# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 404713b4-0986-53ff-a54a-55fea9bf1af1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-05-30
**Language:** de
**Title:** Abweisung einer Beschwerde nach Rückweisung durch das Bundesgericht. Bestimmung des Invaliditätsgrades. Abstellen auf ein polydisziplinäres Gutachten des asim.
**Docket/Reference:** IV.2013.00059
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00059.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00059
I. Kammer
Sozialversicherungsrichter Spitz, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reier
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Naef
Urteil
vom
30. Mai 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
lic
.
iur
.
Y.___
Badenerstrasse
141, Postfach 1372, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1962 geborene
X.___
arbeitete ab 1989 als Sortiererin bei der
Z.___
(Urk.
2/8/5). Nach der Geburt ihrer Tochter 1992 redu
zierte sie ihr Arbeitspensum auf 60
% (Urk.
2/8/12
/
2). Im Mai 1998 rutschte sie auf einer Steintreppe aus und litt fortan an Rückenschmerzen (Urk.
2/8/46).
E
inen weiteren Unfal
l erlitt sie im Dezember 1999
,
als
sie die rechte Hand an einer Metallkante anschlug (Urk.
2/8/17). In der Folge musste die Versicherte ihr Arbeitspensum ab März 2001 auf 50
% reduzieren. Nachdem der ärztliche Dienst der
Z.___
am 28.
August 2001 einer Teilpensionierung zugestimmt hatte (Urk.
2/8/1, Urk. 2/8/3
/
4), meldete die Versicherte sich glei
chentags wegen Rücken- und Schulterproblemen zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (Urk.
2/8/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr
unter Zugrundelegung einer Erwerbstätig
keit von 60
%
und eines Pensums im Haushaltsbereich von 40
%
mit Verfügung vom 11.
November 2002 ab 1.
März
2001
bei einem Invaliditätsgrad von total 54
%
eine halbe Invalidenrente
sowie eine Ki
nderrente zu (Urk.
2/8/33).
Der Anspruch auf eine halbe Invalidenrente wurde mit Mitteilung vom 18.
November 2003
revisionsweise bestätigt (Urk.
2/8/40). Im Februar 2005 erlitt die Versicherte bei einer Auffahrtskollision eine
Halswirbelsäulendistor
sion
(U
rk. 2/8/52/
3-5) und meldete sich
aufgrund dieses Unfalls am 15.
März 2007 erneut bei
der Invalidenversicherung (Urk.
2/8/48), wobei sie sinngemäss eine Erhö
hung der Rente beantragte (Urk.
2/8/70). Nach diversen Abklärungen
und der Einholung eines Gutachtens sowie nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
bestätigte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 23.
September 2010
unter Zugrundelegung einer 100%igen Erwerbstätigkeit der Versicherten im
Gesund
heitsfall
die bisherige halbe Rente (Urk.
2/8/88).
1.2
Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch die DAS Rechts
schutz-
Versiche
rungs
-AG, am 19.
Oktober 2010 Beschwerde erheben und beantra
gen, ihr sei ab dem 1.
August 2008 eine
ganze Rente zuzusprechen (Urk.
2/1). M
it Urteil IV.2010.00993 vom 30.
März 2012 hiess das Sozialversicherungsgericht die Beschwerde gut und änderte die
Verfügung der IV-Stelle vom 23.
September 2010 insofern ab, als dass festgestellt wurde, da
ss die Beschwerdeführerin ab 1.
März 2007 Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente habe (Urk.
2/
17).
1.3
Das Bundesamt für Sozialversicherungen
focht
das Urteil des hiesigen
Gerichts mit Beschwerde vom 16.
Mai 2012 beim Bundesgericht an und
beantragte
de
s
sen Aufhebung (Urk.
2/
20). Das Bundesgericht hiess diese Beschwerde mit Urteil 9C_427/2012 vom 5.
Dezember 2012 gut, hob den Entscheid des
Sozialversi
cherungsgerichts
vom 30.
März 2012 auf und wies die Sache an dieses zurück, damit es den Invaliditätsgrad der Beschwerdegegnerin umfassend neu prüfe und in
der Folge neu entscheide (Urk.
2/
24).
2
.
D
as hiesige Gericht
setzte
den
Parteien mit Verfügung vom 10.
Januar 2014 Frist an, um zur Frage der Arbeitsfähigkeit und
der
zumutbaren Leistungsfähig
keit in einer leidensangepassten vollzeitigen Tät
igkeit Stellung zu nehmen (Urk.
3). Die Stellungnahme der Beschwerdeführerin
er
folgte am 29. Januar 2014 (Urk.
5) und die Stellungnahme der Beschwerdegeg
nerin am 11. Februar 2014 (Urk.
7). Diese Stellungnahmen wurden de
r jeweils anderen Partei am 12.
Februar
2014 in Kopie zugestellt (Urk.
8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die massgeblichen
rechtlichen und rechtsprechungsgemässen Grundlagen zur Leistungspfli
cht der Invalidenversicherung wurden bereits im Urteil des Sozial
versicherung
sgerichts IV.2010.00993 vom
30.
Mär
z 2012 (Erwägung 1 -2.4 in Urk.
2/17) sowie im Urteil des Bundesgerichts 9C_427/2012 vom 5.
Dezember 2
012 (Erwägung 2 und 3.4 in Urk.
2/24) dargelegt. Darauf kann verwiesen wer
den.
1.2
Speziell hervorzuheben ist, dass
die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen
ist
, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu neh
men, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Verweist das Dispositiv eines Rückweisungsentscheides ausdrücklich auf die Erwägungen, werden diese zu dessen Bestandteil und haben, soweit sie zum Streitgegenstand gehören, an der formellen Rechtskraft teil. Dementsprechend sind die Motive, auf die das Dispositiv verweist, für die Behörde
,
an die die Sache zurückgewiesen wird, verbindlich (Urteil des Bundesgerichts 9C_591/2008 vom 8.
September 2008 E.
2.1 mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
2.2
Das Dispositiv des Rückweisungsurteils des Bundesgerichts 9C_427/2012 vom
5.
Dezember 2012 verweist auf die Erwägungen. Diese haben daher nach der zitierten Rechtsprechung an der formellen Rechtskraft teil und sind für das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich verbindlich. In den Erwägungen befand das Bundesgericht, dass bei Vorliegen eines Rentenrevisionsgrundes nach der Rechtsprechung eine umfassende Prüfung des Rentenanspruchs zu er
folgen habe, mithin auch eine erneute ärztliche Beurteilung der gesundheitli
chen Situation und der Arbeitsfähigkeit. Folglich habe eine umfassende Neuprüfung des Rentenanspruchs zu erfolgen. Namentlich gehe es nicht an, die im Jahr 2002 für die Teilzeittätigkeit ermittelte Einschränkung im Rahmen eines Revisionsverfahrens trotz Einholung eines polydisziplinären Gutachtens unbe
sehen auf die Vollerwerbstätigkeit umzuschlagen. Da das kantonale Gericht zur Arbeitsfähigkeit und zur zumutbaren Leistungsfähigkeit in einer
leidensange
passten
vollzeitigen Tätigkeit keine
Feststellungen getroffen
habe
, sich die Par
teien hierzu auch nicht geäussert hätten und
da
angesichts der gesetzlichen Kognition des Bundesgerichts Anspruch auf Einhaltung des Instanzenzugs bestehe, gehe die Sache an das kantonale Gericht zurück, damit es den
Invali
dität
sgrad
umfassend neu prüfe (Urk. 2/24 E.
3.4).
2.3
Das hiesige Gericht hatte in seinem Urteil vom 30. März 2012 angenommen, dass bei der Beschwerdeführerin seit August 2005 ein Revisionsgrund bestehe in Form einer hypothetischen 100%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall. Diese Annahme wurde seitens des Bundesgerichts nicht in Frage gestellt und sie ist unter den Parteien unbestritten.
Es steht somit fest, dass die Beschwerdeführerin
seit August 2005 neu als hypo
thetisch
vollzeiterwerbstätig
im Gesundheitsfalle
zu qualifizieren ist,
was einen tatsächlichen Revisionsgrund
(Statusänderung)
darstellt
, weshalb der Renten
anspruch umfassend neu zu überprüfen ist
.
Es gilt dies für den
Invaliditätsgrad
, wobei insbesondere das polydisziplinäre Gutachten der
A.___
vom 23. September 2008
sowie weitere medizinische Unterlagen zu berücksichtigen sind
.
Anfechtungs- und Streitgegenstand ist nach wie vor die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 23. September 2010, in welcher zwar eine Veränderung im Bereich der Qualifikation, jedoch keine in gesundheitlicher und erwerblicher Hinsicht festgestellt worden und deshalb un
ter Bestätigung der halben Rente das Begehren vom 15. März 2007 um Erhö
hung der Rente abgelehnt worden war (
Urk.
2/2). Es ist mithin der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass dieser Verfügung entwickelt hatte, relevant und dem vorliegend zu fällenden Urteil zugrunde zu legen.
3
.
3
.1
Die Beschwerdeführerin liess
in ihrer Stellungnahme vom 29.
Januar 2014 geltend machen, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der erstmaligen
Renten
zusprechung
nicht verändert beziehungsweise nur verschlechtert habe. Daher sei von einer 75%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten wie auch in einer leidensangepassten Tätigkeit
bei einem Arbeitspensum von 100
% auszu
gehen. Was die Aktualität der Schriftstücke betreffe, hätten die Versicherungs
träger und Sozialversicherungsgerichte von sich aus für die richtige und voll
ständige Feststellung des rechtserhebliche
n Sachverhaltes zu sorgen
. Ansonsten wies sie auf ihre bereits gemachten Eingaben hin
(Urk.
5).
3
.2
Die Beschwerdegegnerin verwi
es in der Stellungnahme vom 11.
Februar 2014
auf das
A.___
-Gutachten vom 23.
September 2008 sowie die nachfolgend einge
holten Unterlagen. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) habe
in seiner Stel
lungnahme vom 12.
März 2009 in Würdigung dieses Gutachtens und der wei
teren Unterlagen eine 60%ige Arbeits- und Leistu
ngsfähigkeit festgehalten (Urk.
7).
4
.
4
.1
Das polydisziplinäre Gutachten d
es
A.___
vom 23.
September 2008 basiert auf Untersuchungen vom 9. und 10.
Juni 2008. Die Versicherte wurde internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch abgeklärt
.
F
olgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
wurden
festgehalten
(
Urk.
2/8/69/26)
:
-
Chronisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom
-
beginnende
Osteochondrose
C4/5 (Röntgen vom 26. Juli 1999)
-
muskuläre Verspannungen des Schultergürtels, funktionelle
Rotations
blockaden
der oberen Halswirbelsäul
en
segmente
(CT vom 8. März 2007)
-
Fehlform
des oberen Achsen
skeletts mit
Kopfprotrusionshaltung
und Flachrücken
-
Status nach Halswirbeldistorsion fraglich (Treppensturz am 10. Mai 1998 und Heckauffahrunfall am 17. Februar 2005)
-
Chronische
occipito
-frontale Kopfschmerzen
-
Verdacht auf
Rotatorenmanschettentendopathie
der rechten Schulter
-
Wechselnde Schonhaltung des rechten Oberarms
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
und
ulnaris
rechts
-
Gewebeplus im
Korakoidbereich
ventral an der rechten Schulter,
diffe
rentialdiagnostisch
Ganglion, Lipom, anderes
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.1)
-
Somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F.45.4)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden
femoropatelläre
Knieschmerzen sowie anamnestisch Kreuzschmerzen und ein Status nach Nie
renbeckenentzündung festgehalten.
4
.2
Die Gutachter erhoben
die Krankengeschichte, die geklagten Beschwerden
sowie die Sozial-, Patienten- und Familienanamnese.
Die Versicherte
gab den Gutachtern an, sie leide unter ständigen Kopfschmer
zen
, welche vom Hinterkopf her ausstrahlend und gelegentlich frontal aufträten, wobei das Gefühl einer eisigen Kälte vorhanden sei. Teilweise leide sie unter
migräniforme
n
Kopfschmerzen mit begleitenden Zahnschmerzen, Kiefersperre und
Lähmungsgefühl,
Übelkeit ohne Erbrechen, Photophobie und
Lärmemp
findlichkeit
. Sie
könne
die genaue Häufigkeit dieser
Kopfschmerzen
nicht be
nennen.
Das Hauptproblem sei der Schmerz im rechten Arm und Nackenbereich, welcher ständig vorhanden sei und bei jeder Tätigkeit zunehme. Neu würden Knieschmerzen beim Gehen auftreten, am rechten Knie seien Knochen vorste
hend. Bei Panikattacken trete häufig Herzrasen auf. Der Schlaf sei aktuell in der
p
sychiatrischen Klinik, in welcher sie sich seit einem Monat befinde, und bei Medikamenteneinnahme ordentlich
-
davor habe sie beinahe nicht schlafen können. Sie sei in der
p
sychiatrischen Klinik, weil sie schwer depressiv gewesen sei und nur noch geweint habe.
In der
Nacht vor der
gutachterlichen
Untersu
chung habe sie im Hotel Panik gehabt, dass jemand ins Zimmer komme
.
D
es
halb
habe sie in den Kleidern geschlafen,
auch nicht zu duschen gewagt
und sei
am Morgen sehr erschöpft gewesen
(Urk.
2/8/69/19-20)
.
4
.3
Die internistische Untersuchung ergab keine besonderen pathologischen Befunde
(Urk.
2/8/69/21)
.
Die klinische Untersuchung durch den
rheumatologischen Gutachter
ergab,
einen
steif
gehaltenen Nacken,
und der rechte Arm
wurde
e
ng an den Körper gehalten
. Eine passive Abduktion der rechten Schulter über mehr als 40 Grad
sei muskulär schmerzbedingt gegeninnerviert worden. Diskrepant zu diesem passiven Untersuchungsbefund sei der rechte Arm beim Ausziehen des Pullovers und beim Anziehen der Jeans deutlich weniger geschont worden. Am
Ach
senskele
t
t
habe sich eine vollständig frei bewegliche Lendenwirbelsäule gefun
den,
nuchal
habe eine Einschränkung der Beweglichkeit bestanden, abgelenkt jedoch
aspektmässig
deutlich freier. Es seien
diffus
e
Dolenzen
der Nacken- und Schultergürtelmuskulatur mit teils zuckenden Ausweichreaktionen auf feinste Weichteilpalpation zu beobachten gewesen.
Festzustellen sei
eine verminderte Belastbarkeit
des
rechten Arm
s
und
des
oberen Achsenskelett
s
.
Unklar sei die
dolente
Gewebeauffälligkeit über der rechten Schulter, wobei eine
sonographi
sche
Abklärung des Sehn
en
zustands und der Weichteile der rechten Schulter zuletzt 2001 stattgefunden habe. Hier
sei
zumindest eine
Ultraschalluntersu
chung
zu wiederholen und bildgebend das Ausmass einer allfällig doch bedeu
tenderen sehnendegenerativen Schulterveränderung rechts festzustellen, ebenso der Charakter des palpablem
Gewebeplusses
. Bezüglich der
n
u
chalen
Schmerzsymptomatik sei einerseits eine von der Schulter her fortgeleitete
Mus
kelschmerzhaftigkeit
anzunehmen, andererseits könne aber die wechselnde Einschränkung der Halswirbelsäulenbeweglichkeit und die
palpatorisch
diffuse und in der Intensität nicht zu erklärende Muskelschmerzhaftigkeit keinem ent
sprechenden klinischen oder radiomorphologischen Befund an der
Halswirbel
säule
zugeordnet werden
(Urk.
2/8/69/21-22)
.
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, bei der Beschwerdeführerin sei im Rah
men der psychosozialen Belastungen mit einem Paarkonflikt, chronischen Schmerzen, Angst um ihren Arbeitsplatz und ihre Existenz eine depressive Ent
wicklung zu beobachten, welche erstmals im Jahre 2001/2002 zu einer psychi
atrischen Behandlung geführt habe.
Während einer
Therapie komme es jeweils zur schnellen Besserung
, doch das Ende der Therapie mit konsequenter Ablö
sung vom therapeutischen System führe wieder zu einem Zusammenbruch. Subjektiv sei für die Versicherte das
N
icht
-
allein
-
sein
-
können
bedeutsam. Es bestehe ein Nähe-
Distanzkonfllikt
, der dadurch gekennzeichnet sei, dass sie einerseits ihr
e
Autonomie aufrecht halten wolle, andererseits aber das
A
lleinsein beziehungsweise
V
erlassenwerden
nicht au
s
halten könne. Sie habe durchaus Kompetenzen Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten (engagierte Psy
chotherapie, neue tragfähige Ehebeziehung, guter Kontakt zur Tochter). In die
sem Zusammenhang habe das Schmerzsyndrom auch eine
somatoforme
Seite, da der primäre Krankheitsgewinn die Lösung eines
Autonomieabhängigkeits
konflikts
sei und sie aufgrund von Schmerzen Abhängigkeitsbedürfnisse und die Angst vor dem
Verlassenwerden
abwehren k
önne
. Auch die Angststörung mit Agoraphobie, die vor ungefähr zwei bis drei Jahren hinzugetreten sei, führe
dazu, dass allfällige Partner durch Vermeidungsverhalten und Begleitpflichten die Nähe in der Beziehung aufrechterh
ie
lten
(Urk.
2/8/69/24-25)
.
Der psychiatrische Gutachter stellte nach Durchführung verschiedener Tests ein mittelschweres depressives Syndrom (ICD 10 F32.1), eine Angst- und
Panikstö
rung
sowie eine Schmerzproblematik fest. Aus rein psychiatrischer Sicht erach
tete er eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der verminderten psychophy
sischen Belastbarkeit, kognitiver Störungen, verminderter Stress- und Schmerz
-
toleranz und einer allgemeinen Verlangsamung als gegeben (
Urk.
2/8/69/25).
4
.4
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung
der drei Fachrichtungen
wurde festgehalten, die Gesamtarbeitsfähigkeit sei derzeit nicht mit Sicherheit abzuschätzen, da aus rheumatologischer Sicht Abklärungsbedarf in Bezug auf die Schulter bestehe, der im Rahmen des Gutachtens nicht zu leisten s
ei. Falls sich eine organische Pathologie an der Schulter bestätige, bestehe eine Arbeitsfähigkeit für eine an
gepasste Verweistätigkeit im Umfang von 40
%
ab sofort. Falls sich keine hin
reichende Pathologie an der Schulter finde, bestehe eine Arbeitsfähigkeit für die bisherige wie auch für leichte wechselbelas
tende Verweistätigkeiten von 60
% ab sofort
(
Urk.
2/8/69/29-30)
.
4
.5
Am 21. Januar 2009 wurden
von der
B.___
der
C.___
ein konventionelles Schulterröntgen und eine MR-
Arthographie
der rechten Schulter durchgeführt. Dabei wurden keine Hinweise auf eine
Rotatorenmanschettensehnenruptur
, eine
Omarthrose
, e
ine
subak
romiale
Bursi
tis,
eine
AC-
Arthrose oder
eine
posttraumatische Läsion gefunden (Urk.
2/8/73).
5
.
5
.
1
D
ie
Bericht
e
der behandelnden Ärztin
Dr.
med.
D.___
vom 12.
April 2007 (
Urk.
2/8/54) und
der Psychiaterin
Dr.
med.
E.___
vom 3.
Juni 2007 (Urk.
2/8/60) enthalten nichts, was das
A.___
-
Gutachten in Frage stellt.
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten darf und soll das Gericht im Übrigen der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Die Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit
durch die beiden behandelnden Ärztin
nen
weichen zwar vom
A.___
-Gutachten
vom
23. September 2008 (
Urk.
2/8/69)
ab, doch diesbezüglich ist auf das
schlüssige
Gutachten abzustellen, welches auf gründlicher Untersuchung sowie Einbezug der Krankengeschichte beruht und mehr als ein Jahr nach den erwähnten Berichten der behandelnden Ärztinnen verfasst wurde
, so dass es im Verfügungszeitpunkt deutlich aktueller war
.
Dies gilt im Besonderen auch für die psychische Beeinträchtigung der Versicherten. Eine solche wurde mittels Testverfahren und klinischen Untersuchungen sorg
fältig erhoben. Der Gutachter stufte die depressive Episode ebenfalls als mittel
gradig ein, gleich wie die Ärzte der
F.___
, wo sich die Versicherte im damaligen Zeitpunkt vorübergehend stationär befunden hatte und wo mittels einer antidepressiven Therapie bereits Erfolge verzeichnet werden konnten (
Urk.
2/8/69/17). Dass bei dieser Diagnose trotzdem noch eine Leistungsfähig
keit der Versicherten gegeben war, leuchtet ein, so dass der gutachterlichen psychiatrischen Einschätzung gefolgt werden kann.
5
.
2
Im Bericht der Rheumaklinik und des Instituts für Physikalische Medizin des
G.___
vom 31. Mai 2007
(
Urk.
2/8/58)
wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht für eine leichte,
wechselbelas
tende
Tätigkeit ohne Heben und Tragen schwerer Lasten sowie Überkopfarbeiten zu 50
%
arbeitsfähig sei. Diese Arbeitsfähigkeit bestehe auch für ihre ange
stammte Arbeitstätigkeit als Briefsortiererin. Zur genaueren Festlegung der Arbeitsfähigkeit werde eine Evaluation der funktionellen Leistungsbereitschaft empfohlen und eine psychiatrische Beurteilung sei unumgänglich.
Aus diesem Bericht ergibt sich nichts
Neues
, was d
em
A.___
-
Gutachten
vom
23. September 2008 (
Urk.
2/8/69)
widerspricht
,
und die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit fiel sehr ähn
lich aus. Allerdings wurde im
A.___
-Gutachten die Notwendigkeit
fest
gehalten
, die
geklagten
Schulterbeschwerden mittels Röntgen und MRI abzu
klären
.
Im Rahmen dieser Untersuchungen liessen
sich keine pathologischen Ursachen der S
chulterbeschwerden finden.
Dies wirkte sich gemäss dem
A.___
-Gutachten so aus, dass eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
anstelle von 40
%
resul
tierte
.
Demgegenüber wurden die Schulterbeschwerden von
der
Rheumaklinik und de
m Institut
für Physikalische Medizin des
G.___
nicht mittels solche
r
bildgebenden Verfahren abgeklärt
, weshalb das
A.___
-Gutachten hin
sichtlich der Festlegung der Arbeitsfähigkeit überzeugender ausfällt
.
5
.
3
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom RAD hielt am 12.
März 2009 fest, es könne von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten wie auch in jeglicher ähnlichen angepassten Tätigkeit ausgegangen werden. Eine solche Arbeitsfähigkeit müsse mit grösster Wahrscheinlichk
eit schon Ende 2001 medizinisch-
theoretisch als ausgewiesen angesehen werden, sicherlich aber sei sie seit dem Bericht des
G.___
vom 31.
Mai 2007
(
Urk.
2/8/58)
gegeben (Urk.
2/8/74/6).
Dr.
H.___
schloss somit richtigerweise aus dem Bericht der
B.___
der
C.___
vom 21.
Januar 2009
(Urk. 2/8/73)
von einer 60%igen Arbeitsfä
higkeit
für die bisherige oder eine andere angepasste Tätigkeit
auszugehen, wel
che im
A.___
-Gutachten für den Fall festgehalten wurde, dass keine pathologi
schen Schulterbeschwerden vorlägen.
5.4
Die Beurteilung im
A.___
-Gutachten erfüllt die höchstrichterlichen Anforderun
gen an beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlagen (vgl. vorstehend Erwägung 1.2).
Was die Aktualität betrifft, welche von der Versicherten in ihrer Stellungnahme
vom 29. Januar 2014
wohl in Frage gestellt wird
(vgl.
Urk.
5)
, so sind keine Hinweise dafür vorhanden, dass sich der Gesundheitszustand zwi
schen der gutachterlichen Untersuchung vom Juni 2008 und dem
Verfügungs
zeitpunkt
am 23. September 2010 in relevanter Hinsicht verschlechterte.
Im Üb
rigen fehlt es auch an Hinweisen dafür, dass der Gesundheitszustand zwischen März 2007 und Juni 2008
über längere Zeit und damit
in
versicherungsrele
vanter
Hinsicht schlechter gewesen wäre als ab Juni 2008.
Das
A.___
-
Gutachten
23. September 2008 (Urk. 2/8/69)
ist schlüssig und lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig.
Es hat die gesundheitliche Situation umfas
send betrachtet und auf eine aktuelle, überzeugende Grundlage gestellt.
Insge
samt ist festzuhalten, dass
,
basierend auf dem überzeugenden
A.___
-Gutachten
, nach dem Verlust der Stelle bei der
Z.___
, im
Revisions
zeitraum
von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen ist.
6
.
6
.1
Die IV-Stelle ging für das
Valideneinkommen
von den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin
, der
Z.___
,
aus
.
Die Arbeit dort hatte die Versi
cherte nach dem Autounfall nicht mehr aufgenommen, mithin aus gesundheitli
chen Gründen verlassen. Die
Z.___
teilte der
IV-Stelle
im Arbeitgeberfragebogen vom 18.
April 2007
mit, dass der Lohn für ein Arbeitspensum von 59
,
52
% im Jahr 2007 Fr.
38‘87
0
.75 betragen hätte
(Urk. 2/8/53/3)
. Diesen Lohn rechnete die IV-Stelle
für das Jahr 2010 und für ein
vollzeitiges
Pensum um, was
gerun
det
einen Lohn von
Fr.
69‘304.-- ergab
(
Urk.
2/2)
.
Diese Berechnung ist unbe
stritten und erweist sich als korrekt.
6
.2
Dem stellte die IV-Stelle ein auf Tabellenwerten
gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
basierendes Invalideneinkommen gegenüber, wel
ches für ein 60
%
-
Pensum im Jahr 2010 Fr.
32‘707.-- betrug
(LSE TA1 2008, Ziffer 1-93, Frauen, hochgerechnet auf das Jahr 2010 und eine 41
,
6
Stunden
woche
)
.
Das Abstellen auf einen Tabellenwert erfolgte mangels einer tatsächlich ausgeübten Arbeitstätigkeit zu Recht, wurde nicht bestritten und erfolgte kor
rekt (vgl. Urk.
2/8/86/2). Es
ergeben
sich
somit eine Erwerbseinbusse in der Höhe von Fr.
36‘597.-- und ein Invaliditätsgrad von 53
%.
Der behinderungsbedingte Abzug vom Invalideneinkommen unterblieb zu Recht. Selbst falls jedoch ein solcher in der Höhe von 10
% vorgenommen würde, was das in Frage kommende Maximum wäre
,
um zu berücksichtigen, dass die Versicherte aufgrund ihrer somatischen Beschwerden nicht sämtliche
Tätigkeiten ausüben kann
(
vgl. a
ber: Urteil des Bundesgerichts
8C_176/2012 vom 3. September 2012, E. 8)
, ergäbe sich gerundet ein Invaliditätsgrad von 58
%, was am Anspruch auf eine halbe Rente nichts ändern würde.
6
.
3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle in der Verfügung vom
23.
September 2010 (Urk.
2/2) das Erhöhungsgesuch der Versicherten zu Recht abwies und zu Recht festhielt, dass sie weiterhin Anspruch auf eine halbe Inva
lidenrente habe. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
7
.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Invaliditätsleistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1‘000.-- festgelegt. Die Kosten sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzulegen und der Beschwerdeführerin als unterliegender Partei aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Un
terlagen sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
SpitzNaef