# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** afc44eea-04a8-598a-a00c-0d3f8330ac6a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 BVGE 2012/2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2012-2_2012-02-06.pdf

## Full Text

2012/2 Asyl 

 

 

8 BVGE / ATAF / DTAF 

 

2 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V  
i.S. A. gegen Bundesamt für Migration 

E–2324/2011 vom 6. Februar 2012 

Kantonswechsel. Beschwerdelegitimation vorläufig aufgenommener 

Flüchtlinge. Direkte Anwendbarkeit der Bestimmung über die Frei-

zügigkeit in der FK. Grundsatzurteil. 

Art. 37 Abs. 3, Art. 63, Art. 85 Abs. 3 und 4 AuG. Art. 58 AsylG. 

Art. 26 FK. 

1. Die in Art. 85 Abs. 4 AuG bezüglich Kantonswechsel vorgesehene 
Kognitionsbeschränkung (Rüge der Verletzung des Grundsatzes 

der Einheit der Familie) ist auf vorläufig aufgenommene Flücht-

linge nicht anwendbar. Vorläufig aufgenommene Flüchtlinge 

können eine Verletzung von Art. 26 FK und Art. 37 AuG vor dem 

Bundesverwaltungsgericht rügen (E. 2–4). 

2. Art. 26 FK ist inhaltlich hinreichend bestimmt und klar, um 
innerstaatlich unmittelbar zur Anwendung zu gelangen (self-

executing). Die Bestimmung begründet für vorläufig aufgenom-

mene Flüchtlinge einen Anspruch auf Kantonswechsel im glei-

chen Umfang, wie er einer niedergelassenen Person gestützt auf 

Art. 37 Abs. 3 AuG zusteht (E. 5). 

3. Im vorliegenden Fall besteht gestützt auf Art. 37 Abs. 3 AuG ein 
Anspruch des Beschwerdeführers auf einen Kantonswechsel, weil 

keine Widerrufsgründe nach Art. 63 AuG vorliegen (E. 6). 

Changement de canton. Qualité pour recourir de réfugiés admis à 

titre provisoire. Applicabilité directe de la disposition de la Conven-

tion sur le statut des réfugiés relative à la liberté de circulation. Arrêt 

de principe. 

Art. 37 al. 3, art. 63, art. 85 al. 3 et 4 LEtr. Art. 58 LAsi. Art. 26 

Convention du 28 juillet 1951 sur le statut des réfugiés (ci-après: 

Conv. réfugiés). 

1. La limitation du pouvoir de cognition prévue à l'art. 85 al. 4 LEtr 
au sujet du changement de canton (grief de la violation du 

principe de l'unité de la famille) n'est pas applicable aux réfugiés 

admis à titre provisoire. Ceux-ci peuvent invoquer une violation 

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de l'art. 26 Conv. réfugiés et de l'art. 37 LEtr devant le Tribunal 

administratif fédéral (consid. 2–4). 

2. Le contenu de l'art. 26 Conv. réfugiés est suffisamment précis et 
clair pour être appliqué directement en droit interne (self-

executing). Cette disposition donne aux réfugiés admis à titre 

provisoire le droit de changer de canton dans la même mesure 

que l'art. 37 al. 3 LEtr l'accorde aux titulaires d'une autorisation 

d'établissement (consid. 5). 

3. En l'espèce, le recourant a le droit de changer de canton en vertu 
de l'art. 37 al. 3 LEtr, car il n'existe pas de motifs de révocation 

au sens de l'art. 63 LEtr (consid. 6).  

Cambiamento di Cantone. Diritto di ricorso dei rifugiati ammessi 

provvisoriamente. Applicabilità diretta della disposizione sul diritto 

di libero passaggio prevista nella Convenzione sullo statuto dei rifu-

giati. Sentenza di principio. 

Art. 37 cpv. 3, art. 63, art. 85 cpv. 3 e 4 LStr. Art. 58 LAsi. Art. 26 

della Convenzione del 28 luglio 1951 sullo statuto dei rifugiati (qui di 

seguito: Conv. rifugiati). 

1. La limitazione del potere cognitivo prevista dall'art. 85 cpv. 4 
LStr per il cambiamento di Cantone (censura della violazione del 

principio dell'unità familiare) non è applicabile ai rifugiati am-

messi provvisoriamente. Questi possono dunque invocare dinanzi 

al Tribunale amministrativo federale la violazione dell'art. 26 

Conv. rifugiati e dell'art. 37 LStr (consid. 2–4). 

2. L'art. 26 Conv. rifugiati è sufficientemente preciso e chiaro nel 
contenuto per essere direttamente applicato nel diritto interno 

(norma « self-executing »). In virtù di tale disposizione, i rifugiati 

ammessi provvisoriamente hanno lo stesso diritto al cambia-

mento di Cantone che spetta agli stranieri titolari di un permesso 

di domicilio in base all'art. 37 cpv. 3 LStr (consid. 5). 

3. Nella fattispecie il ricorrente ha diritto al cambiamento di Can-
tone in base all'art. 37 cpv. 3 LStr, non sussistendo motivi di 

revoca ai sensi dell'art. 63 LStr (consid. 6).  

 

 

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Mit Verfügung vom 30. März 2011 lehnte das Bundesamt für Migration 

(BFM) das Gesuch des Beschwerdeführers vom 21. Februar 2011 um 

Kantonswechsel ab. Zur Begründung führte das BFM aus, gemäss 

Art. 22 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 

142.311) in Verbindung mit Art. 27 Abs. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 

1998 (AsylG, SR 142.31) und Art. 21 der Verordnung vom 11. August 

1999 über den Vollzug der Weg- und Ausweisung von ausländischen 

Personen (VVWA, SR 142.281) verfüge das BFM einen Kantonswechsel 

auf Gesuch einer vorläufig aufgenommenen Person bei Anspruch auf 

Einheit der Familie oder schwerwiegender Gefährdung. Würden andere 

Gründe geltend gemacht, setze ein Kantonswechsel die Zustimmung der 

beteiligten Kantone voraus. Der Entscheid über den Kantonswechsel 

könne gemäss Art. 85 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 

2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nur mit 

der Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der 

Einheit der Familie. 

Vorliegend handle es sich nicht um ein Gesuch um Kantonswechsel ge-

stützt auf Art. 22 Abs. 2 AsylV 1 respektive es werde kein Anspruch auf 

Familieneinheit geltend gemacht; ein Kantonswechsel setze daher die 

Zustimmung der beteiligten Kantone voraus. Das Migrationsamt des 

Kantons verweigere den Kantonswechsel, weil vorliegend weder ein 

Anspruch auf Einheit der Familie noch eine schwerwiegende Gefährdung 

gemäss Art. 22 Abs. 2 AsylV 1 bestehen würden. Der Vertrag für eine 

Arbeitsstelle auf dem Gebiet des Kantons sei keine genügende Begrün-

dung für einen Kantonswechsel. 

Der Beschwerdeführer verkenne mit seinem Einwand in der Stellung-

nahme vom 24. März 2011, eine als Flüchtling anerkannte ausländische 

Person habe das Recht, den Ort ihres Aufenthaltes frei zu wählen und 

sich frei zu bewegen, dass sich Art. 37 Abs. 3 AuG auf Personen mit 

einer Niederlassungsbewilligung und nicht auf Personen mit einem Aus-

weis F beziehe. Vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen stünden nur die 

Rechte zu, die sich aus dem Abkommen vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) ergeben würden. Die 

FK sehe in Bezug auf den Aufenthalt keine Privilegierung vor, weshalb 

vorläufig aufgenommene Flüchtlinge diesbezüglich den übrigen vorläu-

fig aufgenommenen ausländischen Personen gleichgestellt seien. Auf-

grund der ablehnenden Haltung des Migrationsamtes des Kantons müsse 

der Antrag auf Kantonswechsel abgelehnt werden. 

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Mit Rechtsmitteleingabe vom 20. April 2011 beantragte der Beschwerde-

führer durch seinen Rechtsvertreter in materieller Hinsicht – unter Kos-

ten- und Entschädigungsfolge – die Aufhebung der vorinstanzlichen 

Verfügung, die Gutheissung des Kantonswechselgesuchs vom 21. Fe-

bruar 2011 und die Bewilligung der Wohnsitznahme im Kanton. 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut. 

Aus den Erwägungen: 

2.   
2.1 Gemäss Art. 85 Abs. 3 AuG ist das Gesuch um Kantonswechsel 
von vorläufig aufgenommenen Personen beim BFM einzureichen, wobei 

dieses nach Anhörung der beteiligten Kantone grundsätzlich endgültig 

entscheidet. Vorbehalten bleibt gemäss Art. 85 Abs. 4 AuG die Anfech-

tung dieses Entscheides mit der Begründung, er verletze den Grundsatz 

der Einheit der Familie. 

2.2 Im Folgenden ist zu prüfen, ob Art. 85 Abs. 4 AuG auch für 
vorläufig aufgenommene Flüchtlinge gilt. Bejahendenfalls wäre aufgrund 

der eingeschränkten Kognition des Gerichts auf die Beschwerde nicht 

einzutreten, zumal diese nicht – auch nicht sinngemäss – mit der Verlet-

zung des Grundsatzes der Einheit der Familie, sondern mit der Verlet-

zung des sich für Flüchtlinge aus Art. 26 FK ergebenden Anspruchs auf 

Freizügigkeit begründet wird. 

3.  
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der höchstrich-
terlichen Auslegungsmethodik an, welche gemäss BVGE 2009/8 wie 

folgt (zusammengefasst) zitiert sei: Das Gesetz muss in erster Linie aus 

sich selbst heraus, das heisst nach Wortlaut, Sinn und Zweck und den 

ihm zugrunde liegenden Wertungen auf der Basis einer teleologischen 

Verständnismethode, ausgelegt werden. Auszurichten ist die Auslegung 

auf die ratio legis, die zu ermitteln dem Gericht allerdings nicht nach 

seinen eigenen, subjektiven Wertvorstellungen, sondern nach den 

Vorgaben des Gesetzgebers aufgegeben ist. Die Auslegung des Gesetzes 

hat zwar nicht entscheidend historisch zu erfolgen, ist im Grundsatz aber 

dennoch auf die Regelungsabsicht des Gesetzgebers und die damit 

erkennbar getroffenen Wertentscheidungen auszurichten, da sich die 

Zweckbezogenheit des rechtsstaatlichen Normenverständnisses nicht aus 

sich selbst begründen lässt, sondern aus den Absichten des Gesetzgebers 

abzuleiten ist, die es mit Hilfe der herkömmlichen Auslegungselemente 

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zu ermitteln gilt. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten 

zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Rechtsnorm darstellt, son-

dern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. 

Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, 

ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis aus der ratio legis. Dabei 

befolgt das Bundesgericht einen pragmatischen Methodenpluralismus 

und lehnt es namentlich ab, die einzelnen Auslegungselemente einer hie-

rarchischen Prioritätenordnung zu unterstellen (vgl. dazu BGE 131 III 35 

E. 2, BGE 130 II 211 E. 5.1, BGE 119 II 186 E. 4b/aa; BVGE 2007/7 

E. 4.1, BVGE 2007/24 E. 2.3, BVGE 2008/9 E. 6; ULRICH 

HÄFELIN/WALTER HALLER/ HELEN KELLER, Schweizerisches Bundes-

staatsrecht, 7. Aufl., Zürich 2008, Rz. 80 ff.). 

3.2   
3.2.1 Das Ausländergesetz verwendet immer dann, wenn es von den 
in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Menschen spricht, einerseits 

den Begriff der « vorläufig aufgenommenen Personen » und anderseits 

denjenigen der « vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge ». Mit diesen 

beiden, teilweise im gleichen Artikel verwendeten Begriffen macht die 

Gesetzessprache klar, dass dabei zwei Kategorien derselben Begriffsstufe 

(vorläufig Aufgenommene ohne Flüchtlingseigenschaft und vorläufig 

Aufgenommene mit Flüchtlingseigenschaft) gemeint sind. Beispiele im 

AuG: Art. 83 Abs. 8, Art. 85 Abs. 1‒6 einerseits und Abs. 7 anderseits, 

Art. 86 Abs. 1 und 2, Art. 87 Abs. 1 Bst. a einerseits und Bst. b 

anderseits; siehe auch Art. 59 und Art. 61 AsylG. Nur gerade im Art. 84 

Abs. 5 AuG (Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung) wird in der 

deutschen Fassung der Begriff der « vorläufig aufgenommenen Auslän-

derinnen und Ausländern » verwendet; der Inhalt (Überprüfung der 

Zumutbarkeit) macht indessen klar, dass hierbei « vorläufig aufgenom-

mene Personen » gemeint sind (vgl. auch die französische Fassung, wo 

durchgehend von « l'étranger admis à titre provisoirement » die Rede ist, 

mit Ausnahme der Art. 83 Abs. 8 sowie Art. 85 Abs. 7 AuG und Art. 59 

sowie Art. 61 AsylG, wo jeweils die vorläufig aufgenommenen Flücht-

linge angesprochen sind). 

Im vorliegend interessierenden Art. 85 AuG ist die Unterscheidung der 

Wortwahl zwischen den Abs. 1, 2, 3, 5 und 6 (vorläufig aufgenommene 

Personen) und dem Abs. 7, welcher beide Begriffe verwendet (gleiche 

Rechtsfolge für die « vorläufig aufgenommenen Personen » und « die 

vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge »), so klar und konsequent vorge-

nommen worden, dass die gesetzgeberische Absicht, mit der Regelung in 

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den Abs. 1–6 (Abs. 4 bezieht sich eindeutig auf den Abs. 3 und mithin 

auf die gleiche Kategorie) nur die vorläufig Aufgenommenen ohne 

Flüchtlingseigenschaft zu meinen, nicht in Frage gestellt werden kann. 

Zusammenfassend ergibt sowohl die grammatikalische als auch die sys-

tematische Auslegung von Art. 85 Abs. 4 in Verbindung mit Abs. 3 AuG, 

dass es sich beim Begriff « vorläufig aufgenommene Personen » nicht 

um einen Oberbegriff handelt, sondern dieser sich auf derselben 

Begriffsstufe wie « vorläufig aufgenommene Flüchtlinge » befindet. Der 

Anwendungsbereich von Art. 85 Abs. 4 AuG bezieht und beschränkt sich 

mithin auf die vorläufig aufgenommenen Personen ohne Flüchtlings-

eigenschaft. Dieses Verständnis ergibt sich aus der Verwendung der 

beiden Begriffe in den Bestimmungen des AuG, wo namentlich mit der 

Formulierung der Art. 85 Abs. 7, Art. 86 Abs. 1 und Art. 87 Abs. 1 Bst. a 

und b neben den vorläufig aufgenommenen Personen explizit die vor-

läufig aufgenommenen Flüchtlinge erwähnt und separat geregelt werden. 

3.2.2 Im Weiteren gewährt Art. 58 AsylG den Flüchtlingen ausdrück-
lich alle Rechte, wie sie für Ausländerinnen und Ausländer im Allgemei-

nen gelten (vgl. etwa Art. 37 AuG: Kantonswechsel ist bewilligungs-

pflichtig und die Verweigerung ist beschwerdefähig), und verweist auf 

die ihnen nach Gesetz und Flüchtlingskonvention zusätzlich zustehenden 

Rechte. Zu den Rechten gemäss den besonderen Bestimmungen der FK 

gehören explizit das Recht auf Freizügigkeit (Art. 26 FK: freie Wohnsitz-

wahl; Einschränkungen sind nur möglich, soweit sie « unter den gleichen 

Umständen für Ausländer im Allgemeinen gelten ») und das Recht auf 

freien Zugang zu den Gerichten (Art. 16 FK: wie Schweizer). Dafür, dass 

der Gesetzgeber bei Art. 85 Abs. 4 AuG bewusst einen Konflikt mit der 

FK in Kauf nehmen wollte, gibt es – im Unterschied zur damaligen par-

lamentarischen Diskussion und zum Vernehmlassungsverfahren be-

treffend Art. 85 Abs. 7 AuG – in den Materialien keinen Hinweis. 

3.2.3 Mit diesen Auslegungen nach dem Wortlaut und der Systematik 
des Gesetzes sowie nach dem Text und Sinn der FK ist gewährleistet, 

dass die Gesetzesanwendung völkerrechtskonform und auch verfassungs-

konform (vgl. namentlich: Rechtsweggarantie gemäss Art. 29a der Bun-

desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 

1999 [BV, SR 101], von welcher nur im Ausnahmefall mit einer aus-

drücklichen gesetzlichen Regelung abgewichen werden darf) erfolgt. 

Damit ist die in Art. 85 Abs. 4 AuG für vorläufig aufgenommene Per-

sonen vorgesehene Kognitionsbeschränkung nicht anwendbar für vorläu-

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fig aufgenommene Flüchtlinge; diese können die Verletzung von Art. 26 

FK und von Art. 37 AuG, welche Bestimmung den Wechsel des Wohn-

orts in einen anderen Kanton für ausländische Personen regelt, vor dem 

Bundesverwaltungsgericht rügen. 

4. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der 
Beschwerdeführer, der am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen 

hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat, zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 112 Abs. 1 

AuG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]), weil sich die Rüge, sein sich 

aus Art. 26 FK ergebender Anspruch auf Freizügigkeit sei verletzt, als 

zulässig erweist. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 

5.   
5.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die 
Verletzung von Bundesrecht – einschliesslich Überschreitung oder Miss-

brauch des Ermessens (Art. 49 Bst. a VwVG) –, die unrichtige be-

ziehungsweise unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) und die Unangemessenheit der 

vorinstanzlichen Verfügung (Art. 49 Bst. c VwVG) gerügt werden. Zum 

Bundesrecht in diesem Sinn gehören auch die Normen des für die 

Schweiz verbindlichen Staatsvertragsrechts (anstelle vieler: BGE 132 II 

81 E. 1.3). Vorausgesetzt ist jedoch, dass die staatsvertragliche Bestim-

mung, deren Verletzung gerügt wird, direkt anwendbar (self-executing) 

ist. Dies trifft zu, wenn die Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt 

und klar ist, um im Einzelfall Grundlage eines Entscheides zu bilden. Die 

Norm muss justiziabel sein, das heisst, die Rechte und Pflichten des 

Einzelnen müssen umschrieben und der Adressat der Norm die rechts-

anwendenden Behörden sein. Wie es sich damit verhält, ist von den 

rechtsanwendenden Behörden zu bestimmen (anstelle vieler: BGE 133 I 

286 E. 3.2). Die Frage des self-executing-Charakters beziehungsweise 

der Justiziabilität der Norm ist dabei für jede einzelne Bestimmung in 

einem Staatsvertrag gesondert zu prüfen (anstelle vieler: Urteile des Bun-

desverwaltungsgerichts A–6668/2010 vom 6. Dezember 2010 E. 3.1, 

A‒4013/2010 vom 15. Juli 2010 E. 1.2, teilweise veröffentlicht in BVGE 

2010/40; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, 

Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.168). 

 

 

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5.2   
5.2.1 Art. 26 FK statuiert, dass jeder vertragsschliessende Staat den 
Flüchtlingen, die sich rechtmässig auf seinem Gebiet aufhalten, das 

Recht einräumt, dort ihren Aufenthaltsort zu wählen und sich frei zu 

bewegen, vorbehältlich der Bestimmungen, die unter den gleichen Um-

ständen für Ausländer im Allgemeinen gelten. Hinsichtlich dieses Vorbe-

haltes stellt sich die Frage, was unter dem Begriff « unter den gleichen 

Umständen für Ausländer im Allgemeinen » zu verstehen ist. 

5.2.2 Sinn und Zweck von Art. 26 FK ist es, die Stellung von Flücht-
lingen derjenigen von anderen ausländischen Personen anzugleichen. 

Flüchtlinge sollen nur denjenigen Einschränkungen in Bezug auf die 

selbst bestimmte Wahl des Aufenthaltsortes und auf die Bewegungsfrei-

heit unterworfen sein, die auch für andere Nichtbürger gelten (ANDREAS 

ZIMMERMANN, The 1951 Convention Relating to the Status of Refugees 

and its 1967 Protocol – A Commentary, Oxford 2011, S. 1149 Rz. 2). Die 

Bestimmung von Art. 26 FK scheint deshalb inhaltlich hinreichend be-

stimmt und klar zu sein, weil die selbst bestimmte Wahl des Aufent-

haltsortes und die Bewegungsfreiheit normalerweise allen ausländischen 

Personen gewährt wird, wobei Einschränkungen in gewissen Fällen 

möglich sind, wie etwa speziell erforderliche Bewilligungen für auslän-

dische Personen, um sich an bestimmten überbevölkerten Orten oder in 

Sperrgebieten aufzuhalten (ZIMMERMANN, a.a.O., S. 1160 Rz. 55). In der 

Botschaft des Bundesrates vom 28. Juli 1951 zum Beschlussentwurf über 

die Genehmigung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flücht-

linge (BBl 1954 II 80) wird festgehalten, Art. 26 FK könne die Vertrags-

staaten nicht daran hindern, die in Art. 9 FK vorgesehenen provisorischen 

Massnahmen zu ergreifen, womit in Wirklichkeit die Freizügigkeit der 

Flüchtlinge eingeschränkt werde. Diese Bestimmung könne auch nicht 

etwa gegen eine Internierungsmassnahme angerufen werden, womit die 

Bewegungsmöglichkeit des Flüchtlings beschränkt werde, sofern die 

Massnahme auch gegenüber einem anderen Ausländer, der nicht dem 

Flüchtlingsstatut unterstehe, hätte ergriffen werden können. Art. 14 

Abs. 2 des (inzwischen durch das AuG ersetzten) Bundesgesetzes vom 

26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer 

(ANAG, BS 1 121) werde somit von dieser Bestimmung des Abkom-

mens nicht berührt. 

Vor diesem Hintergrund ergibt sich, dass Art. 26 FK darauf abzielt, die 

Einschränkungen der freien Wahl des Aufenthaltsortes und der Bewe-

gungsfreiheit für Flüchtlinge auf ein Minimum zu beschränken, auf Fälle 

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16 BVGE / ATAF / DTAF 

 

etwa, wo eine freie Ortswahl von Ausländern die Sicherheit des Landes 

tangieren würde. Der für den Vorbehalt verwendete Referenzbegriff 

« vorbehältlich der Bestimmungen, die unter den gleichen Umständen für 

Ausländer im Allgemeinen gelten » ist dergestalt auszulegen, dass nur 

solche einschränkende Bestimmungen zulässig sind, die für sämtliche 

Kategorien von Ausländern gelten. Entsprechend ist auf diejenigen Ein-

schränkungen abzustellen, die auch auf Ausländer mit einer Niederlas-

sungsbewilligung anwendbar sind, weil der Vorbehalt sonst nicht, wie 

von Art. 26 FK verlangt, auf ausländische Personen im Allgemeinen an-

gewendet würde. Es widerspräche folglich dem Sinn und Wortlaut von 

Art. 26 FK, wenn lediglich auf die Kategorie der vorläufig aufgenom-

menen Personen ohne Flüchtlingsstatus abgestellt würde, welche die 

stärksten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in Kauf zu nehmen 

hat. 

Auch der in Art. 6 FK definierte Begriff « unter den gleichen Um-

ständen » erlaubt keine ausschliessliche Verbindung zu vorläufig aufge-

nommenen Personen ohne Flüchtlingsstatus. Art. 6 FK bezieht sich 

darauf, dass gewisse Rechte nur Personen gewährt werden, die be-

stimmte Kriterien erfüllen oder die bestimmte Qualifikationen aufweisen. 

Einschränkende Bestimmungen sind nur zulässig, wenn davon auslän-

dische Personen im Allgemeinen (alle Kategorien von Ausländern, ein-

schliesslich niedergelassene Personen) betroffen sind. 

5.2.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die 
Bestimmung von Art. 26 FK inhaltlich hinreichend bestimmt und klar 

(self-executing) ist, um innerstaatlich unmittelbar zur Anwendung zu 

gelangen. Sie ist auch justiziabel, da sie die Rechte und Pflichten des 

Einzelnen umschreibt und der Adressat der Norm die rechtsanwendenden 

Behörden sind. Art. 26 FK begründet für vorläufig aufgenommene 

Flüchtlinge einen Anspruch auf Kantonswechsel im gleichen Umfang, 

wie er einer niedergelassenen Person gestützt auf Art. 37 Abs. 3 AuG 

zusteht. 

6.   
6.1 Gemäss Art. 37 Abs. 3 AuG haben Personen mit einer Nieder-
lassungsbewilligung Anspruch auf den Kantonswechsel, wenn keine 

Widerrufsgründe nach Art. 63 AuG vorliegen. Art. 63 AuG statuiert, dass 

die Niederlassungsbewilligung nur widerrufen werden kann, wenn die 

Voraussetzungen nach Art. 62 Bst. a oder b erfüllt sind (Bst. a), die 

Ausländerin oder der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die 

öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland 

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verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere 

Sicherheit gefährdet (Bst. b), oder die Ausländerin oder der Ausländer 

oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, dauerhaft und in 

erheblichem Mass auf Sozialhilfe angewiesen ist (Bst. c). 

 

6.2 In Bezug auf den von der Sozialhilfe abhängigen Beschwerde-
führer ist festzustellen, dass sich dieser – soweit aktenkundig – seit seiner 

am 11. August 2008 erfolgten Einreise in die Schweiz nichts hat zu-

schulden lassen kommen, weshalb sinngemäss einzig der Widerrufsgrund 

von Art. 63 Bst. c AuG in Frage käme. Gemäss ständiger Rechtsprechung 

des Bundesgerichts ist der erwähnte Widerrufsgrund erfüllt, wenn kon-

kret die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit 

besteht. Blosse finanzielle Bedenken genügen nicht. Neben den bishe-

rigen und den aktuellen Verhältnissen ist auch die wahrscheinliche finan-

zielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. Ein Widerruf soll in 

Betracht kommen, wenn eine Person hohe finanzielle Unterstützungs-

leistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass sie 

in Zukunft für ihren Lebensunterhalt sorgen wird (vgl. etwa Urteil des 

Bundesgerichts 2C_74/2010 E. 3.4 vom 10. Juni 2010 mit weiteren 

Hinweisen). 

Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt, da der Beschwerde-

führer seit seiner Einreise in die Schweiz keine unverhältnismässig hohen 

finanziellen Unterstützungsleistungen erhalten hat. Zudem kann ange-

sichts des zu den Akten gereichten Arbeitsvertrages sowie der letztmals 

am 20. Dezember 2011 erfolgten Zusicherung seines zukünftigen Arbeit-

gebers im Kanton (...), dem Beschwerdeführer die angebotene Stelle 

weiterhin zur Verfügung zu halten, damit gerechnet werden, dass er in 

Zukunft für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann.