# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1552a3c3-7cee-5e99-81bf-b453782589b2
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-08-18
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 18.08.2009 U 2009 46
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2009-46_2009-08-18.pdf

## Full Text

U 09 46

1. Kammer 

URTEIL
vom 18. August 2009

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Disziplinarentscheid

1. Am 19. April 2002 hatte … als Notar den Kaufvertrag über die 

Stockwerkeigentumseinheit GB-Blatt Nr. 55'857 im Grundbuch der Gemeinde 

… beurkundet. Vertragsparteien waren …, … sowie … als Verkäufer und … 

und … als Käufer. 

Im September 2004 beauftragten die Käufer … und … Rechtsanwalt und 

Notar …, gegen die Verkäufer …, … sowie … Gewährleistungsansprüche aus 

dem Kaufvertrag geltend zu machen. … führte zuerst Verhandlungen mit den 

Verkäufern, welche aber nicht zum Ziele führten. In der Folge leitete er mit 

Prozesseingabe vom 4. September 2008 das Klageverfahren beim 

Bezirksgericht … ein mit dem Begehren um Behebung der Mängel an der 

Terrasse der erworbenen Wohnung. 

2. Am 11. November 2008 gelangte der Rechtsvertreter der Verkäufer, 

Rechtsanwalt und Notar …, an die Notariatskommission mit dem Antrag um 

Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen ... Die einseitige Vertretung einer 

Urkundsperson als Anwalt in einer Sache, in welcher es um den Inhalt einer 

zuvor beurkundeten Urkunde gehe, sei unzulässig. Zudem bestehe der 

begründete Verdacht, dass … die Verschwiegenheitspflicht verletzt habe. Mit 

Stellungnahme vom 30. Januar 2009 bestritt dieser, seine Pflichten als Notar 

verletzt zu haben, weshalb von der Einleitung eines Disziplinarverfahrens 

abzusehen sei. 

3. Mit Beschluss vom 15. April 2009 erteilte die Notariatskommission 

Graubünden … einen Verweis wegen Verletzung der 

Interessenwahrungspflicht. … habe der Notariatskommission innert 30 Tagen 

seit Mitteilung des vorliegenden Entscheides eine Bestätigung über die 

Niederlegung des Mandats für … sowie … im Verfahren vor dem 

Bezirksgericht … zukommen zu lassen. Zur Begründung führte die 

Notariatskommission aus, dass ein Notar, der gleichzeitig auch als 

Rechtsanwalt praktiziere, gestützt auf den Grundsatz der Unparteilichkeit in 

einem Streit, dessen Gegenstand eine öffentliche Urkunde bilde, die er 

errichtet habe, keine der beteiligten Parteien anwaltlich vertreten dürfe. 

Dieses Verbot beziehe sich auf sämtliche Streitigkeiten aus dem 

beurkundeten Vertrag. Im vorliegenden Fall führe … einen Zivilprozess, in 

dessen Rahmen der von ihm beurkundete Grundstückskaufvertrag vom 19. 

April 2002 eine zentrale Rolle spiele. Der Genannte rüge im Auftrag der Käufer 

Mängel des von diesen damals erworbenen Grundstücks und mache 

Gewährleistungsansprüche geltend. Es stelle sich dabei unter anderem die 

Frage, welche Gewährleistungsregeln zur Anwendung kämen. Zur Klärung 

dieser Frage sei eine Auslegung des besagten Vertrages nötig. Dadurch dass 

… nun in diesem Verfahren die Käufer anwaltlich vertrete, verletze er seine 

aus der Interessenwahrungspflicht abgeleitete Pflicht zur Unparteilichkeit. 

Ferner erscheine es auch unter dem Aspekt der Pflicht zur Verschwiegenheit 

nicht unproblematisch, wenn ein Notar, der einen Vertrag öffentlich 

beurkundet habe, in einem Prozess, der sich um diesen Vertrag drehe, die 

eine Vertragspartei gegen die andere vertrete. Es lasse sich nicht vermeiden, 

dass der Notar im Zusammenhang mit dem Vertragsschluss, namentlich bei 

Besprechungen bzw. im Rahmen der entsprechenden Korrespondenz, 

gewisse Wahrnehmungen mache. Zum einen könne der Notar bei einseitiger 

Vertretung einer Partei nicht mehr seiner Pflicht nachkommen, beiden 

Parteien als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Zum anderen verletze der Notar 

auch seine Verschwiegenheitspflicht, falls er im späteren Prozess 

Wahrnehmungen offenbare, die er im Zusammenhang mit dem 

Vertragsschluss gemacht habe. Immerhin sei in casu aber eine Verletzung 

der Verschwiegenheitspflicht nicht nachgewiesen. 

4. Dagegen liess … am 4. Juni 2009 Beschwerde beim Verwaltungsgericht 

erheben mit dem Antrag um Aufhebung des Beschlusses der 

Notariatskommission. Der Beschwerdeführer führte zur Begründung aus, 

dass er die Beurkundung korrekt vorgenommen und die Interessen der 

Beteiligten gleichmässig und objektiv gewahrt habe. Nach der eigentlichen 

Beurkundung könne ein Notar nur noch wenig falsch machen im Sinne der 

Interessenwahrungspflicht. Er dürfe die Vertragserfüllung und den 

Vertragszweck nicht vereiteln, sei auch nach der Beurkundung zur 

Interessenwahrung verpflichtet und unterliege dem Berufsgeheimnis. Der 

reine Vertragstext, den der Notar nachträglich in anwaltlicher Funktion 

erhalten habe, gehöre aber, wie die Notariatskommission zur Recht 

anerkenne, nicht mehr zum Geheimnis. Die Verwendung des Vertragstextes 

im nachfolgenden Gewährleistungsprozess für den Käufer als Anwalt durch 

den ehemaligen Notar stelle keine Sorgfaltspflichtverletzung oder eine 

Verletzung der Interessenwahrung dar. Es sei ja weder der Vertragstext in 

seiner Existenz, noch die Gültigkeit des beurkundeten Vertrages strittig. Es 

würden keine Vertragsauslegungsfragen zur Diskussion stehen, die bereits 

anlässlich der Beurkundung eine Rolle gespielt hätten. Der angefochtene 

Entscheid der Notariatskommission sei auch nicht durch die Lehre und 

Rechtsprechung gedeckt. So habe das Bundesgericht im Urteil 2C_407/2008 

vom 23. Oktober 2008 festgehalten, dass die blosse abstrakte Möglichkeit des 

Auftretens einer gegensätzlichen Interessenlage nicht ausreiche, um auf eine 

unzulässige Vertretung zu schliessen. Verlangt werde vielmehr ein sich aus 

den gesamten Umständen ergebender konkreter Interessenkonflikt. Ein 

solcher sei in casu aber gar nicht möglich, da der Beschwerdeführer damals 

den Text für den Kaufvertrag vorgelegt erhalten habe. Er habe keine Einsicht 

in irgendwelche Motivgrundlagen dieses Vertrages der Verkäuferschaft 

gehabt. Darüber hinaus kenne er auch deren finanziellen Verhältnisse nicht. 

Die Mängel am Kaufobjekt seien erst nach der Beurkundung des Vertrags 

aufgetreten und hätten mit dem Sachverhalt des Kaufvertragsabschlusses 

nichts zu tun. Mit Verweis auf das Werk von Christian Brückner 

(Schweizerisches Beurkundungsrecht, Rz. 902) führte der Beschwerdeführer 

aus, dass wenn die Urkundsperson eine Urkunde errichte und wenn in der 

Folge die Entstehung der öffentlichen Urkunde oder die Gültigkeit des 

Geschäfts oder die Rechtmässigkeit der protokollierten Veranstaltung streitig 

sei, so dürfe die Urkundsperson in einem solchen Rechtsstreit keine der 

Parteien anwaltlich vertreten. Dadurch werde bestätigt, dass ein 

nachfolgender Gewährleistungsprozess, wie er im vorliegenden Fall zur 

Diskussion stehe, nicht gemeint sein könne. Des Weiteren handle es sich in 

casu auch nicht um ein Testament, das eine tiefere persönliche Komponente 

aufweise als ein routinemässig beurkundeter Kaufvertrag. Zudem sei ja auch 

nicht der Kaufvertrag selber Gegenstand der Auseinandersetzung, sondern 

die Mängel am Kaufobjekt. Auch sei im vorliegenden nie zur Diskussion 

gestanden, den Notar als Zeugen zu befragen und nur aufgrund der 

abstrakten Möglichkeit könne nicht auf eine unzulässige Vertretung 

geschlossen werden. Schliesslich führte der Beschwerdeführer aus, dass ihn 

die Notariatskommission zwingen wolle, sein Anwaltsmandat niederzulegen. 

Dies stelle aber ein erheblicher Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit des Anwaltes 

dar. Ein solcher Eingriff in die Grundrechte bedürfe einer gesetzlichen 

Grundlage, müsse im öffentlichen Interesse stehen und verhältnismässig 

sein. Das Notariatsgesetz enthalte keine solche gesetzliche Grundlage. 

Ferner sei die Anordnung auch nicht verhältnismässig.  

5. Mit Vernehmlassung vom 29. Juni 2009 beantragte die Notariatskommission 

die Abweisung der Beschwerde, wobei zur Begründung hauptsächlich auf den 

angefochtenen Entscheid verwiesen wurde. Zusätzlich dazu wurde 

ausgeführt, dass die Notariatskommission den Beschwerdeführer nicht 

verpflichtet habe, sein Anwaltsmandat niederzulegen. Sie sei davon 

ausgegangen, dass der Beschwerdeführer sein Mandat von sich aus 

niederlege, um sich keiner fortgesetzten Amtspflichtverletzung schuldig zu 

machen. Er sei lediglich angewiesen worden, die Kommission über die 

Mandatsniederlegung zu orientieren, was sie aufgrund ihrer 

aufsichtsrechtlichen Funktion verlangen dürfe. Es sei selbstverständlich, dass 

die Kommission von sich aus keine Mandatsniederlassung verfügen könne. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 9 Abs. 2 des kantonalen Notariatsgesetzes (NotG; BR 210.300) 

können Entscheide der Notariatskommission mit Beschwerde an das 

Verwaltungsgericht weitergezogen werden. Ausgenommen sind jene Fälle 

betreffend Notariatsprüfung (Art. 10 Abs. 2 NotG). Ein solcher Ausnahmefall 

liegt im vorliegenden Fall nicht vor, weshalb das Verwaltungsgericht die 

zuständige Rechtsmittelinstanz ist. 

2. Anfechtungsobjekt ist im vorliegenden Verfahren der Beschluss der 

Notariatskommission vom 15. April 2009 betreffend Verletzung von 

Amtspflichten/Disziplinarmassnahme. 

3. a) Nach Ansicht der Bündner Notariatskommission lässt es sich unter anderem 

nicht mit dem Grundsatz der Unparteilichkeit vereinbaren, wenn ein Notar in 

einem Streit, dessen Gegenstand eine öffentliche Urkunde bildet, die dieser 

Notar errichtet hat, eine der beteiligten Parteien anschliessend anwaltlich 

vertritt. Dem hält der Beschwerdeführer entgegen, dass ein Notar nach der 

eigentlichen Beurkundung im Bezug auf die Unparteilichkeit kaum noch etwas 

falsch machen könne. So stelle insbesondere die Verwendung des 

Vertragstextes im nachfolgenden Gewährleistungsprozess, wie dies in casu 

der Fall sei, keine Verletzung des Grundsatzes dar. Es ist demnach in einem 

ersten Schritt zu prüfen, ob im vorliegenden Fall eine Verletzung der 

Interessenwahrungspflicht des Notars im Sinne von Art. 24 Abs. 2 NotG 

vorliegt. Nicht weiter zu prüfen ist hingegen die Verschwiegenheitspflicht, 

zumal deren Verletzung gemäss den Ausführungen der Vorinstanz nicht 

nachgewiesen ist. 

b) Art. 24 Abs. 2 NotG statuiert die Pflicht des Notars, die Interessen der 

Beteiligten gleichmässig und objektiv zu wahren. Unter dem Begriff der 

Interessenwahrungspflicht wird primär jene öffentlich-rechtliche Amtspflicht 

der Urkundsperson verstanden, welche bei einer analogen privatrechtlichen 

Betrachtungsweise als die Pflicht zur richtigen Vertragserfüllung zu 

qualifizieren wäre. Trotz dieser Umschreibung umfasst die 

Interessenwahrungspflicht jedoch mehr und zum Teil anderes, als was Inhalt 

einer privatvertraglichen Erfüllungspflicht sein könnte. So gehört 

beispielsweise die Erledigungspflicht, die besagt, dass die übertragenen 

Geschäfte innert nützlicher Frist zu erledigen sind, zu den Pflichten eines 

Notars. Des Weiteren ist jene Person, welche die Urkunde erklärt, vor 

unbedachtem Geschäftsschluss zu schützen und es ist das Interesse aller 

Beteiligten an einer gültigen, ihre Zwecke erfüllenden Urkunde zu wahren. 

Schliesslich, und für den vorliegenden Fall besonders wichtig, ist die Pflicht, 

bei Mehrparteiengeschäften das Interesse jeder Partei an einer unparteilichen 

Tätigkeit der Urkundsperson anlässlich der Vorbereitung der Beurkundung, 

anlässlich des Beurkundungsvorgangs sowie allenfalls anlässlich des 

Vollzugs des beurkundeten Geschäftes zu wahren. Es gilt der Grundsatz, 

dass eine Urkundsperson ihre Dienstleistungen von Anfang bis Ende 

unparteilich erbringt. Der Unparteilichkeitsgrundsatz beinhaltet einerseits die 

inhaltliche Pflicht zur unparteilichen Interessenwahrung und andererseits 

verfahrensmässig die Pflicht, bei Mehrparteiengeschäften länger dauernde 

einseitige Klientenkontakte zu vermeiden und die übrigen Beteiligten über 

erfolgte einseitige Kontakte offen zu informieren (vgl. Christian Brückner, 

Schweizerisches Beurkundungsrecht, Zürich 1993, Rz. 877 ff.). Gemäss den 

Ausführungen des Bundesgerichts in dem vom Beschwerdeführer zitierten 

Entscheid 2C_407/2008 vom 23. Oktober 2008 müssen jene Notare, welche 

gleichzeitig als Rechtsanwälte tätig sind, die Unvereinbarkeitsbestimmungen 

sowohl des Notariatsrechts als auch jene des Anwaltsrechts respektieren. 

Praktiziere ein Notar gleichzeitig als Fürsprecher, so dürfe er in einer streitigen 

Angelegenheit, die einen von ihm zuvor öffentlich verurkundeten Sachverhalt 

betreffe, keine der beteiligten Parteien vertreten (vgl. dazu auch Entscheid 

des Verwaltungsgerichts Aargau vom 11. Dezember 2002, AGVE 2002, S. 

366 ff., E. 2c aa). Es wird diesbezüglich auf verschiedene Literaturstellen 

verwiesen; so hält unter anderem auch Peter Ruf (Notariatsrecht, Langenthal 

1995, Rz. 1013) ausdrücklich fest, dass ein Notar in einem Streit, dessen 

Gegenstand eine durch ihn errichtete öffentliche Urkunde bilde, im Anschluss 

keine der beteiligten Parteien anwaltlich vertreten dürfe. Dies ergebe sich aus 

seiner Interessenwahrungspflicht. Das Bundesgericht vergleicht diese 

Konstellation im erwähnten Entscheid (E. 3.3) mit jener, in welcher ein Anwalt 

vorgängig der Mandatsübernahme eine richterliche Funktion wahrnimmt. 

Auch hier erlange er als Richter Kenntnis von wesentlichen Tatsachen, 

welche auch die spätere Gegenpartei beträfen, was einer Übernahme eines 

Anwaltsmandates entgegen stehe. Zu diesen aussagekräftigen Ausführungen 

im Bundesgerichtsentscheid sowie zu den übrigen zitierten Literaturstellen 

äussert sich der Beschwerdeführer nicht. Er verweist einzig auf das Werk von 

Christian Brückner (a.a.O., Rz. 902 ff.) und macht diesbezüglich geltend, dass 

eine Urkundsperson in einem Rechtsstreit lediglich dann keine der Parteien 

anwaltlich vertreten dürfe, wenn nach der Errichtung der Urkunde deren 

Entstehung, die Gültigkeit des Geschäfts oder die Rechtmässigkeit der 

protokollierten Veranstaltung streitig sei. Daraus schliesst der 

Beschwerdeführer, dass in anderen Fällen, so beispielsweise bei einem 

nachfolgenden Gewährleistungsprozess, kein hinreichender Grund dafür 

bestehe, eine anwaltliche Vertretung für unzulässig zu erklären. Ob dieser 

Schluss jedoch tatsächlich der Auffassung des Autors entspricht, erscheint 

zumindest zweifelhaft, zumal bereits in Rz. 907 des zitierten Werks 

ausdrücklich von weiteren möglichen Anwendungsfällen der 

Unparteilichkeitspflicht die Rede ist. Abgesehen davon hat sich das 

Bundesgericht ausdrücklich den Meinungen jener Autoren angeschlossen, 

wonach eben der frühere Notar bei Streitigkeiten aus einem von ihm 

beurkundeten Vertrag keine der Vertragsparteien anwaltlich vertreten darf. 

c) Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass im bundesgerichtlichen Urteil 

2C_407/2008 ausdrücklich verlangt werde, dass nicht nur die abstrakte 

Möglichkeit des Auftretens gegensätzlicher Interessenlagen gegeben sei, 

sondern dass vielmehr ein sich aus den gesamten Umständen ergebender 

konkreter Interessenkonflikt bestehen müsse (vgl. BGE 134 II 108). Gemäss 

den Ausführungen des Beschwerdeführers liege ein solcher im vorliegenden 

Fall jedoch gerade nicht vor, zumal ihm der Text des Vertrages vorgelegt 

worden sei und er weder in Motive noch in die finanziellen Verhältnisse 

Einblick erhalten habe. Auch hätten die gerügten Mängel am Kaufobjekt nichts 

mit dem Kaufvertragsabschlusses zu tun, weshalb ein konkreter 

Interessenkonflikt zu verneinen sei. 

Gemäss Ausführungen auf der Homepage des Schweizerischen 

Notarenverbands (http://www.schweizernotare.ch) steht zum „Notariatswesen 

in der Schweiz“, dass sich die Rolle des Notars eben gerade nicht in erster 

Linie im Niederschreiben des Parteiwillens erschöpfe, sondern in der 

Erläuterung der mit dem geplanten Rechtsgeschäft verbundenen 

http://www.schweizernotare.ch

Rechtsfolgen und der allenfalls möglichen Alternativen. Es besteht bei der 

anwaltlichen Vertretung durch den Notar jeweils das erhebliche Risiko, dass 

der Betroffene jenes Wissen, welches er sich bei der Erstellung der Urkunde 

als Notar angeeignet hat, bei der Ausübung der anwaltlichen Vertretung 

ausnützt. Während eine Urkundsperson die Interessen der Beteiligten 

gleichmässig und objektiv wahren muss (Art. 24 Abs. 2 NotG), ist ein Anwalt 

nämlich in erster Linie Verfechter von Parteiinteressen und ist als solcher 

einseitig für seinen Mandanten tätig (BGE 106 Ia 100, S. 105; 131 IV 154, S. 

158). Dass diese Konstellation äusserst heikel, wenn nicht gar untersagt, ist, 

dürfte bzw. müsste jedem Notar bekannt sein. Gestützt auf diese 

Überlegungen vertritt das Verwaltungsgericht Graubünden die Ansicht, dass 

die reine Konstellation einer anwaltlichen Vertretung durch den 

beurkundenden Notar ausreicht für die Bejahung einer Verletzung der 

Interessenwahrungspflicht. Die Gefahr eines (bewussten oder unbewussten) 

Missbrauchs des als Notar erlangten Wissens ist so gross, dass bereits die 

abstrakte Möglichkeit des Auftretens gegensätzlicher Interessenlagen 

ausreichen muss, um auf eine unzulässige Vertretung zu schliessen. Darüber 

hinaus wäre in casu aufgrund der folgenden Überlegungen auch ein konkreter 

Interessenkonflikt zu bejahen. Wie die Vorinstanz nämlich zu Recht 

argumentiert hat, ist jede Streitigkeit, die mit einem Vertrag zusammenhängt, 

auch eine Auslegungsstreitigkeit. Im vorliegenden Fall stellt sich unter 

anderem die Frage, welche Gewährleistungsregeln zur Anwendung kommen, 

namentlich ob eine werkvertragliche Nachbesserungspflicht gestützt auf die 

SIA-Norm 118 besteht oder ob lediglich kaufrechtliche Rechtsbehelfe zur 

Anwendung gelangen. Da diese Frage im relevanten Kaufvertrag 

offensichtlich nicht ausdrücklich geregelt ist, erfordert deren Klärung eine 

Auslegung des Vertrages. Wie selbst die Notariatskommission ausführt, 

schreibt ein Notar nicht nur den Parteiwillen nieder, sondern erläutert unter 

anderem die mit dem geplanten Rechtsgeschäft verbundenen Rechtsfolgen. 

Dies gilt selbst dann, wenn die Parteien, wie vom Beschwerdeführer 

vorgebracht, bereits mit dem vorformulierten Vertrag an den Notar gelangen. 

Wenn der Beschwerdeführer im zur Diskussion stehenden 

Gewährleistungsprozess nun eine der beiden Parteien anwaltlich vertritt, so 

ist ein konkreter Interessenkonflikt zu bejahen. Die Amtspflichtverletzung ist 

daher ausgewiesen und die Kommission hat … zu Recht eine 

Disziplinarmassnahme auferlegt. Die Beschwerde ist in diesem Punkt 

demnach abzuweisen. 

4. a) Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer, dass ihn die Notariatskommission 

mit Ziffer 2 des Dispositivs des angefochtenen Entscheides zwinge, das 

Mandat als Anwalt im fraglichen Verfahren niederzulegen. Dies stelle einen 

Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit und sei nicht verhältnismässig. Dem 

widerspricht die Kommission, indem sie konkretisiert, dass sie davon ausging, 

dass der Beschwerdeführer sein Anwaltsmandat nach Erhalt des Entscheides 

von sich aus niederlege, um sich so keiner fortgesetzten 

Amtspflichtverletzung schuldig zu machen. Er sei lediglich aufgefordert 

worden, die Kommission über die Mandatsniederlegung zu orientieren. 

b) Der Beschluss der Notariatskommission Graubünden, … mit einem Verweis 

zu bestrafen (Dispositiv Ziffer 1), entspricht der Regelung von Art. 46 NotG. 

Die Erteilung eines Verweises scheint als angemessen im Sinne von Abs. 3 

der zitierten Bestimmung. Auch Ziffer 2 des Dispositivs des angefochtnen 

Entscheides ist nicht zu beanstanden. Zu Recht weist die Kommission darauf 

hin, dass sie den Beschwerdeführer nicht verpflichtet habe, das 

Anwaltsmandat aufzugeben. Davon ist nämlich weder im Dispositiv noch in 

der Begründung die Rede. Die Kommission hat … nur angehalten, ihr innert 

Frist eine Bestätigung über die Niederlegung des Mandats zukommen zu 

lassen. Es ist nämlich klar, dass sich der Beschwerdeführer bei einer 

Fortführung des Mandats einer fortgesetzten Amtspflichtverletzung schuldig 

machen würde, was eine weitere Sanktion zur Folge haben würde. Im Prinzip 

hat die Kommission dem Beschwerdeführer eine Frist von 30 Tagen 

angesetzt, um ohne weitere Sanktionsfolge das Mandat abzuschliessen und 

abzugeben. Daran ist nichts Unrechtsmässiges zu erkennen, so dass kein 

Anlass besteht, diese Ziffer des Dispositivs aufzuheben. Somit ist die 

Beschwerde auch diesbezüglich abzuweisen. 

5. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten gemäss Art. 73 Abs. 1 des 

kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) 

zulasten der Beschwerdeführerin. Den Parteien steht keine aussergerichtliche 

Entschädigung zu.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 266.--

zusammen Fr. 1'766.--

gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

Die dagegen an das Bundesgericht erhobene Beschwerde wurde am 16. März 2010 

abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde (2C_649/2009).