# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 51ccb144-39a6-52d4-813a-f8087835917f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.11.2023 F-5666/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5666-2023_2023-11-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5666/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Sebastian Kempe (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, 

Richter Yannick Antoniazza-Hafner, 

Gerichtsschreiberin Caroline Rausch. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren (…) 2004, Türkei,   

vertreten durch MLaw Mara Todeschini,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Nordwestschweiz,  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin- 

Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); 

Verfügung des SEM vom 6. Oktober 2023 / N (…). 

 

 

 

F-5666/2023 

Seite 2 

Sachverhalt 

A.  

Der Vater der Beschwerdeführerin reiste 2003 in die Schweiz ein. Am 15. 

September 2014 wurde das Gesuch um Familiennachzug betreffend die 

Mutter der Beschwerdeführerin gutgeheissen. Das Gesuch der Beschwer-

deführerin wurde hingegen am 17. Oktober 2014 aufgrund der abgelaufe-

nen Fristen und des Nichtvorliegens wichtiger familiärer Gründe rechtskräf-

tig abgewiesen. Ein weiteres Gesuch um Familiennachzug wurde formlos 

abgeschrieben. Ein drittes Gesuch wurde mit Urteil des Appellationsge-

richts des Kantons C._______ vom 15. Juni 2017 abgewiesen. Auf das 

letzte Gesuch vom 13. Februar 2019 traten die zuständigen kantonalen 

Behörden am 28. März 2019 nicht ein. 

B.  

Die Beschwerdeführerin reiste am 5. April 2023 in die Schweiz ein und 

suchte hier am 13. April 2023 um Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäi-

schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass 

sie am 24. März 2023 in Kroatien ein Asylgesuch gestellt hatte.  

C.  

Am 4. Mai 2023 gewährte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin in Anwe-

senheit ihrer Rechtsvertretung das rechtliche Gehör, unter anderem zur 

Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs-

verfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Wegweisung 

in diesen Dublin-Mitgliedstaat sowie zu ihrem Gesundheitszustand.  

D.  

Am 5. Mai 2023 ersuchte die Vorinstanz die kroatischen Behörden um Wie-

deraufnahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).  

E.  

Mit Schreiben ihrer Rechtsvertretung vom 8. Mai 2023 gelangte die Be-

schwerdeführerin an die Vorinstanz, beantragte den Selbsteintritt, eine Pri-

vatunterkunft sowie psychologisch-psychiatrische Behandlung und reichte 

medizinische Unterlagen ein.  

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Seite 3 

F.  

Die kroatischen Behörden hiessen das Gesuch um Wiederaufnahme der 

Beschwerdeführerin am 18. Mai 2023 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-

VO gut.  

G.  

Mit Schreiben ihrer Rechtsvertretung vom 8. Juni 2023 beantragte die Be-

schwerdeführerin erneut, ihr sei Zugang zu einer psychologischen Betreu-

ung zu gewähren.  

H.  

Mit Verfügung vom 20. Juni 2023, eröffnet am 26. Juni 2023, trat die Vo-

rinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf 

das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein und ordnete die Über-

stellung nach Kroatien an.  

I.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 3. Juli 2023 gelangte die Be-

schwerdeführerin gegen die Verfügung vom 20. Juni 2023 ans Bundesver-

waltungsgericht. Am darauffolgenden Tag liess die Beschwerdeführerin 

dem Gericht einen Arztbericht datiert vom 30. Juni 2023 zukommen. 

J.  

Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil F-

3736/2023 vom 12. Juli 2023 gut, hob die angefochtene Verfügung auf und 

wies die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurtei-

lung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück. Erwägungsweise 

führte das Bundesverwaltungsgericht im Wesentlichen aus, der medizini-

sche Sachverhalt – welcher im vorliegenden Fall insbesondere für die An-

wendung von Art. 16 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 rechtswe-

sentlich sei, müsse genauer abgeklärt werden. Zudem sei die Vorinstanz 

ihrer Begründungspflicht in Bezug auf das Bestehen eines allfälligen Ab-

hängigkeitsverhältnisses zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer Fa-

milie nicht rechtsgenüglich nachgekommen. 

K.  

Am 28. August 2023 stellte die Beschwerdeführerin der Vorinstanz den me-

dizinischen Abklärungsbericht vom 21. Juli 2023 zu und stellte einen Antrag 

auf Selbsteintritt. 

L.  

Mit Verfügung vom 6. Oktober, eröffnet am 10. Oktober 2023, trat die 

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Seite 4 

Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) ein 

weiteres Mal auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, ord-

nete ihre Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien an und forderte sie 

auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu 

verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Be-

schwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und 

beauftragte den Kanton B._______ mit dem Vollzug der Wegweisung.  

M.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 17. Oktober 2023 gelangte die Be-

schwerdeführerin gegen die Verfügung vom 6. Oktober 2023 ans Bundes-

verwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzu-

heben und das SEM sei anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten und 

das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren durchzuführen. Eventuali-

ter sei die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtser-

heblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuwei-

sen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um 

Erteilung der aufschiebenden Wirkung sowie um superprovisorische Aus-

setzung der Wegweisung. Weiter beantragte sie die Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses.  

N.  

Am 18. Oktober 2023 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in 

elektronischer Form vor und der Instruktionsrichter setzte den Vollzug der 

Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:  

1.    

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG).  

1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-

gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-

ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführerin ist zur 

Beschwerdeanhebung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

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Seite 5 

2.  

2.1. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess-

lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige 

und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-

rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2; je m.w.H.).  

2.3. Das Bundesverwaltungsgericht verzichtet auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels (Art. 111a Abs. 1 AsylG). In der Folge des vorangegan-

genen Verfahrens und Rückweisungsurteils (F-3736/2023) sind vorliegend 

der relevante Sachverhalt hinreichend erstellt und die Parteistandpunkte 

bekannt. 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).  

3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III  

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch  

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

3.3. Der nach der Dublin-III-VO zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, ei-

ne antragstellende Person, welche während der Prüfung ihres Antrags in 

einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder sich im Hoheits-

gebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach 

Massgabe der Art. 23, 24, 25 und 29 Dublin-III-VO wiederaufzunehmen 

(Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO).  

3.4. Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet 

grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt. 

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Demgegenüber sind im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens 

(engl.: take charge) die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten 

Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-

ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es 

ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen 

Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO; vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).  

3.5. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-

rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfen-de Mit-

gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-

zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt wer-den 

kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen auf-grund 

der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten 

Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen wer-den, so 

wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied-

staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).  

3.6. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1).  

3.7. Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

(AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das Asylgesuch «aus huma-

nitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO 

ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Entscheidung kommt dem 

SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht darf sein eigenes Er-

messen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 E. 7.6 und E. 8.1 in 

fine).  

 

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Seite 7 

4.  

4.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der Eu-

rodac Datenbank ergab, dass diese vor ihrer Einreise in die Schweiz am 

24. März 2023 in Kroatien um Asyl nachgesucht hatte, weshalb die Vo-

rinstanz zu Recht gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO die kroa-

tischen Behörden um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin ersuchte. 

Diese haben dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz innert der in 

Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist ausdrücklich zugestimmt.  

4.2. Somit ist die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens für die Durchfüh-

rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben, was von der Be-

schwerdeführerin auch nicht bestritten wird. 

5.  

5.1. In der Beschwerde wird auf die inadäquate Unterbringung und Gewalt 

hingewiesen, welcher die Beschwerdeführerin in Kroatien ausgeliefert ge-

wesen sei und aufgrund geltend gemachter systemischer Mängel im Asyl- 

und Aufnahmesystems Kroatiens die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 

und 3 Dublin-III-VO gefordert.  

5.2. Im Referenzurteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 hat das Bundes-

verwaltungsgericht die seit dem Referenzurteil D-1611/2016 vom 22. März 

2016 bestehende Praxis der grundsätzlichen Zulässigkeit von Dublin-Über-

stellungen nach Kroatien bestätigt. Das Gericht stellte fest, dass nicht da-

von auszugehen ist, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in 

Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf, die eine Überstellung von Gesuchstellen-

den generell als unzulässig erscheinen lassen würden (vgl. E-1488/2020 

E. 9.5). Der – angesichts der in E. 9.4.2 f. des Urteils dargelegten Situation 

prima vista nicht unbegründete – Verdacht eines Gefährdungszusammen-

hangs zwischen Push-Backs und Dublin-Rückkehr lasse sich aufgrund der 

verfügbaren Informationen und Erkenntnisse nicht erhärten. Im Rahmen 

einer auf die Dublin-III-VO gestützten Überstellung liege das Hauptaugen-

merk auf der Frage, ob die gesuchstellende Person, zu deren Aufnahme 

sich die kroatischen Behörden bereit erklärt hätten, Zugang zum dortigen 

Asylverfahren erhalten werde. Dabei stehe nicht mehr im Vordergrund, ob 

es für die schutzsuchende Person zuvor allenfalls äusserst schwierig ge-

wesen sei, überhaupt auf kroatisches Territorium zu gelangen. Es sei nicht 

a priori von einer gleichgelagerten Gefährdung für Dublin-Rückkehrende 

auszugehen wie für Personen, welche erstmals versuchen würden, in das 

Land einzureisen oder es zu durchqueren. Zum aktuellen Zeitpunkt würden 

keine genügenden Anzeichen für die Befürchtung bestehen, im Dublin-

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Seite 8 

Kontext überstellte Personen würden ohne Eröffnung und Durchführung 

eines Asylverfahrens in unzulässiger Weise aus Kroatien ausgeschafft. 

Dies treffe sowohl auf die Überstellung im Rahmen von Take-Charge- (Auf-

nahme-) als auch von Take-Back- (Wiederaufnahme-) Verfahren zu (vgl. 

a.a.O. E. 9.4.4). Im Ergebnis sei davon auszugehen, dass Gesuch-stel-

lende, welche gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt wür-

den, Zugang zum dortigen Asylverfahren erhalten, unabhängig davon, ob 

es sich um ein Take-Charge- oder Take-Back-Verfahren handle. Insbeson-

dere bestehe keine beachtliche Wahrscheinlichkeit, die Überstellten wür-

den der Gefahr einer Verletzung ihrer aus dem Refoulement-Verbot flies-

senden Rechte ausgesetzt werden (vgl. a.a.O. E. 9.5).  

5.3. An dieser aktuellen, auf einer Gesamtbetrachtung diverser staatlicher 

und nichtstaatlicher Quellen sowie der Rechtsprechung anderer Dublin-

Mitgliedstaaten beruhenden Beurteilung des Bundesverwaltungsgerichts, 

wonach das kroatische Asyl- und Aufnahmesystem keine systemischen 

Schwachstellen aufweist, vermögen die Vorbringen der Beschwerdeführe-

rin nichts zu ändern.  

5.4. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. Gleichsam erweist sich die Rüge der unvollstän-

digen beziehungsweise unrichtigen Ermittlung des Sachverhalts im Zu-

sammenhang mit der Situation von Dublin-Rückkehrenden als nicht stich-

haltig, weshalb von einer Rückweisung zu weiteren Sachverhaltsabklärun-

gen abzusehen ist (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3 zur antizipierten Beweiswür-

digung).  

6.  

6.1. Ist eine antragstellende Person wegen Schwangerschaft, eines neu-

geborenen Kindes, schwerer Krankheit, ernsthafter Behinderung oder ho-

hen Alters auf die Unterstützung ihres Kindes, eines ihrer Geschwister oder 

eines Elternteils, das/der sich rechtmässig in einem Mitgliedstaat aufhält, 

angewiesen, so entscheiden die Mitgliedstaaten in der Regel, die Beteilig-

ten nicht zu trennen beziehungsweise sie zusammenzuführen, sofern die 

familiäre Bindung bereits im Herkunftsland bestanden hat, der nahe Ange-

hörige in der Lage ist, die abhängige Person zu unterstützen, und die Be-

troffenen ihren Wunsch schriftlich kundgetan haben (Art. 16 Abs. 1 Dublin-

III-VO). 

6.2. Zur Beurteilung, ob ein rechtlich relevantes Abhängigkeitsverhältnis 

besteht, ist auf eine Gesamtwürdigung des konkreten Einzelfalls unter Ein-

bezug der individuellen und soziokulturellen Lebenssituation der 

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betroffenen Personen abzustellen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-

5051/2023 vom 28. September 2023 E. 7.2. m.H.). Gemäss Praxis des 

Bundesverwaltungsgerichts begründet das Bedürfnis nach affektiver oder 

psychischer Unterstützung durch die Angehörigen für sich allein grundsätz-

lich noch kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-

III-VO (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.3.5; Urteil des BVGer D-5051/2023 vom 

28. September 2023 E. 7.2; E-317/2022 vom 10. Februar 2023 E. 7.2.1; F-

1568/2022 vom 12. April 2022 E. 7.6.2). In den Anwendungsbereich fallen 

können hingegen Situationen schwerer psychischer Störungen nach Trau-

mata, für die sich die Anwesenheit eines nahen Angehörigen als unerläss-

lich erweist, um eine gewisse psychische Stabilität zu gewährleisten und 

eine schwere Dekompensation auf Dauer zu vermeiden (vgl. Urteil des 

BVGer D-989/2023 vom 3. März 2023 E. 6.2.4; F-260/2021 vom 22. Juli 

2021 E. 8.4 je m.w.H.). Das die Zuständigkeit begründende Abhängigkeits-

verhältnis bleibt dabei auf Situationen besonderer Hilfsbedürftigkeit be-

schränkt (vgl. Urteil des BVGer E-3660/2019 vom 29. August 2019 E. 6.2.2 

je m.H.).  

6.3. Zu berücksichtigen sind im Rahmen der vorzunehmenden Gesamt-

würdigung insbesondere auch die familiäre Situation, die im Herkunftsland 

bestand, die Umstände, die zur Trennung geführt haben sowie der Stand 

der jeweiligen asyl- und ausländerrechtlichen Verfahren (vgl. Art. 11 Abs. 3 

und Abs. 4 der Durchführungsverordnung [EU] Nr. 118/2014 der Kommis-

sion vom 30. Januar 2014 zur Änderung der Verordnung [EG] 

Nr. 1560/2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung [EG] 

Nr. 343/2003 des Rates zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig 

ist [nachfolgend: DVO]; Urteil des BVGer F-5556-2022 vom 27. März 2023 

E. 5.2).  

6.4. Die Nichtanwendung der Zuständigkeitsbestimmung von Art. 16 Abs. 1 

Dublin-III-VO ohne hinreichenden sachlichen Grund kann im Einzelfall 

menschenrechtswidrig sein und stellt einen Ermessensmissbrauch dar. 

Sind die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO gegeben und 

halten sich die betroffenen Personen in demselben Mitgliedstaat auf, ha-

ben sich dessen Behörden für zuständig zu erklären (vgl. Urteil des BVGer 

F-3709/2023 vom 7. Juli 2023 E. 6.1 m.H.).  

7.  

7.1. Die heute 19-jährige Beschwerdeführerin berief sich im Rahmen des 

Dublin-Gesprächs hinsichtlich ihrer in der Schweiz lebenden Eltern, 

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Seite 10 

namentlich ihrer Mutter, auf ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von 

Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO und eine daraus abzuleitende Zuständigkeit 

der Schweiz.  

7.2. Die Vorinstanz stützte sich in der vorliegend angefochtenen Verfügung 

zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts auf das Dublin-Gespräch, 

den Arztbericht vom 30. Juni 2023 sowie den Abklärungsbericht des Fach-

arztes für Psychiatrie und Psychotherapie vom 21. Juli 2023. Sie kam zum 

Schluss, dass unter Berücksichtigung der aktuellen Lebenssituation der 

Beschwerdeführerin sowie der geschilderten Umstände kein besonderes 

Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Eltern bestehe. Mithin lägen keine 

Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 VO Dublin vor, welche die Schweiz ver-

pflichten würden, das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu prüfen.  

7.3. Die Beschwerdeführerin machte in der Beschwerdeschrift im Wesent-

lichen geltend, aufgrund ihrer schwerwiegenden psychischen Störung auf 

die Unterstützung ihrer Mutter angewiesen zu sein. Sie leide seit dem Erd-

beben in der Türkei an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Zu-

dem leide sie an einer Angststörung sowie einer Trennungsangststörung 

aufgrund der Trennung von ihrer Mutter, welche in eine bereits im Kindes-

alter etablierte Suizidalität zu münden drohe. Diese Krankheiten seien 

nach dem Erdbeben in der Türkei am 6. Februar 2023 unhaltbar geworden.  

8.  

8.1. Die familiäre Bindung zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer Mut-

ter ist ausdrücklich vom Anwendungsbereich von Art. 16 Abs. 1 Dub-

lin‑III‑VO erfasst und hat zudem bereits im Herkunftsstaat bestanden. Die 

Mutter der Beschwerdeführerin verfügt in der Schweiz über eine Aufent-

haltsbewilligung und hält sich folglich rechtmässig hier auf. Mangels ge-

genteiliger Anhaltspunkte in den Akten kann auch davon ausgegangen 

werden, dass die Mutter in der Lage wäre, ihre Tochter zu unterstützen. 

Ferner äusserten die Beschwerdeführerin und die Mutter schriftlich den 

Wunsch nach einem Zusammenleben mit Eingabe vom 13. April 2023 so-

wie während des Dublin-Gesprächs vom 4. Mai 2023. 

Streitig und zu prüfen bleibt, ob zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer 

Mutter ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dub-

lin‑III‑VO besteht – mithin, ob sie infolge ihres psychischen Zustands auf 

deren Unterstützung angewiesen ist.  

8.2. Dem Arztbericht vom 30. Juni 2023 ist zu entnehmen, dass die Be-

schwerdeführerin unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung 

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Seite 11 

(PTBS), einer Angststörung sowie einer depressiven Störung leide und 

dringlich einem Psychiater zur Behandlung zugewiesen worden sei.  

 

Gemäss dem diagnostischen Teil des Abklärungsberichts vom 21. Juli 

2023, der von einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie verfasst 

wurde, liege bei der Beschwerdeführerin eine Posttraumatische Belas-

tungsstörung vor. Die Ursache dafür sei das jüngste Erdbeben in der Tür-

kei. Das Vorhandensein einer Angststörung könne nicht beurteilt werden, 

da diese mit der PTBS überlappe. Die psychische Erkrankung der Be-

schwerdeführerin äussere sich durch eine verminderte Konzentrationsfä-

higkeit, eine kurze Erinnerungslücke bezüglich des Erdbebengeschehens, 

eine formalgedankliche Verlangsamung, ein affektarmes Verhalten, eine 

leichte Schreckhaftigkeit, ein Wiedererleben des Erdbebens bei Reizen so-

wie Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Die Beschwerdeführerin könne 

sich jedoch klar von Suizidalität distanzieren und es gebe keine Hinweise 

auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen.  

In Bezug auf die Vorgeschichte der Beschwerdeführerin ist dem Bericht 

vom 21. Juli 2023 zu entnehmen, dass sie seit ihrem 11. Lebensjahr wie-

derholt schweren Belastungen aufgrund der Abwesenheit ihrer Eltern aus-

gesetzt gewesen sei. Diese hätten offensichtlich zu einer schweren Ver-

zweiflung geführt, die in einer Angststörung und Suizidalität resultiert habe 

(vgl. dazu auch das Urteil des Appellationsgerichts des Kantons C.______ 

VD (…) E. 4.2 [kantonale Akten des Vaters der Beschwerdeführerin 

37/656]). 

Als Beurteilung/Empfehlung hält der Bericht sodann Folgendes fest: Auf-

grund des Ausmasses der Belastung in jüngerer Zeit sowie der erwähnten 

Störungen und unter Berücksichtigung der Dynamik, die zum Auftreten der 

Angststörung und der Suizidalität geführt hatte, sei es prognostisch essen-

tiell, dass sich die Beschwerdeführerin geborgen fühle und dass ihre Eltern 

als primäre Bezugspersonen als Helfersystem anwesend seien. Zudem 

seien stabile Lebensumstände unerlässlich, um die Patientin zunächst zu 

stabilisieren und anschliessend eine Traumabehandlung durchführen zu 

können. Ansonsten drohe ihr ein verlängerter Krankheitsverlauf mit chroni-

schen Tendenzen.  

8.3. Das Gericht verkennt nicht, dass die Beschwerdeführerin in psychi-

scher Hinsicht unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen leidet und die 

Anwesenheit ihrer Mutter gemäss ärztlicher Empfehlung einen stabilisie-

renden Einfluss auf ihre Lebenssituation hätte. Bei gesamthafter Würdi-

gung der vorliegenden Umstände und insbesondere der vorhandenen 

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medizinischen Unterlagen ist indes nicht davon auszugehen, dass sie im 

Sinne der dargelegten Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO auf 

die Unterstützung ihrer Mutter angewiesen wäre (vgl. vorne E. 6, insb. 6.2). 

Die Beschwerdeführerin leidet zwar an einer PTBS, jedoch vermögen die 

effektiv diagnostizierten Symptome (vgl. soeben E. 8.2) objektiv betrachtet 

keine entscheiderhebliche Unterstützungsbedürftigkeit bei der Alltagsbe-

wältigung zu begründen. Ebenso wenig lässt die Diagnose bei objektiver 

Betrachtung darauf schliessen, dass der Beschwerdeführerin eine schwere 

psychische Dekompensation drohen würde, wenn sie nicht mehr durch ihre 

Mutter unterstützt werden könnte. Im Ergebnis vermag nach dem Gesag-

ten der Grad der konkret festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigung 

der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer PTBS kein Abhängigkeitsverhältnis 

zu ihrer Mutter im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zu begründen. 

8.4. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht ein Abhängigkeitsverhältnis der 

Beschwerdeführerin zu ihrer Familie im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-

VO und somit auch eine daraus abzuleitende Zuständigkeit der Schweiz 

für die Durchführung des Asylverfahrens verneint.  

9.  

9.1. Auch ein Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO, 

konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, kommt vorliegend nicht in Betracht.  

9.2. Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls zur FK vom 31. Januar 1967 (SR 

0.142.301). Ausserdem wird Kroatien durch die Richtlinien des Europäi-

schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge-

meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna-

tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. 

Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die 

internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), gebunden.  

9.3. Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen 

völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso-

nen in der Situation der Beschwerdeführerin nachkommt und insbesondere 

auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens- und 

Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. Urteile F-1883/2023 vom 12. April 2023 

E. 8.2; F-647/2023 vom 9. Februar 2023 E. 7.1; je m.H.). Diese Vermutung 

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kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter 

und ernsthafter Hinweise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzu-

tun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 

6. März 2018 E. 5.3.1). 

9.4. Die Beschwerdeführerin vermag nicht rechtsgenügend darzutun, dass 

die von ihr bei einer Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingun-

gen derart schlecht wären, dass sie zu einer Verletzung von  

Art. 3 EMRK führen könnten. Das Bundesverwaltungsgericht geht davon 

aus, dass sie sich nach der Dublin-Rücküberstellung in einer anderen Si-

tuation als bei der ersten Einreise nach Kroatien befinden wird (vgl. Urteil 

des BVGer E-1488/2020 E. 9.4 m.w.H.). Den Akten sind denn auch keine 

Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde in ihrem Fall den 

Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein 

Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet wäre oder in dem sie Gefahr 

laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Bei 

einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihr zustehenden Auf-

nahmebedingungen könnte sie sich nötigenfalls an die kroatischen Behör-

den wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl.  

Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Sollte sie sich durch kroatische Behörden oder 

Drittpersonen ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen, könnte sie 

sich mit einer Beschwerde an die zuständigen Stellen wenden oder eine 

Anzeige einreichen. Im Übrigen steht ihr auch die Möglichkeit offen, die vor 

Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. Auch in Bezug auf 

die geltend gemachte Gewalt gegenüber der Beschwerdeführerin bei der 

Einreise in Kroatien hat die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt 

hinreichend abgeklärt.  

9.5.  

9.5.1. Bezüglich der gesundheitlichen Aspekte ist festzuhalten, dass eine 

zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen 

nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellt. Dies ist 

insbesondere dann der Fall, wenn Schwerkranke durch die Rückführung – 

mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit ei-

nem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwie-

derbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt 

zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung 

der Lebenserwartung führen würde (vgl. anstatt vieler Urteil des BVGer F-

3746/2023 vom 11. Juli 2023 E. 6.4 unter Verweis auf das Urteil des Euro-

päischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Bel-

gien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193).  

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Seite 14 

9.5.2. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin 

(vgl. E. 8.2- 8.3) sind im Hinblick auf die effektiv diagnostizierten Symptome 

ihrer PTBS nicht von derartiger Schwere, dass sie eine drohende Verlet-

zung von Art. 3 EMRK zu begründen vermöchten. Zudem könnten sie in 

Kroatien behandelt werden, das grundsätzlich über eine ausreichende me-

dizinische Infrastruktur verfügt (vgl. Urteil des BVGer D-735/2022 vom 28. 

Februar 2022 E. 6.7.3). Sofern dies im Überstellungszeitpunkt erforderlich 

wäre, würden die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der an-

gefochtenen Verfügungen beauftragt sind, die kroatischen Behörden in ge-

eigneter Weise über allfällige spezifische medizinische Bedürfnisse und 

Umstände des Beschwerdeführers informieren (Art. 31 f. Dublin-III-VO).  

9.6. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz 

bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens-

spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter 

diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten 

keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive 

Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich 

deshalb in diesem Zusammenhang einer weiteren Überprüfung.  

9.7. Es liegen somit weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, wel-

che die Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler 

bei der Ermessensbetätigung. Es besteht folglich kein Grund für einen 

Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung 

mit Art. 17 Dublin-III-VO.  

10.  

Die Vorinstanz ist daher zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. Da 

sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilli-

gung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von Art. 44 

AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Nach dem 

Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.  

11.  

Das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung ist mit Ausfäl-

lung des vorliegenden Endentscheids gegenstandslos geworden. Der ver-

fügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden Urteil dahin.  

12.  

12.1. In der Beschwerde wird die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung beantragt, einhergehend mit dem Verzicht auf die Erhebung eines 

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Seite 15 

Kostenvorschusses. Dieser Antrag ist in Bezug auf die Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung gutzuheissen, da die Beschwerdevorbringen 

nicht aussichtslos waren und die Beschwerdeführerin nach Aktenlage be-

dürftig ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstands-

los. 

12.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da der Antrag auf 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch mit diesem Urteil 

gutgeheissen wird, werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz und die kan-

tonale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Caroline Rausch 

 

 

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