# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0984d273-4686-52ac-87ff-ad0646c2acd6
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-12
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung nach einem Unfall; die Verwaltung stellte zu Recht auf die psychiatrische Stellungnahme ab, die eine typische und anhaltende somatoforme Schmerzstörung verneint ('Symptomausweitung'); rückwirkende Rentenbefristung, Dreimonatsfrist.
**Docket/Reference:** IV.2013.01159
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.01159.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.01159
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Oertli
Urteil
vom
12. Dezember 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Fürsprecher Miroslav
Paták
Advokatur
Paták
Seegässli
5, 3633
Amsoldingen
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1982 geborene
X.___
erlitt am
2.
Juni 2010 als Beifahrer
einen Auto
unfall
, bei dem e
r aus dem Fahrzeug geschleudert und verletzt
wurde
(
Urk.
7/15/5-12 S. 5)
. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) erbrachte in der Folge Taggelder und kam für die Heilbehandlung auf. Der im Zeitpunkt des Unfalls arbeitslos
e Versicherte
hatte
zuletzt bis im Februar 2010 als
Versandhelfer in einem Logistikunternehmen
gearbeitet
(
Urk.
7/13 und
Urk.
7/20/55-58)
.
1.2
Am 1
0.
August 2010 meldete sich
X.___
unter Hinweis auf den
vorer
wähnten
Unfall
und das
dabei
erlittene
Polytrauma
zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung an (
Urk.
7/4
, „Massnahmen für die berufliche Eingliederung“
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte
einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug,
Urk.
7/10), Arztberichte (
Urk.
7/14,
Urk.
7/15,
Urk.
7/18,
Urk.
7/19,
Urk.
7/24,
Urk.
7/27 und
Urk.
7/34) und bei
der Arbeitslosenkasse (
Urk.
7/8)
so
wie beim ehemaligen Arbeitgeber (
Urk.
7/13) Auskünfte
ein
. Zudem zog sie die SUVA-Akten bei (
Urk.
7/12,
Urk.
7/20
,
Urk.
7/26
,
Urk.
7/33
,
Urk.
7/36
-38
,
Urk.
7/46 und
Urk.
7/48
)
.
1.3
Die SUVA stellte ihre bisher ausgerichteten Leistungen per 3
1.
Mai 2012 ein (
Urk.
7/48
/5-6
). Für die verbleibenden Unfallfolgen sprach
s
ie dem Versicherten eine Integritätsentschädigung von 7.5
%
zu. Die
Zusprechung
einer Invaliden
rente lehnte die SUVA
mangels einer Erwerbseinbusse ab
(Verfügung vom 2
2.
Mai 2012, bestätigt mit
Einsprachenbescheid
vom 1
8.
Juni 2013)
.
Die dage
gen am
1
9.
August 2013
erhobene Beschwerde wurde mit heutigem Urteil des hiesigen Gerichts abgewiesen (Prozess-Nr. UV.2013.001
86
).
1.4
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/54,
Urk.
7/60 und
Urk.
7/62) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 1
5.
November 2013
rückwirkend
eine vom
1.
Juni 2011 bis 3
0.
Juni 2012 befris
tete ganze Rente der Inv
alidenversicherung zu (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
5.
November 2013
erhob der Versicherte am
16
.
Dezember
2013
Beschwerde
(
Urk.
1/1
)
mit den Anträgen, die Verfügung sei aufzuheben, der Invaliditätsgrad
sei
neu festzusetzen
und es
seien ihm eine Rente
sowie
eventuell berufliche Massnahmen zuzusprechen (S. 2).
Am 2
8.
Januar 2014 erstattete die IV-Stelle ihre
auf Abweisung schliessende
Beschwerdeantwort (
Urk.
6), welche dem
Beschwerdeführer
am 3
0.
Januar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S.
572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
1.
5
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des
Renten
beginns
mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E.
1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blei
ben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat viel
mehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeit
raum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Verfügung
vom 1
5.
November 2013
(
Urk.
2) zur Begründung aus, dem
Versicherte sei laut medizinische
r
Beurteilung ab dem Tag des Unfalls (
2.
Juni 2010) weder die angestammte noch eine ange
passte Tätigkeit zumutbar
gewesen
;
er
habe
ab diesem Datum kein Einkommen erzielen können. Die Situation habe sich
aber
erfreulicherweise gebessert, so dass
ihm
seit dem
1
2.
April 2012 die bisherige und auch eine
behinderungsan
gepasste
Tätigkeit
mit rückenangepasstem Belastungsprofil
wieder
zu 100
%
zumutbar seien. Die Beschwerdegegnerin errechnete
per
1.
Juli
2012
(mit dem Hinweis
:
1
2.
April 2012 zuzüglich drei Monate)
einen Invaliditätsgrad von 2
%
, weshalb die Rente befristet bis
zum
3
0.
Juni 2012 auszurichten sei.
Die Beschwerdegegnerin bemerkte ferner, es liege kein krankheitsbedingter IV-rele
vanter Gesundheitsschaden vor und somit auch kein Grund, unabhängig von der SUVA Abklärungen durchzuführen, da die Akten der SUVA zur Beurteilung genügten
(vgl. auch
Urk.
6)
.
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, soweit e
s um die Klärung der Frage gehe
, ob eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren vorliege oder nicht, würden sich widersprechende fachärztliche Beur
teilungen vorliegen (
Urk.
1 S. 4
ff.
).
Nach
seinem
Dafürhalten
könne
auf die
Stellungnahme
des Psychiaters
Dr.
Y.___
,
die
offenkundig persönlich gepr
äg
t
sei, nicht abgestellt werden
(S. 6). Weil die gesundheitlichen Einschränkungen durch die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren in die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit noch nicht eingeflossen sei
en
, werde die Beschwerdegegnerin dies nachholen müssen
(S. 6)
.
Bis anhin sei zu
dem kein polydisziplinäres Gutachten erstellt worden, was
ebenfalls
nachzuho
len sei (S. 4). Über notwendige berufliche Massnahmen könne erst nach Vorlie
gen eines solchen Gutachtens befunden werden (S. 7)
.
3.
3.1
Im Austrittsbericht der
Z.___
vom 2
0.
April 2011 (
Urk.
7/
27
) betreffend den dritten Aufenthalt vom 1
4.
März bis zum 2
1.
April 2011 wurden die folgenden Diagnosen gestellt (S. 1):
A.
Unfall vom 2.6.2010 mit Polytrauma infolge eines
Autou
nfalls (wurde als Beifahrer aus dem Auto geschleudert)
A1.
Traumatische Hirnverletzung mit kleiner
Subarachnoidalblutung
hochparietal rechts
-
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung mit Einschränkungen der
attentionalen
Funktionen und leichten Verhaltensauffälligkeiten in Folge einer traumatischen Hirnverletzung (ICD-10 F07.2)
-
chronischer Kopfschmerz bei Übergebrauch von Analgetika
A2.
Wirbelsäulentrauma mit
-
instabiler Fraktur Lendenwirbelkörper (LWK) 1 mit
Hinterkanten
b
eteiligung
, ohne
Spi
nalkanaleinengung
-
undislozierten
Frakturen der
Processi
transversi
der Brustwirbelkörper (BWK) 5-7 und 9 links sowie
LWK
2
-
Zustand nach dorsaler Stabilisierung
der
Brustwirbel (BW) 12 - Lendenwirbel (LW) 2 mittels USS-Fixateur int. am 5.6.2010
-
Zustand nach Teil-
Vertebrektomie
LWK1 sowie Implantation eines
Titan-Ersatzkör
pers
am 14.6.2010
A3.
Stumpfes
Thoraxtrauma
mit
-
Pneumothorax rechts
-
Verdacht
auf
Spannungspneumothorax
links
-
Lungenkontusion
re
>li
-
Fraktur Costa 10 rechts lateral
A4.
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
B.
Tendinopathia
calcarea
der
Supraspinatussehne
links, degenerativ bedingt
Die Ärzte der
Z.___
gaben damals an, eine weiterführende ambulante psy
chotherapeutische Behandlung der Schmerzproblematik sei angesichts der
Chronifizierung
der Symptome sowie der Einengung des Patienten auf diese Symptome indiziert. Der Beschwerdeführer zeige sich aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht dazu bereit. Bei Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit werde eine begleitende ambulante Ergotherapie empfohlen. Ansonsten seien aktuell keine Therapien angezeigt.
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führten die berichtenden Ärzte aus, es liege eine leichte bis mittelschwere kognitive Leistungsminderung infolge einer neu
ropsychologischen Funktionsstörung vor, die Folge einer primär
hirnorgani
schen
Schädigung sei. In körperlicher Hinsicht sei dem Beschwerdeführer eine mittelschwere Arbeit zumutbar. Was die kognitiven Fähigkeiten betreffe, sei eine Arbeit mit leichten kognitiven Anforderungen möglich. Zumutbar sei eine halbtägige Tätigkeit mit der Möglichkeit von regelmässigen Pausen zur Entlas
tung. Bei schrittweiser Steigerung der Präsenzzeit und der Leistung über meh
rere Monate hinweg sei auch eine ganztägige Tätigkeit denkbar. Die Ärzte wiesen zudem auf
die
folgende
n
spezielle
n
Einschränkungen hin: keine uner
warteten asymme
trischen Belastungseinwirkungen und
keine längerdauernden wirbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen (Bücken, Kauern)
.
Sie
fügten an, wechselbelastende Tätigkeiten seien empfohlen (S. 2).
Die berichte
nd
en Ärzte führten im Weiteren aus, sie hätten den Patienten erneut klinikintern den orthopädischen Kollegen vorgestellt mit dem Ergebnis, dass klinisch und radiologisch stabile Verhältnisse ohne Lockerungszeichen vorlie
gen würden. Die Belastung dürfe bis
zu
30 Kilogramm gesteigert werden. Aus orthopädischer Sicht könnten die persistierenden Beschwerden nicht erklärt
werden. Insgesamt gesehen habe im Vergleich zum letzten stationären Aufent
halt in der
Z.___
keine relevante Entwicklung beobachtet werden können. Der Beschwerdeführe
r seit weiterhin schmerzfixiert
(S. 3).
Am 1
8.
Juli 2011 bescheinigte die
Z.___
der IV-Stelle auf Rückfrage, dass dem Versicherten ab
dem Zeitpunkt des Klinikaustritts
aus rein somatischer und kognitiver Sicht unter Beachtung der Zumutbarkeitskriterien eine Tätigkeit als Lagerist theoretisch wieder möglich sei (
Urk.
7/34).
3.2
Der in der Praxis
Dr.
med.
A.___
, Neurologie FMH, tätige
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Neurologie SGKN-EMNG, welchen der Beschwerdeführer auf Anraten
seines Anwalts hin konsultiert
hatte
(
Urk.
7/
27
S. 3 oben)
,
berichtete am 2
9.
April 2011 in einer von
Dr.
A.___
visierten Stellungnahme (
Urk.
7/
33/8-9
), die aktuelle Schmerzproblematik sei mit Sicherheit durch das Trauma verursacht und im
skelettalen
Rahmen zu interpretieren. Bei normalem Neurostatus, EEG, sowie normalem SSEP
tibialis
und SSEP
medianus
ergäben sich keine Anhaltspunkte für eine neurogene Genese des Schmerzsyndroms im Sinne einer Myelopathie. Auch für eine
intercostale
Neuropathie lägen keine Anhaltspunkte vor. Eine orthopädische Beurte
ilung erscheine sinnvoll.
3.3
In ihrer konsiliarischen Beurteilung gestützt auf
die
bisherige neurologische Beurteilung sowie die bereits vorhandene Bilddokumentation und
eine eigens durchgeführte
triplanare
, native und KM-verstärkte MRI-Untersuchung
des Schädels vom
7.
August 2011
gaben
Dr.
C.___
und Prof.
Dr.
D.___
, Klinik für Neuroradiologie des
E.___
, am 2
0.
August 2011 (
Urk.
7/
36/25
) an, bei einem Status nach Schädelhirntrauma zeigten sich keine
intraparenchymalen
Veränderungen im Sinne diffuser
axonaler
Verletzungen. Es zeigten sich auch keine weiteren
Hämosiderin
-Ablagerungen und kein
Hydro
cephalus
. Insgesamt präsentiere sich ein normaler, altersentsprechender Befund des Gehirns.
3.4
Im Neurologischen Konsiliarbericht vom
3.
Januar 2012 (
Urk.
7/
37/69-75
) führte Dr. med.
F.___
, Facharzt für Neurologie FMH aus, nach den diagnosti
schen Kriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-II der IHS handle es sich bei den angegebenen Kopfschmerzen aufgrund der Anamnese formal um einen Kopfschmerz bei
Analgetikaübergebrauch
gemäss Kodierung 8.2.
3.
Der im Rahmen der Untersuchung bestimmte Medikamentenspiegel spre
che jedoch gegen die Angabe des Versicherten, der über eine tägliche Einnahme von vier Tabletten
Dafalgan
(zuletzt gut zwei Stunden vor der Blutentnahme) berichtet habe. Der Beschwerdeführer habe während der gesamten Untersu
chung auch nicht schmerzgeplagt, sondern eher gleichgültig-gelassen gewirkt. Für ihn vorrangig
sei
die weitere Bescheinigung einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit auf dem Unfallschein der SUVA erschienen. An differenzierteren
therapeutischen Massnahmen, die über eine Verlängerung des ärztlichen Zeug
nisses und die hausärztliche Verordnung von Analgetika – die keineswegs eine adäquate Behandlung chronischer Kopfschmerzen darstelle – hinausgehen wür
den, habe sich der Beschwerdeführer wenig interessiert gezeigt. Aufgrund des Gesamtbildes müssten daher erhebliche Zweifel an der Konsistenz und dem tatsächlichen Leidensdruck geäussert werden. Der Versicherte habe nach eige
nen Angaben auch schon vor dem Unfall unter sporadischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp gelitten. Die aktuell angegebenen Dauerkopfschmerzen seien eine Woche nach dem Ereignis erstmals aufgetreten. Insoweit könne auch nicht von einem posttraumatischen Kopfschmerz nach den ICHD-II-Kriterien gesprochen werden.
Im Weiteren führte
Dr.
F.___
aus, aus rein neurologischer Sicht sei keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Der Versicherte sei neurologisch unauffällig. Der Unfall vom
2.
Juni 2010 habe keine somatisch-neurologischen Folgen hinterlassen. Bei fehlendem strukturell-posttraumatischem Korrelat in der universitär-neuroradiologisch
reevaluierten
MR-Bildgebung, führe eine neuropsychologische Untersuchung nicht weiter. Der Versicherte wirke auch nicht depressiv oder anderweitig psychisch beeinträchtigt, so dass aus neurolo
gischer Sicht auch keine psychiatrische Untersuchung indiziert erscheine.
3.5
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Neurologie FMH, Versicherungsmedizin SUVA, erstattet
e
am 1
3.
März 2012 eine neurologische Beurteilung (
Urk.
7/
37/60-62
). Er verwies auf frühere Stellungnahmen und die von ihm empfohlene kraniale Magnetresonanztomographie und neuroradiologische Beurteilung bei Prof.
D.___
am
E.___
sowie die neurologische Standortbestimmung bei
Dr.
F.___
.
Dr.
G.___
führte aus, nachdem die kraniale Bilddiagnostik die regelrechte Abheilung einer unfallbedingten
Subarachnoidalblutung
hochparietal rechts nachgewiesen habe, eine
residuelle
traumatische Hirnverletzung heute nicht nachweisbar sei und Inkonsistenzen hinsichtlich der nicht objektivierbaren Kopfschmerzen vorlägen, könnten sowohl allfällige Kopfschmerzen als auch die neuropsychologischen Funktionsstörungen nicht mit dem erforderlichen
Be
weisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom
2.
Juni 2010 zurückgeführt werden. Eine unfallbedingte organische Grundlage neu
ropsychologischer Funktionsstörungen sei objektiv nicht nachweisbar (S. 2). Auf neurologischem Fachgebiet würden heute keine unfallbedingten Beschwerden vorliegen, welche die Leistungsfähigkeit des Versicherten beeinträchtigten (S. 3
Ziff.
4).
3.6
Der SUVA-Kreisarzt
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Chirurgie FMH, berichtete am 13. April 2012 (
Urk.
7/
37/44-52
), bei der am Vortag durchgeführte
n
Untersu
chung habe sich eine gute Beweglichkeit im Bereich der
Lendenwirbelsäule
bei deutlich erkennbarer Selbstlimitierung gezeigt. Bezüglich der stattgehabten Hirnverletzung hätten sich bei der Untersuchung keine Auffälligkeiten erkennen lassen. Beim Versicherten bestehe ab dem Untersuchungstag (1
2.
April 2012) wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit folgender Zumutbarkeitsbeurteilung: Zumutbar seien wechselbelastende mittelschwere Tätigkeiten, ohne längere Zwangshaltungen für den Rücken, ohne das Tragen und Heben von Lasten sel
ten bis 20 Kilogramm und repetitiv bis 10 Kilogramm sowie ohne unerwartete asymmetrische Belastungseinwirkungen. Die noch vorhandenen Beschwerden im Bereich der
Brust- und Lendenwirbelsäule
seien unfallkausal. Nicht
unfall
kausal
seien – unter Verweis auf die ausführliche neurologische Begutachtung – die angegebenen Kopfschmerzen.
3.7
Der Hausarzt,
Dr.
med.
I.___
, Innere Medizin und Pneumologie FMH, berichtete der SUVA am 1
6.
November 2012 (
Urk.
7/
48
/
56
), dass der Beschwerdeführer weiterhin an Rückenschmerzen leide, vor allem im thorakal-lumbalen Bereich. Er habe ihm ein Mal pro Woche Physiotherapie verordnet, um die Motivation für die weitere Durchführung der Rückenübungen aufrecht zu erhalten. Eine Arbeitsstelle habe noch nicht gefunden werden können.
3.8
Dr.
med.
J.___
, Teamleiter Wirbelsäule,
K.___
, diagnostizierte am 1
5.
März 2013 (
Urk.
7/
48
/
23-24
) ein ausgeweitetes Schmerzsyndrom nach einem Autounfall 2010 mit LWK1-Fraktur und dorsoventraler Stabilisierung. Er erhob eine Schmerzhemmung im Bereich der Lendenwirbelsäule und gab an, es falle eine allgemeine
Dekonditionierung
auf mit Muskelzittern je nach Bewe
gung. Es bestehe keine lokale
Druckdolenz
im Bereich der Wirbelsäule. Die Wir
belsäule sei schmerzbedingt eingeschränkt mit Schmerzen beim Aufrichten aus der Inklination und bei der
Reklination
. Zudem liege eine leichte Asymmetrie der Bauchwand vor nach lateraler Thorako
to
mie links. Die periphere Sensomo
torik grobkursorisch sei intakt.
Dr.
J.___
kam zum Schluss, es bestehe eine typische Symptomatik mit panvertebralen Schmerzen mit Ausstrahlung bis in den Hinterkopf. Mechanisch sei die Situation nicht verbesserbar. Die
Spondylo
dese
sei korrekt und das Alignement gut. Zudem gebe es keine relevanten dege
nerativen Veränderungen. Dennoch sei hier eine posttraumatische Symptomatik im Sinne eines ausgeweiteten Schmerzsyndroms zu postulieren. Es sollten bei Versagen der physikalischen Therapie vor allem Anstrengungen unternommen werden, eine psychosomatische Behandlung durchzuführen. Derzeit sei die Arbeitsfähigkeit mit der vorhande
nen Einschränkung nicht gegeben;
auch wenn diese durch die Fraktur allein nicht
erklärt sei
, handle es sich um ein posttrau
matisches Schmerzsyndrom mit entsprechenden Einschränkungen. Aus ortho
pädischer Sicht sei keine weitere Behandlung indiziert.
3.9
Dr.
med.
Y.___
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Konsiliararzt am Zentrum für Begutachtung der
Z.___
erstattete der SUVA am 24. April 2013 im Anschlus
s an eine psychiatrische
Untersuchung
s
eine psychiatrische Stellung
nahme (
Urk.
7/
48/27-44
).
Dr.
Y.___
führte aus, in der gleichentags stattgefunde
nen Untersuchung habe der Beschwerdeführer zwar leicht gedrückt und miss
gestimmt gewirkt, aber auch ausweichend und eher diffus in seinen Angaben. Der Beschwerdeführer habe bei der Diskussion zum weiteren aktiven Vorgehen in Richtung Arbeitsmarkt argumentativ vor allem die Schmerzen in den Vor
dergrund gestellt. In Bezug auf seine innere Verstimmung habe er vor allem von einer Missstimmung (
„typischerweise
als ,Nervosität'
bezeichnet in diesem Kul
turkreis
“
)
berichtet
, dies mit Bezug auf Schmerzen und die soziale Situation mit Anbindung ans F
ürsorgeamt, Schulden und andere
Belastungsfaktoren. Es handle sich um eine wahrscheinlich um einiges verdeutlichend vorgebrachte, aber normalpsychologisch verstehbare Missstimmung in einer eher
perspekti
venarmen
Situation. Der Beschwerdeführer habe zweifellos mit seinen nun unfallbedingt bestehenden Einschränkungen im Zumutbarkeitsprofil hinsicht
lich Rückenbelastung und seiner schlechten Ausbildung wenig gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dass ihn dies belaste, sei schon klar. Andererseits bestünden keine einschlägigen eindeutigen depressiven Zeichen im Sinne einer relevant schweren depressiven Verstimmung oder Zeichen für eine posttrauma
tische Belastungsstörung. Auf jeden Fall sei ein Schweregrad der Verstimmung im Ausmass einer eigentlichen „depressiven Episode“ in keiner Weise gegeben. Im Vordergrund stünden hingegen mehr dysfunktionale Überzeugungen, schuldlos einen Unfall erlitten zu haben, weiterhin nicht schmerzfrei zu sein und die vielfache Ausführung dieser Umstände als Verhinderungsmotive, eine Arbeit suchen und finden zu können (S. 16).
Dr.
Y.___
gab an, die ganze maladaptive Art des Umgangs beim Beschwerdefüh
rer, der in seinem Auftreten eher passiv, diffus und motivationsarm wirke, ent
spreche in recht typischer Weise dem, was man als sogenannte „
Symptomaus
weitung
“ bezeichne. Dies sei eine Bezeichnung für einen maladaptiv erlernten Umgang mit Schmerzen, der in Selbstlimitierung und damit Inkonsistenzen resultiere und ausgeweitete Folgen eines Schmerzleidens auf die soziale Funkti
onsfähigkeit bezeichnen solle. Es handle sich dabei jedoch nicht um eine eigentliche psychische Störung im Sinne einer psychiatrischen Diagnose, als
o
keine F-Diagnose nach ICD-10, womit auch die Wertung dieser psychischen Verfassung im Sinne eines Krankheitswertes mit Einfluss auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit entfalle (S. 16).
Dr.
Y.___
bemerkte unter Hinweis a
uf die Definition der sogenannt
ne
uen deut
schen Schmerzdiagnose F
45.41 („chronische Schmerzstörung mit psychischen
und somatischen Faktoren“), die seinerzeit in
Z.___
gestellt worden sei, dass „unter dem Dach“ dieser Diagnose unterschiedliche Untergruppen bestünden, die einander nicht gleichgesetzt werden könnten. Insbesondere seien auch
Schmerz
patienten
mitgemeint, die ein solches dysfunktionales
Bewältigungs
muster
mit Inaktivität und Vermeidung zeigten. Aus dieser Sicht könne die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren bestätigt werden. Diese Diagnose sei jedoch aus psychiatrischer Sicht nicht invalidisierend. Sie entspreche auch eindeutig nicht einer typischen anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung und im konkreten Fall stünden insbesondere auch dysfunktionale Einstellungen mit Aktivitätsvermeidung und Vermeidung von Übernahme von Verantwortung im Raum (S. 16 f.). Die Diag
nose einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Fak
toren sei deshalb einerseits zwar zutreffend, andererseits müsse darauf hinge
wiesen werden, dass
die Verwendung des Begriffs psychische
„Faktoren“ darauf hinweise, dass
es hier um Einflussfaktoren gehe
, die eben nicht das Ausmass einer psychischen „Störung“ erreichten, dass hier also Einflussfaktoren weitge
hend aus dem normalpsychologischen Spektrum einen Einfluss auf
die
Ausge
staltung und
den
Verlauf der Schmerzbeschwerden erlangt hätten (S. 17). Unter diese Diagnose fielen auch dysfunktional-vermeidende Strategien im Umgang mit Schmerzen, die in eine vorwiegend durch Passivität und Inkonsistenzen zu charakterisierenden Situation ausmündeten, gemeinhin auch als sogenannte „Symptomausweitung“ bezeichnet. Eine solche liege vor.
Dem Beschwerdeführer sei es aus psychiatrischer Sicht zweifellos zumutbar, aktiv zu werden. Es bestünden keine Einschränkungen der Zumutbarkeit über das Mass hinaus, was somatisch definiert worden sei (S. 17).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer erlitt am
2.
Juni 2010 einen Autounfall mit Polytrauma. Unbestritten und
durch die
medizinischen Akten ausgewiesen ist, dass
er
nach dem Unfall
bis
zum 1
2.
April 2012 arbeitsunfähig war
.
Dass die
Beschwerde
gegnerin
in diesem Punkt der Einschätzung der SUVA-Kreisärzte folgte und nicht entsprechend dem Attest der
Z.___
bereits
ab
dem Datum des
Klinikaustritt
s
(2
1.
April 2011)
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
ausging (vgl.
hievor
E. 3.1 und
Urk.
7/3
7
,
Urk.
7/52 S. 5 und 8)
, ist nicht zu beanstanden.
Die Parteien gehen zudem – entsprechend der medizinischen Aktenlage – darin überein
, dass der Beschwerdeführer seinen Rücken
seit
dem
erlittenen Polytrauma
nur noch eingeschränkt
belasten kann.
Es gilt das vom
Kreisarzt Dr.
H.___
formulierte rückenadaptierte
Belastungsprofil, wonach
der Versicherte aus orthopädischer Sicht seit dem
Untersuchungstag
(
1
2.
April 20
12
)
wieder zu 100
%
arbeitsfähig
ist
für wechselbelastende mittelschwere Tätigkeiten, ohne längere Zwangshaltungen für den Rücken, ohne das Tragen und Heben von Lasten selten bis 20 Kilogramm und repetitiv bis 10 Kilogramm und ohne unerwartete asymmetrische Belastungseinwirkungen (vgl.
hievor
E.
3.
6
). Dieses Belastungsprofil entspricht im Wesentlichen dem im
Austritts
bericht
der
Z.___
formulierten orthopädischen Zumutbarkeitsprofil, wobei die Orthopä
den damals davon ausgingen, die Belastung dürfe sogar bis 30 Kilo
gramm gesteiger
t werden (vgl.
hievor
E. 3.1).
Nich
t strittig und nach sorgfältigen
neurologischen Abklärungen ausgewiesen ist auch, dass – bei fehlendem strukturell-posttraumatischem Korrelat, normalen Testergebnissen sowie unauffälligem Verhalten – keine unfallbedingten neurolo
gischen Einschränkungen zurückblieben, welche die Leistungsfähigkeit des Versicherten beeinträchtigten (vgl.
hievor
E. 3.2-3.5).
Ebenso fehlen Hin
weise für nicht unfallbedingte
n
e
urologische
Einschränkungen mit
Krankheits
wert
.
4.2
Der Beschwerdeführer geht davon aus, dass er
zusätzlich
unter
invalidisierenden
psychischen Beschwerden leidet. Er verwies hierzu insbesondere auf die nach dem dritten Aufenthalt in der
Z.___
gestellte Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (vgl. E. 3.1
hievor
).
4.3
Was die geltend gemachten psychischen Beschwerden betrifft
,
kann au
f die nach einer psychiatrischen
Untersuchung
erfolgte und
die
Vorakten
sowie
die geklagten Beschwerden berücksichtigende fachärztliche Stellungnahme von
Dr.
Y.___
vom 2
4.
April 2013 (E. 3.9) abgestellt werden, die den
rechtspre
chungsgemässen
Anforderungen an eine beweiswertige Expertise vollumfäng
lich entspricht (E. 1.
3
und 1.
4
).
Dr.
Y.___
setzte sich eingehend mit der strittigen (Vor-)Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und soma
tischen Faktoren auseinander und legte unter Hinweis auf dysfunktional-ver
meidende Strategien im Umgang mit Schmerzen, Passivität und Inkonsistenzen einleuchtend dar, es liege keine typische anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
vor. Er begründete
ebenso nachvollziehbar und
unter Einbezug der gesamten Klinikkran
kheitsgeschichte (
Urk.
7/48/27-44 S. 1 ff.)
, weshalb er davon ausgehe, dass die Verwendung des Begriffs psychische „Faktoren“ darauf hindeute, dass auch die behandelnden Ärzte der
Z.___
im Austrittsbericht nicht von
einer
eigentlichen psychischen „Störung“ ausgegangen waren. Die Ein
schätzung von
Dr.
Y.___
findet in den aktenkundigen Arztberichten zahlreiche Stützen, so etwa im Hinweis im Austrittsbericht der
Z.___
, der
Beschwerdeführer sehe seine passive Haltung darin gerechtfertigt, dass er den Unfall nicht ver
schuldet habe und sich daher für seine Genesung auch wenig verantwortlich fühle (
Urk.
7/89 S. 3). Der wegen Kopfschmerzen hinzugezogene Neurologe
Dr.
F.___
stellte fest, der Versicherte habe wenig Interesse an differenzierteren therapeutischen Massnahmen, die über eine Verlängerung des ärztlichen Zeug
nisses und
die
hausärztliche
Schmerzmittelverordnung hinausgingen (E. 3.4).
Wenn
Dr.
Y.___
im Zusammenhang mit der von ihm diskutierten Missstimmung angab, diese werde
im
Kulturkreis des Beschwerdeführers typischerweise als „Nervosität“ bezeichnet, legte er offen, wie er den vom Versicherten verwende
ten Begriff verstand. Dies macht die Einschätzung des Experte
n transparent und verständlich
und ist kein Zeichen für eine Antipathie gegen den Beschwerde
führer beziehungsweise dessen „gesamten Kulturkreis“ (vgl. die Rüge in
Urk.
1 S. 4). Einzig dem Verständnis der gutachterlichen Schlussfolgerungen dient auch der Hinweis, in der Diskussion um das weitere Vorgehen und
um
seine potenziellen Schritte auf dem Arbeitsmarkt sei der Beschwerdeführer sichtbar lebendiger geworden in der Nennung der Schmerzen als Verhinderungsmotive und habe in dieser Diskussion implizit auch einiges Wissen in Bezug auf Fach
ausdrücke gezeigt (
Urk.
7/172 S. 11, vgl. Rüge in
Urk.
1 S. 4). Das Gutachten hinterlässt nicht den Eindruck mangelnden Einfühlungsvermögens und lässt keine Zweifel an der Unparteilichkeit aufkommen.
Insgesamt ist die Schlussfolgerung, wonach aus psychiatrischer Sicht keine Ein
schränkung der Zumutbarkeit über das somatisch definierte Mass hinaus bestehe, einleuchtend und wie dargelegt auch mit den weiteren aktenkundigen Arztberichten vereinbar. Einzig Dr.
J.___
erachtete derzeit die Arbeitsfähigkeit mit den vorhandenen Einschränkungen als nicht gegeben. Da letztere mit der Fraktur allein nicht erklärbar seien
,
diagnostizierte er ein ausgeweitetes Schmerzsyndrom „mit entsprechenden Einschränkungen“ (vgl.
hievor
E. 3.8). Diesbezüglich vermag der Bericht des Wirbelsäulenspezialisten
Dr.
J.___
aller
dings nicht zu überzeugen, zumal unklar bleibt, weshalb dem Beschwerde
führer mit den erhobenen Befunden jegliche Arbeitsfähigkeit abzusprechen
ist
. Die Rechtspraxis billigt aber
Rheumatologen
nur dann
auch in Bezug auf psy
chosomatische Beschwerden eine beschränkte B
eurteilungskompetenz zu
(vgl. das vom Beschwerdeführer zitierte Urteil des Bundesgerichts 9C_243/2010 vom 2
8.
Juni 2011 E
. 6.2.3 mit weiteren Hinweisen), wenn deren Berichte zu über
zeugen vermögen.
Nicht zur Erschütterung der Beweiswertigkeit tauglich ist sodann der Hinweis,
Dr.
Y.___
könne im Lichte der höchstrichterlichen Rechtsprechung (Zitat BGE
136 V 117 E. 3.4) ohnehin nicht das Prädikat eines unabhängigen Sachverstän
digen für sich in Anspruch nehmen. Wie
eingangs erwähnt (
hievor
E. 1.4
), kommt selbst den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen Beweiswert zu, sofern sie – wie dies für die Stellungnahme von
Dr.
Y.___
nach dem Gesagten zutrifft – als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen
ihre Zuverlässigkeit bestehen.
4.4
Ebenfalls nicht gefolgt werden kann der Rüge, es wäre ein polydisziplinäres Gutachten nötig gewesen, ist der medizinische Sachverhalt in somatischer Hin
sicht doch grundsätzlich unbestritten und von der SUVA ausführlich abgeklärt worden.
Unfallfremde Beschwerden werden keine geltend gemacht.
Vielmehr
liegen
der Verfügung der I
V-Stelle die
selbe
n
die Arbeitsfähigkeit einschränken
den gesundheitlichen Beeinträchtigungen
zugrunde
, die auch für die Beurtei
lung der SUVA massgeblich gewesen sind. Nach der
neueren
Rechtsprechung (BGE 133 V 549
)
besteht für die Invalidenversicherung zwar keine Bindungs
wirkung an die Invaliditätsschätzung der Unfallversicherung im Sinne von BGE 126 V 28
8.
Dies schliesst allerdings nicht aus, dass die IV-Stellen oder im Beschwerdefall die kantonalen Gerichte die Unfallversicherungsakten beiziehen und gestützt darauf den Invaliditätsgrad für den Bereich der Invalidenversiche
rung bestimmen können
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_206/2007 vom 2
7.
März 2008 E. 3.3
.1
i.f
.
).
4.
5
Es kann somit auf die Einschätzung des Psychiaters
Dr.
Y.___
abgestellt werden, wonach keine typische anhaltende
somat
oforme
Schmerzstörung vorliegt
und in psychischer Hinsicht keine Einschränkungen der Zumutbarkeit über das Mass hinaus, wa
s somatisch definiert worden ist
,
bestehen
.
Entsprechend gilt das von
Dr.
H.___
mit Wirkung ab 1
2.
April 2012 aus orthopädischer Sicht formulierte Belastungsprofil.
5.
5.1
Beim Einkommensvergleich stellte die Beschwerdegegnerin auf ein
Validenein
kommen
in angestammter Tätigkeit von
Fr.
57‘304.-- im Jahr 2012 ab mit dem Hinweis
, dieser Wert werde in Koordination mit der SUVA
übernommen
. Dieses Vorgehen ist unbestritten geblieben, allerdings angesichts des nicht
gesund
heitsbedingten
Verlusts der dieser Berechnungsweise zugrundeliegenden Arbeits
stelle (
Urk.
7/13
und
Urk.
7/48/93-96 S. 3
) nicht angezeigt
. Es
wirkt sich in Anbetracht des eher tiefen Verdienstes auch zuungunsten des Beschwerde
führers aus. Zur Ermittlung des
Valideneinkommens
ist stattdessen auf die
Tabellenlöhne
der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizeri
schen Lohnstrukturerhebung
(LSE)
abzustellen. Angesichts der fehlenden Aus
bildung ist
vom
Medianwert „Total
“ „
Männer
“
im Anforderungsniveau 4
(einfa
che und repetitive Tätigkeiten) auszugehen
.
5.2
Bis zum 1
2.
April 2012 war der Beschwerdeführer
nach Einschätzung der SUVA-Kreisä
rzte zu 100
%
arbeitsunfähig, woraus
sich
ein Invaliditätsgrad von 100
%
ergibt
.
5.3
Ab dem 1
2.
April 2012 war dem Beschwerdeführer eine rückenangepasste Tätig
keit wieder zu 100
%
zumutbar. Abzustellen ist wiederum auf den
Zent
ralwert
„Total“
für Männer im Anforderungsniv
eau 4, so dass
der
Invaliditäts
grad
im Ergebnis einem
allfä
lligen Abzug
vom Tabellenlohn gemäss BGE 126 V 75
en
t
spricht
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_215/2010 vom 2
0.
April 2010 E. 5.2 mit Hinweisen; ferner Urteil des Bundesgerichts 9C_311/2013 vom 1
2.
November 2013 E. 6.3).
Wollte man wegen der rückenbedingten Einschrän
kungen – wenn überhaupt
(Einschränkung auf leichte bis mittelschwere Tätig
keit begründet rechtsprechungsgemäss keinen Abzug, Urteil des Bundesgerichts 8C
_
3
8
4/2014 vom
3.
Juli 2014 E. 4.2)
– eine Lohneinbusse bejahen wäre höchstens ein Abzug von 5
%
vorzunehmen, womit
(
ab dem 12. April 2012
)
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
mehr resultiert
.
Angesichts der ab 1
2.
April 2012 (Untersuchungstag
) ausgewiesenen Verbesse
rung der Verhältnisse ist – nach Massgabe des
Art.
88a
Abs.
1 IVV (
Bundesge
richtsurteil
8C_670/2011 vom 1
0.
Februar 2012 E. 5.1; Dreimonatsfrist bei rückwirkender Zusprechung einer befristeten Rente) – die Befristung der ab
1.
Juni 2011 zugesprochenen ganzen Rente auf Ende Juli 2012 (statt Ende Juni
2012) festzulegen, was zu einer teilweisen Gutheissung der Beschwerde führt. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen
.
6.
Was den Eventualantrag auf
Zusprache
beruflicher Massnahmen betrifft
,
ist festzuhalten, dass
die Beschwerdegegnerin über die mit der Anmeldung zum Leistungsbezug ursprünglich beantragten beruflichen Massnahmen (vgl.
Urk.
7/4) bis anhin noch nicht befunden hat. Sie sind nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung, weshalb
insoweit auf die Beschwerde
nicht ein
zu
treten ist
.
7.
7.1
Die Gerichtskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und – angesichts des
gemessen am Antrag (sinngemäss Zusprechung einer unbefristeten Rente
sowie beruflicher Massnahmen
)
weit
überwiegenden Unterliegens
(Zusprechung
der Rente für einen
weiteren Monat)
–
dem
Beschwerdefü
hrer
zu
vier Fünfteln
und der Beschwerdegegnerin zu einem
Fünftel
aufzuerlegen.
7.2
Ausgangsgemäss hat
der
Beschwerdefü
hrer
Anspruch auf eine
Prozessent
schädigung
zu Lasten der Beschwerdegegnerin
(
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht)
, die a
ngesichts des bloss
sehr
geringen Obsiegens
auf
Fr.
3
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
festzulegen ist
.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde
wird die Verfügung der
Sozial
ver
siche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
5.
November 2013 insoweit abgeän
dert, als festgestellt wird, dass bis 3
1.
Juli 2012 Anspruch auf die ganze Rente besteht
.
Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wird.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem
Beschwerdefü
hrer
zu
vier Fünfteln
so
wie der Beschwerdegegnerin zu einem
Fünftel
auferlegt. Rechnung und Einzahlungs
schein werden den Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3
.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet,
dem
Beschwerdefü
hrer
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
3
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Fürsprecher Miroslav
Paták
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubOertli