# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e38d2bd3-a9c2-5d39-85e5-e81114d8f105
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-15
**Language:** de
**Title:** Von Gutachtern attestierte 50%ige AUF aus psychischen Gründen überzeugt auch mit Blick auf die Standardindikatoren; Anwendung der gemischten Methode nach altem Recht korrekt und Di Trizio-Rechtsprechung nicht einschlägig (Erstanmeldung); rentenausschliessender Invaliditätsgrad; Hinweis auf mögliche Neuanmeldung.
**Docket/Reference:** IV.2017.00861
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00861.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00861
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiber Würsch
Urteil
vom
15. November 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein
advokatur
rechtsanker
Ankerstrasse 24, Postfach 9822, 8036 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1964 geborene
X.___
hat keine berufliche Ausbildung absolviert und
ist Mutter zweier in den Jahren 1985 und 1990 geborener Söhne.
Vom
1.
No
vember 2002 bis
4.
August 2015 (letzter effektiver Arbeitstag) war sie bei der
Liegenschaftenverwaltung
A.___
in einem Pensum von rund 35
%
als Reinigungsmitarbeiterin
angestellt
(
Urk.
14/4, 14/13 f., 14/60/2).
Unter Hinweis auf Rückenschmerzen sowie Schmerzen in den Armen und Beinen meldete sie sich am 2
8.
Januar 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
14/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte nebst den Akten der beruflichen Vorsorgeeinrichtung (Pensionskasse
B.___
;
Urk.
14/11, 14/15 und 14/25) namentlich einen aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
14/13), einen Arbeitgeberbericht (Urk.
14/14) sowie diverse Arztberichte ein (
Urk.
14/21/6 ff., 14/28).
Ferner gab sie beim Zentrum
C.___
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (
C.___
-Gutachten vom
2.
Februar 2017 [
Urk.
14/56] sowie ergänzende Stellungnahme vom 2
0.
Februar 2017 [
Urk.
14/58]) und veranlasste eine Haus
haltsabklärung (
Urk.
14/60). Mit Vorbescheid vom 2
2.
März 2017 stellte sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
14/62), wogegen
jene Einwand
erhob (
Urk.
14/71, 14/75). Am 2
1.
Juni 2017 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (
Urk.
14/80 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 1
6.
August 2017 Be
schwerde (
Urk.
1), wobei die Eingabe weder ein klares Rechtsbegehren noch eine hinreichende Begründung
enthielt
. Mit Verfügung vom 3
0.
August 2017 (
Urk.
3) wurde ihr Frist zur Ver
besserung der Beschwerdeschrift angesetzt. Am 1
1.
September 2017 reichte die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, eine verbesserte Beschwerdeschrift ein
(
Urk.
6)
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine halbe Invalidenrente zuzusprechen
. Ausserdem ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person des unterzeich
nenden Rechtsanwalts.
Zwecks Darlegung ihrer finanziellen Verhältnisse reichte die Versicherte sodann mit
Eingabe
vom
2.
Oktober 2017 (
Urk.
12) weitere Unter
lagen ein (
Urk.
10 f.).
Mit
Beschwerdeantwort vom 1
8.
Oktober 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
13).
Mit
E
ingabe vom
7.
Februar 2018
verzichtete die Versicherte
auf eine Replik und hielt an i
hren Rechts
begehren fest (
Urk.
19), worüber die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
20). Gleichzeitig wurde das Gesuch der Versicherten um unentgeltliche Prozessführung bewilligt und ihr wurde Rechts
anwalt
Silvan
Meier Rhein als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
ten
revision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
be
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pen
sum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Ver
hältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegen
über Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die per
sönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Mass
gebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungs
verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs
recht übliche Beweis
grad der über
wiegenden Wahrschein
lichkeit erforderlich ist (BGE
144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V
334
E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b
).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4)
.
1.4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krank
heitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbs
ein
kommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die
Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zel
fall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sour
cen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2
017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
Juni 2017 (
Urk.
2) zog die Beschwer
de
gegnerin im Wesentlichen in Erwägung,
dass die Versicherte - im Unterschied zur Annahme im Vorbescheid - im hypothetischen Gesundheitsfall zu 80
%
im Erwerbs- und zu 20
%
im Haushaltsbereich tätig wäre. Ausgehend vom einge
hol
ten medizinischen Gutachten sei der Versicherten die angestammte Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin seit September 2015 zu 50
%
zumutbar. Die durch
ge
führte Haushaltsabklärung habe eine krankheitsbedingte Einschränkung von 17
%
ergeben. In Anwendung der gemischten Methode resultiere ein
Gesamt
in
validitätsgrad von 33.4
%
, weshalb kein Rentenanspruch bestehe.
2.2
Die Versicherte stellte sich in ihrer
verbesserten Beschwerdeschrift vom
1
1.
Sep
tember 2017 zusammengefasst auf den Standpunkt,
entgegen der Beur
teilung der IV-Stelle würde sie i
nsbesondere aufgrund der finanziellen Notwen
digkeit sowie der weggefallenen
Kinderbetreuung zu 100
%
im Erwerbsbereich tätig sein
.
Mittels eines Einkommensvergleichs ergebe sich angesichts der gene
rellen 50%igen Arbeitsunfähigkeit folglich ein Invaliditäts
grad von 50
%
und daher ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
Im Übrigen sei d
ie Anwendung der gemischten Methode
in
Nachachtung
des Urteils des
Europäische
n
Gerichts
hof
s
für Menschenrechte (EGMR)
vom
2.
Februar 2016 sowie der Praxis des Ver
sicherungsgerichts des Kantons St. Gallen nicht mehr zulässig (zum Ganzen
Urk.
6 S. 4 f.).
3.
3.1
Zwischen den Parteien ist strittig, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat (vgl. E. 2). In diesem Kontext ist zunächst zu klären, ob die
Beschwerdegegnerin
zu Recht davon ausging, dass die Ver
si
cherte im
hypothetischen
Gesundheitsfall zu 80
%
im Erwerbs- und zu 20
%
im Aufgabenbereich (Haushalt) tätig wäre.
3.2
Die sozialversicherungsrechtliche Qualifikation nahm die Beschwerdegegnerin
zunächst
gestützt auf den Haushaltsabklärungsbericht vom
1
6.
März 2017
(Urk.
14/60
) vor. Die Abklärung wurde insbesondere von einer qualifizierten Per
son durchgeführt, welche Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie den sich aus den medizinischen Diagnosen ergebenden Beeinträch
tigungen und Behinderungen hatte
(S. 1)
. Im Weiteren fiel der Bericht angemes
sen detailliert und plausibel begründet aus, wobei auch die Angaben der Versi
cherten Berücksichtigung fanden
(S. 17
f.
)
. Grundsätzlich kommt dem Bericht damit Beweiswert zu (vgl. AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffent
lichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom 6. April 2004 E. 5.1.2).
Die IV-Stelle berücksichtigte im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
ferner
, dass
sich die Versicherte im Januar 2015
- nachdem
ihr Beschäftigungs
grad als Reinigungsmitarbeiterin bereits per April 2011 von 7 Stunden pro Woche auf 15
Stunden erhöht worden war
- um eine
weitere
Erhöhung des Arbeitspen
sums bemüht hatte (vgl.
Urk.
14/74). Sie trug
auch
dem Umstand Rechnung, dass
die beiden Söhne aus der elterlichen Wohnung ausgezogen waren und
der Ehemann der Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen seine Erwerbstätigkeit aufgegeben hatte, worauf das Ehepaar auf finanzielle Unterstützung durch die Sozialhilfe angewiesen war. Überdies
be
zog die IV-Stelle bei der Beurteilung des sozialversicherungsrechtlichen Status mit ein, dass die Versicherte
gemäss
IK
Auszug in den Jahren 2003 und 2004 ein höheres Einkommen erzielt ha
tte als in den Jahren danach
(zum Ganzen
Urk.
14/77/2).
Die Beurteilung, dass die Versicherte im Gesundheitsfall
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit
zu 80
%
im Erwerbs- und zu 20
%
im Haushaltsbereich tätig wäre, vermag
in Anbetracht
all
dieser Gegebenheiten zu überzeugen.
Zwar kommt den Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie im Gesundheitsfall in einem 100%-Pensum erwerbstätig wäre (vgl.
Urk.
7/60/3), als
«
Aussagen der ersten Stunde
»
in beweismässiger Hinsicht nicht unerhebliches Gewicht zu (vgl.
BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Die Beschwerdegegnerin hat indes zu Recht in Erwägung gezogen, dass
die
im Zeitpunkt der Verfügung 53
jährige
Versicherte seit dem Zeitpunkt ihrer Einreise in die Schweiz
im Jahre 1988
- soweit ersichtlich - noch nie zu 100
%
erwerbstätig war (vgl.
Urk.
14/13). Auch als
der jüngere der beiden
in den Jahren 1985 und 1990 geborenen Söhne
im Jahr 2006 seine
Lehrstelle antrat (
Urk.
14/3) und spätestens dann nicht
mehr auf eine persö
nliche Betreuung angewiesen war
, bemühte sich die Beschwerde
führerin nicht
aktenkundig
um eine Erhöhung ihres Arbeitspensums.
In diesem Kontext
liegt einzig das Antwortschreiben der
Liegenschaften
verwaltung
A.___
vom
4.
Februar 2015 vor, aus welchem
lediglich
hervor
geht,
dass die Beschwerdeführerin nun
um
eine Erhöhung ihres Pensums
ersucht hatte, nicht aber,
welchen Beschäftigungsgrad
s
ie
konkret
zu übernehmen gedachte (vgl.
Urk.
14/74).
Der Umstand, dass deren Ehemann gesundheitsbedingt seine Erwerbs
tätigkeit aufgegeben hatte
, rechtfertigt
im Übrigen
ebenfalls nicht die Annahme, dass
die Beschwerdeführerin
nun im Gesundheitsfall zu 100
%
im Erwerbsbereich tätig wäre,
zumal ihr Ehegatte
nur vergleichsweise wenige
Haus
haltsarbeiten alleine erledigt (vgl.
Urk.
14/60/3 ff.).
4.
4.1
Zwecks
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützte sich die Beschwerdegegnerin
zur Hauptsache
auf das
C.___
-Gutachten vom
2.
Februar 2017
(
Urk.
14/56/2-46)
, welchem sich folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit entnehmen lassen (
Urk.
14/56/38):
-
Dissoziative Störung, gemischt (
ICD-10 F44
.
7;
Konversionsstörung), mit Sensibilitäts-, Empfindungs- und Bewegungsstörung mit/bei
-
histrionisch
akzentuierten Persönlichkeitszügen,
-
rezidivierender depressiver Störung, gegenwärtig mittel
schwere
Epi
sode,
-
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber
namentlich
folgende Diagnosen:
-
Chronifiziertes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom,
-
Karpaltunnelsyndrom rechts geringer Ausprägung,
-
a
rterielle Hypertonie,
-
Adipositas (BMI 30.8).
Dr.
D.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt in seiner Teil
expertise fest, dass eine leichte Form der Adipositas vorliege. Die arterielle Hypertonie sei mit Medikamenten ordentlich eingestellt. Der Verdacht auf ein Lymphödem im Bereich der unteren Extremitäten habe nicht bestätigt werden können; aktuell seien keine Ödeme vorhanden. Insgesamt sei die Arbeitsfähigkeit aus internistischer Sicht nicht eingeschränkt (
Urk.
14/56/13 f., 14/56/41).
Gegenüber
Dr.
E.___
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, habe die Versicherte von täglichen Schmerzen berichtet, welche auf einer visuell analogen Skala oft Werte zwischen 7 und 10 erreichen würden. Die Schmerzen hätten im Ellbogen begonnen und würden sich nun auf das rechte Bein respektive die rechte, tieflumbale Rücken
gegend fokussieren. Es komme zudem zu
Kribbelparästhesien und Ameisenlaufen im Bereich beider Füsse und Kniegelenke. Schmerzmittel und Physiotherapie wür
den nur wenig und bloss kurzzeitig Linderung verschaffen (
Urk.
14/56/15).
Aus orthopädischer Sicht lägen erhebliche Beschwerden von Seiten der Lendenwir
belsäule und des rechten Beines vor. Die Schmerzen seien tieflumbal vorhanden, würden diffus in beide Beine ausstrahlen und seien nicht
dermatombezogen
.
In
filtrative
Massnahmen hätten zu
keiner Besserung der Symptomatik geführt. Es müsse von einem
chronifizierten
,
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom bei einer linkskonvexen Lumbalskoliose ausgegangen werden. Des Weiteren hätten sich auch deutliche
myofasziale
Befunde ergeben. Aus orthopädischer Sicht könnten die klinischen Befunde sowie die geklagten Beschwerden nicht eindeutig zugeordnet werden; diese seien vielmehr von psychiatrischer Seite her zu inter
pretieren. Aus der objektiven Befundlage könne keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit abgeleitet werden (
Urk.
14/56/18 f., 14/56/41).
Auch gegenüber
Dr.
F.___
, Facharzt für Neurologie,
schilderte die
Versicherte
ihre lumbalen Rückenschmerzen
sowie die Beschwerden
an beiden Beinen.
Diese seien unabhängig von der Körperhaltung gleichermassen stark aus
geprägt und konstant vorhanden. Im Verlaufe der Nacht würden sich darüber hinaus Schmerzen an beiden Vorderarmen und Händen
ohne spezifisches Vertei
lungs
muster
manifestieren.
An den oberen und unteren Extremitäten leide sie ferner unter einer allgemeinen Schwäche. Durch die Beschwerden sei sie im Alltag - wie etwa bei der Erledigung der Hausarbeiten oder
in Bezug auf die
Gehfähig
keit
stark behindert (
Urk.
14/56/19 ff.).
Die aktuelle klinische Untersuchung sei wenig ergiebig gewesen; objektiv fassbare Befunde einer zentralnervösen, einer
radikulären
oder einer peripher-neurogenen Läsion hätten sich nicht feststellen lassen. Lediglich die neurographischen Befunde des
nervus
medianus
rechts
seien mit einem leichten Carpaltunnelsyndrom vereinbar.
Auf organischer Grundlage schwer zu verstehen sei einerseits die von der Körper
haltung unabhängige Inten
sität und Konstanz der Schmerzen, andererseits
sei
der Charakter der Beschwer
den und deren Verteilungsmuster an den Extremitäten
ungewöhnlich
.
Insgesamt könne die Symptomatik
in Anbetracht des
Beschwerde
charakters sowie der aktuell spärlichen objektiv fassbaren Befunde
auf neurolo
gischer Grundlage nicht erklärt werden.
Vielmehr komme der psychi
schen Kompo
nente primäre Bedeu
tung zu, wobei in diesem Zusammen
hang auf das psychiatrische Fachgutachten verwiesen werden müsse (
Urk.
14/56/26 f.).
Dr.
G.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seiner Teilexpertise fest, dass
die Explorandin von ihren starken Schmerzen im Rücken sowie in den
Armen und Beinen berichtet habe.
Nach ihrem affektiven Befinden befragt, habe die Versicherte angegeben, dass es ihr schlecht gehe. Sie sei verzweifelt und traurig; sie verstehe überhaupt nicht, was mit ihr und ihrer Gesundheit geschehen sei. Heute sehe sie keine Zukunft, sei traurig und müsse oft weinen.
Objektiv sei zu Beginn des Gesprächs ein inadäquates, deutlich
histrionisch
gefärbtes Lächeln aufgefallen. Die Versicherte habe über heftigste Schmerzen geklagt, ohne dass sichtbar geworden wäre, dass sie effektiv leide. Im Rahmen des vertieften Gesprächs habe die Versicherte allerdings zu weinen
begonnen
, was sich in heftiger Weise während der ganzen restlichen Exploration durchgezogen habe. Sie habe deutlich
histrionisch
mit Gestik und Mimik ihre Beschwerden, ihr Nicht-Verstehen derselben und ihre Verzweiflung geschildert. Überdies habe sie über ein mangelndes Verständnis ihrer Umgebung für ihre Probleme geklagt; niemand könne ihr helfen oder wisse Rat.
An larviert d
epressiven Symptomen habe sich
eine Schlafstörung feststellen lassen. Sozial habe sich die Versicherte stark zurückgezogen und gehe nur in Begleitung ihres Mannes ausser Haus. Hobbys oder andere Ablenkung von ihren Beschwerden habe sie nicht.
Die formalen Gedankengänge seien in sich kohärent und logisch gewesen. Betreffend das inhaltliche Denken habe sich eine deutliche hypo
chondrische Komponente gezeigt, da die Versicherte befürchte, eines Tages auf den Rollstuhl angewiesen zu sein
. Sonstige inhaltliche Denkstörungen seien ebenso wenig erkennbar gewesen wie Ich- oder Wahrnehmungsstörungen oder Phobien (
Urk.
14/56/30 ff.).
Insgesamt sei die Psychopathologie eindeutig und auffällig; es liege klar eine Konversionssymptomatik mit deutlichen pseudo-neu
rologischen Symptomen vor. Diese beruhe auf einer deutlich
histrionisch
struk
turierten Persönlichkeit
. Im Weiteren bestehe eine ängstlich-agitierte
- aktuell mittelgradige -
depressive Symptomatik
(
Urk.
14/56/33 f.).
Im interdisziplinären Konsens gelangten die medizinischen Sachverständigen zur Auffassung,
dass aus somatischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege, auch nicht in der angestammten Tätigkeit im Reinigungsdienst. Auf
grund der ausgeprägten Konversionssymptomatik sei aus psychiatrischer Sicht allerdings aktuell für sämtliche berufliche Tätigkeiten - bezogen auf ein 100%
Pensum - von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, wobei es sich um eine arbiträre Gewichtung handle (
Urk.
14/56/42 f.). Diese Beurteilung gelte seit September 2015, da die Erkrankung im Sommer 2015 relativ akut aufgetreten sei (
Urk.
14/58).
4.2
4.2.1
Das
C.___
-Gutachten vom
2.
Februar 2017 basiert auf umfassenden inter
nisti
schen, orthopädischen, neurologischen sowie psychiatrischen Abklärungen und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (
Urk.
14/56/5 ff.). Die Versi
cherte konnte gegenüber den einzelnen Gutachtern ihre aktuellen Beschwer
den schildern und wurde von diesen jeweils - soweit fachspezifisch erforder
lich
eingehend befragt (
Urk.
14/56
/9 ff., 14/56/15, 14/56/19 ff. und 14/56/29 ff.
). Die geklagten Leiden fanden sodann im Rahmen der Feststellung der Diag
nosen Berüc
ksichtigung, wobei sowohl diese
als auch die aus medizi
nischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und erläutert wurden (
Urk.
14/56
/13, 14/56/17 f., 14/56/24 ff., 14/56/33 ff. sowie 14/56/38 ff.
). Soweit möglich erfolgte ausserdem eine Auseinander
setzung mit vorangegange
nen ärztlichen Beurteilungen (
Urk.
14/56
/19, 14/56/28,
14/56/36
und 14/56/44 f.
). Gesamthaft erfüllt das polydisziplinäre Gutachten somit die formellen Krite
rien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. E. 1.5).
4.2.2
Die Parteien stellen weder den Beweiswert des
C.___
-Gutachtens noch
die Schluss
folgerung der Sachverständigen, wonach seit September 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für jedwede Tätigkeit
bestehe
, in Frage (vgl. E. 2.1 f.).
Zu prü
fen bleibt, ob diese Beurteilung auch
mit Blick auf die zwischenzeitlich vom Bun
desgericht vorgenommene Praxisänderung, wonach grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind
(vgl. E. 1.4), zu überzeugen vermag
. In diesem Zusammen
hang ist darauf hinzuweisen, dass gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 8).
In Bezug auf die vom Bundesgericht festgelegte Kategorie
«
funktioneller Schwe
re
grad
»
ist festzuhalten, dass
Dr.
G.___
die im Zusammenhang mit der diagnosti
zierten dissoziativen Störung bestehende Konversionssymptomatik als «ganz erheblich» einstufte und von einer ausgeprägten, schwer zu behandelnden, eigen
ständigen Krankheit ausging. So beschrieb er, dass die Psychopathologie selber eindeutig und auffällig und die Beschwerdeführerin so in ihren Symptomen und in ihrer depressiven Symptomatik gefangen sei, dass selbst die Anpassung an einfache Regeln und Routinen kaum mehr gewährleistet sei (S. 39 f., S. 42).
Die
histrionische
Symptomatik
beurteilte er als mindestens mittelgradig ausge
prägt, wobei jedoch die Voraussetzungen einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt
seien
. Die depressive Störung sei aktuell ebenfalls mittelgradig ausgeprägt (
Urk.
14/56/34 f.).
Komorbiditäten sind mit Blick auf die gestellten
psychiatri
schen Diagnosen nachvollziehbar. Gewisse Wechselwirkungen zwischen der dissoziativen Störung und dem
chronifizierten
lumbospondylogenen
Schmerz
syndrom sind ebenfalls naheliegend.
Demgegenüber
liegt jedoch keine Behand
lungs
resistenz der psychischen Erkrankungen vor, zumal sich die Versicherte bis anhin
nicht in
psychiatrische Behandlung
- allenfalls verbunden mit einer psycho
pharma
kologische
n
Therapie -
begeben hat
(
Urk.
14/56/11, 14/56/36)
.
Zum Indikator
«
Sozialer Kontext
»
bleibt anzumerken, dass die Beschwerde
führe
rin eine intakte Ehe führt, wobei ihr Ehemann ebenfalls gesundheitlich ange
schlagen ist (
Urk.
14/56/
29).
Zudem
besteht Kontakt
zum jüngeren Bruder und den Familien der beiden Söhne, welche die Versicherte teilweise auch im Haushalt unterstützen (
Urk.
14/56/29, 14/60/2 f.).
Das soziale Netzwerk hält im konkreten Fall somit durchaus mobilisierbare Ressourcen bereit.
Hinsichtlich der Kategorie
«
Konsistenz
»
ist
festzuhalten, dass das Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin auch im Alltag eingeschränkt ist. So bestehen gemäss ihren Angaben Schwierigkeiten bei der Haushaltsführung. Abgesehen von tägli
chen Spaziergängen mit dem Ehemann und der Inanspruchnahme physiothera
peutischer Massnahmen sowie
von
Behandlungen durch die Haus
ärztin finden sich zudem keine Hinweise auf
wesentliche
ausserhäusliche
Aktivitäten (vgl.
Urk.
14/56/10 f., 14/60/5 ff.).
Unter dem Gesichtspunkt des Leidens
drucks ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich die Versicherte
- wie bereits erwähnt
nicht in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung befindet, was ihr jedoch
zumutbar wäre
.
Anzumerken ist in diesem Zusammen
hang, dass
Dr.
G.___
eine Psychotherapie zwar als einzig mögliche medizinische Massnahme erwähnte, zugleich aber auf die damit verbundenen Schwierigkeiten (Not
wendigkeit einer zeitintensiven und in albanischer Sprache geführten Therapie und fehlendes Krankheitsverständnis der Beschwerdeführerin) hinwies (
Urk.
14/56 S. 35 f., S. 43).
Zusammenfassend
erweist sich die Einschätzung der Gutachter, wonach eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten vorliege, in Würdigung der Standard
indikatoren als nachvollziehbar.
Zwar fällt einerseits ins Gewicht, dass sich die Versicherte zwecks Linderung ihrer psychischen Beschwer
den bis anhin nicht in fachärztliche Behandlung begeben hat. Anderer
seits
erreichen die psychischen Leiden
aber einen erheblichen Schwere
grad, wodurch auch die Aktivitäten in sämtlichen vergleichbaren Lebensbe
reichen eingeschränkt werden.
5.
5.1
Ausgehend von den obigen Ausführungen bleibt zu prüfen, ob die Beschwerde
gegnerin den Invaliditätsgrad der Versicherten korrekt bemessen hat.
5.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgelt
lichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146
)
wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl. Art. 27
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV
)
ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungs
ver
gleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbs
bereich praxisgemäss berück
sichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbs
tätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E
. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
Am 1. Januar 2018 sind die geänderten Bestimmungen
der
IVV vom 1. Dezember 2017 in Kraft getreten. Mit dieser Änderung wurde für die Festlegung des Invali
ditäts
grades von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28
a
Abs.
3 IVG
) in
Art.
27
bis
Absatz 2–4 IVV ein neues Berechnungs
modell eingeführt. Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beur
teilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung
(
Urk.
2)
ist am
2
1.
Juni 2017
und somit vor dem Inkrafttreten der Verordnungsänderung am 1. Januar 2018 ergangen, weshalb die revidierten Bestimmungen noch nicht zur Anwendung gelangen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_462/2017 vom 30. Januar 2017 E. 5.3 mit Hinweisen). Nach
folgend wird daher auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Recht
spre
chung Bezug genommen.
5.3
Entgegen der Argumentation der Beschwerdeführerin (
Urk.
6 S. 4
Ziff.
3 ff.) ist vorliegend der Invaliditätsgrad nicht mittels eines reinen Einkommensvergleichs zu bestimmen, da sie im hypothetischen Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht zu 100
%
erwerbstätig wäre (vgl. E.
3.2
). Der Anwen
dung der gemischten Methode steht im Übrigen auch das Urteil des
EGMR
in Sachen Di
Trizio
gegen die Schweiz vom
2.
Februar 2016 (Nr. 7186/09) nicht entgegen, auf welches sich die Versicherte beruft (
Urk.
6 S. 4
Ziff.
5). Diese Methode der Invaliditätsbemessung wurde nicht per se als diskriminierend erach
tet. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist sie insbesondere weiter
hin anwendbar in Fällen der erstmaligen Zusprechung einer Rente an eine während des massgebenden Beurteilungszeitraums als teilerwerbstätig (mit Aufgabenbe
reich) zu qualifizierende versicherte Person
(Urteil des Bundesgerichts 9C_90/2017 vom
4.
Juli 2017 E. 4 mit Hinweisen)
. Diese Voraussetzungen sind vorliegend zweifelsfrei erfüllt.
5.4
Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode (nach altem Recht) korrekt ermittelt. Für den Erwerbsbereich resultiert ein Teilinvaliditätsgrad von 30
%
, da die Versicherte im angestammten Tätig
keitsbereich als Reinigungsmitarbeiterin bezogen auf ein 100%-Pensum zu 50
%
eingeschränkt ist (vgl. E. 4.2.2) und im hypothetischen Gesundheitsfall zu 80
%
erwerbstätig wäre (vgl. E. 3.2).
Die bezüglich des Haushaltsbereichs durch den Abklärungsdienst festgelegte Ein
schränkung von 17
%
(
Urk.
14/60/7)
und der daraus resultierende Teilinvalidi
täts
grad von 3.4
%
ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
(vgl.
Urk.
6 S. 5
Ziff.
7)
ebenfalls nicht zu beanstanden.
Der Abklärungsbericht stellt grundsätzlich auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn – wie vor
liegend – psychische Erkrankungen im Vordergrund stehen. Aufgrund der eige
nen Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie in der Haushaltsführung selb
ständig sei, verneinte der Abklärungsdienst diesbezüglich eine Einschränkung (S. 5
Ziff.
6.1). Ferner ging er unter Berücksichtigung der Mithilfe durch den Ehe
mann von einer Einschränkung von 20
%
bei der Ernährung und von 40
%
bei der Wohnungspflege aus (S. 5 f.
Ziff.
6.2 und
Ziff.
6.3). Keine Einschränkung wurde für den gemeinsam mit dem Ehemann erledigten Einkauf und bei der Wäsche angenommen, und Betreuungspflichten entfallen (S. 6
Ziff.
6.4-6.6). Die festgelegten Einschränkungen berücksichtigen die spezifischen Angaben der Beschwerdeführerin und die Verhältnisse vor Ort und stehen nicht im Wider
spruch zu den
fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen (
zu den vom psychiatrischen Gut
achter festgehaltenen allgemeinen Funktionsstörungen betreffend Planung und Strukturierung von Aufgaben, Urteilsvermögen, Kritikfähigkeit, Selbstbe
haup
tung, Durchhaltevermögen, Kontaktfähigkeit, Team
fähigkeit vgl.
Urk.
14/56 S. 34
Ziff.
4.4.5.3). Damit ist auf die im Abklärungsbericht ermittelte Ein
schränkung abzustellen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1
).
Gesamthaft beläuft sich der Invaliditätsgrad nach dem Gesagten auf 33.4
%
(30
%
+ 3.4
%
) beziehungsweise gerundet 33
%
(zum Runden: BGE 130 V 121). Folglich besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (vgl.
E.
1.2).
5.5
Die Beschwerdeführerin ist
abschliessend
darauf hinzuweisen, dass es ihr – wie allen anderen versicherten Personen mit derselben Ausgangslage – unbenommen bleibt, sich gestützt auf die neue Verordnungsbestimmung des Art. 27
bis
Abs. 2
4 IVV bei der Invalidenversicherung neu anzumelden. Nach Absatz 2 der dazuge
hörenden Übergangsbestimmungen wird, wenn eine Rente vor dem Inkrafttreten der Änderung wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades einer teilerwerbstätigen versicherten Person, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich (Art. 7 Abs. 2 IVG) betätigte, verweigert wurde, eine neue Anmeldung geprüft, wenn die Berechnung des Invaliditätsgrades nach Art. 27
bis
Abs. 2-4 IVV voraussichtlich zu einem Rentenanspruch führt.
6.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Ver
si
cherten mangels eines Invaliditätsgrades von mindestens 40
%
zu Recht verneint.
Die
angefochtene Verfügung vom 2
1.
Juni 2017
(
Urk.
2) ist demnach nicht zu beanstanden, weshalb
die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen
ist
.
7
.
7
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen, infolge der ihr gewährten unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
20) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7
.2
Mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2018 (
Urk.
20) wurde der Beschwerdeführerin Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt. Da dieser von der Möglichkeit, eine Honorarnote einzureichen, keinen Gebrauch gemacht hat, ist die Entschädigung ermessensweise ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses festzulegen (vgl.
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsge
richt [
GSVGer
]). Im konkreten Fall erweist sich unter Berücksichtigung der genannten Kriterien eine Entsc
hädigung von gesamthaft
Fr.
1'7
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Die Beschwerdeführerin ist
abschliessend
auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung an den unentgeltlichen Rechtsvertreter verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich,
wird mit
Fr.
1’700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubWürsch