# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1f63d5a5-db0f-5df1-a851-470dd823b007
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-12-18
**Language:** de
**Title:** Gutheissung. Es fehlt an einem Rentenrevisionsgrund und eine Wiedererwägung kommt ebenfalls nicht in Frage. asim-Gutachten. Zurückliegende Krebserkrankung, psych. Beschwerden und Armschmerzen.
**Docket/Reference:** IV.2014.01261
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.01261.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.01261
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Naef
Urteil
vom
18. Dezember 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Petra
Oehmke
OZB Rechtsanwälte
Bahnhofplatz 9, Postfach 976, 8910 Affoltern am Albis
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Helvetia Schweizerische Lebensversicherungsgesellschaft AG
St. Alban-Anlage 26, Postfach 3855, 4002 Basel
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1958, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung
,
war seit dem
1.
Oktober 2004 a
ls Sachbearbeiterin in einem
4
0
%
igen
Pensum tätig
und war
ab
dem 2
0.
August 2008
krankgeschrieben
(
Urk.
7/11 und 7/18)
. Am 1
7.
Dezember 2008 meldete
sie
sich wegen Brustkrebs bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (
Urk.
7/11). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm
erwerbliche
und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
7/15,
Urk.
7/16,
Urk.
7/17,
Urk.
7/18,
Urk.
7/23,
Urk.
7/24,
Urk.
7/33,
Urk.
7/35,
Urk.
7/36). Insbesondere
wurde am 2
4.
Novem
-
ber
2009 eine Haushaltsabklärung durchgeführt (
Urk.
7/41) und
fand am 1
9.
Juli 2010 eine ärztliche Untersuchung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) statt (
Urk.
7/39,
Urk.
7/40
).
M
it Verfügung vom 2
4.
Januar 2011
sprach die IV-Stelle der Versicherten
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 67
%
und ausgehend von einer Tätigkeit von 40
%
im Erwerbsbereich sowie von 60
%
im Haushaltsbereich
per
1.
August 2009 eine
Dreiviertelsrente
zu (
Urk.
7/54,
Urk.
7/58).
Im Jahr 2011 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen
ein Revisionsverfahren
ein
(
Urk.
7/65)
und bestätigte
m
it Mitteilung vom 2
6.
Januar 2012 den Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
(
Urk.
7/77).
1.2
Im Jahr 2013 wurde erneut von Amtes wegen ein Revisionsverfahren eingeleitet (
Urk.
7/80). Die IV-Stelle nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
7/81,
Urk.
7/82,
Urk.
7/84,
Urk.
7/85). Sie
gab
bei der
Y.___
ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Psychiatrie und Psychotherapie in Auftrag
, welches am 3
1.
Dezember 2013 erstattet wurde (
Urk.
7/97). Am 1
4.
Juli 2014 fand eine Haushaltsabklärung statt (
Urk.
7/102). Mit Vorbescheid vom 3
0.
Juli 2014 wurde der Versicherten eine Einstellung der Invalidenrente in Aussicht gestellt, da der Invaliditätsgrad
nur noch bei
28
%
liege (
Urk.
7/105).
Am 1
1.
August und am 1
7.
September 2014 liess die Versicherte Einwand erheben und begrün
den (
Urk.
7/109,
Urk.
7/114). Mit Verfügung vom 2
8.
Oktober 2014 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess die Versicherte
,
vertreten durch Rechtsanwältin Petra
Oehmke
,
am 2
9.
November 2014 Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihr weiter
hin eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen (
Urk.
1). Am 1
9.
Januar 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Verfügung vom 1
9.
November 2015 wurde die Vorsorgeeinrichtung der Versicherten zum Verfahren beigeladen (
Urk.
9), welche am
1.
Dezember 2015 auf eine Stellung
nahme verzichtete
(
Urk.
10)
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über das Allgemeine Sozialversicherungsrecht [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von
Geburtsge
brechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
-
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung ver
zichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine
leis
tungsbeeinflussende
Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
) und die bisherige Inva
lidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den
Ver
gleichszeitpunkt
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforder
lichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V
231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle führte in der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
Oktober 2014 vor allem aus, dass sich der psychische Gesundheitszustand verbessert habe
, wäh
rend in orthopädischer Hinsicht eine leichte Verschlechterung eingetreten sei,
und
die Versicherte
in der angestammten Tätigkeit als kaufmännische Ange
stellte sowie in einer
anderen
angepassten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig sei. Es sei
weiterhin
von einer Qualifikation von 40
%
im Erwerbsbereich und von 60
%
im Haushaltsbereich auszugehen. Im Erwerbsbereich bestehe
gestützt auf den Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad
von 35
%
und im Haushalts
-
bereich eine Einschränkung von 23
%
, was einen Gesamtinvaliditätsgrad von 28
%
ergebe
(
Urk.
2).
2.2
Die Versicherte
kritisiert
in der Beschwerde vom 2
9.
November 2014, dass beim polydisziplinären Gutachten
der
Y.___
kein Facharzt für Onkol
ogie mitgewirkt habe. Sie macht
weiter
geltend, dass sich ihr Gesundheitszustand seit November 2010 nicht verbessert, sondern
vielmehr
verschlechtert habe. Entgegen den Ergebnissen der Haushaltsabklärung vom 1
7.
Juli 2014 seien die Einschränkun
gen im Haushaltsbereich nicht kleiner geworden. Im Rahmen einer Eventual
-
begründung liess
die Versicherte
ausführen, dass sie nach
dem
Auszug ihrer jüngsten Tochter nicht mehr
in einem Pensum von 40
%
, sondern
in einem Pensum von
60 bis 80
%
arbeiten würde. Eine Tätigkeit im Bürobereich sei schon allein aufgrund der festgestellten orthopädischen Einschränkungen undenkbar. Ein Wiedereintritt ins Arbeitsleben
,
und dann noch in eine
n
anderen Tätigkeitsbereich
,
sei im Alter von 56 Jahren erschwert.
Zudem
seien die Wechselwirkungen zwischen den Einschränkungen im Haushaltsbereich und im Erwerbsbereich ausser Acht gelassen worden.
Schliesslich sei darauf hinzu
weisen, dass
sie sich
nach der
Begutachtung durch das
Y.___
einer weiteren Operation habe unterziehen müssen, deren Folgen im Gutachten nicht berück
sichtigt worden seien (
Urk.
1).
3.
Im Rahmen de
s
ersten
Rentenrevision
sverfahrens
, welche
s
am 2
6.
Januar 2012 mit
der
Bestätigung der
Dreiviertelsrente
endete (
Urk.
7/77),
war
keine umfas
sende Prüfung mit vertiefter Abklärung der medizinischen Verhältnisse
erfolgt
, sondern nur ein kurzer Verlaufsbericht des behandelnden Hausarztes eingeholt
worden
(
Urk.
7/69). Um zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der Versicherten verbessert hat und ob die Aufhebung der Invalidenrente zu Recht erfolgte, ist daher der Gesundheitszustand im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
Oktober 2014 (
Urk.
2) mit demjenigen im Zeitpunkt der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung vom 2
4.
Januar 2011 (
Urk.
7/54,
Urk.
7/58) zu vergleichen.
Dabei ist darauf hinzuweisen, dass das
Y.___
-Gutachten den aktuellen Gesundheitszustand gemäss dem Auftrag der
IV-Stelle mit dem Gesundheitszustand
zum Zeitpunkt des Rentenbeginns
im August 2009 verglichen hat (vgl.
Urk.
7/97/22), was jedoch nichts daran ändert, dass der Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der ursprünglich
en
rentenzu
s
p
r
e
chenden
Verfügung der massgebliche Vergleichszeitpunkt ist
(vgl. BGE 133 V 108 E. 5)
.
4.
4.1
4.1.1
Der Hausarzt
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt für Allgemeine Medizin, hielt im Bericht vom 1
9.
Januar
2009 die Diagnose eines
linksseitigen
Mammakarzi
noms
mit Status nach
Ablatio
mammae
und
Lymphonodektomie
fest. Als Diag
nosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine fokal
noduläre
Hyperplasie und einen Status nach
lumbospondylogenem
Syndrom. Er führte aus, aktuell stehe die Versicherte in chemotherapeutischer Behandlung. Im weiteren Verlauf sei
n
och eine
rechtsseitige
Ablatio
mammae
sowie eine
beidseitige
Mamma
aufbauplastik
geplant, was voraussichtlich bis Ende
des Jahres
2009 daue
rn werde
. Eine langfristige Prognose sei nicht möglich und die Versicherte sei seit dem 2
0.
August 2008 und mindestens bis Ende 2009 arbeitsunfähig (
Urk.
7/16).
4.1.2
Der behandelnde Facharzt für Innere Medizin, speziell Onkologie-Hämatologie,
Dr.
med.
A.___
, diagnostizierte im Bericht vom 2
1.
Januar 2009 ein links
seitiges
Mammakarzinom
, ein
duktales
linksseitiges
Karzinom
und eine fokal
noduläre
Hyperplasie der Leber. Er führte aus, die Versicherte sei vom 2
0.
August 2008 bis voraussichtlich Mitte März 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig. Sie leide seit der Chemotherapie an N
ausea, Schwindel und Müdigkeit (
Urk.
7/17).
4
.
1
.3
Der behandelnde Arzt
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
hielt am 2
5.
September 2009 fest,
im März 2009 sei eine
Ablatio
auch der rech
ten Brust und eine beidseitige Aufbauplastik vorgenommen worden. Die
Versi
cherte leide unter Schlafproblemen, Brustschmerzen und Ziehen im Bereich beider Arme. Im Oktober 2009 werde eine weitere beidseitige Operation mit Silikonimplantat stattfinden und
auf den
Anfang
des Jahres
2010 sei die nächste Operation betreffend Wiederaufbau geplant. Die 100%ige Arbeitsunfä
higkeit
werde
aufgrund dieser chirurgischen Eingriffe mindestens bis Frühling 2010
dauern
(
Urk.
7/24).
4
.
1
.4
Gemäss
dem
Operationsbericht von
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Chirurgie,
vom
5.
März 2010
waren
bei der Versicherten im
Oktober 2009 p
l
anmässig die Implantate gewechselt und eine beidseitige partielle
Kapsulektomie
durchge
führt
worden
. Am
1.
Februar 2010
sei
im Rahmen der planmässigen Mamillen-/
Areolarekonstruktion
bei beidseitiger
Imp
l
antatrotation
durch
Kapsulektomie
und
I
m
plantatreplatzierung
eine
Fehlposition behoben
worden
.
Sodann seien aufgrund
von Komplikationen am
5.
März 2010
linksseitig
eine
Implantatent
fernung
mit erneutem
Débridement
und erneuter
Kapsulektomie
sowie
ein
Weichteilersatz der unteren Brusthälft
e mittels Lappenplastik notwendig
gewor
den
(
Urk.
7/33/6-7).
4
.
1
.5
Im Bericht vom 1
7.
Mai 2010 hielt
Dr.
Z.___
zudem fest, dass sich ein Lymphödem des linken Arms mit chronischen Schmerzen ausgebildet habe. Ausserdem bestehe
der
Verdacht auf eine reaktive depressive Verstimmung. Die Leistungsfähigkeit
der Versicherten
sei aktuell deutlich vermindert und die Arbeitsfähigkeit müsse aufgrund der komplexen Diagnosen von Spezialärzten festgelegt werden (
Urk.
7/35/5-6).
Dr.
A.___
hielt in einem undatierten Bericht
weiter
fest, die letzte Kontrolle im Rahmen der Tumornachsorge habe am 2
6.
Januar 2010 stattgefun
den. Aus onkologischer Sicht sei
d
ie Arbeitsfä
higkeit nicht einge
schränkt
.
Doch die Versicherte sei aufgrund des
rekonstruk
tiven
und plastischen Wiederaufbaus arbeitsmässig eingeschränkt, wobei er diesbezüglich auf weitere Berichte verweise (
Urk.
7/36).
4
.
1
.6
Dr.
med.
D.___
vom RAD untersuchte die Versicherte am 1
9.
Juli 201
0.
Sie hielt am 2
6.
Juli 2010 fest, dass der Allgemeinzustand der Versicherten redu
ziert sei. Es liege ein Status nach beidseitiger
Ablatio
m
ammae
mit
Aufbauplas
tik
vor. Die linke Brust sei grösser als die rechte
,
die Konturen seien beidseitig unregelmässig
, eine
der Narben sei deutlich gerötet und im Operationsgebiet
liege eine
Hypersensibilität
vor
.
Weiter
sei eine Kyphose der Brustwirbelsäule feststellbar. Die Beweglichkeit der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sei ein
geschränkt und zudem seien eine Verhärtung und ein Druckschmerz fest
-
stellbar
. Der Bewegungsumfang der linken Schulter und des linken Ellbogens sei einge
schränkt. Der Versicherten bereite es Mühe, sich über längere Zeit zu konzent
rieren
,
und gegen Ende der ungefähr einstündigen Untersuchung sei eine gewisse Erschöpfung deutlich geworden.
Die Versicherte habe über Vergesslich
keit geklagt. Sie nehme Antidepressiva ein und habe erklärt, dass sie ohne diese Medikamente nur noch geweint habe
,
denn
die
Diagnose sei für sie ein grosser Schock gewesen. Ihr Antrieb sei stark reduziert und sie sei aufgrund eines Schwächegefühls
sehr eingeschränkt (
Urk.
7/39).
Ein grosses Problem sei die Tagesmüdigkeit. Als Hauptdiagnosen nannte
Dr.
D.___
ein
Fatigue
-Syndrom, eine depressive Episode, einen Status nach beidseitiger
Ablatio
mammae
mit Aufbauplastik und eine Funktionseinschränkung des linken Arms bei
einem
Status nach
Lymphonodektomie
.
Dr.
D.___
führte aus, aufgrund der erhobenen objektiven Befunde sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtli
che Tätigkeiten ab August 2008 nachvollziehbar. Die physische, emotionale und mentale Belastbarkeit sei aufgrund des Schmerzzustands und der begleitenden depressiven Verstimmung stark vermindert. Die auf der psychischen
Grundsitu
ation
und der stark verringerten körperlichen Belastbarkeit beruhende Arbeits
unfähigkeit liege zumindest bis zum Ende der Nachbehandlungen vor
. Eine medizinische Neubeurteilung
sei
in einem Jahr
angezeigt
(
Urk.
7/40).
Gestützt darauf erging die rentenzusprechende Verfügung vom 2
4.
Januar 2011, wobei die IV-Stelle von einem 100%igen Invaliditätsgrad im erwerblichen Bereich und von einer Einschränkung von 44,75
%
im Haushalt ausging (
Urk.
7/54).
4
.
2
Die Versicherte gab
im
ersten Rentenrevision
sverfahren
im Fragebogen vom
6.
November 2011 an, ihr Zustand habe sich im August 2011 verschlechtert. Aufgrund eines unter dem Brustimplantat aufgetretenen Tumors seien dreissig Bestrahlungsbehandlungen
notwendig gewesen (
Urk.
7/65).
Dr.
Z.___
bestä
tigte
im B
ericht vom 2
3.
November 2011
, dass zwischenzeitlich wegen eines erneut aufgetretenen Tumors in der linken Brust eine
Reoperation
zur Entfer
nung
durchgeführt worden sei
. Zudem sei in der Folge eine Radiotherapie erfolgt. Aktuell seien die Wunden wieder verheilt, doch es bestehe
weiterhin im linken Arm
ein Lymphödem mit chronischen Schmerzen sowie ein Verdacht auf eine depressive Verstimmung, welche medikamentös und psychotherapeutisch behandelt werde (
Urk.
7/69).
4
.
3
4
.
3
.1
Dr.
Z.___
führte
im Rahmen des zweiten Revisionsverfahrens
im Bericht vom 2
6.
Februar 2013 aus, dass aus hausärztlicher Sicht aufgrund des malignen Grundleidens mit Status nach multiplen Eingriffen und sekundärem Lymphödem des linken Arms mit chronischem Armschmerz sowie zusätzlicher ängstlich-depressiver Verstimmung eine berufliche Wiedereingliederung aktuell nicht zumutbar sei (
Urk.
7/80).
Dr.
A.___
teilte mit Bericht vom 2
2.
April 2013 mit, dass er über aktuelle Behandlungen und Arbeitsunfähigkeiten keine Angaben machen könne (
Urk.
7/84).
Am 2
2.
April 2013 führte
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, er habe die Versi
cherte im Jahr 2011 dreimal gesehen, wobei
eine
Beratung bezüglich Psycho
pharmaka und Medikamentenanpassung
stattgefunden habe,
welche positiv verlaufen sei, so dass keine weiteren Termine notwendig gewesen seien (
Urk.
7/85).
4.3
.2
Die
Y.___
-Gutachter untersuchten die Versicherte am
6.
Dezember 2013 (
Urk.
7/97/2). Sie fassten
im Gutachten vom 3
1.
Dezember 2013
zunächst die Vorgeschichte gemäss der Aktenlage zusammen (
Urk.
7/97/3-9).
Sie führten aus, die
Versicherte
habe
über seit
dem Jahr
2008 bestehende Schlafstörungen
geklagt
, gegen welche das Medikament
Trittico
maximal bis morgens um drei oder vier Uhr helfe. Sie habe
angegeben, sie habe
Mühe sich zu konzentrieren, sei vergesslich und sei dauernd müde. Zudem habe sie seit der Entfernung von zweiundzwanzig Lymphknoten Probleme mit dem linken Arm. Im Sommer 2013 habe sich in der linken Brust
wieder
eine Infektion
gebildet
, weshalb das Implantat erneut habe entfernt werden müssen. Nun sei noch eine Operation geplant, da sich binnen zwei Monaten
die Brust
auf der linken Seite eingezogen habe.
Seit dem Jahr 2008 habe sich nichts verbessert. Schlimmer geworden seien die Beschwerden im linken Arm und neu
seien
Gefühlsstörungen in den Fingern
hinzugekommen
(
Urk.
7/97/9-10)
.
Zum Tagesablauf führte die Versicherte aus, sie stehe
zwischen acht und neun Uhr morgens auf.
Am Computer lese sie die Zeitung
und checke Mails. Den Haushalt erledigten zum grössten Teil die Töchter und ihr Mann, sie helfe dabei, soweit es gehe. Einkaufen gehe sie selten allein, meist in Begleitung. Fahrrad fahre sie nicht mehr und schwimmen wolle sie wegen der deformierten Brüste nicht mehr. Sie sehe fern, gehe bei schönem Wetter spazieren oder lese Bücher. Ab und zu habe sie Besuch und einmal im Monat besuche sie einen Brustkrebs-Treff. Das Abendessen koche meist ihr Mann und gegen 22.30 Uhr gehe sie ins Bett.
S
ie
nehme
die Medikamente Tamoxifen,
Zalidar
,
Paroxetin
und
Trittico
ein.
Im
Jahr 2014 seien zwei
weitere
Operationen geplant, wobei die Narben der
linken Brust behoben und rechts ein kleineres Implantat eingefügt werden soll
ten
(
Urk.
7/97/
10
-12).
Die Blutuntersuchung ergab, dass sich sowohl die Analgetika
Acetaminophen
und Salicylate sowie Tramadol als auch das Antidepressivum
Paroxetin
unter
halb der Nachweisgrenze
befanden
.
Das Antidepressivum
Trazodon
lag hinge
gen im unteren therapeutischen Bereich (
Urk.
7/97/13).
Der psychiatrische Gut
achter hielt fest, an psychosozialen
Belastungen
seien vor allem der kurz vor der
Untersuchung
erfolgte Tod des Vaters
, der Tod der besten Freundin, welche ebenfalls an Krebs erkrankt sei, die Schwerhörigkeit der jüngeren Tochter und die Probleme am
ehemaligen
Arbeitsplatz
zu erwähnen
.
Die Versicherte
sei unzufrieden mit der finanziellen Situation, da sie über kein eigenes Geld mehr verfüge. Die Stimmung sei abwechselnd ausgeglichen und deprimiert
,
mit spontaner und kontextbezogener Aufhellbarkeit sowie gelegentlichen pessimis
tischen Zukunftsgedanken. Es bestehe ein ausgeprägtes Grübeln mit damit ver
bundene
n
Angststörungen ohne Panikattacken, jedoch mit zusätzlichen phobi
schen Symptomen, wobei die Ängste vor allem die Sorge bezüglich der Rück
kehr der Krankheit beträfen. In den zweieinhalb Stunden der Exploration sei kein Abfall der Aufmerksamkeit beobachtbar gewesen.
Im
Interview des Hamilton-
Depressionscale
und im MADRS
habe die Versicherte
den Bereich einer
leichtgradigen
depressiven Episode
erreicht
. Aufgrund der Vielzahl der Symptome könne der aktuelle Schweregrad auch im Kontext mit dem noch teilweise strukturierten Tagesablauf als
leichtgradig
festgelegt werden.
Ein iso
liertes
Fatigue
-Symptom könne heute nicht d
iagnostiziert werden. Es handle
sich vielmehr um eine Depressionssymptomatik mit einer Fokussierung auf die Schlafqualität und Vigilanz, welche im Zusammenhang mit recht intensivem Grübeln stehe. Aufgrund der aktuellen Symptomatik bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
in der angestammten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte. Für angepasste Tätigkeiten ohne intensive
Team
zusammenarbeit
und Kundenkontakte sowie mit reduzierter kognitiver Belas
tung, bei welcher strukturiert gearbeitet werde sowie die Möglichkeit bestehe, repetitiv ohne Konsequenzen eine Pause einlegen zu können, sei ein Pensum von 70
%
durchaus zumutbar. In diesem Pensum sei
en
eine Verlangsamung des Arbeitstempos sowie der vermehrte Pausenbedarf
berücksichtigt
. In den letzten vier Jahren habe sich der Gesundheitszustand wohl verbessert, unter anderem durch die zwischenzeitlich implementierte
Psychopharmakatherapie
(
Urk.
7/97/13-17)
.
Der orthopädische Gutachter hielt fest, durch
die
kapsuläre
Bewegungs
-
einschrän
kung
der Schulter und
durch
die
ödematöse Aufschwellung der oberen Extremität seien der Arm und die Schulter nicht mehr
allzu
belastbar und leide
die Versicherte unter Schmerzen. Die anamnestischen Beschwerden ständen im Einklang mit der klinischen Erfahrung und dem erhobenen Befund. Es bestehe vollständige Arbeitsunfähigkeit für schwere und mittelschwere kör
perliche Arbeiten. Angepasste Tätigkeiten, bei welchen die Versicherte haupt
sächlich die rechte obere Extremität verwende und die linke obere Extremität lediglich für Halte- und Unterstützungsfunktionen einsetze, seien im Umfang von 50
%
möglich. Angepasste Tätigkeiten schlössen die Tätigkeit als kaufmän
nische Angestellte mit ein (
Urk.
7/97/17-18).
Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hielten die
Y.___
-Gutachter eine rezidivierende depressive Störung
,
gegenwärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
,
und eine
Frozen
Shoulder
mit
Impingementsymptomatik
und Lymphöde
m fest. Zudem nannten sie als Diag
nosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach
multizent
ri
schem
invasivem
duktalen
Mammak
arzinom
, einen Status nach
lumbospon
dylogenem
Syndrom im November 2007 und einen Status nach dreifacher
Rip
penfraktur
und
Metatarsale
IV-Fraktur vom 2
3.
Oktober 2012 (
Urk.
7/97/18-19).
In der Gesamtbeurteilung
führten
die Gutachter
aus
, die depressive Symptoma
tik stehe im Vordergrund. Die Versicherte sei über das bisherige Ergebnis der Brustaufbauplastiken sehr enttäuscht und fühle sich entstellt. Es sei eine gegenwärtig mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom diag
nostiziert worden, welche sich nach der im Jahr 2008 aufgetretenen
Malignom
-Erkrankung auf dem Boden einer Anpassungsstörung entwickelt habe. Diese depressive Störung erkläre die
g
eklagte Ermüd
barkeit
, die Verlangsamung, das stark verminderte Selbstvertrauen und die Angst vor Überforderung. Im ange
stammten kaufmännischen Beruf sei die Versicherte zu 50
%
arbeitsfähig. Das
selbe gelte für eine angepasste Tätigkeit, also eine leichte Verweistätigkeit mit Schonung der oberen linken Extremität.
Die Gutachter führten aus, zum Zeit
punkt der
Rentenzusprache
s
eien die Auswirkungen des
Ma
m
m
akarzinoms
mit depressiver Verstimmung im Vordergrund gestanden. Aus psychiatrischer Sicht habe sich eine leichte Verbesserung ergeben. Zwar sei aus orthopädischer Sicht eine leichte Verschlechterung eingetreten, doch insgesamt werde gegenüber
dem Gesundheitszustand im Jahr
2009 von einer leichten Verbesserung und damit
einer
höheren Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Die Einschränkungen im Haushalt dürften sich aufgrund der orthopädischen Einschätzungen leicht ver
schlechtert haben
. Aktuell sei zu berücksichtigen, dass aufgrund des schlechten Operationsergebnisses der linken Brust noch eine weitere Operation geplant sei. Berufliche Massnahmen seien nach der genannten Brustaufbauplastik möglich
(
Urk.
7/97/19-23).
4
.
4
Dr.
med.
F.___
, Fachärztin für Innere Medizin, vom RAD hielt in ihrer internen Stellungnahme vom 3
1.
Januar 2014 fest, auf das Gutachten der
Y.___
könne abgestellt werden. Die Versicherte sei
ab dem
6.
Dezember 2013 in ihrer ange
stammten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte zu 50
%
arbeitsfähig (
Urk.
7/104/4).
Der Psychiater
dipl.
med.
G.___
vom RAD führte am 2
4.
Oktober 2014 aus, der psychiatrische Gutachter der
Y.___
beschreibe eine
leichtgradige
depressive Epi
sode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung
,
und auch sämtliche psychometrischen Tests hätten eine
leichtgradige
Symptomatik
ergeben
. In den Diagnosen sei hingegen eine mittelgradige depressive Episode aufgef
ührt. Dies sei ein Widerspruch, welcher nur durch Rückfrage beim Gutachter geklärt wer
den könne. Im Ja
hr 2010 sei keine fachärztlich gestellte Diagnose einer Depres
sion ausgewiesen. Aus der RAD-Untersuchung lasse sich eine
Fatigue
-Sympto
matik ableiten, jedoch keine depressive Störung. Gemäss dem Krankheitsverlauf habe sich die depressive Symptomatik erst im Verlauf der Rezidive und
Folge
operationen
herausgebildet. Somit sei
aus psychiatrischer Sicht
eher von einer Verschlechterung auszugehen. Allerdings sei der Schweregrad nur leicht und könne bei entsprechender Behandlung gebessert werden. Zusammengefasst habe sich der Zustand medizinisch (
Mammakarzinome
aktuell
rezidivfrei
) verbessert, orthopädisch verschlechtert und psychiatrisch leicht verschlechtert. Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit lasse sich aufgrund der RAD-Untersuchung 2010 (funktionelles Leistungsbild) nicht nachvollziehen. Aktuell sei von
einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (
Urk.
7/115/2-3).
5
.
5
.1
Die Feststellung einer revisionsbegründenden Veränderung erfolgt durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zustands. Gegenstand des Beweises ist somit das Vorhandensein einer
entscheiderheblichen
Differenz in den Tatsachen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und seiner funktionellen Auswirkungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt
jedoch
nicht unabhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit sie tatsächlich einen Unterschied zum früheren Zustand wiedergibt. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema - erhebliche Änderung des Sachverhalts - bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständi
gen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hin
blick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre,
mangelt es daher in der Regel an Beweiswert, wenn sich die ärztliche Einschät
zung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Verände
rung des Gesundheitszustands stattgefunden hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom 2
9.
August 2010, E. 4.2 mit Hinweisen).
5
.
2
Zum Zeitpunkt der
erstmaligen
Rentenzusprache
, also am 2
4.
Januar 2011
(
Urk.
7/54,
Urk.
7/58),
war die Chemotherapie
bereits
abgeschlossen.
Dr.
A.___
hielt
entsprechend fest, aus onkologischer Sicht sei die Arbeitsfä
higkeit nicht eingeschränkt, doch es bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit aufgrund de
s
rekonstruktiven
und plastischen Wiederaufbaus (
Urk.
7/36). Dazu passend
führte
Dr.
D.___
vom RAD
am 2
6.
Juli 2010
aus, die auf
der psychischen Grundsituation und der stark verringerten körperlichen Belastbarkeit beruhende Arbeitsunfähigkeit liege zumindest bis zum Ende der Nachbehandlungen vor
(
Urk.
7/40)
.
Im Gutachten de
s
Y.___
wurde der Status nach einem multizentrischen invasiven
duktalen
Mamma-Karzinom zwar
bei den Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit genannt (
Urk.
7/97/18-19), doch stellt
dies
keine gesundheitliche Verbesserung dar, da die Arbeitsfä
higkeit aus onkologischer Sicht wie dargelegt bereits bei Zusprechung der Rente nicht eingeschränkt war.
Insofern
kann den
Aus
-
führungen vom Psychiater
dipl.
med.
G.___
vom RAD, die gesundheitlichen Beschwerden hätten sich aufgrund eines aktuell
re
zidiv
fr
eien
Mammakarzinoms
verbessert
(
Urk.
7/115/2-3), nicht
gefolgt
werden.
Zudem waren zum Zeitpunkt der
Y.___
-Begutachtung weitere Brustoperationen ausstehend (
Urk.
7/97/10,
Urk.
7/97/22),
über deren Verlauf nichts aktenkundig ist,
so dass aufgrund immer noch stattfindende
r
Nachbe
handlungen auch in dieser Hinsicht keine
Verbesserung ausgewiesen ist.
5
.
3
Die
Y.___
-Gutachter hielten fest, in orthopädischer Hinsicht sei aufgrund der Beschwerden
in
der linken Schulter eine leichte Verschlechterung eingetreten (
Urk.
7/97/22). Eine Funktionseinschränkung des linken Arms bei einem Status nach
Lymphonodektomie
wurde zwar bereits von
Dr.
D.___
diagnostiziert
. Doch
haben Beweglichkeit und Belastbarkeit weiter abgenommen, so dass dies
bezüglich eine Verschlechterung ausgewiesen ist
.
Was die psychischen Beschwerden betrifft, so liegt aus der Zeit vor der erstma
ligen
Rentenzusprache
kein Bericht einer psychiatrischen Fachperson vor.
Dr.
D.___
vom RAD
hatte
eine
Fatigue
und eine depressive Episode
diagnosti
ziert
, wobei diese als begleitende depressive Verstimmung bezeichnet wurde (
Urk.
7/40)
.
Sowohl im psychiatrischen Fachgutachten (
Urk.
7/41) als auch im Hauptgutachten der
Y.___
(
Urk.
7/18)
wurde eine depressive Störung mit gegen
wärtig mittelschwere
r
Episode
mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
diag
nostiziert. Zudem wurde in der Gesamtbeurteilung des Gutachtens ausgeführt, dass eine solche mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom die
g
eklagte Ermüdbarkeit, die Verlangsamung,
das stark verminderte Selbst
vertrauen und die Angst vor Überforderung erkläre (
Urk.
7/97/20).
Demgegen
über
wurde in der Zusammenfassung des psychiatrischen Teilgutachtens festge
halten, es handle sich um eine
leichtgradige
depressive Episode
(
Urk.
7/97/
15
).
Eher
für
eine mittelgradige depressive Episode spricht dabei, dass der psychiat
rische Gutachter
aufgrund von ausgeprägter Ermüdbarkeit, kognitiver Beein
trächtigungen, Frustrationsintoleranz und erheblicher Verminderung des Selbst
vertrauens von relevanten Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit aus
g
ing
(
Urk.
7/97/44).
Dipl. med.
G.___
vom RAD hat zu Recht auf diese Diskrepanz
des
Y.___
-Gutachtens
hingewiesen
(
Urk.
7/115/2-3
)
, welche in der Folge nicht
mittels Rückfrage
geklärt wurde. Allerdings kann offen
bleiben
, ob
im
Y.___
-Gutachten eine
leichtgradige
oder
mittel
schwere
depressive Episode diagnosti
ziert werden sollte, da beides keine Verbesserung gegenüber der bei der
Renten
zusprechung
von einer nicht psychiatrischen Fachperson vermuteten depressi
ven Episode darstellt.
Der psychiatrische
Y.___
-
Gutachter hielt fest, dass
kein isoliertes
Fatigue
-Syndrom mehr diagnostiziert werden könne, vielmehr
hand
le es sich um eine Depressionssymptomatik mit Fokussierung auf die Schlafqualität und Vigilanz, welche im Zusammenhang mit ziemlich intensivem Grübeln stehe (
Urk.
7/97/44).
Weshalb kein
Fatigue
-Syndrom
mehr
zu diagnostizieren
sei
und
ob es
sich hierbei um eine Verbesserung oder um ein
e andere Diagnosestellung handle
, wurde
im
Y.___
-Gutachten
nicht dargelegt. Zudem fehlt es an der Ausei
nandersetzung mit der Frage, ob eine auf
der
Krebserkrankung beziehungsweise deren Behandlung beruhende
Cancer-Fatigue
vorliegen könnte oder nicht.
Damit ist
entgegen de
n
Ausführungen im
Y.___
-Gutachten
(
Urk.
7/97/21)
auch in psychiatrischer Hinsicht
keine Verbesserung ausgewiesen.
Dies
deckt sich mit der Einschätzung
des psychiatrischen Facharztes
dipl.
med.
G.___
vom RAD, welcher festhielt, in psychiatrischer Hinsicht sei von einer leichten Verschlech
terung auszugehen
(
Urk.
7/115/
2-3
)
.
5
.4
Da es an einer
mit dem im Sozialversicherungsrecht notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargelegten
Verbesserung des Gesund
heitszustands fehlt, mangelt es an einem Rentenrevisionsgrund. Anzumerken ist, dass die IV-Stelle basierend auf den Aussagen der Versicherten anlässlich der Haushaltsabklärung
vom 1
4.
Juli 2014
(
Urk.
7/102/3)
zu Recht von einem unveränderten Status
von
40
%
Erwerbstätigkeit und 60
%
Haushaltsbereich im
Gesundheitsfall
ausg
egangen ist (
Urk.
2)
, weshalb mangels Statusänderung auch in dieser Hinsicht kein Rentenrevisionsgrund vor
liegt
.
6.
6
.1
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die Renten
-
verfü
gung
lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwaltungsverfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwaltung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a, E. 1 mit Hinweisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüng
liche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erhebli
cher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist so zu handhaben, dass die Wiedererwägung nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen
Neuüberprü
fung
von Dauerleistungen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung entspricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglich besserer Einsicht der Durchführungsorgane jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können. Massgebend für die Beurteilung des Vorliegens einer zweifellosen Unrichtigkeit muss das Ausmass der Überzeugung sein, dass die bisherige Entscheidung unrichtig war. Mit der Zweifellosigkeit wird dabei ein hoher Grad umschrieben. Es darf kein vernünftiger Zweifel daran möglich sein, dass eine Unrichtigkeit vorliegt; es ist ein einziger Schluss - eben derjenige auf die Unrichtigkeit - möglich
(
vgl. ATSG-Kommentar,
3.
Auflage Zürich/Basel/Genf 2015,
Art.
53 N 52 mit weiteren Hinweisen).
6.2
Dipl. med.
G.___
vom RAD führte in der internen Stellungnahme vom 2
4.
Oktober 2014 aus, dass die medizinischen Abklärungen bei der
Rentenzu
sprache
nicht mit der notwendigen Sorgfalt und Tiefe durchgeführt worden seien, weshalb sich allenfalls die Frage einer Wiedererwägung stelle. Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit lasse sich aufgrund der im Jahr 2010 durch den RAD durchgeführte
n
Untersuchung nicht nachvollziehen (
Urk.
7/115/3).
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) sowie in der Beschwerdeantwort (
Urk.
6) hat sich die IV-Stelle nicht zu einer Wiedererwägung geäussert.
Dr.
med.
D.___
vom RAD schätzte im Bericht vom
1
9.
Juli 2010
die Arbeitsun
fähigkeit nach erfolgter Untersuchung auf 100
%
ein
(
Urk.
7/40,
Urk.
7/41)
.
Zuvor hatten behandelnde Ärzte im Jahr 2009
ebenfalls
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit festgestellt
(
Urk.
7/16,
Urk.
7/17,
Urk.
7/24
).
Bei der Festlegung der Arbeitsfähigkeit spielt zwingend ein gewisses Ermessen mit. Zwar mag es problematisch erscheinen, dass kein Bericht eines psychiatrischen Facharztes beigezogen worden ist
.
Dies allein genügt jedoch nicht, um von einer zweifellosen Unrichtigkeit der Verfügung vom
2
4.
Januar 2011 (
Urk.
7/54,
Urk.
7/58)
auszugehen.
6
.3
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch zu Unrecht mit der Begründung aufgehoben, der gesundheitliche Zustand der Beschwerde
führerin habe sich gebessert. Da auch kein Wiedererwägungsgrund vorliegt, hält die angefochtene Rentenaufhebung der Überprüfung nicht stand. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die angefochtene Verfügung ist mit der Feststellung, dass
die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
hat, aufzuheben.
7
.
7
.1
Da es um die Bewilligung oder die Verweigerung von Gerichtskosten geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Weiter hat die durch Rechtsanwältin Petra
Oehmke
vertretene Versicherte Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese bemisst sich gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
-
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Zeitaufwand. Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Entschädigung in der Höhe von
Fr.
2‘000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
8.
Oktober 2014 mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat, aufgehoben.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
-
schä
digung
von
Fr.
2'000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Petra
Oehmke
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
10
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
10
-
Helvetia Schweizerische Lebensversicherungsgesellschaft AG
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigNaef