# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c71744da-6149-5e89-a5b2-bf41a62a1039
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-08-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.08.2015 E-6509/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6509-2014_2015-08-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6509/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  A u g u s t  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Daniel Willisegger, Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiber Nicholas Swain. 

   

Parteien 

 
A._______, 

Beschwerdeführerin 1, 

B._______, 

Beschwerdeführer 2, 

C._______, 

Beschwerdeführerin 3, 

Somalia,  

vertreten durch D._______,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 14. Oktober 2014 / N (…). 

 

 

E-6509/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Eingabe an das SEM vom 8. September 2011 ersuchte der in der 

Schweiz vorläufig aufgenommene D._______ darum, es sei den Be-

schwerdeführenden 1–3 sowie seiner Mutter E._______ und seinen Ge-

schwistern F._______, G._______ sowie H._______ die Einreise in die 

Schweiz zur Durchführung eines Asylverfahrens zu bewilligen. 

B.  

Mit Schreiben vom 1. Dezember 2011 reichte D._______ durch seine Mut-

ter und die Beschwerdeführerin 1 unterzeichnete Vollmachten ein. 

C.  

Mit an D._______ gerichteter Zwischenverfügung vom 18. Februar 2014 

stellte das SEM fest, es würden bisher keine persönlichen Willensäusse-

rungen von E._______ sowie der volljährigen Geschwister A._______ (Be-

schwerdeführerin 1) und F._______ vorliegen, weshalb kein zulässig ge-

stelltes Asylgesuch vorliege. D._______ wurde aufgefordert, innert Frist 

eine persönliche Stellungnahme der erwähnten Personen einzureichen 

und den aktuellen Aufenthaltsort der gesuchstellenden Personen sowie 

weitere konkrete Informationen in Bezug auf deren derzeitige Situation am 

Aufenthaltsort bekanntzugeben. 

D.  

Mit Schreiben vom 18. März 2014 teilte D._______ mit dass seine Mutter 

und die Geschwister G._______ und H._______ sich noch in Somalia auf-

halten würden, die Beschwerdeführenden 1–3 und ihr Bruder F._______ 

seien aber nach Äthiopien ausgereist und lebten derzeit in Addis Abeba. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 7. April 2014 forderte das SEM E._______ so-

wie ihre Kinder H._______ und G._______ unter Beilage eines Fragenka-

talogs dazu auf, ergänzende schriftliche und persönlich unterzeichnete An-

gaben zu ihren Asylgründen zu den Akten zu reichen, und gewährte ihnen 

das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Abweisung ihres Asylgesuchs. 

F.  

Mit Schreiben vom 9. April 2014 forderte das SEM D._______ dazu auf, 

die Kontaktdaten der gesuchstellenden Personen bekanntzugeben. 

E-6509/2014 

Seite 3 

G.  

Mit Schreiben vom 15. April 2015 teilte D._______ den Wohnort und eine 

Telefonnummer der Beschwerdeführenden und des Bruders F._______ mit 

und erklärte andererseits, seine Mutter E._______ und die Geschwister 

G._______ und H._______ seien auf der Flucht und er verfüge nicht über 

ihre Kontaktdaten.  

H.  

Am 27. Mai 2014 fanden Anhörungen der Beschwerdeführenden 1–3  

sowie ihres Bruders F._______ durch die Schweizerische Botschaft in Ad-

dis Abeba statt. 

I.  

Zur Begründung der Asylgesuche wurde im Wesentlichen Folgendes vor-

gebracht: 

Die Beschwerdeführenden würden aus Mogadischu stammen. Im Jahre 

2007 seien sie nach I._______ umgezogen, wo sie ‒ abgesehen von einem 

Aufenthalt in Mogadischu im Jahre 2009 ‒ bis zur Ausreise gelebt hätten. 

Im Dezember 2010 hätten Angehörige der Al Shabaab ihre Schwester 

J._______ verschleppt, um sie zwangsweise zu verheiraten. Auch ihre Brü-

der K._______ und L._______, welche J._______ hätten beschützen wol-

len, seien von den Al Shabaab mitgenommen worden und seien seither 

verschwunden. Kurz darauf habe sich ihr Vater der Miliz "Ahlu Sunna" an-

geschlossen, welche gegen die Al Shabaab kämpfe, und sie hätten seither 

kein Lebenszeichen mehr von ihm erhalten. Die Al Shabaab hätten zwei-

mal, das letzte Mal im Januar 2014, auch den Beschwerdeführerinnen 1 

und 3 damit gedroht, sie zwangsweise zu verheiraten. Zudem hätten sie 

den Beschwerdeführer 2 aufgefordert, sich ihnen anzuschliessen. Aus die-

sen Gründen seien die Beschwerdeführenden im Januar 2014 nach Äthio-

pien ausgereist. Sie würden sich seither illegal in M._______, in der Um-

gebung von Addis Abeba, aufhalten und von ihrem in der Schweiz leben-

den Bruder finanziell unterstützt. Da sie in Äthiopien kein Aufenthaltsrecht 

hätten, könnten sie keine sozialen Unterstützungsleistungen beanspru-

chen und ihren Lebensunterhalt nicht selber sicherstellen.  

J.  

Mit Schreiben vom 26. August 2014 teilte D._______ mit, sein Bruder 

F._______ befinde sich zurzeit in Libyen. 

E-6509/2014 

Seite 4 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. September 2014 forderte das SEM 

D._______ auf, mehrere Fragen zum Grund der Ausreise F._______ nach 

Libyen und seinem derzeitigen Aufenthaltsort zu beantworten. 

Mit Schreiben vom 5. September 2014 nahm D._______ Stellung zu den 

gegenwärtigen Lebensverhältnissen von F._______ in Libyen. 

L.  

Mit Verfügung vom 14. Oktober 2014 trat das SEM auf das Asylgesuch von 

E._______, H._______ und G._______ mangels Höchstpersönlichkeit 

nicht ein. 

M.  

Mit Verfügung vom 14. Oktober 2014 – eröffnet am 20. Oktober 2014 ‒ 

wies das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführenden 1–3 sowie  

ihres Bruders F._______ ab und verweigerte ihre Einreise in die Schweiz. 

N.  

Mit Eingabe vom 7. November 2011 an das Bundesverwaltungsgericht 

äusserte D._______ die Absicht eine Beschwerde gegen die Verfügung 

des SEM betreffend das Asylgesuch aus dem Ausland seiner gegenwärtig 

in Äthiopien wohnhaften Familienmitglieder zu erheben. 

O.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. November 2014 nahm der Instruktions-

richter die Eingabe vom 7. November 2014 als fristgerechte Beschwerde-

erklärung entgegen und forderte D._______ zur Beschwerdeverbesserung 

auf (Eingabe mit Rechtsbegehren und entsprechender Begründung). 

P.  

Mit fristgerechter Eingabe vom 4. Dezember 2014 reichte der Rechtsver-

treter eine rechtsgenügliche Beschwerdeschrift ein. In dieser wurde bean-

tragt, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei den Be-

schwerdeführenden 1–3 die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, es sei 

ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl, eventualiter die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. In der Beilage wurden mehrere Be-

richte von Amnesty International, des Amts des Hohen Flüchtlingskommis-

sars der Vereinten Nationen (UNHCR) und der Deutschen Welle zur allge-

meinen Lage in Somalia sowie zur Situation somalischer Flüchtlinge in Ke-

nia und Äthiopien eingereicht. 

E-6509/2014 

Seite 5 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht.  

1.4 In der Verbesserungseingabe vom 4. Dezember 2014 werden ein-

gangs nur die Geschwister A._______, B._______ und C._______ na-

mentlich genannt. Auch inhaltlich ist in der Beschwerdeschrift nur von den 

in Äthiopien wohnhaften Geschwistern die Rede, und in den Beschwerde-

anträgen wird ausdrücklich die Bewilligung der Einreise von drei Geschwis-

tern beantragt. Es ist demnach davon auszugehen, dass sich die vorlie-

gende Beschwerde nur auf die Geschwister A._______, B._______ und 

C._______ bezieht und die Verfügung des SEM vom 14. Oktober 2014, 

soweit sie sich auf den Bruder F._______ bezieht, unangefochten in 

Rechtskraft erwachsen ist. 

1.5 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil-

genommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-

weise Änderung. Aufgrund der Aktenlage kann der Rechtsvertreter als be-

vollmächtigt erachtet werden und ist daher zur Einreichung der vorliegen-

den Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 

sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

E-6509/2014 

Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (zur Kognition im 

Beschwerdeverfahren betreffend Ausland-Asylgesuche vgl. auch BVGE 

2015/2). 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech-

nung zu tragen (Art. 3 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.3 Gemäss der Übergangsbestimmung zur Änderung des Asylgesetzes 

vom 28. September 2012 (in Kraft getreten am 29. September 2012) gelten 

für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 

28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 

52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung. 

4.4 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer 

Schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an 

das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG); die Einreichung des Ge-

suchs direkt beim BFM schadet nicht (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3). Hinsicht-

lich des Verfahrens bei der Schweizerischen Vertretung im Ausland sieht 

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Seite 7 

aArt. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen 

(AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der 

Regel eine Befragung durchführt. Ist eine solche Anhörung im Ausland 

nicht möglich, ist die asylsuchende Person gemäss aArt. 10 Abs. 2 AsylV 

1 aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (vgl. zum Ablauf des 

erstinstanzlichen Ausland-Asylverfahrens BVGE 2007/30 E. 5). 

4.5 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset-

zungen, wobei den Behörden ein weiter Beurteilungsspielraum zukommt. 

Nach aArt. 20 Abs. 2 und 3 AsylG ist die Einreise in die Schweiz zu bewil-

ligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus ei-

nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird, das heisst im 

Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung, oder 

aber wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein wei-

terer Aufenthalt im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in ei-

nen Drittstaat nicht zumutbar erscheint (vgl. BVGE 2015/2 E. 5 ff., 2007/19 

E. 3.2). Nach aArt. 52 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland befin-

det, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden kann, sich 

in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwendung 

von aArt. 52 AsylG ist in einer Gesamtschau zu prüfen, ob es aufgrund der 

ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die 

den angesichts der bestehenden Gefährdung erforderlichen Schutz ge-

währen soll. Bei dieser Beurteilung sind namentlich die persönliche Bezie-

hung zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen an-

deren Staat, die Qualität allfälliger Beziehungen zu anderen Staaten, die 

praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit der anderweitigen 

Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilati-

onsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Damit aArt. 52 AsylG zur Anwen-

dung kommen kann, muss als Grundvoraussetzung eine Gefährdung im 

Sinn von Art. 3 AsylG vorliegen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 m.w.H.). 

5.  

5.1 Das BFM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung im We-

sentlichen aus, gemäss öffentlich zugänglichen Quellen seien die Al 

Shabaab bereits im August 2011 aus Mogadischu und den umliegenden 

Gebieten vertrieben worden und es herrsche dort keine Situation extremer 

allgemeiner und verbreiteter Gewalt mehr, die für in dieser Stadt wohnhafte 

Person zu einer ernsthaften Gefahr unmenschlicher Behandlung im Sinne 

von Art. 3 EMRK führen würde. Vor diesem Hintergrund sei es als unglaub-

haft zu bewerten, dass die Beschwerdeführenden noch im Januar 2014 

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Seite 8 

durch die Al Shabaab mit Zwangsheirat beziehungsweise Zwangsrekrutie-

rung bedroht worden seien. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, 

dass sie von den Kriegshandlungen in Somalia betroffen gewesen sei; es 

sei aber nicht glaubhaft dargelegt worden, dass es zu gezielten Verfol-

gungsmassnahmen durch die Al Shabaab oder Dritte gekommen sei. Die 

allgemeine Unsicherheit in gewissen Teilen Somalias aufgrund der Kampf-

handlungen zwischen der Übergangsregierung und verschiedenen Milizen 

würden die gesamte somalische Bevölkerung in gleichem Masse treffen. 

Es würden sich aus den Akten keine konkreten oder glaubhaft dargelegten 

Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Beschwerdeführenden in Somalia 

ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden oder 

Dritten gehabt hätten oder ihnen solche gedroht hätten.  

5.2 Zur Begründung der Beschwerde wurde darauf hingewiesen, dass 

auch nach dem Rückzug der Al Shabaab im Sommer 2011 noch viele Mit-

glieder dieser Miliz im Flüchtlingscamp N._______, leben würden. Vor al-

lem Frauen und Kinder seien von diesen belästigt, erpresst, vergewaltigt 

und auf andere Weise unter Druck gesetzt worden. Es sei in der Region 

Mogadischu noch in keiner Weise Ruhe und Sicherheit eingekehrt. Na-

mentlich sei am 3. Dezember 2014 ein Selbstmordanschlag auf einen Kon-

voi der Vereinten Nationen verübt worden, zu dem sich die Al Shabaab be-

kannt hätten. Gerade sexuelle Gewalt sei in Somalia weit verbreitet. Ferner 

sei auch die Situation in Äthiopien unerträglich. Die Al Shabaab seien auch 

dort in Kämpfe verwickelt, würden Flüchtlingscamps angreifen und junge 

Frauen entführen. In diesen äthiopischen Zentren mangle es zudem an 

Unterkünften, Essen und medizinischer Versorgung. Frauen seien Belästi-

gungen und sogar Vergewaltigungen ausgesetzt, und die äthiopische Poli-

zei sei weder schutzfähig noch schutzwillig. Da die Situation der Beschwer-

deführinnen als alleinstehende Frauen besonders schwierig gewesen sei, 

seien sie in einen Vorort von Addis Abeba umgezogen, würden aber in 

ständiger Furcht vor einer Vergewaltigung, Entführung oder Zwangsheirat 

leben. Im Übrigen bemühe sich ihr in der Schweiz lebender Bruder um die 

Erlangung wirtschaftlicher Unabhängigkeit und sei willens, ihren Lebens-

unterhalt sicherzustellen.  

6.  

6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass sich die Erwägungen der Vorinstanz im Ergebnis als zutref-

fend erweisen: 

E-6509/2014 

Seite 9 

6.2 Zwar wurde in der angefochtenen Verfügung zu Recht darauf hinge-

wiesen, dass Al Shabaab im August 2011 von Mogadishu und den umlie-

genden Gebieten vertrieben worden ist (vgl. diesbezügliche Abklärungen 

des Bundesverwaltungsgerichts im Urteil E-3506/2013 vom 17. Februar 

2013 E. 6.2 mit Hinweisen auf mehrere öffentliche Quellen sowie BVGE 

2013/27 E. 8.5.4). Indessen ist festzustellen, dass nach Kenntnis des Ge-

richts die Al Shabaab insbesondere in N._______, dem letzten Wohnort 

der Beschwerdeführenden in Somalia, auch in der Folgezeit noch aktiv wa-

ren und es dort zu Kampfhandlungen zwischen diesen und Regierungs-

truppen kam (vgl. BVGE 2014/27 E. 5.4 S. 445 f.). Dieser Umstand recht-

fertigt es jedoch nicht, ohne weiteres auf eine begründete Furcht der Be-

schwerdeführenden vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu schlies-

sen. Ihre Schilderungen betreffend die angeblich gegen sie ausgesproche-

nen Drohungen mit Zwangsverheiratung beziehungsweise Zwangsrekru-

tierung erscheinen als auffällig vage und stereotyp. Ein Zusammenhang 

mit der Entführung ihrer Geschwister und dem Verschwinden ihres Vaters, 

welche sich rund drei Jahre zuvor ereignet haben sollen, ist nicht ersichtlich 

und wird auch nicht geltend gemacht. Jedenfalls besteht kein hinreichen-

der Grund zur Annahme, dass sie konkrete, asylrechtlich relevante Nach-

teile erlitten hätten oder ihnen im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimat-

land solche gedroht hätten. Vielmehr drängt sich der Schluss der Vo-

rinstanz auf, wonach die geltend gemachten Nachteile auf die allgemeinen 

Kriegswirren zurückzuführen sind, die einen Grossteil der somalischen Be-

völkerung betrafen. Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführenden 

fehlt es vor diesem Hintergrund aber an einer asylrelevanten Gefährdung 

im Sinne von Art. 3 AsylG.    

6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen-

den nicht gelungen ist, eine unmittelbare Gefährdung im Sinne von Art. 3 

AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen und ihnen deshalb die Ein-

reise in die Schweiz von vornherein nicht bewilligt werden kann. Es erübrigt 

sich daher, auf die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe zur Frage der 

Zumutbarkeit des Verbleibs in Äthiopien und die hierzu eingereichten La-

geberichte sowie auf die geltend gemachte Beziehungsnähe zur Schweiz 

einzugehen. Das Gesuch um Bewilligung der Einreise zur Durchführung 

eines Asylverfahrens und die Gewährung von Asyl wurde von der Vor-

instanz zu Recht abgelehnt.  

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

E-6509/2014 

Seite 10 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und Abs. 5 VwVG). Aus verwal-

tungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 Bst. b 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf die Er-

hebung von Verfahrenskosten zu verzichten.   

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6509/2014 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die schwei-

zerische Vertretung in Äthiopien. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Markus König Nicholas Swain