# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1beea826-8e17-5de4-9073-54a2fbfb404e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-04-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.04.2015 E-936/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-936-2015_2015-04-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-936/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  A p r i l  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter William Waeber, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, 

deren Kinder 

B._______, und 

C._______, 

Nigeria, 

alle vertreten durch Samuel Häberli, Freiplatzaktion Zürich,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach  

Italien (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom  

30. Januar 2015 / N (…). 

 

 

E-936/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Gemäss eigenen Angaben ist die aus D._______ (Bundesstaat Edo) stam-

mende Beschwerdeführerin A._______ im (…) 2009 nach Lagos gefahren. 

Mit einem anderen Mädchen und einer Frau namens E._______ seien sie 

nach drei Tagen nach Italien geflogen. Als sie angekommen seien – mut-

masslich in Mailand –, sei den jungen Frauen offenbart worden, sich zu 

prostituieren, um € (…) zurück zu bezahlen. Sie hätten vor einem Juju(-

Priester) einen Eid leisten müssen. Bei Nichtbezahlung der Summe stehe 

das Leben ihrer gesamten Familie in Nigeria auf dem Spiel.  

Im (…) 2009 sei die Beschwerdeführerin trotz ihres Eides untergetaucht 

und habe für Wochen auf der Strasse gelebt, bis sie einen nigerianischen 

Mann namens F._______ getroffen habe, der sie aufgenommen habe. Am 

(…) sei der gemeinsame Sohn B._______ auf die Welt gekommen. Später 

habe sie erfahren, dass ihr in Nigeria lebender Bruder G._______ seit dem 

Jahr 2012 nicht mehr nach Hause gekommen sei. Als sie dann im (…) 2014 

vernommen habe, dass ihre Mutter in Nigeria verschwunden sei, habe sie 

– damals schwanger – sich mit B._______ aus Angst davongemacht. Am 

26. August 2014 seien sie in die Schweiz gereist, wo sie am gleichen Tag 

im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel um Asyl nachsuchten. 

B.  

Anlässlich der Befragung vom 16. September 2014 im EVZ Basel wurde 

der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichtein-

tretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Italien ge-

währt, welches gemäss der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-

schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem 

Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(Dublin-III-VO), mutmasslich für die Behandlung des Asylgesuchs zustän-

dig sei. Die Beschwerdeführerin verwies diesbezüglich auf ihre Vorge-

schichte in Italien. 

C.  

Am 23. September 2014 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behör-

den um Übernahme der Beschwerdeführerin und ihren Sohn B._______ 

(Art. 13 Abs. 2 Dublin-III-VO). Die italienischen Behörden liessen dieses 

Gesuch unbeantwortet. 

E-936/2015 

Seite 3 

D.  

Am (…) brachte die Beschwerdeführerin ihren zweiten Sohn C._______ 

auf die Welt. 

E.  

Mit Verfügung vom 30. Januar 2015 – eröffnet am 5. Februar 2015 – trat 

das SEM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG [SR 142.31]), wies sie und ihre Kinder nach Italien weg, 

forderte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwer-

defrist zu verlassen, und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Voll-

zug der Wegweisung. Es stellte zudem fest, dass einer allfälligen Be-

schwerde gegen diesen Entscheid keine aufschiebende Wirkung zu-

komme, und händigte der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen Akten 

gemäss Aktenverzeichnis aus. 

Die Vorinstanz begründete diesen Entscheid im Wesentlichen damit, dass 

Italien als schutzfähig und -willig gelte. Sofern die Beschwerdeführerin in 

diesem Land zur Prostitution gezwungen werde, könne sie sich an die zu-

ständigen italienischen Behörde wenden, um Schutz zu ersuchen (z.B. 

"Verde Antitratta") und um Anzeige zu erstatten. Mit einer entsprechenden 

Einwilligung der Beschwerdeführerin könne die Vorinstanz im Rahmen der 

Überstellung die italienischen Behörden über die persönliche Situation in-

formieren. Auch werde das SEM gestützt auf die jüngste Rechtsprechung 

des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) im Rahmen 

der Überstellung die nötigen Garantien seitens Italien einholen, welche 

eine altersgerechte Unterkunft für die Kinder und die Familieneinheit si-

chere (vgl. Urteil des EGMR Tarakhel gegen Schweiz vom 4. November 

2014, Grosse Kammer, Nr. 29217/12).  

F.  

Mit Eingabe vom 12. Februar 2015 reichten die Beschwerdeführenden 

durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

gegen diesen Entscheid ein und beantragten dabei, die angefochtene Ver-

fügung sei aufzuheben und das Verfahren sei zwecks vollständiger Erhe-

bung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei 

nach Aufhebung der Verfügung die Vorinstanz anzuweisen, ihr Selbstein-

trittsrecht (auch gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 [SR 142.311]) auszuüben 

und sich für das vorliegende Asylverfahren für zuständig zu erachten. Sub-

eventualiter sei nach Aufhebung der Verfügung das Verfahren zwecks Ein-

holung der Garantien von Italien an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im 

Sinne vorsorglicher Massnahmen sei der Beschwerde die aufschiebende 

E-936/2015 

Seite 4 

Wirkung zu erteilen und seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer 

Überstellung nach Italien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht 

über die vorliegende Beschwerde entschieden habe. Ferner sei die unent-

geltliche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses zu verzichten. 

Diese Rechtsmitteleingabe wurde im Wesentlichen damit begründet, dass 

der Sachverhalt hinsichtlich des Lebens der Beschwerdeführerin unter der 

Obhut von F._______ und hinsichtlich der bei einer Rückkehr nach Italien 

zu erwartenden Lebensumstände nur unvollständig erstellt worden sei. Zu-

dem sei zu beanstanden, dass die Beschwerdeführerin vor dem Hinter-

grund ihrer Erlebnisse während ihrer Befragung nicht in einer gleichge-

schlechtlichen Runde angehört worden sei. 

Der Vollständigkeit halber wurde darauf hingewiesen, dass deutliche Hin-

weise dafür bestehen würden, dass aufgrund der desolaten Lebensbedin-

gungen für asylsuchende Personen in Italien eine Ausschaffung dorthin 

Art. 3 EMRK (SR 0.101) verletzen würde (vgl. Urteil des EGMR Tarakhel 

gegen Schweiz, a.a.O.). Ferner rechtfertige sich, aufgrund ihrer Erlebnisse 

in Italien, eine Behandlung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin in der 

Schweiz aus humanitären Gründen. 

Schliesslich entbehre die Mutmassung des SEM, dass die dereinst einzu-

holenden Garantien der italienischen Behörden mit den Anforderungen der 

jüngsten Rechtsprechung des EGMR kompatibel seien, jeglicher rechtli-

cher Grundlage und untergrabe Sinn und Zweck dieser Rechtsprechung. 

In der Beilage der Beschwerde befand sich eine Fürsorgebestätigung der 

ORS Service AG vom 12. Februar 2015. 

G.  

Am 16. Februar 2015 setzte das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug 

der Überstellung der Beschwerdeführenden per sofort einstweilen aus. 

H.  

Mit Verfügung vom 19. Februar 2015 hiess das Bundesverwaltungsgericht 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und räumte der Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung ein. 

E-936/2015 

Seite 5 

I.  

Im Rahmen einer Vernehmlassung vom 25. Februar 2015 hielt die Vor-in-

stanz im Wesentlichen fest, dass die italienischen Behörden schriftlich be-

stätigt hätten, dass alle Familien mit minderjährigen Kindern in einer kin-

dergerechten Aufnahmestruktur untergebracht würden und dass die Fami-

lieneinheit gewahrt werde. Vor der konkreten Überstellung werde das SEM 

eine individuelle Garantie seitens der italienischen Behörden einholen. 

Folglich seien keine Anhaltspunkte erkennbar, dass die Beschwerdefüh-

renden bei einer Rückkehr in eine existentielle Notlage geraten würden. 

Zudem sei das SEM bereit, mit Einwilligung der Beschwerdeführerin die 

italienischen Behörden über ihre besondere Situation (Zwangsprostitution) 

zu informieren, damit diese die nötigen Schutzmassnahmen ergreifen 

könnten.  

J.  

Am 18. März 2015 reichten die Beschwerdeführenden eine Replik ein und 

verwiesen dabei wiederum eindringlich auf das Urteil Tarakhel (vgl. Urteil 

des EGMR Tarakhel gegen Schweiz, a.a.O.). Insbesondere gelte es zu be-

achten, dass individuelle und konkrete Garantien bereits im Zusammen-

hang mit dem Übernahmeersuchen einzuholen seien und nicht erst im 

Rahmen des Vollzugs. Gleichzeitig wurde eine Kostennote zu den Akten 

gereicht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG (SR 172.021). 

Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine 

Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betref-

fende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-

waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 

Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser 

bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die 

beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG [SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht 

endgültig entscheidet. 

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Seite 6 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung; sie sind da-

her zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts im Asylbereich und die zu-

lässigen Rügen richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Vorab ist zu prüfen, ob der rechtserhebliche Sachverhalt genügend 

festgestellt wurde, da ein Verfahrensmangel allenfalls geeignet wäre, eine 

Kassation des vorinstanzlichen Entscheides zu bewirken (vgl. KÖLZ/ 

HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des 

Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1156 m.w.H.). 

3.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 

des Verwaltungs- bzw. Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird. Ferner ist dies der Fall, wenn die 

Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachver-

halts prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Un-

recht verneinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung demgegen-

über, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände 

berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). Der 

Untersuchungsgrundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, zumal er sein 

Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden findet (Art. 13 VwVG 

und Art. 8 AsylG). 

3.3 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

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Seite 7 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an 

die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen fest-

gestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzu-

führen ist (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155). Die in diesen Fäl-

len fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die 

Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus 

prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber 

nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.). 

4.  

4.1 Das SEM stellte sich in seiner Vernehmlassung vom 25. Februar 2015 

auf den Standpunkt, dass die italienischen Behörden in genereller Weise 

schriftlich bestätigt hätten, dass alle Familien mit minderjährigen Kindern 

in einer kindergerechten Aufnahmestruktur zu unterbringen seien und dass 

die Familieneinheit gewahrt werde. Italien sei es nicht möglich, bereits im 

Zeitpunkt der Zustimmung zur Übernahme eine individuelle Garantie für 

eine Unterkunft zu geben, da die Aufnahmeverhältnisse und die verfügba-

ren Plätze nicht Monate im Voraus festgelegt werden könnten. Das SEM 

werde indes vor der konkreten Überstellung nach Italien eine individuelle 

Garantie für die beschwerdeführende Familie einholen, um eine altersge-

rechte Aufnahme der Kinder sowie die Wahrung der Einheit der Familie 

sicherzustellen. Die Beschwerdeführenden hätten in Italien bisher noch 

kein Asylverfahren durchlaufen und könnten daher nicht konkret darlegen, 

inwiefern eine Rückkehr nach Italien tatsächlich eine Verletzung ihrer 

Grundrechte zur Folge hätte. 

4.2 Der Gerichtshof stellte in seinem Urteil Tarakhel fest, dass asylsu-

chende Personen als eine besonders benachteiligte und verletzliche 

Gruppe einen speziellen Schutz benötigen würden. Dieser sei umso wich-

tiger, wenn es sich dabei – angesichts ihrer speziellen Bedürfnisse und ih-

rer Verletzlichkeit – um Kinder handle (vgl. Urteil des EGMR Tarakhel ge-

gen Schweiz, a.a.O., § 118 f.). Angesichts der ernsthaften Zweifel an den 

aktuellen Kapazitäten der italienischen Aufnahmestrukturen bestehe eine 

gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Dublin-Rückkehrer in Italien keine oder 

nur eine überfüllte Unterkunft vorfinden würden, wo keinerlei Privatsphäre, 

wenn nicht gar gesundheitsgefährdende und gewaltgeprägte Bedingungen 

herrschten (vgl. Urteil des EGMR Tarakhel gegen Schweiz, a.a.O., § 115 

und 120). Daraus folge, dass Art. 3 EMRK verletzt würde, wenn die 

Schweizer Behörden eine Überstellung von Familien mit Kindern nach Ita-

lien vornehmen würden, ohne zuvor von den italienischen Behörden eine 

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Seite 8 

individuelle Garantie erhalten zu haben, dass für eine kindgerechte Unter-

bringung gesorgt sei und die Einheit der Familie gewahrt werde (vgl. Urteil 

des EGMR Tarakhel gegen Schweiz, a.a.O., § 122). 

4.3 Angesichts dieser Erwägungen vermag es nicht zu überzeugen, wenn 

die Vorinstanz daran festhält, dass die notwendigen Garantien erst im Rah-

men der Überstellungsmodalitäten einzuholen seien. Wie das Bundesver-

waltungsgericht in einem kürzlich gefällten Grundsatzurteil festgestellt hat, 

ist das Vorliegen der von den italienischen Behörden einzuholenden Ga-

rantien einer kindgerechten und die Einheit der Familie respektierenden 

Unterkunft keine blosse Überstellungsmodalität, sondern stellt gemäss 

dem Urteil Tarakhel des EGMR eine materielle Voraussetzung der völker-

rechtlichen Zulässigkeit einer Überstellung nach Italien dar. Als solche 

muss sie einer gerichtlichen Überprüfung offenstehen. Da eine gerichtliche 

Überprüfung von Vollzugsmodalitäten nach Vorliegen eines rechtskräftigen 

Überstellungsentscheides nicht mehr vorgesehen ist, muss die Überprü-

fungsmöglichkeit eines solchen Entscheides für eine Familie, welche nach 

Italien überstellt werden soll, im ordentlichen Beschwerdeverfahren beste-

hen, und es müssen demnach bezüglich Italien die im Sinne des erwähnten 

Urteils des EGMR erforderlichen konkreten individuellen Garantien im or-

dentlichen Verfahren – und nicht erst im Vollzugsstadium – vorliegen. 

Blosse generelle Absichtserklärungen seitens Italien können nicht ausrei-

chen, um eine allfällige Verletzung von Art. 3 EMRK ausschliessen zu kön-

nen. Entsprechend den Voraussetzungen, wie sie im Urteil Tarakhel des 

EGMR genannt sind, muss im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Verfügung 

eine konkrete und individuelle Zusicherung – insbesondere unter Namens- 

und Altersangaben der betroffenen Personen – vorliegen, mit welcher na-

mentlich garantiert wird, dass eine dem Alter der Kinder (oder des Kindes) 

entsprechende Unterkunft bei der Ankunft der Familie in Italien zur Verfü-

gung steht und dass die Familie bei der Unterbringung nicht getrennt wird 

(vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. März 2015 E-

6629/2014 E. 4.3 [zur Publikation vorgesehen]). 

4.4 Im Fall der Beschwerdeführenden lassen sich keine solche individuel-

len Garantien in den Akten finden und sind auch im Rahmen des Vernehm-

lassungsverfahrens nicht eingeholt und dem Bundesverwaltungsgericht 

vorgelegt worden. Der entscheidrelevante Sachverhalt ist im Hinblick auf 

die Frage, ob eine Überstellung nach Italien völkerrechtskonform im Sinne 

von Art. 3 EMRK sei, demnach nicht rechtsgenüglich erstellt. Es erweist 

sich als angezeigt, die Sache zwecks Vornahme der erforderlichen Abklä-

rungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

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Seite 9 

4.5 Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefochtene Verfü-

gung vom 30. Januar 2015 ist aufzuheben und die Sache in Anwendung 

von Art. 61 Abs. 1 VwVG zur vollständigen und richtigen Sachverhaltser-

mittlung und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. Auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe 

ist aufgrund der vorliegenden Kassation zum heutigen Zeitpunkt nicht nä-

her einzugehen. Nur hinsichtlich der Rüge, die Befragung vom 16. Sep-

tember 2014 hätte im Rahmen einer gleichgeschlechtlichen Runde stattfin-

den sollen, ist festzuhalten, dass ein diesbezüglicher Vorschlag während 

der Befragung von der Beschwerdeführerin abgelehnt wurde (A4 S. 7). 

Demzufolge kann dies der Vorinstanz nicht angelastet werden. 

5.  

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

5.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE (SR 173.320.2) 

eine Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Partei-

kosten zuzusprechen. In der eingereichten Kostennote vom 18. März 2015 

machte der Rechtsvertreter einen Arbeitsaufwand von 8 Stunden (à 

Fr. 200.-) geltend. Der in der Kostennote ausgewiesene zeitliche Vertre-

tungsaufwand erscheint vorliegend nicht als vollumfänglich angemessen 

respektive notwendig im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG. Unter Berücksich-

tigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) und der 

Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen ist der zeitliche Vertretungsauf-

wand für das Beschwerdeverfahren auf insgesamt 6.5 Stunden festzuset-

zen. Dem Beschwerdeführer ist somit eine Parteientschädigung im Betrag 

von Fr. 1'315.- (inkl. Auslagen, ohne MWSt) zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen und die Ver-

fügung vom 30. Januar 2015 wird aufgehoben. 

2.  

Die Sache geht zur vollständigen und richtigen Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhalts im Sinne der Erwägungen und zur Neubeurteilung 

zurück an die Vorinstanz. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von 

Fr. 1'315.- (inkl. Auslagen, ohne MWSt) auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe 

 

 

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