# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad81dac2-7516-519e-b630-9e049dc06e23
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-24
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 24.02.2022 IV 2022/2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2022-2_2022-02-24.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/9

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2022/2

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 22.06.2022

Entscheiddatum: 24.02.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 24.02.2022
Art. 12 IVG. Art. 2 IVV. Medizinische Massnahmen. 
Eingliederungsmassnahmen. Ausschluss der Leistungspflicht der 
Invalidenversicherung für die Erstbehandlung nach Verletzungen. 
Interpretation der massgebenden Gesetzes- und 
Verordnungsbestimmungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 24. Februar 2022, IV 2022/2).

Entscheid vom 24. Februar 2022

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2022/2

Parteien

SWICA Krankenversicherung AG, Rechtsdienst, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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Gegenstand

medizinische Massnahmen (für A.___)

Sachverhalt

A.  

A.___ wurde im Januar 2019 unter Hinweis auf eine Spitalbehandlung vom 28. 

April 2018 bis zum 24. Mai 2018 zur Behandlung einer Epiphyseolysis capitis femoris 

rechts zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 1). Die 

Kinderorthopädin Dr. med. B.___ vom Ostschweizer Kinderspital berichtete im Februar 

2019 (IV-act. 6), beim Versicherten seien am 25. April 2018 akut immobilisierende 

Schmerzen in der rechten Hüfte aufgetreten. Radiologisch sei eine Epiphyseolysis 

capitis femoris rechts nachgewiesen worden. Diese sei noch am 25. April 2018 mittels 

einer operativen Fixation in situ behandelt worden. Auf eine Nachfrage hin habe die 

Familie berichtet, dass der Versicherte schon seit Oktober 2017 intermittierend an 

Schmerzen im rechten Oberschenkel gelitten habe. Wegen einer aufgehobenen 

Innenrotationsfähigkeit und eines radiologisch nachgewiesenen Abrutschens der 

Epiphyse sei am 18. Mai 2018 eine chirurgische Hüftluxation mit einer 

Trochanterosteotomie, einer Reorientierung der Epiphyse und einer Drahtfixierung 

durchgeführt worden. Der anschliessende Verlauf sei zufriedenstellend gewesen. Die 

Zuweisung zur Behandlung ins Ostschweizer Kinderspital war über den Rettungsdienst 

erfolgt, der in seinem Kurzbericht festgehalten hatte (IV 2020/128, act. G 16.15), der 

Versicherte habe beim Fussballspiel sein Bein umgedreht respektive verdreht. Er habe 

sofort starke Schmerzen verspürt und sei in sich zusammengesackt. Man habe ihn in 

das Sanitätszimmer verbracht, von wo aus angesichts der unverändert bestehenden 

starken Schmerzen der Rettungsdienst verständigt worden sei. Die Angehörigen seien 

telefonisch verständigt worden. Im Juli 2019 notierte med. pract. C.___ vom IV-internen 

regionalen ärztlichen Dienst (RAD), die Gesundheitsbeeinträchtigung sei durch einen 

Unfall verursacht worden, weshalb das Leistungsbegehren abzuweisen sei (IV-act. 18). 

Mit einem Vorbescheid vom 5. August 2019 teilte die IV-Stelle der Mutter des 

Versicherten mit, dass sie angesichts der unfallbedingten Ätiologie die Abweisung des 

Begehrens um medizinische Massnahmen vorsehe (IV-act. 20).

A.a. 

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B.  

Gegen diesen Vorbescheid wandte die Krankenpflegeversicherung am 11. 

September 2019 ein (IV-act. 23), der Versicherte habe bereits im Oktober 2017 wegen 

Schmerzen am hinteren Oberschenkel behandelt werden müssen. Die Drehung, die zu 

den immobilisierenden Schmerzen und zur notfallmässigen Zuweisung ins 

Ostschweizer Kinderspital geführt habe, könne nicht als ein Unfall im Sinne des Art. 4 

ATSG qualifiziert werden. Die Röntgenuntersuchung am 25. April 2018 habe keinen 

Nachweis einer Fraktur erbracht; der Befund spreche am ehesten für eine 

Wachstumsstörung. Die IV-Stelle holte in der Folge weitere medizinische Berichte ein. 

Der RAD-Arzt C.___ notierte nach einer Durchsicht dieser Berichte im Januar 2020 (IV-

act. 48), die Würdigung der nachträglich eingeholten Unterlagen ergebe keine neuen 

Aspekte. Die Frage, ob das Ereignis vom 25. April 2018 als ein Unfall im Rechtssinne zu 

qualifizieren sei, könne aus medizinischer Sicht nicht beantwortet werden; es handle 

sich um eine Rechtsfrage. Die Mutter des Versicherten gab bei einer telefonischen 

Befragung am 23. April 2020 an (IV-act. 54), man habe ihr berichtet, ihr Sohn (der diese 

Berichte bestätigt habe) sei etwa zehn Minuten nach dem Beginn eines Fussballspiels 

im Rahmen einer Schul-Fussballmeisterschaft mit einem Gegner zusammengestossen. 

Der „etwas dicke“ Gegenspieler sei an der Wade des Sohnes hängen geblieben und 

auf die Hüfte des Versicherten gestürzt. Durch den Sturz habe sich der Versicherte 

„ziemlich das Bein verdreht“ und „es habe ziemlich weh getan“. Mit einer Verfügung 

vom 13. Mai 2020 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (IV-act. 56).

A.b. 

Die Krankenpflegeversicherung (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) erhob eine 

Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Die IV-Stelle 

(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) reichte im Beschwerdeverfahren eine 

elektronische Nachricht der Lehrerin des Versicherten vom 4. August 2020 ein (IV 

2020/128, act. G 4.1), die geltend gemacht hatte, sie habe den Zusammenstoss 

zwischen dem Versicherten und dem Gegenspieler beobachtet. Der Versicherte sei 

zusammengesackt und länger am Boden liegen geblieben. Er habe sich vor Schmerz 

gewunden und später angegeben, der Gegner habe ihn mit dem Knie im Hüftbereich 

gerammt. Das Versicherungsgericht hob die Verfügung vom 13. Mai 2020 mit einem 

Entscheid vom 1. Juni 2021 (IV 2020/128) auf und verpflichtete die 

Beschwerdegegnerin, die Kosten für die Heilbehandlung der Epiphyseolysis femoris 

B.a. 

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capitis rechts zu übernehmen. Zur Begründung führte es an, die intersystemische 

Koordination für Heilbehandlungsleistungen sei im Art. 64 ATSG geregelt. Nach dessen 

Abs. 2 gehe die Leistungspflicht der Unfallversicherung jener der Invalidenversicherung 

und jene wiederum der Leistungspflicht der Krankenversicherung vor. Entgegen der 

vom Bundesgericht vertretenen Auffassung orientiere sich die Leistungskaskade nicht 

an der Ursache einer behandlungsbedürftigen Gesundheitsbeeinträchtigung, sondern 

daran, welche Sozialversicherungszweige potentiell leistungspflichtig sein könnten. Das 

gehe eindeutig aus den Materialien hervor. Die grammatikalische Interpretation führe 

zum selben Ergebnis. Wäre die bundesgerichtliche Auffassung zutreffend, würde der 

Art. 64 Abs. 2 ATSG in die IV-spezifische Definition der Anspruchsvoraussetzungen des 

Art. 12 IVG eingreifen, was systematisch unhaltbar wäre und gemäss der Einleitung des 

Art. 64 Abs. 2 ATSG gar nicht gewollt sein könne. Also spreche auch die systematische 

Auslegung gegen die Auffassung des Bundesgerichtes. In teleologischer Hinsicht sei 

zu berücksichtigen, dass die medizinischen Massnahmen der Invalidenversicherung 

nicht der Heilung, sondern der erwerblichen Eingliederung dienten. Es wäre nicht 

einzusehen, weshalb eine Gesundheitsbeeinträchtigung, die die spätere 

Erwerbsfähigkeit gefährden würde, (IV-fiktiv) unbehandelt bleiben müsste, nur weil sie 

ihre Ursache in einem Unfall fände. Das hätte nämlich zur Folge, dass die 

Invalidenversicherung nur jene Gesundheitsbeeinträchtigungen aufgrund einer 

Gefährdung der zukünftigen Erwerbsfähigkeit behandeln lassen könnte, die auf eine 

Krankheit zurückzuführen wären, was bedeuten würde, dass die Invalidenversicherung 

(IV-fiktiv) einfach zusehen müsste, wie eine unfallbedingte 

Gesundheitsbeeinträchtigung später zu einer Rente führen würde. Auch aus 

teleologischer Sicht könne der Art. 64 Abs. 2 ATSG folglich nur 

Sozialversicherungszweige meinen. Der Versicherte sei nicht obligatorisch 

unfallversichert im Sinne des UVG gewesen, weshalb zum Vorneherein nur entweder 

eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung oder eine Leistungspflicht der 

Krankenpflegeversicherung zur Diskussion gestanden habe. Die Unterscheidung 

zwischen Unfall und Krankheit sei dabei irrelevant gewesen. Die Leistungspflicht der 

Invalidenversicherung habe nach Art. 64 Abs. 2 ATSG in jedem Fall vorgehen müssen. 

Da die Voraussetzungen des Art. 12 Abs. 1 IVG erfüllt gewesen seien, sei die 

Beschwerdegegnerin leistungspflichtig gewesen.

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Erwägungen

1.

Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung 

vom 13. Mai 2020 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des 

vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat sich auf die 

Frage beschränkt, ob die Voraussetzungen für medizinische Massnahmen im Sinne 

des Art. 12 IVG im Zusammenhang mit der im April 2018 eingetretenen Epiphyseolysis 

femoris capitis rechts erfüllt gewesen sind.

2.  

Das Bundesgericht hob diesen Entscheid mit einem Urteil vom 15. Dezember 

2021 auf (9C_386/2021). Es hielt fest, die Anwendbarkeit des Art. 64 ATSG bedinge, 

dass die Leistungsvoraussetzungen mehrerer Sozialversicherer gleichzeitig erfüllt 

seien. Der Bundesrat habe im Art. 2 Abs. 4 IVV vorgesehen, dass die Behandlung von 

Verletzungen, Infektionen sowie inneren und parasitären Krankheiten nicht als eine 

medizinische Massnahme im Sinne des Art. 12 IVG gelte. Sollte die zur Diskussion 

stehende Gesundheitsbeeinträchtigung des Versicherten die Folge eines Unfalls 

gewesen sein, träfe die Invalidenversicherung keine Leistungspflicht, womit gar keine 

Koordinationsproblematik vorläge. Das Versicherungsgericht habe die Frage, ob die 

Epiphysenlösung als unfallbedingt zu qualifizieren sei, nicht beantwortet. Aus 

Rechtsschutzgründen (kein Verlust der ersten und einzigen Instanz mit freier 

Beweiswürdigung) sei die Sache zur Beantwortung dieser Frage und zur neuen 

Entscheidung an das Versicherungsgericht zurückzuweisen.

B.b. 

Das Versicherungsgericht hat es im Entscheid IV 2020/128 vom 1. Juni 2021 

versehentlich versäumt, sich mit dem Art. 2 Abs. 4 IVV zu befassen, dem das 

Bundesgericht in seinem Urteil 9C_386/2021 vom 15. Dezember 2021 eine 

ausschlaggebende Bedeutung zugemessen hat. Dieses Versäumnis ist nun 

nachzuholen. Der Art. 2 Abs. 4 IVV ist eine Ausführungsnorm zum Art. 12 Abs. 1 IVG, 

laut dem Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr einen Anspruch auf jene 

medizinischen Massnahmen haben, die nicht auf die Behandlung eines Leidens an 

sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben gerichtet und 

geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor 

einer wesentlichen Beeinträchtigung zu bewahren. Anders als im Anwendungsbereich 

2.1. 

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des Art. 13 IVG hängt die Leistungspflicht der Invalidenversicherung also nicht primär 

von der Art des Gebrechens oder davon ab, auf welche Ursache die 

Gesundheitsbeeinträchtigung zurückzuführen ist; ausschlaggebend ist vielmehr die 

Eingliederungswirksamkeit der Behandlung. Das geht bereits aus der Botschaft zum 

Entwurf eines Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (BBl 1958 II 1137 ff.) 

eindeutig hervor: „Die Abgrenzung der von der Versicherung [nach Art. 12 IVG] zu 

gewährenden Massnahmen gegenüber den weitern medizinischen Massnahmen soll 

somit weder durch eine Aufzählung der in Betracht fallenden 

Gesundheitsschädigungen noch durch Aufstellen einer Liste der einzelnen 

Massnahmen erfolgen, sondern es soll einzig auf den Zweck abgestellt werden zu dem 

eine medizinische Massnahme im Einzelfall durchgeführt wird“ (BBl 1958 II 1177). 

Dieser Zielsetzung Rechnung tragend hat das Bundesgericht vor der Beschränkung 

des Anspruchs auf weniger als 20 Jahre alte Versicherte für minderjährige, noch nicht 

erwerbstätige Versicherte eine Ausnahme von seiner Grundsatzpraxis („keine 

Vergütung von Kosten einer Dauerbehandlung“) eine Vergütung der Kosten selbst für 

eine Behandlung von unbestimmt langer Dauer gestützt auf den Art. 12 IVG geschaffen 

für jene Fälle, in denen ohne diese Behandlung „eine Heilung mit Defekt oder ein 

sonstwie stabilisierter Zustand einträte, wodurch die Berufsbildung oder die 

Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt würden“ (vgl. ZAK 1981 S. 547; Ulrich 

Meyer/Marco Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichtes zum IVG, 3. Aufl. 

2014, Art. 12 N 33, mit Hinweisen). Das belegt, dass dem Eingliederungszweck des Art. 

12 IVG auch in der Rechtsprechung eine hohe Bedeutung zugemessen worden ist. Mit 

der bei der fünften IVG-Revision eingeführten Beschränkung des Anspruchs auf 

medizinische Eingliederungsmassnahmen auf Versicherte, die das 20. Altersjahr noch 

nicht vollendet haben, ist dieser „altrechtliche Ausnahmefall“ zum „neurechtlichen 

Normalfall“ geworden. Ausschlaggebend ist also allein, ob eine medizinische 

Massnahme geeignet ist, die spätere (für Kinder) oder die bereits laufende (für 

Jugendliche) Eingliederung ins Erwerbsleben massgeblich zu beeinflussen.

Im Art. 12 Abs. 2 IVG hat der Gesetzgeber den Bundesrat befugt, die Massnahmen 

nach Art. 12 Abs. 1 IVG von jenen, die auf die Behandlung des Leidens an sich 

gerichtet sind, abzugrenzen. „Dabei handelt es sich nicht um eine Einschränkung der 

Ansprüche gemäss Absatz 1, sondern um die Festsetzung der Grenzen in Fällen, in 

denen sich die Unterscheidung zwischen medizinischen Eingliederungsmassnahmen 

und der Behandlung des Leidens an sich nicht ohne weiteres ergibt“ (BBl 1958 II 1257). 

Der Art. 12 Abs. 2 IVG befugt den Bundesrat also offenkundig nicht dazu, den 

Anwendungsbereich des Art. 12 Abs. 1 IVG einzuschränken; die Befugnis des 

Bundesrates beschränkt sich allein darauf, Abgrenzungsprobleme zu lösen. Das ist 

2.2. 

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dem Verordnungsgeber durchaus bewusst gewesen (vgl. ZAK 1967 S. 579), wenn er 

auch bei der Ausgestaltung der Verordnungsregelung in der irrigen Meinung, bei 

gewissen pathologischen Zuständen sei eine medizinische Therapie von vorneherein 

immer nur auf eine Behandlung des Leidens an sich gerichtet (vgl. ZAK 1968 S. 11), 

teilweise über das Ziel hinausgeschossen ist. Der Art. 2 Abs. 1 IVV macht allerdings 

klar, dass die Ursache der Gesundheitsbeeinträchtigung bezüglich der Leistungspflicht 

der Invalidenversicherung nach Art. 12 IVG grundsätzlich keine Rolle spielen darf, da 

ausdrücklich jeder „Folgezustand eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines 

Unfalls“ erfasst wird. Der Art. 2 Abs. 4 IVV darf also nicht so verstanden werden, dass 

er eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung nach Art. 12 IVG generell für alle 

medizinischen Behandlungen ausschlösse, wenn die zu behandelnde 

Gesundheitsbeeinträchtigung auf einen Unfall zurückzuführen sei. Das zeigt auch die 

Rz. 40.1 KSME, wonach nur jene medizinischen Massnahmen von der Leistungspflicht 

der Invalidenversicherung ausgeschlossen sein sollen, die in einem „engen zeitlichen 

und sachlichen Zusammenhang mit der Behandlung primärer Unfall- oder 

Krankheitsfolgen“ stehen. Damit stellt sich die Anschlussfrage, ob mit dem Begriff 

„Verletzungen“ im Art. 2 Abs. 4 IVV nur die Folgen eines Unfalls im Sinne des Art. 4 

ATSG oder aber auch die Folgen von anderen traumatischen Ereignissen gemeint sind. 

Massgebend für die Beantwortung dieser Frage ist der Umstand, dass der Art. 2 Abs. 4 

IVV nicht darauf abzielt, Krankheits- von Unfallfolgen abzugrenzen und letztere generell 

von der Leistungspflicht der Invalidenversicherung auszuschliessen. Eine solche 

Abgrenzung liesse sich denn auch nicht mit dem Sinn und Zweck des Art. 12 Abs. 1 

IVG vereinbaren, da es diesem diametral zuwiderlaufen würde, wenn die 

Invalidenversicherung eine Gefährdung der Erwerbsfähigkeit eines Versicherten nicht 

mit medizinischen Massnahmen abwenden könnte, nur weil die 

Gesundheitsbeeinträchtigung auf einen Unfall zurückzuführen wäre. Vielmehr soll der 

Art. 2 Abs. 4 IVV gemäss der Rz. 40.1 KSME alle medizinischen Massnahmen von der 

Leistungspflicht der Invalidenversicherung ausschliessen, die in einem „engen 

zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit der Behandlung primärer Unfall- oder 

Krankheitsfolgen“ stehen. Das bedeutet, dass die unmittelbare Behandlung nach einer 

Verletzung nicht zulasten der Invalidenversicherung gehen soll, weil sie nach Art. 2 Abs. 

4 IVV (fiktiv) immer als eine Behandlung des Leidens an sich zu qualifizieren ist. Das 

muss selbstverständlich nicht nur für die Folgen eines Unfalls im Sinne des Art. 4 

ATSG, sondern namentlich auch für die Folgen einer unfallähnlichen Körperschädigung 

im Sinne des Art. 6 Abs. 2 UVG gelten, also für Gesundheitsbeeinträchtigungen, die 

durch ein „Trauma“ hervorgerufen worden sind, das nicht als ein Unfall im Sinne des 

Art. 4 ATSG zu qualifizieren ist, im alltäglichen Sprachgebrauch aber als ein Unfall 

bezeichnet würde, wozu typischerweise Sportverletzungen gehören. Der 

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3.  

Verordnungsgeber muss also den Begriff „Unfall“ im Art. 2 Abs. 4 IVV ganz bewusst 

vermieden haben. Hätte er die Leistungspflicht für die Erstbehandlung nur – spezifisch 

– bei Unfällen im Sinne des Art. 4 ATSG und bei unfallähnlichen Körperschädigungen 

im Sinne des Art. 6 Abs. 2 UVG ausschliessen wollen, hätte er die entsprechenden 

termini technici verwendet. Tatsächlich hat er aber den – unspezifischen – Begriff 

„Verletzungen“ gewählt, was nur so interpretiert werden kann, dass die 

Invalidenversicherung bei all jenen Ereignissen, die im alltäglichen Sprachgebrauch als 

ein Unfall, respektive bei all jenen Gesundheitsbeeinträchtigungen, die im alltäglichen 

Sprachgebrauch als eine (traumatische) Verletzung bezeichnet würden, keine 

Leistungspflicht für die Erstbehandlung treffen soll.

Der Versicherte hat sich im Rahmen einer Schulmeisterschaft bei einem 

Fussballspiel verletzt. Entgegen der von den beiden Parteien vertretenen Auffassung 

spielt es für die Anwendung des Art. 2 Abs. 4 IVV keine Rolle, ob jenes Ereignis als ein 

Unfall im Sinne des Art. 4 ATSG zu qualifizieren ist, weshalb die Details des Vorfalls 

irrelevant sind. Massgebend ist nur, dass sich der Versicherte beim Fussballspiel eine 

Verletzung im Sinne des alltäglichen Sprachgebrauchs zugezogen hat, denn nach Art. 

2 Abs. 4 IVV hat das bereits genügt, um die Leistungspflicht der Invalidenversicherung 

für die Erstbehandlung auszuschliessen. An sich wäre nun zu prüfen, welche Vorkehren 

noch zu jener Erstbehandlung gehört haben und welche medizinischen Massnahmen 

Teil der anschliessenden Weiterbehandlung gebildet haben, für die die 

Beschwerdegegnerin möglicherweise eine Leistungspflicht nach Art. 12 IVG getroffen 

hätte. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 9C_386/2021 vom 15. Dezember 2021 

aber eindeutig zu verstehen gegeben, dass die Beschwerdegegnerin nicht nur für die 

Erstbehandlung, sondern für sämtliche medizinischen Massnahmen im Zusammenhang 

mit der Epiphyseolysis capitis femoris rechts keine Leistungspflicht nach Art. 12 IVG 

treffe, falls es sich dabei um eine Verletzung gehandelt habe. Diese Vorgabe an das 

Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ist nicht nachvollziehbar, weil sie sich 

nicht mit dem Art. 2 Abs. 1 und 4 IVV vereinbaren lässt (Leistungsausschluss nur für die 

Erstbehandlung). Nichtsdestotrotz ist sie verbindlich, da das Bundesgerichtsurteil mit 

seiner Eröffnung formell rechtskräftig geworden ist. Eine Leistungspflicht der 

Beschwerdegegnerin nach Art. 12 IVG ist deshalb nicht nur für die Erstbehandlung, 

sondern für sämtliche medizinischen Massnahmen im Zusammenhang mit der 

Epiphyseolysis capitis femoris rechts ausgeschlossen. Die Verfügung vom 13. Mai 

2020 erweist sich damit im Ergebnis als rechtmässig. Die Beschwerde ist deshalb 

abzuweisen.

2.3. 

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Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken 

festzusetzenden Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdeführerin 

aufzuerlegen. Sie sind durch den von dieser geleisteten Kostenvorschuss von 600 

Franken gedeckt.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Beschwerdeführerin hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen; diese 

sind durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt.

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