# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b3f186b2-4384-5cd5-a1f8-875fa5029a89
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-07-04
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2009
**Docket/Reference:** DB.2011.254
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2011_254_nm.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 DB.2011.254 
2 ST.2011.334 

Entscheid 

4. Juli 2012 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Alexander Widl und Gerichtsschreiberin Nadja Obreschkow 

In Sachen 

A ,    

vertreten durch Suter & Blum Treuhand AG,  
Sihlfeldstrasse 56, 8003 Zürich,  

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrent,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Stadt Zürich,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2009  

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  A  (nachfolgend  der  Pflichtige)  wurde  am  28.  Juli  2011  vom  kantonalen 

Steueramt für die Staats- und Gemeindesteuern, Steuerperiode 2009, mit einem steu-

erbaren  Einkommen  von  Fr. 102‘400.-  und  einem  steuerbaren  Vermögen  von 

Fr. 104‘000.-  (zum  Satz  von  Fr. 105‘000.-)  eingeschätzt.  In  der  gleichzeitig  eröffneten 

Veranlagungsverfügung betreffend die direkte Bundessteuer 2009 setzte das kantona-

le Steueramt das steuerbare Einkommen auf Fr. 106‘000.- (zum Satz von Fr. 104‘600.-

) fest. 

B.  Auf  die hiergegen  vom  Pflichtigen am  22.  September  2011  erhobene  Ein-

sprache  trat  das  kantonale  Steueramt  am  18.  Oktober  2011  infolge  Verspätung  nicht 

ein. Dabei wies es ein sinngemäss gestelltes Fristwiederherstellungsgesuch ab. 

C.  Mit  Beschwerde  und  Rekurs  vom  21.  November  2011  liess  der  Pflichtige 

dem Steuerrekursgericht formell beantragen, die Frist für die Einsprachen wieder her-

zustellen und die Einsprachen zur materiellen Prüfung an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. Tatsächlich machte er jedoch im Rekurs- und Beschwerdeverfahren erstmals gel-

tend,  dass  die  oben  genannten  Veranlagungsentscheide  der  Vertreterin  infolge  eines 

Postzurückbehaltungsauftrags erst am Montag, den 23. August 2011 zugestellt worden 

seien.  Der  Fristenlauf  beginne  damit  am  23.  (recte  24.)  August  2011.  Somit  erweise 

sich  die  Einsprache  als  rechtzeitig  und  erübrige  sich  die  Frage  nach  einer  allfälligen 

Wiederherstellung der Einsprachefrist. 

In der Rekurs- und Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2011 schloss das 

kantonale  Steueramt  auf  Abweisung  der  Rechtsmittel.  Dabei  bestritt  es,  dass  der  ur-

sprünglich  bis  15.  August  2011  erteilte  Postzurückbehaltungsauftrag  um  eine  Woche 

verlängert  worden  sei.  Allenfalls  sei  dieser  Auftrag  mit  der  Durchsicht  oder  Mitnahme 

von Sendungen bereits früher automatisch beendet worden. 

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D. Am 30. Mai 2012 erhielt das kantonale Steueramt Gelegenheit, den Nach-

weis  zu  erbringen,  dass  die  tatsächliche  Zustellung  der  streitbetroffenen  Einschät-

zungsentscheide  vor  dem  23.  August  2011  erfolgt  sei.  Hierauf  erklärte  es,  der  Nach-

weis  könne  in  der  verlangten  Form  nicht  erbracht  werden,  erübrige  sich  jedoch  im 

vorliegenden Fall, da bezüglich der mit B-Post versandten Entscheide in guten Treuen 

davon ausgegangen werden könne, dass die Zustellung spätestens nach fünf Tagen, 

d.h.  am  3.  August  2011  erfolgt  sei.  Die  Kenntnisnahme  der  Entscheide  durch  die 

Vertreterin sei dabei nicht Voraussetzung für eine ordnungsgemässe Zustellung. 

Auf die weiteren Parteivorbringen wird, soweit rechtserheblich, in den nachfol-

genden Erwägungen eingegangen. 

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1.  Erhebt  ein Steuerpflichtiger gegen  einen Nichteintretensentscheid der Ein-

sprachebehörde  Beschwerde  bzw.  Rekurs,  so  ist  dem  Steuerrekursgericht  die  mate-

rielle  Prüfung  der  Rechtsmittel  auf  die  Veranlagung  bzw.  Einschätzung  hin  verwehrt. 

Es darf nur untersuchen, ob die Einsprachebehörde zu Recht auf die Einsprache nicht 

eingetreten  ist  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum  DBG,  2. A., 

2009,  Art. 140 N 44  DBG  und  Kommentar  zum harmonisierten  Zürcher Steuergesetz, 

2. A., 2006, § 147 N 43 StG). Würde sich der Nichteintretensentscheid der Vorinstanz 

als gesetzwidrig erweisen, wären die Akten zwecks Wahrung des gesetzlichen Instan-

zenzugs zur materiellen Überprüfung der Veranlagung bzw. Einschätzung an jene zu-

rückzuweisen (RB 1979 Nr. 57). 

2.  a)  Laut  Art. 132  Abs. 1  des  Bundesgesetzes über  die  direkte  Bundessteuer 

vom  14. Dezember  1990  (DBG)  bzw.  § 140  Abs. 1  des  Steuergesetzes  vom  8. Juni 

1997  (StG)  kann  der  Steuerpflichtige  gegen  die  Veranlagungsverfügung  bzw.  den  

Einschätzungsentscheid  innert  30  Tagen  nach  Zustellung  beim  kantonalen  Steueramt 

schriftlich Einsprache erheben. Die Einsprachefrist beginnt gemäss Art. 133 Abs. 1 DBG 

bzw.  § 12  Abs. 1  der  Verordnung  zum  Steuergesetz  vom  1. April  1998  (VO  StG)  am  

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Tag  nach  der  Zustellung  des  Entscheids  zu  laufen  und  ist  –  wie  die  Beschwerde-  und 

Rekursfrist  –  eine  Verwirkungsfrist  (BGr, 6. Februar  1987  =  ASA  58,  285;  Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 133 N 18 DBG und § 140 N 48 StG mit Hinweisen, auch 

zum  Folgenden).  Eine  nach  Ablauf  der  Frist  erhobene  Einsprache  ist  unwirksam  und 

vermag  keine  materielle  Überprüfung  der  angefochtenen  Veranlagung  bzw.  Einschät-

zung herbeizuführen, selbst dann, wenn diese formell oder materiell fehlerhaft sein soll-

te. Auf eine verspätete Einsprache darf die Einsprachebehörde  deshalb – vorbehältlich 

einer Fristwiederherstellung – nicht eintreten. 

b)  Unter  welchen  Voraussetzungen  Entscheide  gültig  eröffnet  worden  sind, 

beurteilt sich nach. Art. 116 f. DBG bzw. § 9 VO StG. Demgemäss gilt die Zustellung 

einer Sendung (als fristauslösendes Ereignis) als vollzogen, wenn sie an den Adressa-

ten  selbst  oder  an  ein  zu  seiner  Haushaltung  gehörendes  erwachsenes  Familienmit-

glied oder an eine Person mit Postvollmacht erfolgt und von diesen Personen für den 

Adressaten entgegengenommen worden ist. Hat eine natürliche Person einen Vertreter 

bestellt und wurde die Bevollmächtigung gegenüber der Steuerbehörde kundgetan, hat 

die  Zustellung  indes  an  diesen  zu  erfolgen  (§  127  Abs.  2  StG;  Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter, Art. 117 N 19 DBG), und zwar an dessen Geschäftsort. Die Zustellung 

ist  eine  empfangsbedürftige,  nicht  aber  eine  annahmebedürftige  (einseitige)  Rechts-

handlung und dann erfolgt, wenn die Sendung in den Herrschaftsbereich des Adressa-

ten bzw. seines Vertreters gelangt ist. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn die Ver-

fügung oder der Entscheid im Briefkasten des Adressaten deponiert wird. 

c) Beweispflichtig für die rechtswirksame Eröffnung einer Verfügung, von wel-

cher der Ablauf der Einsprachefrist abhängt, bzw. für den Zeitpunkt ihrer Mitteilung ist 

die zustellende Behörde (RB 1985 Nr. 49 und 1970 Nr. 35; BGE 61 I 6 und 92 I 257; 

StE 1991 B 93.6 Nr. 10).  

d)  Erfolgt  die  Sendung  eingeschrieben  (Einschreiben  bzw.  Recommandé,  R 

[früher:  Lettre  signature,  LSI])  oder  mittels  Gerichtsurkunde  (GU),  muss  der  Adressat 

den Empfang  der  Post  zuhanden  des  Absenders  bestätigen. Wird der  Adressat einer 

solchen  Sendung  anlässlich  einer  versuchten  Zustellung  nicht  angetroffen,  wird  eine 

Abholeinladung  in  seinen  Briefkasten  oder  sein  Postfach  gelegt.  Diesfalls  wird  die 

Sendung  nach  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  in  jenem  Zeitpunkt  zugestellt,  in 

welchem die Post abgeholt wird. Geschieht dies nicht binnen der siebentägigen Abhol-

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frist, gilt die Sendung als am letzten Tag dieser Frist zugestellt, und zwar auch dann, 

wenn  der  Adressat  die  Post  beauftragt  hat,  die  Sendung  länger  als  sieben  Tage  zur 

Abholung  bereitzuhalten  (BGr,  27.  Oktober  2000,  StE  2001  B  96.21  Nr.  8;  BGr, 

23. März).  Diese  Zustellungsfiktion  gilt  allerdings  nur,  wenn  ein  besonderes  Verfah-

rens-  oder  Prozessrechtsverhältnis  vorliegt,  bei  welchem  der  Steuerpflichtige  nach 

Treu  und  Glauben  im  konkreten  Einzelfall  mit  einer  gewissen  Wahrscheinlichkeit  mit 

der Zustellung eines behördlichen Akts rechnen musste. In diesem Fall hat er dafür zu 

sorgen, dass ihm Entscheide, welche das Verfahren betreffen, zugestellt werden kön-

nen  (Martin  Zweifel,  in:  Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Band  I/2b, 

2. A., 2008, Art. 133 N 7 DBG mit Hinweisen). Besteht kein derartiges Verfahrens- oder 

Prozessrechtsverhältnis,  dann  schadet  dem  Steuerpflichtigen  ein  allfälliger  Postzu-

rückbehaltungsauftrag nicht. Dies gilt auch beim Vorhandensein eines Vertretungsver-

hältnisses.  In  diesem  Fall  gilt  die  Sendung  erst  dann  als  zugestellt,  wenn  sie  bei  der 

Post abgeholt wird bzw. die Post die zurückbehaltene Sendung dem Adressaten in den 

Briefkasten legt. Bei allen eingeschriebenen Sendungen kann der Nachweis über Voll-

zug  und  Zeitpunkt  der  Zustellung  (tatsächlich  oder  fiktiv)  über  den  elektronischen 

Dienst der Post “Track & Trace“ erbracht werden. 

e)  Erfolgt  die  Sendung  uneingeschrieben,  d.h.  mit  A-  oder  B-Post,  kann  die 

Zustellung und der genaue Zustellungszeitpunkt i.d.R. nicht zweifelsfrei bewiesen wer-

den. In diesem Fall lässt sich der Beweis nur aufgrund von Indizien oder den gesamten 

Umständen des Einzelfalls erbringen. Wird der Vollzug oder der Zeitpunkt der Zustel-

lung  einer  uneingeschriebenen  Sendung  bestritten,  muss  im  Zweifel  auf  die  Darstel-

lung des Empfängers abgestellt werden (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 116 N 29 

DBG; BGE 103 V 63 E. 2.a S. 66). Erreicht eine uneingeschriebene Sendung den Ad-

ressaten  infolge  eines  Postzurückbehaltungsauftrags  erst  später  als  dies  nach  dem 

gewöhnlichen Lauf der Postzustellung zu erwarten gewesen wäre, dann ist grundsätz-

lich  der  tatsächliche,  vom  Pflichtigen  behauptete  Zustellungszeitpunkt  massgebend. 

Ein früherer fiktiver Zustellungszeitpunkt darf nur angenommen werden, wenn sich der 

Adressat  in einem  besonderen  Verfahrens-  oder  Prozessrechtsverhältnis  befand,  d.h. 

mit  der  Zustellung  einer amtlichen Sendung rechnen  und  dementsprechende  Vorkeh-

ren zum Empfang dieser Sendung treffen musste (BGE 127 I 34 mit Verweisungen). 

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3.  Vorliegend  ist  in  erster  Linie  streitig,  in  welchem  Zeitpunkt  die  Veranla-

gungsverfügung bzw. der Einschätzungsentscheid der Steuerperiode 2009 der Vertre-

terin  zugestellt  wurden.  Die  Frage  einer  allfälligen Wiederherstellung  der  Einsprache-

frist stellt sich nur dann, wenn auf einen früheren als den vom Pflichtigen behaupteten 

Zustellzeitpunkt abzustellen wäre. 

a) Die beiden Entscheide datieren vom 28. Juli 2011 und wurden laut Darstel-

lung  des  kantonalen  Steueramts  mit  B-Post  an  die  Adresse  der  Vertreterin  versandt. 

Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge ist bei B-Postsendungen mit einer verzögerten 

Zustellung von bis zu fünf Tagen zu rechnen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 116 

N  29  DBG  und  § 126  N  34  StG).  Somit  kann  mit  dem  kantonalen  Steueramt  davon 

ausgegangen  werden,  dass  die  Sendung  der  Adressatin  spätestens  am  3.  August 

2011 hätte zugestellt werden können. 

b)  Indes  hat  vorliegend  die  Vertreterin  der  Post  unbestrittenermassen  einen 

Zurückbehaltungsauftrag  bis  zum  15.  August  2011  erteilt,  der  bis  und  mit  Sonntag, 

22. August  2011  verlängert  worden  ist.  Infolgedessen  hat  die  Vertreterin  die  fragliche 

Sendung erst am 23. August 2011 in Empfang genommen und ist nach dem Gesagten 

grundsätzlich  dieser  Zustellungszeitpunkt  massgebend  (vgl.  vorne  E. 2.e).  Die  Fiktion 

einer früheren Zustellung wäre jedoch wie gesehen auch in diesem Fall möglich, sofern 

sich  die  Adressatin  in  einem  besonderen  Verfahrens-  oder  Prozessrechtsverhältnis 

befand. Dies ist in einem Rechtsmittelverfahren (Einsprache-, Rekurs- und Beschwer-

deverfahren) regelmässig der Fall. Dagegen kann in einem Veranlagungsverfahren die 

Unterlassung des Adressaten, geeignete Vorkehrungen für die Zustellbarkeit von amt-

lichen Sendungen zu treffen, nicht generell, sondern nur in Einzelfällen als schuldhafte 

Vereitelung  einer  Zustellung  angenommen  werden.  Gegenüber  Steuerpflichtigen,  die 

wiederholt  Aufforderungen  zur  Einreichung  der  Steuererklärung  nicht  befolgten  und 

deshalb  nach  pflichtgemässem  Ermessen  eingeschätzt  werden  mussten,  entsteht  ein 

Verfahrensverhältnis,  das  die  Empfangspflicht  von  behördlichen  Sendungen  begrün-

det,  bereits  mit  der  im  kantonalen  Amtsblatt  veröffentlichten  Aufforderung  zur  Einrei-

chung der Steuererklärung für die Staats- und Gemeindesteuern (VGr, 25. Juni 2008, 

SB.2008.00021,  www.vgrzh.ch,  auch  zum  Folgenden).  Denn  bei  Nichtbefolgung  der 

Aufforderung zur Einreichung der Steuerklärung muss der Steuerpflichtige  immer und 

relativ bald darauf mit einer behördlichen Mahnung rechnen (Weisung der Finanzdirek-

tion  über  das  Steuererklärungsverfahren  im  Kalenderjahr  2010  vom  17.  September 

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2010, ZStB I Nr. 31/024, Rz. 62). Bei fortdauernder Säumnis hat er ausserdem zwin-

gend  mit  einer  Einschätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen  zu  rechnen  (Art.  130 

Abs. 2 DBG, § 139 Abs. 2 StG). In diesem Fall ist es gerechtfertigt, vom Steuerpflichti-

gen  resp.  seinem  Vertreter  Massnahmen  zu  verlangen,  welche  die  Zustellbarkeit  von 

amtlichen 

Sendungen 

ermöglichen. 

Dies 

gilt 

erst 

recht, 

wenn  

der Steuerpflichtige bereits in früheren Jahren wegen Nichteinreichens der Steuererklä-

rung  nach  pflichtgemässem  Ermessen  eingeschätzt  wurde.  In  diesem  Sinn  besteht 

auch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bereits im Veranlagungsverfahren 

ein  die  Empfangspflicht  begründendes  Verfahrensverhältnis  (BGr,  5.  Mai  2008, 

2C_689/2007, www.bger.ch). Hat der Steuerpflichtige dagegen – wie hier – die Steuer-

erklärung  eingereicht,  entsteht  zwar  auch  ein  Verfahrensverhältnis.  Doch  muss  der 

Pflichtige  in  diesem  Fall  nicht  zwingend  und  im  gleichen  Ausmass  mit  der  Zustellung 

von  amtlichen  Sendungen  rechnen.  Denn  es  kann  sein,  dass  die  Einschätzung  auf-

grund  der  Steuererklärung  erfolgt  und  dem  Steuerpflichtigen  in  diesem  Fall  der  Ab-

schluss  der  Einschätzung  lediglich  durch  informative  Zustellung  der  Schlussrechnung 

angezeigt wird (§ 126 Abs. 4 StG).  

d) Selbst wenn man aber in diesem Fall ein ab Aufforderung zur Einreichung 

der  Steuererklärung  (im  Januar  2010)  beginnendes  Verfahrensverhältnis  mit  Emp-

fangspflicht  annehmen  wollte,  kann  die  Obliegenheit,  den  Empfang  von  behördlichen 

Sendungen sicherzustellen, nicht unbeschränkt lange, sondern maximal ein Jahr lang 

aufrechterhalten  werden  (BGr,  23.  März  2006,  2P_120/2005,  www.bger.ch).  Dieses 

Jahr  war  im  vorliegenden  Fall  im  Zeitpunkt  der  Einschätzung  (28. Juli  2011)  bereits 

lange  abgelaufen.  Anderweitige  Umstände,  die  geeignet  gewesen  wären,  die  Emp-

fangspflicht nach Ablauf dieses Jahres wieder aufleben zu lassen, sind im vorliegenden 

Fall  nicht  ersichtlich und  wurden vom  kantonalen  Steueramt  zu Recht  auch  nicht gel-

tend gemacht. Denn die Einschätzungen, womit das kantonale Steueramt ohne Voran-

kündigung in mehreren Punkten von der Steuererklärung abwich, erfolgten sozusagen 

wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Daran ändert im Übrigen auch die Tatsache nichts, 

dass  sich  der  Pflichtige  durch  ein  Steuerberatungsbüro  vertreten  liess,  besteht  doch 

auch bei Vertretern keine permanente Empfangspflicht. Mit anderen Worten darf nach 

der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  auch  bei  vertretenen  Steuerpflichtigen  die 

Zustellfiktion  nur  bei  Bestehen  eines  besonderen  Verfahrens-  oder  Prozessrechtsver-

hältnisses im dargelegten Sinn angewendet werden (BGE 127 I 34 E. 2a.aa). Einzig in 

diesem Fall wäre ein Postzurückbehaltungsauftrag der Vertreterin wirkungslos. 

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e)  Nach  dem  Gesagtem  ist  im  vorliegenden  Fall  von  einer  Zustellung  am 

23. August  2011  auszugehen.  Folglich  begann  die  30-tägige  Einsprachefrist  am 

24. August  2011  und  endete  am  Donnerstag,  22.  September  2011,  sodass  die  Ein-

sprache vom 22. September 2011 rechtzeitig erfolgte und das kantonale Steueramt zu 

Unrecht  nicht  darauf  eingetreten  ist.  Somit  sind  in  Gutheissung  der  Rechtsmittel  die 

Einspracheentscheide vom 18. Oktober 2011 aufzuheben und die Sache zur Durchfüh-

rung  des  Einspracheverfahrens  und  zum  Neuentscheid  an  das  kantonale  Steueramt 

zurückzuweisen. 

4.  Gemäss  Art.  144  Abs.  2  DBG  und  §  151  Abs.  2  StG  werden  die  Kosten 

ganz oder teilweise dem obsiegenden Beschwerdeführer/Rekurrenten auferlegt, wenn 

er bei pflichtgemässem Verhalten schon im Einschätzungs- oder Einspracheverfahren 

zu seinem Recht gekommen wäre. Diese Voraussetzung ist vorliegend gegeben. Denn 

der Pflichtige trug den entscheidenden Sachverhalt (Bestehens eines Postzurückbehal-

tungsauftrags), der zur Gutheissung der Rechtsmittel führte, erstmals im Beschwerde- 

und Rekursverfahren vor. Vorher erwähnte er – ohne weitere Begründung – nur, dass 

der  Einschätzungsentscheid  und  die  Veranlagungsverfügung  2009  infolge  Ferienab-

wesenheit  erst  am  23.  August  2011  beim  Vertreter  eingingen.  Aufgrund  dieser  unge-

nauen  Sachdarstellung 

ist  das  kantonale  Steueramt  zu  Recht  auf  die  

Einsprache(n)  nicht  eingetreten  und  hat  der  Pflichtige  das  Beschwerde-  und  Rekurs-

verfahren massgeblich verursacht. Grundsätzlich wären ihm die gesamten Kosten auf-

zuerlegen.  Da  jedoch  das  kantonale  Steueramt  die  vom  Pflichtigen  vorgetragene 

Sachdarstellung  und  überdies  auch  die  vom  Einzelrichter  des  Steuerrekursgerichts 

vertretene Rechtsauffassung nicht anerkannte (Prot. S. 4), ist davon auszugehen, dass 

die Entscheidungen des kantonalen Steueramts in Kenntnis der neuen Sachlage nicht 

anders  ausgefallen  wären.  Unter  diesen  Umständen  sind  die  Kosten  den  Parteien  je 

zur Hälfte aufzuerlegen und sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen (Art. 144 

Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 - 3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De-

zember 1968 und § 151 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes 

vom 24. Mai 1959/6. September 1987). 

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Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  vom  18.  Oktober 

2011  wird  aufgehoben  und  die  Sache  zur  materiellen  Beurteilung  der  Einsprache 

und zum Neuentscheid an das kantonale Steueramt zurückgewiesen. 

2.  Der  Rekurs  wird  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  vom  18.  Oktober  2011 

wird  aufgehoben  und  die  Sache  zur  materiellen  Beurteilung  der  Einsprache  und 

zum Neuentscheid an das kantonale Steueramt zurückgewiesen. 

[…] 

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