# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6e3ca2ee-52c1-599b-aa30-229c75335c2c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.11.2010 E-7752/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7752-2010_2010-11-05.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-7752/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  5 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli-Busi;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._____, geboren (...), Guinea,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 25. Oktober 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-7752/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge sein Heimatland 
am 28. September 2007 in Richtung Senegal verlassen hat und nach 
Aufenthalten  in  Griechenland  und  in  Italien  am 30.  Juli  2010  in  die 
Schweiz  gelangt  ist,  wo  er  gleichentags  im B._____  um Asyl  nach-
suchte,

dass das BFM dem Beschwerdeführer aufgrund von EURODAC-Tref-
fern  (Datenbank zwecks Fingerabdruckvergleich)  in Griechenland und 
in  Italien  sowie  in  Berücksichtigung  seiner  Aussagen  anlässlich  der 
summarischen Befragung im EVZ vom 4. August 2010 bezüglich der 
Zuständigkeit Griechenlands oder Italiens für das vorliegende Asylver-
fahren und zu einer allfälligen Wegweisung in diese Staaten das recht-
liche Gehör gewährte,

dass  für  den  Inhalt  der  gesuchsbegründenden  Aussagen  des  Be-
schwerdeführers  und seiner  Stellungnahme auf  die  Akten verwiesen 
wird,

dass er bei der summarischen Befragung im B._____ unter anderem 
zu  Protokoll  gab,  er  habe  in  Italien  nach  der  Gutheissung  seines 
Asylgesuchs eine bis 2011 gültige Aufenthaltsbewilligung erhalten,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom 25.  Oktober  2010  –  eröffnet  am 
26. Oktober 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch 
nicht eintrat und den Beschwerdeführer nach Griechenland wegwies,

dass das Bundesamt den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz 
spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und 
den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisungsverfügung beauf-
tragte,

dass die Vorinstanz festhielt,  eine allfällige Beschwerde gegen diese 
Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und die Aushändigung 
der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  an  den  Be-
schwerdeführer anordnete,

dass  für  die  Begründung  der  Verfügung  auf  die  nachfolgenden  Er-
wägungen verwiesen wird,

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dass der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 2. November 
2010  (Poststempel)  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  an-
gefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an Vorinstanz 
mit  der  Feststellung,  die  Zuständigkeit  Griechenlands für  die  Durch-
führung des Asylverfahrens sei nicht mehr gegeben, beantragt,

dass eventualiter festzustellen sei, der Wegweisungsvollzug nach Grie-
chenland sei unzulässig und unzumutbar,

dass er in prozessualer Hinsicht die Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde und unter Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege be-
antragt,

dass er als Beleg für seine Bedürftigkeit eine Fürsorgeabhängigkeits-
bestätigung des Durchgangszentrums C._____ vom 2. November 2010 
zu den Akten reichte,

dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren,  soweit  für  den  Ent-
scheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen 
wird,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit per Telefax übermittelter Verfü-
gung vom 3. November 2010 den Vollzug der Wegweisung per sofort  
aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 4. November 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht eingingen,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

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dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 
Abs. 1 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufge-
zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. Ent -
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2  der Bun-
desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom 18. April 
1999 [BV, SR 101],  Art. 29 und 32 Abs. 1 VwVG) verlangt,  dass die 
verfügende Behörde die Vorbringen der betroffenen Person tatsächlich 
hört, prüft und bei der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich ent-
sprechend in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (Art.  35 

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E-7752/2010

Abs.  1  VwVG,  vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3),

dass  vorliegend der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  summarischen 
Befragung im EVZ zu Protokoll gegeben hat, er verfüge in Italien zu-
folge Gutheissung seines Asylgesuchs über eine bis 2011 gültige Auf-
enthaltsbewilligung (Akten BFM A5/11 S. 3 und 6),

dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung mit keinem Wort 
auf  dieses  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  eingegangen  ist  und 
nicht  begründet  hat,  weshalb  Art.  9  Ziff.  1  Dublin-II-VO (Verordnung 
[EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten Asylantrages zuständig ist), wonach bei Asylbewerbern, die 
über einen gültigen Aufenthaltstitel verfügen,  der Mitgliedstaat für die 
Prüfung des Asylantrags zuständig ist, der den Aufenthaltstitel ausge-
stellt hat, nicht zur Anwendung gelangen sollte,

dass diese grobe Verletzung der Begründungspflicht die sachgerechte 
Anfechtung der  Verfügung  verunmöglicht  (vgl. BVGE 2008/47  E. 3.2 
mit weiteren Hinweisen), weshalb diese aufzuheben und die Sache zur 
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist,

dass  zwar  eine  Missachtung  von  Verfahrensvorschriften  durch  das 
BFM aufgrund der umfassenden Kognition des Bundesverwaltungsge-
richts (Art. 106 AsylG) in bestimmten Schranken geheilt werden kann,

dass aber vorliegend das BFM den Anspruch des Beschwerdeführers 
auf rechtliches Gehör in schwerwiegender Weise verletzt hat, weshalb 
eine Heilung nicht in Betracht kommt und die angefochtene Verfügung 
zu kassieren ist,

dass die  Beschwerde demnach gutzuheissen,  die angefochtene Ver-
fügung  vom 25. Oktober  2010  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neu-
beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen ist,

dass mit  der Gutheissung der Beschwerde ohne vorgängige Instruk-
tion  die  Anträge  auf  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  und  auf 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses hinfällig geworden 
sind,

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dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen  sind  (Art.  63  Abs.  3  VwVG),  womit  der  Antrag  auf  Ge-
währung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG) 
gegenstandslos wird,

dass aufgrund der Akten nicht davon auszugehen ist, dem nicht vertre-
tenen Beschwerdeführer seien verhältnismässig hohe Kosten entstan-
den,  weshalb  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (Art.  7 
Abs. 4  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

(Dispositiv auf der nächsten Seite)

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E-7752/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 25. Oktober 2010 wird aufgehoben und die Sache 
zur  Neubeurteilung  im  Sinne  der  Erwägungen an  das  BFM zurück-
gewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM und  die  zu-
ständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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