# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c3f3d4e6-7a61-594d-a4b5-e7e009aa5556
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-08
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 08.03.2022 60/2021/20
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_60-2021-20_2022-03-08.pdf

## Full Text

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Sozialhilfe; Auflage zur Einleitung eines Eheschutz- oder Scheidungsverfah-

rens – Art. 10 Abs. 2, Art. 13 Abs. 1, Art. 14 und Art. 36 BV; Art. 26 Abs. 2 und 3 

SHEG; § 12 Abs. 1 SHEV. 

Die Auflage, ein Eheschutzverfahren einzuleiten, greift erheblich in die persönliche 

Freiheit und das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens der unterstütz-

ten Person ein, weshalb sie nach Art. 36 BV eine gesetzliche Grundlage erfordert, 

im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein muss (E. 5.1). 

Aufgrund der Subsidiarität der Sozialhilfe kann von der unterstützten Person ver-

langt werden, innert dreissig Tagen eine gerichtliche Festsetzung der Unterhalts-

beiträge zu beantragen, soweit keine angemessenen Beiträge vereinbart worden 

sind. Legt die unterstützte Person jedoch glaubhaft dar, dass sie keinen Ehegat-

tenunterhalt erhalten kann, rechtfertigt sich die Auflage, ein Eheschutzverfahren 

einzuleiten, nicht (E. 5.2 f.). 

Liegen wichtige Gründe für das Getrenntleben der Ehegatten vor, können die auf 

dem getrennten Wohnen beruhenden Mehrauslagen berücksichtigt werden, ohne 

dass es einer gerichtlichen Regelung des Getrenntlebens bedarf (E. 5.4).  

OGE 60/2021/20 vom 8. März 2022 

Keine Veröffentlichung im Amtsbericht 

Aus den Erwägungen 

3.1. Wer für seinen Lebensunterhalt nicht selbst aufkommen kann, hat An-

spruch auf materielle Hilfe. Diese besteht aus dem Grundbedarf, den Wohnkosten 

sowie den Kosten für die medizinische Grundversorgung. Darüber hinaus können 

weitere Leistungen zugesprochen werden (Art. 25 Abs. 1 SHEG). Das Departe-

ment des Innern legt verbindliche Richtlinien für die Bemessung der materiellen 

Hilfe fest (Art. 25 Abs. 3 SHEG; § 5 der Verordnung über die öffentliche Sozialhilfe 

und soziale Einrichtungen vom 18. Februar 2014 [SHEV, SHR 850.111]; Schaff-

hauser Richtlinien für die Bemessung der Sozialhilfe vom 28. Oktober 2013, in der 

ab 1. Januar 2020 gültigen Fassung; nachfolgend: Schaffhauser Richtlinien). Die 

Auslegung der kantonalen Sozialhilfebestimmungen erfolgt praxisgemäss in An-

lehnung an die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-

Richtlinien, hier massgebend: Version vom 1. Januar 2021; vgl. etwa 

OGE 60/2020/8 vom 8. Dezember 2020 E. 2). 

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3.2. Gemäss Art. 26 SHEG haben Personen, die um materielle Hilfe nachsu-

chen, Auflagen oder Weisungen zu befolgen, soweit diese sich auf die richtige Ver-

wendung der Beiträge beziehen oder geeignet sind, die Lage der bedürftigen Per-

son und ihrer Angehörigen zu verbessern (Abs. 2). Sie haben alles zur Vermei-

dung, Behebung oder Verminderung der Bedürftigkeit Erforderliche vorzukehren 

(Abs. 3). Solche Auflagen und Weisungen müssen im öffentlichen Interesse liegen, 

den Zwecken der Sozialhilfe dienen und verhältnismässig sein (vgl. Art. 5 Abs. 2 

BV; Art. 2 SHEG). Wer seinen Mitwirkungspflichten zuwiderhandelt, dem können 

die Leistungen unter Berücksichtigung der persönlichen Situation sowie der 

Grösse des Verschuldens um höchstens 30% des Grundbedarfs gekürzt werden. 

In schwerwiegenden Fällen kann die materielle Hilfe ganz verweigert werden. Vor 

Ausfällung der Sanktion ist der säumigen Person in jedem Fall das rechtliche Ge-

hör einzuräumen (Art. 26 Abs. 4 SHEG). 

[…] 

5.1. Die Auflage zur Einleitung eines Eheschutzverfahrens greift erheblich in die 

persönliche Freiheit und das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens der 

Beschwerdeführerin ein (Art. 10 Abs. 2 und Art. 13 Abs. 1 BV; zur Überschneidung 

der Schutzbereiche vgl. Stephan Breitenmoser, in: Ehrenzeller/Schindler/Schwei-

zer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommen-

tar, 3. A., Zürich/St. Gallen 2014, Art. 13 Abs. 1 N. 4 f., S. 346 f.), indem sie die 

freie Entscheidung der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes gegen ein Ehe-

schutzverfahren, welches üblicherweise die Vorstufe zur Scheidung darstellt (vgl. 

Ivo Schwander, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetz-

buch I, 6. A., Basel 2018, Art. 175 N. 3, S. 1142), beeinträchtigt. Ein Eingriff in diese 

verfassungsmässigen Rechte erfordert nach Art. 36 BV eine gesetzliche Grund-

lage (Abs. 1), muss im öffentlichen Interesse liegen (Abs. 2) und verhältnismässig 

sein (Abs. 3). Sollte sich im Folgenden zeigen, dass die Auflage rechtmässig ist, 

so könnte die Alternative der Einleitung eines Scheidungsverfahrens als (zulässi-

ger) deklaratorischer Hinweis auf eine der unterstützten Person ohnehin offenste-

hende rechtliche Möglichkeit verstanden werden, mit der die hinter der Anordnung 

stehenden Zwecke ebenfalls erreicht werden könnten. Die zwingende Verpflich-

tung zur Einleitung eines Scheidungsverfahrens würde hingegen von vornherein 

eine unverhältnismässige Einschränkung der verfassungsrechtlich geschützten 

Ehefreiheit darstellen (Art. 14 BV) und wohl sogar deren Kerngehalt tangieren 

(Art. 36 Abs. 4 BV; Urs Vogel, Rechtsbeziehungen – Rechte und Pflichten der un-

terstützten Person und der Organe der Sozialhilfe, in: Christoph Häfeli [Hrsg.], Das 

Schweizerische Sozialhilferecht, Luzern 2008, S. 171 sowie ferner KGer FR 605 

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2015 16 vom 6. März 2015 E. 5a und Ruth Reusser, in: Ehrenzeller/Schind-

ler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], St. Galler Kommentar, 3. A., Zürich/St. Gallen 

2014, Art. 14 BV N. 20, S. 385 in fine, je mit Hinweisen). 

5.2. Die Sozialhilfebehörde und das Departement stützen die Auflage, ein Ehe-

schutzverfahren einzuleiten, unter anderem auf den Grundsatz der Subsidiarität 

der Sozialhilfe (Art. 4 und Art. 25 Abs. 1 SHEG sowie § 12 Abs. 1 SHEV), wonach 

materielle Hilfe nur nach Erschöpfung der eigenen Mittel ausgerichtet wird. Zu die-

sen gehören auch die Unterhaltsansprüche der hilfsbedürftigen Person. Gemäss 

den Schaffhauser Richtlinien kann von der unterstützten Person entsprechend ver-

langt werden, innert dreissig Tagen eine gerichtliche Festsetzung zu beantragen, 

soweit keine angemessenen Unterhaltsbeiträge vereinbart worden sind (Schaff-

hauser Richtlinien, Ziff. F.2 S. 15). Verzichtet die unterstützte Person auf eheliche 

Unterhaltsbeiträge, obwohl der Ehegatte offensichtlich solche leisten könnte, so 

muss sie sich aufgrund des Subsidiaritätsprinzips einen angemessenen Betrag an-

rechnen lassen. Die Anrechnung darf nicht erfolgen, wenn die unterstützte Person 

glaubhaft darlegt, dass sie keinen Ehegattenunterhalt erhalten kann (vgl. Schaff-

hauser Richtlinien, Ziff. F.2 S. 15). In diesem Fall rechtfertigt sich auch die Auflage, 

ein Eheschutzverfahren einzuleiten, nicht, da dies keine geeignete Massnahme 

darstellt, die Lage der hilfsbedürftigen Person zu verbessern (vgl. auch SKOS-

Richtlinien, Kapitel D.4.1. Erläuterungen a).  

5.3. Vorliegend kann aufgrund der finanziellen und gesundheitlichen Situation 

von A. [Ehemann der Beschwerdeführerin] nicht davon ausgegangen werden, der 

Beschwerdeführerin stünden eheliche Unterhaltsbeiträge zu, welche der Sozial-

hilfe vorgingen. Gestützt auf die im Recht liegenden Akten ist davon auszugehen, 

dass das Einkommen von A. von rund Fr. 2'000.– respektive Fr. 1'400.– ab Mai 

2021 unter seinem betreibungsrechtlichen Existenzminimum liegt. Bereits bei Be-

rücksichtigung des Grundbetrags von Fr. 1'200.–, Mietkosten von Fr. 565.–, Kran-

kenkassenprämien von Fr. 381.55 sowie Hausrat- und Haftpflichtversicherungs-

prämien von rund Fr. 14.– pro Monat fehlt(e) es ihm an Mitteln, um Unterhaltsbei-

träge zu leisten (vgl. Richtlinien der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbe-

amten der Schweiz für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzmini-

mums [Notbedarf] vom 1. Juni 2009; zu berücksichtigen wäre zwar eine allfällige 

Prämienverbilligung, hinzukämen aber von der Krankenkasse nicht getragene Ge-

sundheitskosten und berufsbedingte Kosten [auswärtige Verpflegung, Fahrten 

zum Arbeitsplatz etc.] bis zur Erkrankung im Mai 2021). Über Vermögen verfügt A. 

gemäss den Akten nicht. Da Unterhaltsverpflichteten stets das betreibungsrechtli-

che Existenzminimum zu belassen ist, könnte er auch von einem Eheschutzgericht 

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nicht zur Leistung von Unterhaltsbeiträgen verpflichtet werden (vgl. BGE 140 III 

337 E. 4.3 S. 339 f. mit Hinweisen). Selbst die Möglichkeit, dass ihm ein hypothe-

tisches Einkommen angerechnet würde (vgl. BGE 147 III 249 E. 3.4.4 S. 258), ist 

aufgrund seiner glaubhaft gemachten krankheitsbedingten vollständigen Arbeits-

unfähigkeit nicht zu erwarten (dies konnte vor Rekursinstanz hingegen noch nicht 

ausgeschlossen werden; zur Berücksichtigung von Noven vgl. Daniel Sutter, in: 

Meyer/Herrmann/Bilger [Hrsg.], Kommentar zur Schaffhauser Verwaltungsrechts-

pflege, 2021, Art. 42 VRG N. 7, S. 354 f. mit Hinweisen). Insofern unterscheidet 

sich die vorliegende Konstellation auch von jener des vom Departement zitierten 

Urteils des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau, wo die berufliche und finan-

zielle Situation des Ehemanns undurchsichtig erschien und seine finanziellen Mög-

lichkeiten und der Unterhaltsanspruch der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter 

nur umfassend durch das Eheschutzgericht beurteilt werden konnte (VGer AG 

WBE.2005.99 vom 13. Oktober 2005 E. 5.5). 

Sollten sich die finanziellen oder beruflichen Verhältnisse ihres Ehemannes in Zu-

kunft erheblich verbessern – worauf aktuell nichts hindeutet und worüber die Be-

schwerdeführerin mitteilungspflichtig wäre (Art. 26 Abs. 1 SHEG) – müsste die Si-

tuation von der Sozialhilfebehörde allenfalls neu beurteilt werden. 

5.4. Auch die Mehrauslagen, welche dadurch entstehen, dass die Beschwerde-

führerin und A. zwei Haushalte führen, bzw. die Schadenminderungspflicht der Be-

schwerdeführerin rechtfertigen die Auflage zur Einleitung eines Eheschutzverfah-

rens nicht. Gemäss den Schaffhauser Richtlinien sind die auf dem getrennten 

Wohnen von verheirateten Personen beruhenden Mehrauslagen lediglich dann zu 

berücksichtigen, wenn das Getrenntleben gerichtlich geregelt ist oder sonst wich-

tige Gründe dafür vorhanden sind (vgl. Schaffhauser Richtlinien, Ziff. F.2 S. 15). 

Letzteres kann beispielsweise bei beruflichen Umständen der Fall sein oder wenn 

ein Zusammenleben nicht zumutbar ist (Handbuch öffentliche Sozialhilfe im Kanton 

Schaffhausen, Ausgabe 2015, Kapitel 7.11.2 S. 118; vgl. auch SKOS Richtlinien, 

Kapitel D.4.1. Erläuterungen c). Vorliegend haben die Beschwerdeführerin und A. 

die eheliche Gemeinschaft bereits Ende 2012 aufgegeben (Beschwerdeschrift vom 

23. Juni 2021 S. 2 und 4). Nach einer jahrelangen faktischen Trennung kann ihnen 

– entgegen der Ansicht der Sozialhilfebehörde – nicht zugemutet werden, wieder 

einen gemeinsamen Haushalt aufzunehmen. Vom 10. Februar bis 31. Oktober 

2020 lebte A. zwar vorübergehend wieder in der Wohnung der Beschwerdeführerin 

zur Untermiete. Es erscheint jedoch plausibel und ist auch nicht bestritten, dass 

dies nicht der Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft diente, sondern als 

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Übergangslösung gedacht war, bis er nach langer Arbeitslosigkeit und mehrjähri-

ger Obdachlosigkeit wieder in der Schweiz Fuss fassen konnte. Auch dass die Be-

schwerdeführerin A. seit seiner Krebserkrankung in diversen Belangen (ideell) un-

terstützt, kann nicht bereits als Wiederaufnahme der ehelichen Beziehung gewertet 

werden und ändert an der Unzumutbarkeit des Zusammenlebens somit nichts. Die 

Beschwerdeführerin legt sodann nachvollziehbar dar, weshalb sie, um eine zusätz-

liche psychische Belastung von A. zu verhindern, davon absieht, ein Eheschutz-

verfahren einzuleiten. Anzumerken ist überdies, dass auch im Rahmen eines Ehe-

schutzverfahrens nicht geprüft würde, ob sachliche Gründe für das Getrenntleben 

bestehen, da sich Ehegatten einvernehmlich darauf einigen können, getrennte 

Haushalte zu führen, ohne dass es dazu einer gerichtlichen Bewilligung bedarf (vgl. 

Schwander, Art. 175 ZGB N. 1, S. 1141). Ein Eheschutzverfahren würde ferner 

zusätzlichen Aufwand und Kosten generieren und könnte entgegen der Ansicht der 

Sozialhilfebehörde selbst bei Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege auf-

grund der Nachzahlungspflicht (vgl. Art. 123 ZPO) mit einer finanziellen Belastung 

für die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann verbunden sein. Ein rechtsmiss-

bräuchliches Verhalten der Beschwerdeführerin lässt sich nicht erkennen (vgl. zu 

einem ähnlichen Beispiel auch Peter Stadler, Wie ist die Sozialhilfe zu bemessen, 

wenn Eheleute nicht zusammenwohnen und das Getrenntleben nicht gerichtlich 

geregelt ist?, Fragen aus der Praxis zur Anwendung der SKOS-Richtlinien, ZESO 

5/2001, S. 70 ff.).  

5.5 Nach dem Gesagten ist die Auflage, ein Eheschutz- oder Scheidungsver-

fahren einzuleiten, nicht rechtmässig, weil sie in unverhältnismässiger Weise in die 

Grundrechte der Beschwerdeführerin eingreift. Der Rekursentscheid ist in diesem 

Punkt aufzuheben, womit infolge des Devolutiveffekts insoweit auch der Beschluss 

der Sozialhilfebehörde vom 17. Februar 2021 (Abs. 3) aufgehoben ist, und die Be-

schwerde entsprechend gutzuheissen. Eine Prüfung der weiteren Rügen der Be-

schwerdeführerin erübrigt sich.