# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ade14533-eb5f-5869-9519-dd573200a5c7
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-12
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 12.01.2023 720 22 156 / 05 (720 2022 156 / 05)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_720-22-156---05_2023-01-12.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht 

 

 
vom 12. Januar 2023 (720 22 156 / 05) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Invalidenversicherung 

 

 

Würdigung der Arztberichte; Bemessung der Invalidität 

 

 
 
 
Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichterin Elisabeth Berger 

Götz, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal 
Acrémann 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dominique Flach, Ad-
vokatin, indemnis, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel 

  
 
gegen 
 
 

 IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, 
Beschwerdegegnerin 
 

  
  
Betreff IV-Rente 
 
 
 

A. Die 1986 geborene A.____, gelernte Kauffrau E-Profil, war vom 1. September 2007 bis 
31. Dezember 2015 und vom 17. Oktober 2016 bis 31. Dezember 2016 bei der B.____ als 
Fachverantwortliche im Bereich Administration tätig, wobei das Arbeitspensum von ursprünglich 
50 % bzw. 60 % ab dem 1. Januar 2012 auf 70 % erhöht wurde. Hernach arbeitete A.____ vom 

 

 
 
Seite 2   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

23. Januar 2017 bis 31. August 2017 im Spital C.____ in einem Teilzeitpensum von 50 % als 
Arztsekretärin. Am 16. Oktober 2018 meldete sie sich unter Hinweis auf ein Asperger-Syndrom 
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärungen 
– insbesondere Einholung eines Gutachtens bei Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psy-
chotherapie, vom 14. Juli 2021 – und durchgeführten beruflichen Massnahmen ermittelte die IV-
Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) einen Invaliditätsgrad von 49 %. Gestützt auf dieses Abklä-
rungsergebnis sprach sie A.____ unter Berücksichtigung, dass der Rentenanspruch frühestens 
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs entsteht, mit 
Wirkung ab 1. April 2019 eine Viertelsrente zu (Verfügung vom 5. Mai 2022). 

 

B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Dominique Flach, am 2. Juni 2022 
Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsgericht 
(Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung vom 5. Mai 
2022 aufzuheben und es sei die IV-Stelle unter o/e-Kostenfolge zu verpflichten, ihr mindestens 
eine halbe Invalidenrente auszurichten. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass 
der angefochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe und die 
Bemessung der Invalidität nicht zutreffend erfolgt sei. 

 

C. In ihrer Vernehmlassung vom 30. Juni 2022 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der 
Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Stellungnahme von 
Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) bei-
der Basel, vom 14. Juni 2022 bei. 

 
 
Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g : 
 
1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) 
vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche-
rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden 
Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, so dass die örtliche Zustän-
digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset-
zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 
beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan-
tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur 
Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene 
Beschwerde vom 2. Juni 2022 ist demnach einzutreten. 
 
1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Ände-
rung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 ("Weiter-
entwicklung der IV", WEIV) in Kraft. Die vorliegend angefochtene Verfügung erging nach dem 
1. Januar 2022. Auf alle Rentenansprüche, die ab dem 1. Januar 2022 entstehen, finden grund-
sätzlich die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversiche-

 

 
 
Seite 3   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

rung (IVV) vom 17. Januar 1961 in der Fassung gültig ab dem 1. Januar 2022 Anwendung. Er-
folgt die Verfügung über die erstmalige Rentenzusprache nach dem 1. Januar 2022, welche – 
wie hier – einen Rentenanspruch vor dem 1. Januar 2022 begründet, sind aber die Bestimmun-
gen des IVG und diejenigen der IVV in der Fassung gültig bis 31. Dezember 2021 massgebend 
(Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab 1. Ja-
nuar 2022, Rz. 9101; Kreisschreiben zu den Übergangsbestimmungen zur Einführung des line-
aren Rentensystems [KS ÜB WE IV], gültig ab 1. Januar 2022, Rz. 1009). Die Bestimmungen 
werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 
 
2. Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachver-
halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 5. Mai 2022 entwickelt hat. 
Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprü-
fungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2). 
 
3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein-
gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während 
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig 
gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c).  
 
3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung 
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfä-
higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei 
langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich 
berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder 
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge 
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit 
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt 
zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit 
sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung 
zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti-
ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 
 
3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG 
anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das 
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh-
rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom-
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht 
invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom-

 

 
 
Seite 4   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozent-
vergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 
 
4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus-
mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig 
ist. 
 
4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbesondere auch bei der Beurtei-
lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall 
das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach-
leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund-
heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 
welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen 
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der 
Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 
 
4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-
prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an-
deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-
tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge-
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den 
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich 
des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung 
der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein-
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind 
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 
 
4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdi-
gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten 
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen 
dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei-
teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten 
externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter-
suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun-
de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer-
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen 
(BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden 
Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass 
diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher 

 

 
 
Seite 5   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unter-
schiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits 
und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits 
(Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, 
öffentlich-rechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Admi-
nistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen 
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte oder Ärztinnen zu anderslautenden Einschätzungen 
gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, 
weil die behandelnden Ärzte und Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Inter-
pretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder 
ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit 
Hinweisen). 
 
4.5 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchti-
gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich an-
erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu 
betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden 
psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein 
invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 
IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähig-
keit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht ent-
schieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Be-
weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwi-
ckelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksichtigung von leis-
tungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen 
(Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu-
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig 
von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungs-
grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, 
wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 
mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 
 
5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom 
Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach 
haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und 
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs-
pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen 
Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 
8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt 
auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leis-
tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ent-
schieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 
 

 

 
 
Seite 6   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

6.1 Die IV-Stelle beauftragte Dr. D.____ mit einem Gutachten. Am 14. Juli 2021 diagnosti-
zierte er ein Asperger-Syndrom (ICD-10 F84.5). Die Explorandin sei bewusstseinsklar und ori-
entiert. Die Konzentrationsleistung sei leichtgradig vermindert, die Auffassung und die Merkfä-
higkeit seien aber nicht beeinträchtigt. Das formale Denken sei weder beschleunigt noch weit-
schweifig noch gehemmt noch verlangsamt noch eingeengt. Ein Vorbeireden, eine Inkohärenz, 
eine Zerfahrenheit oder inhaltliche Denkstörungen seien ebenfalls nicht vorhanden. Dagegen 
habe die Explorandin ein Derealisationserleben geäussert, wobei sie in solchen Momenten 
wegtrete. Dieses sei erstmals in ihrer Kindheit aufgetreten und auch während der Untersuchung 
sichtbar geworden. Auffälligkeiten im Essverhalten bestünden nicht. Hypomane Symptome 
(vermindertes Schlafbedürfnis, vermehrte Energie oder Tatkraft, vermehrtes Selbstvertrauen 
etc.) lägen ebenso wenig vor wie Wahrnehmungsstörungen. Die Grundstimmung sei ausgegli-
chen und Insuffizienzgefühle würden verneint. Es seien weder eine Freud- noch eine Hoff-
nungslosigkeit noch eine Interessenverminderung, aber ein vermindertes Vitalitätsgefühl und 
eine Selbstunsicherheit festzustellen. Ein- und Durchschlafstörungen würden verneint, Tages-
schwankungen würden in Form von Morgentiefs angegeben. Psychomotorisch sei die Versi-
cherte unauffällig. Sie wirke etwas misstrauisch, aber Zwangssymptome seien nicht erkennbar. 
Ebenso seien die Schwingungsfähigkeit und der Antrieb unauffällig. Die Explorandin habe be-
reits als Kind Symptome des Asperger-Syndroms gezeigt. Aufgrund dieser Erfahrungen hätten 
sich Persönlichkeitszüge herausgebildet mit einem verminderten Selbstwertgefühl und einer 
eher pessimistischen Grundhaltung. Die Explorandin zweifle an sich, fühle sich unterlegen, un-
sicher und sei eher passiv unentschlossen. Die Einschätzung der subjektiven Leistungsfähigkeit 
würde aber deutlich unter den objektiven Leistungswerten liegen. Die Explorandin sei bisher 
nicht in psychiatrischer oder psychologischer Behandlung gewesen. Eine Psychotherapie sei 
aber dringend anzuraten. Die von ihr geschilderten Beschwerden seien in allen Lebensberei-
chen vorhanden. Die Explorandin vermeide Kontakte mit ihr nicht vertrauten Menschen. Sie 
habe aber ein soziales Netz aufgebaut, zu dem sie Vertrauen habe. Sie sei im Kontakt eher 
zurückhaltend und nehme sich zurück, da sie in der Vergangenheit wegen ihrer direkten Art 
negative Feedbacks erhalten habe. Die Symptomvalidierung zeige fragliche Antwortverzerrun-
gen. Die von der Explorandin geschilderten Symptome und Funktionseinbussen seien aber 
konsistent, plausibel und die Untersuchungsergebnisse valide und nachvollziehbar. Hinsichtlich 
der diagnostischen Einschätzung würden sich in den Akten keine Differenzen ergeben. Die Ex-
plorandin sei in der Lage gewesen, ab 2007 während acht Jahren für die B.____ zu arbeiten. Im 
Laufe dieser Tätigkeit sei es ihr zunehmend schlechter gegangen, weswegen sie die Stelle ge-
kündigt habe. Danach habe sie eine Anstellung im Sekretariat des Spitals C.____ gefunden. 
Diese Beschäftigung sei für sie jedoch überfordernd gewesen. Wegen der Beschwerden sollte 
eine Arbeitsstelle eine klare Strukturierung der jeweiligen Tätigkeit, eindeutige Arbeitsanwei-
sungen und verlässliche, gleichbleibende Abläufe beinhalten. Die Kommunikation sollte stets 
ehrlich und nicht „zwischen den Zeilen“ erfolgen. Schriftliche Kommunikationsmittel (z.B. E-Mail) 
statt Telefonate seien eine Erleichterung. Hilfreich seien zudem feste Ansprechpartner, ein di-
rektes Feedback, eine Arbeitsumgebung ohne störende Reize und Ablenkungen sowie Rück-
zugsmöglichkeiten. Autistische Menschen würden häufig besser einzeln als im Team arbeiten. 
Eine begrenzte Anzahl von Kollegen- und Kundenkontakte sei aber oft gut zu bewältigen, wenn 
der Ablauf von vornherein klar sei. Der letzte Arbeitsplatz im Spital C.____ habe diesen Anfor-
derungen nicht entsprochen; bei einer solchen Tätigkeit sei die Leistungsfähigkeit erheblich 

 

 
 
Seite 7   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

beeinträchtigt. Die Explorandin sollte in der Lage sein, pünktlich zur Arbeit oder zu Terminen zu 
erscheinen und Verabredungen einzuhalten. Sie könne den Tag strukturieren und ein ausge-
wogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Erholung organisieren. Sie habe aber Schwierigkeiten, 
sich neuen Situationen erwartungsgemäss anzupassen. Sie benötige eher Routine mit gleich-
bleibenden Arbeitsaufgaben, Terminen und Mitarbeitenden. Die Versicherte sollte fähig sein, 
die fachlichen Kompetenzen zu realisieren, wenn der Arbeitsplatz den genannten Anforderun-
gen entspreche. Sie sei in der Lage, Zusammenhänge zu erfassen, sachbezogene Schlüsse 
daraus zu ziehen und die Entscheidungen umzusetzen. Hingegen sei die Durchhaltefähigkeit 
beeinträchtigt und es bestünde ein erhöhter Pausenbedarf. Zudem seien die Selbstbehaup-
tungs- und Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie die Gruppenfähigkeit vermindert. Die Versicherte 
sei aber in der Lage, häusliche und ausserhäusliche Pflichten zu erfüllen und sich an Freizeit-
/Erholungsaktivitäten zu beteiligen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Spital C.____ betrage 
die Arbeitsunfähigkeit 70 %. Es sei davon auszugehen, dass diese Einschränkung mindestens 
seit Beendigung der Anstellung bei der B.____ im Jahr 2015 bestünde. Eine angepasste Tätig-
keit (klare Strukturierung, eindeutige Arbeitsanweisungen, gleichbleibende Arbeitsabläufe, klare 
Kommunikation, feste Ansprechpartner, Arbeitsumgebung ohne störende Reize und Ablenkung, 
Rückzugsmöglichkeiten, erhöhter Pausenbedarf) sei der Versicherten in einem ganztägigen 
Pensum mit einer Leistungsverminderung von 30 % zumutbar. 
 
6.2 Am 11. Dezember 2021 nahmen die Psychologinnen Dr. phil. F.____ und M.Sc. 
G.____, Klinik H.____, Stellung zum Gutachten von Dr. D.____ vom 14. Juli 2021. Sie hielten 
fest, dass die Versicherte schon seit ihrer Jugend immer wieder an Erschöpfungszuständen 
gelitten habe. Sie habe eine KV-Lehre absolviert und danach zunächst bei der Firma I.____AG 
in X.____ und hernach bei der B.____ gearbeitet, wobei sie dort anfänglich in einem 50 %- bzw. 
60 %-Pensum und hernach in einem 70 %-Pensum gearbeitet habe. Dies habe zu einer zu-
nehmenden psychischen Belastung und letztlich zur Kündigung geführt. Direkt danach habe sie 
im Januar 2017 eine 50 %-Stelle als Arztsekretärin im Spital C.____ angetreten. Dort habe sie 
es aber aufgrund von psychischer Belastung und zunehmender Erschöpfung nur acht Monate 
ausgehalten. Die Arbeitsbedingungen seien im Hinblick auf die damals noch nicht diagnostizier-
te, aber vorhandene autistische Störung sehr ungünstig gewesen. (Glaswände, Lärm, viele Te-
lefonate, mehrere Aufgaben, Kontakt mit den Eltern von den kranken Kindern). Damals hätten 
sich bei ihr depressive Symptome entwickelt. Im Rahmen der IV-Eingliederungsmassnahmen 
habe sie im Mai 2019 fünf Monate als Mitarbeiterin der Buchhaltung der Gemeinde Y.____ ge-
arbeitet. Das anfängliche Arbeitspensum von 40 % sei dann auf 50 % gesteigert worden, was 
aber für sie zu viel gewesen sei. Die Schwierigkeiten der Versicherten auf dem Arbeitsmarkt 
seien gut nachvollziehbar. Die Hauptfaktoren, die ihre berufliche Belastbarkeit bestimmen und 
die Arbeitsfähigkeit einschränken würden, würden sich konsistent und stabil in ihrer beruflichen 
Laufbahn zeigen. Die Versicherte sei mit sozialen Kontakten schnell überfordert und sie sei da-
nach häufig erschöpft. Zudem könne sie irrelevante Reize nicht ausschalten (Reizfilterstörung), 
was zu einer schnellen Reizüberflutung führe. Die bisherigen beruflichen Erfahrungen der Ver-
sicherten, mit sich wiederholenden Erschöpfungszuständen und vermehrtem Schlafbedarf, 
wenn sie über längere Zeit mehr als 40 % bis 50 % gearbeitet habe, seien durch die genannten 
Störungsfaktoren gut erklärbar. Es sei davon auszugehen, dass bei der Versicherten die Reizfil-
terstörung und die damit verbundenen dauerhaften Stressreaktionen zu Erschöpfungszustän-

 

 
 
Seite 8   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

den führen würden. Die im Gutachten beschriebenen standardisierten psychologischen Testver-
fahren seien im Hinblick auf die oben genannten autistischen Eigenschaften nur in begrenzten 
Rahmen aussagekräftig. Die Testergebnisse würden eine gute Leistungsfähigkeit der Versi-
cherten bestätigen. Grund für die Stellenverluste seien nicht die Leistungen gewesen, sondern 
vielmehr die emotionalen und physischen "Kosten", die mit Anstrengung verbunden seien. 
Durch Anstrengung würden Betroffene versuchen, ihre Leistungen hochzuhalten, was aber 
durch Schlaf oder sozialen Rückzug kompensiert werden müsse. Dieser Kompensationsbedarf 
würde sich bei der bisherigen beruflichen Laufbahn der Versicherten deutlich zeigen. Bei ge-
steigertem Arbeitspensum steigere sich auch der Schlaf- und Rückzugsbedarf. Bei gut ange-
passten Arbeitsbedingungen in einem maximalen Pensum von 50 % habe die Versicherte über 
längere Zeit (2007 bis 2015) an einem Arbeitsplatz bleiben können. Bei einem höheren Pensum 
reagiere sie mit Erschöpfung und erhöhtem Schlafbedarf, was ihre Lebensqualität beeinträchti-
ge. Das Risiko der Entwicklung einer depressiven Episode unter diesen Bedingungen und in 
der Folge nochmaliger Kündigung einer Arbeitsstelle sei wahrscheinlich sehr hoch. Daher sei 
bei gut angepassten Arbeitsbedingungen eine Arbeit in einem 50 %-Pensum zu empfehlen. 
 
6.3 Am 15. Januar 2022 nahm Dr. E.____ Stellung, wobei sie festhielt, dass der Bericht 
der Klinik H.____ vom 11. Dezember 2021 keine wesentlichen neuen Aspekte enthalte. Darin 
würde zwar eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen. Hingegen enthalte er kein Ein-
schränkungsprofil. Nach den Angaben im Gutachten weise die Versicherte diverse Sozialkon-
takte auf, welche die Schwere des Asperger-Syndroms relativieren würden. Angesichts der so-
zialen Aktivitäten und Kontakte liege kein schweres Asperger-Syndrom vor. Das im Gutachten 
aufgezeigte Aktivitäts- und Funktionsniveau sei mit einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in der defi-
nierten Verweistätigkeit kompatibel. 
 
7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der Verfügung vom 5. Mai 2022 bei der Beurteilung des 
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten auf die Ergebnisse im Gutach-
ten von Dr. D.____ vom 14. Juli 2021, wonach eine Arbeitsfähigkeit von 70 %, ganztägig um-
setzbar bei erhöhtem Pausenbedarf, für leidensangepasste Tätigkeiten (klare Strukturierung der 
Tätigkeit, eindeutige Arbeitsanweisungen, verlässlich gleichbleibende Arbeitsabläufe, klare und 
vorzugsweise schriftliche Kommunikation, feste Ansprechpartner, reiz- und ablenkungsfreie 
Arbeitsumgebung, Rückzugsmöglichkeiten) bestehe. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist 
im Ergebnis nicht zu beanstanden. Wie in Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht 
frei, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsan-
spruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, 
ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in 
Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen-
hänge einleuchtet und seine Schlussfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe 
ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten von Dr. D.____ vom 
14. Juli 2021 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Vielmehr erfüllt es sowohl in 
formeller Hinsicht als auch inhaltlich die bundesgerichtlichen Anforderungen an eine beweis-
kräftige medizinische Entscheidungsgrundlage. Der Gutachter hatte Kenntnis von sämtlichen 
bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen, er setzte sich in angemessener Weise mit 
den geäusserten Beschwerden auseinander und begründete die Schlussfolgerungen in nach-

 

 
 
Seite 9   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

vollziehbarer Weise. So setzte er sich hinreichend mit der Biographie, dem beruflichen Werde-
gang und den Alltagsaktivitäten der Versicherten auseinander. Seine Feststellungen des Be-
funds und dessen funktionellen Auswirkungen vermitteln ein einleuchtendes und stimmiges Bild 
über deren Gesundheitszustand und Leistungsfähigkeit. Dr. D.____ differenzierte zwischen den 
subjektiv empfundenen Beschwerden und den geltend gemachten Einschränkungen im Alltag 
der Beschwerdeführerin einerseits und den objektiv feststellbaren Befunden andererseits. Er 
erkannte, dass sie trotz der bestehenden Beeinträchtigungen im Bereich der Aufmerksamkeits-
funktionen, der Durchhaltefähigkeit, der Flexibilität, der Selbstbehauptungs- und Kontaktfähig-
keit zu Dritten sowie im zwischenmenschlichen Bereich in der Lage ist, den Tag zu strukturie-
ren, verschiedenen Hobbies nachzugehen, soziale Kontakte zu pflegen sowie häusliche und 
ausserhäusliche Pflichten zu erfüllen, was gegen eine schwere Beeinträchtigung der Leistungs-
fähigkeit spricht. Die entsprechenden, in Erwägung 6.2 wiedergegebenen Darlegungen im Gut-
achten von Dr. D.____ vom 14. Juli 2021 vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen 
werden kann. 
 
7.2.1 Was die Beschwerdegegnerin dagegen vorbringt verfängt nicht. Soweit sie davon aus-
geht, dass die Anstellung bei der B.____ in einem 70%igen Pensum eine leidensangepasste 
Tätigkeit gewesen sei, die sie aber beschwerdebedingt nicht habe bewältigen können, kann ihr 
nicht beigepflichtet werden. Die damalige Tätigkeit beinhaltete – wie sich aus dem Arbeitszeug-
nis der B.____ vom 31. Dezember 2015 (vgl. IV-act. 23) ergibt – eine vielfältige Aufgabenstel-
lung mit Auskunftserteilung am Informationstelefon und enger Zusammenarbeit mit diversen 
Akteuren (Mitarbeitenden der Geschäftsstelle, Kursleitenden, Fachpersonen Beratung). Zum 
Aufgabengebiet gehörte auch ein regelmässiger Austausch mit Dachorganisationen und der 
externen Buchhaltung. Die Beschwerdeführerin hatte eine "Drehscheibenfunktion" inne, die 
häufige und wechselnde Kontakte nach aussen und mit den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle 
beinhaltete. Eine solche Tätigkeit entspricht nicht dem Belastungsprofil einer angepassten Ver-
weistätigkeit, wie sie im Gutachten von Dr. D.____ vom 14. Juli 2021 beschrieben wird. Dies gilt 
umso mehr, als von der Beschwerdeführerin bei ihrer früheren Tätigkeit bei der B.____ während 
ihrer 70%igen Anwesenheit am Arbeitsplatz stets die volle Leistung erwartet wurde. Nach den 
Ausführungen im Gutachten von Dr. D.____ besteht eine angepasste Tätigkeit aber insbeson-
dere auch darin, dass die Beschwerdeführerin über den Tag verteilt Pausen einlegen und sich 
bei Bedarf zurückziehen kann. Beides war in der B.____ nicht möglich. Folglich kann aus dem 
Umstand, dass die Beschwerdeführerin das Pensum von 70 % bei der B.____ auf Dauer nicht 
erfüllen konnte, nicht abgeleitet werden, ein ganztägiges Pensum mit einer Leistungsverminde-
rung von 30 % sei ihr nicht zumutbar. Wenn die Beschwerdeführerin weiter geltend macht, sie 
habe auch während des Arbeitsversuchs bei der Gemeinde Y.____ kein höheres Arbeitspen-
sum als 50 % erreichen können, ist ihr gegengegenzuhalten, dass sich in den Akten keine echt-
zeitlichen medizinischen Unterlagen finden, die bescheinigen, dass die angestrebte Steigerung 
des Arbeitspensums unzumutbar gewesen wäre. 
 
7.2.2 Soweit die Beschwerdeführerin die Schlüssigkeit des Gutachtens mit dem Argument 
anzweifelt, Dr. D.____ hätte sich mit den abweichenden Meinungen anderer medizinischer 
Fachpersonen zur angepassten Tätigkeit nicht auseinandergesetzt, übersieht sie, dass sie im 
Zeitpunkt der Begutachtung in keiner psychiatrischen oder psychologischen Behandlung stand. 

 

 
 
Seite 10   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

In den Akten finden sich zudem keine näher begründeten fachärztlichen Stellungnahmen, wel-
che in der Beurteilung der verbliebenen Leistungsfähigkeit bei adaptierter Verweisungstätigkeit 
von derjenigen im Gutachten von Dr. D.____ abweichen würden. Wenn sie weiter auf die Litera-
tur (HAVE 02/2016, FREI/BALZER/GYSI/LEROS/PLOHMANN/STEIGER, Kriterien zur Bestimmung 
des Schweregrads einer neuropsychologischen Störung, sowie Zuordnungen zur Funktions- 
und Arbeitsunfähigkeit, S. 173) verweist und geltend macht, das vom Gutachter für die Beurtei-
lung der Leistungsfähigkeit angewendete Mini-ICF Rating sei bei Asperger-Patienten nicht pas-
send, kann ihr nicht gefolgt werden. Es trifft zwar zu, dass gemäss der zitierten Literaturstelle 
beim Vorliegen einer Autismus-Spektrum-Störung eine ausschliessliche testpsychologische 
Abklärung der kognitiven Funktionen möglicherweise kein realistisches Bild der Funktionsein-
schränkungen oder des Grads der Arbeitsfähigkeit einer betroffenen Person wiederspiegeln. 
Eine solche Konstellation liegt hier aber nicht vor. Dr. D.____ stellte bei seiner Beurteilung nicht 
ausschliesslich auf die Ergebnisse des Mini-lCF-Ratings ab, sondern auch auf die bekannte 
Symptomatik des Asperger-Syndroms. Zudem konnte er sich nach einer persönlichen Untersu-
chung der Beschwerdeführerin und unter Berücksichtigung der vorhandenen Unterlagen ein 
umfassendes Bild über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen auf 
die Arbeitsfähigkeit machen. Der Erschöpfungssituation und der Reizfilterstörung trug er Rech-
nung, indem von der Beschwerdeführerin nicht gefordert wird, dass sie in einer Erwerbstätigkeit 
eine 100 %ige Leistung erbringt. Zudem ist auf eine klare Strukturierung der Tätigkeit, eindeuti-
ge Arbeitsanweisungen, verlässlich gleichbleibende Arbeitsabläufe, eine klare und vorzugswei-
se schriftliche Kommunikation, feste Ansprechpartner und eine reiz- und ablenkungsfreie Ar-
beitsumgebung zu achten. Die Beschwerdeführerin legt nicht substanziiert dar und es ist auch 
nicht ersichtlich, dass aus dem Bericht der Psychologinnen der Klinik H.____ vom 11. Dezem-
ber 2021 Gesichtspunkte hervorgingen, die vom psychiatrischen Gutachter nicht berücksichtigt 
worden wären oder dessen Zumutbarkeitsbeurteilung als offensichtlich unzutreffend erscheinen 
liessen. Daher bilden deren abweichenden Auffassungen der Leistungsfähigkeit keinen Grund, 
von den Ergebnissen der Administrativbegutachtung abzuweichen. Vor diesem Hintergrund 
kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf 
weitere Abklärungen verzichtet und davon ausgegangen werden, dass die Versicherte mindes-
tens seit dem Jahr 2015 aus psychischen Gründen zu 30 % in der Leistungsfähigkeit einge-
schränkt ist. 
 
8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchti-
gung. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver-
sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht 
grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns abzu-
stellen (BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG auf den 1. April 
2019 zu liegen kommt (Beginn des Wartejahrs im Jahr 2015; Anmeldung zum Leistungsbezug 
am 18. Oktober 2018). Für den nachfolgend durchzuführenden Einkommensvergleich sind 
demnach die in diesem Zeitpunkt gegebenen Einkommensverhältnisse massgebend. 
 
8.2.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Per-
son im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegen-
den Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde (Art. 29 Abs. 1 IVG; 

 

 
 
Seite 11   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

BGE 135 V 59 E. 3.1, 131 V 53 E. 5.1.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 
2020, 8C_795/2019, E. 3.2 und vom 14. Januar 2020, 8C_630/2019, E. 4.1). Da nach empiri-
scher Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden 
wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letz-
te vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen 
Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 
2020, 8C_630/2019, E. 4.1, in: SVR 2020 IV Nr. 37, S. 131, mit Verweis auf BGE 139 V 30 
E. 3.3.2, 135 V 59 E. 3.1, 134 V 325 E. 4.1, je mit Hinweisen). Ausnahmen müssen mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 30 E. 3.3.2; vgl. auch Urteil des Bun-
desgerichts vom 6. Oktober 2020, 9C_316/2020, E. 3.1 und vom 11. September 2020, 
8C_402/2020, E. 4.1). 
 
8.2.2 Nach Art. 26 Abs. 1 IVV entspricht bei Versicherten, die wegen der Invalidität keine 
zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten, das Erwerbseinkommen, das sie als 
Nichtinvalide erzielen könnten, den in dieser Bestimmung genannten, nach dem Alter abgestuf-
ten Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss vom BfS herausgegebener 
LSE. Abs. 2 dieser Verordnungsbestimmung schreibt vor, dass bei Versicherten, die wegen der 
Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen konnten, das Erwerbsein-
kommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnten, dem durchschnittlichen Einkommen eines 
Erwerbstätigen im Beruf entspricht, für den die Ausbildung aufgenommen wurde. Geburts- und 
Frühinvalide im Sinne von Art. 26 Abs. 1 IVV sind Versicherte, die seit ihrer Geburt oder Kind-
heit an einem Gesundheitsschaden leiden und deshalb keine zureichenden beruflichen Kennt-
nisse erwerben konnten. Darunter fallen all jene Personen, die wegen ihrer Invalidität überhaupt 
keine Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso dazu gehören indes Versicherte, die zwar 
eine Berufsausbildung abschliessen, zu deren Beginn jedoch bereits invalid waren und die ab-
solvierte Ausbildung wegen ihrer Invalidität auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht in glei-
cher Weise "ummünzen" können wie nichtbehinderte Personen mit derselben (ordentlichen) 
Ausbildung. Steht dagegen fest, dass nicht invaliditätsbedingte Gründe, sondern z.B. solche 
familiärer oder wirtschaftlicher Art den Erwerb genügender beruflicher Kenntnisse verunmög-
lichten, liegt keine Geburts- oder Frühinvalidität vor (Urteil des Bundesgerichts vom 11. April 
2019, 9C_233/2018, E. 1.2 mit zahlreichen Hinweisen). 
 
8.2.3 In der angefochtenen Verfügung bestimmte die Beschwerdegegnerin das Validenein-
kommen aufgrund der Tabelle T17 der LSE und stellte dabei auf den Totalwert für Frauen der 
Berufsgruppe "Bürokräfte und verwandte Berufe" (Position 4) ab. Dabei ermittelte sie für das 
Jahr 2018 einen an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Wochenstunden an-
gepassten Jahreslohn von Fr. 74'535.-- (Fr. 5'958.-- : 40 x 41,7 x 12). Dem hält die Beschwer-
deführerin entgegnen, aufgrund der Tatsache, dass sie an einem Geburtsgebrechen leide, sei 
das Valideneinkommen richtigerweise gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV zu bemessen. 
 
8.2.4 Der Auffassung der Beschwerdeführerin kann beigepflichtet werden. Zwar konnte sie 
ihre Ausbildung als Kauffrau erfolgreich abschliessen und bei der B.____ einen Verdienst erzie-
len, der leicht über dem statistischen Durchschnitt liegt (vgl. etwa für das Jahr 2014: IV-Auszug; 
IV-act. 9 [Fr. 44'564.--]; LSE 2014, T17, Berufsgruppe 4, Alter bis 29, Frauen Pensum 70 % 

 

 
 
Seite 12   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

[Fr. 4’783.-- : 40 x 41,7 x 12 x 70 % = Fr. 41'885.--). Zu beachten ist aber, dass die Versicherte 
seit ihrer Jugend immer wieder an Erschöpfungszuständen litt, aus medizinischen Gründen seit 
Jahren eine Leistungsminderung von 30 % besteht und nach dem Lehrabschluss nie eine Voll-
zeitstelle innehatte. Vor diesem Hintergrund ist im Sinne der zitierten Rechtsprechung 
(vgl. E. 8.2.2 hiervor) davon auszugehen, dass sie die absolvierte Ausbildung beschwerdebe-
dingt nicht vollzeitlich und damit in gleicher Weise ummünzen konnte, wie eine gesunde Per-
son. Folglich kommt bei der Bemessung des Valideneinkommens Art. 26 Abs. 1 IVV zur An-
wendung. Gemäss lV-Rundschreiben Nr. 378 des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom 
31. Oktober 2018 beträgt das massgebende Einkommen zur lnvaliditätsbemessung auf Grund 
von Artikel 26 Absatz 1 IVV, bei Personen, die das 30. Altersjahr im Zeitpunkt des Rentenbe-
ginns bereits zurückgelegt haben, ab 1. Januar 2019 Fr. 83'000.--. 
 
8.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär 
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret 
steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson-
ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleiben-
de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen 
aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsäch-
lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom-
men gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens 
keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so 
können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne herangezogen werden (BGE 143 V 295 
E. 2.2). 
 
8.3.2 Bei der Festsetzung des lnvalideneinkommens ist die lV-Stelle von der Tabelle TA1 der 
LSE 2018, Kompetenzniveau 1, ausgegangen. Das Kompetenzniveau 1 beinhaltet einfache 
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art. Dies entspricht allerdings nicht den Fähigkei-
ten der Beschwerdeführerin. Sie kann nach wie vor in ihrem angestammten Beruf als Kauffrau 
tätig sein. Zwar kann sie nicht, wie in Kompetenzniveau 3 vorgesehen, komplexe praktische 
Tätigkeiten ausüben, die ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen. Sie vermag 
aber weiterhin praktische Tätigkeiten in der Administration auszuüben, weshalb das Kompe-
tenzniveau 2 der LSE-Tabelle Anwendung findet. Laut Tabelle TA1 der LSE 2018 belief sich 
das Total aller Frauenlöhne im Kompetenzniveau 2 (praktische Tätigkeiten wie Verkauf, Pflege, 
Datenverarbeitung, Administration, Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten, Si-
cherheitsdienst, Fahrdienst) auf Fr. 4'849.-- (LSE 2018, Privater Sektor, Tabelle 
TA1_triage_skill_level, Frauen, Kompetenzniveau 2, Zeile “Total“). Dieser Tabellenlohn beruht 
auf einer einheitlichen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden und ist deshalb auf die durchschnittli-
che Wochenarbeitszeit des Jahres 2018 von 41,7 Stunden (BSV Tabelle 03.02.03.01.04.0) um-
zurechnen. Unter Berücksichtigung eines zumutbaren Pensums von 70 % in angepassten Ver-
weistätigkeiten und einer Nominallohnentwicklung im Jahr 2019 von 1 % (vgl. Entwicklung der 
Nominallöhne, BfS, T39]) resultiert ein jährliches Invalideneinkommen von Fr. 42'878.-- 
(Fr. 4'849.-- x 12: 40 x 41,7 x 101 % x 70 %). 
 

 

 
 
Seite 13   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

8.3.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass beim lnvalideneinkommen zusätzlich ein 
Leidensabzug zu berücksichtigen sei. Von dem gestützt auf statistische Werte ermittelten Inva-
lideneinkommen sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsache 
Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass 
der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäf-
tigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versi-
cherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 
f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen und darf 25 % nicht übersteigen 
(BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt 
eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollieren-
de richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurtei-
len, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen 
im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht 
zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetätigung der Vor-
instanz eingegriffen werden, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegebenheiten 
abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend erscheinen 
lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, 
E. 2.3). 
 
8.3.4 Wie sich aus der Zumutbarkeitsbeurteilung im massgebenden Gutachten von 
Dr. D.____ vom 14. Juli 2021 ergibt, ist der Versicherten eine angepasste Tätigkeit (klare Struk-
turierung, eindeutige Arbeitsanweisungen, gleichbleibenden Arbeitsabläufe, klare Kommunikati-
on, feste Ansprechspartner, Arbeitsumgebung ohne störende Reise und Ablenkung, Rück-
zugsmöglichkeiten, erhöhter Pausenbedarf) bei einer Leistungsminderung von 30 % vollschich-
tig zumutbar. Eine zusätzliche Veranschlagung dieser Einschränkungen unter dem Titel des 
leidensbedingten Abzugs im Sinne von BGE 126 V 75 würde zu einer unzulässigen doppelten 
Anrechnung desselben Faktors führen. Andere Gründe (Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität 
oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die für einen leidensbedingten Abzug 
sprechen, sind nicht ersichtlich. Folglich ist aufgrund der vorliegenden Sachlage ein leidensbe-
dingter Abzug grundsätzlich nicht in Betracht zu ziehen. Insgesamt ist nicht zu beanstanden, 
dass die Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährt hat und es besteht bei 
dieser Sachlage – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin –  kein Grund, in ihr Ermessen 
korrigierend einzugreifen. 
 
8.4 Aus einer Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 83'000.-- und des Inva-
lideneinkommens von Fr. 42'878.-- resultiert ein Invaliditätsgrad von gerundet 48 % (vgl. zur 
Rundungspraxis BGE 130 V 121 ff.), was unter Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG und 
der Anmeldung zum Leistungsbezug am 16. Oktober 2018 ab 1. April 2019 Anspruch auf eine 
Viertelsrente gibt. Die angefochtene Verfügung vom 5. Mai 2022 ist deshalb im Ergebnis nicht 
zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde als unbegründet abzuweisen. 
 
9. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die 
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

 

 
 
Seite 14   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit-
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in 
denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah-
renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- 
fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par-
tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend unterliegt die Beschwerdeführerin, wes-
halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Vorschuss 
in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Bei diesem Verfahrensausgang wird keine Parteientschädi-
gung zugesprochen. 
 

 

Demgemäss wird  e r k a n n t : 

 

://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden der Beschwerde-
führerin auferlegt und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss in 
Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 

 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 
 

 

 

 
 

Gegen dieses Urteil hat A.___ am 16. März 2023 Beschwerde beim Bundesgericht erhoben 
(siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_175/2023). 
 
 
 
 http://www.bl.ch/kantonsgericht