# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 80032088-018a-5b71-a775-38a69ee78d27
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-17
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 17.09.2020 SK 2019 347
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-347_2020-09-17.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 19 347

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 17. September 2020

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), Obergerichtssuppleantin Schaer, 
Oberrichterin Friederich Hörr
Gerichtsschreiberin Gerber

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin Dr. iur. B.________
privat v.d. Rechtsanwalt Dr. iur. C.________

Beschuldigte/Berufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

D.________
v.d. Rechtsanwalt Dr. iur. E.________

Straf- und Zivilkläger

Gegenstand falsche Anschuldigung, Widerhandlungen gegen das Waffenge-
setz, Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz sowie 
Freiheitsberaubung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 27. Februar 2019 (PEN 18 
170)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Kollegialgericht; nachfolgend Vorin-
stanz) sprach A.________ (Beschuldigte/Berufungsführerin; nachfolgend Beschul-
digte) mit Urteil vom 27. Februar 2019 im Verfahren PEN 18 170 frei von der An-
schuldigung der Freiheitsberaubung, angeblich begangen vom 21. Oktober 2014 
bis 16. Januar 2015 in Langenthal z.N.v. D.________, ohne Ausrichtung einer Ent-
schädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten (Ziff. I. des erstinstanz-
lichen Urteilsdispositivs, pag. 709). 

Hingegen erklärte die Vorinstanz die Beschuldigte wie folgt schuldig (Ziff. II.1.–3. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 709):

1. der falschen Anschuldigung, begangen am 21. Oktober 2014 in Langenthal z.N.v. 
D.________;

2. der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, mehrfach begangen 

2.1. durch Erwerb ohne Waffenerwerbschein sowie Besitz einer bewilligungspflichtigen 
Feuerwaffe (Pistole Astra F.________ Cal. 6.35 mit Magazin mit fünf Patronen und 
Waffenputzzeug Grün) ca. im April 2016 in Bern, festgestellt am 5. Oktober 2016 in Ur-
tenen-Schönbühl;

2.2. durch Erwerb ohne schriftlichen Vertrag einer meldepflichtigen Feuerwaffe (Karabiner 
G.________) ca. im April 2016 in Bern, festgestellt am 5. Oktober 2016 in Urtenen-
Schönbühl;

3. der Nichtabgabe von Ausweisen und Kontrollschildern trotz behördlicher Aufforderung, be-
gangen am 23. Dezember 2015 in Langenthal.

In Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen verurteilte die Vorinstanz 
die Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, wobei sie für eine Teil-
strafe von 10 Monaten den Vollzug bei einer Probezeit von 5 Jahren aufschob und 
die Polizeihaft von einem Tag an die zu vollziehende Teilstrafe (6 Monate) anrech-
nete (Ziff. II.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 710). Sodann wurde sie 
zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend 
CHF 1‘500.00, bei einer Probezeit von 2 Jahren (Ziff. II.2. des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs, pag. 710) sowie zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00, wo-
bei die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung auf 3 Tage festgesetzt 
wurde, verurteilt (Ziff. II.3. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 710). Weiter 
auferlegte die Vorinstanz der Beschuldigten die erstinstanzlichen Verfahrenskos-
ten, insgesamt bestimmt auf CHF 13‘520.00 (Ziff. II.4. des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs, pag. 710) und verurteilte sie zur Bezahlung einer Entschädigung 
von CHF 5‘743.45 an den Straf- und Zivilkläger, D.________, für seine Aufwen-
dungen im Verfahren. Soweit weitergehend wies die Vorinstanz die Zivilforderung 
betreffend Prozessentschädigung ab (Ziff. II.5. des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs, pag. 710 f.).

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Schliesslich legte die Vorinstanz die amtliche Entschädigung und das volle Honorar 
für die amtliche Verteidigung der Beschuldigten im erstinstanzlichen Verfahren 
durch Rechtsanwältin B.________ fest (Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs, pag. 711 f.). Im Zivilpunkt verwies die Vorinstanz die Zivilklage des Straf- und 
Zivilklägers zufolge unzureichender Begründung und Bezifferung der Genugtu-
ungsforderung ohne die Ausscheidung von Kosten auf den Zivilweg (Art. 126 
Abs. 2 Bst. b Schweizerische Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]; Ziff. IV. des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 712). Abschliessend traf die Vorinstanz die 
notwendigen Verfügungen, wobei sie insbesondere die beschlagnahmten Waffen 
inkl. Zubehör gestützt auf Art. 69 Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB; 
SR 311.0) einzog (Ziff. V.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 712).

2. Berufung

Mit Eingabe vom 7. März 2019 meldete Rechtsanwältin B.________ namens der 
Beschuldigten fristgerecht die Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil an 
(pag. 723). Die Berufungserklärung der Beschuldigten datiert vom 26. Septem-
ber 2019 und ging ebenfalls innert Frist und formgerecht beim Obergericht des 
Kantons Bern ein (pag. 792 ff.). Darin beschränkte die Beschuldigte die Berufung 
auf den Schuldspruch wegen falscher Anschuldigung, auf das Strafmass sowie auf 
die darauf entfallenden erst- und oberinstanzlichen Kosten- und Entschädigungs-
folgen (pag. 794). 

Die Generalstaatsanwaltschaft, vertreten durch Staatsanwältin H.________, teilte 
mit Eingabe vom 21. Oktober 2019 mit, dass aus ihrer Sicht kein Grund für ein 
Nichteintreten auf die Berufung bestehe. Gleichzeitig schloss sie sich der Berufung 
der Beschuldigten an (pag. 800 ff.; zum Umfang der Anschlussberufung vgl. Ziff. 6 
hiernach). D.________ (Straf- und Zivilkläger, nachfolgend Privatkläger) liess sich 
innert Frist nicht vernehmen (pag. 803). Mit Eingabe vom 13. November 2019 er-
klärte die Beschuldigte, nichts gegen die Anschlussberufung der Generalstaatsan-
waltschaft einzuwenden zu haben (pag. 807). Der Privatkläger liess sich hierzu 
nicht vernehmen (pag. 804, 836).

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 16. September 2021 beantragte 
Rechtsanwalt I.________ (vgl. zum Wechsel der Verteidigung Ziff. 3 hiernach) im 
Plädoyer für die Beschuldigte, sie sei wegen falscher Anschuldigung im Sinne von 
Art. 303 Ziff. 1 aStGB z.N. des Privatklägers schuldig zu erklären, unter Anfechtung 
des Strafmasses und Akzept der Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss dem 
Urteil der Vorinstanz (pag. 942 f.). 

Staatsanwältin H.________ beantragte daraufhin im Plädoyer für die General-
staatsanwaltschaft die Feststellung der Rechtskraft des vorinstanzlichen Schuld-
spruchs wegen falscher Anschuldigung z.N. des Privatklägers (pag. 947).

3. Wechsel der Verteidigung

Die Beschuldigte wurde im erstinstanzlichen Verfahren durch Rechtanwältin 
B.________ amtlich verteidigt. Mit Schreiben vom 2. Dezember 2019 teilte 
Rechtsanwalt I.________ unter Beilage einer Vollmacht mit, die Beschuldigte habe 
ihn für das Berufungsverfahren als Wahlverteidiger beauftragt (pag. 832 f.). Mit 

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Verfügung des Verfahrensleiters vom 4. Dezember 2019 wurde das amtliche 
Mandat von Rechtsanwältin B.________ per sofort sistiert (pag. 835 f.).

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

In Gutheissung des Beweisantrags der Generalstaatsanwaltschaft vom 
21. Oktober 2019 (pag. 801) wurden zusätzlich die den Privatkläger betreffenden 
Akten PEN 17 360 (= Akten EO 14 11898 der Staatsanwaltschaft Emmental-
Oberaargau) bei der Vorinstanz ediert (pag. 836). 

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden zudem von Amtes wegen 
aktuelle Straf- und Leumundsberichte (datierend vom 12. August 2020 bzw. 
10. August 2020; pag. 880 und pag. 876 ff.) über die Beschuldigte eingeholt.

Ausserdem wurden der Privatkläger und die Beschuldigte anlässlich der Beru-
fungsverhandlung erneut einvernommen (pag. 912 ff., 919 ff.).

5. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt I.________ beantragte und begründete in der oberinstanzlichen Ver-
handlung für die Beschuldigte Folgendes (pag. 942 f.):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 27. Fe-
bruar 2019 und die zugehörigen Erwägungen in dessen Begründung vom 4. September 2019 
(Geschäfts-Nr.: PEN 18 170)

 im Schuldspruch in den Dispositiv-Ziff. II.2 sowie II.3,

 in der Verurteilung in den Ziff. II.2. und II.3 (Verurteilung zu einer bedingten Geldstrafe von 
50 Tagessätzen zu CHF 30.00 mit einer Probezeit von zwei Jahren sowie einer Übertretungs-
busse von CHF 300.00) sowie 

 in den Dispositiv-Ziff. IV betreffend den Zivilpunkt sowie V betreffend weitere Verfügungen in 
Rechtskraft erwachsen ist. 

2. A.________ sei von der Anschuldigung der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183, 
184 StGB zum Nachteil von D.________ freizusprechen. 

3. A.________ sei wegen falscher Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. l StGB zum Nachteil 
von D.________, schuldig zu sprechen. 

4. Unter vollständiger Ersetzung der Dispositiv-Ziff. II.1. der Verurteilung sei A.________ mit ei-
ner bedingten Freiheitsstrafe von elf Monaten unter Anrechnung bisher erstandener Haft zu 
bestrafen. Die Probezeit sei mit zwei Jahren zu bemessen. 

5. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien entsprechend der Dispositiv-Ziff. II.4. der 
Verurteilung A.________ aufzuerlegen. Gleich sei mit der Entschädigung des Privatklägers 
gemäss der Dispositiv-Ziff. II.5. der Verurteilung zu verfahren. Ebenso sei die Dispositiv-Ziff. Ill 
betreffend die Entschädigung der früheren amtlichen Verteidigerin zu bestätigen. 

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

7. A.________ sei zu verpflichten der Rechtsvertretung des Privatklägers eine erfolgsentspre-
chende Entschädigung für das Berufungsverfahren zu bezahlen. 

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8. A.________ sei für die Inanspruchnahme einer erbetenen Verteidigung im Berufungsverfah-
ren eine erfolgsentsprechende Entschädigung auf Grundlage der heute von mir eingereichten 
Honorarnote zu gewähren.

Staatsanwältin H.________ beantragte und begründete für die Generalstaatsan-
waltschaft, was folgt (pag. 947 f.):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
27. Februar 2019 in Rechtskraft erwachsen ist, als

A.________ schuldig erklärt wurde 

1. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, mehrfach begangen 

1.1. durch Erwerb ohne Waffenerwerbsschein sowie Besitz einer bewilligungspflichtigen Feu-
erwaffe (Pistole Astra F.________ Cal. 6.35, mit Magazin mit 5 Patronen und Waffen-
putzzeug grün) ca. im April 2016 in Bern, festgestellt am 5. Oktober 2016 in Urtenen-
Schönbühl; 

1.2. durch Erwerb ohne schriftlichen Vertrag einer meldepflichtigen Feuerwaffe (Karabiner 
G.________, mit leerem Magazin) ca. im April 2016 in Bern, festgestellt am 5. Okto-
ber 2016 in Urtenen-Schönbühl;

2. der Nichtabgabe von Ausweisen und Kontrollschildern trotz behördlicher Aufforderung, began-
gen am 23. Dezember 2015, in Langenthal, J.________ (Adresse);

3. der falschen Anschuldigung z.N.v. D.________.

A.________ verurteilt wurde 

1. zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu CHF 30.00, bedingt aufgeschoben bei einer Pro-
bezeit von 2 Jahren; 

2. zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00, im Falle der schuldhaften Nichtbezahlung zu ei-
ner Freiheitsstrafe von 3 Tagen;

sowie 

die beschlagnahmten Waffen eingezogen wurden gemäss Ziff. V des Urteilsdispositivs.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der Freiheit (in mittelbarer Täterschaft), unter erschwerenden Umständen (Freiheitsentzug 
mehr als zehn Tage) begangen am 21. Oktober 2014 in Langenthal z.N.v. D.________,

und in Anwendung von Art. 47, 49 Abs. 1, 51 aStGB, Art. 183 Ziff. 1 i. V. m. 184 al. 3, 303 Ziff. 1 
StGB; Art. 422 ff., 426 Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3 StPO

zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten, unter Gewährung des teilbedingten Vollzugs für ei-
nen Sanktionsteil von 22 Monaten bei einer Probezeit von 4 Jahren sowie unter Anrechnung 
der ausgestandenen Untersuchungshaft von 1 Tag;

2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (zuzüglich einer angemes-
senen Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

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III.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

Die Honorare der amtlichen Verteidiger seien gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

Rechtsanwalt E.________ stellte für den Privatkläger mit Eingabe vom 11. Sep-
tember 2020 den Antrag, das erstinstanzliche Urteil sei zu bestätigen. Zudem er-
suchte er um Gutheissung der Prozessentschädigung gemäss beigelegter Hono-
rarnote (pag. 889 f.). 

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil nur in Teilen angefochten (siehe 
Ziff. 2. hiervor). Sie richtete ihre Berufung gegen das Strafmass, konkret gegen 
Höhe und Vollzugsform der Freiheitsstrafe (Ziff. II.1 des erstinstanzlichen Urteils-
dispositivs, pag. 710; pag. 942). Die Generalstaatsanwaltschaft ihrerseits beantrag-
te in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils einen Schuldspruch wegen Frei-
heitsberaubung (in mittelbarer Täterschaft), unter erschwerenden Umständen 
(Freiheitsentzug von mehr als 10 Tagen), z.N. des Privatklägers (Ziff. I des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 709). Weiter richtete sie ihre Anschlussberufung 
gegen das Strafmass in Bezug auf die Freiheitsstrafe (Ziff. II.1 des erstinstanzli-
chen Urteilsdispositivs, pag. 710; pag. 947 f.). 

Damit sind die Ziff. I. (Freispruch von der Anschuldigung der Freiheitsberaubung, 
pag. 709), die Ziff. II. in den Sanktionspunkten 1. (Verurteilung zu einer teilbeding-
ten Freiheitsstrafe von 16 Monaten unter Festsetzung der Probezeit auf 5 Jahre) 
sowie 4. und 5. (Kosten- und Entschädigungsfolgen) des erstinstanzlichen Urteils 
durch die Kammer neu zu beurteilen (pag. 710). Dies gilt auch für die amtliche Ent-
schädigung (Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 711).

Die Ziff. II.1.–3. (Schuldsprüche wegen falscher Anschuldigung, Widerhandlungen 
gegen das Waffengesetz und wegen Nichtabgabe von Ausweisen und Kontroll-
schildern trotz behördlicher Aufforderung, pag. 709), Ziff. II. im Sanktionspunkt 2. 
(bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend 
CHF 1'500.00 inkl. Probezeit, pag. 710), Ziff. II. im Sanktionspunkt 3. (Übertre-
tungsbusse von CHF 300.00 inkl. Ersatzfreiheitsstrafe, pag. 710), Ziff. IV. (Zivil-
punkt, pag. 712) sowie Ziff. V.1. (Einziehung der beschlagnahmten Waffen inkl. 
Zubehör, pag. 712) des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs sind demgegenüber in 
Rechtskraft erwachsen. 

Die Kammer verfügt hinsichtlich der angefochtenen Urteilspunkte über volle Kogni-
tion (Art. 398 Abs. 3 StPO). Zufolge Anschlussberufung der Generalstaatsanwalt-
schaft betreffend Schuld-, Sanktions- und Kostenpunkt (Ziff. I., Ziff. II. Sanktions-
punkt 1. [pag. 710] sowie Ziff. II. Sanktionspunkt 4.) darf das erstinstanzliche Urteil 
in diesen Punkten auch zum Nachteil der Beschuldigten abgeändert werden, das 
Verschlechterungsverbot gilt diesbezüglich nicht (Art. 391 Abs. 2 StPO e contrario). 
Betreffend die übrigen Ziffern des erstinstanzlichen Urteils ist das Verbot der refor-
matio in peius hingegen zu beachten.

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II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Zum Vorwurf der Freiheitsberaubung und der falschen Anschuldigung

In der Anklageschrift vom 6. August 2018 wird der Beschuldigten vorgeworfen, sich 
der Freiheitsberaubung (in mittelbarer Täterschaft), unter erschwerenden Umstän-
den (Freiheitsentzug von mehr als zehn Tagen) sowie der falschen Anschuldigung, 
mehrfach begangen zwischen dem 21. Oktober 2014 und dem 24. Juni 2015, na-
mentlich am 21. Oktober und 9. Dezember 2012, in Langenthal, z.N. des Privatklä-
gers, wie folgt schuldig gemacht zu haben (Ziff. I.1 der Anklageschrift, pag. 515 f.):

Die wegen falscher Anschuldigung mehrfach rechtskräftig vorbestrafte Beschuldigte warf dem 
Privatkläger mit wissentlich falschen resp. bewusst deutlich aggravierten Aussagen gegenüber der 
Polizei (anlässlich der Anzeigeerstattung gegen den PK resp. in einer weiteren, späteren 
Einvernahme) wider besseres Wissen und mit der Absicht resp. unter Inkaufnahme, dass gegen 
diesen (im Hinblick auf diese Vorwürfe, zu Unrecht) ein Strafverfahren eröffnet und dass dieser von 
den Behörden (gestützt auf ihre falschen Belastungen) in Untersuchungshaft versetzt würde, vor, sie 
auf offener Strasse überfallen, sie mit Gewalt und gegen ihren ausdrücklich geäusserten Willen sowie 
unter Überwindung ihres körperlichen Widerstandes mittels seiner überlegenen Körperkraft, in ein Au-
to gezerrt, sie gegen ihren Willen und unter Anwendung von körperlicher Gewalt in seine Wohnung 
gezwungen, sie dort u.a. mit einer Pistole bedroht und ihr damit gegen den Kopf geschlagen, sie 
mehrfach an den Haaren gerissen, wiederholt geschlagen und mehrfach massiv (z.T. mit dem Tod 
resp. mit Erschiessung) bedroht zu haben.

Er habe sie im Rahmen dieses handfest geführten Angriffs rücklings auf das Sofa geschubst, sich auf 
sie gesetzt, ihr das Oberteil hochgeschoben, sich selber den Gurt und Hosenknopf geöffnet und 
gesagt, jetzt könnten sie wegen dem gestohlenen Geld Sex haben. Sie habe sich dann gewehrt, 
worauf er das habe sein lassen. 

Der Privatkläger wurde gestützt auf die vorgenannten, erfundenen resp. aggravierten Vorwürfe 
der Beschuldigten am 21.10.2014 wegen Ausführungs-, Wiederholungs-sowie Kollusionsgefahr 
in Untersuchungshaft versetzt, aus welcher er mit Verfügung vom 16.1.2015 unter Anordnung 
von Ersatzmassnahmen (Entscheid ZMG vom 26.1.2015) entlassen wurde. Er befand sich für 
insgesamt 88 Tagen primär gestützt auf die falschen Belastungen der Beschuldigten in 
Untersuchungshaft. Es kann als erwiesen erachtet werden, dass der Privatkläger wegen der 
weiteren durch die Beschuldigte erhobenen resp. gegen den Privatkläger vorliegenden 
Belastungen überhaupt nicht, mind. aber auf keinen Fall für eine derart lange Dauer in 
Untersuchungshaft versetzt worden wäre. 

Die Beschuldigte gab schlussendlich zu, die vorgenannten Teile ihrer Darstellungen erfunden zu 
haben. Mit Schreiben vom 16.6.2015 resp. in der Einvernahme vom 2.9.2015 zog A.________ ihre 
diesbezüglichen Vorwürfe gegen den Privatkläger zurück und erklärte, diese Vorkommnisse hätten in 
der geschilderten Form gar nie stattgefunden. Sie erklärte, den Rückzug ihrer belastenden Aussagen 
im Wissen zu machen, sich möglicherweise selber strafbar zu machen.

Gestützt darauf und in Würdigung der diesbezüglichen Akten, welche die von der Beschuldigten 
korrigierte Version stützten und sie glaubhaft erscheinen liess, wurde der diesbezügliche Teil des 
Verfahrens gegen den Privatkläger mit Verfügung vom 26. Oktober 2017 (unterdessen rechtskräftig) 
eingestellt.

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8. Allgemeine Grundlagen zur Beweiswürdigung und Vorbemerkungen

Für die allgemeinen Grundlagen zur Beweiswürdigung kann auf die Erwägungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (S. 5 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 738 ff.). 

Insgesamt ist der vorinstanzlich als erstellt erachtete Sachverhalt (S. 31 f. der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung, pag. 764 f.) aufgrund des angefochtenen Frei-
spruchs von der Anschuldigung der Freiheitsberaubung (in mittelbarer Täterschaft), 
unter erschwerenden Umständen von der Kammer neu zu beurteilen (Ziff. I.1. der 
Anklageschrift, pag. 515 f.). Hinsichtlich des in der gleichen Anklageziffer um-
schriebenen Vorwurfs der mehrfachen falschen Anschuldigung ist die Situation in-
sofern speziell, als die Beschuldigte zwar den vorinstanzlichen Schuldspruch (der 
im Dispositiv explizit keine Mehrfachbegehung enthält; pag. 709) akzeptierte, je-
doch einzelne damit zusammenhängende Sachverhaltsfeststellungen bestreitet 
(pag. 924 ff.; siehe zum bestrittenen Sachverhalt Ziff. 9 hiernach). Dieser Aspekt 
beeinflusst das Beweisergebnis zum Vorwurf der Freiheitsberaubung mit. Vor die-
sem Hintergrund und mit Blick auf die Strafzumessung wird im Folgenden von der 
Kammer erneut – wenngleich nur in beschränktem Umfang – geprüft, was sich am 
21. Oktober 2014 zwischen den Parteien zugetragen hat und inwieweit die Be-
schuldigte gegenüber der Polizei (anlässlich der Anzeigeerstattung gegen den Pri-
vatkläger resp. in einer weiteren, späteren Einvernahme) wissentlich falsche bzw. 
bewusst deutlich aggravierende Aussagen im Sinne von Ziff. I.1 der Anklageschrift 
(pag. 515 f.) zu Protokoll gab. 

Dieses Vorgehen ist zulässig, könnten doch auch bei einer auf die Strafzumessung 
beschränkten Berufung nach Art. 399 Abs. 4 Bst. b StPO nach wie vor tatsächliche 
Umstände angefochten werden, die sich mildernd oder verschärfend auf das Ver-
schulden bzw. die Strafe auswirken (wie bspw. Menge und Reinheitsgrad von Dro-
gen im Betäubungsmittelstrafrecht, vgl. dazu SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische 
Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 19 zu Art. 399 StPO mit 
Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_85/2013 vom 4. März 2013 E. 2).

9. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt den Sachverhalt gemäss Ziff. I.1 der Anklageschrift für mehr-
heitlich erstellt. Nicht als erwiesen erachtete sie, dass die falschen Anschuldigun-
gen der Beschuldigten ursächlich für die Inhaftierung des Privatklägers gewesen 
sind. Explizit offen liess sie, ob der Privatkläger die Beschuldigte mit der Pistole 
bedroht und sie geschlagen hat (S. 31 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 764 f.).

10. Vorbringen der Parteien

10.1 Vorbringen der Verteidigung

10.1.1 Zu den Geschehnissen an der K.________ (Strasse)

Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die Verteidigung vor, die Beschuldig-
te habe keine Umstände geschildert, die auf eine Entführung an der K.________ 
(Strasse) hindeuteten. Dies habe die Staatsanwaltschaft so interpretiert. Die Schil-

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derungen der Beschuldigten seien weit weniger dramatisch gewesen. So habe sie 
beispielsweise bei der zweiten Einvernahme vom 9. Dezember 2014 ausgesagt, 
sie sei zur Vermeidung einer peinlichen Szene ins Auto des Privatklägers gestie-
gen. Spätestens in diesem Zeitpunkt hätte eine Entführung ausgeschlossen wer-
den müssen (pag. 926). 

10.1.2 Zum Verbringen in die Wohnung und zu den weiteren körperlichen Übergriffen in 
der Wohnung

Insgesamt liege eine Aggravation maximal insofern vor, als die Beschuldigte aus-
gesagt habe, an den Haaren in die Wohnung des Privatklägers gezogen worden zu 
sein (pag. 926, siehe Ziff. 11. hiernach). Es sei jedoch festzustellen, dass auch der 
Privatkläger selber zugestanden habe, sich am besagten Abend an der Beschuldig-
ten, auch an deren Haaren, vergriffen zu haben. Die Aussage vom 28. Okto-
ber 2014, wonach er sie lediglich an den Haaren gehalten habe, stelle offensicht-
lich eine Relativierung dar. Auch die Szene, bei welcher der Privatkläger seinen ei-
genen Angaben zufolge die Beschuldigte an die Wangen gedrückt haben will, um 
den Schlüssel aus ihrem Mund nehmen zu können, zeige sein stark aggressives 
Verhalten (pag. 926). 

10.1.3 Zum Pistoleneinsatz gegen die Beschuldigte

Die Aussagen der Beschuldigten zum Pistoleneinsatz seien entgegen der Vorin-
stanz nicht wirklich unterschiedlich (pag. 182 Z. 139 ff., pag. 198 Z. 229 ff.). Kein 
erheblicher Widerspruch sei, dass die Beschuldigte die Stirn bzw. rechte Schläfe im 
Zusammenhang mit dem Schlagen mit einer Pistole erwähnt habe. Der Umstand, 
dass die Pistole bei der Hausdurchsuchung unter der Matratze des Privatklägers 
vorgefunden worden sei, spreche für die Glaubwürdigkeit der Beschuldigten. Der 
Privatkläger habe angegeben, die Waffe sei am besagten Abend in der Schublade 
gewesen, sie sei dann aber von der Polizei unter der Matratze gefunden worden. 
Dies indiziere, dass der Privatkläger selber die Pistole herausgenommen und an 
einen anderen Ort verbracht habe, was wiederum für den von der Beschuldigten 
geschilderten Pistoleneinsatz spreche. Erstellt sei auch die dokumentierte Verlet-
zung auf der Stirn der Beschuldigten. Eine solche werde erfahrungsgemäss durch 
Schlagen mit einem harten Gegenstand und nicht durch einen blossen Faustschlag 
hervorgerufen. Gestützt auf die vorgenannten Indizien sowie den Grundsatz in du-
bio pro reo sei folglich davon auszugehen, dass das von der Beschuldigten ge-
schilderte Geschehen tatsächlich stattgefunden habe (pag. 926).

10.1.4 Zu den Ereignissen auf dem Sofa

Es treffe zu, dass der Privatkläger zur Beschuldigten gesagt habe, sie könnten we-
gen des Geldes Sex haben, er dann angefangen habe, seine Hose zu öffnen und 
er sie darüber hinaus geschlagen habe. Entscheidend sei aber, dass die Beschul-
digte auch ausgesagt habe, dass er es geschafft hätte, sie zu vergewaltigen, wenn 
er dies gewollt hätte. Sie habe mithin ein Verhalten geschildert, wonach der Privat-
kläger freiwillig von ihr abgelassen habe. Jedenfalls habe sie bei der Anzeigeerstat-
tung keine konkrete strafbare sexuelle Handlung geschildert (pag. 927).

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10.2 Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

10.2.1 Würdigung der Aussagen der Beschuldigten

Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Generalstaatsanwaltschaft aus, die 
Aussagen der Beschuldigten seien schlichtweg voller Widersprüche (u.a. der Ab-
lauf der Ereignisse in der Wohnung, die Flucht, der Kredit, das Tattoo, der Rückzug 
ihrer Anschuldigungen, der Rückzug vom Rückzug), variierten je nach Beziehungs-
status zu ihrem Freund L.________ und seien nicht glaubhaft. Die gegen den Pri-
vatkläger gerichteten Anschuldigungen betreffend Auto, Wohnung und Sofa seien 
nicht ansatzweise plausibel. Bewahrheitet habe sich jedoch ihre Aussage, wonach 
es sich beim Privatkläger um einen (grossen) Drogendealer handle. Durchaus er-
heblich wie auch ursächlich für die Untersuchungshaft seien ihre bewusst falschen 
Aussagen. Im Ergebnis sei der angeklagte Sachverhalt als erwiesen zu erachten. 
Dies stehe auch im Einklang mit ihrer einzig glaubhaften Rückzugserklärung vom 
16. bzw. 24. Juni 2015, wobei die Motivation dahinter unbekannt geblieben sei 
(pag. 934 ff.). 

10.2.2 Würdigung der Aussagen des Privatklägers

Der Privatkläger habe gelogen, um sich aufgrund seiner Drogen- und Waffenge-
schäfte nicht selbst zu belasten. Die Beschuldigte habe er nicht unnötig belastet. 
Eingestanden habe er von Beginn weg – wenn auch teilweise relativierend – dass 
er sie mehrmals geohrfeigt, am Hals und an den Haaren gehalten und sie ange-
spuckt habe. Auch die Beziehung zu ihr habe er offengelegt. Zudem habe er als 
Motiv für die falschen Anschuldigungen das gestohlene Geld sowie seine Drohung, 
ihrem Vater sowie ihrem Freund von der Beziehung zu ihm (Privatkläger) zu er-
zählen, nennen können (pag. 936). Seine konstanten Aussagen zum Kerngesche-
hen enthielten etliche Realkennzeichen.

10.3 Vorbringen des Privatklägers

Seinem Antrag entsprechend wurde Rechtsanwalt E.________ von der Anwesen-
heit an der oberinstanzlichen Verhandlung dispensiert (pag. 889, 894). Nebst den 
vorab schriftlich eingereichten Anträgen (siehe Ziff. 5 hiervor) verzichtete er für den 
Privatkläger auf weiterführende Ausführungen zum Verfahrensgegenstand.

11. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt sowie Beweisfragen

Wie die Vorinstanz in ihrer Urteilsbegründung zutreffend erwog (S. 9 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 742), ist unbestritten, dass es am 21. Okto-
ber 2014 zwischen dem Privatkläger und der Beschuldigten in seiner damaligen 
Wohnung an der M.________ (Adresse) in Langenthal zu einer verbalen und tätli-
chen Auseinandersetzung kam (pag. 913 Z. 1-4), bei welcher die Beschuldigte di-
verse Verletzungen davontrug (vgl. zu den Verletzungen insbesondere den Rap-
port des kriminaltechnischen Dienstes der Kantonspolizei Bern [nachfolgend: KTD] 
inklusive Bildmaterial vom 14. November 2014 [pag. 96 ff.], sowie das rechtsmedi-
zinische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern [nachfol-
gend: IRM] zur körperlichen Untersuchung vom 23. Oktober 2014 "[pag. 110 ff.]). 
Der Privatkläger gestand ein, die Beschuldigte geohrfeigt (pag. 116 Z. 87 f.), ange-
spuckt (pag. 117 Z. 90 f.), an den Haaren «gehalten» und sie am Hals gepackt 

11

(pag. 117 Z. 96 ff.) zu haben (vgl. auch pag. 912 Z. 40 f., pag. 913 Z. 1 ff.). Unbe-
stritten ist auch, dass die Beschuldigte den Vorfall am Tattag, 21. Oktober 2014, 
um 21.00 Uhr, persönlich auf der Polizeiwache Langenthal meldete. Sie stellte ge-
gen den heutigen Privatkläger Strafantrag wegen Entführung, Nötigung, Körperver-
letzung und Drohung (pag. 455). Am selben Abend wurde der Privatkläger ange-
halten. Er befand sich nachfolgend bis am 16. Januar 2015, d.h. 88 Tage, in Unter-
suchungshaft (pag. 6 ff. und pag. 46 ff.). Unbestritten ist sodann, dass die Beschul-
digte ihre am 21. Oktober 2014 erhobenen (und in der Einvernahme vom 9. De-
zember 2014 bestätigten) Anschuldigungen zuerst im Schreiben vom 16. Juni 2015 
(Eingang bei der Staatsanwaltschaft am 24. Juni 2014; pag. 449, 482) «betreffend 
Drogen, Waffen, Entführung» zurücknahm, dies in der Einvernahme vom 2. Sep-
tember 2015 bestätigte und noch in der Verhandlung die Strafanträge bezüglich der 
Antragsdelikte zurückzog (pag. 208 ff.). Weiter steht fest, dass die Beschuldigte in 
der Einvernahme vom 23. April 2018 und in der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung vom 26. Februar 2019 – d.h. mehr als 2 ½ bzw. 3 ½ Jahre später und nach-
dem das gegen den Privatkläger u.a. wegen angeblich am 21. Oktober 2014 in 
Langenthal z.N. der Beschuldigten begangener Freiheitsberaubung, evtl. Nötigung 
und Drohung (u.a. mit Waffe), mehrfacher einfacher Körperverletzung, evtl. ver-
suchter Sexualdelikte etc. geführte Verfahren am 26. Oktober 2017 rechtskräftig 
eingestellt worden war (pag. 934 ff.) – wieder darauf zurückkam. Sie erklärte «den 
Rückzug vom Rückzug» mit der Begründung, sie sei bei der Aussage vom 2. Sep-
tember 2015 unter Druck gesetzt worden (pag. 233 ff.).

Im Rahmen des oberinstanzlichen Plädoyers anerkannte die Verteidigung, die 
Aussagen der Beschuldigten seien insoweit aggraviert, als sie ausgesagt habe, sie 
sei vom Privatkläger an den Haaren in die Wohnung gerissen worden (pag. 926 f.). 
Demgegenüber bestreitet die Beschuldigte, hinsichtlich der geschilderten Ereignis-
se an der K.________ (Strasse) (Überfall auf offener Strasse, gewaltsames Ins-
Auto-Zerren gegen ihren Willen), den weiteren körperlichen Übergriffen in der 
Wohnung des Privatklägers (mehrfaches An-den-Haaren-Reissen, wiederholtes 
Schlagen), dem Pistoleneinsatz (Drohen und Schlagen mit einer Pistole) sowie den 
Ereignissen auf dem Sofa gegenüber der Polizei bewusst falsche, den Privatkläger 
belastende Aussagen gemacht zu haben (pag. 925 ff.). Die Verteidigung unter-
strich, dass sich alles effektiv so zugetragen habe oder in dubio zumindest so zu-
getragen haben könnte.

Vor diesem Hintergrund gilt es, in einem ersten Schritt den Ablauf der Ereignisse 
am 21. Oktober 2014 (was, wann, wo und soweit relevant weshalb) als auch die 
Umstände, inwieweit es zu divergierenden Aussagen der Beschuldigten kam, so-
weit relevant zu klären. 

Basierend auf dem Beweisergebnis zum Vorwurf der mehrfachen falschen An-
schuldigung (siehe Ziff. 13.6 hiernach) werden die Folgen für den Vorwurf der Frei-
heitsberaubung (in mittelbarer Täterschaft), unter erschwerenden Umständen, be-
weiswürdigend aufgezeigt (siehe Ziff.  13.7 hiernach).

12

12. Beweismittel

Für die Zusammenfassung der vorhandenen Beweismittel wird auf die Ausführun-
gen der Vorinstanz verwiesen (S. 10 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 743 f.). Hinzu kommen die Aussagen des Privatklägers und der Beschuldigten 
anlässlich der Berufungsverhandlung (pag. 912 ff., pag. 919 ff.). Der Vorinstanz ist 
beizupflichten, wenn sie die Aussagen des Privatklägers und der Beschuldigten 
vorliegend als primäre Beweismittel zur Sachverhaltsermittlung bezeichnet (S. 10 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 743). Nachfolgend werden die zen-
tralen Aussagen der Involvierten direkt im Rahmen der konkreten Beweiswürdigung 
(siehe Ziff. 13 hiernach) aufgegriffen und zitiert. Auf deren separate Zusammenfas-
sung wird verzichtet.

13. Konkrete Beweiswürdigung durch die Kammer

13.1 Vorbemerkungen

Was die Vorinstanz einleitend zu den beiden Beteiligten festhielt (pag. 743), trifft 
zu. Die Beschuldigte und der Privatkläger sind keine unbeschriebenen Blätter und 
haben Erfahrung mit der Strafjustiz (vgl. Strafregisterauszug zur Beschuldigten 
[pag. 880] und zum Privatkläger [pag. 699 ff. im Verfahren PEN 17 360 + 361, 
edierte Akten]). Vor diesem Hintergrund und angesichts ihres doppelten Aussa-
gerückzugs ist es um die allgemeine Glaubwürdigkeit der Beschuldigten nicht eben 
gut bestellt. Gleiches gilt jedoch auch für den strafrechtlich erheblich vorbelasteten 
Privatkläger. Es ist somit angezeigt, die Glaubhaftigkeit der Aussagen beider 
Hauptpersonen kritisch zu prüfen.

Angesichts der oberinstanzlich teilweise anerkannten Aggravationen (siehe Ziff. 11 
hiervor) prüft die Kammer die Vorwürfe im Zusammenhang mit der falschen An-
schuldigung nach der folgenden Systematik: 

 Phase 1: Geschehnisse an der K.________ (Strasse) (siehe Ziff. 13.2 hier-
nach);

 Phase 2: Weitere körperliche Übergriffe vor und in der Wohnung des Privat-
klägers (siehe Ziff. 13.3 hiernach); 

 Phase 3: Drohen und Schlagen mit einer Pistole (siehe Ziff. 13.4 hiernach);

 Phase 4: Ereignisse auf dem Sofa/Androhung eines sexuellen Übergriffs 
(siehe Ziff. 13.5 hiernach);

Die vorinstanzlichen Ausführungen die «Beziehung zwischen dem Privatkläger und 
der Beschuldigten» (S. 12 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 745 ff.), 
den zeitlichen Ablauf der Ereignisse und Dauer der Auseinandersetzung (S. 14 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 747 f), den «Grund für die Auseinan-
dersetzung» (S. 19 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 752 ff.), den 
«Rückzug der Anschuldigung und Rückzug vom Rückzug» (S. 25 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 758 ff.) sowie das «Motiv der Beschuldigten» 
(S. 28 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 761 f.) betreffend werden – 
soweit für die Klärung der Beweisfragen erforderlich – innerhalb der vorgenannten 
vier Phasen (Ziff. 13.2-13.5 hiernach) aufgegriffen. 

13

13.2 Phase 1: Geschehnisse an der K.________ (Strasse)

13.2.1 Ausführungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz berücksichtigte insbesondere folgende Aussagen der Beschuldigten 
(S. 14 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 747):

Die Beschuldigte hat ausgesagt, dass der Privatkläger ihr am 21.10.2014 um ca. 17:30 Uhr eine 
Nachricht geschrieben und gefragt habe, was sie mache, worauf sie ihn angerufen habe. Sie habe 
gesagt, dass sie nach Basel fahren wolle, obwohl sie eigentlich zu ihrem Freund habe gehen wollen. 
Sie habe dem Privatkläger daraufhin gesagt, dass sie in 15 Minuten vorbeikomme (p. 180 Z. 41 ff.; 
p. 187 Z. 147 ff.). Sie sei in Langenthal auf dem Weg zum Bahnhof auf Höhe der N.________ (AG) 
entführt worden (p. 180 Z. 52 ff.; p. 188 Z. 153 ff.). Der Privatkläger habe sie, als Beifahrer in einem 
Auto sitzend, unter Anwendung von körperlicher Gewalt (Dehnen des Zeigefingers) zum Einsteigen in 
ein Auto gezwungen (p. 180 Z. 54 ff.; p. 188 Z. 158 ff. und 165 f.). Sie habe vor dem Aufeinandertref-
fen mit dem Privatkläger noch auf ihr Handy geschaut, es sei 18:17 Uhr gewesen (p. 188 Z. 153 f.). 
[…] Während der Autofahrt habe er nicht telefoniert (p. 192 Z. 368 f.).

Im Ergebnis hielt sie fest, dass die von der Beschuldigten geschilderte Entführung 
aufgrund des zeitlichen Ablaufs der Ereignisse und der Dauer der Auseinanderset-
zung so nicht stattgefunden haben kann. Die Beschuldigte habe bezüglich der an-
geblichen Entführung auf offener Strasse falsche Angaben gemacht (S. 19 der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung, pag. 752):

13.2.2 Beurteilung durch die Kammer

Zugegebenermassen klingt das von der Beschuldigten geschilderte Zusammentref-
fen an der K.________ (Strasse) auf den ersten Blick abenteuerlich. Bei genauer 
Betrachtung fällt jedoch auf, dass sie keine Umstände beschrieb, welche auf einen 
Überfall, wie er in Ziff. I.1. der Anklageschrift formuliert ist («auf offener Strasse 
überfallen», «sie mit Gewalt und gegen ihren ausdrücklich geäusserten Willen so-
wie unter Überwindung ihres körperlichen Widerstandes mittels seiner überlegenen 
Körperkraft in ein Auto gezerrt», pag. 515), hindeuteten. Die Gewaltausübung sei-
tens des Privatklägers beschränkte sich ihren eigenen Angaben vom 21. Okto-
ber 2014 zufolge auf das Nach-hinten-Krümmen ihres Fingers, wobei sie relativie-
rend aussagte; «als ich wegziehen wollte, dehnte es mir den Zeigefinger nach hin-
ten» (pag. 180 Z. 58 f.). Damit belastete sie den Privatkläger nicht übermässig. 
Dass das Grundgelenk des linken Zeigefingers geschwollen war, ist durch den 
IRM-Bericht vom 23. Oktober 2014 objektiviert (pag. 112 f.). Der Bericht hält fest, 
die Schwellung am Grundgelenk des linken Zeigefingers könne Folge des be-
schriebenen «nach hinten Dehnens» sein, als der Privatkläger die Beschuldigte 
aus dem Auto heraus an der linken Hand gepackt habe (pag. 113; vgl. auch den 
Rapport des KTD vom 14. November 2014 sowie die Abbildung 7 [pag. 97, 104] 
sowie die Telefonnotiz des leitenden Staatsanwaltes W.________ zur Besprechung 
mit der Dienstärztin des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern [nachfol-
gend: IRM], Frau Dr. O.________ [pag. 105]). Vor diesem Hintergrund zweifelt die 
Kammer nicht daran, dass sich die Beschuldigte gegenüber der Polizei wahrheits-
gemäss zur Verletzung ihres linken Zeigefingers äusserte. 

Sodann will die Beschuldigte ausdrücklich ins Auto gestiegen sein, weil sie sich 
dann dachte, «dass es vielleicht besser wäre, das zu machen, was er [der Privat-

14

kläger] verlangt» (pag. 180 Z. 60 f.) bzw. «um eine peinliche Szene zu vermeiden» 
(pag. 188 Z. 165 f.), insbesondere da sie in «dieser Gegend viele Leute kenne» 
(pag. 188 Z. 163 f.). Auf Vorhalt es sei im angeblichen Zeitpunkt der Entführung mit 
Publikumsverkehr am besagten Ort zu rechnen, weshalb die Entführung jemandem 
hätte auffallen müssen, sagte die Beschuldigte: «Ich habe ja nicht rumgeschrien. 
Ansonsten hätte mich sicher jemand bemerkt» (pag. 192 Z. 359 f.). Diese Aussa-
gen zeugen davon, dass sie – wie von der Verteidigung dargelegt (siehe 
Ziff. 10.1.1 hiervor) – letztlich freiwillig ins Auto des Privatklägers stieg. 

Auch ihre detailliert geschilderten, weiterführenden Gedanken («Ich dachte, dass er 
mit mir bis zum Bahnhof fahren würde» – dem angeblichen Ziel ihres Fussmar-
sches in Langenthal [pag. 188 Z. 166 f.]; «Ich dachte, dass er [gemeint: der Privat-
kläger] mit mir sprechen wollte» [pag. 192 Z. 359-361]) sprechen für ein freiwilliges 
Einsteigen. Dies gilt umso mehr, als der Privatkläger beim Kerngeschehen konstant 
im Auto auf dem Beifahrersitz gesessen, die Beschuldigte somit lediglich via herun-
tergekurbeltem Fenster erreicht haben soll. Damit war sein Einsatz von Körperkraft 
faktisch begrenzt und die Fluchtmöglichkeiten der Beschuldigten – auch angesichts 
des am besagten Ort zu erwartenden Publikumsverkehrs (vgl. 
www.googlemaps.ch; vgl. zur Gerichtsnotorietät: Urteil des Bundesge-
richts 6B_582/2017 vom 19. Juni 2018 E. 2.1.2; vgl. hierzu auch die Beschuldigte: 
«Er war sehr laut und mir war es peinlich, da ich in dieser Gegend viele Leute ken-
ne» [pag. 188 Z. 163 f.], «um eine peinliche Szene zu vermeiden» [pag. 188 
Z. 165 f.]) – waren durchaus intakt. Angst oder Unbehagen während der Fahrt hat 
die Beschuldigte in ihren auffallend detailreichen, chronologischen Schilderungen 
gegenüber der Polizei nicht konstatiert. Sie erzählte nur, dass der Privatkläger sie 
angeschrien habe (pag. 180 Z. 62 f.). Insgesamt erachtet die Kammer als nicht er-
stellt, dass die Beschuldigte bei ihren Schilderungen der Ereignisse an der 
K.________ (Strasse) den Privatkläger bewusst falsch und deutlich aggravierend 
belastete. Jedenfalls geht aus ihren Aussagen nicht hervor, dass der Privatkläger 
sie gewaltsam, gegen ihren ausdrücklichen Willen und unter Überwindung ihres 
körperlichen Widerstandes mittels seiner überlegenen Körperkraft auf offener 
Strasse ins Auto zerrte (vgl. Ziff. I.1. der Anklageschrift, pag. 515). 

Da die Beschuldigte von Beginn weg – und damit in ihren Aussagen gegenüber der 
Polizei (vgl. pag. 515) – keine Entführungs- bzw. freiheitsberaubenden Handlungen 
an der K.________ (Strasse) schilderte, braucht ihre Glaubwürdigkeit mit Blick auf 
ihre Aussageänderung (Rückzug: vgl. pag. 206 ff. sowie der Rückzug vom Rück-
zug: pag. 230 ff.) wie auch jene des Privatklägers nicht weiter analysiert zu werden. 
Jedenfalls sind ihre Aussagen insoweit kongruent, als sie auch am 2. Septem-
ber 2015 (Rückzug Strafanträge) zu Protokoll gab, der Privatkläger habe sie nicht 
ins Auto reingezogen (pag. 212 Z. 236 f.). Insgesamt widerspiegelt ihre Aussage 
«ich habe einfach die Geschichte erzählt, wie die Polizei das dann beurteilt …? » 
(pag. 237 Z. 25 f.) die Diskrepanz zwischen ihren Aussagen und dem angeklagten 
Sachverhalt sehr gut. 

Lediglich der Vollständigkeit halber hält die Kammer fest, dass die sich aus den 
Aussagen der Beschuldigten (auf dem Weg zum Bahnhof habe sie ein letztes Mal 
um 18:17 Uhr auf die Uhr geschaut, wobei sie den Zug um 18:47 Uhr habe nehmen 

15

wollen, pag. 188 Z. 154-156) und jenen des Privatklägers (die Beschuldigte sei ab 
18:30 Uhr ca. eine Stunde bei ihm gewesen, pag. 146 Z. 220) ergebende zeitliche 
Diskrepanz vorliegend nicht von Belang ist. Zentral ist, dass es sich bei den zeitli-
chen Angaben sowohl der beiden Hauptpersonen als auch von P.________ (Ar-
beitskollege des Privatklägers, pag. 85) und von Q.________ (bester Freund der 
Beschuldigten, pag. 86 f.) nur um ungefähre Angaben handelt. Wann genau das 
Gespräch, das von Q.________ auf einen Zeitpunkt zwischen 17:25 und 18:00 Uhr 
gelegt wurde, tatsächlich begann, wie lange es dauerte und wann es beendet war, 
ist offen. Es lässt sich somit nicht sagen, der Privatkläger hätte um bzw. ab ca. 
18.15 Uhr gar nicht an der K.________ (Strasse) sein können.

Im Ergebnis erachtet die Kammer den gestützt auf die diversen Aussagen und die 
Auswertung des Mobiltelefons des Privatklägers gezogenen Schluss der Vorin-
stanz, den Vorfall an der K.________ (Strasse) als Ganzes habe es so nicht gege-
ben, für unzutreffend (S. 14 ff., 19 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 749 ff., 752). 

13.2.3 Zwischenfazit

Mit der Verteidigung (siehe Ziff. 10.1.1 hiervor) und gestützt auf den Grundsatz in 
dubio pro reo geht die Kammer davon aus, dass sich die von der Beschuldigten 
geschilderten Ereignisse an der K.________ (Strasse) und im Auto durchaus so 
zugetragen haben können. Für die Kammer ist jedenfalls nicht erwiesen, dass die 
Beschuldigte in diesem Punkt gegenüber der Polizei (anlässlich der Anzeigeerstat-
tung gegen den Privatkläger [gemeint: Einvernahme vom 21. Oktober 2014, 
pag. 179 ff.] resp. in einer weiteren, späteren Einvernahme) wissentlich falsche An-
gaben zum Kernsachverhalt (Überfall auf offener Strasse, Hineinreissen ins Auto 
unter Gewaltanwendung und gegen ihren Willen) gemacht und diesen aggraviert 
hat (Ziff. I.1. der Anklageschrift, pag. 515). 

13.3 Phase 2: Weitere körperliche Übergriffe vor und in der Wohnung des Privat-
klägers

13.3.1 Ausführungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz gelangte zu folgendem Ergebnis (S. 19 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 752):

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die von der Beschuldigten geschilderte Entführung auf-
grund des zeitlichen Ablaufs der Ereignisse und der Dauer der Auseinandersetzung so nicht stattge-
funden haben kann. Die Beschuldigte war nur während knapp einer Stunde in der Wohnung des Pri-
vatklägers, wie dieser es auch ausgesagt hat. Nach dem Verlassen der Wohnung ging die Beschul-
digte nicht sofort zur Polizei, sondern versuchte, eine ihr bekannte Person zu finden bzw. zu kontak-
tieren, was einige Zeit in Anspruch nahm. In diesem Zeitraum und vor 20:35 Uhr muss auch 
S.________ kontaktiert worden sein. Die Meldung bei der Polizei erfolgte erst um 20:59 Uhr durch die 
Beschuldigte persönlich via Publifon der Polizeiwache in Langenthal. Die Beschuldigte hat folglich be-
züglich […] des zwangsweisen Verbringens in die Wohnung durch den Privatkläger bewusst gelogen 
bzw. falsche Angaben gemacht.

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13.3.2 Beurteilung durch die Kammer

Ausser Zweifel steht, dass die Beschuldigte gegenüber der Polizei am 21. Oktober 
sowie 9. Dezember 2014 insoweit bewusst falsche, aggravierende Aussagen 
machte, als sie sagte, sie sei vom Privatkläger an den Haaren in die Wohnung ge-
zogen worden (pag. 180 Z. 69 f.; siehe Ziff. 10.1.2 und 11 hiervor). Der Privatkläger 
gestand indessen selber ein, er habe der Beschuldigten am besagten Abend in die 
Haare gegriffen («Ich habe sie nicht an den Haaren gerissen, ich habe sie ein Mal 
an den Haaren gehalten», pag. 14 Z. 94; vgl. auch pag. 128 Z. 219). Darin erblickt 
die Kammer – wie auch die Verteidigung (siehe Ziff. 10.1.2 hiervor) – eine offen-
sichtliche Relativierung. Immerhin räumte der Privatkläger von Beginn weg körper-
liche Übergriffe von nicht unbedeutender Intensität ein («dann ist mir die Hand 
ausgerutscht [pag. 13 Z. 85]; «ja, mehr als ein Mal [geohrfeigt]» [pag. 13 Z. 87 f.]; 
«Angespuckt habe ich sie auch» [pag. 14 Z. 91]; «Ich habe sie nicht an den Haaren 
gerissen, ich habe sie ein Mal an den Haaren gehalten» [pag.14 Z. 94]; «Sie wollte 
noch was ausrufen, kam auf mich zu und ich habe sie am Hals gepackt und "zrügg 
gschüpft"» [pag. 14 Z. 97 f.]). 

Strittig ist, ob der Privatkläger die Beschuldigten in der Wohnung mehrfach an den 
Haaren gerissen und sie wiederholt geschlagen hat (vgl. Ziff. I.1. der Anklage-
schrift, pag. 515). Für die Kammer steht fest, dass die Aussagen des Privatklägers 
keineswegs frei von Lügensignalen sind. Obschon er anlässlich der Hafteröffnung 
und insbesondere dann beim Zwangsmassnahmengericht (vgl. pag. 42 und 43, wo 
die Frage nach den Ereignissen am 21. Oktober 2014 sehr offen gestellt wurde) 
detaillierter zu den Vorwürfen der Beschuldigten hätte Stellung nehmen können, 
liess er es dabei bewenden, gewisse tätliche Übergriffe (mehrmals eine Ohrfeige, 
anspucken, am Hals packen und «zrügg schüpfen») zuzugeben. Die gravierenden 
Vorwürfe hingegen bestritt er jeweils (siehe Ziff. 11 hiervor). Daraus kann nur ge-
schlossen werden, dass er sehr prozesstaktisch vorging und möglichst alles ver-
schweigen wollte, was für ihn potentiell belastend sein könnte. Weiter versuchte er 
offensichtlich, die Beschuldigte in ein schlechtes Licht zu rücken und sich selbst als 
Opfer ihrer angeblichen Intrigen darzustellen («Sie will mich im Gefängnis versor-
gen. Sie ist perfid, nimmt etwas Wahrheit und erfindet den Rest [pag. 44 Z. 25 f.]; 
vgl. auch exemplarisch weitere Gegenanschuldigungen: pag. 13 Z. 76 ff., pag. 19 
Z. 280-283; pag. 913 Z. 15 ff., 25 ff., 36 ff.; pag. 915 Z. 35 ff.). Weiter bestritt der 
Privatkläger konsequent jegliche Verwicklung in den Gras-Handel und behauptete 
auch wahrheitswidrig, er habe keine Pistole zu Hause (Hafteröffnung: pag. 14 
Z. 103 ff.) bzw. er habe eine Pistole, sie aber vor ein paar Tagen nicht mehr in der 
Schublade (wovon die Beschuldigte gewusst habe), sondern unter der Matratze 
gehabt (Zwangsmassnahmengericht: pag. 44 Z. 24 ff.). Und er äusserte schon bei 
der Hafteröffnung die Vermutung, vielleicht bereue die Beschuldigte ihre Aussagen 
jetzt schon (pag. 15 Z. 140) bzw. sagte, wenn sie noch ein wenig menschlich ge-
blieben sei, werde sie ihre Aussagen zurückziehen (pag. 17 Z. 227). Er äusserte 
schliesslich, er möchte ihr schreiben, dass sie damit aufhören und ihren Weg ge-
hen solle und er ihr nicht schaden wolle – und, das lässt aufhorchen, «dass sie das 
ganze Zeug zurücknehmen soll» (pag. 18 Z. 272). Aufgrund der vielen Lügensigna-
len in den Aussagen des Privatklägers wirkt seine am 28. Oktober 2014 zum Bes-
ten gegebene Version (pag. 124 ff. Z. 53 ff.) wie auch allgemein seine Darstellung 

17

des Geschehens in der Wohnung, mithin des eigentlichen Kerngeschehens in die-
ser Phase, nicht eben glaubhaft. 

Sodann sprechen das erwiesenermassen sehr aggressive Verhalten des Privatklä-
gers gegenüber der Beschuldigten in der Wohnung und ihre Verletzungen, welche 
mit dem geltend gemachten Ereigniszeitpunkt sowie dem von ihr geschilderten 
Tathergang (vgl. pag. 110 f.) vereinbar sind (vgl. rechtsmedizinisches Gutachten 
zur körperlichen Untersuchung des IRM vom 23. Oktober 2014, pag. 110 ff.: «Die 
Hautrötungen am Hinterkopf, an der rechten Schläfe und Wange und die Schwel-
lungen an der Oberlippe können durch Schläge mit der Hand resp. Faust hervorge-
rufen worden sein. […] Auch die übrigen Hautunterblutungen am rechten Arm und 
an beiden Knien sind mit einer körperlichen Auseinandersetzung mit Schlägen, Trit-
ten und auf den Boden Schubsen vereinbar», pag. 112 f.) für die Glaubwürdigkeit 
der Beschuldigten. Immerhin schilderte sie bereits bei der ersten Befragung, dass 
der Privatkläger in der Wohnung angefangen habe, sie zu schlagen. Nachdem sie 
gestürzt sei, habe er nach ihr getreten und sie dann an den Haaren wieder auf die 
Beine gerissen (pag. 181 Z. 76 ff.). «Auf meine wiederholte Aufforderung, mich jetzt 
gehen zu lassen, meinte er, er sei nicht dumm, dann würde ich ja zur Polizei ge-
hen» (pag. 181 Z. 90 f.). Anlässlich der zweiten Einvernahme gegenüber der Poli-
zei schilderte sie zwar zusätzliche Details (vgl. die Diskussion um Frau 
X.________, pag. 188 Z. 184 ff.) und damit nicht vollends einen gleichlautenden 
Tatablauf. Dies ist jedoch bei einer wilden Auseinandersetzung in der Art der vor-
liegenden weder zu erwarten noch wäre dies als Realkennzeichen zu werten (siehe 
Ziff. 13.4.2 hiernach). Übereinstimmend zu Protokoll gab sie indessen, dass der 
Privatkläger sie in der Wohnung geschlagen habe und sie immer wieder gewollt 
habe «dass er mich rauslässt, was er aber nicht tat» (pag. 188 Z. 189-196; «ich 
konnte die Wohnung nicht verlassen, da er den Schlüssel bei sich hatte», pag. 188 
Z. 201). Abermals machte sie geltend, er habe sie in der Wohnung an den Haaren 
gezogen (pag. 188 Z. 202). Auch erwähnte sie beide Male seine angebliche Dro-
hung, «so schnell kann dein Leben vorbei sein» (pag. 182 Z. 141 f.; pag. 189 
Z. 233, siehe dazu Ziff. 13.4.2 hiernach). Damit sind die Aussagen der Beschuldig-
ten insbesondere zum angeklagten Kerngeschehen (mehrfach an den Haaren ge-
rissen und wiederholt geschlagen, vgl. pag. 515) weitgehend kongruent, was für 
deren Wahrheitsgehalt spricht. Ein weiteres Realkennzeichen ist, dass die Be-
schuldigte den Privatkläger in ihren Aussagen offensichtlich nicht übermässig be-
lastete und sich differenziert zum Geschehen äusserte (vgl. exemplarisch: «Be-
wusstlos oder sonst wie weg war ich nie», pag. 181 Z. 100). 

Jedenfalls lässt sich zum zeitlichen Ablauf der Geschehnisse in der Wohnung nicht 
sagen, die Beschuldigte müsse, weil sie zwei längere Telefonate um 19:11 Uhr und 
19:28 Uhr nicht mitbekommen habe, die Wohnung um 19:11 Uhr, spätestens aber 
um 19:27 Uhr, wieder verlassen haben. Ebenso wenig lässt sich aufgrund der Tat-
sache, dass «S.________» um 20:35 Uhr den Privatkläger anrief (pag. 352), auf 
einen genauen Zeitpunkt schliessen, in welchem die Beschuldigte die Wohnung 
des Privatklägers verliess. Diese Schlüsse der Vorinstanz sind alle höchst spekula-
tiv und mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet (S. 16 f. der vorinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 749 f.). Die Fragen, wann und wie genau die Beschuldigte in 
die Wohnung des Privatklägers gelangte und von wann bis wann sie sich dort auf-

18

hielt, lassen sich jedenfalls nicht schlüssig beantworten. Zuverlässige Rückschlüs-
se auf die Dauer des Verbleibs der Beschuldigten in der Wohnung des Privatklä-
gers ergeben sich auch aus den diversen Telefonaten im Zusammenhang mit dem 
Vorfall vor dem Spital SRO (vgl. dazu S. 17 f. der vorinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 750 f.) keine. 

Weiter trifft zu, dass die Beschuldigte die Umstände, wie sie aus der Wohnung des 
Privatklägers flüchten konnte, in den beiden Einvernahmen vom 21. Oktober und 
9. Dezember 2014 nicht in allen Punkten übereinstimmend geschildert hat (vgl. 
S. 24 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 757). In der zweiten Einver-
nahme sind Details enthalten, die in der ersten Einvernahme nicht erwähnt wurden. 
Dabei ist allerdings festzuhalten, dass die Darstellung des Ablaufs bei der ersten 
Einvernahme generell sehr knapp ausfiel und für Ergänzungen (z.B. was sie beim 
Besuch von R.________ noch mitbekam oder wie sie das Treppenhaus verliess) 
durchaus Raum blieb (pag. 182 Z. 148 ff.). Dass die Beschuldigte nicht sofort nach 
dem Verlassen der Wohnung des Privatklägers zur Polizei ging und evtl. 
S.________ kontaktierte ist ebenso wenig von Belang, wie er Umstand, dass sie 
widersprüchliche Angaben dazu machte, ob sich S.________ und T.________ 
kennen (vgl. S. 18 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 751 f.).

Insgesamt hält die Kammer für möglich, dass sich die von der Beschuldigten be-
schriebenen körperlichen Übergriffe (mehrfaches Schlagen bzw. an den Haaren 
reissen, vgl. Ziff. I.1 der Anklageschrift, pag. 515) des Privatklägers in seiner Woh-
nung am Abend vom 21. Oktober 2014, so zugetragen haben. 

13.3.3 Zwischenfazit

Soweit die Beschuldigte anerkannte, sich dadurch bewusst falsch und aggravie-
rend gegenüber der Polizei geäussert zu haben, dass sie behauptete, sie sei vom 
Privatkläger an den Haaren in die Wohnung gezogen worden, wird der Sachverhalt 
von der Kammer als erwiesen erachtet (siehe Ziff. 11 hiervor). Demgegenüber hält 
die Kammer insgesamt zumindest für möglich, dass der Privatkläger die Beschul-
digte für eine gewisse Zeit gegen ihren Willen in seiner Wohnung festhielt und sie 
währenddessen auch mehrfach an den Haaren riss und sie schlug. Diesbezüglich 
erachtet die Kammer den in Ziff. I.1 der Anklageschrift (pag. 515) umschriebenen 
Sachverhalt mit Verweis auf den Grundsatz in dubio pro reo als nicht erstellt. 

13.4 Phase 3: Drohen und Schlagen mit einer Pistole

13.4.1 Ausführungen der Vorinstanz

Zur Phase 3 gelangte die Vorinstanz zu folgendem Schluss (S. 24 der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung, pag. 757):

Damit lässt sich festhalten, dass es in diesem Punkt so oder anders gewesen sein kann. Letztendlich 
kann nach Ansicht des Gerichts aber offenbleiben, ob der Privatkläger der Beschuldigten mit der Pis-
tole gedroht und sie damit geschlagen hat. Fakt ist, dass die Beschuldigte vom Privatkläger nicht ent-
führt und in die Wohnung verschleppt wurde und der Privatkläger ihr auch keinen sexuellen Übergriff 
androhte. Neben diesen unglaubhaften Anschuldigungen ist schliesslich aber auch Fakt, dass der Pri-
vatkläger die Beschuldigte mehrmals gepackt, geschlagen und gewürgt hat, wobei sie sich die auf 

19

den Fotos des KTD vom 22.10.2014 (p. 96 ff.) und im Gutachten des IRM vom 23.10.2014 (p. 106 ff.) 
festgehaltenen Verletzungen zuzog.

13.4.2 Beurteilung durch die Kammer

Auch hier trifft es zu, dass die Aussagen der Beschuldigten in Bezug auf den Ein-
satz der Pistole in der zweiten Einvernahme Details enthalten, die in der ersten 
Einvernahme nicht erwähnt wurden (vgl. S. 22 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 755 ff.). Das ist aber, wenn bei der Erstbefragung nicht vertieft 
nachgefragt werden kann, weil es schon weit über Mitternacht ist und die einver-
nommene Person über Kopfschmerzen klagt und bittet, man möge die Befragung 
abbrechen (sic!; pag. 183 Z. 182), nicht ungewöhnlich. Es bedeutet entgegen der 
Auffassung der Vorinstanz jedenfalls nicht, dass die Aussagen der Beschuldigten 
deshalb unglaubhaft wären. Bei einem solch vielschichtigen und «wilden» Gesche-
hen wäre es im Gegenteil eher verdächtig, wenn die Beschuldigte beide Male alles 
haargenau gleich geschildert hätte (vgl. auch die differenzierte Äusserung der Be-
schuldigten: «Ich kann die Schläge nicht mehr detailliert erzählen. […] Ich habe 
grosse Mühe, die Sache im Zusammenhang zu erzählen», pag. 188 Z. 189-193.). 
Wenn sie z.B. sagte, sie habe sicher Sachen vergessen (pag. 190 Z. 298), so kann 
ihr das jedenfalls nicht so ausgelegt werden, dies stehe im Widerspruch dazu, dass 
sie gleichzeitig neue Details erwähnt habe. Auch die Geschichte mit dem Natel, 
das sie zu Boden geworfen habe und das dann in der Wohnung zurückgeblieben 
sei, erzählte sie erst später (pag. 189 Z. 217 ff.). Das beschädigte Natel wurde bei 
der Hausdurchsuchung gefunden, konnte aber nicht mehr ausgewertet werden 
(pag. 79 und 81). Dies spricht für ihre Glaubwürdigkeit.

Das Gleiche gilt weitgehend auch in Bezug auf die konkrete Schilderung des Pisto-
leneinsatzes. In der zweiten Einvernahme aggravierte die Beschuldigte möglicher-
weise dort, wo sie zusätzliche Erklärungen abgab: Die Waffe sei geladen gewesen, 
sie habe 3 Kugeln in der Schublade gesehen; er habe ihr gesagt, er habe Schüsse 
in der Pistole und es habe noch drei Kugeln in der Schublade; sie habe erwidert, 
dass eine Kugel reichen sollte, wenn er treffe (pag. 189 Z. 231-238). Andererseits 
verortete sie in diesem Zusammenhang wiederum die Kochinsel und Küchen-
schublade (pag. 182 Z. 140, pag. 189 Z. 231 f.) als den doch sehr originellen Ort 
des Geschehens. Weiter erwähnte sie beide Male den authentisch wirkenden Aus-
spruch des Privatklägers, «so schnell kann dein Leben vorbei sein» (pag. 182 
Z. 141 f., pag. 189 Z. 233). Beides sind klare Realkennzeichen. Wesentlich ist aber 
vor allem auch, dass sie beide Male einen Einsatz der Pistole gegen die rechte 
Kopfseite (Pistole an rechte Schläfe halten: seitlich rechts [pag. 182 Z. 141, 
pag. 189 Z. 233], dann den Schlag mit Pistolengriff gegen die rechte Schläfe 
[pag. 182 Z. 143] bzw. auf die Stirn [pag. 189 Z. 238]) beschrieb, was durchaus mit 
den Schlüssen des IRM-Gutachtens übereinstimmt, wonach die Entstehung der 
Schwellung und die Hautrötungen an der rechten Stirnseite durch einen Schlag mit 
einem Pistolengriff denkbar seien (pag. 112 f.; vgl. auch die Fotografie der Stirn 
und die festgestellte Hautrötung, erstellt vom KTD, pag. 99). Dass keine geformten 
Verletzungsanteile gefunden wurden, die eine morphometrische Zuordnung zu ei-
nem Tatwerkzeug erlaubt hätten, ändert nichts daran. Entgegen der Vorinstanz 
wertet die Kammer die Aussagen der Beschuldigten zum Pistoleneinsatz und den 

20

Drohgebärden als stringent. Ihre Aussagen divergieren maximal hinsichtlich des 
Schlagens an die rechte Schläfe bzw. auf die Stirn. Da die Beschuldigte medizini-
scher Laie ist, durfte sie die Schläfe auch als Teil der Stirn erachten, womit ihre 
diesbezüglichen Aussagen entgegen der Vorinstanz (S. 23 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 756) nicht widersprüchlich sind. Alles andere wäre über-
spitzt formalistisch. Schliesslich spricht auch die Tatsache, dass die Pistole bei der 
Hausdurchsuchung am 22. Oktober 2014 unter der Matratze und nicht in der 
Küchenschublade gefunden wurde (pag. 314), offensichtlich nicht dagegen, dass 
sie vom Privatkläger gegen die Beschuldigte eingesetzt wurde. Im Gegenteil, der 
Privatkläger gab – nachdem er anfänglich einen Waffenbesitz bestritten hatte 
(pag. 14 Z. 100-107) – schliesslich selber an, dass sich die Pistole am Abend vom 
21. Oktober 2014 in der Küchenschublade befunden habe (pag. 171 Z. 210-214). 
Dass die Pistole dann am Tag darauf anlässlich der Hausdurchsuchung unter der 
Matratze vorgefunden wurde, spricht schwer dafür, dass der Privatkläger sie am 
Vorabend gegen die Beschuldigte eingesetzt und dann in ein neues Versteck ver-
bracht hat. 

Insgesamt überzeugen die pauschalen Bestreitungen des Privatklägers nicht (vgl. 
exemplarisch: auf Vorhalt des Verletzungsbildes der Beschuldigten [pag. 112] gab 
der Privatkläger an der Berufungsverhandlung zu Protokoll: «Das ist nicht möglich. 
Sie wusste nur, dass ich eine solche Pistole hatte. Sie stellte mich als grossen 
Psychopathen dar» [pag. 913 Z. 33-42]; siehe auch Ziff. 13.3.2 hiervor). Die Kam-
mer wertet diese Aussage als reine Schutzbehauptung. 

13.4.3 Zwischenfazit

Die Aussagen der Beschuldigten zum Pistoleneinsatz (bedrohen und schlagen da-
mit, pag. 515) enthalten nicht von der Hand zu weisende Realkennzeichen. Für die 
Kammer ist jedenfalls gestützt auf den Grundsatz in dubio pro reo nicht erstellt, 
dass die Beschuldigte wissentlich falsche bzw. bewusst deutlich aggravierte Aus-
sagen gegenüber der Polizei machte, wenn sie schilderte, sie sei vom Privatkläger 
mit einer Pistole bedroht und damit gegen den Kopf geschlagen worden (vgl. 
Ziff. I.1 der Anklageschrift, pag. 515).

13.5 Phase 4: Androhen eines sexuellen Übergriffs

13.5.1 Ausführungen der Vorinstanz

In diesem Punkt gelangte die Vorinstanz zu folgendem Schluss (S. 22 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 755):

Zusammenfassend ist für das Gericht folglich erstellt, dass der Privatkläger der Beschuldigten nie 
(konkludent oder explizit) angedroht hat, gegen ihren Willen sexuelle Handlungen an ihr vorzuneh-
men.

13.5.2 Beurteilung durch die Kammer

Gemäss der Beschuldigten soll ihr der Privatkläger (nachdem er sie an den Haaren 
zum Sofa gerissen, aufs Sofa geschubst, auf sie gesessen und sie angespuckt hat-
te etc.; pag. 181 Z. 108 ff.) das Oberteil nach oben geschoben und ihr (nachdem er 
ihr zuerst Vorhalte wegen des angeblich gestohlenen Geldes gemacht habe) ge-
sagt haben, sie könnten nun wegen des Geldes zusammen Sex haben. Dabei ha-

21

be er angefangen seine Hosen zu öffnen. Sie habe sich dann gewehrt, woraufhin 
er sie wieder geschlagen habe. Wie ernst er das Ganze gemeint habe, könne sie 
nicht sagen (pag. 182 Z. 122-126.). Er habe «nur» ihr Oberteil nach oben gescho-
ben, Hosen und BH habe sie noch normal angezogen gehabt (pag. 182 
Z. 130-132). Hätte er sie wirklich hätte vergewaltigen wollen, dann hätte er das si-
cher geschafft. Er sei sehr kräftig (pag. 182 Z. 124 ff.). Diese differenzierten Aus-
sagen zeigen klar, dass die Beschuldigte schilderte von Anfang an ein freiwilliges 
Ablassen seitens des Privatklägers schilderte. 

Auch nachdem sie bei der zweiten Einvernahme vom polizeilichen Befrager zuerst 
mittels Stichwort «T-Shirt hochziehen» an die Erstaussage hatte erinnert werden 
müssen (pag. 190 Z. 296 ff.), unterstellte sie dem Privatkläger nicht eindeutig (ge-
waltsame) sexuelle Motive («Ja, er hat mir das T-Shirt hochgezogen. Doch er hat 
mich vermutlich nicht bewusst auf das Sofa gestossen, um mir das T-Shirt hochzu-
ziehen. […] Aber dass er mir das T-Shirt hochziehen wollte, stimmt» [pag. 190 
Z. 298-301]; Er habe mit einer Hand ihre Hände fixiert und mit der anderen ihr T-
Shirt hochziehen können [pag. 191 Z. 302 f.]). «Er hat nichts davon gesagt, dass 
wir jetzt Sex miteinander hätten und so» [pag. 191 Z. 310]). Danach gefragt, ob sie 
damit gerechnet habe, dass sexuell etwas passieren werde, nachdem er das T-
Shirt hochgezogen gehabt habe, meinte sie, «Ja, das dachte ich. Ich habe mich ja 
auch gewehrt und dann hat er aufgehört» (pag. 191 Z. 313 ff.). Zur Schilderung 
dieses, aus der Optik der Beschuldigten selber nicht wirklich bedrohlich erschei-
nenden und auf Seiten des Privatklägers ebenfalls nicht eindeutig sexuell motivier-
ten Handlungsablaufs passt, dass sie am 2. September 2015 angab, sie habe die-
se Passage im Einvernahmeprotokoll vom 21. Oktober 2014 (pag. 182 Z. 122 ff.) 
aus dem Protokoll löschen lassen wollen. Sie habe das Protokoll damals nicht 
durchgelesen und ihre damalige Anwältin gebeten, diesen Teil aus dem Protokoll 
nehmen zu lassen, das sei aber nicht gemacht worden (pag. 216 Z. 380 ff.). Sie 
habe «dieses Wort» [gemeint wohl: «Sex»] nicht erwähnt, habe Schmerzen gehabt 
und einfach nur gehen wollen (pag. 217 Z. 395 ff.). Nichts zu Ungunsten der Be-
schuldigten ableiten lässt sich aus dem von der Vorinstanz ins Feld geführten Um-
stand, dass die Berichte von Dr. phil. U.________ (sie habe durch die Polizei aus 
der Wohnung des Privatklägers befreit werden müssen; pag. 607, 609 und 
pag. 306) und Prof. Dr. med. V.________ (der Privatkläger habe sie unter Andro-
hung von Waffengewalt zum Beischlaf gezwungen; pag. 615 f.) deutliche Aggrava-
tionen aufweisen. Ob dies die Beschuldigte 1:1 so gesagt hat, ist nicht erstellt. Die 
lediglich anamnestisch abgestützten Arzt- bzw. Therapieberichte, die überdies nicht 
im Strafverfahren, sondern im Zusammenhang mit der IV-Abklärung erstattet wur-
den, sind mit Vorsicht zu geniessen. Das gilt in besonderem Masse für den Bericht 
V.________, der von unprofessionellen Anwürfen an andere Gutachter, Ärzte, der 
IV-Stelle und Strafverfolgungsbehörden nur so strotzt (mangelnde Sorgfalt, unhalt-
bare Unterlassungen, rechtswidrig ignoriert etc.; pag. 620 ff.). Offensichtlich ist es 
primär Prof. Dr. V.________, der zu Aggravationen neigt. Selbst wenn auch die 
Beschuldigte aggraviert haben sollte, darf ihr das unter diesen Umständen und 
entgegen der Vorinstanz (S. 22 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 755) 
nicht zum Nachteil gereichen. 

22

13.5.3 Zwischenfazit

Im Rahmen der ganzen Auseinandersetzung kam es unbestrittenermassen zu kör-
perlicher Gewalt seitens des Privatklägers (schlagen, reissen, festhalten, spucken, 
würgen) und zu Abwehrhandlungen seitens der Beschuldigten. Dass die von der 
Beschuldigten geschilderte Sequenz mit dem Hochschieben des T-Shirts eine kon-
kludente oder gar explizite Androhung dargestellt hätte, gegen ihren Willen sexuel-
le Handlungen an ihr vorzunehmen, lässt sich aber nicht sagen (siehe überein-
stimmend die Verteidigung, Ziff. 10.1.4). Davon ging auch die Beschuldigte selber 
nicht aus. Und wenn sie den Vorfall gegenüber der Polizei erwähnte, so schilderte 
sie entgegen der Anklageschrift (Ziff. I.1, pag. 515 f.) nicht bewusst etwas, das 
zwingend eine strafbare Handlung gegen die sexuelle Integrität darstellen würde.

13.6 Beweisergebnis zum Vorwurf der (mehrfach begangenen) falschen Anschul-
digung

Der Vorwurf gemäss Anklageschrift, wonach die Beschuldigte am 21. Oktober und 
am 9. Dezember 2014 gegenüber der Polizei wider besseres Wissen und in der 
Absicht resp. unter Inkaufnahme, dass gegen den heutigen Privatkläger eine Straf-
verfolgung wegen Delikten, die sich so am 21. Oktober 2014 nicht ereignet haben, 
herbeigeführt wird, lässt sich derart pauschal und umfassend im Sinne einer Mehr-
fachbegehung nicht halten. Wesentliche Phasen des Vorfalls vom 21. Okto-
ber 2014 können sich durchaus so, wie von der Beschuldigten dargestellt, abge-
spielt haben. Das betrifft insbesondere die Ereignisse an der K.________ (Stras-
se), die Fahrt von der K.________ (Strasse) (via Bahnhof Langenthal?) zur Woh-
nung des Privatklägers an der M.________ (Adresse), die Drohungen mit der Waf-
fe und das Schlagen mit derselben an den Kopf sowie die von ihr nicht ernstge-
nommene Drohung mit «Kompensationssex» bzw. das Ablassen von der Beschul-
digten aufgrund deren Abwehr nach blossem Hochziehen ihres Oberteils und öff-
nen seiner Hose durch den Privatkläger. Gegenteiliges lässt sich zumindest in du-
bio nicht nachweisen. Hinzu kommt, dass auch das Aussageverhalten der Be-
schuldigten mit zwischenzeitlichem Rückzug der Anschuldigungen und späterem 
Rückzug des Rückzuges Zweifel an der Freiwilligkeit ihres Zurückbuchstabierens 
aufkommen lässt. 

Für die Kammer ist demgegenüber erstellt, dass sich die Beschuldigte im Zusam-
menhang mit dem Verbringen in die Wohnung des Privatklägers gegenüber der Po-
lizei eine wissentlich falsche bzw. stark aggravierende Schilderung zu Protokoll 
gab. Dies betrifft ihre Äusserungen, wonach der Privatkläger sie an den Haaren 
haltend bzw. reissend und gegen ihren Willen in seine Wohnung gezerrt habe. Auf-
grund ihrer aggravierten, nicht den Tatsachen entsprechenden Sachverhaltsdar-
stellung musste die Beschuldigte mit der Aufnahme strafrechtlicher Ermittlungen 
gegen den Privatkläger rechnen. Sie nahm es hin, dass unter anderem deshalb ein 
Strafverfahren gegen ihn eröffnet wurde. 

23

13.7 Würdigung und Beweisergebnis zum Vorwurf der Freiheitsberaubung (in mit-
telbarer Täterschaft; unter erschwerenden Umständen)

13.7.1 Ausführungen der Vorinstanz
Die Vorinstanz kam zu folgendem Schluss (S. 31 f. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 764 f.):

Zusammengefasst befand sich der Privatkläger nach Ansicht des Gerichts vor allem wegen dem Vor-
wurf der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und seines Verhaltens anlässlich der 
Hafteröffnung in Untersuchungshaft. Auch die eher lange Haftdauer ist namentlich auf den Vorwurf 
der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zurückzuführen.

Sie verneinte die Ursächlichkeit der als erwiesen erachteten falschen Anschuldi-
gungen der Beschuldigten für die Inhaftierung des Privatklägers.

13.7.2 Würdigung durch die Kammer

Ausgehend vom Beweisergebnis zur falschen Anschuldigung reduzieren sich die 
wissentlich falschen resp. bewusst aggravierten Aussagen der Beschuldigten ge-
genüber der Polizei auf einen kleinen Tatkomplex (der Privatkläger habe die Be-
schuldigte unter Anwendung körperlicher Gewalt [an den Haaren reissen] in seine 
Wohnung gezwungen, siehe Ziff. 13.6 hiervor). Es stellt sich somit die Frage, in-
wieweit diese Falschbelastung Grund für die angeordnete Untersuchungshaft von 
88 Tagen (ab dem 21. Oktober 2014) des Privatklägers hat sein können. 

Wie die rechtlichen Ausführungen zur falschen Anschuldigung zeigen werden, be-
zichtigte die Beschuldigte den Privatkläger wissentlich wahrheitswidrig eines Ver-
haltens, welches strafrechtlich als Nötigung (Art. 181 aStGB, die Tätlichkeit des An-
den-Haaren-reissens konsumierend) zu qualifizieren wäre (siehe Ziff. 15.4 hier-
nach). Aus den gesamten Unterlagen zur Untersuchungshaft ist ersichtlich, dass 
der angeblichen Nötigung bei der Anordnung bzw. Begründung der Untersu-
chungshaft keine vorrangige bzw. höchstens eine marginale Bedeutung zukam. 
Erwähnt ist die Nötigungshandlung lediglich auf knapp zwei Zeilen von insgesamt 
1.5 Seiten Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft («Dort [beim Domizil des 
Privatklägers] habe er sie [die Beschuldigte] an den Haaren gepackt und sie in den 
Lift gerissen, sie dann wieder an den Haaren aus dem Lift und zu seiner Woh-
nungstüre gerissen», pag. 26). Hingegen wurde diese angebliche Nötigungshand-
lung weder im Rapport vorläufige Festnahme (pag. 8) noch einleitend im Protokoll 
Hafteröffnung (pag. 11 Z. 7-13), im Festnahmebefehl (pag. 20) oder in der Begrün-
dung der Anordnung der Untersuchungshaft (pag. 46 f.; abgesehen vom generellen 
Verweise auf den Antrag) gesondert bzw. explizit erwähnt. Dies indiziert, dass den 
eine Nötigung suggerierenden Aussagen – insbesondere angesichts der weit 
schwerer wiegenden im Raum gestandenen Gewalt- und Betäubungsmitteldelikte 
(vgl. pag. 46 f.) – nebensächliche Bedeutung zukam. Sodann ist die «Nötigung» in 
keinem dieser Dokumente als ein dem Privatkläger vorgeworfener Straftatbestand 
aufgeführt. Explizit im Zentrum standen hingegen «Freiheitsberaubung, Tätlichkei-
ten, evtl. einfache Körperverletzung sowie Drohung z.N. der Beschuldigten sowie 
Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Bundesgesetz über die 
Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe, Betäubungsmittelgesetz, BetmG; 
SR 812.121). Angeordnet wurde die dreimonatige Untersuchungshaft (bis zum 

24

20. Januar 2015) schlussendlich primär aufgrund des dringenden Tatverdachts be-
züglich der Gewalt- und der Betäubungsmitteldelikte. Da der Privatkläger die meis-
ten Tatvorwürfe bestritt und sowohl hinsichtlich der Gewalt- wie auch der Betäu-
bungsmitteldelikte ein Einwirken auf andere Personen und Beweismittel befürchtet 
wurde, wurde Kollusionsgefahr bejaht. Die ebenfalls als gegeben erachtete Aus-
führungs- und Wiederholungsgefahr wurde mit dem wahrheitswidrigen Verschwei-
gen der Waffe und dem Drohen bzw. Schlagen damit gegen die Beschuldigte be-
gründet (pag. 46 f.).

Zu den allgemein erwähnten Tätlichkeiten ist Folgendes zu sagen: Die bewusst 
aggravierte Schilderung des An-den-Haaren-Reissens, würde – isoliert betrachtet – 
eine Tätlichkeit nach Art. 126 Abs. 1 aStGB darstellen (vgl. Urteil des Obergerichts 
des Kantons Zürich SB190028-O/U/cwo vom 19. August 2019 E. 2.4 und E. 2.5.1 
mit Verweis auf das Bundesgerichtsurteil 6B_675/2018 vom 26. Oktober 2018 
E. 4.1 f., vgl. auch Urteil des Bundesgericht 6B_265/2017 vom 9. Februar 2018). 
Der Tatbestand ist als Übertretung ausgestaltet (Art. 126 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 103 ff. aStGB) und wird folglich lediglich mit Busse geahndet. Damit kann diese 
angebliche Tätlichkeit an sich nicht ursächlich für die Anordnung der Untersu-
chungshaft gewesen sein. Wie die Verteidigung zu Recht ins Feld führte, hätten – 
wenn überhaupt – mindestens die objektivierten Gewalthandlungen des Privatklä-
gers (siehe Ziff. 11 hiervor), welche er bereits anlässlich der Hafteröffnung am 
22. Oktober 2014 eingestanden hatte (pag. 13 f.), sowie die weiteren Gewalthand-
lungen, bei welchen der Beschuldigten keine bewusst falschen Belastungen nach-
gewiesen werden konnten (siehe Ziff. 13.6 hiervor) zusammen mit den mutmassli-
chen Betäubungsmitteldelikten die Anordnung der Untersuchungshaft begründet. 
Dass die erwiesene Falschbelastung hinsichtlich des «An-den-Haaren-in-die-
Wohnung-Zerrens» auf Anordnung und Dauer der Untersuchungshaft Einfluss ge-
habt haben könnte, ist reine Spekulation. Aus Sicht der Kammer kam der erwiese-
nen Falschbezichtigung in Bezug auf die Anordnung von 88 Tagen Untersu-
chungshaft jedenfalls keine ausschlaggebende Bedeutung zu, wie dies der Ankla-
gesachverhalt (Ziff. I.1, pag. 516) umschreibt.

Schliesslich ist zu erwähnen, dass der Privatkläger mit Entscheid des Regionalen 
Zwangsmassnahmengerichts Emmental-Oberaargau vom 26. Januar 2015 
(pag. 63 ff.) rückwirkend per 16. Januar 2015 aus der Untersuchungshaft entlassen 
wurde. Dies, nachdem er mittlerweile den Handel mit Cannabis im Umfang von 
rund 2 kg sowie weitere Widerhandlungen gegen das BetmG und – wie von Beginn 
weg – teilweise körperliche Gewalt z.N. der Beschuldigten (Tätlichkeiten, einfache 
Körperverletzung[en]) zugegeben hatte (pag. 64). Obschon in Bezug auf die an-
geblich weiterreichenden, vom Privatkläger weiterhin bestrittenen Tatvorwürfe 
(Aufsetzen einer Pistole an den Kopf der Beschuldigten, Todesdrohung und sexuel-
le Gewalt) sowohl der dringende Tatverdacht als auch Ausführungs- und Wiederho-
lungsgefahr bejaht wurden, erachtete das Gericht - nicht zuletzt wegen der nicht 
mehr gegebenen Kollusionsgefahr - zur Zielerreichung mildere Massnahmen (Kon-
taktsperre) als ausreichend (pag. 65 f.). Dies indiziert, dass auch die nicht erwiese-
nen, angeblich falschen Belastungen der Beschuldigten nicht per se (zumindest 
nicht überwiegend) zur Anordnung der Untersuchungshaft geführt haben.

25

13.7.3 Beweisergebnis 

Vor diesem Hintergrund kann die ausgestandene Untersuchungshaft wie auch ihre 
Dauer von 88 Tagen (ab dem 21. Oktober 2014) offensichtlich nicht wie in 
Ziff. I.1. der Anklageschrift dargestellt «primär» bzw. massgeblich auf die erwiese-
ne wissentliche Falschbelastung der Beschuldigten («unter Anwendung körperli-
cher Gewalt in seine Wohnung gezwungen», Ziff. I.1. der Anklageschrift, pag. 516) 
zurückgeführt werden. 

III. Rechtliche Würdigung

14. Vorwurf der (mehrfachen) falschen Anschuldigung

Der erstinstanzliche Schuldspruch wegen falscher Anschuldigung (gemäss Disposi-
tiv explizit keine Mehrfachbegehung; pag. 709) wurde von der Beschuldigten obe-
rinstanzlich akzeptiert und ist in Rechtskraft erwachsen. Wie von der Kammer bei 
der nur in beschränktem Umfang vorgenommenen Aufarbeitung des Sachverhalts 
festgestellt (Ziff. 13. hiervor), lässt sich der Schuldspruch entgegen den Ausführun-
gen der Vorinstanz aber nur darauf stützen, dass die Beschuldigte am 21. Oktober 
2014 bei der Polizei fälschlicherweise und wider besseres Wissen behauptete, sie 
sei vom Privatkläger an den Haaren in dessen Wohnung gezogen worden («unter 
Anwendung körperlicher Gewalt in seine Wohnung gezwungen»; Ziff. 13.3.3). 

Ein Rückkommen auf die zutreffende rechtliche Würdigung des auch oberinstanz-
lich als erwiesen erachteten Sachverhaltes ist unter diesen Umständen nicht mehr 
nötig. Die Beschuldigte hat einen Nichtschuldigen wider besseres Wissen bei der 
Behörde eines Vergehens [Art. 10 Abs. 2 aStGB] beschuldigt, in der Absicht, eine 
Strafverfolgung gegen ihn herbeizuführen. Damit hat sie den Tatbestand der fal-
schen Anschuldigung nach Art. 303 Ziff. 1 aStGB erfüllt. Der entsprechende 
Schuldspruch ist rechtskräftig. 

Mit Blick auf den noch zu prüfenden Tatbestand der mittelbaren Freiheitsberau-
bung unter erschwerenden Umständen (s. Ziff. 15 sogleich) und die Strafzumes-
sung ist wesentlich, dass - wie bereits mehrfach erwähnt - keine mehrfache Tatbe-
gehung mehr zur Diskussion steht. 

15. Vorwurf der mittelbaren Freiheitsberaubung unter erschwerenden Umstän-
den

15.1 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz gelangte zu folgendem Ergebnis (S. 32 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 765):

Gemäss Beweisergebnis wurde der Privatkläger primär wegen des Vorwurfs der Widerhandlungen 
gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie wegen seines Verhaltens anlässlich der Hafteröffnung in 
Untersuchungshaft versetzt. Folglich fehlt es bereits an einem Kausalzusammenhang zwischen der 
Falschaussage der Beschuldigten und der Inhaftierung des Privatklägers, womit der objektive Tatbe-

26

stand von Art. 183 Ziff. 1 StGB nicht erfüllt ist. Die Beschuldigte ist somit vom Vorwurf der Freiheitsbe-
raubung freizusprechen.

15.2 Argumente der Verteidigung

Zusammengefasst hielt die Verteidigung zum Vorwurf der Freiheitsberaubung in 
mittelbarer Täterschaft fest, es sei nicht nachweisbar, dass die Aggravationen der 
Beschuldigten entscheidend bzw. ursächlich für die Anordnung der Untersu-
chungshaft gewesen seien. Darüber hinaus hätten auch die weitgehend objektivier-
ten Gewalthandlungen des Privatklägers gegenüber der Beschuldigten – welche 
dieser teilweise, mindestens relativierend, selber zugegeben habe – zu einer Un-
tersuchungshaft geführt. Es sei somit reine Spekulation, ob die Untersuchungshaft 
angeordnet worden wäre, und falls ja, für welche Dauer, hätte die Beschuldigte die 
erwiesene Übertreibung (siehe Ziff. 13.6 hiervor) nicht geäussert. Insgesamt sei ihr 
Verhalten nicht kausal für die Anordnung der Untersuchungshaft und damit der ob-
jektive Tatbestand nicht erfüllt, was zu einem Freispruch führe (pag. 929). 

Darüber hinaus sei die Untersuchungshaft dem Privatkläger vollumfänglich auf sei-
ne Strafe (Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 12. Dezem-
ber 2018) angerechnet worden (Art. 51 aStGB), womit in dieser Konstellation eine 
rechtswidrige Freiheitsberaubung nicht denkbar sei.

15.3 Argumente der Generalstaatsanwaltschaft

Die beigezogenen Akten würden klar dafürsprechen, dass die falschen Anschuldi-
gungen der Beschuldigten ursächlich für die Anordnung der 88 Tage Untersu-
chungshaft bzw. mindestens für die Dauer von drei Monaten gewesen seien. Je-
denfalls wäre für einfache Widerhandlungen gegen das BetmG bei einem Verkauf 
von 2-3 kg Marihuana eine Strafe im unteren Bereich, d.h. 30-45 Strafeinheiten, 
gemäss VBRS-Richtlinien üblich gewesen. Die dreimonatige Untersuchungshaft 
wäre somit für die Widerhandlungen gegen das BetmG, gegen das WaffG sowie 
die objektivierten Tätlichkeiten unangemessen gewesen. Ein Verdacht auf qualifi-
zierte Widerhandlungen habe im Zeitpunkt der Anordnung nicht bestanden. Hier 
habe sich die Vorinstanz fehlleiten lassen. Damit seien die anderen durch die Be-
schuldigte zur Anzeige gebrachten strafbaren Handlungen (Drohung, Sexual-, Kör-
perverletzungs- sowie Delikte gegen die körperliche Fortbewegungsfreiheit) ur-
sächlich für den Freiheitsentzug in mittelbarer Täterschaft gewesen (pag. 937). Die 
Beschuldigte habe damit rechnen müssen, dass ihre falschen Anschuldigungen 
letztlich eine Haftstrafe für den Privatkläger bedeuten könnten, womit sie schuldig 
zu erklären sei. 

15.4 Beurteilung durch die Kammer

15.4.1 Tatbestand

Eine Freiheitsberaubung nach Art. 183 Ziff. 1 aStGB begeht, wer jemanden un-
rechtmässig festnimmt oder gefangen hält oder jemandem in anderer Weise un-
rechtmässig die Freiheit entzieht. 

Der Tatbestand kann auch in mittelbarer Täterschaft erfüllt werden, etwa dadurch, 
dass jemand wissentlich eine falsche Anzeige erstattet im Bewusstsein respektive 
unter Inkaufnahme, dass der falsch Angeschuldigte in der Folge in Untersuchungs-

27

haft versetzt wird oder diese Möglichkeit besteht (Urteil des Bundesgerichts 
6B_785/2009 vom 23. Februar 2010 E. 3.3 und 6B_165/2011 vom 19. Juli 2011 
E. 1.2). Erschwerende Umstände bestehen, wenn der Entzug der Freiheit mehr als 
zehn Tage dauert (Art. 184 al. 3 aStGB). 

Gemäss Art. 12 Abs. 2 aStGB verübt ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, 
wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die 
Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt.

15.4.2 Subsumtion 

Dem Beweisergebnis zufolge (siehe Ziff. 13.7.3 hiervor) kann die ausgestandene 
Untersuchungshaft von 88 Tagen nicht wie in Ziff. I.1. der Anklageschrift darge-
stellt, «primär gestützt» auf angeblich erfundene resp. aggravierte Vorwürfe der 
Beschuldigten vom 21. Oktober 2014 erfolgt sein. Die einzige erwiesene Falschbe-
lastung der Beschuldigten («unter Anwendung körperlicher Gewalt in seine Woh-
nung gezwungen», Ziff. I.1. der Anklageschrift, pag. 516), betrifft nur einen kleinen 
Teil des angeklagten Sachverhalts. Für die Annahme von Ausführungs-, Wiederho-
lungs- sowie Kollusionsgefahr und damit für die Anordnung der 88 Tage Untersu-
chungshaft kann sie auch deshalb nicht ursächlich gewesen sein, weil das dem 
Beschuldigten zu Unrecht vorgeworfene Verhalten (es erfüllt wie erwähnt mutmass-
lich den Tatbestand der Nötigung), wäre es als erwiesen erachtet worden, keine 
Strafe nach sich gezogen hätte, bei welcher eine fast 3-monatige Untersuchungs-
haft noch verhältnismässig gewesen wäre. 

Es kann im Übrigen auf S. 49 der Richtlinien für die Strafzumessung des Verbands 
Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (nach-
folgend: VBRS-Richtlinien; Stand 1. Juli 2015) verwiesen werden. Für den dort um-
schriebenen Referenzfall (Stalking), der ein vergleichsweise deutlich intensiveres 
Einwirken in zeitlicher, sachlicher und räumlicher Hinsicht umschreibt, werden 
120 Strafeinheiten vorgesehen. Wäre der Privatkläger vorliegend wegen Nötigung 
verurteilt worden (vgl. abermals Ziff. 13.7.3 hiervor), wäre die Strafe deutlich gerin-
ger ausgefallen. Auch dieser Umstand spricht also gegen die Ursächlichkeit der 
Falschbelastung für die Anordnung einer 88-tägigen Untersuchungshaft. 

Mangels Kausalität zwischen dem rechtswidrigen Verhalten der Beschuldigten und 
der besagten Untersuchungshaft, ist der (objektive) Tatbestand der Freiheitsberau-
bung in mittelbarer Täter und unter erschwerenden Umständen nicht erfüllt. 

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass eine Freiheitsberaubung vorliegend 
nicht bereits deshalb zu verneinen wäre, weil die Untersuchungshaft dem Privat-
kläger an eine (andere) Strafe hat angerechnet werden können. Untersuchungshaft 
gemäss Art. 51 aStGB immer auf die Sanktion anzurechnen, wenn eine Verurtei-
lung erfolgt; das Gesetz verlangt keine Tatidentität (vgl. BGE 133 IV 150 E. 5.1 
S. 155; 135 IV 126 E. 1.3.6 S. 129; BSK StGB-METTLER/SPICHTIN, Art. 51 StGB 
N 40 f.). Ist demgegenüber eine Unrechtszurechnung nicht möglich, hat die Ent-
schädigung in Geld zu erfolgen. Die Anrechnung der Untersuchungshaft lässt des-
halb keine Rückschlüsse auf die Kausalität zwischen einer Falschbelastung und ei-
nem Freiheitsentzug (in mittelbarer Täterschaft) zu. Beim Grundsatz der Anrech-

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nung der Untersuchungshaft handelt es sich jedenfalls um eine reine Vollzugsregel 
(BSK StGB-METTLER/SPICHTIN, Art. 51 StGB N. 4).

15.4.3 Zwischenfazit

Der objektive Tatbestand der Freiheitsberaubung in mittelbarer Täter und unter er-
schwerenden ist nicht erfüllt. Die Beschuldigte ist vom Vorwurf gemäss Art. 183 
Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 al. 3 aStGB freizusprechen. 

16. Fazit

Vom Vorwurf der Freiheitsberaubung (in mittelbarer Täterschaft) unter erschweren-
den Umständen (Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 al. 3 aStGB) ist sie freizusprechen. 

IV. Strafzumessung

17. Anwendbares Recht

Zum anwendbaren Recht wird auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen 
verwiesen (S. 37 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 770).

Der relevante Tatbestand (Art. 303 Ziff. 1 StGB) blieb grundsätzlich unverändert. 
Durch das neue Sanktionenrecht hat die Bestimmung indessen indirekt eine Ver-
änderung erfahren. Im Bereich der im vorliegenden Fall voraussichtlich auszufäl-
lenden Strafe ist das neue Recht nicht das mildere. Es sind somit die alten Be-
stimmungen des StGB (bezeichnet mit aStGB) anzuwenden.

18. Allgemeine Grundlagen zur Strafzumessung und Strafrahmen

Für die allgemeinen Grundsätze zur Strafzumessung wird auf die korrekten Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen (S. 35 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 768 ff.). 

Nachdem die Schuldsprüche wegen Widerhandlungen gegen das Waffengesetz 
und gegen das SVG (Nichtabgabe von Ausweisen und Kontrollschildern trotz 
behördlicher Aufforderung) samt bedingter Geldstrafe und Übertretungsbusse 
rechtskräftig sind und die Beschuldigte vom Vorwurf der Freiheitsberaubung freizu-
sprechen ist, bleibt einzig die Strafe für die falsche Anschuldigung zu bestimmen. 

Die Strafandrohung für eine falsche Anschuldigung lautet gemäss Art. 303 
Ziff. 1 aStGB auf 6 Monate bis 20 Jahre Freiheitsstrafe (Art. 40 aStGB) oder einem 
Tagessatz bis 360 Tagessätzen Geldstrafe (Art. 34 Abs. 1 aStGB).

Wie die Verteidigung zu Recht ausführte (pag. 930), wird in der Lehre der ausser-
ordentlich weite Strafrahmen des als Verbrechen ausgestalteten Tatbestands der 
falschen Anschuldigung (Art. 303 Ziff. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 aStGB) kritisiert; Ob-
schon gewichtige Rechtsgüter betroffen sind und die Folgen falscher Anschuldi-
gung gravierend sein können, ist vor Augen zu halten, dass die Maximalstrafe die 
gleiche ist wie bei einer vorsätzlichen Tötung oder schweren Entführung (BSK 
StGB-DELNON/RÜDY, Art. 303 N 31 ff.). Auch der Bundesrat erachtet die heutige 
Maximalstrafe als zu hoch und eine Reduktion auf eine solche von 5 Jahren Frei-
heitsstrafe für angemessen (Botschaft vom 25. April 2018 zur Harmonisierung der 

29

Strafrahmen und zur Anpassung des Nebenstrafrechts an das geänderte Sanktio-
nenrecht, BBl 2018 2889 Ziff. 2.2.16). Dieser Tatsache kommt vorliegend höchs-
tens sensibilisierende Bedeutung zu. 

Vorweggenommen werden kann, dass eine Strafmilderung nach Art. 308 Abs. 1 
i.V.m. Art. 303 Ziff. 1 aStGB ausser Betracht fällt. Die Beschuldigte hat ihre falsche 
Anschuldigung offensichtlich nicht aus eigenem Antrieb und vor Entstehen eines 
Rechtsnachteils für den Privatkläger berichtigt. 

19. Tatkomponenten

19.1 Objektive Tatschwere

Der Tatbestand der falschen Anschuldigung schützt in erster Linie die Rechtspflege 
vor nicht gerechtfertigten Aufwendungen. Weiter soll Art. 303 aStGB aber auch die 
Ehre, Freiheit, Vermögen und Privatsphäre der zu Unrecht angeschuldigten Person 
schützen (BGE 136 IV 170 E. 2.1 S. 175;132 IV 20 E. 4.1 S. 25, m. H.). Die Be-
schuldigte hat den Privatkläger – im Vergleich zur Anklageschrift – zwar hinsichtlich 
eines kleinen, jedoch nicht unbedeutenden Tatkomplexes wahrheitswidrig der Nöti-
gung bezichtigt. In Gang gesetzt wurden die Ermittlungen gegen den Privatkläger 
jedoch auch aufgrund weit einschneidender Vorwürfe, bezüglich welcher der Be-
schuldigten keine Falschaussagen nachgewiesen werden konnten (siehe Ziff. 13.6 
hiervor). Insbesondere aufgrund der objektivierten Übergriffe des Privatklägers 
(siehe Ziff. 11 hiervor) und der nicht erwiesenen Falschaussagen waren die durch 
die Rechtspflege vorgenommenen Aufwendungen – bis auf den erstellten Sach-
verhalt zum Schuldspruch – grundsätzlich gerechtfertigt. Damit wurde der Gang der 
Rechtspflege durch die Falschbelastung nicht übermässig behindert. Sodann führte 
die umfassende Erklärung der Beschuldigten vom 16. Juni 2015 (pag. 449; der 
briefliche Eingang bei der regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau er-
folgte erst am 24. Juni 2015, vgl. pag. 482), sie ziehe ihre kompletten Vorwürfe ge-
gen den Privatkläger – inkl. der objektivierten Übergriffe – zurück zur teilweisen 
Einstellung des gegen ihn laufenden Verfahrens (pag. 686). Vor diesem Hinter-
grund ist der Eingriff in die von Art. 303 Ziff. 1 aStGB geschützten Rechtsgüter des 
Privatklägers als eher leicht einzustufen. 

Das Vorgehen der Beschuldigten kann aus Sicht der Kammer einerseits als naiv 
und unüberlegt bezeichnet werden. Nachdem sie Opfer von objektivierten Gewalt-
handlungen des Privatklägers geworden war, schilderte sie diese Geschehnisse 
gegenüber der Polizei noch in der gleichen Nacht (Ende der polizeilichen Einver-
nahme am 22. Oktober 2014 um 00:50 Uhr, pag. 183). Dass der Privatkläger sie 
«an den Haaren gehalten habe», gab er selber zu, was offensichtlich eine blosse 
Relativierung seines Verhaltens darstellt (siehe Ziff. 11 und Ziff. 13.3.2 hiervor). Vor 
diesem Hintergrund erscheint denn auch die «Erfindung» seitens der Beschuldig-
ten, er habe sie an den Haaren in die Wohnung gerissen nicht sonderlich weit her-
geholt. Obschon wahrheitswidrige, an einen wahren Kern anknüpfende Aggravati-
onen für die Strafverfolgungsbehörden regelmässig nur schwierig vom tatsächli-
chen Geschehen abgegrenzt werden können, wirken die erwiesenen Aggravatio-
nen der Beschuldigten weder sonderlich durchtrieben noch planmässig konstruiert.  
Mit Sicherheit sind ihre Aussagen aber wenig reflektiert. So oder anders erkennt 

30

die Kammer in der Art und Weise des Vorgehens entgegen der Vorinstanz (S. 38 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 771) keine Skrupellosigkeit. Beson-
dere Anstrengungen, um die Tat zu begehen, unternahm die Beschuldigte nicht.

Insgesamt wiegt die objektive Tatschwere noch leicht.

19.2 Subjektive Tatschwere

Die Beschuldigte versuchte mit ihren Aggravationen die eigene Position im Straf-
verfahren zu stärken. Das ist offensichtlich kein ethisch wertvoller Beweggrund. 
Dass sie den Unwahrheitsgehalt ihrer Aussagen kannte (direkter Vorsatz), ist tat-
bestandsimmanent. Entgegen der Vorinstanz (S. 39 der erstinstanzlichen Urteils-
begründung, pag. 772) erkennt die Kammer aber keine direkte Absicht der Be-
schuldigten, dass der Privatkläger basierend auf ihren Falschaussagen strafrecht-
lich hätte verfolgt werden sollen. Mit ihren falschen/aggravierten Aussagen nahm 
sie aber eine Strafverfolgung gegen den Privatkläger und seine mögliche Verurtei-
lung zweifellos in Kauf (siehe Ziff. 14.4.2 hiervor). Dies fällt leicht verschuldensmin-
dernd ins Gewicht, wird aber dadurch kompensiert, dass die Tat ohne weiteres 
vermeidbar gewesen wäre. Wie die Vorinstanz zurecht ausführte, hätte die Be-
schuldigte die Geschehnisse des 21. Oktober 2014 gegenüber der Polizei in jeder 
Hinsicht wahrheitsgetreu schildern können.  

Auch unter Berücksichtigung der subjektiven Komponenten ist noch von einem 
leichten Verschulden auszugehen.

19.3 Weitere Tatkomponenten

Psychische Störungen jeglicher Art können das Verschulden beeinflussen, selbst 
wenn die Schwelle zur Verminderung der Schuldfähigkeit noch nicht erreicht ist 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1001/2016 vom 3. April 2017 E. 1.3.1; MATHYS, 
a.a.O., N. 274). Die Beschuldigte gab mehrfach an, an Angst- und Panikattacken 
zu leiden (vgl. exemplarisch pag. 877, 634). Zurzeit seien Abklärungen seitens der 
Invalidenversicherung (nachfolgend IV) über eine Rente nach wie vor im Gange 
(vgl. pag. 920 Z. 26 f.; vgl. auch das versicherungspsychiatrische Gutachten 
[pag. 559 ff.] und die negative Verfügung der IV-Stelle des Kantons Bern vom 
17. Dezember 2014 [pag. 580 f.] sowie der negative Vorbescheid der IV-Stelle des 
Kantons Bern das Gesuch vom 12. Oktober 2017 betreffend [pag. 559 f]). Seit rund 
5 Jahren sei sie deshalb krankgeschrieben (pag. 877). Dass allfällige psychische 
Vorbelastungen einen Einfluss auf die Tat der Beschuldigten gehabt hätten, ist für 
die Kammer nicht erstellt. 

19.4 Fazit

Das Tatverschulden ist insgesamt noch als leicht zu bewerten. Angesichts des wei-
ten Strafrahmens und mit Verweis auf die von der Vorinstanz aufgelisteten Ver-
gleichsfälle (S. 39 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 772 f.) ist die 
Strafe im unteren Bereich festzulegen. Eine Strafe von 210 Strafeinheiten erscheint 
dem konkreten Tatverschulden angemessen. 

31

20. Täterkomponenten

Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse der Beschuldig-
ten einlässlich beleuchtet und gewürdigt. Auf ihre zutreffenden Ausführungen kann 
vorab verwiesen werden (S. 40 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 77 ff.).  

Das Vorleben der Beschuldigten ist vorbelastet. Sie ist im Strafregister bereits we-
gen falscher Anschuldigung nach Art. 303 Ziff. 1 und 2 aStGB und einfacher Kör-
perverletzung (Art. 123 Abs. 1 aStGB) verzeichnet. Hierfür wurde sie mit Urteil der 
regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau vom 28. November 2012 zu 
einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu CHF 30.00 verurteilt (vgl. Strafregisteraus-
zug vom 12. August 2020, pag. 880). Diese u.a. einschlägige Vorstrafe erfolgte 
knapp zwei Jahre vor der vorliegend zu beurteilenden Tat. Folglich hat die Be-
schuldigte keine Lehren aus ihrer ersten Verurteilung gezogen. Dies wirkt sich 
straferhöhend aus. In Übereinstimmung mit der Verteidigung darf dies jedoch nicht 
zu einer unzulässigen Doppelbestrafung führen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1053/2016, 6B_1058/2016 vom 18. Mai 2017 E. 6.3.2, m. H.; vgl. auch MA-
THYS, a.a.O, N. 320). Weiter kommt einer Vorstrafe, die zeitlich weiter zurückliegt, 
kein übermässiges Gewicht mehr zu (BGE 121 IV 3 E. 1.dd S. 10, m. H.). Bei einer 
Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu CHF 30.00 liegt schliesslich zwar eine nicht un-
bedeutende jedoch keine schwerwiegende Vorstrafe vor. 

Das Wohlverhalten der Beschuldigten seit der Tat stellt keine besondere Leistung 
dar und ist neutral zu gewichten (Urteil des Bundesgerichts 6B_738/2014 vom 
25. Februar 2015 E. 3.4, m. H.; MATHYS, a.a.O., N. 392). Fehlende Einsicht und 
Reue darf gemäss Bundesgericht straferhöhend gewichtet werden (BGE 113 IV 56 
E. 4c S. 56). Ein Geständnis wiederum führt nicht zwingend zur einer Strafredukti-
on (Urteil des Bundesgerichts 6B_866/2009 vom 22. Februar 2010 E. 1.3.3, m. H.), 
sollte aber strafmindernd berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht 
und Reue ist (BGE 121 IV 202 E. 2d S. 204 ff.; Urteil des Bundesgerichts 
6B_687/2016 vom 12. Juli 2017 E. 1.5.2) und die Strafverfolgung erleichtert. 

Vorliegend nahm die Beschuldigte die am 21. Oktober 2014 erhobenen (und in der 
Einvernahme vom 9. Dezember 2014 bestätigten) Anschuldigungen zuerst mit 
Schreiben vom 16. Juni 2015 (Eingang bei der Staatsanwaltschaft am 24. Ju-
ni 2014; pag. 449, 482) «betreffend Drogen, Waffen, Entführung» zurück. In der 
Einvernahme vom 2. September 2015 erklärte sie dann explizit, ihre Aussagen be-
züglich Entführung, Freiheitsberaubung, angebliche Vergewaltigung sowie Bedro-
hung mit Waffe würden nicht der Wahrheit entsprechen (pag. 208 ff.). Die Strafan-
träge bezüglich der Antragsdelikte zog sie noch in der Verhandlung zurück. In der 
Einvernahme vom 23. April 2018 und in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
vom 26. Februar 2019 – also mehr als 2 ½ bzw. 3 ½ Jahre später und nachdem 
das gegen den Privatkläger u.a. wegen angeblich am 21. Oktober 2014 in Langen-
thal z.N. von A.________ begangener Freiheitsberaubung, evtl. Nötigung und Dro-
hung (u.a. mit Waffe), mehrfacher einfacher Körperverletzung, evtl. versuchter Se-
xualdelikte etc. geführte Verfahren am 26. Oktober 2017 rechtskräftig eingestellt 
worden war (pag. 686 ff.) – kam sie auch darauf wieder zurück und erklärte «den 
Rückzug vom Rückzug». Dies mit der Begründung, sie sei bei der Aussage vom 

32

2. September 2015 unter Druck gesetzt worden (pag. 233 ff.). Durch den Rückzug 
bzw. «Rückzug vom Rückzug» wurde die Sache auch durch das Verhalten der Be-
schuldigten verkompliziert und die Verfahrensdauer verlängert. Jedenfalls konnten 
die Hintergründe des Rückzugs bzw. des «Rückzugs vom Rückzug» nicht geklärt 
werden. Oberinstanzlich akzeptierte die Beschuldigte dann den Schuldspruch we-
gen falscher Anschuldigung. Damit verbunden erfolgte auch das Zugeständnis, den 
Beschuldigten bei der Polizei wider besseres Wissen bezichtigt zu haben, er habe 
sie an den Haaren in seine Wohnung gerissen (siehe Ziff. 13.6 hiervor). Besondere 
Anstrengungen, die einen Geständnisrabatt rechtfertigen würden oder auf tätige 
Reue schliessen lassen würden, sind aber nicht ersichtlich. Insgesamt fällt das Kri-
terium Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren leicht straferhöhend ins Ge-
wicht. 

Der Strafrichter hat seit jeher Umstände zugunsten von Beschuldigten zu berück-
sichtigen, die unter dem Begriff der «schwierigen Jugend» zusammengefasst wer-
den können (Urteil des Bundesgerichts 6B_603/2018 vom 7. Juni 2019 E. 3.3.3; 
6B_117/2010 vom 1. April 2010 E. 1.2.4). Es geht darum, eine schwierige Phase in 
der Kindheit und Jugend des Beschuldigten einzubringen, die nach weitverbreiteter 
Anschauung das Strafbedürfnis für eine bestimmte Deliktskategorie reduziert. An 
den «Kausalzusammenhang» sind keine strengen Anforderungen zu stellen, zumal 
dem Gericht auch das nötige Fachwissen regelmässig fehlt. Je älter der Beschul-
digte, umso weniger dürfte sie berücksichtigt werden. Strafmindernd kann sie sich 
jedenfalls nur geringfügig auswirken (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 
2. Aufl. 2019, N. 385). 

Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung bestätigte die Beschuldigte die An-
gaben im Leumundsbericht vom 10. August 2020 (pag. 919 Z. 22). Danach versta-
rb ihre alleinerziehende Mutter, als die Beschuldigte 16 Jahre alt war. Dies deckt 
sich mit anderen Angaben in den Akten (pag. 180 Z. 36 f.; anders hingegen auf 
pag. 633). Zum Vater, welcher kulturell bedingt andere Ansichten und Werte ge-
habt habe, habe sie nicht ziehen wollen und seither kaum noch Kontakt. Sie habe 
sich eine eigene Wohnung genommen. Dies sei im Zeitpunkt ihres Realschulab-
schlusses gewesen. Durch eine Institution begleitet oder unterstützt worden sei sie 
während ihrer Jugendzeit nicht. Sie habe vielmehr nach dem Schulabschluss ohne 
Berufsausbildung diverse Tätigkeiten ausgeübt, um Wohnung und Unterhalt zu fi-
nanzieren. Von ihrem Anspruch auf eine Waisenrente habe sie nicht gewusst. Der 
Verlust der Mutter, das alleinige Bestreiten ihres Unterhalts und ein weitgehendes 
Auf-sich-allein-gestellt-Sein in einem heiklen Alter von 16 Jahren kann zu einer 
schwierigen Lebensphase in jungen Jahren führen. Indessen sind bei der Beschul-
digten zwischen ihrem 16 Lebensjahr bis zu ihrer ersten bekannten Straffälligkeit 
im Jahr 2012 rund 10 Jahre und zur vorliegenden Tat rund 12 Jahre verstrichen 
(pag. 876 f.). Obschon sie zweifelsfrei Herausforderungen hat bestreiten müssen, 
ist ein Kausalzusammenhang zwischen der Tat und der Jugendzeit nicht ersichtlich 
und dieses Kriterium neutral zu werten. 

Eine erhöhte Strafempfindlichkeit ist nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung 
nur bei ausserordentlichen Umständen zu bejahen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_860/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 5.4, m. H.). Dass die Beschuldigte Mutter 

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eines kleinen Jungen ist, bedeutet keine erhöhte Strafempfindlichkeit (vgl. dazu 
auch Urteil des Bundesgericht 6B_312/2016 vom 23. Juni 20