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**Case Identifier:** 95086d28-496b-5f1f-9ce1-d56175754004
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.05.2020 D-2601/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2601-2018_2020-05-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2601/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz),  

Richter William Waeber, Richter Walter Lang,  

Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel.  

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Iran,  

vertreten durch Dieter von Blarer, Advokat,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. März 2018. 

 

 

 

D-2601/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 10. September 2009 in der Schweiz 

erstmals um Asyl. Mit Verfügung vom 11. März 2010 trat das damalige Bun-

desamt für Migration (BFM) auf das Asylgesuch nicht ein. Auf eine dagegen 

erhobene Beschwerde trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil  

D-2275/2010 vom 6. Mai 2010 nicht ein.  

B.  

Nachdem das BFM seine Verfügung vom 11. März 2010 aufhob und das 

Asylverfahren wiederaufnahm, trat es am 30. August 2013 erneut auf das 

Asylgesuch nicht ein. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechts-

kraft.  

C.  

Am 5. März 2015 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM um Wieder-

erwägung des Asylentscheides vom 30. August 2013. Mit Verfügung vom 

4. Juli 2016 wies das SEM das Gesuch ab. Diese Verfügung erwuchs un-

angefochten in Rechtskraft.  

D.  

Mit als "Wiedererwägung" betitelter Eingabe vom 12. März 2018 reichte der 

Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein Mehrfachgesuch ein.  

Das Gesuch begründete er im Wesentlichen damit, dass er aufgrund von 

exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz bei einer Rückkehr in den Iran 

gefährdet wäre. Er betreibe eine eigene Internetseite, auf welcher er sich 

kritisch zum Islam und zum iranischen Regime äussere. Er habe zudem 

zwei regime- und islamkritische Publikationen im Internet veröffentlicht und 

darin den Zusammenbruch und Niedergang der Islamischen Republik 

prognostiziert. Seine Aussagen würden von den iranischen Behörden als 

Landesverrat beziehungsweise Unterstützung "umstürzlerischen" Tenden-

zen oder Apostasie qualifiziert. Für diese Meinungsäusserungen könne im 

Iran die Todesstrafe verhängt werden.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer die fremdsprachigen Publi-

kationen (…) und (…) mit teilweiser deutscher Übersetzung sowie die Aus-

drucke verschiedener Kommentare auf seiner Internetseite zu den Akten.  

E.  

Mit Verfügung vom 27. März 2018 (eröffnet am 4. April 2018) stellte das 

D-2601/2018 

Seite 3 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Mehrfachgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.  

F.  

Mit Eingabe vom 4. Mai 2018 erhob der Beschwerdeführer – handelnd 

durch seinen Rechtsvertreter – gegen diese Verfügung Beschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht und beantragte, es sei ihm Asyl (Zweitasyl) zu 

gewähren, eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, sube-

ventualiter sei er infolge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs vorläufig aufzunehmen sowie subsubeventualiter sei die Sa-

che zur Neubeurteilung ans SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hin-

sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um 

Befreiung von der Kostenvorschusspflicht sowie um Beiordnung seines 

Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand und um Erteilung der auf-

schiebenden Wirkung seiner Beschwerde.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer verschiedene Ausdrucke 

der Internetseite Facebook, einen Ausdruck der Internetseite Youtube so-

wie einen Ausdruck seiner eigenen Internetseite (…) zu den Akten.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. Mai 2018 stellte die Instruktionsrichterin 

fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung 

gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, wies das 

Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung ab und lud das SEM ein, eine 

Vernehmlassung einzureichen.  

H.  

Nach erstreckter Frist reichte die Vorinstanz am 29. Mai 2018 eine Ver-

nehmlassung ein, in welcher sie an ihren bisherigen Ausführungen fest-

hielt.  

I.  

Mit Eingabe vom 2. August 2019 reichte der Beschwerdeführer verschie-

dene Beweismittel, darunter eine Zusammenstellung von Facebook-Grup-

pen, Auszüge seines Instagram-Accounts und ein Arztzeugnis von 

Dr. med. B._______ vom 14. Januar 2019 zu den Akten.  

http://www.youtube.com/

D-2601/2018 

Seite 4 

J.  

Mit Eingabe vom 7. Januar 2020 reichte der Beschwerdeführer ein Schrei-

ben zu den Akten, in welchem er Ausführungen zur aktuellen politischen 

Situation im Iran machte.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015).  

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist – mit nachfolgender Einschränkung (vgl. E. 7) einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

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Seite 5 

3.  

Der Beschwerdeführer beantragte in seiner als "Wiedererwägungsgesuch" 

betitelten Eingabe vom 12. März 2018 einerseits die vorläufige Aufnahme 

als Flüchtling und andererseits als Eventualantrag die vorläufige Aufnahme 

in der Schweiz aufgrund Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Letz-

terer begründete er damit, dass seine exilpolitischen Tätigkeiten geeignet 

wären, aufgrund einer drohenden Verletzung von völkerrechtlichen Weg-

weisungshindernissen gemäss den Bestimmungen der EMRK, des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) und des Comitee against Torture (CAT) wegen Unzuläs-

sigkeit des Wegweisungsvollzugs zur vorläufigen Aufnahme in der Schweiz 

zu führen. Damit machte er mit einer neuen, nach Abschluss eines vorgän-

gigen Asyl(beschwerde)verfahrens entstandenen Sachlage einerseits die 

neu entstandene Flüchtlingseigenschaft geltend, andererseits beantragt er 

aufgrund eines nachträglich entstandenen Vollzugshindernisses die vor-

läufige Aufnahme. Solche Vollzugshindernisse sind jedoch praxisgemäss 

wiedererwägungsweise zu prüfen. Die Vorinstanz nahm jedoch die Ein-

gabe und die Vorbringen insgesamt als Mehrfachgesuch entgegen und 

prüfte sämtliche Vorbringen unter dem entsprechenden Titel. Da dem Be-

schwerdeführer aus der materiellen Behandlung durch die Vorinstanz, wel-

che nun auf Beschwerdeebene einer Überprüfung unterzogen wird, aber 

keine Nachteile erwachsen sind, ist auf diesen Punkt nicht weiter einzuge-

hen.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

5.  

5.1 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass davon auszugehen 

sei, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer Staats-

angehörigen im Ausland grundsätzlich überwachen würden. Asylsuchende 

iranische Staatsangehörige, welche sich in der Schweiz exilpolitisch betä-

tigen würden, würden bei einer allfälligen Rückschaffung in ihren Heimat-

staat zwar eine strafrechtliche Verfolgung riskieren wegen staatsfeindlicher 

Aktivitäten. Es sei jedoch anzunehmen, dass die iranischen Behörden in 

der Lage seien, zwischen politisch engagierten iranischen Staatsangehö-

rige, welche das Regime zu gefährden vermögen würden, und solchen, 

welche es darauf anlegen würden, sich durch ihre Aktionen bekannt zu ma-

chen, um ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu erhalten, unterscheiden 

könnten. Massentypische und niedrigprofilierte Erscheinungsformen exil-

politischer Proteste würden deshalb keiner allgemeinen Überwachungsge-

fahr durch die iranischen Behörden unterliegen und ein entsprechenden 

Engagement werde nicht als Bedrohung für das politische System im Iran 

wahrgenommen. Es seien weder den Akten noch den Ausführungen des 

Beschwerdeführers glaubhafte Hinweise zu entnehmen, wonach er im 

Zeitpunkt der Ausreise aus dem Iran einer politisch oder anderweitig moti-

vierten Verfolgung ausgesetzt gewesen wäre. Somit bestehe kein Anlass 

zur Annahme, dass die iranischen Behörden den Beschwerdeführer vor 

Verlassen des Heimatstaates als regimefeindliche Person ins Blickfeld ge-

fasst oder in irgendeiner Form registriert hätten. Es sei auch nicht davon 

auszugehen, dass er seit seiner Ankunft in der Schweiz unter spezieller 

Beobachtung gestanden habe. Den Akten könnten keine Hinweise auf ein 

längerfristiges und ernstzunehmendes politisches Engagement entnom-

men werden. Obwohl er bereits im Jahr 2009 in die Schweiz eingereist sei, 

habe er gegenüber den Asylbehörden nicht geltend gemacht, sich in der 

Schweiz in irgendeiner Weise exilpolitisch zu betätigen. Auch den einge-

reichten Beweismitteln könnten keine Hinweise auf ein seit längerer Zeit 

bestehendes anhaltendes regimekritisches Engagement entnommen wer-

den. Die Buch-Publikationen würden von Oktober beziehungsweise No-

vember 2017 datieren und seien als Selbstpublikationen unter der Self-

Publishing-Plattform "www.createspace.com" erschienen. Rezensionen zu 

den Publikationen würden sich keine finden. Auch scheine seine Internet-

seite noch nicht lange zu bestehen und weise lediglich knapp 5000 Besu-

cher und 10 Kommentare auf. Auch im oppositions-politischen Umfeld 

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seien den Akten keinerlei Hinweise auf ein besonderes Hervortreten zu 

entnehmen. Sein Engagement gehe nicht über die massentypischen und 

niedrig profilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus. 

Entsprechend habe auch kein Anlass zur Annahme bestanden, der irani-

sche Staat habe seine Aktivitäten – sofern er überhaupt Kenntnis von die-

sen erlangt habe – als Bedrohung für das politische System im Iran wahr-

genommen oder ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Somit bestehe 

kein Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer wegen exilpoliti-

schen Engagements bei einer Rückkehr in den Iran eine Verfolgung im 

Sinne des Asylgesetztes zu befürchten hätte. Auch sei der Wegweisungs-

vollzug als zulässig, mangels anderweitiger Hinweise als zumutbar und als 

möglich zu erachten.  

5.2 In der Beschwerde macht der Beschwerdeführer Ausführungen über 

seine verschiedenen Aktivitäten auf sozialen Internetplattformen. Seit 2015 

betreibe er sowohl eine Facebook-Seite als auch "einen Tweet", was auf 

seiner eigenen Interseite ersichtlich sei. Über Facebook sei er mit verschie-

denen Gruppen verknüpft. Er habe auf dieser Plattform einen Organisati-

onsgrad erreicht, welcher mit seinen regimekritischen Informationen und 

andauernden Denunziation des iranischen Regimes durchaus Einfluss auf 

die Geschehnisse im Iran haben oder zumindest von den dortigen Behör-

den als Bedrohung wahrgenommen werden könnte. Auf Youtube habe er 

ein selbstgedrehtes Video veröffentlicht, welches unter anderem Demonst-

rationen, welche Ende 2017/Anfang 2018 vor der iranischen Botschaft in 

Bern stattgefunden hätten, dokumentiere. Es sei mit Gewissheit anzuneh-

men, dass diese Aktivität von Mitarbeitenden der iranischen Botschaft ge-

filmt worden sei, um Beweismaterial gegen dissidente iranische Staatsan-

gehörige zu haben, falls die iranischen Behörden je die Möglichkeit hätten, 

auf diese zuzugreifen.  

Auf seiner eigenen Internetseite vermittle er Zugang zu oppositioneller und 

islamkritischer Literatur. Er habe seine regime- und islamkritische Bot-

schaft über Jahre entwickelt, in sozialen Medien getestet und schliesslich 

im November 2017 auf einer sorgfältig vorbereiteten Internetseite veröf-

fentlicht und mit weiteren kritischen Meinungen zum Thema verknüpft. Sein 

Buch sei bereits im Januar 2016 fertiggestellt worden. Seine darin veröf-

fentlichte Aussage über Mohammed könnte als Beschimpfung des Prophe-

ten betrachtet und gemäss Art. 262 des iranischen Strafgesetzbuches mit 

dem Tode bestraft werden. In weiteren Kapiteln spreche er von einer zu-

nehmenden Spaltung der iranischen Gesellschaft bis hin zur gewaltsamen 

Auseinandersetzungen zwischen Bevölkerung und Regierung und dem 

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Sturz der Regierung. Diese Aussagen könnten als Rebellion betrachtet und 

gemäss Art. 286 des iranischen Strafgesetzbuches ebenfalls mit dem Tode 

bestraft werden. Es brauche entgegen den Ausführungen des SEM keine 

formelle Mitgliedschaft in einer oppositionellen Organisation, um vom ira-

nischen Regime als potentielle Bedrohung wahrgenommen zu werden. 

Seine publizistische Tätigkeit entspringe seinem Bedürfnis, zu Verände-

rungsprozessen in seiner ursprünglichen Heimat beizutragen. Bei einer 

Rückkehr müsse er befürchten, zur Todesstrafe, einer Körperstrafe oder 

einer längeren Haftstrafe verurteilt zu werden oder aber für längere Zeit 

ohne Anklage oder Urteil in Haft gehalten zu werden. Als Zeuge für seine 

Gefährdung sei ein als Gutachter für die deutschen Asylbehörden tätiger 

ausgewiesener Kenner des Iran und der iranischen Exil-Gemeinschaft zu 

befragen. Das SEM habe seine Gefährdung verkannt, und es entstehe der 

Eindruck, dass es sich nicht vertieft mit seiner Internetseite auseinander-

setzt habe. Dies sei im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nachzuholen 

und die Sache zu diesem Zweck an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

Nebst seinen exilpolitischen Tätigkeiten verweist der Beschwerdeführer 

auf seine Fluchtgründe, aufgrund welcher er vor langer Zeit aus dem Iran 

ausgereist sei. Er sei damals mit der Frau eines Offiziers des iranischen 

Nachrichtendienstes geflohen und habe damit nicht nur den Ehemann sei-

ner Geliebten beleidigt, sondern auch Ehebruch begangen, was im Iran 

nach wie vor mit Steinigung bestraft werde. Obwohl mittlerweile die Verjäh-

rung eingetreten sein dürfte, bestehe nach wie vor das Risiko, dass der 

Ehemann seiner Geliebten einen Groll gegen ihn hege und dafür besorgt 

sei, dass er in Fahndungsregistern auftauche oder sonst regelmässig über-

wacht werde. Sollte das Gericht der Ansicht sein, dass diese Umstände im 

heutigen Zeitpunkt ohne Konsequenzen seien, beantrage er den Beizug 

der niederländischen Asylakten sowie die Zustellung derselben an ihn zur 

Stellungnahme. Ferner müsse sich seine Familie im Iran aufgrund seines 

Gedankenguts von ihm distanzieren. Er gelte in seiner Familie als das 

"schwarze Schaf" und pflege zu ihr seit 2009 keinen Kontakt mehr. Seine 

Schwester habe ihn während eines illegalen Aufenthalts im Iran an den 

Ehemann seiner Geliebten verraten, womit zumindest jener zuzutrauen 

sei, dass sie in der Lage sei, ihn bei den Sicherheitsbehörden im Iran zu 

denunzieren, um sich selbst zu schützen. Ferner sei davon auszugehen, 

dass er seinen niederländischen Flüchtlingsstatus nie aufgegeben habe, 

weshalb ihm grundsätzlich Zweitasyl im Sinne von Art. 50 AsylG gewährt 

werden könne. Dabei sei zu berücksichtigen, dass das damalige BFM das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers nach anfänglichen Versuchen, diesen 

in die Niederlande zurückzusenden, entgegengenommen habe.  

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Seite 9 

Der Wegweisungsvollzug schliesslich sei aufgrund der nach wie vor prekä-

ren Menschenrechtslage als unzulässig zu erachten. Die Annahme des 

SEM, dass er den grössten Teil seines Lebens in seiner Heimat verbracht 

habe, treffe zwar mathematisch knapp zu, jedoch habe er sich mindestens 

24 Jahre seines Erwachsenenlebens nicht im Iran aufgehalten. Seine fa-

miliären Beziehungen habe er abgebrochen, und auch seine Geschwister 

würden den Kontakt zu ihm nicht mehr suchen. Er könne somit bei einer 

Rückkehr in den Iran nicht mehr auf die Unterstützung seiner Familie zäh-

len, und diese stehe ihm sogar möglicherweise feindselig gegenüber. Nach 

so langer Zeit Abwesenheit von der Heimat, stigmatisiert als potentieller 

Verräter und konfrontiert mit der feindseligen Haltung seiner Familie, könne 

er sich wirtschaftlich und sozial nicht mehr integrieren. Aus diesem Grund 

sei der Wegweisungsvollzug auch unzumutbar.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den 

Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei 

muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-

lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber 

ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung 

dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter 

belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn 

die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes 

wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa-

chumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA 

BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren 

[VwVG], 2. Aufl. 2018, Art. 12 N. 16; BENJAMIN SCHINDLER, in: a.a.O., 

Art. 49 N. 29).  

6.2 Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtliches 

Gehör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Ent-

scheid so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sach-

gerecht anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmitte-

linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. 

LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: a.a.O., Art. 35 N. 7ff.; BVGE 

2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf die wesent-

lichen Gesichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die Überlegun-

gen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie 

ihren Entscheid stützt (BVGE 2008/47 E. 3.2; Entscheide und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 2006 Nr. 24 E. 5.1).  

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Seite 10 

6.3 Der Beschwerdeführer macht zu Unrecht geltend, dass sich das SEM 

nicht vertieft mit seiner Internetseite auseinandersetzt habe. Weder auf-

grund seiner Ausführungen noch der Erwägungen in der angefochtenen 

Verfügung ist davon auszugehen, dass sich das SEM bei der Beurteilung 

der Gefährdung des Beschwerdeführers auf einen unvollständigen oder 

unrichtigen Sachverhalt gestützt hat. Es ist ferner nicht ersichtlich, welche 

Abklärungen das SEM zusätzlich hätte vornehmen müssen. Auch ist die 

Verfügung in genügender Weise begründet, und das SEM führte nachvoll-

ziehbar und mit ausreichender Begründungsdichte aus, weshalb das exil-

politische Engagement des Beschwerdeführers, welches vor allem auf sei-

ner Internetseite zum Ausdruck kommt, unter Berücksichtigung der gelten-

den Rechtsprechung und der politischen Situation im Iran den in Art. 3 

AsylG verankerten Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht ge-

nügen würden. Dabei nahm es konkret Bezug auf den Inhalt seiner Publi-

kationen sowie den Bekanntheitsgrad seiner Internetseite. Damit liegt we-

der eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch des rechtlichen 

Gehörs vor. Der in diesem Zusammenhang gestellte Rückweisungsantrag 

sowie der Beweisantrag, es sei ein Iran-Experte zur Beurteilung der Ge-

fährdung des Beschwerdeführers beizuziehen, sind demnach abzuweisen.  

7.  

Sofern der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene neu Vorfluchtgründe 

geltend macht und in diesem Zusammenhang die Gewährung von Asyl be-

antragt, ist festzuhalten, dass dies eine unzulässige Erweiterung des Ver-

fahrensgegenstandes darstellt (vgl. zum Verfahrensgegenstand des vo-

rinstanzlichen Verfahrens Sachverhalt D sowie E. 3; vgl. zur Unzulässigkeit 

einer Erweiterung des Verfahrensgegenstands auf Beschwerdeebene Ur-

teil des BVGer E-599/2011 vom 25. März 2013 m.w.H.). Auf dieses Rechts-

begehren sowie die entsprechenden Ausführungen in der Beschwerde ist 

demnach nicht einzutreten.  

8.  

8.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-

schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend 

(vgl. Art. 54 AsylG). Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere 

illegales Verlassen des Heimatstaates (sogenannte Republikflucht), Einrei-

chung eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaat-

lichen Behörden unerwünschte exilpolitische Betätigung, wenn sie die Ge-

fahr einer zukünftigen Verfolgung begründet. Subjektive Nachfluchtgründe 

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Seite 11 

begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, füh-

ren jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls (Art. 2 AsylG), 

unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge-

setzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nach-

fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge 

vorläufig aufgenommen. Eine Person, die sich auf exilpolitische Aktivitäten 

als subjektiven Nachfluchtgrund beruft, hat objektiv begründeten Anlass 

zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn beispielsweise der Verfolgerstaat 

mit erheblicher Wahrscheinlichkeit vom Engagement im Ausland erfahren 

hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in asylrechtlich relevanter 

Weise verfolgen würde. Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das 

Verhalten der asylsuchenden Person als staatsfeindlich einstufen würden 

und diese deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfol-

gung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten müsste (vgl. BVGE 2009/29 

E. 5.1 und E. 7.1; 2009/28, beide m.w.H.).  

8.2 Die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen im Aus-

land ist durch die Neufassung des iranischen Strafrechts vom 9. Juli 1996 

unter Strafe gestellt worden (§ 498-500 des iranischen Strafgesetzbuches). 

Die iranischen Behörden überwachen grundsätzlich die politischen Aktivi-

täten ihrer Staatsangehörigen im Ausland. Gemäss Erkenntnissen des 

Bundesverwaltungsgerichts riskieren iranische Asylsuchende, welche sich 

in der Schweiz exilpolitisch exponieren, bei einer allfälligen Ausschaffung 

in ihren Heimatstaat eine strafrechtliche Verfolgung wegen staatsfeindli-

cher Aktivitäten, wobei bereits im Rahmen eines entsprechenden staatli-

chen Ermittlungsverfahrens mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit gravie-

rende Übergriffe zu befürchten sind. Einschlägigen Berichten zufolge wur-

den in der Vergangenheit denn auch Personen verhaftet, angeklagt und 

verurteilt, welche sich unter anderem im Internet kritisch zum iranischen 

Staat äusserten. Zudem ist allgemein bekannt und unstrittig, dass iranische 

Geheimdienste seit Jahren die exilpolitischen Aktivitäten ihrer Staatsange-

hörigen im Ausland beobachten und systematisch erfassen. Mittels Einsatz 

moderner Software dürfte es den iranischen Behörden ohne weiteres mög-

lich sein, die im Internet vorhandenen Datenmengen ohne allzu grossen 

Aufwand gezielt und umfassend zu überwachen und gegebenenfalls nach 

Stichworten zu durchsuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.1; D-7272/2013 

E. 7.2). Allerdings geht das Gericht auch davon aus, dass die iranischen 

Sicherheitsbehörden durchaus in der Lage sind, zwischen politisch enga-

gierten iranischen Staatsangehörigen, die das Regime zu gefährden ver-

mögen, und exilpolitisch engagierten Personen, die es geradezu darauf 

anlegen, sich durch ihre Aktionen bekannt zu machen, zu unterscheiden. 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29

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Seite 12 

Mitglieder in Exilorganisationen von im Iran verbotenen oppositionellen 

Parteien, Teilnehmende von Veranstaltungen dieser Organisationen, wel-

che die dabei üblichen Plakate tragen und Parolen rufen, Teilnehmende 

von sonstigen regimekritischen Veranstaltungen sowie Personen, die Bü-

chertische betreuen und Informations- und Propagandamaterial in Fuss-

gängerzonen verteilen, dürften damit keiner allgemeinen Verfolgungsge-

fahr unterliegen. Somit ist anzunehmen, dass sich die iranischen Geheim-

dienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über die mas-

sentypischen und niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer 

Proteste hinaus Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitäten entwi-

ckelt haben, die die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime 

Unzufriedenen herausheben und als ernsthaften und gefährlichen Regime-

gegner erscheinen lassen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3; vgl. auch das Re-

ferenzurteil D-830/2016 vom 20. Juli 2016; D-7272/2013 E. 7.2). Eine sol-

che Prüfung hat stets im Einzelfall aufgrund konkreter Umstände zu erfol-

gen.  

8.3 Der Beschwerdeführer betreibt seinen Angaben zufolge seit dem Jahr 

2017 eine eigene Internetseite mit der Domain (…). Sowohl die Startseite 

als auch die einzelnen Registerkarten tragen die Überschrift (…). Auf der 

Startseite ist zudem der Satz "Auf dieser Website entdecken Sie meine 

politischen und antireligiösen Einstellungen" zu finden. Der Beschwerde-

führer präsentiert sich in der Registerkarte "über mich" mit Foto, Name und 

Geburtsdatum. Die Internetseite ist ihm somit persönlich zuzuordnen. Es 

finden sich auf der Seite zehn Kommentare und die Seite wurde (…) be-

sucht (Stand am 28. Februar 2020). Unter der Rubrik "Bücher" findet sich 

ein Link zu seinen eigenen beiden Publikationen. Bei der einen mit dem 

Titel (…) handelt es sich um ein im Januar 2016 veröffentlichtes fremdspra-

chiges Schriftstück, welches mittels PDF-Datei kostenlos geöffnet werden 

kann und mehrere Grafiken und Bilder beinhaltet. Darin äussert sich der 

Beschwerdeführer kritisch über den Islam ("Ausgedachte Mythen über Mo-

hammed und schiitische Imams können nur von denen sein, die einen fa-

natisches Verstand haben. Diese entwickeln sogar den heutigen Islam") 

und das (…) C._______, indem er beispielsweise dessen Äusserungen 

über Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen kritisiert. Zudem ist darin ein 

Text zu finden mit dem Titel "Bild von einer kranken Gesellschaft". Bei der 

zweiten Publikation mit dem Titel (…) handelt es sich um eine gebundene 

Papierausgabe eines vom Beschwerdeführer verfassten Buches, wovon 

der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz einige übersetzte Auszüge ein-

reichte (vgl. Beweismittel zum Mehrfachgesuch Nr. 3). Gemäss diesem 

schrieb der Beschwerdeführer über die Veränderung der islamischen 

D-2601/2018 

Seite 13 

Werte, die Haltung der iranischen Behörden gegenüber der Abwanderung 

von Talenten, und machte Voraussagen betreffend die religiöse und politi-

sche Führung des Landes. Zudem verwies er auf verschiedene islamkriti-

sche Literatur, unter anderem zu D._______ (indisch-britischer Schriftstel-

ler, Anmerkung des Gerichts).  

Der Beschwerdeführer ist zudem seit dem Jahr 2015 auf Facebook unter 

dem Namen "E:_______" aktiv. Gemäss den eingereichten Auszügen die-

ser Seite ist er Mitglied von verschiedenen, teilweise islam-kritischen exil-

iranischen Gruppen (im Juli 2019 waren es den Angaben des Beschwer-

deführers zufolge um die 90 Gruppen). Zudem ist er seinen mit Eingabe 

vom 2. August 2019 zu den Akten gereichten Beweismitteln zufolge auf der 

sozialen Plattform Instagram aktiv und lud auf Youtube ein Video einer exil-

iranischen Demonstration hoch.  

8.4 Die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers reichen den 

nachfolgenden Erwägungen zufolge nicht aus, um zur Annahme zu gelan-

gen, er werde von den iranischen Behörden als aktiver und ernstzuneh-

mender Regimegegner betrachtet, und habe deswegen Nachteile im Sinne 

des Asylgesetzes zu befürchten.  

Vorerst beschränkt sich sein Engagement zeitlich auf wenige, das heisst 

auf zwei bis drei Jahre, wobei auffallend ist, dass er in seinen zahlreichen 

bisherigen Asylverfahren nie ein erkennbares politisches Interesse erken-

nen liess. Angesichts dessen kann vorliegend der Verdacht zumindest 

nicht ganz ausser Acht gelassen werden, dass das plötzlich aufkeimende 

Interesse an islam- und regimekritischen Fragen im Zusammenhang mit 

den wiederholten Abweisungen seiner Asyl- und Wiedererwägungsgesu-

che stehen könnte.  

Des Weiteren sind sowohl die Qualität als auch die Quantität seines politi-

schen Engagements als nicht besonders intensiv zu erachten. Seine Inter-

netseite weist sehr wenige Kommentare (zehn) auf, was auf einen nicht 

besonders aktiven Austausch mit anderen exilpolitisch tätigen Personen 

hinweist. Zudem wurde der neuste Kommentar bereits vor zwei Jahren hin-

terlassen. Der Beschwerdeführer veröffentlicht auf der Seite keine "Posts" 

oder Beiträge und führt keinen Blog, welche auf ein aktives und in einer 

gewissen Regelmässigkeit vorgenommenes Engagement schliessen lies-

sen. Eine eigene Internetseite, auf welcher das iranische Regime kritisiert 

wird, dürften zudem zahlreiche weitere iranisch-stämmige Personen betrei-

D-2601/2018 

Seite 14 

ben. Als Ausgangslage für die Beurteilung der Gefährdung des Beschwer-

deführers gilt weiter zu berücksichtigen, dass den Akten zufolge keine Vor-

verfolgung aus politischen Gründen vorliegt, weshalb nicht davon auszu-

gehen ist, dass er im Zeitpunkt seiner (bereits viele Jahre zurückliegenden) 

Ausreise aus dem Iran bereits im Fokus der iranischen Behörden stand 

(vgl. dazu den rechtskräftigen Wiedererwägungsentscheid des SEM vom 

4. Juli 2016, Ziff. II 1. S. 3f.).  

In der Gesamtbetrachtung der umfangreichen, durch bestimmte Persön-

lichkeiten geprägten prominent auftretenden iranischen Exil-Diaspora ist 

das exilpolitische Engagement des Beschwerdeführers – auch unter Be-

rücksichtigung dessen, dass er zwei eigene Publikationen veröffentlicht hat 

und auf Facebook Mitglied von teilweise islamkritischen Gruppen ist – in 

der Schweiz als niederschwellig einzustufen. Sein Engagement im Internet 

geht nicht über die massentypischen und niedrigprofilierten Erscheinungs-

formen exilpolitischer Proteste gegen das iranische Regime hinaus und er 

übt auch keine weiteren Aktivitäten aus, welche ihn als ernsthaften und po-

tenziell gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen könnten. Hierbei ist 

zu beachten, dass nicht primär die optische Erkennbarkeit und Individuali-

sierbarkeit für eine allfällige asylrechtlich relevante Gefährdung massge-

bend ist (welche beim Beschwerdeführer aufgrund seiner Internetseite mit 

Namen und Fotos ohne weiteres gegeben ist), sondern vielmehr eine öf-

fentliche Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit, der Form des Auf-

tritts sowie des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen 

den Eindruck erweckt, dass die Person zu einer Gefahr für das Regime 

werde (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). Angesichts der Annahme des Ge-

richts, die iranischen Sicherheitsbehörden vermöchten zwischen politisch 

engagierten iranischen Staatsangehörigen, welche das Regime zu gefähr-

den vermögen, und Personen, welche sich durch ihre Aktionen bekannt 

machen möchten, zu unterscheiden, ist nicht von einer entsprechenden 

Gefährdung des Beschwerdeführers auszugehen. Daran vermögen auch 

die Einwände in der Beschwerde und in den weiteren Eingaben in ent-

scheidwesentlicher Hinsicht nichts zu ändern.  

8.5 Der Beschwerdeführer erfüllt somit die Flüchtlingseigenschaft gemäss 

Art. 3 AsylG unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) 

nicht.  

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

D-2601/2018 

Seite 15 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

10.2  

10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

10.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

D-2601/2018 

Seite 16 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich entgegen den Ausführungen in der Beschwerde we-

der aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten An-

haltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimat-

staat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder 

Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss 

Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) so-

wie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer 

eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass 

ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung 

drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, 

Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine 

Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug 

zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesag-

ten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der 

völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

10.3  

10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

10.3.2 Im Iran herrscht auch im heutigen Zeitpunkt weder Krieg, Bürger-

krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rück-

kehr generell unzumutbar wäre (vgl. dazu etwa Urteile des BVGer  

D-5353/2017 vom 10. Januar 2019 E. 9.2.1 und D-2176/2016 vom 21. No-

vember 2018 E. 10.2).  

10.3.3 Darüber hinaus sind auch keine individuellen Gründe ersichtlich, die 

gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen. Der Beschwerdeführer ist 

zwar in seinem Heimatstaat bereits seit mehreren Jahren landesabwe-

send, verfügt aber über einen erlernten Beruf und in diverser Hinsicht über 

Berufserfahrung, unter anderem als selbständig Erwerbender (A1 Ziff. 8, 

D-2601/2018 

Seite 17 

A26 S. 3). Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass er nach 

einer Rückkehr in den Iran eine Anstellung finden und seinen Lebensun-

terhalt bestreiten können wird. Zudem befinden sich seine Familienange-

hörigen nach wie vor im Iran, wobei entgegen den Behauptungen auf Be-

schwerdeebene nicht ohne weiteres anzunehmen ist, diese hätten sich 

aufgrund der Internetaktivitäten des Beschwerdeführers völlig von ihm dis-

tanziert und ihn deswegen aus der Familie verstossen. Mit dem im Januar 

2019 eingereichten Arztzeugnis macht der Beschwerdeführer zwar gel-

tend, dass er an psychischen Problemen (Stimmungsschwankungen, 

Schlafstörungen, Alpträumern, Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und 

Gedächtnisstörungen) leide. Gemäss dem behandelnden Arzt würden 

diese Symptome den Beschwerdeführer daran hindern, "seine Aufgaben 

als Geschäftsmann sowie seine Aufgaben als Immigrant in Bezug auf seine 

Integration in der Schweiz wahrzunehmen und durchzuführen". Allerdings 

handelt es sich bei den mit diesem Bericht belegten Beschwerden nicht um 

solche, welche aufgrund einer besonderen Schwere der individuellen Zu-

mutbarkeit entgegenstehen würden. In diesem Zusammenhang ist insbe-

sondere auf die im Iran vorhandenen medizinischen Behandlungsmöglich-

keiten zu verweisen. Bei dieser Ausgangslage ist nicht davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Iran in eine existen-

zielle Notlage geraten würde.  

10.3.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als unzu-

mutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG.  

10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-

rauf einzutreten ist.  

D-2601/2018 

Seite 18 

12.  

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 11. Mai 2018 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutge-

heissen hat, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.  

 (Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2601/2018 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Aglaja Schinzel 

 

 

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