# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c7545d3-ad58-5242-9114-7b37944a6998
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-03-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 04.03.2016 SB140421
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140421_2016-03-04.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB140421-O/U/ad 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, lic. iur. Ruggli und 

lic. iur. Stiefel sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. Karabayir 

 

Urteil vom 4. März 2016 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

B._____,  
Privatkläger und Anschlussberufungskläger 

 

vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Y._____ 

 

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc.   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 
11. Juni 2014 (DG130275) 

- 2 - 

 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. August 

2013 (Urk. 47) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

- der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie 

- des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a WG. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 12 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 766 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafvollzug erstan-

den sind. 

3. Es wird eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung 

von psychischen Störungen) während des Strafvollzuges angeordnet. 

4. Es wird die Verwahrung des Beschuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 

lit. b StGB angeordnet. 

5. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzpflicht gegen-

über dem Privatkläger B._____ dem Grundsatze nach anerkannt hat. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Schadenersatz 

von Fr. 250.– zu bezahlen. 

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 18'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 5. Mai 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbe-

trag wird das Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses ver-

wiesen. 

- 3 - 

7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

15. November 2012 beschlagnahmte und bei der Kasse des Bezirksgerichts 

Zürich lagernde Handfeuerwaffe Marke Astra, Mod. 2000 (Cub), 

Kal. 6.35 mm, Nummer entfernt (ausgefräst; Asservat-Nr. …), wird eingezo-

gen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

8. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 6. März 2013 beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksgerichts 

Zürich lagernden Gegenstände: 

- Mobiltelefon Samsung GT-E 1050, IMEI … (Asservat-Nr. …) mit 1 La-
dekabel, 2 Kopfhörer und 1 SIM-Karte … GmbH, 

- Mobiltelefon Sony Ericsson XPERIA X 10, IMEI … (Asservat-Nr. …), 
mit 1 Ladekabel und 1 SIM-Karte … GmbH,  

- Mobiltelefon Sony Ericsson XPERIA X10mini, IMEI … (Asservat-Nr. 
…), 

- Mobiltelefon Apple iPhone 4S, IMEI … (Asservat-Nr….), mit 1 Ladeka-
bel, 2 Kopfhörer und 1 SIM-Karte … GSM, 

werden eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft durch die Kasse des 

Bezirksgerichts Zürich verwertet. Der Verwertungserlös wird zur Deckung 

der Verfahrenskosten verwendet. 

9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

6. März 2013 beschlagnahmte und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich 

lagernde Hiebwaffe / Stichwaffe "Bärenklaue" (Asservat-Nr. …) wird einge-

zogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

10. Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich lagernden Gegenstände: 

- Sichergestellte Schusswaffen/Munition/-teile (Asservat-Nr. …) 
- DNA-Spur-Wattetupfer (Asservat-Nr. …) 
- Patrone (Asservat-Nr. …) 
- 2 REM-Tabs (Asservat-Nr. …) 
- Vergleichs-WSA (Asservat-Nr. …) 
- Mikrospuren (Asservat-Nr. …) 
- 2 Schmauch-Spuren (Asservat-Nr. …, …) 

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- DNA-Spur (Asservat-Nr. …) 
- Beschussmaterial (Asservat-Nr. …) 
- Bestandteil/Zubehör für Waffe (Asservat-Nr. …)  
- Munition (Asservat-Nr. …)  

werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides von der Lagerbe-

hörde vernichtet. 

11. Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich lagernden Gegenstände: 

- Shirt (Asservat-Nr. …) 
- Herrenunterwäsche (Asservat-Nr. …) 
- Herrensocken/-Strümpfe (Asservat-Nr. …) 
- Sportschuhe (Asservat-Nr. …) 
- Gürtel/Gürtelschnalle (Asservat-Nr. …) 

werden dem Privatkläger B._____ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ent-

scheides auf erstes Verlangen herausgegeben und nach unbenutztem Ab-

lauf einer dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet. 

12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 10'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 2'283.60   Kosten der Kantonspolizei Zürich  

Fr. 5'000.00   Gebühr Anklagebehörde 

Fr.     Kanzleikosten  

Fr. 44'841.85   Auslagen Untersuchung  

Fr. 49'950.45   amtliche Verteidigung 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-

erlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die 

Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO. 

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14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ für das gesam-

te Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 14'611.65 (inkl. Barausla-

gen und 8% MWST) zu bezahlen. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 320 S. 4 f.) 

" 1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 11. Juni 2014 sei voll-
umfänglich aufzuheben.  

 2.  Der Beschuldigte sei wegen eventualvorsätzlicher schwerer Kör-
perverletzung sowie Verstosses gegen das Waffengesetz schul-
dig zu sprechen.  

 3.  Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren zu be-
strafen.  

 4. Es sei eine ambulante Massnahme anzuordnen.  
 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates." 

b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:  

(Urk. 317 S. 1) 

" 1. Die Anträge der Verteidigung seien abzuweisen und Ziff. 1 des 
Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 11. Juni 2014 sei zu bestä-
tigen.  

 2.  Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren zu 
bestrafen, wobei die bereits erstandene Haft anzurechnen sei.  

 3.  Die übrigen Punkte des erstinstanzlichen Urteils seien zu bestäti-
gen." 

c) Des Vertreters der Privatklägerschaft: 

(Urk. 318 S. 5) 

" 1.  Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen.  
 2.  In Gutheissung der Anschlussberufung sei Dispositiv Ziff. 6 des 

angefochtenen Urteils aufzuheben und der Beschuldigte zu ver-
pflichten, dem Privatkläger B._____ CHF 30'000.00 zuzüglich 5 % 
Zins seit 5. Mai 2012 als Genugtuung zu bezahlen. 

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 3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger für das Be-
rufungsverfahren eine Prozessentschädigung  

  - von CHF 2'052.60 für die anwaltlichen Aufwendungen bis 
zum 25.02.2016 (gemäss Eingabe vom 25.2.16); 

  - von CHF 653.00 für die Aufwendungen vom 26.2 bis 
3.3.2016 (gemäss Beilage 1); 

  - sowie für die Teilnahme an der heutigen Verhandlung (An-
zahl Stunden x CHF 220.00 / Bahnbillet CHF 24.40 [Beilage 
2] 

  zu bezahlen." 
 

_____________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Prozessuales 

 1. Zum Gang des Verfahrens bis zur erstinstanzlichen Urteilsfällung ver-

schafft die vorinstanzliche Urteilbegründung einen umfassenden Überblick 

(Urk. 174 S. 4 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Nochmals zu erwähnen ist, dass der Be-

schuldigte am 28. Juni 2012 von Deutschland an die Strafverfolgungsorgane der 

Schweiz ausgeliefert wurde (Urk. 3 S. 19; Urk. 13 S. 17). Gestützt auf die vor-

instanzliche Präsidialverfügung vom 13. Dezember 2013, bestätigt mit Beschluss 

der III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 12. Februar 2014, 

befindet sich der Beschuldigte seit dem 13. Dezember 2013 im vorzeitigen Straf-

vollzug (Urk. 80; Urk. 91 f.; Urk. 282). Mit Präsidialverfügung der Vorinstanz vom 

11. April 2014 wurde der amtliche Verteidiger des Beschuldigten im Vorverfahren 

auf Antrag entlassen und Rechtsanwalt lic. iur. X._____ als neuer amtlicher Ver-

teidiger bestellt (Urk. 103 ff.). 

 2. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-

richts Zürich, 2. Abteilung, vom 11. Juni 2014 meldete die amtliche Verteidigung 

rechtzeitig Berufung an (Urk. 151; Art. 399 Abs. 1 StPO). Das begründete Urteil 

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wurde dem Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft am 12. August 2014 zuge-

stellt (Urk. 66/1–3). Mit Eingabe vom 13. August 2014 reichte die Verteidigung 

rechtzeitig die Berufungserklärung mit dem Antrag ein, das vorinstanzliche Urteil 

vollumfänglich aufzuheben (Urk. 175). Mit Präsidialverfügung vom 19. September 

2014 wurde der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger eine Kopie der Beru-

fungserklärung des Beschuldigten zugestellt und Frist für Anschlussberufung oder 

einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 182, resp. Urk. 188). Am 7. Oktober 

2014 (Datum des Poststempels) erhob die Staatsanwaltschaft fristwahrend An-

schlussberufung, beschränkt auf die Strafzumessung (Urk.°187). Mit Eingabe vom 

29. Oktober 2014 (Datum des Poststempels) liess der Privatkläger rechtzeitig eine 

auf die Genugtuung beschränkte Anschlussberufung erheben (Urk. 189/1; 

Urk. 190). 

 3. Am 17. November 2014 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 21. Ap-

ril 2015 vorgeladen ([Urk. 198]). Mit Eingabe vom 19. November 2014 liess der 

Beschuldigte Beweisergänzungsanträge stellen. Er beantragte die Einholung    

eines neuen psychiatrischen Gutachtens, wobei Prof. Dr. med. C._____ als neuer 

Gutachter zu bestellen sei. Für die Erstellung des Gutachtens seien sämtliche 

Strafakten und sämtliche medizinischen Akten über den Beschuldigten, insbeson-

dere auch die Therapieakten von Dr. med. D._____ beizuziehen, und es sei im 

Rahmen der Ausarbeitung des Gutachtens mit dieser Therapeutin Kontakt aufzu-

nehmen, diese eventuell als sachverständige Zeugin vor Obergericht zu befragen. 

Ausserdem seien die durch die Vorinstanz abgelehnten Zeugen (Privatkläger 

B._____, E._____, F._____ und G._____) durch die Berufungsinstanz einzuver-
nehmen (Urk. 203). 

 3.1. Nachdem der Beschuldigte eine Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. 

H._____ verweigert hatte, konnte dieser im Vorverfahren lediglich das Aktengut-

achten vom 14. Juni 2014 ausarbeiten (Urk. 42/10). Nach dem Wechsel der amt-

lichen Verteidigung erklärte sich der Beschuldigte bereit, an einem neuen Gutach-

ten mitzuwirken (Urk. 203 S. 4 ff.). Da Prof. Dr. med. H._____ sich auf Anfrage 

zurückhaltend zur Ausarbeitung einer Ergänzung seines Aktengutachtens geäus-

sert hatte, der Beschuldigte mitteilen liess, eine Begutachtung durch Prof. Dr. 

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med. C._____ vorzuziehen, und sich dieser mit einer Begutachtung des Beschul-

digten einverstanden erklärte (Urk. 214/1–7), wurde Prof. Dr. med. C._____ mit 

Beschluss der II. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 26.  Ja-

nuar 2015 unter Wahrung des rechtlichen Gehörs der Parteien als Gutachter be-

stellt und ein entsprechender Auftrag erteilt, zumal es im Hinblick auf die Thema-

tik einer möglichen Verwahrung die Voraussetzungen der Therapierbarkeit des 

Beschuldigten nun unter den Bedingungen der von ihm angekündigten Kooperati-

on mit dem Gutachter vertieft zu untersuchen galt. Die Vorladung zur Berufungs-

verhandlung auf den 21. April 2015 wurde abgenommen (Urk. 222 ff.; 

Urk. 234 ff.), und noch nicht vorhandene Vorakten wurden beigezogen (Urk. 216; 

Urk. 221; Urk. 226). 

 3.2. Mit Eingabe vom 9. Januar 2015 stellte die Staatsanwaltschaft den Be-

weisantrag, es sei der polizeiliche Sachbearbeiter der Kantonspolizei Zürich, Fw 

mbA I._____, EG-LL zu beauftragen, die Durchsuchung des mit Beschlagnahme-

verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 6. März 2013 be-

schlagnahmten Mobiltelefons, Apple I-Phone 4S, zu veranlassen, da eine solche 

inzwischen technisch möglich geworden sei. Die Datenauswertung (die ausgele-

senen SMS / Whats App etc.) sei zu den Akten zu nehmen (Urk. 215). Mit Präsi-

dialverfügung vom 23. Januar 2015 wurde diesem Antrag entsprochen und ein 

entsprechender Auftrag erteilt. Gleichzeitig wurde die beantragte Einvernahme 

des Privatklägers, von E._____, F._____ und G._____ einstweilen abgewiesen 

(Urk. 218). Am 16. April 2015 ging der Bericht der Kantonspolizei Zürich ein. Die-

ser hält fest, dass es aus technischen Gründen nicht möglich gewesen sei, das 

Mobiltelefon des Beschuldigten zu öffnen und die betreffenden Daten auftrags-

gemäss auszulesen (Urk. 245 ff., inbes. Urk. 248). 

 4. Am 21. April 2015 wurden Führungsberichte über den Beschuldigten beim 

Gefängnis Zürich eingeholt (Urk. 249 ff.). Der Beschuldigte wurde seit Mitte 2014 

mindestens 18 Mal im vorzeitigen Strafvollzug besucht (Urk. 194, 201, 206, 209, 

212, 231, 237, 240, 243, 253, 258, 275 f., 280, 288, 291, 309 f.; 14 Einzelbe-

suchsbewilligungen und 4 Dauerbesuchsbewilligungen). 

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 5. Am 24. Juli 2015 ging das psychiatrische Gutachten von Prof. Dr. med. 

C._____ vom 21. Juli 2015 ein (Urk. 255). Die Erkenntnisse von Dr. med. 

D._____ fanden Eingang in diese Begutachtung, weshalb sich ihre zusätzliche 

Befragung als Zeugin erübrigt hat. Am 12. August 2015 wurde das psychiatrische 

Gutachten den Parteien zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 266). Mit Präsidial-

verfügungen vom 4. September 2015 wurden der weitere Beweisantrag des Be-

schuldigten, die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung aufgenommenen 

Explorationsgespräche in digitaler Kopie zu den Akten zu nehmen sowie sein Ge-

such, im vorzeitigen Strafvollzug Telefongespräche führen zu dürfen, abgewiesen 

(Urk. 268 f.). 

 6. Am 29. September 2015 wurde auf den 4. März 2016 zur Berufungsver-

handlung vorgeladen (Urk. 198). Mit Präsidialverfügung vom 14. Oktober 2015 

wurde dem Beschuldigten die mit Eingabe vom 18. September 2015 beantragte 

Anfertigung eines zusätzlichen kompletten Aktensatzes in Kopie zunächst verwei-

gert. Auf mehrfaches weiteres Nachhaken des Beschuldigten und der Verteidi-

gung aber schliesslich gewährt (Urk. 278; Urk. 283; Urk. 287; Urk. 297 ff.; 

Urk. 305 f.; Urk. 308; Urk. 311; vgl. aber Urk. 320 S. 29). 

 7. Mit Eingabe vom 17. Februar 2016 hielt der Beschuldigte an seinen bishe-

rigen Beweisanträgen fest, wonach der Privatkläger, E._____, F._____ und 

G._____ sowie (neu) der polizeiliche Sachbearbeiter, I._____, durch die Beru-

fungsinstanz als Zeugen zu befragen seien (Urk. 313 S. 1; Urk. 320 S. 1). 

 7.1. Der Beschuldigte äusserte vor Vorinstanz die Auffassung, E._____ und 

F._____ könnten seine Darstellung der Ereignisse, wie sie nachfolgend nochmals 

wiederzugeben sind (vgl. Erw. II.2.4.5.1. f.; Erw. II.2.4.5.5. ff.), stützen, diese 

müssten es doch mitbekommen haben (Urk. 144 S. 14 f.). 

 7.2. Diese beiden Zeugen wurden vor weit mehr als drei Jahren polizeilich 

und staatsanwaltschaftlich unter Wahrung des Teilnahme- und Fragerechts des 

Beschuldigten und der amtlichen Verteidigung (Art. 147 StPO) befragt. Das Teil-

nahme- und Mitwirkungsrecht fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör 

(Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO). Zeugenaussagen können nur verwertet werden, 

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wenn der Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene 

und hinreichende Gelegenheit hatte, die ihn belastenden Aussagen in Zweifel zu 

ziehen und Fragen an die Zeugen zu stellen. Ein Anspruch auf mehrmalige Kon-

frontation mit den Aussagen eines Zeugen oder darauf, den Zeitpunkt der Aus-

übung des Teilnahme- und Mitwirkungsrecht durch den Beschuldigten selber zu 

bestimmen, besteht dagegen nicht. 

 7.3. Nachdem die vom Beschuldigten im Berufungsverfahren erneut angeru-

fenen Zeugen bereits zweimal ausgesagt haben, einmal davon unter Wahrung 

des rechtlichen Gehörs des Beschuldigten, besteht weder ein Recht des Beschul-

digten noch eine Notwendigkeit, diese nach dem Verstreichen von inzwischen 

mehreren Jahren noch einmal zu befragen. Ganz abgesehen davon, dass sie un-

ter der Androhung von Strafe bei wissentlich falschem Zeugnis im Sinne von 

Art. 307 StGB aussagten, weshalb sie sich bei plötzlicher Kehrtwende und dem 

Aussagen des Gegenteils der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aussetzen wür-

den, ist nicht zu erwarten, dass sie nun plötzlich der Darstellung des Beschuldig-

ten folgen würden. Und selbst wenn solches geschehen würde, wäre die Glaub-

haftigkeit ihrer Aussagen infolge plötzlicher Kehrtwende nach der inzwischen ver-

strichenen langen Zeit ernsthaft in Frage gestellt. 

 7.4. Entgegen der von der Verteidigung geäusserten Auffassung, wonach 

der Beschuldigte in diesen Befragungen durch seinen vormaligen amtlichen Ver-

teidiger nicht gehörig verteidigt gewesen sei, da damals keine Verteidigungsstra-

tegie vorgelegen habe (Urk. 148 S. 5 ff.; Urk. 320 S. 21), wurden diese Befragun-

gen korrekt durchgeführt. Alle Befragten waren rechtsgenügend auf die sie betref-

fenden strafprozessualen Rechte und Pflichten (Art. 177 StPO; Art. 181 StPO) 

aufmerksam gemacht worden. Sinn und Zweck dieser Befragungen ist die Sach-

verhaltsermittlung mit Hilfe der Aussagen der Befragten unter Wahrung des Teil-

nahme- und Fragerechts des Beschuldigten und der Verteidigung und nicht die 

Befolgung einer speziellen Verteidigungstaktik. Weder wurden angeblich ver-

säumte, konkrete Ergänzungsfragen mit entsprechenden Folgen für eine gehörige 

Verteidigung geltend gemacht noch ist ersichtlich, dass damals wesentliche Er-

gänzungsfragen zum Nachteil des Beschuldigten versäumt worden wären. Im 

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Gegenteil wurden durchwegs sinnvolle Ergänzungsfragen gestellt, weshalb keine 

Veranlassung für eine erneute Befragung der betreffenden Zeugen im Berufungs-

verfahren besteht. Bereits die Vorinstanz hat zutreffend auf die Verwertbarkeit 

dieser Einvernahmen erkannt (Urk. 174 S. 22 f.). 

 7.5. Ebensowenig besteht die Notwendigkeit den polizeilichen Sachbearbei-

ter, I._____, durch die Berufungsinstanz einzuvernehmen, um sich ein Bild über 

die von der Verteidigung als Tatnächste bezeichnete Personen (Privatkläger, 

F._____, E._____, J._____, K._____, L._____, M._____, N._____) und deren 

Glaubwürdigkeit machen zu können (vgl. Urk. 320 S. 2 und 4). Abgesehen davon, 

dass I._____ von diesen Personen nur den Privatkläger und N._____ befragte 

(Privatkläger: Urk. 15/3; N._____: Urk. 19/25), während die Befragungen der übri-

gen Personen von anderen Polizisten durchgeführt wurden (Urk. 3 S. 10 ff.; 

F._____: Urk. 16/1; E._____: Urk. 16/8; L._____ Urk. 17/24; K._____: Urk. 17/7; 

J._____: Urk. 17/18; M._____: Urk. 19/1), liegen diejenigen Befragungen, welche 

er selber zuletzt am 29. Mai 2012 durchführte, bereits fast vier Jahre zurück. Ein 

Mehrwert hinsichtlich der Entscheidfindung ist unter diesen Umständen nicht er-

sichtlich.  

 7.6. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 3 

Abs. 2 lit. c StPO) ergibt sich ferner u.a. das Recht der Betroffenen, vor Erlass  

eines Entscheides erhebliche Beweise beizubringen und mit erheblichen Beweis-

anträgen gehört zu werden (Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO), wenn diese geeignet 

sind, den Entscheid zu beeinflussen. Dem Mitwirkungsrecht entspricht die Pflicht 

der Behörden, die Argumente und Verfahrensanträge der Parteien entgegenzu-

nehmen und zu prüfen sowie die ihr rechtzeitig und formrichtig angebotenen Be-

weismittel abzunehmen (BGE 138 V 125 E. 2.1; BGE 137 II 266 E. 3.2; je mit 

Hinweisen). Das Gericht kann indessen in willkürfrei vorweggenommener Würdi-

gung der zusätzlich beantragten Beweise annehmen, dass seine Überzeugung 

auch durch die Abnahme von weiteren Beweisen nicht geändert würde (Art. 139 

Abs. 2 StPO; WOHLERS, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung, 2. Auflage, Zürich 2014, N 8 ff. zu Art. 139 StPO; BGE 136 I 229 E. 5.3; 

BGE 134 I 140 E. 5.3, m.w.H.). 

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 7.7. Wie im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung weiter aufzuzei-

gen sein wird, erübrigen sich weitere Beweisabnahmen durch die Berufungs-

instanz. 

 8. Der Beschuldigte lässt mit seiner Berufung beantragen, das vorinstanz-

liche Urteil sei vollumfänglich aufzuheben. Er sei wegen eventualvorsätzlich 

schwerer Körperverletzung sowie Verstosses gegen das Waffengesetz schuldig 

zu sprechen und mit 4 Jahren Freiheitsstrafe zu belegen. Sodann sei eine ambu-

lante Massnahme anzuordnen (Urk. 175 S. 2; Urk. 320 S. 4 f.; Prot. II S. 49). Die 

Staatsanwaltschaft beantragt mit ihrer Anschlussberufung eine Bestrafung mit 15 

Jahren Freiheitsstrafe und die Bestätigung der durch die Vorinstanz angeordneten 

Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB (Urk. 187 S. 2; Urk. 317 S. 1). 

Der Privatkläger strebt mit seiner Anschlussberufung eine Genugtuung von 

Fr. 30'000.–, zuzüglich Zins 5 % ab 5. Mai 2012, an (Urk. 190 S. 2; Urk. 318 S. 5). 

 Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft 

des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem die Ur-

teilsdispositivziffern 1 teilweise (Schuldspruch betreffend Vergehen gegen das 

Waffengesetz), 7 – 11 (Einziehungen) und 12 (Kostenfestsetzung) unangefochten 

blieben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in die-

sem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist. 

II. Sachverhalt 

 1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen (Urk. 47 S. 2 f.), er habe am 5. Mai 

2012, um ca. 02.10 Uhr, an der Niederdorfstrasse …, 8001 Zürich, nachdem es 

zuvor zu Spannungen und einer Auseinandersetzung mit dem Privatkläger ge-

kommen sei, mit seiner Pistole der Marke Astra, Mod. 2000, Kaliber 6.35 mm, 

zweimal auf diesen geschossen. Dabei habe er die durchgeladene Waffe aus sei-

nem Hosenbund gezogen, entsichert und sofort aus einer Distanz von maximal 60 

bis 80 cm eine Patrone in Richtung des Oberkörpers des Privatklägers abgefeu-

ert, sodass der Privatkläger eine Schussverletzung im Brustkorb mit Durchschuss 

der Lunge und Durchschlagen/Brechen der sechsten Rippe erlitten habe, wobei 

das Projektil bis hinter die Achselhöhle vorgedrungen und unter dem Schulterblatt 

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stecken geblieben sei. Diese Verletzungen hätten aufgrund einer ausgeprägten 

Brustkorbblutung und der Lungengewebeverletzung zu einer unmittelbaren Le-

bensgefahr geführt. Kurz nach der ersten Schussabgabe habe der Beschuldigte – 

bereits im Begriffe zu flüchten – aus der Bewegung heraus erneut bewusst und 

gewollt aus einer Distanz von ca. einem bis wenigen Metern eine weitere Patrone 

in Richtung des Privatklägers abgegeben, wobei das Projektil den Privatkläger 

verfehlt habe. Bei den Schussabgaben habe der Beschuldigte um die möglicher-

weise tödlichen Folgen für den Privatkläger gewusst und den Tod des Privatklä-

gers herbeiführen wollen bzw. habe diesen – wie auch die tatsächlich erlittenen 

Verletzungen und deren Folgen – zumindest in Kauf genommen. 

 2. Der Beschuldigte hat im Vorverfahren, vor Vorinstanz und erneut anläss-

lich der Berufungsverhandlung grundsätzlich anerkannt, aus kurzer Distanz einen 

Schuss in Richtung des Oberkörpers des Privatklägers abgegeben und diesen 

verletzt zu haben. Ebenso wenig bestritt er, dass kurz danach ein zweiter Schuss 

aus seiner Waffe abgefeuert wurde (Urk. 14/2 S. 8; Urk. 14/3 S. 14; Urk. 14/8 

S. 8; Urk. 144 S. 8, 13 und 21–23; Prot. II S. 83-85), wobei er ab Mitte September 

2012 bis Ende des Vorverfahrens keine Aussagen mehr machte und insbesonde-

re anlässlich der Schlusseinvernahme vom 6. August 2013 gänzlich schwieg 

(Urk. 14/11; Urk. 14/13; Urk. 14/14; Urk. 14/16; vgl. Urk. 144 S. 6 f.). 

 2.1. Der Beschuldigte bestritt dagegen stets, in Tötungsabsicht gehandelt zu 

haben und machte gleichbleibend geltend, die Waffe erst gezogen zu haben, als 

er vom Privatkläger tätlich angegriffen worden sei, sich dieser mit erhobener 

Faust vor ihn hingestellt habe und E._____ von rechts mit erhobener Faust auf 

ihn zugerannt sei. Er habe die Waffe aus dem linken Hosenbund gezogen und so-

fort geschossen (Urk. 14/3 S. 13 ff.; Urk. 14/8 S. 8; Urk. 144 S. 12 ff.; Prot. II S. 82 

f.). Der zweite Schuss habe sich versehentlich aus der Drehbewegung heraus ge-

löst (Urk. 14/2 S. 8 und 10; Urk. 14/3 S. 14 und 16; Urk. 14/8 S. 7; Urk. 144 

S. 13 f. und 20; Prot. II S. 85). 

 2.2. Der vom Beschuldigten bestrittene Teil des Anklagesachverhaltes ist 

daher aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Ar-

gumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu würdigen. 

- 14 - 

 2.3. Im angefochtenen Urteil wurden die Grundsätze der richterlichen Be-

weis- und Aussagenwürdigung zutreffend wiedergegeben. Diese brauchen nicht 

wiederholt zu werden (Urk. 174 S. 12 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 2.4. Als Beweismittel liegen die Aussagen des Beschuldigten bei der Polizei, 

im Vorverfahren sowie vor beiden Gerichtsinstanzen, ebenso die Zeugenaussa-

gen des Privatklägers, B._____ (Urk. 15/3–5), und von dessen Freundin, F._____ 

(Urk. 16/1+2), sowie insbesondere von P._____ (Urk. 16/5; Urk. 16/7), E._____ 

(Kollege des Privatklägers; Urk. 16/8+9), der Zugehörigen der Polterabendgrup-

pe: K._____, J._____, L._____ und O._____, Q._____, R._____, S._____, und 

T._____ (Urk. 17/1; Urk. 17/4; Urk. 17/7+8; Urk. 17/11; Urk. 17/14; Urk. 17/18 

und 17/21; Urk. 17/24; Urk. 17/26; Urk. 17/29 und 17/30), der Angestellten der … 

Bar: U._____, V._____, und W._____ (Urk. 19/31; Urk. 19/32; Urk. 19/33 

und 19/37; Urk. 19/39), von M._____ (Urk. 19/1+2), N._____ (Urk. 19/25+26), 

AA._____ (Urk. 19/3; Urk. 19/6), AB._____ (Urk. 19/8+9), AC._____ (Urk. 19/44), 

AD._____ (Urk. 20/3+4), AE._____ (Urk. 20/5+6) und von AF._____, ehemalige 

Lebenspartnerin des Beschuldigten (Urk. 18/1–5), bei der Polizei und (teilweise) 

im Vorverfahren vor. 

 Ferner sind sichergestellte "WhatsApp"-Nachrichten (Urk. 29/1 ff.), die Foto-

dokumentation des Forensischen Instituts Zürich (Urk. 22/2), die medizinischen 

Berichte und Befunde sowie das Gutachten betr. Privatkläger (Urk. 23/3 ff.; 

Urk. 25/4), das Schusswaffengutachten des Forensischen Instituts Zürich 

(Urk. 26/7) sowie die psychiatrischen Gutachten über den Beschuldigten 

(act. 42/10; Urk. 255) als weitere Beweismittel vorhanden. 

 2.4.1. Die Vorinstanz hat sich zutreffend und umfassend zur Glaubwürdigkeit 

der Befragten geäussert; es kann darauf verwiesen werden (Urk. 174 S. 13–21). 

Dabei ist nochmals hervorzuheben, dass auch gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie früher Gewicht 

auf die generelle Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaf-

ten personalen Eigenschaft gelegt wird, sondern diesem Gesichtspunkt kaum 

mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfin-

dung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische 

- 15 - 

Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen 

bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen 

(BGE 133 I 33 E. 4.3). 

 2.4.2. Der Beschuldigte lässt einwenden (Urk. 320 S. 7 f., S. 24), AF._____, 

seine ehemalige Lebenspartnerin sei entgegen der vorinstanzlichen Würdigung 

(Urk. 174 S. 20 f.) nicht glaubwürdig. Die Vorinstanz habe zu Unrecht auf deren 

Aussagen abgestellt (Urk. 174 S. 66 f.). Indes ist die vorinstanzliche Beurteilung 

der Glaubwürdigkeit von AF._____ nicht zu beanstanden. Die  Vorinstanz hat zu-

recht differenzierend erwogen, dass AF._____ im Zeitraum der Tat und ihrer Be-

fragung im Mai 2012 die Freundin und Verlobte des Beschuldigten war, weshalb 

ihre Aussagen mit besonderer Vorsicht zu würdigen seien. Da sie nicht nur zu-

gunsten des Beschuldigten ausgesagt habe, bestehe kein Anlass, generell nicht 

auf ihre Aussagen abzustellen (Urk. 174 S. 21). Der Umstand, dass die Zeugin in 

einem Verfahren gegen den Beschuldigten in Deutschland wegen des Verdachts 

der Gründung einer terroristischen Vereinigung, welches schliesslich eingestellt 

wurde, ebenfalls ausgesagt hatte, führt entgegen der Auffassung des Beschuldig-

ten (Urk. 320 S. 7 f.) nicht dazu, dass ihre Aussagen im vorliegenden Verfahren 

unbesehen und generell als unglaubhaft einzustufen sind, auch wenn sie lediglich 

eine Woche nach ihrer Befragung vom 16. Mai 2012 ihre Aussagen bei den deut-

schen Behörden wieder zurücknehmen wollte (Urk 18/5). Wie bereits dargelegt, 

ist bei der Wahrheitsfindung die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage weitaus 

bedeutender. Die konkrete Aussage ist dabei durch methodische Analyse ihres 

Inhalts darauf zu überprüfen, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen 

Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen und über-

dies mit anderen Beweismitteln im Einklang stehen. 

 2.4.3. Die Aussagen des Beschuldigten, jene des Privatklägers sowie jene 

der weiteren Befragten (vgl. vorstehend, Erw. II.2.4.) wurden im angefochtenen 

Urteil – soweit nötig und sachdienlich – korrekt zusammengefasst wiedergegeben 

und unterteilt in die vier Sachverhaltsabschnitte 

1. Geschehnisse in und vor der … Bar (Urk. 174 S. 26 ff.) 
2. Begebenheiten nach Verlassen der … Bar (Urk. 174 S. 37 ff.) 
3. Situation bis zur Schussabgabe (Urk. 174 S. 46 ff.) 

- 16 - 

4. Situation nach der Schussabgabe (Urk. 174 S. 71 ff.; vgl. nachfolgend, 
Erw. II.2.6. ff.) 

mit überzeugender Begründung gewürdigt. Darauf kann unter Berücksichtigung 

der nachfolgenden Ergänzungen und einer Abweichung bezüglich der Tatbereit-

schaft des Beschuldigten (vgl. Erw. II.2.4.6. ff.) für die ersten drei Sachverhaltsab-

schnitte verwiesen werden (Urk. 174 S. 23 ff.). Beim vierten Sachverhaltsab-

schnitt, der Phase nach der ersten Schussabgabe, ist der Beweiswürdigung im 

angefochtenen Urteil nur teilweise zu folgen (Urk. 174 S. 71 ff.). Ferner ist auf die 

Einwände der Verteidigung im Berufungsverfahren einzugehen (Urk. 320). Dabei 

ist vorauszuschicken, dass deren Auffassung, wonach den ersten beiden Sach-

verhaltsabschnitten bloss untergeordnete Bedeutung zukomme (Urk. 320 S. 5 f.), 

nur hinsichtlich des ersten Sachverhaltsabschnittes gefolgt werden kann, da sich 

im zweiten Abschnitt, nach dem Verlassen der ... Bar, bereits wesentliche Hinwei-

se auf die innere Haltung des Beschuldigten vor der Tat und sein Motiv in seinen 

damaligen Äusserungen finden lassen (vgl. nachfolgend, Erw. II.2.4.6.). 

 2.4.3.1. Bei den Geschehnissen in und vor der ... Bar stellten die Vorderrich-

ter zurecht auf die Aussagen der Zeugen aus der Polterabendgruppe und auf jene 

aus der Gruppe der Serviceangestellten als unabhängige, tatunbeteiligte Dritte ab 

(Urk. 174 S. 26 ff.), zumal deren Aussagen keine wesentlichen Erkenntnisse 

brachten, welche über die bereits aus den in diesem Punkt übereinstimmenden 

Angaben des Beschuldigten und des Privatklägers hinausgehen (Urk. 174 

S. 33 ff.). Aufgrund der Übereinstimmung in diesem Punkt ist daher erstellt, dass 

es durch den nicht genau bekannten Inhalt der Unterhaltung der beiden Kontra-

henten an der Theke im Innern der ... Bar über ihre gemeinsame frühere Vergan-

genheit in der rechtsradikalen Szene bereits zu Spannungen zwischen ihnen ge-

kommen war. 

 2.4.3.2. Wenig glaubhaft wirken die beiden Kontrahenten dagegen, indem 

sie vorgeben, sich nicht mehr näher an den genauen Inhalt ihres Gespräches an 

der Theke erinnern zu können (Urk. 15/4 S. 8 f.). In einer weiteren staatsanwalt-

schaftlichen Befragung machte der Privatkläger denn auch geltend, aus Angst vor 

Repressalien aus der Neonaziszene zum Inhalt der Unterhaltung bislang auswei-

- 17 - 

chend ausgesagt zu haben. Der Inhalt habe hauptsächlich von seinem Ausstieg 

aus der rechtsextremen Szene gehandelt (Urk. 15/5 S. 2 ff.). Immerhin erklärte 

auch der Beschuldigte im Vorverfahren, vor Vorinstanz und in der Berufungsver-

handlung, dass sie auch über AG._____, seinen verstorbenen, früheren besten 

Kollegen, von dem er viel halte, sprachen. Dabei habe der Privatkläger nur Hohn 

und Spot für AG._____ übrig gehabt und begonnen, negativ über diesen zu spre-

chen, wonach es gut sei, dass dieser bei einem Autounfall verreckt sei. Er habe 

dem Privatkläger klarmachen wollen, dass dieser so nicht über AG._____ zu re-

den habe. Der Privatkläger sei ziemlich impulsiv und aggressiv gewesen, sei auf-

gesprungen und habe ihm gedroht (Urk. 14/2 S. 4 f.; Urk. 144 S. 10 f.; Prot. II 

S. 74-77). Der Privatkläger warf dem Beschuldigten umgekehrt vor, dieser sei 

langsam am Aufbrausen gewesen. Drohungen des Beschuldigten ihm gegenüber 

und eigenen Zorn, oder eigenes Lautwerden, oder Probleme mit der Polterabend-

gruppe, stellte der Privatkläger indessen konstant in Abrede (Urk. 15/3 S. 4; 

Urk. 15/4 S. 9 ff. und S. 17; Urk. 15/5 S. 4). 

 2.4.3.3. Die singuläre Behauptung des Beschuldigten, der Privatkläger habe 

sich ihm gegenüber im Innern der Bar aggressiv verhalten und draussen die Pol-

terabendgruppe provoziert, lässt sich daher entgegen der von der Verteidigung 

geäusserten Auffassung (Urk. 320 S. 6) nicht erstellen, wie dies bereits durch die 

Vorderrichter zutreffend gewürdigt wurde (Urk. 174 S. 34 f.). Alle anderen Befrag-

ten, welche sich in oder vor der ... Bar aufgehalten hatten, nahmen übereinstim-

mend keine aggressive Stimmung oder Streitereien wahr. Auch das durch einen 

selber in den Hals gesteckten Finger verursachte Erbrechen des Privatklägers 

wegen eines FCZ-Leibchens eines der Zugehörigen der Polterabendgruppe wur-

de von den Befragten nicht als aggressive Provokation ihnen gegenüber aufge-

fasst; nicht einmal von S._____, dem Träger des Leibchens, selber (F._____ am 

5. Mai 2012, 3 Stunden nach der Tat: Urk. 16/1; Urk. 16/2 S. 7 ff.; P._____: 

Urk. 16/5 S. 3 f., S. 5; Urk. 16/7 S. 4 ff., S. 13; E._____: Urk. 16/8 S. 1 ff.; 

Urk. 16/9 S. 3 ff., S. 12; die Polterabendgruppe: Urk. 17/1; Urk. 17/4; Urk. 17/7 

S. 3 f., Urk. 17/8 S. 3 ff.; Urk. 17/11 [=S._____]; Urk. 17/14; Urk. 17/18 und 17/21 

S. 3 ff., insbes. S. 5; Urk. 17/24 und Urk. 17/26; Urk. 17/29 S. 2 und S. 4 

und 17/30; die Angestellten der ... Bar: Urk. 19/31 S. 5 f. und Urk. 19/32 S. 4 f.; 

- 18 - 

Urk. 19/33 S. 5 f. und Urk. 19/37 S. 5 f.; Urk. 19/39), obwohl der Beschuldigte 

aussagte, die ganze Bar habe zugehört und sich gefragt, was da laufe (Urk. 14/2 

S. 5). Mit der Vorinstanz ist diese widerlegte Behauptung des Beschuldigten als 

Schutzbehauptung zu werten (Urk. 174 S. 36, Ziff. 6.2.7.1.), im Bestreben, damit 

eine Rechtfertigung für seinen späteren Schusswaffengebrauch zu konstruieren. 

 2.4.4. Der Beschuldigte liess bereits vor Vorinstanz die Glaubwürdigkeit des 

Privatklägers wegen widersprüchlicher Aussagen bei der Polizei und im Vorver-

fahren generell in Frage stellen (Urk. 148 S. 15 ff.; Urk. 320 S. 9 ff.). Dem kann 

nicht gefolgt werden. 

 2.4.4.1. Es trifft zwar zu, dass der Privatkläger am 30. August 2012 auf den 

ersten Blick bei der Staatsanwaltschaft seinen polizeilichen Aussagen vom 8. Mai 

2012 zum Teil widersprechende Aussagen zu Protokoll gab (Urk. 15/3; Urk. 15/4). 

Bei genauem Hinsehen wird indes erkennbar, dass er sich bei der Polizei bei-

spielsweise im Zusammenhang mit der Bierflasche und auch an andere Details im 

Ablauf nicht mehr richtig erinnern konnte. Bereits damals bejahte er jedoch die 

Frage, auch er habe eine Bierflasche in der Hand gehabt, diese aber seiner 

Freundin abgegeben, bevor es passiert sei (Urk. 15/3 S. 5). Ob der Beschuldigte 

ebenfalls eine Bierflasche in der Hand gehabt habe, wisse er nicht mehr. Bereits 

in jener Befragung legte er offen, dass seine Freundin (F._____) ihm gesagt ha-

be, dass dies so gewesen sei, und der Beschuldigte habe seine Bierflasche, dort 

wo es passiert sei, auf den Boden geworfen. Er (der Privatkläger) habe keine Ah-

nung mehr, weshalb er seine Bierflasche seiner Freundin gegeben habe. Er kön-

ne sich nicht daran erinnern; auch nicht daran, dass der Beschuldigte eine Bier-

flasche zu Boden geworfen habe (ebenda, S. 5). Weiter konnte er sich anlässlich 

dieser ersten Befragung am 8. Mai 2012, mithin nach gut drei Tagen nach der 

Tat, bei der Polizei auch nicht daran erinnern, dass der Beschuldigte zwei Mal ge-

schossen habe (Urk. 15/3 S. 7). 

 2.4.4.2. Diese zurückhaltenden Aussagen, frei von Übertreibungen, passen 

nicht zu einem Opfer, welches bestrebt ist, den Täter zu Unrecht falsch zu belas-

ten und in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken. Wäre dies das Ziel des Pri-

vatklägers gewesen, hätten seine Aussagen ganz anders gelautet, und er wäre 

- 19 - 

sich sicher gewesen, dass der Beschuldigte dessen Bierflasche zu Boden gewor-

fen habe, bevor es zur Schussabgabe kam. Mit der Bestätigung, seine Bierflasche 

weggegeben und damit seine Hände freigemacht zu haben, belastete er sich ein 

Stück weit vielmehr selber. Auch die Aussagen des Privatklägers bei der Staats-

anwaltschaft zur zweiten Schussabgabe fielen auffallend unsicher und zurückhal-

tend aus. So gab er an, keine Ahnung mehr zu haben, wie es zur zweiten 

Schussabgabe gekommen sei. Mit dem zweiten Schuss habe der Beschuldigte 

einfach in seine Richtung geschossen (Urk. 15/4 S. 15). Aussagen, welche einen 

Kontrahenten zu Unrecht zu belasten trachten, würden ganz anders lauten und 

beispielsweise einen gezielten Schuss auf seinen Körper beschreiben. 

 2.4.4.3. Demgegenüber erstaunt ein etwas getrübtes Erinnerungsvermögen 

angesichts seiner damaligen Alkoholisierung (Blutalkoholwert von ca. 1,7 Ge-

wichtspromille; Urk. 25/4 S. 2) und der erlittenen lebensgefährlichen Schussver-

letzung nicht. Dass er sich anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 

30. August 2012 plötzlich sicher an einige Gegebenheiten zu erinnern glaubte, 

macht seine Darstellung daher nicht generell und integral unglaubhaft. 

 2.4.4.4. Entgegen der Auffassung der Verteidigung kann daraus auch nicht 

geschlossen werden, dass es der Privatkläger gewesen sei, der die Bierflasche 

vor der tätlichen Auseinandersetzung zu Boden geworfen habe. Soweit die Ver-

teidigung geltend macht, dies gehe auch aus den Zeugeneinvernahmen von 

E._____ und M._____ hervor (Urk. 320 S. 9), ist dem entgegenzuhalten, dass 

E._____ anlässlich seiner tatnahen polizeilichen Befragung vom 5. Mai 2012, 

05.30 Uhr, noch ausdrücklich zu Protokoll gegeben hatte, dass der Beschuldigte 

eine Bierflasche zu Boden geworfen habe, welche dabei in die Brüche gegangen 

sei (Urk. 16/8 S. 2 oben). Angesichts seiner nicht näher erklärten, plötzlichen 

diesbezüglichen Kehrtwende in seiner staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinver-

nahme vom 6. September 2012, mithin vier Monate später, und den weiteren Un-

sicherheiten in seinen dortigen Aussagen, kann ohnehin nicht unbesehen auf sei-

ne Darstellung abgestellt werden, soweit diese nicht durch übereinstimmende 

Schilderungen von weiteren Zeugen oder weiteren Beweismitteln bestätigt ist (vgl. 

nachfolgend, Erw. II.2.4.5.6. ff.). M._____ hatte bei der Polizei ausgesagt, er sei 

- 20 - 

auf die Situation aufmerksam geworden, als es plötzlich geklirrt habe und eine 

Flasche auf dem Boden zerschlagen sei, ohne die Bierflasche dem Beschuldigten 

oder dem Privatkläger zuordnen zu können (Urk. 19/1 S. 2). Anlässlich seiner 

staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeuge beantwortete er die Frage, ob er 

gesehen habe, wer die Bierflasche zu Boden geworfen habe mit: "Nein." 

(Urk. 29/2 S. 4 f.; vgl. nachfolgend, Erw. II.2.4.5.13.). 

 2.4.4.5. Ebenso verhält es sich mit der Aussage des Privatklägers, sich ge-

nau daran zu erinnern, dass der Beschuldigte vor ihm gestanden sei, die Waffe 

gezogen und ihm auf die Brust gesetzt habe (Urk. 15/3 S. 5 u.). Dabei erscheint 

die Beschreibung des Waffeneinsatzes weniger einer genauen Schilderung des in 

jenem Moment tatsächlich Vorgefallenen zu entsprechen, als viel eher einer Ver-

wendung der bekannten Redewendung, jemandem eine Waffe auf die Brust zu 

setzten. Hinzu kommt, dass der Vorfall nicht einer statischen Situation entsprach, 

sondern vielmehr einem dynamischen Geschehen. Es ist daher durchaus plausi-

bel, dass die Waffe für einen kurzen Moment im Tatverlauf sich unmittelbar vor 

der Brust des Privatklägers befand, bevor durch Geschubse eine Armlänge Dis-

tanz geschaffen wurde und bevor der Beschuldigte alsdann abdrückte, zumal 

auch der Beschuldigte einen umgehenden Schusswaffengebrauch und einen sehr 

kurzen Abstand geltend macht und geltend machen lässt (Urk. 320 S. 11 f.), was 

überdies mit der Angabe des Privatklägers bei der Staatsanwaltschaft überein-

stimmt, wonach es sehr nahe gewesen sei (Urk. 15/4 S. 14). Der sehr kurze Ab-

stand zwischen den beiden Kontrahenten wurde ausserdem auch durch die übri-

gen Befragten, welche die Tatsituation mitbekommen hatten, beschrieben. 

E._____ hatte anlässlich seiner tatnahen polizeilichen Befragung beispielsweise 

ausgesagt, der Beschuldigte habe die Waffe dem Privatkläger ans Kinn/Hals ge-

halten (vgl. nachfolgend, Erw. II.2.4.5.5.). Dass sich die Waffe im Zeitpunkt der 

Schussauslösung nicht direkt auf die Brust des Privatklägers aufgesetzt befand, 

ergibt sich schliesslich aus dem Schusswaffengutachten des Forensischen Insti-

tuts Zürich vom 12. November 2012 (Urk. 26/7 S. 10 f.: Schussdistanz höchstens 

ca. 0.6 – 0.8 Meter). Im Übrigen wird dem Beschuldigten auch keine Exekution 

mit einem aufgesetzten Schuss oder dergleichen vorgeworfen. 

- 21 - 

 2.4.5. Im auffällig zurückhaltenden, wenn auch teilweise von getrübtem Er-

innerungsvermögen geprägten Aussageverhalten des Privatklägers spricht somit 

wenig dafür, dass dieser bezüglich des zweiten Sachverhaltsabschnittes unwahre 

Aussagen machte. Aus seiner diesbezüglichen Schilderung geht hervor (Urk. 15/5 

S. 5 ff.), dass er mit seiner Freundin (F._____) noch vor der Bar gewesen sei, 

während ihre Kollegin (P._____) bereits mit Zugehörigen der Polterabendgruppe 

vorausgegangen sei. Er habe sich normal vom Beschuldigten verabschiedet und 

sei dann zusammen mit F._____ Richtung McDonald's weggegangen. Dann habe 

der Beschuldigte seinen Namen gerufen, er habe angehalten und sich umgedreht, 

der Beschuldigte sei dann auf ihn zugekommen. Er habe gedacht, dass es jetzt 

"chlöpft" und die Bierflasche seiner Freundin gegeben. Der Beschuldigte sei dann 

aggressiv auf ihn zugekommen und vor ihn hingestanden. Er habe nicht mehr viel 

sagen können, und der Beschuldigte habe die Waffe gezogen, ihm auf die Brust 

gesetzt und abgedrückt. Er habe den Beschuldigten weder angegriffen noch be-

droht. 

 2.4.5.1. Der zeitliche Ablauf, wonach der Beschuldigte dem Privatkläger von 

der ... Bar zum McDonald's nachfolgte, stimmt auch mit den polizeilichen Aussa-

gen von F._____ überein, welche sie bereits drei Stunden nach dem Tatzeitpunkt 
bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte (Urk. 16/1 S. 1 f.). Weiter gab sie in 

dieser ersten, sehr tatnahen polizeilichen Befragung, mithin ohne reelle Möglich-

keit, sich mit jemandem über ihre Wahrnehmungen in Details abzusprechen, auch 

zu Protokoll, der Beschuldigte habe vor der Tat eine Bierflasche in der Hand ge-

halten, welche nach einem von ihr wahrgenommenen Klirren plötzlich zerbrochen 

auf dem Boden gelegen habe. Auch nahm sie vor der Tat noch ein "Herumge-

schupfe" wahr. Plötzlich habe der Beschuldigte eine Knarre gezogen, und sie sei 

erschrocken. Sie habe nur gesehen, dass dieser Typ die Knarre gezogen habe. 

Plötzlich habe sie einen Knall gehört. Sie müsse sagen, dass sie das Ganze nicht 

genau gesehen habe. Der Privatkläger habe vor ihr gestanden und E._____ 

(E._____) und der Typ (der Beschuldigte) hätten nebeneinander, neben dem Pri-

vatkläger gestanden. Der Privatkläger sei zusammengezuckt, als ob er  einen 

Schlag erwischt hätte. Der Beschuldigte sei sofort Richtung Limmatquai wegge-

rannt. Der Privatkläger habe sich aufgerichtet und sei in die entgegengesetzte 

- 22 - 

Richtung weggerannt. Als der Beschuldigte ca. 5 Meter weggerannt sei, habe er 

sich nochmals umgedreht und noch ein zweites Mal in Richtung des Privatklägers 

geschossen. Dabei sei der Beschuldigte nicht stehengeblieben und habe gezielt, 

sondern einfach irgendwie beim Rennen geschossen (ebenda, S. 2). Sie sei 

schockiert gewesen. Es habe sich angehört, als ob der Täter die Waffe wegge-

worfen habe. Es sei ein metallischer Klang gewesen (Urk. 16/1 S. 3). Als Streit-

grund vermute sie, dass der Privatkläger nicht mehr in der rechten Szene sei. 

Was die Beiden gesprochen hätten, habe sie nicht mitbekommen. Sie sei mehr 

mit anderen Personen zusammen gewesen (Urk. 16/1 S. 4). 

 2.4.5.2. Anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeugin vom 

30. August 2012 hat F._____ diese tatnahen polizeilichen Aussagen auch im zeit-
lichen Ablauf und bezüglich der Bierflaschen in Anwesenheit des Beschuldigten 

vollumfänglich bestätigt (Urk. 16/2 S. 9 ff.). Sie habe mit dem Privatkläger im Tro-

ckenen vor dem McDonalds gestanden. Nach höchstens einer Minute hätten sie 

bemerkt, dass auch der Beschuldigte und E._____ in Richtung McDonalds ge-

kommen seien. Der Privatkläger habe ihr dann sein Bier gegeben und sei auf die 

Beiden zugegangen. Sie hätten dann kurz zusammen gesprochen. Ob auch 

E._____ am Gespräch teilgenommen habe, könne sie nicht mehr sagen. E._____ 

sei jedenfalls auch dort gestanden (Urk. 16/2 S. 10). Ob der Privatkläger vom Be-

schuldigten gerufen worden sei, könne sie sich nicht mehr erinnern. Drohgebär-

den, wie eine erhobene Faust oder Tätlichkeiten, habe sie nicht gesehen, auch 

nicht von Seiten des Privatklägers oder von E._____. Daran, dass "geschupft" 

worden sei, könne sie sich jetzt nicht mehr erinnern (Urk. 16/2 S. 11 f.). Eine La-

debewegung habe sie weder gesehen noch gehört. Auch ein Entsichern der Waf-

fe habe sie nicht gesehen (Urk. 16/2 S. 13). E._____ habe noch dort gestanden, 

sonst niemand (Urk. 16/2 S. 14). Wohin der zweite Schuss gegangen sei, wisse 

sie nicht (Urk. 16/2 S. 15). 

 2.4.5.3. Auch in den Aussagen der Zeugin F._____ finden sich keine Über-

treibungssignale oder ein Bestreben, den Beschuldigten in ein möglichst schlech-

tes Licht zu rücken und ihn falsch zu belasten. Ihre Darstellung wirkt authentisch. 

Wenn sie etwas nicht mehr genau wusste, sich nicht mehr genau erinnern konnte 

- 23 - 

oder beim Tatablauf etwas nicht genau oder gar nicht gesehen hatte, hat sie dies 

offen deklariert. Ihre Aussagen sind daher glaubhaft. 

 2.4.5.4. P._____ konnte zum Tatablauf nichts Sachdienliches beitragen, da 
sie sich zur fraglichen Zeit im Innern der McDonald's Filiale aufgehalten hatte. 

Den zeitlichen Ablauf, wonach der Beschuldigte erst nach der Polterabendgruppe 

und insbesondere nach dem Privatkläger zum McDonald's gekommen war, wurde 

dagegen auch von P._____ bestätigt (Urk. 16/5 S. 2 und S. 5; Urk. 16/7 S. 7 ff.). 

 2.4.5.5. E._____ sagte bei der Polizei aus, dass der Beschuldigte nach dem 
Privatkläger von der … Bar zum McDonald's gekommen war. Ausserdem gab er 

nur gut drei Stunden nach dem Tatzeitpunkt und damit tatnah zu Protokoll, der 

Beschuldigte habe mehrmals dem Privatkläger gerufen. Dieser sei aber einfach 

weitergegangen. Ferner sagte auch E._____ aus, dass der Beschuldigte eine 

Bierflasche zu Boden geworfen habe, welche dabei in die Brüche gegangen sei. 

Der Privatkläger habe gesagt: …"das ist schon lange her.". Und der Beschuldigte 

sei ausgerastet und habe gesagt: …"jetzt sehen wir, was passiert." Der Beschul-

digte habe dann eine sehr kleine Waffe aus dem Hosenbund oder der Jacke ge-

nommen, noch eine Ladebewegung vorgenommen und die Waffe dem Privatklä-

ger ans Kinn/Hals gehalten. Der Privatkläger habe den Beschuldigten weggestos-

sen. Der Beschuldigte habe die Waffe auf den Beschuldigten gerichtet und zwei 

Mal geschossen. Der erste Schuss habe nicht getroffen. Der zweite Schuss sei 

oben bei der Lunge in die Brust gegangen. Der Privatkläger sei sofort zwischen 

dem McDonald's und der …-Bar weggelaufen und (F._____) hinterher. Er sei zu-

erst dem Beschuldigten in Richtung Limmatquai und Bellevue nachgerannt. Am 

Limmatquai nach der Telefonkabine sei der Beschuldigte gestürzt, habe etwas 

aufgenommen und sei weitergerannt. Er sei zurück zum Privatkläger (Urk. 16/8 

S. 1 f.). 

 2.4.5.6. E._____ bestätigte als Zeuge zunächst seine tatnahen polizeilichen 
Aussagen bei der Staatsanwaltschaft am 6. September 2012 in Anwesenheit des 

Beschuldigten bezüglich des zeitlichen Ablaufs (Urk. 16/9 S. 5 ff.). Er gab erneut 

zu Protokoll, dass der Beschuldigte dem Privatkläger gerufen habe, da er diesem 

etwas habe sagen wollen. Der Privatkläger sei aber einfach weitergegangen. Der 

- 24 - 

Privatkläger habe gesagt: "nein, er müsse jetzt gehen." Als der Beschuldigte den 

Privatkläger gerufen habe, sei der Beschuldigte recht weit weg gewesen. Er 

(E._____) sei dann in den McDonald's einen Hamburger holen gegangen. Der 

Beschuldigte sei dann auch vor den McDonald's gekommen. Als er wieder nach 

draussen gekommen sei, seien alle dort gewesen. Er sei dann dort in einer Ni-

sche etwa 5 oder 10 Meter vom Beschuldigten und dem Privatkläger entfernt, in 

der Nähe der Tische gewesen. Er habe gesehen, dass eine Bierflasche zu Boden 

geflogen sei und sich gedacht, "jetzt gibt es Krieg". Sie hätten laut gesprochen, 

aber nicht gestritten. 

 2.4.5.6.1. Ohne nähere Begründung abweichend zu seinen bisherigen Aus-

sagen bei der Polizei gab E._____ in Anwesenheit des Beschuldigten nun plötz-

lich zu Protokoll (Urk. 16/9 S. 6 ff.), der Privatkläger habe zuerst dreinschlagen, 

d.h. sich wehren wollen, und sei immer näher an den Beschuldigten rangegan-

gen. Dann hätten sie irgendwie Krieg gehabt, laut geredet und seien sich immer 

näher und nähergekommen. Auf die Frage, ob einer der beiden tätlich geworden 

sei, antwortete der Zeuge: "B._____ ehrlich gesagt schon, ja." Auf die Frage, was 

dieser gemacht habe, antwortete der Zeuge: "Er hat nichts gemacht, aber er woll-

te etwas machen." Dieser sei immer nähergekommen. Es sei alles sehr schnell 

gegangen. Es sei nicht geschlagen worden. Beide hätten sich gegenseitig ge-

schubst, bzw. gestossen. Auf einmal habe es dann "geklöpft". Es sei sehr schnell 

gegangen. Er habe gar nichts gesehen. Er habe nur gehört, dass der Privatkläger 

geschrien habe (Urk. 16/9 S. 7). Dann sei der Privatkläger weggerannt. Der Be-

schuldigte sei dann ebenfalls weggerannt (Urk. 16/9 S. 6 f.). Auf die Frage, bei 

der Polizei habe er ausgesagt, der Beschuldigte habe eine Bierflasche auf den 

Boden geworfen, gab E._____ abweichend zu seiner tatnahen und der tatnahen 

Aussage von F._____ zu Protokoll: "Nein, es war B._____, der eine Bierflasche 

auf den Boden geworfen hat." (ebenda, S. 7). Was die Beiden gesprochen hätten, 

habe er nicht verstanden. Es sei einfach laut geworden. Ja, es stimme, dass der 

Privatkläger gesagt habe, "das ist schon lange her". Es stimme auch, dass der 

Beschuldigte ausgerastet sei und gesagt habe, "jetzt sehen wir, was passiert". 

Drohungen habe er nicht gehört. Er habe sich nicht eingemischt und sei einfach 

weggestanden. Er glaube, der Privatkläger habe zuerst geschubst. Er habe keine 

- 25 - 

Drohgebärden gesehen, und niemand habe die Faust erhoben. Woher der Be-

schuldigte die Waffe zog, habe er nicht gesehen. Die Beiden seien sehr nahe zu-

einander gestanden. Von Angesicht zu Angesicht. Die Position des Armes des 

Beschuldigten, als dieser geschossen habe, wisse er nicht mehr. Es sei alles sehr 

schnell gegangen. Nein, der Beschuldigte habe keine Ladebewegung gemacht. 

Der Beschuldigte habe einmal geschossen. Es sei ein Schuss gewesen. Dann sei 

der Privatkläger weggerannt. Gegen welchen Körperteil des Privatklägers der Be-

schuldigte geschossen habe, habe er nicht gesehen. Es sei, wie gesagt, sehr 

schnell gegangen. Auf den Vorhalt, bei der Polizei ausgesagt zu haben, der Pri-

vatkläger habe den Beschuldigten weggestossen, nachdem dieser die Waffe ge-

zogen habe, verneinte Zeuge E._____ dies. Sie hätten sich vorher "geschupft". Er 

habe immer gesagt, es sei nur ein Schuss gewesen. Was der Beschuldigte da-

nach mit der Waffe gemacht habe, wisse er nicht (Urk. 16/9 S. 8 ff.). 

 2.4.5.6.2. Bei E._____ ist zu beachten, dass auch er vor der Tatnacht weder 

den Beschuldigten, den Privatkläger noch F._____ und P._____ gekannt hatte 

(Urk. 16/9 S. 2). Es ist daher kein Motiv für eine Bevorzugung des Privatklägers 

oder des Beschuldigten, und damit für eine bewusste Falschaussage gegeben. 

Soweit Zeuge E._____ bei der Staatsanwaltschaft indessen plötzlich diametral 

von seinen polizeilichen Aussagen abweichende Sachverhaltsangaben machte 

und die zu Boden geworfene Bierflasche ohne nähere Erklärung nun nicht mehr 

dem Beschuldigten, sondern dem Privatkläger zuordnete, und überdies plötzlich 

erklärte, der Beschuldigte habe keine Ladebewegung gemacht, obwohl er dies bei 

der Polizei noch so ausgesagt hatte und als einziger meinte, dass der erste 

Schuss nicht getroffen habe und der zweite oben bei der Lunge in die Brust ge-

gangen sei (Urk. 16/8 S. 2), erweisen sich seine Aussagen mit diesen Kehrtwen-

dungen und Ungereimtheiten als nicht sonderlich glaubhaft, zumal seine einzige 

Erklärung dafür, vielleicht von der Polizei falsch verstanden worden zu sein 

(Urk. 16/9 S. 9), nicht überzeugt. Auch hinsichtlich allfälliger Tätlichkeiten vor der 

Schussabgabe sagte Zeuge E._____ bei der Staatsanwaltschaft sehr wider-

sprüchlich aus. So soll nun plötzlich der Privatkläger zuerst dreingeschlagen ha-

ben. Wobei E._____ umgehend und im Widerspruch dazu beifügte, der Privatklä-

ger habe nichts gemacht, aber er habe etwas machen wollen. In der Folge gab 

- 26 - 

der Zeuge dann weiter verwirrend zu Protokoll, es sei nicht geschlagen worden. 

Es sei gegenseitig geschubst worden. Er glaube, der Privatkläger habe zuerst ge-

schubst. Er habe keine Drohgebärden gesehen, und niemand habe die Faust er-

hoben, dies obwohl er zuvor erklärt hatte, der Privatkläger habe etwas machen 

wollen (vgl. vorstehend, Erw. II.2.4.5.6.1.). Es kann daher insoweit nicht auf die 

teilweise äusserst widersprüchlichen und verwirrenden Aussagen von E._____ 
abgestellt werden, als diese nicht durch übereinstimmende Darstellungen von 

weiteren Zeugen oder andere Beweismittel bestätigt werden. 

 2.4.5.7. K._____ gab am 10. Mai 2012 bei der Polizei zu Protokoll, die ande-
ren Kollegen (der Polterabendgruppe) seien weiter in Richtung McDonald's ge-

gangen. Nur J._____, der Privatkläger, die Zeugin F._____ und er selber hätten 

sich noch vor der … Bar befunden und später auch noch der Beschuldigte. Der 

Beschuldigte habe etwas gesprochen, nichts Aggressives. Er habe aber gespürt, 

dass die Stimmung langsam übergeschwappt habe. Er habe zu J._____ gesagt, 

dass sie langsam gehen sollten. Der Beschuldigte habe selber (zu ihnen) gesagt, 

dass es besser sei, wenn sie gehen würden. Dann seien sie Richtung McDonald's 

gegangen. Seine Kollegen hätten sich bereits im McDonald's befunden. J._____ 

und er hätten gegenüber dem McDonald's auf den Rest gewartet. Der Beschul-

digte, der Privatkläger und dessen Freundin seien vom … her gekommen. Kurz 

vor dem Platz vor dem McDonald's seien diese Personen stehengeblieben. Er 

habe nicht gehört, aber gesehen, dass diese diskutiert hätten. Er habe gesehen, 

dass der Beschuldigte den Privatkläger weggeschubst habe. Vermutlich habe er 

dies getan, um die Waffe zu ziehen. Es sei alles relativ schnell gegangen. Er habe 

auch die Ladebewegung gehört, aber gemeint, dass es sich um ein Butterflymes-

ser gehandelt habe. Dann sei der Schuss gefallen. Er glaube, dass es zwei bis 

drei Schüsse gewesen seien. Der Geschädigte habe sich kurz nach vorn gebückt 

und sei die Gasse hinauf weggerannt. Der Beschuldigte habe noch kurz zu ihnen 

geschaut und sei die Gasse Richtung Limmatquai weggegangen. Da sich der Pri-

vatkläger nur gekrümmt habe, sei er davon ausgegangen, dass es sich nicht um 

eine echte Waffe gehandelt habe. Wenn einer aus ca. 30 cm Distanz schiesse, 

würde es anders aussehen. Die Kontrahenten hätten vor dem … und vor dem 

McDonald's keine Flaschen in den Händen gehalten (Urk. 17/7 S. 2, S. 4). 

- 27 - 

 2.4.5.8. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeuge vom 

12. September 2012 bestätigte K._____ seine polizeilichen Aussagen als zutref-
fend (Urk. 17/8 S. 3). Auch wiederholte er, dass der Beschuldigte zu ihm und 

J._____ gesagt habe, dass sie jetzt lieber gehen sollten. Dies habe der Beschul-

digte mit einer bestimmten, angehobenen Stimme gesagt. Die Stimmung des Be-

schuldigten sei gekippt, so wie dieser es zu ihnen gesagt habe. Er habe seinem 

Kollegen dann gesagt, komm, wir gehen jetzt, und sie (beide) seien dann eine 

oder zwei Minuten später auch Richtung McDonald's gegangen. Die Aufforderung 

des Beschuldigten habe auf sie so gewirkt, wie wenn es besser wäre, dass sie 

jetzt gehen würden, ansonsten etwas passieren würde. Ja, dies habe der Be-

schuldigte aus heiterem Himmel zu ihnen gesagt. Die drei anderen (Beschuldig-

ter, Privatkläger und F._____) seien dann etwas später gekommen. Er habe die 

drei aus einer Distanz von ca. 40 Metern kommen sehen; alle nebeneinander. 

Sonst niemand. In einer Entfernung von ca. 10 bis 15 Metern zu ihm und J._____ 

seien die drei dann stehengeblieben. Die anderen seien im McDonald's gewesen. 

Er habe den Beschuldigten von vorne gesehen. Der Privatkläger habe ihm den 

Rücken zugewandt. Die Beiden hätten sich von Angesicht zu Angesicht gegen-

übergestanden. Die Frau habe daneben gestanden. Diese seien im Dreieck ge-

standen (ebenda, S. 5 und S. 7 f.). Gehört habe er nichts, und er habe weder 

Drohgebärden noch erhobene Fäuste gesehen. Der Beschuldigte und der Privat-

kläger seien ziemlich nahe beieinander gestanden. Er habe nicht gesehen, ob sie 

etwas in der Hand gehalten haben. Es sei dann alles sehr schnell gegangen. Der 

Beschuldigte habe den Geschädigten gestossen, und dann sei der Schuss gefal-

len. Er sei der Meinung, zwei oder drei Schüsse gehört zu haben. Was er gese-

hen habe, sei, dass der Beschuldigte den Geschädigten zuerst geschubst habe, 

als diese ca. eine Armlänge zwischen sich gehabt hätten. Er habe aber nicht die 

ganze Zeit zu den Beiden geschaut. Die Position des Armes des Beschuldigten 

beim Schiessen habe er ebenfalls nicht gesehen. Die Beiden hätten ziemlich na-

he beieinander gestanden. Er habe ein entsprechendes Geräusch einer Ladebe-

wegung gehört. Zum zweiten Schuss könne er nichts sagen. Er habe es einfach 

Knallen gehört (Urk. 17/8 S. 9 ff.). 

- 28 - 

 2.4.5.9. J._____ gab am 11. Mai 2012 bei der Polizei zu Protokoll 
(Urk. 17/18 S. 2 f.), er sei eigentlich mit dem Beschuldigten Richtung McDonald's 

gegangen. Es sei eine grössere Gruppe Personen gewesen. Die einen seien et-

was weiter vorne gewesen, andere etwas hinten. Auf halbem Weg habe der Be-

schuldigte zu ihm gesagt: "Es isch besser wänn ihr jetzt gönd." Dessen Stimmung 

habe sich völlig umgedreht. Er habe zuerst gedacht, dies habe etwas mit den 

Frauen zu tun. Er habe den Beschuldigten gefragt, was das Problem sei. Dieser 

habe ihm aber keine Antwort gegeben. Vor dem McDonald's sei dieser dann 

rechts rüber gestanden und er links. Dann sei es eigentlich relativ schnell gegan-

gen. Er habe einen Schuss gehört und sei Richtung Hauptbahnhof gerannt. Er 

habe hinter der Hausecke hervorgeschaut und K._____ zugerufen, er solle end-

lich wegrennen. Er habe keine Waffe gesehen. Im Zeitpunkt der Schussabgabe 

sei er ca. drei Meter vom Täter entfernt gestanden. Die Schussabgabe habe er 

nicht gesehen, aber gehört. Auf die Frage, wie viele Schüsse er gehört habe, sag-

te er, zwei bis drei. Es sei sicher mehr als einer gewesen. Er habe nicht gesehen, 

wer geschossen habe (Urk. 17/18 S. 4 ff.). 

 2.4.5.10. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeuge 

vom 12. September 2012 bestätigte J._____ seine polizeilichen Aussagen als zu-
treffend (Urk. 17/21 S. 3). Auf die Frage, wer dann zuerst vom … [Bar] wegge-

gangen sei, erklärte J._____ (Urk. 17/21 S. 5 f.), zuerst seien Kollegen aus seiner 

Gruppe gegangen. J._____ am Schluss seien K._____, der Beschuldigte und er 

gegangen. Er wisse nicht mehr, ob auch der Privatkläger noch bei ihnen gewesen 

sei. Wo die Frauen gewesen seien und ob der Privatkläger voraus oder mit ihnen 

gegangen sei, könne er nicht mehr sagen. Vermutlich habe er mit dem Beschul-

digten gesprochen. Dieser habe aber ruhig und bestimmt gesagt, dass es besser 

sei, wenn sie jetzt gehen würden. Dessen Stimmung habe sich völlig umgedreht. 

Seine Frage, was los sei, habe dieser nicht beantwortet. Wo der Privatkläger in 

jenem Zeitpunkt gewesen sei, könne er nicht mehr sagen. Die Situation davor und 

die Schussabgabe habe er nicht gesehen. Er habe zwei bis drei Schüsse unmit-

telbar hintereinander gehört. Eine Ladebewegung habe er nicht gehört. Er habe 

nicht hingeschaut, sondern sei einfach weggerannt (Urk. 17/21 S. 7 f.). 

- 29 - 

 2.4.5.11. Auch L._____ sagte aus, er habe zwei "Knallgeräusche" gehört 
und zuerst an einen Knallkörper oder eine "Chäpslipistole" gedacht. Der Beschul-

digte habe bei der… Bar mit bestimmtem Ton gesagt, dass es besser sei, wenn 

sie jetzt gehen würden. Er beobachtete weder einen Streit mit Drohgebärden oder 

Tätlichkeiten noch die Schussabgabe (Urk. 17/24; Urk. 17/26). Auf die Frage, wie 

oft geschossen worden sei, antwortet er bei der Staatsanwaltschaft: "Ich habe ei-

nen oder zwei gehört. Ich kann es nicht genau sagen. Ein Knall war sicher, ob es 

noch einen zweiten gab, weiss ich jetzt nicht mehr." (Urk. 17/26 S. 8). 

 2.4.5.12. O._____ konnte keine sachdienlichen Beobachtungen machen. Er 
befand sich zum Zeitpunkt der Schussabgabe im Innern des McDonald's auf der 

Toilette (Urk. 17/29 und 17/30). 

 2.4.5.13. Auch M._____ hielt sich (als Polizeibeamter in seiner Freizeit) im 
Tatzeitraum zusammen mit einigen Kollegen im Bereich vor dem McDonald's auf. 

Laut seinen Aussagen vom 5. Mai 2012, 06.30 Uhr (Urk. 19/1), seien ihm als ers-

tes zwei Männer und eine Frau auf dem Platz vor dem McDonald's aufgefallen, 

welche sich herumgestossen hätten. Als es plötzlich geklirrt habe und eine Fla-

sche auf dem Boden zerschlagen sei, habe er wieder dorthin gesehen. Da sei der 

Privatkläger etwas näher an den Beschuldigten herangetreten. Für ihn habe es 

den Anschein eines "Herumpläuschelns unter Kollegen" gemacht. Er habe sich 

wieder von denen abgewandt und plötzlich sei ein Schuss gefallen. Er habe wie-

der hingeschaut, und schon sei der zweite Schuss gefallen. Aufgrund seiner Dis-

tanz von ca. 10 bis 15 Meter habe er es nicht genau gesehen. Die Waffe habe er 

nicht gesehen. Bei diesen Aussagen blieb er im Wesentlichen auch bei der 

Staatsanwaltschaft. Er habe höchstens Gestikulieren gesehen, aber nichts Be-

drohliches. Ein Geräusch, wie wenn etwas Metallisches zu Boden fällt, habe er 

nicht gehört (Urk. 19/2). Zunächst hätten sie gar nicht gedacht, dass es Schüsse 

gewesen seien. Erst später habe man ihm gesagt, dass es tatsächlich Schüsse 

gewesen seien (Urk. 19/2 S. 9). Seine Kollegen, AH._____ und AI._____, konnten 

keine sachdienlichen Beobachtungen schildern. AH._____ hatte offenbar "den 

Schuss" gehört. AI._____ hörte plötzlich so etwas, wie "Schüsse einer Käpslipis-

tole" (Urk. 19/2 S. 3; Urk. 19/17 S. 1). AJ._____ hatte mit seiner Freundin zu-

- 30 - 

sammen vor dem McDonald's M._____, AH._____ und AI._____ angetroffen. Er 

habe einen Knall gehört und mit M._____ diskutiert, ob es ein Schuss gewesen 

sei oder nicht. Sie seien zum Schluss gekommen, dass es ein Schuss aus einer 

Softair-Waffe hätte gewesen sein können. Auch er sah die Kontrahenten nur weg-

rennen und konnte keine weiteren sachdienlichen Angaben machen (Urk. 19/22). 

 2.4.6. Aus den vorstehend wiedergegebenen wesentlichen Aussagepassa-

gen (Erw. II.2.4.5.1. – II.2.4.5.13.) ergibt sich bezüglich des zweiten Sachver-

haltsabschnittes bei den Begebenheiten nach dem Verlassen der ... Bar – in Er-

gänzung zur vorinstanzlichen Beweiswürdigung – folgendes: Angesichts der ge-

mäss den völlig übereinstimmenden Aussagen von K._____, J._____ und 

L._____ vom Beschuldigten ausgesprochenen und daher erstellten Warnung an 

diese Zugehörigen der Polterabendgruppe, nun besser zu gehen, und aufgrund 

der bei ihm plötzlich umgekippten Stimmungslage (vgl. vorstehend, 

Erw. II.2.4.5.7. – II.2.4.5.11.; vgl. auch zutreffend die Vorinstanz: Urk. 174 S. 42 f.) 

orientierte sich der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt innerlich bereits am weite-

ren Ereignisverlauf (vgl. Urk. 255 S. 35 f.)  oder – wie es Prof. Dr. med. H._____ 

im Aktengutachten formulierte – hatte er bereits eine aktive Handlungsbereitschaft 

(Urk. 42/10 S. 88). Mit anderen Worten musste der Beschuldigte innerlich bereits 

eine gewisse Tatbereitschaft aufgewiesen haben, eine nicht harmlose Auseinan-

dersetzung mit dem Privatkläger zu suchen und – gegebenenfalls – mit Hilfe sei-

ner Schusswaffe auszutragen. Nur so lässt sich seine Warnung erklären. Hätte 

der Beschuldigte beispielsweise eine blosse Schlägerei mit dem Privatkläger er-

wartet und vorausgesehen, hätte ein solches Planungselement keinen Sinn erge-

ben, da eine blosse Schlägerei mit dem Privatkläger keine ernsthafte Gefahr für 

die Polterabendgruppe dargestellt hätte. 

 2.4.6.1. Äusseren Anlass für ein gewaltsames weiteres Austragen der be-

reits in der Unterhaltung im Inneren der ... Bar aufgetretenen und erstellten Span-

nungen (vgl. vorstehend, Erw. II.2.4.3.1.) hatte der Privatkläger dem Beschuldig-

ten entgegen dessen Darstellung bislang nicht gegeben. Seine Schutzbehaup-

tung wurde durch die übereinstimmenden Aussagen der Befragten vielmehr wi-

derlegt (vgl. vorstehend, Erw. II.2.4.3.3.). 

- 31 - 

 2.4.6.2. Laut ungefragt zu Protokoll gegebener Darstellung vor Vorinstanz 

(Urk. 144 S. 11 f.) soll der Beschuldigte gegenüber einem Exponenten der Polter-

abendgruppe gesagt haben, dass der Privatkläger, so wie er jetzt sei, vorhabe, 

auf sie loszugehen. Er (der Beschuldigte) wisse, wozu dieser fähig sei. Daher ha-

be er diesen Leuten geraten, zu gehen (ebenda, S. 12). Diese Darstellung wie-

derholte der Beschuldigte auch vor Berufungsgericht (Prot. II S. 77 f., 80). Auch 

diese Schutzbehauptung, er habe Exponenten der Polterabendgruppe gewarnt, 

da der Privatkläger auf diese habe losgehen wollen, ist damit widerlegt. Für eine 

solche Absicht des Privatklägers gab und gibt es nach dem Dargelegten nicht den 

geringsten Hinweis. 

 2.4.7. Hinsichtlich des dritten Sachverhaltsabschnitts bis zur Schussabgabe 

gab der Beschuldigte vor Vorinstanz zu Protokoll, er sei vor den anderen Perso-

nen aus der ... Bar hinaus und in Richtung McDonalds gegangen. Obschon sein 

Weg eigentlich nach rechts, in Richtung Seefeld, verlaufen wäre, sei er wegen der 

Dunkelheit durch die besser beleuchtete und belebte Gasse nach links Richtung 

McDonald's gegangen. Es sei ihm darum gegangen, dass er keine Eskalation ge-

sucht habe (Urk. 144 S. 25 f.). Er, der Privatkläger, E._____ und F._____ seien 

dann losgegangen. Ja, sie seien zu viert gegangen. Er sei losgegangen, und die 

Gruppe sei mit ihm gekommen (Urk. 144 S. 26). Als sie aus der Gasse gekom-

men seien, sei der Privatkläger massiv ausfällig gegen AG._____ geworden 

(Urk. 144 S. 12). Irgendwann habe sich der Privatkläger zu ihm gedreht, sei vor 

ihn hingestanden und habe angefangen, ihn anzuschreien. Dann sei eine Flasche 

geflogen; jene des Privatklägers. Daraufhin sei dieser "seine Faust aufgezogen" 

tätlich auf ihn losgegangen und habe beabsichtigt, ihn umzustossen, was dem 

Privatkläger aber nicht ganz gelungen sei. Er habe auch gesehen, wie E._____ 

mit erhobener Faust auf ihn zugerannt sei (Urk. 144 S. 13). In etwa gleich schil-

derte der Beschuldigte die Geschehnisse in dieser Phase anlässlich der Beru-

fungsverhandlung (Prot. II S. 79 ff.). Einzig abweichend hiervon gab er an, dass 

die Polterabendgruppe vor ihm aus der … Bar losgegangen sei (Prot. II S.  79). 

 2.4.7.1. Die Darstellung des Beschuldigten, mit der er eine rechtfertigende 

Notwehrsituation vor dem Schusswaffengebrauch zu belegen versucht, lässt sich 

- 32 - 

mit den Aussagen der übrigen Befragten nicht in Einklang bringen. Zwar stimmen 

die Aussagen der Befragten darüber, wer mit wem und in welcher genauen Rei-

henfolge von der ... Bar zum McDonalds ging nicht in allen Einzelheiten überein. 

Aus den Aussagen geht indessen genügend deutlich hervor, dass die Darstellung 

des Beschuldigten, wonach er vor den anderen Personen aus der ... Bar hinaus 

und in Richtung McDonalds gegangen sei, nicht zutreffen kann. Er war es viel-

mehr, welcher aus freien Stücken dem Privatkläger nachging und sogar noch 

nach diesem rief. Seine Beteuerungen, lediglich wegen der Dunkelheit durch die 

besser beleuchtete und belebte Gasse nach links Richtung McDonald's gegangen 

zu sein und keine Eskalation gesucht zu haben (Urk. 144 S. 25 f.; Prot. II S. 79), 

erweisen sich unter den gegebenen Umständen als weitere völlig unglaubhafte 

Schutzbehauptung, zumal er es war, der eine geladene Pistole mit sich führte und 

obendrein die besagte Warnung an die Exponenten der Polterabendgruppe ge-

richtet hatte. Der Beschuldigte begab sich daher entgegen seinen anderslauten-

den Beteuerungen mit einer gewissen vorbestehenden inneren Orientierung (vgl. 

vorstehend, Erw. II.2.4.6. und nachfolgend, Erw. IV.2.2.4.4.3.) in dieselbe Rich-

tung wie der Privatkläger. 

 2.4.7.2. Einzig der Zeuge E._____ sagte im Widerspruch zu seiner tatnahen 

polizeilichen Aussage bei der Staatsanwaltschaft plötzlich aus und bestätigte da-

mit lediglich in einer Befragung die diesbezügliche Darstellung des Beschuldigten, 

dass der Privatkläger eine Bierflasche zu Boden geworfen habe. Wie bereits er-

wogen, kann daher nicht auf diese einzelne und erst noch widersprüchliche Dar-

stellung von E._____ abgestellt werden (vgl. vorstehend, Erw. II.2.4.4.4. und 

II.2.4.5.6.2.), nachdem sowohl der Privatkläger gemeinsam mit F._____ und er 

selber in seiner tatnahen Befragung bei der Polizei übereinstimmend und letztlich 

glaubhaft ausgesagt haben, es sei der Beschuldigte gewesen, welcher die Bier-

flasche zu Boden geworfen habe (vgl. vorstehend, Erw. II.2.4.4.1. ff.). Es beste-

hen daher in Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen Würdigung (Urk. 174 

S. 61) keine unüberwindbaren Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO daran, 

und es ist damit erstellt, dass der Beschuldigte seine Bierflasche vor der Schuss-

abgabe zu Boden geworfen hatte. 

- 33 - 

 2.4.7.3. Vom Privatkläger wird bestritten, dass er den Beschuldigten vor dem 

Schusswaffengebrauch angegriffen oder bedroht habe. Niemand, nicht einmal der 

in diesem Punkt äusserst widersprüchliche E._____ (Erw. II.2.4.5.6.1.), bestätigte 

die Darstellung des Beschuldigten, wonach der Privatkläger vor der Schussabga-

be auf dem Platz vor dem McDonald's Drohgebärden an ihn gerichtet und ihn mit 

erhobenen Fäusten tätlich angegriffen habe. Alle Befragten verneinten unisono 

ein solches Geschehen. Auch hatte niemand E._____ mit erhobener Faust auf 

den Beschuldigten zurennen gesehen. Bereits die Vorderrichter erkannten in die-

sem Zusammenhang daher zutreffend auf eine blosse weitere Schutzbehauptung 

des Beschuldigten (Urk. 174 S. 46). 

 2.4.7.4. Mehrere Zeugen sagten aus, vor der Schussabgabe ein "Herumge-

schubse" zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger gesehen zu haben. 

K._____ gab zu Protokoll, der Beschuldigte habe den Privatkläger zuerst ge-

schubst. Laut der polizeilichen Aussage von E._____ war es der Privatkläger, 

welcher zuerst gestossen habe, nachdem dieser die Waffe gezogen habe. Bei der 

Staatsanwaltschaft sprach er dann allerdings von gegenseitigem Schubsen. Kein 

Zeuge hatte die Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontrahenten über 

den gesamten Verlauf beobachtet; auch F._____ nicht. Daher ist nicht auszu-

schliessen, dass es vom genauen Moment der Beobachtung abhing, ob ein Zeu-

ge in der Dynamik des Geschehens den einen oder den anderen Kontrahenten 

bei einem Stoss gegen den anderen beobachtete. Es lässt sich daher nicht zwei-

felsfrei erstellen, welcher der beiden Kontrahenten den anderen zuerst gestossen 

hat. Aufgrund der Aussagen der Befragten bestehen dagegen keine unüberwind-

baren Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO daran, dass sich der Beschuldigte 

und der Privatkläger vor der Schussabgabe durch den Beschuldigten gegenseitig 

geschubst hatten und sich die vorausgehende Auseinandersetzung in einem ge-

genseitigen Geschubse erschöpft hat, wie dies bereits die Vorderrichter zutreffend 

erwogen haben (Urk. 174 S. 61). Da dieses gegenseitige Geschubse von einigen 

Beobachtenden sogar als kollegial empfunden wurde, dürfte es sich dabei um 

keine heftige Auseinandersetzung gehandelt haben, so dass selbst dann nicht 

von einer zur Notwehr mit Schusswaffengebrauch berechtigenden Gefahrenlage 

- 34 - 

gesprochen werden könnte, wenn der Privatkläger zuerst geschubst hätte, zumal 

der Schusswaffengebrauch in keinem Verhältnis zum Schubsen stünde.  

 2.5. Nach dem Dargelegten sind die ersten drei Sachverhaltsabschnitte 

demzufolge in objektiver Hinsicht erstellt, wonach der Beschuldigte im Verlauf der 

Auseinandersetzung mit dem Privatkläger nach einem gegenseitigen Schubsen, 

ohne dass Drohgebärden oder ein tätlicher Angriff mit erhobenen Fäusten vom 

Privatkläger oder von E._____ vorausgegangen wären, seine durchgeladene 

Waffe zog, entsicherte und vorsätzlich aus nächster Nähe (maximal 60 bis 80 cm; 

Urk. 26/7 S. 10 f.) eine Patrone in Richtung Oberkörper des Privatklägers verfeu-

erte und beim Privatkläger die in der Anklageschrift aufgeführte und durch den 

ärztlichen Bericht der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 

10. Mai 2012 (Urk. 23/3 S. 1 f.) belegte Brustkorbschussverletzung rechts im Sin-

ne eines Durchschuss-Steckschusses und die damit einhergehende ausgeprägte 

Brustkorbblutung und Lungengewebeverletzung, und damit gemäss ärztlichem 

Befund der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 5. Juni 

2012 (Urk. 23/4 S. 1 f.), eine unmittelbare akute Lebensgefahr verursachte. Da 

der Beschuldigte aus nächster Nähe auf den Privatkläger schoss, spielt es so-

dann auch keine Rolle, wie der Beschuldigte konkret dabei vorging, d.h. ob er – 

seinen Behauptungen entsprechend – einen "Hüftschuss" aus dem Handgelenk 

abgab (z.B. Urk. 320 S. 12) oder mit ausgestrecktem Arm schoss. Fakt ist, dass 

bei einem Schuss aus einer Distanz von lediglich 60 - 80 cm ein genaues Zielen 

für die Herbeiführung einer lebensgefährlichen Verletzung nicht erforderlich war.  

 2.6. Im vierten Sachverhaltsabschnitt für die Situation nach der (ersten) 

Schussabgabe wird dem Beschuldigten von der Anklagebehörde vorgeworfen, 

kurz nach der ersten Schussabgabe, als er bereits zu flüchten im Begriffe gewe-

sen sei, aus der Bewegung heraus aus einer Distanz von ca. einem bis wenigen 

Metern vorsätzlich eine weitere Patrone ungezielt in Richtung des Privatklägers 

abgefeuert zu haben. 

 2.6.1. Zunächst stellt sich angesichts der vorhandenen Sachbeweise die 

Frage, ob überhaupt ein zweiter Schuss gefallen ist. Denn weder gingen bei den 

Behörden Meldungen über Gebäudeschäden ein (Urk. 13 S. 18) oder wurde den 

- 35 - 

Behörden eine tatzeitnah von einem Projektil durchschlagene Dachrinne ange-

zeigt noch fanden die Mitarbeiter des Forensischen Instituts Zürich (FOR) anläss-

lich der von ihnen nach der Tat durchgeführten Spurensicherung vor Ort irgend-

welche Hinweise auf eine zweite Schussabgabe. Es war keine zweite Patronen-

hülse vorhanden. Auch die Mitarbeiter des FOR selbst konnten an den umliegen-

den Gebäuden keine Beschädigungen feststellen, welche von einem Projektil hät-

ten stammen können (Urk. 26/7 S. 6). Ferner geht die Munitionsrechnung nicht 

auf. Gemäss dem Schusswaffengutachten des FOR fasst das Magazin der vom 

Beschuldigten verwendeten Pistole der Marke Astra, Mod. 2000 (Cub), 7 Patro-

nen und kann somit mit maximal 8 Patronen (1 im Patronenlager und 7 im Maga-

zin) voll geladen werden (Urk. 26/7 S. 11, Ziff. 6.). Zwei Schüsse sollen gefallen 

sein. Neben einer gezündeten (leeren) Hülse wurde eine unverfeuerte Patrone 

am Tatort sichergestellt (Urk. 26/7 S. 13 oben). Nach der Tat müsste die Waffe 

des Beschuldigten damit noch mit fünf Patronen geladen gewesen sein. Bei der 

Verhaftung des Beschuldigten durch die Hamburger Polizei war dessen Waffe 

aber mit 6 Patronen geladen (Urk. 26/7 S. 12, Ziff. 12.; Urk. 27/4; Urk. 27/5). Der 

Beschuldigte müsste also seine Waffe in der Zeit bis zu seiner Verhaftung mit ei-

ner Patrone nachgeladen haben, wenn er den zweiten Schuss abgegeben hätte. 

Die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten sind aber unstimmig (Urk. 14/1 

S. 5; Urk. 14/8 S. 5; Prot. II S. 88 f., 94).   

 2.6.2. Trotz dieser Unsicherheiten ist aber angesichts der Zugeständnisse 

des Beschuldigten und diverser Aussagen, wonach mindestens zwei Schüsse 

gehört worden seien, mit der Vorinstanz als erstellt zu erachten, dass aus der 

Waffe des Beschuldigten kurz nach dem ersten ein zweiter Schuss abgefeuert 

wurde, welcher den Privatkläger jedoch nicht traf (Urk. 174 S. 46 und S. 76). Wei-

ter legt die Vorinstanz überzeugend dar, dass sich aus den Aussagen auch zwei-

felsfrei ergeben würde, dass dieser Schuss ungezielt abgefeuert wurde. Sowohl 

die Zeugin F._____ wie auch der Privatkläger sagten übereinstimmend aus, der 

Beschuldigte habe sich, nach dem ersten Schuss flüchtend, nochmals umgedreht 

und in Bewegung, wenn auch nicht gezielt, erneut geschossen. Im Kern dasselbe 

sagte der Zeuge M._____ aus, der nicht von einem gezielten, im Sinne eines 

durch das Korn der Waffe anvisierten zweiten Schusses sprach. In Bezug auf die 

- 36 - 

konkreten Aussagen der genannten Zeugen ist auf deren Zusammenfassung im 

vorinstanzlichen Urteil zu verweisen (Urk. 174 S. 71 - 76; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

 2.6.3. Angesichts der konstanten Bestreitung des Beschuldigten, nicht in 

Richtung des Privatklägers geschossen zu haben (Urk. 14/2 S. 8 f.; Urk. 14/3 

S. 16; Urk. 14/8 S. 5 f.; Urk. 144 S. 13; Prot. II S. 85), bleibt nachfolgend zu prü-

fen, ob erstellt werden kann, dass der Beschuldigte auch den zweiten Schuss in 

Richtung des Privatklägers abgab. 

 2.6.3.1. Die Aussagen des Privatklägers sind in Bezug auf die aufgeworfene 

Frage von Unsicherheiten gekennzeichnet und insofern wenig verlässlich. So gab 

er anlässlich seiner ersten Befragung am 6. Mai 2012 zunächst zu Protokoll, dass 

der Beschuldigte einen zweiten Schuss in Richtung McDonald's abgegeben habe 

(Urk. 15/2 S. 2; vgl. hierzu auch die Aussage in Urk. 15/4 S. 16, wonach er zu 

diesem Zeitpunkt eine schmale Strasse neben dem McDonald's hinaufgerannt 

sei). In seiner Befragung am 8. Mai 2012 führte er demgegenüber aus, dass er 

den zweiten Schuss nicht mitbekommen habe, da er weggerannt sei (Urk. 15/3 

S. 7). Fast vier Monate später deponierte er dann die Aussage, dass der Be-

schuldigte den zweiten Schuss in seine Richtung abgegeben habe (Urk. 15/4 

S. 14 f.).  

 2.6.3.2. Die Zeugin F._____ sagte zunächst anlässlich der polizeilichen Be-

fragung vom 5. Mai 2012 aus, der Beschuldigte habe beim Wegrennen ein zwei-

tes Mal in Richtung des Privatklägers geschossen (Urk. 16/1 S. 2). Demgegen-

über sprach sie bei ihrer Zeugeneinvernahme vom 30. August 2012 – ihre erste 

Aussage relativierend – nur noch davon, dass der Beschuldigte ein zweites Mal in 

die Richtung des Ortes geschossen habe, wo der erste Schuss gefallen sei, wo-

bei sie gleichzeitig ausführte, dass auch der Privatkläger unmittelbar nach der  

ersten Schussabgabe weggerannt sei, also sich nicht mehr an dem Ort befand, 

wo der erste Schuss gefallen war, sondern ca. 2 Meter davon entfernt (Urk. 16/2 

S. 14 f.). Auch diese Aussagen sind zur Erstellung der Richtung des zweiten 

Schusses damit unzuverlässig.  

- 37 - 

 2.6.3.3. Auch der Zeuge M._____ lieferte zur Beantwortung der aufgeworfe-

nen Frage keine verlässlichen Angaben. Zwar gab er anlässlich seiner Einver-

nahme vom 11. Oktober 2012 detailliert an, dass der Beschuldigte bei der zweiten 

Schussabgabe den Arm in Richtung der unteren Bauchhälfte des Privatklägers 

ausgestreckt habe, was eindeutig für einen Schuss in Richtung des Privatklägers 

sprechen würde. Jedoch lässt sich die von ihm angegebene Distanz zwischen 

dem Privatkläger und dem Beschuldigten zum einen nicht mit den Aussagen der 

übrigen Zeugen in Einklang bringen. Nach seiner Darstellung soll nämlich die Dis-

tanz lediglich eine Armlänge plus ca. einen halben Meter gewesen sein (Urk. 19/2 

S. 6). Gemäss den Aussagen der Zeugen J._____, F._____ und des Privatklä-

gers habe diese aber ca. drei, sechs oder zehn Meter betragen (J._____: Urk. 

17/18 S. 4; F._____: Urk. 16/2 S. 15; Privatkläger: Urk. 15/4 S. 14 ff.). Zum ande-

ren wäre bei einem Abstellen auf die Darstellung von M._____ unerklärlich, wes-

halb der Beschuldigte trotz dieser Nähe und trotz entsprechender Armhaltung den 

Privatkläger erwiesenermassen verfehlte.  

 2.6.3.4. Der einzige Zeuge, welcher stimmig aussagte, dass der Beschuldig-

te zweimal in Richtung des Privatklägers schoss, war N._____. Gemäss dessen 

Aussagen soll ihm der Beschuldigte am Morgen nach der Tat berichtet haben, 

dass er zweimal geschossen habe, in die Bauchregion. Er wisse, dass er einmal 

getroffen habe, nicht jedoch, ob er auch das zweite Mal getroffen habe 

(Urk. 19/26 S. 5 f.). N._____ selber war aber während der Tat nicht anwesend. Er 

konnte lediglich angeben, was ihm der Beschuldigte nach der Tat diesbezüglich 

gesagt hatte. Diese Aussagen sind daher bloss beschränkt beweiskräftig.  

 2.6.3.5. Die Zeugen P._____, K._____, J._____ und L._____ konnten in Be-

zug auf die zu erstellende Schussrichtung keine sachdienlichen Aussagen ma-

chen (vgl. Urk. 174 S. 73 f.). Angesichts der Widersprüchlichkeit der diesbezügli-

chen Aussagen von E._____ kann auch auf diese nicht abgestellt werden (vgl. 

Urk. 174 S. 73).  

 2.6.3.6. Der Beschuldigte berief sich zusammengefasst und konstant darauf, 

er habe (ein erstes Mal) geschossen, sei dann selbst erschrocken und geflüchtet. 

Er sei erschrocken und habe sich links weggedreht, um zu flüchten. Dabei habe 

- 38 - 

er die Hand mit der Waffe nach oben gezogen und während der Drehung sei 

dann unabsichtlich nochmals ein Schuss losgegangen. Der Schuss müsse in 

schrägem Winkel nach oben abgegangen sein. Er habe beim Rennen realisiert, 

dass er unbewusst – aus Versehen – an den Abzug gekommen sei (Urk. 14/2 

S. 8 f.; Urk. 14/3 S. 16; Urk. 14/8 S. 5 f.; Urk. 144 S. 13; Prot. II S. 85). Die Vertei-

digung hat in diesem Zusammenhang bereits vor Vorinstanz und erneut im Beru-

fungsverfahren G._____ als Zeugen angerufen (Urk. 148 S. 1 und S. 32; Urk. 320 

S. 1 und S. 15 f.). 

 2.6.3.7. Zusammengefasst stehen den diesbezüglich stimmigen Aussagen 

des Beschuldigten die Aussagen der aufgeführten Personen entgegen, welche 

überwiegend durch Ungereimtheiten, Widersprüchlichkeiten und Unsicherheiten 

gekennzeichnet sind. Bei den einzig stimmigen Aussagen des Zeugen N._____ 

handelt es sich lediglich um solche vom Hörensagen. Zu berücksichtigen bleibt 

darüber hinaus der Umstand, dass bei der Polizei weder eine Schadensmeldung 

über Gebäudeschäden einging noch solche von den Mitarbeitern des FOR am Ort 

der Auseinandersetzung gefunden werden konnten, was aber zu erwarten gewe-

sen wäre, wenn der Beschuldigte in Richtung Oberkörper des Privatklägers ge-

schossen hätte.  

 2.6.4. Gesamthaft lassen diese Umstände somit unüberwindbare Zweifel im 

Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO daran bestehen, dass der Beschuldigte den zwei-

ten Schuss ebenfalls in Richtung des Privatklägers abfeuerte. Somit ist zugunsten 

des Beschuldigten davon auszugehen, dass sich entsprechend seiner Sachdar-

stellung ungewollt und ungezielt ein zweiter, nicht gegen den Privatkläger gerich-

teter Schuss aus der Waffe löste. Der Beschuldigte ist somit vom Tatvorwurf der 

zweiten Schussabgabe in Richtung des Privatklägers freizusprechen. Bei diesem 

Beweisergebnis erübrigt sich schliesslich die Befragung des von der Verteidigung 

angerufenen Zeugen, G._____. 

 2.7. Was der Beschuldigte im Zusammenhang mit seiner Schussabgabe 

wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen und ist damit zwar 

eine Tatfrage. Da sich diese inneren Tatsachen bei ungeständigen Tätern regel-

mässig nur gestützt auf äusserlich feststellbare Indizien und Erfahrungsregeln 

- 39 - 

ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die innere 

Einstellung des Täters erlauben (Urteil des Bundesgerichts 6S.133/2007 vom 

11. September 2008 E. 2.4, m.H.), und die Beurteilung, ob im Lichte dieser äusse-

ren Umstände der Schluss auf Vorsatz bzw. Eventualvorsatz begründet ist, eine 

Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes bzw. Eventualvorsatzes 

nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu beurteilen (vgl. BGE 133 

IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je m.H.). Gleiches gilt 

für die geltend gemachte Notwehrsituation (vgl. dazu auch nachfolgend, Erw. 

III.4.4. ff.). 

III. Rechtliche Würdigung 

 1. Im angefochtenen Urteil wurde die Tat des Beschuldigten mit zutreffender 

Begründung anklagegemäss als versuchte vorsätzliche Tötung im Sinne von 

Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gewürdigt. Es kann darauf 

verwiesen werden (Urk. 174 S. 91 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 2. Der Beschuldigte lässt mit seiner Berufung einen Schuldspruch wegen 

eventualvorsätzlich schwerer Körperverletzung beantragen (Urk. 320 S. 19 ff.). 

Der privilegierte Tatbestand des Totschlages und der qualifizierte Tatbestand des 

Mordes sind daher nicht mehr zu prüfen. 

 3. Der Privatkläger hat die erlittene Schussverletzung überlebt. Der tatbe-

standsmässige Erfolg des Tatbestandes der vorsätzlichen Tötung im Sinne von 

Art. 111 StGB ist daher nicht eingetreten. Es ist eine versuchte Tatbegehung im 

Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB zu prüfen. Mit der Schussabgabe auf den Privat-

kläger hat der Beschuldigte in objektiver Hinsicht alles getan, was den tatbe-

standsmässigen Erfolg, den Tod eines Menschen, hätte bewirken können. Ein 

Schuss auch aus einer kleinkalibrigen Waffe ist grundsätzlich geeignet, den Tod 

eines Menschen zu bewirken. Das gilt erst recht, wenn der Schuss aus nächster 

Nähe auf den Oberkörper abgegeben wird. Der Privatkläger erlitt eine Brustkorb-

schussverletzung rechts im Sinne eines Durchschuss-Steck-schusses von vorne 

nach hinten mit verbliebenem Projektil in der hinteren Achselhöhle unter dem 

Schulterblatt. Lebenswichtige Strukturen lagen wenige Millimeter bis Zentimeter 

- 40 - 

von der Verletzung entfernt. Die Verletzung führte zu einer ausgeprägten Brust-

korbblutung und Lungengewebeverletzung. Er befand sich dadurch in einer unmit-

telbaren Lebensgefahr (Urk. 23/3 S. 1 f.). Gemäss ärztlichem Befund der Klinik für 

Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 5. Juni 2012 lag der Eintritts-

punkt des Schusskanals sehr nahe am Herzen. Der Schuss verfehlte dieses Or-

gan nur knapp. Auch die Lunge wurde durch das Projektil verletzt. Es bestand 

akute Lebensgefahr. Der Tod des Privatklägers konnte nur durch einen notfall-

mässigen chirurgischen Eingriff abgewendet werden (Urk. 23/4 S. 1 f.). Es liegt 

daher in objektiver Hinsicht ein vollendeter Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 

StGB vor. 

 4. Der subjektive Tatbestand der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 

StGB erfordert selbstredend Vorsatz. Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder 

Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt aus-

serdem bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt 

(Art. 12 Abs. 2 StGB). 

 4.1. Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich der Richter – soweit der Tä-

ter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und 

auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umstän-

den auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Nach der Rechtsprechung 

darf er vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter 

die Verwirklichung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereit-

schaft, sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Er-

folges ausgelegt werden kann. Oder entsprechend einer früher verwendeten 

Formulierung des Bundesgerichts: Der Richter hat auf das Einverständnis zur 

Tatbestandsverwirklichung zu schliessen, wenn sich dem Täter der Erfolg seines 

Verhaltens als so wahrscheinlich aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftiger-

weise nur als Inkaufnahme des deliktischen Erfolges ausgelegt werden kann 

(BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; BGE 133 IV 9 E. 4.1; BGE 131 IV 1 E. 2.2; 

BGE 130 IV 58 E. 8.2. und 8.4.; BGE 125 IV 242 E. 3c). 

 4.2. Dem Beschuldigten war durchaus bewusst, dass ein Schuss auf den 

Oberkörper eines Menschen tödliche Verletzungen herbeiführen kann (z.B. Prot. I 

- 41 - 

S. 21 ff.; vgl. auch Prot. II S. 84). Im Übrigen gehört dies zum Allgemeinwissen. 

Dennoch schoss der Beschuldigte aus kurzer Distanz von 60 cm bis 80 cm nicht 

etwa auf die Beine des Privatklägers, sondern in dessen Brust. Daraus ergibt sich 

auch klar, dass sich sein Vorsatz nicht darauf richtete, den Privatkläger bloss zu 

verletzen. Wer jemandem aus einer derart kurzen Distanz direkt in die Brust 

schiesst, will töten, selbst wenn er aus der Hüfte heraus von unten nach oben ge-

schossen haben sollte.  

 4.3. Die Vorinstanz erwog mit überzeugender Begründung, dass die Recht-

fertigung des Beschuldigten, er habe die Waffe aus Angst und zu seinem Schutz 

vor Repressalien der Hell's Angels auf sich getragen, als Beweggrund für das ste-

te Tragen der Waffe nicht zu überzeugen vermag (Urk. 174 S. 81 f.; Art. 82 Abs. 4 

StPO). Vielmehr spricht das Mittragen der durchgeladenen Waffe (Urk. 14/2 S. 9; 

Urk. 14/8 S. 4) für eine letztlich persönlichkeitsimmanente latente Gewaltbereit-

schaft des Beschuldigten, wie sie gutachterlich überzeugend beschrieben wird 

(Urk. 42/10 S. S. 79 f.; Urk. 255 S. 34, 39). Der Beschuldigte kannte seine Waffe, 

weshalb er wusste, dass es sich um eine handliche, leicht zu versteckende, funk-

tionstaugliche und aufgrund des mit ihrer Grösse verbundenen Überraschungs-

moments gefährliche Waffe handelte. 

 4.3.1. Was die Beweggründe für den Einsatz der Waffe anbelangt, ist er-

stellt, dass Selbstschutz, Angst oder Panik als Motiv für die unvermittelte Schuss-

abgabe auf den Privatkläger ausser Betracht fallen (vgl. dazu auch nachfolgend, 

Erw. III.4.4. ff.). 

 4.3.2. Die Vorinstanz stützte sich bei der Erstellung des Motivs des Beschul-

digten für den Einsatz der Waffe weitgehend auf den Inhalt eines elektronischen 

Nachrichtenverkehrs via Mobiltelefon (Urk. 29/2/1-3; Urk. 174 S. 82 ff.). Hierbei 

handelt es sich um fünf Screenshots von einem vom 5. Mai 2012, 03.25 Uhr, bis 

zum 6. Mai 2012, 00.34 Uhr, geführten WhatsApp-Chat. 

 4.3.2.1. Die Verteidigung bringt im Berufungsverfahren gegen die vorin-

stanzliche Würdigung dieses Beweismittels zusammenfassend vor, dass entge-

- 42 - 

gen den vorinstanzlichen Erwägungen nicht erstellt sei, dass es sich dabei um  

einen Chat zwischen dem Beschuldigten und AA._____ handle (Urk. 320 S. 14). 

 4.3.2.2. Soweit dieser Einwand die vorinstanzliche Feststellung betrifft, dass 

einer der WhatsApp-Chatteilnehmer AA._____ sei, ist er berechtigt. Aus den 

Screen-shots geht einzig hervor, dass der Benutzer des Gerätes, dessen Bild-

schirm beim Anzeigen einer WhatsApp-Kommunikation mehrmals fotografiert 

wurde (vgl. in Urk. 29/2/1-5 abgebildete Screenshots), mit einer Person kommuni-

zierte, welche die Rufnummer +41 … (zu sehen oben im Balken) benutzte und 

dem Benutzer des Geräts die Nachrichten auf der linken Seite der Screenshots 

schickte. AA._____ benutzte gemäss dem Ermittlungsbericht vom 18. Mai 2012 

die Rufnummer 07… (Urk. 28/20). Der Absender der empfangenen Nachrichten 

war demnach nicht AA._____. Da die Rufnummer des Benutzers des Gerätes, 

welcher diese Nachrichten empfing, auf den Screenshots nicht zu sehen, und 

AA._____ anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme auf Vorhalt der 

Screenshots angab, dass ihm diese Nachrichten nicht bekannt vorkämen und er 

kein Android-Handy besitzen würde (Urk. 19/6 S. 7), handelt es sich beim Benut-

zer bzw. Empfänger nicht um AA._____, sondern um eine andere unbekannte 

Person. 

 4.3.2.3. Angesichts der aufgeworfenen Beweisthematik ist indessen nicht die 

Identität des Empfängers relevant, sondern diejenige des Absenders der empfan-

genen Nachrichten. Das ist diejenige Person, welche zwischen dem 5. Mai 2012, 

03.25 Uhr, und dem 6. Mai 2012, 00.34 Uhr, die Rufnummer +41 … benutzte. 

Diese Rufnummer kann eindeutig dem Beschuldigten zugeordnet werden. Ge-

mäss Ermittlungsbericht vom 18. Mai 2012 fand zwischen dieser Rufnummer und 

der von AA._____ benutzten Rufnummer am 5. Mai 2012 von 03.13 Uhr bis 15.22 

Uhr ein Nachrichtenaustausch via SMS statt (Urk. 28/20). 

 4.3.2.4. Die SIM-Karte mit der Rufnummer 07… wurde in jenem iPhone si-

chergestellt, welches der Beschuldigte anlässlich seiner Verhaftung auf sich trug 

(Urk. 28/13; Urk. 13 S. 20 f.). Schliesslich bestätigte AA._____ explizit, mit dem 

Beschuldigten am Morgen des Tattages via SMS-Verkehr kommuniziert zu haben 

(Urk. 19/3 Nr. 17 ff.; Urk. 19/6 S. 5). Somit muss es sich bei der Person, welcher 

- 43 - 

die Rufnummer 07… am 5. Mai 2012 zwischen 03.13 Uhr und 09.16 Uhr benutz-

te, um den Beschuldigten handeln. Im mitunter selben Zeitraum wurden mit der 

genannten Rufnummer die links auf den Screenshots abgebildeten Nachrichten 

via WhatsApp an die unbekannte Person gesendet (vom 5. Mai 2012, 03.25 Uhr 

bis 6. Mai 2012, 00.34 Uhr). Es gibt keinerlei Hinweise dafür und wurde vom Be-

schuldigten auch nicht geltend gemacht, dass das Mobiltelefon mit seiner Ruf-

nummer 07… zur identischen Zeit von einer zweiten Person benutzt wurde. Es 

besteht daher kein ernsthafter Zweifel daran, dass es sich beim Absender der 

links auf dem Screenshot abgebildeten Nachrichten um den Beschuldigten han-

delt. Damit laufen die Ausführungen der Verteidigung, wonach sich der Inhalt bzw. 

die Anzahl dieser Nachrichten nicht mit den diesbezüglichen Aussagen von 

AA._____ bzw. mit den Akten decke und AA._____ verneine, dass dieser Chat 

von ihm stamme, ins Leere. Bei diesem Beweisergebnis ist schliesslich auch irre-

levant, wie AF._____ in den Besitz der sichergestellten Screenshots kam 

(Urk. 320 S. 14). 

 4.3.2.5. Abgesehen von dieser eindeutigen Zuordnung mittels der benutzten 

Telefonnummer spricht aber auch der Inhalt der WhatsApp-Nachrichten ("veratt 

isch ned verzeibar deswege das" oder "Han wer erwischt wo mich und AG._____ 

agschwertzt het" oder "und den sicherheits verwahrig nei danke") zweifelsfrei da-

für, dass diese vom Beschuldigten stammen müssen.  

 4.3.3. Der genaue Inhalt dieser vom Beschuldigten stammenden Chat-

Nachrichten (Urk. 29/2 S. 1–3) wurde im vorinstanzlichen Urteil korrekt wiederge-

geben (Urk. 174 S. 83 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 4.3.3.1. Wie bereits die Vorinstanz korrekt erwog (Urk. 174 S. 86 f.), ist in 

keiner der Chat-Nachrichten von einem Angriff durch eine oder gar zwei Personen 

die Rede, welchen der Beschuldigte mit seinem Waffeneinsatz hätte abwehren 

können. Aus dem Inhalt der Chat-Nachrichten geht vielmehr hervor, dass aus der 

Sichtweise des Beschuldigten ein allfälliger Verrat des Privatklägers für das Vor-

gefallene bedeutsam war. Diesen stufte er unmittelbar nach der Tat als unver-

zeihbar ein. In einer weiteren Chat-Nachricht erwähnte er, jemanden erwischt zu 

haben, der AG._____ (AG._____) "angeschwärzt" habe. Damit im Einklang steht 

- 44 - 

auch seine Aussage, wonach, es klar sei, dass er auf den Privatkläger wütend 

bzw. "stinksauer" gewesen sei, nach allem, was passiert sei, was er indessen 

einzig auf seinen Gemütszustand nach der Tat verstanden wissen wollte. Ande-

rerseits bestätigte der Beschuldigte, zu wissen, dass der Privatkläger seinen 

früheren besten Kollegen, AG._____, "angeschissen" (= verraten) habe (Urk. 14/5 

S. 9 f.). 

 4.3.3.2. Aus den vom Beschuldigten um 08:20 Uhr versandten zwei Chat-

Nachrichten ergibt sich in Übereinstimmung mit der Beweiswürdigung der Vorder-

richter (Urk. 174 S. 87), dass vor dem Hintergrund, dass die zweite Nachricht di-

rekt der vorangegangenen und noch in derselben Minute gefolgt und versandt 

worden war, dass das "n" und das "Üm" ein Wort und damit "nüm" hätten bilden 

sollen. Der Beschuldigte brachte demzufolge seine Hoffnung zum Ausdruck, dass 

der Privatkläger nicht mehr ("nüm") lebe. Damit steht überdies im Einklang, dass 

der Beschuldigte auf die Anschlussnachricht, wonach er sich klar ausdrücken sol-

le, antwortete, "Und den sicherheits verwahrig nei danke". 

 4.3.4. Unter Hinweis auf das in Erwägung 4.3.2.2. wiedergegebene Beweis-

ergebnis sind ferner die Aussagen von AA._____ zur Erstellung des Motivs des 

Beschuldigten relevant. Wie bereits dargelegt, bestätigte AA._____ explizit, mit 

dem Beschuldigten am Morgen des Tattages via SMS-Verkehr kommuniziert zu 

haben (Urk. 19/3 Nr. 17 ff.; Urk. 19/6 S. 5). Gemäss dem Ermittlungsbericht vom 

18. Mai 2012 tauschten AA._____ und der Beschuldigte am 5. Mai 2012 zwischen 

03.13 Uhr und 09.16 Uhr insgesamt ca. 28 SMS-Nachrichten aus (Urk. 28/20 

S. 1). Gefragt nach dem Inhalt dieses Nachrichtenaustausches gab AA._____ be-

zeichnenderweise nun an, dass der Beschuldigte u.a. etwas von "Hüftschuss" und 

davon geschrieben habe, dass er "am Arsch" sei und dass es eine Person sei, 

welche "ihn verraten" habe (Urk. 19/3 Nr. 19, 21, 34 ff.; Urk. 19/6 S. 2, 4 f., 6 f.).  

 4.3.5. Der Beschuldigte räumte überdies ein, nach der Tat im ersten Moment 

stinksauer gewesen, einerseits auf den Privatkläger wegen des ganzen Mülls, den 

dieser den ganzen Abend erzählt habe, andererseits aber auch auf sich selber, 

dass er so habe handeln und dass es überhaupt soweit habe kommen müssen 

(Urk. 14/2 S. 11; Urk. 14/5 S. 10; Urk. 14/8 S. 3 und 5). Der Beschuldigte erwähn-

- 45 - 

te ferner, dass es Gerüchte gegeben habe, wonach der Privatkläger ihn im Ver-

fahren in Solothurn verpfiffen habe. Ausserdem wusste der Beschuldigte, dass 

der Privatkläger AG._____ (seinen besten, verstorbenen Kollegen AG._____) an-

geschissen (=verraten) habe (Urk. 14/2 S. 13; Urk. 14/5 S. 2 f. und 10; Urk. 14/8 

S. 14). Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte alsdann an, er sei schlicht wütend 

auf sich selbst gewesen und habe daher sich einzureden versucht, dass der Pri-

vatkläger AG._____ einmal verraten habe. In diesem Kontext seien die 

WhatsApp-Chat-Nachrichten entstanden (Urk. 144 S. 18). An diesen Aussagen 

des Beschuldigten überzeugt einzig nicht, dass der Beschuldigte erst nach der 

Tat wegen des zuvor von diesem geäusserten "ganzen Mülls" auf den Privatklä-

ger wütend gewesen sein will. Letzteres ist als Schutzbehauptung zu taxieren. 

 4.3.6.