# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bf3c487a-8159-5a4b-906f-13ff2f94403a
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-01-31
**Language:** de
**Title:** Zürich Kassationsgericht 31.01.2006 AC050051
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AC050051_2006-01-31.pdf

## Full Text

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AC050051/U/cap

Mitwirkende: die Kassationsrichter Moritz Kuhn, Präsident, Bernhard Gehrig, Paul

Baumgartner, die Kassationsrichterin Yvona Griesser und der

Kassationsrichter Rudolf Ottomann sowie der Sekretär Titus Graf

Zirkulationsbeschluss vom 31. Januar 2006

in Sachen

X.,

Angeklagter, Appellat und Beschwerdeführer
verteidigt durch Rechtsanwalt Y.

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich,
Anklägerin, Appellantin und Beschwerdegegnerin 1
vertreten durch den Leitenden Oberstaatsanwalt Dr. iur. Andreas Brunner, Oberstaatsan-

waltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, Postfach, 8090 Zürich

2. Z.,

Geschädigte, Appellantin und Beschwerdegegnerin 2
vertreten durch Rechtsanwalt A.

betreffend fahrlässige Tötung etc.

Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil der II. Strafkammer des Oberge-
richts des Kantons Zürich vom 26. November 2004 (SB040444/U/hp)

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Das Gericht zieht in Erwägung:

I.

1. Am 11. Mai 2003 ereignete sich nachts auf der Forchstrasse A 52 in

Fahrtrichtung Zürich ca. 100 m nach der Einfahrt Oetwil am See (km 13,8) ein töd-

licher Verkehrsunfall. Der Beschwerdeführer erfasste mit seinem Personenwagen

B., welcher auf der Autostrasse zu Fuss unterwegs war. Sowohl der Beschwer-

deführer als auch B. waren alkoholisiert; der Beschwerdeführer mit mindestens

0,87 Gewichtspromille, der Verstorbene mit einem Mittelwert von 2,14 Gewichts-

promille. Dem Beschwerdeführer wird in der Anklageschrift zur Last gelegt, dass

es ihm bei genügender und nicht durch den Alkoholkonsum beeinträchtigter Auf-

merksamkeit und Reaktionsfähigkeit möglich gewesen wäre, B. rechtzeitig wahr-

zunehmen und die für ihn voraussehbare Kollision zu vermeiden (BG act. 16).

2. Mit Urteil vom 23. Juni 2004 sprach das Bezirksgericht Uster den Be-

schwerdeführer schuldig des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von

Art. 91 Abs. 1 SVG und der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90

Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG; vom Vorwurf der fahrlässigen

Tötung im Sinne von Art. 117 StGB sprach ihn das Bezirksgericht frei. Der Be-

schwerdeführer wurde mit einer Busse von Fr. 1'500.-- bestraft (OG act. 32).

Gegen diesen Entscheid erklärte die Witwe des Verstorbenen, Z. (Be-

schwerdegegnerin 2), Berufung an das Obergericht des Kantons Zürich mit dem

Antrag, der Beschwerdeführer sei auch der fahrlässigen Tötung schuldig zu spre-

chen. Der Beschwerdeführer sowie die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zü-

rich beantragten die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Mit Urteil vom 26.

November 2004 sprach das Obergericht den Beschwerdeführer schuldig des Fah-

rens in angetrunkenem Zustand und der fahrlässigen Tötung und bestrafte ihn mit

sechs Monaten Gefängnis unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs. Sodann

stellte das Obergericht fest, dass der Beschwerdeführer aus dem Unfallereignis Z.

dem Grundsatz nach im Umfang von drei Vierteln haftbar sei (KG act. 2).

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3. Gegen das Urteil des Obergerichts richtet sich die vorliegende Nichtig-

keitsbeschwerde, mit welcher der Beschwerdeführer dessen Aufhebung beantragt

(KG act. 1 S. 2). Vorinstanz und Oberstaatsanwaltschaft (Beschwerdegegnerin 1)

haben auf Vernehmlassung bzw. Beschwerdeantwort verzichtet (KG act. 9 und

10). Die Beschwerdegegnerin 2 beantragt Abweisung der Beschwerde (KG act.

13).

4. Der Beschwerdeführer hat keine eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde

erhoben (KG act. 6).

II.

1. Wie bereits die Erstinstanz, gelangte auch das Obergericht zum Schluss,

der Beschwerdeführer habe die erforderliche Sorgfalt in zweifacher Hinsicht ver-

letzt. Einerseits habe er sorgfaltspflichtwidrig gehandelt, weil er B. eigenen Anga-

ben zufolge vor der Kollision nicht wahrgenommen habe (wobei diesbezüglich die

Vorinstanzen von unterschiedlichen Sachverhaltsvarianten ausgingen) und habe

somit gegen Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 VRV verstossen;

anderseits liege Sorgfaltswidrigkeit darin, dass er sein Fahrzeug in angetrunke-

nem Zustand gelenkt habe (KG act. 2 S. 12). Während die Erstinstanz die Rele-

vanz der Sorgfaltswidrigkeiten für den Erfolgseintritt verneinte, gelangte das Ober-

gericht zum gegenteiligen Schluss: Durch die mangelnde Aufmerksamkeit, teilwei-

se wohl bedingt durch die Angetrunkenheit, habe der Beschwerdeführer B. nicht

wahrgenommen und das Mögliche und Zumutbare - nämlich ein Ausweichmanö-

ver, wodurch der sonst voraussehbare Tötungserfolg vermieden worden wäre -

nicht vorgenommen (KG act. 2 S. 15).

2. In der Beschwerde hält der Beschwerdeführer zunächst fest, der Schuld-

spruch wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand werde nicht angefochten. Ge-

rügt werde jedoch, "dass der Beschwerdeführer zu Unrecht der fahrlässigen Tö-

tung schuldig gesprochen wurde, da die Vorinstanz durch eine willkürliche Be-

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weiswürdigung bzw. willkürliche Feststellung des Sachverhaltes und durch die

Verletzung des Grundsatzes in dubio pro reo entschieden hat, mithin Nichtigkeits-

gründe gemäss § 430 Abs. 1 Ziff. 4 StPO vorliegen" (KG act. 1 S. 2, Ziff. 3).

Die meisten vom Beschwerdeführer gegen die Hauptbegründung des

Obergerichts (KG act. 2 S. 5-8) erhobenen Rügen basieren auf dem Vorwurf, es

habe bei der Sachverhaltsfestlegung ausser Acht gelassen, dass sich die Kollision

frühestens zehn Minuten, nachdem die Zeugin B. auf der Autostrasse gesehen

hat, ereignet habe (KG act. 1 S. 3-6, Ziff. 4). Der Beschwerdeführer rügt auch die

Eventualbegründung des Obergerichts (die Kollision wäre auch ausgehend von

der Sachverhaltsvariante der Erstinstanz vermeidbar gewesen: KG act. 2 S. 8/9)

als willkürlich und gegen den Grundsatz in dubio pro reo verstossend, denn er ha-

be aufgrund der konkreten - vom Obergericht nicht berücksichtigten - Umstände

das Opfer erst 1,2 Sekunden vor dem Unfall sehen können, weshalb ein Aus-

weichmanöver nicht möglich gewesen sei (KG act. 1 S. 6-10, Ziff. 5).

3. Zur Kognition des Kassationsgerichts ist auf Folgendes hinzuweisen:

Der Grundsatz in dubio pro reo in seiner hier angerufenen Ausrichtung als

Beweiswürdigungsregel deckt sich mit der Rüge der willkürlichen Beweiswürdi-

gung (RB 1990 Nr. 5). Somit kommt dem Kassationsgericht vorliegend nur eine

auf Willkür beschränkte Überprüfungsbefugnis zu. Das bedeutet, dass die Be-

weiswürdigung nur dann mit Erfolg gerügt werden kann, wenn sie offensichtlich

abwegig ist und einer missbräuchlichen Handhabung des richterlichen Ermessens

gleichkommt (ZR 64 Nr. 54). Ein Beweisergebnis, das über jeden vernünftigen

Zweifel erhaben ist, kann nicht mit Erfolg gerügt werden (BGE 124 IV 88 E. 2a mit

Hinweisen). Weiter geht auch die Unschuldsvermutung im Sinne von Art. 6 Ziff. 2

EMRK und Art. 32 Abs. 1 BV nicht, denn diese Bestimmungen schliessen einen

Schuldspruch nur aus, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und unüber-

windliche Zweifel am Tat- oder Schuldbeweis zurückbleiben (BGE 120 Ia 35 ff.).

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Sodann ist gemäss § 430b Abs. 1 StPO das Kassationsgericht nicht zu-

ständig zur Beurteilung von Rügen, die in die Überprüfungsbefugnis des Kassati-

onshofs des Bundesgerichts fallen. Das namentlich bei Fahrlässigkeitsdelikten

bedeutsame Problem des erforderlichen Zusammenhangs zwischen dem Verhal-

ten des Täters und dem eingetretenen Verletzungserfolg ist nach der Praxis des

Bundesgerichts nur insofern als Tatfrage anzusehen, soweit es sich um die Er-

mittlung der sogenannten "natürlichen Kausalität" handelt. Rechtsfrage ist hinge-

gen, ob ein bestimmtes Verhalten als pflichtwidrig zu qualifizieren sei sowie ob

zwischen dem pflichtwidrigen Verhalten des Täters und dem eingetretenen Unfall

ein "rechtserheblicher Kausalzusammenhang" besteht; diese Frage bejaht der

Kassationshof, wenn die eingetretene Verletzung adäquat-kausal war. Die Rele-

vanz eines sorgfaltswidrigen Verhaltens lässt sich nur durch Vergleich des tat-

sächlichen Kausalverlaufs mit jenem beim pflichtgemässen Handeln ermitteln. Zu

welchem Verhalten der Täter unter den konkreten Umständen verpflichtet gewe-

sen wäre, beurteilt sich nach Art. 18 Abs. 3 StGB, ist somit eine Frage des Bun-

desrechts (BGE 122 IV 23, 125 IV 197; J. Rehberg in Zeitschrift für schweizeri-

sches Recht, Band 94, II. Halbband, 1975, S. 388 ff.). Mit anderen Worten prüft

das Kassationsgericht Fragen, welche in den Bereich tatsächlicher Vorgänge fal-

len, die feststellbar sind (welche Strassenbeleuchtung war eingeschaltet, mit wel-

chen Lichtern fuhr der Beschwerdeführer, war das Opfer dunkel oder hell gekleidet

etc.). Fragen, die sich nach allgemeinen Erfahrungssätzen beurteilen, fallen hin-

gegen in die Überprüfungsbefugnis des Kassationshofes (J. Rehberg, a.a.O., S.

386; vgl. auch BR 2003 Nr. 139). So sind Rechtsfragen, worin die Vorsicht be-

steht, zu welcher der Täter nach den Umständen verpflichtet war, welche Reakti-

onszeit ein Fahrzeuglenker in einer bestimmten Lage für sich beanspruchen kann

und ob die Rechtsgutsverletzung für ihn voraussehbar war (J. Rehberg, a.a.O., S.

380 ff.).

Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass im Beschwerdeverfahren neue

Behauptungen ausschliesslich zum Nachweis des geltend gemachten Nichtig-

keitsgrundes anhand der bisherigen Akten sowie soweit sie sich erst auf Grund

der Begründung des angefochtenen Entscheids ergeben, zulässig sind (Schmid:

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in Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich,

Zürich 2000, N 34 zu § 430). Wer sich mit einem Mangel einverstanden erklärte

bzw. bewusst abfand und diesen nicht beanstandete, kann diesen vor Kassations-

gericht nicht mehr mit Erfolg rügen (Schmid: in Donatsch/Schmid, a.a.O., N 4 zu

§ 430 StPO).

4. Das Obergericht gelangte im Sinne einer Hauptbegründung zum

Schluss, es habe insbesondere gestützt auf die Aussagen der Zeugin C. sowie

das gerichtsmedizinische Gutachten als erstellt zu gelten, dass sich das Opfer

auch nach Durchfahrt der Zeugin aufrecht gehend am rechten Fahrbahnrand in

Richtung Zürich bewegt habe (KG act. 2 S. 6-8). In seinen Erwägungen hielt es

fest, die Zeugin habe beobachtet, wie B. am Rand der Fahrbahn in Richtung Zü-

rich gegangen sei; sie habe kein Ausweichmanöver machen müssen; sie habe

den Fussgänger rechtzeitig bemerkt; sie habe ihn gut gesehen; es sei ihr nicht

aufgefallen, ob er geschwankt habe (KG act. 2 S. 6) . Das Obergericht stellte fest,

es sei nicht bekannt, wie viel später die Kollision stattgefunden habe (KG act. 2 S.

8). Weiter stützte sich das Obergericht auf das Gutachten, wonach aus den erlitte-

nen Verletzungen geschlossen werden könne, dass B. aufrecht gehend am linken

Unterschenkel von hinten erfasst worden sei, als dieser das Standbein dargestellt

habe und das rechte Bein im Moment der Kollision als Spielbein gedient habe (KG

act. 2 S. 7) .

4.1 Der Beschwerdeführer rügt die Feststellung des Obergerichts, es sei

nicht bekannt, wie viel später nach der Vorbeifahrt der Zeugin am Opfer die Kolli-

sion stattgefunden habe, als willkürlich. Die Kollision, so der Beschwerdeführer,

habe sich nachweislich um 3.40 Uhr ereignet und die Zeugin sei gemäss ihren

Angaben etwa gegen 3.30 Uhr in Oetwil auf die A52 gefahren. Das Obergericht

habe somit zwingend davon ausgehen müssen, dass sich die Kollision frühestens

zehn Minuten nach dem Zeitpunkt ereignet habe, als die Zeugin B. auf der Auto-

strasse gesehen habe. Indem das Obergericht diese Zeitspanne von mindestens

zehn Minuten in seine Beweiswürdigung nicht einbezogen habe, habe es den

Sachverhalt willkürlich gewürdigt. Aufgrund der Nichtbeachtung der Zeitspanne

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von über zehn Minuten sei auch die Annahme des Obergerichts, das Opfer sei

nach der Durchfahrt der Zeugin im gleichen Stil weiter gegangen, offensichtlich

abwegig und komme einer missbräuchlichen Handhabung des richterlichen Er-

messens gleich, denn das Opfer hätte bei normalem Tempo in einem Zeitraum

von mindestens zehn Minuten weit mehr als hundert Meter zurückgelegt (KG act.

1 S. 3 f.).

Die auf der ersten Seite des Polizeirapports aufgeführte Zeitangabe "11.

Mai 2003, 0340 Uhr" (BG act. 1 S. 1), auf welche sich der Beschwerdeführer be-

ruft, stellt die ungefähre Unfallzeit dar. Gesichert ist einzig, dass die Kantonspoli-

zei um 03.47 Uhr von der Verkehrszentrale Meldung erhielt (KG act. 1 S. 6). Der

Beschwerdeführer konnte zum Zeitpunkt der Kollision keine Angaben machen. Er

führte jedoch vor Vorinstanz aus, nach der Kollision sei er ausgestiegen, habe ei-

ne Zeitlang gesucht, aber nichts gefunden. Dann habe er ein Auto angehalten.

Den Autoinsassen habe er erklärt, er habe etwas erwischt, worauf die beiden ge-

meint hätten, es sei wohl ein Reh oder Fuchs gewesen und weiter gefahren seien.

Danach habe er wieder gesucht und am Fahrbahnrand einen Schuh gefunden.

Anschliessend habe er im Wiesenbord gesucht und dort das Opfer gefunden. Er

sei zurück zur Strasse gegangen und habe eine Autolenkerin angehalten. Mit die-

ser habe er gesprochen und sie sei nachschauen gegangen. Schliesslich hätten

sie bei der Polizei angerufen (OG act. 37 S. 7 f.). Aus diesen Aussagen ist ersicht-

lich, dass vor dem Anruf bei der Polizei einige Zeit verstrichen sein muss - wieviel

ist jedoch unbekannt. Der genaue Zeitpunkt der Kollision ist somit ungewiss.

Ebenso ist offen, wann genau die Zeugin an B. vorbeigefahren ist. In der Zeu-

geneinvernahme konnte sie dazu gar keine Angaben mehr machen (BG act. 6);

bei der Polizei führte sie aus, es sei gegen 3.30 Uhr gewesen (BG act. 1 S. 8).

Die Feststellung der Vorinstanz, es sei ungewiss, wieviel später (nach der

Vorbeifahrt der Zeugin) sich die Kollision ereignet hat, deckt sich mit der Aktenlage

(weder der Zeitpunkt der Kollision noch derjenige der Durchfahrt der Zeugin sind

feststellbar). Folglich spricht die vom Opfer nach der Vorbeifahrt der Zeugin zu-

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rückgelegte Strecke in keiner Weise gegen die Sachverhaltsannahme der Vorin-

stanz. Die Rüge ist abzuweisen.

4.2 Die Vorinstanz ging gestützt auf das rechtsmedizinische Gutachten der

Universität Zürich davon aus, das Opfer sei am Strassenrand gegangen, als es

vom Fahrzeug des Beschwerdeführers am linken Unterschenkel von hinten erfasst

wurde (KG act. 2 S. 12). Der Beschwerdeführer hält diese Feststellung für willkür-

lich, denn es sei auch möglich, dass das Opfer am Strassenrand gestanden sei

(KG act. 1 S. 4, mittlerer Abschnitt).

Der Beschwerdeführer führt nicht aus (und es ist auch nicht ersichtlich), in-

wiefern sich die vorinstanzliche Feststellung, B. sei beim Gehen (statt im Stehen)

erfasst worden, zu seinem Nachteil ausgewirkt haben sollte. Wenn man auf diese

Rüge eintreten würde, wäre sie abzuweisen: Im Gutachten wird festgehalten, die

Verletzung am linken Bein lasse Rückschlüsse auf die Richtung der einwirkenden

Gewalt zu. Es könne geschlossen werden, dass B. "aufrecht gehend, am linken

Unterschenkel von hinten erfasst wurde, als dieser das Standbein darstellte, und

das rechte Bein im Moment der Kollision als Spielbein diente." (BG act. 8/3 S. 4).

Der Beschwerdeführer zweifelte weder vor Vorinstanz noch heute die Richtigkeit

des Gutachtens an. Die Vorinstanz übernahm die gutachterliche Schlussfolgerung,

B. sei im Gehen angefahren worden. In willkürfreier Beweiswürdigung durfte sie

die vom Beschwerdeführer heute geltend gemachte Variante - der Beschwerde-

führer könnte auch im Stehen erfasst worden sein - ausser Acht lassen: Laut Gut-

achten steht fest, dass im Zeitpunkt der Kollision das linke Bein belastet war

(Standbein), das rechte hingegen nicht (Spielbein); dass B. normal am Strassen-

rand stand (Belastung auf beiden Beinen) durfte die Vorinstanz somit ausschlie-

ssen. Ebenso durfte sie - ohne in Willkür zu verfallen - die gänzlich abwegige

Möglichkeit, B. sei in Fahrtrichtung Zürich ausgerichtet auf einem Bein am Rand

der Autostrasse gestanden bzw. habe sich auf das linke Bein gedreht, unberück-

sichtigt lassen.

4.3 Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, nachdem er dargelegt ha-

be, dass die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz an einem Nichtigkeitsgrund

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leide (gemeint sind die beiden vorn unter Erw. II. 4.1 und 4.2 behandelten und

verworfenen Rügen), stelle der Ausschluss anderer Sachverhaltsvarianten eine

willkürliche Beweiswürdigung und Verletzung des Grundsatzes in dubio pro reo

dar (KG act. 1 S. 4 unten).

Diese Rüge des Beschwerdeführers, welche von der Richtigkeit seiner zu-

vor gemachten Beanstandungen ausgeht, ist unbehelflich.

4.4 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz sei aufgrund einer willkürli-

chen Beweiswürdigung davon ausgegangen, dass für ein Schwanken des Opfers

keine Anhaltspunkte bestanden hätten. Die Beweiswürdigung sei deshalb willkür-

lich, weil das Obergericht ausführe, der Zeugin sei ein Schwanken des Opfers

nicht aufgefallen und dabei ausser Acht lasse, dass die Zeugin B. mindestens

zehn Minuten vor dem Unfall gesehen habe. Ausserdem habe das Obergericht die

erwiesene starke Angetrunkenheit des Opfers nicht als ein für ein Schwanken

sprechendes Indiz berücksichtigt (KG act. 1 S. 5).

Auch hier ist nicht ersichtlich, inwiefern sich das Verneinen des Schwan-

kens zum Nachteil des Beschwerdeführers ausgewirkt haben sollte - er, der das

Opfer eigenen Angaben zufolge bis zur Kollision nicht gesehen hat und glaubte,

ein Tier angefahren zu haben, macht nicht geltend, B. wäre für ihn früher/besser

sichtbar gewesen, wenn er geschwankt hätte. Das Obergericht hielt denn auch

fest, der Umstand, ob B. getorkelt habe oder nicht, sei in bezug auf die dem Be-

schwerdeführer vorzuwerfende Unsorgfalt und die Vermeidbarkeit der Kollision

ohne Belang (KG act. 2 S. 14).

Wenn auf die Rüge eingetreten würde, müsste sie abgewiesen werden:

Dass die Vorinstanz davon ausging, der Zeugin sei kein Schwanken aufgefallen,

ist nicht zu beanstanden, entspricht doch dies ihrer Aussage. Wie vorn dargelegt,

ist nicht von einer Zeitspanne von mindestens zehn Minuten auszugehen; es ist

ungewiss, wie lange nach der Zeugin der Beschwerdeführer beim Opfer ankam.

Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers berücksichtigte das Obergericht

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sehr wohl, dass B. stark alkoholisiert war, und wertete diesen Umstand als ein -

wenn auch einziges - Indiz für ein Schwanken des Opfers: "Für ein starkes Torkeln

des Geschädigten bestehen - mit Ausnahme des erheblichen Alkoholisierungs-

grades - keine Hinweise." (KG act. 2 S. 14). Anschliessend führte die Vorinstanz

aus, aufgrund welcher weiterer (nebst der Beobachtung der Zeugin) Umstände

nicht davon auszugehen sei, dass B. getorkelt sei (KG act. 2 S. 14). Mit dieser

Begründung setzt sich der Beschwerdeführer nicht auseinander.

4.5. Sodann macht der Beschwerdeführer geltend, die Feststellung der Vo-

rinstanz, für ein Absitzen, eine Pause oder ein Verschwinden von der Strasse auf

das Wiesenbord, gebe es keine konkreten Anhaltspunkte, sei deshalb willkürlich,

weil die Vorinstanz unberücksichtigt lasse, dass seit dem Zeitpunkt als die Zeugin

an B. vorbeifuhr bis zur Kollision mindestens zehn Minuten verstrichen seien, und

der Beschwerdeführer somit bei ständigem Gehen weit mehr als die effektiv zu-

rückgelegten hundert Meter hätte gelangt sein müssen (KG act. 1 S. 5 f.).

Wiederum wird Willkür einer vorinstanzlichen Feststellung damit begründet,

dass die betreffende Zeitspanne mehr als zehn Minuten betragen haben müsse.

Wie vorne festgehalten, ist jedoch unbekannt, wieviel Zeit seit dem Vorbeifahren

der Zeugin an B. bis zur Kollision verstrichen ist. Demzufolge kann auch nichts

aus der vom Opfer zurückgelegten Strecke abgeleitet werden, da man nicht weiss,

wie viele Minuten ihm dafür zur Verfügung standen. Weitere Anhaltspunkte für ein

Absitzen des Opfers nennt der Beschwerdeführer nicht und solche sind denn auch

nicht ersichtlich. Die Annahme des Obergerichts, es bestünden keine konkreten

Anhaltspunkte für ein Absitzen des Opfers auf dem Wiesenbord, ist nicht zu bean-

standen. Die Rüge ist abzuweisen.

4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer

unter Ziff. 4 seiner Beschwerde gerügte Sachverhaltsfeststellung mit keinem Nich-

tigkeitsgrund behaftet ist. Ob ausgehend von diesem Sachverhalt (sowie der aner-

kannten Alkoholisierung des Beschwerdeführers) dieser den Tod des Opfers ad-

äquat-kausal verursacht hat, mit anderen Worten, ob sein Verhalten als pflichtwid-

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rig zu qualifizieren sei und wenn ja, der Erfolgseintritt bei einem pflichtgemässen

Verhalten vermeidbar gewesen wäre, sind Fragen des materiellen Bundesrechts.

5. Im Sinne einer Alternativbegründung hielt das Obergericht fest, dass

selbst ausgehend von der erstinstanzlichen Sachverhaltsvariante (das Opfer sei

kurz vor der Kollision am Bord gesessen oder gelegen, habe sich erhoben, den

Strassenrand betreten, sich in Fahrtrichtung gedreht, sei am rechten Strassenrand

entlang gegangen, wobei es für den Beschwerdeführer während drei Sekunden

sichtbar gewesen sei; OG act. 32 S. 7), die Kollision vermeidbar gewesen wäre

(KG act. 2 S. 8/9 unten und S. 7, 4. Abschnitt sowie S. 14, 2. und 3. Abschnitt).

Der Beschwerdeführer rügt unter Ziffer 5 der Beschwerde auch die Alterna-

tivbegründung als willkürlich, indem er geltend macht, wegen der dunklen Klei-

dung des Opfers hätte bei dieser Sachverhaltsvariante die Sichtweite lediglich 30

Meter betragen und das Opfer wäre für ihn somit frühestens 1,2 Sekunden vor der

Kollision sichtbar gewesen. Dies entspreche auch seiner Aussage, wonach er bei

der Kollision nur einen Schatten gesehen, einen Schlag gespürt und daher auch

gar nicht gebremst habe (KG act. 1 Ziff. 6 ff.).

Bei der vom Beschwerdeführer unter Ziff. 4 der Beschwerde gerügten und

vorn unter Erwägung II.4 geprüften Sachverhaltsfeststellung des Obergerichts

handelt es sich um die eigentliche Hauptbegründung, welche für sich allein tra-

gend ist. Da diese mit keinem Nichtigkeitsgrund behaftet ist und der Beschwerde-

führer keine eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde erhoben hat (KG act. 6),

braucht auf die gegen die Alternativbegründung vorgetragenen Rügen nicht ein-

getreten zu werden (T. Graf, Effiziente Verteidigung im Rechtsmittelverfahren, in

Zürcher Studien zum Verfahrensrecht, Zürich 2000, S. 224 m.H.). Demzufolge

kann auch offen bleiben, ob der Beschwerdeführer, der vor Vorinstanz ausdrück-

lich erklären liess, es sei zu seinen Gunsten davon auszugehen, das Opfer sei für

ihn frühestens drei (und nicht sieben wie von der Geschädigten geltend gemacht)

Sekunden vor der Kollision sichtbar gewesen (OG act. 37 S. 15, zweitletzter Ab-

schnitt), im Beschwerdeverfahren mit seiner neuen tatsächlichen - nicht durch die

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Akten belegten - Behauptung, er habe das Opfer erst 1,2 Sekunden vor dem Un-

fall sehen können und die Annahme einer Sichtweite von drei Sekunden durch das

Obergericht sei willkürlich, hätte gehört werden können.

III.

Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen. Ausserdem hat er die anwaltlich vertretene Be-

schwerdegegnerin 2 für die Umtriebe im vorliegenden Verfahren angemessen zu

entschädigen (§ 396a StPO).

Das Gericht beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

2. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf:

Fr.  1'000.--     ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 307.-- Schreibgebühren,

Fr. 209.-- Zustellgebühren und Porti.

3. Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, der Beschwerdegegnerin 2 für das

Kassationsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'200.-- (inkl.

Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

4. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, die II. Strafkammer des Obergerichts

des Kantons Zürich, die 1. Abteilung des Bezirksgerichts Uster (Proz.Nr.

DG040015), das Migrationsamt des Kantons Zürich sowie die Direktion für

Soziales und Sicherheit des Kantons Zürich (Strassenverkehrsamt, Bereich

Administrativmassnahmen), je gegen Empfangsschein.

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KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH
Der juristische Sekretär:

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