# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78c29b73-0cf5-5d21-a918-5a47e5dd9332
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-12
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 12.09.2023 SK 2022 499
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-499_2023-09-12.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 22 499

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 12. September 2023

Besetzung Obergerichtssuppleantin Salzmann (Präsidentin i.V.), 
Oberrichter Wuillemin, Oberrichterin Schwendener
Gerichtsschreiberin Bettler

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
amtlich vertreten durch Rechtsanwältin Dr. D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand sexuelle Nötigung und sexuelle Handlungen mit Kindern

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 28. März 2022 (PEN 21 119)

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Inhaltsverzeichnis

I. Formelles..........................................................................................................................4
1. Erstinstanzliches Urteil ..............................................................................................4
2. Berufung....................................................................................................................4
3. Beweisergänzungen..................................................................................................4
4. Anträge der Parteien .................................................................................................5
5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer ..................................................5

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung ..................................................................................6
6. Anklagesachverhalt ...................................................................................................6
7. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt...................................................................6
8. Beweismittel ..............................................................................................................7
9. Würdigung durch die Kammer...................................................................................8

9.1 Theoretische Grundlagen.................................................................................8
9.2 Zum Zeitpunkt eines allfälligen Vorfalls............................................................8
9.3 Aussagen der Privatklägerin ..........................................................................18
9.4 Aussagen des Beschuldigten.........................................................................24
9.5 Aussagen von L.________, Mutter Privatklägerin .........................................28
9.6 Aussagen von K.________, Vater der Privatklägerin ....................................31
9.7 Aussagen von M.________, Bruder der Privatklägerin..................................33
9.8 Aussagen von F.________, Freundin der Privatklägerin ...............................35
9.9 Aussagen von J.________, Freund der Familie der Privatklägerin ...............37
9.10 Gesamtwürdigung und erwiesener Sachverhalt ............................................39

III. Rechtliche Würdigung ....................................................................................................42
10. Sexuelle Handlungen mit Kindern ...........................................................................42

10.1 Rechtliche Grundlagen...................................................................................42
10.2 Subsumtion ....................................................................................................43

11. Sexuelle Nötigung ...................................................................................................43
11.1 Rechtliche Grundlagen...................................................................................43
11.2 Subsumtion ....................................................................................................44

IV.Strafzumessung .............................................................................................................45
12. Anwendbares Recht ................................................................................................45
13. Konkretes Vorgehen und Strafrahmen....................................................................46
14. Einsatzstrafe für die sexuelle Nötigung ...................................................................46

14.1 Objektive Tatkomponenten ............................................................................46
14.2 Subjektive Tatkomponenten...........................................................................47
14.3 Fazit Tatkomponenten / Einsatzstrafe............................................................48

15. Asperation für die sexuellen Handlungen mit Kindern ............................................48
15.1 Objektive Tatkomponenten ............................................................................48
15.2 Subjektive Tatkomponenten...........................................................................48
15.3 Fazit Asperation / Gesamtstrafe aufgrund der Tatkomponenten ...................49

16. Täterkomponenten ..................................................................................................49
16.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse..........................................................49
16.2 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren...............................................49
16.3 Strafempfindlichkeit........................................................................................50
16.4 Fazit Täterkomponenten ................................................................................50

17. Konkretes Strafmass und Strafart ...........................................................................50

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18. Höhe des Tagessatzes............................................................................................50
19. Bedingter Vollzug / Verbindungsbusse ...................................................................50

V. Zivilpunkt ........................................................................................................................51
20. Rechtliche Grundlagen............................................................................................51
21. Erstinstanzliches Urteil und Beurteilung durch die Kammer ...................................52

VI.Kosten und Entschädigung ............................................................................................52
22. Verfahrenskosten ....................................................................................................52
23. Entschädigung der amtlichen Verteidigung.............................................................53
24. Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin.............................................53

VII. Tätigkeitsverbot .........................................................................................................54
VIII. Verfügungen ..............................................................................................................55
IX.Dispositiv ........................................................................................................................57

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I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil 

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Einzelgericht; nachfolgend: Vorinstanz) er-
klärte A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) mit Urteil vom 28. März 2022 
(pag. 504 ff.) der sexuellen Nötigung und der sexuellen Handlungen mit Kind, be-
gangen ca. im Oktober 2015 in E.________ z.N. C.________ (Straf- und Zivilkläge-
rin; nachfolgend: Privatklägerin) schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 
300 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 9'000.00, unter Ge-
währung des bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu 
den Verfahrenskosten von CHF 9'858.40 (pag. 505, Ziff. I. erstinstanzliches Urteil). 

Im Zivilpunkt verurteilte die Vorinstanz den Beschuldigten zur Bezahlung einer Ge-
nugtuung von CHF 2'000.00, zuzüglich 5% Zins seit dem 1. November 2015, an die 
Privatklägerin. Weitergehend wurde die Zivilklage abgewiesen. Für die Behandlung 
der Zivilklage wurden keine Kosten ausgeschieden (pag. 506, Ziff. III. erstinstanzli-
ches Urteil).

Ferner wurde dem Beschuldigten für zehn Jahre jede berufliche und jede organi-
sierte ausserberufliche Tätigkeit verboten, die einen regelmässigen Kontakt zu 
Minderjährigen umfasst (pag. 507, Ziff. IV. 1. erstinstanzliches Urteil).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, vertreten durch Rechtsanwältin 
B.________, mit Schreiben vom 6. April 2022 form- und fristgerecht die Berufung 
an (pag. 511). Nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfügung 
vom 23. August 2022 (pag. 565 f.) erklärte der Beschuldigte mit Eingabe vom 
13. September 2022 form- und fristgerecht die vollumfängliche Berufung (pag. 570 
f.). Mit Verfügung vom 14. September 2022 wurden der Generalstaatsanwaltschaft 
und der Privatklägerin Gelegenheit gegeben, die Anschlussberufung zu erklären 
oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (pag. 577 f.). Die 
Generalstaatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 16. September 2022 auf 
die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 581 f.). Die Privatklägerin 
liess sich innert Frist nicht vernehmen (vgl. pag. 584). 

Mit Verfügung vom 26. Juli 2023 wurde das Dispensationsgesuch der Privatkläge-
rin vom 25. Juli 2023 (pag. 603) gutgeheissen und die Privatklägerin – mit Aus-
nahme ihrer eigenen Einvernahme – von der weiteren Teilnahme an der Beru-
fungsverhandlung dispensiert (pag. 605 f.). 

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 11./12. September 
2023 statt (pag. 612 ff.). 

3. Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurde oberinstanzlich im Sinne einer Beweisergänzung ein ak-
tueller Strafregisterauszug über den Beschuldigten eingeholt (pag. 609).

Rechtsanwältin B.________ reichte an der oberinstanzlichen Verhandlung ver-
schiedene Unterlagen zur aktuellen Situation des Beschuldigten ein (Zertifikat 

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Q.________ vom .________ [pag. 638]; Mietvertrag vom 30. März 2022 [pag. 639 
ff.]; Einzel-Arbeitsvertrag vom 6. September 2022 [Anstellungsbeginn: 1. Oktober 
2022, Beschäftigungsgrad: 70%; pag. 649 ff.]; Einzel-Arbeitsvertrag erneuert per 1. 
Juli 2023 [Beschäftigungsgrad: 100%; pag. 652 ff.]). 

Zudem wurden die Privatklägerin und der Beschuldigte an der oberinstanzlichen 
Verhandlung unter Beizug einer Tamilisch-Übersetzung ergänzend einvernommen 
(pag. 615 ff.; pag. 621 ff.). 

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwältin B.________ stellte und begründete an der oberinstanzlichen Ver-
handlung namens des Beschuldigten folgende Anträge (pag. 655): 
1. A.________, geb. .________, von Sri Lanka, sei freizusprechen von der Anschuldigung der sexu-

ellen Nötigung und sexuellen Handlungen mit Kind, angeblich begangen an einem Morgen ca. im 
Oktober 2015 in E.________, zum Nachteil von C.________. 

2. Die Verfahrenskosten beider Instanzen seien vollständig dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

3. Das erst- und zweitinstanzliche Honorar der amtlichen Verteidigerin sei gemäss Honorarnoten ge-
richtlich festzulegen und dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

4. Die Zivilansprüche der Privatklägerin seien vollumfänglich und unter Kosten- und Entschädigungs-
folgen zulasten der Privatklägerin abzuweisen. 

5. Es seien die weiteren notwendigen Verfügungen zu erlassen.

Rechtsanwältin Dr. D.________ stellte und begründete namens der Privatklägerin 
folgende Anträge (pag. 659): 
I. Die Berufung sei abzuweisen und A.________ sei in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils 

vom 28.03.2022 des Regionalgerichts Bern-Mittelland schuldig zu sprechen 

a) der sexuellen Nötigung, begangen ca. im Oktober 2015 in E.________, z. N. von C.________, 
und 

b) der sexuellen Handlungen mit Kind, begangen ca. im Oktober 2015 in E.________, z. N. von 
C.________ 

und er sei in Anwendung der entsprechenden Gesetzesbestimmungen zu einer angemessenen 
Sanktion zu verurteilen. 

II. A.________ sei weiter zu verurteilen: 

1. zur Bezahlung der auf diesen Schuldspruch entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten, 

2. zur Bezahlung der auf diesen Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten des vorliegenden 
Berufungsverfahrens, 

3. zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 19'470.80 an die Privatklägerin für die 
Aufwendungen im erstinstanzlichen Verfahren, 

4. zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 4’293.35 an die Privatklägerin für die Auf-
wendungen im oberinstanzlichen Verfahren, 

5. zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 2'000.00, zuzüglich Zins von 5 % seit dem 
01.11.2015, an die Privatklägerin. 

Ill. Weiter sei zu verfügen: 

1. Das Honorar der amtlichen Anwältin sei gerichtlich zu bestimmen. 

2. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Zufolge der alleinigen Berufung des Beschuldigten ist das Urteil des Regionalge-
richts Bern-Mittelland vom 28. März 2022 insofern in Rechtskraft erwachsen, als im 

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Zivilpunkt verfügt wurde, dass die Zivilklage weitergehend abgewiesen wird und für 
die Behandlung der Zivilklage keine Kosten ausgeschieden werden. Abgesehen 
davon hat die Kammer das gesamte erstinstanzliche Urteil zu überprüfen. Sie hat 
dabei von Amtes wegen auch die weiteren Verfügungen zu treffen. 

Die Kammer verfügt als Berufungsgericht über umfassende Kognition in tatsächli-
cher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 der Schweizerischen Strafpro-
zessordnung [StPO; SR 312.0]) und ist aufgrund der alleinigen Berufung des Be-
schuldigten an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius) 
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil nicht zu Ungunsten 
des Beschuldigten abändern. Vom Verschlechterungsverbot grundsätzlich nicht er-
fasst ist die Höhe des erstinstanzlich festgesetzten Tagessatzes der Geldstrafe 
(vgl. BGE 144 IV 198 E. 5.3 f.).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Anklagesachverhalt

Dem Beschuldigten werden in Ziff. I. der Anklageschrift vom 11. Februar 2021 
(pag. 354 ff.) sexuelle Nötigung und sexuelle Handlungen mit Kind, begangen an 
einem Morgen ca. im Oktober 2015, vermutlich in der Zeit von ca. 7. Oktober 2015 
bis 15. Oktober 2015 (= Zeitraum, währenddessen nebst dem Vater auch die Mut-
ter des Opfers ferienhalber abwesend gewesen sei), wobei vermutlich in der Zeit 
bis und mit 10. bzw. 12. Oktober 2015 (= Datum Rückkehr F.________ aus Kana-
da bzw. Schulanfang), zur Last gelegt. Der Sachverhalt wird in der Anklageschrift 
wie folgt umschrieben (pag. 354 f.): 

A.________ hatte im Wohnzimmer der Familie C.________ auf einer Matratze übernachtet. Als 
C.________ am Morgen im Wohnzimmer ihre Tasche behändigen wollte, packte er sie mit der Hand 
am (rechten) Handgelenk und zog sie zu sich auf die Matratze am Boden. Sie kam auf der Matratze in 
Rückenlage zu Fall. Er sass bzw. legte sich daraufhin auf sie, seine Beine hatte er je seitlich von ihr. 
Mit einer Hand (linke Hand) fixierte er ihre beiden Hände oberhalb des Kopfes, mit der anderen Hand 
(rechte Hand) griff er unter ihr Oberteil sowie unter ihren BH. Er griff ihre Brust und drückte diese. Da-
bei versuchte er ihre Brüste bzw. ihre Brust mit der Hand aus dem BH «zu holen» bzw. den BH (auf 
einer Seite) nach unten zu ziehen. C.________ versuchte sich zu wehren. Es gelang ihr, sich auf die 
Seite abzudrehen und ihren Fuss zu befreien. Sie verabreichte ihm mit dem Knie einen Schlag zwi-
schen seine Beine, woraufhin er ihre Hände losliess. Sie versuchte aufzustehen, aber er packte sie 
erneut mit der Hand am Bauch/den Hüften und zog sie zurück auf die Matratze. Sie lag dabei auf sei-
nem Arm, mit welchem er sie (seitlich) festhielt. Mit der anderen Hand griff er ihr erneut unter den 
Pullover und unter dem BH an ihre Brust und drückte diese zusammen. Sie konnte ihm anschliessend 
in seine Hand kneifen. In der Folge liess er sie los und sie konnte entkommen und die Wohnung ver-
lassen.

7. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet den gesamten Vorwurf. So bestreitet er den Tatzeit-
punkt, seine Anwesenheit in der Wohnung der Eltern der Privatklägerin zum gel-

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tend gemachten Tatzeitpunkt sowie dass er sich alleine mit der Privatklägerin in der 
Wohnung aufgehalten haben soll. Weiter bestreitet er die ihm vorgeworfenen 
Handlungen gegenüber der Privatklägerin. 

8. Beweismittel

Der Kammer liegen als Beweisgrundlage der Anzeigerapport vom 7. August 2019 
(pag. 2 ff.), die Nachträge zum Anzeigerapport vom 2. Juli 2020 (pag. 8 ff.), vom 
18. August 2020 (inkl. Stammblatt Nothilfe des Beschuldigten und dessen Befra-
gungsprotokoll beim Migrationsdienst; pag. 13 ff.) und vom 10. Dezember 2020 (in-
kl. E-Mail Schulleiter Schule G.________ betreffend Absenzen der Privatklägerin 
und von F.________; pag. 28 ff.) vor. Weiter hat die Verteidigung mit Schreiben 
vom 3. November 2020 E-Mails der Kollektivunterkunft H.________ an den Migra-
tionsdienst vom 9. und 17. Juli 2020 und das Stammblatt des Beschuldigten einge-
reicht, aus welchen die Präsenzpflicht in den Kollektivunterkünften hervorgehen 
solle (pag. 233 ff.). Ebenfalls gelangte sie mit Schreiben vom 18. Januar 2021 an 
die zuständige Staatsanwaltschaft und reichte die im Oktober 2015 geltende Asyl-
sozialhilfe-, Nothilfe- und Gesundheitsweisung für Personen des Asylbereichs im 
Kanton Bern (Asylsozialhilfeweisung) ein, aus welcher aus Ziff. 3.4.3 (Seite 21) 
hervorgehe, dass eine tägliche Präsenzpflicht in den Kollektivunterkünften gegolten 
habe, was gemäss telefonischer Auskunft des Migrationsdienstes auch für die da-
mals vom Beschuldigten bewohnte Kollektivunterkunft I.________ gegolten habe. 
Weiter reichte sie Fotos zu einem Ausflug der Eltern der Privatklägerin mit dem Be-
schuldigten und J.________ vom 26. November 2015 ein (pag. 274 ff.). 

Die Vertreterin der Privatklägerin reichte mit Eingabe vom 18. September 2020 den 
Schulferienplan der Gemeinde E.________ für das Jahr 2015 sowie Kopien der 
Pässe der Eltern der Privatklägerin ein, aus welchen ersichtlich sei, dass sich der 
Vater der Privatklägerin vom 3. September 2015 bis zum 27. Oktober 2015 in Sri 
Lanka aufgehalten habe und die Mutter der Privatklägerin vom 9. Oktober 2015 bis 
zum 13. Oktober 2015 in Sri Lanka sowie am 14. Oktober 2015 in Venedig gewe-
sen sei (pag. 253 ff.). 

Weiter liegen subjektive Beweismittel in Form von Aussagen vor, wobei zur Fest-
stellung des Sachverhalts in erster Linie auf die Aussagen der Privatklägerin 
(pag. 33 ff.; pag. 40 ff.; pag. 420 ff.; pag. 615 ff.) und des Beschuldigten (pag. 102 
ff.; pag. 112 ff.; pag. 426 ff.; pag. 621 ff.) abgestellt werden muss. Die Vorinstanz 
hat diese Aussagen sowie die Aussagen der übrigen befragten Personen 
(K.________ [pag. 56 ff.; pag. 469 ff.], L.________ [pag. 71 ff.; pag. 473 ff.], 
M.________ [pag. 65 ff.], F.________ [pag.85 ff.] und J.________ [pag. 93 ff.]) 
ausführlich wiedergegeben (pag. 529 ff., S. 8 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung). Darauf kann verwiesen werden. Auf eine Zusammenfassung der obe-
rinstanzlichen Einvernahmen der Privatklägerin und des Beschuldigten wird ver-
zichtet. Es wird – soweit relevant – direkt im Rahmen der nachfolgenden Beweis-
würdigung auf die einzelnen Beweismittel eingegangen.

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9. Würdigung durch die Kammer

9.1 Theoretische Grundlagen

Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen zur Beweiswürdigung zutreffend 
wiedergegeben (pag. 524 ff., S. 3 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung), 
weshalb darauf verwiesen werden kann. 

9.2 Zum Zeitpunkt eines allfälligen Vorfalls

Die Anklageschrift nennt als Tatzeitpunkt ca. im Oktober 2015, vermutlich in der 
Zeit vom 7. Oktober 2015 bis zum 15. Oktober 2015 (= Zeitraum, währenddessen 
nebst dem Vater auch die Mutter des Opfers ferienhalber abwesend gewesen sei), 
wobei vermutlich in der Zeit bis und mit 10. bzw. 12. Oktober 2015 (= Datum der 
Rückkehr F.________ aus Kanada bzw. Schulanfang; pag. 354). 

Zu Beginn gab die Privatklägerin einen Tatzeitpunkt nach den Sommerferien 2016 
an. Der Beschuldigte machte hierzu geltend, er habe seit ca. Mitte Januar 2016 
keinen Kontakt mehr mit der Familie der Privatklägerin, weshalb er den ihm vorge-
worfenen Sachverhalt nicht begangen habe. Später legte die Privatklägerin den 
Tatzeitpunkt auf Oktober 2015 nach den Herbstferien fest. Der Beschuldigte hielt 
dem entgegen, dass er zu diesem Zeitpunkt erst kurz in der Schweiz gewesen sei. 
Zudem legte er Fotos von Ende November 2015 vor, die ihn und die Eltern der Pri-
vatklägerin bei einem Ausflug in Interlaken zeigten, was für ihn ebenfalls gegen ei-
nen Tatzeitpunkt im Oktober 2015 spreche. Es gilt deshalb im Folgenden die ver-
schiedenen subjektiven und objektiven Beweismittel zum möglichen Tatzeitpunkt 
zu analysieren. 

Zum möglichen Zeitpunkt eines angeblichen Vorfalles liegen folgende subjektive 
Beweismittel vor: 

Die Privatklägerin nannte bei der Anzeigeerstattung am 31. Juli 2019 offenbar das 
Jahr 2016 als Tatzeitpunkt (vgl. pag. 34 Z. 42 ff.). Dieses Jahr als Tatjahr bestätigte 
sie auch anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 5. August 2019 (pag. 33 ff.) 
und nannte einen Zeitpunkt nach den Sommerferien 2016, vermutlich am 15. Au-
gust 2016 (pag. 37 Z. 182 ff.). Weitergehend führte sie dazu aus, ihre Eltern seien 
damals am Arbeiten und ihr Bruder in der Schnupperlehre gewesen (pag. 34 Z. 45 
f.). 

Zu Beginn ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 23. Juli 2020 (pag. 40 
ff.) korrigierte die mittlerweile anwaltlich vertretene Privatklägerin den Tatzeitpunkt 
und gab an, sie habe « 2015/2016 Komplikationen mit den Daten» gehabt. Ihre El-
tern seien zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht bei der Arbeit, sondern in Sri Lanka den 
Ferien gewesen und ihr Bruder sei am Morgen des Vorfalls in einer Schnupperleh-
re gewesen (pag. 43 Z. 110 ff.; pag. 48 f. Z. 314 ff.). Der Vorfall habe an einem 
Montag nach ihren Schulferien stattgefunden. Dass es ein Montag gewesen sei, 
wisse sie, weil sie damals ihren Lieblingspullover, den sie gerne am Montag ange-
zogen habe, angehabt habe (pag. 47 Z. 269 ff.). Welches Jahr, welcher Monat und 
welche Jahreszeit gewesen sei, wisse sie nicht ganz genau (pag. 48 Z. 286 f.). 
Jetzt, nachdem sie mit ihrer Anwältin und mit F.________ gesprochen habe, gehe 
sie davon aus, dass es 2015 oder 2016 nach den Herbstferien, also ca. im Okto-

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ber, gewesen sei, und dass ihre Eltern damals in den Ferien gewesen seien. Sie 
sei damals in der 5. oder 6. Klasse gewesen. Mit einem bestimmten Ereignis könne 
sie den Vorfall nicht verknüpfen (pag. 48 Z. 290 ff.; pag. 49 Z. 322 ff.). Das Jahr 
2016 habe sie bei der Polizei genannt, weil sie gewusst habe, dass der Vorfall etwa 
vor vier bis fünf Jahren stattgefunden habe und sie gedacht habe, es sei 2016 ge-
wesen. Den 15. August habe sie damals genannt, weil die Schule nach den Som-
merferien jeweils an einem Montag, meistens am 15. August, wieder beginne 
(pag. 49 Z. 330 ff.). Der Vorfall habe am Montag nach den Ferien stattgefunden 
(pag. 50 Z. 393 f.). Sie habe sich bei der Polizei mit 2016 geirrt. Jetzt könne sie 
bestätigen, dass es im 2015 gewesen sei (pag. 51 Z. 405 ff.). 

An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 20. Oktober 2021 gab die Privat-
klägerin an, der Vorfall habe im Oktober 2015 an einem Montag nach den Ferien 
stattgefunden. Sie wisse, dass es nach den Ferien gewesen sei, weil sie sich für 
die Schule bereit gemacht habe (pag. 421 Z. 58 ff.). Anlässlich der oberinstanzli-
chen Verhandlung vom 11. September 2023 erklärte die Privatklägerin, sie sei un-
sicher gewesen, wann es wirklich passiert sei. Nach der Einvernahme von 
F.________ sei ihr klar geworden, dass es passiert sei, als diese in den Ferien ge-
wesen sei (pag. 616 Z. 25 f.). 

Der Beschuldigte gab an der delegierten Einvernahme vom 10. September 2019 
(pag. 102 ff.) an, er sei am 21. September 2015 in die Schweiz eingereist (pag. 103 
Z. 44 f.). Nach seinem Aufenthalt in der Empfangsstelle Basel sei er dem Kanton 
Bern, I.________, zugewiesen worden und sei damals vom Vater der Privatklägerin 
am Bahnhof E.________ abgeholt worden (pag. 105 Z. 136 ff.; pag. 106 Z. 152 ff.). 
Im Camp in I.________ habe er nur alle zwei Tage zur Unterschrift erscheinen 
müssen und es sei auch vorgekommen, dass er bei der Familie der Privatklägerin 
im Wohnzimmer auf einer Matratze übernachtet habe (pag. 106 Z. 163 ff.). Am 
15. August 2016 habe er keinen Kontakt mehr zur Familie der Privatklägerin ge-
habt. Das letzte Mal sei er am 14. oder 15. Januar 2016, am tamilischen Neujahrs-
fest, bzw. in der Zeit vom 13. bis zum 16. Januar 2016 bei ihnen zu Hause gewe-
sen. Zu dieser Zeit sei er von der Unterkunft in I.________ in eine Asylunterkunft in 
N.________ verschoben worden. Im August 2016 sei er in der Asylunterkunft 
G.________ gewesen, wo er jeden Tag habe unterschreiben müssen und strenge 
Kontrollen gemacht worden seien. Wenn die Privatklägerin den 10., 11. oder 
12. Monat des Jahres 2015 genannt hätte, dann wäre es vielleicht möglich gewe-
sen, dass er bei der Familie der Privatklägerin in der Wohnung gewesen sei 
(pag. 107 Z. 215 ff.; pag. 108 Z. 256 ff., Z. 277 ff.). Die Chefin der Asylunterkunft in 
N.________ sei streng gewesen und habe darauf bestanden, dass die Bewohnen-
den täglich dort übernachteten (pag. 108 Z. 284 ff.). Eine Woche nach seinem Um-
zug nach N.________ habe ihm die Mutter der Privatklägerin am Bahnhof seinen 
Koffer (mit Kleidungsstücken), der sich damals im Zimmer des Bruders der Privat-
klägerin befunden habe, übergeben. Damals habe der letzte Kontakt mit jemanden 
aus der Familie der Privatklägerin stattgefunden (pag. 109 Z. 298 ff.). 

An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. November 2020 (pag. 112 ff.) 
gab der Beschuldigte an, er denke, der erste Kontakt mit der Familie der Privatklä-
gerin in der Schweiz habe am 7. Oktober 2015, als er von Basel nach Bern verlegt 

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worden sei, stattgefunden. Im Oktober, November und Dezember 2015 sei er 
manchmal bei der Familie der Privatklägerin zu Besuch gewesen und habe ab und 
zu auch dort übernachtet (pag. 115 Z. 78 ff., Z. 86 ff.). Abgeholt am Bahnhof 
E.________ habe ihn sicher die Privatklägerin und glaublich ein anderer Junge 
(pag. 116 Z. 109 f.). Der Vater der Privatklägerin sei damals nicht am Bahnhof ge-
wesen (pag. 116 Z. 133 ff.). Da er sich zu Beginn eine Woche lang in der Asylun-
terkunft in I.________ habe aufhalten müssen, denke er, dass er eine Woche nach 
seiner Ankunft im Kanton Bern die Eltern der Privatklägerin getroffen habe, also ab 
ca. Mitte Oktober 2015 (pag. 116 Z. 137 ff.). Auf Vorhalt, dass der Vater der Privat-
klägerin offenbar in der Zeit von ca. 3. September 2015 bis zum 27. Oktober 2015 
und die Mutter der Privatklägerin ca. vom 9. Oktober bis zum 13. Oktober 2015 in 
Sri Lanka in den Ferien gewesen seien, gab der Beschuldigte an, er habe erst ca. 
drei Monate später erfahren, dass der Vater der Privatklägerin nach Sri Lanka ge-
gangen sei (pag. 117 Z. 148 ff.). Der Beschuldigte bestätigte seine polizeiliche 
Aussage, wonach er nur alle zwei Tage in der Asylunterkunft I.________ zur Un-
terschrift habe erscheinen müssen und die restliche Zeit bei der Familie der Privat-
klägerin verbracht habe (pag. 117 Z. 155 ff.). Im November 2015, ca. am 23. No-
vember 2015, hätten die Eltern der Privatklägerin sowie J.________ mit ihm einen 
Ausflug nach Interlaken gemacht, wofür er Fotos als Beweismittel habe. Sie hätten 
also damals bis zum Dezember 2015 miteinander Kontakt gehabt (pag. 122 Z. 346 
ff.; vgl. auch die von der Verteidigung mit Schreiben vom 18. Januar 2021 einge-
reichten Fotos vom 26. November 2015 [pag. 341 ff.]). 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 20. Oktober 2021 führte 
der Beschuldigte aus, mit der Privatklägerin habe er letztmals im 2015 gesprochen. 
Es sei richtig, dass er am 7. Oktober 2015 von Basel nach Bern (I.________) um-
gezogen sei (pag. 428 Z. 331 ff.). Im Gegensatz zu seinen früheren Aussagen gab 
er jedoch an, zuerst drei bis vier Wochen am Stück in I.________ gewesen zu sein. 
Erst danach habe er jeweils am Freitag und Samstag in der Unterkunft fehlen dür-
fen. Er habe ab Oktober bis Ende Jahr 2015 vier bis fünf Mal bei der Familie der 
Privatklägerin übernachtet (pag. 428 Z. 348 ff.). Auf Vorhalt seiner früheren Aussa-
gen erklärte der Beschuldigte, er sei in seiner Freizeit bei der Familie der Privatklä-
gerin gewesen, jedoch nicht ununterbrochen (pag. 428 Z. 362 ff.). Es könne sein, 
dass der Kontaktabbruch im Januar 2016 gewesen sei. Er sei am 15. Januar 2016 
in eine andere Asylunterkunft verlegt worden (pag. 429 Z. 379 ff.). 

An der oberinstanzlichen Verhandlung vom 11. September 2023 konnte der Be-
schuldigte nicht mehr genau sagen, ab wann er sich bei der Familie der Privatklä-
gerin aufgehalten hat. Nachdem er dem Kanton Bern zugewiesen worden sei, habe 
er die Familie C.________ kontaktiert und habe dann bis ca. Dezember 2015 Kon-
takt zu ihnen gehabt. Er könne nicht sagen, wie oft er sie getroffen habe, vielleicht 
zwei bis drei Mal oder drei bis vier Mal (pag. 623 Z. 26 ff.). 

Die Mutter der Privatklägerin gab an der delegierten Einvernahme vom 4. No-
vember 2019 (pag. 71 ff.) an, der Beschuldigte sei vor ca. drei bis vier Jahren in die 
Schweiz gekommen und sei in dieser Zeit erstmals zu ihnen nach Hause gekom-
men. Er habe manchmal an den Wochenenden von Freitag bis Sonntag oder Mon-
tagmorgen bei ihnen im Wohnzimmer auf der Matratze übernachtet und sei 

11

manchmal auch unter der Woche bei ihnen gewesen, sei dann aber in der Regel 
wieder in die Asylunterkunft gegangen (pag. 74 Z. 114 ff., Z. 139 f.; pag. 75 Z. 148 
ff., Z. 175 ff.). Im August 2016 sei ihr Mann manchmal um ca. 06.30 Uhr zur Arbeit 
gegangen und sie selber sei jeweils um 07.30 Uhr aus dem Haus (pag. 76 Z. 198 
ff.). Im August 2016 habe ihr Sohn nicht vollzeitlich gearbeitet und habe sich oft zu 
Hause aufgehalten (pag. 76 Z. 237 f.). Zum Kontaktabbruch führte die Mutter der 
Privatklägerin aus, sie habe von ihrer Tochter in Zürich bei einem Besuch einer be-
freundeten Familie vom Vorfall erfahren. Als sie wieder zurück in ihrer Wohnung 
gewesen seien, habe sie, als ihr Mann am Einkaufen gewesen sei, dem Beschul-
digten gesagt, er könne nicht mehr zu ihnen kommen und müsse das Haus verlas-
sen (pag. 77 f. Z. 263 ff.). Sie habe dem Beschuldigten glaublich am Tag nach dem 
Besuch in Zürich gesagt, er solle seine Sachen packen und gehen, was der Be-
schuldigte gleichentags am Nachmittag gemacht habe (pag. 78 Z. 321 f.; pag. 80 
Z. 437 f.; pag. 81 Z. 448 ff.). Einen Grund habe sie ihm dafür nicht genannt 
(pag. 80 Z. 400 ff.). Der Besuch habe ca. zwei Monate nach dem Vorfall stattge-
funden, sie könne sich aber nicht erinnern (pag. 81 Z. 465 ff.). An ein Telefonat mit 
dem Beschuldigten, an dem sie diesem gesagt habe, er könne nicht mehr zu ihnen 
kommen, weil der Beschuldigte ihren Mann zum Trinken verleite, könne sie sich 
nicht erinnern. Vielleicht habe sie dies mit dem Trinken als Ausrede gebraucht 
(pag. 82 Z. 496 ff.). 

Anlässlich der Fortsetzungsverhandlung vom 17. März 2022 gab die Mutter der 
Privatklägerin an, der Beschuldigte habe sie, als er in der Asylunterkunft in 
I.________ gewesen sei, zu Hause besucht und wenige Male auch bei ihnen über-
nachtet (pag. 475 Z. 287 ff.). Als der Vorfall passiert sei, sei sie für vier bis fünf Ta-
ge in Sri Lanka oder in Dubai gewesen. Ihr Sohn habe sich damals um die Privat-
klägerin gekümmert. Der Beschuldigte sei damals nicht bei ihnen zu Hause gewe-
sen (pag. 474 Z. 224 ff.). Seit dem Wegschicken des Beschuldigten hätten sie kei-
nen Kontakt mehr zu diesem gehabt (pag. 475 Z. 284 f.). Dem Beschuldigten habe 
sie als Grund für das Wegschicken bzw. das Abstandhalten nicht den Alkoholkon-
sum genannt (pag. 475 f. Z. 299 ff.). 

Der Vater der Privatklägerin gab an der polizeilichen Einvernahme vom 9. De-
zember 2019 (pag. 56 ff.) an, der Beschuldigte sei 2015 in die Schweiz eingereist 
(pag. 58 Z. 87 ff.). Der Beschuldigte habe sie jeweils zu Hause besucht und sei bis 
zu seinem nächsten Termin in der Asylunterkunft geblieben. Der Beschuldigte habe 
glaublich einmal pro Woche in der Asylunterkunft unterschreiben müssen, damit er 
das Geld erhalte (pag. 59 Z. 110 ff.). Zu Beginn habe der Beschuldigte sich glaub-
lich eine Woche lang im Asylzentrum aufgehalten. Ab ca. Ende September 2015 
habe sich der Beschuldigte bei ihnen aufgehalten (pag. 59 Z. 129 ff.). Einen Woh-
nungsschlüssel habe der Beschuldigte nicht gehabt (pag. 59 Z. 141 ff.). Wenn der 
Beschuldigte bei ihnen in der Wohnung gewesen sei, seien jeweils seine Frau, sei-
ne Kinder und er zu Hause gewesen (pag. 60 Z. 149 ff.). Der Beschuldigte habe sie 
auch schon besucht, als er noch in der Empfangsstelle in Basel gewesen sei 
(pag. 63 Z. 314 ff.). Der Vorfall habe Ende Oktober 2015 oder Anfang November 
2015 stattgefunden (pag. 61 Z. 206 ff.). Auf Vorhalt, dass seine Frau und er damals 
in den Ferien gewesen sein sollen, gab der Vater der Privatklägerin an, er selber 
sei wegen einer Familienangelegenheit für drei Wochen in Sri Lanka gewesen. Da 

12

er seine Frau gebeten habe, ebenfalls zu kommen, sei diese für vier Tage ebenfalls 
in Sri Lanka gewesen (pag. 61 Z. 210 ff.). Seine Frau habe den Beschuldigten 
weggeschickt, als er (der Vater) bei der Arbeit gewesen sei. Dies sei im 2016 ge-
wesen, den Monat wisse er nicht mehr (pag. 62 Z. 260 ff.). 

An der erstinstanzlichen Fortsetzungsverhandlung vom 17. März 2022 führte der 
Vater der Privatklägerin aus, der Beschuldigte habe sie besucht und jeweils zwei 
bis drei Mal bei ihnen übernachtet (pag. 471 Z. 104 ff.). Im Oktober oder November 
2015 sei er selber in Sri Lanka gewesen. Seine Frau sei nach einer Woche nach-
geflogen und habe sich drei bis vier Tage in Sri Lanka aufgehalten (pag. 470 Z. 48 
ff.). Während ihrer Abwesenheit habe sich ihr Sohn und die Familie von 
F.________ um die Tochter gekümmert. Auch der Beschuldigte sei da gewesen 
(pag. 470 Z. 52 ff.). Ende 2015 habe er letztmals Kontakt mit dem Beschuldigten 
gehabt (pag. 469 Z. 31 ff.). Vom Vorfall habe er Ende 2015, Anfang 2016 erfahren 
(pag. 469 Z. 40 f.). Er habe den Beschuldigten nach dem Vorfall weggeschickt und 
habe keinen Kontakt mehr mit diesem gewollt (pag. 471 Z. 117 ff.). Auf Vorhalt sei-
nes Passeintrages, wonach er von 3. September bis zum 27. Oktober 2015 in Sri 
Lanka gewesen sei, gab der Vater der Privatklägerin an, er sei am 3. September 
2015 nicht in Sri Lanka gewesen. Am 13. September 2015 habe er sich in Paris 
aufgehalten (pag. 472 Z. 152 ff.). 

Der Bruder der Privatklägerin führte an der delegierten Einvernahme vom 
16. Dezember 2019 (pag. 65 ff.) aus, er habe den Beschuldigten glaublich im 2016 
erstmals in der Schweiz gesehen. An das genaue Datum könne er sich nicht erin-
nern. Der Beschuldigte habe damals in einer Asylunterkunft in Richtung Belp oder 
Kehrsatz gewohnt (pag. 66 Z. 33 ff.; pag. 67 Z. 51 f., Z. 62 ff.). Der Beschuldigte sei 
jeweils drei bis vier Tage bei ihnen geblieben, was ihn nicht so begeistert habe, da 
er keine Leute zu Hause brauche, wenn er von der Arbeit komme (pag. 67 Z. 68 
ff.). Seine Eltern, seine Schwester und er hätten sich jeweils ebenfalls in der Woh-
nung aufgehalten, wenn der Beschuldigte bei ihnen gewesen sei, jedoch nicht alle 
gleichzeitig (pag. 67 Z. 89 ff.). Vom Vorfall habe er von F.________ erfahren. Ob 
seine Eltern damals noch in Sri Lanka in den Ferien gewesen seien, wisse er nicht 
mehr (pag. 68 Z. 95 ff.). Seine Mutter sei damals, als er es erfahren habe, wieder 
aus den Ferien zurückgekehrt gewesen (pag. 68 Z. 115; pag. 69 Z. 143). Die Fra-
ge, ob es sein könne, dass sich der Vorfall während der Ferienabwesenheit seiner 
Eltern ereignet habe, bestätigte der Bruder der Privatklägerin. Seine Mutter sei 
nicht länger als eine Woche in den Ferien gewesen. Sein Vater sei vor der Mutter 
in die Ferien geflogen und später wieder aus den Ferien zurückgekehrt (pag. 68 
Z. 123 ff.). Er glaube, sein Vater habe mit dem Beschuldigten gesprochen. Nach-
dem er (der Bruder) vom Vorfall erfahren habe, habe sich der Beschuldigte glaub-
lich noch ca. zwei bis drei Wochen in der Wohnung aufgehalten (pag. 69 Z. 177 ff.; 
pag. 70 Z. 193 f.). 

F.________ erklärte an der delegierten Einvernahme vom 8. November 2019 
(pag. 85 ff.), sie habe den Beschuldigten 2014 oder 2015 bei der Familie der Pri-
vatklägerin kennengelernt (pag. 87 Z. 54 ff.). Letztmals habe sie diesen glaublich 
Ende 2015 gesehen (pag. 87 Z. 70 ff.). In den Herbstferien 2015 sei sie mit ihrer 
Mutter und ihrem Bruder für drei Wochen nach Kanada in die Ferien geflogen. Der 

13

Beschuldigte sei zu dieser Zeit bereits bei der Familie der Privatklägerin zu Hause 
gewesen, d.h. er sei dort ab und zu vorbeigegangen, habe dort gegessen oder dort 
im Wohnzimmer auf einer Matratze übernachtet. Die Eltern der Privatklägerin seien 
bereits bevor sie nach Kanada abgeflogen sei nach Sri Lanka abgereist. Der Bru-
der der Privatklägerin sei zu dieser Zeit bereits öfters am Arbeiten gewesen 
(pag. 87 Z. 74 ff.; pag. 88 Z. 108 f.). Der Vorfall habe sich glaublich anfangs Okto-
ber 2015 ereignet, anfangs Oktober zwischen dem 1. und dem 10. Oktober 2015 
(pag. 89 Z. 180 ff.). Nachdem sie aus den Ferien zurückgekehrt sei, habe ihr die 
Privatklägerin vom Vorfall erzählt (pag. 88 Z. 97). Dies sei Ende Oktober 2015 ge-
wesen (pag. 89 Z. 171). Aus den Ferien sei sie glaublich an einem Freitag zurück-
gekehrt; am Montag habe sie wieder in die Schule gemusst (pag. 89 Z. 183 ff.). Die 
Eltern der Privatklägerin seien glaublich einige Tage vor ihr und ihrer Familie 
zurückgekehrt (pag. 90 Z. 239 ff.). Ihre Mutter habe mit dem Vater der Privatkläge-
rin über den Vorfall gesprochen. Sie glaube, dass dieser dann mit dem Beschuldig-
ten gesprochen habe. Der Beschuldigte sei danach nicht mehr bei der Familie der 
Privatklägerin gewesen (pag. 88 f. Z. 136 ff.; pag. 90 f. Z. 244 ff.). An das Ganze 
könne sie sich so gut erinnern, weil sie im 2015 mit ihrer Mutter und ihrem Bruder 
in den Ferien gewesen sei. Im August 2016 sei sie ebenfalls in den Ferien gewe-
sen, jedoch mit ihrem Vater und ihrem Bruder. Da ihre Mutter im August 2016 zu 
Hause gewesen sei und die Privatklägerin diesfalls sicher zu ihrer Mutter gegangen 
wäre, könne sich der Vorfall nicht im August 2016 ereignet haben (pag. 91 Z. 252 
ff.). 

J.________ führte an der delegierten Einvernahme vom 12. Februar 2020 (pag. 93 
ff.) aus, der Vorfall habe sich ereignet, als die Eltern der Privatklägerin in Sri Lanka 
gewesen seien. Der Bruder der Privatklägerin sei vermutlich bei der Arbeit gewe-
sen (pag. 96 Z. 122 ff.). Die Mutter der Privatklägerin habe sich wegen eines Not-
falls drei bis fünf Tage in Sri Lanka aufgehalten (pag. 97 Z. 150). Erfahren habe er 
vom Vorfall, nachdem er mit der Familie der Privatklägerin und dem Beschuldigten 
in Rapperswil gewesen sei. Am nächsten Tag sei der Beschuldigte weggeschickt 
worden (pag. 98 Z. 194 ff.; vgl. auch pag. 96 Z. 105 ff.). 

Als objektive Beweismittel zum angeblichen Tatzeitpunkt liegen folgende Akten 
vor: 

Zu den Einreise- und den Aufenthaltsdaten des Beschuldigten in den Jahren 2015 
und 2016 lässt sich den durch die Polizei beim Migrationsdienst des Kantons Bern 
erhobenen Daten Folgendes entnehmen (Nachtrag: pag. 14 «Abklärungen beim 
Migrationsdienst des Kantons Bern»; pag. 16 «Stammblatt Nothilfe» sowie Unterla-
gen Migrationsdienst: pag. 17 ff.):

- 21. September 2015 – 7. Oktober 2015: Einreise in die Schweiz und Aufenthalt 
in der Empfangsstelle Basel; 

- 7. Oktober 2015 – 14. Januar 2016: Kollektivunterkunft I.________; 
- 14. Januar 2016 – 21. Juli 2016: Asylunterkunft N.________; 
- 21. Juli 2016 – 31. August 2017: Asylunterkunft G.________; 

Aus dem Nachtrag der Kantonspolizei Bern vom 10. Dezember 2020 (pag. 28 ff.) 
geht hervor, dass die telefonischen Abklärungen der Polizei bei der Gemeindever-

14

waltung I.________ ergeben hätten, dass die Asylunterkunft in I.________ durch 
die Heilsarmee betreut und per Ende 2015 aufgelöst worden sei. O.________ von 
der Heilsarmee habe bestätigt, dass der Beschuldigte vom 7. Oktober 2015 bis 
31. Dezember 2015 in der Asylunterkunft I.________ gemeldet gewesen sei und 
danach nach N.________ verlegt worden sei. Seine Anwesenheit in der Asylunter-
kunft in I.________ habe der Beschuldigte regelmässig melden müssen. Wie oft 
könne sie nicht sagen, er habe jedoch mindestens einmal wöchentlich, wenn er 
Geld erhalten habe, handschriftlich seine Anwesenheit bestätigen müssen 
(pag. 29). 

Die Verteidigung reichte die im Oktober 2015 geltende Asylsozialhilfeweisung des 
Kantons Bern ein (pag. 274 ff.) und wies darauf hin, dass in Ziffer 3.4.3. dieser 
Weisung (pag. 296) eine tägliche Präsenzkontrolle festgelegt worden sei. Das Mi-
grationsamt habe auf telefonische Rückfrage hin bestätigt, dass diese Weisungen 
auch für die von der Heilsarmee betriebene Kollektivunterkunft I.________ gegol-
ten hätten (pag. 274). 

Die von der Rechtsvertreterin der Privatklägerin eingereichten Unterlagen zu den 
Schulferien 2015 in der Gemeinde E.________ sowie die Passkopien von deren El-
tern (pag. 253 ff.) zeigen auf, dass die Herbstferien 2015 von 19. September bis 
zum 11. Oktober 2015 dauerten (pag. 254). Den Passeinträgen des Vaters der Pri-
vatklägerin lässt sich entnehmen, dass dieser am 3. September 2015 in Sri Lanka 
eingereist ist, sich am 2. Oktober in Doha befand und am 27. Oktober 2015 aus Sri 
Lanka ausgereist ist (pag. 256). Die Mutter der Privatklägerin reiste gemäss ihren 
Passeinträgen am 9. Oktober 2015 in Sri Lanka ein und verliess Sri Lanka am 
13. Oktober 2015 wieder (pag. 258). Zudem befand sie sich offenbar am 14. Okto-
ber 2015 in Venedig (pag. 259). 

Die Abklärungen der Polizei ergaben weiter, dass F.________ die obligatorische 
Schule in G.________ im Sommer 2016 ordentlich verlassen hat. Sie hatte eine 
halbtägige Absenz (unklar, ob Vor- oder Nachmittag) am 12. Oktober 2015, somit 
am ersten Schultag nach den Herbstferien. Die Privatklägerin hatte weder im 
Herbst 2015 noch im 2016 einen Absenzeneintrag (pag. 30-32).

Die subjektiven und objektiven Beweismittel ergeben für die Kammer folgendes 
Fazit: 

Anhand der über den Beschuldigten ermittelten Einreisedaten lässt sich eruieren, 
dass sich der Vorfall nicht vor dem 21. September 2015 ereignet haben kann, da 
der Beschuldigte dann erstmals in die Schweiz einreiste. Da sich der Beschuldigte 
nach seiner Einreise zuerst in der Empfangsstelle in Basel aufhielt und erst am 
7. Oktober 2015 in die Asylunterkunft in I.________ eingeteilt wurde, ist der 
frühestmögliche Tatzeitpunkt mit den Aussagen des Beschuldigten auf den 7. Ok-
tober 2015 festzulegen. Dies, auch wenn der Vater der Privatklägerin angab, der 
Beschuldigte habe sie bereits besucht, als er sich noch in der Empfangsstelle in 
Basel aufgehalten habe (pag. 63 Z. 314 ff.). Die ersten Aussagen des Beschuldig-
ten bei der Polizei deuten darauf hin, dass er sich bereits kurz nach seiner Verle-
gung nach I.________ oft bei der Familie der Privatklägerin aufhielt, dort auch 
übernachtete und nur jeden zweiten Tag in I.________ seine Anwesenheit mit sei-

15

ner Unterschrift bestätigen musste (pag. 106 Z. 163 ff.). Die Anwesenheit bzw. die 
Möglichkeit, ausserhalb der Asylunterkunft zu übernachten, relativierte der Be-
schuldigte zwar an der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme (er habe sich 
zunächst eine Woche in I.________ aufhalten müssen und erst danach, ab ca. Mit-
te Oktober 2015, die Eltern der Privatklägerin getroffen [pag. 116 Z. 137 ff.]) und 
anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung noch weitergehend (er sei zu-
erst drei bis vier Wochen am Stück in I.________ gewesen und erst danach habe 
er jeweils am Freitag und Samstag fehlen dürfen, mehr nicht [pag. 428 Z. 348 ff.]). 
Der Beschuldigte bestritt an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung jedoch nicht, 
ab Oktober 2015 bei der Familie der Privatklägerin übernachtet zu haben (vgl. 
pag. 428 Z. 357 ff.). Gestützt auf die ersten Aussagen des Beschuldigten sowie 
seine wiederholte Bestätigung, dass er alle zwei Tage seine Anwesenheit in der 
Asylunterkunft habe bestätigen müssen (pag. 106 Z. 163 ff.; pag. 117 Z. 155 ff.; 
pag. 428 Z. 353) ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte bereits kurz nach 
seiner Ankunft in der Asylunterkunft in I.________ bei der Familie der Privatkläge-
rin übernachtet hat. Da von der Privatklägerin und den anderen befragten Perso-
nen unterschiedliche Aussagen zum Zeitpunkt vorliegen, ab wann der Beschuldigte 
in der Wohnung der Familie der Privatklägerin übernachtet hat, ist diesbezüglich 
auf die ersten Aussagen des Beschuldigten abzustellen. Der von der Verteidigung 
eingereichten Asylsozialhilfeweisung des Kantons Bern (pag. 296) ist zwar zu ent-
nehmen, dass theoretisch eine tägliche Präsenzpflicht in den Asylunterkünften vor-
geschrieben war. Da aber weder O.________ von der Heilsarmee (pag. 29) noch 
der Beschuldigte selber von einer täglichen Präsenzpflicht sprachen, ist auf die 
Aussagen des Beschuldigten abzustellen, wonach dieser höchstens jeden zweiten 
Tag in der Asylunterkunft I.________ seine Anwesenheit bestätigen musste. Die 
Kammer geht somit davon aus, dass der Beschuldigte bereits kurz nach dem 
7. Oktober 2015 bei der Familie der Privatklägerin übernachtete und dort regel-
mässig Zeit verbrachte. 

Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen aller befragten Personen kam es zu 
einem Kontaktabbruch zwischen dem Beschuldigten und der Familie der Privatklä-
gerin (vgl. Ziff. II. 9.3 ff. nachfolgend). Dieser ereignete sich gemäss den Aussagen 
des Beschuldigten in der Zeit vom 13. bis 16. Januar 2016 (pag. 108 Z. 259 f., 
Z. 277; vgl. auch pag. 107 Z. 223 f.). Der Beschuldigte brachte den Kontaktabbruch 
zeitlich mit der Schliessung der Asylunterkunft I.________ und seinem Umzug in 
die Asylunterkunft in N.________ in Verbindung (pag. 107 Z. 225 ff.; pag. 108 
Z. 259 ff., Z. 276 f.). Der vom Beschuldigten genannte Zeitpunkt stimmt mit dem 
objektiv eruierten Zeitpunkt des Umzuges von I.________ nach N.________ übe-
rein (pag. 16). Damit lässt sich der spätestmögliche Tatzeitpunkt auf den 14. Janu-
ar 2016 festlegen. 

Somit kann der von der Privatklägerin anlässlich der Anzeigeerstattung und der po-
lizeilichen Einvernahme genannte Tatzeitpunkt von August 2016 nicht stimmen. 
Möglich ist ein Tatzeitpunkt ab dem 7. Oktober 2015 bis zum 14. Januar 2016. Die 
zeitlichen Widersprüche in den Aussagen der Privatklägerin lassen sich indes mit 
dem langen Zeitablauf zwischen dem Vorfall und der Anzeigeerstattung erklären 
(vgl. hierzu Ziff. II. 9.3 nachfolgend).

16

F.________ nannte spontan Oktober 2015 als Tatzeitpunkt und verknüpfte dies mit 
ihren Ferien in Kanada. In ihren Aussagen finden sich hierzu jedoch auch gewisse 
Ungereimtheiten oder Unklarheiten. So kann ihre Aussage, wonach sich der Be-
schuldigte bereits vor ihrer Abreise nach Kanada in der Wohnung der Familie der 
Privatklägerin aufgehalten habe (pag. 87 Z. 74 ff.), nicht stimmen. F.________ gab 
an, sie sei für drei Wochen nach Kanada geflogen (pag. 87 Z. 75 f.). Die Herbst-
schulferien 2015 fingen am 19. September 2015 an und dauerten bis zum 11. Ok-
tober 2015 (pag. 254). Der Beschuldigte reiste aber erst am 21. September 2015 in 
die Schweiz ein und war erst ab 7. Oktober 2015 im Kanton Bern wohnhaft. Selbst 
wenn F.________ nicht bereits zu Ferienbeginn nach Kanada abgereist wäre und 
somit den Schulbeginn nach den Ferien verpasst hätte, ist nicht davon auszuge-
hen, dass sie praktisch erst zum Ferienende in die Ferien geflogen ist. Dagegen 
sprechen auch die bei der Schule eingeholten Unterlagen, wonach sie bis auf einen 
Halbtag am 12. Oktober 2015 keine Abwesenheitseinträge in der Schule hatte 
(pag. 32) sowie ihre Aussage, dass sie drei Wochen Ferien gehabt und am Montag 
wieder in die Schule gemusst habe (pag. 89 Z. 183 ff.). Zudem reiste die Mutter der 
Privatklägerin erst am 9. Oktober 2015 in Sri Lanka ein (vgl. pag. 258), was gegen 
die Aussage von F.________ spricht, wonach die Eltern der Privatklägerin bei ihrer 
Abreise nach Kanada bereits abgeflogen gewesen seien (pag. 87 Z. 81 ff.). 

Für die Angaben von F.________, wonach sich der Vorfall im Oktober 2015 ereig-
net habe, spricht hingegen ihre Spontankorrektur zu Beginn ihrer Einvernahme. Als 
ihr vorgehalten wurde, dass sie zu dem dem Beschuldigten gemachten Vorwurf der 
sexuellen Nötigung und sexuellen Handlungen mit Kind z.N. der Privatklägerin, be-
gangen am 15. August 2016, befragt werde, merkte sie sogleich an, dass sich die-
ser Vorfall im Jahr 2015 und nicht im Jahr 2016 ereignet habe. Sie wisse dies noch 
sehr genau, weil sie da in den Ferien gewesen sei (pag. 86 Z. 2 ff.). Zudem wies 
sie von sich aus darauf hin, dass sich der Vorfall im Oktober 2015 ereignet habe, 
als die Eltern der Privatklägerin beide in Sri Lanka gewesen seien (pag. 87 Z. 81). 
Diese Aussage wird durch die Passeinträge der Eltern der Privatklägerin gestützt 
(vgl. pag. 256; pag. 258). 

Die Mutter der Privatklägerin nannte von sich aus an der polizeilichen Einvernahme 
vom 4. November 2019 keinen Tatzeitpunkt, sondern wurde von der Polizei auf den 
15. August 2016 angesprochen (pag. 71 ff.). Dem Vater der Privatklägerin wurde 
ebenfalls der 15. August 2016 als der dem Beschuldigten vorgeworfenen Tatzeit-
punkt vorgehalten. Er legte in seiner polizeilichen Einvernahme den Tatzeitpunkt 
auf Ende Oktober, anfangs November 2015 fest (pag. 61 Z. 206 ff.). Diese polizeili-
che Einvernahme fand jedoch am 9. Dezember 2019 statt, also nach der am 8. No-
vember 2019 erfolgten Befragung von F.________, die den Tatzeitpunkt von Okto-
ber 2015 erstmals in Spiel gebracht hatte und nachdem der Beschuldigte in seiner 
polizeilichen Einvernahme vom 10. September 2019 auf den Kontaktabbruch im 
Januar 2016 hingewiesen hatte. 

Zusammenfassend ergibt sich somit, dass F.________ spontan Oktober 2015 als 
Tatzeitpunkt nannte und diesen mit ihren Ferien in Kanada verknüpfte. Ebenfalls 
einen Tatzeitpunkt von Ende Oktober, anfangs November 2015 nannte der Vater 
der Privatklägerin. Weiter zeigen die Passeinträge der Eltern der Privatklägerin, 

17

dass diese mindestens in der Zeit vom 9. Oktober 2015 bis zum 14. Oktober 2015 
beide landesabwesend waren, also zu einem Zeitpunkt, als sich der Beschuldigte 
bereits in der Schweiz befand. Unklar ist, ob der Vater der Privatklägerin bereits in 
Sri Lanka war, als der Beschuldigte die Familie der Privatklägerin erstmals auf-
suchte. So gab der Vater der Privatklägerin an, der Beschuldigte habe sich zwei bis 
drei Tage nach dessen Ankunft in der Schweiz bei ihm gemeldet (pag. 58 f. Z. 99 
ff.) und dieser habe seine Familie bereits besucht, als er noch in der Empfangsstel-
le in Basel gewohnt habe, glaublich eine Woche nach dem Eintritt in der Emp-
fangsstelle. Dies sei ab Ende September 2015 gewesen (pag. 63 Z. 314 ff.; pag. 59 
Z. 129 ff.). Das Geld für das Zugticket habe er dem Beschuldigten bezahlt (pag. 63 
Z. 318 f.). Der Beschuldigte hingegen gab an der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme an, er habe erstmals mit seiner Verlegung in den Kanton Bern, also am 
7. Oktober 2015, Kontakt mit der Familie der Privatklägerin aufgenommen 
(pag. 115 Z. 72 ff.). Während er an der polizeilichen Einvernahme noch ausgesagt 
hatte, er sei, nachdem er dem Kanton Bern zugewiesen worden sei, mit dem Zug 
nach E.________ gefahren und der Vater der Privatklägerin habe ihn dort abgeholt 
(pag. 106 Z. 153 ff.), gab er bei der Staatsanwaltschaft an, er sei von der Privatklä-
gerin und glaublich noch einem Jungen am Bahnhof E.________ abgeholt worden 
(pag. 116 Z. 109 ff., Z. 128 ff.). Den Vater der Privatklägerin habe er nicht getroffen 
(pag. 116 Z. 133 ff.). Auf Frage, wann er die Eltern der Privatklägerin erstmals ge-
troffen habe, gab der Beschuldigte ca. Mitte Oktober 2015 an (pag. 116 Z. 137 ff.). 
Nachdem ihm vorgehalten wurde, dass sich der Vater der Privatklägerin offenbar in 
der Zeit von ca. 3. September 2015 bis 27. Oktober 2015 und die Mutter der Privat-
klägerin offenbar in der Zeit von ca. 9. Oktober 2015 bis 13. Oktober 2015 in Sri 
Lanka aufgehalten hätten, erklärte der Beschuldigte, er habe dies in dem Moment 
nicht gewusst und erst ca. drei Monate später erfahren, dass der Vater der Privat-
klägerin nach Sri Lanka gegangen sei (pag. 117 Z. 148 ff.). 

Als Ergebnis lässt sich somit anhand der objektiven und subjektiven Beweismittel 
ein Tatzeitpunkt im August 2016 und nach dem 14. Januar 2016 ausschliessen. Ein 
Tatzeitpunkt ab dem 7. Oktober 2015 ist denkbar, wobei dieser eher nach dem 
9. Oktober 2015 (Einreise der Mutter der Privatklägerin in Sri Lanka) und sehr 
wahrscheinlich auf den 12. Oktober 2015 (Schulbeginn nach den Herbstferien) an-
zusiedeln wäre. Ein solcher Tatzeitpunkt wäre mit den Einreise- und Aufenthaltsda-
ten des Beschuldigten sowie dessen Anmeldepflichten in der Asylunterkunft 
I.________ vereinbar. Es mag sein, dass es nicht den Gepflogenheiten der tamili-
schen Kultur entspricht, dass sich der Beschuldigte während der Ferienabwesen-
heit der Eltern in der Wohnung der Familie der Privatklägerin aufhielt und auch dort 
übernachtete (vgl. pag. 631). Die Mutter der Privatklägerin reiste damals aber of-
fenbar notfallmässig bzw. spontan nach Sri Lanka (vgl. pag. 61 Z. 212 f.; pag. 97 
Z. 150). Sie hielt sich denn auch nur wenige Tage in Sri Lanka auf (vgl. pag. 258). 
Die Privatklägerin erklärte an der oberinstanzlichen Verhandlung, ihre Eltern hätten 
erst am Flughafen erfahren, dass sich der Beschuldigte in ihrer Wohnung aufhalte 
(pag. 616 Z. 43 f.; pag. 617 Z. 1 f.). Es sei nicht geplant gewesen, dass der Be-
schuldigte zu ihnen nach Hause komme (pag. 616 Z. 36 f.). Ferner ist auch zu 
berücksichtigen, dass der Bruder der Privatklägerin im Oktober 2015 bereits voll-
jährig war (vgl. pag. 65). Aus Sicht der Eltern dürfte der volljährige Sohn während 

18

ihrer Abwesenheit die Hauptverantwortung für die damals 11.5-jährige Privatkläge-
rin gehabt haben (vgl. pag. 470 Z. 52 f.; pag. 474 Z. 230 f.). Sie haben ihre Tochter 
somit nicht mit dem Beschuldigten alleine gelassen. 

Schliesslich lässt sich alleine anhand der vom Beschuldigten eingereichten Fotos 
zum Ausflug in Interlaken Ende November 2015 nichts dazu sagen, ob sich der 
Vorwurf ereignet hat oder nicht. Die Aussagen der Familie der Privatklägerin und 
von J.________ zur Frage, wann sie zeitlich von einem Vorfall erfahren haben wol-
len und wann es zu einem Kontaktabbruch mit dem Beschuldigten kam, sind unklar 
(vgl. Ziff. II. 9.5 ff. nachfolgend). 

Gestützt auf die bisher genannten objektiven und subjektiven Beweismittel lässt 
sich nicht zweifelsfrei eruieren, ob es im Oktober 2015 tatsächlich zu einem Vorfall 
zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin gekommen ist. Es sind daher 
in einem weiteren Schritt die Aussagen zu analysieren. 

9.3 Aussagen der Privatklägerin

Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin zutreffend zusammengefasst, 
weshalb darauf verwiesen werden kann (pag. 529 ff., S. 8 ff. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). 

Die Vorinstanz würdigte die Aussagen der Privatklägerin wie folgt (pag. 534 ff., 
S. 13 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Zusammenfassend behauptet die Privatklägerin demnach, der Beschuldigte habe sie am Montag 
nach den Herbstferien 2015 im Wohnzimmer der Wohnung ihrer Eltern gepackt, auf die Matratze am 
Boden gezogen, an den Händen festgehalten sowie in der Folge unter ihr Oberteil und ihren BH ge-
griffen, ihre Brust gedrückt und versucht, diese aus ihrem BH zu holen. Nachdem sie dem Beschuldig-
ten mit dem Knie einen Stoss zwischen die Beine versetzt habe, habe sie versucht aufzustehen. Der 
Beschuldigte habe sie erneut gepackt, auf die Matratze zurückgezogen und festgehalten. Er habe 
noch einmal unter ihr Oberteil und ihren BH an ihre Brust gegriffen und diese zusammengedrückt. 
Schliesslich habe sie sich befreien und die Wohnung verlassen können. 

Die Privatklägerin machte aus der Sicht des Gerichts, auch mit Blick auf die objektiven Beweismittel, 
grundsätzliche stimmige Aussagen. Abgesehen davon, dass der Vorfall von der Verteidigung 
grundsätzlich bestritten wird, betrifft der geltend gemachte Hauptwiderspruch den Tatzeitpunkt. Als 
sich die Privatklägerin drei Jahre nach dem Vorfall entschieden hatte, diesen bei der Polizei anzuzei-
gen, legte sie den Tatzeitpunkt zunächst auf «nach» den Sommerferien 2016 fest. Es liegt auf der 
Hand, dass die Verteidigung hier ansetzt und damit die grundsätzliche Glaubhaftigkeit der Aussagen 
der Privatklägerin in Frage stellt. Demgegenüber macht es für das Gericht durchaus Sinn, dass die 
Privatklägerin dem eigentlichen Vorfall mehr Bedeutung schenkte als dem konkreten Zeitpunkt. Als 
die Polizei nachhakte und die objektivierbaren Daten bekannt waren, legte sie den Sachverhalt 
schliesslich auf den Wiederbeginn der Schule nach den Herbstferien 2015. Dieser Wechsel in den 
Aussagen bzgl. des Zeitpunkt des Vorfalls erscheint nachvollziehbar. Das polizeiliche Nachhacken 
zeigte ihr auf, wo noch Fragen offen waren. Der erwähnte Wechsel des Zeitpunktes erfolgte nach 
dem Offenlegen des Vorfalls, nach den Gesprächen in der Familie, aber jedenfalls vor Kenntnisnah-
me der später von den Anwältinnen eingereichten Unterlagen. Ihre korrigierten Aussagen konnten 
vielmehr im Nachhinein durch die Unterlagen objektiviert werden (Ferienabwesenheit der Eltern im 
Herbst 2015, Aufenthalt in Interlaken im November 2015, Kontaktabbruch im Januar 2016).

19

Gewisse Widersprüche in den Aussagen der Privatklägerin finden sich zur Frage, wohin sie sich un-
mittelbar nach dem Vorfall begeben hatte und wie lange sie dort verblieben war. Auch hier wird deut-
lich, dass sich der eigentliche Vorfall in der Erinnerung der Privatklägerin eingebrannt haben musste 
und dass für sie die Frage, wann der Vorfall stattgefunden hatte bzw. wohin sie sich in der Folge be-
gab, nur untergeordnete Bedeutung hatte. Insgesamt wird nach Auffassung des Gerichts deshalb die 
Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin zum eigentlichen Kerngeschehen durch den anfäng-
lich falschen Tatzeitpunkt und die geringen Widersprüche zu ihren Handlungen nach dem Vorfall im 
Zusammenhang mit dem Verlassen der Wohnung nicht grundsätzlich erschüttert.

Den eigentlichen Vorfall schilderte die Privatklägerin in den verschiedenen Befragungen konstant, 
stimmig und detailreich. Zum Vorfall finden sich weder in den Aussagen der Privatklägerin selber noch 
in den Aussagen der Personen, denen sie davon erzählt hatte, erwähnenswerte Widersprüche. Die 
Aussagen zum Kerngeschehen enthalten Details, welche die Privatklägerin auch unter Berücksichti-
gung ihres damaligen Alters so nicht erfinden konnte, oder anders ausgedrückt selber erlebt hat. Nur 
am Rande sei hier in diesem Zusammenhang erwähnt, dass zwischen der ersten polizeilichen Befra-
gung und der Befragung in der Hauptverhandlung erneut fast zwei Jahre verstrichen sind. 

Die Privatklägerin schilderte eindrücklich, sie sei damals erst 11 Jahre alt gewesen, sexuelle Belästi-
gung habe sie nicht gekannt, sie habe keine Gedanken oder Gefühle in dieser Art gehabt, nicht ge-
wusst, was der Beschuldigte mit seinem Handeln habe erreichen wollen. Die fehlende Erfahrung und 
Ungewissheit, was der Beschuldigte mit seinen Handlungen bezweckte, lösten bei der Privatklägerin 
offensichtlich grosse Ängste mithin Todesängste aus. Die Schilderungen zeigen ihre damalige, alters-
bedingte Machtlosigkeit. Es ist nicht zu erwarten, dass ein Mädchen in diesem Alter derartige Gedan-
kengänge einfach so erfinden kann, es sei denn, es hätte so etwas persönlich erlebt. Diese Gefühle 
und Gedanken waren offensichtlich so intensiv, dass die Privatklägerin diese auch Jahre später noch 
abrufen konnte, als sie sich entschloss, den Vorfall bei der Polizei anzuzeigen. Für die Glaubhaftigkeit 
der Aussagen der Privatklägerin spricht aber auch, dass sich in ihren Aussagen keine Aggravierungen 
finden. So machte sie z.B. nicht geltend, der Beschuldigte habe sie geküsst oder versucht, dies zu 
tun. Auch weitergehende sexuelle Handlungen und ebenso Drohungen brachte sie nicht vor. Vielmehr 
lassen derartige klare Aussagen den Schluss zu, dass diese auf der Grundlage von Erlebtem und der 
Erinnerung daran basieren. Angesichts des jugendlichen Alters (11 Jahre im Tatzeitpunkt) ist zudem 
nicht zu erwarten, dass eine derartige Geschichte Jahre später in verschiedenen Befragungen jeweils 
praktisch gleichbleibend erzählt werden könnte. Schliesslich hielt die Privatklägerin auch in der 
Hauptverhandlung, in Anwesenheit des Beschuldigten, konsequent, ruhig und sachlich an ihren Aus-
sagen fest. Insgesamt finden sich denn auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Privatklägerin den 
Beschuldigten grundlos hätte belasten wollen.

In der Quintessenz lässt sich zusammenfassend festhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin 
keine nicht erklärbaren Widersprüche, keine Hinweise auf bewusstes Lügen und auch keine Aggravie-
rungen aufweisen. Die Aussagen der Privatklägerin zum Sachverhalt erscheinen dem Gericht logisch, 
nachvollziehbar und in hohem Masse glaubhaft. Auf die Aussagen der Privatklägerin kann deshalb für 
die Feststellung des Sachverhalts ohne Weiteres abgestellt werden.

Diese Ausführungen der Vorinstanz sind zutreffend, weshalb darauf verwiesen 
wird. Ergänzend und zum Teil präzisierend ist Folgendes auszuführen:

Die ersten Aussagen der Privatklägerin erfolgten im August 2019, also fast vier 
Jahre nach dem geltend gemachten Vorfall. Dennoch machte sie detaillierte Aus-
sagen zum Kernsachverhalt und dies gleichbleibend über alle Einvernahmen hin-

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weg. Sie konnte beschreiben, wie es dazu gekommen ist, dass sie ins Wohnzim-
mer ging, wo der Beschuldigte auf einer Matratze schlief, wie sie zu Fall kam, wel-
che Handlungen der Beschuldigten ausführte, wie sich wehrte und wie sie sich be-
freien konnte. Es handelt sich nicht um schematische, pauschale Aussagen, die 
auswendig eingeübt werden können. Vielmehr sind die von der Privatklägerin ge-
schilderten Handlungen sehr detailliert, nachvollziehbar und logisch. Sie beschrieb 
auch, wie sie sich zu wehren versuchte, indem sie dem Beschuldigten mit ihrem 
Knie zwischen die Beine trat und später in die Hand kniff (pol. EV: pag. 34 Z. 57 f., 
Z. 60; pag. 35 Z. 109; EV StA: pag. 43 Z. 122 f., Z. 126 f.; pag. 44 Z. 156 f., Z. 162; 
EV Vi: pag. 421 Z. 78 f., Z. 80; EV OG pag. 616 Z. 7, Z. 10). Rechtsanwältin 
Dr. D.________ wies zu Recht darauf hin, dass die Privatklägerin in ihren Aussa-
gen auch Komplikationen im Handlungsablauf erwähnte (pag. 633). So schilderte 
die Privatklägerin, sie habe versucht zu schreien, was ihr aber nicht sehr laut ge-
lungen sei (pol. EV: pag. 35 Z. 93). Sie sei recht klein gewesen, habe nicht viel 
Kraft gehabt und habe nicht viel machen können (EV StA: pag. 45 Z. 200; EV OG: 
pag. 616 Z. 6 f.). Sie habe nicht fliehen können, weil sie zu langsam gewesen sei 
(EV Vi: pag. 421 Z. 78). 

In ihren Schilderungen finden sich auch ihre Gedankengänge und Gefühle während 
des Vorfalls. Sie sei ängstlich gewesen und habe ein Blackout gehabt. Sie habe 
nicht gewusst, was machen und was da gerade ablaufe. Sie habe Angst gehabt, 
weil niemand zu Hause gewesen sei (pol. EV: pag. 36 f. Z. 164 ff.). Sie sei ge-
schockt gewesen und habe wie ein Blackout gehabt. Sie hätte nie gedacht, dass so 
etwas passiere, da sie noch jung gewesen sei und noch keine Gedanken, keine 
Gefühle in dieser Art gehabt habe (EV StA: pag. 45 Z. 194 ff.). Sie habe sehr gros-
se Angst gehabt und habe nicht gewusst, ob schreien oder weinen. Sie habe Angst 
gehabt, weil sie zuerst gedacht habe, der Beschuldigte wolle sie töten. Sexuelle 
Belästigung habe sie damals nicht gekannt. Sie habe noch keine grosse Erfahrung 
gehabt (EV StA: pag. 47 Z. 253 ff.). 

Die Privatklägerin spricht von Schmerzen, die sie empfunden hat, als der Beschul-
digte ihre rechte Brust zusammengedrückt habe. Die Schmerzen habe sie ca. drei 
Tage gehabt, gesehen habe man aber nichts (pol. EV: pag. 36 Z. 130 ff.; pag. 37 
Z. 188 ff.; EV StA: pag. 45 Z. 173 f.). Die Griffe des Beschuldigten, als er sie ge-
packt habe, seien sehr stark gewesen; sie habe Schmerzen gehabt, als er sie ge-
packt habe (EV StA: pag. 46 Z. 213 ff.). 

Die Privatklägerin kann auch beschreiben, wie sie sich nach dem Vorfall gefühlt 
und verhalten hat. Sie sei häufig in ihrem Zimmer gewesen, da sie den Beschuldig-
ten nicht mehr habe sehen wollen. Sie habe Angst vor ihm gehabt, weshalb sie 
versucht habe, ihn nicht mehr zu sehen. Dies sei so lange gegangen, bis ihre El-
tern oder F.________ aus den Ferien zurückgekommen seien (EV StA: pag. 53 
Z. 491 ff.). Ein verändertes Verhalten der Privatklägerin wurde auch von 
F.________, dem Bruder und der Mutter der Privatklägerin geschildert (vgl. Ziff. II. 
9.5 ff. nachfolgend). 

Die Privatklägerin kann Nebensächlichkeiten schildern wie beispielsweise, welche 
Kleidung sie und der Beschuldigte damals getragen haben (pol. EV: pag. 37 Z. 174 

21

ff.; EV StA: pag. 44 Z. 139 ff.). Sie verbindet den Vorfall zudem mit ihrem damali-
gen Lieblingspullover (EV StA: pag. 47 Z. 275 ff.). 

Die Privatklägerin kann beschreiben, was dieser Vorfall mit ihr bewirkt hat. Sie has-
se den Beschuldigten und wolle ihn nicht mehr in ihrer Gegenwart sehen und nichts 
mehr mit ihm zu tun haben (EV StA: pag. 52 Z. 441 ff.). Sie sei jetzt gegenüber Bu-
ben/Jungen zurückhaltender und sobald sie merke, dass jemand etwas versuche 
oder ihr zu nahe komme, gehe sie weg (EV StA: pag. 52 Z. 448 ff.). Es sei ihr un-
angenehm, mit Jungs zusammen zu sein. Sie fühle sich unwohl und habe Angst, 
wenn ein Junge in ihre Nähe komme (EV Vi: pag. 420 Z. 30 ff.). Wenn sie an den 
Vorfall denke, kämen die Erinnerungen hoch. Aber sie fühle sich stärker und nicht 
mehr so verletzlich. Traurig sei sie auch nicht mehr (EV StA: pag. 53 Z. 473 ff.). Sie 
erzähle eigentlich niemandem vom Vorfall, weil sie sich schäme. Sie fühle sich sehr 
unwohl, wenn sie darüber reden müsse (EV OG: pag. 620 Z. 10 f.). 

Die Privatklägerin macht den Beschuldigten in ihren Aussagen nicht schlecht. Auf 
Frage, wie sie ihr Verhältnis zum Beschuldigten beschreiben würde, meinte die Pri-
vatklägerin, sie habe es gut mit ihm gehabt (pol. EV: pag. 35 Z. 78 f.; EV StA: 
pag. 52 Z. 437 f.). Sie habe in Sri Lanka viel mit ihm unternommen und habe sich 
zunächst gefreut, als der Beschuldigte zu ihnen gekommen sei (pol. EV: pag. 35 
Z. 79 f.). Vor dem Vorfall sei der Beschuldigte für sie eher wie ein Vater oder wie 
ein Onkel gewesen (pol. EV: pag. 37 Z. 196; EV StA: pag. 42 Z. 60, Z. 66; pag. 52 
Z. 439). Als sie von ihrem Bruder erfahren habe, dass der Beschuldigte bei ihnen 
zu Hause sei, habe sie sich gefreut und es positiv gesehen, dass jemand da sei 
und sie nicht ganz alleine zu Hause sei (EV Vi: pag. 424 Z. 184 ff.). Sie sei glück-
lich gewesen, dass er da sei, weil ihre Eltern nicht da gewesen seien und sie ihn 
fast als Elternteil angesehen habe (EV OG: pag. 616 Z. 38 f.).

Weiter sind in den Aussagen der Privatklägerin keine Aggravationstendenzen er-
sichtlich. So verneinte sie, dass der Beschuldigte sie geküsst habe oder dass er ih-
ren BH ausgezogen habe (pol. EV: pag. 35 Z. 100 ff.; EV StA: pag. 45 Z. 185 f.). 
Sie habe an ihm keine sexuellen Handlungen vornehmen müssen (pol. EV: pag. 35 
Z. 111 ff.) und sie hätte auch nicht gesehen, dass der Beschuldigte an sich selber 
sexuelle Handlungen vorgenommen habe (pol. EV: pag. 35 f. Z. 115 ff.). Andern-
orts oder andere intime Stellen habe der Beschuldigte nicht angefasst (pol. EV: 
pag. 36 Z. 134 f.; EV StA: pag. 45 Z. 182 f.). Wie der Zustand des Penis des Be-
schuldigten gewesen sei, wisse sie nicht, da der Beschuldigte diesen nicht hervor-
geholt habe (pol. EV: pag. 37 Z. 179 f.). Gedroht habe er ihr nicht (pol. EV: pag. 36 
Z. 118 f.). Geschlagen habe er sie auch nicht (EV StA: pag. 46 Z. 213 ff.). Die Pri-
vatklägerin hätte mehrmals Gelegenheit gehabt, den Vorfall schlimmer darzustellen 
und die Handlungen des Beschuldigten schwerwiegender erscheinen zu lassen, als 
sie dies gemacht hat. Der Umstand, dass die Privatklägerin den Beschuldigten 
nicht unnötig belastete und klar differenzierte, deutet darauf hin, dass sie die 
Wahrheit sagte. Hätte sie den Vorfall erfunden, wäre es ein Einfaches gewesen, 
die Erzählungen aufzubauschen.

Die Privatklägerin kann auch nachvollziehbar erklären, weshalb sie nach dem Vor-
fall keine Anzeige eingereicht hat. So gab sie an, sie habe sich nicht an die Polizei 
gewandt, weil sie Angst gehabt habe. Sie habe nicht gewusst, mit wem reden und 

22

sie habe auch Angst gehabt, in ihrer Kultur als unanständig zu gelten (pol. EV: 
pag. 36 Z. 154 ff.). Sie sei damals jung gewesen und habe nicht viel darüber ge-
wusst, dass man eine Anzeige machen könne. Zudem habe es einen kulturellen 
Hintergrund. Ihre Mutter habe gemeint, es sei gefährlich, es könne ihren Ruf kaputt 
machen, da dies einer Frau nicht passieren dürfe. Die Aussenwelt dürfe davon 
nichts erfahren (EV StA: pag. 54 Z. 538 ff.). Dass der Ruf in der tamilischen Kultur 
wichtig ist, geht auch aus den Aussagen der Privatklägerin anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung hervor. So gab sie an, sie habe keinen Grund zu lü-
gen und würde sich sicher nicht so blossstellen. Sie wolle nicht falsche Gerüchte 
über sich selber verbreiten und auch nicht an die Öffentlichkeit bringen, was ihr 
Schlechtes passiert sei. Ihren Eltern sei es auch wichtig, dass ihr Ruf nicht beschä-
digt werde, da es nicht schön sei, wenn eine Frau schon vorher von einem Jungen 
«begrabscht» werde. Wenn das herauskomme, sei das für sie und ihre Zukunft 
schlecht und könnte Probleme geben (EV Vi: pag. 422 Z. 133 f.; pag. 423 Z. 147 
ff.). Der kulturelle Hintergrund wurde auch von den Eltern und dem Bruder der Pri-
vatklägerin sowie durch J.________ bestätigt (vgl. Ziff. II. 9.5 ff. nachfolgend).

Auch den Grund, warum sie 2019 schliesslich eine Anzeige eingereicht hat, nennt 
die Privatklägerin nachvollziehbar und konstant. So schilderte sie, sie habe den 
Beschuldigten vor dem Migros in Bern am Bahnhof gesehen. Er habe sein Mobilte-
lefon in der Hand gehabt und auf sie gezeigt. Sie habe das Gefühl gehabt, er foto-
grafiere sie (pol. EV: pag. 37 Z. 204 ff.; EV OG: pag. 615 Z. 32 ff.). Folgt man den 
Aussagen der Privatklägerin, so hat sie es zwar als unangenehm empfunden, dass 
der Beschuldigte sie und ihren Kollegen ungefragt fotografiert hat (EV Vi: pag. 424 
Z. 226 ff.; pag. 425 Z. 232 ff.). Jedoch hätte sie wohl diesen Vorfall auf sich beru-
hen lassen. Die Privatklägerin gab an, sie habe kein grosses Drama aus dem Vor-
fall bei der Migros machen wollen, ihr Vater habe sie aber auf diesen Vorfall ange-
sprochen (EV StA: pag. 42 f. Z. 81 ff.; vgl. auch EV OG: pag. 615 Z. 34 ff.). Ihre El-
tern hätten gesagt, es könne so nicht weitergehen und sie könne nicht das ganze 
Leben lang vom Beschuldigten verfolgt werden. Ihre Eltern hätten auch gesagt, 
dass sie ihr Leben nicht schützen könnten, wenn sie auf den Ruf schauten. Des-
halb hätten sie sich für eine Anzeige entschieden (EV StA: pag. 54 Z. 543 ff.). Als 
ihr Vater vom Vorfall bei der Migros erfahren habe, habe er gesagt, das Belästigen 
müsse nun ein Ende nehmen. Der Beschuldigte müsse bestraft werden für das, 
was geschehen sei (EV Vi: pag. 422 Z. 96 ff.). Vom Verfahren erwarte sie, dass der 
Beschuldigte sich von ihr fernhalten müsse und sie nicht mehr befürchten müsse, 
dass er Fotos von ihr erstelle, wenn sie unterwegs sei (EV Vi: pag. 423 Z. 138 ff.). 
Der Vorfall bei der Migros 2019, der schliesslich zur Anzeige führte, findet sich in 
den Aussagen des Beschuldigten sowie der Eltern und des Bruders der Privatklä-
gerin wieder. Aus den Aussagen des Vaters der Privatklägerin geht zudem hervor, 
dass die Privatklägerin tatsächlich nicht von sich aus ihre Eltern auf den Vorfall bei 
der Migros angesprochen hat (vgl. Ziff. II. 9.6 nachfolgend). 

Schliesslich ist nicht ersichtlich, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten zu 
Unrecht belasten und sich einem für sie belastenden Strafverfahren aussetzen soll-
te. Auf die vom Beschuldigten vorgebrachten Motive wird nachfolgend noch einge-
gangen. 

23

Die Aussagen der Privatklägerin sind somit – was das Kerngeschehen betrifft – 
konstant und detailliert und ihre Aussagen werden durch die von F.________, von 
ihrem Bruder und ihrer Mutter bei ihr festgestellten Veränderungen gestützt. 

Die widersprüchlichen Aussagen der Privatklägerin zum Tatzeitpunkt (zuerst nach 
den Sommerferien 2016, vermutlich am 15. August 2016, als ihre Eltern am Arbei-
ten gewesen seien [pol. EV: pag. 34 Z. 45; pag. 37 Z. 182 ff.]; danach nach den 
Herbstferien 2015, als die Eltern in Sri Lanka in den Ferien gewesen seien [EV StA: 
pag. 43 Z. 110 f.; pag. 48 Z. 291, Z. 314 ff.; EV Vi: pag. 421 Z. 58 ff.]) lassen sich 
mit dem langen Zeitablauf zwischen dem Vorfall und der Anzeigeerstattung er-
klären. Die Privatklägerin war im Tatzeitpunkt 11.5 Jahr alt und im Zeitpunkt der 
Anzeigeerstattung 15.5 Jahre alt. In vier Jahren passiert sehr viel im Leben eines 
Kindes bzw. einer Jugendlichen. Es erstaunt daher nicht, dass sich die Privatkläge-
rin an der polizeilichen Einvernahme zwar an die Abfahrtszeit ihres Busses erin-
nern konnte (pag. 36 Z. 123), aber eine falsche Jahreszahl als Tatzeitpunkt nannte. 
An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme konnte die Privatklägerin den Tat-
zeitpunkt dann einmitten und erklärte, der Vorfall habe an einem Montag nach ihren 
Schulferien stattgefunden. Dass es ein Montag gewesen sei, wisse sie, weil sie 
damals ihren Lieblingspullover, den sie gerne am Montag angezogen habe, ange-
habt habe (pag. 47 Z. 269 ff.). Zudem ist nachvollziehbar, dass der Privatklägerin 
das Kerngeschehen noch sehr präsent ist. Dieses schilderte sie – wie bereits aus-
geführt – immer gleichbleibend. Sie gab auch gleichlautend an, ihre Eltern und ihr 
Bruder seien zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht zu Hause gewesen. Wie für die     
Vorinstanz macht es auch für die Kammer durchaus Sinn, dass die Privatklägerin 
dem eigentlichen Vorfall und der Tatsache, dass ihre Eltern und ihr Bruder zum 
Zeitpunkt des Vorfalls abwesend waren, mehr Bedeutung schenkte als dem kon-
kreten Zeitpunkt und wo sich ihre Eltern befanden. Kommt hinzu, dass F.________ 
– wie bereits dargelegt – von sich aus und bereits zu Beginn ihrer Einvernahme 
den vorgehaltenen Tatzeitpunkt korrigierte (vgl. Ziff. II. 9.2 vorne). 

Dass die Privatklägerin zu Protokoll gab, der Vorfall habe ca. 15 Minuten gedauert 
(pol. EV: pag. 36 Z. 121 f.), ist nicht allzu stark zu gewichten. Zwar scheint diese 
Zeitdauer tatschlich etwas lang zu sein. Allerdings sind Zeitangaben immer schwie-
rig. Zudem konnte die Privatklägerin an der polizeilichen Einvernahme nachvoll-
ziehbar begründen, weshalb sie von dieser Dauer ausging (vgl. pol. EV: pag. 36 
Z. 122 ff.). 

Soweit die Verteidigung vorbringt, die Privatklägerin habe zuerst von einer versuch-
ten Vergewaltigung gesprochen (vgl. pag. 619 Z. 32 ff.), ist darauf hinzuweisen, 
dass im Anzeigerapport vom 7. August 2019 betreffend Eingang der Meldung zwar 
vermerkt ist, die Privatklägerin habe geschildet, dass ein Bekannter versucht habe, 
sie zu vergewaltigen (pag. 3). In den protokollierten Einvernahmen sprach die Pri-
vatklägerin allerdings nie von einer versuchten Vergewaltigung. Als ihr an der 
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vorgehalten wurde, sie habe bei der Polizei 
offenbar gesagt, ein Bekannter hätte versucht, sie zu vergewaltigen, meinte die 
Privatklägerin, Vergewaltigung sei für sie etwas Anderes (EV StA: pag. 47 Z. 263 
ff.). 

24

Die Privatklägerin konnte zwar zeitlich nicht genau einordnen, wann sie Dritten vom 
Vorfall erzählt hatte (vgl. pol. EV: pag. 36 Z. 145 f.; EV StA: pag. 49 Z. 349 ff.). Sie 
sagte aber immer gleichbleibend aus, dass sie es zuerst F.________ erzählt habe, 
da diese wie eine Schwester für sie gewesen sei (pol. EV: pag. 36 Z. 145 ff.; EV 
StA: pag. 49 f. Z. 344 ff.; pag. 50 Z. 357 ff.; EV OG: pag. 617 Z. 25). Und sie wies 
auch immer konstant darauf hin, dass ihre Mutter festgestellt habe, dass sie sich 
dem Beschuldigten gegenüber anders verhalte und sie zur Rede gestellt habe 
(pol. EV: pag. 36 Z. 147 ff.; EV StA: pag. 49 Z. 345 ff.). Dies wird durch die Schilde-
rungen der Mutter der Privatklägerin und durch J.________ bestätigt. Weiter wies 
die Privatklägerin konstant darauf hin, dass ihre Mutter den Beschuldigten zur Re-
de gestellt bzw. «rausgeschmissen» habe und sie danach keinen Kontakt mehr 
zum Beschuldigten gehabt hätten (pol. EV: pag. 36 Z. 150 f.; EV StA: pag. 51 
Z. 423 ff.). Dass das Gespräch der Mutter mit dem Beschuldigten der Anlass für 
den Kontaktabbruch war, wird vom Beschuldigten, den Eltern der Privatklägerin, 
F.________ und J.________ deckungsgleich geschildert, auch wenn nicht alle den 
gleichen Inhalt des Gesprächs wiedergeben. 

Es ist zutreffend, dass die Privatklägerin widersprüchliche Aussagen zur Frage 
machte, wohin sie nach dem Vorfall gegangen sei. So gab sie zunächst an, sie sei 
zu ihrer Kollegin, P.________, die im gleichen Block gewohnt habe, und sei mit 
dieser zur Schule gegangen (pol. EV: pag. 34 Z. 61 ff.). An der staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme erklärte sie demgegenüber, sie sei zur Mutter der Kollegin 
(P.________) gegangen und habe gesagt, sie habe Kopfweh. Ihre Kollegin sei zu 
diesem Zeitpunkt schon weg gewesen. In der Schule habe sie sich telefonisch ab-
gemeldet. Am Nachmittag habe sie ebenfalls in der Schule gefehlt. Am nächsten 
Morgen sei sie dann wieder zur Schule gegangen (EV StA: pag. 53 Z. 482 ff.; 
pag. 54 Z. 510 ff.). In der Absenzenliste der Schule findet sich jedoch kein Absen-
zeneintrag für den Tag nach den Herbstferien 2015 (pag. 32). Diese Widersprüche 
lassen sich jedoch ebenfalls mit dem langen Zeitablauf erklären und sind für die 
Kammer nicht so gravierend, als dass sie die detaillierten und konstanten Schilde-
rungen der Privatklägerin zum Kerngeschehen nachhaltig zu erschüttern vermö-
gen. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin eine 
Vielzahl an verschiedensten Realkennzeichen aufweisen. Ein stereotypes Aussa-
geverhalten ist ebenso wenig erkennbar wie allfällige sonstige Lügensignale. Ihre 
Ausführungen sind schlüssig und fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zu-
sammen. Die Kammer erachtet deshalb die Aussagen der Privatklägerin – in Über-
einstimmung mit der Vorinstanz – als glaubhaft.

9.4 Aussagen des Beschuldigten 

Für die Zusammenfassung der Aussagen des Beschuldigten wird auf die Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 536 ff., S. 15 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). 

Die Vorinstanz würdigte die Aussagen des Beschuldigten wie folgt (pag. 540 ff., 
S. 19 ff.; der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

25

Zusammenfassend bestreitet der Beschuldigte somit die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Immerhin 
räumte er ein, es habe via Sri Lanka eine längere Freundschaft zur Privatklägerin und deren Familie 
bestanden. Weiter gab er zu, er habe nach seiner Einreise in die Schweiz ab Mitte/Ende Oktober 
2015 näheren Kontakt mit der Familie unterhalten und auch mehrere (vier bis fünf) Male in deren 
Wohnung in E.________ übernachtet. Der Beschuldigte behauptete jedoch, er habe erstmals nach 
der Rückkehr des Vaters der Privatklägerin aus den Ferien in Sri Lanka und damit ungefähr Ende Ok-
tober 2015 dort übernachtet. Die Verteidigung führte in ihrem Parteivortrag in der Hauptverhandlung 
aus, die Aussagen des Beschuldigten seien stimmig, logisch und konstant. Er habe das Rahmenge-
schehen lückenlos und konstant geschildert.

Dem Beschuldigten ist zugute zu halten, dass die Polizei ihm bei seiner ersten Einvernahme einen 
Vorfall von August 2016 und damit einen falschen Tatzeitpunkt vorgeworfen hatte. Dass er sich dage-
gen wehrte, ist nachvollziehbar, denn im August 2016 bestand zwischen dem Beschuldigten und der 
Familie der Privatklägerin längst kein Kontakt mehr. Richtig ist, dass der Beschuldigte den eigentli-
chen Vorfall in allen Einvernahmen bestritt; er beschränkte sich dabei aber nicht auf das blosse Be-
streiten, sondern wehrte sich mit relativ grosser Vehemenz, wobei dieses Wehren mehr das Randge-
schehen betraf. Der Argumentation der Verteidigung, der Beschuldigte habe das Rahmengeschehen 
lückenlos und konsistent geschildert, ist somit entgegen zu halten, dass sich der Beschuldigte vor al-
lem darauf beschränkte, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu bestreiten. Die von ihm gemachten 
Aussagen enthalten denn auch nicht zu übersehende Widersprüche. Zuerst behauptete er beispiels-
weise, aufgrund der zwingend nötigen Anwesenheit im Asylzentrum sei es ihm nicht möglich gewe-
sen, bei der Familie der Privatklägerin zu übernachten; diese Aussage korrigierte er dann dahinge-
hend, dass er doch ein paar wenige Male bei der Familie übernachtet habe. Später argumentierte er 
mit den Aufenthaltsdaten in I.________ und mit dem Umstand, dass er die Unterkunft anfänglich nicht 
verlassen durfte — es ist offensichtlich, dass die (offizielle) Einreise des Beschuldigten in die Schweiz 
und der Aufenthalt in I.________ zeitlich sehr nahe beieinanderliegen. Daraus wird dann geschlos-
sen, dass es nicht logisch wäre, den Beschuldigten derart rasch nach seinem Auftauchen mit der 
minderjährigen Tochter alleine zuhause zu lassen. Etwas später führte er den fehlenden Wohnungs-
schlüssel ins Feld, offenbar mit der Argumentation, dass man einem Unbekannten nicht so schnell ei-
nen Wohnungsschlüssel zur Verfügung stellen würde. Und schliesslich machte er geltend, die Familie 
habe ihn loswerden wollen, weil der Vater der Privatklägerin in seiner Anwesenheit zu viel getrunken 
habe. Und ganz am Schluss behauptete er mindestens sinngemäss die Privatklägerin werde benutzt, 
um ihn loszuwerden, weil die Eltern der Privatklägerin nichts mehr mit ihm hätten zu tun haben wollen 
(«Komplott»). Diese Aussagen überzeugen nicht. Der Beschuldigte und die Familie der Privatklägerin 
kannten sich unbestrittenermassen schon lange, sie halfen und vertrauten sich gegenseitig. Die Fotos 
des Ausflugs von November 2015 nach Interlaken sprechen klar für ein freundschaftliches, vertrau-
ensvolles Verhältnis. Eine derart dokumentierte, gute Beziehung würde kaum aus nichtigen Gründen, 
grundlos, einseitig von der Familie der Privatklägerin wenige Wochen nach seiner Einreise, nach einer 
Phase der Unterstützung mit dem Argument des zu vielen Trinkens aufgelöst: viel wahrscheinlicher ist 
deshalb, dass das Fehlverhalten des Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin nach dessen Be-
kanntwerden zum Abbruch der Beziehung führte. Die Komplott-Theorie des Beschuldigten, ein klassi-
scher Gegenangriff, das Schlechtmachen der Gegenseite, überzeugt aber auch deshalb nicht, weil 
kein vernünftiger Grund ersichtlich ist, den Vorfall eines sexuellen Übergriffs vier Jahre später, vier 
Jahre nach dem Abbruch der Beziehung zu konstruieren, um jemanden loszuwerden, mit dem man 
seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte.

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten nicht stimmig; sie sind in sich widersprüchlich, ent-
halten an sich unwichtige Details zum Nebengeschehen und dann einen unmotivierten Gegenangriff. 

26

Zudem widersprechen die Aussagen des Beschuldigten in entscheidender Weise den in hohem Mas-
se als glaubhaft erachteten Aussagen der Privatklägerin. Auf die Aussagen des Beschuldigten kann 
somit nach Auffassung des Gerichts für die Bestimmung des rechtserheblichen Sachverhalts nicht 
abgestellt werden.

Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten ausführlich und sorgfältig ge-
würdigt. Der Beschuldigte bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in sämtlichen 
Einvernahmen und gab wiederholt zu Protokoll, die Vorwürfe seien gelogen bzw. 
erstunken und erlogen (del. EV: pag. 107 Z. 223; pag. 109 Z. 319, Z. 336 f.; EV 
StA: pag. 118 Z. 217; EV Vi: pag. 430 Z. 426) und dies sollte wegen Irreführung der 
Justiz bestraft werden (del. EV: pag. 109 Z. 322 f.). Dass der Beschuldigte den Vor-
fall bestreitet, ist nachvollziehbar. Er strebt gemäss eigenen Aussagen den Erhalt 
einer Aufenthaltsbewilligung B an und eine Voraussetzung hierfür ist Vorstrafenlo-
sigkeit bzw. kein Eintrag im Strafregister (vgl. EV OG: pag. 622 Z. 27 ff.). Wie bei 
der Privatklägerin muss auch beim Beschuldigten berücksichtigt werden, dass die 
erste Befragung des Beschuldigten am 10. September 2019 und damit rund vier 
Jahre nach dem angeblichen Vorfall vom Oktober 2015 stattfand (del. EV: pag. 102 
ff.). Zwischen dem Vorfall und der letzten Einvernahme an der oberinstanzlichen 
Verhandlung vom 11. September 2023 liegen rund acht Jahre. Dass die Aussagen 
des Beschuldigten Unstimmigkeiten und Widersprüche aufweisen, erscheint mit 
Blick auf den langen Zeitablauf nachvollziehbar. Wie nachfolgend aufzuzeigen ist, 
gibt es allerdings verschiedene Aspekte, die seine Aussagen als weniger überzeu-
gend erscheinen lassen als diejenigen der Privatklägerin.

Auffallend sind zunächst die unterschiedlichen Aussagen des Beschuldigten, wie 
oft er bei der Familie der Privatklägerin war bzw. ob er ausserhalb der Asylunter-
kunft übernachten durfte (vgl. hierzu Ziff. II. 9.2 vorne). Ferner konnte der Beschul-
digte nicht plausibel erklären, wie es zum Kontaktabbruch mit der Familie der Pri-
vatklägerin gekommen ist. An der delegierten Einvernahme gab er an, die Mutter 
der Privatklägerin habe ihn angerufen und ihm gesagt, er solle mehr Umgang mit 
Schweizern haben und die hiesige Sprache lernen. Zudem trinke ihr Mann in seiner 
Gegenwart viel (del. EV: pag. 108 Z. 264 ff.). Anlässlich der staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme bestritt der Beschuldigte aber, dass man ihn des Hauses ver-
wiesen habe (EV StA: pag. 121 Z. 317 ff.). Angesprochen auf seine polizeilichen 
Aussagen gab er an, die Mutter der Privatklägerin habe dies nicht direkt so gesagt 
habe, sondern habe ihm gesagt, er solle mehr mit Schweizern verkehren und ihr 
Mann trinke in seiner Anwesenheit zu viel (EV StA: pag. 121 Z. 322 ff.). 

Der Beschuldigte bestritt den Vorfall nicht nur, sondern ging zum Gegenangriff 
über, indem er ausführte, die Privatklägerin werde von ihren Eltern instrumentali-
siert, damit diese ihn loswerden könnten (EV Vi: pag. 429 Z. 418 ff.). Eine solche 
Komplotttheorie macht – wie die Vorinstanz zutreffend ausführte – keinen Sinn, da 
die Familie der Privatklägerin gemäss den Aussagen des Beschuldigten bereits seit 
Januar 2016 keinen Kontakt mehr mit diesem hatte (del. EV: pag. 107 Z. 223 ff.; 
pag. 108 Z. 259 ff.). Weiter gab auch der Beschuldigte an, dass es vor der Anzeige 
zu einem Vorfall bei der Migros gekommen sei und er danach J.________ angeru-
fen habe (EV StA: pag. 119 Z. 225 ff., Z. 256 ff.), was gegen eine Komplotttheorie 
spricht. Die Begründung des Beschuldigten, weshalb er J.________ angerufen ha-

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be, überzeugt nicht. So gab er an, er habe ihm den Vorfall erklären und schildern 
wollen, weil er sehr gestresst gewesen sei und nichts getan habe. Zwar sei mit der 
Durchsuchung seines Mobiltelefons durch die Securitas alles erledigt gewesen. Es 
sei aber so, dass jeder jeden beschuldigen könne. Er habe J.________ gesagt, 
dass dieser den Vater der Privatklägerin informieren solle. Er sei davon ausgegan-
gen, dass die Privatklägerin ihn fälschlicherweise beschuldigen werde, dass er Fo-
tos gemacht habe (EV StA: pag. 120 Z. 261 ff., Z. 267 ff., Z. 279 ff.; pag. 123 
Z. 379 ff.). Auch seine Erklärung, weshalb er laut gesprochen habe (er habe den 
Zug nehmen wollen und es sei laut gewesen), wirkt wenig überzeugend (EV StA: 
pag. 120 Z. 270 ff., Z. 276 f.). Weiter griff der Beschuldigte J.________ an, indem 
er angab, er habe diesem den Vorfall nicht richtig erklären können, weil dieser an 
diesem Tag sehr betrunken gewesen sei (EV StA: pag. 120 Z. 272 f.). Erstaunlich 
ist zudem seine Aussage, dass ihn die Familie der Privatklägerin die ganze Zeit 
beschuldige (EV StA: pag. 121 Z. 314 f.). Die vom Beschuldigten geäusserte Kom-
plotttheorie passt auch nicht zu seinen ersten Aussagen, wonach die Mutter der 
Privatklägerin wie eine ältere Schwester für ihn gewesen sei und ihr Vater ein gu-
ter, sehr hilfsbereiter Mensch sei, den er als älteren Bruder betrachtet habe. Die 
Familie der Privatklägerin sei für ihn eine Ersatzfamilie gewesen (del. EV: pag. 107 
Z. 201, Z. 210 ff.). Zudem gab der Beschuldigte übereinstimmend mit der Privatklä-
gerin an, dass sie, als er noch in Sri Lanka gewohnt habe, ein gutes Verhältnis ge-
habt hätten und die Privatklägerin ihn Onkel genannt habe (del. EV: pag. 104 Z. 74 
ff.; pag. 105 Z. 106 ff.; EV Vi: pag. 430 Z. 426 f.). Sie hätten sich gegenseitig sehr 
lieb gehabt (EV StA: pag. 117 Z. 167). 

Der Beschuldigte machte geltend, die Familie der Privatklägerin habe den Vorfall 
erfunden bzw. Anzeige gegen ihn eingereicht, weil er die Privatklägerin mit einem 
Jungen zusammen vor der Migros gesehen und sie angeblich fotografiert habe (EV 
OG: pag. 625 Z. 37 ff.; pag. 626 Z. 27 ff.; vgl. auch EV Vi: pag. 429 Z. 415 ff.). Viel-
leicht hätten sie ihn zum Schweigen bringen wollen (EV Vi: pag. 429 Z. 417). Auf 
Nachfrage der Verteidigung, weshalb es für die Familie der Privatklägerin denn so 
schlimm wäre, wenn er die Privatklägerin mit einem Jungen zusammen fotografiert 
hätte, meinte der Beschuldigte, ihre Eltern hätten sicher geschimpft und sie hätten 
sie evtl. auch geschlagen. Auch ausserhalb der Familie hätte es Konsequenzen für 
die Familie gehabt. Die Sache wäre hässlich geworden (EV OG: pag. 628 Z. 14 ff.). 
Dieser Erklärungsversuch überzeugt nicht. Selbst wenn sich der Vorfall vor der Mi-
gros so zugetragen hat, wäre ein solcher Vorfall kaum ein Grund, dass die Familie 
der Privatklägerin gestützt darauf die geltend gemachten Vorwürfe gegen den Be-
schuldigten inszeniert hätte. 

Auf Frage des Gerichtspräsidenten, weshalb die Privatklägerin plötzlich so etwas 
erfinden und vor Gericht lügen sollte, griff der Beschuldigte die Mutter der Privat-
klägerin an und führte aus, diese sei bekannt dafür, dass sie in der Nachbarschaft 
wenig Kontakte pflege. Sie knüpfe Kontakte, doch später kritisiere sie diese Leute 
(EV Vi: pag. 429 Z. 410 ff.). Schliesslich warf er den Eltern der Privatklägerin vor, 
schuld an der Beendigung der Beziehung zu seiner Freundin in Sri Lanka zu sein. 
Sie hätten in seinem Heimatland über ihn hergezogen und über das laufende Straf-
verfahren berichtet. Dies habe auch die Familie seiner Freundin mitbekommen, 
weshalb es zur Trennung gekommen sei (EV Vi: pag. 430 Z. 438 ff.; EV OG: 

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pag. 628 Z. 29 ff.). Die Mutter der Privatklägerin sei eine schlimme Frau, die alles 
weitererzähle (EV OG: pag. 628 Z. 29). 

Erstaunlicherweise und im Gegensatz zu den Aussagen der Privatklägerin und de-
ren Eltern gab der Beschuldigte auf Frage, was man in Sri Lanka über ein junges 
Mädchen / eine junge Frau denke, die von einem Mann sexuell angegangen wor-
den sei, an, man denke, ein Mann, der so etwas tue, sei ein sehr schlechter Mann. 
Es würde zu einer Schlägerei mit den Verwandten kommen. Diese Aussage tätigte 
er, nachdem er zunächst ausweichend geantwortet hatte (EV StA: pag. 123 Z. 384 
ff.). 

Insgesamt fallen in den Aussagen des Beschuldigten Widersprüche zu seinen Auf-
enthalten bei der Familie der Privatklägerin auf, die sich nicht einzig mit dem Zeit-
ablauf erklären lassen. Weiter lässt sich aus seinen Aussagen nicht erklären, war-
um es zum abrupten Kontaktabbruch mit der Familie der Privatklägerin gekommen 
ist und weshalb die Privatklägerin mehrere Jahre nach dem Kontaktabbruch Anzei-
ge gegen ihn eingereicht hat. Zudem finden sich in den Aussagen des Beschuldig-
ten als Lügensignale Gegenangriffe. Schliesslich überzeugt die vom Beschuldigten 
genannte Komplotttheorie nicht. Wie die Vorinstanz erachtet auch die Kammer die 
Aussagen der Privatklägerin als glaubhafter als diejenigen des Beschuldigten. 

9.5 Aussagen von L.________, Mutter Privatklägerin

Die Vorinstanz hat auch die Aussagen der Mutter der Privatklägerin zutreffend zu-
sammengefasst, weshalb darauf verwiesen werden kann (pag. 542 ff., S. 21 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Die Vorinstanz würdigte die Aussagen der Mutter der Privatklägerin wie folgt 
(pag. 544 f., S. 23 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Zeugin, die Mutter der Privatklägerin, die Aussagen ihrer 
Tochter bestätigte. Wie immer bei befragten Familienmitgliedern gilt es zu berücksichtigen, dass enge 
Familienbande bestehen; hinzukommt, dass die Mutter der Privatklägerin naturgemäss beim Vorfall 
nicht dabei war und ihre Aussagen damit lediglich auf dem basieren, was sie von ihrer Tochter und 
von anderen Personen erfahren hat – vom «Hörensagen». Angesichts der engen Familienbande ist 
zudem grundsätzlich davon auszugehen, dass die Mutter der Privatklägerin angesichts der zur Dis-
kussion stehenden Vorfälle emotional stark belastet sind. Das gilt selbstredend auch für den Vater 
und den Bruder der Privatklägerin. 

Die Mutter der Privatklägerin schilderte das, was sie gehört hatte. Sie hatte die Privatklägerin zur Poli-
zei begleitet; der Gang zur Polizei basierte auf einem neuen, möglicherweise falsch interpretierten 
Vorfall vor der Migros. Ihre Aussagen bei der Polizei sind vor dem Hintergrund, dass sie auf dem 
Hörensagen basieren, sehr stimmig. Für das Gericht wesentlich ist insbesondere, dass es ihr gelun-
gen ist, die Wichtigkeit der kulturellen Herkunft in diesem Bereich deutlich zu machen. Bereits aus den 
Aussagen bei der Polizei ergibt sich, dass ihr das Ganze sehr unangenehm war, sie eigentlich nicht 
hätte aussagen wollen. Der gleiche Eindruck resultierte bei der gerichtlichen Befragung. Auffallend ist, 
dass sie den Beschuldigten nicht in einem schlechten Licht darstellte und ausführte, er sei ein 
grundsätzlich lieber Mensch, der ihr leidgetan habe, weil er in der Schweiz alleine gewesen sei. Ihre 
Aussagen zum Rahmengeschehen (Bekanntschaft, Kontaktaufnahme, Besuche, etc.) passen. Von 
Bedeutung für das Gericht sind aber insbesondere ihre Schilderungen zu den Veränderungen, die sie 
nach ihrer Rückkehr aus den Ferien in Sri Lanka bei ihrer Tochter, der Privatklägerin festgestellt hatte. 

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In diesem Punkt decken sich ihre Aussagen mit denjenigen ihres Sohns, mit den Aussagen der Zeu-
gin F.________ und teilweise auch den Aussagen des Zeugen J.________. 

Es ist der Verteidigung beizustimmen, dass es gewisse Widersprüche gibt, insbesondere in den Aus-
sagen vor Gericht. Die Aussagen der ersten Stunde scheinen hingegen konsistent zu sein. Nament-
lich darf sich nicht negativ auswirken, dass sie zu Beginn, basierend auf den Schilderungen ihrer 
Tochter von einem Vorfall im Herbst 2016 ausging. Die Widersprüche zur Frage, wann nun genau sie 
von ihrer Tochter über das Geschehene informiert wurde, sind hingegen vernachlässigbar – der Ge-
samtablauf passt. Darüber hinaus liegt es auf der Hand, dass bei dieser Ausgangslage Details zum 
Kerngeschehen fehlen. Die Aussagen der Mutter der Privatklägerin helfen in diesem Sinne nicht ent-
scheidend weiter, bestärken aber den Eindruck der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin.

Diese Ausführungen der Vorinstanz sind zutreffend. Für die Kammer ist ebenfalls 
entscheidend, dass der Mutter der Privatklägerin Veränderungen an ihrer Tochter 
aufgefallen sind. Sie habe ihre Tochter gefragt, weshalb sie sich zurückziehe und 
nicht mit dem Beschuldigten spreche, daraufhin habe ihre Tochter ihr vom Vorfall 
erzählt (del. EV: pag. 72 Z. 42 f.; pag. 77 Z. 256 f.). Eindrücklich ist für die Kammer, 
dass die Mutter der Privatklägerin dieses zur Redestellen mit einem Besuch der 
Familie bei Freuden in Zürich verknüpfte. Ihre Tochter habe sich zuerst sehr über 
den Besuch bei dieser Familie mit zwei kleinen Kindern gefreut. Als ihr Mann dann 
dem Beschuldigten erlaubt habe, ebenfalls mitzukommen, sei ihre Tochter wütend 
geworden und habe sie in der Küche angeschrien und eine wegstossende Geste 
gemacht (del. EV: pag. 77 Z. 263 ff.). Dieses Verhalten ihrer Tochter habe sie dazu 
bewegt, ihre Tochter während des Besuchs in Zürich zu beobachten und später 
habe sie ihre Tochter darauf angesprochen. Die Mutter der Privatklägerin schilderte 
dabei Nebensächlichkeiten, wie beispielsweise was man gegessen habe und dass 
ihre Tochter dem Beschuldigten nichts serviert habe (del. EV: pag. 77 f. Z. 278 ff.). 
Dass ein Besuch in Zürich bzw. Rapperswil stattgefunden hat, wird auch von der 
Privatklägerin, vom Beschuldigten und von J.________ bestätigt (vgl. pag. 96 
Z 105 ff.; pag. 98 Z. 194 ff.; pag. 617 Z. 34 ff.; pag. 618 Z. 11 f.; pag. 624 Z. 8 ff., 
Z. 19).

Die Mutter schilderte weiter, dass sie ihren Sohn nach Bekanntwerden des Vorfalls 
angerufen habe, dieser aber geschockt gewesen sei und nicht gewusst habe, was 
tun (pag. 78 Z. 294 ff.). 

Die Mutter der Privatklägerin schilderte auch, wie der Beschuldigte reagiert habe, 
als sie ihm gesagt habe, dass er nicht mehr zu ihnen kommen könne, wobei sie 
ihm den Grund nicht genannt habe. Der Beschuldigte sei auf die Toilette gegangen 
und habe danach ein verweintes Gesicht gehabt. Dabei habe sie gewartet, bis ihr 
Mann das Haus verlassen habe, weil sie sicher gewesen sei, dass ihr Mann 
wütend werde und sie habe verhindern wollen, dass ihr Mann den Beschuldigten 
schlage (del. EV: pag. 78 Z. 306 ff.; pag. 80 Z. 400 ff.; EV Vi: pag. 475 Z. 271 f.). 
Der Beschuldigte habe sehr nachdenklich und traurig reagiert (del. EV: pag. 80 
Z. 432 f.). Auffallend ist, dass die Mutter der Privatklägerin an der Fortsetzungsver-
handlung anders als in ihren ersten Aussagen zu Protokoll gab, sie habe den Be-
schuldigten angerufen (EV Vi: pag. 474 Z. 215 ff.). 

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Die Mutter der Privatklägerin konnte auch ausführen, wie es dazu kam, dass sie 
J.________ vom Vorfall erzählte, und dass dieser mit der Privatklägerin gespro-
chen habe (del. EV: pag. 78 Z. 310 ff.; pag. 80 Z. 404 ff.). Weiter legte sie nachvoll-
ziehbar dar, dass sie zunächst ihrem Mann nichts vom Vorfall erzählt habe, dieser 
aber von der Nachbarin davon erfahren habe und sie darauf angesprochen habe 
(del. EV: pag. 78 Z. 322 ff.). 

Die Mutter der Privatklägerin schilderte auch, dass es sie traurig mache, wenn sie 
an den Vorfall denke. Sie dürfe nicht darüber nachdenken (del. EV: pag. 77 Z. 255 
f.). Als sie von ihrer Tochter erfahren habe, dass der Beschuldigte ihr in die Brüste 
geklemmt habe, sei sie unter Schock gestanden und traurig gewesen (del. EV: 
pag. 79 Z. 347 f.). Weiter gab sie an, dass auch ihre Tochter sehr traurig ausgese-
hen habe, als sie ihr vom Vorfall erzählt habe (del. EV: pag. 80 Z. 396 ff.). 

Gegen einen Komplott oder eine Falschanzeige spricht, dass die Mutter der Privat-
klägerin grundsätzlich gut über den Beschuldigten sprach (Er sei eine liebe Person, 
sie habe Bedauern mit ihm gehabt; ihre Tochter habe ihn Onkel genannt [del. EV: 
pag. 72 Z. 36 ff.]). Weiter geht auch aus den Aussagen der Mutter der Privatkläge-
rin der kulturelle Hintergrund und der Wunsch, nach aussen den Ruf zu wahren, 
hervor. So gab die Mutter der Privatklägerin an, sie habe ihre Tochter nicht nach 
Details fragen wollen (del. EV: pag. 79 Z. 346 f.). Danach habe sie mit ihrer Tochter 
nie mehr darüber gesprochen und auch nicht mehr nachgefragt (del. EV: pag. 79 
Z. 358, Z. 376). Sie habe ih