# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 262a15b1-8c2b-559f-8aed-287524ec0c35
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-09-10
**Language:** de
**Title:** Rentenleistungen strittig. Eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einem Teilzeiterwerbspensum und fehlende Arbeitsunfähigkeitsatteste schliessen eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit nicht per se aus. Rückweisung zu weiteren (medizinischen) Abklärungen.
**Docket/Reference:** UV.2018.00063
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2018.00063.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2018.00063
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiber Nef
Urteil
vom
1
0.
September 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
KSPartner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
Rechtsdienst, Generaldirektion Schweiz
Postfach, 8085 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1971
geborene
X.___
war seit
April 1990
als
Kranken
schwester in Ausbildung im
Y.___
angestellt
und in dieser Eigenschaft bei der
Züric
h Versicherungs-Gesellschaft AG
gegen die Folgen von Unfällen vers
ichert. Am
2
5.
März 1991 zog sie sich
eine Kreuzbandruptur und eine Meniskusläsion
am rechten Knie
zu,
die im September 1991 operativ versorgt wurde.
Am
2
1.
Dezember 1991
verletzte sie sich erneut
am
rechten Knie und zog sich
eine
Patellaschrägfraktur
sowie eine partielle Ruptur des Kreuzbandtrans
plantats zu
, die
am gleichen Tag
operativ versorgt wurden
(
Urk.
7
/1 und
Urk.
8/63 S. 2).
Der weitere Verlauf
zeigte
sich protrahiert und im Jahre 1993
wurde
eine beginnende
Fem
o
ropatellara
rthrose
und Gonarthr
ose
am rechten Knie
di
agnosti
ziert
(
Urk.
8/11)
. Z
uf
o
l
ge persistierender Bewegungs- und Belastungsschmerzen
wurde
am 1
8.
Jul
i 2003 eine Kniearthroskopie
durchgeführt und
die Notwendig
keit
ein
es totalprothetischen
Gelenkersatz
es
prognostiziert
(
Urk.
8/
41).
A
m
2
7.
Februar
2012
wurde
der Versicherten
eine T
ot
alend
prothese
implantiert (
Urk.
8/68).
Am
1
6.
Januar 2015
(
Urk.
7/161)
teilte die
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
mit, dass
keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr
zu erwarten
sei, weshalb
die
bisher
erbrachten
Heilbehandlungen
und
Taggeldleistungen
eingestellt und
entsprechend einer
Integritätseinbusse von 30
%
eine Integritäts
ent
schädigung
au
sge
richte
t werde
(
Urk.
7/161).
Nach Einwendungen der Versicher
ten vom
1
1.
März 2015
(
Urk.
7/164)
hielt
die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
mit Verfügung vom
8.
Mai 2015
(
Urk.
7/165)
die Einstellung der Heilbehand
lungen ab 3
1.
Januar 2015 und der Taggeldleistungen
ab
2.
Sep
tember 2012
fest und sprach eine
Integritätsentschädigung entsprechend einer Integritätseinbusse von 30
%
zu
.
Die dagegen erhobene Einsprache
vom
3.
Juni 2015
(
Urk.
7/168)
mit Ergänzungen vom
2.
Oktober 2015
(
Urk.
7/184)
wies
sie
mit
Einspracheent
scheid
vom
9.
Februar 2018 (
Urk.
2)
ab.
2.
Gegen de
n
Einspracheentscheid
erhob die Versicherte am 1
2.
März 2018
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren
(
Urk.
1
S. 2
), die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten
die gesetzlichen Leistungen
zu erbringen
, insbesondere eine Rente zuzusprechen.
Die
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
schloss i
n ihrer Beschwerdeantwort vom 2
2.
Mai 2018 (
Urk.
6) auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 2
6.
Juni 2018 (
Urk.
10) und Duplik vom
3.
Juli 2018 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Die hier zu beurteilende
n
Unfälle haben sich im Jahr 1991 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts
,
ATSG
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenan
spruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.4
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird da
s Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.5
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss
Art.
16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich auf den Standpunkt
(
Urk.
2 S. 4 f.)
,
die Beschwerdeführerin habe sich im Zeitpunkt des Unfalls in Ausbildung zur Kran
kenschwester befunden. Gemäss den entsprechenden Taggeldabrechnungen seien ihr vom 2
4.
Dezember 1991 bis
1.
März 1992, vom
2.
bis 2
4.
Juli 1992, vom 1
7.
bis 3
1.
Juli
2003
vom 2
6.
November 2011 bis 2
9.
Februar
201
2 und vom 1.
März bis
2.
September 2012 Arbeitsunfähigkeiten zu 100
%
attestiert worden. Weitere unfallkausale Arbeitsunfähigkeiten hätten nicht bestanden
und Arbei
t
s
unfähigkeiten
sei
en
weder von
den behandelnden Orthopäden, den Neurologen noch
vo
m Hausarzt attestiert
worden. Mangels einer unfallkausalen Arbeitsun
fähigkeit sei ein Rentenanspruch zu verneinen.
2.2
Die Beschwerdeführerin
stellte sich auf den Standpunkt
(
Urk.
1
S. 5 f.)
, gemäss
Beu
rteilung von
Dr.
med.
Z.___
sei sie
aufgrund der
Knietotalendoprothese
in ihrer angestammten
Tätigkeit als Krankenschwester nicht mehr arbeitsfä
hig. Die ausgeübte
Tätigkeit als Pflegefachfrau in der
A.___
sei als ideal angepasst höchstens zu 80
%
zumutbar
. Damit bestehe zumindest ein Inva
liditätsgrad von 20
%
(S. 9).
Im Verfahren legte
sie
dar (
Urk.
10 S. 3 f.), bei guter Gesundheit
würde sie heute
als Krankenschwester
respek
tive Fachfrau Gesundheit
auf einer Bettenstation arbeiten und bei dieser Tätigkeit wäre sie auf ein gesundes, belastbares Knie angewiesen, da es sich um eine körperlich schwere Arbeit handle, bei der
viel stehen und gehen und
das Heben von Lasten
gefordert sei. E
ine
solche Tätigkeit als Krankenschwester
auf einer Station
sei ihr
nicht mehr zumutbar.
Für das
Va
lideneinkommen
sei zumindest vom
Kompetenzniveau 3 gemäss LSE und damit von
Fr.
79'622.-- auszugehen. Dieses Einkommen sei dem tatsächlich erzielten
Invalideneinkommen
in einem Pensum
von medizinisch zumutbaren 70
% und damit von
Fr.
60'332.--
gegenüber zu stellen, was einen Invaliditäts
grad von 24
%
ergebe. Selbst unter der Voraussetzung eines Pensums von 80
%
und einem Invalideneinkommen
von
Fr.
68'9
47.--
würde noch
ein
Invaliditäts
grad von
13
%
resultieren. Sachgerechter sei es jedoch einen Prozentvergleich vorzunehmen
,
was einem Invaliditätsgrad von mindestens 20
%
entsprechen
würde.
2.
3
D
ie mit Verfügung vom
8.
Mai 2015 (7/165) zugesprochene Integritätsentschädi
gung basierend auf einer Integritätseinbusse von 30
%
wurde
im angefochtenen
Einspracheentscheid
zwar in Frage gestellt und darauf hingewiesen, bei richtiger Betrachtungsweise stehe eine
Integritätsentschädigung basierend auf
einer Integ
ritätseinbusse von 2
0
%
zu
. Dies, weil
die Beschwerdeführerin
in
ihrer
Einsprache (
Urk.
7/164) eine
höhere
Integritätsentschädigung
basierend auf
einer Integritätseinbusse von 4
0
%
gefordert hatte
. I
m vorliegenden
Verfah
ren
blieb die
Zusprache
der
Integritätseinbusse von 30
%
jedoch unbestritten und ist damit in
Rechtskraft
erwachsen
.
3.
In Bezug auf die strittigen Rentenleistungen ergibt die medizinische Aktenlage folgendes:
3.1
Im Bericht
der
B.___
vom 2
2.
November 2011
(
Urk.
8
/65) über die Ko
nsultation vom 21.
November 2011
hielt PD
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie, fest,
Konsultationsgrund seien Knieschmerzen rechts bei Diagnose einer posttraumatischen
Pan
g
onarthrose
rechts.
Die Schmerzen sei
e
n
in diesem
Jahr wieder aufgetreten und stärker als früher und die Beschwer
deführerin sei seit dieser Woche als Krankenschwester arbeitsunfähig. Es besteh
e
ein Status nach vorderer
Kreuzbandrekonstruktion 1991, danach
Patellafr
aktur
(Schraubenosteosynthese) und folgend habe
sich
ein
e
postt
raumatische
Gonarth
rose entwickelt. Die Ausbildung als Krankenschwester habe die Beschwerdefüh
rerin vollenden können und
sie
sei danach voll arbeitsfähig gewesen. Verschlimmert hätten sich die Schmerzen nach der Geburt des ersten und zweiten Kindes (2000 respektive 2003) wobei eine Behandlung mit NSAR und
Condrosulf
erfolgt sei.
Es
sei
nun zu einer Dekompensation gekommen, weshalb die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig geworden sei. Auch der Nachtschmerz sei zunehmend und insge
samt müsse die Indikation zu
r
Knietotalend
o
prothese
gestellt werden.
Durch den Hausarzt sei eine
Arbeitsunfähigkeit
von
100
%
ab 1
4.
November 2011 für ca. zwei
Wochen
attestiert worden
und
diese
werde bis 3
1.
März
2012
verlängert.
3.2
Im Operationsb
ericht der
D.___
vom
2
7.
Februar 2012
(
Urk.
8
/68)
hielt
Dr.
med.
Z.___
,
Teamleiter
Kniechirurgie,
das Einsetzen
einer Knie-
Totalendoprothese
rechts
fest.
I
m
Austrittsbericht
über die
Hospitalisation
vom 26. Februar bis
4.
März 2012
(
Urk.
8
/69)
wies er
auf
ein
en
p
roblemlosen
peri
- und postoperativen
Verlauf
hin. B
ei Austritt
sei die Beschwerdeführerin
praktisch
selbständig m
obil an zwei Geh
stöcken mit 15 kg
Teilbelastung
gewesen
und sei
in gutem Allgemeinzustand und
mit reizlosen Wundverhältnissen zur weiteren Rehabilitation
entlassen worden
.
3.3
Im ärztlichen Folgezeugnis UVG vom
5.
Juli 2012
(
Urk.
8
/70)
attestierte
Dr.
med.
E.___
, Allgemeine Medizin FMH,
eine Arbei
tsunfähigkeit von 100
%
vom 14.
November 2011 bis
zirka
Mitte
August 2012 und im Zeugnis vom 1
3.
Dezem
ber 2012 (
Urk.
8/72) eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
vom 1
3.
August bis
2.
September 2012.
3.4
3.4.1
Sechs Monate postoperativ
hielt der zuständige Oberarzt
der
D.___
i
m Bericht vom 3
0.
August 2012
(
Urk.
8/71)
fest
,
die Flexion habe noch einmal auf ca. 110° gesteigert werden könne
n
, was angesichts der präoperativ schlechten Beweglichkeit als gutes
Ergebnis gewertet werden könne
. D
ie n
ächste klinische und radiologische Verlaufskontrolle
finde ein
Jahr postoperativ
statt
. Eine Wiederaufnahme der Arbeit zu 4.5 Stunden pro Woche
bestehe seit 1
3.
August
201
2.
A
b
Montag den
3.
September 2012
sei die Arbeit zu
100
%
(30
%
Pensum)
wieder
aufzunehmen
.
3.4.2
Im Bericht
der
D.___
vom
5.
März 2013
(
Urk.
8
/73 S. 3 f.)
über die k
linisch-radio
logische Verlaufskontrolle zwölf M
onate
postoperativ
wies
der zuständige
Oberarzt insgesamt
auf
einen sehr erfreulichen Verlauf
hin
. Es bestehe noch eine Sensibilitätsstörung, die allenfalls auf die Blutsperre zurück
zuführen sei. Diesbezüglich wünsche die Beschwerdeführerin eine neurologische Untersuchung und sei aufzubieten. Eine erneute klinisch-radiologische
Kont
rolle sei
zwei Jahre postoperativ
durchzuführen.
3
.4.3
Am 2
1.
März 2013
(
Urk.
8
/73) berichtete Prof.
Dr.
F.___
von
der
D.___
zur Fragestellung eines neurophysiologischen
Stagin
g
bei Verdacht auf
Ischiadicus
-
Teilstörung nach Knie-TEP
(
Totalendoprothese
)
rechts im Februar 2012
folgendes:
Klinisch-neurologisch und mit entsprechender Anamnese handle es sich um eine Teilstörung im Bereich des
Ne
r
vus
ischiadicus
rechts, die sich jedoch nur noch in einem sehr diskreten Residualbefund mit verminderten Refle
xuntersuchungen rechts zeige. Darüber hinaus seien keine relevanten aktuellen neurologischen Defizite vorhanden und eine weitere Abklärung sei aus neurolo
gischer Sicht nicht indiziert.
3.
4.4
Im Sprechstundenbericht der
D.___
vom 2
4.
Oktober 2014
(
Urk.
8
/77 S. 3 f.) führten die Ärzte aus
, die Beschwerdeführerin sei mit ihrem Sohn im
Seilpark
mit hohem Tempo auf einer Seilbahn auf ein Plateau zugefah
ren und habe sich mit etwa 90
Grad
flektiertem Knie abfangen müssen. Es
hätten sich Schmerzen im vorderen Gelenksbereich
ein
gestellt, die inzwischen wieder etwas
ge
bessert
hätten
. Aufgrund der Unsicherheit und zum Ausschluss einer Verletzung stelle
sie
sich
nun
in
der
Sprechstunde vor. Bis dahin sei sie sehr zufrieden gewesen mit dem Operationsergebnis. Es zeige sich ein
hinkfreier
und flüssiger Barfussgang. Das rechte Knie sei
inspekto
risch
unauffällig, ohne Erguss mit
reizlose
r
Narbe.
Die
Flex
ion/Extension seien bei 100-0-0 Grad
schmerzfrei und es bestünden eine gute Balance und eine stabile T
E
P in Extension und
30 Grad
Flexion.
Bildgebend (Röntgen)
zeige sich der Kniestatus rechts
im Vergleich zum
2
3.
Oktober 2014 mit
unveränderte
r
Lage der Knie-T
E
P,
mit intaktem Material und
ohne
Lockerungs
hinweise.
Die Beschwerdeführerin habe sich nach dem Stauchungstrauma keine schlimmere Verletzung zugezogen, am ehesten noch
eine
Zerrung des
Pes
anserinus
im An
satzbereich.
Es werde ein
Zyklus Physiotherapie zur
Kräftigung und Dehnung
verschrieben.
3.5
Dr.
med.
G.___
, FMH Chirurgie, spez. Unfallchirurgie
,
und Dipl. Pflegefachfrau HF
H.___
vom
Medical Support der Beschwerdegegnerin
hielt
en
in
ihrer
Stellung
nahme vom
2
2.
Dezember 2014/
3.
Februar 2015
(
Urk.
8
/76)
fest, aufgrund der Akten sei zwei
Jahre na
ch der Implantation einer Knie-TEP
der Endzustand
per 3
0.
Februar 2014 erreicht
und von weiteren Behandlungen sei keine namhafte Besserung zu erwarten.
3.6
Im
Schreiben
des
I.___
vom
2
8.
September 2015
(
Urk.
7/
1
82)
wies
PD
Dr.
med.
Z.___
, Chefarzt,
zu Händ
en der Beschwerdeführerin
darauf hin,
dass
die aktuelle Arbeitstätigkeit die
A.___
betreffe
, welch
e sie als Pflegefachfrau betreue
. Diese könne sicher als den Beschwerden ideal angepasste Tätigkeit bezeichnet werden, zumal auf schweres Heben und Tragen, wie dies auf einer Pflegeabteilung der Fall wäre, verzichtet werde
n könne
. Ein Einsatz auf einer Pflegeabteilung erscheine wenig sinnvoll zu sein und die jetzige Tätigkeit könne als zumutbar bezeichnet werden. Die jetzige Tätigkeit in einer medizinischen Poliklinik erscheine bis 80
%
zumutbar. So sollte der Alltag bestritten werden können
,
ohne grössere Beschwerden mit dem Knie
gelenk hervorzurufen.
Die
Einschränkung
en
beträfen,
wie beschrieben
,
eine Tätigkeit in einer medizinischen Poliklinik ohne schweres Heben und Tragen. Ein schweres Heben und Tragen
,
wie
dies
auf einer medizinischen Pflegeabteilung notwendig sei, solle vermieden werden. Eine Integritätsentschädigung von 30
%
erscheine angemessen,
da
doch
ein
gutes Resultat nach Knieprothesenimplanta
tion vorliege mit entsprechend wieder gut belastbarer Situation für
da
s Kniege
lenk.
3.7
Im Sprechstundenbericht der
D.___
vom 1
0.
Februar 2017 (
Urk.
7/80) über die Verlaufskontrolle fünf
Jahre postoperativ
führten die Ärzte aus, die Beschwerdeführerin
berichte
über einen guten postoperativen Verlauf. Sie habe aktuell keine Schmerzen, ne
hme keine Analgetika ein und fühle sich in
ihrem Alltag durch ihr rechtes Kniegelenk n
icht eingeschränkt. Sie arbeite
beruflich in der Pflege. Im Befund zeige sich ein flüssiges,
hinkfreies
Gangbild. Das rechte
Knie
zeige sich mit reizlosen Narbenverhältnissen, ohne Rötung, Überwärmung oder Erguss. Die Flexion/Extension betrage 110-0-0
Grad
und es seien kein
e
ossäre
n
oder
ligamentäre
n
Druckdolenzen
auslösbar. Es zeige sich ein stabiler medialer sowie lateraler Bandapparat. Die sagittale Stabilität sei gegeben und die Streckhebung intakt. Es bestünden diffuse Hyposensibilität
en
im Bereiche der gesamten rechten unteren Extr
emität unterhalb des Knies. D
ie
pDMS
(
periphere Durchblutung, Motorik, Sensibilität
) sei allseits intakt. Bildgebend (
im
Röntgen
) zeige sich eine
u
nveränd
erte Lage der Knieprothese
ohne
Anhalt für
eine
Locke
rung
. Bei der Beschwerdeführerin zeige sich fünf Jahre postoperativ ein erfreu
liches Ergebnis und eine erneute klinisch-radiologische Verlaufskontrolle sei ac
ht Jahre postoperativ geplant.
4.
4.1
D
ie Beschwerdeführerin
erlitt
im
März 1991 eine Kreuzbandruptur und eine Meniskusläsion am rechten Knie, die im September 1991 operiert
wurde.
Ein
weiterer Unfall
ereignete sich
im
Dezember 1991
, welcher ein
en
erneute
n
opera
tive
n
Eingriff
am bereits voroperierten Knie
erforderte. I
m
Rahmen der Nach
be
handlung
wurde
im
Juli 1992
die
Metallentfernung
vorgenommen
(vgl.
Zusam
menfassung der Krankengeschichte
Urk.
8/6)
.
I
m
Zeitpunkt der beiden Ereignisse
befand sich die Beschwerdeführerin
vom
1.
April 1990 bis
1.
Mai 1993
in
Ausbildung zur Krankenschwester
im
Y.___
. D
ie
Ausbildung
konnte
sie
trotz der Verletzungen
am rechten Knie
abschliessen und in der
Folge
arbeitete sie am
J.___
(vgl.
Urk.
8/1 und
Urk.
7
/17)
.
Gemäss d
en medizinischen Berichten
war sie dabei wieder «
voll arbeitsfähig
»
,
als sich die
Schmerzsituation
jeweils
nach der Geburt
der
beiden Kinder
mit
Jahrgang 2000 und
2003
verschlimmerte, sodass
am
1
8.
Juli 2003 eine Kniearthroskopie durchgeführt
wurde
(E. 3.1 und
Urk.
8/41)
.
Im November 2011
de
kompensierte
die
Schmerz
situation am Knie. Die
Beschwer
deführerin
wurde
zu
1
00
%
arbeitsunfähig geschrieben
und nach Indikation zum
endop
rothetischen
Gelenksersatz
wurde
ihr
a
m 2
7.
Februar 2012
eine
Total
end
o
prothese
eingesetzt
(E. 3.2).
Die
Ärzte
bescheinigten dabei
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vom
1
4.
November 2011 bis
1
3.
August 201
2.
D
anach
erach
teten sie eine Wiedera
ufnahme
der Tätigkeit
vorerst
im Umfang von
4.5 Stunden pro Woche und ab
3.
September 2012 die Wiederaufnahme der bisherigen Tätig
keit zu 100
%
im bisherigen 30%igen Arbeitspensum
als zumutbar
(E. 3.3 und
E. 3.4.1).
Die
folgenden
klinischen und radiologischen Kontrollen zeigten einen komplika
tionslosen und erfreulichen postoperativen Verlauf und eine neurologische
Abklärung
ergab
keine relevanten neurologischen Defizite
(E. 3.4.
1 und 3.4.2).
Ein unveränderter Status
zeigte sich
auch
im Oktober 2014
,
als
sich
die Beschwer
deführerin über
Schmerzen
im
Gelenksbereich
be
klagte
und sich
zur Unter
suchung vorstellte
,
nachdem sie mit ihrem Sohn in
einem
Seilpark
gewesen
war und sich
auf einer Seilbahn
bei hohem Tempo
mit
flektiertem Knie
abgefangen hatte.
Anlässlich dieser
Untersuchung
berichtete
die Beschwerdeführerin
selber
, dass
sie
bis anhin
mit dem Operationsergebnis
sehr zufrieden gewesen sei
(E
. 3.4.4)
.
PD
Dr.
Z.___
, welcher bei der Beschwerdeführerin die
Totalendoprothese
einge
setzt hatte, erachtete
im September 2015
die
Tätigkeit der Beschwerdeführerin
als Pflegefachfrau
an der
A.___
zu
80
% zumutbar
. Dabei
wies er darauf hin, dass bei
dieser Tätigkeit
auf
schweres Heben und Tragen
ver
zichtet werden
könne
.
Hingegen sei e
ine Tätigkeit, die
schweres Heben und Tragen
erfordere
, wie dies auf einer medizinischen Pflegeabteilung notwendig sei,
zu
vermei
den
(E. 3.6)
.
D
ie Verlaufsko
ntrolle fünf Jahre postoperativ
ergab
, dass
keine Schmerzen
angegeben
und
entsprechend auch
keine Analgetika ein
genom
men w
ü
rden und den
Angaben der
Beschwerdeführerin
folgend
keine Einschrän
kungen
im Alltag
durch das rechte Kniegelenk
bestünde
n
und
auch
die klinischen und bildgebenden Befunde
ein erfreuliches Ergebnis
zeigten
(E. 3.7)
.
4.2
Aufgrund der Akten ist damit erstellt, dass
der Beschwerdeführerin nach
total
prothetischem
Gelenkersatz
am rechten Knie im Februar 2012
die nachbehan
delnden Ärzte
über den 3.
September 2012
hinaus
keine Arbeitsunfähigkeiten mehr
attestierten
. Da
die Beschwerdeführerin
in dieser Zeit
lediglich
in
einem Arbeitspensum von 30
%
erwerbstätig
war,
bestand
für ein Attest einer
Arbeits
unfähigkeit
bezogen auf ein 100
%
iges
Arbeitspensum
auch
keine Notwendigkeit
. Die
im
Zusammenhang mit der Operation
durch die nachbehandelnden Ärzte attestierte
100%ige Arbeitsfähigkeit in einem 30
%
Pensum (vgl. E. 3.4.1) steht damit der späteren Einschätzung von PD
Dr.
Z.___
(vgl. E. 3.6) nicht grundsätzlich entgegen. Der Beschwerdegegnerin ist zwar darin zu folgen, dass sämtlich
e
post
operativen Nachkontrollen einen erfreulichen Verlauf
zeigten
und auch die Beschwerdeführerin angegeben hat, dass keine Einschränkungen im Alltag bestehen. Zutreffend
wurde
in diesem Zusammenhang
auch
auf das Freizeitver
halten hingewiesen
,
wonach etwa Touren
in
Hochseilparcours
durchgeführt wur
den
, die aufgrund der körperlichen Beanspruchung Schlüsse auf die Kniesituation zulassen
(vgl.
Urk.
6 S. 3
und
Urk.
12 S. 3
).
Zutreffend ist auch, dass
auf
die Berichterstattung von PD
Dr.
Z.___
nicht abgestellt werde
n
kann
,
da
er keine nachvollziehbare Begründung liefert, weshalb der Beschwerdeführerin in knie
adaptierter Tätigkeit led
i
glich die Verwertung eines 80%igen Arbeitspensums
zumutbar
sein soll.
Kommt hinzu, dass
der Sprechstundenbericht vom
28.
Sep
tember 2015
,
auf welchen PD
Dr.
Z.___
verwies
en hat
(vgl.
Urk.
7/82 S. 2), nicht bei den Akten
liegt
und damit ungeklärt ist, ob und in welchem Rahmen er die Beschwerdeführerin seit der Operation untersucht hat.
Mangels einer verlässlichen medizinischen (orthopädischen) Beurteilung
lässt sich d
ie
Frage der
(Rest-) Arbeitsfähigkeit
und
des
Belastungsprofil
s
nach total
prothetischem
Gelenkersatz
aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage nicht beant
worten
. U
nzureichend abgeklärt
ist
auch
,
welchem Anforderungsprofil die Beschwerdeführerin als ausgebildete Krankenschwester
zu genügen hat
und
welchem
Belastungsprofil die (aktuelle) Tätigkeit
in
der Poli
klinik
entspricht
(vgl.
Urk.
10 S. 4)
.
4.3
Die Beschwerdegegnerin, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird die genannten Unklarheiten zu klären und die hierzu notwen
digen Abklärungen, ins
besondere eine orthopädische Untersuchung,
zu veranlassen und hernach erneu
t über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
zu verfügen haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen, und der angefochtene
Ein
spracheentscheid
ist aufzuheben.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 54 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) und
Art.
61
lit
. g ATSG ohne Rücksicht auf den Streitwert, aber unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses auf
Fr.
2'3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, da
ss der
Einspracheentscheid
vom
9.
Februar 2018
aufgehoben und die Sache an die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägun
gen, neu über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Rentenleistungen aus der Unfallversicherung
verfüge.
Im Übrigen wird
die Beschwerde
abgewiesen
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’300
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
-
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubNef