# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** af0ca5d7-d9c5-595d-bc87-277c984dc248
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.12.2022 E-5789/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5789-2022_2022-12-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5789/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Barbara Balmelli, 

mit Zustimmung von Richterin Esther Marti;   

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren am 10. November 1993, 

Irak,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 8. Dezember 2022 / N (…). 

 

 

 

E-5789/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 27. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab-

druck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 15. Februar 2022 in Polen 

um Asyl nachgesucht hatte.  

B.  

Am 3. November 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) statt.  

C.  

Der Beschwerdeführer bevollmächtigte am 17. November 2022 die ihm zu-

gewiesene Rechtsvertretung.  

D.  

Am 21. November 2022 fand das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) 

statt. 

Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei am 20. November 2021 nach 

Polen gereist. In den ersten drei Monaten seines dortigen Aufenthalts sei 

er inhaftiert gewesen. Am 15. Februar 2022 sei er gezwungen worden, 

seine Fingerabdrücke abzugeben, ansonsten er in den Irak ausgeschafft 

werde. Nach zwei Anhörungen habe er einen ablehnenden Asylentscheid 

erhalten. Seine dagegen erhobene Beschwerde sei von einem Gericht ab-

gewiesen worden. Er sei aufgefordert worden, das Land zu verlassen. Er 

habe ein Zugticket erhalten und es sei ihm gesagt worden, er solle mit dem 

Zug nach Deutschland reisen. 

Zu einer möglichen Überstellung nach Polen wendete der Beschwerdefüh-

rer ein, er wolle nicht dorthin zurück. Die Zustände in den Camps seien 

prekär. Flüchtlinge würden nicht wie Europäer behandelt und hätten keine 

Rechte. Er sei bedroht, geschlagen und ausgelacht worden. Das Essen sei 

schlecht und im Camp sei es kalt gewesen. Er habe keinen Zugang zur 

medizinischen Versorgung gehabt.  

E-5789/2022 

Seite 3 

Zum medizinischen Sachverhalt gab der Beschwerdeführer an, es gehe 

ihm vor allem psychisch schlecht. Er habe viel Stress und nehme (…), (…) 

sowie (…) gegen (…). Aufgrund des Erlebten habe er (…) und (…). Weitere 

gesundheitliche Probleme habe er nicht.  

Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer zwei Fotos, die Niederlas-

sungsbewilligung eines (…) und die Schweizer Identitätskarte von dessen 

(…) – beides in Kopie – zu den Akten.  

E.  

Die Vorinstanz ersuchte die polnischen Behörden am 21. November 2022 

um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 

Bst. d Dublin-III-VO. Am 29. November 2022 hiessen die polnischen Be-

hörden das Gesuch gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO gut. 

F.  

Mit Verfügung vom 8. Dezember 2022 – gleichentags eröffnet – trat die 

Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete 

die Überstellung nach Polen an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte sie die 

Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen 

Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung 

zu. 

G.  

Gleichentags legte die dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertre-

tung das Mandat nieder. 

H.  

Mit Eingabe vom 14. Dezember 2022 erhob der Beschwerdeführer beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene 

Verfügung sei aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweisen, ihr Recht zum 

Selbsteintritt auszuüben und sich für das Asylverfahren als zuständig zu 

erklären. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die 

Sache zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. In prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung 

zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu ver-

zichten. Es sei als vorsorgliche Massnahme die aufschiebende Wirkung zu 

erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstel-

lung nach Polen abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die 

vorliegende Beschwerde entschieden habe.  

E-5789/2022 

Seite 4 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 105 AsylG (SR 142.31) in Verbindung mit Art. 31 VGG ist 

das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem 

Gebiet des Asyls zuständig und entscheidet in der Regel – wie auch vor-

liegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als 

offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei-

nes zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines 

Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist  

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III  

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch  

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

E-5789/2022 

Seite 5 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im 

Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet 

grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-

III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen: BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

3.3 Der Beschwerdeführer hat am 15. Februar 2022 in Polen um Asyl nach-

gesucht. Die polnischen Behörden haben der Wiederaufnahme des Be-

schwerdeführers gestützt auf Art. 18. Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zuge-

stimmt. Die grundsätzliche Zuständigkeit Polens für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens ist somit gegeben und wird vom Be-

schwerdeführer auch nicht bestritten. 

4.  

4.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-

gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-

zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden 

kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund 

der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten 

Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so 

wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied-

staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.2 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl.  

BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 

E-5789/2022 

Seite 6 

5.  

5.1 Es gibt keine wesentlichen Gründe für die Annahme, dass das Asylver-

fahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Polen systemi-

sche Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-

VO aufweisen würden. Polen ist Signatarstaat der EMRK, des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 

31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen entsprechenden völ-

kerrechtlichen Verpflichtungen nach. Ausserdem darf davon ausgegangen 

werden, dass Polen die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den 

Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben, anerkennt und schützt. Für eine Änderung der 

Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der vom Beschwerdeführer 

geltend gemachten schwierigen Lebensbedingungen für Asylsuchende in 

Polen keine Veranlassung. Insbesondere ist auf die Ausführungen zu 

Push-Backs an der polnischen Grenze und zu Verweigerung des Zugangs 

zum Asylverfahren nicht näher einzugehen, da der Beschwerdeführer von 

dieser Problematik gar nicht betroffen war. Er gab vielmehr zu Protokoll, er 

sei nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Polen gezwungen worden, 

seine Fingerabdrücke abzugeben, ansonsten er in den Irak ausgeschafft 

werde. Vor diesem Hintergrund hielt die Vorinstanz in Bezug auf die vorge-

brachte Inhaftierung zutreffend fest, der Beschwerdeführer habe sich mut-

masslich aufgrund eines illegalen Aufenthalts in Haft befunden. Auf die 

Ausführungen zu den Bedingungen in polnischen Gefängnissen ist dem-

nach nicht weiter einzugehen.  

5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, aufgrund der sich im Zusammenhang 

mit den Flüchtlingsströmen aus der Ukraine zuspitzenden Situation sei von 

einer Überlastung des polnischen Asylsystems auszugehen. 

5.3 Zurzeit sind in Polen zwar rund 1,5 Millionen ukrainische Schutzsu-

chende registriert (UNHCR, Pesel Registration by Voivodeship and Povyat, 

< https://data.unhcr.org/en/situations/ukraine/location/10781 >, abgerufen 

am 19.12.2022). Zu berücksichtigen ist aber, dass diese aufgrund des 

Durchführungsbeschlusses (EU) 2022/382 des Rates der Europäischen 

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Seite 7 

Union vom 4. März 2022 zur Feststellung des Bestehens eines Massenzu-

stroms von Vertriebenen aus der Ukraine im Sinne des Artikels 5 der Richt-

linie 2001/55/EG und zur Einführung eines vorübergehenden Schutzes 

nicht das üblicherweise vorgesehene Asylverfahren durchlaufen müssen, 

sondern in einem vereinfachten Verfahren einen europaweit gültigen vor-

übergehenden Schutz erhalten können. Des Weiteren werden die Schutz-

suchenden aus der Ukraine in Polen zu einem beachtlichen Teil in privat 

organisierten Unterkünften untergebracht, was im März 2022 dazu führte, 

dass die von lokalen polnischen Behörden eingerichteten Unterkunftszen-

tren mit einer Kapazität für circa 280 000 Menschen weitgehend unbe-

wohnt geblieben sind (UNHCR, Situation in der Ukraine: Flash-Update  

Nr. 1 vom 8. März 2022, S. 4, < https://data.unhcr.org/en/documents/de-

tails/91208 >, abgerufen am 19.12.2022). Zudem haben die zuständigen 

polnischen Behörden mit Rundschreiben vom 23. Juni 2022 den Dublin-

Staaten mitgeteilt, ab dem 1. August 2022 Dublintransfers nach Polen wie-

der anzunehmen, was auf eine Verbesserung der Situation hindeutet. Auf 

den Entscheid vom 23. Juni 2022 sind die polnischen Behörden bis heute 

nicht zurückgekommen. Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist 

folglich nicht gerechtfertigt.  

6.  

6.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob – wie beantragt – das Selbsteintrittsrecht 

nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

auszuüben ist. 

6.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz hätte seinen Gesund-

heitszustand genauer abklären müssen. Aufgrund von (…) sowie (…) 

nehme er (…). Er habe viel Stress und mache sich Sorgen um seine Zu-

kunft. Zudem sei er in Polen drei Monate in Haft gewesen und habe viel 

Gewalt erlebt. Er habe Angst, bei einer Überstellung nach Polen erneut 

inhaftiert zu werden.  

6.3 Betreffend die Furcht des Beschwerdeführers vor einer erneuten Inhaf-

tierung ist gestützt auf die Angaben der polnischen Behörden davon aus-

zugehen, dass sein Asylverfahren in Polen noch nicht abgeschlossen ist. 

Als Dublin-Rückkehrer wird er kontrolliert überstellt. Er wird sich demnach 

nicht in derselben Situation wie im Jahr 2021 befinden, als er mutmasslich 

wegen illegalem Aufenthalt in Haft war. Es ist weder zu erwarten, dass er 

nach seiner Rückkehr in Haft versetzt wird, noch, dass die ihn zu erwarten-

den Bedingungen derart schlecht sind, dass sie zu einer Verletzung von 

Art. 4 EMRK beziehungsweise Art. 3 EMRK führen könnten. Er hat kein 

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Seite 8 

konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die polnischen Behörden wür-

den sich weigern, seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhal-

tung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Bei einer allfälligen vor-

übergehenden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingun-

gen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die polnischen Behörden 

wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Auf-

nahmerichtlinie). Dies gilt auch in Bezug auf die geltend gemachte Polizei-

gewalt.  

6.4  

6.4.1 Bezüglich des Gesundheitszustands lässt sich einer Aktennotiz vom 

6. Dezember 2022 entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer am 

18. November 2022 aufgrund von (…) und (…) beim Gesundheitspersonal 

im Bundesasylzentrum (BAZ) B._______ gemeldet habe. Er habe (…) und 

ein (…) erhalten. Seither habe er sich nicht mehr beim Gesundheitsperso-

nal gemeldet. Vor diesem Hintergrund war die Vorinstanz nicht gehalten, 

weitere Abklärungen zum Gesundheitszustand zu tätigen (vgl. dazu BGE 

136 I 229 E. 5.3; 134 I 140 E. 5.3). Der Eventualantrag auf Rückweisung 

der Sache an die Vorinstanz ist abzuweisen.  

6.4.2 Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers 

sind offensichtlich nicht derart gravierend, dass gestützt auf Art. 3 EMRK 

von einer Überstellung nach Polen abgesehen werden müsste (vgl. dazu 

Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse 

Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Im Übrigen verfügt Polen über 

eine ausreichende medizinische Infrastruktur und ist verpflichtet, den An-

tragstellern die erforderliche medizinische Versorgung zugänglich zu ma-

chen (vgl. Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, 

wonach Polen dem Beschwerdeführer eine adäquate Behandlung verwei-

gern würde. Anzufügen ist, dass die Vorinstanz zutreffend festhielt, der Be-

schwerdeführer könne aus der Anwesenheit in der Schweiz lebender Ver-

wandter nichts zu seinen Gunsten ableiten. 

7.  

Die Vorinstanz hat das Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Dublin-III-VO so-

wie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die Schweiz 

völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch hat die 

Vorinstanz im Sinne einer Ermessensunterschreitung humanitäre Gründe 

verkannt. 

E-5789/2022 

Seite 9 

8.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerde-

führers nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach Polen angeordnet.  

9.  

Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorlie-

genden Urteil erweisen sich die Anträge auf Gewährung der aufschieben-

den Wirkung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als 

gegenstandslos. 

10.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu-

weisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen 

ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Die 

Verfahrenskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-5789/2022 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin 

 

 

Versand: