# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aed56474-c491-5bfd-8a0b-cca2ce5285fb
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2001-05-10
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössische Personalrekurskommission 10.05.2001 JAAC 65.96
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_012_JAAC-65-96--_2001-05-10.pdf

## Full Text

JAAC 65.96

Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission
vom 10. Mai 2001 i.S. X [PRK 2000-056]

Employé des Chemins de fer fédéraux (CFF). Droit transitoire
concernant le nouveau droit du personnel. Maladie psychique en tant
que maladie professionnelle. Définition du mobbing. Maintien du
paiement du salaire (art. 73 RF 2).

- Pour les CFF, la LPers est entrée en vigueur le 1er janvier 2001. La
procédure de recours est cependant régie par l’ancien droit, dans
la mesure où il s’agit d’un litige relatif à des prétentions découlant
des rapports de travail qui a donné lieu à une décision rendue avant
l’entrée en vigueur de la LPers (consid. 1a).

- L’art. 73 al. 2 RF 2, selon lequel le traitement d’un fonctionnaire absent
du service pendant une durée supérieure à une année est en principe
réduit de moitié, n’est pas une disposition potestative, mais une norme
d’application impérative. Des exceptions sont prévues impérativement
en cas d’accident professionnel ou de maladie professionnelle (à savoir
les maladies professionnelles mentionnées dans la liste de l’annexe 1
à l’OLAA). La réduction peut aussi ne pas être opérée en présence d’un
autre motif méritant considération (consid. 2a et 3a).

- Aucune maladie psychique ne figure parmi les maladies
professionnelles de la liste de l’annexe 1 à l’OLAA. La qualification d’une
affection psychique comme maladie professionnelle supposerait qu’un
travail soit en tant que tel typiquement propre à léser le psychisme
(consid. 3b).

- Dans des circonstances particulières de nature financière ou sociale,
ou lorsque à un accident ou une maladie remplissant pas les conditions
de la LAA viennent s’ajouter d’autres motifs méritant considération, la
réduction du traitement peut ne pas être opérée (consid. 4a).

- Par mobbing, il faut entendre des actions négatives d’ordre
relationnel qui sont dirigées contre une personne et qui, très souvent,
se produisent pendant une longue période de temps, caractérisant ainsi

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un rapport de bourreau à victime. Il peut s’agir par exemple d’atteintes
à la faculté d’expression, à la réputation sociale ou à la qualité de la
situation professionnelle ainsi qu’à la qualité de vie. En l’espèce, le
mobbing constitue un motif méritant considération (consid. 4b).

Angestellter der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Übergangsrecht
zum neuen Bundespersonalrecht. Psychische Erkrankung als
Berufskrankheit. Definition von Mobbing. Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall (Art. 73 BO 2).

- Das BPG ist am 1. Januar 2001 für die SBB in Kraft getreten. Das
Beschwerdeverfahren richtet sich jedoch nach altem Recht, sofern zu
einer Streitigkeit über Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis vor dem
Inkrafttreten des BPG eine Verfügung ergangen ist (E. 1a).

- Art. 73 Abs. 2 BO 2, wonach der Lohn des Beamten, dessen
Dienstaussetzung länger als ein Jahr dauert, grundsätzlich um die
Hälfte gekürzt wird, ist keine «Kann-Bestimmung», sondern eine
zwingend anwendbare Norm. Ausnahmen sind zwingend vorgesehen
bei Berufsunfällen und bestimmten Berufskrankheiten (so genannten
Listenkrankheiten gemäss Anhang 1 zur UVV). Die Kürzung kann auch
wegen anderer berücksichtigenswerter Gründe unterbleiben (E. 2a und
3a).

- Psychische Krankheiten finden sich keine unter den Listenkrankheiten.
Die Qualifikation eines psychischen Leidens als Berufskrankheit würde
voraussetzen, dass eine Arbeit als solche typischerweise geeignet ist, die
Psyche zu schädigen (E. 3b).

- Liegen besondere finanzielle oder soziale Umstände vor, oder
treten zu einem Unfall oder zu einer Krankheit, die zwar nicht die
Voraussetzungen des UVG erfüllen, sonstige berücksichtigenswerte
Gründe hinzu, kann eine Lohnkürzung unterbleiben (E. 4a).

- Unter Mobbing sind negative kommunikative Handlungen zu
verstehen, die sich gegen eine Person richten und die sehr oft über
einen längeren Zeitraum hinweg vorkommen und damit die Beziehung
zwischen Täter und Opfer kennzeichnen: beispielsweise Angriffe auf
die Möglichkeit, sich mitzuteilen, Angriffe auf das soziale Ansehen
oder Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation. Im
vorliegenden Fall stellt Mobbing einen berücksichtigenswerten Grund
dar, keine Lohnkürzung vorzunehmen (E. 4b).

Impiegato delle Ferrovie federali svizzere (FFS). Diritto transitorio
concernente il nuovo diritto del personale. Malattia psichica quale
malattia professionale. Definizione di mobbing. Versamento del salario
in caso di malattia (art. 73 RF 2).

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- Per le FFS la LPers è entrata in vigore il 1°gennaio 2001. La procedura
ricorsuale è però retta dal diritto previgente, nella misura in cui si
tratta di un litigio relativo a pretese derivanti dal rapporto di lavoro
che ha originato l’emanazione di una decisione prima dell’entrata in
vigore della LPers (consid. 1a).

- L’art. 73 cpv. 2 RF 2, secondo cui il salario del funzionario è di regola
ridotto della metà in caso di assenza dal servizio di più di un anno, non
è una disposizione potestativa, ma una norma imperativa. Può però
esservi un’eccezione in caso di malattie professionali o per altri motivi
degni di considerazione. Sono imperativamente previste eccezioni in
caso di incidente professionale o di malattia professionale (ossia per le
malattie professionali menzionate nella lista dell’allegato 1 all’OAINF).
La riduzione può anche non essere operata per altri motivi degni di
considerazione (consid. 2a e 3a). (consid. 2a e 3a).

- Fra le malattie professionali menzionate nella lista dell’allegato 1
all’OAINF non figura alcuna malattia psichica. La qualifica di una
malattia psichica quale malattia professionale presupporrebbe che un
lavoro in quanto tale sia tipicamente adatto a danneggiare la psiche
(consid. 3b).

- Se sussistono circostanze particolari di natura finanziaria o
sociale oppure se a un incidente o una malattia che non soddisfano
le condizioni della LAINF si aggiungono altri motivi degni di
considerazione, si può rinunciare alla riduzione del salario anche
se l’incidente o la malattia non adempiono le condizioni della LAINF
(consid. 4a).

- Per mobbing si intendono azioni negative di genere relazionale dirette
contro una persona, che si verificano spesso in un lasso di tempo lungo
e che caratterizzano pertanto la relazione tra autore e vitti-ma: può
trattarsi, ad esempio, di limitazioni della possibilità di esprimersi, di
attacchi all’immagine sociale o attacchi che nuocciono alla qualità
della situazione professionale e di vita. Nella fattispecie, il mobbing
costituisce un motivo degno di considerazione per rinunciare alla
riduzione del salario (consid. 4b).

A. X trat am 1. Oktober 1991 als Sekretär (15. Lohnklasse) der
damaligen Bauabteilung Kreis Y (Bauabteilung) in den Dienst der
Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Auf den 1. Januar 1993 erfolgte die
Laufbahnbeförderung zum Sekretär (16. Lohnklasse) und auf den 1. Oktober
1994 seine Wahl als Beamter. Mit Schreiben vom 29. September 1997 teilte
der Oberingenieur der Bauabteilung X mit, dass seine Stelle infolge einer
Restrukturierung per sofort aufgehoben werde und er bis zur Wahl auf
eine bewilligte Stelle als «freigesetzt» gelte. In zwei weiteren Briefen vom
24. Oktober 1997 und vom 29. Juli 1998 erhielt X durch den Oberingenieur

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der Bauabteilung neue Tätigkeiten zugewiesen. Am 12. April 1999 teilten
der Oberingenieur der Bauabteilung und der Leiter des Geschäftsbereichs
Anlagemanagement Filiale Z (AM) X schriftlich eine neue Tätigkeit im AM zu.

B. Mit Einstellungsverfügung des Leiters der Bauabteilung vom
17. Februar 1998 wurde eine administrative Untersuchung abgeschlossen.
In dieser Einstellungsverfügung wurde festgehalten, dass der Angestellte A der
Bauabteilung im Verlaufe des Jahres 1992 anlässlich einer Informatikschulung
X Artikel aus einem Pornokatalog in einer Datenbank erfassen liess und sich
in einem E-Mail vom 30. Mai 1995, das an seine Mitarbeiterin B hätte gehen
sollen, herabsetzend über X geäussert hatte, dass darüber der Vorgesetzte C
eine Untersuchung mit Befragungen von A und B durchgeführt hatte, dass X
von dieser Untersuchung erst im Mai 1997 Kenntnis erhalten hatte und dass
nach dem Stellenantritt des neuen Vorgesetzten D dieser im Mai 1997 X ein
Schreiben vorgelegt hatte, dessen Inhalt sich auf den Pornokatalog bezog und
von dem X vorher keine Kenntnis hatte. Die Verfügung vom 17. Februar 1998
ordnete die Entfernung sämtlicher Akten zur betreffenden Untersuchung und
zu verschiedenen bestrittenen Vorhaltungen an, sodass für künftige interne
oder externe Stellenbewerbungen keine Hinweise auf die erwähnten Vorfälle
mehr möglich seien.

Vom 23. März 1999 bis am 31. Oktober 2000 setzte X den Dienst infolge
Krankheit zu 100% aus. Mit Schreiben vom 3. Juli 2000 wurde X durch
den Leiter Infrastruktur AM und den Leiter Neuorientierung der Division
Infrastruktur, Region E der SBB (DIR) davon in Kenntnis gesetzt, dass der
ärztliche Dienst ihn für eine ganztägige Tätigkeit als arbeitsfähig erachte.
Gleichzeitig wurde X zu einer Besprechung der Einsatzmöglichkeiten
eingeladen. Dieses Gespräch fand am 24. August 2000 statt und führte dazu,
dass X am 1. November 2000 den Dienst im Rahmen der Neuorientierung
wieder aufgenommen hat.

C. Mit Schreiben vom 17. Februar 2000 wurde X durch den Leiter
Infrastruktur AM und den Leiter Personal der DIR über deren Absicht
orientiert, seinen Lohn infolge Dienstaussetzung gestützt auf Art. 73 Abs. 2 der
Beamtenordnung 2 vom 15. März 1993 (BO 2, SR 172.221.102.1) ab dem 1. April
2000 auf 50% zu kürzen. Mit Schreiben vom 21. Februar 2000 erklärte sich X
innert der gesetzten Frist mit der Lohnkürzung nicht einverstanden, da seine
gesundheitlichen Probleme auch durch die SBB verursacht worden seien. Er
erwarte gestützt auf Art. 73 Abs. 3 BO 2 bis zu seiner Genesung das volle Salär.

Am 29. Februar 2000 verfügten der Leiter Infrastruktur AM und der Leiter
Personal DIR die Kürzung des Lohns von X auf 50% per 1. April 2000 (unter
Beachtung der Garantieleistungen gemäss Pensionskassen-Statuten), gestützt
auf Art. 73 Abs. 2 BO 2. Im Begleitschreiben zur Verfügung erklärte die DIR
Nichteintreten auf die durch X geltend gemachten Einwände.

D. Gegen diese Verfügung reichte X am 30. März 2000 beim
Zentralbereich Personal der SBB Beschwerde ein und verlangte deren
Aufhebung sowie die Gewährung des ungekürzten Gehalts. (...) Mit Entscheid
vom 8. November 2000 wies der Zentralbereich Personal der SBB die
Beschwerde vom 30. März 2000 ab, hielt an der Lohnkürzung auf 50% fest und
erklärte, der vom 1. April 2000 bis zum 31. Oktober 2000 zu viel ausbezahlte
Lohn in Höhe von CHF (...) sei den SBB zurückzuerstatten. Mit Schreiben vom

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17. Januar 2001 hob der Zentralbereich Personal der SBB die Lohnkürzung mit
Wirkung ab dem 1. November 2000 auf, da X seither die Arbeit im Sinne von
Art. 73 BO 2 wieder aufgenommen habe.

E. Gegen den Beschwerdeentscheid des Zentralbereichs Personal
der SBB vom 8. November 2000 erhebt X (ab hier: Beschwerdeführer) mit
Eingabe vom 10. Dezember 2000 (Postaufgabe: 11. Dezember 2000) bei
der Eidgenössischen Personalrekurskommission (PRK) Beschwerde. Er
beantragt, den angefochtenen Entscheid aufzuheben und auf die Lohnkürzung
zu verzichten. Er begründet seine Beschwerde hauptsächlich damit, der
Sachverhalt sei nicht genügend abgeklärt worden, insbesondere seine
Arbeitsfähigkeit. Zudem habe die Vorinstanz zu Unrecht verneint, dass
seine Krankheit durch Mobbing am Arbeitsplatz verursacht worden sei
und mithin als Berufskrankheit zu gelten habe. ImWeiteren verweise die
Vorinstanz zu Unrecht auf die angebliche Praxis der SBB zu Art. 73 Abs. 2 BO 2,
wonach von der genannten Bestimmung möglichst rigoros Gebrauch gemacht
werde. Art. 73 Abs. 2 BO 2 sei schon demWortlaut gemäss einzelfallbezogen
anzuwenden und nicht möglichst rigoros. Selbst wenn die Lohnkürzung
grundsätzlich Anwendung fände, sei in casu eine soziale Härte gegeben,
was gemäss Art. 73 Abs. 3 BO 2 einen Verzicht auf die Kürzung zur Folge
habe. Schliesslich bestehe entgegen den Darstellungen der Vorinstanz eine
konstante Praxis der SBB, auf Lohnkürzungen zu verzichten. Mithin habe der
Beschwerdeführer einen aus dem Gleichheitsprinzip abgeleiteten Anspruch
auf eine ungekürzte Lohnfortzahlung während 720 Tagen.

Der Zentralbereich Personal der SBB schliesst in seiner Vernehmlassung
vom 22. Januar 2001 auf Abweisung der Beschwerde. Als Begründung
wird angeführt, der Beschwerdeführer habe niemals geltend gemacht, er
sei arbeitsfähig. Ebenso wenig habe er sich für einen Arbeitsversuch zur
Verfügung gestellt. Im Schreiben des ärztlichen Dienstes an den Leiter
Personal der DIR vom 10. April 2000 werde dem Beschwerdeführer zwar
eine ganztägige Arbeitsfähigkeit attestiert, jedoch nur SBB-extern. Angesichts
dieser Beurteilung sei die Arbeitsunfähigkeit klar gegeben.

Aus den Erwägungen:

1.a. Gemäss Art. 1 Abs. 1 der Verordnung vom 20. Dezember 2000
über die Inkraftsetzung des Bundespersonalgesetzes für die SBB und über
die Weitergeltung von Bundesrecht (Inkraftsetzungsverordnung BPG für
die SBB, SR 172.220.112 bzw. AS 2001 917) ist das Bundespersonalgesetz
vom 24. März 2000 (BPG, SR 172.220.1 bzw. AS 2001 894) am 1. Januar
2001 für die SBB in Kraft getreten. Art. 41 Abs. 3 BPG bestimmt indes, dass
sich das Beschwerdeverfahren nach dem alten Recht richtet, sofern zu
einer Streitigkeit über Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis vor dem
Inkrafttreten des BPG eine Verfügung ergangen ist. Im vorliegenden Fall
sind die Verfügung zur Lohnkürzung wie auch der Beschwerdeentscheid des
Zentralbereichs Personal der SBB unter altem Recht ergangen. Die vorliegende

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Beschwerde ist somit gemäss den Verfahrensbestimmungen des alten Rechts
(Beamtengesetzes vom 30. Juni 1927 [BtG], SR 172.221.10 und BO 2, wie sie bis
am 31. Dezember 2000 in Kraft waren) zu entscheiden.

b.-d. (...)

2.a. In materieller Hinsicht ist festzuhalten, dass das BPG gemäss seinem
Art. 41 Abs. 3 keine Rückwirkung entfaltet (vgl. E. 1a zum Formellen). Auf die
vorliegende Beschwerde sind somit auch in materieller Hinsicht das BtG und
die BO 2 anzuwenden.

Art. 45 Abs. 5 Bst. a und b BtG ermächtigen den Bundesrat, Vorschriften
über den Anspruch auf Besoldung der Beamten bei Dienstaussetzung und
die Anrechnung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung zu
erlassen. Der gestützt hierauf ergangene Art. 73 BO 2 bestimmt in Abs. 2, dass
der Lohn des Beamten, dessen Dienstaussetzung länger als ein Jahr dauert,
um die Hälfte gekürzt wird; die Summe aus gekürztem Lohn, ungekürztem
Orts- und Sonderzuschlag sowie ungekürzten Auslands-, Familien- und
Kinderzulagen darf jedoch nicht geringer sein als die Leistungen aus
obligatorischer Unfallversicherung oder als die Leistungen, auf die der
Beamte bei Invalidität nach den Art. 39-41 der Verordnung über die
Pensionskasse des Bundes vom 24. August 1994 (PKB-Statuten, SR 172.222.1;
heute Art. 38-41 PKB-Statuten) bzw. der Statuten der Pensions- und Hilfskasse
der Schweizerischen Bundesbahnen vom 18. August 1994 (PHK-Statuten, SR
172.222.2; heute Art. 38-41 PHK-Statuten) Anspruch hätte. Die Kürzung hat zu
unterbleiben, wenn der Beamte den Dienst infolge eines Berufsunfalls (Art. 7
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981
[UVG], SR 832.20) oder einer einem solchen gleichzusetzenden Berufskrankheit
(Art. 9 UVG) aussetzt (Art. 73 Abs. 3 Satz 1 BO 2). Sie kann zudem wegen
anderer berücksichtigenswerter Gründe unterbleiben (Art. 73 Abs. 3 Satz 2 BO
2).

b. Der Beschwerdeführer hat seinen Dienst am 23. März 1999
ausgesetzt und am 1. November 2000 im Rahmen der Neuorientierung
wieder aufgenommen. Er war seit dem 23. März 1999 krank geschrieben.
Damit liegt die Voraussetzung zu einer Gehaltskürzung ab dem 23. März
2000 grundsätzlich vor. Der Leiter Infrastruktur AM und der Leiter
Personal DIR verfügten am 29. Februar 2000 die Kürzung des Lohnes des
Beschwerdeführers per 1. April 2000, die vom Zentralbereich Personal der
SBB mit Schreiben vom 17. Januar 2001 rückwirkend auf den 1. November
2000 wieder aufgehoben wurde. Strittig ist somit eine Lohnkürzung in
Höhe von CHF (...) monatlich, was für die betreffenden sieben Monate einen
Gesamtbetrag von CHF (...) ergibt.

3.a. Der Beschwerdeführer bringt vor, der Zentralbereich Personal der
SBB verweise zu Unrecht auf seine Praxis, von der Lohnkürzung gemäss
Art. 73 Abs. 2 BO 2 möglichst rigoros Gebrauch zu machen. Eine solche Praxis
sei weder bekannt noch belegt und stehe imWiderspruch zur erwähnten
Bestimmung, da eine Behörde bei der Anwendung einer Kann-Formel
einzelfallbezogen zu entscheiden habe.

Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers handelt es sich bei Art. 73
Abs. 2 BO 2 nicht um eine Kann-Bestimmung («Dauert die Dienstaussetzung
länger als ein Jahr, so wird der Lohn um die Hälfte gekürzt;...», Art. 73

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Abs. 2 Satz 1 BO 2), sondern um eine zwingend anwendbare Norm. Der
Zentralbereich Personal der SBB hat folglich zunächst grundsätzlich zu Recht
eine Lohnkürzung angeordnet.

b. Der Beschwerdeführer macht zudem geltend, dass es sich bei seiner
Krankheit um eine Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 UVG handle. Als
Berufskrankheiten gelten nach dieser Bestimmung solche Krankheiten, die bei
der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende
Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind (Art. 9 Abs. 1 UVG).
Die Verordnung zum UVG vom 20. Dezember 1982 (UVV, SR 832.202) enthält
im Anhang 1 eine Liste der Berufskrankheiten, die unterteilt ist in eine Liste
der schädigenden Stoffe (Listenstoffe) und eine Liste von Erkrankungen, die im
Zusammenhang mit bestimmten Arbeiten als arbeitsbedingt anerkannt sind
(Listenkrankheiten). Psychische Krankheiten finden sich keine auf dieser Liste.

Auch andere Krankheiten, von denen nachgewiesen wird, dass sie
ausschliesslich oder stark überwiegend durch die berufliche Tätigkeit
verursacht worden sind, gelten als Berufskrankheiten (Art. 9 Abs. 2
UVG). Vorausgesetzt ist aber immer, dass der Versicherte während
einer gewissen Dauer einem für seinen Beruf typischen oder damit
verbundenen Gesundheitsrisiko ausgesetzt war (vgl. Murer / Stauffer / Rumo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, Zürich 1995, Art. 9 Abs. 2). Die
Qualifikation eines psychischen Leidens als Berufskrankheit würde demnach
voraussetzen, dass eine Arbeit als solche typischerweise geeignet ist, die
Psyche zu schädigen, was kaum je mit dem im Sozialversicherungsrecht
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen werden kann (vgl. dazu Murer / Stauffer / Rumo, a.a.O., S. 302 f.;
vgl. auch unveröffentlichte Entscheide des Bundesgerichts vom 7. September
1999 in Sachen C. [2A.125/1999 und 2A.482/1998; E. 6b] und der PRK vom
21. Januar 1999 in Sachen C. [PRK 1998-155; E. 3a]).

Dieser Nachweis ist im vorliegenden Fall nicht erbracht. Der
Beschwerdeführer behauptet zwar, seine psychische Erkrankung sei durch die
Arbeit verursacht, bringt aber zum Nachweis an sich und zur überwiegenden
Wahrscheinlichkeit keinerlei Beweismittel ein.

4.a. Der Beschwerdeführer macht imWeiteren geltend, dass in
seinem Fall in Anwendung von Art. 73 Abs. 3 BO 2 wegen anderer
berücksichtigenswerter Gründe von einer Gehaltskürzung abzusehen sei.
Gemäss seinen Abklärungen werde eine Lohnkürzung nur in Ausnahmefällen
vorgenommen. Auf Anfrage hin habe das Personalamt immer erklärt, der
Lohn werde in Fällen von Krankheit oder Unfall während 720 Tagen weiterhin
ausbezahlt, ohne jemals auf die Kürzungsmöglichkeit hinzuweisen. Daher
habe er einen wohlerworbenen, gewissermassen gewohnheitsrechtlichen
Anspruch auf Auszahlung des ungekürzten Lohnes während 720 Tagen. Eine
Kürzung widerspräche dem Gleichheitsprinzip.

Gemäss Art. 73 Abs. 2 BO 2 gilt als Grundsatz, dass der Lohn bei einer
Dienstaussetzung wegen Krankheit, die länger als ein Jahr dauert, um die
Hälfte gekürzt wird. Auf die Lohnkürzung ist allerdings dann zwingend
zu verzichten, wenn der Dienst infolge eines Berufsunfalls oder einer
einem Berufsunfall gleichzusetzenden Krankheit im Sinne von Art. 9 UVG
ausgesetzt worden ist (Art. 73 Abs. 3 Satz 1 BO 2). Sodann kann die Kürzung
wegen «anderer berücksichtigenswerter Gründe» unterbleiben (Art. 73

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Abs. 3 Satz 2 BO 2), wobei der Verzicht beim Vorliegen solcher Gründe in
das pflichtgemäss ausgeübte Ermessen der Behörde gestellt wird. Wann
andere berücksichtigenswerte Gründe vorliegen, wird in der BO 2 nicht näher
ausgeführt. Es handelt sich somit um einen unbestimmten Rechtsbegriff,
welcher gleich wie die «Kann-Formulierung» die Voraussetzung dafür
schaffen will, dass eine Kürzung unterbleiben kann, wenn sie hart und
unbillig erscheinen würde. Aus der BO 2 selber ergibt sich, dass eine Kürzung
immer dann hart und unbillig wäre, wenn die Dienstaussetzung auf einem
eigentlichen Berufsunfall oder einer eigentlichen Berufskrankheit im Sinne
von Art. 9 UVG beruht. Anderseits sollen die übrigen Krankheiten bzw.
Unfälle für sich allein keinen hinreichenden Grund für einen zwingenden
Verzicht auf die Lohnkürzung darstellen; die einjährige vollständige
Lohnfortzahlungspflicht soll in diesen Fällen normalerweise genügen.
Liegen besondere finanzielle oder soziale Umstände vor, ist unbestritten,
dass diese als andere berücksichtigenswerte Gründe im Sinne von Art. 73
Abs. 3 Satz 2 BO 2 gelten können und eine Lohnkürzung somit unterbleiben
kann. Nicht anders verhält es sich dann, wenn zu einem Unfall oder zu
einer Krankheit, die zwar nicht die Voraussetzungen von Art. 9 UVG erfüllen,
sonstige berücksichtigenswerte Gründe hinzutreten (vgl. unveröffentlichter
Entscheid der PRK vom 21. Januar 1999 in Sachen C. [PRK 1998-155; E. 3c]).

b. In Anwendung von Art. 62 Abs. 4 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) prüft
die PRK, ob auf eine Kürzung zu verzichten ist, weil die Erkrankung des
Beschwerdeführers auf ein nachgewiesenes Mobbing zurückgeführt werden
kann, wobei als Mobbing negative kommunikative Handlungen zu verstehen
sind, die sich gegen eine Person richten und die sehr oft über einen längeren
Zeitraum hinweg vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und
Opfer kennzeichnen (vgl. Manfred Rehbinder / Alexander Krausz, Psychoterror
am Arbeitsplatz - Mobbing und Bossing und das Arbeitsrecht, in: ArbR 1996,
Bern 1996, S. 19 ff.).

Aus den Akten ergibt sich, dass der Angestellte A der Bauabteilung im Verlaufe
des Jahres 1992 anlässlich einer Informatikschulung den Beschwerdeführer
angewiesen hat, Artikel aus einem Pornokatalog in einer Datenbank zu
erfassen, dass derselbe Angestellte A sich in einem E-Mail vom 30. Mai 1995,
das an seine Mitarbeiterin B hätte gehen sollen, herabsetzend über den
Beschwerdeführer ausgelassen hat, dass darüber der Vorgesetzte C eine
Untersuchung mit Befragungen von A und B durchgeführt hat, dass der
Beschwerdeführer von dieser Untersuchung erst im Mai 1997 Kenntnis
erhalten hat und dass nach dem Stellenantritt des neuen Vorgesetzten
D dieser im Mai 1997 dem Beschwerdeführer ein Schreiben vorgelegt
hat, dessen Inhalt sich auf den Pornokatalog bezog und von dem der
Beschwerdeführer vorher keine Kenntnis hatte. Dies wird vom Zentralbereich
Personal der SBB nicht bestritten. Zudem macht der Beschwerdeführer
geltend, die in der Verfügung vom 17. Februar 1998 angeordnete Entfernung
sämtlicher Akten zur betreffenden Untersuchung und zu verschiedenen
bestrittenen Vorhaltungen sei nicht erfolgt, sodass für interne oder externe
Stellenbewerbungen nach dem 17. Februar 1998 immer noch Hinweise auf
die erwähnten Vorfälle im Personaldossier des Beschwerdeführers vorhanden
gewesen seien. Auch dazu schweigt sich der Zentralbereich Personal der SBB

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in seiner Vernehmlassung aus. Hinzu kommt, dass dem Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 24. Oktober 1997, vom 29. Juli 1998 und vom 12. April 1999
neue Aufgaben zugeteilt wurden.

Diese negativen kommunikativen Handlungen lassen sich in folgende Gruppen
einteilen: Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen (z.B. indem der
Vorgesetzte die Möglichkeit einschränkt, sich zu äussern), Angriffe auf das
soziale Ansehen (z.B. indem hinter dem Rücken des Kollegen schlecht über ihn
gesprochen wird oder indem man ihn lächerlich macht) sowie Angriffe auf die
Qualität der Berufs- und Lebenssituation (z.B. indem jemandem ständig neue
Aufgaben zugeteilt werden). Festzuhalten ist somit, dass im vorliegenden
Fall eine Fülle negativer kommunikativer Handlungen vorliegt, die sich
ausschliesslich gegen die Person des Beschwerdeführers richten, sich über
einen Zeitraum von 1992 bis und mit 1999 hinziehen und in ihrer Summe
Mobbing darstellen (vgl. Rehbinder / Krausz, a.a.O., S. 20 f.). Zur psychischen
Krankheit des Beschwerdeführers, die zwar nicht die Voraussetzungen einer
Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 UVG erfüllt, kommt dieses Mobbing
als «anderer berücksichtigenswerter» Grund im Sinne von Art. 73 Abs. 3
Satz 2 BO 2 hinzu. Bei diesem Stand der Dinge lässt sich eine Lohnkürzung
nicht rechtfertigen. Eine solche erweist sich bereits aus diesem Grund als
unverhältnismässig und unangemessen.

c. (...)

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, der
Beschwerdeentscheid des Zentralbereichs Personal der SBB vom 8. November
2000 aufzuheben und festzustellen, dass der Beschwerdeführer zwischen dem
1. April 2000 und dem 31. Oktober 2000 zu Recht den vollen Lohn bezogen hat.

5. (...)

Informations générales sur la Commission fédérale de recours en matière de
personnel fédéral

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http://www.admin.ch/ch/f/cf/ko/index_130.html
http://www.admin.ch/ch/f/cf/ko/index_130.html

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 65.96 - Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission vom 10. Mai 2001

i.S. X [PRK 2000-056]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

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Band 65
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