# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad22f556-7bbc-5728-8542-e8bf1bfe05ea
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-01-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.01.2018 F-6757/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6757-2016_2018-01-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6757/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  J a n u a r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Philippe Weissenberger (Vorsitz), 

Richter Andreas Trommer, Richter Antonio Imoberdorf,    

Gerichtsschreiberin Jacqueline Moore. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

vertreten durch Dr. iur. Gian Ege,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR,  

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Familienzusammenführung (Einbezug in die vorläufige  

Aufnahme). 

 

 

 

F-6757/2016 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass A._______, der aus Eritrea stammende Beschwerdeführer (geb. 

1967), am 7. September 2014 in die Schweiz einreiste und gleichentags 

um Asyl nachsuchte, 

dass das SEM mit Verfügung vom 8. Mai 2015 das Asylgesuch ablehnte 

und die Wegweisung aus der Schweiz verfügte, 

dass er jedoch mit gleichem Entscheid aufgrund Vorliegens subjektiver 

Nachfluchtgründe als Flüchtling vorläufig aufgenommen wurde, 

dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter am 29. Februar 

2016 beim SEM um Erteilung von Einreisebewilligungen für seine Ehefrau 

B._______ (geb. 1974) und seine minderjährigen Kinder (C._______ [geb. 

1999], D._______ [geb. 2001], E._______ [geb. 2003], die Zwillinge 

F._______ und G._______ [geb. 2006] sowie H._______ [geb. 2010]) – die 

seit Anfang 2016 in einem Flüchtlingslager in Äthiopien leben würden – 

zwecks Familienzusammenführung und Einbezug in die vorläufige Auf-

nahme gestützt auf Art. 51 AsylG (SR 142.31) ersuchen liess, 

dass einer der Zwillingssöhne, G._______, am 15. Juli 2016 verstorben ist, 

dass das SEM – auf Nachfragen der Rechtsvertretung zum Verfahrens-

stand am 28. September 2016 – mit Verfügung vom 3. Oktober 2016 das 

Gesuch um Familiennachzug und um Einbezug in die vorläufige Auf-

nahme, hauptsächlich unter Verweis auf die dreijährige Wartefrist gemäss 

Art. 85 Abs. 7 AuG (SR 142.20), abwies, 

dass der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 2. November 

2016 beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen 

Verfügung vom 3. Oktober 2016 beantragte, und dass seinen Familienan-

gehörigen (seiner Ehefrau und seinen fünf Kindern) die Einreise in die 

Schweiz gestützt auf Art. 51 Abs. 4 AsylG zu bewilligen sei, 

dass ihnen eventualiter die Einreise gestützt auf Art. 8 EMRK und Art. 13 

BV zu bewilligen, der Familiennachzug gestützt auf eine verfassungs- und 

EMRK-konforme Auslegung von Art. 85 Abs. 7 AuG zu ermöglichen oder 

die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, 

F-6757/2016 

Seite 3 

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG beziehungsweise um 

Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchen liess, 

dass dem Beschwerdeführer mit Instruktionsverfügung vom 10. November 

2016 mitgeteilt wurde, dass über das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege sowie um Befreiung von Verfahrenskosten zu ei-

nem späteren Zeitpunkt befunden werde, 

dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 2. Dezember 2016 auf 

Abweisung der Beschwerde schloss, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. Dezember 2016 replik-

weise an seinem Rechtsmittel festhielt, 

dass die Vorinstanz am 29. Dezember 2016 eine Duplik einreichte und ih-

rerseits vollumfänglich an ihren Erwägungen im erwähnten Entscheid und 

in ihrer Vernehmlassung festhielt, 

dass der Beschwerdeführer am 20. Januar 2017 unaufgefordert ein Doku-

ment zum Gesundheitszustand seiner Ehefrau zu den Akten reichte, 

dass er mit Instruktionsverfügung vom 12. Dezember 2017 aufgefordert 

wurde zu belegen, wie viel der durch die HEKS Rechtsberatungsstelle für 

Asylsuchende SG/AI/AR entstandenen Kosten effektiv in Rechnung ge-

stellt worden sind, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. Dezember 2017 der Auf-

forderung des Gerichts nachgekommen ist und eine Honorarrechnung in 

der Höhe von Fr. 2‘027.50 einreichen liess, 

dass auf den weiteren Akteninhalt, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-

gen eingegangen wird, 

 

und zieht in Erwägung, 

dass Verfügungen des SEM betreffend Familiennachzug im Sinne von 

Art. 85 Abs. 7 AuG der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht un-

terliegen (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG), 

F-6757/2016 

Seite 4 

dass sich das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht 

nach dem VwVG richtet, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG), 

dass der Beschwerdeführer als Verfügungsadressat zur Beschwerde legi-

timiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und daher auf die frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 50 und 52 VwVG), 

dass das Bundesverwaltungsgericht in der vorliegenden Angelegenheit 

endgültig entscheidet (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und 3 BGG), 

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts sowie – falls nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden kann 

(Art. 49 VwVG), 

dass das Bundesverwaltungsgericht das Bundesrecht von Amtes wegen 

anwendet, gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Be-

gehren gebunden ist und die Beschwerde auch aus anderen als den gel-

tend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen kann, 

dass grundsätzlich die Sachlage im Zeitpunkt des Entscheides massge-

bend ist (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.), 

dass gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG Ehegatten und ledige Kinder unter 18 

Jahren von in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Personen und vor-

läufig aufgenommenen Flüchtlingen frühestens drei Jahre nach Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme nachgezogen und in diese eingeschlossen wer-

den können, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (Bst. a), eine bedarfs-

gerechte Wohnung vorhanden ist (Bst. b) und die Familie nicht auf Sozial-

hilfe angewiesen ist (Bst. c), 

dass sich der Beschwerdeführer im Status eines vorläufig aufgenommenen 

Flüchtlings befindet und der Einbezug der sich im Heimatland bzw. in Dritt-

staaten aufhaltenden Ehegatten und Kindern in die vorläufige Aufnahme 

des Beschwerdeführers somit einzig einer Würdigung unter dem Blickwin-

kel von Art. 85 Abs. 7 AuG zu unterziehen ist, 

dass sich das Verfahren betreffend den Familiennachzug somit entgegen 

der Auffassung des Beschwerdeführers nach Art. 85 Abs. 7 AuG i.V.m. 

F-6757/2016 

Seite 5 

Art. 74 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt 

und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 142.201) richtet (vgl. Urteil des BVGer  

F-2043/2015 vom 26. Juli 2017 E. 3 oder Urteil des BVGer F-2186/2015 

vom 6. Dezember 2016 E. 5), 

dass gestützt auf Art. 74 Abs. 1 VZAE Gesuche um Einbezug in die vorläu-

fige Aufnahme von Familienangehörigen bei der kantonalen Ausländerbe-

hörde (Art. 88 Abs. 1 VZAE) einzureichen sind, 

dass die kantonale Ausländerbehörde das Gesuch mit ihrer Stellung-

nahme, welche ausführt, ob die gesetzlichen Voraussetzungen nach 

Art. 85 Abs. 7 AuG für den Familiennachzug gegeben sind, an das SEM 

weiterleitet (Art. 74 Abs. 2 VZAE), 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 29. Februar 2016 direkt beim 

SEM um Familiennachzug ersuchen liess, 

dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 3. Oktober 2016 das Familiennach-

zugsgesuch ablehnte, ohne vorgängig Informationen bei der kantonalen 

Ausländerbehörde eingeholt und dem Beschwerdeführer das rechtliche 

Gehör gewährt zu haben, 

dass sie es zudem unterlassen hat, bei Eingang des Gesuchs den Be-

schwerdeführer über den korrekten Verfahrensweg zu informieren und ihn 

des Weiteren auch nicht darauf hingewiesen hat, dass er sich als vorläufig 

aufgenommener Flüchtling nicht auf Art. 51 AsylG abstützen kann,  

dass die Vorinstanz ihren Entscheid vom 3. Oktober 2016 somit auf unzu-

reichende beziehungsweise gar keine Angaben aus dem Kanton oder des 

Beschwerdeführers abgestützt hat,  

dass demzufolge Bundesrecht im Sinne von Art. 49 VwVG verletzt wurde 

und die Beschwerde gemäss Eventualantrag gutzuheissen ist,  

dass die Vorinstanz angewiesen wird, das Verfahren gemäss Art. 74 VZAE 

durchzuführen,  

dass aufgrund des soeben Ausgeführten auf die übrigen Rügen nicht ein-

zutreten ist, 

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Seite 6 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG) und auf das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG somit nicht mehr einzugehen ist, 

dass obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung haben 

(Art. 7 ff. und Art. 15 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]), 

dass der Rechtsvertreter mit Beschwerde vom 2. November 2016 eine 

Kostennote bzw. am 21. Dezember 2016 eine konsolidierte Kostennote 

eingereicht hat, welche einen zeitlichen Aufwand von 9,75 Stunden bei ei-

nem nicht zu beanstandenden Stundensatz von Fr. 200.– nebst einer Spe-

senpauschale und Barauslagen von Fr. 77.50 ausweist, 

dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von 

Fr. 2‘027.50 auszurichten hat. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

F-6757/2016 

Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung vom 

3. Oktober 2016 wird aufgehoben. 

2.  

Die Sache wird zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von 

Fr. 2‘027.50 auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] zurück) 

– das Migrationsamt des Kantons St. Gallen 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Philippe Weissenberger Jacqueline Moore 

 

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