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**Case Identifier:** bb58d176-19fe-5816-af42-8756de8b98cb
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-10-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 24.10.2025 VKL.2024.27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VKL-2024-27_2025-10-24.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

3. Kammer 

 

VKL.2024.27 / sb / nl  
Art. 133 

 

 

Urteil vom 24. Oktober 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Gössi, Präsidentin  

Oberrichter Kathriner  

Oberrichterin Peterhans  

Gerichtsschreiber Berner  

 

 
   

Klägerin   A._____ 

vertreten durch lic. iur. Roger Zenari, Rechtsanwalt, 

Dornacherstrasse 10, Postfach, 4601 Olten 1 Fächer  

 

 
   

Beklagte   B._____  

 

 
 

Gegenstand  Klageverfahren betreffend VVG 

 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Klägerin war vom 1. Juni 2018 bis 30. Juni 2022 bei der C._____ AG 

mit heutigem Sitz in Z._____ als Assistentin angestellt und in dieser Eigen-

schaft bei der Beklagten kollektiv krankentaggeldversichert. Diese richtete 

der Klägerin aufgrund eines psychischen Leidens unter Berücksichtigung 

einer Wartefrist von 180 Tagen ab 16. Mai 2023 Krankentaggelder aus.  

 

2. 

2.1. 

Mit Klage vom 20. November 2024 stellte die Klägerin folgende Rechtsbe-

gehren: 

 

 "1. 
Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin Fr. 38'512.54 nebst Zins zu 
5 % ab 06.12.2022 zu bezahlen.  
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der Be-
klagten." 

 

2.2. 

Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 26. Februar 2025 im We-

sentlichen die Abweisung der Klage unter Kosten- und Entschädigungs-

folge zulasten der Klägerin. 

 

2.3. 

Mit Replik vom 24. März 2025, Duplik vom 15. April 2025 und Stellung-

nahme der Klägerin vom 25. April 2025 hielten die Parteien an ihren 

Rechtsbegehren fest.  

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 26. September 2025 wurden 

die Parteien darüber informiert, dass eine Verhandlung zur Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts für nicht notwendig erachtet werde und 

sie gebeten würden, mitzuteilen, ob sie auf die Durchführung einer Haupt-

verhandlung verzichteten. Mit Eingaben vom 10. und 22. Oktober 2025 teil-

ten die Parteien ihren Verzicht auf die Durchführung einer Hauptverhand-

lung mit. 

 

  

 - 3 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Klägerin fordert von der Beklagten für die Periode vom 29. Juni 2022 

bis 15. Mai 2023 die Zahlung von Taggeldern von insgesamt Fr. 38'512.54 

zuzüglich Verzugszinsen. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob und ge-

gebenenfalls welchen Anspruch auf Taggelder die Klägerin für die fragliche 

Periode hat.  

 

2. 

Die ehemalige Arbeitgeberin der Klägerin hat nach übereinstimmenden 

Parteivorbringen bei der Beklagten eine kollektive Krankentaggeldversi-

cherung nach VVG abgeschlossen (vgl. die Police vom 9. Juli 2020 in Kla-

geantwortbeilage [AB] 1). Unumstritten massgebend für die Beurteilung 

von Ansprüchen aus diesem Vertrag sind insbesondere die allgemeinen 

Versicherungsbedingungen (AVB) der Beklagten in ihrer Ausgabe vom 

1. Mai 2021 (Klagebeilage [KB] 2 und AB 2; vgl. zum Ganzen Klage, S. 2 f., 

und Klageantwort, Rz. 2 f.). 

 

3. 

3.1. 

Krankentaggeldversicherungen nach VVG werden in ständiger bundesge-

richtlicher Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen 

Krankenversicherung subsumiert (Urteile des Bundesgerichts 

4A_445/2016 vom 16. Februar 2017 E. 1 und 4A_680/2014 vom 29. April 

2015 E. 2.1). Streitigkeiten aus Krankentaggeldversicherungen nach VVG 

sind privatrechtlicher Natur. Das Verfahren richtet sich nach der ZPO (vgl. 

Art. 243 Abs. 2 lit. f i.V.m. Art. 7 ZPO sowie BGE 138 III 558 E. 3.2 

S. 560 f.). 

 

3.2. 

In Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversiche-

rung nach Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO hat das Gericht den Sachverhalt von 

Amtes wegen festzustellen (Art. 247 Abs. 2 ZPO). Es handelt sich dabei 

um die beschränkte beziehungsweise soziale Untersuchungsmaxime. 

Nach dem Willen des Gesetzgebers obliegt dem Gericht bei der sozialen 

Untersuchungsmaxime einzig eine verstärkte Fragepflicht. Wie im Rahmen 

der Verhandlungsmaxime, die im ordentlichen Verfahren anwendbar ist, 

haben die Parteien dem Gericht den Sachverhalt zu unterbreiten. Das Ge-

richt hilft ihnen lediglich durch sachgemässe Fragen, damit die notwendi-

gen Behauptungen aufgestellt und die dazugehörigen Beweismittel be-

zeichnet werden. Es stellt aber keine eigenen Ermittlungen an. Wenn die 

Parteien durch einen Anwalt vertreten sind, darf und soll sich das Gericht, 

wie im ordentlichen Verfahren, zurückhalten (BGE 141 III 569 E. 2.3.1 

S. 575). Das Gericht ist nicht verpflichtet, die Akten von sich aus zu 

 - 4 - 

 

 

durchforsten, um Beweismittel zugunsten einer Partei zu suchen (BGE 141 

III 569 E. 2.3.2 S. 576 mit Hinweisen). 

 

3.3. 

3.3.1. 

Gemäss Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derje-

nige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus 

ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend 

macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Be-

weislast für die rechtsaufhebenden beziehungsweise rechtsvernichtenden 

oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang 

des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit 

bestreitet (BGE 141 III 241 E. 3.1 S. 242 und 130 III 321 E. 3.1 S. 323).  

 

3.3.2. 

Nach dieser erwähnten Grundregel hat der Anspruchsberechtigte – in der 

Regel der Versicherungsnehmer, der versicherte Dritte oder der Begüns-

tigte – die Tatsachen zur "Begründung des Versicherungsanspruches" 

(Marginalie zu Art. 39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen 

eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den 

Umfang des Anspruchs. Den Versicherer trifft die Beweislast für Tatsachen, 

die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglichen Leistung be-

rechtigen (bspw. wegen schuldhafter Herbeiführung des befürchteten Er-

eignisses gemäss Art. 14 VVG). Anspruchsberechtigter und Versicherer 

haben im Streit um vertragliche Leistungen je ihr eigenes Beweisthema und 

hierfür je den Hauptbeweis zu erbringen (BGE 130 III 321 E. 3.1 S. 323). 

Diese Beweislastverteilung ändert sich nicht, wenn der Versicherer zu-

nächst Taggeldleistungen ausbezahlt hat (BGE 141 III 241 E. 3.1 S. 243). 

Im Falle der Beweislosigkeit trägt nicht die Versicherung, sondern die ver-

sicherte Person die Beweislast (Urteil des Bundesgerichts 4A_246/2015 

vom 17. August 2015 E. 2.2). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (lit. a), 

Urkunde (lit. b), Augenschein (lit. c), Gutachten (lit. d), schriftliche Auskunft 

(lit. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (lit. f). Diese Aufzählung 

ist abschliessend. Im Zivilprozessrecht besteht insofern ein numerus clau-

sus der Beweismittel (BGE 141 III 433 E. 2.5.1 S. 436). Als Urkunden gel-

ten gemäss Art. 177 ZPO in seiner mit der ZPO-Revision vom 17. März 

2023 am 1. Januar 2025 in Kraft getretenen Fassung (vgl. hierzu AS 2023 

491) unter anderem – entgegen der bisherigen bundesgerichtlichen Recht-

sprechung (BGE 141 III 433 E. 2.6 S. 437 f.; vgl. auch BGE 140 III 16 

E. 2.5 S. 24 und 140 III 24 E. 3.3.3 S. 29) – auch private Gutachten der 

Parteien. Diese Bestimmung gilt auch für Verfahren, die bei Inkrafttreten 

der ZPO-Revision vom 17. März 2023 rechtshängig waren (Art. 407f ZPO).  

 - 5 - 

 

 

3.4.2. 

Im Zivilprozess müssen nur bestrittene Tatsachenbehauptungen bewiesen 

werden. Die Bestreitung muss ihrem Zweck entsprechend so konkret sein, 

dass die Gegenpartei weiss, welche einzelne Tatsachenbehauptung sie 

beweisen muss. Der Grad der Substantiierung einer Behauptung beein-

flusst insofern den erforderlichen Detailierungsrad einer Bestreitung. Je de-

taillierter einzelne Tatsachen eines gesamten Sachverhalts behauptet wer-

den, desto konkreter muss die Gegenpartei erklären, welche dieser einzel-

nen Tatsachen sie bestreitet. Je detaillierter ein Parteivortrag ist, desto hö-

her sind demnach die Anforderungen an eine hinreichende Bestreitung. 

Diese sind zwar tiefer als die Anforderungen an die Substantiierung einer 

Behauptung, pauschale Bestreitungen reichen indes nicht aus. Erforderlich 

ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und 

konkreten gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird. Parteibehaup-

tungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, werden meist besonders 

substantiiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale Bestreitung nicht. 

Die Gegenpartei ist vielmehr zur Darlegung gehalten, welche einzelnen 

Tatsachen sie konkret bestreitet (vgl. zum Ganzen BGE 141 III 433 E. 2.6 

S. 437 f.). 

 

3.4.3. 

Die Behauptungslast folgt der Beweislast (BGE 132 III 186 E. 4 S. 191). 

Welche Tatsachen zu behaupten sind, ergibt sich aus dem Tatbestand der 

materiell-rechtlichen Anspruchsgrundlage (BGE 127 III 365 E. 2b S. 368 

und 123 III 183 E. 3e S. 188; vgl. auch Urteil des Bundesge-

richts 4A_210/2009 vom 7. April 2010 E. 3.3). Der Behauptungslast ist Ge-

nüge getan, wenn die Parteien in ihrem Tatsachenvortrag in allgemeiner 

Weise sämtliche Tatsachen benennen, die unter die massgeblichen Nor-

men zu subsumieren sind. Ein solchermassen vollständiger Tatsachenvor-

trag wird als schlüssig bezeichnet. Denn bei Unterstellung, er sei wahr, 

lässt er den Schluss auf die verlangte Rechtsfolge zu. Bestreitet der Pro-

zessgegner den schlüssigen Tatsachenvortrag der behauptungsbelasteten 

Partei, greift eine über die Behauptungslast hinausgehende Substantiie-

rungslast. Diesfalls sind die Vorbringen nicht nur in ihren Grundzügen, son-

dern in Einzeltatsachen zergliedert so umfassend und klar darzulegen, 

dass darüber Beweis abgenommen oder dagegen der Gegenbeweis ange-

treten werden kann (BGE 127 III 365 E. 2b S. 368; Urteile des Bundesge-

richts 4A_113/2017 vom 6. September 2017 E. 6.1.1 und 4A_210/2009 

vom 7. April 2010 E. 3.2 je mit Hinweisen; vgl. zum Ganzen auch Urteil des 

Bundesgerichts 5A_749/2016 vom 11. Mai 2017 E. 4). 

 

4. 

4.1. 

Die Klägerin macht im Wesentlichen für die Zeit vom 29. Juni 2022 bis 

15. Mai 2023 insbesondere unter Verweis auf diverse ärztliche und nicht-

ärztliche Berichte einen Anspruch auf Krankentaggelder geltend und bringt 

 - 6 - 

 

 

vor, im Speziellen während dieser Zeit, aber auch bereits ab dem 8. Feb-

ruar 2022, durchgängig vollständig arbeitsunfähig gewesen zu sein. Die 

Beklagte bestreitet das Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit. 

 

4.2. 

Versichert ist mit der Krankentaggeldversicherung die krankheitsbedingte 

Arbeitsunfähigkeit (vgl. statt vieler BGE 142 III 671 E. 3.9 S. 682), was vor-

liegend umstritten ist. Es ist demnach an der Klägerin zu beweisen, dass 

sie krankheitsbedingt arbeitsunfähig war und daher (bereits) vom 29. Juni 

2022 bis 15. Mai 2023 Anspruch auf Taggelder hatte (vgl. zum Ganzen 

E. 3.3.2. hiervor). 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Klägerin legt dar, sie sei vom 15. November bis 23. Dezember 2021 

sowie ab dem 8. Februar 2022 durchgängig arbeitsunfähig gewesen. Die 

Wartefrist von 180 Tagen gemäss AVB sei daher am 28. Juni 2022 abge-

laufen, weshalb sie ab dem 29. Juni 2022 Anspruch auf Krankentaggelder 

habe (vgl. insb. Klage, S. 3 und S. 11 f.).  

 

Die Beklagte macht demgegenüber geltend, die Klägerin sei vom 15. No-

vember bis 23. Dezember 2021 während 39 Tagen, vom 8. Februar bis 

22. März 2022 während 43 Tagen und vom 7. Februar bis 31. Mai 2023 

während 98 Tagen ärztlich attestiert arbeitsunfähig gewesen. Für andere 

von der Klägerin behauptete Perioden der Arbeitsunfähigkeit würden keine 

ärztlichen Bescheinigungen vorliegen. Die Wartezeit von 180 Tagen sei da-

her erst am 31. Mai 2023 abgelaufen (Klageantwort, Rz. 3 ff. und Rz. 18). 

 

4.3.2. 

Bezüglich der von ihr geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit macht die Klä-

gerin geltend, der Vertrauensarzt der Beklagten, Dr. med. D._____, Prakti-

scher Arzt und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, habe in seiner 

Stellungnahme vom 8. Februar 2023 eine komplexe Traumafolgestörung 

diagnostiziert und eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Es liege auf der 

Hand, dass sich dieser Zustand bereits vor der vertrauensärztlichen Unter-

suchung gleich präsentiert habe. So sei die Klägerin aufgrund erheblicher 

psychischer Beeinträchtigungen "anfangs des Jahres 2022" von ihrer 

Hausärztin an eine Therapeutin überwiesen worden. Hinzu komme, dass 

die (unterdessen) behandelnde Ärztin der Klägerin, Dr. med. et phil. 

E._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ihrer Stellung-

nahme vom 18. März 2024 nicht nur aktuell eine volle Arbeitsunfähigkeit 

bestätige, sondern aufgrund der bereits länger bestehenden psychischen 

Beschwerden auch rückwirkend – und insbesondere für den Zeitraum vom 

29. Juni 2022 bis 6. Februar 2023 respektive ab dem 8. Februar 2022 – von 

einer solchen ausgegangen sei (Klage, S. 3 ff.). Die Beklagte bestreitet 

dies. Dabei beruft sie sich auf den Umstand, dass für die Zeit vom 23. März 

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2022 bis 7. Februar 2023 keine "echtzeitlichen Arztzeugnisse" vorliegen 

würden. Es sei daher für diese Periode gerade nicht vom Bestehen einer 

Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Klageantwort, Rz. 3 ff.). Die Klägerin hält 

dem entgegen, dass zwar keine echtzeitlichen Arztzeugnisse vorliegen 

würden und sie sich auch im fraglichen Zeitraum nicht in ärztlicher Behand-

lung befunden habe (Replik, S. 10). Eine anspruchsbegründende Arbeits-

unfähigkeit liesse sich indes hinreichend aus der Stellungnahme von 

Dr. med. D._____ ableiten und werde zudem durch Dr. med. et phil. 

E._____ sowie durch ihre Therapeutin explizit bestätigt (vgl. zum Ganzen 

Replik, S. 4 ff.).  

 

4.4. 

4.4.1. 

Selbst wenn unter Offenlassen dieser – zwischen den Parteien strittigen – 

Frage zugunsten der Klägerin davon ausgegangen wird, dass die AVB der 

Beklagten nicht einzig echtzeitliche ärztliche Bescheinigungen zum Nach-

weis einer anspruchsbegründenden Arbeitsunfähigkeit zulassen, ist Fol-

gendes zu beachten: Retrospektive (fach-)ärztliche Beurteilungen müssen 

sich in tatsächlicher Hinsicht auf ein entsprechendes Fundament stützen 

können. Entscheidend ist, ob die Aktenlage in ihrer Gesamtheit und im Spe-

ziellen die weiteren vorhandenen medizinischen Berichte eine taugliche 

Basis zu bilden vermögen, auf der ein Arzt die Arbeitsfähigkeit rückwirkend 

einschätzen kann, so dass gestützt auf diese retrospektive Beurteilung der 

Beweis einer Arbeitsunfähigkeit als erbracht angesehen werden kann (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 4A_66/2018 vom 15. Mai 2019 E. 2.6.2.1; siehe 

ferner KATHARINA ANNA ZIMMERMANN, Zusatzversicherungen zur sozialen 

Krankenversicherung: Begriff und Verfahren nach der Schweizerischen Zi-

vilprozessordnung [ZPO] unter besonderer Berücksichtigung der Einzel- 

und der Kollektiv-Krankentaggeldversicherung nach VVG, Diss. 2022, 

Rz. 523, CHRISTOPH HÄBERLI, DAVID HUSMANN, Krankentaggeld: Versiche-

rungs- und arbeitsrechtliche Aspekte, 2015, Rz. 208, und ADRIAN STAEHE-

LIN, Der Arbeitsvertrag – Art. 319-330a OR, in: Gauch/Schmid [Hrsg.], Zür-

cher Kommentar zum Schweizerischen Zivilrecht, Obligationenrecht, 

Bd. V/2c, 4. Aufl. 2006, N. 9 zu Art. 324a OR). Obschon die Beklagte genau 

das Vorliegen einer solchen Basis bestreitet, legt die Klägerin nicht einläss-

lich dar, gestützt auf welche konkreten Umstände vorliegend eine rückwir-

kende ärztliche Beurteilung möglich beziehungsweise zulässig sein soll. Im 

Gegenteil gesteht sie zu, dass in der fraglichen Zeit überhaupt keine ärztli-

che Behandlung stattgefunden hat, womit keinerlei medizinische Berichte 

vorliegen, die für eine rückwirkende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch 

Dr. med. et phil. E._____ mit Bericht vom 18. März 2024 (vgl. Klage, S. 8, 

und Replik, S. 5, sowie KB 13) eine taugliche Basis bilden würden. Die Be-

hauptungen der Klägerin erweisen sich damit als ungenügend substantiiert. 

Daran vermögen ihre eigenen laienhaften medizinischen Überlegungen 

zum retrospektiven Verlauf der von ihr behaupteten Arbeitsunfähigkeit 

mangels Relevanz nichts zu ändern.  

 - 8 - 

 

 

4.4.2. 

Würde – entgegen dem soeben Dargelegten – angenommen, dass die Be-

hauptungen der Klägerin zum (retrospektiven) Verlauf der von ihr geltend 

gemachten Arbeitsunfähigkeit hinreichend substantiiert sind, könnte der 

Klage aus folgenden Gründen dennoch kein Erfolg beschieden sein: Die 

Klägerin offeriert für den in Frage stehenden Zeitraum vom 8. Februar 2022 

bis 15. Mai 2023 lediglich einen Bericht ihrer Therapeutin vom 18. Januar 

2022 (recte: 5. Januar 2023 [KB 9]; vgl. dazu Klageantwort, Rz. 18, und 

Replik, S. 16 f.) und von der Beklagten in AB 3 verurkundete diverse Zeug-

nisse ihrer Therapeutin (vgl. Klage, S. 7 und S. 11, sowie Replik, S. 5 und 

S. 9) als Beweis. Bei der fraglichen Therapeutin handelt es sich indes zum 

einen nicht um eine (Fach-)Ärztin (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 

4A_58/2023 vom 25. April 2023 E. 6.2.2; siehe ferner Art. 14.2 der AVB 

und hierzu Duplik, S. 3). Zum anderen sind diesen Berichten weder objek-

tive Befunde noch sonstige über die subjektiven Angaben der Klägerin hin-

ausgehenden Umstände zu entnehmen, welche begründetes Fundament 

einer retrospektiven Arbeitsfähigkeitsbeurteilung bilden könnten. Sowohl 

der Stellungnahme von Dr. med. et phil. E._____ vom 18. März 2024 wie 

auch derjenigen der Therapeutin vom 5. Januar 2023, welche zudem be-

reits mangels (fach-)ärztlicher Ausbildung nicht beweiswertig ist, fehlt damit 

im Sinne des in E. 4.4.1. zu retrospektiven ärztlichen Einschätzungen Dar-

gelegten eine tatsächliche Basis. Sie sind daher bereits deshalb zum Be-

weis der behaupteten Arbeitsunfähigkeit nicht geeignet. An diesem Ergeb-

nis würden auch die Editionsbegehren der Beklagten betreffend die Akten 

der Invalidenversicherung und der Arbeitslosenversicherung nichts zu än-

dern vermögen, denn das Gericht ist nicht verpflichtet, Prozessakten von 

sich aus nach Beweismitteln zugunsten einer Partei zu durchforsten (vgl. 

vorne E. 3.2.), und es ist insbesondere auch nicht dessen Aufgabe, Sam-

melbeilagen nach sachdienlichen Angaben zu durchsuchen (vgl. statt vieler 

Urteil des Bundesgerichts 4A_284/2017 vom 22. Januar 2018 E. 4.2 mit 

Hinweisen). Da die Beklagte im Zusammenhang mit ihren Editionsbegeh-

ren jeweils weder eine Tatsachenbehauptung aufstellt noch eine konkrete 

Fundstelle benennt, ist auf ein Einholung weiterer Akten schon mangels 

hinreichender Beweismittelverbindung zu verzichten. 

 

4.5. 

Zusammengefasst kann über die Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom 

vor dem 7. Februar 2023 mangels Substantiierung kein Beweis abgenom-

men werden respektive misslingt der Klägerin der entsprechende Beweis. 

Da aufgrund der Substantiierungsmängel respektive des Beweisergebnis-

ses nicht vom Bestehen einer Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden 

kann, bleibt es bei den von der Beklagten anerkannten Perioden der Ar-

beitsunfähigkeit vom 15. November bis 23. Dezember 2021, vom 8. Feb-

ruar bis 22. März 2022 und vom 7. Februar bis 31. Mai 2023 während total 

180 Tagen. Dass die Wartezeit gemäss AVB vor diesem sachverhaltlichen 

Hintergrund erst am 31. Mai 2023 abgelaufen war, wie dies die Beklagte 

 - 9 - 

 

 

geltend macht (Klageantwort, Rz. 3 und Rz. 18), wird von der Klägerin nicht 

in Abrede gestellt. Bereits dies lässt einen Anspruch der Klägerin auf (wei-

tere) Taggeldleistungen der Beklagten für den Zeitraum vom 29. Juni 2022 

bis 15. Mai 2023 entfallen, weshalb auf Weiterungen bezüglich einer von 

der Beklagten vorgebrachten allfälligen Verletzung von vertraglichen Oblie-

genheiten durch die Klägerin zu verzichten ist.  

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Klage abzuweisen.  

 

5.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 114 lit. e ZPO). 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss werden die Prozesskosten, zu welchen die Parteient-

schädigung gehört (Art. 95 Abs. 1 lit. b ZPO), der unterliegenden Partei auf-

erlegt (vgl. Art. 106 Abs. 1 ZPO). Als Parteientschädigung gilt der Ersatz 

notwendiger Auslagen, die Kosten einer berufsmässigen Vertretung sowie 

in begründeten Fällen eine angemessene Umtriebsentschädigung, wenn 

eine Partei nicht berufsmässig vertreten ist (Art. 95 Abs. 3 ZPO). Im Hin-

blick darauf, dass auf Seiten der Beklagten bei ihr Angestellte prozessieren, 

hat die Klägerin der Beklagten eine pauschale Umtriebsentschädigung in 

der Höhe von Fr. 500.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Klage wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von 

Fr. 500.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 ff., 

Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröff-

nung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. 

 

 - 10 - 

 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweize-

rischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14 einzureichen. Die Beschwer-

deschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine 

anerkannte elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in 

gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht 

(Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweis-

mittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in den Händen hat; 

ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 24. Oktober 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Gössi Berner