# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e5b1b27b-30a1-556c-9fbc-3fa1b6e9cd75
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-26
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 26.01.2023 VBE.2022.190
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-190_2023-01-26.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

3. Kammer 

 

 

VBE.2022.190 / sb / fi  
Art. 5 

 

 

Urteil vom 26. Januar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Gössi, Präsidentin  

Oberrichter Kathriner  

Oberrichterin Peterhans  

Gerichtsschreiber Berner  

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____,  

 

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 PROVITA Gesundheitsversicherung AG,  

c/o SWICA Krankenversicherung AG, Römerstrasse 38, 8400 Winterthur  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend KVG 

(Einspracheentscheid vom 25. März 2022) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Mit Verfügung vom 12. November 2021 beseitigte die Beschwerdegegnerin 

den in der Betreibung Nr. X vom Beschwerdeführer erhobenen 

Rechtsvorschlag und verpflichtete diesen, Prämien und Kostenbeteiligun-

gen der obligatorischen Krankenversicherung inklusive Mahnspesen, In-

kassogebühren sowie Betreibungskosten von total Fr. 1'170.45 zuzüglich 

Zins von 5 % seit 10. Januar 2021 auf Fr. 259.80 zu bezahlen. Die vom 

Beschwerdeführer dagegen erhobene Einsprache vom 11. Dezember 

2021 wies die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom 25. März 

2022 ab.  

 

2. 

2.1. 

Mit Eingabe vom 19. Mai 2022 erhob der Beschwerdeführer fristgerecht 

Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin 

vom 25. März 2022 und beantragte sinngemäss im Wesentlichen dessen 

Aufhebung. Ferner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 23. Juni 2022 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde.  

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 11. August 2022 wurde das Ge-

such des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pfleg abgewiesen. 

 

2.4. 

Mit Beschluss vom 9. Dezember 2022 wurde dem Beschwerdeführer die 

mögliche Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur weite-

ren sachverhaltlichen Abklärung und anschliessenden neuerlichen Ent-

scheidung in Aussicht gestellt und ihm Gelegenheit gegeben, sich dazu zu 

äussern oder allenfalls die Beschwerde zurückzuziehen. Der Beschwerde-

führer liess sich innert Frist nicht vernehmen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Im vorliegenden Verfahren ist streitig und zu prüfen, ob der Beschwerde-

führer der Beschwerdegegnerin gemäss deren Einspracheentscheid vom 

25. März 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 47) die in Betreibung ge-

setzten Prämien für die Periode vom 1. Januar bis 31. Dezember 2021 und 

 - 3 - 

 

 

 

diversen Kostenbeteiligungsforderungen aus dem Zeitraum zwischen dem 

22. Juli und dem 24. Dezember 2020 sowie Mahnspesen und Inkassoge-

bühren zuzüglich Betreibungskosten und Verzugszinsen schuldet und ob 

darüber zu Recht die Rechtsöffnung erteilt wurde.  

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 3 Abs. 1 KVG ist jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz der 

obligatorischen Krankenpflegeversicherung unterstellt. Die versicherte Per-

son kann unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist den Versi-

cherer auf das Ende eines Kalendersemesters wechseln (Art. 7 Abs. 1 

KVG). Bei Mitteilung der neuen Prämie kann die versicherte Person den 

Versicherer darüber hinaus unter Einhaltung einer einmonatigen Kündi-

gungsfrist auf das Ende des Monats wechseln, welcher der Gültigkeit der 

neuen Prämie vorangeht (Art. 7 Abs. 2 KVG). Solange indes säumige Ver-

sicherte die ausstehenden Prämien, Kostenbeteiligungen, Verzugszinsen 

und Betreibungskosten nicht vollständig bezahlt haben, können sie den 

Versicherer in Abweichung von Art. 7 KVG nicht wechseln (Art. 64a Abs. 6 

KVG). Als säumig im Sinne von Art. 64a Abs. 6 KVG gilt die versicherte 

Person ab Zustellung der Mahnung nach Art. 105b Abs. 1 KVV (Art. 105l 

Abs. 1 KVV; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 9C_203/2021 vom 

2. Februar 2022 E. 5 und 9C_51/2016 vom 2. November 2016 E. 4.2). Im 

Zusammenhang mit dem Wechsel des obligatorischen Krankenpflegever-

sicherers ist eine Doppelversicherung ausgeschlossen. Das Versiche-

rungsverhältnis beim neuen Versicherer kann erst beginnen, wenn das bis-

herige geendet hat (BGE 130 V 448 E. 4 S. 451 ff.). 

 

2.2. 

2.2.1. 

Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2015 im 

Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bei der B. 

versichert war (vgl. die ab dem 1. Dezember 2015 gültige Police vom 

23. November 2015 in VB 6; siehe zum Ganzen ferner E. 1.4. des Urteils 

des Versicherungsgerichts VBE.2012.495 vom 2. April 2013). Dies ist von 

den Parteien übereinstimmend anerkannt. Gemäss einer weiteren Police 

wiederum vom 23. November 2015 soll sodann ab dem 1. Januar 2016 ein 

Versicherungsverhältnis mit der Beschwerdegegnerin bestanden haben 

(VB 7). Indes wies der Beschwerdeführer per Ende 2015 offene Prämien- 

und Kostenbeteiligungsausstände aus seinem Versicherungsverhältnis mit 

der B. auf und wurde diesbezüglich von dieser auch gemahnt (vgl. dazu 

E. 3.5. des Urteils des Versicherungsgerichts VBE.2017.71 vom 30. Mai 

2017). Aus den Akten geht nicht hervor, ob diese Ausstände bis einen 

Monat vor Ablauf der Kündigungsfrist gemahnt wurden, ob sie bei Ablauf 

der Kündigungsfrist noch bestanden (vgl. Art. 105l Abs. 2 KVV) und ob der 

Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund als säumig zu gelten hatte 

sowie daher nach den zuvor in E. 2.1. dargelegten Grundsätzen den 

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Versicherer nicht rechtsgültig auf den 1. Januar 2016 hätte wechseln 

können (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_51/2016 vom 

2. November 2016 E. 4.3 sowie 9C_653/2015 vom 7. Juli 2016 E. 3 und 

E. 4), wovon die Beschwerdegegnerin auszugehen scheint (vgl. den letzten 

Absatz von S. 7 der Vernehmlassung vom 23. Juni 2022). Die 

Beschwerdegegnerin wird weitere diesbezügliche Abklärungen 

vorzunehmen und ihre Akten zu vervollständigen haben, zumal der 

Beschwerdeführer auf S. 5 seiner Beschwerde vom 19. Mai 2022 mit 

Verweis auf einen anscheinend von der B. erstellten Kontoauszug vom 

24. Oktober 2014 (Beschwerdebeilage 20 f.) selbst geltend macht, es 

hätten – auch noch per Ende 2015 – zudem das Jahr 2014 betreffend 

Ausstände bestanden. 

 

2.2.2. 

Sollte sich herausstellen, dass der Beschwerdeführer den Versicherer nicht 

rechtsgültig auf den 1. Januar 2016 wechseln konnte, so ist anzumerken, 

dass aufgrund der diesbezüglich illiquiden Aktenlage nicht beurteilt werde 

kann, ob bis zum Zeitpunkt, für welchen die Beschwerdegegnerin nun Prä-

mien und Kostenbeteiligungen vom Beschwerdeführer fordert, jemals gültig 

ein Versicherungsverhältnis zwischen den Parteien zustande gekommen 

ist. Zwar sind Policen der Beschwerdegegnerin mit Gültigkeit ab dem 1. Ja-

nuar 2017 (VB 11), dem 1. Januar 2018 (VB 12), dem 1. Januar 2019 

(VB 14), dem 1. Januar 2020 (VB 15) sowie ab dem 1. Januar 2021 

(VB 17) aktenkundig. Indes fehlen in den Akten sachdienliche Angaben zur 

Beantwortung der Frage, ob und gegebenenfalls zu welchem Zeitpunkt der 

Beschwerdeführer jemals keine Ausstände für Prämien, Kostenbeteiligun-

gen, Verzugszinse und Betreibungskosten aus dem Versicherungsverhält-

nis mit der B. aufwies und daher den Versicherer hätte wechseln können. 

Die Ausführungen des Beschwerdeführers in dessen Beschwerde vom 

19. Mai 2022, wonach "immer offene Forderungen" bestanden hätten, 

lassen dies jedenfalls zweifelhaft erscheinen, erlauben aber mangels Voll-

ständigkeit und aktenmässigen Nachweisen ebenfalls keine abschlies-

sende Beurteilung.  

 

2.3. 

Zusammengefasst ist eine Beurteilung der von der Beschwerdegegnerin 

geltend gemachten Forderungen aktuell nicht möglich. Die Sache ist daher 

an diese zur Vervollständigung der Akten und zum Erlass eines (hinrei-

chend begründeten) neuen Entscheids zurückzuweisen.  

 

2.4. 

Bei diesem Ergebnis verbleibt auf Folgendes hinzuweisen: Die Wahrneh-

mung des Beschwerdeführers, wonach ein strafbares Verhalten seitens der 

Beschwerdegegnerin vorliegen könnte, ist nicht mit der vom Gesetz ver-

langten Kenntnis des Gerichts über das Vorliegen eines Verbrechens oder 

schweren Vergehens gleichzusetzen (vgl. § 34 Abs. 1 EG StPO, wonach 

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Mitarbeitende des Kantons und der Gemeinden verpflichtet sind, Verbre-

chen und schwere Vergehen, von denen sie in ihrer amtlichen Stellung 

Kenntnis erhalten, der Staatsanwaltschaft zu melden). Die Abklärung eines 

allfälligen strafrechtlich relevanten Verhaltens wäre ohnehin Sache der 

Strafverfolgungsbehörden (vgl. Art. 15 ff. StPO). Auf die Beschwerde ist 

demnach in diesem Umfang nicht einzutreten. 

 

3. 

3.1. 

Nach dem Dargelegten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 

25. März 2022 in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und 

die Sache zur neuerlichen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, soweit auf die Beschwerde einzu-

treten ist.  

 

3.2. 

Die vorliegende Streitigkeit betrifft das Inkasso von Versicherungsprämien 

und Kostenbeteiligungen der obligatorischen Krankenversicherung und da-

mit keine Versicherungsleistung. Die Verfahrenskosten werden daher nach 

dem Verfahrensaufwand im Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 fest-

gesetzt (Art. 61 lit. fbis ATSG i.V.m. § 22 Abs. 1 lit. e VKD). Für das vorlie-

gende Verfahren betragen diese Fr. 400.00. Sie sind gemäss dem Verfah-

rensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

3.3. 

Da der Beschwerdeführer nicht vertreten ist, hat er keinen Anspruch auf 

eine Parteientschädigung. Ein Umtriebsentschädigung ist ihm ebenfalls 

nicht zuzusprechen, ist ihm doch kein hoher und den Rahmen des Üblichen 

sowie Zumutbaren überschreitender Arbeitsaufwand angefallen (BGE 129 

V 113 E. 4.1 S. 116 und 110 V 72 E. 7 S. 82).  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid 

vom 25. März 2022 aufgehoben und die Sache zur neuerlichen Entschei-

dung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewie-

sen, soweit auf die Beschwerde eingetreten wird.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 400.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt.  

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.  

 - 6 - 

 

 

 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Gesundheit 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 26. Januar 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Gössi Berner