# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3784bb2a-8735-5d37-a58f-9915fa465ab4
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-21
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 21.03.2022 IV 2020/21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2020-21_2022-03-21.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/21

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 09.08.2022

Entscheiddatum: 21.03.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 21.03.2022
Art. 28, 28a und 29 IVG; Art. 7, 8 und 16 ATSG. Beweiswert eines Gutachtens. 
Auswirkungen eines tiefen IQs in Kombination mit einem ADHS und einer 
auffälligen Persönlichkeitsstruktur auf die Arbeitsfähigkeit. Tiefe 
Behandlungs- und hohe Alltags- bzw. Freizeitaktivität als Hinweis auf gute, 
auch für eine Erwerbstätigkeit nutzbare Ressourcen (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. März 2022, IV 
2020/21).

Entscheid vom 21. März 2022

Besetzung

Präsidentin Marie Löhrer, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und 

Michaela Machleidt Lehmann; Gerichtsschreiberin Felicia Sterren

Geschäftsnr.

IV 2020/21

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, Grand & Nisple Rechtsanwälte, 

Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,

gegen

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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich am 7. März 2001, am 6. September 2001 und am 7. Juli 2003 

wegen Rücken- und Bandscheibenproblemen bei der IV-Stelle zum Bezug von 

Leistungen an. Ihre Leistungsbegehren wurden jeweils abgewiesen, soweit auf diese 

eingetreten wurde (vgl. IV-act. 2 bis 38).

A.a. 

Am 30. August 2004 meldete die Versicherte sich erneut zum Bezug von 

Leistungen bei der IV-Stelle an und gab nebst Rückenschmerzen Depressionen, 

Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit an (IV-act. 42). 

Gestützt auf einen persönlichen Untersuch diagnostizierte der RAD-Arzt Dr. med. 

B.___, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, am 13. April 2005 eine rezidivierende 

depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F33.4), eine emotional instabile 

Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (F60.3), eine anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung (F45.4), eine Lumboischialgie (M54.4) und einen schädlichen 

Gebrauch von Cannabis (F12.1). Er attestierte der Versicherten aufgrund ihrer 

Rückenprobleme eine volle Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als C.___. In 

einer adaptierten Tätigkeit attestierte er ihr eine Arbeitsfähigkeit von sechs Stunden 

täglich, bei erfolgreicher Eingliederung steigerbar auf 100 % (IV-act. 56-4 f.).

A.b. 

Verschiedene berufliche Massnahmen zwischen Januar 2006 und Mai 2009 

wurden von der Versicherten jeweils nicht angetreten, nach kurzer Zeit abgebrochen 

oder mit Unterbrüchen (Krankheitstage) besucht. Sie führten nicht zu einer 

Reintegration in den Arbeitsmarkt (vgl. IV-act. 84, 105 f., 113, 143, 167, und 173 f.). 

Nachdem die Versicherte nach Mahnungen und Hinweisen auf die Auskunfts- und 

A.c. 

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Mitwirkungspflicht der Auflage nicht nachgekommen war, regelmässige 

Laborkontrollen zum Nachweis der Aufgabe ihres Cannabiskonsums einzureichen, wies 

die IV-Stelle ihr Leistungsbegehren am 18. Juni 2009 ab (vgl. IV-act. 168, 176 und 178 

f.).

Am 4. August 2015 stellte die Versicherte wiederum ein Gesuch um berufliche 

Integration und Rente (IV-act. 190). Nachdem sie erneut keinen Nachweis der 

Drogenabstinenz (Cannabis) eingereicht hatte und eine Verschlechterung des 

Gesundheitszustands nicht glaubhaft war, trat die IV-Stelle am 7. März 2016 auf ihr 

Gesuch nicht ein (IV-act. 202 bis 207).

A.d. 

Am 21. Juli 2016 meldete die Versicherte sich neuerlich zum Bezug von 

Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 208). Ihr behandelnder Psychiater 

med. pract. D.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, legte mit Bericht vom 

17. August 2016 psychische Gründe für die IV-Anmeldung dar. Die Versicherte habe 

ein ADHS, eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus und 

eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode. 

Zudem bestehe seit August 2016 eine posttraumatische Belastungsstörung (IV-

act. 217).

A.e. 

Mit Mitteilungen vom 16. September 2016 und 4. Mai 2017 wies die IV-Stelle das 

Gesuch um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 224 und 240). Angebote zur Betreuung 

in einer Tagesklinik bzw. zur stationären Behandlung zwischen April 2017 und Juni 

2018 nahm die Versicherte nicht wahr oder brach sie nach einigen Tagen wieder ab 

(vgl. IV-act. 247 ff.). Am 18. Juni 2018 begab sie sich in tagesklinische Behandlung im 

Psychiatriezentrum E.___. Wegen abnehmender Therapieadhärenz und zunehmender 

Fehlzeiten wurde die Therapie vorzeitig per 9. August 2018 beendet (vgl. IV-act. 261-2).

A.f. 

Am 19. Februar 2019 gab die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung 

(Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Neurologie, Orthopädie und 

Neuropsychologie) bei der MEDAS in Auftrag (IV-act. 271).

A.g. 

Mit Gutachten vom 19. August 2019 stellten die MEDAS-Gutachter folgende 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: leichte neuropsychologische 

Störung mit kognitiven Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, 

A.h. 

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Gedächtnis, Exekutivfunktionen, Sprache und klinischen Auffälligkeiten mit/bei F90: 

Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität (ADHS) und F81.9: Lernbehinderung 

mit IQ 79 (IV-act. 292-6). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

nannten sie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung F61.0 mit 

Verhaltensauffälligkeiten, schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden F12.1, psychische 

und Verhaltensstörungen durch multiple Substanzen, gegenwärtig abstinent F20.19, 

(Schon- und Vermeidungsverhalten), Cervicalgien und Lumbalgien ohne radikuläre 

Zeichen, minimale Coxa valga bds, Osteopenien, substituierte Hypothyreose, und 

primär episodische Migräne (IV-act. 292-7). In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine 

Arbeitsfähigkeit von 80 % (Leistung 80 % bei Präsenzzeit von 8,5 Stunden). In einer 

angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Diese Bewertungen 

würden auch durchgängig retrospektiv gelten (IV-act. 292-9). Die Behandlung sei in 

psychiatrischer Hinsicht teilweise unzureichend und nicht ausgeschöpft. Die 

motivationalen Faktoren seien zum Teil nicht berücksichtigt worden. Idealerweise sollte 

neben einer Psychopharmakotherapie unter anderem auch eine sozialpsychiatrische 

Therapie und z.B. auch ein Coaching erfolgen. Gegenwärtig habe die Therapie eher 

einen prophylaktischen Zweck, da die Versicherte stabil sei (IV-act. 292-10).

Mit Stellungnahme vom 28. August 2019 führte die RAD-Ärztin F.___, Fachärztin für 

Psychiatrie und Psychotherapie, aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht könne auf 

das MEDAS-Gutachten abgestellt werden (IV-act. 293).

A.i. 

Mit Vorbescheid vom 9. September 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die 

Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 296). Dagegen erhob die Ver­

sicherte, vertreten durch die Procap G.___, mit Schreiben vom 8. Oktober 2019 und 

Ergänzung vom 21. Oktober 2019 Einwand (IV-act. 302; vgl. auch IV-act. 306).

A.j. 

Mit Verfügung vom 6. Dezember 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren 

ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Versicherte sei in einer Vielzahl 

von Tätigkeiten 100 % arbeitsfähig. Den Einschränkungen im Rahmen des 

Fähigkeitsprofils stünden Ressourcen gegenüber. Aus dem Einkommensvergleich 

resultiere kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (IV-act. 307).

A.k. 

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B.  

Gegen diese Verfügung erhebt A.___, nun vertreten durch Rechtsanwältin Linda 

Keller, am 27. Januar 2020 Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung vom 

6. Dezember 2019 sei aufzuheben. Ihr sei eine Invalidenrente basierend auf einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 70 % zuzusprechen. Eventualiter sei die 

Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu 

geben. Ihr sei für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren und eine angemessene Nachfrist 

zur allfälligen einlässlichen Beschwerdebegründung anzusetzen; unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen. Sie habe einen IQ von 79 und gemäss dem IK-Auszug 27 

verschiedene Arbeitsstellen im Zeitraum von 1998 bis 2015 gehabt. Mehrere berufliche 

Massnahmen seien gescheitert. Der behandelnde Facharzt habe detailliert 

beschrieben, weshalb ihr eine Arbeitstätigkeit nicht zumutbar sei (act. G1).

B.a. 

Am 27. Februar 2020 ergänzt die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde im 

Wesentlichen dahingehend, bei ihr würden unbestritten multiple Probleme bestehen. 

Seit dem Erhalt der Verfügung vom 6. Dezember 2019 habe sich ihr 

Gesundheitszustand wieder destabilisiert. Der RAD habe mit Stellungnahme vom 

28. August 2019 festgehalten, die MEDAS-Gutachter hätten sich leider nicht zu den 

häufigen Stellenwechseln geäussert. Auch habe man ihr soziales Umfeld, welches sie 

angeblich gut unterstütze, nicht näher beleuchtet, obwohl ihr Kontakt zur Familie 

schlecht bis gar nicht vorhanden sei, sie keinen Partner und keine Kinder und nur zwei 

Kollegen habe. Der RAD habe die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit 

insgesamt als streng bezeichnet. Der behandelnde Facharzt med. pract. D.___ habe in 

seiner ausführlichen Stellungnahme vom 2. Oktober 2019 festgehalten, warum der 

Einschätzung im psychiatrischen Teilgutachten nicht gefolgt werden könne. Nicht 

nachvollziehbar sei, dass sie mit ihren vielen und teilweise auch schwerwiegenden 

qualitativen Einschränkungen im ersten Arbeitsmarkt voll arbeitsfähig sein solle. Med. 

pract. D.___ halte denn auch dafür, dass nicht genügend Ressourcen bei ihr vorhanden 

seien, die es ihr erlauben würden, Arbeiten im ersten Arbeitsmarkt durchzuführen. In 

der Verfügung würden zwar etliche Tätigkeiten bzw. Nischenarbeitsplätze aufgezählt, 

welche sie angeblich ausüben könnte. Diese Tätigkeiten seien ihr aber gerade nicht 

zumutbar. Sie würden eine grosse Aufmerksamkeit oder Kundenkontakte voraussetzen 

B.b. 

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und somit nicht dem Adaptionsprofil entsprechen. Sie habe 27 verschiedene 

Arbeitsstellen von 1998 bis 2015 gehabt. Ihr könne also nicht vorgeworfen werden, sie 

habe sich nicht bemüht. Andererseits sei damit erstellt, dass sie offensichtlich nicht in 

der Lage sei, einer Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt in einem vollen Pensum 

nachzugehen. Im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes wäre die 

Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, die Frage der häufigen Stellenwechsel weiter 

abzuklären (act. G3).

Mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin die 

Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, weil die 

Einschätzung der Sachverständigen umfassend und überzeugend sei, sei auf das 

MEDAS-Gutachten abzustellen. Die RAD-Ärztin erachte die Einschätzung zur 

Arbeitsfähigkeit als etwas streng. Dies schmälere die Beweiskraft des Gutachtens 

indes nicht. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung liege im Ermessen der Gutachter und sei 

hinreichend begründet worden. In unterschiedlichen Zeitabschnitten könne ein 

unterschiedlich ausgeprägter Substanzmissbrauch festgestellt werden. Je nach 

Intensität habe dies einen direkten Einfluss auf die Arbeitsleistung oder die Fehlzeiten 

am Arbeitsplatz. Die Beschwerdeführerin habe sich nicht genügend bereit gezeigt, an 

sich zu arbeiten. Sowohl berufliche Massnahmen als auch Therapien seien 

abgebrochen worden, weil die Beschwerdeführerin keine Lust gehabt, sich nicht 

kooperativ gezeigt oder sich nicht ernst genommen gefühlt habe. Zum sozialen Umfeld 

der Beschwerdeführerin würden sich in den Akten Informationen finden. Sie könne auf 

unterstützende Freunde zurückgreifen. Es gebe sehr wohl Tätigkeiten, welche sie 

ausüben könne, beispielsweise die Montage von Kunststoffteilen oder Verpackungen, 

das Verpacken von Versandartikeln oder beratende bzw. verkaufende Tätigkeiten wie 

etwa in einem Möbel- oder Modegeschäft oder in einer Bäckerei. Die von der 

Beschwerdeführerin gespielten Online-Games würden ebenfalls Konzentration über 

längere Zeitdauer sowie eine gewisse Frustrationstoleranz erfordern, welche die 

Beschwerdeführerin offensichtlich problemlos an den Tag lege (act. G13).

B.c. 

Mit Nachtrag vom 9. Juli 2020 führt die Beschwerdegegnerin aus, aufgrund der im 

Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie ruhenden Gutachter-Untersuchungen 

habe sie die MEDAS-Gutachter zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den 

Bereichen "häufige Arbeitsplatzwechsel" und "Soziales" aufgefordert. Gestützt auf 

B.d. 

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deren Antwort (act. G14.1) erachte sie weiterhin die Einschränkung des 

Cannabiskonsums sowie eine resilienzorientierte und auf die Beschwerden der 

Beschwerdeführerin zugeschnittene Therapie als unbedingt angezeigt (act. G14).

Am 14. Juli 2020 bewilligt die Präsidentin des Versicherungsgerichts das Gesuch 

um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act. G15).

B.e. 

Mit Replik vom 15. Oktober 2020 bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen 

vor, die Ausführungen im Gutachten, wonach eine Therapie zu einer nachhaltigen 

Veränderung im Verhalten führen würde, würden erstellen, dass derzeit noch nicht von 

einer Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden dürfe. Zudem gehe aus diesen 

Ausführungen im Umkehrschluss hervor, dass erst eine Veränderung des Verhaltens zu 

einer Integration auf dem Arbeitsmarkt führen würde. Angesichts der Vorgeschichte 

müsse aber bezweifelt werden, ob eine erneute Therapie tatsächlich zu einer 

entsprechenden Verhaltensänderung führen würde. Ihr könne nicht vorgeworfen 

werden, ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen zu sein. Trotz all ihrer 

Bemühungen könne sie bis heute nicht im Arbeitsmarkt integriert werden. In Bezug auf 

das Fähigkeitsprofil sei im Zusatzgutachten unter anderem festgehalten worden, dass 

sie anstrengungsbereit sei (act. G19).

B.f. 

Mit Duplik vom 17. November 2020 bringt die Beschwerdegegnerin vor, die 

Beschwerdeführerin verdrehe die vorhandenen Berichte und versuche damit ein Bild zu 

zeichnen, gemäss welchem sie keinesfalls in der Lage sei, eine Arbeitstätigkeit auf­

zunehmen. Das Gegenteil sei jedoch der Fall. Ihr sei es tatsächlich mehrfach gelungen, 

Arbeitsstellen zu finden und über eine gewisse Zeitdauer zu halten. Sie werde jedoch 

mit der Zeit unzuverlässig und halte einfachste Auflagen nicht ein. Psychiatrische 

Behandlungen habe sie nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern wegen 

mangelnder Motivation abgebrochen. Im Gegensatz dazu falle es ihr nicht schwer, ein 

hohes Alltagsaktivitätsniveau aufrechtzuerhalten. Eine Therapie könnte zu einer 

nachhaltigen Veränderung ihres Verhaltens führen und damit ihr berufliches 

Fortkommen erleichtern. Die Empfehlung einer Therapie bedeute jedoch nicht, dass die 

Beschwerdeführerin im Umkehrschluss derzeit arbeitsunfähig sei (act. G21).

B.g. 

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Erwägungen

1.  

Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen, die ihre 

Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 

können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40 % invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes 

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich 

die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist 

(Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.1. 

Nach Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2021 gültigen und vorliegend 

anwendbaren Fassung besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die 

versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % 

besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht 

frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1 

IVG).

1.2. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines 

Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, 

auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 

1.3. 

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2.  

3.  

Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob 

die Schlussfolgerungen der Sachverständigen begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a 

mit Hinweisen).

Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz 

nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hin­

weisen).

1.4. 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, auf das MEDAS-Gutachten vom 

19. August 2019 könne nicht abgestellt werden. Vorab ist deshalb festzuhalten, dass 

dieses Gutachten die formellen Anforderungen gemäss der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung erfüllt. Die Gutachter erstellten es in Kenntnis der Vorakten und nach 

einem persönlichen Untersuch der Beschwerdeführerin. Sie nahmen die geklagten 

Beschwerden auf und setzten sich damit wie auch mit den Vorakten und den 

Untersuchungsergebnissen auseinander. Die gestellten Diagnosen und die 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruhen auf einer interdisziplinären fachärztlichen 

Konsensbeurteilung.

2.1. 

Zu prüfen bleibt, ob die einzelnen Vorbringen der Beschwerdeführerin Zweifel am 

Beweiswert des Gutachtens zu wecken vermögen.

2.2. 

Die Beschwerdeführerin weist auf ihren IQ von 79 hin und leitet daraus eine 

Arbeitsunfähigkeit ab (act. G1). Intelligenzminderungen werden nach dem 

Klassifikationssystem ICD-10 in leichte (Intelligenzquotient [IQ] 69 bis 50), mittelgradige 

(IQ 49 bis 35), schwere (IQ 34 bis 20) und schwerste (IQ weniger als 20) Fälle eingeteilt 

(ICD-10 F.70 bis F.73; vgl. auch Pschyrembel, 267. Aufl. 2017, S. 881). Nach 

konstanter Rechtsprechung wird heute bei einem IQ von 70 und höher ein 

invalidenversicherungsrechtlich massgeblicher Gesundheitsschaden verneint. 

Demgegenüber kann ein IQ unterhalb dieses Werts zu einer verminderten 

Arbeitsfähigkeit führen, wobei es nicht nur auf die Höhe des IQ oder die gestellte 

Diagnose, sondern stets auf die Gesamtheit der gesundheitlichen Beeinträchtigungen 

ankommt, mithin auf die Auswirkungen einer Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit (BGE 

136 V 279 E. 3.2.1 und Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2019, 8C_608/2018, 

E. 5.2, je mit Hinweisen). Auch stellt sich in jedem Einzelfall die Frage, inwiefern sich 

3.1. 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-V-279%3Ade&number_of_ranks=0#page279
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4.  

der Intelligenzmangel im Zusammenspiel mit weiteren gesundheitsbedingten 

Einbussen konkret auf die zumutbarerweise mögliche Leistungserbringung auswirkt. 

So kann etwa eine Kombination von Beeinträchtigungen auf somatischer, psychischer 

und geistiger Ebene dazu führen, dass eine versicherte Person selbst mit 

professioneller Unterstützung keine hinreichenden beruflichen Kenntnisse erwerben 

und eine längerdauernde Anstellung halten kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 

25. Mai 2018, 8C_189/2018, E. 4.2.3). Umgekehrt führt eine leichte 

Intelligenzminderung für sich allein nicht zwingend zu einer IV-relevanten 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Gemäss ICD-10 können viele Erwachsene mit einer 

leichten Intelligenzminderung arbeiten, gute soziale Beziehungen unterhalten und ihren 

Beitrag zur Gesellschaft leisten (ICD-10 F70).

Mit einem IQ von 79 liegt bei der Beschwerdeführerin keine Intelligenzminderung 

nach ICD-10 vor. Auch im Zusammenspiel mit den weiteren gesundheitlichen 

Einschränkungen ist die Leistungserbringung in einer angepassten Tätigkeit durch den 

eher tiefen IQ nicht wesentlich reduziert. Dass ihr IQ einer Arbeitsfähigkeit nicht im 

Wege steht, ergibt sich auch daraus, dass die Beschwerdeführerin in der Lage war, 

eine Coiffeure-Anlehre zu absolvieren und verschiedene berufliche Tätigkeiten, unter 

anderem im Verkauf und im Service, auszuüben. Den im Recht liegenden 

Arbeitszeugnissen lässt sich denn auch nicht entnehmen, dass Arbeitsverhältnisse 

wegen fehlender intellektueller Eignung beendet worden wären (vgl. IV-act. 158-2 und 

193).

3.2. 

Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass sie zwischen 1998 und 2015 

insgesamt 27 verschiedene Arbeitsstellen innegehabt habe und verschiedene 

berufliche Massnahmen gescheitert seien, beweise, dass sie offensichtlich nicht in der 

Lage sei, einer Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachzugehen. Sie 

unterziehe sich seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder stationären und 

ambulanten Therapien und habe sich immer wieder um Arbeitsstellen bemüht, habe 

diese dann aber immer wieder aufgeben müssen, weil sie sich einfach nicht in der 

Berufswelt integrieren könne. Im MEDAS-Gutachten vom 19. August 2019 sei dazu 

ungenügend Stellung genommen worden. Aus dem "Zusatzgutachten" vom 29. Juni 

2020 in Kombination mit bereits vorliegenden Berichten gehe klar hervor, dass sie 

keinesfalls in der Lage sei, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen (act. G1, G3 und G19).

4.1. 

Auch wenn auffällt, dass die Beschwerdeführerin sehr viele und oftmals kurze 

Anstellungen hatte, kann aus der Anzahl angetretener Stellen für sich genommen keine 

4.2. 

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Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden. Sofern nicht blosse Arbeitsbestätigungen für die 

kurzen Arbeitsverhältnisse ausgestellt wurden, beschrieben die Arbeitgeber die 

Beschwerdeführerin in den im Recht liegenden Arbeitszeugnissen nämlich als 

zuverlässig, pflicht- und verantwortungsbewusst, selbständig, sorgfältig, freundlich, 

zuvorkommend, aufmerksam, loyal, kollegial und bereit, Neues zu lernen. Sie hielten 

fest, die Beschwerdeführerin habe die Arbeit zu ihrer vollen Zufriedenheit erledigt. Als 

Gründe für die Beendigung der Arbeitsverhältnisse wurden unter anderem 

Betriebsschliessung, von Anfang an befristete Anstellung und Verlassen auf eigenen 

Wunsch angegeben (vgl. IV-act. 193 und 209).

Arbeitszeugnisse sind zwar wohlwollend zu formulieren, müssen aber auch der 

Wahrheit entsprechen (vgl. Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph, 

Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 7. Auflage, Zürich/Basel/Genf 

2012, Art. 330a N 3a). Aus den Arbeitszeugnissen darf deshalb abgeleitet werden, dass 

die Beschwerdeführerin den beruflichen Anforderungen in den entsprechenden 

Tätigkeiten durchaus gewachsen war. Demnach waren zumindest einige Arbeitgeber 

mit den Leistungen und dem Verhalten der Beschwerdeführerin zufrieden und hätten 

sie auch gerne weiterbeschäftigt.

4.3. 

Dass die Beschwerdeführerin immer wieder eine Anstellung fand und sich vielseitig 

einsetzen liess (vgl. hierzu die beruflichen Tätigkeiten gemäss Lebenslauf, IV-act. 200), 

weist auf eine gute Kommunikationsfähigkeit (erfolgreiche Bewerbungen und 

Vorstellungsgespräche), Lernfähigkeit und Flexibilität (verschiedene berufliche 

Tätigkeiten) hin. Auch im MEDAS-Gutachten und der MEDAS-Stellungnahme wird 

ausgeführt, dass die Kommunikationsfähigkeit der Beschwerdeführerin erhalten sei und 

sie Neues lernen könne (IV-act. 292-7, 292-52 und act. G14.1).

4.4. 

Die häufigen Stellenwechsel werden ansatzweise bereits im MEDAS-Gutachten, 

vor allem aber in der MEDAS-Stellungnahme vom 29. Juni 2020 damit erklärt, dass die 

Beschwerdeführerin nebst einer tiefen Frustrationstoleranz schnell gelangweilt sei, die 

Motivation verliere und bei Schwierigkeiten, namentlich drohenden Konflikten mit 

Kollegen oder Vorgesetzten ein Vermeidungsverhalten an den Tag lege. Die 

Zuverlässigkeit sei nicht herabgesetzt, Tagesstrukturierung, Selbstversorgung, 

Kommunikation und Körperpflege seien erhalten. Ein Grund für Abbrüche von 

Interventionen und Kooperationsprobleme seien motivationale Faktoren mit vielen 

Absenzen (IV-act. 292-9, 292-52, 292-96, 292-99 ff. und act. G14.1).

4.5. 

Diese Ausführungen sind einleuchtend, stehen sie doch mit den Angaben in den 

Vorakten im Einklang (vgl. beispielhaft den Eingliederungsversuch in der H.___ im 

4.6. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/22

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Februar/März 2006, den die Beschwerdeführerin nach anfänglicher Begeisterung 

wegen einer einmaligen kritischen Bemerkung der Leiterin umgehend abbrach, IV-

act. 71 und 84-3; Abschlussbericht I.___ vom 15. September 2006, wonach bei der 

Beschwerdeführerin Fragezeichen bei der grundsätzlichen Arbeitsmotivation die 

Abklärung erschwerten, IV-act. 81; Ärztlicher Bericht der psychiatrischen RAD-

Untersuchung vom 27. August 2008, anlässlich welcher die Beschwerdeführerin angab, 

aktuell sei sie in einem J.___ tätig, die Tätigkeit sage ihr jedoch nicht zu und sie werde 

demnächst kündigen, IV-act. 143-3; Austrittsbericht des Psychiatriezentrums E.___ 

vom 9. November 2018, wonach das Interesse der Beschwerdeführerin an der 

Therapie mit der Zeit nachgelassen habe, IV-act. 261-2).

Die motivationalen Faktoren können gemäss den MEDAS-Gutachtern nicht bzw. 

jedenfalls nicht im gegebenen Umfang einer gesundheitlichen Beeinträchtigung 

zugeschrieben werden. Sowohl die Frustrationstoleranz als auch das 

Vermeidungsverhalten könnten therapeutisch angegangen werden (resilienzorientierte 

therapeutische Massnahmen, vgl. IV-act. 292-8, 292-10, 292-44, 292-50, 292-51 f. und 

act. G14.1).

4.7. 

Die Beschwerdeführerin konsumierte früher exzessiv, zuletzt gemäss ihren und 

den Angaben ihres Psychiaters nur noch gelegentlich Cannabis (CBD). Ein 

Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2) liegt gemäss übereinstimmender Meinung 

sowohl der Beschwerdeführerin und ihres Behandlers als auch der MEDAS-Gutachter 

nicht vor (vgl. IV-act. 292-17, 292-26, 292-93, 217-11 f., 199-2 und 181). Die MEDAS-

Gutachter diagnostizierten jedoch einen schädlichen Gebrauch von Cannabinoiden 

(ICD-10 F12.1; IV-act. 292-7). Sie hielten fest, dieser könne sich negativ auf die 

Berufstätigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt haben, da er ein sogenanntes 

amotivationales Syndrom auslösen könne. Dabei könnten Euphorisierung, 

Teilnahmslosigkeit, Passivität, Gleichgültigkeit gegenüber Alltagsanforderungen und 

Antriebsverminderung bestehen, während der intentionale Bogen verkürzt sowie 

Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz reduziert seien, längerfristige Pläne nicht 

in Angriff genommen würden und neuen Aufgaben ausgewichen werde. 

Gleichgültigkeit gegenüber Schule, Berufsausbildung und sozialen Bindungen könne 

eintreten, Pflichten und Verantwortung würden nicht übernommen. Dies könne bis zu 

einer sogenannten "demobilisierenden Lethargie" führen. Fehlende Motivation, 

depressive Verstimmung, Aggressivität, verminderte Fähigkeit zur Differenzierung, 

verminderte Funktion des Gedächtnisses, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Ablenkbarkeit, 

Ruhelosigkeit und Kopfschmerzen könnten im Zusammenhang mit dem 

Cannabiskonsum auftreten. Diese psychischen Besonderheiten im Zusammenhang mit 

4.8. 

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5.  

regelmässigem Cannabiskonsum seien bei der Beschwerdeführerin dokumentiert und 

dürften ebenfalls wesentlich zu den häufigen Arbeitsplatzwechseln beigetragen haben. 

Die allenfalls mit dem Cannabiskonsum im Zusammenhang stehenden motivationalen 

Faktoren sowie der fehlende Leidensdruck und die passive Art, in diesem Zustand 

verharren zu wollen und keine Veränderung herbeizuführen, würden auch dabei eine 

Rolle spielen, dass die Beschwerdeführerin keine Medikamente einnehme. Deswegen 

würden die MEDAS-Gutachter die vorrangige Aufgabe der Therapie in einem 

resilienzorientierten Ansatz sehen. Das Therapiekonzept sei massgeblich für die 

Veränderung der Arbeitsmotivation und Anpassung an die Realität, im gleichen Zug 

sollte der Konsum von Cannabis eingestellt werden. Die gutachterlichen Angaben 

würden sich grundsätzlich auf den allgemeinen Arbeitsmarkt beziehen, nicht auf einen 

geschützten Arbeitsplatz (act. G14.1, S. 7; siehe zur Wirkung des Konsums von 

Cannabinoiden auch Klaus Foerster, Störungen durch illegale Drogen und 

Medikamente, in: Venzlaff/Foerster, Psychiatrische Begutachtung, 5. Auflage, S. 256).

Die häufigen Stellenwechsel der Beschwerdeführerin könnten daher auch im 

Cannabiskonsum (mit-)begründet sein. Dieser ist geeignet, zahlreiche der von der 

Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden hervorzurufen. Die Symptomatik eines 

durch Cannabiskonsum ausgelösten amotivationalen Syndroms weist Überlappungen 

mit der Symptomatik sowohl eines ADHS als auch einer depressiven Störung auf (vgl. 

die entsprechenden ICD-10-Codierungen sowie die voranstehenden Ausführungen). 

Ein Abhängigkeitssyndrom im Sinne von BGE 145 V 215 ergibt sich weder aus den 

Akten noch aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin oder ihres Behandlers, 

sodass es der Beschwerdeführerin ohne Weiteres zumutbar ist, den Cannabiskonsum 

einzustellen. Da nicht festgestellt werden kann, inwiefern der Cannabiskonsum bzw. 

eine unabhängig von Gesundheitseinschränkungen bestehender Motivationsmangel 

die häufigen Stellenwechsel mitverursacht hat, können diese nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit auf gesundheitliche Einschränkungen zurückgeführt werden.

4.9. 

Nach dem Gesagten kann aus den häufigen Stellenwechseln keine 

Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin abgeleitet werden.

4.10. 

Die Beschwerdeführerin rügt, die MEDAS-Gutachter würden ihr ein intaktes 

soziales Umfeld als Ressource attestieren, über das sie aber gar nicht verfüge (vgl. 

act. G3). Diesbezüglich hielten die MEDAS-Gutachter fest, die Beschwerdeführerin 

habe einzelne Kolleginnen und Kollegen, zu denen sie intensiveren Kontakt zu pflegen 

scheine, als sie angebe. Mit diesen könne sie über Probleme reden und erhalte von 

5.1. 

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ihnen Unterstützung (z.B. betreffend Umzug). Die Beschwerdeführerin könne auch das 

Gamen und Chatten nutzen, um mit anderen in Kontakt zu treten und Freundschaften 

zu pflegen. Ihre zurückhaltenden Angaben über Kontakte würden zum Gesamtbild 

passen, wonach die Beschwerdeführerin zu einer deutlichen Übertreibung bei der 

Schilderung ihrer Beschwerden neige (vgl. hierzu beispielhaft IV-act. 292-6 ff., 292-50, 

292-84 f.: eingeschränkte Glaubwürdigkeit der angegebenen Beschwerden, 

Beschwerdenübertreibung und -ausweitung; Neigung zum Verdeutlichungsverhalten 

und sogar zur Übertreibung mit aggravatorischen Tendenzen; Angabe von hoher 

Empfindlichkeit und sozialen Phobien, gleichwohl aber kein korrelierender äusserer 

Eindruck und wiederholter Besuch eines grossen Erlebnisparks; Widersprüche 

zwischen der subjektiven Beschwerdeschilderung und der objektiven Befundlage). Bei 

der Beschwerdeführerin sei nicht davon auszugehen, dass sie einsam sei. Sie verfüge 

vielmehr über gute und tragfähige Beziehungen, scheine dies nach aussen aber eher 

nicht preiszugeben (vgl. zum Ganzen act. G14.1, S. 8).

Die Beschwerdeführerin gab schon 2008 an, einen kleinen, aber stabilen 

Freundeskreis zu haben und oft mit Freunden zu chatten (vgl. IV-act. 143-2). 

Med. pract. D.___ hielt ebenfalls fest, die Beschwerdeführerin habe einen kleinen, aber 

guten Kollegenkreis. Sie unternehme auch immer wieder etwas mit den Kolleginnen 

und Kollegen (act. G13.2/1-17, Bericht vom 1. August 2016). Anlässlich der 

Begutachtung äusserte die Beschwerdeführerin, sie habe ein ganz kleines 

Beziehungsnetz, welches aber unterstützend sei (IV-act. 292-63; vgl. auch IV-

act. 292-38). Nach ihrem Tagesablauf befragt gab sie unter anderem an, sie chatte viel 

oder skype mit Freunden bzw. sie treffe Freunde (vgl. IV-act. 292-27 und 292-63). Sie 

scheint sehr aktiv in den sozialen Medien vernetzt zu sein und gab an, online mit 

weltweiten Partnern zu spielen (IV-act. 292-9). Sie liess sich an die Teilbegutachtungen, 

welche in Bern stattfanden, von einer Freundin begleiten (vgl. IV-act. 276 ff. und 

292-63). Sie besuchte 2017 für drei, 2018 für zwei Tage den Erlebnispark X.___ mit 

einer Freundin (vgl. IV-act. 292-93). Den Kontakt zu ihrer Mutter beschrieb sie 

unterschiedlich, anlässlich der Begutachtung unter anderem als sehr gut. Sie könne 

auch deren Auto benutzen (vgl. IV-act. 292-62 f. und 292-95). Zum Bruder bestehe eine 

gewisse Hassliebe (IV-act. 292-95). Die Beschwerdeführerin sei Patin des Kindes ihres 

Bruders (vgl. IV-act. 292-38).

5.2. 

Angesichts dieser Angaben sowohl in den Vorakten als auch anlässlich der 

Begutachtung kann das soziale Umfeld der Beschwerdeführerin entgegen ihren 

Ausführungen als Ressource betrachtet werden.

5.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/22

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6.  

7.  

Bei der Beschwerdeführerin fällt eine geringe Therapieaktivität auf (Psychotherapie 

einmal pro Monat, sehr selten Hausarztbesuch, Ablehnung von medikamentöser 

Behandlung, vgl. IV-act. 292-9, 292-39 und 292-96). Dieser geringen Therapieaktivität 

steht eine hohe Alltagsaktivität gegenüber (vgl. IV-act. 292-6). So führt die 

Beschwerdeführerin ihren Haushalt vollkommen selbständig, wobei sie sich als 

"pingelig" bezeichnet. Dazu gehört namentlich das Einkaufen, die Versorgung ihrer 

Haustiere, das Kochen von Mahlzeiten und die Erledigung administrativer Aufgaben. 

Die Beschwerdeführerin gab an, sie hätte gerne einen Garten und sie wolle ein Tierheim 

suchen, um eventuell mit den Hunden spazieren gehen zu können. Sie ist in der Lage, 

stundenlang "en bloc" einen fesselnden Roman zu lesen oder am Computer Serien und 

Filme zu schauen bzw. zu chatten und online zu spielen, ohne sich ablenken zu lassen. 

Sie konnte auch nach einer mehrstündigen Anreise per Auto bzw. Bus mehrere Tage in 

einem Vergnügungspark verbringen, wo sich naturgemäss viele Menschen aufhalten 

und viele Reize auf die Besucher einwirken. Zur Begutachtung erschien sie gepflegt 

(langes Haar, Tattoos, Piercings, lackierte Fingernägel; vgl. zum Ganzen IV-act. 143-2, 

292-8 f., 292-27 f., 292-42 f., 292-61, 292-78, 292-93, 292-95 f., 292-99 f.).

6.1. 

Die gutachterliche Einschätzung, wonach das Freizeitverhalten der Beschwerde­

führerin nicht als defizitär bezeichnet werden könne, die psychischen Auffälligkeiten in 

Anbetracht des bisherigen Werdegangs eher insgesamt leichtgradig erschienen und 

nicht nachvollziehbar sei, warum die in der Freizeit gezeigten Fähigkeiten nur für 

persönliche Interessen verfügbar sein sollen (vgl. IV-act. 292-6 und 292-101), leuchtet 

daher ein. Soweit die Beschwerdeführerin also bemängelt, im MEDAS-Gutachten 

würden ihr nicht vorhandene Ressourcen attestiert, ist entgegen den Ausführungen der 

Beschwerdeführerin mit den Gutachtern davon auszugehen, dass zumindest zum Teil 

eine gute Ressourcenlage gegeben ist (vgl. hierzu IV-act. 292-6).

6.2. 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, aus der MEDAS-Stellungnahme vom 29. Juni 

2020 gehe in Kombination mit den bereits vorliegenden Berichten klar hervor, dass sie 

keinesfalls in der Lage sei, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen (act. G19). Dies ist 

aktenwidrig. Die MEDAS-Gutachter gelangten zum Schluss, dass die 

Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu 80 % und in einer adaptierten 

Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Auch der Behauptung der Beschwerdeführerin, 

wonach die Ausführungen im Gutachten, eine Therapie würde zu einer nachhaltigen 

Veränderung im Verhalten führen, zeigten, dass derzeit noch nicht von einer 

7.1. 

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Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden dürfe, kann nicht gefolgt werden. Im Gutachten 

wird lediglich ausgeführt, wie die Beschwerdeführerin – nach Meinung der 

Gutachtenspersonen – sinnvoll behandelt werden könnte. Dass dadurch die attestierte 

Arbeitsfähigkeit erst erreicht werden könnte, wird hingegen nicht ausgeführt. Der – von 

der Beschwerdeführerin bezweifelte – Erfolg einer Therapie hängt dabei nicht nur von 

gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin, sondern unter anderem 

von ihrer Motivation ab. Dementsprechend wird im MEDAS-Gutachten ausgeführt, die 

früheren fachlichen Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit seien nicht begründbar, auch 

wenn bisher keine wirksame Eingliederung erfolgt sei. Zum Teil seien therapeutische 

Massnahmen in Aussicht gestellt, dann jedoch von der Versicherten nicht durchgeführt 

oder verzögert worden, gemäss ihren Interessen (IV-act. 292-9). Wenn die 

Beschwerdeführerin unter Verweis auf die entsprechende Formulierung in der 

neuropsychologischen Abklärung geltend macht, sie sei anstrengungsbereit (act. G19), 

ist darauf hinzuweisen, dass diese Formulierung sich auf die Mitwirkung bei der 

Erstellung des Fähigkeitsprofils bezieht (vgl. IV-act. 292-48). Sie betrifft demnach 

lediglich die neuropsychologische Untersuchung, namentlich die Validierung von deren 

Testergebnissen, und kann nicht generell auf ihre Erwerbstätigkeit ausgeweitet werden.

Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die gutachterliche Einschätzung 

weiche von jener ihres behandelnden Psychiaters ab, kann sie daraus nichts zu ihren 

Gunsten ableiten. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es einer 

Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf ihre 

auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten 

aussagen und ihre Angaben deshalb zurückhaltend zu werten sind (vgl. hierzu etwa 

BGE 125 V 351 E. 3b/cc oder BGE 135 V 465 E. 4.5). Die unterschiedliche Natur von 

Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und 

Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits 

lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und 

zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu 

anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich 

eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und 

nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die 

im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Entscheid 

des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2 mit Hinweisen).

7.2. 

Med. pract. D.___ benannte keine solchen Aspekte, die im Rahmen der MEDAS-

Begutachtung unberücksichtigt geblieben wären. Im Gegenteil führte er in seiner 

Stellungnahme zum Einwand vom 2. Oktober 2019 aus, das psychiatrische Gutachten 

7.3. 

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sei ausführlich, formal korrekt und gut lesbar. Es sei möglich, dass die 

Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung keine depressive 

Episode gehabt habe. Das Ergebnis der neuropsychologischen Untersuchung sei für 

ihn auch nachvollziehbar (IV-act. 302-6). Lediglich die Aussage des psychiatrischen 

Gutachters, wonach die Beschwerdeführerin mit ihren verschiedenen Einschränkungen 

noch Arbeiten im ersten Arbeitsmarkt durchführen könne, sei für ihn nicht 

nachvollziehbar (vgl. IV-act. 302-7).

Med. pract. D.___ kritisierte also weder die Methode noch die Feststellungen und 

Diagnosen des psychiatrischen MEDAS-Gutachters. Im Gegenteil anerkannte er 

letztere explizit (vgl. IV-act. 302-8) und beurteilt sie als nachvollziehbar. Er wich einzig 

in der Schlussfolgerung betreffend Arbeitsfähigkeit von der Einschätzung des MEDAS-

Gutachtens ab. Diesbezüglich führte er aus: "Ich denke, dass es heute kaum eine 

Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt gibt, bei der Menschen mit den im Gutachten 

beschriebenen qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit arbeiten können" (IV-

act. 302-7). Dabei handelt es sich nicht um eine eigentliche medizinische Einschätzung, 

sondern um eine Aussage zur Verwertbarkeit, die nicht in die Kompetenz der 

medizinischen Fachperson fällt.

7.4. 

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass für die Verwertung der 

(Rest-)Arbeitsfähigkeit der hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt massgebend ist 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es sich dabei um einen 

theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich der 

Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der 

Begriff umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot 

von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der 

von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar 

sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen 

wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Es kann daher nicht leichthin 

angenommen werden, die verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar. Nach 

diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die 

Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein 

rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (Urteil des 

Bundesgerichts vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4; BGE 110 V 273 E. 4b; 

ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf 

abzustellen ist, ob eine versicherte Person unter den konkreten Arbeitsmarkt­

verhältnissen vermittelt werden kann, sondern darauf, ob sie die ihr verbliebene 

Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem 

7.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/22

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Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI-Praxis 6/1998 S. 291). Der 

ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also 

Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von 

Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann nicht 

mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter 

Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder 

sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen 

Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von 

vornherein ausgeschlossen erscheint (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 

vom 24. April 2012, 8C_869/2011, E. 4.3.5 mit Hinweisen).

Vorliegend ist deshalb nicht relevant, ob die Beschwerdeführerin auf dem aktuellen 

Arbeitsmarkt eine Stelle findet, sondern ob sie ihre Erwerbsfähigkeit wirtschaftlich 

verwerten könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften 

entsprechen würde.

7.6. 

Die Beschwerdegegnerin legte sowohl in ihrer Verfügung (IV-act. 307) als auch in 

der Beschwerdeantwort (act. G13) ausführlich dar, dass Tätigkeiten, die den 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin angepasst wären, auf dem hypothetisch 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhanden sind. Ihre Aufzählung hat dabei 

exemplarischen Charakter.

7.7. 

Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin existieren berufliche Tätigkeiten im 

Bereich Montage oder Kontrolle wie auch solche mit allfälligem Kundenkontakt, welche 

dem Adaptionsprofil gemäss MEDAS-Gutachten entsprechen. Die hauptsächlichen 

Defizite der Beschwerdeführerin bestehen im kognitiv-intellektuellen Bereich in 

Kombination mit dem ADHS und der Persönlichkeitsstrukturierung (vgl. Iv-act. 292-7). 

Dass med. pract. D.___ mit Bericht vom 17. August 2016 noch in Betracht zog, die 

Symptome einer emotionalen Instabilität im Rahmen des ADHS anzusehen (vgl. IV-

act. 217-3), stützt die Einschätzung gemäss MEDAS-Gutachten, wonach die 

Persönlichkeitsstörung nicht schwergradig ausgeprägt ist. Sowohl das ADHS als auch 

der eher tiefe IQ und die Persönlichkeitsstrukturierung bestanden bei der 

Beschwerdeführerin schon seit der Kindheit bzw. Jugend (vgl. ICD-10-Definitionen 

sowie IV-act. 292-9 und 292-51). Dennoch war sie in der Lage, eine Coiffeur-Anlehre zu 

absolvieren (vgl. IV-act. 27) und als Erwachsene in verschiedenen Tätigkeiten zu 

arbeiten. Sie war namentlich auch in der Lage, im Rahmen ihrer Arbeitstätigkeit, 

beispielsweise im Verkauf, die erforderliche Aufmerksamkeit aufzubringen und den 

Kundenkontakt positiv zu gestalten (vgl. beispielhaft IV-act. 193-1, Arbeitszeugnis 

Y.___ vom 31. März 2014: "Im Umgang mit unseren Kunden zeigte sich [die 

7.8. 

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Beschwerdeführerin] sehr freundlich, zuvorkommend und aufmerksam. Gegenüber 

Vorgesetzten und Mitarbeitenden verhält sie sich immer loyal, kooperativ und kollegial, 

was eine sehr angenehme Zusammenarbeit ermöglichte"). Ihre Behauptung, 

Tätigkeiten mit Kundenkontakt seien ihr nicht zumutbar (act. G3), ist in dieser absoluten 

Form demnach offensichtlich unzutreffend. Bemerkenswert ist in diesem Kontext auch, 

dass die Beschwerdeführerin gegenüber med. pract. D.___ angab, ihr sei noch nie 

wegen zwischenmenschlicher Probleme gekündigt worden und sie habe auch selbst 

nie deswegen gekündigt (act. G13.2/1-16, Bericht vom 1. August 2016).

Die Beschwerdeführerin war trotz der von ihr geltend gemachten Beschwerden 

und Einschränkungen in der Lage, in den Jahren 2016 und 2017 Auto fahren zu lernen 

und sowohl die theoretische wie auch die praktische Fahrprüfung zu absolvieren (vgl. 

IV-act. 228-4 f., 247-15 und 247-29). Auch dies zeigt, dass sie kognitiv und seitens 

Aufmerksamkeit in der Lage ist, Neues zu lernen und praktisch wie theoretisch 

anzuwenden.

7.9. 

Die – schon lange bestehende, von der Beschwerdeführerin anlässlich der 

MEDAS-Begutachtung nicht in den Vordergrund gestellte – Rückenproblematik hat 

gemäss der gutachterlichen Einschätzung keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. 

Aufgrund der radiologischen Untersuchungen seien die LWS- und HWS-Beschwerden 

der Beschwerdeführerin gemäss dem MEDAS-Gutachten als rein muskulär zu 

betrachten. Rein orthopädisch habe nie eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit 

bestanden. Die Beschwerdeführerin führe denn auch keine konsequente konservative 

orthopädische Therapie durch, es würden nur spärlich orthopädische Akten vorliegen 

und seit 2016 fehlten orthopädische Akten völlig (IV-act. 292-67 ff.; vgl. auch MRI vom 

20. November 2012, IV-act. 197-3). Eine Depression lag zum Begutachtungszeitpunkt 

ebenfalls nicht vor (vgl. IV-act. 292-43, 292-50 und 302-6).

7.10. 

Med. pract. D.___ ging im Übrigen noch mit Bericht vom 2. Dezember 2016 

davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für angepasste Arbeiten 

im Januar 2017 50 % betragen würde und im weiteren Verlauf gesteigert werden könne 

(IV-act. 228-1). Dass er nach Erhalt des MEDAS-Gutachten eine Unverwertbarkeit der 

Arbeitsfähigkeit bzw. vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin annimmt, 

vermag auch deshalb nicht zu überzeugen. Hinzu kommt, dass med. pract. D.___ alle 

Erkrankungen der Beschwerdeführerin als behandelbar einstufte (vgl. IV-act. 217-7). 

Nebst einer psychotherapeutischen wäre auch eine medikamentöse Behandlung 

sinnvoll. Med. pract. D.___ hat der Beschwerdeführerin sowohl die Gabe von Ritalin als 

auch von Antidepressiva angeboten, jedoch wollte die Beschwerdeführerin keine 

Medikamente einnehmen (vgl. beispielhaft act. G13.2/1-8, IV-act. 292-9, 292-19, 

7.11. 

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8.  

292-61, 292-84 und 302-10). Die fortgesetzte Krankheitsbehandlung, die insbesondere 

auch die dauernde Einnahme ärztlich verschriebener Medikamente umfasst, ist in der 

Regel eine jederzeit zumutbare Form allgemeiner Schadenminderung (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts vom 22. Mai 2019, 8C_741/2018, E. 4 mit Hinweisen).

Insgesamt ist somit kein Grund für eine Arbeitsunfähigkeit oder eine 

Unverwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer 

angepassten Tätigkeit ersichtlich (vgl. hierzu auch IV-act. 292-6). Die vom 

behandelnden Psychiater gemachten Ausführungen vermögen keine Zweifel am 

Beweiswert des MEDAS-Gutachtens zu wecken.

7.12. 

Zusammenfassend ist das MEDAS-Gutachten umfassend und die medizinische 

Beurteilung einleuchtend. Namentlich die Arbeitsfähigkeitsschätzung ist 

nachvollziehbar begründet. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen daran 

nichts zu ändern. Das Gutachten ist somit beweiskräftig, sodass darauf abzustellen ist. 

Die Beschwerdeführerin ist demnach in ihrer bisherigen Tätigkeit zu 80 % und in einer 

angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig.

7.13. 

Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerdeergänzung geltend, ihr 

Gesundheitszustand habe sich seit Erhalt der angefochtenen Verfügung destabilisiert 

(act. G3).

8.1. 

Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt, ist die gerichtliche Überprüfung 

einer Verwaltungsverfügung nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung 

grundsätzlich auf den Zeitraum bis zum Erlass dieser Verfügung beschränkt; 

nachträgliche Sachverhalts- und Rechtsänderungen werden nicht berücksichtigt (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts vom 28. August 2003, I 596/02, E. 1.1, und BGE 132 V 215 

E. 3.1.1 mit Hinweis auf BGE 121 V 362 E. 1b). Auch in der vorliegenden Angelegenheit 

ist daher lediglich der bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung eingetretene 

Sachverhalt zu beurteilen. Eine allenfalls später eingetretene Verschlechterung des 

Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin kann somit von Vornherein keine 

Berücksichtigung finden. Der Beschwerdeführerin stünde in diesem Fall die Möglichkeit 

offen, bei der Beschwerdegegnerin unter Beilage entsprechender Arzt- und 

Klinikberichte erneut ein Gesuch zu stellen.

8.2. 

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9.  

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

Da die Beschwerdeführerin gestützt auf das MEDAS-Gutachten in ihrer 

angestammten Tätigkeit nie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich 40 % arbeitsunfähig gewesen ist, ist das Wartejahr gemäss Art. 28 

Abs. 1 IVG nicht erfüllt, sodass die Beschwerdeführerin schon aus diesem Grund 

keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Selbst wenn ein Einkommensvergleich 

(Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG) vorgenommen würde, würde kein 

rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren. Die Beschwerde ist deshalb 

abzuweisen.

9.1. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint in der vorliegenden Angelegenheit angemessen. Da die Beschwerdeführerin 

vollumfänglich unterliegt, ist die Gerichtsgebühr grundsätzlich ihr aufzuerlegen (Art. 95 

Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Zufolge 

unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.

9.2. 

bis 

Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der 

Rechtsvertretung. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt 

und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach 

der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der 

Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 

Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis 

Fr. 15'000.--. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote 

eingereicht. Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint 

eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und 

Mehrwertsteuer). Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des 

Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die Rechtsvertreterin pauschal mit 

Fr. 3'200.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

9.3. 

Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur 

Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen 

Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP).

9.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/22

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St.Galler Gerichte

2. Die Beschwerdeführerin wird von der Bezahlung der Gerichtsgebühr in der Höhe 

von Fr. 600.-- zufolge unentgeltlicher Rechtspflege befreit.

3. Der Staat entschädigt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin zufolge 

unentgeltlicher Rechtsverbeiständung mit Fr. 3'200.-- (inklusive Barauslagen und 

Mehrwertsteuer).

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	Entscheid Versicherungsgericht, 21.03.2022
	Art. 28, 28a und 29 IVG; Art. 7, 8 und 16 ATSG. Beweiswert eines Gutachtens. Auswirkungen eines tiefen IQs in Kombination mit einem ADHS und einer auffälligen Persönlichkeitsstruktur auf die Arbeitsfähigkeit. Tiefe Behandlungs- und hohe Alltags- bzw. Freizeitaktivität als Hinweis auf gute, auch für eine Erwerbstätigkeit nutzbare Ressourcen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. März 2022, IV 2020/21).

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		2025-07-19T01:54:44+0200
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