# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6323e4bc-e988-5cb1-ace7-04d20498a50d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-06-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.06.2015 E-3205/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3205-2015_2015-06-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-3205/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  J u n i  2 0 1 5  

Besetzung 
 Einzelrichter Walter Stöckli, 

mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; 

Gerichtsschreiberin Sarah Straub. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…),  

Äthiopien,  

p.A. Schweizerische Botschaft in Khartum (Sudan),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des SEM vom 26. März 2015 / N (…). 

 

 

 

E-3205/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer gelangte mit Brief vom 3. April 2011 an die 

Schweizerische Botschaft in Khartum (Eingang: 7. April 2011) und ersuchte 

sinngemäss um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Asylgewäh-

rung. 

Zur Begründung führte er aus, er sei im Alter von siebzehn Jahren von 

Mitgliedern der TPLF (Tigray People's Liberation Front) zwangsrekrutiert 

und an die Kriegsfront geschickt worden. Als die Regierung der TPLF den 

Rückzug der Kampftruppen angeordnet habe, sei er glücklicherweise ei-

nem Massaker der EPLF (Eritrean People's Liberation Front) entgangen. 

Danach sei er aus dem Armeecamp geflohen und an seinen Geburtsort 

zurückgekehrt. Er habe geheiratet, sei aber festgenommen worden. Später 

sei er erneut in einem Armeecamp gewesen, von wo er wiederum habe 

entkommen können. Danach sei er in den Sudan geflohen. In B._______ 

habe er sich beim UNHCR gemeldet. Er habe erfahren, dass seine Ehefrau 

und Mutter des gemeinsamen Sohnes sich vor einem TPLF-Gericht habe 

scheiden lassen und mit einem Mitglied der TPLF verheiratet worden sei. 

A.b Mit Zwischenverfügung vom 5. Juli 2013 teilte das BFM (Bundesamt 

für Migration, heute SEM) dem Beschwerdeführer mit, dass von einer 

mündlichen Befragung abgesehen werde, und lud ihn zu ergänzenden An-

gaben ein. 

A.c Am 5. September 2013 kam der Beschwerdeführer dieser Aufforde-

rung nach und führte aus, er habe die Armee verlassen, weil er erfahren 

habe, dass seine Ehefrau von TPFL-Mitgliedern entführt worden sei. Er 

habe mit ihr eine (…) gemeinsame Tochter namens C._______, welche 

nicht mit ihm im Sudan lebe. Die Entführung habe im Jahr 2003 stattgefun-

den. Er sei deswegen festgenommen und nach etwa vier Monaten zur Ar-

mee zurückgebracht worden. Im Jahr 2002 sei er festgenommen worden, 

weil er das Armeecamp unerlaubt verlassen habe. Man habe ihn freigelas-

sen, da er einer Rückkehr ins Armeecamp zugestimmt habe. Er sei beim 

UNHCR als Flüchtling registriert, lebe aber in B._______ und sei nicht in 

einem Flüchtlingslager gewesen. Er verdiene seinen Lebensunterhalt als 

Tagelöhner, da er keine Arbeitserlaubnis habe. Er befürchte, dass er von 

äthiopischen Behörden entführt und nach Äthiopien zurückgebracht wer-

den könnte. 

E-3205/2015 

Seite 3 

A.d Das BFM teilte dem Beschwerdeführer am 19. September 2013 mit, in 

den Akten fehle eine klar seiner Ehefrau zurechenbare Willensäusserung, 

mit welcher sie zu erkennen geben würde, dass sie die Schweiz um Schutz 

durch Asyl ersuche, und gab ihr Gelegenheit, innert Frist einen Fragekata-

log zu beantworten und unterschrieben bei der Botschaft einzureichen. Bei 

ungenutzter Frist gehe das BFM davon aus, dass sie kein Interesse an der 

Weiterbehandlung der Gesuche habe, und werde das Verfahren sie betref-

fend intern abschreiben. 

Das Schreiben blieb unbeantwortet. 

A.e Mit Verfügung vom 26. März 2015 – eröffnet am 15. April 2015 – lehnte 

das SEM das Gesuch des Beschwerdeführers um Einreise in die Schweiz 

und Asylgewährung ab. 

B.  

Der Beschwerdeführer erhob mit undatiertem Schreiben (Eingang bei der 

Botschaft am 4. Mai 2015) Beschwerde gegen diese Verfügung. Er reichte 

ein Passfoto eines Mädchens (vermutlich seiner Tochter C._______) ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Die Beschwerde ist in englischer Sprache und somit nicht in einer 

Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Be-

schwerdeverbesserung und auf die Einholung einer Übersetzung wird in-

dessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss verzichtet, da 

E-3205/2015 

Seite 4 

der Eingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Be-

gründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden 

kann. Auf die im Übrigen form- und fristgerechte Beschwerde (Art. 105 und 

108 Abs. 1 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist vorbehältlich der nachfolgenden 

Erwägungen (vgl. E. 1.3) einzutreten. 

1.3 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass sich die Vorbringen des Be-

schwerdeführers lediglich auf ihn bezogen, und sich den Akten kein Asyl-

gesuch für seine Ehefrau oder für seine Tochter entnehmen lässt. Gemäss 

den Angaben in der Beschwerde befindet sich die Tochter Helen Gebrehi-

wet in Äthiopien – weshalb er im Asylgesuch vom 3. April 2011 von einem 

gemeinsamen Sohn geschrieben hat, bleibt ungeklärt – und von seiner 

Ehefrau habe er sich gerichtlich scheiden lassen. Da sich das Asylgesuch 

lediglich auf den Beschwerdeführer bezog und die angefochtene Verfü-

gung nur ihn betrifft, kann auf den Antrag, seiner 13-jährigen Tochter, von 

welcher im Übrigen keine Meinungsäusserung vorliegt, sei ebenfalls Asyl 

zu gewähren, nicht eingetreten werden. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 

Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, 

weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist 

(Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Für Asylgesuche aus dem Ausland, die vor dem 29. September 2012 (In-

krafttreten der dringlichen Änderung vom 28. September 2012, mit denen 

das Auslandverfahren abgeschafft wurde; AS 2012 5359) gestellt wurden, 

gilt das Asylgesetz nach der alten Fassung. In diesen Fällen sind weiterhin 

die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in der alten Fassung anwendbar. 

Die Beschwerde ist somit vor dem Hintergrund der altrechtlichen Bestim-

mungen zu beurteilen. 

E-3205/2015 

Seite 5 

5.  

5.1 Gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG konnte ein Asylgesuch im Ausland bei 

einer Schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem 

Bericht an das Staatssekretariat (früher: Bundesamt) überweist (aArt. 20 

Abs. 1 AsylG). Die Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der 

Regel eine Befragung durch (aArt. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. 

August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht 

möglich, so wird die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe 

schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung kann sich 

erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asyl-

gesuchs entscheidreif erstellt ist; der asylsuchenden Person ist aber dies-

falls das rechtliche Gehör zum absehbaren negativen Entscheid zu gewäh-

ren (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7 f.). 

5.2 Vorliegend wurde der Beschwerdeführer aus Kapazitätsgründen nicht 

zu seinem Asylgesuch befragt. Das BFM stellte vor diesem Hintergrund in 

der Zwischenverfügung vom 5. Juli 2013 fest, das schriftliche Asylgesuch 

lasse noch einige entscheidrelevante Fragen offen, welche im Rahmen der 

Sachverhaltsabklärung schriftlich zu beantworten seien. Es wies den Be-

schwerdeführer darauf hin, er werde einen Asylentscheid enthalten, wel-

cher negativ sein könne, und gab ihm Gelegenheit, sich zu einer allfälligen 

Ablehnung seines Asylgesuches und Nichtbewilligung der Einreise in die 

Schweiz zu äussern. Mit dieser Vorgehensweise hat das Bundesamt den 

Anforderungen an die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

Genüge getan. Es ist somit in materieller Hinsicht zu prüfen, ob das SEM 

ihm zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert hat. 

6.  

6.1 Das SEM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn 

die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder ihr die 

Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und 

aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG wird Asylsuchenden 

die Einreise zur Abklärung des Sachverhalts bewilligt, wenn ihnen nicht zu-

gemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder 

in ein anderes Land auszureisen. 

6.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset-

zungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Ne-

ben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind nament-

lich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewäh-

rung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, 

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Seite 6 

die praktische und objektive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche 

sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkei-

ten bedeutsam (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 m.w.H.). Ausschlaggebend für 

die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die individuelle Schutzbe-

dürftigkeit, mithin die Prüfung der Frage, ob der Verbleib am Aufenthaltsort 

für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. 

Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist im 

Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffende Person habe 

in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn 

dort erlangen und ein weiterer Verbleib im Drittstaat sei ihr zuzumuten. 

Diese Vermutung kann sich allenfalls sowohl in Bezug auf die Schutzge-

währung durch den Drittstaat wie auch auf die Zumutbarkeit der Inan-

spruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen.  

7.  

7.1 Das SEM erwog zur Begründung des angefochtenen Entscheides, auf-

grund der Schilderungen des Beschwerdeführers könne nicht mit hinrei-

chender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass er im Zeitpunkt seiner 

Ausreise aus Äthiopien aufgrund seiner Desertion ernsthaften Nachteilen 

im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen sei – auch wenn seine dies-

bezüglichen Ausführungen nicht gänzlich widerspruchsfrei ausgefallen 

seien. Ob er bei einer allfälligen Rückkehr nach Äthiopien einer flüchtlings-

rechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt wäre, könne jedoch vorliegend 

offen gelassen werden.  

Die Lage für äthiopische Flüchtlinge im Sudan sei nicht einfach. Dennoch 

bestünden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass ein wei-

terer Verbleib im Sudan für den Beschwerdeführer nicht zumutbar oder 

möglich wäre. Es sei ihm zuzumuten, in das ihm vom UNHCR zugewie-

sene Flüchtlingslager zu gehen oder sich erneut beim UNHCR zu melden, 

sollte seine Situation tatsächlich kritisch sein. Seine Befürchtung, nach 

Äthiopien deportiert zu werden, werde als unbegründet erachtet. Gemäss 

gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder Ver-

schleppung für Flüchtlinge, welche im Sudan vom UNHCR anerkannt 

seien, gering. Auch würden keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen, 

dass ihm eine Rückführung nach Äthiopien drohen könnte. Den Akten sei 

nicht zu entnehmen, dass er in den letzten Jahren unmittelbare Probleme 

mit den Behörden gehabt hätte. Es könne nicht von einer akuten Gefähr-

dung ausgegangen werden.  

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Seite 7 

Das Leben in B._______ sei für äthiopische Flüchtlinge zwar nicht einfach, 

die Hürden für eine zumutbare Existenz seien in seinem Fall jedoch nicht 

unüberwindbar. Aus seinen Angaben gehe hervor, dass er seit 2003 alleine 

in B._______ lebe und als Tagelöhner arbeite. Er lebe mittlerweile seit elf 

Jahren dort und könne sich auf ein soziales Beziehungsnetz stützen. Fer-

ner lebe im Sudan eine grosse äthiopische Diaspora, welche für in Not ge-

ratene Landsleute bereitstehe und weitgehend Unterstützung biete. Seinen 

Angaben zufolge habe er keine nahen Verwandten oder Bezugspersonen 

in der Schweiz und es gebe auch keine anderen Anknüpfungspunkte zur 

Schweiz, zu welchem Land somit keine besondere Beziehungsnähe gege-

ben sei, welche die vorangegangenen Feststellungen umstossen könnte. 

Der Beschwerdeführer benötige den zusätzlichen, subsidiären Schutz der 

Schweiz nicht. 

7.2 Der Beschwerdeführer wiederholte in der Rechtsmitteleingabe, er sei 

im Alter von siebzehn Jahren zwangsrekrutiert worden. Damals sei er ver-

heiratet gewesen. Er habe am Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea 

teilnehmen müssen. Als er im Militär gewesen sei, habe er ein Gerücht ge-

hört, wonach seine Frau ihn betrogen hätte. Weil er dieses gegen seine 

Kultur und Religion verstossende Verhalten ablehne, habe er ihr die ge-

meinsame Tochter weggenommen und sich von ihr gerichtlich scheiden 

lassen. In jener Zeit sei er der Armee ohne Erlaubnis ferngeblieben. Des-

wegen sei er vier Monate ins Gefängnis gekommen. Darauf seien ihm 

seine Bürgerrechte genommen und die Gehaltszahlungen eingestellt wor-

den, weshalb er mit seiner Tochter grosse Probleme bekommen habe. Er 

sei festgenommen und in ein Militärcamp gebracht worden. Infolgedessen 

habe er beschlossen, Äthiopien zu verlassen. Die Tochter habe er bei sei-

ner Mutter, mithin ihrer Grossmutter, gelassen. Er möchte, dass auch seine 

Tochter Asyl bekomme, wenn er von den Schweizer Behörden Unterstüt-

zung bekomme. 

Er sei nie in einem Flüchtlingscamp gewesen, weil es dort nicht sicher sei. 

Er lebe seit Jahren in B._______, aber dies bedeute nicht, dass er in einer 

guten Situation lebe und über ein soziales Netzwerk verfüge. Seine Situa-

tion sei mit der Zeit schlimmer geworden, mehrere Leute seien im Sudan 

ins Gefängnis gekommen und gegen ihren Willen in ihr Heimatland depor-

tiert worden. Ausserdem sei es sehr schwierig, Arbeit zu finden. Die Suda-

nesen seien diskriminierend und würden ihn bedrohen. Die Situation sei für 

Flüchtlinge nicht einfach, deshalb würden Tausende versuchen, die Wüste 

zu durchqueren und über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. 

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Seite 8 

8.  

8.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass sich aufgrund der Ak-

tenlage und der Ausführungen in der Beschwerde kein schlüssiges Bild der 

angeblichen Geschehnisse vor der Ausreise des Beschwerdeführers aus 

Äthiopien ergibt. Der Beschwerdeführer hat sich insbesondere bezüglich 

der Umstände seiner wiederholten Flucht aus der Armee und der Gründe 

hierfür sowie hinsichtlich der Situation mit seiner Ehefrau mehrmals erheb-

lich widersprochen. Selbst wenn zugunsten des Beschwerdeführers davon 

ausgegangen wird, dass ihm möglicherweise im Zeitpunkt seiner Ausreise 

aus Äthiopien aufgrund seiner Desertion ernsthafte Nachteile im Sinne von 

Art. 3 AsylG drohten, kann vorliegend offen gelassen werden, ob er bei 

einer allfälligen Rückkehr nach Äthiopien im heutigen Zeitpunkt einer 

flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sein könnte. Der Be-

schwerdeführer, der sich seit nunmehr zwölf Jahren im Sudan aufhält, be-

nötigt den (zusätzlichen) Schutz der Schweiz gemäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG 

nämlich nicht, da es ihm – wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird – 

trotz der zugestandenermassen nicht einfachen Bedingungen für äthiopi-

sche Flüchtlinge im Sudan zumutbar ist, im Zufluchtsland zu verbleiben. 

8.2 Der Sudan verfolgt eine sogenannte "encampment policy", wonach 

Asylsuchende und Flüchtlinge gehalten sind, sich in einem Flüchtlingslager 

aufzuhalten. Mit diesem Konzept und der gesetzlich vorgesehenen Bestra-

fung von Flüchtlingen, welche die Lager verlassen, beschränken die suda-

nesischen Behörden ihre Bewegungsfreiheit. Trotz dieser Einschränkung 

lebt eine Grosszahl von Flüchtlingen in B._______. 

8.3 Zur Befürchtung einer allfälligen Deportation nach Äthiopien ist, unter 

Bezugnahme auf bundesverwaltungsgerichtliche Rechtsprechung (vgl. 

insbes. Urteil des BVGer E-3273/2013 vom 22. Juli 2013 E. 7.3, m.w.H.) 

festzustellen, dass in der Tat verschiedentlich von Deportationen äthiopi-

scher Flüchtlinge berichtet worden ist, und es angesichts der guten Bezie-

hungen zwischen dem Sudan und Äthiopien nicht generell ausgeschlossen 

werden kann, dass solche stattfinden. Indessen bestehen keine konkreten 

Anhaltpunkte dafür, dass Deportationen systematisch oder grossflächig 

durchgeführt würden. Im Sudan als Flüchtlinge registrierte beziehungs-

weise anerkannte Flüchtlinge werden in der Regel nicht in ihr Heimatland 

zurückgeführt. Verhaftungen von in B._______ lebenden Flüchtlinge kom-

men zwar vor. Diese Festnahmen erfolgen jedoch, da sich diese Flücht-

linge gemäss sudanesischem Gesetz in den Flüchtlingslagern aufzuhalten 

haben und sich ihr dortiges Aufenthaltsrecht nicht auf das ganze Land, na-

mentlich nicht auf B._______, erstreckt. Das im Mai 2012 von Sudan und 

http://links.weblaw.ch/BVGer-E-3273/2013

E-3205/2015 

Seite 9 

Äthiopien unterzeichnete Abkommen "Ethiopia-Sudan Extradition Agree-

ment" regelt sodann den Austausch von Gefangenen, damit den Gesuch-

ten verunmöglicht wird, sich im jeweils anderen Staat zu verstecken. Den 

heute verfügbaren Quellen sind keine Informationen zu entnehmen, wo-

nach basierend auf diesem Abkommen äthiopische Flüchtlinge aus dem 

Sudan deportiert würden.  

Es liegen nach dem Gesagten keine Informationen vor, aufgrund welcher 

anzunehmen wäre, dass die sudanesischen Behörden in der jüngeren Ver-

gangenheit flächendeckende oder systematische Deportationen von äthio-

pischen Flüchtlingen aus den Flüchtlingslagern nach Äthiopien vorgenom-

men hätten oder solche konkret für die Zukunft in Betracht ziehen würden 

(a.a.O. E. 7.4). Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer in 

B._______ ernsthaft eine Deportation zu befürchten hätte, indem sie etwa 

infolge qualifizierter regimekritischer Tätigkeiten ein erhöhtes Risikoprofil 

aufweisen würde, lassen sich den Akten jedenfalls nicht entnehmen. Auch 

spricht der langjährige Aufenthalt im Sudan gegen die akute Gefahr einer 

Deportation. Der Beschwerdeführer ist vom UNHCR offenbar als Flüchtling 

erfasst worden. Das SEM führte in seiner Verfügung zu Recht aus, dass er 

nicht glaubhaft habe darlegen können, persönlich, faktisch und unmittelbar 

bedroht zu sein, nach Äthiopien zurückgeschafft zu werden. 

Eine relevante Gefährdung des Beschwerdeführers im Sudan ist demnach 

nicht anzunehmen. Eine flüchtlingsrechtlich begründete Grundlage für eine 

Bewilligung der Einreise in die Schweiz oder die Gewährung von Asyl ist 

nicht gegeben. 

8.4 Soweit der Beschwerdeführer Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche 

geltend macht, ist festzuhalten, dass es ihm während seines 11-jährigen 

Aufenthalts offenbar gelungen ist, sich finanziell durchzuschlagen und na-

mentlich als Tagelöhner ein Auskommen zu finden. Damit ist anzunehmen, 

dass er in der Lage ist, seinen Existenzbedarf zu decken. Insgesamt ist 

nicht davon auszugehen, er befinde sich in einer existenziellen Notlage be-

ziehungsweise der weitere Aufenthalt im Sudan werde mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit zu einer solchen führen. Sollten die Mittel dennoch 

nicht genügen, könnte er sich (erneut) an das UNHCR wenden und sich 

einem Flüchtlingslager zuteilen lassen. Auch wenn anerkanntermassen die 

Situation in den Lagern teils prekär ist, kann dennoch davon ausgegangen 

werden, dass zumindest die Grundversorgung dort gewährleistet ist.  

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Seite 10 

Sodann ist angesichts des langjährigen Aufenthaltes im Sudan auf eine re-

lativ grosse Beziehungsnähe zu diesem Drittstaat zu schliessen und anzu-

nehmen, dass er sich dort weiterhin integrieren kann. Demgegenüber weist 

er eigenen Angaben zufolge zur Schweiz keine Bindung auf. 

8.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine 

hinreichenden Gründe darzutun vermag, aus welchen die Zumutbarkeit ih-

res weiteren Aufenthalts im Sudan zu verneinen wäre. Demnach benötigt 

er den subsidiären Schutz der Schweiz gemäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht 

und der weitere Verbleib im Sudan ist ihm zumutbar. Das SEM hat dem-

nach dem Beschwerdeführer zu Recht die Einreise in die Schweiz nicht 

bewilligt und sein Asylgesuch abgelehnt. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten grundsätzlich dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungsöko-

nomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine 

VwVG und Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 

SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die Schwei-

zer Botschaft in Khartum. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Stöckli Sarah Straub