# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7058ec5d-0d7e-5117-b080-2a168e552513
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1991-10-22
**Language:** de
**Title:** Erschliessung. Zugangsnormalien. Gewichtung der Wohneinheiten nach Grösse. Bestimmung der massgeblichen Zufahrt bei Anstoss eines Grundstücks an mehrere Strassen.
**Docket/Reference:** BRKE II Nr. 0217/1991
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_II_217_1991_325.pdf

## Full Text

BRKE II Nr. 217/1991 vom 22. Oktober 1991 in BEZ 1992 Nr. 18 (bestätigt mit VB 
91/0155)

4.a)  Fehlen  Baulinien  für  öffentliche  und  private  Strassen  und  Plätze  sowie  für 
öffentliche Wege und erscheint eine Festsetzung nicht nötig, so haben oberirdische 
Gebäude den gleichen Abstand wie von Nachbargrundstücken einzuhalten, mindes-
tens  jedoch  6  m  gegenüber  Strassen  und  Plätzen  und  3.5  m  gegenüber  Wegen  (§ 
265 Abs. 1 Satz 1 PBG in der Fassung vom 7. September 1975). Es hängt von der 
Qualifikation der A.-strasse (Zufahrtsweg oder Zufahrtsstrasse) ab, ob das geplante 
Gebäude  einen  Strassenabstand  von  5  m  (bauordnungsgemässer  Grundabstand, 
vgl. Art. 3 BauO) oder den kantonalen Mindeststrassenabstand von 6 m einzuhalten 
habe.  Massgebend  ist  bei  der  Einstufung  die  Erschliessungsfunktion  der  Verkehrs-
anlage.  Gemäss  dem  Anhang  zu  den  Zugangsnormalien  gilt  ein  Zugang  als  Zu-
fahrtsweg, wenn er nicht mehr als 10 Wohneinheiten zu erschliessen hat.

b) Die Rekurrenten gehen dabei von 6 (eventuell 7 oder 8), die Vorinstanz von
19  über  die  A.-strasse  erschlossenen  Wohneinheiten aus. Unbestritten ist, dass an 
die  A.-strasse,  die  als  Sackgasse  ausgestaltet  ist,  insgesamt  13  Grundstücke  mit 
total  20  Wohneinheiten  (inkl.  das  rekurrentische  Projekt)  anstossen.  Die  Berech-
nungsdifferenzen rühren daher, dass die Vorinstanz ausser der rekurrentischen Ein-
liegerwohnung  alle  Wohneinheiten  als  über  die  A.-strasse  erschlossen  erachtet, 
während der Rekurrent die sowohl an die A.- als auch an die in einem Abstand von 
25  m  (eine  Bautiefe)  parallel  zu  dieser  verlaufende  R.- bzw.  die  B.-strasse  anstos-
senden  Grundstücke  grösstenteils  als  über  die  beiden  letztgenannten  Strassen  er-
schlossen bezeichnet.

c) Grundsätzlich  ist  festzuhalten,  dass  es  nur  auf  die  Zahl  der  Wohneinheiten
ankommt  und  die  einzelnen  Wohneinheiten  nicht  zu  gewichten  sind  (§  6  Abs.  1 
ZGN). Offenkundig ist, dass eine von einer nicht autofahrenden Person genutzte 2-
Zimmer-Wohnung  deutlich  weniger  Fahrzeugbewegungen  (Benützer,  Besucher,  öf-
fentliche  Dienste  etc.)  auslöst  als  eine  8-Zimmer-Villa,  in  welcher  5  Personen  woh-
nen,  die  alle  über  ein  eigenes  Fahrzeug verfügen.  Aus  Gründen  der  Praktikabilität 
der Norm insbesondere im Hinblick darauf, dass sich Gebäudebelegungsverhältnis-
se jederzeit ändern können, kann es - aussergewöhliche Fälle vorbehalten - bei einer 
blossen  Addition  der  Wohneinheiten  sein  Bewenden  haben,  ohne  dass  die  Fahr-
zeugbewegungen  eines  jeden  Bewohners  am  bewussten  Strassenzug  zu  eruieren 
wären.  Stösst  ein  Grundstück  indessen  an  zwei  Strassen  an  und  sind  nicht  alle 
Hauszugänge und Abstellplätze auf eine einzige Strasse orientiert, ist genau zu prü-

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fen, welcher Erschliessung die einzelnen Wohneinheiten zuzurechnen sind.

d) Unbestritten ist zunächst, dass die östlich und seeseits der A.-strasse liegen-
den,  je  mit  einem  Einfamilienhaus  überstellten  Grundstücke  Kat.-Nrn.  3284,  2521, 
2519,  2478  und  2465  sowie  das  ebenfalls  eine  Wohneinheit  aufweisende  Grund-
stück  Kat.-Nr.  2137,  also  insgesamt  6  Wohneinheiten  über  die  A.-strasse  erschlos-
sen werden.

Auf  dem  im  Einmündungsbereich  an  die  A.- und  die  B.-strasse  anstossenden 
Grundstück Kat.-Nr. 4095 liegen zwei Wohneinheiten. Die Garagen (4 Abstellplätze) 
sind  auf  die  B.-strasse,  der  Hauszugang  und  zwei  Besucherabstellplätze  dagegen 
auf  die  A.-strasse  orientiert.  Es  rechtfertigt  sich  deshalb,  eine  Wohneinheit  der  A.-
strasse zuzurechnen.

Das mit einem Einfamilienhaus überstellte Grundstück Kat.-Nr. 2138 ist mit dem 
Hauptzugang sowie mit drei Abstellplätzen auf die A.-strasse ausgerichtet. Ob diese 
drei Abstellplätze bewilligt sind oder nicht, ist unerheblich, da das Grundstück ohne-
hin klar nach der A.-strasse orientiert ist. Es ist demnach dieser Strasse eine weitere 
Wohneinheit zuzurechnen.

Das  Grundstück  Kat.-Nr.  3845  mit  einer  Wohneinheit  ist  mit  den  Garagen  und 
dem  Hauptzugang  auf  die  R.-strasse  ausgerichtet.  Zum  Kehrplatz  der  A.-strasse 
führt  lediglich  ein  Gartentor.  Es  ist  demgemäss  der  A.-strasse  keine  Wohneinheit 
zuzurechnen,  da  von  einem  relevanten,  durch  diesen  Nebenzugang  ausgelösten 
Verkehrsaufkommen keine Rede sein kann (vgl. § 6 Abs. 1 ZGN).

Das  Grundstück  Kat.-Nr.  2135  mit  einer  Wohneinheit  stösst  im Mündungsbe-
reich an die R.- und die A.-strasse. Die Einzelgarage mit Vorplatz und der Hauptzu-
gang sind auf die R.-strasse ausgerichtet. Ein Nebenzugang geht auf die A.-strasse, 
an welcher auch die Briefkästen liegen. Adressmässig gehört das Gebäude indessen 
zur  R.-strasse,  und  die  Plazierung  der  Briefkästen  an  der  A.-strasse  soll  allein  auf-
grund  eines  Wunsches  der  PTT  erfolgt  sein.  Unter  diesen  Umständen  rechtfertigt 
sich auch hier eine Zurechnung einer weiteren Wohneinheit zur A.-strasse nicht.

Der  Hauptzugang  sowie  zwei  Besucherabstellplätze  des  mit  einem  Fünffamili-
enhaus  überstellten  Grundstückes  Kat.-Nr.  3838 orientieren sich auf die A.-strasse. 
Die  Zufahrt  zur  Unterniveaugarage  erfolgt  von  der  R.-strasse  her.  Wird  berücksich-
tigt, dass die von einem Grundstück ausgelösten Fahrzeugbewegungen grösstenteils 
durch die Bewohner und weniger durch Besucher, Lieferanten etc. entstehen, ergibt 
sich, dass höchstens zwei der fünf Wohneinheiten zur A.-strasse zuzurechnen sind.

Es  verbleiben  die  nebeneinander  liegenden  rekurrentischen  Grundstücke  Kat.-
Nrn. 3662 und 3663. Letztere Parzelle ist mit einem zwei Wohneinheiten aufweisen-
den Gebäude überstellt. Der Hauptzugang erfolgt von der R.-strasse her. Die zuge-
hörigen,  von  der  R.-strasse  erreichbaren  Abstellplätze  finden sich bereits heute auf 
dem Baugrundstück und sollen in den daselbst geplanten Neubau integriert werden 
(2 Doppelgaragen mit Vorplatz). An dieser Stelle sei nochmals festgehalten, dass bei 
der Zuordnung von Wohneinheiten zur einen oder anderen Strasse entscheidend ist, 
auf welcher Strasse sich die Fahrzeugbewegungen im Zusammenhang mit der Nut-
zung  des  Grundstückes  abspielen.  Dass  sämtliche  Grundstücke  zwischen  der  R.-

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und  der  A.-strasse  über  einen  Fussgängerzugang  von  der  A.-strasse  her  verfügen, 
ist  demnach  nicht  entscheidend  für  eine  Zuordnung  von  Wohneinheiten  zu  dieser 
Strasse.  Demzufolge  kann  auch  dem  von  der  A.-strasse  zum  Grundstück  Kat.-Nr. 
3662  führenden  Nebenzugang  keine  entscheidende  Bedeutung  beigemessen  wer-
den.  Beide  darauf  befindlichen  Wohneinheiten  sind  hinsichtlich  der  Fahrzeugbewe-
gungen auf die R.-strasse ausgerichtet. Es kann somit keine weitere Zurechnung von 
Wohneinheiten an die A.-strasse erfolgen.

Der  Zugang  zu  dem  auf  dem  Grundstück  Kat.-Nr.  3663  geplanten  Einfamilien-
haus erfolgt von der A.-strasse, derjenige zur Einliegerwohnung von der R.-strasse. 
Sämtliche  zugehörigen  Abstellplätze  sind,  wie  bereits  erwähnt,  auf  die  R.-strasse 
orientiert.  Die  Einliegerwohnung  ist  demnach  klarerweise  nicht  der  A.-strasse  zuzu-
ordnen. Auch der weit überwiegende Teil der Fahrzeugbewegungen im Zusammen-
hang  mit  der  anderen  Wohneinheit erfolgt voraussichtlich über die R.-strasse. Über 
die  A.-strasse  ist  vorab  der  bei  einem  Wohngebäude  nicht  sonderlich  beachtliche 
Lieferantenverkehr  zu  veranschlagen.  Unter  diesen  Umständen  und  aufgrund  des-
sen,  dass  beim  Grundstück  Kat.-Nr.  3838  die  Zahl  der  Wohneinheiten  aufgerundet 
wurde,  kann  diese  Zahl  hier  abgerundet  werden.  Es  ist  somit  keine  weitere  Wohn-
einheit an die A.-strasse zu veranschlagen.

e)  Insgesamt  sind  demnach 10  Wohneinheiten  über  die  A.-strasse  er-
schlossen,  so  dass  ein  Zufahrtsweg  im  Sinne  der  Zugangsnormalien  gerade  noch 
genügt bzw. noch von einem Weg im Sinne der Strassenabstandsbestimmung von § 
265  PBG  gesprochen  werden  kann.  Massgebend  für  die  Stellung  der  Ostfassade 
des rekurrentischen Gebäudes ist demnach ein kantonaler Mindeststrassenabstand 
von 3.5 bzw. der bauordnungsgemässe Mindestgrenzabstand von 5 m. Ob das ge-
plante  Gebäude  aufgrund  eines  Mehrlängenzuschlages  einen  grösseren  Abstand 
einzuhalten habe (vgl. Art. 15 Bau0), wie dies die Vorinstanz vernehmlassungsweise 
vorbringt,  ist  nicht  Rekursgegenstand.  Da  der  Rekurrent  vorentscheidweise  ange-
fragt  hat,  ob  die  A.-strasse  als  Weg  oder  als  Strasse  im  Sinne  von  §  265  PBG  zu 
klassieren sei, ist nur diese Frage zu entscheiden.

Es ergibt sich, dass der Rekurs in diesem Punkte gutzuheissen ist.