# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aac0043b-356d-5d40-93f8-c8be2d6a438f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.01.2012 E-4678/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4678-2009_2012-01-31.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­4678/2009

U r t e i l   v om   3 1 .   J a nua r   2 0 1 2  

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richter Robert Galliker, Richter François Badoud,
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

Parteien A._______,
Türkei,
vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz,

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 18. Juni 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  seinen 
Heimatstaat am 20. Mai 2009 von Istanbul aus in einem Lastwagen und 
gelangte über ihm angeblich unbekannte Länder am 27. Mai 2009 illegal 
in  die  Schweiz.  Gleichentags  stellte  er  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch. Am 2.  Juni 2009 
fand dort die summarische Befragung statt, und am 10. Juni 2009 wurde 
er vom BFM zu seinen Asylgründen angehört.

Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei kurdischer 
Ethnie und sei  in B._______, Provinz Sanliurfa, aufgewachsen. Er habe 
sich für kurdische Organisationen und Parteien eingesetzt. Ab 1998 habe 
er  an  der  Berufshochschule  in  C._______  (…)  studiert.  Wegen  seiner 
Ethnie und politischen Gesinnung sei er von Rechtsextremen unter Druck 
gesetzt und gelegentlich angegriffen worden. Das Studium habe er 1999 
ohne  Abschluss  aufgegeben  und  sei  nach  B._______  zurückgekehrt. 
Wegen  seiner  Beteiligung  an  den  Newroz­Feierlichkeiten  des  Jahres 
2000 sei er von den Sicherheitskräften für einen Tag inhaftiert worden. Ab 
2001  habe  er  ein  Fernstudium  an  (…)  in  Angriff  genommen.  Dieses 
Studium  habe  er  aufgrund  diskriminierender  Massnahmen  nicht 
abschliessen können. Seit 2006 respektive 2007 sei er auf der Flucht vor 
Verfolgern  gewesen,  welche  ihn  telefonisch  bedroht  hätten.  Seit  2007 
habe  er  in  F._______  bei  (…)  gewohnt.  (…)  2008  habe  er  das  dortige 
Vereinslokal der DTP (Demokratik Toplum Partisi) besucht und sei später 
nach  Verlassen  der  Lokalität  von  seinen  Feinden  verfolgt  worden,  die 
auch  auf  ihn  geschossen  hätten.  Am  (…)  2009  habe  er  an  der  (…)­
Protestkundgebung  teilgenommen  und  danach  wieder  seine  Eltern  in 
B._______  besucht.  Gegen  Mitternacht  sei  er  dort  von 
Armeeangehörigen  festgenommen  und  auf  den  Militärposten  von 
D._______ verbracht worden. Am Morgen des (…) 2009 sei er entlassen 
worden, nachdem seine Familie Bestechungsgeld bezahlt habe. Er habe 
daraufhin die Türkei verlassen, zumal er auch nicht bereit gewesen sei, 
seine Militärdienstpflicht zu erfüllen.

Der  Beschwerdeführer  gab  zum Beleg  seiner  Identität  seinen Nüfus  zu 
den Akten.

B. 
Mit Verfügung  vom 18.  Juni  2009 – eröffnet  am 19.  Juni  2009 –  lehnte 
das Bundesamt das Asylgesuch ab und  führte zur Begründung aus, die 

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Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 
(AsylG,  SR  142.31)  sowie  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  stand.  Gleichzeitig 
verfügte  das  BFM  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der 
Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an.

C. 
Mit  Beschwerde  vom  20.  Juli  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
beantragte  der  Beschwerdeführer  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung 
der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  sowie  die  Asylgewährung,  eventualiter  die 
Feststellung  der  Unzulässigkeit  oder  der  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs 
der Wegweisung und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme.

In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  er  den  Verzicht  auf  die  Erhebung 
eines Kostenvorschusses, weil er von der Sozialhilfe unterstützt werde.

Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer einen Internet­Ausdruck vom 
20. Juli 2009 über den Vorfall in E._______ zu den Akten.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  23.  Juli  2009  bestätigte  das 
Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde und stellte fest, 
dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz 
abwarten könne.

E. 
Mit  Eingabe  vom  27.  Juli  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Bestätigung seiner Fürsorgeabhängigkeit nach.

F. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  12.  August  2009 
wurde  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  und  die 
Beschwerde dem BFM zur Vernehmlassung überwiesen.

G. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  14.  August  2009  hielt  das  BFM  an  der 
angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der 
Beschwerde.

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H. 
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 20. August 2009 
zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  In  der  Rechtsmitteleingabe  macht  der  Beschwerdeführer 
zusammenfassend  geltend,  seine  Vorbringen  entsprächen  den 
Anforderungen sowohl  von Art.  7 AsylG als auch von Art.  3 AsylG  (vgl. 
Beschwerde S. 3 ff. und 10). Im Einzelnen bringt er vor, die Ausführungen 
des BFM betreffend seine Festnahme vom (…) 2009 seien unzutreffend 
(vgl. Beschwerde S. 4 ff.). Der Beschwerdeführer habe genau geschildert, 
wie  er  festgenommen  und  auf  den  Posten  von  D._______  gebracht 
worden  sei,  was  einer  typischen  Vorgehensweise  der  Özel  Tim 
(Sondereinheiten der türkischen Sicherheitskräfte) entspreche, vor allem, 
wenn  jemand  im  Zusammenhang  mit  Öcalan  respektive  der  PKK 
festgenommen werde. Wäre der Beschwerdeführer durch die Behandlung 
nicht ohnmächtig geworden, wäre er sicher noch verhört worden; zudem 
habe ihn ja seine Familie schon am nächsten Morgen durch Bestechung 
frei bekommen. Er habe sowohl die Festnahme als auch die Zeit auf dem 
Posten  genau  geschildert,  sei  dort  allerdings  fast  die  ganze  Nacht 
bewusstlos  gewesen  (vgl.  Beschwerde  S.  5  f.).  Mit  Bezug  auf  die 
telefonischen  Drohungen  sowie  die  Beschiessung  beim  Verlassen  des 
DTP­Vereinslokals  in  F._______  2008  macht  der  Beschwerdeführer 
geltend,  seine  Angaben  seien  entgegen  den  Behauptungen  des  BFM 
weder  widersprüchlich  noch  unglaubhaft  (vgl.  Beschwerde  S.  6  ff.). 

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Ferner macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  die  Ansicht  des  BFM,  die 
vor 2007 erlittenen Benachteiligungen und Verfolgungen lägen zeitlich zu 
weit  zurück  und  seien  deshalb  flüchtlingsrechtlich  nicht  relevant,  sei 
unzutreffend  (vgl.  Beschwerde  S.  9  f.).  Schliesslich  sei  auch  nicht  der 
Militärdienst, sondern die politische Verfolgung der eigentliche Grund für 
seine Flucht aus der Türkei gewesen (vgl. Beschwerde S. 10).

4.2. Nach Durchsicht der Akten,  insbesondere der Befragungsprotokolle 
des  Beschwerdeführers,  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum 
Schluss,  dass  die  angefochtene  Verfügung  und  ihre  Begründung  einer 
Prüfung  standhalten.  Die  den  Akten  zu  entnehmenden  klaren 
Unglaubhaftigkeitsindizien hat das BFM grundsätzlich korrekt erkannt und 
in seinen Erwägungen zutreffend gewürdigt (vgl. angefochtene Verfügung 
S. 3). Zu Recht hat das BFM auch die zeitlich vor 2007 anzusiedelnden 
Vorkommnisse als asylrechtlich unerheblich qualifiziert. Die Einwände  in 
der Beschwerde führen insgesamt nicht zu anderen Schlussfolgerungen.

4.2.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  teilt  insbesondere  die  Auffassung 
der Vorinstanz, dass die vorgebrachte Festnahme und das Festhalten auf 
dem  Posten  von  D._______  insgesamt  einen  deutlichen  Mangel  an  so 
genannten  Realkennzeichen  aufweist.  Die  protokollierten  Vorbringen 
hinterlassen  einen  unsubstanziierten,  teilweise  lebensfremden  und 
insgesamt  konstruierten  Eindruck.  Diesen  vermögen  weder  die 
Einwendungen des Beschwerdeführers  (vgl. Beschwerde S. 5) noch der 
Internet­Ausdruck vom 20. Juli 2009 über einen Vorfall  in E._______,  in 
dem  der  Beschwerdeführer  nicht  erwähnt  wird,  etwas  zu  ändern. 
Abschliessend  bleibt  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  von  den 
türkischen Behörden mit Sicherheit  nicht  bereits nach kurzer Zeit  – und 
vor  einer  Befragung  –  aufgrund  von  Bestechung  freigelassen  worden 
wäre,  wenn  er  tatsächlich  während  der  Protestkundgebung  von 
E._______ speziell aufgefallen und somit von besonderem behördlichen 
Interesse gewesen wäre. 

4.2.2.  Was  die  angeblich  andauernden  telefonischen  Drohungen 
anbelangt  (vgl.  Beschwerde  S.  6  ff.),  ist  festzuhalten,  dass  dieses 
zentrale  Sachverhaltselement  bei  der  Erstbefragung  im  EVZ  gemäss 
Protokoll mit  keinem Wort  erwähnt  (vgl.  EVZ­Protokoll  S.  6  f.),  sondern 
erst  bei  der  einlässlichen  BFM­Anhörung  erstmals  vorgebracht  wurde 
(vgl.  BFM­Protokoll  S. 8 f.).  Angesichts  des  summarischen  Charakters 
der  Befragung  in  der  Empfangsstelle  (heute  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum)  kommt  den  Aussagen  zu  den  Ausreisegründen  für 

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die  Beurteilung  von  deren  Glaubhaftigkeit  zwar  nur  beschränkter 
Beweiswert  zu,  indessen  sind  bestimmte  Ereignisse,  welche  später  als 
zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  bereits  in  der  Empfangsstelle 
zumindest  ansatzweise  zu  erwähnen  (vgl.  dazu  ausführlich 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  1993 Nr. 3  E. 3  S. 13  f.).  Der  Einwand 
des Beschwerdeführers, man habe  ihm  in der EVZ angeblich gesagt, er 
solle  kein  Details  erzählen  (vgl.  BFM­Protokoll  S.  8),  ist  schon  deshalb 
unbehelflich,  weil  er  gegen  Ende  der  EVZ­Befragung  explizit  nach 
anderen Gründen  für  das Verlassen  des  Landes  gefragt wurde, was  er 
ausdrücklich  verneinte  (vgl.  EVZ­Protokoll  S.  7).  Zu  Recht  hat  deshalb 
das BFM auch diese Drohanrufe als unglaubhaft bezeichnet. 

4.2.3.  Angesichts  der  insgesamt  wenig  substanziierten  Angaben  des 
Beschwerdeführers,  beispielsweise  auch  zu  seinen  angeblichen 
Verfolgern  (vgl.  BFM­Protokoll  S.  5  f.),  erscheint  auch  das  angebliche 
Vorkommnis  von  2008  –  die  beim  Verlassen  des  DTP­Vereinslokals  in 
F._______ auf  ihn abgegebenen Schüsse – als unglaubhaft;  dies umso 
mehr als eine solche Verfolgungshandlung im konkreten Länderkontext in 
keinem  nachvollziehbaren  Verhältnis  zum  geringen  politischen 
Engagement  des  Beschwerdeführers  gestanden  wäre  und  dessen 
geringer  Exponierungsgrad  kaum  das  behauptete  Verfolgungsinteresse 
ausgelöst hätte.

4.2.4.  Soweit  der  Beschwerdeführer  für  die  Zeit  ab  Ende  der  1990er­
Jahre Verfolgungshandlungen geltend macht, besteht – wie das BFM zu 
Recht  festgestellt hat  (vgl. angefochtene Verfügung S.4) – offensichtlich 
kein zeitlicher und sachlicher Zusammenhang zu der erst Ende Mai 2009 
erfolgten  Ausreise  aus  dem Heimatstaat.  Die  Frage  der Glaubhaftigkeit 
dieser Vorbringen kann deshalb offen bleiben.

4.3.  Schliesslich  ist  davon  Kenntnis  zu  nehmen,  dass  der 
Beschwerdeführer  ausdrücklich  geltend  macht,  sein  Unwille,  in  der 
Türkischen Armee Dienst zu leisten, sei nicht der Grund für die Ausreise 
gewesen (vgl. Beschwerde S. 10).

4.4. Soweit  der  Beschwerdeführer  bei  seiner  Summarbefragung  eine  in 
der  Schweiz  als  Flüchtling  anerkannte  Schwester  erwähnt  hat,  ist  nach 
Beizug  und  Durchsicht  der  betreffenden  Asylakten  (N  (…))  Folgendes 
festzustellen:  Die  Angehörige  hatte  in  der  Schweiz  am  30.  September 
2004 um Asyl nachgesucht. Mit  (unangefochten gebliebener) Verfügung 

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vom  15.  Dezember  2004  wurde  vom  damaligen  Bundesamt  für 
Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM)  festgestellt,  dass  sie  die  originäre 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  aufweist;  sie  wurde 
jedoch  in  Anwendung  von  Art.  51  Abs.  1  AsylG  in  die 
Flüchtlingseigenschaft  ihres  Ehemanns  eingeschlossen.  Zu  Beginn  des 
Jahres  2010  verzichtete  die  Schwester  auf  ihre  Flüchtlingseigenschaft, 
worauf das Erlöschen des Asyls festgestellt wurde. 

Aufgrund  der  Akten  kann  ausgeschlossen  werden,  dass  der 
Beschwerdeführer  in  der  Türkei  mit  Bezug  auf  seine  Schwester  (oder 
deren  Ehemann)  einer  so  genannten  Anschlussverfolgung  ausgesetzt 
wäre.

4.5.  Nach  diesen  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren 
Ausführungen in den Eingaben des Beschwerdeführers einzugehen, weil 
sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen.

Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  keine 
Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte. 
Die Vorinstanz hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9).

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 

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Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 

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Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im 
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

6.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

6.5. Eine Situation, welche  den Beschwerdeführer  als  "Gewalt­oder  de­
facto­Flüchtling" qualifizieren würde, ist aufgrund der heutigen Situation in 
der  Türkei  nicht  gegeben.  Nach  dem  oben  Gesagten  ist  nicht  davon 
auszugehen,  dass  er  nach  der  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  einer 
Gefährdung ausgesetzt wäre. Es  steht  dem  relativ  jungen und –  soweit 
den Akten zu entnehmen ist – gesunden Beschwerdeführer offen und ist 
ihm  zuzumuten,  sich  wieder  in  der  Türkei  niederzulassen,  wo  er  auch 
über  ein  familiäres  Beziehungsnetz  (Eltern,  Geschwister)  verfügt. 
Angesichts  seiner  schulischen  Ausbildung  (Gymnasium  mit  Abitur­
Abschluss, Studien  in Fachrichtung  (…)  [ohne Abschluss]), Erfahrung  in 
der elterlichen Landwirtschaft und Auslanderfahrung wird es ihm möglich 
sein,  sich  in  der  Türkei  wieder  eine  Existenz  aufzubauen.  In  der 
Beschwerde  werden  im  Übrigen  keine  besonderen  Gründe  glaubhaft 
gemacht, welche sich ernsthaft gegen die Zumutbarkeit der Rückkehr  in 
den Heimatstaat richten würden.

Damit erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar.

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6.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und  dazu  auch  BVGE 2008/34  E. 12  S. 513­515),  weshalb  der  Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

6.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  bezeichnet.  Damit  fällt  eine 
Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1­4 
AuG).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist abzuweisen.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 
Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

Versand: