# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6609b0d9-92db-563b-9284-33c1e2404806
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.05.2010 D-3466/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3466-2010_2010-05-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3466/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Thomas Wespi, 
mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi;
Gerichtsschreiberin Anna Kühler.

A._______, geboren B._______,
Nigeria,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 23. März 2010 / 
N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3466/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge sein Heimatland 
im Juli  2006 verliess und über C._______, D._______ (ungefähr ein-
einhalb  Jahre  Aufenthalt)  und  Italien  (ungefähr  ein  Jahr  und  vier 
Monate Aufenthalt)  am 13. November  2009 in die  Schweiz einreiste, 
wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte,

dass er anlässlich der Kurzbefragung im F._______ vom 24. November 
2009  zur  Begründung  des  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend 
machte, er habe Nigeria verlassen, weil er angeschuldigt worden sei, 
eine  Ölpipeline  beschädigt  zu  haben,  welche  er  habe  reparieren 
müssen, beziehungsweise Öl gestohlen zu haben,

dass die Polizei ihn zweimal befragt habe, worauf er sich entschieden 
habe, das Land zu verlassen, 

dass  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom 
24. November  2009  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  Weg-
weisung nach Italien gewährt wurde, 

dass der Beschwerdeführer hierzu geltend machte, in Italien gebe es 
keine Arbeit und er habe dort kein gutes Leben gehabt, 

dass das BFM mit Verfügung vom 23. März 2010 – eröffnet am 12. Mai 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers  nicht  eintrat  und die  Wegweisung aus der  Schweiz 
sowie den Vollzug anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Be-
schwerdeführer sei am 4. September 2008 in Italien daktyloskopisch 
erfasst worden, als er dort um Asyl ersucht habe,

dass gestützt auf die einschlägigen staatsvertraglichen Bestimmungen 
(Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für 
die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten 
Asylantrags  [Dublin-Assoziierungsabkommen,  SR 0.142.392.68];  Ver-
ordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Fest-

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legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, 
der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem 
Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin-II-VO]; Ver-
ordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 
mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003 
des  Rates  [DVO  Dublin])  Italien  für  die  Durchführung  des  Asylver-
fahrens zuständig sei, 

dass das BFM weiter  ausführte,  aufgrund der  Tatsache, dass Italien 
innert Frist nicht geantwortet habe, sei von dessen Zustimmung aus-
zugehen, wobei eine Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Un-
terbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 16. Juni 2010 zu 
erfolgen habe, 

dass die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Gewährung 
des rechtlichen Gehörs zur Wegweisung nach Italien kein Hinder-nis 
für den Vollzug der Wegweisung nach Italien darstellen würd-en und 
damit nichts an der Zuständigkeit dieses Staates zur Behand-lung des 
Asylgesuchs zu ändern vermöchten, 

dass der Vollzug der Wegweisung nach Italien zulässig, zumutbar und 
möglich sei, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  14. Mai 2010  (Post-
stempel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erhob und dabei sinngemäss beantragte, die angefochtene 
Verfügung sei aufzuheben,

dass das Bundesverwaltungsgericht am 17. Mai 2010 den Vollzug der 
Wegweisung mittels vorsorglicher Massnahme provisorisch aussetzte,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

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dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  ist  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  i.V.m. 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art.  111 
Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um 
eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. Ent -
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer in Italien 
daktyloskopisch erfasst wurde und er am 4. September 2008 in Italien 
um Asyl nachsuchte,

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dass bei dieser Sachlage Italien für die Behandlung des Asylgesuchs 
des Beschwerdeführers staatsvertraglich zuständig ist,

dass die  vom Beschwerdeführer  bei  der  Gewährung des rechtlichen 
Gehörs geäusserten Bedenken hinsichtlich der Lebensumstände und 
der Arbeitsmarktsituation in Italien an dieser Feststellung nichts zu än-
dern vermögen,

dass der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rekurseingabe geltend macht, 
Italien nehme seine Pflichten nicht wahr, Asylsuchenden ein Obdach 
zu bieten, und er habe kein Essen erhalten, sondern sei stattdessen 
mit einem Päckchen Zigaretten pro Tag abgespeist worden, 

dass  er  ferner  geltend  machte,  er  werde  in  eine  unsichere  Zukunft  
abgeschoben,

dass  hinsichtlich  der  grundsätzlichen  Vorbehalte  gegenüber  der  Be-
handlung Asylsuchender in Italien festzuhalten ist, dass diese zwar bei  
der Unterkunft,  der Arbeit  und dem Zugang zur medizinischen Infra-
struktur gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt sein können,

dass aber auch zu erwähnen ist, dass Italien unter anderem Signatar-
staat  des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der Konvention vom 4. November 1950 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 
0.101) und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Fol-
ter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Be-
handlung oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  ist  und  keine  konkreten  Hin-
weise dafür  bestehen,  dieses  Land  werde sich  im vorliegenden Fall 
nicht  an  die  aus  diesen  Übereinkommen  resultierenden  Ver-
pflichtungen halten,

dass Dublin-Rückkehrende betreffend Unterbringung von den (...) Be-
hörden bevorzugt behandelt werden und sich – neben den staatlichen 
Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Be-
treuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,

dass  beispielsweise  die  Organisation  „Arci  con  Fraternità“  seit  dem 
1. Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino 
organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung 
anbietet,

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dass  unter  diesen  Umständen  entgegen  den  Beschwerdevorbringen 
keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, er würde im Fall 
einer  Rückkehr nach Italien in  eine existenzbedrohende Notlage ge-
raten (vgl. auch Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts  E-1826/2010 
vom  29.  März  2010,  E-4109/2009  vom  17.  August  2009  und  E-
6195/2009 vom 30. Oktober 2009),

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend keine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung erteilt  wurde 
und auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb 
die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Be-
stimmungen steht und demnach zu bestätigen ist, 

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens  –  bei  dem es  sich  um ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat handelt – systembedingt kein Raum bleibt für Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Aus-
länderinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass eine entsprechende Beurteilung soweit  notwendig vielmehr  be-
reits im Rahmen der Prüfung des Selbsteintritts stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinn  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach 
Italien  nach  dem  Gesagten  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und 
möglich erklärte,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder unangemessen sei (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 

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173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- das U._______ (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Anna Kühler

Versand: 

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