# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 70fbd186-7d40-5536-8cd4-0854b0b6ccca
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.08.2010 C-4503/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-4503-2008_2010-08-06.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-4503/2008/mes/wam
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Stefan Mesmer (Vorsitz), 
Richter Alberto Meuli, 
Richterin Madeleine Hirsig, 
Gerichtsschreiber Marc Wälti.

X._______, 
c/o Y._______,
vertreten durch Z._______, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Schweizerische Ausgleichskasse SAK,
avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 
1211 Genf 2,
Vorinstanz.

AHV, Einspracheentscheid vom 9. Juni 2008.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-4503/2008

Das Bundesverwaltungsgericht hat den Akten entnommen,

dass sich  die  am  _______ 1953 geborene,  in  ihrer  Heimat  Bosnien 
und Herzegowina wohnhafte  X._______  (im Folgenden: Beschwerde-
führerin) am 11. Oktober 2006 beim heimatlichen Sozialversicherungs-
träger  zum  Bezug  einer  Hinterlassenenrente  der  schweizerischen 
Alters-  und  Hinterlassenenversicherung  (AHV)  angemeldet  hat  (vgl. 
act. 23 bis 26), 

dass  sie  zur  Begründung  ihres  Leistungsgesuchs  im  Wesentlichen 
ausgeführt  hat,  mit  dem am  _______  2006 verstorbenen  A._______ 
(im  Folgenden: Verstorbener)  vom  _______  1972 bis  zum Zeitpunkt 
seines Ablebens verheiratet gewesen zu sein (vgl. act. 23 bis 26 und 
47 f.),

dass die schweizerische Ausgleichskasse  (im Folgenden: Vorinstanz) 
das  Leistungsgesuch  vom 11. Oktober  2006 mit  Verfügung  vom 28. 
Januar  2008 abgewiesen hat,  im Wesentlichen mit  der  Begründung, 
angesichts  der  Beglaubigung  vom  15.  Mai  1992  der  Ortskanzlei 
B._______ (vgl. act. 54 bis 56) sei davon auszugehen, dass die Ehe 
der Beschwerdeführerin mit  dem Verstorbenen per _______1992 ge-
schieden worden sei (vgl. act. 71 f.), 

dass die Beschwerdeführerin mit Einsprache vom 4. April 2008 sinnge-
mäss  die  Aufhebung  dieser  Verfügung  sowie  die  Zusprache  einer 
Hinterlassenenrente beantragt (vgl. act. 81 bis 83) und die Vorinstanz 
diese Einsprache mit Entscheid vom 9. Juni 2008 abgewiesen hat (vgl. 
act. 96 f.), 

dass  die  Beschwerdeführerin  den  Einspracheentscheid  vom 9.  Juni 
2008  mit  Beschwerde  vom 27.  Juni  2008  beim  Bundesverwaltungs-
gericht angefochten und sinngemäss beantragt hat, in Aufhebung des 
Entscheides sei ihr eine Hinterlassenenrente zuzusprechen,

dass sie zur Begründung dieser Anträge  im Wesentlichen  ausgeführt 
hat,  bei der Beglaubigung der Ortskanzlei  B._______ handle es sich 
um ein gefälschtes Dokument, angesichts der Auszüge vom 26. März 
und  27.  Juni  2008  aus  dem  Heiratsregister  von  Bosnien  und 
Herzegowina (im Folgenden: Heiratsregister; vgl. act. 76 f. und 87 f.) 
und der Bescheinigungen vom 27. März 2008 sowie 16. und 26. Juni 
2008 des Gemeindegerichtes C._______ (vgl. act. 78 f. und 89 bis 91) 

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sei  erstellt,  dass  ihre  Ehe  mit  dem  Verstorbenen  nie  geschieden 
worden sei (vgl. act. 98 bis 99), 

dass die Vorinstanz in ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 23. April  
2008 sinngemäss beantragt hat, die Beschwerde sei abzuweisen und 
der Einspracheentscheid vom 9. Juni 2008 zu bestätigen, 

dass sie zur Begründung dieser Anträge im Wesentlichen ausgeführt 
hat, das regionale Zivilstandsamt D._______ habe – im Vorbereitungs-
verfahren der vom Verstorbenen am 30. Dezember 1994 mit F._______ 
geschlossenen Ehe (vgl. act. 53 bis 56; vgl. auch act. 30 bis 35) – die 
Authentizität der Beglaubigung der Ortskanzlei B._______ anerkannt, 
weshalb  keine  Zweifel  an  der  Richtigkeit  der  Eintragungen  im 
Zivilstandsregister von D._______ bzw. daran bestünden, dass die Ehe 
der Beschwerdeführerin mit  dem Verstorbenen per _______1992 ge-
schieden worden sei, 

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Replik  vom 27.  Oktober  2008  ihre 
Beschwerdeanträge bekräftigt, an ihrer bisherigen Begründung festge-
halten  und  ergänzend  im  Wesentlichen  ausgeführt  hat,  die  nachge-
reichten Auszüge vom 23. Oktober 2008 aus dem Geburts- und Todes-
register  von Bosnien und Herzegowina (im Folgenden: Geburts-  und 
Todesregister)  – wonach sie mit  dem Verstorbenen drei  gemeinsame 
Kinder gehabt habe – sowie der beiliegende Auszug vom 23. Oktober 
2009 aus dem Heiratsregister  belegten,  dass  sie Anspruch auf  eine 
Hinterlassenenrente habe, 

dass die Vorinstanz in ihrer Duplik vom 16. Dezember 2008 keine An-
träge gestellt und sinngemäss ausgeführt hat, angesichts der Auszüge 
aus  dem Geburts-  und  Todesregister  erfülle  die  Beschwerdeführerin 
die  Voraussetzungen  für  eine  Hinterlassenenrente  der  AHV,  indes 
bestünden  hinsichtlich  ihres  Zivilstandes  am  ________  2006  keine 
Zweifel an der Richtigkeit der Eintragungen im Zivilstandsregister von 
D._______.

Das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass laut Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG,  SR 173.32)  in  Verbindung  mit  Art. 85bis Abs. 1  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember  1946  über  die  Alters-  und  Hinterlas-
senenversicherung (AHVG, SR 831.10) das Bundesverwaltungsgericht 

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zuständig  ist  zur  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Einsprache-
entscheide der Vorinstanz (vgl. Art. 33 Bst. d VGG), sofern  – wie vor-
liegend – keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG gegeben ist,

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  den  angefochtenen  Einsprache-
entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Auf-
hebung oder Änderung hat, so dass sie im Sinne von Art. 59 des Bun-
desgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des So-
zialversicherungsrechts  (ATSG,  SR  830.1)  beschwerdelegitimiert  ist 
und auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde eingetre-
ten werden kann (vgl. Art. 60 Abs. 1 ATSG und Art. 52 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren 
[VwVG, SR 172.021]),

dass  unter  den  Parteien einzig  umstritten  und im Folgenden nur  zu 
prüfen  ist,  ob  die  Beschwerdeführerin  Anspruch  auf  eine  Hinterlas-
senenrente hat (vgl. hierzu: Art. 49 VwVG sowie BGE 131 V 164 E. 2.1, 
BGE 125 V 413 E. 1 bis E. 2c sowie BGE 122 V 34 E. 2a, jeweils mit  
Hinweisen),  wobei  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht  an  die 
Begründung der Begehren der Parteien gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 
4  VwVG;  FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern 
1983, S. 212), 

dass die Frage nach dem Bestehen eines Anspruchs auf eine Hinter -
lassenenrente der AHV laut dem vorliegend anwendbaren Abkommen 
vom 8. Juni  1962 zwischen der  Schweizerischen Eidgenossenschaft 
und  der  Föderativen  Volksrepublik  Jugoslawien  über  Sozialversiche-
rung (im Folgenden: Abkommen, SR 0.831.109.818.1) ausschliesslich 
nach schweizerischem Recht zu beantworten ist (vgl. die Art. 1 und 2 
des Abkommens; vgl. auch BGE 126 V 198 E. 2b sowie das Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  C-6925/2007  vom  18.  September  2009 
E. 3.1, je mit Hinweisen), 

dass der Verstorbene in den Jahren 1995 bis 2006 obligatorisch bei 
der  AHV versichert  gewesen  ist  (vgl.  Art.  1a  Abs. 1  AHVG)  und  in 
dieser Zeit Beiträge entrichtet hat (vgl. act. 57 bis 70),

dass eine Frau, welche – wie die Beschwerdeführerin – ihren Wohnsitz 
in Bosnien und Herzegowina hat und deren bei der AHV obligatorisch 
versichert  gewesener  Ehegatte  gestorben  ist,  Anspruch  auf  eine 
Witwenrente  hat,  sofern  sie  im Zeitpunkt  der  Verwitwung Kinder  hat 
(vgl. Art. 23 Abs. 1 und 3 AHVG sowie Art. 3 des Abkommens),

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dass  eine  geschiedene  Frau  einer  verwitweten  insbesondere  dann 
gleichgestellt ist, wenn sie eines oder mehrere Kinder hat und die ge-
schiedene Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat (vgl. Art. 24a Abs. 
1 Bst. a und Abs. 2 AHVG; vgl. auch Bst. c der Schlussbestimmungen 
der Änderung des AHVG vom 7. Oktober 1994),

dass unter den Parteien unumstritten und aufgrund der Akten (vgl. act. 
48, 53 bis 56, 76 f. und 87 f.) überwiegend wahrscheinlich erstellt ist 
(vgl. hierzu BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 121 V 204 E. 6b, je mit 
Hinweisen),  dass  die  Beschwerdeführerin  ab  dem  _______  1972 
während mehr als zehn Jahren mit dem Verstorbenen verheiratet ge-
wesen ist,

dass sich zudem aus den im Original  nachgereichten Auszügen aus 
dem  bosnischen  Geburts-  und  Todesregister,  die  den  im  Überein-
kommen vom 8. September 1976 über die Ausstellung mehrsprachiger 
Auszüge aus Zivilstandsregistern (SR 0.211.112.112) statuierten An-
forderungen entsprechen, ergibt und von den Parteien nicht bestritten 
wird, dass die Beschwerdeführerin und der Verstorbene drei gemein-
same  Kinder  haben  – G._______  (geboren  am  _______1974), 
H._______  (geboren  am _______1977  und  verstorben  am _______ 
1997) sowie I._______ (geboren am _______1979),

dass somit  davon auszugehen ist,  dass die Beschwerdeführerin und 
der Verstorbene nicht nur während mindestens zehn Jahren verheiratet 
waren, sondern auch gemeinsame Kinder hatten, 

dass die Beschwerdeführerin daher gemäss Art. 24a Abs. 1 Bst. a und 
Abs. 2 AHVG Anspruch auf eine Hinterlassenenrente der AHV hat,

dass damit die Frage nach ihrem Zivilstand am _______ 2006 für die 
Beurteilung  der  Anspruchsberechtigung  nicht  relevant  und  somit  im 
vorliegenden Verfahren auch nicht abzuklären ist,

dass demnach die Beschwerde gutzuheissen, der angefochtene Ein-
spracheentscheid  aufzuheben  und  festzustellen  ist,  dass  die  Be-
schwerdeführerin Anspruch auf eine Hinterlassenenrente der AHV hat,

dass zudem die Akten zur Festsetzung der Hinterlassenenrente sowie 
zum  anschliessenden  Erlass  einer  entsprechenden  Verfügung  der 
Vorinstanz zu überweisen sind (vgl. Art. 8 Abs. 1 VwVG),

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dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind (Art. 85bis Abs. 2 AHVG),

dass der obsiegenden Beschwerdeführerin eine von der Vorinstanz zu 
entrichtende Parteientschädigung zuzusprechen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 
und 2 VwVG), 

dass  die  Parteientschädigung  gemäss  Art.  14  Abs.  1  und  2  des 
Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädi-
gungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) 
mangels Kostennote aufgrund der Akten zu bestimmen ist,

dass  sich  das  zu  entschädigende  Honorar  nach  dem  notwendigen 
Zeitaufwand des nicht anwaltlichen Rechtsvertreters der Beschwerde-
führerin bestimmt (Art. 10 VGKE),

dass unter Berücksichtigung dieser Bestimmungen und der Akten vor-
liegend  das  zu  entschädigende  Honorar  des  Rechtsvertreters  (ein-
schliesslich  Auslagen)  auf  Fr. 500.-  festzusetzen  ist  (Art.  64  VwVG 
i.V.m.  Art.  9  und  Art.  10  VGKE),  wobei  keine  Mehrwertsteuer  ge-
schuldet und damit auch nicht zu entschädigen ist (vgl. Art. 1 Abs. 2 
i.V.m. Art.  8  des  Bundesgesetzes vom 2. September  1999  über  die 
Mehrwertsteuer [MWSTG; SR 641.20]).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Einspracheentscheid vom 
9. Juni 2008 wird aufgehoben.

2.
Es wird festgestellt,  dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine 
Hinterlassenenrente der AHV hat.

3.  
Die Akten  gehen  zur  Festsetzung  der  Hinterlassenenrente  und  an-
schliessendem Erlass einer Verfügung an die Vorinstanz.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

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5.
Der  Beschwerdeführerin  wird  für  das  Beschwerdeverfahren  eine 
Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 500.- zugesprochen, die von 
der Vorinstanz zu leisten ist.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. _______)
- das Bundesamt für Sozialversicherungen

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Stefan Mesmer Marc Wälti

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in 
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. 
und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 
173.110]). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit  
Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der 
angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  die 
beschwerdeführende  Partei  in  Händen  hat,  beizulegen  (vgl.  Art.  42 
BGG).

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