# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 45357a62-5e3c-576c-b559-ce077925ba89
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 D-47/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-47-2009_2011-12-15.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­47/2009

U r t e i l   v om   1 5 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz),
Richter Bendicht Tellenbach, Richter Robert Galliker;   
Gerichtsschreiber Alfred Weber.

Parteien A._______, geboren am (…),
Türkei,  
vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, 
(…),
Beschwerdeführer, 

Gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 1. Dezember 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  den 
Heimatstaat  auf  dem  Luftweg  am  12.  August  2008  und  gelangte  über 
diverse  Länder  sowie  nach  einem  längeren Aufenthalt  in  Italien  am  15. 
September 2008 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. 
Nach einer Kurzbefragung  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ) 
B._______ vom 22. September 2008 wurde der Beschwerdeführer für die 
Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  C._______  zugewiesen.  Am  20. 
November  2008  wurde  er  vom  BFM  direkt  zu  seinen  Asylgründen 
angehört.  Im Wesentlichen machte  er  bei  den  Befragungen  geltend,  er 
sei  Hirte  gewesen  und  habe  ungefähr  im  Jahre  2007  angefangen,  die 
HPG  (Hêzên Parastian Gel;  bewaffnete Einheiten der PKK,  sogenannte 
"Volksverteidigungskräfte")  zu  unterstützen.  Er  habe  von  Leuten  dieser 
Gruppierung Einkaufslisten  erhalten  und  die  entsprechenden Sachen  in 
D._______ und den Nachbardörfern besorgt. Die Sicherheitskräfte hätten 
davon  erfahren  und  ihn  für  ungefähr  drei  Stunden  auf  den  Posten 
mitgenommen, wo er zur Zusammenarbeit mit ihnen aufgefordert worden 
sei. Im Frühjahr 2008 anlässlich einer Patrouille von Soldaten bei ihm auf 
der Weide  hätten  diese  seinen  Hund  erschossen.  Auch  habe man  ihm 
dasselbe Schicksal angedroht, falls er nicht endlich Informationen liefere. 
Zusammen  mit  seinem  Cousin  aus  E._______  sei  er  am  1.  Juni  2008 
morgens  zwischen  drei  und  vier  Uhr  zu  Hause  festgenommen  und  auf 
den  Posten  gebracht  worden.  Seinen  Cousin  habe  man  am  Morgen 
freigelassen und  ihn  (den Beschwerdeführer) habe man zwei Tage  lang 
festgehalten  und  misshandelt,  bis  er  eine  Zusammenarbeit  mit  den 
Sicherheitskräften wiederum akzeptiert habe. Nach seiner Freilassung sei 
er  zu  einem  Freund  nach  F._______  geflohen,  wo  er  sich  rund  zwei 
Monate versteckt habe. Danach habe er  sich mit einem Linienbus nach 
G._______ begeben, von wo aus er schliesslich ausgereist sei. Für den 
Inhalt  der  weiteren  Aussagen  wird  auf  die  Akten  verwiesen.  Das  BFM 
verzichtete auf weitere Abklärungen.

B. 
Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  1.  Dezember  2008  ­  eröffnet  am 
9. Dezember  2008  ­  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  und  lehnte  das Asylgesuch  ab. Gleichzeitig 
verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz 
und  ordnete  den  Wegweisungsvollzug  an.  Zur  Begründung  wurde  im 
Wesentlichen  ausgeführt,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 

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genügten weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 
des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  noch 
denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG. Aufgrund 
dem  BFM  zugänglicher  Informationen  (keine  dauerhafte  Präsenz  der 
HPG­Guerillas  in  den Bergen nahe  von D._______  in  den  Jahren 2007 
und 2008) sei es als äusserst unwahrscheinlich zu bezeichnen, dass der 
Beschwerdeführer  im  besagten  Zeitraum  tatsächlich  regelmässig 
Guerillas  mit  Lebensmitteln  versorgt  habe.  Die  Vorgehensweise  der 
türkischen  Sicherheitskräfte  im  Zusammenhang  mit  den  vom 
Beschwerdeführer  wegen  seiner  logistischen  Unterstützung  zugunsten 
der  HPG  geltend  gemachten  Benachteiligungen  sei  nicht  üblich.  Bei 
konkreten  Hinweisen  hätte  man  mit  üblichen  Fahndungsmethoden 
versucht,  ihn  auf  frischer  Tat  zu  ertappen,  oder  es  wäre  direkt  ein 
Ermittlungserfahren eingeleitet und der Beschwerdeführer wäre in U­Haft 
genommen  worden.  Ein  Auftrag  zur  Zusammenarbeit  und 
Informationsbeschaffung  wäre  ebenfalls  konkreter  formuliert,  überwacht 
und  bei  Nichterfüllen  sanktioniert  worden.  Es  sei  praktisch 
auszuschliessen,  dass  gegen  den  Beschwerdeführer  im  Wissen  um 
dessen  Unterstützung  der  Guerilla  kein  Verfahren  eröffnet  worden  sei. 
Auch  könne  die  geltend  gemachte  Art  und Weise  der  Aufforderung  zur 
Zusammenarbeit  nicht  geglaubt  werden.  Sodann  seien  verschiedene 
zentrale  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  unsubstanziiert  ausgefallen 
(Angaben  hinsichtlich  Dauer,  Art  und  Weise  sowie  Umfang  der 
Unterstützung der HPG; Angaben  im Zusammenhang mit den Verhören 
und  dem  Angebot  zur  Spitzeltätigkeit  auf  dem  Posten  sowie  zur 
Festnahme zu Hause). Obschon sich die Lage  in der Heimatregion des 
Beschwerdeführers  fast  vollständig  beruhigt  habe,  könne  nicht  gänzlich 
ausgeschlossen  werden,  dass  er  gerade  als  Hirte  oder  aufgrund  einer 
lokalen  Bekanntheit  seiner  Familie  habe  Schikanen  seitens  der 
Sicherheitskräfte erdulden müssen. Diese Nachteile seien jedoch auf den 
lokalen Kontext der Umgebung des Beschwerdeführers beschränkt. Aus 
den  Akten  würden  sich  keine  Hinweise  ergeben,  dass  er  einer 
landesweiten  Suche  und  Verfolgung  durch  die  Sicherheitskräfte 
ausgesetzt  sein  könnte.  Zudem  würden  diese  Schikanen  auch  kaum 
asylrelevante  Intensität erreichen. Bei den erwähnten Benachteiligungen 
der  kurdischen  Minderheit  in  der  Türkei  handle  es  sich  nicht  um 
ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  des  Asylgesetzes,  die  einen  Verbleib  im 
Heimatland verunmöglicht oder unzumutbar erschwert hätten. Im Übrigen 
könne sich der Beschwerdeführer diesen Verfolgungsmassnahmen durch 
Wegzug  in einen anderen Teil seines Heimatlandes entziehen, womit er 
nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen  sei.  Der  Vollzug  der 

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Wegweisung sei durchführbar und zumutbar;  ihm stünden keine  triftigen 
Gründe entgegen. 

C. 
Mit  Eingabe  vom  5.  Januar  2009  erhob  der  Beschwerdeführer  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  unter  Kosten­ 
und  Entschädigungsfolge  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung. 
Der  Beschwerdeführer  sei  als  Flüchtling  anzuerkennen  und  es  sei  ihm 
Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  und 
Unzumutbarkeit  der  Wegweisung  festzustellen.  Dem  Beschwerdeführer 
sei  die unentgeltliche Rechtspflege  zu bewilligen,  und es  sei  ihm  in der 
Person  des  Unterzeichneten  ein  unentgeltlicher  Rechtsbeistand  zu 
ernennen.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit 
entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen.  Ferner  wurden 
Referenzschreiben  von  D.H.  (Cousin)  im  Original  und  M.T. 
(Familienfreund und Bekannter)  in Kopie  inklusive deren Ausweiskopien 
zu den Akten gereicht. 

D. 
Nach erfolgter Eingangsbestätigung wurde mit Instruktionsverfügung vom 
15.  Januar  2009  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  verzichtet.  Das  Gesuch  um  unentgeltliche 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen.

E. 
In seiner Vernehmlassung vom 20. Januar 2009 hielt das BFM an seiner 
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

F. 
Mit  Eingabe  vom  19.  Januar  2009  (Eingang  Bundesverwaltungsgericht: 
21.  Januar  2009) wurde  das Original  des Referenzschreibens  von M.T. 
samt Ausweiskopie und Postkuvert nachgereicht (vgl. Bst. C).

G. 
Mit  Eingabe  vom  23.  Januar  2009  wurden  weitere  Beweismittel 
eingereicht  (Faxkopie  eines  Zeitungsartikels  vom  5.  September  1993 
über  den  Tod  der  Cousine  Z.D.  des  Beschwerdeführers;  Kopie  eines 
Zeitungsartikels  über  die  Teilnahme  von  zwei  in  der  Schweiz  als 

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Flüchtlinge  anerkannten  Cousinen  [F.D.  und  A.D.]  des 
Beschwerdeführers  an  einer  Protestaktion  in  der  Türkei;  Zeitungsartikel 
vom  10.  Juli  2004  im  Zusammenhang  mit  einer  Operation  gegen  die 
HPG­Guerilla in der Heimatregion des Beschwerdeführers). 

H. 
In seiner zweiten Vernehmlassung vom 9. Februar 2009 hielt das BFM an 
seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

I. 
Am  4.  März  2009  fand  ein  weiteres  Beweismittel  Eingang  in  die  Akten 
(undatiertes  Bestätigungsschreiben  des  Dorfvorstehers  R.D.  über  die 
Fahndung nach dem Beschwerdeführer).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be­
schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

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Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  die  vom  BFM  aufgrund 
diverser  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  gezogenen  Schlussfolgerungen  im  Ergebnis  als 
zutreffend. Diese erlangen  insbesondere noch dadurch an Gewicht, weil 
sich  im Gesamtkontext  aus den Akten weitere massgebende  respektive 
entscheidende  der  Glaubhaftigkeit  abträgliche  Ungereimtheiten  und 
Unstimmigkeiten  ergeben  (vgl.  E.  4.2.  nachstehend).  Ebenfalls  ist  der 
Vorinstanz  darin  zuzustimmen,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  (allgemeine  Benachteiligung  der  kurdischen 
Minderheit)  in  Bezug  auf  die  asylrechtliche  Beachtlichkeit  in  Abrede  zu 
stellen  sind.  In  Beachtung  des  vom  Beschwerdeführer  selbst  eher 

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beiläufig  erwähnten  familiären  (politischen)  Hintergrunds  zeigte  sie 
sodann  in  einer  nicht  zu  beanstandenden Art  und Weise  auf,  dass  ihm 
eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  offensteht,  was  die  Zuerkennung 
der  Flüchtlingseigenschaft  respektive  die Schutzgewährung  durch  einen 
Drittstaat ausschliesst (vgl. Bst. B hiervor).

4.2. Der Beschwerdeführer wurde während mehreren Stunden einlässlich 
befragt  (Erstanhörung  im EVZ/direkte Bundesanhörung). Dabei berief er 
sich grundsätzlich auf denselben Sachverhalt. Die Verständigung mit den 
Dolmetschern  bezeichnete  er  bei  den  Anhörungen  als  gut.  Den 
Protokollen sind auch keinerlei Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach der 
Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen wäre, den Befragungen zu 
folgen. Ebenfalls ergeben sich keine Hinweise für die Annahme, dass ihm 
nicht genügend Zeit für die Darlegung seiner Fluchtgründe zur Verfügung 
gestanden  hätte.  Dem  Beschwerdeführer  wurden  nach  seiner  freien 
Erzählung  zu  den  Gesuchsgründen  im  EVZ  zusätzliche  konkrete 
respektive  klärende Fragen  zu  den  von  ihm erwähnten Vorkommnissen 
gestellt. Auch erhielt er abschliessend die Gelegenheit,  allfällige weitere 
Gründe,  die  ihn  zum  Verlassen  des  Heimatlandes  bewogen  haben, 
darzutun.  Mit  der  Befragung  beim  Bundesamt  verhält  es  sich 
gleichermassen.  Insbesondere  wurden  dem  Beschwerdeführer  bei  der 
direkten  Bundesanhörung  zahlreiche  Fragen  respektive  Nachfragen  zu 
noch  nicht  vollständig  geklärten  Punkten  gestellt.  Ferner  bestätigte  der 
Beschwerdeführer  unterschriftlich  die  Richtigkeit  (EVZ)  und 
Vollständigkeit  (Bundesamt)  der  diesbezüglichen  Protokolle,  weshalb  er 
sich  bei  seinen  Aussagen  behaften  zu  lassen  hat.  Diese  Feststellung 
erfährt zudem an Gewicht, als dass die bei der direkten Bundesanhörung 
anwesende Hilfswerkvertretung nach Einräumung und Wahrnehmung der 
Gelegenheit,  selbst  Fragen  an  den  Beschwerdeführer  zu  richten,  keine 
Einwände anzumelden beziehungsweise weitere Abklärungen anzuregen 
hatte.  Da  vorliegend  der  Sachverhalt  somit  als  erstellt  gilt,  stösst  der 
Vorwurf  der  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  in  der  Beschwerde  ins 
Leere,  wonach  der  Befrager  den  Beschwerdeführer  nie  darauf 
aufmerksam  gemacht  habe,  er  halte  dessen  Angaben  für  zu  wenig 
detailliert  und  deshalb  für  unglaubhaft  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK]  1994  Nr. 13  E.   S. 111).  Ferner  ist  festzuhalten,  dass  bei 
gesamtheitlicher  Betrachtungsweise  die  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  geeignet  sind,  die 
Erwägungen  der  Vorinstanz  zu  den  diversen 
Unglaubhaftigkeitselementen  in  seinen  Schilderungen  und  die  von  ihr 

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daraus  gezogenen  Schlussfolgerungen  zu  entkräften.  Ebenso  kann  der 
Beschwerdeführer nichts  zu seinen Gunsten ableiten, wenn er ausführt, 
ihm müsse  als Hirte,  der  nomadische  Landwirtschaft  betreibe  und  nicht 
nach einer Agenda lebe, zugestanden werden, dass er keine genaueren 
Zeitangaben  habe  machen  können.  Dieses  Vorbringen  muss  als 
unbehelflicher  Erklärungsversuch  gewertet  werden.  Es  ist  davon 
auszugehen,  dass  einschneidende  Ereignisse  im  Gedächtnis  eines 
Betroffenen  prägende  Spuren  hinterlassen,  worüber  detailliert, 
insbesondere  auch  in  zeitlicher Hinsicht,  jeweils  berichtet werden  kann. 
Ohne  abschliessende  Beurteilung  oder  Beanspruchung  auf 
Vollständigkeit  von  ausweichenden,  unsubstanziierten  und  damit 
unglaubhaften  Antworten  ist  zur  Veranschaulichung  in  diesem 
Zusammenhang  auf  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  bei  der 
direkten  Bundesanhörung  zu  verweisen.  Zur  Frage,  wann  er  das  letzte 
Mal Hilfsdienste zugunsten der HPG ausgeübt habe, gab er zunächst zu 
Protokoll,  sich  zurzeit  nicht  daran  zu  erinnern.  Auf  diverse  klärende 
Nachfragen erklärte er sodann, vor der letzten Festnahme (1. Juni 2008) 
Unterstützung  geleistet  zu  haben,  wobei  er  sich  nicht  mehr  daran 
erinnern  könne,  ob  Tage,  Wochen  oder  Monate  davor,  ehe  er  die 
Hilfsdiensttätigkeiten auf den Zeitraum zwischen dem Ereignis der Tötung 
seines  Hundes  und  der  erwähnten  Festnahme  (1 Woche)  situierte.  Als 
der  Befrager  auf  die  kurze  Zeitspanne  hinwies,  erklärte  der 
Beschwerdeführer, dies nicht mehr so genau zu wissen, um – konfrontiert 
mit  einer  kurz  zuvor  in  diesem  Zusammenhang  gemachten  Aussage – 
schliesslich  zu  erklären,  nie  so  was  gesagt  zu  haben  (Protokoll  der 
direkten  Bundesanhörung  S.  8  und  9).  Unstimmig  erweisen  sich 
ausserdem  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  rund  um  das 
Vorkommnis mit der Tötung seines Hundes. Bei der Erstbefragung  fand 
in  seiner  Abwesenheit  (er  sei  als  Hirte  in  den  Bergen  gewesen)  eine 
Razzia  im  Dorf  durch  das Militär  statt.  Man  habe  ihn  rufen  lassen  und 
sein Hund sei umgebracht worden. Zudem habe  ihm das Militär  für den 
Fall der Weigerung einer Zusammenarbeit angedroht, dass er das gleiche 
Schicksal wie sein Hund erleiden würde (Protokoll EVZ S. 5). Beim BFM 
waren  es  dagegen  zahlreiche  patrouillierende  Soldaten,  welche  seinen 
Hund erschossen hätten, als er mit seinen Tieren auf der Weide gewesen 
sei (Protokoll der direkten Bundesanhörung S. 4 und 8). Als realitätsfremd 
zu  erachten  sind  seine Schilderung  hinsichtlich Umfang,  Art  und Weise 
der  Unterstützungsleistungen  zugunsten  der  Guerilla.  Unter  dem 
Blickwinkel  des  familiären  Hintergrunds  des  Beschwerdeführers  ist 
insbesondere  befremdlich,  dass  er  während  rund  anderthalb  Jahren 
regelmässig in Abständen von einer Woche oder zehn Tagen, die letzten 

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fünf bis sechs Monate vor der Ausreise gar mit Wissen der Behörden um 
seine Tätigkeit,  diese mehr oder weniger unbeachtet und  relativ sorglos 
weiterführen konnte (Protokoll der direkten Bundesanhörung S. 5 und 6). 
Unterschiedlich  ausgefallen  sind  ferner  die  Aussagen  des 
Beschwerdeführers  zu  den  Ausreisevorbereitungen.  Anlässlich  der 
Anhörung im EVZ erklärte er, selbst den Schlepper organisiert, ihm Geld, 
ein  Foto  sowie  die  verloren  gegangene  Identitätskarte  zur  Beschaffung 
der  erforderlichen  Reisepapiere  gegeben  zu  haben.  Beim  Bundesamt 
führte  er  jedoch  aus,  dass  der  Vater  die  Reise  organisiert  und  bezahlt 
sowie  einen  Schlepper  ausfindig  gemacht  habe.  Auch  gab  er  dort 
zunächst  zu  Protokoll,  seine  Identitätskarte  unterwegs  in  die  Schweiz 
verloren zu haben, ehe er  später  im Verlaufe der Anhörung vorbrachte, 
auf  der  Reise  keine  Papiere  auf  sich  gehabt  zu  haben,  bloss  dem 
Schlepper  gefolgt  zu  sein  und  erst  bei  der  Passkontrolle  in  Moldawien 
von diesem einen Pass bekommen zu haben, der ihm aber kurz nach der 
Kontrolle wieder abgenommen worden sei (Protokoll EVZ S. 3; Protokoll 
der  direkten  Bundesanhörung  S.  3,  10  und  11).  Angesichts  der 
dargelegten  Kumulation  von  Unglaubhaftigkeitselementen  liegt  der 
Schluss  nahe,  dass  letztlich  andere,  in  asylrechtlicher  Hinsicht 
unbeachtliche  Gründe  für  die  Ausreise  des  Beschwerdeführers 
massgebend gewesen sein dürften.

4.3. Die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zur  Asylrelevanz  seiner 
Darlegungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  sind  nicht  geeignet,  zur 
Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  führen.  Im  Zusammenhang 
mit einer  (asylbeachtlichen) Gefährdungslage, welche aus der  familiären 
Herkunft  des  Beschwerdeführers  resultieren  könnte,  kann  auf  die 
nachfolgenden Erwägungen verwiesen werden (E. 4.4.2.) Hinsichtlich der 
übrigen  während  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  geltend  gemachten 
Gründe  ist  festzuhalten,  dass  sich  diese  auf  die  allgemeine 
Benachteiligung  der  kurdischen  Minderheit  reduzieren  lassen,  was 
praxisgemäss  –  wie  das  BFM  zutreffend  aufführt  –  keinen 
Anwendungsfall  im Sinne von Art. 3 AsylG darstellt. Ergänzend  ist noch 
darauf  hinzuweisen,  dass  dem  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner 
Mitgliedschaft bei der DTP (Demokratik Toplum Partisi), bei der er keine 
Funktion  innehatte und zu der  sich die Beziehungen bloss  in Besuchen 
ihres  Parteilokals  während  seiner  jeweiligen  Aufenthalte  in  der  Stadt 
manifestierten,  keine  ernsthaften  Nachteile  widerfahren  sind  (Protokoll 
der  direkten  Bundesanhörung  S.  6  und  7).  Schliesslich  sind  in  diesem 
Zusammenhang noch die Ausreiseumstände des Beschwerdeführers  zu 
erwähnen.  Gemäss  dessen  Schilderungen  ist  er  mit  einer  auf  den 

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Familiennamen  (A._______) ausgestellten  Identitätskarte, die unterwegs 
in  die  Schweiz  verloren  ging,  sowie  mit  einem  mit  seinem  Foto 
versehenen  Reisepass  (vgl.  E.  4.2.  hiervor)  über  den  Flughafen 
G._______  problemlos  ausgereist.  In  Anbetracht  des  erwähnten 
familiären Hintergrundes sowie der angeblichen behördlichen Suche nach 
ihm  erscheint  es  indes  kaum  verständlich,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer  ausgerechnet  auf  diese  Art  und  Weise  bei  den 
bekanntermassen  rigorosen  Kontrollen  am  Flughafen  dem  Risiko  eines 
möglichen Entdecktwerdens ausgesetzt haben soll. Ein solches Verhalten 
spricht  jedenfalls  gegen  die  von  ihm  behauptete  (asylrelevante) 
Gefährdungssituation. 

4.4. 
4.4.1.  Bezüglich  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
Reflexverfolgung  ist  folgendes  festzuhalten:  Das 
Bundesverwaltungsgericht  geht  –  in  Anlehnung  an  die  bisherige  Praxis 
der  ARK  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  21)  –  davon  aus,  dass  in  der  Türkei 
staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  von  politischen 
Aktivisten  angewandt  werden,  die  als  sogenannte  Reflexverfolgung 
flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von Art. 3 AsylG sein können. Die 
Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden,  ist gemäss 
Praxis  vor  allem  dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen 
Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung 
hat,  dass  jemand  mit  der  gesuchten  Person  in  engem  Kontakt  steht. 
Diese  Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich,  wenn  ein  nicht  unbedeutendes 
politisches Engagement der reflexverfolgten Person für illegale politische 
Organisationen  hinzukommt  beziehungsweise  ihr  seitens  der  Behörden 
unterstellt wird (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.1 S. 195).

4.4.2. Vorliegend  sind  den  Akten  –  entgegen  den  Ausführungen  in  der 
Rechtsmitteleingabe  –  keine  konkreten  Anhaltspunkte  zu  entnehmen, 
inwiefern  der  Beschwerdeführer  wegen  seinen  sich  in  der  Schweiz  seit 
Jahren aufhaltenden oder in der Türkei lebenden Verwandten ernsthaften 
Nachteilen  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  ausgesetzt  gewesen  ist.  Die  in 
diesem  Zusammenhang  erhobenen  Einwände  (nicht  ausreichende 
Berücksichtigung  der  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  durch  eine 
Anschluss­  bzw.  Reflexverfolgung;  asylrelevante  Druckversuche  und 
Verfolgungsmassnahmen  des  türkischen  Staates  gegenüber  dem 
Beschwerdeführer  allein  aufgrund  von  seinem  Familiennamen)  gehen 

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fehl. Zunächst  ist  festzuhalten, dass das BFM seiner Begründungspflicht 
– wenn auch knapp – in rechtsgenüglicher Weise nachgekommen ist und 
eine  sachgerechte  Anfechtung  der  vorinstanzlichen  Verfügung 
ermöglichte  (vgl.  I/2 S). Die Vorinstanz  zeigte  unter  dem Gesichtspunkt 
einer  dem  Beschwerdeführer  zur  Verfügung  stehenden  innerstaatlichen 
Fluchtalternative auf, dass er keiner landesweiten Suche und Verfolgung 
durch  die  Sicherheitskräfte  ausgesetzt  ist.  Zudem  stellte  sie  mögliche, 
dem Beschwerdeführer widerfahrene Schikanen nicht  in Abrede,  sprach 
ihnen  jedoch  das  Erfordernis  der  vom  Gesetz  verlangten  Intensität  ab. 
Was die unter Verweis auf ein Urteil der ARK gemachten Ausführungen 
hinsichtlich  einer  Reflexverfolgung  allein  aufgrund  des  Familiennamens 
anbelangt, so erweisen sich diese – da nicht konkret auf die Person des 
Beschwerdeführers  bezogen –  entweder  als  zu  pauschal  oder  aufgrund 
der Akten als mutmassend, spekulativ und damit unbehelflich. Nebst des 
Eingangs  unter  E. 4.2.2.  Gesagten,  gab  der  Beschwerdeführer  unter 
anderem  auf  die  Frage  der  Hilfswerkvertretung,  wie  er  sich  erklären 
könne,  dass die HPG  ihn nicht  schon  früher  um Unterstützung gebeten 
habe,  zu  Protokoll,  er  könne  dies  nicht  genau  sagen.  Sie  (die  HPG) 
müsse  ihn  überprüft  haben  und  sein  Vertrauen  gewonnen  haben. 
Vielleicht  habe  es  auch  etwas  mit  dem  Fall  seiner  ums  Leben 
gekommenen  Cousine  (Z.D.)  väterlicherseits  (Anmerkung  des  Gerichts: 
Z.D., Angehörige der Guerilla, wurde 1993 von Soldaten getötet und gilt 
als  "Märtyrerin")  zu  tun.  Aufschlussreich  erweist  sich  in  diesem 
Zusammenhang  auch  die  Aussage,  wonach  niemand  der  Familie  aktiv 
bei  der  DTP  dabei  gewesen  sei,  obschon  alle  Mitglieder  dieser  Partei 
seien. Eine Mitgliedschaft  bei  der HPG verneinte  der Beschwerdeführer 
gar ausdrücklich (Protokoll der direkten Bundesanhörung S. 12 und 13). 
Als erstaunlich muss vor dem geltend gemachten familiären Hintergrund 
sodann  das  Vorbringen  gewertet  werden,  wonach  Soldaten  seit  seiner 
Ausreise  bloss  zu  Hause  vorbeigeschaut  und  nach  ihm  gefragt  haben 
sollen.  Dass  die  Familie  in  der  Türkei  aufgrund  seiner  Abwesenheit 
namhaften nachteiligen Konsequenzen durch die heimatlichen Behörden 
ausgesetzt  gewesen  sein  könnte,  ist  den  Protokollen  jedoch  nicht  zu 
entnehmen.  Die  Familie  musste  aufgrund  seiner  Abwesenheit  "nur 
Beschimpfungen  und  Erniedrigungen"  erleiden  (Protokoll  der  direkten 
Bundesanhörung  S.  10).  Insgesamt  erfahren  diese  Schlussfolgerungen 
noch  dadurch  an  Gewicht  respektive  gegen  das  Risiko  einer 
Reflexverfolgung  spricht  letztlich  der  Umstand,  dass  die  zahlreichen, 
denselben  Namen  tragenden  Mitglieder  der  Familie  des 
Beschwerdeführers  im  engeren  und  weiteren  Sinne  noch  immer  in  der 
Türkei leben und sich nicht zur Ausreise veranlasst sahen.

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4.4.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  verkennt  nicht,  dass  der 
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in die Türkei mit einer einlässlichen 
Befragung  durch  die  Sicherheitsbehörden  konfrontiert  werden  könnte. 
Anhand  der  Akten  besteht  jedoch  kein  Grund  für  die  Annahme,  ihm 
drohten dabei Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG.

4.5. Abschliessend  und der Vollständigkeit  halber  sei  noch  auf  F. Gygi, 
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 321 hingewiesen. 
Danach  braucht  sich  die  urteilende  Instanz  nicht  mit  allen 
Parteistandpunkten  einlässlich  auseinanderzusetzen  und  jedes  einzelne 
Vorbringen  ausdrücklich  zu  widerlegen.  Das  würde  häufig  einen 
prozessökonomisch  nicht  vertretbaren  Aufwand  erheischen.  Das  Urteil 
braucht  höchstens  zu  den wesentlichen Parteiauffassungen  Stellung  zu 
beziehen  und  selbst  das  kann  auf  konkludente  Weise  dadurch 
geschehen, dass die Urteilsgründe der entscheidenden Instanz schlüssig 
in  Erscheinung  treten. Mit  Rücksicht  auf  die  vorerwähnten  Erwägungen 
besteht  keine  Veranlassung,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der 
Beschwerde  einzugehen.  Insbesondere  kann  bei  dieser  Sachlage  den 
mangels  Fall­  und  teilweise  Aktualitäsbezug  eingereichten  Unterlagen 
sowie  den  bestätigenden  Charakter  aufweisenden  Referenzschreiben 
beweisrechtlich keine Bedeutung beigemessen werden.

4.6.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer 
nicht  darzutun  vermochte,  dass  er  einer  Verfolgung  im  Sinne  von 
Art. 3 AsylG  ausgesetzt  war  oder  begründete  Furcht  hat,  einer  solchen 
ausgesetzt  werden  zu  können.  Er  kann  daher  nicht  als  Flüchtling 
anerkannt  werden.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9; EMARK 2001 Nr. 21).

6. 

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6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 

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AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  in  der  Türkei 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

6.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

In  der  Türkei  herrscht  zurzeit  weder  Krieg,  Bürgerkrieg  noch  eine 
Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  unter  diesem  Aspekt  von  der 
generellen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  dieses  Land 
auszugehen ist.

Wie  vorstehend  ausgeführt,  muss  sich  der  Beschwerdeführer  bei  einer 
Rückkehr  in  die Türkei  keiner  konkreten Gefährdung  ausgesetzt  sehen. 
Aufgrund  der  Aktenlage  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  ihm 
Behelligungen  drohen,  die  zwar  nicht  die  von  Art.  3  EMRK  geforderte 
Intensität  erreichen,  eine  Rückkehr  aber  trotzdem  als  unzumutbar 
erscheinen  lassen.  Er  verfügt  in  seiner  Heimat  über  ein  familiäres  und 
darüber  hinausgehendes  Beziehungsnetz  sowie  reichlich  Erfahrung  im 

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Erwerbsleben  (vgl.  Beschwerde  Ziff.  7.1  S.5),  so  dass  ihm  eine 
Reintegration nicht allzu schwer fallen sollte. Nach dem Gesagten erweist 
sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.

6.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

6.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  ist  abzuweisen.  Abklärungen  haben  ergeben, 
dass  der  alleinstehende  Beschwerdeführer  seit  dem  1.  Februar  2011 
ununterbrochen einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Mithin  fehlt es an einer 
der  kumulativ  zu  erfüllenden  Voraussetzungen  (bedürftig/nicht 
aussichtslos)  der  nämlichen  gesetzlichen  Bestimmung.  Die 
Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  sind  demnach  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65 
Abs. 1 VwVG) wird abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Contessina Theis Alfred Weber

Versand: