# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 151e51dc-bf41-5eeb-a08e-1f746bb2268e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.09.2021 D-3996/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3996-2021_2021-09-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3996/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richterin Chiara Piras,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Marina Filou,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 26. August 2021 / N (…). 

 

 

 

D-3996/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 11. Juni 2021 in der Schweiz um 

Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank 

Eurodac ergab, dass er am 20. Dezember 2020 in Rumänien und am 

22. Februar 2021 in Deutschland ein Asylgesuch gestellt hatte. Am 25. Juni 

2021 fand eine Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige (EB UMA) 

statt. Dabei führte der Beschwerdeführer aus, er sei am (…) geboren und 

somit noch minderjährig. Als Beweismittel reichte er insbesondere das Ori-

ginal einer am (…) März 2021 ausgestellten Tazkira, die Kopie einer Impf-

karte und ein medizinisches Dokument aus B._______ ein. Im weiteren 

Verlauf des Verfahrens wurde zudem eine eidesstattliche Erklärung seines 

ältesten Bruders zu den Akten gereicht.  

A.b Auf ein entsprechendes Informationsersuchen hin teilten die deut-

schen Behörden der Vorinstanz mit, dass ihnen der Beschwerdeführer be-

kannt und unter den Personalien C._______, geboren am (…) registriert 

sei. Es sei ein Übernahmeersuchen an Rumänien gestellt worden, wel-

chem am 18. März 2021 zugestimmt worden sei. Da Rumänien für die Prü-

fung des Asylgesuchs zuständig sei, sei das Dublin-Verfahren am 19. April 

2021 abgeschlossen worden. Unter der Rubrik "Zusätzliche Informationen" 

wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer untergetaucht sei. Zudem 

sei ein Verfahren zur Altersfeststellung vom Jugendamt durchgeführt und 

eine Minderjährigkeit ausgeschlossen worden. Ferner wurde ausgeführt, 

der Antragsteller habe keine Dokumente vorgelegt.  

B.  

B.a Mit Schreiben vom 30. Juni 2021 gewährte das SEM dem Beschwer-

deführer das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Anpassung seines Ge-

burtsdatums im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) sowie 

zur möglichen Zuständigkeit von Rumänien zur Durchführung seines Asyl-

verfahrens. Im Zusammenhang mit dem Alter wies es insbesondere darauf 

hin, dass bei einer in Deutschland durchgeführten Altersabklärung eine 

Minderjährigkeit ausgeschlossen worden sei. Zudem habe der Beschwer-

deführer geltend gemacht, er kenne sein Geburtsdatum, weil dieses auf 

seiner Impfkarte stehe. Auf der eingereichten Kopie der Impfkarte sei je-

doch als Geburtsdatum der (…) aufgeführt. Zudem habe er angegeben, 

dass er mit sieben Jahren eingeschult worden sei und zwei Jahre die 

Schule besucht habe. Dies würde bedeuten, dass er spätestens im Jahr 

D-3996/2021 

Seite 3 

(…) mit der Schule aufgehört hätte und nicht – wie von ihm geltend ge-

macht – im Jahr (…). Auch sein äusseres Erscheinungsbild deute darauf 

hin, dass er nicht mehr minderjährig sei. Überdies sei er mit einem Zugti-

cket für Erwachsene von Deutschland in die Schweiz gereist.  

B.b Mit E-Mail vom 5. Juli 2021 teilte die Rechtsvertreterin dem SEM mit, 

im Schreiben vom 30. Juni 2021 werde auf eine in Deutschland durchge-

führte Altersabklärung Bezug genommen, welche ihr nicht vorliege. Es 

werde um Übermittlung des betreffenden Gutachtens ersucht, damit sie 

dazu Stellung nehmen könne. Sollte dieses dem SEM ebenfalls nicht vor-

liegen, werde darum gebeten, das Gutachten gestützt auf die Verordnung 

(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) bei den deut-

schen Behörden anzufordern.  

B.c Das SEM teilte der Rechtsvertreterin mit E-Mail vom 6. Juli 2021 mit, 

dass ihm das Altersgutachten aus Deutschland nicht vorliege. Das Institut 

für Rechtsmedizin in D._______ stütze sich bei der forensischen Altersdi-

agnostik aber auf die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Deut-

schen Gesellschaft für Rechtsmedizin (AGFAD), weshalb davon auszuge-

hen sei, es würden in Deutschland vergleichbare Massstäbe bei der Be-

gutachtung angewendet. Zudem gebe es von der AGFAD organisierte 

"Ringversuche" – an denen die Schweiz ebenfalls teilnehme – mit dem Ziel, 

die Altersabklärungen zwischen den Ländern in Europa zu vereinheitli-

chen. Die Altersgutachten aus Deutschland seien gegenüber jenen aus der 

Schweiz als gleichwertig anzusehen. Überdies hätte es dem Beschwerde-

führer freigestanden, das Altersgutachten in Deutschland anzufechten, 

wenn es seiner Ansicht nach nicht korrekt gewesen wäre.  

B.d Mit Schreiben vom 8. Juli 2021 nahm der Beschwerdeführer durch 

seine Rechtsvertreterin im Rahmen des ihm gewährten rechtlichen Gehörs 

Stellung und machte geltend, dass in Deutschland keine medizinische Al-

tersabklärung stattgefunden habe. Etwas anderes gehe auch aus dem Ant-

wortschreiben der deutschen Behörden auf das Informationsersuchen des 

SEM nicht hervor. Es werde daher am Antrag, dass das SEM das Doku-

ment über die Altersabklärung von Deutschland anfordere, festgehalten. 

Zwar könne grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass in Deutsch-

land und der Schweiz vergleichbare Massstäbe für die Altersbegutachtung 

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Seite 4 

angewendet würden. Obwohl sich die Behörden überwiegend an die Leit-

linien der AGFAD hielten, seien diesbezüglich aber auch schon negative 

Erfahrungen gemacht worden. Es bestehe daher ein berechtigtes Inte-

resse daran, das Ergebnis der Altersabklärung aus Deutschland überprü-

fen zu können. Selbst wenn die deutschen Behörden eine medizinische 

Altersabklärung durchgeführt hätten – was ausdrücklich bestritten werde – 

sei es möglich, dass sie sich dabei nicht an die Leitlinien der AGFAD ge-

halten hätten. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass das von ihm genannte 

Geburtsdatum (…) durch die eingereichte Original-Tazkira bestätigt werde. 

Der Umstand, dass auf der Impfkarte ein fünf Tage späteres Geburtsdatum 

angegeben sei, könne ihm nicht zur Last gelegt werden, da es sich dabei 

offensichtlich um ein Versehen der ausstellenden Behörde handle. Zwar 

habe das Bundesverwaltungsgericht Dokumente aus Afghanistan bereits 

als käuflich erwerbbar eingestuft. Indessen habe es im konkreten Fall auch 

schon afghanische Identitätsdokumente als Indiz für die Minderjährigkeit 

zugelassen. Entsprechend sei die vorliegend eingereichte Original-Tazkira 

zu berücksichtigen und allenfalls einer Dokumentenprüfung zu unterzie-

hen. Sodann habe er angegeben, er habe mit Unterbrechungen zwei Jahre 

die Schule besucht. Dabei sei nicht klar, ob diese Unterbrechungen zu ei-

ner Verlängerung des Schulbesuchs geführt hätten. Folglich würden seine 

Angaben zum Jahr des Schulabbruchs keine Rückschlüsse auf die Glaub-

haftigkeit seiner Minderjährigkeit zulassen. Auch beim äusseren Erschei-

nungsbild handle es sich nicht um ein massgebliches Indiz.  

Weiter nahm der Beschwerdeführer Stellung zu allfälligen Wegweisungs-

vollzugshindernissen in Bezug auf Rumänien und Deutschland. Zudem 

wurde ausdrücklich beantragt, es sei von einer Volljährigkeitserklärung ab-

zusehen, eventualiter sei im ZEMIS ein Bestreitungsvermerk anzubringen 

sowie eine anfechtbare Verfügung betreffend die Änderung des Geburts-

datums im ZEMIS zu erlassen.  

B.e Das SEM setzte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 12. Juli 

2021 darüber in Kenntnis, dass er am 9. Juli 2021 für volljährig erklärt wor-

den sei. In Bezug auf den Antrag um Erlass einer anfechtbaren ZEMIS-

Verfügung teilte es ihm mit, dass er entweder mit dem Dublin-Entscheid, 

dem Zuweisungsentscheid ins erweiterte Verfahren oder mit dem Asylent-

scheid eine anfechtbare Verfügung betreffend Altersänderung erhalten 

werde.  

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Seite 5 

C.  

C.a Mit Schreiben vom 14. Juli 2021 ersuchte das SEM die rumänischen 

Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 

Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Es nahm darin Bezug auf die Antwort der deut-

schen Behörden auf das Informationsersuchen und hielt fest, die rumäni-

schen Behörden hätten gegenüber Deutschland einer Übernahme bereits 

zugestimmt. Weiter wies es darauf hin, eine Altersabklärung ("age check") 

der deutschen Behörden habe ergeben, dass der Beschwerdeführer voll-

jährig sei.  

C.b Die rumänischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen des 

SEM mit Schreiben vom 28. Juli 2021 ausdrücklich zu. Dabei wurde unter 

anderem festgehalten, dass der Beschwerdeführer am 20. Dezember 2020 

in Rumänien um Asyl ersucht habe. Das Gesuch sei am 20. Februar 2020 

(recte 2021) abgelehnt worden, wobei gegen diesen Entscheid keine Be-

schwerde erhoben worden sei.  

D.  

Die Rechtsvertreterin liess dem SEM mit Schreiben vom 3. August 2021 

ein Dokument des deutschen Jugendamtes E._______ zukommen. Aus 

diesem gehe hervor, dass der Beschwerdeführer in Deutschland ein Iden-

titätsdokument vorgelegt habe – womit ein Widerspruch zur Antwort der 

deutschen Behörden auf das Informationsersuchen bestehe – und dass 

keine medizinische Altersabklärung veranlasst worden sei. Vielmehr habe 

das Jugendamt ihn für volljährig erklärt, weil die von ihm eingereichte 

Tazkira als unecht betrachtet worden sei. Dieses Vorgehen sei willkürlich 

und nicht hinnehmbar, zumal das Jugendamt für eine solche "Altersfest-

stellung" gar nicht zuständig sei. Es gebe viele Fälle, in denen eine min-

derjährige Person trotz einer als falsch eingestuften Tazkira nach einer Al-

tersabklärung weiterhin als minderjährig angesehen und nur das Geburts-

datum (abweichend von der Tazkira) berichtigt worden sei. Es werde daher 

beantragt, weitere Abklärungen hinsichtlich der Angaben aus Deutschland 

vorzunehmen. Es sei namentlich zu überprüfen, auf welcher Grundlage die 

Altersabklärung erfolgt sei und ob das Jugendamt die zuständige Stelle für 

die Überprüfung der Echtheit von Identitätsdokumenten sei.  

E.  

Mit Verfügung vom 26. August 2021 – eröffnet am 1. September 2021 – 

trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete 

seine Wegweisung nach Rumänien an und forderte ihn auf, die Schweiz 

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am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauf-

tragte es die zuständige kantonale Behörde mit dem Vollzug der Wegwei-

sung, händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten ge-

mäss Aktenverzeichnis aus und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde ge-

gen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.  

F.  

Der Beschwerdeführer erhob – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – 

mit Eingabe vom 8. September 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragte er, die angefochtene 

Verfügung sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, gemäss Art. 8 

Abs. 4 Dublin-III-VO auf das Asylgesuch einzutreten. Zudem sei festzustel-

len, dass betreffend die Änderung des Geburtsdatums im ZEMIS eine 

Rechtsverweigerung vorliege. Eventualiter sei das SEM anzuweisen, sein 

Selbsteintrittsrecht auszuüben und sich für die Prüfung des Asylgesuchs 

als zuständig zu erklären, subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz 

zur Neubeurteilung zurückzuweisen, subsubeventualiter sei das SEM an-

zuweisen wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Rumä-

nien auf das Asylgesuch einzutreten. Ferner sei der vorliegenden Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehör-

den seien im Sinne einer vorsorglichen Massnahme unverzüglich anzuwei-

sen, bis zum Entscheid über die Beschwerde von einer Überstellung nach 

Rumänien abzusehen. Weiter wurde um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er-

sucht. Der Beschwerde lagen – neben der angefochtenen Verfügung, einer 

Vollmacht und einer Kostennote – Ausdrucke eines E-Mail-Austauschs 

zwischen der Rechtsvertretung und dem SEM, eine Information der deut-

schen Bahn über Fahrkarten für Kinder, ein USB-Stick mit einem Video 

über die Tätigkeit des Bruders des Beschwerdeführers sowie diesbezügli-

che Fotos und ein AIDA-Country-Report betreffend Rumänien bei.  

G.  

G.a Die Instruktionsrichterin setzte den Vollzug der Wegweisung mit super-

provisorischer Massnahme vom 9. September 2021 per sofort einstweilen 

aus.  

G.b Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht glei-

chentags in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG).  

 

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Seite 7 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung 

mit drei Richtern beziehungsweise drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a 

Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schrif-

tenwechsels verzichtet werden. 

3.  

3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

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Seite 8 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-

schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-

losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er 

nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung 

zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 

4.3 Im Falle von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre Anknüp-

fungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 

Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem der Minderjährige seinen 

Antrag gestellt hat, sofern es dem Wohl des Minderjährigen dient. Eine An-

wendung dieser Bestimmung könnte im vorliegenden Fall eine vorrangige 

Zuständigkeit der Schweiz begründen.  

5.  

5.1 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM hinsichtlich der vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten Minderjährigkeit aus, er habe bei 

der EB UMA angegeben, dass er sein Alter aufgrund seiner Impfkarte 

kenne. Auf dieser sei sein Geburtsdatum mit (…) bezeichnet. Gemäss den 

Abklärungen des SEM sei er sowohl in Rumänien als auch in Deutschland 

als Volljähriger registriert worden. Die Angaben auf der Tazkira – welche 

als Geburtsdatum den (…) nenne – widersprächen sowohl den Informatio-

nen aus diesen beiden Ländern als auch der Impfkarte. Entsprechend ver-

möge diese das behauptete Alter nicht zu belegen. Ausserdem sei eine 

afghanische Tazkira leicht käuflich erwerbbar oder werde gegen Bezahlung 

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Seite 9 

von den Behörden aufgrund von irgendwelchen Angaben ausgestellt, da 

oft keine Geburtsurkunden oder -registereinträge existierten. Der eides-

stattlichen Erklärung des in den USA lebenden ältesten Bruders, welcher 

die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers bestätige, komme kein Be-

weiswert zu, da es sich dabei um eine blosse Aussage handle, deren 

Glaubhaftigkeit nicht überprüft werden könne. Zudem wiederholte das 

SEM bereits im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs vorge-

brachte Argumente (vgl. Bst. B.a.) und verwies erneut auf die Auskunft der 

deutschen Behörden, wonach das Jugendamt ein Verfahren zur Altersfest-

stellung durchgeführt habe und eine Minderjährigkeit ausgeschlossen wor-

den sei. Es gelinge dem Beschwerdeführer daher insgesamt nicht, seine 

Minderjährigkeit plausibel zu machen. Diese Erwägungen würden gestützt 

durch die Tatsache, dass die rumänischen Behörden dem Wiederaufnah-

meersuchen des SEM explizit zugestimmt hätten. Der Beschwerdeführer 

werde daher für das weitere Verfahren als volljährig erachtet und sein Ge-

burtsdatum werde im ZEMIS mit (…) erfasst sowie mit einem Bestreitungs-

vermerk versehen.  

5.2 In der Beschwerdeeingabe wurde hinsichtlich der geltend gemachten 

Minderjährigkeit ausgeführt, das SEM stütze sich bei seiner Alterseinschät-

zung wesentlich auf die Auskunft der deutschen Asylbehörden. Im Rahmen 

des rechtlichen Gehörs sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass 

in Deutschland nie ein medizinisches Altersgutachten durchgeführt worden 

sei. Obwohl der Beschwerdeführer beantragt habe, es seien zusätzliche 

Informationen von den deutschen Behörden einzuholen, habe das SEM 

keine solchen angefordert. Als die Rechtsvertretung schliesslich eigene 

Abklärungen vorgenommen habe, habe sich herausgestellt, dass das Ju-

gendamt die vom Beschwerdeführer vorgelegte Tazkira als gefälscht ein-

gestuft und daraus auf seine Volljährigkeit geschlossen habe. Damit sei der 

Nachweis erbracht worden, dass in Deutschland gerade kein Altersgutach-

ten erstellt worden sei. Dennoch halte das SEM in der angefochtenen Ver-

fügung daran fest, eine vom deutschen Jugendamt durchgeführte Alters-

feststellung habe ergeben, dass eine Minderjährigkeit auszuschliessen sei. 

Aus der mit der Rechtsvertretung geführten E-Mail-Korrespondenz gehe 

hervor, dass das SEM fälschlicherweise davon ausgehe, in Deutschland 

sei ein medizinisches Altersgutachten erstellt worden. Ohne entsprechen-

den Nachweis könne dies aber nicht als belegt erachtet werden, zumal das 

vorgelegte Schreiben des Jugendamts aufzeige, dass kein solches Gut-

achten vorliege. Das SEM stütze sich bei der Volljährigkeitserklärung somit 

auf ein nicht vorhandenes Indiz. Das vom Beschwerdeführer geltend ge-

machte Alter werde dagegen durch die Original-Tazkira, eine englische 

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Seite 10 

Übersetzung der Tazkira, eine Kopie der Impfkarte sowie die notariell be-

glaubigte eidesstattliche Erklärung des ältesten Bruders belegt. Dabei 

könne ihm das um fünf Tage abweichende Geburtsdatum auf der Impfkarte 

nicht zur Last gelegt werden, da dieses offensichtlich auf einem Versehen 

der afghanischen Behörden beruhe. Würde es sich bei der Tazkira und der 

Impfkarte – wie das SEM behaupte – um gefälschte Beweismittel handeln, 

wäre zu erwarten gewesen, dass beide exakt dasselbe Geburtsdatum auf-

weisen. Die minimale Abweichung sei daher als Nachweis für die Echtheit 

und nicht für die Fälschung dieser Dokumente zu werten. Sodann habe 

das SEM festgehalten, der Umstand, dass der Beschwerdeführer in 

Deutschland ein Zugticket für Erwachsene gekauft habe, spreche ebenfalls 

für seine Volljährigkeit. Dies erweise sich aber als unzutreffend, da bei der 

Deutschen Bahn bereits Kinder ab 15 Jahren den vollen Preis zahlen 

müssten. Das SEM habe es vorliegend versäumt, bei der Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit der Minderjährigkeit eine Gesamtwürdigung aller Indizien 

vorzunehmen. Der Beschwerdeführer habe etwa korrekt ausgeführt, dass 

er im Jahr (…) erstmals eine Tazkira habe ausstellen lassen, wobei er da-

mals zwischen zehn und elf Jahre alt gewesen sei. Weiter habe er ausge-

sagt, er habe Afghanistan im Jahr 2018 im Alter von (…) Jahren verlassen. 

Diese Angaben stünden in einem direkten Zusammenhang zu seinen 

Fluchtgründen, welche er glaubhaft habe darlegen können. Auch die ein-

gereichte Entlassung aus der Klinik in B._______ bestätige seine Vorbrin-

gen. Weiter habe es das SEM unterlassen, dass Dossier des Bruders 

(N […]) – welcher mit dem Beschwerdeführer in die Schweiz gereist sei – 

zur Beurteilung der Minderjährigkeit heranzuziehen. Dieser habe nament-

lich ausgeführt, er sei im Jahr 2018 zusammen mit seinem Bruder 

F._______, der etwa (…) Jahre alt sei, ausgereist. Der Bruder habe auch 

dieselben Angaben zur Identität der weiteren Familienmitglieder gemacht.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sach-

verhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buch-

staben a-e aufgelisteten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet 

dabei seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 

AsylG; Art. 13 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersu-

chungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). 

Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher 

und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch 

gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-

scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. 

D-3996/2021 

Seite 11 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff.).  

6.2  

6.2.1 Der Beschwerdeführer macht vorliegend geltend, dass aufgrund der 

von ihm glaubhaft gemachten Minderjährigkeit gestützt auf Art. 8 Abs. 4 

Dublin-III-VO von der Zuständigkeit der schweizerischen Asylbehörden für 

sein Asylgesuch auszugehen sei.  

6.2.2 Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt grundsätzlich 

die asylsuchende Person. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Ab-

wägung sämtlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der 

betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Wesentlich sind da-

bei als für echt befundene Identitätspapiere oder eigene Angaben der be-

troffenen Person (vgl. Urteil des BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 

E. 5.1.1, m.H.).  

6.2.3 Gemäss BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten 

Methoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- res-

pektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht je-

doch die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersu-

chung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per-

son geeignet. Es lässt sich anhand der medizinischen Altersabklärung 

keine Aussage zur Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person 

machen, wenn das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und 

der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt 

(vgl. ebenda E. 4.2.1 f.).  

6.3 Für den vorliegenden Fall ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 

sein Alter gegenüber den schweizerischen Asylbehörden konstant mit (…) 

Jahren beziehungsweise dem Geburtsdatum (…) angegeben hat. Dieses 

Datum ist auch in seiner Tazkira vermerkt, welche im Original abgegeben 

wurde. Demgegenüber weist die Kopie der Impfkarte als Geburtsdatum 

den (…) auf, was insofern Fragen aufwirft, als der Beschwerdeführer aus-

drücklich zu Protokoll gab, er kenne sein Geburtsdatum aufgrund der Impf-

karte (vgl. Akten SEM 1098880-16/14 [nachfolgend A16], S. 3). Indessen 

stellen seine Angaben zum Schulbesuch kein gegen die Minderjährigkeit 

sprechendes Indiz dar. Er gab diesbezüglich an, er vermute, dass er mit 

sieben Jahren eingeschult worden sei. Er sei nur zwei Jahre in die Schule 

gegangen, wobei er aber nicht regelmässig habe hingehen können. Auf die 

Frage, wann er die Schule verlassen habe, ist als Antwort "(…) glaube ich" 

D-3996/2021 

Seite 12 

protokolliert (vgl. A16, S. 4). Diese Ausführungen des Beschwerdeführers 

sind nicht eindeutig genug, um daraus klare Schlussfolgerungen zu ziehen. 

Es lässt sich nicht feststellen, ob der Beschwerdeführer zu Beginn oder 

zum Ende des siebten Lebensjahres eingeschult wurde und ob er genau 

zwei Schuljahre absolviert habe respektive wann der Schulabbruch er-

folgte. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Jahre des in Afghanistan ge-

bräuchlichen Kalenders nicht exakt deckungsgleich sind mit dem gregoria-

nischen Kalender. Durch die blosse Nennung der Jahreszahl ohne Monats-

angabe kann es daher zu Ungenauigkeiten bei der Umrechnung kommen. 

Ebenfalls kein gegen die Minderjährigkeit sprechendes Indiz ist die Tatsa-

che, dass der Beschwerdeführer für die Reise von Deutschland in die 

Schweiz ein Zugticket für Erwachsene verwendet hat. Eigenen Angaben 

zufolge war er damals bereits (…) Jahre alt und es trifft zu, dass die Deut-

sche Bahn für Kinder ab 15 Jahren den vollen Fahrpreis verlangt.  

6.4 Das SEM stützt sich bei seiner Einschätzung, der Beschwerdeführer 

sei als volljährig zu erachten, massgeblich auf die Auskunft der deutschen 

Behörden im Rahmen des Informationsaustauschs sowie den Umstand, 

dass er in Rumänien als volljährige Person registriert worden ist. Sowohl 

das in Rumänien ([…], vgl. SEM-Akte 1098880-41/1) als auch das in 

Deutschland erfasste Geburtsdatum ([…], vgl. SEM-Akte 1098880-20/3 

[nachfolgend A20]) lassen darauf schliessen, dass es sich um von den Be-

hörden festgelegte Geburtsdaten handelt. Damit stellt sich die Frage, auf 

welcher Grundlage diese behördlichen Einschätzungen basieren. Von Sei-

ten der rumänischen Behörden liegen diesbezüglich keine weiteren Infor-

mationen vor. Die deutschen Behörden führten im Antwortschreiben auf 

das Informationsersuchen aus, es sei ein "Verfahren zur Altersfeststellung 

vom Jugendamt" durchgeführt und eine Minderjährigkeit ausgeschlossen 

worden (vgl. A20, S. 3). Auf Anfrage der Rechtsvertreterin teilte das SEM 

mit, dass ihm das von den deutschen Behörden erstellte Altersgutachten 

nicht vorliege. Es sei indessen davon auszugehen, dieses sei mindestens 

gleichwertig wie jene aus der Schweiz (vgl. SEM-Akte 1098880-29/2). Das 

SEM ging somit offenbar davon aus, dass ein (medizinisches) Altersgut-

achten existiert. Der Beschwerdeführer bestritt dies indessen und bekräf-

tigte mehrmals seinen Antrag, die deutschen Behörden seien aufzufordern, 

weitere Angaben zu der von ihnen durchgeführten Altersabklärung vorzu-

legen (vgl. SEM-Akten 1098880-30/5 S. 4 und 1098880-45/2). Da aus dem 

Antwortschreiben der deutschen Behörden auf das Informationsersuchen 

nicht hervorgeht, was für ein Verfahren zur Altersfeststellung durchgeführt 

wurde, hätte sich dies vorliegend tatsächlich aufgedrängt. Entgegen der 

D-3996/2021 

Seite 13 

Annahme des SEM lässt sich den Akten nicht entnehmen, dass in Deutsch-

land eine medizinische Altersabklärung stattgefunden hat, welche mit den 

in der Schweiz geltenden Standards vergleichbar ist und den Anforderun-

gen an ein Altersgutachten (vgl. dazu oben E. 6.2.3) genügt. Das mit Ein-

gabe vom 3. August 2021 eingereichte Schreiben des Jugendamts 

E._______ hält lediglich fest, dass die Angaben des Beschwerdeführers 

nicht glaubwürdig seien. Es wird darin Bezug genommen auf eine von ihm 

vorgelegte Tazkira, welche als nicht echt eingestuft wird. In der Folge zieht 

das Jugendamt den Schluss, dass das in der Tazkira angegebene Alter 

"ebenfalls nicht echt" sein könne und es sich beim Beschwerdeführer um 

eine volljährige Person handle. Dieses Dokument ist als starkes Indiz dafür 

zu werten, dass in Deutschland zu keinem Zeitpunkt eine medizinische Al-

tersabklärung stattgefunden hat und das SEM zu Unrecht davon ausgeht, 

es sei in Deutschland ein Altersgutachten erstellt worden. Vielmehr kann 

angenommen werden, dass sich die deutschen Behörden in ihrem Antwort-

schreiben auf das Informationsersuchen auf die Feststellungen des Ju-

gendamts E._______ bezogen.  

6.5 Entgegen der vom Beschwerdeführer respektive seiner Rechtsvertre-

terin vertretenen Auffassung erweist sich die Einschätzung des deutschen 

Jugendamts – welches von einer Fälschung der Tazkira ausgehe und dar-

aus auf die Volljährigkeit schliesse – nicht als von vornherein unzulässig. 

Im Asylverfahren obliegt es dem Gesuchsteller, seine Minderjährigkeit zu-

mindest glaubhaft zu machen. Das Schreiben des Jugendamts hält denn 

auch fest, dass dem Beschwerdeführer sein Alter in G._______ – wo er 

gemäss dem Eurodac-Treffer das Asylgesuch gestellt hatte (vgl. SEM-Akte 

1098880-9/1) – nicht geglaubt worden sei. Daraufhin habe er eine Tazkira 

besorgt, welche nicht akzeptiert worden sei. Diese Ausführungen deuten 

darauf hin, dass den deutschen Behörden neben der als gefälscht einge-

stuften Tazkira weitere Indizien vorlagen, welche gegen die Minderjährig-

keit des Beschwerdeführers sprachen. Aus den Akten geht jedoch nicht 

hervor, welcher Art diese Indizien – sofern solche tatsächlich bestehen – 

sind und wie sie zu gewichten wären.  

6.6 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanz sich bei 

der Beurteilung des Alters des Beschwerdeführers massgeblich darauf ge-

stützt hat, dass in Deutschland ein Altersgutachten erstellt wurde, welches 

von der Qualität her mit einem in der Schweiz erstellten Gutachten ver-

gleichbar wäre. Sie hat es jedoch unterlassen, das betreffende Gutachten 

bei den deutschen Behörden einzufordern. Damit lässt sich nicht überprü-

fen, ob ein solches tatsächlich erstellt wurde. Angesichts der vorliegenden 

D-3996/2021 

Seite 14 

Akten ist dies zu bezweifeln, da die von den deutschen Behörden erwähnte 

Altersfeststellung des Jugendamts offensichtlich nicht ohne Weiteres mit 

einem medizinischen Altersgutachten gleichgestellt werden kann. Es ist 

auch nicht feststellbar, welche weiteren Untersuchungsmassnahmen oder 

Abklärungen in Deutschland vorgenommen worden sind, um das Alter des 

Beschwerdeführers zu bestimmen respektive eine Einschätzung hinsicht-

lich seiner Volljährigkeit zu treffen. Aus den Angaben, welche die deutschen 

Behörden im Rahmen des Informationsaustauschs bislang dem SEM über-

mittelt haben, lässt sich somit nicht ausreichend nachvollziehen, aus wel-

chen Gründen sie zum Schluss kommen, dass es sich beim Beschwerde-

führer um eine volljährige Person handelt. Weitere überzeugende Indizien, 

welche in aller Deutlichkeit gegen die vom Beschwerdeführer geltend ge-

machte Minderheit sprechen würden, lassen sich den Akten ebenfalls nicht 

entnehmen.  

6.7 Nach dem Gesagten erweist sich die Sachverhaltsfeststellung als un-

vollständig, da sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht beurteilen lässt, ob die 

Minderjährigkeit des Beschwerdeführers als glaubhaft zu erachten ist. Es 

ist daher angezeigt die Sache gestützt auf Art. 61 Abs. 1 VwVG an die  

Vorinstanz zurückzuweisen, welche diesbezüglich in Anwendung des Un-

tersuchungsgrundsatzes weitere Abklärungen vorzunehmen hat. Dabei er-

schiene es insbesondere naheliegend, bei den deutschen Behörden wei-

tere Informationen einzuholen – insbesondere ein allfälliges Altersgutach-

ten anzufordern oder um nähere Angaben zur Altersfeststellung durch das 

Jugendamt respektive die Asylbehörden in G._______ zu ersuchen – oder 

aber eigene Abklärungen zum Alter des Beschwerdeführers vorzunehmen, 

wobei hier namentlich an ein medizinisches Altersgutachten zu denken 

wäre.  

7.  

7.1 In der Beschwerdeeingabe wurde weiter vorgebracht, es liege in Bezug 

auf die Änderung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers im ZEMIS 

eine Rechtsverweigerung vor. Zwar habe die Vorinstanz in ihrem Schrei-

ben vom 12. Juli 2021 ausdrücklich festgehalten, eine anfechtbare ZEMIS-

Verfügung erfolge entweder mit dem Dublin-Entscheid, dem Zuweisungs-

entscheid ins erweiterte Verfahren oder dem Asylentscheid. Aus dem vor-

liegenden Dublin-Entscheid gehe jedoch hervor, dass keine ZEMIS-Verfü-

gung erlassen worden sei.  

7.2 Das Verbot der Rechtsverweigerung ergibt sich als Teilgehalt aus der 

allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede 

D-3996/2021 

Seite 15 

Person vor Gerichts- und Verfahrensinstanzen Anspruch auf gleiche und 

gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist. 

Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn eine Behörde sich weigert, eine 

Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu aufgrund der einschlägigen 

Rechtsnormen verpflichtet wäre. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, 

dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer 

Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht (vgl. BVGE 2008/15 

E. 3.2 m.w.H.).  

7.3 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das 

ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- 

und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes 

über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom 

20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-

rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (SR 142.513; 

ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-

nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-

kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-

tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten, 

nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG.  

Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu verge-

wissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorganen 

bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass un-

richtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 Abs. 3 

Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein abso-

luter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. Urteil des BVGer A-4256/2015 

vom 15. Dezember 2015 E. 3.2 m.H.). Die ZEMIS-Verordnung sieht im Üb-

rigen in Art. 19 Abs. 3 vor, dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu be-

richtigen sind. 

7.4 Der Beschwerdeführer ersuchte das SEM in seiner Eingabe vom 8. Juli 

2021 um Erlass einer anfechtbaren ZEMIS-Verfügung, wenn er für volljäh-

rig erklärt werden sollte. Das SEM teilte ihm mit Schreiben vom 12. Juli 

2021 mit, er sei am 9. Juli 2021 für volljährig erklärt worden und er werde 

mit dem Dublin-Entscheid, dem Zuweisungsentscheid ins erweiterte Ver-

fahren oder mit dem Asylentscheid eine anfechtbare Verfügung betreffend 

Altersänderung erhalten. Mit Verfügung vom 26. August 2021 erliess das 

SEM einen Dublin-Entscheid. Zwar wird in der Begründung der Verfügung 

festgehalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelinge, seine Minder-

D-3996/2021 

Seite 16 

jährigkeit plausibel zu machen. Entsprechend werde er für das weitere Ver-

fahren als volljährig erachtet und sein Geburtsdatum werde im ZEMIS mit 

dem (…) erfasst sowie mit einem Bestreitungsvermerk versehen. Dies wird 

jedoch im Verfügungsdispositiv nicht festgehalten.  

7.5 Vorliegend beantragte der Beschwerdeführer ausdrücklich, dass das 

SEM im Falle seiner Volljährigkeitserklärung eine anfechtbare ZEMIS-Ver-

fügung erlasse. Gestützt auf die Datenschutzgesetzgebung – welche es 

den Betroffenen jederzeit erlaubt, um Berichtigung ihres ZEMIS-Eintrags 

zu ersuchen – wäre das SEM verpflichtet gewesen, über die von ihm vor-

genommene Änderung der ZEMIS-Daten im Rahmen einer separaten Ver-

fügung oder mit einer eigenen Dispositivziffer im Dublin-Entscheid zu be-

finden (vgl. Urteil des BVGer D-1170/2021 vom 28. Mai 2021 E. 3.4 m.H.). 

Entgegen ihrer eigenen Ankündigung im Schreiben vom 12. Juli 2021 hat 

es die Vorinstanz indessen unterlassen, mit dem Dublin-Entscheid über die 

Altersänderung im ZEMIS zu verfügen. Die Volljährigkeitserklärung und die 

Feststellung der ZEMIS-Änderung im Rahmen der Begründung reicht da-

bei nicht aus, da lediglich das Verfügungsdispositiv in Rechtskraft er-

wächst. Das SEM hat daher eine Rechtsverweigerung begangen, indem 

es nicht über den Antrag auf Erlass einer anfechtbaren ZEMIS-Verfügung 

entschieden hat.  

8.  

Aufgrund des Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung 

vom 26. August 2021 ist aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwä-

gungen zur weiteren Sachverhaltsabklärung und neuer Entscheidung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem ist festzustellen, dass das SEM in 

Bezug auf die Änderung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers im 

ZEMIS eine Rechtsverweigerung begangen hat. Die Vorinstanz ist daher 

anzuweisen, über den entsprechenden Antrag im Rahmen des wiederauf-

zunehmenden Dublin-Verfahrens oder mit einer separaten Verfügung zu 

entscheiden.  

Angesichts der Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinanderset-

zung mit den weiteren Vorbringen in der Beschwerdeschrift.  

9.  

Der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung wird mit dem vorlie-

genden Entscheid gegenstandslos und der mit superprovisorischer Mass-

nahme vom 9. September 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt dahin.  

D-3996/2021 

Seite 17 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses erweist sich als gegenstandslos.  

10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung 

auszurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen 

vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. 

auch Art. 111ater AsylG).  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-3996/2021 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die Verfügung vom 26. August 2021 wird aufgehoben und die Sache im 

Sinne der Erwägungen zur weiteren Sachverhaltsabklärung und zur Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.  

3.  

Es wird festgestellt, dass das SEM hinsichtlich der Änderung des Geburts-

datums des Beschwerdeführers im ZEMIS eine Rechtsverweigerung be-

gangen hat.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, betreffend Änderung des Geburtsdatums des 

Beschwerdeführers im ZEMIS eine anfechtbare Verfügung zu erlassen. 

5.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

6.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

7.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mia Fuchs Regula Aeschimann 

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