# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ca08d51f-8ab7-53e4-a88e-c1954e0f17c3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-01-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.01.2018 E-7732/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7732-2016_2018-01-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-7732/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  J a n u a r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Gérard Scherrer, Richterin Andrea Berger-Fehr, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Thomas Wenger, Advokaturbüro 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung 

des SEM vom 10. November 2016 / N (…). 

 

 

 

E-7732/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der – damals noch minderjährige – Beschwerdeführer sei im Februar 2015 

von seinem letzten Wohnort B._______ nach Äthiopien ausgereist, wo er 

zunächst im Camp C._______ Unterschlupf gefunden habe. Im April 2015 

sei er dann über den Sudan nach Libyen gekommen, von wo aus er einen 

Monat später nach Italien gelangt sei (A4 S. 6 f.). Am 13. Juni 2015 sei er 

in die Schweiz eingereist und suchte am gleichen Tag um Asyl nach (A4 

S. 8). 

Er begründete sein Asylgesuch anlässlich der Befragung vom 22. Juni 

2015 und der Anhörung vom 25. Oktober 2016 im Wesentlichen dahinge-

hend, er habe weder Militärdienst geleistet noch sei er dazu aufgefordert 

worden. Er habe sein Land verlassen, weil – nachdem Freunde von ihm 

illegal ausgereist seien – die Polizei zu ihm nach Hause gekommen sei und 

nach ihm gesucht habe. Vermutungsweise sei er mit der illegalen Ausreise 

seiner Freunde in Zusammenhang gebracht worden. Dies habe ihm grosse 

Angst gemacht, weshalb er am nächsten Tag Eritrea verlassen habe. 

Anlässlich der Anhörung reichte er eine Kopie eines Taufscheins der Erit-

rean Orthodox Tewahdo Church ein (A16 F7 ff.). 

B.  

Mit Verfügung vom 10. November 2016 – eröffnet am 14. November 2016 

– lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und wies ihn 

aus der Schweiz weg. Die Wegweisung sei indes aufgrund der Unzumut-

barkeit nicht zu vollziehen und der Beschwerdeführer wurde vorläufig auf-

genommen. Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid dahingehend, 

dass nicht glaubhaft erstellt sei, dass die Polizei nach ihm gesucht habe 

und er wegen Verweigerung des Militärdienstes oder anderen Motiven 

Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt habe. Des Weiteren 

habe er die vorgebrachte illegale Ausreise ungenau und widersprüchlich 

geschildert. Daher würden die Vorbringen den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht standhalten. Hin-

sichtlich der illegalen Ausreise verwies das SEM zusätzlich auf die neue 

Praxis und stellte fest, dass dieses Vorbringen nicht asylrelevant sei (Art. 3 

AsylG). Weitere geltend gemachte Nachteile – wie beispielsweise die 

schlechten Schulen und die fehlende Möglichkeit der Fortführung des Stu-

diums – seien auf die allgemein schwierigen Lebensbedingungen zurück-

zuführen und seien asylrechtlich nicht von Bedeutung (Art. 3 AsylG). 

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Seite 3 

C.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-

vertreter am 12. Dezember 2016 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-

gericht und beantragte, er sei nach Aufhebung der Verfügung unter Asyl-

gewährung als Flüchtling anzuerkennen. Eventualiter sei er als Flüchtling 

– beziehungsweise aufgrund eines Vollzugshindernisses – vorläufig aufzu-

nehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Rechts-

hilfe unter Beiordnung des Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand 

zu gewähren. 

Als Begründung wurde vorgebracht, dass die Ungereimtheiten sich betref-

fend den Polizeibesuch aufklären lassen würden, weshalb dieser glaubhaft 

sei. Der Rechtsvertreter hielt ferner fest, dass der Grund der polizeilichen 

Suche nach dem Beschwerdeführer letztlich unklar geblieben sei, da die 

Polizisten der Mutter nichts darüber berichtet hätten. Doch hätten sie ihn 

erwischt, hätte er mit asylrelevanten Nachteilen rechnen müssen. Er wies 

im Übrigen darauf hin, dass der Beschwerdeführer nie vorgebracht habe 

den Militärdienst verweigert zu haben, weshalb die diesbezüglichen Aus-

führungen der Vorinstanz nicht nachvollziehbar seien. Hinsichtlich der ille-

galen Ausreise gelte es auch zu beachten, dass der damals (…)Jährige 

kurz vor einer Militärrekrutierung gestanden sei. Demzufolge sei eine le-

gale Ausreise auf keinen Fall möglich gewesen. Ausserdem sei der Vo-

rinstanz nicht zuzustimmen, wenn sie behaupte, dass Minderjährige, wel-

che noch nicht dienstpflichtig seien, gefahrlos nach Eritrea zurückkehren 

könnten. 

D.  

Mit Verfügung vom 22. Dezember 2016 wurde das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen. Das Gesuch um Ge-

währung der amtlichen Verbeiständung wurde am 10. Januar 2017 eben-

falls gutgeheissen. 

E.  

Im Rahmen der Vernehmlassung vom 27. September 2017 hielt das SEM 

an seinen Erwägungen, welche durch das Referenzurteil des BVGer D-

7898/2015 vom 30. Januar 2017 untermauert würden, vollumfänglich fest. 

F.  

In der Replik vom 31. Oktober 2017 bestand die Rechtsvertretung darauf, 

dass der Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr nach Eritrea ernsthaften 

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Seite 4 

Nachteilen ausgesetzt sei, weswegen auch der Faktor der illegalen Aus-

reise zu beachten sei. In der Beilage reichte der Rechtsvertreter eine Kos-

tennote gleichen Datums zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von 

Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufolge verpflichtet, 

auf den festgestellten Sachverhalt jenen Rechtssatz anzuwenden, den sie 

als den einschlägigen erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der 

es überzeugt ist. Dieses Prinzip hat zur Folge, dass das Bundesverwal-

tungsgericht als Beschwerdeinstanz den angefochtenen Entscheid im Er-

gebnis mit einer Begründung bestätigen kann, die von jener der Vorinstanz 

abweicht (Art. 62 Abs. 4 VwVG; sog. Motivsubstitution) und eine Be-

schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen (teil-

weise) gutheissen. Sollte sich der neue Entscheid auf Rechtsnormen stüt-

zen, mit deren Anwendung die Parteien nicht rechnen mussten, ist ihnen 

die Gelegenheit zu geben, sich vorgängig dazu zu äussern (vgl. MO-

SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-

richt, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.54; BVGE 2007/41 E. 2 m.w.H.). 

Eine Gewährung des rechtlichen Gehörs drängt sich vorliegend nicht auf, 

da sich der Beschwerdeführer bereits selbst in der Beschwerde zur Asylre-

levanz nach Art. 3 AsylG geäussert und somit die Anwendung dieser 

Rechtsnorm in Betracht gezogen hat. 

4.2 Vorliegend kann die Frage der Glaubhaftigkeit des Vorfluchtgrundes – 

der Beschwerdeführer sei polizeilich gesucht – offen bleiben, wird doch 

nachfolgend aufgezeigt, dass dieser den Anforderungen von Art. 3 AsylG 

nicht genügt. 

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4.2.1 Zwei Monate nach seinem Abschluss der 8. Klasse, so brachte der 

Beschwerdeführer vor, beziehungsweise kurz vor dem Einschreiben in die 

9. Klasse (A16 F127 ff.), hätten Freunde von ihm Eritrea illegal verlassen. 

Drei Tage später sei er in seinem Zuhause von bewaffneten Polizisten ge-

sucht worden, als er nicht zugegen gewesen sei (A16 F92 ff.). Ein anderer 

Freund, dessen Freunde ebenfalls ausgereist seien, sei nach deren Aus-

reise verdächtigt worden, ihnen geholfen zu haben, weshalb man ihn fest-

gehalten und geschlagen habe (A16 F96 und 121). Vermutungsweise aus 

demselben Motiv sei auch der Beschwerdeführer von der Polizei gesucht 

worden (A16 F138 ff.). Nachdem er schliesslich abends nach Hause ge-

kommen sei, habe ihn seine Mutter zur Rede gestellt (A16 F97 und 122); 

einen Tag später sei er ohne etwas zu sagen fortgegangen (A16 F111 f. 

und 124 ff.). 

4.2.2 Bezüglich der Verfolgungsmassnahme gilt festzuhalten, dass Angriffe 

auf die in Art. 3 Abs. 2 AsylG genannten Rechtsgüter dann asylrelevant 

sind, wenn sie eine bestimmte Intensität aufweisen. So muss beispiels-

weise zur Gefährdung des Lebens eine direkte und ernsthafte Todesgefahr 

vorliegen. Eine Gefährdung des Leibes erreicht die geforderte Intensität 

dann, wenn dem Betroffenen ernsthafte Verletzungen (physischer oder 

psychischer Natur) zugefügt worden sind oder zu befürchten hat. Leichtere 

Eingriffe erreichen die nötige Intensität nicht. Bei der Beurteilung, ob die 

erlittenen Eingriffe intensiv genug sind, ist mitzuberücksichtigen, dass meh-

rere Eingriffe in die in Art. 3 AsylG genannten Rechtsgüter, die zwar für sich 

allein die nötige Intensität nicht erreichen, insgesamt gesehen das Mass 

des Erträglichen überschreiten können. Mehrere Eingriffe im obgenannten 

Sinne, die nicht intensiv genug sind, können zu einem unerträglichen psy-

chischen Druck führen, der für die betroffene Person ein weiteres Verblei-

ben im Heimatland verunmöglicht. Dabei ist zu beachten, dass der von der 

asylsuchenden Person geltend gemachte psychische Druck objektiv gese-

hen nachvollziehbar sein muss (vgl. Urteil des BVGer D-6214/2014 vom 

2. Februar 2017 E. 4.1.1). 

Zusammenfassend ergibt sich, dass sich bezüglich der Frage der Intensität 

von Eingriffen keine generellen Kriterien aufstellen lassen. Vielmehr ist im 

konkreten Einzelfall zu entscheiden, ob die für die Zuerkennung der Flücht-

lingseigenschaft notwendige Intensität der Beeinträchtigungen erreicht      

oder das Mass der Erträglichkeit eines psychischen Druckes überschritten 

ist. Die Furcht vor künftigen staatlichen Verfolgungsmassnahmen ist so-

dann im Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevant, wenn glaubhaft gemacht wird, 

dass begründeter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung werde sich 

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mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirkli-

chen. Ob in casu eine solche Wahrscheinlichkeit besteht, ist aufgrund einer 

objektivierten und subjektiven Betrachtungsweise zu beurteilen (vgl. BVGE 

2010/57 E. 2.5). Diese ist zusätzlich durch das vom Betroffenen bereits 

Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu er-

gänzen (vgl. BVGE 2010/9 E. 5.2). 

4.2.3 Zu der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Durchsuchung des 

Hauses seiner Familie durch bewaffnete Polizisten (A16 F98 ff.) ist festzu-

halten, dass diese Massnahme nicht einer Erniedrigung beziehungsweise 

Beeinträchtigung im oben erwähnten Sinne gleichkommt. Darüber hinaus 

ist – wie die Rechtsvertretung zu Recht festgestellt hat – nicht klar, aus 

welchem Grund der Beschwerdeführer gesucht worden sei. Ausserdem ist 

ungewiss, ob die Familie des Beschwerdeführers nach seiner Ausreise 

nochmals aufgesucht worden sei (A16 F144 f.). 

4.2.4 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die geschilder-

ten erlebten Nachteile aufgrund ihrer Art und Intensität klarerweise nicht 

asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG sind. Auch bestehen keine Hinweise 

dafür, dass der Beschwerdeführer künftig aufgrund des angeblich erfolgten 

Polizeibesuchs solche zu befürchten hätte. 

4.3 In einem weiteren Schritt ist abzuklären, ob der Beschwerdeführer we-

gen der geltend gemachten illegalen Ausreise aus Eritrea die Flüchtlings-

eigenschaft erfüllt. 

4.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht ging in seiner bisherigen Rechtspre-

chung davon aus, dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver 

Nachfluchtgrund anzusehen sei, weil illegal Ausgereiste bei einer Rückkehr 

nach Eritrea mit erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen 

müssten. Diese Rechtsprechung wurde zwischenzeitlich aufgegeben. Das 

Bundesverwaltungsgericht kam in seinem Referenzurteil D-7898/2015 

vom 30. Januar 2017 nach einer eingehenden Lageanalyse (vgl. ebenda 

E. 4.6 ff.) zum Schluss, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale 

Ausreise per se zur Flüchtlingseigenschaft führe, nicht mehr aufrechterhal-

ten werden könne. Es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da-

von auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Aus-

reise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung drohe (vgl. ebenda E. 5.1). 

Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext be-

dürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, 

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welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlings-

rechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl. ebenda 

E. 5.2). 

4.3.2 Wie aus den obigen Erwägungen hervorgeht, konnte der Beschwer-

deführer zum Zeitpunkt seiner Ausreise keine bestehende oder drohende, 

asylrechtlich relevante Gefährdung nachweisen oder glaubhaft machen. 

Auch sind keine zusätzlichen Anknüpfungspunkte im genannten Sinn zu 

erkennen. Die illegale Ausreise des Beschwerdeführers – unbesehen von 

deren Glaubhaftigkeit – vermag daher keine Furcht vor einer zukünftigen 

flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung zu begründen. 

4.4 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die 

Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb 

die angefochtene Verfügung zu bestätigen ist. 

5.  

5.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-

net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

5.2 Der Vollzug der Wegweisung wurde vorliegend zugunsten einer vorläu-

figen Aufnahme aufgeschoben. Die Bedingungen für einen Verzicht auf 

den Vollzug einer Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Un-

möglichkeit) sind – im Gegensatz zur Meinung der Rechtsvertretung – al-

ternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Weg-

weisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in 

der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu 

regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht dem weg-

gewiesenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das Bundesver-

waltungsgericht offen (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 44 Abs. 2 AsylG). In die-

sem Verfahren wäre dann der Wegweisungsvollzug vor dem Hintergrund 

sämtlicher Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der in 

diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen. 

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Seite 9 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indes mit Verfügung vom 

22. Dezember 2016 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutgeheissen wurde und keine Anhalts-

punkte ersichtlich sind, dass sich seine finanzielle Lage seither entscheid-

relevant verändert hätte, ist auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu 

verzichten. 

7.2 Mit Verfügung vom 10. Januar 2017 wurde ausserdem das Gesuch um 

amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a Abs. 1 AsylG) und dem 

Beschwerdeführer sein Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Der 

Rechtsvertreter hat am 31. Oktober 2017 eine Kostennote mit einem Ge-

samtbetrag von Fr. 3‘822.75 (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag und Auslagen) 

zu den Akten gereicht. Dieser Betrag ist indes nicht vollumfänglich ange-

messen, weshalb unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemes-

sungsfaktoren (Art. 9 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]) und der Praxis in Vergleichsfällen die zu entschädigenden 

Stunden auf 8,5 zu reduzieren sind. Damit ist das Honorar aufgerundet auf 

insgesamt Fr. 2‘014.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag und Auslagen) festzu-

setzen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand lic. iur. Thomas Wenger, Fürsprecher, wird 

vom Bundesverwaltungsgericht ein Honorar von Fr. 2’014.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe 

 

 

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