# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3284308a-b569-55a0-8b41-d26d27df2f99
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.04.2017 E-1266/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1266-2016_2017-04-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1266/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A p r i l  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter William Waeber, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch (…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM 

vom 23. Februar 2016 / N (…). 

 

 

 

E-1266/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der pakistanische Beschwerdeführer – mit letztem Wohnsitz in B._______ 

(Provinz Punjab) – sei am (…) 2015 aus seinem Heimatland in den Iran 

ausgereist. Am 16. Januar 2016 sei er von C._______ herkommend in die 

Schweiz eingereist, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 26. Ja-

nuar 2016 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

D._______ summarisch befragt (A3); eine eingehende Anhörung fand am 

5. Februar 2016 statt (A7). Dabei brachte er vor, er habe Pakistan verlas-

sen, weil er aufgrund seiner Zuwendung zur christlichen Religion von sei-

ner Familie und von Mitgliedern der Jamaat-e-Islami tätlich angegriffen 

worden sei. 

B.  

Mit Verfügung vom 23. Februar 2016 – eröffnet am 24. Februar 2016 – 

lehnte das SEM das Asylgesuch ab, wies den Beschwerdeführer aus der 

Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Es begründete 

diesen Entscheid dahingehend, dass die Vorbringen den Anforderungen 

an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten würden (Art. 3 AsylG 

[SR 142.31]). Darüber hinaus würden die Ausführungen teilweise zeitliche 

Ungereimtheiten aufweisen (Art. 7 AsylG). Der Vollzug der Wegweisung 

sei ausserdem zulässig, zumutbar und möglich. 

C.  

Am 29. Februar 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Formularbe-

schwerde ein und machte geltend, nach Aufhebung der Verfügung sei 

seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren; fer-

ner sei ein Vollzugshindernis festzustellen und er vorläufig aufzunehmen. 

In prozessrechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung und 

(gemäss Begründung) auch die unentgeltliche Rechstverbeiständung zu 

gewähren sowie auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten; 

eventualiter sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzu-

stellen. Ferner sei vorsichtshalber auf jegliche Kontaktaufnahme mit den 

heimatlichen Behörden sowie jegliche Datenweitergabe zu verzichten; 

über eine eventuell bereits erfolgte Datenweitergabe sei in einer separaten 

Verfügung zu informieren. In der Begründung widersprach der Beschwer-

deführer im Wesentlichen hinsichtlich den vorinstanzlichen Ausführungen 

zur Religionsfreiheit in Pakistan. Der Eingabe lagen verschiedene Berichte 

über Pakistan bei. 

E-1266/2016 

Seite 3 

D.  

Mit Verfügung vom 9. März 2016 wies das Bundesverwaltungsgericht das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab und forderte 

den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leisten, welcher 

fristgerecht zu Gunsten der Gerichtskasse überwiesen wurde. 

E.  

Am 9. April 2016 unterstrich der neu mandatierte Rechtsvertreter die Le-

bensgefahr des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr nach Pakistan. Ne-

ben Berichten über die Gefährdung von Christen in diesem Land lagen der 

Eingabe ein undatierter originaler Polizeibericht (mit Übersetzung), ein Ori-

ginalrapport des Krankenhauses, welches den Beschwerdeführer in Pakis-

tan nach dem tätlichen Angriff behandelt habe, vom (…) 2014 (mit Über-

setzung), ein Certificate of Baptism der Gemeinschaft E._______ vom 

27. März 2016 sowie ein Schreiben dieser Gruppe vom 10. April 2016 bei. 

F.  

Im Rahmen der Vernehmlassung vom 29. April 2016 hielt das SEM fest, 

dass weder die Beschwerdeschrift noch die Beilagen neue erhebliche Tat-

sachen oder Beweismittel enthalten würden, welche eine Änderung seines 

Entscheides rechtfertigen könnten. 

G.  

Die Replik vom 17. Juni 2016 verwies eingehend auf die Traumatisierung 

des Beschwerdeführers aufgrund der tätlichen Attacke, welche er in Pakis-

tan erlitten habe. 

H.  

Mit Eingabe vom 23. Juni 2016 (Poststempel) wurden ein undatierter origi-

naler Polizeibericht sowie ein Schreiben der F._______ Church Pakistan 

(B._______) vom 19. Juni 2016 im Original zu den Akten gereicht. 

I.  

Ein ärztliches Attest vom 30. Juni 2016 von G._______, bestätigte eine 

Traumafolgestörung nach Überfall mit abdominalen Messerstichverletzun-

gen. 

J.  

Im Laufe des Verfahrens wurden unter anderem weitere Berichte über die 

Christenverfolgung in Pakistan, ein Schreiben der H._______ vom 

29. September 2016 sowie ein weiterer Brief der Gemeinschaft E._______ 

vom 24. Oktober 2016 eingereicht. 

E-1266/2016 

Seite 4 

K.  

Mit Eingabe vom 6. März 2017 wurden ein Arztbericht vom 18. Januar 2017 

von Dr. med. I._______ (Hausarztpraxis für Allgemein- und Informations-

medizin, J._______) sowie ein weiteres Schreiben der Gemeinschaft 

E._______ vom 4. März 2017 zu den Akten gereicht. 

L.  

In den vorinstanzlichen Akten befinden sich schliesslich die Prüfungser-

gebnisse (Secondary School Certificate [Supplementary] Examination, 

2009) des Board of Intermediate & Secondary Education, K._______, von 

A._______ (Kopie, A12). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG (SR 172.021). Das SEM 

gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 

des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus-

nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-

gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei 

Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die be-

schwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG 

liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entschei-

det. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

E-1266/2016 

Seite 5 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Der – ursprünglich dem Islam angehörende (A3 S. 3) – Beschwerde-

führer habe gegen Ende seiner Schulzeit (im Jahr 2007, A7 F. 30 ff.) wegen 

seiner Epilepsie mit einem christlichen Pfarrer namens L._______ Kontakt 

aufgenommen, da er sich durch diesen eine Heilung versprochen habe (A3 

S. 6; A7 F. 28). So habe er angefangen, Bücher über das Christentum so-

wie die Bibel zu lesen (A7 F. 28 und 59 ff.). Nach seinem Schulabschluss 

– im Jahr 2009 (A7 F. 9) – habe er eine Halskette mit einem Kreuz getragen 

und sich taufen lassen wollen, was indes seiner Familie missfallen habe, 

weshalb er von Familienmitgliedern geschlagen worden sei (A3 S. 6; A7 

F. 28 und 34). Ein Priester namens M._______, den er in K._______ ge-

troffen habe, habe eine Taufe indes abgelehnt, dies sei zu gefährlich (A7 

F. 28). Doch durch das Kruzifix an seinem Hals sei es jedermann aufgefal-

len, dass er dem Christentum zugeneigt gewesen sei (A7 F. 34 ff.). Ende 

des Jahres 2012 sei er überfallen und seien ihm die oberen Vorderzähne 

ausgeschlagen worden (A7 F. 28 und 40 ff.). Im (…) 2013 habe er als (...) 

E-1266/2016 

Seite 6 

in einem (…) in K._______ gearbeitet und dort ein problemloses Jahr ver-

bracht (A7 F. 16, 28, 49 und 55). Im Jahr 2014 habe seine Familie die 

Gruppe Jamaat-e-Islami (eine islamische Organisation mit Zweigen in Pa-

kistan, Indien und Bangladesch) über die mögliche Konversion des Be-

schwerdeführers informiert; deren Mitglieder hätten ihn dann zunächst be-

droht ([…] 2014; A7 F. 28) und später – im (…) 2014 auf der Hauptstrasse 

nach B._______ – überfallen und durch Messerstiche verletzt (A3 S. 6; A7 

F. 28, 43 ff., 51 ff., 56, 62 und 83 f.). Der Beschwerdeführer habe jedoch 

keine Anzeige bei der Polizei erstattet (A3 S. 6; A7 F. 68); auch einzelne 

Familienmitglieder hätten Angst gehabt, diese Gruppe anzuzeigen (A7 

F. 28 und 69). Als er nach einem (…) Spitalaufenthalt Drohungen erhalten 

habe, habe er sich entschlossen, das Land zu verlassen (A3 S. 6; A7 

F. 74 ff.). Vor seiner Ausreise habe er sich in K._______ versteckt (A3 S. 6; 

A7 F. 28 und 73), um anfangs 2015 ein Visum für den Iran beantragen zu 

können (A7 F. 28 und 79). 

Auch heute noch trage er ein Medaillon, besuche Kirchen und führe Ge-

spräche mit Priestern (A7 F. 29). 

4.2 Mit Verfügung vom 23. Februar 2016 hielt das SEM fest, dass der Be-

schwerdeführer mit seiner Zuwendung zum Christentum sowohl den Zorn 

verschiedener Familienmitglieder als auch der Dorfbewohner sowie der  

Jamaat-e-Islami auf sich gezogen habe. Übergriffe durch Dritte seien indes 

nur dann asylrelevant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nach-

komme oder nicht in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Der Vorfall Ende 

des Jahres 2014 sei zwar der Polizei gemeldet worden, jedoch habe der 

Beschwerdeführer auf eine Erstattung einer Strafanzeige verzichtet, zumal 

diese meist nichts unternehme. Damit bringe der Beschwerdeführer zum 

Ausdruck, dass er die örtlichen pakistanischen Behörden weder für willig 

noch für fähig halte, einer Privatperson in seiner Situation den nötigen 

Schutz zu gewähren. In der Tat sei kein Staat in der Lage, seine Bürger 

vollumfänglich zu beschützen. Daraus könne indes nicht der Schluss ge-

zogen werden, dass der pakistanische Staat seiner Schutzpflicht grund-

sätzlich nicht nachkomme. Es lasse sich sogar feststellen, dass die pakis-

tanische Regierung sich um den Schutz von religiösen Minderheiten be-

mühe. Die Christen würden keiner Gruppenverfolgung in diesem Land 

durch den Staat oder nichtstaatliche Akteure unterliegen, da sie in der Re-

gel frei in der öffentlichen Ausübung ihres Glaubens seien (vgl. auch Art. 20 

der pakistanischen Verfassung über die Religionsfreiheit). Allerdings habe 

die angespannte Sicherheitslage in Pakistan – welche mit der verstärkten 

Verbreitung militanter und terroristischer Gruppierung zusammenhänge – 

E-1266/2016 

Seite 7 

auch auf die Lage religiöser Minderheiten Einfluss. Indes erreiche die An-

zahl der verübten Übergriffe fanatischer Muslime bezogen auf die Gesamt-

zahl der Christen in Pakistan nicht die geforderte Verfolgungsdichte, wel-

che zur Begründung einer Kollektivverfolgung notwendig sei. Ausserdem 

gebe es keine strafrechtliche Bestimmung, welche eine Apostasie bezie-

hungsweise Konversion für strafbar erkläre. Religiöse Minderheiten – so 

auch die Christen – seien indes vom Blasphemieverbot (Art. 295c des pa-

kistanischen Strafgesetzbuches) nicht unerheblich betroffen. So kann es 

zu Diskriminierungen und einer strafrechtlichen Verfolgung aufgrund der 

religiösen Zugehörigkeit kommen. Der Anstoss hierzu komme häufig aus 

dem Umfeld der Betroffenen; eine Anzeige nach dem Blasphemieverbot 

beruhe meist auf persönlichen Gründen wie Landstreitigkeiten oder Fami-

lienfehden. Gerichte unterer Instanzen würden in diesen Fällen oftmals un-

genügend ermitteln und angeklagte Personen über einen längeren Zeit-

raum im Gefängnis festhalten. Es sei indes anzumerken, dass bisher nie-

mand wegen einer Verurteilung nach Art. 295c des pakistanischen Straf-

gesetzbuches hingerichtet worden sei; üblicherweise würden höhere Ge-

richte in diesen Fällen die Aufhebung der Verurteilung und die Freilassung 

der angeklagten Person anordnen. Insgesamt würden keine konkreten An-

zeichen bestehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach 

Pakistan den erforderlichen Schutz nicht erhalten würde. Falls ein Behör-

denvertreter keine notwendigen Schutzmassnahmen einleite, könne gegen 

diese fehlbaren Beamten auf dem Rechtsweg vorgegangen werden. Sollte 

es im konkreten Fall nach der Rückkehr nach Pakistan zu Bedrohungen 

durch die Jamaat-e-Islami kommen, so sei es ebenfalls möglich und zu-

mutbar, sich an die zuständigen Behörden zu wenden. 

Schliesslich stehe es dem Beschwerdeführer frei, eine Aufenthaltsalterna-

tive in Anspruch zu nehmen. So habe er angegeben, während seines Auf-

enthalts in K._______ keinerlei Probleme gehabt zu haben; dies auch weil 

er dort geschlafen, gegessen und folglich kaum Kontakt zu den Leuten im 

Dorf B._______ gehabt habe. Weiter wurde – hinsichtlich der Ausführun-

gen zum Angriff auf ihn mit dem Messer – auf zeitliche Ungereimtheiten 

hingewiesen. 

Zusammenfassend würden die Vorbringen den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht standhalten.  

4.3 Die Vorinstanz verkenne, so der Beschwerdeführer in seiner Be-

schwerde vom 29. Februar 2016, dass die Religionsfreiheit nach der pa-

E-1266/2016 

Seite 8 

kistanischen Verfassung nur für Personen gelte, welche als Christen gebo-

ren worden seien; indes nicht für Personen, welche zum Christentum kon-

vertiert hätten. Auch ohne konkrete Gesetzesnorm sei es üblich, dass Kon-

vertiten strafrechtlich über das Blasphemieverbot und die sogenannten 

„Hudood-Verordnungen“ verfolgt würden. Das SEM schliesse explizit eine 

Verfolgungsgefahr nicht aus, wobei der Rechtsweg zu beschreiten sei. 

Diese Ansicht sei eine wahrliche Zumutung und setze den Beschwerdefüh-

rer einem unerträglichen psychischen Druck aus. Er unterstrich eingehend, 

dass Christen in Pakistan verfolgt würden. Hinsichtlich der Aufenthaltsal-

ternative wies er darauf hin, dass er einzig für ein Jahr in K._______ ein 

gewissermassen ruhiges Leben geführt habe; dabei habe er jedoch das 

(…) nie verlassen, was als künftiges Leben nicht erträglich sei, zumal er 

dort nicht mehr angestellt sei. Ausserdem liege B._______ nicht weit von 

K._______ entfernt, so dass eine Verfolgung auch in K._______ nicht aus-

zuschliessen sei. 

4.4 In ihrer Stellungnahme vom 9. April 2016 unterstrich die Rechtsvertre-

tung die Lebensgefahr des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr nach 

Pakistan. Mit Schreiben vom 10. April 2016 wies die Gemeinschaft 

E._______ darauf hin, dass sie sich nicht oft für Asylsuchende einsetzen 

würden; der Beschwerdeführer habe sie jedoch stark beeindruckt. Er ver-

suche derzeit, seinen Glauben durch die Wassertaufe zu besiegeln. Der 

undatierte Polizeibericht bestätige ferner die Aussage des Beschwerdefüh-

rers, dass dieser am (…) 2014 auf dem Arbeitsweg überfallen und atta-

ckiert worden sei. Dr. N._______ (Sonologist bzw. Diagnostiker; 

B._______) bestätigte in seinem Attest vom 20. November 2014 eine 

Stichwunde im unteren Bauchbereich sowie zahlreiche Verletzungen am 

Körper. 

4.5 Im Rahmen der Vernehmlassung hielt das SEM am 29. April 2016 fest, 

dass der tätliche Angriff, den der Beschwerdeführer Ende November 2014 

erlebt habe, als solcher nicht angezweifelt werde, weshalb die eingereich-

ten Beweismittel die Sachlage nicht zugunsten des Beschwerdeführers än-

dern würden. 

4.6 Mit Eingabe vom 23. Juni 2016 wurde ein weiterer Polizeibericht der 

B._______ Policestation betreffend den Überfall vom (…) 2014 zu den Ak-

ten gereicht. Dabei wurde auch festgehalten, dass die Schwester des Be-

schwerdeführers eine Anzeige wegen eines weiteren Vorfalls erstattet 

habe, wonach ihr Haus durch die Jamaat-e-Islami attackiert worden sei; 

glücklicherweise sei der Beschwerdeführer nicht zugegen gewesen. Die 

E-1266/2016 

Seite 9 

Polizei habe den Fall untersucht und festgestellt, dass der Beschwerdefüh-

rer den Islam tatsächlich verlassen habe, weshalb man ihn angegriffen 

habe. Die F._______ Church Pakistan (B._______) bestätigte am 19. Juni 

2016, dass die Gemeinschaft den Beschwerdeführer nicht aufnehmen 

könne, Pakistan sei ein muslimisches Land. 

4.7 In einem weiteren Schreiben vom 24. Oktober 2016 bezeugte die Ge-

meinschaft E._______ die regelmässigen Besuche der Gottesdienste, Ge-

betstreffen und anderer religiösen Aktivitäten durch den Beschwerdeführer 

in der Schweiz. 

5.  

5.1 Davon ausgehend, dass die Zuwendung des Beschwerdeführers zur 

christlichen Religion nicht angezweifelt wird, ist nachfolgend abzuklären, 

inwieweit dies bei einer allfälligen Rückkehr nach Pakistan eine Gefahr für 

den Beschwerdeführer darstellen kann. 

5.2 In einem ersten Schritt soll die Frage der Kollektivverfolgung geprüft 

werden. 

5.2.1 Die Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind 

gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sehr hoch 

(vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2; 2013/21 E. 9.1; 2013/12 E. 6 jeweils m.w.H.). 

Eine solche liegt vor, wenn eine relativ grosse Anzahl Personen eines be-

stimmten Kollektivs einer flüchtlingsrelevanten Verfolgung ausgesetzt ist. 

Als erstes, unbestrittenes Erfordernis wird der Betroffene die Zugehörigkeit 

zum entsprechenden Kollektiv nachweisen müssen. Sodann müssen die 

flüchtlingsrechtlich zu beurteilenden Massnahmen in gezielter Art und 

Weise gegen das Kollektiv gerichtet sein, eine gewisse Intensität aufwei-

sen und über das hinausgehen, was andere Teile der Bevölkerung an 

Nachteilen und Übergriffen hinzunehmen haben. Aus der Verfolgung ein-

zelner, zum Kollektiv gehörender Personen kann dabei nicht ohne weiteres 

auf die Verfolgung des Kollektivs geschlossen werden. Die gezielten und 

intensiven Nachteile müssen vielmehr zum Ziel haben, möglichst alle Mit-

glieder des Kollektivs zu treffen, und sie müssen in Relation zur Grösse 

des Kollektivs eine bestimmte Dichte aufweisen, so dass der Einzelne aus 

der erheblichen Wahrscheinlichkeit heraus, selbst verfolgt zu werden, ob-

jektiv begründete Furcht hat. 

5.2.2 Gemäss der Rechtsprechung der vormaligen Asylrekurskommission 

(ARK) wurde eine Kollektivverfolgung von Christen in Pakistan verneint 

E-1266/2016 

Seite 10 

(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 1996 Nr. 23). An 

dieser Einschätzung kann im Wesentlichen auch unter Berücksichtigung 

der aktuellen Lage in Pakistan festgehalten werden. Christen sind zwar, 

wie auch Angehörige anderer religiöser Minderheiten, einem erhöhten Ri-

siko von Repressalien ausgesetzt; jedoch weisen die bekannt gewordenen 

Übergriffe nicht eine derartige Häufigkeit auf, dass jede beziehungsweise 

jeder Angehörige der christlichen Minderheit allein aufgrund des Bekennt-

nisses zum Christentum damit rechnen muss, Opfer von Übergriffen zu 

werden. Angesichts des Umstandes, dass Pakistan ca. 2.5 Millionen Chris-

ten – vor allem in der Gegend um K._______ – zählt (vgl. Neue Zürcher 

Zeitung [NZZ] vom 29. Juni 2016, Christen in Pakistan: Heimatlos in der 

Heimat der Muslime), erscheint die Zahl der Übergriffe nicht als genügend 

dicht, als dass von einer Gruppen- beziehungsweise Kollektivverfolgung 

ausgegangen werden müsste (vgl. dazu die Urteile des Bundesverwal-

tungsgerichts E-6366/2011 vom 5. April 2012 E. 7.3.2 und E-764 vom 

5. April 2012 E. 6; sowie das Urteil D-50/2015 vom 19. September 2016 

E. 3.2). Eine Kollektivverfolgung ist aus den genannten Gründen zu vernei-

nen. 

5.3 In einem nächsten Schritt stellt sich die Frage, ob die vorgebrachte in-

dividuelle Verfolgung als asylrelevant zu erachten ist. Aufgrund seiner Zu-

wendung zur christlichen Religion habe der Beschwerdeführer Probleme 

mit Teilen seiner Familie und der Dorfbevölkerung bekommen; von Ange-

hörigen der Gruppe Jamaat-e-Islami sei er ausserdem attackiert worden. 

Nach diesem Angriff sei er von einigen Bekannten in ein Spital gebracht 

worden, welches ihn indes erst habe behandeln wollen, nachdem die Poli-

zei benachrichtigt worden sei. In der Folge sei die Polizei in das Kranken-

haus gekommen und der Beschwerdeführer habe geschildert, was gesche-

hen sei (A7 F. 28 und F. 65). Der Beschwerdeführer habe aus Angst vor 

dieser Gruppe nach seiner Entlassung keine Strafanzeige erstattet (A7 

F. 28 und 68). 

5.3.1 Nach den Hindus stellen die Christen die zweitgrösste Minderheit in 

Pakistan dar. Dort werden sie offen diskriminiert; dies nicht nur aufgrund 

von auswärtigen Einflüssen, sondern auch, weil sich die Islamische Re-

publik Pakistan – trotz einer durchaus existierenden laizistischen Tradition 

– in erster Linie als Heimat der Muslime des Subkontinents betrachtet. Das 

kontroverse Blasphemiegesetz umfasst vier Paragrafen und wird auch ge-

gen Muslime verwendet. Es gilt als sehr streng und kann in praktischer 

Hinsicht – wie auch schon das SEM erwähnte – auch dafür angewendet 

werden, Angehörige religiöser Minderheiten unter irgendwelchem Vorwand 

E-1266/2016 

Seite 11 

strafrechtlich zu belangen (vgl. NZZ, a.a.O.). Die sogenannten „Hudud-Ver-

ordnungen“ (Hudood Ordinances), welche neben den „weltlichen“ Strafbe-

stimmungen bestehen, bezwecken die Islamisierung des Strafrechts in Pa-

kistan und umfassen Straftatbestände wie Diebstahl, Raub, Unzucht sowie 

Konsum von Alkohol und Betäubungsmitteln. Von diesen Verordnungen 

sind insbesondere Frauen oder Homosexuelle betroffen. In der Vergangen-

heit wurden Hudud-Urteile sowohl durch weltliche als auch durch Scharia-

Gerichte aufgehoben oder selten vollstreckt. Trotzdem werden in Pakistan 

seit vielen Jahren immer wieder Christen verurteilt, weil sie angeblich den 

Koran beleidigt oder den Propheten Mohammed geschmäht haben sollen. 

Bislang sei in Pakistan noch niemand nach einem Blasphemieurteil hinge-

richtet worden; viele der Verurteilten würden von Appellationsgerichten frei-

gelassen. Der wohl berühmteste Fall von einer pakistanischen Christin na-

mens Asia Bibi, welche im Jahr 2010 zum Tode verurteilt wurde, ist derzeit 

beim obersten Gerichtshof in Islamabad hängig. 

5.3.2 Der Beschwerdeführer befürchtet, aufgrund seines Glaubens bei ei-

ner Rückkehr nach Pakistan weiterer Verfolgung ausgesetzt zu sein, was 

einen unerträglichen psychischen Druck bei ihm bewirke. Ein unerträgli-

cher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 AsylG liegt vor, wenn einzelne 

Personen oder Teile einer Bevölkerung systematisch schweren oder wie-

derholten Eingriffen in ihre Menschenrechte durch den Staat ausgesetzt 

sind und diese Eingriffe eine derartige Intensität erreichen, dass ein men-

schenwürdiges Leben nicht mehr möglich erscheint (vgl. BVGE 2013/11 

E. 5.4.2 m.w.H.). Der Beschwerdeführer könnte – wenn er einmal als christ-

licher Priester arbeiten will – bei einer Rückkehr nach Pakistan einer ge-

wissen Gefahr ausgesetzt sein. Ob die Intensität der künftig befürchteten 

Verfolgungsmassnahmen als ausreichend betrachtet werden muss, kann 

hier offen gelassen werden, zumal zurzeit noch keine genügend konkreten 

Anhaltspunkte dafür bestehen. 

5.3.3 Im konkreten Fall gilt vor allem zu beachten, dass Angriffe von Dritten 

gemäss der Schutztheorie als relevant zu betrachten sind, wenn sich der 

heimatliche Staat als nicht schutzfähig oder -willig erweist. Der Schutz vor 

privater Verfolgung als solcher ist ausreichend, wenn im Heimatstaat eine 

funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, also 

in erster Linie polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe und ein 

Rechts- und Justizsystem, das eine effektive Strafverfolgung ermöglicht. 

Ob das bestehende Schutzsystem als in diesem Sinne effizient erachtet 

E-1266/2016 

Seite 12 

werden kann, hängt letztlich auch davon ab, dass der Schutz die von Ver-

folgung betroffene Person tatsächlich erreicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3 

m.w.H.). 

5.3.4 Der Beschwerdeführer hat zwar während seines Spitalaufenthalts mit 

Polizeibeamten gesprochen und der Fall wurde – wie die Polizeirapporte 

zeigen – aufgenommen. Dies spricht für die grundsätzliche Schutzwilligkeit 

und -fähigkeit der örtlichen Polizei. Indes hat er, obwohl ihm der Zugang 

zur polizeilichen Schutzinfrastruktur nicht verwehrt wurde, keine Anzeige 

erstattet. Seine Untätigkeit hat er mit seiner Angst vor der Gruppe Jamaat-

e-Islami begründet. Dies reicht indes nicht aus, die Schutzwilligkeit und        

-fähigkeit der pakistanischen Sicherheitskräfte zu verneinen. Eine Inan-

spruchnahme der polizeilichen Schutzinfrastruktur ist ihm denn auch als 

Christ zuzumuten. Die Behauptung, die Polizei werde nichts unternehmen, 

weil sie von Muslimen geführt werde, ist unbegründet und wird nicht weiter 

belegt. Im Gegenteil, ist dem am 23. Juni 2016 eingereichten Polizeirap-

port zu entnehmen, dass die Polizei Untersuchungen angestellt hatte („We 

investigated ….“). Ausserdem besteht für den Beschwerdeführer eine 

grundsätzliche innerstaatliche Fluchtalternative, auch wenn sein Dorf 

B._______ nur unweit – ungefähr 80 km – von K._______, der (…)gröss-

ten Stadt Pakistans, entfernt liegt. 

5.4 Zusammenfassend vermochte der Beschwerdeführer nicht überzeu-

gend darzulegen, dass er wegen fehlender Schutzfähigkeit und -willigkeit 

der pakistanischen Sicherheitskräfte einer asylrelevanten Verfolgungsge-

fahr durch Dritte ausgesetzt ist. Aus diesem Grund ist eine Gefährdung sei-

ner Person im Falle seiner Rückkehr nach Pakistan – auch im Hinblick auf 

einen subjektiven Nachfluchtgrund (Art. 54 AsylG) aufgrund seiner christli-

chen Lebensweise, welche er in der Schweiz führt – zu verneinen. Die Vor-

instanz hat demnach sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

E-1266/2016 

Seite 13 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV, SR 101), Art. 3 des 

Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskon-

vention (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher 

oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pa-

kistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

7.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

E-1266/2016 

Seite 14 

Ausschaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-

schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste 

der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124 ff. m.w.H.). 

Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pakistan lässt den Weg-

weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

7.3.1 Die Menschenrechtslage in Pakistan muss zwar als angespannt be-

zeichnet werden, es herrscht jedoch aktuell keine Situation von allgemei-

ner Gewalt, Krieg oder Bürgerkrieg, welche für den Beschwerdeführer bei 

einer Rückkehr eine konkrete Gefahr darstellen würde.  

7.3.2 Das Arztzeugnis vom 18. Januar 2017 hielt fest, dass der Beschwer-

deführer an einer schweren Posttraumatischen Belastungsstörung sowie 

unter Epilepsie leidet. Er nehme verschiedene Medikamente zu sich und 

eine psychiatrische Therapie sei notwendig. Abklärungen haben ergeben, 

dass Pakistan über ein sogenanntes gemischtes Gesundheitssystem ver-

fügt, welches konkret aus einem ausgedehnten, aber schlecht ausgestat-

teten öffentlichen Gesundheitswesen, welches für die Bürger von Pakistan 

kostenlos ist, sowie aus einem Privatsektor besteht, welcher einen Gross-

teil der Gesundheitsversorgung besorgt (vgl. Accord, Pakistan, Allgemeine 

Informationen zur Gesundheitsversorgung, Februar 2015 

[http://www.ecoi.net/local_link/297140/433547_de.html, besucht am 5. Ap-

ril 2017]). Da aus dem Sachverhalt zu schliessen ist, dass der Beschwer-

deführer Ende 2014 bereits (…) Tage (nach der Messerstich-Verletzung) in 

einem Spital behandelt wurde, kann davon ausgegangen werden, dass für 

ihn auch weiterhin ein Zugang zur medizinischen Versorgung besteht. Die 

E-1266/2016 

Seite 15 

vom hiesigen Arzt verschriebenen Medikamente sind gemäss den dem Ge-

richt vorliegenden Informationen in Pakistan erhältlich: Das erste Medika-

ment (…) mit dem Wirkstoff (…) (Schlafstörungen) wird in der aktuellen 

Liste der zugelassenen Medikamente der Drug Regulation Authority of Pa-

kistan (DRAP) aufgeführt; zudem seien auch andere Medikamente mit 

demselben Wirkstoff erhältlich. Das zweite Medikament (…) mit den Wirk-

stoffen (…) und (…) (Antidepressivum) ist gemäss DRAP in Pakistan zu-

gelassen; andere Medikamente mit denselben Wirkstoffen würden sogar in 

Pakistan hergestellt werden. Schliesslich ist gemäss DRAP auch das dritte 

Präparat (…) (Epilepsie) in Pakistan zugelassen. Nach dem Gesagten sind 

aus medizinischer Sicht keine Vollzugshindernisse erkennbar. Weitere ge-

gen die Zumutbarkeit sprechende Gründe sind in der Beschwerdeschrift 

nicht geltend gemacht worden. Übereinstimmend mit den Ausführungen 

der Vorinstanz stehen dem Wegweisungsvollzug somit auch keine indivi-

duellen Gründe entgegen. Folglich erweist sich der Vollzug der Wegwei-

sung insgesamt auch als zumutbar. 

7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind die Verfahrenskos-

ten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf 

insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1-3 VGKE). Sie sind mit dem am 

11. April 2016 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrech-

nen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-1266/2016 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.— werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah-

renskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe 

 

 

Versand: