# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 01d4ab80-810a-5f92-8706-b84e67eaa4b9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-12-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.12.2021 D-5427/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5427-2021_2021-12-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5427/2021 

law/rep 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  D e z e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter Walter Lang, 

mit Zustimmung von Richterin Jenny de Coulon Scuntaro; 

Gerichtsschreiber Philipp Reimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Tunesien, 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 6. Dezember 2021 / N (…). 

 

 

 

D-5427/2021 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 17. November 2021 in der Schweiz um 

Asyl nachsuchte, 

dass er im Rahmen seines persönlichen Dublin-Gesprächs vom 30. No-

vember 2021 namentlich geltend machte, er sei in Italien von illegal dort 

lebenden tunesischen Landsleuten verfolgt und geschlagen worden (vgl. 

SEM-Akten (…)-14/2 S. 1/2), 

dass das SEM mit Verfügung vom 6. Dezember 2021 – eröffnet am 7. De-

zember 2021 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung des Beschwerdeführers 

aus der Schweiz nach Italien anordnete, den Kanton B._______ mit dem 

Wegweisungsvollzug beauftragte und den Beschwerdeführer aufforderte, 

die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-

lassen, 

dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-

scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung 

der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-

deführer verfügte, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 14. Dezember 2021 gegen 

diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 

sinngemäss beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 

die Vorinstanz anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten ("to accept my 

appeal"), 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

D-5427/2021 

Seite 3 

dass Parteieingaben in Verfahren vor den Behörden des Bundes in einer 

Amtssprache – in der Regel Deutsch, Französisch oder Italienisch – abzu-

fassen sind (Art. 70 Abs. 1 BV und Art. 33a Abs. 1 VwVG), 

dass die eingereichte Beschwerde zwar handschriftlich in Englisch und da-

mit nicht in einer Amtssprache verfasst ist, aus prozessökonomischen 

Gründen auf eine Übersetzung derselben jedoch verzichtet werden kann, 

da die Begründung ohne weiteres verständlich ist und sich aus ihr auch 

sinngemäss die Rechtsbegehren ergeben, 

dass somit auf die frist- und – abgesehen vom sprachlichen Mangel – form-

gerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG; 

Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, 

wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet wurde, 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien 

und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-

nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-

gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist, 

(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt, 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 

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(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass gestützt auf das Ergebnis des Abgleichs der Fingerabdrücke (Euro-

dac-Datenbank) feststeht, dass sich der Beschwerdeführer vor seiner Ein-

reise in die Schweiz in Italien aufgehalten und dort am 1. September 2021 

einen Asylantrag gestellt hat (vgl. SEM-Akten […]-6/1 und […]-7/1), 

dass das SEM die italienischen Behörden am 19. November 2021 um Auf-

nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-

VO ersuchte, 

dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in 

Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, wo-

mit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 25 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO), 

dass die grundsätzliche Zuständigkeit von Italien somit gegeben ist, 

dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung davon 

ausgeht, dass das italienische Asylverfahren und die Aufnahmebedingun-

gen für Asylsuchende – trotz punktueller Schwachstellen – keine systemi-

schen Mängel aufweisen, die die Gefahr einer unmenschlichen oder ent-

würdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der Charta der Grund-

rechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grund-

rechtecharta) mit sich bringen würden (vgl. die Referenzurteile des BVGer 

F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 9.1 und E-962/2019 vom 17. De-

zember 2019 E. 6.3), 

dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, 

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO), 

dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-

mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür 

gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

http://links.weblaw.ch/

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Seite 5 

dass der Beschwerdeführer mit seinem in der Beschwerde wiederholten 

Vorbringen, er sei in Italien von tunesischen Landsleuten geschlagen und 

bedroht worden, implizit die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO 

respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert, 

dass er diesbezüglich in der Beschwerde ergänzend festhält, die italieni-

sche Polizei habe ihm keine Sicherheit bieten können, und er leide nach 

wie vor unter den Eindrücken des Erlebten, 

dass diesbezüglich festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer anlässlich 

des Dublin-Gesprächs vom 30. November 2021 explizit gegenteilig aus-

sagte, er habe sich "nach dem Vorfall weder an die Polizei noch an andere 

Stellen" gewandt (vgl. SEM-Akten […]-14/2 S. 2 oben), 

dass er sich deshalb auch nicht auf die ausgebliebene Hilfestellung seitens 

der italienischen Behörden berufen kann, 

dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nachkommt, 

dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und 

schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 

zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-

ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben, 

dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-

tan hat, die italienischen Behörden würden sich weigern ihn aufzunehmen 

und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln 

der erwähnten Richtlinien zu prüfen, 

dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind, 

Italien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-

ten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben 

oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist 

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Seite 6 

oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-

zwungen zu werden, 

dass der Beschwerdeführer nicht dargetan hat, die ihn bei einer Rückfüh-

rung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart schlecht, dass sie zu 

einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder 

Art. 3 FoK führen könnten, 

dass ausserdem darauf hinzuweisen ist, dass Italien grundsätzlich über 

eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. Urteil des BVGer 

F-2009/2020 vom 24. April 2020 E. 8.7 m.H.) und keine Anhaltspunkte vor-

liegen, wonach dem Beschwerdeführer dort eine allenfalls nötige adäquate 

Behandlung für die von ihm im Dublin-Gespräch erwähnten gesundheitli-

chen Beeinträchtigungen (vgl. SEM-Akten […]-14/2 S. 2) verweigert 

würde, die im Übrigen ohnehin nicht als besonders schwer oder akut er-

scheinen, 

dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen 

zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf 

eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a 

AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, 

dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer 

Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält, 

dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und 

– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-  

oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die 

Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), 

dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒

3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Philipp Reimann 

 

 

Versand: