# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 00b423a1-849b-5f30-8309-6f1cc76ed2ce
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-02-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.02.2025 F-3288/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3288-2024_2025-02-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3288/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  F e b r u a r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 

Richterin Aileen Truttmann,  

Richter Sebastian Kempe,    

Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______,  

2. B._______,  

3. C._______,  

4. D._______,  

Afghanistan 

alle vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, 

substituiert durch Lioba Gasser, AsyLex,  

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum aus humanitären Gründen;  

Verfügung des SEM vom 16. April 2024. 

 

 

 

F-3288/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden beantragten am 10. Januar 2024 bei der 

Schweizer Vertretung in Islamabad die Ausstellung humanitärer Visa. 

B.  

Am 19. Februar 2024 verweigerte die Botschaft die Ausstellung der Visa. 

C.  

Mit Entscheid vom 16. April 2024 wies die Vorinstanz die Einsprache der 

Beschwerdeführenden ab. 

D.  

Dagegen liessen die Beschwerdeführenden mit Rechtsmitteleingabe vom 

24. Mai 2024 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben. Sie 

beantragten, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihnen 

seien Visa aus humanitären Gründen zu erteilen. Eventualiter sei die Sa-

che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei die un-

entgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2024 nahm die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege angesichts seiner Begrün-

dung als Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ent-

gegen, hiess dieses gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. 

F.  

In der Vernehmlassung vom 4. Juli 2024 hielt die Vorinstanz an ihrer Ver-

fügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

G.  

Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 16. September 

2024. 

H.  

Die Duplik der Vorinstanz datiert vom 30. September 2024 und wurde den 

Beschwerdeführenden am 17. Oktober 2024 zur Kenntnis gebracht. 

 

F-3288/2024 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide betreffend huma-

nitäre Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfecht-

bar (vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). In diesem Bereich entscheidet 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerdeführenden sind zur Beschwerde berechtigt (Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, 

weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 50 Abs. 1 VwVG und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 

VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Am-

tes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung 

der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als 

den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführenden rügen, der Entscheid der Vorinstanz beruhe 

auf einem unrichtig und unvollständig abgeklärten Sachverhalt. Weiter 

habe die Vorinstanz keine ausreichende einzelfallbezogene Prüfung der 

Sachlage vorgenommen und ihre Vorbringen unberücksichtigt gelassen. 

Indem die Vorinstanz den Drohbrief als Beweisstück mit geringem Beweis-

wert beurteile, habe sie ihre Begründungspflicht und damit das rechtliche 

Gehör verletzt.  

3.2 Die Vorinstanz hat den rechtserheblichen Sachverhalt hinreichend ab-

geklärt. Sie hat unter Bezugnahme auf die Schilderungen der Beschwer-

deführenden, die eingereichten Beweismittel und die Verfahrensakten ihre 

individuelle Situation, die Tätigkeit des Beschwerdeführers 1 in Afghanis-

tan, die Gefährdungslage respektive Ausschaffungsgefahr aus Pakistan 

sowie die Gefährdungslage in ihrer Heimat Afghanistan geprüft. Damit hat 

sie alle entscheidwesentlichen Sachumstände berücksichtigt und ihrem 

Entscheid weder einen aktenwidrigen noch einen nicht belegbaren Sach-

verhalt zugrunde gelegt. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes 

ist nicht festzustellen (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum 

F-3288/2024 

Seite 4 

VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29). Die Vorbringen richten sich im Wesent-

lichen denn auch nicht gegen die Sachverhaltsfeststellungen der Vor-

instanz, sondern gegen die ihr zugrundeliegende Beweiswürdigung und 

die rechtliche Würdigung des festgestellten Sachverhalts. Diese Aspekte 

sind in materieller Hinsicht zu beurteilen.  

Dies gilt ebenso für die Ausführungen zur Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs beziehungsweise der Begründungspflicht. Die Vorinstanz hat nach-

vollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, von wel-

chen Überlegungen sie sich leiten liess. Sie hat sich auch mit sämtlichen 

wesentlichen Vorbringen der Beschwerdeführenden auseinandergesetzt 

(vgl. BGE 149 V 156 E. 6.1 m.w.H., BVGE 2023 VI/4 E. 6.1 m.w.H.).  

3.3 Nachdem sich die formellen Rügen als unbegründet erweisen, besteht 

keine Veranlassung, die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1 Als Staatsangehörige Afghanistans unterliegen die Beschwerdeführen-

den der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 

über die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit ihren Ge-

suchen beabsichtigen sie einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb nicht 

die Erteilung von Schengen-Visa zu prüfen ist, sondern mit Art. 4 VEV na-

tionales Recht zur Anwendung gelangt. 

4.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen 

Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen 

aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt 

erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere vor, wenn die betreffende 

Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und 

Leben gefährdet ist. Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr 

restriktiven Bedingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3). Diese 

werden dann als erfüllt angesehen, wenn bei einer Person aufgrund der 

konkreten Umstände offensichtlich davon ausgegangen werden muss, 

dass sie sich im Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonderen Notsitu-

ation befindet, die ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich macht 

und es rechtfertigt, ihr – im Gegensatz zu anderen Personen in derselben 

Lage – ein Einreisevisum zu erteilen. Dies kann etwa bei akuten kriegeri-

schen Ereignissen oder aufgrund einer konkreten individuellen Gefähr-

dung, die sie mehr als alle anderen Personen betrifft, gegeben sein. Hin-

gegen genügt eine rein hypothetische Gefahr aufgrund eines lediglich 

F-3288/2024 

Seite 5 

abstrakten Risikoprofils nicht aus, um ein humanitäres Visum zu erhalten 

(vgl. statt vieler Urteile des BVGer F-406/2024 vom 15. Juli 2024 E. 4.2,  

F-4179/2022 vom 2. Oktober 2023 E. 6.3 f.). 

Befindet sich die betroffene Person bereits in einem Drittstaat oder ist sie 

nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder Her-

kunftsland zurückgekehrt und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den 

Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon auszugehen, dass keine Ge-

fährdung mehr besteht. Das Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der 

aktuellen Gefährdung, der persönlichen Umstände der betroffenen Person 

und der Lage im Heimat- oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen. Dabei 

können auch weitere Kriterien wie das Bestehen von Bindungen zur 

Schweiz und die hier bestehenden Integrationsaussichten oder die Un-

möglichkeit, in einem anderen Land um Schutz nachzusuchen, berücksich-

tigt werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; statt vieler zuletzt 

etwa Urteil des BVGer F-3476/2023 vom 6. Juni 2024 E. 4.2). 

4.3 Im Hinblick auf das Beweismass ist hervorzuheben, dass für die Ertei-

lung eines humanitären Visums eine im Sinne von Art. 4 Abs. 2 Satz 2 VEV 

relevante Gefährdung offensichtlich gegeben sein muss (vgl. BVGE 2018 

VII/5 E. 3.6.3; 2015/5 E. 4.1.3; zuletzt Urteile des BVGer F-406/2024 vom 

15. Juli 2024 E. 4.3, F-599/2024 vom 12. März 2024 E. 3.3) und der volle 

Beweis zu erbringen ist (vgl. Urteil des BVGer F-1077/2022 E. 5.4.1 [zur 

Publikation vorgesehen]). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids an, die Be-

schwerdeführenden seien in ihrem Heimatstaat nicht unmittelbar an Leib 

und Leben bedroht. Aufgrund seiner ehemaligen Tätigkeit für (…) liege 

beim Beschwerdeführer 1 zwar ein gewisses Risikoprofil vor; er sei jedoch 

in erster Linie im logistischen und nicht im operativen Bereich tätig gewe-

sen. Daraus lasse sich keine individuell-konkrete Gefährdung ableiten. Der 

Umstand, dass er mit seiner ganzen Familie legal über den Grenzposten 

in (…) ausgereist sei, lasse den Schluss zu, dass er kaum ins Visier der 

Taliban geraten sei. Die Drohbriefe und Anordnungen der Taliban könnten 

nicht verifiziert werden. Solchen Dokumenten vermöge nur im Zusammen-

hang mit anderen Beweismitteln sowie substantiierten, stichhaltigen Aus-

sagen Beweiskraft zuzukommen. Die Vorbingen seien indes wenig detail-

reich und überzeugten gesamthaft nicht. Es bestünden erhebliche Zweifel 

an der Echtheit dieser nachträglich eingereichten Beweismittel. Auch die 

Zugehörigkeit zur schiitischen Minderheit der Hazara vermöge keine 

F-3288/2024 

Seite 6 

individuelle und konkrete Gefährdung zu begründen. Die schwierige Situa-

tion der Hazara in Afghanistan sei nicht in Abrede zu stellen, rechtspre-

chungsgemäss bestehe aber keine Kollektivverfolgung.  

5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer 1 sei 

bei seiner Tätigkeit für (…) unter anderem auch dafür zuständig gewesen, 

(…). Sein Gesicht sei dabei nicht verhüllt gewesen. Im Jahr 1987 sei be-

reits sein Vater und 2000 sein Bruder von den Taliban ermordet worden. 

Der Beschwerdeführer 1 sei wiederholt von diesen bedroht worden. In der 

Folge seien ihm gepanzerte Fahrzeuge sowie zusätzliche Leibwächter zu 

Verfügung gestellt und ihm geraten worden, nicht stets den gleichen Weg 

zur Arbeit zu nehmen. Die Flucht nach Pakistan sei gelungen, weil zu Be-

ginn des Jahres 2022 täglich tausende Menschen die Grenzen überquert 

hätten und es den Taliban daher nicht möglich gewesen sei, alle Personen 

systematisch zu kontrollieren. Der Beschwerdeführer 1 habe sein Ausse-

hen verändert und seine Frau habe an der Grenze die Pässe der ganzen 

Familie vorgelegt. Die gegen den Beschwerdeführer 1 ausgestellten Warn- 

und Haftbriefe habe er erst im Februar 2024 in Pakistan von einem ehe-

maligen Arbeitskollegen erhalten, weshalb er diese nicht vorher habe ein-

reichen können.  

Es gebe verschiedene Berichte über die Hinrichtung von Personen, die mit 

der früheren Regierung in Verbindung gestanden hätten. Sämtliche 

(…)mitarbeiter seien einem hohen Risiko von Verfolgung und Bestrafung 

durch die Taliban ausgesetzt; es gebe keine Unterscheidung zwischen 

operativem Logistikpersonal und Dienstpersonal. Die Hazara würden über-

dies unter dem Talibanregime aufgrund ihrer ethnischen und religiösen 

Identität als Ungläubige und Staatsfeinde verfolgt und getötet. Zudem er-

folgten gezielte Angriffe auf die Hazara durch die Gruppierung Islamischer 

Staat (IS) der Provinz Khorasan. Bei einer Rückkehr wären die Beschwer-

deführenden auch deswegen systematischer Diskriminierung und einer 

konkreten Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt.  

Die Taliban seien ferner auch in Pakistan aktiv und hätten wiederholt Morde 

an ehemaligen afghanischen Regierungsvertretern begangen. Die Be-

schwerdeführenden lebten dort zudem in prekären Verhältnissen und auf-

grund der abgelaufenen Visa drohe ihnen die Ausschaffung nach Afgha-

nistan. Da sie die lokale Sprache nicht beherrschten, seien sie den pakis-

tanischen Behörden schutzlos ausgeliefert.  

5.3 Die Vorinstanz hielt in der Vernehmlassung an ihren Ausführungen im 

Einspracheentscheid fest und betonte, der Umstand, dass eine Person ein 

F-3288/2024 

Seite 7 

mögliches Risikoprofil aufweise, führe nicht unweigerlich zur Gewährung 

eines humanitären Visums. Die Vorbringen in der Beschwerde hätten die 

Zweifel an der Glaubhaftigkeit der unmittelbaren individuell-konkreten Ge-

fährdung der Beschwerdeführenden nicht zu beseitigen vermocht. Was die 

Rückführung afghanischer Staatsangehöriger aus Pakistan betreffe, gebe 

es keine Hinweise auf systematische Festnahmen oder Misshandlungen.  

5.4 In der Replik wurde vorgebracht, (…)-Ausweis des Beschwerdefüh-

rers 1 und sein Beförderungsschreiben vermöchten seine hohe Position zu 

beweisen. Der Haftbefehl vom (…) und die Anordnung der Tötung des Be-

schwerdeführers 1 zeigten eine konkrete und unmittelbare aktuelle Gefahr. 

Ein medizinischer Bericht belege seine gesundheitlichen Probleme. Da er 

gesucht werde, sei er bei einer Rückkehr nach Afghanistan besonders ge-

fährdet, festgenommen, misshandelt oder sogar getötet zu werden. Ein 

ehemaliger Arbeitskollege sei am 2. August 2024 in seiner Wohnung ver-

haftet worden. Seither gebe es keine Neuigkeiten über sein Schicksal. Dies 

zeige, dass auch der Beschwerdeführer 1 in Afghanistan nach wie vor in 

grosser Gefahr wäre. Kürzlich seien zudem die Leichname von fünf frühe-

ren Soldaten der afghanischen Regierung in Pakistan gefunden, ein ehe-

maliger Sicherheitskommandant in Quetta (Pakistan) ermordet und ein 

früherer Armeekommandant von den Taliban festgenommen worden, als 

er aus dem Iran zurückgekehrt sei. Am (…) 2024 sei die pakistanische Po-

lizei am Aufenthaltsort der Beschwerdeführenden erschienen, um sie ab-

zuschieben. Ein Bild zeige den Beschwerdeführer 1 und die Polizisten, die 

seine Dokumente kontrollierten. Es sei ihnen gelungen, zu entkommen. In 

das damalige Haus könnten sie indes nicht mehr zurückkehren und seien 

seither ständig auf der Flucht. Da er keinen Zugang zu Medikamenten 

habe, verschlechtere sich der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh-

rers 1 zusehends.  

5.5 Mit Duplik vom 30. September 2024 hob die Vorinstanz hervor, der Be-

schwerdeführer 1 habe beim Visumsantrag mitgeteilt, er sei letztmals am 

(…) 2022 bedroht worden. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er die 

Haftbriefe und Androhungen erst im Rahmen des Einspracheverfahrens 

eingereicht habe. Weiter sei bekannt, dass in Pakistan Personenkontrollen 

durchgeführt würden, was aber keine konkrete Verfolgung zu beweisen 

vermöge. Die eingereichten Fotografien betreffend, könnten auch diese 

keine offensichtliche unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Be-

schwerdeführenden belegen.  

F-3288/2024 

Seite 8 

6.  

6.1 Nach eigenen Angaben reisten die Beschwerdeführenden im (…) mit 

ihren eigenen Reisepässen und entsprechenden Visa nach Pakistan. In-

zwischen würden sie sich dort illegal aufhalten. Nachdem vorliegend aber 

keine hinreichenden Gründe erkennbar sind, welche im Fall einer Rückkehr 

von Pakistan nach Afghanistan die Erteilung von Einreisevisa in die 

Schweiz rechtfertigten (vgl. nachfolgende E. 6.2 f.), besteht keine Veran-

lassung, sich zu einer möglichen Gefährdung in Pakistan zu äussern. 

6.2 Bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan lassen sich 

Gruppen von Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem 

Personen, die der afghanischen Regierung oder der internationalen Ge-

meinschaft nahestehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen 

werden, sowie westlich orientierte oder der afghanischen Gesellschafts-

ordnung aus anderen Gründen nicht entsprechende Personen (vgl. bspw. 

Urteile des BVGer E-1578/2023 vom 6. April 2023 E. 8.5.1; D-2161/2021 

vom 12. Januar 2022 E. 7.2 ff.). Ebenfalls dazu zählen (ehemalige) Ange-

hörige der Sicherheitskräfte (Armee; Polizei; Nationaler Sicherheitsdienst 

[NDS] oder paramilitärische Formationen; vgl. dazu Urteil D-1728/2022 

vom 10. Mai 2022 E. 7.3). Angehörige der ehemaligen Sicherheitskräfte 

sind am häufigsten und stärker als anderen potentiellen Risikogruppen 

Übergriffen durch die Taliban ausgesetzt (SEM, Focus Afghanistan – Ver-

folgung durch Taliban: Potentielle Risikoprofile, 15. Februar 2022, Bern 

< https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/international-rueckkehr/her-

kunftslaender.html ˃, [nachfolgend: SEM, Risikoprofile], abgerufen am 

24.01.2025). Die Taliban haben nach der Machtübernahme bekanntgege-

ben, Mitarbeitenden der früheren Regierung nicht zu verfolgen und haben 

diese mehrfach dazu aufgerufen, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren, da 

auch die neue Interimsregierung auf ihre Kompetenzen angewiesen sei. 

Trotz dieser Ankündigung sind Übergriffe auf Mitarbeitende der bisherigen 

Regierung dokumentiert. Wie die Taliban eine Person behandeln, hängt 

stark von deren bisheriger Funktion ab. Übergriffe betreffen insbesondere 

Personen in exponierten Positionen, die zuvor in die Bekämpfung und Ver-

urteilung der Taliban involviert waren, so etwa Staatsanwälte und Richter 

(insbesondere Frauen), die an Verfahren gegen Taliban-Vertreter beteiligt 

waren oder das Gefängnis-Personal. Es gibt Meldungen, wonach die Tali-

ban ehemalige Behördenmitarbeitende mit Briefen und Anrufen bedrohten. 

Hinweise, dass diese Übergriffe systematisch erfolgten, gibt es dagegen 

nicht. Viele ehemalige Behördenmitarbeitende leben weiterhin unbehelligt 

in Afghanistan (International Crisis Group, Afghanistan’s Security 

F-3288/2024 

Seite 9 

Challenges under the Taliban, 12.08.2022, < https://www.crisis-

group.org/asia/south-asia/afghanistan/afghanistans-security-challenges-

under-taliban >, abgerufen am 24.01.2025). Das norwegische Country of 

Origin Information Centre Landinfo interpretiert die Informationen zu Über-

griffen auf ehemalige Sicherheitskräfte und Mitarbeitende der Regierung 

überwiegend als Fälle von privater oder politischer Rache. Entscheidend 

sei die Beziehung zwischen Opfer und Täter (Landinfo Afghanistan: Utvi-

klingen av det islamske emiratet, 23.01.2023, < https://landinfo.no/wpcon-

tent/uploads/2023/01/Aghanistan-temanotat-Utviklingen-av-det-islamske-

emiratet-23012023.pdf >, abgerufen am 24.01.2025).  

6.3  

6.3.1 Vorliegend weist der Beschwerdeführer 1 aufgrund seiner ehe-

maligen Tätigkeit für (…) ein erhöhtes abstraktes Risikoprofil auf. Er sei 

dafür zuständig gewesen, (…). Zudem sei er damit betraut gewesen, (…). 

Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, war er nicht direkt (…). Eine 

systematische Verfolgung sämtlicher ehemaliger Mitarbeiter (…) liegt, wie 

eben dargelegt, nicht vor. Die Beschwerdeführenden gehören überdies der 

ethnischen Minderheit der Hazara an, was ihr Risikoprofil erhöht. Eine 

bloss abstrakte Gefährdung reicht indes für die Erteilung eines humani-

tären Visums nicht aus. Die betroffenen Personen müssen zusätzlich zum 

Vorliegen eines Risikoprofils individuell, unmittelbar und konkret an Leib 

und Leben gefährdet sein. Weiter ist erforderlich, dass sich ihre Situation 

massgeblich von anderen, sich in derselben Lage befindlichen Personen 

abhebt. 

6.3.2 Der Beschwerdeführer 1 bringt vor, er sei während seiner Tätigkeit 

für das (…) mehrfach von den Taliban bedroht worden. Er schildert einen 

Vorfall vom (…) 2020, bei dem er von bewaffneten Taliban bedroht worden 

sei. Danach seien ihm ein gepanzertes Fahrzeug und ein Bodyguard zur 

Verfügung gestellt und ihm geraten worden, nicht stets den gleichen Weg 

zur Arbeit zu fahren. Der ins Recht gelegten «Büroordnung» vom (…) 2020 

ist zu entnehmen, dass die Gruppierung Daesh (arabisch für "Al-Dawla al-

Islamija fil-Iraq wa al-Sham“, übersetzt: „Der Islamische Staat im Irak und 

der Levante“, IS) Mitarbeitende des (…) ins Visier genommen habe. Die 

(…) riet ihren Mitarbeitenden, auf die persönliche Sicherheit zu achten. 

Spätere, gezielt gegen den Beschwerdeführer 1 gerichtete, Drohungen 

liegen nicht vor. Zu den in Kopie eingereichten Dokumenten (Warnbrief 

vom [...].2020, Haftbriefe vom [...].2022 und [...].2023, Tötungsanordnung 

vom [...].2023) machten die Beschwerdeführenden keine genaueren An-

gaben. Sie erklärten weder, wie der Bekannte des Beschwerdeführers 1 in 

F-3288/2024 

Seite 10 

den Besitz dieser Dokumente gelangt sein soll, noch wie und unter welchen 

Umständen sie selbst diese erlangt hätten. Ferner kann diesen 

Dokumenten auch deshalb keine Beweiskraft zukommen, weil sie leicht 

fälschbar, käuflich erwerbbar sind und lediglich in Kopie vorliegen. Eine 

gezielte individuelle und aktuelle Bedrohung ist damit nicht belegt. Weiter 

ist zu berücksichtigen, dass sämtliche Pässe der Beschwerdeführenden 

(…) ausgestellt wurden. Sie hätten pakistanische Visa erhalten und seien 

im (…) legal nach Pakistan ausgereist. Die ursprünglichen Visa finden sich 

nicht in den Akten, jedoch die vom (…) bis (…) (Beschwerdeführende 2-4) 

beziehungsweise vom (…) bis (…) (Beschwerdeführer 1) gültigen 

Verlängerungen. Die Pässe sind bei der Ausreise aus Afghanistan 

gestempelt worden, was ein starkes Indiz dafür ist, dass der 

Beschwerdeführer 1 nicht ins Visier der Taliban geraten ist. Die 

Argumente, der Beschwerdeführer 1 habe für den Grenzübertritt sein 

Aussehen verändert und seine Frau zur Vorlage der Pässe der gesamten 

Familie vorgeschickt, vermögen dabei nicht zu überzeugen. Soweit die 

Beschwerdeführenden in ihrer Replik auf eine kürzlich erfolgte, nicht 

belegte Verhaftung eines ehemaligen Arbeitskollegen des Beschwerde-

führers 1 hinweisen, lässt sich daraus kein aktuelles Verfolgungsinteresse 

am Beschwerdeführer 1 ableiten. 

6.3.3 Der Beschwerdeführer 1 macht weiter geltend, sie hätten bereits vor 

der Machtübernahme der Taliban regelmässig Diskriminierung aufgrund 

ihrer ethnischen Zugehörigkeit zu den Hazara erfahren. Sein Bruder sei am 

(…) 2000 auf seinem Arbeitsweg ermordet worden. Weder zu diesem 

tragischen Vorfall noch zur Tötung des Vaters im Jahr 1987 sind aber die 

genauen Hintergründe bekannt. Eine konkrete Gefährdung der 

Beschwerdeführenden aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit ist nicht 

nachgewiesen. Es ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass sich die 

Situation der Hazara in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban 

schwierig präsentieren kann. Gemäss der Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts ist indessen nicht von einer Kollektivverfolgung auszu-

gehen (vgl. statt vieler: zuletzt Urteil des BVGer F-1455/2024 vom 28. Okt-

ober 2024 E. 6.3.4). Die blosse Hazara-Zugehörigkeit ist daher auch unter 

Berücksichtigung der aktuellen Machtverhältnisse in Afghanistan nicht 

ausreichend, um ein konkretes Verfolgungsinteresse der Taliban zu 

begründen. Umso weniger vermag sie eine Gefährdung im Sinne von Art. 4 

Abs. 2 VEV zu begründen. 

F-3288/2024 

Seite 11 

6.4 Die Darlegungen der Beschwerdeführenden und die eingereichten Un-

terlagen vermögen die erforderliche unmittelbare, ernsthafte und konkrete 

Gefährdung nicht rechtsgenügend zu begründen. 

7.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden die 

Voraussetzungen für die Ausstellung humanitärer Visa zwecks Einreise in 

die Schweiz nicht erfüllen. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit 

im Lichte von Art. 49 VwVG als rechtmässig. Die Beschwerde ist abzuwei-

sen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Beschwerde 

gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

wurde jedoch mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2024 gutgeheissen. Es 

sind daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

F-3288/2024 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und die Vorinstanz. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Evelyn Heiniger 

 

 

 

Versand: