# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5e51767b-c210-5d33-8463-f30784016e16
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-10-30
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 30.10.2014 VG.2014.00051 (VG.2014.140)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2014-00051_2014-10-30.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 30. Oktober 2014

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2014.00051

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Pro Natura Schweiz

    	
    Beschwerdeführer  

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Pro Natura Glarus

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    WWF Schweiz

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    WWF Sektion Glarus

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
    alle vertreten durch
    Rechtsanwalt A.______

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Axpo Power AG

    	
    Beschwerdegegner

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Departement Bau und
    Umwelt des Kantons Glarus

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Regierungsrat des
    Kantons Glarus

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Gewässerschutz

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Der Klöntalersee, einst entstanden durch die
  Aufschüttung eines natürlichen Dammes nach einem Bergsturz, wird zur
  Betreibung eines Kraftwerks durch die Axpo Power AG seit 1908 mittels eines
  künstlichen Stauwerks auf- bzw. höhergestaut. Der See wird unter anderem
  durch die Rossmatter Klön, die Richisauer Klön, den Sulzbach sowie die
  Quellgruppe blaue Brünnen gespiesen. Aus seinem Ende fliesst der Löntsch.
  Mehrere hundert Meter vor dem Damm wird das Wasser auf der nördlichen
  Seeseite gefasst und zur Energiegewinnung in einem Druckleitungsstollen in
  die Zentrale in Netstal und von dort zurück in den Löntsch geführt. Die Restwasserstrecke
  des Löntsch, d.h. vom Damm bis zur Rückgabe des Wassers in Netstal, beträgt
  rund 10,1 km.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 4. September 2012 verfügte das Departement Bau
  und Umwelt (DBU), dass die Wasserfassung des Löntsch-Kraftwerkes am
  Klöntalersee der Sanierungspflicht gemäss Art. 80 des Bundesgesetzes
  über den Schutz der Gewässer vom 24. Januar 1991 (Gewässerschutzgesetz;
  GSchG) nicht unterstehe. Bei der Fassungsstelle führe das Gewässer nicht
  ständig Wasser.

  
	
   

  
	
  1.3 Die Pro Natura Schweiz, die Pro Natura Glarus, der
  WWF Schweiz und der WWF Glarus gelangten am 1. Oktober 2012 mit Beschwerde an
  den Regierungsrat. Sie beantragten die Aufhebung der Verfügung vom 4.
  September 2012 und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur
  Neubeurteilung. Der Regierungsrat wies am 6. Mai 2014 die Beschwerde ab.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Daraufhin erhoben die Umweltverbände am 6. Juni 2014
  Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Beantragt wurde die Aufhebung des
  regierungsrätlichen Entscheids. Sodann sei zu verfügen, dass die Wasserfassung
  Klöntal der Sanierungspflicht nach Art. 80 Abs. 1 GSchG zu unterstellen
  sei. Die Axpo Power AG sei zu verpflichten, ganzjährig eine Dotierwassermenge
  von 200 l/s in den Löntsch abzugeben. Zusätzlich sei zur Erhöhung der Dynamik
  und Verminderung der Kolmation im Gewässer jährlich im Sommerhalbjahr an vier
  Tagen ein künstliches, bachbettbildendes Hochwasser zu simulieren. Auf die
  Nutzung des Schletterbaches sei bis zum Ablauf der Konzession im Jahr 2038 zu
  verzichten. Eventualiter sei der Entscheid aufzuheben und die Sache zur
  Neuausfällung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und
  Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegner.

  
	
   

  
	
  2.2 Das DBU liess sich am 4. Juli 2014 vernehmen und
  schloss auf Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge zu Lasten der
  Beschwerdeführer. Am 11. Juli 2014 reichte der Regierungsrat eine Beschwerdeantwort
  ein, mit den nämlichen Anträgen. Die Axpo Power AG nahm am 8. September
  2014 Stellung und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Eventualiter sei
  ihr Gelegenheit zu geben, sich zu den von den Beschwerdeführern geforderten
  Sanierungsmassnahmen zu äussern, sollte das Verwaltungsgericht eine
  Sanierungspflicht bejahen. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien von den
  Beschwerdeführern zu tragen.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 23 Abs. 2
  des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer vom
  7. Mai 1995 (Einführungsgesetz zum Gewässerschutzgesetz; EG GSchG)
  i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der
  vorliegenden Beschwerde zuständig. 

  
	
   

  
	
  1.2 Organisationen sind zur Beschwerde berechtigt,
  sofern sie durch Gesetz hierzu ermächtigt sind (Art. 88 lit. d
  VRG). Nach Art. 12 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über den
  Natur- und Heimatschutz vom 1. Juli 1966 (NHG) können Organisationen,
  die sich dem Naturschutz oder verwandten Zielen widmen, gegen Verfügungen der
  kantonalen Behörden Beschwerde erheben, wenn sie gesamtschweizerisch tätig
  sind und ideelle Zwecke verfolgen. Die Beschwerdeführer 1 und 3
  erfüllen diese Anforderungen (vgl. Ziff. 3 und Ziff. 6 des Anhangs
  zu Art. 1 der Verordnung über die Bezeichnung der im Bereich des
  Umweltschutzes sowie des Natur- und Heimatschutzes beschwerdeberechtigten
  Organisationen vom 27. Juni 1990 [VBO]). Verfügungen nach Art. 80
  GSchG erfolgen sodann in Erfüllung einer Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78
  Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
  18. April 1999 (BV) sowie Art. 2 NHG und wirken sich auf die
  Belange des Naturschutzes aus, weshalb die Voraussetzungen für die ideelle Verbandsbeschwerde
  der Beschwerdeführer 1 und 3 erfüllt sind (vgl. BGer-Urteil 1C_262/2011
  vom 15. November 2012 E. 1.1; VGer ZH-Urteil VB.2011.00070 vom 13. Juli
  2011 E. 2.2.1, www.vgr.zh.ch; Martin Bertschi,
  in Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des
  Kantons Zürich, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2014, § 21 N. 153,
  mit weiteren Hinweisen). Dementsprechend ergibt sich gestützt auf
  Art. 5 des (kantonalen) Gesetzes über den Natur- und Heimatschutz vom 2. Mai 1971 (kNHG) auch die Beschwerdelegitimation
  der Beschwerdeführer 2 und 4.
  Offen bleiben kann, ob die Beschwerdeführer gemäss Art. 55 des
  Bundesgesetzes über den Umweltschutz vom 7. Oktober 1983 (USG) zur
  Beschwerdeerhebung legitimiert wären.

  
	
   

  
	
  1.3 Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen
  erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

  
	
   

  
	
  1.4 Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde können die
  unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
  Sachverhalts sowie die unrichtige Rechtsanwendung einschliesslich eines
  Missbrauchs des Ermessens geltend gemacht werden (Art. 107 Abs. 1 VRG).
  Die Unangemessenheit eines Entscheids kann nur ausnahmsweise gerügt werden
  (vgl. die abschliessende Aufzählung in Art. 107 Abs. 2 VRG). Ein solcher
  Ausnahmetatbestand liegt nicht vor.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Strittig und zu prüfen
  ist, ob das fragliche Kraftwerk der Sanierungspflicht gemäss Art. 80
  GSchG unterliegt, wobei ausser Frage steht, dass die Wassernutzung durch die
  Betreibung des Löntsch-Kraftwerks am Klöntalersee den üblichen Gemeingebrauch
  übersteigt und dass eine Wasserentnahme stattfindet. Nicht Verfahrensgegenstand
  ist, welche Sanierungsmassnahmen angezeigt wären und ob diese von der
  Beschwerdegegnerin 1 entschädigungslos geduldet werden müssten oder
  nicht. 

  
	
   

  
	
  2.1 Wird ein Fliessgewässer durch Wasserentnahmen
  wesentlich beeinflusst, so muss es unterhalb der Entnahmestellen nach den
  Anordnungen der Behörde so weit saniert werden, als dies ohne entschädigungsbegründende
  Eingriffe in bestehende Wassernutzungsrechte möglich ist (Art. 80 Abs. 1
  GSchG; BGE 139 II 28 E. 2.1; BGer-Urteil 1C_718/2013 vom 20. März 2014
  E. 2). Sanierungsziel ist, dass die Wasserführung den Vorschriften der
  Art. 31 ff. GSchG über die Mindestrestwassermengen möglichst nahekommt
  bzw. dass der ökologische Zustand der Gewässer mit Entnahmen so optimiert
  wird, dass er den Verhältnissen bei ausreichender Mindestrestwassermenge
  möglichst weitgehend entspricht (BGE 139 II 28 E. 2.7.3, mit Hinweisen).
  Eine Sanierungspflicht besteht nur für diejenigen Wasserentnahmen, die auch
  der Bewilligungspflicht unterstehen (vgl. Veronika Huber-Wälchli/Peter M.
  Keller, Zehn Jahre Rechtsprechung zum neuen Gewässerschutzgesetz, in URP 2003
  43). 

  
	
   

  
	
  2.2 Wasserentnahmen aus einem Fliessgewässer sind nur
  unter den Voraussetzungen von Art. 29 ff. GSchG zulässig, sie
  bedürfen einer entsprechenden Bewilligung. Eine Bewilligung braucht gemäss
  Art. 29 GSchG, wer über den Gemeingebrauch hinaus einem Fliessgewässer
  mit ständiger Wasserführung (lit. a) oder aus Seen oder Grundwasservorkommen,
  welche die Wasserführung eines Fliessgewässers mit ständiger Wasserführung
  wesentlich beeinflussen, Wasser entnimmt (lit. b). Wenn zusammen mit anderen
  Entnahmen einem Fliessgewässer höchstens 20 % der Abflussmenge Q347
  und nicht mehr als 1'000 l/s entnommen werden, kann die Wasserentnahme unter
  erleichterten Voraussetzungen bewilligt werden; es müssen weder die
  Restwassermengen gemäss Art. 31-33 GSchG festgesetzt noch Massnahmen
  nach Art. 35 GSchG angeordnet werden (Art. 30 lit. b GSchG; BGE 120
  Ib 233 E. 5a). 

  
	
   

  
	
  2.3 Die Wasserentnahme aus Gewässern ohne ständige
  Wasserführung ist nicht bewilligungspflichtig (vgl. Beatrice Wagner Pfeifer,
  Umweltrecht, Besondere Regelungsbereiche, Zürich/St. Gallen 2013, Rz. 923;
  vgl. auch BGE 126 II 283 E. 3c/cc). Für Wasserentnahmen aus Fliessgewässern
  im Sinne von Art. 29 GSchG, die Abschnitte mit ständiger und Abschnitte ohne
  ständige Wasserführung aufweisen, ist eine Bewilligung erforderlich, wenn das
  Fliessgewässer am Ort der Wasserentnahme eine ständige Wasserführung
  aufweist. Die Voraussetzungen für die Erteilung der Bewilligung (Art. 30
  GSchG) müssen nur in den Abschnitten mit ständiger Wasserführung erfüllt sein
  (Art. 33 Abs. 1 der Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober
  1998 [GSchV]). Massnahmen nach NHG und dem Bundesgesetz über die Fischerei
  vom 21. Juni 1991 (BGF) sind indes auch dann zu treffen, wenn das
  Gewässer am Ort der Wasserentnahme keine ständige Wasserführung aufweist
  (Art. 33 Abs. 2 GSchV).

  
	
   

  
	
  2.4 Von einer ständigen Wasserführung im Sinne von Art.
  29 GSchG ist auszugehen, wenn die Abflussmenge Q347 grösser als
  null ist (Art. 4 lit. i GSchG). Die Menge Q347 entspricht gemäss
  Art. 4 lit. h GSchG der gemittelt über zehn Jahre, durchschnittlich während
  347 Tagen des Jahres erreichten oder überschrittenen und durch die
  Stauung, Entnahme oder Zuleitung von Wasser nicht wesentlich beeinflussten
  Abflussmenge.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Nachfolgend ist zunächst
  zu klären, ob die Sanierungs- bzw. Bewilligungspflicht des
  Löntsch-Kraftwerkes gestützt auf Art. 29 lit. a GSchG (Fliessgewässer;
  Löntsch) oder auf Art. 29 lit. b GSchG (Seen und Grundwasser; Klöntalersee)
  i.V.m. Art. 80 Abs. 1 GSchG zu prüfen ist. 

  
	
   

  
	
  3.1 Die Vorinstanz verneinte die Bewilligungspflicht
  für eine Wasserentnahme und damit auch die Sanierungspflicht unter Anwendung
  von Art. 29 lit. a GSchG (i.V. m. Art. 80 Abs. 1 GSchG). Die Beschwerdeführer
  sind der Ansicht, dass sich das Einlaufbauwerk tief im See und mehrere
  hundert Meter vom Damm entfernt befinde. Der Klöntalersee sei kein
  Fliessgewässer. Es sei daher zu prüfen, ob die Wasserentnahme gestützt auf
  Art. 29 lit. b GSchG bewilligungspflichtig sei. Es sei offensichtlich, dass
  der natürliche Klöntalersee im Zustand vor der Nutzung die Wasserführung des
  Löntsch wesentlich beeinflusst habe. Dessen Wasserführung sei zur Hauptsache
  vom Zufluss aus dem Klöntalersee abhängig gewesen. 

  
	
   

  
	
  3.2 Die Bewilligungspflicht der Wasserentnahme aus
  einem Fliessgewässer nach Art. 29 lit. a GSchG unterscheidet sich von
  derjenigen nach Art. 29 lit. b GSchG für einen See nicht grundlegend. Gemäss
  Art. 34 GSchG ist ein Fliessgewässer nämlich sinngemäss nach den Art. 31 ff.
  GSchG (Einhaltung der Restwasservorschriften) zu schützen, wenn dieses durch
  die Wasserentnahme in einem See wesentlich beeinflusst wird. Entsprechend der
  Bewilligungspflicht sieht denn auch Art. 80 Abs. 1 GSchG vor, dass ein
  Fliessgewässer unterhalb der Entnahmestelle zu sanieren ist, wenn es durch
  eine Wasserentnahme wesentlich beeinflusst wird. Sanierungsobjekte sind somit
  Fliessgewässer, gleichgültig ob die Wasserentnahme direkt aus diesen oder aus
  einem See erfolgt (Regula Hunger, Die Sanierungspflicht im Umweltschutz- und
  Gewässerschutzgesetz, Zürich 2010, S. 246). 

  
	
   

  
	
  3.3 Rechtsgrundlage für die Prüfung der
  Sanierungspflicht des Löntsch-Kraftwerkes ist folglich Art. 80 Abs. 1 GSchG,
  unabhängig davon, ob die Wasserentnahme gestützt auf lit. a oder lit. b von
  Art. 29 GSchG zu bewilligen wäre. Nicht ersichtlich ist, weshalb es in
  Bezug auf die Sanierungsvoraussetzungen auf den Höhenbereich der genutzten
  Wassersäule eines Sees ankommen soll. Über kurz oder lang kann einem See
  nicht mehr Wasser entnommen werden, als ihm durch Fliessgewässer zufliessen.
  Entscheidend für die Sanierungspflichtigkeit ist allein, ob der Löntsch bzw.
  die Zuflüsse des Klöntalersees ständig Wasser führende Gewässer sind und
  gegebenenfalls, ob der Löntsch durch die Wasserentnahme wesentlich
  beeinflusst wird. Von einer wesentlichen Beeinflussung eines
  (Fliess-)Gewässers kann dann nicht gesprochen werden, wenn diesem höchstens
  20 % der Abflussmenge Q347 und nicht mehr als 1'000 l/s entnommen
  werden. In diesem Fall liegt die Wasserentnahme noch im Rahmen der
  natürlichen Schwankungen der Abflussmenge Q347 (vgl. BGE 120 Ib 233 E. 6a;
  Anhang der Wegleitung des Bundesamtes für Umwelt, Angemessene
  Restwassermengen – Wie können sie bestimmt werden?, Bern 2000 [nachfolgend:
  Wegleitung BAFU], S. 75 und S. 136 f.; Hunger, S. 248 und S. 272
  f.; Maurus Eckert, Rechtliche Aspekte der Sicherung angemessener
  Restwassermengen, Zürich, Zürich/Basel/Genf 2002, S. 53 f. und S. 146 ff.).

  
	
   

  
	
  Um zu bestimmen, ob der
  Löntsch als Abflussgewässer des Klöntalersees ständig Wasser führend ist und
  durch das Kraftwerk der Beschwerdegegnerin 1 wesentlich beeinflusst wird, ist
  nachfolgend die relevante Abflussmenge Q347 zu bestimmen.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Die Parteien sind sich
  nicht einig darüber, ob Q347, und damit die ständige Wasserführung
  im Sinne von Art. 80 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 29 GSchG, am Ort der
  physischen Wasserentnahme bei Beginn des Druckwasserstollens am Ruostelchopf
  am Nordufer oder beim 740 m davon entfernten Staudamm Rhodannenberg am
  Ostufer des Sees zu messen ist. 

  
	
   

  
	
  4.1 Nach Auffassung der Beschwerdegegner hat der
  Löntsch vor dem Bau des ersten Ableitungsstollens (Stollen im natürlichen
  Damm, womit im Winter der Löntsch gespeist werden konnte) im Jahr 1856 in
  seinem natürlichen Zustand auf einer Strecke von 250 m nach dem Damm
  wegen Eis und Schnee im Winter an mindestens 18 Tagen im Jahr kein Wasser geführt.
  Es gelange Art. 33 Abs. 1 GSchV zur Anwendung, wonach für Wasserentnahmen aus
  Fliessgewässern, die Abschnitte mit ständiger und Abschnitte ohne ständige
  Wasserführung aufweisen, eine Bewilligung nur dann erforderlich sei, wenn das
  Fliessgewässer am Ort der Wasserentnahme eine ständige Wasserführung
  aufweise. Als Ort der Wasserentnahme könne bei Stauseen nur die Sperrstelle
  als Ort des Unterbruchs des Wasserlaufs gelten, zumal die Wasserentnahme in
  einem Stausee an einer beliebigen Stelle erfolgen könne. Anders würde es sich
  nur verhalten, wenn der Seespiegel unter den künstlichen Damm fallen würde.
  Da der Löntsch in seinem ursprünglichen Zustand am Ort der Entnahme kein
  ständig Wasser führendes Gewässer sei, bestehe keine Bewilligungspflicht nach
  Art. 29 GSchG und damit auch keine Sanierungspflicht. 

  
	
   

  
	
  4.2 Die Beschwerdeführer halten dem entgegen, dass eine
  Sanierungspflicht nicht mit dem Argument verneint werden könne, im Bereich
  des Dammes herrsche an mehr als 18 Tagen pro Jahr kein Überlauf. Im
  natürlichen Zustand sei der Löntsch auch auf den ersten 250 m nach dem
  Seeende ständig Wasser führend gewesen. Für die Beurteilung, ob es sich beim
  Löntsch um ein Gewässer mit ständiger Wasserführung handle, sei nicht nur auf
  die ersten paar Meter nach dem Seeausgang abzustellen. Entscheidend sei die
  von der konkreten Anlage erzielte Wirkung. Es könne daher nicht darauf
  ankommen, ob der Löntsch auf 2,5 % seiner gesamten Restwasserstrecke nicht permanent
  Wasser führe. Der Löntsch müsse als Ganzes angesehen werden, um beurteilen zu
  können, ob es sich dabei um ein Fliessgewässer handle. 

  
	
   

  
	
  4.3 Eine ständige Wasserführung liegt vor, wenn die
  mittlere Abflussmenge Q347 grösser als null ist (Art. 4 lit. i
  GSchG). Sodann ist gemäss Art. 4 lit. h GSchG für die Bestimmung
  der Wassermenge Q347 auf die durch Stauung, Entnahme oder Zuleitung
  nicht wesentlich beeinflusste Abflusswassermenge abzustellen (BGE 120 Ib 233
  E. 6b). Die Bestimmung des für die ständige Wasserführung massgebenden
  Ortes in einem Gewässer ist somit mit der Festsetzung der Abflussmenge Q347
  verknüpft. Aufgrund dieses klaren Zusammenhangs wäre mit den
  Beschwerdegegnern auszuschliessen, dass der massgebende Ort für die
  Bestimmung von Q347 das rund 740 m vom Damm entfernte
  künstliche Einlaufbauwerk ist. Die Abflussmenge Q347 und der
  Begriff der ständigen Wasserführung im Sinne von Art. 29 GSchG sind
  beide anhand des von Druck- und Korporationsstollen sowie Staudamm unbeeinflussten
  Zustands festzumachen.

  
	
   

  
	
  Im vorliegenden Fall
  besteht jedoch die Konstellation, dass der Ort der Wasserentnahme
  (Ruostelchopf) und der Staupunkt (Rhodannenberg) mehrere hundert Meter
  auseinander liegen. Wird für die Bestimmung des für die Bewilligungspflicht
  entscheidenden Ortes der ständigen Wasserführung unter Anwendung von
  Art. 33 Abs. 1 GSchV auf den Ort der Wasserentnahme abgestellt, steht
  dies im Widerspruch dazu, dass Q347 aufgrund des nicht wesentlich
  beeinflussten Gewässerzustands zu bestimmen ist. Auf der anderen Seite kann
  es nicht angehen, dass mittels Erstellung eines Staudammes und der Wasserabschöpfung
  vor dem Bauwerk die Bewilligungsvorschriften unter Berufung auf eine fehlende
  ständige Wasserführung unmittelbar nach dem Damm umgangen werden können. Die
  Aussage der Beschwerdeführer trifft deshalb ebenfalls zu, dass eine
  Bewilligungspflicht nicht mit dem Argument verneint werden könne, beim
  Staudamm führe der Löntsch aktuell während 18 Tagen im Jahr kein Wasser. 

   

  
	
  4.4 Deshalb kann es sich nicht anders verhalten, als
  dass der Ort für die Bestimmung der ständigen Wasserführung im nicht
  wesentlich beeinflussten Zustand im Sinne von Art. 80 Abs. 1 i.V.m.
  Art. 29 GSchG und Art. 33 Abs. 1 GSchV nicht mit dem Ort der
  effektiven Messung von Q347 identisch zu sein braucht. Ist aber
  für die Frage der ständigen Wasserführung auf den durch Wasserkraftwerke
  unbeeinflussten Gewässerzustand abzustellen, kommt es ohnehin nicht darauf
  an, ob die Abflussmenge beim Ruostelchopf oder beim Rhodannenberg massgebend
  ist. Stets gleicht der See die Zuflüsse, egal wo sie in den See münden, aus
  und ist der Wasserpegel gleich hoch. Die Überlaufwassermenge ist an jeder
  Uferstelle gleich hoch, gleich hohe Uferkoten vorausgesetzt.
  Konsequenterweise unterscheidet der Wortlaut von Art. 33 Abs. 1 GSchV denn
  auch nicht zwischen Wasserentnahmen aus einem Fliessgewässer und einer
  solchen aus einem See, sondern verweist lediglich auf Art. 29 GSchG. 

  
	
   

  
	
  4.5 Somit ist, wie die Beschwerdegegner zutreffend
  festhalten, der Staudamm am östlichen Seeende als Ort für die Bestimmung der
  ständigen Wasserführung des Löntsch massgebend. Abzustellen ist aber nicht
  etwa auf die Verhältnisse nach Errichtung des künstlichen Staudamms mitsamt
  des Druckstollens nach Netstal, sondern auf den nicht wesentlich
  beeinflussten Gewässerzustand, weshalb die Abflusswassermengen an Entnahme-
  und Stauort ohnehin gleich hoch sind. So oder anders müssen sich der massgebende
  Ort für die Bestimmung der ständigen Wasserführung und der Ort bzw. die Orte
  der effektiven Messung der gemittelten Abflussmenge Q347 nicht
  entsprechen. Solche Messungen können durchaus bei der Wasserfassung am
  Ruostelchopf durchgeführt werden (vgl. auch Hunger, S. 273).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Nachdem festgestellt
  wurde, dass der Staudamm als Punkt für die Bestimmung der ständigen Wasserführung
  massgebend ist, der Ort der effektiven Messung der Abflussmenge Q347
  damit aber nicht zwingend identisch sein muss, bleibt zu prüfen, wie hoch die
  Letztere ist. Dabei ist insbesondere zu klären, ob der Löntsch im nicht
  wesentlich durch Stauung, Entnahme oder Zuleitung von Wasser beeinflussten Zustand,
  beim Überlauf des (natürlichen) Staudammes über zehn Jahre gesehen während
  mindestens 18 Tagen im Jahr kein Wasser geführt hat. Ist dies der Fall,
  entfällt eine Bewilligungs- und damit eine Sanierungspflicht. 

  
	
   

  
	
  5.1 Sowohl der angefochtene Entscheid als auch der von
  der Abteilung Umweltschutz und Energie des Kantons Glarus verfasste Sanierungsbericht
  vom Oktober 2011 basieren mit Blick auf Q347 auf den
  Feststellungen der Beschwerdegegnerin 1, festgehalten in ihrem Bericht
  vom 17. Januar 2011. Darin wird das Fazit gezogen, dass der Löntsch vor
  Erstellung des ersten Korporationsstollens im Jahr 1856 keine ganzjährige
  Wasserführung aufgewiesen habe, weil im Winter eine Fliessstrecke von rund
  250 m nach dem Dammscheitel trockengefallen sei. Durch Versickerungen sei der
  Wasserpegel des Sees im Winter jeweils gesunken. Die Zuflüsse seien
  zurückgegangen oder ganz versiegt, wodurch kein Wasser über den natürlichen
  Damm in den Löntsch gelangt sei. Erst durch den Grundwasserstrom unter dem
  See hindurch habe der Löntsch nach rund 250 m wieder Wasser geführt. Aufgrund
  des künstlichen Höherstaus des Sees sei die Sickerwassermenge angestiegen,
  was die heute etwas höheren Abflüsse des Löntsch in Netstal vor
  Wiedereinleitung des entnommenen Wassers erkläre. Q347 sei somit
  gleich Null, weshalb der Löntsch keine ständige Wasserführung aufgewiesen
  habe. Eine Sanierungspflicht entfalle.

  
	
   

  
	
  5.2 Der Beschwerdegegner 3 führt im angefochtenen
  Entscheid aus, heute könne nicht mehr eindeutig nachgewiesen werden, ob der
  Löntsch im Jahr 1856 an der Stelle des Damms an mindestens 18 Tagen im Jahr
  kein Wasser geführt habe. Mit den Beschwerdeführern ist indes einig zu gehen,
  dass die von der Beschwerdegegnerin 1 vorgenommenen Auswertungen von
  Berichten, Messungen und Begehungen nicht zwingend zum Ergebnis führen, der
  Löntsch habe beim Seeende im nicht wesentlich beeinflussten Zustand nicht
  ständig Wasser geführt. Vielmehr beruht die Folgerung der Beschwerdegegnerin
  1, der Klöntalersee sei im Winter abgesunken, wodurch während ein bis zwei
  Monaten auf einer Strecke von ca. 250 m bis zu den ersten Wasseraufstössen im
  Löntsch kein Abfluss stattgefunden habe, auf pauschalen Annahmen. Klare
  Beweise oder wissenschaftliche Messungen bestehen hingegen nicht.

  
	
   

  
	
  5.3 Die Beschwerdegegnerin 1 legte in ihrem Bericht vom
  17. Januar 2011 die Abflussmenge Q347 bei null fest. Sie macht
  geltend, dass der natürliche Damm im unbeeinflussten Zustand auf rund 830 m
  ü.M., die Sohle des ursprünglichen Löntschlaufes bei rund 829 m ü.M. gelegen
  habe. Prof. Dr. J. Heuscher habe im Jahr 1903 die biologischen und die
  Fischereiverhältnisse des Klöntalersees untersucht. Dabei habe er
  festgestellt, dass der Seespiegel im Winter einige Meter unter dem normalen
  Wasserstand gestanden habe. Daraus schloss die Beschwerdegegnerin 1, dass im
  Winter kein Wasser via Überlauf des Dammes, sondern lediglich durch
  unterirdische Grundwasserströme, Versickerungen und spätere Zuflüsse in den
  Löntsch habe gelangen können.

  
	
   

  
	
  5.4 Ein Diagramm des mittleren Abflusses des Löntsch im
  Bericht der Beschwerdegegnerin 1 für die Jahre 1864 bis 1906 zeigt auf, dass
  in den Monaten Oktober bis Februar 500 m unterhalb des Dammes stets eine
  Wassermenge von ca. 300 – 500 l/s abfloss. Die Beschwerdegegner führen dies
  unter anderem auf den Bau der Korporationsstollen in den Jahren 1856 und 1890
  sowie auf Zuflüsse auf der Restwasserstrecke zurück. Unbegründet bleibt jedoch,
  weshalb das von Prof. Heuscher anfangs des 20. Jahrhunderts beobachtete
  Absinken des Wasserspiegels des Klöntalersees im Winter nicht ebenfalls auf
  die Speisung des Löntsch mittels der damals bereits erstellten
  Korporationsstollen statt auf Versickerungen zurückzuführen ist. Die
  Beschwerdegegnerin 1 zitiert im gleichen Bericht denn auch aus einem
  Geschichtsbuch der Gemeinde Netstal, wonach der Seepegel im Winter durch den
  Bau des ersten Korporationsstollens um rund einen halben Meter abgesunken
  sei.

  
	
   

  
	
  Die Zuflüsse des
  Klöntalersees müssen im Winter deshalb nicht zwangsläufig durchwegs
  zugefroren gewesen sein. Aus der Tabelle in einem Sonderabdruck der
  Schweizerischen Bauzeitung aus dem Jahr 1910 geht nämlich hervor, dass diese
  den Klöntalersee in den Wintermonaten (Dezember bis Februar) der Jahre 1903
  bis 1906 mit rund 200 bis 392 l/s speisten. Dass diese Zuflüsse in den
  Wintern anfangs des 20. Jahrhunderts während 18 Tagen versiegten,
  wodurch der See allein durch Versickerungen absank, ist demgegenüber nicht
  belegt. 

  
	
   

  
	
  5.5 Selbst wenn es aber zutreffen sollte, dass der
  Löntsch im 19. und 20. Jahrhundert beim Staudamm während mindestens 18 Tagen
  im Winter aufgrund von Schnee und Eis im Einzugsgebiet kein Wasser führte,
  stellt dies höchstens ein Indiz für die Bestimmung der Abflussmenge Q347
  dar. Massgebend für die Abflussmenge Q347 ist nicht etwa, ob der
  Löntsch im 19. Jahrhundert Wasser führte oder nicht, sondern ob er im
  Verfügungszeitpunkt, gänzlich ohne Einfluss des Löntsch-Kraftwerks, an
  mindestens 18 Tagen im Jahr kein Wasser führen würde bzw. ob die über zehn
  Jahre gemittelte Abflussmenge an mehr als 18 Tagen pro Jahr null
  betragen würde. Mithin kann nicht ohne Bedacht auf die Zu- und Abflussverhältnisse
  von Löntsch und Klöntalersee vor dem Bau des ersten Ableitungsstollens im
  Jahr 1856 abgestellt werden. Gerade bei jahrzehntelanger Nutzung der Wasserkraft
  dürfen veränderte hydrologische und klimatische Bedingungen für die Frage der
  Sanierungspflicht nicht ausser Acht gelassen werden. Der Schutz der Gewässer
  soll aufgrund einer aktuellen Ausgangslage beurteilt werden und nicht
  aufgrund einer Rekonstruktion der Wassermengen vor rund 150 Jahren.
  Durchschnittstemperaturen und Nullgradgrenze sind tendenziell angestiegen und
  die Winter kürzer geworden. Der Wandel von Niederschlagsmenge und Klima
  bringt zudem veränderte Interessenlagen zur Sicherung angemessener Restwassermengen
  mit sich.

  
	
   

  
	
  5.6 Die Berechnung der Abflussmenge Q347 hat
  daher wenn immer möglich aufgrund von Daten zu erfolgen, die aus einer neuen
  und aktuellen Messreihe stammen (Wegleitung BAFU, S. 85, mit Hinweis auf BBl
  1987 II 1155 f.; Eckert, S. 45). Solche aktuellen Messungen wurden weder vom
  Beschwerdegegner 2 noch von der Konzessionärin durchgeführt oder in die Wege
  geleitet. Letztere folgert hingegen aus einem Zitat aus einem Buch zur
  Geschichte der ehemaligen Gemeinde Netstal, in Kombination mit aktuellen
  Messungen der Wassermengen des Löntsch bei der Spälti-Brücke in Netstal in
  den Jahren 2009 und 2010, dass die derzeitige Wasserführung des Löntsch ohne
  Restwasserabgabe beim Damm derjenigen des natürlichen Zustands ohne
  oberflächlichen Abfluss entspreche. Mit anderen Worten führe der Löntsch im
  Winter weit unterhalb des Dammes heute wie damals gleich viel Wasser, weshalb
  einerseits davon auszugehen sei, dass sämtliches Wasser aus Zuflüssen 250 m
  nach dem Damm stamme. Andererseits würde der Löntsch auch heute im
  unbeeinflussten Zustand im Winter während mindestens 18 Tagen unmittelbar
  nach dem Damm kein Wasser führen, weshalb die Abflussmenge Q347
  dort gleich Null sei.

  
	
   

  
	
  Im soeben erwähnten
  Geschichtsbuch von Paul Thürer aus dem Jahr 1922 ist nachzulesen, dass das
  Bachbett des Löntsch in Riedern vor Erstellung des ersten Korporationstollens
  1856 während ein bis zwei Monaten im Winter fast ausgetrocknet gewesen sei.
  Die Wassermenge habe auf bis zu 169 l/s sinken können. Die Messungen der
  Wassermengen des Löntsch bei der Spälti-Brücke aus den Jahren 2009 und 2010
  ergaben ein Monatsmittel von rund 200 bis 300 l/s für die Wintermonate 2009
  und von bis zu 1'300 l/s im Sommer 2010.

  
	
   

  
	
  Die Folgerung der
  Beschwerdegegnerin 1 geht bereits deshalb fehl, weil die Messungen bei der
  Spälti-Brücke lediglich die Menge des sog. Restwassers des Löntsch
  (Wassersickerungen durch den Korporationsstollen im Damm plus Zuflüsse
  unterhalb des Damms) wiedergeben. Somit entspricht bereits die heutige Restwassermenge
  in den Wintermonaten der damaligen unbeeinflussten Abflussmenge. Das vor dem
  Damm in den Druckstollen abgezweigte Wasser wird erst nach der Spälti-Brücke
  wieder in den Löntsch geleitet und ist in den Messungen somit nicht
  enthalten. Diese Tatsache spricht eher gegen die Annahme, dass Q347
  gleich null ist. Sind nämlich die Messwerte auf der Restwasserstrecke des
  Löntsch für die Jahre 1864 bis 1906 und 2009/2010 gleich hoch, bedeutet dies
  noch lange nicht, dass im Winter kein Wasser aus dem Klöntalersee für die
  Speisung des Kraftwerks verwendet wird. Da den Akten aber keinerlei Hinweise
  darauf zu entnehmen sind, dass die Energieproduktion im Winter ruht, muss
  vielmehr erwartet werden, dass dem See auch im Winter Wasser zugeht, das ihm
  für die Stromproduktion entnommen wird.

  
	
   

  
	
  5.7 Schliesslich vermag auch ein Bild der Begehung vom
  26. Februar 2010, worauf erkennbar ist, dass die Quellgruppe blaue Brünnen
  (Zufluss Klöntalersee) kein Wasser führt, nicht verbindlich darüber Aufschluss
  zu geben, ob der Löntsch in unbeeinflusstem Zustand durchschnittlich während
  18 Tagen im Jahr und über zehn Jahre gesehen kein Wasser führt.

  
	
   

  
	
  5.8 Hingegen sprechen vor allem zwei Hinweise für eine
  ständige Wasserführung des Löntsch i.S.v. Art. 29 GSchG. Einem
  Abflussdiagramm in der Dissertation von Pascal Hänggi (Auswirkungen der hydroklimatischen
  Variabilität auf die Wasserkraftnutzung in der Schweiz, Bern 2011, S. 181,
  www.hydrologie.unibe.ch) kann entnommen werden, dass die mittleren
  monatlichen Abflussmengen des Löntsch in der Periode 1998 – 2009 von Anfang
  Dezember bis Ende Januar rund 1'100 l/s betragen. Unklar ist jedoch, wo
  im Löntschlauf diese Messungen durchgeführt wurden. In der Grössenordnung entsprechen
  diese Feststellungen aber in etwa dem im Anhang der Wegleitung des BAFU
  (S. 124) enthaltenen Modell der Landeshydrologie und -geologie, wonach
  die Abflussmenge Q347 für den Löntsch 950 l/s beträgt. Ebenfalls
  unklar ist, weshalb im Sanierungsbericht der Abteilung Umweltschutz und
  Energie eine Abflussmenge Q347 von 720 l/s aufgeführt wird,
  diese im Anschluss aber auf 0 l/s beziffert wird.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der Bericht der
  Beschwerdegegnerin 1 sowie der Sanierungsbericht der Abteilung Umweltschutz
  und Energie nicht auf aktuellen Messwerten, plausiblen Annahmen oder
  nachvollziehbaren Folgerungen beruht. Entsprechend basiert der angefochtene
  Entscheid auf unrichtigen Sachverhaltsfeststellungen. Es bestehen daher
  Zweifel daran, dass der Löntsch im nicht durch Stauungen und Wasserentnahmen
  beeinflussten Zustand kein ständig Wasser führendes Gewässer ist, womit eine
  Bewilligungs- und Sanierungspflicht nach Art. 80 GSchG entfallen würde. 

  
	
   

  
	
  6.2 Liegen für ein Gewässer unzureichende
  Messergebnisse vor, so ist die Abflussmenge Q347 mit anderen
  Methoden wie hydrologischen Beobachtungen und Modellrechnungen zu ermitteln
  (Art. 59 GSchG). Die nicht wesentlich beeinflussten Abflussverhältnisse
  des Löntsch sind zu rekonstruieren. Es würde daher nahe liegen, für die
  Bestimmung von Q347 des Löntsch auf das soeben erwähnte, im Anhang
  der Wegleitung des BAFU dargestellte Modell abzustellen. Dieses vermag aber
  lediglich eine Grundlage für den Einstieg zur Ermittlung der nicht wesentlich
  beeinflussten Abflussmenge Q347 zu bilden und erreicht nicht
  annähernd die Genauigkeit von exakt ausgeführten Messungen. Deshalb ist das
  Abschätzverfahren wenn möglich zu verfeinern (vgl. Wegleitung BAFU, S. 81
  f.). Im vorliegenden Fall obliegt es dem Beschwerdegegner 2 als Fachbehörde,
  die Abflussmenge Q347 unter Beachtung der vorstehenden Ausführungen
  einer neuerlichen Überprüfung zu unterziehen. Nötigenfalls könnten auch
  einjährige Kurzzeitmessungen der Abflusswassermenge des Löntsch durchgeführt
  werden (vgl. BGE 120 Ib 233 E. 5e/bb).

  
	
   

  
	
  6.3 Eine Rückweisung der Angelegenheit erweist sich
  bereits deshalb als unerlässlich, weil aus dem Sanierungsbericht nicht hervor
  geht, wie gross die aus dem Klöntalersee respektive aus dem Löntsch entnommene
  Wassermenge ist. Selbst wenn nämlich mangels verlässlicher aktueller
  Messwerte für die Bestimmung der Abflussmenge Q347 des Löntsch auf
  die Abschätzung der Landeshydrologie und -geologie und damit auf einen Wert
  von 950 l/s abgestellt würde, wäre hiermit lediglich eine ständige Wasserführung
  des Löntsch gegeben. Über das Ausmass bzw. die Wesentlichkeit der
  Beeinflussung der Abflussmenge Q347 ist damit jedoch noch nichts
  gesagt (vgl. BGE 120 Ib 233 E. 5b). Neben der Abflussmenge Q347
  (vgl. Art. 38 Abs. 2 lit. b GSchV) muss der von den Behörden zu erstellende
  Sanierungsbericht gemäss Art. 38 Abs. 2 lit. d GSchV i.V.m. Art. 82
  Abs. 2 GSchG unter anderem Angaben über die dem Gewässer in jedem Monat
  entnommene Wassermenge in m3/s, gemittelt über mehrere Jahre,
  enthalten. Diesen Anforderungen genügt der Bericht der Abteilung Umweltschutz
  und Energie vom Oktober 2011 ebenfalls nicht. 

  
	
   

  
	
  7. 

  
	
  Im Ergebnis ist die
  Beschwerde teilweise gutzuheissen und der Entscheid des Beschwerdegegners 3 vom
  6. Mai 2014 sowie die Verfügung des Beschwerdegegners 2 vom 4. September
  2012 sind aufzuheben. Die Sache ist zur Neuentscheidung an den
  Beschwerdegegner 2 zurückzuweisen. Dieser wird insbesondere die Abflussmenge
  Q347 im Sinne der vorstehenden Erwägungen (z.B. mittels Durchführung
  von Messkampagnen, wobei Messungen am Ort der Wasserentnahme beim
  Druckstollen nicht ausgeschlossen sind) neu festsetzen, die dem Gewässer in jedem
  Monat entnommene Wassermenge in m3/s feststellen und
  gegebenenfalls den Sanierungsbericht betreffend das Löntsch-Kraftwerk
  anpassen oder abändern. Diesen wird sie schliesslich gemäss Art. 35 Abs.
  3 und Art. 82 Abs. 3 GSchG dem BAFU unterbreiten. 

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1. 

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen
  Kosten zu tragen. Unterliegt sie nur teilweise, sind die amtlichen Kosten
  herabzusetzen (Art. 136 Abs. 2 VRG). Die Beschwerdeführer dringen mit ihren
  Hauptanträgen nicht vollumfänglich durch. Hingegen ist ihrem Eventualbegehren
  auf Aufhebung des Entscheides und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
  stattzugeben. Es rechtfertigt sich vorliegend, die auf pauschal
  Fr. 3'000.- festzusetzende Gerichtsgebühr je hälftig den
  Beschwerdeführern und der Beschwerdegegnerin 1 aufzuerlegen (Art. 137
  Abs. 1 VRG). Der Kostenanteil der Beschwerdeführer ist mit dem bereits
  geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.- zu verrechnen. Der restliche
  Betrag von Fr. 1'500.- ist ihnen zurückzuerstatten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Gemäss Art. 138 Abs. 3
  lit. a und Art. 138 Abs. 2 VRG erhalten die Parteien eine angemessene
  Parteientschädigung, wenn sie im Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren
  obsiegen. Ausgangsgemäss steht den Beschwerdeführern eine reduzierte
  Entschädigung zu. Entsprechend der Verteilung der Kosten ist die Beschwerdegegnerin
  1 zu verpflichten, den Beschwerdeführern eine reduzierte Parteientschädigung
  von Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen (Art. 138 Abs. 2
  VRG). Den Beschwerdegegnern steht mangels Vorliegens besonderer Umstände
  (Art. 138 Abs. 4 VRG) respektive berufsmässiger Vertretung
  (Art. 138 Abs. 1 VRG) keine Parteientschädigung zu.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Der vorliegende Rückweisungsentscheid stellt nach der
  Rechtsprechung des Bundes­gerichts einen Zwischenentscheid dar (BGE 133 II
  409 E. 1.2). Daher steht die Beschwerde in
  öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den
  Voraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom
  17. Juni 2005 (BGG) offen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der
    Entscheid des Beschwerdegegners 3 vom 6. Mai 2014 sowie die Verfügung
    des Beschwerdegegners 2 vom 4. September 2012 werden aufgehoben und
    die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts und zur Neuentscheidung im Sinne
    der Erwägungen an den Beschwerdegegner 2 zurückgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.- wird den
    Beschwerdeführern und der Beschwerdegegnerin 1 je zur Hälfte auferlegt. Der
    Kostenanteil der Beschwerdeführer wird mit dem bereits geleisteten
    Kostenvorschuss von Fr. 3'000.- verrechnet. Der restliche Betrag von
    Fr. 1'500.- wird ihnen zurückerstattet.

    
	
    3.

    	
    Die Beschwerdegegnerin 1 wird verpflichtet, den
    Beschwerdeführern innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine
    Parteientschädigung von Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
    

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]