# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 701e0f6f-ab0d-5577-8499-fe6e87e442d6
**Source:** Freiburg/Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-29
**Language:** de
**Title:** Freiburg Kantonsgericht Zivilappellationshöfe 29.11.2023 101 2023 409
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/FR_Gerichte/FR_TC_001_101-2023-409_2023-11-29.pdf

## Full Text

Tribunal cantonal TC
Kantonsgericht KG

Augustinergasse 3, Postfach 630, 1701 Freiburg

T +41 26 304 15 00

www.fr.ch/tc

—
Pouvoir Judiciaire PJ
Gerichtsbehörden GB

101 2023 409
101 2023 411
101 2023 412

Urteil vom 29. November 2023

I. Zivilappellationshof

Besetzung Präsident: Jérôme Delabays
Richter: Sandra Wohlhauser, Laurent Schneuwly
Gerichtsschreiberin-
Berichterstatterin: Silvia Gerber

Parteien A.________, Klägerin und Berufungsklägerin, vertreten durch 
Rechtsanwalt Christian Jungen

gegen

B.________, Beklagter und Berufungsbeklagter, vertreten durch 
Rechtsanwalt Ingo Schafer

Gegenstand Ehescheidung (nachehelicher Unterhalt), Gesuch um Abänderung der 
vorsorglichen Massnahmen (Ehegattenunterhalt)

Berufung vom 28. Oktober 2023 gegen den Entscheid des Zivilge-
richts des Sensebezirks vom 22. September 2023

Gesuch vom 28. Oktober 2023 um Prozesskostenvorschuss, subsidi-
är um unentgeltliche Rechtspflege 

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Sachverhalt

A. A.________, geb. 1965, und B.________, geb. 1966, heirateten 2004. Ihrer Ehe entsprossen 
die Kinder C.________, geb. 2002, sowie D.________, geb. 2008 (10 2022 55, act. 2/2). 
A.________ ist zudem Mutter des vorehelichen Sohns E.________.

Am 10. Februar 2022 reichte A.________ ein Gesuch um Erlass von Eheschutzmassnahmen bei 
der Präsidentin des Zivilgerichts des Sensebezirks (hiernach: die Präsidentin) ein und beantragte 
namentlich einen Ehegattenunterhalt (10 2022 55, act. 1).

Mit Stellungnahme vom 21. April 2022 beantragte B.________, dass er keinen Ehegattenunterhalt 
zu bezahlen habe (10 2022 55, act. 20).

Die Präsidentin hörte die Parteien am 7. Juni 2022 persönlich an (10 2022 55, act. 24). 

Mit Entscheid der Präsidentin vom 30. Juni 2022 wurde namentlich B.________ verpflichtet, 
A.________ vom 1. Januar 2022 bis zum 30. Juni 2023 einen monatlichen Ehegattenunterhalt von 
CHF 2'800.- zu bezahlen (10 2022 55, act. 30; 15 2022 21, act. 3). Dieser Entscheid blieb unange-
fochten.

B. Am 21. Oktober 2022 reichte A.________ die begründete Scheidungsklage beim Zivilgericht 
des Sensebezirks (hiernach: das Zivilgericht) ein. Sie beantragte namentlich, dass B.________ ihr 
ab dem 1. Januar 2022 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 2'992.- zu bezahlen habe. 
Dieser Unterhaltsbeitrag sei unbefristet bis zu ihrer ordentlichen Pensionierung geschuldet (act. 4). 

B.________ schloss mit Klageantwort vom 6. März 2023 auf Abweisung (act. 12). 

Das Zivilgericht hörte die Parteien am 7. Juli 2023 persönlich an. A.________ reichte zwei Arztzeug-
nisse ein. Sie beantragte ausserdem, dass ihr in Abänderung des Eheschutzentscheids vom 30. Juni 
2022 der Ehegattenunterhalt von CHF 2'800.- pro Monat ab 1. Juli 2023 bis zum rechtskräftigen 
Entscheid des Zivilgerichts zuzusprechen sei (act. 16).

C. Mit Entscheid vom 22. September 2023 schied das Zivilgericht die Ehe und regelte die Neben-
folgen. Es wies namentlich die Rechtsbegehen von A.________ um Zusprache eines nachehelichen 
Unterhalts und Abänderung der vorsorglichen Massnahmen vom 30. Juni 2022 ab.

D. Gegen diesen Entscheid erhob A.________ am 28. Oktober 2023 Berufung. Sie beantragt, 
dass B.________ zu verpflichten sei, ab dem 1. Juli 2023 ihr einen monatlichen Unterhaltsbeitrag 
von CHF 2'992.- zu bezahlen. Dieser Unterhaltsbeitrag sei unbefristet bis zu ihrer ordentlichen 
Pensionierung geschuldet. Der Unterhaltsbeitrag sei jeweils ab dem 1. jeden Monats zu bezahlen. 
Im Falle einer verspäteten Zahlung sei ein Verzugszins von 5% ab Fälligkeit geschuldet. Subsidiär 
sei die Angelegenheit zur ergänzenden Sachverhaltsermittlung im Sinne der Erwägungen an die 
Vorinstanz zurückzuweisen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

Mit Gesuch vom gleichen Tag beantragt sie zudem, dass B.________ zu verpflichten sei, ihr einen 
Prozesskostenvorschuss in der Höhe von CHF 5'000.- zu bezahlen. Subsidiär sei ihr für das Beru-
fungsverfahren die vollständige unentgeltliche Rechtspflege, unter Beiordnung von Rechtsanwalt 
Christian Jungen als amtlicher Rechtsbeistand, zu gewähren. 

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Erwägungen

1.

1.1. Mit Berufung anfechtbar sind namentlich erstinstanzliche Endentscheide, sofern der Streit-
wert in vermögensrechtlichen Angelegenheiten mindestens CHF 10'000.- beträgt (Art. 308 Abs. 1 
Bst. a und Abs. 2 ZPO). Der Streitwert wird durch die Rechtsbegehren bestimmt.

Die Berufungsklägerin beantragte im vorinstanzlichen Verfahren einen nachehelichen Unterhalts-
beitrag von CHF 2'992.- pro Monat bis zu ihrer ordentlichen Pensionierung sowie einen Ehegatten-
unterhalt von CHF 2'800.- pro Monat ab dem 1. Juli 2023 bis zum rechtskräftigen Entscheid des 
Zivilgerichts, während der Berufungsbeklagte auf Abweisung schloss. Die Streitwertgrenze von CHF 
10'000.- für die Berufung ist damit sowohl betreffend den nachehelichen als auch den Ehegattenun-
terhalt erreicht.

Im Berufungsverfahren beantragt die Berufungsklägerin einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von 
CHF 2'992.- bis zu ihrer Pensionierung, wobei sie nicht zwischen nachehelichem Unterhalt und 
Ehegattenunterhalt unterscheidet. Zumindest betreffend den nachehelichen Unterhalt ist jedoch die 
Streitwertgrenze von CHF 30'000.- für eine Beschwerde in Zivilsachen beim Bundesgericht (Art. 51 
und 74 BGG) erreicht.

1.2.

1.2.1. Die Berufungsfrist beträgt betreffend das Scheidungsurteil (nachehelicher Unterhalt) 30 Tage 
seit Zustellung des begründeten Entscheides (Art. 311 Abs. 1 ZPO).

Der begründete Entscheid wurde der Berufungsklägerin am 29. September 2023 zugestellt (act. 
31a), womit die am 28. Oktober 2023, eingereichte Berufung diesbezüglich rechtzeitig erfolgt ist.

1.2.2. In Bezug auf das Gesuch um Abänderung von vorsorglichen Massnahmen (Ehegattenunter-
halt) beträgt die Berufungsfrist 10 Tage (Art. 276 Abs. 1 i.V.m. Art. 271 und Art. 314 Abs. 1 ZPO). 
Die Berufung ist insoweit verspätet erfolgt.

Der angefochtene Entscheid enthielt allerdings eine falsche Rechtsmittelbelehrung. Gemäss der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung dürfen den Parteien aus unrichtiger Rechtsmittelbelehrung 
keine Nachteile erwachsen. Diesen Schutz kann eine Prozesspartei aber nur dann beanspruchen, 
wenn sie sich nach Treu und Glauben auf die fehlerhafte Rechtsmittelbelehrung verlassen durfte. 
Wer die Unrichtigkeit erkannte oder bei gebührender Aufmerksamkeit hätte erkennen können, kann 
sich nicht darauf berufen, wobei allerdings nur eine grobe prozessuale Unsorgfalt der betroffenen 
Partei oder ihres Anwalts eine unrichtige Rechtsmittelbelehrung aufzuwiegen vermag. Der Vertrau-
ensschutz versagt zudem nur dann, wenn der Mangel in der Rechtsmittelbelehrung für den Recht-
suchenden bzw. seinen Rechtsvertreter allein schon durch Konsultierung der massgebenden 
Verfahrensbestimmung ersichtlich gewesen wäre. Wann der Prozesspartei, die sich auf eine unrich-
tige Rechtsmittelbelehrung verlassen hat, eine als grob zu wertende Unsorgfalt vorzuwerfen ist, 
beurteilt sich nach den konkreten Umständen und nach ihren Rechtskenntnissen (BGE 138 I 49 
E. 8.3.2; 135 III 374 E. 1.2.2.1 f.; je m.H.).

Vorliegend ist die Berufungsklägerin anwaltlich vertreten und die unrichtige Rechtsmittelbelehrung 
wäre allein schon durch Konsultierung der massgebenden Verfahrensbestimmungen ersichtlich 

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gewesen (vgl. Urteil BGer 5A_261/2020 vom 27. August 2020 E. 4.2 und 5.3 m.H.). Auf die Berufung 
ist somit betreffend die Abänderung der vorsorglichen Massnahmen (Ehegattenunterhalt) nicht 
einzutreten. Sie wäre ausserdem u.a. aus den gleichen Gründen wie die Berufung betreffend das 
Scheidungsurteil (nachehelicher Unterhalt) abzuweisen gewesen.

1.3. Die Berufung ist schriftlich und begründet einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO), was vorliegend 
grundsätzlich zutrifft. 

1.4. Mit der Berufung können sowohl die unrichtige Rechtsanwendung wie auch die unrichtige 
Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Vorliegend ist nur noch der 
nacheheliche Unterhalt strittig. Diesbezüglich gilt der Verhandlungsgrundsatz und die Dispositions-
maxime (Art. 277 Abs. 1, Art. 55 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 ZPO).

1.5. Gemäss Art. 316 Abs. 1 ZPO kann die Rechtsmittelinstanz eine Verhandlung durchführen 
oder aufgrund der Akten entscheiden. Vorliegend befinden sich die zur Entscheidung nötigen Infor-
mationen in den Akten, weshalb auf eine Verhandlung verzichtet wird. 

1.6. Nach Art. 317 Abs. 2 ZPO ist eine Klageänderung nur noch zulässig, wenn die Vorausset-
zungen nach Art. 227 Abs. 1 ZPO gegeben sind und sie auf neuen Tatsachen oder Beweismitteln 
beruht.

Die Berufungsklägerin beantragt neu einen monatlichen Ehegattenunterhaltsbeitrag von CHF 
2'992.-, während sie im vorinstanzlichen Verfahren noch einen solchen von CHF 2'800.- verlangt 
hatte. Sie legt jedoch nicht dar, inwiefern die Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 2 ZPO erfüllt sind, 
was auch nicht ersichtlich wäre. Wie bereits gesehen, ist jedoch auf die Berufung betreffend den 
Ehegattenunterhalt ohnehin nicht einzutreten.

2.

2.1. Die Berufungsklägerin rügt zunächst eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Die Vorinstanz 
setze sich nicht damit auseinander, ob sie überhaupt die Möglichkeit habe, eine höherprozentige 
Anstellung zu finden. Ausserdem habe die Vorinstanz ihre Aussagen an der Verhandlung vom 7. Juli 
2023 einseitig zu ihren Ungunsten gewürdigt, ohne dass dafür ein aussagepsychologischer Anlass 
bestanden hätte.

2.2. Nach Art. 53 ZPO haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Damit wird der in Art. 
29 Abs. 2 BV als verfassungsrechtliche Minimalgarantie verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör 
für den Anwendungsbereich der ZPO auf Gesetzesstufe geregelt. Die vom Bundesgericht zu Art. 29 
Abs. 2 BV entwickelte Praxis ist auch für die Auslegung von Art. 53 ZPO zu berücksichtigen (Urteil 
BGer 5A_109/2012 vom 3. Mai 2012 E. 2.1 m.H.).

Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt namentlich, dass die Behörde die Vorbringen 
des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in der 
Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu 
begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich 
auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf 
die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, 
dass sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller 
Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens 
kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die 
sich ihr Entscheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1 m.H.).

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Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Dessen Verletzung führt ungeachtet der mate-
riellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde bzw. der Berufung und 
zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides (BGE 144 I 11 E. 5.3 m.H.). Eine nicht besonders 
schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn 
die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die 
sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung 
ist darüber hinaus - im Sinne einer Heilung des Mangels - selbst bei einer schwerwiegenden Verlet-
zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 
abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu 
unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der 
betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 
137 I 195 E. 2.3.2 m.H.).

2.3. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs der Berufungsklägerin ist nicht ersichtlich. Die Vorin-
stanz hat sich in E. V und namentlich E. V.3.2 f. eingehend mit der Möglichkeit eines höheren 
Erwerbspensums sowie mit den Aussagen der Berufungsklägerin auseinandergesetzt. Der 
Umstand, dass der Entscheid nicht im Sinne der Berufungsklägerin ausgefallen ist, stellt keine 
Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Ohnehin könnte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs im 
vorliegenden Verfahren geheilt werden.

3.

3.1. Die Berufungsklägerin beanstandet weiter, dass ihr ein hypothetisches Einkommen ange-
rechnet wurde. Sie bringt vor, dass es sich um eine lebensprägende Ehe gehandelt habe. Ange-
sichts ihres Alters, ihres Gesundheitszustandes, ihrer Sprachkenntnisse und ihrer Ausbildung sei es 
ihr nicht möglich, ein höheres Einkommen zu erzielen. Das hypothetische Einkommen sei ausser-
dem durch die Vorinstanz falsch berechnet worden. 

Die Berufungsklägerin bestreitet hingegen nicht, dass ihr gemäss dem Schulstufenmodell ein 
Erwerbspensum von 100% zumutbar ist.

3.2. Ob eine lebensprägende Ehe vorliegt, ist konkret zu prüfen. Eine solche ist zu bejahen, wenn 
ein Ehegatte seine ökonomische Selbständigkeit zugunsten der Haushaltsbesorgung und Kinderbe-
treuung aufgegeben hat und es ihm deshalb nach langjähriger Ehe nicht mehr möglich ist, an seiner 
früheren beruflichen Stellung anzuknüpfen, während der andere Ehegatte sich angesichts der eheli-
chen Aufgabenteilung auf sein berufliches Fortkommen konzentrieren konnte (BGE 147 III 308 
E. 5.6). Nachteile, die einem Elternteil aus der (nachehelichen) Betreuung eines während der Ehe 
geborenen gemeinsamen Kindes erwachsen, werden vorrangig durch den Betreuungsunterhalt (Art. 
276 und 285 ZGB) abgegolten und lassen für sich genommen eine Ehe nicht als lebensprägend 
erscheinen (BGE 148 III 161 E. 4.3.1).

Bei einer lebensprägenden Ehe ist der Unterhaltsanspruch in drei Schritten zu prüfen: Vorab ist der 
gebührende Unterhalt zu bestimmen, wofür die massgebenden Lebensverhältnisse der Parteien 
festzustellen sind. Der gebührende Unterhalt bemisst sich an dem in der Ehe zuletzt gemeinsam 
gelebten Standard. Auf dessen Fortführung haben bei genügenden Mitteln beide Teile Anspruch; 
gleichzeitig bildet der betreffende Standard aber auch die Obergrenze des gebührenden Unterhalts. 
Verunmöglichen scheidungsbedingte Mehrkosten es, den früheren Lebensstandard aufrechtzuer-
halten, so hat der Unterhaltsgläubiger Anrecht auf die gleiche Lebenshaltung wie der Unterhalts-
schuldner. Sodann ist zu prüfen, inwiefern die Ehegatten diesen Unterhalt je selber finanzieren 
können. Der Vorrang der Eigenversorgung ergibt sich direkt aus dem Wortlaut von Art. 125 Abs. 1 

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ZGB. Ist sie einem Ehegatten vorübergehend oder dauerhaft nicht möglich bzw. zumutbar, so dass 
er auf Unterhaltsleistungen des anderen angewiesen ist, muss in einem dritten Schritt dessen Leis-
tungsfähigkeit ermittelt und ein angemessener Unterhaltsbeitrag festgesetzt werden; dieser beruht 
auf dem Prinzip der nachehelichen Solidarität. Dagegen wird bei der Auflösung einer nicht lebens-
prägenden Ehe prinzipiell an den vorehelichen Verhältnissen angeknüpft, das heisst die Ehegatten 
sind so zu stellen, wie wenn die Ehe nie geschlossen worden wäre (BGE 141 III 465 E. 3.1 m.H.).

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung führt allerdings selbst die Bejahung einer lebens-
prägenden Ehe nicht automatisch zu einem Anspruch auf nachehelichen Unterhalt. Ab dem Zeit-
punkt der Scheidung gilt nach dem klaren Wortlaut von Art. 125 Abs. 1 ZGB das Primat der Eigen-
versorgung und damit grundsätzlich eine Obliegenheit zur (Wieder-)Eingliederung in den Arbeits-
prozess bzw. zur Ausdehnung einer bestehenden Tätigkeit. Der Zuspruch eines Unterhaltsbeitrages 
ist hierzu subsidiär und nur geschuldet, soweit der gebührende Unterhalt bei zumutbarer Anstren-
gung nicht oder nicht vollständig durch Eigenleistung gedeckt werden kann. Bei der Eigenversor-
gungskapazität ist als Rechtsfrage zu prüfen, was unter den konkreten Umständen an eigener 
Erwerbstätigkeit zumutbar ist, und in tatsächlicher Hinsicht, was sich angesichts der konkreten 
Verhältnisse bei hinreichenden Anstrengungen effektiv als möglich erweist. Vom Grundsatz, wonach 
ein Vollzeiterwerb als zumutbar gilt, ist nur abzuweichen, soweit der betreffende Teil gemeinsame 
Kinder betreut, denn hier bemisst sich die Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit nach Massgabe des 
Schulstufenmodells (dazu im Einzelnen BGE 144 III 481 E. 4.7.6 - 4.7.8). Bei den tatsächlichen 
Verhältnissen ist auf das Alter, die körperliche Gesundheit, die sprachlichen Kenntnisse, die bisheri-
gen Tätigkeiten, die bisherigen und die für den Wiedereinstieg zumutbaren Aus- und Weiterbildun-
gen, die persönliche Flexibilität, die Lage auf dem Arbeitsmarkt u.Ä.m., mithin generell auf die 
konkreten Chancen abzustellen, in einem bestimmten Bereich, welcher nicht zwingend dem frühe-
ren Tätigkeitsfeld entsprechen muss, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Im Zentrum stehen mithin 
auch hier nicht generalisierende Vermutungen, sondern die konkreten Umstände des Einzelfalles, 
wobei vor dem Hintergrund der Maxime der Eigenversorgung alle zumutbaren Anstrengungen für 
eine berufliche (Wieder-) Eingliederung verlangt werden dürfen und sich ein hypothetisches Einkom-
men anzurechnen lassen hat, wer sich diesen verweigert (BGE 147 III 249 E. 3.4.4 m.H.). 

3.3.

3.3.1. Nicht gefolgt werden kann der Berufungsklägerin, wenn sie eine lebensprägende Ehe allein 
daraus ableiten will, dass sie während der Ehe ihr Erwerbspensum gesenkt hat. Auch wenn letzteres 
zutreffen mag, so würde dennoch bloss eine lebensprägende Ehe vorliegen, wenn es ihr nicht mehr 
möglich wäre, an ihre frühere berufliche Stellung anzuknüpfen, während der andere Ehegatte sich 
angesichts der ehelichen Aufgabenteilung auf sein berufliches Fortkommen konzentrieren konnte, 
und dieser Nachteil nicht bereits durch den Betreuungsunterhalt ausgeglichen wird.

Die Berufungsklägerin behauptet jedoch bloss in pauschaler Weise, dass ihr eine wirtschaftliche 
Einbusse entstanden sei. Eine solche ist aber nicht ersichtlich, hat doch die Berufungsklägerin unbe-
strittenermassen bereits vor der Ehe nicht in ihrem erlernten Beruf als Pharmaassistentin, sondern 
bereits seit ca. 14 Jahren als medizinische Praxisassistentin gearbeitet (E. V.3.2 des angefochtenen 
Entscheids). Die Berufungsklägerin belegt auch nicht, dass ihr eine Erhöhung ihres Erwerbspen-
sums als medizinische Praxisassistentin bzw. die Wiedererlangung der Eigenversorgungskapazität 
nicht möglich ist (vgl. die nachstehenden E.). Die Lebensprägung der Ehe ist damit zu verneinen. 
So oder anders stellt die Berufungsklägerin keine substantiierte Behauptungen betreffend den in der 
Ehe zuletzt gemeinsam gelebten Standard noch betreffend die vorehelichen Verhältnisse auf und 
setzt sich namentlich auch nicht mit dem vorinstanzlichen Entscheid auseinander, welcher davon 

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auszugehen scheint, dass sich dieser auf ihr familienrechtliches Existenzminimum von CHF 4'270.- 
pro Monat beschränkt.

3.3.2. Die Berufungsklägerin bringt weiter vor, dass es ihr unzumutbar sei, ihr Arbeitspensum 
auszudehnen, da sie kurz vor dem Pensionsalter stehe und sie seit jeher nur in einem kleinen 
Pensum gearbeitet habe. Es könne von ihr nicht verlangt werden, eine nicht standesgemässe Arbeit 
aufzunehmen.

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann eine Erhöhung des Erwerbspensums auch 
von Personen im Alter (58) der Berufungsklägerin verlangt werden. Bereits unter der ehemaligen 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung erwies sich das Alter im entscheidenden Zeitpunkt als von weit 
geringerer Bedeutung, soweit es bloss um den Ausbau einer bestehenden Erwerbstätigkeit geht 
(vgl. u.a. Urteil BGer 5A_206/2010 vom 21. Juni 2010 E. 5.3.4). So hat das Bundesgericht die 
Ausdehnung einer bereits bestehenden Erwerbstätigkeit auch bei über 45-jährigen Ehegatten seit 
jeher als zumutbar erachtet und namentlich auch die Wiederaufnahme des Lehrerberufs mit 
57 Jahren nach einem nur kurzen Unterbruch von zwei Jahren (BGE 147 III 308 E. 5.2 m.H.; vgl. 
u.a. auch Urteile BGer 5A_745/2019 vom 2. April 2020 E. 3.3.1; 5A_750/2011 vom 5. Dezember 
2011 E. 5).

Nicht ersichtlich ist ausserdem, warum es sich bei der Erhöhung des Pensums als medizinische 
Praxisassistentin um eine nicht standesgemässe Arbeit handeln soll, ist sie doch bereits seit 
34 Jahren in diesem Beruf tätig und war dies auch während der Ehe.

3.3.3. Die Berufungsklägerin ist weiter der Ansicht, dass ihr die Erhöhung des Erwerbspensum 
aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht zumutbar sei. Sie reichte diesbezüglich zwei Arztzeug-
nisse zu den Akten (act. 18/1 und 18/2). Sie bestreit die Feststellung der Vorinstanz, wonach diese 
nicht schlüssig seien, und moniert, dass die Vorinstanz der von ihr in der Scheidungsklage beschrie-
bene Zustand nicht gewürdigt habe. Sie macht ausserdem geltend, dass gerichtsnotorisch bekannt 
sei, welchen Einfluss ein chronischer reaktiver Erschöpfungszustand auf die Arbeitsfähigkeit hat.

Es besteht vorliegend keine Gerichtsnotorietät und die angeblichen gesundheitlichen Probleme 
wurden vom Berufungsbeklagten im vorinstanzlichen Verfahren bestritten (vgl. E. V.1 des angefoch-
tenen Entscheids). Es liegt daher an der Berufungsklägerin, ihre teilweise Arbeitsunfähigkeit zu 
beweisen, da sie daraus einen Anspruch auf nachehelichen Unterhalt ableiten will (Art. 8 ZGB). 
Diesbezüglich genügt jedoch die pauschale Behauptung, wonach sie sich während der Arbeit hinle-
gen müsse, früh zu Bett gehe, kaum einen Hügel hochlaufen und z.B. Wanderungen nicht machen 
könne und Medikamente einnehme, nicht. Sie hat zwar auch zwei Arztzeugnisse eingereicht. 
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange 
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist und in der Beurteilung der medizinischen 
Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet. Ausserdem ist zu berücksichtigen, 
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (u.a. Urteile BGer 5A_79/2023 vom 
24. August 2023 E. 3.4; 5A_239/2017 vom 14. September 2017 E. 2.4; je m.H.).

Was das Arztzeugnis von Dr. med. F.________ vom 2. November 2022 betrifft, so begnügt sich 
dieser mit pauschalen Behauptungen und begründet in keiner Weise, warum je nach Verlauf ihres 
körperlichen und psychischen Befindens zu gegebener Zeit maximal eine 50%-Tätigkeit in Frage 
kommen würde. Es ist ausserdem bereits über ein Jahr alt bzw. war auch anlässlich der Hauptver-
handlung vom 7. Juli 2023 bereits über ein halbes Jahr alt, womit es ohnehin keine Auskunft über 
den aktuellen Gesundheitszustand der Berufungsklägerin geben kann.

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In Bezug auf das Arztzeugnis von Dr. med. G.________ vom 20. Juni 2023 erwog die Vorinstanz zu 
Recht, dass nicht konkret dargelegt werde, inwiefern sich die medizinischen Beschwerden auf die 
Arbeitsfähigkeit der Berufungsklägerin auswirken bzw. sie an der Ausübung einer Vollzeiterwerbs-
tätigkeit hindern. Weder die medizinischen Zusammenhänge noch die medizinische Situation seien 
nachvollziehbar dargelegt. Dr. med. G.________ habe auch seinen medizinischen Schluss nicht 
begründet. Vielmehr begnüge er sich mit der pauschalen Behauptung, dass sie aufgrund ihrer 
gesundheitlichen Probleme bloss in ihrem bisherigen reduzierten Umfang arbeiten könne. Es fehle 
darüber hinaus an einer Prognose über die Entwicklung des Gesundheitszustandes. Warum eine 
solche entbehrlich sein soll, wie dies die Berufungsklägerin behauptet, ist nicht ersichtlich, zumal 
sich die gesundheitlichen Probleme angeblich parallel zu den zunehmenden Eheproblemen entwi-
ckelt haben und bspw. die arterielle Hypertonie situativ getriggert ist. Die Parteien leben allerdings 
bereits seit Dezember 2021 getrennt (vgl. Ziff. 1 des Dispositivs des Eheschutzentscheides vom 
30. Juni 2022), was für die Berufungsklägerin ein Freischlag gewesen ist (act. 16/7).

Die Arztzeugnisse sowie die Aussagen der Berufungsklägerin sind auch ansonsten widersprüchlich. 
So sagte sie an der Verhandlung vom 7. Juli 2023 aus, dass es ihr schon vor der Trennung nicht gut 
gegangen sei. Sie sei schon vor 2, 3, 4 Jahren so erschöpft gewesen (act. 16/5 f.). Im Eheschutz-
verfahren hatte sie anlässlich der Hauptverhandlung vom 30. Juni 2022 allerdings noch ausgesagt, 
dass sie sich bei ihrem Arbeitgeber um eine Erhöhung des Arbeitspensums bemüht hatte und nicht 
abgeneigt sei, das Pensum zu erhöhen (10 2022 55, act. 24/5 f.). Es ist nicht nachvollziehbar, warum 
sie solche Aussagen treffen sollte, wenn sie bereits damals angeblich so erschöpft war. Bereits die 
Vorinstanz warf der Berufungsklägerin vor, dass ihre Aussagen den Arztzeugnissen diametral entge-
genstehen, womit sie sich nicht substantiiert auseinandersetzt. Ebenso wenig befasst sie sich mit 
der Feststellung der Vorinstanz, wonach sie auch Einsätze von 80% für die Dauer von 2 bis 
3 Wochen und zusätzliche Vertretungen gemacht habe (vgl. auch 10 2022 55, act. 24/5) und sie den 
Eheschutzentscheid nicht angefochten hat, obwohl ihr bloss ein Unterhaltsbeitrag bis 30. Juni 2023 
zugesprochen wurde.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es für die Berufungsklägerin sowohl zumutbar als auch 
möglich ist, aufgrund ihres Gesundheitszustandes einem Arbeitspensum von 100% nachzugehen.

3.3.4. Die Berufungsklägerin behauptet ferner, dass sich nicht genügend Französisch spreche, 
weshalb sie bei der Stellensuche auf den deutschsprachigen Teil von Freiburg und auf Bern 
beschränkt sei. 

Selbst falls dies zutreffen sollte, ist nicht ersichtlich, inwiefern dies die Berufungsklägerin von der 
Erhöhung des Pensums abhalten soll, ist doch namentlich Bern von H.________ aus mit dem Zug 
oder dem Auto leicht erreichbar und arbeitet sie bereits jetzt in I.________. Die Berufungsklägerin 
bestreitet darüber hinaus nicht, dass im medizinischen Bereich Personalmangel herrscht, so dass 
die räumliche Einschränkung nicht ins Gewicht fällt.

3.3.5. Die Berufungsklägerin bringt zudem vor, dass sie bereits seit mehr als 34 Jahren als medizi-
nische Praxisassistentin in einer Augenarztpraxis arbeite. Sie sei jedoch gelernte Pharmaassisten-
tin. Diese Ausbildung unterscheide sich von einer gelernten medizinischen Praxisassistentin inso-
fern, als sie beispielsweise keine Spritzen setzen dürfe. Sie sei bei der Stellensuche als Praxisassis-
tentin auf Praxen beschränkt, in welchen sie die meisten, wenn nicht alle Arbeitstätigkeiten ausfüh-
ren dürfe (z.B. Augenarztpraxen). Als Pharmaassistentin habe sie keinerlei aktuelle Berufserfah-
rung. 

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Auch hier ist nicht ersichtlich, warum dies die Berufungsklägerin von der Erhöhung ihres Pensums 
abhalten sollte. Sie hat über 34 Jahre Berufserfahrung als medizinische Praxisassistentin. Auch 
wenn sie angeblich nicht sämtliche Tätigkeiten ausführen darf, so ist es offensichtlich dennoch 
möglich, als medizinische Praxisassistentin zu arbeiten. Daran ändert auch nichts, dass sie lange 
nur in einem niedrigen Pensum gearbeitet hat. Die Berufungsklägerin reichte ausserdem keine 
Suchbemühungen ein und belegt in keiner Weise, dass es ihr nicht möglich ist, eine Anstellung in 
einem Vollzeit-Pensum in einer anderen Praxis zu finden. Die Berufungsklägerin ist anwaltlich vertre-
ten und weiss bereits seit über knapp 1.5 Jahren, dass ihr im Eheschutzverfahren nur bis zum 
30. Juni 2023 ein Unterhaltsbeitrag zugesprochen wurde. Da für den nachehelichen Unterhalt noch 
höhere Ansprüche an die Eigenversorgung gestellt werden, musste sie damit rechnen, dass ihr auch 
kein nachehelicher Unterhalt zugesprochen wird. Es wäre an der Berufungsklägerin gelegen, 
entsprechende Suchbemühungen zu unternehmen und sich nötigenfalls um eine Weiterbildung zu 
kümmern.

3.3.6. Die Berufungsklägerin bringt ferner vor, dass sie bei einem Stellenwechsel eine Lohneinbus-
se im Verhältnis zum Beschäftigungsgrad hinzunehmen hätte. 

Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Berufungsklägerin ihre Eigenversorgungskapazität auszu-
schöpfen hat und in einem höheren Pensum einen höheren Lohn erzielen würde, selbst wenn er im 
Verhältnis zum Beschäftigungsgrad tiefer ist.

3.3.7. Die Berufungsklägerin bemängelt schliesslich, dass das hypothetische Einkommen falsch 
berechnet worden sei.

In ihrer aktuellen Anstellung würde sie in einem 100%-Pensum einen Nettolohn von CHF 7'289.- pro 
Monat zzgl. 13. Monatslohn erzielen (vgl. Beilage 1 zum Gesuch um Erlass einer vorsorglichen 
Massnahme evtl. um unentgeltliche Rechtspflege). Damit könnte sie ohne Weiteres ihre Auslagen 
von CHF 4'270.- sowie der ihr auferlegte Kindesunterhalt von CHF 530.- decken, wobei deren Höhe 
unbestritten geblieben ist und die Berufung keine substantiierten Ausführungen zur Höhe des gebüh-
renden Unterhalts enthält (vgl. auch vorstehend E. 3.3.1).

Die Berufungsklägerin macht jedoch geltend, dass aufgrund ihrer speziellen beruflichen Situation 
nicht davon ausgegangen werden könne, dass sie in einer neuen Arbeitsstelle wie eine medizinische 
Praxisassistentin mit 34 Jahren Berufserfahrung bezahlt werden würde.

Unbehelflich sind hierzu die Hinweise der Berufungsklägerin auf den Mindestlohn gemäss den 
Empfehlungen der FMH, da dies nicht bedeutet, dass auf dem Arbeitsmarkt nicht höhere Löhne 
bezahlt werden. Auch aus dem Verweis der Berufungsklägerin auf das Lohnbuch Schweiz des 
Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich geht für medizinische Praxisassistentinnen in 
der aktuellen Version bloss der Mindestlohn für das 1. Berufsjahr hervor 
(https://zuerich.vpod.ch/news/2023/2022-05-31_gesundheitslohn-1/, zuletzt besucht am 
17.11.2023).

Um die Höhe des zumutbaren Einkommens zu ermitteln, kann das Gericht die Lohnstrukturerhebun-
gen des Bundesamtes für Statistik heranziehen. Ausgehend davon darf es im Sinn einer tatsächli-
chen Vermutung darauf schliessen, dass der betreffende Lohn im Einzelfall tatsächlich erzielbar ist 
(u.a. BGE 137 III 118 E. 3.2; Urteile BGer 5A_745/2022 vom 31. Januar 2023 E. 3.2; 5A_996/2018 
vom 29. Oktober 2019 E. 4.3.1 m.H.). Entgegen den Behauptungen der Berufungsklägerin ist auch 
der Beruf medizinische Praxisassistentin im Salarium enthalten (Branche 86; Berufsgruppe 32). 
Demnach verdient im Espace Mittelland eine 58-Jahre alte Schweizerin als medizinische Praxisas-

Kantonsgericht KG
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sistentin (bzw. auch als Pharmaassistentin) ohne Kaderfunktion, selbst ohne abgeschlossene 
Berufsausbildung und ohne anrechenbare Dienstjahre, in einem Unternehmen mit weniger als 
20 Beschäftigten im Median CHF 5'150.- brutto pro Monat inkl. 13. Monatslohn. Nach Abzug von 
10% Sozialabgaben, was unbestritten geblieben ist, resultiert ein Monatslohn von netto CHF 4'635.- 
inkl. 13. Monatslohn. Damit würden zwar CHF 165.- zur Deckung der Auslagen und des Kindesunter-
halts von insgesamt CHF 4'800.- (CHF 4'270.- + CHF 530.-) fehlen, wobei allerdings die Steuern 
und somit die Auslagen bei einem tieferen Lohn auch tiefer ausfallen würden. Es ist jedoch nicht 
davon auszugehen, dass bei einer Neuanstellung völlig unberücksichtigt bliebe, dass die Berufungs-
klägerin bereits 34 Jahre Berufserfahrung hat. Darüber hinaus verfügt sie zwar über keine Ausbil-
dung als medizinische Praxisassistentin, hingegen als Pharmaassistentin, womit sie dennoch über 
eine berufliche Bildung in einem verwandten Bereich verfügt. Es kann somit davon ausgegangen 
werden, dass sie im oberen Viertel entlöhnt würde, was bereits bei ihrer aktuellen Anstellung zutrifft. 
Demnach erzielen bei den gleichen Parametern 25% sogar mehr als CHF 5780.- brutto pro Monat, 
was einen Nettolohn von CHF 5'202.- inkl. 13. Monatslohn ergibt. Im Übrigen erzielt eine Pharma-
assistentin bei den gleichen Parametern, jedoch mit abgeschlossener Berufsbildung sogar im unte-
ren Viertel noch brutto CHF 5'381.- pro Monat, was einem Nettolohn von CHF 4'843.- entsprechen 
würde.

Die Berufungsklägerin bestreitet schliesslich nicht, dass der Markt ausgetrocknet ist. Wie bereits 
erwähnt, hat sie in keiner Weise belegt, dass es ihr nicht möglich ist, eine andere Anstellung in einem 
höheren Pensum zu finden und dadurch einen höheren Lohn zu erzielen.

3.3.8. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz davon ausgegangen ist, dass es der 
Berufungsklägerin zumutbar und möglich ist, ihr aktuelles Pensum als medizinische Praxisassisten-
tin von 30% auf 100% zu erhöhen und damit ihren eigenen Unterhalt zu decken. Die Berufung ist 
demnach abzuweisen.

4. 

Die Berufungsklägerin verlangt schliesslich, dass im Falle einer verspäteten Zahlung ein Verzugs-
zins von 5% ab Fälligkeit geschuldet sei.

Da kein Unterhaltsbeitrag geschuldet ist, sind auch keine Verzugszinse geschuldet. Dennoch kann 
ergänzend festgehalten werden, dass gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Verzugs-
zinse für familienrechtliche Unterhaltsbeiträge nach Art. 105 Abs. 1 OR erst vom Tag der Anhebung 
der Betreibung an geschuldet sind (BGE 145 III 345 E. 4).

Die Berufung wäre somit diesbezüglich so oder anders abzuweisen gewesen.

5.

5.1. Die Berufungsklägerin stellte ein Gesuch um Prozesskostenvorschuss, subsidiär um unent-
geltliche Rechtspflege für das Berufungsverfahren. 

5.2. Als Ausfluss der ehelichen Unterhaltspflicht nach Art. 163 ZGB und der ehelichen Beistands-
pflicht nach Art. 159 Abs. 3 ZGB ist der eine Ehegatte gehalten, dem anderen in Rechtsstreitigkeiten 
durch Leistung von Prozesskostenvorschüssen beizustehen. Der Anspruch auf unentgeltliche 
Rechtspflege ist gegenüber dem materiell-rechtlichen Anspruch auf Bevorschussung der Prozess-
kosten subsidiär (BGE 146 III 203 E. 6.3; 142 III 36 E. 2.3). 

Kantonsgericht KG
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Die Prozesskostenvorschusspflicht setzt namentlich voraus, dass das Verfahren nicht aussichtslos 
ist (WEINGART, provisio ad litem - Der Prozesskostenvorschuss für eherechtliche Verfahren, in Zivil-
prozess und Vollstreckung national und international – Schnittstellen und Vergleiche, Festschrift für 
Jolanta Kren Kostkiewicz, 2018, S. 684). Auch die unentgeltliche Rechtspflege setzt voraus, dass 
die Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheinen (Art. 117 Bst. b ZPO).

Vorliegend war das Berufungsverfahren aussichtslos. Eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, 
hätte sich bei vernünftiger Überlegung nicht zu einem Prozess entschlossen (vgl. BGE 142 III 138 
E. 5.1). Das Gesuch um Prozesskostenvorschuss, subsidiär um unentgeltliche Rechtspflege ist 
damit bereits aus diesem Grund abzuweisen. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass der Prozesskos-
tenvorschuss grundsätzlich wieder zurückzuerstatten gewesen wäre (BGE 146 III 203 E. 6.3 m.H.), 
womit die Zusprache eines Prozesskostenvorschusses im Endentscheid kaum Sinn ergeben würde. 
Es kann damit offenbleiben, ob die Berufungsklägerin bedürftig ist.

6.

Die Prozesskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 106 Abs.1 ZPO), d.h. der Beru-
fungsklägerin. Die Gerichtskosten werden pauschal auf CHF 1‘200.- festgesetzt (Art. 96 ZPO i.V.m. 
Art. 19 des Justizreglements vom 30. November 2010 [JR; SGF 130.11]).

Da der Berufungsbeklagte nicht zur Stellungnahme aufgefordert wurde (Art. 312 Abs. 1 ZPO), ist 
keine Parteientschädigung zu sprechen.

(Dispositiv auf der nächsten Seite)

Kantonsgericht KG
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Der Hof erkennt:

I. Auf die Berufung wird betreffend die Abänderung der vorsorglichen Massnahmen (Ehegatten-
unterhalt) nicht eingetreten.

II. Die Berufung wird betreffend den nachehelichen Unterhalt abgewiesen.

Der Entscheid des Zivilgerichts des Sensebezirks vom 22. September 2023 wird bestätigt.

III. Das Gesuch um Prozesskostenvorschuss, subsidiär um unentgeltliche Rechtspflege wird 
abgewiesen.

IV. Die Gerichtskosten werden pauschal auf CHF 1'200.- festgesetzt und A.________ auferlegt.

V. Es wird keine Parteientschädigung gesprochen.

VI. Zustellung.

Das Bundesgericht beurteilt als ordentliche Beschwerdeinstanz Beschwerden gegen Entscheide in 
Zivilsachen; das Beschwerderecht und die übrigen Zulässigkeitsvoraussetzungen sind in den Art. 
72–77 und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG) geregelt. 
Es beurteilt ebenfalls subsidiäre Verfassungsbeschwerden; das Beschwerderecht und die übrigen 
Zulässigkeitsvoraussetzungen sind in den Art. 113–119 und 90 ff. BGG geregelt. In beiden Fällen 
ist die begründete Beschwerdeschrift innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Urteils-
ausfertigung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Führt eine Partei gegen einen 
Entscheid sowohl ordentliche Beschwerde als auch Verfassungsbeschwerde, so hat sie beide 
Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift einzureichen.

Freiburg, 29. November 2023/sig

Der Präsident Die Gerichtsschreiberin-Berichterstatterin