# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b970637-19e8-5cce-b1a8-9544694c50ef
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-16
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 16.02.2024 IV 2023/66
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2023-66_2024-02-16.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2023/66

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 12.03.2024

Entscheiddatum: 16.02.2024

Entscheid Versicherungsgericht, 16.02.2024
Art. 16 und 44 ATSG, Art. 28, 28a und 29 IVG. Beweiskraft eines im 
Administrativverfahren eingeholten Gutachtens (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Februar 2024, IV 
2023/66).

Entscheid vom 16. Februar 2024

Besetzung

Versicherungsrichterinnen Michaela Machleidt Lehmann (Vorsitz), Mirjam Angehrn und 

Tanja Petrik-Haltiner; Gerichtsschreiberin Felicia Sterren

Geschäftsnr.

IV 2023/66

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

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Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ leidet an einer beidseitigen hochgradigen Hörbehinderung 

(Geburtsgebrechen). Der gelernte […] und diplomierte […] meldete sich nach einer 

Weiterbildung zum Z.___ (1992-1995) im April 1997 bei der Invalidenversicherung an 

und beantragte Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung als Z.___ (IV-act. 27 und 32). 

Nach berufsberaterischen Abklärungen (IV-act. 42) schloss die IV-Stelle das Verfahren 

am 25. Juni 1998 ab (IV-act. 43; vgl. auch IV-act. 45).

A.a. 

Im März 2004 meldete der Versicherte sich erneut für eine Arbeitsvermittlung bei 

der IV-Stelle an (IV-act. 60). Der behandelnde Facharzt attestierte ihm am 6. April 2004 

für die Tätigkeit als Z.___ eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von rund 80 %. In 

einer dem Leiden angepassten Tätigkeit erachtete er ein volles Arbeitspensum als 

möglich (IV-act. 68-6). Nach verschiedenen Abklärungen (IV-act. 77 ff., siehe 

insbesondere IV-act. 94 und 98) erteilte die IV-Stelle dem Versicherten am 26. Mai 

2006 eine Kostengutsprache für eine Umschulung zum Polymechaniker (IV-act. 106). 

2008 schloss der Versicherte die Polymechanikerlehre erfolgreich ab (vgl. IV-act. 127). 

Mit Verfügung vom 19. Januar 2010 schloss die IV-Stelle das Verfahren ab (IV-

act. 141).

A.b. 

Im Januar 2011 meldete der Versicherte sich erneut zum Leistungsbezug an (IV-

act. 157; vgl. auch Bericht des Psychiatriezentrums B.___ vom 4. Januar 2011, mit 

welchem dem Versicherten neu eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) und ein 

Verdacht auf Persönlichkeitszüge mit selbstunsicheren, dependenten und paranoiden 

Anteilen (Z73.1) attestiert wurden, IV-act. 159-2). Am 15. Februar 2011 berichtete der 

behandelnde Oberarzt des Psychiatriezentrums B.___, der Versicherte versuche nun, 

die Tätigkeit als Polymechaniker mit finanzieller Unterstützung des RAV in Angriff zu 

nehmen. Aktuell präsentiere er sich 100 % arbeitsfähig, wobei aufgrund der 

Persönlichkeitszüge davon auszugehen sei, dass es bei neuen beruflichen 

Massnahmen wiederum zu Schwierigkeiten kommen könne (IV-act. 170).

A.c. 

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Mit Mitteilung vom 18. Mai 2011 übernahm die IV-Stelle Kosten von Fr. 16'000.-- 

für eine Schulung vom 1. April bis 30. Juni 2011 (IV-act. 188), weil der Versicherte unter 

der Voraussetzung der Absolvierung dieser Schulung per April 2011 eine unbefristete 

Anstellung als CAD-Konstrukteur/Polymechaniker bei der C.___ AG antreten konnte 

(vgl. IV-act. 183-4 und 201-1). Am 16. September 2011 sprach die IV-Stelle dem 

Versicherten vom 1. Juni bis 31. August 2011 einen Einarbeitungszuschuss von 

insgesamt Fr. 6'000.-- zu (IV-act. 200). Am 7. Oktober 2011 teilte sie ihm mit, die 

beruflichen Massnahmen seien ohne Rentenanspruch erfolgreich abgeschlossen (IV-

act. 206).

A.d. 

Nach einem Konflikt mit dem Vorgesetzten und einer Arbeitsabwesenheit wurde 

dem Versicherten seine Anstellung bei der C.___ AG am 2. September 2015 fristlos 

gekündigt (vgl. IV-act. 225 und 228). Im Februar 2016 meldete er sich erneut zum 

Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 226). Seitens der 

Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums B.___ wurden ihm am 26. Februar 2016 eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, und 

Anpassungsprobleme bei Veränderung der Lebensumstände attestiert (IV-act. 225). Mit 

Verfügung vom 13. Juni 2016 trat die IV-Stelle auf die Wiederanmeldung mangels 

glaubhaft gemachter wesentlicher Sachverhaltsänderung nicht ein (IV-act. 246).

A.e. 

Nachdem die Schwerhörigkeit des Versicherten mit Hörgeräten nicht mehr 

ausreichend versorgt werden konnte (vgl. IV-act. 251-5) erteilte die IV-Stelle ihm mit 

Mitteilung vom 11. Juni 2018 eine Kostengutsprache für eine Hörhilfe mit implantierter 

Komponente rechts (Cochlea Implantation; IV-act. 256).

A.f. 

Am 2. November 2020 meldete der Versicherte sich wegen Schlafstörungen, 

Kopfschmerzen und psychischen Problemen erneut zum Leistungsbezug an. Da die 

Tätigkeit als (CAD-)Konstrukteur hohe Anforderungen an die Kommunikation stelle, sei 

sie angesichts seiner an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit für ihn nicht geeignet. 

Als Polymechaniker habe er nie gearbeitet. Seit der Entlassung im Jahr 2015 habe er 

keine Arbeit mehr gefunden. Wegen der mühsamen Arbeitssuche und der finanziellen 

Einschränkungen habe er inzwischen so grosse psychische Probleme, dass er kaum 

mehr belastbar sei. An ein Arbeiten in der freien Wirtschaft sei nicht mehr zu denken 

(IV-act. 270 f.).

A.g. 

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Mit Bericht vom 19. November 2020 diagnostizierten Dr. med. D.___, Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie, und E.___, Psychologin, Klinik F.___, eine andauernde 

Persönlichkeitsänderung nach jahrelanger Schwerhörigkeit (F92.9) und eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit 

somatischen Symptomen (F33.11). Dem Versicherten könne keine Arbeitsfähigkeit auf 

dem freien Arbeitsmarkt attestiert werden, weshalb eine berufliche Eingliederung im 

geschützten Rahmen medizinisch notwendig sei (IV-act. 273).

A.h. 

Am 18. April 2021 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für ein 

Belastbarkeitstraining bei der G.___ vom 15. Februar bis 15. Mai 2021 (IV-act. 295). Mit 

Schlussbericht vom 31. Mai 2021 hielt die G.___ fest, die Leistungsfähigkeit des 

Versicherten werde auf 30 bis 50 % geschätzt, wobei er jeweils an vier Tagen pro 

Woche gearbeitet habe. Ein weiterer Aufbau bzw. eine Stabilisierung des 50%-

Pensums werde grundsätzlich als realistisch angesehen, auch auf dem freien 

Arbeitsmarkt. Zentral sei jedoch ein wohlwollendes und verständnisvolles Umfeld und 

eine seinen Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit, welche Abwechslung enthalte (vgl. IV-

act. 302-2).

A.i. 

Der Eingliederungsverantwortliche hielt am 22. April 2021 fest, der Versicherte sehe 

für sich keine berufliche Perspektive. Die Erwartungen an eine Arbeitsstelle seien 

derart, dass sie nicht zu erfüllen seien (IV-act. 315-6). Mit Eintrag vom 2. Dezember 

2021 führte er aus, der Versicherte erkläre, dass er seine Zuversicht verloren habe. Er 

habe schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Er erachte es als nicht realistisch, 

sich erfolgreich im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Deshalb werde der Abschluss 

der beruflichen Integration vereinbart (IV-act. 315-8). Mit Mitteilung vom 6. Dezember 

2021 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab (IV-act. 317).

A.j. 

Mit Stellungnahme vom 11. Mai 2022 führte der RAD-Arzt H.___ aus, eine 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anhand der Akten erscheine schwierig, da die 

langjährige Hörbehinderung mit der psychischen Problematik in enger Verbindung 

stehe. Daher solle eine Konsens-Beurteilung aus HNO-ärztlicher und psychiatrischer 

Sicht angestrebt werden (IV-act. 340-3).

A.k. 

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B.  

Am 17. Mai bzw. 9. August 2022 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie 

zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Untersuchung 

(HNO/Psychiatrie) als notwendig erachte und mit der Begutachtung die estimed AG, 

Dr. med. I.___, Fachärztin für Oto-Rhino-Laryngologie (ORL), sowie med. pract. J.___, 

Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, beauftragt worden sei (IV-act. 338 f. 

und 349).

A.l. 

Mit Gutachten vom 19. September 2022 stellten die estimed-Gutachterinnen 

folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine an Taubheit 

grenzende Schwerhörigkeit (H90.3). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien 

namentlich eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61) und eine sonstige Reaktion 

auf schwere Belastung (Posttraumatische Verbitterungsstörung; F43.8; IV-act. 355-37). 

In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als CAD-Konstrukteur, welche eine Kommunikation 

mit Mitarbeitern, Vorgesetzten und Lieferanten erfordert habe, bestehe eine 20%ige 

Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten Tätigkeit (strukturierte klare Abläufe in ruhiger 

Umgebung, keine kommunikativen Anforderungen, Möglichkeit der Erteilung 

schriftlicher Anweisungen) sei der Versicherte 100 % arbeitsfähig (IV-act. 355-41 und 

355-73).

A.m. 

Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 360 ff.) wies die IV-Stelle das 

Rentenbegehren mit Verfügung vom 13. März 2023 ab. Für das Valideneinkommen sei 

auf das letzte regelmässige Einkommen als CAD-Konstrukteur abzustellen, zumal der 

Versicherte dreieinhalb Jahre als solcher angestellt gewesen sei. Für das 

Invalideneinkommen werde auf die vom Bundesamt für Statistik periodisch 

herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen abgestellt. Aus dem Einkommensvergleich 

ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 0 %. Selbst wenn das Einkommen als 

Polymechaniker herangezogen würde, wäre kein relevanter Invaliditätsgrad 

ausgewiesen (IV-act. 370).

A.n. 

Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 11. April 2023 (Datum 

Postaufgabe). Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss die Zusprache einer 

Invalidenrente, indem er den Antrag stellt, für den Einkommensvergleich sei auf eine 

Tätigkeit auf Hilfsarbeiter-Niveau mit einem 50%-Pensum abzustellen, was einem 

B.a. 

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Invaliditätsgrad von mindestens 50 % ergebe. Zur Begründung führt er aus, das 

psychiatrische estimed-Teilgutachten weise so viele Widersprüche und 

Ungereimtheiten auf, dass es gesamthaft unglaubwürdig sei (act. G1; siehe zur 

detaillierten Begründung E. 3 nachfolgend).

Mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2023 beantragt die Beschwerdegegnerin die 

Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, die Gutachterin habe 

Kenntnis von der Einschätzung der behandelnden Fachpersonen der Klinik F.___ 

(Bericht vom 19. November 2020 und 23. März 2022) gehabt. Sie habe, wenn auch nur 

implizit, nachvollziehbar dargelegt, weshalb sie zu anderen Ergebnissen gelangt sei 

und den von ihr gestellten Diagnosen keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

beimesse. Von der Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstörung könne nicht auf 

eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit geschlossen werden. Das psychiatrische 

Teilgutachten erfülle die Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten und die Kritik 

daran erweise sich als unbegründet. Demgegenüber sei die Beurteilung der 

behandelnden Fachperson der Klinik F.___ ohne jede erkennbare objektive Konsistenz- 

und Ressourcenprüfung erfolgt und es fehle ihnen auch an einer kritischen Würdigung 

der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers. Die entsprechenden Berichte der 

behandelnden Fachpersonen würden daher keine Zweifel am Beweiswert des 

psychiatrischen Teilgutachtens erwecken. Vor diesem Hintergrund seien auch die vom 

Beschwerdeführer erhobenen Einwände nicht geeignet, dessen Beweiswert zu 

erschüttern. Auch das ORL-Teilgutachten erfülle die Anforderungen an ein 

beweiskräftiges Gutachten. Auf das estimed-Gutachten könne folglich abgestellt 

werden. In der zuletzt ausgeübten qualifizierten Tätigkeit als CAD-Konstrukteur/

Polymechaniker sei der Beschwerdeführer demnach zu 80 % arbeitsfähig. Ein 

Invaliditätsgrad von 20 % sei nicht rentenbegründend. Bei diesem Ergebnis könne 

offenbleiben, ob dem Beschwerdeführer die Aufnahme einer adaptierten Tätigkeit als 

Hilfsarbeiter zumutbar wäre (act. G3).

B.b. 

Am 23. Mai 2023 bewilligt die Versicherungsrichterin dem Beschwerdeführer die 

unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das Verfahren vor 

Versicherungsgericht (act. G4).

B.c. 

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Erwägungen

1.  

Mit Replik vom 11. Juni 2023 führt der Beschwerdeführer aus, die psychiatrische 

Gutachterin habe während des Gesprächs nicht auf die Vorgeschichte eingehen wollen 

(Beweis: Tonaufnahme), obwohl in den IV-Akten keine Informationen über die massiven 

Probleme bei seiner letzten Arbeitsstelle vorhanden seien. Seine Hörschädigung und 

die daraus folgenden psychischen Leiden hätten zu erheblichen Einschränkungen und 

Schwierigkeiten geführt, weshalb eine Tätigkeit als CAD-Konstrukteur nicht mehr 

möglich sei. Aufgrund der vorliegenden Fakten sei für den Einkommensvergleich eine 

dem Leiden angepasste Tätigkeit auf Hilfsarbeiter-Niveau mit einem 50%-Pensum zu 

verwenden, was einen Invaliditätsgrad von mindestens 50 % ergebe (act. G6).

B.d. 

Am 16. Juni 2023 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (act. G8).B.e. 

Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung 

(IVG; SR 831.20) in Kraft (Weiterentwicklung der IV [WEIV]; Änderung vom 19. Juni 

2020, AS 2021 705, BBl 2017 2535). Entsprechend den allgemeinen 

intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis 

zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem 

Zeitpunkt ein Rentenanspruch entstanden ist. Trifft dies zu, so erfolgt ein allfälliger 

Wechsel zum neuen stufenlosen Rentensystem je nach Alter der Rentenbezügerin oder 

des -bezügers gemäss lit. b und c der Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung 

vom 19. Juni 2020. Gemäss lit. b Abs. 1 bleibt für Rentenbezügerinnen und -bezüger, 

deren Rentenanspruch vor Inkrafttreten dieser Änderung entstanden ist und die bei 

Inkrafttreten der Änderung zwar das 30., aber noch nicht das 55. Altersjahr vollendet 

haben, der bisherige Rentenanspruch solange bestehen, bis sich der Invaliditätsgrad 

nach Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ändert (Urteil des Bundesgerichts vom 

5. Juni 2023, 9C_540/2022, E. 3.1). Ist ein Rentenanspruch (erstmals) nach dem 

31. Dezember 2021 entstanden, finden die Bestimmungen des IVG und diejenigen der 

Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in der ab 1. Januar 2022 

gültigen Fassung Anwendung (vgl. Kreisschreiben des Bundesamtes für 

Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung 

[KSIR], Rz. 9100 ff.).

1.1. 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_540%2F2022&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210

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2.  

Vorliegend meldete der Beschwerdeführer sich am 2. November 2020 erneut zum 

Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an, weshalb ein allfälliger 

Rentenanspruch frühestens ab 1. Mai 2021 entstehen konnte (zur sechsmonatigen 

Karenzfrist siehe Art. 29 Abs. 1 IVG). Der geltend gemachte Rentenanspruch wäre in 

diesem Fall noch unter dem bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenem Recht 

entstanden. Nach den allgemeinen intertemporalen Grundsätzen (vgl. E. 1.1 

vorstehend) ist die Angelegenheit somit grundsätzlich noch nach den bis 31. Dezember 

2021 gültig gewesenen materiellen Bestimmungen zu beurteilen (vgl. BGE 132 V 215 

E. 3.1.1 mit Hinweisen). Nachfolgend werden sie in dieser Fassung zitiert.

1.2. 

Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 

Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind 

ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht 

überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

2.1. 

Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die 

versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % 

besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

2.2. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

2.3. 

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3.  

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 und 125 V 261 E. 4).

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht 

für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die 

geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in 

der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen 

des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).

2.4. 

Auf von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholte, den 

Anforderungen der Rechtsprechung entsprechende Gutachten externer Spezialärzte 

(sogenannte Administrativgutachten) ist abzustellen, solange nicht konkrete Indizien 

gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 466 

E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2022, 8C_84/2022, E. 2.2).

2.5. 

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es einer 

Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre 

auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten 

aussagen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2021, 9C_683/2020, E. 5.1.2 

mit Hinweisen). Dabei handelt es sich um eine Richtlinie, die als solche mit dem 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) vereinbar ist.

2.6. 

Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Das Gericht hat seinen 

Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit 

eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht 

hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen 

Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 138 V 218 mit 

Hinweisen).

2.7. 

Die angefochtene Verfügung stützt sich für die Arbeitsfähigkeitsschätzung auf das 

estimed-Gutachten. Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, das 

psychiatrische estimed-Gutachten erfülle die Beweisanforderungen nicht, indem es 

widersprüchlich und gesamthaft nicht glaubwürdig sei, sodass nicht darauf abgestellt 

werden könne. Seine Kritik wird nachfolgend dargelegt und geprüft.

3.1. 

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 3.2. 

Der Beschwerdeführer macht geltend, entgegen der Aussage der 

psychiatrischen Gutachterin – welche festhielt, der Beschwerdeführer habe im 

Gespräch keine Mühe gehabt, die gestellten Fragen zu beantworten und auch 

nachgefragt, wenn er etwas nicht verstanden habe (IV-act. 355-95) – habe er in 

Wirklichkeit mehrmals nachfragen müssen und es habe Missverständnisse gegeben. 

Die Gutachterin habe genervt reagiert. Im Gutachten werde bestätigt, dass es keine 

Sinnestäuschungen gebe.

3.2.1. 

Indem die psychiatrische Gutachterin beschrieb, der Beschwerdeführer habe 

nachgefragt, wenn er etwas nicht verstanden habe, stimmt die Beschreibung im 

Gutachten mit der Wahrnehmung des Beschwerdeführers, dass er habe nachfragen 

müssen, überein. Ob die Gutachterin, wie der Beschwerdeführer ausführt, genervt 

reagiert habe, kann offenbleiben, zumal der Beschwerdeführer nicht dartut, dass ihm 

dadurch verunmöglicht wurde, bei Bedarf nachzufragen oder Missverständnisse zu 

klären. Inwiefern Missverständnisse entstanden sein sollen, legt der Beschwerdeführer 

nicht dar. Insbesondere führt er nicht aus, welche Feststellungen der Gutachterin 

unzutreffend sein sollten oder weshalb die von ihm geltend gemachten 

Missverständnisse die Ergebnisse der psychiatrischen Begutachtung verfälscht haben 

sollten.

3.2.2. 

Soweit der Beschwerdeführer mit diesen Ausführungen dartun will, dass die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung der psychiatrischen Gutachterin unzutreffend sei, kann ihm 

nicht gefolgt werden. Denn für die Beurteilung der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

durch seine Schwerhörigkeit ist die ORL-Gutachterin zuständig. Diese hielt fest, eine 

Kommunikation ohne Lippenablesen sei nicht möglich gewesen (IV-act. 355-63). Der 

Beschwerdeführer müsse bei der alltäglichen Kommunikation die nicht verstandenen 

Satzinformationen für sich aus dem Zusammenhang ergänzen, was eine hohe 

Konzentration erfordere (wobei das Lippenlesen das Sprachverstehen unterstütze, 

jedoch ebenfalls mit einer höheren kognitiven Anstrengung verbunden sei) und eine 

rasche Ermüdung zur Folge habe (IV-act. 355-70). Zur zumutbaren Erwerbstätigkeit 

führte die ORL-Gutachterin aus, da telefonische Besprechungen nicht zuverlässig 

durchgeführt werden könnten, müssten komplexe Inhalte schriftlich mitgeteilt werden. 

Dieser erhöhte Aufwand bei der Kommunikation führe zu einer Reduktion der Leistung 

um maximal 20 % (IV-act. 355-72). Diese Einschätzung floss in die Konsensbeurteilung 

ein (vgl. IV-act. 355-41). Die Auswirkungen der Schwerhörigkeit und die Tatsache, dass 

3.2.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 11/21

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dem Beschwerdeführer die mündliche Kommunikation erschwert ist, wurden somit bei 

der Arbeitsfähigkeitsschätzung, berücksichtigt.

Anzufügen ist, dass der Beschwerdeführer gemäss der Aktenlage auch schon 

bei anderen Anlässen das Gefühl hatte, dass Missverständnisse entstanden seien oder 

nicht alle Informationen ausgetauscht worden seien (vgl. beispielhaft IV-act. 271 ["Mit 

meiner an Taubheit grenzenden Hörbehinderung war ich bei dieser Arbeit stark 

eingeschränkt. Fehlende, widersprüchliche oder gar falsche Informationen bereiteten 

mir so grosse Sorge, dass ich unter Gedankenkreisen, Kopfschmerzen und 

Schlafstörungen litt"] und IV-act. 315-3 [Er hält fest, dass die Probleme im 

Wesentlichen auf Informationsdefiziten beruhten und dass ihm diese Informationen 

hätten zugetragen werden müssen]), während seine Gegenüber dies offenbar nicht so 

wahrnahmen (vgl. beispielhaft IV-act. 101-1 ["Trotz der Hörbehinderung konnte er die 

Anweisungen aufnehmen und umsetzen"], IV-act. 150-4 ["Die Kommunikation ist gut 

möglich trotz Gehörlosigkeit"], IV-act. 190-1 und 191-1 [Die Integration des 

Beschwerdeführers laufe in allen Belangen auf sehr gutem Niveau; der Arbeitgeber sei 

zufrieden, der Beschwerdeführer arbeite hervorragend und sei genau], IV-act. 302-2 [Im 

Team war der Beschwerdeführer gut integriert. Gegen Ende des Belastbarkeitstrainings 

seien auch vermehrt Gespräche zwischen ihm und den Mitarbeitenden entstanden. Die 

Kommunikation sei mit Maske schwierig gewesen, das Gegenüber habe jeweils die 

Maske entfernen müssen, um das Lippenlesen zu ermöglichen. Dennoch sei der 

Beschwerdeführer auf andere Mitarbeitende zugegangen, um sich bei Bedarf 

Unterstützung zu holen] und IV-act. 315-7 [Notiz des Eingliederungsverantwortlichen 

zum Standortgespräch: der Beschwerdeführer habe eindrücklich geschildert, dass er 

als Hörbehinderter keine speziellen Anstrengungen unternehme, um sich zu 

informieren. Er vertrete die Meinung, dass er aufgrund seiner Behinderung ein 

spezielles Informationsbedürfnis habe. Er erachte es als selbstverständlich, dass auf 

seine Bedürfnisse spezielle Rücksicht genommen werden müsse]).

3.2.4. 

Auch anlässlich der psychiatrischen Begutachtung erachtete die Gutachterin die 

Verständigung als gut möglich (die sprachliche Verständigung sei gut möglich 

gewesen, wobei der Beschwerdeführer nicht gegen die Sonne gucken könne, da er 

dann erschwert von den Lippen lesen könne, IV-act. 355-97; die Hörbeeinträchtigung 

sei in der Untersuchung nicht als störend oder sonst auffällig beeinträchtigend 

wahrgenommen worden, IV-act. 355-105). Fremd- und Eigenwahrnehmung scheinen in 

diesem Bereich auseinanderzuklaffen.

3.2.5. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 12/21

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Was der Beschwerdeführer mit dem Satz, im Gutachten werde bestätigt, dass es 

keine Sinnestäuschungen gebe, darlegen möchte, wird nicht klar. Hinweise auf 

Sinnestäuschungen (wie etwa Wahrnehmungstäuschungen in Form von Halluzinationen 

oder Illusionen) ergeben sich aus den Akten nicht (vgl. hierzu auch den Bericht der 

Psychiatrie K.___ vom 2. April 2019, act. G1.2/3: "Hinweise auf Wahninhalte liegen 

nicht vor. Keine Hinweise für Zwänge, Sinnestäuschungen und Ich-Störungen"), sodass 

an der Richtigkeit dieser gutachterlichen Feststellung keine Zweifel geweckt werden.

3.2.6. 

 3.3. 

Der Beschwerdeführer führt weiter aus, er habe sich einige Wochen lang auf die 

Begutachtung vorbereiten können und seine Biografie schriftlich festgehalten. Dies sei 

nicht zu vergleichen mit Informationen aus dem Alltag und dem Berufsleben. 

Besonders mündliche Informationen könne er nur schwer im Gedächtnis speichern und 

wiedergeben. Er macht damit implizit geltend, die psychiatrische Begutachtung sei 

insofern unzutreffend oder irreführend, als die Gutachterin seine Konzentration und 

Aufmerksamkeit überschätzt habe (vgl. act. G1).

3.3.1. 

Die psychiatrische Gutachterin hielt fest, der Beschwerdeführer sei in allen 

Qualitäten voll orientiert. Er habe personenbezogene Daten ohne Schwierigkeiten 

genannt. Die Aufmerksamkeit habe während des Gesprächs gut aufrechterhalten 

werden können. Auch hätten sich keine Einschränkungen der Konzentration gezeigt 

und es hätten sich keine Hinweise auf Gedächtnisstörungen ergeben. So hätten die 

Ereignisse und biografischen Erlebnisse/Eckpunkte sowohl in Daten als auch in 

anderer Hinsicht kohärent, rasch und sicher wiedergegeben werden können. Das 

Gedächtnis sei subjektiv reduziert, was sich in der Untersuchung so nicht bestätige (IV-

act. 355-97). Sie äusserte sich damit umfassend dazu, wie sie den Beschwerdeführer 

in der Begutachtungssituation wahrnahm. Die psychiatrische Exploration kann von der 

Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet der psychiatrischen 

Gutachtensperson daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen 

verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu 

respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des 

Bundesgerichts vom 28. Juni 2023, 8C_13/2023, E. 4.3). Dies ist vorliegend der Fall. 

Die Einschätzung der Gutachterin vermag auch deshalb zu überzeugen, weil bereits 

anlässlich des Belastungstrainings bei der G.___ (Februar bis Mai 2021) festgehalten 

wurde, der Beschwerdeführer habe oft angegeben, dass seine Konzentrationsfähigkeit 

und Leistungsfähigkeit gegen Mittag und nach mehreren Arbeitstagen sinke. Dies sei 

vom Beschwerdeführer stärker wahrgenommen worden, als es von aussen 

3.3.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/21

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beobachtbar gewesen sei. Seine allgemeine, konstant hohe Arbeitsqualität sei nicht 

tangiert gewesen, ihm seien keine Fehler unterlaufen und das Arbeitstempo sei gut 

gewesen (IV-act. 302-1). Insofern überzeugt das psychiatrische Teilgutachten, in 

welchem ebenfalls auf die Angaben der G.___ hingewiesen wurde (IV-act. 355-105). 

Demnach konnte psychiatrisch keine Einschränkung der Konzentration oder 

Aufmerksamkeit, welche sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde, 

festgestellt werden. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer 

sich auf die estimed-Begutachtung vorbereiten konnte und seine biografischen 

Eckdaten offenbar schriftlich vorliegen hatte. Dass die Kommunikation für den 

Beschwerdeführer mit einer gewissen Anstrengung verbunden ist, wurde von der ORL-

Gutachterin und im Konsens berücksichtigt (vgl. hierzu E. 3.2.3 vorstehend).

 3.4. 

Der Beschwerdeführer ficht zu Recht nicht an, dass zwischen der subjektiven 

Wahrnehmung seiner Einschränkungen und der objektiv wahrgenommenen Befunden 

eine Diskrepanz besteht (vgl. hierzu IV-act. 355-105).

3.4.1. 

Der Beschwerdeführer kritisiert, die Diagnosen der kombinierten 

Persönlichkeitsstörung und posttraumatischen Verbitterungsstörung würden gemäss 

Gutachten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben, im Gutachten würde aber 

auch stehen, dass Persönlichkeitsstörungen tief verwurzelte, anhaltende 

Verhaltensmuster seien und häufig mit persönlichem Leiden und gestörter sozialer 

Funktions- und Leistungsfähigkeit einhergehen würden. Weiter stehe im Gutachten, 

dass die Heilungschancen angesichts des prolongierten, langjährigen Verlaufs und der 

Rigidität des Exploranden sehr zurückhaltend zu betrachten seien. Damit stehe die 

attestierte Arbeitsfähigkeit in Widerspruch zur Diagnose (act. G1). Er greift damit eine 

Argumentation der Behandler der Klinik F.___ (IV-act. 371) auf.

3.4.2. 

Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt 

zunächst eine auf objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte 

Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 

141 V 281 E. 3.2 mit Hinweisen). Aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht ist jedoch 

letztlich nicht die Diagnose bzw. die Schwere der Erkrankung entscheidend, sondern 

lediglich deren objektiviert festgestellte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. 

Unabhängig von der klassifikatorischen Einordnung einer Krankheit resultiert aus einer 

Diagnose – mit oder ohne diagnoseinhärentem Bezug zum Schweregrad – allein keine 

verlässliche Aussage über das Ausmass der mit dem Gesundheitsschaden 

korrelierenden funktionellen Leistungseinbussen bei psychischen Störungen. Wie stark 

3.4.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/21

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die versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen 

Funktionsbereichen beeinträchtigt ist, ergibt sich aus dem funktionellen Schweregrad 

einer Störung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. Januar 2023, 8C_508/2022, 

E. 6.3, und BGE 148 V 49 E. 6.2.2, je mit Hinweisen).

Vorliegend wurden eine Persönlichkeits- und Verbitterungsstörung diagnostiziert. 

Nachdem diese Diagnosen fachärztlich gestellt worden sind, ist jedoch für das 

invalidenversicherungsrechtliche Verfahren nicht in erster Linie von Bedeutung, ob sie 

medizinisch schwer wiegen und ob die Gesundheitsbeeinträchtigung behandel- bzw. 

heilbar ist. Vielmehr ist hauptsächlich relevant, inwiefern sie sich auf die 

Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auswirken. Es stellt deshalb entgegen 

der Auffassung des Beschwerdeführers keinen Widerspruch dar, dass die 

psychiatrische Gutachterin die Diagnosen Persönlichkeits- und Verbitterungsstörung 

gestellt und die Heilungschancen als schlecht angesehen hat, aber dennoch eine 

Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit attestiert hat.

3.4.4. 

Die Diagnosen sind denn auch insofern einleuchtend, als bereits im Jahr 2011 

seitens des Psychiatriezentrums B.___ ein Verdacht auf Persönlichkeitszüge mit 

selbstunsicheren, dependenten und paranoiden Anteilen in den Akten vermerkt wurde 

(IV-act. 159-2). Auch die Behandler der Klinik F.___ hielten am 19. November 2020 fest, 

der Beschwerdeführer habe vordergründig eine depressive Symptomatik aufgewiesen, 

im Verlauf der Behandlung seien aber seine Persönlichkeitsdefizite und pathologischen 

Verhaltensmuster mit misstrauischer Haltung der Welt gegenüber, erheblichen 

Rückzugstendenzen, massiver Selbstwertproblematik und Unfähigkeit, die 

vertrauensvollen Beziehungen aufrecht zu erhalten immer deutlicher geworden (IV-

act. 273-1). Indem sie von einer Persönlichkeitsänderung ausgingen, beurteilten sie 

lediglich den gleichen Sachverhalt anders als die psychiatrische Gutachterin (vgl. hierzu 

E. 3.6.2 nachstehend). Wenn aber, wie die psychiatrische estimed-Gutachterin anführt, 

nicht eine Persönlichkeitsänderung, sondern eine Persönlichkeitsstörung vorliegt, so 

hat der Beschwerdeführer durch seine frühere berufliche Tätigkeit (u.a. als selbständig 

erwerbender Z.___ und CAD-Konstrukteur/Polymechaniker), welche er über Jahre 

hinweg ausübte, unter Beweis gestellt, dass er in psychiatrischer Hinsicht auch mit 

seinen Persönlichkeitsmerkmalen arbeitsfähig ist.

3.4.5. 

 3.5. 

Der Beschwerdeführer bemängelt, im psychiatrischen Teilgutachten werde 

behauptet, dass die depressive Stimmung eine Folge der Untätigkeit sei. In Wirklichkeit 

3.5.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/21

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würden die depressiven Phasen aber bei konfliktbelasteten Arbeitssituationen oder 

Problemen mit Behörden auftreten (act. G1).

Gemäss ICD-10-Definition verändert sich bei einer depressiven Episode die 

gedrückte Stimmung von Tag zu Tag wenig und reagiert nicht auf Lebensumstände 

(ICD-10, F32). Die Argumentation des Beschwerdeführers, wonach die depressiven 

Phasen bei konfliktbelasteten Situationen auftreten würden (act. G1) spricht damit 

gerade nicht dafür, dass bei ihm depressive Episoden aufgetreten sind. Ebenfalls 

gegen eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende depressive Episode im Sinne der 

ICD-10-Definition sprechen die vom Beschwerdeführer angeführten Absenzen in den 

Jahren 2011 bis 2015 von jeweils zwei bis 22.5 Tagen (act. G1, S. 3; vgl. hierzu auch 

E. 3.6 nachstehend), denn damit eine depressive Stimmung IV-relevant sein kann, 

muss die Arbeitsfähigkeit in der Regel über einen längeren Zeitraum als lediglich einige 

Tage bzw. wenige Wochen beeinträchtigt sein.

3.5.2. 

Die psychiatrische Gutachterin leitete die posttraumatische Verbitterungsstörung 

ausführlich her und legte unter anderem dar, dass bei dieser die emotionale 

Grundstimmung dysphorisch aggressiv, depressiv getönt sei. Weiter führte sie aus, die 

Diagnosekriterien für eine depressive Episode seien vorliegend nicht erfüllt. Der 

Explorand zeige stattdessen eine ausgeprägte Dekonditionierung (kein regelmässiger 

Tagesrhythmus, eine Hypersomnie, kaum Aktivität, wenig Bewegung draussen, keine 

Pflege von sozialen Kontakten), die allerdings nicht Folge einer Depression sei. 

Vielmehr sei die zum Teil mitunter vorliegende depressive Stimmung eher Folge der 

Untätigkeit (IV-act. 355-108). Damit hat sich die Gutachterin differenziert geäussert und 

nachvollziehbar dargelegt, weshalb sie keine depressive Störung mit Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert hat.

3.5.3. 

 3.6. 

Der Beschwerdeführer bringt vor, es könne nicht stimmen, dass die von der 

psychiatrischen Gutachterin genannten Diagnosen bereits vor dem 7. Oktober 2011 

bestanden hätten. Denn er habe in den Jahren 2006 bis 2008 bzw. ab April 2011 die 

Umschulung zum Polymechaniker gemacht bzw. die Anstellung bei der C.___ AG 

angetreten, in deren Rahmen er erhebliche berufliche Kenntnisse erworben habe. Er sei 

also in diesem Zeitraum noch sehr anpassungsfähig und belastbar gewesen. Die vielen 

krankheitsbedingten Absenzen zwischen 2011 und 2015 sowie die schwere depressive 

Krise im Jahr 2013 würden doch belegen, dass die konfliktbelastete Arbeitssituation 

zur anhaltenden psychischen Erkrankung mit Persönlichkeitsänderung, kombinierter 

3.6.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/21

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Persönlichkeitsstörung und posttraumatischer Verbitterungsstörung geführt hätten 

(act. G1).

Der Beschwerdeführer verkennt in diesem Zusammenhang, dass die 

psychiatrische Gutachterin den im Wesentlichen gleichen medizinischen Sachverhalt 

anders beurteilte als seine Behandler (vgl. E. 3.4.4 vorstehend). Insbesondere lag 

gemäss der Gutachterin zwischen 2011 und 2015 keine psychiatrisch begründete 

längere Arbeitsunfähigkeit vor. Ein den Beweisanforderungen genügendes Gutachten, 

das im Verwaltungsverfahren eingeholt wurde, wird wegen einer unterschiedlichen 

Beurteilung der behandelnden Ärzte nicht in Frage gestellt, es sei denn, es würden 

objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht, die im Rahmen der Begutachtung 

unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu 

führen (Urteile des Bundesgerichts vom 17. Februar 2016, 9C_668/2015, E. 3 mit 

Hinweisen, vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen; vom 29. August 

2008, 9C_585/2008, E. 3). Das ist vorliegend nicht der Fall. Da die psychiatrische 

Gutachterin anders als die behandelnden Ärzte nicht von einer psychisch bedingten 

Arbeitsunfähigkeit ausgeht, ist es auch keine Unstimmigkeit, dass der 

Beschwerdeführer eine Umschulung machen bzw. eine neue Stelle antreten und in 

deren Rahmen berufliche Kenntnisse erwerben konnte. Vielmehr zeigt dies lediglich 

auf, dass der Beschwerdeführer trotz der attestierten Persönlichkeitsstörung in 

psychiatrischer Hinsicht arbeitsfähig war und ist. Unter dieser Prämisse leuchtet auch 

ein, dass die psychiatrische Gutachterin die Diagnose der Persönlichkeitsänderung 

nicht übernommen hat. Diese wäre lediglich zu stellen gewesen, wenn sich die 

Persönlichkeit des Beschwerdeführers tatsächlich in pathologisch relevanter Weise 

verändert hätte, nicht jedoch, wenn von einer seit Kindheit bzw. Jugend bestehenden 

Persönlichkeitsstörung ausgegangen wird, wie die Gutachterin dies vorliegend tut (vgl. 

IV-act. 355-103 und 355-106 ff.).

3.6.2. 

 3.7. 

Der Beschwerdeführer führt aus, die G.___ habe im Schlussbericht festgehalten, 

einen weiteren Aufbau / eine Stabilisierung des 50%-Pensums würde sie grundsätzlich 

als realistisch ansehen, auch im freien Arbeitsmarkt (siehe dazu IV-act. 302-2). Dabei 

habe es sich aber um Hilfsarbeit gehandelt. Deshalb gebe es keinen Beweis, dass er 

psychisch den Anforderungen des CAD-Konstrukteurs gewachsen sei. Die Gutachter 

scheinen keine Kenntnis von der Tätigkeit eines CAD-Konstrukteurs gehabt zu haben. 

Warum der eineinhalbstündigen psychiatrischen Begutachtung mehr Beachtung 

3.7.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/21

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geschenkt werde als der dreimonatigen IV-Integrationsmassnahme sei nicht 

nachvollziehbar (act. G1).

Eine Begutachtung ist naturgemäss auf einen relativ kurzen Zeitraum begrenzt. 

Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kommt es jedoch nicht auf die Dauer 

der persönlichen Untersuchung an, sondern darauf, ob das Gutachten inhaltlich 

vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 28. Juni 

2023, 8C_73/2023, E. 9.2.1, und vom 30. März 2023, 9C_49/2023, E. 6.3.1, je mit 

Hinweisen). Aufgabe der Gutachterinnen war die Bestimmung der medizinisch-

theoretischen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Für diese Beurteilung 

berücksichtigten sie die Vorakten, namentlich auch den Schlussbericht der G.___ und 

legten nachvollziehbar dar, weshalb die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten 

Tätigkeit 80 % und in einer optimal angepassten Tätigkeit 100 % beträgt. Darauf ist 

abzustellen. Anzumerken ist, dass auch die G.___ ein über 50 % hinausgehendes 

Arbeitspensum nicht ausschloss (ein weiterer Aufbau des Pensums wurde als 

realistisch angesehen, IV-act. 302-2). Unter diesem Blickwinkel steht das Ergebnis der 

Begutachtung nicht im Widerspruch zum Schlussbericht der G.___.

3.7.2. 

 3.8. 

Schliesslich bringt der Beschwerdeführer in der Replik vor, die psychiatrische 

Gutachterin habe nicht auf die Vorgeschichte eingehen wollen und beantragt 

sinngemäss den Beizug der Tonaufnahme als Beweismittel. Die psychiatrische 

Gutachterin habe behauptet, die Vorgeschichte aus den Akten zu kennen. Leider sei es 

so, dass in den IV-Akten keine Informationen über die massiven Probleme bei der 

letzten Arbeitsstelle als CAD-Konstrukteur bei der C.___ AG vorhanden seien. Die 

Hörschädigung und die darauf folgenden psychischen Leiden hätten zu erheblichen 

Einschränkungen und Schwierigkeiten geführt, weshalb eine Tätigkeit als CAD-

Konstrukteur nicht mehr möglich sei. Die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung in 

der Tätigkeit als CAD-Konstrukteur entbehre somit jeglicher Grundlage (act. G6).

3.8.1. 

Der Beschwerdeführer hatte die Möglichkeit, sich im Rahmen der 

psychiatrischen Begutachtung frei zu äussern und machte dabei namentlich auch 

Aussagen zu seinen Schwierigkeiten an verschiedenen Arbeitsplätzen (IV-act. 355-87 

ff., namentlich IV-act. 355-88). Dass dafür nur begrenzt Zeit zur Verfügung stand, ist 

Konsequenz der Begutachtungssituation. Unabhängig davon, wie ausführlich der 

Beschwerdeführer sich anlässlich der Begutachtung zu seiner letzten Anstellung 

geäussert hat, ergibt sich aus den Akten, dass die Anstellung nach einem Konflikt 

zwischen ihm und dem Vorgesetzten und einer Arbeitsabwesenheit fristlos gekündigt 

3.8.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/21

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4.  

worden ist (vgl. IV-act. 225 und 228). Ein Arbeitszeugnis liegt nicht im Recht und 

gemäss Telefonnotiz vom 31. Mai 2016 hat der Beschwerdeführer seiner Arbeitgeberin 

grundsätzlich untersagt, Informationen zu seinem Arbeitsverhältnis zu erteilen (IV-

act. 245). Allfälligen Äusserungen des Beschwerdeführers anlässlich der Begutachtung 

würden daher lediglich seine subjektive Sicht auf das Arbeitsverhältnis wiedergeben 

und könnten nicht anhand weiterer Unterlagen objektiviert werden. Wesentliche 

bessere Erkenntnisse zur Arbeitsfähigkeit wären davon daher nicht zu erwarten 

gewesen, dies insbesondere auch nicht zu jener für den vorliegend massgeblichen 

Zeitraum für einen allfälligen Rentenanspruch ab dem 1. Mai 2021 (vgl. E. 1.2 

vorstehend). Sind von zusätzlichen Abklärungen keine entscheidrelevanten Ergebnisse 

zu erwarten, darf das Gericht darauf verzichten. Dies verstösst weder gegen den 

Untersuchungsgrundsatz noch gegen den Grundsatz der Waffengleichheit oder den 

Anspruch auf rechtliches Gehör bzw. Beweisabnahme (antizipierte Beweiswürdigung, 

vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3; Urteile des Bundesgerichts vom 10. Januar 2022, 

8C_657/2021, E. 5.4, und vom 14. Mai 2019, 8C_102/2019, E. 5.6). Vorliegend büsst 

das Gutachten seine Beweiskraft nicht ein, obwohl der Beschwerdeführer sich nicht in 

dem von ihm gewünschten Umfang zu den Problemen aus seiner letzten Anstellung hat 

äussern können. Relevant ist diesbezüglich und betreffend Gehörsanspruch, dass er 

die Möglichkeit zur freien Äusserung erhalten hat. Der Beweisantrag des 

Beschwerdeführers, die Tonaufnahmen der Begutachtung beizuziehen, ist somit 

abzuweisen.

Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wird im estimed-Gutachten 

nachvollziehbar dargelegt, dass ihm die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Umfang von 

80 % zumutbar wäre. Für diese Einschätzung spricht, dass der Beschwerdeführer von 

2011 bis 2015 als CAD-Konstrukteur tätig sein konnte und sich sein 

Gesundheitszustand entgegen seiner Meinung seither nicht derart verschlechtert hat, 

dass eine solche Tätigkeit unmöglich geworden wäre. Im Gegenteil konnte die 

Arbeitsfähigkeit im Jahr 2018 durch ein Cochlea-Implantat wieder verbessert werden 

und wäre via eine von der ORL-Gutachterin empfohlene Implantation auch auf der 

anderen Seite zudem nochmals besserbar (IV-act. 355-70).

3.8.3. 

Zusammenfassend bringt der Beschwerdeführer nichts vor, was Zweifel an der 

Richtigkeit der estimed-Begutachtung wecken würde und vermag mit seinen 

Einwänden somit nicht durchzudringen. Das Gutachten beruht auf allseitigen 

Untersuchungen, namentlich persönlichen Gesprächen der Gutachterinnen mit dem 

Beschwerdeführer, und wurde in Kenntnis der Vorakten und unter Berücksichtigung 

4.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 19/21

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5.  

der geklagten Beschwerden und wesentlichen Tatsachen verfasst. Es ist umfassend 

und nachvollziehbar begründet, sodass es die Anforderungen an eine beweiskräftige 

Expertise (vgl. dazu E. 2.4 vorstehend) erfüllt. Demgegenüber fehlt es in den 

Behandlerberichten an einer nachvollziehbaren Objektivierung der subjektiven 

Wahrnehmung und einer Validierung der Ressourcen des Beschwerdeführers. Sie 

vermögen damit keine Zweifel am Beweiswert des estimed-Gutachtens zu wecken. 

Folglich kommt dem Gutachten voller Beweiswert zu und ist darauf abzustellen.

Der Beschwerdeführer ist demnach in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 80 % 

und in einer optimal adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig.

4.2. 

Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte 

(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen 

könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG i.V.m. 

Art. 28a Abs. 1 IVG). Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt 

des Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und 

Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige 

rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu 

berücksichtigen sind (Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über die 

Invalidenversicherung [IVG], in Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.], 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl., 2022, 

Art. 28a N 31 mit Hinweis u.a. auf BGE 143 V 395).

5.1. 

Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte 

Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. In der Regel 

wird am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen 

Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer 

Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden 

fortgesetzt worden wäre (Meyer/Reichmuth, a.a.O., Art. 28a N 49 f.).

5.2. 

Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung 

primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher eine versicherte 

Person konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, 

namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine 

5.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 20/21

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6.  

oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, 

so können insbesondere Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik 

periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden 

(BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweis).

Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt 

werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu 

schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird 

eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen 

Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine 

Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare 

hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das 

Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, 

so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter 

Prozentvergleich). Der Prozentvergleich bietet sich somit namentlich an, wenn Validen- 

und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen sind. 

Deren genaue Ermittlung erübrigt sich: Der Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der 

Arbeitsunfähigkeit, dies unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom 

Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1, mit 

Hinweisen).

5.4. 

Der Beschwerdeführer setzt sich mit der Ermittlung des Invaliditätsgrades nicht 

auseinander, dennoch ist diese hier kurz zu prüfen. Bei der C.___ AG verdiente der 

Beschwerdeführer zuletzt ein Jahreseinkommen von Fr. 67'600.-- (13 x Fr. 5'200.--; 

vgl. IV-act. 277-1). Damit lag sein Einkommen leicht über dem Jahreseinkommen für 

Hilfsarbeiter (Fr. 66'453.--, siehe Anhang 2 IV-Textausgabe, S. 278). Davon ausgehend, 

dass er gemäss Gutachten sogar in seiner angestammten Tätigkeit zu 80 % 

arbeitsfähig ist, ergibt sich in Vornahme eines Prozentvergleichs ein Invaliditätsgrad 

von maximal 20 %. Auch unter Verwendung eines Tabellenlohns auf Hilfsarbeiterniveau 

für das Invalideneinkommen ergibt sich kein höherer Invaliditätsgrad, da das 

Invalideneinkommen zu 100 % berechnet würde und somit nur leicht unter dem 

Valideneinkommen läge. Auch unter Gewährung eines allenfalls konkret maximal in 

Frage kommenden Tabellenlohnabzugs von fünf bis 10 % für die erforderliche 

besondere Rücksichtnahme auf die Hörbeeinträchtigung würde das Ergebnis immer 

noch nicht in die Nähe eines rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 40 % kommen.

5.5. 

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.6.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 21/21

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Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Gerichtskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Er wird 

zufolge unentgeltlicher Rechtspflege von deren Bezahlung befreit.

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint in der vorliegenden Angelegenheit angemessen. Da der Beschwerdeführer 

vollumfänglich unterliegt, ist die Gerichtsgebühr grundsätzlich ihm aufzuerlegen (Art. 95 

Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Zufolge 

unentgeltlicher Rechtspflege ist er von deren Bezahlung zu befreien.

6.2. 

bis 

Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur 

Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen 

Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP).

6.3. 

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	Entscheid Versicherungsgericht, 16.02.2024
	Art. 16 und 44 ATSG, Art. 28, 28a und 29 IVG. Beweiskraft eines im Administrativverfahren eingeholten Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Februar 2024, IV 2023/66).

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		2024-05-27T02:00:42+0200
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