# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f14eb58f-fe2f-508c-9072-94cc09f22333
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.10.2023 E-5516/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5516-2023_2023-10-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5516/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;    

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw LL.M. Fabian Baumer-Schuppli, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 2. Oktober 2023 / N (…). 

 

 

E-5516/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 16. April 2023 in der Schweiz um 

Asyl nach.  

A.b Ein am 19. April 2023 durchgeführter Abgleich mit der europäischen 

Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass er zu-

letzt am 9. März 2023 in Frankreich registriert worden war und dort ein 

Asylgesuch gestellt hatte. 

B.  

Am 8. Mai 2023 fand die Erstbefragung für unbegleitete minderjährige 

Asylsuchende statt. Dabei gab der Beschwerdeführer zu Protokoll,  

in Frankreich sei bereits ein Asylverfahren durchgeführt worden, sein Ge-

such sei aber abgelehnt und er in seinen Heimatstaat weggewiesen wor-

den. In Bezug auf seinen Gesundheitszustand erklärte der Beschwerde-

führer, er leide manchmal unter Kopfschmerzen und habe die letzten drei 

Monate vor seiner Ausreise aus Frankreich in einem Zelt leben müssen. 

Seit seiner Ankunft in der Schweiz gehe es ihm aber besser. Es wurde ihm 

zudem das rechtliche Gehör gewährt zur geplanten Altersabklärung beim 

Institut für Rechtsmedizin (IRM) B._______ und ihm hierzu medizinische 

Zusatzfragen gestellt. 

C.  

Gemäss zusammenfassender Beurteilung im Gutachten des IRM 

B._______ vom 24. Mai 2023 ergebe sich in Bezug auf den Beschwerde-

führe ein durchschnittliches Lebensalter von 18 bis 21 Jahren und ein Min-

destalter von 16.4 Jahren. Das vom Beschwerdeführer angegebene Alter, 

(…) Jahre, könne folglich zutreffen. 

D.  

D.a Am 8. Juni 2023 ersuchte das SEM die französischen Behörden um 

Wiederaufnahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 

Bst. d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-

ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von  

einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat  

gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: 

Dublin-III-VO). 

E-5516/2023 

Seite 3 

D.b Mit Schreiben vom 22. Juni 2023 stimmten die französischen Behör-

den dem Wiederaufnahmegesuch zu. 

D.c Am 14. Juli 2023 ersuchte das SEM die französischen Behörden aus-

serdem um Zusendung des den Beschwerdeführer betreffenden Asyl- 

entscheids sowie des Anhörungsprotokolls, woraufhin diese eine Einwilli-

gungserklärung des Beschwerdeführers betreffend Einsichtnahme in seine 

französischen Asylakten forderten. 

D.d Es folgte ein schriftlicher Austausch zwischen dem SEM und der zu-

gewiesenen Rechtsvertretung des Beschwerdeführers bezüglich pro-

zessualer Fragestellungen sowie eine Nachbefragung des Beschwerde-

führers vom 29. August 2023 zur Unterzeichnung der Einwilligungserklä-

rung. 

D.e Die französischen Behörden liessen dem SEM am 6. September 2023 

die verlangten Dokumente aus dem Asylverfahren des Beschwerdeführers 

zukommen. 

E.  

Der Beschwerdeführer reichte beim SEM am 14. Juli 2023 einen Drohbrief 

der Taliban als Beweismittel ein. 

F.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 11. September 2023 das 

rechtliche Gehör zur voraussichtlichen Feststellung seines Alters und zur 

Überstellung nach Frankreich und liess ihm hierzu das Gutachten des IRM 

B._______ vom 24. Mai 2023 und die Dokumente aus dem französischen 

Asylverfahren zukommen. 

G.  

Am 13. September 2023 reichte der Beschwerdeführer seine Stellung-

nahme ein. Darin hielt er an seiner Minderjährigkeit fest und führte in Bezug 

auf eine Rückkehr nach Frankreich aus, es sei ihm dort nach Abweisung 

seines Asylgesuchs ein menschenwürdiges Leben verwehrt worden.  

H.  

Die französischen Behörden informierten das SEM am 24. September 

2023 darüber, dass das Asylgesuch des Beschwerdeführers in Frankreich 

vom 17. Juni 2021 mit Urteil vom 22. Dezember 2022 abgeschlossen wor-

den sei. 

E-5516/2023 

Seite 4 

I.  

Mit Verfügung vom 2. Oktober 2023 – eröffnet am 3. Oktober 2023 – trat 

das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegwei-

sung aus der Schweiz nach Frankreich an und forderte ihn auf, die Schweiz 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Ferner verfügte es 

die Änderung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers auf den 15. Juni 

2002, ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an und 

stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wir-

kung zu.  

J.  

Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe vom 10. Oktober 2023 beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die 

vorinstanzliche Verfügung vom 2. Oktober 2023 aufzuheben, und das SEM 

anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten; eventualiter seien die Dispo-

sitivziffern 5 und 7 aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses und beantragte, es sei der Beschwerde die aufschie-

bende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien im Sinn einer 

superprovisorischen vorsorglichen Massnahme anzuweisen, von einer 

Wegweisung nach Frankreich abzusehen. 

K.  

Am 11. Oktober 2023 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Weg-

weisung per sofort einstweilen aus. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem 

Bundesverwaltungsgericht gleichentags in elektronischer Form vor 

(Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

E-5516/2023 

Seite 5 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

Die von der Vorinstanz verfügte Anpassung des Geburtsdatums im ZEMIS 

(vgl. Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfügung) wurde in der Be-

schwerde vom 10. Oktober 2023 nicht angefochten (vgl. Sachverhalt 

Bst. J) und bildet demnach nicht Streitgegenstand des vorliegenden Ver-

fahrens. Die vorliegende Beschwerde richtet sich demnach ausschliesslich 

gegen den Nichteintretensentscheid des SEM und die Überstellung nach 

Frankreich. 

4.  

Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt wird – als  

offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines 

Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

E-5516/2023 

Seite 6 

5.  

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyl- 

suchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist 

(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zu-

ständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss  

Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mit-

gliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, 

nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküber-

stellung zugestimmt hat (respektive innert Frist auf die entsprechende An-

frage nicht geantwortet hat; vgl. Art. 22 Abs. 1 und 7 Dublin-III-VO), auf das 

Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft, der nach den im Kapitel III dargelegten Kriterien 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). 

6.  

6.1 Den Akten zufolge lehnten die erstinstanzlichen französischen Behör-

den das zuletzt gestellte Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Entscheid 

5. September 2020 ab; die dagegen erhobene Beschwerde wurde mit  

Urteil vom 22. Dezember 2022 abgewiesen. Die französischen Behörden 

stimmten dem Wiederaufnahmeersuchen des SEM vom 14. Juli 2023 in-

nert der massgeblichen Frist ausdrücklich zu. Die grundsätzliche Zustän-

digkeit Frankreichs für die weitere Durchführung des Asyl- und namentlich 

des Wegweisungsverfahrens betreffend den Beschwerdeführer ist damit 

gegeben, was vom Beschwerdeführer – der die überzeugende materielle 

Begründung der vorinstanzlichen Annahme seiner Volljährigkeit inhaltlich 

nicht beanstandet – nicht bestritten wird. 

6.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es 

wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-

nahmebedingungen für Asylsuchende in Frankreich würden systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden. 

6.2.1 Frankreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), des 

E-5516/2023 

Seite 7 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) und des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie der Auf-

nahmerichtlinie ergeben. Ferner bestehen keine Gründe für die Annahme, 

das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in 

Frankreich würden systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen. 

6.2.2 An diesen Feststellungen vermögen auch die Vorbringen des Be-

schwerdeführers, er habe nach Abschluss seines Asylverfahrens in Frank-

reich auf der Strasse leben müssen, und die französischen Behörden hät-

ten ihn nach Afghanistan ausschaffen wollen, nichts zu ändern. Es liegen 

keine konkreten Anhaltspunkte vor, welche die Annahme widerlegen 

könnte, wonach sich Frankreich an die vorstehend erwähnten einschlägi-

gen Richtlinien hält und Asylsuchenden adäquate Unterstützung gewährt. 

Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass er bei allfälligen Problemen mit 

den Aufnahmebedingungen die Möglichkeit hätte, sich an die franzö- 

sischen Behörden zu wenden und seine diesbezüglichen Rechte einzu-

fordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

6.2.3 Es ist sodann festzustellen, dass die französischen Behörden das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers den Akten zufolge offenbar abgelehnt 

und die Wegweisung aus Frankreich verfügt haben. Die blosse Tatsache, 

dass ein Asylgesuch definitiv abgelehnt und die Wegweisung verfügt 

wurde, stellt jedoch noch keine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips 

dar (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3; Urteil des BVGer E-569/2020 vom 

4. März 2020), und es bestehen auch keine Hinweise darauf, dass das er-

wähnte französische Asyl- und Wegweisungsverfahren betreffend den Be-

schwerdeführer nicht in rechtsstaatlich korrekter Weise und unter Beach-

tung der anwendbaren völkerrechtlichen Bestimmungen, namentlich auch 

des Non-Refoulement-Gebots, durchgeführt worden sind. Es steht dem 

Beschwerdeführer frei, seine Bedenken betreffend die Vereinbarkeit des 

Vollzugs einer Wegweisung aus Frankreich bei den französischen Behör-

den im Rahmen eines Wiedererwägungsverfahrens vorzutragen. 

E-5516/2023 

Seite 8 

6.2.4 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-

VO nicht gerechtfertigt und es besteht auch keine Veranlassung, die Sache 

wegen unrichtiger Sachverhaltsfeststellung zur Neubeurteilung an die Vor-

instanz zurückzuweisen; der Eventualantrag des Beschwerdeführers ist 

abzuweisen. 

7.  

7.1 Sodann stellt sich die Frage, ob völkerrechtliche Vollzugshindernisse 

nach Art. 3 EMRK oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrecht-

lichen Bestimmung bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen 

Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ergeben würden. 

7.2 Es gilt die Vermutung, dass Frankreich – als Dublin-Mitgliedstaat – bei 

der Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens die einschlägi-

gen völkerrechtlichen Verpflichtungen respektiert. Der Beschwerdeführer 

bringt nichts vor, was diese Vermutung widerlegen könnte. Nach dem Ge-

sagten sind keine Hinweise auf das Bestehen eines völkerrechtlichen Voll-

zugshindernisses im Sinne von Art. 3 EMRK – welches zwingend zu einem 

Selbsteintritt führen müsste – ersichtlich. 

7.3 Die allgemeinen Aufnahmebedingungen für (gestützt auf die Dublin-III-

VO zurückkehrende) Asylsuchende in Frankreich führen nach bisheriger 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts denn auch nicht zur Ausübung des 

Selbsteintrittsrechts der Schweiz. 

7.4 Unter dem Blickwinkel der humanitären Gründe ist ferner Folgendes 

festzuhalten:  

7.4.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei 

der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über 

einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-

beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-

chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-

mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanz-

lichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf 

Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung nunmehr 

im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich kor-

rekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung ge-

tragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 

Bst. a und b AsylG). 

E-5516/2023 

Seite 9 

7.4.2 Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu be-

anstanden. Insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-

sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens 

zu entnehmen. Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde auch 

nichts Substanzielles in diesem Zusammenhang vor. Das Gericht enthält 

sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

7.5 Nach dem Gesagten sind vorliegend keine Gründe ersichtlich für die 

Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO oder von 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, weshalb Frankreich der für die Behandlung des 

Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss 

Dublin-III-VO bleibt. 

8.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten.  

Da dieser nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungs-

bewilligung ist, wurde die Überstellung nach Frankreich in Anwendung von 

Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).  

9.  

Die Beschwerde ist abzuweisen, und die Verfügung der Vorinstanz ist zu 

bestätigen. 

10.  

10.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden Urteil abge-

schlossen. Die Anträge, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

zu verzichten und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu er-

teilen, sind damit gegenstandslos geworden; der am 11. Oktober 2023 an-

geordnete provisorische Vollzugsstopp fällt dahin. 

10.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet der geltend gemachten prozessualen 

Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend 

den vorstehenden Erwägungen von vornherein als aussichtslos erwiesen 

haben. 

10.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

E-5516/2023 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark 

 

 

Versand: