# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 32eb5504-6e5a-57d5-b576-3d705f5ed250
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-07-31
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 31.07.2015 200 2015 11
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2015-11_2015-07-31.pdf

## Full Text

Eine gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten hat das Bundesgericht am 30. November 2015 abgewie-
sen (8C_662/2015).

200 15 11 UV
KOJ/PES/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 31. Juli 2015

Verwaltungsrichter Kölliker, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Scheidegger, Verwaltungsrichter Grütter
Gerichtsschreiber Peter

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________ 
Beschwerdeführerin

gegen

SUVA 
Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. C.________
Beschwerdegegnerin

betreffend Einspracheentscheid vom 27. November 2014 (17.12249.11.7)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 31. Juli 2015, UV/15/11, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1961 geborene D.________ war bei der E.________ als … angestellt 
und aufgrund dieses Arbeitsverhältnisses bei der Schweizerischen Unfall-
versicherungsanstalt SUVA (nachfolgend SUVA bzw. Beschwerdegegne-
rin) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufs-
krankheiten versichert, als er am 28. August 2011 durch Erhängen Suizid 
beging (Antwortbeilage [AB] 1). Auf die entsprechende Schadenmeldung 
hin nahm die SUVA zu den Umständen des Suizids und der Frage einer 
allfälligen Urteilsunfähigkeit des Verstorbenen zum Tatzeitpunkt Abklärun-
gen vor (AB 8, 10, 12, 14 – 16, 19, 24, 31). 

Mit Verfügung vom 19. Juli 2012 teilte die SUVA der Ehefrau des Verstor-
benen bzw. deren Rechtsvertreter mit, ihre Abklärungen hätten ergeben, 
dass der Verstorbene freiwillig aus dem Leben geschieden sei, ohne dass 
er zur Zeit der Tat unverschuldet gänzlich unfähig gewesen sei, vernunft-
gemäss zu handeln. Ebenso sei die Selbsttötung keine eindeutige Folge 
eines versicherten Unfalles gewesen. Mit Ausnahme der Bestattungskosten 
könne sie deshalb keine Versicherungsleistungen erbringen (AB 33). 

Am 9. August 2012 erhob die Ehefrau des Verstorbenen, vertreten durch 
Rechtsanwalt B.________, gegen diese Verfügung Einsprache (AB 37). 
Am 12. September 2012 erfolgte die Einsprachebegründung (AB 46). Mit 
Entscheid vom 1. Oktober 2012 wies die SUVA die Einsprache ab (AB 50). 

Im Rahmen einer hiergegen erhobenen Beschwerde (AB 51) reichte die 
Ehefrau des Verstorbenen, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, 
neue Berichte ein (AB 53, 54 S. 11). Die SUVA gelangte in der Folge zur 
Auffassung, dass zur Klärung ihrer Leistungspflicht weitere Abklärungen 
notwendig seien und beantragte in Übereinstimmung mit dem Eventualan-
trag der Beschwerdeführerin (vgl. AB 51 S. 2), die Sache sei zur weiteren 
Abklärung an sie zurückzuweisen (AB 58 S. 2). 

Mit Urteil vom 19. Februar 2013 hob das Verwaltungsgericht den angefoch-
tenen Einspracheentscheid in der Folge auf und wies die Akten den über-

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einstimmenden Anträgen der Parteien entsprechend zur weiteren Ab-
klärung an die SUVA zurück (AB 59).

B.

Nachdem ihre Bemühungen um weitere Unterlagen bis auf einen neuen 
Bericht von Dr. med. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
rapie FMH, vom 27. September 2013 (AB 70) erfolglos geblieben waren, 
unterbreitete die SUVA das Dossier erneut (vgl. AB 31) ihrem Versiche-
rungspsychiatrischen Dienst, Dr. med. G.________, Facharzt für Psychia-
trie und Psychotherapie, zur psychiatrischen Beurteilung mit Befragung der 
Witwe (AB 81). 

Am 22. Januar 2014 teilte Dr. med. H.________, Facharzt für Psychiatrie 
und Psychotherapie FMH, der SUVA mit, dass in seiner Praxis noch eine 
Krankengeschichte mit Einträgen vom 2. März 2011 bis 1. Juni 2011 der 
Fachpsychologin I.________ zu den verschiedenen Sitzungen des Ver-
storbenen mit dieser vorhanden sei, nachdem die Praxis von Dr. med. 
H.________ der SUVA am 3. Juli 2012 noch mitgeteilt hatte, der Verstor-
bene habe mit der im Frühjahr 2013 ebenfalls verstorbenen Psychologin 
I.________ im Zeitraum vom 2. März 2011 bis 1. Juni 2011 zwar regelmäs-
sig Gespräche geführt, es gebe hierüber aber definitiv keine Berichte (vgl. 
AB 28, 77, 78). Am 7. März 2014 erfolgte die Zustellung der Krankenge-
schichte an die SUVA (AB 82), welche diese wiederum Dr. med. 
G.________ unterbreitete (AB 83). Dr. med. G.________ bestätigte in der 
Folge seine bisherige Beurteilung. Wesentliche neue Aspekte, insbesonde-
re solche, die weiteren Aufschluss über den Suizid des Verstorbenen ge-
ben könnten, seien den Eintragungen der Fachpsychologin nicht zu ent-
nehmen (AB 84). 

Mit Verfügung vom 2. April 2014 entschied die SUVA, dass sie mit Aus-
nahme der Bestattungskosten keine Versicherungsleistungen erbringen 
könne. Die Abklärungen hätten ergeben, dass der Verstorbene freiwillig 
aus dem Leben geschieden sei, ohne dass er zur Zeit der Tat unverschul-
det gänzlich unfähig gewesen sei, vernunftgemäss zu handeln. Ebenso sei 

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die Selbsttötung keine eindeutige Folge eines versicherten Unfalles gewe-
sen (AB 86).

Gegen diese Verfügung erhob die Ehefrau des Verstorbenen, weiterhin 
vertreten durch Rechtsanwalt B.________, am 6. Mai 2014 wiederum Ein-
sprache (AB 87). 

Mit Entscheid vom 27. November 2014 wies die SUVA die Einsprache ab 
(AB 91). 

C.

Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Ehefrau des Verstorbenen, 
vertreten durch Rechtsanwalt B.________, am 6. Januar 2015 Beschwerde 
mit den sinngemässen Rechtsbegehren, der Einspracheentscheid sei auf-
zuheben, es sei gerichtlich festzustellen, dass der Verstorbene zum Zeit-
punkt der Suizidhandlung unverschuldet gänzlich unfähig gewesen sei, 
vernunftgemäss zu handeln und es seien ihr entsprechend Leistungen 
nach den Bestimmungen des UVG zuzusprechen. Eventualiter seien die 
Akten an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Sachverhaltsabklärung 
zurückzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

Mit Beschwerdeantwort vom 4. Februar 2015 beantragt die Beschwerde-
gegnerin, vertreten durch Rechtsanwältin C.________, die Abweisung der 
Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 

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den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 
ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des 
kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 
[VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin 
vom 27. November 2014 (AB 91). Streitig und zu prüfen ist, ob die Be-
schwerdeführerin aufgrund des Suizids ihres Ehemannes vom 28. August 
2011 – abgesehen von den Bestattungskosten – Anspruch auf Versiche-
rungsleistungen nach UVG hat.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi-
cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines 
Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 [UVG; 
SR 832.20]). Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein-
wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen 
Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi-
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG).

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2.2 Hat die versicherte Person den Gesundheitsschaden oder den Tod 
absichtlich herbeigeführt, so besteht kein Anspruch auf Versicherungsleis-
tungen, mit Ausnahme der Bestattungskosten (Art. 37 Abs. 1 UVG). Wollte 
sich die versicherte Person nachweislich das Leben nehmen oder sich 
selbst verstümmeln, so findet Art. 37 Abs. 1 UVG keine Anwendung, wenn 
die versicherte Person zur Zeit der Tat ohne Verschulden gänzlich unfähig 
war, vernunftgemäss zu handeln, oder wenn die Selbsttötung, der Selbst-
tötungsversuch oder die Selbstverstümmelung die eindeutige Folge eines 
versicherten Unfalles war (Art. 48 der Verordnung über die Unfallversiche-
rung vom 20. Dezember 1982 [UVV; SR 832.202]). Demgemäss gelten die 
Selbsttötung, der Selbsttötungsversuch oder die Selbstverstümmelung als 
Unfälle, wenn sie vom Versicherten im Zustand der Urteilsunfähigkeit im 
Sinne von Art. 16 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) 
begangen werden (BGE 113 V 61 E. 2c S. 62 f.). Dass Art. 48 UVV die 
Leistungsansprüche bei Suizid oder Suizidversuch an die Voraussetzung 
der vollständig aufgehobenen Urteilsfähigkeit des Suizidenten im Zeitpunkt 
der Tat knüpft, ist gesetzeskonform (BGE 129 V 95). 

2.3 Damit der Unfallversicherer leistungspflichtig wird, muss die Tat 
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aufgrund einer Geisteskrankheit 
oder einer schweren Bewusstseinsstörung erfolgen und das Motiv seinen 
Ursprung in der Geisteskrankheit haben, d.h. die Tat muss „unsinnig“ sein; 
eine blosse „Unverhältnismässigkeit“ der Tat genügt nicht zur Annahme 
einer vollständigen Urteilsunfähigkeit (RKUV 1996 U 267 S. 310 E. 2b). 
Massgeblich ist, ob im Zeitpunkt der Tat, unter Berücksichtigung der herr-
schenden objektiven und subjektiven Umstände sowie in Bezug auf die in 
Frage stehende Handlung, die Fähigkeit gänzlich aufgehoben war, ver-
nunftgemäss zu handeln (BGE 113 V 61 E. 2c S. 63 f.). Ist die Urteilsfähig-
keit lediglich mehr oder weniger vermindert, so ist die freie Willensent-
scheidung nicht völlig ausgeschlossen, die Absicht also vorhanden und der 
Unfallbegriff nicht erfüllt, ausser die Selbsttötung steht ihrerseits in adäqua-
tem Kausalzusammenhang mit einem versicherten Ereignis (BGE 140 V 
220 E. 3.3.1 S. 222 f., BGE 120 V 352 E. 4b S. 354). 

2.4 Da die Frage der Urteilsfähigkeit aufgrund von inneren Tatsachen 
(innerseelischen Abläufen) zur Zeit einer bestimmten Suizidhandlung zu 

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beurteilen ist und ein strikter Beweis nach der Natur der Sache diesbezüg-
lich ausgeschlossen ist, dürfen an den Nachweis der Urteilsunfähigkeit kei-
ne strengen Beweisanforderungen gestellt werden. Der Beweis der Urteils-
unfähigkeit gilt als geleistet, wenn eine durch übermächtige Triebe gesteu-
erte Suizidhandlung als wahrscheinlicher erscheint als ein noch in erhebli-
chem Masse vernunftgemässes, willentliches Handeln (RKUV 1996 U 267 
S. 311 E. 2c).

2.5 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).

2.6 Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt 
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre 
Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in 
einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht 
schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Glei-
ches gilt, wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wieder-
holt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 
S. 70 E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Miss-
trauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet er-
scheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den 
Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unpartei-
lichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 
125 V 351 E. 3b ee S. 354).

2.7 Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die 
Verwaltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur 
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrschein-
lich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem 

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feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Abnahme weite-
rer Beweise zu verzichten. Gleiches gilt, wenn der Sachverhalt, den die 
Partei beweisen will, nicht rechtserheblich erscheint (BGE 122 V 157 E. 1d 
S. 162). In einem solchen Vorgehen liegt kein Verstoss gegen das rechtli-
che Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236). Auch 
das Fairnessgebot von Art. 6 Ziff. 1 EMRK gewährt in diesem Zusammen-
hang keinen zusätzlichen Schutz (BGE 124 V 90 E. 4b S. 94).

3.

Gemäss Rapport des Kriminaltechnischen Dienstes der Kantonspolizei 
Bern vom 8. September 2011 hat sich der Versicherte am Sonntag, 
28. August 2011 um ca. 18.15 Uhr an einem Kirschbaum in seiner Wohn-
gemeinde mittels Spannset erhängt. Am Baum war eine noch von der 
Kirschernte stammende Leiter angestellt. Das Spannset war auf ca. 3m 
über dem Boden an einem Ast befestigt. Eine Einwirkung durch Drittperso-
nen konnte ausgeschlossen werden (AB 12 S. 5 f.). Zu prüfen ist, ob der 
Verstorbene im Zeitpunkt seiner Selbsttötung mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit gänzlich unfähig war, vernunftgemäss zu handeln.

3.1 Im Rahmen seiner versicherungspsychiatrischen Beurteilung vom 
19. Februar 2014 (AB 81) kam Dr. med. G.________ mit überzeugender 
Begründung zum Schluss, dass die von der Witwe geschilderten Kontroll-
verluste des Verstorbenen für den Zeitpunkt des Suizids zwar möglich, 
aber nicht ausreichend wahrscheinlich seien. Die genauen Umstände der 
Tat blieben ungeklärt, da der Verstorbene niemanden über seine Entschei-
dung und die Gründe dafür informiert habe, und keine Zeugen vorhanden 
seien. Die beim Verstorbenen als wahrscheinlich anzunehmende Diagnose 
einer Borderline-Persönlichkeit entspreche zwar als schwere Persönlich-
keitsstörung einer Geistesschwäche im Sinne des Gesetzes. Sie bedinge 
per se aber keine Urteilsunfähigkeit, wenn sie diese auch nicht generell 
ausschliesse. Wahnhafte und halluzinatorische Symptome seien bei einer 
Borderline-Persönlichkeit, wie sie beim Verstorbenen anzunehmen sei, 
flüchtig, oft reaktiv und nicht sicher von dissoziativen Symptomen abzu-
grenzen. Auch unter Berücksichtigung der zusätzlichen Aussagen und Be-

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funde lasse sich hinsichtlich des Suizids des Verstorbenen nicht mit der 
notwendigen Wahrscheinlichkeit auf eine Urteilsunfähigkeit wegen Geistes-
krankheit, Geistesschwäche oder schwerer Störung des Bewusstseins 
schliessen. Alternative Annahmen, die eine erhaltene Urteilsfähigkeit zu-
grunde legten, so die einer depressiven Reaktion bzw. eines Bilanzsuizids, 
seien angesichts eines dem Verstorbenen zuletzt als sinnlos erschienenen 
lebenslangen Kampfes gegen sein „verpfuschtes“ Leben ähnlich möglich, 
wie die einer von ihm nicht mehr zu kontrollierenden, aggressiv-impulsiven 
Handlung gegen die eigene Person (vgl. AB 81 S. 15). 

Diese Beurteilung durch Dr. med. G.________ basiert auf einer umfassen-
den Würdigung der gesamten Akten wie auch der Aussagen der Be-
schwerdeführerin. In seinem Aktengutachten vom 19. Februar 2014 setzt 
sich der Experte ausführlich mit den in Frage kommenden Diagnosen aus-
einander (AB 81 S. 12). Umfassend sind auch seine Feststellungen zur 
primär interessierenden Frage einer allfälligen Urteilsunfähigkeit (AB 81 
S. 13 ff.). Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit seiner Beurteilung spre-
chen würden, sind keine ersichtlich. Der Beurteilung ist somit volle Beweis-
kraft zuzuerkennen.

3.2 Die Einwendungen der Beschwerdeführerin ändern daran nichts:

3.2.1 Für ihre Behauptung, die Befragung ihrer Person durch Dr. med. 
G.________ sei tendenziös erfolgt, bestehen keine gewichtigen Anhalts-
punkte. Der Vorwurf, der Sachverständige habe die psychiatrische Erkran-
kung des Verstorbenen nicht als eigenständige Krankheit diagnostizieren 
wollen, geht schon deshalb fehl, weil Dr. med. G.________ in seiner Beur-
teilung als wahrscheinlich erachtet, dass beim Verstorbenen eine Borderli-
ne-Persönlichkeit, also eine schwere Persönlichkeitsstörung, vorgelegen 
hat (vgl. AB 81 S. 12 und 15). Nachdem die Beschwerdeführerin anlässlich 
ihrer Befragung unstrittig angegeben hat, dass ihre familiären Verhältnisse 
(von den Verhaltensauffälligkeiten des Verstorbenen abgesehen) einiger-
massen intakt gewesen seien (AB 81 S. 5 und 8), ist nicht zu beanstanden, 
dass Dr. med. G.________ dies bei der Diskussion der Verdachtsdiagnose 
einer paranoiden Persönlichkeitsstörung berücksichtigt hat; die Auffälligkei-
ten des Verstorbenen wurden dabei vom Experten in keiner Art und Weise 
in Frage gestellt (siehe AB 81 S. 12).

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3.2.2 Beim Suizid des Verstorbenen waren keine Dritten anwesend. Die 
von der Beschwerdeführerin genannten Personen können zum Be-
weisthema (Urteilsfähigkeit im Zeitpunkt des Suizids) daher keine sach-
dienlichen Angaben machen. Auch ist nicht ersichtlich, welche Informatio-
nen sie zusätzlich zu denjenigen der Ehefrau geben könnten; die Ehefrau 
wurde von Dr. med. G.________ befragt und deren Angaben sind in die 
ärztliche Beurteilung eingeflossen. Bei dieser Ausgangslage sind von einer 
Befragung weiterer Personen aus dem Umfeld des Verstorbenen im Hin-
blick auf das Beweisthema keine neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten, 
weshalb auf eine solche in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist.

3.2.3 Was die durch Dr. med. J.________ delegierte psychotherapeuti-
sche Behandlung des Verstorbenen bei lic. phil. K.________ vom 23. April 
2009 bis 26. August 2009 im Einzelsetting und vom 29. Juni 2010 bis 
18. August 2010 im Paarsetting anbelangt (vgl. AB 47 S. 2 bis 5), ergibt 
sich aus der handschriftlichen Patientenakte des Hausarztes, dass die 
Überweisung an die Praxis J.________ zunächst zur Behandlung der Ess-
störung des Verstorbenen erfolgt ist und dass es dort später dann zu einer 
Paartherapie kam (vgl. AB 47 S. 8 sowie AB 81 S. 3). Der Behandlungsab-
schluss bei lic. phil. K.________ erfolgte rund ein Jahr vor dem Suizid; von 
seiner Seite ist demnach keine aktuelle Einschätzung der Urteilsfähigkeit 
des Verstorbenen im Zeitpunkt des Suizids möglich. Zur Beantwortung die-
ser Frage hat lic. phil. K.________ (zusammen mit Dr. med. H.________) 
den Anwalt der Beschwerdeführerin denn auch an Dr. med. J.________ 
verwiesen (AB 47 S. 12; siehe E. 3.2.4 hiernach). Auch bei Dr. med. 
F.________ war der Behandlungsabschluss schon längere Zeit vor dem 
Suizid erfolgt (AB 54, 70), so dass mangels zu erwartender zusätzlicher 
relevanter Erkenntnisse im Hinblick auf das Beweisthema auch auf einen 
Beizug von Dr. med. F.________ zu verzichten ist (BGE 122 V 157 E. 1d 
S. 162).

3.2.4 In ihrer Bestätigung vom 11. November 2011 hält Dr. med. 
J.________ fest, der Verstorbene habe an einer paranoiden Persönlich-
keitsstörung gelitten. Darüber hinaus hätten sich immer wieder psychoti-
sche Episoden mit optischen Halluzinationen und Wahn manifestiert. Diese 
sehr schwerwiegenden psychischen Störungen hätten letztendlich zum 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 31. Juli 2015, UV/15/11, Seite 11

Suizid durch Erhängen geführt (AB 10; siehe auch AB 16). In ihrem Bericht 
vom 26. September 2012 räumt sie ein, dass sie sich bei ihrer früheren 
Beurteilung auf unvollständige Angaben gestützt habe. Eine Sichtung aller 
Unterlagen zur Behandlung des Verstorbenen in ihrer Praxis erlaube nun 
eine differenziertere Beantwortung der gestellten Fragen. Es könne auf-
grund dieser Unterlagen als sehr wahrscheinlich angesehen werden, dass 
der Verstorbene zum Zeitpunkt der Suizidhandlung in seiner Steuerungs-
fähigkeit massgeblich eingeschränkt gewesen sei und die Folgen mindes-
tens teilweise nicht habe überblicken können. Ob seine Steuerungsfähig-
keit und Urteilsfähigkeit vollständig aufgehoben gewesen sei, lasse sich 
aus heutiger Warte nicht sicher beurteilen (AB 53 S. 2). Damit erscheint 
auch aus Sicht von Dr. med. J.________ eine triebgesteuerte Handlung 
nicht wahrscheinlicher als ein willentliches Handeln.

3.2.5 Der von der Beschwerdeführerin als relevant bezeichnete Um-
stand, dass die Ehegatten schon seit 18 Monaten getrennt lebten und eine 
einvernehmliche Scheidung thematisiert war, spricht entgegen der Meinung 
der Beschwerdeführerin nicht für das Vorliegen einer Urteilsunfähigkeit im 
Tatzeitpunkt. Im Gegenteil spricht dieser lange Zeitraum eher für eine ge-
plante Handlung im Sinne eines Bilanzsuizids. 

Nichts anderes lässt sich aus dem durch die Beschwerdeführerin angeführ-
ten Tinnitus ableiten. Selbst unter der Annahme, dass in solchen Fällen die 
Suizidalität statistisch erhöht ist, ist dies hier nicht weiterführend, zumal 
vorliegend unbestritten ist, dass ein Suizid vorliegt. In Bezug auf die mass-
gebende Frage, ob dieser im Zustand der Urteilsunfähigkeit begangen 
worden ist, lässt sich aus dem Tinnitus nichts schliessen. 

Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdeführerin, wenn sie festhält, dass 
sich der Verstorbene nicht suizidiert hätte, wenn er urteilsfähig gewesen 
wäre (Beschwerde S. 10 oben). Diesfalls würde jeder Suizid im Zustand 
der Urteilsunfähigkeit begangen, was offensichtlich nicht der Fall ist.

Auch kann aus dem Fehlen eines Abschiedsbriefs, von umfangreicheren 
Vorbereitungshandlungen oder dem Umstand, dass der Verstorbene am 
Vorabend des Suizids noch einen gemütlichen Abend mit seinem Bruder 
verbracht hat, nicht auf Urteilsunfähigkeit beim Suizid geschlossen werden.

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Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, dem Verstorbenen sei der 
Gedanke zum Suizid spontan, unvorbereitet und aus dem Umstand heraus 
gekommen, dass er beim Überlandfahren eine an einen Baum angestellte 
Leiter gesichtet habe, ist festzuhalten, dass es sich dabei um eine Vermu-
tung handelt, welche durch die Akten nicht weiter gestützt wird. So stand 
der Baum, an welchem sich der Verstorbene erhängte, nur circa einen Ki-
lometer von dessen Wohnort entfernt (AB 81 S. 6 und 9). Die Gegend war 
dem Verstorbenen somit bekannt und es ist durchaus möglich, dass ihm 
der Baum mit der Leiter schon zuvor aufgefallen war. 

Im Polizeirapport wird zudem ausdrücklich festgehalten, dass der Suizid 
des Verstorbenen „nicht überaus überraschend“ gewesen sei (AB 12 S. 4). 
Nach Angaben seiner Ehefrau - der Beschwerdeführerin - habe sie den 
Versicherten schon mehrmals von einem Suizid abhalten müssen und sei 
das Thema „immer allgegenwärtig“ gewesen. Diese Angaben sprechen klar 
für ein bewusstseinsnahes Geschehen in den jeweiligen suizidalen Pha-
sen. Für die Annahme, dass dies am 28. August 2011, als die Absicht vom 
Versicherten letztlich umgesetzt wurde, anders gewesen wäre, bestehen 
keine hinreichenden Anhaltspunkte.

3.3 Angesichts der überzeugenden Feststellungen des Sachverstän-
digen Dr. med. G.________ sowie des Fehlens hinreichend gewichtiger 
Anhaltspunkte, welche an dessen Ausführungen Zweifel aufkommen lies-
sen, erübrigt es sich vorliegend, ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben 
oder die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin 
zurückzuweisen. Eine Urteilsunfähigkeit des Verstorbenen zum Zeitpunkt 
des Suizids wurde nach dem Dargelegten im angefochtenen Einspra-
cheentscheid zu Recht als nicht überwiegend wahrscheinlich erachtet und 
die Ausrichtung weitergehender Leistungen aus der obligatorischen Unfall-
versicherung entsprechend abgelehnt. Der Einspracheentscheid der Be-
schwerdegegnerin vom 27. November 2014 ist daher nicht zu beanstanden 
und die dagegen erhobene Beschwerde als unbegründet abzuweisen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 31. Juli 2015, UV/15/11, Seite 13

4.

4.1 Verfahrenskosten sind keine zu erheben (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. 
Art. 61 lit. a ATSG).

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht weder für die unter-
liegende Beschwerdeführerin noch für die obsiegende Beschwerdegegne-
rin ein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. 
Art. 61 lit. g ATSG; BGE 126 V 143 E. 4a S. 150).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteientschä-
digung zugesprochen.

3. Zu eröffnen (R):
-  Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- Rechtsanwältin Dr. iur. C.________ z.H. der Beschwerdegegnerin
- Bundesamt für Gesundheit 

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.