# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 70db81c4-aa32-5042-b053-6a4927837cfc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-01-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.01.2018 F-237/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-237-2018_2018-01-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-237/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  J a n u a r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichter Andreas Trommer, 

mit Zustimmung von Richter Markus König;  

Gerichtsschreiber Julius Longauer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), Türkei,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 3. Januar 2018 / N (…). 

 

 

 

F-237/2018 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 19. Oktober 2017 in der Schweiz um Asyl 

nachsuchte (Akten der Vorinstanz [SEM-act. A1]), 

dass gemäss dem am 20. Oktober 2017 konsultierten zentralen Visa-Infor-

mationssystem (CS-VIS) Italien dem Beschwerdeführer am 17. August 

2017 ein von 28. August 2017 bis 16. September 2017 gültiges Schengen-

Visum ausgestellt hatte (SEM-act. A4), 

dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung zur Person (BzP) 

vom 26. Oktober 2017 (SEM-act. A7) diesen Sachverhalt eingestand und 

weiter ausführte, er sei mit dem italienischen Schengen-Visum auf dem 

Luftweg nach Italien gelangt und von dort in die Schweiz weiter gereist, 

dass dem Beschwerdeführer anlässlich der BzP das rechtliche Gehör zur 

mutmasslichen Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und 

Wegweisungsverfahrens gewährt wurde, 

dass das SEM die italienischen Behörden am 31. Oktober 2017 um Über-

nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 12 Abs. 4 der Verordnung 

(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatangehöri-

gen oder Staatenlosen in deinem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO; Abl. L 180/3 

vom 29. Juni 2013) ersuchte (SEM-act. A11), 

dass die italienischen Behörden innerhalb der dafür vorgesehenen 2-Mo-

nats-Frist des Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO keine Stellung nahmen, 

dass das SEM mit Verfügung vom 3. Januar 2018 – eröffnet am 10. Januar 

2018 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das 

Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien an-

ordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, 

dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-

scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung 

der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-

deführer verfügte (SEM-act. A15), 

F-237/2018 

Seite 3 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 11. Januar 2018 gegen die-

sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und da-

bei beantragte, das Asylverfahren sei in der Schweiz durchzuführen, 

dass er ferner um Gewährung der aufschiebenden Wirkung, um superpro-

visorische Aussetzung von Vollzugshandlungen und um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege ersuchte, 

dass die vorinstanzlichen Akten am 15. Januar 2018 beim Bundesverwal-

tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, 

wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet wurde, 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

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Seite 4 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt, 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass die im Kapitel III genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rang-

folge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 

Dublin-III-VO) anzuwenden sind,  

dass von der Situation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen ist, in dem der 

Asylsuchende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat 

(Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIESER/SPRUNG, 

Dublin III-Verordnung, Wien 2014, K4 zu Art. 7), 

dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe geltend macht, 

er lebe seit acht Monaten mit einer Schweizer Bürgerin im Konkubinat, 

habe mit ihr die Sommerferien verbracht und beabsichtige, sie zu heiraten, 

wobei die Heiratsvorbereitungen bereits „getroffen“ worden seien, 

dass die Zuständigkeit zur Behandlung seines Asylgesuchs daher gemäss 

Art. 9 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 2 Bst. g erster Spiegelstrich Dub-

lin-III-VO bei der Schweiz liege,  

dass gemäss Art. 9 Dublin-III-VO derjenige Mitgliedstaat zur Prüfung des 

Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist, in dem – ungeachtet der 

Frage, ob die Familie bereits im Herkunftsland bestanden hat – ein Fami-

lienangehöriger in seiner Eigenschaft als Begünstigter des internationalen 

Schutzes aufenthaltsberechtigt ist, sofern die betreffenden Personen die-

sen Wunsch schriftlich kundtun, 

dass gemäss Art. 2 Bst. g erster Spiegelstrich Dublin-III-VO auch nicht ver-

heiratete Partner einer antragstellenden Person als Familienangehörige im 

Sinne der Dublin-III-VO gelten können, wenn ihre Beziehung dauerhaft ist 

und nicht verheiratete Paare nach dem Recht oder den Gepflogenheiten 

des jeweiligen Mitgliedstaates ausländerrechtlich vergleichbar behandelt 

werden wie verheiratete Paare, 

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Seite 5 

dass die Berufung des Beschwerdeführers auf Art. 9 Dublin-III-VO schon 

deshalb scheitert, weil seine angebliche Lebenspartnerin nicht – wie von 

dieser Bestimmung gefordert – in ihrer Eigenschaft als Begünstigte des 

internationalen Schutzes in der Schweiz aufenthaltsberechtigt ist, sondern 

als Schweizer Bürgerin (zum Begriff des internationalen Schutzes vgl. Art. 

2 Bst. f Dublin-III-VO), 

dass bei dieser Rechtslage auf die weiteren Voraussetzungen einer erfolg-

reichen Berufung auf Art. 9 Dublin-III-VO, wie ein beidseitig schriftlich ge-

äusserter Wunsch, die Dauerhaftigkeit der Beziehung und die nach dem 

Ausländerrecht des jeweiligen Mitgliedstaates vergleichbare Stellung nicht 

verheirateter mit verheirateten Paaren, nicht eingegangen werden muss, 

dass im Übrigen die Ausführungen des Beschwerdeführers unbeschadet 

ihrer im Kontext des Art. 9 Dublin-III-VO fehlenden Relevanz ohnehin jeder 

Glaubwürdigkeit entbehren und bezeichnenderweise kaum substantiiert 

und nicht belegt werden, 

dass nämlich der Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs, 

das ihm anlässlich der BzP vom 26. Oktober 2017 gewährt wurde, seine 

angebliche Lebenspartnerin mit keinem Wort erwähnte, 

dass er in diesem Zusammenhang nur vorbrachte, er habe 10‘000 Euro für 

das italienische Visum bezahlt, um in die Schweiz gelangen zu können, 

und dafür sein gesamtes Hab und Gut eingesetzt, weshalb er nicht nach 

Italien zurückkehren, sondern hier bleiben wolle (SEM-act. A7 Ziff. 8.01), 

dass der Beschwerdeführer ferner die ihm anlässlich der BzP gestellte 

Frage nach in den Schweiz lebenden Bezugspersonen dahingehend be-

antwortete, dass es keine solchen gebe (SEM-act. A7 Ziff. 3.02), 

dass sich in casu die Zuständigkeit zur Behandlung des Asylgesuchs des 

Beschwerdeführers vielmehr aus Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO ergibt und bei 

Italien liegt, denn es war dieser Dublin-Mitgliedstaat, der dem Beschwer-

deführer am 17. August 2017 ein Schengen-Visum ausgestellt hat, 

dass Italien seine Zuständigkeit implizit anerkannte, indem es das Über-

nahmeersuchen der Schweiz innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vor-

gesehenen Frist unbeantwortet liess (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO), 

dass die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist, 

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Seite 6 

dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-

nahmebedingungen für Antragsteller in Italien weise systemische 

Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf, 

dass gemäss Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO jeder Mitgliedstaat abwei-

chend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, einen bei ihm von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen 

Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgeleg-

ten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist, 

dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-

mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür 

gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

dass gestützt auf die als unglaubhaft einzustufenden Vorbringen des Be-

schwerdeführers zum Bestand eines Konkubinats mit einer Schweizer Bür-

gerin und zur bevorstehenden Heirat mit dieser für die Schweiz keine Ver-

anlassung besteht, von ihrem Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 

Satz 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Gebrauch zu machen, 

dass andere Elemente, die einen solchen Schritt rechtfertigen könnten, we-

der ersichtlich sind noch geltend gemacht werden, weshalb sich weitere 

Erörterungen zu diesem Thema erübrigen, 

dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und 

– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-  

oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die 

Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),  

dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist,  

dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, 

weshalb sich die Anträge auf Erlass von superprovisorischen Massnahmen 

sowie auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos er-

weisen, 

dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus 

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Seite 7 

den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-

ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt 

sind, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr.  750.– (Art. 1‒

3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

Dispositiv S. 8 

  

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Andreas Trommer Julius Longauer 

 

 

 

 

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