# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ea94482c-28fe-5f29-be9f-0442299db27f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-24
**Language:** de
**Title:** Beweiskräftiger kreisärztlicher Untersuchungsbericht, eine Abklärung des beruflichen Leistungsvermögens ist nicht erforderlich. Die bisherige Bürotätigkeit ist weiterhin zumutbar, leidensbedingter Abzug ist nicht zu erhöhen, da monotone Haltungen nicht erforderlich und Wechselbelastung möglich. Abweisung
**Docket/Reference:** UV.2021.00209
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2021.00209.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2021.00209
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Engesser
Urteil
vom
24. November 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
O.___
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
(vormals
Y.___
,
Urk.
7/II/307
), geboren 1980
,
war zuletzt von Juni 2015
bis 3
0.
April 2017
als Kundenberaterin
bei der
Z.___
tätig (
Urk.
7/I/3,
Urk.
7/I/92
). Als Arbeitslose war sie bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als
das von ihr gelenkte Auto
am
5.
Juni 2017 in Italien
frontal
mit einem entgegenkommenden Fahrzeug
kollidierte
und
sie
dabei ein Thorax- und ein Wirbelsäulentrauma
sowie eine
Beckenringverletzung
erlitt (
Urk.
7/I/1,
Urk.
7/I/3
,
Urk.
7/I/55
). Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (
Urk.
7/I/10)
.
Mit
Verfügung vom
4.
Dezember 2019
verneinte sie
die Adäquanz der
weiterhin geklagten Beschwerden
und stellte die Einstellung der Versicherungsleistungen per 3
1.
Dezember 2019 in Aussicht. Ferner verneinte sie einen Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritäts
entschädigung (
Urk.
7/III/378), wogegen die Versicherte
am 2
0.
Januar 2020
Einsprache
erhob (
Urk.
7/III/393). Nachdem sie die Versicherte am 2
4.
März 2021 von Kreisarzt
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, hatte untersuchen lassen (
Urk.
7/III/438), zog die Suva die Verfügung vom
4.
Dezember 2019 m
it Verfü
gung vom 1
1.
Mai 2021 zurück, verneinte
wiederum
einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente und sprach ihr
aber
aufgrund einer Integri
tätseinbusse
von 35
%
eine Integritätsentschädigung zu (
Urk.
7/III/445). Die von der Versicherten
dagegen
am 1
1.
Juni 2021 erhobene Einsprache (
Urk.
7/III/453), wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 2
1.
September 2021 ab (
Urk.
7/III/456 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch
O.___
, am 2
2.
Oktober 2021 Beschwerde mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid
vom 2
1.
Juni (richtig:
September
)
2021 sei aufzuheben und es sei ihr eine zumindest 10%ige Rent
e zuzusprechen; eventualiter sei
eine BEFAS-Abklärung zur Arbeitserpro
bung anzuordnen. In formeller Hinsicht beantragte sie zudem, die Akten der Invalidenversicherung seien beizuziehen und es sei zu prüfen, ob das Verfahren zu sistieren sei, bis die dort beantragten beruflichen Massnahmen Ergebnisse zeigen würden (
Urk.
1
S. 2
). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerde
antwort vom 2
6.
November 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6)
,
wovon der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
8.
Dezember 2021 Kenntnis
gegeben
wurde. Ferner wurde mit derselben Verfügung der Sistierungsantrag der Beschwerdeführerin abgewiesen (
Urk.
8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
– soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliede
rungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen).
1.3
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
).
Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Ver
siche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklä
rungen vorzuneh
men (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
D
ie Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, für die Frage, welches Invalideneinkommen die Beschwerdeführerin auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch erwirtschaften könne,
sei
auf das medizinische Zum
utbarkeits
profil abzustellen
. Die kreisärztliche Untersuchung vom 2
4.
März 2021 habe ergeben, dass
sie
in einer ihren Beschwerden angepassten Tätigkeit ganztags arbeitsfähig sei (
Urk.
2 S.
5).
Für die Ermittlung des Invalideneinkommens seien die Tabellenlöhne der Lohn
strukturerhebung (LSE) 2018 heranzuziehen. Ausgehend vom Durchschnittslohn für die im Sektor Bürokräfte und verwandte Berufe beschäftigten Frauen im Alter von 30-49 Jahren (Tabelle T 17, Ziffer 4) ergebe dies ein Jahreseinkommen von gerundet
Fr.
75'807.--.
Da
der
Beschwerdeführerin
leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten ohne monotone Haltungen des Rückens über 30 Minuten
ganztags zumutbar seien
, habe die Abteilung Versicherungsleistungen einen leidens
bedingten Abzug von 5
%
vorgenommen.
Bei
den Tätigkeiten innerhalb
des für die Berechnung angewendeten Sektors «Bürokräfte und verwandte Berufe»
gebe es
-
vergl
ichen
mit dem Kompetenzniveau 1
-
viele dem Belastungsprofil entsprechende Tätigkeiten. Ein leidensbedingter Abzug müsste deshalb grund
sätzlich nicht vorgenommen werden. Entsprechend sei der Abzug von 5
%
als grosszügig anzuseh
en. Sie weise
darauf hin, dass die Gutachter im von der
IV-Stelle Zürich in Auftrag gegebenen polydisziplinären Gutachten der MEDAS
B.___
vom 2
5.
Februar 2021 in der interdisziplinären Gesamtbeurtei
lung zum Schluss gekommen seien
, dass eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 100
%
(ganztägig ohne Leistungsminderung) in der bisherigen sowie in einer angepass
ten
Tätigkeit bestehe. Entsprechend habe die IV-Stelle den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint. Das durch die LSE ermittelte hypothetische Invalideneinkommen belaufe sich demnach auf
Fr.
72’016.--
(
Urk.
2 S. 6 f.).
Der
Vergleich
des
Invalideneinkommen
s
von
Fr.
72'
016
.-- mit
dem unbestritten
gebliebenen
V
alideneinkommen
von
Fr.
75'
807
.-- ergebe
eine unfallbedingte Erwerbseinbusse von gerundet 5
%
. Dieser Wert
liege unter der
Erheblichkeits
grenze
von 10
%
gemäss
Art.
18
Abs.
1 UVG, womit ein Anspruch auf eine Invalidenrente entfalle (
Urk.
2 S. 7)
.
2.2
D
ie Beschwerdeführerin brachte dagegen
vor,
dass das
Validene
inkommen
und
das
Invalideneinkommen auf den gleichen theor
etischen Tabellenlöhnen basiere
, sei
nicht zu beanstanden
.
Nicht korrekt
sei aber die ungenügende Abklärung der zumutbaren Leistung. Aufgrund der fehlenden Austestung über einen Arbeits
versuch oder eine BEFAS
werde
auf die Einschätzung der Mediziner abgestellt (ganztags zumutbar mit Einschränk
ungen). Diese Einschränkungen wü
rden von der Beschwerdegegnerin in Form eines Leidensabzuges von 5
%
berücksichtigt. Eine Wirbelsäulendeformation mit Einschränkungen bei Belastung wirke sich
jedoch
im angestammten Bereich als kaufmännische Angestellte überproportio
nal aus. Der Beruf sei immer mehr auf Bildschirmarbeiten fixiert, was eben gerade zu verm
eidende Zwangshaltungen bedinge
. Entweder führe dies zu zus
ätzlichen Pausen, die über das Normale hinaus
gehen würden
,
oder aber zu Reduktionen in der Leistungsfähigkeit. Auch wenn bisher keine Arbeitserprobun
g durchgeführt worden sei, dürf
e auf Basis der rein
theoretischen medizinischen Einschätzung davon ausgegangen werden, dass die Einschränkung 10
%
übersteige (
Urk.
1
S. 5).
Zum Zusammenspiel ärztlicher Beurteilung und berufliche
r
Massnahmen verweise sie
auf
die bundesgerichtliche Rechtsprechung
, wonach
der Arztperson
bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für
die Arbeitsfähigkeit
keine abschlie
ssende Beurteilungskompetenz zukomme, sondern n
ötigenfalls
-
in Ergänzung der medizinischen Unterlagen
- für die Ermittlung des für den
Erwerb nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten
seien
. Zu bevor
zugen
sei vorliegend
eine berufliche Abklärung in Form einer MEDAS oder im Rahmen eines Arbeitsversuches in Zusammenarbeit mit der Invalidenversiche
rung (
Urk.
1 S. 5
f.
).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ergänzte in der Beschwerdeantwort, dem kreisärztlichen Untersuchungsbericht komme voller Beweiswert zu. Bei dieser
Ausgangslage
seien keine weitere
n
Abklärungen zu
tätigen
,
insbesondere
erübrigten sich weitere
Abklärungen der zumutbaren Leistung wie die beantragte BEFAS-Abklärung (
Urk.
6 S. 3).
Entgegen der Beschwerdeführerin bestünden in einer angepassten Tätigkeit keine Einschränkungen in zeitlicher oder leistungsmässiger Hinsicht. Einschränkungen welche sie an ihrer angestammten Tätigkeit hindern würden, lägen keine vor. Ein leidensbedingter Abzug von 5
%
erweise sich daher als grosszügig und sei nicht zu beanstanden (
Urk.
6 S. 4).
2.4
Strittig und zu prüfen ist
der Anspruch auf eine Invalidenrente und
insbesondere die Bemessung des Invalideneinkommens.
Demgegenüber ist die Höhe des Integritätsschadens beziehungsweise der Integri
tätsentschädigung nicht (mehr) strittig.
3.
Gestützt auf die kreisärztliche
Untersuchung vom
2
4.
März 2021
stellte
Dr.
A.___
in seinem Bericht vom
1.
April 2021
die Diagnose eines Zustandes nach schwerem Thorax-, Halswirbelsäulen- und Beckentrauma am
5.
Juni 2017
mit in leichter
Ventraltranslation
verheilender
Densfraktur
Typ II nach Anderson und
d’Alonso
sowie beginnender ventraler Fusion HWK1/2 rechts vom
5.
Juni 2017, verheilter Beckenringverletzung Typ LC I links nach Young & Burgess vom
5.
Juni 2017 und verheilte
m
Thoraxwand- und
Sternuminfekt
im Juni 201
7.
Er hielt fest, von weiteren ärztlichen Behandlungen sei nicht mehr überwiegend wahrscheinlich von einer Besserung
zu erwarten
, aus versicherungsmedizinischer Sicht sei daher
vo
m medizinischen Endzustand auszugehen (
Urk.
7/III/438/10). Der Beschwerdeführerin sei eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne monotone Haltungen des Rückens über dreissig Minuten ganztags zumutbar. Länger andauerndes oder repetitives Einnehmen einer Zwangshaltung für die Wirbelsäule wie eine gebückte Haltung und Tätigkeiten mit maximalen oder länger dauernden Kopf- und/oder Rumpf
rotationen seien weitgehend zu
meiden. Das Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie andauernde Vibrationsbelastungen für die Wirbelsäule seien unzulässig. Eine Wechselbelastung sollte dahingehend ermöglicht werden (
Urk.
7/III/438/11).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf die kreisärztliche Beurteilung vom
1.
April 2021 und das darin formulierte
Zumutbarkeitsprofil (
Urk.
2 S. 5
). Diese ärztliche Beurteilung blieb unbestritten. Da sie darüber hinaus anhand der
Vorakten
nachvollziehbar ist und das erstellte Zumutbarkeitsprofil auf die bestehenden Einschränkungen angemessen Rücksicht nimmt, ist für die Beurteilung der erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitsschadens darauf abzustell
en. Damit ist erstellt, dass der
Beschwerdeführerin eine leichte wechselbelastende
Tätigkeit ohne monotone Haltungen des Rückens über dreissig Minuten ganztags zumutbar ist. Dabei sind länger andauerndes oder repetitives Einnehmen einer Zwangshaltung für die Wirbelsäule
,
wie eine gebückte Haltung
,
und Tätigkeiten mit maximalen oder länger dauernden Kopf- und/ode
r Rumpfrotationen weitgehend zu
meiden. Das Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie andauernde Vibrationsbelastungen für die Wirbelsäule sind unzulässig. Eine Wechselbelastung sollte dahingehend ermöglicht werden (
Urk.
7/III/438/11).
Ein Beizug der Akten der Invalidenver
sicherung erübrigt sich bei dieser Sachlage, zumal das von der Invalidenversiche
rung eingeholte MEDAS-Gutachten bereits aktenkundig ist
.
D
ie Gutachter
waren
zum Schluss gekommen, dass keine Diagnosen mit Relevanz für die Arbeits
fähigkeit vorliegen (
Urk.
7/III/440/9).
4.2
Zum Einwand der fehlenden Durchführung einer Abklärung der beruflichen Leistungsfähigkeit ist festzuhalten, dass bei zuverlässiger ärztlicher Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der Regel keine Notwendigkeit besteht, die Rechtsfrage der E
rwerbsunfähigkeit durch eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
zu überprüfen
.
Ausnahmsweise kann eine solche erforderlich sein, wenn mehrere involvierte Ärzte eine solche angesichts eines multiplen und schwierig einzuschätzenden Krankheitsbildes ausdrücklich befürworten
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_711/2016 vom
1
5.
Dezember 2016 E.
3.5).
Solche Umstände macht die Beschwerdeführerin nicht geltend und sind auch nicht ersichtlich. Weiter
gehende Abklärungen zur beruflichen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin erweisen sich daher nicht als erforderlich
(antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweisen).
4.3
Im Weiteren steh
t
auch d
er
gemäss
Beschwerde bei der IV-Stelle
gestellte Antrag auf
berufliche
Massnahmen
(
Urk.
1 S. 2 und S. 6) dem Fallabschluss und der Rentenbemessung nicht entgegen
.
Denn n
ach Lage der Akten waren im Zeitpunkt der Einstellung der vorübergehenden Leistungen
Eingliederungsmassnahmen
weder
im Gange
noch
in Aussicht gestellt
(vgl. dazu die im MEDAS-Gutachten
vom
2
5.
Februar 2021
erwähnte Verneinung von
Eingliederungsmassnahmen
, U
rk.
7/
III/
440/
25 und 79).
Etwas anderes wird von der Beschwerdeführerin auch nicht dargetan.
5.
5.1
Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
5.2
Vorliegend stützte sich die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung des
Validenein
kommens
auf die Tabellenlöhne gemäss den
vom Bundesamt für Statistik (BFS) periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen, konkret den Lohn für Bürotätigkeiten und verwandte Berufe
gemäss der Tabelle T17 der Lohnstruk
turerhebung 201
8.
Da die Beschwerdeführerin
im Unfallzeitpunkt arbeitslos war, weshalb nicht auf das in der bisherigen Tätigkeit erzielte Einkommen abgestellt werden kann, indessen in ihrer Erwerbskarriere
bisher
hauptsächlich
B
ürotätig
keiten aus
ge
übt
hatt
e
und auch eine diesbezügliche Ausbildung aufweist (vgl.
Urk.
7/I/92)
,
ist dies nicht zu beanstanden und blieb von der Beschwerdeführerin auch unbestritten. Da der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit grund
sätzlich weiterhin zumutbar ist und
sie
im Verfügungszeitpunkt keine Tätigkeit ausübte, ging die Beschwerdegegnerin betreffend das Invalideneinkommen zu Recht ebenfalls von den Tabellenlöhnen für Bürotätigkeiten und verwandte Berufe aus.
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 1
9.
Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 1
8.
April 2017
E. 3.2.1). Ohne Berücksichtigung eines leidens
bedingten Abzugs würde der Invaliditätsgrad vorliegend demnach
0
%
betragen.
5.3
5.3
.1
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellen
lohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinde
rung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc
).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6).
5.3
.2
Die Beschwerdegegnerin hielt einen leidensbedingten Abzug von 5
%
für (knapp) gerechtfertigt (
Urk.
2 S. 6,
Urk.
6 S. 4).
Die
Beschwerdeführerin macht
dagegen
geltend, dass der
Abzug
auf mindestens 10
%
zu
erhöhen sei, da sich die Wirbel
säulendeformation mit Einschränkungen der Belastung im angestammten Bereich als kaufmännische Angestellte
- der immer mehr auf Bildschirmarbeiten ausge
richtet sei, was gerade zu vermeidende Zwangshaltungen bedinge -
überpropor
tional auswirke
(
Urk.
1 S. 5).
5.3
.3
Dass eine grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige versicherte Person gesund
heitlich bedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist, rechtfertigt an sich noch keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil
des Bundesgerichts
9C_728/2009 vom 2
1.
Sep
tember 2010 E. 4.3.2). Bestehen jedoch über das ärztlich beschriebene Beschäfti
gungspensum hinaus zusätzliche Einschränkungen, wie ein vermin
dertes Rendement pro Zeiteinheit wegen verlangsamter Arbeitsweise oder ein Bedarf nach ausserordentlichen Pausen, oder ist die funktionelle Einschränkung ihrer besonderen Natur nach nicht ohne weiteres mit den Anforderungen vereinbar, wie sie sich aus den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen ergeben, kann dies bei der Bemessung des leidensbedingten Abzugs vom statistischen Tabellenlohn berücksichtigt werden (Urteil
des Bundesgerichts
8C_163/2015 vom 1
6.
Juni 2015 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
5.3.4
Der Beschwerdeführerin ist es nach dem
vorstehend Ausgeführten
unbestrittener
massen
zumutbar, die bisherige Tätigkeit im Bürobereich weiterhin auszuüben.
Zwar ist
ihr
dahingehend beizupflichten, dass
dieses
Tätigkeitsgebiet
oftmals
einen
erheblichen
Anteil an
Bildschirmarbeiten
enthält
. Inwiefern dabei jedoch Zwangshaltungen
beziehungsweise
längerdauernde
monotone Haltungen des Rückens
eingenommen werden müssen,
ist indessen nicht ersichtlich, kann bei der Bildschirmarbeit doch die H
altung
grundsätzlich frei
gewählt werden und
ist es bei entsprechender Ausrüstung des Arbeitsplatzes (zum Beispiel mit einem
höhenverstellbaren Arbeitstisch
)
auch
möglich,
diese
in Wechselbelastung auszu
üben
. Anhaltspunkte dafür, dass die
funktionelle
n
Einschränkung
en der Beschwerdeführerin
nicht ohne weiteres mit den Anforderungen vereinbar
wären
, wie sie sich aus den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen ergeben
, sind daher nicht erkennbar, insbesondere ist nicht
davon auszugehen
, dass sich die Notwen
digkeit einer Wechselbelastung zusätzlich lohnmindernd auswirkt
.
Der von der Beschwerdegegnerin für die Körperhaltungseinschränkung gewährte Abzug von 5
%
erweist sich daher als grosszügig bemessen und es erscheint nicht als gerechtfertigt, diesen zu erhöhen.
Ein erhöhter Pausenbedarf oder eine Reduktion der Leistungsfähigkeit lassen sich dem medizinischen Zumutbarkeitsprofil
dar
über hinaus
nicht entnehmen
(vgl.
Urk.
7/III/438/11).
Weitere
, von der Beschwer
degegnerin bislang unberücksichtigte
Faktoren, die
zu einem höheren Abzug führen könnten,
macht die Beschwerdeführerin nicht geltend
und solche sind auch nicht ersichtlich.
Damit beste
ht insgesamt keine Veranlassung
,
in die Ermessensausübung der Beschwerdegegnerin einzugreifen.
5.3.5
Die Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspr
uch der Beschwerdeführerin nach dem Gesagten
zu Recht verneint und der angefochtene
Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
erweist sich als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
O.___
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrEngesser