# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1de0a627-3427-54e5-aa07-3f78d65e3985
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-21
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 21.09.2021 S 2021 50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2021-50_2021-09-21.pdf

## Full Text

Mitgeteilt am

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 21 50

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti

RichterInnen von Salis und Audétat

Aktuarin ad hoc Christen

URTEIL

Vom 21. September 2021

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Advokatin Karin Wüthrich, Procap Schweiz,

Beschwerdeführer

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

IV-Stelle, 

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____ litt seit seiner Geburt im Jahr 2001 an einem infantilen psychoor-

ganischen Syndrom mit Hyperaktivität. Die Störung wurde im Jahr 2005 

diagnostiziert und von der damals zuständigen IV-Stelle als Geburtsgebre-

chen anerkannt. In der Folge übernahm die IV die Kosten für medizinische 

Massnahmen, insbesondere für kinder- und jugendpsychiatrische Thera-

pie.

2. Die alleinerziehende Mutter war mit der Betreuung und Erziehung von 

A._____ überfordert. Am 26. März 2006 wurde deshalb eine Beistand-

schaft eingerichtet und am 3. August 2006 wurde A._____ notfallmässig 

im Kinderheim B._____ platziert.

3. Von 2008 bis 2017 lebte A._____ im Schulheim in C._____ und absolvierte 

die Unter- und Oberstufe mit sonderschulischen Massnahmen. Die Wo-

chenenden und die Ferien verbrachte er zum Teil bei seinen getrennt le-

benden Eltern, zum Teil bei einer Pflegefamilie.

4. Am 10. Mai 2015 meldete sich A._____ bei der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) für Massnahmen zur beruflichen Ein-

gliederung an. Die IV-Stelle holte diverse Unterlagen ein und gab eine neu-

ropsychologische Abklärung bei lic. phil. D._____ in Auftrag. Diese Ab-

klärung ergab eine Intelligenz im normvarianten Bereich und eine neuro-

psychologische Hirnfunktionsstörung. Lic. phil. D._____ empfahl eine Aus-

bildung in einem geschützten Rahmen. Daraufhin gewährte die IV-Stelle 

am 28. Januar 2016 Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung. 

A._____ absolvierte Aufenthalte zum Schnuppern in verschiedenen Insti-

tutionen und entschied sich für eine Ausbildung zum Hauswartmitarbeiter 

in der Casa E._____ in F._____. Am 30. Mai 2017 leistete die IV-Stelle 

dafür Kostengutsprache. Vom 1. August 2017 bis zum 31. Juli 2019 absol-

vierte A._____ diese Ausbildung mit begleitetem Wohnen und mit Berufs-

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schulunterricht im Zentrum für Sonderpädagogik G._____ in H._____. Mit 

Bericht vom 6. Juni 2019 gab die Casa E._____ an, die Anwesenheit habe 

bei 100 % an fünf Tagen pro Woche mit betriebsüblichen Pausen gelegen, 

die Leistungsfähigkeit bei 30 %. In der freien Wirtschaft könne ein Lohn 

von CHF 1'000.00 pro Monat erzielt werden.

5. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung arbeitete A._____, 

unterstützt von der IV, auf dem Hof seiner Pflegefamilie in I._____. Im 

Rahmen eines Arbeitsversuchs begann er danach am 1. September 2019 

ein Praktikum bei der Sennerei J._____ und der Gemeinde K._____. Per 

1. November 2019 wurden die beiden Praktikumsstellen in befristete 

Arbeitsstellen umgewandelt. Er bezog Taggelder bis zum 29. Februar 

2020, danach wurde die berufliche Massnahme abgeschlossen. Ab dem 

1. März 2020 führte A._____ seine Arbeit im Rahmen von zwei 

unbefristeten Arbeitsverträgen weiter. Bei der Sennerei J._____ war er in 

einem 50%-Pensum angestellt und erhielt einen Lohn von CHF 400.00 pro 

Monat. Bei der Gemeinde K._____ lag das Pensum bei 40 % und der 

Monatslohn bei CHF 320.00. Beide Anstellungen wurden per 15. Januar 

2021 von den Arbeitgebern gekündigt. Danach bezog A._____ Sozialhilfe.

6. Bereits am 20. Januar 2020 hatte sich A._____ bei der IV-Stelle zum Leis-

tungsbezug als Erwachsener angemeldet. Am 30. Juni 2020 leistete die 

IV-Stelle Kostengutsprache für die Wiederaufnahme der Psychotherapie.  

Im Hinblick auf die Rentenprüfung holte sie aktuelle Arztberichte ein und 

veranlasste ein bidisziplinäres Gutachten. Mit Bericht vom 13. Dezember 

2020 hielt der Neuropsychologe lic. phil. D._____ fest, es lägen eine norm-

variante Intelligenz und eine leichte bis mittelschwere Hirnfunktions-

störung mit Beeinträchtigungen von Teilbereichen attentionaler, mnesti-

scher und exekutiver Funktionen sowie Hinweise auf ADHS vor. Rein die 

intellektuellen/kognitiven Voraussetzungen betreffend liege keine Ein-

schränkung der Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit als Hilfsarbeiter 

vor, allfällige Einschränkungen durch emotional/motivationale Faktoren 

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seien denkbar, deren Ausmass könne aber nicht eingeschätzt werden. Mit 

Gutachten vom 15. Dezember 2020 diagnostizierte der Psychiater Dr. 

med. L._____ eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung mit 

neuropsychologischen Auffälligkeiten. Die erlernte Tätigkeit sei für 

A._____ ideal adaptiert. In dieser Tätigkeit könne er ganztags arbeiten. 

Dabei sei von einer etwa 20%igen Einschränkung der Leistungsfähigkeit 

auszugehen, die Arbeitsfähigkeit liege demnach bei 80 %. Dr. med. 

M._____ vom RAD Ostschweiz verwies in seiner Abschlussbeurteilung 

vom 19. Januar 2021 auf das Gutachten L._____/D._____.

7. Mit Vorbescheid vom 27. Januar 2021 informierte die IV-Stelle A._____ 

über ihre Absicht, sein Leistungsbegehren abzuweisen. Bei einem Vali-

deneinkommen von CHF 58'450.00 und einem Invalideneinkommen von 

CHF 54'756.80 basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 80 % ging sie von 

einem nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 6.32 % aus.

8. Mit Einwand vom 15. März 2021 beantragte A._____ die Durchführung 

einer BEFAS Abklärung zur Evaluation der funktionalen Leistungs- und 

Arbeitsfähigkeit und die Gewährung einer Rente. Er kritisierte das Gutach-

ten und die Bemessung des Invalideneinkommens.

9. Mit Verfügung vom 26. März 2021 wies die IV-Stelle das 

Leistungsbegehren ab. Dem Einwand entgegnete sie, es könne 

vollumfänglich auf das Gutachten L._____/D._____ abgestellt werden. 

Dieses berücksichtige sämtliche relevanten Unterlagen, auch diejenigen 

im Zusammenhang mit der Ausbildung und den Arbeitsstellen bei der 

Sennerei J._____ und der Gemeinde K._____. Dass die behandelnde 

Psychotherapeutin eine Arbeitsfähigkeit von nur 50 % attestiere, 

beeinträchtige die Beweiskraft des Gutachtens nicht. Ihrer Funktion 

entsprechend liefere die behandelnde Psychotherapeutin eine 

Einschätzung, welche sich an den tatsächlichen, also auch IV-fremden 

Gegebenheiten orientiere und unterlasse es im Gegensatz zu Dr. med. 

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L._____, sich mit den vom Bundesgericht zur Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit festgelegten Indikatoren auseinanderzusetzen. A._____ 

habe seine Ausbildung zum Hauswartmitarbeiter in einem 100%-Pensum 

mit einer 70 bis 80%igen Leistungsfähigkeit absolviert. Dies stehe im 

Einklang mit der Einschätzung von Dr. med. L._____ und im Widerspruch 

zu den berufspraktischen Beurteilungen. Weitere Abklärungen seien nicht 

notwendig, insbesondere keine BEFAS.

10. Gegen diese Verfügung erhob A._____ am 11. Mai 2021 Beschwerde an 

das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er beantragte, die an-

gefochtene Verfügung sei aufzuheben, es seien ihm ab dem frühestmög-

lichen Zeitpunkt Rentenleistungen zuzusprechen, eventualiter sei die An-

gelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. In 

formeller Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte der Be-

schwerdeführer im Wesentlichen geltend, das psychiatrische Gutachten 

stelle keine rechtsgenügende Grundlage für die Festlegung der Arbeits-

fähigkeit dar und die Erfahrungen aus der beruflichen Eingliederung hätten 

bei der Festlegung der Arbeitsfähigkeit zu Unrecht keine Berücksichtigung 

gefunden. Weiter argumentierte er, das Invalideneinkommen sei nicht ge-

stützt auf die LSE, sondern entsprechend dem realisierbaren Verdienst im 

erlernten Beruf festzulegen. Dazu sei auf die Angaben seitens des Ausbil-

dungsbetriebs und seitens der ehemaligen Arbeitgeber abzustellen.

11. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 1. Juni 2021 die 

Abweisung der Beschwerde. Sie hielt vollumfänglich an der Begründung 

der angefochtenen Verfügung fest und ging in einzelnen Punkten auf die 

Argumentation des Beschwerdeführers ein.

12. Mit Schreiben vom 14. Juni 2021 verzichtete der Beschwerdeführer auf 

eine Replik.

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Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in 

der angefochtenen Verfügung sowie auf die im Recht liegenden Beweis-

mittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-

cherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen di-

rekt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Die im 

vorliegenden Fall angefochtene Verfügung der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) vom 26. März 2021 stellt demnach 

ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungs-

gericht des Kantons Graubünden (nachfolgend: Verwaltungsgericht) dar. 

Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts als Versicherungs-

gericht ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit 

Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; 

BR 370.100). Der Beschwerdeführer ist als formeller und materieller 

Adressat von der angefochtenen Verfügung berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59 ATSG), 

weshalb er zur Beschwerde legitimiert ist. Auf die zudem frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist somit 

einzutreten.

2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle das Leistungsbegehren des 

Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen bzw. ob der Beschwerdeführer 

Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 

Uneinig sind sich die Parteien beim Invalideneinkommen. Die IV-Stelle hat 

ein hypothetisches Invalideneinkommen von CHF 54'756.80 ermittelt 

anhand der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 

und gestützt auf das Gutachten von Dr. med. L._____, Facharzt FMH für 

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Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Dezember 2020, einschliesslich 

der Beurteilung von lic. phil. D._____, Fachpsychologe für 

Neuropsychologie FSP, vom 13. Dezember 2020. Der Beschwerdeführer 

ist hingegen der Ansicht, es sei auf den effektiv erzielten Lohn bei der 

Sennerei J._____ und der Gemeinde K._____ abzustellen. Das Gutachten 

L._____/D._____ ist nach der Auffassung des Beschwerdeführers keine 

taugliche Grundlage für die Festlegung der Arbeitsfähigkeit. Einig sind sich 

die Parteien darin, dass das Valideneinkommen angesichts der 

Frühinvalidität des Beschwerdeführers für das Vergleichsjahr 2020 bei 

CHF 58'450.00 liegt (Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die 

Invalidenversicherung [IVV]; SR 831.201).

3. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder 

Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit oder Unmöglichkeit, sich im bis-

herigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 4 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG). 

Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person bei einem Invali-

ditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, ab 50 % 

auf eine halbe Rente, ab 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab 70 % auf 

eine ganze Rente. 

Im vorliegenden Fall leidet der Beschwerdeführer an einer Verhaltens-

störung, welche von der IV als Geburtsgebrechen Ziffer 404 anerkannt 

wurde, mithin einer Störung des Verhaltens bei Kindern mit normaler In-

telligenz, im Sinne krankhafter Beeinträchtigung der Affektivität oder Kon-

taktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven 

Funktionen, der Wahrnehmung, der Konzentrationsfähigkeit sowie der 

Merkfähigkeit (IV-act. 25; Verordnung über Geburtsgebrechen [GgV]; SR 

831.232.21). In den medizinischen Akten finden sich die Diagnosen Auf-

merksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), infantiles Psychoor-

ganisches Syndrom (IPOS), hyperkinetische Störung sowie Aktivitäts- und 

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Aufmerksamkeitsstörung. Diese Diagnosen beruhen auf unterschiedli-

chen Klassifikationssystemen, beschreiben aber alle dasselbe Syndrom 

(Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Langfas-

sung, S. 11; einsehbar auf der Webseite der AWMF, 

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-045l_S3_ADHS_2018-

06.pdf, zuletzt besucht am 21. September 2021). Durch diese Störung ist 

der Beschwerdeführer unbestrittenermassen seit Geburt beeinträchtigt.

4. Bei erwerbstätigen Personen erfolgt die Bemessung der Invalidität auf-

grund eines Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 

ATSG). Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person 

nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be-

handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut-

bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen könnte (Invaliden-

einkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie er-

zielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). 

Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass 

Validen- und Invalideneinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt 

und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkom-

mensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 

E.3.4.2, Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2019 vom 27. August 2019 

E.4.1).

Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtspre-

chung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in wel-

cher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invali-

dität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile 

Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr 

verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und er-

scheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen 

und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Ver-

dienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbsein-

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kommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des 

Gesundheitsschadens ihre verbleibende Arbeitsfähigkeit nicht in zumutba-

rer Weise voll ausschöpft, so können nach der Rechtsprechung entweder 

die Tabellenlöhne der LSE oder die Zahlen der Dokumentation von Ar-

beitsplätzen (DAP) der Suva herangezogen werden (BGE 143 V 295 

E.2.2, 139 V 592 E.2.3).

4.1. Zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung am 26. März 

2021 stand der Beschwerdeführer nicht mehr in einem Arbeitsverhältnis. 

Zuvor hatte er vom 1. September 2019 bis zum 15. Januar 2021 für die 

Sennerei J._____ und die Gemeinde K._____ gearbeitet, zunächst im 

Rahmen eines von der IV unterstützten Arbeitsversuchs in einem Prakti-

kum (IV-act. 120 S. 2 ff.) und einem befristeten Arbeitsverhältnis (IV-

act. 121), ab dem 1. März 2020 mit unbefristeten Arbeitsverträgen (IV-

act. 142 f.). Dabei hatte er bei der Sennerei bei einem 50%-Pensum CHF 

400.00 pro Monat verdient, bei der Gemeinde bei einem 40%-Pensum 

CHF 320.00 (IV-act. 120 S. 2 ff., 121, 142, 143). 

4.2. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kann die Arbeitsleistung bei 

der Sennerei J._____ und der Gemeinde K._____ für die Bemessung des 

Invalideneinkommens nicht herangezogen werden. Die von der Recht-

sprechung geforderten besonders stabilen Arbeitsverhältnisse sind nicht 

gegeben. Die beiden Arbeitsverhältnisse dauerten nach dem Abschluss 

des Arbeitsversuchs nur rund zehn Monate, bevor sie vor dem Erlass der 

angefochtenen Verfügung aufgelöst wurden. Der Beschwerdeführer übte 

fortan keine Arbeitstätigkeit mehr aus. Hinzu kommt, dass unklar ist, ob 

der Beschwerdeführer mit einem Lohn von CHF 720.00 pro Monat seine 

verbleibende Arbeitsfähigkeit – namentlich aus erwerblicher Sicht – in zu-

mutbarer Weise voll ausschöpfte. Dieser tiefe Lohn stand in Zusammen-

hang damit, dass die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers von der 

Casa E._____, der Institution, in welcher er seine Ausbildung absolviert 

hatte, auf nur 30 % eingeschätzt wurde (IV-act. 114, 134, 135). Diese Ein-

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schätzung steht im Widerspruch dazu, dass die Arbeitsfähigkeit in der er-

lernten Tätigkeit als Hauswartmitarbeiter oder in vergleichbaren einfachen 

Hilfstätigkeiten gemäss dem Gutachten L._____/D._____ bei 80 % lag (IV-

act. 170 S. 46) und dass nach der Einschätzung der behandelnden Ärztin 

Dr. med. P._____, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendpsychiatrie und 

-psychotherapie, vom 26. Juni 2020 zumindest eine 50%ige Arbeitsfähig-

keit bestand (IV-act. 152 S. 4). Die IV-Stelle hat aus diesen Gründen bei 

der Ermittlung des Invalideneinkommens zu Recht nicht auf den tatsächli-

chen Verdienst abgestellt.

5. Bei der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit ist von zentraler Bedeutung, 

welche Arbeitsleistungen der versicherten Person in welchem Umfang 

noch zugemutet werden können, bzw. wie gross die Arbeitsfähigkeit in ei-

ner optimal angepassten Tätigkeit ist. Vorliegend hat die IV-Stelle die Ar-

beitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der erlernten Tätigkeit als Haus-

wartmitarbeiter gestützt auf das Gutachten L._____/D._____ (IV-act. 170 

S. 46) auf 80 % festgelegt. Der Beschwerdeführer ist demgegenüber der 

Ansicht, gestützt auf die Einschätzungen seiner Leistungsfähigkeit durch 

die Casa E._____ und die berufspraktischen Erfahrungen in den Arbeits-

verhältnissen mit der Sennerei J._____ und der Gemeinde K._____ (IV-

act. 114, 134, 135) sei die Arbeitsfähigkeit auf 30 % festzulegen oder durch 

eine ganzheitliche Abklärung der beruflichen Möglichkeiten und der Ein-

gliederung in den ersten Arbeitsmarkt mit interdisziplinärer Betreuung (BE-

FAS) neu zu ermitteln.

5.1. Zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sind Verwaltung und Gerichte auf 

Angaben ärztlicher Experten angewiesen. Aufgabe des Arztes bezie-

hungsweise des Psychiaters ist es, den Gesundheitszustand der versi-

cherten Person zu beurteilen und Stellung zu nehmen, in welchem Um-

fang und bezüglich welcher Tätigkeiten diese arbeitsunfähig ist (BGE 132 

V 93 E.4, 125 V 261 E.4). Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit können 

sich die IV-Stellen und die Sozialversicherungsgerichte auf den Regiona-

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len Ärztlichen Dienst (RAD, Art. 59 Abs. 2bis IVG), auf die Berichte der be-

handelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische Sachver-

ständige stützen (Art. 59 Abs. 3 IVG). Arztberichte unterliegen wie sämtli-

che Beweismittel in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien 

Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG; BGE 143 V 124 E.2.2.2). Der Be-

weiswert der ärztlichen Stellungnahmen hängt deshalb nach der Recht-

sprechung davon ab, ob sie für die streitigen Belange umfassend sind, auf 

allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden berück-

sichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wurden, in der 

Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen 

Situation einleuchten und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen 

zu überzeugen vermögen (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Richt-

linien für die Beweiswürdigung in Bezug auf bestimmte Formen medizini-

scher Berichte und Gutachten sind indessen mit dem Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung vereinbar. So ist rechtsprechungsgemäss den im Rah-

men des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von versiche-

rungsexternen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobach-

tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er-

statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-

lange nicht konkrete Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen (BGE 

137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 E.3b/bb). 

5.2. Die Rolle der medizinischen Experten besteht indessen keineswegs darin, 

über die Arbeitsfähigkeit selber abschliessend und für die 

rechtsanwendende Stelle verbindlich zu entscheiden. Nach der 

Rechtsprechung sind die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson 

im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache des 

(begutachtenden) Mediziners ist es erstens, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu 

beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung 

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unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu 

erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der 

Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und Gericht 

nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der 

Arztperson hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. 

Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie 

gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie 

möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige 

Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche 

Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können. 

Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die 

Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die 

Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung 

einzuschalten (BGE 140 V 193 E.3.1 f.; Kreisschreiben des Bundesamtes 

für Sozialversicherungen über das Verfahren in der Invalidenversicherung 

[KSVI Ziff. 2073). Zwar obliegt die Beurteilung der sich aus einem 

Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit in der 

Hauptsache dem Arzt oder der Ärztin, nicht den Fachleuten der 

Berufsberatung und der beruflichen Eingliederung. Mit Blick auf die 

rechtsprechungsgemäss enge, sich gegenseitig ergänzende 

Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung ist 

jedoch einer konkret leistungsorientierten beruflichen Abklärung nicht 

jegliche Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit 

abzusprechen. Steht eine medizinische Einschätzung der 

Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer 

Leistung, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei 

einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv 

realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv 

realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen 

Annahmen zu begründen und ist das Einholen einer klärenden 

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medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar (Urteile des 

Bundesgerichts 8C_30/2020 vom 6. Mai 2020 E.5.2.1 und 8C_661/2019 

vom 23. Januar 2020 E.4.2).

5.3. Vorliegend stellte die IV-Stelle wie erwähnt auf das Gutachten 

L._____/D._____ ab. Lic. phil. D._____ hatte festgehalten, es lägen eine 

normvariante Intelligenz und eine leichte bis mittelschwere Hirnfunktions-

störung mit Beeinträchtigungen von Teilbereichen attentionaler, mnesti-

scher und exekutiver Funktionen sowie Hinweise auf ADHS vor (IV-act. 

170 S. 57). Rein die intellektuellen/kognitiven Voraussetzungen betreffend 

liege keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit 

als Hilfsarbeiter vor, allfällige Einschränkungen durch emotional/motivati-

onale Faktoren seien denkbar, deren Ausmass könne aber nicht einge-

schätzt werden (IV-act. 170 S. 62). Dr. med. L._____ hatte eine einfache 

Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung gemäss ICD-10 F90.0 diagnosti-

ziert (IV-act. 170 S. 40). Die erlernte Tätigkeit sei für den Beschwerdefüh-

rer ideal adaptiert (IV-act. 170 S. 47). In dieser Tätigkeit könne er ganztags 

arbeiten, dabei sei von einer etwa 20%igen Einschränkung der Leistungs-

fähigkeit auszugehen, die Arbeitsfähigkeit liege demnach bei 80 % (IV-act. 

170 S. 46).

5.4. Holt die IV-Stelle wie vorliegend ein Gutachten bei versicherungsexternen 

Fachpersonen ein, so hat sie dessen Qualität nach den Regeln des Kreis-

schreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI) zu prü-

fen. Dabei hat sie den RAD einzubeziehen, welcher überprüft, ob die spe-

zifischen Leitlinien zur versicherungsmedizinischen Begutachtung der ent-

sprechenden Fachgesellschaften eingehalten sind, ob die medizinischen 

Angaben und Ausführungen zu den Themen der Standardindikatoren 

gemäss BGE 141 V 281 fallbezogen ausreichend sind, ob das Gutachten 

anhand der versicherungsmedizinischen Argumentationskette nachvoll-

ziehbar ist und ob relevante Verstösse gegen das Neutralitätsgebot vorlie-

gen (KSVI Ziff. 2080). Deutliche Brüche in der Argumentationskette erfor-

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dern Erläuterungs- oder Ergänzungsfragen bei der Gutachterin, dem Gut-

achter oder der Gutachterstelle (KSVI Ziff. 2081). Der RAD muss in einer 

kurzen Stellungnahme das Ergebnis seiner versicherungsmedizinischen 

Prüfung festhalten und kleinere Lücken in der Argumentationsfolge mit sei-

nem versicherungsmedizinischen Wissen erklären bzw. ergänzen (KSVI 

Ziff. 2082).

Vorliegend führte Dr. med. M._____ vom RAD in seiner Stellungnahme 

vom 19. Januar 2021 aus, er verweise auf das Gutachten 

L._____/D._____. Es werde die Diagnose eines ADHS bestätigt. Der 

Beschwerdeführer sei vollschichtig arbeitsfähig mit leichtgradiger 

Leistungsminderung (IV-act. 187 S. 13). Weitere Angaben machte Dr. 

med. M._____ nicht. Diese Stellungnahme ist äusserst knapp. Sie lässt 

nicht in der von Ziff. 2082 KSVI geforderten Weise erkennen, ob Dr. med. 

M._____ das Gutachten tatsächlich eingehend im Sinne von Ziff. 2080 

KSVI überprüft hat. Unklar bleibt auch, ob Dr. med. M._____ den 

Widerspruch zwischen der gutachterlichen Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit und der Beurteilung der Leistungsfähigkeit in der 

Berufspraxis gebührend berücksichtigte (vgl. hierzu E.5.5.5 hernach). 

Zweifel weckt auch eine frühere Stellungnahme von Dr. med. M._____. 

Am 11. Mai 2020 führte er aus, immerhin sei noch im Mai 2019 von der 

Eingliederungsstelle eine 100%ige Präsenz mit 70 bis 80%iger 

Leistungsfähigkeit als möglich erachtet worden (IV-act. 187 S. 7). Er 

bezog sich damit auf die Einschätzung der Leistungsfähigkeit durch die 

Casa E._____ vom 3. Mai 2019, in welcher dem Beschwerdeführer eine 

70 bis 80%ige Leistungsfähigkeit bei 100%iger Anwesenheit attestiert und 

ein Lohn von Fr. 1'000.00 pro Monat als realisierbar angegeben worden 

war (IV-act. 110 S. 2). Diese widersprüchliche Einschätzung war indessen 

am 6. Juni 2019 auf Veranlassung der IV-Berufsberatung (IV-act. 111 S. 9) 

angepasst worden auf eine 30%ige Leistungsfähigkeit bei 100%iger 

Anwesenheit (IV-act. 114), was der RAD allem Anschein nach übersah. 

- 15 -

Aus all diesen Gründen bestehen an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit 

der Stellungnahme des RAD somit mehr als nur geringe Zweifel (vgl. zur 

Beweiswürdigung von Berichten versicherungsinterner medizinischer 

Fachpersonen: Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2021 vom 25. Juni 

2021 E. 5.5.5 m.H.). Ebenso wenig stärkt sie die Beweiskraft des 

Gutachtens L._____/D._____.

5.5. Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, es lägen verschiedene Indizien vor, 

welche gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens L._____/D._____ spre-

chen würden. Dem Gutachten fehle die Abklärungstiefe, es sei unvollstän-

dig und es beachte die vorgeschriebene Indikatorenprüfung nicht. Im Fol-

genden werden die Kritikpunkte im Detail untersucht.

5.5.1. Der Beschwerdeführer beanstandet, dass der Gutachter Dr. med. L._____ 

keine Drittauskünfte einholte. Dies ist unbehelflich. Das Einholen frem-

danamnestischer Auskünfte liegt im Ermessen des Experten und wird ver-

anlasst, wenn der Gutachter zur Klärung der gestellten Fragen auf diese 

angewiesen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_379/2019 vom 26. Sep-

tember 2019 E.3.5.1 m.H.). Entsprechend sieht die KSVI Drittauskünfte in 

der Vorlage für die Gliederung von invalidenversicherungsrechtlichen Gut-

achten nicht zwingend, sondern nur unter dem Titel "Allfällige Angaben 

von Dritten" vor (KSVI Anhang VII Ziff. 5). Nach der Rechtsprechung kön-

nen sogar reine Aktengutachten ohne Untersuchung der betroffenen Per-

son und ohne Drittauskünfte voll beweiskräftig sein (Urteil des Bundesge-

richts 9C_201/2016 vom 18. Juli 2016 E.4.6). Im vorliegenden Fall sind 

keine Umstände ersichtlich, welche das Einholen von Drittauskünften als 

nötig erscheinen lassen würden. Dr. med. L._____ standen zahlreiche Un-

terlagen von qualifizierten Fachpersonen zur Verfügung. Diese Unterlagen 

beschreiben das Verhalten und die psychischen Auffälligkeiten des Be-

schwerdeführers im Verlauf seiner Kindheit und Jugend detailliert. Hervor-

zuheben sind die Berichte von Dr. med. N._____, Facharzt FMH für Psych-

iatrie und Psychotherapie, welcher den Beschwerdeführer ab dem Jahr 

- 16 -

2010 viele Jahre lang therapeutisch begleitete (IV-act. 53, 55), sodann die 

ausführlichen und anschaulichen Berichte des Schulheims und der Son-

derschule C._____ (IV-act. 47, 50, 74, 85), der Bericht der Kinder- und 

Jugendpsychiatrie Graubünden (IV-act. 70), der Bericht zur neuropsycho-

logischen Abklärung im Jahr 2015 von lic. phil. D._____ (IV-act. 62), die 

detaillierten und plastischen Berichte der Casa E._____ (IV-act. 95, 104, 

105, 110, 114, 118), der Bericht der behandelnden Ärztin Dr. med. 

P._____ (IV-act. 152) und schliesslich vor allem auch der ausführliche Be-

richt von lic. phil. D._____ über die aktuelle neuropsychologische Unter-

suchung (IV-act. 170 S. 51 ff.). Von diesen Unterlagen hatte der Gutachter 

Kenntnis, wie der Aktenauszug in Kapitel 2 des Gutachtens belegt (IV-act. 

170 S. 6 ff.). Dadurch konnte er auch ohne Drittauskünfte eine fundierte, 

objektive Einsicht in die Biographie, die Persönlichkeitsentwicklung, die 

Fähigkeiten und die Probleme des Beschwerdeführers erlangen. Der Be-

schwerdeführer gibt denn bezeichnenderweise auch nicht konkret an, wel-

che unberücksichtigt gebliebenen Drittauskünfte die gutachterliche Beur-

teilung wesentlich hätten beeinflussen können (Urteil des Bundesgerichts 

9C_101/2011 vom 21. Juli 2011 E.6.2).

5.5.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, die IV-Stelle habe dem Gutachter 

Dr. med. L._____ falsche Vorgaben gemacht. Er bezieht sich dabei auf 

Kapitel 1.2. des Gutachtens (IV-act. 170 S. 3) und auf das Schreiben der 

IV-Stelle vom 14. August 2020 (IV-act. 159), wo der Kontext des Gutach-

tens wie folgt umschrieben wurde: 

18-jähriger Versicherter, ledig, Schweizer. Der Versicherte erhielt Unterstützung bei einer 

erstmaligen beruflichen Ausbildung zum Hauswartmitarbeiter BPA in der Casa E._____. 

Er hat nun einen Anstellungsvertrag in der freien Wirtschaft als Hilfskraft (Sennerei und 

Gemeinde). Die Leistungsfähigkeit wird auf 40 % geschätzt, bei einem 50%-Pensum. (…) 

Diese Vorgabe ist tatsächlich nicht korrekt. Das Arbeitspensum lag nicht 

bei 50 %, sondern bei 90 %, nämlich 50 % bei Sennerei J._____ plus 40 % 

bei der Gemeinde K._____. Dies geht aus den entsprechenden Arbeits-

verträgen vom 3. bzw. 14. Mai 2020 zweifelsfrei hervor (IV-act. 142, 143). 

- 17 -

Diesen Verträgen ist – wie bereits erwähnt – zudem zu entnehmen, dass 

der Lohn bei der Sennerei bei CHF 400.00 pro Monat lag, bei der Ge-

meinde K._____ bei CHF 320.00, nachdem die Leistungsfähigkeit in den 

Berichten der Casa E._____ vom 14. Februar 2020 nur auf 30 % geschätzt 

worden war (IV-act. 134 S. 2 und 135 S. 2). Die falsche Vorgabe der IV-

Stelle stammte allem Anschein nach aus dem Abschlussbericht zur Ar-

beitsvermittlung der Casa E._____ vom 21. Februar 2020. Dieser Bericht 

gab an, der Beschwerdeführer werde bei beiden Arbeitgebern insgesamt 

in einem 50%-Pensum arbeiten, wobei die Arbeitsleistung bei ca. 40 % 

liegen werde (IV-act. 136 S. 3). Der Bericht enthielt eine Prognose, welche 

sich in der Folge indes nicht bestätigte. Statt des erwarteten 50%-Pen-

sums konnte der Beschwerdeführer am 1. März 2020 zwei unbefristete 

Stellen mit einem Pensum von insgesamt 90 % und einem tiefen Lohn 

antreten (IV-act. 142, 143). Dr. med. L._____ stützte sich allem Anschein 

nach auf die falsche Vorgabe der IV-Stelle. Er zitierte den Bericht der Casa 

E._____ vom 21. Februar 2020 kommentarlos (IV-act. 170 S. 21) und be-

zog sich bei der versicherungsmedizinischen Beurteilung auf ihn (IV-act. 

170 S. 44 f.). Die Arbeitsverträge mit den effektiven Arbeitspensen und 

den der reduzierten Leistungsfähigkeit entsprechenden Löhnen erwähnte 

er hingegen nicht. Er stützte sich auf die unpräzisen Aussagen des Be-

schwerdeführers zu seiner Arbeitssituation ohne einen Abgleich mit den 

Akten vorzunehmen und bemerkte so den Irrtum nicht (IV-act. 170 S. 41 

und S. 30). Verzerrt wurde die Vorstellung des Gutachters über die dama-

lige Arbeitssituation des Beschwerdeführers zudem dadurch, dass der 

Gutachter allem Anschein nach die Aussage des Beschwerdeführers 

missverstand, wonach man "da nicht den ganzen Tag arbeiten könne" (IV-

act. 170-30). Der Beschwerdeführer bezog sich mit dieser Aussage auf die 

Tätigkeit in der Sennerei. Der Gutachter leitete daraus aber fälschlicher-

weise ab, dass es für den Beschwerdeführer an beiden Arbeitsstellen zu-

sammen nicht mehr als ein rund 50%-Pensum zu arbeiten gebe (IV-act. 

170 S. 44). Daraus wiederum schloss er zu Unrecht, dass das "vielleicht 

- 18 -

der Grund für die nun plötzlich angegebene zeitliche Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit" sei (IV-act. 170 S. 44). Der Gutachter ging gar noch einen 

Schritt weiter und unterstellte der behandelnden Psychiaterin Dr. med. 

P._____, sie attestiere zu Unrecht nur eine 50%ige Arbeitsfähigkeit, weil 

sie annehme, der Beschwerdeführer schöpfe seine Arbeitsfähigkeit mit 

dem 50%-Pensum aus (IV-act. 170 S. 44). Während der Beschwerdefüh-

rer also in den beiden Anstellungen bei der Sennerei und der Gemeinde 

K._____ vom Antritt des Praktikums am 1. September 2019 bis zur Kündi-

gung per 15. Januar 2021 effektiv eine Präsenzzeit von 90 % bei einer 

Leistungsfähigkeit von 30% hatte, ging der Gutachter davon aus, die Prä-

senzzeit liege bei 50 % mit einer Leistung von 40% (wie auch im vorer-

wähnten Abschlussbericht zur Arbeitsvermittlung vom 21. Februar 2020 

angegeben werde), was mitunter bei einer ganztätigen Arbeitstätigkeit ei-

ner Einschränkung von 20 % entspreche (vgl. IV-act. 170 S. 45). Es ist 

naheliegend, dass diese falsche Vorstellung des Gutachters recht grossen 

Einfluss auf seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hatte. Die Beweiskraft 

des Gutachtens wird dadurch deutlich beeinträchtigt.

Für falsch hält der Beschwerdeführer auch die Vorgabe an den Gutachter, 

dass man früher von einer vollen Arbeitsfähigkeit nach absolvierter Aus-

bildung ausgegangen sei (IV-act. 159, 170 S. 3). Mit dieser Vorgabe 

stützte sich die IV-Stelle auf eine Stellungnahme des RAD vom 9. Oktober 

2015 (IV-act. 187 S. 13). In dieser Stellungnahme führte Dr. med. M._____ 

gestützt auf die Beurteilung von lic. phil. D._____ vom 9. September 2015 

aus, dass die Intelligenz des Beschwerdeführers normal bzw. die neuro-

kognitiven Fähigkeiten überwiegend im altersentsprechenden Normbe-

reich lägen und dass keine andauernd beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit in 

einer adaptierten Tätigkeit vorliege (IV-act. 187 S. 13). Dabei liess der 

RAD unberücksichtigt, dass lic. phil. D._____ zwar eine Intelligenz im 

normvarianten Bereich mit einem relativ ausgewogenen Profil ermittelt 

hatte (IV-act. 62 S. 10), dass sich aber auch ganz klare Defizite bei regu-

- 19 -

latorischen/stabilisierenden Prozessen (Aufmerksamkeit, Verhalten, Im-

pulse, Affekte etc.) und bei höheren exekutiven Funktionen gezeigt hatten, 

so dass lic. phil. D._____ von einer Hirnfunktionsstörung ausgegangen 

war und zu einer Ausbildung im geschützten Rahmen geraten hatte (IV-

act. 62 S. 10 und S. 14). Der RAD interpretierte die Ergebnisse der neuro-

psychologischen Abklärung somit sehr optimistisch, so dass die entspre-

chende Vorgabe der IV-Stelle an den Gutachter nicht als ausgewogen zu 

werten ist. Ob diese einseitige Darstellung der IV-Stelle Dr. med. L._____ 

bei der Gutachtenserstellung letztlich beeinflusst hat, kann zwar nicht 

gänzlich ausgeschlossen werden, ist aber immerhin insoweit zu relativie-

ren, als Dr. med. L._____ detaillierte Kenntnis von den Ergebnissen der 

früheren neuropsychologischen Ergebnisse hatte (vgl. IV-act. 170 S. 11 

ff.) und sich somit ein eigenes Bild davon machten konnte. 

5.5.3. Des Weiteren bemängelt der Beschwerdeführer die Beschreibung des 

Psychostatus im Gutachten, wo Dr. med. L._____ unter anderem festhielt, 

bei der Untersuchung am 21. September 2020 hätten die Aufmerksamkeit 

und die Konzentration für die Dauer des Gespräches durchgehend auf-

rechterhalten werden können (IV-act. 170 S. 36 f.). Der Beschwerdeführer 

hält diese Aussage für falsch, weil Unaufmerksamkeit im Sinne von erhöh-

ter Ablenkbarkeit und eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit eines der 

Kernsymptome seines Geburtsgebrechens darstelle. Dem kann nicht ge-

folgt werden. Dr. med. L._____ untersuchte den Beschwerdeführer 

während 65 Minuten (IV-act. 170 S. 2). Dass der Beschwerdeführer 

während dieser relativ kurzen Zeit und unter engmaschiger Strukturierung 

der Untersuchung durch den Gutachter konzentriert bleiben konnte, ohne 

dass seine Defizite zum Vorschein traten, ist vereinbar mit der von Dr. 

med. L._____ gestellten Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und Auf-

merksamkeitsstörung. Typisch für diesen Störungstyp ist gemäss ICD-10 

F90.- nämlich nicht eine gänzliche Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, son-

dern ein Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz 

- 20 -

verlangen, und eine Tendenz, von einer Tätigkeit zu einer anderen zu 

wechseln, ohne etwas zu Ende zu bringen, sowie eine desorganisierte, 

mangelhaft regulierte und überschiessende Aktivität (vgl. DILLING/MOM-

BOUR/SCHMIDT, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-

10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 9. Auflage 2014, 

S. 358). 

5.5.4. Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, die kurze Dauer der Untersuchung 

durch den Gutachter Dr. med. L._____ relativiere dessen Aussage zur 

Leistungsfähigkeit und mindere die Beweiskraft des Gutachtens. Dem 

kann nicht gefolgt werden. Praxisgemäss kommt es für den Aussagege-

halt eines medizinischen Gutachtens grundsätzlich nicht auf die Dauer der 

Untersuchung an; massgebend ist in erster Linie, ob die Expertise inhalt-

lich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Bundesgerichts 

8C_41/2019 vom 9. Mai 2019 E.6). Der für eine psychiatrische Untersu-

chung zu betreibende zeitliche Aufwand ist von der Fragestellung und der 

zu beurteilenden Psychopathologie abhängig, und ein genereller Zeitrah-

men für eine Untersuchung lässt sich nicht allgemeingültig definieren (Ur-

teile des Bundesgerichts 9C_190/2019 vom 14. Mai 2019 E.3.1, 

9C_55/2009 vom 1. April 2009 E.3.3). Vorliegend ist die Untersuchungs-

dauer von 65 Minuten als innerhalb des Ermessensspielraums des Exper-

ten zu werten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_206/2021 vom 10. Juni 

2021 E.4.2.2), da dem Gutachter namentlich bereits umfangreiche Unter-

lagen zur medizinischen Vorgeschichte und eine eingehende neuropsy-

chologische Abklärung von lic. phil. D._____ zur Verfügung standen.

5.5.5. Als klarer Mangel des Gutachtens ist hingegen zu werten, dass Dr. med. 

L._____ seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht schlüssig herleitete 

und nicht überzeugend begründete. Aufgrund seiner ADHS in 

Kombination mit einer schwierigen familiären Situation lebte der 

Beschwerdeführer schon ab dem Alter von fünf Jahren in einem 

Kinderheim (IV-act. 51 S. 1), danach besuchte er die Sonderschule und 

- 21 -

wohnte dabei in einem Schulheim (IV-act. 50 ff.). Auch die Ausbildung zum 

Hauswartmitarbeiter absolvierte er nicht in der freien Wirtschaft, sondern 

im geschützten Rahmen mit viel Unterstützung in der Casa E._____ (IV-

act. 118 f.). Sowohl aus den schulischen als auch den ärztlichen Berichten 

und den Berichten der Casa E._____ geht hervor, dass der 

Beschwerdeführer stets einen hohen Bedarf an Strukturierung durch 

Betreuungspersonen hatte und bei langdauernden Anforderungen oftmals 

einen deutlichen Leistungsabfall zeigte, nicht selten kombiniert mit einem 

inakzeptablen Sozialverhalten (Standortbestimmungen Schulheim 

C._____ [IV-act. 50, 75, 86], Bericht zur neuropsychologischen Abklärung 

von lic. phil. D._____ vom 9. September 2015 [IV-act. 62 S. 11], Berichte 

der Casa E._____ vom 12. Juli 2018 und 12. Juli 2019 [IV-act. 105, 118]). 

Der neuropsychologische Gutachter lic. phil. D._____ hielt fest, zu Beginn 

der rund zweieinhalbstündigen gutachterlichen Untersuchung vom 

11. Dezember 2020 habe sich der Beschwerdeführer wach und 

bewusstseinsklar gezeigt, im Verlauf seien aber zunehmend leichte 

Ermüdungszeichen aufgetreten (IV-act. 170 S. 55). In den Tests hätten 

sich Minderleistungen schwerpunktmässig in Bereichen der 

Aufmerksamkeit, bei den mnestischen Funktionen, bei der 

Emotionsverarbeitung, beim Verarbeitungstempo sowie bei der kognitiven 

Belastbarkeit unter fremdbestimmtem Arbeitstempo gezeigt (IV-act. 170 

S. 61). Auch habe die Konzentration mit zunehmender Prüfungsdauer 

stetig abgenommen (IV-act. 170 S. 60). Die Arbeitsfähigkeit in der 

adaptierten Tätigkeit als Hauswartmitarbeiter war aus der Sicht von lic. 

phil. D._____ aus intellektuell/kognitiver Sicht theoretisch bei sehr 

engmaschiger Strukturierung durch den Arbeitgeber nicht eingeschränkt. 

Eine Einschränkung durch emotional/motivationale Faktoren hielt er für 

denkbar, gab aber an, er könne deren Ausmass nicht einschätzen (IV-act. 

170 S. 62). Angesichts dieser überaus klaren Hinweise auf die 

Aufmerksamkeitsproblematik irritiert es, dass der Gutachter Dr. med. 

L._____ sich mit der Frage des Konzentrationsverlusts bei 

- 22 -

längerdauernden Anforderungen kaum auseinandersetzte. Auf die von lic. 

phil. D._____ aufgeworfene Frage einer Einschränkung der 

Leistungsfähigkeit aus emotional/motivationalen Faktoren ging er 

überhaupt nicht ein und in der versicherungsmedizinischen Beurteilung 

der bisherigen Entwicklung sowie der aktuellen Situation wiederholte er 

lediglich die in der Anamnese erfragten Aussagen des Beschwerdeführers 

ohne sie zu reflektieren oder in einen medizinischen Zusammenhang 

einzuordnen (IV-act. 170 S. 41 f.). 

Statt einer fundierten Auseinandersetzung mit der Aufmerksamkeits-

problematik lieferte Dr. med. L._____ für die von ihm aufgrund eines 

erhöhten Strukturierungs- und Betreuungsbedarfs auf 80 % festgelegte 

Arbeitsfähigkeit eine Begründung, der nicht gefolgt werden kann. Der 

Gutachter stützte sich auf den Bericht der Casa E._____ vom 21. Februar 

2020 (IV-act. 136 S. 3), welcher die Arbeitssituation des 

Beschwerdeführers bei der Sennerei J._____ und bei der Gemeinde 

K._____ – wie gezeigt  (vgl. oben Erwägung 5.5.2) – fälschlicherweise mit 

einer Leistungsfähigkeit von 40 % bei einem Arbeitspensum von 50 % 

umschrieb, während effektiv eine Leistungsfähigkeit von 30 % bei einem 

Arbeitspensum von 90 % vorlag. Die in diesem Bericht für ein 50%iges 

Arbeitspensum angegebene Leistungsfähigkeit von 40 % rechnete Dr. 

med. L._____ dann auch noch einfach linear hoch auf ein 100%-Pensum 

und berücksichtigte in keiner Weise, dass zuvor in sämtlichen 

medizinischen, schulischen und berufsberaterischen Unterlagen ein 

deutlicher Leistungsabfall in Laufe der Zeit beschrieben worden war. 

Dr. med. L._____ stützte sich bei der Begründung der von ihm attestierten 

Arbeitsfähigkeit von 80 % zudem darauf ab, dass der Beschwerdeführer 

seine Ausbildung zum Hauswartmitarbeiter innert der üblichen Zeit 

erfolgreich nach INSOS (Nationaler Branchenverband der Institutionen für 

Menschen mit Behinderung) abgeschlossen habe. Daraus leitete er ab, 

dass der Beschwerdeführer nicht auf eine Arbeitsstelle in einer 

- 23 -

geschützten Werkstätte angewiesen, sondern im ersten Arbeitsmarkt im 

Umfang von 80 % arbeitsfähig sei (IV-act. 170 S. 44). Dies vermag nicht 

zu überzeugen. Dr. med. L._____ übersah, dass der Beschwerdeführer 

bei der Ausbildung nur eine Leistung von 30 % zu erbringen vermochte 

(IV-act. 114 S. 2). Dieses Missverständnis rührte möglicherweise daher, 

dass die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers während seiner 

Ausbildung in einem ersten Bericht der Casa E._____ vom 3. Mai 2019 

mit 70 bis 80 % angegeben worden war (IV-act. 110 S. 2), in der Folge 

aber auf Anregung der IV-Berufsberatung (IV-act. 111 S. 9) in einem 

zweiten Bericht vom 6. Juni 2019 auf 30 % korrigiert worden war (IV-act. 

114 S. 2). Zudem ist die Praktische Ausbildung Schweiz PrA ein 

niederschwelliges Berufsbildungsangebot. Sie steht Menschen mit 

Lernschwierigkeiten offen, die keinen Zugang zu einem anerkannten 

Berufsabschluss (EBA, EFZ) haben (https://insos.ch/ausbildung-pra/die-

pra-in-kuerze, zuletzt besucht am 21. September 2021). Der 

Beschwerdeführer absolvierte aber auch diese einfache Ausbildung nicht 

in eigener Regie, sondern nur mit viel Unterstützung durch die Casa 

E._____. Immer wieder mussten Betreuungspersonen unterstützend und 

korrigierend eingreifen (IV-act. 95, 104, 105, 109, 118) und die IV-Stelle 

führte sogar ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durch (IV-act. 107). Es 

liegt deshalb nahe, dass der Übergang von der Ausbildung im geschützten 

Rahmen mit betreuter Wohnsituation zu einer Arbeitstätigkeit im ersten 

Arbeitsmarkt mit selbständigem Wohnen für den Beschwerdeführer sehr 

anspruchsvoll war. Entsprechend erscheint es problematisch, von der 

erbrachten Leistung im geschützten Rahmen eins zu eins auf die 

Leistungsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu schliessen. Im ersten 

Arbeitsmarkt stehen keine sonderpädagogischen Fachpersonen mehr zur 

Unterstützung zur Verfügung und es werden viel höhere Anforderungen 

an die Selbständigkeit und die Eigenverantwortung gestellt. Dass die 

durch das ADHS bedingten Einschränkungen des Beschwerdeführers bei 

grösserer Selbständigkeit mehr in Erscheinung treten würden, erscheint 

- 24 -

naheliegend (vgl. hierzu bereits Bericht von lic. phil D._____ zur 

neuropsychologischen Abklärung vom 9. September 2015 [IV-act. 62 

S. 12]). Dieser Aspekt wurde durch Dr. med. L._____ nicht gebührend 

berücksichtigt.

5.5.6. Der Beschwerdeführer macht geltend, Dr. med. L._____ habe sich nicht 

genügend mit den vom Bundesgericht in BGE 141 V 281 festgelegten In-

dikatoren auseinandergesetzt. In BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht 

seine Rechtsprechung zu den Voraussetzungen, unter denen anhaltende 

somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische 

Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermögen, grund-

legend überdacht und teilweise geändert (BGE 142 V 106 E.3.1). Mit BGE 

141 V 281 hat das Bundesgericht anstelle des bis dahin geltenden Re-

gel/Ausnahme-Modells einen strukturierten, normativen Prüfraster einge-

führt. Demnach liegt Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 2 ATSG 

nur vor, wenn mittels objektivierbarer Indikatoren nachgewiesen werden 

kann, dass einer versicherten Person keine Arbeitsleistung mehr zugemu-

tet werden kann. Die nach wie vor nötige objektivierte Beurteilungsgrund-

lage liefern die medizinischen Sachverständigen, welche das tatsächlich 

erreichbare Leistungsvermögen der betroffenen Person anhand eines Ka-

taloges von Indikatoren – unter Berücksichtigung leistungshindernder äus-

serer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen re-

spektive Ressourcen andererseits – ergebnisoffen und symmetrisch zu 

beurteilen haben (BGE 141 V 281 E.3.6). Mit BGE 143 V 418 weitete das 

Bundesgericht in der Folge den Anwendungsbereich des strukturierten 

Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 auf sämtliche psychischen Er-

krankungen aus. Der vom Bundesgericht entwickelte Indikatorenkatalog 

sieht für den Regelfall folgendermassen aus (BGE 141 V 281 E.4.1.3):

1. Kategorie "Funktioneller Schweregrad"

1.1. Komplex Gesundheitsschädigung

1.1.1. Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde

1.1.2. Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz

- 25 -

1.1.3. Komorbiditäten

1.2. Komplex Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik (Persönlichkeitsstruktur, 

Persönlichkeitsentwicklung und -störungen, persönliche Ressourcen)

1.3. Komplex Sozialer Kontext

1.3.1. Abgrenzung psychosozialer und soziokultureller Faktoren

1.3.2. Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds

2. Kategorie "Konsistenz"

2.1. Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Le-

bensbereichen

2.2. Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck

Im vorliegenden Fall rügt der Beschwerdeführer, Dr. med. L._____ habe 

es bei der Indikatorenprüfung auf zu knappen und oberflächlichen Schil-

derungen belassen, namentlich beim Komplex Persönlichkeit. Die IV-

Stelle ist der Meinung, es liege eine rechtsgenügliche Auseinandersetzung 

mit den Indikatoren vor und verweist auf die Seiten 41 bis 46 des Gutach-

tens. Der Ansicht der IV-Stelle kann nicht gefolgt werden. Die Ausführun-

gen von Dr. med. L._____ zu den Komplexen "Persönlichkeit" und "Sozi-

aler Kontext" sind ungenügend. Die Antworten zu diesen beiden Komple-

xen erfragte die IV-Stelle in Ziffer 7.1.2 unter dem Titel "Stellungnahme zur 

Persönlichkeit, besonders auf die Ressourcenlage der versicherten Per-

son, Stellungnahme zu Unterstützung oder Schwierigkeiten im sozialen 

Umfeld". Als Antwort schrieb Dr. med. L._____ (IV-act. 170 S. 42): 

Es finden sich keine Hinweise für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung. Die 

Schwierigkeiten, die seit der Kindheit beschrieben sind und sich sowohl während der 

Schulzeit, als auch während der Ausbildung und weiterhin auswirken, sind durch die ein-

fache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung bedingt.

Diese Antwort ist äusserst knapp und zielt weitgehend an der Frage vorbei. 

Dr. med. L._____ wiederholte mit dieser Antwort lediglich seine Aus-

führungen zur Diagnose (IV-act. 170 S. 39), statt sich eingehend mit der 

Persönlichkeit und der sozialen Situation des Beschwerdeführers ausein-

anderzusetzten und zu beschreiben, welche Ressourcen und Belastungen 

er beim Umgang mit seiner ADHS hatte. Als Ressource Erwähnung finden 

können hätte zum Beispiel die in diversen Berichten genannte optimisti-

- 26 -

sche Grundhaltung des Beschwerdeführers, ebenso seine Fantasie, Be-

geisterungsfähigkeit, körperliche Robustheit und Sportlichkeit (z.B. Bericht 

des Schulheims C._____ vom 20. März 2017 [IV-act. 86], Berichte zu den 

Schuljahren 2017/2018 und 2018/2019 der Casa E._____ [IV-act. 105, 

118]). Zu diskutieren gewesen wäre die familiäre Patchwork-Situation mit 

einer überforderten, alleinerziehenden und psychisch angeschlagenen 

Mutter und einem Vater, den er zeitweise nur unter Aufsicht besuchen, zu 

dem er später aber eine gute Beziehung aufbauen konnte. Das Aufwach-

sen im Kinder- und Schulheim hätte ebenso einfliessen müssen wie der 

immer wieder von Problemen belastete Besuch der Sonderschule (Ab-

klärungsbericht des Amtes für Volksschule und Sport des Kantons 

Graubünden vom 30. November 2012 [IV-act. 51], Standortbestimmungen 

des Schulheims C._____ [IV-act. 50, 75, 86]). Zu berücksichtigen wäre 

gewesen, dass es auch bei der Berufsausbildung im geschützten Rahmen 

wiederholt zu Konflikten mit Lehrern und Betreuern gekommen war, wel-

che sogar so weit gegangen waren, dass die IV-Stelle am 1. Oktober 2018 

einen Verweis ausgesprochen und ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren 

durchgeführt hatte (IV-act. 106, 107). Als Positivum zu erwähnen gewesen 

wäre die langjährige gute Beziehung zur Pflegefamilie in I._____ und zum 

Beistand (z.B. Verlaufsprotokoll Berufsberatung [IV-act. 89 S. 6], Stand-

ortbestimmung des Schulheims C._____ [IV-act. 86 S. 4 f., 75 S. 4]). So-

dann liess Dr. med. L._____ ungeklärt, ob der Beschwerdeführer verläss-

liche soziale Kontakte zu gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen pflegte 

und ob er eine Beziehung hatte. All dies und mehr hätte der Gutachter in 

eine Gesamtbetrachtung einfliessen lassen müssen, so dass er eine fun-

dierte Aussage zu den persönlichen und sozialen Ressourcen und Belas-

tungsfaktoren hätte machen können.

5.6. Ein weiteres Indiz gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens 

L._____/D._____ stellt der Arztbericht der behandelnden Ärztin Dr. med. 

P._____ vom 26. Juni 2020 dar. Diese führte aus, momentan bestünden 

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Verhaltensauffälligkeiten bei der Arbeit (eine Minderleistung habe schon 

von Beginn an bestanden), die mit der ADHS-Symptomatik in Zusammen-

hang zu stehen schienen. Es bestehe die Notwendigkeit einer therapeuti-

schen Begleitung ins selbständige Wohnen, ins Erwachsenenleben und 

eine Abklärung, ob eine Medikation mit Antihyperaktiva erneut notwendig 

sei (IV-act. 152 S. 3). Die berufliche Situation präsentiere sich so, dass der 

Beschwerdeführer Mühe habe, eine gleichbleibend konstante Arbeitsleis-

tung über den Tag zu vollbringen. Er könne sich nach rund einem halben 

Tag nicht mehr konzentrieren, ausser es handle sich um Arbeit, von wel-

cher er begeistert sei (IV-act. 152 S. 4). Seine Konzentrationsfähigkeit sei 

stark motivationsabhängig, diese emotional-motivationale Entwicklung 

brauche Zeit (IV-act. 152 S. 5). Die Konzentrationsstörungen und die De-

motivation würden die Arbeitsfähigkeit auf 4.5 Stunden pro Tag einschrän-

ken (IV-act. 152 S. 4). Einer Eingliederung stünden zudem eine einge-

schränkte Belastbarkeit und eine teilweise fehlende Selbständigkeit im 

Wege (IV-act. 152 S. 5). Zwar nahm der Gutachter Dr. med. L._____ zu 

diesem Arztbericht Stellung (IV-act. 170 S. 44 f.). Entgegen der Ansicht 

der IV-Stelle erklärten seine Ausführungen die abweichende Einschätzung 

der Arbeitsfähigkeit aber nur ungenügend, weil er – anders als Dr. med. 

P._____ – von einer falschen Vorstellung über die Arbeitssituation des Be-

schwerdeführers ausging (vgl. vorne Erwägung 5.5.2). Zutreffend ist hin-

gegen seine Kritik daran, dass Dr. med. P._____ ausführte, der Beschwer-

deführer sei aber sicher nur schon von seinem Ausbildungsniveau her 

nicht voll einsetzbar (IV-act. 152 S. 2). Dr. med. P._____ scheint davon 

auszugehen, dass als Referenz eine durchschnittlich ausgebildete Person 

herangezogen werde. Dies ist nicht der Fall. Die für die Bemessung des 

Invalideneinkommens massgebliche Arbeitsfähigkeit bezieht sich immer 

auf eine Tätigkeit, welche für die betreffende Person mit ihren spezifischen 

Einschränkungen optimal adaptiert ist. Für den Beschwerdeführer ist dies 

unbestrittenermassen die erlernte Tätigkeit als Hauswartmitarbeiter. In 

dieser Tätigkeit ist er – wie Dr. med. L._____ richtig ausführte – rein von 

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den beruflichen Fähigkeiten her nicht eingeschränkt (IV-act. 170 S. 45). 

Dieser Mangel führt aber nicht dazu, dass dem Bericht von Dr. med. 

P._____ keine Beweiskraft beizumessen wäre. Er hatte nämlich keinen 

direkten Einfluss auf die Beantwortung der zentralen Frage, wie viele Stun-

den pro Tag die bisherige, beziehungsweise eine dem Leiden angepasste 

Tätigkeit zumutbar sei. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle ist dem Bericht 

die Beweiskraft auch nicht abzusprechen, weil Dr. med. P._____ in ihrer 

Funktion als behandelnde Psychiaterin eine Einschätzung liefern würde, 

welche sich auch an IV-fremden Gegebenheiten und psychosozialen Fak-

toren orientieren würde. Vielmehr begründet Dr. med. P._____ die von ihr 

attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der adaptierten Tätigkeit 

ausschliesslich mit den durch das adulte ADHS bewirkten, im Lauf der Zeit 

auftretenden Aufmerksamkeitsdefiziten und Konzentrationsproblemen.

5.7. Gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens von Dr. med. L._____ spricht 

schliesslich auch die Kündigung der beiden Arbeitsverhältnisse bei der 

Sennerei J._____ und der Gemeinde K._____ per 15. Januar 2021. Die 

Kündigung wurde von den Arbeitgebern damit begründet, dass der Be-

schwerdeführer den Anforderungen nicht genügt habe (IV-act. 174). Allem 

Anschein nach war der Beschwerdeführer also nicht fähig, seine Arbeiten 

zur Zufriedenheit der beiden Arbeitgeber zu erfüllen, obwohl er angesichts 

seines sehr tiefen Lohnes von insgesamt CHF 720.00 pro Monat bei einer 

Präsenz von 90 % nur eine Leistung von 30 % zu erbringen hatte (IV-act. 

142, 143, 134, 135). Rein von den beruflichen Fähigkeiten her hätte der 

Beschwerdeführer die Arbeiten eigentlich bewältigen müssen. Die beiden 

Arbeitsverhältnisse waren unter Mithilfe Casa E._____ und im Rahmen 

eines von der IV unterstützten Arbeitsversuchs abgeschlossen worden 

(IV-act. 113). Entsprechend war die Arbeitssituation so gestaltet worden, 

dass die Tätigkeiten möglichst adaptiert waren (vgl. IV-act. 122 S. 3). In 

ihrem Bericht vom 21. Februar 2020 führte die Casa E._____ denn auch 

aus, der Beschwerdeführer habe in der Gemeinde K._____ und der Sen-

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nerei zwei auf ihn zugeschnittene Arbeitgeber gefunden. Beide gingen auf 

seine Bedürfnisse ein und passten sich der Situation an (IV-act. 136 S. 3). 

Dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich war, die derart für ihn opti-

mierten Arbeiten zufriedenstellend zu erledigen, spricht deutlich gegen die 

von Dr. med. L._____ attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit.

5.8 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass mehrere Indizien gegen 

die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des psychiatrischen Gutachtens von 

Dr. med. L._____ vom 15. Dezember 2020 sprechen. Der neuropsycholo-

gische Untersuchungsbericht von lic. phil. D._____ vom 13. Dezember 

2020 ist hingegen nicht zu beanstanden. Die IV-Stelle hat die Arbeitsfähig-

keit somit zu Unrecht gestützt auf das psychiatrische Gutachten festgelegt. 

Insgesamt erweist sich die (versicherungs-)medizinische Beurteilung als 

ergänzungs-, berichtigungs- und präzisierungsbedürftig, um das aus 

psychiatrischer Sicht tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen des Be-

schwerdeführers auch zuverlässig einschätzen zu können. Der rechtser-

hebliche Sachverhalt mitsamt einer schlüssigen Beurteilung anhand der 

massgeblichen Standardindikatoren präsentiert sich demnach als unvoll-

ständig. Die Angelegenheit ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, da-

mit diese weitere sachverständige bzw. fachärztliche Abklärungen unter 

Berücksichtigung der schulischen und berufspraktischen Unterlagen vor-

nimmt, um die in den vorstehenden Erwägungen beschriebenen Mängel 

zu beheben. Gestützt auf die dannzumal vollständigen medizinischen Un-

terlagen wird die IV-Stelle zudem zu entscheiden haben, ob sich eine BE-

FAS-Abklärung aufdrängt. Ein reformatorischer Entscheid im Sinne einer 

Zusprache einer Invalidenrente, wie dies vom Beschwerdeführer im 

Hauptrechtsbegehren beantragt wird, erweist sich demnach als verfrüht. 

Vielmehr ist die Beschwerde im Sinne seines Eventualbegehrens gutzu-

heissen.

6. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtswidrig, die Be-

schwerde ist im Eventualantrag gutzuheissen und die Angelegenheit im 

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Sinne der Erwägungen und zu neuem Entscheid an die IV-Stelle zurück-

zuweisen.

7. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über die Bewilligung oder die Ver-

weigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und un-

abhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.00 bis CHF 1'000.00 

festgelegt. Vorliegend werden die Kosten auf CHF 700.00 festgesetzt und 

der unterliegenden IV-Stelle auferlegt.

8. Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungs-

gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeu-

tung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemes-

sen. Vorliegend macht die Procap als Rechtsvertreterin des Beschwerde-

führers mit Honorarnote vom 10. Juni 2021 einen Betrag von 

CHF 2'119.55 (inkl. MWST) geltend. Dieser Betrag basiert auf einem Ar-

beitsaufwand von total 12.30 Stunden und einem Stundenansatz von 

CHF 160.00. Der geltend gemachte Arbeitsaufwand erscheint angemes-

sen und der veranschlagte Stundenansatz ist nicht zu beanstanden (vgl. 

zum Stundenansatz für Hilfsorganisationen – zu denen auch die Procap 

Schweiz zu zählen ist – PVG 2010 Nr. 31 und Nr. 32). Die IV-Stelle hat 

den Beschwerdeführer deshalb aussergerichtlich mit CHF 2'119.55 zu 

entschädigen.

9. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege ist 

angesichts des Verfahrensausgangs gegenstandslos.

III. Demnach erkennt das Gericht:

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1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung wird auf-

gehoben und die Angelegenheit wird zu weiteren Abklärungen im Sinne 

der Erwägungen und zu neuem Entscheid an die IV-Stelle des Kantons 

Graubünden zurückgewiesen.

2. Die Kosten von CHF 700.00 gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden entschädigt A._____ ausserge-

richtlich mit CHF 2'119.55 (inkl. MWST).

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]