# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e94c6115-22fb-5e9c-9846-0bf9f7c55a4e
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-05-07
**Language:** de
**Title:** Erbschaftssteuer
**Docket/Reference:** ES.2019.1
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-es.2019.1.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 ES.2019.1 

Entscheid 

7. Mai 2019 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Walter Balsiger und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

A,    

In Sachen 

gegen 

Rekurrent,  

S t a a t   Z ü r i c h ,    

Rekursgegner,  

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Dienstabteilung Inventarkontrolle/Erbschaftssteuer,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

betreffend 

Erbschaftssteuer 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. Am 5. Februar 2016 verstarb B im Alter von 85 Jahren. In ihrem Testament 

liess sie nicht nur verschiedenen steuerbefreiten Organisationen, sondern auch insge-

samt fünf Neffen und Nichten Barlegate von jeweils Fr. 10'000.- zukommen. Einer die-

ser Vermächtnisnehmer war A (nachfolgend der Rekurrent). 

Mit  Verfügung  vom  14.  September  2018  auferlegte  das  kantonale  Steueramt 

(Dienstabteilung  Inventarkontrolle/Erbschaftssteuer)  dem  Rekurrenten  sowie  zwei 

Nichten  der  Erblasserin  Erbschaftssteuern  von  jeweils  Fr. 1'000.-.  In  Bezug  auf  einen 

weiteren  Neffen  und  eine  weitere  Nichte  ging  die  Steuerbehörde  von  steuerfreien  

Beträgen  infolge  Patenschaft  aus.  Insgesamt  resultierte  damit  für  drei  Vermächtnis-

nehmer eine Gesamtsteuer von Fr. 3'000.-.   

B.  Die  hiergegen  vom  Rekurrenten  am  19.  September  2018  erhobene  Ein-

sprache, mit welcher dieser geltend gemacht hatte, er sei ebenfalls ein Patenkind der 

Erblasserin gewesen, weshalb auch das ihm ausgerichtete Barlegat von Fr. 10'000.- im 

steuerfreien Bereich liege, wies das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 8. Janu-

ar 2019 ab. Es hielt dafür, die Voraussetzungen für die Gewährung des Steuerfreibe-

trags für Patenkinder seien in seinem Fall nicht erfüllt.   

C. Mit Rekurs vom 10. Januar 2019 beantragte der Rekurrent, ihn als Paten-

kind zu anerkennen und ihm deshalb die auferlegte Erbschaftssteuer zu erlassen. 

In seiner Rekursantwort vom 15. Februar 2019 schloss das kantonale Steuer-

amt auf Abweisung des Rechtsmittels.    

Im  Rahmen  eines  zweiten  Schriftenwechsels  hielten  die  Parteien  mit  Replik 

vom 9. März 2019 und Duplik vom 25. März 2019 an ihren Anträgen fest.   

Auf  die  Parteivorbringen  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Ur-

teilsgründen zurückgekommen. 

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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:  

1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes vom 

28.  September  1986/13.  September  2010  (ESchG)  kann  der  Steuerpflichtige  gegen 

den Einspracheentscheid beim Steuerrekursgericht erheben. Laut § 43 Abs. 3 ESchG 

sind die Bestimmungen über das Rekursverfahren bei Einschätzungen für die Staats-

steuer  sinngemäss  anwendbar  (§§  147  ff.  des  Steuergesetzes  vom  8.  Juni  1997; 

StG).   

2.  a)  Nach  §  3  Abs.  1  ESchG  unterliegen  der  Erbschaftssteuer  alle  Vermö-

gensübergänge (Erbanfälle und Zuwendungen) kraft gesetzlichen Erbrechts oder auf-

grund einer Verfügung von Todes wegen. Zu den steuerbaren Vermögensübergängen 

gehören insbesondere auch Vermächtnisse (§ 3 Abs. 2 ESchG). Steuerpflichtig ist der 

Empfänger des übergehenden Vermögens (§ 8 Abs. 1 ESchG).   

b)  Unter  dem  Randtitel  "Steuerfreie  Beträge"  gewährt  §  21  ESchG  verschie-

dene  Abzüge  von  den  steuerbaren  Vermögensübergängen,  so  Fr. 15'000.-  für  das 

Stief-, Paten- oder Pflegekind des Erblassers (Abs. 1 lit. d).    

c) Im Streit liegt hier der Patenkindabzug. Im alten Gesetz betreffend die Erb-

schaftssteuer von 1870 wurde lediglich für Taufpaten ein Abzug gewährt. Im geltenden 

Recht sind demgegenüber alle Patenkinder erfasst. Eine Taufhandlung wird somit nicht 

(mehr)  vorausgesetzt.  Patenschaft  in  diesem  Sinn  wird  in  der  Lehre  definiert  als 

Rechtsbeziehung,  die  im  Bereich  der  zürcherischen  Landeskirchen  durch  autonomes 

Staatskirchenrecht,  bei  den  übrigen  staatlich  anerkannten  Kirchgemeinden  und  den 

privatrechtlich  organisierten  religiösen  Körperschaften  christlicher  Konfession  –  sog. 

Freikirchen – durch inneres Kirchenrecht geordnet wird. Diese durch das Kirchenrecht 

geordnete und durch das Herkommen entstandene Verbundenheit des Paten zum Pa-

tenkind wird als eine solche betrachtet, die der entfernteren Verwandtschaft ähnlich ist 

(Richner/Frei,  Kommentar  zum  Zürcher  Erbschafts-  und  Schenkungssteuergesetz, 

1996, § 21 N 12).   

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3. a) aa) Dass ihm der Patenkindabzug zusteht, begründete der Rekurrent im 

Veranlagungsverfahren wie folgt (vgl. Schreiben vom 2. Oktober 2017 [Eingang Steu-

eramt]; T-act. 2). Die drei ersten im Testament der Erblasserin aufgeführten Vermächt-

nisnehmer  –  darunter  an  erster  Stelle  er  selbst  –  seien  deren  Patenkinder,  wobei  die 

an  zweiter  und  dritter  Stelle  Aufgeführten  dies  mit  ihren  Taufscheinen  nachweisen 

könnten. Bei ihm sei der Nachweis etwas schwieriger. Dass auch er ein Patenkind der 

Erblasserin  gewesen  sei,  könne  er  aber  mit  dem  am  26.  September  2017  verfassten 

Scheiben  seines  Bruders  Samuel  Mühlemann,  Pfarrer  der  evangelisch-reformierten 

Landeskirche, glaubhaft belegen.   

bb) In  letzterem  Schreiben  bestätigt  der  Bruder  des  Rekurrenten  zuhanden 

des Steueramts Folgendes:   

Ihre  Herkunftsfamilie  habe  der  Schweizerischen  Pfingstmission  (kurz  SPM) 

und  damit  einer  Freikirche  angehört.  Die  Letztere  pflege  die  Tradition  der  Erwachse-

nentaufe. Sein Bruder sei deshalb wie alle Geschwister als Säugling bloss "eingeseg-

net" worden. Bei diesem Anlass werde dem Säugling eine Gotte und ein Götti als ex-

klusive Vertrauensperson zugeordnet. Die Gotte seines Bruders sei von Anfang an die 

verstorbene  B  gewesen,  also  die  Schwester  ihres  Vaters.  Zum  Akt  der  "Einsegnung" 

werde keine Urkunde ausgestellt. Sein Bruder sei dann als junger Erwachsener getauft 

worden.  Hiervon  existiere  eine  Urkunde,  auf  welcher  aber  keine  Taufzeugen  genannt 

würden, weil der erwachsene Täufling ja keine solchen mehr benötige. B habe die Pa-

tenschaft  immer  sehr  ernst  genommen  und  sei  mit  der  Familie  ihres  Bruders  immer 

eng verbunden gewesen; nicht zuletzt, weil sie selber unverheiratet und kinderlos ge-

blieben sei. Sie habe ihr Gottenkind (den Rekurrenten) wegen der engen Verbunden-

heit dann auch als Willensvollstrecker eingesetzt.  

cc)  Nachdem  der  Steuerkommissär  den  Patenkindabzug  in  der  Verfügung 

vom  14.  September  2018  in  Bezug  auf  den  Rekurrenten  ohne  weitere  Begründung 

verweigert hatte, verwies der Letztere in der Einsprache erneut auf das Bestätigungs-

schreiben  seines  Bruders  und  machte  geltend,  es  sei  gesetzwidrig,  wenn  nur  Paten-

schaften im Zusammenhang mit landeskirchlichen Taufen anerkannt würden. 

dd)  Im  Einspracheentscheid  erwog  das  kantonale  Steueramt  unter  Verweis 

auf die vorstehend (E. 2c) erwähnte Literaturstelle, Voraussetzung für den Patenkind-

abzug sei im vorliegenden Fall, dass das innere Recht einer privatrechtlich organisier-

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ten  religiösen  Körperschaft  christlicher  Konfession  (gemeint  ist  also  das  innere  Recht 

der SPM) eine Rechtsbeziehung zwischen einem Paten und dem Patenkind regle, wel-

ches einem Paten Pflichten gegenüber seinem Patenkind auferlege. Sei der Rekurrent 

eingesegnet worden, bedeute dies einerseits zwar, dass er als Kind in der christlichen 

Gemeinde willkommen geheissen worden sei; andrerseits aber auch, dass er im Lauf 

des Heranwachsens frei habe entscheiden können, ob und wann er den Bund mit Gott 

eingehen möchte. Sein Bruder bestätige nun zwar, dass bei der Einsegnung die Erb-

lasserin dem Rekurrenten als Vertrauensperson zugeordnet worden sei. Es fehle damit 

aber der Nachweis, dass ein inneres Recht der Religionsgemeinschaft der Erblasserin 

in ihrer Funktion als Vertrauensperson bestimmte Pflichten gegenüber dem Kind aufer-

legt habe. Eine enge Verbundenheit gegenüber dem Patenkind genüge nicht, um den 

Steuerfreibetrag für Patenkinder geltend machen zu können. 

ee) Rekursweise macht der Rekurrent geltend, dass seine Eltern zur Zeit der 

Patenschaft, wie auch danach bis zu ihrem Tod, nicht nur der SPM, sondern auch der 

Evangelischen  Landeskirche  des  Kantons  Thurgau  angehört  hätten.  Damit  sei  auch 

deren Verständnis bezüglich Rechte und Pflichten der Patenschaft von der Landeskir-

che geprägt gewesen. Vor diesem Hintergrund sei er später auch in der Landeskirche 

konfirmiert worden. Soweit in der diesbezüglichen Bestätigung der Kirchgemeinde ein 

Taufdatum genannt werde, sei damit die Einsegnung in der Pfingstgemeinde gemeint. 

Die von der Einsprachebehörde verlangte Rechtsbeziehung beschränke sich im evan-

gelischen Kirchenrecht im Wesentlichen darauf, dass die Paten und Patinnen verspre-

chen  würden,  die  Eltern  darin  zu  unterstützen,  das  Kind  im  christlichen  Glauben  zu 

erziehen. Dabei müsse nicht einmal jeder Pate bzw. jede Patin Mitglied der evangeli-

schen  Kirche  sein.  Damit  relativiere  sich  aber  die  von  der  Steuerbehörde  verlangte 

Rechtsbeziehung, weil die evangelische Kirchenordnung ausserhalb der evangelischen 

Kirche kaum anwendbar sei. Art. 8 BV besage zudem, dass niemand aufgrund seiner 

religiösen Überzeugung diskriminiert werden dürfe; mithin sollten vor dem Gesetz alle 

Paten und Patinnen gleich sein.  

ff)  Die  Vorinstanz  entgegnet  in  der  Rekursvernehmlassung,  dass  es  bei  der 

Patenschaft  um  eine  höchstpersönliche  Rechtsbeziehung  zwischen  Patenkind  und 

Paten gehe, welche Recht und Pflichten gegenüber dem Kind begründeten. Vorliegend 

gehe  es  nicht  um  die  Beziehung  zwischen  dem  Rekurrenten  und  seinen  Eltern,  son-

dern um diejenige zwischen ihm und der Verstorbenen. Insoweit bleibe es dabei, dass 

kein Nachweis erbracht worden sei, dass die Letztere bei der Einsegnung des Rekur-

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renten  Rechte  und  Pflichten  übernommen  habe.  Eine  Verletzung  des  Diskriminie-

rungsverbots läge nur vor, wenn die Begründung eines Patenschaftsverhältnisses auf 

bestimmte Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften beschränkt wäre, obwohl das 

jeweilige innere Recht der Religionsgemeinschaft eine rechtliche Beziehung zwischen 

dem Patenkind und dem Paten vorsehe und die Ausgestaltung entsprechender Rechte 

und Pflichten regle. Letzteres sei hier aber nicht der Fall, denn eine Rechtsbeziehung 

innerhalb der Freikirche sei nicht nachgewiesen. Insgesamt sei festzuhalten, dass die 

Voraussetzung für die Entstehung der Rechtsbeziehung die Freikirche zu setzen habe. 

Angehörige von Religionsgemeinschaften, die keine Rechte und Pflichten von Paten im 

inneren  Kirchenrecht  vorsehen  würden  oder  auch  Atheisten,  würden  gegenüber  der 

Freikirche nicht bessergestellt.  

b)  Die  vorliegende  Sachverhaltskonstellation  ist  insoweit  eine  besondere,  als 

die Herkunftsfamilie des Rekurrenten nicht allein der evangelischen Landeskirche an-

gehörte, sondern zusätzlich der SPM zugewandt war.   

aa) Was zunächst die evangelische Landeskirche anbelangt, wird das Thema 

Patenschaft  im  evangelischen  Kirchenrecht  allein  im  Zusammenhang  mit  der  Kinder-

taufe  geregelt.  So  ist  etwa  der  Kirchenordnung  der  Evangelisch-reformierten  Landes-

kirche des Kantons Zürich vom 17. März 2009 hierzu Folgendes zu entnehmen: 

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bb) Bei der SPM handelt es sich um eine (in Vereinsform organisierte) evan-

gelische  Freikirche,  welche  insbesondere  die  Gläubigentaufe  praktiziert.  Bei  dieser 

wird – im Gegensatz zur Kindertaufe – ein persönliches Glaubensbekenntnis des (reli-

giös mündigen) Täuflings vorausgesetzt (vgl. zum Ganzen: Wikipedia, Gläubigentaufe). 

Vor letzterem Hintergrund liegt es damit auf der Hand, dass der Rekurrent als Säugling 

infolge Zugehörigkeit seiner Eltern zur SPM nicht förmlich (im Sinn von evangelischem 

Kirchenrecht  oder  Vereinsstatuten  einer  evangelischen  Freikirche)  getauft  worden  ist, 

weshalb auch keine förmliche Einsetzung von (Tauf-)Paten erfolgte und keine entspre-

chende Urkunde (Taufschein) existiert.   

Wie  bereits  erwähnt,  ist  nun  aber  im  geltenden  Erbschaftssteuerrecht  eine 

Taufe für den Patenkindabzug gar nicht mehr vorausgesetzt bzw. beschränkt sich der 

Abzug nicht auf Taufpaten. Es stellt sich damit die Frage, wie bei Fehlen der Kindertau-

fe  Patenschaft  im  steuerrechtlichen  Sinn  angenommen  werden  kann.  Die  Vorinstanz 

geht davon aus, in dieser  Konstellation  sei für die steuerliche Anerkennung einer Pa-

tenschaft  vorauszusetzen,  dass  eine  durch  inneres  Kirchenrecht  definierte  Rechtsbe-

ziehung  zwischen  einem  Paten  und  dem  Patenkind  vorliegen  müsse,  welche  einem 

Paten gegenüber seinem Patenkind Pflichten auferlege. 

Damit  geht  sie  nach  der  hier  vertretenen  Auffassung  indes  zu  weit.  Die  Auf-

fassung  hätte  nämlich  zur  Folge,  dass  der  Patenkindabzug  wieder  im  Sinn  des  alten 

Rechts  von  1870  auf  Taufpaten  reduziert  würde.  Denn  –  wie  gesehen  –  definiert  (je-

denfalls  das  hier  im  Vordergrund  stehende  evangelische)  Kirchenrecht  die  Rechtsbe-

ziehung zwischen Paten und Patenkindern allein im Zusammenhang mit der Kindertau-

fe  (vgl.  §  47  der  evangelischen  Kirchenordnung),  wobei  die  einzige  Patenpflicht darin 

besteht,  Eltern  und  Kind  in  Fragen  des  evangelischen  Glaubens  zu  begleiten.  Diese 

Pflicht dauert dabei von der Taufe bis zur Konfirmation, anlässlich welcher der Getaufte 

am Ende der obligatorischen Schulzeit  (= beim Eintritt in die religiöse Mündigkeit) ins 

kirchliche Erwachsenenalter übertritt (vgl. Art. 56 Abs. 2 und Art. 78 Abs. 2 und 3 der 

evangelischen  Kirchenordnung).  Die  Auffassung  des  Steueramts  hätte  also  in  Bezug 

auf die evangelische Landeskirche zur Folge, dass eine Patenschaft bei fehlender Tau-

fe bzw. bei blosser Einsegnung im Sinn von Art. 48 der evangelischen Kirchenordnung 

gar nicht möglich ist, denn ohne Taufe fehlt es an der Verpflichtung der Paten im Sinn 

von  Art.  47  Abs.  2  der  evangelischen  Kirchenordnung.  In  Bezug  auf  alle  Freikirchen, 

welche wie die SPM die Kindertaufe ablehnen, hätte die Auffassung sodann zur Folge, 

dass  letztlich  generell  keine  Patenschaften  möglich  wären,  denn  es  ist  nicht  einzuse-

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hen,  wieso  solche  Freikirchen  in  ihren  Statuten  Regeln  zur  Patenschaft  von  Kindern 

(im Sinn von religiöser Begleitung vom Säuglingsalter bis hin zur religiösen Mündigkeit) 

aufstellen sollten, wenn sie vom Ansatz der Gläubigentaufe im (religiösen) Erwachse-

nenalter ausgehen, bei welchem Anlass Paten kein Thema sind.   

Wenn  das  heutige  Erbschaftssteuergesetz  den  Patenkindabzug  nicht  auf 

Taufpaten im traditionell religiösen Sinn beschränkt bzw. für diesen Abzug keine kirch-

liche  Taufe  voraussetzt,  so  sind  die  Abzugsvoraussetzungen  –  dem  Wandel  der  Zeit 

entsprechend – nicht vorab an religiöse Normen zu knüpfen. Auszulegen ist der Begriff 

der Patenschaft ungeachtet des religiösen Ursprungs mit einem säkularen Verständnis. 

Bei der Patenschaft verhält es sich dabei ähnlich wie bei der kirchlichen Heirat und der 

kirchlichen  Bestattung,  indem  Religion  heutzutage  von  vielen  Menschen  unabhängig 

vom Glauben vorab als traditionelles Brauchtum gelebt wird. 

So  verstanden  ist  nicht  einzusehen,  wieso  beispielsweise  Angehörige  der 

evangelischen  Kirche,  welche  ihre  Kinder  nicht  taufen,  sondern  lediglich  im  Sinn  von 

Art.  48  der evangelischen  Kirchenordnung  einsegnen  lassen  und  ihnen  nach  der  Ge-

burt  aber  gleichwohl  eine  Gotte  und  einen  Götti  zur  Seite  stellen,  damit  keine  Paten-

schaft  im  Sinn  des  Erbschaftssteuergesetzes  begründen  sollten.  Fragen  lässt  sich 

nach  der  hier  vertretenen  Auffassung  sogar,  was  dagegensprechen  sollte,  von  einer 

Patenschaft  im  Sinn  des  Erbschaftssteuergesetzes  selbst  dann  auszugehen,  wenn 

Eltern, die weder einer Landeskirche noch einer Freikirche angehören, für ihre neuge-

borenen Kinder aus reinen Gründen der Tradition einen Götti und eine Gotte bestimmt 

haben.  Problematisch  kann  in  all  diesen  Fällen  jedoch  sein,  die  Patenschaft  im  steu-

ermindernden  Kontext  der  Steuerfreibeträge  bei  der  Erbschaftssteuer  nachzuweisen, 

wenn es an entsprechenden Urkunden (wie einem Taufschein) fehlt. Es braucht in je-

dem  Fall  Beweismittel,  welche  eine  nach  Herkommen  verstandene  patenschaftliche 

Beziehung (= Beziehung des neugeborenen Kinds zu einem von den Eltern eingesetz-

ten Paten) überzeugend aufzeigen; in diesem Sinn könnte es beispielsweise also nicht 

genügen, wenn im Erbfall ein Vermächtnisnehmer behauptet, der Verstorbene sei als 

Freund der Familie für ihn so etwas wie ein Götti gewesen.  

cc) Beim Rekurrenten bzw. dessen Herkunftsfamilie fehlt es nun nicht am reli-

giösen Bezug der im Streit liegenden Patenschaft. Dessen Eltern waren auch Mitglie-

der  der  evangelischen  Landeskirche  und  der  Rekurrent  wurde  in  der  Letzteren  denn 

auch  konfirmiert  (vgl.  Konfirmationsbestätigung).  In  der  Konfirmationsbestätigung  ist 

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dabei  sogar  eine  Taufe  vermerkt,  wobei  damit  aber  unbestrittenermassen  die  seiner-

zeitige Einsegnung gemeint ist. Wenn die Eltern des Rekurrenten diesen nach der Ge-

burt nicht haben taufen lassen, so geschah dies also nicht wegen fehlenden Glaubens 

oder religiöser Gleichgültigkeit. Im Gegenteil waren diese besonders religiös, wobei sie 

ihren Glauben auch in einer Freikirche lebten, welche die Kindertaufe ablehnt. Die Re-

ligiosität der Herkunftsfamilie des Rekurrenten zeigt sich sodann auch darin, dass des-

sen Bruder Pfarrer der evangelischen Landeskirche geworden ist und dass die Erblas-

serin  (also  seine  Tante  bzw.  die  Schwester  seines  Vaters)  in  ihrem  Testament  vorab 

religiöse  Institutionen  bedacht  hat.  Wenn  in  solcher  Konstellation  der  Bruder  des  Re-

kurrenten  als  (pensionierter)  Pfarrer  der  evangelischen  Landeskirche  bestätigt,  dass 

seine  Eltern  vor  dem  Hintergrund  ihres  gelebten  Glaubens  bei  der  Einsegnung  des 

Rekurrenten B (die Schwester des Vaters) als Gotte des Rekurrenten eingesetzt hätten 

und die Letztere ihr Patenamt sehr ernst genommen habe, genügt dies vorliegend als 

Nachweis einer (unabhängig von einer Taufhandlung) gelebten Patenschaft. Die Steu-

erbehörde  bestreitet  denn  die  Bestätigung  des  Pfarrers  auch  nicht  inhaltlich,  sondern 

verweigert  den  Patenkindabzug  zu  Unrecht  einzig  mit  dem  Hinweis  auf  das  Fehlen 

einer  sich  auf  inneres  Recht  der  SPM  stützenden  Patenschaftsbeziehung  zwischen 

dem Rekurrenten und der Erblasserin. 

dd)  Nach  dem  Gesagten  steht  dem  Rekurrenten  der  Patenkindabzug  in  der 

Höhe  von  Fr.  15'000.-  im  Sinn  von  §  21  Abs.  1  lit.  d  ESchG  zu,  womit  in  Bezug  auf 

dessen Barlegat von Fr. 10'000.- keine Erbschaftssteuer anfällt.  

4. Diese Erwägungen führen zur Gutheissung des Rekurses. Bei diesem Pro-

zessausgang  sind  die  Gerichtskosten  dem  Rekursgegner  zu  überbinden  (§ 43 

Abs. 3 ESchG i.V.m. § 151 Abs. 1 StG). 

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Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Der Rekurs wird gutgeheissen. Der Einspracheentscheid vom 8. Januar 2019 wird 

aufgehoben.  Die  Verfügung  vom  14.  September  2018  wird  in  Bezug  auf  die  dem 

Rekurrenten  auferlegte  Erbschaftssteuer  von  Fr.  1'000.-  aufgehoben,  womit  eine 

Gesamtsteuer von Fr. 2'000.- verbleibt. 

[…] 

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