# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 223437ab-13e0-5bf6-a905-4c0941f2f4f5
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-07-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Baurekursgericht 04.07.2013 BRGE IV Nr. 0106/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Baurekurs/ZH_BRK_001_BRGE-IV-Nr--0106-201_2013-07-04.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 0106/2013 vom 4. Juli 2013 in BEZ 2013 Nr. 42 

Vorliegend standen der giebelseitigen Fassade auf allen Geschossen und 
über deren ganze Länge vorgelagerte Balkone zur Beurteilung, welche auf 
Grund der Schrägstellung der Giebelfassade zur Strasse über einen Drittel der 
Fassadenlänge in den Strassenabstandsbereich hineinragten. Alle Balkone 
wiesen Geländer auf. Der Dachgeschossbalkon unter Schrägdach war gegen 
die Strasse hin teilweise (auf den Seiten) verkleidet. Die übrigen Balkone 
wiesen gegen die Strasse hin vereinzelte Sichtschutzwände auf. Nachbarn 
beklagten eine Verletzung des Strassenabstandes. 

Aus den Erwägungen: 

6.3 Aus der Bestimmung von § 260 PBG ergibt sich, dass grund-
legenderweise zwischen Fassaden und Vorsprüngen zu unterscheiden ist. Der 
Grenz- und Gebäudeabstand (und der Strassenabstand) sind ab der Fassade 
zu messen. Vorsprünge dürfen ab der so zu stellenden Fassade maximal zwei 
Meter in den Abstandsbereich hineinragen. Als Vorsprünge sind Bauteile zu 
betrachten, die der Fassade vorgelagert sind. Mithin stellt sich die Frage, ob die 
geplanten Balkone als Vorsprünge im Sinne von § 260 Abs. 3 PBG zu 
qualifizieren sind und damit der dahinter liegende Gebäudeabschluss die 
Fassade bildet, oder ob die Balkone selbst bzw. deren vorderer Abschluss die 
Fassade im Sinne von § 260 PBG bildet und die Balkone damit nicht mehr 
abstandsprivilegiert sind.  

Der Begriff der Gebäudefassade ist baurechtlich nicht definiert. Faktisch 
handelt es sich bei den Gebäudefassaden um jene Teile eines Gebäudes, 
welche dieses seitlich witterungsfest abschliessen, womit im Verein mit Böden, 
Decken und dem Dach dem dauernden Aufenthalt dienende Räume geschaffen 
werden (vgl. hierzu BRGE II Nr. 0113/2011 vom 17. Mai 2011, E. 4.2.2, 
www.baurekursgericht-zh.ch). Die Fassade kann gemauert oder auch etwa 
vollverglast sein. Hier unbeachtlich kann die Ausnahme bleiben, dass der 
rechtlich als abstandsprivilegierter Vorsprung zählende Erker der 
Wohnraumerweiterung dienen kann. Der Begriff der Fassade definiert sich 
somit vor allem nach der Funktion dieses Gebäudeteils. Darüber hinaus kann 
allenfalls auch die Erscheinungsweise ein Kriterium bilden.  

Aus den Grundrissplänen bzw. den dort ersichtlichen Mauerquerschnitten 
ergibt sich, dass die gemäss der Funktion definierte Fassade eindeutig hinter 
den Balkonen liegt. Dies gilt auch mit Bezug auf den Dachgeschossbalkon. 
Dessen teilweise Verkleidung und die Überdachung ändert nichts an der 
beschriebenen Funktionalität. Mit Bezug auf das Erscheinungsbild ist 
festzustellen, dass auf Grund der nur teilweisen Verkleidung des 
Dachgeschossbalkons im Verein mit den darunter liegenden offenen Balkonen 
von Erd- und Obergeschoss klar nachvollziehbar ist, dass auch im 
Dachgeschoss die Fassade hinter diesem Gebäudeteil liegt, das Dachgeschoss 
also nicht etwa gegenüber den darunter liegenden Geschossen auskragend 

 

 

projektiert ist. Ein bei gegenteiliger – hier nicht vertretener – Auffassung 
auflageweise anzuordnender Verzicht auf die Verkleidung des 
Dachgeschossbalkons würde der Rekurrentschaft keinerlei Nutzen bringen, 
womit eine solche Auflage auch deswegen nicht in Frage käme. 

Demnach kommt den Balkonen in allen drei Geschossen Vorsprungs-
qualität zu und verhält es sich nicht etwa so, dass deren vordere, 
strassenseitige Abschlüsse (Geländer, einzelne Sichtschutzwände, teilweise 
Verkleidung des Dachgeschossbalkons) als Fassade zu betrachten sind. 
Insoweit wird den Voraussetzungen von § 260 Abs. 3 PBG entsprochen. 
Hingegen kann angesichts der Tatsache, dass die Balkone über alle drei 
Geschosse den Fassaden über deren ganze Länge vorgelagert sind, 
offenkundig nicht mehr von «einzelnen» Vorsprüngen gesprochen werden. 

Es fragt sich indes, welche Bedeutung diesem Kriterium effektiv 
zukommen kann. Nach § 100 Abs. 1 PBG dürfen einzelne oberirdische 
Gebäudevorsprünge bis zu 1,5 m über Verkehrsbaulinien hinausragen. Mit 
BRKE I Nrn. 0260 und 0261/2006 (= BEZ 2006 Nr. 65, www.baurekursgericht-
zh.ch) befand die Rekursinstanz, damit Gebäudeteile als «einzelne» 
oberirdische Vorsprünge im Sinne von § 100 Abs. 1 PBG eingestuft werden 
könnten, müssten sie im Verhältnis zur Fassade untergeordnet sein. Diese 
Auslegung des Begriffs «einzeln» in § 100 Abs. 1 PBG liegt auf der Hand, ist 
doch die Länge von den Baulinienbereich in Anspruch nehmenden 
Vorsprüngen in dieser Norm nicht beschränkt. Die diesbezüglichen, auf Grund 
des Baulinienzweckes der grundsätzlichen Freihaltung entsprechend 
erforderlichen Einschränkungen müssen demnach aus dem Kriterium «einzeln» 
abgeleitet werden. Demgegenüber besteht nach § 260 Abs. 3 PBG die 
Abstandsprivilegierung für Erker, Balkone und dergleichen von vornherein nur 
auf einem Drittel der betreffenden Fassadenlänge. Zugleich ergibt sich aus 
dieser Norm, dass nicht etwa diese Vorbauten selbst nur einen Drittel der 
betreffenden Fassadenlänge messen dürfen, um abstandsprivilegiert zu sein, 
sondern dass sie nur über diese Länge in den Abstandsbereich ragen dürfen. 
Damit kann es keine Rolle spielen, wenn sie ausserhalb des Abstandsbereiches 
entlang der Fassade weitergeführt werden. Mithin kommt der Einschränkung 
«einzeln» jedenfalls in Fällen wie dem vorliegenden keine selbständige 
Bedeutung zu und kann diese daher nicht gegen das hier strittige Projekt 
angeführt werden.