# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 81ba3bf9-7f98-57ef-9ba6-39d51b16110b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-10-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.10.2020 E-3945/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3945-2020_2020-10-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3945/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  O k t o b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Lorenz Noli (Vorsitz), 

Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen,  

Richterin Constance Leisinger,    

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und deren Kinder   

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

und D._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

alle vertreten durch lic. iur. Thomas Grossen, Rechtsanwalt, 

advokaturbüro kernstrasse, (…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylwiderruf; 

Verfügung des SEM vom 6. Juli 2020 / N (…). 

 

 

E-3945/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin reiste am 2. August 2012 zusammen mit ihrem 

Kind E._______ in die Schweiz ein und ersuchte gleichentags um Asyl.  

Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 6. September 2012 und 

der Anhörung vom 1. Mai 2014 machte sie zur Begründung ihres Asylge-

suches geltend, sie sei ausschliesslich wegen ihrem Ehemann ausgereist. 

Alle ihre Probleme würden in direktem Zusammenhang mit ihrem Ehemann 

stehen. Dieser habe seinen militärischen Urlaub um sieben Monate über-

schritten und sei einfach nicht wieder eingerückt, so dass er Ende des Jah-

res 2006 zuhause von Truppenangehörigen aufgesucht, abgeholt und 

zwangsweise wieder in den Dienst zurückgebracht worden sei. Sie ver-

mute, dass er in der Folge geflohen sei, da die Behörden sie später aufge-

sucht und sich nach seinem Verbleib erkundigt hätten. Behördenangehö-

rige seien mehrere Male zu ihr gekommen und sie habe sich vor ihnen 

versteckt. Schliesslich sei sie erwischt worden. Wegen ihrem Kleinkind 

E._______ habe man indes zuerst ihren Vater für drei Monate inhaftiert und 

erst nach dessen Freilassung sie selbst (vgl. SEM-Protokoll A3 S. 7). Im 

Jahre 2008 sei sie zusammen mit ihrem Kind E._______ sechs Monate in 

Haft gewesen. Nach der Freilassung sei das von ihr bewirtschaftete Grund-

stück konfisziert worden und sie habe bis zu ihrer illegalen Ausreise im 

Jahre 2011 bei ihrer Grossmutter in F._______ gelebt (vgl. A3 S. 8). 

B.  

Mit mündlich eröffnetem Entscheid vom 1. Mai 2014 wurde die Beschwer-

deführerin in der Schweiz als Flüchtling anerkannt und es wurde ihr Asyl 

gewährt. Ihre Kinder E._______ und G._______ wurden in ihre Flüchtlings-

eigenschaft einbezogen und erhielten ebenfalls Asyl. 

C.  

Rund zweieinhalb Monate nach Abschluss des Asylverfahrens der Be-

schwerdeführerin reiste schliesslich am 18. August 2014 H._______, der 

Ehemann der Beschwerdeführerin, in die Schweiz ein und suchte gleichen-

tags um Asyl nach.  

Am 20. August 2014 führte die Vorinstanz einen Abgleich der Fingerabdrü-

cke mit der Zentraleinheit Eurodac durch. Dieser ergab, dass H._______ 

am 24. Oktober 2007 in Italien und am 26. August 2013 in Deutschland 

registriert worden war. Abklärungen bei den italienischen Behörden durch 

die Vorinstanz ergaben, dass er in Italien subsidiären Schutz erhalten 

E-3945/2020 

Seite 3 

hatte. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum beabsichtigten Nichteintre-

tensentscheid gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) machte 

H._______ geltend, er sei in die Schweiz gereist, um mit seiner Ehefrau 

und den gemeinsamen Kindern, welche hier als Flüchtlinge anerkannt 

seien, zusammen zu sein. Eine Wegweisung nach Italien stelle eine Ver-

letzung von Art. 44 AsylG und Art. 8 EMRK dar. 

D.  

Mit Entscheid vom 5. August 2015 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch 

von H._______ nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. 

E.  

Gegen diesen Entscheid erhob H._______ mit Eingabe vom 14. August 

2015 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. August 2015 wurde H._______ dazu auf-

gefordert, bis am 10. September 2015 beim zuständigen Migrationsamt ein 

Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung einzureichen und dem 

Gericht eine Kopie desselben zukommen zu lassen. Dieser Aufforderung 

kam H._______ fristgerecht nach. 

G.  

Mit Urteil E-4981/2015 vom 10. September 2015 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht die Beschwerde im Wegweisungspunkt gut (Bejahung des 

grundsätzlichen Anspruchs auf Art. 8 EMRK und Zuständigkeit der kanto-

nalen Ausländerbehörde); im Übrigen wurde sie, soweit nicht gegenstands-

los geworden, abgewiesen. In der Folge erteilte die zuständige kantonale 

Behörde H._______ am 11. Juli 2016 eine Aufenthaltsbewilligung (Verbleib 

bei der Ehegattin).  

H.  

Mit Eingabe vom 18. August 2016 ersuchte H._______ um Einbezug in die 

Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau. 

I.  

Mit Schreiben vom 30. Dezember 2016 an den damaligen Rechtsvertreter 

von H._______ teilte das SEM mit, dass sein Mandant im Rahmen des 

ersten Asylverfahrens anlässlich der BzP vom 28. August 2014 Gründe für 

sein Asylgesuch geltend gemacht habe, welche asylrelevant sein könnten. 

Diese Asylgründe seien aufgrund des Nichtentretensentscheides vom 

E-3945/2020 

Seite 4 

5. August 2015 (Wegweisung nach Italien als sicherer Drittstaat) nicht ge-

prüft worden. Das Schreiben von H._______ vom 18. August 2016 werde 

als Asylgesuch entgegengenommen und das SEM werde im Rahmen des 

vorliegenden Verfahrens eine Prüfung der eigenen Asylgründe von 

H._______ vornehmen. 

J.  

Im Rahmen der Anhörung vom 22. Februar 2017 machte H._______ zur 

Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend, im Jahre 1999 

inhaftiert worden zu sein, weil er aus dem Urlaub nicht rechtzeitig in den 

Militärdienst zurückgekehrt sei. Zuletzt sei er in I._______ stationiert und 

als Nachrichtenübermittler tätig gewesen. Am 16. Januar 2005 habe er 

seine jetzige Ehefrau in J._______ geheiratet. Im Februar 2006 habe er 

Urlaub erhalten. Ohne die Dauer des Urlaubes zu überschreiten sei er noch 

während dem Urlaub ausgereist, weil er keinen Militärdienst mehr habe 

leisten wollen.  Aufgrund der Desertion sei später seine Ehefrau inhaftiert 

worden. Da diese zum damaligen Zeitpunkt schwanger gewesen sei, sei 

an ihrer Stelle sein Vater (also jener des Ehemannes) inhaftiert worden. 

Seinen Sohn K._______ habe er leider als Baby nie gesehen. 

Im Weiteren gab er an, sich von 2007 bis 2013 mit einer Aufenthaltsbewil-

ligung in Italien aufgehalten zu haben. Im Jahr 2012 sei er in den Sudan 

gereist und habe dort seine Ehefrau in Khartum wiedergesehen. Er sei da-

mals von Italien nach L._______ gereist, um als Händler zu arbeiten, da 

die Erwerbsmöglichkeiten in Italien sehr schlecht gewesen seien.  

Zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen reichte 

H._______ eine Heiratskurkunde, die Geburtsurkunde seines Sohnes, ein 

Familienfoto aus der Schweiz und Fotografien sowie ein Video des Hoch-

zeitsfestes in Eritrea ein. 

K.  

Mit Eingabe vom 5. März 2018 ersuchte H._______ erneut um Einbezug 

in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau mit der Begründung, wie diese 

einen Reiseausweis erhalten zu wollen.  

L.  

Mit Schreiben vom 19. November 2019 machte das SEM die Beschwerde-

führerin darauf aufmerksam, dass ihre Angaben im Asylverfahren von den-

jenigen ihres Ehemannes H._______ in zentralen Punkten abweichen wür-

E-3945/2020 

Seite 5 

den. Der Beschwerdeführerin wurde Gelegenheit gegeben, zu den festge-

stellten Widersprüchen Stellung zu beziehen. Gleichzeitig hielt das SEM 

fest, dass es aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage davon ausgehe, dass 

die Voraussetzungen für einen Widerruf des Asyls gemäss Art. 63 Abs. 1 

AsylG vorliegend gegeben seien.  

M.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2019 gewährte das SEM dem 

neu mandatierten Rechtsvertreter Einsicht in die Asylakten der Beschwer-

deführerin mit dem Hinweis, in die Akten von H._______ nur teilweise Ein-

sicht geben zu können, da die Prüfung seiner Asylvorbringen noch nicht 

abgeschlossen sei. Indes sei der Beschwerdeführerin der für das Asylwi-

derrufsverfahren wesentliche Inhalt der Befragungsprotokolle betreffend 

H._______ mit Schreiben vom 19. November 2019 zur Kenntnis gebracht 

worden.  

N.  

Mit vorab per Telefax eingereichter Eingabe vom 14. Januar 2020 hielt der 

Rechtsvertreter fest, ihm sei unvollständige Akteneinsicht gewährt worden 

und beantragte, das vorliegende Asylwiderrufsverfahren sei bis zum Ab-

schluss des Asylverfahrens von H._______ zu sistieren. 

O.  

Mit Schreiben vom 17. Januar 2020 gewährte das SEM ergänzende Ein-

sicht in einzelne Aktenstücke und hielt gleichzeitig daran fest, bis zum Ab-

schluss der Prüfung der Asylvorbringen von H._______ in die entsprechen-

den Anhörungsprotokolle nicht Einsicht gewähren zu können. 

P.  

Mit Eingabe vom 13. Februar 2020 ersuchte der Rechtsvertreter erneut um 

Sistierung des Asylwiderrufsverfahren bis zum Abschluss des Asylverfah-

rens von H._______  

Q.  

Mit Entscheid vom 28. Februar 2020 lehnte das SEM das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers ab, sistierte das weitere Gesuch um Einbezug in die 

Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau und wies darauf hin, dass die wei-

tere Aufenthaltsregelung in der Schweiz in die Zuständigkeit der kantona-

len Migrationsbehörden falle. Dieser Entscheid erwuchs in der Folge unan-

gefochten in Rechtskraft. 

E-3945/2020 

Seite 6 

R.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. März 2020 informierte die Vorinstanz die 

Beschwerdeführerin, dass der Asylentscheid ihres Ehemannes nun ergan-

gen und die Abklärungen zur Sache nun abgeschlossen worden seien. 

Gleichzeitig gewährte das SEM vollständige Einsicht in die Asylakten von 

H._______ (Anhörungsprotokoll, Entscheid vom 28. Februar 2020), stellte 

die Gegenstandslosigkeit des Gesuches um Sistierung des vorliegenden 

Verfahren fest und erstreckte letztmals die Frist zur Einreichung der Stel-

lungnahme zum beabsichtigten Asylwiderruf bis zum 6. April 2020. Eine 

solche Stellungnahme wurde am 6. April 2020 eingereicht.  

S.  

Mit Entscheid vom 6. Juli 2020 (Eröffnung am 8. Juli 2020) aberkannte das 

SEM in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG den Beschwerdefüh-

renden die Flüchtlingseigenschaft und widerrief das Asyl. 

T.  

Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe 

ihres Rechtsvertreters vom 6. August 2020 an das Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde. Sie beantragten die Aufhebung der angefochtenen Ver-

fügung, eventualiter sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an 

das SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um die 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um die Beiordnung 

des Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand ersucht.   

U.  

Mit Schreiben vom 7. August 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-

richt den Eingang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 

Bst. d  Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

E-3945/2020 

Seite 7 

1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

1.4 Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde in Anwendung 

von Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft ab-

erkannt und/oder das Asyl widerrufen, wenn die ausländische Person das 

Asyl oder die Flüchtlingseigenschaft durch falsche Angaben oder Ver-

schweigen wesentlicher Tatsachen erschlichen hat. Dieser Inhalt korres-

pondiert mit der Pflicht der asylsuchenden Person aus Art. 8 Abs. 1 Bst. c 

AsylG, die Gründe für das Asylgesuch anzugeben. Die Falschangabe oder 

das Verschweigen wesentlicher Tatsachen muss kausal für die Gewäh-

rung von Asyl oder die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gewesen 

sein. Verschweigt eine Person beispielsweise nur wesentliche Tatsachen, 

die eine Asylunwürdigkeit begründen, ist aber die Flüchtlingseigenschaft 

gemäss der Flüchtlingskonvention erfüllt, so kommt allein der Widerruf des 

Asyls, nicht aber der Flüchtlingseigenschaft in Betracht (CONSTANTIN 

HRUSCHKA in: Spescha et al. (Hrsg.), Kommentar zum Migrationsrecht, 

5. Aufl. 2019, Art. 63 AsylG N. 2). Bei Aberkennung der Flüchtlingseigen-

schaft entfällt allerdings ohne Weiteres auch das Asyl. 

3.2 Die Mitwirkungspflicht in Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG verlangt von Asyl-

suchenden, dass sie bei der Anhörung angeben, weshalb sie um Asyl 

nachsuchen, wobei diese Angaben wahr sein müssen und dabei keine we-

sentlichen Tatsachen verschwiegen werden dürfen (vgl. SCHWEIZERISCHE 

FLÜCHTLINGSHILFE SFH, Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, 

2. Aufl. 2015, S. 234 f.). 

E-3945/2020 

Seite 8 

4.  

Die Anwendung der Widerrufsbestimmung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG 

ist auf Fallkonstellationen beschränkt, bei denen die Asylbehörden erst 

nach der Asylgewährung Kenntnis von Sachverhaltselementen erhalten, 

die zur Abweisung des Asyls geführt hätten, wären sie bereits während des 

Asylverfahrens bekannt gewesen; diese Intention entspricht dem allgemei-

nen Prinzip des Verwaltungsrechts, dass eine gewährte Rechtsstellung wi-

derrufen wird, falls sich später herausstellt, dass die Voraussetzungen von 

Anfang an nicht bestanden hatten und diese Rechtsstellung erschlichen 

worden war (vgl. ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Hand-

buch des Asylrechts, 1991, S. 201; Botschaft zum Asylgesetz und zu einem 

Bundesbeschluss betreffend den Rückzug des Vorbehaltes zu Art. 24 des 

Übereinkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. August 

1977, BBl 1977 III 135). Mit dem Terminus "erschleichen" weist der Gesetz-

geber – prägnanter als in den beiden anderen Amtssprachen (en faisant 

de fausses déclarations ou en dissimulant des faits essentiels; grazie a 

dichiarazioni false o alla dissimulazione di fatti essenziali) – darauf hin, 

dass für einen Widerruf gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG eine verse-

hentlich oder unbewusste Falschaussage nicht genügt; vielmehr bedarf es 

wissentlicher und willentlicher Falschangaben (vgl. ACHERMANN/HAUSAM-

MANN, a.a.O.).  

5.  

5.1  

Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, dass das SEM, wäre es 

bereits während des Asylverfahrens in Kenntnis der Aussagen des Ehe-

mannes H._______ der Beschwerdeführerin zur infrage stehenden Verfol-

gungssituation gewesen, das Asylgesuch der Beschwerdeführerin infolge 

Unglaubhaftigkeit ihrer Asylvorbringen abgewiesen hätte.  

5.2 Einleitend sei festzuhalten, dass ihr Ehemann H._______ seine be-

hauptete Verfolgung nicht habe glaubhaft machen können. Sein Asylge-

such sei daher abgewiesen worden. Dieses sei unangefochten in Rechts-

kraft erwachsen. Angesichts der als unglaubhaft erachteten Verfolgung von 

H._______ sei den Asylvorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei in Erit-

rea wegen der Desertion ihres Ehemannes einer Reflexverfolgung ausge-

setzt gewesen, schlicht die Grundlage entzogen. Zusätzlich habe ein Ver-

gleich der Verfahrensdossiers von ihr (der Beschwerdeführerin) und ihrem 

Ehemann H._______ auch massive Unstimmigkeiten in zentralen Aspek-

ten der Asylvorbringen zutage geführt. Herauszustreichen seien u.a. die 

folgenden Punkte: 

E-3945/2020 

Seite 9 

5.2.1 Die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Anhörung vom 1. Mai 

2014 angegeben, dass ihr Ehemann zwei Monate Urlaub erhalten und den 

Urlaub um etwa sieben Monate überzogen habe. Ihr Ehemann habe in Wi-

derspruch hierzu zunächst ausgeführt, dass er zwei Wochen Urlaub erhal-

ten habe und diesen um zwei Wochen überzogen habe. In der Anhörung 

habe er sodann ausgeführt,  dass er einen Monat Urlaub erhalten und noch 

während des Urlaubs – und ohne diesen zu überziehen – in Richtung 

Grenze gereist sei.  

5.2.2 In Bezug auf die Geburt des Sohnes K._______ lägen auch klare Wi-

dersprüche vor. So habe die Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Anhörung 

angegeben, dass im Zeitpunkt, als ihr Ehemann von der Einheit zuhause 

aufgesucht und mitgenommen worden sei, ihr Sohn K._______ circa drei 

Monate alt gewesen sei. Ihr Ehemann habe aber anlässlich der letzten An-

hörung angegeben, dass zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea die 

Beschwerdeführerin noch schwanger gewesen sei und er seinen Sohn als 

Baby gar nicht gesehen habe.  

5.2.3 Auch in Bezug auf die zeitlichen Geschehnisse im Nachgang der 

Ausreise des Beschwerdeführers sei es zu klaren Unstimmigkeiten gekom-

men. Die Beschwerdeführerin habe in ihrer Anhörung angegeben, dass ihr 

eigener Vater (also jener der Beschwerdeführerin) an ihrer Stelle inhaftiert 

worden sei. Demgegenüber habe ihr Ehemann ausgeführt, dass sein eige-

ner Vater (also jener des Ehemannes) an ihrer Stelle inhaftiert worden sei.  

5.2.4 Letztlich lägen auch offene Widersprüche hinsichtlich der Ausreise 

des Ehemannes aus Eritrea vor. Während die Beschwerdeführerin ange-

geben habe, dieser sei nach Äthiopien ausgereist, habe dieser angegeben 

Eritrea in Richtung Sudan verlassen und nie in Äthiopien gewesen zu sein.  

5.3  Die Sachangaben der Beschwerdeführerin seien somit in zentralen 

Aspekten widersprüchlich ausgefallen. In der Stellungnahme vom 6. April 

2020 lasse sich keine nachvollziehbare Begründung für diese Widersprü-

che finden. Der Erklärungsversuch, wonach es sich bei den Ungereimthei-

ten nicht um die asylrechtlich relevanten Kernaussagen handle, vermöge 

nicht zu überzeugen, da es sich bei den festgestellten Abweichungen sehr 

wohl um Kernvorbringen handle, welche zur Anerkennung der Beschwer-

deführerin als Flüchtling und zur Asylgewährung geführt hätten. Die unter-

schiedlichen Aussagen zur Haftdauer und zur Ausreise von H._______ be-

stärkten die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwer-

deführerin. Zudem habe die Beschwerdeführerin entgegen der Auffassung 

E-3945/2020 

Seite 10 

der Rechtsvertretung in der Anhörung nicht den Eindruck gemacht, dass 

es sich bloss um ihre Annahme gehandelt habe, in welche Richtung 

H._______ ausgereist sei. So habe die Beschwerdeführerin angegeben: 

«In der Zeit, als er von mir getrennt gelebt hat, ist er zuerst nach Äthiopien 

gegangen und hat von dort versucht, illegal in den Sudan zu gelangen» 

(vgl. A16 S. 16). 

5.4 Angesichts der Unglaubhafigkeit der Desertion von H._______ und den 

dargelegten Widersprüchen sei davon auszugehen, dass die Beschwerde-

führerin unwahre Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen ver-

schwiegen habe. Das SEM habe mit den Aussagen von H._______ Kennt-

nis von Sachverhaltselementen erhalten, die zur Abweisung des Asylgesu-

ches geführt hätten, wären diese bereits während ihres Asylverfahrens be-

kannt gewesen. Die Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der An-

hörung vom 1. Mai 2014 zur angeblichen Haft in Eritrea würden diese Ein-

schätzung nicht umzustossen vermögen, zumal die Umstände und der 

Kontext der geltend gemachten Haft aufgrund der derzeitigen Aktenlage 

als unglaubhaft zu erachten seien. Es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, 

die auf versehentliche oder unbewusste Falschaussagen der Beschwerde-

führerin hindeuteten. Daher sei davon auszugehen, dass die Beschwerde-

führerin wissentlich und willentlich Falschangaben gemacht habe, um die 

Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung zu erschleichen. Die Aus-

führungen in der Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs än-

derten an dieser Einschätzung nichts. Die geltend gemachte Desertion, 

welche zur Verfolgung der Beschwerdeführerin geführt haben soll, habe 

H._______ nicht glaubhaft machen können. Entsprechend habe er gegen 

den ablehnenden Asylentscheid keine Beschwerde erhoben.  

5.5 Zusammenfassend sei daher festzuhalten, dass die ursprünglich gel-

tend gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführerin, aufgrund 

der Desertion ihres Ehemannes H._______ Verfolgung ausgesetzt gewe-

sen zu sein, den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG 

nicht genügten. Aus den Akten seien im Übrigen keine anderen Gründe 

ersichtlich, wonach die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Erit-

rea einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. Die 

illegale Ausreise alleine vermöge eine flüchtlingsrechtlich relevante Ge-

fährdung nicht zu begründen (vgl. Urteil des BVGer E-7898/2015 vom 30. 

Januar 2017 E.5). Somit sei der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 63 

Abs. 1 Bst. a AsylG – und ebenso deren Kindern – die Flüchtlingseigen-

schaft abzuerkennen und das gewährte Asyl zu widerrufen.  

E-3945/2020 

Seite 11 

 

 

6.  

6.1 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer 

habe mit seinen Angaben im Rahmen der BzP vom 28. August 2014 zu-

mindest im Resultat diejenigen der Beschwerdeführerin, wonach ihr Ehe-

mann seinen Heimatstaat im Oktober 2006 verlassen habe und der ge-

meinsame Sohn damals bereits auf der Welt gewesen sei, bestätigt. Er 

habe indessen bereits damals nicht erwähnt, dass er von Soldaten zu-

hause aufgesucht und mitgenommen worden sei. Diese Aussagen sei nur 

vier Monate nach der Anhörung der Beschwerdeführerin festgehalten wor-

den, weshalb die Vorinstanz – hätte sie die geltend gemachten Asylgründe 

der Beschwerdeführerin angezweifelt – den Sachverhalt zeitnah hätte er-

gänzend abklären müssen, was sie, obwohl dazu in der Lage, nicht getan 

habe. Das SEM habe denn auch der Beschwerdeführerin die Flüchtlings-

eigenschaft anerkannt und Asyl gewährt, ohne ihre Aussagen zu würdigen. 

Auch sei vorerst kein Aberkennungsverfahren eingeleitet worden. 

6.2 Im Weiteren habe sich das SEM in Bezug auf H._______ die Zustän-

digkeit zur Durchführung eines Asylverfahrens «angeeignet», obwohl dies-

bezüglich ein rechtskräftiger Nichteintretensentscheid vorgelegen habe. 

Mangels Zuständigkeit sei das SEM daher gar nicht berechtigt gewesen, 

in Bezug auf H._______ ein neues Asylverfahren durchzuführen bezie-

hungsweise dieses wiederaufzunehmen. Dementsprechend seien auch 

die anlässlich dieses Verfahrens gemachten Aussagen von H._______ im 

Rahmen der Anhörung vom 22. Februar 2017 nicht rechtmässig erhoben 

worden und dürften im vorliegenden Verfahren nicht zum Nachteil der Be-

schwerdeführerin verwertet werden. Ohnehin wäre das SEM verpflichtet 

gewesen, den Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen darüber zu 

unterrichten, dass sich seine Aussagen gegebenenfalls nachteilig auf den 

Flüchtlingsstatus seiner Ehefrau auswirken könnten. Mit diesem Vorgehen 

habe das SEM den Grundsatz von Treu und Glauben (vgl. Art. 9 BV) ver-

letzt. Darüber hinaus dürften die im Rahmen der Anhörung gemachten 

Aussagen von H._______ nicht als Indiz für die Unglaubhaftigkeit der Asyl-

gründe der Beschwerdeführerin dienen. Dieser sei aufgrund einer Trauma-

tisierung wohl nicht in der Lage gewesen, die mit der Flucht verbundenen 

Erlebnisse detailliert abzurufen. Schliesslich seien die vom SEM festge-

stellten Widersprüche und Ungereimtheiten nicht genügend relevant, um 

die Angaben der Beschwerdeführerin als unwahr zu begründen. Sollten die 

E-3945/2020 

Seite 12 

Aussagen von H._______ anlässlich der Anhörung vom 22. Februar 2017 

im vorliegenden Verfahren als verwertbar betrachtet werden, so wäre die 

Sache – im Sinne eines Eventualantrags – zu weiteren Abklärung des 

Sachverhalts an das SEM zurückzuweisen (Einholung weiterer Angaben 

von Familienangehörigen beider Eheleute, Begutachtung von H._______ 

auf das Vorliegen einer möglichen psychotraumatischen Belastungsstö-

rung). 

7.  

7.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch vom 2. August 

2012 ausschliesslich damit, dass sie wegen ihres Ehemannes Probleme 

bekommen habe und sie nur wegen ihrem Mann ausgereist sei (A3, Ziffer 

7.01). Ihre Probleme würden direkt mit ihrem Ehemann zusammenhängen 

(A16, F39). Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch somit zent-

ral damit, aufgrund der Desertion ihres Ehemannes H._______ einer Ver-

folgung ausgesetzt gewesen zu sein. Nach Durchführung der Befragung 

zur Person (BzP) vom 6. September 2012 und der Anhörung vom 1. Mai 

2014 anerkannte das SEM mit Entscheid vom 1. Mai 2014 – offenbar von 

der Glaubhaftigkeit der Reflexverfolgung ausgehend – die Beschwerdefüh-

rerin (und ihre Kinder) in der Schweiz als Flüchtling an und gewährte ihnen 

Asyl.  

7.2 Ob dieses Vorgehen zu diesem Zeitpunkt, wie in der Beschwerde be-

hauptet, Ausdruck der damaligen Praxis des SEM gewesen sei, im Fall ei-

ner Desertion von eritreischen Asylsuchenden ohne «restriktive Würdigung 

des Sachverhalts» die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen, bedarf keiner 

abschliessender Beurteilung. Auch bei Vorliegen einer solchen Praxis wäre 

selbstredend eine tatsächlich erfolgte Desertion und damit die Glaubhaf-

tigkeit dieses Vorbringens Voraussetzung für die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft der Beschwerdeführerin gewesen. Die Anwendung der 

Widerrufsbestimmung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG bezieht sich auf Fall-

konstellationen, bei denen die Asylbehörden erst nach der Asylgewährung 

Kenntnis von Sachverhaltselementen erhalten haben, die zur Abweisung 

des Asyls geführt hätten, wären sie bereits während des Asylverfahrens 

bekannt gewesen. Dies ist vorliegend klar der Fall. Der Ehemann der Be-

schwerdeführerin H._______ reiste erst am 8. August 2014 und damit erst 

nach dem Abschluss des Asylverfahrens der Beschwerdeführerin (Ergehen 

des gutheissenden Entscheides vom 1. Mai 2014) in die Schweiz ein und 

wurde somit auch erst nach dem Abschluss des Asylverfahrens der Be-

schwerdeführerin überhaupt erstmals zu seinen Asylgründen befragt. Erst 

im Rahmen seines eigenen Asylverfahrens konnten sich somit aufgrund 

E-3945/2020 

Seite 13 

dessen unglaubhaften Angaben bezüglich seiner Desertion Zweifel an der 

geltend gemachten Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin ergeben.  

Unbehelflich ist die in der Beschwerde erhobene Rüge, wonach das SEM 

aufgrund der Angaben von H._______ im Rahmen der BzP vom 28. August 

2014 den Sachverhalt in Bezug auf die Beschwerdeführerin zeitnaher hätte 

ergänzend abklären müssen. Hierzu ist mit aller Deutlichkeit darauf hinzu-

weisen, dass dies für die Frage der Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a 

AsylG nicht relevant ist, zumal keine Verwirkungsfrist besteht. Zusätzlich 

ist zu berücksichtigen, dass der Ausgang des Aberkennungsverfahren di-

rekt vom Ausgang des Asylverfahrens des Ehemannes abhängt und dass 

dieses erst im Februar 2020 rechtskräftig abgeschlossen wurde. Ferner 

geht aus den Akten auch hervor, dass die Beschwerdeführerin zuvor gar 

selber eine Sistierung ihres eigenen Aberkennungsverfahrens bis zum Ab-

schluss des Asylverfahrens ihres Ehemannes beantragt hat (vgl. Eingaben 

vom 14. Januar 2020 und 13. Februar 2020). 

7.3 Hinsichtlich des Einwandes in der Beschwerde, wonach das SEM auf-

grund des Nichteintretensentscheides vom 5. August 2015 mangels Zu-

ständigkeit nicht berechtigt gewesen wäre, in Bezug auf H._______ ein 

neues Asylverfahren durchzuführen beziehungsweise dieses wiederaufzu-

nehmen, ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer einen sol-

chen Einwand im Rahmen des in Rechtskraft erwachsenen Asylverfahrens 

hätte vorbringen müssen. Immerhin ist in diesem Zusammenhang festzu-

halten, dass das SEM aufgrund des Gesuches des Beschwerdeführers um 

Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau eine Prüfung der ei-

genen Asylgründe des Beschwerdeführers vornahm, was absolut nachvoll-

ziehbar erscheint, weil ja die geltend gemachte Verfolgungslage der Be-

schwerdeführerin direkt von derjenigen ihres Ehemannes (und nicht umge-

kehrt) abhängt. Im Übrigen kann das SEM gemäss Art. 29a AsylV ein Asyl-

gesuch auch dann behandeln, wenn die Zuständigkeit eines anderen Staa-

tes festgestellt wurde. Bei der genannten Sachlage erweist sich auch das 

weitere Vorbringen in der Beschwerde, entsprechend der aus der Sicht der 

Beschwerdeführerin bestehenden Unzuständigkeit des SEM seien die an-

lässlich dieses Verfahrens gemachten Aussagen von H._______ (im Rah-

men der Anhörung vom 22. Februar 2017) nicht verwertbar, als unbehelf-

lich. Dasselbe gilt für die Behauptung, dass H._______ angeblich aufgrund 

einer Traumatisierung im Rahmen der Anhörung nicht in der Lage gewesen 

sei, die mit der Flucht verbundenen Erlebnisse detailliert abzurufen, wes-

halb die entsprechenden Angaben nicht als Indiz für die Unglaubhaftigkeit 

der Asylgründe der Beschwerdeführerin dienen könnten. Dies findet in den 

E-3945/2020 

Seite 14 

Akten keine Stütze. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde ist im 

Weiteren festzuhalten, dass das SEM auch nicht verpflichtet war, den Be-

schwerdeführer anlässlich der Befragungen darüber zu unterrichten, dass 

sich seine Aussagen nachteilig auf den Flüchtlingsstatus seiner Ehefrau 

auswirken könnten, unterliegt dieser der allgemeinen Wahrheitspflicht, wo-

mit eine Verletzung von Treu und Glauben im Sinne von Art. 9 BV vorlie-

gend klar zu verneinen ist.  

7.4  Wie bereits festgestellt, ist angesichts der als unglaubhaft erachteten 

Verfolgung von H._______ der geltend gemachten Reflexverfolgung der 

Beschwerdeführerin wegen H._______ direkt die Grundlage entzogen. Im 

Weiteren hat das SEM im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum beabsich-

tigten Aberkennungs- und Widerrufsverfahrens mit Schreiben vom 19. No-

vember 2019 die Beschwerdeführerin ausführlich und mit entsprechenden 

Quellenangaben damit konfrontiert, dass ihre Angaben im Asylverfahren 

von denjenigen ihres Ehemannes H._______ in zentralen Punkten abwei-

chen würden. Die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz erweisen 

sich als absolut zutreffend und betreffen zentrale Aspekte der Asylvorbrin-

gen.  

Wie das SEM zutreffend festhielt, liegen unüberbrückbare Widersprüche in 

der Darstellung vor, ob der Ehemann des Beschwerdeführers noch wäh-

rend der Dauer seines Urlaubs aus Eritrea ausgereist ist oder ob er – wie 

von der Beschwerdeführerin behauptet – noch über ein halbes Jahr (sie-

ben Monate, vgl. A16, F46) irregulär über die Urlaubsdauer bei ihr verblie-

ben und sogar noch von der Truppe bei ihr zuhause zwangsweise abgeholt 

und eingezogen worden sei (A16, F48).  

Als geradezu lebensfremd und als nicht logisch zu erklären erweist sich 

der offene Widerspruch zwischen den Angaben der Beschwerdeführerin 

und ihrem Gatten, ob der gemeinsame Sohn K._______ im Zeitpunkt der 

Ausreise des Ehemannes schon geboren war oder ob die Beschwerdefüh-

rerin zum damaligen Zeitpunkt erst schwanger gewesen ist. Die Geburt des 

eigenen Kindes stellt einen der zentralsten Augenblicke im Leben von El-

tern dar. Dies gilt noch im verstärkten Masse, wenn es sich wie vorliegend 

um die Geburt des ersten Kindes handelt. Der Umstand, dass der Ehe-

mann H._______ angegeben hat, seine Ehefrau sei zum Zeitpunkt seiner 

Ausreise noch schwanger gewesen und er habe sein Kind als Baby über-

haupt nie gesehen (vgl. A46, F35, F36, F88), während die Beschwerdefüh-

rerin hierzu angab, das Baby sei damals drei Monate alt gewesen, als die 

E-3945/2020 

Seite 15 

Truppen den Ehemann zuhause abgeholt hätten, stellt einen unüberbrück-

baren Widerspruch dar.  

Auch die angeblichen Geschehnisse im zeitlichen Nachgang der Ausreise 

des Ehemannes sind widerspruchsbehaftet. So bringt die Beschwerdefüh-

rerin vor, aufgrund ihrer Schwangerschaft habe sich ihr eigener Vater frei-

willig gemeldet, an ihrer Stelle ins Gefängnis zu gehen (vgl. A16, F59). 

Demgegenüber behauptet der Ehemann der Beschwerdeführerin, sein ei-

gener Vater (also jener des Ehemannes) habe anstelle seiner Ehefrau ins 

Gefängnis gehen müssen (vgl. A46, F41 und F96). Die Angaben, welche 

Person im Nachgang zu einer Desertion in Haft versetzt wurde, stellt ein 

zentrales Geschehen dar. Widersprüche hierzu wiegen schwer. Die ent-

sprechenden Widersprüche können denn auch nicht einfach mit sprachli-

chen Ungenauigkeiten erklärt werden. Dies umso mehr, als der Ehemann 

der Beschwerdeführerin die entsprechenden Angaben mehrfach tätigte 

und sogar mit den Widersprüchen zu den Schilderungen seiner Ehefrau 

direkt konfrontiert wurde (vgl. A46, F96). 

Auch die übrigen von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprüche sind zu 

bestätigen und werden nicht aufgelöst. So hat der Ehemann H._______ 

abweichend von der Aussage der Beschwerdeführerin, dass ihr Ehemann 

nach Äthiopien ausgereist sei (vgl. A16 S. 16), selber angegeben, Eritrea 

in Richtung Sudan verlassen zu haben und nie in Äthiopien gewesen zu 

sein (vgl. A46 S. 8). Der im Rahmen der Stellungnahme vom 6. April 2020 

vorgebrachte Erklärungsversucht, wonach es sich bei der Aussage der Be-

schwerdeführerin lediglich um eine Annahme gehandelt habe, vermag 

nicht zu überzeugen. Dies gilt auch für die Entgegnung in der Beschwerde, 

wonach H._______ bloss von seiner Ehefrau erfahren habe, dass diese 

zwei oder drei Monate in Haft gewesen sei, gab die Beschwerdeführerin 

doch an, sechs Monate inhaftiert gewesen zu sein, was eine deutliche zeit-

liche Differenz darstellt.  

7.5 Die vorgenannten Widersprüche betreffen wesentliche Vorbringen und 

betreffen zentrale Aspekte der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin. Die 

mehrfachen offenen Widersprüche können weder im Rahmen des rechtli-

chen Gehörs noch auf Beschwerdeebene entkräftet werden. Angesichts 

der Unglaubhaftigkeit der Desertion von H._______ und den dargelegten 

Widersprüchen ist somit erstellt, dass die Beschwerdeführerin unwahre An-

gaben gemacht hat. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, die auf bloss 

versehentliche oder unbewusste Falschaussagen der Beschwerdeführerin 

E-3945/2020 

Seite 16 

hindeuten. Aufgrund der Aktenlage geht hervor, dass die Beschwerdefüh-

rerin wissentlich und willentlich Falschangaben gemacht hat, um die 

Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung zu erschleichen. Das Even-

tualbegehren um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständi-

gen Sachverhaltsfeststellung ist im Übrigen mangels Notwendigkeit abzu-

weisen, da die Sachlage ausreichend erstellt ist.  

7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die in Art. 63 Abs. 1 Bst. a 

AsylG statuierten Voraussetzungen erfüllt sind, weshalb die Vorinstanz den 

Beschwerdeführenden zu Recht gestützt darauf die Flüchtlingseigenschaft 

aberkannt und das Asyl widerrufen hat. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.  

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-

deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen sind die mit 

der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG, da die Rechtsbegehren 

nicht zum Vornherein aussichtslos erschienen und die Nachweise der Be-

dürftigkeit erbracht wurden, gutzuheissen. Somit sind keine Verfahrenskos-

ten zu erheben. 

9.2 Den Beschwerdeführenden wird die unentgeltliche Rechtsverbeistän-

dung im Sinne von Art. 102m AsylG zugesprochen und lic. iur. Thomas 

Grossen, Rechtsanwalt, advokaturbüro kernstrasse, 8021 Zürich, als amt-

licher Rechtsbeistand eingesetzt. 

9.3 Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Indessen lässt sich 

der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage zuverlässig 

abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden 

kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massge-

benden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) und der Entschädigungs-

praxis in vergleichbaren Fällen wird zulasten der Gerichtskasse ein amtli-

ches Honorar von insgesamt Fr. 1’200.– (inkl. Auslagen und allfälliger 

MwSt.) zugesprochen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

E-3945/2020 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 wird gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten 

erhoben. 

3.  

Den Beschwerdeführenden wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung 

im Sinne von Art. 102m  AsylG zugesprochen und lic. iur. Thomas Grossen, 

Rechtsanwalt, advokaturbüro kernstrasse, 8021 Zürich als amtlicher 

Rechtsbeistand eingesetzt. 

4.  

Dem Rechtsvertreter wird zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Hono-

rar von insgesamt Fr. 1’200.– (inkl. Auslagen und allfälliger MwSt.) zuge-

sprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

 

Versand: