# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6528f430-6ac0-5a6d-a878-3265c768dc4e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.09.2021 E-4146/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4146-2021_2021-09-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4146/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Gabriela Freihofer, 

mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler;   

Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch Alfred Ngoyi Wa Mwanza,  

BUCOFRAS Consultation juridique pour étrangers,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 16. August 2021 / N (…). 

 

 

 

E-4146/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 18. November 2020 in der Schweiz 

um Asyl nach und wurde am 30. Dezember 2020 im Rahmen der Anhörung 

nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) und am 10. März 2021 im Rahmen der er-

gänzenden Anhörung im erweiterten Verfahren zu seinen persönlichen 

Verhältnissen, zu seinen Asylgründen sowie zum Reiseweg befragt.  

Zu seinem persönlichen Hintergrund führte er aus, er sei eritreischer 

Staatsbürger und im Dorf B._______, Provinz Debub, geboren und aufge-

wachsen. Bis zur Ausreise aus Eritrea habe er dort mit seiner Mutter und 

den fünf Geschwistern zusammengewohnt. Nach dem Weggang seines 

Vaters habe er als Ältester der Familie die Verantwortung für diese über-

nehmen müssen. So habe er seine Mutter etwa bei der Feldarbeit unter-

stützen müssen. Wegen dieser Umstände habe er oft die Schule versäumt 

und sei aufgrund der daraus folgenden Fehlzeiten im Jahr (…) von der 

Schule verwiesen worden.  

Nachdem er die Schule abgebrochen habe, sei eines Tages ein Mitarbeiter 

der Verwaltung zu ihm nachhause gekommen und habe seiner Mutter eine 

Vorladung für den Einzug in den Militärdienst überbracht, welche an ihn 

gerichtet gewesen sei. Nachdem seine Mutter ihn vom Erhalt der Vorla-

dung in Kenntnis gesetzt habe, habe er, da er nicht in den Militärdienst 

habe gehen wollen, sich – ohne die Mutter oder seine Geschwister zu in-

formieren – einer Gruppe von Dorfbewohnern, die ihr Vieh nach C._______ 

hätten bringen wollen, angeschlossen und sei mit ihnen mitgegangen. 

Nach fünf Tagen Fussmarsch habe er C._______ erreicht, von wo er zu-

sammen mit einem anderen Mann illegal aus Eritrea ausgereist sei. Innert 

zwei Tagen sei er nach Äthiopien gelangt, wo er zunächst ins Auffanglager 

D._______ gekommen sei. Zwei Monate später sei seine Mutter, zusam-

men mit seinen Geschwistern, ebenfalls nach Äthiopien ausgereist, wo er 

sie per Zufall im Flüchtlingslager wiedergetroffen habe. Anschliessend 

seien sie zusammen nach E._______ gereist. Seine Familie sei via Fami-

liennachzug in die Schweiz gereist, er habe aber aufgrund seiner Volljäh-

rigkeit nicht in den Familiennachzug miteingebunden werden können. 

Nach der Ausreise der Mutter und der Geschwister aus Äthiopien habe der 

Vater für seine Beherbergung eine äthiopische Frau organisiert. Trotzdem 

habe er mit der Zeit, aufgrund der Trennung von seiner Familie, psychische 

Probleme bekommen. Daher habe er ein Gesuch um Erteilung eines hu-

manitären Visums zwecks Einreise in die Schweiz gestellt. Dieses sei nach 

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Seite 3 

anfänglicher Abweisung am 10. September 2020 gutgeheissen worden 

und so sei er am (…) November 2020 in die Schweiz eingereist.  

A.b Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente oder Be-

weismittel zu den Akten. Den Taufschein hatte seine Mutter anlässlich ihrer 

eigenen Einreise in die Schweiz eingereicht.  

B.  

Mit Verfügung vom 11. Mai 2021 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-

rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und 

ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Wegwei-

sung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Auf-

nahme auf.  

C.   

C.a Mit Eingabe vom 9. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer durch 

seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein 

und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flücht-

lingseigenschaft sei anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter 

sei der Wegweisungsvollzug als unzulässig festzustellen und die vorläufige 

Aufnahme anzuordnen, subeventualiter seien die Akten der Vorinstanz zur 

neuen Entscheidung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-

dung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit 

Eingabe vom 1. Juli 2021 ergänzte der Beschwerdeführer seine Beschwer-

deschrift.  

C.b Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil E-

2698/2021 vom 4. August 2021 gut, hob die angefochtene Verfügung auf 

und wies die Sache zur Abklärung des Sachverhalts im Sinne der Erwä-

gungen und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück.  

C.c Die Vorinstanz stellte mit Verfügung vom 16. August 2021 fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-

such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug 

der Wegweisung schob sie wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vor-

läufigen Aufnahme auf. Der Kanton F._______ werde mit der Umsetzung 

der vorläufigen Aufnahme beauftragt. Zudem stellte die Vorinstanz fest, 

dass dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-

verzeichnis ausgehändigt worden sind.  

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Seite 4 

C.d Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe 

vom 16. September 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein 

und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flücht-

lingseigenschaft sei anzuerkennen, eventualiter sei der Wegweisungsvoll-

zug als unzulässig festzustellen und die vorläufige Aufnahme sei anzuord-

nen, subeventualiter seien die Akten der Vorinstanz zur neuen Entschei-

dung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

Auf die Begründung der Beschwerde wird in den Erwägungen eingegan-

gen.  

C.e Der Beschwerde wurde eine gültige Vollmacht beigelegt.  

D.  

Dem Vater des Beschwerdeführers wurde mit Verfügung vom (…) 2016 in 

der Schweiz Asyl gewährt. Seine Mutter und seine fünf Schwestern wurden 

mit Verfügung des SEM vom (…) 2018 gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG als 

Flüchtlinge anerkannt und es wurde ihnen Asyl gewährt. Die Verfahrens-

akten der Familienangehörigen (N […]) wurden im vorliegenden Beschwer-

deverfahren beigezogen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist, unter Vorbehalt nachfolgender Erwägung, einzutreten. 

1.3 An der Beurteilung des Rechtsbegehrens 4, der Feststellung der Un-

zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs, besteht kein schutzwürdiges Inte-

resse, da die Vorinstanz den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat und die Vollzugs-

hindernisse alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Auf das 

Rechtsbegehren 4 ist daher nicht einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen 

der Flüchtlingseigenschaft und der Wegweisung. Der Wegweisungsvollzug 

ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer 

wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen 

hat (vgl. auch E. 1.3).  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1  

6.1.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung insbesondere aus, 

der Beschwerdeführer habe bereits zu Beginn der Anhörung und noch vor 

der freien Schilderung der Ausreisegründe angegeben, dass seine Mutter 

die Vorladung von der Verwaltung erhalten habe. Aus Angst vor dem Ein-

zug in den Militärdienst und das damit verbundene Tragen einer Waffe 

habe er sich versteckt und sogar im Wald übernachtet. Er habe sich sodann 

zur Ausreise entschieden, ohne aber die Mutter über diese Absicht zu in-

formieren.  

6.1.2 Im Verlaufe der Anhörung sei der Beschwerdeführer aufgefordert 

worden, sich präzise und detailliert zu den Ausreisegründen zu äussern. 

Trotzdem habe er lediglich in äusserst knapper Darlegung erklärt, dass er 

sich nach dem Erhalt der an ihn gerichteten Vorladung zur Ausreise ent-

schieden habe. Auf Nachfrage hin habe er präzisiert, dass die Vorladung 

nicht an ihn persönlich, sondern an seine Mutter gerichtet gewesen sei, 

wobei diese Aussage im Widerspruch zu einer seiner früheren Aussagen 

stehe (Akten der Vorinstanz A22/F36, A22/F48-49).  

Hinsichtlich des Inhalts der Vorladung sei seine Mutter gebeten worden, 

sich nach G._______ zu begeben, wo ihr ein Datum mitgeteilt worden sei, 

an welchem sie den Beschwerdeführer den Behörden abzuliefern habe. In 

einer späteren Aussage habe er erwähnt, dass unmittelbar in der Vorla-

dung ein solches Datum erwähnt worden sei. Den Gang der Mutter nach 

G._______ sei dann auch nicht mehr Inhalt der späteren Aussage gewe-

sen.  

Der Beschwerdeführer habe im Weiteren nicht nachvollziehbar erklären 

können, weshalb die Vorladung der Mutter und nicht ihm persönlich – er 

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sei zu diesem Zeitpunkt volljährig gewesen – zugestellt worden sei. Seine 

Erklärung, die Mutter sei «Chefin des Hauses» gewesen, überzeuge nicht, 

zumal er angegeben habe, dass er nach der Ausreise seines Vaters die 

Verantwortung für die ganze Familie übernommen habe. Ebenfalls werfe 

der Zeitpunkt der Ausreise, welche nur einen Tag nach dem Erhalt der Vor-

ladung stattgefunden habe, Fragen auf. Der Beschwerdeführer habe ein-

mal erklärt, er habe Angst bekommen und sei daher unverzüglich ausge-

reist, ein anderes Mal habe er gesagt, dass er die Vorladung nicht akzep-

tieren könne, und ein weiteres Mal habe er auf eine entsprechende Frage 

lediglich geantwortet, er sei ausgereist, ohne der Mutter Bescheid zu ge-

ben. Diese überwiegend gefühls- und bezugslosen Antworten seien er-

staunlich. Auch sei es wenig nachvollziehbar, dass er die Mutter über die 

geplante Ausreise nicht informiert habe, weil er Angst davor gehabt habe, 

dass diese ihm die Ausreise nicht gestattet hätte.  

Sodann habe die Aussage erstaunt, er habe keine Kenntnis vom Inhalt der 

Vorladung erlangt, es aber offensichtlich gewesen sei, dass es sich um 

eine Aufforderung zum Militärdienst gehandelt habe. Der Beschwerdefüh-

rer habe ausgesagt, er habe das Schreiben gar nicht selber gesehen, somit 

könne er sich auch zum Inhalt nicht äussern, wobei er später ausgeführt 

habe, dass das Schreiben aussen von Hand beschriftet worden sei. Das 

Desinteresse an diesem Schreiben und der Umstand, dass der Beschwer-

deführer das Schreiben von aussen gesehen habe, erstaune.  

Die Antworten zum Schulabbruch seien persönlicher und detaillierter aus-

gefallen. Angesichts dessen erstaune es umso mehr, dass die Schilderun-

gen zum Erhalt der Vorladung und dem Ausreisemoment derart oberfläch-

lich ausgefallen seien.  

Ebenfalls sei der Beschwerdeführer zu den Ausreisegründen seiner Mutter 

und Schwestern befragt worden, wobei er erklärt habe, dass diese Eritrea 

verlassen hätten, da die Situation nach seinem Weggang sehr schwierig 

geworden sei. Dabei erstaune, dass seine Mutter und seine Schwerstern 

die Vorladung, seine separate Ausreise oder gar die darauffolgenden 

Schwierigkeiten für die Familie anlässlich deren Befragungen zur Person 

mit keinem Wort erwähnt hätten. Vielmehr habe beispielsweise seine Mut-

ter angegeben, dass sie mit ihren Kindern zusammen, also auch mit dem 

Beschwerdeführer, ausgereist sei (N […], A9-11). Aufgrund des Einbezugs 

der Familie in die Flüchtlingseigenschaft des Vaters seien diese zwar nicht 

ausführlich angehört worden. Es werfe aber trotzdem Fragen auf, wieso 

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diese keine Angaben zum Zusammenhang zwischen der Ausreise des Be-

schwerdeführers und derjenigen der Familie gemacht hätten.  

Im Allgemeinen seien die Antworten unpersönlich, pauschal und wider-

sprüchlich ausgefallen und hielten den Anforderungen an die Glaubhaf-

tigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, wobei deren Asylrelevanz nicht zu 

prüfen sei.  

6.1.3 Hinsichtlich der Ausreise des Vaters des Beschwerdeführers führt die 

Vorinstanz aus, dass gemäss Koordinationsurteil des BVGer D-7898/2015 

vom 30. Januar 2017 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 

auszugehen sei, dass sich eritreische Staatsangehörige aufgrund einer il-

legalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sehen 

würden, die bezüglich ihrer Intensität und der politischen Motivation des 

Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AslyG darstellen wür-

den. Entgegen der Ansicht seines Rechtsvertreters sei hervorzuheben, 

dass der Beschwerdeführer während der Anhörung und in Bezug auf sei-

nen Vater lediglich geltend gemacht habe, aufgrund seiner Abwesenheit 

und seiner damit einhergehenden Fehlzeit in der Schule während der Ern-

tezeit 2017 einen Schulverweis erhalten zu haben (Akten der Vorinstanz 

A22/F10-11). Sein Vater sei anlässlich seiner Anhörungen im (…) und (…) 

2016 ebenfalls nach der Situation seiner Familie in Eritrea gefragt worden. 

Dabei habe er ausschliesslich finanzielle Schwierigkeiten erwähnt (N […], 

A21/F12-26). Die Frage, ob sich nach seiner Ausreise noch etwas zugetra-

gen habe, habe er verneint (N […], A17/F132-133). Die Mutter und die 

Schwestern hätten in ihren Befragungen ausgeführt, dass die Familie Erit-

rea verlassen habe, weil sie gehungert hätten; die Mutter selber habe keine 

eigenen Asylgründe dargelegt (N […], A9/S.9 und A10/S.6). Hinweise auf 

allfällige asylrechtlich relevante Schwierigkeiten aufgrund der Ausreise sei-

nes Vaters seien in sämtlichen Anhörungsprotokollen des Beschwerdefüh-

rers und denjenigen seiner Familie keine ersichtlich. Die geltend gemachte 

illegale Ausreise alleine – in Anbetracht seiner vom SEM als unglaubhaft 

erachteten Ausreisegründe und der fehlenden konkreten Hinweise bezüg-

lich einer Reflexverfolgung – begründe keine Furcht vor einer zukünftigen 

flüchtlingsrechtlichen relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG.  

6.2 Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde geltend, Eritrea illegal 

verlassen zu haben, um nach Äthiopien zu gelangen. Die illegale Ausreise 

alleine würde allerdings gemäss Referenzurteil des BVGer D-7898/2015 

vom 30. Januar 2017 zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht 

ausreichen, es benötige dafür noch zusätzliche individuelle Elemente. Sein 

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Vater sei in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden, es lege daher im 

Interesse der eritreischen Behörden, nach ihm, dem Beschwerdeführer, zu 

suchen und, würde er nach Eritrea zurückkehren, ihn zu befragen und ihn 

dabei einer unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung im Sinne von 

Art. 3 EMRK auszusetzen. Dies sei ein subjektiver Nachfluchtgrund ge-

mäss Art. 54 AsylG. Seine Asylgründe würden dadurch verstärkt, dass er 

in Anbetracht seines derzeitigen Alters in den Militärdienst eingezogen wer-

den würde. Die Tatsache, dass er, seine Mutter sowie seine Geschwister 

nach der Ausreise des Vaters nicht verfolgt worden seien, könne eine Ab-

weisung der Beschwerde nicht rechtfertigen, da seine Verfolgung nur auf-

grund der Kombination der illegalen Ausreise und der Schutzgewährung 

des Vaters in der Schweiz begründet sei. Somit sei er verfolgt und es sei 

die Flüchtlingseigenschaft festzustellen.  

7.  

7.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung eingehend und in 

zutreffender Weise dargelegt, aus welchen Gründen die Ausführungen des 

Beschwerdeführers – unter anderem unter Verweis auf seine unpersönli-

chen und widersprüchlichen Angaben betreffend die Vorladung für den Mi-

litärdienst und den unkonkreten und oftmals nicht nachvollziehbaren 

Äusserungen betreffend den Ausreisegrund – realitätsfremd, widersprüch-

lich, unplausibel und damit insgesamt nicht glaubhaft sind. In der Be-

schwerdeschrift werden diese Ausführungen nicht bestritten. Auch das 

Bundesverwaltungsgericht schliesst sich den Schlussfolgerungen der Vor-

instanz an und erachtet die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Vor-

ladung für den Militärdienst als unglaubhaft.  

7.2  

7.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht ging bis im Januar 2017 davon aus, 

dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver Nachfluchtgrund an-

zusehen war, weil illegal Ausgereiste bei einer Rückkehr nach Eritrea mit 

erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen mussten (vgl. 

Urteil des BVGer D-3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.3). Diese Recht-

sprechung ist in der Folge jedoch aufgegeben worden. Im Referenzurteil 

D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 kam das Bundesverwaltungsgericht 

nach einer eingehenden quellengestützten Lageanalyse (E. 4.6 – 4.11) 

zum Schluss, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise per 

se zur Flüchtlingseigenschaft führte, nicht mehr aufrechterhalten werden 

könne (E. 5.1). Es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 

auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise 

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Seite 10 

aus Eritrea eine asylrechtlich relevante Verfolgung drohe. Nicht asylrele-

vant sei auch die Möglichkeit, dass jemand nach der Rückkehr in den Na-

tionaldienst eingezogen werde; ob eine drohende Einziehung in den Nati-

onaldienst unter dem Blickwinkel von Art. 3 und Art. 4 EMRK relevant sein 

könnte, betreffe die Frage der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs. Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft 

im eritreischen Kontext bedürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzli-

cher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und 

dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen 

könnten (E. 5.2).  

7.2.2 Dem Beschwerdeführer gelingt es nicht, zusätzliche Anknüpfungs-

punkte, welche in Kombination zu seiner illegalen Ausreise gemäss oben-

genannter Rechtsprechung zur Flüchtlingseigenschaft führen würden, dar-

zulegen. Der Vorinstanz ist beizupflichten, wenn sie ausführt, dass aus den 

Schilderungen des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Verfahren nir-

gends hervorgeht, er würde aufgrund der Schutzgewährung des Vaters in 

der Schweiz in Eritrea verfolgt werden. Auch die Aussagen der Familien-

mitglieder im Verfahren N (…) ergeben keine Hinweise auf eine Reflexver-

folgung aufgrund der Asylgewährung seines Vaters in der Schweiz. Anläss-

lich der Zweitanhörung vom (…) 2016 sagte dieser aus, die Familie lebe 

normalerweise von der Landwirtschaft. Da er, der Vater des Beschwerde-

führers, nicht mehr da sei, und sein Sohn, der Beschwerdeführer, in die 

Schule gehe, würde auch niemand mehr die Felder bestellen. Die Familie 

hätte daher keine Einnahmequelle. Jedoch hätten Nachbarn oder Be-

kannte ihnen manchmal geholfen, die Felder zu bestellen (N […], A21/F12-

21). Die Mutter des Beschwerdeführers sagte anlässlich ihrer eigenen Be-

fragung zur Person aus, dass sie keine eigenen Asylgründe darzulegen 

habe. Sie sei ausgereist, weil sie gehungert habe (N  […], A9/ Ziff. 7.01). 

Die älteste Schwerster des Beschwerdeführers bestätigte die Aussagen ih-

rer Mutter in ihrer Befragung zur Person, und ergänzte, sie wolle bei ihrem 

Vater leben (N […], A10/ Ziff. 7.01). Zusammengefasst ist festzuhalten, 

dass die Ausreise seiner Mutter und der fünf Schwestern in erster Linie aus 

finanziellen Gründen geschah. Von den Familienmitgliedern wurden keine 

Fluchtgründe genannt, die aus der Asylgewährung des Vaters hervorgehen 

würden.  

Im Weiteren beschränkt sich die Beschwerdeschrift lediglich auf Mutmas-

sungen, welche für das Glaubhaftmachen einer Reflexverfolgung nicht ge-

nügen. Da auch seine Aussagen betreffend die Vorladung für den Militär-

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Seite 11 

dienst unglaubhaft sind (vgl. E. 7.1) und er damit ebenfalls keinen zusätz-

lichen Anknüpfungspunkt zu begründen vermag, erfüllt der Beschwerde-

führer im Lichte der obengenannten Rechtsprechung des Bundesverwal-

tungsgerichts die Flüchtlingseigenschaft nicht.  

7.3 Zusammengefasst lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerde-

führers zurecht ab.  

8.  

Es besteht nach dem Gesagten auch keine Veranlassung zur Rückwei-

sung der Sache an die Vorinstanz, zumal dieses Begehren in der Be-

schwerdeschrift nicht begründet ist.  

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 16. August 2021 

die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeord-

net. Demnach erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässig-

keit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs und zu den 

diesbezüglich beschwerdeseitigen Ausführungen betreffend die Verletzung 

des rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV (vgl. auch E. 1.3).  

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen, sofern darauf einzutreten ist. 

12.  

Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeistän-

dung sind abzuweisen, da die Begehren, wie sich aus den vorstehenden 

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Seite 12 

Erwägungen ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Vorausset-

zungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 102m AsylG sind somit – unge-

achtet der geltend gemachten Bedürftigkeit – nicht erfüllt.  

13.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

Mit vorliegendem Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses gegenstandslos.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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E-4146/2021 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.  

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung werden abgewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gabriela Freihofer Stefan Trottmann 

 

 

Versand: