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**Case Identifier:** 7e65bc1c-4cb7-5ecc-8f77-ed235f72a47d
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-15
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 15.05.2024 SK.2023.23
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2023-23_2024-05-15.pdf

## Full Text

Urteil vom 15. Mai 2024 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Alberto Fabbri, Vorsitz 
Martin Stupf und Joséphine Contu Albrizio 
Gerichtsschreiberin Fiona Krummenacher 

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staats-
anwältin des Bundes Sabrina Beyeler,  
 
und 
 
als Privatklägerschaft: 
 
1. B., vertreten durch Rechtsanwältin Caroline 

Renold,  
 
2. C., vertreten durch Rechtsanwältin Caroline 

Renold,  
 
3. D., vertreten durch Rechtsanwältin Caroline 

Renold,  
 
4. E., vertreten durch Rechtsanwältin Annina 

Mullis,  
 
5. F., vertreten durch Rechtsanwältin Annina Mul-

lis,  
 
6. G., vertreten durch Rechtsanwältin Annina 

Mullis,  
 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer: SK.2023.23 

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SK.2023.23 

7. H., vertreten durch Rechtsanwältin Fanny de 
Weck,  

 
8. I., vertreten durch Rechtsanwältin Fanny de 

Weck,  
 
9. Erbengemeinschaft J., vertreten durch 

Rechtsanwältin Stephanie Motz,  
 
10. K., vertreten durch Rechtsanwältin Nina Burri, 

  
gegen 

  Ousman SONKO, gambischer Staatsangehöriger, 
derzeit in Sicherheitshaft, amtlich verteidigt durch 
Rechtsanwalt Philippe Currat 
 

Gegenstand  Mord, eventualiter vorsätzliche Tötung, subeventuali-
ter vorsätzliche Tötung als Verbrechen gegen die 
Menschlichkeit; mehrfache schwere Körperverletzung, 
eventualiter mehrfache Folter als Verbrechen gegen 
die Menschlichkeit; mehrfache Gefährdung des Le-
bens, mehrfache Nötigung, mehrfache Vergewalti-
gung, eventualiter mehrfache Verletzung der sexuel-
len Selbstbestimmung durch Vergewaltigung als Ver-
brechen gegen die Menschlichkeit; mehrfache qualifi-
zierte Freiheitsberaubung, eventualiter mehrfache 
Freiheitsberaubung als Verbrechen gegen die 
Menschlichkeit; mehrfache vorsätzliche Tötung als 
Verbrechen gegen die Menschlichkeit, eventualiter 
vorsätzliches Nichtverhindern der Tötung als Vorge-
setzter; mehrfache Folter als Verbrechen gegen die 
Menschlichkeit, eventualiter mehrfaches vorsätzliches 
Nichtverhindern von Folter als Vorgesetzter; mehrfa-
che Freiheitsberaubung als Verbrechen gegen die 
Menschlichkeit; eventualiter mehrfaches vorsätzliches 
Nichtverhindern von Freiheitsberaubung als Vorge-
setzter. 

  

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SK.2023.23 

Inhaltsübersicht  Seite 

 
Anträge der Bundesanwaltschaft .................................................................................... 4 

Anträge der anwaltlichen Vertretung der Privatkläger ...................................................... 7 

Anträge der Verteidigung .............................................................................................. 12 

Prozessgeschichte ........................................................................................................ 12 

Erwägungen .................................................................................................................. 17 

1. Prozessuales und Vorfragen .................................................................................. 17 

2. Anklagevorwürfe .................................................................................................... 52 

3. Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Art. 264a StGB) ......................................... 57 

4. Der Staat Gambia .................................................................................................. 70 

5. Politische und soziale Lage Gambias während Yahya Jammehs Herrschaft  
 mit rechtlicher Würdigung «Gesamttat» (Kontextelement) ..................................... 81 

6. Der Beschuldigte .................................................................................................. 151 

7. Beweismittel und Beweiswürdigung zu den einzelnen Anklagepunkten ............... 163 

8. Subsumtion/Rechtliche Würdigung ...................................................................... 284 

9. Konkurrenzen ...................................................................................................... 348 

10. Strafzumessung ................................................................................................... 349 

11. Landesverweisung und Ausschreibung im Schengener  
 Informationssystem (SIS) ..................................................................................... 370 

12. Zivilklagen ............................................................................................................ 374 

13. Beschlagnahmte Gegenstände/Einziehung .......................................................... 393 

14. Verfahrenskosten ................................................................................................. 395 

15. Entschädigung der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten ............................ 397 

16. Entschädigung des Beschuldigten ....................................................................... 412 

17. Entschädigung der Privatklägerschaft .................................................................. 413 

18. Entschädigung der unentgeltlichen anwaltlichen Rechtsvertreter der 
 Privatklägerschaft und einer Zeugin ..................................................................... 420 

19. Anträge des Beschuldigten zu den Haftbedingungen ........................................... 437 

Dispositiv .................................................................................................................... 439 
 
  

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SK.2023.23 

Anträge der Bundesanwaltschaft (SK 127.721.491 ff.) 

1. Ousman Sonko sei schuldig zu sprechen: 

Anklageziffern 1.5.1., 1.5.4. und 1.5.5.5. 
­ in 3 Fällen der vorsätzlichen Tötung als Verbrechen gegen die Menschlich-

keit in besonders schweren Fällen im Sinne von Art. 264a Abs. 1 lit. a i.V.m. 
Abs. 2 StGB 

Anklageziffern 1.5.2.4., 1.5.3.3., 1.5.3.6., 1.5.3.8., 1.5.3.10., 1.5.3.12., 1.5.5.7., 
1.5.5.10., 1.5.5.13., 1.5.5.16., 1.5.5.19. 
­ in 11 Fällen der Freiheitsberaubung als Verbrechen gegen die Menschlich-

keit in besonders schweren Fällen, teilweise mehrfach begangen, im Sinne 
von Art. 264a Abs. 1 lit. d i.V.m. Abs. 2 StGB 

Anklageziffern 1.5.2.4., 1.5.3.2., 1.5.3.4., 1.5.3.7., 1.5.3.9., 1.5.3.11., 1.5.5.4., 
1.5.5.6., 1.5.5.8., 1.5.5.9., 1.5.5.11., 1.5.5.12., 1.5.5.14., 1.5.5.15., 1.5.5.17., 
1.5.5.18., 1.5.5.20. 
­ in 17 Fällen der Folter als Verbrechen gegen die Menschlichkeit in besonders 

schweren Fällen, teilweise mehrfach begangen, im Sinne von Art. 264a 
Abs. 1 lit. f i.V.m. Abs. 2 StGB 

Anklageziffern 1.5.2.2., 1.5.2.3., 1.5.2.4., 1.5.3.5., 1.5.3.9.2., 1.5.5.9. 
­ in 6 Fällen der Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung als Verbrechen 

gegen die Menschlichkeit in besonders schweren Fällen im Sinne von 
Art. 264a Abs. 1 lit. g i.V.m. Abs. 2 StGB. 

2. Ousman Sonko sei mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe zu bestrafen, unter 
Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft. 

3. Ousman Sonko sei für 15 Jahre des Landes zu verweisen. Es sei die Ausschrei-
bung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem anzuordnen. 

4. Es sei der Kanton Bern als Vollzugskanton zu bestimmen. 

5. Anträge für die beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte 
a) Die beschlagnahmten Gelder im Gesamtbetrag von Fr. 14'306.-- seien zur 

teilweisen Deckung der Verfahrenskosten oder anteilsmässigen Zuwei-
sung an die Privatklägerschaften zu verwenden. 

b) Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände seien nach Eintritt der 
Rechtskraft des Entscheids freizugeben und an Ousman Sonko auszuhän-
digen: 

Asservat-ID Beschreibung 

11610 Kartenetui enthaltend 2 Visakarten ltd. auf Ousman Sonko, 
1 Karte Miles and More, Papierzettel 

11611 SIM-Karte Comviq Nr. […] 
11613 Grauer Koffer 

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SK.2023.23 

11614 Notizheft «RAND» mit Handnotizen, diverse Handnotizen 
(Funktionen, Namen von Angehörigen der gambischen Poli-
zei, Armee, NIA, «Junglers»; Verhaftungen von Zivilisten 
und Bediensteten der gambischen Regierung; Untersuchun-
gen; Studenten-Demonstration im Jahr 2000; Hinrichtung 
von Häftlingen des Gefängnisses «Mile 2» im Jahr 2012; 
Begnadigung von Häftlingen im Jahr 2015, Notizen zu N., I., 
J., Fluchtgründe, etc.) 

11615 Online-Medienberichte (Verhaftungen von Zivilisten – u.a. 
Journalisten und Oppositionellen – Staatsangestellte, Ar-
meemitglieder; Misshandlungen i.Z.m. politischer Kundge-
bung 2016, verschwundene Zivilisten und staatliche Ange-
stellte, Wahlen, etc.) 

11616 Online-Medienberichte (NGO zu festgenommenen Opposi-
tionsmitgliedern, NIA; EU-Parlament zur Menschenrechts-
lage; ICC) 

11617 IT-Korrespondenz (Mailverkehr zw. Ousman Sonko und sei-
ner Ehefrau, Facebook-Korrespondenz, Handnotizen zu 
Mail-Konten, Drohmail, etc.) 

11618 Schwarze Mappe enthaltend diverse Unterlagen (Funktio-
nen von Ousman Sonko, Ernennungen, Aus- und Weiterbil-
dungen, Visitenkarten, Factsheet «child marriage», etc.) 

11619 Diverse Unterlagen und Notizen (Aufenthalt Ousman Sonko 
in Schweden; Reise, Asylverfahren, Notizen zu Familienan-
gehörigen, Adresse, Rechnung FedEx, Kaufquittungen, etc.) 

11620 Diverse Unterlagen (Aufenthalt Ousman Sonko in der 
Schweiz (SEM, Asylunterkunft, Handnotizen, Notizbuch mit 
Handnotizen, Kaufquittungen, Fahrkarten, etc.) 

11621 Diverse Unterlagen im Zusammenhang mit den Finanzen 
von Ousman Sonko (Schreiben Finanzministerium, Trans-
aktionsbelege, handgeschriebene Instruktionen, Bank-
Check, etc.), Karte Miles & More 

11622 Handnotizen (zu Visitenkarte, Internetadressen zu Medien-
berichten, Vorkommnisse, Zeitablauf, Ereignisse, Wahlen, 
etc.) 

11623 Handnotizen, Auszüge Medienberichte, handschriftliche 
Karte 

11624 Diverse Rechnungen, Einladung Fluglinien-Lounge 
11625 SIM-Kartenhalter (Sunrise, Mucho, Comviq und Tigo) 
11626 Samsung Tablet R52H70PNMWP 16 GB mit grauem Etui 

11627 Druckverschluss-Beutel enthaltend Asservate mit Asservat-
ID 11628 und 11629 

11628 SIM-Karte TIGO […], Quittungen elektronische Geräte und 
Zubehör (SEM/Securitas) 

11629 Samsung Galaxy 56 Edge SM-G925F mit braun/schwarzem 
Etui IMEI: […] 

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SK.2023.23 

11630 Mobiltelefon Samsung GT-E2222, IMEI: […] 

11633 Druckverschluss-Beutel (enthaltend Asservate 11634, 
11635, 11636, 11637, 11638, 11639, 11640 und leerer 
Druckverschluss-Beutel) 

11634 SIM-Kartenhalter Airtel (SIM-Karte: […]) 
11635 SIM-Karte Airtel […] 
11636 SIM-Kartenhalter Comviq (SIM-Karte: […]) 
11637 SIM-Karte Comviq […]) 
11638 SIM-Kartenhalter Comviq (SIM-Karte: […]) 
11639 SIM-Karte Comviq […] 
11640 SIM-Karte Alizé […] (Orange Nr. […]) 
11645 Diverse Kabel und Ladegeräte 
11649 Mobiltelefon Nokia weiss, IMEI […] / SIM-Karte: […] 

11650 Mobiltelefon Samsung Galaxy ON5 SM-G550T IMEI […] / 
SIM-Karte: […] 

11651 Mobiltelefon Samsung Galaxy Note 3 weiss, in blauem Etui 
IMEI […] / SIM-Karte: […] 

11652 Mobiltelefon IPhone 6 schwarz, in schwarzem Etui, 
IMEI […] / SIM-Karte: […] 

11653 Tablet Amazon blau 
 

c) Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände seien nach Eintritt der 
Rechtskraft des Entscheids freizugeben und an Q. auszuhändigen: 

Asservat-ID Beschreibung 

12522 Ernennung von Q. als «State Enrolled Nurse» bei NIA per 
1. Juli 2013 

12523 Ausweis NIA Q. 

12524 Handnotizen Blutdruckmessungen H., I., J. 15. bis 18. April 
2016 

12525 Handnotizen (Liste Namen) 
12526 Rechnungen Medikamente 
12527 Rezept Edward Francis Small Teaching Hospital The Gam-

bia, Rechnung, Analyse 
12528 Diverse Rezepte Medical & Health The Gambia 
12529 Witness Statement Q., The Gambia Police Force, 19.03.2018 
12530 Affidavit J., High Court of the Gambia, 11.05.2016 
12531 Rechnung National HIV/AIDS program 
12532 Handnotizen – Liste Namen, Diagnosen und Behandlungen 
12533 Lohnausweis Q. 
12534 Kopie Ausweis NIA Q. 

12535 Ernennung von Q. als «State Enrolled Nurse» beim «Ministry 
of Health & Social Welfare» per […] 

12536 Blaues Notizbuch «Manuscript Book» mit Diagnosen und Be-
handlungen 

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SK.2023.23 

6. Es sei über die Zivilansprüche der Privatklägerschaften zu entscheiden. 

7. Die auferlegbaren Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von Fr. 1'268'158.06, 
zuzüglich der erstinstanzlichen Verfahrenskosten, seien vollumfänglich Ousman 
Sonko aufzuerlegen. 

8. Die amtliche Verteidigung von Ousman Sonko sei für ihre Aufwendungen in ge-
richtlich zu bestimmender Höhe aus der Gerichtskasse zu entschädigen. 
Ousman Sonko sei zu verpflichten, der Eidgenossenschaft die Entschädigung für 
seine amtliche Verteidigung zurückzubezahlen, sobald es seine wirtschaftlichen 
Verhältnisse erlauben. 

Anträge der anwaltlichen Vertretung der Privatkläger 

für G., F. und E. (SK 127.721.664 f.) 

Schuldpunkt: 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und angemessen 
zu bestrafen. 

Zivilforderungen, Unkosten und unentgeltliche Rechtsvertretung: 

G. 

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin G. eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 130'000.--, zuzüglich 5% Zins seit dem 8. Juli 2007, zu bezahlen. 

3. Die Privatklägerin G. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten für 
sich und ihre Begleitperson gemäss einzureichender Unkostenabrechnung in der 
Höhe von Fr. 5'074.75 zu entschädigen, zahlbar an die Rechtsvertretung. 

4. Rechtsanwältin Annina Mullis sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und Mehr-
wertsteuer) als unentgeltliche Rechtsvertretung für G. gemäss richterlich zu ge-
nehmigender Honorarnote zu entschädigen. 

Zivilforderungen, Unkosten und unentgeltliche Rechtsvertretung: 

F. 

5. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger F. eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 37'100.--, zuzüglich 5% Zins seit dem 21. April 2006, zu bezahlen. 

6. Der Privatkläger F. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten ge-
mäss einzureichender Unkostenabrechnung in der Höhe von Fr. 3'006.40 zu ent-
schädigen, zahlbar an die Rechtsvertretung. 

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SK.2023.23 

7. Rechtsanwältin Annina Mullis sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und Mehr-
wertsteuer) als unentgeltliche Rechtsvertretung für F. gemäss richterlich zu geneh-
migender Honorarnote zu entschädigen. 

Zivilforderungen, Unkosten und unentgeltliche Rechtsvertretung: 

E. 

8. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger E. eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 114'600.--, zuzüglich 5% Zins seit dem 21. April 2006, zu bezahlen. 

9. Der Privatkläger E. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten ge-
mäss einzureichender Unkostenabrechnung in der Höhe von Fr. 1'184.30 zu ent-
schädigen, zahlbar an die Rechtsvertretung. 

10. Rechtsanwältin Annina Mullis sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und Mehr-
wertsteuer) als unentgeltliche Rechtsvertretung für E. gemäss richterlich zu ge-
nehmigender Honorarnote zu entschädigen. 

Verfahrenskosten: 

11. Es seien dem Beschuldigten die Verfahrenskosten inkl. die Kosten der unentgelt-
lichen Rechtsvertretungen (inkl. Spesen und Mehrwertsteuer) aufzuerlegen, wobei 
diese wegen Uneinbringlichkeit unter Nachforderungsvorbehalt auf die Staats-
kasse zu nehmen sind. 

Verwendung eingezogener Geldmittel zugunsten der Geschädigten (Art. 73 StGB): 

12. Mit dem Endentscheid eingezogene Geldmittel des Beschuldigten seien sämtli-
chen Privatklägerinnen und Privatklägern in diesem Strafverfahren sowie der Er-
bengemeinschaft J. anteilsmässig zuzusprechen. 

 

für B., C., D. (SK 127.721.729 f.) 

Schuldspruch 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und angemessen 
zu bestrafen. 

Für B. 

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger B. eine Genugtuung in 
Höhe von Fr. 35'800.--, zuzüglich 5% Zinsen seit dem 20. April 2006, zu bezahlen. 

3. Der Privatkläger B. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten, in 
der Höhe von Fr. 2'769.33, zu entschädigen. 

4. Rechtsanwältin Caroline Renold sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und 
Mehrwertsteuer) als unentgeltliche Rechtsvertretung für B. gemäss ihrer richterlich 
zu genehmigenden Honorarnote zu entschädigen. 

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SK.2023.23 

Für C. 

5. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin C. eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 54'800.--, zuzüglich 5% Zinsen seit dem 1. Dezember 2006, zu be-
zahlen. 

6. Die Privatklägerin C. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten, in 
der Höhe von Fr. 4'105.10, zu entschädigen. 

7. Rechtsanwältin Caroline Renold sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und 
Mehrwertsteuer) als unentgeltliche Rechtsvertretung für C. gemäss ihrer richterlich 
zu genehmigenden Honorarnote zu entschädigen. 

Für D. 

8. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger D. eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 39'200.-- zuzüglich 5% Zinsen seit dem 20. April 2006 zu zahlen. 

9. Der Privatkläger D. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten, in 
der Höhe von Fr. 3'482.10, zu entschädigen. 

10. Rechtsanwältin Caroline Renold sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und 
Mehrwertsteuer) als unentgeltliche Rechtsvertretung für D. gemäss ihrer richterlich 
zu genehmigenden Honorarnote zu entschädigen. 

Verwendung eingezogener Geldmittel zugunsten der Geschädigten (Art. 73 StGB) 

11. Mit dem Endentscheid allfällig einzuziehende Geldmittel des Beschuldigten seien 
sämtlichen Privatklägern und Privatklägerinnen sowie der Erbengemeinschaft J. 
anteilsmässig zuzusprechen. 

Verfahrenskosten 

12. Es seien dem Beschuldigten die Verfahrenskosten inkl. der Kosten der unentgelt-
lichen Rechtsvertretungen (inkl. Spesen und Mehrwertsteuer) aufzuerlegen, wobei 
diese wegen Uneinbringlichkeit unter Nachforderungsvorbehalt auf die Staats-
kasse zu nehmen sind. 

 

für H. und I. (SK 127.721.807 ff.) 

Schuldpunkt 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und angemessen 
zu bestrafen. 

Zivilforderungen, Unkosten und unentgeltliche Rechtsvertretung H. 

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin H. eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 35'000.-- zu bezahlen, zuzüglich 5% Zins seit dem 17. Septem-
ber 2016. 

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SK.2023.23 

3. Die Privatklägerin H. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten in 
der Höhe von Fr. 6'993.16 zu entschädigen. 

4. Rechtsanwältin Fanny de Weck sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und 
Mehrwertsteuer) als unentgeltliche Rechtsvertretung für H. gemäss richterlich zu 
genehmigender Honorarnote zu entschädigen. 

Zivilforderungen, Unkosten und unentgeltliche Rechtsvertretung I. 

5. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin I. eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 35'000.-- zu bezahlen, zuzüglich 5% Zins seit dem 17. Septem-
ber 2016. 

6. Die Privatklägerin I. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten in 
der Höhe von Fr. 3'220.26 zu entschädigen. 

7. Rechtsanwältin Fanny de Weck sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und 
Mehrwertsteuer) als unentgeltliche Rechtsvertretung für I. gemäss richterlich zu 
genehmigender Honorarnote zu entschädigen. 

Verfahrenskosten 

8. Es seien dem Beschuldigten die Verfahrenskosten inkl. die Kosten der unentgelt-
lichen Rechtsvertretungen (inkl. Spesen und MWST) aufzuerlegen, wobei diese 
wegen Uneinbringlichkeit unter Nachforderungsvorbehalt auf die Staatskasse zu 
nehmen sind. 

Verwendung eingezogener Geldmittel zugunsten der Geschädigten (Art. 73 StGB)  

9. Mit dem Endentscheid eingezogene Geldmittel des Beschuldigten seien den Pri-
vatklägerinnen anteilsmässig zuzusprechen. 

 

für Erbengemeinschaft J. (SK 127.721.839 f.) 

Schuldpunkt 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und angemessen 
zu bestrafen. 

Zivilforderungen, Unkosten und unentgeltliche Rechtsvertretung 

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Erbengemeinschaft der Privatklägerin J. 
eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 40'000.-- zu bezahlen, zuzüglich 5% Zins 
seit dem 17. September 2016. 

3. Die Erbengemeinschaft der Privatklägerin J. sei für die mit dem Strafverfahren ver-
bundenen Unkosten gemäss richterlich zu genehmigender Unkostenabrechnung 
zu entschädigen. 

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SK.2023.23 

4. Rechtsanwältin Stephanie Motz sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen und 
MWST) als unentgeltliche Rechtsvertretung von J. bzw. nach ihrem Ableben ihrer 
Erbengemeinschaft, gemäss richterlich zu genehmigender Honorarnote zu ent-
schädigen. 

Verfahrenskosten 

5. Es seien dem Beschuldigten die Verfahrenskosten inkl. die Kosten der unentgelt-
lichen Rechtsvertretung (inkl. Spesen und MWST) aufzuerlegen, wobei diese we-
gen Uneinbringlichkeit unter Nachforderungsvorbehalt auf die Staatskasse zu neh-
men sind. 

Verwendung eingezogener Geldmittel zugunsten der Geschädigten (Art. 73 StGB) 

6. Mit dem Endentscheid eingezogene Geldmittel des Beschuldigten seien der Er-
bengemeinschaft J. anteilsmässig zuzusprechen. 

 

für K. (SK 127.721.909 f.) 

Schuldpunkt 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und angemessen 
zu bestrafen. 

Zivilforderungen, Unkosten und unentgeltliche Rechtsvertretung K. 

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin K. eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 45'000.--, zuzüglich 5% Zins seit dem 15. April 2016, zu bezahlen. 

3. Die Privatklägerin K. sei für die mit dem Strafverfahren verbundenen Unkosten 
gemäss richterlich zu genehmigender Unkostenabrechnung zu entschädigen, 
zahlbar an ihre Rechtsvertretung. 

4. Rechtsanwältin Nina Burri sei für ihre Aufwendungen (inkl. Spesen) als unentgelt-
liche Rechtsvertretung für K. gemäss richterlich zu genehmigender Honorarnote 
zu entschädigen. 

Verfahrenskosten 

5. Es seien dem Beschuldigten die Verfahrenskosten inkl. die Kosten der unentgelt-
lichen Rechtsvertretungen (inkl. MWST und Spesen) aufzuerlegen, wobei diese 
wegen Uneinbringlichkeit unter Nachforderungsvorbehalt auf die Staatskasse zu 
nehmen sind. 

Verwendung eingezogener Geldmittel zugunsten der Geschädigten (Art. 73 StGB) 

6. Mit dem Endentscheid eingezogene Geldmittel des Beschuldigten seien anteils-
mässig der Privatklägerin K. zuzusprechen. 

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SK.2023.23 

Anträge der Verteidigung (SK 127.721.1102 f.) 

1. Herr Ousman Sonko sei in allen Anklagepunkten freizusprechen. 

2. Sämtliche Zivilforderungen aller Privatkläger seien in ihrer Gesamtheit abzulehnen. 

3. Für den erlittenen Freiheitsentzug sei er wie folgt zu entschädigen:  

a) Fr. 200.-- pro Hafttag vom 25. Januar 2017 bis zum Tag seiner Freilassung: 
am 4. März 2023 entspräche dies einem Betrag von Fr. 519'000.-- für 
2'595 Tage ungerechtfertigten Freiheitsentzug; 

b) Fr. 120'000.-- als zusätzliche Entschädigung für 585 Tage Haft unter rechts-
widrigen Haftbedingungen im Regionalgefängnis Y., vom 26. Januar 2017 
bis 4. September 2018; 

c) Fr. 167'500.-- als zusätzliche Entschädigung für 1’675 Tage Haft unter 
rechtswidrigen Haftbedingungen im Regionalgefängnis X., vom 4. Septem-
ber 2018 bis zum 6. April 2023; 

d) Fr. 10'000.-- als zusätzliche Entschädigung für den vollständigen Nahrungs-
entzug, den er zwischen dem 9. und 10. Februar 2020, am Tag der Einver-
nahme von R., während 33 aufeinander folgenden Stunden erlitten hat. 

4. Angesichts der Tatsache, dass heute der Freispruch von Herrn Ousman Sonko in 
allen Anklagepunkten beantragt wird, sei er für die Verteidigungskosten, die in der 
Zeit vor Ernennung von Rechtsanwalt Philippe Currat zum Pflichtverteidiger ange-
fallen sind, in Höhe von Fr. 113'355.25 zu entschädigen. 

5. Rechtsanwalt Philippe Currat sei für seine Aufwendungen als Pflichtverteidiger ge-
mäss richterlich zu genehmigender Honorarnote zu entschädigen. 

6. Die Kosten- und Honorarrechnung als Pflichtverteidiger wird dem Gericht inner-
halb der in Ihrer Entscheidung vom 23. Januar 2024 gewährten Frist von zehn 
Tagen nach Abschluss der Parteiverhandlungen mitgeteilt. 

Prozessgeschichte: 

A. Nach seiner Entlassung als Innenminister von Gambia am 16. September 2016 
flüchtete Ousman Sonko am 18. September 2016 von Gambia nach Senegal und 
erreichte schliesslich am 20. September 2016 Schweden, wo er einen Asylantrag 
stellte, der abgelehnt wurde (BA [BA für Akten der Bundesanwaltschaft] 13-001-
0003; 06-001-0024). Daraufhin reiste Ousman Sonko in die Schweiz, wo er am 
10. November 2016, am Tag seiner Einreise, um Asyl ersuchte (BA 13-001-0004; 
18-101-0147). 

B. Vor seiner Festnahme im Januar 2017 lebte Ousman Sonko einige Monate als 
asylsuchende Person in einem Durchgangszentrum im bernischen W. Eine 

- 13 - 
 

SK.2023.23 

Zusammenarbeit des Staatssekretariats für Migration (nachfolgend «SEM») mit 
den Strafverfolgungsbehörden bei Verdacht auf ein Verbrechen gegen das Völ-
kerrecht i.S.v. Art. 98a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) 
ist nicht aktenkundig, obwohl Ousman Sonko gemäss Protokoll des SEM bei sei-
ner Anhörung vom 11. November 2016 zu seinen Gesuchsgründen von schwe-
ren Verbrechen berichtete und diese auch dokumentiert hatte (BA 18-101-
0063 f./-0096 ff.; s. hinten E. 1.8.1.2 zur Verwertbarkeit entsprechender Unterla-
gen). Vielmehr wurde die Strafuntersuchung gegen Ousman Sonko aufgrund 
einer Strafanzeige der Nichtregierungsorganisation («Non-governmental Organi-
sation; nachfolgend «NGO») «AAAAAA.» vom 25. Januar 2017 (BA 05-001-
0001 ff.) durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Berner Jura-
Seeland, am Folgetag eröffnet wegen Verdachts auf Begehung von Verbrechen 
gegen die Menschlichkeit (Art. 264a StGB) und anderer noch zu bestimmender 
Verbrechen (BA 01-000-0001). Die Staatsanwaltschaft liess Ousman Sonko 
noch gleichentags verhaften (BA 06-0001-0007). 

C. Bei der Durchsuchung des von Ousman Sonko bewohnten Zimmers im Durch-
gangszentrum am 26. Januar 2017 stellte die Staatsanwaltschaft des Kantons 
Bern Vermögenswerte im Umfang von umgerechnet Fr. 14’306.-- sicher, die sie 
am 27. Januar 2017 beschlagnahmte (BA 08-001-0008/-0015). 

D. Am 28. Januar 2017 ordnete das Regionale Zwangsmassnahmengericht Berner 
Jura-Seeland die Untersuchungshaft von Ousman Sonko bis zum 25. April 2017 
an (BA 06-001-0017). In der Folge bewilligte das kantonale Zwangsmassnah-
mengericht des Kantons Bern (nachfolgend «ZMG Bern») mehrmals die bean-
tragte Verlängerung der Untersuchungshaft. Gegen mehrere dieser Entscheide 
setzte sich Ousman Sonko zur Wehr, wobei die Beschwerden jeweils abgewie-
sen wurden, letztmals mit Urteil des Bundesgerichts 1B_277/2023 vom 
19. Juni 2023. 

E. Auf Anfrage der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern teilte die Bundesanwalt-
schaft am 3. Februar 2017 mit, die kantonale Strafuntersuchung wegen Verdachts 
der Begehung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Art. 264a StGB), 
schwerer Körperverletzung (Art. 122 StGB) und Gefährdung des Lebens 
(Art. 129 StGB) zu übernehmen (BA 02-001-0001 f./-0005 f.). 

F. Am 7. Februar 2017 ersuchte die Bundesanwaltschaft gestützt auf Art. 194 StPO 
das SEM um Übermittlung des Asyldossiers betreffend Ousman Sonko, welches 
am 21. März 2017 bei der Bundesanwaltschaft einging (BA 18-101-0001/-0008). 

G. Am 14. Juli 2017 vereinigte die Bundesanwaltschaft gestützt auf Art. 26 
Abs. 2 StPO das gegen Ousman Sonko geführte Strafverfahren in der Hand des 
Bundes (BA 01-000-0002 f.).  

H. Mittels Verfügungen vom 14. Juli 2017, 7. Dezember 2021, 10. Mai und 12. Au-
gust 2022 dehnte die Bundesanwaltschaft das Strafverfahren gegen Ousman 
Sonko auf die Tatbestände Vergewaltigung (Art. 190 StGB), sexuelle Hand-

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SK.2023.23 

lungen mit Anstaltspfleglingen, Gefangenen und Beschuldigten (Art. 192 StGB), 
vorsätzliche Tötung (Art. 111 StGB, Art. 264a Abs. 1 lit. a StGB i.V.m. Art. 101 
Abs. 3 StGB), Freiheitsberaubung (Art. 183 StGB, 264a Abs. 1 lit. d StGB) und 
Nötigung (Art. 181 StGB, Art. 264a Abs. 1 lit. f i.V.m. Art. 101 Abs. 3 StGB) aus 
(BA 01-000-0002 f./-0005 ff.). 

I. Eine Delegation bestehend aus Ermittlern der Bundesanwaltschaft und der Bun-
deskriminalpolizei (nachfolgend «BKP») reiste mehrmals nach Gambia, um 
rechtshilfeweise Beweismittel (z.B. Durchführung von Einvernahmen) zu erhe-
ben. Mit Ousman Sonko und weiteren in die Untersuchung involvierten Personen 
führte die Bundesanwaltschaft direkt oder delegiert an die BKP zahlreiche Ein-
vernahmen durch, die mehrheitlich audiovisuell aufgezeichnet wurden (Akten-
rubriken 12.001 ff.; 13.001). Weiter zog die Bundesanwaltschaft vom SEM (vgl. 
lit. F zur Prozessgeschichte) und rechtshilfeweise in Gambia Unterlagen bei 
(BA 18.101; 18.201). Auf das Rechtshilfeersuchen der Bundesanwaltschaft für 
eine Videoeinvernahme von Gambias ehemaligem Präsidenten Yahya Jammeh 
und ehemaligem General S. reagierte Äquatorialguinea, das den beiden Perso-
nen den Aufenthalt gewährt, nicht (BA 18-206-0001 ff.). 

J. Die Bundesanwaltschaft reichte am 17. April 2023 bei der Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts (nachfolgend «Strafkammer») Anklage gegen Ousman Sonko 
(nachfolgend «der Beschuldigte») ein. 

K. Am 28. April 2023 erhoben die Privatklägerinnen H., I. und die zwischenzeitlich 
verstorbene Privatklägerin J. bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 
(nachfolgend «Beschwerdekammer») Beschwerde gegen die Anklageschrift vom 
17. April 2023 (BB.2023.95, BB.2023.97, BB.2023.98). Mit Beschluss vom 
7. Juni 2023 (BB.2023.95a, BB.2023.97a, BB.2023.98a) hielt die Beschwerde-
kammer gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 148 IV 124 
E. 2.6.7) fest, dass die Privatklägerschaft nach Erhebung der Anklage gegebe-
nenfalls eine Änderung oder Ergänzung der Anklage i.S.v. Art. 333 StPO bean-
tragen kann und die diesbezüglichen verfahrensleitenden Kompetenzen seit der 
Anklageerhebung bei der Strafkammer liegen. Die Beschwerdekammer leitete 
daher die Eingaben der Privatklägerinnen zusammen mit den Stellungnahmen 
der Bundesanwaltschaft vom 10. Mai 2023 zuständigkeitshalber an die Straf-
kammer weiter und sistierte die drei Beschwerdeverfahren (SK 127.924.004 ff.). 
Auf Einladung der Strafkammer vom 14. Juni 2023, die Anklage i.S.v. Art. 333 
Abs. 1 und 2 StPO zu ändern und/oder zu erweitern, reichte die Bundesanwalt-
schaft am 5. Juli 2023 eine geänderte und erweiterte Anklageschrift ein 
(SK 127.110.156 ff.). In der Folge beschloss die Beschwerdekammer am 11. Ok-
tober 2023 die Beschwerden der Privatklägerinnen H., I. und J. (verstorben) vom 
28. April 2023 zufolge Gegenstandslosigkeit als erledigt abzuschreiben 
(BP.2023.45, BP.2023.46, BP.2023.47). 

L. Das Ausstandsgesuch des Beschuldigten gegen die richterlichen Mitglieder des 
Spruchkörpers der Strafkammer vom 21. Juni 2023 (SK 127.921.1.001 ff.) wies 
die Beschwerdekammer am 19. Juli 2023 (BB.2023.123) ab. 

- 15 - 
 

SK.2023.23 

M. Am 9. Juni 2023 erhielt die Verteidigung des Beschuldigten die Verfahrensakten 
des Vorverfahrens in elektronischer Form übermittelt (SK 127.402.001). Vom 
27. bis und mit 29. Juni 2023 nahm die Verteidigung am Sitz des Bundesstrafge-
richts Akteneinsicht in die Papierakten.  

N. Im Zuge der Prozessvorbereitung holte die Strafkammer von Amtes wegen Füh-
rungsberichte der Regionalgefängnisse Z. und X. ein (SK 127.231.7.278 f.; 
127.231.7.280 f.). Weiter ersuchte sie die gambische Behörde und die Vereinten 
Nationen (nachfolgend «UN») rechtshilfeweise um Übermittlung von Unterlagen 
und um Auskunftserteilung (SK 127.261.2.001 ff./-026 ff.; 127.261.3.001 ff.). 

O. Mit Entscheid vom 11. Juli 2023 (KZM 23 901) wies das ZMG Bern das Haftent-
lassungsgesuch des Beschuldigten vom 26. Juni 2023 ab. Die vom Beschuldig-
ten dagegen erhobene Beschwerde wies die Beschwerdekammer mit Entscheid 
vom 8. August 2023 (BH.2023.14) und das Bundesgericht mit Urteil vom 21. Sep-
tember 2023 (7B_572/2023) ab. 

P. Mit Beweisverfügung vom 21. September 2023 entschied die Verfahrensleitung 
über die Beweisanträge der Parteien (SK 127.250.003 ff.) sowie mit separater 
Verfügung gleichen Datums über prozessuale Anträge der Privatklägerschaft be-
treffend Verdolmetschung der Hauptverhandlung (SK 127.255.007 ff.). Den wie-
derholten Beweisantrag des Beschuldigten vom 7. November 2023 auf Einver-
nahme seiner Ehefrau BBBBBB. wies die Verfahrensleitung am 14. Novem-
ber 2023 ab (SK 127.255.027 f.). Am 20. November 2023 erliess die Verfahrens-
leitung eine erste ergänzende Verfügung über die Beweismassnahmen 
(SK 127.250.020 f.), woraufhin die Bundesanwaltschaft am 30. November 2023 
der Strafkammer weitere Beweismittel übermittelte (SK 127.510.149 ff.). Am 
13. Dezember 2023 erging eine zweite ergänzende Beweisverfügung der Ver-
fahrensleitung (SK 127.250.022 f.). Den wiederholten Beweisantrag der Privat-
klägerschaft, die Akten des vor Oberlandesgericht Celle geführten Strafverfah-
rens gegen AAAA. (Az.: 5 StS 1/22) beizuziehen, wies die Verfahrensleitung am 
14. Dezember 2023 erneut ab (SK 127.255.047 ff.).  

Q. Am 9. Oktober 2023 beantragte die Strafkammer beim ZMG Bern die Verlänge-
rung der Sicherheitshaft des Beschuldigten (SK 127.231.7.223 ff.). Mit Entscheid 
vom 19. Oktober 2023 verlängerte das ZMG Bern die Sicherheitshaft des Be-
schuldigten längstens bis 15. April 2024 (KZM 23 1374). Die vom Beschuldigten 
dagegen erhobene Beschwerde wies die Beschwerdekammer mit Entscheid vom 
15. November 2023 (BH.2023.17) ab.  

R. Die Verfahrensleitung lud die Parteien am 30. Oktober 2023 ein, Vorfragen i.S.v. 
Art. 339 Abs. 2 StPO bis zum 17. November 2023 schriftlich einzureichen 
(SK 127.255.013 f.).  

S. Am 3., 13., 15., 22. und 28. November 2023 erliess die Verfahrensleitung gegen-
über den einzuvernehmenden Privatklägern prozessleitende Anordnungen im 
Zusammenhang mit Anträgen zur Reiseorganisation und Kostenübernahme. Die 

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SK.2023.23 

(Wiedererwägungs-)Ersuchen der Privatklägerschaft auf Kostenübernahme zur 
Teilnahme an der gesamten Hauptverhandlung wurden jeweils abgewiesen 
(SK 127.255.015 ff./-018 ff./-021 ff./-024 ff./-029 f./-031 f./-033 f./-042 f.) 

T. Sämtliche Privatkläger reichten innert der von der Verfahrensleitung mit prozess-
leitender Verfügung vom 13. Dezember angesetzten Frist bis zum 5. Januar 2024 
Zivilforderungen inkl. schriftlicher Begründung ein (SK 127.551.192 ff.; 
127.552.025 ff.; 127.553.025 ff.; 127.554.134 ff.; 127.555.042 ff.; 127.556.040 ff.; 
127.557.052 ff.; 127.558.036 ff.; 127.559.061 ff.; 127.560.028 ff.). 

U. Mittels prozessleitender Verfügung vom 5. Januar 2024 beschränkte die Verfah-
rensleitung die Redezeit der Verteidigung betreffend Vorfragen an der Hauptver-
handlung auf drei Stunden und ordnete gleichzeitig an, deren schriftlicher, auf 
ca. acht Stunden angekündigter, Parteivortrag zu den Vorfragen integral zu den 
Verfahrensakten zu erkennen (SK 127.255.053 f.). 

V. Die Hauptverhandlung fand vom 8. Januar 2024 bis und mit 7. März 2024 (mit 
Unterbrechung am 19. Januar 2024 und vom 24. Januar bis 3. März 2024) in An-
wesenheit der Bundesanwaltschaft, des Beschuldigten, seiner Verteidigung, der 
unentgeltlichen Rechtsbeistände der Privatkläger und teilweise der Privatkläger 
vor dem Kollegialgericht der Strafkammer in Bellinzona statt (SK 127.720.001 ff.). 
An der Hauptverhandlung wurden der Beschuldigte und acht der zehn Privatklä-
ger sowie eine weitere Auskunftsperson und ein Zeuge einvernommen.  

W. Am 24. Januar 2024, nach Abschluss des Beweisverfahrens und Unterbrechung 
der Hauptverhandlung, stellte der Beschuldigte erneut ein Haftentlassungsgesuch, 
das die Verfahrensleitung zusammen mit einer Stellungnahme am Folgetag dem 
ZMG Bern übermittelte. Das Haftentlassungsgesuch vom 24. Januar 2024 wies 
das ZMG Bern mit Entscheid vom 5. Februar 2024 (KZM 24 160) ab. Die vom 
Beschuldigten dagegen erhobene Beschwerde wiesen die Beschwerdekammer 
mit Entscheid vom 5. März 2024 (BH.2024.2) und das Bundesgericht mit Urteil 
vom 25. April 2024 (7B_411/2024) ab. Auf Antrag der Strafkammer vom 5. Ap-
ril 2024 verlängerte das ZMG Bern mit Entscheid vom 16. April 2024 die Sicher-
heitshaft bis zur erstinstanzlichen Urteilseröffnung, längstens bis zum 14. Ju-
li 2024 (KZM 24 707). Das Ausstandsgesuch des Beschuldigten gegen die Ver-
fahrensleitung vom 30. Januar 2024 wies die Beschwerdekammer mit Entscheid 
vom 16. Februar 2024 (BB.2024.22) ab.  

X. In Anwesenheit der Bundesanwaltschaft, des Beschuldigten und seiner Verteidi-
gung sowie (teilweise) der unentgeltlichen Rechtsbeistände der Privatkläger 
wurde am 15. Mai 2024 das Dispositiv des vorliegenden Urteils eröffnet und 
mündlich begründet (SK 127.720.048 f.). Im Anschluss an die Urteilseröffnung 
beschloss die Strafkammer, die Sicherheitshaft des Beschuldigten zu verlängern. 
Die Sicherheitshaft verlängerte sie mehrmals (SN.2024.9), letztmals am 14. Feb-
ruar 2025 bis zum 30. April 2025. 

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SK.2023.23 

Y. Mit Schreiben vom 17. bzw. vom 23. Mai 2024 bzw. vom 24. Mai 2024 meldeten 
der verurteilte Beschuldigte, die Bundesanwaltschaft sowie sämtliche Privatklä-
ger innert Frist gestützt auf Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung an und ersuchten um 
Ausfertigung der schriftlichen Begründung des Urteils. 

Z. Das Ausstandsgesuch der Verteidigung im Namen des (verurteilten) Beschuldig-
ten vom 18. November 2024 gegen die Verfahrensleitung aufgrund deren An-
zeige an die Aufsichtskommission über Anwälte («La Commission du barreau») 
in Genf wies die Beschwerdekammer mit Entscheid vom 16. Dezember 2024 
(BB.2024.148) ab, soweit sie darauf eintrat. Am 23. Januar 2025 reichte die Ver-
teidigung ein weiteres Ausstandsgesuch gegen die Verfahrensleitung ein, das 
die Beschwerdekammer mit Entscheid vom 5. März 2025 ebenfalls abwies 
(BB.2025.9). 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Prozessuales und Vorfragen 

1.1 Strafhoheit und Zuständigkeit 

1.1.1 Strafhoheit 

1.1.1.1 Anklagesachverhalte 2011 und 2016 

Die Strafhoheit der Schweiz betreffend die in der Anklageschrift (nachfolgend 
auch «AKS») in den Ziffern 1.5.4 (Tötung von M.) und 1.5.5 (Folter und Tötung 
von N. sowie Folter und Freiheitsberaubung von J., O., H., I. und P.) umschrie-
benen Handlungen – im Begehungszeitraum nach dem 1. Januar 2011 – wird 
von den Parteien nicht bestritten. 

1.1.1.2 Anklagesachverhalte 2000 bis 2006 

Die Bundesanwaltschaft leitet die rückwirkende Strafhoheit für die in der Ankla-
geschrift vorgeworfenen Taten, die sich vor dem 1. Januar 2011 ereignet haben 
(Ziff. 1.5.1, 1.5.2 und 1.5.3 AKS betreffend Tötung von L., mehrfache Vergewal-
tigung und Folter von G. sowie Folter und Freiheitsberaubung von B., C., D., E. 
und F.) von der Bestimmung in Art. 101 Abs. 3 StGB zur Verjährbarkeit ab. Die 
Anklagebehörde verweist dabei insbesondere auf die jüngst entwickelte Recht-
sprechung der Beschwerdekammer und der Berufungskammer des Bundesstraf-
gerichts (nachfolgend «Berufungskammer») (SK 127.721.199 f.).  

Die Privatklägerschaft B., D. und C. macht geltend, dass die angeklagten Sach-
verhalte in Ziffer 1.5.3 der Anklageschrift bereits im Zeitraum 2000 bis 2006 Straf-
taten gegen das Völkerrecht darstellten und die rückwirkende Anwendung des 
Tatbestandes des Verbrechens gegen die Menschlichkeit qua Völkergewohn-
heitsrecht zulässig sei (SK 127.721.215 f.). Subsidiär beruhe die Strafhoheit der 
Schweiz auf Art. 6 StGB bzw. Art. 6bis aStGB (i.V.m. dem Übereinkommen gegen 

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SK.2023.23 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung 
oder Strafe vom 10. Dezember 1984, SR 0.105; für die Schweiz in Kraft getreten 
am 26. Juni 1987; nachfolgend «UN-Antifolterkonvention»).  

Die Privatklägerschaft G., F. und E. schliesst sich den vorgenannten Ausführun-
gen der Bundesanwaltschaft und Privatklägerschaft an und macht geltend, dass 
sich die Strafhoheit der in den Anklageziffern 1.5.1, 1.5.2 und 1.5.3 umschriebe-
nen Sachverhalte aus Art. 264m StGB ergeben würde (SK 127.721.219 f.). Even-
tualiter seien die angeklagten Straftaten gestützt auf Art. 6 StGB (Art. 6bis aStGB) 
und Art. 7 StGB der Schweizer Gerichtsbarkeit unterworfen. Das Folterverbot und 
das Verbot extralegaler Hinrichtungen würden zum ius cogens zählen. Diese be-
sonders schweren Verbrechen würden von der internationalen Rechtsgemein-
schaft geächtet, weshalb sich die Strafhoheit für die Verfolgung der Tötung bzw. 
des Mordes von L. (Ziff. 1.5.1 AKS) auch auf Art. 7 Abs. 2 lit. b StGB stützen 
liesse (SK 127.721.221/-223 f./-227f.). 

Der Beschuldigte bestreitet, wie bereits im Vorverfahren, die Strafhoheit der 
Schweiz für die in der Anklageschrift in Ziffern 1.5.1, 1.5.2 und 1.5.3 vorgewor-
fenen Taten, die sich vor dem 1. Januar 2011 ereignet haben sollen. Er macht 
geltend, dass die Bestimmungen gemäss Art. 264a und 264m StGB erst am 
1. Januar 2011 in Kraft getreten seien und deren rückwirkende Anwendung mit 
Verweis auf Art. 2 StGB unzulässig sei. Eine Strafrechtshoheit liesse sich auch 
nicht gestützt auf Art. 3 bis 7 StGB begründen, da die notwendigen Anknüpfungs-
punkte nicht vorliegen würden (SK 127.721.024/-028 f./-047/-051/-053f.).  

1.1.1.3 Am 1. Januar 2011 ist Art. 264m StGB in Kraft getreten, wonach auch ein Täter 
strafbar ist, der im Ausland eine Tat nach dem zwölften Titelbis (Völkermord und 
Verbrechen gegen die Menschlichkeit), dem zwölften Titelter (Kriegsverbrechen) 
oder nach Artikel 264k StGB begangen hat, wenn er sich in der Schweiz befindet 
und nicht an einen anderen Staat ausgeliefert oder an ein internationales Straf-
gericht, dessen Zuständigkeit die Schweiz anerkennt, überstellt wird.  

Im Bereich der Völkerrechtsverbrechen gilt der Grundsatz der Universalität – ab-
gebildet in Art. 264m (und Art. 7 Abs. 2 lit. b) StGB – wonach bestimmte Verbre-
chen von jedem Staat verfolgt und geahndet werden können, unabhängig davon, 
wo sie begangen wurden und welche Staatsangehörigkeit Täter oder Opfer be-
sitzen (Botschaft über die Änderung von Bundesgesetzen zur Umsetzung des 
Römer Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs vom 23. April 2008, 
BBl 2008 3892). Völkerrechtsverbrechen richten sich gegen die Interessen der 
internationalen Gemeinschaft als Ganzes (s.a. hinten E. 3.2 Rechtliches zu 
Art. 264a StGB). Aufgrund der universellen Anerkennung ihrer Strafbarkeit wur-
den die Völkerrechtsverbrechen dem Weltrechtsprinzip unterstellt (Präambel 
Abs. 4 und 6 des Römer Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs [«Interna-
tional Criminal Court»; nachfolgend «IStGH» bzw. «ICC»] vom 17. Juli 1998, das 
für die Schweiz am 1. Juli 2002 in Kraft trat [SR 0.312.1; nachfolgend «Römer 
Statut»]; WERLE/JESSBERGER, Völkerstrafrecht, 5. Aufl. 2020, N. 258, S. 116 
m.w.H.; VEST/NOTO, in: Vest et al. [Hrsg.], Die völkerstrafrechtlichen Bestimmun-
gen des StGB – Kommentar, 2014, Art. 264m N. 2 f.). 

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SK.2023.23 

Art. 264m StGB ist eine lex specialis des Strafanwendungsrechts, die den räum-
lichen Geltungsbereich des Strafgesetzbuchs bezüglich im Ausland begangener 
Völkerrechtsverbrechen bestimmt. Die Regel geht den allgemeinen Strafanwen-
dungsregeln des Strafgesetzbuches für im Ausland begangene Taten, insbeson-
dere Art. 6 und 7 StGB, vor (Urteil der Berufungskammer CA.2022.8 vom 
30. Mai 2023 E. I.1.1.2; TPF 2018 151 E. 2.1 m.w.H.; BBl 2008 3954; FIOLKA, 
Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 264m StGB N. 3; MALEH, Commentaire 
Romand II, 2017, Art. 264m StGB N. 12: RIENZO, Das Universalitätsprinzip bei 
der Strafverfolgung von Völkerrechtsverbrechen nach schweizerischem Straf-
recht, Diss. 2014, N. 44 f.). 

Die Strafgewalt über Völkerrechtsstraftaten ohne jegliche Inlandsanknüpfung 
durch schweizerische Justizbehörden rechtfertigt sich nur bei einem inhaltlichen 
Zusammenhang (sog. Begehungszusammenhang; s.a. hinten E. 3.3.3.6 Recht-
liches zu Art. 264a StGB) zwischen der inkriminierten Einzelhandlung und dem 
ausgedehnten oder systematischen Angriff gegen die Zivilbevölkerung. Bei Feh-
len eines solchen Konnexes wäre eine Strafverfolgung und Ahndung in der 
Schweiz gestützt auf Art. 264a i.V.m. Art. 264m StGB mangels Strafhoheit grund-
sätzlich abzulehnen (WEHRENBERG, Umweltschaden als Kollateralschaden eines 
internationalen bewaffneten Konflikts - kann das Völkerstrafrecht zum Schutz der 
Umwelt beitragen? in: Tempus fugit, 20 anni Tribunale penale federale, Heim-
gartner/Thormann/Zufferey (Hrsg.), 2024, S. 550). 

1.1.1.4 Anklagesachverhalte 2011 und 2016 

Die Strafhoheit bezüglich die in Anklageziffern 1.5.4 (Tötung von M. in 2011) und 
1.5.5 (Folter und Freiheitsberaubung von fünf Oppositionellen sowie Folter und 
Tötung von N. in 2016) umschriebenen Handlungen stützt sich auf 
Art. 264m StGB, sofern die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. hinten 
E. 1.1.1.6). 

1.1.1.5 Anklagesachverhalte 2000 bis 2006 

Zu erwägen ist, ob der am 1. Januar 2011 in Kraft getretene Art. 264m StGB auch 
auf die Anklagesachverhalte, die sich im Zeitraum 2000 bis 2006 ereignet haben, 
zur Anwendung gelangt. Art. 2 Abs. 1 StGB regelt das strafrechtliche Rückwir-
kungsverbot, das in Abs. 2 mit dem Grundsatz der lex mitior eine Einschränkung 
erfährt. Demnach ist eine Strafnorm nur anwendbar, wenn der Täter nach ihrem 
Inkrafttreten beurteilt wird und sie für ihn milder ist als das zum Zeitpunkt der Tat 
geltende Recht. 

Das Rückwirkungsverbot gilt nicht für Verfahrensregeln, insbesondere nicht für 
Bestimmungen betreffend die innerstaatlichen (funktionellen) Zuständigkeits-
vorschriften (BGE 117 IV 369 E. 4d; 109 IV 156 E. 2). Hingegen gilt das Rück-
wirkungsverbot für Verfahrensnormen, die den eigentlichen Umfang des ius 
puniendi der Schweiz erweitern (POPP/BERKEMEIER, Basler Kommentar, 
4. Aufl. 2019, Art. 2 StGB N. 14 m.w.H.; DONGOIS/LUBISHTANI, Commentaire 
Romand I, 2. Aufl. 2021, Art. 2 StGB N. 23 f.). Die Regeln über den räumlichen 
Geltungsbereich des Strafrechts gemäss Art. 3-8 und Art. 264m StGB bewirken, 

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SK.2023.23 

dass Straftaten in der Schweiz geahndet werden können und haben somit Aus-
wirkungen auf die Strafbarkeit.  

Somit ist zu bestimmen, ob vorliegend die Anwendung von Art. 264m StGB eine 
Ausweitung des ius puniendi der Schweiz zur Folge hat. Zu diesem Zweck muss 
geprüft werden, ob die Schweiz zum Zeitpunkt der angeklagten Taten, d.h. zwi-
schen 2000 und 2006, für die Verfolgung und Beurteilung von Verbrechen gegen 
die Menschlichkeit über die territoriale Strafhoheit verfügte. 

a) Verbrechen gegen die Menschlichkeit gemäss Art. 264a StGB waren im Be-
gehungszeitraum (2000 bis 2006) nicht expressis verbis im Strafgesetzbuch ver-
ankert. Zu klären ist daher, ob die dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten zum 
Tatzeitpunkt nach Schweizer Recht erfasst waren (Urteil der Berufungskammer 
CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 E. I.1.1.5.1).  

In der Anklageschrift vom 5. Juli 2023 wirft die Bundesanwaltschaft dem Beschul-
digten – als Eventualanklagen formuliert unter dem Gesichtspunkt der Verbre-
chen gegen die Menschlichkeit – vor, zwischen dem 13./14. oder 14./15. Janu-
ar 2000 und November 2006 in Gambia folgende Straftaten begangen zu haben 
(s.a. hinten E. 2 Anklagevorwürfe): 

- Ermordung von L. an der «Bund Road» (Ziff. 1.5.1 AKS); 
- Sexuelle Übergriffe gegen G. in V./GMB, in der Umgebung von Bakau und 

in Banjul (Ziff. 1.5.2.2, 1.5.2.3 und 1.5.2.4 AKS); 
- Folterung und unrechtmässige Gefangenhaltung von G. in Banjul 

(Ziff. 1.5.2.4 AKS); 
- Folterung von B., C., D., E. und F. in Banjul (Ziff. 1.5.3.2, 1.5.3.4, 1.5.3.7, 

1.5.3.9 und 1.5.3.11 AKS); 
- Sexueller Übergriff gegen C. in Banjul (Ziff. 1.5.3.5 AKS); 
- Unrechtmässige Gefangenhaltung von B., C., D., E. und F. in Banjul 

(Ziff. 1.5.3.3, 1.5.3.6, 1.5.3.8, 1.5.3.10 und 1.5.3.12 AKS). 

Im Zeitpunkt der angeklagten Taten waren diese nach Schweizer Recht in den 
Tatbeständen der vorsätzlichen Tötung bzw. Mord gemäss Art. 111 bzw. 
112 StGB, der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB, der Nötigung 
gemäss Art. 181 StGB, der Vergewaltigung gemäss Art. 190 StGB, der Gefähr-
dung des Lebens gemäss Art. 129 StGB und der (qualifizierten) Freiheitsberau-
bung gemäss Art. 183 Ziff. 1 (i.V.m. Art. 184 Abs. 3) StGB unter Strafe gestellt. 
Vor Inkrafttreten von Art. 264a StGB waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit 
insoweit strafbar, als entsprechende Einzeltaten unter «gewöhnliche Einzel-
taten» des Strafgesetzbuchs fielen (BBl 2008 3907). Lediglich der spezifische 
Unrechtsgehalt der Mitwirkung an der Gesamttat des ausgedehnten oder syste-
matischen Angriffs gegen die Zivilbevölkerung liess sich damit nicht erfassen 
(BBl 2008 3920 f.; VEST, in Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar, 
4. Aufl. 2021, Art. 264a StGB N. 2). Daraus folgt, dass die Anwendung von 
Art. 264m StGB die Strafbarkeit hinsichtlich des materiellen Strafrechts nicht er-
weitern würde. 

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SK.2023.23 

b) Art. 6bis aStGB regelte von 1983 bis Ende 2006 die extraterritoriale Zuständig-
keit der Schweiz für die Verfolgung von Verbrechen, die im Ausland von Nicht-
staatsbürgern gegen Nichtstaatsbürger begangen wurden (BBl 1982 Il 1, 6 und 
11). Gemäss dessen Absatz 1 ist das Strafgesetzbuch auf jeden anwendbar, der 
im Ausland ein Verbrechen oder Vergehen begeht, zu dessen Verfolgung sich 
die Schweiz durch ein internationales Übereinkommen verpflichtet hat, sofern die 
Tat auch am Begehungsort (Tatortstaat) strafbar ist, sich der Täter in der Schweiz 
befindet und nicht an das Ausland ausgeliefert wird. Die Bestimmung von 
Art. 6bis aStGB wurde durch Art. 7 StGB ersetzt (Änderung vom 13. Dezem-
ber 2002, in Kraft seit 1. Januar 2007; AS 2006 3459).  

Entgegen der Auffassung der Privatklägerschaft (SK 127.721.228 f.) existierte 
zum Tatzeitpunkt der angeklagten Tötung von L. im Januar 2000 (Ziff. 1.5.1. AKS) 
keine staatsvertragliche Verpflichtung zur nationalen Strafverfolgung von extra-
legalen Tötungen mit reinem Auslandsbezug, weshalb die Bestimmungen von 
Art. 6 (bzw. 6bis aStGB) und 7 StGB nicht als Anknüpfungsregel herangezogen 
werden können. Im Zusammenhang mit der vorgeworfenen Tötung von L. ist we-
der Folter angeklagt noch sind in der Anklageschrift Folterhandlungen beschrie-
ben. Eine Strafhoheit der Schweiz lässt sich somit nicht gestützt auf Art. 6bis aStGB 
i.V.m. der «UN-Antifolterkonvention» begründen. Nicht geeignet ist somit der Hin-
weis der Privatklägerschaft, wonach sich die Zuständigkeit auf Art. 7 Ziff. 1 StGB 
(Art. 6bis aStGB) i.V.m. Art. 4 UN-Antifolterkonvention abstützen liesse. Auch die 
Anwendung von Art. 7 Abs. 2 lit. b StGB («besonders schweres Verbrechen, das 
von der internationalen Rechtsgemeinschaft geächtet wird») scheidet aus, da die 
Bestimmung erst am 1. Januar 2007 in Kraft trat. 

Gleiches gilt für die angeklagten mehrfachen Vergewaltigungen in den Jahren 
2000 bis 2002 (Ziff. 1.5.2.2 und 1.5.2.3 AKS). Mangels internationaler Verpflich-
tung, sexuelle Gewalt ohne Inlandsbezug zu verfolgen und zu beurteilen, besitzt 
die Schweiz keine Strafhoheit (Art. 6bis aStGB e contrario).  

c) Zu erwägen ist, ob sich betreffend die angeklagten Delikte gemäss Anklage-
ziffern 1.5.2.4 und 1.5.3 (angeklagte Tatbegehung 2005 und 2006) eine schwei-
zerische Strafhoheit gestützt auf Art. 6bis Ziff. 1 aStGB i.V.m. der UN-Antifolter-
konvention begründen lässt.  

Art. 4 UN-Antifolterkonvention verpflichtet die Vertragsstaaten, sämtliche Folter-
handlungen strafrechtlich zu erfassen und mit angemessener Strafe zu bedro-
hen. Neben einer Strafverfolgungspflicht nach dem Territorialitätsprinzip und 
dem aktiven Personalitätsprinzip besteht eine Pflicht desjenigen Vertragsstaates, 
in welchem sich die verdächtige Person aufhält, die tatverdächtige Person ent-
weder auszuliefern oder zu beurteilen (aut dedere aut iudicare; Art. 5 und 7 UN-
Antifolterkonvention). Folter bleibt im schweizerischen Strafrecht jedoch auch 
nach dem Erlass der Anpassungsgesetzgebung zum Römer Statut lediglich im 
Begehungskontext eines systematischen oder ausgedehnten Angriffs auf die 
Zivilbevölkerung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit explizit als solche 
strafbar (BBl 2008 3927; TPF 2018 96 E. 7.2.2 in fine und E. 7.3.6, S. 105, ROTH, 
Vingt années de jurisprudence du Tribunal pénal fédéral en matière de droit pénal 

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SK.2023.23 

international, in: Tempus fugit, 20 anni Tribunale penale federale, Heimgart-
ner/Thormann/Zufferey (Hrsg.), 2024, S. 541; a.A. METTRAUX, International 
Crimes, Law and practice, vol. II: Crimes Against Humanity, 2020, S. 192).  

Art. 264m Abs. 1 StGB stellt in Bezug auf Völkerrechtsverbrechen die speziellere 
Norm als Art. 6 Abs. 1 und Art. 7 Abs. 1 StGB dar (vgl. E. 1.1.1.3). Im Gegensatz 
zu Art. 6 Abs. 1 lit. a und Art. 7 Abs. 1 lit. a StGB wird in Art. 264m StGB weder 
eine Strafbarkeit am Begehungsort noch die Berücksichtigung einer lex mitior 
verlangt. Nach Lehre und Rechtsprechung ist demjenigen Anknüpfungsprinzip 
den Vorzug zu geben, das die Anwendung des schweizerischen Strafrechts von 
weniger Einschränkungen abhängig macht (VEST/NOTO, Kommentar, a.a.O., 
Art. 264m StGB N. 16; FIOLKA, a.a.O., Art. 264m StGB N. 6: «...als anknüp-
fungsfreundliche Sonderregel...»; STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, 
Allgemeiner Teil I. Die Straftat, 4. Aufl. 2011, § 5 N. 24 m.V.a. die Judikatur; Ent-
scheid der Beschwerdekammer BH.2017.1 vom 24. Februar 2017 E. 4.2). 

d) Zum Zeitpunkt der Taten gemäss Anklageziffern 1.5.1, 1.5.2.2 und 1.5.2.3 
(2000-2002) war die Schweiz nicht durch einen völkerrechtlichen Vertrag gebun-
den, der sie zur Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit – mit rei-
nem Auslandsbezug – verpflichtete.  

Gleiches gilt für die angeklagten Sachverhalte gemäss Anklageziffern 1.5.2.4 
(2005) und 1.5.3 (2006), obschon das Römer Statut des IStGH vom 17. Juli 1998 
für die Schweiz am 1. Juli 2002 in Kraft trat (SR 0.312.1). Der IStGH ist zuständig 
für die Verfolgung und Beurteilung von «schwersten Verbrechen, welche die in-
ternationale Gemeinschaft als Ganzes berühren» (Präambel Abs. 4 und 9 Römer 
Statut), d.h. Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsver-
brechen gemäss Art. 6-8 Römer Statut sowie Verbrechen der Aggression ge-
mäss Art. 8bis Römer Statut. Der Gerichtshof wird allerdings gemäss dem Grund-
satz der Komplementarität nur tätig, wenn die für die Strafverfolgung in erster 
Linie zuständigen innerstaatlichen Behörden eines Vertragsstaats nicht willens 
oder nicht in der Lage sind, eines der vorne genannten Verbrechen, das auf 
ihrem Hoheitsgebiet oder von einem ihrer Staatsangehörigen begangen wird, 
ernsthaft zu verfolgen (Präambel Abs. 10, Art. 1 und Art. 17 Römer Statut; 
BBl 2008 3870; vgl. dazu SCHABAS/EL ZEIDY, in: Triffterer/Ambos [Hrsg.], Com-
mentary on the Rome Statute of the International Criminal Court, 4. Aufl. 2022, 
Art. 17 Römer Statut N. 4; KÄLIN/KÜNZLI, Universeller Menschenrechtsschutz, 
4. Aufl. 2019, S. 240 f.). An einer staatsvertraglich statuierten Verfolgungspflicht 
für Verbrechen gegen die Menschlichkeit ohne Bezug zum Tatort und zum Täter 
bzw. Opfer fehlt es (WERLE/JESSBERGER, a.a.O., N. 282 m.V.a. die Judikatur und 
Lehre; HENZELIN, Commentaire Romand I, 2. Aufl. 2021, Art. 6 StGB N. 14). Auch 
der Beitritt zum Römer Statut hat an der fehlenden Verfolgungspflicht für reine 
Auslandstaten nichts geändert. Das Römer Statut sieht entsprechend dem Ter-
ritorialprinzip und dem aktiven Personalitätsprinzip nur eine Pflicht der Schweiz 
zur Verfolgung vor, wenn die Tat in der Schweiz oder von einem Schweizer 
Staatsangehörigen begangen wurde (Art. 12 Abs. 2 i.V.m. Art. 17 Römer Statut). 
Zudem legt die herrschende Lehre Art. 6bis Abs. 1 aStGB bzw. 6 Abs. 1 StGB eng 
aus und verlangt eine ausdrückliche Verfolgungspflicht für reine Auslandstaten 

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SK.2023.23 

basierend auf Völkervertragsrecht (HENZELIN, Le principe de l'universalité en droit 
pénal international, Diss. 2000, S. 371 f.; POPP/BERKEMEIER, Basler Kommentar, 
4. Aufl. 2019, Art. 6 StGB N. 5). Die Schweiz ist daher kraft Römer Statut zwar 
ermächtigt, aber nicht verpflichtet, reine Auslandstaten zu verfolgen (BBl 2008 
3895; WERLE/JESSBERGER, a.a.O., N. 281; VEST/NOTO, Kommentar, a.a.O., 
Art. 264m StGB N. 7 m.w.H.; a.A. Urteil der Berufungskammer CA.2022.8 vom 
30. Mai 2023 E. I.1.1.5.5 und II.3.2.2.1, S. 105, zur Verpflichtung).  

Somit lässt sich vorliegend die schweizerische Strafhoheit für die angeklagten 
Delikte im Zeitraum von 2000 bis 2006 nicht gemäss Art. 6bis aStGB auf einen 
Völkerrechtsvertrag begründen, weshalb nachfolgend zu prüfen ist, ob die 
Schweizer Gerichtsbarkeit sich auf das im anklagerelevanten Zeitpunkt geltende 
Völkergewohnheitsrecht abstützen lässt.  

e) Die Strafbarkeit kann und konnte sich mangels eines völkerrechtlichen Ab-
kommens auf Völkergewohnheitsrecht stützen (AMBOS, Münchner Kommentar 
zum Strafgesetzbuch, Bd. 9, Völkerstrafgesetzbuch [VStGB], 4. Aufl. 2022, 
§ 1 VStGB, N. 9; POPP/KESHELAVA, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 1 StGB 
N. 27). Völkergewohnheitsrecht wird als Quelle von Strafnormen ausdrücklich in 
Art. 7 Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) und Art. 15 Abs. 1 des Inter-
nationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte vom 16. Dezember 1966 
(UNO-Pakt II; SR 0.103.2) genannt. 

Die völkergewohnheitsrechtliche Geltung des Universalitätsprinzips, welches mit 
den Nürnberger-Prozesse verankert wurde, ist für Völkermord, Kriegsverbrechen 
und für Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt. Diese Verbrechen rich-
ten sich gegen die Interessen der Gemeinschaft als Ganzes. Aus dieser univer-
sellen Natur der Völkerrechtsverbrechen folgt, dass nicht nur die internationale 
Gemeinschaft grundsätzlich befugt ist, diese Verbrechen zu verfolgen und zu be-
strafen, sondern auch jeder Staat (RIENZO, a.a.O., N. 33; HENZELIN, Diss., a.a.O., 
N. 1213 f., S. 387; THALMANN, Reasonable and Effective Universality: Conditions 
to the Exercice by National Courts of Universal Jurisdiction over International 
Crimes, Diss. 2018, S. 115 N. 179 m.w.H. auf die Literatur; WERLE/JESSBERGER, 
a.a.O., Völkerstrafrecht, 5. Aufl. 2020, N. 258 in fine m.H.a. die Lehre und das 
Schrifttum und N. 260 m.V.a. die Judikatur der internationalen Strafgerichtshöfe). 

Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden erstmals in Art. 6 Abs. 2 lit. c des 
Statuts des Internationalen Militärgerichtshofs von 1945 rechtlich definiert («Sta-
tute of the International Military Tribunal of Nürnberg» [1945], United Nations 
Treaty Series Vol. 82 [1951], S. 280 ff., abgedruckt in: WERLE/JESSBERGER, 
a.a.O., Anhang 1, S. 841 f.). Der Begriff wurde in der Folge in Art. 5 des Statuts 
des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien vom 
25. Mai 1993 (ICTY-Statut, ad-hoc-Tribunal für Ex-Jugoslawien [«International 
Criminal Tribunal for the Former Yugoslavia»; nachfolgend «ICTY»] gestützt auf 
die Resolutionen 808 und 827 des UN-Sicherheitsrats) und in Art. 3 des Statuts 
des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda vom 8. November 1994 (ICTR-
Statut; ad-hoc Tribunal für Ruanda [«International Criminal Tribunal for Rwanda»; 

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SK.2023.23 

nachfolgend «ICTR»] gestützt auf die Resolution 955 des UN-Sicherheitsrats) 
verwendet und erweitert sowie schliesslich in Art. 7 Abs. 1 Römer Statut weiter-
entwickelt (GARIBIAN, Commentaire Romand II, 2017, Art. 264 StGB N. 1 ff.; 
WEHRENBERG/EHLERT, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 264 StGB N. 4 ).  

Die im Römer Statut verankerten Verbrechen gegen die Menschlichkeit spiegeln 
den Stand des Völkergewohnheitsrechts wider (BBl 2001 429 und 503 m.V.a. die 
Rechtsprechung der internationalen Strafgerichtshöfe; BBl 2008 3472 und 3474). 
Sie zählen zum ius cogens, entfalten erga-omnes-Wirkung und können somit ge-
stützt auf das Universalitätsprinzip verfolgt werden (AMBOS, Münchner Kommen-
tar, a.a.O., § 1 VStGB N. 5 [S. 1215]; RIENZO, a.a.O., N. 32 m.w.H.; THALMANN, 
a.a.O., N. 197 und 220; WEHRENBERG/EHLERT, a.a.O., Art. 264a StGB N. 9 
m.V.a. die Rechtsprechung des ICTY).  

f) Am 30. Mai 2023 fällte die Berufungskammer das erste Urteil wegen Verbre-
chen gegen Menschlichkeit gemäss Art. 264a i.V.m. Art. 264m StGB (CA.2022.8). 
Ein liberianischer Staatsangehöriger wurde für begangene Verbrechen gegen die 
Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zwischen 1989 und 1996 (im Rahmen 
eines bewaffneten Konflikts in Liberia) zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren ver-
urteilt. Zusammenfassend gelangte die Berufungskammer zum Schluss, dass die 
per 1. Januar 2011 in Kraft gesetzte Strafbestimmung der Verbrechen gegen die 
Menschlichkeit Geltung beansprucht, auch wenn die Taten bis in die frühen 
1990er Jahre zurückreichten. Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren be-
reits zum Zeitpunkt des Geschehens im Völkerrecht definiert und strafbar. Zudem 
bestand eine universelle Pflicht zur Verfolgung (Urteil der Berufungskammer 
CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 E. I.1.1.5.3).  

Die Berufungskammer stützt sich auf die internationalen Materialien und zwei 
Entscheide des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte («European 
Court of Human Rights»; nachfolgend «EGMR» bzw. «ECtHR»), die auch mit der 
Konstellation des vorliegenden Falles insofern vergleichbar sind, als das inner-
staatliche Recht des mit der Strafverfolgung/-beurteilung befassten Staates zum 
Zeitpunkt der Taten (1992 und 1993) keine Norm kannte, die Verbrechen gegen 
die Menschlichkeit unter Strafe stellte. Der EGMR entschied, dass Verbrechen 
gegen die Menschlichkeit zum Zeitpunkt der Taten im Völkerrecht definiert und 
strafbar waren und Art. 7 EMRK nicht verletzt wurde (Urteil des EGMR, Šimšić 
gegen Bosnien und Herzegowina, vom 10. April 2012, Nr. 51552/10, § 23-25; 
Urteil des EGMR [GG], Maktouf und Damjanović gegen Bosnien und Herzego-
wina, vom 18. Juli 2013, Nr. 34179/08, § 55; CA.2022.8, a.a.O.).  

Gemäss EGMR müssen hinsichtlich der Definition der strafbewehrten Verbote 
zwei qualitative Voraussetzungen erfüllt werden, um den Grundsatz nullum 
crimen sine lege nicht zu verletzen. Die Norm muss zugänglich und die Strafe 
auf ihrer Basis vorhersehbar («accessible and foreseeable») gewesen sein 
(BARCO, Rückwirkung und die Entwicklung der internationalen Verbrechen, 
Diss. 2018, S. 322 m.V.a. die Judikatur und S. 326 ff.; VILLIGER, Handbuch der 
Europäischen Menschenrechtskonvention [EMRK], 3. Aufl. 2020, N. 632). In 
Bezug auf die Zugänglichkeit und Voraussehbarkeit hat der EGMR in Fällen von 

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SK.2023.23 

Menschenrechtsverletzungen und internationalen Verbrechen festgehalten, dass 
diese Voraussetzungen erfüllt sind, wenn es sich um hochrangige Amtsträger 
bzw. Personen mit hoher Funktion handelt, denn sie könnten ihr Unwissen des 
Völkerrechts nicht vorbringen, wobei sich auch einfache Soldaten und Polizisten 
nicht darauf berufen können (Urteil des EGMR, Šimšić gegen Bosnien und 
Herzegowina. vom 10. April 2012, a.a.O., § 24; Urteil des EGMR [GG], Kononov 
gegen Litauen, vom 17. Mai 2010, Nr. 36376/04, § 325). 

Im Weiteren setzt sich die Berufungskammer mit dem Schrifttum aus der franko-
phonen Schweiz auseinander (a.a.O., E. I.1.1.5.1), welche die Strafhoheit und 
damit einhergehend die Strafbarkeit mangels Bestehen von völkerrechtlichen 
Übereinkommen auf Völkergewohnheitsrecht abzustützen sucht (BERTOSSA, La 
compétence universelle de la Suisse, in: Meylan [Hrsg.], La lutte contre I’impunité 
en droit suisse, 2. Aufl. 2015, S. 5, N. 19; JAKOB/MALEH, Commentaire Romand II, 
2017, Vor Art. 264 bis 264n StGB N. 47 ff.; THALMANN, a.a.O., S. 287 N. 434 
m.H.a. JAKOB/MALEH, a.a.O.). 

g) Eine eingehende Analyse der Lehre hat ergeben, dass auch CASSANI/ROTH 
den Weg über das Völkergewohnheitsrecht mangels Vertrags als gangbar be-
trachten unter Verweis auf Art. 7 Abs. 2 EMRK (CASSANI/ROTH, Le juge suisse 
au service de la «communauté des peuples » ? in: Donatsch/Forster/Schwarzen-
egger [Hrsg.], Strafrecht, Strafprozessrecht und Menschenrechte – Festschrift für 
Stefan Trechsel zum 65. Geburtstag, 2002, S. 466 f.). MALEH spricht sich dafür 
aus, dass die rückwirkende Anwendung von Art. 264m StGB zulässig ist, sofern 
das vorgeworfene Verhalten zum Zeitpunkt der Tat eine Straftat nach Völkerrecht 
darstellt (MALEH, a.a.O., Art. 264m StGB N. 51 m.V.a. BGE 117 IV 369 E. 4e). 

In der ausgewerteten Lehre der deutschsprachigen Schweiz findet dazu keine 
vertiefte Auseinandersetzung statt. VEST lässt die Möglichkeit einer völkergewohn-
heitsrechtlichen Strafbegründung auf der Grundlage von Art. 7 Abs. 1 EMRK und 
Art. 15 Abs. 1 UNO-Pakt II sowie auf Abs. 2 beider Konventionen (Strafbarkeit 
aufgrund allgemeiner Rechtsgrundsätze) zu (VEST, in: Vest et al. [Hrsg.], Die völ-
kerstrafrechtlichen Bestimmungen des StGB – Kommentar, 2014, Systematische 
Einleitung, N. 71). RIENZO postuliert, dass die schweizerische Gerichtsbarkeit 
über Völkerrechtsverbrechen soweit rückwirkend angewendet werden sollte, wie 
ihre jeweiligen Tatbestände völkerrechtliche Geltung erlangt haben, und betont 
dabei, dass es sich nicht um die Kriminalisierung dieser Verbrechen handle, son-
dern um die Möglichkeit einer Strafverfolgung in der Schweiz von bereits strafba-
ren Verhalten (RIENZO, a.a.O., N. 393; gl.M. CAPUS, Ewig still steht die Vergan-
genheit? Der unvergängliche Strafverfolgungsanspruch nach schweizerischem 
Recht, Diss. 2006, S. 87; vgl. E. 1.1.1.5 a). 

In der parlamentarischen Beratung zur Einführung des Tatbestandes der Verbre-
chen gegen die Menschlichkeit hat sich der Vorschlag des Bundesrates durch-
gesetzt, wonach auch bei den schwerwiegendsten Verbrechen wie Völkermord, 
Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen am Grundsatz der 
Nichtrückwirkung festgehalten werden soll (BBl 2008 3910 f.). Während das 
Schliessen der Strafbarkeitslücken für eine Rückwirkung gesprochen hätte, 

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SK.2023.23 

verlange der Grundsatz von Art. 2 StGB, dass Strafbestimmungen nicht rückwir-
kend gelten sollten (dazu WEHRENBERG, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Vor 
Art. 264-264m N. 15).  

Die Besonderheiten der Entstehung von völkerrechtlichem Strafrecht werden in 
Art. 7 EMRK und Art. 15 UNO-Pakt II ausdrücklich anerkannt. Diese Bestimmun-
gen lassen bezüglich des Grundsatzes nulla poena sine lege eine Ausnahme zu, 
wenn die Tat im Zeitpunkt ihrer Begehung nach internationalem Recht (Abs. 1) 
oder nach den von der Völkergemeinschaft anerkannten Rechtsgrundsätzen 
(Abs. 2) strafbar war. Mit internationalem Recht ist das Völkerstrafrecht gemeint 
(KREICKER, in: Sieber/Satzger/v. Heintschel-Heinegg [Hrsg.], Europäisches Straf-
recht, 2. Aufl. 2014, § 51 N. 81). Die Konventionsbestimmungen stehen einer 
Kriminalisierung auf der Grundlage ungeschriebenen Rechts somit nicht entgegen 
(Urteil der Berufungskammer CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 E. II.3.2.3.4; AMBOS, 
Internationales Strafrecht. Strafanwendungsrecht – Völkerstrafrecht – Europäi-
sches Strafrecht – Rechtshilfe, 5. Aufl. 2018, § 10 N. 126, S. 525; GLESS, Inter-
nationales Strafrecht, 3. Aufl. 2021, N. 1103, S. 405 und N. 1106, S. 407 m.w.H. 
auf die Lehre; VEST, Kommentar, a.a.O., Systematische Einleitung, N. 71; s. Vo-
tum BR Schlumpf AB 2010 340). Dabei dürfte es sich nicht um eine Ausnahme 
des Rückwirkungsverbots handeln, sondern um eine Ausnahme einer strikten 
Konzeption der Legalität (GLESS, Internationales Strafrecht, a.a.O., N. 1106; 
BARCO, a.a.O., S. 336, 459 f.). So haben der EGMR und die Berufungskammer 
(vgl. E. 1.1.1.5 f) das Legalitätsprinzip und das Rückwirkungsverbot zu Gunsten 
der völkerstrafrechtlichen Verpflichtung, die Verletzung von universell anerkann-
ten Rechtsgütern aus Gründen der Gerechtigkeit (AMBOS, Internationales Straf-
recht, § 5 N. 7 m.w.H.) weltweit zu verfolgen und zu ahnden, relativiert. 

Die Strafbarkeit gestützt auf das Universalitätsprinzip basiert auf dem Gedanken, 
dass derartige Verbrechen weltweit, unbesehen um die Rechtsordnung am Tat-
ortstaat, zu verfolgen sind. Damit soll verhindert werden, dass Täter sich an Orte 
begeben können, wo sie keine Strafverfolgung befürchten müssen und damit 
eine Situation einer Straflosigkeit entsteht (LINDENMANN, in: Vest et al. [Hrsg.], 
Die völkerstrafrechtlichen Bestimmungen des StGB – Kommentar, 2014, Allge-
meine Einleitung, N. 7). Zur Vermeidung von Verfolgungslücken ist eine mög-
lichst weitgehende Anwendbarkeit des staatlichen Rechts vorzusehen und damit 
einhergehend eine Einschränkung des Gesetzlichkeitsprinzips nulla poena sine 
lege scripta, in Kauf zu nehmen. Letzterem kommt aufgrund der globalen Dimen-
sion von Völkerrechtsverbrechen – ihrem Wesen nach betreffen sie die Mensch-
heit als Ganzes – und auch im Lichte dessen Sinn und Zweck – dem Schutz und 
der Achtung fundamentaler Menschenrechte – nicht die gleiche Bedeutung zu 
wie bei gemeinrechtlichen Straftaten im nationalen Recht. 

Ein Zustand der Straflosigkeit würde vorliegend eintreten, wenn sich der Beschul-
digte wegen der ihm zur Last gelegten Taten nicht vor Gericht verantworten 
müsste. Angesichts des Umstandes, dass die gambischen Behörden nicht um 
die Auslieferung des Beschuldigten ersucht haben (vgl. hinten E. 1.1.1.6), ge-
langt die Strafkammer (auch) nach dem Grundsatz aut dedere aut prosequi 
(iudicare) zur Auffassung (GLESS, Internationales Strafrecht, a.a.O., N. 211; 

- 27 - 
 

SK.2023.23 

UNSELD, Basler Kommentar, 2015, Vor Art. 85-93 IRSG N. 12), dass vorliegend 
die schweizerische Strafhoheit zu bejahen ist.  

h) Abschliessend gilt es zudem festzuhalten, dass Völkergewohnheitsrecht er-
laubt, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die im Ausland ohne schweizeri-
schen Täter- oder Opferbezug begangen wurden (reine Auslandstaten), als solche 
zu verfolgen, ohne dass das Prinzip der Nichteinmischung verletzt wird (Urteil 
der Berufungskammer CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 E. I.1.1.5.3 in fine; AMBOS, 
Internationales Strafrecht, a.a.O., § 3 N. 96; GRANT, National Prosecution of Inter-
national Crimes and Universal Jurisdiction, in: Kolb/Scalia [Hrsg.], Droit interna-
tional pénal, 2. Aufl. 2012, S. 398 m.w.H.; THALMANN, a.a.O., N. 192 und 220).  

Art. 264m StGB dehnt daher das Recht zu strafen (ius puniendi) nicht aus und 
die Bestimmung gelangt im Ergebnis vorliegend aufgrund des Gesagten zur An-
wendung. Die Strafhoheit der Schweiz für die Verfolgung von Verbrechen gegen 
die Menschlichkeit ergibt sich aus dem zum Zeitpunkt der Tatbegehung(en) gel-
tenden innerstaatlichen Recht und Völkergewohnheitsrecht. 

1.1.1.6 Die Bestimmung nach Art. 264m StGB setzt zusätzlich voraus, dass sich der 
Täter in der Schweiz befindet und nicht an einen anderen Staat ausgeliefert oder 
an ein internationales Strafgericht, dessen Zuständigkeit die Schweiz anerkennt, 
überstellt wird. Beide Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt: 

Der Beschuldigte wurde am 26. Januar 2017 im Durchgangszentrum W. verhaf-
tet (vgl. lit. B und C zur Prozessgeschichte) und befindet sich seither in der 
Schweiz in Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft. Mit Schreiben vom 5. April 2017 
unterrichtete das Bundesamt für Justiz den Staat Gambia über das Strafverfah-
ren gegen den Beschuldigten und erkundigte sich, ob dessen Auslieferung be-
antragt würde (BA 18-201-0019). Gambia hat weder während der staatsanwaltli-
chen Untersuchung noch im gerichtlichen Verfahren ein Auslieferungsersuchen 
gestellt. Schweigen über drei Wochen des Auslands wird als konkludenter Ver-
zicht auf eine Auslieferung gewertet (TPF 2015 14 E. 2.6.1; POPP/KESHELAVA, 
Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 7 StGB N. 10 m.w.H.). 

1.1.1.7 Im Ergebnis ist die schweizerische Strafhoheit somit gestützt auf Art. 264m StGB 
gegeben. Wie noch aufzuzeigen ist (vgl. E. 5.4.2 und E. 8.3.2.2), besteht hinge-
gen mangels ausgedehntem oder systematischem Angriff gegen die Zivilbevöl-
kerung und/oder Begehungszusammenhang mit der (mutmasslichen) inkrimi-
nierten Einzelhandlung (vgl. E. 1.1.1.3) keine Strafhoheit der Schweiz betreffend 
Anklageziffern 1.5.2 (G.) und 1.5.3.5 (C.). 

1.1.2 Zuständigkeit 

Die Bundesgerichtsbarkeit zur Beurteilung der Verbrechen gegen die Mensch-
lichkeit ergibt sich aus der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Bestimmung 
von Art. 23 Abs. 1 lit. g StPO. Für die innerstaatliche Gerichtsbarkeit ist – (auch) 
für mutmassliche Delikte, die sich vor dem 1. Januar 2011 ereignet haben sol-
len – die (neue) Fassung massgebend, da Zuständigkeits- und Verfahrens-

- 28 - 
 

SK.2023.23 

vorschriften grundsätzlich auch auf Taten vor dem Inkrafttreten des neuen 
Rechts anzuwenden sind (BGE 109 IV 156 E. 2; TPF 2012 97 E. 2.3 m.w.H.).  

Die Kompetenz des Kollegialgerichts der Strafkammer ergibt sich aus Art. 19 
Abs. 2 StPO e contrario i.V.m. Art. 36 Abs. 1 und Abs. 2 des Bundesgesetzes 
über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010 (Straf-
behördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71). 

1.2 Verjährung 

1.2.1  

1.2.1.1 Anklagesachverhalte 2011 und 2016 

Betreffend die in der Anklageschrift in Ziffern 1.5.4 (Tötung von M.) und 1.5.5 
(Folter und Tötung von N. sowie Folter und Freiheitsberaubung von J., O., H., I. 
und P.) umschriebenen Handlungen im Begehungszeitraum nach dem 1. Ja-
nuar 2011 – werden von den Parteien keine verjährungsrechtlichen Einwände 
vorgebracht. 

1.2.1.2 Anklagesachverhalte 2000 bis 2006 

Die Bundesanwaltschaft führt an, dass die in der Anklageschrift vorgeworfenen 
Taten, die sich vor dem 1. Januar 2011 ereignet haben (Ziff. 1.5.1, 1.5.2 und 
1.5.3 AKS betreffend Tötung von L., mehrfache Vergewaltigung sowie Folter von 
G., Folter und Freiheitsberaubung von B., D., C., F. und E.) gemäss Art. 101 
Abs. 3 StGB rückwirkend unverjährbar seien und stützt sich insbesondere 
auf das Urteil der Berufungskammer CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 
(SK 127.721.197 f./-200). 

Die Privatklägerschaft B., D. und C. macht geltend, die Spezialbestimmung von 
Art. 101 Abs. 3 Satz 2 StGB regle die zeitliche Anwendung der Unverjährbarkeit 
von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ohne die Strafbefugnis in zeitlicher 
Hinsicht auszuweiten. Deshalb seien die angeklagten Sachverhalte in Ziffer 1.5.3 
zum Zeitpunkt des Inkrafttretens von Art. 264a StGB am 1. Januar 2011 nicht 
verjährt gewesen (SK 127.721.208 f./-212). Die Privatklägerschaft G., F. und E. 
schliesst sich diesen Ausführungen und jenen der Bundesanwaltschaft an 
(SK 127.721.229). 

Die Verteidigung bestreitet, dass die Bestimmung von Art. 101 Abs. 3 StGB zur 
Begründung der rückwirkenden Aufhebung der Verjährung herangezogen werden 
dürfe und verweist auf den Willen des Gesetzgebers, insbesondere auf die parla-
mentarische Debatte, betreffend die Rückwirkung der Verfolgung von Verbrechen 
gegen die Menschlichkeit im Schweizer Strafrecht (SK 127.721.045/-032 ff./-060). 
Demzufolge seien sämtliche in Anklageziffern 1.5.1, 1.5.2 und 1.5.3 vorgeworfe-
nen Straftaten infolge Eintritts der Verjährung einzustellen. 

1.2.2 Das Strafgesetzbuch stellt die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Art. 264a 
StGB erst seit 1. Januar 2011 unter Strafe. Sie waren jedoch bereits zum Zeit-
punkt der Tatbegehung nach Völkerrecht definiert und strafbar (vgl. E. 1.1.1.5 e). 

- 29 - 
 

SK.2023.23 

Die Strafkammer hat zu prüfen, ob die dem Beschuldigten – als Verbrechen ge-
gen die Menschlichkeit – vorgeworfenen Handlungen, die sich im Zeitraum 2000 
bis 2006 ereignet haben sollen, verjährt waren.  

1.2.2.1 Die Einführung der Unverjährbarkeit bestimmter Verbrechen von aussergewöhn-
licher Schwere im Strafgesetzbuch in Art. 75bis aStGB, der Vorläuferbestimmung 
von Art. 101 StGB, erfolgte anlässlich der Verabschiedung des Bundesgesetzes 
über internationale Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. März 1981 (Rechtshilfe-
gesetz, IRSG; SR 351.1; BBl 1981 807), um den Schwierigkeiten zu begegnen, 
die insbesondere im Bereich der internationalen Strafrechtshilfe durch die Anwen-
dung der Verjährungsbestimmungen des nationalen Rechts bezüglich solcher 
Verbrechen entstanden waren (ZIEGLER/WEHRENBERG, Commentaire Romand I, 
2. Aufl. 2021, Art. 101 StGB N. 7; ZURBRÜGG, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, 
Art. 101 StGB N. 3). 

Völkermord und Kriegsverbrechen waren somit unverjährbar, sofern die Straf-
verfolgung oder die Strafe bis zum Inkrafttreten von Art. 75bis aStGB am 1. Ja-
nuar 1983 noch nicht verjährt war (gesetzliche Fussnote zu Art. 75bis aStGB). 
Dieser Bestimmung waren die Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht unter-
worfen (a.A. vereinzelte Lehrmeinungen, die einzelne Verhaltensweisen gemäss 
Art. II des Übereinkommens über die Verhütung und Bestrafung des Völkermor-
des [SR 0.311.11] wie die Ausrottung oder das Verfolgungsverbrechen in 
Art. 75bis Abs. 1 Ziff. 1 aStGB als miterfasst betrachten; VEST, Kommentar, a.a.O., 
Art. 101 StGB N. 9 in fine m.H.). 

Erst mit Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Änderung von Bundesgeset-
zen zur Umsetzung des Römer Statuts des Internationalen Strafgerichts vom 
18. Juni 2010 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863) wurden die neuen Bestimmungen 
über Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeführt. Dementsprechend wurde 
auch Art. 101 aStGB revidiert, indem die Verjährung auf Verbrechen gegen die 
Menschlichkeit ausgeweitet und die Umschreibung der Verbrechen in Art. 101 
StGB sowie dessen Struktur angepasst wurden (ZIEGLER/WEHRENBERG, a.a.O., 
Art. 101 StGB N. 16; ZURBRÜGG, a.a.O., Art. 101 StGB N. 10). So sieht Art. 101 
Abs. 1 lit. b StGB die Unverjährbarkeit von Verbrechen gegen die Menschlichkeit 
gemäss Art. 264a StGB vor, während Art. 101 Abs. 3 StGB, zweiter Satz, festlegt, 
dass diese Straftaten als unverjährbar gelten, sofern bei den entsprechenden 
Delikten und Strafen im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Unverjährbarkeitsrege-
lung die Verjährung infolge Änderung des Strafgesetzbuches vom 18. Juni 2010, 
d.h. am 1. Januar 2011, noch nicht eingetreten war.  

1.2.2.2 Der Grundsatz der Nichtrückwirkung von Strafnormen ist in Art. 2 Abs. 1 StGB 
verankert (vgl. E. 1.1.1.5). Die Bestimmungen der Art. 388-390 StGB ergänzen 
Art. 2 StGB und regeln nach denselben Grundsätzen (Rückwirkungsverbot und 
Ausnahme der lex mitior) die Vollstreckung von Urteilen, Strafen und Massnah-
men, die Verjährung und den Strafantrag. Insbesondere die Bestimmungen des 
neuen Rechts über die Verfolgungs- und Vollstreckungsverjährung (Art. 389 
Abs. 1 StGB) sind auch auf Täter anwendbar, die vor Inkrafttreten des neuen 
Rechts eine Tat begangen haben oder beurteilt wurden, sofern die Bestimmungen 

- 30 - 
 

SK.2023.23 

milder sind als das bisherige Recht (BGE 129 IV 49 E. 5.1 m.w.V.; POPP/BERKE-
MEIER, a.a.O., Art. 2 StGB N. 18; DONGOIS/LUBISHTANI, a.a.O., Art. 2 StGB N. 19 
und 21). Eine anderslautende Bestimmung des Gesetzes ist jedoch ausdrücklich 
vorbehalten (Art. 389 Abs. 1 StGB). Eine solche abweichende Regelung findet 
sich in Art. 101 Abs. 3 Satz 2 StGB u.a. bezüglich der Verjährung von Verbrechen 
gegen die Menschlichkeit. Danach gelten die neuen Bestimmungen der Unver-
jährbarkeit auch für vor Inkrafttreten begangene Handlungen (RIEDO, Basler 
Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 389 StGB N. 14 und 18; TRECHSEL/BURCKHARDT, 
Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 389 StGB N. 2). Die Bestimmung steht nicht 
isoliert in der schweizerischen Rechtslandschaft. Der Gesetzgeber hat neben 
Art. 101 StGB (Art. 75bis aStGB) auch betreffend die sexuellen Handlungen mit 
Kindern eine nachträgliche Verlängerung der Verjährung angeordnet (Art. 97 
Abs. 2-4 StGB und 101 Abs. 3 Satz 3 StGB; Bundesgesetz über die Unverjähr-
barkeit sexueller und pornografischer Straftaten an Kindern vor der Pubertät vom 
15. Juni 2012, AS 2012 591; BBl 2011 5977).  

1.2.2.3 Der zeitliche Geltungsbereich des Völkerstrafrechts – als Querschnittmaterie zwi-
schen Völkerrecht und Strafrecht (VEST, Kommentar, a.a.O., Systematische Ein-
leitung, N. 12) – wirft vor dem Hintergrund der besonderen Natur und dem recht-
lichen Charakter von Völkerrechtsverbrechen im Vergleich zu rein innerstaatli-
chen Bestimmungen spezifische Fragen auf. Anders als innerstaatliche Straf-
rechtsnormen entstehen völkerrechtliche Bestimmungen nicht im Rahmen des 
ordentlichen Gesetzgebungsprozesses (VEST/SAGER, Die bundesrätliche Bot-
schaft zur Umsetzung der Vorgaben des IStGH-Statuts – eine kritische Bestan-
desaufnahme, AJP/PJA 4 [2009], S. 427). Völkerrecht und damit auch das Völ-
kerstrafrecht entsteht grundsätzlich durch Völkervertragsrecht, Völkergewohn-
heitsrecht sowie durch allgemeine Rechtsgrundsätze (vgl. Art. 38 Abs. 1 IGH Sta-
tut [SR 0.193.501]; PETERS/PETRIG, Völkerrecht - Allgemeiner Teil, 6. Aufl. 2023, 
S. 9; VEST/SAGER, a.a.O., S. 427). Aus der gewohnheitsrechtlichen Natur des 
Völkerstrafrechts ergibt sich, dass der Grundsatz nulla poena sine lege (praevia) 
nicht – wie im innerstaatlichen Strafrecht – ausschliesslich auf seine schriftliche 
Fixiertheit oder auf qualifizierte inhaltliche Bestimmtheit bezogen werden darf 
(SATZGER, Internationales und Europäisches Strafrecht, 10. Aufl., 2022, § 15 
N. 13; AMBOS, Internationales Strafrecht, a.a.O., § 5 N. 7). Den Besonderheiten 
der Entstehung von völkerrechtlichem Strafrecht wird in Art. 7 EMRK und in 
Art. 15 UNO-Pakt II ausdrücklich Rechnung getragen (vgl. E. 1.1.1.5 e; AMBOS, 
Internationales Strafrecht, a.a.O., § 10 N. 126).  

1.2.2.4 Die Beschwerdekammer hatte sich erstmals in TPF 2018 96 und TPF 2021 210 
mit der Frage der Unverjährbarkeit und mit dem strafrechtlichen Rückwirkungs-
verbot zu befassen. Im Entscheid TPF 2018 96, in dem vor 2011 in Algerien ver-
übte Folterhandlungen zur Diskussion standen, gelangte die Beschwerdekam-
mer zur Auffassung, dass sich ein Vorbehalt im Sinne von Art. 389 Abs. 1 StGB 
aus Art. 101 Abs. 3 StGB in Bezug auf die Verjährung von Völkermord und Ver-
brechen gegen die Menschlichkeit ergebe und dass Verbrechen gegen die 
Menschlichkeit unverjährbar sind, falls die Tathandlungen am 1. Januar 2011 
noch nicht verjährt waren (a.a.O., E. 7.2.2 m.H.; TPF 2021 210 E. 2.1.3 m.w.H.). 

- 31 - 
 

SK.2023.23 

Die Beschwerdeinstanz befand, dass in diesen Konstellationen die Bestimmun-
gen über die Unverjährbarkeit auch für Handlungen gelten, die vor dem Inkraft-
treten der unter Strafe gestellten Handlungen begangen wurden, unabhängig von 
den für den Täter günstigeren Bestimmungen über die Verjährung (a.a.O.). Da-
raus folge, dass Art. 101 Abs. 3 StGB eine begrenzte Rückwirkung der Regeln 
über die Unverjährbarkeit von Straftaten vorsieht, die zum Zeitpunkt des Inkraft-
tretens der neuen Norm, die sich auf sie bezieht, noch nicht verjährt waren 
(TPF 2021 210 E. 2.1.3 m.V.a. BGE 132 III 661 E. 4.3 ff.). Diese in zeitlicher 
Hinsicht begrenzte Rückwirkung ermöglicht es, den Grundsatz der strafrechtli-
chen Nichtrückwirkung gemäss Art. 2 StGB mit den politischen Erwägungen in 
Einklang zu bringen, die sich für die Unverjährbarkeit von Verbrechen mit histo-
rischer Dimension («...les considérations politiques militant en faveur de l’impres-
criptibilité pour les crimes revêtant une dimension historique...») wie Völkermord 
und Verbrechen gegen die Menschlichkeit aussprechen (TPF 2021 210 E. 2.1.3 
m.H.a. die Literatur; zur historischen Dimension: ZIEGLER/WEHRENBERG, a.a.O., 
Art. 101 StGB N. 41; METTRAUX, a.a.O., S. 187 ff.; ZURBRÜGG, a.a.O., 
Art. 101 StGB N. 1-7).  

Die von der Beschwerdekammer angeführten Gründe für die Auslegung von 
Art. 101 Abs. 3 StGB sowie die daraus gezogenen Schlussfolgerungen zur be-
grenzten Rückwirkung sind überzeugend (so auch Urteil der Berufungskammer 
CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 E. II.3.2.2.1, S. 104) und im vorliegenden Fall zu 
berücksichtigen. Auch das Konventionsrecht steht der rückwirkenden Anwen-
dung der Regel über die Unverjährbarkeit von Verbrechen gegen die Mensch-
lichkeit nicht entgegen. Gemäss der Rechtsprechung des EGMR hat die Anwen-
dung rein verfahrensrechtlicher Fragen keinen Einfluss auf die Vorhersehbarkeit 
der Straftat und wirft daher keine Fragen im Hinblick auf Art. 7 EMRK (Grundsatz 
des Rückwirkungsverbots) auf. Dies betrifft insbesondere die unmittelbare 
Anwendung einer Vorschrift, die Verjährungsfristen für Sachverhalte verlängert, 
die nach der geltenden Rechtslage nicht verjährt waren (Urteil des EGMR, 
Khodorkovskiy und Lebedev gegen Russland, vom 25. Juli 2013, Nr. 11082/06 
und 13772/05, § 789 f.; Urteil des EGMR, Coëme et al. gegen Belgien, vom 
22. Juni 2000, Nr. 32492/96 und 4 andere, § 149; CA.2022.8, a.a.O., 
E. II.3.2.3.4). 

Darüber hinaus ist die Frage der anwendbaren Verjährungsfrist für Völkerrechts-
verbrechen nach Auffassung des EGMR im Lichte des relevanten internationalen 
Rechts der damaligen Zeit zu entscheiden (Urteil des EGMR [GG], Kononov ge-
gen Litauen, vom 17. Mai 2010, Nr. 36376/04, § 229-233), wobei zu beachten ist, 
dass Art. 7 EMRK nicht ausschliesst, dass jemand wegen einer Handlung oder 
Unterlassung verurteilt oder bestraft wird, die zur Zeit ihrer Begehung nach den 
von den zivilisierten Völkern anerkannten allgemeinen Rechtsgrundsätzen straf-
bar waren. Zudem hat der EGMR darauf hingewiesen, dass dies auch für Ver-
brechen gegen die Menschlichkeit gilt, für welche die Unverjährbarkeit bereits im 
Statut für den Internationalen Militärgerichtshof (vgl. E. 1.1.1.5 e) festgelegt 
wurde (Urteil des EGMR, Penart gegen Estland, vom 24. Januar 2006, 
Nr. 14685/04, S. 9 f.). 

- 32 - 
 

SK.2023.23 

1.2.2.5 Nebst dem klaren Wortlaut von Art. 101 Abs. 3 StGB ergibt sich auch aus der 
Botschaft über die Änderung von Bundesgesetzen zur Umsetzung des Römer 
Statuts des IStGH, wonach die Verjährung der Verbrechen gegen die Mensch-
lichkeit nur dann nicht eintritt, wenn diese Taten im Zeitpunkt des Inkrafttretens 
der Vorlage nach dem zu jenem Zeitpunkt geltenden Recht noch nicht verjährt 
waren (BBl 2008 3913). Gemäss den parlamentarischen Arbeiten lässt sich der 
Wille des Gesetzgebers dahingehend interpretieren, dass eine rechtliche Um-
qualifizierung von Straftaten, die am 1. Januar 2011 noch nicht verjährt waren, in 
Verbrechen gegen die Menschlichkeit gemäss Art. 264a StGB ermöglicht werden 
sollte. Wörtlich wurde festgehalten: «Wenn ein Verbrechen gegen die Mensch-
lichkeit, also Mehrfachtötung, Vergewaltigung, zum Zeitpunkt des Inkrafttretens 
dieser Vorlage noch nicht verjährt ist, haben wir heute die Möglichkeit, dieses 
Delikt wieder als Verstoss gegen Artikel 264a des Strafgesetzbuches zu klassie-
ren und dann auch als unverjährbar anzusehen. Alle Taten, die heute noch nicht 
verjährt sind, werden unter Artikel 264a fallen.» (AB 2010 340). Eine rückwir-
kende Anwendung der Unverjährbarkeit im Zusammenhang mit Verbrechen ge-
gen die Menschlichkeit auf den 1. Januar 1983 wollte der Gesetzgeber allerdings 
nicht zulassen (AB 2010 569). 

1.2.2.6 In der Lehre, die sich mit Rückwirkung von Völkerrechtsverbrechen im nationalen 
Strafrecht beschäftigt, werden diesbezüglich unterschiedliche Meinungen vertre-
ten: 

a) Ein Teil der Autoren ist der Ansicht, dass der Grundsatz der Legalität gemäss 
Art. 1 StGB und der Grundsatz der Nichtrückwirkung gemäss Art. 2 StGB der 
Anwendung von Art. 264a StGB auf Taten, die sich vor dem 1. Januar 2011 ereig-
net haben, entgegenstehen (MEYLAN, L'imprescriptibilité des génocides, crimes 
contre l'humanité et crimes de guerre in: La lutte contre l'impunité en droit suisse, 
2. Aufl. 2015, N. 9 ff.; WEHRENBERG/EHLERT, a.a.O., Art. 264a StGB N. 91 und 
93; ZIEGLER/WEHRENBERG, a.a.O., Art. 101 StGB N. 25c mit Kritik an der Ausle-
gung der Beschwerdekammer in TPF 2018 96). Die Autoren gehen dabei nicht 
auf das Verhältnis zwischen Art. 2 und 101 Abs. 3 StGB ein.  

b) Andere Autoren vertreten die Meinung, dass die Anwendung von 
Art. 264a StGB auf Verbrechen, die vor 2011 begangen wurden und 2011 nicht 
verjährt sind, nicht gegen den Grundsatz der Legalität und des Rückwirkungs-
verbots verstossen und die neuen Bestimmungen der Unverjährbarkeit auch für 
vor Inkrafttreten begangene Handlungen Geltung entfalten (METTRAUX, a.a.O.; 
S. 187 f. m.V.a. das internationale Recht; TRECHSEL/BURCKHARDT, Praxiskom-
mentar, a.a.O., Art. 389 StGB N. 2; TRECHSEL/SCHULZE, Praxiskommentar, 
a.a.O., 4. Aufl. 2021, Art. 101 StGB N. 11; THALMANN, a.a.O., S. 261 und 287 ff.; 
ZURBRÜGG, a.a.O., Art. 101 StGB N. 22 f.). 

c) Gemäss JAKOB/MALEH bewirkt die Übergangsbestimmung von Art. 101 
Abs. 3 StGB (Art. 75bis aStGB), dass Handlungen, die zuvor einer laufenden Ver-
jährungsfrist unterlagen, im Nachhinein unverjährbar werden. Die Verjäh-
rung(sfrist) gehört nicht zu den Bedingungen der Strafbarkeit der Tat und wird 

- 33 - 
 

SK.2023.23 

daher nicht vom Prinzip nullum crimen sine lege abgedeckt. Es wird weder die 
Strafbarkeit begründet noch erweitert, sondern die Ahndung bereits strafbarer 
Verhaltensweisen ermöglicht (JAKOB/MALEH, a.a.O., Vor Art. 264 bis 264n StGB, 
N. 44 und 48-51 m.V.a. die Rechtsprechung des EGMR; auch ROTH, a.a.O., 
S. 539; ZIEGLER/WEHRENBERG, a.a.O., Art. 101 StGB N. 42 m.H.a. die Materia-
lien; TPF 2018 96 E. 7.2.2; TPF 2021 210 E. 2.1.3). 

d) VEST unterscheidet zwischen einer echten und unechten Rückwirkung. Die 
Aufhebung einer Verjährung von Straftaten, die nach Landesrecht bereits ver-
jährt sind, ist unzulässig (echte Rückwirkung). Hingegen erklärt die Bestimmung 
von Art. 101 Abs. 3 StGB lediglich Delikte für unverjährbar, bei denen die Verfol-
gungsverjährung im massgeblichen Zeitpunkt der Gesetzesänderung noch nicht 
eingetreten war (BBl 1977 II 1257 f.; BBl 2008 3912 ff.). Das Rückwirkungsverbot 
schützt das Vertrauen der Rechtsunterworfenen darauf, dass ein Verhalten nicht 
nachträglich mit Strafe bedroht oder, falls es bereits mit Strafe bedroht war, nicht 
nachträglich strenger bestraft wird. Eine Verlängerung (oder Aufhebung) der Ver-
jährungsfrist verletzt dieses Vertrauen nicht, wenn sie auf überzeugende Gründe 
gestützt werden kann (VEST, Kommentar, a.a.O., Art. 101 StGB N. 29 m.H.a. das 
zustimmende und ablehnende ältere Schrifttum). Ein solcher Grund liegt im Fall 
der Völkerrechtsverbrechen gemäss Art. 101 Abs. 1 StGB, die sich eindeutig aus 
dem Bereich der gewöhnlichen Kriminalität herausheben, vor (VEST, Kommentar, 
a.a.O., Art. 101 StGB N. 30; so auch RIENZO, a.a.O., N. 391; zurückhaltend 
KILIAS/KUHN/DONGOIS, Précis de droit pénal général, 4. Aufl. 2016, N. 1638 f., 
Fn. 60; BBl 2008 3910 ff.).  

1.2.2.7 Der vorgenannten Auffassung stimmt die Strafkammer zu, zumal das Rückwir-
kungsverbot nicht die Funktion hat, völkerrechtswidrigen Machtmissbrauch ab-
zuschirmen, und die Bestrafung staatlicher Machthaber wegen von ihnen be-
gangener Völkerrechtsverbrechen nicht hindert (WERLE/JESSBERGER, a.a.O., 
N. 1575; CAPUS, Die Unverjährbarkeit von Verbrechen gegen die Menschheit 
nach schweizerischem und nach internationalem Recht, recht 2006/6, S. 254; 
Beschluss des deutschen Bundesverfassungsgerichts vom 24. Oktober 1996, 
BVerfGE 95, 96 [130 ff.] betreffend die sog. Mauerschützenfälle). Das Legalitäts-
prinzip dient nicht dazu, dem Rechtsunterworfenen die Möglichkeit zu geben, 
sich auch über Ob und Wie der Verfolgbarkeit einer Straftat zu informieren. Beim 
Rückwirkungsverbot geht es in erster Linie um einen Vertrauensschutz im gene-
rellen Sinne, d.h., dass erkennbar sein muss, welches Verhalten mit welcher 
Strafe bedroht ist. Hoffnungen auf bzw. Spekulationen über die Länge der auf 
schwerste Straftaten angedrohten Verjährungsfristen verdienen grundsätzlich 
keinen Schutz (HECKER, in: Schönke/Schröder, Strafgesetzbuch, 30. Aufl. 2019, 
§ 2 N. 6; STRATENWERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil 
I: Die Straftat, 5. Aufl. 2024, § 4 N. 12; VEST/ZYGMONT, Unverjährbare zivilrecht-
liche Ansprüche aus Verbrechen gegen die Menschlichkeit [Art. 60 Abs. 2 OR 
i.V.m. Art. 101 StGB]?, AJP 2006/7, S. 793 m.V.a. Beschluss des deutschen Bun-
desverfassungsgerichts vom 26. Februar 1969, BVerfGE 25, 269, in: NJW 1969, 
S. 1059). Unzulässig nach Art. 7 Abs. 1 EMRK ist jedoch das Wiederaufleben-
lassen der Verjährungsfrist, wenn diese bereits eingetreten ist (BGE 132 II 661 

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E. 4.4.2; VEST, Kommentar, a.a.O., Art. 101 StGB N. 28; ZURBRÜGG, a.a.O., 
Art. 101 StGB N. 22; BBl 1977 II 1258). 

1.2.3 Aufgrund vorstehender Ausführungen sind Straftaten, die am 1. Januar 2011 
noch nicht verjährt waren und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sinne 
von Art. 264a StGB qualifiziert werden, als unverjährbar zu betrachten. Dies be-
deutet auch, e contrario, dass die am 1. Januar 2011 bereits verjährten Taten 
weiterhin verjährt bleiben (BGE 132 III 661 E. 4.3; Urteil der Berufungskammer 
CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 E. II.3.2.2.1, in fine; TPF 2018 96 E. 7.2; TPF 2021 
210 E. 2.1; ZURBRÜGG, a.a.O., Art. 101 StGB N. 23; ZIEGLER/WEHRENBERG, 
a.a.O., Art. 101 StGB N. 44), was sich auch aus den parlamentarischen Arbeiten 
ergibt (AB 2010 340). 

1.2.4 Für die Feststellung des Eintritts der Verjährung ist das Recht vor dem 1. Ja-
nuar 2011 heranzuziehen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Verbrechen ge-
gen die Menschlichkeit zum Zeitpunkt der Tat noch nicht im Strafgesetzbuch auf-
genommen worden waren, ist es erforderlich, die «Referenzdelikte» zu kennen, 
um festzustellen, ob die Strafverfolgung am 1. Januar 2011 verjährt ist. Aus der 
parlamentarischen Diskussion geht hervor, dass bei der Berechnung der Verjäh-
rungsfrist zur Bestimmung der Rückwirkung der Unverjährbarkeit auf die gemein-
rechtlichen Straftaten des Besonderen Teils des Strafgesetzbuches Bezug zu 
nehmen ist (AB 2009 N. 73, e contrario, und AB 2010 340; Urteil der Berufungs-
kammer CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 E. II.3.2.2.2). 

1.2.4.1 Die in der Anklageschrift vom 5. Juli 2023 umschriebenen Sachverhalte im Zeit-
raum von 2000 bis 2006 entsprechen den folgenden gemeinen Straftaten in der 
zur Tatzeit gültigen Fassung des Strafgesetzbuches (aStGB): 

- Mord gemäss Art.112 StGB (Ziff. 1.5.1 AKS); 
- Vergewaltigung gemäss Art. 190 StGB (Ziff. 1.5.2, 1.5.3 AKS); 
- Schwere Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB (Ziff. 1.5.2, 1.5.3 AKS);  
- Nötigung gemäss Art. 181 StGB (Ziff. 1.5.2, 1.5.3 AKS);  
- Qualifizierte Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 i.V.m. Art. 184 StGB 

(Ziff. 1.5.2, 1.5.3 AKS); 
- Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB (Ziff. 1.5.3 AKS). 

1.2.4.2 Es gilt zu ermitteln, ob unter den dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten – so-
weit sie unter die vorstehend genannten Strafbestimmungen fallen – Sachver-
halte vorliegen, die zum Zeitpunkt des Eintritts der Unverjährbarkeit der Verbre-
chen gegen die Menschlichkeit nach Art. 101 Abs. 3 StGB am 1. Januar 2011 
noch nicht verjährt waren. Dazu muss auf die Verjährungsbestimmungen vor der 
Änderung vom 5. Oktober 2001, die am 1. Oktober 2002 in Kraft trat 
(Art. 70 ff. aStGB), und auf das seither geltende Recht (Art. 70 ff. aStGB 
[BBl 2000 2769] sowie – ab 1. Januar 2007 – auf Art. 97 ff. StGB [BBl 1999 
1787]) Bezug genommen werden: 

a) Gemäss Art. 70 aStGB in der bis zum 30. September 2002 geltenden Fassung 
verjährt die Strafverfolgung nach 20 Jahren, wenn die Straftat mit lebensläng-

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lichem Zuchthaus bedroht ist, nach 10 Jahren, wenn die Straftat mit Gefängnis 
von mehr als drei Jahren oder mit Zuchthaus bedroht ist, und nach 5 Jahren, 
wenn die Straftat mit einer anderen Strafe bedroht ist. Die Bestimmungen des 
Strafgesetzbuches betreffend die Verfolgungsverjährung sind durch das Bundes-
gesetz vom 5. Oktober 2001, in Kraft seit 1. Oktober 2002 (AS 2002 2993 und 
3146), geändert worden. Nach dem seit dem 1. Oktober 2002 geltenden Recht 
(Art. 70 ff. aStGB bis zum 1. Januar 2007, entsprechend Art. 97 ff. StGB seit dem 
1. Januar 2007) verjährt die Strafverfolgung nach 30 Jahren, wenn die Straftat 
mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe bedroht ist; nach 15 Jahren, wenn die Straftat 
mit einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht ist und nach sieben 
Jahren, wenn die Straftat mit einer anderen Strafe bedroht ist.  

Übergangsrechtlich ist für die Verfolgungsverjährung Art. 389 StGB massgeblich, 
der materiell Art. 337 aStGB entspricht. Sind die Taten vor dem 1. Oktober 2002 
begangen worden, so bestimmt sich die Verfolgungsverjährung nach dem bis 
dahin geltenden Recht, es sei denn, das neue Recht wäre für den Beschuldigten 
das mildere (vgl. E. 1.2.2.2). 

b) Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach das Strafverfahren ruhte 
oder unterbrochen wurde (Art. 72 aStGB, in der bis zum 30. September 2002 
geltenden Fassung). Folglich kann das neue Verjährungsrecht für den Beschul-
digten nicht milder sein, und es ist somit das alte Recht anzuwenden: 

 
Straftat Verjährungs-frist bis 01.10.2002 

 
Verjährungs-
frist bis 01.01.2011 

Stand der Verjährung am 01.01.2011 für 
Sachverhalte zwischen 13./14.01.2000 
und November 2006  

Mord 
(Art. 112 StGB) 

20 Jahre Nicht verjährt. 

Die Verjährung trat am 13./14.01.2020 
ein. 

Vergewaltigung 
(Art. 190 StGB)  

10 Jahre Teilweise verjährt. 

Die Verjährung trat am 01.01.2010 ein 
(Ziff. 1.5.2.2 AKS). 

Die Verjährung trat im Februar bis 
April 2012 bzw. im Januar 2015 ein 
(Ziff. 1.5.2.2 [teilweise], 1.5.2.3 und 
1.5.2.4 AKS) und März 2016 
(Ziff. 1.5.3 AKS). 

Schwere Kör-
perverletzung 
(Art. 122 StGB)  

10 Jahre  Nicht verjährt.  

Die Verjährung trat frühestens im 
März/April 2016 bzw. im Oktober 2016 
ein. 

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Nötigung 
(Art. 181 StGB) 

5 Jahre Nicht verjährt. 

Die Verjährung trat frühestens im 
März/April 2011 bzw. Oktober 2011 
ein. 

Qualifizierte 
Freiheits-
beraubung 
(Art. 183 i.V.m. 
Art. 184 StGB) 

10 Jahre Nicht verjährt. 

Die Verjährung trat frühestens im 
März/April 2016 bzw. Oktober 2016 
ein. 

Gefährdung 
des Lebens 
(Art. 129 StGB)  

10 Jahre Nicht verjährt. 

Die Verjährung trat frühestens im 
März/April 2016 bzw. Oktober 2016 
ein. 

c) Aus vorstehender Aufstellung geht hervor, dass am 1. Januar 2011 nur die im 
Zeitraum vom 15./16. Januar 2000 bis 1. Januar 2001 angeklagten Vergewalti-
gungen verjährt waren. Die Strafverfolgung für die restlichen Taten gemäss An-
klageziffern 1.5.1, 1.5.2.2 (mit Ausnahme der Vergewaltigungsvorwürfe bis 1. Ja-
nuar 2001), 1.5.2.3 und 1.5.2.4 sowie 1.5.3 war am 1. Januar 2011 nicht verjährt. 
Die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten Taten werden gestützt 
auf Art. 101 Abs. 3 StGB unverjährbar. Wie bereits ausgeführt, waren die ange-
klagten Vergewaltigungen von G. gemäss Anklageziffer 1.5.2.2 (Zeitraum vom 
15./16. Januar 2000 bis 1. Januar 2001) am 1. Januar 2011 hingegen verjährt. 
Das Verfahren gegen den Beschuldigten ist diesbezüglich folglich einzustellen 
(Art. 329 Abs. 5 StPO). 

1.3 Anwendbares Recht 

1.3.1 Am 1. Januar 2011 wurde Art. 264a StGB, der Verbrechen gegen die Mensch-
lichkeit unter Strafe stellt, in das Strafgesetzbuch eingefügt. Es stellt sich somit 
die Frage, ob diese Bestimmung auch für Verbrechen gegen die Menschlichkeit 
gilt, die durch Art. 101 Abs. 1 und 3 StGB unverjährbar geworden sind (vgl. 
E. 1.2.4.2) und ob das zum Tatzeitpunkt geltende Recht oder die neue Bestim-
mung von Art. 264a StGB anzuwenden ist.  

1.3.2 Im Verfahren CA.2022.8 gelangte die Berufungskammer zur Schlussfolgerung, 
dass die am 1. Januar 2011 in Kraft getretene Strafbestimmung der Verbrechen 
gegen die Menschlichkeit gemäss Art. 264a StGB Geltung beansprucht, auch 
wenn die Taten bis in die frühen 1990er Jahre zurückreichten (Urteil der Beru-
fungskammer CA.2022.8 vom 30. Mai 2023 E. II.3.2). Sie hielt fest, dass in Er-
mangelung einer Bestimmung im Schweizer Recht, die zum Zeitpunkt der Tat die 
Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter Strafe stellte, die neu eingeführte 
Bestimmung von Art. 264a StGB die einzige zur Verfügung stehende Bestim-
mung ist (a.a.O., E. II.3.2.3.2 unter Berufung auf das Urteil des EGMR [GG], 
Maktouf und Damjanović gegen Bosnien und Herzegowina, vom 18. Juli 2013, 

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Nr. 34179/08, § 55). Die Berufungskammer hat dazu Kriterien entwickelt, die eine 
Anwendung des betreffenden Völkerstraftatbestands in Bezug auf vor Erlass des 
innerstaatlichen Gesetzes begangenen Taten erlauben (a.a.O., E. II.3.2.3.3). Er-
forderlich sind: Im Zeitpunkt der vorgeworfenen Tat(en) bestand eine völkerrecht-
liche Strafbarkeit. Die Schweiz verfügte über die Strafhoheit und es bestand eine 
Strafverfolgu