# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dc993b65-b25b-56ae-8273-a59dc1f4318b
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-15
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 15.09.2017 OG.2017.00023 (OGZ.2017.100)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2017-00023_2017-09-15.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 15. September 2017

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2017.00023

  
	
   

  
	
   

  
	
  B.______

  
	
  Beklagte und

  
	
  Berufungsklägerin

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch C.______ 

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______ (Verein)

  
	
    

  
	
  Kläger
  und

  
	
  Berufungsbeklagter

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch D.______ 

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Forderung

  
	
  Anträge der
  Berufungsklägerin (gemäss Eingabe vom 19. April 2017
  [act. 29 S. 2], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es seien die Dispositiv-Ziffern
    1 und 2 des Urteils des Kantonsgerichtspräsidenten vom 23. März 2017
    im Verfahren ZG.2016.00543 aufzuheben und es sei auf die Klage des
    Berufungsbeklagten vom 15. August 2016 nicht einzutreten.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Der Berufungsklägerin sei für
    das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und in
    der Person von Rechtsanwalt C.______ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu
    bestellen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen (für beide Instanzen) zu Lasten des
    Berufungsbeklagten.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  (Prozessverlauf)

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Der Verein A.______ mit Sitz in
    Glarus leitete am 3. Mai 2016 beim Vermittleramt Glarus Nord ein
    Schlichtungsverfahren gegen B.______ ein. Das Vermittleramt Glarus Nord
    stellte A.______ diesbezüglich am 3. Juni 2016 die Klagebewilligung
    aus, mit der Begründung, B.______ sei der Schlichtungsverhandlung von
    demselben Tag ferngeblieben (act. 1). Daraufhin reichte A.______
    (fortan „Kläger“) am 15. August 2016 beim Kantonsgerichtspräsidenten
    fristgerecht eine Forderungsklage gegen B.______ (fortan „Beklagte“) ein.
    Darin beantragte der Kläger, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm
    CHF 23‘245.75 zuzüglich 5 % Zins auf CHF 22‘291.25 seit 13.
    Dezember 2014 zu bezahlen, und es sei der Rechtsvorschlag in der
    diesbezüglich gegen die Beklagte angehobenen Betreibung zu beseitigen
    (act. 1).

    
	
    2.

    	
    In der Folge beantragte die
    Beklagte mit Eingabe vom 11. Oktober 2016, dass auf die Klage mangels
    gültiger Klagebewilligung nicht einzutreten und das Verfahren einstweilen
    auf die Eintretensfrage zu beschränken sei (act. 10). Der Kläger liess
    sich hierzu mit Rechtsschrift vom 28. November 2016 vernehmen
    (act. 18). Hierzu wiederum nahm die Beklagte mit Eingabe vom
    15. März 2017 Stellung (act. 25). Schliesslich erkannte der
    Kantonsgerichtspräsident mit Zwischenentscheid vom 23. März 2017, dass
    er auf die Klage eintritt (act. 26).

    
	
    3.

    	
    Gegen diesen Zwischenentscheid
    erhob die Beklagte mit Rechtsschrift vom 19. April 2017 rechtzeitig
    Berufung und stellte die einleitend wiedergegebenen Anträge (act. 29).
    Am 18. Mai 2017 bewilligte der Obergerichtspräsident deren
    Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und bestellte ihr C.______ als
    unentgeltlichen Rechtsbeistand (act. 34). Weiter zog das Obergericht
    die Akten des vor Klageerhebung beim Vermittleramt Glarus Nord
    durchgeführten Schlichtungsverfahrens bei (act. 35-36/1-9).

    
	
    4.

    	
    Da die Berufung – wie
    nachfolgend aufgezeigt wird – offensichtlich unbegründet ist, erübrigt es
    sich, die Berufungsschrift dem Kläger zur Stellungnahme zuzustellen
    (Art. 312 Abs. 1 ZPO).

    

  

  
	
   

  
	
  II.

  (Rechtsmittelvoraussetzungen)

  
	
   

  
	
  Beim angefochtenen Urteil des
  Kantonsgerichtspräsidenten vom 23. März 2017 (act. 26) handelt es
  sich um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 237 Abs. 1 ZPO.
  Gemäss Art. 237 Abs. 2 ZPO sind solche Zwischenentscheide selbstständig
  anzufechten. Da der Streitwert CHF 10‘000.– übersteigt (vgl. z.B.
  act. 2 S. 2), ist gegen das angefochtene Urteil das Rechtsmittel
  der Berufung zulässig (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Auch die übrigen
  Rechtsmittelvoraussetzungen sind erfüllt. Auf die Berufung der Beklagten ist
  daher einzutreten.

  
	
   

  
	
   

  
	
  III.

  (Gültige Klagebewilligung als Prozessvoraussetzung)

  
	
   

   

  
	
  A.                Ausgangslage
  und angefochtener vorinstanzlicher Entscheid

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beklagte brachte vor
    Vorinstanz im Wesentlichen vor, seitens des Klägers habe an der
    Schlichtungsverhandlung vom 3. Juni 2016 vor dem Vermittleramt Glarus
    Nord einzig G.______ teilgenommen. Dieser sei jedoch für den Kläger
    lediglich kollektivzeichnungsberechtigt. Damit sei der Kläger nicht
    rechtsgültig an der Schlichtungsverhandlung anwesend gewesen. Sodann sei
    der Kläger bereits bei Einreichung des Schlichtungsgesuches nicht rechtsgenügend
    bevollmächtigt gewesen, da auch die bei den Akten liegende Anwaltsvollmacht
    vom 1. Februar 2016 nur eine Unterschrift aufweise, obwohl der Kläger
    ausschliesslich über kollektivzeichnungsberechtigte Personen verfüge.
    Demnach hätte, so die Beklagte weiter, das Vermittleramt nicht zu einer
    Schlichtungsverhandlung vorladen und noch weniger eine solche Verhandlung
    durchführen sowie eine Klagebewilligung ausstellen dürfen. Vielmehr hätte
    es das Verfahren wegen Säumnis des Klägers an der Schlichtungsverhandlung
    als zurückgezogen behandeln müssen. Die dennoch ausgestellte
    Klagebewilligung vom 3. Juni 2016 sei folglich ungültig und infolge Fehlens
    einer Prozessvoraussetzung sei auf die Klage nicht einzutreten. Weil das
    Vermittleramt mangels genügender Vertretung des Klägers eine Schlichtungsverhandlung
    weder einberufen noch durchführen hätte dürfen, sei es im Übrigen
    irrelevant, ob sie (Beklagte) anlässlich der Schlichtungsverhandlung
    anwesend gewesen sei oder nicht (act. 10; act. 25).

    
	
    2.

    	
    Die Vorinstanz erwog in ihrem
    Urteil vom 23. März 2017 sinngemäss, die Beklagte habe vor dem
    Vermittleramt Glarus Nord die mangelhafte Vertretung des Klägers nicht
    gerügt. Entgegen der gemäss Art. 204 Abs. 1 ZPO geltenden
    Erscheinungspflicht sei sie der Schlichtungsverhandlung ferngeblieben und
    habe ihre Absenz sogar bereits im Vorfeld der Schlichtungsverhandlung
    angekündigt. Durch ihre angezeigte dortige Säumnis habe sie gleichsam darauf
    verzichtet, den Mangel der ungenügenden Bevollmächtigung bzw. Vertretung
    des Klägers im Schlichtungsverfahren resp. an der Schlichtungsverhandlung
    bereits vor dem Vermittleramt vorzubringen. Das Vorgehen der Beklagten
    erscheine rechtsmissbräuchlich, indem sie der bei der Schlichtungsverhandlung
    anwesenden Klägerin vorwerfe, zu dieser Verhandlung nicht mit zum
    Vergleichsabschluss ermächtigten Personen erschienen zu sein, einen solchen
    Vergleichsabschluss aber durch ihre eigene Abwesenheit zum Vornherein
    ausgeschlossen habe (act. 26 E. II.3.).

    

  

  
	
  B.                Rügen
  der Beklagten in der Berufung

  
	
  In ihrer Berufung vom
  19. April 2017 beanstandet die Beklagte, die Vorinstanz sei in
  rechtsfehlerhafter Weise von einer gültigen Klagebewilligung ausgegangen und
  habe somit das Vorhandensein der entsprechenden Prozessvoraussetzung zu Unrecht
  bejaht. Sie wiederholt ferner ihr bereits vor Vorinstanz vorgebrachtes Argument,
  wonach das Vermittleramt angesichts der bei Einreichung des Schlichtungsgesuchs
  ungenügenden Bevollmächtigung des Klägers nicht zu einer Schlichtungsverhandlung
  hätte vorladen dürfen. Auch in der Berufungsschrift moniert die Beklagte sodann,
  da seitens des Klägers an der Schlichtungsverhandlung vom 3.Juni 2016 einzig
  der lediglich kollektivzeichnungsberechtigte G.______ teilgenommen habe, sei
  der Kläger an der Schlichtungsverhandlung nicht rechtsgültig anwesend
  gewesen. Damit hätte das Vermittleramt das Verfahren wegen Säumnis des
  Klägers in Anwendung von Art. 206 ZPO als zurückgezogen behandeln müssen.
  Indem die Vorinstanz die dennoch ausgestellte Klagebewilligung als gültig
  qualifiziert habe, habe sie gegen die Bestimmungen der ZPO verstossen und entgegen
  der einschlägigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung entschieden. Insbesondere
  gelte die Rechtsprechung, dass auf ein Schlichtungsbegehren nur eingetreten
  werden könne, wenn die klagende Partei an der Schlichtungsverhandlung
  persönlich anwesend sei, entgegen der Auffassung der Vorinstanz unabhängig davon,
  ob die beklagte Partei an dieser Verhandlung persönlich anwesend war oder
  nicht (act. 29 Rz. III.1 ff.).

  
	
  C.               Rechtliche
  Grundlagen 

  
	
  	
    1.

    	
    Das Gericht tritt auf eine
    Klage oder auf ein Gesuch ein, sofern die Prozessvoraussetzungen erfüllt
    sind (Art. 59 Abs. 1 ZPO). Das Vorliegen einer gültigen Klagebewilligung
    der Schlichtungsbehörde nach Art. 209 ZPO ist, wo dem Prozess überhaupt ein
    Schlichtungsversuch vorauszugehen hat, eine Prozessvoraussetzung, die das
    Gericht von Amtes wegen zu prüfen hat. Während die Klagebewilligung selber
    – abgesehen vom Spruch über die Kosten – keinen anfechtbaren Entscheid
    darstellt, kann die beklagte Partei ihre Gültigkeit im erstinstanzlichen
    Klageverfahren bestreiten. Das Gericht hat dann im Rahmen der Klärung der
    Prozessvoraussetzungen zu prüfen, ob der (von der beklagten Partei) geltend
    gemachte Mangel des Schlichtungsverfahrens die Ungültigkeit der
    Klagebewilligung bewirkt. So erachtet es das Bundesgericht etwa als
    denkbar, eine Klagebewilligung bei offensichtlicher Unzuständigkeit der
    Schlichtungsbehörde oder bei Mitwirkung eines befangenen Vermittlers für
    ungültig zu erklären (zum Ganzen: BGer 4A_387/2013 vom 17. Februar 2014,
    E. 3.2. m.w.H.). Insgesamt ist bei Vorliegen von Verfahrensmängeln im
    Schlichtungsverfahren indes nicht leichthin von einer Ungültigkeit der
    Klagebewilligung auszugehen, sondern nur bei schwerwiegenden
    Verfahrensfehlern (KGer FR, Urteil 102 2016 168 vom 3. März 2017,
    E. 2; OG ZH, LA160012 vom 14. Oktober 2016, E. III.5.2, je
    m.w.H.).

    
	
    2.

    	
    a)   Die Parteien müssen
    persönlich zur Schlichtungsverhandlung erscheinen (Art. 204 Abs. 1 ZPO).
    Sie können sich von einer Rechtsbeiständin, einem Rechtsbeistand oder einer
    Vertrauensperson begleiten lassen (Art. 204 Abs. 2 ZPO). Nicht persönlich
    erscheinen muss und sich vertreten lassen kann, wer sich auf einen
    gesetzlich vorgesehenen Dispensationsgrund berufen kann, so namentlich, wer
    ausserkantonalen oder ausländischen Wohnsitz hat oder wegen Krankheit,
    Alter oder anderen wichtigen Gründen verhindert ist (Art. 204 Abs. 3 lit. a
    und b ZPO). Bei Säumnis der klagenden Partei gilt das Schlichtungsgesuch
    als zurückgezogen; das Verfahren wird als gegenstandslos abgeschrieben
    (Art. 206 Abs. 1 ZPO). Bei Säumnis der beklagten Partei verfährt die
    Schlichtungsbehörde, wie wenn keine Einigung zu Stande gekommen wäre, das
    heisst gemäss den Artikeln 209-212 der Zivilprozessordnung (Art. 206 Abs. 2
    ZPO). Sie hat somit die Klagebewilligung zu erteilen (Art. 209 Abs. 1 ZPO).
    In gewissen Fällen kann sie stattdessen den Parteien einen Urteilsvorschlag
    unterbreiten (Art. 210 Abs. 1 ZPO) oder auf Antrag der klagenden Partei die
    Streitigkeit entscheiden (Art. 212 Abs. 1 ZPO; zum Ganzen: BGE 141 III 265,
    E. 4.2 m.w.H.).

    
	
    b)

    	
    Art. 204 Abs. 1 ZPO verlangt,
    dass die für eine juristische Person als Partei an der Schlichtungsverhandlung
    anwesende Vertreterin vorbehaltlos und gültig handeln kann. So muss sie
    insbesondere zum Vergleichsabschluss ermächtigt sein (BGE 141 III 159,
    E. 2.3 m.w.H.). Die Schlichtungsbehörde muss rasch und einfach prüfen
    können, ob eine juristische Person korrekt vertreten zur
    Schlichtungsverhandlung erschienen ist. Die im Handelsregister
    eingetragenen Organe und die Prokuristen haben zu diesem Zweck einen
    Handelsregisterauszug vorzuweisen. Die (kaufmännischen) Handlungsbevollmächtigten
    haben eine Vollmacht zur Prozessführung in dieser Angelegenheit im Sinne
    von Art. 462 Abs. 2 OR vorzulegen, aus der sich zudem ihre
    Handlungsvollmacht im Sinne von Art. 462 OR ergibt. Faktische Organe
    vermögen nichts Derartiges vorzuweisen. Eine juristische Person kann sich daher
    im Schlichtungsverfahren nicht von faktischen Organen vertreten lassen.
    Ebenso reicht für das persönliche Erscheinen einer juristischen Person eine
    bloss bürgerliche Bevollmächtigung im Sinne von Art. 32 ff. OR
    der für sie erscheinenden natürlichen Person nicht aus (BGE 141 III 159,
    E. 2.6, 3.2; OG ZH, NP150031 vom 2. August 2016,
    E. 4 ff., je m.w.H.). Zu beachten ist ferner, dass nachträglich
    genehmigte Vertretungshandlungen ohne vorgängige Bevollmächtigung nicht als
    vorbehaltlose und gültige Vertretung im erwähnten Sinne gelten (BGE 140 III
    70, E. 4.3 f.; OG BE ZK 15 275 vom 26. August 2015,
    E. 2.6).

    
	
    c)

    	
    Sinn und Zweck der in
    Art. 204 ZPO statuierten Verpflichtung der Parteien zum persönlichen
    Erscheinen zur Schlichtungsverhandlung ist es, zwischen den miteinander im
    Streit stehenden Personen vor der allfälligen Klageeinreichung ein
    persönliches Gespräch bzw. eine wirkliche Aussprache zu ermöglichen (BGE
    140 III 70, E. 4.3 m.w.H.). Mit Art. 204 ZPO wird also nicht etwa
    der Schutz der Parteien vor unberechtigter Vertretung im Schlichtungsverfahren
    und somit ihrer Entscheidungsfreiheit beabsichtigt, sondern es soll die
    wirksame Durchführung des Schlichtungsversuchs gewährleistet und dadurch
    die einvernehmliche Streitbeilegung gefördert werden (BGer 4A_51/2015 vom
    20. April 2015, E. 3.3.).

    

  D.               Beurteilung
  

  
	
  	
    1.

    	
    a)   Folgender Sachverhalt ist
    unbestritten bzw. geht unzweifelhaft aus den Akten hervor: Dem
    Schlichtungsgesuch des Klägers vom 3. Mai 2016 lag eine vom
    1. Februar 2016 datierende Vollmacht bei (act. 36/1 Rz. 1).
    Diese Vollmacht trägt einzig die Unterschrift von G.______, der indes für
    den Kläger lediglich kollektivzeichnungsberechtigt ist (act. 36/5 =
    act. 4). Nach Eingang des Schlichtungsgesuchs lud das Vermittleramt
    Glarus Nord am 6. Mai 2016 zur Schlichtungsverhandlung auf den
    3. Juni 2016 vor (act. 36/4). Mit Schreiben vom 31. Mai 2016
    zeigte Rechtsanwalt C.______ unter Beilage der entsprechenden Vollmacht an,
    dass er die Beklagte vertritt. Ferner teilte er in diesem Schreiben mit,
    dass seitens der Beklagten niemand an der Schlichtungsverhandlung
    teilnehmen werde (act. 36/6-7).

    
	
    b)

    	
    Die Beklagte macht geltend, an
    der Schlichtungsverhandlung vom 3. Juni 2016 habe seitens des Klägers
    ausschliesslich der kollektivzeichnungsberechtigte G.______ teilgenommen
    (act. 10 Rz. III.5; act. 29 Rz. III.8). Der Kläger
    bestreitet dies vor Vorinstanz in seiner Eingabe vom 28. November 2016
    zwar pauschal (act. 18 Rz. 10 ff.), gesteht das beklagtische
    Vorbringen aber in der diesbezüglichen Beilage (Protokollauszug einer
    Vorstandssitzung vom 16. November 2016) ein, indem dort festgehalten
    wird, dass der klägerische Vorstand die Teilnahme von G.______ als
    Vertreter des Klägers an der fraglichen Schlichtungsverhandlung genehmige
    (act. 19/51).

    
	
    2.

    	
    Entgegen der Auffassung der
    Beklagten weist das Schlichtungsverfahren vor dem Vermittleramt Glarus Nord
    keinen Verfahrensmangel auf:

    
	
    a)

    	
    Kein Verfahrensmangel ist
    vorweg darin zu erblicken, dass das Vermittleramt nach Eingang des von der
    klägerischen Rechtsanwältin mit einer einzig vom
    kollektivzeichnungsberechtigten G.______ unterzeichneten und somit ungenügenden
    Vollmacht eingereichten Schlichtungsgesuchs sogleich zur
    Schlichtungsverhandlung vorlud. Denn weil wie erwogen (E. III.C.2b) hinsichtlich
    der Schlichtungsverhandlung auch für juristische Personen eine Pflicht zum
    persönlichen Erscheinen durch vorbehaltlos und gültig handlungsbefugte
    Personen gilt, bestand die Möglichkeit, dass entsprechende Vertreter des
    Klägers an der Schlichtungsverhandlung die Einreichung des Schlichtungsgesuchs
    durch ihre Rechtsvertreterin zeitnah (vgl. Art. 203 Abs. 1 ZPO)
    nachträglich genehmigen (vgl. z.B. auch OG ZH, LA160012 vom
    14. Oktober 2015, E. III.5.5). Eine Nachfristansetzung im Sinne
    von Art. 132 Abs. 1 ZPO oder dergleichen erübrigte sich also. Im
    Übrigen hat in casu der Vorstand des Klägers am 16. November 2016,
    d.h. jedenfalls nach Klageeinreichung, die Einreichung des
    Schlichtungsgesuchs vom 3. Mai 2016 (act. 36/1) auch effektiv
    genehmigt (act. 19/51).

    
	
    b)

    	
    Weiter war das Vermittleramt
    Glarus Nord nicht gehalten, die auf den 3. Juni 2016 angesetzte
    Schlichtungsverhandlung (act. 36/4) überhaupt durchzuführen, nachdem
    die Beklagte wenige Tage zuvor ausdrücklich und unmissverständlich erklärt
    hatte, an ebendieser Verhandlung nicht teilzunehmen (act. 36/7). In
    der Lehre wird nämlich mit überzeugenden Argumenten vertreten, dass in
    diesem Fall die Schlichtungsverhandlung aus Gründen der Prozessökonomie
    nicht durchgeführt zu werden braucht und der klagenden Partei die
    Klagebewilligung per Post zugestellt werden darf (vgl. Gasser/Müller/Pietsch-Kojan,
    Anwaltsrevue 1/2012, S. 9; a.M. Schrank, Grundsatzfragen zum
    Schlichtungsverfahren – Kompetenzkompetenz, Beteiligung Dritter und
    Erscheinungspflicht des Gesuchstellers bei angekündigtem Nichterscheinen des
    Gesuchsgegners?, in: Kren Kostkiewicz/Markus/Rodriguez, Das
    Schlichtungsverfahren nach ZPO, Bern 2016, S. 14 f. m.w.H.). Demnach
    entfalten in diesem, auch vorliegend gegebenen Fall die in Art. 206
    ZPO normierten Säumnisfolgen keine Wirkung und die Klagebewilligung vom
    3. Juni 2016 (act. 1) ist als gültig zu betrachten.

    
	
    c)

    	
    Schliesslich ist zu beachten,
    dass im vorliegenden Fall die Beklagte selber ihre Pflicht zum persönlichen
    Erscheinen an der Schlichtungsverhandlung gemäss Art. 204 ZPO verletzt
    hat, indem sie dieser – unmissverständlich vorangekündigt (act. 36/7)
    – fernblieb. Aufgrund ihres Schreibens vom 31. Mai 2016
    (act. 36/7) war bereits vorgängig zum Schlichtungstermin vom
    3. Juni 2016 klar, dass der Zweck der Schlichtungsverhandlung,
    zwischen den Parteien eine Einigung zu erzielen (vgl. Art. 201
    Abs. 1 ZPO), – selbst wenn der Kläger im Sinne von Art. 204 ZPO
    gehörig anwesend sein würde – nicht zu erreichen sein wird. Die Beklagte
    hat mithin durch ihr zum Voraus angekündetes Nichterscheinen zum Vornherein
    den Verhandlungszweck, zwischen den Parteien eine Einigung herbeizuführen,
    vereitelt. In dieser Situation von der klagenden Partei zu verlangen, dass
    sie im Sinne von Art. 204 ZPO persönlich zur Schlichtungsverhandlung
    erscheint, bloss um die Klagebewilligung abzuholen (Art. 206
    Abs. 2 ZPO i.V.m. Art. 209 ZPO), ist nicht angebracht (Schmid,
    ZZZ 27/2011, S. 186 f.). Dies, zumal Art. 204 ZPO wie
    erwähnt (vorne, E. III.C.2c) nicht den Schutz der Parteien vor unberechtigter
    Vertretung, sondern die wirksame Durchführung des Schlichtungsversuchs bzw.
    die Förderung der einvernehmlichen Streitbeilegung bezweckt.

    
	
    3.

    	
    Selbst wenn man einen
    Verfahrensmangel im Schlichtungsverfahren vor dem Vermittleramt Glarus Nord
    bejahen würde, weil seitens des Klägers unstrittig einzig der für ihn
    kollektivzeichnungsberechtigte G.______ an der Schlichtungsverhandlung vom
    3. Juni 2016 teilnahm (vgl. vorne, E. III.D.1b) und folglich das
    Erfordernis des persönlichen Erscheinens gemäss Art. 204 ZPO nicht
    erfüllt wurde, mithin keine Klagebewilligung hätte ausgestellt werden
    dürfen, sondern das Verfahren als gegenstandslos hätte abgeschrieben werden
    müssen (Art. 206 Abs. 1 ZPO), so vermöchte dieser Verfahrensmangel
    aufgrund der im vorliegenden Fall herrschenden Umstände nicht die Ungültigkeit
    der Klagebewilligung vom 3. Juni 2016 (act. 1) zu bewirken:

    
	
    a)

    	
    In casu war die Beklagte wie
    die klagende Partei ebenfalls zum persönlichen Erscheinen an der
    Schlichtungsverhandlung verpflichtet (Art. 204 Abs. 1 ZPO). Bei
    dieser Rechtslage kann von ihr nach Treu und Glauben (Art. 52 ZPO) erwartet
    werden, dass sie sogleich anlässlich dieser Verhandlung oder sonstwie
    während des Schlichtungsverfahrens ausdrücklich auf der Teilnahme einer
    rechtsgenügenden Vertretung des Klägers an der Verhandlung besteht (vgl.
    auch BGE 140 III 70, E. 5). Vorliegend tat die Beklagte dies nicht
    (womit denn auch der soeben zitierte Bundesgerichtsentscheid entgegen der
    Auffassung der Beklagten [z.B. act. 29 Rz. 9-14] in casu nicht einschlägig
    ist). Vielmehr verzichtete sie im Voraus ausdrücklich auf eine Teilnahme an
    der Schlichtungsverhandlung (act. 15/49 = act. 36/7). Unter
    diesen Umständen widerspricht es dem Grundsatz von Treu und Glauben
    (Art. 52 ZPO) bzw. ist es rechtsmissbräuchlich, wenn die Beklagte
    später im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren geltend macht, die ergangene
    Klagebewilligung sei ungültig (Schmid, ZZZ 27/2011, S. 186 f.).

    
	
    b)

    	
    Ausserdem hat die Beklagte in
    ihrem Schreiben vom 31. Mai 2016 (act. 15/49 = act. 36/7)
    dem Vermittleramt in knappen Worten mitgeteilt, ihrerseits werde niemand
    zur Schlichtungsverhandlung vom 3. Juni 2016 erscheinen. Damit hat sie
    – wie übrigens bereits vor Einleitung des Schlichtungsverfahrens (vgl. das
    Schreiben des beklagtischen Rechtsvertreters vom 28. Oktober 2015
    [act. 3/42]) – unmissverständlich zu erkennen gegeben, dass sie nicht
    interessiert ist, mit dem Kläger Vergleichsgespräche zu führen. Denn wäre
    ihr daran gelegen, einen solchen Einigungsversuch zu unternehmen, der
    Schlichtungstermin vom 3. Juni 2016 aber ihr oder ihrem Rechtsvertreter
    beispielsweise bloss wegen einer Terminkollision unpassend gewesen, so
    hätte sie ohne Weiteres um Verschiebung der Schlichtungsverhandlung
    ersuchen können (Art. 135 ZPO). Hinweise dafür, dass sich seitens der
    Beklagten inzwischen eine gewisse Vergleichsbereitschaft eingestellt hätte,
    liefert diese in ihren Rechtsschriften (act. 10; act. 25;
    act. 29) keine und sind auch sonst nicht ersichtlich. Somit würde es
    vorliegend einen blossen prozessualen Leerlauf und eine unnötige
    Verfahrensverzögerung bedeuten, würde man die Klagebewilligung vom
    3. Juni 2016 (act. 1) für ungültig erklären und auf die Klage
    nicht eintreten.

    
	
    4.

    	
    Aus den dargelegten Gründen und
    insbesondere weil gemäss der Rechtsprechung nicht leichthin von einer
    Ungültigkeit der Klagebewilligung auszugehen ist (vorne, E. III.C.1.),
    hat die Vorinstanz den beklagtischen Einwand der ungültigen
    Klagebewilligung im Ergebnis zu Recht verworfen und ist zu Recht auf die
    Klage eingetreten. Die Berufung ist demzufolge abzuweisen und der angefochtene
    vorinstanzliche Entscheid ist vollumfänglich zu bestätigen.

    

  

  
	
   

  
	
  IV.

  (Kosten- und Entschädigungsfolgen)

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Bei diesem Ausgang ist die
    nicht selbstständig angefochtene Regelung der Kosten- und
    Entschädigungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens (act. 26
    E. III. und Dispositiv-Ziff. 2) ohne Weiteres zu bestätigen (Art.
    106 Abs. 1 ZPO).

    
	
    2.

    	
    Da die Berufung vollumfänglich
    abzuweisen ist, sind die Kosten des Berufungsverfahrens der
    Berufungsklägerin (Beklagten) aufzuerlegen, jedoch zufolge ihr gewährter
    unentgeltlicher Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
    (Art. 106 Abs. 1 ZPO; Art. 122 Abs. 1 lit. b ZPO;
    Art. 123 ZPO). Der unentgeltliche Rechtsvertreter der
    Berufungsklägerin ist für das Berufungsverfahren aus der Gerichtskasse
    angemessen zu entschädigen (Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO). Dem
    Berufungsbeklagten (Kläger) ist keine Parteientschädigung zuzusprechen, da
    ihm im Berufungsverfahren kein nennenswerter Aufwand erwachsen ist (vgl.
    Art. 95 Abs. 3 ZPO).

    

  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des
    Kantonsgerichtspräsidenten vom 23. März 2017 im Verfahren
    ZG.2016.00543 wird vollumfänglich bestätigt.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten für das Berufungsverfahren werden auf
    CHF 600.– (Pauschalgebühr) festgesetzt.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens werden der
    Berufungsklägerin auferlegt, jedoch zufolge Bewilligung der unentgeltlichen
    Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die
    Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.

    
	
    4.

    	
    Dem Berufungsbeklagten wird für das Berufungsverfahren
    keine Parteientschädigung zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Rechtsanwalt C.______ wird aufgefordert, innert
    10 Tagen nach Zustellung dieses Urteils dem Obergericht im Hinblick
    auf die Festsetzung seiner Entschädigung als unentgeltlicher Rechtsbeistand
    der Berufungsklägerin für das Berufungsverfahren seine Honorarnote
    einzureichen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Schriftliche
    Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]

    

  

  
	
   

  
	
  Rechtsmittelbelehrung

  
	
   

  
	
  Der vorliegende
  Berufungsentscheid stellt einen selbständig eröffneten Zwischenentscheid im
  Sinne von Art. 93 BGG in einer vermögensrechtlichen Streitigkeit dar,
  deren Hauptsachenstreitwert CHF 30‘000.– nicht erreicht. Eine Beschwerde
  in Zivilsachen nach Art. 72 ff. BGG ist somit nur zulässig, wenn
  sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (Art. 74 BGG)
  sowie wenn der Entscheid einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken
  kann oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid
  herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein
  weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art 93 lit. a und b
  BGG). Ansonsten ist einzig die subsidiäre Verfassungsbeschwerde
  im Sinne der Art. 113 ff. BGG zulässig. Die
  Beschwerdeschrift an das Bundesgericht hat den Anforderungen von Art. 42
  BGG (Begehren, Begründung, Unterschrift, etc.) zu genügen; sie ist dem
  Bundesgericht innert 30 Tagen einzureichen, gerechnet ab Zustellung
  dieses Entscheids.