# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71f2e0a0-3123-59d6-beb2-1bb068909374
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.05.2024 A-4475/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-4475-2022_2024-05-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung I 

A-4475/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Jürg Marcel Tiefenthal (Vorsitz), 

Richter Alexander Misic, Richter Jérôme Candrian,    

Gerichtsschreiber Tobias Grasdorf. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

vertreten durch  

Martin Farner, Rechtsanwalt,  

Farner Wagner Eichin,  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Bundesamt für Justiz BJ,  

Bundesrain 20, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Auflösung des Arbeitsverhältnisses; fristlose Entlassung. 

 

 

 

A-4475/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A._______ (Beschwerdeführerin) arbeitete ab dem […] als Juristin für 

das Bundesamt für Justiz (BJ, Vorinstanz) […]. […]  

A.b Im Juni 2022 war die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Arbeitstä-

tigkeit in die Bearbeitung von zwei Akteneinsichtsgesuchen nach dem Öf-

fentlichkeitsgesetz involviert. Am 27. Juni 2022 empfahl sie ihrem Vorge-

setzten, bei der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 

(KESB) eine Gefährdungsmeldung zu machen, da die Gesuchstellerin und 

ihre Tochter hilfsbedürftig im Sinne des ZGB seien. Am 30. Juni 2022 teilte 

ihr Vorgesetzter mit, die Frage sei vor einiger Zeit bereits geprüft worden 

und man habe sich gegen eine Meldung entschieden. Die Beschwerdefüh-

rerin drückte daraufhin ihr Unverständnis über diesen Entscheid und über 

die zwei Personen aus, die ihn getroffen hatten (ihr Vorgesetzter und die 

Informationschefin). 

A.c Am Wochenende vom 2./3. Juli 2022 schickte die Beschwerdeführerin 

ihrem Vorgesetzten mehrere Whatsapp-Nachrichten. In einem Telefonge-

spräch mit ihrem Vorgesetzten am Sonntag 3. Juli 2022 führte sie aus, die 

Sache lasse sie nicht los und sie sei nach wie vor der Meinung, es müsse 

bei der KESB eine Gefährdungsmeldung gemacht werden. Sie teilte ihrem 

Vorgesetzten mit, dass sie aufgrund eines Gesprächs mit einer ehemaligen 

Arbeitnehmerin des BJ der Meinung sei, der Direktor des BJ sei ein Nar-

zisst und habe mehrere Leute, die ihm nicht passten, entfernen lassen. Sie 

brauche eine Auszeit von einer Woche, um die Vorkommnisse zu verarbei-

ten. In den darauffolgenden Tagen schickte die Beschwerdeführerin 

E-Mails an mehrere Personen innerhalb und ausserhalb des BJ, in denen 

sie dem Direktor des BJ Korruption, Machtmissbrauch, Filz, Günstlingswirt-

schaft und Rechtsverletzungen vorwarf.  

A.d Der Vorgesetzte der Beschwerdeführerin und der zuständige Vizedi-

rektor des BJ versuchten in den folgenden Tagen erfolglos, mit der Be-

schwerdeführerin einen Termin für ein Gespräch zu vereinbaren. Am 7. Juli 

2022 teilte ihr der Vizedirektor mit, sie sei für die kommenden Tage freige-

stellt. Er lud sie erneut zu einem Gespräch ein und forderte sie auf, weitere 

Kommunikation mit externen Personen zu unterlassen. Die Beschwerde-

führerin teilte daraufhin mit, sie sei an Covid erkrankt und werde sich mel-

den, wenn sie wieder gesund sei. 

A-4475/2022 

Seite 3 

B.  

B.a Am 12. Juli 2022 stellte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin einen 

Entwurf der angefochtenen Verfügung zu und gewährte ihr das rechtliche 

Gehör dazu.  

B.b Nach mehreren Fristverlängerungen reichte die Beschwerdeführerin 

am 3. August 2022 eine Stellungnahme ein. 

B.c Mit Verfügung vom 12. August 2022 löste die Vorinstanz das Arbeits-

verhältnis mit der Beschwerdeführerin fristlos und per sofort auf.  

C.  

C.a Am 21. September 2022 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung der Vorinstanz. 

Sie beantragt, die Vorinstanz sei erstens zu verpflichten, ihr Fr. 53'733.95 

brutto zu bezahlen, nebst Zins zu 5 % ab 22. August 2022. Dabei handle 

es sich um Lohnanspruch bis Ende März 2023. Zweitens sei die Vorinstanz 

zu verpflichten, ihr Fr. 45'094.88 netto zu bezahlen, nebst Zins zu 5 % ab 

22. August 2022. Diese Summe ergebe sich als Entschädigungsanspruch 

in der Höhe von sechs Monatslöhnen nach Art. 34b Abs. 1 Bst. a des Bun-

despersonalgesetzes vom 24. März 2000 (BPG, SR 172.220.1). 

C.b In ihrer Vernehmlassung vom 14. November 2022 beantragt die Vor-

instanz, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten beziehungsweise diese 

sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werde. 

C.c In ihrer Replik vom 14. Januar 2023 reduzierte die Beschwerdeführerin 

ihren Beschwerdeantrag bezüglich Lohnanspruch auf Fr. 47'508.90 brutto, 

nebst Zins, da sie durch Gelegenheitsarbeiten ein gewisses Einkommen 

erzielt habe, das auf die Lohnfortzahlung anzurechnen sei. Am 16. Februar 

2023 reichte die Vorinstanz ein Duplik ein. In einer weiteren Eingabe vom 

25. Januar 2024 reduzierte die Beschwerdeführerin ihren Beschwerdean-

trag bezüglich Lohnanspruch auf Fr. 28'719.37 brutto, nebst Zins. Dazu 

führte sie aus, sie arbeite seit dem 16. Januar 2023 in einem ungekündig-

ten Arbeitsverhältnis, weshalb ihr Einkommen in den Monaten Januar bis 

März 2023 anzurechnen sei. 

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen des Arbeitgebers können mit Beschwerde beim Bundes-

verwaltungsgericht angefochten werden (Art. 36 Abs. 1 BPG).  

Bei der Vorinstanz handelt es sich um einen Arbeitgeber im Sinne des BPG 

(Art. 3 Abs. 1 Bst. a BPG). Der angefochtene Entscheid wurde von ihr ge-

stützt auf Art. 34 Abs. 1 BPG erlassen. Es handelt sich um eine Verfügung 

im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VwVG und somit um ein taugliches Anfechtungs-

objekt (Art. 31 VGG). Da zudem kein Ausnahmegrund nach Art. 32 VGG 

vorliegt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde 

zuständig.  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

Bundespersonalrecht nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin hat sich am vorinstanzlichen Verfahren betei-

ligt und ist als Adressatin der angefochtenen Verfügung sowohl formell als 

auch materiell beschwert, weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Die Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen nach Eröffnung der Verfü-

gung einzureichen (Art. 50 Abs. 1 VwVG). Schriftliche Eingaben müssen 

spätestens am letzten Tage der Frist der Behörde eingereicht oder zu de-

ren Handen der schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplo-

matischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 21 

Abs. 1 VwVG). Bei eingeschrieben versendeten Eingaben bewirken die 

Postquittung und das Aufgabedatum gemäss «Track & Trace» eine Vermu-

tung dafür, dass die Sendung an diesem Tag der schweizerischen Post 

übergeben wurde. Deshalb gilt die Frist auch dann als gewahrt, wenn eine 

auf diese Weise verschickte Sendung unterwegs verloren geht oder stark 

beschädigt wird (RENÉ WIEDERKEHR/CHRISTIAN MEYER/ANNA BÖHME, 

VwVG Kommentar, 2022, Rz. 6 zu Art. 21 VwVG). 

Die angefochtene Verfügung datiert vom 12. August 2022 und ist dem 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 22. August 2022 zugegangen. 

Die Beschwerdefrist lief entsprechend bis am 21. September 2022. Der 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte seine Beschwerde mit 

Schreiben vom 4. Oktober 2022 beim Bundesverwaltungsgericht zusam-

men mit einem Gesuch um Wiederherstellung der Frist ein. Er bringt vor, 

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Seite 5 

er habe die Beschwerde am 21. September 2022 der schweizerischen 

Post übergeben. Die Postsendung sei jedoch nicht zugestellt, sondern ihm 

von der Post am 4. Oktober 2022 in erheblich beschädigtem Zustand re-

tourniert worden.  

Aufgrund der eingereichten Beweismittel (Kopie des beschädigten Brief-

umschlags, Kopie der Postquittung, Beleg Postsendungsverfolgung, Scha-

densmeldung der Post) gilt es als erwiesen, dass die Beschwerde am 

21. September 2022 der schweizerischen Post übergeben wurde. Die Be-

schwerde wurde damit fristgerecht eingereicht. Das Gesuch um Wieder-

herstellung der Frist ist deshalb gegenstandslos. 

1.5 Auf die im Übrigen formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit ein-

zutreten (vgl. Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet im vorliegenden Verfahren mit 

voller Kognition: Es überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzun-

gen des Bundesrechts – einschliesslich Überschreitung und Missbrauch 

des Ermessens –, auf unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts und auf Unangemessenheit (Art. 49 

VwVG). 

Bei der Prüfung der Angemessenheit auferlegt sich das Bundesverwal-

tungsgericht eine gewisse Zurückhaltung, wenn es – wie hier – um die 

Leistungsbeurteilung von Bediensteten des Bundes, um verwaltungsorga-

nisatorische Fragen oder um Probleme der betriebsinternen Zusammenar-

beit und des Vertrauensverhältnisses geht. Das Gericht entfernt sich inso-

fern im Zweifel nicht von der Auffassung der Vorinstanz und setzt sein ei-

genes Ermessen nicht an die Stelle desjenigen der Vorinstanz (vgl. bspw. 

Urteil des BVGer A-514/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 2). 

3.  

Vorab ist zu prüfen, ob die Vorinstanz gegen den Anspruch der Beschwer-

deführerin auf rechtliches Gehör verstossen hat. 

3.1 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–33 VwVG kon-

kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst das Recht, mit eige-

nen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und 

zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung zu nehmen. 

Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung 

und stellt andererseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der 

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Seite 6 

Parteien dar. Er beinhaltet die Pflicht der Behörden, die Vorbringen der vom 

Entscheid betroffenen Person sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der 

Entscheidfindung zu berücksichtigen (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Daraus folgt 

die Pflicht der Behörden, sich mit den wesentlichen Vorbringen der rechts-

suchenden Person zu befassen und Entscheide zu begründen (Art. 35 

Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst 

sein, dass die betroffene Person ihn sachgerecht anfechten kann. In die-

sem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, 

von denen sich die Behörde leiten liess und auf die sie ihren Entscheid 

stützt (BGE 136 V 351 E. 4.2 m.w.H.). 

3.2 Die Beschwerdeführerin rügt insbesondere, die Vorinstanz habe sich in 

der angefochtenen Verfügung nicht genügend mit ihrer Stellungnahme 

vom 3. August 2022 auseinandergesetzt. Die Vorinstanz entgegnet, sie 

habe die Argumente der Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfü-

gung zusammengefasst und zu den relevanten Punkten Stellung genom-

men.   

3.3 Die Vorinstanz äussert sich in der angefochtenen Verfügung ausführ-

lich dazu, welche Vorkommnisse zur fristlosen Kündigung des Arbeitsver-

hältnisses mit der Beschwerdeführerin führten und wie diese aus ihrer Sicht 

zu bewerten sind. Darüber hinaus fasste sie die Ausführungen der Be-

schwerdeführerin zusammen und nahm in einer separaten Ziffer Stellung 

dazu, soweit sie die Vorbringen der Beschwerdeführerin für relevant ansah. 

Die Beschwerdeführerin konnte damit zu den wesentlichen Punkten Stel-

lung nehmen und es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Vorinstanz 

ihre Vorbringen nicht sorgfältig und ernsthaft geprüft und in der Entscheid-

findung berücksichtigt hätte. Die Verfügung wurde darüber hinaus genü-

gend begründet. 

Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die Frist zur Stellungnahme von 

14 Tagen sei "keineswegs besonders lang" gewesen, ist darauf zu verwei-

sen, dass die bundesgerichtliche Rechtsprechung bei fristlosen Kündigun-

gen ein beschleunigtes Vorgehen fordert (vgl. BGE 138 I 113 E. 6.3.4 ff.; 

vgl. z.B. Urteil des BVGer A-4201/2022 vom 1. Februar 2024 E. 5.3). Die 

Vorinstanz stellte der Beschwerdeführerin den Verfügungsentwurf am 

12. Juli 2022 polizeilich zu. Darüber hinaus erhielt die Beschwerdeführerin 

den Entwurf per eingeschriebener Post, die sie am 20. Juli 2022 abholte. 

Damit hatte die Beschwerdeführerin bis zum 3. August 2022 genügend Zeit 

zur Stellungnahme, auch unter Berücksichtigung ihrer gesundheitlichen Si-

tuation und der Mandatierung eines Rechtsanwalts. Selbst von der 

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Zustellung der eingeschriebenen Sendung am 20. Juli 2022 an betrachtet, 

war die Frist zur Stellungnahme angemessen. Die Frage, ob die polizeili-

che Zustellung des Verfügungsentwurfs am 12. Juli 2022 zulässig war, 

muss deshalb nicht geprüft werden.  

3.4 Die Vorinstanz hat damit nicht gegen den Anspruch der Beschwerde-

führerin auf rechtliches Gehör verstossen. 

4.  

4.1 Streitig und zu prüfen ist, ob ein wichtiger Grund vorliegt, der die Vor-

instanz zur fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit der Be-

schwerdeführerin berechtigte. 

4.2 Die Vertragsparteien können befristete und unbefristete Arbeitsverhält-

nisse aus wichtigen Gründen fristlos kündigen (Art. 10 Abs. 4 BPG). Heisst 

das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen eine fristlose Kün-

digung eines befristeten Arbeitsverhältnisses gut, weil wichtige Gründe für 

die fristlose Kündigung fehlen, spricht das Gericht in der Regel eine Ent-

schädigung zu (Art. 34b Abs. 1 Bst. a BPG) und ordnet die Fortzahlung des 

Lohnes bis zum Ablauf des befristeten Arbeitsvertrags an (Bst. b). 

4.3 Als Grund für eine fristlose Kündigung nach Art. 10 Abs. 4 BPG gilt je-

der Umstand, bei dessen Vorhandensein der kündigenden Partei nach 

Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zu-

gemutet werden darf. Die Voraussetzungen für eine fristlose Auflösung des 

Arbeitsverhältnisses orientieren sich an den "wichtigen Gründen" gemäss 

Art. 337 Abs. 2 OR, der die fristlose Auflösung privatrechtlicher Arbeitsver-

hältnisse regelt.  Um zu beurteilen, ob eine fristlose Kündigung gerechtfer-

tigt ist, ist deshalb die zu Art. 337 Abs. 1 und 2 OR entwickelte Praxis zu 

berücksichtigen, wobei den Besonderheiten des öffentlichen Dienstes 

Rechnung zu tragen ist (BGE 143 II 443 E. 7.3; Urteil des BGer 

1C_514/2023 vom 4. März 2024 E. 7.1; Urteil des BVGer A-514/2022 vom 

19. Dezember 2022 E. 4.1) 

Nur ein besonders schweres Fehlverhalten der angestellten Person recht-

fertigt eine fristlose Kündigung. Das Fehlverhalten muss objektiv geeignet 

sein, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche Vertrauensgrundlage zu zer-

stören oder zumindest so tiefgreifend zu erschüttern, dass dem Arbeitge-

ber die Fortsetzung des Vertrags nicht zuzumuten ist; gleichzeitig muss 

sich das Fehlverhalten auch tatsächlich auf das Vertrauensverhältnis 

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Seite 8 

auswirken (BGE 129 II 380 E. 2.1; Urteil des BGer 1C_514/2023 vom 

4. März 2024 E. 7.1; Urteil des BVGer A-514/2022 vom 19. Dezember 

2022 E. 4.2).  

Beim Entscheid, ob ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung vor-

liegt, kommt dem Arbeitgeber ein erheblicher Ermessensspielraum zu. 

Trotzdem hat er den Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten und 

darf die fristlose Kündigung nur in Ausnahmefällen als letztes Mittel ("Ul-

tima Ratio") aussprechen. Zudem hat er unter Berücksichtigung aller Um-

stände des konkreten Falls zu prüfen, ob die fristlose Kündigung gerecht-

fertigt ist (Urteil BGer 4C.95/2004 vom 28. Juni 2004 E. 3.3; Urteil des 

BVGer A-514/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 4.2). 

4.4 Ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung kann insbesondere in 

einer schweren Verletzung der in Art. 20 Abs. 1 BPG verankerten Treue-

pflicht liegen. Gemäss der Treuepflicht hat der Staatsangestellte bei der 

Erfüllung seiner Aufgabe über die eigentliche Arbeitsleistung hinaus die In-

teressen des Gemeinwesens zu wahren. Der Zweck der Treuepflicht liegt 

darin, die Funktionstüchtigkeit der öffentlichen Verwaltung zu sichern, in-

dem das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Staat nicht untergraben wird. 

Als unbestimmter Rechtsbegriff muss ihre Tragweite durch Interessenab-

wägung bestimmt werden (vgl. BGE 136 I 332 E. 3.2.1 m.w.H.). Die Anfor-

derungen an die Treuepflicht sind anhand der konkreten Funktion und der 

Stellung der angestellten Person für jedes Arbeitsverhältnis gesondert auf-

grund der Umstände und der Interessenlage des konkreten Einzelfalls zu 

bestimmen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer A-514/2022 vom 19. Dezem-

ber 2022 E. 4.3). Konkret wird von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern 

eine "doppelte Loyalität" verlangt: Sie schulden nicht nur bei ihrem auf die 

Arbeit bezogenen (innerdienstlichen) Verhalten Loyalität, sondern sie ha-

ben auch ausserhalb des Arbeitsverhältnisses (ausserdienstlich) die öffent-

lichen Interessen des Staats zu wahren, wenn auch in geringerem Aus-

mass (vgl. Urteil des BVGer A-514/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 4.3).  

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründet die fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnis-

ses mit der Beschwerdeführerin damit, dass diese den Direktor des BJ, die 

stellvertretende Direktorin des BJ, ihren direkten Vorgesetzten, die Infor-

mationschefin des BJ sowie weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des 

BJ beschimpft und beleidigt sowie durch ehrverletzende Aussagen diffa-

miert habe. Ihre Aussagen habe sie sowohl gegenüber anderen 

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BJ als auch gegenüber amtsexter-

nen Dritten gemacht. Die Beschwerdeführerin habe mit ihren Vorwürfen die 

Eignung der Personen zur Ausübung ihrer Tätigkeit in grundsätzlicher 

Weise in Frage gestellt. In einigen Fällen habe sie Personen als Straftäter 

dargestellt, teilweise habe sie ihnen ihre moralische Integrität abgespro-

chen. Die Äusserungen der Beschwerdeführerin hätten nicht bloss gering-

fügige Vorwürfe enthalten, sondern sie seien geeignet gewesen, die Per-

sönlichkeit der betroffenen Personen in schwerwiegender Weise zu verlet-

zen und ihre Reputation zu schädigen. Die Beschwerdeführerin habe das 

Arbeitsklima im Amt erheblich gestört. Nach diesen Vorgängen sei es 

schwer vorstellbar, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes wie-

der mit der Beschwerdeführerin zusammenarbeiten könnten. Ihre Entlas-

sung erfolge damit auch in Erfüllung der Pflicht des Arbeitgebers, die Per-

sönlichkeit der anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schützen. 

Die Beschwerdeführerin habe zahlreiche Nachrichten an betriebsexterne 

Dritte geschickt und darin auf amtsinterne Vorgänge Bezug genommen. 

Auch in diesem Verhalten der Arbeitnehmerin sei eine Verletzung der ar-

beitsrechtlichen Treuepflicht zu sehen. 

Mit den Diffamierungen mehrerer Arbeitskolleginnen und -kollegen sowie 

mehrerer Mitglieder der Amtsleitung, dem Streuen von Gerüchten, An-

schuldigungen und Beleidigungen gegenüber externen Personen habe die 

Beschwerdeführerin ihre Pflichten gegenüber der Vorinstanz in schwerwie-

gender Weise verletzt. Sie habe durch ihr Verhalten die Anforderungen an 

Integrität und Vertrauenswürdigkeit und damit die arbeitsvertragliche Treu-

epflicht in schwerwiegender Weise verletzt. Ihr Verhalten sei in höchstem 

Masse illoyal und habe die für das Arbeitsverhältnis wesentliche Vertrau-

ensgrundlage unwiderruflich zerstört. Das Vertrauen sei aufgrund des Ver-

haltens der Beschwerdeführerin derart stark erschüttert, dass es als Arbeit-

geber nicht zumutbar sei, die Beschwerdeführerin weiterhin zu beschäfti-

gen. 

5.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie habe sich damals in einer Aus-

nahmesituation befunden. Am Beginn der Entwicklung sei die Entschei-

dung ihrer Vorgesetzten gestanden, keine Gefährdungsmeldung bei der 

KESB zu machen. Daraufhin sei sie krank geworden. Über eine ehemalige 

Mitarbeiterin im BJ, die offenbar entlassen worden sei, habe sie vom Suizid 

eines anderen Mitarbeiters zu einem früheren Zeitpunkt erfahren. Aus die-

sen drei Elementen – der Ablehnung der Gefährdungsmeldung, der Ent-

lassung und dem Suizid des Mitarbeiters – habe sie geschlossen, dass 

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beim BJ einiges im Argen liege. Die Vorinstanz habe diese Ausnahmesitu-

ation – zu der auch ihre Krankheit gehöre – nicht berücksichtigt. Sie habe 

sich nicht ernst genommen gefühlt und ihr sei kein Gehör gewährt worden. 

Die Adressaten der Whatsapp-Nachrichten und der E-Mails hätten sofort 

erkennen können, dass sie aus einer besonderen Situation heraus reagiert 

habe. Man könne die Häufung von Nachrichten innert kurzer Zeit, vom 

4. bis 7. Juli 2022, nur mit der Ausnahmesituation erklären. Die Vorinstanz 

habe die Whatsapp-Nachrichten und E-Mails nicht in ihrem Gesamtzusam-

menhang gewürdigt; dieser zeige, wie sehr die Nachrichten aus der Beun-

ruhigung heraus verfasst worden seien. Man könne ihr weder Ehrverlet-

zungen noch Amtsgeheimnisverletzungen vorwerfen. Wendungen wie Kor-

ruption, mafiaähnlich usw. seien als überzogene Schlussfolgerungen aus 

der Kritik an der Vorinstanz sofort erkennbar und daher nicht zum Nennwert 

zu nehmen. Es sei ihr nicht darum gegangen, Personen zu beleidigen, son-

dern darum, sich Gehör zu verschaffen und ihre Beunruhigung über die 

Vorgänge im BJ zum Ausdruck zu bringen. Es sei zu berücksichtigen, dass 

sie damals unter Schlaflosigkeit und Reizhusten gelitten habe. Sie sei al-

lein gewesen, ohne Unterstützung jeglicher Art und habe Angst vor den 

Konsequenzen ihrer Meldung an die Eidgenössische Finanzkontrolle 

(EFK) gehabt. Die Corona-Erkrankung habe die Situation noch verschlim-

mert. 

Sie behaupte nicht, keine Fehler gemacht zu haben. Das Ansprechen be-

triebsfremder Personen sei im Nachhinein betrachtet keine gute Idee ge-

wesen. Die Vorinstanz trage aber auch eine Mitschuld daran, dass die Si-

tuation eskaliert sei. Hätte sie den Konflikt ernst genommen und für Beru-

higung gesorgt, statt sofort mit einer fristlosen Kündigung zu reagieren, 

hätte die Sache wohl einen anderen Verlauf genommen.  

6.  

6.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet weder das Versenden der von der 

Vorinstanz im Beschwerdeverfahren dokumentierten Whatsapp-Nachrich-

ten noch der E-Mails an Personen innerhalb und ausserhalb des BJ. Auch 

das weitere Vorgehen der Vorinstanz bezüglich der Nachrichten und 

E-Mails der Beschwerdeführerin ist unbestritten. Zudem sind die Vorkomm-

nisse bezüglich des Umgangs der Vorinstanz mit der Frage, ob eine Ge-

fährdungsmeldung zu machen sei oder nicht, unbestritten; ebenso der Um-

stand, dass die Beschwerdeführerin am 4. Juli 2022 eine Meldung bei der 

EFK machte. Für das Bundesverwaltungsgericht gibt es keinen Grund, an 

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Seite 11 

diesen übereinstimmend vorgetragenen und in den Akten dokumentierten 

Sachverhaltselementen zu zweifeln. Die Frage, ob eine Gefährdungsmel-

dung durch das BJ angebracht gewesen wäre oder nicht, ist für das vorlie-

gende Verfahren, wie zu zeigen sein wird, nicht relevant. 

Der folgende Sachverhalt ist mithin erstellt. Zwischen dem 4. und 7. Juli 

2022 sandte die Beschwerdeführerin mehrere Whatsapp-Nachrichten an 

ihren direkten Vorgesetzen. Darin schrieb sie, der Amtsdirektor und die In-

formationschefin gingen über Leichen und die korrekte Umsetzung des 

ZGB und des Bundespersonalgesetzes interessierten diese Personen 

"null". Sie zählte eine Reihe von Personen auf, die sich "nach aktuellem 

Kenntnisstand" nicht an die Bundesgesetzgebung hielten und "im BJ ma-

nipulieren" würden, darunter der Direktor, die stellvertretende Direktorin 

und die Informationschefin des BJ. Es sei ein Armutszeugnis für den 

Rechtsstaat und das BJ. Der Amtsdirektor sei ein "manipulativer Narzisst", 

der viele Helferinnen und Helfer habe (die sie namentlich nannte). Diese 

Personen seien an leitender Stelle, weil sie in der Gunst des Direktors stün-

den. In einer Whatsapp-Nachricht vom gleichen Tag an einen Mitarbeiter 

des BJ bezeichnete sie den Amtsdirektor als "Dubu" (Idiot), der ein Karten-

haus aufgebaut und Leute manipuliert habe. Zwei (namentlich genannte) 

Mitarbeiter bezeichnete sie als nicht vertrauenswürdig, weil sie "Helfershel-

fer" des Amtsdirektors seien. 

Am 5. Juli 2022 wandte sich die Beschwerdeführerin per E-Mail an den 

Direktor des BJ. Das E-Mail ging in Kopie an ihren Vorgesetzten, an die 

dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) vorstehende 

Bundesrätin, an einen Mitarbeiter des Generalsekretariats des EJPD, an 

einen weiteren Mitarbeiter des BJ und später an den für ihren Bereich zu-

ständigen Vizedirektor des BJ. Die Beschwerdeführerin drohte darin mit 

einer Meldung, sollte der Direktor "versuchen […], mich mittels Ihrem HR 

[…] zu diskreditieren, so wie sie es offenbar mit [Name einer ehemaligen 

Mitarbeiterin] und der schleierhaften Begründung ihres Abgangs innerhalb 

von 48h ohne Vorwarnung und ohne Massnahmen gemäss Bundesperso-

nalgesetz gemacht haben". Sie warf dem Amtsdirektor Fälschungen und 

Manipulationen vor. Sie habe Zweifel, dass er die geeignete Person als 

Amtsdirektor sei. Die Informationschefin sei eine Fehlbesetzung, ihr Um-

gang mit der abgelehnten Gefährdungsmeldung sei grobfahrlässig und 

falsch. Der Amtsdirektor habe sie, die Beschwerdeführerin, nicht einstellen 

wollen, "weil ich Ihnen 'gefährlich' werden könnte, wie Sie dachten". Weiter 

schrieb sie: "Wir haben einen Rechtsstaat und Gesetze, die kein toter 

Buchstabe sein sollen. Wir haben Steuerzahler, die dem Bund vertrauen. 

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Seite 12 

Vertrauen Sie sich selbst? Kennen Sie andere Narzissten? Was ist Ihr Ziel 

mit dem BJ? Welche Agenda verfolgen Sie? Denken Sie an alle Mitarbeiter 

und ziehen Sie die richtigen Konsequenzen für sich und Ihre Familie, bevor 

Sie nicht mehr Kapitän in Ihrem Boot sind." 

Am gleichen Tag schickte die Beschwerdeführerin eine E-Mail an einen 

Bundesrichter, einen Professor einer Schweizer Universität, einen Mitar-

beiter des BJ und in Kopie an den Vizedirektor. Darin sprach sie von "Un-

regelmässigkeiten" im BJ in Bezug auf den Amtsdirektor und von der "'Af-

färe' Direktor […]". Weiter schrieb sie: "Zur Bekämpfung von Machtmiss-

bräuchen und Gesetzesverletzungen, die ungeahndet bleiben, weil die fal-

schen Leute an der Macht sind." Sie sprach von "Narzissten, Egoisten etc. 

die nur ihre eigene Agenda verfolgen und ihre Leute in ihrem 'Kabinett' an-

ziehen und einstellen, die offensichtlich nicht die Funktion ausfüllen können 

[…], für die sie eingeschleust wurden". 

Später am gleichen Tag schrieb sie ihrem Vorgesetzten, ihr reichten die 

"dummen Spielchen" des Direktors, "sein Kartenhaus fällt endlich nach 

5 Jahren zusammen und er muss zur Verantwortung für seine Vergehen 

gezogen werden auf allen Ebenen (Arbeitsrechtlich, Verantwortlichkeitsge-

setz, Strafrecht, Staatshaftung, Zivilrecht)." Sie warf ihm "Bundesgesetzes-

verstösse" vor und sprach von einem Justizskandal und einer Bombe. 

In einer E-Mail vom 6. Juli 2022 schrieb die Beschwerdeführerin: "Es ist 

übel, was unter dem Direktor mit dem BJ abgeht. Korruption, Bundes-

rechtsverletzungen, die Liste ist lang." Weiter: "[…]", alles Hilfspersonen 

[des Amtsdirektors], einem Narzissten, der seine Macht missbraucht zum 

Nachteil unliebsamer Mitarbeiter, […]. Er ist die völlig falsche Person für 

den Posten, eine Fehlbesetzung." Schliesslich: "Korruption ist mit allen Mit-

teln zu bekämpfen, die Gewaltenteilung muss erhalten bleiben, der Filz und 

die Vetterliwirtschaft muss stoppen endlich, nach 12 Jahren [Name des 

Amtsdirektors] beim BJ reicht es. Er soll einen fairen Prozess erhalten, ob-

wohl er zu den Leuten, die ihm ein Dorn im Auge waren respektlos und kalt 

war. Er hielt sich weder an das Bundespersonalgesetz noch an den Ver-

haltenskodex für Bundesangestellte." Den Akten ist nicht klar zu entneh-

men, an wen die Beschwerdeführerin diese E-Mail schickte. Die Vorinstanz 

behauptet, die E-Mail sei an eine ehemalige Mitarbeiterin des BJ gegan-

gen, was sie jedoch nicht zu beweisen vermag. Die Beschwerdeführerin 

macht keine Angaben dazu, an wen sie die E-Mail sandte. Unbestritten ist 

allerdings, dass die E-Mail schliesslich über eine Person beim Medien-

dienst des BJ zum Vizedirektor gelangte. 

A-4475/2022 

Seite 13 

In einer weiteren E-Mail an den Vizedirektor vom 6. Juli 2022 schrieb die 

Beschwerdeführerin, das ganze BJ sei ein Filz, angeführt vom Amtsdirek-

tor. Dieser habe ein mafiaähnliches Gebilde voller Korruption aufgebaut. Er 

habe mutmasslich Vergehen und eventuell Verbrechen begangen. Gewal-

tenteilung, Demokratie und Freiheit seien in Gefahr. Ihr Vorgesetzter sei 

eine Marionette des Direktors. Sie unterstellte dem BJ eine Mitschuld am 

Suizid eines Mitarbeiters, der nicht untersucht worden sei. Sie sei die Ein-

zige im BJ, die sich wehre, wenn der Amtsdirektor unrechtmässige Amts-

handlungen vornehme. Alle anderen hätten gekündigt, seien kaltgestellt 

worden oder seien tot. 

Am 7. Juli 2022 schickte die Beschwerdeführerin der Vorsteherin des Eid-

genössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und 

Sport (VBS) eine E-Mail und bat sie, tätig zu werden, "falls der ganze Filz 

bis [zur Vorsteherin des EJPD] reichen sollte". Erneut warf sie dem Amts-

direktor Bundesrechtsverletzungen vor. Er sei gewählt worden, weil er sich 

bei der Vorsteherin des EJPD "eingeschleimt" habe. 

Am gleichen Tag schickte sie eine E-Mail an die Konferenz der Kantonalen 

Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) und bat sie, beim 

BJ "genauer hinzuschauen". Der Amtsdirektor habe seit zwölf Jahren mut-

masslich eine korrupte Gesellschaft ins BJ geholt, Leute manipuliert und 

unliebsame Mitarbeiter, die gut seien und kritische Fragen stellten, kaltge-

stellt, unrechtmässig entlassen oder gemobbt. Sie erwähnt in diesem Zu-

sammenhang den Suizid eines Mitarbeiters, der intern nie untersucht wor-

den sei. Es gehe so nicht weiter und sehe nach Vertuschung aus. Sie 

wisse, dass der Amtsdirektor "Dreck am Stecken" habe und sein mafiaähn-

liches Gebilde, das er aufgebaut habe, um jeden Preis vertuschen wolle. 

Er gehe über Leichen und wolle die Kantone aus dem Weg haben.  

6.2  

6.2.1 Die Darstellung der Whatsapp-Nachrichten und E-Mails der Be-

schwerdeführerin zeigt, dass sie gegenüber dem Direktor des BJ massive 

Vorwürfe erhob: Sie unterstellte ihm unter anderem Korruption, Rechtsver-

letzungen, Unfähigkeit und Günstlingswirtschaft und warf ihm vor, im BJ 

ein mafiaähnliches Gebilde aufgebaut zu haben. Weitere Mitarbeiterinnen 

und Mitarbeiter involvierte sie in die Vorwürfe, da sie "Helfershelfer" des 

Amtsdirektors seien. Die Vorwürfe machte sie einerseits wiederholt amts-

intern gegenüber ihrem direkten Vorgesetzten, dem für ihren Bereich zu-

ständigen Vizedirektor, dem Amtsdirektor selber und weiteren Mitarbeitern 

A-4475/2022 

Seite 14 

des BJ. Darüber hinaus kontaktierte sie die Vorsteherinnen des EJPD und 

des VBS und äusserte die Vorwürfe auch ihnen gegenüber. Mindestens 

zwei E-Mails gingen zudem an Personen ausserhalb der Bundesverwal-

tung: Ein E-Mail vom 5. Juli 2022 schickte sie an einen Bundesrichter und 

einen Universitätsprofessor. Darin warf sie dem Amtsdirektor Unregelmäs-

sigkeiten vor, sprach von Machtmissbrauch und Gesetzesverletzungen, die 

ungeahndet blieben, weil die falschen Leute an der Macht seien, sowie von 

Narzissten und Egoisten, die nur ihre eigene Agenda verfolgen würden. 

Eine E-Mail vom 7. Juli 2022 ging zudem an die KKJPD. Darin warf die 

Beschwerdeführerin dem Amtsdirektor vor, er habe im BJ eine korrupte Ge-

sellschaft installiert, Leute manipuliert und unliebsame Mitarbeiter unrecht-

mässig entlassen oder gemobbt. Sie spricht von Vertuschung, einem ma-

fiaähnlichen Gebilde, das er aufgebaut habe, und davon, dass er über Lei-

chen gehe.  

6.2.2 Die Beschwerdeführerin hat mit diesen Aussagen schwerwiegend 

gegen die Treuepflicht ihrem Arbeitgeber gegenüber verstossen. Nachdem 

sie ihr Unverständnis über den Entscheid bezüglich einer Gefährdungsmel-

dung an die KESB gegenüber ihrem direkten Vorgesetzten und den weite-

ren involvierten Personen ausgedrückt hatte, musste sie diesen Entscheid 

im Rahmen ihres Arbeitsverhältnisses akzeptieren. Ob der Entscheid rich-

tig war oder nicht, ist deshalb vorliegend nicht relevant. Mit ihren E-Mails 

an den Vizedirektor und den Amtsdirektor überschritt sie nicht nur ihre 

Kompetenzen in dieser Sache, sondern sie verband die Angelegenheit mit 

zwei weiteren Punkten, dem Suizid eines Mitarbeiters und der Trennung 

von einer Mitarbeiterin, deren Hintergründe sie nur vom Hörensagen 

kannte. Die aus dieser Gemengelage resultierenden Vorwürfe gegenüber 

dem Amtsdirektor waren massiv ehrverletzend und beleidigend, insbeson-

dere da die Beschwerdeführerin die professionelle und persönliche Eig-

nung des Amtsdirektors und seine Integrität ohne tatsächliche Grundlagen 

in Frage stellte. Die Vorwürfe waren auch in ihrer Pauschalität geeignet, 

die Reputation des Amtsdirektors zu schädigen. Darüber hinaus betrafen 

die Vorwürfe auch weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BJ, die die 

Beschwerdeführerin zur Gefolgschaft des Direktors zählte. Die Verstösse 

gegen die Treuepflicht wiegen vorliegend umso schwerer, als es sich bei 

der Beschwerdeführerin um eine Rechtsanwältin handelt, die als Juristin 

beim BJ angestellt war. Als rechtskundiger Person muss ihr die Schwere 

ihrer Vorwürfe bewusst gewesen sein. Dass die Beschwerdeführerin diese 

Vorwürfe nicht nur intern, sondern auch extern verbreitete, stellt eine zu-

sätzliche Dimension der Verletzung der Treuepflicht gegenüber dem Arbeit-

geber dar. Es handelt sich auch nicht um eine einmalige Verfehlung mit 

A-4475/2022 

Seite 15 

begrenztem Ausmass, im Gegenteil: Die Beschwerdeführerin äusserte die 

Vorwürfe wiederholt, über mehrere Tage und gegenüber verschiedenen 

Adressaten. Noch in einer E-Mail vom 20. Juli 2022 zur Vereinbarung eines 

Telefongesprächs mit dem Vizedirektor wiederholte sie die Vorwürfe. Dass 

damit die für das Arbeitsverhältnis notwendige Vertrauensgrundlage unwie-

derbringlich zerstört war, ist nachvollziehbar.  

6.2.3 Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, überzeugt nicht: Die 

in den Nachrichten und E-Mails geäusserten Vorwürfe und Beleidigungen 

sind entgegen ihren Vorbringen nicht zu relativieren. Weder war aufgrund 

des Gesamtzusammenhangs für alle Empfänger ersichtlich, dass die Vor-

würfe "nicht ernst zu nehmen" wären, noch können die Vorwürfe aufgrund 

ihres Zusammenhangs mit der verweigerten Gefährdungsmeldung relati-

viert werden. 

Auch die persönliche Situation der Beschwerdeführerin Anfang Juli 2022 

vermag an der Beurteilung der Schwere ihrer Verfehlungen nichts zu än-

dern. Weder ihr Unverständnis für die unterbliebene Gefährdungsmeldung, 

noch der Umstand, dass sie vom Suizid eines Mitarbeiters des BJ sowie 

der angeblichen Entlassung einer Mitarbeiterin erfuhr, vermögen ihre 

Handlungen in dem Sinne zu entschuldigen oder zu relativieren, dass sie 

sich in einer Ausnahmesituation befunden hätte, die für alle erkennbar war. 

Dies gilt auch unter Berücksichtigung des Umstands, dass die Beschwer-

deführerin zu diesem Zeitpunkt krank war, zumal sie symptomatisch ledig-

lich von Reizhusten und Schlafmangel spricht. Die Beschwerdeführerin 

schrieb denn auch in einer E-Mail vom 6. Juli 2022, sie sei gesund, wenn 

auch etwas müde. Den Akten ist zudem lediglich ein positiver Covid-Test 

vom 8. Juli 2022 zu entnehmen sowie eine ärztlich bestätigte Arbeitsunfä-

higkeit ab dem 11. Juli 2022. Die Beschwerdeführerin macht keine psychi-

schen Leiden geltend und den Akten sind auch keine diesbezüglichen Hin-

weise zu entnehmen. 

Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin war es der Vorinstanz 

aufgrund der Schwere der Vorwürfe nicht zumutbar, mit der Kündigung zu-

zuwarten und noch länger zu versuchen, die Situation zu klären. Diesbe-

züglich ist festzuhalten, dass die Vorinstanz – der direkte Vorgesetzte der 

Beschwerdeführerin sowie der Vizedirektor – wiederholt auf die Beschwer-

deführerin zugingen und versuchten, mit ihr zu sprechen. So machte sie 

der Vizedirektor in einer E-Mail vom 6. Juli 2022 auf Unterstützungsange-

bote des Bundes aufmerksam und führte aus, es sei ihm wichtig, ihre Sicht-

weise zu kennen. Deshalb müssten sie sich rasch aussprechen, sie solle 

A-4475/2022 

Seite 16 

ihm dafür bitte mitteilen, wann er sie anrufen könne. Die Beschwerdefüh-

rerin ging jedoch nicht konkret auf die Aufforderung ein, sondern wieder-

holte ihre Vorwürfe in einer längeren E-Mail. Darin schrieb sie, sie sei zu 

ihrem Schutz nur per E-Mail zu erreichen; zu einem Gespräch sei sie 

höchstens mit einem Rechtsanwalt bereit. Am 11. Juli 2022 teilte sie dem 

Vizedirektor mit, sie sei ab dem 19. Juli 2022 für ein Gespräch erreichbar, 

bis dahin erhole sie sich. Der Vizedirektor forderte sie auf, sich möglichst 

schnell bei ihm zu melden oder – sollte sie dazu aus gesundheitlichen 

Gründen nicht in der Lage sein – einen Rechtsvertreter zu mandatieren, 

der mit ihm Kontakt aufnehmen könne. Die Beschwerdeführerin lehnte dies 

mit Verweis auf ihre gesundheitliche Situation ab und bot ein Telefonge-

spräch am 20. Juli 2022 an. Daraufhin kontaktierte die Vorinstanz die Be-

schwerdeführerin schriftlich mit dem Verfügungsentwurf, worüber sie der 

Vizedirektor am 13. Juli 2022 per E-Mail informierte. Auch in dieser E-Mail 

führte er aus, er hoffe weiterhin auf eine Diskussion über das Geschehene 

und eine einvernehmliche Lösung zum weiteren Vorgehen. Dies wieder-

holte er in einer E-Mail vom 15. Juli 2022. Der Vorinstanz kann unter diesen 

Umständen nicht vorgeworfen werden, sie habe sich nicht um ein Ge-

spräch mit der Beschwerdeführerin und eine Deeskalation der Situation 

bemüht. Die Vorinstanz versuchte, das Gespräch mit der Beschwerdefüh-

rerin aufzunehmen; diese war jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht gesprächs-

bereit. Dass sie – entgegen ihrem Vorbringen im Beschwerdeverfahren – 

auch zu diesem Zeitpunkt keinen Abstand von ihren Aussagen genommen 

hatte, zeigt insbesondere die oben erwähnte E-Mail vom 20. Juli 2022. Ein 

weiteres Zuwarten mit der Gewährung des rechtlichen Gehörs zum Verfü-

gungsentwurf – und letztlich mit der Kündigung – war der Vorinstanz nicht 

zumutbar. 

6.2.4 Schliesslich ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nicht gel-

tend macht, die Kündigung sei aufgrund ihrer Meldung an die EFK erfolgt 

und sich aus den Akten auch keine Hinweise auf einen Zusammenhang 

zwischen der Meldung an die EFK und der Kündigung ergeben. Die Be-

schwerdeführerin wurde damit nicht aufgrund ihrer Meldung an die EFK in 

ihrer beruflichen Stellung benachteiligt (vgl. Art. 22a Abs. 5 BPG). 

6.3 Unter Würdigung aller Umstände ergibt sich nach dem Gesagten, dass 

die Beschwerdeführerin schwerwiegend gegen ihre Treuepflicht verstos-

sen hat, wodurch die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für die Vor-

instanz unzumutbar wurde. Die fristlose Entlassung aus einem wichtigen 

Grund im Sinne von Art. 10 Abs. 4 BPG erweist sich damit als gerechtfer-

tigt. Die Beschwerde ist abzuweisen.  

A-4475/2022 

Seite 17 

7.  

7.1 Das Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ist in 

personalrechtlichen Angelegenheiten grundsätzlich kostenlos (Art. 34 

Abs. 2 BPG), weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind. 

7.2 Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Partei-

entschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] e contrario). Die Vorinstanz 

hat als Bundesbehörde trotz ihres Obsiegens von vornherein keinen An-

spruch auf eine Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

A-4475/2022 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jürg Marcel Tiefenthal Tobias Grasdorf 

 

 

  

A-4475/2022 

Seite 19 

Rechtsmittelbelehrung: 

Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet der öffentlich-

rechtlichen Arbeitsverhältnisse können beim Bundesgericht angefochten 

werden, sofern es um eine vermögensrechtliche Angelegenheit geht, bei 

welcher der Streitwert mindestens Fr. 15'000.– beträgt oder bei der sich 

eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (vgl. Art. 85 Abs. 1 

Bst. b und Abs. 2 BGG). Bei einer nicht vermögensrechtlichen Angelegen-

heit ist die Beschwerde nur zulässig, wenn sie die Gleichstellung der Ge-

schlechter betrifft (vgl. Art. 83 Bst. g BGG). Steht die Beschwerde in öffent-

lich-rechtlichen Angelegenheiten offen, kann sie innert 30 Tagen nach Er-

öffnung dieses Entscheids beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, erho-

ben werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn 

die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht 

eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer 

schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung überge-

ben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amts-

sprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent-

scheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Par-

tei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

Versand: 

 

  

A-4475/2022 

Seite 20 

Zustellung erfolgt an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) 

– die Vorinstanz (Gerichtsurkunde; Beilage: Schreiben der Beschwerde-

führerin vom 24. April 2024 inkl. Beilage)