# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0a2bfc2f-cc84-5a16-bcec-9515ec545558
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-06-02
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 02.06.2006 S 2006 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2006-22_2006-06-02.pdf

## Full Text

S 06 22

2. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 2. Juni 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

1. …, geboren 1975, war seit 1. November 1998 als Pflegerin für die … in … 

tätig. Über die Arbeitgeberin war sie bei der SUVA gegen die Folgen von 

Unfall und Berufskrankheit versichert.

2. Am 17. August 2000 wurde die Versicherte auf dem Weg zur Arbeit Opfer 

eines Verkehrsunfalls; als sie mit ihrem Personenwagen vor einem 

Fussgängerstreifen anhielt, fuhr ein nachfolgender Personenwagen auf das 

Heck ihres Autos auf. Gemäss Zeugnis vom 9. September 2000 des Dr. med. 

…, welchen die Versicherte am 18. August 2000 aufsuchte, erlitt diese eine 

HWS-Distorsion.   

3. Die SUVA gewährte in der Folge der zeitweise gänzlich, zeitweise zu 50% 

arbeitsunfähigen Versicherten Heilbehandlung und Taggelder. Unter 

anderem verbrachte die Versicherte vom 7. Februar bis 6. März 2001 sowie 

vom 5. Juni bis 3. Juli 2001 je einen Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik 

Valens. 

4. Am 19. September 2001 erlitt die Versicherte erneut einen Unfall. Sie 

kollidierte bei der Fahrt mit ihrem Personenwagen mit einem Hirsch, wobei sie 

sich gemäss Bericht vom 24. November 2001 des Dr. med. … ein indirektes 

Beschleunigungstrauma zuzog. 

5. Wegen der gesundheitlichen Probleme kündigte die Versicherte auf Mitte 

August 2002 die Stelle bei der … und begann am 19. August 2002 eine von 

der Invalidenversicherung (IV) als Berufliche Massnahme anerkannte 

dreijährige Umschulung zur Medizinischen Praxisassistentin (Verfügung vom 

14. Mai 2002 der IV-Stelle des Kantons Graubünden). Diese Umschulung 

schloss sie im Sommer 2005 erfolgreich ab.

6. Wegen der trotz verschiedenen Behandlungen anhaltenden gesundheitlichen 

Schwierigkeiten veranlasste die SUVA verschiedene ärztliche Abklärungen. 

Insbesondere nahm sie Berichte des Kantonsspitals St. Gallen, 

Neurochirurgie (6. Dezember 2004), von Dr. med. … (12. Juni 2005), der 

Zürcher Höhenklinik Davos, Psychosomatische Abteilung (18. Juli 2005) und 

von Kreisarzt-Stellvertreter Dr. med. … (28. Oktober 2005) zu den Akten.  

7. Gestützt auf die in den medizinischen Berichten enthaltenen 

Schlussfolgerungen schloss die SUVA mit Verfügung vom 18. November 

2005 den Fall per 30. November 2005 mit der Begründung ab, es bestünden 

keine unfallbedingten Gesundheitsschäden mehr. Hiegegen erhob die 

Versicherte am 12. Dezember 2005 Einsprache mit dem Begehren, es seien 

die Versicherungsleistungen über den 30. November 2005 hinaus 

auszurichten, da weiterhin auf die zwei Unfälle zurückzuführende 

gesundheitliche Beeinträchtigungen vorlägen.

8. Mit Entscheid vom 24. Januar 2006 wies die SUVA die Einsprache ab mit der 

Begründung, zwischen den aktuellen gesundheitlichen Beschwerden der 

Versicherten und den beiden Unfällen bestehe zwar ein natürlicher, nicht aber 

ein adäquater Kausalzusammenhang. 

9. Die Versicherte erhebt mit Eingabe vom 7. Februar 2006 Beschwerde gegen 

den Einspracheentscheid, unter Erneuerung ihres Einsprachebegehrens. 

Zudem beantragt sie die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung. 

Bezüglich des materiellen Beschwerdebegehrens macht sie geltend, die 

SUVA bestreite zu Recht den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen 

den beiden Unfällen und den weiterhin bestehenden Gesundheitsschäden 

nicht, und die korrekte Anwendung der sog. Schleudertrauma-

Rechtsprechung führe zur Bejahung auch des adäquaten 

Kausalzusammenhangs. 

10. Die SUVA schliesst mit Vernehmlassung vom 1. März 2006 auf Abweisung 

der Beschwerde. Ob zwischen den heutigen gesundheitlichen Problemen der 

Versicherten und den beiden Unfällen ein natürlicher Kausalzusammenhang 

bestehe, könne offen bleiben, da jedenfalls ein adäquater 

Kausalzusammenhang nicht bestehe. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin über den 20. November 2005 hinaus 

Anspruch auf die gesetzlichen Versicherungsleistungen hat. Umstritten ist 

namentlich, ob zwischen den aktuellen gesundheitlichen Beeinträchtigungen 

der Beschwerdeführerin und den zwei Unfällen vom 17. August 2000 und 19. 

September 2001 ein Kausalzusammenhang besteht.

2. Voraussetzung für die Leistungspflicht des Unfallversicherers ist, dass 

zwischen einem Unfallereignis und den diagnostizierten Gesundheitsschäden 

ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 177 

E. 3/1+2 S. 181). Ist ein Schleudertrauma, ein Schädel-Hirntrauma oder eine 

äquivalente Verletzung diagnostiziert und liegt das für diese Verletzungen 

typische Beschwerdebild vor (Häufung von Beschwerden wie diffuse 

Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, 

Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, 

Depression, Wesensveränderung usw.; dieses Beschwerdebild muss innert 

einer Latenzzeit von längstens 72 Stunden auftreten, damit es dem Unfall 

zugerechnet werden kann [RKUV 2000 Nr. U 391 S. 307, RKUV 2000 Nr. U 

359 S. 29; EVG-U 312/05 vom 4. November 2005]), ist der natürliche 

Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der nach dem Unfall 

eingetretenen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen 

(BGE 117 V 359 E. 4b S. 360). Ob in diesen Fällen auch der adäquate 

Kausalzusammenhang zu bejahen ist, beurteilt sich anhand der mit BGE 117 

V 359 E. 6 S. 366 begründeten Rechtsprechung. Treten indessen unmittelbar 

nach dem Unfall und im weiteren Verlauf psychische Beschwerden auf, hinter 

welchen die physischen Probleme von Beginn an ganz in den Hintergrund 

treten, erfolgt die Adäquanzbeurteilung gemäss den in BGE 115 V 133 E. 6+7 

S. 138 beschriebenen Gesichtspunkten (RKUV 2002 U 465 S. 437). In diesem 

Zusammenhang, also bei der Prüfung der Adäquanz psychischer 

Gesundheitsstörungen, kann die Frage nach dem natürlichen 

Kausalzusammenhang offen gelassen werden, wenn der adäquate 

Kausalzusammenhang in Anwendung der Kriterien gemäss BGE 115 V 133 

verneint werden muss (SVR 1995 UV Nr. 23). Im Übrigen ist die 

Adäquanzprüfung erst vorzunehmen, wenn der unfallbedingte 

Heilungsprozess abgeschlossen ist, wenn also von der Fortsetzung der 

ärztlichen Behandlung keine Besserung mehr erwartet werden kann (EVG-U 

6/03 vom 6. Mai 2003, EVG-U 412/01 vom 9. September 2002, EVG-U 8/00 

vom 6. November 2001, EVG-U 114/00 vom 29. März 2001).

3. Die SUVA führte im angefochtenen Entscheid aus, bei der 

Beschwerdeführerin sei das für ein Schleudertrauma typische 

Beschwerdebild erhoben worden. Begründet wird diese Erwägung im 

Einspracheentscheid nicht. In der Vernehmlassung vertritt die SUVA den 

Standpunkt, die zum typischen Beschwerdebild gehörenden Störungen seien 

weder nach dem ersten noch nach dem zweiten Unfall gehäuft aufgetreten, 

schon gar nicht innerhalb von 72 Stunden. Ein Schleudertrauma liege 

demzufolge nicht vor. Dieser Standpunkt ist richtig. Bezüglich des ersten 

Unfalls hielt Dr. med. … im Zeugnis vom 9. September 2000 fest, die 

Bewegung der Halswirbelsäule sei endphasig schmerzhaft und die 

Brustwirbelsäule (Th 1 - 3) sei klopfdolent. Am 10. Oktober 2000 erklärte die 

Beschwerdeführerin, sie habe nach dem Unfall Schmerzen zwischen den 

Schulterblättern sowie Kopf- und Nackenschmerzen verspürt. Nach dem 

zweiten Unfall beklagte die Beschwerdeführerin laut Zeugnis vom 3. Oktober 

2001 des Dr. med. … verstärkte Schmerzen. Diese Angaben belegen, dass 

die für das Vorliegen eines Schleudertraumas typischen Beschwerden nicht 

gehäuft auftraten, weshalb das Vorliegen eines Schleudertraumas verneint 

werden muss.

4. Die Beschwerdeführerin klagte, wie dem Gutachten vom 6. Dezember 2004 

des Kantonsspitals St. Gallen, dem Bericht vom 12. Juni 2005 des Dr. med. 

… und dem Bericht vom 8. Juli 2005 der Zürcher Höhenklinik Davos zu 

entnehmen ist, im rechtlich massgebenden Zeitpunkt des 

Einspracheentscheids über Schmerzen zwischen den Schulterblättern sowie 

auf dem Niveau der Lendenwirbelsäule. Wie im erwähnten Gutachten des 

Kantonsspitals St. Gallen überzeugend begründet wird, stehen diese 

Schmerzen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit den beiden Unfällen. 

Da zudem unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der beiden 

Unfälle keine strukturellen Verletzungen erlitten hat, ist davon auszugehen, 

dass einzig allenfalls psychische Beschwerden vorliegen, welche durch die 

Unfälle verursacht worden sind.

5. Dass die Beschwerdeführerin psychische Probleme mit Krankheitswert hat, 

kann nicht ausgeschlossen werden, muss hier aber nicht entschieden werden. 

Im Bericht vom 8. Juli 2005 der Zürcher Höhenklinik Davos ist unter den 

Diagnosen der Verdacht auf eine somatoforme Schmerzkomponente sowie 

auf eine Sozialphobie aufgeführt. Ob zwischen diesen - allfälligen - 

Beschwerden und den beiden Unfällen ein natürlicher Kausalzusammenhang 

besteht, kann offen bleiben. Denn die Adäquanz, welche anhand der gemäss 

BGE 115 V 133 massgebenden Kriterien zu prüfen wäre, muss klarerweise 

verneint werden. Die beiden Unfälle, welche höchstens als mittelschwer, im 

Grenzbereich zu den leichten Unfällen einzustufen sind, waren weder 

besonders dramatisch noch besonders eindrücklich, Verletzungen erlitt die 

Beschwerdeführerin nicht, eine ärztliche Fehlbehandlung wird zu Recht nicht 

geltend gemacht, von einem schwierigen Heilungsverlauf kann angesichts 

fehlender körperlicher Beeinträchtigungen ebenso wenig gesprochen werden 

wie von einer länger dauernden physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Auch 

das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen und damit 

zusammenhängend der langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist im 

vorliegenden Zusammenhang als nicht erfüllt zu qualifizieren, da die 

Schmerzen der Beschwerdeführerin, wie gezeigt, nicht auf die zwei Unfälle 

zurückgeführt werden können. Zwischen den Unfällen und den heutigen 

gesundheitlichen Störungen bzw. der eingeschränkten Arbeits- und 

Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin besteht somit kein adäquater 

Kausalzusammenhang.

6. Aus dem Dargelegten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Das 

Verfahren ist kostenlos. Dem Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung 

der unentgeltlichen Verbeiständung kann entsprochen werden.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Für das vorliegende Verfahren wird der Beschwerdeführerin die unentgeltliche 

Prozessführung bewilligt. Als Rechtsvertreter wird Rechtsanwalt … bestellt. 

Dieser hat seine Honorarnote zur Prüfung und Auszahlung dem 

Verwaltungsgericht einzureichen (Tarif: 75% des normalen Stundenansatzes 

gemäss Honorarordnung des Bündner Anwaltsverbandes). Falls sich die 

Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Beschwerdeführerin in der 

Zukunft verbessern, hat sie dem Kanton Graubünden die Kosten der 

Rechtsvertretung zu erstatten.