# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e9e2741e-09f6-52a8-804e-48f62ca56e17
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-06-30
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 30.06.2005 S 2005 46
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2005-46_2005-06-30.pdf

## Full Text

S 05 46
2. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 30. Juni 2005

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

1. … (nachgehend: Versicherte), geboren 1986, liess am 19. März 2003 durch 

seinen Arbeitgeber, …, der Schweizerischen Unfallversicherung 

(nachgehend: SUVA) melden, er habe am 17. März 2003 beim Abladen der 

Werkzeugkiste das Handgelenk verdreht. Erste Abklärungen durch das Spital 

… ergaben eine Verletzung der Bänder und Knorpel. Auf Rückfrage der SUVA 

über den genauen Hergang des Vorfalls erklärte der Versicherte am 23. April 

2003, dass er an besagtem Tag eine ca. 20 Kg schwere Werkzeugkiste mit 

gestrecktem Arm aus dem PW ausgeladen habe. Dabei habe es ihm einen 

Zwick im linken Handgelenk gegeben. Er habe die Hand weder verdreht noch 

sei sonst etwas Aussergewöhnliches vorgefallen. Vor zwei Jahren habe er 

dasselbe Handgelenk gebrochen. Nach Abschluss der Behandlung sei er 

jedoch völlig beschwerdefrei gewesen. Anlässlich der Besprechung vom 22. 

Januar 2004 mit der SUVA präzisierte er, er habe in der rechten Hand bereits 

eine Werkzeugkiste gehalten. Da sie in Eile gewesen seien, habe er mit dem 

gestreckten linken Arm eine weitere 20 – 30 Kg schwere Werkzeugkiste von 

der Brücke des Lieferwagens heben wollen. Er habe die Kiste über den 30 cm 

hohen Laden gehoben. Aufgrund des Gewichtes habe es ihm den Arm 

hinuntergeschlenzt. Dabei habe er im linken Handgelenk ein „Chrosen“ gehört 

und gleichzeitig einen stechenden Schmerz verspürt.

2. Am 15. April 2003 bescheinigte Dr. … einen Status nach heftigem 

Distorsionstrauma vor vier Wochen, mit klinisch schmerzhaft eingeschränkter 

Dorsalextension mit einer Druckdolenz auf Mitte Carpus und Ausstrahlung 

nach proximal. Da die Schmerzen andauern würden, ordnete er eine MRI-

Untersuchung an. Am 19. Februar 2004 diagnostizierte Dr. … ein instabiles 

distales Radioulnargelenk links mit evtl. posttraumatischer Arthrose. Im 

Weiteren ordnete er die Wiederholung des MRI an. Am 8. März 2004 wurde 

eine zweite MRI-Untersuchung durchgeführt. Im Bericht vom 24. März 2004 

verwies Dr. … auf das letzte MRI und bemerkte, dass doch eine gewisse 

Pathologie im distalen Radioulnargelenk bestehe.

3. Mit Schreiben vom 9. Mai 2003 lehnte die SUVA Versicherungsleistungen ab. 

Am 29. März 2004 verfügte sie die Ablehnung sämtlicher Leistungen, da 

weder Folgen eines Unfalls noch einer unfallähnlichen Körperschädigung 

gemäss Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 

832.202) vorliegen würden. Die ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG 

(nachgehend: ÖKK) als Taggeldversicherer des heutigen Arbeitgebers des 

Versicherten, erhob gegen die ergangene Verfügung Einsprache mit dem 

sinngemässen Begehren, es sei der Fall als unfallähnliche Körperschädigung 

anzuerkennen. Die SUVA wies die Einsprache mit Entscheid vom 14. Januar 

2005 ab.

4. Dagegen liess die ÖKK am 14. April 2005 frist- und formgerecht Beschwerde 

beim Verwaltungsgericht erheben mit den Anträgen um kostenfällige 

Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids samt der ihm zugrunde 

liegenden Verfügung und Anweisung, für die geklagten Beschwerden im 

linken Handgelenk gemäss Unfallmeldung vom 19. März 2003 die 

gesetzlichen Leistungen aus UVG (unfallähnliche Körperschädigung) zu 

erbringen. Das vom Versicherten geschilderte Ereignis sei objektiv 

feststellbar, sinnfällig, nicht mit einem alltäglichen Lebensvorgang zu 

vergleichen und liege ausserhalb einer physiologisch normalen und 

psychologisch beherrschbaren Beanspruchung des menschlichen Körpers. 

Folglich liege ein unfallähnliches Ereignis vor. Ferner sei die geklagte 

Körperschädigung – gemäss Befund – eine Verrenkung von Gelenken (des 

Handgelenks) im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. b UVV. Auch die dritte 

Voraussetzung – Kausalzusammenhang zwischen der Körperschädigung und 

dem unfallähnlichen Ereignis – sei durch Dr. … bestätigt worden.

5. In ihrer Vernehmlassung vom 26. Mai 2005 beantragte die Vorinstanz 

Abweisung der Beschwerde. Aus den medizinischen Berichten lasse sich kein 

Befund ableiten, aus welchem auf eine unfallähnliche Körperschädigung 

gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV geschlossen werden könnte. Auch die von der 

Beschwerdeführerin eingereichten Akten würden keinen ausreichenden 

Beweis dafür erbringen, dass der Versicherte eine Schädigung im Sinne von 

Art. 9 Abs. 2 UVV erlitten haben soll.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 6 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung 

(UVG; SR 832.20) werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, 

Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten sowie bei unfallähnlichen 

Körperschädigungen gewährt, soweit das UVG nichts anderes bestimmt.

2. Vorliegend ist einzig zu prüfen, ob eine unfallähnliche Körperschädigung im 

Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV vorliegt. Auf eine solche ist gemäss 

Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts zu schliessen, 

wenn folgende drei Voraussetzungen erfüllt sind: Vorliegen einer der in Art. 9 

Abs. 2 UVV aufgezählten Körperschädigung; mit Ausnahme der 

Ungewöhnlichkeit müssen alle Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs (Art. 

4 ATSG) erfüllt sein (unfallähnliches Ereignis); Kausalzusammenhang 

zwischen der Körperschädigung und dem unfallähnlichen Ereignis (BGE 129 

V 466).

3. a) Strittig ist, ob sich den medizinischen Berichten eine Diagnose bzw. ein 

Befund ableiten lässt, aus welchem auf eine unfallähnliche Körperschädigung 

gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV geschlossen werden kann. Zu beachten gilt, dass 

die in Art. 9 Abs. 2 UVV enthaltene Aufzählung der unfallähnlichen 

Körperschädigungen abschliessend ist, weshalb Erweiterungen durch 

Analogieschlüsse nicht zulässig sind (BGE 114 V 303).

b) Folgende ärztliche Befunde und Stellungnahmen sind für die 

Streitentscheidung von Bedeutung:

● Im MRI-Bericht vom 22. April 2003 wird folgendes festgehalten: 
Morphologisch kein pathologischer Befund an Handgelenk und an der 
Handwurzel fassbar. Kein Nachweis einer scapholunären Dissoziation bei 
morphologisch regelrechtem scapholunärem Band. Kein Hinweis auf eine 
karpale Ernährungsstörung. Verschluss der distalen 
Radiusepiphysenfuge bei noch offener distaler Ulnaepiphysenfuge. 
Derzeit (noch) kein Ulnavorschub. Auffällig umschriebene Läsion in der 
distalen Radiusmetaphyse mit neu aufgetretener zarter Aufhellung im 
Röntgenbild. Deutliche Vergrösserung des radiolunären Winkels wie bei 
DISI, jedoch keine Lagerung in Neutralstellung.

● Am 19. Februar 2004 diagnostizierte Dr. … ein instabiles distales 
Radioulnargelenk links mit evtl. posttraumatischer Arthrose. Die Kausalität 
zwischen Befund und Ereignis vom 17. März 2003 erachtete er als sicher.

● Das am 8. März 2004 durchgeführte MRI ergab folgenden Befund: Erguss 
im distalen Radioulnargelenk mit radioulnarer Synovitis. Winziger Fokus 
eines Knochenmarködems, möglicherweise Hinweis auf ein ulnalunäres 
Impingement. Im Vergleich zur Voruntersuchung vom 17. April 2003 
deutliche Abnahme der Signalintensität der distalen Epiphysenfuge von 
Radius und Ulna, entweder habe es sich damals um eine traumatisierte 
Epiphysenfuge gehandelt, wofür das begleitende Ödem in der 
Radiusmetaphyse spricht, oder aber es sei zu einem fortschreitenden 
Epiphysenschluss gekommen.

● Nach Interpretation des MRI äusserte sich Dr. … im Schreiben vom 24. 
März 2004 dahingehend, dass doch eine gewisse Pathologie im distalen 
Radioulnargelenk bestehe. 

● In seinem Bericht vom 28. Juni 2004 stellte Dr. … „chronische 
Handgelenkbeschwerden links“ fest.

● Die am 2. Juli 2004 durchgeführte diagnostische Arthroskopie ergab 
folgende Diagnose: Chronische Schmerzen am Handgelenk links. Aus 
dem Operationsbericht geht zudem hervor, dass am radiocarpalen 
Compartiment unter anderem eine deutliche Synovitis über dem Proc. 
styloideus radii festzustellen war. Auf Höhe des scapholunären Bandes 
lag eine leichtgradige Stufe vor mit kleiner Knorpelglatze und umgebender 
Chondromalazie mit „Ausfaserung“ des Knorpels. Auch das ulnocarpale 
Compartiment wies eine leichte Synovitis auf.

● Nach Studium der medizinischen Akten kam Dr. … zum Schluss, dass 
Ursache für die von Dr. … geschilderte Chondromalazie der distalen 
Radiusgelenksfläche – aufgrund des Alters des Patienten - eigentlich nur 
ein Trauma in Frage komme. Dafür könne sowohl die Radiusfraktur im 
Jahre 2001 als auch das „Verhebetrauma“ vom 17. März 2003 
verantwortlich sein. Seiner Meinung nach komme letzteres Unfallereignis 

aber eher in Frage. Weiter führte er aus, dass die Destabilisation des 
distalen Radioulnargelenks am ehesten einer partiellen TFCC-Ruptur 
entspreche. 

● In seiner Aktennotiz vom 2. November 2004 schrieb der Vertrauensarzt 
der ÖKK, Dr. …, dass die medizinischen Akten keine klare Diagnose 
ergeben hätten. Anhand der Beschreibung sei eine Destabilisation des 
Radioulnargelenks anzunehmen, welche am ehesten einer partiellen 
TFCC-Ruptur (=Distorsion des Handgelenkes) entsprechen könnte. Die 
Chondromalazie der distalen Radiusgelenkfläche könne – aufgrund des 
Alters – nur auf ein Trauma zurückgeführt werden.

● Am 3. Januar 2005 kam Dr. … aufgrund der Akten zum Schluss, dass 
echtzeitlich an der linken Hand des Versicherten weder klinisch noch 
radiologisch eine eindeutige Diagnose gestellt werden konnte. Im MRI 
habe eine Bandläsion ausgeschlossen werden können. Bei der 
diagnostischen Arthroskopie habe ebenfalls kein Befund festgestellt 
werden können. Weder der Knorpeldefekt am Radius, die minimale 
Lazeration an der radialen Fixation des sonst intakten Diskus triangularis, 
noch die leichte radioulnare Instabilität seien mit Wahrscheinlichkeit am 
17. März 2003 entstanden und würden auch nicht den Diagnosen einer 
unfallähnlichen Körperschädigung entsprechen. Ferner erinnerte Dr. … 
daran, dass der Versicherte bereits im Februar 2002 eine Radiusfraktur 
links erlitten hatte.

c) In Würdigung der soeben erwähnten Arztberichte ist festzuhalten, dass aus 

keinem der vorliegenden Gutachten eine eindeutige Diagnose hervorgeht. 

Selbst der Vertrauensarzt der ÖKK, Dr. …, räumte ein, dass die 

medizinischen Akten keine klare Diagnose ergeben hätten. Auch Dr. … hielt 

in seinem Bericht fest, dass echtzeitlich weder klinisch noch radiologisch eine 

eindeutige Diagnose gestellt werden konnte. Entgegen der Behauptung der 

Beschwerdeführerin lässt sich aus den medizinischen Berichten – auch aus 

jenen von Dr. … und Dr. … - kein Befund ableiten, aus welchem auf eine in 

Art. 9 Abs. 2 UVV aufgeführten Körperschädigung geschlossen werden 

könnte. Gemäss Aussage von Dr. … könnte die beschriebene Destabilisation 

des distalen Radioulnargelenks am ehesten einer partiellen TFCC-Ruptur 

entsprechen (= Distorsion des Handgelenkes). Damit stellt er lediglich eine 

Vermutung auf, welche offensichtlich nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit eine Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV 

nachzuweisen vermag. Hierzu gilt zu bemerken, dass Dr. … bereits das 

Vorliegen der Destabilisation des distalen Radioulnargelenks lediglich 

annimmt, also nicht mit Sicherheit als erstellt erachtet. Sowohl Dr. … als auch 

Dr. … möchten die Chondromalazie der distalen Radiusgelenkfläche auf ein 

Trauma zurückführen. Ihre Begründung, dass aufgrund des Alters des 

Patienten eigentlich nur ein Trauma in Frage kommt, stellt keinen Beweis dar, 

sondern ebenfalls nur eine Vermutung. In keiner Weise können sie einen 

Befund oder eine Diagnose aufzeigen, welche einer unfallähnlichen 

Körperschädigung gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV entsprechen würde. Gutachten, 

die mit Vermutungen operieren, vermögen nämlich nicht den im 

Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu erbringen.

4. Da somit eine der Voraussetzungen nicht erfüllt ist, um auf eine unfallähnliche 

Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV zu schliessen, kann offen 

bleiben, ob ein unfallähnliches Ereignis und der Kausalzusammenhang 

zwischen der Körperschädigung und dem unfallähnlichen Ereignis gegeben 

sind.

5. Der angefochtene Einspracheentscheid sowie die ihm zugrunde liegende 

Verfügung sind in jeder Beziehung rechtens, was zur Bestätigung jener 

Erlasse und demnach zur Abweisung der Beschwerde führt.

6. Das Verfahren ist gestützt auf Art. 61 lit. a ATSG und Art. 11 der grossrätlichen 

Verordnung über das Verfahren in Sozialversicherungsstreitsachen (VVS; BR 

542.300) kostenlos. Eine aussergerichtliche Entschädigung steht dem 

Unfallversicherer nicht zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.