# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fff8d8cd-0d2a-5f47-b6b2-6c0fbe3469cf
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-05-06
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 06.05.2008 ST.2007.46, ST.2007.47
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_001_ST-2007-46--ST-2007-_2008-05-06.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/4

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: ST.2007.46, ST.2007.47

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Strafkammer und Anklagekammer

Publikationsdatum: 04.02.2020

Entscheiddatum: 06.05.2008

Entscheid Kantonsgericht, 06.05.2008
Art. 134 StGB. Die Anwendbarkeit des Tatbestandes des Angriffs hängt nicht 
von der Anzahl verletzter Personen ab; entscheidend ist, dass nicht feststeht 
oder festgestellt werden kann, wer für die konkrete Verletzung 
verantwortlich ist. Selbst wenn nur der Angegriffene die verletzte Person ist, 
ist ohne weiteres denkbar, dass der eingetretene Erfolg nicht einem 
bestimmten Täter zugeordnet werden kann (Kantonsgericht, Strafkammer, 
6. Mai 2008, ST.2007.46/47).

. 134 StGB. Die Anwendbarkeit des Tatbestandes des Angriffs hängt nicht von der 

Anzahl verletzter Personen ab; entscheidend ist, dass nicht feststeht oder 

festgestellt werden kann, wer für die konkrete Verletzung verantwortlich ist. 

Selbst wenn nur der Angegriffene die verletzte Person ist, ist ohne weiteres 

denkbar, dass der eingetretene Erfolg nicht einem bestimmten Täter zugeordnet 

werden kann (Kantonsgericht, Strafkammer, 6. Mai 2008, ST.2007.46/47).

 

Aus den Erwägungen:

 

II./A./12. Gemäss Art. 134 StGB macht sich strafbar, wer sich an einem Angriff auf 

einen oder mehrere Personen beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines 

Angegriffenen oder eines Dritten zur Folge hat. Der körperliche Angriff muss von 

mehreren, mindestens zwei Personen ausgehen, wobei es aber genügen kann, wenn 

sich eine Person dem bereits gestarteten Angriff einer anderen anschliesst (BSK StGB 

II-Aebersold, Art. 134 N 5). Als objektive Strafbarkeitsbedingung wird vorausgesetzt, 

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dass die Attacke den Tod oder die Körperverletzung eines Angegriffenen oder eines 

Dritten zur Folge hat; Letzteres genügt deshalb, weil sich die mit dem Angriff 

verbundene abstrakte Gefahr wie beim Raufhandel in einer Schädigung umstehender 

Personen auswirken kann (Andreas Donatsch, Strafrecht III, Delikte gegen den 

Einzelnen, Zürich 2008, 69).

a) Zugunsten der Angeklagten ist davon auszugehen, dass allein der Kläger 

Verletzungen davongetragen hat. Etwas anderes ergibt sich jedenfalls aus den Akten 

nicht. Die Verteidiger sind deshalb der Auffassung, dass der Tatbestand des Angriffs 

nicht anwendbar sei. Sie berufen sich auf einen höchstrichterlichen Entscheid (BGE 

118 IV 227 E. 5b).

Ist die vorsätzliche oder fahrlässige Tötung oder Körperverletzung eines Angegriffenen 

oder Dritten durch einen bestimmten anderen Beteiligten an der tätlichen 

Auseinandersetzung nachgewiesen, ist dieser neben Art. 134 StGB auch nach Art. 111 

ff. bzw. Art. 122 ff. StGB zu verurteilen (sog. Idealkonkurrenz). Dies gilt jedenfalls dann, 

wenn der Angriff auch noch anderen als der getöteten oder verletzten Person gegolten 

hat (vgl. Günter Stratenwerth/Guido Jenny, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer 

Teil I: Straftaten gegen Individualinteressen, 6. Aufl., Bern 2003, § 4 N 45). Damit ist 

aber nicht gesagt, dass eine Verurteilung wegen Angriffs nicht in Frage kommt, wenn 

der Getötete oder Verletzte die einzige angegriffene Person ist. Letzteres ergibt sich 

weder aus dem Wortlaut noch aus Sinn und Zweck von Art. 134 StGB. Der 

Tatbeststand des Angriffs ergänzt denjenigen des Raufhandels (Art. 133 StGB) in 

Fällen, wo es deshalb nicht zum Raufhandel kommt, weil zwar eine Partei tätlich 

angreift, die andere aber passiv bleibt oder bloss abwehrt. Auch beim Angriff geht es 

darum, Beweisschwierigkeiten beim Ausfindigmachen der eigentlichen Urheber zu 

vermeiden, weil im Nachhinein oft nicht mehr festgestellt werden kann, wer welchen 

Beitrag geleistet bzw. welchen Erfolg bewirkt hat (BSK StGB II-Peter Aebersold, Art. 

134 N 1; BBl 1985 II 1041). Selbst wenn nur der Angegriffene die verletzte Person ist, 

ist ohne weiteres denkbar – der vorliegende Fall zeigt dies eindrücklich –, dass der 

eingetretene Erfolg nicht einem bestimmten Täter zugeordnet werden kann. Greifen 

mehrere einen oder mehrere Menschen an und wird ein Angegriffener verletzt oder gar 

getötet, so steht (häufig) nicht fest, wer den Erfolg verursacht hat. Dies gilt für Schultz 

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(Die Delikte gegen Leib und Leben nach der Novelle 1989, in: ZBJV 1993, 410) schon 

dann, wenn zwei einen einzelnen überfallen.

Das Bundesgericht hatte in einem Fall zu entscheiden, in welchem vier Angreifer auf ein 

Opfer losgingen. Ein Angreifer verletzte dabei das Opfer mit einem Küchenmesser an 

der Schulter. Ein Zweiter fügte ihm mit einem Butterfly-Messer fünf Stichverletzungen 

zu, welche in der Folge zum Tod des Opfers führten. Ein Dritter prügelte schliesslich 

mit Händen und Füssen auf das Opfer ein. Das kantonale Gericht hatte alle drei 

Angreifer wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen. Im bundesgerichtlichen 

Verfahren war umstritten, ob allen drei Angreifern ein Tötungsvorsatz zugerechnet 

werden kann. Gestützt auf die Aussage in E.5b in BGE 118 IV 227 ("War jedoch der 

Verletzte die einzige angegriffene Person, wird Art. 134 StGB durch den 

Verletzungstatbestand konsumiert.") vertritt die Lehre die Auffassung, dass Art. 134 

StGB im Wege der Gesetzeskonkurrenz hinter die Art. 111 ff. und Art. 122 ff. StGB 

zurücktrete, wenn das verletzte oder getötete Opfer, die einzige Person war, gegen die 

sich der Angriff gerichtet hat; andernfalls bestehe echte Konkurrenz (Günter 

Stratenwerth/Wolfang Wohlers, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 

Bern 2007, Art. 134 N 5; Stratenwerth, a.a.O., BT I, § 4 N 45; BSK StGB II-Aebersold, 

Art. 134 N 13; Donatsch, a.a.O., 69 f. [kritisch]; Stefan Trechsel, Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl., Zürich 1997, Art. 134 N 7). Dass das 

Bundesgericht der erwähnten Erwägung aber nicht diejenige Bedeutung zumisst, 

welche die Lehre darin zu erkennen meint, ergibt sich, wenn die fragliche Passage 

nicht isoliert, sondern im Gesamtzusammenhang betrachtet wird. Namentlich aus der 

abschliessenden Bemerkung (E. 5d/dd: "Auch hinsichtlich des Beschwerdeführers 2 

verstösst die Zurechnung des Tötungsvorsatzes des Beschwerdeführers 1 gegen 

Bundesrecht. Da dieser lediglich mit Händen und Füssen auf den wehrlosen S. 

einprügelte, blieb er im Rahmen des nach der Entwaffnung des Inders konkludent 

geschlossenen Vorsatzes auf Durchführung eines Angriffs.") geht hervor, dass es auch 

nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Fälle gibt, in denen der Verletzte die 

einzige angegriffene Person war und trotzdem auf Angriff zu erkennen ist. Nach hier 

vertretener Auffassung trifft dies dann zu, wenn die einzelnen Verletzungen des Opfers 

nicht einem bestimmten Angreifer zugeordnet werden können. Dasselbe gilt für das 

deutsche Strafrecht: Beim Tatbestand der Beteiligung an einer Schlägerei, mit 

welchem der Raufhandel und der Angriff in der gleichen Bestimmung unter Strafe 

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gestellt werden, ist nur dann von Idealkonkurrenz mit Tötungs- oder 

Verletzungsdelikten auszugehen, wenn gegenüber den Beteiligten der Nachweis der 

Ursächlichkeit und Schuld geführt werden kann (Adolf Schönke/Horst Schröder, 

Strafgesetzbuch, Kommentar, 24. Aufl., München 1991, § 227 N 17). Somit steht fest, 

dass die Anwendbarkeit des Tatbestandes des Angriffs nicht von der Anzahl verletzter 

Personen abhängt; entscheidend ist, dass nicht feststeht oder festgestellt werden 

kann, wer für die konkrete Verletzung verantwortlich ist.

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