# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 46e62f2a-eb48-5fe4-ad63-caa16449037d
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 24.10.2022 SST.2022.162
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-162_2022-10-24.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2022.162 

(ST.2022.40; StA.2021.701) 

 

 

Urteil vom 24. Oktober 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Fedier, präsidierendes Mitglied  

Oberrichter Cotti  

Oberrichter Holliger  

Gerichtsschreiber Fehlmann        

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1975, von Kosovo, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Stefan Galligani,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 24. Februar 2022 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen mehrfachem, teilweise versuchtem Diebstahl, 

mehrfacher Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs sowie mehrfacher 

Widerhandlung gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz gemäss 

Art. 115 Abs. 1 lit. a und lit. b AIG. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Zofingen sprach den Beschuldigten mit Urteil vom 

7. April 2022 gemäss Anklage schuldig, verurteilte ihn zu einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 18 Monaten, widerrief die mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 4. Mai 2018 bedingt 

ausgesprochene Geldstrafe von 60 Tagessätzen, verwies ihn unter 

Ausschreibung im Schengener Informationssystems (SIS) für 10 Jahre des 

Landes und entschied über die beschlagnahmten Gegenstände sowie die 

Zivilklagen. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 21. Juli 2022 beantragte der Beschuldigte 

einen Freispruch von den Vorwürfen des Diebstahls sowie der 

Sachbeschädigung (Vorfall vom 14./15. Juli 2019), eine Verurteilung zu 

einer unbedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten und eine Reduktion der 

Dauer der Landesverweisung auf 5 Jahre. 

 

3.2. 

Der Beschuldigte reichte am 23. April 2022 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 14. September 2022 beantragte die 

Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufung. 

 

3.4. 

Mit freigestellter Stellungnahme vom 30. September 2022 replizierte der 

Beschuldigte. 

 

3.5. 

Die Berufungsverhandlung fand am 24. Oktober 2022 statt. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung richtet sich gegen die Schuldsprüche wegen Diebstahls sowie 

Sachbeschädigung (Anklageziffer 1.1) und damit einhergehend die 

Strafzumessung sowie die Dauer der Landesverweisung. Im Übrigen ist 

das Urteil der Vorinstanz unangefochten geblieben. Eine Überprüfung 

dieser unbestrittenen Punkte findet somit grundsätzlich nicht statt (Art. 404 

Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des Diebstahls sowie der 

Sachbeschädigung schuldig gesprochen. Sie ging im Wesentlichen 

gestützt auf die unglaubhaften Aussagen des Beschuldigten sowie dessen 

sichergestellter DNA-Spur davon aus, dass er den Zigarettenautomaten im 

Lokal B. aufgebrochen und 320 Zigarettenpackungen im Wert von 

Fr. 2'500.00 entwendet habe. 

 

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch und macht im Wesentlichen 

geltend, dass seine gesicherte DNA-Spur durch eine Sekundärübertragung 

auf die Auszugskante des Münzfachs des Zigarettenautomaten gelangt 

sein könne und dass seine Aussagen nicht widersprüchlich seien. 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt die Abweisung der Berufung und macht 

im Wesentlichen geltend, dass der Beschuldigte widersprüchlich 

ausgesagt habe und dass das Münzfach nicht in Kontakt mit textilem 

Material für eine Sekundärübertragung gekommen sei. 

 

2.2. 

Wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, 

um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, macht sich 

des Diebstahls schuldig (Art. 139 Ziff. 1 StGB; vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1360/2019 vom 20. November 2020 E. 2.3 m.H.). Wer eine 

Sache, an der ein fremdes Eigentums‑, Gebrauchs- oder Nutzniessungs-

recht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht, macht sich der 

Sachbeschädigung schuldig (Art. 144 Abs. 1 StGB; vgl. BGE 115 IV 26 

E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6B_978/2014 vom 23. Juni 2015 E. 3.3.1). 

 

2.3. 

2.3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass in der 

Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2019 im Lokal B. in Q. ein Zigarettenautomat 

aufgebrochen und 320 Zigarettenpackungen im Wert von Fr. 2'500.00 

entwendet wurden. Umstritten ist, ob es der Beschuldigte gewesen ist. 

 

 - 4 - 

 

 

 

2.3.2. 

Mit der Vorinstanz ist erstellt, dass der Beschuldigte den Zigaretten-

automaten aufgebrochen und die 320 Zigarettenpackungen entwendet hat: 

 

Auf der Auszugskante des Münzfachs des Zigarettenautomaten wurde ein 

DNA-Mischprofil von mindestens zwei Spurengebern gesichert, woraus ein 

männliches Hauptprofil in 16 STR-Loci ermittelt werden konnte. Dieses 

DNA-Hauptprofil stimmt in allen 16 STR-Loci mit dem DNA-Profil des 

Beschuldigten überein (Untersuchungsakten [UA] act. 137). Die Auszugs-

kante des Münzfachs wird gebraucht, um das Münzfach in den Zigaretten-

automaten einzulegen oder herauszuziehen, wie das u.a. beim Leeren des 

Münzfachs der Fall ist (vgl. Vollzugsbericht der Kantonspolizei Aargau vom 

30. Januar 2022, UA act. 141; vgl. auch Bilder: UA act. 127). Es ist baulich 

bedingt nicht möglich, dass eine eingeworfene Münze (so aber der 

Beschuldigte in: UA act. 71, VA act. 56) mit der Auszugskante des Münz-

fachs in Berührung kommen kann (Vollzugsbericht der Kantonspolizei 

Aargau vom 30. Januar 2022, UA act. 142; vgl. auch Bilder: UA act. 127). 

Eine Übertragung von DNA-Spuren durch Münzeinwürfe auf die Auszugs-

kante fällt ausser Betracht. 

 

Auf die Aussagen des Beschuldigten (Hafteröffnung vom 28. November 

2021, UA act. 43 ff.; Protokoll der Verhandlung vor dem Zwangs-

massnahmengericht vom 30. November 2021, UA act. 67 ff.; delegierte 

Einvernahme der Polizei vom 19. Januar 2022, UA act. 145 ff.; Protokoll 

der Hauptverhandlung vom 7. April 2022, VA act. 48 ff.; Protokoll der 

Berufungsverhandlung [Protokoll]) kann weitgehend nicht abgestellt 

werden. Die Aussagen erweisen sich aufgrund der nachfolgenden Gründe 

in den wesentlichen Punkten als nicht glaubhaft. 

 

Die DNA-Spuren lassen sich entgegen dem Beschuldigten nicht durch eine 

Sekundärübertragung erklären. Er hat zunächst sowie grundsätzlich vor 

Obergericht explizit selber ausgesagt, dass er im Lokal B. nichts berührt 

habe (UA act. 71; Protokoll, S. 3 f., 5 f.), da er sonst – er sei im Kosovo 

Polizist sowie Militärpolizist gewesen – Spuren verwischen würde 

(Protokoll, S. 6, 10). Erst vor Vorinstanz auf erneute, explizite Nachfrage 

des Gerichtspräsidenten unter Hinweis auf den Fundort der sicher-

gestellten DNA-Spur an der Auszugskante sowie teilweise vor Obergericht 

hat der Beschuldigte erstmals ausgeführt, dass er bis am Abend im Lokal 

gewesen sei und Teile des Zigarettenautomaten, wovon sich einige auf 

dem Tisch befunden hätten, mit den Händen berührt haben könnte. Er 

glaube nicht, dass er etwas berührt habe, schliesse es aber nicht aus (VA 

act. 56; Protokoll, S. 4, 6). Diese neuen Aussagen sind in mehrfacher 

Hinsicht widersprüchlich, nämlich insbesondere zur (ausführlicheren) 

tatnächsten Einvernahme anlässlich der Verhandlung vor dem Zwangs-

massnahmengericht (siehe vorstehend). Entgegen der Verteidigung lässt 

sich dieser Widerspruch nicht mit der (blossen) Konfrontation mit dieser 

 - 5 - 

 

 

 

DNA-Spur erklären, wurde dem Beschuldigten die DNA-Spur u.a. bereits 

an der Einvernahme vor dem Zwangsmassnahmengericht explizit 

vorgehalten (vgl. UA act. 71). Aber auch zu den gemäss eigenen Aussagen 

einleitend im freien Bericht vor Vorinstanz gemachten Aussagen, wonach 

er nicht mehr [gemeint wohl nach einer angeblichen Erstellung einer 

Videoaufnahme des Tatorts] «reingegangen» sei. Im Übrigen lässt sich 

auch dem Video keine Berührung des Zigarettenautomaten oder des 

Münzfachs entnehmen. Das Münzfach und damit die für die gesicherte 

DNA-Spur relevante Auszugskante hat sich jedenfalls nicht auf einem vom 

Beschuldigten erwähnten Tisch mit einem Jass-Teppich befunden, 

sondern ist vor dem Zigarettenautomaten auf dem Boden gelegen (vgl. 

Aktennotiz der Staatsanwaltschaft vom 12. September 2022; UA act. 127; 

vgl. die im Übrigen hinsichtlich der Lage des Münzfachs übereinstimmende 

Videoaufnahme, die vom Beschuldigten eingereicht wurde). Mithin ist diese 

Auszugskante, die sich auf der vom Boden abgewendeten Seite befindet 

(vgl. Bild in: UA act. 127), weder mit dem Boden noch mit einem Jass-

Teppich in Berührung gekommen. Insofern ist es auch nicht relevant, ob 

der Beschuldigte im Lokal übernachtet hatte. 

 

Der Beschuldigte hat als Person, welcher er den von ihm angeblich 

festgestellten Diebstahl telefonisch gemeldet habe, zunächst den Sohn 

seines Onkels (UA act. 45), dann einen Herrn C., ein Freund des 

Klubbesitzers D. (Cousin des Beschuldigten bzw. Sohn seines Onkels; UA 

act. 70, VA act. 55, Protokoll, S. 3), angegeben. Der Beschuldigte hat zum 

anlässlich dieses erwähnten Telefonats mitgeteilten Inhalts zunächst 

ausgesagt, dass sich die von ihm angerufene Person [zunächst also der 

Sohn seines Onkels, dann dieser Herr C.] beim Eigentümer des Zigaretten-

automaten oder bei der Polizei melden soll (UA act. 45 sowie UA act. 70). 

Gemäss Aussage des Beschuldigten vor Vorinstanz sowie Obergericht soll 

demgegenüber in seiner Anwesenheit neu dieser Herr C. dem Eigentümer 

des Zigarettenautomaten E. angerufen haben (VA act. 55; Protokoll, S. 4). 

Gemäss ohne weiteres glaubhafter Aussage von E. wurde er aber erst am 

Abend um rund 22:00 Uhr von zwei Personen in seinem Billardcenter über 

den Diebstahl informiert (VA act. 51; vgl. insofern, aber ohne explizite 

Zeitangabe auch die Verteidigung in der Berufungsbegründung). Überdies 

wäre er bei einem früheren Anruf (nachmittags) wohl sofort [zum 

Zigarettenautomaten] gegangen (VA act. 53 f.; vgl. hinsichtlich eines 

blossen Anrufversuchs auch die Verteidigung in der Berufungs-

begründung). Der Beschuldigte hat als Grund, dass er nicht die Polizei 

angerufen habe, zunächst sein Einreiseverbot in die Schweiz (UA act. 45, 

wobei er das Wissen um dieses Einreiseverbot bei der übernächsten Frage 

zu diesem Einreiseverbot wieder in Abrede gestellt hat), dann die Mitteilung 

von D., dass Herr C. zuständig sei, weshalb er ihn angerufen habe (UA 

act. 71), und vor Vorinstanz sowie Obergericht seinen Aufenthaltsstatus als 

Tourist (VA act. 55; Protokoll, S. 3) angegeben. In sich widersprüchlich ist 

weiter, dass der Beschuldigte aufgrund der Verhaftung von D. [ein paar 

 - 6 - 

 

 

 

Tage vor dem Vorfall] die Verantwortung während Tagen über das Lokal 

gehabt bzw. übernommen habe, allerdings nach der angeblichen 

Feststellung des Aufbruchs des Zigarettenautomaten alles an diesen Herrn 

C. allein übertragen habe, da er – als Tourist – «andere Sachen» zu tun 

habe (Protokoll, S. 3 f., 6 f.). 

 

Die verschiedenen, sich ändernden und widersprüchlichen Aussagen des 

Beschuldigten lassen erhebliche Zweifel daran aufkommen, dass der 

Beschuldigte den Aufbruch des Zigarettenautomaten bloss bemerkt hat. 

Derartig eklatante Widersprüche in den wesentlichen Punkten wären bei 

einer unbeteiligten Person, die den Einbruch bloss festgestellt und gemel-

det hätte, nicht zu erwarten. Diese zahlreichen sowie teilweise eklatanten 

Widersprüche lassen sich nicht mit blossen Übersetzungs- oder Protokol-

lierungsfehlern erklären (so aber der Beschuldigte in: Protokoll, S. 8 f.), 

zumal er in den erwähnten Einvernahmen von seinem amtlichen Vertei-

diger (bzw. einmal substituiert) vertreten wurde und die Übersetzung sowie 

das Protokoll regelmässig von einer anderen Person gemacht wurden. 

 

Aufgrund des in allen 16 STR-Loci mit dem Beschuldigten überein-

stimmenden DNA-Hauptprofils, das von der Auszugskante des Münzfachs 

gesichert wurde, der Konstruktion des Zigarettenautomaten, wonach die 

Auszugskante nur beim Leeren berührt werden kann, und der erwähnten, 

in den wesentlichen Punkten unglaubhaften Aussagen des Beschuldigten 

bestehen keine rechtserheblichen Zweifel an der Täterschaft des 

Beschuldigten. 

 

2.4. 

Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob dieser Herr C., bei dem es 

sich um F. handeln soll, eine der Aussagevarianten des Beschuldigten 

bestätigen sollte. Denn dies würde nichts daran ändern, dass die Aussagen 

des Beschuldigten in den vorerwähnten, wesentlichen Punkten 

widersprüchlich und daher unglaubhaft sind. Weiter sind keine weiteren 

Erkenntnisse aus einer Befragung von G., angeblich ein bevollmächtigter 

Vertreter des Hauptmieters und angeblich der Empfänger des 

vorerwähnten Videos, zu erwarten. Selbst wenn G. den Empfang dieses 

Videos bestätigen sollte, würde dies der ersten Aussage des Beschuldigten 

widersprechen, wonach er das Video dem Sohn seines Onkels geschickt 

habe (UA act. 45), während er es gemäss Aussage vor Obergericht neu 

sogar mehreren Personen geschickt habe (Protokoll, S. 5, 9). Ob diese 

Videoaufnahme tatsächlich vom Beschuldigten erstellt worden ist – diese 

wurde bei der Durchsuchung des Mobiltelefons des Beschuldigten nicht 

aufgefunden –, ist nicht entscheidend. Denn es erscheint durchaus 

plausibel, dass der Beschuldigte eine Videoaufnahme des Tatorts deshalb 

gemacht haben könnte, um in der Position als Melder der Straftat von einer 

allfälligen Tatbeteiligung seinerseits abzulenken. Nachdem das 

Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs mangels Strafantrags 

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eingestellt wurde (Einstellungsverfügung der Oberstaatsanwalt vom 

24. Februar 2022, UA act. 152.3 f.) und gemäss Anklage das Fenster 

«bloss» geöffnet worden sei, kann offen bleiben, ob der Beschuldigte 

(zumindest zeitweise) über einen Schlüssel zum Lokal verfügt hat oder er 

durch ein Fenster eingestiegen ist. Inwiefern der blosse Umstand, dass der 

Beschuldigte mit F. oder mit G. – im Übrigen über eine bisher durch das 

ganze Verfahren hindurch unbekannte Rufnummer – in Kontakt gestanden 

sei, für den Tatvorwurf relevante Erkenntnisse liefern könnte, erschliesst 

sich nicht. 

 

2.5. 

Der Beschuldigte hat den Zigarettenautomaten, der im Eigentum von E. 

gestanden ist, durch Aufbrechen beschädigt. Durch die Entwendung der 

Zigaretten wurde der Gewahrsam an diesen gebrochen und in der Folge 

neuer Gewahrsam durch den Beschuldigten begründet. Dies ist zur 

Aneignung erfolgt, hat er doch wie ein Eigentümer über die Sachen verfügt. 

Er hat angesichts seines Vorgehens mit Aufbrechen des Zigaretten-

automaten und Entwendung der Zigaretten zweifellos mit Wissen und 

Willen sowie in der Absicht, sich um die Zigaretten, auf die er keinen 

Anspruch gehabt hat, zu bereichern, gehandelt. Der Beschuldigte hat sich 

des Diebstahls sowie der Sachbeschädigung schuldig gemacht. 

 

3. 

3.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.2. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Beach-

tung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweck-

mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter 

und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). 

 

Der Beschuldigte weist zwei Vorstrafen auf. Er wurde mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen vom 11. Juli 2017 wegen 

Fälschung von Ausweisen zu einer bedingten Geldstrafe von 21 Tages-

sätzen sowie einer Verbindungsbusse von Fr. 300.00 und mit Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 4. Mai 2018 wegen 

rechtswidriger Einreise sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu 

einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen verurteilt. Es ist eine 

massive Steigerung der Delinquenz hin zu Verbrechen festzustellen. Ob 

der Beschuldigte in der Zwischenzeit tatsächlich nicht mehr mit dem Gesetz 

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in Konflikt geraten ist, erscheint in Anbetracht des aktuellen Strafregister-

auszugs, der eine Strafuntersuchung datierend vom 3. März 2022 wegen 

Betrugs beinhaltet, denn auch zumindest zweifelhaft. Wenn auch aufgrund 

der Unschuldsvermutung nur mit Zurückhaltung zu würdigen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_882/2009 vom 30. März 2010 E. 2.6), so lässt diese 

laufende Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten zumindest gewisse 

Zweifel darüber aufkommen. Er lebte vor der Haft – allerdings mit 

Unterbrüchen abhängig von seinem allfällig «störenden» Verhalten – 

wieder mit seiner Ex-Frau sowie den drei gemeinsamen Kindern (22 Jahre, 

21 Jahre sowie 14 Jahre) zusammen und war für jeweils eine kurze Zeit bei 

wechselnden Arbeitgebern erwerbstätig (UA act. 14 f.). Es scheint knapp 

(noch) nicht so, dass nur eine Freiheitsstrafe geeignet wäre, den 

Beschuldigten von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen 

abzuhalten. Es ist deshalb – soweit schuldangemessen – eine Geldstrafe 

auszufällen. 

 

3.3. 

Die Einsatzstrafe ist für den versuchten Diebstahl der drei Bankomaten der 

H. als – bei gleichen Strafrahmen – qua Verschulden konkret schwerste 

Straftat festzusetzen: 

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der 

Straftatbestand des Diebstahls schützt die Verfügungsmacht des 

Eigentümers als Teil des Vermögens (BGE 129 IV 223 E. 7.3). 

 

Der Beschuldigte hat zwischen 27. Oktober 2019, ca. 21:45 Uhr, und 

28. Oktober 2019, 1:01 Uhr in […] R. an der […] im Einkaufszentrum I. 

begonnen, die Vorderseite des ersten von drei Bankomaten der H. 

abzuschleifen (vgl. zur Erstellung des angeklagten Sachverhalts: 

vorinstanzliches Urteil E. 4.2). Es ist von einem Deliktsbetrag pro Bankomat 

von mehreren Fr. 100'000.00, mithin bei drei Bankomaten sogar von über 

1 Million Franken, auszugehen. Unter Berücksichtigung des grossen 

Spektrums möglicher Deliktsbeträge ist von einem vergleichsweise ganz 

erheblichen Taterfolg auszugehen. 

 

Straferhöhend wirkt sich die Art und Weise der Tatbegehung und damit 

einhergehend die Verwerflichkeit des Handelns aus. Es wurde ein ca. 

60 cm grosses Loch in die Mauer des Einkaufszentrums gebohrt. Nach 

gewaltsamen Hochheben der Metalljalousien sowie dem Abkleben der 

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insgesamt vier Überwachungskameras mit schwarzem Klebeband hat der 

Beschuldigte angefangen, den ersten der drei Bankomaten abzuschleifen. 

Das Vorgehen war angesichts des verwendeten Klebebands und der ver-

wendeten sowie bei der Flucht zurückgelassenen Werkzeuge organisiert 

sowie planmässig und es zeugt von einer hohen kriminellen Energie. 

 

Rein monetäre Beweggründe wirken sich beim Diebstahl nicht ver-

schuldenserhöhend aus, denn diese sind jedem Vermögensdelikt 

immanent und dürfen bei den Tatkomponenten nicht nochmals ver-

schuldenserhöhend berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_1327/2015 vom 16. März 2016 E. 4.2). 

 

Verschuldenserhöhend ist sodann das grosse Mass an Entscheidungs-

freiheit, über das der Beschuldigte verfügt hat, zu berücksichtigen. Er 

verfügt zwar nach eigenen Angaben über Schulden von mehr als 

Euro 40'000.00 (Protokoll, S. 11). Ihn mögen somit zwar finanzielle 

Probleme geplagt haben, er befand sich aber nicht in einer akuten 

finanziellen Notlage. Vielmehr sei er – durch seine Arbeit vor der Haft – in 

der Lage gewesen, den monatlichen Zins zu bezahlen (vgl. Protokoll, 

S. 11). Es ist auch nicht ersichtlich, dass er aufgrund einer subjektiv als 

aussichtlos empfundenen Situation oder bloss unter dem Druck anderer 

Personen gehandelt hätte. Er hat den aus seiner Sicht einfachsten sowie 

schnellsten Weg gewählt. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, die 

Verfügungsmacht des Eigentümers zu respektieren, desto schwerer wiegt 

die Entscheidung gegen sie und damit sein Verschulden (vgl. BGE 

127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114 mit Hinweisen). 

 

Insgesamt wäre für den vollendeten Diebstahl in Relation zum Strafrahmen 

von bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe von einem nicht mehr nur mittel-

schweren bis schweren Verschulden und einer dafür angemessenen 

Freiheitsstrafe von 3 Jahren auszugehen. 

 

Da es vorliegend bei einem versuchten Diebstahl geblieben ist, ist die 

Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei hat die 

Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher der tatbestands-

mässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen der Tat waren 

(BGE 121 IV 49 E. 1b). Der Beschuldigte hat einzig aufgrund des 

ausgelösten Alarms die Flucht ergriffen. Er sah somit nicht aus eigenem 

Antrieb, sondern einzig aufgrund äusserer Umstände von einer 

Weiterverfolgung der Tat ab. Der Unterschied zwischen des vom 

Beschuldigten beabsichtigten Diebstahls und dem tatsächlich erfolgten 

blossen Versuch ist aber sehr gross. Vom Ausbleiben des Taterfolgs 

profitiert auch der Täter. Dies rechtfertigt unter den vorliegenden 

Umständen, den Versuch im Umfang von 1.5 Jahren strafmindernd zu 

berücksichtigen, so dass die Einsatzstrafe für den versuchten Diebstahl auf 

1.5 Jahre bzw. 18 Monate festzusetzen ist. 

 - 10 - 

 

 

 

 

3.4. 

Die Einsatzstrafe wäre – soweit eine Freiheitsstrafe schuldangemessen 

wäre – für die weiteren Delikte angemessen zu erhöhen. Es kann 

vorliegend aufgrund des Verschlechterungsverbots offengelassen werden, 

ob für die übrigen Delikte aufgrund des jeweiligen Verschuldens allenfalls 

eine Geldstrafe auszusprechen wäre. Da sich die Täterkomponenten – wie 

zu zeigen sein wird – neutral auswirken, bleibt es bei der von der Vorinstanz 

ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 18 Monaten. 

 

3.5. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Strafregister-

auszug weist zwei tiefere, bedingte Geldstrafen als Vorstrafen auf. Diese 

teilweise einschlägigen Vorstrafen sind leicht straferhöhend zu berück-

sichtigen (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Die bedingten Geldstrafen haben den 

Beschuldigten offensichtlich unbeeindruckt gelassen und er hat daraus 

nicht die nötigen Lehren gezogen. Es ist allerdings zu beachten, dass aus 

dem täterbezogenen Strafzumessungskriterium der Vorstrafen nicht 

indirekt ein tatbezogenes Kriterium gemacht wird. Die Vorstrafen dürfen 

deshalb nicht wie eigenständige Delikte gewürdigt werden (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.4). 

 

Wer wie der Beschuldigte nicht geständig ist, kann hinsichtlich des 

begangenen Unrechts auch nicht einsichtig und reuig sein. Es ist bei ihm 

keine Einsicht oder Reue, die über eine blosse Tatfolgenreue hinausgeht, 

auszumachen. Eine erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem von 

Anfang an vollständig geständigen und einsichtigen Straftäter möglich ist, 

kommt vorliegend somit nicht in Frage. 

 

Aus den persönlichen und familiären Verhältnissen des Beschuldigten 

ergeben sich keine für die Strafzumessung relevanten Faktoren. Er lebte 

vor der Haft mit seiner Ex-Frau sowie den drei gemeinsamen Kindern 

zusammen, allerdings mit Unterbrüchen, und war erwerbstätig. Die 

Rechtsprechung hat wiederholt betont, dass eine erhöhte Straf-

empfindlichkeit beim Vollzug einer Freiheitsstrafe als unmittelbar 

gesetzmässige Folge nur bei aussergewöhnlichen Umständen – die in casu 

nicht vorliegen – zu bejahen ist (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019 E. 3.4). Dies gilt auch hinsichtlich des 

Aspekts, dass der Beschuldigte arbeitstätig und in ein familiäres Umfeld 

eingebettet war (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_748/2015 vom 

29. Oktober 2015 E. 1.3). 

 

Die Täterkomponente wirkt sich damit insgesamt noch knapp neutral aus. 

 

 - 11 - 

 

 

 

3.6. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei 

Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig 

erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 

Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Das Gericht kann den Vollzug 

einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren 

teilweise aufschieben, wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des 

Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 StGB). Ergeben sich 

ganz erhebliche Bedenken an der Legalbewährung des Täters, die bei 

einer Gesamtwürdigung aller Umstände eine eigentliche Schlechtprognose 

noch nicht zu begründen vermögen, so kann das Gericht den Vollzug der 

Freiheitsstrafe teilweise aufschieben (BGE 134 IV 60 E. 7.4 mit Hinweis auf 

BGE 134 IV 1 E. 5.5.2). Auf diesem Wege kann das Gericht im Bereich 

höchst ungewisser Prognosen dem Dilemma «Alles oder Nichts» 

entgehen. 

 

Der Beschuldigte ist mehrfach, teilweise einschlägig vorbestraft, was bei 

der Prognosestellung als erheblich ungünstiges Element zu gewichten ist. 

Das fehlbare Verhalten hat verschiedene Lebensbereiche und Tatbestände 

(Urkundendelikte, Waffengesetz, Ausländergesetz) betroffen. Er hat die 

vorliegenden Delikte ganz knapp nach Ablauf der Probezeit der mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen bedingt 

ausgesprochenen Geldstrafe von 21 Tagessätzen und zumindest teilweise 

während laufender Probezeit der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

des Kantons Solothurn vom 4. Mai 2018 bedingt ausgesprochenen 

Geldstrafe von 60 Tagessätzen begangen. Das Verhalten des 

Beschuldigten weist angesichts der Steigerung hin zu Verbrechen eine 

erhebliche Gleichgültigkeit gegenüber den bestehenden Normen auf. Das 

Zusammenleben mit seiner Familie war zumindest bisher nicht wieder 

dauerhaft, sondern von seinem «störenden» Verhalten abhängig. 

Angesichts dieser Umstände ergeben sich ganz erhebliche Bedenken an 

der Legalbewährung des Beschuldigten, die bei einer Gesamtwürdigung 

aller Umstände eine eigentliche Schlechtprognose jedoch knapp noch nicht 

zu begründen vermögen, zumal der Beschuldigte noch nie zu einer 

Freiheitsstrafe verurteilt worden ist (vgl. zu zwischenzeitlich aus dem 

Strafregister entfernten Vorstrafen: BGE 135 IV 87). Um einer zukünftigen 

Delinquenz genügend entgegen zu wirken, reicht neben dem blossen (nicht 

angefochtenen) Widerruf der bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen die 

zu erwartende, abschreckende Wirkung der Freiheitsstrafe auch in 

Kombination mit Ausfällung einer blossen Verbindungsbusse nicht aus (vgl. 

dazu BGE 134 IV 60 E. 7.4 f. mit Hinweisen). Vielmehr erscheint es 

notwendig – aber auch ausreichend –, dass ein Teil der Freiheitsstrafe 

vollzogen wird. Erst der Vollzug eines Teils der Freiheitsstrafe erlaubt für 

die Zukunft eine weitaus bessere Prognose. Die Strafteile sind zur 

Verbesserung der Legalbewährung und unter Berücksichtigung der 

Einzeltatschuld für den unbedingten Strafteil auf 10 Monate und für den 

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 - 12 - 

 

 

 

bedingten Strafanteil auf 8 Monate festzusetzen. Aufgrund der nach wie vor 

bestehenden Unsicherheiten bezüglich seiner Legalbewährung ist die 

Probezeit für die Freiheitsstrafe über das gesetzliche Minimum auf 3 Jahre 

festzusetzen. 

 

3.7. 

Die gesamte bisher ausgestandene Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft 

von insgesamt 331 Tagen (28. November 2021 bis 24. Oktober 2022) sind 

dem Beschuldigten von Amtes wegen auf die Freiheitsstrafe anzurechnen 

(Art. 51 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; Art. 236 Abs. 4 StPO; BGE 

135 IV 126). 

 

4. 

4.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 

145 IV 161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_513/2021 vom 31. März 2022). Darauf kann verwiesen werden. 

 

4.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB 

unter Ausschreibung im Schengener Informationssystems (SIS) für 

10 Jahre des Landes verwiesen. 

 

Der Beschuldigte wendet sich einzig gegen die Dauer der 

ausgesprochenen Landesverweisung. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte hat mit dem teilweise versuchten Diebstahl in Verbindung 

mit Hausfriedensbruch in das Einkaufszentrum I. eine Katalogtat für eine 

obligatorische Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB begangen 

(vgl. zur Anwendung auf den Versuch: BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). Er ist 

somit grundsätzlich für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz zu verweisen. Er 

wurde weiter wegen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung sowie 

mehrfacher Widerhandlung gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz 

gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a und lit. b AIG verurteilt. Damit liegen mehrere 

Verbrechen vor. Das Verschulden ist insbesondere hinsichtlich des 

versuchten Diebstahls der Bankomaten angesichts einer Freiheitsstrafe 

von 18 Monaten bei einem Strafrahmen von bis zu 5 Jahren als 

entsprechend hoch zu veranschlagen, aber auch hinsichtlich der übrigen 

Delikte nicht zu bagatellisieren. Dem Beschuldigten konnte nur knapp keine 

eigentliche Schlechtprognose gestellt werden. Im Rahmen der 

Landesverweisung sind allerdings gelöschte Straftaten in der Gesamt-

betrachtung zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

 - 13 - 

 

 

 

6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.6). Der Beschuldigte wurde vom 

Kreisgerichts Chur am 12. Februar 1998 u.a. wegen mehrfachen, teilweise 

versuchten Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen 

Hausfriedensbruchs sowie Angriffs zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt und 

für 7 Jahre des Landes verwiesen. Das öffentliche Interesse an einer 

Wegweisung wiegt entsprechend hoch, zumal es sich bei der 

strafrechtlichen Landesverweisung in erster Linie um eine sichernde 

Massnahme handelt. Dem steht ein vergleichsweise geringes privates 

Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz gegenüber. 

Der Beschuldigte hat bereits vor der Haft nicht in der Schweiz gelebt, 

sondern es bestand vielmehr ein vom Staatssekretariat für Migration mit 

Verfügung vom 2. März 2018 ausgesprochenes Einreiseverbot vom 

4. März 2018 bis 3. März 2021. Der Beschuldigte sei von 1994 bis 1998 als 

Asylant in der Schweiz gewesen, danach als Tourist (Protokoll, S. 10). 

Seine Ex-Frau sowie die drei Kinder wohnen im Kosovo und er möchte 

grundsätzlich bei ihnen bleiben (Protokoll, S. 10 f.). Der Beschuldigte ist 

damit weder persönlich, familiär, wirtschaftlich oder gesellschaftlich in der 

Schweiz integriert. 

 

Bei einer Gesamtwürdigung aller relevanter Umstände und unter Berück-

sichtigung des Schuld- und Verhältnismässigkeitsprinzips ist die Dauer der 

Landesverweisung auf 10 Jahre festzusetzen. 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Berufung 

des Beschuldigten erweist sich als weitgehend unbegründet. Er erwirkt 

aber hinsichtlich der Vollzugsform ein nicht unerheblich günstigeres Urteil. 

Bei diesem Verfahrensausgang sind die obergerichtlichen Verfahrenskos-

ten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) zu ¾ mit Fr. 3'000.00 dem Beschuldigten 

aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von 

ihm eingereichte Kostennote aus der Staatskasse mit Fr. 7'120.90 zu 

entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¾ mit Fr. 5'340.70 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

5.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 - 14 - 

 

 

 

 

Die beschuldigte Person trägt im erstinstanzlichen Verfahren die 

Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). 

Der Beschuldigte wurde gemäss Anklageschrift schuldig gesprochen, 

weshalb ihm die erstinstanzlichen Verfahrenskosten ohne Übersetzungs-

kosten vollumfänglich aufzuerlegen sind. 

 

Was die Höhe der erstinstanzlichen Verfahrenskosten betrifft, so können 

dem Beschuldigten allgemeine Aufwendungen der Polizei, welche diese 

aufgrund ihrer Stellung als Strafbehörde in einem konkreten Strafverfahren 

zu erbringen hat, wie beispielsweise Fahndungs- und Festnahmekosten, 

Ermittlungskosten, Kosten der Beweissicherung oder Kosten der 

polizeilichen Foto- und Erkennungsdienste, nicht als Auslagen gemäss 

Art. 422 Abs. 2 lit. d StPO auferlegt werden, sondern solche allgemeinen 

Aufwendungen können bei einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage 

bei der Festsetzung der Gebühren gemäss Art. 422 Abs. 1 StPO 

berücksichtigt werden (BGE 141 IV 465 E. 9.5.3; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1430/2019 vom 10. Juli 2020 E. 1.2, nicht publ. in BGE 146 IV 196). 

Massgebend ist vorliegend das Dekret über die Verfahrenskosten des 

Kantons Aargau (Verfahrenskostendekret, VKD). Es besteht mit Ausnahme 

der Tatbestandsaufnahme durch die Kantonspolizei bei Strassenverkehrs-

unfällen (§ 15 Abs. 2 VKD) keine gesetzliche Grundlage für eine Berück-

sichtigung weiterer allgemeiner Kosten. Gegenteiliges lässt sich im Übrigen 

auch nicht aus dem von der Vorinstanz herangezogenen Urteil des Ober-

gerichts SDT.2016.2010 (recte wohl: SST.2016.210) vom 31. Januar 2017 

entnehmen, wo in Dispositivziffer 4 explizit festgehalten wurde, dass die 

Anklagegebühr auch die (von der damaligen Vorinstanz in deren Urteil 

noch zusätzlich separat auferlegten) Kosten des Polizeikostenrapports von 

Fr. 555.00 enthalte. Nachdem es vorliegend nicht um einen 

Strassenverkehrsunfall gegangen ist, können die Polizeikosten von 

Fr. 150.00 als allgemeine Aufwendungen der Polizei mangels gesetzlicher 

Grundlage dem Beschuldigten nicht auferlegt werden, zumal die Vorinstanz 

die Polizeikosten selber als «nicht verrechenbar» qualifiziert und die 

Anklagegebühr gemäss Formular der Staatsanwaltschaft entgegen der 

Vorinstanz nicht Fr. 2'150.00, sondern Fr. 2'000.00 beträgt. 

 

5.4. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 10'516.80 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückgekommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 

vom 28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

 - 15 - 

 

 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- des mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 

StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; 

- der mehrfachen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB; 

- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB; [in Rechtskraft 

erwachsen] 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Ausländer- und Integrations-

gesetz gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a und lit. b AIG. [in Rechtskraft 

erwachsen] 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie gestützt auf Art. 47, Art. 49 Abs. 1, Art. 40, Art. 43, 

Art. 46 Abs. 1 StGB zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten 

mit einem vollziehbaren Anteil von 10 Monaten und einem bedingt zu 

vollziehenden Anteil von 8 Monaten, Probezeit 3 Jahre, verurteilt. 

 

2.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 

4. Mai 2018 für die Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 30.00, d.h. 

Fr. 1'800.00, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. 

 

2.3. 

Die ausgestandene Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft von 331 Tagen 

(28. November 2021 bis 24. Oktober 2022) werden dem Beschuldigten auf 

die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB für 10 Jahre des 

Landes verwiesen. 

 

Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem (SIS) 

ausgeschrieben. 

 

 - 16 - 

 

 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

4.1. 

Folgende beschlagnahmte Gegenstände sind dem Beschuldigten auf 

Verlangen herauszugegeben: 

 

- Serbische Identitätskarte, Reg. No. […], Personal No. […], kyrillische 

Schrift; 

- Serbischer Führerschein, lautend auf J., tt.mm.1975, 

Führerausweisnummer […]; 

- iPhone 8+, weiss, Rückseite beschädigt, schwarze Schutzhülle. 

 

Werden sie vom Beschuldigten nicht innert 30 Tagen seit Eintritt der 

Rechtskraft bei der Vorinstanz herausverlangt, trifft die Staatsanwaltschaft 

die sachgemässen Verfügungen. 

 

4.2. 

Folgende beschlagnahmte Gegenstände werden eingezogen: 

 

- Schraubenzieher; 

- Werkzeugtasche. 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

5. [in Rechtskraft erwachsen] 

5.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin H. Schadenersatz von 

Fr. 4'386.40 nebst Zins zu 5 % auf Fr. 3'455.85 seit 28. Dezember 2019, 

auf Fr. 686.35 seit 8. Dezember 2019 und auf Fr. 244.20 seit 8. Dezember 

2019 zu bezahlen. 

 

5.2. 

Im Übrigen werden die Zivilklagen auf den Zivilweg verwiesen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden zu ¾ mit 

Fr. 3'000.00 dem Beschuldigten auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 7'120.90 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¾ mit Fr. 5'340.70 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 - 17 - 

 

 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'714.00 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 2'000.00, ohne Übersetzungskosten) werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 10'516.80 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 24. Oktober 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Fedier Fehlmann