# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93861d8e-7e86-5edb-9a0b-9f0f8598c5b1
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-28
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 28.10.2022 SB220071
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220071_2022-10-28.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 
 

Geschäfts-Nr.: SB220071-O/U/mc-hb 
 

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller, Präsidentin, Ersatzoberrichter 

lic. iur. Vesely und Ersatzoberrichterin lic. iur. Jeker sowie Gerichts-

schreiberin lic. iur. Schwarzenbach-Oswald 

 

Urteil vom 28. Oktober 2022 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigte und Berufungsklägerin 

 

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

sowie 

 

B._____,  
Privatkläger 

 

betreffend einfache Körperverletzung etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 
26. November 2021 (GB210011) 
 

 

- 2 - 

Strafbefehl: 

Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 7. Juni 2021 ist 

diesem Urteil beigeheftet (Urk. D1/14). 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Die Beschuldigte ist schuldig 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbin-
dung mit Art. 16 Abs. 1 StGB sowie 

− der üblen Nachrede im  Sinne von Art. 173 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 

Fr. 80.– bestraft. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen. 

5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 2'700.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'100.–   Gebühr für das Vorverfahren 
 
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der 

Beschuldigten auferlegt. 

 

Berufungsanträge  

 Der Verteidigung der Beschuldigten: 

 (Urk. 58 S. 1) 

 1. Die Beschuldigte sei von den Vorwürfen der einfachen Körperverlet-

zung und der üblen Nachrede freizusprechen. 

- 3 - 

 2. Die Zivilklage des Privatklägers sei auf den Zivilweg zu verweisen. 

 3. Der Beschuldigten seien ihre Aufwendungen für die Verteidigung inkl. 

MWSt vollumfänglich zu ersetzen. 

 4. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

_______________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte 

Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, Schwere Gewaltkri-

minalität, vom 7. Juni 2021, wurde die Beschuldigte wegen einfacher Körperver-

letzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 StGB und übler Nachrede 

i.S.v. Art. 173 StGB mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 80.– bestraft. 

Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben, unter Ansetzung einer Probezeit 

von 2 Jahren. Die Zivilklage wurde auf den Zivilweg verwiesen (Urk. D1/14). 

Mit Eingabe vom 5. Juli 2019 erhob die Beschuldigte dagegen fristgerecht Ein-

sprache (Urk. D1/17, vgl. Urk. D1/15). 

In der Folge führte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung durch, in welcher 

die Beschuldigte zeitweise durch Rechtsanwalt M.A. HSG X2._____ vertreten war 

(Urk. 20). Das Gesuch um Bestellung einer amtlichen Verteidigung in seiner Per-

son vom 8. Oktober 2021 (Urk. 28) wies die Vorinstanz mit Verfügung vom 

29. Oktober 2021 ab (Urk. 33). Mit E-Mail vom 3. November 2021 zeigte RA 

X2._____ der Vorinstanz an, die Beschuldigte nicht mehr zu vertreten (Urk. 35). 

Bei den Akten liegt sodann eine "Generalvollmacht" von Rechtsanwalt lic. iur. 

X3._____ vom 12. Januar 2021 (Urk. 12/8/1), welcher die Beschuldigte jedoch im 

Verfahren nicht vertrat. 

- 4 - 

Mit Eingabe vom 9. Juli 2021 hielt die Staatsanwaltschaft am Strafbefehl vom 

7. Juni 2021 fest und überwies diesen samt Akten an das Bezirksgericht Horgen, 

Einzelgericht in Strafsachen (Vorinstanz). 

Mit Urteil vom 26. November 2021 sprach die Vorinstanz die Beschuldigte der ein-

fachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 StGB 

und der üblen Nachrede i.S.v. Art. 173 StGB schuldig und bestrafte sie mit einer 

Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 80.–. Der Vollzug der Geldstrafe wurde 

aufgeschoben, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. Die Zivilklage des 

Privatklägers verwies die Vorinstanz auf den Zivilweg (Urk. 48 S. 30). Gegen die-

ses Urteil meldete die Beschuldigte mit Eingabe desselben Tages persönlich Be-

rufung an (Urk. 44). Am 17. Februar 2022 folgte durch Rechtsanwalt lic. iur. 

X1._____ die schriftliche Berufungserklärung, mit welcher er gleichzeitig das seit 

7. Februar 2022 bestehende Mandatsverhältnis anzeigte (Urk. 50). 

Mit Präsidialverfügung vom 24. Februar 2022 wurde der Staatsanwaltschaft und 

dem Privatkläger Frist zur Anschlussberufung angesetzt (Urk. 52). Die Staatsan-

waltschaft und der Privatkläger liessen sich innert gesetzter Frist nicht vernehmen 

(vgl. Urk. 53). 

Zur Berufungsverhandlung vom 28. Juni 2022 erschien die Beschuldigte in Be-

gleitung ihres Verteidigers Rechtsanwalt X1._____ (Prot. II S. 3). Nach durchge-

führter Berufungsverhandlung beschloss die Kammer am 7. Juli 2022, über den 

Gesundheitszustand und das Verletzungsbild des Privatklägers vom 5. Dezember 

2020 einen Arztbericht beim behandelnden Arzt des Privatklägers, PD Dr. med. 

C._____, einzuholen (Urk. 62). Das Verfahren wurde im Einverständnis mit der 

Verteidigung schriftlich fortgesetzt (Prot. II S. 21). 

Der Bericht von PD Dr. med. C._____ vom 11. Juli 2022 ging bei der Strafkammer 

am 22. Juli 2022 ein (Urk. 66). Die Verteidigung nahm dazu mit Eingabe vom 23. 

August 2022 Stellung (Urk. 71). 

Der Privatkläger nahm seinerseits mit Eingabe vom 20. September 2022 zur Ein-

gabe der Verteidigung vom 23. August 2022 Stellung und reichte neue Fotos sei-

- 5 - 

ner Handverletzung ein (Urk. 78 und Urk. 79/1-2). Mit Eingabe vom 10. Oktober 

2022 äusserte sich die Verteidigung hierzu erneut (Urk. 82). 

Das Verfahren erweist sich als spruchreif. 

II. Prozessuales 

1. Umfang der Berufung 

Nach Art. 399 Abs. 4 StPO kann die Berufung auf einzelne Urteilspunkte einge-

schränkt werden. Eine isolierte Anfechtung des Schuldpunktes ist indes nicht 

möglich: Bei einem Antrag auf Freispruch gelten für den Fall der Gutheissung au-

tomatisch auch die mit der Tat untrennbar zusammenhängenden Folgepunkte des 

Urteils (z.B. Sanktion, Zivilpunkt, Kostenfolgen) als angefochten, also alle Punkte 

nach Art. 399 Abs. 4 lit. b-g StPO. Bestätigt das Berufungsgericht den Schuld-

punkt, sind die weiteren Urteilspunkte – soweit nicht explizit angefochten – nicht 

zu überprüfen (BGE 147 IV 93 E. 1.5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1320/2020 

vom 12. Januar 2022 E. 2.2, nicht publ. in BGE 148 IV 22; vgl. auch 

SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar [kurz: 

Praxiskommentar StPO], 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 399 N 18; 

HUG/SCHEIDEGGER in: DONATSCH/ LIEBER/SUMMERS/WOHLERS [Hrsg.], Kommentar 

zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO [kurz: SK StPO], 3. Aufl. 2020, N 

19 und 20 zu Art. 399; SPRENGER in: NIGGLI/HEER/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basler 

Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, 

2. Aufl., Basel 2014 [kurz: BSK StPO], Art. 437, N 31 f.). 

Die Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch und den Verweis 

der Zivilklage des Privatklägers auf den Zivilweg, unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen (Urk. 50 S. 2, Ziffern 2-5). Mithin ist das vorinstanzliche Urteil vollum-

fänglich zu überprüfen. 

2. Beweisantrag 

Mit der Berufung stellte die Verteidigung den Beweisantrag, es sei ein ärztlicher 

Bericht bei PD Dr. med. C._____ über die Behandlung des Privatklägers einzuho-

- 6 - 

len. Die vom Privatkläger angefertigten Fotos zum angeblichen Biss der Beschul-

digten könnten zu einem beliebigen Zeitpunkt erstellt oder im Internet herunterge-

laden worden sei. Ob es sich bei den dargestellten Verletzungen tatsächlich um 

die Folgen des der Beschuldigten vorgeworfenen Bisses in den Handrücken des 

Privatklägers handle, sei anhand objektiver Beweismittel zu verifizieren. Ein sol-

ches stelle der beantragte Arztbericht dar (Urk. 50 S. 2 f.). 

Dem Beweisantrag wurde mit Beschluss vom 7. Juli 2022 stattgegeben (Urk. 62). 

Der Bericht von PD Dr. med. C._____ datiert vom 11. Juli 2022 (Urk. 66). 

Nach Eingang des Berichts machte die Verteidigung neu geltend, es bestünden 

zwischen Dr. C._____ und dem Privatkläger "Verflechtungen, welche eine gewis-

se Nähe" nahelegen würden. Dr. C._____ sei Belegarzt und Chefarzt … im Spital 

D._____, das von der E._____ Stiftung betrieben werde. Die E._____ Stiftung 

wiederum sei Mieterin der F._____ AG Liegenschaften, so unter anderem von 

Wohnungen für das "G._____" in H._____. Der Hauptaktionär und Verwaltungs-

ratspräsident der ebenfalls dort ansässigen F._____ AG sei der Privatkläger. Die 

wirtschaftliche Verbindung zwischen dem Familienunternehmen des Privatklägers 

und dem Arbeitgeber des behandelnden Arztes lasse vermuten, dass es kein Zu-

fall gewesen sei, dass der Privatkläger im Notfall des I._____ vom Chefarzt per-

sönlich empfangen und medizinisch versorgt worden sei, denn es sei eher unüb-

lich, dass der Chefarzt noch persönlich derartige Einsätze leiste (Urk. 71 S. 1 f.). 

Der Einwand der Verteidigung verfängt nicht. Selbst wenn die Darstellung der 

Verteidigung zutreffen würde, ist keine besondere Nähe ersichtlich zwischen dem 

Angestellten des Spitals D._____ und dem Aktionär der Gesellschaft, welche an 

die Spitalbetreiberin bzw. die Arbeitgeberin von Dr. C._____ Wohnungen vermie-

tet. Daran ändert nichts, dass Dr. C._____ Chefarzt ist und den Privatkläger ärzt-

lich versorgte. Es liegt vielmehr nahe, dass sich die Behandlung nach der Kran-

kenkassenzusatzversicherung des Privatklägers richtete als nach einer besonde-

ren Nähe zum Privatkläger. Zudem ist der ärztliche Bericht keineswegs auffallend 

zu Gunsten des Privatklägers verfasst. Vielmehr werden die Wahrnehmungen des 

Arztes sachlich und ohne Übertreibungen festgehalten, wobei auch deutlich fest-

gehalten wurde, dass der Privatkläger die Anamnese des Bisses vorstellte (vgl. 

- 7 - 

Urk. 66). Und schliesslich legt die Verteidigung nicht dar, inwiefern der ärztliche 

Bericht unzutreffend sei, sondern stellt vielmehr selbst auf den ärztlichen Bericht 

ab (vgl. Urk. 71 N 7). Auf den Inhalt des Arztberichtes wird im Rahmen der Be-

weiswürdigung zurückzukommen sein. An dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass 

der Bericht ohne weiteres verwertbar ist. 

3. Anklageprinzip 

Dem Arztbericht von Dr. C._____ vom 11. Juli 2022 ist zu entnehmen, dass sich 

der Privatkläger gleichentags um 19.30 Uhr zu ihm begab und sich mit der Anam-

nese vorstellte, dass er am Morgen in den Zeigefinger der rechten Hand gebissen 

worden sei. Der Arzt stellte eine ca. 1 cm grosse oberflächliche Hautabschürfung 

und ca. 3 cm davon eine kleine punktförmige Hautläsion ohne erkennbaren Zahn- 

oder Gebissabdruck fest. Er stellte die Diagnose einer "oberflächlichen Hautläsion 

nach Biss" und führte das Verletzungsbild anamnestisch auf eine Bisswunde zu-

rück (Urk. 66). 

Die Verteidigung stellt wie erwähnt auf den Bericht ab und folgert daraus, es liege 

gemäss den Angaben des Arztes keine "Fleischwunde" vor, wie sie in der Ankla-

geschrift beschrieben werde. Der in der Anklage umschriebene Sachverhalt kön-

ne gestützt auf den Arztbericht daher nicht erstellt werden. Das Anklageprinzip 

verbiete es, seinem Urteil einen anderen als den in der Anklageschrift behaupte-

ten Sachverhalt zugrunde zu legen. Auch wenn der Privatkläger infolge des Bis-

ses der Beschuldigten eine andere als die behauptete Verletzung erlitten habe, 

dürfe eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung nicht erfolgen (Urk. 71 

N 9 ff.). 

Die Anklageschrift bezeichnet gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO möglichst kurz, 

aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung 

von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Nach dem aus Art. 29 

Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 sowie 

Art. 325 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift 

den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat 

die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so 

- 8 - 

präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht 

genügend konkretisiert sind. Die beschuldigte Person muss unter dem Gesichts-

punkt der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen können, wessen sie an-

geklagt ist. Das bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend 

ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter Handlungen er beschul-

digt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Ver-

teidigung richtig vorbereiten kann (Informationsfunktion). Er darf nicht Gefahr lau-

fen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu 

werden (BGE 143 IV 63 E. 2.2). 

Die Einwände der Verteidigung erweisen sich als unbegründet. Der Beschuldigten 

wird im Strafbefehl vorgeworfen, sie habe dem Privatkläger anlässlich eines 

Handgemenges um ihren Fahrzeugschlüssel in die Hand gebissen, wodurch die-

ser eine Fleischwunde an der Hand erlitten habe (Urk. D1/14). Damit ist der Vor-

wurf in tatsächlicher Hinsicht hinreichend umschrieben. Die Beschuldigte weiss, 

was ihr vorgeworfen wird und kann ihre Verteidigungsrechte angemessen ausü-

ben. Selbst wenn die Beschuldigte mit dem Biss statt der vorgeworfenen 

"Fleischwunde" lediglich eine Hautläsion bewirkte, wie die Verteidigung geltend 

macht (Urk. 71 N 11), führt dies nicht dazu, dass eine Verurteilung wegen der ge-

ringeren Schädigung dem Anklageprinzip zuwiderlaufen würde. Massgeblich 

bleibt, dass die Verletzung auf dieselbe Handlung der Beschuldigten zurückzufüh-

ren ist, welche ihr in der Anklage vorgeworfen wird und welche sie beabsichtigt 

bzw. in Kauf genommen haben soll. 

Zusammenfassend liegt eine Verletzung des Anklageprinzips nicht vor, wenn 

nachfolgend auf die ärztlich dokumentierte Verletzung abgestellt wird. 

III. Sachverhalt 

1. Vorbemerkung 

Zum besseren Verständnis sei auf die Beziehung der Beschuldigten zum Privat-

kläger näher eingegangen: Die Beschuldigte führte mit dem Privatkläger nach ei-

genen Angaben ein Jahr lang eine Beziehung, aus welcher das Kind J._____ 

- 9 - 

(geb. tt. mm. 2014) hervorging. Die Beziehung ging noch im gleichen Jahr ausei-

nander und die Parteien sind heute zutiefst zerstritten (Urk. D1/2/1). Am 9. Sep-

tember 2020 regelte das Regionalgericht Landquart unter anderem die Betreuung 

des Kindes (Urk. D1/1/1), wobei die Kindesübergabe offenbar mehrfach Anlass zu 

Konflikten bot. Es erfolgten gegenseitige Strafanzeigen, unter anderem betreffend 

Gewalttaten und Entziehen von Minderjährigen, Hausfriedensbruch und Nötigung 

sowie Schreiben an die KESB (vgl. Urk. 28, Urk. 29/1, Urk. D 3/1). 

2. Anklagevorwürfe 

Der Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, sie habe den Privatkläger 

am 5. Dezember 2020 um 10.39 Uhr in der Sammelgarage an ihrem Wohnort in 

die Hand gebissen, wodurch dieser eine Fleischwunde an der Hand erlitten habe. 

Der Privatkläger habe ihr kurz zuvor ihren Fahrzeugschlüssel entwendet und mit 

ihrem Biss habe sich die Beschuldigte gegen die erfolgte Entwendung ihrer Fahr-

zeugschlüssel gewehrt, wobei die Abwehr nicht mehr im Verhältnis zum vom Pri-

vatkläger ausgehenden Angriff gegen ihr Eigentum gestanden habe. Die Be-

schuldigte habe sich damit der einfachen Körperverletzung in Notwehrexzess 

i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 StGB schuldig gemacht 

(Urk. D1/14 S. 3). 

Weiter wird der Beschuldigten vorgeworfen, am 14. Januar 2021 ein Schreiben an 

die KESB Horgen gesandt zu haben, in welchem sie ausführte, der Privatkläger 

könne aufgrund des Asperger Syndroms keine Vaterrolle einnehmen. Das 

Schreiben sei am 15. Januar 2021 bei der KESB Horgen eingetroffen und erfülle 

den Tatbestand der üblen Nachrede i.S.v. Art. 173 StGB (Urk. D1/14 S. 3 f.). 

3. Standpunkt der Beschuldigten 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestritt die Beschuldigte die 

Vorwürfe bzw. verweigerte dazu die Aussage (Prot. I S. 9). In der schriftlichen 

Einsprache hatte die Beschuldigte hingegen noch mehrfach geschildert, dass und 

wie sie den Privatkläger in den Handrücken gebissen habe (Urk. 17 S. 2 f.). An-

- 10 - 

lässlich der Berufungsverhandlung bestätigte die anwaltlich vertretene Beschul-

digte, den Privatkläger gebissen zu haben (Prot. II S. 12 und S. 14). 

4. Verwertbarkeit der Beweismittel 

4.1. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung machte die Beschuldigte 

geltend, es fehlten "jegliche verwertbaren Beweise", dass sie den Privatkläger in 

die Hand gebissen habe. Es liege kein Arztbericht vor und es würden insofern 

Unklarheiten in Bezug auf das tatsächliche Ausmass der geltend gemachten Ver-

letzungen sowie in Bezug auf den Zeitpunkt der Verletzung bestehen (Urk. 40 S. 

2). Diesen Standpunkt hatte RA X2._____ in der Untersuchung vertreten, weil die 

Beschuldigte in ihrer polizeilichen Einvernahme zunächst ohne anwaltliche Bera-

tung angegeben habe, den Privatkläger verletzt zu haben. Er hatte weiter moniert, 

dass die Einvernahme ohne Vorhalt und ohne Belehrung zum Schweigerecht er-

folgt sei (Urk. 28 S. 2 f.). 

Die Strafbehörden können die beschuldigte Person (Art. 111 Abs. 1 StPO) auf al-

len Stufen des Strafverfahrens zu den ihr vorgeworfenen Straftaten einvernehmen 

(Art. 157 Abs. 1 StPO). Sie geben ihr dabei Gelegenheit, sich zu diesen Straftaten 

umfassend zu äussern bzw. zu Sachverhalten, die ihr und allfälligen Mitbeschul-

digten (mutmasslichen Mittätern und Teilnehmern an derselben untersuchten 

Straftat) zur Last gelegt werden (Art. 157 Abs. 2 StPO; s.a. Art. 178 lit. d-f StPO). 

Die beschuldigte Person muss sich nicht selbst belasten. Sie hat namentlich das 

Recht, die Aussage und ihre Mitwirkung im Strafverfahren zu verweigern. Sie 

muss sich aber den gesetzlich vorgesehenen Zwangsmassnahmen unterziehen 

(Art. 113 Abs. 1 StPO). 

Gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO weisen Polizei oder Staatsanwaltschaft die be-

schuldigte Person zu Beginn der ersten Einvernahme in einer ihr verständlichen 

Sprache darauf hin, dass gegen sie ein Vorverfahren eingeleitet worden ist und 

welche Straftaten Gegenstand des Verfahrens bilden (lit. a), dass sie die Aussage 

und die Mitwirkung verweigern kann (lit. b), sowie dass sie berechtigt ist, eine Ver-

teidigung zu bestellen und gegebenenfalls eine amtliche Verteidigung zu beantra-

gen (lit. c). Gemäss Art. 143 Abs. 1 lit. c StPO sind alle einzuvernehmenden Per-

- 11 - 

sonen "umfassend" über ihre Rechte und Pflichten zu belehren. Einvernahmen 

ohne ausreichende Hinweise auf das Aussageverweigerungsrecht der beschul-

digten Person sind nicht verwertbar (Art. 158 Abs. 2 StPO). 

Weder als Beschuldigte noch als Zeugen, sondern als Auskunftspersonen werden 

Personen einvernommen, die zwar voraussichtlich sachdienliche Aussagen zu ei-

ner untersuchten Straftat machen können, bei denen aber nach Art. 178 

StPO eine der folgenden Voraussetzungen vorliegt: Als Auskunftsperson ist ins-

besondere zu befragen, wer, ohne selber beschuldigt zu sein, als Täterin, Täter, 

Teilnehmerin oder Teilnehmer der abzuklärenden Straftat oder einer anderen da-

mit zusammenhängenden Straftat nicht ausgeschlossen werden kann (lit. d), wer 

als mitbeschuldigte Person zu einer ihr nicht selber zur Last gelegten Straftat zu 

befragen ist (lit. e), oder wer in einem andern Verfahren wegen einer Tat, die mit 

der abzuklärenden Straftat in Zusammenhang steht, beschuldigt ist (lit. f). 

Die Auskunftspersonen nach Art. 178 lit. b-g StPO sind nicht zur Aussage ver-

pflichtet; für sie gelten sinngemäss die Bestimmungen über die Einvernahme der 

beschuldigten Person (Art. 180 Abs. 1 StPO). Die Strafbehörden machen die 

Auskunftspersonen zu Beginn der Einvernahme auf ihre Aussagepflicht oder ihre 

Aussage- oder Zeugnisverweigerungsrechte aufmerksam (Art. 181 Abs. 1 StPO). 

Die Beschuldigte wurde am 15. Dezember 2020 polizeilich als Auskunftsperson 

befragt, nachdem sie sich am 8. Dezember 2020 beim Polizeiposten gemeldet 

hatte, um gegen den Geschädigten Anzeige zu erstatten (Urk. D1/2/1). Dem Poli-

zeirapport lässt sich entnehmen, dass sie zufolge ihrer Stellung als Erstanzeige-

erstatterin als Auskunftsperson befragt wurde. Als sie sich bezüglich des Bisses in 

den Handrücken selbst belastete, ist auf eine erneute Einvernahme als Beschul-

digte verzichtet worden. Statt dessen wurde ihr telefonisch eröffnet, dass sie in 

dieser Angelegenheit als Beschuldigte fungiere (Urk. D1/1/1 S. 2). Dies ergibt sich 

auch aus dem Beginn der Einvernahme, wo der Beschuldigten eröffnet wird, sie 

werde "im Strafverfahren gegen B._____ betreffend Nötigung etc." als Auskunfts-

person befragt (Urk. D1/2/1 F/A 1) und sie sei Opfer (F/A 2). 

- 12 - 

Der Privatkläger wurde erst am 7. Januar 2021 polizeilich (als Beschuldigter im 

gegen ihn geführten Strafverfahren wegen Nötigung) befragt (Urk. D1/3/1). Erst 

anlässlich dieser Einvernahme erstattete er Anzeige wegen des Bisses (F/A 21). 

Mit anderen Worten ging die Polizei im Zeitpunkt der Einvernahme davon aus, die 

Beschuldigte sei primär Geschädigte bzw. Anzeigeerstatterin. Sie stellte sinnge-

mäss einen Strafantrag, wodurch sie sich als Privatklägerin konstituierte (vgl. 

Art. 118 Abs. 2 StPO), weshalb sie zu Recht als Auskunftsperson i.S.v. Art. 178 

lit. a StPO befragt wurde. Eine Anzeige bzw. ein Strafantrag des Geschädigten 

lag nicht vor, obwohl der Vorfall 10 Tage zurücklag. Mangels einer gegen sie lau-

fenden Strafuntersuchung wurde sie zu Recht nicht als beschuldigte Person be-

fragt bzw. auf die entsprechenden Rechte aufmerksam gemacht. Daran ändert 

das Geständnis der Beschuldigten nichts, konnte die Polizei gegen sie gleichwohl 

mangels Vorliegen eines Strafantrages nicht ermitteln bzw. ihr die Beschuldigten-

stellung gar nicht einräumen. 

Der befragende Polizeibeamte machte die Beschuldigte gleich zu Beginn der Ein-

vernahme vom 15. Dezember 2020 darauf aufmerksam, dass sie nicht zur Aus-

sage verpflichtet sei. Die Beschuldigte antwortete, sie habe dies verstanden 

(Urk. D1/2/1 F/A 1). Mit anderen Worten wurde die Beschuldigte auf ihr Aussage-

verweigerungsrecht aufmerksam gemacht. Der Beschuldigten wurde sodann 

gleich vor Ort gezeigt, dass ihre Antworten zu Protokoll genommen würden, in-

dem die Einvernahme vor ihr geschrieben wurde. 

Die Aussagen der Beschuldigten anlässlich der polizeilichen Einvernahme sind 

verwertbar. Sie konnte nicht als beschuldigte Person befragt werden, denn sie be-

lastete sich erst im Laufe der Einvernahme selbst. Mangels eines Strafantrags la-

gen selbst dann die Voraussetzungen für eine Eröffnung einer Untersuchung ge-

gen sie noch nicht vor. Entsprechend musste auch die Einvernahme nicht abge-

brochen und sie als beschuldigte Person befragt werden. 

Sodann ist darauf hinzuweisen, dass das Geständnis bei der Polizei nicht das 

ausschlaggebende Beweismittel ist. Es könnte für die Sachverhaltserstellung 

auch unbeachtet bleiben, denn die Beschuldigte erklärte in ihrer schriftlichen Ein-

- 13 - 

sprache gegen den Strafbefehl vom 4. Juli 2021 erneut, den Beschuldigten gebis-

sen zu haben (Urk. 17 S. 2). Bei diesem Dokument handelt es sich um kein von 

der Untersuchungsbehörde i.S.v. Art. 139 StPO erhobenes Beweismittel, sondern 

um eine Parteibehauptung der Beschuldigten, welche sie freiwillig und unter-

schrieben zu den Akten reichte. Als solche unterliegt sie der freien richterlichen 

Beweiswürdigung. Entgegen der Ansicht der Verteidigung untersteht sie keinem 

Verwertungsverbot. Einen Hinweis auf ihr Aussageverweigerungsrecht musste die 

Beschuldigte auf ihrer eigenen, von ihr verfassten, Eingabe nicht anbringen. Ei-

nerseits kannte die Beschuldigte ihre Rechte bereits aus früheren Einvernahmen, 

beispielsweise aus der polizeilichen Einvernahme vom 25. Februar 2021 (Urk. 

D2/3) und andererseits handelt es sich nicht um eine Einvernahme bzw. Beweis-

erhebung, bei welcher die Untersuchungsbehörde die Beschuldigte noch einmal 

auf ihre Rechte hätte aufmerksam machen müssen. 

Selbst wenn das Geständnis anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 

15. Dezember 2020 unverwertbar wäre, wovon vorliegend nicht ausgegangen 

wird, wäre das Geständnis in ihrer Einsprache vom 4. Juli 2021 verwertbar. 

Sodann sind die Aussagen der Beschuldigten zum Schreiben an die KESB ver-

wertbar. Die Beschuldigte wurde am 25. Februar 2021 polizeilich befragt und als 

erstes darauf hingewiesen, dass gegen sie ein Strafverfahren eingeleitet worden 

sei und sie das Recht habe, Aussagen und Mitwirkung zu verweigern. Die Be-

schuldigte bestätigte, dies verstanden zu haben (Urk. D2/3 F/A 1). 

Zusammenfassend sind die Einvernahmen der Beschuldigten verwertbar. 

4.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Verteidiger geltend, die 

Aussagen des Privatklägers, welche dieser in Abwesenheit der Beschuldigten 

gemacht habe, seien nicht verwertbar. Dies betreffe insbesondere das Protokoll 

seiner polizeilichen Befragung vom 7. Januar 2021, weil der Beschuldigten dabei 

kein Teilnahmerecht gewährt worden sei (Urk. 58 S. 2 f.). 

Am 7. Januar 2021 wurde der Privatkläger als Beschuldigter in der Strafuntersu-

chung, welche gegen ihn (und nicht gegen die Beschuldigte) geführt wurde, durch 

- 14 - 

die Polizei (erstmals) befragt (Urk. D1/3/1). Die Beschuldigte, welche im Strafver-

fahren gegen den Privatkläger Anzeigeerstatterin und Geschädigte war, hatte kein 

Teilnahmerecht daran, handelte es sich bei der Einvernahme doch um eine selb-

ständige Ermittlung im polizeilichen Ermittlungsverfahren im Sinne von Art. 306 

Abs. 2 lit. b StPO (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1320/2020 vom 12. Januar 

2022 E. 4.2.1). Schliesslich wurde auch das Recht auf Konfrontation und damit 

die Möglichkeit auf das Stellen von Ergänzungsfragen durch die Konfrontations-

einvernahme vom 17. Mai 2021 (Urk. D1/2/2), welche lege artis durchgeführt wur-

de, eingehalten. Die Beschuldigte hatte anlässlich der Konfrontationseinvernahme 

die Gelegenheit, die sie belastenden Aussagen des Privatklägers in Zweifel zu 

ziehen und Fragen an den Privatkläger zu stellen. Dass sie davon nicht Gebrauch 

gemacht hat, macht die Konfrontationseinvernahme nicht unverwertbar. 

Zusammenfassend sind die Aussagen des Privatklägers verwertbar. 

5. Beweiswürdigungsregeln 

Zu den allgemeinen Beweiswürdigungsregeln ist auf die zutreffenden Erwägun-

gen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 48 S. 5). Erneut ist festzuhalten, dass das 

Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen 

Überzeugung würdigt (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen unüberwindliche Zweifel an 

der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht 

das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus 

(Art. 10 Abs. 3 StPO). 

Im Bereich rechtfertigender Tatsachen müssen die Behauptungen einer beschul-

digten Person trotz fehlender Beweislast plausibel sein, d.h. es muss ihnen eine 

gewisse Überzeugungskraft zukommen. Zumindest bedarf eine entlastende Be-

hauptung gewisser Anhaltspunkte, sei es in Form konkreter Indizien oder einer 

natürlichen Vermutung für die Wahrheit einer Darstellung, damit sie als Entlas-

tungstatsache dem Urteil zugrunde gelegt wird. Ein strikter Beweis kann nicht ver-

langt werden, die Behauptung muss aber glaubhaft sein. Wenn die belastenden 

Beweise nach einer Erklärung rufen, welche die beschuldigte Person eigentlich 

geben können müsste, dies jedoch nicht tut, darf der Schluss gezogen werden, es 

- 15 - 

gebe keine mögliche Erklärung. Nichts anderes kann gelten, wenn die beschuldig-

te Person zwar eine Erklärung gibt, diese aber unglaubhaft oder gar widerlegt ist. 

Der Grundsatz "in dubio pro reo" zwingt somit nicht dazu, jede entlastende Anga-

be der beschuldigten Person, für deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit kein spezifi-

scher Beweis vorhanden ist, als unwiderlegt zu betrachten. Nicht jede aus der Luft 

gegriffene Schutzbehauptung braucht durch einen hieb- und stichfesten Beweis 

widerlegt zu werden. Nach der Rechtsprechung ist es mit der Unschuldsvermu-

tung unter gewissen Umständen vereinbar, das Aussageverhalten der beschuldig-

ten Person in die Beweiswürdigung miteinzubeziehen. Dies ist der Fall, wenn sich 

die beschuldigte Person weigert, zu ihrer Entlastung erforderliche Angaben zu 

machen, bzw. wenn sie es unterlässt, entlastende Behauptungen näher zu sub-

stantiieren, obschon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweiselemente 

vernünftigerweise erwartet werden darf (Urteile des Bundesgerichts 

6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.4.4, nicht publ. in: BGE 147 IV 176; 

6B_299/2020 vom 13. November 2020 E. 2.3.3; 6B_1/2013 vom 4. Juli 2013 E. 

1.5; 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4; 6B_453/2011 vom 20. Dezember 

2011 E. 1.6, nicht publ. in BGE 138 IV 47). 

6. Vorwurf des Bisses in die Hand 

Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt in objektiver Hinsicht als erstellt. Vorab 

kann auf diese zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 

82 Abs. 4 StPO; Urk. 48 S. 10 f.). Die nachfolgenden Erwägungen erfolgen im 

Sinne von Ergänzungen beziehungsweise Verdeutlichungen. 

Der Privatkläger erschien an jenem Samstag, um sein Besuchsrecht betreffend 

die gemeinsame Tochter J._____ auszuüben, wobei zwischen den Parteien un-

klar war, welche Zeit vereinbart worden war (vgl. Urk. D1/3/1 S. 2 f., Urk. D1/6/1, 

Prot. II S. 11 und S. 19 f.). 

Die Beschuldigte schilderte bei der Polizei, sie sei überrascht gewesen, als der 

Privatkläger vor ihrer Wohnungstüre gestanden sei. Als sie die Wohnungstüre ha-

be schliessen wollen, habe er seinen Fuss dazwischen gehalten (Urk. D1/2/1 F/A 

5), worauf er in ihre Wohnung gekommen sei, sie an den Handgelenken festge-

- 16 - 

halten habe und dann wieder nach draussen gegangen sei (a.a.O. F/A 6). Die 

Beschuldigte habe Angst bekommen, weil er unberechenbar sei und immer die 

Grenzen überschreite. Sie habe dann eine ihr nahestehenden Person angerufen, 

welche ihr gesagt habe, sie solle in der Wohnung bleiben. Aber sie habe solche 

Angst gehabt und habe unbedingt vorbei kommen wollen, woraufhin "diese Per-

son" dazu eingewilligt habe (a.a.O. F/A 8). Sie sei dann zur Tiefgarage gegangen 

und habe rausfahren wollen, worauf ihr die Ausfahrt mit Mülltonnen versperrt wor-

den sei. Sie sei dann zurück gefahren. Dann habe sie gesehen, dass jemand an-

ders rausgefahren sei. Sie habe hinter dieser Person rausfahren wollen, aber der 

Begleiter habe sich ihr in den Weg gestellt. Sie habe wieder zurückgesetzt und 

habe die Wand touchiert. Weil sie nicht gewusst habe, was sie touchiert habe, sei 

sie ausgestiegen und die Rampe nach oben gelaufen. Währendem sei der Privat-

kläger nach unten gelaufen und habe ihre gemeinsame Tochter aus dem Auto ge-

rissen. Zudem habe er den Autoschlüssel, an welchem auch ihr Geschäftsschlüs-

sel und ihr Wohnungsschlüssel dran gewesen sei, aus dem Zündschloss abgezo-

gen und an sich genommen (a.a.O. F/A 9). J._____, ihre Tochter, habe geschrien 

und habe nicht mit ihm mitgewollt. Sie sei dann immer noch im Auto gewesen. Er 

habe den Schüsselbund der Beschuldigten gehabt. Diese habe ihm seine Hände 

öffnen und den Schlüsselbund wegnehmen wollen. Sie habe aber seine Hände 

mit ihrem Schlüsselbund drin nicht öffnen können. Er habe sie mit einer Hand 

währenddessen an ihrer Schulter gehalten. Dann habe sie ihn auf den Handrü-

cken gebissen. Aber er habe immer noch nicht losgelassen. Sein Begleiter habe 

immer gerufen, das habe dann gewirkt. Erst dann habe er die Hand geöffnet und 

sie habe den Schlüssel wieder nehmen können. "Ich nahm dann den Schlüssel 

und J._____ und ging zurück in die Wohnung." (a.a.O. F/A 10). 

Gestützt auf die Zugaben der Beschuldigten bei der Polizei (Urk. D1/2/1 F/A 10), 

welche sich mit ihren schriftlichen Ausführungen der Einsprache decken (Urk. 17), 

ist erstellt, dass die Beschuldigte dem Privatkläger in den Handrücken biss. Die 

Verletzung ist fotografisch dokumentiert (Urk. D1/6/1 S. 3 f.). Der Privatkläger 

selbst schilderte bei der Polizei in Bezug auf den Biss denselben Sachverhalt, 

nämlich dass er den Schlüssel aus dem Zündschloss zog, um diese am Wegfah-

ren zu hindern, worauf die Beschuldigte ihn gebissen habe (Urk. D1/3/1 F/A 7). 

- 17 - 

Gemäss ärztlichem Zeugnis erlitt der Beschuldigte eine ca. 1 cm grosse ober-

flächliche Hautläsion und ca. 3 cm davon eine kleine punktförmige Hautläsion 

(Urk. 66). 

Aufgrund der fotografischen Verletzungen, der ärztlichen Untersuchung dessel-

ben Tages, den Schilderungen des Privatklägers und der Beschuldigten ergibt 

sich ein klares Beweisbild, welches den Anklagevorwurf erstellt. 

7. Vorwurf des Schreibens an die KESB 

Bei den Akten liegt ein Schreiben vom 14. Januar 2021, welches an die KESB 

Horgen adressiert ist und als Absenderin den Namen und die Adresse der Be-

schuldigten aufführt. Auf der zweiten Seite des Schreibens steht: "Wie Ihnen be-

kannt ist, kann Herr B._____ aufgrund des Asberger Syndrom keine Vaterrolle 

einnehmen." (Urk. D3/6/4). 

Die Beschuldigte wurde in der polizeilichen Einvernahme vom 25. Februar 2021 

darauf hingewiesen, der Privatkläger habe Strafanzeige wegen Ehrverletzung 

aufgrund ihrer Eingabe vom 14. Januar 2021 an die KESB erstattet, worauf die 

Beschuldigte antwortete: "Ja. Meint er das Asperger Syndrom?" (Urk. D3/3 F/A 

21). Auf Vorhalt des Schreibens erklärte sie: "Ja, das habe ich so eingegeben." 

(Urk. D3/3 F/A 23, ebenso F/A 24). 

Der Sachverhalt ist daher in objektiver Hinsicht erstellt. 

8. Fazit 

Die Anklagevorwürfe sind in objektiver Hinsicht jeweils erstellt. 

Was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen 

und ist damit zwar eine Tatfrage. Da sich diese inneren Tatsachen bei ungestän-

digen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststellbare Indizien und Er-

fahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den äusseren Umständen 

auf die innere Einstellung des Täters erlauben (BGE 141 IV 369 E. 6.3 mit Hin-

weisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_797/2020 vom 31. Januar 2022 E. 4.3.5), 

und die Beurteilung, ob im Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vor-

- 18 - 

satz bzw. Eventualvorsatz begründet ist, eine Rechtsfrage darstellt, ist das Beste-

hen eines Vorsatzes bzw. Eventualvorsatzes nachfolgend im Rahmen der rechtli-

chen Würdigung zu beurteilen (BGE 147 IV 439 E. 7.3.1; 137 IV 1 E. 4.2.3; 135 IV 

152 E. 2.3.2). 

IV. Rechtliche Würdigung 

1. Einfache Körperverletzung 

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zur einfachen Körperverletzung 

i.S.v. Art. 123 StGB sowie die theoretischen Grundlagen zum Vorsatz, zur Not-

wehr und zum Notwehrexzess unter Hinweis auf Lehre und Rechtsprechung sorg-

fältig erörtert und grundsätzlich zutreffend gewürdigt (Urk. 48 S. 11 ff.). Auf diese 

Erwägungen kann zwecks der Vermeidung von Wiederholungen vorab verwiesen 

werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Der objektive Tatbestand einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 StGB ist ohne Weiteres erfüllt, wovon auch die Verteidigung ausgeht, wenn 

man den Anklagesachverhalt als erstellt erachtet (vgl. Urk. 58 S. 5 Rz. 23). Die 

Beschuldigte nahm durch den Biss zumindest in Kauf, den Privatkläger zu verlet-

zen, denn der Eintritt einer einfachen Körperverletzung war so wahrscheinlich, 

dass davon auszugehen ist, dass die Bereitschaft der Beschuldigten, eine solche 

als Folge ihrer Handlungen hinzunehmen, vorlag. Damit ist – entgegen der Auf-

fassung der Verteidigung (Urk. 58 S. 5 f.) – auch der subjektive Tatbestand erfüllt. 

Zu Prüfen bleibt das Vorliegen von Rechtfertigungsgründen, insbesondere der 

Notwehr. 

Wer ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht wird, ist 

gemäss Art. 15 StGB berechtigt, den Angriff in einer den Umständen angemesse-

nen Weise abzuwehren. Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, 

so mildert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB). Werden die Grenzen der 

Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff über-

schritten, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 StGB). Ein Fall von Putati-

vnotwehr ist gegeben, wenn der Täter einem Sachverhaltsirrtum unterliegt, indem 

- 19 - 

er irrtümlich annimmt, es sei ein rechtswidriger Angriff im Sinne von Art. 15 StGB 

gegenwärtig oder unmittelbar bevorstehend (BGE 129 IV 6 E. 3.2; Urteil 

6B_810/2011 vom 30. August 2012 E. 4; je mit Hinweisen). Handelt der Täter in 

einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so beurteilt das Gericht die Tat 

zugunsten des Täters nach dem Sachverhalt, den er sich vorgestellt hat (Art. 13 

StGB). Die blosse Vorstellung von der Möglichkeit eines Angriffs genügt nicht für 

die Annahme einer Putativnotwehrsituation (BGE 147 IV 193 E. 1.4.5; BGE 93 IV 

81 E. b; vgl. BGE 147 IV 193 E. 1.4.5; Urteile des Bundesgerichts 6B_569/2018 

vom 20. März 2019 E. 3.5.4; 6B_676/2016 vom 16. Februar 2017 E. 2; je mit 

Hinweisen). Der vermeintlich Angegriffene muss vielmehr Umstände glaubhaft 

machen, die bei ihm den Glauben erwecken konnten, er befinde sich in einer 

Notwehrlage. Demgegenüber ist in einer Putativnotwehrsituation kein eigentlicher 

Nachweis solcher Umständen durch den vermeintlich Angegriffenen zu verlangen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1454/2020 vom 7. April 2022 E. 2.3; PETER ALB-

RECHT, Strafprozessuale Dimensionen im Notwehrrecht, ZStrR 138/2020, S. 17 

und 20; ESTHER TOPHINKE, in: Basler Kommentar, Strafprozessrecht, 2. Aufl. 2014, 

N. 21 zu Art. 10 StPO; vgl. auch WOLFGANG WOHLERS, in: Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 3. Aufl. 2020, N. 7 zu Art. 10 StPO; 

SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. 

Aufl. 2018, N. 2a zu Art. 10; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen 

Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, Rz. 220; ROGER GRONER, Beweisrecht, Beweise 

und Beweisverfahren im Zivil- und Strafrecht, Bern 2011, S. 165). 

Sind die Grenzen der zulässigen Notwehr auch in der vom Täter vorgestellten Si-

tuation überschritten, folgt die Beurteilung sinngemäss den Regeln des Verbotsirr-

tums nach Art. 21 StGB, da sich der Sachverhaltsirrtum des Täters nicht auf seine 

exzessive Abwehrhandlung bezieht. Entsprechend muss ein solcher Irrtum un-

vermeidbar i.S.v. Art. 21 StGB sein, damit eine Strafbefreiung nach Art. 16 Abs. 2 

StGB überhaupt anwendbar sein kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1454/2020 

vom 7. April 2022 E. 2.3; vgl. NIGGLI/MAEDER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 

4. Aufl. 2019, N. 18 zu Art. 13; WOHLERS/PFLAUM, Todesgefährliche Notwehr, in: 

Festschrift für Andreas Donatsch, 2017, S. 300 f.; GÜNTER STRATENWERTH, 

Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil 1: Die Straftat, 4. Aufl. 2011, § 10 N. 

- 20 - 

114 in fine; GÜNTER HEINE und Andere, Tatbestands- und Verbotsirrtum, ZStrR 

129/2011 S. 117 ff., S. 125 f.). 

Vorliegend lag kein Angriff gegen die Beschuldigte vor. Die Beschuldigte wollte 

mit der Tochter fliehen, wobei sie nach eigenen Angaben nicht rational denken 

konnte (Prot. II S. 12 ff.). Sie hatte die Tochter im Auto nicht in den Kindersitz ge-

setzt (Prot. II S. 12), sondern auf den Vordersitz (Prot. II S. 13 und S. 18) und 

verursachte eine Streifkollision mit der Wand (Prot. II S. 12). Es ist unter diesen 

Umständen nachvollziehbar, dass sich der Privatkläger um die Sicherheit seiner 

Tochter sorgte. Wenn ihr der Privatkläger unter diesen Umständen die Fahrzeug-

schlüssel wegnahm – wobei er ihr diese nicht etwa aus den Händen riss, sondern 

vom Zündschloss wegnahm (Prot. II S. 12) – um sie am Wegfahren und damit am 

weiteren Gefährden der gemeinsamen Tochter zu hindern, lag darin kein un-

rechtmässiger Angriff auf die Beschuldigte. 

Dies war jedoch der Beschuldigten im damaligen Zeitpunkt nicht bewusst. Sie sah 

sich durch die Wegnahme der Schlüssel als unrechtmässig angegriffen und 

wähnte sich in ihrer Vorstellung in einer Notwehrlage. Sie befand sich über den 

Angriff im Irrtum, weshalb Putativnotwehr vorlag. 

Nach der Rechtsprechung muss die Abwehr in einer Notwehrsituation nach der 

Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Bei dieser Frage sind 

zwei Faktoren von Relevanz, nämlich die Subsidiarität (Erforderlichkeit) und die 

Verhältnismässigkeit i.e.S., weshalb die betroffenen Rechtsgüter nicht in einem 

krassen Missverhältnis zueinander stehen dürfen. Eine Rolle spielen vor allem die 

Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und die Abwehr bedrohten Rechtsgü-

ter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche Verwendung. Die Ange-

messenheit der Abwehr ist aufgrund jener Situation zu beurteilen, in der sich der 

rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befand. Es dürfen nicht nach-

träglich allzu subtile Überlegungen darüber angestellt werden, ob der Angegriffe-

ne sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger einschneidenden Massnahmen 

hätte begnügen können und sollen. Im Fall von Putativnotwehr ist jene Situation 

massgeblich, von welcher der vermeintlich Angegriffene irrtümlich ausging. Be-

sondere Zurückhaltung ist bei der Verwendung von gefährlichen Werkzeugen zur 

- 21 - 

Abwehr (Messer, Schusswaffen etc.) geboten, da deren Einsatz stets die Gefahr 

schwerer oder gar tödlicher Verletzungen mit sich bringt. Auch ist eine Abwägung 

der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter unerlässlich. Ein Notwehrexzess ist 

gemäss Art. 16 Abs. 2 StGB entschuldbar, wenn die Aufregung oder die Bestür-

zung des Täters allein oder zumindest vorwiegend auf den rechtswidrigen Angriff 

zurückzuführen ist. Überdies müssen Art und Umstände des Angriffs derart sein, 

dass sie die Aufregung oder die Bestürzung entschuldbar erscheinen lassen. 

Nicht jede geringfügige Erregung oder Bestürzung führt zu Straflosigkeit. Erforder-

lich ist, dass es dem Täter aufgrund der Aufregung oder Bestürzung über den An-

griff nicht möglich war, besonnen und verantwortlich zu reagieren. Bei der Beurtei-

lung der Entschuldbarkeit des Notwehrexzesses wird ein umso höherer Grad ent-

schuldbarer Aufregung oder Bestürzung verlangt, je mehr die Reaktion des Täters 

den Angreifer verletzt oder gefährdet (Urteile des Bundesgerichts 6B_1454/2020 

vom 7. April 2022 E. 3.3; 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017 E. 2.2.1 f.; BGE 

136 IV 49 E. 3.1 f.; BGE 102 IV 1 E. 3b; BSK StGB I-NIGGLI/GÖHLICH, Art. 15 N 

29 und Art. 16 N 4). 

Die zugefügte Verletzung ist als einfache Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 

StGB zu werten. Daran ändert nichts, dass keine "Fleischwunde" vorliegt, wie im 

Strafbefehl beschrieben, sondern dass die hiesige Kammer dem ärztlichen Be-

richt folgt und von einer ca. 1 cm grossen oberflächlichen Hautabschürfung und 

ca. 3 cm davon von einer kleinen punktförmigen Hautläsion ausgeht. Auch diese 

erfüllt den Tatbestand der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 71 S. 3) liegt kein leichter Fall 

i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB vor. Auf den Fotos (Urk. 79/1 und 79/2) ist er-

sichtlich, dass die Verletzung eine kleine Narbe hinterliess, welche zwar nicht ent-

stellend aber auch nicht ganz unauffällig ist. Jedenfalls wird der Privatkläger zeit-

lebens an den Vorfall erinnert werden, wenn er seine rechte Hand betrachtet oder 

sie Dritten zeigt. Ausserdem ist bei der Beantwortung der Frage, ob ein leichter 

Fall einer Körperverletzung vorliegt, auf die gesamten objektiven und subjektiven 

Umstände der Tat, nicht bloss auf die objektiven Verletzungsfolgen abzustellen 

(BGE 127 IV 59 E. 2 a/bb; Urteil des Bundesgerichts 6B_966/2018 vom 10. Janu-

ar 2019 E. 3). Dass die Verletzung keine blosse Bagatelle war, zeigt sich auch am 

- 22 - 

Umstand, dass der Privatkläger sich deswegen in ärztliche Behandlung begab 

und befürchten musste, durch den Biss mit einer Krankheit infiziert worden zu 

sein. Gemäss dem ärztlichen Bericht konnte er keine Auskunft geben über den 

Hepatitisstatus der Beschuldigten (Urk. 66). In Würdigung der gesamten Umstän-

de liegt kein bloss leichter Fall einer einfachen Körperverletzung vor. 

Aufgrund der gesamten Situation ist davon auszugehen, dass sich die Beschul-

digte in keiner Bedrängnis befand, als sie zubiss. Der Privatkläger wollte nach ei-

genen Aussagen das Besuchsrecht betreffend die gemeinsame Tochter J._____ 

ausüben bzw. durchsetzen. Die Beschuldigte wollte dies verhindern und mit der 

Tochter fliehen. Dabei konnte sie nach eigenen Angaben nicht klar denken und 

setzte die Tochter im Auto nicht in den Kindersitz, sondern auf den Vordersitz. 

Aus der nachfolgenden Kollision mit der Wand wird ersichtlich, wie sehr die Be-

schuldigte in Panik war. Sie gefährdete mit ihrem Verhalten (Abfahrt in aufge-

brachtem Zustand) die Tochter, was der Privatkläger zunächst durch das Verstel-

len der Ausfahrt mit Mülltonnen und hernach mit der Wegnahme der Autoschlüs-

sel zu verhindern versuchte. Die Privatklägerin befand sich mithin nicht in einer 

Notwehrsituation, ging aber irrtümlicherweise davon aus. Gleichwohl sind jedoch 

keine Umstände zu erkennen, welche es der Beschuldigten selbst in der von ihr 

irrtümlich angenommenen Situation eines Angriffs durch den Privatkläger verun-

möglicht hätten, trotz dieser Aufregung und Bestürzung ihre Abwehr auf ein ver-

hältnismässiges Mass zu beschränken und sich dem Angriff ohne Biss zu wider-

setzen. Der Privatkläger hat weder die Beschuldigte noch das gemeinsame Kind 

tätlich angegriffen, sondern ihr lediglich die Wegfahrt verunmöglicht. Die Behaup-

tung der Beschuldigten, sie habe gleichwohl den Eindruck eines unmittelbar be-

vorstehenden körperlichen Angriffs gehabt (Urk. 17 S. 2), überzeugt nicht. 

Zudem wies die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass die Beschuldigte den Pri-

vatkläger unmittelbar und ohne zu Zögern in die Hand biss (Urk. 48 S. 15). Dies 

ergibt sich auch aus den eigenen Ausführungen der Beschuldigte in ihrer Ein-

sprache vom 4. Juli 2021 (Urk. 17). Das unmittelbare Zufügen einer einfachen 

Körperverletzung durch einen Handbiss aufgrund der Entwendung eines Fahr-

zeugschlüssels – ohne zuvor auch nur die Rückgabe des Schlüssels verbal ge-

- 23 - 

fordert zu haben – ist unangemessen. Wenn die Beschuldigte erstmals anlässlich 

der Berufungsverhandlung geltend macht, sie habe den Privatkläger "mehrmals" 

aufgefordert, die Schlüssel zurückzugeben (Prot. II S. 12), erscheint dies un-

glaubhaft und nach Kenntnis der entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz 

nachgeschoben. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie in Panik war, wie sie 

dies mehrfach schilderte, und dabei nicht mit dem Privatkläger über die Rückgabe 

der Schlüssel sprach. 

Aus all diesen Gründen ist die Angemessenheit ihrer Abwehrhandlung auch unter 

Berücksichtigung des Sachverhalts, den sich die Beschuldigte irrtümlich vorge-

stellt hat, zu verneinen und wurde das Notwehrrecht überschritten. Sodann kann 

das unvermittelte Zubeissen nicht mit der Bejahung einer entschuldbaren Aufre-

gung oder Bestürzung zur Straflosigkeit i.S. von Art. 16 Ab. 2 StGB führen. Der 

Zustand der Beschuldigten hatte nicht die für die Entschuldbarkeit im Sinne von 

Art. 16 Abs. 2 StGB erforderliche Intensität erreicht. Der auf sie verübte vermeint-

liche Angriff bestand in der Wegnahme von Schlüsseln und ihre Reaktion war 

vom Willen getragen, dieses Eigentum zurück zu erlangen. Ihre physische Integri-

tät war nicht bedroht, und der Biss erfolgte auch nicht zu einer Flucht, zumal sie 

sich ja gerade auf ihren angeblichen Angreifer stürzte. 

Zusammenfassend erscheint es unverhältnismässig, den vermeintlichen Angreifer 

in dieser Situation als unmittelbare Reaktion auf das Wegnehmen von Schlüsseln 

zu beissen und ihn körperlich zu verletzen. Der Irrtum der Beschuldigten über die 

Zulässigkeit der Abwehrhandlung war ausserdem vermeidbar i.S. v. Art. 21 StGB, 

denn es waren auch weitere Personen anwesend wie die Zeugin Fieseler, welche 

sie hätte um Hilfe bitten können, und die Polizei war bereits unterwegs zum Ort 

des Geschehens. Ein Strafbefreiungsgrund liegt demnach nicht vor. Es liegt ein 

Putativ-notwehrexzess vor, der im Rahmen der Strafzumessung als Strafmilde-

rungsgrund zu berücksichtigen ist. 

Die Beschuldigte ist daher der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 

StGB schuldig zu sprechen. 

- 24 - 

2. Schreiben an die KESB 

Auch in diesem Punkt hat die Vorinstanz die rechtlichen Grundlagen zur üblen 

Nachrede i.S.v. Art. 173 StGB unter Hinweis auf Lehre und Rechtsprechung sorg-

fältig erörtert und grundsätzlich zutreffend gewürdigt (Urk. 48 S. 17 ff.). Auf diese 

Erwägungen kann zwecks der Vermeidung von Wiederholungen verwiesen wer-

den (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen verstehen sich als 

Hervorhebungen: 

Die Beschuldigte schrieb am 5. Januar 2021 der KESB, sie beantrage ein beglei-

tetes Besuchsrecht und ein "psychologisches Gutachten, Abklärung". Zur Be-

gründung führte sie unter anderem aus, dass der KESB bekannt sei, dass der 

Privatkläger am Asperger Syndrom leide und daher "keine Vaterrolle" überneh-

men könne (Urk. D3/6/4).  

Die Äusserung, jemand sei psychisch krank, rührt gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung an sich nicht an die Ehre, weil sie kein moralisches Werturteil 

gegenüber dem für seine abnormen Reaktionen nicht Verantwortlichen enthält. 

Der Ehrverletzung macht sich indessen schuldig, wer psychiatrische Fachausdrü-

cke nach laienhaftem Sprachgebrauch dazu missbraucht, jemanden als charak-

terlich minderwertig hinzustellen und dadurch in seiner persönlichen Ehre herab-

zuwürdigen (BGE 96 IV 55, BGE 93 IV 21). 

Beim Asperger Syndrom handelt es sich um eine Autismus-Spektrum-Störung, 

bei welchem Betroffene sich schwer tun, mit anderen Menschen zu interagieren, 

sich in sie hineinzufühlen und Empathie zu zeigen. Dies bedeutet jedoch nicht, 

dass Betroffene ganz grundsätzlich keine Vaterrolle ausüben könnten. 

Die Beschuldigte benutzte den Ausdruck im Brief jedoch offenkundig, um den Be-

schuldigten als charakterlich minderwertig darzustellen und ihm die Fähigkeit als 

Vater abzusprechen. Dies ergibt sich auch aus dem übrigen Schreiben, in wel-

chem die Beschuldigte ausführte, der Privatkläger sei impulsiv, "Mal nett dann fol-

gen wieder böse SMS. […] Instabiles psychisches Verhalten." "Emotional nicht 

verfügbar" "Verfolgt nur ein Ziel mich zu diskreditieren." (Urk. D3/6/4 S. 2). Die 

Äusserung betreffend das Asperger Syndrom und die Unfähigkeit, die Vaterrolle 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2022&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F96-IV-54%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page55
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2022&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F93-IV-20%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page21

- 25 - 

einzunehmen, erfolgte damit nicht fachlich, sondern laienhaft, um den Privatkläger 

zu verunglimpfen. Damit wurde der Privatkläger in seiner persönlichen Ehre her-

abgewürdigt, zumal die Beschuldigte nicht geltend macht, der Privatkläger leide 

tatsächlich am Asperger Syndrom. 

Soweit die Beschuldigte in der Einvernahme vom 25. Februar 2021 und anlässlich 

der Berufungsverhandlung geltend machte, der Privatkläger habe ihr selbst ge-

sagt, dass er am Asperger Syndrom leide und sie habe auch darüber gelesen 

(Urk. D2/3 F/A 22 und Prot. II S. 14 f.), erscheint dies unglaubhaft. Auf Antrag der 

Beschuldigten und des Privatklägers wurde von der KESB ein Abklärungsbericht 

durch das Regionale Beratungszentrum K._____ in Auftrag gegeben. Im Rahmen 

der Abklärung einigte sich die Beschuldigte und der Privatkläger auf das gemein-

same Sorgerecht und die KESB verfügte am 16. Dezember 2014 die Regelung 

der Besuche durch den Privatkläger. Die von der Beschuldigten dagegen erhobe-

ne Beschwerde wurde mit Entscheid der Verwaltungsrekurskommission des Kan-

tons St. Gallen vom 15. Februar 2016 weiter geregelt, wobei dem Privatkläger 

weiterhin ein Besuchsrecht eingeräumt wurde (in Urk. D1/5/2). Sodann führte die 

Beschuldigte anlässlich der Verhandlung vor der Verwaltungsrekurskommission 

Kanton St. Gallen am 15. Februar 2016 selbst aus, dass sie den Eindruck habe, 

dass es J._____ gut gehe, wenn sie bei ihrem Vater sei (Urk. 17 Anhang S. 2) 

und der Privatkläger solle J._____ jeden Sonntag zu sich auf Besuch nehmen 

(a.a.O. S. 4). Unter diesen Umständen erscheint es nachgeschoben, dass die Be-

schuldigte im Zeitpunkt des Schreibens von einer echten Krankheit des Privatklä-

gers ausgegangen sein will, welche ihm die Vaterrolle verunmögliche. So machte 

der Privatkläger auch während des Verfahrens gestützt auf die Einvernahmepro-

tokolle nie den Eindruck, er könne sich nicht ausdrücken oder es falle ihm schwer, 

mit anderen Menschen zu interagieren. 

Die Beschuldigte wusste weiter, dass der Ausdruck ehrenrührig ist. Dies ergibt 

sich aus ihrem Aussageverhalten. Sie wurde bei der Polizei auf das Schreiben 

angesprochen und dass deswegen Strafanzeige wegen Ehrverletzung erstattet 

wurde, worauf sie selbst spontan antwortete: "Meint er das Asperger-Syndrom?" 

(Urk. D2/3 F/A 21). Die Beschuldigte wusste mithin selbst, dass es sich um eine 

- 26 - 

ehrenrührige Aussage handelte. Ein legitimes Motiv für den Ausdruck ist nicht er-

sichtlich. Soweit die Beschuldigte geltend macht, sie habe eine psychiatrische 

Abklärung des Privatklägers beantragt (Prot. II S. 16), übersieht sie, dass sie der 

KESB schrieb, dieser sei das Asperger Syndrom des Privatklägers und die 

dadurch fehlende Möglichkeit, die Vaterrolle einzunehmen, bekannt. Durch die 

behauptete Kenntnis der Behörde wäre diese gar nicht abzuklären gewesen. Es 

handelte sich nicht um einen Antrag, sondern um eine Feststellung. 

Zusammenfassend ist die von der Beschuldigten aufgestellte Behauptung, der 

Privatkläger habe bekanntlich das Asperger-Syndrom und könne deshalb keine 

Vaterrolle einnehmen, ehrverletzend. Der von ihr behauptete Gutglaubensbeweis, 

wonach ihr der Privatkläger von seiner angeblichen Asperger-Erkrankung berich-

tet habe, erscheint nachgeschoben und ist als unglaubhaft zu werten. Dafür be-

stehen keine Hinweise, zumal die Beschuldigte dies in den Verfahren vor der 

KESB nicht behauptete. Folglich ist davon auszugehen, dass die Beschuldigte 

das ehrverletzende Schreiben bewusst und gewollt ehrverletzend an die KESB 

sandte. Ein Tatsachenbeweis oder Gutglaubensbeweis gelingt ihr nicht. Es liegen 

sodann – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 58 S. 12 f.) – keine 

Rechtfertigungsgründe vor. Folglich ist die Beschuldigte der üblen Nachrede i.S.v. 

Art. 173 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

V. Strafzumessung 

1. Allgemeines 

Das anwendbare Recht, die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumes-

sung sowie der massgebliche Strafrahmen wurden im vorinstanzlichen Urteil un-

ter Hinweis auf Rechtsprechung und Lehre zutreffend und umfassend wiederge-

geben (Urk. 48 S. 23 ff.), worauf zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen ver-

wiesen werden kann. 

2. Einsatzstrafe: Einfache Körperverletzung 

Zur objektiven Tatschwere ist zu bemerken, dass die Tat im Rahmen eines seit 

Jahren andauernden Konflikts zwischen der Beschuldigten und dem Privatkläger 

- 27 - 

erfolgte. Die Ereignisse jenen Tages eskalierten, wobei sowohl der Privatkläger 

als auch die Beschuldigte das Ihre dazu beitrugen: Der Privatkläger erschien an 

jenem Samstag, um sein Besuchsrecht betreffend die gemeinsame Tochter 

J._____ auszuüben, wobei zwischen den Parteien unklar war, welche Zeit verein-

bart worden war (vgl. Urk. D1/3/1 S. 2 f., Urk. D1/6/1, Prot. II S. 11 und S. 19 f.). 

Die Beschuldigte verliess mit J._____ später die an sich sichere Wohnung, um 

vor dem Privatkläger zu fliehen, wobei sie nicht rational denken konnte und die 

minderjährige Tochter auf den Vordersitz des Wagens statt in den Kindersitz setz-

te. Der Privatkläger versuchte zunächst mit Müllcontainern und später mit der 

Wegnahme der Schlüssel die Wegfahrt zu verhindern. Weder der Beschuldigten 

noch der gemeinsamen Tochter drohte jedoch in diesem Moment vom Privatklä-

ger ausgehende Gewalt. Vielmehr wollte dieser die Tochter schützen, weil die 

Beschuldigte in ihrer Panik den Eindruck erweckte, nicht fahrfähig zu sein. Die 

sich in diesem Zeitpunkt bereits entfernende bzw. auf der Rampe befindliche Be-

schuldigte kehrte jedoch wieder um, um dem Privatkläger die Schlüssel gewalt-

sam abzunehmen. Ihre Reaktion war nur teilweise verständlich, hätte sie doch 

auch den Privatkläger verbal auffordern können, ihr die Schlüssel zurückzugeben 

oder um Hilfe rufen können. Statt dessen versuchte sie ihm nach eigenen Anga-

ben wortlos, die Hand aufzureissen und biss ihn in die Hand, als ihr dies nicht ge-

lang. Das objektive Tatverschulden ist unter Berücksichtigung der zugefügten 

Verletzung, welche nicht gravierend erscheint und auch keine längere Behand-

lung oder Arbeitsunfähigkeit nach sich zog, innerhalb des Strafrahmens als leicht 

zu werten. 

In subjektiver Hinsicht ist davon auszugehen, dass die Beschuldigte irrtümlich von 

einer unrechtmässigen Wegnahme des Schlüssels ausging. Die Beschuldigte biss 

den Privatkläger ohne Vorwarnung in die Hand, um die Schlüssel wieder zu er-

langen. Ihr Motiv lag einzig in der Zurücknahme der Schlüssel und nicht, wie sie 

vorbringt, in der damit verbundenen Fluchtmöglichkeit, zumal sie nach dem Er-

langen der Schlüssel eben gerade keine Flucht ergriff. Vielmehr war sie zum Pri-

vatkläger zurückgekehrt, um ihm die Schlüssel wegzunehmen, obwohl sie nach 

eigenen Angaben bereits die Rampe der Garage nach oben gelaufen war 

(Urk. D1/2/1 F/A 9). Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass sich die Ereignisse 

- 28 - 

hochschaukelten. Sodann ist der Putativnotwehrexzess zu ihren Gunsten zu be-

rücksichtigen. Ihre Reaktion und die subjektive Tatkomponente sind teilweise 

nachvollziehbar und strafmindernd zu berücksichtigen. Insgesamt erscheint unter 

diesen Gesichtspunkten das Verschulden als sehr leicht. 

Zusammenfassend erscheint eine Einsatzstrafe von 50 Tagessätzen Geldstrafe 

als dem Verschulden der Beschuldigten für die einfache Körperverletzung in Puta-

tiv-notwehrexzess angemessen. 

Angesichts des sehr leichten Verschuldens und in Beachtung des Grundsatzes 

"in dubio pro reo" erweist sich die Geldstrafe als die adäquate Strafart. 

3. Einzelstrafe: Üble Nachrede 

Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass die Beschuldigte der KESB Hor-

gen ein Schreiben sandte, in welchem sie dem Privatkläger ein "bekanntes" As-

perger Syndrom andichtete und dessen Unfähigkeit, eine Vaterrolle zu überneh-

men. Die Äusserung erfolgte gegenüber einer Behörde, welche dem Amtsge-

heimnis untersteht, weshalb davon auszugehen ist, dass die Äusserung keinem 

grösseren Kreis bekannt wurde. Zudem wies die Vorinstanz zu Recht darauf hin, 

dass die KESB vermutlich häufiger rufschädigende Schreiben erhält und die bei 

der Behörde entstandene Wirkung nicht erheblich gewesen sein dürfte (vgl. Urk. 

48 S. 26). Das objektive Tatverschulden ist auch hier gering. Es ist innerhalb des 

Strafrahmens als leicht zu werten. 

In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte vom ehrver-

letzenden Charakter ihrer Äusserung wusste und sie trotzdem der Behörde be-

kannt geben wollte. Das subjektive Tatverschulden führt zu keiner Veränderung 

des objektiven Tatverschuldens. 

Gesamthaft erscheint eine Einzelstrafe von 20 Tagessätzen Geldstrafe dem Ver-

schulden der Beschuldigten angemessen. Zur Strafart sei auf das bereits Gesagte 

verwiesen.  

- 29 - 

4. Asperation 

Rein rechnerisch ergeben die Einsatzstrafe und die Einzelstrafe 70 Tages-sätze 

Geldstrafe. Die Gesamtstrafe ist in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 

StGB) auf 60 Tagessätze Geldstrafe festzulegen. 

5. Täterkomponenten 

Bezüglich der persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten kann auf die Erwä-

gungen der Vorinstanz, die erstinstanzliche Befragung und die übrigen Akten 

verwiesen werden (Urk. 48 S. 27, Prot. I S. 6, Urk. D1/2/3, Urk. D2/3 S. 5 = 

Urk. D3/3 S. 5). Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte sie, weiterhin bei 

der L._____ AG als Direktionsassistentin mit einem Pensum von 60 % zu arbeiten 

und ledig zu sein. Sie verdiene monatlich Fr. 3'707.75 und erhalte Kinderzulagen 

von Fr. 200.– sowie Unterhaltsbeiträge in Höhe von Fr. 1'200.–. Ihre 8-jährige 

Tochter J._____ komme nach den Sommerferien in die 3. Klasse. Ihr Rechtsmittel 

gegen das unbegleitete Besuchsrecht zum Privatkläger sei weiterhin beim Ober-

gericht anhängig (Prot. II S. 6 ff.). 

Aus den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten lassen sich keine strafzu-

messungsrelevanten Faktoren ableiten. Ihre Vorstrafenlosigkeit ist ebenfalls straf-

zumessungsneutral zu werten. 

Das Geständnis der Beschuldigten in objektiver Hinsicht ist entgegen der  

Vorinstanz jedoch grundsätzlich strafmindernd zu werten. Nachdem sie das Ge-

ständnis jedoch widerrief bzw. vor Vorinstanz keine Aussagen mehr machen woll-

te, kann der Beschuldigten damit keine eigentliche Einsicht und Reue zugutege-

halten werden. Gleichwohl erleichterte das Geständnis die Untersuchung etwas, 

weshalb es in leichtem Umfang strafmindernd zu berücksichtigen ist. 

Weitere Straferhöhungs- oder -minderungsgründe sind nicht ersichtlich. 

Gesamthaft ergibt sich damit aus der Täterkomponente eine Strafminderung um 

10 Tagessätze. Demzufolge erweist sich eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen als 

angemessen. 

- 30 - 

6. Tagessatzhöhe 

Zur Bestimmung der Tagessatzhöhe ist festzuhalten, dass die Beschuldigte über 

ein Einkommen von Fr. 3'707.– verfügt (Prot. II S. 5 ff.). Hinzu kommen der drei-

zehnte Monatslohn, Unterhaltsbeiträge in Höhe von Fr. 1'200.– sowie Kinderzula-

gen in Höhe von Fr. 200.–. Der Mietzins beträgt Fr. 1'551.– und die Krankenkas-

senprämien Fr. 236.85.–. Gemäss Datenerfassungsblatt habe sie weder Vermö-

gen noch Schulden (vgl. Urk. 54). Die von der Vorinstanz festgesetzte Tagessatz-

höhe von Fr. 80.– (Urk. 48 S. 28) erscheint den aktuellen finanziellen Verhältnis-

sen der Beschuldigten weiterhin angemessen. 

7. Fazit 

Zusammenfassend erscheint eine Strafe von 50 Tagessätzen Geldstrafe zu 

Fr. 80.– dem Verschulden der Beschuldigten angemessen. 

VI. Vollzug 

Unter Verweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (vgl. Urk. 48 

S. 28 ff.) und unter Hinweis auf das Verbot der reformatio in peius (Art. 391 Abs. 2 

StPO) ist der nicht vorbestraften Beschuldigten der bedingte Vollzug zu gewäh-

ren, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. 

VII. Zivilklage 

Die Vorinstanz verwies die Zivilklage des Privatklägers auf den Weg des ordentli-

chen Zivilprozesses, was vom Privatkläger nicht angefochten wurde. Die Be-

schuldigte stellt einen identischen Antrag (Urk. 58 S. 1 und S. 13). Entsprechend 

ist die Zivilklage des Privatklägers auf den Zivilweg zu verweisen. 

VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz 

selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der Vor-

instanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). 

- 31 - 

Die Beschuldigte beantragt mit der Berufung im Hauptpunkt, von den Vorwürfen 

freigesprochen zu werden. Ausgangsgemäss unterliegt sie, weshalb das erstin-

stanzliche Kostendispositiv (Ziff. 5 und 6) zu bestätigen ist und ihr die Kosten des 

Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind. 

Die Entschädigungsfrage folgt dem Entscheid über die Kostenauflage. Entspre-

chend ist der erbeten verteidigten Beschuldigten keine Prozessentschädigung zu-

zusprechen. 

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB und 

− der üblen Nachrede i.S.v. Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 

Fr. 80.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen. 

5. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 5 und 6) wird bestätigt. 

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'800.–. 

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt. 

8. Der Beschuldigten wird keine Prozessentschädigung zugesprochen. 

9. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 
− den Privatkläger 

- 32 - 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 
− den Privatkläger 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A. 

10. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 28. Oktober 2022 
 
 

Die Präsidentin: 
 
 
 

Oberrichterin lic. iur. Wasser Keller 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. Schwarzenbach-Oswald 
 

 
 

	Urteil vom 28. Oktober 2022
	Strafbefehl:
	Urteil der Vorinstanz:
	1. Die Beschuldigte ist schuldig
	 der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB sowie
	 der üblen Nachrede im  Sinne von Art. 173 StGB.

	2. Die Beschuldigte wird mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je Fr. 80.– bestraft.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen.
	5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
	Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
	6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.
	Berufungsanträge
	_______________________________
	Erwägungen:
	I.  Prozessgeschichte
	II.  Prozessuales

	1. Umfang der Berufung
	2. Beweisantrag
	3. Anklageprinzip
	III.  Sachverhalt

	1. Vorbemerkung
	2. Anklagevorwürfe
	3. Standpunkt der Beschuldigten
	4. Verwertbarkeit der Beweismittel
	5. Beweiswürdigungsregeln
	6. Vorwurf des Bisses in die Hand
	7. Vorwurf des Schreibens an die KESB
	8. Fazit
	IV.  Rechtliche Würdigung

	1. Einfache Körperverletzung
	2. Schreiben an die KESB
	V.  Strafzumessung

	1. Allgemeines
	2. Einsatzstrafe: Einfache Körperverletzung
	3. Einzelstrafe: Üble Nachrede
	4. Asperation
	5. Täterkomponenten
	6. Tagessatzhöhe
	7. Fazit
	VI.  Vollzug
	VII.  Zivilklage
	VIII.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

	Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig
	 der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB und
	 der üblen Nachrede i.S.v. Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 80.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen.
	5. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 5 und 6) wird bestätigt.
	6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'800.–.
	7. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.
	8. Der Beschuldigten wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
	9. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
	 den Privatkläger
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
	 den Privatkläger
	 die Vorinstanz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

	10. Rechtsmittel:
	Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.