# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d4cdd2c8-7d36-5f4d-b417-bab8210dd6f3
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Hoch- und Tiefbauleistungen Engadin Q: Verfügung vom 2.10.2017
**Docket/Reference:** Verf%C3%BCgung_Engadin_Q_Publikation
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2018/Verf%C3%BCgung_Engadin_Q_Publikation.pdf.download.pdf/Verf%C3%BCgung_Engadin_Q_Publikation.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Hinweis: 

Diese Verfügung wurde von einem Teil der Parteien beim Bundesverwaltungsgericht 
angefochten und ist derzeit dort hängig (Stand: September 2018). Sie ist daher gegen-
über den beschwerdeführenden Parteien nicht rechtskräftig. 

Verfügung der Wettbewerbskommission 
vom 2. Oktober 2017 

in Sachen 
Untersuchung gemäss Artikel 27 des Bundesgesetzes über Kartelle und andere Wettbe-
werbsbeschränkungen vom 6. Oktober 1995 (Kartellgesetz [KG]; SR 251) 
betreffend 

22-04qq: Hoch- und Tiefbauleistungen  
Engadin Q ([Bauprojekt 1]) 

wegen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG 

gegen 

1.  Bezzola Denoth AG, Fond 235, 7550 Scuol, 

vertreten durch RA Dr. Gerald Brei, Eversheds Sutherland AG, 
Stadelhoferstrasse 22, 8001 Zürich 

2.  Implenia Schweiz AG, Industriestrasse 24, 8305 Dietlikon 

vertreten durch RA Dr. Marcel Meinhardt, RA Dr. Frank Bremer, 
RA Anna Katharina Burri, Lenz & Staehelin 
Brandschenkestrasse 24, 8027 Zürich 

3.  Lazzarini AG, Cho d‘Punt 11, 7503 Samedan, 

vertreten durch RA Andreas Amstutz, Amstutz Greuter 
Rechtsanwälte, Hallerstrasse 6, Postfach 5122, 3001 Bern 

Besetzung 

Vincent Martenet (Präsident, Vorsitz), 
Andreas Heinemann, Armin Schmutzler (Vizepräsidenten), 
Florence Bettschart-Narbel, Winand Emons, Andreas Kellerhals, 
Pranvera Këllezi, Rudolf Minsch, Martin Rufer, Henrique 
Schneider, Danièle Wüthrich-Meyer 

22-00040/COO.2101.111.7.247709 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 
Verfahren .................................................................................................................... 3 
A.1  Gegenstand der Untersuchung .................................................................................... 3 
A.2  Untersuchungsadressatinnen ...................................................................................... 3 
Bezzola Denoth AG, Scuol ...................................................................................... 3 
A.2.1 
Implenia Schweiz AG, Dietlikon ............................................................................... 3 
A.2.2 
A.2.3 
Lazzarini AG, Samedan .......................................................................................... 3 
A.3  Verfahrensgeschichte .................................................................................................. 3 

B 
Sachverhalt ................................................................................................................ 7 
B.1  Vorbemerkungen zum Beweis ..................................................................................... 7 
B.2  Beweisthema ............................................................................................................... 7 
B.3  Beweismittel ................................................................................................................ 8 
Urkunden ................................................................................................................ 8 
B.3.1 
Auskünfte von Parteien ........................................................................................... 9 
B.3.2 
B.3.3 
Auskünfte von Dritten ............................................................................................ 11 
B.4  Beweiswürdigung ....................................................................................................... 11 
Konsens ................................................................................................................ 11 
B.4.1 
Verfolgter Zweck ................................................................................................... 12 
B.4.2 
Rolle der Beteiligten .............................................................................................. 12 
B.4.3 
Umsetzung und Auswirkungen .............................................................................. 13 
B.4.4 
B.5  Beweisergebnis ......................................................................................................... 14 

C 
Erwägungen ............................................................................................................. 14 
C.1  Geltungsbereich ......................................................................................................... 14 
Persönlicher Geltungsbereich ............................................................................... 14 
C.1.1 
Verfügungsadressatinnen...................................................................................... 14 
C.1.2 
Sachlicher Geltungsbereich ................................................................................... 14 
C.1.3 
C.1.4  Örtlicher und zeitlicher Geltungsbereich ................................................................ 14 
C.2  Vorbehaltene Vorschriften ......................................................................................... 15 
C.3  Unzulässige Wettbewerbsabrede............................................................................... 15 
C.3.1  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 15 
Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs ............................................................. 17 
C.3.2 
Ergebnis ................................................................................................................ 19 
C.3.3 
C.4  Massnahmen ............................................................................................................. 20 
Anordnung von Massnahmen ................................................................................ 20 
C.4.1 
Sanktionierung ...................................................................................................... 20 
C.4.2 

D 

E 

Kosten ...................................................................................................................... 30 

Dispositiv ................................................................................................................. 32 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

2 

 
 
 
 
 
 
A 

Verfahren 

A.1  Gegenstand der Untersuchung 

1.  Gegenstand  der  vorliegenden  Untersuchung  bildet  die  Frage,  ob  die  Bezzola  Denoth 
AG, Scuol, die Implenia Schweiz AG, Dietlikon, sowie die Lazzarini AG, Samedan, in Bezug 
auf  die  Ausschreibung  [Bauprojekt  1]  aus  dem  Jahr  […]  (nachfolgend:  [Bauprojekt  1])  eine 
unzulässige Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. a und c KG1 getroffen haben. 

A.2 

Untersuchungsadressatinnen 

A.2.1  Bezzola Denoth AG, Scuol  

Die Bezzola Denoth AG (nachfolgend: Bezzola Denoth) mit Sitz in Scuol ist seit 2005 im 
2. 
Handelsregister  eingetragen  und  bezweckt  demnach  die  Übernahme  und  Ausführung  von 
Hoch- und Tiefbauten aller Art sowie den Handel mit Baumaterialien.  

A.2.2 

Implenia Schweiz AG, Dietlikon 

3. 
Die Implenia Schweiz AG (nachfolgend: Implenia) mit Sitz in Dietlikon entstand 2006 aus 
dem Zusammenschluss von Zschokke und Batigroup. Laut Handelsregister bezweckt sie den 
Betrieb  eines  Bauunternehmens.  Ihr  Geschäftsbereich  umfasst  u.a.  im  In-  und  Ausland  die 
Planung,  Leitung  und  Ausführung  von  Bauleistungen  im  Hoch-  und  Tiefbau  für  fremde  und 
eigene Rechnung. Die Implenia verfügt über zahlreiche Standorte, u.a. auch in […]. 

A.2.3  Lazzarini AG, Samedan 

4. 
Die Lazzarini AG (nachfolgend: Lazzarini) mit Sitz in Samedan wurde laut ihrer Website 
1913 ursprünglich als Maurergeschäft gegründet.2 Lazzarini ist in den Bereichen Immobilien 
und  Hoch-,  Tief-,  Grosstief-  sowie  Holzbau  tätig.  Bis  2009  firmierte  Lazzarini  unter  der  Be-
zeichnung G. Lazzarini & Co. AG. Die Gesellschaft hat Zweigniederlassungen in Chur und in 
Scuol im Kanton Graubünden sowie in Buchs im Kanton St. Gallen.  

A.3 

Verfahrensgeschichte 

5. 
Am 30. Oktober 2012 eröffnete das Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfol-
gend: Sekretariat) im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums der Wettbewerbskom-
mission (nachfolgend: WEKO) gegen 19 Unternehmen der Baubranche im Unterengadin eine 
Untersuchung nach Art. 27 ff. KG, namentlich auch gegen Bezzola Denoth, Lazzarini und Im-
plenia. Vom 30. Oktober bis 1. November 2012 führte es an insgesamt 13 Standorten Haus-
durchsuchungen durch, u.a. auch bei Bezzola Denoth, Lazzarini und Implenia. 

6. 
Am  1.  November  2012  reichte  Implenia  eine  Selbstanzeige  i.S.v.  Art.  49a  Abs.  2  KG 
i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. SVKG3 in Bezug auf das Unterengadin und das Oberengadin 
ein, 4 welche sie mehrfach ergänzte.  

1   Bundesgesetz  vom 6.10.1995 über Kartelle und andere  Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellge-

setz, KG; SR 251). 

2   <http://www.lazzarini.ch/Firmenportrait.9.0.html> (28.3.2017). 
3   Verordnung  vom  12.3.2004  über  die  Sanktionen  bei  unzulässigen  Wettbewerbsbeschränkungen 

(KG-Sanktionsverordnung, SVKG; SR 251.5). 

4   Act. IX.A.1 (25-0037). Die Akten des vorliegenden Verfahrens setzen sich aus den Akten bis und 
mit der Verfahrenstrennung vom 23. November 2015 (Aktenverzeichnis  22-0433) und den  Akten 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

3 

 
 
 
 
 
                                                
7. 
Am 1. November 2012 reichte Lazzarini eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG 
i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. SVKG in Bezug auf das Unterengadin ein.5 Am 7. Dezember 
2012 ergänzte Lazzarini ihre Bonusmeldung auch betreffend das vorliegende Projekt.6  

8. 
Am  9.  November  2012  reichte  Bezzola  Denoth  eine  Selbstanzeige  gemäss  Art.  49a 
Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. SVKG in Bezug auf das Unterengadin7 ein. Am 
4. Dezember 2012 ergänzte Bezzola Denoth ihre Bonusmeldung auch betreffend das vorlie-
gende Projekt8, ebenso am 1. Februar 2013.9 

9. 
Im Rahmen der mündlichen Ergänzungen der Selbstanzeige vom 16. November 2012 
zeigte Implenia zwei Hochbauprojekte im Kanton Graubünden an und präzisierte, dass sie im 
Engadin nicht im Hochbau tätig sei.10 

10.  Mit Schreiben vom 28. Februar 201311 fragte das Sekretariat bei Implenia nach, ob die 
zwei angezeigten Hochbauprojekte am 16. November 2012 die einzigen Hochbauprojekte im 
Kanton Graubünden seien, welche durch die interne Untersuchung bei Implenia hätten identi-
fiziert werden können und ob die Bonusmeldung im Bereich Hochbau weiterhin den ganzen 
Kanton Graubünden betreffe oder nur gewisse Teile davon.  

11.  Mit  Eingabe  vom  4.  April  201312  zeigte  Implenia  weitere  Hochbauprojekte  im  Kanton 
Graubünden, die nicht im Engadin gelegen waren, an und wiederholte, dass sie im Bereich 
des Hochbaus – ausser im Engadin – im ganzen Kanton Graubünden tätig sei.13  

12.  Am 22. April und am 23. April 2013 dehnte das Sekretariat die Untersuchung in örtlicher 
Hinsicht auf den gesamten Kanton Graubünden und in persönlicher Hinsicht auf weitere Un-
ternehmen aus und führte weitere Hausdurchsuchungen durch. 

13.  Am 23. April 2013 teilte das Sekretariat im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsi-
diums der WEKO Implenia mit, dass die Voraussetzungen für den vollständigen Sanktionser-
lass nach Art. 9 Abs. 3 Bst. a–c SVKG für die von ihr angezeigten unzulässigen Wettbewerbs-
abreden im Zusammenhang mit dem Verfahren 22-0433: Bauleistungen Graubünden durch 
Implenia erfüllt seien.14 

14.  Mit Schreiben vom 23. Oktober 2015 gab das Sekretariat Implenia die Möglichkeit, deren 
Selbstanzeige u.a. im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] zu ergänzen.15 

15.  Am 26. Oktober 2015 wurde [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, im Rahmen der Selbstan-
zeige der Bezzola Denoth zu einem allfälligen Wettbewerbsverstoss im Zusammenhang mit 
dem [Bauprojekt 1] befragt.16  

nach der Verfahrenstrennung (Aktenverzeichnis 22-04qq) zusammen. Ist bei der Angabe der Ak-
tenstücke (Act.) kein Hinweis auf das Aktenverzeichnis vermerkt, sind diese  im Aktenverzeichnis 
22-0433 erfasst. Die Nummer der Selbstanzeigedossiers (25-er) wurde ebenfalls angegeben.  

5   Act. IX.B.001 (25-0038).  
6   Act. IX.B.007, pag. 19 (25-0038). 
7   Act. IX.C.003 (25-0039).  
8   Act. IX.C.027, pag. 20-21 (25-0039). 
9   Act. IX.C.035, pag. 60 (25-0039). 
10   Act. IX.A.11 (25-0037). 
11   Act. IX.A.24 (25-0037). 
12   Act. IX.A.28 (25-0037). 
13   Act. IX.A.28, S. 17 (25-0037). 
14   Act. IX.A.044 (25-0037). 
15   Act. IX.A.051 (25-0037). 
16   Act. IX.C.060 (25-0039), Zeilen 689 ff. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

4 

 
 
 
 
                                                
16.  Am  18.  November  2015  ergänzte Implenia  ihre  Bonusmeldung  u.a.  in  Bezug  auf  das 
vorliegend zu beurteilende Projekt.17 

17.  Am 23. November 2015 trennte das Sekretariat im Einvernehmen mit einem Mitglied des 
Präsidiums der WEKO die Untersuchung 22-04qq: Hoch- und Tiefbauleistungen Engadin Q 
von der Untersuchung 22-0433: Bauleistungen Graubünden ab.18  

18.  Am 17. Dezember 2015 ergänzte Implenia ihre Selbstanzeige erneut in Bezug auf das 
vorliegend zu beurteilende Projekt.19  

19.  Am […] 2016 stellte das Sekretariat der Bauherrin […] ein Auskunftsbegehren zu, wel-
chem sie mit Eingabe vom […] 2016 nachkam.20  

20.  Am 8. April 2016 wies das Sekretariat Lazzarini darauf hin, dass einzelne bisherige Aus-
sagen und Auskünfte von Lazzarini, u.a. auch zum Projekt „[Bauprojekt 1]“, nach vorläufiger 
Beurteilung  des  Sekretariats  keinen  Selbstanzeigegehalt  aufweisen  würden.21  Am  19. April 
2016 wiederholte Lazzarini im Wesentlichen ihre Aussagen betreffend [Bauprojekt 1], welche 
sie bereits am 7. Dezember 2012 gemacht hatte.22 

21.  Am 7. Juni 2016 stellte das Sekretariat den Verfahrensparteien die Verfahrensakten (mit 
Ausnahme der Selbstanzeigeakten) auf einem gesicherten Server der Bundesbehörden zur 
Einsicht bereit.23 

22.  Am 22. Juli 2016 ergänzte Implenia ihre Selbstanzeige betreffend das vorliegende Pro-
jekt.24 

23.  Mit Schreiben vom 11. August 2016 informierte das Sekretariat die Verfahrensparteien, 
welche Unternehmen Selbstanzeige eingereicht haben. Weiter informierte es, wie in die ent-
sprechenden Selbstanzeigedossiers eingesehen werden kann.25 

24.  Am 10. November 2016 reichte die Implenia die nun mit Hilfe eines externen IT-Experten 
lesbar gemachten SIA-Dateien nach.26  

25.  Am  21.  November  2016  verfügten  die  Wettbewerbsbehörden  eine  Verwendungsbe-
schränkung in Bezug auf die elektronisch versendeten Beilagen der Selbstanzeigedossiers.27  

26.  Am  12.  Dezember  2016  verfügten  die  Wettbewerbsbehörden  eine  Verwendungsbe-
schränkung in Bezug auf die Einsicht in die eigentlichen Selbstanzeigen in den Räumlichkeiten 
des Sekretariats.28  

27.  Am  29.  März  2017  stellte  das  Sekretariat  den  Parteien  den  Antrag  an  die WEKO  zur 
Stellungnahme gemäss Art. 30 Abs. 2 KG zu. Es beantragte im Wesentlichen, dass Bezzola 
Denoth wegen Beteiligung an einer gemäss Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG unzulässigen Wett-
bewerbsabrede mit einer Sanktion im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG von CHF […] zu belasten 

17  Act. IX.A.053, pag. 3 (25-0037). 
18   Act. I.505, I. 520, I.525. 
19  Act. 1 (22-04qq/25-0037). 
20   […]. 
21   Act. 4 (22-04qq/25-0038). 
22   Act. 5, pag. 3 (22-04qq/25-0038). 
23   Act. 5a (22-04qq). 
24  Act. 14, Beilage 1 und 2 (22-04qq/25-0037). 
25   Act. 15-17 (22-04qq). 
26   Act. 36 (22-04qq/25-0037).  
27   Act. 37-39 (22-04qq). 
28   Act. 42-44 (22-04qq). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

5 

 
 
 
 
                                                
sei. Implenia sei mit einem Betrag von CHF […] und Lazzarini mit einem Betrag von CHF […] 
zu belasten. 

28.  Zeitnah gewährte das Sekretariat auf elektronischem Weg Einsicht in diejenigen Verfah-
rensakten, welche seit dem 7. Juni 2016 neu ins Dossier aufgenommen worden waren.29 Die 
Einsicht in die Beilagen zu den Selbstanzeigen erfolgte am 30. März 2017 durch Versand der 
elektronischen Aktenverzeichnisse.30 Zudem hatten die Verfahrensparteien die Gelegenheit, 
ab 3. April 2017 in die eigentlichen Selbstanzeigen vor Ort in den Räumlichkeiten des Sekre-
tariats einzusehen. Implenia nahm zwischen 3. und 6. April 201731 sowie am 29. August 201732 
in den Räumlichkeiten des Sekretariats Einsicht in die Selbstanzeigen. Bezzola Denoth nahm 
am 20. April 201733 und Lazzarini am 28. April 201734 Einsicht in die Selbstanzeigen. 

29.  Mit Eingabe vom 14. Juni 2017 nahm Lazzarini zum Antrag des Sekretariats Stellung 
und wünschte eine Anhörung durch die WEKO. Lazzarini wurde am 4. September 2017 durch 
die WEKO angehört. Dabei wurde sie durch [Mitarbeiter B] ([Funktion]) und ihren Rechtsver-
treter vertreten.35 

30. 
In der Stellungnahme vom 14. Juni 2017 und an der Anhörung vom 4. September 2017 
anerkannte Lazzarini, an einer unzulässigen Abrede gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. a und c KG 
beteiligt gewesen zu sein, welche eine Sanktion nach sich zieht. Allerdings sei der Lazzarini 
der Selbstanzeigestatus zu Unrecht im Antrag aberkannt worden und die beantragte Sanktio-
nierung mit einem Betrag von CHF […] sei zu hoch bemessen und daher zu reduzieren. 

31.  Am 14. Juni 2017 verzichtete Bezzola Denoth auf die Einreichung einer Stellungnahme 
und beantragte keine Anhörung durch die WEKO.36 Am 4. September 2017 reichte Bezzola 
Denoth eine nachträgliche Stellungnahme37 ein. Diese wurde zusammen mit den Protokollen 
der Anhörungen vom 4. September 2017 den anderen Parteien am 6. September 2017 zuge-
stellt.38 

32.  Mit Eingabe vom 21. Juni 201739 nahm Implenia zum Antrag des Sekretariats Stellung 
und wünschte eine Anhörung durch die WEKO. Implenia wurde am 4. September 2017 durch 
die WEKO angehört. Dabei wurde sie durch [Mitarbeiter C] ([Funktion]) und ihre Rechtsvertre-
ter vertreten.40 

In ihrer Stellungnahme vom 21. Juni 2017 und an der Anhörung vom 4. September 2017 
33. 
machte Implenia geltend, dass sie als erstes Unternehmen im November 2012 eine Selbstan-
zeige im Verfahren 22-0433 Bauleistungen Graubünden eingereicht und mit der Wettbewerbs-
behörde kooperiert habe. Somit sei Implenia als erste Selbstanzeigerin die Sanktion vollstän-
dig  zu  erlassen.  Auf  die  einzelnen  Vorbringen  wird  –  soweit  geboten  –  an  entsprechender 
Stelle in der Verfügung näher eingegangen.  

29   Act. 56 (22-04qq). 
30   Act. 55 (22-04qq). 
31   Act. 58-61 (22-04qq). 
32   Act. 97 (22-04qq). 
33   Act. 63 (22-04qq). 
34   Act. 68 (22-04qq). 
35   Vgl. Protokoll der Anhörung Act. 101 (22-04qq). 
36   Act. 79 (22-04qq). 
37   Act. 98 (22-04qq) 
38   Act. 101a (22-04qq). 
39   Act. 80 (22-04qq). 
40   Vgl. Protokoll der Anhörung: Act. 99 (22-04qq) und 100 (22-04qq/25-0037).  

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

6 

 
 
 
 
                                                
34.  Die  Akteneinsicht  wurde  den  Parteien  durch  die  elektronische  Zustellung  vom  5.  Juli 
2017, 25. August 201741, 6.42 und 13. September 201743 gewährt.  

35. 

Implenia reichte eine zusätzliche Stellungnahme am 12. September 2017.44 

36.  Nach Beratung fällte die WEKO am 2. Oktober den vorliegenden Entscheid. 

B 

Sachverhalt 

B.1 

Vorbemerkungen zum Beweis 

37.  Auf das Untersuchungsverfahren sind die Bestimmungen des Verwaltungsverfahrens-
gesetzes (VwVG)45 anwendbar, soweit das Kartellgesetz nicht davon abweicht (Art. 39 KG). 
Auch im Kartellverwaltungsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 39 
KG i. V. m. Art. 19 VwVG und Art. 40 BZP46). Der Beweis einer Tatsache ist im Allgemeinen 
erbracht, wenn die Wettbewerbsbehörden nach objektiven Gesichtspunkten von deren Ver-
wirklichung überzeugt sind. Die Verwirklichung der Tatsache braucht nicht mit Sicherheit (also 
ohne Zweifel) festzustehen, sondern es genügt, wenn allfällige Zweifel unerheblich erschei-
nen.47  Bloss  abstrakte  und  theoretische  Zweifel  sind  nicht  massgebend,  weil  solche  immer 
möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche 
und unüberwindliche Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage 
aufdrängen.48 Hinsichtlich bestimmter Tatsachen, namentlich komplexer wirtschaftlicher Sach-
verhalte, sind im Einklang mit der Rechtsprechung keine überspannten Anforderungen an das 
Beweismass zu stellen. Vielmehr schliesst die Komplexität wirtschaftlicher Sachverhalte, ins-
besondere die vielfache und verschlungene Interdependenz wirtschaftlich relevanten Verhal-
tens, eine strikte Beweisführung regelmässig aus.49 Diesen Grundsätzen ist im Rahmen der 
nachfolgenden Ausführungen zum Sachverhalt Rechnung zu tragen. 

38. 
Im Folgenden werden zunächst das Beweisthema und die in Bezug auf die vorgeworfene 
Verhaltensweise vorhandenen Beweismittel beschrieben. Anschliessend wird die konkrete Be-
weislage anhand dieser Beweismittel gewürdigt, bevor schliesslich das Beweisergebnis fest-
gehalten wird. 

B.2 

Beweisthema 

39. 
Im Folgenden ist in tatsächlicher Hinsicht zu prüfen, ob zwischen Bezzola Denoth, Im-
plenia und Lazzarini übereinstimmende wirkliche Willenserklärungen vorlagen, ihre Angebote 

41   Act. 93-95 (22-04qq). 
42   Act. 101a (22-04qq). 
43   Act. 104 (22-04qq). 
44   Act. 102 (22-04qq) und Act. 103 (22-04qq/25-0037). 
45   Bundesgesetz  vom  20.12.1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021). 

46   Bundesgesetz vom 4.12.1947 über den Bundeszivilprozess (BZP; SR 273). 
47   Urteil des BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.2 f., Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer 
B-8399/2010 vom 23.9.2014, E. 4.3.2 f., Siegenia-Aubi AG/WEKO; vgl. auch etwa Urteil des BGer 
2A.500/2002  vom  24.03.2003,  E.  3.5;  RPW  2009/4,  341  Rz  15,  Submission  Betonsanierung  am 
Hauptgebäude der Schweizerischen Landesbibliothek (SLB).  

48   Vgl. z.B. BGE 124 IV 86, E. 2a. 
49   BGE 139 I 72, 91 E. 8.3.2 (= RPW 2013/1, 126 f. E. 8.3.2), Publigroupe SA et al./WEKO; Urteil des 
BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.7, Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer B-8399/2010 
vom 23.9.2014, E. 4.3.7, Siegenia-Aubi AG/WEKO; je m.w.H. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

7 

 
 
 
 
 
                                                
bezüglich des [Bauprojekt 1] aus dem Jahr […] zu koordinieren (Vorliegen eines natürlichen 
Konsenses). Ist dies zu bejahen, sind folgende Sachverhaltsfragen zu prüfen: 

 

 

 

welchen Zweck Bezzola Denoth, Implenia und Lazzarini mit der Angebotskoordination 
verfolgten (Rz 63 f.); 

welche Rollen die einzelnen Unternehmen im Zusammenhang mit der Angebotskoordi-
nation ausübten (Rz 65 ff.); 

ob  sich  Bezzola  Denoth,  Implenia  und  Lazzarini  tatsächlich  entsprechend  ihrem  Kon-
sens  über  die  Angebotskoordination  verhielten  und  welche  Auswirkungen dieses  Ver-
halten ggf. zur Folge hatte (Rz 77 ff.). 

B.3 

Beweismittel 

Im Zusammenhang mit der vorgeworfenen Verhaltensweise stützt sich die Behörde auf 

40. 
folgende Beweismittel: 

B.3.1  Urkunden 

E-Mail vom […] von [[Mitarbeiter A]@bezzola-denoth.ch] an [Mitarbeiter D] 

41.  Es  liegt  eine  E-Mail  vom  […],  um  08.17  Uhr,  von  [Mitarbeiter  A],  Bezzola  Denoth  an 
[Mitarbeiter D], Lazzarini mit dem Betreff „[Bauprojekt 1]“ mit folgendem Inhalt vor:50  

„Hallo [Mitarbeiter D] 

Im Anhang die entsprechende SIA. 
Bemerkungen: Eingabesumme Bezzola Denoth Netto inkl. MWST Fr. […]. 
[…] 

Gru𝛽 [Mitarbeiter A]“ 

E-Mail vom […] von [[Mitarbeiter A]@bezzola-denoth.ch] an [Mitarbeiter D] 

42.  Es liegt eine E-Mail vom […], 17.41 Uhr, von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, an [Mitar-
beiter D], Lazzarini, mit dem Betreff „[Bauprojekt 1]“ mit folgendem Inhalt vor:51  

„Hallo [Mitarbeiter D]. 

[…] Ist in Arbeit. Voraussichtlich bis Donnerstagabend fertig. Schick dir sobald bereit 
eine entsprechende SIA 

Gru𝛽 [Mitarbeiter A]“ 

E-Mail vom [… ]von [[Mitarbeiter A]@bezzola-denoth.ch] an Mitarbeiter D 

43.  Es liegt eine E-Mail vom […], 15.16 Uhr, von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, an [Mitar-
beiter D], Lazzarini, inkl. Anlage „[…]“ mit folgendem Inhalt vor:52  

„Hallo [Mitarbeiter D]. 
Im Anhang die entsprechende SIA mit der Eingabe von Bezzola Denoth.  

50   Act. IX.C.035, pag. 45 (25-0039). 
51   Act. IX.C.035, pag. 45 (25-0039). 
52   Act. IX.C.035, pag. 44 (25-0039). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

8 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
Bitte ca. [2–5] % höher bleiben. Tendenziell ist die […] günstig und es wäre 
vorteilhaft im speziellen diese Kapitel zu heben.  

Eingabe Bezzola Denoth 

Brutto: Sfr. […] 
Netto inkl. MwSt. Sfr. […] 

Gru𝛽 [Mitarbeiter A]“ 

E-Mail vom […] von [[Mitarbeiter A]@bezzola-denoth.ch] an [[…]@implenia.com]53 

44.  Von Bedeutung ist sodann die E-Mail vom […] um 15.27 Uhr von [Mitarbeiter A], Bezzola 
Denoth an Implenia […] mit dem Betreff „[Bauprojekt 1]“ mit folgendem Inhalt:54  

„Im Anhang die entsprechenden Dateien SIA 451 gemä𝛽 Absprache mit [Mitarbeiter 
E]. Preise angepasst, können so eingegeben werden. 

[…] = […] = Netto inkl. MWST. Sfr. […] 

[…] = […] = Netto inkl. MWST Sfr […] 

MFG 

[BEZZOLA DENOTH] 

[Mitarbeiter A]“ 

Offertdeckblatt von Lazzarini 

45.  Anlässlich  der  Hausdurchsuchung  bei  Lazzarini  beschlagnahmte  das  Sekretariat  das 
Deckblatt der Offertbearbeitung von Lazzarini betreffend „[Bauprojekt 1]“.55 Darauf ist unter der 
Rubrik „Entscheid Offerteingabe“ Folgendes vermerkt:  

„Strategieüberlegung Eingabe? Schutzofferte Bezzola Denoth ==> […] 

B.3.2  Auskünfte von Parteien 

Eingabe der Bezzola Denoth vom 4. Dezember 2012 und vom 1. Februar 2013 

46. 
Im Rahmen ihrer Kooperation mit der Wettbewerbsbehörde zeigte Bezzola Denoth ihre 
Verhaltensweise im Zusammenhang mit dem vorliegend zu beurteilenden Projekt an. Konkret 
hielt sie dazu fest: […] 

47. 
In ihrer Ergänzung der Selbstanzeige vom 1. Februar 2013 vermerkte Bezzola Denoth 
sodann zu [Bauprojekt 1]: […].56 Zudem reichte Bezzola Denoth den E-Mailverkehr mit Lazza-
rini vom […]57 bzw. vom […] sowie den E-Mailverkehr mit Implenia […] vom […] ein.58  

53   Der E-Mail-Austausch vom […] bzw. vom […] mit Implenia wird vorliegend nicht wiedergegeben, da 
es  sich  dabei  lediglich  um  eine  Präzisierung  der  E-Mail  vom  […]  handelt.  Siehe  die  detaillierten 
Ausführungen der Implenia betreffend diese E-Mails in Act. 36 (22-04qq/25-0037). 

54   Act. IX.C.035, pag. 47 f. und Act. 14, pag. 6 f. (22-04qq/25-0037). 
55   Act. III.E.003, pag. 11. 
56   Act. IX.C.035, pag. 60 (25-0039). 
57   Act. IX.C.035, pag. 44-46 (25-0039).  
58   Act. IX.C.035, pag. 47-49 (25-0039). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

9 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
Aussage der Bezzola Denoth vom 26. Oktober 2015 

48.  Anlässlich  der  mündlichen  Ergänzung  der  Bonusmeldung  der  Bezzola  Denoth  vom 
26. Oktober 2015 antwortete [Mitarbeiter A] auf die Frage, was Bezzola Denoth in ihrer Ein-
gabe vom 1. Februar 2013 mit dem Ausdruck […] gemeint habe, aus, dass er bei der E-Mail 
an [Mitarbeiter D] vom […] Lazzarini die Offerte der Bezzola Denoth geschickt habe. Die E-
Mail Korrespondenz auf pag. 47 bis 49 der Eingabe der Bezzola Denoth vom 1. Februar 2013 
sei mit der Implenia […] erfolgt. Er habe darin zusätzlich zu den […] auch noch die Zahlen für 
die […] geschickt.59 Er wisse nicht, ob Lazzarini und Implenia effektiv eingegeben hätten. Spe-
ziell an diesem Projekt sei gewesen, dass […]. Die anderen Unternehmen hätten sich daher 
keine grossen Chancen ausgemalt, den Auftrag zu erhalten.60  

Eingaben der Lazzarini vom 7. Dezember 2012 und 19. April 2016 

In ihrer Eingabe vom 7. Dezember 2012 machte Lazzarini folgende Aussage: In Bezug 
49. 
auf das [Bauprojekt 1] in […] seien bei der im IT-System bei Lazzarini vorhandenen Ziel-De-
ckungsbeitragsberechnung keine eigenen Ansätze hinterlegt. Aus heutiger Sicht würde dies 
für die Zustellung der Kalkulationsdaten durch einen Konkurrenten via SIA-Schnittstelle spre-
chen. Da bei Lazzarini diesbezüglich keine Unterlagen vorhanden seien und sich [Mitarbeiter 
D] nicht mehr genau an den Fall erinnern könne, sei der exakte Ablauf allerdings nicht mehr 
eruierbar.61  

In ihrer Eingabe vom 19. April 2016 wiederholte Lazzarini im Wesentlichen ihre Eingabe 
50. 
vom 7. Dezember 2012. Hinsichtlich des [Bauprojekt 1] führte Lazzarini in derselben Eingabe 
[Eingabe vom 7.12.2012] aus, dass sie mutmasslich durch eine ihrer Konkurrentinnen via SIA-
Schnittstelle mit deren Kalkulationsdaten bedient worden sei.62 

Eingaben der Implenia vom 18. November 2015, 17. Dezember 2015, 22. Juli 2016 und 
10. November 2016 

51.  Gemäss Eingabe von Implenia vom 18. November 2015 bestünden, dem zuständigen 
Mitarbeiter von Implenia, [Mitarbeiter F] zufolge, objektive Anhaltpunkte für Unregelmässigkei-
ten bei der Erstellung der Offerte der [Bauprojekt 1] in […]. [Mitarbeiter F] selbst sei nicht in 
dieses Projekt involviert gewesen, sondern sein Vorgänger [Mitarbeiter G]. Gemäss [Mitarbei-
ter  F]  fehle  für  das  [Bauprojekt  1]  in  […]  eine  entsprechende  Preiskalkulation  im  SAP-
Programm  der  Implenia  […].  Dies  sei  ein  Hinweis,  dass  die  Preise  nicht  kalkuliert  worden, 
sondern von einem Konkurrenten übernommen worden seien.63  

52.  Mit der Eingabe vom 17. Dezember 2015 reichte Implenia die E-Mail vom […] von Bez-
zola Denoth an das Sekretariat der Implenia […] mit dem Betreff „[Bauprojekt 1]“ ein. Die der 
E-Mail angehängte SIA-Datei konnte hingegen nicht gelesen werden. Handschriftlich sind auf 
der E-Mail die Begriffe „Einlesen“ und „Ausdrucken“ vermerkt. Gemäss der Aussage von [Mit-
arbeiter F] würden die handschriftlichen Bemerkungen vermutlich die Anweisung von ihm oder 
[Mitarbeiter  G]  an  [Mitarbeiter  H]  ([Funktion])  wiedergeben,  die  SIA-Datei  in  das  SAP-
Programm einzulesen und anschliessend die Offerte auszudrucken. Die in der E-Mail vom […] 
vorgegebenen Preise würden auf fünf Rappen genau mit dem effektiv durch Implenia offerier-
ten Preis übereinstimmen.64  

53.  Mit der Eingabe vom 22. Juli 2016 reichte Implenia zwei weitere E-Mails vom […] und 
vom […] betreffend dieses Projekt mit der Bezzola Denoth sowie den E-Mails angehängte SIA-

59   Act. IX.C.060, Zeilen 694 ff. (25-0039). 
60   Act. IX.C.060, Zeilen 712 ff. (25-0039).  
61   Act. IX.B.007, pag. 19 (25-0038). 
62   Act. 5, pag. 3 (22-04qq/25-0038).  
63   Act. IX.A.053, pag. 3 (25-0037). 
64   Act. 1, pag. 3 und 4 (22-04qq/25-0037). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

10 

 
 
 
 
 
                                                
Dateien  ein.65  Es  handelt sich  um  dieselbe  E-Mail-Korrespondenz  mit  Implenia  […],  welche 
ebenfalls durch Bezzola Denoth eingereicht wurde.66  

54.  Am  10.  November  2016  reichte  die  Implenia  die  inzwischen  unter  Beizug  eines  IT-
Experten lesbar gemachten SIA-Dateien der E-Mails vom […] ein. 

B.3.3  Auskünfte von Dritten 

Auskünfte [von X, Vertreter der Bauherrin] 

55.  Die  Bauherrin  […],  vertreten  durch  [X],  gab  in  Bezug  auf  das  vorliegende  Bauprojekt 
folgende Auskünfte:67 

56. 

[…]. 

57. 

[…].  

58.  Die Arbeiten seien schliesslich an Bezzola Denoth vergeben worden.  

B.4 

Beweiswürdigung 

B.4.1  Konsens 

59.  Der E-Mail-Verkehr vom […] bzw. […] zwischen Bezzola Denoth und Lazzarini, zusam-
men mit den ihnen angehängten SIA-Dateien, stellen objektive Beweismittel dar, die in unmit-
telbarem und konkretem Bezug zum Untersuchungsgegenstand stehen. Das Gleiche gilt für 
den E-Mail-Verkehr zwischen Bezzola Denoth und Implenia.  

60.  Die darin enthaltenen Sätze „Im Anhang die entsprechenden Dateien SIA 451 gemä𝛽 
Absprache mit [Mitarbeiter E]. Preise angepasst, können so eingegeben werden“ (an Implenia) 
bzw. „Im Anhang die entsprechende SIA mit der Eingabe von Bezzola Denoth. Bitte ca. [2–
5] % höher bleiben“ (an Lazzarini) lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Implenia und 
Lazzarini vorher mit Bezzola Denoth eine Abmachung getroffen haben müssen. Die beiden 
Bauunternehmen wurden durch den E-Mailverkehr gebeten, die von Bezzola Denoth vorkal-
kulierten Offerten einzugeben (Implenia) bzw. [2–5] % höher zu offerieren (Lazzarini).  

61.  Dieser Gehalt der E-Mails wird durch die Aussagen der Verfahrensparteien gestützt. So 
räumte Bezzola Denoth ein, dass der E-Mailverkehr mit Implenia und Lazzarini […] und dass 
sie von Implenia und Lazzarini […]. Implenia bestätigte auch, dass keine Kalkulation in ihrem 
SAP-Programm zu diesem Projekt zu finden sei und dass sie eine Offerte einreicht habe, wel-
che auf fünf Rappen genau mit der vorgegebenen Summe in der fraglichen E-Mail überein-
stimme.  Schliesslich gab  auch  Lazzarini  an,  dass  sie  vermutlich bei  diesem  Projekt mit  der 
SIA-Datei einer Konkurrentin bedient worden sei. Im IT-System der Lazzarini seien keine ei-
genen Ansätze für die Kalkulation hinterlegt.68 

62.  Bei dieser Beweislage bestehen keine vernünftigen Zweifel daran, dass Bezzola Denoth, 
Implenia und Lazzarini den übereinstimmenden Willen äusserten, ihre Angebote bei der Aus-
schreibung [Bauprojekt 1] zu koordinieren. Konkret sollten Implenia und Lazzarini bei dieser 
Ausschreibung höher eingeben als Bezzola Denoth. 

65   Act. 14 (22-04qq/25-0037). 
66   Act. IX.C.035, pag. 47-49 (25-0039). 
67   […]. 
68   Act. IX.B.010, pag. 152 (25-0038). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

11 

 
 
 
 
 
                                                
B.4.2  Verfolgter Zweck 

63.  Als Zweck für die Vorbereitung der Offerte von Implenia bzw. den Versand der SIA-Datei 
an Lazzarini wird von Bezzola Denoth in ihrer Eingabe vom 4. Dezember 2012 und 1. Februar 
2013 genannt, dass sie von Implenia und Lazzarini […]. Damit bringt sie zum Ausdruck, dass 
sich die Parteien bei der zu beurteilenden Ausschreibung nicht konkurrenzieren sollten. An-
dere Motive für die Verhaltensweisen der Parteien sind nicht ersichtlich und wurden auch nicht 
geltend gemacht. 

64.  Wie  erstellt  ist  (vgl.  Rz  62  hiervor),  lag  zwischen  den  Parteien  ein  Konsens  vor,  ihre 
Angebote bei der Ausschreibung [Bauprojekt 1] zu koordinieren. Einem Konsens über einen 
solchen Inhalt ist immanent, dass die Beteiligten darauf zielten, sich nicht zu konkurrenzieren. 
Vielmehr wollten sie im Einvernehmen darüber entscheiden, bei welchem Unternehmen die 
Chancen für die Zuschlagserteilung aufrechterhalten werden sollten. Damit ist erstellt, dass für 
Bezzola Denoth, Implenia und Lazzarini der Zweck ihrer Verhaltensweisen darin bestand, sich 
bei der Ausschreibung des [Bauprojekt 1] nicht zu konkurrenzieren. 

B.4.3  Rolle der Beteiligten 

65.  Vorliegend ist die Rolle der Beteiligten, insbesondere die Rolle von Bezzola Denoth als 
Schutznehmerin  bei  der  Initiative  zur  Angebotskoordination  sowie  bei  der  Organisation  und 
Umsetzung der untersuchten Verhaltensweise zu würdigen. Zuerst ist zu prüfen, ob vor dem 
Versand der Offerte ein initiierender Kontakt für die Angebotskoordination stattfand und von 
wem gegebenenfalls die Initiative für die Angebotskoordination ausging. Zweitens ist zu prü-
fen,  welche  Rollen  die Beteiligten  bei  der  Organisation und  Durchsetzung  der  untersuchten 
Verhaltensweise ausübten. 

Initiative für die Angebotskoordination 

66.  Aus dem Wortlaut der E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an Implenia […] geht hervor, 
dass diesbezüglich zwischen [Mitarbeiter A] und [Mitarbeiter E] ein vorgängiger Kontakt statt-
gefunden haben muss [„Im Anhang die entsprechenden Dateien SIA 451 gemäss Absprache 
mit [Mitarbeiter E].“] (Hervorhebung durch die Behörde).  

67.  Zudem lässt auch die in sämtlichen E-Mails vom […] sowie vom […] verwendete Wen-
dung  [„Im  Anhang  die  entsprechende  SIA“]  bzw.  [„Im  Anhang  die  entsprechenden  Dateien 
SIA“] (Hervorhebung durch die Behörde) auf einen vorgängig erfolgten Kontakt schliessen. 

68.  Somit ist erstellt, dass vor Versand der E-Mails vom […] bzw. vom […] ein vorgängiger 
Kontakt stattfand.  

69.  Wer vorliegend die Initiative für die Angebotskoordination ergriffen hat, ist den vorliegen-
den  Urkunden  nicht  zu  entnehmen.  Es  liegen  auch  keine  Parteiaussagen  vor,  die  belegen 
würden, von wem die Initiative letztlich ausging. 

70.  Es ist unklar, von wem bei dieser Ausschreibung die Initiative zur Angebotskoordination 
in Form eines ersten Kontaktes ausging. Vielmehr könnte die Initiative zur Angebotskoordina-
tion sowohl von der Schutznehmerin als auch von den schützenden Unternehmen ausgegan-
gen sein. Dem Grundsatz in dubio pro reo folgend, kann keinem der beteiligten Unternehmen 
die Initiative zur Angebotskoordination nachgewiesen werden.  

Rolle bei der Organisation und Umsetzung der untersuchten Verhaltensweise 

71. 
[Mitarbeiter A] wandte sich in seinen beiden E-Mails vom […] und vom […] an [Mitarbeiter 
D] (Lazzarini) sowie in seiner E-Mail vom […] an „[…]@implenia.com“. Inhalt dieser Nachrich-
ten von [Mitarbeiter A] bildete insbesondere die jeweilige Offertsumme in Bezug auf das [Bau-
projekt 1]. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

12 

 
 
 
 
72.  Gemäss Aussage von [Mitarbeiter A] vom 26. Oktober 2015 habe er Lazzarini die Offerte 
der Bezzola Denoth auch tatsächlich geschickt. Bei der E-Mail Korrespondenz mit Implenia 
habe er zusätzlich zu den […] auch noch die Zahlen für […] geschickt.  

73.  Lazzarini gab in ihrer Eingabe vom 7. Dezember 2012 zudem an, dass der Umstand, 
dass in Bezug auf das vorliegende Projekt für die im IT-System bei Lazzarini vorhandene Ziel-
Deckungsbeitragsrechnung keine eigenen Ansätze hinterlegt seien, aus heutiger Sicht für eine 
Zustellung der Kalkulationsdaten durch einen Konkurrenten via SIA-Schnittstelle spreche. 

74. 
Implenia zufolge fehle für das [Bauprojekt 1] in […] eine entsprechende Preiskalkulation 
im SAP-Programm der Implenia […]. Dies sei ein Hinweis darauf, dass die Preise nicht kalku-
liert worden, sondern von einem Konkurrenten übernommen worden seien. 

75.  Gemäss Aussage von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, vom 26. Oktober 2015 sei ferner 
an diesem Projekt speziell gewesen, dass […]. Die anderen Unternehmen hätten sich daher 
keine grossen Chancen ausgemalt, den Auftrag zu erhalten.69 

76.  Damit ist erstellt, dass Bezzola Denoth die E-Mails verfasst und versandt hat, welche zur 
Koordination der Angebote und deren Eingabehöhe erforderlich waren. Lazzarini und Implenia 
beschränkten sich im Wesentlichen darauf, ihre Angebote entsprechend den E-Mails von Be-
zzola Denoth einzugeben.  

B.4.4  Umsetzung und Auswirkungen 

77.  Gemäss den Angaben des verantwortlichen [Vertreters der Bauherrin] sei die Konkur-
renzofferte von Lazzarini seiner Erinnerung nach höher als diejenige von Bezzola Denoth ge-
wesen. [Der Vertreter der Bauherrin] erwähnte Implenia nicht als Submittentin. Allerdings be-
stätigte  Implenia  selber,  dass  sie  eine  Offerte  eingereicht  habe.  Es  ist  daher  anzunehmen, 
dass [der Vertreter der Bauherrin] wohl [keine Verfahrenspartei] mit Implenia verwechselte.  

78.  Somit reichten Implenia und Lazzarini Eingaben ein, welche höher waren als diejenige 
von Bezzola Denoth. Die Offerte von Implenia entsprach fünf Rappen genau den Eingabesum-
men der E-Mails vom […]. 

Offertsumme per E-Mail (inkl. 
MWST) in CHF 

Eingereichte Offertsumme  
(inkl. MWST) in CHF 

Bezzola Denoth 

Implenia 

Lazzarini 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

keine Angabe 

keine Angabe 

[…] 

[…]70 

[…]72 

[…]74  

[…] 

[…]71 

[…]73 

[…]75 

79.  Daraus  ergibt  sich,  dass  sich  sowohl  Implenia  als  auch  Lazzarini  im  Ergebnis  an  die 
getroffene Abmachung hielten. Sämtliche Unternehmen handelten gemäss ihrem Konsens. Es 
bestehen keine vernünftigen Zweifel daran, dass sich Bezzola Denoth, Implenia und Lazzarini 

69   Act. IX.C.060, Zeilen 712 ff. (25-0039).  
70   Offerte vom […], Act. III.D.011, pag. 47 sowie auch Act. IX.C.035, pag. 60 (25-0039), Angabe ohne 

MWST. 

71   Offerte vom […], Act. 3, pag. 21 (22-04qq). 
72   Offerte vom […], Act. IX.A.053, pag. 202 (25-0037). 
73   Offerte vom […], Act. IX.A.053, pag. 24 (25-0037). 
74   Offerte vom […], Act. III.E.003, pag. 2. 
75   Offerte vom […], Act. III.E.003, pag. 1. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

13 

 
 
 
 
 
                                                
in Bezug auf das [Bauprojekt 1], nicht konkurrenzierten. Bezzola Denoth erhielt schliesslich 
[…] den Zuschlag.  

B.5 

Beweisergebnis  

80.  Nach dem Gesagten ist bewiesen, dass Bezzola Denoth, Implenia und Lazzarini durch 
ihr Verhalten den übereinstimmenden Willen geäussert haben, ihre Angebote beim [Baupro-
jekt 1] zu koordinieren. Konkret sollten Implenia und Lazzarini höhere Offerten einreichen als 
Bezzola Denoth. Damit bezweckten sie, sich bei dieser Ausschreibung nicht zu konkurrenzie-
ren.  Weiter  ist  bewiesen,  dass  Implenia  und  Lazzarini  in  der  Folge  –  entsprechend  diesen 
übereinstimmenden Willenserklärungen – Offerten einreichten, die über dem von Bezzola De-
noth eingegebenen Preis lagen. Nicht bewiesen werden kann, welche Partei die Initiative zur 
Angebotskoordination ergriffen hat. Der Zuschlag wurde – wie von den Parteien beabsichtigt 
– der Bezzola Denoth erteilt. 

C 

Erwägungen 

C.1  Geltungsbereich 

C.1.1  Persönlicher Geltungsbereich 

81.  Das Kartellgesetz gilt in persönlicher Hinsicht sowohl für Unternehmen des privaten als 
auch für solche  des  öffentlichen Rechts  (Art. 2  Abs. 1  KG).  Als  Unternehmen  im  Sinne des 
Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleistungen 
im  Wirtschaftsprozess,  unabhängig  von  ihrer  Rechts-  oder  Organisationsform  (Art. 2 
Abs. 1bis KG). Sämtliche Parteien erfüllen vorliegend die Merkmale privatrechtlicher Unterneh-
men, womit das KG in persönlicher Hinsicht anwendbar ist. 

C.1.2  Verfügungsadressatinnen 

82. 
Adressatinnen einer wettbewerbsrechtlichen Verfügung können diejenigen natürlichen 
oder juristischen Personen sein, welche die Unternehmung betreiben bzw. deren Rechtsträ-
gerinnen sie sind.76  

83.  Somit ist die vorliegende Verfügung an folgende Gesellschaften zu richten: 

 

 

 

Bezzola Denoth AG, Scuol 

Implenia Schweiz AG, Dietlikon 

Lazzarini AG, Samedan 

C.1.3  Sachlicher Geltungsbereich 

84. 
In sachlicher Hinsicht erstreckt sich das Kartellgesetz auf das Treffen von Kartell- und 
anderen Wettbewerbsabreden, auf die Ausübung von Marktmacht sowie auf die Beteiligung 
an Unternehmenszusammenschlüssen (Art. 2 Abs. 1 KG).  

85.  Ob die Parteien eine Wettbewerbsabrede getroffen haben, wird im Rahmen der materi-
ellen Beurteilung noch im Einzelnen zu prüfen sein (vgl. dazu Rz 102). Es wird auf die dortigen 
Ausführungen verwiesen und an dieser Stelle auf deren Wiedergabe verzichtet.  

C.1.4  Örtlicher und zeitlicher Geltungsbereich 

76   Vgl. Urteil des BVGer B-7633/2009 vom 14.9.2015, E. 27 ff., 67, ADSL II. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

14 

 
 
 
 
 
                                                
Der  vorliegende  Untersuchungsgegenstand  fällt  in  den  örtlichen  und  zeitlichen  Gel-

86. 
tungsbereich des Kartellgesetzes. 

C.2 

Vorbehaltene Vorschriften 

87.  Dem Kartellgesetz sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte Wa-
ren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staatliche 
Markt-  oder  Preisordnung  begründen,  und  solche,  die  einzelne  Unternehmen  zur  Erfüllung 
öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Ebenfalls nicht 
unter das Gesetz fallen Wettbewerbswirkungen, die sich ausschliesslich aus der Gesetzge-
bung über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbeschränkungen, die 
sich auf Rechte des geistigen Eigentums stützen, der Beurteilung nach diesem Gesetz (Art. 3 
Abs. 2 KG). 

88. 
Im hier zu beurteilenden Markt gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb nicht zulassen. 
Der Vorbehalt von Art. 3 Abs. 1 und 2 KG wird von den Parteien auch nicht geltend gemacht. 

C.3 

Unzulässige Wettbewerbsabrede 

89.  Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtferti-
gen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

90. 
Im Folgenden ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob eine Wettbewerbsabrede vorliegt 
(vgl. Rz 91 ff.). Ist dies zu bejahen, ist in einem zweiten Schritt zu beurteilen, ob diese gemäss 
Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KG unzulässig ist (vgl. Rz 103 ff.). 

C.3.1  Wettbewerbsabrede 

91.  Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinba-
rungen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  gleicher  oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). Eine formelle vertragliche Grundlage ist nicht notwendig, vielmehr sind ab-
gestimmte  Verhaltensweisen  bis  hin  zu  verbindlichen  Vereinbarungen  einschlägig,77  wobei 
sich Vereinbarungen von den aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen durch den vorhan-
denen resp. nicht vorhandenen Bindungswillen unterscheiden78. 

92.  Eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG liegt vor, wenn erstens ein be-
wusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  der  an  der  Abrede  beteiligten  Unternehmen  und 
zweitens  ein Bezwecken  oder  ein  Bewirken  einer Wettbewerbsbeschränkung durch  die Ab-
rede gegeben sind.79 Diese Kriterien sind im Folgenden im Einzelnen zu beurteilen. 

C.3.1.1 

Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

93.  Unter das bewusste und gewollte Zusammenwirken fallen nach dem Gesagten Verein-
barungen und abgestimmte Verhaltensweisen.  

94.  Beweismässig ist erstellt, dass Bezzola Denoth, Implenia und Lazzarini den übereinstim-
menden, wirklichen Willen geäussert haben, ihre Angebote beim [Bauprojekt 1] zu koordinie-
ren. Konkret sollten Implenia und Lazzarini bei dieser Ausschreibung zu einem höheren Preis 
offerieren als Bezzola Denoth (Rz 62). 

77   Siehe dazu etwa RPW 2009/3, 204 Rz 49, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
78   RPW 2013/4, 559 Rz 167, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich. 
79   RPW 2009/3, 204 Rz 50, Elektroinstallationsbetriebe Bern.  

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

15 

 
 
 
 
                                                
95.  Damit  ist  das  Tatbestandsmerkmal  der  Vereinbarung  im  Sinne  von  Art.  4  Abs.  1  KG 
erfüllt.  

96.  Beizufügen ist, dass eine solche Angebotskoordination im Einklang mit der Rechtspre-
chung  der  Wettbewerbsbehörden  als  „Schutz“  verstanden  werden  kann.  „Schutz“  bedeutet 
dabei, dass Unternehmen in Bezug auf ein Bauprojekt vor der Eingabe ihrer Offerten gemein-
sam festlegen,  welches Unternehmen  unter  ihnen den  Zuschlag erhalten  soll.  Das dadurch 
begünstigte Unternehmen erhält bei der Bewerbung um das Projekt „Schutz“ von den anderen 
Unternehmen. Die Umsetzung der Schutzfestlegung erfolgt in der Regel dadurch, dass sich 
diejenigen  Unternehmen,  welche  Schutz  versprochen  haben,  dazu bereit  erklären, Offerten 
mit höheren Eingabesummen, sogenannte Stützofferten, einzureichen oder bewusst auf eine 
Offerteingabe zu verzichten.80 Auch im vorliegenden Fall lassen sich die Rollen der Beteiligten 
so zuordnen. Konkret war Bezzola Denoth die Rolle der Schutznehmerin zugedacht, während 
Implenia und Lazzarini diejenige der Schutzgeberinnen innehatten. 

C.3.1.2 

Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

97.  Neben  einem  bewussten  und  gewollten  Zusammenwirken  muss  die  Abrede  gemäss 
Art. 4 Abs. 1 KG „eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken“. Eine Wettbe-
werbsbeschränkung liegt vor, wenn das einzelne Unternehmen auf seine unternehmerische 
Handlungsfreiheit verzichtet und so das freie Spiel von Angebot und Nachfrage einschränkt.81 
Die Abrede über die Wettbewerbsbeschränkung muss sich auf einen Wettbewerbsparameter 
(wie beispielsweise den Preis oder die Lieferbedingungen) beziehen.82 Art. 4 Abs. 1 KG setzt 
die Tatbestandsmerkmale „bezwecken“ resp. „bewirken“ – wie bereits das Wort „oder“ im Ge-
setzestext verdeutlicht – alternativ voraus, nicht kumulativ.83  

98.  Eine Abrede bezweckt eine Wettbewerbsbeschränkung, wenn die Abredebeteiligten „die 
Ausschaltung  oder  Beeinträchtigung  eines  oder  mehrerer  Wettbewerbsparameter  zum  Pro-
gramm erhoben haben“.84 Dabei genügt es, wenn der Abredeinhalt objektiv geeignet ist, eine 
Wettbewerbsbeschränkung  durch  Ausschaltung  eines  Wettbewerbsparameters  zu  verursa-
chen. Die subjektive Absicht der an der Abrede Beteiligten ist unerheblich.85  

99.  Die vorliegende Abrede beinhaltete, das Eingabeverhalten zwischen den Parteien in Be-
zug auf das [Bauprojekt 1] zu koordinieren (Rz 59 ff.). Ein solcher Abredeinhalt ist in objektiver 
Hinsicht geeignet, eine Wettbewerbsbeschränkung zu bewirken. Darüber hinaus ist vorliegend 
– obwohl dies nicht notwendig ist – erwiesen, dass die Abredeteilnehmer mit ihrem Verhalten 
auch in subjektiver Hinsicht bezweckten, sich nicht zu konkurrenzieren (Rz 64). Somit war die 
vorliegende Abrede nicht nur (objektiv) geeignet, den Wettbewerb zu beeinträchtigen, sondern 
es bestand auch eine dahingehende Absicht der Abredeteilnehmer. 

100.  Damit liegt eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG vor. 

80   Zum Ganzen RPW 2012/2, 273 Rz 6,  Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton 
Aargau; RPW 2013/4, 527 Rz 6, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich; 
RPW 2015/2 201 Rz 6, Tunnelreinigung. 

81   RPW 2013/4, 560 Rz 178, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich.  
82   Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 756 f. E. 3.2.3, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 

E. 3.2.6, Gebro/WEKO. 

83  Statt anderer RPW 2012/3, 550 Rz 97, BMW. 
84   RPW 2013/4, 560 Rz 180, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich. 
85   Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 756 f. E. 3.2.3, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 

E. 3.2.6, Gebro/WEKO.  

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

16 

 
 
 
 
                                                
C.3.1.3 

Abrede zwischen Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen 

101.  Die  Parteien  waren  als  Unternehmen  auf  derselben  Marktstufe  tätig  und  als  solche 
Konkurrentinnen hinsichtlich der Vergabe des [Bauprojekt 1]. Die vorliegende Abrede ist somit 
horizontaler Natur. 

C.3.1.4 

Zwischenergebnis 

102.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Parteien in Bezug auf das [Bauprojekt 1] 
durch  ihr  bewusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  eine  Wettbewerbsabrede  zwischen 
Unternehmen gleicher Marktstufe gemäss Art. 4 Abs. 1 KG getroffen haben. Im Folgenden ist 
zu prüfen, ob diese Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KG unzulässig ist. 

C.3.2  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs  

103.  Gemäss Art. 5 Abs. 3 KG wird die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs bei folgenden 
Abreden vermutet, sofern sie zwischen Unternehmen getroffen werden, die tatsächlich oder 
der Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb stehen: 

a.  Abreden über die direkte oder indirekte Festsetzung von Preisen; 
b.  Abreden über die Einschränkung von Produktions-, Bezugs- oder Liefermengen; 
c.  Abreden über die Aufteilung von Märkten nach Gebieten oder Geschäftspartnern. 

C.3.2.1 

Vermutung der Beseitigung gemäss Art. 5 Abs. 3 KG 

104.  Gegenstand der vorliegenden Wettbewerbsabrede zwischen Bezzola Denoth, Lazzarini 
und  Implenia  bildete  die  Preisfestsetzung  der  Angebote  und  gleichzeitig  die  Steuerung  der 
Zuschlagserteilung, womit eine Aufteilung des Auftrags und damit der Geschäftspartner unter 
den Abredeteilnehmenden erfolgt. Dabei handelt es sich um die beiden typischerweise, regel-
mässig auch in Kombination anzutreffenden Abredegegenstände von sogenannten Submissi-
onsabreden. Die vorliegenden Submissionsabreden sind sowohl unter Art. 5 Abs. 3 Bst. a als 
auch Bst. c KG zu subsumieren.86  

105.  Die vorliegende Abrede fällt somit unter die Aufzählung in Art. 5 Abs. 3 KG. Damit greift 
die Vermutung der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs. Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich 
diese Vermutung widerlegen lässt. 

C.3.2.2  Widerlegung der gesetzlichen Vermutung der Wettbewerbsbeseitigung 

106.  Die Vermutung der Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs kann durch den Nachweis 
widerlegt werden, dass trotz der Wettbewerbsabrede noch wirksamer – aktueller und potenzi-
eller  –  Aussenwettbewerb  (Wettbewerb  durch  nicht  an  der  Abrede  beteiligte  Unternehmen) 
oder  Innenwettbewerb  (Wettbewerb  zwischen  den  an  der  Abrede beteiligten  Unternehmen) 
bestehen bleibt.  

107.  Wird nicht nachgewiesen, dass trotz der Abrede wirksamer Wettbewerb besteht, greift 
die gesetzliche Vermutung und gestützt auf diese ist von einer Beseitigung des Wettbewerbs 
auszugehen. Insoweit wirkt sich eine diesbezügliche Beweislosigkeit zum Nachteil des betref-
fenden Unternehmens aus, das insofern die objektive Beweislast trägt.87 

108.  Im Folgenden gilt es zu prüfen, ob die gesetzliche Vermutung der Wettbewerbsbeseiti-
gung im vorliegenden Fall widerlegt werden kann. Um dies zu beurteilen, sind zunächst die 
sachlich und  räumlich, womöglich auch die zeitlich  relevanten  Märkte für  bestimmte Waren 

86   RPW  2013/4,  592  ff.  Rz  820,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im  Kanton  Zürich 

m.w.H.; RPW 2015/2, 225 Rz 192, Tunnelreinigung. 

87   Siehe in diesem Sinne BGE 129 II 18 E. 7.1 (= RPW 2002/4, 743 E 7.1), Buchpreisbindung, sowie 

das Urteil des BVGer, RPW 2010/2, 381 f. E. 9, Implenia (Ticino) SA/WEKO. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

17 

 
 
 
 
                                                
oder  Dienstleistungen  abzugrenzen,  auf  welchen  sich  die  vorliegende  Wettbewerbsabrede 
auswirkt. In einem zweiten Schritt ist alsdann zu prüfen, ob der auf den relevanten Märkten 
trotz  des  Vorliegens  einer  Wettbewerbsabrede  noch  verbleibende  aktuelle  und  potenzielle 
Aussen- sowie Innenwettbewerb wirksamen Wettbewerb herzustellen und damit die Vermu-
tungsfolge zu widerlegen vermag. 

C.3.2.2.1  Relevanter Markt 

109.  Bei  der  Abgrenzung  des  relevanten  Marktes  ist  zu  bestimmen,  welche  Waren  oder 
Dienstleistungen für  die Marktgegenseite  in  sachlicher,  örtlicher  und  zeitlicher  Hinsicht  aus-
tauschbar sind.88 

110.  Bei dieser Abgrenzung sind Sinn und Zweck der Marktabgrenzung zu berücksichtigen. 
Diese liegen weniger darin, eine allgemeingültige Marktdefinition für einen Wirtschaftsbereich 
zu  schaffen,  als  vielmehr  darin,  die  (ökonomischen)  Wirkungen  einer  konkret  untersuchten 
Wettbewerbsbeschränkung zu beurteilen.89 Zudem ist die Bestimmung des relevanten Markts 
für  die  Höhe  der  Sanktion  von  Bedeutung (siehe  unten  Rz  133  ff.).  Daraus  folgt  zwingend, 
dass die Marktabgrenzung davon abhängig ist, welche (mögliche) Wettbewerbsbeschränkung 
konkret untersucht wird.  

(i) 

Marktgegenseite 

111.  Für sämtliche Aspekte der Marktabgrenzung kommt es auf die Sichtweise der Marktge-
genseite an. „Marktgegenseite“ sind dabei die Abnehmer derjenigen Leistung, die Gegenstand 
der untersuchten (möglichen) Wettbewerbsbeschränkung ist.90 Untersuchen die Wettbewerbs-
behörden  z. B.  die  Wirkungen  einer  Wettbewerbsabrede,  so  sind  diejenigen  Personen  als 
Marktgegenseite zu betrachten, welche die Güter oder Dienstleistungen beziehen, auf die sich 
die Abrede bezieht. 

112.  Für den vorliegenden Fall war die Bauherrin, die […], welche [Bauprojekt 1] nachgefragt 
hat, Marktgegenseite der Parteien. 

(ii) 

Sachlich und räumlich relevanter Markt 

113.  Der sachliche Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite 
hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als substituier-
bar angesehen werden (Art. 11 Abs. 3 Bst. a VKU91, der hier analog anzuwenden ist).92  

114.  Die vorliegende Wettbewerbsabrede bezog sich jeweils auf das betreffende Hoch- und 
Tiefbauprojekt. Der sachlich relevante Markt umfasst daher die Bauleistungen betreffend [Bau-
projekt 1]. 

88   BGE 139 I 72, 92 E. 9.1 m.w.H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.1), Publigroupe SA et al./WEKO.  
89  Exemplarisch OECD, Market Definition, DAF/COMP(2012)19, S. 11; RAINER TRAUGOTT, Zur Abgren-
zung von Märkten, WuW 1998, 929–939, 929; TILL STEINVORTH, Probleme der geografischen Markt-
abgrenzung,  WuW  10/2014,  S.  924–937;  vgl.  auch  ROGER  ZÄCH,  Schweizerisches  Kartellrecht, 
2. Aufl.  2005,  Rz 532;  MANI  REINERT/BENJAMIN  BLOCH,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz,  Am-
stutz/Reinert  (Hrsg.),  2010,  Art. 4  Abs. 2  KG  N 94;  MARCEL  MEINHARDT/ASTRID  WASER/JUDITH 
BISCHOF, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2010, Art. 10 KG N 40.  
90  Vgl. Urteil des BVGer B-7633/2009 vom 14.9.2015, E. 269, ADSL II; RETO HEIZMANN, Der Begriff 
des marktbeherrschenden Unternehmens im Sinne von Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 7 KG, 
Zürich 2005, Rz 281. 

91   Verordnung  vom  17.6.1996  über  die  Kontrolle  von  Unternehmenszusammenschlüssen  (VKU; 

SR 251.4). 

92   BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

18 

 
 
 
 
 
                                                
115.  Der  räumliche  Markt  umfasst  das  Gebiet,  in  welchem  die  Marktgegenseite  die  den 
sachlichen Markt umfassenden Waren oder Leistungen nachfragt oder anbietet (Art. 11 Abs. 3 
Bst. b VKU, der hier analog anzuwenden ist).93 

116.  Das  vorliegende  Bauprojekt  ist  naturgemäss  an  den  Ort  der  Ausführung  gebunden, 
also in der vorliegenden Untersuchung an […]. Im Bauwesen besteht ein gewisser Distanz-
schutz aufgrund der hohen Transportkosten. Mit zunehmender Distanz zwischen dem Ausfüh-
rungsort und dem Werkhof einer Bauunternehmung steigen die Selbstkosten und somit sinkt 
auch die Rentabilität. 

117.  Aufgrund  der  Projektgrösse  und  den  geographischen  Gegebenheiten  (Alpenpässe, 
Distanzen, fehlende Schnellstrassen) des Engadins ist davon auszugehen, dass in den meis-
ten Fällen lokal tätige Bauunternehmen eine wirtschaftliche Offerte einreichen konnten. Tat-
sächlich haben beim vorliegenden Projekt Unternehmen aus dem Engadin sowie aus […] eine 
Offerte eingereicht. Aus diesem Grund bilden vorliegend das gesamte Engadin sowie dessen 
angrenzende Gebiete, welche von […] mit einer ähnlichen Fahrdistanz zu erreichen sind, den 
räumlich relevanten Markt.  

C.3.2.2.2 

Innenwettbewerb 

118.  Implenia und Lazzarini hielten sich an die Abrede, indem sie beim [Bauprojekt 1] höhere 
Offerten einreichten als Bezzola Denoth (Rz 78 f.) Somit bestand kein Innenwettbewerb. 

C.3.2.2.3  Aussenwettbewerb 

119.  Nachfolgend ist zu beurteilen, inwieweit die an der Wettbewerbsabrede beteiligten Un-
ternehmen in ihrem Verhalten durch aktuellen oder potenziellen Wettbewerb diszipliniert wor-
den sind, d.h., ob sie überhaupt über die Möglichkeit verfügten, die Preise zu erhöhen, oder 
die Mengen zu reduzieren oder die Qualitäten zu senken oder die Innovation zu verzögern; 
kurz, ob sie volkswirtschaftliche oder soziale Schäden verursachen konnten. 

120.  Beim  vorliegend  zu  beurteilenden  Projekt  wurden  die  entsprechenden  Arbeiten  durch 
eine  private  Bauherrschaft  vergeben.  Aussenwettbewerb  (aktueller  wie  auch  potenzieller) 
konnte  damit  ausschliesslich  durch  allfällige  zur  Offertabgabe  eingeladene  bzw.  angefragte 
Bauunternehmen, die sich nicht gleichzeitig an der Abrede beteiligten, entstehen. Die Unter-
nehmen, von welchen damit überhaupt ein wirksamer Aussenwettbewerb ausgehen konnte, 
[sind] allenfalls durch [keine Verfahrensparteien] identifiziert, wobei unklar ist, ob diese über-
haupt [offerierten] (vgl. Rz. […]). Selbst wenn dies der Fall gewesen sein sollte, wäre der von 
[ihnen] im konkreten Fall ausgegangene Konkurrenzdruck als schwach zu werten, wie […] zu 
entnehmen ist (vgl. Rz […]).  

121.  Die vorliegende Abrede war erfolgreich, da das zu schützende Unternehmen Bezzola 
Denoth den Zuschlag wie vereinbart erhielt. Somit liegt bezüglich der vorliegend ausgeschrie-
benen Bauleistungen kein ausreichender Aussenwettbewerb vor, der die Vermutung der Wett-
bewerbsbeseitigung widerlegt.94 Somit wurde der wirksame Wettbewerb durch die Abrede be-
seitigt.  

C.3.3  Ergebnis 

122.  Im vorliegenden Fall lässt sich die Vermutung der Wettbewerbsbeseitigung nicht wider-
legen, vielmehr bestätigt sich diese Vermutungsfolge als materiell zutreffend und richtig. Diese 
wettbewerbsbeseitigende Abrede in Bezug auf das [Bauprojekt 1] ist gestützt auf Art. 5 Abs. 3 
Bst. a und c KG unzulässig und einer Rechtfertigung aus Gründen der wirtschaftlichen Effizi-
enz nicht zugänglich. 

93   BGE 139 I 72, 92 E. 9.2.1 m.w.H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 
94   Vgl.  dazu  auch  RPW  2013/4,  596  Rz  852  f.,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im 

Kanton Zürich. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

19 

 
 
 
 
                                                
C.4  Massnahmen 

C.4.1  Anordnung von Massnahmen 

123.  Liegt eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vor, so kann die WEKO Massnahmen 
zu deren  Beseitigung  anordnen,  indem sie den  betroffenen  Parteien  die sanktionsbewehrte 
Pflicht zu einem bestimmen Tun (Gebot) oder Unterlassen (Verbot) auferlegt. Solche Gestal-
tungsverfügungen haben stets dem Verhältnismässigkeitsprinzip zu entsprechen, weshalb die 
Massnahmen  von  der  Art  und  Intensität  des  konkreten  Wettbewerbsverstosses  abhängig 
sind.95 

124.  Die Unternehmen Bezzola Denoth, Implenia und Lazzarini werden unter Hinweis auf die 
gesetzlichen Folgen im Widerhandlungsfall (Art. 50 und 54 KG) dazu verpflichtet, Verhaltens-
weisen  zu  unterlassen,  welche  unzulässige Wettbewerbsabreden  gemäss  Art.  5  Abs. 3  KG 
darstellen. 

125.  Insbesondere wird den genannten Unternehmen untersagt: 

 

 

Konkurrenten im Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen 
um Schutz, Stützofferten oder den Verzicht auf eine Offerteingabe anzufragen oder der-
artiges anzubieten; 

sich in Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen mit Kon-
kurrenten vor Ablauf der Offerteingabefrist – oder, sofern nicht vorhanden, vor rechts-
kräftiger Auftragserteilung – über Offertpreise, Preiselemente sowie die Zu- und Auftei-
lung von Kunden und Gebieten auszutauschen; davon ausgenommen ist der Austausch 
unabdingbarer Informationen im Zusammenhang mit 

a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften (ARGE) sowie  

b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer. 

126.  Diese Anordnungen umschreiben die Verpflichtungen der Verfahrensparteien, um sich 
künftig kartellrechtskonform zu verhalten, hinreichend bestimmt, vollständig und klar. Zudem 
stehen sie in unmittelbaren Zusammenhang zur von ihnen begangenen unzulässigen Verhal-
tensweise und verhindern,  dass  es  erneut  zu derartigen  Verhaltensweisen kommt.  Sie  sind 
verhältnismässig,  zumal  sie  zur  Erreichung  des  Ziels,  die  Wiederholung  der  festgestellten 
Wettbewerbsbeschränkungen zu verhindern, geeignet sowie erforderlich und zumutbar sind. 

127.  Verstösse  bzw.  Widerhandlungen  gegen  die  genannten  Massnahmen  können  nach 
Massgabe von Art. 50 bzw. 54 KG mit einer Verwaltungs- bzw. Strafsanktion belegt werden. 
Diese Sanktionierbarkeit ergibt sich ohne Weiteres aus dem Gesetz selber, weshalb auf eine 
entsprechende – lediglich deklaratorische und nicht konstitutive – Sanktionsdrohung im Dis-
positiv verzichtet werden kann.96 

C.4.2  Sanktionierung 

128.  Gemäss Art. 49a Abs. 1 KG wird ein Unternehmen, das an einer unzulässigen Abrede 
nach Art. 5 Abs. 3 und 4 KG beteiligt ist oder sich nach Art. 7 KG unzulässig verhält, mit einem 
Betrag  bis  zu  10  Prozent  des  in  den  letzten  drei  Geschäftsjahren  in  der  Schweiz  erzielten 
Umsatzes belastet. Art. 9 Abs. 3 KG ist sinngemäss anwendbar. Der Betrag bemisst sich nach 
der Dauer und der Schwere des unzulässigen Verhaltens. Der mutmassliche Gewinn, den das 
Unternehmen dadurch erzielt hat, ist angemessen zu berücksichtigen. 

95   RPW 2013/4, 643 Rz 1028 ff., Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich; 

RPW 2015/2, 235 Rz 266 ff., Tunnelreinigung. 

96   Vgl. Entscheid der REKO/WEF vom 9.6.2005, RPW 2005/3, 530 E. 6.2.6, Telekurs Multipay; Urteil 

des BVGer vom 3.10.2007, RPW 2007/4, 653 E. 4.2.2, Flughafen Zürich AG, Unique. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

20 

 
 
 
 
 
                                                
C.4.2.1 

Voraussetzungen 

129.  Sämtliche Parteien erfüllen vorliegend den Unternehmensbegriff nach Art. 2 Abs. 1 und 
1bis KG und haben durch den Verstoss gegen Art. 5 Abs. 1 i.V.m. 3 KG eine unzulässige Ver-
haltensweise im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG begangen.  

130.  Die  natürlichen  Personen,  welche  vorliegend  für  die  Unternehmen  handelten  und  die 
kartellrechtswidrige Submissionsabsprache trafen, taten dies vorsätzlich oder nahmen deren 
wettbewerbsbeseitigende Wirkung zumindest in Kauf, handelten diesbezüglich also zumindest 
eventualvorsätzlich. Sodann ist festzuhalten, dass die handelnden natürlichen Personen für 
die jeweiligen Unternehmen zeichnungsberechtigt waren und jeweils mindestens dem mittle-
ren oder oberen Kader bzw. der Geschäftsleitung angehörten. Ihr Vorsatz bezüglich der von 
ihnen  vorgenommenen Handlungen  ist  daher  ohne Weiteres  den betroffenen  Unternehmen 
zuzurechnen. 

C.4.2.2 

Bemessung  

C.4.2.2.1  Konkrete Sanktionsbemessung 

131.  Rechtsfolge  eines  Verstosses  im  Sinne  von  Art. 49a  Abs. 1  KG  ist  die  Belastung  des 
fehlbaren Unternehmens mit einem Betrag bis zu 10 % des in den letzten drei Geschäftsjahren 
in der Schweiz erzielten Umsatzes. Dieser Betrag stellt demnach die höchstmögliche Sanktion 
dar. Die konkrete Sanktion bemisst sich nach der Dauer und der Schwere des unzulässigen 
Verhaltens, wobei der mutmassliche Gewinn, den das Unternehmen dadurch erzielt hat, an-
gemessen zu berücksichtigen ist. 

132.  Die  konkreten  Bemessungskriterien  und  damit  die  Einzelheiten  der  Sanktionsbemes-
sung  werden  in  der  SVKG  näher  präzisiert  (vgl.  Art. 1  Bst. a  SVKG).  Die  Festsetzung  des 
Sanktionsbetrags  liegt  dabei  grundsätzlich  im  pflichtgemäss  auszuübenden  Ermessen  der 
WEKO, welches durch die Grundsätze der Verhältnismässigkeit97 und der Gleichbehandlung 
begrenzt  wird.98  Die  WEKO  bestimmt  die  effektive  Höhe  der  Sanktion  nach  den  konkreten 
Umständen im Einzelfall, wobei die Geldbusse für jedes an einer Zuwiderhandlung beteiligte 
Unternehmen individuell innerhalb der gesetzlich statuierten Grenzen festzulegen ist.99 

a) Basisbetrag 

133.  Der Basisbetrag beträgt gemäss SVKG je nach Art und Schwere des Verstosses bis zu 
10 % des Umsatzes, den das betreffende Unternehmen in den letzten drei Geschäftsjahren 
auf dem relevanten Markt in der Schweiz erzielt hat (Art. 3 SVKG). Gemäss Art. 3 SVKG ist 
die aufgrund des Umsatzes errechnete Höhe des Basisbetrages je nach Schwere und Art des 
Verstosses festzusetzen (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 2 f.). 

134.  Das an der Submissionsabrede beteiligte Unternehmen Bezzola Denoth erhielt bei der 
vorliegenden  abgesprochenen  Submission  den  Zuschlag  zu  einem  Preis  in  der  Höhe  von 
[…].100  

135.  Lazzarini und Implenia erzielten keinen Umsatz, da ihnen die Rolle der Schutzgeber zu-
gedacht war. Art. 49a Abs. 1 KG sieht eine Sanktionierung von Unternehmen vor, welche sich 
an einer Abrede beteiligt haben. Das Entfallen der Belastung ist auf Gesetzesstufe nur aus 
den in Art. 49a Abs. 3 KG abschliessend aufgeführten Gründen vorgesehen. Eine rein auf der 
Basis  des  eigenen  Umsatzes  zu  bemessende  Sanktion  würde  bei  Abredebeteiligten,  deren 

97   Art. 2 Abs. 2 SVKG. 
98   RPW 2006/4, 661 Rz 236, Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking. 
99   RPW 2009/3, 212 f. Rz 111, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
100  Offerte vom […], Act. 3, pag. 21 (22-04qq). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

21 

 
 
 
 
                                                
Schutznahme erfolglos blieb oder die durch eine Stützofferte den designierten Zuschlagsemp-
fänger schützen sollten, aufgrund fehlenden Umsatzes zu einer Nicht-Sanktionierung führen, 
die in Art. 49a KG nicht vorgesehen ist. Dieses Ergebnis entspricht nicht dem Sinn und Zweck 
der Regelung von Art. 3 SVKG und kann vom Verordnungsgeber nicht gewollt gewesen sein.  

136.  Vor  diesem  Hintergrund ist  vorliegend  –  unter  Berücksichtigung  der  vom Gesetz-  und 
Verordnungsgeber in Art. 49a KG und Art. 3 SVGK getroffenen Wertungen – ein Basisbetrag 
zu bestimmen, der einerseits den von der Submissionsabrede betroffenen Umsatz einbezieht 
und andererseits die Schwere und Art des Verstosses berücksichtigt. 

137.  Vorliegend wird als Basisumsatz für die drei abredebeteiligten Unternehmen die Offert-
summe von Bezzola Denoth exklusive Mehrwertsteuer in der Höhe von CHF […] ([…]) sowie 
CHF […] ([…]) herangezogen (vgl. Rz 78). Denn dieser Betrag reflektiert letztlich die wirtschaft-
liche Bedeutung der fraglichen Submission und damit des entsprechenden Marktes und gibt 
dadurch Aufschluss über die Tragweite und das Schädigungspotenzial des Kartellrechtsver-
stosses. Konkret ergibt sich daraus für den Basisbetrag eine Obergrenze von CHF […] bzw. 
CHF […]. 

138.  Die Schwere der Zuwiderhandlung ist im Einzelfall unter Berücksichtigung aller relevan-
ten Umstände zu beurteilen. Allgemeine Aussagen zur Qualifizierung konkreter Abreden sind 
nur sehr beschränkt möglich, kommt es doch immer massgeblich auf die konkreten Umstände 
des Einzelfalls an. Zweifellos stellen Abreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG, welche den Wettbe-
werb beseitigen, – als sogenannte harte horizontale Kartelle – in aller Regel schwere Kartell-
rechtsverstösse dar. Unter anderem sind horizontale Abreden, welche den Preiswettbewerb 
ausschalten, wegen des grossen ihnen immanenten Gefährdungspotenzials grundsätzlich im 
oberen Drittel des möglichen Sanktionsrahmens, d.h. zwischen 7 und 10 %, einzuordnen. Dar-
über hinaus ist im Allgemeinen davon auszugehen, dass Wettbewerbsbeschränkungen, wel-
che gleichzeitig mehrere Tatbestände gemäss Art. 5 KG erfüllen, schwerer zu gewichten sind 
als solche, die nur einen Tatbestand erfüllen.  

139.  Bezzola Denoth als Schutznehmerin sowie Implenia und Lazzarini als schützende Un-
ternehmen beteiligten sich an Abreden, welche den Preis sowie auch die Aufteilung von Ge-
schäftspartnern  zum  Gegenstand  haben.  Sämtliche  Unternehmen  handelten  dabei  vorsätz-
lich. Diese Art Wettbewerbsabrede läuft den Anliegen des Kartellgesetzes in schwerwiegender 
Weise zuwider. In der Ökonomie ist das Schädigungspotenzial von Abreden über den Preis 
und  die  Aufteilung  von  Geschäftspartnern  unbestritten.  Vorliegend  sind  zudem  gleichzeitig 
mehrere der als im Wettbewerb besonders wesentlich anzuschauenden Parameter gemäss 
Art. 5 Abs. 3 KG betroffen.  

140.   Aus  diesen  Gründen  ist  der  vorliegende  Kartellrechtsverstoss  als  schwerwiegend  zu 
werten.  

141.  Unter Berücksichtigung der Art und Schwere des kartellrechtlichen Verstosses erscheint 
für Bezzola Denoth als erfolgreiche Schutznehmerin der Submissionsabrede ein Basisbetrag 
von 10 % der relevanten Offertsumme als angemessen, d.h. CHF […] bzw. CHF […], insge-
samt CHF […].  

142.  Unter Berücksichtigung der Art und Schwere des kartellrechtlichen Verstosses erscheint 
für Implenia und Lazzarini als jeweils „schützende“ Unternehmen ein Basisbetrag von jeweils 
CHF […] als angemessen.101 

101  RPW 2013/4, 616 f. Rz 951, 6. bis 8. Lemma, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im 
Kanton Zürich: „Dabei ist eine Orientierung am Volumen des relevanten Markts – wie dies auch dem 
Art. 3 SVKG zu Grunde liegenden Gedanken entspricht – naheliegend. Dass es sich dabei um einen 
nicht effektiv von diesem Unternehmen erzielten Umsatz handelt, ist zwar zutreffend doch liegt dies 
in der Natur der Sache und könnte auch durch eine andere Art der Bestimmung des Basisbetrags 
nicht geändert werden.[…] Sodann beabsichtigt die WEKO, die hier aufgeführte Praxis auch künftig 
bei Einzelsubmissionsabreden und -märkten anzuwenden.  

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

22 

 
 
 
 
                                                
b) Dauer des Verstosses 

143.  Gemäss Art. 4 SVKG erfolgt eine Erhöhung des Basisbetrages um bis zu 50 %, wenn 
der Wettbewerbsverstoss zwischen einem und fünf Jahren gedauert hat, für jedes weitere Jahr 
ist ein Zuschlag von bis zu 10 % möglich (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 3). 

144.  Der vorliegende Kartellrechtsverstoss bezieht sich auf Leistungen im Rahmen eines ein-
zelnen Bauprojekts, nämlich [Bauprojekt 1]. Der Wettbewerbsverstoss betrifft damit einen re-
lativ  kurzen  Zeitraum.  Folglich  ist  der  Basisbetrag  aus  Gründen  der  Dauer  des  Verstosses 
nicht zu erhöhen. 

c) Erschwerende Umstände 

145.  Gemäss Art. 5 Abs. 2 Bst. a SVKG wird der Betrag nach Art. 3 und 4 SVKG zusätzlich 
erhöht, wenn das betreffende Unternehmen zur Wettbewerbsbeschränkung anstiftete oder da-
bei eine führende Rolle spielte. Das Tatbestandsmerkmal der Anstiftung bzw. der führenden 
Rolle wird in Art. 5 Abs. 2 Bst. a SVKG genannt, aber vom Verordnungsgeber nicht definiert. 
Vorliegend werden Anstiftung und führende Rolle separat geprüft.  

Anstiftung 

146.  Unternehmen nehmen eine anstiftende Rolle ein, wenn sie andere Unternehmen dazu 
veranlassen, eine Wettbewerbsbeschränkung zu begehen bzw. sich daran zu beteiligen. Als 
Mittel kommt in Analogie  zu den strafrechtlichen Kriterien der Anstiftung (vgl. Art. 24 StGB) 
grundsätzlich jedes motivierende Verhalten in Frage. Zu denken ist etwa an einen Vorschlag, 
eine konkludente Aufforderung oder eine motivierende Einladung (allenfalls unter Inaussicht-
stellen von Anreizen oder Drohungen).102

147.  Wie in Rz 70 ausgeführt, ist nicht erstellt, welche eine Verfahrenspartei beim [Bauprojekt 
1]  die  Initiative  zur  Angebotskoordination  ergriff.  Welches  Unternehmen  diese  Koordination 
letztlich initiierte, lässt sich nicht erstellen und muss daher offen gelassen werden. Unter die-
sem  Gesichtspunkt  ist  der  Basisbetrag  daher  bei  keiner  Verfahrenspartei  zu  erhöhen.  Des 
Weiteren ist zu prüfen, ob eine der Verfahrensparteien allenfalls eine führende Rolle ausübte. 

Führende Rolle 

148.  Eine führende Rolle bei horizontalen Abreden liegt vor, wenn ein Unternehmen in be-
sonderem Masse zur Vorbereitung, zur Organisation oder zur Durchführung der Wettbewerbs-
beschränkung beigetragen hat (Beurteilung im Einzelfall). Indizien für die Einnahme einer füh-
in  der  Organisation  und  Umsetzung  der 
renden  Rolle  bestehen  zum  einen 
Wettbewerbsbeschränkung und zum anderen in der Interessenslage der beteiligten Unterneh-
men. Nimmt ein Unternehmen bei der Organisation oder Umsetzung eine besonders tragende 
Rolle  ein  und  dient  eine  Wettbewerbsbeschränkung  einem  Unternehmen  in  besonderem 
Mass, ist dies als Anzeichen seiner führenden Rolle zu werten.103  

149.  Da der Verordnungsgeber weder die anstiftende noch die führende Rolle definiert hat 
und die Anzahl diesbezüglicher Entscheide der WEKO bis anhin gering ausfällt, ist rechtsver-
gleichend die Praxis der EU-Kommission heranzuziehen. Auch die EU-Kommission beachtet 

102  RPW  2016/3,  751  Rz  224,  Saiteninstrumente  (Gitarren  und  Bässe)  und  Zubehör;  CHRISTOPH 
TAGMANN/BEAT  ZIRLICK,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz,  Amstutz/Reinert  (Hrsg.),  2010, 
Art. 49a N 76. 

103  RPW 2016/3,  710 Rz  399  f.,  Flügel  und  Klaviere  (nicht rechtskräftig); RPW 2016/3, 751 Rz 224, 
Saiteninstrumente (Gitarren und Bässe) und Zubehör; BSK KG-TAGMANN/ZIRLICK (Fn 102), Art. 49a 
N  76.;  ROBERT  ROTH/CHRISTIAN  BOVET,  in:  Commentaire  Romand,  Droit  de  la  concurrence,  Mar-
tenet/Tercier/Bovet (Hrsg.), 2013, Art. 49a KG N 52. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

23 

 
 
 
 
 
                                                
bei  der  Berechnung  der  Sanktionshöhe  die  Rolle  des  Anführers  als  erschwerenden  Um-
stand.104 Rechtsvergleichend sei daher auf die Praxis der EU-Gerichte zur Anführerschaft hin-
gewiesen. Demnach muss ein Unternehmen, um als Anführer eines Kartells eingestuft zu wer-
den, eine wichtige Antriebskraft für das Kartell gewesen sein105 oder eine besondere, konkrete 
Verantwortung  für  dessen  Funktionieren  getragen  haben.106  Anführerschaft  liegt  etwa  dann 
vor, wenn das Unternehmen dem Kartell durch punktuelle Initiativen spontan einen grundle-
genden Impuls gegeben hat.107 Darauf kann auch aus einer Gesamtheit von Indizien geschlos-
sen werden, die das Bestreben des Unternehmens zeigen, die Stabilität und den Erfolg des 
Kartells zu sichern.108 Dieser Fall liegt vor, wenn nachgewiesen ist, dass das Unternehmen im 
Kartell die Aufgaben eines Koordinators übernommen und namentlich das mit der konkreten 
Durchführung  des  Kartells  betraute  Sekretariat  organisiert  und  mit  Personal  ausgestattet 
hatte.109 Gleiches gilt, wenn erwiesen ist, dass das betroffene Unternehmen im Rahmen der 
konkreten Betätigung des Kartells eine zentrale Rolle etwa dadurch spielte, dass es zahlreiche 
Treffen organisierte, die Informationen innerhalb des Kartells entgegennahm und verteilte, die 
Vertretung  einiger  Mitglieder  im  Kartell  übernahm  oder  die meisten  Vorschläge zur  Arbeits-
weise des Kartells machte.110 Hierbei handelt es sich aber nicht um einen abschliessenden 
Katalog von möglichen Tatbeiträgen, die für eine führende Rolle sprechen. Die Einzelfallbe-
trachtung und der Umstand, dass Kartelle unterschiedlich initiiert, organisiert und gelebt wer-
den können, stünde einem solchen Schematismus entgegen. Letztlich ist massgeblich, ob der 
konkrete Tatbeitrag eines Beteiligten – absolut betrachtet – wesentlich für die Organisation, 
Umsetzung,  den  Fortbestand  und/oder  Erfolg  des  konkreten  Kartells  war  und  sich  –  relativ 
betrachtet – qualitativ und/oder quantitativ derart von Tatbeiträgen anderer Beteiligten abhob, 
dass im Vergleich zu diesen auf eine führende Rolle zu schliessen ist.  

150.  Vorliegend steht fest, dass Bezzola Denoth die E-Mails vom […] bzw. […] inkl. kalkulier-
ter SIA-Dateien Implenia und Lazzarini zusandte. Darin gab sie ihnen an, um welchem Preis 
Implenia der Bauherrschaft eine Offerte unterbreiten sollte bzw. um welchem Prozentsatz La-
zzarini höher offerieren sollte (vgl. Rz 43 hiervor). Diese Angabe der Höhe der Schutzofferte 
ist nicht als Tatbeitrag zu werten, der isoliert betrachtet zur Annahme einer führenden Rolle 
führt.  Vielmehr  liegt  eine  solche  Handlung  in  der  Natur  einer  einzelsubmissionsbezogenen 
preislichen Angebotskoordinierung.111 In casu war der für Bezzola Denoth damit verbundene 
organisatorische und intellektuelle Aufwand nur gering. Eine tragende Rolle von Bezzola De-
noth bei der Organisation sowie der Durchführung des Kartells liegt somit nicht vor. Zu würdi-
gen ist sodann die Interessenlage der Beteiligten, wonach das Interesse von Bezzola Denoth 
an der Angebotskoordination als „Schutznehmerin“ grösser gewesen sein dürfte als dasjenige 

104  Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbussen gemäß Artikel 23 Absatz 2 Buchstabe 

a) der Verordnung (EG) Nr. 1/2003, ABl. C 210/2, 4 Rz 28. 

105  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al. unter Verweis auf EuG 
T-410/03, Slg. 2008, II-881 Rz 423, Hoechst/Kommission; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 93, 
BASF/Kommission.  

106  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al., EuG, T-15/02 Slg. 2006, 

II-497 Rz 87, BASF/Kommission. 

107  EuG  verb.  Rs.  T-117/07  u.  T-121/07,  Slg.  2011,  II-633  Rz  283,  Areva  et  al.;  EuG T-410/03,  Slg. 
2008, II-881 Rz 426, Hoechst/Kommission; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 348, 370, 375, 425, 
BASF/Kommission.  

108  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al.; EuG, T-15/02 Slg. 2006, 

II-497 Rz 351 BASF/Kommission.  

109  EuG  verb.  Rs.  T-117/07  u.  T-121/07,  Slg.  2011,  II-633  Rz  283,  Areva  et  al.;  EuG  T-224/00, 

Slg. 2003, II-2597, Rz 246 und 247, Archer Daniels Midland. 

110  Vgl. in diesem Sinne EuGH verb. Rs. 96/82 bis 102/82, 104/82, 105/82, 108/82 und 110/82, IAZ 
International Belgium et al., Slg. 1983, 3369, Rz. 57 f.; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 404, 439 
und 461 BASF/Kommission; EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva 
et al.; Entscheid der Wettbewerbskommission vom 14.12. 2015 i.S. Flügel und Klaviere, Rz 402. 
111  Vgl.  auch  RPW  2013/4,  627  Rz  983,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im  Kanton 

Zürich. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

24 

 
 
 
 
                                                
von Implenia und Lazzarini. Eine solche Interessensasymmetrie liegt bei einzelprojektbezoge-
nen Submissionsabreden ebenfalls in der Natur der Sache und begründet für sich alleine keine 
führende  Rolle.  Zusammengefasst,  in  einer  Gesamtbetrachtung,  sind  die  für  eine  führende 
Rolle sprechenden Kriterien (Organisation, Durchführung, Interessenslage) zu wenig ausge-
prägt, um eine solche für Bezzola Denoth zu bejahen. 

151.  Im  Ergebnis  liegen  damit  zwar  gewisse  Elemente  vor,  die für  die  Erfüllung  der  obge-
nannten Voraussetzungen und damit für eine führende Rolle von Bezzola Denoth sprechen. 
Diese Elemente erreichen aber nicht das Ausmass, um eine solche zu bejahen. Eine Sankti-
onserhöhung  unter  diesem  Titel  scheidet  somit  aus.  Nicht  beurteilt  zu  werden  braucht  die 
Frage,  wie  es  sich  verhält,  wenn  ein  Unternehmen  über  die  vorliegenden  üblichen  Umset-
zungshandlungen im Zuge einer einzelprojektbezogenen Abrede hinaus auf die Organisation 
und  Durchführung  des  Kartells  Einfluss  nimmt  oder  bei  einer  projektübergreifenden  Abrede 
regelmässig die Konkretisierung der preislichen Angebotskoordination übernimmt. 

d) Mildernde Umstände 

152.  Es sind keine mildernden Umstände ersichtlich. 

C.4.2.2.2  Maximalsanktion 

153.  Die Sanktion beträgt in keinem Fall mehr als 10 % des in den letzten drei Geschäftsjah-
ren  in  der  Schweiz  erzielten  Gesamtumsatzes  des  Unternehmens  (Art. 49a  Abs. 1  KG  und 
Art. 7 SVKG). Vorliegend erübrigt sich die Ermittlung der Gesamtumsätze der Parteien, zumal 
die Maximalsanktion gemäss  Art. 49a  Abs. 1 KG  und Art. 7  SVKG  offensichtlich nicht  über-
schritten wird. 

C.4.2.2.3  Selbstanzeige – Vollständiger/teilweiser Erlass der Sanktion 

154.  Die Voraussetzungen der Sanktionsbefreiung und -reduktion richten sich nach Art. 8 und 
12 SVKG. 

Implenia 

155.  Wie oben im Abschnitt zur Verfahrensgeschichte (Rz 6 ff.) ersichtlich, zeigte Implenia im 
Verfahren „22-0433:  Bauleistungen Graubünden“  am  1. November  2012 eine  mutmassliche 
Wettbewerbsabrede an.112 Im Folgenden ist zu beurteilen, ob und gegebenenfalls ab wann die 
Eingaben von Implenia in Bezug auf den vorliegenden Verfahrensgegenstand als Selbstan-
zeige zu qualifizieren sind. Dabei ist insbesondere auf die Vorbringen von Implenia einzuge-
hen, dass sie im vorliegenden Verfahren als erstes Unternehmen mit der Behörde kooperiert 
habe und ihr die Sanktion daher vollständig zu erlassen sei.113 

156.  Bei der Eingabe von Implenia vom 1. November 2012114 handelte es sich um den soge-
nannten „Marker“. Der „Marker“ beinhaltet die Erklärung, dass das Unternehmen eine Selbst-
anzeige einreichen wird. Der „Marker“ ist damit der eigentlichen Selbstanzeige vorgelagert und 
ist inhaltlich weniger umfangreich als die Selbstanzeige.115 In inhaltlicher Hinsicht stellte Im-
plenia in ihrem „Marker“ klar, dass die angezeigte mutmassliche Wettbewerbsabrede das Un-
ter-  und  das  Oberengadin  im  Markt  für  Strassenbau  betreffe.  Mit  E-Mail  vom  1.  November 
2012 bestätigte das Sekretariat den Eingang des „Markers“ von Implenia.116 

112 Act. IX.A.1 (25-0037). 
113 Act. 80 (22-04qq). 
114 Act. IX.A.1 (25-0037). 
115  Merkblatt und Formular des Sekretariats der WEKO Bonusregelung (Selbstanzeige) vom 8.9.2014, 

Rz 24. 

116 Act. IX.A.2 (25-0037). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

25 

 
 
 
 
 
                                                
157.  In der Folge ergänzte Implenia ihre Selbstanzeige im Rahmen von diversen mündlichen 
Eingaben zu Protokoll. Eine erste solche Ergänzung erfolgte bereits am 1. November 2012.117 
Ihre Sachverhaltsauskünfte bezogen sich auf den Bereich Strassenbau im Kanton Graubün-
den. Zum Bereich Hochbau im Engadin äusserte sie sich nicht.118 

158.  Mit  Faxschreiben  vom  7.  November  2012119  dehnte  Implenia  den  gesetzten  „Marker“ 
aus. Konkret teilte sie mit, dass sie Anzeichen habe, dass im Kanton Graubünden ausserhalb 
des Unterengadins auch mutmassliche Wettbewerbsabreden im Markt für Hochbau getroffen 
worden seien. Möglicherweise sei es auf diesem Markt für einzelne Projekte zu Abreden zwi-
schen Wettbewerbern über die Koordinierung und Zuweisung von Projekten sowie mutmass-
lich zu Abgeltungszahlungen im Bereich von Submissionen gekommen. Das Sekretariat be-
stätigte auch den Eingang dieses erweiterten „Markers“.120 

159.  Die weiteren Ergänzungen der Selbstanzeige von Implenia vom 9. November 2012121, 
16. November 2012122, 23. November 2012123 und 21. Dezember 2012124 betrafen ebenfalls 
nicht allfällige Wettbewerbsverstösse im Zusammenhang mit Hochbauprojekten im Engadin. 
In der mündlichen Ergänzung der Selbstanzeige vom 16. November 2012 zeigte sie zwar ihr 
Verhalten im Zusammenhang mit zwei Hochbauprojekten ausserhalb des Engadins an. In Be-
zug auf das Engadin hielt sie indes fest, dass sie in dieser Region nicht im Bereich Hochbau 
tätig sei.  

160.  Mit Schreiben vom 28. Februar 2013125 ersuchte das Sekretariat Implenia, der Behörde 
mitzuteilen, ob sie im Rahmen der internen Untersuchung weitere Hochbauprojekte habe iden-
tifizieren  können,  in  deren  Zusammenhang  möglicherweise  Wettbewerbsabreden  getroffen 
worden seien, sowie ob sich ihre Selbstanzeige im Bereich Hochbau auf den gesamten Kanton 
Graubünden beziehe oder nur auf gewisse Teile des Kantons Graubünden. Neue Informatio-
nen hätten Einfluss auf die Markerbestätigung, insbesondere im Bereich Hochbau. Daraufhin 
bestätigte Implenia mit Eingabe vom 4. April 2013126, dass sie im Engadin nicht im Hochbau 
tätig sei. Die weiteren Hochbauprojekte, die sie anzeigte, lagen nicht im Engadin.  

161.  Bei dieser Sachlage ist zu folgern, dass in der Selbstanzeige von Implenia der Bereich 
Hochbau  im  Engadin  ausgeklammert  war.  Der  vorliegend  zu  beurteilende  Wettbewerbs-
verstoss war somit (zunächst) nicht von der Selbstanzeige von Implenia erfasst. Im Folgenden 
ist auf die weitere Korrespondenz im Zusammenhang mit der Selbstanzeige von Implenia ein-
zugehen. 

162.  Mit Schreiben vom 23. April 2013 teilten die Wettbewerbsbehörden Implenia mit, dass 
sie die Voraussetzungen für den vollständigen Erlass der Sanktion nach Art. 8 Abs. 1 SVKG 
in Bezug auf die von ihr angezeigten, unzulässigen Wettbewerbsabreden im Sinne von Art. 5 
Abs. 3 und 4 KG betreffend das Verfahren 22-0433 Bauleistungen Graubünden als gegeben 
erachten würden (Art. 9 Abs. 3 lit. a SVKG). In den darauffolgenden Ergänzungen der Selbst-
anzeige äusserte sich  Implenia weiterhin nicht zu allfälligen Wettbewerbsverstössen im  Zu-
sammenhang mit Hochbauprojekten im Engadin.  

117 Act. IX.A.3 (25-0037). 
118 Vgl. Act. IX.A.1 (25-0037), Zeile 167 f. 
119 Act. IX.A.5 (25-0037). 
120 Act. IX.A.6 (25-0037). 
121 Act. IX.A.8 (25-0037). 
122 Act. IX.A.11 (25-0037). 
123 Act. IX.A.13 (25-0037). 
124 Act. IX.A.16 (25-0037). 
125 Act. IX.A.26 (25-0037). 
126 Act. IX.A.28 (25-0037). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

26 

 
 
 
 
                                                
163.  Am 23. Oktober 2015127 gab das Sekretariat Implenia die Möglichkeit, ihre Selbstanzeige 
u.a. im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] zu ergänzen. Am 18. November 2015 und am 
17.  Dezember  2015  ergänzte  Implenia  ihre  Selbstanzeige  in  Bezug  auf  dieses  Projekt  und 
reichte beim Sekretariat die zugehörige E-Mail-Korrespondenz ein. Am 22. Juli 2016 und am 
10. November 2016 reichte Implenia beim Sekretariat zusätzlich die mittlerweile von ihr ent-
schlüsselten E-Mail-Anhänge ein.  

164.  Somit kam  Implenia  erst  am  18.  November  2015,  also  über  drei  Jahre nach  Untersu-
chungseröffnung, im Rahmen einer mündlichen Ergänzung der Selbstanzeige auf Nachfrage 
des Sekretariates zum ersten Mal auf das [Bauprojekt 1] zu sprechen. Implenia gestand darin 
ein, dass „objektive Anhaltspunkte für Unregelmässigkeiten bei der Offertstellung“ bestehen 
würden. Die fehlende Preiskalkulation im SAP-Programm deute darauf hin, dass die Preise 
ohne Kalkulation lediglich eingetragen worden seien. Hierfür spreche auch der physische Un-
terlagenordner, in welchem weder Preisanfragen an Lieferanten, noch deren Offerten abgelegt 
seien, was bei einer kalkulierten Eingabe unüblich sei. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass 
der Eingabepreis mit anderen Unternehmen koordiniert worden sei. Die Beteiligung Implenias 
am Wettbewerbsverstoss wurde damit anerkannt. 

165.  Zusammenfassend erstattete Implenia zwar als erstes Unternehmen Selbstanzeige im 
Verfahren „22-0433: Bauleistungen Graubünden“. Ihre Selbstanzeige erstreckte sich jedoch 
nicht auf den Hochbau im Engadin (vgl. Rz 155) und somit auch nicht auf den vorliegend zu 
beurteilenden  Wettbewerbsverstoss.  Diesbezüglich  lag  (zunächst)  keine  Selbstanzeige  der 
Implenia vor. 

166.  Im Folgenden ist zu prüfen, ob die mündlichen Eingaben zu Protokoll von Implenia ab 
Ende  2015  als  Selbstanzeige  in  Bezug  auf  den  vorliegend  zu  beurteilenden  Wettbewerbs-
verstoss zu werten sind. Falls dies zutrifft, ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Re-
duktion der Sanktion gegeben sind, wobei die Wichtigkeit des Beitrages des Unternehmens 
zum Verfahrenserfolg zu berücksichtigen ist.  

167.  Die auf Nachfrage des Sekretariates hin erfolgten Ausführungen von Implenia zum [Bau-
projekt 1] erfolgten über drei Jahre nach denjenigen von Bezzola Denoth und Lazzarini (Rz 
181).  Seit  dem  Hinweis  Ende  2015  durch  das  Sekretariat  ist  die  Kooperation  von  Implenia 
jedoch  von  guter  Qualität.  Implenia  bemühte  sich  insbesondere,  allfällige  Beweismittel  zum 
[Bauprojekt 1] aufzufinden und dem Sekretariat zu erläutern, auch wenn diese Beweismittel 
(mit Ausnahme der Anhänge) dem Sekretariat bereits durch Bezzola Denoth vorgelegt wur-
den. Bei denen durch Implenia eingereichten E-Mails fanden sich zusätzlich handschriftliche 
Notizen, welche aufzeigen, dass Implenia die entsprechenden E-Mails verwendete und bear-
beitete (vgl. Rz 52). Implenia bemühte sich zudem erfolgreich, den durch das Sekretariat nicht 
lesbaren Anhang der E-Mail vom […], zu öffnen und stellte diesen dem Sekretariat anschlies-
send zur Verfügung. Damit ist der Selbstanzeigegehalt der Eingaben von Implenia ab Ende 
2015 in Bezug auf den vorliegend zu beurteilenden Wettbewerbsverstoss zu bejahen.  

168.  Beizufügen  ist  in  diesem  Zusammenhang  Folgendes:  Es  ist  möglich,  dass  der  ange-
zeigte  Sachverhalt  im  „Marker“  zunächst  relativ  offen  formuliert  wird  und  anschliessend  im 
Rahmen von Ergänzungen der Selbstanzeige präzisiert und konkretisiert wird. Weiter ist un-
bestritten, dass eine solche Vervollständigung der Selbstanzeige bei komplexen Sachverhal-
ten – wie in der vorliegenden Untersuchung – eine gewisse Zeit beansprucht. Insofern ist es 
möglich,  dass  eine  Selbstanzeigerin  ihre  Sachverhaltsschilderungen  innert  angemessener 
Frist ergänzt, ohne den durch den „Marker“ bestimmten Rang der eingegangen Selbstanzei-
gen zu verlieren. Innerhalb welchen Zeitraums eine solche Konkretisierung zu erfolgen hat, 
richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Vorliegend ist zu beachten, dass Implenia 
trotz Nachfrage des Sekretariats im Februar 2013 keine Informationen betreffend den Bereich 
Hochbau im Engadin über möglicherweise abgesprochene Projekte lieferte. Wenn sie erst ca. 
drei Jahre später, auf Nachfrage des Sekretariats, in Bezug auf das strittige Bauprojekt Sach-

127 Act. IX.A.051 (25-0037). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

27 

 
 
 
 
                                                
verhaltsauskünfte tätigt, kann dies jedenfalls nicht mehr als Vervollständigung des ursprüngli-
chen „Markers“ betrachtet werden. Nicht von Bedeutung ist dabei, dass vorliegend keine An-
zeichen bestehen, dass Implenia der Behörde ihr Verhalten im Zusammenhang mit dem strit-
tigen Bauprojekt absichtlich verschwiegen hat.  

169.  Schliesslich kann Implenia im vorliegenden Kontext auch nichts aus der Mitteilung der 
Wettbewerbsbehörden gemäss Art. 9 Abs. 3 Bst. a SVKG vom 23. April 2013 zu ihren Gunsten 
ableiten. Die Mitteilung vom 23. April 2013 bezog sich ausdrücklich auf die von Implenia an-
gezeigten  Wettbewerbsabreden.  In  Bezug  auf  mutmassliche  Wettbewerbsverstösse  im  Zu-
sammenhang mit Hochbauprojekten im Engadin lag zu diesem Zeitpunkt – wie erörtert worden 
ist – keine Selbstanzeige von Implenia vor. Irrelevant ist auch, dass vorliegend mit Zwischen-
verfügung vom 23. November 2013 eine Verfahrenstrennung stattgefunden hat. Diese grün-
dete  in  prozessökonomischen  Überlegungen  und  ändert  an  der  materiellen  Beurteilung  der 
untersuchten Sachverhalte nichts, insbesondere auch nicht in Bezug auf die Reihenfolge der 
Selbstanzeigen.  Die  Würdigung  der  Eingaben  von  Implenia  unter  dem  Gesichtspunkt  des 
Selbstanzeigegehalts  würde  zum  gleichen  Ergebnis  führen,  wenn  der  vorliegend  beurteilte 
Wettbewerbsverstoss  verfahrensmässig  zusammen  mit  anderen  Sachverhalten  behandelt 
worden wäre.  

170.  Unter  Berücksichtigung  der  erörterten  Umstände  des  Einzelfalls  erachtet  die  Behörde 
für Implenia im Rahmen ihrer Selbstanzeige eine Sanktionsreduktion von 30 Prozent als an-
gemessen. 

Lazzarini 

171.  Wie oben unter Verfahrensgeschichte (Rz 7 ff.) ersichtlich, reichte Lazzarini am 1. No-
vember 2012 eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. 
SVKG in Bezug auf das Verfahren „22-0433: Bauleistungen Unterengadin“ ein. In ihrer Ergän-
zung der Selbstanzeige vom 7. Dezember 2012 äusserte sich Lazzarini auch zum vorliegen-
den Projekt. 

172.  Zu prüfen ist indes, ob die Eingaben von Lazzarini im Zusammenhang mit dem [Baupro-
jekt 1] überhaupt als Selbstanzeige zu qualifizieren sind. Keinen Selbstanzeigengehalt kommt 
grundsätzlich Vorbringen zu, in denen bloss die Möglichkeit erwähnt wird, dass sich das Un-
ternehmen an einer Wettbewerbsbeschränkung beteiligt habe. Gleiches gilt, wenn das Unter-
nehmen in seinen Vorbringen lediglich nicht ausschliesst, dass es sich an einer Wettbewerbs-
beschränkung  beteiligt  habe oder  wenn  das  Unternehmen die beigebrachten  Informationen 
und Beweismittel selbst wieder entkräftet, etwa indem es eine Verhaltensabstimmung mit an-
deren Unternehmen bestreitet oder generell (mögliche) negative Auswirkungen auf den Wett-
bewerb verneint. Ebenfalls keinen Selbstanzeigegehalt kommt Eingaben zu, bei welchen das 
betreffende Unternehmen namentlich nicht aufdeckt, welches der verfolgte Zweck der ange-
zeigten  Verhaltensweise  war  und  wie  das  Verhalten  durch  das  Unternehmen  umgesetzt 
wurde.128  

173.  Die Eingabe von Lazzarini vom 7. Dezember 2012 hat folgenden Inhalt (Hervorhebun-
gen durch die Behörde): 

„In Bezug auf das „[Bauprojekt 1]" in […] fällt im übrigen auf, dass für die im IT-System 
bei  Lazzarini  vorhandene  Ziel-Deckungsbeitragsberechnung  keine  eigenen  Ansätze 
hinterlegt sind. Aus heutiger Sicht spricht dies für eine Zustellung der Kalkulationsdaten 
durch einen Konkurrenten via SIA-Schnittstelle (vgl. Beilage 34). Da bei Lazzarini dies-
bezüglich keine Unterlagen vorhanden sind und sich auch [Mitarbeiter D] nicht mehr 
genau an den Fall erinnern kann, ist der exakte Ablauf allerdings nicht mehr eruierbar.“ 

174.  In ihrer Eingabe vom 19. April 2016 wiederholt Lazzarini im Wesentlichen ihre Eingabe 
vom 7. Dezember 2012 (Hervorhebungen durch die Behörde): 

128  Merkblatt 

„Bonusregelung 
https://www.weko.admin.ch/weko/de/home/dienstleistungen/meldeformulare.html. 

(Selbstanzeige)“ 

Formular 

vom 

und 

8.9.2014,  Rz 5; 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

28 

 
 
 
 
                                                
„Hinsichtlich des "[Bauprojekt 1]" in […] hat die Lazzarini AG in der gleichen Eingabe 
ausgeführt, dass sie mutmasslich durch einen ihrer Konkurrenten via SIA-Schnittstelle 
mit dessen Kalkulationsdaten bedient worden sei. Ebenso hat die Lazzarini bereits da-
mals dargelegt, dass sie im Zusammenhang mit diesem Projekt über keine Unterlagen 
mehr verfügt und sich auch [Mitarbeiter D] als [Funktion] nicht mehr genau an den Fall 
erinnern könne; dementsprechend sei der exakte Ablauf nicht mehr eruierbar.“ 

175.  Zwar wies Lazzarini darauf hin, dass Indizien vorlägen, wonach Lazzarini von einer Kon-
kurrentin mit einer SIA-Schnittstelle bedient worden sei. Durch die offen gehaltenen Formulie-
rungen (z.B. „spricht dies für“, „mutmasslich“, „nicht eruierbar“) legt sich Lazzarini jedoch nicht 
fest.  Anlässlich  der  Hausdurchsuchung  bei  Lazzarini  beschlagnahmte  das  Sekretariat  ein 
Deckblatt, in dem in Bezug auf das vorliegende Projekt von einer „Schutzofferte“ zugunsten 
Bezzola Denoth die Rede ist (vgl. Rz 45).  

176.  Lazzarini bezog zum [Bauprojekt 1] trotz Aufforderung des Sekretariats nicht weiter Stel-
lung (vgl. Eingabe vom 19. April 2016).  

177.  Die anfänglichen Hinweise von Lazzarini sind offen gehalten und unklar, erlauben jedoch 
immerhin den Schluss, dass sie den Wettbewerbsverstoss nicht bestreitet. Im weiteren Verlauf 
des  Verfahrens  wurden die Angaben  durch Lazzarini  nicht  weiter  substantiiert  bzw.  mit  Be-
weismitteln untermauert. Lazzarini beschränkte sich vielmehr darauf, ihre anfänglich gemach-
ten Ausführungen am 19. April 2016 zu wiederholen.  

178.  In ihrer Stellungnahme zum Antrag des Sekretariats äussert sich Lazzarini dahingehend, 
dass das Sekretariat den Aussagen und Auskünften der Lazzarini zu Unrecht den Selbstan-
zeigegehalt abgesprochen habe. Lazzarini sei für ihre Selbstanzeige auf [Mitarbeiter D], [Funk-
tion], angewiesen. Dieser habe das Unternehmen per […] 2012 aus eigenem Wunsch verlas-
sen und sei bereits ab dem […] 2012 freigestellt gewesen. Zudem habe [Mitarbeiter D] – ohne 
Rücksprache mit seinen Vorgesetzten – Teile seiner E-Mails gelöscht. Die Bemühungen der 
Lazzarini, via den externen IT-Provider […] den gelöschten E-Mail-Verkehr wiederherzustel-
len, seien ohne Erfolg gekrönt gewesen (siehe Schreiben von […] vom 3. Dezember 2012). 
Lazzarini habe bereits im Dezember 2012 deutlich indiziert, dass ihr Verhalten wettbewerbs-
rechtlich nicht korrekt war.  

179.  Die WEKO teilt die Auffassung der Lazzarini nicht und folgt dem Antrag des Sekretariats. 
Vor der Zustellung des Antrags hat Lazzarini ihr Verhalten im Zusammenhang mit dem stritti-
gen Projekt nicht mit hinreichender Klarheit angezeigt. Auch zu dem beschlagnahmten Doku-
ment E.III.003 (vgl. Rz 45), in welches Lazzarini Einsicht erhielt, hat Lazzarini nicht Stellung 
bezogen.  

180.  Es liegt somit in Bezug auf das [Bauprojekt 1] keine Selbstanzeige von Lazzarini i.S.v. 
Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 8 SVKG vor. Der Tatsache, dass Lazzarini ihre Beteiligung am 
möglichen Wettbewerbsverstoss bereits in einem frühen Stadium des Verfahrens (Rz 7) nicht 
bestritten hat, ist im Rahmen der Kooperation zu berücksichtigen. Lazzarini hat in ihrer Stel-
lungnahme zum Antrag des Sekretariats den Sachverhalt ausdrücklich und vollumfänglich an-
erkannt. Diese Kooperation ist gestützt auf Art. 6 SVKG mit einer Sanktionsreduktion in der 
Höhe von 25 Prozent zu berücksichtigen.  

Bezzola Denoth 

181.  Wie oben unter Verfahrensgeschichte (Rz 8 ff.) ersichtlich, reichte Bezzola Denoth am 
9. November 2012 eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie 
Art. 8 ff. SVKG in Bezug auf das Verfahren „22-0433: Bauleistungen Unterengadin“ ein. Bez-
zola Denoth reichte zudem zahlreiche Ergänzungen zu ihrer Selbstanzeige ein, insbesondere 
die Eingaben vom 4. Dezember 2012 und vom 1. Februar 2013, welche auch das vorliegende 
Bauobjekt in […] betreffen.  

182.  Bezzola Denoth zeigte kurz nach Untersuchungseröffnung das vorliegende [Bauprojekt 
1] als Wettbewerbsverstoss an. Sie reichte zudem entscheidende Beweismittel (E-Mail Ver-

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

29 

 
 
 
 
kehr mit Implenia und Lazzarini im […]) ein und kooperierte auch insgesamt mit der Wettbe-
werbsbehörde. Bezzola Denoth zeigte somit als zeitlich erstes Unternehmen seine Beteiligung 
am Wettbewerbsverstoss an, legte in der Untersuchung 22-0433/22-04qq Engadin Q zudem 
unverzüglich und mit deutlichem Abstand als erstes Unternehmen Beweismittel vor, welche es 
der Wettbewerbsbehörde ermöglichten, den Wettbewerbsverstoss festzustellen.  

183.  Gemäss Art. 8 Abs. 2 Bst. a SVKG erlässt die WEKO die Sanktion nur, wenn das Unter-
nehmen kein anderes Unternehmen zur Teilnahme an dem Wettbewerbsverstoss gezwungen 
hat  und  weder  eine  anstiftende  noch  eine  führende  Rolle  im  betreffenden  Wettbewerbs-
verstoss ausgeübt hat. Es liegen im vorliegenden Fall keine Hinweise vor, dass Bezzola De-
noth  Implenia  und  Lazzarini  zur  Teilnahme  am  Wettbewerbsverstoss  gezwungen  oder  eine 
anstiftende oder führende Rolle im betreffenden Wettbewerbsverstoss ausgeübt hätte.129 So-
mit kann die Sanktion gegenüber Bezzola Denoth erlassen werden.  

C.4.2.2.4  Verhältnismässigkeitsprüfung 

184.  Schliesslich muss eine Sanktion als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes für 
die betroffenen Unternehmen finanziell tragbar sein.130 Dies ist vorliegend betreffend Bezzola 
Denoth, Implenia und Lazzarini zu bejahen. Anzeichen, dass Bezzola Denoth, Implenia und 
Lazzarini durch die oben genannten Sanktionsbeträge in ihrer Wettbewerbs- oder Existenzfä-
higkeit bedroht würden, bestehen keine. Im Übrigen wird die Verletzung des Verhältnismäs-
sigkeitsgrundsatzes von Bezzola Denoth, Implenia und Lazzarini auch nicht geltend gemacht.  

C.4.2.3 

Ergebnis 

185.  Aufgrund der genannten Erwägungen und unter Würdigung aller Umstände erachtet die 
Wettbewerbsbehörde eine Verwaltungssanktion in folgender Höhe als dem Verstoss der Par-
teien angemessen:  

 

 

 

Bezzola Denoth: 

CHF 0 

Implenia:  

Lazzarini:  

CHF [50’000-150’000] 

CHF [50’000-150’000] 

D 

Kosten  

186.  Nach Art. 2 Abs. 1 GebV-KG131 ist gebührenpflichtig, wer ein Verwaltungsverfahren ver-
ursacht hat.  

187.  Im Untersuchungsverfahren nach Art. 27 ff. KG besteht eine Gebührenpflicht, wenn auf-
grund der Sachverhaltsfeststellung eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vorliegt oder 
wenn sich die Parteien unterziehen. Vorliegend ist daher eine Gebührenpflicht der Verfügungs-
adressatinnen zu bejahen. 

129  Beispiel,  in  dem  ein  Unternehmen  zur  Teilnahme  an  einem  Wettbewerbsverstoss  gezwungen 
wurde: RPW 2009/2, 156 Rz 90 f., Felco/Landi. In diesem Fall übte Felco Druck auf Landi aus, damit 
diese die Preise erhöhen würde. Landi hatte nicht die Absicht, die Preise zu erhöhen, stimmte der 
Preiserhöhung jedoch zu, um weitere Produkte der Felco in ihrer Produktpalette behalten zu kön-
nen. 

130  Siehe ausführlicher dazu RPW 2009/3, 218 Rz 150, Elektroinstallationsbetriebe Bern m.w.H. 
131  Verordnung vom 25.2.1998 über die Gebühren zum Kartellgesetz (Gebührenverordnung KG, GebV-

KG; SR 251.2). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

30 

 
 
 
 
 
 
 
                                                
188.  Ist wie im vorliegenden Fall die Aufdeckung und Abklärung einer horizontalen Wettbe-
werbsabrede Gegenstand eines Verfahrens, so gelten grundsätzlich alle an der Abrede Betei-
ligten gemeinsam und in gleichem Masse als Verursacher des entsprechenden Verwaltungs-
verfahrens. Dementsprechend gestaltet sich die bisherige Praxis der Wettbewerbsbehörden, 
gemäss welcher – in Ermangelung besonderer Umstände, die das Ergebnis als stossend er-
scheinen liessen – eine Pro-Kopf-Verlegung der Kosten vorgenommen wurde. Insbesondere 
Gleichheits-,  aber  auch  Praktikabilitätserwägungen,  stehen  dabei  im  Vordergrund.132  Auch 
vorliegend werden die Gebühren den Parteien zu gleichen Teilen auferlegt (vgl. Art. 1a GebV-
KG i.V.m. Art. 2 Abs. 2 AllgGebV133). 

189.  Nach Art. 4 Abs. 2 GebV-KG gilt ein Stundenansatz von CHF 100 bis 400. Dieser richtet 
sich namentlich nach der Dringlichkeit des Geschäfts und der Funktionsstufe des ausführen-
den Personals. Auslagen für Porti sowie Telefon- und Kopierkosten sind in den Gebühren ein-
geschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG). Gestützt auf die Funktionsstufe der mit dem Fall be-
trauten Mitarbeiter rechtfertigt sich ein Stundenansatz von CHF 130 bis CHF 290. 

190.  Die vorliegende Untersuchung wurde mit Verfügung vom 23. November 2015 von der 
Untersuchung 22-0433: Bauleistungen Graubünden getrennt. Vom aus der Untersuchung 22-
0433: Bauleistungen Graubünden bis dahin entstandenen Verfahrensaufwand wird ein Anteil 
von CHF 20‘000 dem vorliegenden Verfahren zugerechnet. Es wurden vor der Verfahrenstren-
nung mehrere Ermittlungshandlungen (insbesondere Einvernahmen) auch in Bezug auf das 
vorliegende Bauprojekt durchgeführt. Zusätzlich entfallen auf das vorliegende Verfahren fol-
gende  Gebühren,  die  auf  der  Grundlage  der  nach  der  Verfahrenstrennung  aufgewendeten 
Stunden zu berechnen sind : 

- 

- 

53.30 Stunden zu CHF 200, ergebend CHF 10‘660 

10.75 Stunden zu CHF 290, ergebend CHF 3‘117.50 

191.  Demnach beläuft sich die Gebühr insgesamt auf CHF 33‘777. 

192.  Die Bezzola Denoth, Implenia und Lazzarini zu gleichen Teilen auferlegten Verfahrens-
kosten betragen je Unternehmen CHF 11‘259. 

132  RPW 2009/3, 221 Rz 174, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
133  Allgemeine Gebührenverordnung vom 8.9.2004 (AllgGebV; SR 172.041.1). 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

31 

 
 
 
 
 
 
                                                
E 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die Wettbewerbs-
kommission (Art. 30 Abs. 1 KG): 

1. 

Der Bezzola Denoth AG, der Implenia Schweiz AG und der Lazzarini AG wird untersagt: 

1.1 

1.2 

Konkurrenten im Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleis-
tungen um Schutz, Stützofferten oder den Verzicht auf eine Offerteingabe anzu-
fragen oder derartiges anzubieten; 

sich in Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen mit 
Konkurrenten  vor  Ablauf  der Offerteingabefrist  – oder,  sofern  nicht  vorhanden, 
vor rechtskräftiger Auftragserteilung – über Offertpreise, Preiselemente sowie die 
Zu- und Aufteilung von Kunden und Gebieten auszutauschen; davon ausgenom-
men ist der Austausch unabdingbarer Informationen im Zusammenhang mit 

a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften (ARGE) sowie  

b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer. 

2.  Mit Sanktionen nach Art. 49a Abs. 1 KG wegen Beteiligung an der gemäss Art. 5 Abs. 3 
i.V.m.  Abs. 1  KG  unzulässigen  Wettbewerbsabrede  mit  folgenden  Beträgen  belastet 
werden: 

2.1 

2.2 

2.3 

Bezzola Denoth AG mit einem Betrag von CHF 0. 

Implenia Schweiz AG mit einem Betrag von CHF [50’000-150’000]. 

Lazzarini AG mit einem Betrag von CHF [50’000-150’000]. 

3. 

Die Verfahrenskosten betragen CHF 33‘777 und werden folgendermassen auferlegt: 

3.1 

3.2 

3.3 

Die Bezzola Denoth AG trägt CHF 11‘259.  

Die Implenia Schweiz AG trägt CHF 11‘259. 

Die Lazzarini AG trägt CHF 11‘259. 

4. 

Die Verfügung ist zu eröffnen an: 

-  Bezzola Denoth AG, Fonds 235, 7550 Scuol 

vertreten durch RA Dr. Gerald Brei, Eversheds Sutherland AG, Stadelhoferstrasse 
22, 8001 Zürich; 

- 

Implenia Schweiz AG, Industriestrasse 24, 8305 Dietlikon 
vertreten durch RA Dr. Marcel Meinhardt, RA Dr. Frank Bremer und RA Anna Ka-
tharina Burri, Lenz & Staehelin, Brandschenkestrasse 24, 8027 Zürich; 

-  Lazzarini AG, Cho d’Punt 11, 7503 Samedan 

vertreten durch RA Andreas Amstutz, Amstutz Greuter Rechtsanwälte, Hallerstrasse 
6, Postfach 5122, 3001 Bern. 

Wettbewerbskommission 

Prof. Dr. Vincent Martenet 
Präsident 

Dr. Rafael Corazza  
Direktor 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

32 

 
 
 
 
 
 
Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen  diese  Verfügung kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung beim  Bundesverwaltungsge-
richt, Postfach, 9023 St. Gallen, Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerdeschrift hat die 
Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. 
Die angefochtene Verfügung und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende 
Partei in Händen hat, beizulegen. 

22-00040/COO.2101.111.7.247709  

33