# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bb7265f0-d0c5-5f1a-86bc-04c658c50e0c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 D-431/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-431-2011_2011-08-31.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­431/2011

U r t e i l   v om   3 1 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli,
mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher,
Gerichtsschreiber Gert Winter.

Parteien A._______, geboren (…),
Irak,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM
vom 15. Dezember 2010 / N .

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Sachverhalt:

A. 

A.a.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen 
Heimatstaat am 23. September 2010 auf dem Landweg und gelangte am 
11. Oktober 2010 unkontrolliert  in die Schweiz, wo er  im Empfangs­ und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  M._______  gleichentags  ein  Asylgesuch 
stellte. Anlässlich der Befragung vom 18. Oktober 2010 zur Person (BzP) 
im  EVZ  M._______  sowie  der  Direktanhörung  vom  6.  Dezember  2010 
durch  das  BFM  machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines 
Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  Kurde  und  stamme  aus 
N._______  in  der  Provinz  Mossul.  Etwa  ein  Jahr  lang  habe  er  als 
Leibwächter  für  einen  kurdischen  Offizier  im  Dienst  der  Amerikaner 
gearbeitet.  In  der  Folge  habe  er  am  1. Januar  2010  einen  ersten 
Drohbrief von Terroristen der "Mujaheddin­Gruppe" erhalten. Darin sei er 
aufgefordert  worden,  seine  Arbeit  einzustellen.  Er  habe  das  Schreiben 
jedoch nicht ernst genommen und weiter gearbeitet. Deswegen sei es zu 
einer  Auseinandersetzung  mit  dem  Vater  gekommen,  der  ihn  darum 
gebeten habe, die Arbeit wegen der Drohung aufzugeben. Daraufhin sei 
er mit dem Drohbrief zur Polizei  in N._______ gegangen. Die Behörden 
hätten  jedoch  nichts  unternehmen  können,  weil  die  Täter  unbekannt 
gewesen seien. Am 20. September 2010 habe er einen zweiten Drohbrief 
erhalten. Darin  sei  er mit  dem Tode bedroht worden. Aus Furcht  sei  er 
nicht  mehr  nach  Hause  zurückgekehrt,  sondern  habe  sich  bis  zur 
Ausreise  am  23.  September  2010  am  Arbeitsort  auf  der  Militärbasis 
aufgehalten.  Mit  einem  Auto  sei  er  durch  das  Gebiet  der  kurdischen 
Regionalregierung bis an die Grenze zur Türkei gefahren, die er zu Fuss 
überquert habe. Von der Türkei aus sei er im Versteck eines Lastwagens 
an  einen  unbekannten  Ort  gelangt,  wo  er  den  Lastwagen  gewechselt 
habe. Mit letzterem sei er bis in die Schweiz gefahren.

A.b.  Am  27.  Oktober  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  über  seine 
landeskundlich­kulturellen Kenntnisse zu der von ihm geltend gemachten 
Herkunft befragt. Darüber wurde mit Datum vom 9. Dezember 2010 eine 
LINGUA­Expertise erstellt.

A.c. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer 
eine  Arbeitsbestätigung  der  O._______  Militärbasis  in  Kopie  zu  den 
Akten.

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B. 
Mit  Verfügung  vom  15.  Dezember  2010  –  eröffnet  am  gleichen  Tag  ­ 
stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
ordnete es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz an, 
schob indessen den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zu 
Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  auf.  Zur  Begründung  machte  das 
BFM  im  Wesentlichen  geltend,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
vermittelten  nicht  den  Eindruck,  dieser  habe  selbst  und  tatsächlich  im 
Zentrum des Geschehens gestanden. Seine Darstellung einer Bedrohung 
durch Drohbriefe falle offensichtlich vage und diffus aus. So habe er sich 
lediglich  auf  Schilderungen  äusserer  Begebenheiten  beschränkt. 
Demgegenüber  fehlten  anschauliche  und  nachvollziehbare  Aussagen 
darüber, wie er die Zeit der Gefährdung persönlich erlebt habe. Auch die 
Darstellung,  wonach  er  das  Drohschreiben  nicht  ernst  genommen  und 
deshalb  weiterhin  zur  Arbeit  gegangen  sei,  müsse  als  realitätsfremd 
gewertet werden. Des Weiteren  vermöge es  nicht  zu  überzeugen,  dass 
vor  dem  Hintergrund  der  angegebenen  Arbeit  auf  einer  Militärbasis  zu 
seinem  persönlichen  Schutz  einzig  die  Ausreise  in  Betracht  gezogen 
worden  wäre.  Insbesondere  vermöchten  die  Vorbringen  nicht  das 
konkrete Vorgehen bei der  illegalen Ausreise – noch dazu ohne jegliche 
Identitätsdokumente  –  zu  begründen.  Darauf  angesprochen,  habe  der 
Beschwerdeführer  nichts  Substanzielles  zu  entgegnen  vermocht.  Die 
Zweifel  bestätigten  sich  aufgrund  der  vagen  Beschreibungen  der 
behaupteten  Tätigkeit  als  Leibwächter.  Er  vermöge  keine  konkreten 
Angaben  zur  Ausbildung,  zur  Truppenstärke  der  Militärbasis  und  zu 
seiner  angeblichen  Bewaffnung  mit  einer  "Nato"­Waffe  zu  machen, 
obwohl er ein Jahr lang dort gearbeitet haben wolle. Die diesbezüglichen 
Aussagen  seien  offensichtlich  vage  und  unsubstanziiert.  An  den 
Erwägungen  des  BFM  vermöge  auch  das  eingereichte  Beweismittel 
nichts  zu  ändern,  da  es  sich  als  Kopie  einer  Echtheitsprüfung  entziehe 
und  erfahrungsgemäss  solche  Dokumente  im  Heimatstaat  des 
Beschwerdeführers  leicht  nachgemacht  oder  käuflich  erworben  werden 
könnten.  Im  Übrigen  widersprächen  sich  seine  Vorbringen  zum  Fehlen 
der Reisepapiere. So habe er  noch anlässlich der BzP gesagt,  er  habe 
die  Identitätskarte  bei  den Eltern  gelassen.  Bei  der  Anhörung  hingegen 
habe er zu Protokoll gegeben, diese sei am Arbeitsort geblieben. Darüber 
hinaus  seien  auch  die  Angaben  zur  Ausreise  nicht  substanziiert 
ausgefallen,  weil  der  Beschwerdeführer  auch  auf  Nachfrage  hin  keine 
nachvollziehbaren  Angaben  zur  angeblichen  Reise  im  Versteck  eines 
Lastwagens habe machen können. Bei dieser Sachlage stehe fest, dass 

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der Beschwerdeführer  lediglich Asylgründe  konstruiert  habe,  und  es  sei 
auch  nicht  plausibel,  dass  er  aus  den  geltend  gemachten  Gründen 
persönliche  Probleme  mit  seinem  Vater  habe.  Die  Vorbringen  seien 
unsubstanziiert,  realitätsfremd und widersprüchlich ausgefallen, weshalb 
sie  nicht  geglaubt  werden  könnten.  Dementsprechend  erfülle  der 
Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  das Asylgesuch 
sei abzulehnen. Somit könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung 
gemäss Art.  5  Abs.  1  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 
142.31)  nicht  angewendet  werden.  Ferner  ergäben  sich  aus  den  Akten 
keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  dem  Beschwerdeführer  im  Falle  einer 
Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine 
durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene 
Strafe  oder  Behandlung  drohe.  Im  vorliegenden  Fall  erachte  das  BFM 
jedoch  den  Vollzug  der Wegweisung  in  den  Heimatstaat  oder  in  einen 
Drittstaat in Würdigung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigung 
der  Aktenlage  im  gegenwärtigen  Zeitpunkt  als  nicht  zumutbar.  Deshalb 
sei der Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

C. 

C.a. Mit Eingabe vom 12. Januar 2011 reichte der Beschwerdeführer eine 
Beschwerde  ohne  die  erforderlichen  Rechtsbegehren  und  ohne  eine 
Beschwerdebegründung beim Bundesverwaltungsgericht ein.

C.b. Mit Zwischenverfügung vom 2. Februar 2011 forderte der zuständige 
Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts den Beschwerdeführer 
auf,  innert  sieben  Tagen  ab  Erhalt  dieser  Verfügung  eine 
Beschwerdeverbesserung  einzureichen  und  bis  zum  17.  Februar  2011 
einen Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­  zu Gunsten  der Gerichtskasse  zu 
überweisen.

C.c. 

C.c.a. Mit Eingabe vom 15. Februar 2010 liess der Beschwerdeführer die 
nachfolgend  aufgeführten  Rechtsbegehren  stellen:  Die  Verfügung  vom 
15.  Dezember  2010  sei  aufzuheben.  Der  Beschwerdeführer  sei  als 
Flüchtling  anzuerkennen,  und  es  sei  ihm  in  der  Schweiz  Asyl  zu 
gewähren.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  des 
Beschwerdeführers  in  der Schweiz  anzuordnen. Schliesslich  sei  auf  die 

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Erhebung  von  Verfahrenskosten  und  eines  Kostenvorschusses  zu 
verzichten.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

C.c.b.  Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der 
Beschwerdeführer  die  nachfolgend  aufgeführten  Beweismittel  ein:  eine 
ID­Karte, Zustellpapiere von DHL, die Farbkopie einer Arbeitsbestätigung, 
eine E­Mail vom 13. Februar 2011, einen Farbausdruck der Mitarbeiter­ID 
seines  Vorgesetzten,  einen  Farbausdruck  der  irakischen  ID  seines 
Vorgesetzten sowie eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung.

C.c.c.  Mit  Zwischenverfügung  vom  28.  Februar  2011  wies  der 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Gesuche  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab  und  räumte  dem 
Beschwerdeführer  eine  Nachfrist  von  drei  Tagen  ab  Erhalt  dieser 
Verfügung  zur  Bezahlung  des  ausstehenden  Kostenvorschusses  von 
Fr. 600.­ ein.

C.c.d. Der Beschwerdeführer leistete den einverlangten Kostenvorschuss 
am 2. März 2011.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

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1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen 
unter E. 6 – einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4. 

4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den 
frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

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4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

5. 

5.1.  Zur  Begründung  seiner  Beschwerdeschrift  macht  der 
Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  die  Option  einer  legalen 
Ausreise  habe  ihm wegen  zeitlicher Dringlichkeit  nicht  offen  gestanden. 
Er  habe  aber  in  der  Zwischenzeit  seine  Identitätskarte  und  eine  Kopie 
seiner Arbeitsbe­stätigung erhältlich gemacht und eingereicht. Das BFM 
spreche  der  Arbeitsbestätigung  den  Beweiswert  für  seine  Tätigkeit  als 
Leibwächter  mit  dem  schlichten  Hinweis  ab,  es  handle  sich  um  eine 
Kopie,  welche  ohne  Weiteres  nachgemacht  oder  käuflich  erworben 
werden  könne.  Indessen  mache  es  sich  die  Vorinstanz  mit  dieser 
Argumentation  zu  einfach,  zumal  sie  die  Möglichkeit  gehabt  hätte,  die 
Echtheit  und  den  Beweiswert  des  Beweismittels  durch  eine 
Botschaftsabklärung zu evaluieren. Ausserdem habe ihm sein ehemaliger 
Vorgesetzter  eine  E­Mail  geschickt,  in  der  sein  einjähriges 
Beschäftigungsverhältnis  als  Leibwächter  bestätigt  werde.  Auch  die 
übrigen  Einwände,  die  das  BFM  seiner  Tätigkeit  als  Leibwächter 
entgegenhalte, könne er nicht verstehen. Er sei ein einfacher Leibwächter 
gewesen  und  habe  deshalb  keine  grosse  Ahnung  von  den  genauen 
Strukturen der amerikanischen Organisation gehabt, für die er gearbeitet 
habe.  Auch  die  Ausbildung  sei  relativ  einfach  gewesen  und  habe  vor 
allem  den  Umgang  mit  der  Waffe  und  die  körperliche  Ertüchtigung 
beinhaltet. Das alles habe er bereits anlässlich seiner Anhörung gesagt. 
Dementsprechend erwiesen sich seine Vorbringen zu seiner Tätigkeit als 
Leibwächter als glaubwürdig, zumal sie auch noch durch ein Beweismittel 
untermauert  seien.  Auch  die  übrigen  Einwände  des  BFM  gegen  die 
Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  vermöchten  nicht  zu 
überzeugen. Was etwa den Widerspruch bezüglich des Hinterlegungsorts 
seiner  Identitätskarte  anbelange,  so  handle  es  sich  nicht  um  einen 
wesentlichen Punkt  im Sinne der Rechtsprechung  (Entscheidungen und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  1993 
Nr. 3 S. 11 ff.). Des Weiteren könne gemäss der  im Grundsatzentscheid 

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BVGE  2008/12  anerkannten  Schutztheorie  die  private  Verfolgung  im 
schutzunfähigen Staat ebenfalls flüchtlingsrelevant sein. Gefährdet seien 
namentlich Iraker, die für die multinationalen Truppen und ausländischen 
Unternehmen  sowie  internationale  und  humanitäre  Organisationen  tätig 
seien.  Dementsprechend  stehe  fest,  dass  die  Furcht  des 
Beschwerdeführers,  im  Falle  der  Rückkehr  nach  Mossul  wegen  seiner 
Tätigkeit  für  die  Amerikaner  Opfer  eines  tödlichen  Angriffs  zu  werden, 
durchaus  begründet  sei.  Er  könne  nämlich  von  den  zentralirakischen 
Behörden  keine  Schutzgewährung  erwarten,  da  im  Zentralirak,  zu  dem 
auch Mossul gehöre, vom Fehlen eines staatlichen Gewaltmonopols und 
einer  effizienten  und  funktionierenden  Schutzinfrastruktur  ausgegangen 
werden müsse.

5.2. 

5.2.1. Diese Vorbringen in der Beschwerdeschrift vermögen nicht zu einer 
veränderten Betrachtungsweise  zu  führen. Wie  sich aufgrund der Akten 
ergibt,  sind  schon  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  zu  seiner 
Reise  in  die  Schweiz  unglaubhaft  ausgefallen.  So  ist  dem 
Anhörungsprotokoll zu entnehmen, er sei auf der Reise von der Türkei in 
die  Schweiz  mit  zwei  Lastwagen  unterwegs  gewesen,  wobei  er 
zusammen  mit  zwei  weiteren  Personen  drei  Tage  im  Laderaum  des 
ersten Fahrzeugs und ungefähr weitere sieben Tage im Laderaum eines 
zweiten  Lastwagens  verbracht  habe.  In  dieser  Zeit  habe  der  Chauffeur 
das  Essen  gebracht.  Einmal  hätten  sie  in  einem  Wald  aussteigen 
müssen,  um  in  den  zweiten  Lastwagen  umzusteigen.  Ansonsten  hätten 
sie nichts machen können, und dies sei alles, was er über diese Reise zu 
berichten wisse (A12/14 F36 – F40 S. 4 und 5). Diese unsubstanziierten 
oder  wirklichkeitsfremden  Schilderungen  zeichnen  sich  insbesondere 
durch  fehlende  Realkennzeichen  aus,  weshalb  sich  der  Eindruck 
aufdrängt,  dem  Beschwerdeführer  fehlte  die  Möglichkeit,  bei  seinen 
Schilderungen  auf  Erinnerungen  an  tatsächliche  Begebenheiten 
zurückzugreifen.  Insbesondere  ist  nicht  anzunehmen,  der 
Beschwerdeführer  habe  in  der  Schweiz  in  einem  Wald  aus  dem 
Lastwagen  aussteigen  und  in  die  Stadt  laufen  müssen  (A2/10  Ziff.  17 
S. 7).  Derartige  wirklichkeitsfremde  Vorbringen  und  Unstimmigkeiten 
bezüglich  des  Reisewegs  lassen  durchaus  auch  Rückschlüsse  auf  die 
Glaubhaftigkeit  einer  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  zu 
(EMARK  1998  Nr.  17  E.  4b  S.  150).  Dies  bestätigt  sich  auch  im 
vorliegenden  Fall,  drängt  sich  doch  aufgrund  der  Akten  keinesfalls  der 

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Schluss  auf,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  lediglich  bezüglich  des 
Reisewegs unglaubhaft geäussert.

5.2.2.  Im  Wesentlichen  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  sei 
während  eines  Jahres  Leibwächter  gewesen.  Indessen  lassen  seine 
Vorbringen  im Rahmen der BzP wie auch der Direktanhörung nicht den 
Eindruck aufkommen, dass er jemals in dieser Funktion tätig gewesen ist, 
zumal  die  diesbezüglichen  Vorbringen  unsubstanziiert  und 
widersprüchlich  ausgefallen  sind.  So  machte  er  anlässlich  der  BzP 
geltend,  er  sei  zu  diesem  Job  gekommen, weil  er  den  oben  erwähnten 
kurdischen Offizier im Dienste der Amerikaner gekannt habe. Dieser habe 
ihm  eines  Tages  gesagt,  er  solle  für  ihn  arbeiten  (A2/10  Ziff.  15  S.  6). 
Davon  ist  indessen  im  Protokoll  der  Direktanhörung  keine  Rede  mehr. 
Jedenfalls  beantwortete  der  Beschwerdeführer  die  Frage,  wie  man  im 
Irak Leibwächter werde,  dahingehend, man müsse  zu den Amerikanern 
gehen und sie anfragen, ob man für sie arbeiten könne. Dann werde man 
bei  ihnen  registriert  (A12/14  F74  S.  8).  Da  aufgrund  der  Akten  nicht 
anzunehmen  ist,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  unentgeltlich  als 
Leibwächter  betätigt  (A2/10 Ziff.  8 S.  2),  erweisen sich  seine Antworten 
als nicht nachvollziehbar. So antwortete er beispielsweise auf die Frage, 
um  welche  Organisation  es  sich  gehandelt  habe,  es  sei  ein 
amerikanischer  Posten  bei  N._______  gewesen.  Anlässlich  der 
Direktanhörung  bestätigte  der  Beschwerdeführer  zwar  seinen 
Arbeitseinsatz  bei  einer  "amerikanischen  Organisation"  (A12/14  F79  S. 
8), war jedoch ausserstande, die Firma zu bezeichnen. Indessen ist eine 
Person,  die  in  einem  von  Arbeitslosigkeit  dominierten  Umfeld  einen 
Arbeitsvertrag  hat,  noch  dazu  bei  einer  amerikanischen  Organisation, 
typischerweise  in  der  Lage,  die  Firma  des  Arbeitgebers  korrekt  und 
vollständig zu benennen. Ausserdem ist ein Leibwächter auch  im Irak  in 
der  Lage,  seine  Waffe  zu  beschreiben,  etwa  den  genauen  Waffentyp 
sowie das Kaliber zu nennen (vgl. demgegenüber A12/14 F82 S. 9). Der 
Beschwerdeführer  scheiterte  an  dieser  Aufgabe,  weshalb  sein 
Anstellungsverhältnis  als  Leibwächter  unglaubhaft  erscheint.  An  dieser 
Betrachtungsweise vermögen auch die zahlreichen Beweismittel, die der 
Beschwerdeführer  zu  den  Akten  reichte,  nichts  zu  ändern,  lassen  sich 
doch derartige Papiere beliebigen Inhalts ohne Weiteres beschaffen. Sie 
weisen  dementsprechend  keinen  Beweiswert  auf,  weshalb  im  Rahmen 
einer antizipierten Beweiswürdigung auf  die Erhebung weiterer Beweise 
im  Irak,  beispielsweise  auf  eine  Botschaftsabklärung,  verzichtet  werden 
kann.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  die  an  die  Anstellung  als 
Leibwächter anknüpfende Verfolgungssituation als unglaubhaft.

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5.2.3. Bei  dieser Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf weitere Vorbringen  und 
Beweismittel einzugehen. Zusammenfassend ist festzustellen, dass beim 
Beschwerdeführer  keine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  vorliegt 
und  er  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  werden  kann.  Mangels  erfüllter 
Flüchtlingseigenschaft  ist  ihm  zu  Recht  das  nachgesuchte  Asyl  nicht 
gewährt worden.

5.3. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.4. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG;  vgl. BVGE 2009/50 E.  9. S.  733 mit weiteren Hinweisen, 
EMARK 2001 Nr. 21).

6. 
Das  BFM  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  den  Vollzug  der 
angeordneten  Wegweisung  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer 
vorläufigen Aufnahme aufgeschoben.

Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung 
(Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur. 
Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als 
undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
regeln. Gegen eine allfällige Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme steht 
dem  (ab­  und  weggewiesenen)  Asylsuchenden  wiederum  die 
Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen,  wobei  in  jenem 
Verfahren sämtliche drei Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach 
Massgabe  der  dannzumal  herrschenden  Verhältnisse  von  Neuem  zu 
prüfen sind (BVGE 2009/51 E. 5.4).

Demnach  ist,  solange  die  von  der  Vorinstanz  verfügte  vorläufige 
Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
weiterbesteht, kein Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers an der 
Prüfung der Frage der Zulässigkeit  des Wegweisungsvollzugs gegeben. 
Entsprechend  ist  auf  den  Eventualantrag,  es  sei  die  angefochtene 

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Verfügung  aufzuheben  und  die  Unzulässigkeit  (und  Unzumutbarkeit) 
seines Wegweisungsvollzugs festzustellen, nicht einzutreten.

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten,  soweit  darauf  einzutreten  ist, 
abzuweisen.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  auf  insgesamt 
Fr. 600.­ festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  2. 
März 2011 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  mit  dem  am  2.  März  2011  in  gleicher  Höhe  geleisteten 
Kostenvorschuss verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Gert Winter

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