# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2ce87312-7828-5799-a927-75c536938cc0
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-03
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 03.10.2017 A 2017 46
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_A-2017-46_2017-10-03.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

A 17 46

4. Kammer 

Einzelrichter Racioppi und Hemmi als Aktuarin ad hoc

URTEIL

vom 3. Oktober 2017

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

Beschwerdeführer

gegen 

Gemeinde X._____,

Beschwerdegegnerin

betreffend Beitragsverfahren B._____ (Einleitung)

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1. Mit Entscheid vom 21. Juli 2017, mitgeteilt am 3. August 2017, gab der 

Gemeindevorstand X._____ A._____ den Beschluss zur Einleitung eines 

Beitragsverfahrens für das Projekt "Quartierstrasse B._____" bekannt und 

legte den Beitragsperimeter fest. Der Kostenanteil der öffentlichen Inte-

ressenz wurde mit 15% und derjenige der privaten Interessenz mit 85% 

festgelegt. 

2. Hiergegen erhob A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) als Verwalter 

und im Namen der Stockwerkeigentümergemeinschaft B._____, Parzelle 

Nr. 1008, am 18. August 2017 (Poststempel) Beschwerde an das Verwal-

tungsgericht des Kantons Graubünden mit dem sinngemässen Antrag auf 

Aufhebung des Entscheids des Gemeindevorstands X._____ vom 21. Juli 

2017. Zur Begründung führte er aus, dass der hohe Finanzierungsanteil 

von 85% für die Anlieger nicht plausibel sei. Die Höhe der mitgeteilten 

Baukosten (Fr. 220'000.--) für eine nur 125 m lange Strasse, welche be-

reits seit Jahrzehnten genutzt werde und lediglich mit einer Teerdecke 

versehen werden solle, sei weder nachvollziehbar noch transparent dar-

gelegt. Eine plausible Aufschlüsselung fehle gänzlich.

3. Mit Schreiben vom 23. August 2017 teilte der Instruktionsrichter des Ver-

waltungsgerichts dem Beschwerdeführer Folgendes mit:

"Beschwerde: A._____ gegen Gemeinde X._____, betreffend Bei-
tragsverfahren B._____ (Einleitung) 

Sehr geehrter Herr A._____

Ihre Beschwerde vom 18. August 2017 (Poststempel) haben wir erhalten. 

Sie erheben Beschwerde als Verwalter der Stockwerkeigentümergemein-

schaft B._____. Um im Namen der Stockwerkeigentümergemeinschaft  

Beschwerde zu erheben, benötigen Sie eine Ermächtigung durch die 

Stockwerkeigentümerversammlung (sog. Prozessführungsbefugnis). Wir 

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bitten Sie, diese bis zum 25. September 2017 einzureichen. Sollte die 

Vollmacht nicht fristgemäss eingereicht werden, kann auf die Beschwerde 

der Stockwerkeigentümergemeinschaft nicht eingetreten werden.

Nach Art. 74 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 

(VRG; BR 370.100) kann von der beschwerde- oder klageführenden Par-

tei ein Kostenvorschuss verlangt werden. Wir fordern Sie hiermit auf, 

ebenfalls bis zum 25. September 2017 (Valuta Zahlungseingang) einen 

Gerichtskostenvorschuss von Fr. 1000.--

auf das Postcheckkonto Nr. _____ der Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, einzuzahlen. Erfolgt der Kostenvorschuss nicht 
fristgemäss, wird auf das Rechtsmittel nicht eingetreten (Art. 74 Abs. 
3 VRG)."

4. Der Beschwerdeführer reichte bis zum heutigen Zeitpunkt keine Voll-

macht ein. Auch ein fristgerechter Zahlungseingang des Kostenvorschus-

ses konnte nicht festgestellt werden.

Auf die Vorbringen und Argumente des Beschwerdeführers wird, soweit 

erforderlich, im Rahmen der nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 43 Abs. 3 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-

pflege (VRG; BR 370.100) entscheidet das Verwaltungsgericht in einzel-

richterlicher Kompetenz, wenn ein Rechtsmittel offensichtlich unzulässig 

oder offensichtlich begründet oder unbegründet ist. Bei der Beschwerde 

vom 18. August 2017 handelt es sich – wie in den nachstehenden Erwä-

gungen ausgeführt wird – um ein infolge Fehlens der erforderlichen Pro-

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zessvoraussetzungen offensichtlich unzulässiges Rechtsmittel, weswe-

gen das streitberufene Verwaltungsgericht in einzelrichterlicher Kompe-

tenz entscheidet.

2. a) Grundsätzlich kann die Gemeinschaft der Stockwerkeigentümer gemäss 

Art. 712l Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) un-

ter ihrem Namen klagen und betreiben sowie beklagt und betrieben wer-

den. Diese beschränkte Handlungsfähigkeit bildet das Korrelat zur be-

schränkten Vermögensfähigkeit und die beschränkte Prozess- und Be-

treibungsfähigkeit stellt das Spiegelbild der beschränkten Handlungs-

fähigkeit dar (BÖSCH, in HONSELL/VOGT/GEISER (Hrsg.), Basler Kommen-

tar, Zivilgesetzbuch II, 5. Aufl., Basel 2015, Art. 712l Rz. 7). Diese Fähig-

keiten bestehen aber nur im Zusammenhang mit der gemeinschaftlichen 

Verwaltung des Stockwerkeigentums, wobei die Prozessfähigkeit der 

Stockwerkeigentümergemeinschaft sämtliche Verfahren in sämtlichen 

Rechtsgebieten des Privatrechts oder des öffentlichen Rechts, welche die 

Verwaltung des Stockwerkeigentums betreffen, umfasst (WERMELINGER, 

Schweizerisches Zivilgesetzbuch, Teilband IV 1c, Das Stockwerkeigen-

tum, Zürich u.a. 2010, Art. 712l Rz. 8 und 127). In casu stehen gemein-

schaftliche Kosten gemäss Art. 712h Abs. 2 Ziff. 3 ZGB in Frage. Die Pro-

zessfähigkeit der Stockwerkeigentümergemeinschaft ist dementspre-

chend vorliegend zu bejahen, bedarf zur Wahrnehmung jedoch eines Ver-

treters, der für sie die prozessuale Handlung vornehmen kann. Zur Vertre-

tung der Stockwerkeigentümergemeinschaft ergibt sich aus Art. 712t Abs. 

2 ZGB eine beschränkte gesetzliche Vollmacht zugunsten des Verwalters 

zwecks Führung von Zivilprozessen. Der Verwalter hat demnach kraft Art. 

712t Abs. 2 in fine ZGB in summarischen Verfahren die Kompetenz, Pro-

zesse, die im Zusammenhang mit der gemeinschaftlichen Verwaltung 

stehen, ohne Rücksicht auf das Vorliegen einer Vollmacht anzuheben 

oder aufzunehmen. Zur Führung eines anzuhebenden oder vom Gegner 

eingeleiteten Prozesses ausserhalb des summarischen Verfahrens bedarf 

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der Verwalter der vorgängigen Ermächtigung durch die Versammlung der 

Stockwerkeigentümer. Allerdings kann diese Ermächtigung in dringenden 

Fällen nachgeholt werden (BÖSCH, a.a.O., Art. 712t Rz. 6). Durch den 

Prozessführungsbeschluss der Stockwerkeigentümergemeinschaft wird 

der Verwalter nicht aktiv- oder passivlegitimierte Prozesspartei, sondern 

er wird zur Postulation im Namen der Gemeinschaft (ex tunc) ermächtigt.

b) Gemäss herrschender Lehre wird die Auffassung vertreten, dass der 

Verwalter in öffentlich-rechtlichen Gerichtsverfahren keine gesetzliche 

Vertretungsmacht hat, weshalb er hierfür, entsprechend dem Normzweck 

von Art. 712t ZGB, eine besondere Prozessführungsbefugnis durch die 

Stockwerkeigentümergemeinschaft benötigt (BÖSCH, a.a.O., Art. 712t Rz. 

6; WERMELINGER, a.a.O. Art. 712t Rz. 55). Konsequenterweise kann auch 

hier die entsprechende Ermächtigung in dringenden Fällen nachgeholt 

werden. Dringlichkeit liegt vor, wenn es vernünftigerweise nicht mehr 

möglich ist, vorab einen Beschluss der Stockwerkeigentümerversamm-

lung herbeizuführen. Dies ist in einem öffentlich-rechtlichen Verfahren, wo 

– wie vorliegend – die Beschwerdefrist von 30 Tagen nicht erstreckt wer-

den kann, wohl zu bejahen. Gemäss ständiger Praxis zur nachträglichen 

Beibringung einer Vollmacht ist demnach auch der Verwalter zu behan-

deln, der im Zeitpunkt der Beschwerdeeingabe noch nicht im Besitze ei-

nes Prozessführungsbeschlusses ist. Dies insofern, als dass der Verwal-

ter der Stockwerkeigentümergemeinschaft, der eine verwaltungsrechtliche 

Beschwerde erhebt und trotz seiner Beweispflicht während laufendem 

Verfahren keinen Zustimmungsbeschluss der Versammlung nachreicht, 

formell nicht legitimiert ist, die Stockwerkeigentümerschaft vor Gericht zu 

vertreten (PVG 2007 Nr. 36). Im Falle der Nichtbeibringung des Prozess-

führungsbeschlusses ist demnach auf das Rechtsbegehren des Verwal-

ters (falsus procurator) nicht einzutreten, wobei dieser schliesslich die 

Kosten zu tragen hat (WERMELINGER, a.a.O., Art. 712t Rz. 59).

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c) Vorliegend wies der Instruktionsrichter mit Schreiben vom 23. August 

2017 den Beschwerdeführer darauf hin, dass er zur Erhebung einer ver-

waltungsgerichtlichen Beschwerde im Namen der Stockwerkeigentümer-

gemeinschaft eine Ermächtigung durch die Versammlung der Stockwerk-

eigentümer benötige. Zugleich wurde ihm unter Androhung, dass im 

Säumnisfall auf die Beschwerde nicht eingetreten werde, eine Nachfrist 

bis zum 25. September 2017 angesetzt, um die entsprechende Vollmacht 

einzureichen. Bis zum heutigen Urteilsdatum ging dem Verwaltungsge-

richt jedoch keine Prozessführungsbefugnis des Verwalters zu. Infolge-

dessen muss die Nichtvornahme der längst angezeigten Rechtshandlung 

im Sinne der obigen Ausführungen zu Lasten des Beschwerdeführers 

ausgelegt werden, nämlich dahingehend, dass es im vorliegenden Fall an 

einer entsprechenden Prozessführungsbefugnis des Verwalters und damit 

an einer Prozessvoraussetzung fehlt. Auf die Beschwerde des falsus pro-

curators kann daher nicht eingetreten werden. 

3. a) Gemäss Art. 74 Abs. 1 VRG kann von der beschwerde- oder klage-

führenden Partei ein Kostenvorschuss verlangt werden. Für die Leistung 

des Kostenvorschusses ist der Partei eine angemessene Frist zu setzen 

(Art. 74 Abs. 2 VRG). Leistet die Partei den Kostenvorschuss trotz Andro-

hung der Säumnisfolgen nicht fristgemäss, ist auf ihr Begehren nicht ein-

zutreten (Art. 74 Abs. 3 VRG). 

b) Mit Schreiben vom 23. August 2017 forderte der Instruktionsrichter den 

Beschwerdeführer unter Androhung der Säumnisfolgen zur Leistung ei-

nes Kostenvorschusses im Betrag von Fr. 1'000.-- bis zum 25. September 

2017 auf. Da der Kostenvorschuss bis zum heutigen Urteilsdatum nicht 

bezahlt wurde, ist auf die vorliegende Beschwerde auch mangels Leis-

tung des Kostenvorschusses nicht einzutreten. 

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4. Nach dem Gesagten genügt die Beschwerde vom 18. August 2017 den 

formellen Erfordernissen nicht und stellt damit ein offensichtlich unzuläs-

siges Rechtsmittel im Sinne von Art. 49 Abs. 3 lit. b VRG dar, weshalb auf 

sie nicht einzutreten ist. Damit erübrigt sich die Durchführung eines 

Schriftenwechsels. Die Kosten des Verfahrens gehen bei diesem Aus-

gang zulasten des Beschwerdeführers (Art. 72 VRG).

Demnach erkennt der Einzelrichter:

1. Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wird verzichtet.

2. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

 3. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 300.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 176.--

zusammen Fr. 476.--

gehen zulasten von A._____ und sind innert 30 Tagen seit Zustellung die-

ses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, 

zu bezahlen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]