# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 69ff5b72-bf62-5792-ac43-81a17bb5133c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-05
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 05.06.2019 110 2019 38
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_110-2019-38_2019-06-05.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION 

RA Nr. 110/2019/38 Bern, 5. Juni 2019

in der Beschwerdesache zwischen

Herrn A.________
Beschwerdeführer

und

B.________
Beschwerdegegnerin

sowie

Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun, Bauinspektorat, Industriestrasse 2,
Postfach 145, 3602 Thun

betreffend die Verfügung der Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun vom 13. Februar 
2019 (Gemeinde Nr. 942/2018-0506; Abbruch bestehende Garage, Neubau Wohnhaus mit 
Nebenbauten)

I. Sachverhalt

1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 18. Juli 2018 bei der Stadt Thun ein Baugesuch 

ein für den Abbruch einer bestehenden Garage sowie den Neubau eines Wohnhauses mit 

Nebenbauten auf Parzelle Thun-Strättligen Grundbuchblatt Nr. C.________. Die Parzelle 

liegt in der Wohnzone. Gegen das Bauvorhaben erhob unter anderen der 

Beschwerdeführer Einsprache.

Mit Gesamtentscheid vom 13. Februar 2019 erteilte die Stadt Thun dem Vorhaben die 

Baubewilligung.

RA Nr. 110/2019/38 2

2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 4. März 2019 Beschwerde bei der Bau-, 

Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt sinngemäss die 

Aufhebung des Entscheids vom 13. Februar 2019. Zur Begründung macht er 

zusammengefasst geltend, dem Vorhaben sei zu Unrecht eine Ausnahmebewilligung zum 

Überschreiten der Baulinien erteilt worden. Ausserdem würden die Nebenbauten die 

zulässige Gebäudehöhe überschreiten. 

3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den 

Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegnerin liess sich 

nicht vernehmen. Die Stadt Thun beantragte mit Eingabe vom 8. April 2018 die Abweisung 

der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Mit Eingabe vom 13. Mai 2019 

reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme ein.

Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1. Eintretensvoraussetzungen

a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann 

er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel 

angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im 

vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide 

können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei 

der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen 

den Gesamtentscheid zuständig.

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und 
Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1)
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)

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b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die 

Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG 

i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Einsprache abgewiesen 

wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur 

Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten.

2. Streitgegenstand

a) Anfechtungsobjekt in einem Beschwerdeverfahren ist die Verfügung der Vorinstanz. 

Der Streitgegenstand bezeichnet denjenigen Teil des Anfechtungsobjektes, den die 

beschwerdeführende Partei von der Rechtsmittelinstanz überprüfen lassen will. Der 

Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber nicht 

über dieses hinausgehen. Er wird mit dem Antrag und der Begründung in der Beschwerde 

festgelegt. Der Entscheid in der Sache ist ebenso wie das Verfahren grundsätzlich auf den 

Streitgegenstand begrenzt.4

b) Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid der Stadt Thun vom 13. Februar 

2019. Darin erteilte die Stadt die Bewilligung für den Abbruch der bestehenden Garage und 

den Neubau eines Wohnhauses mit Nebenbauten auf der Parzelle Thun-Strättligen 

Grundbuchblatt Nr. C.________. Vom Beschwerdeführer gerügt und damit 

Streitgegenstand ist lediglich der Neubau des Wohnhauses mit Nebenbauten. Gegen den 

Abbruch der Garage erhebt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 4. März 2019 

keine Einwände. Die Abbruchbewilligung für die bestehende Garage ist damit 

unangefochten in Rechtskraft erwachsen. 

3. Überschreitung der Baulinie

a) Die Bauherrin beantragte im vorinstanzlichen Baubewilligungsverfahren u.a. eine 

Ausnahme für das Bauen ausserhalb der Baulinien. Zur Begründung machte sie im 

4 Vgl. zum Ganzen Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N 13 und 
Art. 72 N 6 bis 8; Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 148 ff.

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Ausnahmegesuch geltend, der Flächenanteil des Baugrundstücks innerhalb der Baulinie 

betrage mehr als 30 %. Eine sinnvolle und wirtschaftlich tragbare Bebauung des 

Grundstücks sei daher ohne Ausnahme kaum möglich. Die Vorinstanz schloss sich dieser 

Begründung an und hielt ergänzend fest, zwischen der Baulinie und der rückwärtigen 

Nachbarparzelle würde abzüglich des kleinen Grenzabstands nur ein Streifen von 

ca. 7.5 m zum Bauen übrig bleiben. Damit würde ein zeitgemässes verdichtetes Bauen 

nahezu verunmöglicht. Die Baulinien würden überdies mit der laufenden 

Ortsplanungsrevision aufgehoben. Der zukünftig massgebende Strassenabstand von 4 m 

würde eingehalten.

Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde demgegenüber geltend, es bestünden 

keine besonderen Verhältnisse für die Erteilung der Ausnahme. Die Parzelle weise auch 

keine ungünstige Form auf und die Ortsplanungsrevision sei noch nicht rechtskräftig. 

b) Gemäss Art. 36 Abs. 1 BauG sind Bauvorhaben nach dem zur Zeit der Einreichung 

des Baugesuchs geltendem Recht zu beurteilen, soweit das Bundesrecht nichts anderes 

bestimmt. Der Entscheid ist jedoch zurückzustellen, wenn das Bauvorhaben 

Nutzungsplänen widerspricht, die bei der Gesuchseinreichung öffentlich aufgelegen haben 

(vgl. Art. 36 Abs. 2 BauG). Baugesuche, die im Hinblick auf vorgesehene neue Vorschriften 

oder Pläne eingereicht werden, sind nach deren Genehmigung aufgrund dieser 

Vorschriften oder Pläne zu beurteilen, sofern die Baubewilligung nicht vorzeitig erteilt 

werden kann (Art. 36 Abs. 3 BauG). 

Die Stadt Thun hat in Aussicht gestellt, mit der laufenden Ortsplanungsrevision die 

Baulinien aufheben zu wollen. Im Rahmen der angesprochenen Ortsplanungsrevision ist 

bisher das Stadtentwicklungskonzept 2035 genehmigt worden. Die für die Baulinien 

relevanten Arbeiten an der baurechtlichen Grundordnung sind dagegen noch nicht 

abgeschlossen; die öffentliche Mitwirkung für das neue Baureglement bzw. den neuen 

Zonenplan ist erst für das vierte Quartal 2019 vorgesehen.5 Der Zeitpunkt der öffentlichen 

Auflage ist soweit ersichtlich noch nicht bekannt gegeben worden. Bei diesem Stand der 

Revisionsarbeiten ist zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar, ob und wann die Baulinien 

am D.________weg tatsächlich aufgehoben werden. Eine allfällige positive Vorwirkung von 

neuem Recht kommt daher ebenso wenig in Betracht wie das Zurückstellen des 

Entscheids nach Art. 36 Abs. 2 BauG oder eine vorzeitige Bewilligung gemäss Art. 36 Abs. 

5 Vgl. Internetseite zur Ortsplanungsrevision, abrufbar unter: «http://www.ortsplanungsrevisionthun.ch/»

http://www.ortsplanungsrevisionthun.ch/

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3 BauG. Damit ist das Projekt gestützt auf die aktuell in Kraft stehenden Rechtsgrundlagen 

zu beurteilen. 

c) Die Bauabstände von Gebäuden richten sich gemäss dem Baureglement der Stadt 

Thun u.a. nach den rechtsgültigen Baulinien.6 Es ist unbestritten, dass das Bauvorhaben 

die vorliegend massgebenden und nach wie vor gültigen Baulinien überschreitet und dass 

das Projekt einer entsprechenden Ausnahme bedarf. Wie die Vorinstanz im angefochtenen 

Entscheid zutreffend festgehalten hat, ist eine solche Ausnahmebewilligung gestützt auf 

Art. 26 BauG und nicht – wie von der Bauherrin im Ausnahmegesuch beantragt – auf 

Art. 28 BauG zu prüfen. Laut Art. 26 BauG (i.V.m. Art. 1 Abs. 2 GBR) können Ausnahmen 

von einzelnen Bauvorschriften bewilligt werden, wenn besondere Verhältnisse es 

rechtfertigen und wenn keine öffentlichen Interessen beeinträchtigt werden. Ausnahmen 

dürfen überdies keine wesentlichen nachbarlichen Interessen verletzen, es sei denn, die 

Beeinträchtigung könne durch Entschädigung vollwertig ausgeglichen werden. Diese 

Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Eine Ausnahmebewilligung soll die 

gesetzliche Regelung, die im Interesse der Rechtssicherheit sowie der Rechtsgleichheit die 

tatsächlichen Verhältnisse generalisierend erfasst, einzelfallgerecht verfeinern. Dabei geht 

es um die Behebung einer unverhältnismässigen Härte oder offensichtlichen 

Unzweckmässigkeit, d.h. einer mit dem Erlass der Vorschrift nicht beabsichtigten Wirkung. 

Ausnahmegründe müssen mit den Besonderheiten des Baugrundstücks oder des 

Bauvorhabens zusammenhängen; mit anderen Worten müssen im konkreten Einzelfall 

spezielle, vom Normalfall abweichende Umstände vorliegen. Rein finanzielle Interessen, 

der Wunsch nach einer Ideallösung oder intensives Ausnützungsstreben rechtfertigen 

keine Ausnahmebewilligung. Kein wichtiger Grund im Sinne dieser Bestimmung ist auch 

die Feststellung, dass eine Vorschrift überholt und damit unzweckmässig geworden ist. 

Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Ausnahmegrund keine absolute Grösse ist. 

Ob ein Sachverhalt als Ausnahmegrund genügen kann, hängt von drei Komponenten ab: 

Vom Interesse an der Ausnahme, von der Bedeutung der Vorschrift, von der abgewichen 

werden soll, und von Art und Mass der verlangten Abweichung.7

d) Die Bauparzelle befindet sich am D.________weg. Entlang des D.________wegs 

verlaufen beidseitig Baulinien, die vergleichsweise weit in die angrenzenden Grundstücke 

hineinragen. Die Bauparzelle weist eine Gesamtfläche von rund 500 m2 auf. Gemäss den 

unwidersprochenen und nachvollziehbaren Angaben der Vorinstanz und der Bauherrschaft 

6 Art. 14 Abs. 1 Bst. a Baureglement Thun vom Juni 2002 (GBR)
7 Vgl. zum Ganzen Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, 
Bern 2013, Art. 26-27 N. 4 ff., m.w.H.; BVR 1977 S. 21 E. 2.2.2

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liegt rund ein Drittel der Bauparzelle innerhalb des Bauverbotsstreifens. Auf der Parzelle 

befindet sich momentan eine ca. 36 m2 grosse Garage, welche die Baulinie nicht 

überschreitet. Die restliche Grundstücksfläche ist noch nicht überbaut.

e) Das geplante Wohnhaus verfügt über eine 11.1 m lange Südfassade, die sich 

vollständig ausserhalb der Baulinie befindet und durchgehend mehr als 2 m in den 

Bauverbotsstreifen zum D.________weg hinein ragt. Das Dach und die Terrassen des 

geplanten Gebäudes überschreiten südseitig die Baulinie ebenfalls. Die geplante 

Abweichung vom Erlaubten ist somit beträchtlich. Es trifft zwar zu, dass die Überbaubarkeit 

des Grundstücks aufgrund der Baulinie eingeschränkt wird. Die noch nicht überbaute, 

westliche Nachbarparzelle Thun-Strättligen Grundbuchblatt Nr. E.________ befindet sich 

allerdings ebenfalls zu mehr als einem Drittel innerhalb des Bauverbotsstreifens. Bei der 

Parzelle Thun-Strättligen Grundbuchblatt Nr. F.________ dürfte sogar rund die Hälfte der 

Fläche ausserhalb der Baulinie liegen. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite werden 

u.a. die Parzellen Thun-Strättligen Grundbuchblatt Nrn. G.________ und H.________ stark 

von der Baulinie beeinträchtigt. Auch die Überbaubarkeit der Parzelle Thun-Strättligen 

Grundbuchblatt Nr. I.________ ist erheblich eingeschränkt. Dasselbe trifft auf mehrere 

weitere Grundstücke entlang des gesamten D.________wegs zu. Die Situation auf der 

vorliegend betroffenen Bauparzelle ist daher gerade im Vergleich mit anderen 

Grundstücken in der Umgebung nicht derart besonders, um von einer Ausnahmesituation 

auszugehen. Im Gegenteil könnten die von der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin 

vorgebrachten Ausnahmegründe auch bei zahlreichen weiteren Parzellen angeführt 

werden. Dasselbe gilt für das Argument der inneren Verdichtung: Zwar würde mit dem 

geplanten Vorhaben die betroffene Parzelle, auf der bisher bloss eine Garage steht, 

nachverdichtet. Die Interessen an der Nachverdichtung des überbauten Siedlungsgebiets 

und der haushälterischen Bodennutzung sind jedoch allgemeine raumplanerische 

Grundsätze und begründen gerade keine besonderen Verhältnisse.8 Andere 

Ausnahmegründe sind nicht ersichtlich. Insbesondere lassen die rechteckige Form der 

Bauparzelle und das flache Gelände eine Überbauung des rund 500 m2 grossen 

Grundstücks ohne weiteres zu. Auch unter Berücksichtigung der geltenden Grenzabstände 

kann damit ein zweckmässiges Vorhaben realisiert werden, das die Baulinien nicht 

überschreitet.

f) Die Stadt Thun scheint die betroffenen Baulinien mittlerweile als nicht mehr 

zeitgemäss zu betrachten und möchte diese aufheben. Bereits in einem Schreiben vom 

8 Vgl. auch Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 26-27 N. 5; BDE vom 12. April 2019, RA-Nr. 110/2018/164 E. 3.e

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8. Januar 1975 an den damaligen Grundeigentümer der vorliegenden Bauparzelle hat die 

Stadt Thun festgehalten, die fraglichen Baulinien würden nicht mehr ganz den 

Bedürfnissen entsprechen. Im selben Schreiben hat sie jedoch weiter ausgeführt, es könne 

nicht befürwortet werden, wegen eines bestimmten Einzelfalls die bestehenden Baulinien 

in partieller Weise aufzuheben, da sonst lauter derartige Fälle auftauchen und eine 

vernünftige Planung verunmöglicht würde.9 Pläne und Vorschriften, die nicht mehr den 

aktuellen Bedürfnissen entsprechen, können nicht durch das Gewähren von Ausnahmen 

faktisch abgeändert oder aufgehoben werden. Vielmehr hat in solchen Fällen das 

zuständige Gemeinwesen rechtzeitig planerisch tätig zu werden. Die Stadt Thun hat sich 

entschlossen, die betroffenen Baulinien erst im Rahmen der momentan laufenden 

Ortsplanungsrevision aufheben zu wollen. Solange das entsprechende 

Planerlassverfahren aber noch nicht weiter fortgeschritten ist, haben die aktuellen 

Baulinien nach wie vor uneingeschränkte Gültigkeit (vgl. auch E. 2.b). Wie dargelegt, liegen 

keine Ausnahmegründe für eine Überschreitung vor. Würde dennoch eine Ausnahme 

gewährt, käme dies somit einer unzulässigen Normkorrektur der in Kraft stehenden 

Baulinien gleich.

4. Gleichbehandlung im Unrecht

a) Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid und in ihrer Vernehmlassung vom 

5. April 2019 weiter aus, die Baulinien entlang des D.________wegs würden seit 1929 

bestehen. Sie seien in der Vergangenheit bereits mehrmals überschritten worden, so unter 

anderem im Jahr 1950 beim Haus Nr. 34, 1989 beim Haus Nr. 21 und 1996 beim Haus 

Nr. 22. Auch die Beschwerdegegnerin wies in ihrem Ausnahmegesuch darauf hin, dass 

sich entlang des D.________ bereits andere Bauten bzw. Bauteile ausserhalb der 

Baulinien befinden würden. Damit stellt sich die Frage, ob die Beschwerdegegnerin einen 

Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht hat. 

b) Das Gebot rechtsgleicher Behandlung nach Art. 8 Abs. 1 BV10 garantiert in 

allgemeiner Weise die Gleichbehandlung von Personen durch alle staatlichen Organe. Die 

Rechtsgleichheit gebietet, Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und 

Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln. Ein Entscheid 

verletzt den Grundsatz der Rechtsgleichheit und damit Art. 8 Abs. 1 BV, wenn er rechtliche 

9 Beilage zur Beschwerde vom 4. März 2019
10 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101)

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Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den tatsächlichen Verhältnissen, 

über die zu entscheiden ist, nicht ersichtlich ist, oder Unterscheidungen unterlässt, die sich 

aufgrund der Verhältnisse aufdrängen.11 Der Umstand, dass das Gesetz in anderen Fällen 

nicht oder nicht richtig angewandt worden ist, gibt dem Bürger grundsätzlich keinen 

Anspruch darauf, ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Denn der 

Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Verwaltung geht dem Rechtsgleichheitsprinzip, und 

damit dem Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht, in der Regel vor.12 Auf 

Gleichbehandlung im Unrecht besteht jedoch grundsätzlich einen Anspruch, wenn die 

Behörde nicht nur in einem oder einigen Fällen, sondern in ständiger Praxis vom Gesetz 

abweicht und zu erkennen gibt, dass sie auch in Zukunft nicht gesetzeskonform handeln 

werde.13 Selbst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können diesen öffentliche 

Interessen oder berechtigte Interessen Dritter an gesetzmässiger Rechtsanwendung 

entgegenstehen.14

c) Sowohl in der näheren Umgebung der Bauparzelle als auch entlang des übrigen 

D.________wegs befinden sich die Gebäude grossmehrheitlich innerhalb der Baulinien. 

Bereits aus den tatsächlichen Verhältnissen geht somit hervor, dass keine Praxis der Stadt 

Thun existiert, wonach die Baulinien beim D.________weg grundsätzlich überschritten 

werden dürften. Entsprechend hat die Stadt Thun im erwähnten Schreiben vom 

8. Januar 1975 noch ausdrücklich an den Baulinien festgehalten. Die Vorinstanz macht 

auch heute nicht geltend, sie verfüge über eine eigentliche rechtswidrige Praxis. Vielmehr 

weist sie auf ausgewählte Einzelfälle hin, in denen sie offenbar eine Ausnahme für das 

Überschreiten der Baulinien gewährt hat. Die Frage, ob in diesen Fällen die 

Voraussetzungen für eine Ausnahme erfüllt gewesen sind, ist nicht Gegenstand des 

vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Selbst wenn dies nicht der Fall gewesen sein sollte, 

begründen solche einzelfallbezogenen Beurteilungen keine rechtswidrige Praxis und damit 

keinen Anspruch auf eine Gleichbehandlung im Unrecht. Das Rechtsgleichheitsgebot wird 

mit der Verweigerung der Ausnahme somit nicht verletzt.

5. Zusammenfassung, weitere Rügen und Kosten

11 Vgl. BGE 117 Ia 257 E. 3b, m.w.H. 
12 BGE 122 II 451 E. 4°, m.w.H.
13 Vgl. BGE 127 I 1 E. 3a
14 Vgl. BGE 123 II 248 E.3c 

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a) Zusammenfassend hat die Vorinstanz dem Vorhaben zu Unrecht eine Ausnahme 

zum Überschreiten der Baulinien erteilt. In Gutheissung der Beschwerde ist daher der 

Gesamtentscheid der Stadt Thun vom 13. Februar 2019 aufzuheben und dem Baugesuch 

vom 29. Juni 2018 ist der Bauabschlag zu erteilen. Es erübrigt sich somit, die weiteren 

Rügen des Beschwerdeführers zu prüfen. 

b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdegegnerin. Sie hat die 

Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine 

Pauschalgebühr von Fr. 1'200.-- (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 

Abs. 1 GebV15). Die Beschwerdegegnerin trägt zudem die Kosten des erstinstanzlichen 

Baubewilligungsverfahrens. Parteikosten sind nicht angefallen (vgl. Art. 104 Abs. 1 und 

2 VRPG). 

c) Die Kosten des Baubewilligungsverfahrens sind unabhängig von Obsiegen und 

Unterliegen vom Baugesuchsteller zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD16). Die 

Gebührenverordnung Bauwesen der Stadt Thun17 sieht keine Anpassung der Kosten im 

Fall des Bauabschlags vor. Die Gebühren für das Baubewilligungsverfahren werden jedoch 

insoweit angepasst, als damit bereits Gebühren für baupolizeiliche Aufwendungen wie 

insbesondere die Baukontrolle erhoben wurden. Die Baubewilligungsgebühr von Fr. 

7'933.50 reduziert sich daher um Fr. 812.-- auf Fr. 7'121.50.

III. Entscheid

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Gesamtentscheid der Stadt Thun vom 

13. Februar 2019 wird aufgehoben, soweit dieser nicht in Rechtskraft erwachsen ist. 

Dem mit Baugesuch vom 29. Juni 2018 (eingegangen bei der Stadt Thun am 18. Juli 

2018) beantragten Neubau eines Wohnhauses mit Nebenbauten wird der 

Bauabschlag erteilt.

15 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; 
BSG 154.21)
16 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
17 Verordnung über die Gebühren im Bauwesen der Stadt Thun (Gebührenverordnung Bauwesen) vom 
5. Dezember 2003

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2. Die Kosten des erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens werden neu auf 

Fr. 7'121.50 festgesetzt. Sie werden der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung 

auferlegt. Für das Inkasso dieser Kosten ist die Gemeinde zuständig.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.-- werden der Beschwerdegegnerin zur 

Bezahlung auferlegt. Eine separate Zahlungseinladung folgt, sobald dieser Entscheid 

in Rechtskraft erwachsen ist.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

IV. Eröffnung

- Herrn A.________, eingeschrieben

- B.________, eingeschrieben

- Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun, Bauinspektorat, eingeschrieben

Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion

Der Direktor

Christoph Neuhaus
Regierungsrat