# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b210277e-525e-50ed-a793-157a0aaf5e33
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.04.2021 E-132/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-132-2021_2021-04-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-132/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  A p r i l  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und deren Töchter 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

und E._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…),   

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 9. Dezember 2020 / N (…). 

 

 

 

E-132/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Entscheid vom 20. April 2017 lehnte das SEM die Asylgesuche des 

Ehemannes beziehungsweise des Vaters der Beschwerdeführerinnen und 

dessen Sohn F._______. vom 25. April 2016 ab, ordnete indessen wegen 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs deren vorläufige Aufnahme in 

der Schweiz an.  

B.  

Am 28. Februar 2020 stimmte das SEM gestützt auf die Dublin-Verordnung 

einem Übernahmeersuchen der griechischen Behörden für die nachgereis-

ten Beschwerdeführerinnen zu. Am 28. Juli 2020 erfolgte deren Überstel-

lung von Griechenland in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nach-

suchten.  

C.  

Die Beschwerdeführerinnen wurden dem Bundesasylzentrum (BAZ) der 

Region Ostschweiz und am 18. August 2020 dem erweiterten Verfahren 

zugewiesen. 

D.  

Die Beschwerdeführerin A._______ machte im Wesentlichen geltend, aus 

G._______, (…) zu stammen. Nach ihrer Heirat sei sie im Jahr 2000 mit 

ihrem Ehemann H._______ ins Dorf I._______, (…), gezogen.  

Eines Abends habe der Vater ihres Ehemannes H._______ seine beiden 

Söhne zu sich nach Hause gerufen und ihnen mitgeteilt, dass ein Bekann-

ter namens J._______ zwei Franzosen entführt habe. Die Regierung habe 

in der Folge die beiden Entführten jedoch retten können. Hiernach habe 

der Bekannte S fälschlicherweise geglaubt, dass ihr Schwiegervater und 

dessen beiden Söhne ihn verraten hätten. Der Schwiegervater sei in der 

Folge von S. erschossen worden. Aus Furcht, dass auch ihr Ehemann 

H._______ Opfer von S. werden könnte, seien sie dann nach Temran zu-

rückgekehrt, wo H._______ drei Jahre als Chauffeur für die Regierung tätig 

gewesen sei.  

Eines Tages habe der Ehemann Ferien genommen und sei mit dem ge-

meinsamen Sohn weggegangen. Während seiner Abwesenheit sei sie von 

Angehörigen der Regierung aufgesucht worden, welche sie zur Heraus-

gabe der von ihrem Ehemann angeblich entwendeten Waffen aufgefordert 

hätten. Ihr Ehemann habe ihr in der Folge telefonisch bestätigt, tatsächlich 

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staatliche Waffen zum Weiterverkauf entwendet zu haben. Er habe ihr so-

dann eröffnet, dass er deshalb mit dem gemeinsamen Sohn F._______ in 

den Iran ausgereist sei.   

Ein Jahr nach der Ausreise ihres Ehemannes (Anfangs 2017) sei ihre äl-

teste Tochter B._______ von einer Frau namens K._______ und deren äl-

testem Sohn L._______ entführt und mit dessen drogenabhängigem Bru-

der M._______ zwangsweise verheiratet worden. Diese «kriminelle Fami-

lie» arbeite mit einer Gruppe von Mördern und Dieben namens N._______ 

zusammen. Aus lauter Furcht vor dieser Gruppe habe ihr Bruder von einer 

Anzeige gegen M._______ abgesehen. Ein Jahr nach der Entführung ihrer 

Tochter B._______ habe M._______ dieser aber zumindest erlaubt, ihre 

Mutter (also die Beschwerdeführerin) zu besuchen. Der Ehemann ihrer 

Schwägerin habe B._______ nach Hause gebracht. Dies unter der Auflage 

von L._______, B._______ wieder zurückzubringen, ansonsten er umge-

bracht werde. Da sie ihre Familienmitglieder nicht unnötig habe in Gefahr 

bringen wollen, habe die Beschwerdeführerin es nicht gewagt mit ihren 

Töchtern die Flucht zu ergreifen. B._______ sei daher wieder zu 

M._______ zurückgekehrt. 

Im August 2018 sei der drogenabhängige M._______ wegen irgendwel-

chen Streitigkeiten von seinem eigenen Bruder L._______ erschossen 

worden. Einen Tag später habe die Polizei B._______ im Hause ihrer Mut-

ter (also der Beschwerdeführerin) aufsuchen wollen. B._______ sei jedoch 

unterwegs gewesen. Der Beschwerdeführerin sei daher mündlich von der 

Polizei mitgeteilt worden, dass ihre Tochter B._______ von L._______ der 

Tötung von M._______ bezichtigt worden sei. Die Polizei habe verlangt, 

dass B._______ als Zeugin in dieser Sache eine Aussage machen müsste. 

Widrigenfalls müsste man sie selber als Verdächtige einstufen und sie su-

chen.  

Drei Tage später habe der Schuldirektor per Schreiben an den Bruder der 

Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass man nun auch ihre anderen Töchter 

habe entführen wollen. Es sei wiederum die «N._______ (…)» gewesen, 

die bereits zuvor versucht habe, ihre Tochter C._______ zu entführen. Ihre 

beiden anderen Töchter seien bedroht und dazu aufgefordert worden, dass 

ihr Vater vom Ausland aus ihnen Geld schicken solle. Im Weiteren habe die 

Gruppe gefordert, dass sich B._______ bei der Polizei stellen und die Tö-

tung von M._______ gestehen solle.  

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In der Folge habe sich die Beschwerdeführerin mit ihren drei Töchtern nach 

O._______ begeben, wo sich bereits ihr Bruder mit dessen Familie zusam-

men mit B._______ in einem Hotel aufgehalten hätten. Ihr Bruder habe mit 

dem Verkauf seines Autos die Ausreise der Beschwerdeführerin und ihrer 

Töchter in den Iran finanziert. Nach Erhalt eines Visums sei die Ausreise 

im August 2018 erfolgt. Von dort seien sie über die Türkei und Griechen-

land in die Schweiz gelangt, wo ihr Ehemann beziehungsweise Vater mit 

dem gemeinsamen Sohn F._______ seit April 2016 lebten. 

E.  

Die Beschwerdeführerin B._______ (Tochter der Beschwerdeführerin 

A._______) bestätigte anlässlich ihrer Anhörung vom 13. August 2020, 

entführt und mit dem drogenabhängigen M._______ zwangsverheiratet 

worden zu sein. Nach dem gewaltsamen Tod von M._______ habe sie 

überdies eine schriftliche Aufforderung erhalten, sich bei den Ermittlungs-

behörden zu melden, um ihre Unschuld zu beweisen. Sie könne diese je-

doch nicht beweisen, weil L._______ und M._______ sehr mächtig seien 

und sogar die Regierung machtlos sei. Aus Angst vor Racheakten an ihr 

und ihren Familienangehörigen habe sie daher auf eine Anzeige gegen 

L._______ verzichtet. L._______ habe mit ihrem Tod gedroht.  

F.  

Zur Stützung der Vorbringen reichten die Beschwerdeführerinnen mehrere 

Dokumente ein (Schreiben der unabhängigen Direktion der lokalen Verwal-

tung der Provinz (…) vom 4. August 2018 an das Sicherheitskommando 

und andere Untersuchungsorgane, Schreiben des Sicherheitskommandos 

der Porivinz (…) vom 6. August 2018 an den Verantwortlichen des Polizei-

postens von P._______, Schreiben der Sekundarschule (…) P._______ 

vom 10. August 2018).  

G.  

Mit Entscheid vom 9. Dezember 2020 (Eröffnung am 11. Dezember 2020) 

wies das SEM die Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen vom 28. Juli 

2020 ab und ordnete die Wegweisung an, nahm sie indessen wegen Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig auf.  

H.  

Mit Eingabe vom 11. Januar 2021 an das Bundesverwaltungsgericht erho-

ben die Beschwerdeführerinnen gegen diesen Entscheid Beschwerde. Sie 

beantragten die Aufhebung der angefochtenen Verfügung in den Disposi-

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Seite 5 

tivziffern 1–3, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-

rung von Asyl. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf das Erheben eines Kosten-

vorschusses) und die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes be-

antragt.  

I.  

Mit Schreiben vom 14. Januar 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsge-

richt den Eingang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind  

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer Zweitrich-

terin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es sich, wie 

nachfolgend aufgezeigt, um eine solche, weshalb der Beschwerdeent-

scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Auf die 

Durchführung eines Schriftenwechsels wurde verzichtet (Art. 111a Abs. 1 

AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung fest, die geltend 

gemachten Vorbringen seien weder glaubhaft noch asylrelevant.  

5.2 So weise die Darstellung der Fluchtgründe Ungereimtheiten und reali-

tätsfremde Elemente auf.  

Beispielsweise sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin mit 

ihren Töchtern nicht die Gelegenheit zur Flucht ergriffen habe, als 

B._______ sie nach einem Jahr Gefangenschaft besucht habe. Ihr Erklä-

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rungsversuch, dass es für sie schwierig gewesen sei, etwas zu unterneh-

men, weil sie ihre Familienmitglieder nicht habe gefährden wollen (vgl. A42 

F50), überzeuge nicht. Dies zumal sie bloss einige Monate später sie ja 

dennoch die Flucht ergriffen habe, obwohl sie genau gleich mit «Rache-

handlungen» seitens L._______ gegen ihre Angehörigen hätte rechnen 

müssen. Ihr Erklärungsversuch überzeuge daher nicht. Auf Nachfrage, 

welche Überlegungen sich die Beschwerdeführerin gemacht habe, um ihre 

Tochter B._______ zurückzubekommen, habe diese bloss pauschal er-

klärt, sie habe nichts unternehmen können. Sie habe sich aber gewünscht, 

dass B._______ ein gutes Leben mit (dem drogenabhängigen) M._______ 

führe. Es wäre zu erwarten gewesen, dass sich die Beschwerdeführerin 

eingehend Gedanken zur Rettung ihrer Tochter gemacht hätte. Ihre pau-

schalen Angaben liessen keinerlei persönliche Betroffenheit erkennen (vgl. 

A42 F69). Nicht verständlich sei ihr geltend gemachtes Verhalten gegen-

über den afghanischen Behörden, die angeblich nach der Tötung von 

M._______ nach B._______ gesucht hätten. Es könne nicht geglaubt wer-

den, dass die Beschwerdeführerin aus Angst um ihre Tochter und ihre Brü-

der die Behörden weder über die Entführung von B._______ noch über den 

wahren Täter L._______ in Kenntnis gesetzt habe (vgl. A42 F65). Die ein-

gereichten Beweismittel seien nicht geeignet, die Vorbringen zu belegen. 

Zum einen seien solche Dokumenten erfahrungsgemäss käuflich leicht er-

hältlich. Zum anderen handle es sich bei den vorliegenden Dokumenten 

des Sicherheitskommandos und der lokalen Verwaltung der Provinz (…) 

um amtsinterne Schreiben und es sei nicht erkennbar, wie die Beschwer-

deführerin überhaupt in den Besitz originaler behördeninterner Dokumente 

hätte kommen können. Die Herkunft dieser Dokumente sei somit sehr frag-

lich. 

5.3 Bei der geltend gemachten Entführung von B._______ und deren 

Zwangsverheiratung mit M._______ und der damit verbundenen Gefan-

genschaft handle es sich ohnehin um nicht asylrechtlich relevante Behelli-

gungen durch Dritte. 

Eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure könne grundsätzlich flücht-

lingsrelevant sein, wenn es der betroffenen Person nicht möglich sei, davor 

im Heimatstaat adäquaten Schutz zu finden. Nach der sogenannten 

Schutztheorie sei nichtstaatliche Verfolgung nur dann asylrelevant, wenn 

der Staat unfähig oder nicht willens sei, Schutz vor Verfolgung zu bieten. 

Zwar stehe nicht allen afghanischen Bürgern und Bürgerinnen eine funkti-

onierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung, die eine effek-

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tive Strafverfolgung ermögliche. Vorliegend bestünden jedoch keine kon-

kreten Hinweise darauf, dass die afghanischen Behörden ihrer Schutz-

plicht bei entsprechenden Hinweisen nicht nachgekommen wären. Ausser 

den geltend gemachten Drohungen seitens L._______ und M._______ 

und der angeblichen Machtlosigkeit der Behörden habe die Beschwerde-

führerin keinerlei Anhaltspunkte genannt, weshalb sie die Behörden nicht 

um Schutz ersucht habe. Es seien somit keine objektiven Gründe vorhan-

den, aufgrund derer es der Beschwerdeführerin verwehrt gewesen wäre, 

sich an die afghanischen Behörden zu wenden, die Entführung ihrer Toch-

ter B._______ anzuzeigen und staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es 

könne nicht von vornherein davon ausgegangen werden, dass die zustän-

digen Behörden bei entsprechenden Hinweisen ohnehin einfach untätig 

geblieben wären.  

Im Weiteren sei den Angaben der Beschwerdeführerin B._______ nicht zu 

entnehmen, dass sie aus einem in Art. 3 AsylG genannten Motiv, nament-

lich aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit einer 

bestimmten sozialen Gruppe entführt und zwangsverheiratet worden sei. 

5.4 Beim Vorgehen der Behörden, nach der Tötung des drogenabhängi-

gen M._______, sodann B._______ aufzusuchen, handle es sich um eine 

legitime Massnahme der afghanischen Behörden, um den Mord an 

M._______ aufzuklären. Es seien keine konkreten Anhaltspunkte für ein 

Verfolgungsinteresse der Sicherheitsbehörden an B._______ zu erkennen. 

Auch sei nicht davon auszugehen, dass die Behörden einer allfälligen Zeu-

genaussage von B._______ pauschal keinen Glauben schenken würden 

und der wahre Täter straflos ausginge.  

Vor dem Hintergrund, dass M._______ inzwischen von seinem Bruder 

Q._______ umgebracht worden sei, seien zudem keine weiteren Verfol-

gungshandlungen, wenn überhaupt jemals erfolgt, seitens M._______ zu 

erwarten. 

5.5 Auch bei den weiteren Vorbringen (versuchte Entführung der Töchter 

in der Schule und Aufforderung, dass ihr im Ausland weilender Vater Geld-

zahlungen an die N._______ zu leisten habe) handle es sich um Übergriffe 

krimineller Dritte, welche keine asylrechtlich motivierte Verfolgungsmotiva-

tion aufwiesen. 

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Seite 9 

5.6 Schliesslich seien die Nachforschungen der afghanischen Sicherheits-

behörden im Zusammenhang mit den (angeblich vom Ehemann der Be-

schwerdeführerin) entwendeten Waffen weder in zeitlicher noch sachlicher 

Hinsicht kausal zur Ausreise der Beschwerdeführerinnen.  

6.  

In der Beschwerde wurde von der Beschwerdeführerin A._______ im We-

sentlichen geltend gemacht, der Vorwurf des SEM, dass sie aus nicht nach-

vollziehbaren Gründen die Gelegenheit zur Flucht nicht früher ergriffen 

habe, sei im afghanischen Kontext nicht gerechtfertigt. Es gebe in ihrem 

Heimatstaat zahlreiche Zwangsehen und man riskiere deshalb oft nicht den 

«Familienzusammenhalt». Auch widerspreche sie der Feststellung des 

SEM, wonach sie ihre Angst um die Tochter B._______ und die Überlegun-

gen zu deren Befreiung nur vage geschildert habe. Sie könne sich einfach 

nicht besser ausdrücken, gerade weil sie sich in einer derart verzweifelten 

Situation befunden habe. Entgegen der Auffassung des SEM habe sie im 

afghanischen Kontext als alleinstehende Frau keine Möglichkeit, den 

Schutz der Behörden einzufordern. Es sei ihr nicht zuzumuten, die «frau-

endiskriminierenden Strukturen» in Anspruch zu nehmen. Die Tatsache, 

dass das SEM davon ausgehe, dass ihre Tochter B._______ ein faires Ver-

fahren erhalten könnte, zeuge von der vorinstanzlichen Unkenntnis der real 

existierenden afghanischen Begebenheiten. Die Bande, die ihre Tochter 

entführt habe, sei mit den Taliban verbunden und die staatlichen Strukturen 

seien als kümmerlich zu bezeichnen. L._______ habe B._______ der Er-

mordung seines Bruders M._______ beschuldigt und müsse zumindest ge-

gen aussen hin diese Tat rächen. Es bestehe demnach die Gefahr des Eh-

renmordes und damit ein asylrelevanter Fluchtgrund. Das SEM habe in 

seiner Entscheidung falsche Argumente verwendet und deshalb den Ent-

scheid nicht richtig begründet. Daher ersuche sie um Rückweisung der Sa-

che zwecks korrekter Begründung und Würdigung. 

7.  

7.1 Vorgängig ist darauf hinzuweisen, dass die genannte Rüge, wonach 

das SEM «falsche Argumente» verwendet und seinen Entscheid «nicht 

richtig» begründet habe, keinen Rückweisungsgrund darstellen kann. Aus 

der blossen Tatsache, dass die Beschwerdeführerin die Argumentation des 

SEM als «unrichtig» erachtet, ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte 

auf eine Verletzung der Begründungspflicht. Solche sind auch aus den Ak-

ten nicht ersichtlich. 

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7.2 In materieller Hinsicht ist festzustellen, dass das SEM die geltend ge-

machte Entführung der Tochter B._______ und deren Zwangsverheiratung 

mit M._______ zu Recht und mit zutreffender Begründung als nicht glaub-

haft erachtet hat. Auch in Berücksichtigung der in der Beschwerde genann-

ten afghanischen Verhältnisse erscheint das geschilderte Verhalten der 

Beschwerdeführerin als offenkundig realitätsfremd. So vermochte die Be-

schwerdeführerin nicht plausibel zu erklären, warum sie die offene Gele-

genheit zur gemeinsamen Flucht, nachdem ihre entführte Tochter nach Mo-

naten des erzwungenen Zusammenlebens mit M._______ wieder nach 

Hause gekommen war, nicht ergriffen hat. Dies zumal bei einer Rückkehr 

eine Fortsetzung der angeblich von massiver Gewalt geprägten Gefangen-

schaft drohte. Die Erklärung, wonach sie mit blosser Rücksicht auf ihre teils 

bedrohten Familienmitglieder die Flucht nicht habe ergreifen können, ver-

mag nicht zu überzeugen. So bestand das Risiko einer Gefährdung ihrer 

Familienmitglieder unverändert auch im Zeitpunkt ihrer bloss wenige Mo-

nate späteren Ausreise.  

Erschwerend kommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin auf Nachfrage, 

welche Überlegungen sie sich gemacht habe, um ihre Tochter B._______ 

zurückzubekommen, lediglich ausweichend erklärte, sie habe ohnehin 

nichts unternehmen können, sich jedoch zumindest gewünscht, dass 

B._______ ein gutes Leben mit dem drogenabhängen M._______ führe 

(vgl. A42 F69); dies obwohl keinerlei Grund für eine solche Annahme, ja 

Hoffnung bestand. Vielmehr musste die Beschwerdeführerin von einer 

schweren Zeit für ihre Tochter ausgehen, zumal sie anlässlich der Anhö-

rung stets betonte, dass es sich bei L._______ und M._______ um 

Schwerkriminelle, Mörder und Diebe, handle. Angesichts einer solchen Ge-

fährdungslage für ihre eigene Tochter wiegt der Eindruck der fehlenden Be-

troffenheit schwer. Dieser Eindruck wird dadurch noch verstärkt, dass die 

Beschwerdeführerin es offenbar unterliess, sich mit ihren Familienmitglie-

dern (und auch mit ihrem telefonisch erreichbaren Ehemann) über die Mög-

lichkeit einer Flucht auszutauschen, zumal die Rückkehr ihrer Tochter an-

gekündigt worden war. Die allgemein gehaltene Erklärung der Beschwer-

deführerin in der Beschwerde, wonach es in ihrem Heimatstaat zahlreiche 

Zwangsehen gebe und man deshalb oft nicht den «Familienzusammenhalt 

riskiere», vermag klar nicht zu überzeugen. Dies gilt ebenso für die pau-

schalen Erklärungsversuche, die Beschwerdeführer vermöge sich nun-

mehr nicht genauer zu artikulieren.   

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Die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Sachvorbringen werden weiter durch 

die Angaben und Umstände der Ausreise bestärkt. So führte die Beschwer-

deführerin anlässlich ihrer Anhörung unmissverständlich aus, dass sie ei-

gentlich aus rein medizinischen Gründen aus Afghanistan habe ausreisen 

wollen. Sie habe sich hierfür auch schon einen Reisepass besorgt habe, 

damit sie sich angemessen im Ausland medizinisch behandeln lassen 

könne (vgl. A42 F 22). Vor dem Hintergrund, dass die eigene Tochter der 

Beschwerdeführerin angeblich durch Kriminelle verschleppt und gegen de-

ren Willen festgehalten und malträtiert worden sein soll, erscheint sehr we-

nig lebensnah, dass die sich angeblich in grosser Sorge um das Wohler-

gehen ihrer Tochter befindende Beschwerdeführerin ausgerechnet zu je-

nem Zeitpunkt Überlegungen zu ihrer eigenen medizinischen Behandlun-

gen im Ausland macht und konkrete Vorkehrungen trifft (vgl. Ausstellungs-

datum Reisepass: 4. März 2018), um alsbald aus rein medizinischen Grün-

den das Land verlassen zu können.  

Aus den aufgezeigten Gründen ist die vorinstanzliche Einschätzung der 

fehlenden Glaubhaftigkeit zu bestätigen. Bei dieser Sachlage bedarf die 

weitere Frage der Asylrelevanz dieser Vorbringen, welche das SEM in der 

angefochtenen Verfügung verneint hat, keiner abschliessender Beurtei-

lung. 

7.3 Angesichts der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Entführung 

der Tochter B._______ und deren Zwangsverheiratung mit M._______ sind 

auch die daraus abgeleiteten – mit den Behauptungen der angeblichen 

Entführung in unmittelbarem Zusammenhang stehenden weiteren – Vor-

bringen, aufgrund von Streitigkeiten, bei welchen auch B._______ beteiligt 

gewesen sei, sei M._______ von dessen Bruder L._______ umgebracht 

worden, zu bezweifeln. Auch das weitere Vorbringen, L._______ habe 

B._______ in der Folge bei der Polizei als Täterin bezichtigt, worauf gegen 

sie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei, ist damit als nicht 

glaubhaft zu erachten. 

An dieser Einschätzung vermögen die im Original eingereichten Doku-

mente (Schreiben der unabhängigen Direktion der lokalen Verwaltung der 

Provinz (…) vom 4. August 2018 an das Sicherheitskommando und andere 

Untersuchungsorgane, Schreiben des Sicherheitskommandos der Porivinz 

(…) vom 6. August 2018 an den Verantwortlichen des Polizeipostens von 

P._______) nichts zu ändern. Vor dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit 

der Vorbringen und insbesondere aufgrund der fraglichen Herkunft sowie 

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Seite 12 

der leichten Fälschbarkeit ist deren Beweiskraft als gering einzustufen. Zu-

sätzlich ist nicht ersichtlich und wird auch nicht dargetan, wie die Be-

schwerdeführerin nachträglich in den Besitz originaler amtsinterner Doku-

mente hätte gelangen können. Dies zumal sie nach eigenen Angaben nach 

ihrer übereilten Ausreise weder nach Afghanistan zurückgekehrt ist, noch 

weitere Informationen über den weiteren Verlauf der Strafuntersuchungen 

gehabt haben will (vgl. A43 F37 und F46ff). Genau dieses offensichtlich 

fehlende Interesse am weiteren Verlauf des Untersuchungs- beziehungs-

weise Strafverfahrens erscheint überdies auch überaus lebensfremd und 

zeugt nicht von einer realen Gefahr für die Beschwerdeführerin. Es ist da-

von auszugehen, dass eine Person, die unschuldig in einen Mordprozess 

verwickelt ist und deshalb fliehen musste, sicherlich erfahren will, ob gegen 

sie schlussendlich Anklage erhoben wurde. Entsprechendes trifft vorlie-

gend gerade nicht zu. Auch als sich die Mutter mit Verwandten im Heimat-

staat telefonisch austauschte, stellte die Beschwerdeführerin offensichtlich 

hierzu keinerlei Fragen und das angebliche Verfahren interessiert sie nicht. 

Dies ist nicht nachvollziehbar. Durch dieses unerklärlich passive Verhalten 

wird die Einschätzung der Unglaubhaftigkeit weiter bestärkt.    

7.4 Aus diesen Gründen sind die genannten Vorbringen als nicht glaubhaft 

zu erachten.  

Jedoch selbst bei Wahrunterstellung des gewaltsamen Todes von 

M._______ ist – wie nachfolgend der Vollständigkeit halber auch noch auf-

gezeigt wird – nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin 

B._______ daraus asylrechtlich relevante Nachteile erwachsen wären. 

Hierzu Folgendes: 

Gemäss Lehre und Rechtsprechung kann die Durchführung eines Straf-

verfahrens beziehungsweise die Verurteilung wegen eines gemeinrechtli-

chen Delikts nur dann eine Verfolgung darstellen, wenn einer Person eine 

gemeinrechtliche Tat unterschoben wird, um sie wegen eines Motivs im 

Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu verfolgen (vgl. dazu Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 

Nr. 32 E. 8.7.1), oder wenn die Situation eines Täters, der ein gemeinrecht-

liches Delikt begangen hat, aus einem solchen Motiv in bedeutsamer 

Weise erschwert wird. Eine solch relevante Erschwerung der Lage (sog. 

Politmalus) ist insbesondere dann anzunehmen, wenn deswegen eine un-

verhältnismässig hohe Strafe ausgefällt wird (sog. Malus im absoluten 

Sinn) und wenn Verfahrensrechte in schwerwiegender Weise vorenthalten 

werden, ein signifikant höheres Folterrisiko besteht oder eine bedeutend 

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Seite 13 

schärfere Strafe drohen würde als bei einem Straftäter mit einem anderen 

Hintergrund (sog. Malus im relativen Sinn; vgl. Urteil des BVGer E-

3633/2013 vom 4. Juni 2014 E. 8.2). 

Das Vorliegen eines solchen Politmalus ist in casu zu verneinen. Als erstes 

ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin B._______ angeblich von 

der Privatperson L._______ bei der Polizei der Ermordung von M._______ 

bezichtigt worden sein soll.  Es ist also nicht der heimatliche Staat, der 

gegen die Betroffene aktiv geworden ist. Es sei also gerade nicht aktiv von 

staatlicher Seite und zusätzlich auch nicht wegen eines Motivs im Sinne 

von Art. 3 Abs. 1 AsylG ein Verfahren eröffnet worden. Im Weiteren ergeben 

sich auch aus dem von der Beschwerdeführerin behaupteten Vorgehen der 

Ermittlungsbehörden keine konkreten Anhaltspunkte auf ein nicht rechts-

staatliches Handeln. Sie gab an, einen Tag nach dem gewaltsamen Tod 

von M._______ habe die Polizei B._______ im Hause der Beschwerdefüh-

rerin (also der Mutter) aufsuchen wollen. Der Beschwerdeführerin sei mit-

geteilt worden, dass B._______ von L._______ der Tötung von M._______ 

bezichtigt worden sei. Die Polizei habe bloss verlangt, dass B._______ in 

dieser Sache als Zeugin aussage; widrigenfalls könnte man sie auch als 

Verdächtige einstufen und suchen. Aus in diesem Zusammenhang einge-

reichten Beweismitteln (Schreiben der unabhängigen Direktion der lokalen 

Verwaltung der Provinz (…) vom 4. August 2018, Schreiben des Sicher-

heitskommandos der Provinz (…) vom 6. August 2018) geht auch bloss 

eine behördliche Anweisung hervor, B._______ festzuhalten und zu der 

vorgenannten Sache zu befragen. Bei dieser Ausgangslage ist auch nicht 

erkennbar, weshalb die Behörden einer allfälligen Aussage von B._______ 

«ohnehin» keinen Glauben schenken und der wahre Täter, nämlich 

M._______, straflos ausginge. Die blossen Behauptungen in der Be-

schwerde, wonach die Bande, die ihre Tochter entführt haben soll, wohl 

irgendwie mit den Taliban verbunden sein könnten und die heimatlichen 

staatlichen Strukturen als kümmerlich zu bezeichnen seien, vermag die 

aufgezeigte Ausgangslage nicht zu ändern.  

Auch die erstmals in der Beschwerde geltend gemachte Behauptung, wo-

nach L._______ aufgrund der falschen Beschuldigung von B._______ «zu-

mindest gegen aussen hin» diese Tat rächen müsse, womit die Gefahr des 

Ehrenmordes und damit ein asylrelevanter Fluchtgrund vorliege, ist als rein 

spekulativ zu werten und bedarf keiner näherer Prüfung.  

7.5 Im Weiteren sind auch die geltend gemachten Drohungen von 

L._______, B._______ zu töten, wo immer er sie sehen werde (vgl. A43 

E-132/2021 

Seite 14 

F43), als unglaubhaft zu erachten. Hätte er solche Absicht gehabt, so hätte 

er dies problemlos bereits im unmittelbaren Nachgang der Tat an 

M._______ umsetzten können. Ferner erwiese sich ein Übergriff auf Leib 

und Leben der Betroffenen als nur wenig logisch. Angeblich habe 

L._______ versucht, B._______ als die eigentliche Mörderin seines Bru-

ders M._______ darzustellen. Mit einem Übergriff gegen Leib und Leben 

der Betroffenen würde er somit dieses Vorhaben gleich selber vereitelt und 

sich hierdurch selber (noch weiter) in den Fokus der Ermittlungen rücken. 

Daher ist nicht einsehbar, warum L._______ als bereits möglicher Tatver-

dächtiger das Risiko, die Aufmerksamkeit der Polizeibehörden noch stärker 

auf sich zu ziehen, eingehen sollte. Auch bei den weiteren Vorbringen (ver-

suchte Entführung der Töchter in der Schule und Aufforderung, dass ihr im 

Ausland weilender Vater Geldzahlungen an die N._______ zu leisten habe) 

handelt es sich um nicht näher belegte, wenig substantiierte Behauptun-

gen, welche bereits vor dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der voran-

gehenden, damit verbundenen Vorbringen klar zu bezweifeln sind. An die-

ser Einschätzung vermag das eingereichte Schreiben der Sekundarschule 

(…) P._______ vom 10. August 2018 (mit der Aufforderung an die Be-

schwerdeführerin, ihre Töchter nicht mehr zur Schule zu schicken, da Mas-

kierte versucht hätten, diese in der Schule zu entführen) nichts zu ändern. 

Zum einen erscheint das Vorgehen der Schule, aufgrund des angeblichen 

Entführungsversuches, die Kinder der Schule zu verweisen, nicht realitäts-

nah. Zum anderen ist die Beweiskraft des genannten Schreibens nicht nur 

aufgrund seines fraglichen Inhalts, sondern auch aufgrund der naheliegen-

den Möglichkeit, dass es sich um ein blosses Gefälligkeitsschreiben han-

delt, als gering einzustufen. Auch die geltend gemachten Probleme des 

Vaters/Ehemannes sind für das vorliegende Verfahren ohne Belang, stan-

den diese doch offenkundig in keinem sachlichen und zeitlichen Zusam-

menhang mit der Ausreise der Beschwerdeführerinnen.  

7.6 Damit ist nach Würdigung der gesamten Umstände als Ergebnis fest-

zuhalten, dass die Beschwerdeführerinnen die Voraussetzungen der 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht erfüllen. Folgerichtig 

bleiben ihnen die Gewährung von Asyl durch die schweizerischen Behör-

den versagt (Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Die Ablehnung der entspre-

chenden Gesuche durch die Vorinstanz sind zu bestätigen. 

8.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die 

Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrechtliche 

E-132/2021 

Seite 15 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht ange-

ordnet. 

9.  

Die Vorinstanz erachtete den Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführe-

rinnen als unzumutbar, weshalb sie deren vorläufige Aufnahme in der 

Schweiz verfügt hat. Unter diesen Umständen erübrigen sich weitere Aus-

führungen zum Vollzug der Wegweisung (vgl. BVGE 2011/7 E. 8; 2009/51 

E. 5.4).  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.  

11.  

11.1 Die Beschwerde hat sich als von vornherein aussichtslos erwiesen. 

Die mit der Beschwerdeschrift gestellten Gesuche um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung 

sind daher abzuweisen. 

11.2 Als Folge der Abweisung der Beschwerde sind die Kosten des Ver-

fahrens somit den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

und 5 VwVG). Die Kosten sind auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 

Abs. 1 Bst. a VGG). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-132/2021 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der 

amtlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführerinnen 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

 

 

Versand: