# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7c3c90b-5b8c-5ec5-b92c-c9a6704dcb20
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-08-30
**Language:** de
**Title:** berufliche Erstausbildung; Ausbildung zum Informatiker wegen psychischer Instabilität, nach Klinikaufenthalten und Ausbildungsversuchen nicht geeignet
**Docket/Reference:** IV.2013.00205
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00205.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00205
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiber Brugger
Urteil
vom
30. August 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Urs
Leemann
Technikumstrasse
84, 8400 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
,
geboren 1990,
wurde
im Juni 1996 von seinen Eltern
wegen einer
Sprach
entwicklungs
störung
bei der
Invalidenversicherung an
gemeldet
(
Urk.
9/1
Ziff.
5.2,
Urk.
9/5 S. 1
)
. Das Sozialversicherungsamt Schaffhausen, IV-Stelle
Schaffhausen
,
sprach
dem Versicherten
Sonderschul
massnahmen
sowie
medizinische Massnahmen zur Behandlung des
Geburtsge
brechens
Nr. 390 zu
(
Urk.
9/6 S. 1,
Urk.
9/12
,
Urk.
9/1
4
S. 1
).
1.2
Am 19. Juni 2008 meldete sich der Versicherte wegen einer Skoliose/Kyphose bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle Zürich (nach
folgend
:
IV-Stelle),
an
und
beantragte
berufliche Massnahmen (
Urk.
9/18
Ziff.
5.2 und 5.7)
. Die
IV-Stelle
holte medizinische Berichte (
Urk.
9/22
,
Urk.
9/25
,
Urk.
9/49
) ein und verneinte mit Verfügung vom 21. September 2009 (
Urk.
9/50) einen Ansp
ruch
auf berufliche Massnahmen, da aufgrund
des
Ge
sundheitszustandes
des Versicherten
zurzeit keine
solchen
möglich seien.
Mit
Verfügung v
om 11. Februar 2010 (
Urk.
9/61
,
Urk.
9/58
)
sprach die IV-Stelle dem Versicherten
rückwirkend ab dem 1. August 2008 eine ga
nze ausserorden
t
liche R
ente zu
.
1.3
In der Folge teilte d
er
Versicherte
der IV-Stelle
im September 2011
mit
, dass
er
im August
2011
bei der
Y.___
,
e
ine
vierjährige
Ausbildung zum Informatiker
begonnen habe
(
Urk.
9/100,
Urk.
9/108 S. 3).
Nach
Abbruch der Ausbildung
Ende Oktober 2011
begann er
im August 2012 erneut mit der Ausbildung zum Informatiker
(
Urk.
9/110 S. 3).
N
ach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/10
6
-112)
lehnte die IV-Stelle
eine Kostengutsprache für
die
Ausbildung
zum Informatiker mit Verfü
gung vom 30. Januar 2013 (
Urk.
9/113
=
Urk.
2
) ab.
2.
Gegen die Verfügung vom 30. Januar 2013 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 26. Februar 2013 Beschwerde mit dem Rechts
be
gehren, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Kostengutsprache für die vierjährige Ausbildung zum
In
formatiker an der
Y.___
zu erteilen. Die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihm die Kosten für das erste und zweite
Semester im Betrag von
Fr.
19‘100.-- (je
Fr.
9‘500.-- pro Semester) zu vergüten und die Kosten für jedes weitere Semester, für das er zugelassen werde, zu bezahlen.
Eventuell se
i die IV-Stelle zu verpflichten, die Kosten der Schule im Betrag von
Fr.
19‘100.-- rückwirkend zu übernehmen, sobald und sofern er den Übertritt in das dritte Semester des Ausbildungslehrganges schaffe, und es sei ihm unter den nämli
chen
Bedingungen bereits heute Kostengutsprache für die weiteren
Ausbil
dungssemester
zu erteilen, sofern er jeweils für den Besuch des Folgesemesters zugelassen werde (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3). Verfahrensrechtl
ich beantragte der Versicherte die Bewilligung der
unentgeltliche
n
Prozessführung und
Rechtsver
tretung
(
Urk.
1 S. 3 oben).
Dieses Gesuch zog er a
m
1. März 2013
zurück
(
Urk.
6).
Die IV-Stelle beantragte am
2.
April 2013 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8). Dieses Schreiben wurde dem Versicherten am 2
2.
April 2013 zugestellt (
Urk.
10).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den All
-
gemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu er
halten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen er
füllt sind (
Abs.
1).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen in (
Abs.
3):
medizinischen Massnahmen (
lit
. a);
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliede
rung (
lit
.
a
bis
);
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Aus
-
bil
dung
, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe,
lit
. b);
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.2
Nach Art. 16
Abs.
1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz die
ser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person ent
spricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5
Abs.
1 der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) jede Berufslehre oder
Anlehre
sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
1.3
In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen
Eingliederungs
zweck
angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren (BGE 110 V 99). Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Ein
zelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 108 E. 2a mit Hinweisen; AHI 2003 S. 213 E. 2.3, 2002 S. 106 E. 2a). Eine Eingliederungsmassnahme hat neben den in Art. 8
Abs.
1 IVG ausdrücklich genannten Erfordernissen der Ge
eignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (Verhält
nismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des
Verhältnismässig
keitsgrundsatzes
zu genügen.
Sie muss demnach unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem an
gemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungsziel stehen. Dabei las
sen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die Massnahme prognostisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit aufweisen; so
dann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte Eingliederungserfolg vo
raussichtlich von einer
ge
Y
.___
en Dauer ist; des Weitern muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten Einglie
derungsmassnahme stehen; schliesslich muss die konkrete Massnahme dem Be
troffenen auch zumutbar sein (BGE 132 V 215 ff. E. 3.2.2 und 4.3.1, 130 V 488 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_812/2007 vom 6. Oktober 2008
E. 2.3; MEYER-BLASER, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen
Leis
tungsrecht
,
Diss
. Bern 1985, S. 77 ff., insbes. S. 83 ff.; JÜRG MAESCHI, Kom
mentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung [MVG] vom
19. Juni 1992, Bern 2000, N 18 f. zu Art. 33).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete
die Ablehnung
einer
Kostengutsprache
in der angefochtenen Verfügung
dahingehend
,
der Beschwerdeführer hab
e
ein An
gebot für eine Berufsausbildung in einem seiner gesundheitlichen
Beeinträchti
gung angepassten Rahmen nicht angenommen. Gemäss Rücksprache mit der
Y.___
sei
der erfolgreiche Abschluss aller vier
Ausbil
dungsjahre
immer
noch als sehr fraglich zu bezeichnen, insbesondere weil die Anforderungen im Laufe der Ausbildung ansteigen würden
. Die Ausbildung an einer Schule ohne weitere
Betreuung biete angesichts der bisherigen Entwick
lung nicht den geeigneten Rahmen
(
Urk.
2 S. 1
f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer
brachte vor
, er habe seit einer stationären Therapie von Mai bis Juli 2010 in seiner Entwicklung trotz zwischenzeitlicher Rückschläge insgesamt markante Fortschritte gemacht. Ein sichtbares Zeichen
dieser
Fort
schritte könne auch darin gesehen werden, dass eine errichtete Beistandschaft nach Art. 392/393 des
Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (ZGB) im Sommer
2011
aufgehoben worden sei (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
3.1 unten).
Wesentlich sei, dass er sich auch heute noch relativ engmaschig in psychiatrisch/psychotherapeutischer Behandlung befinde (
Urk.
1 S. 7
Ziff.
3.1 oben).
Die Aussage des Schulleiters, wonach der erfolgreiche Abschluss aller vier
Ausbil
dungsjahre
immer noch als sehr fraglich zu bezeichnen sei, sei mit Vor
sicht zu geniessen, da sie sich auf eine nicht überprüfbare Telefon-Notiz stütze (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
3.2.1 oben).
2.3
Strittig
und zu prüfen
ist
,
ob
sich die Beschwerdegegnerin an den Kosten für die
vom Beschwerdeführer bereits begonnene
Ausbildung zum Informatiker
an der
Y.___
zu
beteiligen hat.
Nachfolgend ist auf die medizinischen Akten einzugehen.
3.
3.1
Dr.
med.
Z.___
, FMH Kinder- und Jugendpsychiatrie und -
psychothera
pie
,
berichtete
am 26. Juni 2008 (
Urk.
9/22/2-3)
,
der Beschwerdeführer
habe
die Schule
kurz nach Beginn des 10. Schuljahres nach verschiedenen Versuchen mit jeweils heftiger Paniksymptomatik im Herbst 2007 abgebrochen. In der Folge habe er ein ausgesprochen starkes Vermeidungs- und Rückzugsverhalten ent
wickelt.
Auch
habe
er Ende 2007 die Medikation abgesetzt und ei
ne Psycho
therapie abgebrochen
. Wegen der schwierigen psychischen Situation sei es bis
her nicht möglich
gewesen, den Beschwerdeführer
in eine Arbeitstätigkeit oder
ein Praktikum zu platzieren, eine Lehrstelle zu suchen oder geeignete
Über
gangsmassnahmen
einzurichten. Demzufolge sei es
ihm
nicht möglich, eine berufliche Ausbildung in der freien Marktwirtschaft zu beginnen (
Ziff.
1.2). Die Symptomatik mit sozialer Phobie und leichten Panikattacken habe sich bereits im Oberstufenschulalt
er zirka ab 2006 entwickelt und
sich erschwerend ausge
wirkt (
Ziff.
2.3).
Der Gesundheitszustand sei mit geeigneter psychiatrischer und medikamentöser Behandlung
,
und vor allem
mit
geeigneten Eingliederungsmassnahmen sicher besserungsfähig (
Ziff.
1.4).
Der Beschwerdeführer benötige rasch möglichst be
rufliche Eingliederungsmassnahmen mit einer Ausbildungsmöglichkeit in einem geeigneten, geschü
tzten
Rahmen mit guter Betreuung (
Ziff.
2.7).
3.2
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Kinder und Jugendmedizin, Regionalärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), hielt in einer Stellungnahme
vom
27. Oktober 2008 fest, ein
objektiver
Gesundheitsschaden nach Art. 16 IVG sei seit dem 21. August 2007 ausgewiesen und begründet durch das psychische Leiden. Es sei auch weiterhin von einer Beeinträchtigung der Ausbildungs- und Ar
beitsfähigkeit auszugehen.
Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen wirkten sich gesamthaft auf die berufliche Ausbildung aus und liessen einen zeitlichen und organisatorischen Mehraufwand nachvollziehen (soziale Phobie,
Panikatta
cken
, depressive Reaktionen, Rückzugs- und Vermeidungsverhalten).
Aufgrund der Symptome und
einer
Labilität, mit Rückzugsverhalten und depressi
ver Verstimmung zu reagieren, sei für die Ausbildung ein geschützter Rahmen anzuraten, sofern nicht
zwischenzeitlich eine entscheidende Änderung der therapeutischen oder der Lehrstellensituation eintrete. Als Belastungsprofil sei ein wohlwollendes, ruhiges und unterstützendes Arbeitsumfeld sowie Stressreduktion zu nennen. Ausbildungen beziehungsweise Berufe, die körper
lich schwere Arbeiten sowie Arbeiten
mit
wirbelsäulenbelastende
n
Zwangshal
tungen
beinhalten würden, seien nicht zu empfehlen. Unter begleitender psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung und Medikation sowie bei opti
malen Ausbildungsbedingungen sei ein Arbeitspensum von 100
%
ohne we
sentliche Leistungsminderung zu erwarten (
Urk.
9/41 S. 3
, vgl. auch die Stel
lungnahme des RAD vom 26. Mai und 3. Juni 2009,
Urk.
9/41 S. 4
).
3.3
Dr.
med.
B.___
nannte in einem Bericht vom 24. August 2009
(
Urk.
9/49/6)
als Diagnosen eine Adoleszentenkrise mit sozial
en Ängsten, zu
nehmenden Zwängen,
narzisstische
m E
inbunkern, Waschzwang und in der Differentialdiagnose eine beginnende schizophrene Erkrankung (
Ziff.
1.1).
Dr.
B.___
führte weiter aus, b
eim Beschwerdeführer
bestehe keine Motivation für eine Behandlung (
Ziff.
1.4).
In der Schulzeit habe wegen Ängsten und sozi
alem Rückzug eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden (
Ziff.
1.6).
3.
4
D
er Beschwerdeführer
wurde
am 4.
Mai 2010 mittels fürsorgerischer Freiheitsent
ziehung
in das
C.___
eingewiesen (
Urk.
9/66 S. 2
lit
. D).
Nach einem Bericht von
Dr.
med.
D.___
, Assistenzarzt
, u
nd
Dr.
med.
E.___
,
O
berarzt,
im C.___
, vom 15. April 2011 (
Urk.
9/89) war der Beschwerdeführer vom 28. Oktober bis 4. November 2009
und
vom 4. Mai bis 1. September
2010
im
C.___
in stationärer
Behandlung
(
Ziff.
1.3).
Dr.
D.___
und
Dr.
E.___
nannten
als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangshandlungen (Waschrituale)
ge
-
gen
wärtig
remittiert
-
geringgradige
depressive Episode ohne somatisches Syndrom
-
beide mit Erstdiagnose Oktober 2009
-
mehrfache Rückenoperation
en aufgrund einer Kyphose, 2006
Die behandelnden Ärzte
führten zur Krankengeschichte aus,
laut
dem Patienten habe 2007 eine ambulante
(
kinder- und jugendpsychiatrische
)
Behandlung mit
Sertralin
(gegen die Zwangssymptomatik) für einige Monate eine deutliche Besserung des Zustandsbildes gebracht
. 2009 sei
aufgrund der progredienten
Zwangsstörung und der depressiven Symptomatik
ein erster freiwilliger Aufent
halt i
m
C.___
erfolgt und anschliessend
im selben Jahr ein Kurzaufenthalt
in der Klinik
F.___
. Nach
dem Austritt aus der Kli
nik habe der Beschwerdeführer die Medikation abgesetzt, sich zunehmend im häuslichen Bereich isoliert und seine Familie umfangreich in sein Krankheitsgeschehen in
volviert, was letztlich zu einer Belastung der Angehörigen geführt habe. Auf
grund fehlenden Lebenssinns und rezidivierender Suizidgedanken habe sich der Beschwerdeführer entschieden, seinem Leben ein Ende zu setzen. Im Mai 2010 habe er einen Suizidversuch unternehme
n
wollen. Anfang Mai 2010 sei er im Rahmen
der genannten Eigengefährdung mittels
fürsorgerischer Freiheitsentzie
hung
im
C.___
hospitalisiert worden. Aktuell bestünden keine Zwangshandlungen, Zwangs- oder Suizidgedanken mehr.
Ende 2010 bis Anfang 2011 sei er in einer betreuten Einrichtung in einem
Be
schäftigungsprogramm
tätig gewesen.
Eine Beistandschaft sei auf Wunsch des Beschwerdeführers wieder aufgelöst worden
.
Aufgrund der bisher zu verzeichnenden
Regredienz
beziehungsweise
bei vollkom
menem Verschwinden
der Zwangssymptomatik sowie einer affektiven Zustandsverbesserung im Rahmen einer
geringgradigen
depressiven Episode sei von einer guten Prognose auszugehen. Weiter seien eine gute
C
ompliance und Absprachefähigkeit sowie die Zuverlässigkeit des Beschwerdeführers zu nennen. Seine Motivation im Rahmen einer ausgeprägten Behandlungs- und
Krank
heitseinsicht
sei hoch. Zudem seien in den letzten Monaten eine weitere Opti
mierung der Tagesstruktur durch Teilnahme an einem Beschäftigungsprogramm, sportliche Aktivitäten und eine gute Integration in das familiäre Setting bei sei
ner Schwester zu verzeichnen. Für die Prognose sei auch der Umgang mit zu
künftigen Stresssituationen entscheidend (
Ziff.
1.4).
Der Beschwerdeführer habe bisher keine Ausbildung abgeschlossen. Er sei seit Anfang des Jahres in einem geschützten Arbeitsprogramm tätig (
Ziff.
1.6). Im Rahmen der depressiven Symptomatik bestünden weiterhin kognitive Defizite in Form von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, die eine vermin
derte Belastbarkeit und
die erschwerte Bewältigung
von komplexen Fragestel
lungen und Arbeitsabläufen bedingten.
Im Rahmen der ausgeprägten
Rücken
kyphose
mit Status nach mehrfachen Rückenoperationen 2006 bestünden kör
perliche Defizite. Wegen der kognitiven Defizite erscheine die Durchhalte- sowie Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit auf neue und komplexe Arbeitsabläufe vermindert. Zudem sei die Selbstbehauptungsfähigkeit in einem grossen
Ar
beitskollegenkreis
als vermindert einzustufen. Zumutbar sei eine Tätigkeit mit einem Pensum von 50
%
im geschützten Rahmen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine hochkomplexe, anspruchsvolle Arbeitstätigkeit mit zeitlich engen Abläufen nicht zu empfehlen. Aufgrund der mentalen Ressourcen sowie der sehr hohen Motivationslage bei weiterer Besserung des depressiven Zustandsbildes sei in Zukunft von einem möglichen Arbeitspensum von 50
%
auszugehen, welches aktuell bei vier bis fünf Stunden liege (
Ziff.
1.7). Es werde ein reizarmes Setting empfohlen. Komplexe Aufgaben beziehungsweise Handlungsabläufe, zum Bei
spiel in Grossraumbüros oder in unmittelbarer Umgebung von vielen Arbeits
kollegen
,
seien aus ärztlicher Sicht eher kontraproduktiv. Aufgrund des jungen Alters und des hohen strukturellen Niveaus des Beschwerdeführers sowie einer guten Prognose werde eine Lehre in einem geschützten Bereich innerhalb der nächsten sechs Monate empfohlen (
Ziff.
1.8).
3.5
Dr.
med. G.___
Assistenzärztin, und
Dr.
med.
H
.___
, Oberarzt,
im
C.___
,
berichteten am 24. Juli 2012 (
Urk.
9/122/2-4)
über einen wei
teren stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 10. Mai bis 4. Juni 2012 (S. 1).
4.
4.1
Die Berufsberaterin der Beschwerdegegnerin hielt im
V
erlaufs
p
rotokoll vom
6. Dezember 2012
(
Urk.
9/108)
fest,
eine Schnupperlehre in einem geschützten Rahmen
sei
aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers nicht durchgeführt worden.
A
m 4. Oktober 2010
habe er
einen
Integrationsarbeits
platz
bei der
I.___
aufgenommen. Anfang November 2010
habe er die Stelle
gekündigt, um etwas Neues zu suchen (S. 2
Ziff.
1 oben).
Der Beschwerdeführer
habe
anlässlich einer Besprechung
bei der
Beschwer
-
degeg
nerin
vom 2
5.
Mai 2012
erklärt
, er habe die
im August 2011 be
gonnene
Ausbildung bei der
Y.___
wegen einer Depression abbrechen müssen. Die Krankheit sei eigentlich nicht schlimmer
geworden. Er habe aber mit der Zeit
Mühe bekommen, morgens aufzustehen, und sei dann häufig zu spät ge
kommen (S. 5 unte
n). Die Berufsberaterin
hielt
dazu fest
, sie habe grosse Zwei
fel betreffend den Plan, die Ausbildung an der
Y.___
im August 2012 wieder aufzunehmen. Eine Informatikausbildung sei an sich schon anspruchsvoll. Der Beschwerdeführer bringe dafür einen knappen schulischen Rucksack mit. Dazu werde er weiter durch die Depression beeinträchtigt.
Es sei zu befürchten, dass bald wieder ein Abbruch erfolge. Dies wäre dann der x-te Abbruch
in seinem Lebenslauf. Sie plädiere deshalb für einen langsamen Aufbau und eine Stabili
sierung der Arbeitsfähigkeit (S. 6 oben).
Die Berufsberaterin
führte im Schlussbericht
zur Berufsberatung
aus, nach dem Abbruch der Ausbildung an der
Y.___
und einem Klinikaufenthalt im Frühjahr 2012 wolle es der Beschwerdeführer an derselben Schule wieder versuchen. Für das Angebot eines langsamen Aufbaus
der Belastbarkeit und einer Ausbildung in einem geschützten Rahmen habe
er
sich bei einer letzten Besprechung vom 2
7.
September 2012 nach wie vor nicht erwärmen können. Umgekehrt könne sich die Berufsberatung nach wie vor nicht bereit erklären, eine
Kostenüber
nahme
für die Schule zu beantragen. Man habe vereinbart, dass er es sich
hin
sichtlich eines geschützten
Rahmens doch nochmals überlege und wieder Be
scheid gebe (S. 1).
4.
2
Die Berufsberaterin der
Beschwerdegegnerin
hielt
in einer Aktennotiz vom
9.
Januar 2013 (
Urk.
9/109)
fest
,
der Schulleiter der
Y.___
, Herr
J.___
,
rufe an. Die Berufsberaterin erkläre, dass es nicht um eine Kostenübernahme für die Schule gehe, da sie nach wie vor nicht überzeug
t
sei, dass der Beschwerdeführer gesundheitlich in der Lage sei, die Ausbildung zu schaffen. Der Schulleiter be
richte seinerseits, dass der Beschwerdeführer immer noch an der Schule sei. Er neige aber dazu, an Prüfungen nicht zu erscheinen. Der Schulleiter habe selbst grosse Zweifel, ob der Beschwerdeführer die Ausbildung schaffen werde oder ob er nicht
dekompensiere
, vor allem wenn es dann um die Suche einer
Prakti
kumsstelle
gehe.
4.
3
Der Schulleiter
der
Y.___
führte in einer Ausbildungsbestätigung/Kurzbericht
vom 1
1.
Januar 2013 (
Urk.
9/110
/
3) die Kosten der Ausbildung von total
Fr.
58‘800.-- und den während
des Praktikums zu erwartenden Lohn von
Fr.
1‘000.-- bis
Fr.
1‘500.--
auf
. Weiter gab
er
an, der Beschwerdeführer komme regelmässig zum Unterricht. Er sei freundlich und zuvorkommend. Seine Leis
tungen seien genügend bis gut. Wenn es ihm gelinge, sich auf diesem Stand zu halten, werde er die Ausbildung erfolgreich abschliessen können. Da er ver
schiedene Male bei Modulprüfungen nicht erschienen sei, bleibe allerdings ein
Unsicherheitsfaktor, wie er sich unter erhöhtem Druck (
2.
Lehrjahr/
Prak
-
tikumssuche
) verhalten werde. Die Prognose bleibe deshalb vorsichtig positiv.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer begann die vierjährige Ausbildung zum Informatiker bei der
Y.___
am 2
2.
August
201
1.
Der Abbruch erfolgte p
er
3
1.
Oktober 201
1.
Am 2
0.
August 2012 begann er die Ausbildung erneut
(vgl. auch den beiliegenden
Ausbildungsvertrag in
Urk.
3/
3).
5.2
Die Beschwerdegegnerin äusserte sich im angefochtenen Entscheid nicht dazu, ob
dem Beschwerdeführer
bei der Ausbildung zum Informatiker
behinderungs
bedingt
zusätzliche Kosten
im Sinne von Art. 16
Abs.
1 IVG
entstehen.
Von medizinischer Seite bestand
gemäss den behandelnden Ärzten
des
C.___
z
uletzt eine rezidivierende depressive Störung bei ge
genwärtig leichter Epis
ode oh
ne somatisches Syndrom
(
Urk.
9/122/2).
Auch
wenn die medizinischen Akten auf eine ge
wiss
e Besserung der
psychischen
In
stabilität
des Beschwerdeführers
schliessen lassen
,
ist darauf hinzuweisen
, dass sämtliche
Fachärzte wie auch die Berufsberaterin der Beschwerdegegnerin
sich
wiederholt
für eine Ausbildung in eine
m geschützten Rahmen ausgesprochen haben
.
Dr.
D.___
und
Dr.
E.___
empfahlen
noch im April 2011
dass der Be
schwerdeführer
für seine berufliche Zukunft
ein
reizarmes Setting benötige
(vgl. E. 3.4).
Nachdem
dieser
die Ausbildung zum Informatiker
bereits
nach
wenigen Monaten im Oktob
er 2011 wieder abgebrochen hat und n
ach bislang drei Klini
kaufenthalten besteht die Gefahr, dass es zu einem erneuten Abbruch
der Aus
bildung
kommen könnte, w
ie die Berufsberaterin zur Berufswahl des Beschwer
deführer
s
zu Recht
bemerkte
(vgl. E. 4.1).
Aus dem Gesagten
folgt, dass es sich bei der vom Beschwerdeführer angestrebte
n
Ausbildung zum Informatiker
nicht um eine geeignete
und angemessene
,
seinen
Fähigkeiten entsprechende Ausbil
dung im Sinne von Art. 8
Abs.
1 und Art. 16
Abs.
1 IVG
handelt
.
Der von der
Berufsberatung der Beschwerdegegnerin vorgeschlagene
Weg mit einem
lang
same
n
Aufbau
der Belastbarkeit in einem geschützten Rahmen
ist demnach, soweit der Beschwerdeführer um
Eingliederungs
-
leistungen nach
Art. 8
Abs.
1 und Art. 16
Abs.
1 IVG
ersucht,
besser auf
seine
Fähigkeiten zugeschnitten als die vier Jahre dauernde Ausbildung zum Informatiker, in welcher
er
im Verlauf
mit
steigende
n
Anforderungen (Suche einer Praktikumsstelle etc.)
zu rechnen hat.
Der vom Beschwerdeführer eingereichte Kurzbericht des S
chulleiters vom 1
1.
Januar 2013
(
Urk.
9/110/3)
vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern.
5.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin
eine
Kosten
-
gut
sprache
für die Ausbildung zum Informatiker
im angefochtenen Ent
scheid zu Recht
abgelehnt
hat. Die beschwerdeweise beantragte
Kostengutspra
che
für das erste und zweite Schulsemester und für jedes weitere Semester wie auch eine rückwirkende Kostengutsprache, sobald der Beschwerdeführer für
e
i
n Folge
-
semester zugelassen wird
, sind daher abzuweisen.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und dem unterliegenden
Beschwerdeführer
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Urs
Leemann
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu
enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannBrugger
KI/MA/BSversandt