# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 98e99fe6-0834-522a-a6f1-d3b5bda453b9
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-05-14
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 14.05.2003 BK 2003 17
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2003-17_2003-05-14.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 14. Mai 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 03 17

Entscheid
Beschwerdekammer

Vizepräsident Bochsler, Kantonsrichter Heinz-Bommer und Rehli, Aktuar Cra-
meri.

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In der strafrechtlichen Beschwerde

des A., Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Cesare Lepori, Via Pa-
rco 2, 6501 Bellinzona,

gegen

die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 7. April 2003, mitge-
teilt am 7. April 2003, in Sachen gegen den Beschwerdeführer,

betreffend grobe Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. Am 19. August 2002, um ca. 16.50 Uhr, fuhr A. mit seinem Personen-
wagen, Kontrollschilder XXX., vom E. herkommend, talwärts in Richtung D.. Da-
bei entschied er sich, das Fahrzeug bei der nächsten Gelegenheit zu wenden, 
um wieder in Richtung G. zu fahren. In der Galerie F. sah er, dass sich nach der 
Galerie eine Möglichkeit bot, das Auto zu wenden. Dort befindet sich nämlich am 
linken Strassenrand eine Wiese. A. will ausgangs der Galerie seinen Personen-
wagen auf Schritttempo abgebremst, den linken Richtungsanzeiger gestellt und 
zum Wendemanöver angesetzt haben. Als er sich mit seinem Fahrzeug ganz auf 
der Gegenfahrbahn gefunden habe, habe er in der Galerie einen in Richtung D. 
fahrenden Motorradfahrer gesehen, der immer mehr nach links geraten und 
schliesslich hinten links in seinem Auto geprallt sei. Der Lenker des Motorrades, 
Kontrollschild zzz., B. will hingegen in der Galerie in einer Entfernung von knapp 
50 Metern einen Personenwagen gesehen haben, der quer in der Fahrbahn ge-
standen sei. Von diesem Fahrzeug sei er überrascht worden. Er habe sofort ge-
bremst. In diesem Moment habe sich das Auto gegen den talseitigen Strassen-
rand bewegt. Eine Kollision habe er aber nicht verhindern können. C., der mit 
seinem Motorrad vor B. fuhr, will in der Galerie, schätzungsweise 20 Meter vor 
ihm, einen Personenwagen gesehen haben, der am linken Strassenrand gestan-
den sei. Als er an ihm vorbeigefahren sei, habe er im Rückspiegel geschaut und 
feststellen können, dass das Fahrzeug nicht mehr auf der Wiese gewesen son-
dern rückwärts in die Fahrbahn gefahren sei.

Bei diesem Unfall zogen sich sowohl B. als auch A. und seine Frau keine 
Verletzungen zu.

B. Mit Verfügung vom 7. April 2003 erhob die Staatsanwaltschaft Graubün-
den gegen A. Anklage wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 
36 Abs. 4 SVG und Art. 17 Abs. 4 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG und 
überwies die Sache dem Bezirksgerichtsausschuss Surselva zur Beurteilung.

Gegen die Anklageschrift gleichen Datums reichte der Angeklagte am 28. 
April 2003 Beschwerde an die Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes von 
Graubünden mit dem Begehren, sie sei unter gesetzlicher Kosten- und Entschä-
digungsfolge aufzuheben.

Die Staatsanwaltschaft Graubünden beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.

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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gegen Verfügungen des Staatsanwaltes kann gemäss Art. 138 StPO 
wegen Rechtswidrigkeit oder Unangemessenheit Beschwerde bei der Beschwer-
dekammer des Kantonsgerichtes geführt werden. Zur Beschwerdeführung ist be-
rechtigt, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwür-
diges Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung geltend macht. Die Be-
schwerde ist innert 20 Tagen, seit der Betroffene vom angefochtenen Entscheid 
Kenntnis erhalten hat, schriftlich einzureichen (Art. 139 Abs. 2 StPO). Sie ist kurz 
zu begründen und soweit der Beschwerdeführer über Beweismittel verfügt, sind 
diese beizulegen (Art. 20 VVG).

Nach der Praxis der Beschwerdekammer ist durch einen Entscheid 
berührt, wer zu dessen Gegenstand in einer besonders nahen Beziehung steht, 
also vor allem jener, der am Verfahren, das zum angefochtenen Entscheid führte, 
beteiligt war (PKG 1993 Nr. 41, 1988 Nr. 54, 1975 Nr. 60), und als schutzwürdi-
ges Interesse gilt ein rechtliches Interesse, das heisst, die Beeinträchtigung der 
wirklichen oder vermeintlichen Rechtsstellung des Beschwerdeführers (PKG 
1993 Nr. 41, 1988 Nr. 54, 1975 Nr. 60). Die Beschwerdelegitimation ist gegeben, 
ist doch A. als Angeklagter durch die angefochtene Verfügung im geforderten 
Ausmasse betroffen. Die übrigen Voraussetzungen (Art. 139 Abs. 2 StPO, 20 
VVG) sind ebenfalls erfüllt.

2. a) Gegenstand der Beschwerde ist im vorliegenden Fall die Anklage-
schrift (Art. 98 Abs. 1 StPO; atto d’accusa). Dagegen wendet sich der Beschwer-
deführer ausdrücklich und er rügt den festgestellten Sachverhalt. Er übersieht 
aber, dass die Anklageschrift für sich alleine grundsätzlich nicht Gegenstand ei-
ner Beschwerde sein kann (PKG 1992, Nr. 58). Die Anklageschrift bildet die pro-
zessuale Grundlage für das richterliche Hauptverfahren und ist eine Art Aus-
führung der Anklageverfügung (Art. 98 Abs. 2 StPO; decreto d’accusa); sie be-
gründet die Anklageverfügung. Sie ist nur insofern von Bedeutung, als sie darü-
ber Aufschluss zu geben vermag, ob der Staatsanwalt gestützt auf das Untersu-
chungsergebnis genügend Grund hatte, wegen der in der Anklageverfügung ge-
nannten Straftatbestände Anklage zu erheben. Der Sachverhalt, wie er in der 
Anklageschrift umschrieben ist, kann aber im Beschwerdeverfahren nicht über-
prüft werden, denn dabei handelt es sich um Behauptungen tatsächlicher Art, das 
heisst um die Aussagen von Zeugen und Auskunftspersonen, deren Richtigkeit 
durch den urteilenden Sachrichter zu überprüfen ist (Padrutt, Kommentar zur 

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Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auflage, Chur 1996, S. 350). 
Gestützt auf die Aussage des Zeugen C. durfte der Staatsanwalt im Rahmen 
seines pflichtgemässen Ermessens mit vertretbaren Gründen annehmen, eine 
grobe Verletzung von Verkehrsregeln sei nachweisbar, eine Verurteilung wahr-
scheinlich und demzufolge Anklage erheben.

b) Die Anklageschrift kann anfechtbar sein, wenn sie den in Art. 98 StPO 
umschriebenen formellen Mindestanforderungen nicht genügt.

Insbesondere hat die Anklageschrift, gemäss dem in Art. 98 Abs. 2 lit. b 
StPO verankerten Anklageprinzip, die Darstellung und die rechtliche Qualifika-
tion des Sachverhaltes zu enthalten. Verlangt wird eine präzise Umschreibung 
des Sachverhaltes. Die dem Angeklagten zur Last gelegten Handlungen müssen 
unter Angabe aller Umstände, die zum gesetzlichen Tatbestand gehören, in der 
Anklageschrift aufgeführt werden. Dadurch wird einerseits das urteilende Gericht 
in tatsächlicher Hinsicht an den Gegenstand des die Anklage bildenden Sachver-
halts gebunden. Der Richter hat sich bei seiner Beurteilung auf den unter Anklage 
gestellten Vorgang zu beschränken, wie er sich ihm nach der Gesamtheit der in 
der Untersuchung und in der Hauptverhandlung ermittelten Tatsachen darstellt. 
Aus diesem Akkusationsprinzip wird der Immutabilitätsgrundsatz abgeleitet, der 
besagt, dass die Anklage das Prozess- und das Urteilsthema für alle Instanzen 
fixiert. Anderseits soll der Angeklagte aus der Anklageschrift ersehen, wessen er 
angeklagt ist und wie sein Verhalten strafrechtlich qualifiziert wird. Nur so kann 
er seinen Anspruch auf das rechtliche Gehör wahrnehmen. Entscheidend ist so-
mit, dass das als strafwürdig erachtete Verhalten derart dargestellt wird, dass das 
Gericht weiss, worüber es zu urteilen hat, und der Angeklagte ersieht, wogegen 
er sich zu verteidigen hat (PKG 1992 Nr. 58).

Die angefochtene Anklageschrift gewährleistet die aus dem Anklage-
grundsatz abzuleitenden Garantiefunktionen und hält die übrigen in Art. 98 Abs. 
2 enthaltenen Minimalvorschriften ein. Dass sie diesen Anforderungen nicht 
genügt, macht selbst der Beschwerdeführer nicht geltend. Die Beschwerde er-
weist sich demzufolge als unbegründet.

3. An diesem Ergebnis vermöchte sich aber auch nichts zu ändern, wenn 
die Anklageverfügung Beschwerdegegenstand wäre. Der Beschwerdeführer kri-
tisiert den Sachverhalt sowie die Beweiswürdigung und die rechtlichen Erwägun-
gen der Anklagebehörde. Dabei übersieht er, dass die Beschwerdekammer an 

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den in der Anklageschrift relevierten Sachverhalt gebunden ist. Ebensowenig 
steht ihr zu, eine umfassende Beweiswürdigung vorzunehmen. All dies fällt in die 
Zuständigkeit des Sachrichters. Die Beschwerdekammer hat einzig zu prüfen, ob 
in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend Anhaltspunkte vorliegen, die ei-
nen Schuldspruch als wahrscheinlich erscheinen lassen. Mehr kann nicht gefor-
dert werden, weil sonst dem Sachrichter vorgegriffen würde. Gestützt auf den der 
Anklage zu Grunde liegenden Sachverhalt und den Akten erweist sich die Ankla-
geverfügung weder als unangemessen noch die zum Ausdruck gebrachte 
Rechtsauffassung als rechtswidrig. Die Beschwerde ist somit auch unter diesem 
Gesichtspunkt unbegründet.

4. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens gehen dessen Kosten 
zu Lasten des Beschwerdeführers (Art. 160 Abs. 1 StPO).

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 700.-- gehen zu Lasten des 
Beschwerdeführers.

3. Mitteilung an:

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Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Der Aktuar