# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3153154c-f90c-57c9-a438-7a6e00f750cb
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1995-06-30
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 30.06.1995 JAAC 60.54
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-60-54--_1995-06-30.pdf

## Full Text

JAAC 60.54

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 30. Juni 1995 in Sachen

R. gegen Schweizerische Genossenschaft für Getreide
und Futtermittel; 94/KB-001

Versement ultérieur des suppléments de prix sur les denrées
fourragères; prescription; principe de la bonne foi; interdiction de
l’arbitraire.

1. Art. 12 en relation avec l’art. 11 DPA. Prescription de l’obligation de
payer ultérieurement des taxes n’ayant, à tort, pas été prélevées.

L’obligation de s’acquitter ultérieurement des suppléments de prix sur
les denrées fourragères se prescrit selon les règles générales du droit
pénal administratif (consid. 3).

2. Art. 29 ss LD. Opérations douanières.

La Commission de recours DFEP n’est pas habilitée à examiner la
déclaration en douane et la tarification dans le cadre d’un recours
administratif (consid. 6).

3. Art. 4 Cst. Principe de la bonne foi et protection de la confiance.

Est abusif le fait d’invoquer le principe de la bonne foi lorsque, par des
artifices, des denrées fourragères ont pu être importées en Suisse hors
taxe et sans autorisation pendant plusieurs années (consid. 8).

4. Art. 4 Cst. Interdiction de l’arbitraire.

Il n’est ni arbitraire, ni disproportionné, de prélever en procédure
pénale douanière une taxe d’incitation, car le prélèvement ultérieur
d’une telle taxe poursuit également un but de politique agricole
(consid. 9).

1

Nachentrichtung von Preiszuschlägen auf Futtermittel; Verjährung;
Grundsatz von Treu und Glauben; Willkürverbot.

1. Art. 12 in Verbindung mit Art. 11 VStrR. Verjährung der Pflicht zur
Nachentrichtung von zu Unrecht nicht erhobenen Abgaben.

Die Pflicht zur Nachentrichtung von Preiszuschlägen auf Futtermitteln
verjährt gemäss den allgemeinen Bestimmungen über das
Verwaltungsstrafrecht (E. 3).

2. Art. 29 ff. ZG. Zollverfahren.

Die Zolldeklaration und die damit verbundene Tarifierung sind im
Verwaltungsbeschwerdeverfahren vor der Rekurskommission EVD
keiner Überprüfung zugänglich (E. 6).

3. Art. 4 BV. Grundsatz von Treu und Glauben, Vertrauensschutz.

Die Berufung auf den Grundsatz von Treu und Glauben
ist rechtsmissbräuchlich, wenn durch die Schaffung eines
Scheinsachverhalts erreicht wurde, dass während mehrerer Jahre
zoll- und bewilligungsfrei Futtermittel in die Schweiz eingeführt werden
konnten (E. 8).

4. Art. 4 BV. Willkürverbot.

Es ist weder willkürlich noch unverhältnismässig, eine Lenkungsabgabe
im Anschluss an ein Zollstrafverfahren zu erheben, da auch eine
nachträgliche Erhebung der Erfüllung agrarpolitischer Ziele dient (E. 9).

Versamento ulteriore dei supplementi di prezzo sui foraggi;
prescrizione; principio della buona fede; divieto dell’arbitrio.

1. Art. 12 in relazione con l’art. 11 DPA. Prescrizione dell’obbligo di
pagare ulteriormente le tasse a torto non prelevate.

L’obbligo di versare ulteriormente i supplementi di prezzo sui foraggi si
prescrive secondo le norme generali del diritto penale amministrativo
(consid. 3).

2. Art. 29 segg. LD. Operazioni doganali.

La Commissione di ricorso DFEP non è autorizzata a esaminare la
dichiarazione doganale e la relativa tariffazione nel quadro di un
ricorso amministrativo (consid. 6).

3. Art. 4 Cost. Principio della buona fede e protezione della fiducia.

È abusivo invocare il principio della buona fede allorquando, con
la creazione di artifici, i foraggi hanno potuto essere importati in
Svizzera esenti da tasse e senza autorizzazione durante parecchi anni
(consid. 8).

4. Art. 4 Cost. Divieto dell’arbitrio.

Non è né arbitrario né sproporzionato prelevare con procedura penale
doganale una tassa d’incentivo, poiché anche il prelevamento ulteriore
di una tassa siffatta persegue obiettivi di politica agricola (consid. 9).

2

Aus dem Sachverhalt:

Gemäss Erhebungen der Eidgenössischen Zollverwaltung führte R. in den
Jahren 1989 bis 1991 insgesamt ... kg Silomais zu Unrecht abgaben- und
bewilligungsfrei aus Italien ein. Nach Abschluss des Zollstrafverfahrens
forderte die Schweizerische Genossenschaft für Getreide und Futtermittel
(GGF) von R. mit Verfügung vom 4. November 1994 die Zahlung von
Preiszuschlägen und Kanzleigebühren in der Höhe von Fr. ... für die
Einfuhr von Silomais. Gegen diese Verfügung erhob R. am 1. Dezember 1994
Beschwerde bei der Rekurskommission EVD.

Aus den Erwägungen:

1.-2. (Zuständigkeit und Beschwerdelegitimation)

3. Vorab stellt sich jedoch die Frage, ob die im Streite liegenden Preiszuschläge
nicht allenfalls verjährt sind. Diese Einrede ist vom Beschwerdeführer nicht
erhoben worden, ist aber - da in casu der Bund beziehungsweise die GGF der
Gläubiger ist - von Amtes wegen zu prüfen (René A. Rhinow / Beat Krähenmann,
Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Nr. 34, S. 96 mit
Hinweisen auf die Rechtsprechung).

3.1. Wie das BGer im unveröffentlichten Urteil vom 30. Juni 1989 in Sachen
A. gegen Schweizerische Genossenschaft für Getreide und Futtermittel und
EVD festgehalten hat, ist für die Nachentrichtung und für die Verjährung
von Preiszuschlägen - da diese eine Abgabe im Sinn von Art. 12 Abs. 1 Bst. a
des Bundesgesetzes vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht
(VStrR, SR 313.0) darstellen, die infolge einer Widerhandlung gegen die
Verwaltungsgesetzgebung des Bundes zu Unrecht nicht erhoben wurden -
Art. 12 i.V.m. Art. 11 VStrR anwendbar.

3.2. Gemäss Art. 11 VStrR verjährt eine Übertretung in zwei Jahren (Abs. 1).
Besteht die Übertretung jedoch in einer Hinterziehung oder Gefährdung
von Abgaben oder im unrechtmässigen Erlangen einer Rückerstattung,
Ermässigung oder eines Erlasses von Abgaben, so beträgt die Verjährungsfrist
fünf Jahre (Abs. 2). Die Strafe einer Übertretung verjährt in fünf Jahren
(Abs. 4).

3.3. Aufgrund der vorliegenden Akten ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer letztmals am 26. Oktober 1991 Silomais einführte. Das
Zollstrafverfahren gegen den Beschwerdeführer wurde am 2. Juni 1992
(Datum des Einvernahmeprotokolls), also innerhalb der fünfjährigen
Strafverfolgungsfrist, eingeleitet. Als abgeschlossen gelten kann das
Zollstrafverfahren mit unbenutztem Ablauf der 30tägigen Rechtsmittelfrist der
Strafverfügung der Eidgenössischen Oberzolldirektion vom 22. Juni 1993,
spätestens aber mit Abrechnungsmitteilung der Zolldirektion Chur vom
14. Dezember 1993. Nach diesem Abschluss des Zollstrafverfahrens begann
die fünfjährige Vollstreckungsfrist gemäss Art. 11 Abs. 4 VStrR zu laufen.
Mit Schreiben vom 27. Juli 1994 teilte die GGF dem Beschwerdeführer mit,

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dass sie die nicht bewilligten Einfuhren von Silomais mit Preiszuschlägen
und Kanzleigebühren belasten werde. Diese erste Einforderungshandlung
der GGF erfolgte also innerhalb der laufenden Verjährungsfrist für die
Strafvollstreckung. Seither ist die Verjährung nicht eingetreten.

4. (...)

5. Nach Art. 12 des Bundesbeschlusses vom 5. Oktober 1984 über die
Schweizerische Genossenschaft für Getreide und Futtermittel (BB GGF,
SR 916.112.218) kann der Bundesrat der GGF das alleinige Einfuhrrecht
für Futtermittel, Stroh und Streue sowie Waren übertragen, bei deren
Verarbeitung Futtermittel anfallen. Die GGF tritt in der Regel dieses
Einfuhrrecht an ihre Mitglieder ab, indem sie ihnen eine Ermächtigung
zur Verzollung erteilt. Gestützt auf die Art. 1 und 4 des Bundesgesetzes
vom 25. Juni 1982 über aussenwirtschaftliche Massnahmen (SR 946.201),
Art. 12 des obenerwähnten Bundesbeschlusses sowie auf Art. 19 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 3. Oktober 1951 über die Förderung der Landwirtschaft
und die Erhaltung des Bauernstandes (Landwirtschaftsgesetz [LwG], SR 910.1)
erliess der Bundesrat die Verordnung über die Einfuhr von Futtermitteln,
Stroh und Streue (Einfuhrverordnung, SR 916.112.216). Die Einfuhr der in
Art. 1 Einfuhrverordnung aufgeführten Waren ist ausschliesslich der GGF
gestattet. Gemäss Art. 14 Ziff. 23 des Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 (ZG,
SR 631.0) können rohe Bodenerzeugnisse mit Ausnahme der Produkte des
Rebbaus von Grundstücken in der ausländischen Wirtschaftszone, die von
ihren Eigentümern, Nutzniessern oder durch Pächter bewirtschaftet werden,
zollfrei eingeführt werden, wenn der Bewirtschafter seinen Wohnsitz in der
schweizerischen Wirtschaftszone hat und die Bodenerzeugnisse selbst oder
durch seine Angestellten einführt.

Laut Landwirtschaftsgesetz kann das Departement zur Erhaltung einer
ausreichenden Ackerfläche und zur Anpassung der Tierbestände an
die Produktions- und Absatzverhältnisse die Einfuhr von Futtermitteln,
Stroh und Streue mit Preiszuschlägen belasten (Art. 19 Abs. 1 LwG). Von
dieser Ermächtigung machte das Departement mit Erlass der im Zeitpunkt
der Einfuhr geltenden und zwischenzeitlich mehrmals geänderten
Verordnung vom 23. Dezember 1981 über Preiszuschläge auf Futtermitteln
(Preiszuschlagsverordnung, SR 916.112.231, AS 1982 112) Gebrauch. Gemäss
Art. 1 Preiszuschlagsverordnung wird die GGF beauftragt, auf eingeführten
Futtermitteln sowie Stroh die im Anhang 1 aufgeführten Preiszuschläge zu
erheben.

6. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Einfuhr von Silomais solle nicht
unter die Tarifnummer 2308.9090 - das heisst unter «andere» - sondern
unter die Tarifnummer 1005.900 (recte 1005.9000) «Mais zu Futterzwecken»
subsumiert werden.

6.1. Grundsätzlich unterliegt jeder, der eine Ware über die Grenze bringt,
der Zollmeldepflicht (Art. 9 Abs. 1 ZG). Gemäss Art. 29 Abs. 1 ZG hat der
Zollmeldepflichtige alle Massnahmen zu treffen, die nach Gesetz und
Verordnung zur Durchführung der Zollkontrolle und Feststellung der
Zollzahlungspflicht erforderlich sind. Er hat den Abfertigungsantrag zu
stellen und je nach Bestimmung der Ware die Zolldeklaration einzureichen
(Art. 31 Abs. 1 ZG und Art. 47 Abs. 1 der Verordnung vom 10. Juli 1926
zum Zollgesetz [ZV], SR 631.01). Nach Art. 47 Abs. 2 ZV ist für die Einfuhr

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roher Bodenprodukte im Sinne von Art. 28 ZV eine schriftliche Deklaration
erforderlich. Für die Richtigkeit der Deklaration haftet der Zollmeldepflichtige
(Art. 35 Abs. 3 ZG und Art. 47 Abs. 2 ZV), denn es entspricht demWesen der
schweizerischen Zollordnung, dass der Zollmeldepflichtige unter eigener
Verantwortung bei der Veranlagung mitwirkt (BGE 112 IV 55 mit Hinweis
auf die Botschaft des Bundesrates, BBl 1924 36). Durch Beisetzung des
Amtsstempels wird die Annahme der Zolldeklaration bestätigt (Art. 35 Abs. 1
ZG) und für den Aussteller verbindlich. Gleichzeitig bildet die angenommene
Zolldeklaration, vorbehältlich der Revisionsergebnisse, die Grundlage für die
Festsetzung des Zolls und der weiteren Abgaben (Art. 35 Abs. 2 ZG). Da sich
das schweizerische Zollrecht grundsätzlich auf die Deklaration stützt (Art. 31
ZG), die Revision für die Zollämter nur fakultativ ist (Art. 36 Abs. 1 ZG, vgl.
auch BBl 1924 37) und bereits aus Praktikabilitätsgründen nur ein kleiner
Teil aller Sendungen revidiert werden kann, müssen an die Deklaration hohe
Anforderungen gestellt werden (BGE 112 IV 55 mit Hinweis auf BGE 87 IV 27
E. 3).

6.2. Im vorliegenden Fall deklarierte der Beschwerdeführer den von
ihm eingeführten Silomais als «granturco insilato» mit der auf dem
Deklarationsformular zugehörigen Tarifnummer 2308 beziehungsweise 2306,
und nicht als «granturco da granella» mit der Tarifnummer 1005 (vgl. die
verschiedenen «documento giustificativo e dichiarazione per l’importazione»).
Durch Beisetzung des Amtsstempels wurde die Annahme der Zolldeklaration
bestätigt und für den Aussteller verbindlich. Sie bildet die Grundlage für
die Festsetzung des Zolls und der weiteren Abgaben (Art. 35 Abs. 2 ZG). Eine
Revision im Sinne von Art. 36 ZG wurde nicht durchgeführt. Die Tarifierung
der vom Beschwerdeführer eingeführten Ware ist somit rechtskräftig
geworden und deshalb für das vorliegende Verfahren verbindlich. Zudem
fällt auf, dass der Rekurrent seine Rüge, die Einfuhr von Silomais sei unter
die falsche Tarifnummer subsumiert worden, in seiner Beschwerdeschrift in
keiner Weise begründet.

7. (...)

8. Der Beschwerdeführer führt zudem an, er habe jahrelang Silomais
eingeführt, was er den Zollbehörden immer gemeldet habe. Es verletze somit
den Grundsatz von Treu und Glauben, wenn nachträglich Preiszuschläge
verlangt würden.

8.1. Nach der Rechtsprechung des BGer beinhaltet der aus Art. 4 der
Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (BV, SR 101) abgeleitete Grundsatz
von Treu und Glauben das Gebot redlichen, vertrauenswürdigen und
rücksichtsvollen Verhaltens. Der Rechtsverkehr zwischen dem Bürger
und der Verwaltung muss von gegenseitigem Vertrauen getragen sein und
berechtigtes Vertrauen Schutz verdienen (Max Imboden / René A. Rhinow,
Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 6. Aufl., Basel 1986, S. 458). Der
Grundsatz von Treu und Glauben richtet sich dabei sowohl an die Behörden
wie auch an den Bürger (BGE 110 V 155; 108 Ib 36; 108 V 88). Den Bürger
trifft dabei ebenfalls das Verbot des Rechtsmissbrauchs. Der Vertrauende
kann aus einer «fehlerhaften» Vertrauensgrundlage, für deren Entstehung er
selbst verantwortlich ist, keine Rechte für sich ableiten. Wer beispielsweise -
absichtlich oder nicht - aufgrund irreführender Angaben eine gesetzeswidrige
Bewilligung erhalten hat, kann sich nicht auf den Vertrauensschutz berufen.

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_IV_55&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_IV_55&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_110_V_155&resolve=1

Der Bürger, der den Vertrauensschutz anruft, sollte somit gutgläubig sein (vgl.
dazu Imboden / Rhinow, a. a. O., S. 462 und René A. Rhinow / Beat Krähenmann,
Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990,
S. 229).

8.2. Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer - wie in Ziff. 7.1. dargelegt
wurde - bewusst vorschriftswidrig gehandelt, um sich einen Vorteil zu
verschaffen. Da er selbst durch die Schaffung des Scheinsachverhalts der
Bewirtschaftung eines Grundstückes in der ausländischen Wirtschaftszone
die zoll- und bewilligungsfreie Einfuhr des Silomaises erwirkt hat, ist er als
«bösgläubig» zu betrachten. Er kann sich somit nicht auf den Vertrauensschutz
berufen. Indem er sich nun als nicht Gutgläubiger auf den Grundsatz von
Treu und Glauben beruft, ist sein Verhalten als rechtsmissbräuchlich zu
qualifizieren (Imboden / Rhinow, a. a. O., S. 484).

9. Als weiteres Argument bringt der Beschwerdeführer vor, die Massnahme
der Erhebung von Preiszuschlägen sei unverhältnismässig, willkürlich und
verletze Art. 4 BV. Er begründet dies damit, dass die Preiszuschläge in erster
Linie wegen ihrer Lenkungswirkung erhoben würden und deshalb, da die
Ware schon eingeführt worden sei und die Lenkungswirkung somit nicht mehr
erreicht werden könne, nicht mehr erhoben werden dürften.

9.1. Mit den Preiszuschlägen auf Futtermitteln sollen die Preise auf das Niveau
der Schwellenpreise (erwünschter Einstandspreis für die Importfuttermittel)
angehoben werden. Damit soll die Preisparität zwischen ausländischen und
inländischen Futtermitteln hergestellt werden, um so den einheimischen
Acker- und Futterbau zu fördern. Die Preiszuschläge erhöhen somit die
Verkaufspreise der Futtermittel im Inland und bewirken, dass sich die
Produktion von Milch und Fleisch auf Rauhfutterbasis lohnt. Insofern
dient die Erhebung der Preiszuschläge auch der Produktionslenkung (vgl.
dazu Veröffentlichungen der schweizerischen Kartellkommission, Die
Kontingentierung der Futtermitteleinfuhr, Heft 1/2 1980, S. 38 ff.; Rudolf
Horber, Die schweizerische Agrareinfuhrordnung, Grüsch 1987, S. 109 ff.; Leo
Schürmann,Wirtschaftsverwaltungsrecht, Bern 1994, S. 222 ff.; Siebter Bericht
über die Lage der schweizerischen Landwirtschaft und die Agrarpolitik des
Bundes vom 27. Januar 1992, Siebter Landwirtschaftsbericht, BBl 1992 II
130 ff., insbesondere. 354).

Insofern ist der GGF beizupflichten, wenn sie festhält, dass die
Lenkungswirkung und die Erfüllung der damit verbundenen agrarpolitischen
Ziele nicht am Einzelfall gemessen werden kann. Es ist vielmehr
ausschlaggebend, dass das System der Futtermittelbewirtschaftung als
solches aufrechterhalten bleibt und damit der gewünschte Effekt erzielt wird.
Dies kann aber nur gewährleistet werden, wenn der einzelne Importeur
die in der Einfuhrordnung für Futtermittel vorgesehenen Auflagen und
Bedingungen befolgt und einhält. Insofern muss sichergestellt sein, dass
alle Abgabenpflichtigen erfasst werden und allenfalls auch nachträglich für
geschuldete Abgaben zur Rechenschaft gezogen werden. Dies gilt um so mehr,
als

die Preiszuschläge auch Einnahmen bilden, die für die Finanzierung
einer Vielzahl von agrarpolitischen Massnahmen eingesetzt werden.
Die Preiszuschläge sind somit zweckgebunden und bilden primär die

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Finanzierungsgrundlage für die Anbauprämien im Futtergetreidebau
und die Zuschläge für erschwerte Bedingungen im Ackerbau (Siebter
Landwirtschaftsbericht, BBl 1992 II 130 ff., insbesondere 357 f.).

9.2. Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer zudem versucht, sich der
Entrichtung dieser Preiszuschläge auf unredliche Art und Weise zu entziehen.
Würde man seiner Ansicht, die Preiszuschläge könnten im nachhinein nicht
mehr erhoben werden, folgen, würde er aus seiner Unredlichkeit einen Vorteil
erlangen können. Dies würde ihn gegenüber denjenigen Importeuren, die
die Einfuhr der Futtermittel korrekt deklarieren und die entsprechenden
Preiszuschläge entrichten, bevorteilen. Diese Besserstellung liesse sich jedoch
mit dem Gebot der Rechtsgleichheit nicht vereinbaren und würde zudem
das System der Futtermittelbewirtschaftung gefährden, indem damit der
rechtswidrigen Umgehung der Preiszuschläge Tür und Tor geöffnet würde.
Somit geht die Argumentation des Beschwerdeführers, die nachträgliche
Erhebung der Preiszuschläge verletze Art. 4 BV, fehl. Auch aus diesen Gründen
erweist sich die Rüge des Beschwerdeführers als unbegründet.

(Die Rekurskommission EVD weist die Beschwerde ab)

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 60.54 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 30.

Juni 1995 in Sachen R. gegen Schweizerische Genossenschaft für Getreide und

Futtermittel; 94/KB-001

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1996
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Band 60
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	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 30. Juni 1995 in Sachen R. gegen Schweizerische Genossenschaft für Getreide und Futtermittel; 94/KB-001
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: