# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3bc97434-b593-5b27-b68a-ad75be8086d3
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 24.06.2024 WPR.2024.55
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2024-55_2024-06-24.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2024.55 / Bu / sf  
ZEMIS [***]; N [***]  

 

 

Urteil vom 24. Juni 2024 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Gerichtsschreiberin i.V. Feusier 

 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau   

vertreten durch Alexia Altunkapan, Bahnhofstrasse 88, 5000 Aarau    

 

 
   

Gesuchsgegner   A._____, von Tunesien   

z. Zt. im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft, 8058 Zürich   

amtlich vertreten durch lic. iur. Dominic Frey, Rechtsanwalt, 

Bachstrasse 57, Postfach, 5001 Aarau    

 

 
   

Gegenstand  Ausschaffungshaft gestützt auf Art. 76 AIG / Haftverlängerung 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Gesuchsgegner reiste erstmals am 14. März 2015 illegal in die 

Schweiz ein (Akten des Amts für Migration und Integration [MI-act.] 594) 

und ersuchte am 25. März 2015 in Vallorbe um Asyl (MI-act. 25).  

 

Mit Verfügung vom 15. Mai 2015 trat das Staatssekretariat für Migration 

[SEM] auf das Asylgesuch des Gesuchgegners nicht ein, wies ihn aus der 

Schweiz in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Frankreich) weg, ordnete 

an, er habe die Schweiz bis zum Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen 

und beauftragte den Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung (MI-

act. 24 ff.). Diese Verfügung erwuchs am 29. Mai 2015 unangefochten in 

Rechtskraft (MI-act. 59). 

 

Mit Verfügung vom 1. Juni 2015 ordnete das SEM gegen den Gesuchs-

gegner ein ab dem 10. Juni 2015 bis zum 9. Juni 2018 gültiges Einreise-

verbot für das Gebiet der Schweiz, Liechtenstein sowie der Schengen-

Staaten an, welches ihm am 3. Juni 2015 eröffnet wurde (MI-act. 56 f., 60). 

Am 10. Juni 2015 wurde der Gesuchsgegner nach Frankreich ausgeschafft 

(MI-act. 61). 

 

Nachdem der Gesuchsgegner am 8. Oktober 2016 trotz bestehenden 

Einreiseverbots erneut illegal in die Schweiz eingereist war (MI-act. 63 ff.), 

wies ihn das SEM mit Verfügung vom 25. Oktober 2016 erneut aus der 

Schweiz in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Frankreich) weg (MI-

act. 92 ff.). Diese Verfügung erwuchs am 31. Oktober 2016 unangefochten 

in Rechtskraft (MI-act. 107). 

 

Am 10. November 2016 eröffnete das SEM dem Gesuchsgegner die Ver-

längerung des Einreiseverbots für das Gebiet der Schweiz, Liechtenstein 

sowie der Schengen-Staaten bis zum 31. Oktober 2019 (MI-act. 119 ff.) 

und am 22. November 2016 erfolgte eine erneute Ausschaffung nach 

Frankreich (MI-act. 123). 

 

Am 4. März 2022 reiste der Gesuchsgegner erneut illegal in die Schweiz 

ein (MI-act. 137 ff.) und ersuchte am 6. März 2022 zum zweiten Mal um 

Asyl (MI-act. 399). Dieses Gesuch lehnte das SEM mit Verfügung vom 

10. Oktober 2022 ab und ordnete die Wegweisung des Gesuchsgegners 

aus der Schweiz und dem Schengen-Raum sowie den Vollzug der Weg-

weisung in den Heimat- bzw. Herkunftsstaat per Haftende an (MI-

act. 399 ff.). Diese Verfügung erwuchs am 10. November 2022 unan-

gefochten in Rechtskraft (MI-act. 410). 

 

Ab dem 5. Juli 2022 befand sich der Gesuchsgegner in Untersuchungshaft 

und wurde später in den vorzeitigen Strafvollzug versetzt (MI-act. 1). Mit 

 - 3 - 

 

 

Urteil des Bezirksgerichts Brugg vom 20. Januar 2023 wurde der Gesuchs-

gegner wegen diverser Delikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 

zwölf Monaten als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil der Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland vom 26. Mai 2022 verurteilt und gleichzeitig für 

zehn Jahre des Landes verwiesen (MI-act. 440 ff.), womit die Zuständigkeit 

für den Wegweisungsvollzug auf den Kanton Aargau überging. Dieser 

Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft (MI-act. 599).  

 

Mit Schreiben vom 1. Februar 2023 bestätigten die tunesischen Behörden 

die Staatsangehörigkeit des Gesuchsgegners (MI-act. 582). 

 

Anlässlich des Ausreisegesprächs vom 19. April 2023 erklärte der 

Gesuchsgegner gegenüber dem Amt für Migration und Integration Kanton 

Aargau (MIKA), er sei nicht bereit, freiwillig nach Tunesien zurückzukehren. 

Dabei gab er an, im Besitz einer französischen Aufenthaltsbewilligung zu 

sein und zu seiner in Frankreich lebenden Familie ausreisen zu wollen (MI-

act. 455 ff.).  

 

Nach diversen medizinischen Abklärungen (MI-act. 553 ff., 558 f., 560 ff.) 

meldete das MIKA den Gesuchsgegner am 1. Dezember 2023 für einen 

Flug nach Tunis an, der auf den 18. Januar 2024 bestätigt wurde (MI-

act. 563, 571). Da für den Gesuchsgegner jedoch nicht rechtzeitig ein Er-

satzreisedokument beschafft werden konnte, musste der Flug vom 

18. Januar 2024 annulliert werden (MI-act. 585 f.). 

 

Nachdem das SEM dem MIKA am 5. März 2024 mitgeteilt hatte, dass die 

tunesische Botschaft bereit sei, für den Gesuchsgegner ein Ersatzreise-

dokument auszustellen (MI-act. 590), wurde der Gesuchsgegner am 

7. März 2024 erneut für einen Flug nach Tunis angemeldet, der auf den 

20. April 2024 bestätigt wurde (MI-act. 607). 

 

Am 12. März 2024 gewährte das MIKA dem Gesuchsgegner das rechtliche 

Gehör betreffend Anordnung der Ausschaffungshaft (MI-act. 619 ff.). Im 

Rahmen dieses Gesprächs gab der Gesuchsgegner zu Protokoll, er wolle 

die Schweiz selbständig in Richtung Frankreich verlassen und sei nicht 

bereit in sein Heimatland Tunesien auszureisen (MI-act. 621 ff.). Im 

Anschluss an dieses Gespräch eröffnete ihm das MIKA die Anordnung der 

Ausschaffungshaft für drei Monate (MI-act. 625 ff.). Mit Urteil des Einzel-

richters des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau (Einzelrichter des 

Verwaltungsgerichts) vom 18. März 2024 wurde die Ausschaffungshaft bis 

zum 1. Juli 2024, 12.00 Uhr, bestätigt (WPR.2024.26; MI-act. 648 ff.).  

 

Mit Schreiben vom 30. März 2024 (Eingang: 4. April 2024) reichte der 

Gesuchsgegner gegen seine Ausschaffung nach Tunesien Beschwerde 

ein. Damit gab er erneut zu verstehen, dass er zwar bereit sei die Schweiz 

zu verlassen, jedoch nicht in Richtung Tunesien, sondern Frankreich, wo 

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seine Tochter lebt (MI-act. 679 f.). Auf dieses Schreiben antwortete das 

MIKA, dass eine Ausreise nach Frankreich nicht möglich sei, da er in Frank-

reich über keine gültige Aufenthaltsbewilligung verfüge und daher allein 

eine Rückführung nach Tunesien in Frage komme (MI-act. 681).  

 

Am 2. April 2024 endete der Strafvollzug und der Gesuchsgegner wurde 

vom Zentralgefängnis Lenzburg in das Zentrum für ausländerrechtliche 

Administrativhaft Zürich (ZAA Zürich) versetzt (MI-act. 656, 671 ff.).  

 

Am 8. April 2024 teilte das SEM dem MIKA mit, dass das Ersatzreise-

dokument für den Gesuchsgegner nun zur Verfügung stehe (MI-act. 684).  

 

Die am 20. April 2024 angesetzte Rückführung konnte nicht durchgeführt 

werden, da der Gesuchsgegner den Abflug verweigerte (MI-act. 695). 

Daraufhin nahm das SEM am 22. April 2024 eine Flugbuchung für einen 

begleiteten Flug (DEPA-Flug) vor, welcher am 29. April 2024 für den 

27. Mai 2024 in Richtung Tunis bestätigt wurde (MI-act. 702 ff., 708 ff.).  

 

Mit Schreiben vom 23. April 2024 wandte sich der Gesuchsgegner an das 

Verwaltungsgericht mit der Bitte, ihn aus der Haft zu entlassen und ihm 

somit eine selbständige Ausreise aus der Schweiz zu ermöglichen (MI-

act. 706 f.). Mit Verfügung vom 29. April 2024 forderte das Verwaltungs-

gericht den amtlichen Rechtsvertreter des Gesuchsgegners auf, bis am 

1. Mai 2024 diesbezüglich Stellung zu nehmen und allenfalls ein 

begründetes Haftentlassungsgesuch nachzureichen (MI-act. 716 f.). In 

seiner Stellungnahme vom 29. April 2024 ersuchte der amtliche Rechts-

vertreter erneut darum, den Gesuchsgegner nach Frankreich ausreisen zu 

lassen, und ergänzte mit Schreiben vom 30. April 2024, dass der Brief des 

Gesuchsgegners vom 23. April 2024 nicht als Haftentlassungsgesuch zu 

verstehen sei (MI-act. 718 f., 764). 

 

Am 30. April 2024 ersuchte das SEM die tunesischen Behörden erneut um 

Ausstellung eines Ersatzreisedokuments, weil das bereits ausgestellte 

Dokument nur 21 Tage gültig und daher für den neu angesetzten Flug nicht 

mehr gültig war (MI-act. 701, 743 ff.).  

 

Am 2. Mai 2024 ersuchte das SEM die französischen Behörden um erneute 

Überprüfung einer Rückübernahme des Gesuchsgegners (MI-act. 755 f.). 

Diese wurde am darauffolgenden Tag von den französischen Behörden ab-

gewiesen (MI-act. 766 ff.).  

 

Mit Eingabe vom 6. Mai 2024 reichte der Gesuchsgegner beim Bundes-

gericht gegen das Urteil des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts vom 

18. März 2024 Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten   ein 

(MI-act. 776 ff.).  

 

 - 5 - 

 

 

Am 14. Mai 2024 informierte das SEM das MIKA darüber, dass das 

Ersatzreisedokument für die am 27. Mai 2024 begleitete Rückführung des 

Gesuchsgegners nach Tunesien beschafft werden konnte (MI-act. 797). 

Die begleitete Rückführung vom 27. Mai 2024 scheiterte erneut, weil der 

Gesuchsgegner den Abflug wiederum verweigerte (MI-act. 835 ff.).  

 

Nachdem das SEM dem MIKA zugesichert hatte, dass ein Sonderflug bis 

Ende 2024 durchgeführt werden könne, nahm das MIKA am 4. Juni 2024 

eine entsprechende Fluganmeldung für den Gesuchsgegner vor (MI-

act. 847 ff.).  

 

Mit Urteil vom 11. Juni 2024 wies das Bundesgericht die Beschwerde des 

Gesuchsgegners ab (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_230/2024 vom 

11. Juni 2024; act. 35 ff.). 

 

B. 

Am 17. Juni 2024 gewährte das MIKA dem Gesuchsgegner das rechtliche 

Gehör betreffend Verlängerung der Ausschaffungshaft um weitere 

drei Monate (MI-act. 857 ff.). Im Anschluss an die Befragung wurde dem 

Gesuchsgegner die Verlängerung der Ausschaffungshaft wie folgt eröffnet 

(act. 1): 

 

1. 
Die Ausschaffungshaft wird gestützt auf Art. 79 AIG für drei Monate, bis 
zum 30. September 2024, 12.00 Uhr, verlängert. 
 
2. 
Eventualiter wird gestützt auf Art. 78 AIG eine Durchsetzungshaft an-
geordnet. 
 
3. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
(ZAA) vollzogen. Soweit für die Befragung oder die Durchführung einer 
Haftverhandlung zwingend, erfolgt die Inhaftierung für die notwendige 
Dauer im Bezirksgefängnis Aarau. 
 

 

C. 

Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des Ver-

waltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und der Gesuchsgegner 

befragt. 

 

D. 

Der Gesuchsgegner liess folgende Anträge stellen (Protokoll S. 4, act. 48): 

 

1. 
Der Antrag auf Anordnung der Ausschaffungshaft sei abzuweisen. Herr 
A._____ sei per sofort aus der Haft zu entlassen. 
 

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2. 
Eventualiter: 
Der Antrag auf Anordnung der Durchsetzungshaft sei abzuweisen. Herr 
A._____ sei per sofort aus der Haft zu entlassen. 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I.  

1. 

Ordnet das MIKA eine Haftverlängerung an, so ist diese durch die 

richterliche Behörde vor Ablauf der bereits bewilligten Haft zu überprüfen 

(BGE 128 II 241, Erw. 3.5), wobei die betroffene Person auf die 

Durchführung einer Verhandlung mit Parteibefragung verzichten kann 

(Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359, 

Erw. I/4.3 ff.). 

 

2. 

Im vorliegenden Fall wurde die bestehende Haft bis zum 1. Juli 2024, 

12.00 Uhr, bestätigt (Entscheid des Verwaltungsgerichts WPR.2024.26 

vom 18. März 2024; MI-act. 648 ff.). 

 

Die Verhandlung betreffend Bewilligung der Haftverlängerung erfolgte am 

24. Juni 2024 und damit vor Ablauf der bestehenden Haft. 

 

II. 

1. 

Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet, 

kann die zuständige kantonale Behörde die betroffene Person zur Sicher-

stellung des Vollzugs in Haft nehmen bzw. bei bestehender Haft eine 

Haftverlängerung anordnen (Art. 76 AIG). 

 

Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 AIG ist gemäss § 13 

Abs. 1 EGAR das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde die Haftverlängerung 

durch das MIKA und damit durch die zuständige Behörde angeordnet 

(act. 1 ff.). 

 

2. 

2.1. 

Das MIKA begründet die Haftverlängerung damit, dass es den Gesuchs-

gegner aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den Vollzug 

sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt. 

 

2.2. 

Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft 

rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher 

Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG). 

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Mit Verfügung vom 10. Oktober 2022 lehnte das SEM das (zweite) Asyl-

gesuch des Gesuchsgegners ab und wies ihn aus der Schweiz weg (MI-

act. 399 ff.). Dieser Entscheid erwuchs am 10. November 2022 unan-

gefochten in Rechtskraft (MI-act. 410). Ferner wurde der Gesuchsgegner 

mit Urteil des Bezirksgerichts Brugg vom 20. Januar 2023 für eine Dauer 

von zehn Jahren des Landes verwiesen (MI-act. 440 ff.). Dieses Urteil ist 

ebenfalls unangefochten in Rechtskraft erwachsen (MI-act. 599). Damit 

liegt nicht nur ein rechtskräftiger Wegweisungsentscheid, sondern auch 

eine rechtskräftige Landesverweisung vor.  

 

2.3. 

Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist, 

dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen Grün-

den undurchführbar ist. 

 

Es sind keine Anzeichen vorhanden, die an der Ausschaffungsmöglichkeit 

in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Zweifel aufkommen lassen 

würden. 

 

3. 

Die mit Urteil vom 18. März 2024 festgestellten und vom Bundesgericht mit 

Urteil vom 11. Juni 2024 bestätigten Haftgründe der Untertauchensgefahr 

und der Verurteilung wegen eines Verbrechens bestehen nach wie vor (vgl. 

WPR.2024.26, Erw. II/3; MI-act. 664 ff.; BGer 2C_230/2024, act. 35 ff.).  

 

4. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor 

(Protokoll S. 3, act. 47). 

 

5. 

Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem Be-

schleunigungsgebot (Art. 76 Abs. 4 AIG) nicht ausreichend Beachtung 

geschenkt hätte. 

 

6. 

6.1. 

Gemäss Art. 79 Abs. 1 AIG darf die ausländerrechtliche Inhaftierung im 

Sinne von Art. 75 – 78 AIG zusammen die maximale Haftdauer von 

sechs Monaten nicht überschreiten. Eine darüber hinausgehende Ver-

längerung auf höchstens 18 Monate, bzw. für Minderjährige zwischen 15 

und 18 Jahren auf höchstens zwölf Monate, ist nur zulässig, wenn 

entweder die betroffene Person nicht mit den zuständigen Behörden 

kooperiert oder sich die Übermittlung der für die Ausreise erforderlichen 

Unterlagen durch einen Staat, der kein Schengen-Staat ist, verzögert 

(Art. 79 Abs. 2 AIG). 

 - 8 - 

 

 

 

6.2. 

Im vorliegenden Fall befindet sich die Gesuchsgegner mit Ablauf der 

bewilligten Haft bereits seit drei Monaten in ausländerrechtlicher Haft im 

Sinne von Art. 75 – 78 AIG (Ausschaffungshaft 2. April 2024 – 1. Juli 2024). 

 

Die sechsmonatige Frist wird damit am 1. Oktober 2024 enden und die Haft 

kann längstens bis zum 1. Oktober 2025 verlängert werden. 

 

6.3. 

Das MIKA ordnete die Verlängerung der Ausschaffungshaft um weitere 

drei Monate, d.h. bis zum 30. September 2024, an.  

 

Da die ausländerrechtliche Inhaftierung im Sinne von Art. 75 - 78 AIG im 

vorliegenden Fall die Dauer von sechs Monaten nicht überschreitet, bedarf 

es keiner Prüfung der Voraussetzungen von Art. 79 Abs. 2 AIG. 

 

Nachdem die maximal zulässige Haftdauer nicht überschritten wird sowie 

der Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten des Gesuchs-

gegners abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen kommen 

kann, ist die angeordnete Haftverlängerung nicht zu beanstanden. Im 

Übrigen ist festzuhalten, dass das MIKA bisher stets bemüht war, 

Ausschaffungen so rasch wie möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA 

entgegen seiner bisherigen Gewohnheit das Beschleunigungsgebot ver-

letzen, besteht die Möglichkeit, ein Haftentlassungsgesuch zu stellen. 

 

7. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftverlängerung deshalb nicht 

zu bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der Ver-

hältnismässigkeit verstossen würde. 

 

Der Gesuchsgegner macht geltend, er habe starke Fussschmerzen die 

kaum aushaltbar seien und er wolle endlich behandelt werden (Protokoll 

S. 3, act. 47). Weiter sei eine adäquate Behandlung dieser Schmerzen im 

ZAA nicht möglich, weshalb der Gesuchsgegner aus der Haft zu entlassen 

sei (act. 53). Dem kann nicht gefolgt werden, zumal nicht ersichtlich ist, 

inwiefern die genannten Schmerzen Einfluss auf die Hafterstehungsfähig-

keit des Gesuchsgegners hätten. Darüber hinaus wurde offenbar bereits 

ein Arzttermin für den Gesuchsgegner vereinbart, um die medizinische 

Behandlung des Problems zu gewährleisten (Protokoll S. 3, act. 47). Sollte 

sich herausstellen, dass der Gesuchsgegner tatsächlich nicht hafter-

stehungsfähig ist, ist dies im Rahmen eines Haftentlassungsgesuchs zu 

berücksichtigen.  

 

Eine mildere Massnahme zur Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung 

ist nicht ersichtlich. Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich 

 - 9 - 

 

 

keine Anhaltspunkte, welche gegen eine Haftverlängerung sprechen 

würden. Insgesamt sind zum aktuellen Zeitpunkt keinerlei Gründe er-

sichtlich, welche die Verlängerung der Haft als unverhältnismässig er-

scheinen liessen. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

2. 

Der mit Urteil vom 18. März 2024 bestätigte amtliche Rechtsvertreter bleibt 

im Amt und kann seine Kostennote im Rahmen des Verfahrens 

WPR.2024.26 einreichen.  

 

IV. 

1. 

Der Gesuchsgegner wird darauf hingewiesen, dass ein Haftentlassungs-

gesuch frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung gestellt werden 

kann (Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist (§ 15 Abs. 1 

EGAR). 

 

2. 

Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine 

weitere Verhandlung mit Parteibefragung durchzuführen (vgl. Aargauische 

Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359., Erw. I/4.3 ff.). 

Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hat das MIKA dem Gesuchsgegner 

daher die Frage zu unterbreiten, ob er die Durchführung einer mündlichen 

Verhandlung wünscht und ob er in diesem Fall eine Präsenzverhandlung 

verlangt oder mit einer Skype-Verhandlung einverstanden ist (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 19. November 2021) . Die Anordnung 

einer allfälligen Haftverlängerung ist dem Verwaltungsgericht spätestens 

acht Arbeitstage vor Ablauf der bewilligten Haft einzureichen. 

 

3. 

Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen 

Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das 

Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 17. Juni 2024 angeordnete Verlängerung der Ausschaffungshaft 

wird bis zum 30. September 2024, 12.00 Uhr, bestätigt. 

 

 - 10 - 

 

 

2. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich zu 

vollziehen. Für die Dauer der Befragung oder die Durchführung einer 

Haftverhandlung kann die Inhaftierung, soweit zwingend notwendig, im 

Bezirksgefängnis Aarau erfolgen. 

 

3. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

4. 

Der Rechtsvertreter wird aufgefordert, nach Haftentlassung des 

Gesuchsgegners seine detaillierte Kostennote im Verfahren WPR.2024.26 

einzureichen. 

 

 
   

Zustellung an: 

den Gesuchsgegner (Vertreter, im Doppel) 

das MIKA (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 24. Juni 2024 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Busslinger Feusier