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**Case Identifier:** ffc23771-b7db-5493-89f3-07d806d5ec82
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-21
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 21.11.2023 VBE.2023.247
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-247_2023-11-21.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.247 / lf / lf 
Art. 140 

 

 

Urteil vom 21. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident 

Oberrichterin Fischer 

Oberrichter Kathriner 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde 

führer  

 A._____ 

vertreten durch lic. iur. Stefanie Maag, Rechtsanwältin, 

Stadtturmstrasse 10, Postfach 43, 5401 Baden 

 

 
   

Beschwerde 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene   B._____ 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 29. März 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Dem 1961 geborenen und zuletzt als Selbständigerwerbender tätigen Be-

schwerdeführer wurde von der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 

17. November 2017 für die Periode vom 1. Dezember 2015 bis 30. April 

2016 eine befristete ganze Rente der Eidgenössischen Invalidenversiche-

rung (IV) zugesprochen. 

 

1.2. 

Am 9. Juli 2019 meldete sich der Beschwerdeführer erneut bei der Be-

schwerdegegnerin zum Bezug von IV-Leistungen (Rente, berufliche Mass-

nahmen) an. Die Beschwerdegegnerin klärte daraufhin dessen gesundheit-

liche und erwerbliche Situation ab. Nach Rücksprachen mit dem Regiona-

len Ärztlichen Dienst (RAD) wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbe-

gehren mit Verfügung vom 5. Mai 2021 ab. Die dagegen erhobene Be-

schwerde wies das Versicherungsgericht mit Urteil VBE.2021.271 vom 

11. August 2021 ab. 

 

1.3. 

Mit Neuanmeldung vom 15. April 2022 machte der Beschwerdeführer eine 

Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend. Die Beschwerde-

gegnerin aktualisierte daraufhin die medizinischen und beruflichen Akten 

und nahm Rücksprache mit dem RAD. Nach durchgeführten Vorbescheid-

verfahren und dem Einholen einer RAD-Stellungnahme wies die Beschwer-

degegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdeführers mit Verfügung 

vom 29. März 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 29. März 2023 erhob der Beschwerdeführer mit 

Eingabe vom 15. Mai 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende 

Rechtsbegehren: 

 

"Die Verfügung vom 29. März 2023 sei aufzuheben und es sei dem Be-
schwerdeführer eine ganze Rente der Eidgenössischen Invalidenversi-
cherung zuzusprechen. 
 
Eventualiter sei durch die angerufene Gerichtsbehörde ein polydisziplinä-
res Gutachten einzuholen, und es sei danach über die Leistungsan-
sprüche des Beschwerdeführers neu zu entscheiden. 
 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegeg-
nerin." 

 

Gleichzeitig reichte er diverse Berichte seiner behandelnden Ärzte ein. 

 

 - 3 - 

 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 26. Juni 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin unter Beilage ihrer – unter anderem eine nach Erlass der angefochtenen 

Verfügung eingeholte RAD-Stellungnahme umfassenden – Akten die Ab-

weisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 3. Juli 2023 wurde die berufli-

che Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers im Verfahren beigeladen 

und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Mit Eingabe vom 11. Juli 

2023 verzichtete diese auf das Einreichen einer Stellungnahme. 

 

2.4. 

Mit Replik vom 11. Juli 2023 hielt der Beschwerdeführer an den gestellten 

Anträgen fest und reichte einen weiteren Arztbericht ein. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren 

des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 29. März 2023 (Vernehmlas-

sungsbeilage [VB] 148) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

Die Zusprechung einer Invalidenrente aufgrund einer Neuanmeldung, 

nachdem eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei-

gert wurde (vgl. Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV), bedarf, analog zur Ren-

tenrevision (Art. 17 Abs. 1 ATSG), einer anspruchsrelevanten Änderung 

des Invaliditätsgrades (vgl. BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; 130 V 71; 117 

V 198 E. 3 S. 198 f.; 109 V 108 E. 2 S. 114 f.; Urteil des Bundesge-

richts 8C_29/2020 vom 19. Februar 2020 E. 3.1 f. mit Hinweisen). 

 

Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird die Rente von Amtes wegen oder auf 

Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-

hoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines 

Rentenbezügers um mindestens fünf Prozentpunkte ändert (Art. 17 Abs. 1 

lit. a ATSG). Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinne von 

Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen 

Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten-

anspruch zu beeinflussen (BGE 134 V 131 E. 3 mit Hinweisen). Unerheb-

lich unter revisionsrechtlichem Gesichtswinkel ist dagegen nach ständiger 

Rechtsprechung die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen 

unverändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 112 V 371 E. 2b S. 372; vgl. 

auch BGE 135 V 201 E. 5.2 S. 205; MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die 

 - 4 - 

 

 

Invalidenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 118 ff. zu Art. 30 IVG mit Hin-

weisen). Insbesondere stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der 

Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund-

heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen 

Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 141 V 9 E. 2.3 

S. 10 f.; Urteil des Bundesgerichts 9C_698/2019 vom 3. März 2020 E. 2). 

Ist eine anspruchserhebliche Änderung des Sachverhalts nicht mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1) erstellt, bleibt 

es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen 

Rechtszustand (SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135, 8C_441/2012 E. 3.1.3; Urteil 

des Bundesgerichts 8C_519/2015 vom 16. November 2015 E. 3.2). 

 

Der neuanmeldungsrechtlich massgebende Vergleichszeitraum ist derje-

nige zwischen der letzten umfassenden materiellen Prüfung einerseits und 

der Überprüfung der Glaubhaftmachung der mit Neuanmeldung vorge-

brachten anspruchserheblichen Tatsachenänderungen andererseits 

(vgl. MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 125 zu Art. 30 IVG mit Hinweisen auf 

BGE 130 V 71 E. 3 S. 73 ff.; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.). 

 

3. 

3.1. 

Der vorliegend massgebliche retrospektive Vergleichszeitpunkt liegt in der 

Verfügung vom 5. Mai 2021 (VB 86). In dieser stützte sich die Beschwer-

degegnerin in medizinischer Hinsicht auf zwei Stellungnahmen von RAD-

Ärztin Dr. med. C._____ vom 31. Oktober 2019 (VB 52) und vom 7. Januar 

2021 (VB 83). 

 

3.1.1. 

In ihrer Stellungnahme vom 31. Oktober 2019 ging Dr. med. C._____ vom 

Vorliegen folgender Diagnosen aus (vgl. VB 52 S. 2): 

 

"- Claudicatio spinalis-Problematik, Erstmanifestation nach Trauma 
12/2018 

"- Mediale Teilmeniskektomie rechts 12/18 
"- Tendinitis calcarea linke Schulter 12/17 sowie St. n. Tendinitis calcarea 

rechts vor vielen Jahren 
"- Exzision und Nachresektion eines Melanoms (Schulterblattregion 

rechts) sowie Exzision eines melanocytären Naevus am Abdomen 
2015 bei diversen Naevi und hoher familiärer Krebsbelastung. 

"- Persistierende Beschwerden bei St. n. Fraktur MCP V Basis links (kon-
servativ behandelt) 

"- Arthroskop. Teilmeniskektomie li med. 9/15 
"- St. n. Beckenringfraktur 08.12.2014 mit/bei 

- Undislozierte Os Sakrum-Fraktur rechts 
"- Undislozierte obere und untere Schambeinastfraktur rechts 
"- Undislozierte oberer Schambeinastfraktur links 
"- Massive Thoraxkontusion rechts beim Unfall vom 08.12.2014" 

 

 - 5 - 

 

 

Gestützt darauf hielt die RAD-Ärztin zusammenfassend fest, der Beschwer-

deführer sei in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig. Es 

bestehe jedoch in einer angepassten sehr leichten und überwiegend 

sitzenden Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit (VB 52 S. 3). 

 

3.1.2. 

Mit ihrer Stellungnahme vom 7. Januar 2021 ergänzte Dr. med. C._____ 

gestützt auf die aktualisierte medizinische Aktenlage ihre Diagnoseliste um 

folgende Einträge (VB 83 S. 2): 

 

"- Demyelinisierende Polyneuropathie 
- In Kombination mit lumbaler Spinalkanalstenose (L3/4) 
- Dring. V.a. chronische Immunneuropathie (CIDP) 
- Klinisch: Sensibilitätsstörungen untere Extremitäten distal betont, 

Gangunsicherheit 
- Neurographien, zuletzt 9/2019: V.a. demyelinisierende Polyneuro-

pathie, keine wesentliche Verschlechterung zur Voruntersuchung 
4/2019 

- Hämato-onkologische Untersuchung Kantonsspital D._____ Juli 
und August 2019: Gastroskopie und Koloskopie, CT Thorax und 
Abdomen ohne Hinweis für Karzinome, umfassende 
laboranalytische Untersuchung ohne Hinweis für hämatologische 
oder onkologische Erkrankung; nebenbefundlich Helicobacter pylori 
Infektion in der Gastroskopie 

- Zustand nach Melanom Exzision, vermutlich 2004, jährliche Kontrolle 
durch Dr. E._____, letzte Kontrolle August 2019 ohne Hinweis für Re-
zidiv" 

 

Betreffend Arbeitsfähigkeit gab die RAD-Ärztin an, es hätten sich seit ihrer 

letzten Stellungnahme keine wesentlichen Veränderungen im Gesund-

heitszustand des Beschwerdeführers eingestellt. Damit bestehe insbeson-

dere nach wie vor für eine leichte (Gewichtslimite 10 kg) wechselbelas-

tende, überwiegend sitzende und wenig stehende und gehende Tätigkeit 

eine volle Arbeitsfähigkeit (VB 83 S. 3). 

 

3.2. 

In der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 29. März 2023 (VB 148) 

stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesent-

lichen auf die Aktenbeurteilung des RAD-Arztes Dr. med. F._____, 

Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 

Bewegungsapparates, vom 27. März 2023. Darin hielt dieser in Würdigung 

der neu eingegangenen Berichte fest, weder der Gesundheitszustand noch 

die Arbeitsfähigkeit hätten sich gegenüber dem Zeitpunkt vom 5. Mai 2021 

verändert (VB 147 S. 5). 

 

3.3. 

3.3.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

 - 6 - 

 

 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.3.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. 

und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

3.3.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesgerichts 

8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 

2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

4. 

4.1. 

Der Beschwerdeführer bringt mit Verweis auf die Berichte seiner behan-

delnden Ärzte vor, es sei seit Herbst 2021 eine erhebliche Gesundheitsver-

schlechterung eingetreten. Diese sei einerseits auf somatischer Ebene auf 

eine Exazerbation der Schmerzen zurückzuführen, für welche ein lumbora-

dikuläres Reizsyndrom L5 in Kombination mit einer demyelinisierenden Po-

lyneuropathie verantwortlich gewesen sei, und andererseits auf eine 

schwere psychische Erkrankung. Dementsprechend seien die Voraus-

setzungen einer langandauernden erheblichen Gesundheitsverschlechte-

rung erfüllt (vgl. Beschwerde S. 3 f., 7 ff., 18 ff., 22; Replik S. 2 f.). Der 

RAD-Arzt Dr. med. F._____ habe die dargelegten Gesamtumstände weder 

vollständig noch überzeugend gewürdigt. Es würden daher nicht nur ge-

ringe Zweifel an seiner Beurteilung bestehen, sondern es sei schlichtweg 

nicht schlüssig und überzeugend, dass seit der letzten materiellen Renten-

prüfung vom 5. Mai 2021 keine erhebliche Gesundheitsverschlechterung 

eingetreten sein soll (vgl. Beschwerde S. 9, S. 18 ff.). 

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4.2. 

Im Bericht vom 10. Februar 2023 hielt Dr. med. G._____, Facharzt für 

Neurochirurgie, H._____, als Hauptdiagnose einen Verdacht auf ein 

lumboradikuläres Reizsyndrom L5 rechts fest (VB 146 S. 3). Unter Befunde 

führte er (u.a.) aus: "Gang unauffällig, keine fokalneurologischen Defizite 

der unteren Extremitäten. Mechanisch provozierbarer Rückenschmerzen 

über v. a. den Facetten LW4/5 beidseits." Neurochirurgisch präsentiere 

sich der Beschwerdeführer am ehesten mit einem lumboradikulären 

Reizsyndrom L5 rechts. Bei korrelierendem bildmorphologischem Befund 

werde in einem ersten Schritt eine periradikuläre Therapie (PRT) der 

Nervenwurzel vorgenommen werden (VB 146 S. 4). 

 

Der RAD-Arzt Dr. med. F._____ führte in seiner Aktenbeurteilung vom 

27. März 2023 dazu aus, im Schreiben vom 10. Februar 2023 werde unter 

der Überschrift "Hauptdiagnosen" aktuell lediglich ein Verdacht auf ein lum-

boradikuläres Reizsyndrom L5 rechts geäussert. Das Hinzutreten einer 

Verdachtsdiagnose stelle keine Veränderung der tatsächlichen Verhält-

nisse dar, weil auch hier das quantitative Element einer erheblichen Ge-

sundheitsverschlechterung nicht ausgewiesen sei. Massgeblich sei einzig, 

ob bzw. in welchem Ausmass – unabhängig von der Diagnose und grund-

sätzlich unbesehen der Ätiologie – den medizinischen Akten eine Beein-

trächtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit entnommen werden könne. 

Bei unauffälligem Gang und ohne fokalneurologische Defizite der unteren 

Extremitäten könnten "mechanisch provozierbare Rückenschmerzen [≙ 

Druckschmerzen] über v. a. den Facetten LWK 4/5 beidseits" schlichtweg 

nicht als ausgewiesenes organisches Substrat der beanspruchten gesund-

heitlichen Einschränkungen qualifiziert werden. Eine Operationsindikation 

lasse sich immer noch nicht erkennen. Sollte allerdings in der Tat ohne eine 

präoperativ fachärztlich gesicherte neurologische Pathologie ein grösserer 

invasiver Eingriff erfolgt sein, müsse nicht mit einer objektivierbaren Ver-

schlechterung des Gesundheitszustandes gerechnet werden (VB 147 

S. 5). 

 

Nachdem der Schmerzeingriff (Infiltration auf Niveau L5) am 13. Februar 

2023 durchgeführt worden war (vgl. Beschwerdebeilage [BB] 6), hielt 

Dr. med. I._____, Fachärztin für Neurochirurgie, H._____, in ihrem Bericht 

vom 17. März 2023 – der zwar vor Verfügungserlass und vor der 

Aktenbeurteilung von Dr. med. F._____ vom 27. März 2023 datiert, aber 

erst im Beschwerdeverfahren zu den Akten gereicht wurde – als Haupt-

diagnose nun ein gesichertes lumboradikuläres Reizsyndrom L5 rechts bei 

Rezessusstenose LWK 4/5 rechts fest (BB 7 S. 1). Unter "Anamnese" 

führte sie aus, der Beschwerdeführer stelle sich heute planmässig vor nach 

einer Infiltration von L5 auf der rechten Seite bei klarer L5-Radikulopathie 

rechts. Er berichte, dass er nach der Infiltration für sieben Tage keine 

Schmerzen mehr gehabt habe. Er gebe an, dass er dabei ein ganz anderes 

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Leben habe führen können, was er schon lange nicht mehr gekonnt habe. 

Nach ca. zehn Tagen seien die Schmerzen dann wieder zurückgekommen 

und aktuell seien die Schmerzen nun erneut stark ausgeprägt. Die Be-

schwerden würden vom Rücken rechtsseitig über das rechte Gesäss in den 

lateralen Ober- und Unterschenkel über den medialen Unterschenkel in 

den Fussrücken rechts bis in die Grosszehe rechts verlaufen. Neue neuro-

logische Defizite würden nicht angegeben. Unter "Befund" hielt 

Dr. med. I._____ fest, klinisch neurologisch würden sie einen wachen, adä-

quaten Beschwerdeführer mit deutlich hinkendem Gangbild sehen, 

schmerzgeplagt, der Zehen- und Fersengang sei aufgrund der Schmerzen 

nicht möglich. In der klinischen Untersuchung würden sich allseits Kraft-

grade 5/5 und ein Taubheitsgefühl im Bereich des rechten Fusses ergeben. 

Trendelenburg und Lasègue rechts seien positiv. Beurteilend führte sie 

aus, beim Beschwerdeführer zeige sich korrelierend zum MRT eine L5-Ra-

dikulopathie, welche auf die Infiltration gut angesprochen habe. Bei ent-

sprechend starken Schmerzen und wiederkehrenden Schmerzen werde 

die operative Dekompression auf Höhe LWK4/5 von rechts mit Undercut-

ting nach links empfohlen (BB 7 S. 2). Dies wurde dann am 3. April 2023 

durchgeführt (BB 8). 

 

In der nach Verfügungserlass erstellten Aktennotiz vom 22. Juni 2023 hielt 

der RAD-Arzt Dr. med. F._____ dazu lediglich fest, Dr. med. I._____ habe 

am 15. März 2023 einen wachen, adäquaten Patienten gesehen, der ein 

deutliches, schmerzgeplagtes, hinkendes Gangbild gezeigt habe und ohne 

Kraftverlust in den unteren Extremitäten ein Taubheitsgefühl im Bereich 

des rechten Fusses angegeben habe. Nach der Dekompression LWK 4/5 

von rechts mit Undercutting von links vom 3. April 2023 wegen dortiger Re-

cessusstenose und lumboradikulärem Reizsyndrom L5 rechts könne eine 

sechswöchige Arbeitsunfähigkeit nachvollzogen werden (VB 153). 

 

Der RAD-Arzt Dr. med. F._____ setze sich somit in seiner Aktenbeurteilung 

vom 22. Juni 2023 in keiner Weise damit auseinander, dass das zuvor nur 

als Verdachtsdiagnose gestellte lumboradikuläre Reizsyndrom L5 rechts 

von Dr. med. I._____ nun gesichert als Hauptdiagnose gestellt wurde. Zwar 

ist ihm zuzustimmen, dass für die Beurteilung eines Rentenanspruchs letzt-

lich nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens ent-

scheidend ist, sondern dessen konkrete Auswirkung auf die Arbeits- und 

Leistungsfähigkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 

26. Juni 2013 E. 4.1.4 mit Hinweis auf BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281). 

Dies erlaubt es dem RAD-Arzt jedoch keineswegs, mit dem pauschalen 

Hinweis, massgeblich sei einzig, ob bzw. in welchem Ausmass den medi-

zinischen Akten eine Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit 

entnommen werden könne (VB 147 S. 5), keine versicherungsmedizini-

sche Würdigung vorzunehmen. Vielmehr hätte sich der RAD-Arzt, insbe-

sondere vor dem Hintergrund der erfolgten Sicherung der Diagnose eines 

lumboradikulären Reizsyndroms L5 rechts, damit auseinandersetzen müs-

 - 9 - 

 

 

sen, ob und inwieweit damit ein organisches Substrat für die Beschwerden 

des Beschwerdeführers ausgewiesen ist, ob und inwiefern (insbesondere 

retrospektiv) von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen ist 

und ob es damit zu einer massgeblichen Veränderung gekommen ist. Dies 

hat der RAD-Arzt unterlassen und in der Aktennotiz vom 22. Juni 2023 le-

diglich zur Arbeitsunfähigkeit nach der Operation vom 3. April 2023 Stel-

lung genommen (VB 153). 

 

In Anbetracht der strengen Anforderungen an reine Aktenbeurteilungen 

durch versicherungsinterne medizinische Fachpersonen (vgl. E. 3.3.2. 

hiervor) ist damit nach dem Dargelegten von zumindest geringen Zweifeln 

an den Beurteilungen von RAD-Arzt Dr. med. F._____ auszugehen. Seine 

Beurteilung erscheint unvollständig und damit nicht nachvollziehbar. Aus 

den Berichten der behandelnden Ärzte geht zudem nicht schlüssig hervor, 

ob und gegebenenfalls inwiefern sich der Gesundheitszustand des 

Beschwerdeführers seit der Verfügung vom 5. Mai 2021 in 

anspruchserheblicher Weise verschlechtert hat. Der Leistungsanspruch 

lässt sich daher weder gestützt auf dessen Einschätzung noch gestützt auf 

die weiteren medizinischen Akten abschliessend beurteilen. 

 

4.3. 

Der medizinische Sachverhalt erweist sich damit als unvollständig und im 

Lichte der Untersuchungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; 

BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 

S. 195; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu 

Art. 43 ATSG) nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Die Sache ist dement-

sprechend zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzu-

weisen (vgl. BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). 

Dabei sind der Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit des Be-

schwerdeführers in angepasster Tätigkeit, insbesondere im retrospektiven 

zeitlichen Verlauf seit dem 5. Mai 2021 unter Auseinandersetzung mit den 

medizinischen Akten bis zum (neuen) Verfügungszeitpunkt, zu bestimmen. 

Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin neu über das Leistungsbegeh-

ren des Beschwerdeführers zu verfügen. 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtene Verfügung vom 29. März 2023 aufzuheben und die 

Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neuver-

fügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

 - 10 - 

 

 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz seiner 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 

V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 

29. März 2023 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung im 

Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'600.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

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Aarau, 21. November 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Roth Fricker