# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b8e159d-74fd-5893-a8c7-ded623e351c0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-26
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 26.10.2017 SK 2017 51
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-51_2017-10-26.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 17 51

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 26. Oktober 2017 

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), Obergerichtssuppleantin Koch, 
Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiberin Eggli

Verfahrensbeteiligte A.________
privat verteidigt durch Rechtsanwältin B.________
(amtlich vertreten durch Fürsprecher C.________)

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

und

D.________
amtlich vertreten durch Rechtsanwältin E.________

Straf- und Zivilklägerin 1

und

F.________
amtlich vertreten durch Rechtsanwältin G.________

Straf- und Zivilklägerin 2

Gegenstand Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung, etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 16. November 2016 (PEN 16 415)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland hat mit Urteil vom 16. November 2016 Fol-
gendes erkannt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Vergewaltigung, begangen vor/in Bern z.N. von D.________ (Ziff. 3 AKS);

2. der sexuellen Nötigung, mehrfach begangen, teilweise Versuch dazu 

2.1. auf der Fahrt von Thun nach Bern z.N. von D.________ (Ziff. 1 AKS);

2.2. auf der Fahrt von Thun nach Bern anlässlich des Zwischenstopps z.N. von D.________ 
(Ziff. 3 AKS);

2.3. auf der Fahrt von Bern nach Genf/Lausanne z.N. von F.________ (Versuch; Ziff. 4 
AKS);

3. der Drohung, begangen an einem unbekannten Ort in der Region Genf/Lausanne z.N. von 
F.________;

4. der sexuellen Belästigung, begangen auf der Fahrt von Thun nach Bern z.N. von 
F.________;

alles begangen am 07.06.2015;

5. der Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer, 
mehrfach begangen

5.1. in der Zeit vom 03.07.2015 bis 16.01.2016 in Genf und anderswo durch rechtswidri-
gen Aufenthalt;

5.2. in der Zeit vom 20.01.2015 bis 31.12.2015 in Genf oder anderswo durch Ausüben ei-
ner nicht bewilligten Arbeitstätigkeit;

und in Anwendung der Art. 22, 30, 40, 47, 48a, 49 Abs. 1, 51, 106, 180 Abs. 1, 189 Abs. 1, 190 Abs. 
1, 198, 200 StGB; Art. 115 Abs. 1 lit. b und c AuG; Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 51 Monaten.

Die Untersuchungs- und Sicherheitshaft (vom 16.01.2016 bis am 16.11.2016) von 306 Tagen 
wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung wird auf 2 Tage festgesetzt.

3

3. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 21‘950.00 und 
Auslagen von CHF 5‘993.90, insgesamt bestimmt auf CHF 27‘943.90 (ohne Kosten für die 
amtliche Verteidigung).

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

CHF 8'350.00
persönliche Gebühren der Untersuchung CHF 1'600.00
Gebühren Staatsanwalt Auftritt an HV CHF 1'000.00
Gebühren des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 11'000.00
Total CHF 21'950.00

Gebühren der Untersuchung

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Auslagen Staatsanwaltschaft CHF 5'893.90
Kanzleiauslagen Gericht CHF 100.00
Total CHF 5'993.90

II.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Fürsprecher C.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 69.00 200.00 CHF 13'800.00

CHF 383.80
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 14'183.80 CHF 1'134.70

CHF 520.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 15'838.50

volles Honorar CHF 17'250.00
CHF 383.80

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 17'633.80 CHF 1'410.70
CHF 520.00

Total CHF 19'564.50

nachforderbarer Betrag CHF 3'726.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Übersetzerkosten ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Übersetzerkosten ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecher C.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 15‘838.50. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Fürsprecher C.________ die Differenz von CHF 3‘726.00 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von D.________ durch Rechtsanwältin E.________ werden wie folgt bestimmt:

4

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 40.00 200.00 CHF 8'000.00

CHF 276.70
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 8'276.70 CHF 662.15
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 8'938.85

volles Honorar CHF 10'000.00
CHF 276.70

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 10'276.70 CHF 822.15
Total CHF 11'098.85

nachforderbarer Betrag CHF 2'160.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin E.________ für die unentgeltliche Rechtsvertre-
tung von D.________ mit CHF 8‘938.85. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die 
unentgeltliche Rechtsvertretung von D.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirt-
schaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

A.________ wird verpflichtet, D.________ zuhanden von Rechtsanwältin E.________ als Dif-
ferenz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vol-
len Honorar CHF 2‘160.00 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Rechtsanwältin E.________ 
hat in diesem Umfang gegenüber ihrer Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG). 

3. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von F.________ durch Rechtsanwältin G.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 34.00 200.00 CHF 6'800.00

CHF 340.80
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 7'140.80 CHF 571.25
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 7'712.05

volles Honorar CHF 8'500.00
CHF 340.80

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 8'840.80 CHF 707.25
Total CHF 9'548.05

nachforderbarer Betrag CHF 1'836.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin G.________ für die unentgeltliche Rechtsvertre-
tung von F.________ mit CHF 7‘712.05. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die 
unentgeltliche Rechtsvertretung von F.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirt-
schaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

A.________ wird verpflichtet, F.________ zuhanden von Rechtsanwältin G.________ als Dif-
ferenz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vol-
len Honorar CHF 1‘836.00 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Rechtsanwältin G.________ 
hat in diesem Umfang gegenüber ihrer Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG). 

5

III.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 49 OR sowie Art. 126 und 433 StPO weiter verur-
teilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 12‘000.00 Genugtuung an die Privatklägerin D.________. Soweit 
weitergehend wird die Zivilklage abgewiesen.

2. Zur Bezahlung von CHF 8‘000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 07.06.2015 an 
die Privatklägerin F.________. Soweit weitergehend wird die Zivilklage abgewiesen.

3. Für den Zivilpunkt werden keine Verfahrenskosten ausgeschieden.

IV.

Weiter wird beschlossen:

1. A.________ wird in Sicherheitshaft belassen (Art. 231 Abs. 1 lit. a StPO). Vorbehältlich des 
vorherigen Eintritts der Rechtskraft des Urteils gilt die Sicherheitshaft bis zum Strafantritt, 
längstens jedoch bis am 16.02.2017 (s. separaten Beschluss). 

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. ________) ist nach Ablauf 
der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten ist 
nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 19 
Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungs-dienstlicher Daten).

Bereits am Tag nach der Urteilseröffnung, also am 17. November 2016, stellte sein 
damaliger amtlicher Verteidiger, Fürsprecher C.________, namens des Beschul-
digten/Berufungsführers (nachfolgend: Beschuldigter) ein Gesuch um vorzeitigen 
Strafantritt, welches vom erstinstanzlichen Verfahrensleiter mit Verfügung vom 
21. November 2016 gutgeheissen wurde (pag. 807 ff.). Der Beschuldigte konnte 
die Strafe am 17. Januar 2017 vorzeitig antreten. Er befindet sich seither in der 
JVA Thorberg (pag. 826 ff.).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, damals noch vertreten durch Für-
sprecher C.________, am 22. November 2016 form- und fristgerecht Berufung an 
(pag. 810). Mit Berufungserklärung vom 6. Februar 2017 (pag. 834 f.) beschränkte 
Fürsprecher C.________ die Berufung auf die Schuldsprüche wegen Vergewalti-
gung, mehrfacher, teilweise versuchter sexueller Nötigung, Drohung und sexueller 
Belästigung (Ziff. I.1.-4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie hinsichtlich 
des Strafmasses und der Genugtuungsansprüche (Ziff. III.1. und 2. des erstinstanz-
lichen Urteilsdispositivs). Mit Schreiben vom 13. Februar 2017 gab Rechtsanwältin 
B.________ bekannt, dass sie ab sofort die Interessen des Beschuldigten vertrete 
(pag. 842). Antragsgemäss wurden ihr umgehend die Verfahrensakten zur Ein-
sichtnahme zugestellt. Sowohl die Generalstaatsanwaltschaft als auch die Straf- 
und Zivilklägerin 1 (nachfolgend: Privatklägerin 1) und die Straf- und Zivilklägerin 2 
(nachfolgend: Privatklägerin 2) verzichteten mit jeweiligen Schreiben vom 15., 22. 
bzw. 27. Februar 2017 auf die Geltendmachung von Nichteintretensgründen sowie 

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auf das Erheben einer Anschlussberufung (pag. 845 ff.). Mit Verfügung vom 7. April 
2017 gab der Verfahrensleiter den Parteien davon Kenntnis, dass der Beschuldigte 
neu privat durch Rechtsanwältin B.________ verteidigt werde und stellte das Man-
dat des bisherigen amtlichen Verteidigers, Fürsprecher C.________, per sofort ein 
(pag. 872 f.).

Die Parteien wurden zur Berufungsverhandlung auf den 24. Oktober 2017 vorgela-
den. Die mündliche Urteilseröffnung fand am 26. Oktober 2017 statt.

3. Anträge der Parteien

3.1 Beschuldigter

Rechtsanwältin B.________ stellte und begründete für den Beschuldigten folgende 
Anträge (pag. 953): 

«1.

1.1. Das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 16.11.2016 (PEN 16 415 UVG) sei bezüg-
lich Ziff. I. Ziffern 1.-4. aufzuheben.

1.2

Der Beschuldigte sei diesbezüglich von Schuld und Strafe freizusprechen.

2.

2.1

Das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 16.11.2016 (PEN 16 415 UVG) sei bezüglich 
Ziff. III. Ziffern 1. und 2. aufzuheben.

2.2 

Auf die Genugtuungsansprüche sei infolge Freispruch nicht einzutreten bzw. diese seien abzuweisen. 

3.

Der Beschuldigte sei bezüglich der Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über Ausländerinnen 
und Ausländer (rechtskräftige Ziff. 1. Ziff. 5 des vorinstanzlichen Urteils) schuldig zu sprechen und 
hierfür mit 180 Tagessätzen à CHF 30.00 zu bestrafen. 

4. 

Dem Beschuldigten sei eine Entschädigung zuzusprechen, wobei die Höhe in das Ermessen des Ge-
richts gestellt wird. 

5.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.»

3.2 Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin H.________ stellte und begründete für die Generalstaatsanwalt-
schaft folgende Anträge (pag. 958 f.):

«I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht in Dreierbesetzung) vom 16. November 2016 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich des 

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Schuldspruchs wegen Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz, mehrfach begangen durch 
rechtswidrigen Aufenthalt und Ausübung einer nicht bewilligten Arbeitstätigkeit. 

II.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der Vergewaltigung, begangen am 07.06.2015 vor/in Bern z.N. von D.________ (Ziff. 3 AKS);

2. der sexuellen Nötigung, mehrfach begangen am 07.06.2015, teilweise Versuch dazu

2.1 auf der Fahrt von Thun nach Bern z.N. von D.________ (Ziff. 1 AKS);

2.2. auf der Fahrt von Thun nach Bern anlässlich des Zwischenstopps z.N. von D.________ 
(Ziff. 3 AKS);

2.3 auf der Fahrt von Bern nach Genf/Lausanne z.N. von F.________ (Versuch, Ziff. 4 
AKS);

3. der Drohung, begangen am 07.06.2015 an einem unbekannten Ort in der Region 
Genf/Lausanne z.N. von F.________ (Ziff. 5 AKS); 

4. der sexuellen Belästigung, begangen am 07.06.2015 auf der Fahrt von Thun nach Bern z.N. 
von F.________ (Ziff. 2 AKS).

und er sei gestützt hierauf sowie aufgrund des rechtskräftigen Schuldspruchs in Anwendung von Art. 
22, 30, 40, 47, 48a, 49 Abs. 1, 51, 106, 180 Abs. 1, 190 Abs. 1, 198, 200 StGB; Art. 115 Abs. 1 lit. b 
und c AuG; Art. 426 ff. StPO

III.

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 51 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft von 367 Tagen und mit vorzeitigem Strafantritt am 17.01.2017;

2. zu einer Busse von CHF 200.00 (Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen);

3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

IV.

Im Weitern sei zu verfügen:

1. A.________ sei zurück in den vorzeitigen Strafvollzug zu schicken.

2. Die Honorare der amtlichen Vertreterinnen seien gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

3. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profis (PCN-Nr. ________) sei nach Ablauf 
der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

4. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
sei nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 
Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Da-
ten).»

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3.3 Privatklägerin 1

Für die Privatklägerin 1 stellte und begründete Rechtsanwältin E.________ Fol-
gendes (pag. 934):

«1. Die Teilberufung des Beschuldigten betreffend die Widerhandlungen zum Nachteil der Privat-
klägerin D.________ sei vollumfänglich abzuweisen. Das Urteil des Regionalgerichts Bern-
Mittelland vom 16. November 2016 sei diesbezüglich zu bestätigen. 

2. Sämtliche Verfahrens- und Parteikosten des erst- und oberinstanzlichen Verfahrens seien dem 
Beschuldigten aufzuerlegen. 

3. Das amtliche Honorar sei gemäss eingereichter Kostennote festzusetzen.»

3.4 Privatklägerin 2

Rechtsanwältin G.________ stellte und begründete für die Privatklägerin 2 folgen-
de Anträge (pag. 365)

«Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 16. November 2016 
insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als 

A.________ schuldig gesprochen wurde

der Widerhandlung gegen das AuG, mehrfach begangen

1. in der Zeit vom 3. Juli 2015 - 16. Januar 2016 in Genf und anderswo durch rechtswidrigen Auf-
enthalt;

2. in der Zeit vom 20. Januar 2015 bis 31. Dezember 2015 in Genf und anderswo durch Ausüben 
einer nicht bewilligten Arbeitstätigkeit;

A.________ sei 

schuldig zu erklären

1. der sexuellen Nötigung (Versuch) begangen am 7. Juni 2015 auf der Fahrt von Bern nach 
Genf/Lausanne, zN. von F.________;

2. der Drohung, begangen am 7. Juni 2015 an einem unbekannten Ort in der Region 
Genf/Lausanne, z.N. von F.________; 

3. der sexuellen Belästigung, begangen am 7. Juni 2015 auf der Fahrt von Thun nach Bern, 
z.N. von F.________;

und er sei zu verurteilen

1. zu einer angemessenen Strafe;

2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten;

3. zur Bezahlung einer Genugtuung in Höhe von CHF 8‘000.00, nebst Zins von 5% seit dem 
6. Juni 2015 an F.________;

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Parteikosten von F.________ (im Straf- und Zi-
vilpunkt).

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des Weiteren

sei das erst- und oberinstanzliche Honorar für die amtliche Anwältin gemäss Kostennoten festzuset-
zen.»

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurde über den Beschuldigten 
ein Führungsbericht der JVA Thorberg, datierend vom 4. Oktober 2017, eingeholt 
(pag. 902 ff.) und den Parteien zugestellt.

Der Beweisergänzungsantrag von Rechtsanwältin B.________ während der obe-
rinstanzlichen Verhandlung, wonach über die Privatklägerin 2 ein Glaubwürdig-
keitsgutachten zu erstellen und das Verfahren bis zum Vorliegen dieses Gutach-
tens zu sistieren sei, wurde mit Beschluss der Kammer abgewiesen (pag. 908 f.). 
Zur Begründung führte der Präsident insbesondere aus, für die Kammer sei auf-
grund der Akten klar, dass sich die Privatklägerin 2 sehr wohl adäquat ausdrücken 
könne. Es handle sich vorliegend nicht um einen Fall, in welchem gemäss Praxis 
des Bundesgerichts ein Glaubwürdigkeitsgutachten einzuholen sei. Die Kammer 
behalte sich jedoch vor, je nach Eindruck, welchen sie von der Privatklägerin 2 
während der Befragung gewinne, auf diesen Beschluss zurückzukommen. Dies 
war indes nicht notwendig. 

Während der oberinstanzlichen Verhandlung beauftragte die Kammer den bereits 
anwesenden Übersetzer mit der integralen Übersetzung des in den Akten bereits 
vorhandenen Chatverkehrs zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 2 
zwischen dem 6. Juni 2015 um 15:08 Uhr und dem 10. Juni um 17:58 Uhr 
(pag. 455 bis pag. 467). Den Parteien wurde je eine Kopie des übersetzten Chat-
verkehrs (pag. 939 bis pag. 951) ausgehändigt.

Weiter wurden der Beschuldigte sowie die beiden Privatklägerinnen anlässlich der 
oberinstanzlichen Verhandlung noch einmal eingehend zur Person und zur Sache 
befragt (Privatklägerin 1 pag. 910 ff.; Privatklägerin 2 pag. 915 ff.; Beschuldigter 
pag. 921 ff.).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 16. November 2016 wurde 
vom Beschuldigten nur in Teilen angefochten. Nach Art. 404 Abs. 1 der Schweize-
rischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) überprüft die Kammer das erstin-
stanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Nicht angefochten und demzu-
folge in Rechtskraft erwachsen ist der Schuldspruch wegen mehrfacher Wider-
handlungen gegen das Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer (AuG; 
SR 142.20; Ziff. I. 5.1. und 5.2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Zu über-
prüfen sind demgegenüber die Schuldsprüche wegen Vergewaltigung, mehrfacher 
sexueller Nötigung und (teilweisen) Versuchs dazu, Drohung und sexueller Belästi-
gung (Ziff. I. 1. – 4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), die Sanktion samt Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. 1, 2 und 3 des Sanktionenpunkts bzw. Ziff. II. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie der Zivilpunkt (Ziff. III. 1. – 3. des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Neu zu verfügen ist hinsichtlich des DNA-

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Profils und der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. IV. 2. 
und 3. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) und der sich anders als im Zeitpunkt 
des erstinstanzlichen Urteils präsentierenden Haftsituation des Beschuldigten 
(Ziff. IV. 1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

In Bezug auf die angefochtenen Punkte verfügt die Kammer über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 3 StPO). Aufgrund der alleinigen Berufung des Beschuldigten ist die 
Kammer an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, 
d.h. sie darf das Urteil nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abändern. 

Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der in der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung angebrachte Würdigungsvorbehalt hinsichtlich Ziff. 4 der Ankla-
geschrift (evtl. versuchte sexuelle Nötigung und nicht bloss versuchte Vergewalti-
gung z.N. der Privatklägerin 2; pag. 704) auch oberinstanzlich gilt. 

II. Formelle Rügen

Im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung rügte Rechtsanwältin B.________ 
zwei formelle Mängel. Soweit sie geltend machte, im Verfahren vor der Vorinstanz 
seien die Aussagen der Privatklägerinnen nicht übersetzt worden und der Beschul-
digte habe deshalb gar nicht mitbekommen, was die beiden ausgesagt hätten, ist 
ihr Folgendes entgegen zu halten: Es besteht grundsätzlich kein Anspruch der be-
schuldigten Person auf umfassende Übersetzung sämtlicher Verfahrenshandlun-
gen. So sieht Art. 68 Abs. 2 StPO einzig vor, dass der beschuldigten Person in ei-
ner ihr verständlichen Sprache mindestens der wesentliche Inhalt der wichtigsten 
Verfahrenshandlungen mündlich oder schriftlich zur Kenntnis gebracht wird. 
Gemäss der Rechtsprechung zur EMRK besteht grundsätzlich Anspruch auf Über-
setzung aller Schriftstücke und mündlicher Äusserungen, auf deren Verständnis 
der Beschuldigte angewiesen ist, um in den Genuss eines fairen Verfahrens zu 
kommen. Dabei ist es gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung Sache des Be-
schuldigten bzw. seines Verteidigers, entsprechende Anträge auf Übersetzung von 
wichtig erscheinenden Teilen des Strafprozesses geltend zu machen. Ein pauscha-
ler Grundrechtsanspruch auf Simultanübersetzung der ganzen Hauptverhandlung, 
der von Amtes wegen durchzusetzen wäre, besteht nicht (BSK StPO I-URWYLER, 
N. 8 zu Art. 68 StPO). 

Vorliegend war der Beschuldigte bereits vor erster Instanz amtlich verteidigt. Weder 
er noch sein amtlicher Verteidiger verlangten je die vollumfängliche Übersetzung 
der Einvernahmen der beiden Privatklägerinnen. Folglich kann der Beschuldigten 
auch zum heutigen Zeitpunkt nichts aus dem Umstand ableiten, dass eine solche 
Übersetzung nicht stattgefunden hat. Hinzu kommt, dass die wesentlichen Aussa-
gen der Privatklägerinnen dem Beschuldigten – in Form von Vorhalten während 
seiner eigenen Befragung – ohnehin übersetzt wurden. Er war mithin jederzeit über 
die ihm gegenüber erhobenen Vorwürfe informiert und konnte sich bestens dage-
gen verteidigen. Entgegen der Vorbringen der Verteidigung liegt keine Verletzung 
des rechtlichen Gehörs vor.

Rechtsanwältin B.________ rügte weiter, das Vorgehen der Vorinstanz, trotz der 
Feststellung, die Privatklägerin 2 leide an geistigen Einschränkungen, unbesehen 

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auf deren Aussagen abzustellen, sei nicht zulässig. Werde auf ein Glaubwürdig-
keitsgutachten verzichtet, könne dem Beschuldigten gestützt auf diese Aussagen 
kein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden. Diesbezüglich kann auf die Aus-
führungen unter Ziff. 4 hiervor verwiesen werden. Die Einholung eines Glaubwür-
digkeitsgutachtens über die Privatklägerin 2 war zu keinem Zeitpunkt notwendig. 

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorbemerkungen

Die Vorinstanz stellte ihren Erwägungen unter dem Titel «Vorbemerkungen» einige 
bemerkenswerte und durchaus zutreffende Überlegungen zur Spezialität des vor-
liegenden Falles voran (pag. 743 ff.). Darauf kann grundsätzlich verwiesen werden. 
Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz jedoch, soweit sie betreffend die Privat-
klägerin 2 von erheblich beschränkten kognitiven Fähigkeiten ausgeht (vgl. dazu 
die nachfolgenden Ausführungen in Ziff. 10.3). Anders als während des erstinstanz-
lichen Verfahrens hat der Beschuldigte zudem nun vor oberer Instanz die Namen 
der mutmasslichen Mittäter genannt (pag. 924 Z. 26 ff.). Aus dem Umstand, dass 
er im vorliegenden Strafverfahren als Einziger zur Rechenschaft gezogen wird, 
kann er dennoch nichts zu seinen Gunsten ableiten. Er hat es sich insbesondere 
selber zuzuschreiben, dass die weiteren Beteiligten erst so spät bekannt geworden 
sind. Es wäre dem Beschuldigten ohne weiteres möglich gewesen, diese Informati-
onen schon viel früher bekannt zu geben. 

Weiter hat sich die Ausgangslage für die Beweiswürdigung im oberinstanzlichen 
Verfahren im Vergleich zu jener vor der Vorinstanz verändert. So bestreitet der Be-
schuldigte plötzlich nicht mehr, dass die Privatklägerin 2 mit nach Lausanne gefah-
ren ist und dass es dabei zu (auch ungewollten) sexuellen Handlungen kam (nach-
folgend Ziff. 10.2). Daneben haben sich die objektiven Beweismittel aufgrund der 
vollständigen Übersetzung der Chatnachrichten ebenfalls noch weiter verdichtet 
(nachfolgend Ziff. 9.2). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die Be-
weislage in oberer Instanz noch klarer darstellt als im erstinstanzlichen Verfahren. 

7. Unbestrittenes (Rahmen-)Geschehen

Auch auf die Ausführungen der Vorinstanz unter dem Titel «Unbestrittenes (Rah-
men-)Geschehen» (pag. 745 ff.) kann grundsätzlich verwiesen werden. Ergänzend 
und präzisierend ist zu den Beteiligten Folgendes nachzutragen: Beim Beschuldig-
ten wurde bei der Umschreibung seiner früheren AuG-Widerhandlungen aus der 
Anklageschrift fälschlicherweise der Ausdruck «Berufsausübungsbewilligung» 
übernommen. Es geht dabei aber klar darum, dass er in der Schweiz nie über eine 
Bewilligung zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit verfügte. Bezüglich der Privatklä-
gerin 2 ist festzuhalten, dass diese selbstverständlich nicht nur Albanisch, sondern 
auch Berndeutsch versteht und spricht.

Betreffend das Rahmengeschehen wesentlich und deshalb noch einmal hervorzu-
heben erscheint der Kammer insbesondere der Umstand, dass sich alle Beteiligten 
nicht gut kannten. Die beiden Privatklägerinnen lernten sich nicht lange vor dem 
Vorfall (gemäss der Privatklägerin 1 ca. zwei bis drei Monate; pag. 252 Z. 73) ken-

12

nen. Die Privatklägerin 2 und der Beschuldigte hatten erstmals fünf Tage vor dem 
Vorfall auf Facebook Kontakt. 

Unbestritten ist auch vor oberer Instanz, dass es zwischen dem Beschuldigten und 
der Privatklägerin 1 zu sexuellen Handlungen gekommen ist. Dies bestätigte der 
Beschuldigte anlässlich seiner oberinstanzlichen Befragung. Die Privatklägerin ha-
be seinen Penis im Mund gehabt und er habe sie sowohl an der Brust als auch 
«unten» berührt, er habe ihr aber nicht den Finger «reingetan» (pag. 924 Z. 41 ff.). 
Weiter ist aufgrund der (neuen!) Aussagen des Beschuldigten anlässlich der obe-
rinstanzlichen Verhandlung nicht mehr bestritten, dass die Privatklägerin 2 bei der 
Fahrt von Bern in die Westschweiz mit dabei war und dass es dabei zu (mindes-
tens teilweise unfreiwilligen) sexuellen Handlungen kam (pag. 922 Z. 8 ff.). Er gibt 
weiter zu, Druck auf die Privatklägerin 2 ausgeübt und sie am Bein über den Klei-
dern angefasst zu haben (pag. 924 Z. 11 und pag. 927 Z. 18 ff.).

8. Bestrittenes Geschehen

Der Beschuldigte machte auch vor oberer Instanz geltend, die sexuellen Kontakte 
mit der Privatklägerin 1 auf der Fahrt von Thun nach Bern bzw. beim Zwischenhalt 
seien allesamt einvernehmlich gewesen und zu einem vaginalen Eindringen sei es 
nie gekommen. Die Privatklägerin 1 habe freiwillig bzw. gegen Geld mitgemacht 
(pag. 924 f.). Betreffend die Privatklägerin 2 will der Beschuldigte an den (versuch-
ten) sexuellen Übergriffen durch seine Kollegen nicht beteiligt gewesen sein 
(pag. 922 f.). 

Die von der Vorinstanz gestellten Beweisfragen behalten mithin ihre Gültigkeit auch 
im oberinstanzlichen Verfahren (pag. 747 f.):

«In Bezug auf D.________:

1. Zu was für sexuelle Handlungen kam es auf der Fahrt von Thun nach Bern zwischen 
D.________ und A.________ bzw. kam es auch zu vaginalem Eindringen?

2. Erfolgten die sexuellen Kontakte (gegebenenfalls einschliesslich Geschlechtsverkehr) einver-
nehmlich, oder hat sich D.________, als es über das Küssen hinaus gegangen ist, gegen die 
sexuellen Handlungen seitens von A.________ überhaupt begonnen zu wehren und wenn ja 
wie, wie stark/heftig und wie lange?

3. War dieses sich zur Wehr setzen für den Beschuldigten erkennbar und musste er es als ernst 
zu nehmendes NEIN (verbal und körperlich) erfassen?

4. Hat sich der Beschuldigte über dieses NEIN hinweggesetzt, namentlich indem er ihre verbalen 
Äusserungen ignoriert und den körperlichen Widerstand mit Gewalt gebrochen hat? Und ge-
gebenenfalls inwiefern?

In Bezug auf F.________:

1. Kam es überhaupt und gegebenenfalls zu was für sexuelle Handlungen kam es auf der Fahrt 
von Thun nach Bern zwischen A.________ und F.________? Erfolgten die sexuellen Kontak-
te/Berührungen einvernehmlich oder gegen den Willen von F.________?

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2. Kam es überhaupt und gegebenenfalls zu was für sexuelle Handlungen kam es auf der Fahrt 
von Bern nach Genf zwischen A.________ (und seinen mitfahrenden Kollegen) und 
F.________?

3. Erfolgten die sexuellen Kontakte einvernehmlich oder hat sich F.________ dagegen gewehrt 
und gesetztenfalls wie, wie stark/heftig und wie lange?

4. War dieses sich zur Wehr setzen für den Beschuldigten (und seine Kollegen) erkennbar und 
musste er (bzw. diese) es als ernst zu nehmendes NEIN (verbal und körperlich) erfassen?

5. Hat sich der Beschuldigte (und seine Kollegen) über dieses NEIN hinweggesetzt, namentlich 
indem er (bzw. diese) ihre verbalen Äusserungen ignoriert und den körperlichen Widerstand 
mit Gewalt gebrochen hat (bzw. haben)? Und gegebenenfalls inwiefern?

6. Kann rechtsgenügend nachgewiesen werden, dass sich der Beschuldigte am 07.06.2015 ge-
genüber F.________ dahingehend geäussert hat, dass sie „drunter käme“ wenn sie zur Polizei 
gehe. Und gegebenenfalls wie wurde diese Äusserung von F.________ aufgefasst?»

9. Objektive Beweismittel

9.1 Rechtsmedizinisches Gutachten und Rapport Kriminaltechnischer Dienst 
(KTD)

Was die Vorinstanz zum rechtsmedizinischen Gutachten (pag. 119 ff.) und zum 
KTD-Rapport (pag. 124 ff.), insbesondere auch zu den daraus zu ziehenden 
Schlüssen, ausgeführt hat, ist richtig. Es kann an dieser Stelle auf das erstinstanz-
liche Motiv verwiesen werden (pag. 750 und pag. 752). 

Entgegen der Auffassung der Verteidigung kann aus dem Umstand, dass bei der 
gynäkologischen Untersuchung der Privatklägerin 1 kein genetisches Profil einer 
männlichen Person nachgewiesen werden konnte, nichts zugunsten des Beschul-
digten abgeleitet werden. Sowohl ein Eindringen des Beschuldigten mit dem Penis 
als auch mit dem Finger in die Vagina der Privatklägerin 1 ist möglich, ohne dass 
dabei zwingend hätten Spuren hinterlassen werden müssen. Dasselbe gilt für die 
fehlenden Verletzungen im Intimbereich der Privatklägerin 1. So geht aus dem Be-
richt des Instituts für Rechtsmedizin Bern (IRM) klar hervor, dass weder das Fehlen 
von genetischen Spuren einer männlichen Person, noch von genitalen Verletzun-
gen den von der Privatklägerin 1 geltend gemachten Geschlechtsverkehr aussch-
liessen (pag. 123). 

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass das IRM Gutachten die Aussage der Pri-
vatklägerin 1, wonach sie etwa eine Woche vor dem Vorfall nicht gekifft habe 
(pag. 271 Z. 476 ff.), bestätigt. Es gibt einzig Hinweise für einen länger zurücklie-
genden Cannabiskonsum (pag. 122). 

9.2 Überwachungsmassnahmen resp. rückwirkende Auswertung der Mobiltele-
fone der Parteien

Auch betreffend die getroffenen Überwachungsmassnahmen resp. rückwirkende 
Auswertung der Mobiltelefone der Parteien kann vorab auf das von der Vorinstanz 
Ausgeführte verwiesen werden (pag. 751 f.).

14

Ergänzend hält die Kammer Folgendes fest: Dass der Beschuldigte nicht bereit 
war, der Polizei seine Adresse bekanntzugeben, das Telefongespräch beendete 
und zur Einvernahme nicht erschien, erstaunt angesichts der Tatsache, dass er 
sich in der Schweiz illegal aufgehalten hat, nicht. Jedenfalls kann daraus nichts be-
treffend die vorliegend zu beurteilenden Vorwürfe abgeleitet werden. Wesentlich ist 
hingegen, dass mittels rückwirkender Überwachung der Rufnummern des Be-
schuldigten die Kontakte mit der Privatklägerin 2 für den fraglichen Tag/Abend und 
die jeweiligen Antennenstandorte festgestellt werden konnten (pag. 429 f.). Diese 
Auswertungen (K.________ – Q.________ – R.________) stehen im Einklang mit 
den Aussagen der beiden Privatklägerinnen über den zeitlichen/örtlichen Verlauf 
des fraglichen Abends/der fraglichen Nacht, insbesondere damit, dass sie vom Be-
schuldigten in Thun abgeholt worden seien. 

Aus dem Chat zwischen den beiden Privatklägerinnen (pag. 468 ff. bzw. 
pag. 490 ff.) geht hervor, dass die Privatklägerin 1 von Beginn weg offenlegte, dass 
sie kein Geld für den Ausgang in Bern habe und dass die Privatklägerin 2 ihr hier-
auf versicherte, ihr Kollege werde für sie beide bezahlen. Diese Tatsache spricht 
gegen die vom Beschuldigten vorgebrachte Variante «Sex gegen Geld»; die Pri-
vatklägerin 1 konnte gestützt auf die Versprechungen der Privatklägerin 2 vielmehr 
davon ausgehen, dass sie – ohne eine entsprechende Gegenleistung erbringen zu 
müssen – eingeladen wird. Ebenfalls ersichtlich ist aus den Chatnachrichten, dass 
die Privatklägerin 1 bereits zu diesem Zeitpunkt fast keinen Akku mehr hatte 
(pag. 492) und dass sie sich in einer gewissen Zwangslage befand, weil sie keinen 
Zug mehr nach Hause hatte (pag. 491). 

Eindrücklich ist sodann der Chat zwischen der Privatklägerin 1 und ihrer 
Freundin I.________. Dem Auszug aus dem WhatsApp-Chat ist zunächst zu ent-
nehmen, dass die Privatklägerin 1 ihrer Freundin am Sonntag 7. Juni 2015 um 2:27 
Uhr schrieb : «I.________, duuu muesh mer helfee; Ii het nii selle gahh; Bin etz vergwaltiigt wor-
dee; Ech chaa nöm; Ii weiss ned wonii bii u ha ksii akuu mee». Morgens um 9:38 Uhr schrieb 
dann I.________: «was?!» und dann um 13:33 Uhr «D.________; lebsch no; hey». Die 
beiden Frauen schrieben dann hin und her und die Privatklägerin 1 schilderte 
während dem (mit Unterbrüchen) mehrere Stunden andauernden Chat (ab 13:33 
Uhr bis 18:20 Uhr!) im Detail die Vergewaltigungserlebnisse (p. 493 f.). Auch über 
das weitere Vorgehen wie den Gang zur Polizei und zum Frauenarzt, dem Nicht-
Duschen-Dürfen wegen der Gefahr der Spurenverwischung und dem Fehlen im 
«J.________» (schulische Institution) wurde geschrieben. I.________ sprach zu-
dem von benötigter psychischer Unterstützung und Schmerzensgeld, das die Pri-
vatklägerin sicher zu Gute habe. 

Dieser Chat erweist sich insbesondere für die Feststellung des Motivs der Privat-
klägerin 1 zur Anzeigeerstattung sowie betreffend dem Ablauf der Geschehnisse 
als aufschlussreich. So geht daraus zweifelsfrei hervor, dass die Privatklägerin 1 
die Vergewaltigungsvorwürfe nicht etwa aus finanziellen Gründen erfand. Die Mög-
lichkeit einer Genugtuung war nämlich nicht ihre Idee. Es war I.________, die be-
merkte, dass der Privatklägerin 1 für die Schmerzen und die psychischen Beein-
trächtigungen Geld zustehen müsse. Auch musste die Privatklägerin 1 zuerst da-
von überzeugt werden, überhaupt zu Polizei zu gehen. Wie durcheinander die Pri-

15

vatklägerin 1 am Tag nach dem Vorfall war, zeigt sich zudem daran, dass sie das 
Geschehene überhaupt nicht mehr richtig einordnen konnte. So fragte sie: «Dass 
geiit under vergwaltigung oder??; Well ech chas gad nomm ishetzt i ii weiss erlii gseit au gad nid wiee 
demit umgah». Weiter deckt sich der in den Textnachrichten geschilderte Ablauf im 
Wesentlichen mit den späteren Aussagen der Privatklägerin 1 bei Polizei und 
Staatsanwaltschaft und weist viele Realitätskriterien auf: Die Chat-Schilderungen 
(pag. 493 ff.) sind lebendig-spontan, die Privatklägerin zeigt darin Gefühlsregungen 
(Erstaunen, Wut [auch über sich selber], Verzweiflung) mit Ausdrücken wie mehr-
fach «omg»; «so ebis hanii wüük noo nie erlebt das het mis lebe zeestört den das werdii niemeh 
vergesse»; «und ech füehleee mech soo dreckiig mues morn zuum frauee artz»; «weiss gaar ned ebii 
morn i shuel sell») und sie nimmt Bezug darauf, dass sie von ihrer Freundin 
I.________ ja vor der Privatklägerin 2 gewarnt worden sei: «omg du hesh so recht gha 
wie du denksh vo ere u so ii darf niemeh met dere henge wotii au im Moment nöm es het mii so zer-
stört». All dies spricht klar für erlebnisbasierte Schilderungen. So etwas kann sich 
die Privatklägerin 1 nicht derart schnell aus den Fingern gesogen und zuerst für 
den Chat mit I.________ und dann auch noch für die folgenden Befragungen zu 
Recht gelegt haben. 

Die Verteidigung machte geltend, die Chatnachricht an I.________ widerspreche 
den späteren Schilderungen der Privatklägerin 1 bei der Polizei und Staatsanwalt-
schaft betreffend die Anzahl Männer, welche sie im Auto festgehalten und ausge-
zogen hätten. Aus diesem Grund seien die Aussagen der Privatklägerin 1 nicht 
glaubhaft. Tatsächlich haben in der im Chat geschilderten Version zwei Männer die 
Privatklägerin 1 im Auto festgehalten und ausgezogen (wobei nur einer im Auto 
geblieben ist und die Privatklägerin vergewaltigt hat, pag. 494). Bei der Polizei und 
Staatsanwaltschaft gab die Privatklägerin 1 dann jeweils an, nur eine Person sei 
mit ihr im Fahrzeug geblieben und habe sie ausgezogen (pag. 256 Z. 259 f.; pag. 
284 Z. 97 f.). Dabei liegt aber nur auf den ersten Blick ein Widerspruch vor; aus 
den Einvernahmen geht nämlich hervor, dass die Privatklägerin 1 zwei unterschied-
liche Phasen geschildert hat. In einer ersten Phase hätten tatsächlich zwei Männer, 
nämlich der Beschuldigte neben ihr, welcher später dann im Fahrzeug geblieben 
sei, und der Beifahrer vorne, die Privatklägerin belästigt und auszuziehen versucht 
(pag. 254 Z. 185 ff.; pag. 283 Z. 81 ff.). In einer zweiten Phase sei sie alleine mit 
dem Beschuldigten im Fahrzeug zurück geblieben, wobei es diesem dann gelun-
gen sei, sie auszuziehen und zu vergewaltigen. Der Umstand an sich, dass sich 
diese Aussagen nicht zu 100 Prozent mit der im Chat geschilderten Version de-
cken, vermag die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 1 jedenfalls nicht 
zu schmälern. Es ist vielmehr so, dass sich diese Unstimmigkeit wohl damit be-
gründen lässt, dass die Privatklägerin 1 im Chat offensichtlich in möglichst kurzer 
Zeit möglichst viel sagen wollte; das Geschehene musste einfach raus. Zudem ist 
die Darstellung, dass es zeitweise zwei Männer waren, welche sie belästigt haben, 
gemäss ihren nachfolgenden Aussagen ja auch nicht falsch. Die Privatklägerin 1 
unterliess es im Chat einfach, zwischen den zwei Phasen zu differenzieren. Anläss-
lich ihrer mündlichen Befragungen blieb sie jedoch konsequent bei der gleichen 
Version, sodass dieser von der Verteidigung aufgedeckte, kleine Widerspruch un-
wesentlich erscheint. Der Beschuldigte kann daraus nichts zu seinen Gunsten ab-
leiten. 

16

Soweit die Verteidigung geltend machte, die von der Privatklägerin 1 geschilderte 
Vergewaltigung durch den Beschuldigten könne in Wirklichkeit auch auf dem nach-
folgenden Vorfall mit «Antonio» basieren, kann ihr nicht gefolgt werden. Die Privat-
klägerin 1 unterscheidet bereits im Chat klar zwischen den beiden Vorfällen, wel-
che im Übrigen auch nichts miteinander zu tun haben. Inwiefern es sich dabei um 
ein und denselben Vorfall handeln soll, erhellt sich der Kammer nicht. 

Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung wurde der Chat zwischen dem Be-
schuldigten und der Privatklägerin 2 im Zeitraum vom 6. Juni 2015 um 15:08 
Uhr bis am 10. Juni 2015 um 17:58 Uhr vollständig übersetzt (pag. 939 ff; bisher 
lag nur eine schriftliche Übersetzung einzelner Nachrichten vor), wobei die beiden 
während diesem Zeitraum täglich in Kontakt standen. Aus dem Chat geht hervor, 
dass die Privatklägerin 2 die Tage nach dem Vorfall in Lausanne verbrachte und 
dass der Beschuldigte dies auch wusste. Der Beschuldigte schrieb immer wieder, 
die Privatklägerin 2 solle nach Hause gehen bzw. fragte, ob sie nach Hause ge-
gangen sei. Die Privatklägerin erwiderte darauf jeweils, mit was sie denn gehen 
solle, sie habe ja kein Geld. Schliesslich wollte der Beschuldigte von der Privatklä-
gerin 2 wissen, ob sie zur Polizei gegangen sei. Die Privatklägerin antwortete ihm 
darauf, dass er es dann selber sehen werde. Am 10. Juni 2015 schrieb die Privat-
klägerin, sie sei jetzt im Zug nach Hause, was dazu passt, dass sie am selben Tag 
von der Polizei am Bahnhof in Bern angehalten werden konnte (pag. 92). Insge-
samt untermauern die Chatnachrichten die Aussagen der Privatklägerin (und auch 
die neuesten Aussagen des Beschuldigten), wonach sie von den Männern am Tag 
nach dem Vorfall in Lausanne «ausgesetzt» wurde.

9.3 Fazit

Die Vorinstanz hielt zu den objektiven Beweismitteln fest, diese seien «nachvoll-
ziehbar, schlüssig-stimmig» und es könne auf die darin festgestellten Tatsachen 
beweiswürdigend abgestellt werden. Allerdings könne weder von den IRM- und 
KTD-Befunden noch den elektronischen Nachrichten her gesagt werden, ob es – 
soweit bestritten – tatsächlich zu sexuellen Handlungen gekommen sei und ob und 
inwiefern die beiden Privatklägerinnen durch Gewalt zu den sexuellen Handlungen 
genötigt worden seien bzw. inwieweit sie sich gewehrt hätten (pag. 752). 

Das ist insoweit zutreffend, als dass die objektiven Beweismittel aus rein spuren-
technischer Sicht nicht weiter zu helfen vermögen und keine Rückschlüsse auf ei-
nen genauen Tathergang zulassen. Hingegen ist für die Kammer der sehr detaillier-
te und sich über mehrere Stunden hinziehende Chat mit I.________ (pag. 493 ff.) 
doch äusserst aufschlussreich. Die ganze Schilderung deckt sich nämlich nicht nur 
(in fast allen wesentlichen Punkten, vgl. dazu die Ausführungen in Ziff. 9.2 hiervor) 
mit den späteren Aussagen der Privatklägerin 1 zum Tatgeschehen, sondern im-
poniert auch aufgrund der Interaktion, welche haufenweise Realitätskriterien auf-
weist. Auch die beiden anderen Chatprotokolle (zwischen den Privatklägerinnen 
und zwischen der Privatklägerin 2 und dem Beschuldigten) sind aufschlussreich, 
bestätigen sie doch über weite Teile die späteren mündlichen Aussagen beider Pri-
vatklägerinnen. 

17

10. Subjektive Beweismittel

Für die Kammer stehen bei den subjektiven Beweismitteln die Aussagen der Pri-
vatklägerin 1 im Zentrum. Die Ausführungen dazu folgen deshalb im Unterschied 
zur Vorinstanz an erster Stelle (vor denjenigen des Beschuldigten und der Privat-
klägerin 2). 

10.1 Aussagen der Privatklägerin 1 samt Würdigung

Die Privatklägerin 1 wurde mehrfach zu den von ihr erhobenen Vorwürfen einver-
nommen (polizeiliche Einvernahme am 8. Juni 2015, pag. 250 ff., delegierte polizei-
liche Einvernahmen am 12. Juni 2015, pag. 261 ff. und am 3. März 2016, pag. 288 
ff.; staatsanwaltschaftliche Einvernahme am 20. November 2015, pag. 281 ff., erst-
instanzliche Einvernahme am 14. November 2016 pag. 675 ff. sowie Einvernahme 
vor Obergericht am 24. Oktober 2017, pag. 910 ff.). Wie die Vorinstanz zutreffend 
ausführte (pag. 758 ff.), sind die ersten Aussagen der Privatklägerin 1 vom 8. Juni 
2015 detailliert, relativ tatnah und sie stehen zudem absolut in Einklang mit den – 
von der Kammer als sehr authentisch und erlebnisbasiert bezeichneten – (und 
eben noch tatnäheren) Schilderungen im Chatverkehr mit I.________ (vgl. Ziff. 9.2 
hiervor). 

Die Vorinstanz hat dann etwas pauschal und ohne ihre Ausführungen an dieser 
Stelle mit entsprechenden Verweisen zu belegen festgehalten, die Privatklägerin 1 
habe «nicht nur zum Rahmengeschehen, sondern auch zum Kerngeschehen (und damit strukturver-
gleichend qualitativ gleichbleibend) nachvollziehbare, konstante (ohne stereotyp wiederzugeben) und 
im Wesentlichen deckungsgleiche, sehr detailliert-stimmige, sachliche Angaben gemacht, die nach 
der Undeutsch-Hypothese Ausdruck von selbst Erlebtem und so nicht erfindbar seien» (pag. 758) 
Und weiter (pag. 758): «Ihre Ausführungen imponieren durch die Schilderung von Aktion und 
Reaktion, Komplikationen, das Kerngeschehen wird mit bestimmten raum-zeitlichen Gegebenheiten 
verknüpft, eigene Gedanken/Eindrücke/Überlegungen werden geschildert, originelle Ausdrucksweisen 
sind mehrfach auszumachen, deliktstypische Schilderungen fehlen ebenso wenig, Unsicherhei-
ten/Nichtwissen/Erinnerungslücken werden zugegeben ebenso wie die des eigenen unguten Gefühls 
beim Einsteigen ins Auto und insoweit damit zusammenhängend eine Naivität/Leichtsinn und das 
Eingestehen, dass man auch schon gegen Geld sexuelle Dienste verrichtet habe [und das von allem 
Anfang an! pag. 259 Z. 431 ff.]. Auch finden sich keine Übertreibungen/Aggravierungen, ebenso we-
nig unnötige Belastungen des Beschuldigten, vielmehr übte sie sich in Selbstkritik/Selbstreflexion. 
Insgesamt sind in ihren Aussagen zahlreiche Realkennzeichen auszumachen. Auch sind ihre Aus-
führungen ohne Weiteres in Einklang stehend mit den objektiven Befunden.»

Klare und auch für die Kammer überzeugende Hinweise auf inhaltliche Realkenn-
zeichen in den Aussagen der Privatklägerin einerseits bzw. umgekehrt auf das 
Fehlen von Anzeichen für eine Falschbezichtigung, Suggestion, Irrtum oder der-
gleichen, finden sich indessen in den Ausführungen der Vorinstanz zu einzelnen 
Vorbringen der Verteidigung (pag. 759 ff.):

«- In Anbetracht der gesamten Umstände ist nicht weiter verwunderlich, dass D.________ (wie 
auch F.________) zur Strecke und den einzelnen Anhalteorten keine näheren Angaben ma-
chen konnte: Angesichts der geschilderten Verhältnisse versteht es sich von selbst, dass sie 
sich – zumal es Nacht war – bei den engen Platzverhältnissen und den Bedrängungen von der 
Seite und von vorne nicht noch gross die Strecke bzw. Örtlichkeiten merken konnte. Daran 

18

vermag die Tatsache, dass sie sich in K.________ (Ortschaft) im Wohn- und Schulheim 
L.________ aufgehalten hat und diese Gegend kennen sollte, nichts zu ändern.

- Auch wenn die Platzverhältnisse gerade in der Phase, als man zu viert auf den Rücksitzen 
war, ganz bestimmt eng waren, lässt sich nicht ernsthaft argumentieren, A.________ hätte 
nicht die Freiheiten/Möglichkeiten gehabt, sich derart sowohl gegenüber D.________ als auch 
F.________ zu verhalten bzw. er hätte gar vier Arme haben müssen.

- Auch der Einwand, es sei widersprüchlich, wenn sie mal davon spreche, der Beschuldigte ha-
be einen Finger in ihre Vagina „geben“ wollen, wie sie das ausdrückte, sie dann in anderen 
Einvernahmen davon spreche, er sei effektiv eingedrungen, vermag die Glaubhaftigkeit ihrer 
Aussagen nicht in Zweifel zu ziehen: „Er versuchte mir auch seinen Finger in meine Scheide 
zu stossen. Dies gelang ihm. Obwohl ich mit meinem Gesäss immer hin und her bewegte“ 

(p. 255, Z. 235 ff.) oder: „Er versuchte die ganze Zeit, mir den Finger zu geben. … Er konnte 
auch eindringen“ (p. 267, Z. 260 resp. 273 f.). Und in der Hauptverhandlung sagte sie: „Er woll-
te mir die ganze Zeit den Finger in die Vagina ‚geben‘…“ (S. 15, Z. 21 f.). Das sind im Gesam-
ten betrachtet keine Widersprüche, ebenso wenig wenn sie bezüglich der Anzahl des Eindrin-
gens mit dem Penis in ihre Scheide unterschiedliche Aussagen machte, sondern nachgerade 
Ausdruck eines nicht stereotypen Aussageverhaltens.

- Auch die Umstände, dass D.________ nach dem ersten Halt wieder hinten ganz rechts Platz 
genommen und beim zweiten Halt nicht versucht hat zu schreien oder sonstwie auf sich auf-
merksam zu machen (und nicht einmal flüchtenderweise den „Tatort“ verlassen hat), kann der 
Beschuldigte in Bezug auf die Intensität der Tatmittel nichts zu seinen Gunsten ableiten: Aus 
diesen „Unterlassungen“ kann ebenso wenig auf eine fehlende Chancenlosigkeit bzw. Wider-
standsunfähigkeit geschlossen werden wie aus ihrer Schilderung „Ich machte dann eine An-
deutung, dass ich mich aber vorher anziehen möchte, wenn ich ihm das mache. Er liess mich 

dann meine Unterhose und Hose anziehen“ (p. 257, Z. 312 ff.): D.________ war im Auto in 
den Händen von A.________ „gefangen“, daran vermag dieser Unterbruch nichts zu ändern, 
zumal sich die Kollegen des Beschuldigten und F.________ in ca. 10 m Distanz zum Auto be-
funden haben. 

- „Ich habe ihn mit meinen Händen von mir weggestossen und auch mit meinen Füssen. Er 
wurde aber plötzlich richtig böse. Er packte mich an den Schultern und drückte mich nach un-

ten. Er hielt mir auch meine Beine mit seinen Händen fest. Irgendeinmal hatte er mich so, dass 

er mich ‚figgen‘ konnte (p. 256, Z. 274 ff.). …Er war kniend vor mir und zog mein Gesäss ge-

gen sich. Ich lag wie ein ‚Krüppel‘ in diesem Auto auf dem Rücksitz. Ich lag mit meinem Na-

cken bzw. Kopf an der Hintertüre. Mit seinen Händen drückte er mir meine Beine auseinander“ 
(p. 256, Z. 295 ff.), „Er nahm mir meinen Kopf und drückte diesen gegen seinen Penis. … Er 
hielt mir meinen Kopf mit seinen Händen fest. So, dass ich gar nicht wegkonnte“ (p. 257, 
Z. 311 ff.), „Der links neben mir zog mich immer wieder hinein und sagte etwas auf Albanisch 
zu mir. Ich verstand es aber nicht, aber vermutlich sagte er mir, ich solle im Auto bleiben“ (p. 
266, Z. 235 ff.), „Ja er drückte mich im Auto herunter, so dass ich auf dem Rücken lag. Ich 
wollte ihn mit den Beinen ‚schutten‘ dass er von mir weg geht. Dann hielt er meine Beine fest, 

damit ich ihn nicht mehr ‚schutten‘ konnte (p. 267, Z. 303 ff.). … Ich lag ja quasi in dem Auto, 

da er mich ‚abedrückt het‘. Nachher kniete er im Auto auf, er wollte mich irgendwie beruhigen. 

Dann eben hielt er meine Füsse fest (p. 268, Z. 310 ff.). … Ich konnte gar nicht mehr aufsitzen. 

Er drückte mich immer hinunter, damit ich nicht aufsitzen konnte. Er hatte mich so positioniert, 

dass ich wie gelähmt war“ (p. 268, Z. 317 ff.). …“ 

19

Dies sind alles in allem eindrückliche, nachvollziehbar-glaubhafte Schilderungen einer Gewaltanwen-
dung seitens von A.________ mit Blick auf die Frage der Widerstandsunfähigkeit bzw. Zumutbarkeit. 
Da kann nun nicht ernsthaft behauptet werden, D.________ habe nie von Gewalt im eigentlichen Sin-
ne gesprochen. Damit einhergehend kann die Verteidigung auch nicht damit gehört werden, dass 
beim „Riesenstress“ bei dem allfälligen „Vergewaltigungsversuch“ in Verbindung mit dem vorerwähn-
ten „Zeitfaktor“ schlicht kein als „Nötigung“ (im Sinne der Widerstandsunfähigkeit/Unzumutbarkeit) zu 
wertender Zustand bzw. die erforderliche Intensität des Einwirkens auf D.________ sei nicht gegeben 
gewesen. Es macht auch keinen Sinn (und A.________ hatte ja auch keine Erklärung dafür), weshalb 
D.________ über das Küssen hinausgehende sexuelle Handlungen einschliesslich Geschlechtsver-
kehr abgelehnt haben soll, um dann quasi „freiwillig“ den Beschuldigten oral zu befriedigen. An dieser 
Beurteilung vermag ihre Aussage in der Hauptverhandlung am 14.11.2016: „Das habe ich natürlich 
nachher gemacht. So wie ich die Männer kenne, wusste ich, dass sie nachher Ruhe geben“ (S. 15, Z. 
35 f.) nichts zu ändern.

[…]

Es können nicht einzelne Beweismittel und Aussagen der Privatklägerin unter Ausblendung der Ge-
samtwürdigung zerpflückt werden. Insgesamt sind die Aussagen von D.________ als sehr glaubhaft 
zu werten, stimmig-nachvollziehbar, frei von nennenswerten Widersprüchen/Unstimmigkeiten und 
letztlich auch absolut in Einklang mit dem persönlichen Eindruck, den das Gericht von ihr gewinnen 
konnte. Sie hat sehr sicher und überlegt, aber auch bestimmt ausgesagt. Schilderungen von gewissen 
Details sind sehr lebhaft und anschaulich beschrieben, insbesondere die Ausdrucksweise, dass sie 
wie ein „Krüppel“ im Auto gelegen sei mit dem Nacken an der Hintertüre. Gerade solche Details spre-
chen für selbst Erlebtes.

Insgesamt gesehen ist bei ihren Aussagen ein quantitativer Detailreichtum auszumachen. 
D.________ hat eine erhebliche Anzahl von Einzelheiten beschrieben, welche für die Beurteilung der 
Zuverlässigkeit von Aussagen von Bedeutung sind. Unter den Aspekt des Detailreichtums fallen z.B. 
Ortsangaben, Personen, die in verschiedener Hinsicht beschrieben werden, Abfolge von Handlungen 
Schritt für Schritt wiedergegeben werden, Gespräch wiedergegeben werden können etc. Sie konnte 
zwar in der Tat keine Ortsangabe machen, dafür konnte sie umso mehr zur Täterbeschreibung sagen. 
Dies ist durchaus nachvollziehbar, sass sie doch mit mutmasslich vier Männern zusammengepfercht 
in einem Auto und hatte wohl auch kaum Zeit, nach draussen zu schauen, zumal es um diese Uhrzeit 
sowieso schon lange dunkel war, aber sie hatte im Gegenzug umso mehr die Möglichkeit, sich die 
Gesichter und Kleider der Männer einzuprägen. Signalementsangaben zu den Tätern sind recht de-
tailliert (z.B. p. 252, Z. 120 ff.). D.________ hat bei der Beschreibung der Täter ganz verschiedene 
Merkmale der einzelnen Männer beschrieben, und zwar vom ungefähren Alter, über die Grösse, Sta-
tur und sogar die verschiedenen Haarschnitte und Kleider (z.B. dunkle Haare, auf der Seite rasiert 
und auf dem Oberkopf längere Haare, er trug einen Dreitagebart, einen dunklen Gurt mit einer 
Schnalle, oder er trug eine Halskette). 

Aber auch die Abfolge der Handlungen konnte sie Schritt für Schritt wiedergeben. Sie berichtete auch 
eher nebensächliche Umstände, wie z.B. über das Genfer-Kontrollschild, 5-türiger PW etc., die aber 
wieder einen hohen Detaillierungsgrad aufweisen, da ihr sogar aufgefallen ist, dass der PW 5-türig 
war. Gespräche in dem Sinne fanden ja keine statt, da der Beschuldigte nicht Deutsch spricht, und 
D.________ der albanischen Sprache nicht mächtig ist. Jedoch beschrieb sie die Abfolge der Ereig-
nisse im Auto Schritt für Schritt, nämlich wie er sie auf den Hintersitz gegen die Türe geschoben habe, 
wie sie eingeklemmt gelegen sei, wie er ihr die Beine festgehalten und auseinandergedrückt habe 
und wie er – als er nicht eindringen konnte – ihr zu verstehen gegeben habe, sie solle ihm einen bla-

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sen und dass sie dann noch zuerst die Kleider wieder ganz habe anziehen wollen etc. Einem lügen-
den Opfer oder Zeugen wäre es nahezu unmöglich, eine Falschaussage mit zahlreichen Einzelheiten 
auszuschmücken. Dieser Detailreichtum in ihren Aussagen spricht schon nur deshalb dafür, dass sie 
die Wahrheit sagt, da sie auch nicht lange Zeit hatte, sich die Einzelheiten in Ruhe zu überlegen, wur-
de sie doch tatnah befragt, und zwar schon am Tag nach dem Ereignis, am 08.06.2015. 

Mehr als quantitativer Detailreichtum sind vor allem aber Besonderheiten des Aussageinhaltes von 
Bedeutung, die der Detaillierung eine qualitative Ausprägung geben. Dazu gehören z.B. eigenpsychi-
sche Vorgänge, wie das Beschreiben von Angst, von Argwohn und Ekel. D.________ erfüllt auch die-
se Kriterien, schilderte sie doch anschaulich, dass sie ein ungutes Gefühl gehabt habe, als sie in das 
Auto mit den mutmasslich vier Männern eingestiegen sei, welche nur Albanisch gesprochen haben. 
Ebenso anschaulich schilderte sie, dass sie das Sperma nicht im Mund habe behalten wollen und es 
alsdann, als der Beschuldigte ihr die Autotüre geöffnet habe, auf den Boden gespuckt habe. Insge-
samt sollte bei einer Zeugenaussage, ausser den einzelnen Besonderheiten der Detaillierung, stets 
auch die Gesamtheit der Besonderheiten beachtet werden. Eine Häufung solcher Besonderheiten gibt 
es in Falschaussagen praktisch nicht, weshalb vorliegend alles dafür spricht, dass D.________ die 
Wahrheit gesagt hat.»

Diesen korrekten und umfassenden Ausführungen schliesst sich die Kammer – 
auch mit Blick auf den persönlichen Eindruck der Privatklägerin 1, welchen sie an-
lässlich der oberinstanzlichen Verhandlung gewonnen hat – vollumfänglich an. Die 
Aussagen der Privatklägerin 1 erscheinen spontan, offen, lebendig, direkt, detail-
liert, plausibel und konstant. In ihren Aussagen findet sich eine Vielzahl von Real-
kriterien (beispielsweise die bereits von der Vorinstanz erwähnte Schilderung der 
Privatklägerin, sie sei wie ein «Krüppel» auf dem Rücksitz gewesen, sie sei wie 
gelähmt gewesen oder die Schilderung betreffend des Spermas im Mund behal-
ten), aber kein einziges Phantasiesignal. Ein eindrückliches Realkriterium ist auch 
die Äusserung der Privatklägerin 2, wonach der Beschuldigte ihr nach dem Oral-
verkehr Wasser aus dem Kofferraum gegeben habe, damit sie sich Mund und 
Hände habe spülen können und dass der Beschuldigte von da an «eigentlich nett» 
zu ihr gewesen sei (pag. 257 Z. 328 f.). Eine solche Aussage macht kein Opfer, 
das jemanden aus Rache und damit völlig zu Unrecht eines derartigen Vorwurfs 
bezichtigen will. 

Der ganze Geschehensablauf ist lebendig, originelle Aktionen und Reaktionen pas-
sen zusammen, ohne dass es irgendwo zu einem Bruch kommt. So beispielsweise 
die Schilderung, wie der Beschuldigte und der Beifahrer vorne immer wieder ver-
sucht hätten, den Finger in ihre Scheide zu stossen und wie es ersterem gelungen 
sei, obwohl sie mit ihrem Gesäss immer hin- und her bewegt habe (pag. 255 Z. 235 
ff.). Oder auch, wie die Privatklägerin 1 erzählte, dass sie den Beschuldigten mit ih-
ren Händen und Füssen von sich weggestossen habe, er aber plötzlich richtig böse 
geworden sei (pag. 256 Z. 274 f.). Weiter schilderte die Privatklägerin 1 auch Kom-
plikationen im Handlungsablauf, so beispielsweise, wie der Beschuldigte zunächst 
versucht habe, ihr das T-Shirt nach oben zu stossen, ihm das aber nicht gelungen 
sei, weil sie es immer wieder nach unten gezogen habe und er danach versucht 
habe, die Knöpfe an ihrem T-Shirt zu öffnen (pag. 255 Z. 227 ff.). Solche Details 
finden sich in einer erfundenen Geschichte nicht. Weiter fällt auf, dass die Privat-
klägerin 1 von sich aus Ergänzungen machte. So erzählte sie beispielsweise 

21

während der zweiten Einvernahme von zwei Stopps auf der Fahrt nach Bern (pag. 
264 Z. 154 ff.), während sie in der der ersten Einvernahme nur von einem Stopp 
sprach (pag. 256 Z. 255 ff.). Eine derart spontane Änderung in der Schilderung des 
Handlungsablaufs auf so natürliche Art und Weise kann nur von jemandem kom-
men, der weiss, dass er die Wahrheit erzählt. 

Zusammenfassend erachtet die Kammer die Aussagen der Privatklägerin 1 als 
äusserst glaubhaft. Ihre Schilderungen sind überzeugend, sodass die Kammer 
darauf abstellt. Daran vermögen – wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen – 
auch die Vorbringen der Verteidigung nichts zu ändern: 

- Soweit die Verteidigung die Privatklägerin 1 als unglaubwürdig erachtet, weil 
sie einen Widerspruch ausmachte zwischen dem in der Chatnachricht ge-
schilderten Sachverhalt und dem Sachverhalt, welchen die Privatklägerin 
dann später bei Polizei und Staatsanwaltschaft zu Protokoll gab, kann auf 
das in Ziff. 9.3 hiervor Ausgeführte verwiesen werden. 

- In ihrem Plädoyer tönte die Verteidigung an, die Privatklägerin 1 habe allge-
mein einen lockeren Umgang mit Sexualität und sie verfüge unbestrittener-
massen über Erfahrungen mit «Sex gegen Geld». Es bleibt unklar, was dar-
aus zu Gunsten des Beschuldigten abgeleitet werden soll. So betonte die 
Privatklägerin 1 von allem Anfang an, dass das, was die Person Nr. 4 (= der 
Beschuldigte) mit ihr gemacht habe, wirklich gegen ihren Willen gewesen sei. 
Es sei ein grosser Unterschied für sie, wenn sie es gegen Geld mache. Dann 
sei sie darauf vorbereitet (pag. 259 Z. 442). Und weiter (pag. 259 Z. 445 f.): 
«Sonntag in der Nacht wusste ich nicht, was auf mich zukommt und es war total unerwartet. 
Ich wollte das nicht». Dass sie sich im Anschluss an die Vorfälle mit dem Be-
schuldigten dann mit «Antonio» tatsächlich auch noch auf «Sex gegen Geld» 
einliess (um dann trotzdem kein Geld fürs Bahnbillet zu bekommen, pag. 258 
Z. 377 ff.) schilderte sie von sich aus, ohne entsprechenden Vorhalt. Erst in 
der nächsten Befragung wurde sie damit konfrontiert, dass sie auf der Auto-
fahrt nach Bern zur Privatklägerin 2 gesagt haben soll, dass sie Sex gegen 
Geld mache und dass sie von einem der Männer Geld für Sex bekommen 
haben soll – und da widersprach sie heftig (pag. 270 Z. 410 ff.): «Das habe ich 
nicht gesagt. Ich habe mit ihnen nicht einmal geredet, da sie die ganze Zeit albanisch spra-
chen» bzw. «Genau  … nein, das stimmt überhaupt nicht (Verbal: Frau D.________ seufzt)». 
Diese Reaktion wirkt authentisch und echt. Gleich tönte es im Übrigen in der 
erstinstanzlichen bzw. oberinstanzlichen Hauptverhandlung («Das stimmt hinten 
und vorne nicht. Das habe ich nie gesagt», pag. 680 Z. 21 ff. bzw. «Der Beschuldigte 
sagt auch, Sie hätten nach dem Oralverkehr von ihm CHF 50.00 verlangt. Was sagen Sie da-
zu? Das stimmt auch nicht. […] Ich gebe es zu, dass ich das damals manchmal gemacht habe. 
Das hat F.________ wohl mitbekommen und ihm dann das Gesagt. Mir gegenüber hat sei es 
aber nie so gesagt, da ist es immer nur um Ausgang gegangen.», pag. 912 Z. 32 ff). Hin-
zu kommt, dass die Privatklägerin ja wohl kaum von selber das Thema «Sex 
gegen Geld» aufs Tapet gebracht hätte, wenn dies effektiv auch beim Be-
schuldigten der Fall gewesen wäre und man dann daraus zu ihren Ungunsten 
auf eine Freiwilligkeit schliessen könnte.

22

- Die Verteidigung brachte weiter vor, die Anzeige der Privatklägerin 1 sei aus 
Rache erfolgt, weil sie den Beschuldigten dafür verantwortlich mache, was ihr 
im Zusammenhang mit der Gruppe um «Antonio» widerfahren sei. Sie habe 
die angebliche Vergewaltigung im Auto problemlos konstruieren können und 
lediglich ergänzen müssen, dass der Beschuldigte sie auf dem Rücksitz wei-
ter bedrängt habe. Aus dem Detailierungsgrad ihrer Aussagen könne eben-
falls nichts geschlossen werden. Die vom Beschuldigten eingestandenen 
Handlungen habe die Privatklägerin 1 lediglich damit ergänzen müssen, dass 
der Beschuldigte sie auf dem Rücksitz weiter bedrängt habe. Dies benötige 
keinen grossen Aufwand/keine Phantasie. 

Dieser Darstellung ist vehement zu widersprechen. Wie bereits ausführlich 
dargelegt wurde, erachtet die Kammer die Aussagen der Privatklägerin als 
äusserst glaubhaft. Die Schilderungen, wie sie vom Beschuldigten bedrängt 
wurde, kann die Privatklägerin so nicht erfunden haben. Zudem ist schlicht 
unvorstellbar, dass sie dieses gesamte Strafverfahren hätte auf sich nehmen 
sollen, um sich für das Nichtbezahlen von CHF 50.00 beim Beschuldigten zu 
rächen. Im Übrigen machte der Beschuldigte oberinstanzlich auch gar nicht 
mehr geltend, er habe die Privatklägerin um ihr Geld betrogen. Er führte 
vielmehr aus, er habe ihr den Eintritt in die Disco sowie Getränke bezahlt, er 
habe sie nicht beschissen (pag. 925 Z. 16 f.). Damit entbehrt ein vermeintli-
ches Rachemotiv ohnehin jeglicher Grundlage.

10.2 Aussagen des Beschuldigten samt Würdigung
Die Vorinstanz führte zu den bisherigen (vor der oberinstanzlichen Befragung ge-
machten) Aussagen des Beschuldigten Folgendes aus (pag. 753 ff.):

«Nachdem selbst seitens der Verteidigung ausgeführt worden ist, das Aussageverhalten des Be-
schuldigten sei nicht blendend bzw. nicht hoch intelligent gewesen, kann festgehalten werden, dass 
seine Aussagen durch Widersprüche, und zwar in sich und zu den objektiven Beweismitteln und Tat-
sachen, imponieren, ein „Gesinnungswandel“ bezüglich D.________ auszumachen ist, und schluss-
endlich noch Übersetzungsfehler etc. geltend gemacht worden sind. Signifikant ist auch das Aussa-
geverhalten von A.________ am Schluss der Hafteröffnung: „Wäre es möglich, dass ich mit 
F.________ unter vier Augen sprechen könnte? Und auch mit der anderen Frau, die mich beschul-

digt? Denn ich kenne sie nicht“ (p. 37/144). 

Insgesamt zeichnen sich die Aussagen von A.________ aus durch zahlreiche Lügensignale, und die 
Aussagen müssen letztlich auch als Schutzbehauptungen abgetan werden. Das Bestreiten der sexu-
ellen Handlungen an sich (soweit nicht eingestanden) bzw. das Festhalten daran, dass diese ein-
vernehmlich stattgefunden hätten, ist alles andere als glaubhaft. Bereits anlässlich der Hafteröffnung 
vom 18.01.2016 bestritt er, dass D.________ bereits auf der Fahrt von Thun nach Bern dabei gewe-
sen sei. Man habe dann im Club „M.________“ eine weitere Frau getroffen, eine Kollegin von 
F.________, aber auf der Fahrt sei nur F.________ im Auto gewesen (z.B. p. 139/140, Z. 302 ff.). 
Auch anlässlich der Hafteröffnung machte er geltend, dass F.________ nach diesem ersten Treffen 
vom 07.06.2016 in der darauffolgenden Woche nach Genf gekommen sei und sie zusammen spazie-
ren gegangen seien und sich geküsst hätten. Man habe sich dann aber bald einmal gestritten, und es 
sei „nicht mehr gegangen“. Auf Nachfrage, was darunter zu verstehen sei, sagte er aus: „Ich konnte 
nicht mehr mit ihr zusammen sein, sie hatte mit 1‘000 Leuten Geschlechtsverkehr. Eine solche Frau 

habe ich nicht nötig und meine Familie wäre dagegen“ (p. 141/142, Z. 372 ff.). Auf Frage, woher er 

23

das wisse, gab er zu Protokoll: „Das merkt man“. Das Bestreiten, dass D.________ bereits ab Thun 
dabei gewesen sei, zog sich sodann durch alle Einvernahmen, bis es zu seinem „Gesinnungswandel“ 
kam, auf welchen später noch eingegangen wird.

In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 08.04.2016 (p. 153 ff.) präsentierte er eine neue 
Version des Ablaufs des fraglichen Abends. Auf einmal will er F.________ nicht in Thun abgeholt ha-
ben, sondern am Bahnhof Bern (p. 157, Z. 129 ff.). Er machte für dieses „Missverständnis“ sogleich 
Übersetzungsfehler geltend (p. 157, Z. 135 ff.). Auch auf hartnäckiges Nachfragen des Staatsanwal-
tes hin blieb er bei dieser Version, bis der Verteidiger des Beschuldigten um eine Unterbrechung der 
Einvernahme bat. Anlässlich dieser besann er sich, dass er F.________ doch in Thun abgeholt hatte 
(p. 158, Z. 171). Auf Frage des Staatsanwaltes, warum er vorher bestritten habe, F.________ in Thun 
abgeholt zu haben, sagte er aus: „Ich hatte keinen Grund, aber meine Gedanken sind etwas durch-
einander. Ich habe mich erst wieder daran erinnert, als mein Anwalt mir meine Aussagen vorgelesen 

hat“ (p. 158, Z. 185 f.). 

Weiter bestritt der Beschuldigte auch stets, dass F.________ auf der Fahrt vom Club in Bern nach 
Genf/Lausanne dabei gewesen sei. Er sagte aus, dass diese bei der Securitas des Clubs geblieben 
sei. Sie sei erst in der darauffolgenden Woche nach Genf gekommen. Als ihm der Staatsanwalt vor-
hielt, dass das nicht stimmen könne, da sie sich zu der Zeit in Bern im Gefängnis befunden habe, sag-
te er aus: „Ich weiss nicht“ (p. 163, Z. 344). Auf Frage, ob er in Bezug auf dieses Treffen mit 
F.________ in Genf lüge, meinte er: „Ich weiss es selber nicht. Also eine Woche später habe ich mich 
mit F.________ getroffen“. Als ihm die Aussagen von F.________ vorgehalten wurden, wonach alle 
Männer ihre Hosen runtergelassen hätten, er F.________ an den Haaren gepackt und den Kopf von 
ihr mit Gewalt gegen die Geschlechtsteile gedrückt habe, sagte er aus: „Das ist nicht wahr. Weshalb 
ist sie nicht noch am selben Tag zur Polizei gegangen, wenn so etwas passiert sein soll? Wieso hat 

sie nicht sofort reagiert? Falls wir sie vergewaltigt hätten, dann hätte man bei ihr Spuren davon gese-

hen“ (p. 164, Z. 372 ff.). 

Anlässlich einer Besprechung im Gefängnis zwischen dem Verteidiger und dem Beschuldigten, kam 
es am 03.08.2016 zu einer schriftlichen Aussage, wonach er sich auf einmal erinnern konnte, dass 
D.________ am 07.06.2015 doch bereits ab Thun im Auto gesessen sei (p. 600 f.). Weiter gab er zu, 
dass man auf der Fahrt nach Bern angehalten habe und seine drei Kollegen das Auto verlassen hät-
te, und er danach im Auto mit D.________ diverse sexuelle Handlungen (küssen, streicheln, vaginale 
Berührungen, Oralsex etc.) vorgenommen habe. F.________ habe ihm bereits in Thun mitgeteilt, 
dass D.________ offenbar Sex gegen Geld mache. Konkret sagte er weiter Folgendes: „Während wir 
Sex hatten, versuchte ich in D.________s Vagina einzudringen, wogegen sie sich gewehrt hat. Als ich 

sah, dass dies nicht funktionieren wird, wollte ich, dass sie mir einen bläst, was sie letztendlich getan 

hat. Ich kam auch zum Orgasmus. Das Ganze dauerte eine Viertel Stunde, maximal 20 Minuten. Als 

wir fertig waren, hat mich D.________ angeschaut und gesagt: „Money, money“. Meine Taschen wa-

ren aber leer, was ich ihr auch gesagt habe. Danach stiegen wir aus dem Auto aus und rauchten mit 
den anderen zusammen eine Zigarette. Danach stiegen wir alle wieder ins Auto und fuhren in den 

M.________ Club in Bern. Im Club habe ich D.________ aus den Augen verloren. F.________ sagte 

mir, D.________ sei mit Kollegen und Kolleginnen weggegangen. Nach ca. 3 Stunden haben wir vier 

Männer uns von F.________ verabschiedet und fuhren mit dem Auto in Richtung Genf zurück. …“ (p. 
600 f.). 

Umstritten war im vorliegenden Verfahren auch die Anzahl der im Auto anwesenden Männer. Der Be-
schuldigte betonte stets, dass sie mit ihm zu dritt gewesen seien, obschon beide Frauen überein-
stimmend aussagen, dass insgesamt vier Männer im Auto gesessen seien. Es fällt nun auf, dass in 

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dieser schriftlichen Aussage sogar zweimal erwähnt wird, sie seien insgesamt vier Männer gewesen 
(s. Text oben), aber in der Hauptverhandlung am 14.11.2016 dementierte er das wieder und sagte auf 
entsprechende Frage, dass man mit ihm zusammen zu dritt gewesen sei (p. 672, Z. 17). Er machte 
auch dafür wieder die falsche Übersetzung verantwortlich (Z. 22 ff.).

In der Hauptverhandlung [14.11.2016] sagte A.________ am 14.11.2016 aus, dass er von sich aus 
schlussendlich zugegeben habe, dass es zu sexuellen Handlungen zwischen D.________ und ihm 
gekommen sei. Er habe es zugeben „müssen“, da er „es“ gemacht habe (p. 667, Z. 29). Warum er es 
aber bis anhin bestritten hatte, dazu meinte er nur, dass es dazu keinen Grund gegeben habe. Es sei 
aber nicht zu Geschlechtsverkehr gekommen, obschon er sie habe „bumsen“ wollen. Als ihm die Aus-
sagen von D.________ vorgehalten wurden, mit welchen sie schilderte, dass er sie festgehalten und 
ihre Beine auseinandergedrückt habe und in sie eingedrungen sei, sagte er aus: „Ich kann nur sagen, 
dass wenn ich sie gezwungen hätte meinen Schwanz in den Mund zu nehmen, hätte sie mich ja beis-

sen können, wenn ich mich so schlecht benommen hätte gegenüber D.________, wie sie das be-

hauptet“ (p. 669, Z. 22 ff.). 

Alle sexuellen Handlungen mit F.________ stritt er weiterhin ab, gab aber zu, dass sie sich geküsst 
und geschmust hätten, bevor er nach Genf zurückgefahren sei. Es sei sonst nichts passiert, er habe 
sich verabschiedet und sei nach Genf gefahren. Auf die Frage, warum das Gericht auf seine Aussa-
gen abstellen und ihm Glauben schenken solle, dass F.________ auf dieser Fahrt nicht dabei gewe-
sen sei und es folglich zu keinen sexuellen Übergriffen gekommen sei, gab er wörtlich zur Antwort: 
„Das Gericht muss mir ja nicht glauben. Falls sie dabei gewesen wäre, dann gäbe es Fakten vom 

Arzt, dass sie verletzt gewesen wäre oder so, resp. dass F.________ so schlimm beschädigt worden 

wäre auf der Fahrt von Bern nach Genf“ (p. 671, Z. 9 ff.).

Als der Beschuldigte am Schluss seiner Einvernahme vor Gericht gefragt wurde, ob er Ergänzungen 
habe, sagte er aus: „Ich möchte noch sagen, dass F.________ und ich in der kommenden Woche ab-
gemacht hatten. Sie kam von Bern nach Genf. Wir spazierten ein paar Stunden am See und haben 

zusammen geküsst. Ich habe nichts anderes zu sagen“ (p. 671 S 8, Z. 32 ff.). Als ihm später in der 
Einvernahme der Staatsanwalt [erneut] vorhielt, dass F.________ aber zu der Zeit im Gefängnis ge-
wesen sei, sagte er nur: „Doch, sie ist gekommen. Ich habe mich mit ihr getroffen“ (p. 673, Z. 30). 

Dies sind einige Beispiele aus den verschiedenen Einvernahmen, welche zeigen sollen, dass 
A.________ zum Teil wider alle Evidenz bei seinen nachweislich falschen Aussagen geblieben ist 
(z.B. angebliches Treffen eine Woche später mit F.________ in Genf). Weiter ist festzustellen, dass er 
bei offensichtlichen Widersprüchen zum Teil Übersetzungsfehler geltend machte oder die Fragen nur 
ausweichend oder mit einer Gegenfrage beantwortete. Er hielt sich grösstenteils in seinen Aussagen 
pauschal und allgemein, blieb vage und machte verschwommene Aussagen, was alles Kriterien einer 
unglaubhaften Aussage sind. Es fehlten insbesondere Details, und es mangelte an Besonderheiten, 
dies letztlich auch beim eingestandenen, einvernehmlichen (Oral-) Sex mit D.________. Seine Schil-
derung desselben fasste er mit ein paar Worten zusammen. Er konnte keine Details anfügen und 
blieb in der Schilderung oberflächlich. Hier ist natürlich auch anzumerken, dass der Beschuldigte nur 
via Übersetzer hat befragt werden können, was eine Würdigung seiner Aussagen umso schwieriger 
macht, da bei einer Übersetzung die Unmittelbarkeit der Aussagen verloren geht. Trotzdem ist bei 
seinem „Teilgeständnis“ festzustellen, dass er seine Aussagen möglichst kurz gehalten hat, dies auch 
wieder ein Hinweis auf die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen. Auf Nachfragen wiederholte er das 
Stattgefundene stereotyp. Ausserdem sind weite Teile seiner Aussagen inkonstant resp. im Wider-
spruch zu der Aktenlage (z.B. Gefängnisaufenthalt von F.________). Bereits in diesem Zusammen-
hang ist darauf hinzuweisen, dass die [im Chat mit F.________] völlig zusammenhanglos gestellte 

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Frage von A.________ an F.________ vom 10.06.2015 (ob sie ihn zur Polizei geschickt habe, 
p. 466), absolut keinen Sinn machen würde, wenn F.________ am 07.06.2015 auf der Fahrt von Bern 
nach Genf nicht dabei gewesen und nichts vorgefallen wäre, zumal er sie ja erst eine Woche später in 
Genf wieder getroffen haben will. 

Insgesamt kann der Beschuldigte aus seinem Aussageverhalten nichts zu seinen Gunsten ableiten. 
Der entsprechenden Fachliteratur (z.B. FRIEDRICH ARNTZEN, Psychologie der Zeugenaussage, oder 
MAX STELLER, Nichts als die Wahrheit), ist zu entnehmen, dass erfolgreiches Lügen einer erhöhten 
geistigen Leistung bedarf. Ein Mensch der lügt ist für gewöhnlich so beschäftigt damit, am Haupt-
strang seines Lügengebildes zu spinnen, dass dies seine gesamte geistige Leistungsfähigkeit bean-
sprucht. Da ist kein Platz für Nebensächlichkeiten, Besonderheiten oder Gefühle. In systematischen 
Untersuchungen von gesichert falschen Aussagen habe sich z.B. eindeutig ergeben, dass vor allem 
das Fehlen eines Komplexes, eines „Gefüges“ bestimmter Glaubhaftigkeitsmerkmale charakteristisch 
für eine unglaubhafte Aussage sei. Je mehr Mangelerscheinungen der Detaillierung, der Präzisierbar-
keit, der Homogenität und der Objektivität und je mehr bestimmte Konstanzmängel gleichzeitig fest-
zustellen seien, umso sicherer sei eine Aussage unglaubhaft (FRIEDRICH ARNTZEN, a.a.O., p. 107). 

Das Gericht konnte einen persönlichen Eindruck des Beschuldigten gewinnen und sich bereits auf 
dessen früheren Aussagen abstützen. Diese zeichnen sich aus durch Kargheit, Widersprüchlichkeit 
und nicht plausible Handlungsstränge. Die geistige Leistungsfähigkeit scheint nicht sehr ausgeprägt 
zu sein, imponieren seine Aussagen doch auch durch eine Gewisse Portion Arroganz oder gar Ge-
dankenarmut Die für ein plausibles Lügengebilde nötige geistige Leistungsfähigkeit wird A.________ 
aus dem Gesagten schlussfolgenderweise abgesprochen und der Versuch, seine „Geschichte“ des 
Abends als wahr zu verkaufen, als gescheitert betrachtet. Wie sein Verteidiger richtigerweise ausführ-
te, sind seine Aussagen „nicht sehr intelligent“. An dieser Beurteilung vermag der Umstand, dass der 
Beschuldigte am 16.01.2016 (mehr als ein halbes Jahr nach der Begegnung mit den beiden Frauen) 
mit seiner Anhaltung/Verhaftung urplötzlich mit den Vorwürfen konfrontiert worden ist und das Bestrei-
ten (jedenfalls das anfängliche Bestreiten) – was ein nicht atypisches Aussageverhalten ist – nichts zu 
ändern. Das Gericht erachtet seine Aussagen als unglaubhaft.»

Diesen zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz schliesst sich die Kammer voll-
umfänglich an. Gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten spricht 
insbesondere auch deren Entwicklung. In fast schon exemplarischer Art und Weise 
machte der Beschuldigte in Bezug auf die Privatklägerin 1 kaskadenmässige Zuge-
ständnisse, mit immer etwas kleiner werdender Marge: Zuerst wollte er die Privat-
klägerin 1 überhaupt nicht gekannt haben («Diese Frau habe ich noch nie gesehen», 
pag. 32 Z. 274; «Das stimmt nicht, sie war nicht im Auto», pag. 33 Z. 314). Es soll die Pri-
vatklägerin 2 eine Kollegin, die er nicht gekannt habe und mit der er sich auch nicht 
habe verständigen können, im Club «M.________» getroffen haben (pag. 29 
Z. 167 f.; pag. 30 Z. 215 ff., pag. 31 Z. 264 f.; pag. 59 Z. 37 f.; pag. 159 Z. 219 ff.; 
pag. 161 Z. 300 f.). Im Protokoll der Besprechung mit seinem Anwalt vom 3. August 
2016, welches der Beschuldigte zu den Akten erkannt haben wollte (pag. 600 f.) 
gab er dann plötzlich zu, dass er und die Privatklägerin 1 im Auto diverse sexuelle 
Handlungen miteinander vorgenommen hätten, während die anderen draussen ge-
raucht und miteinander gesprochen hätten. Die Privatklägerin 2 habe ihm mitgeteilt, 
dass die Privatklägerin 1 offenbar Sex gegen Geld mache für CHF 50.00. Als sie 
Sex gehabt hätten, habe er versucht in die Vagina der Privatklägerin 1 einzudrin-
gen, wogegen sie sich gewehrt habe. Als er gesehen habe, dass dies nicht funktio-

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niere, habe er gewollt, dass sie ihm einen blase, was sie letztendlich getan habe. 
Als sie fertig gewesen seien, habe ihn die Privatklägerin 1 angeschaut und gesagt 
«Money, Money». Seine Taschen seien aber leer gewesen, was er ihr auch gesagt 
habe. Schliesslich bestätigte er die schriftlich niedergelegten Zugeständnisse in der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung (pag. 667 ff.). Er habe es selber zugegeben, 
habe es zugeben müssen, da er es gemacht habe (pag. 667 Z. 26). Auf die Frage, 
ob es einen Grund gegeben habe, dass er es vorher bestritten habe, meine er lapi-
dar: «Ich hatte keinen Grund» (pag. 667 Z. 36.). Der Beschuldigte machte geltend, er 
habe die Privatklägerin 2 – nach dem diese ihm gesagt habe, dass die Privatkläge-
rin 1 Sex gegen Geld mache – gefragt, wieviel die Privatklägerin 1 für Sex verlan-
ge. Die Privatklägerin 2 habe diese gefragt und gesagt, sie verlange CHF  50.00. 
Nachdem er fertig gewesen sei (Anm. der Kammer: den Oralverkehr beendet ha-
be), habe die Privatklägerin 1 auf Deutsch CHF 50.00 verlangt. Er habe ihr dann 
gesagt, dass er kein Geld habe (pag. 668 Z. 5 ff.). Die Privatklägerin 1 sei mit den 
sexuellen Handlungen, den Berührungen und dem Oralverkehr «so wie das 
F.________ übersetzt hat» einverstanden gewesen (pag. 669 Z. 7 ff.). Anlässlich 
der oberinstanzlichen Verhandlung machte der Beschuldigte nun – wieder in Ab-
weichung zum bisher Gesagten – geltend, er habe der Privatklägerin zwar kein 
Geld gegeben, er habe ihr dafür aber den Eintritt in die Disco und Getränke be-
zahlt, er habe sie nicht beschissen (pag. 925 Z. 16 f.). 

Überhaupt keinen Sinn machen diese Schilderungen des Beschuldigten auch des-
halb, weil nicht nachvollziehbar ist, weshalb sich die Privatklägerin 1 zuerst damit 
einverstanden erklären sollte, mit ihm für CHF 50.00 Sex zu haben, um sich dann 
trotzdem gegen das Eindringen des Beschuldigten zu wehren. Dies gilt umso mehr, 
als dass die Privatklägerin gemäss eigenen Aussagen bereits über Erfahrungen mit 
«Sex gegen Geld» verfügte und sie deshalb auch wusste, worauf sie sich einliess. 

Auch die übrigen Aussagen des Beschuldigten bzw. sein Verhalten anlässlich sei-
ner oberinstanzlichen Befragung reihten sich nahtlos in das bereits von der Vorin-
stanz Festgestellte ein. Während der Beschuldigte bisher stets und in allen Befra-
gungen konsequent bestritt, dass die Privatklägerin 2 auf der Fahrt vom Club in 
Bern nach Genf/Lausanne dabei gewesen sei, brachte er in der oberinstanzlichen 
Einvernahme eine komplett neue Version auf den Tisch (pag. 922 Z. 9 ff.). So gab 
er erstmals zu, dass die Privatklägerin 2 mit in die Westschweiz fuhr. Sie habe kein 
Geld gehabt, um nach Hause zu kommen. Die anderen hätten dann zu ihr gesagt, 
sie solle mit ihnen nach Genf mitkommen. Die Privatklägerin 2 sei damit einver-
standen gewesen. Unterwegs nach Lausanne habe sie angefangen, mit einem Kol-
legen zu berühren und zu küssen, sie habe das gewollt. Er (der Beschuldigte) habe 
sie ebenfalls berührt, woraufhin sie gesagt habe, er solle sie nicht berühren. Unter-
wegs hätten sie dann in einem Feld angehalten. Die Privatklägerin 2 sei einver-
standen gewesen, «dass sie zwei Personen in den Mund nimmt». Sie hätten ihre 
Sache erledigt, dann hätte sie angefangen ihr zu drohen. Sie hätten zur Privatklä-
gerin 2 gesagt, dass sie zu zweit Sex machen möchten. Die Privatklägerin 2 habe 
dies abgelehnt, woraufhin der N.________ ihr den Tanga zerrissen habe. Sexuelle 
Tätigkeiten habe es aber nicht gegeben. Dann habe der O.________ gewollt, dass 
sie «ihn» in den Mund nehme und habe sie bedroht, sie habe das aber nicht ge-
wollt. Sie seien dann weiter bis ans Seeufer gefahren. P.________ habe sie an den 

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Haaren gepackt und sie zwingen wollen, dass sie «ihn» in den Mund nehme. Sie 
habe aber nicht gewollt. Dann hätten O.________ und N.________ einen Schwei-
zer angerufen. Sie hätte zu diesem gesagt, dass er (der Beschuldigte) mit einer 
Frau zu ihm kommen und bis Nachmittags bleiben werde. Sie hätten sie (den Be-
schuldigten und die Privatklägerin 2) zu diesem Schweizer gefahren und dort ge-
lassen. Sie seien dann schlafen gegangen. Als sie aufgestanden seien, habe die 
Privatklägerin 2 ihm gesagt, er solle seine Kollegen anrufen, damit diese sie nach 
Thun bringen würden. Es sei dann ein (weiterer) Kollege gekommen. Er habe noch 
einmal in die Wohnung zurückgehen müssen, weil er sein Telefon dort vergessen 
habe. Als er zurückgekommen sei, sei die Privatklägerin 2 schon mit diesem Kolle-
gen am Küssen gewesen. Sie hätten sie dann nach Lausanne gebracht und dort 
gelassen. Er habe kein Geld gehabt, um ihr ein Ticket zu bezahlen. Sie habe ge-
sagt, sie wolle zur Polizei. Er habe sie gebeten, nicht zur Polizei zu gehen, was sie 
ihm dann versprochen habe. Am Dienstag habe er wieder Kontakt mit der Privat-
klägerin 2 gehabt, sie habe ihm dann gesagt, sie sei in Renan. Er sei zu ihr gegan-
gen und habe ihr CHF 40.00 geben wollen für ein Ticket. Sie sei mit einigen Alba-
nern dort gewesen und habe gesagt, sei brauche kein Geld. 

Der Beschuldigte legte nun also – nachdem er bisher sämtliche Vorwürfe abgestrit-
ten hatte – ebenfalls hinsichtlich der Privatklägerin 2 ein (Teil-)Geständnis ab. Al-
lerdings fällt auch hier auf, dass er stets darauf bedacht war, möglichst nichts zu 
seinen Ungunsten darzustellen und dafür die Privatklägerin 2 in ein äussert 
schlechtes Licht zu rücken. So soll sie es gewesen sein, die, kaum dass er ihr den 
Rücken zugedreht hatte, mit jedem Mann in ihrer Nähe zu küssen begann (ausser 
natürlich mit dem Beschuldigten selber). Bei einem solchen Aussageverhalten 
handelt es sich um ein typisches Lügensignal. Weiter kommt hinzu, dass der Be-
schuldigte sich selber bzw. seine Rolle im ganzen Geschehen komplett ausblende-
te. Auch dieser Umstand spricht dafür, dass er lügt. Würde er die Wahrheit er-
zählen, würde er selber in der Erzählung ebenfalls vorkommen. Er legte es offen-
sichtlich darauf an, soweit wie möglich Zugeständnisse zu machen, ohne aber sich 
selber dabei belasten zu müssen. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass er bei allem, 
was da geschah, unbeteiligt daneben gestanden sein soll. Dies gilt umso mehr, als 
dass er im Zusammenhang mit der Privatklägerin 1 schon unter Beweis stellte, 
dass er sich holt, was er zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse braucht. 
Zudem war er es, der das Zusammentreffen der Männer mit den beiden Frauen 
überhaupt erst organisiert hat. Entgegen der Darstellung der Verteidigung kann 
mithin nicht die Rede davon sein, dass der Beschuldigte «reinen Tisch» gemacht 
hat. 

Für die Kammer relevant ist indes, dass gestützt auf die Zugeständnisse des Be-
schuldigten jetzt definitiv feststeht, dass die Privatklägerin 2 – wie sie dies von An-
fang an geltend machte – in der Westschweiz dabei war und anlässlich der Fahrt 
dorthin sexuell bedrängt wurde. Dieses Rahmengeschehen (inkl. Fahrt nach Lau-
sanne, Stopp im Wald, sexuelle Übergriffe, Übernachten in Lausanne, Diskussion 
über Polizei) kann damit zweifelfrei als erstellt erachtet werden. Soweit weiterge-
hend kann – aus den soeben aufgeführten Gründen – nicht auf die Aussagen des 
Beschuldigten abgestellt werden.  

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10.3 Aussagen Privatklägerin 2 samt Würdigung

Die Vorinstanz hat zu den Aussagen der Privatklägerin 2 Folgendes ausgeführt 
(pag. 763 ff.):

«Das Gericht verkennt fürs Erste nicht, dass eine Aussagewürdigung bei F.________ ungemein 
schwieriger ist, zumal sie bei den ersten drei Befragungen als Beschuldigte einvernommen worden ist 
und erst ab dem 30.06.2015 als Opfer/Privatklägerin. Hinzu kommt, dass in den verschiedenen Ein-
vernahmen (bis und mit Hauptverhandlung) durchaus nicht unwesentliche Widersprüche und Weite-
rungen etc. auszumachen sind, und mitunter auch Aussagen (so beispielsweise betreffend bekifftem 
Zustand von D.________) schlicht falsch sind. Allerdings ist im Rahmen der Aussagewürdigung nun 
aber einerseits ganz massgebend die kognitive Leistungsfähigkeit mitzuberücksichtigen und die damit 
verbundenen „Defizite“, andererseits auch der Umstand, dass das traumatisierende Erlebnis für sie 
ausserordentlich schambesetzt ist, und es für sie damit extrem peinlich ist, darüber zu sprechen. Dies 
wurde gerade auch in der Hauptverhandlung am 14.11.2016 sehr deutlich. Auf eine erste Frage, ob 
es zwischen ihr und A.________ auf der Fahrt von Thun nach Bern zu sexuellen Handlungen ge-
kommen sei, sagte sie einfach: „Er hat mich ‚aglängt‘“. Auf Frage, was er denn gemacht habe, konnte 
sie nicht antworten, da sie zu weinen begann. Auf Frage, ob ihr alles zu viel sei, hat sie geschwiegen 
und dann gesagt: „Ich kann nicht…“. Auf Frage, ob es einen Grund gebe, dass sie nicht sprechen 
könne, sagte sie: „Mir ist es peinlich darüber zu sprechen“ (p. 689, Z. 8 ff.). Darauf begann sie dann 
plötzlich sehr schnell zu sprechen, erwähnte zuerst das Thema Sex gegen Geld und sprang dann 
zum nächsten Punkt, dass sie A.________ gesagt habe, er solle aufhören (bei D.________). Sie er-
wähnte also zuerst etwas ganz anderes, als eigentlich gefragt wurde, und erst nach und nach sprach 
sie dann darüber, was ihr passiert ist, gab aber des Öfteren auf Fragen keine konkreten Antworten.

Auch wenn die Verarmung einer Aussage an Details im Laufe einer Befragung den Verdacht erwe-
cken könnte, es seien Lügen, ist bei F.________ ganz klar auf die intellektuelle Unfähigkeit, Wesentli-
ches und Unwesentliches innerhalb einer Erörterung zu unterscheiden, zu verweisen. Aber ganz ent-
scheidend hinzu kommt sodann noch die bereits erwähnte Scham, darüber zu sprechen. Dabei muss 
insbesondere auch ihr kultureller Hintergrund mitberücksichtigt werden. Sie ist Albanerin – wenn auch 
in der Schweiz aufgewachsen – aber es ist gerichtsnotorisch, dass Frauen aus diesen Kulturkreisen, 
welche Opfer von sexuellen Übergriffen geworden sind, von der Familie stigmatisiert oder gar ausge-
stossen werden. Es erstaunt deshalb nicht, dass bei jeder Einvernahme mehr Details und andere Va-
rianten zum Vorschein kamen. Dies ist sicher damit in Zusammenhang zu bringen, dass sie erst nach 
und nach über die Ereignisse sprechen konnte oder ist allenfalls auch damit zu begründen, dass eine 
ältere Schwester bei praktischen allen Einvernahmen anwesend war und sie sich nicht getraute, von 
Anfang an gewisse Details preiszugeben.

Friedrich Arntzen verweist in seinem Buch „Psychologie der Zeugenaussage, Systeme der Glaubhaf-
tigkeitsmerkmale“ (5. Auflage, S. 115) darauf, dass gerade in Vergewaltigungsfällen die Falschaussa-
gen oft von Zeuginnen vorgebracht würden, die intelligent seien und charakterlich einwandfrei wirkten. 
Umgekehrt würden von intellektuell unzulänglich ausgerüsteten Zeugen, die z.B. nur eine Schule für 
Lernbehinderte absolviert hätten, oft sehr zuverlässige Aussagen gemacht. 

Von daher erstaunt es dann nicht mehr weiter, dass ihre Aussagen bruchstückhaft daherkommen, 
nicht chronologisch sind, sprunghafte Gedanken vorgebracht und „Erinnerungsfetzen“ oder Bruchstü-
cke eines (neuen) Sachverhaltes dargestellt worden sind. Mitunter muten die Schilderungen chaotisch 
an. Dabei ist aber auch zu berücksichtigen, dass gerade die Ereignisse auf der Fahrt nach Genf/Lau-
sanne bzw. im „Wald“ als dynamisches (Turbulenz-)Geschehen zu sehen sind mit den eingangs er-

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wähnten Schwierigkeiten in Bezug auf Wahrnehmung, Speicherung und Widergabe, was erst recht 
und ganz besonders für F.________ gilt. Der aussagepsychologische Beweiswert solch ungesteuerter 
Aussageweisen ist darin begründet, dass zu einem solchen Aussageverhalten eine innere Vorbehalt-
losigkeit gehört, die nicht zulässt, dass eine Zeugin oder ein Opfer eine Auswahl zwischen den Erleb-
nisinhalten, die zur Sprache kommen, und solchen, die zurückgehalten oder abgeändert werden sol-
len, trifft. Der ungesteuert Aussagende reflektiert nicht über die Wirkung und Bedeutung dessen, was 
vorgebracht wird. Es wird vielmehr unmittelbar auf erlebnisfundierte Erinnerungen zurückgegriffen, 
und es werden Erlebnisse geschildert, die bei der Erzählung gerade wach werden. Gerade dieses 
sprunghafte Aussageverhalten war bei F.________ beispielhaft vorhanden. Ausserdem wäre sie auf-
grund ihres Intellektes gar nicht fähig, komplizierte Sachverhalte darzustellen und schwierige, nicht 
vorhersehbare nachgreifende Fragen rasch zu beantworten. Würde sie nämliche Erlebnisse erzählen, 
die so nicht stattgefunden haben, so müsste sie sicher sehr viel angestrengter überlegen, bevor sie 
eine Antwort geben könnte. Hätte sich das Gericht nicht selber ein Bild machen können von 
F.________, so wären die Aussagen womöglich anders gewertet und gewichtet worden. Sie hat zum 
Teil gewisse Fragen bereits zu beantworten begonnen, bevor sie zu Ende gestellt waren, was im Üb-
rigen ein weiteres Realkennzeichen ist, da Menschen die lügen, eher konstruiert und chronologisch 
sprechen und nicht von einem Punkt zum anderen und wieder zurück springen. Für jemand, der die 
Wahrheit sagt, ist so eine Aussageweise aber naheliegend, ja sogar logisch, da man einfach seinen 
Assoziationen folgt und erzählt, was einem gerade einfällt, auch wenn es keinem offensichtlichen 
Ordnungsprinzip folgt. 

Gemäss einschlägiger Literatur zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussen (z.B. ARNTZEN, a.a.O.), ist ge-
rade die Inkohärenz der Aussagen vorwiegend auf intellektuelle Faktoren zurückzuführen. Und doch 
stellen gerade die ungesteuerte Aussageweise, wie auch die Inkohärenz von Aussagen, Glaubhaftig-
keitsmerkmale dar, was auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein scheint. Das Aussageverhalten 
von F.________ [jedenfalls soweit die Vorfälle zu ihrem eigenen Nachteil betreffend] war in keiner Art 
und Weise ungewöhnlich, sondern bei gesamthafter Betrachtung eben gerade aus diesen Gründen 
ein weiteres Indiz dafür, dass sie die Wahrheit sagt. Je grösser gerade die Zahl der zunächst unver-
bundenen „Aussagefetzen“ ist, die sich später zu einem geschlossenen Bild zusammenfügen, je um-
fangreicher die gesamte Zeugenaussage ist, umso höher ist die Qualität dieser Aussageeigenart, 
welche sie zum Glaubhaftigkeitsmerkmal werden lässt. Schaut man sich ihre Aussagen nämlich im 
Gesamtkontext an, und fügt man die „Unordnung“ der Aussagen zusammen, so entsteht ein stimmi-
ges Bild, und es sind dann gerade diese Details, welche auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen 
schliessen lässt.

Im bereits zitierten Buch von Arntzen sucht er nach einem Erklärungsansatz für die inkohärente Aus-
sageweise und kommt zum Schluss, dass diese in den Persönlichkeitseigenarten des Aussagenden 
zu finden sind. Es sei gerade bei diesen Personen eine Ausprägung des sog. „Inkadenzphänomens“ 
zu finden, was heisse, dass der Zeuge/das Opfer beim Einsatz der Gedächtnisfunktionen ein unbere-
chenbares Auftreten von Erinnerungseinfällen zeige. Viele inkohärent aussagende Zeugen seien 
auch unfähig oder nicht geneigt, sich in Ablösung vom eigenen Standpunkt in die Sicht des Uneinge-
weihten hineinzudenken. Ihnen mache das geordnete, diskursive, Schritt für Schritt fortschreitende 
Denken Schwierigkeiten. Auch in der Beantwortung einzelner Fragen könne sich diese Eigenart des 
Denkablaufes schon widerspiegeln: Die Antwort finde den Anschluss an eine Frage nicht bzw. erst auf 
nachgreifende Fragen hin (ARNTZEN, a.a.O., S. 78 f.). Gerade bei einer ersten Betrachtung der Aus-
sagen von F.________ fiel dieses Sprunghafte und Inkohärente auf, und man könnte auf den ersten 
Blick der Meinung sein, es handle sich um blosse Lügen.

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Andererseits hat F.________ durchaus auch sehr konstante Aussagen gemacht. Es sind letztlich ge-
rade die Schilderungen der sexuelle Übergriffe, mit dem konstanten Kerngeschehen, A.________ ha-
be sie schon auf der Fahrt von Thun nach Bern gegen ihren Willen an der Brust sowie zwischen den 
Beinen berührt, und es sei alsdann auf der Fahrt von Bern nach Genf/Lausanne bzw. im „Wald“ ver-
sucht worden, ihr die Kleider auszuziehen resp. vom Leib zu reissen, um sie durch A.________ (und 
seine Kollegen) mit Gewalt zu mindestens beischlafsähnlichen Handlungen zu zwingen, wobei sie 
sich erfolgreich habe wehren können, welche ins Gesamtbild der bereits von D.________ geschilder-
ten Vorfälle, passen. Die Schilderungen sind doch für eine F.________ insgesamt ausgesprochen de-
tailliert und erlebnisorientiert [erlebnisbasiert!]. Auch sie konnte die Männer, die im Auto sassen sehr 
detailliert beschreiben, und zwar bis hin zur Frisur (z.B. Beschrieb des Fahrers: „Schwarze, aufgegelte 
Haare. Ich glaube er hatte grüne Augen, er war grösser als ich… Er war dünn und hatte einen Bart, so 

einen Dreitagebart. Beim Autofahren trug er eine Sonnenbrille… Er trug blaue Jeans,… ein weisses 

T-Shirt und ein weisses Hemd mit schwarzem Kragen und schwarzem Handkragen“, oder der Be-
schrieb des Beifahrers: „Blonde Haare, auf der Seite geschnitten mit einem Muster, so Striche…“, 
p. 214 f., Z. 398 ff.). Ihre Schilderungen, dass alle Männer ihre Penisse hervorgenommen hätten, wie 
sie wiederholt in die Brüste gekniffen worden sei, wie man ihr versucht habe, die Leggins auszuzie-
hen, und dass man es geschafft habe, und – entgegen der vorherigen Aussagen – man habe anal in 
sie eindringen wollen, was weh getan habe, wie sie dies in der Hauptverhandlung anschaulich erzählt 
hat, erscheinen dem Gericht äusserst erlebnisorientiert [erlebnisbasiert!] zu sein.

Hinzu kommt, dass – ohne dass nur ansatzweise eine Absprache mit D.________ oder Anzeichen für 
eine bewusste/unbewusste Falschaussage zu Lasten des Beschuldigten auszumachen wären – von 
einem Komplott keine Rede sein kann, haben sich [doch] die beiden jungen Frauen gemäss überein-
stimmenden Aussagen nach dem fraglichen Abend nie mehr gesehen. Die Schilderungen von 
F.________ ihrer eigenen Erlebnisse passen daher nahtlos ins Gesamtbild sexueller Übergriffe, wie 
sie von D.________ sehr glaubhaft geschildert worden sind. Auf den ersten Blick mag es erstaunen, 
dass von F.________ zum Tatgeschehen in sieben Einvernahmen sieben verschiedene Versionen 
präsentiert wurden. Aber nach dem oben Gesagten kann daraus nämlich auch ein anderer Schluss 
gezogen werden, als dass ihre Aussagen demnach falsch seien. 

Noch zu einzelnen Vorbringen der Verteidigung betreffend die Aussagen der Privatklägerin 
F.________:

- Soweit ausgeführt worden ist, es sei nicht möglich, dass drei bis fünf junge Männer/Kollegen 
es nicht schafften, eine Frau in der Situation von F.________ zu vergewaltigen, ist klar festzu-
halten, dass niemand geltend gemacht hat, A.________ und seine Kollegen hätten mit aller 
Kraft erfolglos versucht, durch F.________ zur sexuellen Befriedigung zu gelangen. Dass ein 
Mehr an Kraft-/Gewaltanwendung wohl zum „Erfolg“ geführt hätte, ist naheliegend, aber nicht 
entscheidend. Im Übrigen ist sehr wohl denkbar (und nicht bloss als theoretisches Konstrukt 
abzutun), dass F.________ vor ihrem kulturellen Hintergrund und der Angst des Verstossen-
werdens etc. (vgl. S. 29 oben, letzter Absatz), entgegen den tatsächlichen Geschehnissen eine 
erfolgreiche Abwehr geschildert hat zwecks „Rettung“ ihrer Ehre, effektiv aber A.________ und 
seine Kollegen zum Erfolg gekommen sind.

- Und soweit das als „keine echte Reaktion“ betitelte hilflose Verhalten der Privatklägerin in Lau-
sanne im Nachgang zu den schlimmen Vorkommnissen als nicht konsistent und nachvollzieh-
bar dargestellt worden ist, ist dem entgegen zu halten, dass gerade Opfer von schwer trauma-
tisierenden Erlebnissen für Aussenstehende mitunter nicht rational handeln. Hingegen ist auch 

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klar, dass jedenfalls ihre diesbezüglichen Schilderungen in Einklang stehen bzw. vereinbar 
sind mit den Ergebnissen der Rück-ID [beim Beschuldigten].

- Weiter führte der Verteidiger aus, dass die Drohung gegenüber F.________ im luftleeren 
Raum stünde. Aber auch das erzählte sie sehr anschaulich, dass man ihr beim Ausladen am 
Bahnhof in Lausanne gesagt habe, sie komme „drunter“ wenn sie es der Polizei erzähle. Sie 
schilderte anschaulich, dass sie Angst gehabt habe und A.________ danach noch einige Male 
am Bahnhof vorbeigefahren sei und sie beobachtet habe. In diesem Zusammenhang ist noch 
einmal darauf hinzuweisen, dass die von A.________ gestellte Frage, ob sie ihn zur Polizei 
geschickt habe, überhaupt keinen Sinn machen würde, wenn F.________ auf der Fahrt von 
Bern nach Genf nicht dabei gewesen und nichts vorgefallen wäre (vgl. S. 23 oben).

Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass auch die Aussagen von F.________ 
glaubhaft sind. 

Zu relativieren ist die Feststellung der Vorinstanz, wonach die Privatklägerin 2 über 
eine geistige Einschränkung bzw. über «ganz erheblich beschränkte kognitive 
Fähigkeiten» verfügen soll (vgl. dazu auch die Vorbemerkungen im erstinstanzli-
chen Motiv, pag. 743 f.). Insbesondere kann der Vorinstanz nicht gefolgt werden, 
soweit diese geltend macht, an die Aussagen(-qualität) der Privatklägerin 2 könn-
ten im Rahmen der Aussagenanalyse nicht die gleich strengen Anforderungen ge-
stellt werden. Diese Einschätzung deckt sich nicht mit dem persönlichen Eindruck 
der Kammer, den diese anlässlich der oberinstanzlichen Befragung von der Privat-
klägerin 2 gewinnen konnte. Zwar hat auch die Kammer festgestellt, dass die Pri-
vatklägerin 2 gewisse Defizite aufweist und teilweise Mühe hatte, auf komplexere 
Fragestellungen zu antworten. Wurde jedoch die gleiche Frage einfacher gestellt 
bzw. in Tranchen gefragt, kamen klare, adäquate Antworten. 

Im Übrigen kann auf die zutreffenden Bemerkungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den. Bei der Würdigung gilt es insbesondere zu unterscheiden, ob es sich um Aus-
sagen zu Vorfällen, die die Privatklägerin 1 betreffen handelte, oder ob die Privat-
klägerin 2 über das berichtete, was sie selber erlebt hat.

Bezüglich erstgenannter Thematik erweisen sich die bis zur erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung gemachten Aussagen der Privatklägerin 2 als wenig glaubhaft. 
Sie sind einzig und allein darauf ausgerichtet, sich selber nicht zu belasten bzw. als 
mitverantwortlich erscheinen zu lassen. Solange die Privatklägerin 2 als Beschul-
digte befragt wurde, war sie darauf bedacht, die Geschehnisse so darzustellen, 
dass ihr kein Vorwurf gemacht werden kann (was im Übrigen auch zeigt, dass sie 
über hinreichende kognitive Fähigkeiten verfügt; sie wusste genau um was es geht 
und konnte entsprechend zielgerichtet antworten). So bestritt sie beispielsweise 
zunächst – sogar entgegen der Darstellung des Beschuldigten – dass die Gruppe 
auf dem Weg nach Bern angehalten hat (pag. 173 Z. 83 ff.). Weiter behauptete sie, 
die Privatklägerin 1 sei «voll drauf» gewesen, als sie sie getroffen habe (pag. 173 
Z. 95; was sich gestützt auf das IRM-Gutachten als nachweislich falsch erwiesen 
hat) und stellte es so dar, als hätte die Privatklägerin 1 den Geschlechtsverkehr mit 
dem Beschuldigten gesucht (pag. 175 Z. 200 ff.) und als hätte sie Geld dafür be-
kommen (pag. 176 Z. 217 ff.). Sie ging sogar soweit zu behaupten, dass es zwei-
mal zu einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gekommen sei (pag. 179 Z. 379 ff.). 

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Immer wieder betonte sie, alle sexuellen Kontakte, die die Privatklägerin 1 gehabt 
habe, seien freiwillig gewesen (pag. 190 Z. 75 ff.). Erst im Rahmen der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung konnte sich die Privatklägerin 2 dem Druck entziehen und 
offener sowie zugleich auch stringenter Auskunft geben. So gab sie nun zu Proto-
koll, dass die Privatklägerin 1 vom Beschuldigten be