# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** af7a7853-cf2f-5d7c-b964-bf896b8177c3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.06.2008 A-1506/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1506-2006_2008-06-03.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1506/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  J u n i  2 0 0 8

Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, 
Richter Thomas Stadelmann (Kammerpräsident), 
Gerichtsschreiberin Sonja Bossart.

X._______, ...,
vertreten durch ...
Beschwerdeführer,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), 
Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, 
Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, Eigerstrasse 65, 
3003 Bern
Vorinstanz.

Verrechnungssteuer (faktische Liquidation, Ermessens-
veranlagung).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1506/2006

Sachverhalt:

A.
Die  A.  AG  mit  Sitz  in  ...  bezweckt  gemäss  Handelsregistereintrag 
hauptsächlich  die  Durchführung  von  Finanzierungen  und  Anlage-
beratung  in  allen  Sparten,  die  treuhänderische  Verwaltung  von 
Vermögen aller Art, den An- und Verkauf von Wertschriften und Beteili-
gungen sowie den An- und Verkauf  und die Vermittlung von Liegen-
schaften. Einziger Verwaltungsrat der Gesellschaft ist X..

Da es die Gesellschaft und X. für die Geschäftsjahre 1990-1996 (bzw. 
1998)  trotz  wiederholter  Aufforderung  der  Eidgenössische 
Steuerverwaltung (ESTV)  unterlassen hatten, die Deklarationen nach 
Formular  103  sowie  die  dazugehörenden  Jahresrechnungen  ein-
zureichen,  fällte  die  ESTV wegen vorsätzlicher Steuergefährdung im 
Sinn von Art. 62 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 13. Oktober 
1965 über die Verrechnungssteuer (VStG; SR 642.21) Bussen gegen 
die Gesellschaft und X. aus. 

B.
Mit  Schreiben  vom 6. Juni  2000  forderte  die  ESTV X. noch  einmal 
"dringend" auf, die Jahresrechnungen wie auch das Formular 103 für 
die  Geschäftsjahre  1995-1999  einzureichen;  ansonsten  werde  "eine 
Steuerrechnung  nach  Ermessen"  zugestellt.  Nachdem  das  Amt  für 
Handelsregister  und  Zivilstandswesen  des  Kantons  ...  am  23. Juni 
2000 – gestützt auf den Antrag der Steuerverwaltung des Kantons ... – 
mit  der Bitte um Zustimmung zum amtlichen Löschungsverfahren an 
die  ESTV gelangt  war,  stellte  diese  der  A. AG Rechnung  über  den 
Betrag  von  Fr. ....--.  Die  A.  AG  habe  eine  faktische  Liquidation 
vorgenommen,  wobei  mangels  Mitwirkung  der  Steuerpflichtigen  der 
Liquidationsüberschuss nach Ermessen festzusetzen sei. Da bei einer 
solchen  Auflösung  kein  Liquidator  zum  Eintrag  ins  Handelsregister 
bestimmt  sei,  hafteten  die  amtierenden  Organe,  hier  also  X., 
solidarisch  für  die  Steuer  bis  zum  Betrag  des 
Liquidationsüberschusses.  Nach  wiederholter  Korrespondenz  und 
mehreren (telefonischen) Unterredungen stellte die ESTV am 10. Feb-
ruar 2005 ein Betreibungsbegehren gegenüber X. und erliess darauf 
unter  Bezugnahme auf  die erwähnte  Steuerrechnung vom 3. August 
2000 am 16. März 2005 einen förmlichen Entscheid, in dem sie fest-
hielt, X. schulde der ESTV als einziger Verwaltungsrat der A. AG den 
Verrechnungssteuerbetrag von Fr. ....--  sowie  Betreibungskosten  von 
Fr. 200.--.  Weiter  wurde  der  von  X.  erhobene  Rechtsvorschlag 

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beseitigt. Eine dagegen gerichtete Einsprache hiess die ESTV am 13. 
September  2005  teilweise  gut  und  reduzierte  den  zu  entrichtenden 
Betrag auf Fr. ....--. Weiter stellte die ESTV fest, die Betreibung werde 
mit Rechtskraft des Einspracheentscheids fortgesetzt.

C.
Gegen diesen Entscheid erhob X. (Beschwerdeführer) am 10. Oktober 
2005  Beschwerde  bei  der  Eidgenössischen  Steuerrekurskommission 
(SRK).  Er  beantragte  neben  dem  Rückzug  der  angehobenen 
Betreibung,  der  Einspracheentscheid  sei  unter  Kosten-  und  Ent-
schädigungsfolge aufzuheben. Eventualiter sei die Sache zur nochma-
ligen  Durchführung  des  Einspracheverfahrens  an  die  Vorinstanz  zu-
rückzuweisen.

Die ESTV schloss in ihrer  Vernehmlassung vom 30. Dezember 2005 
auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

Auf die Begründung der Eingaben an die SRK wird – soweit erforder-
lich – im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Bis zum 31. Dezember 2006 unterlagen Einspracheentscheide der 
ESTV  der  Beschwerde  an  die  SRK.  Das  Bundesverwaltungsgericht 
übernimmt, sofern es zuständig ist, die am 1. Januar 2007 bei der SRK 
hängigen  Rechtsmittel.  Die  Beurteilung  erfolgt  nach  neuem  Verfah-
rensrecht (Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über 
das  Bundesverwaltungsgericht  [Verwaltungsgerichtsgesetz; VGG,  SR 
173.32]). Soweit  das  VGG nichts  anderes  bestimmt,  richtet  sich  ge-
mäss Art. 37 VGG das Verfahren nach dem Bundesgesetz vom 20. De-
zember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG;  SR  172.021). 
Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  zur  Behandlung  der  Beschwerde 
sachlich wie funktionell zuständig (Art. 31 und 33 Bst. d VGG).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einspra-
cheentscheid  grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Der  Be-
schwerdeführer kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 
Bst. a  VwVG)  und  der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung 

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des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art. 49  Bst. b  VwVG)  auch  die 
Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG; vgl. ANDRÉ 
MOSER,  in:  Moser/Uebersax,  Prozessieren  vor  Eidgenössischen  Re-
kurskommissionen,  Basel  und  Frankfurt  am  Main  1998,  S. 59  f., 
Rz. 2.59;  ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Ver-
waltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1758 ff.). 

2.

2.1

2.1.1 Der verfassungsrechtlich in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung 
der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV; 
SR 101) garantierte und in den Art. 26-33 VwVG exemplarisch konkre-
tisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs als persönlichkeitsbezoge-
nes Mitwirkungsrecht verlangt,  dass die Behörde die Vorbringen des 
vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich 
hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berück-
sichtigt (vgl. Art. 32 Abs. 1 VwVG; vgl. auch [anstelle vieler] BGE 129 I 
232 E. 3.2). Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, sich 
mit  den wesentlichen Vorbringen des Rechtssuchenden zu befassen 
und ihren Entscheid zu begründen (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Be-
gründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid 
gegebenenfalls sachgerecht  anfechten kann,  indem sie kurz die we-
sentlichen Überlegungen nennt, von denen sich die Behörde hat leiten 
lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hin-
gegen, dass sich der Entscheid mit allen Parteistandpunkten einläss-
lich auseinander setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3). Nimmt die Behörde zu entscheid-
wesentlichen Fragen – aus welchen Gründen auch immer – keine Stel-
lung, so ist das rechtliche Gehör verletzt und die Streitsache zur Wah-
rung des gesetzlich  vorgesehenen Instanzenzuges grundsätzlich  zu-
rückzuweisen  (vgl.  ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allge-
meines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1709 ff.).

2.1.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 VwVG finden die Vorschriften dieses Ge-
setzes über die Anhörung von Zeugen im Steuerverfahren keine An-
wendung; es gelten die spezialgesetzlichen Vorschriften, nicht die all-
gemeinen Bestimmungen des VwVG über die Sachverhaltsermittlung 
und betreffend das rechtliche Gehör (vgl. schon BGE 103 Ib 192 E. 3b; 
vgl.  auch  schon  PETER SALADIN,  Das  Verwaltungsverfahrensrecht  des 
Bundes, Basel 1979, S. 51). Auch im Steuerverfahren kann aber die 

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Anhörung  von  Parteien  in  bestimmten  Fällen  geboten  sein,  gehen 
doch die direkt aus der Verfassung fliessenden minimalen Verfahrens-
garantien (insbesondere das rechtliche Gehör gemäss  Art. 29 Abs. 2 
BV) den Bestimmungen von  Art. 2 Abs. 1 VwVG  vor (vgl. Urteil  des 
Bundesgerichts 2A.110/2000 vom 26. Januar 2001 E. 3b). Eine solche 
Beweismassnahme rechtfertigt sich aber nur, wenn sie als geeignet er-
scheint, Tatsachen, die sich aus den vorgelegten Unterlagen ergeben, 
zu bestätigen,  zu präzisieren oder zu ergänzen (Entscheid der  SRK 
vom 27. Juli  2004,  veröffentlicht in  Verwaltungspraxis der Bundesbe-
hörden [VPB] 69.7 E. 4b.bb, mit weiteren Hinweisen). Falls eine antizi-
pierte Beweiswürdigung ergibt,  dass die angebotenen Beweise uner-
heblich sind oder sich der Sachverhalt auch sonst genügend ermitteln 
lässt, darf auf angebotene Beweismittel verzichtet werden (Urteil des 
Bundesgerichts 2C_115/2007 vom 11. Februar 20008 E. 2.2; Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1567/2006  vom  28.  Dezember  2007 
E. 5.1; MOSER, a.a.O., S. 122 ff. Rz. 3.68 ff.). Auf eine Parteibefragung 
kann namentlich dann verzichtet werden, wenn sich daraus offensicht-
lich keine neuen Tatsachen ergeben würden bzw. davon auszugehen 
ist,  dass  an  einer  mündlichen  Befragung  nichts  anderes  würde  be-
hauptet werden, als was sich bereits aus den bisherigen Eingaben er-
gibt (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1599/2006 vom 10. März 
2008 E. 2.4; Entscheid  der  SRK vom 6. April  2000,  veröffentlicht  in 
VPB 64.111 E. 5b).

2.1.3 Das  Verfahren  vor  erster  Instanz  wird  auch  im  Steuerrecht 
grundsätzlich  von  der  Untersuchungsmaxime  beherrscht  (ALFRED 
KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege 
des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, Rz. 105). Demnach muss die ent-
scheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären. Sie muss 
die für das Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen 
und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  sowie  darüber  ord-
nungsgemäss Beweis führen. Hat eine der Untersuchungsmaxime un-
terworfene  Behörde  den  Sachverhalt  nicht  von  Amtes  wegen  abge-
klärt, oder hat sie dies nur unvollständig getan, so bildet das einen Be-
schwerdegrund nach Art. 49 Bst. b VwVG.  Der Untersuchungsgrund-
satz  wird  indessen  gerade  im  Steuerrecht  dadurch  eingeschränkt, 
dass  den  Beteiligten  gewisse  Mitwirkungspflichten  auferlegt  werden 
(KÖLZ/HÄNER,  a.a.O., Rz. 107). Wo der Untersuchungsgrundsatz endet 
und die Mitwirkungspflicht beginnt, lässt sich nicht allgemein festlegen. 
Indes ist es anerkannt, dass die Steuerbehörde für die steuerbegrün-
denden  Tatsachen  den  Nachweis  zu  erbringen  hat,  während  dem 

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Steuerpflichtigen  der  Nachweis  der  Tatsachen  obliegt,  welche  die 
Steuerschuld mindern oder aufheben ([anstelle vieler] Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-3069/2007 vom 29. Januar 2008 E. 1.2; Ent-
scheid der SRK vom 8. Juni 2006, veröffentlicht in VPB 70.85 E. 2e; 
ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER,  System des schweizerischen Steuer-
rechts, 6. Aufl. Zürich 2002, S. 454; vgl. auch unten E. 3.2).

2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, wie aus den Akten eindeu-
tig  hervorgehe,  sei  er  sämtlichen  Auflagen  des  Revisors  um Einrei-
chung  von  Unterlagen  jeweils  nachgekommen  und  habe  sämtliche 
Geldflüsse lückenlos dokumentiert. Die Voraussetzungen einer Ermes-
sensveranlagung  seien  nicht  gegeben.  Auf  die  von  ihm  gemachten 
Ausführungen  betreffend  Liegenschaften  der  B.  AG  sei  nicht  ein-
gegangen worden, und es sei die diesbezüglich beantragte Schätzung 
unterblieben. Schliesslich würden über die verschiedenen Besprechun-
gen, welche mit der Steuerverwaltung stattgefunden hätten, keine Pro-
tokolle existieren und die ESTV habe dem im Einspracheverfahren ge-
machten Begehren um eine Vorladung nicht stattgegeben. Dergestalt 
sei  die  notwendige  Untersuchung  nur  unvollständig  vorgenommen 
worden und liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.

2.3 Der  Beschwerdeführer  hat  in  seiner  damaligen  Einsprache  vom 
11. April  2005 zwar in der Tat geltend gemacht,  die ESTV habe den 
Sachverhalt ungenügend abgeklärt und den Entscheid nur rudimentär 
begründet. Mit diesen Vorbringen hat sich die ESTV in ihrem Einspra-
cheentscheid vom 13. September 2005 indessen auseinandergesetzt 
und insbesondere  aufgezeigt,  dass  und  weshalb  sie  sich  nach ihrer 
Auffassung infolge Fehlens der gesetzlich vorgeschriebenen notwendi-
gen Unterlagen, insbesondere der Jahresrechnungen der A. AG, und 
der weiteren Sachumstände veranlasst sah, eine mit Schreiben vom 6. 
Juni 2000 ausdrücklich in Aussicht  gestellte Ermessenseinschätzung 
vorzunehmen. Im Rahmen ihrer Ausführungen hat sich die ESTV auch 
dazu geäussert, weshalb sie die vom Beschwerdeführer beigebrachten 
Unterlagen betreffend die Rechtsbeziehung der A. AG zu C. und der B. 
AG  als  nicht  weiterführend  erachtete.  Damit  wurde  der 
Begründungspflicht (E. 2.1.1) Genüge getan. Das – etwas spitzfindige 
–  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  er  "sei  den  Auflagen  des 
untersuchenden  Revisors  um  Einreichung  von  Unterlagen  jeweils 
immer  nachgekommen",  trifft  im  Übrigen  allenfalls  für  die 
Aufforderungen  "des  Revisors"  zu,  nicht  aber  für  jene  der  ESTV 
generell.  Ob  die  ESTV  zu  Recht  zu  einer  Ermessensveranlagung 

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geschritten  ist,  ist  eine  Frage  der  rechtlichen  Würdigung  (hierzu 
sogleich) und nicht der Gewährung des rechtlichen Gehörs. Was das 
Gesuch um Vorladung zu einer Besprechung im Einspracheverfahren 
betrifft,  so durfte eine solche in der vorliegenden Konstellation ange-
sichts  der  zahlreichen  Korrespondenz  ohne  weiteres  in  antizipierter 
Beweiswürdigung unterbleiben (vgl. oben E. 2.1.2), woran im Ergebnis 
auch  nichts  ändert,  dass  sich  der  Einspracheentscheid  zu  dieser 
Frage nicht ausdrücklich äussert. Was schliesslich die Rüge der unter-
lassenen Protokollierung der Besprechungen angeht,  so erweist sich 
diese  als  aktenwidrig,  befinden  sich  doch  sowohl  bezüglich  der 
Besprechung vom 30. April 2001 als auch derjenigen vom 11. Oktober 
2002  Besprechungsnotizen  bei  den  Akten,  aus  denen  hinreichend 
hervorgeht, worüber anlässlich der Treffen gesprochen worden ist. Die 
Rüge  der  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  erweist  sich  als  unbe-
gründet. Der auf Rückweisung lautende Eventualantrag ist damit abzu-
weisen.

3.

3.1 Das Verrechnungssteuerrecht wird – mit Ausnahme des nunmehr 
vor der Aufhebung stehenden Art. 38 Abs. 3 VStG (BBl 2007 2328) – 
vom so genannten Selbstveranlagungsprinzip beherrscht. Die Steuer-
pflichtigen,  also  die  Schuldner  der  nach  Art.  4  f. VStG der  Verrech-
nungssteuer  unterliegenden  steuerbaren  Leistung  (Art.  10  Abs.  1 
VStG), haben sich unaufgefordert bei der ESTV anzumelden, bei Fäl-
ligkeit der Steuer unaufgefordert die vorgeschriebene Abrechnung mit 
den  Belegen  einzureichen  und  gleichzeitig  die  Steuer  zu  entrichten 
oder die an ihre Stelle tretende Meldung zu erstatten (Art. 38 VStG). 
Gemäss dem diese Verpflichtungen konkretisierenden Art. 21 Abs. 1 
der Vollziehungsverordnung vom 19. Dezember 1966 zum Bundesge-
setz über die Verrechnungssteuer (VStV, SR 642.211) haben inländi-
sche Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit beschränkter Haf-
tung unaufgefordert der ESTV innert 30 Tagen nach Genehmigung der 
Jahresrechnung  den  Geschäftsbericht  oder  eine  unterzeichnete  Ab-
schrift der Jahresrechnung (Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung) 
sowie eine Aufstellung nach amtlichem Formular einzureichen, woraus 
der Kapitalbestand am Ende des Geschäftsjahres, das Datum der Ge-
neralversammlung, die beschlossene Gewinnverteilung und ihre Fällig-
keit ersichtlich sind, und die Steuer auf den mit Genehmigung der Jah-
resrechnung fällig gewordenen Erträgen zu entrichten (Art. 21 Abs. 1 
VStV).  Die  Steuer  auf  Erträgen,  die  nicht  mit  Genehmigung  der 

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Jahresrechnung fällig oder nicht auf Grund der Jahresrechnung ausge-
richtet  werden (Interimsdividenden,  Bauzinsen,  Gratisaktien,  Liquida-
tionsüberschüsse, Ablösung von Genussscheinen, geldwerte Leistun-
gen anderer Art), ist aufgrund der Abrechnung nach amtlichem Formu-
lar  innert  30  Tagen nach  Fälligkeit  des  Ertrages  unaufgefordert  der 
Eidgenössischen Steuerverwaltung zu entrichten (Art. 21 Abs. 2 VStV). 
Ist für den Ertrag ein Fälligkeitstermin nicht bestimmt, so beginnt die 
30-tägige Frist  am Tage, an dem die  Ausrichtung beschlossen oder, 
mangels eines solchen Beschlusses, an dem der Ertrag ausgerichtet 
wird, zu laufen (Art. 21 Abs. 3 VStV). Wird die Jahresrechnung nicht 
innert sechs Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres genehmigt, so 
hat die Gesellschaft  der ESTV vor Ablauf des siebenten Monats den 
Grund der Verzögerung und den mutmasslichen Zeitpunkt der Rech-
nungsabnahme mitzuteilen (Art. 21 Abs. 4 VStV). Diese Einreichungs- 
bzw. Mitteilungspflichten gelten auch und selbst dann, wenn keine Di-
videnden oder andere steuerbare Leistungen ausgerichtet werden. Er-
folgt eine Liquidation der Gesellschaft,  so sieht Art. 22 VStV spezifi-
sche Melde- und Abrechnungspflichten vor. 

3.2 Art. 39 Abs. 1 VStG sieht neben den bereits aus Art. 38 VStG in 
Verbindung mit  Art. 21 f. VStV fliessenden Verpflichtungen vor,  dass 
der Steuerpflichtige der ESTV über alle Tatsachen, die für die Steuer-
pflicht  oder  für  die  Steuerbemessung  von  Bedeutung  sein  können, 
nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft erteilen und insbesonde-
re seine Geschäftsbücher ordnungsgemäss führen muss. Er hat diese, 
die Belege und andere Urkunden auf Verlangen beizubringen. Ist das 
Vorliegen einer der Verrechnungssteuer unterliegenden Leistung nach-
gewiesen,  wofür  nach der  allgemeinen steuerrechtlichen Beweislast-
verteilung die ESTV beweisbelastet ist (vgl. oben E. 2.1.3), und macht 
der  Steuerpflichtige  über  das  Ausmass  der  steuerbaren  Leistungen 
keine  zuverlässigen  Angaben,  sind  diese  nach  Ermessen  festzuset-
zen. Dies ergibt sich implizit aus Art. 39 und 41 Bst. a VStG (Urteil des 
Bundesgerichts  vom  1.  November  1974,  veröffentlicht  in  Archiv  für 
Schweizerisches  Abgaberecht  [ASA]  44  S. 394  E. 1;  Entscheid  der 
SRK vom 25. Juni 1996, veröffentlicht in ASA 65 S. 922 E. 3a). Dabei 
haben die Steuerbehörden auf den gewöhnlichen Lauf  der Dinge und 
auf das Verhalten des Steuerpflichtigen abzustellen. Sie müssen von 
haltbaren  Grundlagen  ausgehen.  Die  Ermessenstaxation  soll  dem 
wirklichen Sachverhalt möglichst nahe kommen. Fehlen schlüssige An-
haltspunkte, ist auf Erfahrungswerte abzustellen (Urteil des Bundesge-
richts vom 30. August 1988, veröffentlicht in ASA 57 S. 516 E. 2a, mit 

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Hinweisen). Sind die Voraussetzungen einer Ermessenstaxation erfüllt, 
obliegt es dem Steuerpflichtigen, den Beweis für die Unrichtigkeit der 
Schätzung zu erbringen. Dabei hat er sich mit den Elementen der vor-
genommenen Ermessenstaxation im Einzelnen zu befassen und auf-
zuzeigen,  dass  und  inwiefern  die  Schätzung  nicht  auf  haltbaren 
Grundlagen beruht  (vgl. zu der  insoweit  vergleichbaren Situation  bei 
der Mehrwertsteuer [anstelle vieler] Urteile des Bundesverwaltungsge-
richts  A-1525/2006 vom 28. Januar  2008 E. 2.4  und A-1527/28  vom 
6. März 2008 E. 5). Bei der Überprüfung einer zulässigerweise erfolg-
ten Ermessenseinschätzung auferlegt sich das Bundesverwaltungsge-
richt auch im Verrechnungssteuerrecht – in Weiterführung der ständi-
gen Rechtsprechung der SRK – eine gewisse Zurückhaltung und setzt 
nur dann sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorin-
stanz, wenn dieser bei der Schätzung grössere Ermessensfehler un-
terlaufen  sind  (hierzu  und  zum  Ganzen:  Entscheid  der  SRK  vom 
27. Oktober 2004, veröffentlicht in VPB 69.43 E. 4a, mit Hinweisen; vgl. 
etwa für  den Bereich  der  Mehrwertsteuer  auch anstelle  vieler  Urteil 
des Bundesverwaltungsgerichts A-1393/2006 vom 10. Dezember 2007 
E. 1.3, mit Hinweisen).

4.

4.1 Der Bund erhebt eine Verrechnungssteuer unter anderem auf dem 
Ertrag beweglichen Kapitalvermögens (Art. 1  Abs. 1 VStG). Gemäss 
Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG unterliegen der Verrechnungssteuer insbe-
sondere die Zinsen, Renten, Gewinnanteile und sonstigen Erträge der 
von einem Inländer ausgegebenen Aktien. Nach Art. 20 Abs. 1 VStV 
gilt  als  steuerbarer  Ertrag von Aktien dabei  jede geldwerte  Leistung 
der Gesellschaft  an die Inhaber gesellschaftlicher Beteiligungsrechte 
oder  ihnen nahestehende  Dritte,  die  nicht  Rückzahlung der  im Zeit-
punkt der Leistung bestehenden Anteile am einbezahlten Grundkapital 
darstellen. Zu den geldwerten Leistungen in diesem Sinn gehören bei 
Aktiengesellschaften neben den aufgrund eines entsprechenden Ge-
winnverteilungsbeschlusses  ausgerichteten  Dividenden  allfällige  au-
sserordentliche Ausschüttungen (Bonus usw.), Bauzinsen und Liquida-
tionsüberschüsse anlässlich der Auflösung der Gesellschaft.

4.2 Der verrechnungssteuerliche Liquidationsbegriff ist nicht im engen 
zivilrechtlichen Sinn zu verstehen, sondern wirtschaftlich. Nach ständi-
ger  Praxis  ist  die  Verrechnungssteuer  auf  Liquidationsüberschüssen 
denn auch nicht nur geschuldet, wenn die Gesellschaft förmlich nach 

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den  Bestimmungen  des  Obligationenrechts  aufgelöst  wird,  sondern 
auch  dann,  wenn  sie  durch  Aufgabe  ihrer  Aktiven  faktisch  liquidiert 
wird (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 1999, veröffentlicht in ASA 
68  S. 739  E. 4,  mit  Hinweisen). Eine faktische Liquidation  liegt  vor, 
wenn die Gesellschaftsaktiven verwertet  werden und der Erlös nicht 
reinvestiert,  sondern  an die Anteilsinhaber verteilt  wird (BGE 115 Ib 
274  E.  10a).  Dabei  ist  nicht  erforderlich,  dass  der  Gesellschaft 
sämtliche Aktiven entzogen werden; es reicht, wenn die Gesellschaft 
ihrer wirtschaftlichen Substanz entleert wird (Entscheid der SRK vom 
17.  April  2001,  veröffentlicht  in  VPB  65.113  E. 2b/aa).  Nach  der  – 
freilich nicht unumstrittenen – Rechtsprechung des Bundesgerichts ist 
zur  Annahme einer faktischen Liquidation auch nicht  nötig,  dass ein 
Auflösungsbeschluss  oder  der  Wille  der  Organe  zur  zivilrechtlichen 
Liquidation der Gesellschaft vorliegt (BGE 115 Ib 274 E. 10; Entscheid 
der SRK vom 17. April 2001, veröffentlicht in VPB 65.113 E. 2b/aa mit 
Hinweisen auf die erwähnte Kritik; vgl. auch [kritisch] KALOYAN STOYANOV, 
La créance d'impôt, in: OREF [éd.], Les procédures en droit fiscal, 829 
ff., 835). Als Beginn der faktischen Liquidation ist der Zeitpunkt anzu-
nehmen, in dem in Würdigung der gesamten Umstände eine Vermö-
gensdisposition nicht mehr als geschäftliche Transaktion, sondern als 
Aushöhlung der Gesellschaft bezeichnet werden muss (vgl. etwa Urteil 
des  Bundesgerichts  vom  9.  Oktober  1989,  veröffentlicht  in  ASA  58 
S. 707 E. 2b; Entscheid der SRK vom 25. Juni 1996, veröffentlicht in 
ASA 70 S. 92 E. 3a). Eine faktische Liquidation liegt zwar nicht bereits 
bei jedem geschäftsmässig nicht begründeten Aufwand (verdeckte Ge-
winnausschüttung an Aktionäre  oder  der  Gesellschaft  nahestehende 
Dritte) vor. Ein solcher kann im konkreten Einzelfall aber gleichwohl ein 
(erster) Schritt auf dem Weg zur faktischen Liquidation sein (Entscheid 
der SRK vom 17. April 2001, veröffentlicht in VPB 65.113 E. 2c).

4.3 Die Verrechnungssteuerforderung entsteht unmittelbar von Geset-
zes wegen; sie ist eine so genannte obligatio ex lege (Entscheid der 
SRK vom 3. Oktober 2003, veröffentlicht in VPB 68.59 E. 2b). Bei Kapi-
talerträgen ist dies in dem Zeitpunkt der Fall, in welchem die steuerba-
re Leistung fällig wird (Art. 12 Abs. 1 VStG, 1. Satz). Wird – wie bei fak-
tischen Liquidationen – keine Fälligkeit bestimmt, so entsteht die Ver-
rechnungssteuerforderung  mit  der  Ausrichtung  des  (eigentlich)  der 
Verrechnungssteuer  unterliegenden  Betrags  (vgl.  MICHAEL BEUSCH,  in 
Martin  Zweifel/Peter  Athanas/Maja  Bauer-Balmelli,  Kommentar  zum 
Schweizerischen  Steuerrecht  II/2,  Bundesgesetz  über  die  Verrech-
nungssteuer, Basel etc. 2005, Rz. 38 zu Art. 12). Für die Bestimmung 

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des Liquidationserlöses sind die den Anteilsinhabenden abgetretenen 
Vermögenswerte  zum Verkehrswert  einzusetzen;  von  diesem  Betrag 
sind die Schulden der Aktiengesellschaft und das einbezahlte Aktien-
kapital abzuziehen (Entscheid der SRK vom 17. April 2001, veröffent-
licht in VPB 65.113 E. 2b/bb, mit Hinweisen).

4.4

4.4.1 Die ESTV hat die A. AG wie auch den Beschwerdeführer mehr-
mals  erfolglos  zur  Einreichung  von  Unterlagen,  nämlich  der  Jah-
resrechnungen,  des  Formulars  103,  der  Buchhaltung  1994 mit  allen 
Belegen,  der  Darlehensverträge  und  zur  Offenlegung  der  Aktionärs-
verhältnisse,  aufgefordert. In  der  Weigerung,  diesen zulässigerweise 
erfolgten Aufforderungen nachzukommen,  liegt  eine  klare  Verletzung 
der Pflichten nach Art. 21 Abs. 1 und Art. 22 VStV (E. 3.1) sowie des 
Selbstveranlagungsprinzips im Allgemeinen, aus dem sich wie erwähnt 
die Pflicht  zur  Einreichung aller  Unterlagen,  die für  die Bestimmung 
der  Steuerpflicht  und  des  Steuerobjekts  erforderlich  sind,  ergibt 
(E. 3.2). Vorliegend blieb der ESTV damit nichts anderes übrig, als die 
Frage  des  Steuerobjektes  aufgrund  der  vorhandenen  Angaben  und 
Akten zu prüfen. Die ESTV stützte sich dabei namentlich auf die Mel-
dung  des  Handelsregisteramtes  bzw.  der  kantonalen  Steuerverwal-
tung, wonach die A. AG über keine verwertbaren Aktiven mehr verfüge. 
Weiter stellte die ESTV auf das Schreiben des Vertreters der A. AG 
vom 5. Oktober  2001 ab. Danach seien deren per  Ende 1994 noch 
vorhandenen  Wertschriften  verkauft  worden  und  die  Verkaufserlöse 
seien  (z.T.)  der  B. AG als  Darlehen  zur  Verfügung  gestellt  worden, 
welche diese in  der  Folge nicht  zurückgezahlt  habe und welche als 
nicht  mehr  einbringbar  und  abzuschreiben  zu  erachten  seien.  Das 
gleiche  habe  für  die  bilanzierten  treuhänderischen  Geldanlagen  bei 
Herrn C. (Verwaltungsrat der B. AG) zu gelten. Dieser sei schwer krank 
und  überschuldet  (es  lägen  Verlustscheine  gegen  ihn  vor).  Einziges 
Aktivum bilde noch ein Kontoguthaben von Fr. ... bei der Crédit Suisse. 

4.4.2 Wie die ESTV im Einspracheentscheid zutreffend ausführt, hätte 
die  A.  AG  bzw.  der  Beschwerdeführer  darlegen  können,  dass  ge-
schäftsmässig begründete Aufwände zwischen 1995 bis 2000 die Ver-
luste verursacht hätten. Zu Recht hält die ESTV indessen fest, aus den 
eingereichten  Unterlagen  der  A.  AG  gehe  einzig  hervor,  dass 
Kapitalanlagen  versilbert  worden  und  zugunsten  der  B.  AG 
Geldüberweisungen erfolgt seien. Nicht zu beanstanden ist  auch der 

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Schluss, die Abschreibungen dieser Darlehen durch die A. AG seien 
geschäftsmässig nicht begründet, weil für die Darlehen an die B. AG 
keine  speziellen  Sicherheiten  gefordert  worden  seien  und 
diesbezüglich  keine  Verlustscheine  gegen  diese  vorgelegen  hätten. 
Nicht die Rede sein kann nämlich davon, die Geldflüsse seien unter 
dem  Aspekt  von  deren  geschäftsmässiger  Begründetheit  lückenlos 
dokumentiert.  Gleiches  gilt  für  die  unbelegte  Behauptung,  der  Be-
schwerdeführer  habe  "alles  versucht,  um  die  Rückzahlung  der 
Darlehen  an  die  B.  AG  zu  erwirken".  Der  durch  nichts  belegte 
pauschale  Hinweis  auf  die  Zahlungsunfähigkeit  der  B.  AG  und  auf 
gegenüber  Herrn  C.  bestehende  Verlustscheine  vermag  den 
erforderlichen  Nachweis  der  geschäftsmässigen  Begründetheit 
ebenfalls  nicht  zu  erbringen.  Folgerichtig  ist  angesichts  dieser 
Umstände und der Aktenlage sodann, dass die ESTV die Vermögens-
dispostionen nicht mehr als geschäftliche Transaktionen, sondern als 
im Jahr 1995 beginnende, sukzessive faktische Liquidation qualifiziert 
hat,  während  der  die  A.  AG  ihre  Aktiven  an  ihre  Aktionäre  (deren 
Nennung  der  Beschwerdeführer  im  Übrigen  bis  zu  Letzt  verweigert 
hat) abgetreten hat (vgl. E. 4.1, 4.2; Entscheid der SRK vom 25. Juni 
1996, veröffentlicht in ASA 65 S. 922 E. 3b).

4.4.3 Ist das Bestehen eines Steuerobjekts – nämlich eines steuerba-
ren Liquidationsüberschusses aufgrund einer faktischen Liquidation – 
erstellt, so durfte und musste die ESTV angesichts der für die Steuer-
bemessung nötigen, von der Steuerpflichtigen jedoch nicht eingereich-
ten Angaben bzw. Unterlagen (siehe bereits E. 2.3, 4.4.1) den zu ent-
richtenden  Verrechnungssteuerbetrag  ermessensweise  festsetzen 
(oben E. 3.2; vgl. Entscheid der SRK vom 25. Juni 1996, veröffentlicht 
in ASA 65 S. 922 E. 3c). 

4.4.4 Was die Höhe der  ermessensweise festgesetzten Steuerforde-
rung betrifft, so vermögen die pauschalen Vorbringen des bei zulässi-
ger  Ermessenseinschätzung  beweisbelasteten  Beschwerdeführers 
(vgl. oben E. 3.2) und auch der Nachweis bezahlter kantonaler Steu-
ern bzw. der direkten Bundessteuer diese nicht zu erschüttern.

4.4.5 Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass die ESTV 
zu Recht von einer faktischen Liquidation der A. AG ausgegangen ist 
und  den  zu  entrichtenden  Verrechnungssteuerbetrag  zutreffend  er-
mittelt hat. 

5.

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5.1 Nach Art. 15 Abs. 1 Bst. a VStG haften die mit der Liquidation be-
trauten Personen für die Steuer einer aufgelösten juristischen Person 
solidarisch  mit  dieser  bis  zum Betrage des Liquidationsergebnisses. 
Die  Liquidatoren sind dabei  auch dann haftbar,  wenn die  juristische 
Person nicht formell aufgelöst, sondern bloss faktisch liquidiert worden 
ist (BGE 115 Ib 274 E. 14b). Zu den  Personen, die mit der Liquidation 
betraut sind, gehören vorab die gesetzlich oder statutarisch bestellten 
Organe,  welche  (mangels  eines  Generalversammlungsbeschlusses 
über die Auflösung) die bloss faktische Liquidation durchführen (BGE 
115 Ib 274 E. 14c).

5.2 Gemäss Art. 15 Abs. 2 VStG haften die Liquidatoren nur für Steu-
er-, Zins- und Kostenforderungen, die während ihrer Geschäftsführung 
entstehen,  geltend gemacht  oder  fällig  werden; ihre Haftung entfällt, 
soweit  sie nachweisen, dass sie alles ihnen Zumutbare zur Feststel-
lung  und Erfüllung  der  Steuerforderung  getan  haben. Diese  Bestim-
mung  stellt  gegenüber  Art.  55  Abs. 1  OR (Geschäftsherrenhaftung) 
strengere Anforderungen an den Exkulpationsbeweis; "alles Zumutba-
re"  reicht  über  das  hinaus,  was die  nach den Umständen gebotene 
Sorgfalt  verlangt.  Um  sich  von  der  Liquidatorenhaftung  zu  befreien, 
muss der Liquidator seine Aufgabe nach bestem Wissen und Gewis-
sen erfüllt und für die Sicherstellung und Bezahlung der Steuerforde-
rung alles getan haben, was vernünftigerweise verlangt werden kann. 
An  den  Entlastungsbeweis  sind  höhere  Anforderungen  zu  stellen, 
wenn  der  Liquidator  besondere  berufliche  Qualifikationen  besitzt 
(Rechtsanwalt,  Notar,  Ökonom,  Bücherexperte  usw.)  und  das  Ge-
schäftsleben kennt (BGE 115 Ib 274 E. 14d; BGE 115 Ib 393 E. 4a; Ur-
teil  des  Bundesgerichts  2A.342/2005  vom  9.  Mai  2006  E. 4.2;  Ent-
scheide der SRK vom 10. Februar 2006,  veröffentlicht  in  VPB 70.61 
E. 2c; vom 14. Juli 2004, veröffentlicht in VPB 69.15 E. 4a, je mit weite-
ren Hinweisen). In der Lehre wird daran anschliessend gar vertreten, 
bei der Liquidatorenhaftung handle es sich im Ergebnis um eine reine 
Erfolgshaftung,  unabhängig  von  Schuld,  Kausalität  und  Adäquanz 
(THOMAS MEISTER, Haftungstatbestände im Schweizerischen Steuerrecht 
– ein Überblick,  in: Michael  Beusch/ISIS [Hrsg.],  Steuerrecht 2008 – 
Best of zsis, Zürich 2008, S. 76).

5.3 Der Beschwerdeführer ist als einziger Verwaltungsrat Organ der A. 
AG und gilt damit bei Bestehen einer faktischen Liquidation (vgl. oben 
E. 4) von Vornherein als solidarisch haftender Liquidator im Sinne von 
Art.  15  Abs.  1  VStG.  Dass  der  hierfür  nachweisbelastete  Be-

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schwerdeführer, der als Inhaber eines Treuhandbüros über besondere 
berufliche Qualifikationen im Sinn der erwähnten bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung verfügt,  alles ihm Zumutbare zur Sicherstellung und 
Bezahlung der Steuerforderung getan hätte, ist weder aus den Akten 
ersichtlich noch wird es substanziiert geltend gemacht. Dies gilt insbe-
sondere für die durch nichts untermauerte Behauptung, der Beschwer-
deführer habe sich um die Rückzahlung der von der Gesellschaft un-
gesichert  gewährten Darlehen bemüht (vgl. oben  E. 4.4.2). Dem Be-
schwerdeführer  ist  damit  der  Exkulpationsbeweis  nicht  gelungen 
(Art. 15  Abs.  2  VStG).  An  den  massgeblichen  Fragen  vorbei  zielen 
schliesslich in Anbetracht der zutreffenden Annahme einer faktischen 
Liquidation (oben E. 4.4.2)  die Ausführungen,  es sei  angesichts  des 
noch auf dem Konto verbliebenen Betrags von Fr. ... kein Liquidations-
überschuss vorhanden. Damit hat die ESTV den Beschwerdeführer zu 
Recht zur Bezahlung der im Übrigen masslich nicht umstrittenen Ver-
rechnungssteuerforderung herangezogen.

6.
Der Beschwerdeführer wendet sich schliesslich gegen die gegen ihn 
erhobene,  "schwer  kreditschädigend[e]"  Betreibung,  da  Rechtsmittel 
aufschiebende  Wirkung  hätten  und  während  der  Hängigkeit  der  Be-
schwerde die Bezahlung der Steuerschuld nicht verlangt werden kön-
ne. Letzteres ist zwar durchaus zutreffend, und es ist der ESTV – an-
gesichts des hängigen Beschwerdeverfahrens, während dem die Be-
treibung nicht fortgesetzt werden kann – im Moment nicht möglich, ihre 
Forderung  zwangsvollstreckungsrechtlich  durchzusetzen.  Dass  die 
ESTV indessen zuerst einen rechtskräftigen Entscheid erwirken müss-
te, ehe sie die ihres Erachtens geschuldete  Verrechnungssteuerforde-
rung auf  dem Betreibungsweg geltend machen könnte,  trifft  nicht  zu 
und lässt sich auch Art. 45 Abs. 1 VStG nicht entnehmen. Die ESTV 
war auch ohne rechtskräftigen Entscheid befugt, die Forderung in Be-
treibung  zu  setzen  und  den  Rechtsvorschlag  selbst  zu  beseitigen 
(BGE 107  III  60;  Entscheid  der  SRK vom 9.  November  2004  [SRK 
2003-169]  E.  7;  JEANNINE MÜLLER, in:  Xavier  Oberson/Pascal  Hinny 
(Hrsg.), Kommentar Stempelabgaben, Zürich 2006, Rz. 5-9 zu Art. 42 
StG [entsprechend Art. 45 VStG]). Da die Forderung wie dargelegt zu 
Recht besteht, ist auch die Beseitigung des Rechtsvorschlags zu be-
stätigen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4192/2007 vom 
19. September 2007).

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7.
Dem Gesagten zufolge ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen 
und  der  Einspracheentscheid  der  ESTV  zu  bestätigen.  Bei  diesem 
Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer nach Art. 63 Abs. 1 
VwVG die  Verfahrenskosten  zu  tragen.  Sie  werden  nach  Art. 4  des 
Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf 
Fr. 5'500.--  festgesetzt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in 
gleicher  Höhe verrechnet. Dem Beschwerdeführer  als  unterliegender 
Partei steht keine Parteientschädigung zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG bzw. 
Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  im  Betrage  von  Fr. 5'500.--  werden  dem  Be-
schwerdeführer auferlegt und mit dem von ihm in gleicher Höhe geleis-
teten Kostenvorschuss verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes ... 
vom  ...  wird  im  Umfang  von  Fr. ....--  (zuzüglich  gesetzlicher 
Verzugszinsen sowie Betreibungskosten von Fr. 200.--) beseitigt.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

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Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Michael Beusch Sonja Bossart

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (vgl. 
Art. 42 BGG).

Versand:

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