# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36491639-26bc-5753-9dfa-bffb190ec4a2
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-21
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 21.01.2021 VG.2020.00100 (VG.2021.1022)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2020-00100_2021-01-21.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 21. Januar 2021

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2020.00100

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Amt für Wirtschaft und
    Arbeit des Kantons Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 A.______ war seit dem 1. Januar 2018 in
  einem unbefristeten Arbeitsverhältnis bei der B.______AG in […] als
  Zeichnerin EFZ, Fachrichtung Architektur, angestellt. Die B.______AG
  unterbreitete A.______ eine Änderungskündigung, welche Letztere nicht
  unterzeichnete. In der Folge kündigte die B.______AG am
  29. April 2019 das Arbeitsverhältnis mit A.______ auf den 31. Juli
  2019. 

  
	
   

  
	
  1.2 A.______ wurde am 20. Mai 2019 schwanger, weswegen
  die ordentliche Kündigungsfrist unterbrochen wurde. Sodann war sie aus
  gesundheitlichen Gründen vom 10. Juli 2019
  bis zum 7. März 2020 zu 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund der
  Schwangerschaft verlängerte sich die Kündigungsfrist bis zum 31. August
  2020.

  
	
   

  
	
  1.3 Am 16. Januar 2020 vereinbarte A.______ mit der
  B.______AG, das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung der ordentlichen
  Kündigungsfrist per Ende des Mutterschaftsurlaubs aufzulösen sowie auf
  allfällige Lohnansprüche zu verzichten. Das Arbeitsverhältnis endete auf den
  letzten Tag des Mutterschaftsurlaubs am 28. Mai 2020. 

  
	
   

  
	
  1.4 Am 2. Juni 2020 meldete sich A.______
  beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in Glarus an und beantragte
  am 5. Juni 2020 Leistungen
  der Arbeitslosenversicherung. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit verfügte am
  6. August 2020 eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer
  von 36 Tagen infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit. Eine dagegen
  von A.______ erhobene Einsprache wies es am 30. September 2020 ab.

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  Dagegen gelangte A.______
  mit Beschwerde vom 26. Oktober 2020 ans Verwaltungsgericht und beantragte,
  der Einspracheentscheid vom 30. September 2020 sei aufzuheben. Eventualiter
  seien die verfügten 36 Einstelltage zu reduzieren. Das Amt für
  Wirtschaft und Arbeit schloss am 19. November 2020 auf Abweisung der
  Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
  Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25. Juni
  1982 (AVIG) i.V.m. Art. 56 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den
  Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000
  (ATSG) i.V.m. Art. 12 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zum
  Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
  Insolvenzentschädigung vom 6. Mai 1984 (EG AVIG) zur
  Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  2.1 Die obligatorische Arbeitslosenversicherung
  will den versicherten Personen einen angemessenen Ersatz für Erwerbsausfälle
  wegen Arbeitslosigkeit garantieren (Art. 1a Abs. 1 lit. a
  AVIG). Gemäss der im gesamten Sozialversicherungsrecht geltenden
  Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) muss der Versicherte jedoch
  alles Zumutbare unternehmen, um den Eintritt oder das Fortdauern der
  Arbeitslosigkeit zu verhindern (BGer-Urteil 8C_12/2010 vom 4. Mai 2010
  E. 2.2). Ist er durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden, ist er in
  der Anspruchsberechtigung einzustellen (Art. 30 Abs. 1 lit. a
  AVIG). Zweck der Einstellung als versicherungsrechtliche Sanktion ist die
  angemessene Mitbeteiligung des Versicherten am Schaden, den er durch sein
  pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung natürlich und adäquat
  kausal verursacht hat (BGE 122 V 34 E. 4c/aa, mit Hinweis).

  
	
   

  
	
  2.2 Ein
  Selbstverschulden des Versicherten liegt vor, wenn oder soweit der Eintritt
  oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren
  zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen
  vermeidbaren Verhalten liegt, für das die Versicherung die Haftung nicht
  übernimmt (BGer-Urteil C 348/00 vom 21. Februar 2001 E. 1a;
  ARV 1998 Nr. 9 S. 44; Thomas Nussbaumer, in Ulrich Meyer [Hrsg.],
  Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Bd. XIV,
  3. A., Basel 2016, N. Rz. 835). 

  
	
   

  
	
  2.3

  
	
  2.3.1 Die Arbeitslosigkeit gilt namentlich dann
  als selbstverschuldet, wenn der Versicherte durch sein Verhalten,
  insbesondere wegen der Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, dem
  Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat
  (Art. 44 Abs. 1 lit. a der
  Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
  Insolvenzentschädigung vom 31. August 1983 [AVIV]). Gleichermassen fällt
  unter den Tatbestand des Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV,
  wenn das Beibehalten der Stelle unter den geänderten vertraglichen
  Bedingungen für die versicherte Person zumutbar gewesen wäre (Nussbaumer,
  N. Rz. 837; AVIG-Praxis, ALE, Oktober 2011, Rz. D19). 

  
	
   

  
	
  2.3.2 Das vorwerfbare Verhalten der versicherten Person
  muss nach Art. 20 lit. b des am 17. Oktober 1991 für die
  Schweiz in Kraft getretenen Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen
  Arbeitsorganisation (IAO) über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit
  vom 21. Juni 1988 vorsätzlich erfolgt sein, wobei Eventualvorsatz
  genügt. Eine zumindest eventualvorsätzliche Herbeiführung der
  Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person
  aufgrund einer Verwarnung weiss, dass ein bestimmtes Verhalten vom
  Arbeitgeber nicht oder zumindest nicht mehr toleriert wird und zu einer
  Kündigung führt, sie aber die ihr nach den persönlichen Umständen und
  Verhältnissen zumutbare Anstrengung zu einer Änderung des vom Arbeitgeber
  beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt. Hat hingegen eine versicherte
  Person nur grobfahrlässig zur Kündigung durch den Arbeitgeber beigetragen,
  ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 20 lit. b
  IAO nicht zulässig (BGer-Urteil 8C_19/2019 vom 1. April 2019
  E. 2.4, mit Hinweisen; Nussbaumer, N. Rz. 837).

  
	
   

  
	
  2.3.3 Beim Einstellungsgrund des Art. 44 Abs. 1 lit. a
  AVIV genügt der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
  überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht, sondern es muss das der versicherten
  Person zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen.
  Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer darf nicht ohne
  Weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitnehmers geschlossen werden,
  wenn der Arbeitgeber nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für
  welche er keine Beweise anführen kann (BGE 112 V 242 E. 1;
  Nussbaumer, N. Rz. 835). 

  
	
   

  
	
  2.4 Ein Selbstverschulden des Versicherten liegt ferner
  vor, wenn dieser das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass
  ihm eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihm das Verbleiben
  an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1
  lit. b AVIV). Unter diesen Einstellungstatbestand fällt gleichermassen
  die vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses im gegenseitigen
  Einvernehmen (Nussbaumer, N. Rz. 838). In diesem Bereich der
  freiwilligen Stellenaufgabe findet das sozialversicherungsrechtliche
  Schadenminderungsprinzip gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG seine Grenze im
  Zumutbarkeitsgedanken. Nach Art. 16 Abs. 1 AVIG ist grundsätzlich
  jede Arbeit zumutbar, sofern nicht einer der in Art. 16 Abs. 2 AVIG
  abschliessend aufgezählten Ausnahmetatbestände gegeben ist (vgl. zum Ganzen
  BGer-Urteil C 212/04 vom 16. Februar 2005 E. 1.2.2, mit
  Hinweisen).

  
	
   

  
	
  In Nachachtung von Art. 20
  lit. c IAO ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung zulässig, wenn
  die versicherte Person ihre Beschäftigung ohne triftigen Grund freiwillig
  aufgegeben hat, wofür kein qualifiziertes Verschulden gegeben sein muss
  (BGE 124 V 234 E. 3b).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen
  geltend, ihr sei das Arbeitsverhältnis mit der ehemaligen Arbeitgeberin wegen
  den psychischen Beschwerden nicht mehr zumutbar gewesen. Auslöser für die
  gesundheitlichen Probleme seien Konflikte am Arbeitsplatz gewesen. Daher sei
  sie von ihren behandelnden Ärzten krankgeschrieben worden, damit sie als
  Schwangere nicht erneut eine Fehlgeburt erleide. Sodann habe sie die
  Vereinbarung, wonach das Arbeitsverhältnis mit dem Ende des
  Mutterschaftsurlaubs aufgelöst wurde, nur deshalb unterzeichnet, da ihre
  Arbeitgeberin an einer Versöhnung nicht interessiert gewesen sei. Die
  Psychologin sowie das Arbeitsinspektorat hätten ihr diese Vereinbarung nahegelegt,
  um die belastende Situation zu beenden. Zudem habe sie während der
  Kündigungsfrist einige Zeit lang gearbeitet, weshalb nach dem
  Mutterschaftsurlaub keine dreimonatige Kündigungsfrist mehr bestanden habe.
  Schliesslich liege unter den gegebenen Umständen kein schweres Verschulden
  vor, weswegen das Ausmass der Einstelltage nicht nachvollziehbar sei.

  
	
   

  
	
  3.2 Der Beschwerdegegner bringt hingegen vor, für die
  Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei wesentlich gewesen,
  dass die Beschwerdeführerin die Änderungskündigung abgelehnt habe. Sodann
  gebe es keine Belege für ein angespanntes Arbeitsverhältnis und der
  Beschwerdeführerin werde erst ab dem 16. August 2019 eine
  Arbeitsunfähigkeit attestiert. Dadurch könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
  angenommen werden, ihr sei die Annahme der Änderungskündigung bereits im
  April 2019 aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar gewesen. Sie habe durch
  ihr Verhalten dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses
  gegeben und damit die Arbeitslosigkeit selbstverschuldet. Ferner habe sie der
  Aufhebungsvereinbarung am 16. Januar 2020 zugestimmt. Zwar ergebe sich aus
  dem Arztzeugnis, dass der Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt das
  Arbeitsverhältnis gesundheitsbedingt nicht zuzumuten gewesen sei. Dies
  rechtfertige jedoch nicht, das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung der
  ordentlichen Kündigungsfrist aufzulösen und auf Lohnfortzahlungsansprüche zu
  verzichteten. Ihr sei die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses bis zur
  Kündigungsfrist zumutbar gewesen, da sie auch bei einer arbeitsplatzbezogenen
  Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Taggelder der Krankentaggeldversicherung
  gehabt hätte. Demnach habe sie auch diesbezüglich die Arbeitslosigkeit
  selbstverschuldet. Dennoch sei bei der Bestimmung der Dauer der Einstellung
  schuldmindernd die angespannte Situation am Arbeitsplatz und die depressive
  Störung im Zusammenhang mit der Mobbingsituation berücksichtigt worden.
  Hingegen führe die vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses und damit
  der Verzicht auf Lohn- bzw. Krankentaggelder zu einer Schulderhöhung,
  weshalb die Beschwerdeführerin für 36 Tage in der Anspruchsberechtigung
  einzustellen sei. 

  
	
   

  
	
  4. 

  
	
  4.1 Im Kündigungsschreiben vom 29. April 2019 wird
  festgehalten, der Grund für die Änderungskündigung sei die mangelnde Qualität
  der Pläne gewesen. Sodann habe das Arbeitstempo der Beschwerdeführerin nicht
  den Anforderungen der Arbeitgeberin entsprochen. Deshalb sei ihr im
  persönlichen Gespräch vom 18. April 2019 angeboten worden, den unbefristeten
  Arbeitsvertrag in einen befristeten Arbeitsvertrag zu ändern sowie anstatt im
  Home-Office wieder in den Räumlichkeiten der Arbeitgeberin zu arbeiten. 

  
	
   

  
	
  4.2 Aus den im Recht liegenden Akten geht hervor, dass
  die Beschwerdeführerin die Änderungskündigung nicht unterzeichnete. Gemäss
  den Angaben der Arbeitgeberin war die Beschwerdeführerin nicht bereit, wieder
  im Büro zu arbeiten, weshalb ihr gekündigt wurde. Somit hat die
  Beschwerdeführerin ihre Stelle verloren, da sie der Änderungskündigung nicht
  zustimmte. 

  
	
   

  
	
  4.3 Der Beschwerdegegner führt an, es würden keine
  Belege für die angespannte Situation am Arbeitsplatz vorliegen. Diesbezüglich
  ist festzuhalten, dass der Beschwerdegegner im Zeitpunkt der
  Änderungskündigung von einem angespannten Arbeitsverhältnis ausging, das er
  schuldmindernd bei der Dauer der Einstellung berücksichtigte. Die Begründung
  für die Einstellung in der Anspruchsberechtigung erscheint somit nicht
  widerspruchsfrei. Zwar stehen den Aussagen der Beschwerdeführerin, wonach sie
  sich gemobbt gefühlt habe, die Angaben der Arbeitgeberin gegenüber, wonach
  sie keine solche Vorkommnisse festgestellt habe und vielmehr die mangelnden
  beruflichen Fertigkeiten der Beschwerdeführerin zur Kündigung geführt hätten.
  C.______, Chefarzt Psychiatrie am Spital D.______, bestätigte allerdings am
  22. Juni 2020, die Beschwerdeführerin habe im Zusammenhang mit der
  Mobbingsituation am Arbeitsplatz eine beginnende depressive Störung (ICD-10:
  F32.1) entwickelt. Daher sei es ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar,
  am bisherigen Arbeitsplatz zu verbleiben. Der psychische Stress könne sich
  negativ auf die Schwangerschaft auswirken und sei der Beschwerdeführerin wie
  auch dem ungeborenen Kind nicht zuzumuten. 

  
	
   

  
	
  Ab wann sich die
  gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin bemerkbar gemacht haben
  und ob ihr die mit der Änderungskündigung angebotene Stelle bereits im April
  2019 zumutbar war, ist nicht erstellt. Die Annahme allein, der
  Beschwerdeführerin seien die vorgeschlagenen Änderungen der Arbeitsbedingungen
  mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumutbar gewesen, rechtfertigt eine
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung jedenfalls nicht. Denn beim
  Einstellungsgrund nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV genügt der
  Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht, sondern das dem
  Versicherten zur Last gelegte Verhalten muss klar feststehen (vgl. vorne
  E. II/2.3.3). Vorliegend ist nicht belegt, dass der Beschwerdeführerin
  die neuen Arbeitsbedingungen vor der attestierten Arbeitsunfähigkeit zumutbar
  gewesen waren und dass sie die Änderungskündigung zu Unrecht nicht akzeptiert
  hatte, was der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses
  gegeben hätte. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann sich daher
  nicht auf Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m.
  Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV stützen.

  
	
   

  
	
  5. 

  
	
  5.1 

  
	
  5.1.1 Nach Ablauf der Probezeit darf der Arbeitgeber das
  Arbeitsverhältnis nicht während der Schwangerschaft und in den 16 Wochen
  nach der Niederkunft einer Arbeitnehmerin kündigen (Art. 336c Abs. 1 lit. c
  des Bundesgesetzes über die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs
  [Obligationenrecht] vom 30. März 1911 [OR]). Die Kündigung, die während
  einer der in Abs. 1 festgesetzten Sperrfristen erklärt wird, ist nichtig; ist
  dagegen die Kündigung vor Beginn einer solchen Frist erfolgt, aber die
  Kündigungsfrist bis dahin noch nicht abgelaufen, so wird deren Ablauf
  unterbrochen und erst nach Beendigung der Sperrfrist fortgesetzt
  (Art. 336c Abs. 2 OR).

  
	
   

  
	
  5.1.2 Das Arbeitsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin
  und der ehemaligen Arbeitgeberin begann am 1. Januar 2018. In der Folge
  kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis am 29. April 2019. Der
  Beschwerdegegner hält zutreffend fest, dass sich die Beschwerdeführerin im
  Zeitpunkt der Kündigung im zweiten Anstellungsjahr befand, weswegen die
  Kündigungsfrist gemäss Einzelarbeitsvertrag drei Monate auf Ende eines
  Kalendermonats betrug. Die ordentliche Kündigungsfrist begann somit am 1. Mai
  2019 und endete am 31. Juli 2019. 

  
	
   

  
	
  5.1.3 Am 18. Juli 2019 bestätigte
  Dr. med. E.______, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, die
  Schwangerschaft der Beschwerdeführerin, die ab dem 20. Mai 2019 erfolgt
  sei. Die Beschwerdeführerin gebar ihr Kind am 21. Februar 2020, sodass
  die Schwangerschaft vom 20. Mai 2019 bis zum 21. Februar 2020 dauerte.

  
	
   

  
	
  5.1.4 Die Arbeitgeberin sprach die Kündigung vor Beginn
  der gesetzlichen Sperrfrist aus. Die Kündigung ist daher wirksam. Die
  ordentliche Kündigungsfrist wurde aufgrund der Schwangerschaft am
  20. Mai 2019 unterbrochen und nach Ablauf von 16 Wochen nach der
  Geburt des Kindes am 12. Juni 2020 fortgesetzt. Sodann war die
  Beschwerdeführerin bis zu Beginn des Monats Juli 2019 arbeitstätig. Demnach
  sind ihr die 19 Tage anzurechnen, die sie bis zur Unterbrechung der
  Kündigungsfrist am 20. Mai 2019 gearbeitet hatte. Ferner war die
  Beschwerdeführerin vom 10. Juli 2019 bis zum 7. März 2020 zu
  100 % arbeitsunfähig. Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin
  attestierte ihr Dr. E.______ eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, um
  eine erneute Fehlgeburt zu verhindern. Der behandelnde Arzt C.______ stufte
  die Beschwerdeführerin ebenfalls als arbeitsunfähig ein, da ihr und dem
  ungeborenen Kind ein Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz nicht zumutbar sei.
  Daraus ergibt sich, dass sich die angespannte Situation am Arbeitsplatz
  ungünstig auf die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin ausgewirkt hatte,
  weshalb sie arbeitsunfähig geschrieben wurde. Da die Arbeitsunfähigkeit auf
  der gleichen gesundheitlichen Ursache beruht, wird keine neue Sperrfrist ausgelöst
  (Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph, Praxiskommentar
  Arbeitsvertrag, 7. A., Zürich/Basel/ Genf 2012, Art. 336c
  N. 4). Der Beschwerdegegner hat somit zu
  Recht festgehalten, die Kündigungsfrist erstrecke sich bis zum
  23. August 2020 bzw. bis zum nächstmöglichen Endtermin am 31.
  August 2020. Somit lösten die Beschwerdeführerin und ihre Arbeitgeberin das
  Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig auf, wobei aufgrund
  der erstreckten Kündigungsfrist dieses um drei Monate und drei Tage zu früh
  beendet wurde. 

  
	
   

  
	
  5.2 

  
	
  5.2.1 Ein schlechtes Arbeitsklima und
  Meinungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen begründen
  grundsätzlich keine Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses. Belegt die versicherte Person allerdings
  durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere
  geeignete Beweismittel), dass ihr die Weiterarbeit aus gesundheitlichen
  Gründen nicht mehr zumutbar ist, ist grundsätzlich von einer Unzumutbarkeit
  aus gesundheitlichen Gründen auszugehen (BGer-Urteil 8C_66/2017 vom 9. Juni
  2017 E. 2). 

  
	
   

  
	
  5.2.2 Angesichts des Arztberichts vom 22. Juni 2020 ging
  der Beschwerdegegner davon aus, das Arbeitsverhältnis sei für die
  Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Aufhebungsvereinbarung vom 16. Januar
  2020 aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar gewesen, was nicht zu
  beanstanden ist. Allerdings war die Beschwerdeführerin über ihre
  Arbeitgeberin krankentaggeldversichert. Sie hätte daher einen Anspruch auf
  Taggelder der Krankentaggeldversicherung im Umfang von 80 % ihres Lohnes
  gehabt. Der Beschwerdegegner wies folglich zu Recht darauf hin, dass es der
  Beschwerdeführerin zumutbar gewesen wäre, die ordentliche Kündigungsfrist
  trotz der gesundheitlichen Beschwerden einzuhalten, zumal sie auch bei
  arbeitsplatzbezogener Arbeitsunfähigkeit Taggelder im Umfang von 80 %
  ihres Lohnes erhalten hätte. Die Kündigungsfrist hätte sich bei einer
  weiteren Arbeitsverhinderung nach dem 12. Juni 2020 nicht verlängert,
  weil die Kündigungsfrist höchstens bis zum Ablauf der gesetzlichen Sperrfrist
  unterbrochen wird. Somit hätte das Arbeitsverhältnis am 31. August 2020
  geendet. Die Beschwerdeführerin hat daher zu Unrecht auf
  Lohnfortzahlungsansprüche verzichtet und die ordentliche Kündigungsfrist
  nicht eingehalten. Dafür ist sie in der Anspruchsberechtigung gestützt auf
  Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. b
  AVIV einzustellen. 

  
	
   

  
	
  6. 

  
	
  6.1 Die Dauer der Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens
  (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt je nach Einstellgrund 1 bis
  15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis
  60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Bei der
  Anordnung der Sanktion kommt dem Beschwerdegegner ein Ermessen zu, in welches
  das Gericht nicht ohne Not eingreift.

  
	
   

  
	
  6.2 Nimmt eine
  versicherte Person eine nicht fristgerechte Kündigung an und ergibt sich
  daraus ein Lohnausfall von mehr als zwei Monaten, liegt gemäss dem
  Einstellraster des SECO ein mittelschweres bis schweres Verschulden vor
  (AVIG-Praxis, ALE, Januar 2017, Rz. D75 1.A). Vorliegend
  setzte der Beschwerdegegner die Einstelltage mit 36 Tagen im unteren
  Bereich des für schweres Verschulden vorgegebenen Rahmens an, wobei
  schuldmindernd die angespannte Situation am Arbeitsplatz sowie die
  gesundheitlichen Beschwerden und schulderhöhend die vorzeitige Beendigung des
  Arbeitsverhältnisses berücksichtigt wurden.

  
	
   

  
	
  6.3 Mit
  dem Abschluss der Aufhebungsvereinbarung wollte die Beschwerdeführerin laut
  eigenen Angaben die belastende Situation beenden. Zwar können
  belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des
  Arbeitsverhältnisses nicht rechtfertigen. Sie können allenfalls im Rahmen der
  Verschuldensbeurteilung berücksichtigt werden (BGer-Urteil C 133/03 vom 29.
  Oktober 2003 E. 3.2, mit Hinweisen). Zu Gunsten der Beschwerdeführerin
  ist daher zu beachten, dass ihr zunächst die Arbeitgeberin kündigte und sie
  erst gegen Ende ihrer Schwangerschaft die Aufhebungsvereinbarung
  unterzeichnete, welche aufgrund des angespannten Arbeitsverhältnisses im
  Beisein von lic. phil. F.______, eidg. anerkannte
  Psychotherapeutin, und dem Ehemann der Beschwerdeführerin zustande kam. Zudem
  war sie im Zeitpunkt der Aufhebungsvereinbarung von ihrem behandelnden Arzt
  C.______ aufgrund der psychischen Beschwerden bis zum 7. März 2020
  arbeitsunfähig geschrieben. Es ist daher bis zu einem gewissen Grad
  nachvollziehbar, wenn die Beschwerdeführerin die Aufhebungsvereinbarung
  unterzeichnete, um den gesundheitlichen Problemen nicht länger ausgesetzt zu
  sein und insbesondere das ungeborene Kind vor weiteren gesundheitlichen
  Belastungen zu schützen. Dadurch endete zwar das Arbeitsverhältnis vorzeitig,
  wobei die Beschwerdeführerin auch auf Lohn- bzw. Krankentaggelder
  verzichtete. Der Abschluss der Aufhebungsvereinbarung ist aber zumindest
  teilweise in den widrigen Umständen am Arbeitsplatz begründet. Der
  Beschwerdegegner berücksichtigte dies zwar, ging aber zu Unrecht davon aus,
  dass sich die Einstellung in der Anspruchsberechtigung auch auf Art. 30 Abs.
  1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV stützen lässt
  (vgl. E. II/4). Daher ist eine Reduktion der Einstelldauer geboten,
  wobei von einem mittelschweren Verschulden der Beschwerdeführerin auszugehen
  ist.

  
	
   

  
	
  Demgemäss ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Der
  Einspracheentscheid vom 30. September 2020 ist in dem Sinne abzuändern,
  dass die Beschwerdeführerin für 26 Tage
  in der Anspruchsberechtigung einzustellen ist. 

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Die Gerichtskosten sind von Gesetzes wegen auf die
  Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61
  lit. a ATSG). 

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheentscheid vom
    30. September 2020 wird in dem Sinne abgeändert, dass die
    Beschwerdeführerin für 26 Tage in der Anspruchsberechtigung
    eingestellt wird.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]