# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f0c7ca6c-45d7-5a38-a2ff-939becfaf553
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.06.2014 OH 2013/5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_OH-2013-5_2014-06-27.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: OH 2013/5

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: OH - Opferhilfe

Publikationsdatum: 27.06.2014

Entscheiddatum: 27.06.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 27.06.2014
Art. 19 Abs. 1 und 2, Art. 22 Abs. 1 OHG: Entschädigung und Genugtuung. 
Grundsätzlicher Anspruch auf Entschädigung infolge adäquatem 
Kausalzusammenhang zwischen Schaden (Arbeitslosigkeit) und Tat bejaht. 
Bezüglich Höhe der Genugtuung nach OHG rechtfertigt es sich, auf die 
zivilrechtlich zugesprochene Genugtuung abzustellen und diese um 30-40% 
zu kürzen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 
27. Juni 2014, OH 2013/5).

Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer (Vorsitz), Lisbeth Mattle Frei und Marie-Theres 

Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Jeannine Bodmer

Entscheid vom 27. Juni 2014

in Sachen

A.___,

Rekurrentin,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andrea Cantieni, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,

gegen

Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons

St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

betreffend

Entschädigung und Genugtuung

Sachverhalt:

A.      

A.a  A.___ stellte am 17. Juli 2013 beim Sicherheits- und Justizdepartement des 

Kantons St. Gallen gestützt auf das Opferhilfegesetz ein Gesuch um Entschädigung 

von Fr. 3'400.-- und Genugtuung von Fr. 8'000.-- zuzüglich Zins von 5% seit dem 

10. März 2012, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung gab sie an, 

am 10. März 2012 Opfer eines Raubüberfalls geworden zu sein. Sie habe ihre 

Anstellung im B.___ am 3. März 2012 angetreten und sei eine Woche später von C.___ 

mit einem Messer bedroht und gezwungen worden, ihm das Geld aus beiden 

Verkaufskassen herauszugeben. Infolge des Raubüberfalls habe sie eine 

posttraumatische Belastungsstörung erlitten, sie habe mit Panikattacken, Schlaf- und 

Essstörungen sowie Durchfall reagiert (act. G 3.1.1). Wie dem rechtskräftig 

gewordenen Urteil des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland vom 7. Februar 2013 

zu entnehmen ist, hatte der vollständig vermummte Täter C.___ den B.___ am Abend 

des 10. März 2012 überfallen. Er sei direkt hinter die Kassatheke

gerannt, wo er der Verkäuferin A.___ einen kräftigen Stoss gegen den rechten Oberarm 

versetzt habe. Mit einem Rüstmesser drohend habe er sie aufgefordert, ihm das Geld 

aus der Kasse herauszugeben. Dabei habe er das Messer in einer Distanz von 20 - 

30 cm zweimal direkt gegen ihren Oberkörper gestreckt. Nachdem ihm die Verkäuferin 

das gesamte Notengeld aus beiden Kassen herausgegeben habe, habe er den Shop 

mit einer Beute von insgesamt Fr. 4'700.-- eiligen Schrittes verlassen. Das Kreisgericht 

hatte C.___ gestützt darauf des Raubs schuldig gesprochen und ihn wegen dieses und 

weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von 58 Monaten verurteilt, wobei der Vollzug zu 

Gunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben worden war. Zudem war der 

Täter unter anderem verpflichtet worden, A.___ eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- nebst 

Zins zu 5% seit 10. März 2012 zu bezahlen (act. G 3.1.1.2, 3.1.4.1).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.b  Vom 10. März bis 17. Juli 2012 war der Gesuchstellerin eine 100%ige Arbeitsun­

fähigkeit attestiert worden (act. G 3.1.1.4), worauf die Suva Taggelder erbracht hatte. 

Ab dem 18. Juli 2012 war die Gesuchstellerin für adaptierte Tätigkeiten wieder voll 

arbeitsfähig geschrieben (act. G 3.1.1.14, 3.1.1.15). Da es ihr nicht mehr möglich 

gewesen war, im B.___ als Verkäuferin zu arbeiten, war das Arbeitsverhältnis per 

21. Juni 2012 aufgelöst worden (vgl. act. G 3.1.1.5). Ab dem 22. Juni 2012 war die 

Gesuchstellerin bis zum Antritt einer neuen Stelle am 12. November 2012 arbeitslos 

gewesen (act. G 3.1.1.7 f.).

A.c  Im Verlauf einer ab 20. März 2012 durchgeführten psychotherapeutischen 

Behandlung bei Dr. phil./ASP D.___ stabilisierte sich der Gesundheitszustand der 

Gesuchstellerin. Gemäss dem Bericht von Dr. D.___ vom 16. November 2012 war sie 

wieder mehrheitlich frei von Panikattacken und Ängsten, allerdings sei sie viel 

schreckhafter als vor dem Überfall. Tagsüber könne sie sich zwar wieder normal 

bewegen, abends und in der Nacht traue sie sich aber nicht, allein etwas zu 

unternehmen und sei daher auf Begleitung angewiesen (act. G 3.1.1.11).

A.d  Mit Verfügung vom 12. September 2013 sprach das Sicherheits- und 

Justizdepartement der Gesuchstellerin eine Genugtuung von Fr. 3'000.-- zu, das 

Gesuch im Mehrbetrag sowie das Entschädigungsbegehren wies es ab. Im Weiteren 

wurde das Begehren betreffend amtliche Kosten abgeschrieben und das Begehren um 

Ersatz der ausseramtlichen Kosten abgewiesen. Hinsichtlich der Entschädigung führte 

das Sicherheits- und Justizdepartement aus, es fehle an einem adäquaten 

Kausalzusammenhang zwischen der Arbeitslosigkeit und dem Raub. Da ab 18. Juli 

2012 bis 11. November 2012 keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorgelegen habe, ergebe 

sich ab diesem Zeitpunkt auch kein unmittelbar mit der Straftat zusammenhängender 

Schaden. In Bezug auf den Anspruch auf Genugtuung hielt es fest, dass bei 

Raubüberfällen unter Vorhalten einer Waffe oder eines gefährlichen Gegenstandes, mit 

Beeinträchtigung der psychischen Integrität und Arbeitsunfähigkeit als Folge, die 

opferhilferechtlich auszurichtende Genugtuung praxisgemäss zwischen Fr. 1'000.-- 

und Fr. 3'000.-- betrage. Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände sei daher 

eine Genugtuung von Fr. 3'000.-- angemessen (act. G 1.15).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.e  Gegen diese Verfügung liess die Gesuchstellerin, vertreten durch Rechtsanwalt

Dr. iur. A. Cantieni, Chur, am 26. September 2013 Rekurs erheben mit dem Antrag auf 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Ausrichtung einer Entschädigung von 

Fr. 3'200.-- sowie einer Genugtuung von Fr. 8'000.--, unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen. Zur Begründung machte sie geltend, es seien eine akute 

Belastungsreaktion und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert 

worden. Sie habe mit Panikattacken, Schlaf- und Essstörungen reagiert. Der Verlust 

der Arbeitsstelle, die intensive und lange Zeit erfolglose Suche nach einer neuen Arbeit 

und die dadurch entstandenen finanziellen Engpässe und Abhängigkeiten hätten sie 

zusätzlich enorm belastet. Hinzu komme, dass die Partnerschaft den Belastungen nicht 

standgehalten habe. Die schlimmste und weiterhin andauernde Folge des 

Raubüberfalls sei jedoch der Verlust des Vertrauens. Es werde ihr nicht mehr möglich 

sein, eine Tätigkeit an einer Kasse auszuüben oder gar während der Nacht zu arbeiten. 

Der Verlust des Vertrauens bedeute eine Belastung für das ganze Leben. Das 

Kreisgericht habe ihr eine Genugtuung in Höhe von Fr. 8'000.-- zugesprochen. Dieser 

sei unter Berücksichtigung der Gesamtumstände zu folgen. Hinsichtlich des 

Erwerbsausfalls sei erstellt, dass sie während des Bezugs von Arbeitslosengeldern 

einen Erwerbsausfall von netto Fr. 2'960.-- erlitten habe. Dabei handle es sich nicht um 

einen Vermögensschaden, sondern um einen ersatzpflichtigen wirtschaftlichen 

Nachteil, der auf die erlittene Körperverletzung zurückzuführen sei. Auch sei erwiesen, 

dass sie auf Grund des erlittenen Traumas nicht mehr Spät- oder Nachtschichten 

sowie Arbeiten an einem Schalter oder Verkaufsstellen habe ausüben können. Deshalb 

sei die Arbeitgeberin zur Kündigung gezwungen gewesen. Es sei schliesslich 

offensichtlich, dass das vorliegende Trauma geeignet sei, den Verlust der Arbeitsstelle 

und damit eine Arbeitslosigkeit herbeizuführen (act. G 1).

A.f   Mit Rekursantwort vom 25. Oktober 2013 beantragte die Vorinstanz unter Verweis 

auf die angefochtene Verfügung die Abweisung des Rekurses. Im Weiteren machte sie 

geltend, zwar dürfte der Einkommensausfall der Rekurrentin natürlich kausal zur 

Straftat sein, der adäquate Kausalzusammenhang sei jedoch nicht gegeben. Was den 

Anspruch auf Genugtuung betreffe sei nicht klar, auf welche rechtlichen Grundlagen 

das Kreisgericht seine Bemessung gestützt habe. Zwar sei die Rekurrentin nach der 

Tat in ihrer Berufswahl leicht eingeschränkt gewesen, da sie infolge des Überfalls 

keiner Nachtarbeit und keiner Arbeit am Schalter oder im Verkauf mehr habe 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

nachgehen können, doch erscheine dieser Nachteil in Anbetracht der heutigen 

Arbeitssituation bei der neuen Arbeitgeberin als nicht besonders gewichtig. So könne 

sie heute tagsüber arbeiten und erhalte einen erheblich höheren Lohn, was beides als 

Vorteil zu betrachten sei. Auch könne nicht von verringerten Aufstiegschancen oder 

fehlenden beruflichen Aussichten gesprochen werden. Schliesslich könne ebenfalls 

nicht auf die Suva-Tabelle 19 zur Bestimmung der Integritätsentschädigung nach 

Unfallversicherungsgesetz abgestellt werden, da ein Anspruch darauf eine dauernde 

und erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität voraussetze (act. 

G 3).

A.g  Die Rekurrentin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 5).

Erwägungen:

1.

Zwischen den Parteien ist einerseits die Frage eines opferhilferechtlichen Anspruchs 

auf Entschädigung und andererseits die Höhe des Genugtuungsanspruchs strittig.

1.1  Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten 

(OHG; SR 312.5) hat jede Person Anspruch auf Unterstützung nach diesem Gesetz, die 

durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität 

unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer). Der Anspruch besteht unabhängig davon, 

ob der Täter ermittelt worden ist, ob er sich schuldhaft verhalten hat oder ob er 

vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Art. 1 Abs. 3 OHG). Unter einer Straftat ist ein 

tatbestandsmässiges, rechtswidriges Verhalten im Sinne des Strafgesetzbuches zu 

verstehen. Im Unterschied zum Strafrecht muss dieses Verhalten im Opferhilferecht 

jedoch nicht zusätzlich schuldhaft sein (Peter Gomm/Dominik Zehntner, 

Opferhilfegesetz, 3. Aufl. Bern 2009, Art. 1 N 3).

1.2  Auf Grund des Subsidiaritätsprinzips (Art. 4 OHG) setzt der Anspruch auf 

finanzielle Opferhilfe voraus, dass das Opfer nicht von dritter Seite ausreichende 

Leistungen erhält. Die Opferhilfe erbringt grundsätzlich nur dann finanzielle Leistungen 

endgültig, wenn und insoweit kein anderer für die Kosten bzw. den Schaden aufkommt. 

Im Opferhilfeverfahren hat das Opfer deshalb glaubhaft zu machen, dass es keine oder 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

nur ungenügende Leistungen des Täters und/oder anderer Dritter erhalten kann (Eva 

Weishaupt,

Finanzielle Ansprüche nach Opferhilfegesetz, SJZ 98 [2002] Nr. 13, S. 329 mit Hinweis).

2.

2.1  Vorerst ist der Anspruch der Rekurrentin auf eine Entschädigung nach Art. 19 OHG 

zu prüfen. Das Opferhilfegesetz umschreibt nicht näher, für welche Schädigungen der 

Staat Ersatz leistet. Opfer werden gegenüber den übrigen Geschädigten auf Grund 

ihrer besonderen Betroffenheit in der eigenen Person privilegiert. Daraus wird in Praxis 

und Literatur geschlossen, dass in der Opferhilfe nur diejenigen Auslagen oder 

Einbussen von Bedeutung sein können, die im Zusammenhang mit der die 

Opfereigenschaft begründenden Straftat bzw. mit der dadurch bewirkten 

Beeinträchtigung der körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität stehen. 

Opferrechtlich relevant ist deshalb grundsätzlich allein der Personenschaden. 

Sachschäden und so genannte "reine Vermögensschäden" werden von der Opferhilfe 

nicht übernommen. Als reiner Vermögensschaden wird eine Einkommens- oder 

Vermögenseinbusse bezeichnet, die sich weder aus einer Körperverletzung oder 

Tötung noch aus der Beschädigung oder Zerstörung einer Sache ergibt (Eva 

Weishaupt, a.a.O., S. 326 mit Hinweisen). Das Bundesgericht verwies bereits für den 

Schadensbegriff nach Art. 12 Abs. 1 und 13 aOHG auf Art. 45 Abs. 3 des 

Obligationenrechts (OR; SR 220; BGE 129 II 49 E. 2) bzw. auf Art. 46 OR (BGE 128 II 49 

E. 3.2). Mit der Totalrevision des OHG wurde diese Rechtsprechung ausdrücklich 

übernommen und in den Text von Art. 19 Abs. 2 OHG überführt (Gomm/Zehntner, 

a.a.O., N 4 zu Art. 19).

2.2  Liegt ein entschädigungsberechtigter Schaden vor, ist gestützt auf die finanziellen 

Verhältnisse des Opfers zu prüfen, inwieweit dieser opferhilferechtlich zu ersetzen ist. 

Voraussetzung zur Ausrichtung einer Entschädigung ist nach Art. 6 Abs. 1 OHG, dass 

die anrechenbaren Einnahmen des Opfers oder seiner Angehörigen das Vierfache des 

massgebenden Betrags für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1 Bst. a 

des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und 

Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) nicht übersteigen. Massgeblich sind die 

voraussichtlichen Einnahmen nach der Straftat (Art. 6 Abs. 2 OHG). Liegen diese unter 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

dem massgebenden Höchstbetrag für den allgemeinen Lebensbedarf nach ELG, so 

erhält das Opfer vollen Schadenersatz; übersteigen die Einnahmen diesen Betrag, so 

wird die Entschädigung herabgesetzt (Art. 20 Abs. 2 OHG).

3.

3.1  Die Rekurrentin macht im Rahmen ihres Rekurses die beiden Schadenspositionen 

"Erwerbsausfall" und "Bewerbungskosten" geltend. Dagegen bringt die Vorinstanz vor, 

es fehle am adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem geltend gemachten 

Einkommensausfall / den Bewerbungskosten einerseits und der Straftat andererseits. 

Der Zweck des Opferhilferechts bestehe darin, dem Opfer anstelle des unbekannten 

oder zahlungsunfähigen Täters eine Geldleistung zu erbringen, um die erlittene 

Beeinträchtigung erträglicher zu machen und ihm über die grössten Schwierigkeiten 

nach einer Straftat hinwegzuhelfen. Massgeblich sei der Solidaritätsgedanke, da es 

sich nicht um eine Leistung aus Verantwortlichkeit, sondern eine staatliche Hilfeleistung 

handle, welche von der Allgemeinheit bezahlt werde. Solle eine Ausuferung der 

opferhilferechtlichen Entschädigungspflicht wirkungsvoll begrenzt werden, könnten die 

Folgen von Arbeitslosigkeit - soweit sie nicht (mehr) in einem konkreten und direkten 

Zusammenhang mit der Straftat stünden - nicht als entschädigungsberechtigt gelten.

3.2  Die Botschaft zur Totalrevision des Opferhilfegesetzes (BBl 2005 7216) hält in

Bezug auf Art. 19 Abs. 2 OHG fest, das in seiner Integrität beeinträchtigte Opfer habe 

Anspruch auf eine opferhilferechtliche Entschädigung für Kosten, die infolge der 

Beeinträchtigung entstanden seien, sowie für Nachteile gänzlicher oder teilweiser 

Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung des wirtschaftlichen 

Fortkommens (Art. 46 OR). Damit gehört zum regelmässig entschädigungspflichtigen 

Schaden unbestrittenermassen der Erwerbsausfall. Erwerbsausfallentschädigungen 

sind nach ihrem Zweck Leistungen, die auf einen Ausgleich eines definitiv 

eingetretenen, wirtschaftlichen Schadens abzielen. Sie sind nicht dazu geeignet, die 

unmittelbaren Folgen einer Straftat eigenständig zu beeinflussen.

3.3  Die Einschränkung des entschädigungspflichtigen Schadens auf adäquat-kausale 

Tatfolgen soll eine vernünftige Begrenzung der Haftung ermöglichen. Die Adäquanz 

dient als Korrektiv zum naturwissenschaftlichen Ursachenbegriff, welcher unter 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Umständen eingeschränkt werden muss, um für die rechtliche Verantwortung tragbar 

zu sein (KARL OFTINGER/EMIL W. STARK, Schweizerisches Haftpflichtrecht, 

Allgemeiner Teil, Band I, 5. Aufl. Zürich 1995, S. 109 ff.; ROLAND BREHM, Berner 

Kommentar, Bern 2006, Rz. 161 zu Art. 41 OR). Der Begriff der adäquaten Kausalität ist 

in allen Rechtsgebieten grundsätzlich der gleiche. Als adäquate Ursache eines Erfolgs 

hat ein Ereignis dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und 

nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art 

des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis 

allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2; 126 V 361 E. 5c; 118 IV 134 

E. 3c, je mit Hinweisen).

3.4  Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist ein Raubüberfall, wie ihn die 

Rekurrentin erlebt hat, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der 

allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet, beim Opfer eine posttraumatische 

Belastungsstörung mit Arbeitsunfähigkeit und als dessen Direktfolge auch einen Verlust 

der Arbeitsstelle herbeizuführen. Vorliegend war es der Rekurrentin auf Grund der 

posttraumatischen Belastungsstörung nicht mehr möglich, die bisherige Tätigkeit 

wieder aufzunehmen. Ihre Arbeitslosigkeit steht somit in unmittelbarem 

Zusammenhang mit der Straftat. Mit Blick auf das Haftpflichtrecht ergibt sich 

betreffend die relevanten Tatfolgen damit folgender adäquat-kausale Schaden: 

Gemäss Art. 19 OHG hat unter anderem das Opfer Anspruch auf eine Entschädigung 

für den erlittenen Schaden infolge Beeinträchtigung. Der Schaden wird nach Art. 46 OR 

(Schadenersatz bei Körperverletzung) festgelegt. Vorbehalten bleiben die Abs. 3 und 4. 

Gemäss Art. 46 Abs. 1 OR räumt das Erleiden einer Körperverletzung dem Verletzten 

einen Anspruch auf Ersatz der Kosten ein, sowie auf Entschädigung für die Nachteile 

gänzlicher oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung 

des wirtschaftlichen Fortkommens. Im schweizerischen Haftpflichtrecht ist der 

Erwerbsausfallschaden nach ständiger Rechtsprechung konkret zu berechnen. Dabei 

ist nicht wie im Sozialversicherungsrecht auf das theoretische Konzept des 

ausgeglichenen Arbeitsmarktes, sondern auf die konkret vorliegende und absehbare 

Arbeitsmarktlage abzustellen (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2007, 4C.

263/2006, E. 4.1). Daraus folgt, dass bei Stellenverlust wegen Arbeitsunfähigkeit und 

darauf folgender Arbeitslosigkeit der konkrete Erwerbsausfall zu entschädigen ist.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.5  Der Erwerbsausfallschaden, den die geschädigte Person vom haftpflichtigen 

Dritten verlangen kann, entspricht der Differenz zwischen dem hypothetischen 

Einkommen der geschädigten Person ohne den Unfall und ihrem Einkommen, das sie 

zumutbarerweise nach dem Unfall noch erzielen kann. Dabei ist der Erwerbsausfall auf 

der Grundlage des Nettoeinkommens des Opfers zu berechnen, was bedeutet, dass 

sämtliche Sozialversicherungsbeiträge vom massgeblichen Bruttoeinkommen 

abgezogen werden müssen, d.h. diejenigen für AHV, IV, Erwerbsersatz (EO), 

Arbeitslosenversicherung (ALV) sowie die Beiträge des Arbeitnehmers bzw. der 

Arbeitnehmerin an die zweite Säule (BVG-Beiträge). Auch der bloss vorübergehende 

Erwerbsausfallschaden ist auf der Basis des Nettoverdienstes zu berechnen (Pra 2010, 

842 ff. = BGE 136 III 222). Vom Nettoeinkommen sind sodann die Gewinnungskosten, 

d.h. diejenigen Kosten in Abzug zu bringen, die zur Erzielung des Nettoeinkommens 

aufgewendet werden müssten (Ueli

Kieser/Hardy Landolt, Unfall - Haftung - Versicherung, Zürich/St. Gallen 2012, N 1625 

zu §22 mit Hinweisen). Dazu gehören Fahrspesen sowie Mehrkosten für die auswärtige 

Verpflegung (vgl. dazu die Steuerveranlagung der Rekurrentin für das Jahr 2012, act. 

G 3.1.10). Der Erwerbsausfall entspricht der Differenz zwischen diesem hypothetischen 

Reineinkommen und den erhaltenen Versicherungsleistungen 

(Arbeitslosenentschädigung).

3.6  Bezüglich der Dauer der haftpflichtrechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit kann auf 

Fellmann/Kottmann (Schweizerisches Haftpflichtrecht, S. 595, N 1707) verwiesen 

werden. Gemäss diesen Ausführungen ist im Falle einer geschädigten Person, die 

bereits vor dem Unfallereignis arbeitslos war, gestützt auf die konkreten 

Gegebenheiten zu beurteilen, ob und wann sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

wieder eine Anstellung gefunden hätte. In Analogie dazu ist für die Frage, wie lange die 

Arbeitslosigkeit der Rekurrentin als adäquat-kausal zu qualifizieren ist, auf die 

konkreten Gegebenheiten des Einzelfalls abzustellen, wobei die viermonatige 

Arbeitslosigkeit der Rekurrentin grundsätzlich unauffällig erscheint.

3.7  Hinsichtlich der geltend gemachten Bewerbungskosten ist bezüglich des 

adäquaten Kausalzusammenhangs auf obige Ausführungen zu verweisen. Nachdem 

der adäquate Kausalzusammenhang zwischen der Straftat und der anschliessenden 

Arbeitslosigkeit zu bejahen ist, ist auch der grundsätzliche Anspruch auf Ersatz 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zusätzlicher Auslagen für die Stellensuche gegeben. Da jedoch nur ausgewiesener 

Schaden zu entschädigen ist, genügt eine pauschale Berechnung der 

Bewerbungskosten der Substanziierungspflicht nicht. Vielmehr wird die 

Beschwerdeführerin der Vorinstanz hierzu konkrete Belege einzureichen haben. Sollte 

ihr dies nicht gelingen, hat sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen.

3.8  Insgesamt folgt somit, dass ein Anspruch auf Entschädigung grundsätzlich zu be­

jahen ist. Die Angelegenheit ist daher an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie den 

konkreten Schaden gestützt auf weitere Abklärungen berechnen und in der Folge neu 

über den Entschädigungsanspruch verfügen kann, wobei sie die finanziellen 

Verhältnisse der Rekurrentin im Sinne von Art. 6 und 20 Abs. 2 OHG mit zu 

berücksichtigen hat.

4.

4.1  Sodann ist die Höhe der opferhilferechtlichen Genugtuung zu prüfen.

4.1.1      Gemäss Art. 22 Abs. 1 OHG hat das Opfer Anspruch auf eine Genugtuung, 

wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; die Art. 47 und 49 OR sind 

sinngemäss anwendbar. Gemäss Art. 23 OHG wird die Genugtuung nach der Schwere 

der Beeinträchtigung bemessen und beträgt höchstens Fr. 70'000.-- für das Opfer bzw. 

Fr. 35'000.-- für Angehörige. Unter Beeinträchtigung ist - wie im Zivilrecht - die 

Verletzung der persönlichen Verhältnisse bzw. das konkrete Ausmass des Eingriffs in 

die Persönlichkeitsrechte zu verstehen. Das Gericht hat auf die objektive Schwere und 

die subjektiven Auswirkungen des Eingriffs in das verletzte Rechtsgut abzustellen und 

dabei die Umstände des den Genugtuungsanspruch auslösenden Ereignisses und des 

Einzelfalls zu berücksichtigen. Nicht massgeblich sind die Art der Straftat und das 

Verschulden des Täters; auch täterbezogene Faktoren sind nicht zu berücksichtigen 

(Gomm/Zehntner, a.a.O., N 5 zu Art. 23, mit Hinweisen).

4.1.2      Die Höhe der Summe, die als Abgeltung immaterieller Unbill in Frage kommt, 

lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen. Die Festsetzung der 

Höhe der Genugtuung ist eine Entscheidung nach Billigkeit und lässt den kantonalen 

Behörden einen weiten Ermessensspielraum (BGE 132 II 120f. E.2.2.3 und E.2.2.5; 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gomm/Zehntner, a.a.O., N 5f. zu Art. 23). Kriterien, welche den Genugtuungsanspruch 

erhöhen oder reduzieren, sind ebenfalls angemessen Rechnung zu tragen. Faktoren, 

die bei der Erhöhung des Genugtuungsanspruchs eine Rolle spielen können, sind 

insbesondere das Alter des Opfers, die Dauer des Spitalaufenthalts, schmerzhafte 

Operationen, bleibende Narben, die Auswirkungen auf das berufliche und das private 

Leben, die Intensität und Dauer der psychischen Folgen oder Auswirkungen von 

wiederholten Taten (Gomm/Zehntner, a.a.O., N 6 zu Art. 23). In den Empfehlungen der 

Schweizerischen Verbindungsstellenkonferenz zur Anwendung des Opferhilfegesetzes 

vom 21. Januar 2010 wird im Weiteren davon ausgegangen, dass die 

opferhilferechtlichen Genugtuungsleistungen in der Regel 30%-40% tiefer ausfallen als 

die zivilrechtlichen Genugtuungssummen (Ziff. 4.7.2 der Empfehlungen, S. 42 f.). Bei 

den in den Empfehlungen genannten Prozentzahlen handelt es sich lediglich um 

Richtwerte (vgl. auch Gomm/Zehntner, a.a.O., N 23 zu Art. 23).

4.2

4.2.1      Die Vorinstanz stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 12. 

September 2013 bezüglich des Sachverhalts im Wesentlichen auf das Urteil des 

Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland vom 7. Februar 2013, erachtete jedoch eine 

Genugtuung in der Höhe von Fr. 3'000.-- als angemessen. Die Rekurrentin machte 

ihrerseits eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- geltend, weil ihr auch das Kreisgericht eine 

solche zugesprochen habe. Auf Grund der starken Auswirkungen der Straftat auf ihr 

privates und berufliches Leben gebe es keinen Grund, von diesem Betrag 

abzuweichen.

4.2.2      Das Kreisgericht sprach der Rekurrentin im Strafverfahren ihrem Antrag 

folgend eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- samt Zins zu. Bei der Bemessung dieser 

zivilrechtlichen Genugtuung würdigte es die Schwere der Tat und hielt fest, die 

Rekurrentin habe auf Grund des Raubüberfalls eine akute Belastungsreaktion und eine 

posttraumatische Belastungsstörung erlitten. Sie habe mit Panikattacken, Schlaf- und 

Essstörungen reagiert. Es sei ihr nicht mehr möglich gewesen, der bisherigen Arbeit als 

Verkäuferin nachzugehen, worauf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis habe auflösen 

müssen. Der Verlust der Arbeitsstelle habe zu finanziellen Engpässen und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Abhängigkeiten sowie Problemen in persönlichen Beziehungen geführt (act. G 3.1.2, 

Urteil des Kreisgerichts S. 27).

4.2.3      Wie aus dem Zwischenbericht über die wöchentliche psychotherapeutische 

Behandlung von Dr. D.___ vom 2. Mai 2012 hervorgeht, reagierte die Rekurrentin auf 

den Raubüberfall mit Panikattacken, Schlaf- und Essstörungen sowie Durchfall. Im 

Verlauf der ersten sechs Behandlungswochen habe sich die Symptomatik etwas 

verändert. Die anfänglichen Schlafstörungen hätten sich gelegt, Essprobleme und 

Durchfall seien weiterhin aktuell. Die Rekurrentin habe in dieser Zeit erheblich an 

Gewicht verloren und sei deswegen in ärztlicher Behandlung. Die häufigen 

Panikattacken seien enorm belastend. Unterbruch der aktuellen Betätigung, Zittern und 

Schweissausbrüche seien die Folgen. Das Vertrauen in die eigenen Kräfte und in die 

Zuverlässigkeit der Umgebung sei erschüttert. Als Diagnose stellte die Therapeutin eine 

posttraumatische Belastungsstörung fest (act. G 3.1.3). Mit Schreiben vom 

16. November 2012 berichtete Dr. D.___, dass sich der Zustand der Rekurrentin 

unterdessen stabilisiert habe. Sie sei mehrheitlich frei von Panikattacken und Ängsten, 

allerdings sei sie viel schreckhafter als vor dem Überfall. In Situationen, in denen sie 

sich beengt fühle (z.B. wenn jemand sie am Arm festhalte), raste sie regelrecht aus und 

könne ihr Verhalten nicht mehr steuern. Der Verlust der Arbeitsstelle, die intensive 

lange Zeit der erfolglosen Stellensuche und die dadurch entstandenen finanziellen 

Engpässe sowie die Abhängigkeiten hätten sie enorm belastet. Umso glücklicher sei 

sie über die neue Festanstellung. Zwar sei ihre Arbeitsfähigkeit wieder intakt, jedoch 

werde sie eine künftige Arbeit nur während des Tages ausüben können. Spät- und 

Nachtschichten sowie Arbeiten an einem Schalter oder an Verkaufsstellen seien nicht 

mehr zumutbar und könnten eine Retraumatisierung auslösen. Tagsüber könne sie sich 

wieder normal bewegen, abends und in der Nacht habe sie immer noch Gefühle von 

grosser Verunsicherung. Sie traue sich nicht, alleine etwas zu unternehmen, und 

schliesse sich unterwegs im Auto ein. Auch sei sie auf die Begleitung einer Person 

angewiesen, der sie vertraue (act. G 3.1.11).

4.2.4      Dass die Rekurrentin erhebliche Einschränkungen erlitt, die einen 

Genugtuungsanspruch rechtfertigen, ist zu Recht unbestritten. Hinsichtlich der Höhe ist 

jedoch, entgegen dem Vorbringen des Rechtsvertreters der Rekurrentin, die Suva-

Tabelle 19 als Grundlage nicht anwendbar. Im Unterschied zur Bemessung der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Integritätsentschädigung nach dem Unfallversicherungsrecht geht es vorliegend nicht 

darum, die medizinisch-theoretische Invalidität zu ermitteln, sondern vielmehr um die 

Schätzung erlittener immaterieller Unbill (vgl. Gomm/Zehntner, a.a.O., N 5 zu Art. 23). 

Da - wie die Vorinstanz korrekt ausführte (vgl. act. G 3 Ziff. 4) - die Voraussetzungen 

einer dauernden und erheblichen Schädigung der psychischen Integrität gemäss Art. 

36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) und nach der 

Suva-Tabelle 19 nicht erfüllt sind, rechtfertigt es sich auch nicht, diese als Richtwert 

oder zur Orientierung beizuziehen. Eine Integritätsentschädigung wäre zudem von der 

zivilrechtlich zugesprochenen Genugtuung abzuziehen (vgl. Art. 23 Abs. 3 OHG).

4.3  Gestützt auf die vorliegende Aktenlage handelt es sich beim Raubüberfall für die 

Rekurrentin um ein unerwartetes, traumatisierendes Ereignis, das in seinen Folgen 

noch heute bei ihr nachwirkt. Sie wird einerseits beruflich in Zukunft Einschränkungen 

unterliegen, indem sie keine Schalter- oder Verkaufstätigkeiten mehr wahrnehmen 

kann. Andererseits ist sie weiterhin in ihrem Privatleben eingeschränkt, da sie sich v.a. 

abends und nachts fürchtet, alleine etwas zu unternehmen. Obgleich auf Grund der 

neuen Arbeitsstelle eine bleibende Erwerbseinbusse nicht ersichtlich erscheint, können 

die Einschränkungen dennoch zu einer Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt führen, 

insbesondere was die Berufswahlfreiheit der noch sehr jungen Rekurrentin betrifft. In 

ähnlichen Fällen (Raubüberfälle mit psychischen Folgen für die Opfer) wurden nach 

altem Opferhilferecht beispielhaft folgende Genugtuungssummen zugesprochen (vgl. 

Aufstellung bei Gomm/Zehntner, a.a.O., N 13 zu Art. 23): Fr. 5'000.-- bei psychischen 

Problemen nach Raubüberfall mit Faustfeuerwaffe und anschliessender 

siebenmonatiger Arbeitsunfähigkeit zu 100% (JGK BE vom 24.08.1998); Fr. 5'000.-- bei 

einem Angsttrauma mit Depression, Verfolgungswahn und Suizidgedanken nach 

Raubüberfall (JGK BE vom 24.08.1998); Fr. 4'000.-- nach Raubüberfall an die 

Kassiererin mit nachfolgender posttraumatischer Belastungsstörung (DDI SO vom 

21.01.2008). Hinsichtlich durch Strafgerichte zugesprochene Genugtuungsleistungen 

an Opfer, die unter ähnlichen Tatfolgen wie die Rekurrentin litten, ist auf folgende 

Entscheide hinzuweisen: Fr. 8'000.-- an das Opfer, welches bei der Arbeit auf einem 

Baugerüst mit gezielten Schüssen in Angst versetzt wurde (Urteil des Bezirksgerichts 

Zürich, Landbote 13.08.2004 S. 22, in: Klaus Hütte/Petra Ducksch, Die Genugtuung, 3. 

Aufl. Zürich 2005, 8/05, VIII/20); Fr. 10'000.--, Fr. 7'000.-- und zweimal Fr. 3'000.-- an 

eine Mutter und ihre drei Kinder, welche in Abwesenheit des Gatten und Vaters der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Opfer nachts überfallen und bedroht wurden, leichte Schnittwunden erlitten und mit 

Angsttraumata reagierten (zitiert im Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2004, 

1A.93/2004; vgl. Klaus Hütte/Petra Ducksch, a.a.O., 8/05, VIII/20). Im Vergleich mit 

diesen Fällen erscheint die durch das Kreisgericht gestützt auf umfassende 

Aktenkenntnis zugesprochene Genugtuung von Fr. 8'000.-- nicht als unangemessen 

hoch. Ein Abweichen von dieser zivilrechtlichen Genugtuung um mehr als 30-40% 

entsprechend den Empfehlungen der Schweizerischen Verbindungsstellenkonferenz 

(vgl. Erwägung 4.1.2) lässt sich daher nicht rechtfertigen. Entgegen der Annahme des 

Vertreters der Rekurrentin bestehen aber auch keine Anhaltspunkte dafür, dass das 

Kreisgericht eine solche Kürzung bei seinem Entscheid bereits vorgenommen hätte. Mit 

Rücksicht darauf, dass das Kreisgericht auf Seiten des Täters von einem schweren 

Verschulden ausgegangen ist, was im Rahmen der opferhilferechtlichen Genugtuung 

unberücksichtigt bleiben muss, erscheint es gerechtfertigt, die Genugtuung 

opferhilferechtlich auf Fr. 5'000.-- festzusetzen.

5.

5.1  Nach dem Gesagten ist der Rekurs teilweise gutzuheissen und die Ziffern 1 und 2 

der Verfügung vom 12. September 2013 sind aufzuheben. Die Vorinstanz ist zu 

verpflichten, der Rekurrentin eine opferhilferechtliche Genugtuung von Fr. 5'000.-- zu 

bezahlen. Hinsichtlich der Entschädigung wird die Angelegenheit an die Vorinstanz 

zurückgewiesen, damit sie im Sinne der Erwägungen weitere Abklärungen vornehme 

und neu verfüge. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG).

5.2  Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Rekurrentin Anspruch auf teilweisen 

Ersatz der Parteikosten (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die Parteikosten werden vom 

Versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der 

Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der 

Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar für das Verfahren vor 

Versicherungsgericht pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO; 

sGS 963.75). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, so dass die 

Parteientschädigung ermessensweise festzusetzen ist. Vorliegend erscheint auf Grund 

des mehrheitlichen Obsiegens eine Entschädigung von Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen 

und Mehrwertsteuer) als angemessen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.      In teilweiser Gutheissung des Rekurses werden die Ziffern 1 und 2 der Verfügung 

vom 12. September 2013 aufgehoben.

2.    Die Vorinstanz wird verpflichtet, der Rekurrentin eine Genugtuung von Fr. 5'000.-- 

zu bezahlen.

3.    Bezüglich Entschädigung wird die Sache zur weiteren Abklärung und neuer 

Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

4.    Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

5.    Die Vorinstanz hat der Rekurrentin eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- zu

bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 27.06.2014
	Art. 19 Abs. 1 und 2, Art. 22 Abs. 1 OHG: Entschädigung und Genugtuung. Grundsätzlicher Anspruch auf Entschädigung infolge adäquatem Kausalzusammenhang zwischen Schaden (Arbeitslosigkeit) und Tat bejaht. Bezüglich Höhe der Genugtuung nach OHG rechtfertigt es sich, auf die zivilrechtlich zugesprochene Genugtuung abzustellen und diese um 30-40% zu kürzen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Juni 2014, OH 2013/5).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T09:48:20+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen