# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7aff73b8-f1fc-52e8-9fec-5231e224ab61
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-20
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 20.09.2021 UV 2020/69
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2020-69_2021-09-20.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2020/69

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 22.02.2022

Entscheiddatum: 20.09.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 20.09.2021
Art. 10 UVG. Art. 16 UVG. Würdigung ärztlicher Berichte. Eine volle 
Arbeitsfähigkeit und der fehlende Bedarf einer weiteren unfallkausalen 
medizinischen Behandlung sind im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch 
die Beschwerdegegnerin nicht überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen. 
Sie hat über diesen Zeitpunkt hinaus bis zum Behandlungsabschluss durch 
den behandelnden Arzt Versicherungsleistungen zu erbringen. Gutheissung 
der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 20. September 2021, UV 2020/69).

Entscheid vom 20. September 2021

Besetzung

Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider (Vorsitz), Versicherungsrichter 

Joachim Huber und Versicherungsrichterin Corinne Schambeck; Gerichtsschreiberin 

Katja Blättler

Geschäftsnr.

UV 2020/69

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Advokatur Glavas AG, 

Haus zur alten Dorfbank, 9313 Muolen,

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gegen

Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG, Postfach, 8010 Zürich,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Taggeldleistungen / Heilbehandlung

Sachverhalt

A.  

A.___ war bei der B.___ GmbH tätig und dadurch bei der Allianz Suisse 

Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Allianz) obligatorisch gegen die Folgen 

von Unfällen versichert, als ihm am 10. Dezember 2018 beim Tragen eines 

Konservenkartons plötzlich das rechte Bein auf die Seite wegrutschte und er stürzte 

(UV-act. 1, 6). Der gleichentags erstbehandelnde Dr. med. C.___, Innere Medizin FMH, 

diagnostizierte eine Muskelverletzung im Bereich der Adduktoren-Gruppe am 

Oberschenkel rechts. Er verordnete dem Versicherten ein nicht steroidales 

Antiphlogistikum (NSAR), empfahl eine Ruhigstellung und attestierte ihm vom 10. bis 

19. Dezember 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, vom 21. Dezember 2018 bis 

12. Februar 2019 eine solche von 90 % und vom 13. Februar bis 10. März 2019 eine 

solche von 80 % (UV-act. 8 f., 14). Die Allianz kam für die Folgen des Unfalls auf (vgl. 

UV-act. 11 f.).

A.a. 

Dr. C.___ berichtete am 24. April 2019 über einen regulären, wenn auch etwas 

protrahierten Heilungsverlauf. Der Versicherte werde mit NSAR und Physiotherapie 

behandelt. Seit 11. März 2019 sei er zu 50 % arbeitsfähig. Die Prognose sei günstig, 

die Behandlung dauere wahrscheinlich noch bis Ende April 2019 (UV-act. 20, vgl. UV-

act. 19).

A.b. 

Am 9. Mai 2019 teilte die Allianz Dr. C.___ mit, aus Sicht ihres beratenden Arztes, 

Dr. med. D.___, Spezialarzt für Allgemein- und Unfallchirurgie FMH, sei eine 

A.c. 

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B.  

Arbeitsunfähigkeit aus chirurgischer Sicht nicht nachvollziehbar. Ein genauer Befund 

sei den Arztberichten nicht zu entnehmen. Dr. D.___ bitte um eine erneute, plausible 

Erklärung der Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 23).

Dr. C.___ attestierte dem Versicherten ab 20. Mai 2019 wieder eine 

Arbeitsfähigkeit von 100 % (UV-act. 24). Am 27. August 2019 berichtete er, in der 

Erstuntersuchung vom 10. Dezember 2018 habe er nebst der lokalen Druckdolenz im 

Bereich der mittleren Adduktorengruppe einen Schmerz bei Adduktion des rechten 

Beins gegen Widerstand sowie bei forcierter Flexion erhoben. Es habe der Verdacht 

einer traumatischen Adduktorenzerrung rechts bestanden. Bereits zwei Tage darauf 

habe der Versicherte ihn erneut konsultiert. Sonographisch habe sich nebst einem 

subfaszialen Bluterguss ein Integrationsschaden des Adduktorenmuskels gezeigt, 

weshalb er den Verdacht auf einen Muskelfaserriss gehabt habe. Der weitere 

therapeutische Ansatz sei konservativ gewesen mit Schonung, Abschwellung und im 

Verlauf physiotherapeutischen Massnahmen. Mit kontinuierlicher Belastungssteigerung 

im Rahmen seiner Tätigkeit bei der B.___ GmbH habe sich der Versicherte langsam 

erholt. Die Behandlung habe er per 31. Mai 2019 abgeschlossen (UV-act. 31).

A.d. 

Im Auftrag der Allianz erstellte Dr. D.___ am 6. September 2019 ein 

Aktengutachten. Er befand, ab dem 11. März 2019 sei eine weitere Arbeitsunfähigkeit 

nicht mehr nachvollziehbar und eine "bein-knieadaptierte" Arbeitsfähigkeit von 100 % 

in der Tätigkeit eines Betriebsinhabers zumutbar (UV-act. 32).

A.e. 

Mit Verfügung vom 12. September 2019 stellte die Allianz die 

Versicherungsleistungen rückwirkend per 11. März 2019 ein (UV-act. 35).

A.f. 

Dagegen liess der Versicherte durch seine Rechtsschutzversicherung am 11. 

Oktober 2019 Einsprache erheben (UV-act. 38, vgl. UV-act. 41). Am 19. Dezember 

2019 liess er diese begründen und eine Beurteilung von Dr. med. E.___, Fachärztin für 

Chirurgie FMH, vom 15. Dezember 2019 einreichen. Diese hatte die von Dr. C.___ 

attestierte (Teil-)Arbeitsunfähigkeit bis zum 19. Mai 2019 für die angestammte Tätigkeit 

des Versicherten als ausgewiesen erachtet (UV-act. 43).

B.a. 

Mit Entscheid vom 29. Juli 2020 wies die Allianz die Einsprache ab (UV-act. 46).B.b. 

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C.  

Erwägungen

1.

Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des 

Beschwerdeführers auf vorübergehende Versicherungsleistungen (Heilbehandlung, 

Taggelder) gegenüber der Beschwerdegegnerin im Zeitraum vom 12. März bis 31. Mai 

2019. Der Beschwerdeführer beantragte in seiner Beschwerde zwar 

Versicherungsleistungen bis Ende Mai 2020. Bei der Jahreszahl handelt es sich aber 

offensichtlich um einen Verschrieb, zumal er selbst von einem Behandlungsabschluss 

und einer vollen Arbeitsfähigkeit spätestens per Ende Mai 2019 ausging (act. G1).

Dagegen erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch 

Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, Muolen, am 14. September 2020 Beschwerde. Er 

beantragte darin, der Einspracheentscheid vom 29. Juli 2020 sei aufzuheben und die 

Allianz (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, die 

Unfallversicherungsleistungen - insbesondere die Taggelder und die Heilbehandlung - 

bis Ende Mai 2020 (vgl. bezüglich der fehlerhaften Jahreszahl E. 1) zu übernehmen; 

alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).

C.a. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 10. November 2020 die vollumfängliche 

Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G6). Sie 

verwies dabei unter anderem auf eine Stellungnahme von Dr. D.___ vom 30. Oktober 

2020 (UV-act. 49).

C.b. 

Mit Replik vom 18. Januar 2021 und Duplik vom 1. Februar 2021 hielten die 

Parteien an ihren Anträgen fest (act. G10, G12).

C.c. 

Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 

6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des Bundes­

gesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Anspruch auf Taggeld 

entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wiedererlangung der 

vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten 

1.1. 

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Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Die versicherte Person hat zudem Anspruch auf die 

zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).

Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die 

Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, 

die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis 

zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc 

Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2018, 

[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in Ghislaine Frésard-

Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler 

Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André 

Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich 

Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). 

Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs (bzw. des Wegfalls desselben) wird 

in erster Linie mittels Angaben der medizinischen Fachpersonen geführt (Urteil des 

Bundesgerichts vom 1. September 2008, 8C_522/2007, E. 4.3.2; KOSS UVG-Nabold, 

N 53 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55). Bei 

physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem 

natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers 

praktisch keine Rolle (BGE 135 V 250 E. 4 mit Hinweisen, 118 V 291 f. E. 3.a, 117 V 365 

mit Hinweisen; SVR 2000 Nr. 14 S. 45). Das Vorliegen eines natürlichen 

Kausalzusammenhangs bzw. das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von 

unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im 

Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

verneint werden können bzw. nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich 

fehlender Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (Thomas Locher/Thomas Gächter, 

Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N. 58 f.; Rumo-Jungo/

Holzer, a.a.O., S. 4).

1.2. 

Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit 

nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall 

nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der fortdauernd geklagten 

Beschwerden darstellt, d.h., wenn die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf 

unfallfremden Ursachen beruhen. Im Rahmen der Prüfung des Dahinfallens der 

Leistungspflicht des Unfallversicherers genügt es mithin für die Bejahung des 

fortbestehenden natürlichen Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche 

gesundheitliche Störung immer noch eine Teilursache darstellt. Gemäss Art. 36 Abs. 1 

1.3. 

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UVG werden die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die Taggelder und 

Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur 

teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung beinhaltet eine Durchbrechung des 

Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein Gesundheitsschaden durch das 

Zusammenwirken konkurrierender, teils unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen 

bewirkt worden ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. 

Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. Februar 2003, 

U 287/02, E. 4.4). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche 

Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von 

unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 

4; Thomas Locher/Thomas Gächter, a.a.O., § 70 N. 58). Da es sich um eine 

anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, 

ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei 

der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 

E. 2 mit Hinweisen, 1994 Nr. U 206 S. 328; siehe ebenso BGE 117 V 261 E. 3b). Dieser 

muss jedoch nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen. Ebenso wenig 

geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein 

Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller 

Gesundheit sei (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2008, 8C_465/2007, E. 3.1 mit 

Hinweisen). Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist unerheblich. 

Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens 

ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind. Die Leistungspflicht 

des Unfallversicherers bei einem durch den Unfall verschlimmerten oder überhaupt erst 

manifest gewordenen krankhaften Vorzustand entfällt erst, wenn entweder der 

(krankhafte) Gesundheitszustand erreicht ist, wie er unmittelbar vor dem Unfall 

bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem 

schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher 

oder später eingestellt hätte (Status quo sine; vgl. zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206 

S. 328 f. E. 3b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni 2007, U 290/06, 

E. 3.3).

Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die 

urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln 

sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig 

davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die 

verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs 

1.4. 

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gestatten. Um den Gesundheitszustand und insbesondere das Ausmass der 

Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das 

Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere 

Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des 

Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben 

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der 

medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a 

mit Hinweisen). Den Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen während des 

Administrativverfahrens von ihren eigenen oder von beratenden Ärzten und Ärztinnen 

einholen, kann rechtsprechungsgemäss ebenfalls Beweiswert beigemessen werden 

(BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen 

Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. 

Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der 

versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen 

vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 f. E. 1a). 

Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auch reine Beurteilungen aufgrund der Akten, 

wie sie vorliegend von den Dres. D.___ und E.___ erstellt wurden (UV-act. 32, 43, 49), 

beweiskräftig sein können, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im 

Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden 

medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der 

versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 

2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1).

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2.

Die Beschwerdegegnerin kam bis zum 11. März 2019 für die Folgen des Unfalls vom 

10. Dezember 2018 auf. Danach verneinte sie die Unfallkausalität der noch 

bestehenden Beschwerden gestützt auf die Beurteilung von Dr. D.___ vom 6. 

September 2019 (UV-act. 32). Während des Beschwerdeverfahrens holte sie eine 

weitere Stellungnahme von Dr. D.___ ein und hielt basierend darauf an ihrem 

Standpunkt fest (UV-act. 49, act. G6). Der Beschwerdeführer macht einen weiteren 

Leistungsanspruch bis Ende Mai 2019 (vgl. E. 1) geltend und verweist dabei auf die 

Einschätzungen von Dr. E.___ vom 15. Dezember 2019 (UV-act. 43) sowie Dr. C.___ 

(insbesondere vom 27. August 2019; vgl. UV-act. 31).

Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine 

strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares 

Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die mittels apparativer 

Untersuchungsmethoden (wie Röntgen, Sonographie, Kernspintomographie, 

Computertomographie, Arthroskopie) erhoben worden sind (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 

134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen, 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 

mit Hinweisen [U 479/05]; Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 

8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen).

2.1. 

Vorerst ist festzuhalten, dass sich ein relevanter Vorzustand bezüglich des rechten 

Oberschenkels aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

nachweisen lässt. Im Gesprächsprotokoll der für die Beschwerdegegnerin tätigen 

Schadeninspektorin vom 2. Mai 2019 ist zwar vermerkt, dass der Beschwerdeführer 

bereits am 23. März 2018 und 1. Juni 2018 Unfälle gemeldet habe. Diese hätten jedoch 

den linken Ellbogen und den Rücken betroffen (UV-act. 22). Auch ist keine nach dem 

Unfall vom 10. Dezember 2018 eingetretene, mit den Beschwerden am Oberschenkel 

rechts in Zusammenhang stehende Erkrankung bekannt. Die Beschwerdegegnerin 

stellte Dr. D.___ am 23. Oktober 2010 Fragen bezüglich des Zeitpunkts des "Status 

quo ante/sine" (vgl. UV-act. 48). Die Problematik eines Status quo sine erübrigt sich 

jedoch mangels Nachweises eines relevanten Vorzustands. Dasselbe gilt grundsätzlich 

auch bezüglich der vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Frage nach der 

Anwendbarkeit von Art. 36 Abs. 1 UVG (keine Kürzung von Versicherungsleistungen bei 

einer Gesundheitsschädigung, die nur teilweise Unfallfolge ist; act. G1, G10). Wie sich 

jedoch nachfolgend ergibt, ist ein Leistungsanspruch bis zum 20. Mai 2019 ohnehin zu 

bejahen. Dies selbst wenn ein relevanter Vorzustand beständen hätte und die 

Gesundheitsschädigung teilweise unfallfremd wäre.

2.2. 

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Vorliegend steht eine Arbeitsunfähigkeit vom 10. Dezember 2018 bis maximal 20. 

Mai 2019, mithin von gut fünf Monaten, im Raum (vgl. UV-act. 31). Für die Beurteilung 

des Taggeldanspruchs ist damit unbestritten die Arbeitsfähigkeit in der angestammten 

Tätigkeit ausschlaggebend (Art. 16 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 6 ATSG; Ueli Kieser, ATSG-

Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 96 ff. zu Art. 6). Umstritten ist jedoch, was die 

angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers genau beinhaltete (vgl. act. G1, G6, 

G10). Dieser ist als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der B.___ GmbH im 

Handelsregister eingetragen (vgl. den entsprechenden Eintrag in www.zefix.ch). Am 2. 

Mai 2019 führte der Beschwerdeführer gegenüber der zuständigen Schadeninspektorin 

der Beschwerdegegnerin aus, er führe zusammen mit seiner Ehefrau einen grösseren 

Verkaufsladen mit vorwiegend Lebensmitteln. Das Hauptgeschäft bestehe in den 

Auslieferungen an diverse Zwischenhändler und Restaurants in der Umgebung. Diese 

bestellten bei ihm Ware, unter anderem 20 kg schwere Säcke, und er liefere diese mit 

dem Lieferwagen aus. Seine Haupttätigkeit sei vorwiegend die Auslieferung, diese 

mache rund 80 bis 90 % seiner Tätigkeit aus. Seine Ehefrau betreue eher den Laden 

für die "Laufkundschaft". Er und seine Ehefrau arbeiteten beide zu 100 %. Mitarbeiter 

würden nicht fix beschäftigt, jedoch zeitweise Aushilfen für den Transport von 

schweren Lasten; insbesondere die grossen Säcke seien sehr schwer (UV-act. 22, 

Aushilfen nur ad hoc bzw. auf Abruf zu einem Pensum von rund 10 %; vgl. act. G10). 

Zum Lokal gehörten drei Parkplätze im Hinterhof für den Lieferwagen sowie ein 

Magazin im Keller. Die bestellten Waren müssten immer sehr schnell ausgeliefert 

werden, es gehe relativ hektisch zu und her (UV-act. 22). Es ist somit davon 

auszugehen, dass die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers vorwiegend in 

der Auslieferung von Waren bestand. Dabei musste er regelmässig rund 20 kg schwere 

Säcke tragen sowie den Lieferwagen be- und entladen. Dementsprechend ist 

entscheidend, ob und in welchem Umfang er diese Tätigkeit ausführen konnte.

2.3. 

Dr. C.___ hielt in seinem Arztzeugnis vom 4. Februar 2019 fest, der 

Beschwerdeführer sei am 10. Dezember 2018 auf nasser Unterlage ausgerutscht, nach 

vorne gestürzt und habe sich das rechte Bein verdreht. Anlässlich der 

Erstuntersuchung am Unfalltag habe er als Befund einen Schmerz am medialen 

Oberschenkel rechts, vor allem bei Adduktion (dort fälschlicherweise festgehalten: 

Abduktion; vgl. UV-act. 31), und ein palpables Hämatom festgestellt. Er habe eine 

Muskelverletzung im Bereich der Adduktoren-Gruppe Oberschenkel rechts 

diagnostiziert, eine Ruhigstellung veranlasst und dem Beschwerdeführer Mefenacid 

verordnet (UV-act. 8). Am 27. August 2019 führte Dr. C.___ aus, bereits zwei Tage nach 

dem Unfall habe ihn der Beschwerdeführer erneut konsultiert. Dieser habe dann einen 

deutlichen, relativ scharf begrenzten Bluterguss am medialen rechten Oberschenkel im 

2.4. 

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proximalen bis mittleren Drittel und eine leichte Überwärmung aufgewiesen. 

Sonographisch habe er, Dr. C.___, nebst dem subfaszialen Bluterguss einen 

Integrationsschaden des Adduktorenmuskels gesehen und damit den Verdacht auf 

einen Muskelfaserriss gehabt. Der weitere therapeutische Ansatz sei konservativ 

gewesen mit Schonung, Abschwellung und im Verlauf physiotherapeutischen 

Massnahmen (UV-act. 31). Mit dem sonographischen Nachweis eines 

Muskelfaserrisses bzw. mindestens dem Verdacht auf einen solchen lag unbestritten 

eine organisch objektivierbare Körperschädigung vor. Der von Dr. C.___ beschriebene 

Behandlungsverlauf ist nachvollziehbar. Dies gilt auch für die kontinuierliche Steigerung 

der Arbeitsfähigkeit während der Erholung des Beschwerdeführers. Dr. C.___ 

attestierte dem Beschwerdeführer vom 10. bis 19. Dezember 2018 eine 

Arbeitsunfähigkeit von 100 %, vom 20. Dezember 2018 bis 12. Februar 2019 von 90 %, 

vom 13. Februar bis 10. März 2019 von 80 %, vom 11. März bis 19. Mai 2019 von 50 

% und ab 20. Mai 2019 von 0 %. Er hielt am 27. August 2019 fest, die Behandlung sei 

Ende Mai (31. Mai 2019) abgeschlossen worden (UV-act. 31). Am 24. April 2019 war Dr. 

C.___ noch von einem wahrscheinlichen Behandlungsabschluss Ende April 2019 

ausgegangen. Er hatte jedoch über einen etwas protrahierten (aber regulären) 

Heilungsverlauf berichtet (UV-act. 20). Die weitere Verzögerung des Behandlungsendes 

bis 31. Mai 2019 ist damit plausibel. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Dr. C.___ 

dem Beschwerdeführer erst am 26. März 2019 Physiotherapie verordnet hatte und 

diese mindestens bis Anfang Mai 2019 andauerte (vgl. UV-act. 22). Als Ziel der 

Physiotherapie hatte er eine Analgesie/Entzündungshemmung, die Verbesserung der 

Gelenks- und Muskelfunktion sowie der Propriozeption/ Koordination angegeben (vgl. 

act. G10.1).

Dr. E.___ beurteilte am 15. Dezember 2019 aufgrund der Akten, der 

Beschwerdeführer habe sich am 10. Dezember 2019 eine Adduktorenzerrung mit 

Muskelfaserriss und konsekutivem Hämatom zugezogen. Es handle sich um eine Grad 

III-Läsion (Muskelriss und Hämatombildung). Eine intensive körperliche Aktivität sei 

unter Umständen während Monaten nicht möglich. Insbesondere das Gehen und 

Bewegen sei schmerzhaft, teilweise träten auch Krämpfe auf. Dies, da die Adduktoren-

Hauptfunktion darin bestehe, das Bein zurück Richtung Mittellinie zu ziehen. Es sei in 

diesem Zusammenhang anzumerken, dass vorliegend keine radiologische Bildgebung 

erfolgt sei (ausser einem Ultraschall). Bezüglich weiterführenden Verletzungen der 

Muskeln ursprungsnah sei also nichts bekannt. Die Arbeitsfähigkeit bei einer 

Adduktorenzerrung vom Grad III könne nicht vom Bürostuhl aus beurteilt werden, sie 

werde von der Klinik bestimmt. Es sei auch nicht so, dass die Verletzung nach drei 

Monaten ausgeheilt sei und das Bein nach dieser Zeit problemlos wiederbelastet 

2.5. 

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werden könne. Die Rehabilitation erfolge schrittweise, was vorliegend in der 

schrittweisen Reduktion der Arbeitsunfähigkeit seitens des Hausarztes Dr. C.___ zum 

Ausdruck komme. Es sei nachvollziehbar, dass die Haupttätigkeit des 

Beschwerdeführers (Auslieferung der Produkte) längere Zeit nicht möglich gewesen sei. 

Die Physiotherapie sei erst im April/Mai 2019 aufgenommen worden. Vorliegend sei bei 

einer Adduktorenzerrung vom Grad III rechts die hausärztlich attestierte 

Arbeitsunfähigkeit, inklusive der 50%igen Arbeitsunfähigkeit vom 11. März bis 19. Mai 

2019 für die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers von ärztlicher Seite 

ausgewiesen (UV-act. 43). Dr. E.___ bestätigte damit im Wesentlichen die Beurteilung 

von Dr. C.___. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (act. G6) bezog sie sich 

dabei durchaus auf die konkrete Situation des Beschwerdeführers, auch wenn sie 

teilweise allgemeine Erfahrungstatsachen bei Muskelfaserrissen wiedergab.

Gegenüber der Schadeninspektorin führte der Beschwerdeführer am 2. Mai 2019 

aus, er habe anfangs (nach dem Unfall) extreme Schmerzen wegen des Hämatoms 

gehabt und habe kaum gehen können. Der Bluterguss habe zwei bis drei Wochen 

angedauert, noch im Januar 2019 habe er Schmerzen gehabt. Die Arbeitsunfähigkeit 

sei damit begründet, dass er die schweren Säcke (20 kg) wegen des Beins nicht tragen 

und entsprechend auch keine Auslieferungen machen könne. Er könne derzeit die 

Ware wegen des Beins weder Ein- noch Ausladen und sei deshalb eher im Laden 

beschäftigt; das heisse, er fülle das Magazin mit Dosen etc. auf, erledige etwas 

Büroarbeiten und Telefonate, wobei die Büroarbeiten keinen grossen Zeitbedarf in 

Anspruch nähmen. Er nehme immer noch Schmerzmittel ein, wolle diese aber in einer 

Woche weglassen. Derzeit arbeite er nur halbtags, meist morgens. Die Auslieferungen 

mache aktuell seine Ehefrau, manchmal mit Hilfe einer Aushilfsperson. Er habe durch 

die Unfälle auch eine Umsatzeinbusse erlitten, da er teilweise nicht mehr alle Kunden 

habe beliefern können. Vor kurzem habe er mit Physiotherapie begonnen und besuche 

diese einmal pro Woche. Die Physiotherapie sei ihm erst jetzt verordnet worden, weil 

man nicht damit gerechnet habe, dass der Bluterguss so lange anhalten würde. Vor 

zwei Tagen habe ihm der Physiotherapeut wegen des restlichen Hämatoms ein Pflaster 

abgegeben, welches er drei bis fünf Tage am Bein belassen müsse (UV-act. 22). Aus 

dem Gesprächsprotokoll ergibt sich damit zusammenfassend, dass der 

Beschwerdeführer am 2. Mai 2019 noch Beschwerden hatte und deshalb seine übliche 

Tätigkeit nicht in vollem Umfang ausüben konnte.

2.6. 

Die Beschwerdegegnerin stützt ihren Standpunkt abweichend von der Ansicht der 

Dres. C.___ und E.___ auf die Beurteilungen von Dr. D.___.

2.7. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/16

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Dr. D.___ befand am 6. September 2019, der Beschwerdeführer habe anlässlich 

des Gesprächs mit der Schadeninspektorin selber bestätigt, dass der Bluterguss noch 

zwei bis drei Wochen angedauert habe, was durchaus einem allgemein bekannten 

biologischen Erfahrungswert entspreche. Der Sonographiebefund von Dr. C.___ 

entspreche zweifelsfrei einem Muskelfaserriss der Oberschenkeladduktorengruppe mit 

der konsekutiv festgehaltenen Hämatombildung. Ab dem Attest einer 

Arbeitsunfähigkeit von 50 % am 11. März 2019 sei eine weitere Arbeitsunfähigkeit aber 

nicht mehr nachvollziehbar und eine "bein-knieadaptierte" Arbeitsfähigkeit von 100 % 

in der Tätigkeit eines Betriebsinhabers zumutbar. Dies entsprechend folgender 

Definition: leichte wechselbelastende Tätigkeiten, überwiegend sitzend, ohne Heben, 

Tragen und Bewegen von Lasten über 20 kg, ohne Steigen auf Leitern und Gerüste, 

ohne kniende und kniebeugende Körperhaltungen. Zumindest seien ab März 2019 

keine klinischen Befunde bzw. morphologisch fassbaren unfallkausalen Korrelate mehr 

vorhanden, welche eine weitere (Teil-)Arbeitsunfähigkeit versicherungsmedizinisch 

nachvollziehen liessen (UV-act. 32). Dr. D.___ stützte sich bei seiner Beurteilung im 

Wesentlichen auf allgemeine Erfahrungswerte einer Heilung bei einem Muskelfaserriss 

und nicht auf die konkrete Situation des Beschwerdeführers. Insbesondere setzte er 

sich nicht damit auseinander, dass der Heilungsverlauf entsprechend der Angabe von 

Dr. C.___ etwas protrahiert war (vgl. UV-act. 20) und der Beschwerdeführer sich auch 

Anfang Mai 2019 noch in physiotherapeutischer Behandlung befand (diese verordnete 

Dr. C.___ erst am 26. März 2019; vgl. UV-act. 22, act. G10.1). Wie Dr. E.___ zudem zu 

Recht bemängelte (vgl. UV-act. 43), entsprechen die von Dr. D.___ formulierten 

Adaptionskriterien nicht der tatsächlichen Tätigkeit des Beschwerdeführers. Diese 

bestand - wie erwähnt (vgl. E. 2.3) - im Wesentlichen in der Auslieferung von 

Produkten, unter anderem von Säcken mit einem Gewicht von bis zu 20 kg. Diese 

Tätigkeit kann kaum als "bein-knieadaptiert" gelten. Eine volle Arbeitsfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit ab 11. März 2019 ist damit nicht nachvollziehbar. Wie Dr. 

E.___ zu Recht ausführte (UV-act. 43), ist nicht entscheidend, dass der 

Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt wohl eine adaptierte Tätigkeit zu 100 % hätte 

ausüben können. Daran ändert auch nichts, dass mindestens ein Teil der üblicherweise 

vom Beschwerdeführer ausgeführten Liefertätigkeiten anscheinend durch dessen 

Ehefrau und eine Aushilfsperson hatte erledigt werden können (vgl. UV-act. 22, E. 2.5). 

Dies zumal dem Beschwerdeführer damit gemäss seinen Angaben (UV-act. 22, act. 

G1, G10) zusätzliche Auslagen bzw. Umsatzeinbussen entstanden und von ihm nicht 

verlangt werden durfte, infolge seiner vorübergehenden (weniger als sechs Monate 

dauernden) (Teil-)Arbeitsunfähigkeit die Abläufe bzw. Arbeitsverteilung in seinem 

Betrieb grundlegend anzupassen oder gar zusätzliches Personal einzustellen. Dr. D.___ 

2.7.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/16

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hielt am 6. September 2019 weiter fest, auffallend sei im vorliegenden Dossier die 

repetitive Attestierung einer unangemessenen Arbeitsunfähigkeit beim 

Beschwerdeführer nach Ereignissen, welche zwar vorhanden, aber pathologisch-

anatomisch und strukturell wiederholt nicht hinreichend begründet worden seien (UV-

act. 32). Wie Dr. E.___ erwähnte (vgl. UV-act. 43), darf die vorliegend interessierende 

Beurteilung der durch die Beschwerden am Oberschenkel rechts verursachten 

Arbeitsunfähigkeit jedoch nicht von anderen, davon unabhängigen, Unfallereignissen 

beeinflusst werden.

Während des Beschwerdeverfahrens ersuchte die Beschwerdegegnerin Dr. 

D.___ um eine ergänzende Stellungnahme (UV-act. 48). In Kenntnis des Berichts von 

Dr. E.___ (vgl. UV-act. 43) führte Dr. D.___ am 30. Oktober 2020 aus, mangels eines 

relevanten morphologisch fassbaren Korrelats sowie der durchschnittlichen Verläufe 

nach einem Muskelriss (drei Monate nach einem Ereignis mit dem vorliegend 

beschriebenen Energieaufkommen) sei der Status quo ante ab dem 12. März 2019 

erreicht. Ab diesem Zeitpunkt lägen in der Dokumentation keine nachvollziehbaren 

klinischen, radiologischen oder bildgebend fassbaren Befunde mehr vor, welche ein 

Beschwerdebild plausibel erklärten, das Arbeitsprozesse mit Autofahren, Heben und 

kurzstreckigem Déplacement von 20 kg schweren Säcken nach drei Monaten nicht 

zumutbar erscheinen liessen. Das subjektive Einfühlungsvermögen eines Hausarztes 

reiche zur Begründung einer weiteren Arbeitsunfähigkeit sachlich nicht aus und selbst 

Dr. E.___ habe eingestanden, dass eine Arbeitsfähigkeit nicht "vom Bürostuhl aus" 

beurteilt werden könne (UV-act. 49). Es ist zwar korrekt, dass ab 12. März 2019 keine 

bildgebenden oder klinischen Befunde mehr dokumentiert sind. Eine bildgebende 

Untersuchung (Sonographie) fand nur zwei Tage nach dem Unfall zur Abklärung der 

Verletzung statt (vgl. UV-act. 31). Danach erachtete der behandelnde Dr. C.___ weitere 

bildgebende Untersuchungen offenbar nicht mehr für notwendig. Rein aus dem Fehlen 

derselben kann jedoch nicht auf eine volle Arbeitsfähigkeit ab 12. März 2019 

geschlossen werden. Dies zumal Hinweise auf einen Verlauf bestehen, welche nicht 

dem von Dr. D.___ erwähnten "Standardfall" einer kompletten Ausheilung innerhalb 

dreier Monate entsprechen. Der Verlauf war - wie gesagt - gemäss Dr. C.___ etwas 

protrahiert (vgl. UV-act. 19) und der Beschwerdeführer wurde auch im Mai 2019 noch 

physiotherapeutisch behandelt (vgl. UV-act. 22). Die rein auf den medizinischen Akten 

basierende Beurteilung von Dr. D.___ einer vollen Arbeitsfähigkeit von 100 % in der 

angestammten Tätigkeit ab 12. März 2019 überzeugt damit nicht. Zudem ist darauf 

hinzuweisen, dass auch Dr. D.___ selbst offenbar gewisse Vorbehalte hatte. So führte 

er am 30. Oktober 2020 aus, der angegebene Wert, dass 80 bis 90 % der 

2.7.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/16

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erforderlichen Tätigkeit im Ausliefern bzw. Heben von 20 kg schweren Säcken 

bestünden, entspreche einer versicherungsmedizinischen und damit sachlich nicht 

nachvollziehbaren Arbeitsplatzbeschreibung, welche im vorliegenden Fall 

arbeitsmedizinisch zu überprüfen wäre. Auch die Anzahl der erfolgten Lieferungen vor 

dem Ereignis vom 10. Dezember 2018 und in der Zeit der Arbeitsfähigkeit bis zum 19. 

Mai 2019 wäre zeitlich zu überprüfen. In der vorliegend strittigen Forderung wäre ab 

dem 12. März 2019 eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) ein 

taugliches Mittel gewesen (UV-act. 49). Daraus lässt sich schliessen, dass auch aus 

Sicht von Dr. D.___ die Arbeitsfähigkeit anhand der Akten nicht eindeutig beurteilbar 

war. Er bemerkte weiter, der zeitliche Anteil im Prozess der Lieferung mit Heben eines 

Sackes von 20 kg entspreche ab dem 12. März 2019 dem physiotherapeutisch-

rehabilitiv wünschbaren Muskelaufbau auf dem Weg in eine wieder erreichte normale 

Muskelfunktion. In der Rehabilitation eines Muskelrisses sei von einem bestimmten 

Zeitpunkt an unbestritten, dass ein muskulärer Aufbau des nicht gerissenen 

Restmuskelgewebes nur durch Belastung erwirkt werden könne. Es seien ihm keine 

Studien bekannt, welche belegen würden, dass eine möglichst lange Schonung des 

Muskelgewebes für den Wiederaufbau von atrophierter, noch intakter Restmuskulatur 

förderlich wäre (UV-act. 49). Diese medizinische Erfahrungstatsache scheint vorliegend 

unbestritten, zumal der Beschwerdeführer seine Arbeitstätigkeit entsprechend der 

Arbeitsunfähigkeitsatteste von Dr. C.___ gerade schrittweise steigerte und dabei zu 

einem muskulären Aufbau beitrug (vgl. UV-act. 31).

Insgesamt bestehen damit Zweifel an den Beurteilungen von Dr. D.___.2.7.3. 

Gestützt auf die vorhandenen Akten sind eine volle Arbeitsfähigkeit und der 

fehlende Bedarf einer weiteren unfallkausalen medizinischen Behandlung ab 12. März 

2019 damit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Die 

Beurteilungen der Dres. C.___ und E.___ sowie der Bericht der Schadeninspektorin 

lassen auf eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit und einen Behandlungsbedarf bis 

zum 19. bzw. 31. Mai 2019 schliessen (UV-act. 22, 31, 43). Zusätzliche medizinische 

Abklärungen sind insofern nicht zielführend, als der Beschwerdeführer seit 20. Mai 

2019 unbestritten wieder voll arbeitsfähig ist und eine rückwirkende Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit im Zeitraum vom 13. März bis 19. Mai 2019 kaum als beweiskräftig 

erachtet werden könnte. Insbesondere die von Dr. D.___ erwähnte EFL (vgl. UV-act. 49) 

erweist sich rückwirkend als unmöglich. Da die Beschwerdegegnerin die Beweislast für 

das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen des 

Gesundheitsschadens trägt, ist sie vor dem Hintergrund der beschriebenen 

medizinischen Aktenlage zu verpflichten, bis zum 19. Mai 2019 weiterhin Taggelder zu 

2.8. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/16

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3.  

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Die Beschwerde wird unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 29. Juli 

2020 im Sinne der Erwägungen gutgeheissen und die Beschwerdegegnerin 

verpflichtet, dem Beschwerdeführer bis zum 19. Mai 2019 Taggelder sowie bis zum 31. 

Mai 2019 Heilbehandlungskosten zu erbringen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

entrichten (vgl. UV-act. 31, act. G1, G10) und bis zum 31. Mai 2019 die Kosten der 

Heilbehandlung zu bezahlen. Letzteres Datum entspricht dem Zeitpunkt des von Dr. 

C.___ festgelegten Behandlungsabschlusses (UV-act. 31). Bei diesem 

Verfahrensausgang erübrigen sich Ausführungen zu einer allfälligen Verletzung des 

Untersuchungsgrundsatzes, wie sie vom Beschwerdeführer geltend gemacht wird (vgl. 

act. G1).

Im Sinne der Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des angefochtenen 

Einspracheentscheids vom 29. Juli 2020 gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin zu 

verpflichten, dem Beschwerdeführer bis zum 19. Mai 2019 Taggelder sowie bis zum 

31. Mai 2019 Heilbehandlungskosten zu erbringen.

3.1. 

Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 

2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch 

anwendbaren Fassung).

3.2. 

Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 

22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis 

Fr. 15'000.--. Angesichts des vorliegend vergleichsweise geringen Aktenumfangs und 

des eingeschränkten Streitgegenstandes (lediglich vorübergehende 

Versicherungsleistungen in einem Zeitraum von rund 2.5 Monaten) rechtfertigt es sich, 

die Parteientschädigung auf pauschal Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) festzusetzen.

3.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/16

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3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 20.09.2021
	Art. 10 UVG. Art. 16 UVG. Würdigung ärztlicher Berichte. Eine volle Arbeitsfähigkeit und der fehlende Bedarf einer weiteren unfallkausalen medizinischen Behandlung sind im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Beschwerdegegnerin nicht überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen. Sie hat über diesen Zeitpunkt hinaus bis zum Behandlungsabschluss durch den behandelnden Arzt Versicherungsleistungen zu erbringen. Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. September 2021, UV 2020/69).

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