# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d9693050-a48e-558f-a080-8ec687e17aae
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-03-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.03.2015 E-5038/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5038-2014_2015-03-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-5038/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  M ä r z  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richter David Wenger,    

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, 

Afghanistan,   

vertreten durch Doris Schweighauser, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl; 

Verfügung des BFM vom 8. August 2014 / N (…). 

 

 

 

E-5038/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein Hazara aus der Provinz Daikundi, stellte am 

1. Juli 2012 im Empfangs- und Verfahrenszentrum B._______ ein Asylge-

such.  

Eine vom BFM am 2. Juli 2013 in Auftrag gegebene radiologische  

Knochenanalyse zur Altersbestimmung ergab, dass der Beschwerdeführer 

wahrscheinlich 19 Jahre alt oder älter sei. 

B.  

Am 13. Juli 2012 fand die Befragung zur Person (BzP) statt, an welcher 

der Beschwerdeführer angab (…) Jahre alt zu sein (Geburtsdatum: […]). 

Bis zum Abschluss der 5. Klasse habe er mit seiner Familie in Afghanistan 

gelebt. Nachdem jedoch sein Vater getötet worden sei, habe seine Mutter 

nicht mehr für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen können, wes-

halb sie mit Hilfe eines Schleppers mit ihm und den jüngeren Brüdern in 

den Iran geflohen seien. Auf der Flucht habe er seine Familie aus den Au-

gen verloren und wisse seither nicht, wo sie sich aufhalten würden. Im Iran 

habe er zunächst während sechs Monaten für den Schlepper und danach 

während zweieinhalb Jahren für einen anderen Mann auf dem Bau arbei-

ten müssen. Schliesslich habe er einen Schlepper gefunden, der ihn via 

die Türkei, Griechenland und Österreich in die Schweiz gebracht habe. 

An der BzP wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zum Er-

gebnis der Knochenanalyse gewährt. Er gab dabei an, er könne keine Iden-

titätspapiere beschaffen, weil er in seinem Heimatstaat niemanden mehr 

habe. In Griechenland habe er sich als volljährig ausgegeben, um nicht im 

Gefängnis zu landen, und bei einer Befragung durch die Polizei in der 

Schweiz habe er irgendein Geburtsdatum aufgeschrieben, da es keinen 

Dolmetscher gegeben habe. Die Vorinstanz informierte den Beschwerde-

führer darüber, dass aufgrund seiner vagen Schilderungen des Reisewe-

ges, seiner vagen Angaben zu den Familienangehörigen und seiner unter-

schiedlichen Altersangaben davon ausgegangen werde, dass er volljährig 

sei, und sein Asylgesuch in diesem Sinn weiter behandelt werde. 

  

E-5038/2014 

Seite 3 

C.  

Die Vorinstanz teilte dem Beschwerdeführer am 10. September 2012 mit, 

ein zuvor eingeleitetes Dublin-Verfahren sei beendet worden und sein Asyl-

verfahren werde deshalb in der Schweiz weitergeführt. 

D.  

Anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen vom 4. August 2014 gab der 

Beschwerdeführer an, als er (…) Jahre alt gewesen sei, sei sein Vater, ein 

Bauer, von den afghanischen Behördenmitgliedern getötet worden, die in 

der Nacht als Taliban aktiv gewesen. In Afghanistan würden ständig Leute 

umgebracht. Nach dem Tod des Vaters habe die Familie sich während un-

gefähr zweier Monate versteckt aufgehalten und sei sodann auf Empfeh-

lung mehrerer Personen aus dem Dorf in den Iran geflohen. Noch auf der 

Flucht habe er seine Mutter sowie seine beiden Brüder aus den Augen ver-

loren, als die Polizei ihre Unterkunft gestürmt habe, und er wisse seither 

nicht, wo sie sich aufhalten würden. Er sei während sechs Monaten beim 

Schlepper in C._______ (Iran) gewesen und danach zu einem Iraner ge-

gangen, wo er auf dem Bau als Sanitär gearbeitet habe. Er habe sich nicht 

frei bewegen können, weil er jeweils von der Polizei aufgegriffen worden 

sei; aufgrund seines jungen Alters hätten sie ihn jedoch nach kurzer Zeit 

wieder freigelassen. 

Schliesslich hielt die Befragerin fest, sie werde weitere Abklärungen in Be-

zug auf das Alter des Beschwerdeführers vornehmen. 

E.  

Dem Beschwerdeführer wurde mit Schreiben des BFM vom 5. August 2014 

mitgeteilt, dass einem Gesuch seiner Rechtsvertreterin um Änderung sei-

nes Geburtsdatums im Zentralen Migrationssystem ZEMIS auf den (…) 

entsprochen und die gewünschte Änderung zwischenzeitlich vorgenom-

men worden sei. 

F.  

Mit Verfügung vom 8. August 2014 (eröffnet am 11. August 2014) lehnte 

die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 1. Juli 2012 

ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug 

der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Auf-

nahme aufschob. 

  

E-5038/2014 

Seite 4 

G.  

Mit Mitteilung vom 21. August 2014 informierte das kantonale Migrations-

amt Graubünden die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde über die 

Minderjährigkeit des Beschwerdeführers und die damit einhergehende 

Pflicht, unverzüglich eine der vom ZGB vorgesehen Schutzmassnahmen 

anzuordnen. Dem Schreiben ist zudem die Beiordnung einer Vertrauens-

person für den Beschwerdeführer zu entnehmen. 

H.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

9. September 2014 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde. Er beantragte, die angefochtene Verfügung betreffend das 

Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft sowie die Verweigerung des Asyls 

sei aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm 

Asyl zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs.1 

VwVG und um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. 

I.  

Mit Verfügung vom 16. September 2014 verzichtete der Instruktionsrichter 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verschob den Entscheid 

über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung auf 

einen späteren Zeitpunkt. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Vernehm-

lassung eingeladen. 

J.  

In der Vernehmlassung vom 19. September 2014 hielt die Vorinstanz an 

den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest.  

Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 22. September 

2014 zur Kenntnis gebracht. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

E-5038/2014 

Seite 5 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, 

weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

E-5038/2014 

Seite 6 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, dass die Schilderun-

gen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

nicht standhalten würden. Er habe insbesondere die Umstände im Zusam-

menhang mit dem Tod seines Vaters im Jahr 2009 und den Zeitpunkt, in 

welchem er sein Herkunftsland verlassen habe, unterschiedlich geschil-

dert. Die übrigen Vorbringen würden die schwierigen Lebensumstände als 

afghanischer Flüchtling im Iran betreffen, denen zwar im Rahmen der Prü-

fung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung zu tragen sei, 

die aber in Bezug auf die Asylgewährung nicht relevant seien. Aus diesen 

Gründen erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asylgesuch sei 

abzulehnen. Der Vollzug der Wegweisung in den Herkunftsstaat oder einen 

Drittstaat erweise sich allerdings als unzumutbar, womit er in der Schweiz 

vorläufig aufzunehmen sei. 

4.2 Zur Begründung der Beschwerde führte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen aus, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Angriffe der Tali-

ban als nicht asylrelevant erachtet worden seien. Diese hätten jederzeit 

erneut angreifen können und er und seine Familie wären ihnen nach dem 

Tod des Vaters schutzlos ausgeliefert gewesen. Es sage nichts über den 

Wahrheitsgehalt seiner Schilderungen aus, dass er den Zeitpunkt der Aus-

reise aus dem Herkunftsland nicht genau habe benennen können, zumal 

er in diesem Zeitpunkt noch ein Kind gewesen sei und Zeitangaben für 

Kinder erfahrungsgemäss schwierig seien. Aus demselben Grund habe er 

auch keine genaueren Auskünfte über die Feinde seines Vaters machen 

können. Jedenfalls habe die Vorinstanz bei der Prüfung der Glaubwürdig-

keit die falschen Massstäbe verwendet. So würden nämlich die Gründe 

überwiegen, die für die Wahrheit seiner Vorbringen sprächen. Der Be-

schwerdeführer habe im Iran zunächst seine Familie verloren und sei 

mehrmals von der Polizei inhaftiert und nur wegen seines jungen Alters 

wieder freigelassen worden. Er verfüge somit weder in Afghanistan noch 

im Iran über erreichbare Verwandte, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft 

erfülle und ihm Asyl zu gewähren sei. 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei mit seiner Familie aus 

dem Herkunftsland geflohen, weil der Vater von den dortigen Behörden, 

E-5038/2014 

Seite 7 

die nachts auch Taliban gewesen seien, umgebracht worden sei. Sie wären 

diesen somit schutzlos ausgeliefert gewesen, weshalb sie in den Iran ge-

flohen seien. 

5.2 Das Gericht geht zwar mit den Ausführungen des Beschwerdeführers 

einig, dass sein junges Alter bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner 

Aussagen zu berücksichtigen ist. Dennoch ist objektiv festzustellen, dass 

abgesehen von den zeitlichen Aspekten auch erhebliche Unklarheiten in 

Bezug auf die Umstände des Todes seines Vaters bestehen. So gab der 

Beschwerdeführer anlässlich der BzP an, der Vater habe persönliche 

Feinde gehabt, er wisse aber nicht wer ihn getötet habe (vgl. Akten SEM, 

A9, S. 11). Auf eine spätere Frage gab er schliesslich an, sie hätten mit den 

Dorfbewohnern Probleme gehabt, da sie alle vor etwa zehn, zwölf Jahren 

über Nacht zu Taliban geworden seien und geplündert sowie getötet hätten 

(vgl. Akten SEM, A9, S. 12). Schliesslich gab er an der Anhörung zu den 

Asylgründen an, die afghanischen Behörden, die nachts selber zu Taliban 

werden würden, hätten seinen Vater umgebracht (vgl.  

Akten SEM, A30, F22). Daraus ergeben sich einige Ungereimtheiten in Be-

zug auf die Frage, wer für den Tod des Vaters tatsächlich verantwortlich ist. 

Weiter ist auch nicht nachvollziehbar, dass und wie sich der Beschwerde-

führer und seine Familie nach dem Tod des Vaters während zweier Monate 

im Dorf versteckt aufgehalten haben wollen, zumal die geltend gemachte 

Gefahr gerade vom Dorf respektive deren Bewohnern ausgegangen sei 

(vgl. Akten SEM, A30, F29 und F30). 

5.3 Wie im Folgenden dargelegt wird, fehlt es der geltend gemachten Tö-

tung des Vaters indessen – unabhängig von der Frage der Glaubhaftigkeit 

des Vorbringens, die deshalb gar nicht abschliessend beurteilt werden 

muss – auch an der flüchtlingsrechtlichen Relevanz. 

6.  

6.1 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur 

Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt 

der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit 

verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit 

ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine 

bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen 

konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus 

einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung 

als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch 

E-5038/2014 

Seite 8 

und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 

S. 827 f., BVGE 2010/44 E. 3.4 S. 620 f.).  

Verfolgungsmassnahmen gelten dann als gezielt, wenn sie die betreffende 

Person wegen ihrer Art treffen sollen und damit eine Person nicht lediglich 

den gleichen Risiken und Einschränkungen wie die gesamte Bevölkerung 

ihres Heimatstaates ausgesetzt ist. Ausserdem muss die Verfolgung derart 

ernsthaft und intensiv sein, dass ein menschenwürdiges Leben dadurch 

verunmöglicht wird (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  

S. 521–588, Rz. 11.15 f., in: Ausländerrecht, Band VIII, 2. Aufl., Uebersax/ 

Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Basel 2009). 

6.2 Aus den Aussagen des Beschwerdeführers geht nicht hervor, dass sein 

Vater vor seinem Tod bedroht oder anderweitig gezielt behelligt worden 

wäre (vgl. Akten SEM, A30, F23: "Mein Vater hatte mit niemandem Prob-

leme, aber diejenigen, die Leute umbringen haben kein Erbarmen mit nor-

malen Menschen"). Ausserdem führte er aus, in seinem Dorf seien jeden 

Tag und jede Nacht Leute umgebracht worden (vgl. Akten SEM, A30, F26).  

6.3 Bereits mit Bezug auf den Vater ist also unklar, ob von einer gezielten 

Tötung aus einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründe auszugehen wäre. 

Der Beschwerdeführer macht zudem jedenfalls nicht geltend, er selber o-

der andere Familienmitglieder seien von diesen Tätern gezielt verfolgt wor-

den. Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass er oder andere Angehörige in 

Afghanistan einer konkreten Anschluss- oder Reflexverfolgung ausgesetzt 

gewesen wären. 

6.4 Letztlich interessieren für die Beurteilung des Asylgesuchs aber  

ohnehin weniger die früheren Ereignisse an sich, sondern die Frage, ob 

der Beschwerdeführer deswegen begründete Furcht vor zukünftiger Ver-

folgung hat (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.1). Auf der heutigen Aktengrundlage 

ist nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Afghanistan 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft befürchten 

müsste, wegen der Ereignisse, die im Jahr 2009 abgespielt haben sollen 

– gezielt und aus den im Gesetz genannten Gründen – verfolgt zu werden. 

6.5 Schliesslich ist der Argumentation der Vorinstanz beizupflichten, soweit 

sie die schwierigen Lebensumstände, in der sich die Familie nach dem Tod 

des Vater befunden habe, als nicht flüchtlingsrechtlich relevant qualifiziert 

hat, da diese keine ernsthaften Nachteile im Sinn von Art. 3 Abs. 1 AsylG 

darstellen würden. 

E-5038/2014 

Seite 9 

6.6 Dem Beschwerdeführer gelingt es nach dem Gesagten nicht, die 

Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu ma-

chen. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht die Flüchtlingseigenschaft ver-

neint und das Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Da die Vorinstanz mit der angefochtenen Verfügung infolge Unzumutbar-

keit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme des Beschwer-

deführers anordnete und die Vollzugshindernisse alternativer Natur sind 

(BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748), erübrigen sich Ausführungen zur Frage der 

Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

10.  

Nachdem die Rechtsbegehren in der Beschwerde vom 8. September 2014 

nicht als aussichtslos im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu qualifizieren 

waren und aufgrund der Akten von der prozessualen Bedürftigkeit des min-

derjährigen Beschwerdeführers ausgegangen werden kann, ist das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutzuheissen. Es 

sind demnach keine Kosten zu erheben. 

  

E-5038/2014 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Markus König Martina Stark 

 

 

Versand: