# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 859443a3-e369-588c-9af0-3f1db4853e3e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-17
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 17.05.2024 SB230213
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230213_2024-05-17.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230213-O/U/ad

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Bertschi, Präsidentin, Oberrichterin lic. iur. Ohn-

jec und Oberrichter lic. iur. Hoffmann sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Gitz

Urteil vom 17. Mai 2024

in Sachen

A._____,
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____

gegen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 
Anklägerin und Berufungsbeklagte

sowie

B._____,
Privatklägerin

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____

betreffend Vergewaltigung etc.

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 
20. September 2022 (DG220011)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 29. März 

2022 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 32).

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 71 = Urk. 75 S. 33 ff.)

1. Der Beschuldigte hat sich wie folgt schuldig gemacht:

 Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB
 Gewaltdarstellung im Sinne von Art. 135 Abs. 1 und Abs. 1bis StGB
 mehrfache harte Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 StGB
 harte Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 33 Monaten Freiheitsstrafe sowie mit ei-

ner Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 90.–.

Die bereits erstandene Haft von 56 Tagen wird angerechnet.

3. a) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 21 Monaten aufge-

schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate 

abzüglich die bereits erstandene Haft) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.

b) Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt.

4. a) Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a StGB für 7 Jahre des 

Landes verwiesen.

b) Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Infor-

mationssystem angeordnet.

5. Es wird ein Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 StGB angeordnet.

6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

22. März 2022 beschlagnahmte Mobiltelefon Apple iPhone 11 wird zur Ver-

nichtung eingezogen.

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7. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe beim Beschuldigten zur Erstellung 

eines DNA-Profils angeordnet.

Die Kantonspolizei Zürich wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils 

beauftragt und verpflichtet, beim Beschuldigten eine erkennungsdienstliche 

Behandlung mit Wangenschleimhautabnahme durchzuführen.

8. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz von 

Fr. 507.70 zu bezahlen. Des Weiteren wird festgestellt, dass der 

Beschuldigte der Geschädigten gegenüber aus dem Ereignis vom 

27. September 2020 dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist.

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung 

von Fr. 15'000.– zuzüglich Zins zu 5% ab 27. September 2020 zu bezahlen.

9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'500.–   die weiteren Auslagen betragen:

Fr. 2'100.–   Gebühr für die Strafuntersuchung

Fr. 21'481.80   Auslagen Vorverfahren (Gutachten, Telefonkontrolle, etc.)

Fr. 7'684.75   amtl. Verteidigungskosten (inkl. MwSt.)

Fr. 11'500.–   Vertretung der Privatklägerschaft (inkl. MwSt.)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der 

Privatklägerschaft, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 

Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.

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Berufungsanträge:

a) Der amtlichen Verteidigung:

(Urk. 93 S. 2 f.)

1. Ziff. 1 bis und mit Ziff. 8 sowie Ziff. 10 des Urteils des Bezirksgerichts 

Bülach vom 20. September 2022 seien aufzuheben.

2.1 Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.

2.2 Eventualiter sei der Beschuldigte wegen Konsums von harter Porno-

graphie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB, wegen Gewaltdar-

stellungen im Sinne von Art. 135 Abs. 1bis aStGB sowie wegen harter 

Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 StGB schuldig zu 

sprechen und mit einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 

Fr. 90.– zu bestrafen, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jah-

ren.

3. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen, eventualiter 

auf den Zivilprozessweg zu verweisen und subeventualiter sei eine Ge-

nugtuung von maximal Fr. 6'000.– zuzusprechen.

4. Ein Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 StGB sei nicht anzuordnen. 

Von einer Landesverweisung sei abzusehen.

5. Das beschlagnahmte iPhone 11 des Beschuldigten sei ihm nach Eintritt 

der Rechtskraft herauszugeben.

6. Dem Beschuldigten sei wegen zu Unrecht erlittener Untersuchungshaft 

eine Entschädigung im Umfang von Fr. 11'200.–, eventualiter im Um-

fang von Fr. 2'200.– zuzusprechen.

7. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens sowie die erstinstanzli-

chen Kosten der amtlichen Verteidigung von Fr. 7'684.75 seien aus-

gangsgemäss auf die Staatskasse zu nehmen. Dem Beschuldigten sei 

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für die erbetene Verteidigung im erstinstanzlichen Verfahren eine Ent-

schädigung von Fr. 16'641.50 (inkl. 7.7% MwSt.) zu bezahlen.

8. Die Kosten des Berufungsverfahrens sowie die Kosten der amtlichen 

Verteidigung für das Berufungsverfahren im Umfang von Fr. 7'728.25 

seien auf die Staatskasse zu nehmen.

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland: 

(Urk. 84, schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

c) Der Vertreterin der Privatklägerin:

(Urk. 89, schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

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Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Hinsichtlich des Gangs des Verfahrens bis zum erstinstanzlichen Urteil 

und zur Anmeldung der Berufung durch den Beschuldigten kann auf die Ausfüh-

rungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 75 E. I. S. 4). Mit 

Eingabe vom 13. April 2023 reichte die Verteidigung ihre Berufungserklärung ein 

(Urk. 78). Mit Präsidialverfügung vom 17. April 2023 wurde der Privatklägerin und 

der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung er-

hoben werde (Urk. 80). Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Schreiben vom 

19. April 2023 die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 84). Die Privat-

klägerin liess sich innert Frist nicht vernehmen. Anschlussberufung wurde damit 

keine erhoben. Die Parteien wurden sodann zur heutigen Berufungsverhandlung 

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vorgeladen (Urk. 86). Erschienen sind der Beschuldigte persönlich in Begleitung 

seines amtlichen Verteidigers (Prot. II S. 5).

2. Anzumerken ist, dass die Privatklägerin vor Vorinstanz als Auskunftsper-

son einvernommen wurde (Prot. I S. 11 ff.), weshalb sie im Berufungsverfahren 

nicht noch einmal einvernommen werden muss.

II. Umfang der Berufung

1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO) und hemmt damit die Rechtskraft des angefochtenen Entscheides 

entsprechend. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an-

fechten (Urk. 78 S. 1 f.).

2. Da einzig der Beschuldigte gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung er-

klärt hat und keine Anschlussberufung erhoben wurde, kommt das Verschlechte-

rungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zur Anwendung.

III. Prozessuales

Betreffend die Verwertbarkeit des schriftlichen Berichts der Psychotherapeutin der 

Privatklägerin kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Urk. 75 E. 2.2.1. S. 7 f.). Auf die psychologische Einschätzung im Bericht 

von C._____ ist allenfalls im Rahmen der Zivilforderungen der Privatklägerin ein-

zugehen, für die Sachverhaltserstellung ist diese allerdings nicht zu berücksichti-

gen.

IV. Sachverhalt

A. Vorwurf der sexuellen Handlungen gemäss Dossier 1

1. Tatvorwurf

Dem Beschuldigten wird in Dossier 1 im Wesentlichen vorgeworfen, er habe am 

frühen Morgen des 27. Septembers 2020 der ihm unbekannten Privatklägerin an-

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geboten, sie mit dem Auto zu ihrem Hotel zu fahren. Die Privatklägerin habe zu-

gestimmt, worauf der Beschuldigte mit ihr jedoch statt zum Hotel auf einen Kies-

platz gefahren sei. Während der Fahrt habe er sie gegen ihren Willen am Knie, 

Oberschenkel und mehrfach im Schritt berührt. Am Kiesplatz angekommen habe 

er sie aus dem Auto gezerrt und unter Kraftaufwand gegen ihren Willen vaginal 

den Geschlechtsverkehr an ihr vollzogen. Anschliessend sei er vaginal mit seinen 

Fingern in die Privatklägerin eingedrungen und habe sie auch anal penetriert.

2. Allgemeines zur Beweiswürdigung und Beweismittel

2.1. Was die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung angeht, kann auf 

die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 75 E. II.1. 

S. 5 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist festzuhalten, was folgt:

2.2. Insbesondere bei überschaubaren Sachverhalten und wenigen Aussagen 

ist ein glaubhaftes Lügen durchaus möglich. Ausserdem kann insbesondere ein 

kurzes, wahrheitswidriges Kerngeschehen nahtlos in ein wahres Peripheriege-

schehen eingebettet sein.

Insgesamt ist die Antwort auf die Frage entscheidend, ob die einvernommene 

Person ihre Aussagen vernünftigerweise so hätte deponieren können, wenn sie 

das Berichtete nicht erlebt hätte. Das Vorhandensein von Realitätskriterien be-

deutet noch nicht, dass eine Aussage wahr ist. Vielmehr muss eine Kompetenz-

analyse ergeben, dass eine Person nicht in der Lage wäre, den dargelegten 

Sachverhalt zu erfinden (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, Tatsachenfeststellung 

vor Gericht, 5. Aufl., S. 78 Rz 332-334).

2.3. Schliesslich fehlt der Beweiswürdigung ohne Kenntnis und Reflexion 

möglicher Motive (zur Lüge) ein wesentlicher Baustein. Je wahrscheinlicher es er-

scheint, dass die Aussageperson zu einer Lüge motiviert sein könnte, desto ein-

deutiger müssten die Ergebnisse der Beweisaufnahme und der Aussageanalyse 

sein, damit man sich trotzdem von der Wahrheit der Angaben überzeugt zeigen 

kann (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, a.a.O., S. 70-72 Rz 292 und 298 und S. 132 

Rz 550 f.). So lässt die Vorinstanz denn auch zurecht die Motivlage der Privatklä-

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gerin in ihre Erwägungen einfliessen (Urk. 75 E. II.2.3.10. S. 17). In diesem Kon-

text kann auch von Bedeutung sein, wie bzw. warum das Strafverfahren eingelei-

tet wurde und wie die jeweiligen Aussagen zustande kamen.

3. Motivlage der Aussagenden

3.1. Der Beschuldigte dürfte unabhängig von seiner Schuld oder Unschuld ein 

Interesse daran haben, dass das vorliegende Verfahren für ihn möglichst positiv 

verläuft.

3.2.1. Die Privatklägerin stellt dagegen namhafte zivilrechtliche Ansprüche 

(Urk. 52) und hat damit ein Interesse an einem verurteilenden Erkenntnis. An-

sonsten ist kein Motiv für eine falsche Anschuldigung ersichtlich. Angesichts der 

nachstehend zu erwähnenden Umstände erscheint jedoch ein finanzielles Motiv 

für eine Falschanschuldigung eher unwahrscheinlich. Der Beschuldigte und die 

Privatklägerin kannten einander zum Zeitpunkt des Geschehens nicht. Seine 

Identität war zum Zeitpunkt der Anzeige, die unmittelbar nach dem Vorfall er-

folgte, noch unbekannt (vgl. Urk. D1/1). Es war auch nicht klar, ob die Identität 

des Beschuldigten würde festgestellt werden können. Damit kommen auch Rache 

oder andere beziehungsbasierte Motive (wie z.B. das Verschleiern einer Affäre 

Dritten gegenüber) nicht in Betracht (vgl. dazu auch die zutreffenden Erwägungen 

der Vorinstanz, Urk. 75 E. II.2.3.9.+10. S. 16 f.). Auch andere sachfremde Motive 

wie z.B. ein übertriebener Geltungsdrang oder das Abwälzen eines Fehlverhal-

tens auf jemand anderen sind nicht erkennbar, insbesondere da die Polizei nicht 

von der Privatklägerin selber avisiert wurde (Urk. D1/1 S. 2).

Ferner ist unbestritten, dass die Privatklägerin und der Beschuldigte zufällig auf-

einander trafen und dass es der ihr unbekannte Beschuldigte war, der sie an-

sprach und anschliessend in sein Auto einsteigen liess. Das sind Umstände, die 

die Privatklägerin nicht kontrollieren konnte. Ein wie auch immer geartetes Kom-

plott kann damit ausgeschlossen werden.

3.2.2. Wenn die Verteidigung ins Feld führt, die Aussagen der Privatklägerin 

würden die Tendenz zeigen, ihren Alkohol- und Medikamentenkonsum verharmlo-

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send darzustellen (Urk. 53 Rz 14-16 S. 9), so kann daraus nichts zulasten der 

Glaubwürdigkeit der Privatklägerin hergeleitet werden. Eine zu eigenen Gunsten 

verharmlosende Aussage, die keinen Zusammenhang zum Kerngeschehen 

und/oder zum Beschuldigten aufweist, ist kein Hinweis auf ein Motiv für eine fal-

sche Anschuldigung.

3.3. Die Zeugin D._____ ist nach eigenen Angaben eine gute Freundin der 

Privatklägerin. Die Privatklägerin ist ihr ans Herz gewachsen (Urk. D1/11/1 F/A 7 

und 15 S. 2 f.). Sie dürfte somit ein Interesse daran haben, zugunsten der Privat-

klägerin auszusagen. Ausserdem hat sie mit verschiedenen Personen, darunter 

auch der Privatklägerin, über den Fall gesprochen (Urk. D1/11/1 F/A 8-10 S. 3). 

Eine gewisse Beeinflussung – wenn auch unbewusst – ist damit wahrscheinlich.

Den Beschuldigten kennt die Zeugin D._____ gemäss ihren Aussagen nicht 

(Urk. D1/11/1 F/A 6 S. 2).

3.4 Der Zeuge E._____ führte aus, er kenne die Privatklägerin nur flüchtig. 

Sie sei die beste Kollegin seiner Freundin. Er habe mit seiner Freundin über den 

Fall gesprochen, um sich die Nervosität zu nehmen (Urk. D1/11/2 F/A 6-10 S. 2 

f.). Ferner war er offenbar u.a. mit der Privatklägerin am Abend vor dem Vorfall an 

einem Oktoberfest (Urk. D1/11/2 F/A 14 S. 3). Auch bei ihm ist mithin eine ge-

wisse Beeinflussung wahrscheinlich.

Zum Beschuldigten hat der Zeuge E._____ gemäss seinen Aussagen keine Be-

ziehung (Urk. D1/11/2 F/A 6 S. 2).

3.5. Der Zeuge F._____ ist der Partner der Privatklägerin und hat mit ihr über 

den Vorfall gesprochen (Urk. D1/11/4 F/A 7 und 9 S. 2 f.). Damit ist auch bei ihm 

eine Beeinflussung wahrscheinlich. Ferner dürfte er ein Interesse haben, zuguns-

ten seiner Partnerin auszusagen, zumal er selber zu Protokoll gab, nicht mehr 

"lieb" zu sein, wenn jemandem weh getan werde, den er gern habe (Urk. D1/11/4 

F/A 12 S. 3).

Zum Beschuldigten hat der Zeuge F._____ gemäss seinen Aussagen keine Be-

ziehung (Urk. D1/11/4 F/A 6 S. 2).

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4. Glaubwürdigkeit der Privatklägerin im engeren Sinn

4.1. Die Verteidigung macht geltend, die Privatklägerin sei am fraglichen 

Abend alkoholisiert gewesen und habe überdies ein Antidepressivum eingenom-

men, weshalb ihre Glaubwürdigkeit herabgesetzt sei (Urk. 53 Rz 11-16 S. 7-9; 

Urk. 93 Rz 6-14 S. 5-8). Damit wird sinngemäss geltend gemacht, die Privatkläge-

rin sei aufgrund von Substanzkonsum in der Fähigkeit eingeschränkt gewesen, 

die Realität zu erkennen und/oder sie korrekt wiederzugeben. 

4.2. Wie die amtliche Verteidigung zu Recht festhält (Urk. 93 Rz 12 S. 7), er-

gab der Atemalkoholtest rund zwei Stunden nach dem Vorfall entgegen den Er-

wägungen der Vorinstanz nicht eine Atemalkoholkonzentration von 0.91 Ge-

wichtspromille, sondern einen Atemalkoholgehalt von 0.91 mg/l (Urk. D1/1 S. 2), 

entsprechend eine Atemalkoholkonzentration von rund 1.8 Gewichtspromille. Die 

Alkoholisierung der Privatklägerin im inkriminierten Zeitpunkt war somit erheblich, 

was sie selbst anlässlich der polizeilichen Einvernahme bestätigte, indem sie an-

gab, an diesem Abend insgesamt 1 dl Chardonnay, 4 Stangen Bier, rund 4 dl Pro-

secco, 2 bis 3 Shots und ein Mass Bier, welches sie nicht fertig getrunken hatte, 

konsumiert zu haben (Urk. D1/10/1 S. 9 f. F/A 60). Tatsächlich hat Alkohol Ein-

fluss auf die Gedächtnisleistung, jedoch in der Art, dass man sich tendenziell "ne-

gativ" an gewisse Dinge nicht (mehr) erinnert. Dagegen führt Alkoholkonsum nicht 

dazu, dass man sich "positiv" an etwas zu erinnern glaubt, was nicht geschehen 

ist (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, a.a.O., S. 21 f. Rz 76 f.). Mit anderen Worten 

führt Alkohol nicht etwa zu Halluzinationen oder dem Verwechseln von Traum und 

Realität. Dasselbe gilt auch für Antidepressiva, zumal diese Medikamente den Pa-

tienten ein möglichst normales Leben ermöglich sollen, was gerade nicht möglich 

wäre, wenn sie Halluzinationen auslösen würden. Zumindest gibt es im konkreten 

Fall nicht die geringsten Hinweise darauf. Selbst der von der Verteidigung thema-

tisierte Mischkonsum von Alkohol und Antidepressiva ändert an dieser Einschät-

zung nichts. Zwar mag es sein, dass ein entsprechender Mischkonsum schwer-

wiegende Folgen haben kann. Es liegen jedoch keine Hinweise vor, dass er Hal-

luzinationen, Verkennungen der Realität und/oder die Unfähigkeit, Erinnerungen 

korrekt wiederzugeben, nach sich ziehen würde oder im vorliegenden konkreten 

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Fall nach sich gezogen hätte (vgl. ergänzend auch Urk. D1/15/3 Ziff. 3 S. 2). So 

erweist sich das von der Privatklägerin geschilderte Rahmengeschehen als mit 

den Schilderungen des Beschuldigten übereinstimmend. Der Umstand, dass ihre 

Aussagen betreffend die Aufforderung an den Beschuldigten aufzuhören, das 

Schreien und Weinen sowie das Angebot des Beschuldigten, ihr seine Handy-

nummer zu geben, divergieren (vgl. nachfolgend E. 7), stellt keinen Anhaltspunkt 

für eine Fehlwahrnehmung der Privatklägerin aufgrund der Alkoholisierung und 

der Antidepressiva dar. Ob sich ihre Aussagen betreffend das Kerngeschehen so-

dann als glaubhaft erweisen, ist eine Frage der Aussagenanalyse, worauf nachfol-

gend einzugehen ist.

5. Befunde

5.1. Gründe, am in den Akten liegenden ärztlichen Befund und den Kurzbe-

richten und Gutachten des Forensischen Instituts Zürich (Urk. D1/12/2; 

Urk. D1/13/2; Urk. D1/13/4; Urk. D1/13/12-14) zu zweifeln, liegen nicht vor. Dem-

nach konnte der Beschuldigte als Verursacher der im Rahmen des bei der Privat-

klägerin vorgenommenen Vaginalabstrichs sichergestellten DNA-Spur identifiziert 

werden (Urk. D1/13/14 S. 2). Sodann konnten bei der Privatklägerin abgesehen 

von mehreren streifenförmigen, wegdrückbaren und rötlichen Hautverfärbungen 

am Hals keine Verletzungen festgestellt werden. Gestützt auf das Gutachten zur 

körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin vom 10. November 

2020 ist davon auszugehen, dass das von der Privatklägerin geschilderte Ge-

schehen nicht zwingend zu Schleimhautverletzungen führen müsse (Urk. D1/12/2 

S. 3 f.). 

5.2. Die entsprechenden Erkenntnisse sind in die Gesamtwürdigung einzube-

ziehen.

6. Aussagen des Beschuldigten

6.1. Hinsichtlich der Würdigung der Aussagen des Beschuldigten kann zu-

nächst auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 75 

E. II.2.3.7. S. 14 f.).

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6.2. Es fällt auf, dass die Aussagen bei der Polizei sehr unspezifisch ausfallen 

und die Handlung auffällig gerafft und allgemein wiedergegeben wird. Auf die 

Frage, wie die Privatklägerin ihn berührt habe, gab er nur zu Protokoll, sie habe 

ihn am rechten Oberkörper berührt (Urk. D1/9/1 F/A 11 und 12 S. 3), was noch 

keine sexuelle Avance darstellen würde. Auch in der Hafteinvernahme vom 

16. Juni 2021 blieben seine Aussagen knapp (Urk. D1/9/2 F/A 8 S. 2 f.). Dasselbe 

gilt für seine Ausführungen anlässlich der Berufungsverhandlung, wonach die Pri-

vatklägerin ihn zuerst am Arm angefasst habe, woraufhin er seine Hand auf ihr 

Bein gelegt habe (Prot. II S. 15 f.).

6.3. Sodann sind die Aussagen des Beschuldigten nicht plausibel, was das 

Kerngeschehen betrifft. Zu einem extrem spontanen sexuellen Abenteuer zweier 

unbekannter Personen (welches per se schon nicht sehr wahrscheinlich er-

scheint) passt nicht, dass sich eine dieser Personen nur widerwillig darauf ein-

lässt, geschweige denn, wenn sie die andere Person direkt abstossend findet. Der 

Beschuldigte gab indes zu Protokoll, der Geruch von Alkohol, Tabak und 

Schweiss hätte ihn abgestossen, was ihm bereits während der Autofahrt aufgefal-

len sein muss. Da er den Geruch jedoch aufgrund des offenen Fensters erst vor 

dem Geschlechtsverkehr wahrgenommen haben will, habe er der Privatklägerin 

einfach gesagt, sie solle sich drehen, damit er das nicht riechen müsse 

(Urk. D1/9/1 F/A 11 S. 3 und F/A 15 S. 4; Urk. D1/9/3 F/A 20 S. 4; Prot. II S. 17 

und 21-23). Dennoch kam es angeblich zu einem – allerdings nur kurz erwähnten 

– Vorspiel und zum Geschlechtsverkehr (Urk. D1/9/1 F/A 57 S. 8; Prot. II S. 17).

Ferner sind seine Aussagen dazu nicht nachvollziehbar, weshalb er überhaupt zu 

Beginn des Geschehens anhielt und der Privatklägerin anbot, sie mitzunehmen. 

So gab er an, er habe ihr helfen wollen (Prot. II S. 15). Hinweise, dass sie in ir-

gendeiner Weise hilfsbedürftig gewesen wäre, schilderte er indes nicht. Er habe 

so etwas auch noch nie gemacht und wisse nicht, was ihm in den Sinn gekom-

men sei (Urk. D1/9/1 F/A 47-51 S. 7 f.). Realitätsfremd ist in diesem Kontext seine 

Aussage in der Hafteinvernahme, er habe angehalten, das Fenster geöffnet und 

gefragt, ob er ihr helfen und sie wohin fahren könne, worauf sie (offenbar sofort 

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und ohne auch nur einen kurzen Wortwechsel) die Türe geöffnet habe und einge-

stiegen sein soll (Urk. D1/9/2 F/A 47 f. S. 7).

In den folgenden Einvernahmen blieb der Beschuldigte in den wesentlichen Punk-

ten bei seinen Aussagen. Seine weiteren Schilderungen des Geschehens unter-

streichen jedoch, dass seine Darstellung wenig realistisch erscheint. So sagte er 

aus, er sei an den mutmasslichen Tatort nur gefahren, um das Fahrzeug zu wen-

den, da er zunächst das Ziel der Privatklägerin falsch verstanden hätte. Weshalb 

er dann nach seinen Aussagen hätte anhalten und aussteigen müssen, um zu re-

den, erschliesst sich nicht (Urk. D1/9/2 F/A 8 S. 3 und F/A 27 S. 5; Urk. D1/9/3 

F/A 16 S. 3; Prot. I S. 9; Prot. II S. 15-17).

Die Aussagen des Beschuldigten weisen überdies diverse Unstimmigkeiten auf: 

Die Privatklägerin sei ausgestiegen, und man habe geredet (Urk. D1/9/2 F/A 8 

S. 3). Anschliessend führte der Beschuldigte jedoch in Widerspruch dazu aus, als 

sie ausgestiegen sei, habe er begonnen, sie zu streicheln (Urk. D1/9/2 F/A 28 

S. 5; Prot. II S. 17). Ein Gespräch gab er nicht ansatzweise wieder.

Die zunächst von ihm beschriebene Situation würde ferner bedeuten, dass ihm 

die Privatklägerin gegenüberstand, als sie ausgestiegen war, da er ja offenbar so-

fort mit dem Streicheln begonnen haben will und sie mutmasslich nicht rückwärts 

ausgestiegen war. Auf die Frage jedoch, ob die Privatklägerin auch ihn gestrei-

chelt habe, gab er zur Antwort, dass sei nicht möglich gewesen, da sie "nach 

vorn" – also mit dem Rücken zu ihm – gestanden sei (Urk. D1/9/2 F/A 32 S. 5). 

Zudem konnte er auf entsprechende Nachfrage nicht schildern, wie die Privatklä-

gerin auf sein Streicheln reagiert habe. Er meinte nur, sie habe "normal" reagiert 

(Urk. D1/9/2 F/A 30 f. S. 5; Prot. II S. 18). Auch auf das angebliche Vorspiel sei 

ihre Reaktion gewesen: "Ganz normal. Gar nichts" (Urk. D1/9/2 F/A 34 S. 6; vgl. 

auch Prot. II S. 18).

6.4. Unglaubhaft ist sodann die Aussage des Beschuldigten, er sei nicht zum 

Samenerguss gekommen (Urk. D1/9/1 F/A 60 S. 8; Urk. D1/9/2 F/A 44 S. 5), 

wenn gemäss Kurzbericht des IRM Zürich praktisch mit Sicherheit feststeht, dass 

im Vaginalabstrich der Privatklägerin Spermaspuren des Beschuldigten festge-

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stellt werden konnten (Urk. D1/13/12 S. 2) und er mit ihr unzweifelhaft bei keinem 

anderen Anlass Geschlechtsverkehr hatte.

6.5. Sonderbar erscheinen ferner die Aussagen des Beschuldigten dazu, ob er 

ein Kondom benutzt habe, was er erst in der polizeilichen Einvernahme auf Nach-

frage bestätigte und anlässlich der Berufungsverhandlung verneinte (Urk. D1/9/1 

F/A 68 S. 9; Prot. II S. 17 f. und 23). Wenn es denn so gewesen wäre, so er-

staunt, dass er dies nicht von sich aus zu Protokoll gab, ist doch das Benutzen ei-

nes Kondoms nicht unwesentlich und unterbricht Vorspiel und Akt. Ferner kann es 

bei der Suche nach einem Kondom und bei dessen Anziehen sowie Benutzen zu 

Komplikationen kommen. Des Weiteren dürfte gerade bei einer so aussergewöhn-

lichen Handlung wie Sex mit einer völlig Unbekannten mehr oder weniger aus 

dem nichts heraus die Benutzung (oder eben Nicht-Benutzung) eines Kondoms in 

Erinnerung bleiben, weshalb nach der ursprünglichen Bestätigung, ein Kondom 

benutzt zu haben, nicht verständlich ist, weshalb sich der Beschuldigte nicht si-

cher war, ob dies tatsächlich stimme bzw. dies schliesslich gar verneinte. Doch 

selbst die Bestätigung, ein Kondom benutzt zu haben, wirft Fragen auf. So ist un-

klar, wo und vor allem weshalb der Beschuldigte ein Kondom gerade bei einer zu-

fälligen Begegnung griffbereit gehabt haben soll. Ausführungen, er habe es zu-

nächst suchen oder irgendwo im Auto behändigen müssen, machte er jedenfalls 

keine (Urk. D1/9/1 F/A 68 f. S. 9; Prot. II S. 17 f.). Was mit dem Kondom nach 

dem Sex passiert sei, erfährt man aus seinen Depositionen auch nicht. Ausser-

dem lassen sich damit die bereits erwähnten Spermaspuren schwerlich in Ein-

klang bringen.

6.6. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme vom 9. Fe-

bruar 2022 machte der Beschuldigte keine substantiellen Aussagen mehr, son-

dern verwies auf das bereits Gesagte oder bestritt in allgemeiner Weise die gegen 

ihn erhobenen Vorwürfe (Urk. D1/9/3). In seinen Aussagen vor Vorinstanz und im 

Berufungsverfahren wiederholte er im Wesentlichen seinen zuvor dargelegten 

Standpunkt (Prot. I S. 8-11 und S. 27-31; Prot. II S. 15-19 und S. 21-24), was 

nichts an dessen Beurteilung zu ändern vermag.

-   15   -

6.7. Insgesamt lässt sich den Aussagen des Beschuldigten kein lebensnahes 

und plausibles Geschehen entnehmen. Sie sind daher mit grosser Zurückhaltung 

in die Gesamtwürdigung einzubeziehen.

7. Aussagen der Privatklägerin

7.1. Hinsichtlich der Aussagen der Privatklägerin kann zunächst auf die aus-

führlichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 75 E. II.2.2 

S. 7-10). Demnach ist festzuhalten, dass die Privatklägerin die Geschehnisse zu-

rückhaltend und detailliert schilderte. Sie unterschied zwischen direkten Wahrneh-

mungen und Vermutungen. Sie beschränkte sich nicht auf die strafbaren Hand-

lungen, sondern schilderte einen kontinuierlichen Geschehensablauf. Dabei be-

schrieb sie nachvollziehbar, nicht aufgesetzt, sondern situationsadäquat, was sie 

beim Geschehen dachte und sowohl seelisch als auch körperlich empfunden 

habe.

7.2. Ergänzend ist festzuhalten, dass – wie die Vorinstanz richtig erwägt – 

kein Widerspruch in den Aussagen festzustellen ist, wenn die Privatklägerin einer-

seits deponierte, sie sei in eine Schockstarre verfallen, und andererseits aus-

sagte, sie habe den Beschuldigten hysterisch angefleht, aufzuhören:

Vorab ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zwar zurecht erwägt, dass ein soge-

nanntes Freezing wissenschaftlichen Erkenntnissen entspreche (Urk. 75 

E. II.2.3.5. S. 14). Diese Tatsache ist jedoch entgegen der Auffassung der Vorin-

stanz der breiten Öffentlichkeit zugänglich und wurde bereits auch mehrfach in 

den Medien diskutiert (vgl. beispielsweise SRF-Rundschau vom 13. Oktober 2021 

oder SRF 10-vor-10 vom 7. März 2023), weshalb ein solches Wissen generell vor-

handen sein kann. Damit wäre es ein Leichtes, ein Freezing zu behaupten. Davon 

ist vorliegend jedoch nicht auszugehen.

Ein Freezing kann unterschiedlich ausgeprägt auftreten. Wie die Vorinstanz richtig 

erwägt, kann sich jeder Mensch in einer extremen Gefahrensituation anders ver-

halten. Dabei fällt auf, dass die Privatklägerin nicht einfach stereotyp aussagte, 

sie sei erstarrt. Vielmehr gab sie differenziert einen Ablauf wieder, während dem 

-   16   -

sich ein schnelles, aber nicht komplettes Herunterfahren von Empfindungen und 

Reaktionen eingestellt habe (Urk. D1/10/2 F/A 11 S. 5 f.; Prot. I S. 14, 19 und 21). 

Daher liegt in ihren Aussagen diesbezüglich weder ein Widerspruch vor, noch ist 

die Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin unmöglich. Im Gegenteil sind die 

Schilderungen diesbezüglich nachvollziehbar.

Ferner ist zu berücksichtigen, dass es sich vorliegend um ein dynamisches Ge-

schehen handelte, welches darüber hinaus besonders für die Privatklägerin eine 

extreme Ausnahmesituation bedeutete, wenn der Anklagesachverhalt zutrifft. Es 

ist nachvollziehbar und spricht für einen authentischen und gerade nicht auswen-

dig memorierten Bericht, wenn die Privatklägerin nicht exakt berichten konnte, zu 

welchem Zeitpunkt was gesagt wurde. Insofern können Äusserungen der Privat-

klägerin zwanglos vor oder nach einem Freezing getätigt worden sein. Ausserdem 

muss – wie bereits angeklungen – ein Freezing nicht sämtliche willentlich gesteu-

erten Muskeln betreffen.

7.3. Wenn die Verteidigung geltend macht, das Opfer einer Vergewaltigung 

lasse sich kaum noch von seinem Peiniger ins Hotel fahren (Urk. 53 Rz 99 S. 44; 

Urk. 93 Rz 56 f. S. 27 f.), so ist ergänzend zu den zutreffenden vorinstanzlichen 

Erwägungen festzuhalten (Urk. 75 E. II.2.3.2. S. 12), dass die Privatklägerin dar-

auf angewiesen war, wieder innert nützlicher Frist zurück ins Hotel zu gelangen. 

Sie musste unabhängig vom tatsächlichen Tatort davon ausgehen, dass sie sich 

an einem abgelegenen Ort befand. Der Ort war ihr mutmasslich unbekannt und 

lag ausserhalb des Siedlungsgebietes; aus ihrer damaligen Sicht mutmasslich di-

verse Kilometer von ihrer Unterkunft entfernt, ohne dass öffentliche Verkehrsmittel 

innert nützlicher Frist verfügbar gewesen wären. Zudem ging sie davon aus, dass, 

nachdem der Beschuldigte von ihr abgelassen hatte und bereit war, sie zurückzu-

fahren, von ihm keine Gefahr mehr ausging. Insofern bestand entgegen der Auf-

fassung der Verteidigung (Urk. 53 Rz 100 S. 45) denn auch kein Anlass mehr, 

den Worten des Beschuldigten, er würde sie zurückfahren, nicht zu glauben. 

Schliesslich besteht kein Normverhalten hinsichtlich des Verhaltens nach einer 

Vergewaltigung. Jeder Mensch reagiert in Bedrohungs- und Gefahrensituationen 

anders. So ist es auch nicht unplausibel, dass die Privatklägerin niemanden an-

-   17   -

rief, da sie Angst hatte, der Beschuldigte könnte ihr das Mobiltelefon wegnehmen 

(Urk. D1/10/2 F/A 157 S. 22).

7.4. Die Verteidigung bringt vor, es sei schwer nachvollziehbar, weshalb die 

Privatklägerin ins Auto des Beschuldigten gestiegen sein soll, um sich lediglich 

eine sehr kurze Strecke zum Hotel fahren zu lassen. Vielmehr sei anzunehmen, 

dass sie eingestiegen sei, da sie ein Interesse am Beschuldigten gehabt habe 

(Urk. 53 Rz 98 S. 44). Indessen ist unklar, weshalb sie ein (mutmasslich sexuel-

les) Interesse an einem Mann hätte haben sollen, den sie nicht kannte, vor weni-

gen Sekunden getroffen hatte und – da er in einem Auto sass – wohl kaum richtig 

in Augenschein nehmen konnte. Es ist viel plausibler, dass sie – müde und unter 

Alkoholeinfluss eventuell etwas sorglos – einstieg, um sich die letzten Meter 

chauffieren zu lassen. Allenfalls schätzte sie den Weg zum Hotel falsch ein. Der 

Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen tut dies keinen Abbruch.

7.5. Weiter bringt die Verteidigung vor, es spreche gegen erzwungenen Ge-

schlechtsverkehr, dass der Beschuldigte die Privatklägerin nach ihrer Handynum-

mer gefragt und ihr seine Nummer angeboten habe (Urk. 53 Rz 103 S. 46; 

Urk. 93 Rz 54 f. S. 27). Dies mag auf den ersten Blick in der Tat seltsam anmu-

ten. Doch einerseits ist diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass sich Menschen 

nicht immer so verhalten, wie es ein Gericht als rational ansehen würde. Anderer-

seits ist es nicht ungewöhnlich, dass der Täter nach einer Vergewaltigung – aus 

welchen Gründen auch immer – nach der Tat Kontakt zum Opfer sucht (GOEDELT 

KATJA, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung – Untersuchung der Strafverfah-

renswirklichkeit, Göttinger Studien zu den Kriminalwissenschaften Band 8, Univer-

sitätsverlag Göttingen 2010, S. 70 ff.). Nur beispielhaft zu erwähnen ist, dass dies 

z.B. beschwichtigend oder aber aus einer gewissen Selbstüberschätzung heraus 

geschehen kann.

7.6. Dass es nach dem Vorfall auf der Rückfahrt zwischen dem Beschuldigten 

und der Privatklägerin zu einem Gespräch (auch über Persönliches) gekommen 

sein mag, kompromittiert die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin – 

entgegen der Argumentation der amtlichen Verteidigung (Urk. 93 Rz 58 f. S. 29) – 

nicht. Auch wenn sie davon ausgehen konnte, dass vom Beschuldigten keine un-

-   18   -

mittelbare Gefahr mehr ausging, wäre es nachvollziehbar, wenn sie im Sinne ei-

ner vorauseilenden Beschwichtigung an einer Konversation teilgenommen hätte, 

welche im Beschuldigten die offensichtlich irrige Idee erzeugt haben könnte, sie 

könnte an einem weiteren Kontakt interessiert sein (vgl. vorstehend E. 7.5). Wes-

halb ein solches Gespräch jedoch quasi automatisch ungezwungen hätte sein sol-

len, wie die Verteidigung mutmasst (Urk. 53 Rz 105 S. 47), erschliesst sich nicht.

Unter diesem Aspekt kann entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 53 Rz 101 

S. 46) auch nichts daraus geschlossen werden, wie schnell oder eben verzögert 

die Privatklägerin aus dem Auto des Beschuldigten stieg.

Wenn der Beschuldigte das Gespräch mit der Privatklägerin über deren Partner 

und Kinder anlässlich der polizeilichen Einvernahme und vor Kenntnis der Aussa-

gen der Privatklägerin schilderte und dabei angab, das Gespräch habe nach dem 

Geschlechtsverkehr auf der Rückfahrt zum Hotel stattgefunden (Urk. D1/9/1 

F/A 11 S. 3; Prot. II S. 24), die Privatklägerin jedoch aussagte, sie habe ihm auf 

dem Weg zum Kiesplatz von ihren Kindern erzählt (Urk. D1/20/2 F/A 11 S. 5), 

kann aus diesen Unklarheiten betreffend den genauen Gesprächsinhalt und -zeit-

punkt nicht pauschal auf eine fehlende Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privat-

klägerin geschlossen werden. 

7.7. Gänzlich abwegig ist das Argument der Verteidigung, der Beschuldigte 

habe gewusst, dass die Privatklägerin E-Zigaretten rauche, was er nicht hätte wis-

sen können, wenn er sie nicht hätte rauchen sehen, wie er dies auch ausgesagt 

hatte. So wie die Privatklägerin den Sachverhalt schildere, bliebe allerdings kein 

Raum dafür, dass sie eine E-Zigarette geraucht hätte (Urk. 53 Rz 107 f. S. 48):

Selbst aufgrund der Aussage des Beschuldigten, auf die sich die Verteidigung 

stützt (Urk. D1/9/1 F/A 11 S. 3), bliebe nach dem Aussteigen kurz vor dem Vorfall 

kaum Raum für das Rauchen einer E-Zigarette, da alles sehr schnell von statten 

gegangen sei. Unerfindlich ist, wie sich daraus eine Unstimmigkeit in den Aussa-

gen der Privatklägerin ergeben soll. Im Übrigen hätte der Beschuldigte problemlos 

auf andere als die von ihm geschilderte Weise vom E-Zigaretten-Konsum der Pri-

vatklägerin erfahren können. Beispielsweise hätte dies im Gespräch im Auto er-

-   19   -

wähnt worden sein können, der Beschuldigte hätte bei der Privatklägerin eine E-

Zigarette gesehen haben können (vgl. Prot. I S. 42) oder er hätte aufgrund des 

von ihm mehrfach erwähnten, angeblich sehr penetranten Geruchs der Privatklä-

gerin darauf schliessen können.

7.8. Dem weiteren Vorbringen der Verteidigung, die Privatklägerin habe wider-

sprüchlich ausgesagt, indem sie einerseits schilderte, der Beschuldigte sei ihr ag-

gressiv vorgekommen und andererseits vorbrachte, er habe die Situation ganz 

lustig gefunden und die ganze Zeit gelacht (Urk. 93 Rz 28 S. 14), kann hinsichtlich 

des Kernsachverhalts ebenfalls weder etwas zugunsten der Version des Beschul-

digten noch der Privatklägerin entnommen werden. Insbesondere steht ein ag-

gressives Verhalten nicht im Widerspruch dazu, dass ein Gewalttäter seine Über-

legenheit geniesst und die Situation teils lustig findet.

7.9. Hinsichtlich des Kerngeschehens gab die Privatklägerin in der polizeili-

chen Einvernahme an, der Beschuldigte sei mit seinem Penis und den Fingern si-

cher vaginal in sie eingedrungen. Vom Gefühl her sei es mit dem Penis auch anal 

gewesen. Sie sei sich nicht mehr sicher, aber sie hätte gesagt, er sei zuerst mit 

dem Penis vaginal eingedrungen (Urk. D1/10/1 F/A 97-102 S. 14 f., F/A 136 f. 

S. 18). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme führte sie aus, der Beschul-

digte sei zuerst mit seinem Penis eingedrungen und dann auch mit seinen Fin-

gern. Zuerst sei er vaginal in sie eingedrungen, mit dem Penis ganz sicher vagi-

nal. Anal sei er auch eingedrungen, aber sie wisse nicht mehr, ob mit dem Penis 

oder mit den Fingern (Urk. D1/10/2 F/A 50-52 S. 11). Auf Nachfrage gab sie an, 

sie vermute, er sei mit beidem – Penis und Finger – anal in sie eingedrungen 

(Urk. D1/10/2 F/A 85 f. S. 14). Am Schluss sei er vaginal mit den Fingern in sie 

eingedrungen (Urk. D1/10/2 F/A 69 S. 13). Der Beschuldigte habe sicher zweimal 

zwischen vaginal und anal abgewechselt. Zuerst sei er vaginal mit dem Penis ein-

gedrungen, dann habe er es anal, wieder vaginal und nochmals anal probiert. Mit 

den Fingern sei er ebenfalls vaginal und anal eingedrungen. Vaginal sei es für ihn 

einfacher gewesen einzudringen als anal, aber er habe es schon geschafft 

(Urk. D1/10/2 F/A 94-97 S. 15 f.). Gemäss ihren Aussagen anlässlich der vorin-

stanzlichen Hauptverhandlung sei der Beschuldigte vaginal mit seinem Glied und 

-   20   -

seinen Fingern eingedrungen und habe schnelle Bewegungen gemacht. Auch 

anal sei er in sie eingedrungen, das sei einfach schlimm gewesen (Prot. I S. 15). 

Während die Privatklägerin zu Beginn etwas unsicher war, ob der Beschuldigte 

auch anal in sie eindrang, schien sie sich diesbezüglich in der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung sicher zu sein. Jedoch wusste sie bei der Staatsanwaltschaft 

im Gegensatz zur ersten Einvernahme nicht mehr, ob der Beschuldigte mit dem 

Penis oder den Fingern anal in sie eindrang. Anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung sprach sie allgemein von einem analen Eindringen. Die Privat-

klägerin hat ihre Unsicherheit betreffend das anale Eindringen jedoch von Beginn 

an offen kommuniziert, weshalb diese unterschiedlichen Angaben nicht per se ge-

gen ihre Glaubhaftigkeit sprechen.

7.10. Nach körperlichen Verletzungen gefragt, gab die Privatklägerin anlässlich 

der polizeilichen Einvernahme drei Tage nach dem Vorfall an, sie habe keine Ver-

letzungen erlitten, sie habe einfach eine Beule am Kopf und das Schienbein 

schmerze (Urk. D1/10/1 F/A 129 S. 17). Auf dieselbe Frage in der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme rund ein Jahr später führte sie aus, sie habe im Spital 

Schmerzen im Unterleib verspürt. Sie habe ihre Unterhose dort lassen müssen, 

diese sei voller Blut gewesen (Urk. D1/10/2 F/A 160 S. 22). Die Unterhose der Pri-

vatklägerin wurde anlässlich der körperlichen Untersuchung sichergestellt, jedoch 

wird im Spurenbericht des Forensischen Instituts Zürich nicht erwähnt, dass diese 

voller Blut gewesen sei (Urk. D1/13/1 S. 2). Die Vertreterin der Privatklägerin 

führte diesbezüglich anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung auf ent-

sprechende Einwände der amtlichen Verteidigung im Widerspruch zur Aussage 

der Privatklägerin aus, die Privatklägerin habe sich zuvor im Hotel umgezogen, 

weshalb davon ausgegangen werden könne, dass sie auch die schmutzige Unter-

hose ausgezogen habe und es in der Folge versäumt worden sei, diese sicherzu-

stellen (Prot. I S. 42). Die Privatklägerin selbst brachte allerdings nie vor, sich vor 

der Untersuchung im Hotel umgezogen zu haben. Selbst wenn dies der Fall ge-

wesen wäre, erschliesst sich nicht, weshalb die blutige Unterhose nicht zur Unter-

suchung mitgebracht wurde, würde eine solche doch offensichtlich ein wesentli-

ches Beweismittel darstellen.

-   21   -

In der körperlichen Untersuchung durch das Institut für Rechtsmedizin, welche nur 

wenige Stunden nach dem Geschlechtsverkehr stattfand, konnten im Genital- und 

Analbereich der Privatklägerin keine Verletzungen und keine auffälligen Sekretan-

tragungen festgestellt werden, welche auf eine zurückliegende sexuelle Handlung 

hindeuten würden. Allerdings müssten bei Frauen im geschlechtsfähigen Alter 

selbst durch eine erzwungene Penetration mit dem Penis oder Finger nicht zwin-

gend Schleimhautverletzungen auftreten, weshalb etwaig stattgefundene sexuelle 

Handlungen im geltend gemachten Ereigniszeitraum aus rechtsmedizinischer 

Sicht weder belegt noch ausgeschlossen werden könnten (Urk. D1/12/2 S. 3 f.). 

Obwohl das Fehlen von Verletzungen im Genital- und Analbereich somit nicht ge-

gen eine Vergewaltigung spricht, hätte bei der von der Privatklägerin geschilder-

ten blutgetränkten Unterhose erhebliche Gewalt aufgewendet werden müssen, 

welche wiederum zu feststellbaren Verletzungen hätte führen müssen. Die Privat-

klägerin führte zwar aus, der Beschuldigte sei sehr grob gewesen und habe ihr 

Schmerzen bereitet (Urk. D1/10/1 F/A 21 S. 5; Urk. D1/10/2 F/A 11 S. 5 f., F/A 56 

f. S. 11 f., F/A 88 S. 14 f.; Prot. I S. 14), sie schilderte jedoch während des gesam-

ten Verfahrens keine derart rohe Gewaltanwendung des Beschuldigten während 

des Geschlechtsverkehrs und gab auch an, an diesem Tag ihre Periode nicht ge-

habt zu haben (Urk. D1/10/2 F/A 161 S. 22). In den Aussagen der Privatklägerin 

betreffend das Vorliegen von Verletzungen nach dem Geschlechtsverkehr beste-

hen somit erhebliche Abweichungen, welche auch zu den vorhandenen objektiven 

Beweismitteln – insbesondere dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung des 

rechtsmedizinischen Instituts – im Widerspruch stehen.

8. Aussagen Dritter

8.1. Die Zeugen D._____, E._____ und F._____ sind keine Tatzeugen. Ihre 

Aussagen zum Geschehen vor und vor allem nach dem eingeklagten Vorfall sind 

aber wichtig für die Plausibilisierung der Aussagen der Privatklägerin, können sie 

doch Auskunft über die unmittelbaren Tatfolgen und den Zustand der Privatkläge-

rin geben.

8.2. Auch hinsichtlich der Würdigung der Aussagen Dritter kann auf die vorin-

stanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 75 E. II.2.3.9. S. 16 f.). Die ent-

-   22   -

sprechenden Schilderungen weisen durchwegs einen gewissen Grad an Detail-

liertheit auf und sind zwanglos nachvollziehbar. Sie sind in sich sowie zusammen 

mit den Aussagen der anderen Zeugen konsistent. Zudem wurden sie jeweils aus 

der Perspektive der aussagenden Person geschildert und wirken nicht abgespro-

chen (z.B. Urk. D1/11/1 F/A 25-36 S. 5 f., Urk. D1/11/2 F/A 14-32 S. 3-7 und 

Urk. D1/11/4 F/A 21-46 S. 4-7). Ferner sind die Aussagen differenziert und schei-

nen nicht darauf bedacht, den Vorfall zu dramatisieren und/oder die Position der 

Privatklägerin unbedingt stützen zu wollen. So sagte die Zeugin D._____, das 

Dirndl der Privatklägerin sei noch ganz gewesen. An der Kleidung habe man 

nichts gesehen (Urk. D1/11/1 F/A 35 S. 6). Detailliert und eindrücklich ist die Aus-

sage des Zeugen E._____, der auch unumwunden zugab, sich an gewisse Dinge 

nicht zu erinnern und offen zugab, wenn er nur spekulierte (Urk. D1/11/2 F/A 24-

33 S. 4-6). Differenziert und selbstkritisch sagte schliesslich auch der Zeuge 

F._____ aus, wenn er z.B. deponierte, er bereue heute sein damaliges Verhalten. 

Er gab auch zu, dass er nicht mehr genau wisse, wie die Kleider der Privatkläge-

rin ausgesehen hätten (z.B. Urk. D1/11/4 F/A 38 S. 6 und F/A 45 S. 7). Schliess-

lich schien der Zeuge F._____ auch sehr viel mehr mit sich selber als dem 

Schicksal seiner Partnerin beschäftigt zu sein, wenn er mehrfach beklagte, dass 

er wütend gewesen sei, weil er das jetzt schon zum dritten Mal erlebe, oder wenn 

er äusserte, er habe nicht gedacht, dass ihm das schon wieder passiere 

(Urk. D1/11/4 F/A 35-39 S. 5 f. und F/A 49 und 51 S. 7). Er sagte mithin nicht kri-

tiklos zugunsten der Privatklägerin aus, sondern gab auch zu, dass er das Ge-

schehen anfänglich nicht habe ernst nehmen können (trotz der offenkundig auch 

nach seinen eigenen Angaben weinenden und aufgelösten Privatklägerin; 

Urk. D1/11/4 F/A 46 S. 7). Er habe es nicht wahr haben können (Urk. D1/11/4 

F/A 38 S. 6 und F/A 49 S. 7).

8.3. Sodann berichteten alle drei Zeugen übereinstimmend, dass sich die Pri-

vatklägerin psychisch in einem schlimmen Zustand befunden habe, auf dem Bo-

den gelegen habe bzw. auf den Boden zusammengebrochen sei und geweint 

habe. Diesbezüglich brauchen die vorinstanzlichen Erwägungen nicht wiederholt 

zu werden (Urk. 75 E. II.2.3.9. S. 16 f.). Die Aussagen der Zeugen sind als grund-

-   23   -

sätzlich und gesamthaft betrachtet zuverlässig in die Gesamtwürdigung einzube-

ziehen.

9. Gesamtwürdigung der Beweismittel hinsichtlich des Vorwurfs der Verge-

waltigung

9.1. Anhand der Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin sowie 

des Kurzberichts des Forensischen Instituts Zürich ist erstellt und unbestritten, 

dass es zwischen den beiden am frühen Morgen des 27. September 2020 auf 

dem Kiesplatz im G._____ in H._____ zum Geschlechtsverkehr kam. Betreffend 

die Umstände des Geschlechtsverkehrs liegen als Beweismittel einzig die Aussa-

gen des Beschuldigten und der Privatklägerin vor. 

9.2. Das Gesamtbild der Motivlagen der Aussagenden ergibt, dass insbeson-

dere eine falsche Anschuldigung eines Unbekannten seitens der Privatklägerin 

sinnlos wäre. Ein Verschleiern eines möglichen Fehlverhaltens der Privatklägerin 

ist im konkreten Kontext ebenso nicht im Ansatz nachvollziehbar. Auch andere 

Faktoren, die zu einer allenfalls unbewussten Falschaussage führen könnten, lie-

gen nicht vor. Wie erwähnt, gibt es keinerlei Anzeichen einer Wahrnehmungsver-

fälschung infolge Alkohols und Antidepressiva oder eines wahnhaften Erlebens. 

Die wenig glaubhaften Aussagen des Beschuldigten vermögen diese Einschät-

zung nicht umzustossen.

9.3. Der von der Privatklägerin geschilderte Schockzustand lässt sich sinnvoll 

und nachvollziehbar in das Geschehen einbetten. Ob es sich dabei um ein Free-

zing im wissenschaftlichen Sinne handelt, kann letztlich offenbleiben. Für das 

Kerngeschehen ebenfalls nicht von entscheindender Relevanz sind das erneute 

Einsteigen der Privatklägerin in das Auto des Beschuldigten nach vollzogenem 

Geschlechtsverkehr, das (persönliche) Gespräch im Auto sowie das anschlies-

sende Angebot der Handynummer seitens des Beschuldigten. Diese von der amt-

lichen Verteidigung vorgebrachten Argumente sprechen weder für noch gegen 

den von der Privatklägerin geschilderten Sachverhalt.

-   24   -

9.4. Betreffend das Kerngeschehen bestehen hinsichtlich des analen Eindrin-

gens des Beschuldigten mit den Fingern und/oder dem Penis sowie der Reihen-

folge der vaginalen und analen Eindringen aufgrund der widersprüchlichen Aussa-

gen der Privatklägerin Unsicherheiten. DNA-Spuren des Beschuldigten konnten 

lediglich im Vaginalabstrich, nicht jedoch im Analabstrich festgestellt werden, wo-

bei der vaginale Geschlechtsverkehr vom Beschuldigten auch nicht bestritten 

wurde. Ein anales Eindringen mit Fingern und/oder Penis lässt sich somit nicht 

rechtsgenügend erstellen. 

9.5. Ausschlaggebend ist schliesslich, dass die Aussagen der Privatklägerin 

betreffend die Schmerzen und Verletzungen aufgrund des Geschlechtsverkehrs 

unterschiedlich ausfallen und in einem evidenten Widerspruch zur objektiven Be-

weislage stehen. Zwar überzeugen auch die ungereimten Schilderungen des Be-

schuldigten keineswegs, jedoch liegt es nicht an ihm, eine plausible Erklärung für 

die Geschehnisse zu liefern. Vielmehr muss der Anklagesachverhalt anhand der 

vorliegenden Beweismittel erstellt werden können. Die Aussagen der Privatkläge-

rin sind zwar nicht per se unglaubhaft, jedoch in den für das Kerngeschehen we-

sentlichen Punkten nicht gleichbleibend und damit widersprüchlich und werden 

auch von den objektiven Beweismitteln nicht gestützt. Es kann daher betreffend 

den Kernsachverhalt nicht auf ihre Aussagen abgestellt werden. Der Beschuldigte 

ist somit gestützt auf den Grundsatz in dubio pro reo vom Vorwurf der Vergewalti-

gung im Sinne von Art. 190 StGB freizusprechen.

B. Vorwurf der harten Pornografie gemäss Dossier 3

1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, drei Videos mit harter Pornografie 

und ein Video einer Gewaltdarstellung besessen zu haben, welche er teilweise 

auch weiter verbreitet habe.

2. Vorab ist der äussere Sachverhalt gemäss Anklage unbestritten und kann 

unter Hinweis auf den Standpunkt der Verteidigung und die Erwägungen der Vor-

instanz als erstellt erachtet werden (Urk. 53 Rz 111 S. 49; Urk. 93 Rz 70-78 

S. 33-36; Urk. 75 E. II.3.2. S. 19). 

-   25   -

3. Hinsichtlich dessen, was der Beschuldigte wusste oder in Kauf nahm, 

kann der Vorinstanz indes nur teilweise gefolgt werden. Unbestritten ist, dass der 

Beschuldigte zwei der eingeklagten Gewalt-Videos weiterleitete. Das lässt bereits 

den Schluss zu, dass er deren Inhalt kannte – dies umso mehr, als er selber das 

eine Video mit dem Worten "Qishty cakatem koqet si kosa" kommentierte, was in 

der Untersuchung mit "So klopfen sich die Eier wie Joghurt" (Urk. D3/3 S. 4) bzw. 

an der Berufungsverhandlung mit "So werden die Hoden wie zu einem Jogurt" 

(Prot. II S. 20) übersetzt wurde. Wie die Vorinstanz richtig erwägt, lässt dies klar 

auf Kenntnis des Inhalts schliessen. Es ist nicht naheliegend und überzeugend, 

dass – wie der Beschuldigte vorbringt (Prot. II S. 20 f.) – jemand anderes diesen 

Kommentar von seinem Mobiltelefon aus geschrieben hat. Insofern ist der innere 

Sachverhalt bezüglich der weitergeleiteten Videos erstellt, sofern das Weiterleiten 

eingeklagt wird. Das betrifft die Anklagevorwürfe gemäss Anklage S. 7 f.

4.1. Anders verhält es sich mit den nicht weitergeleiteten Nachrichten gemäss 

Anklage Seite 9 f. Wenn der Beschuldigte sinngemäss geltend macht, es könne 

im Gruppen-Chat .eine Flut von Nachrichten geben und er könne über 100 Sa-

chen erhalten (Urk. D1/9/3 F/A 61 S. 9; Prot. II S. 19), so kann ihm das nicht wi-

derlegt werden. Im Gegenteil ist das sehr gut möglich und damit plausibel. Inso-

fern ist auch durchaus realistisch, dass der Beschuldigte nicht von jeder einzelnen 

Nachricht Kenntnis haben musste.

4.2. Die Vorinstanz argumentiert dagegen, der Beschuldigte habe bei der so-

eben (sinngemäss) wiedergegebenen Aussage noch gar nicht wissen können, 

dass die ihm vorgehaltenen Videos im Zusammenhang mit der von ihm angespro-

chenen WhatsApp-Gruppe stehen würden (Urk. 75 E. II.3.2.2. S. 19). Nicht nach-

vollziehbar ist indessen, wie die Vorinstanz daraus auf die Kenntnis des Beschul-

digten über den Inhalt der Nachrichten schliessen will. Ihre Schlussfolgerung wäre 

nur dann richtig, wenn man bereits die Kenntnis des Beschuldigten über die Vi-

deos unterstellen würde, denn dann wüsste er, auf welchem Wege er sie erhalten 

hat. Diese Kenntnis ist jedoch erst zu erstellen und kann daher nicht die Prämisse 

der Erwägungen sein.

-   26   -

Wenn man abwegige Videos zugeschickt bekommt (damit wurde der Beschul-

digte bekanntlich konfrontiert), von denen man gemäss Sachverhaltsvariante des 

Beschuldigten keine Kenntnis hat, so ist es naheliegend, dass man sie über dieje-

nige Plattform bekommt, in der man mit einer Flut von Nachrichten eingedeckt 

wird, was vorliegend offenbar der Gruppen-Chat ist. Die Aussage des Beschuldig-

ten ist somit auch und gerade in der Annahme, dass seine Aussagen stimmen, 

schlüssig und nachvollziehbar. 

Völlig unklar ist, wie die Vorinstanz darauf kommt, dass ihre Schlussfolgerung 

(wenn sie denn richtig wäre), auch für das letzte Video gelten sollte. Eine Begrün-

dung fehlt (Urk. 75 E. II.3.2. S. 20).

Der Sachverhalt lässt sich damit in dieser Hinsicht nicht erstellen, weshalb der 

Beschuldigte bezüglich der Vorwürfe der harten Pornografie und der Gewaltdar-

stellung gemäss Anklage S. 9 f. freizusprechen ist.

4.3. Ergänzend ist anzumerken, dass selbst bei Kenntnis der Videos der Vor-

wurf nicht stichhaltig ist, er habe das Material behalten und konsumieren wollen, 

da er sämtliche sich auf seinem alten iPhone befindenden Daten auf sein neues 

iPhone übertragen habe, wie ihm das die Anklage vorwirft. Der Datentransfer von 

einem alten auf ein neues iPhone ist ein fast vollständig automatisierter Prozess, 

der das Einrichten eines neu erworbenen Gerätes erleichtern soll und von den 

beiden iPhones weitgehend selbständig ausgeführt wird. Dabei wäre es völlig nor-

mal, wenn zehntausende von Dateien übertragen werden. Einerseits ist dabei das 

Aussortieren einzelner Dateien nicht vorgesehen. Andererseits ist es fern ab der 

Realität zu erwarten, ein Benutzer mache sich beim Übertrag von Abertausenden 

von Dateien über jede einzelne Gedanken, ob er sie behalten und vielleicht ir-

gendwann mal "konsumieren" wolle. Selbst wenn er vom Inhalt der Videos Kennt-

nis gehabt hätte, was keinesfalls feststeht oder auch nur wahrscheinlich ist, ist die 

naheliegendste Sachverhaltsvariante, dass er die in einer Flut von Nachrichten er-

haltenen Videos beim Datentransfer auf sein neues iPhone schlicht vergessen 

hat.

-   27   -

Zurecht bringt sodann die Verteidigung vor, dass die Admin-Funktion des Be-

schuldigten nichts darüber aussagt, wie aktiv und/oder aufmerksam der Beschul-

digte hinsichtlich des Gruppen-Chats war (Urk. 53 Rz 118 S. 52).

5. Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass der Beschuldigte zwei 

Gewaltvideos an Dritte weiterleitete, nicht aber das Video kinderpornografischer 

Natur, wie dies die Vorinstanz entgegen der Anklage erwog (Urk. 75 E. VII. S. 28).

V. Rechtliche Würdigung

1. Die rechtliche Würdigung der erstellten Sachverhalte hat die Vorinstanz 

mit den nachstehenden Korrekturen richtig vorgenommen. Darauf kann verwiesen 

werden (Urk. 75 E. III. S.  22). Die Verteidigung bringt diesbezüglich nichts vor, 

sondern konzentriert sich selbst bei ihren rechtlichen Vorbringen darauf, was der 

Beschuldigte wusste (Urk. 53 Rz 122 f. S. 53 f.; Urk. 93 Rz 77 f. S. 35 f.).

2. Zu präzisieren ist, dass die Gewaltdarstellung im Sinne von Art. 135 

Abs. 1 StGB diejenige im Sinne von Art. 135 Abs. 1bis StGB konsumiert. Nachdem 

jedoch der Sachverhalt gemäss Anklage S. 9 f. betreffend das letzte Video nicht 

erstellt werden kann, entfällt damit der Schuldspruch gestützt auf Abs. 1bis von 

Art. 135 StGB. Ferner geht im Verhältnis zu Art. 135 StGB Art. 197 Abs. 4 StGB 

als lex specialis bei gewalttätiger Pornografie vor (BSK StGB-ISENRING/KESSLER, 

Basler Kommentar, Strafrecht und Jugendstrafrecht, 4. Auflage 2019, Art. 197 

N 72). Da der Beschuldigte wegen harter Pornografie aufgrund von Gewaltdar-

stellungen zu verurteilen ist, entfällt auch ein Schuldspruch wegen Gewaltdarstel-

lung nach Art. 135 Abs. 1 StGB.

3. Dementsprechend ist der Beschuldigte der mehrfachen harten Pornogra-

fie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 StGB schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf 

der harten Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 StGB und der Gewalt-

darstellung im Sinne von Art. 135 Abs. 1 und Abs. 1bis StGB gemäss S. 9 f. der 

Anklage ist der Beschuldigte freizusprechen.

-   28   -

VI. Strafzumessung

1.1. Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung müs-

sen nicht wiederholt werden (Urk. 75 E. IV.1.). Ebenfalls nicht zu beanstanden ist, 

dass für die Pornografie eine Geldstrafe ausgesprochen wurde. Entsprechend ist 

auch vorliegend zu verfahren, zumal bereits aufgrund des Verschlechterungsver-

bots keine Freiheitsstrafe in Frage kommt. 

1.2. Zu berücksichtigen ist, dass der Beschuldigte mit Strafbefehl der Staats-

anwaltschaft des Kantons Schaffhausen, Verkehrsabteilung, vom 25. April 2023 

wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne des SVG nebst einer 

Busse zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 90.– verurteilt wurde 

(Urk. 88). Es stellt sich somit die Frage, ob eine Zusatzstrafe zum genannten 

Strafbefehl auszusprechen ist.

Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor er we-

gen einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der 

Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Hand-

lungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Demnach soll 

eine hypothetische Gesamtstrafe bestimmt und eine Zusatzstrafe zur Grundstrafe 

ausgefällt werden. Die Regel dient damit der möglichst weitgehenden Gleichstel-

lung mit Art. 49 Abs. 1 StGB, wonach alle gleichartigen Strafen asperiert werden 

und die beschuldigte Person zu einer Gesamtstrafe verurteilt werden soll (BSK 

StGB-ACKERMANN, a.a.O., Art. 49 N 134).

Was die Berufung angeht, muss nach bundesgerichtlicher Praxis das mit Art. 49 

StGB befasste Gericht bloss fragen, ob die im zweiten Verfahren (vorliegend im 

Schaffhauser Verfahren) zu beurteilende Straftat vor dem erstinstanzlichen Urteil 

im vorliegenden Verfahren begangen wurde. Auf das Datum des erstinstanzlichen 

Urteils ist auch abzustellen, wenn dieses später im Rechtsmittelverfahren refor-

miert wird. Nach der ratio legis soll nur derjenige in den Genuss der in der Regel 

vorteilhaften Zusatzstrafe kommen, bei dem das erstinstanzliche Gericht die meh-

reren Straftaten gleichzeitig hätte aburteilen können, nicht aber derjenige, der er-

neut delinquiert, nachdem er wegen anderer Delikte erstinstanzlich verurteilt und 

-   29   -

mithin eindringlich gewarnt worden ist (BGE 138 IV 113 E. 3.4.3, BSK StGB-

ACKERMANN, a.a.O., Art. 49 N 148).

Vorliegend wurde das erstinstanzliche Urteil am 20. September 2022 gefällt und 

gleichentags eröffnet (Prot. I S. 5 ff. und S. 46). Die im Schaffhauser Verfahren 

abgeurteilte Tat beging der Beschuldigte erst später, nämlich am 16. Februar 

2023 (Urk. 88). Diese konnte daher nicht in das erstinstanzliche Urteil einbezogen 

werden. Vielmehr entfaltete das Urteil des erstinstanzlichen Gerichts keine ausrei-

chende Warnwirkung, weshalb der Beschuldigte gemäss bundesgerichtlicher Pra-

xis nicht von einer Gesamtstrafenbildung profitieren soll. Damit ist keine Zusatz-

strafe, sondern eine eigenständige Strafe auszufällen.

2.1. Die beiden Fälle der harten Pornografie, in denen ein Schuldspruch zu er-

gehen hat, wurden nach Januar 2018 begangen, damit lag die maximale Höhe ei-

ner Geldstrafe bei 180 Tagessätzen. 

2.2. Damit ist konkret von einem Strafrahmen von Geldstrafe oder Freiheits-

strafe bis zu 3 Jahren auszugehen, wobei – wie erwähnt – eine Geldstrafe auszu-

sprechen ist. Hier liegt der Strafrahmen bei 3 bis 180 Tagessätzen. Der Tatsache 

der mehrfachen Tatbegehung, die einen Strafschärfungsgrund darstellt, ist inner-

halb dieses Strafrahmens straferhöhend Rechnung zu tragen.

2.3. Vorliegend handelt es sich um zwei Videos, welche dem Beschuldigten 

ohne sein Zutun zugeschickt wurden. Er hat deren Erstellung nicht veranlasst und 

nicht nach entsprechendem Material gesucht. Wie die Vorinstanz festhält, sind im 

Rahmen verbotener Pornografie deutlich üblere Videos denkbar. Die eigentliche 

Tathandlung, das Weitersenden, war nur ein kurzer Klick. Das Verschulden ist als 

sehr leicht zu werten.

2.4. In subjektiver Hinsicht dürften nicht Freude und Lust am Leiden anderer 

der Hintergrund der Taten sein. Vielmehr dürfte eine gewisse Gedankenlosigkeit 

und allenfalls Neugierde im Vordergrund gestanden haben (Urk. 75 E. IV.3.2.). 

Das Verschulden wiegt auch diesbezüglich sehr leicht. Die Einsatzstrafe ist bei 60 

Tagessätzen festzulegen.

-   30   -

3.1. Hinsichtlich der Täterkomponente ist vom Beschuldigten aufgrund seiner 

eigenen Angaben bekannt, dass er im Kosovo geboren wurde und vier Geschwis-

ter, zwei Brüder und zwei Schwestern, hat. Er ist bei seinen Eltern aufgewachsen. 

Sein Vater ist jedoch inzwischen verstorben. Er lebte bis zu seinem 24. Lebens-

jahr im Kosovo und durchlief dort die Grund- und Mittelschule und studierte 

schliesslich an der Universität, wobei er das Studium wegen seiner Einreise in die 

Schweiz nicht abschloss. In die Schweiz zog er im Dezember 2015 zwecks Hei-

rat. Er besuchte einen Deutschkurs und nach Erhalt der B-Bewilligung begann er 

ab Oktober 2016 zu arbeiten. Am tt.mm.2019 wurde seine Tochter geboren 

(Urk. D1/9/1 F/A 19-21 S. 4 f., Urk. D1/9/3 F/A 149 S. 28; Urk. D1/26/4; Prot. II 

S. 8-10).

3.2. Der Beschuldigte verdient als Angestellter sowie aus seiner selbständigen 

Erwerbstätigkeit insgesamt Fr. 6'000.– bis Fr. 7'000.– netto monatlich, wobei die 

Miete für die Werkstatt und die Garage von Fr. 1'300.– und Fr. 135.– zu berück-

sichtigen sind. Seine Frau arbeitet seit 1. Mai 2024 in einem 80 %-Pensum und 

verdient ca. Fr. 4'000.– brutto bzw. ca. Fr. 3'000.– netto pro Monat. Über Vermö-

gen verfügt er gemäss eigenen Angaben nicht und ist auch nicht verschuldet 

(Urk. D1/9/3 F/A 138 ff. S. 27 f.; Prot. I S. 7; Prot. II S. 10 f.). 

3.3. Die persönlichen Verhältnisse wirken sich auf die Strafzumessung nicht 

aus.

4. Die Berechnung der Tagessatzhöhe von Fr. 90.– durch die Vorinstanz 

gibt zu keinen Bemerkungen Anlass und wurde auch von der Verteidigung nicht 

beanstandet (Urk. 75 E. IV.3.4.; Urk. 93 Rz 79 S. 36).

5. Der Beschuldigte ist zusammenfassend mit 60 Tagessätzen Geldstrafe 
zu Fr. 90.– zu bestrafen.

6. Die erstandene Haft von 56 Tagen ist im Sinne von Art. 51 StGB an die 

Geldstrafe anzurechnen.

-   31   -

VII. Vollzug

Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zum Vollzug müssen nicht wieder-

holt werden (Urk. 75 E. V.1.). Der Beschuldigte ist Ersttäter (Urk. 26/1+6). Hin-

weise, die die Vermutung einer guten Legalprognose umstossen könnten, liegen 

keine vor. Damit ist ihm der bedingte Strafvollzug unter Ansetzung der gesetzlich 

minimalen Probezeit von zwei Jahren zu gewähren.

VIII. Landesverweisung / Tätigkeitsverbot / DNA-Profil

Aufgrund des Freispruchs des Beschuldigten vom Vorwurf der Vergewaltigung 

bleibt nunmehr kein Raum für die Anordnung einer Landesverweisung und eines 

Tätigkeitsverbots sowie die Erstellung eines DNA-Profils.

IX. Einziehung

Die Vorinstanz hat die theoretischen Voraussetzungen einer Einziehung korrekt 

wiedergegeben (Urk. 75 E. VIII.1.) Darauf kann verwiesen werden. Ergänzend ist 

festzuhalten, dass das Gericht die Einziehung eines Gegenstandes ohne Rück-

sicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person verfügt, wenn dieser Gegen-

stand durch eine Straftat hervorgebracht worden ist (Art. 69 Abs. 1 StGB). Bei 

Straftaten nach Art. 197 Abs. 4 StGB werden die einschlägigen Gegenstände ein-

gezogen (Art. 197 Abs. 6 StGB). Gemäss der polizeilichen Auswertung 

(Urk. D3/5/1) befanden sich die als harte Pornografie zu qualifizierenden Bildda-

teien auf dem iPhone 11. Unzutreffend ist indes die Erwägung der Vorinstanz, 

vom beschlagnahmten iPhone 11 aus seien verbotene Dateien verschickt worden 

(Urk. 75 E. VIII.2). Gemäss Anklage wurden die Dateien vom damaligen iPhone 8 

oder 10 des Beschuldigten weitergeschickt. Das mit Verfügung der Staatsanwalt-

schaft Winterthur/Unterland vom 22. März 2022 beschlagnahmte Mobiltelefon Ap-

ple iPhone 11 ist daher einzuziehen und der Lagerbehörde zur Vernichtung zu 

überlassen.

-   32   -

X. Zivilansprüche

Aufgrund des Freispruchs vom Vorwurf der Vergewaltigung entfällt im vorliegenden 

Adhäsionsverfahren die deliktsrechtliche Grundlage für die Zusprechung einer Ge-

nugtuung an die Privatklägerin gemäss Art. 49 OR. Ausserdem ist die Geltendma-

chung von weiteren zivilrechtlichen Anspruchsgrundlagen zu Gunsten der Privat-

klägerin aufgrund des eingeklagten Sachverhalts durchaus denkbar, weshalb die 

Privatklägerin mit ihren Zivilansprüchen auf den Weg des Zivilprozesses zu verwei-

sen ist. 

XI. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Erstinstanzliches Verfahren

1.1. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 9) gibt hinsichtlich der Höhe zu 

keinen Bemerkungen Anlass und ist zu bestätigen. 

1.2. Nachdem in zweiter Instanz lediglich noch der Schuldspruch wegen mehr-

facher harter Pornografie Bestand hat, rechtfertigt es sich, die Kosten der Unter-

suchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens nur zu einem Fünftel dem 

Beschuldigten aufzuerlegen, während sie zu vier Fünfteln auf die Gerichtskasse 

zu nehmen sind. 

1.3. Da die amtliche Verteidigung überwiegend und die unentgeltliche Vertre-

tung der Privatklägerin ausschliesslich aufgrund des Vergewaltigungsvorwurfs ge-

währt wurden, sind die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltli-

chen Vertretung der Privatklägerin für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren defi-

nitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

1.4. Da aufgrund der Vereinbarung mit der damaligen amtlichen Verteidigung 

der erbetene Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. X._____, an der Hauptverhand-

lung teilnahm und dieser im vorinstanzlichen Verfahren Bemühungen und Baraus-

lagen in Höhe von Fr. 16'641.50 (inkl. MwSt.) geltend machte, darin jedoch auch 

Aufwendungen betreffend den vorliegend erfolgten Schuldspruch der mehrfachen 

harten Pornografie enthalten sind, ist dem Beschuldigten für das erstinstanzliche 

-   33   -

Gerichtsverfahren eine reduzierte Entschädigung von Fr. 15'000.– für die Kosten 

der erbetenen Verteidigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen. Das Verrech-

nungsrecht des Staates ist jedoch vorzubehalten.

2. Zweitinstanzliches Verfahren

2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von 

Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. § 16 Abs. 1 sowie § 14 Abs. 1 GebV OG unter Be-

rücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeitauf-

wands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 3'600.– festzusetzen.

2.2. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens haben die Parteien nach 

Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). In-

wiefern eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt 

insbesondere davon ab, in welchem Ausmass ihre im Berufungsprozess gestell-

ten Anträge gutgeheissen werden (vgl. Urteil 6B_1344/2019 vom 11. März 2020, 

E. 2.2.).

Der Beschuldigte vermag sich in zweiter Instanz mit seinen Anträgen vollumfäng-

lich durchzusetzen. Es ist vor diesem Hintergrund von seinem vollumfänglichen 

Obsiegen auszugehen, in welchem Fall die Kosten des Berufungsverfahrens, ins-

besondere jene der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung 

der Privatklägerin, vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen sind.

2.3. Die amtliche Verteidigung macht für ihre Bemühungen und Barauslagen 

vor Berufungsgericht den Betrag von Fr. 7'728.25 (inkl. MwSt., Weg zum Ver-

handlungsort, Berufungsverhandlung und Nachbesprechung mit dem Klienten) 

geltend (Urk. 92). Der Aufwand ist ausgewiesen und das geltend gemachte 

Honorar steht im Einklang mit den Ansätzen der kantonalen Anwaltsgebührenver-

ordnung. Der amtliche Verteidiger ist somit mit insgesamt Fr. 7'728.25 (inkl. 

MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

2.4. Der von der Vertreterin der Privatklägerin geltend gemachte Aufwand von 

Fr. 1'011.90 (inkl. MwSt.) ist ebenfalls ausgewiesen und erweist sich als ange-

messen.

-   34   -

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ wird vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne 

von Art. 190 Abs. 1 StGB sowie vom Vorwurf der harten Pornographie im 

Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 StGB und der Gewaltdarstellung im Sinne 

von Art. 135 Abs. 1 und Abs. 1bis StGB gemäss S. 9 f. der Anklage freige-

sprochen.

2. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen harten Pornografie im Sinne 

von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 StGB.

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 

Fr. 90.–, wovon 56 Tagessätze als durch Untersuchungshaft geleistet gel-

ten.

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei 

Jahre festgesetzt.

5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

22. März 2022 beschlagnahmte Mobiltelefon Apple iPhone 11 wird eingezo-

gen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.

6. Die Privatklägerin wird mit ihren Zivilansprüchen auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen.

7. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 9) wird bestätigt.

8. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens 

werden dem Beschuldigten zu einem Fünftel auferlegt und zu vier Fünfteln 

auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

sowie der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin für das erstinstanzli-

che Gerichtsverfahren werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.

9. Dem Beschuldigten wird für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren eine re-

duzierte Entschädigung von Fr. 15'000.– für die Kosten der erbetenen Ver-

teidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.

-   35   -

Das Verrechnungsrecht des Staates bleibt vorbehalten.

10. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 7'728.25   amtliche Verteidigung

Fr. 1'011.90   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin. 

11. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen 

Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, werden 

auf die Gerichtskasse genommen.

12. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 
 die Vertreterin der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhanden der 

Privatklägerin 

(Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird 
der Privatklägerin nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach 
Erhalt des Dispositivs verlangt.)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 
 die Vertreterin der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhanden der 

Privatklägerin (sofern verlangt)
 das Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei, 3003 Bern

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

 die Vorinstanz;
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 

des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils;

 das Migrationsamt des Kantons Zürich,

-   36   -

 die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG);

 die Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage betr. Dispositiv-Ziffer 5;
 die Zentrale Inkassostelle der Gerichte.

13. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-
chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 17. Mai 2024

Die Präsidentin:

Oberrichterin lic. iur. Bertschi

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw Gitz