# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c29ea901-c116-5c50-9ad6-b56ec5acc7de
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-19
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 19.10.2020 100 2019 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2019-6_2020-10-19.pdf

## Full Text

100.2019.6U
DAM/BER/ROS

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 19. Oktober 2020 

Verwaltungsrichterin Herzog, präsidierendes Mitglied
Verwaltungsrichter Daum, Verwaltungsrichterin Steinmann 
Gerichtsschreiberin Bernasconi Zenger

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

sowie

Einwohnergemeinde Bern
Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei, Predigergasse 5, 
Postfach, 3001 Bern

betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung in-
folge Straffälligkeit (Entscheid der Polizei- und Militärdirektion des Kantons 
Bern vom 5. Dezember 2018; 2017.POM.326)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die jamaikanische Staatsangehörige A.________ (Jg. 1992) reiste am 
26. März 2003 im Familiennachzug in die Schweiz ein und erhielt eine 
Aufenthaltsbewilligung zwecks Verbleibs bei ihrer Mutter. Am 2. Februar 
2007 wurde ihr die Niederlassungsbewilligung erteilt. Am 1. Juli 2016 verur-
teilte sie das Obergericht des Kantons Bern in zweiter Instanz unter anderem 
wegen mehrerer (versuchter) Körperverletzungen zu einer Freiheitsstrafe 
von 24 Monaten. Das Gericht schob den Vollzug der Strafe zugunsten einer 
ambulanten therapeutischen Behandlung auf. Mit Verfügung vom 24. März 
2017 widerrief die Einwohnergemeinde (EG) Bern, Einwohnerdienste, Mi-
gration und Fremdenpolizei (EMF), die Niederlassungsbewilligung von 
A.________ und wies sie unter Ansetzung einer Ausreisefrist aus der 
Schweiz weg. 

B.

Gegen diese Verfügung erhob A.________ am 29. April 2017 Beschwerde 
bei der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern (POM; heute: 
Sicherheitsdirektion [SID]). Diese wies die Beschwerde mit Entscheid vom 
5. Dezember 2018 ab (Ziff. 1 des Dispositivs) und setzte ihr eine neue Aus-
reisefrist auf den 31. Januar 2019 (Ziff. 2 des Dispositivs). Das mit der 
Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege hiess die 
POM gut (Ziff. 3 und 4 des Dispositivs); Parteikosten wurden keine ge-
sprochen (Ziff. 5 des Dispositivs).

C.

Hiergegen hat A.________ am 4. Januar 2019 Verwaltungs-
gerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragt, der angefochtene Entscheid sei 
aufzuheben, es sei festzustellen, dass der Widerruf der Niederlassungs-
bewilligung unverhältnismässig sei, und die zuständige Instanz sei anzu-

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weisen, ihr die Niederlassungsbewilligung zu verlängern (Rechts-
begehren 1). Eventuell sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung 
nach Jamaika unzulässig und die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei 
(Rechtsbegehren 2). Zudem hat A.________ Anträge zum Verzicht auf den 
Wegweisungsvollzug während der Dauer des Beschwerdeverfahrens 
gestellt sowie um unentgeltliche Rechtspflege unter amtlicher Beiordnung 
ihrer Rechtsvertreterin ersucht (Rechtsbegehren 3 und 4). Am 15. Januar 
2019 hat sie die Verwaltungsgerichtsbeschwerde verbessert (eigenhändige 
Unterschrift).

Die POM beantragt mit Vernehmlassung vom 15. Februar 2019, die Be-
schwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Hinsichtlich des 
Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege enthält sie sich eines Antrags. Die 
EG Bern beantragt mit Stellungnahme vom 18. Februar 2019 die Abweisung 
der Beschwerde und des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege. Am 
4. Februar (Posteingang) und 12. März 2019 sowie am 6. Februar 2020 
(Posteingang) hat A.________ weitere Eingaben gemacht bzw. Unterlagen 
eingereicht. Am 21. März 2019 hat die EG Bern zusätzliche Dokumente zu 
den Akten gegeben. Mit Verfügung vom 26. März 2020 hat der 
Instruktionsrichter A.________ ersucht, das Verwaltungsgericht über ihre 
aktuelle persönliche, berufliche und soziale Situation zu orientieren und 
dokumentieren. Dieser Aufforderung ist sie am 12. Mai 2020 nach-
gekommen. Am 12. Juni und 2. Juli 2020 haben die EG Bern und die SID 
dazu Stellung genommen und je an ihrem Antrag auf Abweisung der Be-
schwerde festgehalten.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, Seite 4

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte 
kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 
zuständig. Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teil-
genommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung 
(Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind einge-
halten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist unter 
Vorbehalt von E. 1.2 hiernach einzutreten.

1.2 Die Beschwerdeführerin beantragt neben der Aufhebung des ange-
fochtenen Entscheids unter anderem die Verlängerung ihrer Nieder-
lassungsbewilligung (Rechtsbegehren 1; vorne Bst. C). Nach Art. 34 Abs. 1 
des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und 
Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; 
SR 142.20; vor dem 1.1.2019: Bundesgesetz über die Ausländerinnen und 
Ausländer [Ausländergesetz, AuG]) werden Niederlassungsbewilligungen 
unbefristet erteilt, weshalb die Beschwerdeführerin bei einer Gutheissung 
der Beschwerde ohnehin im Besitz ihrer Bewilligung bleiben würde. Mangels 
eines schutzwürdigen Interesses ist deshalb auf die Beschwerde insoweit 
nicht einzutreten (vgl. VGE 2018/305 vom 31.7.2019 E. 1.2). Nicht einzu-
treten ist sodann auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführerin um 
Feststellung ersucht, die angeordnete Entfernungsmassnahme sei unver-
hältnismässig (Rechtsbegehren 1; vorne Bst. C); insoweit fehlt es am er-
forderlichen Feststellungsinteresse (vgl. allgemein hierzu BVR 2016 S. 273 
E. 2.2, 2014 S. 33 E. 1.4; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum ber-
nischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 20). Soweit die Beschwerdeführerin mit 
Blick auf eine vorläufige Aufnahme die Feststellung von Vollzugshinder-
nissen beantragt, ist das Verwaltungsgericht sachlich nicht zuständig, wes-
halb der Antrag unzulässig ist. Das Gericht prüft gegebenenfalls nach pflicht-
gemässem Ermessen, ob es die geltend gemachten Umstände rechtfertigen, 
eine Beurteilung der Vollzugssituation bzw. eine allfällige vorläufige Auf-

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nahme beim sachlich zuständigen Staatssekretariat für Migration (SEM) zu 
beantragen (Art. 83 Abs. 1 und 6 AIG; zuletzt etwa VGE 2018/290 vom 
19.7.2019 E. 7, 2018/56 vom 15.8.2018 E. 8, je mit Hinweisen).

1.3 Anordnungen zur Verhinderung von Vollzugshandlungen (Rechts-
begehren 3; vorne Bst. C) sind keine ergangen, da der Verwaltungsgerichts-
beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 82 
i.V.m. Art. 68 Abs. 1 VRPG).

1.4 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Umstritten sind der Widerruf der Niederlassungsbewilligung der Be-
schwerdeführerin und deren Wegweisung aus der Schweiz. 

2.1 Die Niederlassungsbewilligung wird unbefristet und ohne Bedin-
gungen erteilt (Art. 34 Abs. 1 AIG; vorne E. 1.2). Sie kann widerrufen 
werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer zu einer längerfristigen 
Freiheitsstrafe verurteilt wurde (Art. 63 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 
Bst. b AIG). Darunter ist eine solche von mehr als einem Jahr zu verstehen 
(BGE 139 I 31 E. 2.1, 139 I 145 E. 2.1). Vorausgesetzt ist, dass das Straf-
urteil in Rechtskraft erwachsen ist (BVR 2015 S. 391 E. 3.1, 2013 S. 543 
E. 3.1). Der Widerrufsgrund der längerfristigen Freiheitsstrafe ist auch bei 
Ausländerinnen und Ausländern mit Niederlassungsbewilligung anwendbar, 
die sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der 
Schweiz aufgehalten haben (Art. 63 Abs. 2 AuG in der Fassung vom 19. Juni 
2015 [AS 2016 S. 1249, 1263]; Art. 126 Abs. 1 AIG analog; vgl. 
BGer 2C_305/2018 vom 18.11.2019 E. 3.2 mit Hinweis).

2.2 Das Obergericht des Kantons Bern verurteilte die Beschwerde-
führerin am 1. Juli 2016 zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten (Akten EG 
Bern pag. 53; vgl. vorne Bst. A). Das Strafurteil ist rechtskräftig. Damit hat 
die Beschwerdeführerin den Widerrufsgrund der längerfristigen Freiheits-
strafe gesetzt, was sie nicht bestreitet (Beschwerde S. 3). Sie rügt allerdings, 

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die Entfernungsmassnahme sei unverhältnismässig. – Der Widerruf einer 
Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung sind auch bei Vorliegen 
eines Widerrufsgrunds nur zulässig, wenn sie aufgrund der im Einzelfall vor-
zunehmenden Interessenabwägung als verhältnismässig erscheinen (Art. 5 
Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101] und Art. 96 AIG). Im Rahmen 
dieser Prüfung sind die öffentlichen Interessen an der Entfernungs-
massnahme aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und die 
privaten Interessen der betroffenen Person am weiteren Verbleib in der 
Schweiz gegeneinander abzuwägen. Zu berücksichtigen ist die Gesamtheit 
der rechtswesentlichen Umstände im Einzelfall (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1; 
BVR 2013 S. 543 E. 4.1, je mit Hinweisen). Beeinträchtigt die Entfernungs-
massnahme die weitere Pflege familiärer Beziehungen oder das Privatleben 
(Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention [EMRK; 
SR 0.101]; Art. 13 Abs. 1 BV), bilden Grundlage dieser Interessenabwägung 
Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 36 BV (BGE 144 II 1 E. 6.1, 143 I 21 E. 5.1; 
BVR 2015 S. 391 E. 4.1). Wird eine Person weggewiesen, die wie hier zu 
einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, muss ausserdem die 
Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Teil der umfassenden 
bewilligungsrechtlichen Interessenabwägung bilden (vgl. BGE 135 II 110 
E. 4.2; zum Ganzen BVR 2013 S. 543 E. 4.1).

3.

Das öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung und an 
der Wegweisung richtet sich nach der Schwere des Verschuldens, dem Ver-
halten gegenüber der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Allgemeinen 
und der Rückfallgefahr.

3.1 Zum Verschulden ist Folgendes festzuhalten:

3.1.1 Das Verschulden, das die betroffene Person mit der längerfristigen 
Freiheitsstrafe auf sich geladen hat, ist Ausgangspunkt der Beurteilung des 
öffentlichen Interesses. Die Schwere des Verschuldens bemisst sich regel-
mässig nach der Höhe der vom Strafgericht verhängten Strafe 
(BGE 134 II 10 E. 4.2 [Pra 97/2008 Nr. 87]; BVR 2013 S. 543 E. 4.2). Praxis-

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gemäss sprechen Freiheitsstrafen ab 24 Monaten für ein schweres Ver-
schulden, da diese Fälle bereits als so gravierend eingestuft werden, dass 
der vollständige Aufschub der Strafe nicht mehr in Frage kommt und min-
destens ein Teil zwingend vollzogen werden muss. Auch aus fremden-
polizeilicher Sicht bedeutet eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 
mehr als 24 Monaten in jedem Fall einen sehr schwerwiegenden Verstoss 
gegen die schweizerische Rechtsordnung (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.3 und 
3.4, 135 II 377 E. 4.4, je zur hier infolge langer Aufenthaltsdauer zwar nicht 
anwendbaren sog. «Reneja-Praxis»; in Bezug auf die Beurteilung des Ver-
schuldens sind die Erwägungen dennoch massgeblich).

3.1.2 Das Obergericht des Kantons Bern verurteilte die Beschwerde-
führerin am 1. Juli 2016 zweitinstanzlich wegen versuchter schwerer Körper-
verletzung (begangen am 12.2.2015 und 6.3.2014), versuchter einfacher 
Körperverletzung (begangen am 6.3.2014), einfacher Körperverletzung (be-
gangen am 3.10.2014), Drohung und mehrfacher Beschimpfung (begangen 
am 3. und 4.10.2014), Sachbeschädigung (begangen am 12.2.2015), Tät-
lichkeiten (begangen am 6.2.2014) und Widerhandlung gegen die Betäu-
bungsmittelgesetzgebung durch regelmässigen Konsum von Marihuana 
(festgestellt am 12.2.2015) zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Gleich-
zeitig ordnete es eine ambulante therapeutische Behandlung und für deren 
Dauer Bewährungshilfe an; der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde zugunsten 
der Massnahme aufgeschoben (Akten EG Bern pag. 52 f.). Grundlage des 
Urteils bildeten die in Rechtskraft erwachsenen Schuldsprüche des 
Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 18. November 2015 (vgl. auch Urteils-
begründung Regionalgericht vom 5.2.2016, Vollzugsakten der Bewährungs- 
und Vollzugsdienste [BVD; act. 8A1] pag. 142 ff.).

3.1.3 Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, hat die Beschwerde-
führerin hiermit ein schweres Verschulden auf sich geladen (angefochtener 
Entscheid E. 3a). Ins Gewicht fallen insbesondere die dem Strafurteil zu-
grundeliegenden Gewaltdelikte: Am 6. März 2014 schlug die Beschwerde-
führerin mit den Händen auf ihre Wohnbetreuerin ein (Faustschläge gegen 
die Stirn- und Augengegend), nachdem diese ihr nach einer vorgängigen 
Auseinandersetzung ihren Platz in der Wohngemeinschaft gekündigt hatte 
und die Kündigung auf ihre Entschuldigung hin nicht zurücknehmen wollte. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, Seite 8

Als eine weitere Betreuerin die Beschwerdeführerin vom Opfer wegzerren 
konnte, behändigte die Beschwerdeführerin eine Sirupflasche aus Plastik 
und warf sie gegen das Opfer, verfehlte es jedoch (vgl. Urteilsbegründung 
Regionalgericht S. 15 und 19; Urteil Obergericht S. 13 f.). Beim Vorfall vom 
3. Oktober 2014 packte sie eine ehemalige Arbeitskollegin am Hals, schrie 
sie an, beschimpfte sie und biss ihr mit voller Kraft in die Hand. Am Tag 
darauf beschimpfte die Beschwerdeführerin das Opfer erneut und drohte 
diesem, es umzubringen, wenn es nicht von einer Anzeige wegen des Vor-
falls vom Vortag absehe (vgl. Urteilsbegründung Regionalgericht S. 19 f. und 
24 f.). Beim jüngsten Vorfall vom 12. Februar 2015 warf die Beschwerde-
führerin in einem Coiffeursalon einem ihr bekannten Mann unmittelbar hinter-
einander und ohne Vorwarnung zwei mit Sand und Lavendel gefüllte Glas-
vasen von schräg hinten aus kurzer Distanz gegen den Kopf (vgl. Urteils-
begründung Regionalgericht S. 8 f. und 14; Urteil Obergericht S. 11). Nach 
den Ausführungen der Strafgerichte befanden sich die Opfer der beiden ver-
suchten schweren Körperverletzungen nie in akuter Lebensgefahr, trugen 
aber bleibende Verletzungen davon (Narbe im Gesicht; störende Mouche im 
Auge [Glaskörpertrübung, wahrnehmbar als Punkt, Fleck oder dgl.]). Bei bei-
den Vorfällen hätte es zu noch weit schwereren Verletzungen kommen 
können (vgl. Urteil Obergericht S. 11 und 13; Urteilsbegründung Regional-
gericht S. 10, 15 f., 37 und 40). 

3.1.4 Zu keiner abweichenden Beurteilung führt der Hinweis der Be-
schwerdeführerin, ihr «Ausraster» im Coiffeursalon sei nach neuen 
Therapieerkenntnissen darauf zurückzuführen, dass sie sich sicher gewesen 
sei, in der Nacht zuvor vom Opfer vergewaltigt worden zu sein, und auf ent-
sprechende Konfrontation hin von diesem verbal gedemütigt worden sei (vgl. 
Beschwerde S. 4). Wie auch die Vorinstanz anerkannt hat (angefochtener 
Entscheid E. 3a/dd), kann insoweit zwar – die Richtigkeit der in der Therapie 
gemachten Aussagen vorausgesetzt – nicht mehr von einem «grundlosen 
Angriff aus dem Nichts» im Sinn der Ausführungen des Obergerichts ge-
sprochen werden (vgl. Urteil S. 11). Auch die Strafgerichte gingen hinsicht-
lich der «völlig inadäquaten und nicht mehr steuerbaren Aktion» aber immer-
hin davon aus, dass sich die Beschwerdeführerin angeblich provoziert bzw. 
verletzt und gekränkt gefühlt hatte (vgl. Urteil Obergericht S. 11; Urteils-
begründung Regionalgericht S. 38). Zudem hat das Obergericht die vom Re-

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gionalgericht verhängte Strafe von insgesamt 24 Monaten als zu tief er-
achtet, sie aber aus prozessualen Gründen nicht erhöhen dürfen (vgl. Urteil 
Obergericht S. 15). Mit der Vorinstanz ist unter diesen Umständen davon 
auszugehen, dass das Strafmass auch in Anbetracht der neuen Sach-
verhaltselemente wohl nicht wesentlich tiefer ausgefallen wäre. Im Übrigen 
stellt die «Reneja-Praxis» ohnehin keine fixe Grenze dar, die nicht über- oder 
unterschritten werden dürfte (vgl. vorne E. 3.1.1 mit Praxishinweisen).

3.1.5 Anzuerkennen ist, dass die Beschwerdeführerin die Taten als junge 
Erwachsene im Alter von 21 und 22 Jahren beging und sich damals in einer 
schwierigen Lebenssituation befand (vgl. Therapieverlaufsbericht vom 
27.4.2020 [nachfolgend: Therapieverlaufsbericht] Ziff. 4 und 6b, Beilage 2 
zur Eingabe vom 12.5.2020, act. 16A). Insgesamt ändert dies aber nichts 
daran, dass die Beschwerdeführerin mit den (versuchten) Körper-
verletzungen Straftaten begangen hat, bei denen ausländerrechtlich eine 
strenge Praxis am Platz ist (vgl. allgemein BGE 125 II 521 E. 4a/aa; 
BVR 2013 S. 543 E. 4.2.3). Bei der Beurteilung der Rückfallgefahr wird auf 
diesen Aspekt zurückzukommen sein.

3.2 Zu berücksichtigen ist sodann das Verhalten gegenüber der öffent-
lichen Ordnung und Sicherheit im Allgemeinen. Bei Personen, die mehrfach 
oder sogar regelmässig delinquiert haben, besteht aufgrund ihrer Einsichts-
losigkeit ein erhebliches sicherheitspolizeiliches Interesse, sie aus der 
Schweiz wegzuweisen. Wiederholte oder gar notorische Delinquenz zeigt in 
besonderer Weise, dass sich die betreffende Person von Strafurteilen nicht 
hat beeindrucken lassen, und führt zum Schluss, dass sie nicht willens oder 
fähig ist, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten (vgl. BGE 139 I 145 
E. 3.8; BVR 2013 S. 543 E. 4.3 mit Hinweisen). – Neben den Anlasstaten 
war die Beschwerdeführerin am 23. Mai 2013 wegen Gewalt und Drohung 
gegen Behörden und Beamte (begangen am 26.1.2013) zu einer bedingten 
Geldstrafe von 28 Tagessätzen zu Fr. 30.-- und einer Busse von Fr. 210.-- 
verurteilt worden (Akten EG Bern pag. 56). Zudem erhielt sie am 5. Mai 2014 
eine Busse von Fr. 100.-- wegen (einer) Widerhandlung gegen das 
Personenbeförderungsgesetz (begangen am 6.2.2014; Akten EG Bern 
pag. 60). Aktenkundig ist ausserdem eine strafrechtliche Anzeige vom 
11. Juli 2018 wegen Konsums von Betäubungsmitteln sowie unbefugten Be-

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sitzes und Sicherstellung von Betäubungsmitteln (Marihuana; Über-
tretungen, festgestellt am 9.7.2018; Akten POM pag. 46 f.); die Beschwerde-
führerin ist geständig. Diese Delikte wiegen für sich allein zwar nicht ver-
gleichbar schwer (vgl. Beschwerde S. 5), zeigen jedoch, dass es der Be-
schwerdeführerin nicht leicht fällt, sich an die geltende Rechtsordnung zu 
halten. Bei dieser Sachlage ist der Schluss der POM nicht zu beanstanden, 
das Verhalten der Beschwerdeführerin gegenüber der öffentlichen Ordnung 
und Sicherheit verleihe dem sicherheitspolizeilichen Interesse am Widerruf 
der Niederlassungsbewilligung zusätzliches Gewicht (angefochtener Ent-
scheid E. 3b).

3.3 Weiter ist die Rückfallgefahr zu beurteilen:

3.3.1 Aus fremdenpolizeilicher Sicht ist das Risiko eines Rückfalls umso 
weniger hinzunehmen, je schwerer die Tat wiegt, welche die ausländische 
Person verübt hat. Bei schweren Straftaten, wozu insbesondere Gewalt-
delikte zählen, muss ausländerrechtlich selbst ein relativ geringes Rückfall-
risiko nicht hingenommen werden, da von solchen Straftaten potenziell eine 
Gefahr für die Gesellschaft ausgeht (BGE 139 I 16 E. 2.2.1; BVR 2011 
S. 289 E. 5.3.1). Da Art. 5 Anhang I des Freizügigkeitsabkommens (FZA; 
SR 0.142.112.681) hier nicht anwendbar ist, bildet zudem das Vorliegen 
einer gegenwärtigen Gefahr nicht Voraussetzung für eine Entfernungsmass-
nahme. Vielmehr dürfen auch generalpräventive Überlegungen mitberück-
sichtigt werden. Der konkreten Prognose über das Wohlverhalten (und somit 
der Rückfallgefahr) sowie dem Resozialisierungsgedanken des Strafrechts 
ist zwar im Rahmen der umfassenden fremdenpolizeilichen Interessen-
abwägung ebenfalls Rechnung zu tragen; die beiden Umstände geben aber 
nicht den Ausschlag (BGE 136 II 5 E. 4.2; zum Ganzen BVR 2013 S. 543 
E. 4.4.1 mit Hinweisen).

3.3.2 Nach der Beurteilung der Vorinstanz lag bei der Beschwerdeführerin 
im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids trotz Fortschritten in der Thera-
pie immer noch ein nicht hinnehmbares Risiko vor, erneut straffällig zu 
werden (E. 3c). Die Beschwerdeführerin bestreitet dies. Sie macht geltend, 
die Delikte lägen weit zurück und seien in einer Zeit geschehen, in der es ihr 
schlecht gegangen sei. Die früh erlebte sexuelle Gewalt, der Umstand, dass 
sie von der Mutter wegen ihrer Homosexualität verstossen worden sei, die 

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damit verbundene sexuelle Identitätsstörung und der damalige Drogen-
konsum hätten zu einer Häufung von Schwierigkeiten geführt, denen sie in 
ihrem jungen Alter nicht gewachsen gewesen sei. Heute habe sich ihre Situ-
ation grundlegend verändert. Sie mache grosse Fortschritte in der Therapie 
und zeige überdurchschnittliche Bemühungen in Bezug auf ihre soziale und 
berufliche Integration. Abgesehen davon, dass sie ein einziges Mal 
Marihuana konsumiert habe, habe sie sich nichts mehr zu Schulden kommen 
lassen. Es bestehe somit keine Rückfallgefahr mehr (Beschwerde S. 5).

3.3.3 Die Beschwerdeführerin hat in den Jahren 2013 bis 2015 mehrere 
Gewalttaten begangen. Die Taten richteten sich gegen ein hochwertiges 
Rechtsgut, weshalb bereits eine geringe Rückfallgefahr ein gesteigertes 
öffentliches Interesse an der Beendigung ihres Aufenthalts begründet. Zu-
dem erscheint die Anordnung ausländerrechtlicher Massnahmen in solchen 
Fällen auch unter generalpräventiven Gesichtspunkten als geboten (vgl. 
vorne E. 3.3.1). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Beschwerdeführerin 
die Delikte im Alter von 21 bzw. 22 Jahren und damit als junge Erwachsene 
beging. Angehörige dieser Altersgruppe lassen sich in ihrer Entwicklung 
regelmässig noch wesentlich beeinflussen (vgl. BGer 2C_114/2019 vom 
11.11.2019 E. 5.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtsprechung trägt bei straf-
fälligen jungen Erwachsenen der Tatsache Rechnung, dass sich ihre Delin-
quenz nach dem Eintritt ins Erwachsenenalter verlieren kann, wodurch das 
öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts herabgesetzt wird; 
das gilt selbst dann, wenn sie schwere Delikte begangen haben. In der-
artigen Konstellationen kommt dem Kriterium des Zeitablaufs seit der Tat-
begehung und einem Wohlverhalten während dieser Zeitspanne im Hinblick 
auf die Beurteilung des Rückfallrisikos eine erhöhte Tragweite zu (vgl. 
BGer 2C_71/2020 vom 28.4.2020 E. 5.2.1 mit Hinweisen). Die Beschwerde-
führerin befand sich im Deliktszeitraum zudem in einem emotional instabilen 
Zustand. Aufgrund der in den Kindheits- und Jugendjahren erfahrenen 
physischen, sexuellen und psychischen Gewalt sowie des Umstands, dass 
ihre Homosexualität von der Mutter nicht toleriert wurde, leidet sie unter einer 
emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ und einer 
posttraumatischen Belastungsstörung (vgl. Therapieverlaufsbericht Ziff. 4 
und 6b), die im Zeitpunkt der Gewalttaten nicht erkannt waren bzw. nicht 

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therapiert wurden. Seit November 2015 geht sie deswegen wöchentlich in 
die Therapie (vgl. Urteil Obergericht S. 22).

3.3.4 Das Obergericht bezeichnete in seinem Urteil vom 1. Juli 2016 so-
wohl die langfristig angelegten Therapiebemühungen des Psychiaters der 
Beschwerdeführerin als auch die Entwicklungen im sozialen Bereich als 
durchaus erfolgsversprechend. Es stellte beachtliche Fortschritte im Ver-
gleich zu ihrer Situation im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
fest (vgl. Urteil Obergericht S. 31 f.). Auch die Vorinstanz wertete die 
Therapiefortschritte grundsätzlich positiv, ebenso den Umstand, dass die 
Beschwerdeführerin seit den Anlasstaten keine Gewaltdelikte mehr be-
gangen hat. Sie ortete jedoch eine Rückfallgefahr vor allem, weil die Be-
schwerdeführerin erneut Marihuana konsumiert hatte und ohne feste An-
stellung war (angefochtener Entscheid E. 3c/ee f.). Die Vorinstanz ging vom 
damals aktuellen Wissensstand aus, wonach die Gefahr erneuter Straftaten 
dann bestehe, wenn bei der Beschwerdeführerin erneut ein paranoides Syn-
drom mit Beeinträchtigungen auftrete (angefochtener Entscheid E. 3c/cc; 
forensisch-psychiatrische Begutachtung vom 29.5.2015 [nachfolgend: Gut-
achten] S. 35, Vollzugsakten BVD pag. 63 ff.). Im Verlaufsbericht vom 
27. April 2020 hält die Therapeutin der Beschwerdeführerin fest, aufgrund 
der heutigen Erkenntnisse lasse sich das paranoide Syndrom (evtl. aus-
gelöst durch den Cannabiskonsum) zum Zeitpunkt der Tat nicht länger recht-
fertigen. Die Beschwerdeführerin habe nicht aufgrund einer Verkennung der 
Situation gehandelt, sondern weil das Opfer sie gemäss eigenen Angaben 
zuvor vergewaltigt habe (Therapieverlaufsbericht Ziff. 4). Auch die zweite 
versuchte schwere Körperverletzung geschah nicht ohne einen klar zu-
rechenbaren Anlass, sondern nach einer Auseinandersetzung mit weit-
reichenden Konsequenzen für die Beschwerdeführerin (vorne E. 3.1.3). Eine 
Rückfallgefahr aufgrund eines paranoiden Syndroms kann folglich weit-
gehend ausgeschlossen werden. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 13

3.3.5 Gemäss dem Therapieverlaufsbericht konnte die therapeutische Be-
ziehung inzwischen soweit gefestigt werden, dass die Beschwerdeführerin 
von ihren psychischen Schmerzen und schlechten Erfahrungen berichtet. 
Sie hat an Selbstwert und Selbstvertrauen gewonnen und konnte im Oktober 
2019 erstmals klare Zukunftsziele äussern (Festanstellung 80 % im Verkauf 
oder in der Gastronomie, Bleiberecht, eigene Wohnung, «Führerin» sein im 
eigenen Leben, Partnerin auf Augenhöhe; Therapieverlaufsbericht Ziff. 6a). 
Zudem lässt sie deutlich mehr Einblicke in ihre innerpsychischen Prozesse 
zu. Die therapeutische Arbeit braucht gemäss den Ausführungen der Thera-
peutin jedoch Zeit und ist noch nicht abgeschlossen. Die Beschwerde-
führerin ist sich bewusst, dass sie teilweise Probleme hat, ihre Gefühle zu 
regulieren. Nach Einschätzung der Therapeutin hat sie im Umgang mit 
schwierigen Situationen durch konstruktive Selbstgespräche und sportliche 
Betätigung einen gangbaren Weg gefunden. Sie hat auch die schwierige Si-
tuation, dass eines ihrer Opfer unbeabsichtigt am Arbeitsplatz aufgetaucht 
ist, ohne Vorkommnisse meistern können, ebenso die Corona-Pandemie, in 
der sie nicht arbeiten und ins Fitnessstudio gehen konnte. Im August 2019 
hatte die Beschwerdeführerin nochmals Marihuana konsumiert, um sich 
nach der Arbeit zu beruhigen und ihren Schmerz zu betäuben, und ging 
Cannabis-berauscht in die Therapiesitzung. Nach einem Gespräch mit der 
Therapeutin, in dem ihr die Folgen des Marihuanakonsums aufgezeigt 
wurden (Teufelskreis, illegales Verhalten), wirkte die Beschwerdeführerin 
sichtlich betroffen. In der Folge erschien sie wieder «clean» in den Sitzungen 
und erklärte, sie habe den Marihuanakonsum eingestellt (Therapieverlaufs-
bericht Ziff. 6d). Als deliktprotektiv bezeichnet die Therapeutin die starke Ein-
bindung in ein funktionierendes Helfernetz, die Arbeitsstelle sowie die 
wöchentlichen Therapiegespräche. Zudem verfüge die Beschwerdeführerin 
über die glaubhafte, intrinsische (von innen kommende) Motivation, nicht 
mehr strafrechtlich aufzufallen, in der Schweiz bleiben zu wollen und ihre 
Arbeit beizubehalten. Auch die sportliche Betätigung sei äusserst hilfreich 
und deliktprotektiv. Zudem habe die Beschwerdeführerin Fortschritte in der 
Emotionsregulation erzielen können. Sie lasse sich weniger stark provo-
zieren, hinterfrage viele Meinungen, erkenne, dass sie ihren Weg gehe, und 
habe an Selbstvertrauen gewonnen (Therapieverlaufsbericht Ziff. 6f). Die 
therapeutische Beeinflussbarkeit wird von Seiten der Therapeutin bestätigt. 
Danach besteht das aktuelle Risikomanagement in den therapeutischen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 14

Einzelgesprächen, der engen Führung der Beschwerdeführerin sowie der 
nun möglichen, vertieften therapeutischen Arbeit (Ziff. 6g und 7). Die Be-
handlung sei äusserst zweckmässig und werde auch von der Beschwerde-
führerin als hilfreich im Sinn der Deliktprävention beurteilt. Der aktuelle Stand 
erlaube es nun, therapeutische Tiefe zu erlangen und Problembereiche an-
zugehen (Ziff. 8a).

3.3.6 Seit April 2019 hat die Beschwerdeführerin eine unbefristete Arbeits-
stelle bei einer Fast-Food Unternehmung auf Stundenlohnbasis (Beilage 6 
zur Eingabe vom 12.5.2020). Die Arbeitgeberin ist sehr zufrieden mit ihren 
Leistungen (Beilage 7 zur Eingabe vom 12.5.2020). Die Beschwerdeführerin 
bezieht seit Oktober 2019 keine Leistungen der Arbeitslosenversicherung 
mehr und hat sich im Dezember 2019 von der Sozialhilfe abgelöst (Bei-
lagen 8 und 9 zur Eingabe vom 12.5.2020).

3.3.7 Die Lebensumstände der Beschwerdeführerin haben sich in den 
letzten Jahren somit positiv verändert. Sie hat seit über fünfeinhalb Jahren 
keine Gewaltdelikte mehr begangen, geht wöchentlich in die Therapie und 
erzielt namentlich in der Emotionsregulation Fortschritte. Anders als früher 
hat sie klare Ziele für die Zukunft, ist unbefristet angestellt und kommt für 
ihren Lebensunterhalt auf. Zudem ist sie ernsthaft motiviert, nicht mehr straf-
fällig zu werden und zu arbeiten. Zusammengefasst ist sie sehr darum be-
müht und auf gutem Weg, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Mit Blick 
darauf, dass die Therapie noch nicht erfolgreich abgeschlossen ist, kann 
zwar eine Rückfallgefahr nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Sie er-
scheint bei einer regelmässigen Therapie und angesichts der engen Betreu-
ung der Beschwerdeführerin durch ein funktionierendes Helfernetz nach Ein-
schätzung des Verwaltungsgerichts aber als sehr gering.

3.4 Insgesamt besteht angesichts der gesamten Umstände ein nicht un-
erhebliches, jedoch nicht ausgesprochen grosses öffentliches Interesse am 
Widerruf der Niederlassungsbewilligung der Beschwerdeführerin und ihrer 
Wegweisung aus der Schweiz.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 15

4.

Bei den privaten Interessen, die der Entfernungsmassnahme entgegen-
stehen können, sind die Dauer der Anwesenheit und die Integration in der 
Schweiz sowie die der Beschwerdeführerin und ihren Angehörigen drohen-
den Nachteile zu berücksichtigen.

4.1 Je länger eine Ausländerin oder ein Ausländer in der Schweiz an-
wesend war, desto strengere Anforderungen sind grundsätzlich an die An-
ordnung eines Widerrufs der Niederlassungsbewilligung zu stellen. Zu be-
rücksichtigen ist auch, in welchem Alter die ausländische Person in die 
Schweiz eingereist ist. Die Anwesenheitsbewilligung einer ausländischen 
Person, die sich schon sehr lange in der Schweiz aufhält, soll nur mit beson-
derer Zurückhaltung widerrufen werden; allerdings ist dies bei wiederholter 
bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn sie hier 
geboren ist und ihr ganzes Leben in der Schweiz verbracht hat (Ausländerin 
oder Ausländer der «zweiten Generation»; BGE 139 I 16 E. 2.2.1, 139 I 31 
E. 2.3.1). Der Bewilligungswiderruf ist auch nach längerem Aufenthalt in der 
Schweiz eher zulässig, wenn die ausländische Person in der Schweiz nicht 
integriert ist (vgl. BGE 139 I 31 E. 3.2; BGer 2A.119/2001 vom 15.10.2001 
E. 2b; BVR 2015 S. 487 [VGE 2014/339 vom 23.3.2015] nicht publ. 4.1; zum 
Ganzen BVR 2013 S. 543 E. 5.1). – Die heute bald 28-jährige Beschwerde-
führerin reiste am 26. März 2003 im Familiennachzug in die Schweiz ein und 
erhielt eine Aufenthaltsbewilligung zwecks Verbleibs bei ihrer Mutter (vgl. 
Akten EG Bern pag. 4). Ihre Aufenthaltsdauer fällt damit vergleichsweise 
lang aus, selbst wenn man sie angesichts der in Unfreiheit verbrachten Zeit 
(Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 223 Tagen; vgl. Urteil Obergericht 
S. 16) sowie der Dauer des ausländerrechtlichen Verfahrens relativiert. 

4.2 Zur Integration der Beschwerdeführerin ergibt sich Folgendes: 

4.2.1 Die Beschwerdeführerin hat gemäss eigenen Angaben nach ihrer 
Einreise in die Schweiz zunächst während eineinhalb Jahren eine Fremd-
sprachenklasse besucht, anschliessend die obligatorische Schulzeit absol-
viert und später von 2011 bis 2012 eine Attestausbildung zur Detailhandels-
verkäuferin abgeschlossen. Sie hat sich zudem Kenntnisse in der Fotografie 
angeeignet und bis Ende 2013 als Fotografin gearbeitet. Bis anfangs 2014 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 16

ging sie als Reinigungskraft und Verkäuferin verschiedenen temporären Er-
werbstätigkeiten mit Teilzeitpensen nach. Auch danach arbeitete sie hin und 
wieder Teilzeit (vgl. Vollzugsakten BVD pag. 74 f. und 110; Urteils-
begründung Regionalgericht S. 41; Urteil Obergericht S. 12 f.). Seit April 
2019 ist sie unbefristet auf Stundenlohnbasis bei einer Fast-Food-Unter-
nehmung angestellt. Nach ihren Angaben und den eingereichten Lohn-
abrechnungen für Januar bis März 2020 arbeitete sie vor dem Corona-Lock-
down ca. 50-60 % (Eingabe vom 12.5.2020 S. 3 sowie Beilage 10 zu dieser 
Eingabe). Gemäss Arbeitszeugnis vom 23. März 2020 leistet sie in quali-
tativer und quantitativer Hinsicht sehr gute Arbeit und ist belastbar, zu-
verlässig und einsatzfreudig (Beilage 7 zur Eingabe vom 12.5.2020). Von 
Dezember 2011 bis April 2013, von November 2013 bis April 2017 und von 
Januar 2018 bis Dezember 2019 wurde die Beschwerdeführerin sozialhilfe-
rechtlich unterstützt; bis zum 6. Juni 2018 bezog sie knapp Fr. 80'000.-- wirt-
schaftliche Hilfe (vgl. Bestätigung der Sozialhilfeunterstützung vom 6.6.2018, 
Akten POM, act. 8A2; vorne E. 3.3.6). Per 6. Juni 2018 waren auf die Be-
schwerdeführerin offene Verlustscheine von Fr. 9'749.60 registriert (Akten 
POM, act. 8A2). Die beruflich-wirtschaftliche Integration der Beschwerde-
führerin kann zwar insgesamt nicht als gelungen bezeichnet werden. Jedoch 
konnte sie in den letzten eineinhalb Jahren im ersten Arbeitsmarkt Fuss 
fassen und hat den festen Willen, auch zukünftig zu arbeiten (vgl. Therapie-
verlaufsbericht Ziff. 6f; vorne E. 3.3.5). Ihre berufliche Entwicklung verläuft 
demnach positiv. Gemäss dem Zwischenbericht der Bewährungshilfe vom 
15. April 2020 ist zudem eine Schuldensanierung geplant, sobald die Be-
schwerdeführerin ein fixes monatliches Einkommen erzielt (Beilage 3 zur 
Eingabe vom 12.5.2020 S. 2). Im Februar 2020 hat sie Fr. 278.10 an das 
Betreibungsamt bezahlt (Beilage 5 zur Eingabe vom 12.5.2020). 

4.2.2 In sozialer Hinsicht macht die Beschwerdeführerin geltend, sie sei 
stark in der hiesigen Gesellschaft und Kultur verankert. Ihre Mutter, ihr Stief-
vater sowie ihre Halb- und Stiefgeschwister wohnten in der Schweiz. Zudem 
lebten alle ihre Freundinnen und Freunde in der Umgebung von Bern (Be-
schwerde S. 7). – Die ins Recht gelegten Referenzschreiben (Beilagen 12-
15 zur Eingabe vom 12.5.2020) legen nahe, dass sie neben engen Be-
ziehungen zu Halb- und Stiefgeschwistern auch eine enge Freundschaft zu 
einem Mann pflegt. Gemäss dem Zwischenbericht vom 15. April 2020 hat 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 17

sich die soziale Integration der Beschwerdeführerin seit Beginn der Be-
gleitung durch die Bewährungshilfe zunehmend verbessert (Beilage 3 zur 
Eingabe vom 12.5.2020 S. 2). Die Therapie zeigt demnach auch in dieser 
Hinsicht Wirkung. Von einer sozialen Verbundenheit mit der Schweiz ist auch 
deshalb auszugehen, weil die Beschwerdeführerin seit ihrem zehnten 
Lebensjahr in der Schweiz ist. 

4.2.3 Gegen eine erfolgreiche Integration spricht, dass die Beschwerde-
führerin seit ihrer Einreise im Jahr 2003 wiederholt delinquiert hat, stellt doch 
die Respektierung der rechtsstaatlichen Ordnung einen zentralen Aspekt 
jeglicher Integration dar (Art. 4 Bst. a der hier grundsätzlich noch anwend-
baren Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die Integration von Auslände-
rinnen und Ausländern [VIntA; AS 2007 S. 5551]; neurechtlich ausdrücklich 
Art. 58a Abs. 1 Bst. a und b AIG). Nach dem Gesagten weist die Be-
schwerdeführerin zwar eine soziale Verbundenheit mit der Schweiz auf, hat 
sich aber insgesamt nicht der Anwesenheitsdauer entsprechend integrieren 
können (vgl. auch angefochtener Entscheid E. 4c/cc). Ihre Integration hat 
sich in den letzten Jahren jedoch deutlich verbessert.

4.3 Zu würdigen sind weiter die der Beschwerdeführerin und ihren Ange-
hörigen durch die Entfernungsmassnahme drohenden Nachteile: 

4.3.1 Hinsichtlich der Rückkehr nach Jamaika ist von Bedeutung, dass die 
Beschwerdeführerin als zehnjähriges Kind in die Schweiz kam und ihr 
Heimatland gemäss ihren Angaben nur noch einmal mit zwölf Jahren be-
sucht hat. Seit 15 Jahren ist sie nicht mehr in Jamaika gewesen (vgl. Be-
schwerde S. 8). Welche Verwandten noch in Jamaika leben und ob die Be-
schwerdeführerin Kontakt zu diesen pflegt, ist aufgrund widersprüchlicher 
Angaben unklar (vgl. Vollzugsakten BVD pag. 111; Beschwerde S. 8). Es ist 
davon auszugehen, dass ihr die Kultur und Sprache des Heimatlands nicht 
völlig fremd sind, sie jedoch keine engen Verbindungen zu Jamaika mehr 
hat. Zu ihren dort lebenden Verwandten (Halbgeschwister, Onkel, Tanten, 
Cousins) könnte sie wahrscheinlich wieder eine Beziehung aufbauen. Ob 
und inwieweit sie im Heimatland neue Kontakte knüpfen könnte, ist fraglich, 
da ihr der Vertrauensaufbau schwerfällt und sie Schwierigkeiten im Umgang 
mit fremden Personen hat (Therapieverlaufsbericht Ziff. 4). Ebenso zweifel-
haft ist, ob ihr unter diesen Umständen der beruflich-wirtschaftliche Einstieg 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 18

in Jamaika gelingen würde. Die positive Entwicklung der Beschwerde-
führerin in den letzten Jahren ist hauptsächlich auf die Therapie und das 
stabile Helfernetz in der Schweiz zurückzuführen. Müsste sie zum jetzigen 
Zeitpunkt nach Jamaika zurückkehren, würden die Therapieerfolge wahr-
scheinlich zunichtegemacht und ihre psychischen Probleme wieder akut 
werden. Selbst wenn in Jamaika psychologische Hilfe erhältlich wäre, könnte 
die Therapie dort nicht einfach fortgesetzt werden. Die Beschwerdeführerin 
wird nicht medikamentös, sondern kognitiv-verhaltenstherapeutisch be-
handelt. Zuerst müsste zwischen ihr und der neuen Therapeutin bzw. dem 
neuen Therapeuten wiederum ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, 
was viel Zeit in Anspruch nehmen und möglicherweise gar nicht gelingen 
würde (vgl. Therapieverlaufsbericht Ziff. 4). Auch wenn die gesundheitlichen 
Folgen einer Rückkehr nach Jamaika für die Beschwerdeführerin nicht 
lebensbedrohlich wären, würde sich ihr psychischer Zustand dadurch vor-
aussichtlich wesentlich verschlechtern, was einer erfolgreichen Ein-
gliederung wiederum entgegenstehen würde. Insgesamt wäre die Ein-
gliederung im Heimatland für die Beschwerdeführerin damit sehr schwierig.

4.3.2 Erschwerend hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin homo-
sexuell und die jamaikanische Bevölkerung homophob ist (vgl. Beschwerde 
S. 9 mit Internet-Quellen; angefochtener Entscheid E. 4d/cc). Homosexuelle 
und andere Angehörige der Gemeinschaft «LGBT» (Lesben, Schwule, Bi-
sexuelle und Transgender; englisch: «Lesbian, Gay, Bisexual and Trans-
gender») sind im Alltagsleben unbestrittenermassen benachteiligt und es 
kommt immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen (vgl. etwa Country Policy 
and Information Note des britischen Home Office betreffend Jamaica: Sexual 
orientation and gender identity, Februar 2017 [abrufbar unter: 
<https://www.gov.uk˃], Ziff. 2.3.3 und 2.3.5). Es gibt keine gesetzlichen 
Bestimmungen, die vor entsprechender Diskriminierung schützen würden. 
Der Polizei wird ebenfalls Homophobie vorgeworfen, wobei auch Fälle be-
kannt sind, in denen sie zum Schutz der Opfer eingegriffen hat (vgl. Country 
Policy and Information Note, a.a.O., Ziff. 2.4.5 und 6.3). Die Beschwerde-
führerin könnte ihre Homosexualität in Jamaika wohl nicht offen leben, da ihr 
diesfalls Verfolgung durch nichtstaatliche Akteurinnen bzw. Akteure drohen 
würde (vgl. die Urteile des deutschen Verwaltungsgerichts Giessen 
2 K 5931/17 vom 1.11.2017 S. 11 und 2 K 4928/17 vom 2.3.2018 S. 11, des 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 19

Verwaltungsgerichts Kassel 1 K 6747/17 vom 15.8.2018 S. 8 f. und des Ver-
waltungsgerichts Frankfurt a.M. 5 K 1034/18 vom 20.2.2019 S. 7 ff., abrufbar 
unter: <https://www.lsvd.de>, Rubriken «Recht», «Rechtsprechung», «Asyl-
recht: Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung bzw. Geschlechts-
identität», «Rechtsprechung zu Herkunftsländern von LSBT-Geflüchteten», 
«Jamaika»). Bei einer Rückkehr nach Jamaika wäre die Beschwerdeführerin 
in ihrer persönlichen Freiheit folglich erheblich eingeschränkt, stellt doch die 
sexuelle Orientierung ein bedeutendes Merkmal der Identität dar. Angesichts 
ihrer persönlichen Vorgeschichte wäre für sie ein Leben dort wohl auch in 
dieser Hinsicht besonders schwierig.

4.3.3 Die Beschwerdeführerin lebt nicht in eingetragener Partnerschaft und 
hat auch keine Kinder. In familiärer Hinsicht würden durch die Wegweisung 
jedoch die persönlichen Kontakte zu ihrer Mutter und zu den Halb- und Stief-
geschwistern erschwert (vgl. Beschwerde S. 8). Wie sie selber nicht be-
streitet, gehören diese Familienmitglieder nicht zu ihrer Kernfamilie und be-
steht kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis, welches für einen kon-
ventions- bzw. verfassungsmässigen Schutz der familiären Beziehungen in 
diesem Fall erforderlich wäre (vgl. statt vieler BGE 144 II 1 E. 6.1 mit zahl-
reichen Hinweisen). Die fraglichen Beziehungen verleihen dem Bleibe-
interesse der Beschwerdeführerin somit kein zusätzliches Gewicht. 

4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die privaten Interessen der 
Beschwerdeführerin ein erhebliches Gewicht haben, da sie ihr Heimatland 
als zehnjähriges Kind verlassen und den grössten Teil ihres Lebens in der 
Schweiz verbracht hat, sich in ihrem Heimatland zurzeit beruflich und sozial 
nur schwer eingliedern könnte, weitere Therapieerfolge in Frage gestellt 
wären und die Beschwerdeführerin ihre Homosexualität in Jamaika nicht 
offen leben könnte. 

5.

Die Abwägung der massgeblichen öffentlichen und privaten Interessen 
ergibt Folgendes: Die Beschwerdeführerin wurde hauptsächlich wegen (ver-
suchten) Gewaltdelikten zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 20

die zugunsten einer ambulanten therapeutischen Massnahme aufgeschoben 
wurde. Damit hat sie ein schweres Verschulden auf sich geladen. Jedoch 
war sie im Tatzeitpunkt mit 21 und 22 Jahren noch relativ jung und hat die 
Taten in einem labilen psychischen Zustand begangen. Zu berücksichtigen 
ist weiter, dass die verfahrensauslösenden Delikte inzwischen gut fünf-
einhalb Jahre zurückliegen und die Beschwerdeführerin seither nicht mehr 
verurteilt wurde; zweimal konsumierte sie noch Marihuana. Zudem geht sie 
seit November 2015 wöchentlich in die Therapie und zeigt auf verschiedenen 
Ebenen eine positive Entwicklung. Sie verfügt über ein stabiles Helfernetz 
und hat den ernsthaften Willen, nicht mehr straffällig zu werden. Es bestehen 
zurzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin wiederum 
gewalttätig werden könnte. Marihuanakonsum könnte sich zwar insoweit ne-
gativ auswirken, doch scheint die Therapie hier eine wirksame Barriere zu 
sein. Besonders zu gewichten ist sodann, dass die Beschwerdeführerin mit 
zehn Jahren in die Schweiz kam und seit über siebzehn Jahren hier lebt. Die 
Wiedereingliederung in Jamaika wäre für sie sehr schwierig, da ihre Bezugs-
personen in der Schweiz leben und sie Schwierigkeiten im Umgang mit 
fremden Personen und dem Vertrauensaufbau hat. Zudem könnte sie in 
Jamaika ihre Homosexualität nicht offen leben. In Würdigung der gesamten 
Umstände überwiegen daher die privaten Interessen der Beschwerde-
führerin am Verbleib in der Schweiz die öffentlichen Interessen am Widerruf 
der Niederlassungsbewilligung und der Wegweisung. 

6.

Die Beschwerde erweist sich damit als begründet und ist in der Sache gut-
zuheissen, soweit darauf einzutreten ist (vorne E. 1.2). Die Ziffern 1 und 2 
des angefochtenen Entscheids sind aufzuheben, womit der Beschwerde-
führerin die Niederlassungsbewilligung belassen wird. Im Hinblick auf ihr 
früheres Verhalten rechtfertigt es sich als mildere Massnahme, sie aus-
länderrechtlich zu verwarnen (Art. 96 Abs. 2 AIG). Sollte sie das vom Gericht 
in sie gesetzte Vertrauen missbrauchen und erneut zu namhaften Klagen 
Anlass geben, hat sie mit einem sofortigen Widerruf ihrer Bewilligung zu 
rechnen (vgl. etwa BGer 2C_1062/2019 vom 5.5.2020 E. 7.1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
Seite 21

7.

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben (Art. 108 Abs. 1 und Abs. 2 VRPG). Ersatzfähige Parteikosten sind 
keine angefallen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 VRPG). Anspruch auf 
Parteikostenersatz hat nur, wer sich durch eine freiberuflich tätige Anwältin 
bzw. einen Anwalt vertreten lässt, was hier nicht der Fall ist (Art. 104 Abs. 1 
i.V.m. Art. 15 Abs. 4 VRPG; vgl. auch Verfügung des damaligen Abteilungs-
präsidenten vom 8.1.2019, act. 3). Das Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege wird zufolge Gutheissung der Beschwerde gegenstandslos; es ist vom 
Geschäftsverzeichnis abzuschreiben (Art. 39 Abs. 1 VRPG).

7.2 Für die Verlegung der vorinstanzlichen Kosten ist nicht vom Obsiegen 
der Beschwerdeführerin auszugehen, weil der angefochtene Entscheid auf-
grund der seinerzeitigen Verhältnisse korrekt war. Die Gutheissung der Ver-
waltungsgerichtsbeschwerde rechtfertigt sich mit Blick auf die seitherige 
positive Entwicklung der Beschwerdeführerin und die damit verbundene ver-
änderte Sachlage. Nach dem Unterliegerprinzip (Art. 108 Abs. 1 und 3 
VRPG) ist der vorinstanzliche Kostenschluss somit zu bestätigen bzw. hat er 
weiterhin Bestand (vgl. BVR 2008 S. 193 E. 9.2; VGE 2018/289 vom 
4.5.2020 E. 8.2). 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. Die 
Ziffern 1 und 2 des Entscheids der Polizei- und Militärdirektion des Kan-
tons Bern vom 5. Dezember 2018 werden aufgehoben.

2. Die Beschwerdeführerin wird im Sinn der Erwägungen ausländerrechtlich 
verwarnt. 

3. Für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht werden weder Ver-
fahrenskosten erhoben noch Parteikosten gesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2020, Nr. 100.2019.6U, 
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4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Verfahren vor dem 
Verwaltungsgericht wird als gegenstandslos geworden vom Geschäfts-
verzeichnis abgeschrieben.

5. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführerin
- Sicherheitsdirektion des Kantons Bern 
- Einwohnergemeinde Bern 
- Staatssekretariat für Migration 

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.