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**Case Identifier:** 472d5f56-1629-542d-88f9-7b831b5a5343
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-21
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 21.12.2021 UV 2020/86
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2020-86_2021-12-21.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2020/86

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 17.05.2022

Entscheiddatum: 21.12.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 21.12.2021
Art. 9 Abs. 2 UVG. Berufskrankheit. Für eine Leistungspflicht nach Art. 9 Abs. 
3 UVG hängt die erforderliche Versicherungsdeckung vom Umstand ab, ob 
die von der Krankheit betroffene Person während der vorwiegenden 
Exposition und nicht bei Ausbruch der Krankheit UVG-versichert war. Nach 
der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist für die Beurteilung der 
Exposition die gesamte ausgeübte Berufstätigkeit zu berücksichtigen und 
damit auch derjenige Teil, der nicht im Rahmen einer UVG-versicherten 
Berufstätigkeit erbracht worden ist (Entscheid des Versicherungsgerichts 
des Kantons St. Gallen vom 21. Dezember 2021, UV 2020/86). Aufgehoben 
durch Urteil des Bundesgerichts 8C_71/2022.

Entscheid vom 21. Dezember 2021

Besetzung

Präsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichter Joachim Huber und 

Versicherungsrichterin Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen

Geschäftsnr.

UV 2020/86

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

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vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Sebastian Lorentz, Weinbergstrasse 29, 

8006 Zürich,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 

4358, 6002 Luzern,

Beschwerdegegnerin,

vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Sabine Baumann Wey, Vetsch Rechtsanwälte 

AG, Pilatusstrasse 26, 6003 Luzern,

Gegenstand

Versicherungsleistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ war seit 1. November 2019 bei der B.___AG als Fliesenleger angestellt und 

dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) 

obligatorisch gegen die Folgen von Berufsunfällen und Berufskrankheiten versichert. 

Am 22. Januar 2020 reichte die Arbeitgeberin der Suva eine Schadenmeldung ein. 

Darin wurde mit dem Hinweis «Schadendatum unpräzis» festgehalten, dass der 

Versicherte seit November 2019 immer wieder Probleme mit dem Knie habe. Das Knie 

sei angeschwollen (Suva-act. 1).

A.a. 

Die Hausärztin des Versicherten, Dr. med. D.___, Fachärztin für Allgemeinmedizin, 

hatte den Versicherten ab dem 23. Dezember 2019 vollumfänglich arbeitsunfähig 

geschrieben (Suva-act. 3). Ein am 30. Dezember 2019 durchgeführtes MRI des rechten 

Knies brachte unter anderem eine sich vorerst vorwiegend chondral manifestierende 

mediale und femoropatelläre Gonarthrose, eine Chondropathie Grad IV sowie einen 

A.b. 

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komplexen, vorwiegend radiären Riss des Innenmeniskushinterhorns zur Darstellung 

(Suva-act. 20).

 Dr. med. E.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 

Bewegungsapparates, hatte die Krankschreibung am 21. Januar 2020 verlängert mit 

dem Hinweis auf eine mögliche Berufskrankheit (Suva-act. 2).

A.c. 

Am 6. Februar 2020 berichtete Dr. E.___ in seinem ärztlichen Zwischenbericht 

über die Untersuchung vom 8. Januar 2020, dass er beim Versicherten eine mediale 

und femoropatelläre Gonarthrose rechts diagnostiziert habe. Der Versicherte habe 

angegeben, es sei ca. am 2. Dezember 2019 nach zwei Tagen permanent kniender 

Arbeit zu einer schmerzhaften Schwellung des rechten Kniegelenks gekommen. Seither 

habe er persistierende Belastungsschmerzen medial betont, aber teilweise auch 

Nachtschmerzen, vor allem bei Rotationsbewegungen. Dr. E.___ äusserte seine 

Ansicht, wonach aufgrund der Gonarthrose die Schmerzen bei kniender Tätigkeit mit 

hoher Wahrscheinlichkeit persistieren würden. Er attestierte dem Versicherten eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 16. Februar 2020 (Suva-act. 13). Dieses Attest 

verlängerte Dr. E.___ in der Folge wiederholt (Suva-act. 19, 24).

A.d. 

Nachdem die Suva den Schadenfall am 21. Februar 2020 ihrem Kreisarzt Dr. med. 

F.___, Facharzt für Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin, zur Prüfung der Frage, ob 

eine Berufskrankheit vorliege, vorgelegt hatte (Suva-act. 21), erachtete dieser genauere 

Angaben zu den Beschwerden und den beruflichen sowie den ausserberuflichen 

Tätigkeiten als notwendig (Suva-act. 28).

A.e. 

Dr. E.___ attestierte dem Versicherten vom 9. bis zum 31. März 2020 eine 50%ige 

Arbeitsunfähigkeit (Attest vom 5. März 2020, Suva-act. 32; zur Verlängerung dieses 

Attests im April 2020 vgl. Suva-act. 39).

A.f. 

Am 18. März 2020 erteilte der Versicherte der Suva weitere Auskünfte. Unter 

anderem gab er an, von 199_ bis 201_ im Ausland (G.___) als Plattenleger gearbeitet zu 

haben (Suva-act. 34).

A.g. 

Am 8. April 2020 bat Dr. F.___ die Suva um Rückmeldung, ob für die vom 

Versicherten von 199_ bis 201_ in G.___ ausgeübten beruflichen Tätigkeiten eine 

A.h. 

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Versicherungsdeckung vorliege bzw. ob für die arbeitsmedizinische Beurteilung die 

Zeitspanne der beruflichen Tätigkeit in G.___ auch zu berücksichtigen sei. Überdies 

empfahl er eine MRI-Untersuchung des linken Knies (Suva-act. 43; zur Angabe des 

Versicherten, er sei in G.___ selbstständig erwerbstätig und kein Arbeitnehmer 

gewesen, siehe die Telefonnotiz vom 8. April 2020, Suva-act. 49). Die MRI-

Untersuchung wurde am 14. April 2020 durchgeführt und zeigte oberflächliche 

Knorpeldefekte und einen kleinen tiefen fissuralen Knorpeldefekt femoral medial sowie 

fissurale Knorpeldefekte der medialen Patellafacette. Insgesamt bestehe links im 

Vergleich zur rechten Seite eine deutlich geringere Chondropathie (Suva-act. 51).

Im Rahmen einer ärztlichen Beurteilung stellte sich Dr. F.___ am 22. April 2020 auf 

den Standpunkt, dass die Gonarthrose rechts nicht überwiegend beruflich verursacht 

worden sei. In Deutschland bilde die Gonarthrose eine Listenerkrankung. Für die 

Anerkennung als Berufskrankheit werde eine kumulative Belastungsdauer von 

13'000 Stunden kniender Arbeit sowie eine mindestens einstündige Kniebelastung pro 

Schicht gefordert. In der Schweiz handle es sich bei der Gonarthrose nicht um eine 

Listenerkrankung, weshalb die beruflichen Faktoren nicht 50 %, sondern 75 % oder 

mehr im gesamten Ursachenspektrum ausmachen müssten. Bezogen auf die 

kumulative kniende Belastungsdauer müsse diese höher als 13'000 Stunden sein und 

im Bereich von 17'000 Stunden liegen, damit eine stark überwiegende berufliche 

Verursachung vorliege. Bei der Tätigkeit des Plattenlegers könne davon ausgegangen 

werden, dass beide Kniegelenke im Durchschnitt gleich belastet würden. Der 

Versicherte weise rechts eine mediale und femoro-patelläre Gonarthrose mit 

Chondropathie Grad IV auf. Am linken Knie, an dem der Versicherte keine 

Beschwerden aufweise, bestehe eine deutlich geringere Chondropathie. Als 

Plattenleger übe der Versicherte eine Tätigkeit mit erhöhter Kniebelastung aus. 

Dr. F.___ ermittelte unter Berücksichtigung der in der Schweiz erbrachten 

unselbstständigen Berufstätigkeit eine kumulative kniende Belastungsdauer von 

11'000 Stunden pro Jahr (bei einer 10-stündigen täglichen Arbeitszeit). Abschliessend 

könne festgehalten werden, dass der Versicherte als Plattenleger eine kniende Tätigkeit 

ausübe, die einen Risikofaktor für die Entstehung der Gonarthrose darstelle. Aufgrund 

der hohen Prävalenz des Krankheitsbilds in der Allgemeinbevölkerung, die mit 

zunehmendem Alter ansteige, dem Nachweis von unterschiedlichen degenerativen 

A.i. 

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B.  

C.  

Veränderungen an beiden Kniegelenken bei durchschnittlich gleicher Belastung und 

der kumulativen Kniegelenksbelastungsdauer von 11'000 Stunden liege nicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit eine stark überwiegende berufliche Verursachung 

der Gonarthrose rechts vor, sodass die Voraussetzungen für eine Anerkennung als 

Berufskrankheit nicht erfüllt seien (Suva-act. 59)

Nachdem die Suva dem Versicherten am 23. April 2020 telefonisch mitgeteilt hatte, 

dass sie das Vorliegen einer Berufskrankheit nicht anerkenne (Suva-act. 61), verfügte 

sie am 24. April 2020 die Abweisung des Leistungsanspruches mit der Begründung, 

dass die leistungsbegründenden Voraussetzungen für eine Berufskrankheit nicht erfüllt 

seien (Suva-act. 62).

A.j. 

Der Versicherte erhob am 27. April 2020 vorsorglich Einsprache gegen diese 

Verfügung und beantragte deren Aufhebung sowie die Gewährung der gesetzlichen 

Leistungen (Suva-act. 69). Ergänzend wurde am 22. Juni 2020 ausgeführt, es könne 

nicht angehen, die im Ausland verrichtete belastende Tätigkeit unberücksichtigt zu 

lassen. Zumindest sei eine proportionale Aufteilung der Leistungspflicht zwischen der 

Suva und der Krankenversicherung vorzunehmen (Suva-act. 80).

B.a. 

Die Suva wies die Einsprache mit Entscheid vom 10. November 2020 ab (Suva-

act. 85).

B.b. 

Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Beschwerdeführer am 

10. Dezember 2020 Beschwerde. Er beantragte, der angefochtene 

Einspracheentscheid vom 10. November 2020 sei unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen Leistungen 

zuzusprechen (act. G 1).

C.a. 

Mit Beschwerdeantwort vom 2. Februar 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).

C.b. 

Mit Replik vom 20. April 2021 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest 

(act. G 7).

C.c. 

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Erwägungen

1.

Nachdem sich in den Akten keine Anhaltspunkte dafür finden, dass die aufgetretenen 

Kniebeschwerden rechts Folge eines versicherten Unfalls gemäss Art. 4 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 

830.1) in Verbindung mit Art. 7 f. Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; 

SR 832.20) oder einer unfallähnlichen Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG 

sind (vgl. dazu Suva-act. 1, 9, 13 und 16), steht allein eine Leistungspflicht aufgrund 

einer Berufskrankheit in Frage. Unter den Verfahrensbeteiligten ist ausserdem zu Recht 

unbestritten, dass der Beschwerdeführer keine Ansprüche aus einer Berufskrankheit im 

Sinn von Art. 9 Abs. 1 UVG ableiten kann, da bei einer Gonarthrose weder schädigende 

Stoffe noch arbeitsbedingte Erkrankungen gemäss Anhang 1 der Verordnung über die 

Unfallversicherung (UVV, SR 832.202) zur Diskussion stehen. Zwischen den Parteien 

umstritten und nachfolgend zu prüfen ist daher einzig, ob die beim Beschwerdeführer 

bestehenden Kniebeschwerden rechts eine Berufskrankheit im Sinn von Art. 9 Abs. 2 

UVG darstellen, was bejahendenfalls eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zur 

Folge hätte. Im Vordergrund steht die Beantwortung der Frage, ob das vom 

Beschwerdeführer geltend gemachte realisierte Risiko (Berufskrankheit im Sinn von 

Art. 9 Abs. 2 UVG) auf ein versichertes Ereignis zurückzuführen ist.

Mit Duplik vom 20. Mai 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem 

Abweisungsantrag fest (act. G 9).

C.d. 

Als Berufskrankheiten gelten auch andere – als die von Art. 9 Abs. 1 UVG erfassten 

– Krankheiten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder stark 

überwiegend durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden sind (Art. 9 Abs. 2 UVG). 

Diese Generalklausel bezweckt, allfällige Lücken zu schliessen, wenn die 

bundesrätliche Liste im Sinn von Art. 9 Abs. 1 UVG entweder einen schädigenden 

Stoff, der eine Krankheit verursachte, oder eine Krankheit, die durch die Arbeit 

verursacht wurde, nicht aufführt. Die Voraussetzung des «ausschliesslichen oder stark 

überwiegenden» Zusammenhangs gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG ist erfüllt, wenn die 

Berufskrankheit mindestens zu 75 % durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden 

ist (BGE 119 V 201 E. 2b mit Hinweisen).

1.1. 

Die Unfallversicherung ist keine finale, sondern eine kausale Versicherung. Eine 

Leistungspflicht setzt deshalb voraus, dass ein versichertes Ereignis die Realisierung 

1.2. 

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eines versicherten Risikos bewirkt, welches wiederum einen versicherten Schaden 

verursacht. Mit Blick auf die vorliegende Streitigkeit stellt die Exposition im Rahmen der 

beruflichen Tätigkeit das versicherte Ereignis, die Berufskrankheit das versicherte 

Risiko und u.a. die medizinische Behandlungsbedürftigkeit, die Arbeitsunfähigkeit und 

die Erwerbsunfähigkeit die versicherten Schäden dar. Entsprechend dem 

Kausalitätsgedanken der Unfallversicherung ist für die Frage der Leistungspflicht die 

Versicherungsdeckung zur Zeit des Eintritts der Schadensursache bzw. des 

versicherten Ereignisses und gerade nicht der Eintritt des Schadens massgebend. Das 

Bundesgericht zog vor diesem Hintergrund überzeugend den Schluss, dass die für eine 

Leistungspflicht nach Art. 9 Abs. 3 UVG erforderliche Versicherungsdeckung vom 

Umstand abhängt, ob die von der Krankheit betroffene Person während der 

vorwiegenden Exposition und nicht bei Ausbruch der Krankheit versichert war (Urteil 

des Bundesgerichts vom 5. September 2019, 8C_383/2019, E. 4.1.2; siehe bereits das 

Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: 

Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. Januar 2005, U 20/04, 

E. 3.3). Auch die Lehre ist sich – soweit ersichtlich – darin einig, dass nur 

Berufskrankheiten obligatorisch UVG-versichert sind, die zumindest stark überwiegend 

durch die berufliche Tätigkeit während der Dauer des Versicherungsverhältnisses 

verursacht worden sind und dem Zeitpunkt des Ausbruchs der Krankheit keine 

Bedeutung für die Frage nach der Versicherungsdeckung zukommt (siehe etwa 

Susanne Leuzinger-Näf, Vorbestehender Gesundheitsschaden und 

Versicherungsschutz in der Sozialversicherung, 1994, S. 72 mit Hinweisen; Andreas 

Traub, N 19 zu Art. 9, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], 

Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar 2019; Thomas Flückiger, N 12, N 21 und 

N 29 zu Art. 9, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die 

Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018).

Nach der konstanten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist für die Beurteilung 

der Exposition die gesamte ausgeübte Berufstätigkeit zu berücksichtigen und damit 

auch derjenige Teil, der nicht im Rahmen einer UVG-versicherten Berufstätigkeit 

erbracht worden ist. Zu dieser Auffassung gelangte bereits das damalige EVG in BGE 

119 V 204 ff. E. 5c gestützt auf eine ausführliche Auslegung von Art. 36 UVG 

(Zusammentreffen verschiedener Schadensursachen) sowie Art. 118 UVG 

(Übergangsbestimmungen). Zwar erfolgte dieser Leitentscheid unter dem Eindruck 

einer vor Erlass des UVG (1. Januar 1984) ausgeübten, nicht UVG-versicherten 

Berufstätigkeit. Indessen bezogen sich die Überlegungen des EVG ausdrücklich auf 

eine den gesamten Art. 9 UVG erfassende Gesetzesauslegung. So setzte sich dieses 

eingehend mit einer bezogen auf Art. 9 UVG zu einem anderen Auslegungsergebnis 

1.3. 

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gelangenden Lehrmeinung auseinander, dass eine Berufskrankheit nach Art. 9 UVG nur 

versichert sei, sofern sie vorwiegend in der Zeit des Versichertseins verursacht worden 

sei (Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 1989, S. 217). 

Insbesondere auch aus der Tatsache, dass der Gesetzgeber im Kontext von Art. 9 

Abs. 2 UVG keine zeitliche Beschränkung vorgesehen hat, schlussfolgerte das EVG, 

dass die gesamte, also auch die nicht UVG-versicherte Dauer der 

expositionsrelevanten Berufstätigkeit für die Beurteilung der stark überwiegenden 

Schadensverursachung massgebend ist (BGE 119 V 205 E. 5c/aa). Überdies liess das 

Gericht den Gedanken, dass auch Versicherte mit gesundheitlichen Prädispositionen 

bei Eintritt eines UVG-versicherten Risikos grundsätzlich umfassenden 

Unfallversicherungsschutz geniessen, im Sinn einer Teilursächlichkeit, die nach Art. 36 

UVG grundsätzlich nicht zu Leistungskürzungen berechtigen, in seine Erwägungen 

einfliessen (BGE 119 V 205 E. 5c/cc). Die Rechtsprechung nach BGE 119 V 200 

bestätigte das EVG in BGE 126 V 186 E. 2b. Das EVG (siehe etwa das Urteil vom 

1. Dezember 2005, U 245/05, E. 4.3) sowie später das Bundesgericht (vgl. die Urteile 

vom 3. April 2007, U 410/05, E. 2, und vom 30. Oktober 2007, U 416/06, E. 2) hielten in 

der Folge an dieser Gesetzesauslegung von Art. 9 UVG fest, insbesondere auch in 

Fällen, denen keine intertemporalrechtliche Streitigkeit im Sinn von Art. 118 UVG 

zugrunde lag. So wiederholte es unter Verweis auf BGE 126 V 186 E. 2b im Urteil vom 

15. April 2013, 8C_295/2012, E. 2 am Schluss, dass für die Beurteilung der Exposition 

(oder Arbeitsdauer) die «gesamte ausgeübte Berufstätigkeit» – und damit eben nicht 

bloss die Dauer der UVG-versicherten Berufstätigkeit – zu berücksichtigen ist. Auch im 

Urteil vom 5. September 2019, 8C_383/2019, E. 2.2, bestätigte es die von der 

Vorinstanz in Nachachtung von BGE 126 V 186 E. 2b und 119 V 203 E. 5b 

wiedergegebene Gesetzesinterpretation von Art. 9 Abs. 2 UVG (siehe hierzu das Urteil 

des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, 

vom 25. April 2019, 200 18 926 UV, E. 2.3 am Schluss).

Diese konstante Rechtsprechung zu Art. 9 UVG scheint die Beschwerdegegnerin 

nicht als solche zu erkennen. Sie stellt sich auf den Standpunkt, aus BGE 119 V 204 

ergebe sich einzig eine Aussage zur zeitlichen Komponente in Bezug auf das 

Inkrafttreten des UVG bzw. den Zeitraum vor dem 1. Januar 1984. Diesbezüglich 

verweist sie auf das Urteil des EVG vom 17. Januar 2005, U 20/04, E. 3.3 (act. G 3, 

Rz 9). Darin steht Folgendes zu lesen: «Zu Unrecht führt die Vorinstanz zur Stützung 

ihres Standpunktes die Rechtsprechung gemäss BGE 119 V 204 E. 5c/aa an, welche 

sich einzig zur – mit dem vorliegenden Fall in keinem Zusammenhang stehenden – 

Frage äussert, ob eine vor dem 1. Januar 1984 ausgeübte berufliche Tätigkeit bei der 

Beurteilung, ob eine Berufskrankheit ausschliesslich oder stark überwiegend durch 

1.4. 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=u+20%2F04&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-V-200%3Ade&number_of_ranks=0#page204

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2.  

diese berufliche Tätigkeit verursacht worden ist, berücksichtigt werden muss, mit 

anderen Worten, ob unter beruflicher Tätigkeit im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVG die 

gesamte, also auch die vor dem 1. Januar 1984 ausgeübte Berufstätigkeit zu verstehen 

ist». Diese Äusserung des EVG erfolgte jedoch ausdrücklich in Bezug auf den 

Standpunkt der damaligen Vorinstanz, welche die Auffassung vertreten hatte, da der 

Versicherte bei Krankheitsausbruch nicht der obligatorischen Versicherung unterstellt 

gewesen sei, liege sein Fall ausserhalb des Tätigkeitbereichs der 

beschwerdegegnerischen Ersatzkasse UVG (siehe Urteil des EVG vom 17. Januar 

2005, U 20/04, E. 3.2 letzter Satz). Gleichzeitig bezeichnete das EVG den von der 

Ersatzkasse UVG vertretenen Standpunkt, der Versicherte sei nie UVG-versichert 

gewesen und habe vom Zeitpunkt des Inkrafttretens des UVG an bis zu seinem 

Hinschied nie Arbeitnehmereigenschaft gehabt, als irrelevant (siehe U 20/04, E. 3.2 und 

E. 3.3 erster Satz). Das der früheren Leistungsablehnung durch die Suva 

zugrundeliegende Argument, der Versicherte habe in den massgebenden Asbest-

Expositionsjahren (1961 bis 1964) nicht zum Kreis der Suva-Versicherten gehört 

(U 20/04, lit. A), prüfte das EVG nicht, da die Abweisung des Leistungsgesuchs durch 

die Suva bereits rechtskräftig verfügt worden war (U 20/04, E. 3.4). Aus dem Entscheid 

U 20/04 kann die Beschwerdegegnerin vor diesem Hintergrund jedenfalls nichts 

zugunsten ihres Standpunkts ableiten. Zudem wurde in der voranstehenden Erwägung 

dargelegt, dass das EVG in BGE 119 V 200 eine umfassende, über den 

intertemporalrechtlichen Kontext hinausgehende Interpretation von Art. 9 UVG 

vornahm. Die von der Beschwerdegegnerin aus dem Urteil des EVG U 20/04 gezogene 

Schlussfolgerung lässt sich mit der in E. 1.3 zitierten höchstrichterlichen, ausserhalb 

des intertemporalrechtlichen Kontexts ergangenen Rechtsprechung jedenfalls nicht 

vereinbaren.

Aus den Akten geht hervor und ist an sich auch unbestritten, dass der 

Beschwerdeführer bei der zeitlich vollständigen Berücksichtigung der seit 1990 

ununterbrochen ausgeübten, bezogen auf eine Gonarthrose risikobehafteten Tätigkeit 

als Plattenleger die von Dr. F.___ mit überzeugender Begründung hergeleitete 

Mindestexpositionsdauer von 17'000 Stunden (siehe hierzu Suva-act. 59) überschritt. 

Anzufügen bleibt, dass der Beschwerdeführer während vieler Jahre der Exposition im 

Rahmen einer UVG-versicherten Berufstätigkeit ausgesetzt war und diese Tätigkeit die 

letzte war, bevor die Berufskrankheit ausbrach, was die Zuordnung zur 

Versicherungsdeckung durch das UVG bekräftigt, diese jedenfalls nicht als stossend 

erscheinen lässt. Ob ein Fall eines Plattenlegers, der lediglich während einer kurzen 

2.1. 

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3.  

Dauer eine UVG-versicherte Berufstätigkeit ausgeübt und danach ein Vielfaches der 

geforderten Expositionsdauer in einer nicht UVG-versicherten Berufstätigkeit verbracht 

hat, zu einer stossenden Zurechnung zu einer UVG-Versicherungsdeckung führen 

könnte, die eine Präzisierung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu bedingen 

vermöchte, kann hier offenbleiben.

Demnach liegt eine Berufskrankheit im Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVG vor, weshalb 

die Beschwerdegegnerin für den dadurch bedingten Schaden leistungspflichtig ist. 

Gegen die Anerkennung als Berufskrankheit spricht nicht, dass die Chondropathie am 

linken Knie vergleichsweise geringer ist und offenbar noch nicht zu einem relevanten 

Gesundheitsschaden führte (Suva-act. 59-2). Denn für die Anerkennung einer 

Berufskrankheit am rechten Knie ist nicht erforderlich, dass ausschliesslich die 

berufliche Tätigkeit hierfür verantwortlich ist. Vielmehr genügt eine vorwiegende 

Verursachung durch die berufliche Tätigkeit, weshalb eine allfällige zusätzliche – im 

Hintergrund stehende – Mehrbelastung des rechten Knies ausserhalb des Berufslebens 

denn auch irrelevant wäre. Des Weiteren erscheint auch überwiegend wahrscheinlich, 

dass die Kniebelastungen rechts und links – je nach Verrichtungen mit dem Oberkörper 

bzw. der dominanten oberen Extremität – während der vielen Jahre der 

Berufsausübung nicht absolut identisch war. Da sich die Beschwerdegegnerin bislang 

nicht mit dem Leistungsumfang auseinandergesetzt hat, ist die Sache an sie zur 

Festsetzung und Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen zurückzuweisen.

2.2. 

Gemäss vorstehenden Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid 

aufzuheben sowie die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Festsetzung und 

Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen zurückzuweisen.

3.1. 

Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 

2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch 

anwendbaren Fassung).

3.2. 

Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der obsiegende Beschwerdeführer 

Anspruch auf eine Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung und 

Prozessführung (Art. 61 lit. g ATSG). Die Parteientschädigung ist vom Gericht 

ermessensweise festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und 

dem Aufwand Rechnung zu tragen ist. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das 

Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; 

sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.--. Vorliegend erscheint eine 

3.3. 

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Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspracheentscheid vom 

10. November 2020 aufgehoben sowie die Sache an die Beschwerdegegnerin zur 

Festsetzung und Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen im Sinn der Erwägungen 

zurückgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) als angemessen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 21.12.2021
	Art. 9 Abs. 2 UVG. Berufskrankheit. Für eine Leistungspflicht nach Art. 9 Abs. 3 UVG hängt die erforderliche Versicherungsdeckung vom Umstand ab, ob die von der Krankheit betroffene Person während der vorwiegenden Exposition und nicht bei Ausbruch der Krankheit UVG-versichert war. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist für die Beurteilung der Exposition die gesamte ausgeübte Berufstätigkeit zu berücksichtigen und damit auch derjenige Teil, der nicht im Rahmen einer UVG-versicherten Berufstätigkeit erbracht worden ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Dezember 2021, UV 2020/86). Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 8C_71/2022.

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		2025-07-19T02:09:24+0200
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