# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4a98a9d9-33f4-5687-b0d7-bbc1e9ded7db
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-12-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.12.2012 D-5767/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5767-2012_2012-12-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-5767/2012 

law/bah 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  D e z e m b e r  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Fulvio Haefeli, 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), 

Serbien,  

(…),   

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 30. Juni 2009 / N (…). 

 

 

D-5767/2012 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführenden, ethnische Roma mit letztem Wohnsitz in 

F._______ (Gemeinde G._______/Vojvodina), verliessen Serbien zu-

sammen mit ihrem Ehemann bzw. Vater, H._______ (…), eigenen Anga-

ben gemäss am 1. August 2008 und gelangten am folgenden Tag in die 

Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. 

A.b  

A.b.a Anlässlich der Erstbefragung vom 26. August 2008 im Transitzent-

rum Altstätten führte die Beschwerdeführerin aus, sie habe Serbien ver-

lassen wollen, weil sich ihr Mann und ihre Kinder in Lebensgefahr befun-

den hätten. Sie hätten am Silvester 2007 und am 6. Januar 2008 Proble-

me gehabt. Sie habe einen Knall gehört und dann I._______ gesehen, 

der zu ihr gekommen sei und gesagt habe, er werde ihre Familie vernich-

ten. Danach habe sie gesehen, wie er ihr Auto demoliert habe, was den 

Knall verursacht habe. Er habe nach ihrem Mann gefragt und ihre Mutter 

beleidigt. Als Nachbarn hinzu gekommen seien, sei I._______ gegangen. 

Sie habe ihren Mann angerufen und ihm gesagt, I._______ wolle ihn um-

bringen. Ihr Mann sei zusammen mit seinem Bruder und seinem Onkel 

nach Hause gekommen und bald wieder gegangen. Kurz danach sei 

I._______ mit seinem Sohn zurückgekommen. Eine Nachbarin habe die 

beiden weggeschickt. Letzten Silvester sei ein Nachbar namens 

J._______ zu ihnen gekommen, der gesagt habe, er werde ihr Haus in 

die Luft jagen. Der Sohn von I._______ habe ihrem Sohn gedroht, Skin-

heads zu organisieren, die ihn umbringen würden. Sie hätten sich mehr-

mals an die Behörden gewandt und um Hilfe ersucht, diese hätten aber 

nichts für sie getan. 

A.b.b B._______ sagte bei der Befragung im Transitzentrum Altstätten 

aus, er sei mehrmals geschlagen worden und man habe ihm sein Geld 

abgenommen. In der Schule sei er schikaniert worden und man habe ihn 

mit Pferden verfolgt und versucht, ihn zu schlagen. Sie seien zu ihm nach 

Hause gekommen und hätten gedroht, die Familie umzubringen. Seine 

Mutter sei einmal in die Schule gegangen, um sich zu beschweren, was 

aber nichts gebracht habe. 

A.c  

A.c.a Anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen beim BFM vom 

3. Dezember 2008 ergänzte und präzisierte die Beschwerdeführerin ihre 

Angaben und machte geltend, ihre Kinder seien sehr oft misshandelt und 

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ihr Ehemann sei einige Male angegriffen worden. Am 6. Januar 2008 sei 

I._______ zu ihr nach Hause gekommen und habe sie geschlagen, da sie 

nicht habe sagen können, wo sich ihr Ehemann gerade befinde. Drei 

Nachbarn seien ihr zu Hilfe geeilt. Sie habe ihren Mann angerufen, der 

mit seinem Bruder und seinem Onkel gekommen sei. Nachdem diese bei 

der Polizei hätten Anzeige erstatten wollen, sei I._______ mit seinem 

Sohn zurückgekommen. Der Hund des Nachbarn habe diese aus dem 

Hof gejagt und eine Nachbarin habe ihnen gesagt, es sei niemand zu 

Hause. Ihr Sohn B._______ sei die letzten drei Wochen nicht zur Schule 

gegangen, weil I._______ und sein Sohn eine Gruppe von Skinheads or-

ganisiert hätten, die ihn hätten umbringen sollen. Aufgrund all dieser Er-

eignisse sei sie kurz vor einem erneuten Nervenzusammenbruch gestan-

den und habe insistiert, dass sie Serbien verlassen müssten. Da ihr Vater 

schwer erkrankt sei – er sei am 13. Mai 2008 an Krebs verstorben – habe 

sich die Ausreise verzögert. Drei Tage vor ihrer Ausreise habe ihr Ehe-

mann ein weiteres Mal eine Auseinandersetzung mit I._______ gehabt. 

A.c.b B._______ erklärte bei der Anhörung zu den Asylgründen, er möch-

te vor allem deshalb in der Schweiz bleiben, damit sein Vater und er nicht 

umgebracht würden. Sie beide seien viele Male gesucht und geschlagen 

worden. Er habe während seiner achtjährigen Schulzeit immer Probleme 

gehabt. Nach Abschluss der Schule habe er einen sechsmonatigen Kurs 

besucht. Er habe sich immer gefürchtet, weil er nicht gewusst habe, wo 

man auf ihn warte. Die Lehrer hätten gesagt, seine Probleme gingen sie 

nichts an, und in der Grundschule sei er von Lehrern getreten worden. Er 

habe gehört, dass die I._______s Skinheads organisiert hätten, die ihn 

und seinen Vater hätten umbringen sollen. Deshalb sei er von seinem Va-

ter oder seinem Onkel zum Kurs gefahren worden. Als die Lehrer erfah-

ren hätten, was geschehen sei, hätten sie gesagt, er könne sich auf die 

Prüfungen auch zu Hause vorbereiten. Er habe zudem schon seit länge-

rer Zeit gesundheitliche Probleme. 

B.  

Mit Verfügung vom 30. Juni 2009 – eröffnet am 2. Juli 2009 – stellte das 

BFM fest, die Beschwerdeführerin und ihre Angehörigen würden die 

Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und lehnte ihre Asylgesuche ab. 

Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 

den Vollzug der Wegweisung an. 

C.  

Mit Eingabe vom 24. Juli 2009 erhoben die Beschwerdeführerin und ihr 

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Ehemann H._______ für sich und ihre Kinder beim Bundesverwaltungs-

gericht Beschwerde gegen diesen Entscheid und beantragten, die Verfü-

gung des BFM sei aufzuheben und es sei ihnen Asyl zu erteilen, eventua-

liter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, 

subeventualiter sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzuläs-

sig und unzumutbar sei und ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie zudem, es sei die un-

entgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten. Der Beschwerde lagen unter anderem ein 

ärztliches Zeugnis von Dr. med. K._______ vom 2. Juli 2009 betreffend 

die Beschwerdeführerin L._______ und eine von ihr am 24. Juli 2009 

ausgestellte Erklärung über die Entbindung der behandelnden Ärzte von 

der Schweigepflicht, sowie – den Sohn C._______ betreffend – ein Arzt-

bericht des M._______ vom 12. Juni 2009, ein Bericht desselben Spitals 

vom 3. Februar 2009 über eine gleichentags durchgeführte ambulante 

Behandlung, ein provisorischer Austrittsbericht des M._______ vom 

27. Februar 2009 sowie eine undatierte, von den Eltern unterzeichnete 

Erklärung über die Entbindung der Ärzte von der Schweigepflicht bei (vgl. 

S. 5 der Beschwerde). 

D.  

D.a Mit Verfügung vom 29. Juli 2009 hiess der Instruktionsrichter das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 

Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-

tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) gut, unter der Voraussetzung, dass 

innerhalb angesetzter Frist eine Fürsorgebestätigung nachgereicht wer-

de. 

D.b Am 31. Juli 2009 wurde dem Bundesverwaltungsgericht Bestätigun-

gen betreffend die Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführerin und ih-

rer Angehörigen eingereicht. 

E.  

E.a Mit Verfügung vom 2. September 2009 übermittelte der Instruktions-

richter die Akten dem BFM zur Vernehmlassung. 

E.b Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 4. September 

2009 die Abweisung der Beschwerde. 

E.c In der Stellungnahme vom 21. September 2009 hielten die Be-

schwerdeführerin und ihr Ehemann an ihren Anträgen fest. Gleichzeitig 

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reichten sie heimatliche Unterlagen den Sohn B._______ sowie die Be-

schwerdeführerin betreffend (Beilagen 1-6), 20 Unterschriftenbögen, wor-

in sich die unterzeichnenden Personen für einen Verbleib der Familie in 

der Schweiz aussprechen und bestätigen, dass diese sich im Dorfleben 

sehr gut integriert habe (Beilage 7), sowie ein Referenzschreiben von 

N._______ (Beilage 8) zu den Akten. 

F.  

Die Beschwerdeführerin teilte dem Bundesverwaltungsgericht am 1. März 

2010 mit, sie habe sich von ihrem Ehemann aufgrund dessen Gewalttä-

tigkeit getrennt; dieser sei einer anderen Unterkunft zugewiesen worden. 

Sie bat um eine Trennung der Beschwerdeverfahren. Des Weiteren wies 

sie darauf hin, dass ihr Sohn C._______ an beiden Knien Probleme habe 

und operiert werden müsse. Ihre Söhne B._______ und D._______ wür-

den psychologisch betreut, B._______ habe Medikamente erhalten, die 

er im Fall einer Angstattacke einnehmen könne. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden 

nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-

gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, 

SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 

17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwal-

tungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-

se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

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(Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 

Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

1.3 Da die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann H._______ sich im Feb-

ruar 2010 getrennt haben und offenbar bis heute voneinander getrennt 

leben, ist dem Antrag der Beschwerdeführerin, das Beschwerdeverfahren 

sei getrennt weiterzuführen, zu entsprechen. Dementsprechend ist über 

die Beschwerde der Beschwerdeführerin und der Kinder in einem separa-

ten, von jenem des Ehemannes und Vaters (…) getrennten Urteil zu be-

finden.  

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des 

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist 

Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, die Lage der 

Minderheiten in Serbien habe sich im Zuge des demokratischen Wandels 

entspannt. Am 25. Februar 2002 sei das Bundesgesetz zum Schutz und 

zur Freiheit der nationalen Minderheiten in Kraft getreten; die Roma seien 

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als nationale Minderheit anerkannt worden. Vereinzelte Übergriffe durch 

Drittpersonen auf Roma könnten nicht ausgeschlossen werden, solchen 

Verfolgungsmassnahmen käme in der Regel keine asylrelevante Intensi-

tät zu. Der Staat billige und unterstütze Übergriffe nicht. Die im Sachver-

halt dargelegten Vorfälle stellten auch in Serbien Straftatbestände dar, die 

verfolgt würden. Es könne zwar vorkommen, dass einzelne Behördenver-

treter in niederen Chargen die notwendigen Untersuchungsmassnahmen 

nicht einleiteten, es bestehe aber die Möglichkeit, gegen fehlbare Beamte 

auf dem Rechtsweg vorzugehen. Der serbische Staat sei bestrebt, Ver-

fehlungen von Beamten zu ahnden. Vor dem Hintergrund der Aussagen 

der Beschwerdeführenden sei von einem grundsätzlichen Schutzwillen 

der serbischen Behörden auszugehen. Es sei denkbar, dass die Polizei 

nach der von ihnen erstatteten Anzeige die notwendigen Untersu-

chungsmassnahmen nicht eingeleitet habe, es wäre ihnen jedoch zuzu-

muten gewesen, sich nach dem Stand des Verfahrens zu erkundigen und 

allenfalls bei höheren Instanzen die ihnen zustehenden Rechte einzufor-

dern. Vorliegend seien die geltend gemachten Übergriffe asylrechtlich 

nicht relevant. Zudem seien gemäss dem Subsidiaritätsprinzip Personen 

mit einer innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf den Schutz eines 

Drittstaats angewiesen. Bei den geschilderten Übergriffen handle es sich 

um Nachteile, die sich aus lokal oder regional beschränkten Verfol-

gungsmassnahmen ableiten würden. Die Beschwerdeführenden hätten 

sich diesen durch Wegzug in einen anderen Teil der Vojvodina entziehen 

können und seien nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen. 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Polizei habe kein Straf-

verfahren gegen den Angreifer eingeleitet, obwohl der Ehemann bzw. Va-

ter der Beschwerdeführenden diesen angezeigt habe. Der Angreifer habe 

die Beschwerdeführenden immer wieder misshandeln und ihr Eigentum 

zerstören können, ohne verhaftet oder vor Gericht gebracht zu werden. 

Die serbische Polizei interessiere sich nicht für die Probleme der Roma. 

Von den einen Serben würden sie geschlagen, von den anderen gemie-

den. Es hätte nichts gebracht, wenn sie sich nach dem Verfahrensstand 

erkundigt oder an eine höhere Instanz gewandt hätten. Sie wären auch 

von höheren Instanzen nicht angehört worden. Es bestehe auf weiter 

Ebene Einigkeit, dass es das Beste sei, wenn die Roma aus Serbien ver-

schwänden. Es habe gegen sie nicht ein einzelner Übergriff stattgefun-

den, sondern eine ständige Belästigung und Unterdrückung. Dies habe 

zu einem unsäglichen Druck geführt, der sie krank gemacht habe. 

D._______ habe nicht mehr zur Schule gehen wollen und die Beschwer-

deführerin habe starke Kopfschmerzen, leide unter Depressionen und 

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Seite 8 

Psoriasis. Die Situation habe sich nach der Unabhängigkeitserklärung 

des Kosovos verschlechtert und sie befürchteten, Oper von schweren 

Übergriffen zu werden. Sie hätten zuerst auch gedacht, ein Wegzug aus 

ihrem Dorf wäre von Vorteil und seien nach G._______ gezogen. Der An-

greifer habe sie aber auch dort gefunden, da die Vojvodina nicht so gross 

sei, dass man sich verstecken könne. Sie würden nach einer Rückkehr 

wieder schikaniert und diskriminiert. Da sie ernsthaft verletzt oder getötet 

werden könnten, sei ihr Leben in Gefahr. 

5.  

5.1 Die Vorinstanz hat die Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwer-

deführenden nicht in Zweifel gezogen. Auch das Bundesverwaltungsge-

richt erachtet die im Wesentlichen übereinstimmenden und detaillierten 

Aussagen der Beschwerdeführenden als glaubhaft. Zu prüfen bleibt so-

mit, ob diese Vorbringen asylrechtlich relevant sind. 

5.2 Nach Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte 

Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche 

im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müs-

sen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfol-

gungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Nach neuerer Recht-

sprechung kann eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG von 

staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Danach ist nicht-

staatliche Verfolgung als Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes zu erach-

ten, wenn der Staat unfähig oder nicht willens ist, Schutz vor besagter 

Verfolgung zu bieten. Es ist dabei nicht eine faktische Garantie für lang-

fristigen individuellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedroh-

ten Person zu verlangen, weil es keinem Staat gelingen kann, die absolu-

te Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu ga-

rantieren. Erforderlich ist aber, dass eine funktionierende und effiziente 

Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie an polizeili-

che Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts- und Justizsy-

stem zu denken ist, welche eine effektive Strafverfolgung ermöglichen. 

Die Inanspruchnahme dieses Schutzsystems muss der betroffenen Per-

son zudem objektiv zugänglich und individuell zumutbar sein, was jeweils 

im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter Berücksichtigung des länderspe-

zifischen Kontexts zu beurteilen ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.1-7.4 

S. 1017 f.; BVGE 2008/12 E. 5 S. 154 f. mit weiteren Hinweisen). 

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Seite 9 

5.3 Im Zuge des demokratischen Wandels hat sich die Situation der eth-

nischen Minderheiten in Serbien entspannt. Am 25. Februar 2002 trat das 

Bundesgesetz zum Schutz und zur Freiheit der nationalen Minderheiten, 

welches auch für die anerkannte Minderheit der Roma Geltung bean-

sprucht, in Kraft. Nach einer Gewalteskalation in den Jahren 2003 und 

2004 intervenierten verschiedene internationale Organisationen. Im Jahr 

2005 wurde ein 10-Punkte-Plan zwischen den serbischen Behörden und 

den Behörden der Vojvodina verabschiedet, welcher die Verbesserung 

der ethnischen Beziehungen zum Ziel hat. Im gleichen Jahr trat die serbi-

sche Regierung der "Decade of Roma Inclusion", einer internationalen 

Initiative, welche sowohl Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen 

als auch die Roma-Zivilbevölkerung zusammenbringt, um die Entwicklung 

im Zusammenhang mit der Verbesserung des Wohlergehens der Roma 

zu fördern und die diesbezüglichen Fortschritte zu überwachen und 

transparent zu machen, bei. Diese Initiative konzentriert sich schwerge-

wichtig auf die Bereiche Ausbildung, Arbeit, Gesundheit und Wohnen und 

verpflichtet die Staaten, andere Kernaspekte der Armut, Diskriminierung 

und Geschlechtergleichstellung zu berücksichtigen. Serbien verabschie-

dete in diesem Zusammenhang vier nationale Aktionsprogramme, welche 

sich auf die Bereiche Wohnen, Gesundheit, Ausbildung und Arbeit bezie-

hen. Es bestehen Bemühungen, gegen diskriminierendes Verhalten ge-

genüber Roma vorzugehen; unter anderem wurde angestrebt, Roma als 

Polizeiangestellte anzustellen und den Dialog zwischen Polizei und Ro-

magemeinschaften zu fördern (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

E-3741/2009 vom 30. November 2011 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen). 

5.4 In den letzten Jahren konnten weitere Verbesserungen im Minderhei-

tenschutz verzeichnet werden. So wurde beispielsweise am 

26. März 2009 ein Anti-Diskriminierungsgesetz verabschiedet. Am 

31. August 2009 folgte das Gesetz über nationale Minderheitsräte, wel-

ches den Minderheiten grosse Autonomie in den Bereichen Sprache, Bil-

dung und Kultur gewährt, und am 6. Juni 2010 wurden die ersten Wahlen 

für diese Räte durchgeführt. Die inter-ethnische Situation in der Vojvodi-

na, wo die Beschwerdeführenden herkommen, hat sich weiter verbessert 

und es konnte ein Rückgang inter-ethnischer Vorfälle verzeichnet werden. 

Vereinzelte Übergriffe durch Drittpersonen gegen Roma können weiterhin 

nicht ausgeschlossen werden. Der serbische Staat billigt oder unterstützt 

solche Übergriffe jedoch nicht, sondern erweist sich grundsätzlich als 

schutzwillig und schutzfähig und verfolgt die Vorfälle strafrechtlich. So 

konnten in Bezug auf polizeiliche Untersuchungen bei inter-ethnischen 

Vorfällen Verbesserungen verzeichnet werden. Trotz politischer Sensibili-

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sierung in diesem Bereich und Massnahmen zur Stärkung der Effizienz 

der Polizeiarbeit, kann es vorkommen, dass hierarchisch untergeordnete 

Behörden bei einer Anzeige die notwendigen Untersuchungsmassnah-

men nicht einleiten. In solchen Fällen besteht jedoch die Möglichkeit, ge-

gen fehlbare Beamte auf dem Rechtsweg vorzugehen. Wenn auch eine 

klare Ahndung von ethnisch motivierter Gewalt auf gerichtlicher Ebene 

weiterhin nur zögerlich voranzugehen scheint, wurden vereinzelte Über-

griffe gegen Minderheiten gerichtlich verfolgt (vgl. EUROPEAN ROMA 

RIGHTS CENTRE [ERRC], Parallel submission by the European Roma 

Rights Centre to the Committee On The Elimination Of All Forms Of 

Racial Discrimination on Serbia for its consideration at the 78th Session 

14 February to 11 March 2011, Januar 2011; EUROPEAN COMMISSION, 

Serbia 2010 Progress Report, 9. November 2010; HUMAN RIGHTS WATCH, 

World Report 2011, Januar 2011; US DEPARTMENT OF STATE, Country Re-

port on Human Rights Practices 2009, 11. März 2010; Urteile des Bun-

desverwaltungsgerichts D-2765/2012 vom 14. August 2012 E. 4.2,         

D-7920/2009 vom 7. Mai 2012 E. 6.3 und E-3741/2009 vom 

30. November 2011 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen).  

5.5 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht kann nach dem 

Gesagten nicht davon ausgegangen werden, dass es nichts gebracht hät-

te, sich an eine obere Instanz zu wenden, um die geltend gemachte Untä-

tigkeit der lokalen Polizei zu rügen. Ihre Ansicht, der angezeigte Sachver-

halt sei nicht richtig untersucht worden, hätten die Beschwerdeführenden 

– bevor sie um subsidiären internationalen Schutz ersucht haben – bei 

den höheren Instanzen in Serbien geltend machen müssen. Sie sind so-

mit nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen. Das BFM hat dem-

nach ihre Vorbringen zu Recht als asylrechtlich nicht relevant qualifiziert. 

5.6 Trotz der Bemühungen der Behörden zur Förderung der Gleichbe-

handlung, werden Roma in Serbien nach wie vor Opfer verschiedener 

Diskriminierungen, namentlich in den Bereichen Bildung, Arbeit, Wohnen 

und Gesundheit, welche sie in eine prekäre Situation versetzen. Allein mit 

der Zugehörigkeit zur serbischen Minderheit der Roma und den in diesem 

Zusammenhang geltend gemachten widrigen Lebensumständen wird 

aber noch keine individuelle Betroffenheit im Sinne der asylrechtlichen 

Bestimmungen dargelegt. 

5.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden 

nicht darzutun vermochten, dass sie einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 

AsylG ausgesetzt waren oder begründete Furcht haben, einer solchen 

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Seite 11 

ausgesetzt zu werden. Sie können daher nicht als Flüchtlinge anerkannt 

werden. Die Vorinstanz hat ihre Asylgesuche demnach zu Recht abge-

lehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der 

Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht-

liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. 

BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502, Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-

ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 

16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, 

SR 142.20]). 

Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-

mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht-

lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Be-

weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ueber-

sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, 

Rz. 11.148). 

7.2  

7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in 

den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 

Abs. 3 AuG). 

7.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-

nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr 

läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 

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Seite 12 

Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-

genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 

1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, 

SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 

darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement 

nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den 

Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche 

Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden 

Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der 

Beschwerdeführenden nach Serbien ist demnach unter dem Aspekt von 

Art. 5 AsylG rechtmässig. 

7.2.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-

renden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei-

ner Ausschaffung nach Serbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") 

nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie-

bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR 

[Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Be-

schwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist 

ihnen unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen zum Asylpunkt, 

gemäss denen sie sich an die grundsätzlich schutzbereiten serbischen 

Sicherheitsbehörden wenden können, sollten sie von Privatpersonen be-

droht oder behelligt werden, nicht gelungen. Auch die allgemeine Men-

schenrechtssituation in Serbien lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-

tigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem 

Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als 

auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

D-5767/2012 

Seite 13 

7.3  

7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insbe-

sondere dann nicht zumutbar, die ausländische Person bei einer Rück-

kehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. 

Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewendet, 

das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher 

Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigenschaft noch 

jene des völkerrechtlichen Non-Refoulement-Prinzips erfüllen, jedoch 

wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner 

Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren fin-

det sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr eben-

falls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut not-

wendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus ob-

jektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser 

Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, 

dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. 

BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f.). Wird eine konkrete Gefährdung festge-

stellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Auf-

nahme zu gewähren. 

7.3.2 Die allgemeine Lage in Serbien lässt nicht auf eine konkrete Ge-

fährdung der Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr schliessen. 

Zwar werden Angehörige der Roma – wie erwähnt – beim Zugang zu Bil-

dung, Arbeit, Wohnen und Gesundheit diskriminiert. Diese Diskriminierun-

gen erreichen indessen nicht ein Ausmass, das den Vollzug der Wegwei-

sung allgemein als unzumutbar erscheinen liesse. Auch sprechen keine 

individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit einer Rückkehr. In Serbien 

leben mehrere Verwandte der Beschwerdeführenden (vgl. A2/11 S. 3), die 

ihnen bei der Reintegration zumindest anfänglich behilflich sein können. 

Die Beschwerdeführerin hat die Grundschulausbildung absolviert und 

kümmerte sich vor allem um Haus und Kinder, arbeitete aber gelegentlich 

auch als Putzfrau und in der Landwirtschaft. Es dürfte ihr somit, wenn 

auch in bescheidenem Ausmass, möglich sein, einen Beitrag an den Le-

bensunterhalt der Familie zu leisten. Der mittlerweile volljährige Sohn 

B._______ schloss im Jahr 2007 die Grundschule ab und absolvierte ei-

nen Kurs für Coiffeure. Er hat in der Schweiz mittlerweile eine Arbeitsstel-

le gefunden und eine eigene Wohnung bezogen, womit er Selbständigkeit 

bewiesen hat und von seinen Eltern wirtschaftlich unabhängig geworden 

ist. Er verfügt somit über die nötigen Voraussetzungen, sich auch in sei-

nem Heimatland zu behaupten.  

D-5767/2012 

Seite 14 

7.3.3  

7.3.3.1 Aus den angeführten und durch medizinische Unterlagen belegten 

gesundheitlichen Problemen der Beschwerdeführenden ergeben sich so-

dann keine Anhaltspunkte, die auf eine medizinischen Notlage im Hei-

matstaat im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG schliessen liessen.  

7.3.3.2 Den im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens eingereichten 

ärztlichen Berichten aus Serbien ist zu entnehmen, dass B._______ unter 

Schwindelanfällen, Krämpfen, Unwohlsein und Sehstörungen litt. Er 

musste wegen epileptischen Anfällen hospitalisiert werden und wurde 

auch psychotherapeutisch behandelt. Einerseits scheint sich sein Ge-

sundheitszustand stabilisiert zu haben, da die Beschwerdeführenden im 

Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht keine aktuellen Arztzeugnisse einge-

reicht haben, anderseits kann den zahlreichen ärztlichen Berichten, die 

aus den Jahren 2002 bis 2007 stammen, entnommen werden, dass er in 

Serbien mehrmals und aufgrund verschiedener Leiden behandelt wurde. 

Sollte er weitere ärztliche bzw. psychotherapeutische Behandlung benöti-

gen, kann diese in Serbien in ausreichendem Mass gewährt werden. 

7.3.3.3 C._______ war vom 25. bis 27. Februar 2009 im M._______ 

hospitalisiert (vgl. den provisorischen Austrittsbericht vom 27. Februar 

2009). Er erlitt einen Unfall, bei dem er sich am Knie verletzte. Dem ärzt-

lichen Bericht desselben Spitals vom 12. Juni 2009 ist zu entnehmen, 

dass aufgrund des noch nicht abgeschlossenen Wachstums von einem 

operativen Eingriff abgeraten wurde. C._______ wurden eine stabile 

Beinschiene und Physiotherapie verordnet. Weitere Kontrollen wurden 

nicht geplant. Aufgrund der Akten besteht somit keinerlei Veranlassung 

zur Annahme, C._______ sei heute noch auf eine ärztliche bzw. thera-

peutische Behandlung angewiesen, die ihm in Serbien nicht gewährt 

werden könnte.  

7.3.3.4 Die Beschwerdeführerin machte in ihrem Schreiben vom 1. März 

2010 ferner geltend, ihr Sohn D._______ sei von der Lehrerin zum 

Schulpsychologen geschickt worden, weil er sich nicht konzentrieren 

könne und abwesend wirke. Es habe sich herausgestellt, dass er normal 

intelligent sei, aber eine Psychotherapie benötige. Sollte D._______ heu-

te noch auf eine psychotherapeutische Behandlung angewiesen sein, 

kann er diese auch in Serbien in Anspruch nehmen. 

7.3.3.5 Die Beschwerdeführerin selbst litt gemäss einem ärztlichen Zeug-

nis von Dr. med. K._______ vom 2. Juli 2009 an einer depressiven Epi-

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Seite 15 

sode, Psoriasis und Anpassungsstörungen. Es besteht kein Grund zur 

Annahme, dass der Beschwerdeführerin, die gemäss ihren Angaben und 

denjenigen ihres Ehemannes in Serbien mehrfach medizinisch behandelt 

wurde, die notwendige ärztliche Betreuung in der Heimat nicht erhalten 

könnte. 

7.3.3.6 Ergänzend festzuhalten bleibt, dass serbische Staatsangehörige – 

falls sie nicht in einem Arbeitsverhältnis stehen – grundsätzlich kostenlo-

sen Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten, wenngleich gewisse 

Leistungen selbst beglichen werden müssen. Schliesslich besteht, wenn 

auch zeitlich begrenzt, die Möglichkeit, medizinische Rückkehrhilfe 

(Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 

1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]) in Anspruch zu 

nehmen. Es ist demnach nicht davon auszugehen, der Vollzug der Weg-

weisung nach Serbien würde mangels ausreichender medizinischer Be-

handlungsmöglichkeiten eine drastische und lebensbedrohende Ver-

schlechterung des Gesundheitszustandes eines der Beschwerdeführen-

den nach sich ziehen. 

7.3.4 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so 

bildet bei der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichtspunkt 

von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völker-

rechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 

Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte 

des Kindes (KRK, SR 0.107). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, 

dass unter dem Aspekt des Kindeswohls sämtliche Umstände einzube-

ziehen und zu würdigen sind, die im Hinblick auf einen Wegweisungsvoll-

zug wesentlich erscheinen. Der Persönlichkeit des Kindes und seinen 

Lebensumständen ist umfassend Rechnung zu tragen. Dabei können bei 

dieser gesamtheitlichen Beurteilung namentlich folgende Kriterien von 

Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Trag-

fähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen 

(insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und 

Prognose bezüglich Entwicklung und Ausbildung, sowie der Grad der er-

folgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. 

BVGE 2009/51 E. 5.6 S. 749, BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 267 f.). 

Die minderjährigen Kinder der Beschwerdeführerin sind 7, 13 und 17 Jah-

re alt. Sie wurden in Serbien geboren und wuchsen in der Vojvodina auf. 

Die beiden jüngeren Kinder sind in einem noch stark von der Familie ge-

prägten Alter; sie dürften sich nach ihrem vierjährigen Aufenthalt zwar in 

D-5767/2012 

Seite 16 

die schweizerischen Gegebenheiten eingelebt haben (was einem der 

Stellungnahme vom 21. September 2009 beigelegten Referenzschreiben 

von N._______ und 20 Unterschriftenbögen zu entnehmen ist), es ist 

aber nicht von einer derartigen Verwurzelung auszugehen, die eine 

Rückkehr ins europäische Heimatland als unzumutbar erscheinen liesse, 

zumal davon auszugehen ist, sie könnten sich wieder ins serbische 

Schulsystem einfügen. Auch beim ältesten noch minderjährigen Sohn, 

der seine Kindheit in Serbien und einen Teil der Jugend in der Schweiz 

lebte, ist nicht von einer derartigen Prägung durch die Schweiz und einer 

Verwurzelung auszugehen, die ihm eine Rückkehr nach Serbien objektiv 

verunmöglichen würde.  

7.3.5 Nach dem Gesagten ist – trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage 

in Serbien, insbesondere für Angehörige der Ethnie der Roma, der gel-

tend gemachten gesundheitlichen Beschwerden und der mittlerweile über 

vierjährigen Aufenthaltsdauer der Familie in der Schweiz – nicht davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführenden in eine existenzgefährden-

de Lage geraten werden. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit 

nicht als unzumutbar. 

7.4 Ergänzend festzuhalten bleibt, dass auch die nunmehr über vierjähri-

ge Anwesenheit der Beschwerdeführenden in der Schweiz keine andere 

Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zulässt. Hinge-

gen kann der Kanton mit Zustimmung des Bundesamtes einer ihm nach 

Gesetz zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn 

wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönli-

cher Härtefall vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG). Es bleibt mithin dem 

Kanton O._______ überlassen, ob er im Rahmen von Art. 14 Abs. 2 Bst. c 

AsylG dem Umstand Rechnung tragen will, dass die auf den eingereich-

ten 20 Unterschriftenbögen unterzeichnenden Personen bzw. N._______ 

der Familie des Beschwerdeführers bescheinigen, sich im Dorfleben sehr 

gut integriert zu haben. 

7.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zu-

ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi-

gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu 

auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Weg-

weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

7.6 Zusammenfassend folgt, dass die Vorinstanz den Wegweisungsvoll-

zug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat. Die An-

D-5767/2012 

Seite 17 

ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher nicht in Betracht (Art. 83 

Abs. 1 – 4 AuG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Ergän-

zend zu präzisieren bleibt, dass mangels einer diesbezüglichen Begrün-

dung in der Beschwerde auch nicht ersichtlich ist, inwiefern vorliegend 

Anlass bestehen soll, die Sache – entsprechend dem dahingehenden 

Eventualantrag – zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit 

Zwischenverfügung vom 29. Juli 2009 unter der Voraussetzung des 

Nachreichens einer Bestätigung ihrer Fürsorgeabhängigkeit die unent-

geltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und 

sie am 31. Juli 2009 eine solche nachreichten, sind ihnen keine Verfah-

renskosten aufzuerlegen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler 

 

 

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