# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2495d62-6d7a-5917-9457-c57b91f0db84
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-03-21
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 21.03.2016 200 2015 398
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2015-398_2016-03-21.pdf

## Full Text

200 15 398 IV
FUR/BRM/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 21. März 2016

Verwaltungsrichterin Fuhrer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Grütter, Verwaltungsrichter Scheidegger
Gerichtsschreiber Braune

A.________
vertreten durch B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung  vom 30. März 2015

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. März 2016, IV/15/398, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1967 geborene A.________, gelernte …, meldete sich am 28. August 
2012 unter Hinweis auf seit Dezember 2011 bestehende rheumatologische 
und psychische Beeinträchtigungen zur Beruflichen Integration/Rente bei 
der IV-Stelle Bern (IVB) an (Akten der IVB [act. II] 4). Die IVB holte erwerb-
liche (act. II 5) sowie medizinische (act. II 6, 8, 19, 21) Unterlagen und die 
Akten der C.________ (Taggeldversicherer; act. II 13.1 – 13.4) ein. 

Als Frühinterventionsmassnahme gewährte die IVB ein Coaching zur Neu-
orientierung beim Geschäftswiederaufbau bei der D.________ (vgl. Mittei-
lung vom 13. November 2012; act. II 16 und Berichte vom 20. Februar und 
27. November 2013; act. II 26, 62). Der Taggeldversicherer hatte die Versi-
cherte bereits im Oktober 2012 zu einem Case Management zwecks Erör-
terung der Situation mittels eines Assessments sowie Installation eines 
Job-Coachings bei der E.________, angemeldet (act. II 25, 30, 61). 

Auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), Dr. med. 
F.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie (act. II 31), veranlasste 
die IVB eine bidisziplinäre Begutachtung durch das Ärztliche Begutach-
tungsinstitut GmbH (ABI), Basel (act. II 32); das am 29. August 2013 ver-
fasste Gutachten wurde der IVB am 5. September 2013 zugestellt (act. II 
49.1).

Im Oktober 2013 erteilte die IVB Kostengutsprache für ein Aufbautraining 
bei der G.________, mit Coaching durch die H.________, in der Zeit vom 
16. Oktober 2013 bis 7. Januar 2014 (act. II 57) samt Verlängerung für die 
Zeit vom 8. Januar bis 31. März 2014 (act. II 66). Daran schloss sich eine 
Einarbeitung im I.________ mit Coaching durch die H.________ an (vgl. 
Kostengutsprache vom 7. April 2014; act. II 70), welche bis 30. Juni 2014 
verlängert wurde (act. II 73). Hierüber erstattete die H.________ am 30. 
Juni 2014 Bericht (act. II 74). Per 1. Juli 2014 konnte die Versicherte eine 
Stelle im Seminarzentrum I.________ zu einem Pensum von 70% mit Leis-
tungslohn entsprechend der effektiven Leistung antreten (vgl. act. II 78). 

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In der Folge holte die IVB einen Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. 
med. J.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie (act. II 77), ein und 
liess die Versicherte aufgrund der Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. 
F.________ (act. II 79) im Sinne eine Reevaluation erneut im ABI psychia-
trisch begutachten (act. II 81). Das Gutachten wurde am 25. November 
2014 vorgelegt (act. II 88.1).

B.

Gestützt auf diese Abklärungen stellte die IVB der Versicherten mit Vorbe-
scheid vom 12. Dezember 2014 die Abweisung des Leistungsbegehrens 
mangels einer iv-rechtlich relevanten Diagnose in Aussicht (act. II 90). 
Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch die K.________, am 20. 
Februar 2015 Einwand erheben (act. II 98 S. 1) und unter Hinweis auf die 
beigelegte Stellungnahme von Dr. med. J.________ vom 8. Februar 2015 
zum ABI-Gutachten (act. II 98 S. 2 – 10) geltend machen, sie könne eine 
Arbeit –  wenn sie eine solche hätte – nicht über längere Zeit aufrechterhal-
ten, woran auch ein psychosomatischer Rehaaufenthalt nichts zu ändern 
vermöchte. 

Nach hierzu eingeholter Stellungnahme seitens des RAD-Arztes Dr. med. 
F.________ (act. II 101) verfügte die IVB am 20. März 2015 entsprechend 
dem Vorbescheid (act. II 102).

C.

Hiergegen liess die Versicherte, nunmehr vertreten durch B.________, am 
7. Mai 2015 Beschwerde erheben mit den Anträgen, die Verfügung vom 
20. März 2015 sei aufzuheben und es sei die Arbeitsfähigkeit psychiatrisch 
näher abzuklären. Sodann sei der Beschwerdeführerin eine Rente zuzu-
sprechen; eventualiter sei ihr ausgehend von einer Leistungsfähigkeit von 
28% eine Rente zuzusprechen. Gerügt wird, dass das ABI-Gutachten vom 
25. November 2014 – auf welches die IVB für die Beurteilung der Renten-
frage abgestellt habe – widersprüchlich und nicht schlüssig sei. Insbeson-

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dere sei das Ausmass der – an sich vom ABI zutreffend diagnostizierten – 
Persönlichkeitsstörung, wie sich im Rahmen der beruflichen Massnahmen 
gezeigt habe, weit schwerer als von der Gutachterin angenommen. Sodann 
fehle eine Diskussion der bestehenden diagnostischen Unterschiede sowie 
eine Auseinandersetzung mit differenzialdiagnostischen Überlegungen. 
Aus dem Gutachten gehe weiter nicht hervor, ob die Gutachterin ihre Ein-
schätzung der Arbeitsfähigkeit von 50% in Kenntnis der effektiven Leis-
tungsfähigkeit von 28% abgegeben habe. Bei der Einschätzung des be-
handelnden Psychiaters handle es sich – entgegen der vom RAD-Arzt ver-
tretenen Auffassung – nicht um eine unterschiedliche Beurteilung des glei-
chen Sachverhaltes. Auf das ABI-Gutachten könne deshalb nicht abgestellt 
werden, es bedürfe vielmehr einer näheren psychiatrischen Abklärung der 
Arbeitsfähigkeit. Allenfalls sei gestützt auf die Ergebnisse des Coachings 
von einer effektiven Leistungsfähigkeit von 28% auszugehen.

Ferner wird um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nachgesucht.

In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Juli 2015 beantragt die IVB die Abwei-
sung der Beschwerde, wobei sie auf die Ausführungen in der angefochte-
nen Verfügung sowie ergänzend auf die Stellungnahme der psychiatri-
schen Gutachterin vom 13. Juli 2015 verwies, in welcher nach Prüfung der 
Unterlagen des Behandlers und der beruflichen Eingliederung ausgeführt 
werde, dass sich aus objektiver Sicht keine neuen Aspekte ergäben und 
weiter auf das Gutachten vom 25. November 2014 abgestützt werden kön-
ne. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 

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den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist die Verfügung der IVB vom 30. März 2015 (act. II 
102). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf 
Leistungen der Invalidenversicherung, namentlich auf eine Rente. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus 
drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-

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werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). 

2.2.1 Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und da-
mit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun-
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung 
allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv 
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versi-
cherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Restar-
beitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgegli-
chenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft tragbar 
ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen 
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung 
nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 
ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungs-
fähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge 
einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei dia-
gnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285).

2.2.2 Eine Dysthymie, welche nicht zusammen mit anderen Befunden wie 
etwa einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung auftritt, kommt nach der 
Rechtsprechung nicht einem Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes 
gleich; sie ist allein somit regelmässig nicht invalidisierend (SVR 2011 IV 
Nr. 17 S. 45 E. 2.2.2).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf 
eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 

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Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.4 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

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Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das 
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unab-
hängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).

3.

3.1 In medizinischer Hinsicht ist den Akten im Wesentlichen Folgendes 
zu entnehmen:

3.1.1 Im Bericht vom 19. Oktober 2012 hielt die behandelnde Ärztin Dr. 
med. L.________, FMH Allgemeine Medizin, als Diagnosen mit Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Lumbago, Myogelosen lumbal und 
cervikal, ein chronisches Cervikalsyndrom, eine instabile Persönlichkeit mit 
rezidivierenden depressiven Episoden sowie einen Status nach OSG-
Fraktur links vor Jahren fest. Es bestünden Einschränkungen beim Heben 
schwerer Lasten, beim Bücken und lange am PC Sitzen. Es wurden bei 
guter Prognose Arbeitsunfähigkeiten unterschiedlichen Ausmasses be-
scheinigt und eine schrittweise Steigerung auf ein Vollpensum in der zuletzt 
ausgeübten Tätigkeit als selbstständige … bis Ende Dezember 2012 vor-
gesehen (act. II 8). 

3.1.2 Dr. M.________, FMH Allgemeine Innere Medizin und Rheumatolo-
gie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 13. November 2012 ein ausge-
prägtes myofasziales Schmerzsyndrom; derzeit bestünden keine relevan-
ten körperlichen Einschränkungen mehr und aus rein somatischer Sicht sei 
die bisherige Tätigkeit in vollem Umfang zumutbar. Es sei eine psychiatri-
sche Evaluation mit Therapie zu empfehlen (act. II 19).

3.1.3 Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. 
med. N.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, im Bericht vom 

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28. November 2012 eine reaktive Depression bei selbstunsicherer Persön-
lichkeit sowie ein linksseitiges Schmerzsyndrom LWS und linkes Bein. Seit 
Herbst 2011 bestehe eine zunehmende psychosoziale Belastung, ausge-
hend vor allem vom Geschäft (interpersonelle Probleme mit einer Prakti-
kantin und einer Firma, die gerichtliche Forderungen gestellt habe) und 
einem Konflikt mit dem Vater. Dies habe die Patientin massiv destabilisiert 
und sie habe zunehmend unter einem linkseitigen Schmerzsyndrom gelit-
ten. Sie sei durch ihre aktuelle Situation überfordert und breche rasch in 
Weinen aus. Psychisch sei der reaktiv depressive und Überforderungszu-
stand einschränkend; körperliche oder geistige Einschränkungen bestün-
den nicht. Wenn die aktuelle Krise einigermassen geregelt sei, werde die 
Patientin in der Lage sein, wieder für sich und ihr Geschäft einzustehen. Es 
wurde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 12. November 2012 bis 
voraussichtlich 7. Januar 2013 bescheinigt mit dem Ziel, die Arbeitsfähig-
keit ab Januar 2013 langsam zu steigern (act. II 21). 

3.1.4 Im bidisziplinären Gutachten vom 5. September 2013 wurden als 
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Dysthymie mit aus-
gedehntem psychosomatischem Symptomenkomplex (ICD-10: F34.1), eine 
leichtgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0), akzentuierte Persönlich-
keitszüge mit asthenischen und sensitiven Zügen sowie ein Hypermobi-
litätssyndrom (ICD-10: M35.7) mit rezidivierenden Blockierungen im Wir-
belsäulenbereich genannt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit be-
stehe diagnostisch ein chronisches lumbospondylogenes  Schmerzsyn-
drom links-betont (ICD-10: M54.5), ein chronisches zervikospondylogenes 
Schmerz-syndrom linksbetont (ICD-10: M35.0), ein beginnendes generali-
siertes multilokuläres Schmerzsyndrom (ICD-10: R52.9) sowie ein ana-
mnestisch schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.1). Aus Sicht 
des Bewegungsapparates seien der Explorandin bei geringen objektiven 
Befunden keine körperlich schweren Tätigkeiten zumutbar; für eine körper-
lich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit – so auch für die 
angestammte Tätigkeit als … – bestehe uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. 
In psychiatrischer Hinsicht könne bei der Patientin bei protrahierter affekti-
ver Störung von einer Dysthymie gesprochen werden, dies mit einem aus-
gedehnten psychosomatischen Symptomenkomplex. Parallel bestehe der-
zeit eine leichtgradige depressive Episode, das Ganze vor dem Hintergrund 

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von asthenischen und sensitiven Zügen einer akzentuierten Persönlichkeit. 
Die in den Arztberichten nachvollziehbar attestierten Arbeitsunfähigkeiten 
hätten sich bis zum Untersuchungszeitpunkt deutlich reduziert und es sei 
ein weiterer Remissionsprozess zu erwarten, eine stabile langfristige Ein-
schätzung sei derzeit aber nicht möglich. Arbiträr sei ab Januar 2013 von 
einer 75%igen und ab Juli 2013 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus-
zugehen; nach weiterer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit könne ab Anfang 
2014 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit erwartet werden. Angesichts 
der prospektiv schwierig zu beurteilenden Situation empfehle sich andern-
falls eine psychiatrische Reevaluation in einem Jahr (act. II 49.1 insb. S. 15 
f.).

3.1.5 In seinem Bericht vom 11. Juli 2014 hielt Dr. med. J.________ als 
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere, gemisch-
te, vor allem sensitive bis paranoide, gleichzeitig auch ängstlich-
vermeidende, selbstunsichere Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61), zu-
mindest seit Adoleszenz (mit Dysthymie [ICD-10: F34.1], rezidivierenden, 
depressiven Episoden unterschiedlichen Schweregrades [ICD-10: F33] und 
ausgedehntem psychosomatischem Symptomenkomplex bei bekannten 
rheumatologischen Diagnosen) fest. Die Patientin zeige sich grundsätzlich 
Willens zur Integration in neue Arbeitsumfelder, erreiche allerdings schnell 
ihre Leistungsgrenze und reagiere mit Symptomen von Überforderung und 
Stressintoleranz wie rasche Erschöpfbarkeit, Ungenauigkeiten, Fehlleistun-
gen und schliesslich körperlichen Krankheitssymptomen. Die regelmässig 
wiederkehrenden Zuspitzungen hätten im Lauf der letzten Monate vielfa-
chen Anlass zu zeitaufwendigen Kriseninterventionen gegeben, jedoch 
jeweils ohne nachhaltige therapeutische Wirkung. Die begonnene psycho-
pharmakotherapeutische Behandlung habe eine subjektiv günstige Wir-
kung, auf die sozialen Wahrnehmungsstörungen, die hohe Kränkbarkeit, 
die ausgeprägte Konfliktunfähigkeit, die Neigung zu paranoiden Verken-
nungen, die emotionale Inkonstanz und das ruinöse Selbstwertgefühl da-
gegen keinen entscheidenden Einfluss. Insofern treffe die psychiatrisch 
diagnostische Einschätzung der ABI-Gutachter zu, das Ausmass der vor-
liegenden Persönlichkeitsstörung sei indessen weitaus schwerer, als da-
mals angenommen. Die Prognose bezüglich der schweren Persönlich-
keitsstörung und der Eingliederung ins Erwerbsleben sei ungünstig; die 

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wiederkehrenden depressiven Episoden hätten mittels antidepressiver Me-
dikation günstig beeinflusst werden können, während sich die ausgedehn-
ten psychosomatischen Symptome als therapierefraktär erwiesen hätten 
(act. II 77 S. 10 unten). 

3.1.6 Am 23. Juli 2014 wies Dr. med. F.________ auf Diskrepanzen zwi-
schen dem Gutachten des ABI vom 5. September 2013, dem Schlussbe-
richt der H.________ vom 30. Juni 2014 sowie dem Bericht von Dr. med. 
J.________ vom 11. Juli 2014 hin. Das Gutachten des ABI sei von einer 
Arbeitsfähigkeit von 50% ab Juli 2013 mit Steigerung auf 100% innert fünf 
Monaten ausgegangen, während Dr. med. J.________ durchwegs eine 
Arbeitsunfähigkeit von 100% annehme. Diese Diskrepanzen gelte es zu 
klären. Er empfahl deshalb, wie angesichts der prospektiv schwierigen Be-
urteilung bereits im Gutachten des ABI ins Auge gefasst, eine psychiatri-
sche Begutachtung im Sinne einer Reevaluation (act. II 79).  

3.1.7 Anlässlich einer psychiatrischen Reevaluation vom 25. November 
2014 bestätigte die Gutachterin im Wesentlichen die im Gutachten vom 5. 
September 2013 erhobenen Diagnosen, namentlich wurden eine Dysthy-
mie mit ausgedehntem psychosomatischem Symptomenkomplex (ICD-10: 
F34.1), eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0) 
sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit asthenischen und sensitiven 
Zügen angegeben. Im Vordergrund stünden sensitive zusammen mit as-
thenischen und gewissen histrionischen Zügen sowie Ich-Dysfunktionalität 
mit ständiger kompensatorischer Entwertung und Verzerrung anderer Per-
sonen in der Realitätsorientierung, was auch die Versuche der Arbeitstrai-
nings erschwert habe. Der Schwerpunkt der Behandlung liege auf dem 
psychotherapeutischen und nicht auf dem medikamentösen Gebiet. Seit 
der Dekompensation im Sommer 2014 bestehe nur eine Arbeitsfähigkeit 
von 50%, und zwar idealerweise in einer Alleinbeschäftigung (z.B. in einem 
Extraraum) zur Vermeidung sozialer Konflikte; bezüglich vorgängiger Ar-
beitsunfähigkeiten könne auf das Gutachten vom 5. September 2013 ver-
wiesen werden. Zur früheren psychiatrischen Einschätzung ergebe sich 
keine wesentliche Diskrepanz. Es werde die Durchführung einer psycho-
somatischen stationären Rehabilitation empfohlen (act. II 88.1). 

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3.1.8 Dr. med. J.________ führte in seiner Stellungnahme vom 8. Februar 
2015 zuhanden der IVB aus, dass und warum das ABI-Gutachten vom 17. 
November 2014 das fachärztliche Begutachtungsprozedere verletze sowie 
die qualitativen Mindestanforderungen an ein Gutachten nicht erfülle; ferner 
seien die diagnostischen Einschätzungen der Gutachterin vor dem Hinter-
grund anerkannter diagnostischer Kategorien im Bereich der Psychiatrie 
nicht nachvollziehbar. In formaler Hinsicht fehle die unverzichtbare Auflis-
tung der berücksichtigten Vorakten sowie eine hinreichend begründete 
Auseinandersetzung mit Diskrepanzen zu anderen ärztlichen und erwerbli-
chen Berichten. In inhaltlicher, diagnostischer Hinsicht fehle es an einer 
fundierten, fachlich-kritischen Reflexion. Die Angaben der Gutachterin sei-
en teilweise nachvollziehbar, stellten teilweise aber auch befremdliche, 
widersprüchliche Aussagen, Vermutungen und Behauptungen dar. Ange-
sichts des weitgehenden Versagens der bisherigen ambulanten Therapien 
sollte die Patientin einer stationären psychosomatischen Behandlung zuge-
führt werden, wofür sie nunmehr offen zu sein scheine. Es sei deshalb 
sinnvoll, mit einer abschliessenden Beurteilung sowie dem Erlass einer 
Verfügung seitens der Invalidenversicherung zuzuwarten, bis die Ergebnis-
se einer allfälligen Hospitalisation vorlägen (act. II 98). 

3.1.9 Auf entsprechende Anfrage führte das ABI, Dr. med. O.________, 
am 13. Juli 2015 aus, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die 
H.________ auf 28% ohne medizinische Begründung abgegeben worden 
sei; sie stelle weitestgehend eine Beobachtung im Arbeitsleben dar, welche 
von zahlreichen bewussten und unbewussten Einstellungen und Verhal-
tensweisen moduliert sei, die keine objektive Fähigkeitsbeurteilung erlaube. 
Die gutachterliche Beurteilung unterscheide sich nicht entscheidend von 
den Diagnosen des behandelnden Dr. med. J.________ (akzentuierte Per-
sönlichkeitszüge gegenüber paranoide Persönlichkeitsstörung auch mit 
sensitiven Zügen); different seien jedoch die validen versicherungsmedizi-
nischen Beurteilungen. Aus gutachterlicher Sicht erfüllten die bei bekannter 
langjähriger Dysthymie beobachteten neurotischen Verhaltensmuster das 
Kriterium einer Persönlichkeitsstörung nicht. Die Ressourcen der Versicher-
ten (ausgeprägte Willens- und Antriebsbildung, Durchsetzungs- und Aus-
dauerfähigkeit) seien insgesamt recht gut vorhanden; paranoide Elemente 
hätten nicht beobachtet werden können, allerdings sei der Eindruck ent-

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standen, dass sich die Versicherte zeitweise sehr stark ihren Emotionen 
überlasse. Kontroll- und Kompensationsmechanismen seien aus objektiver 
Sicht gegeben, sodass in Abweichung zum behandelnden Psychiater keine 
vollständige Arbeitsunfähigkeit gesehen werden könne. Am Begutach-
tungsergebnis sei deshalb festzuhalten (act. II 111).

3.2  In medizinischer Hinsicht stützt die IVB die vorliegend angefochte-
ne Verfügung auf das Gutachten des ABI vom 25. November 2014 (act. II 
88.1). Darin werden verschiedene psychiatrische Diagnosen gestellt und 
eine Einschränkung in der der Arbeitsfähigkeit von 50% bescheinigt (vgl. E. 
3.1.7 hiervor). 

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 
E. 3b bb S. 353; SVR 2009 IV Nr. 50 S. 154 E. 4.3). 

Das vorliegend eingeholte ABI-Gutachten erfüllt die nach der geltenden 
höchstrichterlichen Rechtsprechung an eine Expertise gestellten Anforde-
rungen. Es ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf einlässli-
chen gutachterlichen Untersuchungen und wurde in Kenntnis der Vorakten 
sowie in Berücksichtigung der geklagten Beschwerden abgegeben. Es 
überzeugt auch inhaltlich, indem es in der Darlegung der medizinischen 
Zusammenhänge und der Beurteilung der medizinischen Situation ein-
leuchtet und die Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet sind (vgl. 
E. 2.3 hiervor). Insbesondere werden die gestellten Diagnosen sowie Be-
funde unter Berücksichtigung der übrigen ärztlichen Unterlagen einlässlich 
diskutiert und – bei im Wesentlichen unveränderten Verhältnisses anläss-
lich der Begutachtung vom August 2013 und November 2014 – gestützt 
hierauf eine überzeugende Beurteilung der medizinischen Situation abge-
geben. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. März 2016, IV/15/398, Seite 14

Was die Beschwerdeführerin dagegen insbesondere unter Berufung auf die 
Stellungnahme des behandelnden Psychiaters vom 8. Februar 2015 (act. II 
98) vorbringen lässt, vermag daran nichts zu ändern:

Zunächst hat die Gutachterin entgegen der Vermutung von Dr. med. 
J.________ zweifellos Kenntnis auch von den Berichten betreffend die be-
ruflichen Eingliederungsmassnahmen gehabt. Eingangs ihres Gutachtens 
vom 25. November 2014 hat Dr. med. O.________ ausdrücklich festgehal-
ten, dass sie ihre Ausführungen auf die von der IVB zur Verfügung gestell-
ten Akten stütze, in welchen mit Sicherheit auch die genannten Bericht figu-
rierten. Eine formale Auflistung der Berichte ist sodann entbehrlich, wenn – 
wie dies vorliegend der Fall (vgl. act. II 88.1 S. 3, 6) – aus dem Gutachten 
ersichtlich ist, dass auf diese Bezug genommen und deren Inhalt diskutiert 
wurde. In ihrer Stellungnahme vom 13. Juli 2015 (act. II 111) weist die Gut-
achterin dann zutreffend darauf hin, dass die im Rahmen des Schlussbe-
richts der H.________ erfolgte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 28% 
auf einer Beobachtung im Arbeitsleben basiere, welche von zahlreichen 
bewussten oder unbewussten Faktoren moduliert werde und überdies ohne 
medizinische Begründung erfolgt sei.

Soweit im Bericht von Dr. med. J.________ und beschwerdeweise auf die 
unterschiedliche Diagnosestellung zwischen Gutachterin und behandeln-
dem Psychiater hinsichtlich der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin 
bzw. eine mangelnde Diskussion dieser Diskrepanzen seitens der Gutach-
terin hingewiesen wird, wird offenbar verkannt, dass sich die zu dieser Kri-
tik Anlass gebende Bemerkung in Ziffer 8 des Gutachtens (act. II 88.1 S. 7) 
auf die Einschätzung im vorangegangenen Gutachten vom August 2013 
und nicht auf die abweichende Diagnosestellung des behandelnden Arztes 
bezieht. Sodann hat die Gutachterin in einer nochmaligen Stellungnahme 
vom 13. Juli 2015 (act. II 111) mit schlüssiger Begründung dargelegt, dass 
und warum die Kriterien der von Dr. med. J.________ festgestellten Per-
sönlichkeitsstörung nicht erfüllt sind sowie entgegen dessen Einschätzung 
nicht von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist.

Eine Überprüfung der Einschränkung in der Arbeits- und Leistungsfähigkeit 
der Beschwerdeführerin unter dem – wenn auch diagnostisch festgehalte-
nen – Aspekt eines psychosomatischen Leidens erübrigt sich bereits des-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. März 2016, IV/15/398, Seite 15

halb, weil ein psychosomatischer Symptomenkomplex lediglich im Zusam-
menhang mit der Dysthymie (vgl. E. 3.1.4 und 3.1.7) bzw. mit den – letztlich 
unbestritten in einer angepassten Tätigkeit, wozu auch die zuletzt ausgeüb-
te Tätigkeit als Innenarchitektin zu zählen ist, nicht einschränkenden – 
rheumatologischen Beschwerden (E. 3.1.5 und 3.1.8) erwähnt wurde und 
auch klassifikatorisch weder vom behandelnden Psychiater noch von der 
psychiatrischen Gutachterin der hierfür relevanten ICD-Ziffer (nämlich 
F45.40) zugeordnet wurde.

3.3 Auszugehen ist nach dem oben Gesagten mithin in medizinischer 
Hinsicht von einer Dysthymie, leicht- bis mittelgradigen – aber immer noch 
unter ICD-10: F32.0 gefassten – depressiven Episoden sowie akzentuier-
ten Persönlichkeitszügen.

Eine Dsythymie ist nach der im Klassifikationssystem ICD-10 enthaltenen 
Umschreibung eine chronische depressive Verstimmung, die weder schwer 
noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien 
einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven 
Störung zu erfüllen (vgl. auch: DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Interna-
tionale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch 
diagnostische Leitlinien, 9. Aufl. 2014, S. 183). Sie kommt aber für sich 
allein betrachtet nicht einem Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes 
gleich (vgl. E. 2.2.2 hiervor). Eine ernsthafte Persönlichkeitsstörung – 
welche allenfalls zusammen mit einer Dysthymie einen relevanten 
Gesundheitsschaden darstellen könnte – ist nach der schlüssigen ABI-
Begutach-tung nicht anzunehmen. Die Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-
10 Z73.1) stellt als sogenannte ICD-10-Z-Kodierung rechtsprechungs-
gemäss keine invaliditätsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigung 
dar (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 23. Januar 2013, 
9C_605/2012, E. 3.3). Es liegt somit kein invalidisierender Gesundheits-
schaden vor. Unter Berücksichtigung der höchstrichterlichen Rechtspre-
chung (vgl. E. 2.2.2 hiervor) kann aus rechtlicher Sicht auf die gutachterli-
che Arbeitsunfähigkeitsschätzung nicht abgestellt werden, wenngleich die-
se aus rein medizinischer Sicht durchaus zutreffen mag.

Der Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten der angestammte Beruf 
weiterhin vollumfänglich zumutbar. Der Umstand, dass sie ein Arbeitsum-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. März 2016, IV/15/398, Seite 16

feld benötigt, welches ihrer Persönlichkeit Rechnung trägt, gehört zum Zu-
mutbarkeitsprofil. Es ist davon auszugehen, dass auf dem ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (vgl. Art. 16 ATSG) solche Stellen angeboten werden. 

3.4 Nach dem Gesagten hat die IVB das Vorliegen eines invalidisieren-
den Gesundheitsschadens zu Recht verneint. Der Beschwerdeführerin ist 
die angestammte Tätigkeit weiterhin vollumfänglich zumutbar. Mangels 
eines leistungsrelevanten Gesundheitsschadens besteht kein Anspruch auf 
eine Rente. Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens 
und die Beschwerde ist abzuweisen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.— bis Fr. 1’000.— festzulegen. Die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin hat damit grundsätzlich die Verfahrenskosten zu bezahlen, die gericht-
lich auf Fr. 700.— festgesetzt werden.

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).

4.3 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-
gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Das vorliegend zu beurteilende Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege be-
zieht sich einzig auf die Befreiung von den Kosten des Beschwerdeverfah-
rens. Da. B.________ in keinem Anwaltsregister eingetragen ist, könnte sie 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. März 2016, IV/15/398, Seite 17

der Beschwerdeführerin ohnehin nicht als amtliche Anwältin zugeordnet 
werden (vgl. Rundschreiben der Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung 
und der Abteilung für französischsprachige Geschäfte des Verwaltungsge-
richts des Kantons Bern vom 16. Dezember 2009; www.justice.be.ch).

Die Prozessarmut der vom Sozialdienst unterstützten Beschwerdeführerin 
ist gestützt auf die von ihr eingereichten Unterlagen erstellt (vgl. Gesuchs-
beilagen [act. IA] 1 – 3). Da weiter das Beschwerdeverfahren nicht als von 
vornherein aussichtslos zu betrachten ist, ist das Gesuch um unentgeltliche 
Rechtspflege für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht gutzuheissen. 
Die Beschwerdeführerin ist damit – unter Vorbehalt der Nachzahlungs-
pflicht gemäss Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zi-
vilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272), d.h. sobald sie 
innert zehn Jahren nach Abschluss des Verfahrens zur Nachzahlung in der 
Lage ist – vorläufig von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird hinsichtlich der Ver-
fahrenskosten gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.— werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird 
die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht ge-
mäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Zu eröffnen (R):

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. März 2016, IV/15/398, Seite 18

- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Die Kammerpräsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.