# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6dcf9cf7-eccc-5bc2-bd96-ad670727ae04
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-05-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.05.2021 D-7054/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7054-2018_2021-05-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-7054/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  M a i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richter Lorenz Noli, Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

und die Kinder 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

alle Afghanistan,  

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 9. November 2018 / N (…). 

 

 

 

D-7054/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden, afghanische Staatsangehörige tadschikischer 

Ethnie, verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge Ende Juli 

2013 und gingen nach E._______ (Iran). Dort liessen sie sich religiös 

trauen und B._______ (nachfolgend Beschwerdeführerin) brachte den ge-

meinsamen Sohn C._______ zur Welt. Ungefähr im Frühjahr 2016 reiste 

die Familie über die Türkei nach Griechenland. Von dort aus gelangte die 

Beschwerdeführerin mit ihrem Sohn am 8. Juli 2016 auf dem Luftweg in die 

Schweiz. Drei Tage später stellte sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

F._______ ein Asylgesuch, woraufhin sie am 19. Juli 2016 im Rahmen ei-

ner Befragung zur Person (BzP) zu ihren persönlichen Umständen, dem 

Reiseweg sowie summarisch zu ihren Asylgründen befragt wurde. 

A._______ (nachfolgend Beschwerdeführer) versuchte zuerst, auf dem 

Landweg in die Schweiz zu reisen, wurde aber wieder nach Griechenland 

zurückgeschickt. Schliesslich gelangte er mithilfe eines Schleppers per 

Flugzeug am 19. April 2017 in die Schweiz und suchte am Folgetag um 

Asyl nach. Am 1. Mai 2017 fand die Befragung zur Person statt und am 

23. Mai 2018 wurde er vom SEM einlässlich zu seinen Asylgründen ange-

hört. Die Anhörung der Beschwerdeführerin erfolgte am 25. Mai 2018.  

B.  

B.a Der Beschwerdeführer erklärte, er sei in G._______ (Distrikt 

H._______, Provinz I._______) geboren. Er habe nie eine staatliche 

Schule besucht, sei aber einige Jahre in einer Koranschule gewesen. Da-

neben habe er in der (…) seiner älteren Brüder – welche nach dem Tod 

seiner Eltern für ihn gesorgt hätten – mitgeholfen. Im Jahr 2005 sei er in 

den Iran gereist und habe dort gearbeitet. Vier Jahre später sei er nach 

Griechenland gegangen, wo er sich bis Mitte 2013 aufgehalten habe. Da-

nach habe er sich freiwillig für eine Rückkehr in seinen Heimatstaat gemel-

det und über die afghanische Botschaft einen Pass ausstellen lassen. Auf 

dem Luftweg sei er in nach Afghanistan gereist und in sein Heimatdorf zu-

rückgekehrt. Seine Schwester J._______ habe ihm dort von der Beschwer-

deführerin erzählt, welche im Nachbarhaus gewohnt und bei ihr in der 

Schneiderei gearbeitet habe. Diese sei von ihren Brüdern mit einem viel 

älteren Mann verlobt worden, der bereits verheiratet gewesen sei. Sie sei 

deswegen sehr unglücklich gewesen und habe sich sogar umbringen wol-

len. Daraufhin habe er durch die Vermittlung seiner Schwester mit der Mut-

ter der Beschwerdeführerin und später auch mit ihr selbst gesprochen und 

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um ihre Hand angehalten. Seine Schwiegermutter habe sich damit einver-

standen erklärt unter der Bedingung, dass er ihre Tochter ins Ausland mit-

nehme. Einige Tage später habe er das Land zusammen mit der Beschwer-

deführerin verlassen. Da seine Ehefrau bereits mit einem anderen Mann 

verlobt gewesen sei, drohe ihnen eine harte Bestrafung und allenfalls gar 

der Tod. Dabei seien sie nicht nur von Seiten ihrer Angehörigen sowie der 

Familie des früheren Verlobten bedroht, sondern auch von der Regierung, 

da sie gegen die Gesetze des Islams verstossen hätten. Von seiner 

Schwester J._______ habe er erfahren, dass ihre Familien in der Heimat 

beschlossen hätten, sie zu steinigen, wenn es ihnen gelingen sollte, sie 

ausfindig zu machen. Nach der Ausreise hätten sie zuerst illegal im Iran 

gelebt. Weil dort aber jederzeit die Gefahr einer Rückschiebung nach Af-

ghanistan bestanden habe, seien sie schliesslich nach Europa weiterge-

reist.  

Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer seinen afgha-

nischen Pass – ausgestellt am (…). Oktober 2012 durch die afghanische 

Botschaft in K._______ – zu den Akten.  

B.b Die Beschwerdeführerin erklärte, sie sei in L._______ geboren und 

habe einige Jahre dort gelebt. Ihr Vater sei von den Taliban getötet worden, 

weshalb die Familie aus Sicherheitsgründen nach G._______ umgezogen 

sei. Da sie aus einer streng religiösen Familie stamme, habe sie weder die 

Schule besuchen noch alleine aus dem Haus gehen dürfen. Ihre drei gros-

sen Schwestern seien alle von den Brüdern verheiratet worden. Manchmal 

habe sie zu ihrer Nachbarin – ihrer heutigen Schwägerin – gehen und für 

diese Näharbeiten ausführen dürfen, wobei sie gelegentlich etwas Ta-

schengeld erhalten habe. Zudem habe die Nachbarin von ihrem im Aus-

land lebenden Bruder erzählt und gesagt, sie wünsche sich, dass sie die-

sen heirate. Zwischenzeitlich habe ihr ältester Bruder sie aber mit einem 

reichen Mann verlobt, den sie nicht gekannt habe. Dieser sei nicht nur sehr 

alt, sondern auch bereits verheiratet gewesen. Ihre Mutter habe vergeblich 

versucht, die Brüder von diesem Vorhaben abzubringen. Als sie erfahren 

habe, dass sie diesem Mann versprochen worden sei, sei sie völlig scho-

ckiert gewesen und habe versucht, sich mit Tabletten das Leben zu neh-

men. Ihre Mutter habe diesen Suizidversuch mitbekommen und sei sehr 

traurig und besorgt gewesen. Dann sei ihr heutiger Ehemann nach Afgha-

nistan gekommen und dessen Schwester – ihre Nachbarin – habe ihm von 

ihrer Situation berichtet. Durch die Vermittlung seiner Schwester habe ihr 

Ehemann mit ihrer Mutter sprechen können und vorgeschlagen, um ihre 

Hand anzuhalten und sie von dort wegzubringen. Sowohl ihre Mutter als 

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auch sie selbst hätten sich damit einverstanden erklärt. In der Folge habe 

ihr Ehemann die Ausreise organisiert. Wenige Tage später seien sie aufge-

brochen und gemeinsam in den Iran gegangen. Durch ihr Verhalten habe 

sie die Familienehre und den Ruf ihrer Brüder verletzt. Aus der Sicht ihres 

damaligen Verlobten habe sie sogar einen Ehebruch begangen, da sie 

auch ohne religiöse Eheschliessung bereits als seine Frau gegolten habe. 

Von ihrer Mutter habe sie erfahren, dass ihr Verlobter sehr böse geworden 

sei und damit gedroht habe, sie und ihren Ehemann umzubringen, wenn er 

ihnen begegne. Ihre Brüder würden dies befürworten.  

C.  

Mit Verfügung vom 9. November 2018 – eröffnet am 12. November 2018 – 

stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfüllen. Es lehnte ihre Asylgesuche ab und wies sie aus der 

Schweiz weg, schob den Vollzug der Wegweisung aber wegen Unzumut-

barkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.  

D.  

Mit Eingabe vom 12. Dezember 2018 erhoben die Beschwerdeführenden 

– handelnd durch ihre Rechtsvertreterin – beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragten sie, die angefoch-

tene Verfügung sei aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuer-

kennen und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher 

Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie Beiordnung der 

unterzeichnenden Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Als Be-

schwerdebeilagen wurden – neben der angefochtenen Verfügung, einer 

Vollmacht und einer Fürsorgebestätigung – diverse ärztliche Berichte ein-

gereicht.  

E.  

Die Rechtsvertreterin reichte mit Eingabe vom 13. Dezember 2018 eine 

Honorarnote zu den Akten.  

F.  

Die Instruktionsrichterin hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung mit Verfügung vom 19. Dezember 2018 gut und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem ordnete sie 

den Beschwerdeführenden lic. iur. Monika Böckle als amtliche Rechtsbei-

ständin bei.  

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Seite 5 

G.  

Das SEM liess sich mit Schreiben vom 24. Januar 2019 zur Beschwerde 

vom 12. Dezember 2018 vernehmen.  

H.  

Mit Eingabe vom 13. März 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine 

Replik ein. Dieser lagen ein Abklärungsbericht des (…) betreffend die Be-

schwerdeführerin vom 30. Januar 2019 sowie eine aktualisierte Honorar-

note bei.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft 

getreten (AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten.  

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Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, dass die Aus-

führungen der Beschwerdeführerin in zentralen Punkten widersprüchlich 

ausgefallen seien. So habe sie erklärt, erst durch ihre jetzige Schwägerin 

von der geplanten Verheiratung mit einem älteren Mann erfahren zu haben, 

zu einem Zeitpunkt, als ihr Bruder sie bereits mit diesem verlobt gehabt 

habe. Andrerseits habe sie angegeben, ihre Mutter habe sie bereits früh 

über die geplante Verlobung informiert. Zudem habe sie ausgesagt, ihr 

heutiger Ehemann habe zuerst seine Schwester vorgeschickt, um mit ihr 

und ihrer Mutter zu sprechen. Später habe sie dagegen erklärt, er habe 

alleine bei ihrer Mutter vorgesprochen. Auf entsprechenden Vorhalt hin sei 

es ihr nicht gelungen, diese Widersprüche überzeugend aufzulösen. Die 

Beschwerdeführerin sei weiter – trotz verschiedener Vertiefungsfragen – 

nicht in der Lage gewesen, die geltend gemachte Bedrohungslage hinrei-

chend zu substanziieren. Ihre Ausführungen in diesem Zusammenhang er-

wiesen sich als ausgesprochen vage und schemenhaft. Auch zu den Ent-

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wicklungen der Situation nach ihrer Ausreise habe sie keine präzisen An-

gaben machen können. Vielmehr sei sie spezifischen Fragen zu dieser 

Thematik ausgewichen. Den Umstand, dass sie nicht über genauere Infor-

mationen verfüge, habe sie damit begründet, dass sie erst seit Kurzem 

wieder telefonischen Kontakt mit ihrer Mutter habe, welche aber selbst kein 

Telefon besitze. Sie sei daher auf die Hilfe von Bekannten angewiesen und 

könne deshalb wohl nicht frei sprechen. Bei diesen Ausführungen handle 

es sich offensichtlich um Schutzbehauptungen mit dem Ziel, entsprechen-

den Nachfragen auszuweichen. Aufgrund der aufgeführten Widersprüche 

und Ungereimtheiten entstehe der Eindruck, dass es sich bei der darge-

stellten Bedrohungslage um ein Konstrukt handle. Dies werde durch die 

Aussagen des Beschwerdeführers bestätigt, welche allgemein schemen-

haft ausgefallen seien, beispielsweise hinsichtlich der verschiedenen Tref-

fen mit seiner heutigen Schwiegermutter und seiner Ehefrau. Trotz ver-

schiedener Vertiefungsfragen habe er sich sehr undifferenziert geäussert 

und seine Schilderungen wirkten keineswegs erlebnisbasiert. Er habe wie-

derholt mit fast denselben Worten die gleichen floskelartigen Sätze wieder-

gegeben und weder seine Eindrücke noch die Rahmenbedingungen dieser 

Treffen dargelegt. Zudem habe der Beschwerdeführer ebenso wenig wie 

seine Ehefrau Angaben dazu machen können, wann sie hätte verheiratet 

werden sollen. Dies erstaune sehr, zumal dies bei der Fluchtplanung ver-

nünftigerweise hätte berücksichtigt werden müssen. Auch die weiteren An-

gaben zu den Umständen ihrer Flucht liessen die zu erwartende Substanz 

vermissen. Insgesamt gelinge es ihnen deshalb nicht, die Gründe für ihre 

Ausreise glaubhaft zu machen.  

4.2 In der Beschwerdeschrift wurde vorgebracht, die Beschwerdeführerin 

habe bei der Anhörung erklärt, dass es ihr gesundheitlich nicht gut gehe. 

Aus dem Protokoll gehe hervor, dass sie unter (…) schmerzen sowie (…) 

beschwerden gelitten habe und sich schlecht habe konzentrieren können. 

Sie habe mehrmals geweint, was darauf hindeute, dass sie in einem 

schlechten Zustand gewesen sei. Dies habe auch die Hilfswerksvertretung 

(HWV) auf dem Unterschriftenblatt angemerkt, wobei diese zusätzlich fest-

gehalten habe, dass die Beschwerdeführerin ihr linkes Auge fast nicht habe 

offenhalten können. Sie habe daher angeregt, einen Arztbericht einzuho-

len, da das Ausmass der gesundheitlichen Beeinträchtigungen unklar sei. 

Inzwischen seien zwar medizinische Berichte angefordert worden, die Ur-

sache der Leiden hätten aber noch nicht eruiert werden können. Vor die-

sem Hintergrund erscheine der vom SEM angelegte Massstab bei der Be-

urteilung der Aussagen der Beschwerdeführerin als zu hoch. So werde ihr 

vorgeworfen, sie habe sich unterschiedlich dazu geäussert, wann sie zum 

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ersten Mal von der geplanten Verheiratung erfahren habe. Es handle sich 

dabei aber um Missverständnisse, da in der Anhörung mehrere unter-

schiedliche Aspekte erfragt worden seien und sich die Antworten teilweise 

auf andere Inhalte bezogen hätten. Wie die Beschwerdeführerin deutlich 

dargelegt habe, sei dies erfolgt, weil sie aufgrund der starken (…) - und 

(…) schmerzen grosse Mühe gehabt habe, sich bei der Anhörung zu kon-

zentrieren. Trotz der erschwerten Umstände habe sie aber über lange 

Passagen sehr ausführlich und detailliert Auskunft über das Geschehen 

gegeben, wobei sich ihren Schilderungen zahlreiche Realkennzeichen ent-

nehmen liessen. In Bezug auf den Hochzeitstermin sei darauf hinzuweisen, 

dass die Beschwerdeführerin ausdrücklich erklärt habe, dieser sei noch 

nicht festgelegt worden, weshalb den Beschwerdeführenden zu Unrecht 

vorgeworfen werde, sie hätten diesen nicht gekannt. Weiter bemängle das 

SEM, dass die Beschwerdeführerin die Bedrohungslage nicht ausreichend 

habe darlegen können. Sie habe jedoch an mehreren Stellen deutlich ge-

macht, dass sie durch ihr Verhalten die Ehre der Familie beschmutzt habe 

und ihr der Tod drohe, einerseits durch ihre älteren Brüder und andrerseits 

durch die Familie des Verlobten. Zudem sei die von ihr vorgebrachte Erklä-

rung dafür, dass sie nicht mehr über das zwischenzeitlich Vorgefallene in 

der Heimat berichten könne – ihre Mutter könne nicht unbegleitet mit ihr 

telefonieren und daher nicht frei sprechen – plausibel. Insgesamt erwiesen 

sich die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihrer drohenden Zwangsver-

heiratung sowie zur Gefahr, welche durch ihre Flucht entstanden sei, als 

glaubhaft. Der drohende Ehrenmord sei asylrelevant, weshalb die Be-

schwerdeführenden als Flüchtlinge anzuerkennen seien. Eventualiter sei 

die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, da 

der Sachverhalt in Bezug auf die medizinische Situation der Beschwerde-

führerin unvollständig erhoben sei. Dieser Aspekt sei relevant, weil auf-

grund der vermuteten Erkrankung keine allzu hohen Anforderungen an die 

Qualität ihrer Aussagen gestellt werden dürften.  

4.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM aus, das Anhörungsproto-

koll der Beschwerdeführerin lasse nicht darauf schliessen, dass sie auf-

grund ihres angeschlagenen Gesundheitszustands nicht in der Lage ge-

wesen wäre, verwertbare Aussagen zu machen. Vielmehr seien ihre Aus-

führungen vergleichsweise umfangreich ausgefallen. Zudem habe sie das 

Angebot der Befragerin, die Anhörung an einem anderen Tag fortzusetzen, 

entschieden abgelehnt. Die eingereichten ärztlichen Unterlagen und der 

Hinweis auf noch ausstehende Abklärungen erschienen nicht geeignet, an 

dieser Einschätzung etwas zu ändern. Zudem handle es sich bei einer 

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Glaubhaftigkeitsbeurteilung um eine Gesamtwürdigung, bei welcher vorlie-

gend nicht nur die Aussagen der Beschwerdeführerin, sondern auch jene 

des Ehemannes miteinbezogen worden seien.  

4.4 Die Beschwerdeführenden liessen mit der Replik insbesondere einen 

Arztbericht einreichen, gemäss welchem bei der Beschwerdeführerin eine 

(…) diagnostiziert wurde. Sie wiesen darauf hin, dass die Qualität von Aus-

sagen nicht an ihrer Quantität gemessen werden könne; zudem habe die 

Beschwerdeführerin bei der Anhörung explizit erwähnt, dass sie an 

Schmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten leide. Weiter könne aus 

dem Umstand, dass sie die Befragung nicht an einem anderen Tag habe 

fortsetzen wollen, nicht abgeleitet werden, dass sie aussagefähig gewesen 

sei. Es sei nicht erstaunlich, dass sie dieses Angebot trotz ihres Zustands 

abgelehnt habe, nachdem sie lange auf diesen behördlichen Schritt gewar-

tet habe und die Befragung daher habe zu Ende führen wollen. Dies lasse 

jedoch nicht auf ihre Aussagefähigkeit schliessen, sondern vielmehr auf 

den Wunsch, das Verfahren bald zu beenden. Es werde somit deutlich, 

dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen sei, die Anhörung 

ordnungsgemäss zu bestreiten. Sodann lege die Vorinstanz dar, sie habe 

zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit auch auf die Aussagen des Ehemannes 

abgestellt. Im angefochtenen Entscheid würdige sie dessen Angaben aller-

dings lediglich in einer knappen Passage, in welcher sie ihm vorwiegend 

eine mangelnde Substanziierung seiner Aussagen vorwerfe. Dem sei zu 

entgegnen, dass seine Ausführungen zahlreiche Realkennzeichen wie na-

mentlich eigene Empfindungen, direkte Rede, Zugeben von Unwissenheit 

sowie Detailliertheit und Originalität aufwiesen.  

5.  

5.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-

nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-

macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie 

aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die 

Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-

nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-

krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung 

plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei 

wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen 

Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung 

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die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be-

schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber 

reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-

bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we-

sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1). 

5.2  

5.2.1 Auf Beschwerdeebene wurde geltend gemacht, die Beschwerdefüh-

rerin habe bei ihrer Anhörung unter starken Schmerzen gelitten, weshalb 

sie nicht aussagefähig gewesen sei. Zwar trifft es zu, dass sie während der 

Befragung erwähnte, sie leide an (…) - und (…) schmerzen (vgl. A26, F73, 

F90). Auch die Hilfswerksvertretung merkte an, dass es ihr nicht gut zu 

gehen scheine und sie teilweise Mühe gehabt habe, sich zu konzentrieren. 

Die Vorinstanz wies indessen zutreffend darauf hin, dass die Beschwerde-

führerin teilweise umfangreiche Ausführungen machte (vgl. A26, F67), was 

durchaus als Indiz dafür zu werten ist, dass sie trotz der von ihr erwähnten 

Beschwerden ihre Asylgründe darlegen konnte. Zudem ist festzuhalten, 

dass sie während der Anhörung auf entsprechende Nachfragen hin aus-

drücklich erklärte, dass sie in der Lage sei, die Anhörung fortzusetzen (vgl. 

A26, F74, F94 f.). Vor diesem Hintergrund kann sich die Beschwerdefüh-

rerin nicht im Nachhinein darauf berufen, dass ihre Aussagefähigkeit ein-

geschränkt gewesen sei und folglich bei der Beurteilung der Glaubhaf-

tigkeit ihrer Vorbingen ein niedrigerer Massstab anzusetzen sei. Dem Ab-

klärungsbericht vom 30. Januar 2019 lässt sich zwar entnehmen, dass bei 

ihr eine (…) diagnostiziert worden ist. Abgesehen von Medikamenten habe 

sie aber keine Behandlung gewünscht, da es ihr zu beschwerlich scheine, 

die Anreise und Kinderbetreuung zu organisieren. Trotz dieser bedauerli-

chen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kann von der Beschwerdefüh-

rerin erwartet werden, dass sie ihre Fluchtgründe in den wesentlichen Zü-

gen substanziiert und widerspruchsfrei darlegt. Ebenso wäre es ihr zuzu-

muten gewesen, dass sie – wenn es ihr aufgrund der Schmerzen nicht 

möglich gewesen wäre, die Befragung fortzusetzen – das ausdrückliche 

Angebot der befragenden Person, die Anhörung an einem anderen Tag 

weiterzuführen, angenommen hätte. Es kann dem SEM daher auch nicht 

vorgeworfen werden, es habe den Sachverhalt unvollständig abgeklärt, in-

dem es keine medizinischen Berichte über den Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin eingeholt habe. Angesichts ihrer ausdrücklichen Zusi-

cherung, sie sei in der Lage, die Anhörung zu Ende zu führen, bestand 

keine Veranlassung, infolge der geltend gemachten (…) - und (…) schmer-

zen auf eine fehlende Aussagefähigkeit zu schliessen. Eine unvollständige 

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Seite 11 

Sachverhaltsabklärung liegt folglich nicht vor, weshalb eine Rückweisung 

der Sache an die Vorinstanz – wie von den Beschwerdeführenden eventu-

aliter beantragt – ausser Betracht fällt.  

5.2.2 Die Beschwerdeführerin machte im Rahmen des freien Berichts sehr 

ausführliche Angaben (vgl. A26, F67). Es fällt jedoch auf, dass sie auf prä-

zisierende Nachfragen nur ausweichend antwortete, bereits Gesagtes wie-

derholte oder sich in Widersprüche verstrickte. So konnte sie nicht klar dar-

legen, wie es zur angeblichen Verlobung gekommen sei. Vielmehr gab sie 

lediglich an, das habe ihr Bruder entschieden und als Mädchen sei sie nicht 

gefragt worden (vgl. A26, F68). Weiter erklärte die Beschwerdeführerin zu-

erst ausdrücklich, sie habe erst zu einem Zeitpunkt, als ihr Bruder sie schon 

verlobt habe, von ihrer heutigen Schwägerin sowie ihren Schwestern er-

fahren, dass es sich bei ihrem Verlobten um einen alten, reichen Mann 

gehandelt habe, welcher schon verheiratet gewesen sei (vgl. A26, F69). 

Dies ist nicht vereinbar mit ihrer späteren Aussage, dass ihre Mutter ihr 

schon sehr früh mitgeteilt habe, dass ihre Brüder sie mit diesem Mann ver-

loben wollten (vgl. A26, F75 f.). Die diesbezügliche Erklärung, sie habe ein-

mal alles sehr ausführlich erzählt und danach kurz zusammengefasst (vgl. 

A26, F113), erscheint dabei nicht überzeugend, zumal es sich um ein zent-

rales Sachverhaltselement handelt, welches die Beschwerdeführerin 

grundlegend anders darstellt. Es ist auch nicht ersichtlich, dass sich durch 

die unterschiedliche Fragestellung – wie in der Beschwerdeschrift vorge-

bracht – ein Missverständnis ergeben hätte respektive sich die Antworten 

auf andere inhaltliche Aspekte bezogen haben sollten. Die diesbezügliche 

Anmerkung während der Rückübersetzung ist ebenfalls nicht geeignet, 

den betreffenden Widerspruch aufzulösen. Die Beschwerdeführerin er-

klärte dabei, dass ihre Schwestern und ihre Schwägerin sie vor der offizi-

ellen Verlobung hätten ermutigen wollen, sich gegen diese zu wehren, 

während ihre Mutter ihr das allererste Mal von der offiziellen Verlobung er-

zählt habe (vgl. A26, S. 23). Dies widerspricht jedoch gerade ihrer voran-

gehenden Aussage, dass sie überhaupt erst nach der Verlobung erfahren 

habe, um wen es sich bei ihrem vorgesehenen Ehemann handle (vgl. A26, 

F69).  

5.2.3 Weiter ist bemerkenswert, dass die Beschwerdeführerin kaum etwas 

über ihren Verlobten zu wissen scheint. Bei der BzP gab sie zu Protokoll, 

dieser heisse M._______. Sie habe ihn gehasst und deshalb nicht nach 

seinem Familiennamen gefragt. Er lebe im gleichen Distrikt, sie wisse aber 

nicht wo; zudem sei er reich und habe bereits eine Ehefrau gehabt (vgl. A6, 

Ziff. 7.02). Anlässlich der Anhörung führte sie aus, ihr Verlobter habe 

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M._______ mit Vornamen geheissen und er sei, da er viel Geld gehabt 

habe, "noch mit irgendwelchen Nachsilben, N._______ oder so etwas" ge-

rufen worden. Mehr wisse sie nicht über ihn (vgl. A26, F83 f.). Es ist auch 

unter Berücksichtigung des Umstands, dass die Beschwerdeführerin klar 

gegen diese Verbindung war, schwer verständlich, dass sie über keine wei-

teren Informationen zu ihrem angeblichen Verlobten verfügt haben will. Ei-

genen Angaben zufolge war sie für rund drei Monate mit diesem Mann ver-

lobt und verschiedene Personen aus ihrem Umfeld hätten sie auf diese 

Verlobung angesprochen (vgl. A26, F67, F69 und F113). Weiter seien die 

Frauen aus seiner Familie mehrmals bei ihrer Mutter gewesen und die 

Männer bei ihren Brüdern, wobei ihr jüngster Bruder ihr von letzterem be-

richtet habe (vgl. A26, F70 und F73). Im Rahmen des freien Berichts führte 

sie zudem aus, sie habe immer wieder gehört, wie ihre Mutter mit ihrem 

Bruder über die geplante Verlobung gesprochen und versucht habe, ihn 

davon abzubringen (vgl. A26, F67). Vor diesem Hintergrund ist es nicht 

nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin keine genaueren Kennt-

nisse über den Mann hat, welchen sie hätte heiraten sollen. Dies erstaunt 

umso mehr, als die Hochzeit offenbar zeitnah stattgefunden hätte, nach-

dem es der älteste Bruder abgelehnt habe, ein offizielles Verlobungsfest 

durchzuführen (vgl. A26, F103). Indessen kann es den Beschwerdeführen-

den nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass sie das genaue Hochzeits-

datum nicht hätten angeben können, nachdem die Beschwerdeführerin 

ausdrücklich erwähnte, dieses sei noch nicht festgelegt worden (vgl. A26, 

F104).  

5.2.4 Sodann erweisen sich die Antworten der Beschwerdeführerin auf die 

Frage, ob es früher bereits Versuche gab, sie zu verheiraten, als auswei-

chend. Zuerst erklärte sie, dass sie die Frage aufgrund ihrer (…) schmer-

zen nicht verstanden habe (vgl. A26, F89). In der Folge führte sie aus, dass 

sie zuvor noch nicht in der Pubertät gewesen sei und erst ins Pubertätsalter 

gekommen sei, "als diese kamen" (vgl. A26, F92), womit die Angehörigen 

ihres Verlobten gemeint sein dürften. Als die befragende Person sie darauf 

hinwies, dass sie zum damaligen Zeitpunkt bereits (…) Jahre alt und damit 

über die Pubertät hinaus gewesen sei, entschuldigte sie sich und meinte, 

sie könne sich nicht konzentrieren. Die unmittelbar daran anknüpfende 

Frage, ob sie die Anhörung abbrechen wolle, verneinte sie aber klar (vgl. 

A26, F93 f.). Die Erklärung der Beschwerdeführerin für das Fehlen von Be-

strebungen, sie bereits früher zu verheiraten – sie sei noch nicht im Puber-

tätsalter gewesen – blieben wenig überzeugend. Es ist in Afghanistan ge-

rade in ländlichen und traditionell eingestellten Kreisen keineswegs unüb-

D-7054/2018 

Seite 13 

lich, dass für Mädchen in einem jüngeren Alter, als es die Beschwerdefüh-

rerin war, ein Ehemann gesucht wird. Sie erwähnt denn auch mehrmals, 

ihr Bruder sei sehr streng und der Ansicht gewesen, dass man unverheira-

tete Mädchen nicht zu Hause behalten soll (vgl. A26, F13, F35, F67, F73 

und F76). Es wäre daher zu erwarten gewesen, dass es bereits früher Be-

strebungen für eine Verheiratung der Beschwerdeführerin gegeben hätte 

oder dass sie plausibel darlegen kann, weshalb dies nicht der Fall gewesen 

sei.  

5.2.5 Des Weiteren erklärte die Beschwerdeführerin bei der BzP, sie habe 

ein paar Mal versucht, Selbstmord zu begehen, wobei ihre Mutter sie ge-

rettet habe (vgl. A6, Ziff. 7.02). Während der Anhörung erwähnte sie dage-

gen nur einen Selbstmordversuch. Als Erklärung für diese unterschiedli-

chen Angaben führte sie aus, sie habe es nur einmal versucht, sich aber 

oft Gedanken gemacht, wie sie sich umbringen könnte (vgl. A26, F112). 

Dies entspricht indessen gerade nicht der Aussage, die sie bei der BzP 

gemacht hat. Zwar wird in der Replik darauf hingewiesen, dass der Be-

schwerdeführer nach der Anhörung anmerkte, seine Ehefrau habe den 

Dolmetscher bei ihrer BzP nicht gut verstanden (vgl. dazu A25, S. 17). 

Nachdem die Beschwerdeführerin selbst jedoch bei der BzP angab, sie 

verstehe die Dolmetscherin gut (vgl. A6, S. 2 und 9) und sich dem betref-

fenden Protokoll keine Hinweise auf Verständigungsschwierigkeiten ent-

nehmen lassen, ist dies als Schutzbehauptung zu werten. Überdies schil-

derte die Beschwerdeführerin bei der Anhörung den angeblichen Suizid-

versuch vage und widersprüchlich. So konnte sie diesen zeitlich nur sehr 

ungenau einordnen, indem sie erklärte, es sei vor ungefähr fünf oder sechs 

Jahren gewesen; sie könne sich nicht so genau daran erinnern (vgl. A26, 

F79). Weiter legte sie dar, dass sie von ihrer Mutter erfahren habe, dass 

sie diesen älteren Mann heiraten sollte, woraufhin sie aufs Zimmer gerannt 

sei. Sie habe versucht, die Türe zu schliessen, es sei ihrer Mutter – die ihr 

zusammen mit dem jüngeren Bruder gefolgt sei – aber gelungen, ins Zim-

mer hineinzukommen. Es habe eine Diskussion gegeben und sie habe ih-

rer Mutter Vorwürfe gemacht und gesagt, sie wolle nicht mehr leben. Prä-

zisierend führte sie aus, dass sie – noch bevor die Mutter und der Bruder 

hineingekommen seien – sehr rasch eine ganze Packung Tabletten ge-

schluckt habe mit dem Ziel, sich umzubringen. Dann habe ihre Mutter ge-

klopft und sei ins Zimmer gelangt, als gerade mal etwa die Hälfte der Tab-

letten in ihrem Magen gelandet gewesen sei (vgl. A26, F80). Es ist schwer 

vorstellbar, dass die Beschwerdeführerin noch (vergeblich) versucht haben 

will, die Türe zu schliessen, und trotzdem eine Packung Tabletten ge-

schluckt habe, bevor die Mutter ins Zimmer kam. Selbst wenn dies der Fall 

D-7054/2018 

Seite 14 

gewesen wäre, hätte es in diesem Moment kaum eine Diskussion zwischen 

ihr und ihrer Mutter gegeben, zumal sie zu jenem Zeitpunkt gerade erst die 

Tabletten geschluckt und teilweise unmittelbar wieder erbrochen haben 

will. Es bestehen daher erhebliche Zweifel an dem von der Beschwerde-

führerin dargelegten Suizidversuch.  

5.2.6 Das SEM weist in der angefochtenen Verfügung sodann zu Recht 

darauf hin, dass die Angaben der Beschwerdeführerin zur geltend gemach-

ten Bedrohungslage wenig substanziiert ausfielen. So gab sie lediglich in 

allgemeiner Weise an, dass ihr Leben in Gefahr sei, sowohl von Seiten 

ihrer Brüder als auch ihres Verlobten. Dies begründete sie damit, dass sie 

die Familienehre verletzt und aus Sicht ihres Verlobten sogar einen Ehe-

bruch begangen habe (vgl. A26, F105 f.). Dabei war sie nicht in der Lage, 

konkretere Aussagen dazu zu machen (vgl. A26, F118). Dies erstaunt ins-

besondere deshalb, weil die Beschwerdeführerin nach wie vor in telefoni-

schem Kontakt mit ihrer Mutter steht (vgl. A26, F20) und folglich zu erwar-

ten gewesen wäre, dass diese ihr von der Situation in der Heimat erzählt 

hätte. Sie führte aber lediglich pauschal aus, der Verlobte sei sehr böse 

gewesen und habe damit gedroht, sie, ihren Ehemann sowie ihre allfälligen 

Kinder umzubringen, wobei ihre Brüder derselben Meinung seien (vgl. A26, 

F107). Die Erklärung der Beschwerdeführerin, dass ihre Mutter kein eige-

nes Telefon habe und sie nur von Bekannten aus anrufen könne, weshalb 

sie nicht frei sprechen könne (vgl. A26, F119), erweist sich dabei als wenig 

überzeugend. Es leuchtet nicht ein, weshalb die Mutter einerseits durchaus 

Angaben zur Reaktion des Verlobten und der Brüder machen konnte, wäh-

rend es ihr andrerseits nicht möglich gewesen sein soll, diese zu konkreti-

sieren.  

5.2.7 Schliesslich ist anzumerken, dass sich in den Ausführungen der Be-

schwerdeführerin dazu, ob ihr heutiger Ehemann zuerst seine Schwester 

geschickt habe, um mit ihrer Mutter zu sprechen, oder ob er direkt selbst 

vorbeikam, kein Widerspruch zu erblicken ist. Die beiden von der Vor-

instanz zitierten Protokollstellen (A26, F67 S. 10 und F98) beziehen sich 

auf unterschiedliche Fragestellungen. Während die erste Passage den 

freien Bericht betrifft, wurde bei der zweiten eine konkrete Frage gestellt. 

Letztere zielte darauf ab, wann sie ihren Ehemann das erste Mal getroffen 

habe, weshalb es nachvollziehbar erscheint, dass sie dabei nicht erneut 

erwähnte, dieser habe erst seine Schwester zu seiner Mutter geschickt, 

bevor er selbst bei ihr vorgesprochen habe. Im späteren Verlauf der Anhö-

rung bestätigte die Beschwerdeführerin diese Version der Ereignisse (vgl. 

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Seite 15 

A26, F111), weshalb dies nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen 

spricht.  

5.3 Hinsichtlich der Aussagen des Beschwerdeführers führte die Vor-

instanz aus, dass diese undifferenziert, schemenhaft und nicht erlebnisba-

siert ausgefallen seien. Tatsächlich fällt bei der Durchsicht des Anhörungs-

protokolls auf, dass der Beschwerdeführer seine Fluchtgründe wiederholt 

mit fast den gleichen Worten darlegt. So gab er mehrmals an, dass seine 

heutige Ehefrau bei seiner Schwester gearbeitet habe und mit ihrer von 

den Brüdern eingefädelten Verlobung nicht einverstanden gewesen sei, 

weshalb er mit deren Mutter gesprochen und vorgeschlagen habe, sie mit-

zunehmen und dadurch zu retten (vgl. A25, F55 f., F62, F64, F67, F70, 

F85 f.). Im Rahmen der Replik wird geltend gemacht, dass die Aussagen 

des Beschwerdeführers zahlreiche Realkennzeichen aufweisen würden. 

Das Gericht kann sich dieser Auffassung jedoch nicht anschliessen. So ist 

nicht ersichtlich, inwiefern sich der dort zitierten Antwort des Beschwerde-

führers eigene psychische Vorgänge entnehmen lassen sollten (vgl. A25, 

F55). Zwar findet sich in seinen Aussagen mehrmals direkte Rede, was 

aber genau jene oben erwähnten Passagen betrifft, welche vom Beschwer-

deführer stets gleich lautend beschrieben werden. Es ist nicht davon aus-

zugehen, dass sich die Gespräche zwischen ihm und seiner Schwieger-

mutter jeweils auf dieselben wenigen Sätze beschränkt haben. Weiter wird 

vorgebracht, dass er Wissenslücken zugebe, was ein Realkennzeichen 

darstelle. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass die erwähnte Wis-

senslücke ausgerechnet auf die Frage hin auftaucht, was er befürchtet 

hätte, wenn er nicht ausgereist wäre (vgl. A25, F58). Mit anderen Worten 

weist der Beschwerdeführer eine Wissenslücke hinsichtlich des Grundes 

auf, welcher ihn dazu bewogen habe, Afghanistan zu verlassen, was nicht 

für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen spricht. Ferner wird in der Replik 

dargelegt, die Schilderungen des Beschwerdeführers seien detailliert und 

originell, wobei im Wesentlichen auf Sachverhaltselemente verwiesen wird 

(A25, F59 f., F73 ff.), die mit seiner eigenen Familie und nicht mit seiner 

heutigen Ehefrau – was notabene der einzige Grund für die Ausreise ge-

wesen sei (vgl. A25, F54) – zusammenhängen. Hingegen erweist sich die 

Antwort des Beschwerdeführers dazu, was ihm seine Schwester über die 

Situation nach der Ausreise berichtet habe, als relativ detailliert und präzise 

(vgl. A25, F91).  

5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen der Beschwer-

deführerin eine gewisse Ausführlichkeit aufweisen und vereinzelt Real-

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Seite 16 

kennzeichen enthalten, beispielsweise indem sie die Reaktion ihres Ehe-

mannes beschreibt, als ihre Mutter die Zustimmung zu ihrer Heirat gege-

ben habe (vgl. A26, F67 S. 11). In ihren Schilderungen finden sich aber 

auch viele allgemein gehaltene Angaben, namentlich zur Lage von Mäd-

chen in Afghanistan und zum Verhalten ihres Bruders sowie dessen Ein-

stellung (vgl. A26, F68, F85 ff., F90, F108, F114, F118). Gerade in Bezug 

auf die konkreten Ereignisse vor der Flucht, mithin zu ihrem angeblichen 

Verlobten, dem Selbstmordversuch sowie der Bedrohungslage, welche sie 

zur Ausreise veranlasst habe, sind ihre Angaben jedoch vage, unsubstan-

ziiert und teilweise auch widersprüchlich. Zwar ist vorliegend zu berück-

sichtigen, dass die Beschwerdeführerin gesundheitliche Probleme hat und 

während der Anhörung unter Schmerzen litt. Dennoch kann von ihr erwar-

tet werden, dass sie ihre Vorbringen in den wesentlichen Zügen kohärent 

und substanziiert darzulegen vermag, zumal sie ausdrücklich darauf be-

stand, die Anhörung trotz der geltend gemachten Beschwerden zu Ende 

zu führen. Dies gelang ihr jedoch nicht, nachdem ihre Schilderungen zahl-

reiche Ungereimtheiten aufweisen. Auch die Aussagen des Beschwerde-

führers sind in Bezug auf zentrale Sachverhaltselemente weitestgehend 

als oberflächlich, repetitiv und nicht erlebnisgeprägt einzustufen. Im Rah-

men einer Gesamtwürdigung der Vorbringen der Beschwerdeführenden ist 

deshalb festzustellen, dass vorliegend die Elemente, welche gegen deren 

Glaubhaftigkeit sprechen, überwiegen.  

6.  

Nach dem Gesagten ist das SEM zu Recht zum Schluss gelangt, dass die 

Vorbringen der Beschwerdeführenden insgesamt den Anforderungen an 

das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. 

Es hat folglich zutreffend ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asyl-

gesuche abgelehnt.  

7.  

Lehnt das das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-

net (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).  

D-7054/2018 

Seite 17 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG SR 142.20]).  

8.2 Die Vorinstanz hat infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

eine vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz ange-

ordnet. Diese bleibt durch den vorliegenden Entscheid unberührt. Da die 

Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. BVGE 

2009/51 E. 5.4), erübrigen sich weitere Ausführungen zur Frage der Durch-

führbarkeit des Vollzugs der Wegweisung. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da-

her abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem 

mit Instruktionsverfügung vom 19. Dezember 2018 das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen wurde, ist auf 

die Auferlegung von Kosten zu verzichten.  

10.2 Mit derselben Instruktionsverfügung wurde den Beschwerdeführen-

den lic. iur. Monika Böckle als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Der 

Rechtsvertreterin ist folglich ein amtliches Honorar auszurichten. Diese 

reichte mit der Replik eine Kostennote vom 13. März 2019 ein, in welcher 

sie einen Aufwand von sieben Stunden à Fr. 200.– sowie Auslagen in Höhe 

von Fr. 70.– (Porti, Telefon- und Faxgebühren sowie Dolmetscherkosten) 

geltend machte, insgesamt Fr. 1'470.–. Der zeitliche Aufwand erweist sich 

als angemessen, wobei der Stundenansatz für die nicht-anwaltliche 

Rechtsvertreterin praxisgemäss – wie bereits in der Zwischenverfügung 

vom 19. Dezember 2018 angekündigt – auf Fr. 150.– zu reduzieren ist. Das 

Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin ist somit auf Fr. 1'120.– (inklusive 

Auslagen) festzusetzen.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-7054/2018 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin lic. iur Monika Böckle wird zulasten des 

Bundesverwaltungsgerichts ein amtliches Honorar von Fr. 1'120.– ausge-

richtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mia Fuchs Regula Aeschimann 

 

 

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