# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f085041-4797-54de-b2ac-82ba19da6aef
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-12-21
**Language:** de
**Title:** Arealüberbauung. Einheit der Baueingabe und der Baubewilligung.
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0268/2016
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iii_nr._0268-2016_vom_21._dezember_2016.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
3. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE III Nr. 

R3.2015.00174 
0268/2016 

Entscheid vom 21. Dezember 2016 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Felix  Müller,  Baurichter  Eugen  Staub,  Ersatzrichterin 
Gabriele Kisker, Gerichtsschreiber Daniel Schweikert     

in Sachen 

Rekurrierende 

1. - 13  [….]  

gegen 

Rekursgegner 

1.  Gemeinderat X, [….]  

2.  YZ AG, [….] 

betreffend 

Gemeinderatsbeschluss vom 22. September 2015; Baubewilligung für Are-
alüberbauung, Kat.-Nrn. 11165 und 11168 
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 22. September 2015 erteilte der Gemeinderat X der YZ 

AG die baurechtliche Bewilligung für eine Arealüberbauung mit sechs Mehr-

familienhäusern und einer gemeinsamen Tiefgarage auf den Grundstücken 

Kat.-Nrn. 11165 und 11168 an der T.-Strasse. 

B. 

Mit Eingabe vom 2. November 2015 erhoben  [….] rechtzeitig Rekurs beim 

Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  und  beantragten  die  Aufhebung  des 

Beschlusses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurs-

gegnerschaft. 

C. 

Mit Verfügung vom 4. November 2015 wurde vom Rekurseingang Vormerk 

genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Mit Verfügung vom 23. November 2015 wurde das Rekursverfahren auf Er-

suchen  der  privaten  Rekursgegnerin  sistiert  und  die  Vernehmlassungsfrist 

abgenommen. 

E. 

Mit  Eingaben  vom  22.  April 2016 und  vom  25.  April 2016  reichten die  Vo-

rinstanz und die private Rekursgegnerin je eine Rekursantwort ein und er-

suchten um Fortsetzung des Verfahrens. Die Vorinstanz beantragte die Ab-

weisung des Rekurses unter Kostenfolge zulasten der Rekurrierenden. Die 

private  Rekursgegnerin  stellte  einen  Antrag  auf  Abweisung  des  Rekurses 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden. 

F. 

Mit  Verfügung  vom  27.  April  2016  wurde  das  Rekursverfahren  fortgesetzt 

und den Rekurrierenden Frist zur Replik angesetzt. 

R3.2015.00174 

Seite 2 

 
 
G. 

In den Replik- und Duplikschriften vom 18. Mai 2016 und vom 13. Juni 2016 

hielten die Rekurrierenden und die private Rekursgegnerin an ihren Anträgen 

fest. Die Vorinstanz verzichtete stillschweigend auf Duplik. 

H. 

Am 1. Juli 2016 führte die dritte Abteilung des Baurekursgericht im Beisein 

der Parteien einen Augenschein vor Ort durch. 

I. 

Auf die Ausführungen der Parteien und die Erkenntnisse des Augenscheins 

wird nachfolgend insoweit eingegangen, als dies für die Begründung des Ur-

teils erforderlich ist. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Von  der  Vereinigung  mit  zwei  sich  gegen  andere  Beschlüsse  richtenden 

Rechtsmittelverfahren (G.-Nrn. R3.2015.00173 und R3.2016.00023) ist ab-

zusehen.  Soweit  ein  Bedarf  zur Koordination  besteht,  wird  diesem mit  der 

gleichzeitigen Eröffnung der Entscheide in den drei Verfahren Genüge getan. 

2. 
Alle  Rekurrierenden  sind  Eigentümer  von  Grundstücken  in  unmittelbarer      

oder zumindest naher Nachbarschaft der Baugrundstücke. Im Lichte der vor-

gebrachten  Rügen  sind  sie  unstreitig  rekurslegitimiert  (§  338a  des  Pla-

nungs- und Baugesetzes [PBG]). Da auch die übrigen Prozessvoraussetzun-

gen erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten. 

3. 

Dem Baugesuch vom 27. April 2015 (act. 15.6) entsprechend erteilte die Vo-

rinstanz der YZ AG die baurechtliche Bewilligung für sechs Mehrfamilienhäu- 

R3.2015.00174 

Seite 3 

 
 
ser  mit  insgesamt  33  Wohnungen  und  einer  gemeinsamen  Tiefgarage  als 

Arealüberbauung auf den in der Wohnzone W2/1,9 gelegenen Grundstücken 

Kat.-Nrn. 11165 und 11168. 

Der  nordwestliche  Bereich  des  Grundstücks  Kat.-Nr.  11165  ist  mit  zwei 

Wohngebäuden  und  einem  Ökonomiegebäude 

(Versicherungsnum-

mern 1262, 1264 und 1266) überstellt. Diese Gebäude sind – so der ange-

fochtene Beschluss explizit (S. 2 unten) – nicht Gegenstand des Baugesu-

ches. 

4.1. 

Zusammengefasst rügen die Rekurrierenden als erstes eine Verletzung des 

Grundsatzes der Einheit der Baubewilligung, was sich insbesondere in einer 

nicht nachvollziehbaren Berechnung der Baumasse manifestiere. Offenbar 

sei (doch) geplant, auch den nordwestlichen, mit den drei erwähnten Altbau-

ten überstellten Bereich des Grundstücks Kat.-Nr. 11165 oder zumindest die 

Baumasse  von  zwei  der  drei  Altbauten  (Vers.-Nrn.  1262  und  1266)  in  die 

Arealüberbauung miteinzubeziehen, wie sich aus den Plänen ergebe. 

Gemäss § 73 Abs. 1 PBG sei eine vollständige Baueingabe zwingende Vo-

raussetzung für die Erteilung einer Arealüberbauungsbewilligung. Unter den 

gegebenen  Umständen  sei  die  Berechnung  der  zulässigen  Baumasse  be-

reits  im  Grundsatz  unzulässig,  da  Grundstücksfläche  respektive  Gebäude 

einbezogen  würden,  die  ausdrücklich  nicht  Gegenstand  des  Beschlusses 

seien, mit welchem einzig sechs neue Mehrfamilienhäuser bewilligt worden 

seien. Die Ausscheidung von "fiktiven Grundstücksflächen" für zwei der drei 

Altbauten sei ohnehin nicht nachvollziehbar und entbehre einer gesetzlichen 

Grundlage. 

4.2. 

Rund vier Monate nach Erlass des hier angefochtenen Beschlusses vom 22. 

September  2015  und  während  der  Sistierung  des  Rekursverfahrens  (vgl. 

lit. D und E der Prozessgeschichte) bewilligte die Vorinstanz mit Gemeinde-

ratsbeschluss vom 19. Januar 2016 einen Umbau des Gebäudes Vers.-Nr. 

1262 sowie einen Neubau anstelle des Ökonomiegebäudes Vers.-Nr. 1264. 
Auch gegen diesen Beschluss erhoben die Rekurrierenden Rekurs (Verfah-

ren  G.-Nr.  R3.2016.00024).  Die  Vorinstanz  erklärte  im  Beschluss  vom  19. 

R3.2015.00174 

Seite 4 

 
 
Januar 2016, dass damit ein "Bestandteil" respektive der zweite Teil der be-

reits  mit  Beschluss  vom  22.  September 2015  bewilligten  Arealüberbauung 

bewilligt  werde.  Bei  dem  Beschluss  vom  22. September  2015  soll  es  sich 

folglich – wie erst aus dem Beschluss vom 19. Januar 2016 vollends klar wird 

– nur um den ersten Teil ein- und derselben Arealüberbauung gehandelt ha-

ben. 

4.3. 

Die  Vorinstanz  erklärt zusammengefasst, es treffe  zu,  dass die Arealüber-

bauung in zwei Teilen bewilligt worden sei. Dies rühre einerseits daher, dass 

betreffend das inventarisierte Gebäude Vers.-Nr. 1262 zunächst ein Schutz-

vertrag  habe  erarbeitet  werden  müssen  (auch  gegen  den  diesbezüglichen 

Genehmigungsbeschluss  erhoben  die  Rekurrierenden  Rekurs;  vgl. hierzu 

das Verfahren G.-Nr. R3.2015.00173), und andererseits von "Überarbeitun-

gen"  der  Arealüberbauung.  Gleichwohl  gründeten  die  Beschlüsse  vom 

22. September 2015 und vom 19. Januar 2016 auf ausreichenden und ganz-

heitlichen Beurteilungsgrundlagen. So habe etwa der Umgebungsplan stets 

alle Gebäude umfasst. Zudem habe im Zeitpunkt der Bewilligung des ersten 

Teils der Arealüberbauung das Baugesuch für den zweiten Teil bereits vor-

gelegen, weshalb die notwendige Gesamtbeurteilung schon am 22. Septem-

ber 2015 möglich gewesen sei. Spätestens mit der Bewilligung des zweiten 

Teils der Arealüberbauung am 19. Januar 2016 sei der Rüge eines Verstos-

ses gegen § 73 Abs. 1 PBG das Fundament entzogen. Die Baumassenbe-

rechnung für die gesamte Arealüberbauung werde im Beschluss vom 19. Ja-

nuar 2016 erörtert und sei korrekt und nachvollziehbar. 

4.4. 

Auch die private Rekursgegnerin hält zusammengefasst dafür, dass ein al-
lenfalls  vorhanden  gewesener  Mangel  jedenfalls  mit  dem  Erlass  des  Be-

schlusses vom 19. Januar 2016 geheilt worden sei. Das Areal sei stets im 

Gesamten im Auge behalten worden. 

5.1. 

Arealüberbauungen im Sinne von §§ 69 - 73 PBG sind Überbauungen von 
Grundstücken mit einer bestimmten, in der Bauordnung festgesetzten Min-
destfläche  nach  Massgabe  einer  einheitlichen  Baueingabe  (§  73  Abs. 1 

R3.2015.00174 

Seite 5 

 
 
PBG; Christoph Fritzsche/Peter Bösch/Thomas Wipf, Zürcher Planungs- und 

Baurecht, 5. Aufl., Zürich 2011, Bd. 1, S. 134 ff., auch zum Nachfolgenden). 

Arealüberbauungen dürfen je nach den Bestimmungen der Bau- und Zonen-

ordnung (BZO) von der Regelbauweise und von den kantonalen Mindestab-

ständen abweichen (§ 72 Abs. 1 PBG). Im Gegenzug für diese Privilegierung 

gelten erhöhte Anforderungen in Bezug auf die Gestaltung, Einordnung, Um-

gebung und Wohnqualität. Gemäss § 71 PBG müssen die Bauten und Anla-

gen sowie deren Umschwung besonders gut  gestaltet sowie zweckmässig 

ausgestattet  und  ausgerüstet  sein  (Abs. 1).  Arealüberbauungen  können 

auch  bereits  überbaute  Grundstücke  umfassen,  wenn  die  Überbauung  als 

Ganzes den Anforderungen genügt (Abs. 3; vgl. etwa VB.2016.00217 vom 

15. September 2016; www.vrg.zh.ch). Bei der Beurteilung einer Arealüber-

bauung  sind unter anderem die Beziehung zum  Orts- und  Landschaftsbild 

sowie  Umfang  und  Gestaltung  der  Freiflächen  zu  beachten.  Ob  diese  ge-

setzlich verlangten Voraussetzungen erfüllt sind, lässt sich nur anhand um-

fassender Planungsunterlagen beurteilen. Aus diesem Grund setzt § 73 Abs. 

1 PBG wie erwähnt eine vollständige Baueingabe im Sinne von § 310 Abs. 

1 PBG voraus.  

Ein Arealüberbauungsvorhaben ist samt seiner Umgebungsgestaltung in ei-
nem einzigen und einheitlichen Baubewilligungsverfahren zu prüfen. Andern-
falls entstehen den Nachbarn unter Umständen nicht leicht wieder gutzuma-

chende  Nachteile,  da  sie  sich  über  das  Projekt  nur  lückenhaft  orientieren 

können und ihnen eine genaue Beurteilung der Auswirkungen des Bauvor-

habens  auf  ihre  Grundstücke  verunmöglicht  oder  zumindest  erheblich  er-

schwert wird. Ferner ist auch nicht auszuschliessen, dass der Entscheid über 

die baurechtliche Bewilligung bei einer etappenweisen Überprüfung – jeweils 

kleinere Mängel, die für sich allein nicht zur Aufhebung der Baubewilligung 

führen – anders ausfällt als bei einer einheitlichen und gesamthaften Beur-
teilung des Bauvorhabens. Wenn aber die Nachbarn wegen solcher Verfah-

rensmängel (unter Umständen) ihre Rechte nicht wahren konnten, führt dies 

nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts zur Aufhebung der Bau-

bewilligung und zur Rückweisung an die zuständige Behörde zwecks Durch-

führung  eines  gesetzes-  und 

verordnungskonformen  Verfahrens 

(VB.97.00129 in RB 1997 Nr. 81; zum Grundsatz der Einheit des Baubewil-
ligungsverfahrens siehe auch VB 88/0165 = RB 1989 Nr. 83 = BEZ 1989 Nr. 

14). 

R3.2015.00174 

Seite 6 

 
 
5.2. 

Das eben Ausgeführte hat auch vorliegend zu gelten. Wenn die Vorinstanz 

erklärt, sie habe stets das gesamte Bauvorhaben im Blick gehabt, da ihr die 

Pläne für den "zweiten Teil" der Arealüberbauung am 22. September 2015 

bereits bekannt gewesen seien, verkennt sie die eben umschriebene, insbe-

sondere auch nachbarschützende Funktion einer vollständigen Baueingabe, 

welche in einem einzigen und einheitlichen Verfahren zu überprüfen ist und 

entsprechend  auch  in  eine  Baubewilligung  für  eine  Arealüberbauung  zu 

münden  hat.  Den  Rekurrierenden  war  die  von  der  Vorinstanz  behauptete 

Gesamtbetrachtung jedenfalls nicht möglich. Selbstredend ist es auch nicht 

Aufgabe  des  Baurekursgerichts,  auf  Ebene  der  ersten  Rechtsmittelinstanz 

aus zwei oder – wie vorliegend – letztlich gar drei vorinstanzlichen Beschlüs-
sen eine Bewilligung für eine Arealüberbauung zusammenzustellen. 

Die Unzulässigkeit des vorinstanzlichen Vorgehens  zeigt sich gerade etwa 

in  Bezug  auf  die  von  den  Rekurrierenden  gerügte  Berechnung  der  Bau-

masse, welche aufgrund der Baugesuchsunterlagen tatsächlich nicht nach-

vollziehbar ist. Es geht selbstredend nicht an, die Gebäude Vers.-Nrn. 1262, 

1264 und 1266 gemäss den erwähnten Erwägungen im angefochtenen Be-

schluss explizit auszuschliessen respektive gar auf eine "separate Bauein-

gabe" zu verweisen (act. 15.7.2), um die Gebäude dann aber bei der Berech-

nung  der  Baumasse  offenkundig  doch  –  irgendwie  –  zu  berücksichtigen. 

Hinzu kommt, dass die in der Baumassenberechnung (act. 15.7.14) vorge-

nommene Rückrechnung von – nicht näher begründeten und aufgrund der 

Unterlagen auch nicht überprüfbaren – angeblichen fiktiven Baumassen der 

Gebäude Vers.-Nr. 1262 und 1266 auf zugehörige "fiktive Parzellenflächen" 

einer gesetzlichen Grundlage entbehrt. Selbst wenn diese Vorgehensweise 

zulässig  und  die  geplante  Baumasse  namentlich  des  Gebäudes  Vers.-Nr. 

1262  –  welches der Arealüberbauung mit dem erwähnten Beschluss vom 
19.  Januar 2016  zusammen  mit einem  Neubau  anstelle  des  Ökonomiege-

bäudes Vers.-Nr. 1264 quasi nachträglich angehängt werden soll – nachvoll-

ziehbar wäre, bestünde gerade bei diesem (inventarisierten, aus dem Jahr 

1798  stammenden)  Gebäude  angesichts  des  grosszügigen  Gebäudeum-

schwungs (vgl. etwa Prot. S. 15, Foto 7) kein Grund, von einer nach Mass-

gabe  der  heutigen  Baumassenziffer  von  1.9  vollständig  ausgenützten  und 
entsprechend  zu  dem  Gebäude  gehörenden  möglichst  kleinen  fiktiven 
Grundstücksfläche auszugehen. Diese Annahme erfolgte offenkundig einzig 
zwecks Erzielung einer möglichst grossen Restparzellenfläche, auf welcher 

R3.2015.00174 

Seite 7 

 
 
dann bei der Baumassenberechnung für die sechs Neubauten noch der Mi-

nergie-P-Bonus von (weiteren) 10 % hinzu geschlagen werden konnte (Art. 

25 Abs. 5 BZO).  

5.3. 

Dass die etappierte Vorgehensweise der Vorinstanz vorliegend unhaltbar ist, 

zeigt sich auch etwa bei der "bewilligten" Umgebungsgestaltung. Zwar findet 

sich  bei  den  Akten  ein  Umgebungsplan  mit  Datum  vom  27.  April  2015 

(act. 15.7.16). Wie bei der Berechnung der Baumasse werden aber auch hier 

die Gebäude Vers.-Nr. 1262 und 1266 sowie der Neubau anstelle des Öko-

nomiegebäudes Vers.-Nr. 1264 zumindest summarisch miteinbezogen, ob-

gleich  diese  Gebäude  bekanntlich  gar  nicht  Gegenstand  des  Beschlusses 

sein  sollen.  Gerade  bei  dem  Gebäude  Vers.-Nr.  1262  ist  unklar,  wie  eine 

gesamthafte  Beurteilung  der  Umgebungsgestaltung  je  hätte  erfolgen  kön-

nen. Das Gebäude wurde erst nachträglich unter Schutz gestellt (Verfahren 

G.-Nr.  R3.2015.00173)  und  überdies  mit  Beschluss  vom  19. Januar  2016 

(Verfahren  G.-Nr.  R3.2016.00023)  nur  unter  diversen  eingreifenden  Aufla-

gen  (worunter  namentlich  die  Pflicht  zur  Nachreichung  eines  detaillierten 

Umgebungsplans  zum  Garten  mit  Höhenkoten,  Materialisierung  und  Be-

pflanzung)  nachträglich  als  zur  Arealüberbauung  zugehörig  erklärt.  Es  er-

folgte  offensichtlich  keine  ganzheitliche,  geschweige  denn  aus  Sicht  der 

Nachbarn  gar  nachvollziehbare  und  überprüfbare  Bewertung  der  Umge-

bungsgestaltung der gesamten Arealüberbauung. 

5.4. 

Mit Recht weisen die Rekurrierenden im Übrigen darauf hin, dass die Bewil-

ligung einer Arealüberbauung in zwei separaten, miteinander nicht verknüpf-

ten Beschlüssen zur Folge haben könnte, dass die private Rekursgegnerin 
überhaupt nur die Baubewilligung für sechs Mehrfamilienhäuser in Anspruch 

nimmt und auf den "zweiten Teil" der Arealüberbauung hernach verzichtet. 

Diesfalls hülfe entgegen vorinstanzlicher Ansicht auch § 328 PBG (Massnah-

men  bei  längerem  Unterbruch  der  Bauarbeiten)  nicht  weiter.  In  Bezug  auf 

den Beschluss vom 19. Januar 2016 betreffend den zweiten Teil der Areal-

überbauung läge nämlich kein Unterbruch von Bauarbeiten, sondern schlicht 

ein rechtlich nicht zu verhindernder Verzicht auf die Inanspruchnahme einer 
Polizeierlaubnis vor. 

R3.2015.00174 

Seite 8 

 
 
5.5. 

Zusammengefasst  ist der Beschluss  vom  22.  September 2015  in Gutheis-

sung des Rekurses aufzuheben. 

6.1. 

Aufgrund dieses Ergebnisses kann die Prüfung weiterer Rügen (namentlich 

in Bezug auf die von den Rekurrierenden bestrittene besonders gute Gestal-

tung  der  Arealüberbauuung)  grundsätzlich  unterbleiben.  Gleichwohl  ist  im 

Sinne einer Dienstleistung für die Parteien wenigstens eine weitere Rüge zu 

erwähnen, welche sich offenkundig als begründet erwiese. 

6.2. 

Den Akten des Verfahrens G.-Nr. R3.2015.00173 (act. 16.7, Anhang) lässt 

sich entnehmen, dass auf den Baugrundstücken Kat.-Nrn. 11165 und 11168 

ein  im  Inventar der Natur-  und  Landschaftsschutzobjekte  von  kommunaler 

Bedeutung als Objekt Nr. 137 verzeichneter Obstgarten situiert ist. Die Vo-

rinstanz überging diesen Umstand vollends, indem sie darauf weder in der 

Ausschreibung des Bauvorhabens hinwies (was eine Verletzung der Begrün-

dungspflicht darstellt: VB.2011.00692 vom 21. März 2012, E. 1.2.3 f.), noch 

sich im Baubewilligungsverfahren und im hier angefochtenen Beschluss mit 

dem Inventareintrag in irgendeiner Weise auseinandersetzte. Unter diesen 

Umständen  wäre  die  erst  in  der  Replik  vorgetragene  Rüge  entgegen  vo-

rinstanzlicher Ansicht nicht verspätet, zumal das Rügeprinzip das Überprü-
fungsrecht  der  Rekursinstanz  ohnehin  nicht  einschränkt  (VB.2014.00245 

vom 4. Dezember 2014, E. 3.3 f.). 

Gemäss § 203 Abs. 2 PBG erstellen die für Schutzmassnahmen zuständi-

gen Behörden Inventare. Diese sollen eine Bestandesaufnahme der in Be-
tracht  fallenden  Schutzobjekte  ermöglichen.  Die  Erstellung  der  Inventare 

bzw. die Inventaraufnahme als solche bewirkt (noch) keinen Schutz; soll ein 

inventarisiertes Objekt dauernd geschützt werden, bedarf es der Umsetzung 

in verbindliche Schutzmassnahmen. Indes begründet das Inventar die Ver-

mutung der Schutzwürdigkeit der verzeichneten Objekte und die zuständige 

Behörde ist verpflichtet, sich mit dieser Vermutung auseinander zu setzen. 
Diese  Auseinandersetzung  erfolgt  beim  Entscheid  darüber,  ob  eine  dau-

ernde Schutzmassnahme anzuordnen sei. Dabei kann dieser Entscheid ent-

weder in einer definitiven Unterschutzstellung, womit die durch das Inventar 

R3.2015.00174 

Seite 9 

 
 
begründete Vermutung in eine definitive Schutzmassnahme umgesetzt wird, 

oder in einer Entlassung aus dem Inventar bestehen. Der dauernde Schutz 

von Objekten des Natur- und Heimatschutzes erfolgt kraft § 205 PBG durch 

Massnahmen  des  Planungsrechts  (lit. a),  durch  Verordnung  (lit. b),  Verfü-

gung (lit. c) oder Vertrag (lit. d). Gefährdet ein Bauprojekt ein inventarisiertes 

Objekt,  so  hat  das  Gemeinwesen  vorab  einen  Schutzentscheid  zu  treffen, 

das heisst Schutzmassnahmen anzuordnen oder ganz oder teilweise darauf 

zu verzichten. Die Gefährdung eines Objektes ist dann anzunehmen, wenn 

die geplanten baulichen Massnahmen Teile des Objektes betreffen, die er-

haltenswert sind oder deren Änderung oder Ersetzung Gegenstand von Re-

gelungen in der Schutzverfügung sein könnten. Im Zweifelsfall ist stets ein 

förmlicher Schutzentscheid zu fällen. Nur klare Fälle rechtfertigen einen Ver-

zicht hierauf (BRKE IV Nr. 0043/2009 in BEZ 2009 Nr. 47). 

Zwar ist festzuhalten, dass anlässlich des Augenscheins ein Obstgarten je-

denfalls im Sinne des im Inventarblatt umschriebenen (insgesamt 28 Hoch-

stammbäume)  nicht  zu  erkennen  war.  Vorhanden  waren  indes    einzelne 

Bäume rund um das Gebäude Vers.-Nr. 1262 (Prot. S. 12 f., Fotos 1 ff.). Ob 

diese Bäume Teil des inventarisierten – wenngleich offenkundig nicht mehr 

vollständig vorhandenen – Obstgartens sind, ist ebenso unbekannt wie das 

Schicksal allfälliger weiterer Bäume. Immerhin wird im Inventarblatt jedoch 

ausdrücklich als Ziel definiert, den Baumbestand zu erhalten und bei Abgän-

gen zu remontieren. Ein klarer Fall, der einen Verzicht auf einen Schutzent-

scheid  rechtfertigte, 

liegt  unter  diesen  Umständen  nicht  vor  (vgl. 

VB.2011.00370 vom 14. September 2011, insb. Erw. 2.5 f.). Vielmehr wäre 

die Vorinstanz vorliegend verpflichtet gewesen, sich vorgängig der Bewilli-

gung des Bauvorhabens mit dem Inventareintrag betreffend den Obstgarten 

auseinanderzusetzen  und  gegebenenfalls  einen  Schutzentscheid  oder  zu-

mindest eine formell korrekte Entlassung des Obstgartens aus dem Inventar 
zu beschliessen. Mithin erwiese sich auch diese Rüge begründet und wäre 

der Rekurs auch aus diesem Grunde gutzuheissen. 

7. 

Zusammengefasst  ist  der  Rekurs  gutzuheissen.  Dementsprechend  ist  der 

Beschluss  des Gemeinderats X vom 22. September 2015 aufzuheben. 

[….] 

R3.2015.00174 

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