# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 12af9263-eb71-526c-ba18-b1e60dc2c526
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-05
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 05.11.2021 SK 2020 316
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-316_2021-11-05.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 20 316

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 5. November 2021 

Besetzung Oberrichterin Sanwald (Präsidentin i.V.), Oberrichterin Falkner, 
Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiberin López

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________

Straf- und Zivilkläger

Gegenstand einfache Körperverletzung, Widerhandlungen gegen das Stras-
senverkehrsgesetz sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 18. Mai 2020 (PEN 19 952)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Am 18. Mai 2020 fällte das Regionalgericht Bern-Mittelland (Einzelgericht) gegen 
A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) folgendes Urteil (pag. 208 ff.; Hervorhe-
bungen im Original):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der einfachen Körperverletzung, begangen am 30. April 2018 in D.________ z.N. von 
C.________ (Art. 123 Ziff. 1 StGB);

2. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, begangen am 30. April 2018 in 
D.________ durch

2.1. einfache Verkehrsregelverletzung (Art. 35 Abs. 2 und 3, Art. 90 Abs. 1 SVG, Art. 12 
Abs. 2, 48 Bst. e StGB);

2.2. Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit (Versuch; 
Art. 91a Abs. 1 SVG, Art. 12 Abs. 2, 22 Abs. 1 StGB);

2.3. Pflichtwidriges Verhalten bei Unfall (Versuch; Art. 55 Abs. 1 VRV, Art. 51 Abs. 2, 92 
Abs. 2 SVG, Art. 12 Abs. 2, 22 Abs. 1 StGB).

II.

1. Der mit Strafbefehl BM 15 13556 von der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 13. Januar 
2016 für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen (Art. 46 
Abs. 1 StGB).

2. Der mit Strafbefehl STA.2017.3029 von der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 30. August 2017 
für eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen (Art. 46 
Abs. 1 StGB).

III.

A.________ wird

unter Einbezug der widerrufenen Geldstrafen im Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 46 Abs. 1 
StGB

und in Anwendung der Art. 34, 47, 49 Abs. 1 StGB, Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Gesamtgeldstrafe von 180 Tagessätzen zu CHF 40.00, ausmachend total 
CHF 7‘200.00.

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 100.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 1 Tag festgesetzt.

3. Zu den Verfahrenskosten von CHF 3‘129.20 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung).

[Kostentabelle]

3

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 600.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 2‘529.20 (ohne Kosten für die amtliche Ver-
teidigung).

4. A.________ hat dem Privatkläger C.________ eine Entschädigung von CHF 120.00 für seine 
Aufwendungen im Verfahren zu bezahlen.

IV. 

[Amtliche Entschädigung Rechtsanwalt B.________]

V. 

Die Zivilklage des Privatklägers C.________ wird auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 Bst. b 
StPO).

VI. 

[Eröffnungsformel] 

2. Berufung und Gang des Verfahrens

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Rechtsan-
walt B.________, am 25. Mai 2020 fristgerecht Berufung an (pag. 215). Nach Zu-
stellung der schriftlichen Urteilsbegründung vom 10. Juli 2020 reichte Rechtsanwalt 
B.________ mit Eingabe vom 4. August 2020 namens und im Auftrag des Be-
schuldigten form- und fristgerecht seine Berufungserklärung ein (pag. 254 ff.). Da-
nach seien – mit Ausnahme des Schuldspruchs wegen versuchten pflichtwidrigen 
Verhaltens bei Unfall – sämtliche Schuldsprüche, die entsprechende Sanktion, die 
Verurteilung zu den Verfahrenskosten, die Verurteilung zu einer Entschädigung an 
den Straf- und Zivilkläger sowie die Widerrufe angefochten.

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte am 10. August 2020 mit, dass sie auf die Teil-
nahme am oberinstanzlichen Verfahren verzichte (pag. 262 f.). C.________ (nach-
folgend: Straf- und Zivilkläger) ersuchte mit Schreiben vom 10. August 2020 um 
Übersetzung der verfahrensleitenden Verfügung vom 5. August 2020 sowie der Be-
rufungserklärung vom 4. August 2020 auf Französisch sowie um Verlängerung der 
Frist betreffend Anschlussberufung resp. begründetes Nichteintreten auf die Beru-
fung (pag. 266). Hierauf wurde ihm mitgeteilt, dass Verfahrenssprache Deutsch sei 
und es sich um eine nicht verlängerbare gesetzliche Frist handle (pag. 268 f.). In 
der Folge liess sich der Straf- und Zivilkläger innert Frist nicht mehr vernehmen.

Mit Verfügung vom 5. November 2020 wurden die Parteien auf den 27./28. Mai 
2021 zur oberinstanzlichen Hauptverhandlung vorgeladen, wobei dem Straf- und 
Zivilkläger das Erscheinen freigestellt wurde (pag. 283 ff.). Am 30. März 2021 de-
ponierte er seine schriftlichen Anträge (pag. 294 ff.). Mit Eingabe vom 26. Mai 2021 
ersuchte der Berufungsführer aufgrund von Symptomen einer Covid-19-Erkrankung 
um Dispensation von der Berufungsverhandlung vom 27./28. Mai 2021 (pag. 362). 
Die Verfahrensleitung setzte den Termin daraufhin ab (pag. 363 f.) und lud mit Ver-
fügung vom 2. Juni 2021 auf den 4./5. November 2021 zur oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung vor, wobei dem Straf- und Zivilkläger das Erscheinen wiederum 
freigestellt wurde (pag. 371 ff.).

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Der Beschuldigte ist an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. November 
2022 trotz ordnungsgemässer Vorladung nicht erschienen. Auf Nachfrage seiner 
Verteidigung stellte sich heraus, dass sich die Ehefrau des Beschuldigten in der 
Anwaltskanzlei gemeldet und mitgeteilt habe, dass dieser Kontakt gehabt habe mit 
einer Person, die Covid-19-Symptome habe, es ihm jetzt nicht gut gehe und er 
deshalb an der Hauptverhandlung nicht teilnehmen könne. Die Kammer wies in der 
Folge das durch die amtliche Verteidigung gestellte Dispensationsgesuch ab, zu-
mal der Beschuldigte bereits das zweite Mal sehr kurzfristig denselben Grund (Co-
vid-19-Erkrankung/Symptome) für seine Abwesenheit vorbrachte, ohne Belege 
dafür zu präsentieren. Die Kammer beschloss im Weiteren – gestützt auf das Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2 – die Verhandlung 
in Abwesenheit des Beschuldigten fortzusetzen (pag. 384).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Der Straf- und Zivilkläger legte mit Schreiben vom 30. März 2021 weitere Unterla-
gen im Hinblick auf die Beurteilung des Unfallgeschehens sowie der Zivilforderung 
vor (pag. 294 ff.). Gemäss gerichtlicher Aufforderung reichte der Beschuldigte mit 
Eingabe vom 21. Mai 2021 aktuelle Lohnabrechnungen ein und teilte mit, infolge 
Trennung von seiner Ehefrau sei er nicht in der Lage, Belege zu deren Einkommen 
einzureichen (pag. 354 ff.).

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Berufungsverhandlung wurden von Amtes we-
gen ein aktueller Leumundsbericht (datierend vom 28. April 2021; pag. 316 ff.), ein 
aktueller ADMAS-Auszug (datierend vom 17. Mai 2021; pag. 330 ff.) sowie ein ak-
tueller Strafregisterauszug (datierend vom 21. Oktober 2021; pag. 378 ff.) über den 
Beschuldigten eingeholt sowie die gesamten SVSA-Akten betreffend den Beschul-
digten ediert. Weiter wurden bei der Staatsanwaltschaft Solothurn das Strafmandat 
STA.2020.3903 vom 22. September 2020 ediert sowie eine mündliche Auskunft be-
treffend das hängige Verfahren STA.2021.1640 eingeholt.

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsver-
handlung vom 4. November 2021 folgende Anträge (pag. 395 f.; Hervorhebungen 
im Original):

I.

Herr A.________, geb. A.________1990, von E.________, sei

freizusprechen

von den Vorwürfen

1. der einfachen Körperverletzung, angeblich begangen am 30.04.2018 in D.________, z.N. von 
C.________;

2. der einfachen Verkehrsregelverletzung, angeblich begangen am 30.04.2018 in D.________;

3. der versuchten Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, angeb-
lich begangen am 30.04.2018 in D.________.

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II.

Es sei hingegen festzustellen, dass Herr A.________, E.________

rechtskräftig schuldig erklärt wurde

des versuchten pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall, begangen am 30.04,2018 in D.________

und er sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen

zu verurteilen

zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je CHF 40.00, ausmachend CHF 600.00, wobei der 
Vollzug unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufzuschieben sei;

III.

In Bezug auf das Widerrufsverfahren sei

1. der mit Strafbefehl BM 15 13556 von der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 13.1.2016 für 
eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen bedingte Vollzug nicht zu widerrufen;

2. der mit Strafbefehl STA.2017.3029 von der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 30.08.2017 für ei-
ne Geldstrafe von 40 Tagessätzen bedingte Vollzug nicht zu widerrufen.

IV.

Die Zivilklage sei abzuweisen.

V.

Des Weiteren:

1. Die Verfahrenskosten für das erstinstanzliche Verfahren seien entsprechend auszuschei-
den.

2. Die Verfahrenskosten vor Obergericht seien vollumfänglich dem Kanton Bern aufzuerlegen.

3. Herr A.________ sei eine angemessene Entschädigung i.S.v. Art. 436 Abs. 1 i.V.m. 429 Abs. 1 
lit. a StPO für die auf die Freisprüche anfallenden Verteidigungskosten zuzusprechen. Im Üb-
rigen sei das Honorar des amtlichen Verteidigers für das oberinstanzliche Verfahren gemäss 
Kostennote vom 4.11.2021 zu bestimmen.

4. Es seien die nötigen Verfügungen zu treffen.

Der Straf- und Zivilkläger hielt mit Eingabe vom 30. März 2021 sinngemäss an sei-
ner Strafklage fest und machte eine Zivilforderung von CHF 926.00 geltend 
(pag. 294 ff.).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer 

Die amtliche Verteidigung beschränkte ihre Berufung auf den Schuldpunkt betref-
fend Ziff. I. 1, I. 2.1 und Ziff. I. 2.2 des Urteilsdispositivs und damit auch auf die ent-
sprechende Sanktion (Ziff. III. 1 und III. 2 des Urteils), auf die Verurteilung zu den 
Verfahrenskosten (Ziff. III. 3), auf die Verurteilung zu einer Entschädigung an den 
Straf- und Zivilkläger (Ziff. III. 4 des Urteils), auf die Verweisung der Zivilklage des 
Straf- und Zivilklägers auf den Zivilweg (Ziff. V des Urteils) und auf die Widerrufe 
(Ziff. II des Urteils). Zudem ist Ziff. IV des Urteils (amtliche Entschädigung von 

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Rechtsanwalt B.________ für das erstinstanzliche Verfahren) der Rechtskraft nicht 
zugänglich. Diese Punkte sind daher durch die Kammer neu zu beurteilen.

Demgegenüber ist der Schuldspruch betreffend das pflichtwidrige Verhalten bei 
Unfall (Ziff. I. 2.3 des Urteils) unangefochten geblieben und damit in Rechtskraft 
erwachsen. Dieser Punkt ist von der Kammer nicht neu zu beurteilen.

Die Kammer verfügt über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]). Auf die Höhe des amtlichen Honorars für die Verteidigung des 
Beschuldigten in erster Instanz ist nur zurückzukommen, sofern die Vorinstanz das 
ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise aus-
geübt haben sollte (Urteile des Bundesgerichts 6B_349/2016 vom 13. Dezember 
2016 E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3).

Aufgrund der ausschliesslichen Berufung des Beschuldigten darf das erstinstanzli-
che Urteil nicht zu dessen Nachteil abgeändert werden (Art. 391 Abs. 2 StPO). 
Dies gilt mangels (Anschluss-)Berufung des Straf- und Zivilklägers insbesondere 
auch für die Verweisung der Zivilklage auf den Zivilweg (Ziffer V. des Urteils).

II. Formelle Einwände der Verteidigung

6. Zur Gültigkeit des Strafantrages vom 17. Juli 2018

Im Rahmen der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. November 2021 stellte 
die Verteidigung vorfrageweise den Antrag, dass die Kammer darüber zu befinden 
habe, ob der Strafantrag betreffend den Vorwurf der einfachen Körperverletzung 
gültig erfolgt sei. Dies sei deshalb fraglich, weil der Straf- und Zivilkläger von der 
Staatsanwaltschaft gemäss Telefonnotiz vom 12. Juli 2018 mündlich darauf auf-
merksam gemacht worden sei, dass er Strafantrag wegen einfacher Körperverlet-
zung stellen könne, obwohl das Opfer bereits im Rahmen der ersten Einvernahme 
über diese Möglichkeit zu informieren sei (Art. 305 StPO). Es bestünden keine An-
haltspunkte dafür, dass die Polizei vor Ort es pflichtwidrig unterlassen hätte, den 
Straf- und Zivilkläger darauf aufmerksam zu machen. Dennoch habe dieser damals 
keinen Strafantrag gestellt, womit die Nachfrage der Staatsanwaltschaft zu spät er-
folgt sei. Im Weiteren handle es sich um eine Prozesshandlung, welche parteiöf-
fentlich hätte erfolgen müssen (vgl. pag. 383 f.).

Die Kammer beschloss nach geheimer Beratung, dass der Strafantrag gültig ge-
stellt wurde. Zu Recht wies bereits die Vorinstanz darauf hin, dass das Stellen des 
Strafantrages keine Beweiserhebung, sondern eine Prozesshandlung darstellt, die 
keiner Teilnahme der Verteidigung bedarf. Es existiert im Übrigen keine strafpro-
zessuale Regel, die besagt, auf welche Art und Weise ein Strafantrag einzuholen 
ist, solange dies nur innerhalb der gesetzlichen Frist von Art. 31 des Schweizeri-
schen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) geschieht und keine unzulässige Ein-
wirkung auf die Willensbildung des Betroffenen stattfindet, wobei für letzteres vor-
liegend keine Hinweise bestehen (vgl. pag. 48). Dies gilt umso mehr, als es 
gemäss eigenen Angaben der Straf- und Zivilkläger war, der die Staatsanwaltschaft 
diesbezüglich kontaktiert hat (vgl. pag. 196). Die Vorgehensweise der Staatsan-
waltschaft war damit korrekt. Art. 305 StPO schliesslich dient dazu, die Information 

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des Opfers über dessen Rechte und Pflichten sicherzustellen, kann jedoch offen-
kundig nicht zur Folge haben, dass das Strafantragsrecht untergehen oder verwir-
ken würde, wenn es nicht unmittelbar nach erfolgter Information ausgeübt wird. 

7. Zu den Widerrufsverfahren als Verfahrensgegenstand

Die Verteidigung stellte im Rahmen der Berufungsverhandlung vom 4. November 
2021 zudem vorfrageweise den Antrag, dass die Kammer darüber zu befinden ha-
be, ob die beiden Widerrufsverfahren überhaupt Verfahrensgegenstand bilden 
würden. Dies deshalb, da dem Beschuldigten erst im Rahmen der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung zur Kenntnis gebracht worden sei, dass auch der Widerruf der 
beiden Strafbefehle geprüft werde. Weder dem Strafbefehl noch der Vorladung ha-
be ein entsprechender Hinweis entnommen werden können. Die Verteidigung habe 
sich diesbezüglich mit dem Klienten nicht besprechen und keine Anträge stellen 
können. Sodann sei der Beschuldigte dazu auch nicht befragt worden, weshalb 
sein rechtliches Gehör verletzt worden sei, was vor oberer Instanz nicht geheilt 
werden könne (vgl. pag. 384).

Die Kammer beschloss nach geheimer Beratung, dass die Widerrufsverfahren vor-
liegend Verfahrensgegenstand bilden. Es kann dazu vorab auf die zutreffenden 
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (S. 21 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 242). Der Strafregisterauszug vom 27. August 2019 (pag. 27 
f.) wurde dem Beschuldigten anlässlich der am selben Tag durchgeführten Einver-
nahme von der Staatsanwaltschaft vorgehalten und von diesem als korrekt 
bestätigt (pag.128). Auch sein Verteidiger hatte spätestens ab diesem Zeitpunkt 
Kenntnis von den fraglichen Vorstrafen (vgl. pag. 119). Anlässlich der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung lagen die entsprechenden Akten auf und wurden dem Ver-
teidiger zur Einsicht übergeben, dies nach Bekanntgabe, dass der Widerruf der 
beiden Strafbefehle Verfahrensgegenstand bilden wird, und nach Abweisung der 
diesbezüglich erhobenen Einwände der Verteidigung (pag. 196). Ein Verhand-
lungsunterbruch oder deren Verschiebung wurde jedoch nicht verlangt und allfällige 
Mängel, wie das Fehlen der Widerrufe im Strafmandat sowie in der Vorladung, 
wurden durch das Vorgehen der Vorinstanz geheilt.

Ergänzend kann auf Art. 326 Abs. 1 lit. g StPO verwiesen werden, wonach die 
Staatsanwaltschaft dem Gericht ihre Anträge auf nachträgliche richterliche Ent-
scheidungen stellt, soweit diese nicht bereits aus der Anklageschrift hervorgehen. 
Darunter fällt auch die Geltendmachung eines allfälligen Widerrufs von in früheren 
Verfahren bedingt ausgesprochenen Strafen (vgl. BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, 
2. Aufl. 2014, Art. 326 N 13). Daraus kann geschlossen werden, dass solche An-
träge an das erstinstanzliche Gericht separat gestellt werden können und nicht 
zwingend Teil der eigentlichen Anklageschrift, vorliegend des Strafbefehls, sein 
müssen, so dass auch keine Verletzung des Anklagegrundsatzes vorliegt. Gemäss 
Art. 46 Abs. 3 StGB entscheidet sodann das zur Beurteilung des neuen Vergehens 
oder Verbrechens zuständige Gericht auch über den Widerruf. Unterlässt es diesen 
Entscheid, so muss es ihn nach dem Urteil noch fällen (BSK StGB I-SCHNEIDER/ 
GARRÉ, Art. 46 N 55).

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Zusammenfassend wurden dem Beschuldigten vor dem erstinstanzlichen Urteil Ak-
teneinsicht sowie das rechtliche Gehör gewährt und es sind keine anderweitigen 
Nachteile ersichtlich, wenn das Gericht zusammen mit den neuen Taten über den 
Widerruf entscheidet anstatt ein nachträgliches Verfahren durchzuführen.

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorwürfe gemäss Anklageschrift (Strafbefehl)

Dem Beschuldigten wird gemäss Strafbefehl vom 27. März 2019 (pag. 92), welcher 
als Anklageschrift gilt (Art. 256 Abs. 1 StPO), folgendes Verhalten, begangen am 
30. April 2018, ca. 08.20 Uhr in D.________, vorgeworfen:

A.________ fuhr mit einem Lieferwagen auf der F.________ hinter einem Radfahrer, der mit einer 
Geschwindigkeit von ca. 40 km/h unterwegs war. Kurz vor dem Autobahnviadukt setzte er zum Über-
holen des Radfahrers an und passierte diesen mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 km/h mit äusserst 
geringem Abstand (Distanz zum Lenker des Radfahrers ca. 5-10 cm). Während des Überholmanövers 
sah der Radfahrer A.________ im rechten Aussenspiegel des Fahrzeugs und deutete ihm mit der lin-
ken Hand, dass er ihm Platz machen solle. A.________ sah diese Bewegung im rechten Aussenspie-
gel und war der Meinung, dass der Radfahrer mit seiner linken Hand gegen den Lieferwagen ge-
schlagen habe.

Unmittelbar darauf machte er in der Linkskurve unterhalb des Viadukts im Bereich der doppelten Si-
cherheitslinie eine Vollbremsung und lenkte das Fahrzeug an den rechten Strassenrand, um den Rad-
fahrer zur Rede zu stellen, wobei er ihm mit seinem Manöver den Weg abschnitt. Aufgrund der gefah-
renen Geschwindigkeiten sowie aufgrund des Umstands, dass der Radfahrer sich auf der Höhe zwi-
schen Hinterrädern und Heck des Lieferwagens befand, als A.________ sein brüskes Brems- und 
Lenkmanöver ausführte, musste er davon ausgehen, dass der Radfahrer keine Chance haben würde, 
rechtzeitig zu bremsen. A.________ nahm folglich in Kauf, dass der Radfahrer stürzen und sich er-
hebliche Verletzungen zuziehen würde. Ferner nötigte A.________ mit seinem Manöver den Radfah-
rer, eine Vollbremsung zu machen, da der Lieferwagen schräg vor ihm stand und ihm den Weg ab-
schnitt und er nirgendwohin ausweichen konnte (rechts erhöhter Trottoirrand). Infolge der Vollbrem-
sung bei einer Geschwindigkeit von ca. 40 km/h flog der Radfahrer über den Lenker hinaus, touchier-
te im Flug mit der linken Schulter den Lieferwagen und schlug mit den Händen und mit der rechten 
Schulter auf dem Trottoir auf. Er erlitt Prellungen der rechten Schulter, des rechten Kniegelenks, der 
Halswirbelsäule und beider Hände, insb. der Handwurzel rechts. Er benötigte physiotherapeutische 
Behandlung und war im Bereich der rechten Hand nach mehr als zwei Monaten noch nicht schmerz-
frei.

Nachdem A.________ sein Fahrzeug zum Stillstand gebracht hatte, ging er mit erhobener Faust auf 
den Radfahrer zu und drohte ihn zu schlagen. Der Radfahrer begab sich auf die andere Seite des 
Fahrzeugs, um A.________ zu entkommen. Im selben Moment kam ein Fussgänger, G.________, 
der den Vorfall beobachtet hatte, hinzu und stellte sich zwischen die beiden. In der Folge stieg 
A.________ wieder ins Fahrzeug, startete den Motor und beabsichtigte die Unfallstelle zu verlassen, 
obwohl er aufgrund der Umstände (Unfall mit Verletzten verursacht) die Polizei hätte alarmieren müs-
sen und damit rechnen musste, dass Massnahmen zur Feststellung seiner Fahrfähigkeit durchgeführt 
werden würden. G.________ stellte sich in der Folge vor sein Fahrzeug, worauf A.________ auf ihn 
zurollte und ihm durch das geöffnete Fenster zurief, er (G.________) solle abfahren, er habe nichts 

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gesehen und nichts damit zu tun. In der Folge kam H.________, der in einem Firmenfahrzeug hinter 
A.________ gefahren war und ebenfalls angehalten hatte, zu ihm und konnte ihn dazu bewegen, aus 
dem Fahrzeug auszusteigen. Der verletzte Radfahrer selber alarmierte in der Folge die Polizei.

9. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass der Beschuldigte am Morgen des 30. April 2018 mit seinem 
Lieferwagen hinter dem Straf- und Zivilkläger, der mit seinem Velo unterwegs war, 
auf der F.________ von D.________ Richtung I.________ fuhr. Kurz vor dem Au-
tobahnviadukt, im Bereich des Abbiegestreifens für Linksabbieger in die 
N.________ (Strasse), setzte er zum Überholen des Radfahrers an, wobei umstrit-
ten ist, in welchem seitlichen Abstand das Überholmanöver ausgeführt wurde und 
ob der Straf- und Zivilkläger Slalom resp. Zickzack fuhr oder sich mit dem Velo be-
wusst dem überholenden Lieferwagen annäherte. Ebenfalls umstritten ist, ob der 
Straf- und Zivilkläger mit der linken Hand gegen den Lieferwagen schlug oder dem 
Beschuldigten lediglich mit einem Handzeichen deutete, er solle ihm Platz machen. 

Unbestritten ist sodann, dass der Beschuldigte sein Fahrzeug nach dem Überhol-
manöver in der Linkskurve unter der Brücke zum Stillstand brachte. Diesbezüglich 
ist bestritten, wie heftig er bremste und ob er dabei nach rechts lenkte sowie dem 
Straf- und Zivilkläger den Weg abschnitt. Unbestritten ist demgegenüber, dass der 
Radfahrer zu Fall kam und auf dem Trottoir aufschlug. Er erlitt dabei Prellungen der 
rechten Schulter, des rechten Kniegelenks, der Halswirbelsäue und beider Hände, 
insb. der Handwurzel rechts, benötigte physiotherapeutische Behandlung und war 
im Bereich der rechten Hand nach mehr als zwei Monaten noch nicht schmerzfrei.

Schliesslich ist unbestritten, dass der Beschuldigte, nachdem es zu einer kurzen 
Begegnung resp. Auseinandersetzung der Parteien gekommen war, wieder ins 
Fahrzeug stieg, den Motor startete und die Unfallstelle verlassen wollte, wobei er 
vom Zeugen G.________ am Wegfahren gehindert wurde.

10. Beweismittel

Als objektive Beweismittel liegen der Kammer das Unfallaufnahmeprotokoll vom 
30. April 2018 (pag. 4 ff.), der Berichtsrapport der Kantonspolizei Bern vom 12. Juni 
2018 (pag. 2 f.), das ärztliche Zeugnis von J.________ vom 7. Juni 2018 (pag. 54), 
der von der Staatsanwaltschaft eingeholte Arztbericht vom 17. Januar 2019 von 
J.________ (pag. 57 ff.) sowie die Fotodokumentation der Kantonspolizei Bern vom 
25. März 2019 (pag. 78 ff.) vor.

Als subjektive Beweismittel liegen die vor Ort im Rahmen der Unfallaufnahme ge-
machten Aussagen der Beteiligten sowie der Zeugen G.________ und H.________ 
(pag. 4 ff.), die Aussagen bei der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland 
des Straf- und Zivilklägers vom 26. März 2019 (pag. 68 ff.), des Beschuldigten vom 
27. August 2019 (pag. 119 ff.) sowie der Zeugen H.________ und G.________ 
vom 19. September 2019 (pag. 119 ff.), die Aussagen der Parteien anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 18. Mai 2020 (pag. 197 ff.) sowie die im 
oberinstanzlichen Verfahren eingereichte Eingabe des Straf- und Zivilklägers vom 
30. März 2021 (pag. 294 ff.) vor. Zufolge unentschuldigter Abwesenheit des Be-

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schuldigten an der Berufungsverhandlung liegen seinerseits keine weiteren Aussa-
gen vor.  

11. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz unterteilte das Geschehen vom 30. April 2018 in die drei Sachver-
haltsabschnitte «Überholmanöver, Bremsmanöver sowie Verlassen der Unfallstel-
le» und gelangte zusammengefasst zu den nachstehenden Erkenntnissen (S. 9 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 230 ff.).

Betreffend das Überholmanöver des Beschuldigten erachtete es die Vorinstanz als 
erstellt, dass der Straf- und Zivilkläger ca. 40 km/h gefahren sei und sich zwar 
durch das Pedalieren mit dem Velo hin und her bewegt habe, aber entgegen der 
Vorbringen des Beschuldigten nicht in der Strassenmitte Slalom gefahren sei. Ob-
wohl der Beschuldigte diese Bewegungen des Radfahrers wahrgenommen und ge-
sehen habe, dass sich die Strasse unterhalb der Brücke verenge, habe er im Be-
reich des Abbiegestreifens (nach links) das Überholmanöver eingeleitet und dabei 
einen Abstand von einem "angewinkelten bis ausgestreckten" Arm des Straf- und 
Zivilklägers gehabt. Aufgrund der relativ hohen Geschwindigkeit habe sich der Rad-
fahrer dabei gefährdet gefühlt und deswegen seine Hand auf die Seite des Liefer-
wagens gelegt. Zudem habe er dem Beschuldigten mit seiner linken Hand ein Zei-
chen gegeben, dass dieser zu nahe sei (S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 230).

Weiter erachtete es die Vorinstanz hinsichtlich des Bremsmanövers als erstellt, 
dass der Beschuldigte im Seitenspiegel gesehen habe, wie der Straf- und Zivilklä-
ger seine Hand gegen den Lieferwagen legte, und er deswegen gedacht habe, die-
ser habe dagegen geschlagen sowie eventuell einen Schaden verursacht. Umge-
hend danach habe der Beschuldigte eine Vollbremsung eingeleitet und den Liefer-
wagen gegen den rechten Randstein gelenkt, wodurch dem Radfahrer ein Vorbei-
fahren nicht mehr möglich gewesen sei. Letzterer habe soweit wie möglich abge-
bremst, sei jedoch gegen den Randstein geprallt und auf den Gehweg gestürzt, 
wodurch er sich verletzt habe (S. 12 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 233 f.).

Schliesslich hielt die Vorinstanz fest, der Beschuldigte habe eingestanden, dass er 
die Unfallstelle habe verlassen wollen, weil er sich nicht als Verursacher des Un-
falls gesehen habe. Er habe den Motor gestartet und wegfahren wollen, als der 
Zeuge G.________ vor den Wagen getreten sei und dadurch die Wegfahrt verhin-
dert habe (S. 13 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 234).

12. Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

12.1 Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung, Rechtsanwalt B.________, teilte seine Ausführungen zum Sach-
verhalt und zur Beweiswürdigung in zwei Teile auf: einerseits in das Überholmanö-
ver und andererseits in das Bremsmanöver mit dem nachfolgenden Sturz des 
Straf- und Zivilklägers (pag. 383 ff.).

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Hinsichtlich des Überholmanövers führte er aus, dass der Beschuldigte ausgesagt 
habe, dass er den Straf- und Zivilkläger erst dann überholt habe, als die Spur zwei-
spurig geworden sei. Er habe ihn mit einem Abstand von 80-100 cm überholt, wo-
bei er mit den linken Rädern über die Markierung in der Fahrbahnmitte gefahren 
sei. Zudem habe der Beschuldigte nie geltend gemacht, dass sich der Straf- und 
Zivilkläger «extra» dem Fahrzeug des Beschuldigten während des Überholmanö-
vers angenähert habe. Er habe lediglich neutral angegeben, dass der Privatkläger 
nahe an sein Fahrzeug gekommen sei, weil sich dieser hin und her bewegt habe. 
Der Beschuldigte habe – in Übereinstimmung mit den Aussagen des Zeugen 
H.________ – angegeben, dass es zum Überholen genügend Platz gehabt habe. 
Es sei auf die Fahrweise des Straf- und Zivilkläger zurückzuführen gewesen, dass 
in der Folge ein zu geringer Abstand resultiert habe. Dieser habe sich auf Schlan-
genlinien hin und her bewegt. Er selbst habe genügend Abstand gehalten. Der 
Straf- und Zivilkläger habe hingegen nicht nachvollziehbar und realitätsfern ange-
geben, dass der Beschuldigte ihn in einem Abstand von nur 5-10 cm zum Fahrrad-
lenker überholt habe. Oberinstanzlich habe dieser sodann eine Rechnung aufge-
stellt, wonach er seine Aussage insofern revidiert habe, als dass der Abstand 0.65 
m betragen habe. Der Straf- und Zivilkläger habe demnach widersprüchlich ausge-
sagt. Dessen Version sei sodann von niemandem bestätigt worden. Demgegenü-
ber würden aber die Aussagen des Beschuldigten mit denjenigen des Zeugen 
H.________ übereinstimmen. Dementsprechend sei davon auszugehen, dass der 
Beschuldigte den Privatkläger mit genügendem Abstand überholt habe. Die 
Annäherung des Privatklägers ans Fahrzeug des Beschuldigten sei demnach auf 
dessen Fahrweise und nicht auf einen zu geringen Abstand des Beschuldigten 
beim Überholen zurückzuführen gewesen.

Hinsichtlich des Bremsmanövers bzw. des Sturzes des Straf- und Zivilklägers habe 
der Beschuldigte in jeder Einvernahme übereinstimmend ausgesagt, dass zuerst 
der Straf- und Zivilkläger gegen sein Fahrzeug geschlagen habe, er dann das 
Überholmanöver beendet und anschliessend eine Bremsung eingeleitet habe 
(pag. 199 Z. 18). Der Schlag sei das ausschlaggebende Ereignis gewesen, um das 
Bremsmanöver zu starten. Als der Beschuldigte vorgebracht habe, dass der Privat-
kläger vermutlich aus dem Grund gestürzt sei, weil er in einer Linkskurve mit 
40km/h lediglich eine Hand am Lenker gehabt und deshalb das Gleichgewicht ver-
loren habe, habe dies die Vorinstanz fälschlicherweise als Schutzbehauptung ab-
getan. Die Vorinstanz habe sodann mehrfach ausgeführt, dass der Beschuldigte 
das Bremsmanöver «umgehend» eingeleitet habe. Hieraus sei zuungunsten des 
Beschuldigten nichts abzuleiten, zumal sogar Art. 51 Abs. 1 des Strassenverkehrs-
gesetzes (SVG; SR 741.01) festlege, dass Beteiligte eines Unfalles «sofort» anhal-
ten müssten. Der Zeuge H.________ habe ausgesagt, dass sich die beiden einfach 
berührt hätten und der Beschuldigte danach auf die Bremse gegangen sei. Er habe 
nicht beobachten können, ob der Straf- und Zivilkläger wegen des Bremsmanövers 
gestürzt sei. Die Auffassung der Vorinstanz, wonach der Beschuldigte demnach 
dem Privatkläger den Weg abgeschnitten habe und dieser deshalb gestürzt sei, wi-
derspreche den Aussagen des Beschuldigten und des Zeugen. Der Zeuge 
G.________ habe in seinen Einvernahmen drei verschiedene Versionen des Ge-
schehensablaufs angegeben. So habe er zuerst ausgesagt, dass sich der Straf- 

12

und Zivilkläger hinter dem Lieferwagen befunden und er versucht habe, diesen zu 
berühren, wobei es dann zur Vollbremsung seitens des Beschuldigten und zum 
Sturz beim Privatkläger gekommen sei. In seiner nächsten Einvernahme habe er 
angegeben, dass die linke Seite des Fahrradlenkers gegen die Karosserie des Lie-
ferwagens gestossen, der Beschuldigte dann rechts zum Trottoir abgebogen und 
es anschliessend zum Sturz des Privatklägers gekommen sei (Z. 160). Nach Verle-
sen des Protokolls habe er dann noch angefügt, dass der Privatkläger bei der 
Bremsung des Lieferwagens die Hand nicht am Lenker gehabt habe, dieser sei an-
schliessend gestürzt (Z. 92). Gestützt auf seine Aussagen könne die Beweisfrage, 
weshalb es zum Sturz des Privatklägers gekommen sei, nicht beantwortet werden. 
Der Privatkläger habe angegeben, dass er dem Beschuldigten gegenüber nur ein 
Zeichen gemacht habe, dass dieser anhalte, alle anderen Personen hätten aber 
gesehen, wie er den Lieferwagen berührt bzw. dies versucht habe. Gestützt auf die 
übereinstimmenden Aussagen der Zeugen und des Beschuldigten könne deshalb 
nur davon ausgegangen werden, dass sich der Privatkläger tatsächlich vom Auto 
des Beschuldigten abgestossen habe. Wegen dessen Fahrweise – einhändiges 
Fahren mit schneller Geschwindigkeit sowie Schlagen des überholenden Fahr-
zeugs – könne demzufolge auch nicht mit Sicherheit der Schluss gezogen werden, 
dass der Privatkläger (erst) aufgrund des darauffolgenden Bremsmanövers des 
Beschuldigten zu Fall gekommen sei. Gestützt auf den Grundsatz «in dubio pro 
reo» müsse demnach davon ausgegangen werden, dass der Privatkläger bereits 
vor dem Bremsmanöver des Beschuldigten gestürzt sei. Der Beschuldigte habe 
erst danach gebremst, weil er gesehen habe, dass der Privatkläger gestürzt sei.

12.2 Vorbringen des Straf- und Zivilklägers

Der Straf- und Zivilkläger brachte in seiner schriftlichen Eingabe vom 30. März 
2021 (pag. 294 ff.) im Wesentlichen vor, der Beschuldigte habe sich sehr gefährlich 
verhalten und keine Rücksicht auf die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer ge-
nommen. Er habe ihm beim Überholen nicht genug Platz gelassen. Unter Hinweis 
auf eine von ihm erstellte Skizze erläuterte er zudem, es sei nicht möglich, dass der 
Beschuldigte einen Abstand von 0.8 m bis 1 m gehalten habe, da aufgrund der 
Strassenbreite lediglich ein Abstand von 0.65 m möglich sei. Der Beschuldigte ha-
be nicht versucht, ihm beim Überholvorgang möglichst viel Platz zu lassen, son-
dern mit ihm gespielt und im Rückspiegel seine Reaktion auf das Manöver beob-
achtet. Daraufhin habe er dem Beschuldigten ein Zeichen gegeben, ihm Platz zu 
lassen. Es könne sein, dass er das Fahrzeug berührt habe, aber er habe nicht da-
gegen geschlagen. In der Folge habe der Beschuldigte blockiert (sehr stark ge-
bremst), so dass der Straf- und Zivilkläger das Geräusch auf dem Asphalt gehört 
habe, das Reifen machen würden, wenn das ABS aktiviert sei. Der Beschuldigte 
habe ihn gegen den Bordstein gedrückt, und dabei habe es sich um ein absichtli-
ches Manöver gehandelt, um ihn zu verletzen, da der Beschuldigte ihn zuvor im 
Rückspiegel gesehen habe. Wenn man die Bremswege berücksichtige, könne es 
nicht zutreffen, dass der Beschuldigte nur leicht gebremst habe. Der Straf- und Zi-
vilkläger habe sodann auch bremsen müssen, um dem Lieferwagen und dem Bür-
gersteig auszuweichen, aber da es keine Ausweichmöglichkeit gegeben habe, sei 
er über den Lenker des Fahrrades auf das Trottoir gestürzt. Entgegen der Behaup-

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tungen des Beschuldigten sei er nicht Slalom gefahren, dies tue er als hobbymäs-
siger Rennradfahrer nicht.

13. Beweiswürdigung der Kammer

13.1 Theoretische Grundlagen zur Beweiswürdigung und zur Aussagenanalyse

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach 
seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Akten gewonnenen Überzeugung 
(Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StPO). Freie Beweiswürdigung bedeutet, dass 
jede verurteilende Erkenntnis auf der aus der Beweiswürdigung geschöpften Über-
zeugung des Gerichts von der Schuld der beschuldigten Person beruhen soll. Die 
freie Beweiswürdigung gründet auf gewissenhaft festgestellten Tatsachen und logi-
schen Schlussfolgerungen; sie darf sich nicht auf blossen Verdacht oder blosse 
Vermutung stützen (BSK StPO-HOFER, Art. 10 N 58 und 61). Bestehen unüber-
windliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der ange-
klagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren 
Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO).

Der Grundsatz «in dubio pro reo» als Beweiswürdigungsregel besagt, dass sich 
das Gericht nicht von einem für die angeklagte Person ungünstigen Sachverhalt 
überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich 
der Sachverhalt so verwirklicht hat. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische 
Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewiss-
heit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unter-
drückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage 
aufdrängen. Liegen keine direkten Beweise vor, ist auch ein indirekter Beweis 
zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittel-
bar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmit-
telbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche 
für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder 
die Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen 
lassen, können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild 
erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich 
der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_781/2010 vom 
13. Dezember 2010 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_300/2015 vom 3. De-
zember 2015 E. 3.2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_605/2016 vom 15. September 
2016 E. 2.8).

Steht Aussage gegen Aussage, so bedeutet das nicht zwingend, dass die beschul-
digte Person in Anwendung des Grundsatzes «in dubio pro reo» freizusprechen ist. 
Vielmehr hat das Gericht die Darstellung der Verfahrensbeteiligten auf ihren inne-
ren Gehalt und ihre Überzeugungskraft hin zu werten (WOHLERS, in: Donatsch/ 
Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen StPO, 2. A., 2014, N 12 
und 25 f. zu Art. 10, m.w.H.).

Wenn die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu überprüfen ist, ist nach Massgabe der 
modernen Aussagepsychologie weniger die allgemeine Glaubwürdigkeit oder 
Wahrhaftigkeit der jeweiligen Aussageperson an sich, als vielmehr die spezielle 
Glaubhaftigkeit ihrer im Einzelfall zu überprüfenden, konkreten Aussage von Be-

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deutung (NACK, in: Kriminalistik 4/95, Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit, in Kri-
minalistik 4/95, S. 257 ff. mit Hinweisen; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststel-
lung vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. A., 
München 2014, N 219 ff.). Die Aussageanalyse stellt die konkrete Aussage in den 
Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Dabei wird der Inhalt der Aussage anhand be-
stimmter Kriterien analysiert. Dahinter steht die Überlegung, dass jemand, der ein 
reales Erlebnis schildert, dies quantitativ und qualitativ anders tut, als jemand, der 
eine Phantasiegeschichte erzählt. Eine Aussage hat umso mehr die Vermutung für 
sich, dass ein «realitätsbegründetes Ereignis» geschildert wird, umso weniger der 
Auskunftsperson/dem Zeugen zuzutrauen ist, dass sie/er die Geschehensabläufe, 
so wie von ihr/ihm dargestellt, aus eigener Kraft erfinden könnte (BENDER/NACK/ 
TREUER, a.a.O., N 288 ff).

Die Analyse des Aussageinhaltes erfolgt anhand spezieller Textmerkmale oder in-
haltlicher Qualitäten, den so genannten Realkennzeichen oder Glaubwürdigkeitskri-
terien. Diese Kriterien beschreiben inhaltliche Qualitäten einer Aussage, die hinrei-
chend trennscharf zwischen realitätsbegründeten und phantasierten Aussagen dif-
ferenzieren sollen. Eine Gruppe der Realkennzeichen basiert auf der Annahme, 
dass sie in einer phantasierten Aussage nur selten vorkommen, weil ein/e Aus-
kunftsperson/Zeuge nicht in der Lage wäre, eine Aussage mit den in den Real-
kennzeichen beschriebenen Qualitäten ohne eigene Erlebnisgrundlage zu erfinden. 
Eine zweite Gruppe, die so genannten motivationsbezogenen Realkennzeichen, 
gehen dagegen von der Annahme aus, dass ein/e Auskunftsperson/ Zeuge derarti-
ge Äusserungen vermeiden würde, um ihre/seine Glaubwürdigkeit nicht zu schädi-
gen. Die Realkennzeichenanalyse kann aber nicht im Sinne einer Checkliste abge-
arbeitet werden, wobei einfach aufgezählt wird, wie viele Realkennzeichen in einer 
Aussage festgestellt wurden. Die inhaltlichen Merkmale erhalten ihre diagnostische 
Bedeutung vielmehr erst durch ein In-Beziehung-Setzen zu anderen diagnosti-
schen Befunden (KÖHNKEN, Referat am Lehrgang richterlicher Tätigkeit, Die Beur-
teilung der Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen). 

Zu den allgemeinen Realkennzeichen gehören etwa die Konstanz der Aussage im 
zentralen Handlungsablauf, die Strukturgleichheit, die logische Konsistenz, Homo-
genität und Folgerichtigkeit der Aussagen, deren Anschaulichkeit und Wirklich-
keitsnähe, die Freiheit von Widersprüchen, die Detailgenauigkeit der Angaben, de-
ren qualitativer Detailreichtum sowie das Fehlen von Phantasiesignalen wie Verle-
genheit oder Übertreibungen. Zu den inhalts-spezifischen Realkennzeichen 
gehören weiter die räumliche-zeitliche Verknüpfung der Aussagen, die Interakti-
onsschilderung und die Wiedergabe von Gesprächen, die Schilderung von Kompli-
kationen im Handlungsablauf und von ausgefallenen nebensächlichen Einzelhei-
ten, die Schilderung eigener psychischer Vorgänge und von psychologischen Vor-
gängen beim Beschuldigten. Auch die spontane Verbesserung der eigenen Aussa-
ge, das Eingeständnis von Erinnerungslücken, Selbstbelastungen und Entlastun-
gen des Beschuldigten sind Realkennzeichen. Demgegenüber stellen Wider-
sprüchlichkeiten, Strukturbrüche, Kargheit und Verarmung der Aussagen, die Aus-
sagenverweigerung, die Abstraktheit und Zielgerichtetheit der Aussagen sowie de-
ren Stereotypie Lügensignale dar. Zu beachten sind schliesslich immer auch die 

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Tatnähe der Aussagen und eine allfällige reduzierte Wahrnehmungsfähigkeit we-
gen Alkohol- oder Drogeneinflusses.

13.2 Vorbemerkungen

Der einfacheren Nachvollziehbarkeit halber folgt die Kammer bei der Beweiswürdi-
gung der von der Vorinstanz vorgenommenen Aufteilung der Geschehnisse in 
Überholmanöver, Bremsmanöver und Verlassen der Unfallstelle (S. 5 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 226 f.).

Weiter ist vorab anzumerken, dass die objektiven Beweismittel keine Rückschlüsse 
auf den Verlauf des Unfallgeschehens zulassen, zumal es zu keiner eigentlichen 
Kollision zwischen dem Lieferwagen des Beschuldigten und dem Fahrrad des 
Straf- und Zivilklägers gekommen ist resp. an den Fahrzeugen zumindest keine 
entsprechenden Spuren festgestellt wurden, die hätten ausgewertet werden kön-
nen. Festzuhalten ist immerhin, dass keine Bremsspuren vorhanden waren, was 
nachstehend im Zusammenhang mit der Würdigung der Aussagen der Beteiligten 
berücksichtigt wird. Des Weiteren befanden sich die beiden Fahrzeuge beim Ein-
treffen der Polizei nicht mehr in der Unfallendlage, so dass auch daraus keine Er-
kenntnisse gezogen werden können. Demnach sind nachstehend primär die sub-
jektiven Beweismittel, mithin die Aussagen der Unfallbeteiligten sowie der beiden 
Zeugen, zu würdigen. Im Zusammenhang mit dem Bremsmanöver kann zudem für 
die Aussagewürdigung ein Foto der Unfallstelle (pag. 88) beigezogen werden.

13.3 Zum Überholmanöver

Zentrale Beweisthemen im Zusammenhang mit dem Überholmanöver sind insbe-
sondere der seitliche Abstand zwischen Lieferwagen und Fahrrad sowie die Frage, 
ob ein allfällig ungenügender Abstand auf das Verhalten resp. die Fahrweise des 
Beschuldigten oder des Straf- und Zivilklägers zurückzuführen ist.

13.3.1 Zu den Aussagen des Straf- und Zivilklägers

Der Straf- und Zivilkläger gab am 30. April 2018 vor Ort gegenüber der Polizei zu 
Protokoll, der Lieferwagen habe ihn kurz vor der Eisenbahnbrücke auf Höhe 
N.________ sehr nahe überholt. Nach dem Überholmanöver habe er den Lenker in 
dessen rechten Seitenspiegel gesehen und seine linke Hand gehoben, um ihm zu 
signalisieren, dass er zu nahe gewesen sei. Er habe seine Hand offen gehalten. 
Der Lieferwagen habe ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz überholt gehabt. 
Er, der Straf- und Zivilkläger, habe sich auf Höhe des hinteren rechten Drittels des 
Lieferwagens befunden (pag. 13).

In seiner Einvernahme vom 26. März 2019 bei der Staatsanwaltschaft schilderte er 
sodann, er sei etwa 40 km/h gefahren und kurz vor dem Autobahnviadukt habe ihn 
ein Auto sehr nahe überholt, etwa 5-10 cm vom Lenker entfernt. Während des 
Überholens habe er den Fahrer im rechten Aussenspiegel erblickt und ihm ein Zei-
chen gegeben, damit er ihm Platz machen solle. In diesem Moment habe er sich 
auf der Höhe der hinteren Achse des Fahrzeuges befunden (pag. 69 Z. 37 ff.). Es 
treffe nicht zu, dass er Slalom gefahren sei. Denn er sei bei 40 km/h im höchsten 
Gang gefahren und wenn man bei dieser Geschwindigkeit Slalom fahre, falle man. 

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Wenn man Fahrrad fahre, fahre man nie ganz still. Das Rad fahre wohl geradeaus, 
aber der Körper sei, wenn man in die Pedale trete, immer in Bewegung, schere 
immer ca. 3-4 cm gegen rechts und links aus (pag. 70 Z. 79 ff.). Er glaube nicht, 
dass er mit der linken Hand das Fahrzeug berührt habe, als er diese gehoben ha-
be, um zu signalisieren, dass der Lenker Platz machen solle. Sodann demonstrier-
te er seine Bewegung, wobei er die Handfläche nach vorne ca. 20 cm über dem 
Lenker richtete und eine Linksbewegung machte, bei der er die Handfläche gegen 
links aussen drehte. Er verneinte auf Nachfrage, auf das Auto geschlagen zu ha-
ben, und ergänzte, er denke, es sei nicht schlau gewesen, dieses Zeichen zu ma-
chen; er würde es nicht mehr machen (pag. 71 Z. 91 ff.). Zwischen dem hinteren 
rechten Autorad und dem Trottoir habe es etwa 50 cm gehabt und er sei dazwi-
schen gewesen. Der Lieferwagen sei, bis es zum Überholmanöver gekommen sei, 
nicht viel schneller gewesen als er. Er denke, der Lenker sei 50 km/h gefahren. Es 
habe eine gewisse Zeit gedauert, um ihn, den Straf- und Zivilkläger, zu überholen 
(pag. 71 Z. 109 ff.).

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 18. Mai 2020 wiederholte 
der Straf- und Zivilkläger, er sei mit ca. 35-40 km/h gefahren und das Fahrzeug ha-
be ihn sehr nahe überholt (pag. 197 Z. 11 ff.). Auf Frage, ob er das Fahrzeug 
berührt habe, antwortete er sodann, er habe [recte] den Lenker im Rückspiegel ge-
sehen und versucht, diesem ein Zeichen zu geben. Er könne sich aber nicht mehr 
daran erinnern, ob er das Fahrzeug berührt habe oder nicht, aber nahe genug wäre 
es gewesen (pag. 197 Z. 24 ff.). Seit dem Vorfall fahre er nicht anders Fahrrad als 
vorher, da er nicht wisse, was er ändern könnte. Aber er gebe den Fahrzeugen 
keine Zeichen mehr (pag. 198 Z. 17 ff.).

Die vorstehenden Aussagen des Straf- und Zivilklägers erweisen sich betreffend 
das Überholmanöver nach Ansicht der Kammer als im Kern konstant und nachvoll-
ziehbar. Dies betrifft sowohl seine eigene Geschwindigkeit als auch den knappen 
seitlichen Abstand des Lieferwagens beim Überholen. Tatsächlich lässt sich zudem 
die Hin- und Her-Bewegung, die auch der Zeuge H.________ beobachtet haben 
will (vgl. nachstehend Ziff. 13.3.3), in Einklang bringen mit dem In-die-Pedale-
Treten auf dem Rennvelo (vgl. pag. 81), wenn dieses im höchsten Gang und bei 
einer  eher hohen Geschwindigkeit gefahren wird. Dies gilt umso mehr, als der 
Straf- und Zivilkläger noch relativ jung ist, täglich – wie auch an diesem Morgen – 
mit dem Velo zur Arbeit fährt (pag. 70, Z. 56 f. und Z. 67 f.) und somit als geübter 
Radfahrer bezeichnet werden darf. Entgegen der Auffassung der Verteidigung 
(pag. 386) spricht schon aus diesem Grund einiges dagegen, dass er in der Stras-
senmitte Slalom oder Zickzack gefahren ist. Als besonderes Detail fällt sodann die 
Schilderung auf, wonach der Straf- und Zivilkläger den Lenker des Lieferwagens im 
rechten Rückspiegel des Fahrzeugs gesehen und diesem ein Zeichen gemacht 
habe, dass er ihm zu nahegekommen sei resp. ihm Platz machen solle, was zur 
Glaubhaftigkeit der Aussage beiträgt. Auch das beschriebene Handzeichen mit der 
nach links aussen gedrehten Handfläche erweist sich als passend zur geschilder-
ten Absicht beim Handzeichen. Hätte der Straf- und Zivilkläger tatsächlich, wie vom 
Beschuldigten vorgebracht, als Autohasser gegen den Lieferwagen geschlagen, 
erschiene es wenig wahrscheinlich, dass er mit dem Lenker des Fahrzeugs via 
Rückspiegel noch Blickkontakt aufgenommen hätte, und es wäre auch eher zu er-

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warten gewesen, dass er mit der Faust als mit der nach aussen gedrehten offenen 
Hand auf das Auto geschlagen hätte. Im Weiteren gründet der Vorwurf des Be-
schuldigten, dass es sich beim Straf- und Zivilkläger um einen Autohasser handle, 
auf reinen Spekulationen, zumal dieser anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung von Sion her offenbar mit dem eigenen Auto angereist ist (pag. 198 Z. 28 
f.). Zu bemerken ist hinsichtlich der Aussagen des Straf- und Zivilklägers weiter, 
dass er auch Unsicherheiten einräumte, wo er nicht mehr sicher war, dies insbe-
sondere betreffend die Frage, ob er das Fahrzeug beim Handzeichen berührt habe 
oder nicht. Schliesslich gibt der Straf- und Zivilkläger zwar an, er habe seine Fahr-
weise seit dem Unfall nicht geändert, weil er nicht wisse, was er ändern könnte, ist 
aber insofern auch kritisch mit sich selbst, als er äusserte, er sei wohl nicht schlau 
gewesen, das Handzeichen zu machen und er würde dies künftig nicht tun resp. er 
gebe Fahrzeugen keine Zeichen mehr.

Im Weiteren kann man den Straf- und Zivilkläger – entgegen der Auffassung der 
Verteidigung (pag. 385) – nicht auf der von ihm erwähnten Angabe, dass zwischen 
dem Fahrzeug des Beschuldigten und seinem Fahrradlenker ein Abstand von le-
diglich 5-10 cm bestanden habe, behaften. Die Abschätzung eines Abstandes – ei-
nerseits generell und dies umso mehr in einer derart hektischen und stressigen Si-
tuation – ist nämlich erfahrungsgemäss äusserst schwierig. Indem der Straf- und 
Zivilkläger im Rahmen des oberinstanzlichen Verfahrens eine Berechnung einreich-
te und gestützt darauf einen Abstand von ungefähr 0.65 Metern errechnete, wider-
sprach er seiner Erstaussage insofern nicht, als dass dieser zweite Wert auf seiner 
Kalkulation basierte und der erste Wert lediglich eine Schätzung darstellte. 

13.3.2 Zu den Aussagen des Beschuldigten

Bei der Unfallaufnahme vom 30. April 2018 gab der Beschuldigte gegenüber der 
Polizei an, der Radfahrer sei ihm schon einige hundert Meter zuvor aufgefallen, 
weil er dauernd Slalom und nicht geradeaus gefahren sei. Ungefähr auf Höhe des 
Gebäudes "Beton I.________" habe er ihn dann überholt. Während des Überho-
lens habe der Fahrradfahrer mit der linken Hand an den Lieferwagen geschlagen. 
Er, der Beschuldigte, habe dies im Seitenspiegel beobachten können (pag. 11).

Im Rahmen der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft führte der Beschuldigte 
am 27. August 2019 aus, der Velofahrer sei auf der Mitte der Strasse die ganze 
Zeit Slalom gefahren. Damit meine er, dieser sei in der Mitte "unserer Fahrspur" 
gefahren. Er sei ihm sodann ein Stück hinterhergefahren, weil er ihn aufgrund des 
Gegenverkehrs nicht habe überholen können. Er habe zweimal gehupt, aber der 
Radfahrer habe nicht reagiert. Ca. 600-800 m weiter werde die Fahrbahn zweispu-
rig, weil man dort nach links abbiegen könne. Dort sei er mit den linken Rädern 
über die Markierung gefahren, um zu überholen. Er habe ihn ca. mit 80-100 cm 
Abstand überholt (pag. 120 Z. 42 ff.; pag. 121 Z. 52 f.). Der Radfahrer sei dann auf 
seine Seite, also die rechte Seite des Lieferwagens gekommen und habe mit der 
Hand dagegen geschlagen (pag. 121 Z. 60 f.). Der Radfahrer sei einfach immer 
links, rechts, links, rechts gefahren. Der Beschuldigte konnte diese Fahrweise so-
dann verbal nicht genauer beschreiben, zeigte mit den Händen jedoch Schlangen-
linien. Die Geschwindigkeit des Radfahrers schätzte er auf ca. 20-30 km/h. Dieser 

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sei extrem langsam gewesen, sonst hätte er ihn nicht überholen wollen. Er könne 
sich nicht vorstellen, dass die Bewegung des Radfahrers daher gekommen sei, 
dass dieser fest in die Pedale getreten habe, sonst wäre dieser ja nicht bis in die 
Mitte der Spur gekommen. Ausserdem habe der Zeuge H.________ gar nicht se-
hen können, ob der Radfahrer fest in die Pedale getreten sei, weil dieser hinter 
ihm, dem Beschuldigten, gefahren sei und der Radfahrer vor ihm, wobei der Lie-
ferwagen keine Seitenfenster habe. Er habe sich über den Radfahrer genervt 
(pag. 122 Z. 123). Er habe im Rückspiegel gesehen, wie der Radfahrer gegen den 
Lieferwagen geschlagen habe. Auf Frage, ob er sicher sei, dass dieser das Fahr-
zeug berührt habe, meinte der Beschuldigte, so, wie er es im Spiegel gesehen ha-
be, schon. Gehört habe er nichts. Er habe Musik gehört, eher etwas weniger laut 
als normale Lautstärke, aber man würde es bis vorne wohl auch nicht hören 
(pag. 123 Z. 126 ff.). Der Zeuge G.________ könne entgegen dessen Angaben gar 
nicht gesehen haben, ob der Beschuldigte dem Radfahrer zu nahe gekommen sei, 
weil es dort eine Kurve habe und der Zeuge aus der entgegengesetzten Richtung 
gekommen sei (pag. 123 Z. 163 ff.).

An der Hauptverhandlung vom 18. Mai 2020 wiederholte der Beschuldigte, der Herr 
auf dem Velo sei Slalom oder Zick-Zack gefahren. Er habe ihn nicht überholen 
können, weil es Gegenverkehr gehabt habe. Nach etwa 600 m sei die Strasse 
zweispurig geworden, weil man nach links abbiegen könne. Dort habe er den Rad-
fahrer überholt und während des Überholens im Rückspiegel gesehen, wie dieser 
zuerst nach links näher an den Bus herangefahren sei und er anschliessend mit 
der Hand gegen den Bus geschlagen habe (pag. 199 Z. 15 ff.). Er schätze den Ab-
stand beim Überholen auf ca. 80-100 cm. Der Radfahrer habe den Bus mit ausge-
strecktem Arm berührt, weshalb er also noch immer eine Armlänge Abstand zu ihm 
gehabt habe. Der Velofahrer habe nämlich nicht mit dem angewinkelten Arm und 
der Faust gegen den Bus geschlagen, sondern mit dem ausgestreckten Arm und 
der offenen Hand (pag. 200 Z. 1 ff.).

Zu diesen Aussagen ist zunächst festzuhalten, dass das Geschehen vom Beschul-
digten zwar ebenfalls ziemlich konstant geschildert wird, dieser bei seinen Schilde-
rungen jedoch gleichzeitig besonders darauf bedacht scheint, sein Verhalten als 
regelkonform darzustellen. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass 
der Beschuldigte einerseits den Radfahrer in einem seitlichen Abstand von ca. 80- 
100 cm überholt haben will, während er andererseits betont, er habe für das Über-
holmanöver die Markierung dort überfahren, wo die Fahrbahn zweispurig werde, 
aber ganz über die Markierung gefahren sei er nicht, sondern nur mit den linken 
Rädern. Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass der Lieferwagen – 
wäre der Radfahrer tatsächlich in der Mitte der Fahrspur gefahren und das im Sla-
lom resp. Zick-Zack – mit Sicherheit nicht den vom Beschuldigten behaupteten Ab-
stand zum Velo gehabt hätte, wenn er nur mit den linken Rädern über die Markie-
rung des Abbiegestreifens gefahren wäre. Diesen Widerspruch vermag der Be-
schuldigte nur dadurch aufzulösen, indem er an der Hauptverhandlung erstmals 
auffällig behauptet, der Radfahrer habe nicht mit dem angewinkelten Arm und der 
Faust gegen den Bus geschlagen, sondern mit dem ausgestreckten Arm und der 
offenen Hand. Seine Aussagen wirken diesbezüglich zielgerichtet, so versuchte er 
das Geschehen so darzulegen, dass der Abstand, welchen er beim Überholen hat-

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te, gerade noch genug gross war, um damit keine Verkehrsregel zu verletzen. Im 
Weiteren machte der Beschuldigte geltend, dass der Straf- und Zivilkläger während 
des Überholens sein Fahrrad gegen sein Fahrzeug gelenkt habe, um dieses – wie 
voranstehend erwähnt – berühren zu können. Entgegen den Vorbringen der Ver-
teidigung führte demzufolge der Beschuldigte sehr wohl aus, dass sich der Straf- 
und Zivilkläger absichtlich dem Fahrzeug des Beschuldigten angenähert habe 
(pag. 386). Des Weiteren hat bereits die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, 
dass es jeglicher Lebenserfahrung widerspricht, dass sich ein (geübter) Radfahrer, 
da Autohasser oder gar ohne besonderen Grund, bei hoher Geschwindigkeit 
während des Überholmanövers einem Lieferwagen annähern sollte, um dagegen 
schlagen zu können, zumal er sich dabei selbst erheblich gefährden würde (S. 9 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 230). Dass sich demnach der Straf- 
und Zivilkläger beim Überholmanöver absichtlich dem Fahrzeug des Beschuldigten 
angenähert und dieses in voller Fahrt mit ungefähr 40km/h berührt hätte, erachtet 
die Kammer als konstruiert und lebensfremd (pag. 200 Z. 1 ff.). Zu erwähnen bleibt, 
dass der Beschuldigte Aussagen, die nicht zu seinen passen, entweder damit ab-
tut, die betreffende Person habe dies gar nicht sehen können, oder mit der Bemer-
kung "Aussage gegen Aussage" (pag. 124 Z. 163, 169) quittiert. Insgesamt erwei-
sen sich die Aussagen des Beschuldigten aus Sicht der Kammer als eher berech-
nend resp. zielorientiert, zum Teil nicht nachvollziehbar und damit insgesamt wenig 
glaubhaft.

13.3.3 Zu den Aussagen des Zeugen H.________

Beim Zeugen H.________ handelt es sich um den damaligen direkten Vorgesetz-
ten des Beschuldigten, der ebenfalls mit seinem Lieferwagen von D.________ 
Richtung I.________ unterwegs war (pag. 140 Z. 30 ff.). Er schilderte am 30. April 
2018 gegenüber der Polizei, er sei hinter dem Lieferwagen des Beschuldigten ge-
wesen, der ein Fahrrad vor sich gehabt habe. Während der ganzen Fahrt habe er 
bemerkt, wie das Fahrrad ständig links-rechts-links gefahren sei und stark "pedalt" 
habe. Unter der Eisenbahnbrücke seien sich der Fahrradfahrer und der Lieferwa-
gen ziemlich nahe gekommen; der Lieferwagen habe dort ein Überholmanöver 
gemacht. Er wisse nicht, ob das ein Wegstossen oder Schubsen gewesen sei, je-
doch habe er gesehen, wie sich der Radfahrer vom Lieferwagen weggedrückt habe 
(pag. 17).

Im Rahmen der Befragung bei der Staatsanwaltschaft vom 19. September 2019 
führte der Zeuge H.________ aus, die beiden (Fahrradfahrer und Lieferwagen) 
seien nebeneinander gefahren und es habe zu wenig Platz gehabt. Der Velofahrer 
habe sich extrem bewegt. Anschliessend sei es zwischen den beiden zu einem 
«Zusammenkommen» gekommen. Er selber sei unmittelbar dahinter resp. ca. 30 
m hinterher gefahren. Eigentlich sei genug Platz gewesen für das Überholmanöver, 
aber der Velofahrer habe sich extrem nach links und rechts bewegt resp. extrem 
gestrampelt und dabei das Velo nach links und rechts manövriert, so wie wenn 
Radfahrer sprinten (pag. 141 Z. 54 ff.). Der Radfahrer sei ca. 30 km/h gefahren. 
Der Zeuge selber sei ca. 50 km/h gefahren und der Beschuldigte sei ihm nicht da-
von gefahren (pag. 141 Z. 86; pag. 142 Z. 91 f.). Der Beschuldigte habe nicht 
schon vorher versucht, den Radfahrer zu überholen, weil dieser ja erst dort vor ih-

20

nen aufgetaucht sei. Er würde sagen, beide seien sich einfach im falschen Moment 
zu nahe gekommen. Persönlich hätte er einen Velofahrer an dieser Stelle nicht 
überholt, aber er sei selber Velofahrer und deshalb extrem vorsichtig. Es sei ein-
fach so gewesen, wie wenn sich der Velofahrer vom Fahrzeug hätte wegstossen 
wollen, weil dieses zu nahe gewesen sei (pag. 142 Z. 95 ff.). So wie sich der 
Oberkörper des Radfahrers bewegt habe, denke er, dass dieser sich am Fahrzeug 
abgestossen habe. Aber das sei nur eine Annahme (pag. 143 Z. 129 ff.). Der Rad-
fahrer habe mit den Rädern vielleicht einen halben Meter hin und her geschwankt. 
Aber eigentlich sei er geradeaus gefahren. Wenn man voll in die Pedale trete, gin-
gen durch den Druck die Räder zur Seite. So bewege sich das ganze Fahrrad nach 
links und rechts. Aber der Radfahrer sei nicht über die ganze Fahrbahn gefahren 
oder so (pag. 143 Z. 152 ff.).

Festzustellen ist, dass der Zeuge H.________ der Vorgesetzte des Beschuldigten 
ist bzw. dies bis kurz vor der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft war 
(pag. 140, Z. 30). Zum Überholmanöver hat er sich einerseits durchaus kritisch, 
dann aber auch relativierend geäussert, in dem er zunächst angab, er hätte an die-
ser Stelle ein Velo nicht überholt, aber er sei halt sehr vorsichtig. Insgesamt beste-
hen jedoch nach Auffassung der Kammer keine Hinweise auf eine Absprache oder 
ein Aussageverhalten, mit dem der Zeuge den Beschuldigten gezielt hätte entlas-
ten oder dem Radfahrer direkt die Schuld am Unfall hätte zuschieben wollen, so 
dass auf seine Angaben dem Grundsatz nach abgestellt werden kann. Betreffend 
die Frage, ob es an der fraglichen Stelle nun genug Platz zum Überholen gehabt 
hat oder nicht, sind seine Aussagen allerdings widersprüchlich und es scheint, als 
ob er sich entweder selbst nicht entscheiden könnte, ob man dort nun überholen 
sollte, oder er halt doch bis zu einem gewissen Grad nicht herausrücken wollte, wie 
er die Situation tatsächlich wahrgenommen hat. Die mehrmals getätigte Aussage, 
wonach sich die beiden Verkehrsteilnehmer "einfach zu nahe gekommen" seien, 
erscheint mit anderen Worten etwas auffallend vage. Die Kammer erachtet sein 
Aussageverhalten als typisch für jemanden, der sich im Zwiespalt befindet. Dies 
deshalb, da er als Zeuge darauf bedacht war, wahrheitsgemässe Aussagen zu ma-
chen und andererseits den Beschuldigten als seinen Arbeitnehmer nicht in ein zu 
schlechtes Licht stellen wollte.

Im Übrigen aber berichtete er – anders als der Beschuldigte – weder von einer be-
sonders langsamen Fahrt des Velofahrers, einer Slalomfahrt oder einem Fahren in 
der Mitte der Fahrbahn noch davon, dass der Beschuldigte bereits an einer frühe-
ren Stelle gehupt hätte, weil er nicht überholen konnte. Vielmehr gibt er an, der 
Radfahrer sei erst an dieser Stelle vor ihnen aufgetaucht, und die Links-Rechts-
Bewegung sei wohl darauf zurückzuführen, dass dieser fest in die Pedale getreten 
sei, was nachvollziehbar erscheint, zumal der Zeuge angibt, selber Velofahrer zu 
sein. Dafür, dass der Radfahrer sich extra in Richtung Lieferwagen bewegt hätte, 
um dagegen schlagen zu können, findet sich in den Aussagen des Zeugen kein 
Anhaltspunkt, obwohl ein solches Verhalten ziemlich auffällig gewesen und von je-
dem, der es wahrgenommen hätte, mit Sicherheit angesprochen worden wäre.

21

13.3.4 Zu den Aussagen des Zeugen Rindslibacher

Der Zeuge G.________ war an diesem Morgen zu Fuss in der Gegenrichtung un-
terwegs und beobachtete gemäss eigenen Angaben, wie der sich knapp hinter dem 
Lieferwagen befindliche Radfahrer versucht habe, mit der linken Hand den Liefer-
wagen zu berühren (pag. 15).

Gegenüber der Staatsanwaltschaft gab er am 19. September 2019 vorab zu Proto-
koll, es sei schwierig, sich noch an die Aussagen bei der Polizei zu erinnern, so 
dass man ihm diese zu lesen gab. In der Folge bestätigte er die gemachten Anga-
ben (pag. 148 Z. 37 ff.). Auf Frage gab er an, er habe das Überholmanöver nicht 
gesehen, er sei erst auf die Situation aufmerksam geworden, weil der Lieferwagen 
voll gebremst habe. Er habe zwar bei der Polizei gesagt, er habe beim Velofahrer 
etwas mit der Hand gesehen, aber das wisse er jetzt nicht mehr. Beim Verlesen er-
gänzte er, es komme ihm jetzt wieder in den Sinn, dass der Velofahrer in dem Mo-
ment, in dem der Lieferwagen die Vollbremsung gemacht habe, seine linke Hand in 
Richtung des Lieferwagens gestreckt und dann sofort wieder zum Lenker gegriffen 
habe, um zu bremsen. Er sehe das Bild jetzt wieder vor sich (pag. 149 Z. 54 ff.). 
Später führte der Zeuge ebenfalls beim Verlesen des Protokolls auf Frage nach ei-
ner Berührung des Lieferwagens aus, der Radfahrer habe die linke Hand ausge-
streckt gehabt, bevor er mit dem Bremsen begonnen habe. Zu diesem Zeitpunkt 
sei er noch hinter dem Lieferwagen gewesen.

Der Zeuge G.________ war in jeder Hinsicht am Geschehen auf der Strasse unbe-
teiligt und steht in keiner Beziehung zu den Beteiligten. Es besteht daher kein An-
lass, seine Aussagen grundsätzlich in Frage zu stellen. Was das Überholmanöver 
betrifft, so ist aufgrund seiner Position sowie gestützt auf die Aussage, dass erst 
das Bremsmanöver des Lieferwagens seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen ha-
be, davon auszugehen, dass er dieses nicht mitbekommen hat. Einzig erwähnte er 
– in der zweiten Einvernahme erst nachdem er sich gedanklich wieder mit dem Ge-
schehen auseinandergesetzt hatte – die ausgestreckte Hand des Radfahrers. Ent-
sprechend seiner Wahrnehmung berührte diese den Lieferwagen jedoch nicht. 
Zwar bestreitet der Beschuldigte, dass der Zeuge dies aufgrund seiner Position 
überhaupt hätte sehen können, woher diese Angaben des Zeugen aber hätten 
herrühren sollen, wenn nicht aufgrund entsprechender Wahrnehmungen, dafür lie-
fert er jedoch auch keine Erklärung und eine solche ist auch für die Kammer nicht 
ersichtlich.

13.3.5 Konkrete Beweiswürdigung

Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass sich die Kammer der erstinstanzlichen Be-
weiswürdigung im Wesentlichen anschliessen kann. Die erstinstanzliche Urteilsbe-
gründung ist sorgfältig verfasst und die Vorinstanz hat alles Wesentliche erfasst 
und die verschiedenen (allenfalls möglichen) Varianten eingehend beleuchtet. In 
diesem Sinne kann vorweg auf die Beweiswürdigung der Vorinstanz verwiesen 
werden (S. 12 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 233 ff.). Ergänzun-
gen, Präzisierungen oder allenfalls Abweichungen vom erstinstanzlichen Urteil 
werden durch die Kammer im Rahmen der nachfolgenden konkreten Würdigung 
eingehend ausgeführt.

22

Gestützt auf die Angaben der Beteiligten und der beiden Zeugen ist für die Kammer 
in Übereinstimmung mit dem erstinstanzlichen Beweisergebnis ohne weiteres er-
stellt, dass der seitliche Abstand zwischen dem Lieferwagen des Beschuldigten 
und dem Radfahrer beim Überholmanöver so gering war, dass letzterer das Fahr-
zeug mit der linken Hand berühren konnte resp. hätte berühren können (S. 9 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 230). Ob es tatsächlich zu einer 
Berührung des Fahrzeugs oder einem Schlag gegen das Fahrzeug gekommen ist 
oder nicht, ist hingegen letztlich für die Beurteilung des Überholmanövers – und im 
Übrigen auch im Zusammenhang mit dem Bremsmanöver – nicht entscheidend. 
Dies gilt, wie sich aus den weiteren Ausführungen ergeben wird, im Grunde auch 
für die Frage, ob der Straf- und Zivilkläger den Arm ganz ausgestreckt oder noch 
etwas angewinkelt hatte. Soweit der Beschuldigte mit der Aussage, es sei aufgrund 
des ausgestreckten Arms immer noch eine Armlänge Platz gewesen, andeuten will, 
der seitliche Abstand sei gar nicht so gering gewesen, ist folgendes anzumerken: 
Einerseits reicht der Griff am Velolenker zumindest leicht weiter seitlich als der Ar-
mansatz am Körper. Zudem ist kaum vorstellbar, dass der Rennradfahrer in voller 
Fahrt den Arm im rechten Winkel von sich streckt. Und schliesslich dürfte vorlie-
gend der Abstand lediglich vom Körper bis zum Handgelenk gemessen werden, 
zumal mit der offenen Hand gegen das Fahrzeug geschlagen worden sein soll. Ei-
ne "Armlänge", wie man sie gemeinhin versteht, also ein Abstand in der Grössen-
ordnung von etwa 75-80 cm, verbleibt demnach bei dieser Ausgangslage nicht, 
vielmehr dürften es sich selbst bei einem Mann um max. ca. 50 cm Abstand ge-
handelt haben.

Der Beschuldigte bringt vor, er habe den Straf- und Zivilkläger im seitlichen Ab-
stand von ca. 80-100 cm überholt und es sei der Radfahrer gewesen, der sich 
während des Überholmanövers dem Lieferwagen angenähert habe. Nicht restlos 
klar wird dabei, ob sich die Annäherung aus der behaupteten Slalom- bzw. Zick-
zackfahrt des Straf- und Zivilklägers ergeben oder ob es sich um ein bewusstes 
Hinlenken mit dem Zweck, gegen das Fahrzeug zu schlagen, gehandelt haben soll.

Zu Letzterem bemerkte – wie bereits erwähnt – die Vorinstanz korrekt, es erschei-
ne lebensfremd, dass sich ein Velofahrer, der korrekt überholt werde, einem Fahr-
zeug annähern sollte, um dagegen zu schlagen, zumal er sich dabei selber gefähr-
den würde (S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 230). Eine Antwort 
auf die Frage, warum ein Velofahrer dies tun sollte, vermochte der Beschuldigte 
nicht zu liefern (S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 230). Als Grün-
de nannte er "weil ich ihn überholt hatte" (pag. 123 Z. 144) resp. vielleicht tue dies 
ein Velofahrer, "wenn es einer dieser 'Grünen' ist, die gegen Autofahrer sind" 
(pag. 123 Z. 148), was schon per se nicht zu überzeugen vermag. Kommt hinzu, 
dass der Zeuge H.________ gemäss seinen Aussagen nichts dergleichen erwähnt 
hat, jedoch jeden Grund dazu gehabt hätte, von entsprechenden Beobachtungen 
zu berichten, zumal dies seinen Arbeitskollegen entlastet hätte.

Was sodann die Möglichkeit betrifft, dass sich der ursprüngliche Abstand zum Lie-
ferwagen aufgrund der vom Beschuldigten beschriebenen Links-Rechts-Bewegung 
des Radfahrers stark verringert hätte, ist darauf hinzuweisen, dass sowohl der 
Straf- und Zivilkläger als auch der Zeuge H.________ diese Bewegung nicht als ei-

23

gentlichen Slalom- oder Zickzack-Kurs beschrieben, sondern auf die Bewegung 
des Körpers und damit des Fahrrads bei starkem Pedalieren zurückführen. Der 
Zeuge H.________ selbst gab ausdrücklich zu Protokoll, der Radfahrer habe da-
durch vielleicht einen halben Meter hin und her geschwankt, sei aber im Grunde 
immer geradeaus gefahren. Der Beschuldigte selber hielt es nicht für möglich, dass 
die Bewegung auf das Pedalieren zurückzuführen sein könnte. Damit konfrontiert, 
dass auch der Zeuge H.________ von einem starkem In-die-Pedale-treten gespro-
chen habe, meinte er sodann lediglich, dieser könne das ja gar nicht gesehen ha-
ben, da er hinter ihm gefahren sei. Eine Erklärung, warum der Zeuge entsprechen-
de Aussagen machen sollte, wenn er doch gar nichts gesehen hat, ist jedoch nicht 
ersichtlich. Im Übrigen decken sich dessen Angaben in diesem Punkt mit denjeni-
gen des Straf- und Zivilklägers.

Schliesslich bleibt nochmals darauf hinzuweisen, dass die Aussage, der Radfahrer 
sei in der Mitte der Fahrbahn Slalom oder Schlangenlinien gefahren, nicht in Ein-
klang zu bringen ist mit der Behauptung, der Beschuldigte habe beim Überhol-
manöver einen Abstand von 80-100 cm vom Radfahrer gehabt, jedoch nur mit den 
linken Rädern die Markierung des Abbiegestreifens überfahren. Bereits erwähnt 
wurde schliesslich, dass auch der Zeuge H.________ weder eine Slalomfahrt noch 
eine Fahrt in der Strassenmitte geschildert hat.

13.3.6 Beweisergebnis Überholmanöver

Insgesamt erachtet es die Kammer nach dem Gesagten als erstellt, dass der Be-
schuldigte den Straf- und Zivilkläger mit einem geringen, deutlich unter 80 cm lie-
genden seitlichen Abstand überholt hat, und dass dieser Abstand nicht aufgrund 
der Fahrweise des Radfahrers oder gar einem absichtlichen Hinlenken desselben 
in Richtung Lieferwagen entstanden ist.

13.4 Zum Bremsmanöver

Im Zusammenhang mit dem Bremsmanöver ist primär zu klären, wie heftig der Be-
schuldigte gebremst hat, ob er dabei den Lieferwagen gegen den rechten Fahr-
bahnrand gelenkt hat und ob der Sturz und damit die Verletzungen des Straf- und 
Zivilklägers auf das Verhalten des Beschuldigten zurückzuführen sind.

13.4.1 Zu den Aussagen des Straf- und Zivilklägers

Gegenüber der Polizei gab der Straf- und Zivilkläger am 30. April 2018 laut Unfall-
aufnahmeprotokoll an, nach seinem Handzeichen habe der Fahrer des Lieferwa-
gens unvermittelt abrupt bis zum Stillstand abgebremst und dazu nach rechts ge-
lenkt. Er selber habe sich zu diesem Zeitpunkt auf der Höhe des hinteren Drittels 
des Lieferwagens befunden und ebenfalls fest gebremst. Dabei habe er das Fahr-
zeug mit dem linken Arm touchiert und sei schliesslich nach der Kollision mit dem 
Randstein rechts zu Fall gekommen. Er sei über den Lenker des Fahrrads auf das 
Trottoir auf seine rechte Schulter gefallen (pag. 13).

In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. März 2019 wiederholte der 
Straf- und Zivilkläger, als er das Zeichen gemacht habe, sei er auf Höhe der hinte-
ren Achse des Lieferwagens gewesen. Der Fahrer sei stark auf die Bremse getre-

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ten – der Straf- und Zivilkläger habe sogar das ABS gehört – und habe ihn gegen 
den Trottoirrand gedrückt. Der Fahrer habe gegen rechts gelenkt. Dies habe ihm 
den Weg versperrt, weswegen er stark habe bremsen müssen und über den Len-
ker geflogen sei. Beim Sturz habe er mit der linken Schulter das Fahrzeug tou-
chiert. Er sei auf dem Trottoir aufgeschlagen, zuerst mit den Händen, anschlies-
send mit der rechten Schulter (pag. 69 Z. 39 ff.). Er sei mit dem Vorderrad auf der 
Höhe der hinteren Achse des Fahrzeuges gewesen, als dieser nach rechts gefah-
ren sei, und präzisierte beim Verlesen, er sei mit dem Vorderrad beim hinteren Teil 
des Fahrzeugs, am Ende des Lieferwagens gewesen. Er habe voll gebremst, denn 
vor ihm sei ein Hindernis gewesen und es habe keinen Platz mehr gehabt. Daher 
sei er über den Lenker geflogen, es habe nicht genügend Platz gehabt, um zu 
bremsen, ohne zu stürzen. Er habe den Lieferwagen im Flug mit der Schulter ge-
streift (pag. 72 Z. 136 ff.). Beim Bremsen sei er über den Lenker geflogen und auf 
das Trottoir gefallen. Er könne nicht sagen, ob das Rad den Randstein berührt ha-
be (pag. 73 Z. 160 ff.).

Vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland führte der Straf- und Zivilkläger am 
18. Mai 2020 wiederum aus, das Fahrzeug habe ihm den Weg abgeschnitten und 
ihn blockiert. Deshalb habe er mit dem Velo nicht ausweichen können und habe 
sehr abrupt bremsen müssen, wobei er über das Velo gestürzt sei. Beim Stürzen 
habe er mit der linken Schulter das Fahrzeug berührt und sei dann auf dem Trottoir 
mit der rechten Schulter aufgeschlagen (pag. 197 Z. 12 ff.). Er glaube, er sei mit 
dem Vorderrad auf der hinteren Ecke des Fahrzeugs gewesen, als der Lenker ge-
bremst habe. Während des Bremsens sei der Lenker Richtung Trottoir gefahren 
und am Schluss nur wenige Zentimeter davon entfernt gestanden. Er sei sich nicht 
sicher, ob er mit dem Fahrrad den Randstein berührt habe, denke es aber, da das 
Vorderrad ein "Achti" habe (pag. 197 Z. 32 ff.).

Wiederum erscheinen die Aussagen des Straf- und Zivilklägers konstant und nach-
vollziehbar, was das eigentliche Unfallgeschehen betrifft. Demnach hat der Be-
schuldigte stark gebremst und sein Fahrzeug nach der Wahrnehmung des Straf- 
und Zivilklägers nach rechts gelenkt, wodurch er selber, da ihm der Weg versperrt 
wurde, ebenfalls stark bremste und dann über das Velo stürzte. Zwar war der Straf- 
und Zivilkläger nicht in der Lage, sich daran zu erinnern, ob er mit dem Velo den 
Randstein berührt habe oder nicht. Dies ist indessen angesichts der raschen Ge-
schehnisse beim Sturz ohne weiteres nachvollziehbar. Wie sich nachstehend zei-
gen wird, werden die Aussagen des Straf- und Zivilklägers weitgehend von den 
Angaben der Zeugen gestützt, womit darauf abgestellt werden kann.

13.4.2 Zu den Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte seinerseits gab gegenüber der Polizei am 30. April 2018 zu Pro-
tokoll, dass er umgehend nach dem Schlag gegen den Lieferwagen, er diesen bis 
zum Stillstand abgebremst habe, um nachzufragen, warum der Radfahrer an den 
Lieferwagen schlage. Der Lieferwagen sei unter der Eisenbahnbrücke zum Still-
stand gekommen. Dann habe er in den Seitenspiegel geschaut und gesehen, wie 
der Velofahrer am Boden gelegen sei. Wie es zu dessen Fall gekommen sei, könne 

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er nicht sagen, da es (ausser dem Schlag) zu keiner Zeit zu irgendeinem Kontakt 
zwischen dem Fahrradfahrer und dem Lieferwagen gekommen sei (pag. 11).

Anlässlich der Einvernahme vom 27. August 2019 bei der Staatsanwaltschaft er-
klärte der Beschuldigte hingegen, nach dem Schlag den Velofahrer einfach noch 
ganz überholt und dann weiter vorne vollständig abgebremst zu haben. Er habe 
zwar nicht ganz langsam abgebremst, habe aber auch keine Vollbremsung ge-
macht. Es habe zudem ja auch keine Bremsspuren gegeben. Er habe den Radfah-
rer fragen wollen, was das Problem sei, und nachschauen, ob es einen Schaden 
gegeben habe. Also sei er ausgestiegen und habe noch in den Rückspiegel ge-
schaut. Da habe er schon gesehen, wie der Straf- und Zivilkläger über sein Velo 
gefallen sei. Er sei dann ca. zwei Meter hinter dem Lieferwagen zu Fall gekommen. 
Die zwei Meter meine er von dort, wo der Radfahrer gelegen sei bis zum Heck des 
Fahrzeugs (pag. 121 Z. 61 ff.). Er habe im rechten Seitenspiegel gesehen, dass 
der Radfahrer gestürzt sei. Er denke auch, dieser sei nicht konzentriert gewesen 
und er habe seine Hände nicht dort gehabt, wo er sie hätte haben sollen. Er könne 
sich aber nicht erinnern, ob dieser die Hände am Lenker gehabt habe (pag. 121 
Z. 73 ff.). Es treffe zu, dass er mitten auf der Strasse, vor der Kurve, habe bremsen 
und schauen wollen, ob es einen Schaden gegeben habe. Aber er sei ja nicht voll 
auf die Eisen, er habe einfach abgebremst. Er habe anhalten müssen, um ihn zur 
Rede zu stellen, und weiter vorne habe er nirgends anhalten können. Auf Vorhalt, 
bei der Polizei habe er gesagt, er habe unmittelbar nach dem Schlag gebremst, 
meinte der Beschuldigte sodann, nein, das sei etwas später gewesen. Er habe ja 
nicht unmittelbar anhalten können, sonst wäre der Radfahrer an seinen Lieferwa-
gen gekommen. Es habe keinen Platz gehabt, um das Auto beim Bremsen an den 
rechten Rand zu ziehen, da es neben dem Fahrzeug nur noch ein paar Zentimeter 
habe. Das Fahrrad sei hinter ihm gewesen, als er abgebremst habe (pag. 124 
Z. 176 ff.). Dies habe er sichergestellt, zumal er ja im Seitenspiegel gesehen habe, 
als dieser gestürzt sei. Auf Frage, ob er sagen könne, wie weit der Radfahrer weg 
gewesen sei, als er gebremst habe, meinte der Beschuldigte, er sei weit genug 
weg gewesen. Er sei wohl gestürzt, weil er die Hände nicht am Lenker gehabt und 
wieder so links, rechts gefahren sei. Der Radfahrer habe eine Chance gehabt zu 
bremsen, denn die Bremslichter sehe man ja. Er könne ja auch nicht wissen, wann 
ein Radfahrer bremse. Ob der Radfahrer damit habe rechnen müssen, dass er 
bremse, wisse er nicht. Wenn man anständig fahre nicht, aber, wenn man mit der 
Hand gegen einen Lieferwagen schlage, müsse man doch damit rechnen. Er habe 
nicht bedacht, dass der Radfahrer vielleicht nicht bremsen könne. Dieser könne 
wohl schneller bremsen als ein voller Lieferwagen, der einen längeren Bremsweg 
habe (pag. 125 Z. 201 ff.). Die Schilderung des Straf- und Zivilklägers könne nicht 
zutreffen, sonst hätte das Velo den Lieferwagen ja irgendwie streifen müssen und 
das hätte Streifen oder Kratzer hinterlassen (pag. 126 Z. 261 ff.).

An der Hauptverhandlung vom 18. Mai 2020 führte der Beschuldigte aus, nach 
dem Schlag habe er den Radfahrer komplett überholt. Als die Strasse wieder enger 
geworden sei, habe er angehalten, da er nicht gewusst habe, ob es einen Schaden 
am Lieferwagen gegeben habe. Als er bei der Kurve unter der Brücke angehalten 
habe, sei der Radfahrer bereits am Boden gewesen, dies etwa 2-3 m hinter dem 
Kombi. Er habe mit dem Velo nicht sein Fahrzeug berührt, sonst hätte man Spuren 

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gesehen. Nach dem Schlag habe er etwa nach 10-20 m angefangen zu bremsen. 
Er habe dort nicht sofort anhalten können, da er sonst auf der Sicherheitslinie ge-
standen wäre. Auf Frage, ob er gesehen habe, wie der Radfahrer zu Boden gefal-
len sei, meinte er, er habe einfach im Rückspiegel gesehen, wie er am Boden ge-
legen sei (pag. 199 Z. 21 ff.). Der Radfahrer sei hinter ihm gewesen, als er zu 
bremsen begonnen habe. Es sei schwierig zu sagen, wie viel hinter ihm. Auf Frage, 
ob er generell beim Bremsen in den Seitenspiegel schaue, meinte er, je nach Si-
tuation. Nicht bei jedem Bremsmanöver schaue er in den Seitenspiegel (pag. 200 
Z. 7 ff.).

Auffallend ist an diesen Aussagen, wie der Beschuldigte zunächst vor Ort selber 
angab, er habe umgehend nach dem Schlag gebremst. Bei der nächsten Einver-
nahme will er den Radfahrer zuerst noch fertig überholt haben, bevor er gebremst 
habe, und bezeichnet seine erste Angabe als so nicht zutreffend, dies notabene mit 
der Begründung, weil der Radfahrer sonst an seinen Lieferwagen gekommen wäre. 
In der dritten Befragung blieb er sodann dabei, den Straf- und Zivilkläger zuerst 
komplett überholt zu haben, und ergänzte, er habe erst zehn bis zwanzig Meter 
nach dem Schlag zu bremsen begonnen. Gegenüber der Erstaussage erscheinen 
diese Angaben jedoch zielgerichtet, beschönigend und dienen damit zu seiner ei-
genen Entlastung, indem der Zusammenhang zwischen Bremsmanöver und Sturz 
weggeredet werden soll. Auffallend ist ausserdem der ständige Hinweis darauf, 
dass das Velo den Lieferwagen nicht berührt habe und keine Bremsspuren vor-
handen gewesen seien, wobei letzteres ein abruptes Abbremsen nicht aussch-
liesst.

Widersprüchlich sind die Angaben zum Sturz des Straf- und Zivilklägers. So will der 
Beschuldigte in seiner Erstaussage nach dem Stillstand in den Rückspiegel ge-
schaut und den Radfahrer bereits am Boden gesehen haben, den Sturz selber je-
doch nicht. Bei der zweiten Befragung gab er an, er habe in den Rückspiegel ge-
schaut und schon gesehen, wie der Radfahrer über sein Velo gefallen sei. Er er-
gänzte nunmehr, er habe bereits beim Bremsen sichergestellt, dass der Radfahrer 
hinter ihm gewesen sei, denn er habe ihn ja im Seitenspiegel gesehen, als er ge-
bremst habe. Später gab er dann wieder an, er habe ihn erst am Boden gesehen. 
In der zweiten Befragung mutmasste der Beschuldigte zudem, der Radfahrer habe 
seine Hände wohl nicht am Lenker gehabt und sei deswegen gestürzt. Davon hatte 
er bei der Polizei allerdings noch nichts gesagt. Die Aussage, der Velofahrer müsse 
halt mit seinem Abbremsen rechnen, wenn er gegen den Wagen schlage, lässt im 
Übrigen tief blicken. Vage antwortete der Beschuldigte im Übrigen auf die Frage, 
wie weit der Radfahrer weg gewesen sei, als er gebremst habe, nämlich mit "weit 
genug". Wenn er tatsächlich die Position des Radfahrers im Rückspiegel sicherge-
stellt hätte, hätten hierzu konkretere Aussagen erwartet werden dürfen. Später er-
klärte er, dies sei schwierig zu sagen, aber dazu passt dann die Aussage, es sei 
weit genug gewesen, wiederum nicht.

Im Weiteren gab der Beschuldigte an, dass er erst 20-30 m nach dem Überhohl-
manöver abgebremst habe, um den Straf- und Zivilkläger zur Rede zu stellen und 
zu überprüfen, ob an seinem Fahrzeug ein Schaden entstanden sei. Allerdings er-
scheint es wenig plausibel, dass man sich zuerst noch vergewissert, wo man am 

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besten anhält resp. bestimmt nicht auf einer Sicherheitslinie, wenn man jemanden 
zur Rede stellen will, zumal es sich dabei in einer Situation wie der vorliegenden 
eher um Sofortreaktion handelt. Mit Blick darauf, dass sich der Beschuldigte über 
die Fahrweise des Straf- und Zivilklägers enervierte und offenbar häufiger ein auf-
brausendes Verhalten zeigt (vgl. dazu nachstehend), spricht die Absicht, diesen zur 
Rede zu stellen, vielmehr dafür, dass der Beschuldigte nicht erst nach 20-30 m 
nach dem Überholen abbremste, sondern dem Straf- und Zivilkläger durch ein 
brüskes Bremsen den Weg abschnitt, um ihn an der Weiterfahrt zu hindern. 

13.4.3 Zu den Aussagen des Zeugen H.________

Bei der Polizei vor Ort gab der Zeuge H.________ am 30. April 2018 an, als der 
Fahrradfahrer zu nahe gewesen sei, sei er zu Boden gefallen. Der Lieferwagen vor 
ihm und er selber hätten angehalten (pag. 17).

Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. September 2019 er-
läuterte der Zeuge H.________, es habe so ein Zusammenkommen zwischen den 
beiden gegeben. Dann habe der Beschuldigte sofort angehalten. Es sei eine 
schnelle Sache gewesen. Von der Berührung bis zum Stillstand sei praktisch keine 
Zeit gewesen (pag. 141 Z. 56 ff.). Auf Frage, ob der Beschuldigte sein Fahrzeug 
nach dem Überholmanöver nach rechts gezogen habe, erklärte der Zeuge, es sei 
einfach eng geworden, aber das habe er so nicht gesehen (pag. 142 Z. 123 ff.). Auf 
Frage, ob der Beschuldigte sein Fahrzeug gebremst habe, bevor der Radfahrer 
stürzte oder einfach unmittelbar danach, gab er an, die beiden hätten sich einfach 
berührt und danach sei er, der Beschuldigte, unmittelbar auf die Bremse (pag. 143 
Z. 132 ff.).

Festzustellen ist, dass aus den Aussagen des Zeugen H.________ nicht absch-
liessend klar wird, was aus seiner Sicht die Ursache des Sturzes war. Indessen 
führte er im Rahmen seiner zweiten Befragung mehrfach betreffend den Zeitpunkt 
der Bremsung aus, dass der Beschuldigte unmittelbar nach dem Zusammenkom-
men mit dem Velofahrer gebremst und es sich um eine schnelle Sache gehandelt 
habe. Bis zum Stillstand sei praktisch keine Zeit gewesen. Ebenfalls äusserte er 
klar, dass er nicht gesehen habe, dass der Beschuldigte mit dem Fahrzeug nach 
rechts gezogen hätte. Auch diesbezüglich stellt die Kammer fest, dass sich den 
Aussagen des Zeugen H.________ in Anbetracht seiner Beziehung – Arbeitgeber-
/Arbeitnehmerverhältnis – zum Beschuldigten entnehmen lässt, dass er diesen un-
ter Einhaltung seiner Wahrheitspflicht nicht zu stark zu belasten versuchte. Deshalb 
verwendete er situationsfremde Begriffe wie sie seien «zusammenkommen» oder 
es sei eine «schnelle Sache» gewesen.

13.4.4 Zu den Aussagen des Zeugen G.________

Der Zeuge G.________ berichtete am 30. April 2018 gegenüber der Polizei, der 
Radfahrer habe versucht, mit der Hand den Lieferwagen zu berühren. Plötzlich ha-
be der Fahrer des Lieferwagens eine Vollbremsung gemacht. Der Fahrradfahrer 
habe sich zu diesem Zeitpunkt hinter dem Lieferwagen befunden. Kurz nach dem 
letzten Brückenpfeiler, Seite I.________, sei der Lieferwagen zum Stillstand ge-
kommen. Der Fahrradfahrer habe ebenfalls versucht zu bremsen, den Lieferwagen 

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berührt und sei wegen des Bordsteins des Trottoirs vor dem Zeugen zu Fall ge-
kommen. Es sei sofort zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Lie-
ferwagenfahrer und dem Fahrradfahrer gekommen. Der Lieferwagenfahrer habe 
zum Fahrradfahrer gesagt: "Ig cha dir o grad hie eis houe" und bereits die rechte 
Hand zur Faust geballt gehabt. Ausserdem habe er, als er mit dem Lieferwagen 
habe wegfahren wollen, zum Zeugen gesagt: "Fahr ab du hesch nüüt gseh und nüt 
drmit z tue" (pag. 15).

Bei der Staatsanwaltschaft sagte er am 19. September 2019 aus – nachdem er wie 
erwähnt seine Aussagen bei der Polizei nochmals durchgelesen hatte – er sei auf 
die Situation aufmerksam geworden, weil der Lieferwagen voll gebremst habe. 
Beim Verlesen fiel ihm wieder ein, dass der Velofahrer seine linke Hand Richtung 
Lieferwagen gestreckt habe, als dieser gebremst habe. Dann habe er sofort wieder 
zum Lenker gegriffen, um zu bremsen. Es sei schwierig zu sagen, ob der Lieferwa-
gen in eine Richtung ausgeschert oder gerade gestanden sei, als er die Vollbrem-
sung gemacht hatte. Er könne nicht sagen, dass er das Fahrzeug gegen das Trot-
toir gezogen habe, aber sicher nicht auf die Gegenfahrbahn. Er könne aufgrund 
seiner Position auch nicht sagen, ob der Lieferwagen das Velo schon überholt ge-
habt habe und das Velo dann aufgefahren sei oder ob der Lieferwagen das Velo 
vielleicht noch nicht ganz überholt gehabt hatte. Er könne sich nicht vorstellen, 
dass man mit dem Velo an dieser Stelle rechts neben einem Fahrzeug fahren wür-
de, weil das Trottoir so hoch sei. Das Trottoir sei schlussendlich auch der Grund 
gewesen, weshalb der Radfahrer gestürzt sei. Es gebe nur zwei Möglichkeiten, 
entweder wäre er auf das stehende Auto aufgefahren oder er hätte versucht rechts 
vorbeizufahren. Hierfür wäre es aber sehr eng gewesen. Ansonsten hätte er noch 
versuchen können aufs Trottoir hoch zu hüpfen, aber dieses sei dort sehr hoch und 
vermutlich wäre ihm noch ein Brückenpfeiler in den Weg gekommen. Beim Verle-
sen betonte der Zeuge, dass seine Aussagen so zu verstehen seien, dass sich der 
Radfahrer zwischen dem Lieferwagen und dem Trottoir – im hinteren Drittel des 
Lieferwagens – befunden habe, als er gestürzt sei (pag. 149). Es sei so schmal 
gewesen, dass der Velofahrer irgendwann mit der linken Seite des Lenkers an der 
Karosserie angestossen sei und keine andere Möglichkeit mehr gehabt habe, als 
nach rechts aufs Trottoir zu stürzen. Das habe er gemeint, als er gesagt habe, der 
Randstein habe den Radfahrer zum Sturz gebracht. Er sei vom Lieferwagen abge-
drängt worden. Ob es Kratzer gehabt habe, habe er nicht überprüft. Es könne ja 
auch sein, dass der Radfahrer mit dem linken Oberarm oder der Schulter das 
Fahrzeug berührt habe, was keine Spuren verursache. Der Radfahrer habe die lin-
ke Hand ausgestreckt, bevor er mit dem Bremsen begonnen habe. Zu diesem Zeit-
punkt sei er noch hinter dem Lieferwagen gewesen (pag. 150 Z. 92 ff.). Bei der 
Auseinandersetzung nach dem Sturz habe der Fahrer des Lieferwagens ausgeru-
fen und dem Velofahrer gesagt, er wolle ihm eine hauen (pag. 150 Z. 120 f.). 
Nachdem der Beschuldigte versucht habe wegzufahren sei er nochmals ausgestie-
gen und auf den Zeugen zu gekommen. Er habe Angst gehabt. Der Fahrer habe 
ihn gefragt, was er hier mache, und er habe geantwortet, er habe gerade gesehen, 
was hier passiert sei, worauf der Fahrer gesagt habe: "Du häsch gar nüt gseh, hou 
ab hie".

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Der Zeuge G.________ war wie bereits erläutert am Geschehen unbeteiligt und hat 
es – anders als vom Beschuldigten behauptet – aus nächster Nähe verfolgt. So 
schilderte er eindrücklich, wie der Radfahrer direkt vor ihm auf das Trottoir stürzte. 
Bereits bei der Unfallaufnahme sprach er zudem von einer Vollbremsung des Lie-
ferwagens und bestätige diese Angaben in seiner zweiten Einvernahme. Beson-
ders realitätsnah und glaubhaft wirken seine Angaben dazu, wie der Radfahrer vom 
Lieferwagen abgedrängt wurde und der Radfahrer dadurch in eine beengte und 
ausweglose Situation geriet, die schliesslich trotz Bremsung zum Sturz führte. Von 
einer eigentlichen Lenkbewegung des Lieferwagens nach rechts sprach der Zeuge 
zwar nicht resp. er konnte sich diesbezüglich nicht genau erinnern, aber die Schil-
derung des immer schmaler werdenden Platzes für den Velofahrer erweist sich, 
auch wenn man sich die kommende Linkskurve sowie den Überholvorgang mit so-
fortigem Bremsmanöver vor Augen hält, ohne weiteres als nachvollziehbar. Dem 
lässt sich sodann entnehmen, dass der Zeuge G.________ nicht versuchte, den 
Beschuldigten übermässig zu belasten, zumal er als am Geschehen Unbeteiligter 
keinen Anlass hierfür gehabt hätte. Gleiches gilt für die Ausführungen betreffend 
das beschriebene aufbrausende Verhalten des Beschuldigten, wonach der Be-
schuldigte sich dem Straf- und Zivilkläger nach dessen Sturz angenähert und ihm 
gesagt habe, dass er ihm auch gleich hier «eins hauen» könne, und währenddes-
sen seine Hand zur Faust ballte. Gegenüber dem Zeugen G.________ habe er ag-
gressiv ausgeführt, dass er abfahren solle, da er nichts gesehen und damit nichts 
zu tun habe. Ginge man gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten davon aus, 
dass dieser sich verkehrsregelkonform verhalten hätte, erscheint die nachfolgende 
Reaktion gegenüber dem Zeugen G.________ als lebensfremd bzw. es wäre zu 
erwarten gewesen, dass er dessen Hilfe dankbar annehmen würde anstatt diesen 
zu beschimpfen. Demgegenüber lässt seine aufbrausende Reaktion eher darauf 
schliessen, dass sich der Beschuldigte seines inkorrekten Verhaltens bewusst war. 
Im Weiteren ist festzustellen, dass der Zeuge G.________ auf den Vorfall erst 
durch die Bremsung aufmerksam geworden ist und anschliessend den Sturz des 
Velofahrers hat beobachten können. Ein gewöhnliches Abbremsen hätte bei einem 
Passanten vermutlich keine derartige Aufmerksamkeit geweckt. Insgesamt sind die 
Aussagen des Zeugen G.________ sowohl detailreich als auch nachvollziehbar 
ausgefallen und erscheinen damit glaubhaft.

13.4.5 Konkrete Beweiswürdigung

Wie bereits ausgeführt schilderte der Straf- und Zivilkläger konstant und glaubhaft, 
wie der Beschuldigte nach dem vermeintlichen Schlag oder dem Handzeichen ab-
rupt abgebremst habe. Es wurde bereits weiter oben erwähnt, dass auch im Zu-
sammenhang mit dem Bremsmanöver nicht entscheidend ist, ob tatsächlich ein 
Schlag oder eine Berührung stattgefunden hat. Der Beschuldigte jedenfalls hat 
diesbezüglich glaubhaft ausgeführt, dass er aufgrund dessen, was er gesehen hat-
te, von einem Schlag ausging und deswegen bremste. Beide Zeugen berichteten 
übereinstimmend mit dem Straf- und Zivilkläger von einem sofortigen Bremsmanö-
ver, der Zeuge G.________ von einer Vollbremsung und der Zeuge H.________ 
sprach von "unmittelbar", wobei er betonte, wie schnell das Fahrzeug zum Still-
stand kam, was ebenfalls für ein heftiges Bremsmanöver spricht. Wie bereits er-

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wähnt sprechen die fehlenden Bremsspuren nicht gegen ein sofortiges und ziem-
lich heftiges Bremsmanöver. Den Begriff Vollbremsung mag im Übrigen jeder Be-
obachter etwas anders benutzen, was aber wie erläutert der Glaubhaftigkeit der 
Angaben des Zeugen G.________ nicht abträglich ist. Kommt hinzu, dass der Be-
schuldigte in seiner Erstaussage selbst davon gesprochen hat, "umgehend" abge-
bremst zu haben. Seine späteren Erläuterungen wurden obenstehend analysiert 
und als wenig glaubhaft erachtet, dies umso mehr mit Blick auf die übereinstim-
menden Aussagen der übrigen vor Ort Anwesenden. Entgegen der Auffassung der 
Verteidigung (pag. 387) lässt sich aus Art. 51 Abs. 1 SVG diesbezüglich nichts zu-
gunsten des Beschuldigten ableiten, da auch das «sofortige» Anhalten bei einem 
Unfall kein brüskes Abbremsen der Unfallteilnehmer erfordert. Zu Recht weist die 
Vorinstanz auch darauf hin, angesichts der örtlichen Verhältnisse mit dem erst auf 
Höhe der Abbiegespur begonnenen Überholmanöver und der soweit ersichtlich von 
allen Betroffenen übereinstimmend beschriebenen Endposition beim Pfeiler unter 
dem Viadukt (vgl. Foto pag. 88) müsse von einem unmittelbar nach dem Kontakt 
resp. Handzeichen begonnenen starken Abbremsen ausgegangen werden (S. 12 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 233). Wie der Beschuldigte danach 
noch zehn bis zwanzig Meter weitergefahren sein und erst dann "normal" gebremst 
haben will, ist nicht ersichtlich. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass sich ein brüskes 
Bremsen auch mit dem übrigen, doch als aufbrausend zu bezeichnenden Verhalten 
des Beschuldigten gut in Einklang bringen lässt. Gemäss eigenen Angaben war er 
bereits vor dem Überholmanöver vom Radfahrer genervt. Sodann vermeinte er ei-
nen Schlag gegen das Fahrzeug gesehen zu haben und bremste, um den Radfah-
rer zu Rede zu stellen. Dass er dabei zuerst noch dessen genaue Position im 
Rückspiegel überprüft haben will erscheint als Schutzbehauptung. Vielmehr ent-
stieg er dem Fahrzeug nach der Bremsung und ging sogleich verbal auf den – so-
eben vom Velo gestürzten – Straf- und Zivilkläger los. Auch der Zeuge, der ihn am 
Wegfahren hinderte, fühlte sich durch das Verhalten des Beschuldigten, der 
schliesslich von seinem Kollegen beruhigt wurde, bedroht.

Anders als die Vorinstanz vermag die Kammer hingegen den Schilderungen des 
Zeugen G.________ nicht zu entnehmen, dass dieser beim Bremsen ein Lenken 
des Lieferwagens nach rechts beobachtet hätte (S. 12 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 233 f.). Wie bereits dargelegt schilderte er – wie der Straf- 
und Zivilkläger – jedoch eindrücklich und glaubhaft ein Abdrängen gegen den 
Bordstein, die engen Platzverhältnisse zwischen Lieferwagen und Trottoir sowie 
dass der Radfahrer schlussendlich keine Ausweichmöglichkeit mehr hatte. Dem-
nach ändert es auch nichts an der Beurteilung, wenn der Zeuge H.________ aus-
sagt, der Beschuldigte habe das Fahrzeug nicht nach rechts "gezogen", wobei es 
sich um eine heftige Lenkbewegung handeln würde. Wenn man sich vor Augen 
hält, dass die Strasse an der fraglichen Stelle eine Linkskurve beschreibt und der 
Beschuldigte nach dem Überholmanöver relativ heftig bremste, hat es aus Sicht 
der Kammer den gleichen Effekt, wenn er zwar nicht eigentlich nach rechts lenkt, 
aber bremst und geradeaus in Richtung Trottoir fährt, um dort anzuhalten (vgl. Foto 
pag. 88). Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang weiter, dass dem Beschuldig-
ten die Strecke und damit die Verhältnisse vor Ort sowie der Verlauf der Strasse 
bestens bekannt sind, zumal er diesen Weg gemäss eigenen Angaben jeden Mor-

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gen zurücklegt (pag. 121 Z. 81 ff.). Ungeachtet dessen leitete er an der fraglichen 
Stelle, während sich der Radfahrer noch neben oder auch ganz knapp hinter ihm 
befand, ein brüskes Bremsmanöver ein, was – entgegen der Auffassung der Ver-
teidigung (pag. 388) – zum Abdrängen des Radfahrers und trotz dessen eigenen 
Bremsmanövers zum Sturz und den damit verbundenen Verletzungen führte. Die 
Auffassung der Verteidigung, dass der Sturz des Privatklägers auf dessen eigene 
gefährliche Fahrweise zurückzuführen gewesen sei, ist – in Übereinstimmung mit 
der Vorinstanz – als Schutzbehauptung zu werten (S. 12 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 233).

13.4.6 Beweisergebnis Bremsmanöver

In Übereinstimmung mit der Vorinstanz erachtet es die Kammer daher als erstellt, 
dass der Beschuldigte im Seitenspiegel das Handzeichen resp. evtl. eine 
Berührung des Lieferwagens sah und unmittelbar danach, um den Velofahrer zur 
Rede zu stellen, direkt neben seinem Fahrzeug und im Wissen um die örtlichen 
Verhältnisse heftig abbremste. Dabei näherte er sich während des Bremsmanövers 
dergestalt dem rechten Randstein an, dass für den Radfahrer kein Durchkommen 
mehr war. Dieser bremste ebenfalls so schnell wie möglich, stürzte aber in der Fol-
ge trotzdem über das Velo auf das Trottoir, vermutlich, weil er mit dem Rad an den 
hohen Randstein stiess (S. 13 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 234). 
Bei diesem Sturz zog er sich die unbestrittenermassen vorhandenen und dokumen-
tierten Verletzungen zu.

13.5 Zum Verlassen der Unfallstelle

Wie bereits ausgeführt ist unbestritten, dass der Beschuldigte von der Unfallstelle 
wegfahren wollte. Es wird nachstehend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu 
prüfen sein, ob sich der Beschuldigte damit der Vereitelung von Massnahmen zur 
Feststellung der Fahrunfähigkeit schuldig gemacht hat.

IV. Rechtliche Würdigung

14. Vorbemerkung

Wie bereits ausgeführt ist der Schuldspruch wegen pflichtwidrigen Verhaltens bei 
Unfall (Versuch) mangels Berufung in Rechtskraft erwachsen. Zu beurteilen bleiben 
die Tatbestände der einfachen Körperverletzung, der Vereitelung von Massnahmen 
zur Feststellung der Fahrunfähigkeit sowie der einfachen Verkehrsregelverletzung.

15. Einfache Körperverletzung

15.1 Theoretische Grundlagen

Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit 
schädigt, wird, auf Antrag, gestützt auf Art. 123 Ziff. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis 
zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Art. 123 Ziff. 1 StGB erfasst alle Körperverletzungen, welche noch nicht als schwer 
i.S.v. Art. 122 StGB zu werten sind (wie etwa lebensgefährliche Verletzungen, Ver-

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stümmelung des Körpers, Verstümmelung/Unbrauchbarmachen eines wichtigen 
Organes oder Gliedes, bleibende Arbeitsunfähigkeit/Gebrechlichkeit /Geisteskrank-
heit, arge/bleibende Entstellung des Gesichts), aber auch nicht mehr blosse Tät-
lichkeiten i.S.v. Art. 126 StGB darstellen. Es ist somit eine nicht mehr bloss harmlo-
se Beeinträchtigung der körperlichen Integrität oder des gesundheitlichen Wohlbe-
findens erforderlich. Die körperliche Integrität ist dann im Sinne einer einfachen 
Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzungen oder 
Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und 
Heilungszeit erfordern, also etwa Knochenbrüche, auch wenn sie unkompliziert 
sind und verhältnismässig rasch und problemlos ausheilen, aber auch bereits Hirn-
erschütterungen, Quetschungen mit Blutergüssen und Schürfungen, sofern sie um 
einiges über blosse Kratzer hinausgehen (vgl. zum Ganzen: BSK StGB I-ROTH/ 
BERKEMEIER, a.a.O., Art. 123 N 3 ff.).

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Wil-
len ausführt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Vorsätzlich handelt auch bereits, wer die Ver-
wirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (sog. Eventualvorsatz). Nach 
der Rechtsprechung zu Art. 12 Abs. 2 StGB liegt Eventualvorsatz vor, wenn der 
Täter den Eintritt des Erfolges bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, 
aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, 
sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 130 IV 58; 
BGE 133 IV 9). Der eventualvorsätzlich handelnde Täter nimmt den Eintritt des als 
möglich erkannten Erfolges ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab („na 
wenn schon“, vgl. SCHLEIMINGER, "… denn sie wissen, was sie tun", AJP 1/2007 
S. 40 ff.). Wer einen Erfolg derart in Kauf nimmt, „will“ ihn im Sinne von Art. 12 
Abs. 2 StGB. Dazu ist insbesondere nicht erforderlich, dass der Täter den Erfolg 
billigt; vielmehr genügt, wenn ihm die Verwirkl