# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2301c2cb-aa8d-5894-af91-cb9e13f26736
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.09.2011 D-3723/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3723-2011_2011-09-06.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­3723/2011

U r t e i l   v om   6 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richterin Gabriela Freihofer, Richter Walter Lang;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

Parteien A._______, geboren (…),
Türkei, 
c/o Schweizerische Botschaft in Ankara,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 27. Mai 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  ein  ethnischer  Kurde mit  aktuellem Wohnsitz  in 
B._______  (Provinz  C._______),  suchte  am  25.  Januar  2011  bei  der 
Schweizer Vertretung in Ankara telefonisch um Asyl in der Schweiz nach. 

B. 
Am  24.  Februar  2011  befragte  die  Vertretung  in  Ankara  den 
Beschwerdeführer  zu  seinen  Asylgründen.  Dabei  machte  er  im 
Wesentlichen  geltend,  er  sei  als  Mitglied  der  Bergkader  der  PKK 
(Arbeiterpartei  Kurdistans,  Partiya  Karkerên  Kurdistan)  im  Jahre  1992 
während  sechs  bis  sieben Monaten  in  den  Bergen  gewesen,  wo  er  an 
Aktionen  und  Gefechten  mit  dem  Militär  teilgenommen  habe.  Am  27. 
Dezember  1992  habe  er  sich  der  Gendarmerie  gestellt,  die  ihn  in 
Gewahrsam genommen und in der Folge misshandelt habe. Mit Urteil des 
Staatssicherheitsgerichts  in D._______ vom 19. April 1993 sei er wegen 
Mitgliedschaft  in  der  PKK  und  Teilnahme  an  deren  Aktionen  zur 
Todesstrafe  verurteilt  worden.  Aufgrund  seines  Alters  und  seines  guten 
Betragens vor Gericht sei die Strafe auf sechzehn Jahre und acht Monate 
Haft reduziert worden. Am 21. Oktober 2004 sei er aus der Haft entlassen 
worden. Da man sich bezüglich der Haftdauer verrechnet habe, sei er am 
13.  April  2007  erneut  inhaftiert  worden,  bevor  er  im  September  2007 
entlassen worden sei. Die Reststrafe (vier Jahre und zwei Monate) sei zur 
Bewährung ausgesetzt worden. 

Am  13. Oktober  2010  sei  er  erneut  verhaftet  und  in Untersuchungshaft 
gesetzt worden, bevor er am 18. Januar 2011 entlassen worden sei. Ihm 
werde  zu  Unrecht  Drogenhandel  vorgeworfen.  Irgendwo  in  E._______ 
seien  Drogen  beschlagnahmt  und  Leute  verhaftet  worden.  Diese  Leute 
hätten ausgesagt, sie hätten das Haschisch von einem "(…)" bekommen. 
Aufgrund  seiner  politischen Vergangenheit  behaupte  die Polizei  nun,  er 
habe den Leuten  die Drogen  verkauft. Bei  diesem Verfahren  handle  es 
sich um ein Komplott. Gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft 
von  E._______  vom  14.  Mai  2009  werde  ihm  die  Gründung  einer 
Organisation, mit  der  Absicht,  Straftaten  zu  begehen, Mitgliedschaft  bei 
einer  Organisation  sowie  Drogenhandel  im  Rahmen  der  Aktivitäten  der 
Organisation  vorgeworfen.  Dieses  Verfahren  sei  noch  immer 
erstinstanzlich  vor  dem  Schwurgericht  in  F._______  hängig.  Falls  er 
verurteilt  würde,  müsse  er  nebst  der  Strafe  für  die  zu  Unrecht  ihm 
vorgeworfenen  Drogendelikte  auch  noch  die  bedingt  erlassene  Strafe 

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(vier  Jahre  und  zwei  Monate)  absitzen.  Zudem  sei  sein  Haus  bisher 
dreimal  durchsucht  worden  und  er  sei  mehr  als  zehnmal  unter 
verschiedenen  Vorwänden  zur  Gendarmerie  gerufen  worden,  wo  er 
verhört worden  sei  und man  versucht  habe,  ihn  zu  zwingen,  für  sie  als 
Agent zu arbeiten. Ausserdem würden seine Telefone abgehört. Aufgrund 
des  Gesagten  befürchte  er,  vom  Staat  umgebracht  zu  werden  oder  im 
Gefängnis zu sterben. 

Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine 
Passkopie,  eine  Nüfüskopie,  ein  Urteil  des  Staatssicherheitsgerichts  in 
D._______  vom  19.  April  1993,  ein  Urteil  des  3.  Gerichts  für  schwere 
Straftaten  in  D._______  vom  13.  September  2007,  eine 
Haftbescheinigung  vom  13.  April  2007  sowie  eine  Anklageschrift  der 
Staatsanwaltschaft in E._______ vom 14. Mai 2009 ein. 

C. 
Am 16. März 2011 liess der Beschwerdeführer der Schweizer Vertretung 
in Ankara ein Faxschreiben zukommen. 

D. 
Am  20.  April  2011  übermittelte  die  Vertretung  in  Ankara  die  Akten 
(inklusive  [teilweise]  deutscher  Übersetzungen  der  eingereichten 
Dokumente)  zusammen  mit  einem  Begleitschreiben  an  das  BFM 
(Eingang: 27. April 2011). 

E. 
Mit  Verfügung  vom  27.  Mai  2011  –  eröffnet  am  14.  Juni  2011 – 
verweigerte  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die 
Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch ab. 

Zur  Begründung  führte  das  BFM  im Wesentlichen  Folgendes  aus:  Der 
Beschwerdeführer mache geltend, von der Staatsanwaltschaft E._______ 
der  Gründung  einer  Organisation,  mit  dem  Ziel  Straftaten  zu  begehen, 
und des Rauschgifthandels beschuldigt zu werden. Dabei handle es sich 
klar  um gemeinrechtliche Delikte,  deren Ahndung  rechtsstaatlich  legitim 
sei  und  nicht  zu  einer  Einreisebewilligung  führen  könne.  Während  der 
Befragung  durch  die  Schweizerische  Botschaft  habe  der 
Beschwerdeführer selber ausgesagt, dass es sich nicht um ein politisches 
Verfahren  handle,  sondern  um  ein  Komplott,  um  ihn  auszuschalten. 
Aufgrund  der  vorliegenden  Gerichtsakten  fehlten  dazu  Anhaltspunkte. 
Gemäss  Anklageschrift  habe  der  Beschwerdeführer  mit  anderen 

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Angeklagten  zusammen  eine  Organisation  gegründet,  um 
Rauschgifthandel  zu  betreiben.  Konkret  solle  er  über  vier  Kilogramm 
Rauschgift  geliefert  haben.  Die  Untersuchungsbehörden  stützten  sich 
dabei auf Telefonabhörungsprotokolle und ein beschlagnahmtes Auto,  in 
dem  über  vier  Kilogramm  Haschisch  gefunden  worden  sei.  Offenbar 
verfügten  die  türkischen  Strafverfolgungsbehörden  über  genügend 
Beweismittel,  um  Anklage  gegen  den  Beschwerdeführer  zu  erheben. 
Anlässlich der bevorstehenden Gerichtsverhandlungen werde er angehört 
werden  und  habe  somit  Gelegenheit,  sich  einzubringen  und  allenfalls 
entlastende Fakten zu präsentieren. Es bestehe somit kein Anlass, an der 
Rechtmässigkeit  und  Legitimität  des  Strafverfahrens  wegen 
Drogenhandels zu zweifeln. 

Beim Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er bei einer allfälligen 
Verurteilung die  bedingt  erlassene Strafe  noch absitzen müsste,  handle 
es  sich  lediglich  um  eine  Behauptung.  Es  erscheine  unwahrscheinlich, 
dass  er  eine  Strafe  aus  dem  Jahre  1992,  die  er  als  Minderjähriger 
begangen habe, noch werde absitzen müssen. So oder anders würde ein 
Widerruf der bedingten Entlassung in Form einer gerichtlichen Verfügung 
erfolgen,  die  er  anfechten  könnte.  Abgesehen  davon  hätte  der 
Beschwerdeführer  den  Widerruf  der  bedingten  Entlassung  nicht  durch 
eine politische Verfolgung gesetzt,  sondern durch ein gemeinrechtliches 
Delikt. Die Verbüssung der bedingt erlassenen Strafe könnte daher auch 
nicht  als  politisch  motivierte  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) qualifiziert werden. 

Was  die  vom  Beschwerdeführer  genannte  frühere  Verurteilung  wegen 
Mitgliedschaft bei der PKK sowie die damit verbundene Gefängnisstrafe 
anbelange, könne festgestellt werden, dass es sich dabei um Vorbringen 
handle,  die  keinen  direkten  Kausalzusammenhang  zum  vorliegenden 
Asylgesuch  aufwiesen,  da  diese  Ereignisse  schon  mehrere  Jahre 
zurücklägen,  weswegen  sie  für  eine  Einreisebewilligung  nicht  mehr 
relevant seien. 

Zudem werde der Beschwerdeführer des Drogenhandels und somit eines 
gemeinrechtlichen Verbrechens beschuldigt, das auch in der Schweiz mit 
einer  mehrjährigen  Zuchthausstrafe  bedroht  werde.  Sollte  er  verurteilt 
werden,  habe  er  sich  einer  als  verwerflich  zu  bezeichnenden  Straftat 
schuldig  gemacht.  Gestützt  auf  die  Rechtsprechung  zu  Art.  53  AsylG 
müsste  ihm  in einem solchen Fall die Einreise  in die Schweiz selbst bei 
einer  allfälligen  Schutzbedürftigkeit  verweigert  werden.  Überdies  sei  es 

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dem  Beschwerdeführer  gemäss  Art.  52  Abs.  2  AsylG  zuzumuten,  in 
Deutschland, Schweden oder Kroatien um Schutz zu ersuchen. 

Für  die  weitere  Begründung  wird  auf  die  Verfügung  der  Vorinstanz 
verwiesen. 

F. 
Am  29.  Juni  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  bei  der  Vertretung  in 
Ankara  eine  fremdsprachige Beschwerde –  datiert  vom 27.  Juni  2011 – 
ein, der ein fremdsprachiges Dokument  in Kopie beilag. Diese Eingaben 
(inklusive  Umschlag)  wurden  mit  Schreiben  vom  29.  Juni  2011 
zuständigkeitshalber dem Bundesverwaltungsgericht überwiesen.

G. 
Mit Zwischenverfügung vom 21. Juli 2011 – eröffnet am 4. August 2011 – 
forderte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  den 
Beschwerdeführer auf, die Beschwerde vom 27. Juni 2011 innert sieben 
Tagen  ab  Erhalt  der  Verfügung  in  eine  Amtssprache  übersetzen  zu 
lassen.  In  derselben  Verfügung  wurde  der  Beschwerdeführer  zudem 
angewiesen,  innert  fünfzehn  Tagen  ab  Erhalt  der  Verfügung  das 
eingereichte fremdsprachige Dokument im Original oder – falls dies nicht 
möglich  sein  sollte  –  eine  beglaubigte  Kopie  davon  zu  den  Akten  zu 
reichen  und  die  wesentlichen  Stellen  dieses  Dokuments  in  eine 
Amtssprache übersetzen zu lassen. 

H. 
Am  9.  August  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  bei  der  Schweizer 
Vertretung  in Ankara eine deutsche Übersetzung der Beschwerde sowie 
eine  teilweise  deutsche  Übersetzung  des  mit  der  Beschwerde 
eingereichten fremdsprachigen Dokuments ein. In der Beschwerde wurde 
sinngemäss  die  Aufhebung  der  Verfügung  des BFM  vom  27. Mai  2011 
und  die  Gewährung  von  Asyl  sowie  die  Bewilligung  zur  Einreise 
beantragt.  Auf  den  Inhalt  der  Beschwerde  wird  –  soweit 
entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. 

Mit  Schreiben  vom  10.  August  2011  überwies  die  Botschaft  in  Ankara 
diese Unterlagen (inklusive Umschlag) dem Bundesverwaltungsgericht.

I. 
Mit fremdsprachiger Eingabe vom 22. August 2011 – inklusive deutscher 
Übersetzung – wandte sich der Beschwerdeführer ans BFM (Eingang: 31. 

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August 2011). Auf den Inhalt wird – soweit entscheidwesentlich – in den 
Erwägungen eingegangen. 

Am  1.  September  2011  überwies  die  Vorinstanz  diese  Unterlagen 
(inklusive  Umschlag)  zuständigkeitshalber  an  das 
Bundesverwaltungsgericht zur weiteren Behandlung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3. 
Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der 
Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen 
(Spruchkörper;  vgl. Art.  21 Abs.  1 VGG). Gestützt  auf Art.  111a Abs.  1 
AsylG kann das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen auf die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten.

4. 
4.1.    Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG).

4.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch 
ablehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft 
machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden 
kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 
AsylG  bewilligt  das  Bundesamt  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zur 
Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land 
auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische 
Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen 
ermächtigen,  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  die  glaubhaft 
machen, dass eine unmittelbare Gefahr  für Leib und Leben oder  für die 
Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe.

4.3.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive 
Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum 
zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3 
AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit 
der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe 
zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur 
anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­ 
und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 

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Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e.­g. S. 131 ff., welcher 
angesichts bloss  redaktioneller Änderungen bei der  letzten Totalrevision 
des  Asylgesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggeben  für  die 
Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der 
betroffenen Personen  (vgl. a.a.O. E. 2.c S. 130), mithin die Prüfung der 
Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft 
gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der 
Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden  kann.  Eine 
Verfolgungssituation muss überdies aktuell sein, um gemäss Art. 3 AsylG 
als  asylrelevant  zu  gelten.  Dies  bedeutet,  dass  zwischen  dem  Ereignis 
und  der  Flucht,  mithin  dem  Asylgesuch,  ein  zeitlicher 
Kausalzusammenhang bestehen muss.

5. 
5.1. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das BFM zu Recht eine unmittelbare 
Gefahr  im  Sinne  von  Art.  20  AsylG  verneinte  und  die  Einreise  des 
Beschwerdeführers in die Schweiz verweigerte.

5.2. 
5.2.1. Der Beschwerdeführer machte  in der Befragung vom 24. Februar 
2011 sowie in der Rechtsmittelschrift zum einen geltend, nachdem er sich 
im Dezember 1992 der Gendarmerie gestellt habe, sei er im Gewahrsam 
auf  verschiedene  Weise  misshandelt  worden.  Mit  Urteil  des 
Staatssicherheitsgerichts  in  D._______  vom  19.  April  1993  sei  er  dann 
wegen Mitgliedschaft bei der PKK und Teilnahme an deren Aktionen zu 
sechzehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Im September 
2007 sei er auf Bewährung freigelassen worden. 

5.2.2. Diesbezüglich ist übereinstimmend mit der Vorinstanz festzuhalten, 
dass  diese  Vorbringen  zu  weit  zurückliegen,  um  noch  asylrelevant  zu 
sein, weshalb es sich erübrigt, weiter darauf einzugehen. 

5.3. 
5.3.1.  Zum  anderen  brachte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der 
Befragung vom 24. Februar 2011 sowie in der Beschwerde vor, er sei am 
13.  Oktober  2010  erneut  verhaftet  und  bis  am  18.  Januar  2011  in 
Untersuchungshaft gesetzt worden. Ihm werde zu Unrecht Drogenhandel 
vorgeworfen.  Aufgrund  seiner  politischen  Vergangenheit  behaupte  die 
Polizei, er habe Leuten Drogen verkauft. Gemäss der sich bei den Akten 
befindenden  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  von  E._______  vom 
14.  Mai  2009  wird  dem  Beschwerdeführer  die  Gründung  einer 

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Organisation  mit  der  Absicht,  Straftaten  zu  begehen,  Mitgliedschaft  bei 
einer  Organisation  sowie  Drogenhandel  im  Rahmen  der  Aktivitäten  der 
Organisation vorgeworfen. Dieses Verfahren ist gemäss den dem Gericht 
vorliegenden Akten noch immer erstinstanzlich hängig.

5.3.2.  Bezüglich  dieses  Gerichtsverfahrens  liegen  keine  konkreten 
Anhaltspunkte  dafür  vor,  die  eine  Verurteilung  aus  asylrechtlich 
relevanten  Motiven  erwarten  liessen.  Diesbezüglich  ist  insbesondere 
darauf  hinzuweisen,  dass  aus  der  auszugsweise  vorliegenden 
Übersetzung  des  mit  der  Beschwerde  eingereichten  Protokolls  der 
Verhandlung  vom  27.  Mai  2011  vor  dem  Schwurgericht  F._______ 
ersichtlich  ist, dass sich der Beschwerdeführer an der Verhandlung vom 
27.  Mai  2011  vor  dem  Schwurgericht  zu  den  gegen  ihn  erhobenen 
Vorwürfen  äussern  konnte.  Der  teilweisen  Übersetzung  des  Protokolls 
lässt sich zudem entnehmen, dass an der Verhandlung vom 27. Mai 2011 
zwei  Mitangeklagte  des  Beschwerdeführers  zu  dessen  Person  befragt 
wurden  und  sie  übereinstimmend  aussagten,  dass  es  sich  beim 
Beschwerdeführer  nicht  um  den  "(…)"  handle,  der  ihnen  die  Drogen 
verkauft habe.  Insgesamt weisen die Akten somit auf ein  rechtsstaatlich 
korrekt  durchgeführtes  Verfahren  hin.  Für  die  Behauptung  des 
Beschwerdeführers, wonach es sich bei diesem Gerichtsverfahren um ein 
Komplott gegen  ihn handle, da er  früher Mitglied der PKK gewesen sei, 
finden  sich  in  den  Akten  keine  Hinweise.  In  Übereinstimmung  mit  der 
Vorinstanz  ist  daher  festzuhalten,  dass  es  dem Beschwerdeführer  nicht 
gelungen  ist,  glaubhaft  zu  machen,  dass  er  in  der  Türkei  nicht  wegen 
eines  gemeinrechtlichen,  sondern  wegen  eines  politischen  Deliktes 
belangt  wird.  Aufgrund  der  übereinstimmenden  Aussagen  der  beiden 
Mitangeklagten,  wonach  der  Beschwerdeführer  nicht  der  "(…)"  sei, 
besteht überdies die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer von den in 
der  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  von  E._______  vom  14.  Mai 
2009  aufgeführten  Vorwürfen  freigesprochen  wird.  Insbesondere,  wenn 
es  zutreffen  sollte,  dass er  – wie  behauptet  –  die  vorgeworfenen Taten 
nicht begangen hat. Sollte er verurteilt werden, steht ihm immer noch der 
Weg  offen,  Beschwerde  zu  erheben  und  den  Entscheid  gerichtlich 
überprüfen  zu  lassen.  Im  Weiteren  ist  festzuhalten,  dass  der 
Beschwerdeführer  gemäss  eigenen Aussagen  am 18.  Januar  2011  aus 
der  Untersuchungshaft  entlassen  wurde  und  sich  seither  in  Freiheit 
befindet, was ebenfalls darauf hindeutet, dass er aufgrund des hängigen 
Gerichtsverfahrens keine nennenswerten Nachteile zu befürchten hat. 

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Sollte  der  Beschwerdeführer  im  hängigen  Gerichtsverfahren  schuldig 
gesprochen und dazu verurteilt werden, die bedingt erlassene Strafe von 
vier  Jahren  und  zwei  Monaten  zu  verbüssen,  wäre  auch  das  nicht  als 
politisch  motivierte  Verfolgung  zu  qualifizieren,  zumal  der 
Beschwerdeführer durch sein deliktisches Verhalten (Drogenhandel) den 
Grund dafür gesetzt hätte. 

5.4.    Anlässlich  der  Befragung  vom  24.  Februar  2011  sowie  in  der 
Rechtsmittelschrift  und  der  Eingabe  vom  22.  August  2011  machte  der 
Beschwerdeführer  im  Weiteren  geltend,  sein  Haus  sei  bisher  dreimal 
durchsucht und er sei mehr als zehnmal unter verschiedenen Vorwänden 
zur  Gendarmerie  gerufen  worden,  wo  er  verhört  worden  sei  und  man 
versucht  habe,  ihn  als  Agenten  anzuwerben.  Ausserdem  werde  er 
beobachtet  und  seine  Telefone  würden  abgehört.  Aus  Angst  wohne  er 
nicht  mehr  regelmässig  in  seinem  Haus,  sondern  halte  sich  bei 
verschiedenen Verwandten auf. 

Diesbezüglich ist festzustellen, dass diese Eingriffe in ihrer Art und Weise 
zu wenig  intensiv  sind,  um als ernsthafte Nachteile  im Sinne von Art.  3 
Abs. 2 AsylG gelten zu können, weshalb es sich erübrigt, weiter darauf 
einzugehen. 

5.5.  In  der Rechtsmittelschrift  brachte  der  Beschwerdeführer  vor,  er  sei 
vor  einigen  Jahren  misshandelt  worden,  als  er  sich  geweigert  habe, 
Militärdienst  zu  leisen.  Nach  einem  Monat  Haft  sei  er  schliesslich  aus 
dem Militärdienst  entlassen  worden.  Dazu  ist  festzuhalten,  dass  dieses 
Vorbringen  als  nachgeschoben  und  damit  unglaubhaft  zu  beurteilen  ist, 
zumal  der  Beschwerdeführer  Derartiges  anlässlich  der  Befragung  mit 
keinen Wort  erwähnte.  Es  kann  daher  verzichtet  werden,  weiter  darauf 
einzugehen. 

5.6. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer 
nicht gelungen ist, eine aktuelle Gefährdung aus asylrechtlich relevanten 
Motiven  aufzuzeigen,  die  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz 
rechtfertigen  würde.  Die  Schutzbedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  im 
Sinne  von  Art.  20  i.V.m.  Art.  3  AsylG  ist  als  nicht  gegeben  zu 
qualifizieren.  Im  Übrigen  ist  auch  eine  Beziehungsnähe  des 
Beschwerdeführers zur Schweiz zu verneinen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). Es 
erübrigt  sich,  auf  die weiteren Vorbringen  in  der Beschwerde  sowie der 
Eingabe vom 22. August 2011 einzugehen, da diese am Ergebnis nichts 

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zu ändern vermögen. Das BFM hat dem Beschwerdeführer zu Recht die 
Einreise in die Schweiz verweigert und das Asylgesuch abgelehnt.

6. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  im 
Ergebnis  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106 
Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.

7. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 
dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus 
verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 
Bst.  b  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
Schweizerische Vertretung in Ankara.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

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