# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 70ffd637-46f6-5fcd-a078-c12e11118f81
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.09.2020 F-4584/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-4584-2020_2020-09-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

          
 Abteilung VI 

F-4584/2020 

                                                              

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  S e p t e m b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richter Yannick Antoniazza-Hafner,  

Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. 
 

 
 

Parteien 
 X._______, geboren […],  

vertreten durch  

MLaw Anja Freienstein, Rechtsschutz für Asylsuchende,  

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 7. September 2020 / […]. 

 

 

 

F-4584/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reichte am 14. August 2020 im Bundesasylzentrum 

Boudry ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der 

«Eurodac»-Datenbank ergab, dass er am 8. Juli 2015 in Deutschland und 

am 25. Juni 2020 in Italien um Asyl nachgesucht hatte. 

B.  

Im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 27. August 2020 gewährte das 

SEM dem Beschwerdeführer im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertre-

tung das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Deutschlands oder Italiens für 

die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälli-

gen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt.  

C.  

Am 19. August 2020 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um 

Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver-

ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-

mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-

angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags 

auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die 

italienischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen 2. September 

2020 zu.   

D.  

Mit Verfügung vom 7. September 2020 (eröffnet am 8. September 2020) 

trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

(SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte 

seine Überstellung nach Italien und forderte ihn – unter Androhung von 

Zwangsmassnahmen im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz spätestens 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauf-

tragte das SEM den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung, hän-

digte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-

verzeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen 

den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme.  

E.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 15. September 

2020 liess der Beschwerdeführer beantragen, die angefochtene Verfügung 

sei aufzuheben; die Sache sei zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an 

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Seite 3 

die Vorinstanz zurückzuweisen; eventualiter sei das SEM anzuweisen, in-

dividuelle Zusicherungen bezüglich Zugang zum Asylverfahren, adäquater 

medizinischer Versorgung sowie Unterbringung von den italienischen Be-

hörden einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde sei überdies die auf-

schiebende Wirkung zu gewähren und die Vorinstanz sowie die Vollzugs-

behörden seien im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich 

anzuweisen, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeg-

lichen Vollzugshandlungen abzusehen.  

F.  

Am 16. September 2020 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 

VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus. Die vor-

instanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht gleichentags in 

elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG).   

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.     

 

1.1  Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 

Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-

diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-

her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und 

Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

2.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-

fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

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Seite 4 

Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-

führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Urteilsbegrün-

dung, zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.   

 

3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.H.).  

4.   

 

4.1  Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Staat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf 

das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines so-

genannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapitel III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten 

Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 

Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-

punkt, in dem die betreffende Person erstmals einen Antrag in einem Mit-

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Seite 5 

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens («take back») findet demgegen-

über grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). 

4.3  Der Beschwerdeführer hat gemäss «Eurodac»-Datenbank am 25. Juni 

2020 in Italien ein Asylgesuch gestellt. Die italienischen Behörden haben 

dem Übernahmeersuchen im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO 

am 2. September 2020 zugestimmt. Die grundsätzliche Zuständigkeit Itali-

ens ist somit gegeben und wird im Übrigen auch nicht bestritten.  

5.   

5.1  Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen grundsätzlich nach. Es darf davon ausgegangen werden, die-

ser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende 

aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-

kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrens-

richtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Nor-

men für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantra-

gen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 

5.2  Das Bundesverwaltungsgericht geht denn auch – wie dem Beschwer-

deführer bekannt (vgl. Beschwerde III 3 S. 5 ff.) – in ständiger Rechtspre-

chung davon aus, dass das italienische Asylsystem trotz punktueller 

Schwachstellen keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zwei-

ter Satz Dublin-III-VO aufweist (vgl. Referenzurteil E-962/2019 vom 17. De-

zember 2019 E. 6.3). Solche Mängel können auch nicht aus dem pauscha-

len und durch nichts belegte Vorbringen des Beschwerdeführers abgeleitet 

werden, er sei in Italien bei der Registrierung umgefallen und man habe 

ihm zwei Tage die benötigte Hilfe nicht gewährt (vgl. Beschwerde III 1 

S. 3  f.). Die Lebensumstände von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlin-

gen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien sind zwar 

mit gewissen Mängeln behaftet, demgegenüber nehmen sich mehrere pri-

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Seite 6 

vate Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlin-

gen an (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-2628/2020 vom 29. Mai 2020 E. 5.3 

oder F-2009/2020 vom 24. April 2020 E. 8.3). Den Akten sind weiter keine 

Gründe für die Annahme zu entnehmen, das Land werde im Falle des Be-

schwerdeführers den Grundsatz des Non-Refoulements missachten und 

ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder 

seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder 

in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-

gen zu werden. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 

Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

6.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 

erster Satz Dublin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 der Asylverord-

nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), auszuüben ist.  

6.1 In der Rechtsmitteleingabe vom 15. September 2020 machte der Be-

schwerdeführer unter anderem geltend, er habe anlässlich des Dublin-Ge-

sprächs verschiedenste gesundheitliche Probleme erwähnt. Zudem habe 

er sich sofort nach der Gesuchseinreichung in der Schweiz in ärztliche Be-

handlung begeben und die entsprechenden Fachleute in Kenntnis über 

seine Krankengeschichte in Deutschland gesetzt und diesen auch entspre-

chende Dokumente ausgehändigt. Er sei seiner ihm obliegenden Mitwir-

kungspflicht im Rahmen der Feststellung des medizinischen Sachverhalts 

vollumfänglich nachgekommen. Eine 56-seitige medizinische Dokumenta-

tion sei im erstinstanzlichen Verfahren komplett unberücksichtigt geblie-

ben, weshalb diese nun im Rahmen des Beschwerdeverfahrens «en bloc» 

ins Recht gelegt werde. Aufgrund der anlässlich des Dublin-Gesprächs vor-

gebrachten gesundheitlichen Probleme sowie des Umstands, dass der Be-

schwerdeführer kaum habe gehen, geschweige denn sitzen können, wäre 

die Vorinstanz im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes verpflichtet ge-

wesen, von Amtes wegen Einsicht in die vorliegenden medizinischen Akten 

zu nehmen und den medizinischen Sachverhalt abschliessend abzuklären. 

Alternativ wäre es ihr mit absolut vertretbarem Aufwand möglich gewesen, 

sich bei der Rechtsvertretung vor Erlass bzw. Redaktion der angefochte-

nen Verfügung nach allfälligen Arztberichten zu erkundigen. Die Vorinstanz 

hätte dementsprechend prüfen müssen, welche konkreten medizinischen 

Behandlungen der Beschwerdeführer unbedingt benötige und ob er diese 

in Italien erhalten werde. Gegebenenfalls hätte das SEM von den italieni-

schen Behörden eine individuelle Zusicherung bezüglich adäquater Unter-

bringung und medizinischer Versorgung einholen müssen. Schliesslich 

F-4584/2020 

Seite 7 

hätte das SEM auch genauere Informationen zum Status des Beschwer-

deführers und zum Stand seines Asylverfahrens von den italienischen Be-

hörden einholen müssen (vgl. Beschwerde III 4.1 S. 8 f.).  

6.2  Der medizinische Sachverhalt stellt sich in casu wie folgt dar:   

6.2.1 Anlässlich der Registrierung des Beschwerdeführers im Bundesasyl-

zentrum Boudry reichte der Beschwerdeführer diverse Dokumente aus Ita-

lien ein, darunter auch medizinische Akten. Diese sind dem vorinstanzli-

chen Dossier beiliegend. Den diversen Unterlagen kann entnommen wer-

den, dass der Beschwerdeführer vom 23. Juni 2020 bis 24. Juni 2020 so-

wie vom 21. Juli 2020 bis 22. Juli 2020 in der Notaufnahme des Ospedale 

M._______ untersucht und behandelt wurde. Diagnostiziert wurden […]. 

6.2.2  Im Dublin-Gesprächs machte der Beschwerdeführer im Hinblick auf 

seinen Gesundheitszustand geltend, es würde ihm nicht gut gehen, er 

habe überall Schmerzen. Da man ihn in Marokko geschlagen und verletzt 

habe, habe er Schmerzen. Solche habe er auch an der Wirbelsäule. 

Manchmal habe er drei bis vier Tage keinen Stuhlgang. Weiter habe er 

Probleme im Bereich des Herzens, der Wirbelsäule und des Magens. In 

Deutschland sei er am After operiert worden. In der Schweiz sei er schon 

beim Arzt/Pflege und in zwei Spitälern gewesen.  

6.2.3  Auf Beschwerdeebene reichte er nebst diverser medizinischer Un-

terlagen aus Deutschland auch aktuelle Berichte bezüglich seines Gesund-

heitszustandes ein, die anlässlich seines Aufenthalts in der Schweiz erstellt 

worden sind (vgl. Beschwerdebeilage 5). Dem Austrittsblatt der Medic-Help 

vom 8. September 2020 sind dabei folgende Diagnosen zu entnehmen: 

[…]. Aus einem Bericht des N._______ vom 24. August 2020 ergibt sich, 

dass der Beschwerdeführer an […] leidet. Unter «Beurteilung/Therapie und 

Verlauf» wurde im Bericht des Weiteren vermerkt, man habe die Beschwer-

den des Beschwerdeführers im Rahmen einer posttraumatischen Belas-

tung gesehen. In der aktuellen Situation würde man aber keine notfallmäs-

sige Indikation für aktive invasive Prozeduren sehen; würden die Probleme 

andauern und die Angaben durch den Patienten und die Betreuer kongru-

ent sein, wäre unter Umständen eine Rekto-Koloskopie zu organisieren.  

6.3  Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung des Untersuchungs-

grundsatzes geltend macht, so ist darauf hinzuweisen, dass dieser seine 

Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden findet (Art. 8 AsylG; 

Art. 13 VwVG). In einer den vorinstanzlichen Akten zu entnehmenden, vom 

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Seite 8 

Beschwerdeführer am 26. August 2020 unterzeichneten Einwilligungser-

klärung (Formular «Einsicht in medizinische Akten») wurde der Beschwer-

deführer darauf aufmerksam gemacht, dass er verpflichtet sei, sämtliche 

für das Asylgesuch relevanten medizinischen Akten unverzüglich nach Er-

halt einzureichen. Diese Zustimmung wurde ihm in die Sprache […] über-

setzt. Es wäre damit am Beschwerdeführer bzw. insbesondere seiner 

Rechtsvertretung gelegen, die Berichte bezüglich seiner diversen medizi-

nischen Behandlungen unverzüglich beim SEM einzureichen, zumal das 

Vertretungsverhältnis gemäss Vollmacht bereits seit dem 20. August 2020 

bestand. In diesem Sinn kann dem SEM keine Verletzung des Untersu-

chungsgrundsatzes vorgeworfen werden, schliesslich waren weder den 

medizinischen Unterlagen aus Italien (E. 6.2.1) noch den Ausführungen 

des Beschwerdeführers anlässlich des Dublin-Gesprächs Hinweise auf 

schwerwiegende Erkrankungen zu entnehmen, welche weitere Abklärun-

gen des SEM erforderlich gemacht hätten.  

6.4  Ohnehin ist den vorliegenden medizinischen Akten keine Diagnose zu 

entnehmen, die eine Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien ent-

gegenstehen könnte. Zwar hat das Bundesverwaltungsgericht in seinem 

bereits erwähnten Referenzurteil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 

strengere Kriterien für Dublin-Überstellungen beschlossen, diese gelten je-

doch nur für schwer erkrankte Asylsuchende, die sofort nach der Ankunft 

in Italien auf lückenlose medizinische Versorgung angewiesen sind. In die-

sem Sinne wurde das SEM verpflichtet, individuelle Zusicherungen betref-

fend die Gewährleistung der nötigen medizinischen Versorgung und Unter-

bringung bei den italienischen Behörden einzuholen (vgl. E-962/2019 

E. 7.4.3). Der Beschwerdeführer fällt aber nicht in diese Kategorie. Seine 

dargelegten Leiden hat er offensichtlich schon seit längerer Zeit, wie bspw. 

den mit Beschwerde eingereichten Berichten der O.________ in Deutsch-

land vom 4. November 2016 und 5. April 2017 zu entnehmen ist. Seine 

Reisetätigkeit war dabei offensichtlich nicht beeinträchtigt, und es geht 

auch nicht aus den medizinischen Akten hervor, dass er deswegen auf eine 

spezielle und lückenlose medizinische Behandlung angewiesen war (vgl. 

Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse 

Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Das SEM war damit nicht gehal-

ten gewesen, diese Leiden den italienischen Behörden anlässlich der 

Überstellungsanfragen mitzuteilen. Hinzu kommt, dass Italien grundsätz-

lich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt, aufgrund 

welcher es möglich ist, die notwendigen allfälligen weiteren Untersuchun-

gen durchzuführen. Dies belegen auch die medizinischen Berichte aus Ita-

F-4584/2020 

Seite 9 

lien, die entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers (vgl. Be-

schwerde III 1 S. 3) aufzeigen, dass er dort eingehend (auch gastroentero-

logisch) untersucht und behandelt wurde (vgl. E. 6.2.1).  

6.5 Der Zugang für asylsuchende Personen zum italienischen Gesund-

heitssystem – über die Notversorgung hinaus – ist damit grundsätzlich ge-

währleistet, selbst wenn es in der Praxis zu zeitlichen Verzögerungen kom-

men kann (vgl. D-2846/2020 E. 6.2.1 m.H.). In diesem Sinne hat das Bun-

desverwaltungsgericht unlängst in seinem Urteil D-2846/2020 vom 16. Juli 

2020 eine vom SEM angeordnete Überstellung eines Asylsuchenden mit 

gesundheitlichen Problemen, der lediglich auf gelegentliche Kontrollen an-

gewesen gewesen ist, nach Italien bestätigt (vgl. auch Urteil des BVGer   

F-3816/2020 E. 9.2 vom 11. August 2020 betr. Überstellung nach Italien bei 

ärztlicher Diagnose «Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung»). 

Nichts abgeleitet werden kann schliesslich auch aus dem in der Be-

schwerde zitierten Entscheid des UNO-Ausschusses gegen Folter (CAT) 

A.N. v. Switzerland vom 3. August 2018 (CAT/C/64/D742/2016), zumal es 

sich dort um ein zweifellos identifiziertes Folteropfer handelte. In casu sind 

weder die (medizinischen) Akten noch die auf Beschwerdeebene vorge-

brachten pauschalen Vorbringen des Beschwerdeführers geeignet, Rück-

schlüsse auf eine allfällig erlittene Folter zu ziehen. 

6.6  Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 

nicht zur Gruppe der besonders verletzlichen Personen im Sinne des Ur-

teils E-962/2019 E. 7.4 gehört. Ein Selbsteintritt aus humanitären Gründen 

ist bei dieser Sachlage nicht angezeigt. Im Weiteren werden die schweize-

rischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung be-

auftragt sind, die italienischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise 

über allfällige spezifische medizinische Umstände des Beschwerdeführers 

informieren (Art. 31 f. Dublin-III-VO). 

7.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da 

der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-

derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in Anwen-

dung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a 

AsylV 1). 

F-4584/2020 

Seite 10 

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen.  

9.  

Das Gesuch um aufschiebende Wirkung wird gegenstandslos und der an-

geordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil dahin. 

10.  

Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehen-

den Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind, weshalb die 

Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Die Verfah-

renskosten sind daher dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

F-4584/2020 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde.  

 

 

Die Einzelrichterin:  Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Susanne Stockmeyer 

 

 

 

Versand: