# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dbdd4aac-4a39-5b1e-a469-bacd869c1c45
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-01-26
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 26.01.2005 JK 2004 1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_JK-2004-1_2005-01-26.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: C., 26. Januar 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
JK  04 1 (mündlich eröffnet)

Urteil
Jugendkammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Schäfer und Vital
Aktuar ad hoc L. Duff

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In der strafrechtlichen Berufung

der K., Berufungsklägerin, vertreten durch lic. iur. Peter Portmann, c/o Metz, Beno-
vici & Quinter, Goldgasse 11, 7002 C.,

gegen

das Urteil der Jugendanwaltschaft Graubünden vom 25. Oktober 2004, mitgeteilt 
am 26. Oktober 2004,

betreffend einfache Körperverletzung,

hat sich ergeben:

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A. In der Nacht vom 2. September 2003, ca. um 00.15 Uhr, kam es an 
der A. in C. - unterhalb der Firma B. AG - zu einer verbalen Auseinandersetzung 
zwischen dem Freund von D., E., und deren ehemaligem Partner, F.. D. war bei 
diesem Streit ebenso anwesend wie K., welche seit längerer Zeit Kontakte zu F. 
pflegte. Anlass zur Auseinandersetzung gab der Umstand, dass K. und F. zuvor den 
Roller von E. in einem nahegelegenen Fahrradunterstand versteckt hatten. Als der 
Streit zunehmend lauter wurde, entfernte sich D. und begab sich über die dortige 
Wiese in Richtung G., um nach Hause zu gelangen. K. folgte ihr und holte D. 
schliesslich auf einer kleinen Anhöhe ein. In der Folge wurde K. handgreiflich, indem 
sie D. zwei Ohrfeigen erteilte, woraufhin diese zu Boden fiel.

Noch in der gleichen Nacht suchte D., da sie nach dem Vorfall über starke 
Kopfschmerzen klagte, in Begleitung ihrer Mutter die Notfallstation des Kantonsspi-
tals C. auf. Die ärztliche Untersuchung ergab folgenden Befund: „Kontusion para-
vertebral links sowie Weichteile Hals links.“ Im weiteren Verlauf unterzog sich D. 
wegen persistierender Ohrenschmerzen verschiedenen spezialärztlichen Untersu-
chungen.

Am 30. September 2003 stellte I. als gesetzliche Vertreterin ihrer Tochter D. 
Strafantrag gegen K. wegen Tätlichkeiten/Körperverletzung. Letztere stellte am 25. 
November 2003 ihrerseits einen inhaltlich gleichlautenden Strafantrag gegen D.. 

B. Während die Jugendanwaltschaft Graubünden das gegen D. eröffnete 
Strafverfahren mangels Beweises eines tätlichen Angriffs gegen K. mit Verfügung 
vom 25. Oktober 2004, mitgeteilt am 26. Oktober 2004, einstellte, erging gegen 
Letztgenannte unter gleichem Datum folgender Entscheid:

"1. K. ist schuldig der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 
StGB.

2. Dafür wird sie zu einer Arbeitsleistung von 5 Halbtagen verpflichtet.

3. K. trägt die Kosten des Entscheides im Betrage von Fr. 80.--.

4. (Rechtsmittelbelehrung)

5. (Mitteilung).“

C. Gegen diesen Entscheid erhob K. mit Eingabe vom 16. November 
2004 Berufung an die Jugendkammer des Kantonsgerichts von Graubünden. Dabei 
stellte sie folgende Rechtsbegehren:

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"1. Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben.

2. Eventuell sei die Sache zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.

3. Es sei eine mündliche Hauptverhandlung durchzuführen.

4. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staa-
tes.“ 

In ihrer Begründung verwies die Berufungsklägerin zunächst darauf, dass so-
wohl die notfallärztliche Untersuchung im Kantonsspital Graubünden wie auch die 
weiteren Konsultationen bei verschiedenen Ärzten keine Verletzungen ergeben hät-
ten. Diagnostiziert worden sei einzig eine völlig harmlose Prellung am Hals von D., 
welche nicht einmal sichtbar gewesen sei. Soweit die Vorinstanz in ihrem Entscheid 
festhalte, das Wohlbefinden von D. sei mehr als nur harmlos und vorübergehend 
gestört gewesen, stehe dies im Widerspruch zur Aktenlage. Die unzutreffende 
rechtliche Subsumtion unter den Tatbestand der einfachen Körperverletzung ver-
letze Bundesrecht, was zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führen 
müsse.

D. Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 2. Dezember 
2004 auf kostenfällige Abweisung der Berufung. Entgegen der Behauptung in der 
Berufungsschrift sei nicht nur auf die Diagnose des Notfallarztes abgestellt, sondern 
sämtliche von D. erwähnten Beschwerden berücksichtigt worden. Tatsächlich seien 
die anhaltenden Schmerzen im Ohrenbereich mehr als nur eine vorübergehende 
harmlose Störung gewesen und hätten eindeutig im Zusammenhang mit der tätli-
chen Auseinandersetzung zwischen D. und der Berufungsklägerin gestanden. So-
fern man das Verhalten der Berufungsklägerin unter  den Tatbestand der Tätlich-
keiten subsumieren wolle, würde dies am Strafmass nichts Wesentliches ändern. 
Im Jugendstrafrecht stehe nicht die Tatschwere, sondern die Täterpersönlichkeit im 
Vordergrund, weshalb die verfügte Arbeitsleistung von 5 Halbtagen auch vor diesem 
Hintergrund als angemessen gelten könne. 

E. Gestützt auf Art. 201 StPO in Verbindung mit Art. 145 Abs. 3 StPO, 
wonach der Kantonsgerichtsausschuss im Berufungsverfahren das Beweisverfah-
ren von Amtes wegen ergänzen kann, ersuchte der Kantonsgerichtsvizepräsident 
am 8. Dezember 2004 Dr. med. J. um Erstellung eines Arztberichtes bezüglich der 
Art der Beeinträchtigung und des Behandlungsverlaufs. Dieser wurde am 21. De-
zember 2004 erstattet.

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F. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 26. Januar 2005 vor der Ju-
gendkammer des Kantonsgerichts Graubünden, welche gemäss Art. 207 StPO un-
ter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, war die Berufungsklägerin in Begleitung 
ihrer Mutter sowie ihres privaten Verteidigers, lic. iur. Peter Portmann, anwesend. 
Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Verhandlungsteilnahme. Gegen die Zu-
ständigkeit und die Zusammensetzung des Gerichtes wurden keine Einwände er-
hoben. Im Rahmen der Verlesung der Akten zur Person führte K. auf entsprechende 
Frage des Vorsitzenden aus, dass sie gegenwärtig eine Lehre als Coiffeuse absol-
viere. In der Sache hielt die Berufungsklägerin an ihrer Sachverhaltsdarstellung fest, 
wonach D. sie zuerst mit einem Tritt ins Schienbein tätlich angegriffen habe; im Re-
flex habe sie ihr dann mit der flachen Hand zwei Ohrfeigen erteilt. Zutreffend sei 
auch, dass sich D. beim Weggehen in beleidigender Weise über ihre (K.s) Mutter 
geäussert habe. 

Der private Verteidiger, lic. iur. Peter Portmann, machte einleitend einige 
Ausführungen zu den Umständen, welche schliesslich zur tätlichen Auseinander-
setzung geführt hätten. Namentlich sei es die Berufungsklägerin gewesen, welche 
auch während der Liaison zwischen F. und D. regelmässige Kontakte zu ersterem 
gepflegt habe - darob sei letztere nicht sonderlich erbaut gewesen und die Freund-
schaft habe merklich abgekühlt. Die notfallärztliche Konsultation im Kantonsspital 
C. nach der tätlichen Auseinandersetzung mit der Berufungsklägerin habe keine 
nennenswerte Verletzung ergeben. Auch die weiteren medizinischen Tests hätten 
keinerlei nachteilige körperliche Beeinträchtigungen erhärten können. Anlässlich 
der Aussprache am Abend des 2. September 2003 habe sich die Mutter der Beru-
fungsklägerin versichern können, dass sich D. nicht verletzt hatte und diese auch 
selbst bestätigte, keine Schmerzen zu haben. Grund für die Stellung eines Strafan-
trages sei schliesslich die Tatsache gewesen, dass sich die Berufungsklägerin nicht 
wunschgemäss von F. ferngehalten habe, sondern es auch weiterhin zu Kontakten 
gekommen sei. Die von der Vorinstanz vorgenommene Subsumtion des Verhaltens 
der Berufungsklägerin unter den Tatbestand der einfachen Körperverletzung sei 
nicht haltbar; D. habe infolge der Ohrfeigen lediglich eine momentane, harmlose 
Störung des Wohlbefindens erlitten, was in rechtlicher Hinsicht einer Tätlichkeit 
gleichkomme. Überdies stelle das Verhalten der Berufungsklägerin - da sie zuvor 
von D. mit einem Tritt ins Schienbein tätlich angegangen worden sei - nichts anderes 
als die Erwiderung einer Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 3 StGB dar und 
müsse deshalb straflos bleiben. 

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G. Auf die weitere Begründung der Anträge der Berufungsklägerin und 
der Vorinstanz wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen näher 
eingegangen.

Die Jugendkammer zieht in Erwägung :

1. Gegen Entscheide des Jugendanwaltes können der Beurteilte, sein 
gesetzlicher Vertreter, der Verteidiger und der Staatsanwalt innert zwanzig Tagen 
seit der schriftlichen Mitteilung bei der Jugendkammer Berufung einlegen (Art. 221 
Abs. 1 und 2 StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorliegende Berufung zu 
genügen, weshalb darauf einzutreten ist. 

2. Die Vorinstanz ist in Würdigung der ihr vorliegenden Beweise zum Er-
gebnis gelangt, dass die Berufungsklägerin D. am frühen Morgen des 2. September 
2003 eine einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu-
gefügt hat. Abweichend davon will die Berufungsklägerin den vorliegenden Sach-
verhalt als Tätlichkeit (Art. 126 StGB) qualifizieren. Überdies wird Strafbefreiung 
gemäss Art. 177 Abs. 3 StGB beantragt mit der Begründung, K. sei zuvor von D. 
mit einem Tritt ins Schienbein tätlich angegangen worden und habe sich lediglich in 
rechtlich zulässiger Weise Sühne verschafft. Dazu ergibt sich im Einzelnen was 
folgt:

a) Die Beweislast für die dem Beschuldigten zur Last gelegten Tat liegt 
grundsätzlich beim Staat (Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kan-
tons Graubünden, 2. Auflage, 1996, S. 306). Bei der Würdigung der Beweismittel 
entscheidet das Gericht auch im Berufungsverfahren nach freier Überzeugung (Art. 
144 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StPO). An den Tatbeweis sind hohe 
Anforderungen zu stellen; verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, 
nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft, denn mit solcher Gewissheit lassen 
sich infolge der Unzulänglichkeit des menschlichen Erkenntnisvermögens Tatsa-
chen kaum je beweisen (Padrutt, a.a.O., S. 306). Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV 
und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweiswürdigungsregel „in dubio pro reo“ darf 
sich der Strafrichter jedoch nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten un-
günstigen Sachverhaltes überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zwei-
fel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat, oder mit anderen Worten 
Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis be-
stehen (BGE 124 IV 87 f.). Bloss theoretische Zweifel sind indessen nicht massge-
bend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt wer-

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den kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und schlechterdings nicht zu unter-
drückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven 
Sachlage aufdrängen (BGE 120 Ia 37). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung 
an starre Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit 
Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung 
der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Be-
schuldigten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die ver-
nünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (Padrutt, a.a.O., 
S. 307). Diese allgemeine Rechtsregel kommt im Übrigen nicht bereits dann zur 
Anwendung, wenn Aussage gegen Aussage steht; vielmehr ist anhand sämtlicher 
sich aus den Akten ergebender Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der 
Jugendanwaltschaft oder jene des Beschuldigten den Richter zu überzeugen ver-
mag. Nur für den Fall, dass eine solche Überzeugung weder in der einen noch in 
der anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz „in dubio pro 
reo“ der für den Beschuldigten günstigere Sachverhalt Anwendung finden (Padrutt, 
a.a.O., S. 308), und es hat alsdann ein Freispruch zu erfolgen.

b) Als Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB gilt der Angriff auf den Kör-
per oder die Gesundheit eines anderen Menschen, welcher zwar das allgemein üb-
liche und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitet, jedoch keine Schädigung 
zur Folge hat  (Pra 83 [1994] Nr. 17, BGE 103 IV 69). Nicht entscheidend ist, ob der 
Angriff beim Betroffenen zu einer Störung des Wohlbefindens geführt oder gewisse 
Schmerzen verursacht hat (Andreas Roth, in Marcel A. Niggli/Hans Wiprächtiger 
[Hrsg.], Basler Kommentar zum Strafgesetzbuch II, Art. 111-401 StGB, Basel 2003, 
N 3 zu Art. 126). Typische Tätlichkeit ist die Ohrfeige, weiter können Faustschläge, 
Fusstritte, heftige Stösse und dergleichen mehr angeführt werden (PKG 1991 Nr. 
50; Roth, Basler Kommentar, a.a.O., N 3 zu Art. 126 StGB). Demgegenüber erfasst 
Art. 123 StGB diejenigen Schädigungen, die nicht als schwer im Sinne von Art. 122 
StGB zu qualifizieren sind. Diese Bestimmung schützt sowohl die physische als 
auch die psychische Integrität. So liegt eine Schädigung der körperlichen Integrität 
immer dann vor, wenn die zugefügten Verletzungen oder Schädigungen mindes-
tens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern. Dies trifft beispielsweise 
auf Knochenbrüche zu, selbst wenn diese unkompliziert sind und verhältnismässig 
rasch und problemlos ausheilen. Gleiches gilt für durch Schläge oder Stösse her-
vorgerufene Quetschungen, sofern sie nicht lediglich eine vorübergehende harm-
lose Störung des Wohlbefindens zur Folge haben. Dass die körperlichen Beein-
trächtigungen den Beizug eines Arztes nötig machen, ist nicht erforderlich (Roth, 
Basler Kommentar, a.a.O., N 4 zu Art. 123 StGB; BGE 103 IV 65). Ähnliches gilt für 

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die Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit. So sind jene – 
auch nur vorübergehenden – Störungen als einfache Körperverletzung zu behan-
deln, welche einem eigentlichen krankhaften Zustand gleichkommen, wie beispiels-
weise die Zufügung erheblicher Schmerzen. Bloss harmlose, unwesentliche Störun-
gen des Wohlbefindens sind zur Begründung der Strafbarkeit indessen nicht aus-
reichend (Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. 
Auflage, Zürich 1997, N 2 zu Art. 123 StGB). Handelt es sich um Quetschungen, 
Schrammen, Kratzwunden und durch Schläge oder Ähnliches verursachte Prellun-
gen, kann eine Unterscheidung zwischen Tätlichkeit und einfacher Körperverlet-
zung bisweilen schwierig sein. Massgebend ist in solchen Fällen das Mass des ver-
ursachten Schmerzes, wobei dem Richter bei der Beurteilung ein relativ grosser 
Ermessensspielraum zusteht (BGE 107 IV 43, Pra 83 [1994] Nr. 17). 

c) Nach Auffassung der Vorinstanz sei das Wohlbefinden von D. mehr 
als nur harmlos und vorübergehend gestört worden; vielmehr sei die Störung einem 
krankhaften Zustand gleichgekommen und habe die Betroffene in der Folgezeit un-
ter starken Ohrenschmerzen gelitten. Somit sei objektiv von einer einfachen Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB auszugehen (S. 3 des Ent-
scheides). Dem kann - mit Blick auf das unter lit. b Ausgeführte und nach Würdigung 
der im Recht liegenden Beweismittel - nicht gefolgt werden. Dem von Dr. med. J. 
erstellten Arztbericht vom 21. Dezember 2004 ist zu entnehmen, dass bei der am 
3. September 2003 erfolgten Konsultation keine Verletzungsspuren ersichtlich ge-
wesen seien. Eine am 8. September 2003 durchgeführte weitere Untersuchung we-
gen persistierender Schmerzen im Ohr sei unauffällig gewesen. Des weiteren hätten 
auch nachfolgende, spezialärztliche Konsultationen zu keinen verwertbaren Ergeb-
nissen geführt; die bei Dr. med. L. durchgeführte neurologische Untersuchung sei 
gänzlich unauffällig gewesen, die ohrenärztliche Untersuchung bei Dr. med. M. 
habe eine leichte Tubenfunktionsstörung ergeben, welche jedoch unabhängig vom 
Ereignis zu werten sei. Theoretisch könnten die von der Patientin beschriebenen 
Schmerzen im linken Ohr bzw. linken Kiefergelenk durch einen Faustschlag verur-
sacht worden sein. Nichts Anderes ergibt sich aus den beiden an der Patientin 
durchgeführten MRI vom 16. September 2003 im Kantonsspital C. (act. 6) und vom 
3. Oktober 2003 im Spital H. (act. 19); im Gegenteil: Dr. med. N., Oberarzt am Kan-
tonsspital C., konnte in seinem Bericht vom 17. September 2003 keinerlei körperli-
che Beeinträchtigungen feststellen. Das Ohr sei klinisch völlig unversehrt gewesen; 
beide Kieferköpfe hätten beidseits korrekt in den Pfannen artikuliert, der Knochen 
sei beidseits reizlos gewesen und es habe insbesondere kein Knochenödem vorge-
legen. Die angrenzenden Weichteile hätten ebenfalls keine Auffälligkeiten aufge-

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wiesen. Beachtenswert ist jedenfalls der Hinweis des behandelnden Arztes auf die 
absolut fehlende Kooperationsbereitschaft der Patientin, wonach sämtliche Se-
quenzen - da sich D. im Tomographen nicht still verhielt - durch Sprechartefakte 
gestört worden seien. Dieser Umstand eröffnet nicht unerhebliche Zweifel an der 
Intensität der geltend gemachten Schmerzen. Das bereits erwähnte MRI vom 3. 
Oktober 2003 im Spital H. war gemäss Bericht von Dr. med. J. ebenfalls unauffällig. 
Nach dem Dargelegten besteht somit lediglich eine theoretische (mithin entfernte) 
Möglichkeit, dass die von der Berufungsklägerin erteilten Ohrfeigen bei D. zu einer 
krankhaften Beeinträchtigung ihres Wohlbefindens geführt haben. Beweismässig 
erstellt ist einzig eine notfallärztlich als Kontusion (Quetschung) diagnostizierte ge-
sundheitliche Beeinträchtigung, welche zwar das allgemein übliche und gesell-
schaftliche Mass überschritt, aber keinesfalls als Körperverletzung zu werten ist. So 
unerwünscht das Verhalten der Berufungsklägerin auch gewesen sein mag - es 
kann nicht angehen, jugendliches Fehlverhalten übermässig zu pönalisieren. 

d) Die Berufungsklägerin hat sich somit der Tätlichkeiten im Sinne von 
Art. 126 StGB schuldig gemacht. Ihr Verhalten hat allerdings noch nicht zwingend 
eine Bestrafung zur Folge. Wenn eine Beschimpfung unmittelbar mit einer Tätlich-
keit erwidert worden ist, so kann der Richter einen oder beide Täter von Strafe be-
freien (Art. 177 Abs. 3 StGB). Diese Bestimmung statuiert einen fakultativen Straf-
befreiungsgrund, das heisst, es liegt ein tatbestandsmässiges, rechtswidriges und 
schuldhaftes Verhalten vor, der Täter ist also schuldig zu sprechen, kann jedoch 
nach richterlichem Ermessen von Strafe befreit werden (PKG 1991 Nr. 50). Ratio 
legis eines Absehens von Strafe ist es, dass sich die streitenden Teile schon an Ort 
und Stelle Gerechtigkeit verschafft haben und der Streit zu unbedeutend ist, als 
dass das öffentliche Interesse nochmalige Sühne verlangen würde (Franz Riklin, 
Basler Kommentar, a.a.O., N 18 zu Art. 177 StGB, mit Verweis auf BGE 72 IV 21 
und BGE 82 IV 177 ff.). Damit Art. 177 Abs. 3 StGB (Retorsion) zur Anwendung 
gelangt, müssen die Verfahrensakten hinreichenden Aufschluss über eine vorgän-
gig erfolgte Provokationstat geben. Diesbezüglich liegen nur die - sich diametral 
widersprechenden - Aussagen der Beteiligten im Recht; Zeugen, welche den Vorfall 
aus eigener Wahrnehmung beobachten konnten, waren nicht vor Ort. Fest steht, 
dass D. wegen der zunehmenden Intensität der Auseinandersetzung zwischen F. 
und E. beziehungsweise dessen ebenfalls anwesenden Eltern den Ort des Gesche-
hens verliess und sich über eine Wiese nach Hause in Richtung G. begeben wollte 
(vgl. act. 27, 28 und 33). Ob sie, wie die Berufungsklägerin geltend macht, kurz vor 
dem Weggehen Beleidigungen gegen K.s Mutter ausgesprochen hat, steht nicht 
rechtsgenüglich fest. Jedenfalls folgte die Berufungsklägerin D. und holte sie auf 

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einer Anhöhe ein. Hält man sich nun den ganzen Geschehensablauf vor Augen, so 
fällt auf, dass D. eine bewusst defensive Haltung einnahm und sich freiwillig ent-
fernte. Dass sie sich zuvor K. oder F. gegenüber aggressiv verhalten hätte, kann 
den Verfahrensakten nirgends entnommen werden. Vor diesem Hintergrund ist - 
zumal auch rechtsgenügliche Beweise fehlen - nicht nachvollziehbar, dass D. die 
Berufungsklägerin, welche sie eigenen Angaben zufolge zur Rede stellen wollte, 
unmittelbar und ohne Vorwarnung mit einem Tritt ins Schienbein angegriffen hat. 
Ihr Verhalten legt - jedenfalls aufgrund der vorliegenden Akten - vielmehr den 
Schluss nahe, dass sie kein Interesse an weiterer Konfrontation hatte und sich nicht 
auf Diskussionen einlassen wollte (vgl. act. 28). Ist somit eine Provokationstat auf 
Seiten D.s nicht erwiesen, fällt eine fakultative Strafbefreiung der Berufungsklägerin 
wegen Retorsion ausser Betracht.

3. K. hat die Tätlichkeit im Jugendlichenalter (vgl. Art. 89 StGB) began-
gen. Im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht, welchem der Sühne- und Vergel-
tungsgedanke zugrunde liegt und welches sich somit primär nach der Tatschwere 
ausrichtet, steht im Jugendstrafrecht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Im 
Mittelpunkt steht somit der Täter, dessen Persönlichkeit zwecks Verhängung der 
geeigneten Sanktion umfassend abgeklärt werden soll (Hansueli Gürber/Christoph 
Hug, in Marcel A. Niggli/Hans Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum Straf-
gesetzbuch I, Art. 1-110 StGB, Basel 2003, N 4 ff. und 46 zu Vor Art. 82). Die Sank-
tionen bezwecken die Bekämpfung einer allfälligen Rückfallgefahr, im Übrigen ganz 
allgemein die soziale Eingliederung des jugendlichen Straftäters. Dieses Ziel soll 
hauptsächlich durch erzieherische Einwirkung auf den Jugendlichen und durch des-
sen fürsorgerische Betreuung erreicht werden (Jörg Rehberg, Strafrecht II, 6. Auf-
lage, Zürich 1994, S. 211). Das Jugendstrafrecht ist - mit wenigen Ausnahmen - 
geprägt durch das monistische Prinzip und die Subsidiarität der Strafe gegenüber 
der Massnahme. Nur wenn die Voraussetzungen zur Anordnung einer Massnahme 
fehlen, darf sich der Richter mit einer Bestrafung des Täters begnügen (BGE 95 IV 
12). Es ist somit jeweils zu prüfen, ob der jugendliche Täter einer Erziehungsmass-
nahme im Sinne von Art. 91 StGB oder einer besonderen Behandlung (Art. 92 
StGB) bedarf. 

Vorliegendenfalls ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Berufungsklä-
gerin nicht massnahmebedürftig ist. Demnach ist gegen K. eine Strafe auszuspre-
chen. Art. 95 Ziff. 1 Abs. 1 StGB stellt vier Strafarten - Verweis, Verpflichtung zu 
einer Arbeitsleistung, Busse oder Einschliessung von einem Tag bis zu einem Jahr 
- zur Verfügung. Bei der Wahl der Strafart verfügt der Richter über einen grossen 

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Ermessensspielraum; entscheidend ist die im Einzelfall zu erwartende spezialprä-
ventive Wirkung. Von Bedeutung sind Alter und Persönlichkeit des jugendlichen 
Täters, aber auch die Schwere der Tat (Gürber/Hug, Basler Kommentar, a.a.O., N 
5 ff. zu Art. 95 StGB). Die Berufungsklägerin hat die ihr zur Last gelegte Tat nie 
bestritten und sich bei D. aktenkundig für ihr Verhalten entschuldigt. Hinzu kommt 
die infolge abweichender rechtlicher Subsumtion (Tätlichkeit anstelle einfacher Kör-
perverletzung) mindere Tatschwere, was entgegen der Ansicht der Jugendanwalt-
schaft zu einer milderen Sanktion führen muss. Die Jugendkammer des Kantons-
gerichts erachtet in Anbetracht aller Umstände die Anordnung eines Verweises als 
genügend. 

4. Bei diesem Ausgang gehen die Kosten des Berufungsverfahrens je 
zur Hälfte zu Lasten der Berufungsklägerin und des Kantons Graubünden, wobei 
der Anteil der Berufungsklägerin vorschussweise vom Kanton Graubünden über-
nommen wird (Art. 222 StPO in Verbindung mit Art. 160 StPO). Infolge der teilwei-
sen Gutheissung der Berufung ist die Berufungsklägerin überdies ausseramtlich mit 
Fr. 1'500.-- zu entschädigen (Art. 160 Abs. 4 StPO).  

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Demnach erkennt die Jugendkammer:

1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und die Ziffern 1 und 2 des ange-
fochtenen Urteils werden aufgehoben. 

2. K. ist schuldig der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB.

3. Dafür wird sie mit einem Verweis bestraft.

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 800.-- gehen je zur Hälfte zu 
Lasten der Berufungsklägerin und des Kantons Graubünden, welcher die Be-
rufungsklägerin insgesamt mit Fr. 1'500.-- zu entschädigen hat. Der Anteil 
der Berufungsklägerin an den Kosten wird vorschussweise vom Kanton 
Graubünden übernommen.

5. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, beim Kassationshof des schweizerischen Bundes-
gerichts Nichtigkeitsbeschwerde eingelegt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der gemäss Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstraf-
rechtspflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Be-
schwerdelegitimation und die weiteren Voraussetzungen gelten die Art. 268 
ff. BStP.

6. Mitteilung an:

___________

Für die Jugendkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident  Der Aktuar ad hoc