# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 34e2ebe5-5641-5ecd-bd53-1c238312d7e3
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-19
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 19.10.2022 100 2022 128
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2022-128_2022-10-19.pdf

## Full Text

100.2022.128U
DAM/SPR

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 19. Oktober 2022

Verwaltungsrichter Daum
Gerichtsschreiberin Minder

A.________
Beschwerdeführer

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

betreffend Wiederherstellung der Beschwerdefrist; Nichteintreten 
(Entscheid der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern vom
4. April 2022; 2022.SIDGS.198)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.10.2022, Nr. 100.2022.128U, 
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Prozessgeschichte:

A.

Der irakische Staatsangehörige A.________ (Jg. 1982) reiste im Jahr 2000 
in die Schweiz ein, wo er erfolglos um Asyl ersuchte. Im Jahr 2005 kam hier 
ein Sohn zur Welt, den er anerkannte. Gestützt auf die Ehe mit einer 
Schweizer Bürgerin wurde ihm später eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. 
Nach der Trennung und Scheidung von der Ehefrau entsprang aus einer 
neuen Beziehung eine Tochter. Aufgrund der Vaterschaftsanerkennung 
wurde ihm der Aufenthalt in der Schweiz weiterhin erlaubt (Härte-
fallbewilligung), teils unter Bedingungen. Nachdem er ausländerrechtlich 
verwarnt worden war, verweigerte das Amt für Bevölkerungsdienste des 
Kantons Bern (ABEV), Migrationsdienst (MIDI), mit Verfügung vom 8. Okto-
ber 2021 vorab wegen Schuldenwirtschaft die Verlängerung der Aufenthalts-
bewilligung und wies A.________ aus der Schweiz weg. Zudem wurde ihm 
eine Ausreisefrist gesetzt.

B.

Am 17. März 2022 ersuchte A.________ beim MIDI um Wiederherstellung 
der Beschwerdefrist für die Anfechtung der Verfügung vom 8. Oktober 2021. 
Der MIDI überwies das Gesuch zuständigkeitshalber der Sicherheits-
direktion des Kantons Bern (SID), wo es am 29. März 2022 verbessert 
wieder eingereicht wurde (eigenhändige Unterschrift). Mit Entscheid vom 
4. April 2022 trat die SID auf das Gesuch nicht ein.

C.

Dagegen hat A.________ am 4. Mai 2022 Verwaltungsgerichtsbeschwerde 
erhoben. Er beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die 
Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Gesuch um Wiederherstellung der 
Beschwerdefrist einzutreten. Zudem ersuchte er sinngemäss um 
unentgeltliche Rechtspflege, wobei er im weiteren Verlauf des Verfahrens 

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seine wirtschaftlichen Verhältnisse dokumentierte. Mit Vernehmlassung vom 
8. Juni 2022 beantragt die SID, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit 
darauf einzutreten sei. Zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege hat sie 
sich eines Antrags enthalten. Am 4. Juli 2022 hat sich A.________ nochmals 
zur Sache geäussert und an seinen Begehren festgehalten.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte 
kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 
zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge-
nommen, ist durch den angefochtenen Entscheid betreffend Nichteintreten 
auf das Wiederherstellungsgesuch besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 
VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind eingehalten (Art. 81 
Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Der Beschwerdeführer setzt sich hinreichend 
mit dem angefochtenen Entscheid auseinander (vgl. Vernehmlassung der 
SID S. 1; zum Streitgegenstand aber hinten E. 2), zumal an die Begründung 
von Rechtsmitteln gerade bei Laieneingaben keine hohen Anforderungen 
gestellt werden (vgl. Michel Daum, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum 
bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 32 N. 13 und 22 mit Hinweisen). Auf 
die Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide behandeln die Mit-
glieder des Verwaltungsgerichts als Einzelrichterin oder Einzelrichter (Art. 57 
Abs. 2 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Ge-
richtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

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2.

Die SID ist mit dem angefochtenen Entscheid auf das Gesuch des Be-
schwerdeführers um Wiederherstellung der Frist für die Beschwerde gegen 
die Verfügung des ABEV (MIDI) vom 8. Oktober 2021 nicht eingetreten. Pro-
zessthema des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens ist in einem solchen 
Fall grundsätzlich nur, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Gesuch nicht ein-
getreten ist und deshalb keinen Sachentscheid gefällt hat (vgl. BVR 2021 
S. 558 E. 1.2, 2017 S. 459 E. 2.3; Michel Daum, a.a.O., Art. 20a N. 45 mit 
weiteren Hinweisen). Soweit der Beschwerdeführer Gründe ins Feld führt, 
weshalb seine Aufenthaltsbewilligung entgegen der Verfügung vom 8. Okto-
ber 2021 zu verlängern sei (z.B. lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz, wo 
seine Kinder leben; Ursachen für das Nichterfüllen von Zahlungsverpflich-
tungen; gute Leistungen als Arbeitnehmer; unstabile politische und wirt-
schaftliche Lage im Heimatland), zielt er am Streitgegenstand vorbei (vgl. zu 
diesem Begriff statt vieler BVR 2020 S. 59 E. 2.2). Darauf ist nicht näher ein-
zugehen. Ebenso wenig kann das Verwaltungsgericht dem Beschwerdefüh-
rer aus den erwähnten Gründen zu einer «neuen» bzw. «letzten» Chance 
verhelfen (vgl. Beschwerde S. 4 und Eingabe vom 4.7.2022 S. 1 f.).

3.

3.1 Ist eine Partei durch einen anderen Grund als die mangelhafte Eröff-
nung unverschuldeterweise davon abgehalten worden, fristgerecht zu han-
deln, so wird die Frist wiederhergestellt, sofern die Partei unter Angabe des 
Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und 
die versäumte Rechtshandlung nachholt (Art. 43 Abs. 2 VRPG). Diese kan-
tonale Regelung gilt auch im Ausländerrecht, das weitgehend bundesrecht-
lich geregelt ist, zumal die Wiederherstellung verstrichener Verwirkungs-
fristen bei unverschuldeter Verhinderung als allgemeiner Rechtsgrundsatz 
anerkannt ist (Michel Daum, a.a.O., Art. 43 N. 10; VGE 2020/403 vom 
15.11.2021 E. 2.5).

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3.2 Entschuldbare Gründe im Sinn der erwähnten Bestimmung liegen 
vor, wenn die säumige Person aus objektiven oder subjektiven Gründen von 
einigem Gewicht davon abgehalten worden ist, fristgerecht zu handeln oder 
eine Vertretung zu bestellen. Eine schwere Erkrankung aufgrund körperli-
cher, geistiger oder psychischer Beeinträchtigung kann einen hinreichenden 
Grund abgeben (Michel Daum, a.a.O., Art. 43 N. 14 mit Hinweisen). Ein Hin-
dernis gilt als weggefallen, sobald es für die verhinderte Person objektiv und 
subjektiv zumutbar wird, entweder selbst tätig zu werden oder die Interes-
senwahrung einer Drittperson zu übertragen (Michel Daum, a.a.O., Art. 43 
N. 20; zum Ganzen BVR 2021 S. 359 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).

3.3 Der Beschwerdeführer hat angegeben, er habe sich ab dem 24. Ok-
tober 2021 im Irak aufgehalten, wo er an der Beerdigung seines Neffen teil-
genommen habe. Er sei erst am 16. November 2021 in die Schweiz zurück-
gekehrt, habe sich allerdings vom 17. bis 22. November 2021 wegen einer 
Hüftoperation in Spitalpflege begeben müssen. Vom 22. bis 28. November 
2022 sei er krankgeschrieben gewesen. – Die Vorinstanz hat offengelassen, 
ob damit ein hinreichender Grund für die Wiederherstellung der Beschwer-
defrist gegeben ist. Ein allfälliger Wiederherstellungsgrund sei spätestens 
nach dem 28. November 2021 weggefallen. Das Gesuch vom 17. bzw. 
29. März 2022 sei mit Blick auf die Frist von 30 Tagen nach Art. 43 Abs. 2 
VRPG deshalb verspätet.

3.4 Gegen diese Beurteilung bringt der Beschwerdeführer keine stichhal-
tigen Argumente vor. Das ärztliche Zeugnis des behandelnden Spitals be-
scheinigt eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 22. bis am 28. November 
2021 (Akten SID 5A1, Beilage 4). Der Beschwerdeführer macht zwar gel-
tend, er habe sich «psychisch sowie physisch in einer prekären Lage» be-
funden und habe sich «nicht richtig auf die Sache konzentrieren» können 
(Beschwerde S. 4). Inwiefern dieser Zustand nach dem 28. November 2021 
angedauert hat, belegt er jedoch nicht. Es obliegt der verhinderten Person, 
die Gründe für die Fristsäumnis darzulegen und mit geeigneten Beweismit-
teln zu untermauern (Mitwirkungspflicht, Art. 20 VRPG). Der Beschwerde-
führer müsste daher aufzeigen, weshalb und inwiefern er aus gesundheitli-
chen Gründen nicht fristgerecht handeln oder jemand anderen mit der Vor-
nahme der Handlung betrauen konnte (vgl. Michel Daum, a.a.O., Art. 43 

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N. 22 mit Hinweisen). Diesen Anforderungen ist er jedenfalls für den Zeit-
raum nach dem 28. November 2021 nicht nachgekommen, weshalb beweis-
rechtlich davon auszugehen ist, ein (allfälliger) Wiederherstellungsgrund sei 
ab diesem Zeitpunkt weggefallen. Mit seinem erst im März 2022 gestellten 
Gesuch ist die massgebende dreissigtägige Frist demnach nicht eingehal-
ten.

3.5 Bei diesem Ergebnis muss nicht vertieft werden, ob das Wiederher-
stellungsgesuch sinngemäss auch als Beschwerde gegen die Verfügung 
vom 8. Oktober 2021 verstanden werden könnte, ist doch innert Frist – wie 
die Vorinstanz richtigerweise ausgeführt hat – auch die versäumte Rechts-
handlung nachzuholen (vorne E. 3.1; vgl. Michel Daum, a.a.O., Art. 43 
N. 23). Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. 
Wie die Vorinstanz verzichtet das Verwaltungsgericht darauf, dem Be-
schwerdeführer eine neue Ausreisefrist anzusetzen. Dies bleibt gegebenen-
falls der Ausländerbehörde überlassen (vgl. BVR 2021 S. 359 E. 6).

4.

4.1 Bei diesem Prozessausgang wird der Beschwerdeführer an sich kos-
tenpflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Er hat indes für das verwaltungsgericht-
liche Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege ersucht (vorne Bst. C). Das 
Gesuch erweist sich als von vornherein aussichtslos (vgl. Art. 111 Abs. 1 
Bst. b VRPG; allgemein zur Voraussetzung der Nichtaussichtslosigkeit etwa 
BVR 2019 S. 128 E. 4.1; Lucie von Büren, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kom-
mentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 111 N. 30). Die Vorbringen 
des Beschwerdeführers betreffen in grossen Teilen nicht den Streitgegen-
stand. Was die hier allein zu beurteilende Wiederherstellung der Beschwer-
defrist angeht, fehlt es gänzlich an objektiven Beweismitteln, um die Recht-
zeitigkeit des Wiederherstellungsgesuchs nachzuweisen. Das Gesuch um 
unentgeltliche Rechtspflege ist daher abzuweisen, ohne dass die Bedürftig-
keit des Beschwerdeführers zu prüfen wäre.

4.2 Da über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege erst im Rahmen 
des Endentscheids befunden wird und der Beschwerdeführer deshalb keine 

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Gelegenheit hatte, die Beschwerde nach Abweisung des Gesuchs zurück-
zuziehen und damit Kosten zu sparen, sind diese praxisgemäss bloss in der 
Höhe der üblichen Abschreibungsgebühr zu erheben (BVR 2016 S. 369 
E. 4.3.1; Lucie von Büren, a.a.O., Art. 111 N. 17).

4.3 Ersatzfähige Parteikosten sind keine angefallen (Art. 108 Abs. 3 
i.V.m. Art. 104 VRPG).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine reduzierte Pauschalgebühr von Fr. 500.--, werden dem Beschwerde-
führer auferlegt.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

4. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführer
- Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
- Staatssekretariat für Migration

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.