# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b13629e-f011-59d7-b73d-78e995147e31
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-08-19
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 19.08.2021 VG.2021.00034 (VG.2021.1067)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2021-00034_2021-08-19.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 19. August 2021

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2021.00034

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin 

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Ausgleichskasse Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin 

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  AHV-Beiträge

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 A.______ übernahm am 31. März 2018 mit Wirkung ab
  1. April 2018 das Erotikstudio […] in […]. Im Geschäftsübernahmevertrag vom 31. März
  2018 wurde die Übernahme des kompletten Geschäfts mit Inventar, Webseite und
  Mietvertrag vereinbart. Gleichentags schloss A.______ mit dem Vermieter einen
  Mietvertrag über die Dreizimmerwohnung […] ab. 

  
	
   

  
	
  1.2 Am 24. Juli 2018 meldete sich A.______ als
  Selbständigerwerbende bei der Ausgleichskasse Glarus an. Nachdem A.______ auf
  Aufforderung der Ausgleichskasse hin weitere Unterlagen eingereicht hatte,
  bestätigte Letztere am 7. September 2018 deren Aufnahme als selbständig
  erwerbende Person sowie deren Erfassung als Arbeitgeberin. Gleichzeitig
  stellte sie A.______ die Akontobeiträge für Selbständigerwerbende für das
  Jahr 2018 in Rechnung.

  
	
   

  
	
  1.3 Daraufhin reichte A.______ am 3. Januar 2019 die
  Lohndeklaration für das Jahr 2018 ein, wobei sie angab, im Jahr 2018 keine
  beitragspflichtigen Löhne ausbezahlt zu haben und im Folgejahr auch keine
  solche auszuzahlen. Im gleichen Sinn liess sich sie sich in den
  Lohndeklarationen für die Jahre 2019 und 2020 verlauten.

  
	
   

  
	
  1.4 Am 13. März 2020 forderte die Ausgleichskasse
  A.______ auf, die von ihr beschäftigen Personen anzugeben, da sie gemäss
  Auskunft des Arbeitsinspektorats regelmässig Personen angestellt habe.
  Daraufhin teilte Letztere am 23. März 2020 mit, nicht Arbeitgeberin zu sein
  und keine Löhne auszuzahlen.

  
	
   

  
	
  1.5 Mit Verfügung vom 21. Juli 2020 stufte die
  Ausgleichskasse A.______ als Arbeitgeberin ein und forderte sie abermals auf,
  die bisher ausgerichteten Löhne zu deklarieren. Dagegen erhob diese am 19.
  August 2020 Einsprache, welche die Ausgleichskasse am 10. März 2021 abwies.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Gegen den Einspracheentscheid der Ausgleichskasse
  richtet sich die von A.______ am 29. April 2021 beim Verwaltungsgericht
  eingereichte Beschwerde. Darin beantragt sie, der Einspracheentscheid vom 10.
  März 2021 und die Veranlagungsverfügung vom 21. Juli 2020 aufzuheben und von
  ihr keine AHV-Arbeitgeberbeiträge einzufordern; unter Kosten- und
  Entschädigungsfolgen zu Lasten der Ausgleichskasse. Letztere ersuchte am 31.
  Mai 2021 darum, auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventualiter diese
  abzuweisen.

  
	
   

  
	
  2.2 Das Verwaltungsgericht stellte A.______ am 2. Juni
  2021 die Beschwerdeantwort zu und gab ihr Gelegenheit, sich in Form einer
  Replik erneut zu äussern. Da sich diese innert Frist nicht vernehmen liess,
  schloss das Verwaltungsgericht am 24. Juni 2021 den Schriftenwechsel ab. 

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 1 Abs. 1 des
  Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 20.
  Dezember 1946 (AHVG) i.V.m. Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über den
  Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000
  (ATSG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.

  
	
   

  
	
  1.2

  
	
  1.2.1 Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, die
  Beschwerdeführerin habe die Verwaltungsgerichtsbeschwerde nach Ablauf der
  Beschwerdefrist und damit verspätet erhoben, weshalb darauf nicht einzutreten
  sei.

  
	
   

  
	
  Berechnet sich eine Frist
  nach Tagen oder Monaten und bedarf sie der Mitteilung an die Parteien, so
  beginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Art. 38 Abs. 1
  ATSG). Eine Mitteilung muss grundsätzlich tatsächlich erfolgt sein, wobei
  eine effektive Kenntnisnahme durch die Partei nicht verlangt wird. Die
  Mitteilung muss sich somit im Zugriffsbereich der Partei befinden, sodass es
  ausreicht, wenn die Sendung von einer sonstigen empfangsberechtigten Person
  entgegengenommen wird (Ueli Kieser, Kommentar zum ATSG, 4. A.,
  Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 38 N. 14). Die Tatsachen der
  Zustellung der Mitteilung und des Zustellzeitpunkts müssen mit dem im Sozialversicherungsrecht
  üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden.
  Misslingt dieser Nachweis, darf der versicherten Person daraus kein Nachteil
  erwachsen (Kieser, Art. 38 N. 21). 

  
	
   

  
	
  1.2.2 Der vorliegend das Anfechtungsobjekt bildende
  Einspracheentscheid datiert vom Mittwoch, 10. März 2021. Dieser wurde gemäss
  Ausführungen der Beschwerdegegnerin einen Tag nach dessen Ausfällung, mithin
  am Donnerstag, 11. März 2021, per gewöhnlicher A-Post an den
  Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin versandt. Gemäss Eingangsstempel ging
  der Einspracheentscheid am Dienstag, 16. März 2021, bei diesem ein. 

  
	
   

  
	
  Zu Recht unbestritten ist,
  dass es sich beim Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin um eine
  mitteilungsbedürftige Sendung handelt, welche den Vorgaben von Art. 38
  Abs. 1 ATSG unterliegt (vgl. Kieser, Art. 38 N. 24). Soweit sich die
  Beschwerdegegnerin jedoch auf den Standpunkt stellt, bei einer gewöhnlichen
  A-Post Sendung sei gemäss den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der
  Schweizerischen Post mit einer überwiegend wahrscheinlichen Zustellung der
  Sendung am auf die Postaufgabe folgenden Tag zu rechnen, ist ihr nicht zu
  folgen. Denn entgegen ihren Ausführungen genügt ein blosser Versand mit
  gewöhnlicher A-Post eben nicht für die Annahme, die Sendung sei von der
  empfangenden Person am Folgetag in Empfang genommen worden (Kieser, Art. 38
  N. 21, mit Verweis auf SVR 1994 AHV Nr. 30 E. II.2.). Sodann
  bezieht sich die von der Beschwerdegegnerin zitierte bundesgerichtliche
  Rechtsprechung (insbesondere BGer-Urteil 8C_198/2015 vom 30. April 2015) auf
  die Sendungsart A-Post-Plus, bei welcher im Unterschied zur gewöhnlichen
  A-Post Sendung jeweils dokumentiert wird, wann die Sendung in den Briefkasten
  des Empfängers und damit in dessen Machtbereich gelangt ist. Da die
  Beschwerdegegnerin vorliegend eine gewöhnliche A-Post-Sendung aufgab, kann
  sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zwar ist ihr insofern
  zuzustimmen, als dass sie geltend macht, sie sei berechtigt, ihre
  mitteilungsbedürftigen Entscheide mittels gewöhnlicher A-Post zu versenden.
  Praktiziert sie dies aber, hat sie auch die daraus resultierenden
  Konsequenzen zu tragen, welche darin bestehen, dass sie über keine Angaben
  dazu verfügt, wann die Sendung in den Empfangsbereich des Empfängers gelangt
  ist (vgl. Kieser, Art. 49 N. 61). Folglich gelingt es der Beschwerdegegnerin
  vorliegend nicht, den genauen Zustellzeitpunkt der Sendung bei der
  Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen, womit
  davon auszugehen ist, dass die Sendung erst am 16. März 2021 in deren
  Empfangsbereich gelangt ist. Damit erfolgte die Erhebung der Beschwerde mit
  Postaufgabe am 29. April 2021 – unter Beachtung des Fristenstillstands über
  die Osterfeiertage (Art. 38 Abs. 4 ATSG) – innert laufender Beschwerdefrist
  und damit rechtzeitig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt
  sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, lediglich
  Mieträumlichkeiten für selbständig tätige Prostituierte zur Verfügung zu
  stellen. Sie habe keinen Einfluss darauf, ob und wem die eingemieteten Frauen
  ihre Dienstleistungen anbieten würden, sodass diese nicht in untergeordneter
  Stellung tätig seien und ihr eigenes wirtschaftliches Risiko tragen würden.
  Auch habe sie keine Kontrolle darüber, welche Prostituierte wie viel Geld
  verdiene, denn sie sei nur sporadisch vor Ort und ziehe dann den ihr
  zustehenden Mietzins, welcher 40 % der Einnahmen betrage, ein. Auch die
  Fotos und den Text, welche auf der Homepage von […] aufgeschaltet seien,
  würden die Frauen selber zur Verfügung stellen. Weiter hätten diese mit den
  Freiern selbständig direkt Kontakt. Daraus, dass sie die Prostituierten in
  der Schweiz jeweils angemeldet habe und für diese die Quellensteuerabrechnung
  ausgefüllt habe, könne ebenfalls nicht auf die Arbeitgebereigenschaft
  geschlossen werden, habe sie dies doch einzig als deren Bevollmächtigte
  erledigt. Sie, die Beschwerdeführerin, habe sich nach der Übernahme des
  Geschäfts pflichtgemäss bei der Beschwerdegegnerin angemeldet und in den
  Lohndeklarationen jeweils angegeben, dass sie keine Löhne entrichte. Damit
  übereinstimmend habe sie für das Jahr 2018 auch keine AHV-Arbeitgeberbeiträge
  bezahlen müssen, weshalb nicht einleuchte, warum sie für das Jahr 2019 nun
  als Arbeitgeberin eingestuft werde, denn am Geschäftsmodell habe sich nichts
  verändert. Sie habe gestützt auf die AHV-Abrechnung des Jahres 2018 in
  berechtigter Weise darauf vertraut, nicht als Arbeitgeberin zu gelten, worin
  sie zu schützen sei. Komme hinzu, dass die Prostituierten nur wenige Tage im
  […] eingemietet gewesen seien und in dieser Zeit einen Lohn von weniger als
  Fr. 2'300.- erzielt hätten, sodass selbst bei Bejahung der
  Arbeitgebereigenschaft keine Pflicht zum Entrichten von
  AHV-Arbeitgeberbeiträgen bestehe. Nichts Anderes ergebe sich daraus, dass die
  allermeisten Prostituierten im Meldeverfahren in die Schweiz eingereist
  seien, in welchem keine AHV-Beitragspflicht bestehe.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin weist hingegen darauf hin,
  dass die Beschwerdeführerin von ihrer Vorgängerin das gesamte Geschäft
  übernommen habe, wozu die Räumlichkeiten, das Inventar und die Homepage
  gehörten. Die Vorgängerin der Beschwerdeführerin sei als Arbeitgeberin
  aufgetreten, was der Beschwerdeführerin gestützt auf die vorhandenen Belege
  habe bewusst sein müssen. Daher sei auch sie als Arbeitgeberin einzustufen.
  Sie sei nämlich für die Werbung und die Reinigung des […] zuständig und trete
  auf dessen Homepage als "[…] Leitung" auf. Sie stelle den
  Prostituierten die Infrastruktur bereit und übernehme die Werbung, womit
  diesen die Berufsausübung erleichtert werde. Da diese von ihrem Umsatz
  40 % der Beschwerdeführerin abgeben müssten, trage Letztere das
  Unternehmensrisiko, denn wenn die Prostituierten nichts verdienten, erhalte
  auch sie keine Einnahmen. Weiter erfolge die Werbung auf der Homepage von […]
  und damit unter dem Namen des Etablissements, wobei den Frauen keine
  Möglichkeit gegeben werde, sich und ihre Bedingungen sowie die für die
  angebotenen Dienstleistungen anfallenden Kosten individuell aufzuführen.
  Damit seien die Frauen auf einen guten Ruf des Etablissements angewiesen, was
  einem Unterordnungsverhältnis gleichkomme. Überdies habe die
  Beschwerdeführerin jeweils die Quellensteuer für die Prostituierten
  abgerechnet und diese beim Arbeitsinspektorat mit dem Meldeformular für
  Arbeitgeber angemeldet, obwohl ihr auch das Merkblatt für selbständig
  Erwerbstätige im Erotikbereich ausgehändigt worden sei. Schliesslich seien
  die Voraussetzungen des Vertrauensschutzes vorliegend nicht erfüllt, habe sie
  die Beschwerdeführerin doch bereits im Jahr 2018 als Arbeitgeberin
  aufgenommen, was sie dieser auch schriftlich eröffnet gehabt habe. Damit
  übereinstimmend habe sie die Prostituierten auch zu keinem Zeitpunkt als
  selbständig Erwerbende eingestuft.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Vom Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit
  respektive vom massgebenden Lohn werden paritätische Arbeitnehmer- und
  Arbeitgeberbeiträge erhoben (Art. 5 Abs. 1 und Art. 13 AHVG). Als
  massgebender Lohn gilt jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf
  bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit zuzüglich allfällige
  Zuschläge (vgl. Art. 5 Abs. 2 AHVG). Vom Einkommen aus selbständiger
  Erwerbstätigkeit wird demgegenüber ein Beitrag des Selbständigerwerbenden
  erhoben (Art. 8 AHVG). Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ist
  jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung
  geleistete Arbeit darstellt (Art. 9 Abs. 1 AHVG). 

  
	
   

  
	
  3.2 Die Frage, ob im Einzelfall eine selbständige oder
  unselbständige Tätigkeit vorliegt, beurteilt sich nicht auf Grund der
  Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend
  sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen
  Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche
  Qualifikation liefern, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig
  erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in
  betriebswirtschaftlicher bzw. arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig
  ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus diesen Grundsätzen
  alleine lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch
  anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben
  anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung
  einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des
  Einzelfalls zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten
  zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser
  Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGer-Urteil 9C_246/2011 vom
  22. November 2011 E. 5.2). 

  
	
   

  
	
  3.3 Können Frauen ihre sexuellen Dienstleistungen in
  einem Etablissement ohne grösseren Aufwand in organisatorischer und
  finanzieller Hinsicht anbieten und ihre Tätigkeit zudem relativ kurzfristig
  beenden und an eine neuere, eventuell geeignetere Örtlichkeit verlegen,
  obliegt ihnen ein klar kalkulierbares und einfach zu begrenzendes
  finanzielles Risiko. Daher ist in diesem Falle nicht von einem spezifischen
  Unternehmerrisiko auszugehen. Vermietet überdies das Etablissement an die bei
  ihm tätigen Frauen Zimmer, kann es ungeeignete oder ihr unpassenden Damen
  ablehnen, womit es alleine darüber bestimmt, wer bei ihm tätig sein darf und
  wer nicht. Betreibt das Etablissement eine eigene Homepage, worauf es Werbung
  unter dem Namen des Etablissements macht und ist darauf keine eigene,
  individuelle Darstellung der Frauen möglich, sodass keine Möglichkeit der
  Kunden besteht, direkt mit den Frauen in Kontakt zu treten, sondern sich
  diese dafür an das Etablissement zu halten haben, spricht dies nicht für das
  Vorliegen einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Stattdessen kommt dies einem
  Unterordnungsverhältnis gleich. Denn von der in den Vordergrund gestellten
  Werbung des Etablissements hängt, zumindest teilweise, auch der finanzielle
  Erfolg der einzelnen Frauen ab, da diese auf einen guten Ruf des
  Etablissements angewiesen sind, um ihren Geschäftsgang sicherstellen zu
  können (BGer-Urteil 9C_246/2011 vom 22. November 2011 E. 6.2 und
  6.6). 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1

  
	
  4.1.1 Den im […] tätigen Frauen stellt die
  Beschwerdeführerin ein für deren Tätigkeit ausgestattetes Zimmer zur
  Verfügung, wofür die Frauen einen im Voraus klar bestimmten Mietzins von
  40 % des Umsatzes zu entrichten haben. Da der Mietzins indessen nur
  anfällt, wenn die Frauen auch tatsächlich über Kunden verfügen, tragen die
  Frauen kein finanzielles Risiko. Dieses obliegt stattdessen vollumfänglich
  der Beschwerdeführerin, denn sie generiert nur Einnahmen, wenn die jeweils im
  […] tätigen Frauen selber einen Umsatz erzielen können. Folglich hängen die
  Einnahmen der Beschwerdeführerin gänzlich vom beruflichen Erfolg der im [...]
  tätigen Frauen ab. Dies wird zusätzlich dadurch akzentuiert, als dass die
  Beschwerdeführerin vorbringt, die im [...] tätigen Frauen nicht zu
  kontrollieren und den ihr zustehenden Mietzins auf Vertrauensbasis
  einzuziehen. Dies erscheint indessen kaum nachvollziehbar, muss sie doch als
  Mieterin der das [...] beheimatenden Dreizimmerwohnung in […] allmonatlich
  den Mietzins von Fr. […] dem Vermieter entrichten und ist doch davon
  auszugehen, dass sie daneben auch selber einen Verdienst erwirtschaften
  möchte. Weiter steht es den Frauen frei, das von ihnen gemietete Zimmer auch
  nur nach einer Nutzung von wenigen Tagen wieder zu verlassen und ihre
  Tätigkeit an eine neue, womöglich geeignetere Örtlichkeit zu verlegen.
  Diesfalls obliegt es der Beschwerdeführerin, eine neue Mieterin für das
  Zimmer zu finden, sodass die fehlenden Mieteinnahmen bei einem Leerstand
  eines Zimmers abermals deren wirtschaftliches Risiko darstellen. Damit sind
  den im [...] tätigen Frauen die anfallenden Ausgaben für die Nutzung des
  Zimmers von Vornherein bekannt, womit sie das mit dem Abschluss des
  Mietvertrags für das Zimmer eingehende Risiko klar kalkulieren können. Zudem
  ist das wirtschaftliche Risiko, welches die Frauen eingehen – im Gegensatz zu
  demjenigen der Beschwerdeführerin –, minimal, fallen die Ausgabe für die
  Nutzung des Zimmers doch lediglich dann an, wenn auch Einnahmen erzielt
  werden. Dabei ist zudem zu beachten, dass die Beschwerdeführerin als
  Vermieterin der Zimmer bestimmen kann, ob eine bestimmte Dame ein Zimmer
  mieten kann und im Namen von [...] ihre Dienstleistungen anbieten darf.
  Folglich bestimmt sie alleine, wer bei ihr tätig ist.

  
	
   

  
	
  4.1.2 Weiter übernimmt die Beschwerdeführerin die Werbung
  im Internet und in den Zeitungen. Zu diesem Zweck unterhält sie namentlich
  eine Homepage, womit das Etablissement [...] angepriesen wird. Unter der
  Rubrik […] sind auf der Homepage Bilder der im [...] zur jeweiligen Zeit
  tätigen Frauen zu finden, wobei jeweils deren Name, deren Alter sowie deren
  Arbeitstage vermerkt sind. Für die Kontaktaufnahme mit dem Etablissement
  [...] wird eine Natelnummer angegeben, eine direkte Kontaktaufnahme eines
  Kunden mit den jeweiligen Frauen ist hingegen nicht möglich. Ebenso wenig
  finden sich auf der Homepage eine individuelle Darstellung der jeweiligen
  Prostituierten sowie eine Angabe der jeweils von der betreffenden Frau
  angebotenen Dienstleistung und der dafür anfallenden Kosten. Stattdessen
  werden die Preise für die im [...] angebotenen Dienstleistungen pauschal mit
  Fr. […] für 30 Minuten bis Fr. […] für 60 Minuten einheitlich
  beziffert. Damit vermarkten sich die im [...] tätigen Frauen nicht
  individuell, sondern treten als für das [...] tätige Prostituierte auf, womit
  ihr finanzieller Erfolg nicht zuletzt auch auf einen guten Ruf des
  Etablissements angewiesen ist. Dies deutet nicht auf eine selbständige
  Tätigkeit der Frauen hin, sondern kommt einem Unterordnungsverhältnis gleich.
  Daran ändert auch nichts, dass die Beschwerdeführerin geltend macht, der bei
  ihr tätigen Frauen keine Weisungen erteilt zu haben. Denn für die Frage des
  Vorliegens einer selbständigen oder unselbständigen Erwerbstätigkeit sind die
  wirtschaftlichen Gegebenheiten entscheidend und nicht die Rechtsnatur des
  (zivilrechtlichen) Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien
  (vgl. E. II/3.2 vorne). 

  
	
   

  
	
  4.1.3 Sodann ist unbestritten, dass die
  Beschwerdeführerin für die im [...] in der Vergangenheit tätigen Frauen jeweils
  die Arbeitsbewilligung einholte und dazu das Formular für unselbständig
  Erwerbstätige ausfüllte. Sofern die Beschwerdeführerin diesbezüglich
  vorbringt, es gebe nur dieses Formular, weshalb daraus nichts abgeleitet
  werden könne, ist dies wenig glaubhaft und folglich als Schutzbehauptung
  einzustufen, findet sich doch in den Akten auch ein Informationsblatt für
  selbständig Erwerbstätige im Erotikbereich. Dass sich die Beschwerdeführerin
  für die im [...] tätigen Frauen mehr als eine gewöhnliche Vermieterin
  verantwortlich fühlte, ergibt sich im Übrigen auch daraus, dass sie für diese
  unbestrittenermassen regelmässig die Quellensteuerabrechnung ausfüllte und
  damit Tätigkeiten übernahm, welche ihr als gewöhnliche Vermieterin nicht
  oblegen wären. 

  
	
   

  
	
  4.2 Soweit die Beschwerdeführerin sich sodann auf den
  Vertrauensschutz beruft und anführt, die Beschwerdegegnerin habe sie nach
  Abgabe der Lohndeklaration 2018 nicht als Arbeitgeberin eingestuft, worauf
  sie sich habe verlassen können, ist ihr nicht zu folgen. Denn entgegen den
  Vorbringen der Beschwerdeführerin wurde sie von der Beschwerdegegnerin
  bereits mit Wirkung ab 1. April 2018 als Arbeitgeberin erfasst, was ihr mit
  Schreiben vom 7. September 2018 mitgeteilt worden war. Daher wurde sie in der
  Folge einmal jährlich aufgefordert, die Lohndeklarationen für die Jahre 2018
  bis 2020 auszufüllen. Die Pflicht, allfällig ausbezahlten Lohn zu
  deklarieren, obliegt definitionsgemäss nur als Arbeitgeber erfassten
  Personen, worauf die Beschwerdegegnerin zu Recht hinweist. Folglich besteht
  für die Anrufung des Vertrauensschutzes keinen Raum, mangelt es doch bereits
  an einer Vertrauensgrundlage (vgl. Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann,
  Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. A., Zürich/St. Gallen 2020,
  Rz. 627 ff.) 

  
	
   

  
	
  4.3 Nicht weiter einzugehen ist schliesslich darauf, ob
  die Beschwerdeführerin auch tatsächlich Beiträge als Arbeitgeberin bezahlen
  muss, bildet doch vorliegend einzig die Frage, ob die Beschwerdeführerin als
  Arbeitgeberin einzustufen ist, Verfahrensgegenstand, und eben nicht die Höhe
  der zu leistenden Beiträge. Lediglich der Vollständigkeit halber anzufügen
  bleibt, dass die von der Beschwerdeführerin allenfalls zu leistenden Beiträge
  erst nach Bekanntgabe womöglich bezahlter Löhne berechnet werden können. Es
  ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin die von der im [...]
  tätigen Frauen erzielten Einnahmen bekannt sind, hat sie doch für diese
  jeweils die Abrechnung für die Quellensteuer erstellt, wozu sie die jeweils
  erzielten Einnahmen angeben musste. Darüber hinaus sollte die
  Beschwerdeführerin in der Lage sein, die Einnahmen der im [...] tätigen
  Frauen auch gestützt auf die ihr geleisteten Abgaben berechnen zu können,
  beträgt doch das ihr zustehende Honorar 40 % des von den Frauen
  erzielten Umsatzes.

  
	
   

  
	
  4.4 Zusammenfassend ist die Beschwerdeführerin als
  Arbeitgeberin einzustufen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1
  AHVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG). Mangels Obsiegens steht der
  Beschwerdeführerin sodann keine Parteientschädigung zu (Art. 1 Abs. 1 AHVG
  i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten werden auf die Staatskasse
    genommen. 

    
	
    3.

    	
    Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]