# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b975121-45ac-5ca7-a27f-aab534156ce5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-03-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.03.2012 A-3360/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-3360-2011_2012-03-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung I 

A-3360/2011 

 

 

  U r t e i l  v o m  9 .  M ä r z  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richter Daniel Riedo (Vorsitz), 

Richter Markus Metz, Richter Michael Beusch,    

Gerichtsschreiberin Iris Widmer. 

 

 
 

Parteien 

 
X._______ AG,  

vertreten durch …, 

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 

 
Oberzolldirektion (OZD),  

Hauptabteilung Recht und Abgaben, Monbijoustrasse 40, 

3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Zolltarif; Ausfuhrbeiträge (Landwirtschaftspro-

dukte/"Schoggigesetz"). 

 

 

A-3360/2011 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die X._______ AG (nachfolgend: Zollpflichtige) verarbeitet landwirtschaft-

liche Grundstoffe u.a. für den Export. Vom Mai bis Oktober 2009 und im 

März 2010 exportierte sie das Schokoladegetränk "[Produktname]". Aus-

gehend davon, dass es sich dabei um ein Nahrungsmittel handelt, in dem 

ein landwirtschaftlicher Grundstoff der Zolltarifnummer 0401 (Milch) ver-

arbeitet worden ist, wurden ihr gestützt auf das Bundesgesetz vom 

13. Dezember 1974 über die Ein- und Ausfuhr von Erzeugnissen aus 

Landwirtschaftsprodukten (SR 632.111.72; sog. "Schoggigesetz") i.V.m. 

der damals geltenden Verordnung vom 22. Dezember 2004 über die Aus-

fuhrbeiträge für Erzeugnisse aus Landwirtschaftsprodukten (Ausfuhrbei-

tragsverordnung, AS 2005 533) Ausfuhrbeiträge in der Höhe von 

Fr. 45'537.18 ausgerichtet.  

B.  

Am 9. Oktober 2009 entnahm die Zollstelle Ramsen einer Ausfuhrsen-

dung ein Muster des Produktes "[Produktname]", welches der Oberzolldi-

rektion (OZD) zwecks Kontrolle der Materialzusammensetzung resp. Ta-

rifeinreihung übergeben wurde.  

C.  

Nach zollinternen Untersuchungen und Abklärungen sowie nach Überprü-

fung der von der Zollpflichtigen eingeforderten Rezeptur kam die OZD 

zum Ergebnis, dass das ausgeführte Schokoladegetränk eine Flüssigkeit 

aus halbentrahmter, lactosefreier Milch, mit einem Milchfettgehalt in der 

Milch-Trockensubstanz von weniger als 40 Gewichtsprozent beinhalte. 

Derartige Milch sei der Tarifnummer 0404.9089 (aus natürlichen Milchbe-

standteilen bestehende Erzeugnisse, auch mit Zusatz von Zucker oder 

anderen Süssstoffen, anderweit weder genannt noch inbegriffen) zuzu-

ordnen.  

Entsprechend teilte die OZD der Zollpflichtigen am 16. Juli 2010 mit, dass 

das Produkt nicht Milch der Tarifnummer 0401 (Milch) enthalte, sondern 

ein Erzeugnis der Tarifnummer 0404 (aus natürlichen Milchbestandteilen 

bestehende Erzeugnisse, auch mit Zusatz von Zucker oder anderen 

Süssstoffen, anderweit weder genannt noch inbegriffen) sei. Da Produkte 

dieser Zolltarifnummer gemäss der Ausfuhrbeitragsverordnung nicht aus-

fuhrbeitragsberechtigt seien, beabsichtige sie, von der Zollpflichtigen die 

ihr gewährten Ausfuhrbeiträge in der Höhe von Fr. 46'144.15 (inkl. Ver-

zugszins) zurückzufordern. 

A-3360/2011 

Seite 3 

Mit als "Einsprache" bezeichnetem Schreiben vom 26. Juli 2010 teilte die 

Zollpflichtige der OZD mit, dass sie mit dem geplanten Vorgehen nicht 

einverstanden sei. Nach ihrer auf das schweizerische Lebensmittelrecht 

gestützten Auffassung entspreche laktosefreie Milch einer "normalen 

Milch" gemäss der Zolltarifnummer 0401. Sie habe lediglich den Fettbe-

standteil verändert, alle anderen Milchbestandteile seien darin aber noch 

in ihrer Gesamtheit enthalten. Zur Vermeidung weiterer Verzugszinse 

überwies die Zollpflichtige am 31. Juli 2010 den von der OZD geltend 

gemachten Betrag. 

D.  

Mit Verfügung vom 11. Mai 2011 erklärte die OZD den bereits begliche-

nen Forderungsbetrag in der Höhe von Fr. 46'1445.15 [recte: 46'144.15] 

nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung für definitiv geschuldet. Zur 

Begründung brachte die OZD vor, die Tarifierung des Milchbestandteiles 

des strittigen Produktes sei durch die Tarifabteilung der OZD erfolgt. Bei 

der laktosefreien Milch handle es sich um ein "klassisches Produkt" der 

Tarifnummer 0404 (aus natürlichen Milchbestandteilen bestehende Er-

zeugnisse, auch mit Zusatz von Zucker oder anderen Süssstoffen, an-

derweit weder genannt noch inbegriffen). Laut den Erläuterungen zum 

Zolltarif enthalte die Tarifnummer 0404 unter anderem Produkte, "bei de-

nen ein oder mehrere natürliche Milchbestandteile entfernt worden" seien. 

Mangels rechtlicher Grundlage könne für laktosefreie Milch kein Ausfuhr-

beitrag gewährt werden. Die OZD hielt weiter fest, "auf die Beweggründe" 

der Zollpflichtigen "im Rahmen des rechtlichen Gehörs" werde "nicht ein-

gegangen". 

E.  

Gegen diese Verfügung erhob die Zollpflichtige (Beschwerdeführerin) am 

14. Juni 2011 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt 

– unter Kosten- und Entschädigungsfolge – die Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung (Rechtbegehren Ziffer 1). Die Vorinstanz sei anzuwei-

sen, ihr für den Export des strittigen Produkts Ausfuhrbeiträge in der Hö-

he von Fr. 45'537.18 sowie die von der Vorinstanz zu Unrecht eingezoge-

nen Verzugszinsen in der Höhe von Fr. 606.95, zuzüglich Zinsen von 5% 

seit dem 30. Juli 2010 auf den Betrag von Fr. 46'144.13 auszuzahlen 

(Rechtsbegehren Ziffer 2).  

In ihrer Vernehmlassung vom 29. Juli 2011 schliesst die Vorinstanz auf 

Abweisung der Beschwerde. Am 1. September 2011 nimmt die Be-

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Seite 4 

schwerdeführerin unaufgefordert Stellung. Diese Eingabe wurde der Vor-

instanz am 5. September 2011 zur Kenntnis gebracht. 

 

 
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.   

1.1. Verfügungen der OZD können gemäss Art. 31 in Verbindung mit 

Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundes-

verwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) beim 

Bundesverwaltungsgericht angefochten werden. Das Verfahren richtet 

sich nach den Vorschriften des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 

über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), soweit das VGG 

nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG, Art. 2 Abs. 4 VwVG). Die Be-

schwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung beschwert und 

zur Anfechtung berechtigt (Art. 48 VwVG). Auf die im Übrigen form- und 

fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 

1.2. Am 1. Januar 2012 ist – während des im vorliegenden Fall laufenden 

Rechtsmittelverfahrens – die Verordnung vom 23. November 2011 über 

die Ausfuhrbeiträge für Erzeugnisse aus Landwirtschaftsprodukten (Aus-

fuhrbeitragsverordnung, SR 632.11.723) in Kraft getreten, welche die 

Verordnung vom 22. Dezember 2004 (vgl. oben, Bst. A) ersetzt. Nach der 

neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung sollen grundsätzlich jene 

Bestimmungen auf hängige Verfahren Anwendung finden, welche im 

Zeitpunkt der Verwirklichung des Sachverhalts Geltung haben. Dabei ist 

nur auf jenen Sachverhalt bzw. Tatbestand abzustellen, der rechtlich zu 

würdigen ist oder der "zu Rechtsfolgen führt" (BGE 130 V 329 E. 2.3, 129 

V 1 E. 1.2; vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allge-

meines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 326 f.). 

Demnach gelangt vorliegend noch die Ausfuhrbeitragsverordnung vom 

22. Dezember 2004 (nachfolgend: aAusfuhrbeitragsverordnung) zur An-

wendung. Im Übrigen spielt die Frage nach dem anzuwendenden Recht 

keine Rolle, da die jeweils einschlägigen Verordnungsbestimmungen in 

den strittigen Punkten in materieller Hinsicht keine Unterschiede aufwei-

sen.  

1.3. Im vorliegenden Fall ist strittig, ob die Beschwerdeführerin einen An-

spruch auf Ausfuhrbeiträge hat. Die Gewährung von Ausfuhrbeiträgen 

hängt vorliegend unbestrittenermassen einzig noch davon ab, in welche 

Tarifnummer die von der Beschwerdeführerin für die Herstellung des frag-

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Seite 5 

lichen Produkts verwendete (laktosefreie) Milch einzureihen ist. Folglich 

beschränkt sich der Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens auf 

die Frage der Tarifierung dieses Erzeugnisses.  

2.  

2.1. Für Erzeugnisse aus Landwirtschaftsprodukten kann der Bundesrat 

Ausfuhrbeiträge gewähren (Art. 3 Abs. 1 "Schoggigesetz"). In Ausführung 

dieser Bestimmung hat der Bundesrat die Ausfuhrbeitragsverordnung er-

lassen. Für die Ausfuhr bestimmter landwirtschaftlicher Grundstoffe wer-

den Ausfuhrbeiträge gewährt, sofern sie in der Form von verarbeiteten 

Nahrungsmitteln ausgeführt werden. Die ausfuhrbeitragsberechtigten 

landwirtschaftlichen Grundstoffe werden basierend auf dem Generaltarif 

(Anhang zum Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 [ZTG, SR 632.10]) 

festgelegt (vgl. Art. 1 Abs. 1 aAusfuhrbeitragsverordnung). Demnach wer-

den u.a. für landwirtschaftliche Grundprodukte der Zolltarifnummern 

0401.2010/2090 aus "Milch, mit einem Fettgehalt von mehr als 1 Ge-

wichtsprozent, jedoch nicht mehr als 6 Gewichtsprozent", Ausfuhrbeiträge 

gewährt (vgl. Art. 1 Abs. 1 aAusfuhrbeitragsverordnung), mangels ent-

sprechender Erwähnung nicht aber für Produkte der Zolltarifnummer 

0404.9089, d.h. "aus natürlichen Milchbestandteilen bestehende Erzeug-

nisse, auch mit Zusatz von Zucker oder anderen Süssstoffen, anderweit 

weder genannt noch inbegriffen". 

2.2. Unter dem Begriff Generaltarif (vgl. Art. 3 ZTG) ist ein unter Beach-

tung der inländischen Gesetzgebung und unter Berücksichtigung der na-

tionalen Bedürfnisse geschaffener Zolltarif zu verstehen. Er enthält die 

Tarifnummern, die Bezeichnungen der Waren, die Einreihungsvorschrif-

ten, die Zollkontingente sowie die höchstmöglichen Zollansätze, wie sie 

grösstenteils im GATT/WTO-Abkommen konsolidiert wurden. Die Struktur 

des Generaltarifs basiert auf der Nomenklatur des internationalen Über-

einkommens vom 14. Juni 1983 über das Harmonisierte System zur Be-

zeichnung und Codierung der Waren (nachfolgend: HS-Übereinkommen, 

SR 0.632.11). 

Der Generaltarif wird in der Amtlichen Sammlung des Bundesrechts (AS) 

nicht veröffentlicht. Die Veröffentlichung erfolgt durch Verweis (Art. 5 

Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004 über die Sammlungen 

des Bundesrechts und das Bundesblatt [Publikationsgesetz, PublG, SR 

170.512]). Der Generaltarif kann bei der OZD eingesehen oder im Inter-

net (unter www.ezv.admin.ch) abgerufen werden. Trotz fehlender Veröf-

fentlichung in der AS kommt dem Generaltarif Gesetzesrang zu (vgl. statt 

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Seite 6 

vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1753/2006 vom 23. Juni 

2008 E. 2.2 mit Hinweis).  

2.2.1. Die Vertragsstaaten des HS-Übereinkommens, wozu die Schweize-

rische Eidgenossenschaft gehört, sind verpflichtet, ihre Tarifnomen-

klaturen mit dem Harmonisierten System (HS) in Übereinstimmung zu 

bringen und beim Erstellen der nationalen Tarifnomenklatur alle Nummern 

und Unternummern des HS sowie die dazugehörenden Codenummern zu 

verwenden, ohne dabei etwas hinzuzufügen oder zu ändern. Sie sind ver-

pflichtet, die allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des HS sowie al-

le Abschnitt-, Kapitel- und Unternummern-Anmerkungen anzuwenden. 

Sie dürfen den Geltungsbereich der Abschnitte, Kapitel, Nummern oder 

Unternummern des HS nicht verändern und sie haben die Nummernfolge 

des HS einzuhalten (Art. 3 Ziff. 1 Bst. a des HS-Übereinkommens). 

2.2.2. Die Vertragsstaaten des HS-Übereinkommens beabsichtigen eine 

einheitliche Auslegung der völkerrechtlich festgelegten Nomenklatur (vgl. 

Art. 7 Ziff. 1 Bst. b und c, Art. 8 Ziff. 2 des HS-Übereinkommens). Dazu 

dienen insbesondere verbindliche Auslegungsregeln ("Règles générales 

pour l'interprétation du Système Harmonisé"), die das Vorgehen bei der 

Tarifierung im Detail regeln (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

A-3197/2009 vom 10. Mai 2011 E. 2.2.3, A-8527/2007 vom 12. Oktober 

2010 E. 2.6.2, A-1753/2006 vom 23. Juni 2008 E. 2.6). Denselben Zweck 

erfüllen die sog. "Avis de classement" (nachfolgend: Einreihungsavisen) 

und die "Notes explicatives du Système Harmonisé" (nachfolgend: Erläu-

terungen), welche vom Rat für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des 

Zollwesens (Weltzollrat) auf Vorschlag des Ausschusses des Harmoni-

sierten Systems genehmigt worden sind (Art. 1 Bst. e und f i.V.m. Art. 7 

Ziff. 1 Bst. a-c i.V.m. Art. 8 Ziff. 2 und 3 des Übereinkommens). Diese 

Vorschriften sind als materiell internationales (Staatsvertrags-)Recht für 

das Bundesverwaltungsgericht verbindlich. Die Vertragsstaaten haben 

einzig nach Art. 7 Ziff. 1 sowie Art. 8 Ziff. 1 und 2 des Übereinkommens 

die Möglichkeit, die Überprüfung oder Änderung der Erläuterungen und 

Einreihungsavisen zu veranlassen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungs-

gerichts A-3197/2009 vom 10. Mai 2011 E. 2.2.3, A-3151/2008 vom 

26. November 2010 E. 2.2.3, A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.2.3).  

2.2.3. Hinsichtlich der Auslegung sehen die von den schweizerischen 

Zollbehörden angewendeten "Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung 

des Harmonisierten Systems" (AV) übereinstimmend mit den "Allgemei-

nen Vorschriften für die Auslegung des HS" des offiziellen Textes des 

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Übereinkommens in Ziff. 1 vor, dass für die Tarifeinreihung einer Ware der 

Wortlaut der Nummern und der Abschnitt- oder Kapitel-Anmerkungen so-

wie die weiteren Allgemeinen Vorschriften, soweit diese dem Wortlaut der 

Nummern und der Anmerkungen nicht widersprechen, massgebend sind. 

Bei den Überschriften der Abschnitte, Kapitel oder Unterkapitel handelt es 

sich hingegen um blosse Hinweise. Bei der Bestimmung der zutreffenden 

Tarifnummer ist somit in der gesetzlich festgelegten Reihenfolge (Tariftext 

– Anmerkungen – Allgemeine Vorschriften) vorzugehen. Die nächstfol-

gende Vorschrift ist immer erst dann heranzuziehen, wenn die vorange-

hende Bestimmung nicht zum Ziel geführt, d.h. keine einwandfreie Tarifie-

rung ermöglicht hat (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

A-3197/2009 vom 10. Mai 2011 E. 2.3.2, A-3151/2008 vom 26. November 

2010 E. 2.3.2, A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.3.2). Ziff. 2 enthält Vor-

schriften betreffend unvollständige oder unfertige Waren (Ziff. 2a) sowie 

betreffend gemischte oder zusammengesetzte Waren (Ziff. 2b). Ziff. 3 

enthält weitergehende Vorschriften betreffend diese gemischten oder zu-

sammengesetzten Waren (gem. Ziff. 2) sowie in irgendeinem anderen 

Fall, wo zwei oder mehr Nummern in Betracht kommen. Dabei geht die 

Nummer mit der genaueren Warenbezeichnung den Nummern mit allge-

meiner Warenbezeichnung vor (Ziff. 3a). Allgemein kann man sagen, 

dass eine Warenbezeichnung dann genauer ist, wenn sie eine Ware "kla-

rer, präziser und vollständiger" beschreibt (vgl. IV/b zu Vorschrift 3a). Für 

Waren, die aufgrund dieser Vorschriften (gemeint sind Ziff. 1-3) nicht ein-

gereiht werden können, sieht Ziff. 4 vor, dass sie in diejenige Nummer 

einzureihen sind, die für Waren zutrifft, denen sie am ähnlichsten sind. 

Die Ähnlichkeit kann durch zahlreiche Elemente begründet sein, wie Be-

zeichnung, Charakter und Verwendung. 

2.3. Die hier in Frage stehenden Tarifnummern 0401 und 0404 für die 

strittige "laktosefreie Milch" gehören zu Abschnitt I des Generaltarifs mit 

der Überschrift "Lebende Tiere und Waren tierischen Ursprungs". Die sys-

tematische Gliederung der genannten Nummern im Tarifnummernver-

zeichnis stellt sich wie folgt dar: 

04 Milch und Molkereiprodukte; Vogeleier; natürlicher Honig; 
geniessbare Waren tierischen Ursprungs, anderweit weder 
genannt noch inbegriffen 

0401 Milch und Rahm, weder eingedickt noch mit Zusatz von 
Zucker oder anderen Süssstoffen: 

0401.20 Milch, mit einem Fettgehalt von mehr als 1 Gewichtsprozent, 
jedoch nicht mehr als 6 Gewichtsprozent 
 

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Seite 8 

0401.2010 -- innerhalb des Zollkontingents (…) eingeführt 

0401.2090 -- andere 

0404 Molke, auch eingedickt oder mit Zusatz von Zucker oder 
anderen Süssstoffen; aus natürlichen Milchbestandteilen 
bestehende Erzeugnisse, auch mit Zusatz von Zucker oder 
anderen Süssstoffen, anderweit weder genannt noch in-
begriffen: 

0404.1000 Molke, modifiziert oder nicht, auch eingedickt oder mit Zusatz 
von Zucker oder anderen Süssstoffen 

0404.90 - andere 
 

 -- andere: 

 --- mit einem Milchfettgehalt in der Milch-Trockensubstanz von  
 weniger als 40 Gewichtsprozent 

0404.9089 ---- andere  

2.3.1. Die Erläuterungen zur Tarifnummer 0401 halten – soweit hier rele-

vant – Folgendes fest: "Hierher gehört Milch, wie sie in der Anmerkung 1 

zu diesem Kapitel beschrieben ist und Rahm, auch pasteurisiert, sterili-

siert oder anders konserviert, homogenisiert oder peptonisiert. Von dieser 

Nummer ausgenommen sind Milch und Rahm, eingedickt oder mit Zusatz 

von Zucker oder anderen Süssstoffen (Nr. 4020) sowie Sauermilch, Sau-

errahm und Milch oder Rahm, fermentiert oder gesäuert (0403). (…) Die-

se Nummer umfasst auch rekonstituierte Milch, deren quantitative und 

qualitative Zusammensetzung gleich ist wie beim natürlichen Produkt."  

Gemäss der Anmerkung 1 zu diesem Kapitel gelten im Zolltarif als "Milch" 

die "Vollmilch" sowie die "teilweise oder vollständig entrahmte Milch".  

2.3.2. Die Erläuterungen zur Tarifnummer 0404 halten – soweit hier inte-

ressierend – Folgendes fest: Neben Molke gehören hierher "auch frische 

oder konservierte Produkte aus natürlichen Milchbestandteilen, mit einer 

Zusammensetzung, die nicht der natürlichen Milch entspricht, anderweit 

weder genannt noch inbegriffen. Diese Nummer umfasst somit Produkte, 

bei denen ein oder mehrere natürliche Milchbestandteile entfernt oder 

zugesetzt worden sind (z.B. Milch mit erhöhtem Proteingehalt)." 

2.4. Tarifeinreihungen ausländischer Zollbehörden sind für die schweize-

rische Zollverwaltung formell nicht verbindlich. Allerdings müssen sachlich 

überzeugende Gründe vorliegen, damit die Schweizerische Zollverwal-

tung ein identisches Produkt anders qualifiziert, als dies Zollverwaltungen 

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Seite 9 

anderer Staaten gestützt auf Verordnungen der EU-Kommission tun (Ur-

teile des Bundesverwaltungsgerichts A-1217/2011 vom 29. Februar 2012 

E. 2.4, A-1734/2006 vom 10. Juli 2009 E. 4.1, A-1675/2006 vom 21. März 

2007 E. 3.6, mit Hinweis). 

3.  

Im vorliegenden Fall ist die Tarifierung des verarbeiteten Nahrungsmittels 

"[Produktname]" selbst unstrittig (Tarifnummer 2202.9090). Die hierfür 

verwendete Milch wurde nach den – von der Vorinstanz unbestrittenen 

Angaben der Beschwerdeführerin – standardisiert, homogenisiert, pas-

teurisiert, entrahmt und gemischt. Zudem wurde die Laktose (Milchzu-

cker) mit Hilfe des Enzyms Laktase [Trivialname für-Galaktosidase; vgl. 

Agroscope: "Laktoseentfernung", einsehbar unter www.agro-

scope.admin.ch; Startseite > Praxis > Tierische Lebensmittel > Ernährung 

> Milch und Milchprodukte > Verarbeitung, zuletzt besucht am 23. Febru-

ar 2012] in Galaktose und Glukose aufgespalten (sog. "Hydrolyse"). Strit-

tig ist, in welche Tarifnummer diese laktosefreie Milch einzureihen ist (vgl. 

E. 1.3). Zur Diskussion stehen die Tarifnummern 0401 und 0404: Wäh-

rend die Vorinstanz das Produkt in die Tarifnummer 0404 "aus natürlichen 

Milchbestandteilen bestehende Erzeugnisse" einreiht, stellt sich die Be-

schwerdeführerin auf den Standpunkt, bei der laktosefreien Milch handle 

es sich um "Milch" im Sinne der Tarifnummer 0401. Eine andere in Frage 

kommende Tarifnummer wird nicht geltend gemacht und ist auch nicht er-

sichtlich. 

3.1. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass mit der Herstellung von lakto-

sefreier Milch bzw. laktosefreien Milchprodukten die Lebensmittelindustrie 

auf die Laktose-Unverträglichkeit des Grossteils der Weltbevölkerung re-

agiert, welche aufgrund eines Enzymmangels bzw. -defektes die Laktose 

nicht abbauen kann. Die Unverträglichkeit äussert sich in Form von Prob-

lemen im Magen-Darm-Bereich (Blähungen Bauchkrämpfe, Durchfall). 

Die zunehmende Herstellung laktoseverminderter oder laktosefreier Pro-

dukte führt zu einer steigenden Anzahl zufriedener Milchtrinker weltweit 

und hat dank der zunehmenden Verfügbarkeit von Milchkalzium einen 

positiven Einfluss auf die Ernährung (vgl. BRITA REHBERGER, Laktosever-

minderte und laktosefreie Milch und Milchprodukte: Aussicht, Technologie 

und Anwendungen, in: Informationen der Eidgenössischen Forschungs-

anstalt für Nutztiere und Milchwirtschaft ALP [Forschungsanstalt Agrosco-

pe Liebefeld-Posieux], in: newslaiter vom 1. November 2004, einsehbar 

unter www.agroscope.admin.ch; Startseite > Praxis > Tierische Lebens-

mittel > Ernährung > Milch und Milchprodukte > Verarbeitung > Laktose-

A-3360/2011 

Seite 10 

entfernung > Publikationen, zuletzt besucht am 23. Februar 2012; BAR-

BARA WALTHER, Keine Nulltoleranz für Laktose-Intolerante, in: Maillaiter 

des Schweizerischen Verbandes der Milchproduzenten, Dezember 2010, 

einsehbar unter www.agroscope.admin.ch; Startseite > Praxis > Tierische 

Lebensmittel > Milch und Milchprodukte > Trinkmilch > Publikationen; zu-

letzt besucht am 23. Februar 2012; ANDREAS BOSSHART/DOREEN GIL-

LE/LOTTI EGGER, Problemzucker Laktose, in: Alimenta 20/2010, S. 24 ff.). 

3.2.  

3.2.1. Die Beschwerdeführerin hält grundsätzlich dafür, Laktose sei kein 

begriffsbestimmender Bestandteil der Milch. Laktosefreie Milch sei des-

halb gleich wie Pastmilch, UHT-Milch etc. zu behandeln. Weiter führt sie 

aus, die Vorinstanz gelange aufgrund einer Fehlinterpretation des Verar-

beitungsverfahrens zu einem falschen Ergebnis bei der Tarifeinreihung. 

Durch die Hydrolyse werde die Laktose nämlich "nicht entfernt", sondern 

lediglich in Glukose und Galaktose gespalten. Damit blieben alle natürli-

chen Bestandteile der Milch erhalten. Auch im Schweizerischen Lebens-

mittelrecht gelte laktosefreie Milch als "normale Milch". 

3.2.2. Die Vorinstanz begründet ihre Zuordnung in die Tarifnummer 0404 

("aus natürlichen Milchbestandteilen bestehende Erzeugnisse") wie folgt: 

Zwar werde die Laktose durch die Hydrolyse streng genommen nicht 

"entfernt". Das Verfahren führe aber unbestrittenermassen dazu, dass 

das Endprodukt keine Laktose mehr enthalte. Die laktosefreie Milch ent-

spreche in ihrer qualitativen und quantitativen Zusammensetzung somit 

eindeutig nicht mehr einem natürlichen Produkt. Diese Tarifauslegung 

würde sich mit derjenigen der Zollverwaltungen der Europäischen Union 

(EU) decken. So habe die deutsche Zollverwaltung im Jahr 2006 zwei für 

ganz Europa verbindliche, auf die HS-Nummer 0404 lautende Zolltarif-

auskünfte erteilt (act. 27, Europäisch Verbindliche Zolltarifauskunft [EVZ-

TA] betreffend eines laktosefreien Vollmilchpulvers, erteilt von der Zoll-

technischen Prüfungs- und Lehranstalt München). 

3.3. Zur Tarifeinreihung durch die Vorinstanz in die Tarifnummer 0404 ist 

Folgendes zu bemerken:  

Die Zolltarifnummer 0404 umfasst zum einen Molke (Tarifnummer 

0404.1000) und zum anderen Erzeugnisse, die aus natürlichen Milchbe-

standteilen bestehen, anderweit weder genannt noch inbegriffen (Tarif-

nummer 0404.9089 "andere"; vgl. E. 2.3). Die Erläuterungen präzisieren, 

dass damit Produkte gemeint sind, bei denen "ein oder mehrere natürli-

A-3360/2011 

Seite 11 

che Milchbestandteile entfernt oder zugesetzt" worden sind. Als Beispiel 

wird Milch mit einem erhöhten Proteingehalt genannt. Ein erläuterndes 

Beispiel für ein Produkt, bei dem ein Milchbestandteil entfernt wurde, wird 

nicht beschrieben (vgl. E. 2.3.2). 

3.3.1. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es sich bei der Tarifnummer 

0404.9089 um einen Auffangtatbestand handelt, unter den nur Produkte 

fallen, die nicht von einer anderen, vorangegangenen Tarifnummer – hier 

konkret von der Tarifnummer 0401 – erfasst werden (vgl. E. 3.3, "ander-

weit weder genannt noch inbegriffen"). Die Vorinstanz schliesst eine Tari-

fierung in die Nummer 0401 mit der Begründung aus, Milch enthalte "na-

türlicherweise" Laktose. "Bereits aus den verbindlichen Erläuterungen zur 

Tarifnummer 0401" ergebe sich somit, dass "laktosefreie Milch nicht mehr 

unter diese Nummer eingereiht" werden könne. Laktosefreie Milch "ent-

spreche nicht mehr einem natürlichen Produkt". Das Bundesverwaltungs-

gericht kann dieser Argumentation nicht vorbehaltlos folgen: 

Die Vorinstanz scheint "natürlich" im Sinne von "naturbelassen", "nicht 

künstlich/imitiert/nachgemacht", "ursprünglich", "urwüchsig", "von Natur 

aus" (vgl. Duden – Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl., Mannheim 2007, 

Synonyme zu "natürlich") zu verstehen. Hierzu ist allerdings zu bemer-

ken, dass im Zolltarif als "Milch" im Sinne der Tarifnummer 0401 auch die 

"teilweise oder vollständig entrahmte Milch" gilt (vgl. Anmerkung 1, auf die 

die Erläuterungen zur Tarifnummer 0401 verweisen, vgl. E. 2.3.1). Bei 

diesen Arten von Milch wurde der Fettgehalt teilweise oder nahezu voll-

ständig entfernt. Somit entspricht aber die Zusammensetzung auch sol-

cher Milch nicht mehr einer "natürlichen" Milch und sie ist trotz dieser 

Veränderungen der Zusammensetzung immer noch in die Tarifnummer 

0401 einzureihen.  

Die Erläuterungen nennen zudem verschiedene weitere Be- bzw. Verar-

beitungsverfahren, die die Milch gerade ihrem "natürlichen" Zustand ent-

fremden und teilweise deren Zusammensetzung verändern. Beispielswei-

se darf Milch "pasteurisiert, sterilisiert oder anders konserviert" werden. 

Nach unwidersprochener Darstellung der Beschwerdeführerin gehört da-

zu auch das sog. UHT (Ultra-High-Temperature)-Verfahren. Dieses Ver-

fahren kann den Verlust gewisser natürlicher Inhaltsstoffe (wie z.B. Vita-

mine) zur Folge haben. Wie viele natürliche Inhaltsstoffe dabei "entfernt" 

werden (der Verlust liegt zwischen 0 und 20%), ist abhängig von der Hit-

zebelastung (vgl. BARBARA WALTHER, Nährstoffverlust durch Hocherhit-

zung?, in: Alimenta 12/2009, S. 28 f.; W. STRAHM/P. EBERHARD, Trink-

A-3360/2011 

Seite 12 

milchtechnologien. Eine Übersicht, in: ALP forum, 2. Auflage, Nr. 79/2010, 

S. 28). Die Milch darf weiter "homogenisiert" werden. Dabei werden die 

Fettmoleküle verkleinert und auf eine einheitliche Grösse gebracht. Da-

durch wird die Anzahl der Fettkügelchen um etwa das 1000-fache erhöht 

(vgl. STRAHM/EBERHARD, a.a.O., S. 9). Schliesslich darf Milch auch "pep-

tonisiert" werden. Peptone sind hochmolekulare Spaltprodukte von Ei-

weissstoffen, die als Zwischenstufen bei deren partieller Hydrolyse, z.B. 

mit Hilfe von bestimmten Enzymen, wie Pepsin oder Trypsin, auftreten. 

Pepsine befinden sich im Magensaft aller Wirbeltiere. Sie werden aus der 

Magenschleimhaut frisch geschlachteter Schweine und Rinder gewon-

nen. Pepsine werden zusammen mit Lab für die Käseherstellung verwen-

det und ferner als Verdauungshilfe eingesetzt (vgl. Lexikon der Lebens-

mittel und der Lebensmittelchemie, Waldemar Ternes/Alfred Träu-

fel/Liselotte Tunger/Martin Zobel [Hrsg.], Stuttgart 2007 [nachfolgend: Le-

bensmittellexikon], S. 1380, Eintrag: Pepsin und S. 1381, Eintrag: Pepto-

ne). Peptonisierte Milch ist demnach Milch, deren Eiweisse durch den 

Zusatz des Enzyms Pepsin gespalten worden sind. Es handelt sich dabei 

um eine Art Vorverdauung der Milch, welche bei der "Auffütterung" von 

Kindern verwendet wurde (vgl. Brockhaus' Konversationslexikon 2. Band, 

14. Aufl., Leipzig/Berlin/Wien 1894, S. 86, Eintrag: Auffütterung). In die-

sem Zusammenhang fällt die Ähnlichkeit der peptonisierten mit der lakto-

sefreien Milch hinsichtlich des Verarbeitungsverfahrens auf: Beide Milch-

sorten werden durch die Beigabe eines Enzyms (also durch Hydrolyse) 

hergestellt. In beiden Fällen wird mit der Spaltung spezifischer Milchbe-

standteile (Eiweiss bzw. Laktose) bezweckt, dass die Milch vom mensch-

lichen Organismus besser aufgenommen werden kann. 

Diese Beispiele zeigen, dass die Milch nicht in ihrem ursprünglichen, "na-

türlichen" Zustand belassen werden muss, um noch als "Milch" im Sinne 

des Zolltarifs zu gelten. Dass im Übrigen die Erläuterungen die zulässi-

gen Be- bzw. Verarbeitungsverfahren abschliessend aufzählen würden, 

macht die Vorinstanz zu Recht nicht geltend. Insgesamt ist zu diesem 

Punkt festzuhalten, dass nach dem Dargelegten die Begründung der Vor-

instanz, weshalb die Tarifnummer 0401 nicht zur Anwendung kommen 

und deshalb auf die subsidiäre Tarifnummer 0404.9089 zurückgegriffen 

werden soll, als wenig schlüssig erscheint. 

3.3.2. Aber auch die Begründung der Vorinstanz, weshalb die laktosefreie 

Milch in die Tarifnummer 0404 einzuordnen sei, vermag nicht zu überzeu-

gen: 

A-3360/2011 

Seite 13 

Durch die Aufspaltung der Laktose in ihre Bestandteile Glukose und Ga-

laktose erfolgt nämlich nicht – wie von den Erläuterungen verlangt (vgl. 

E. 2.3.2) – eine eigentliche "Entfernung" des Milchbestandteiles "Lakto-

se". Dies wird denn von der Vorinstanz auch nicht bestritten. Durch die 

enzymatische Aufspaltung der Laktose in Glukose und Galaktose werden 

lediglich die Anteile an Glukose und Galaktose erhöht, die sich bereits na-

türlicherweise in der Milch befinden (vgl. Lebensmittellexikon, S. 1194, 

Zusammensetzung der Kuhmilch). Somit enthält – darin ist der Beschwer-

deführerin zu folgen – die Milch immer noch sämtliche Milchbestandteile, 

"nur eben die Laktose in der Form von physiologisch gemeinhin verwert-

barer Glukose und Galaktose". In der Milch sind somit nach der Spaltung 

im Grunde dieselben Bestandteile vorhanden wie vor der Spaltung. Die 

Einreihung von laktosefreier Milch in die Tarifnummer 0404 überzeugt un-

ter diesem Gesichtspunkt nicht.  

Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Laktosefreiheit 

auch etwa mittels dem chromatografischen Verfahren erzielt werden kann 

(vgl. Agroscope, "Laktoseentfernung", a.a.O.). Streitgegenstand bildet 

vorliegend aber nicht die unter Anwendung dieses Verfahrens, sondern 

die durch Hydrolyse hergestellte laktosefreie Milch. Ohnehin wäre kaum 

ersichtlich, inwiefern die solchermassen hergestellte laktosefreie Milch 

unter den in E. 3.3.1 erläuterten Gesichtspunkten sowie unter Berücksich-

tigung des Anspruchs auf rechtsgleiche Behandlung vergleichbarer Sach-

verhalte (vgl. Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen 

Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) anders tarifiert wer-

den sollte, als solche, die mittels Hydrolyse verarbeitet wird. 

Vor diesem Hintergrund gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Er-

gebnis, dass die Zolltarifnummer 0404.9089 das Produkt laktosefreie 

Milch nicht genauer, im Sinne von klarer, präziser und vollständiger (vgl. 

E. 2.2.3) beschreibt als die Tarifnummer 0401, weshalb das Erzeugnis in 

Letztere einzureihen ist.  

3.4. Die Einreihung der laktosefreien Milch in die Tarifnummer 0401 

"Milch und Rahm" erscheint denn auch ausgehend vom massgebenden 

Tariftext als zutreffend:  

3.4.1. Gemäss Tariftext zusammen mit den Erläuterungen, die als mate-

riell internationales Staatsvertragsrecht für das Bundesverwaltungsgericht 

verbindlich sind (vgl. E. 2.2.2), wird für die Definition von "Milch" auf die 

Anmerkung 1 verwiesen (vgl. bereits E. 3.3.1). Als "Milch" gelten dem-

A-3360/2011 

Seite 14 

nach die "Vollmilch" sowie die "teilweise oder vollständig entrahmte" Milch 

(vgl. E. 2.3.1). Was "Vollmilch" bzw. "teilweise oder vollständig entrahmte 

Milch" ist, wird im Zolltarif nicht näher umschrieben. Fehlt eine Definition, 

ist vom allgemein gebräuchlichen Verständnis auszugehen bzw. davon, 

sofern es sich um einen Fachbegriff handelt, wie der Begriff in der Fach-

welt verstanden wird (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

A-829/2011 vom 30. Dezember 2011 E. 3.2).  

Unter "Vollmilch" verstehen die Lebensmittelbranche sowie die Verord-

nung des EDI vom 23. November 2005 über Lebensmittel tierischer Her-

kunft (SR 817.022.108; nachfolgend: Verordnung) übereinstimmend eine 

Milch mit einem Fettgehalt von mindestens 35 g pro Kilogramm (Art. 27 

Abs. 1 Bst. a der Verordnung; vgl. Lebensmittellexikon, a.a.O., S. 1916, 

Eintrag: Trinkmilch [auf den der Eintrag Vollmilch verweist]; vgl. RÖMPP 

Lexikon Lebensmittelchemie, 2., völlig überarbeitete und erweiterte Aufl., 

Gerhard Eisenbrand/Peter Schreier/Alfred Hagen Meyer [Hrsg.], Stutt-

gart/New York 2007 [nachfolgend: Lebensmittelchemie], S. 626, Eintrag: 

Konsummilch). Darüber hinaus muss sie bei einem Fettgehalt von 35 g 

pro Kilogramm und einer Temperatur von 20°C eine Masse von mindes-

tens 1028 g pro Liter aufweisen sowie mindestens 28 g Eiweiss und min-

destens 85 g fettfreie Trockenmasse pro Kilogramm enthalten. Bei einem 

anderen Fettgehalt muss die Masse bzw. der Anteil an Eiweiss oder Tro-

ckenmasse wiederum entsprechend sein (Art. 28 Bst. a-c der Verord-

nung). "Teilentrahmte Milch" muss einen Fettgehalt von mehr als 5 g, je-

doch weniger als 35 g pro Kilogramm aufweisen (Art. 27 Abs. 1 Bst. b der 

Verordnung; vgl. Lebensmittellexikon, a.a.O., S. 1916, Eintrag: Trinkmilch 

[auf den der Eintrag Vollmilch verweist]; Lebensmittelchemie, a.a.O., 

S. 626, Eintrag: Konsummilch); "Halbentrahmte Milch" muss einen Fett-

gehalt von mindestens 15 g und höchstens 18 g pro Kilogramm aufwei-

sen (Art. 27 Abs. 1 Bst. b der Verordnung); "Entrahmte Milch" (Mager-

milch) darf einen Fettgehalt von höchstens 5 g pro Kilogramm aufweisen 

(Art. 27 Abs. 1 Bst. d der Verordnung; vgl. Lebensmittellexikon, a.a.O., 

S. 1916, Eintrag: Trinkmilch [auf den der Eintrag Vollmilch verweist]; Le-

bensmittelchemie, a.a.O., S. 626, Eintrag: Konsummilch). Eine Verände-

rung des Eiweissgehaltes ist gemäss der schweizerischen Gesetzgebung 

nicht zulässig (Art. 29 Abs. 3 der Verordnung).  

Daran zeigt sich, dass die für die Definition von "Vollmilch" sowie "teilwei-

se oder vollständig entrahmter Milch" primär der Gehalt an Fett (und evtl. 

Eiweiss) massgebend ist. Insofern ist der Beschwerdeführerin zu folgen, 

als dass für die Definition von "Milch" der Bestandteil "Laktose" nicht be-

A-3360/2011 

Seite 15 

griffsbestimmend ist. "Vollmilch" sowie "teilweise oder vollständig ent-

rahmte Milch" können denn auch durchaus laktosefrei sein, ohne dass 

sich an ihrer Produktbezeichnung als "Vollmilch" sowie als "teilweise oder 

vollständig entrahmte Milch" etwas ändern würde: So, wie es im Handel 

beispielsweise pasteurisierte und homogenisierte Vollmilch gibt, ist auch 

laktosefreie Vollmilch erhältlich, die überdies noch pasteurisiert und ho-

mogenisiert etc. werden kann. Die Verringerung des Laktosegehaltes in 

der Milch durch Umwandlung von Laktose in Glukose und Galaktose (al-

so im Verfahren der Hydrolyse) ist in der Schweiz im Übrigen auch expli-

zit gestattet (vgl. Art. 29 Abs. 4 der Verordnung).  

Der Tariftext steht somit einer Tarifierung von laktosefreier Milch in die Ta-

rifnummer 0401 nicht nur nicht entgegen, sondern drängt eine solche auf.  

3.5. Zum selben Ergebnis führte die Auslegungsvorschrift Ziff. 4, wenn sie 

denn zum Zuge käme (nachdem solches für AV Ziff. 2 und 3 ganz offen-

sichtlich nicht der Fall ist; vgl. E. 2.3.2). Danach wären Waren, die auf-

grund der AV (Ziff. 1-3) nicht eingereiht werden könnten, in diejenige 

Nummer einzureihen, die für Waren zutrifft, denen sie am ähnlichsten 

sind. Die Ähnlichkeit von laktosefreier Milch mit "normaler" bzw. laktose-

haltiger Milch der Tarifnummer 0401 etwa hinsichtlich der Bezeichnung, 

des Charakters und der Verwendung ist offensichtlich und bedarf keiner 

näheren Ausführungen. Jedenfalls kann nicht gesagt werden, laktosefreie 

Milch sei den Produkten gemäss Tarifnummer 0404 ähnlicher als jenen 

der Nummer 0401 (und eine andere Nummer steht ausser Frage). Lakto-

sefreie Milch wird für die genau gleichen Zwecke verwendet wie laktose-

haltige Milch. Mit dieser Form von Milch wird denjenigen Menschen der 

Konsum von Milch bzw. Milchprodukten ermöglicht, die bisher aufgrund 

ihrer Laktoseintoleranz auf den Genuss von Milch verzichten mussten 

(vgl. E. 3.1). Auf die Ähnlichkeit von laktosefreier Milch mit der peptoni-

sierten Milch hinsichtlich des Verarbeitungsverfahren und des Zwecks 

des jeweils angewandten Verfahrens wurde bereits hingewiesen (vgl. 

E. 3.3.1). 

3.6. Aufgrund des Gesagten ist laktosefreie Milch unter sämtlichen Titeln 

in die Tarifnummer 0401 einzureihen. Diesem Ergebnis steht die Tarifaus-

kunft der Zolltechnischen Prüfungs- und Lehranstalt München für die EU 

nicht entgegen (vgl. E. 3.3.2), sind doch Tarifeinreihungen ausländischer 

Zollbehörden für die schweizerische Zollverwaltung nicht verbindlich (vgl. 

E. 2.4). Wie aufgezeigt, liegen sachlich triftige Gründe vor, um der Einrei-

hung der deutschen Zollbehörden nicht zu folgen. Bei diesem Ergebnis 

A-3360/2011 

Seite 16 

erübrigen sich ferner weitere Ausführungen zum Vorwurf der Beschwer-

deführerin, wonach die Zollverwaltung hinsichtlich der Tarifierung von lak-

tosereduziertem Vollmilchpulver angeblich nicht alle Zollpflichtigen gleich 

behandeln würde. 

3.7. Auch mit Blick auf die Ausfuhrbeitragsvorschriften erweist sich dieses 

Ergebnis als richtig. Staatliches Handeln verstösst gegen das in Art. 8 

Abs. 1 BV festgeschriebene Gebot der rechtsgleichen Behandlung, wenn 

es Unterscheidungen trifft, für die sich ein vernünftiger Grund nicht finden 

lässt, oder Unterscheidungen unterlässt, die richtigerweise hätten be-

rücksichtigt werden sollen (zum Gebot der Rechtsgleichheit vgl. etwa 

BGE 131 V 256 E. 5.4, 129 V 330 E. 4.1 mit Hinweisen). Sachliche und 

vernünftige Gründe, die eine ungleiche Behandlung von laktosehaltiger 

und laktosefreier Milch mit Bezug auf die Entrichtung von Ausfuhrbeiträ-

gen rechtfertigen würden, sind nicht ersichtlich  

4.  

4.1. Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht, dass sich die Be-

hörde zum einen nicht ernsthaft und sorgfältig mit ihren Vorbringen betref-

fend die Tarifierung von laktosefreier Milch befasst habe, und dass zum 

andern die Verfügung ungenügend begründet sei. Die dürftige Begrün-

dung habe die Anfechtung wesentlich erschwert (vgl. zu den einzelnen 

Vorbringen Rz. 26 f. und Rz. 28 ff. der Beschwerde). 

4.2. Die Beschwerdeführerin rügt damit eine Verletzung des rechtlichen 

Gehörs im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV, namentlich der Begründungs-

pflicht.  

Aus der vorinstanzlichen Verfügungsbegründung ergibt sich – wenn auch 

in äusserst gedrängter Form –, dass laktosefreie Milch in die Tarifnummer 

0404 falle, weil "ein oder mehrere natürliche Milchbestandteile entfernt" 

worden seien. Da die Tarifnummer 0404 in der Ausfuhrbeitragsverord-

nung nicht genannt werde, so die Vorinstanz weiter, fehle die gesetzliche 

Grundlage, um Ausfuhrbeiträge zu gewähren. Im Dispositiv hält die Vorin-

stanz allerdings ausdrücklich fest: "Auf die Beweggründe der X._______ 

AG im Rahmen des rechtlichen Gehörs [mit dem 'rechtlichen Gehör' ist in 

der Diktion der Vorinstanz das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 

26. Juli 2010 gemeint, vgl. act. 15] wird nicht eingegangen."  

Angesichts des Ausgangs des Verfahrens kann auf eine einlässliche und 

abschliessende Klärung der Frage, ob vorliegend das rechtliche Gehör 

A-3360/2011 

Seite 17 

der Beschwerdeführerin verletzt worden ist, verzichtet werden. Immerhin 

sei darauf hingewiesen, dass im vorliegenden Fall ohnehin auf eine Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung aus diesem Grund verzichtet wer-

den könnte. Dies deshalb, weil das Bundesverwaltungsgericht mit der 

gleichen Prüfungsbefugnis wie die Vorinstanz entscheidet und die Vorin-

stanz eine ausführliche Entscheidbegründung im Rahmen des Vernehm-

lassungsverfahrens nachgereicht hat (zum Anspruch auf rechtliches Ge-

hör sowie zu den Voraussetzungen der "Heilung" einer allfälligen Verlet-

zung im Einzelnen, vgl. BGE 129 I 129 E. 2.2.3, 126 V 130 E. 2b, Urteil 

des Bundesgerichts 1A.234/2006 vom 8. Mai 2007 E. 2.2; BVGE 2009/61 

E. 4.1.3, Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1681/2006 vom 

13. März 2008 E. 2.4, A-1737/2006 vom 22. August 2007 E. 2.2; HÄFELIN/ 

MÜLLER/ UHLMANN, a.a.O., Rz. 986 f.) 

5.  

Ausgangsgemäss ist die Beschwerde gutzuheissen, das in Rede stehen-

de Produkt in die zu Ausfuhrbeiträgen berechtigende Tarifnummer 0401 

einzureihen und der Beschwerdeführerin die fraglichen Ausfuhrbeiträge 

und die gesetzlich geschuldeten Zinsen auszubezahlen. Die Kosten des 

vorliegenden Verfahrens belaufen sich auf Fr. 3'800.–. Die Verfahrenskos-

ten sind grundsätzlich der unterliegenden Partei aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG). Keine Verfahrenskosten werden Vorinstanzen oder be-

schwerdeführenden und unterliegenden Bundesbehörden auferlegt 

(Art. 63 Abs. 2 VwVG). Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kos-

tenvorschuss in der Höhe von Fr. 3'800.– ist dieser zurückzuerstatten.  

Die Vorinstanz hat der obsiegenden Beschwerdeführerin eine Parteient-

schädigung in der Höhe von Fr. 5'700.– (inklusive Mehrwertsteuer und 

Auslagen) auszurichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 

Art. 8 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). 

6.  

Der vorliegende Entscheid über die Tarifierung von laktosefreier Milch 

kann nicht mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an 

das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 Bst. l des Bundesge-

setzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110]). 

 

 

A-3360/2011 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung der Vorinstanz 

vom 11. Mai 2011 wird aufgehoben. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der von der Beschwerdefüh-

rerin geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 3'800.– wird ihr zu-

rückerstattet. 

3.  

Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in 

der Höhe von Fr. 5'700.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Einschreiben) 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniel Riedo Iris Widmer 

 

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