# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f31df274-fabc-5d2e-9646-9bdda7b97b95
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-22
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 22.10.2015 200 2015 463
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2015-463_2015-10-22.pdf

## Full Text

200 15 463 IV
SCI/FRN/ARJ

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 22. Oktober 2015

Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichter Schütz
Gerichtsschreiberin Franzen

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 17. April 2015

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1957 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich am 17. Januar 2005 unter anderem unter Hinweis 
auf Depressionen, eine psychosomatische Angststörung und organische 
Beschwerden bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an 
(Akten der IV [AB] 2). Daraufhin führte die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Be-
schwerdegegnerin) medizinische und erwerbliche Erhebungen durch. Da-
bei liess sie die Versicherte insbesondere durch Dr. med. B.________, 
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, begutachten (Gutachten 
vom 20. März 2006; AB 16). Mit Verfügung vom 11. April 2006 (AB 17) 
wies die IVB das Rentenbegehren ab. Eine dagegen erhobene Einsprache 
(AB 19) wurde mit Einspracheentscheid vom 22. Mai 2007 (AB 24) abge-
wiesen. Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch C.________, am 
20. Juni 2007 Beschwerde (AB 28 S. 2 ff.). Mit Urteil des Verwaltungsge-
richts des Kantons Bern vom 12. September 2007, IV 68305 (AB 32), wur-
de das Beschwerdeverfahren zufolge Rückzugs der Beschwerde abge-
schrieben. 

B.

Am 3. September 2013 meldete sich die Versicherte unter anderem unter 
Hinweis auf Depressionen und eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeit 
erneut bei der IV zum Leistungsbezug an (AB 34). Daraufhin führte die IVB 
medizinische und erwerbliche Erhebungen durch und veranlasste eine Be-
gutachtung durch Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psy-
chotherapie (Gutachten vom 10. Oktober 2014; AB 66.1). Im weiteren Ver-
lauf wurde zufolge der Tätigkeit als ... ein Abklärungsbericht für Selbststän-
digerwerbende, beinhaltend auch Erhebungen im Aufgabenbereich Haus-
halt, erstellt (AB 71). Gestützt auf die Ergebnisse der getätigten Erhebun-
gen stellte die IVB der Versicherten mit Vorbescheid vom 10. Februar 2015 
(AB 72) bei einem in Anwendung der gemischten Methode (50% Erwerbs-
tätigkeit und 50% Haushalt) ermittelten IV-Grad von 10% die Abweisung 

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des Rentenbegehrens in Aussicht. Mit Stellungnahme vom 12. März 2015 
(AB 76) erhob die Versicherte, vertreten durch C.________, Einwand und 
beantragte die Ausrichtung einer Rente. Die IVB holte daraufhin eine Stel-
lungnahme des Abklärungsdienstes ein (AB 78). Mit Verfügung vom 
17. April 2015 wies sie wie im Vorbescheid angekündigt das Rentenbegeh-
ren ab (AB 79). 

C.

Hiergegen erhob die Versicherte am 18. Mai 2015 Beschwerde und bean-
tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprechung 
einer IV-Rente. Hinsichtlich der Verfahrenskosten stellte sie ein Gesuch um 
unentgeltliche Rechtspflege. 

Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2015 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 

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gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]) Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 17. April 2015 (AB 79). 
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 

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wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem IV-Grad 
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem IV-Grad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.3 Für die Bestimmung des IV-Grades wird das Erwerbseinkommen, 
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch-
führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmass-
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits-
marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, 
das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 
ATSG).

2.4 Nach Art. 28a Abs. 3 IVG wird bei Versicherten, die nur zum Teil 
erwerbstätig sind für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festge-
legt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invali-
dität für diese Tätigkeit gestützt auf einen Betätigungsvergleich ermittelt 
(Art. 28a Abs. 2 IVG). In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit 
und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der IV-
Grad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. gemischte Methode; BGE 
125 V 146 E. 2a S. 150).

Die gemischte Methode bezweckt eine möglichst wirklichkeitsgerechte Be-
messung des IV-Grades. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der 
Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet 
werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, d.h. ohne 
Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig 
wäre (BGE 133 V 504 E. 3.3 S. 508).

2.5 Um den IV-Grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und 
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 

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Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind 
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, 
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können 
(BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99).

2.6 Wurde eine Rente wegen eines fehlenden oder zu geringen IV-
Grades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur ge-
prüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der 
Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 
87 Abs. 2 und 3 IVV). Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so 
hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die 
von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des IV-
Grades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise 
wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (SVR 
2011 IV Nr. 2 S. 8 E. 3.2). Stellt sie fest, dass der IV-Grad seit Erlass der 
früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so 
weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prü-
fen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbe-
gründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Be-
schwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Ge-
richt (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den IV-Grad erhebli-
chen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuanmeldungsverfahren 
– analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – durch Vergleich 
des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten materiellen Beurteilung 
und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der 
streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 S. 112; 130 V 71 E. 
3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

3.

3.1 Aus den Akten wird ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin auf 
die Neuanmeldung vom 3. September 2013 (AB 34) eingetreten ist. Folg-

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lich ist die Eintretensfrage vom Gericht nicht zu überprüfen (BGE 109 V 
108 E. 2b S. 114). Zu prüfen ist, ob zwischen dem rentenabweisenden Ein-
spracheentscheid vom 22. Mai 2007 (AB 24) und der hier angefochtenen 
Verfügung vom 17. April 2015 (AB 79) eine anspruchsbegründende Verän-
derung der erheblichen Tatsachen eingetreten ist (vgl. E. 2.6 hiervor). 

3.2 In medizinischer Hinsicht stützte sich der Einspracheentscheid vom 
22. Mai 2007 (AB 24) massgeblich auf das Gutachten des Dr. med. 
B.________ vom 20. März 2006 (AB 16). Mit Auswirkungen auf die Arbeits-
fähigkeit diagnostizierte Dr. med. B.________ eine residuelle emotionale 
Labilität mit neurasthenischer Minderbelastbarkeit bei Status nach ana-
mnestischen rezidivierenden Anpassungsstörungen mit Angst und depres-
siver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) mit/bei Agoraphobie mit Pa-
nikstörung (ICD-10 F50.01) sowie Somatisierungsstörungen (ICD-10 
F45.0), hypochondrischer Störung (ICD-10 F45.2), somatoform-autonomen 
Funktionsstörungen (ICD-10 F45.31, F45.32, F45.34, S. 11-12 Ziff. 4). Bei 
der Unterrichtstätigkeit als ... am Domizil der Beschwerdeführerin spiele die 
heute (nach weitgehender Remission der Anpassungsstörung) hauptrele-
vante Störung, nämlich die agoraphobisch-panische Problematik, kaum 
eine Rolle. Die aktuelle Tätigkeit sei optimal angepasst und die medizi-
nisch-theoretische Arbeitsfähigkeit in dieser liege bei 80%. Für den Haus-
halt liege gar keine Einschränkung vor (S. 13). Die Beeinträchtigung lasse 
sich durch weitere Psychotherapie und Psychopharmakotherapie vermin-
dern (S. 14 Ziff. 8). 

3.3 Der nunmehr angefochtenen Verfügung vom 17. April 2015 (AB 79) 
liegen insbesondere folgende Berichte zugrunde:

3.3.1 Dr. med. E.________, Facharzt für Rheumatologie und Innere Me-
dizin FMH, diagnostizierte im Bericht vom 7. September 2013 (AB 43 S. 8 
ff.) einen Verdacht auf eine Psoriasis-Arthritis sine Psoriasis, eine mono-
klonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) Typ lgG lambda, eine 
normochrome, normozytäre Anämie unklarer Aetiologie, eine Fatigue un-
klarer Aetiologie, eine Depression und eine arterielle Hypertonie. Die Me-
thotrexat-Therapie werde weiterhin gut toleriert und zeige insbesondere im 
Bereich der Fingergelenke eine gute Wirkung. Neu seien beidseitige Fer-
senschmerzen hinzugetreten, welche klinisch einer beidseitigen Plantarfas-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 8

zitis entsprächen, welche bei einer zugrunde liegenden Psoriasis-Arthritis 
häufig gesehen würden. Er habe der Beschwerdeführerin diesbezüglich 
empfohlen, bedarfsweise weiterhin die NSAID-Therapie fortzuführen und 
gezielte Dehnungsübungen durchzuführen. Allenfalls werde dies physiothe-
rapeutisch unterstützt werden müssen (S. 8). 

3.3.2 Dr. med. F.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera-
pie FMH, und Dr. med. G.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medi-
zin FMH, diagnostizierten im Bericht vom 18. Oktober 2013 (AB 43 S. 1 ff.) 
aus psychiatrischer Sicht mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine 
rezidivierende depressive Störung mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) 
sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen und abhän-
gigen Zügen (ICD-10  F60.8). Die Beschwerdeführerin habe die Tätigkeit 
als ... sehr gerne ausgeübt und habe seit 2006 immer wieder versucht, ihr 
Pensum auf mehr als 50% zu steigern, was jedes Mal wieder eine Ver-
schlechterung ihres psychophysischen Gesundheitszustandes zur Folge 
gehabt habe mit deprimierter Stimmung, Schlafstörungen, sozialem Rück-
zug, Dünnhäutigkeit, verstärkter Reizbarkeit, Panikattacken, starken Ängs-
ten und multiplen körperlichen Beschwerden im Rahmen der komorbiden 
undifferenzierten Somatisierungsstörung. Die aktuelle mittelgradige de-
pressive Episode resultiere ebenfalls aus einer von der Beschwerdeführerin 
versuchten Pensumssteigerung auf über 50% im Jahr 2012, wobei sich bei 
ihr aufgrund einer Überforderungssituation im Dezember 2012 erneut ein 
Rückfall in die jetzige depressive Episode entwickelt habe, so dass sie ha-
be krankgeschrieben werden müssen und in die ambulante integrierte 
psychiatrische Behandlung überwiesen worden sei (S. 2). Die aktuelle Ar-
beitsfähigkeit liege bei 20% bis 30%. Nach erfolgter Remission der aktuel-
len mittelgradigen depressiven Episode werde maximal eine Arbeitsfähig-
keit von 50% möglich sein (S. 3). Aus somatischer Sicht diagnostizierten 
die Ärzte ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf Pso-
riasis-Arthritis sine Psoriasis, eine MGUS Typ lgG lambda, eine normo-
chrome, normozytäre Anämie unklarer Aetiologie, eine arterielle Hypertonie 
und chronisch rezidivierende Harnwegsinfekte. Seit ca. zwei Jahren leide 
die Beschwerdeführerin unter zunehmend schmerzhaften Veränderungen 
im Bereiche der Fingerendgelenke. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit schliesst 
sich Dr. med. G.________ der Beurteilung durch die behandelnde Psychia-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 9

terin Dr. med. F.________ vollumfänglich an. Eine Arbeitsfähigkeit von 
mehr als 50% werde auch zukünftig nicht möglich sein (S. 4).

3.3.3 Am 28. Juli 2014 fand eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung 
durch Dr. med. D.________ statt (Gutachten vom 10. Oktober 2014; AB 
66.1 S. 1 ff.). Aus psychiatrischer Sicht wurden mit Auswirkungen auf die 
Arbeitsfähigkeit eine generalisierte Angststörung mit paroxysmalen, sozi-
alphobischen und generalisierten Anteilen (ICD-10 F41.1), eine kombinierte 
Persönlichkeitsstörung mit vorrangig emotional-instabilen, ängstlich-
vermeidenden und selbstunsicheren Anteilen (ICD-10 F61.0) sowie eine 
rezidivierende depressive Störung, im Verlauf unterschiedlichen Schwere-
grades, zum Untersuchungszeitpunkt anhaltend mittelgradig depressive 
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), diagnostiziert (S. 14). 

Zur Befundlage führte der Gutachter aus, dass sich psychopathologisch 
eine gedrückt-depressive, ängstlich-besorgte, pessimistische, affektlabile, 
in der affektiven Modulationsfähigkeit deutlich verminderte Stimmungslage 
ohne jegliche Aufhellung im Verlauf der Untersuchung gezeigt habe. Der 
Antrieb sei deutlich vermindert gewesen, Mimik und Gestik wenig mit dem 
Gesagten mitschwingend. Psychomotorisch habe sich eine deutliche Unru-
he gezeigt. Zirkadiane Besonderheiten im Sinne eines Morgentiefs seien 
berichtet worden. Sozialphobische, agoraphobische und paroxysmale so-
wie generalisierte Ängste seien eruierbar gewesen. Formalgedanklich habe 
sich eine Verlangsamung, Grübelneigung, deutliche Einengung auf Insuffi-
zienzgefühle und die erlebten Ängste gezeigt. Zur Diagnose einer depres-
siven Episode führte Dr. med. D.________ aus, dass sich hinsichtlich der 
Kernsymptomatik ein langjähriger Verlauf mit einem mittlerweile deutlichen 
Chronifizierungsgrad zeige (S. 17). 

Zur generalisierten Angststörung führte der Gutachter aus, dass sich neben 
den generalisierten Ängsten ausgeprägte agora-, sozialphobische und par-
oxysmale Ängste eruieren liessen. Agoraphobische Ängste mit entspre-
chender Symptomatik (Palpitationen, Beklemmungsgefühle, Schwitzen, 
Mundtrockenheit, Verlust der Kontrollfähigkeit) seien von der Beschwerde-
führerin ebenfalls beschrieben worden, ebenso ein entsprechendes Ver-
meidungsverhalten. Daneben bestünden ausgeprägte sozialphobische 
Ängste, die bereits in der Kindheit aufgetreten seien (schüchtern, zurück-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 10

haltend, ängstlich, vor anderen zu sprechen sei schwierig gewesen, dies 
aus Angst zu versagen, blossgestellt zu werden, Kritik ausgesetzt zu sein). 
Entsprechende Angstsymptome vergleichbar den panikartigen Symptomen 
seien beschrieben worden (S. 18). 

Zur Persönlichkeitsstörung führte der Gutachter aus, dass eine deutliche 
Unausgeglichenheit in Einstellung und im Verhalten in mehreren Funkti-
onsbereichen wie Affektivität (ständige Anspannung, Ambivalenz, emotio-
nale Instabilität, Irritierbarkeit, Störung der Emotions- und Affektkontrolle), 
Antrieb (Antriebsminderung), Impulskontrolle (geringe Frustrationstoleranz, 
latente Autoaggressivität [Status nach drei Suizidversuchen]), Wahrneh-
men und Denken (Gefühl von Überforderung, Versagensgefühle, Insuffizi-
enzerleben), sowie in den Beziehungen zu anderen (dependente Bezie-
hungsgestaltung, soziales Vermeidungsverhalten) bestehe. Das auffällige 
Verhaltensmuster sei andauernd und gleichförmig und nicht auf Episoden 
psychischer Krankheiten begrenzt. Das auffällige Verhalten sei tiefgreifend 
und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend. 
Die Störung habe bereits in der Kindheit und Jugend begonnen, mit Aus-
prägung auf Dauer im Erwachsenenalter. Es bestehe ein deutliches subjek-
tives Leiden, die berufliche und soziale Leistungsfähigkeit sei deutlich ein-
geschränkt, dies lasse sich am Verlauf der letzten Jahre mit durchgehender 
psychischer Instabilität aufzeigen (S. 19). 

Zum Untersuchungszeitpunkt liege aufgrund der chronifizierten rezidivie-
renden depressiven Störung sowie chronifizierten Angststörung vor dem 
Hintergrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung eine 70%-ige Ar-
beitsunfähigkeit für jedwede Tätigkeit unter den Bedingungen der freien 
Wirtschaft vor. Einzig erscheine gegenwärtig eine Beschäftigung in einem 
geschützten Arbeitsrahmen möglich (wobei eruiert werden sollte, ob die 
häusliche Arbeit diesem geschützten Arbeitsrahmen schon weitgehend 
entspreche: Möglichkeit zum alleine arbeiten, freie Zeiteinteilung, selbst-
ständige Pausenfestlegung etc.), dies in einem Umfang von 50% der 
wöchentlichen Arbeitszeit. Das Arbeitsumfeld sollte ruhig, emotional wenig 
belastend, gut strukturiert, nicht monoton, in unterstützender Arbeitsatmos-
phäre stattfinden. Die Prognose zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit 
durch medizinische Massnahmen sei insgesamt ungünstig (S. 22). 

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3.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a). 

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

3.5 Dr. med. D.________ hat sich in seiner ärztlichen Beurteilung sorg-
fältig mit den gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin 
auseinandergesetzt und seine Schlussfolgerungen insbesondere gestützt 
auf seine eigene Untersuchung getroffen. Er hat in schlüssiger Weise auf-
gezeigt, dass die Beschwerdeführerin an einer generalisierten Angst-
störung, einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und an einer rezidivie-
renden depressiven Störung, mittelgradig ausgeprägt mit somatischem 
Syndrom, leidet (AB 61.1 S. 14). Die Beurteilung findet auch im Bericht der 
behandelnden Psychiaterin Dr. med. F.________ vom 18. Oktober 2013 
(AB 43 S. 1 ff.) ihren Rückhalt. Die Einschätzung von Dr. med. 
D.________, wonach eine 70%-ige Arbeitsunfähigkeit für jedwede Tätigkeit 
unter den Bedingungen der freien Wirtschaft und eine 50%-ige Arbeitsun-
fähigkeit im geschützten Rahmen besteht (AB 61.1 S. 22), ist nachvollzieh-
bar und überzeugend und deckt sich mit derjenigen von Dr. med. 

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F.________, die eine Arbeitsfähigkeit von 20% bis 30% attestiert (AB 43 S 
3). 

Die gutachterlichen Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen 
Zusammenhänge sind einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerun-
gen zum Gesundheitszustand nachvollziehbar. Der Gutachter hat seine 
Beurteilung den höchstrichterlichen Anforderungen (BGE 141 V 281 E. 2.1 
S. 285 f.) entsprechend sorgfältig anhand der klassifikatorischen Vorgaben 
der ICD-10 begründet. Somit erfüllt das Gutachten vom 10. Oktober 2014 
(AB 66.1) die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweis-
wert eines medizinischen Gutachtens gestellten Anforderungen (vgl. E. 3.4 
hiervor), weshalb ihm volle Beweiskraft zukommt (vgl. BGE 125 V 351 E. 
3b/bb S. 353). Auf dieses Gutachten, – welches im Ergebnis auch von den 
Parteien nicht in Frage gestellt wird –, ist abzustellen. 

3.6 In somatischer Hinsicht legt Dr. med. E.________ klar und schlüssig 
dar, dass die Beschwerdeführerin an einer MGUS Typ lgG lambda, an ei-
ner normochromen, normozytären Anämie unklarer Aetiologie, und an einer 
arteriellen Hypertonie leidet sowie, dass ein Verdacht auf eine Psoriasis-
Arthritis sine Psoriasis besteht (AB 43 S. 8, E. 3.3.1 hiervor). Diese somati-
schen Diagnosen stimmen mit denjenigen von Dr. med. G.________ (AB 
43 S. 4, vgl. E. 3.3.2 hiervor) überein und haben keinen Einfluss auf die 
Arbeitsfähigkeit, was denn auch nicht bestritten ist. 

3.7 Bezüglich der Frage, ob seit dem rentenabweisenden Einspra-
cheentscheid vom 22. Mai 2007 (AB 24) aus medizinischer Sicht eine hin-
sichtlich des Rentenanspruchs relevante Veränderung eingetreten ist (vgl. 
E. 2.5 hiervor), hat sich Dr. med. D.________ nicht explizit geäussert. Er 
erhob und attestiert jedoch im Vergleich zum Vorgutachter Dr. med. 
B.________ (AB 16) nicht mehr primär psychosomatische Störungen, son-
dern verselbstständigte – hinsichtlich ihrer Qualität und Auswirkungen gra-
vierende – psychiatrische Erkrankungen (AB 66.1 S. 22; vgl. E. 3.3.3 hier-
vor). Dies stellt mit Blick auf die Zeitspanne von rund sieben Jahren zwi-
schen der Erst- und Zweitbegutachtung eine massgebliche Veränderung 
dar, die zur umfassenden materiellen Prüfung des Rentenanspruchs führt 
(vgl. E. 2.6 hiervor).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 13

4.

4.1 Zu prüfen ist der Status der Beschwerdeführerin resp. der Umfang, 
in welchem sie als Gesunde erwerbstätig wäre. Die Beschwerdegegnerin 
geht in der angefochtenen Verfügung vom 17. April 2015 (AB 79 S. 2) von 
einem Status 50% Erwerb und 50% Haushalt aus. Damit zeigt sich die Be-
schwerdeführerin nicht einverstanden und führt aus, dass sie im Gesund-
heitsfall zu 80% bis 100% einer Arbeitstätigkeit nachgehen würde (Be-
schwerde S. 2; Akten der Beschwerdeführerin [BB] 5). 

4.2 Angesichts der Darstellung in der Erwerbsbiographie (BB 4 S. 1), 
wonach die Beschwerdeführerin als Autodidaktin (da es in ihrem Heimat-
staat eine eigentliche Berufsbildung gar nicht gegeben habe) ein „Büro“ 
und eine „Abteilung“ auf Vordermann gebracht habe, wäre davon auszuge-
hen, dass sie in ihrer Heimat, ohne dass sich gesundheitliche Einschrän-
kungen bemerkbar gemacht hätten, erwerbstätig war. Dass ihre Krankheit 
gemäss Gutachter die Wurzeln in der Kindheit und Jugend hat, hatte damit 
damals noch keine Bedeutung. Dafür, dass die Beschwerdeführerin nach 
der Einreise in die Schweiz nicht erwerbstätig war und wurde, ist nicht die 
gesundheitliche Situation verantwortlich. Vielmehr waren es die psychoso-
zialen Umstände, wonach der Ehemann eine Erwerbstätigkeit zunächst 
verboten hat (BB 4 S. 2). Diese Umstände sind jedoch spätestens mit der 
schon vor der ersten IV-Anmeldung erfolgten Ehescheidung vom … (AB 2 
S. 12) weggefallen. Aus der Biographie der Beschwerdeführerin lässt sich 
nicht ableiten, in welchem Umfang sie als Gesunde nach der Ehescheidung 
erwerbstätig gewesen wäre. Eine massgebliche Erwerbstätigkeit hat die 
Beschwerdeführerin nicht aufgenommen, obwohl dies bei rein objektiver 
Betrachtung aus gesundheitlichen Gründen möglich gewesen wäre. 

Entgegen den Vorbringen der Parteien ist damit weder überwiegend wahr-
scheinlich, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 80% bis 
100% erwerbstätig geworden wäre (Beschwerde S. 2), noch lediglich eine 
50%-ige Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte. Vielmehr erscheint unter 
Berücksichtigung der nicht unerheblichen Unterhaltsbeiträge von Fr. 1‘300.- 
seitens des abgeschiedenen Ehemannes (AB 2 S. 10), die dazu bestimmt 
sind, den gewohnten Lebensstandard vor Scheidung zu erhalten und bis 
zur Pensionierung ausgerichtet werden und dem Umstand, dass der ältere, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 14

rund 33-jährige aus psychischen Gründen invalide Sohn im gleichen Haus-
halt lebt, ein Status 70% Erwerb und 30% Haushalt als überwiegend wahr-
scheinlich. Denn bei einer 70%-igen Erwerbstätigkeit würde sich das Ein-
kommen, das anhand von Tabellenlöhnen (LSE 2012, Tabelle TA1, Kom-
petenzniveau 1, vgl. auch E. 5.3 hiernach) berechnet wird, auf 
Fr. 36‘008.80 pro Jahr bzw. monatlich rund Fr. 3‘000.-- (Fr. 4‘112.-- / 40 x 
41.7 x 12 x 0.7) belaufen. Bei einem Status 70% Erwerb und 30% Haushalt 
hätte die Beschwerdeführerin somit insgesamt rund Fr. 4‘300.-- (Unter-
haltsbeiträge und Einkommen) zur Verfügung. Wobei die Beiträge des inva-
liden Sohnes von monatlich Fr 1‘200.-- (AB 71.1 S. 8) für Kost und Logis 
zwar keine direkte weitere Erhöhung des Einkommens bedeuten, aber 
doch immerhin im Bereich der Wohnkosten eine gewisse Entlastung brin-
gen. Die Invaliditätsbemessung hat nach der gemischten Methode bei ei-
nem Status 70% Haushalt und 30% Aufgabenbereich zu erfolgen. 

5.

5.1 Zu prüfen ist im Folgenden, wie es sich mit der Invalidität im Er-
werbsbereich verhält.

5.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 134 V 322 E. 
4.1 S. 325).

5.1.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 593; SVR 2014 IV Nr. 37 S. 
133 E. 7.1). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsscha-
dens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätig-
keit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne 
gemäss den vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstruktur-
erhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 593; 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 15

SVR 2014 IV Nr. 37 S. 133 E. 7.1). Es gilt zu berücksichtigen, dass ge-
sundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeiter-
tätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und ent-
sprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und 
deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen 
müssen. Diesem Umstand ist mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rech-
nung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). 
Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, 
hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkre-
ten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Na-
tionalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämt-
licher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem 
Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchs-
tens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 
5.2 S. 327; SVR 2011 IV Nr. 31 S. 91 E. 4.1.1).

5.2 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt 
des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei 
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu 
erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der 
Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind 
(BGE 129 V 222). Die Neunmeldung zum Leistungsbezug ist am 3. Sep-
tember 2013 erfolgt (AB 34 S. 6). Entsprechend ist die sechsmonatige Ka-
renzfrist nach Art. 28 Abs. 1 IVG Ende Februar 2014 abgelaufen. Der Gut-
achter Dr. med. D.________ attestierte die Arbeitsunfähigkeit seit Oktober 
2013. Damit ist das Wartejahr gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG Ende September 
2014 abgelaufen und der frühestmögliche Rentenbeginn folglich auf den 1. 
Oktober 2014 festzusetzen. Da – wie nachfolgend dargelegt – sowohl Vali-
den- wie auch Invalideneinkommen auf der Basis des gleichen Tabellen-
lohnes zu ermitteln sind, erübrigt sich vorliegend jedoch sowohl die Auf-
rechnung auf das Jahr 2014 als auch eine konkrete zahlenmässige Be-
rechnung. 

5.3 Soweit die Beschwerdegegnerin die Einschränkungen im Erwerbs-
bereich auf der Basis einer Tätigkeit als selbstständigerwerbende ... ermit-
telt hat (AB 71 S. 9), kann ihr nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 16

war bereits im Heimatland ohne relevanten Abschluss im Bürobereich und 
in der Schweiz während langer Jahre nicht (mehr) erwerbstätig. Die erste 
angetretene Anstellung in der Schweiz erfolgte im Verkauf, wurde jedoch 
bereits kurz darauf wieder aufgegeben. Die Aufnahme der Arbeitstätigkeit 
als ... erfolgte gemäss Ausführungen der Beschwerdeführerin auf Druck 
des Ehemannes (AB 80 S. 14). Die Beschwerdeführerin verfügt mit Aus-
nahme der Tatsache, dass sie ursprünglich aus dem englischen Sprach-
raum stammt, über keine Qualifikationen als ... und sie hat denn auch nie 
ein wesentliches Einkommen mit dieser Tätigkeit erzielt. Es ist somit über-
wiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall 
als Unselbstständigerwerbende arbeiten würde, wie es denn auch die erste 
Anstellung in der Schweiz beweist. Der IV-Grad im Bereich Erwerb ist nach 
der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu ermitteln. 

5.4 Nach ihrer Heirat im Jahr 1978 war die Beschwerdeführerin Haus-
frau und in der Schweiz vorerst nicht mehr erwerbstätig. Es kann deshalb 
keine spezifische Tätigkeit ausgemacht werden, der die Beschwerdeführe-
rin als Gesunde nachgehen würde. Überwiegend wahrscheinlich ist, dass 
sie als Gesunde eine Arbeitstätigkeit im gesamten Bereich des LSE Kom-
petenzniveau 1 aufgenommen hätte. Deshalb ist somit auf die Tabelle TA1, 
Kompetenzniveau 1, abzustellen.  

Hinsichtlich der Tätigkeit mit Gesundheitsschaden attestierte Dr. med. 
D.________ eine Resterwerbsfähigkeit von 30% im Bereich der freien Wirt-
schaft und allenfalls 50% im geschützten Rahmen (AB 66.1 S. 22). Da die 
Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit von 30% nicht voll ausschöpft 
– gemäss dem Abklärungsbericht vom 4. Februar 2015 arbeitet sie ca. 25% 
in selbstständiger Erwerbstätigkeit mit kaum massgeblichem Einkommen 
(AB 71 S. 8) –, ist auch das Invalideneinkommen anhand der gleichen Ta-
belle TA1, Kompetenzniveau 1, festzulegen. 

Sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen sind somit auf der 
gleichen LSE-Basis zu ermitteln (Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1), wes-
halb der IV-Grad hier dem Umfang der Leistungsminderung unter Berück-
sichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn entspricht (Entscheid des Eid-
genössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 15. 
April 2003, I 1/03, E. 5.2). Ein solcher Abzug im Umfang von 10% erscheint 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 17

aufgrund der Gesamtsituation, namentlich unter Berücksichtigung der lei-
densbedingten Einschränkung im Leistungsprofil, sachgerecht. Folglich 
resultiert ein IV-Grad im Bereich der Erwerbstätigkeit von 61.43% resp. 
gewichtet 43% (61.43% x 0.7 [Status]).

6.

Sodann sind die Einschränkungen im Bereich Haushalt zu prüfen und der 
IV-Grad in diesem Bereich zu ermitteln (vgl. E. 2.4 hiervor). 

6.1 Für den Beweiswert eines Abklärungsberichts sind verschiedene 
Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer 
qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumli-
chen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge-
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Anga-
ben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Mei-
nungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext 
schliesslich muss plausibel begründet und bezüglich der einzelnen Ein-
schränkungen angemessen detailliert sein und in Übereinstimmung mit den 
an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Ab-
klärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift in das Ermessen der 
die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein-
schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die 
fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist 
als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 130 V 61 E. 6.2 S. 63; 
SVR 2012 IV Nr. 54 S. 196 E. 3.2).

6.2 Der Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vom 4. Februar 
2015 (AB 71), in dem die Einschränkungen im Haushalt umfassend 
berücksichtigt wurden, samt Stellungnahme vom 26. März 2015 (AB 78) 
erfüllt die Anforderungen der Rechtsprechung gemäss E. 6.1 hiervor und ist 
überzeugend. Die Feststellungen der fachkundigen Abklärungsperson ba-
sieren auf eigenen, vor Ort und in Anwesenheit der Beschwerdeführerin 
durchgeführten Erhebungen. Der Abklärungsbericht ist zudem hinsichtlich 
der Gewichtung der Tätigkeitsbereiche ausreichend detailliert, und den 
Einschränkungen sowie den Angaben der Beschwerdeführerin wurde an-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 18

gemessen Rechnung getragen. Insbesondere wurde der Umstand berück-
sichtig, dass die Beschwerdeführerin in einem symbiotischen Verhältnis mit 
ihrem invaliden Sohn lebt. Es besteht kein Anlass, in das Ermessen der 
Verwaltung einzugreifen. Der Abklärungsbericht im Bereich Haushalt über-
zeugt und wird denn auch nicht bestritten. 

6.3 Nach dem Dargelegten ist vorliegend - entsprechend der überzeu-
genden Beurteilung der Abklärungsfachperson - von einer Einschränkung 
im Haushalt von 4.4% auszugehen. Zusätzlich hat die Beschwerdegegnerin 
einen Abzug von 10% aufgrund der Wechselwirkung vom Erwerb auf den 
Aufgabenbereich Haushalt gewährt (AB 71 S. 14 und 15; BGE 134 V 9 E. 
7.3 S. 12). Ob ein solcher Abzug neben dem Abzug vom Tabellenlohn vor-
liegend gerechtfertigt ist, kann letztlich offen bleiben. Denn unabhängig 
davon, ob ein Abzug von 10% zu Gunsten der Beschwerdeführerin berück-
sichtigt wird, ändert sich – wie nachfolgend dargelegt (vgl. E. 7.1 hier-
nach) – nichts am Anspruch auf eine Viertelsrente. 

Der gewichtete IV-Grad im Aufgabenbereich beträgt somit mindestens 
1.3% und maximal 4.3% (14.4% x 0.3 [Status]).

7

7.1 Nach dem in den E. 5.4 und 6.3 hiervor Gesagten beträgt der ge-
wichtete IV-Grad im erwerblichen Bereich 43% und im Bereich Haushalt 
mindestens 1.3% und maximal 4.3%, so dass ein Gesamtinvaliditätsgrad 
von gerundet mindestens 44% und maximal 47% (zur Rundung: BGE 130 
V 121 S. 123 E. 3.2 und 3.3) resultiert. Folglich besteht ab Oktober 2014 
(vgl. E. 5.2 hiervor) Anspruch auf eine Viertelsrente (vgl. E. 2.2 hiervor). 

7.2 Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass wenn der Gutachter Dr. 
med. D.________ davon ausgeht, die Beschwerdeführerin könnte mögli-
cherweise in einem geschützten Rahmen gar ein Pensum von 50% bewäl-
tigen (AB 61.1 S. 22), dies vorliegend nur dann relevant wäre, wenn daraus 
ein höheres Invalideneinkommen resultieren würde, was als ausgeschlos-
sen erscheint. Deshalb hat es derzeit mit dem auf der Basis der 30%-igen 
Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt errechneten Invali-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 19

deneinkommen sein Bewenden. Der Beschwerdegegnerin steht es frei, die 
Beschwerdeführerin besser einzugliedern – wobei die Beschwerdeführerin 
aufgrund der ihr obliegenden Schadenminderungspflicht zur Mitwirkung 
verpflichtet wäre – und danach die Rente in Revision zu ziehen. 

8. 

8.1 Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde gutzuheissen, die ange-
fochtene Verfügung vom 17. April 2015 (AB 79) aufzuheben und der Be-
schwerdeführerin ab Oktober 2014 eine Viertelsrente zuzusprechen. 

Die Beschwerdegegnerin hat die IV-Rente unter Berücksichtigung des 
form- und fristgerecht eingereichten Drittauszahlungsgesuchs des Sozial-
dienstes H.________ vom 27. August 2014 (AB 64 S. 1 ff.) festzusetzen 
und auszurichten (vgl. Art. 85bis Abs. 1 IVV). Somit ist das vorliegende Urteil 
auch dem Sozialdienst H.________ zu eröffnen (vgl. AB 55). 

9.

9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 
200.-- bis Fr. 1’ 000.-- festzulegen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 700.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). 

9.2 Da der Aufwand für die Beschwerdeführung nicht das Mass dessen 
überstieg, was dem Einzelnen zur Besorgung eigener Angelegenheiten 
zugemutet werden darf, hat die anwaltlich nicht vertretene Beschwerdefüh-
rerin trotz ihres Obsiegens keinen Anspruch auf Ausrichtung einer Partei-
entschädigung (BGE 127 V 205 E. 4b S. 207).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 20

9.3 Damit wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gegen-
standslos und ist vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben. 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 17. April 2015 aufgehoben. Die Beschwerdeführe-
rin hat ab Oktober 2014 Anspruch auf eine Viertelsrente der Invaliden-
versicherung. 

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
wird als erledigt vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

5. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern
- Sozialdienst H.________
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Okt. 2015, IV/15/463, Seite 21

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.