# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 088383bf-a112-5389-886c-65aa56cf3ab2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-13
**Language:** de
**Title:** Einstellung Taggeld/Heilbehandlungskosten, natürliche Kausalität, mindestens geringe Zweifel an den versicherungsinternen Beurteilungen
**Docket/Reference:** UV.2016.00235
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2016.00235.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2016.00235
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Nünlist
Urteil
vom
13. Juni 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
iur
. André
Largier
Weinbergstrasse 43, 8006 Zürich
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Beat Frischkopf
Bahnhofstrasse 24, Postfach, 6210 Sursee
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1973 geborene
X.___
erlitt in den Jahren 2005, 2012 sowie 2013 drei Unfälle,
gegen
deren Folgen
er bei der
Suva
versichert war.
Gemäss Schadenmeldung vom 28. Oktober 2005
(
Urk.
11/2 S. 32)
hatte sich am 16. Oktober 2005 ein Verkehrsunfall
ereignet
, bei welchem das Fahrzeug des Versicherten an einer Kreuzung von einem anderen Auto gerammt
worden war
. Als Verletzung wurde eine Prellung am Oberarm rechts festgehalten.
Im
Arztbericht
vom 18. Oktober 2005
betreffend die Erstbehandlung
(
Urk.
11/2 S. 28)
wurde
der
Befund eine
r
muskuläre
n
Verspannung des rechtsseitigen Schultergürtels mit
einer traumatisch ausgelösten
P
eriarthropathia
humeroskapularis
recht
s
beschrieben
.
Der Versicherte war ab dem 23. Oktober 2005 wieder zu 100 % arbeitsfähig (
Urk.
11/2 S. 4, S. 24).
Der
Schadenmeldung vom 13. Dezember 2012 (
Urk.
10/1)
ist zu entnehmen, dass
der Versicherte
am 10. Dezember 2012 ein
en
zweite
n
Unfall
erlitten
hatte
, bei welchem
er
beim Schneeschaufeln ausgerutscht
war
und sich dabei an Knie und Schultern verletzt
hatte
.
Es wurde
eine Prellung der Schulter beidseits festgehalten.
Im Arztzeugnis UVG
vom 14. Januar 2013 (
Urk.
10/7)
wurde die Diagnose
«multiple Kontusion Schulterblatt, Knie und Hand rechts bei St. n. Sturz»
gestellt (
S. 2). Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlich geschuldeten Versicherungsleistungen
(Taggeld/Heilbehandlungskosten;
Urk.
10/3 f.)
und tätigte insbesondere medizinische Abklärungen. Ab Februar 2013 wurde der Versicherte zu 50 % arbeitsfähig beurteilt (
Urk.
10/13), ab April 2013 zu 100 % (
Urk.
10/17 S. 2).
Der dritte Unfall
des Versicherten
hatte sich gemäss Schadenmeldung vom 29. August 2013 (
Urk.
9/1) am 26. August 2013 ereignet. De
r
Versicherte
war
von einem Auto angefahren worden. Als Verletzung wurde eine Prellung am O
berarm
links festgehalten. Im Arztzeugnis UVG v
om 11. September 2013 (
Urk.
9/8
) stellte der Hausarzt die Diagnose multipler Kontusionen an Nacken, AC-Ge
lenk, Hand links sowie Hüfte re
c
h
ts bei Status nach Verkehrsunfall
(S. 2)
. Wiederum er
brachte die Suva die gesetzlich geschuld
eten Versicherungsleistungen (
Urk.
9/2 ff.)
und tätigte insbesondere medizinische Abklärungen. Ab 1. Oktober 2013 wurde der Versicherte als zu
100 % arbeitsfähig beurteilt (
Urk.
9/9 S. 2)
,
die Behandlungen wurden abgeschlossen
(
Urk.
9/10).
1.2
Am 18. Juni 2014 teilte der Versicherte der Suva mit, dass er seit Dezember
2013 wieder in Behandlung sei (
Urk.
9/15), eine Rückfallmeldung betreffend den Unfall vom 26. August 2013 erstattete
er
am 2
0
. Juni 201
4.
Als Verletzung wurde eine Zerrung am Oberarm links festgehalten
(
Urk.
9/16).
Die Suva tätigte daraufhin
wiederum
insbesondere
Abklärungen in medizinischer Hinsicht. Diese ergaben
eine
ab Dezember 2
013 bildgebend bestätigte Beschwerdep
roblematik an der rechten Schulter
(
Urk.
9/26)
. Ab 1. Februar 2014
war
der Versicherte zu 50 % arbeits
un
fähig
beurteilt worden
,
seit
Anfang Mai 2014
bestand
eine
100
%
ige
A
rbeitsunfähig
keit
(
Urk.
9/30).
Es folgten wei
tere m
edizinische Behandlungen bzw. A
b
k
lärungen.
Gestützt auf eine erste Kausalitätsbeurteilung durch
Kreisärztin
Dr.
med.
Y.___
,
Fachärztin für Neurochirurgie, vom 5. August 2014 anerkannte die Suva ihre
Leistungspflicht betreffend den rechtsseitigen Schulterschaden im Zusammenhang
mit dem Unfallereignis vom 26. August 2013 (
Urk.
9/51
-53
, 9/63).
Nach weiteren Abklärungen
-
insbesondere dem
Eingang einer
Kausalitätsbeurteilung
von
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, beratender Arzt der involvierten Haftpflichtversicherung
(
Urk.
9/170)
-
wich die Kreisärztin von ihrer ursprünglichen
Einschätzung
ab
(
Urk.
9/174)
.
Am 21. März 2016
verneinte sie
(unter Verweis
auf
eine frühere
Beurteilung
) die Kausalität zwischen
den
im Dezember 2013
an der rechten
Schulter
bildgebend
erhobenen Befunden und den Unfallereignissen vom
10. Dezem
ber 2012 sowie 16. Oktober 2005 und sc
hloss hinsichtlich des Unfalles vom
26. August 2013 auf eine allfällige vorübergehende Verschlimmerung mit
S
tatus quo sine spätestens nach drei Monaten (
Urk.
9/
176, 9/
178).
Am 26. April 2016 wurde dem Versicherten mitgeteilt,
dass
zwischen
seinen
Beschwerden an der rechten Schulter und
den Ereignissen vom 26. August 2013, 10. Dezember 201
2
und 16. Oktober 2005
kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang bestehe und die
Leistungen
daher
per 11. Mai 2016
eingestellt würden
(
Urk.
9/182). Dies wurde in der Folge mit Verfügung vom 23. Mai 2016 (
Urk.
9/189)
bestätigt
.
Die hiergegen erhobene Einsprache (
Urk.
9/192) wurde mit
Einspracheentscheid
vom 19. September 2016
(
Urk.
2)
abgewiesen.
2.
2.1
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
13. Oktober 2016
Beschwerde (
Urk.
1) und stellte folgende Anträge:
«
1.
In Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids
sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer auch nach dem 11. Mai 2016 die gesetzlichen Leistungen aufgrund der versicherten Unfallereigni
sse zuzusprechen und auszuricht
e
n
;
2.
e
s sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und RA
Dr.
André
Largier
als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen,
unter Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt
) zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.»
2.2
In ihrer Beschwerdeantwort vom 23. November 2
0
16 (
Urk.
8) schloss die Beschwerdegegnerin auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Am 9. Januar 2017 reichte der Beschwerdeführer das «Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit»
(inklusive Bestätigung betreffend die finanzielle Unterstützung durch die Wohnsitzgemeinde)
ein
(
Urk.
13-15)
,
mit Schreiben vom
24. Januar 2017 folgte die Einreichung
einer
Honorarnote
durch den Rechtsvertreter
(
Urk.
17 f.)
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am
9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
D
ie
hier zu beurteilende
n
Unfälle
haben
sich
in den Jahren 2005, 2012 sowie 2013
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.
3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
4
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (
Art.
11 UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversicherung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlitten
en Gesundheitsschädigung ein
na
ürlicher
und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in
fine
).
1.
5
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massgebend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
S
tatus quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
S
tatus quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfa
llversicherer gestützt auf Art. 36 Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und
Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungskosten nach Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.
6
D
as Gericht hat den Sachverhalt
von
Amtes
wegen
festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
-
berichtes
ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
Auch den Be
richten und Gutachten versicherungs-in
terner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu. Soll jedoch ein Versiche
rungsfall ausschliesslich gestützt auf versicherungsinterne Beurtei
lungen ent
schieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforde
rungen zu stellen: bestehen auch nur geringe Zwei
fel an der Zuverlässigkeit und Schlüs
sigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vor
zuneh
men (BGE 122 V 162 E
. 1d; Urteil des Bundesgerichts vom 1
9. Januar 2010
8C_675/2009, E
. 2).
1.7
Die
Argumentation nach der Formel
«
post
hoc ergo
propter
hoc
»
, nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, ist beweisrechtlich nicht zulässig und vermag zum Beweis natürlicher Kausalzusammenhänge nic
ht zu genügen (BGE 119 V 335 E.
2b/
bb
., Urteil des Bundesgerichts 8
C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E.
5.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
mit
Einspracheentscheid
vom
19. September 2016
(
Urk.
2)
ihre
Leistungspflicht
für die
geklagten Schulterbeschwerden rechts
aufgrund der
Unfa
ll
ereignisse
vom
26. August 2013, 10. Dezember 2012
sowie
16. Oktober 2005
und bestätigte die per 11. Mai 2016 verfügte (
Urk.
9/189)
Leistungseinstellung (
Urk.
2
S.
5
f
f
.
).
2.2
Der Beschwerdeführer macht
e
dagegen
im Wesentlichen
eine weitergehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin infolge
Kausalität
der rechtsseitigen Schulterbeschwerden zum
Unfallereignis vom 26. August 2013 geltend
, wobei er insbesondere die kreisärztlichen Kausalitätsbeurteilungen bemängelte
(
Urk.
1
).
3.
Die medizinische Aktenlage im Zusammenhang mit dem am 20. Juni 2014 geltend gemachten Rückfall
(
Urk.
9/16)
präsentiert sich
im Wesentlichen
wie folgt:
3.
1
Im Bericht
über die
MR
T-
Arthrographie
des rec
hten Schultergelenks vom
12. Dez
ember 2013 (
Urk.
9
/26) wurde
n
eine gr
össtenteils
rupturierte
Supraspinatussehne
mit
konsekutive
m
massive
m
Humeruskopfhochstand
, eine leichte Atrophie des
Musculus
supraspinatus
, ein
Akromion
Typ II sowie eine
mässig
gradige
AC-Gelenksarthrose beschrieben.
3.2
Eine funktionelle Ultraschalluntersuchung vom 20. Januar 2014
(
Urk.
9/27)
zeigte
eine Totalruptur der
Supraspinatussehne
rechtsseitig mit
Dehiszenz
von gut 2 cm.
3.3
Am 5. März 2014 wurde die Diagnose einer hochgradigen
posterosuperioren
Rotatorenmanschettenläsion
bei Status nach Sturz im Rahmen eines Anfahrunfalls am 26. August 2013 gestellt (
Urk.
9/28).
3.
4
Eine
vollständige Ruptur der Supra- und
Infraspinatussehne
mit Retraktion der Sehnenstümpfe auf
Glenoidebene
und progredienter Atrophie des
Musculus
supra- und
infraspinatus
bei etwa stationärer Verfettung, eine
vorbestehende
Auft
r
eibung
und
Tendinopathie
der
Subscapularissehne
, eine intakte lange
Bizepssehne
(keine Subluxation) sowie ein kleine
r
Einriss des Labrums im
anteroinferioren
Anteil zeigte sich mit MR-
Arthrographie
der
rechten
Schulter vom 17. Juli 2014 (
Urk.
9/48).
3.
5
Am 21. August 2014 fand eine offene Teil-Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
(ISP/
kraniale
SSP) und
Tenodese
der langen
Bizepssehne
(
LBS
)
rechts statt (
Urk.
9/65).
Nach erwartungsgemässem postoperativem Verlauf (
Urk.
9/70, 9/77, 9/96, 9/110) erfolgten aufgrund der für den Beschwerdeführer unbefriedigenden Situation weitere Abklärungen bzw. Behandlungen, wobei inzwischen auf eine irreparable
posterosuperiore
Rotatorenmanschetten
-Ruptur (
Supraspinatus
,
Infraspinatus
) rechts geschlossen wurde (
Urk.
9/129, 9/133, 9/138, 9/150, 9/164, 9/173).
4
.
4
.1
Aufgrund der Aktenlage sowie der Parteivorbringen stellt sich die Frage
nach dem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den geklagten rechtsseitigen Schulterbeschwerden
und
den Unfällen vom
16. Oktober 2005, 10. Dezem
ber 2012 sowie 26. August 201
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
hierfür
in ihrem
Einspracheentscheid
vom
19. September 2016
(
Urk.
2) auf die Beurteilung
en
der Kreisärztin
Dr.
Y.___
vom 30. Dezember 2014
und
21. März 2016 (S. 6 f.;
Urk.
9
/106,
9
/178). Ob dies zu Recht geschah, ist nachfolgend zu prüfen.
4
.2
Im Zusammenhang mit dem Unfallereignis
vom 26. August 2013 sind
folgende Kausalitätsbeurteilungen
der Kreisärztin
aktenkundig:
4
.2.1
In ihrer Stellungnahme vom 5. August 2014
(
Urk.
9/53)
führte
Dr.
Y.___
aus, das relativ junge Alter des
Beschwerdeführers, die gemäss Angaben seiner Hausärzte bestätigte vorangehende Beschwerdefreiheit an der rechten Schulter vor dem Unfall und
die
Dynamik in den MRI-Untersuchungen im Dezember 2013 und der Verlaufs-MRI-Untersuchung sieben Monate später vom Juli 2014
machten eine richtungsgebende Verschlimmerung der
Supraspinatussehnenläsion
durch den Unfall vom 26. August 2013 überwiegend wahrscheinlich.
An d
iese
r
Beurteilung
hielt
die Kreisärztin am 10. Dezember 2014 (
Urk.
9/94) sowie am 30. Dezember
2014 (
Urk.
9/106) fest.
Die Einschätzung
des beratenden Arztes der Haftpflichtversicherung
Dr.
Z.___
vom 7. Dezember 2015 (
Urk.
9/
170)
bewog
die Kreisärztin
dazu, von ihrer ursprünglichen Würdigung abzuweichen
.
In ihrer Stellungnahme vom
8
. März 2016
(
Urk.
9/174)
führte
sie
aus, nach nochmaliger Durchsicht der MRI-Bilder gehe sie mit
Dr.
Z.___
einig, dass bereits im Dezember 2013 eine relevante Retraktion vorgelegen habe. Dies werde auch durch den
sonografischen
Bericht von
Dr.
A.___
vom 20. Januar 2014 bestätigt, der eine
Dehiszenz
von 2 cm feststelle. Eine erhebliche Retraktion innerhalb von 3 ½ Monaten erscheine eher unwahrscheinlich und spreche eher für einen degenerativen Prozess. In Zusammenschau der von
Dr.
Z.___
neu aufgeworfenen Argumente halte sie an ihrer Beurteilung vom Dezember 2014 nicht fest
(
S. 2
)
. Am 21. März 2016 schloss
Dr.
Y.___
darauf,
d
ass es beim Unfall vom 26. August 2013 allenfalls zu einer vorübergehenden Verschlimmerung gekommen sei. Der
S
tatus quo sine sei bei offenbar schmerzhaftem Vorzustand spätestens nach drei Monaten erreicht
gewesen
. Im Schadenfall vom 10. Dezember 2012 befinde sich ein Zwischenbericht des Hausarztes mit Erwähnung rechtsseitiger Schulterschmerzen. Dieser stehe der ursprünglichen
Aussage
des Hausarztes
entgegen
, wonach vor dem Unfall vom August 2013
Beschwerdefreiheit
betreffend der rechten
Schulter
bestanden habe
. Dies sei ein Teil der
Erwägung gegen eine Ablehnung der Unfallkausalität gewesen. Sie sei hiermit nichtig.
Der Beschwerdeführer
habe
dokumentiert bereits im Februar 2013 unter Schulterschmerzen rechts gelitten (
Urk.
9/178).
4
.2.2
M
it Blick auf die kreisärztlichen Berichte fällt auf, dass sich
Dr.
Y.___
für die Beantwortung der Kausalitätsfrage insbesondere daran orientierte, ob der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfallgeschehen vom August 2013
über
Beschwerden an der rechten Schulter
geklagt hatte
.
Dies gilt auch für d
ie
Schlussfolgerung vom 21. März 2016, wonach allenfalls von einer vorübergehenden Verschlimmerung mit
S
tatus quo sine spätestens nach dr
ei Monaten auszugehen sei. Die
Einschätzung
ist in keiner Weise medizinisch begründet.
In diesem Zusammenhang
ist darauf hinzuweisen,
dass eine
«
post
hoc ergo
propter
hoc
»
-Argumentation beweisrechtlich nicht zulässig ist und zum Beweis natürlicher Kausalzusammenhänge nicht zu genügen
vermag
(E.
1.7).
Fehlende Beschwerdefreiheit vor dem Unfall beweist aber ebenso wenig eine fehlende Kausalität. Sodann greift die Betrachtungsweise der Beschwerdegegnerin zu kurz. Bei einer Beschwerdeproblematik im Zeitpunkt des Unfalls stellte sich nicht nur die Frage, ob der Rückfall mit dem Unfall im Jahr 2013 zusammenhängt, sondern auch mit jenem im Jahr 2005. Bei Betroffenheit derselben Schulter mit aktenkundiger objektivierbare
r
Pathologie (traumatisch ausgelöste PHS respektive
Rotatorenmanschettenläsion
/
vollständige Ruptur der Supra- und
Infraspinatussehne
) ist dies jedenfalls nicht auszuschliessen und die Frage wurde von keinem Arzt beantwortet.
Weiter
fällt auf, dass die Kreisärztin
die Ultraschalluntersuchung vom 20. Januar 2014 (
Urk.
9/27) in ihrer
Beurteilung vom 5. August 2014
(
Urk.
9/53)
nicht berücksichtigt hatte
, sondern erst durch die
Einschätzung von
Dr.
Z.___
darauf
aufmerksam
wurde
(
Urk.
9/174)
.
Diesbezüglich ist
auf eine nur mangelhafte Auseinandersetzung
mit den medizinischen Grundlagen
zu
schli
essen
.
Insgesamt kann aufgrund des Dargelegten
nicht
von
eine
r
fundierten,
nachvollziehbare
n
kreisärztliche
n
Kausalitätsbeurteilung
gesprochen werden. Infolge mehr als nur geringer Zweifel an der
en
Schlüssigkeit
kann
nicht
darauf abgestellt werden
.
Sodann
bleibt
darauf hinzuw
e
i
sen
, dass
weiterhin
e
in
nicht aufgelöster
Widerspruch
zwischen den ärztlichen Beurteilungen
besteht
, indem
Dr.
Y.___
auf
das Erreichen des
S
tatus quo sine
spätestens drei Monate nach dem Unfallereignis
schliesst
(
Urk.
9/178)
,
während
Dr.
Z.___
von
eine
m
gänzlich fehlenden natürlichen
Kausalzusammenhang
zwischen den geklagten
Schulterbeschwerden
rechts
und dem Unfallereignis
ausgeht
(
Urk.
9/170)
.
Auch mit Blick auf diesen Umstand bestehen
mehr als
geringe Zweifel an d
er kreisärztlichen Einschätzung.
4
.3
Betreffend
das Unfallereignis
vom 16. Oktober 2005 legte die Kreisärztin am 30. Dezember 2014
sodann
dar, beim Unfall im Jahre 2005 habe es sich offensichtlich um eine Schulterkontusion rechts ohne strukturelle Verletzung mit vollständiger Genesung gehandelt (
Urk.
9/106 S. 1).
Diesbezüglich ist der Aktenlage jedoch zu entnehmen, dass im Rahmen der Erstbehandlung
am 1
7
. Oktober 2005
eine
traumatisch ausgelöste
P
eriarthropathia
humeroskapularis
rechts
diagnostiziert
worden war
(
Urk.
11/2 S. 28).
Diesen Befund liess die Kreisärztin bei ihrer Beurteilung vollumfänglich unberücksichtigt.
Dr.
Z.___
hatte
gestützt auf
den genannten
Befund
in seiner Stellungnahme vom 7. Dezember 2015 (
Urk.
9/170)
auf einen
zweifelsfreien
Vorschaden an der
rechten Schulter
geschlossen
(S. 5).
Damit bestehen auch in dieser Hinsicht mindestens geringe Zweifel an der kreis
ärztlichen Beurteilung
.
4
.4
An den
Einschätzungen
von
Dr.
Y.___
zur Unfallkausalität
zwischen den
geklagten Schulterbeschwerden
rechts
und
den Ereignissen vom 16. Oktober 2005 sowie 26. August 2013
bestehen
aufgrund des Dargelegten
Zweifel
.
O
b
der Kreisärztin
hinsichtlich der Kausalitätsbeurteilung im Zusammenhang mit dem Unfall vom 10. Dezember 2012 gefolgt werden kann
, kann of
fen
gelassen werden
.
Es
ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass
es an
eine
r
gesamtheitliche
n
Würdigung der medizinischen Sachlage im Hinblick auf die Beurteilung der Kausalität
sfrage
fehlt. Dies gilt auch für die Beurteilung von
Dr.
Z.___
(
Urk.
9/170)
, der sich nur
zur Unfallkausalität
im Zusammenhang mit dem Ereignis
vom
26.
August 2013 äusserte.
Insgesamt rechtfertigt es sich daher, die Sache zwecks Durchführung einer
ver
-
sicherungs
externen
(
Akten
-
)B
e
urteilung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen. Dabei wird
die
Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen
der
geklagten
Schulterproblematik rechts
und
den Unfällen vom
16. Oktober 2005, 10. Dezember 2012 sowie 26. August 2013
zu klären sein. Die
Unfallhergänge
werden
,
soweit erstellt,
in die Würdigung miteinzubeziehen
sein
.
Insofern ist die Beschwerde gutzuheissen.
Bei dieser Ausgangslage erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit der Frage der Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 16).
5
.
5
.1
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Dem Beschwerdeführer
steht ausgangsgemäss
eine Prozessentschädigung
zu
. Diese ist – nach Einsicht in die Kostennote vom 24. Januar 2017 (Urk.
18
)
und unter Hinweis, dass
bei diesem Ausgang des Verfahrens
für Urteilstudium und Nachbearbeitung eine Stunde zu entschädigen ist - auf Fr. 3'112.55
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.
5
.
2
Das Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unent
geltlichen Rechtsvertretung
(
Urk.
1 S. 2)
erweist sich damit als gegenstandslos.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
19. September 2016
aufgehoben und die Sache an die
Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch
des Beschwerdeführers
neu verfüge.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschädigung von Fr.
3’
112.
55
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an
:
-
Rechtsanwalt Dr.
iur
.
André
Largier
-
Dr. Beat Frischkopf
unter Beilage einer Kopie von Urk. 18
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubNünlist