# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bf5334c8-150d-5cad-a5f0-90503631934d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.12.2011 BVGE 2011/49
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2011-49_2011-12-30.pdf

## Full Text

2011/49 Vollzug der Wegweisung 

 

 

988 BVGE / ATAF / DTAF 

 

49 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung IV 
i. S. A. gegen Bundesamt für Migration 
D–7950/2009 vom 30. Dezember 2011 

Wegweisung. Afghanistan. Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

in die Stadt Mazar-i-Sharif. Lageanalyse.  

Art. 83 Abs. 4 AuG. 

1. Die Sicherheitslage und die humanitäre Situation stellen sich in 

der Stadt Mazar-i-Sharif – wie auch in der Hauptstadt Kabul 

(BVGE 2011/7, insbes. E. 9.9.2) und der Stadt Herat (BVGE 

2011/38, E. 4.3.1–4.3.3) – heute weniger bedrohlich dar, als in den 

übrigen Landesteilen Afghanistans.  

2. Unter der Voraussetzung begünstigender Umstände (insbes. trag-

fähiges Beziehungsnetz, Möglichkeit zur Sicherung des Existenz-

minimums, gesicherte Wohnsituation, guter Gesundheitszustand) 

kann ein Vollzug der Wegweisung in die Stadt Mazar-i-Sharif 

zumutbar sein (E. 7.3.5–7.3.8). 

Renvoi. Afghanistan. Exigibilité de l'exécution du renvoi vers la ville 

de Mazar-i-Sharif. Analyse de la situation. 

Art. 83 al. 4 LEtr. 

1. Du point de vue sécuritaire et humanitaire, la situation dans la 
ville de Mazar-i-Sharif se présente aujourd'hui – comme dans la 

capitale Kaboul (ATAF 2011/7, spéc. consid. 9.9.2) et dans la ville 

de Herat (ATAF 2011/38, consid. 4.3.1–4.3.3) – de manière moins 

menaçante que dans les autres parties de l'Afghanistan. 

2. A condition que des circonstances favorables soient réunies (en 
particulier l'existence d'un solide réseau social, la possibilité d'ac-

céder au minimum vital et à un logement, un bon état de santé), 

l'exécution du renvoi vers la ville de Mazar-i-Sharif peut être 

raisonnablement exigée (consid. 7.3.5–7.3.8).  

 

Vollzug der Wegweisung  2011/49 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 989 

 

Allontanamento. Afghanistan. Esigibilità dell'esecuzione dell'allonta-

namento verso la città di Mazar-i-Sharif. Analisi della situazione. 

Art. 83 cpv. 4 LStr. 

1. Come nella capitale Kabul (DTAF 2011/7, in particolare con-
sid. 9.9.2) e nella città di Herat (DTAF 2011/38, consid. 4.3.1–

4.3.3), anche nella città di Mazar-i-Sharif le condizioni di sicu-

rezza e la situazione umanitaria sono oggi meno critiche rispetto 

alle altre regioni dell'Afghanistan.  

2. In presenza di condizioni favorevoli (in particolare una solida 

rete di rapporti sociali, la possibilità di procacciarsi il minimo 

esistenziale e di trovare un alloggio, buone condizioni di salute), 

l'esecuzione dell'allontanamento verso la città di Mazar-i-Sharif 

può essere considerata ragionevolmente esigibile (consid. 7.3.5–

7.3.8).  

 

Der Beschwerdeführer reichte am 28. Mai 2009 in der Schweiz ein Asyl-

gesuch ein. Mit Verfügung vom 19. November 2009 wies das Bundesamt 

für Migration (BFM) das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wies 

ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Der 

Beschwerdeführer erhob mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht 

vom 21. Dezember 2009 gegen die BFM-Verfügung Beschwerde.  

Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 

Aus den Erwägungen: 

7.3.3 (…) In BVGE 2011/7 stellte das Bundesverwaltungsgericht 
zusammenfassend fest, dass in Afghanistan – ausser allenfalls in Gross-

städten – eine derart schlechte Sicherheitslage und derart schwierige 

humanitäre Bedingungen bestünden, dass die Situation als existenz-

bedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 des Ausländergesetzes vom 

16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) zu qualifizieren sei. Bezüglich 

Kabul hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass der Wegweisungs-

vollzug dorthin nur dann zumutbar sei, wenn sich im Einzelfall erweise, 

dass die betroffene Person in Kabul sozial vernetzt sei, sie also dort über 

ein tragfähiges soziales Netz im Sinne der bisherigen strengen Anfor-

derungen nach Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission (EMARK) 2003 Nr. 10 verfüge. Offengelassen 

2011/49 Vollzug der Wegweisung 

 

 

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wurde im besagten BVGE 2011/7, ob betreffend die Städte Herat und 

Mazar-i-Sharif in gleicher Weise zu entscheiden wäre (vgl. a. a. O., 

E. 9.8–9.9). In BVGE 2011/38 wurde bezüglich der Stadt Herat erkannt, 

dass der Vollzug der Wegweisung dorthin, sofern begünstigende Um-

stände vorliegen, als zumutbar zu erachten ist. 

7.3.4 Der Beschwerdeführer stammt aus der Provinz Samangan. 
Gemäss der soeben dargelegten aktuellen Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts ist von der Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs dorthin auszugehen.  

7.3.5 Bei dieser Sachlage stellt sich die Frage, ob dem Beschwerde-
führer in Afghanistan allenfalls eine Aufenthaltsalternative zur Verfügung 

steht. Gemäss den Akten wohnen seine Mutter, seine Schwester, sein 

Onkel sowie eine seiner Tanten in der Stadt Mazar-i-Sharif (Provinz 

Balkh). Deshalb ist im Folgenden zu prüfen, ob sich der Vollzug der 

Wegweisung des Beschwerdeführers nach Mazar-i-Sharif im Lichte der 

vorstehend in E. 7.3.3 aufgezeigten aktuellen Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts zu Afghanistan als zumutbar erweist.  

7.3.6 Eine Situation allgemeiner Gewalt in einem Land führt nicht 
automatisch zur Annahme einer konkreten Gefährdung; vielmehr muss 

die betroffene Person darlegen, dass die Situation auch für sie eine 

konkrete Gefährdung darstellt. Mithin ist in der Regel immer eine Einzel-

fallbeurteilung unter Berücksichtigung der individuellen Lebensum-

stände der betroffenen Person vorzunehmen (vgl. RUEDI ILLES, in: 

Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundes-

gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, S. 799 

Rz. 33 zu Art. 83 AuG). Zwar ist von einer Verschlechterung der Sicher-

heitslage im Norden Afghanistans in den letzten Jahren auszugehen und 

auch in der Provinz Balkh ist die Zahl sicherheitsrelevanter Ereignisse 

angestiegen (vgl. The Afghanistan NGO Safety Office [ANSO], ANSO 

Quarterly Data Report Q. 4/2010 [1. Januar–31. Dezember 2010], Januar 

2011, S. 13, < http://reliefweb.int/node/381693 >, besucht am 24. Okto-

ber 2011; The Afghanistan NGO Safety Office, ANSO Quarterly Data 

Report Q. 1/2011 [1. Januar–31. März 2011], April 2011, S. 10, < http:// 

humansecuritygateway.com/documents > ANSO-Q1-Report-2011.pdf >, 

besucht am 1. Dezember 2011; Afghanistan Research and Evaluation 

Unit [AREU], Opium poppy strikes back. The 2011 Return of Opium in 

Balkh and Badakhshan Provinces, Juli 2011, S. 7, < http://www.unhcr.org 

> Resources > Refworld > Refworld Online > Document Types > 

Country Reports > Afghanistan Research and Evaluation Unit [AREU] > 

Vollzug der Wegweisung  2011/49 

 

 

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Afghanistan > Opium poppy strikes back, besucht am 24. Oktober 2011). 

Die Situation in der Stadt Mazar-i-Sharif wird aber in neusten Berichten, 

auch im Vergleich mit anderen afghanischen Städten und Provinzen, als 

verhältnismässig ruhig beschrieben. Im Distrikt Mazar-i-Sharif, der 

hauptsächlich das Stadtgebiet von Mazar-i-Sharif umfasst, wurde von 

Januar bis Juni 2009 eine einzige bewaffnete Attacke einer feindlichen 

Gruppe registriert, während in der Stadt Herat und in der Provinz Kabul 

elf beziehungsweise einundsechzig solcher Attacken in dieser Periode 

gezählt wurden. Von Januar bis Juni 2010 wurde im Distrikt Mazar-i-

Sharif keine einzige Attacke einer feindlichen Gruppe registriert, 

wohingegen in diesem Zeitraum in der Stadt Herat und der Provinz 

Kabul eine respektive achtundzwanzig derartiger Attacken gezählt 

wurden. Von Januar bis Juni 2011 wurden im Distrikt Mazar-i-Sharif drei 

Attacken feindlicher Gruppen registriert, während in der Stadt Herat und 

der Provinz Kabul sieben beziehungsweise vierunddreissig solcher At-

tacken gezählt wurden (vgl. The Afghanistan NGO Safety Office, The 

ANSO Report, 16.–30. Juni 2011, S. 7, < http://reliefweb.int/node/ 

423653 >, besucht am 24. Oktober 2011; The Afghanistan NGO Safety 

Office, ANSO Quarterly Data Report Q. 2/2011 [1. Januar–30. Juni 

2011], Juli 2011, S. 10, < http://reliefweb.int/node/463469 >, besucht am 

24. Oktober 2011). Im Mai 2011 hielt der International Council on 

Security and Development in einem Bericht fest, der Distrikt Mazar-i-

Sharif sei relativ sicher und die Stadt Mazar-i-Sharif sei eine der sichers-

ten im ganzen Land (vgl. International Council on Security and Develop-

ment, Afghanistan Transition: The Death of Bin Laden and Local Dyna-

mics, Mai 2011, S. 45, < http://www.icosgroup.net > ICOS Programs > 

Afghanistan >, besucht am 24. Oktober 2011). Im September 2011 führte 

der Congressional Resarch Service in einem Bericht aus, dass die Stadt 

Mazar-i-Sharif weitgehend als stabil angesehen werde (vgl. Congress-

ional Research Service, Afghanistan: Post-Taliban Governance, Security, 

and U.S. Policy, 22. September 2011, S. 28, < http://www.unhcr.org > 

Resources > Refworld > Refworld Online > Document Types > Country 

Reports > United States Congressional Research Services > Afghanis-

tan > Afghanistan: Post-Taliban Governance, Security, and U.S. Policy, 

besucht am 24. Oktober 2011). An dieser Einschätzung, wonach die 

Situation in Mazar-i-Sharif überwiegend als stabil anzusehen ist, ändert 

auch der Umstand nichts, dass bei einem Bombenanschlag in Mazar-i-

Sharif am 6. Dezember 2011 mindestens vier Personen ums Leben 

gekommen sind, darunter ein afghanischer Soldat. Dieser Anschlag, der 

selbst von den Taliban verurteilt wurde, wird von Experten einer Rand-

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gruppe nahestehend der Al-Qaida/Pakistan zugeschrieben (vgl. NZZ 

Online, Gegen 60 Tote am wichtigsten schiitischen Feiertag < http:// 

www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordatte

ntat_in_kabul_1.13533071 >, besucht am 20. Dezember 2011). Im März 

2011 wurde zudem begonnen, die gesamte Verantwortung für die Si-

cherheit in Mazar-i-Sharif, wie geplant, von der Internationalen Sicher-

heitsunterstützungstruppe (ISAF) auf die afghanischen Sicherheitskräfte 

zu übertragen (vgl. < http://www. nato. int > Newsroom > News > 

Search by date from 18. Nov. 2011 > Mazar after transition >, besucht 

am 1. Dezember 2011). Seit dem 23. Juli 2011 tragen afghanische Sicher-

heitskräfte die Sicherheitsverantwortung in Mazar-i-Sharif. Während 

eines Besuchs des deutschen Aussenministers Guido Westerwelle hat die 

ISAF das Kommando in afghanische Hände übergeben (vgl. < http:// 

www.bundesregierung.de > Nachrichten > Artikel > Suchen nach Datum 

1. August 2011 > Masar-i-Scharif: Schrittweise Übergabe und langfristi-

ge Kooperation >, besucht am 20. Dezember 2011). 

Hinsichtlich der humanitären Situation in Mazar-i-Sharif ist festzuhalten, 

dass sich aus den vom Bundesverwaltungsgericht konsultierten Länder- 

und Themenberichten nicht ergibt, dass diese wesentlich schlechter ist als 

diejenige in Kabul. 

7.3.7 In Anbetracht dieser Umstände erscheint die Lage in der Stadt 
Mazar-i-Sharif mit derjenigen in Kabul zumindest vergleichbar und es 

rechtfertigt sich nicht, von einer generellen Unzumutbarkeit der Rück-

kehr dorthin aufgrund der allgemeinen Situation auszugehen. Zudem 

verfügt die Stadt Mazar-i-Sharif auch über einen Flughafen, der von 

Kabul, Herat, Dubai und Teheran angeflogen wird (vgl. < http://de.wiki 

pedia.org/wiki/Flughafen_Masar-e_Scharif >, besucht am 24. Oktober 

2011). 

7.3.8 Vorliegend ergeben sich aus den Akten zudem keine indivi-
duellen Umstände, welche es rechtfertigen würden, den Vollzug der Weg-

weisung des Beschwerdeführers in die Stadt Mazar-i-Sharif als unzumut-

bar zu erachten. Gemäss den Akten wohnen seine Mutter und seine 

Schwester bei seinem Onkel in Mazar-i-Sharif. Zudem lebt noch eine 

seiner Tanten in dieser Stadt, womit der Beschwerdeführer dort über ein 

tragfähiges familiäres Beziehungsnetz verfügt, welches ihm bei der 

Integration behilflich sein wird. Insbesondere ist anzunehmen, dass er 

nach seiner Rückkehr nach Mazar-i-Sharif bei seiner Familie wohnen 

kann, bis er eine eigene Wohnung gefunden hat, und dass seine Familie 

ihn bei der Suche nach einer Arbeitsstelle unterstützt. Der junge, ledige 

Vollzug der Wegweisung  2011/49 

 

 

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Beschwerdeführer ist – gemäss den Akten – gesund und hat eine über-

durchschnittlich gute Schulbildung. Zudem spricht er neben seiner 

Muttersprache Paschtu auch Dari und er war in seiner Heimat als Inhaber 

eines Ladens während eineinhalb Jahren erwerbstätig, weswegen davon 

auszugehen ist, er werde sich bei einer Rückkehr nach Afghanistan auch 

beruflich wieder integrieren können. Die Rückkehrhilfe der Schweiz 

wird ihm den Wiedereinstieg in seiner Heimat ebenfalls erleichtern 

(Art. 93 Abs. 1 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 

142.31]; Art. 73 ff. der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 

2, SR 142.312]). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der erst im 

Alter von knapp zweiundzwanzig Jahren in die Schweiz eingereiste Be-

schwerdeführer den grössten Teil seines Lebens in Afghanistan verbracht 

hat, weshalb er mit der dortigen Sprache, Kultur, Arbeits- und Lebens-

weise bestens vertraut ist. Soweit der Beschwerdeführer in der Rechts-

mittelschrift vorbringt, er sei als Paschtune bei einer Rückkehr in die 

Stadt Mazar-i-Sharif gefährdet, da es dort immer wieder zu Übergriffen 

gegen die paschtunische Minderheit komme, ist Folgendes festzuhalten: 

Es trifft zwar zu, dass die Paschtunen in der Stadt Mazar-i-Sharif ledig-

lich 10 % der Bevölkerung ausmachen und dort somit eine Minderheit 

darstellen. Nach Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts leben 

aber die verschiedenen ethnischen Gruppen von Mazar-i-Sharif – trotz 

gelegentlicher Spannungen – in aller Regel friedlich zusammen, weshalb 

der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr dorthin nichts zu befürchten 

hat (vgl. dazu AREU, Deconstructing « Democracy » in Afghanistan, 

Mai 2011, S. 16, < http://www.areu.org.af > Publications > Advanced 

Publication Search > Author Anna Larson > Deconstructing « Demo-

cracy » in Afghanistan >, besucht am 24. Oktober 2011).  

Somit ist der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers in die Stadt 

Mazar-i-Sharif auch im Lichte der aktuellen Rechtsprechung zu Afgha-

nistan sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumut-

bar zu erachten.