# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ddbd24e9-6ac9-5eda-a677-8feafb23e6eb
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-09-07
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 07.09.2009 UV 2008/119
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2008-119_2009-09-07.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2008/119

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 24.04.2020

Entscheiddatum: 07.09.2009

Entscheid Versicherungsgericht, 07.09.2009
Art. 6 Abs. 1 UVG; Art. 4 ATSG: Unfallbegriff. Aussage der ersten Stunde. Bei 
widersprüchlichen Angaben über den Unfallhergang ist auf die Aussagen der 
ersten Stunde abzustellen. Nachträgliche Hinzufügungen sind nicht ohne 
weiteres als ergänzende Präzisierungen zu interpretieren. Art. 6 Abs. 2 UVG; 
Art. 9 Abs. 2 UVV: Unfallähnliche Körperschädigung verneint in Bezug auf 
das Auftreten von Schmerzen beim Hochheben eines Milchgefässes mit 10 
Litern Inhalt mit nachfolgend diagnostizierter Rotatorenmanschettenruptur 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. 
September 2009, UV 2008/119).

Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider, Ver-

sicherungsrichter Franz Schlauri; a.o. Gerichtsschreiber Benedikt Fässler

Entscheid vom 7. September 2009

in Sachen

K.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Carlo Häfeli, Dufourstrasse 95, 8008 Zürich,

gegen

AXA Versicherungen AG, General Guisan Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,

Beschwerdegegnerin,

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betreffend

Versicherungsleistungen

Sachverhalt:

A.       

A.a   Mit Bagatellunfallmeldung vom 19. Dezember 2007 (act. G 3.1/A1) liess K.___, 

geboren 1947, Köchin im A.___ und in dieser Eigenschaft bei der AXA Winterthur 

Versicherungen AG gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, 

einen Unfall vom 4. September 2007 melden. Die Versicherte habe einen vollen 

Milcheimer (10 Liter) in eine Pfanne geleert. Durch das Heben des Gefässes habe sie 

sich eine Verletzung in der Schulter zugezogen. Mit Arztzeugnis vom 3. Januar 2008 

(act. G 3.1/M1) diagnostizierte Dr. med. B.___, Allgemeine Medizin FMH, der die 

Versicherte seit dem 19. Dezember 2007 behandelte, einen Verdacht auf eine 

Rotatorenmanschettenruptur links. Auf Veranlassung von Dr. B.___ wurde am 4. Januar 

2008 in der Klinik Stephanshorn in St. Gallen ein Arthro-MRI der linken Schulter 

durchgeführt (act. G 3.1/M2). Dieses zeigte eine ausgedehnte 

Rotatorenmanschettenläsion, d.h. u.a. eine breitflächige komplett durchgehende 

Ruptur der ansatznahen Supraspinatussehne. Mit Schreiben vom 31. Januar 2008 (act. 

G 3.1/M3) diagnostizierte Dr. med. C.___, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, 

eine vollständige traumatische Ruptur der Supraspinatussehne links. Er führte zur 

Anamnese aus, die Patientin habe im August 2007 eine schwere Michkanne über die 

Horizontale gehoben. Dabei sei sie ausgerutscht und auf die linke Schulter gefallen. 

Anschliessend sei es zu sehr starken Schmerzen und zu einer 

Bewegungseinschränkung gekommen. Mit Vorbescheid vom 12. Februar 2008 zwecks 

Gewährung des rechtlichen Gehörs (act. G 3.1/A5) und Verfügung vom 11. März 2008 

(act. G 3.1/A8) verneinte die AXA Winterthur ihre Leistungspflicht. Mangels eines 

ungewöhnlichen äusseren Faktors liege kein Unfall im Rechtssinn vor. Auch eine 

unfallähnliche Körperschädigung liege mangels eines äusseren Faktors nicht vor.

A.b   Am 14. März 2008 wurde die Versicherte an der Klinik für Orthopädische Chirurgie 

des Kantonsspitals St. Gallen an der linken Schulter operiert. Im Austrittsbericht vom 

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19.  März 2008 (act. G 3.1/M5) diagnostizierten Dr. med. D.___, Dr. med. E.___ und Dr. 

med. F.___ eine traumatische Supraspinatussehnenruptur linke Schulter (Unfall vom 

04.07.07) und einen Verdacht auf eine alte Supra- und Infraspinatussehnenruptur der 

rechten Schulter. Unter Anamnese wird ausgeführt, dass die Versicherte am 4. Juli 

(recte: September) 2007 bei der Arbeit von einem Hocker gefallen und dabei auf den 

ausgestreckten linken Arm gefallen sei.

B.       

Am 9. April 2008 erhob die Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom 11. März 

2008 (act. G 3.1/A9). Am 10. April 2008 erhob auch der Krankenversicherer der 

Versicherten, die CSS Versicherung, Einsprache und machte geltend, es liege eine 

unfallähnliche Körperschädigung vor, weshalb die AXA Winterthur für die 

Heilungskosten aufkommen müsse (act. G 3.1/A10). Diese legte den Fall ihrem 

beratenden Arzt, Dr. med. G.___, Spezialarzt FMH Chirurgie, vor, der mit Schreiben 

vom 23. September 2008 antwortete, dass die Angaben zum Geschehensablauf 

äusserst divergent seien. Gehe man von der primären, von der Versicherten 

handschriftlich verfassten Hergangsschilderung aus, handle es sich um einen in einer 

Grossküche normalen Bewegungsablauf ohne sinnfälliges Ereignis, so dass das 

Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung nicht nachvollzogen werden könne. 

Zur Frage, ob eine solch massive Rotatorenmanschettenläsion durch das Heben eines 

10 Liter Eimers ohne Sturz entstehen könne, führte Dr. G.___ aus, es liege mit an 

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine vorbestehende degenerative Situation 

vor, wie sie im Alter der Versicherten häufig zu beobachten sei. Der massive Befund sei 

deshalb als Vorzustand zu werten. Ein solcher könne sehr häufig über längere Zeit 

symptomfrei sein und dann nach einer etwas ungewöhnlichen Bewegung oder einer 

starken Belastung ohne Unfall bzw. unfallähnliche Einwirkung massiv symptomatisch 

werden (act. G 3.1/M8). Mit Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2008 (act. G 3.1/A13) 

wies die AXA Winterthur die Einsprachen der Versicherten und der CSS Versicherung 

ab. Zur Begründung wurde am Standpunkt festgehalten, es liege weder ein Unfall noch 

eine unfallähnliche Körperschädigung vor.

C.       

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Mit Eingabe vom 29. Oktober 2008 (act. G 1) erhob die Versicherte gegen den 

Einspracheentscheid Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. 

Mit Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2008 (act. G 3) beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Am 2. März 2009 reichte die 

Beschwerdeführerin, mittlerweile vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Carlo Häfeli, 

Zürich, eine Replik ein (act. G 9). Darin beantragte der Rechtsvertreter, der 

angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben, die Beschwerdegegnerin sei 

anzuweisen, die gesetzlichen Leistungen aufgrund des Unfalls der Beschwerdeführerin 

vom 4. September 2007 auszurichten, alles unter Entschädigungsfolge zu Lasten der 

Beschwerdegegnerin. Mit Duplik vom 24. März 2009 (act. G 12) hielt die 

Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.

Erwägungen:

1.   

Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin für das Ereignis vom 4. September 2007 zu 

Recht eine Leistungspflicht nach dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG; 

SR 832.20) abgelehnt hat.

2.

2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, 

Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Art. 4 des Bundesgesetzes über 

den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] definiert einen 

Unfall als die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines 

ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine 

Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge 

hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die 

Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die 

Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls 

schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist 

aussergewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen 

oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei 

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grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 

99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen). Das für 

den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann 

nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen 

(RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Alfred Maurer, 

Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 176 f.). Weiter bejaht 

die Rechtsprechung das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dann, wenn 

beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand 

erfolgt und zu einer, gelegentlich als Verhebetrauma bezeichneten, Schädigung führt. 

Es muss jedoch von Fall zu Fall geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf 

Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person 

ausserordentlich war (vgl. BGE 116 V 139 E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2). Bei 

unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in 

der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung 

gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn 

die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder 

wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt 

oder auszuführen versucht (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1). Dass es tatsächlich zu 

einem Sturz kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt. Immerhin ist festzuhalten, dass 

der Nachweis eines Unfalls bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere 

beschränken, insofern strengen Anforderungen unterliegt, als die unmittelbare Ursache 

der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss; denn 

ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren 

Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein 

krankheitsbedingter Ursachen besteht (RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4d).

2.2 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht, 

der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben 

den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist die 

leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die 

Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, 

indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das 

Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, 

besteht keine Leistungspflicht der Unfallversicherung. Im Streitfall obliegt es dem 

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Gericht, zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. 

Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen 

Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Wird 

auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens 

mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht – so hat dieses als 

unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person 

auswirkt (BGE 116 V 140 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden 

Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die 

Beweismaxime abgestellt werden, wonach die so genannten spontanen "Aussagen der 

ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere 

Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen 

versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die 

versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die 

sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres Gewicht zu als jenen 

nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 1a mit 

Hinweisen). Das Gericht stellt daher auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von 

allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. Der 

Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast 

begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall 

der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem 

unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel kommt zur 

Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein wahrscheinlicher 

Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b).

2.3 In den Akten finden sich unterschiedliche Versionen des Vorfalls vom 4. September 

2007. Im "Fragebogen zum Unfallhergang" vom 4. Januar 2008 (act. G 3.1/A2) führte 

die Beschwerdeführerin aus: "Der Milchwärmer war höher gelegt. So wollte ich 10 lt. 

Milch hineinschütten, und vom Hochheben habe ich einen Riss im Oberarm gespürt, 

und einen grossen Schmerz. Diese Tätigkeit ist alltäglich, nur der Behälter ist höher 

gelegen, und ich brauchte mehr Kraft." Von einem Sturz von einem Hocker, wie er in 

verschiedenen Arztberichten erwähnt wird (act. G 3.1/M3 und M5), ist nicht die Rede. 

Mit Schreiben vom 29. Februar 2008 (act. G 3.1/A6) schilderte die Versicherte den 

Sachverhalt – im Nachgang zum ablehnenden Vorbescheid der Beschwerdegegnerin 

vom 12. Februar 2008 (act. G 3.1/A5) – wie folgt: "Die Milch wurde mit einem 10 L 

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Kübel auf einem Wagen vom Kühlschrank in die prov. Küche gestossen und in den 

etwas höher gelegten Milchwärmer gegossen. Der Milchwärmer war etwas höher 

gestellt, damit die Milch unten herausgelassen werden konnte. Damit ich die Milch in 

den Behälter leeren konnte, musste ich einen Schemel nehmen. Leider war dies nicht 

möglich, weil mir die Kraft fehlte. Ich wollte den Kübel auf den Wagen stellen, um etwas 

Milch abzuleeren, damit es weniger schwer war, aber es kam nicht dazu. Ich drehte 

mich halb um und fiel vom Schemel und griff dabei automatisch mit der rechten Hand 

zum Wagen um Halt zu suchen und mit der linken hielt ich den Kübel mit der Milch. Der 

Wagen schoss an den Türpfosten und wieder zurück. Ich spürte einen Riss am 

Oberarm und einen Stoss an der Wirbelsäule und im Nacken." (grammatikalische 

Anpassungen ohne Sinnveränderung durch den Verfasser).

2.4 Die Beschwerdegegnerin wendet ein, bezüglich des Unfallhergangs sei von der 

Aussage der ersten Stunde und somit von der Sachverhaltsschilderung vom 4. Januar 

2008 (act. G 3.1/A2) auszugehen. Der Anwalt der Beschwerdeführerin macht 

demgegenüber geltend, die beiden schriftlichen Sachverhaltsschilderungen 

widersprächen einander nicht. Die Darstellung vom 29. Februar 2008 (act. G 3.1/A6) sei 

lediglich detaillierter und erwähne zusätzlich, dass die Beschwerdeführerin einen 

Schemel nehmen musste, da es ihr sonst nicht möglich gewesen wäre, die Milch in den 

Behälter zu leeren. Dass sie auf den Boden oder auf die Schulter gefallen sei, werde 

von der Beschwerdeführerin nicht behauptet. In der Tat besteht zwischen den beiden 

Schilderungen des Unfallhergangs vom 4. Januar 2008 und vom 29. Februar 2008 kein 

offensichtlicher Widerspruch. Dennoch fällt auf, dass die Beschwerdeführerin am 4. 

Januar 2008 im Fragebogen der Beschwerdegegnerin bei der Frage, ob etwas 

Besonderes geschah (Ausgleiten, Sturz etc.), den Schemel und den Verlust des 

Gleichgewichts nicht erwähnte. Eine programmwidrige Körperbewegung ist somit nicht 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Ebensowenig kann von einem 

Verhebetrauma ausgegangen werden: Das Hochheben einer Milchkanne 10 Liter Inhalt 

ist für eine Köchin alltäglich, was sie im Schreiben vom 4. Januar 2008 auch selber 

erklärt (act. G 3.1/A2). Es kann somit nicht von einer für ein Verhebetrauma 

vorausgesetzten ausserordentlichen Überanstrengung ausgegangen werden. Die 

Beschwerdegegnerin hat somit mangels Vorliegens eines ungewöhnlichen äusseren 

Faktors das Vorliegen eines Unfalls zu Recht verneint.

3.

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3.1 In Art. 6 Abs. 2 UVG wird der Bundesrat ermächtigt, Körperschädigungen, die den 

Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die Versicherung einzubeziehen. Von dieser 

Befugnis hat der Bundesrat in Art. 9 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; 

SR 832.202) Gebrauch gemacht. Als sogenannte unfallähnliche Körperschädigungen 

sind die in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie 

nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch 

ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt. Das bei einem Unfall 

im Sinn von Art. 4 ATSG vorausgesetzte Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des 

äusseren Faktors ist bei den unfallähnlichen Körperschädigungen also nicht 

erforderlich. Hingegen hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit 1. 

Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) in BGE 

129 V 467 E. 2.2 seine Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 43 bestätigt, wonach mit 

Ausnahme der Ungewöhnlichkeit auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen die 

übrigen Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs - fehlende Absicht, äusserer Faktor, 

Plötzlichkeit, Schädigung (Art. 4 ATSG) - erfüllt sein müssen. Laut EVG-

Rechtsprechung kommt hierbei der Voraussetzung des äusseren Ereignisses, d.h. 

eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben 

unfallähnlichen Vorfalls, besondere Bedeutung zu. Wo kein solches Ereignis mit 

Einwirkung auf den Körper stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in 

Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig 

krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Ist demgegenüber 

ein äusseres Ereignis, und sei es auch nur als Auslöser, mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, ergibt sich daraus umgehend die Leistungspflicht 

der Unfallversicherung. Der Gegenbeweis, dass die Schädigung eindeutig auf 

Krankheit oder Degeneration zurückzuführen ist, steht der Unfallversicherung dann 

nicht mehr offen (RKUV 2001 Nr. U 435, S. 332 ff. E. 2c = SVR 2002 UV Nr. 3 S. 5 f. 

E. 2c; vgl. die Besprechung dieses Entscheides von Christoph Kieser/Ueli Kieser, SZS 

2001, S. 580 ff., 582; ferner Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, 2009, Art. 4 

Rz. 72). Kein unfallähnliches Ereignis liegt insbesondere in all jenen Fällen vor, in denen 

der äussere Faktor mit den Schmerzen gleichgesetzt wird, wie sie anfänglich bei den in 

Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgezählten Gesundheitsschäden typischerweise in 

Erscheinung treten. Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer 

(schädigender) Faktor im Sinn der Rechtsprechung. Entsprechend kann dort nicht von 

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einem äusseren schädigenden Faktor gesprochen werden, wo die versicherte Person 

nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag. 

Ebenfalls nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das 

(erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, 

denn für die Bejahung eines äusseren Faktors ist nach bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes 

Gefährdungspotential innewohnt (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Das ist zu bejahen, wenn 

die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein 

gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche 

Betätigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der 

Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, 

welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann 

sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Die 

physiologische Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und 

Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, dem ein zwar nicht ungewöhnliches, jedoch 

gegenüber dem normalen Gebrauch der Körperteile gesteigertes Gefährdungspotential 

innewohnen muss. Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren 

schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer 

Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, also im Sinn der bisherigen 

Rechtsprechung das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder 

belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderung der 

Körperlage im Sinn der von der Rechtsprechung positiv beurteilten Sachverhalte (ZBJV 

2003 S. 918 f.; BGE 129 V 470 E. 4.2.1, 4.2.2). Erforderlich für die Bejahung eines 

äusseren Faktors ist demzufolge ein gesteigertes Schädigungspotential, sei es zufolge 

einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur 

Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden 

Faktors (vgl. BGE 129 V 471 E. 4.3).

3.2 Die Beschwerdeführerin hat unbestrittenermassen eine 

Rotatorenmanschettenruptur erlitten. Eine solche kann unter die in Art. 9 Abs. 2 lit. f 

UVV erwähnten Sehnenrisse subsumiert werden (vgl. explizit BGE 123 V 43). Die 

Beschwerdegegnerin verneint jedoch das Vorliegen einer unfallähnlichen 

Körperschädigung, weil das Hochheben eines Milchgefässes mit 10 Liter Inhalt keinen 

sinnfälligen oder unfallähnlichen Vorgang darstelle, dem ein gewisses gesteigertes 

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Gefährdungspotential innewohne. Diese Beurteilung ist nachvollziehbar. Beim 

Hochheben eines Milchgefässes handelt es sich um eine für eine Köchin gewöhnliche 

Lebensverrichtung ohne besonderes Gefährdungspotential (vgl. auch die Beispiele in 

BGE 129 V 466 E. 4.3). Die Beschwerdeführerin schreibt in ihrer 

Sachverhaltsschilderung vom 4. Januar 2008 denn auch selber, dass diese Tätigkeit 

alltäglich sei. Lediglich der Behälter sei höher gelegen, weshalb sie mehr Kraft 

gebraucht habe. Ihr Anwalt macht zusätzlich geltend, das Anheben eines schweren 

Gewichts über die Horizontale hinaus habe eine Überanstrengung dargestellt (vgl. act. 

G 9, S. 4). Dabei erscheint es jedoch wenig glaubwürdig, wenn er zu suggerieren 

versucht, die Beschwerdeführerin habe den Milchkübel einhändig und mit 

ausgestrecktem Arm über die Horizontale hinaus angehoben. Vielmehr ist davon 

auszugehen, dass sie dazu, wie beim Anheben von schweren Gewichten über die 

Horizontale üblich, beide Hände benutzt hat. Für eine degenerativ bedingte 

Schädigung spricht auch die Beurteilung durch Dr. G.___ vom 23. September 2008 

(act. G 3.1/M8). Nach dieser handelt es sich bei den Befunden mit an Sicherheit 

grenzender Wahrscheinlichkeit um eine vorbestehende degenerative Situation, wie sie 

im Alter der Versicherten ausserordentlich häufig zu beobachten sei. Zudem hätte nach 

Dr. G.___ bei einer derartigen Massenruptur im Rotatorenmanschettenbereich durch 

eine äussere Gewalteinwirkung oder eine unfallähnliche Körperschädigung sofort ein 

praktisch invalidisierender Schmerz mit Pseudoparalyse der Schulter und immediater 

Behandlungsbedürftigkeit auftreten müssen. Dies scheint hier offensichtlich nicht der 

Fall zu sein, suchte die Versicherte doch erst am 19. Dezember 2007 ihren Hausarzt 

auf. Aus den nachträglich vom Anwalt eingereichten Zeugnissen ergibt sich, dass die 

Beschwerdeführerin bereits im Oktober 2007 eine Physiotherapeutin (act. G 9.2) und 

am 24. Oktober 2007 ihren Hausarzt Dr. B.___ (vgl. act. G 9.1) konsultiert hatte und die 

Schulterbeschwerden erwähnte. Die Konsultation am 24. Oktober 2007 erfolgte jedoch 

wegen eines Zervikalsyndroms und chronischer Rückenschmerzen. Der Umstand, dass 

die Beschwerdeführerin nach dem erstmaligen Auftreten von Schulterschmerzen am 4. 

September 2007 so lange mit einer Arztkonsultation zugewartet hat, spricht ebenfalls 

gegen ein unfallähnliches Geschehen an diesem Datum. Angesichts dieser Umstände 

hat die Beschwerdegegnerin auch das Vorliegen einer unfallähnlichen 

Körperschädigung zu Recht verneint.

4.

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Damit ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht sowohl das Vorliegen eines 

Unfalls wie auch einer unfallähnlichen Körperschädigung verneint und deshalb eine 

Leistungspflicht nach UVG abgelehnt hat. Die dagegen erhobene Beschwerde ist 

entsprechend abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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