. dauerhaft 
schädigende Verletzungen von Blutgefässen, lebensgefährliche bzw. dauerhaft schädigende 
Verletzungen der Lunge oder lebensgefährliche bzw. dauerhaft schädigende Verletzungen des 
Herzens von G.________ zumindest in Kauf. Die vom Beschuldigten A.________ bei 
G.________ zugefügte Verletzung mit dem Messer hatte einen mehrtägigen Spitalaufenthalt 
von G.________ zur Folge.

11.2 Bestrittener und unbestrittener Sachverhalt

Durch das rechtsmedizinische Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Straf-
klägers 4 im AF.________(Spital) belegt und auch unbestritten ist, dass der Straf-
kläger 4 am Rücken links eine Hautdurchtrennung aufwies, welche durch scharfe 
Gewalteinwirkung hervorgerufen worden und mit einer Stichverletzung, beispiels-
weise mit einem Messer, vereinbar ist (pag. 160/4).

Der Beschuldigte bestreitet die ihm in der Anklageschrift zur Last gelegte Hand-
lung. Anders als im vorinstanzlichen Verfahren gab der Beschuldigte oberinstanz-
lich zu, dass zwischen ihm und dem Strafkläger 4 auf dem Vorplatz der 
N.________(Ortschaft) eine physische Auseinandersetzung stattgefunden hat 
(pag. 2723 Z. 2; pag. 3273 Z. 27 f. und Z. 32 f.). Der Beschuldigte stellt sich auf 
den Standpunkt, dass der Strafkläger 4 auf ihn zugekommen sei und ihm einen 
Faustschlag verpasst habe (pag. 2723 Z. 2; pag. 3273 Z. 27 f.). Er habe kein Mes-
ser gehabt und dem Strafkläger 4 keine Stichverletzung zugefügt (pag. 2722 Z. 29 
ff. und 40 f.; pag. 3273 Z. 40).

Beweismässig zu klären ist mithin, ob es am 28. Juni 2020 zur in der Anklageschrift 
umschriebenen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Straf-
kläger 4 kam, und insbesondere, ob der Beschuldigte im Rahmen dieser Ausein-
andersetzung dem Strafkläger 4 die später im AF.________(Spital) festgestellte 
Stichverletzung zugefügt hat.

11.3 Beweismittel

Die Vorinstanz brachte die verschiedenen Beweismittel korrekt ins Verfahren ein 
und gab diese richtig zusammengefasst wieder (pag. 1847 ff.; S. 16 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung); darauf wird vollumfänglich verwiesen.

21

Ergänzend ist kurz auf verschiedene Vorakten einzugehen, welche zu Vorstrafen 
beim Beschuldigten führten: So rapportierte die Polizei, ein Geschädigter werfe 
dem Beschuldigten eine Körperverletzung mit einem Messer vor. Im Anschluss an 
den Vorfall vom 12. August 2016 wurde beim Beschuldigten ein Atemalkoholgehalt 
von 0.66 Promille gemessen (vgl. pag. 24, edierte Akten ________). Mit Urteil des 
Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 9. Dezember 2019 (________ / 
________) wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung 
mit gefährlichem Gegenstand freigesprochen und wegen einfacher Körperverlet-
zung schuldig erklärt (vgl. S. 3 des unpaginierten Urteils, edierte Akten ________ / 
________). Weiter ist den Vorakten zu entnehmen, dass der Beschuldigte am 
2. März 2018 im Rahmen eines Konflikts seinen Kontrahenten mit einem Ta-
schenmesser bedrohte. Ein entsprechendes Taschenmesser hat die Polizei beim 
Beschuldigten festgestellt (pag. 1 ff., edierte Akten ________). Der Beschuldigte 
wurde wegen des Vorfalls mit Strafbefehl vom 20. September 2019 wegen Dro-
hung und Beschimpfung schuldig erklärt. Bei einer Anhaltung am 19. Juli 2019 im 
Nachgang an eine Streiterei trug der Beschuldigte ebenfalls ein Taschenmesser 
auf sich (pag. 23; pag. 28; pag. 79 f., edierte Akten ________). 

Weiter wurden im Neubeurteilungsverfahren die Akten des von der Staatsanwalt-
schaft Bern-Mittelland am 20. Oktober 2023 gegen den Beschuldigten eröffneten 
Verfahrens ________ wegen versuchter schwerer Körperverletzung sowie wegen 
Gewalt und Drohung gegen Behörde und Beamte (evtl. Hinderung einer Amtshand-
lung), beides angeblich begangen am 19. Oktober 2023 in O.________ (Ortschaft), 
ediert (pag. 3144 ff.; pag. 3230 ff.). Gemäss Anzeigerapport vom 29. Oktober 2023 
(pag. 3156 ff.) sowie den vorliegenden Einvernahmeprotokollen vom 19. Oktober 
2023 (pag. 3147 ff.; pag. 3153 ff.), vom 7. November 2023 (pag. 3238 ff.) und vom 
8. November 2023 (pag. 3230 ff.) soll der Beschuldigte das angebliche Opfer ge-
schlagen und im Rahmen der körperlichen Auseinandersetzung ein Messer ge-
zückt haben. Als das angebliche Opfer am Boden lag, soll es gemäss einer am 
Geschehen unbeteiligten Auskunftsperson zweimal vom Beschuldigten an den 
Kopf getreten worden sein (pag. 3154 Z. 38 f.). Anlässlich der Hafteröffnung gab 
der Beschuldigte am 20. Oktober 2023 demgegenüber zu Protokoll, er habe mit 
den Fäusten geschlagen und er schlage niemanden, der am Boden liege. Zudem 
gab er an, das angebliche Opfer habe ihn (den Beschuldigten) mit dem Messer ge-
schlagen (pag. 3167 Z. 24 ff.). Dem Protokoll ist ferner zu entnehmen, dass er den 
Staatsanwalt als Rassisten bezeichnete (pag. 3168 Z. 68). Das zuständige 
Zwangsmassnahmengericht versetzte den Beschuldigten mit Entscheid vom 21. 
Oktober 2023 für drei Monate in Untersuchungshaft (pag. 3177 ff.).

Im Neubeurteilungsverfahren neu zu den Akten erkannt wurde zudem das seitens 
der Verteidigung eingereichte Schreiben von Dr. AJ.________, Facharzt für Inten-
sivmedizin und Anästhesiologie, vom 11. August 2023. Auf die Frage, wie lange ei-
ne Wunde, die von einem Messerstich in den Rücken verursacht worden sei, min-
destens blute, gab Dr. AJ.________ einleitend an, es gebe seines Wissens keine 
wissenschaftlichen Daten, die eine genaue, zuverlässige und reproduzierbare Ant-
wort auf diese Frage geben könne. Weiter führte er im Wesentlichen aus, jede Ver-
letzung der Hauthülle führe zu einer Blutung, die auf eine Verletzung der Gefässe 
zurückzuführen sei. Daher hänge das Ausmass der Blutung und ihre Dauer von der 

22

Menge der verletzten Gefässe ab. Da nicht sämtliches Gewebe gleich gut durch-
blutet sei (Muskeln seien sehr gut durchblutet, Fett hingegen sehr schlecht), hänge 
der Blutfluss von der Art des verletzten subkutanen Gewebes, der Größe der Wun-
de, ihrer Tiefe und möglichen Scherbewegungen ab, die die Ansiedlung des 
Thrombus (Gerinnsels) stören und verlängern könnten. Sobald das Gewebe des 
vaskulären Subendothels (Zellen, die das Innere der Gefässe auskleiden) verletzt 
werde, werde der Gerinnungsprozess (Hämostase) ausgelöst. Die Menge und die 
Dauer der Blutung hängten also auch von der Effizienz des Gerinnungsprozesses 
ab. Die Physiologie der Hämostase sei ein äusserst komplexer Prozess. Er beste-
he aus zwei Phasen: einer primären und einer sekundären. Die primäre Hämostase 
bestehe in der Aktivierung der Thrombozyten (Blutplättchen), die sich zum soge-
nannten «Thrombozytennagel» zusammenballe, um kleine Risse zu verschliessen. 
Dieser Prozess werde durch eine Vielzahl von Medikamenten behindert, von denen 
das häufigste Acetylsalicylsäure (Aspirin®) sei. Die Einnahme dieser Medikamente 
verlängere die Dauer der Blutung. Es komme vor, dass der Operateur vor einem 
chirurgischen Eingriff in der Hoffnung, einen Hinweis auf die Stärke der Blutung zu 
erhalten, das Labor bitte, die primäre Hämostase durch Messung der «Blutungs-
zeit» zu bewerten. Hierbei handle es sich um eine Methode, bei der eine kleine 
standardisierte Wunde am Unterarm angelegt und die Zeit gemessen werde, in der 
das Blut ungehindert aus der Wunde fliesse. Es handle sich um einen Test mit ge-
ringem Vorhersagewert, der durch eine schlechte Sensitivität und Spezifität sowie 
eine mangelnde Reproduzierbarkeit gekennzeichnet sei. Dennoch werde davon 
ausgegangen, dass der «normale» Wert bei 6 ± 2 Minuten liegen sollte. An der se-
kundären Hämostase seien etwa zehn Blutproteine beteiligt (die grösstenteils von 
der Leber mit Hilfe von Vitamin K produziert würden), die in einer Kaskade aktiviert 
würden und zur Umwandlung von Fibrinogen (löslich) in Fibrin (fest) führten, das 
den Thrombozytennagel verfestige und das Gerinnsel bilde. Aufgrund seiner Kom-
plexität könne der Gerinnungsprozess durch eine Vielzahl von Gesundheitsschä-
den beeinträchtigt werden. Vor allem eine Lebererkrankung 
(AM.________(Krankheit), Zirrhose) könne die Produktion von Gerinnungsprotei-
nen verringern und die Dauer der Blutung erheblich verlängern. Eine Behinderung 
des Blutflusses durch die Leber (portale Hypertension) könne die Milz (Splenome-
galie) anschwellen lassen und zu einem Hypersplenismus führen, der wiederum die 
Anzahl der für die Gerinnung verfügbaren Thrombozyten verringere. Eine fortge-
schrittene Unterernährung mit Vitamin-K-Mangel könne die Produktion von Gerin-
nungsproteinen verringern und ebenfalls Blutungen begünstigen. Zusammenfas-
send lasse sich sagen, dass die Anzahl der Variablen, die an den Mechanismen 
zur Blutstillung beteiligt seien, keine Vorhersage zulasse. Dies hänge wie vorer-
wähnt von der Art der Verletzung (Grösse, Tiefe, Ort), dem Gesundheitszustand 
des Opfers und der Einnahme von Medikamenten ab (pag. 3103 f.).

Oberinstanzlich wurden der Beschuldigte sowie der Strafkläger 4 einvernommen 
(pag. 2722 ff.; pag. 2714 ff.). Im Rahmen des Neubeurteilungsverfahrens wurde der 
Beschuldigte erneut ergänzend befragt (pag. 3270 ff.). Auf die entsprechenden 
Aussagen ist soweit notwendig bei der Beweiswürdigung einzugehen. Ferner wird 
auf die amtlichen Akten verwiesen.

23

11.4 Beweiswürdigung der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete nach einer umfassenden Beweiswürdigung folgenden 
Sachverhalt als erstellt (pag. 1875 f.; S. 44 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung):

Am Morgen des 28. Juni 2020 sprach G.________ auf dem Vorplatz der N.________(Ortschaft) einen 
Mann an, welcher an der Hand verletzt war. Dieser behauptete, dass er von der Person mit der Glas-
flasche und dem Messer in der Hand verletzt worden sei und zeigte dabei auf A.________. 
G.________ sprach A.________ gegen 08:00 Uhr an, woraufhin dieser G.________ mit dem Messer 
in die linke Flanke stach und die Wunde gemäss pag. 168 verursachte, welche blutete. Nach dem 
Stich kam es zu einer mehrminütigen, wechselseitigen verbalen und tätlichen Auseinandersetzung 
zwischen den beiden, welche von der Polizei, die anlässlich der Auflösung einer illegalen Party vor 
Ort war, beobachtet wurde. Dabei wurden die beiden Streitenden immer wieder von Partygästen ge-
trennt. Während der Auseinandersetzung wickelte G.________ sein Hemd um den Arm und nahm ei-
ne Glasflasche zur Hand. Als G.________ auch noch seinen Gurt auszog und damit auf A.________ 
losging, intervenierte die Polizei. Nach der Auseinandersetzung wechselte G.________ das Oberteil 
und warf sein blutiges T-Shirt weg. Aufgrund der Stichverletzung wandte sich G.________ in der Fol-
ge an den Polizisten AK.________, welcher im ersten Moment keine Verletzung bei G.________ fest-
stellen konnte, da er nicht an der richtigen Stelle geschaut hatte. Kurze Zeit später ging G.________ 
wiederum auf den Polizisten AK.________ zu. Aufgrund des verschlechterten Gesundheitszustandes 
forderte der Polizist G.________ auf, das Oberteil auszuziehen, wobei schliesslich die Stichwunde 
bemerkt wurde, welche zu diesem Zeitpunkt kaum noch blutete. In der Folge wurde G.________ von 
der Sanitätspolizei verarztet und anschliessend ins AF.________(Spital) gebracht. Als Folge des 
Messerstichs wies G.________ einen drei – vier cm tiefen Stich im Brustkorb hinten links, seitlich un-
terhalb des Schulterblatts auf. Weiter lag bei ihm eine nicht interventionsbedürftige Luftbrust (Pneu-
mothorax) ohne akute Lebensgefahr vor, wobei durch einen solchen Messerangriff gegen den Brust-
korb auch lebensbedrohliche Verletzungen wie z.B. ein Spannungspneumothorax oder Verletzungen 
von Blutgefässen, der Lunge oder des Herzens hätten verursacht werden können.

11.5 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

11.5.1 Vorbringen der Verteidigung bzw. des Beschuldigten

Der Beschuldigte hat den erstinstanzlich infolge Schuldunfähigkeit erfolgten Frei-
spruch von der Anschuldigung der versuchten schweren Körperverletzung nicht 
angefochten. Soweit die Generalstaatsanwaltschaft den diesbezüglich erfolgten 
Freispruch infolge Schuldunfähigkeit in Frage stelle, beantragt die Verteidigung, der 
Beschuldigte sei auch oberinstanzlich freizusprechen (pag. 2744 ff.; pag. 3277). 

Die Verteidigung brachte zur Begründung dieses Antrags namens des Beschuldig-
ten in der ersten oberinstanzlichen Verhandlung vor, dass der Strafkläger 4 unbe-
strittenermassen eine Stichverletzung erlitten habe. Es sei jedoch fraglich, ob der 
Beschuldigte der Täter gewesen sei. Nebst der Stichverletzung seien noch weitere 
kleinere Verletzungen durch das IRM festgestellt worden, was zeige, dass sich der 
Strafkläger 4 geprügelt habe. Die Verurteilung des Beschuldigten stütze sich einzig 
auf die Aussagen des Strafklägers 4, welche vom Beschuldigten stets bestritten 
worden seien. Es handle sich mithin um eine Aussage gegen Aussage Situation. 
Das Gericht könne indessen nicht auf die Aussagen des Strafklägers 4 abstellen, 
da dieser sich zu häufig widerspreche. Insbesondere bezüglich des angeblichen 

24

Kleiderwechsels seien die Aussagen des Strafklägers 4 widersprüchlich. Dieser 
habe ausgesagt, ein Freund habe die Wunde festgestellt, woraufhin er das T-Shirt 
gewechselt habe. Anlässlich seiner oberinstanzlichen Befragung habe er hingegen 
ausgesagt, er habe sein T-Shirt ausgezogen und seine Jacke angezogen, ohne T-
Shirt. Sodann habe der Strafkläger 4 angegeben, der Täter habe blonde Haare, 
wobei der Beschuldigte jedoch keine blonden Haare habe. Weiter habe er ausge-
sagt, er kenne diesen «AL.________», aber den Beschuldigten habe er nicht ken-
nen wollen. Der Strafkläger 4 habe auf Vorhalt eines Fotos durch die Polizei aus-
gesagt, er habe den Beschuldigten an diesem Abend gesehen und er habe ein 
spezielles Gesicht. Dabei habe er aber gerade nicht gesagt, dass der Beschuldigte 
auch der Täter gewesen sei. Die Polizei habe insistiert und impliziert, dass es der 
Beschuldigte gewesen sein soll. Der Strafkläger 4 habe dann einfach Ja zu dem 
gesagt, was die Polizei ihm vorgehalten habe, damit die Einvernahme habe been-
det werden können. Hinzu komme der Umstand, dass auch andere Personen dabei 
gewesen seien, der Strafkläger 4 sich jedoch weigere, deren Namen zu nennen. 
Ferner habe die Polizei bei der Auseinandersetzung nur den Strafkläger 4 identifi-
zieren können, den Beschuldigten hätten sie nicht erkannt. Ein Polizist habe später 
lediglich in die Zelle geschaut, wo sich der Beschuldigte, von diesem weggedreht, 
aufgehalten habe und habe bloss gesagt, die Kleider würden übereinstimmen. Das 
Gesicht habe er hingegen gar nicht gesehen. Ausserdem sei das Messer nie auf-
gefunden worden.

Die Verteidigung argumentierte weiter, dass der Polizist AK.________ ausgesagt 
habe, dass es an diesem Abend eine Stunde zuvor noch eine andere Auseinan-
dersetzung mit einer Flasche beim AU.________(Örtlichkeit) gegeben und er den 
Täter dieser Auseinandersetzung später auch bei der N.________(Ortschaft) wie-
dergesehen habe. Es sei demnach durchaus möglich, dass der Strafkläger 4 darin 
involviert gewesen sei und er sich die Verletzung bei dieser Auseinandersetzung 
zugezogen habe. Für diesen Ablauf der Geschehnisse spreche, dass der vom 
Strafkläger 4 vorgebrachte Kleiderwechsel, wie von ihm geschildert, gar nicht hätte 
vonstattengehen können, da die Polizei bei der Auseinandersetzung zwischen dem 
Strafkläger 4 und dem Beschuldigten bereits vor Ort gewesen sei und diese habe 
beobachten können. Der Strafkläger 4 habe damit gar keine Zeit gehabt, um seine 
Kleider unbemerkt zu wechseln. So lasse sich dann auch erklären, weshalb das 
Blut, dass festgestellt werden konnte, bereits trocken gewesen sei. Aus Sicht der 
Verteidigung sei damit klar, dass sich der Strafkläger 4 die Verletzung bei einer 
vorangehenden Auseinandersetzung zugezogen habe und danach, aber noch vor 
der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten, seine Kleidung gewechselt habe 
und demzufolge auf dem T-Shirt des Strafklägers 4 keine Blutflecke ersichtlich ge-
wesen seien. Dass die Aussagen des Strafklägers 4 widersprüchlich seien, sei 
darauf zurückzuführen, dass dieser unter dem Einfluss von MDMA und Alkohol ge-
standen habe. Vor diesem Hintergrund sei gar nicht möglich, dass er sich noch an 
alles erinnern könne. Diesen Umstand habe die Vorinstanz nicht miteinbezogen. 
Der Beschuldigte sei demzufolge von der Anschuldigung der versuchten schweren 
Körperverletzung freizusprechen (vgl. zum Ganzen pag. 2742 ff.).

Im Neubeurteilungsverfahren brachte Rechtsanwältin B.________ für den Be-
schuldigten zusammengefasst vor, es sei unbestritten, dass der Beschuldigte und 

25

der Strafkläger 4 eine Auseinandersetzung gehabt hätten, die die Polizei gesehen 
habe. Jedoch sei sicher, dass es während dieser Auseinandersetzung keinen Mes-
serstich gegeben habe. Der Strafkläger 4 habe den Beschuldigten geschlagen und 
der Messerstich müsse dem Strafkläger 4 zuvor, etwa gegen 04:00 Uhr, zugefügt 
worden sein. Der Beschuldigte habe hierzu viele Erklärungen abgegeben und in 
diesem Punkt stets konstant ausgesagt. Die Wunde habe stark geblutet, was der 
Strafkläger 4 selbst gesagt habe und weshalb er sich habe umziehen müssen. Es 
habe eine gewisse Zeit gedauert, bis die Blutung aufgehört habe. Dies erkläre 
auch, weshalb der Polizist auf dem T-Shirt keine Blutspuren gesehen habe. 
Gemäss der Expertise von Dr. AJ.________ sei es zwar schwierig zu sagen, wie 
lange eine Wunde blute, da dies von verschiedenen Faktoren abhänge. Aber der 
Zustand des Strafkläger 4 treffe auf die beschriebenen Voraussetzungen zu, die zu 
einer Verlängerung der Blutungszeit führen würden. Betrachte man die Einstichstel-
le, so sei es eine Stelle mit vielen Muskeln. Der Strafkläger 4 sei drogenabhängig, 
trinke Alkohol und leide an AM.________ (Krankheit). Zudem erhöhe der Konsum 
von Alkohol und Kokain den Blutdruck und damit die Blutungen. All dies sei im 
Rahmen des Gutachtens des IRM nicht berücksichtigt worden. Auch nicht berück-
sichtigt worden sei, dass der Strafkläger 4 nach der einen Auseinandersetzung ei-
ne weitere Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten gehabt habe. Bei dieser 
Auseinandersetzung habe sich die Wunde, die zwischenzeitlich angefangen habe, 
zu heilen, wieder geöffnet. Es sei unmöglich, dass sich der Strafkläger 4 ausser-
halb des Zeitraums, in dem die Polizei gesehen habe, dass er nicht blute und dem 
Moment, als er die Verletzung bemerkt habe, umgezogen habe. Ebenfalls unmög-
lich sei, dass er das T-Shirt in der Zeit nach der Auseinandersetzung gewechselt 
habe. Gemäss IRM sei die Wunde kompatibel mit einer Wunde, die einige Stunden 
zuvor hinzugefügt worden sei. Somit sei durchaus möglich, dass einige Stunden 
vergangen waren, bis der Polizist AK.________ die Wunde festgestellt habe. Diese 
habe in dem Moment auch nicht mehr geblutet. 

Der Strafkläger 4 habe keine Anzeige gegen den Beschuldigten erstatten wollen, 
weil er gewusst habe, dass der Beschuldigte nicht der Verursacher des Messersti-
ches sei. Ausserdem sei er es gewesen, der den Beschuldigten geschlagen und 
damit die Auseinandersetzung begonnen habe. So habe der Strafkläger 4 denn 
auch nichts Anderes gemacht, ausser dem Insistieren und mehrmaligen Nachfra-
gen der Polizei zu folgen. Das sei eine plausible Erklärung für seine widersprüchli-
chen Aussagen. Er habe nie gesagt, dass der Beschuldigte der Täter gewesen sei, 
sondern die Polizei habe darauf beharrt, nachdem er keine Aussagen mehr habe 
machen wollen. Die Polizei habe gefragt, ob er jemanden auf der Fotodokumenta-
tion erkenne. Er habe dann gesagt, er kenne den Beschuldigten, was nachvollzieh-
bar sei, da man sich an diesem Abend drei Mal gesehen habe. Die Aussagen des 
Strafklägers 4 liessen den Schluss zu, dass er dem Beschuldigten den Messerstich 
habe anhängen wollen. Dies entspreche der Verhaltensweise einer Person, die un-
ter Kokain- und Alkoholeinfluss stehe. Und der Strafkläger 4 habe zugegeben, um 
03:00 Uhr konsumiert zu haben. Dafür sprächen auch die Gedächtnislücken. Zu-
dem passe die Erstaussage des Strafklägers 4, demnach der Beschuldigte ohne 
etwas zu sagen mit dem Messer auf ihn losgegangen sei, überhaupt nicht zur Per-
sönlichkeit des Beschuldigten. Entsprechend dem Gutachten von med. pract. 

26

AG.________ sei der Beschuldigte ein sehr aggressiver und impulsiver Typ, der 
sich sehr schnell verletzt fühle. Weiter habe die Staatsanwaltschaft ausgeführt, die 
Wunde sei noch frisch gewesen, was wie dargelegt nicht erwiesen sei. Die Aus-
führungen des IRM könnten auch so verstanden werde, dass die Verletzung um 
04:00 Uhr am Morgen entstanden sei. Ebenfalls habe die Staatsanwaltschaft vor-
gebracht, die Polizei habe von keinen anderen Auseinandersetzungen in dieser 
Nacht berichtet. Das treffe nicht zu, denn Polizist AK.________ habe von einer 
Auseinandersetzung gegen 06:00 Uhr am AU.________(Örtlichkeit) im Zusam-
menhang mit einem Mann mit einer Flasche berichtet und er habe diesen Mann 
später bei der N.________(Ortschaft) wieder gesehen. Es gebe keine Beweise, 
dass es in dieser Nacht nicht auch noch andere Schlägereien gegeben habe, die 
der Strafkläger 4 trotz seiner Beteiligung nicht gegenüber der Polizei erwähnt habe. 
Zudem sei der Stich von hinten zugeführt worden, ohne dass dies der Strafkläger 4 
wirklich bemerkt habe. Einer seiner Freunde habe anschliessend das Blut gesehen, 
weshalb er dann sein T-Shirt gewechselt habe. Dies müsse sich vor der von der 
Polizei beobachteten Auseinandersetzung zugetragen haben. Der Strafkläger 4 
habe bereits bei der Ersteinvernahme ausgesagt, den Stich erhalten zu haben, oh-
ne dass der Andere etwas gesagt habe. Diesfalls hätte der Täter das Messer vor 
dem Eintreffen der Polizei schnell noch verschwinden lassen müssen, was den An-
gaben der Polizei entgegenstehe, die kein Messer gesehen oder gefunden hätten. 
Sie habe zwei Beteiligte sich prügeln sehen, wobei der Strafkläger 4 gewalttätiger 
gewesen sei als der Beschuldigte. Der Strafkläger 4 habe ausgesagt, der Beschul-
digte habe versucht, ihn mit einer Flasche und dem Messer anzugreifen. Aber man 
habe den Beschuldigte weder mit einem Messer noch einer Flasche gesehen, was 
so durch die Polizisten bestätigt worden sei. In diesem Zusammenhang wäre es 
absolut zwingend gewesen, den schriftlich beantragten Zeugen anzuhören. Die 
Version des Strafklägers 4 könne sich angesichts der übrigen Aussagen unmöglich 
so zugetragen haben. Zudem habe der Beschuldigte ausgesagt, er habe den Straf-
kläger 4 drei Mal gesehen und um 04:00 Uhr habe der Strafkläger 4 ihm gesagt, 
dass er blute. Er habe den Strafkläger 4 von Weitem in einer anderen Auseinan-
dersetzung beobachtet und es sei normal, dass da niemand die Polizei gerufen ha-
be (pag. 3275 ff.). 

Weiter führte die Verteidigung im Wesentlichen aus, die Version des Beschuldigten 
sei absolut möglich. Gestützt auf den Arztbericht wisse man, es brauche eine ge-
wisse Zeit bis die Blutung stoppe, mindestens aber 6 Minuten und in dieser Zeit 
könne der Strafkläger 4 nicht das T-Shirt gewechselt haben. Wäre dieser Zeitraum 
so kurz gewesen, wie die Staatsanwaltschaft vorbringe, hätte irgendwo am T-Shirt 
noch etwas Blut sein müssen. In dieser Viertelstunde könne er nicht zugewartet 
und dann sein T-Shirt gewechselt haben. Hierzu brauche es länger. Die Staatsan-
waltschaft sage, er habe die Verletzung erst nach 30 Minuten bemerkt. Dies könne 
nicht sein; er habe ja stark geblutet, also habe er es vorher merken müssen. Dar-
aus werde ersichtlich, dass das, was der Strafkläger 4 sage, nicht stimme. Weiter 
bringe die Staatsanwaltschaft vor, der Strafkläger 4 habe genau sagen können, 
welches Messer es gewesen sei. Das stimme nicht, denn er habe etwa drei ver-
schiedene Versionen angegeben, wie dieses ausgesehen haben solle (pag. 3280 
f.). Schliesslich führte die Verteidigung aus, wenn der Strafkläger 4 den Messer-

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stich nicht sofort wahrgenommen habe, habe ihn jemand darauf aufmerksam ma-
chen müssen. In diesem Moment habe es viele Leute gehabt. Und die Polizei habe 
selbst gesagt, dass niemand etwas gesehen habe, weder Blut noch ein Messer. Es 
könne nicht sein, dass man dies nicht sofort sehe. Selbst wenn dies zutreffe, hätte 
er in diesen 15 Minuten keine Zeit gehabt, das T-Shirt zu wechseln. Das T-Shirt sei 
denn auch sofort gesucht worden. Es seien viele Menschen dort gewesen und hät-
ten die Auseinandersetzung beobachtet. Weiter habe der Beschuldigte vielleicht 
nicht spontan gesagt, dass er den Strafkläger 4 habe bluten sehen. Nachdem die 
Frage gestellt worden sei, habe er dies aber entsprechend ausgesagt. Es seien 
Sachen, bei denen er denke, er habe es bereits gesagt und es wüssten ja alle, also 
habe er es nicht nochmals gesagt. Es sei für den Beschuldigten so klar, dass er es 
nicht nochmals sagen müsse (pag. 3281 f.). Demnach sei der Beschuldigte von 
diesem Vorwurf freizusprechen (pag. 3276).

11.5.2 Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft hielt dem Vorbringen der Verteidigung, wonach der 
Strafkläger 4 den Beschuldigten nicht eindeutig als Täter identifiziert habe, anläss-
lich der ersten oberinstanzlichen Verhandlung entgegen, dass dieser noch im Spital 
ausgesagt habe, der Täter sei männlich, zwischen 35 und 40 Jahre alt, 185 bis 195 
cm gross, habe eine schlanke Statur, sei AN.________ (Nationalität), er habe ein 
schmales Gesicht, weisse Haut und spreche AO.________ (Sprache). Als markant 
habe er sodann die langen dunkelblonden Haare und die schlechten Zähne be-
schrieben. Zum Einwand der Verteidigung, der Beschuldigte habe keine blonden 
Haare, hielt die Generalstaatsanwaltschaft fest, dass die Unterscheidung zwischen 
dunkelblond und blond im Auge des Betrachters liege. Die übrige Beschreibung, 
insbesondere der schlechten Zähne und der Statur, passe jedoch hundertprozentig 
auf den Beschuldigten. Weiter wendete die Generalstaatsanwaltschaft gegen die 
Argumentation der Verteidigung, dass die Aussagen des Strafklägers 4 wider-
sprüchlich seien, ein, dass der Strafkläger 4 den Beschuldigten vor der Polizei ge-
warnt und ihm gar noch gesagt habe, er solle das Messer weglegen. Der Strafklä-
ger 4 habe denn auch keine Anzeige erstatten wollen. Diese Umstände würden klar 
gegen eine falsche Anschuldigung sprechen. Der Strafkläger 4 habe sodann aus-
gesagt, der Beschuldigte habe versucht, ihn über andere Personen zu kontaktie-
ren, um ihn um Verzeihung zu bitten, wobei es sich um eine sehr originelle Aussa-
ge handle, die man in einer erfundenen Geschichte nicht vorfinden würde. Verein-
zelt würden sich zwar auch in den Aussagen des Strafklägers 4 Widersprüche vor-
finden, insbesondere bezüglich des T-Shirt-Wechsels. Mit diesen habe sich die 
Vorinstanz aber detailliert auseinandergesetzt und diese würden der Glaubhaftig-
keit seiner Aussage keinen Abbruch tun. Der Umstand, dass der Strafkläger 4 ein 
gestohlenes Mobiltelefon auf sich trug und teilweise Aussagen verweigerte, könne 
den Beschuldigten nicht entlasten. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass 
der Strafkläger 4 seine Erstaussagen im AF.________ (Spital) bezüglich des Kern-
geschehens in allen weiteren Einvernahmen bestätigt habe. Es sei denn auch nor-
mal, dass man sich in über mehrere Jahre dauernden Verfahren teilweise wider-
spreche, was jedoch gerade für die Wahrheit spreche, da die Aussagen nicht ste-
reotyp seien. Weiter könne auch die Identifizierung durch den Polizisten 
AP.________ nicht in Abrede gestellt werden, wie dies die Verteidigung versuche. 

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Der von der Verteidigung vorgebrachten Dritttäterhypothese sei sodann entgegen-
zuhalten, dass die Polizei vor Ort gewesen sei und die Auseinandersetzung beob-
achtet habe. Wäre der Strafkläger 4 tatsächlich zuvor verletzt worden, wäre zudem 
nicht nachvollziehbar, weshalb der verletzte Strafkläger 4 sich danach auch noch 
mit dem Beschuldigten in eine Auseinandersetzung verwickeln würde und diesen 
grundlos geschlagen hätte. Das Gutachten des IRM habe schliesslich auch belegt, 
dass die Wunde, trotz des getrockneten Bluts, noch frisch gewesen sei. Demge-
genüber seien die Aussagen des Beschuldigten widersprüchlich. So habe er 
zunächst klar zugegeben, dass er ein schwarzes Messer zuhause habe, um dann 
später zu bestreiten, ein solches Messer zu besitzen. Sodann habe er zu Beginn 
behauptet, er kenne den Strafkläger 4 nicht, an der Berufungsverhandlung habe er 
hingegen vorgebracht, er kenne ihn seit Jahren. Zum ersten Mal erfolge darüber 
hinaus die Aussage, wonach der Strafkläger 4 ihm unerwartet einen Schlag ver-
setzt habe. Es sei nicht ersichtlich, weshalb diese Aussage an der Berufungsver-
handlung das erste Mal gemacht werde. Auffallend sei, dass der Beschuldigte im-
mer wieder Übersetzungsfehler heranziehe, um seine Aussagen zu relativieren. 
Erkennbar sei zudem, dass sich der Beschuldigte mit seinen Aussagen im Verlauf 
des Verfahrens an die Aussagen des Strafklägers 4 sowie der Polizei annähere. 
Diese widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten könnten deshalb nicht her-
angezogen werden. Hingegen würden die Aussagen des Privatklägers 4 von den-
jenigen der Polizei gestützt (pag. 2749 ff.).

Den Ausführungen der Verteidigung im Rahmen des Neubeurteilungsverfahrens 
hielt Staatsanwältin AH.________ für die Generalstaatsanwaltschaft entgegen, 
dass auch der seitens der Verteidigung eingereichte Bericht von Dr. AJ.________ 
zum bisherigen Beweisergebnis passe. Dieser erwähne mehrmals, dass nicht wirk-
lich gesagt werden könne, wie lange eine Wunde blute, da es von zu vielen Varia-
blen abhänge. Dann mache der Bericht die Angabe von 6 Minuten plus minus 2 
Minuten, ab da es aufhöre zu bluten und die Gerinnung einsetze. Diese Zeit passe 
genau zum Beweisschluss, demnach der Strafkläger 4 nach der Auseinanderset-
zung sein Oberteil gewechselt habe. Er habe ausgesagt, sein T-Shirt gewechselt 
und das blutige T-Shirt weggeworfen zu haben. 10 bis 15 Minuten nach der Aus-
einandersetzung habe er sich das erste Mal an den Polizisten gewandt und dieser 
habe keine Verletzungen feststellen können. Erst beim zweiten Mal habe man die 
Wunde gesehen, die kaum mehr geblutet habe. Zusammen mit den Aussagen des 
Strafklägers 4 erkläre der neue Arztbericht, weshalb der Polizist beim ersten Mal 
kein Blut am T-Shirt gesehen habe. Es habe nicht mehr so stark nachgeblutet, 
weshalb man auch nicht mehr viel Blut am T-Shirt gesehen habe, nachdem er es 
gewechselt habe. Dass keine der befragten Personen die Wunde während der 
Auseinandersetzung gesehen habe, erstaune nicht. Die Polizei habe sich nicht auf 
diese Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Strafkläger 4 
konzertiert, sie sei mit dem Abräumen bzw. der Sicherstellung der Musikanlage be-
schäftigt gewesen. Die Auseinandersetzung habe sie nur am Rande und von Wei-
tem beobachtet. Ebenso wenig erstaune, dass kein Polizist den Einsatz des Mes-
sers gesehen habe. Dass der Strafkläger 4 selbst die Blutung nicht sofort bemerkt 
habe, sei auch mit seinem damaligen Zustand erklärbar. Er sei in eine Auseinan-
dersetzung mit dem Beschuldigten geraten, sei wütend gewesen und unter Adrena-

29

lin gestanden, zudem habe er noch Alkohol und Drogen konsumiert gehabt. Das 
IRM habe nachvollziehbar festgehalten, dass man Verletzungen nicht immer sofort 
realisiere. Es könne immer zu einer zeitlichen Verzögerung der Wahrnehmung der 
Verletzungen bzw. der Schmerzen kommen. Der Beschuldigte habe den Strafklä-
ger 4 mit dem Messer verletzt. 

Nach wie vor gelte, dass der Strafkläger 4 den Täter genau beschrieben habe und 
diese Beschreibung passe in sämtlichen Punkten auf den Beschuldigten. Bereits im 
Spital habe er gesagt, er sei vom Beschuldigten mit dem Taschenmesser verletzt 
worden und diese Aussage sei in sämtlichen Einvernahmen gleich geschildert wor-
den. Er habe sehr konstante, detaillierte Aussagen gemacht und insbesondere das 
Messer beschrieben. Der Beschuldigte werde nicht übermässig belastet, sondern 
noch entlastet. Er sage beispielsweise, er habe dem Beschuldigten gesagt, er solle 
sofort das Messer weglegen und habe keine Anzeige gegen den Beschuldigten 
machen wollen. Insgesamt seien die Aussagen des Strafklägers 4 sehr glaubhaft. 
Die Version des Beschuldigten und der Verteidigung sei eine, die erst im Verlauf 
des Verfahrens geschildert worden sei. Und zwar ab dem Zeitpunkt, als er gemerkt 
habe, dass es keinen Sinn mehr mache, zu bestreiten, dass er vor Ort gewesen 
sei. Dies insbesondere, da ihm die Telefonauswertung vorgehalten worden sei. Es 
erschliesse sich nicht, weshalb diese Aussagen glaubhaft sein sollten. Zuerst habe 
er zugegeben, zuhause ein Messer zu haben, dann wolle er diese Aussage nie 
gemacht haben und sie sei falsch übersetzt worden. Auf die Aussagen des Be-
schuldigten könne nicht abgestellt werden. Interessant seien die heutigen Aussa-
gen zum Aufeinandertreffen mit dem Strafkläger 4. Nach dem zweiten Mal sei der 
Strafkläger 4 weggegangen und der Beschuldigte habe von Weitem eine Ausein-
andersetzung mit Beteiligung vom Strafkläger 4 beobachtet. Er sage, der Strafklä-
ger 4 sei dann weggegangen, habe mit jemandem gesprochen und auf ihn gezeigt, 
sei auf ihn zugegangen und habe ihm einen Faustschlag versetzt. Es habe dem-
nach nicht – wie von der Verteidigung vorgebracht – morgens um 04:00 Uhr eine 
Auseinandersetzung stattgefunden und dann um 08:00 Uhr sei es zu der Ausein-
andersetzung mit dem Beschuldigten gekommen. Wie er es heute geschildert ha-
be, liege sicherlich nicht ein Zeitraum von vier Stunden dazwischen. Diesfalls wür-
den seine Aussagen keinen Sinn machen. Zudem erwähne der Beschuldigte mit 
keinem Wort, dass der Strafkläger 4 ein komplett verblutetes T-Shirt gehabt habe, 
als er zu ihm gekommen sei und mit ihm geredet habe. Erst auf Nachfrage der Ver-
teidigung und als sie ihn darauf «ufeglüpft» habe, habe er dies so gesagt. In freier 
Erzählung sei das mit keinem Wort erwähnt worden. Deshalb habe der Beweis-
schluss der Kammer nach wie vor Gültigkeit (pag. 3278 f.). Weiter führte Staatsan-
wältin AH.________ aus, sie habe nicht gesagt, der Strafkläger 4 habe 30 Minuten 
lang nicht gemerkt, dass er geblutet habe. Er habe es im Augenblick, in dem er 
gekämpft habe, nicht wahrgenommen. Er sage ja, dass ihn ein Kollege auf die Blu-
tung darauf aufmerksam gemacht und er es da realisiert habe. Somit habe er an-
schliessend sehr wohl Zeit gehabt, das T-Shirt zu wechseln. Die Polizei sei immer 
noch mit dem Abbau der Musikanlage beschäftigt gewesen. Polizist AK.________ 
habe ausgesagt, die Auseinandersetzung sei fertig gewesen und etwa 15 Minuten 
später sei er das erste Mal zu ihm gekommen (pag. 3281).

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11.6 Würdigung durch die Kammer

An dieser Stelle sei vorweggenommen, dass die Vorinstanz die vorhandenen Be-
weismittel umfassend und zutreffend gewürdigt hat. Es kann auf die diesbezügli-
chen Ausführungen verwiesen werden (pag. 1865 ff.; S. 34 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). Ergänzend und zusammenfassend ist Folgendes festzuhalten:

Gemäss den vorliegenden Rapporten der Polizei sowie der Zeugenaussagen der 
Polizisten AK.________ und AP.________ fand am entsprechenden Morgen um 
ca. 07:45 Uhr ein Einsatz der Polizei im Zusammenhang mit einer Nachtru-
hestörung statt (pag. 123/1 ff.; pag. 124 ff.; pag. 129 ff.; pag. 221/19 Z. 37 ff.; pag. 
221/34 Z. 45 ff.). Dabei konnten die Beamten eine Schlägerei zwischen zwei Per-
sonen beim AQ.________ (Örtlichkeit) auf dem Vorplatz beobachten. Der Strafklä-
ger 4 war dem anwesenden Polizisten AK.________ persönlich bekannt und Letz-
terer hat erkannt, dass der Strafkläger 4 in die Rangelei involviert war (pag. 221/20 
Z. 51 f.). AK.________ gab an, aufgrund der Distanz habe er nicht gesehen, mit 
wem der Strafkläger 4 die Schlägerei oder Auseinandersetzung gehabt habe, da 
habe er sich zu wenig geachtet (pag. 221/22 Z. 97 ff.). Polizist AP.________ be-
richtete, dass der Streit mehrere Minuten gedauert habe und die Kontrahenten 
durch das anwesende Partyvolk mehrfach getrennt worden seien. Dem Strafkläger 
4 sei es gelungen, sein Gegenüber auf den Rücken zu legen um dieses dann 
mehrfach zu schlagen. Die Streithähne seien dann wieder getrennt worden. Nach 
weiteren verbalen Aktionen habe der Strafkläger 4 seinen Leibgurt aus den Hosen 
gezogen und sei wild um sich schlagend auf seinen Kontrahenten los. Auf Auffor-
derung der Polizei hätten sie dann voneinander abgelassen und der Kontrahent 
des Strafklägers 4 habe sich Richtung AR.________ (Örtlichkeit) entfernt (pag. 130 
f.; pag. 221/35 Z. 65 ff. und Z. 79 ff.). Er habe aus einer Distanz von ca. 35-40 Me-
ter feststellen können, dass sich zwei Männer in die Haare gerieten. Die Auseinan-
dersetzung habe ca. 10 bzw. evtl. auch nur 8 Minuten gedauert (pag. 130; pag. 
221/37 Z. 146 ff.). Er habe keine gefährlichen Gegenstände gesehen, so wie er es 
aus der Distanz beobachtet habe (pag. 221/35 Z. 78 f.). 

10 bis 15 Minuten nach der Schlägerei sei der Strafkläger 4 zu AK.________ ge-
kommen und habe von Schmerzen berichtet (pag. 221/21 Z. 58 ff.). Nachdem die 
Polizei zunächst keine Verletzung habe feststellen können, habe sich der Strafklä-
ger 4 nach kurzer Zeit nochmals an AK.________ gewendet. Dieser entdeckte 
dann eine Stichwunde, die Sanität wurde alarmiert und der Verletzte ins 
AF.________(Spital) transportiert (pag. 221/21 Z. 64 ff.). Im AF.________(Spital) 
führte der Strafkläger 4 aus, er sei in der Nacht mehrere Male auf den Täter getrof-
fen. Am Morgen habe er das Gespräch mit dem Täter gesucht, dieser habe in der 
linken Hand eine Glasflasche und in der rechten Hand ein offenes Sackmesser ge-
halten. Anlässlich dieses Gesprächs habe der Täter unerwartet mit der rechten 
Hand das Messer in seine linke Körperseite gerammt und wieder zurückgezogen 
(pag. 125 f.). Den Täter beschrieb er als männlich, ca. 35 - 40 Jahre, 185 - 195 cm, 
schlanke Statur, AN.________(Nationalität), schmales Gesicht, weisse Haut, 
AO.________(Sprache) sprechend. Er soll «AL.________» heissen und in der Kol-
lektivunterkunft in AS.________ (Ortschaft) untergebracht sein (pag. 126). Auffal-

31

lend ist dabei, dass der Beschuldigte an diesem Ort zuletzt gemeldet war 
(pag. 006). 

Der Beschuldigte wurde gleichentags um 09:47 Uhr in der AT.________ Filiale im 
AU.________ (Örtlichkeit) bei einem Diebstahl angehalten. Bei der Leibesvisitation 
auf der Polizeiwache AU.________ (Örtlichkeit) kamen unter anderem ein blutiges 
T-Shirt sowie zwei leere Messeretuis zum Vorschein. Da das Äussere des Ange-
haltenen dem Signalement des Täters der Messerstecherei entsprochen habe, sei-
en weitere Abklärungen erfolgt (pag. 126). In der Arrestzelle der Polizeiwache 
AU.________(Örtlichkeit) identifizierte der Polizist AP.________ den Beschuldigten 
anhand von dessen Kleidung (pag. 130). Den Kopf bzw. das Gesicht des Beschul-
digten habe dieser nicht sehen können, da der Beschuldigte ihm gegenüber das 
Gesicht abgewandt habe (pag. 221/36 Z. 114). Da er den Kopf nicht gesehen habe, 
habe er polizeiinterne Fotos begutachtet und den Beschuldigten als an der Schlä-
gerei Beteiligten identifiziert (pag. 221/36 Z. 115 ff.). Polizist AP.________ bestätig-
te in der Folge auch, dass er sich zu hundertprozentig sicher sei, dass der Be-
schuldigte in die Schlägerei involviert gewesen sei (pag. 221/38 Z. 200). Der Be-
schuldigte wurde darüber hinaus auch vom Strafkläger 4 als Täter identifiziert (pag. 
186 Z. 202 ff.). Dass die Polizei hinsichtlich der Täterschaft des Beschuldigten in ir-
gendeiner Form insistiert oder dies impliziert hätte, wie die Verteidigung geltend 
macht, ist dem Protokoll nicht ersichtlich. Auf die offene Fragestellung, was die von 
ihm auf der Fotodokumentation erkannte Person während des Vorfalles am 28. Ju-
ni 2020 gemacht hatte, antwortete der Strafkläger 4, diese Person habe die Fla-
sche und das Messer bei sich gehabt und er habe ihn mit dem Messer gestochen 
(vgl. pag. 186 Z. 209 ff.).

Es ist auszuschliessen, dass sich sowohl der Polizist AP.________ wie auch der 
Strafkläger 4 bei der Identifikation des Beschuldigten geirrt haben: Vorab trifft es 
zu, wenn der Strafkläger 4 darauf hinweist, dass der Beschuldigte ein einprägsa-
mes Gesicht habe (pag. 186 Z. 207). Ebenso nachvollziehbar sind die Ausführun-
gen von Polizist AP.________, wonach der Beschuldigte trotz seiner Herkunft eher 
ein europäisches Aussehen habe (pag. 221/36 Z. 117 f. und Z. 121). Weiter zeigte 
die rückwirkende Teilnehmeridentifikation des Mobiltelefons des Beschuldigten, 
dass sich von ca. 02:01 Uhr bis 07:35 Uhr im Raum AI.________(Ortschaft), d.h. in 
der Region des Tatorts, Verbindungen aufbauten (pag. 148/1) und dass sich das 
Mobiltelefon dann um 07:52 / 07:56 Uhr in Richtung 
AR.________(Örtlichkeit)/AU.________(Örtlichkeit) bewegte (pag. 148/2 f.). Rund 
eine Stunde später verband sich das Mobilgerät mit einer Antenne im AV.________ 
(Örtlichkeit) (an der Buslinie AW.________ (Ortschaft) [pag. 148/4]). Dies zeigt, 
dass sich der Beschuldigte im Tatzeitraum am Tatort befand und dass er sich – wie 
von Polizist AP.________ zu Protokoll gegeben (pag. 130) – im Anschluss Rich-
tung AR.________(Örtlichkeit)/AU.________(Örtlichkeit) entfernte.

Die anwesenden Polizisten haben bei der beobachteten Schlägerei keinen Einsatz 
eines Messers erkannt. Dies erscheint vor dem Hintergrund, dass ihre Anwesenheit 
in erster Linie der Räumung der Soundanlage diente und ihre Aufmerksamkeit nicht 
ausschliesslich der Auseinandersetzung gewidmet wurde, nachvollziehbar und 
schliesst den Einsatz eines Messers – insbesondere auch vor dem Eintreffen der 

32

Polizei – nicht aus. Sie gaben denn auch zu, die Auseinandersetzung nur am Ran-
de und von Weitem beobachtet zu haben (vgl. auch die zutreffenden Ausführungen 
der Generalstaatsanwaltschaft im Parteivortrag des Neubeurteilungsverfahrens 
[pag. 3278]). Gleiches gilt hinsichtlich der Flasche, die der Beschuldigte in der ei-
nen Hand gehalten haben soll. Denn ihre Aufmerksamkeit dürfte sich, wie bereits 
erwähnt, nicht von Beginn weg auf die Auseinandersetzung zwischen dem Be-
schuldigten und dem Strafkläger 4 gerichtet haben, sondern erst, als diese bereits 
im Gange war. Dafür, dass dies nicht wahrgenommen wurde, spricht die Darstel-
lung des Strafklägers 4, demnach ihm der Beschuldigte den Messerstich gleich am 
Anfang der Auseinandersetzung und überraschend zugefügt hatte und die Polizei 
erst später dazugekommen sei. Ebenso wenig erstaunt, dass von den einvernom-
menen Anwesenden niemand von Blut auf dem T-Shirt vom Strafkläger 4 oder 
dessen Kleiderwechsel berichtete. Erst ein Kollege machte den Strafkläger 4 auf 
Blutflecken aufmerksam und Letzterer wechselte daraufhin seine Kleidung. 

Bezüglich der Herkunft der Stichverletzung liegen deshalb als Beweismittel vorab 
die Aussagen des Strafklägers 4 vor. Diese wurden von der Vorinstanz zutreffend 
zusammengefasst und anschliessend wie folgt gewürdigt (pag. 1870 ff; S. 39 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Die Aussagen von G.________ waren während des gesamten Verfahrens nicht übermässig belas-
tend. So hat er ausgesagt, dass er eigentlich gar nicht gegen A.________ vorgehen und keine Anzei-
ge gegen ihn machen wolle. Dazu kommt, dass G.________ den Beschuldigten trotz des Messer-
stichs vor der Polizei warnen wollte und ihn aufgefordert hat, das Messer wegzuwerfen. Er belastet 
sich zudem auch selber, indem er angab, dass er sich natürlich gewehrt, dem Beschuldigten Ohrfei-
gen gegeben, Drogen und Alkohol konsumiert sowie eine Flasche und seinen Gurt zur Hand genom-
men habe. Weiter konnte er das Messer sehr genau beschreiben und nachvollziehbar erklären, wes-
halb es sich um ein Schweizer Taschenmesser gehandelt haben muss. Er konnte auch seine Gedan-
kengänge nachvollziehbar wiedergeben, z.B., dass er sich gedacht habe, dies sei der Dank dafür, 
dass er einen Landsmann von A.________ in den AX.________ (Spital) begleitet habe. Weiter stim-
men die Aussagen von G.________ mit den Aussagen der Polizisten überein: so hat G.________ die 
Auseinandersetzung am gleichen Ort eingezeichnet, wie der Polizist AP.________ und ähnlich wie 
der Polizist AK.________ (vgl. pag. 188 ff., pag. 221/41 und pag. 221/26). Auch das gesamte Ge-
schehen zwischen dem Ende der Auseinandersetzung und der Ankunft der Sanität, sagte 
G.________ gleich aus wie die Polizisten. Die Angabe von G.________, wonach dieser um ca. 08:00 
/ 08:10 Uhr die Polizei angesprochen hat, liegt ebenfalls im Bereich des Möglichen. Der Umstand, 
dass G.________ zu einer Gegenüberstellung mit A.________ bereit war und auch darauf hingewie-
sen hat, dass zur Aufklärung der Tat Kameraaufnahmen beigezogen werden sollen, spricht ebenfalls 
für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Weiter gab er jeweils an, wenn er etwas nicht mehr genau 
wusste, so z.B. ob A.________ Blut an den Händen gehabt habe (vgl. pag. 198/7, al. 215 ff.). Sein 
Aussageverhalten ist auch deshalb überzeugend, weil er nicht von sich aus versuchte, eine pfannen-
fertige Version abzuliefern, sondern erst bei Nachfrage nachvollziehbare Erklärungen liefert, welche 
seine Geschichte logisch und nachvollziehbar erscheinen lassen. So z.B. als er erzählte, dass er die 
Werkzeuge am Messer nicht gesehen habe, als A.________ das Messer in der Hand gehalten habe 
und auf Nachfrage wie er dann wisse, dass es sich um ein Taschenmesser gehandelt hat, erklären 
konnte, dass er das Messer gesehen habe, als es zu Boden gefallen sei. Oder als er angab, dass er 
ein Oberteil von seinem Kollegen erhalten habe und auf Nachfrage erklärte, dass sein Kollege ein T-
Shirt und einen Kapuzenpullover um die Schultern getragen habe. Ebenfalls für die Glaubhaftigkeit 

33

seiner Aussagen spricht, dass er bereits in seiner ersten Aussage gegenüber der Sanität angegeben 
hat, dass es sich um ein kleines Messer gehandelt hat. Insgesamt sind die Aussagen von 
G.________ zum Kerngeschehen konstant.

Dennoch finden sich auch bei ihm Widersprüche. So wird aus seinen Aussagen nicht ganz klar, ob 
vor und / oder nach dem Messerstich eine verbale Auseinandersetzung stattgefunden hat. In den bei-
den tatnächsten Einvernahmen im AF.________(Spital) am 28. Juni 2020 (pag. 125 f.) wie auch bei 
der Polizei am 3. Juli 2020 (pag. 185, al. 137 ff., pag. 186 al. 179 ff.) gab G.________ an, dass es vor 
dem Stich keine verbale Auseinandersetzung gegeben habe und dass die Polizei erst später gekom-
men sei. Diese Version lässt sich auch am ehesten mit den Aussagen der Polizisten vereinbaren, 
gemäss welchen bei der von ihnen beobachteten verbalen Auseinandersetzung kein Messer im Spiel 
gewesen sei. Dieses Zustechen ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund lässt sich ebenfalls 
mit dem im Gutachten umschriebenen psychischen Zustand von A.________ vereinbaren (vgl. Ziff. IV 
hiernach). Weiter machte G.________ widersprüchliche Aussagen bezüglich der Frage was nach 
dem Messerangriff mit dem Messer passiert sei, was zu Recht auch von der Verteidigung bemängelt 
wurde. So gab G.________ an, er habe versucht A.________ das Messer wegzunehmen (pag. 198/4 
f., al. 107 f.), A.________ habe das Messer versteckt (pag. 198/10, al. 241), A.________ habe das 
Messer auf dem Boden liegen lassen (pag. 198/10, al. 372), er habe A.________ das Messer aus der 
Hand geschlagen und es sei am Boden geblieben (pag. 198/10, al. 379 f.), das Messer sei auf den 
Boden gefallen, er wisse nicht genau, was dann damit passiert sei (pag. 1584, al. 34 ff.). Was letztlich 
genau mit dem Messer passiert ist kann offenbleiben und spielt für den Vorfall an sich keine entschei-
dende Rolle.

Weiter gab G.________ an, dass sein T-Shirt voller Blut gewesen sei, wobei es sich angesichts der 
Grösse der Wunde um eine Übertreibung handeln dürfte. Allerdings erfolgte die erste Einvernahme 
mit G.________ ohne Übersetzer und auch bei Einvernahmen mit Dolmetschern gestaltete sich die 
Befragung schwierig, was die Hauptverhandlung deutlich gemacht hat. Dass G.________ anlässlich 
der Hauptverhandlung zum ersten Mal anstelle von einem T-Shirt von einem Kapuzenpulli gespro-
chen hat, ist auch nicht ganz nachvollziehbar, dürfte jedoch ebenfalls der Übersetzung zuzuschreiben 
sein, da auch die Polizisten von einem T-Shirt gesprochen haben. Zudem wurde G.________ vor der 
Hauptverhandlung nie detailliert befragt, woher er das frische Oberteil hatte. Dass auf der Kleidung 
von G.________ zu einem Zeitpunkt deutlich ein Blutfleck zu sehen gewesen war, bestätigte auch der 
Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung. Es muss somit – wie von G.________ behauptet - vor 
der Kontaktaufnahme mit der Polizei zu einem Kleidungswechsel gekommen sein. 

An der Hauptverhandlung gab G.________ an, dass ihm die Polizei bereits im Spital und nicht erst bei 
der Einvernahme Fotos von A.________ vorgelegt habe. Das Vorlegen von Fotodokumentationen 
zwecks Wiedererkennen des Täters sollte detailliert in den Akten festgehalten werden, was vorliegend 
offenbar nicht passiert ist. Allerdings besteht gleichzeitig ein detailliertes und auf A.________ zutref-
fendes Signalement des Täters, welches G.________ bereits im Spital abgegeben hat. Zudem 
bestätigte G.________ mehrmals – auch an der Hauptverhandlung – dass es sich bei A.________ 
um den Täter handelt und auch AP.________ erkannte A.________ wieder. Letztlich bestritt der Be-
schuldigte auch nicht mehr, sich zur Tatzeit in der Nähe des Tatortes aufgehalten zu haben, was an-
gesichts der Daten der RTI auch kaum mehr zu bestreiten war.

Die Aussagen von G.________ sind auch deswegen vorsichtig zu würdigen, da er unter dem Einfluss 
von Betäubungsmitteln gestanden hat. Dieser Einfluss war jedoch nicht sehr gross, da der Polizist 
AK.________ ihn als «klar» erlebt hat und gut mit ihm sprechen konnte (pag. 221/23, al. 133).

34

Vor diesem Hintergrund wird bezüglich des Kerngeschehens auf die Aussagen von G.________ ab-
gestellt.

Auf diese umfassende und zutreffende Würdigung der Vorinstanz kann verwiesen 
werden. Oberinstanzlich führte der Strafkläger 4 zusammengefasst aus, dass er 
den Beschuldigten angesprochen habe, da ihn ein verletzter Mann beschuldigt ha-
be, ihn mit dem Messer gestochen zu haben. Daraufhin habe der Beschuldigte 
auch ihn (gemeint den Strafkläger 4) mit dem Messer verletzt. Es seien viele Men-
schen dort gewesen, die versucht hätten, mit dem Beschuldigten zu reden und ihn 
zu beruhigen. Er habe zunächst nicht bemerkt, dass er gestochen worden sei. 
Auch er habe versucht, den Beschuldigten zu beruhigen, was jedoch erfolglos ge-
blieben sei. Danach hätten sie sich erneut auseinandergesetzt und dann sei die 
Polizei gekommen, woraufhin sich der Strafkläger 4 entfernt habe. Wo der Be-
schuldigte hin sei, wisse er nicht. Ein Freund habe dann bemerkt, dass er (gemeint 
der Strafkläger 4) verletzt sei und habe ihm gesagt, er müsse ins Spital. Er sei des-
halb zu einem Polizisten und er sei dann mit einer Bandage verarztet worden (pag. 
2714 Z. 25 ff.). Auf Frage präzisierte der Strafkläger 4, dass er, nachdem er verletzt 
worden sei, nochmals zum Beschuldigten hin sei und ihn darauf angesprochen ha-
be, weshalb er ihn verletzt habe, woraufhin dieser nochmals auf ihn losgegangen 
sei und sie sich erneut auseinandergesetzt hätten. Vor dem Stich habe es keine 
Auseinandersetzung gegeben (pag. 2715 Z. 1 ff.). Den Beschuldigten kenne er 
nicht, er habe ihn zuvor noch niemals gesehen (pag. 2714 Z. 43). Auf Frage nach 
dem Zustand des Beschuldigten an jenem Abend, führte der Strafkläger 4 aus, 
dass man nicht mit ihm habe reden können. Er sei nicht besoffen gewesen, son-
dern mehr als besoffen. Man habe gar nicht mit ihm reden und ihn gar nicht beruhi-
gen können (pag. 2715 Z. 34 ff.). Auf Frage der Verteidigung, weshalb die Polizei 
kein Blut habe feststellen können, gab der Strafkläger 4 zu Protokoll, dass er sein 
T-Shirt gewechselt, wieder seine Jacke angezogen und es nachher nicht mehr ge-
blutet habe. Zudem wies er darauf hin, dass es keine Rolle spiele, ob die Polizei 
das Blut gesehen habe oder nicht, da sie ja offensichtlich den Stich gesehen hätten 
(pag. 2717 Z. 37 ff.). Er habe sein T-Shirt ausgezogen und dann seine Jacke darü-
ber angezogen, ohne T-Shirt (pag. 2718 Z. 5). Zu den Aussagen der Polizei, wo-
nach vor allem er auf den Beschuldigten eingeschlagen habe und nicht umgekehrt, 
erklärte der Strafkläger 4, d