# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1e5ec292-f434-53fd-8e4e-66da630f6d0b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.10.2022 D-3851/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3851-2022_2022-10-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3851/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  O k t o b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Chiara Piras (Vorsitz), 

Richterin Chrystel Tornare Villanueva, 

Richterin Daniela Brüschweiler, 

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch Benedikt Homberger, Rechtsanwalt,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Rechtsverzögerung / Rechtsverweigerung / N (…). 

 

 

 

D-3851/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I.  

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) stellte am 3. August 

2015 in der Schweiz ein Asylgesuch. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2015 

verneinte das SEM ihre Flüchtlingseigenschaft, lehnte ihr Asylgesuch ab 

und ordnete die Wegweisung und deren Vollzug an. Die Nationalität der 

Beschwerdeführerin wurde auf «unbekannt» gesetzt.  

A.b Die am 26. Oktober 2015 dagegen erhobene Beschwerde wurde mit 

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6884/2015 vom 22. März 2017 

abgewiesen.  

II.  

B.  

B.a Mit als «eine kurze Stellungnahme zu meiner Nationalität und Wieder-

erwägungsgesuch» bezeichneter Eingabe vom 8. Oktober 2020 machte 

die Beschwerdeführerin geltend, dass sie mit dem neu eingereichten Be-

weismittel ihre Nationalität belegen könne.  

B.b Mit Verfügung vom 6. November 2020 änderte das SEM die Nationali-

tät der Beschwerdeführerin von «unbekannt» auf «Somalia» und wies an-

sonsten ihr Wiedererwägungsgesuch ab.  

B.c Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 7. Dezember 2020 Be-

schwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Auf Beschwerdeebene 

machte sie bis anhin unbekannte neue Sachverhaltselemente im Sinne 

von frauenspezifischen Fluchtgründen geltend.  

B.d Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6181/2020 vom 14. Ja-

nuar 2021 wurde die Beschwerde gutgeheissen, soweit die Rückweisung 

der Sache an die Vorinstanz beantragt wurde. Die Dispositionsziffern 2, 3 

und 4 der Verfügung des SEM vom 6. November 2020 wurden aufgehoben 

und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.   

 

 

D-3851/2022 

Seite 3 

C.  

C.a Am 9. Dezember 2021 gelangte der Rechtsvertreter der Beschwerde-

führerin mit einer Verfahrensstandanfrage an das SEM und bat um einen 

zeitnahen Entscheid.  

C.b Die Anfrage blieb unbeantwortet.   

D.  

D.a Mit Eingabe vom 11. Februar 2022 gelangte der Rechtsvertreter erneut 

an die Vorinstanz und hielt fest, dass die erste Verfahrensstandanfrage 

vom 9. Dezember 2021 unbeantwortet geblieben sei. Nach der Rückwei-

sung infolge des Urteils vom Bundeverwaltungsgericht am 14. Januar 2021 

zur Neubeurteilung an das SEM sei das Verfahren nunmehr seit einem 

Jahr hängig. Weiter wurde erneut um die Mitteilung des Verfahrensstands 

und um eine zeitnahe Entscheidung gebeten.  

D.b Die Anfrage des Rechtsvertreters blieb erneut unbeantwortet.  

E.  

E.a Am 15. Juli 2022 wandte sich der Rechtsvertreter der Beschwerdefüh-

rerin ein weiteres Mal an die Vorinstanz und bezog sich auf die beiden un-

beantworteten Verfahrensstandanfragen. Weiter hielt er fest, dass das Ver-

fahren seit über achtzehn Monaten hängig sei und verwies auf Art. 29 

Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 

vom 18. April 1999 (BV, SR 101), wonach eine «Beurteilung innert ange-

messener Frist» garantiert werde. Für eine Beurteilung müsse zwar auf die 

einzelfallspezifischen Umstände Rücksicht genommen werden, jedoch sei 

gemäss Rechtsprechung eine hohe Geschäftslast kein rechtfertigender 

Grund für eine Verfahrensverzögerung. Vorliegend stelle die Verzögerung 

der Beurteilung des Wiedererwägungsgesuchs eine unzumutbare Unge-

wissheit für die Beschwerdeführerin dar. Er ersuchte um eine Mitteilung 

zum Verfahrensstand und bat um einen raschen Entscheid. Gleichzeitig 

kündigte er an, dass eine Rechtsverzögerungsbeschwerde eingereicht 

werde, sollte bis Ende August 2022 kein Entscheid gefällt werden. 

 

E.b Auch diese Anfrage blieb von der Vorinstanz unbeantwortet.  

 

F.  

Mit einer als Rechtsverweigerungs- / Rechtsverzögerungsbeschwerde be-

titelten Eingabe vom 5. September 2022 (Datum Poststempel) gelangte die 

D-3851/2022 

Seite 4 

Beschwerdeführerin – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – an das Bun-

desverwaltungsgericht und beantragte die Feststellung einer ungerechtfer-

tigten Rechtsverzögerung in ihrem Asylverfahren und die Verletzung des 

Beschleunigungsgebots. Die Vorinstanz sei anzuweisen, in ihrem Verfah-

ren baldmöglichst einen Entscheid zu fällen. In prozessualer Hinsicht er-

suchte sie um unentgeltliche Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde wurde eine Kostennote 

sowie die Kopien der drei beim SEM eingereichten Verfahrensstandanfra-

gen beigelegt.  

G.  

Mit Verfügung vom 12. September 2022 wurde das Gesuch um unentgelt-

liche Prozessführung gutgeheissen und es wurde auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses verzichtet. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingela-

den, sich vernehmen zu lassen.  

H.  

Am 26. September 2022 nahm die Vorinstanz Stellung.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-

desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge-

richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des 

Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren 

(VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundes-

gesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110]; 

Art. 105 AsylG). 

Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtba-

ren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung 

einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu-

ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch 

MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-

desgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu 

Art. 46a VwVG). 

D-3851/2022 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorliegenden 

Rechtsverweigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerde zu-

ständig. 

1.2 Rechtsverweigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerden 

richten sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Be-

schwerdelegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zu-

vor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch 

darauf besteht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflich-

tet ist, in Verfügungsform zu handeln und der ansprechenden Person nach 

Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/

15 E. 3.2 m.w.H.). 

Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 8. Oktober 2020 ein Wie-

dererwägungsgesuch beim SEM ein. Die gegen die Verfügung des SEM 

vom 6. November 2020 erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwal-

tungsgericht mit Urteil D-6181/2020 vom 14. Januar 2021 gutgeheissen 

und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Dar-

über hat das SEM in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Eine 

solche ist bis anhin nicht ergangen. Die Beschwerdeführerin ist daher zur 

Beschwerdeführung legitimiert. 

1.3 Beschwerde gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern 

einer Verfügung kann jederzeit geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die 

zeitliche Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben. Bietet eine 

bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung objektiv begründeten 

Anlass für eine Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbe-

schwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Vielmehr muss die 

Beschwerde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemes-

sen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, namentlich nach der 

der betroffenen Person zumutbaren Sorgfaltspflicht. Jene muss darlegen, 

dass sie zur Zeit der Beschwerdeeinreichung ein schutzwürdiges – mithin 

aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzögerten 

Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden Rechts-

verzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜH-

LER/MARTIN KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 

3. Aufl. 2022, Rz. 5.23).  

Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstan-

den. Das schutzwürdige Interesse der Beschwerdeführerin resultiert aus 

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Seite 6 

der mutmasslich verzögerten Amtshandlung der Vorinstanz und am Erge-

hen eines zeitnahen Entscheids, worum sie in ihren Verfahrensstandanfra-

gen gebeten hat, sowie aus der Tatsache, dass die Vorinstanz in der Sache 

noch nicht verfügt hat.  

1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-

gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverweigerungs- respektive Rechts-

verzögerungsbeschwerde einzutreten.  

1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts 

anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 

2.  

Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich 

vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverweigerungs- res-

pektive Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung 

der Beschwerde weist es die Sache mit verbindlichen Weisungen an die 

Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht 

dazu befugt, sich dazu zu äussern, wie gegebenenfalls ein unrechtmässig 

verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sollen, da es – Spezial-

konstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen Be-

hörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug verkürzt und mög-

licherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden (vgl. 

BVGE 2008/15 E. 3.1.2, m.w.H.). 

3.  

3.1 Das Verbot der Rechtsverweigerung respektive Rechtsverzögerung 

ergibt sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von 

Art. 29 Abs. 1 BV. Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn eine Behörde 

sich weigert, eine Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu aufgrund der 

einschlägigen Rechtsnormen verpflichtet wäre (vgl. Urteil des BVGer 

E-3553/2021 vom 1. November 2021 E. 3.1). Darüber hinaus hat jede Per-

son Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert angemessener Frist 

(sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsgarantien gelten für alle 

Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. BGE 130 I 174 

E. 2.2 m.w.H.).  

3.2 Von einer hier interessierenden Rechtsverzögerung im Sinne des Ge-

setzes ist nach Lehre und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln 

zwar nicht (wie bei einer formellen Rechtsverweigerung) grundsätzlich in-

frage steht, aber die Behörde nicht innert der Frist handelt, die nach der 

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Seite 7 

Natur der Sache objektiv noch als angemessen erscheint. Die Angemes-

senheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung 

der gesamten Umstände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei 

namentlich die Komplexität der Sache, das Verhalten der betroffenen Be-

teiligten und der Behörden, die Bedeutung des Verfahrens für die be-

troffene Partei sowie einzelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum 

Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 und 5.2 m.w.H.). 

3.3 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge-

setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt, 

wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes-

sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 

103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Be-

urteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen 

(vgl.  etwa das Urteil des BVGer E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2 

m.w.H.). 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführerin rügte, dass seit der Rückweisung ihres Wie-

dererwägungsgesuchs durch das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 

14. Januar 2021 an das SEM inzwischen fast zwei Jahre vergangen seien, 

ohne dass seither ersichtliche Verfahrensschritte durch die Vorinstanz vor-

genommen worden seien. Das vorliegende Asylverfahren sei weder beson-

ders komplex, noch überdurchschnittlich umfangreich. Ferner seien ihre 

drei Verfahrensstandanfragen (vom 9. Dezember 2021, 11. Februar 2022 

und 15. Juli 2022) unbeantwortet geblieben. Für sie, die Beschwerdefüh-

rerin, stünden aufgrund ihres Ersuchens um Asyl hochrangige Rechtsgüter 

auf dem Spiel und das Bedürfnis nach Rechtssicherheit sei erheblich. 

Diese überlange Verfahrensdauer ohne ersichtliche Verfahrenshandlun-

gen und ohne Reaktionen auf ihre Anfragen sei offensichtlich unzumutbar. 

Die Vorinstanz verletze somit das Beschleunigungsgebot im Sinne von 

Art. 29 Abs. 1 BV und es liege eine ungerechtfertigte Rechtsverzögerung 

vor.  

 

4.2 Die Vorinstanz begründete in ihrer Vernehmlassung die lange Verfah-

rensdauer damit, dass eine Verfahrensdauer von rund eineinhalb Jahren 

zwar unbefriedigend sei. Jedoch sei es dem SEM angesichts der steigen-

den Anzahl von Asylgesuchen sowie des neu eingeführten S-Status und 

der damit einhergehenden hohen Arbeitslast nicht möglich, jedes Gesuch 

innerhalb der wünschenswerten Frist zu entscheiden. Zudem sei es im 

Sinne des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts D-6130/2014 vom 

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Seite 8 

18. Dezember 2014 unvermeidbar, dass bei hoher Arbeitslast nicht jedes 

Asylgesuch innerhalb der gesetzlichen Behandlungsfrist abgeschlossen 

werden könne. Im vorliegenden Fall seien keine triftigen Gründe ersicht-

lich, welche geeignet wären, von dieser Prioritätenordnung abzusehen und 

das Gesuch der Beschwerdeführerin vorzuziehen. Es wäre aus Gerechtig-

keitsgründen deshalb stossend, wenn aufgrund des Einreichens einer 

Rechtsverzögerungsbeschwerde Vorzugshandlungen gegenüber anderen 

Asylsuchenden erreicht würden, welche bereits wesentlich länger auf ei-

nen Entscheid warteten. Schliesslich sei anzufügen, dass das SEM ge-

mäss Prioritätenordnung ihr Asylgesuch in den nächsten zehn Tagen ei-

nem Entscheid zuführen werde.  

 

5.  

5.1  

5.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist in Kenntnis der hohen Penden-

zenzahlen der Vorinstanz, welche letztlich auch durch die Einführung des 

S-Status zugenommen haben. Es ist unvermeidbar und nachvollziehbar, 

dass gewisse Verfahren, insbesondere dann, wenn sich noch Abklärungs-

massnahmen aufdrängen, länger dauern.  

 

5.1.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt jedoch auch fest, dass seit der 

Rückweisung des Wiedererwägungsgesuchs an die Vorinstanz durch das 

Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6181/2020 vom 14. Januar 2021 

bis zum heutigen Zeitpunkt nun rund ein Jahr und knapp neun Monate ver-

gangen sind, ohne dass über das Gesuch entschieden worden wäre. 

Grundsätzlich kann sich im Einzelfall aus nachvollziehbaren und berech-

tigten Gründen – wie etwa durch Vornahme von zusätzlichen Abklärungen 

– eine entsprechend längere Verfahrensdauer ergeben. Vorliegend kann 

jedoch nicht von einer gerechtfertigten Verfahrensverzögerung ausgegan-

gen werden, insbesondere, da die Vorinstanz mehrmals und über einen 

längeren Zeitraum ohne ersichtlichen Grund untätig geblieben ist und auch 

die Anfragen der Beschwerdeführerin zum Verfahrensstand unbeantwortet 

liess. Ebenfalls ist nicht ersichtlich, dass der inhaltliche oder rechtliche 

Sachverhalt besonders komplex wäre und entsprechend eine längere Ver-

fahrensdauer rechtfertigen könnte. Ferner geht weder aus den Akten noch 

insbesondere aus der Vernehmlassung hervor, dass im vorliegenden Fall 

weitere Abklärungen oder Instruktionshandlungen für die Entscheidfindung 

vorgesehen wären, welche eine derartig lange Verfahrensdauer nachvoll-

ziehbar erscheinen lassen würden. Überdies findet die Erklärung der Vor-

instanz, dass es aufgrund der hohen Arbeitslast wegen der Einführung des 

S-Status nicht möglich sei, alle Asylgesuche zeitnah zu bearbeiten, keinen 

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Seite 9 

Anklang, zumal das Verfahren der Beschwerdeführerin nach der Rückwei-

sung durch das Gericht rund ein Jahr vor dem Ausbruch des Ukrainekon-

flikts bei der Vorinstanz einging und entsprechend solange, ohne die Vor-

nahme weiterer Amtshandlungen, unbearbeitet geblieben ist. Ferner ver-

bleibt es unerklärlich, weshalb die Verfahrensstandanfragen vom 9. De-

zember 2021, 11. Februar 2022 sowie diejenige vom 15. Juli 2022 unbe-

antwortet geblieben sind, zumal eine Mitteilung, aus welchen Gründen 

keine weiteren Schritte getätigt worden waren oder wie lange das Verfah-

ren voraussichtlich noch andauern werde, der Rechtssicherheit dienlich 

gewesen wären. Sofern das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

D-6130/2014 vom 18. Dezember 2014 zitiert wird, ist anzufügen, dass sich 

dessen Sachverhalt anders gestaltet, zumal in diesem Fall das SEM wei-

tere Verfahrenshandlungen getätigt und die entsprechenden Anfragen be-

antwortet hat, weshalb folglich nicht von einem vergleichbaren Sachverhalt 

ausgegangen werden kann.  

5.2 Somit ist die Vorinstanz zum heutigen Zeitpunkt ein Jahr und knapp 

neun Monate ohne ersichtlichen Grund untätig geblieben. Eine solch lange 

Verfahrensdauer erscheint im vorliegenden, nicht besonders komplexen 

Wiedererwägungsverfahren und ohne die Vornahme weiterer Verfahrens-

handlungen grundsätzlich zu lange. Das Beschleunigungsgebot von 

Art. 29 Abs. 1 BV ist offensichtlich verletzt, weshalb sich die Rüge der 

Rechtsverzögerung als begründet erweist (vgl. auch Urteil des BVGer  

D-2023/2022 vom 9. Juni 2022).  

5.3 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass das hängige Verfahren insgesamt zu lange gedauert hat und 

die eingereichte Beschwerde gutzuheissen ist. Die Akten gehen an die Vor-

instanz zurück, verbunden mit der Anweisung, das Wiedererwägungsge-

such zu prüfen und – wie in ihrer Vernehmlassung angekündigt – zügig 

einem Entscheid zuzuführen.  

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind im Sinne von Art. 63 VwVG 

keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.  

 

6.2 Obsiegende oder teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf 

eine Parteientschädigung zulasten der Vorinstanz für die ihnen erwachse-

nen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 

VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

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Seite 10 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

6.3 Die vom Rechtsvertreter eingereichte Kostennote vom 5. September 

2022 erscheint als angemessen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist das SEM anzuweisen, der Be-

schwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1’333.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. Es wird festgestellt, dass das Verfah-

ren vor der Vorinstanz zu lange dauert. 

2.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, das Wiedererwägungsgesuch der Be-

schwerdeführerin beförderlich zu behandeln und rasch einer Verfügung zu-

zuführen.  

3.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfah-

ren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von ins-

gesamt Fr. 1’333.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und das SEM. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Martina von Wattenwyl 

 

 

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