# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 27642690-36dc-5c2a-986a-2e6b2c3c7119
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-01-17
**Language:** de
**Title:** Hochwasserschutz. Festsetzung der Hochwasser-Gefahrenkarte. Berechnung der Hochwasserabflüsse. Brutto- und Nettoprinzip.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0007/2017
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_IV_0007_2017_596.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 0007/2017 vom 17. Januar 2017 in BEZ 2017 Nr. 13 

Mit Verfügung vom 9. August 2016 erliess die Baudirektion Kanton Zürich 
einen  Plan  über  die  Gefahrenbereiche  im  Sinne  von  §  22  Abs. 2  des 
Wasserwirtschaftsgesetzes  (WWG),  welcher  nebst  anderen  Gemeinden  das 
Gebiet  der  Gemeinde  X  umfasste  (Hochwasser-Gefahrenkarte).  Hiergegen 
rekurrierte die Gemeinde X.  

Aus den Erwägungen: 

2.  Der  Hochwasserschutz 

ist  Aufgabe  der  Kantone 

(Art.  2  des 
Bundesgesetzes über den Wasserbau [WBG]). Die Kantone gewährleisten den 
Hochwasserschutz in erster Linie durch den Unterhalt der Gewässer und durch 
raumplanerische  Massnahmen  (Art.  3  Abs.  1  WBG).  Im  Kanton  Zürich  regelt 
das  WWG  den  Hochwasserschutz  (§  1  WWG).  Gemäss  §  22  Abs.  1  WWG 
werden  Gefahrenbereiche  definiert.  Dabei  handelt  sich  um  jene  Gebiete,  in 
welchen mit häufigen oder stark schädigenden Hochwassern zu rechnen ist und 
die  Hochwassersicherheit  kurzfristig  nicht  mit  verhältnismässigen  Mitteln 
hergestellt  werden  kann.  Die  Direktion  erlässt  nach  Anhören  der  Gemeinden 
einen  Plan  über  die  Gefahrenbereiche  (Abs.  2).  Gefahrenbereiche  werden  bei 
planungsrechtlichen Festlegungen berücksichtigt (Abs. 3). 

3.  Die  Rekurrentin  begründet 

ihren  Hauptantrag  damit,  dass  die 
Baudirektion  bei  der  Berechnung  der  potentiellen  Hochwasserabflüsse  zu 
Unrecht die sogenannte Brutto-Methodik verwendet habe. Diese Berechnungs-
weise führe zu einer übertriebenen Sicherheit. (…) 

4.1 

(…)  Bei  der  Festlegung  der  potentiellen  Hochwasserabflüsse 
verwendet  die  Baudirektion  kantonsweit  eine  einheitliche,  als  Brutto-Methodik 
in  die  Hochwasser-
bezeichnete  Vorgehensweise.  Dies  bedeutet,  dass 
Gefahrenkarten  immer  die  gesamten  zu  erwartenden  Hochwasserabflüsse 
aufgenommen respektive die Gefahrenbereiche nach Massgabe  aller aus dem 
natürlichen  und  bebauten  Einzugsgebiet  zu  erwartenden  Wassermengen 
(«brutto»)  definiert  werden.  Bei  der  von  der  Rekurrentin  bevorzugten  Netto-
Methodik  werden  hingegen  Kapazitätsbeschränkungen  im  Oberlauf  eines 
Fliessgewässers,  die  zu  einem  (Teil-)abfluss  aus  dem  betreffenden  Einzugs-
gebiet  führen  könnten  (sogenannte  «Ausuferungen»),  von  der  gesamten 
(Brutto-)Hochwassermenge  abgezogen.  Dergestalt  fällt  die  zu  erwartende 
Hochwassermenge  im  unteren  Verlauf  eines  Fliessgewässers,  nach  der 
Ausuferung,  geringer  aus,  was  im  Ergebnis  zur  Annahme  verringerter  Hoch-
wasserrisiken in diesem unteren Bereich führt. 

4.2 Die Baudirektion zeigt mit einleuchtender Begründung auf, weshalb die 
Berechnung der zu erwartenden Hochwassermenge nach Massgabe der Netto-
Methodik  auf  dem  Gebiet  der  Gemeinde  X  sicherheitstechnisch  nicht  zu 
verantworten  wäre.  Zwar  kann  es  namentlich  wegen  zu  geringer  Abfluss-
kapazitäten im Oberlauf eines Fliessgewässers stets zu Ausuferungen kommen 
respektive  können  solche  etwa  bei  vorhandenen  künstlichen  Gerinnen  gar  mit 
einer  gewissen  Wahrscheinlichkeit  erwartet  werden.  Indes  ist  es  jederzeit 
im  Rahmen  der  Gefahrenkartierung 
möglich,  dass  Wasser,  von  dem 

 
 
- 2-  

angenommen wurde, dass es ausufert, letztlich doch im Gerinne verbleibt oder 
gar  im  Rahmen  von  Sofortmassnahmen  bewusst  in  dieses  zurückgeleitet  wird 
(etwa  bei  einem  Feuerwehreinsatz  durch  die  Erstellung  eines  Schutzwalls 
mittels  Sandsäcken,  durch  planerisch  nicht  erfasste  oder  erfassbare 
Geländeveränderungen  wie  etwa  geringfügige  Aufschüttungen  oder  Ver-
engungen von einst vorhandenen künstlichen Gerinnen usw.). In einem solchen 
Fall wäre eine nach dem Netto-Prinzip erstellte Hochwassergefahrenkarte nicht 
mehr  zutreffend  und  es  wäre  letztlich  möglich,  dass  plötzlich  Gebiete  über-
schwemmt  würden,  für  die  nie  Gefährdungsflächen  markiert  und  die  dem-
gemäss  bei  planungsrechtlichen  Festlegungen  (§  22  Abs.  3  WWG)  nicht  als 
gefährdete Gebiete beachtet worden sind. 

Insgesamt lassen sich Ausuferungen nicht ausreichend sicher einschätzen 
respektive ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine im Zeitpunkt der Erstellung der 
Hochwassergefahrenkarte  erwartete  Ausuferung  aus  irgendwelchen  Gründen 
im  Falle  eines  Hochwassers doch nicht  vorhanden  ist  (weil  es  sich  eben  nicht 
um  kontrollierte  respektive  kontrollierbare  Entlastungen  handelt),  zu  gross,  als 
dass  sich  der  Abzug  von  der  gesamten  zu  erwartenden  Hochwassermenge 
rechtfertigte. Ergänzend zu erwähnen ist, dass überdies allein eine kantonsweit 
einheitlich  angewandte  Methodik  zur  Vergleichbarkeit  der  Hochwasser-
gefährdung  im  gesamten  Kanton  führt.  Auch  aus  diesem  –  wenngleich 
vorliegend nicht ausschlaggebenden – Grunde rechtfertigt sich die Anwendung 
der  Brutto-Methodik auch  auf  dem  Gebiet  der  Gemeinde  X.  Hieran  ändert  der 
Umstand  nichts,  dass  die  Stimmbürger  von  X  einem  kommunalen  Ent-
wässerungsprojekt  im  Jahr  2011  nicht  zustimmten  und  im  entsprechenden 
Meinungsbildungsprozess  ein  Jahrhunderthochwasser  offenbar  als  blosse 
Panikmache  bezeichnet  worden  war.  Hiervon  hat  sich  die  (fachkundige) 
Baudirektion  bei  der  Ausübung  kantonaler  Aufgaben  wie  der  Erstellung  von 
Hochwasser-Gefahrenkarten  (§  22  Abs.  2  WWG)  selbstredend  nicht  leiten  zu 
lassen. 

Demgemäss ist die erste Rüge der Rekurrentin unbegründet. 

4.3  Der  Vollständigkeit  halber 

in  Übereinstimmung  mit  den 
Ausführungen  der  Baudirektion  in  der  Duplik  darauf  hinzuweisen,  dass  die 
Rekurrentin  berechtigt  ist,  eine  Revision  der  Hochwasser-Gefahrenkarte  zu 
beantragen,  wenn  und  soweit  die  behaupteten  seitlichen  Ausuferungen 
namentlich  des  Dorfbachs  dereinst  im  Sinne  kontrollierter  Entlastungen  (etwa 
durch Ausleitbauwerke) sichergestellt sein sollten. 

ist