# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4a9e7383-f766-5275-9557-0f2879beaa9b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-31
**Language:** de
**Title:** Medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt, Rückweisung zur Einholung Gutachten
**Docket/Reference:** IV.2024.00081
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00081.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00081
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Langone
Urteil
vom
31. Mai 2024
in Sach
en
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1965, meldete sich am 2
6.
Januar 202
2
unter Hinweis auf
eine
Erschöpfungsdepression
bei der Invalidenversicherung zum Leis
t
ungs
bezug
an (
Urk.
7/6). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und erwerblich
Situation ab, zog Akten der Krankentag
geldversicherung bei (
Urk.
7/1
4, 7/23
, 7/41
) und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/48; 7/57) mit Verfügung vom 21.
Dezember 2023 einen Leistungsanspruch des Versicherten (
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
1.
Februar 2024 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
1.
Dezember 2023 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die vorlie
gende Streitsache sei zur Einholung eines polydisziplinäre
n
Gutachten
s
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
März 2024 die Abwei
sung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 15.
März 2024 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG).
1.
3
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c
i.V.m
.
Art. 2 ATSG). Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht der Versicherten respektive der Parteien beschränkt (Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 ATSG), vor allem in Bezug auf Tatsachen, die sie besser kennen als die (Verwaltungs- oder Gerichts-) Behörde und welche diese sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben könnte (BGE 122 V 157 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 138 V 86 E. 5.2.3 und 125 V 193 E. 2; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst
die Beweislast im Sinne einer Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen geblie
benen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständig
keit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklärungsmassnahmen
noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
1.4
Im Rahmen von
Art.
54a
Abs.
2 IVG und
Art.
49
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
erhebt der RAD nicht selber medizinische Befunde,
vielmehr besteht die Funktion dieser Stellungnahmen darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Der RAD würdigt die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen). Die dabei erstellten Berichte haben eine andere Funktion als medizinische Gutachten (
Art.
44 ATSG) oder Untersuchungsberichte des RAD im Sinne von
Art.
49
Abs.
2 IVV. Aufgrund dieser Funktion können und müssen die internen Berichte nicht die an ein medizinisches Gutachten gestellten inhaltlichen Anforderungen erfül
len. Es kann ihnen aber auch nicht jede Aussen- oder Beweiswirkung abgespro
chen werden; sie sind vielmehr
entscheidrelevante
Aktenstücke (SVR 2009 IV Nr. 50; Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 2 zu Art. 54a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung aus (
Urk.
2), dass gemäss den medizinischen Berichte
n
keine erhebliche gesundheitliche Einschrän
kung vorliege, die sich längerdauernd auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers auswirke. Zudem sei die aktuelle Therapie nicht ausreichend. Hierzu werde auf ein separates Schreiben verwiesen, worin die nötigen Schritte zur Schaden
minderungspflicht ersichtlich seien (S. 1). Die mittelgradige depressive Störung des Beschwerdeführers werde im Verlauf nicht mehr erwähnt und es seien vor allem psychosoziale Faktoren dafür verantwortlich
. Der Lagerungsschwindel und das obstruktive Schlafapnoesyndrom seien gut behandelbar
(S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt
(
Urk.
1)
,
dass
die Beschwerdegegnerin
seinen
Gesundheitszustand nicht
korrekt abgeklärt habe
. Die somatischen Diagnosen seien nicht irrelevant,
er
leide bis heute an Kniebeschwerden, Lagerungsschwindel, einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom etc. Es hätten auch die Akten der Unfallversicherung eingeholt werden müssen. Bezüglich psychische
r
Beschwerden sei der
regionale ärztliche
Dienst (RAD) selbst Ende Mai 2023 davon ausgegangen, dass
er,
der Beschwerdeführer
,
arbeitsunfä
hig sei (S. 6), habe aber eine Remission bei Anpassung der Therapie für möglich erachtet (S. 6-7). Nun habe
er
sich allen möglichen Therapiemassnahmen unter
zogen und dennoch habe sich überhaupt keine Besserung ergeben
. Er sei noch immer vollumfänglich arbeitsunfähig. Auch die benötigte Psychiatrie-Spitex spreche gegen eine Remission (S. 7).
Insgesamt liege keine schlüssige Beurteilung
des RAD
vor und stehe der tatsächliche und medizinisch dokumentierte Verlauf in klarem Widerspruch zu
dessen
Prognose, weshalb die Beschwerdegegnerin ver
pflichtet gewesen wäre, ein neutrales Gutachten einzuholen (S. 8).
3.
3.1
Dr.
med.
Y.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
sowie Assis
tenzarzt
Z.___
von
der Klinik
A.___
führten im Bericht vom 2
5.
Mai 2022 (
Urk.
7/23/9-12) folgende Diagnosen auf (S. 1):
-
Mittelgradige depressive Episode (F32.1)
-
Schwere Erschöpfungssymptomatik bei anhaltenden beruflichen wie privaten Belastungsfaktoren bei narzisstischer Persönlichkeitsakzentuierung
-
Psychosomatischer Symptomkomplex aus hohem vegetativem
Arousal
, Anspannungszuständen, deutlicher Unruhe, Grübelneigung (F45.8)
-
Nicht organische Insomnie (F51) bei Verdacht auf Schlafapnoe-Syndrom (F51.0)
Der Aufenthalt dauerte vo
m
2
3.
März bis
3.
Mai 202
2.
Insgesamt sei von einem erfreulichen Behandlungsverlauf zu berichten mit einer Besserung der depressi
ven Symptomatik und psychosomatischen Beschwerden
. Bis 1
8.
Mai 2023 sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert worden
(S. 3
f.
).
3.2
Dr.
B.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
führte zu H
ä
nde
n
der Kran
kentaggeldversicherung am
7.
Februar 2023 ein
e
p
sychiatrische
Untersuchung durch und erstattete sein Gutachten
am 1
5.
Februar 2023 (
Urk.
7/41). Er diagnos
tizierte eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1
;
S. 10)
.
Die Stimmung sei deutlich zum depressiven Pol hin ausgelenkt (S. 8). Aufgrund der auffallenden kognitiven Defizite
, die aus seiner Sicht das
übliche Mass einer depressiven St
ö
rung überschritten, empfehle er dringend eine Demenz-Abklärung (S. 9). Der Beschwerdeführer sei aufgrund der depressi
v
en Störung und der massiven
kog
nitiven Defizite vollkommen arbeitsunfähig bezogen auf ein 100 %
-
Pensum. Diese Beurteilung gelte auch für allfällige Verweistätigkeiten. Es seien verschie
dene Behandlungsoptionen zu ergreifen. Die aktuelle Therapie sei nicht lege artis. Die Behandlungsfrequenz entspreche nicht der
S
chwere der Erkrankung und die Pharmakotherapie sei offenkundig unzureichend, da bisher keine relevante Ver
besserung der Symptomatik eingetreten sei (S.
9
). Es sei eine stationäre Behand
lung in einer psychiatrischen Klinik (Depressionsabteilung) dringend angezeigt (S. 10).
3.3
L
ic. phil.
C.___
, Neuropsychologin FSP vom Spital
D.___
, führte in ihrem Bericht
vom 5. Juni 2023 zur
neuropsychologischen Untersuchung vom 2
0.
April 2023 (
Urk.
7/55) aus, dass im Bereich der exekutiven Funktionen die Flexibilität schwer und die phonematische
Fluenz
diskret auffällig seien (S. 3-4).
Im Bereich der Aufmerksamkeit hätten sich eine leicht reduzierte
Alertness
, eine Ablenkbar
keit und Konzentrationsschwankungen gezeigt (S. 4). Sie stellte folgende Diag
nosen (S. 4):
-
Formal leichte bis mittelgradige neuropsychologische Störung mit Auffällig
keiten der Affektivität (noch unklarer Ätiologie) mit/bei:
-
Neuropsychologisches Profil: Minderleistungen in
attentionalen
und exekutiven Teilfunktionen, verbalem Gedächtnis (grenzwertige Lern
leistung, mittelschwere Abrufprobleme), Affektivität
-
MoCA
04/2023: 23/30
Mit Bericht des Spitals
D.___
vom
4.
Mai 2023 an die Hausärztin des Beschwerdeführers wurde die mild
neuro
c
ognitive
disorder
vom Oberarzt
Dr.
med.
E.___
als am ehesten im Rahmen der bekannten Depression gewertet (
Urk.
7/68 S. 3). Weiter zu berücksichtigen seien gemäss der Neuropsychologin
lic.
phil.
C.___
allfällige konstitutionelle Faktoren, welche bei Bedarf weiter abgeklärt werden müssten (Verdacht auf Entwicklungsstörung
,
DD ADHS
;
S. 4)
.
3.4
Oberarzt
Psychiatrie
F.___
und Psychotherapeuti
n
lic.
phil.
G.___
vom Spital
H.___
führten in ihrem Bericht vom 1
2.
Juni 2023 (
Urk.
7/68/1-3) folgende Diagnosen auf (S. 1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1), ED 01/2022, EM 10/2021
-
Nicht organische Insomnie (F51)
-
Psychosomatischer Symptomkomplex aus hohem vegetative
m
Arousal
, Anspannungszuständen, Unruhe und Gedankengrübeln (F45.8)
-
Schwere Erschöpfungssymptomatik bei Problemen mit Bezug auf Schwierig
keiten bei der Lebensbewältigung (Z73)
Der Beschwerdeführer sei aufgrund der
reduzierten Konzentration, Erschöpfung mit Spontanaktivitätsreduktion,
der
reduzierten Widerstands- und Durchhaltefä
higkeit sowie reduzierter Planungs- und Strukturierungsfähigkeit in seiner bishe
rigen und in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2).
3.5
Im Austrittsbericht des
I.___
vom 1
4.
September 2023 (
Urk.
7/71) hielten
der Chefarzt
J.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie
,
und Psychologe
K.___
folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
F43.2 Anpassungsstörung
en
-
F45.8 Sonstige somatoforme Störungen
-
Z73 Probleme mit Bezu
g
auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
-
F51.0 Nichtorganische Insomnie
-
F90.0
Verdacht auf
e
infache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
-
F60.8
Verdacht auf
Persönlichkeitsstörungen (narzisstische)
Der Beschwerdeführer sei vom 3.
bis 2
8.
August 2023 in ihrer stationären Behandlung gewesen.
Phänomenologisch
hätten ausgeprägte Erschöpfung und Antriebslosigkeit, Gedankenkreisen und Schlafstörungen im Vordergrund gestan
den.
Diagnostisch habe es sich um ein
uneindeutiges Störungsbild
gehandelt
, das weiterer diagnostischer
Abklärung be
dürfe
.
Am ehesten könne von einer Anpas
sungsstörung ausgegangen werden, vor dem Hintergrund einer
möglichen nar
zisstischen Persönlichkeitsstörung, bei Verdacht auf
eine
komorbide
ADHS und nichtorganische Insomnie. Die Eintrittsdiagnose einer mittelgradigen depressiven Episode einer rezidivierenden depressiven Störung habe nicht erhärtet werden können. Aufgrund des Unfalles
(aufgrund einer Synkope vom 2
8.
August 2023, vgl. S. 3)
und der Verschlechterung des Schlafs sei der Aufenthalt vorzeitig beendet worden. Der Beschwerdeführer sei zur medizinischen Untersuchung und Beobachtung in das Kantonsspital
L.___
verlegt worden und
dort
nach zwei Tagen entlassen worden (S. 4).
3.
6
Dr.
med.
M.___
,
Stv
. Oberärztin
,
und Assistenzärztin
N.___
vom Spital
L.___
hielten in ihrem Austrittsbericht
vom 2
9.
August 2023
(
Urk.
7/70)
folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
Synkope am 28.08.2023
-
Vorhofflimmern ED 28.08.2023
-
Sonstige somatoforme Störungen
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
Der Beschwerdeführer sei notfallmässig mit dem Rettungsdienst vo
m
I.___
nach unklarer Synkope zugewiesen worden. Er habe berichtet, dass er plötzlich bewusstlos geworden sei. In der klinischen Untersuchung
hätten
sich bis auf eine kleine Riss-Quetschwunde okzipital keine auffälligen Befund
e
gezeigt. Die Ursache der Synkope sähen sie am ehesten im Rahmen einer kardia
len Genese (S. 2). Es werde ein Langzeit-EKG im Verlauf zur Klassifizierung des Vorhofflimmerns empfohlen (S. 3).
3.
7
PD
Dr.
med.
O.___
,
Facharzt für Neurologie FMH
,
vom
Zentrum P.___
führte in seinem Bericht vom
1.
November 2023 (
Urk.
7/79) zur
s
chlafmedizini
schen Beurteilung folgende Diagnosen auf (S. 1)
:
-
Mittelgradiges obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS)
-
Chronische Insomnie
-
Posttraumatischer benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, EM 09/2023
-
Mittelgradige depressive Episode (F32.1)
-
Mild
Neurocognit
i
ve
Disorder
(DSM-5) ohne Verhaltensstörung 04/2023
-
Schwere Erschöpfungssymptomatik
-
Prostataobstruktionssyndrom Stadium I
-
Status nach
Kniedistorsion rechts 02/2021
-
Status nach
Operation einer
Septumdeviation
1989
Das OSAS trage wahrscheinlich zur
chronischen Schlafstörung und zur Tages
schläfrigkeit bei und sollte deshalb behandelt werden. Sie hätten sich für eine CPAP-Therapie entschieden (S. 2).
3.
8
Dr.
Q.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom
RAD hielt in ihrer Stellungnahme vom
4.
Oktober 2023 fest (
Urk.
7/81/2-4
)
, dass die mittel
gradige depressive Episode im Verlauf nicht mehr habe bestätigt werden können. In der stationären Behandlung sei eine Anpassungsstörung diagnostiziert worden (S. 3). Die Anpassungsstörung sei durch
psychosoziale
Belastungen aufrecht
erhalten worden und soll
t
e behandelt werden. Es bestehe weiterhin
eine
psychi
atrisch-medikamentöse Behandlungsnotwendigkeit.
Es könne demnach an der Auflag
e
der fachärztlich-psychotherapeutischen Behandlung in wöchentliche
m
Abstand über mindestens sechs Monate, inklusive Medikation und Laborspiegel
kontrollen der Medikation
,
festgehalten werden. Es sei zu erwarten, dass sich unter der Behandlung der psychische Zustand nach sechs Monaten deutlich bes
sere und
sich
die Arbeitsfähigkeit vollständig wiederherstellen lasse. Es könne demnach am
Abweis
und der angepassten Schadenminderungspflicht (SMP) fest
gehalten werden (S. 4).
Auf neuerliche Vorlage nach Eingang des Berichts von PD
Dr.
O.___
vom
1.
November 2023 (E. 3.7) nahm
Dr.
Q.___
dahingehend Stellung, als der Lagerungsschwindel durch Lagerungsmanöver und das OSAS durch eine CPAP-Therapie behandelt werden könnte (
Urk.
7/81 S. 6).
3.
9
Dr.
med.
R.___
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, stellte in seinem Bericht vom 3
0.
Januar 2024
(
Urk.
3)
folgende Diagnosen
(S. 1-2)
:
-
F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, ED 01/2022, EM 10/2021
-
Status nach
wiederholten Erschöpfungsdepressionen mit ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung bei
Dr.
S.___
2009 in
T.___
-
Gemäss Memory-Sprechstunde mit neuropsychologischer Untersu
chung vom April 2023:
MoCA
: 23/30 Punkte
Mild
neurocognitive
Disorder
(DSM 5) ohne Verhaltensstörung am ehesten im Rahmen der Depression
Nebendiagnosen nach ICD-10:
-
Z73 Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
-
Schwere Erschöpfungssymptomatik bei anhaltenden beruflichen wie privaten Belastungsfakt
o
ren
-
F45.8 sonstige somatoforme Störungen
-
psychosomatischer Symptomkomplex aus hohem vegetative
m
Arousal
, Anspannungszuständen, Unruhe und Gedankengrübeln
-
F51.0 Nichtorganische Insomnie bei F33.1: gemäss
I.___
:
Insomnia
Severity
Index 16 Punkte
Beim Beschwerdeführer beständen subjektive Beeinträchtigungen in Konzentra
tion, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit. Affektiv sei er leicht niedergestimmt, dysphorisch, gereizt
und affektlabil. Es beständen Störungen der Vitalgefühle mit Erschöpfung, Antriebslosigkeit und sozialem Rückzug sowie Schlafstörungen. Derzeit bestehe keine Arbeitsfähigkeit. Psychosoziale Faktoren spielten keine Rolle. Der Beschwerdeführer befinde sich alle zwei Wochen in Psychotherapie mit kognitiver Verhaltenstherapie (S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
den Rentenanspruch
des Beschwerdeführers mit der Begründung
,
es lägen keine erheblichen gesundheitlichen Einschränkun
gen vor, die sich längerdauernd auf seine Arbeitsfähigkeit auswirkten. Zudem sei die aktuelle Therapie nicht ausreichend,
was ihm mit separatem Schreiben bereits mitgeteilt worden sei
(
Urk.
2
S. 1
).
Gemeint ist
damit
wohl das Schreiben vom 2
3.
Mai 2023 betreffend Auflage einer Massnahme als Voraussetzung für allfäl
lige zukünftige Leistungsansprüche (vgl.
Urk.
7/47).
Da sich die vorliegende Ver
fügung
für die Verneinung des Rentenanspruchs nicht auf die Verletzung der Schadenminderungspflicht bezieht, erübrig
en sich Weiterungen hierzu in diesem Verfahren
.
Vielmehr gilt es zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin
das Vorliegen eines inva
lidisierenden Gesundheitsschadens zu Recht verneint
hat
, dies
im Wesentlichen
gestützt auf die
Stellungnahmen
von
Dr.
Q.___
, welche davon ausging, dass die depressive Störung im Verlauf nicht mehr habe bestätigt werden können und
die
letztlich diagnostizierte Anpassungsstörung psychosozial aufrecht erhalten werde und behandelbar sei (E. 3.8)
.
4.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.
3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
4.
4
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Leistungsgesuchs insbe
sondere damit, dass keine Diagnose mit langfristiger Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorliege, was aber angesichts der Aktenlage nicht ausgeschlossen wer
den kann. Diesbezüglich ist insbesondere zu beachten, dass im Hinblick auf die Dauer einer gesundheitlichen Störung in Bezug auf einen Rentenanspruch gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b und c IVG einzig erforderlich ist, dass sich diese während eines Jahres mindestens zu 40
%
auf die Arbeitsfähigkeit und nach Ablauf dieses Jahres mindestens zu 40
%
auf die Erwerbsfähigkeit auswirkt.
Auch
steht
die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegrün
de
nd
en Invalidität nicht absolut entgegen.
Denn die Behandelbarkeit, für sich allein betrachtet, sagt nichts über den invalidisierenden Charakter einer gesund
heitlichen Störung aus. Eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit muss in jedem Einzelfall unabhängig von der diagnostischen Einordnung eines Leidens und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen, was sich nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab beurteilt (
Urteil des Bundesgerichts 9C_327/2022 vom 1
0.
Oktober 2023 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
4.5
Gestützt auf die medizinische Aktenlage
können sowohl der Gesundheitszustand als auch
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
im hier relevanten Zeitraum (
Juli 2021
[Anmeldung im Januar 2022;
frühest
möglicher Rentenbeginn nach bestandener einjähriger Wartezeit im Juli 2022,
Art.
29
Abs.
1 in Verbindung mit
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
]
bis zum Erlass der angef
ochtenen Verfügung vom 2
1.
Dezember 2023)
gestützt auf
die
momentane Aktenlage
nicht abschliessend beurteilt werden
.
4.6
So
greift
bereits
die Annahme der RAD-Ärztin,
die mittelgradige depressive Epi
sode
habe
im Verlauf nicht mehr bestätigt werden können
,
zu kurz
.
Vielmehr ist der Beschwerdeführer bereits seit Oktober 2021 von seinen Behandlern aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung
krankgeschrieben
(vgl. Urk.
7/14/6,
Urk.
7/14/11)
, dies nachdem er ab 2
0.
Februar 2021 aufgrund eines am 1
1.
Februar 2021 erlittenen Unfalls zwischen 100
%
und 50
%
arbeitsunfähig geschrieben war (
Urk.
7/14/16)
. Von
M
ärz bis Mai 2022 erfolgte ein stationärer Aufenthalt, bei dem
ebenfalls eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert wurde (Urk.
7/23/9)
.
S
chliesslich ging der Gutachter der Krankentaggeldversiche
rung
rund ein Jahr später
nach wie vor von einer mittelgradigen depressiven Episode
mit einhergehender gänzlicher Arbeitsunfähigkeit
aus (vgl. E. 3.2).
A
uch
Dr.
Q.___
war im Mai 2023 offenbar
selber
n
och
der Ansicht, dass eine mit
telgradi
g
e depressive Episode vorlag (vgl.
Urk.
7/46/
5-7
).
E
rst im September 2023 wurde erstmals eine Anpassungsstörung
in den medizinischen Akten erwähnt
(vgl. E. 3.5).
W
ie jedoch im
Austrittsbericht de
s
I.___
festgehalten
wurde
,
han
delt
e
es sich
um ein uneindeutiges Störungsbild, das weiterer diagnostischer Abklärung bed
a
rf (Urk.
7/71
, wo auch ein dringender Verdacht auf eine narziss
tische Persönlichkeitsstörung sowie weitere Akzentuierungen erwähnt wurden
)
.
Eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes wurde
im Bericht de
s
I.___
nicht aufgezeigt.
Bei dieser Aktenlage kann somit
das Vorliegen
eine
r
funktionell einschränkende
n
depressive
n
Erkrankung
im massgeblichen Beurtei
lungszeitraum (E. 4.5)
nicht
mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit
ausgeschlos
sen werden
, wie das die Beschwerdegegnerin annimmt
.
Ausserdem
stehen mit Blick auf die Diagnostik im Bericht des
I.___
weitere psychische Störungen im Raum, deren Relevanz für die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers bis anhin ungeklärt blieb und wozu
Dr.
Q.___
keine Stellung bezog (E. 3.8).
Zudem
sagt
allein der Umstand, dass die depressive Episode im September 2023 nicht mehr habe diagnostiziert werden können
,
nichts über deren zeitl
i
chen Ver
lauf aus
.
Darüber hinaus stände wie bereits ausgeführt auch eine Behandelbarkeit einer solchen Erkrankung einem invalidisierenden Gesundheitsschaden nicht ent
gegen.
4.7
Insgesamt
ist
somit aufgrund der
vorliegenden
Aktenlage im
entscheidrelevanten
Zeitraum
unklar, wie es sich mit dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
und der daraus folgenden funktionellen Leistungsfähigkeit
verhält
.
Eine psychi
atrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, welche sich an den normativen Vorga
ben orientiert und eine Überprüfung der attestierten funktionellen
Einschränkun
gen
anhand der rechtserheblichen Indikatoren (E. 4.4) zuliesse, liegt
weder mit den Berichten der Behandler noch dem Gutachten von
Dr.
B.___
(E. 3.2)
vor.
Mit Blick auf die höchstrichterliche Rechtsprechung, wonach leicht- bis mittel
gradige depressive Störung
en
ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiat
rische Komorbiditäten im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit zu definieren sind
und insbesondere bei Vorliegen eines bedeutenden therapeuti
schen Potentials
gewichtige Gründe vorliegen
müssen
, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (BGE 148 V 49 E. 6.2.2 mit Hinweis)
, ist dies aber unabdingbar.
4.
8
Was das
V
orliegen psychosozialer Belastungsfaktoren anbelangt,
gilt
es
zu berücksichtigen, dass es nicht zulässig ist, die Beurteilung der psychosozialen
Belastungsfaktoren der eigentlichen Prüfung der Standardindikatoren voranzu
stellen und einen invalidisierenden Gesundheitszustand losgelöst von dieser Prü
fung zu verneinen, gleichsam als läge ein Ausschlussgrund vor. Wie bei jeder geltend gemachten gesundheitsbedingten Erwerbsunfähigkeit ist auch bei leich
ten bis mittelschweren depressiven Störungen im Einzelfall (einzig) danach zu fragen, ob und wie sich die Krankheit leistungslimitierend auswirkt, wobei eine leistungs-, insbesondere rentenbegründende Invalidität jedenfalls eine psychiat
rische, lege artis gestellte Diagnose voraussetzt. Nicht zuletzt im Sinne der Ein
zelfallgerechtigkeit ist es sach- und systemgerecht, solche Leiden ebenfalls einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Dass dabei soziale Belastungen, die direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, auszuklam
mern sind, steht ausser Frage. Sie sind aber nicht vorab und losgelöst von der
Indikatorenprüfung
, sondern in deren Rahmen im Gesamtkontext zu würdigen. Dabei werden die funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen durchaus auch mit Blick auf psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren abge
schätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen einer Gesundheitsschädigung beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_407/2020 vom
3.
März 2021 E. 4.1 mit Hinweisen).
Soweit
die Beschwerd
egegnerin aus
führte
, dass
vor allem psychosoziale Faktoren wie die Aufgabe des Lebensmittelgesch
äftes nach Problemen mit dem Personal und dem Vermieter, Probleme mit der Ausbildung
der
Tochter
des Beschwerde
führers
, Beziehungsprobleme, aktuelle Arbeitslosigkeit sowie Statusverlust für die mittelgradige depressive Störung
bzw. Anpassungsstörung
verantwortlich seien
(
Urk.
2 S. 2)
,
finde
n
sich im Austrittsbericht de
s
I.___
zwar
Hinweise auf
rele
vante
psychosoziale Umstände (
Urk.
7/71/3)
. Dass
einzig diese Faktoren das Stö
rungsbild des Beschwerdeführers aufrechterhalten
würden
, geht
aus besagtem Bericht
aber nicht hervor, weswegen nicht pauschal auf soziokulturelle Faktoren
als
Ausschlussgrund
geschlossen werden kann.
4.
9
Daneben ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer
gemäss Aktenlage
auch
an somatischen Beschwerden
(u.a.
Status nach
Kniedistorsion,
posttrauma
tischer Lagerungsschwindel, mittelgradiges obstruktives Schlafapnoesyndrom)
leidet.
Diesbezüglich ist die medizinische Aktenlage
ebenfalls
unvollständig.
4.
10
Der medizinische Sachverhalt ist nach dem Gesagten ungenügend abgeklärt, wes
halb die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese
die Akten ergänze und
den Gesundheitszustand und die funktionelle Leistungsfähig
keit des Beschwerdeführers
zumindest
in Form eines
psychiatrischen
Gutachtens abkläre (psychiatrisch inklusive neuropsychologisch). Ob sich mit Blick auf den
somatischen Zustand des Beschwerdeführers nach erfolgter
Aktualisierung
des Dossiers zusätzliche Disziplinen aufdrängen, wird gegebenenfalls zu prüfen sein.
Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang
auch
darauf, dass im Rahmen der wei
teren Abklärungen mit Blick auf den Grundsatz «Eingliederung statt/vor Rente» gegebenenfalls Eingliederungsmassnahmen zu prüfen sind.
4.1
1
Die angefochtene Verfügung vom
2
1.
Dezember 2023
ist daher aufzuheben und die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergän
zender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vor
nehme und sodann über den Leistungsanspruch neu verfüge.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
7
00.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
, unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das Begehren im Haupt- oder Eventualantrag gestellt wird
(BGE
141 V 281 E. 11.1,
137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2)
. Folglich sind
die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss
ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 1'
9
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom
2
1.
Dezember
202
3
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwä
gungen, neu entscheide.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Parteientschä
digung von
Fr.
1’900
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLangone