# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d8db37b3-aece-5b01-9a08-f55dba394a59
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-11
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 11.05.2020 OG.2020.00023 (OGS.2021.115)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2020-00023_2020-05-11.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 11. Mai 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2020.00023

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
   

  
	
  Beschuldigter und

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
  vertreten durch
  Rechtsanwältin B.______

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
   

  
	
  Anklägerin und

  
	
  Beschwerdegegnerin

  
	
   

  
	
  vertreten durch die
  Staatsanwältin

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Haftverlängerung

  
	
   

  
	
  Anträge des Beschwerdeführers (gemäss
  Eingabe vom 20. April 2020, act. 20):

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei die
    Dispositiv Ziffer 1 der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des
    Kantons Glarus vom 9. April 2020 im Verfahren SG.2020.00037 aufzuheben und
    es sei A.______ unverzüglich auf freien Fuss zu setzen.

    
	
    2.

    	
    Eventualiter
    sei die Dispositiv Ziffer 1 der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts
    des Kantons Glarus vom 9. April 2020 im Verfahren SG.2020.00037 aufzuheben
    und A.______ gegen Leistung einer Kaution von CHF 30'000.— aus der
    Untersuchungshaft zu entlassen.

    
	
    3.

    	
    Subeventualiter
    sei die Dispositiv Ziffer 1 der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts
    des Kantons Glarus vom 9. April 2020 im Verfahren SG.2020.00037 aufzuheben
    und A.______ gegen Leistung einer Kaution von CHF 30'000.— aus der
    Untersuchungshaft zu entlassen und es sei ein Hausarrest (Eingrenzung) am
    […], anzuordnen, welcher mittels Electronic Monitoring zu überwachen sei.
    Die Ersatzmassnahmen (mit Ausnahme der Kaution) seien auf drei Monate zu
    befristen.

    
	
    4.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.

     

    

  

  
	
  Anträge der Beschwerdegegnerin (gemäss Eingabe vom
  27. April 2020, act. 24):

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.

    
	
    2.

    	
    Die Akten
    der Verfahren SG.2019.00105, SG.2019.00123, SG.2019.00130, SG.2020.00023,
    SG.2020.00037, OG.2019.00098, OG.2020.00012 sowie das Urteil des Bundesgerichts
    1B_58/2020 vom 24. Februar 2020 seien vollumfänglich beizuziehen.

    
	
    3.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers.

    

  ____________________

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  1. Die Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend «Staatsanwaltschaft»)
  verdächtigt A.______ (nachfolgend «Beschuldigter»), sich in der Nacht vom
  19./20. Mai 2017 des Angriffs (i.S.v. Art. 134 StGB) zum
  Nachteil von H.______ sowie von J.______ schuldig gemacht zu haben. Der
  Beschuldigte wurde am 9. Oktober 2019 festgenommen (SG.2019.00105,
  act. 1, S. 2 und act. 2/3).

  
	
   

  
	
  2. Mit Eingabe vom
  11. Oktober 2019 an das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Glarus
  beantragte die Staatsanwaltschaft, es sei gegen den Beschuldigten Untersuchungshaft
  für vorläufig einen Monat anzuordnen. Das Zwangsmassnahmengericht hiess
  diesen Antrag gut und ordnete die Untersuchungshaft längstens bis
  11. November 2019 an (SG.2019.00105, act. 1 und act. 12,
  Disp. Ziff. 1). 

  
	
  Am 6. November 2019
  beantragte die Staatsanwaltschaft beim Zwangsmassnahmengericht die
  Verlängerung der Untersuchungshaft um drei Monate. Antragsgemäss verlängerte
  das Zwangsmassnahmengericht die Untersuchungshaft bis längstens am
  11. Februar 2020 (SG.2019.00123, act. 1 und act. 9, Disp.
  Ziff. 1). 

  
	
  Der Beschuldigte stellte am
  21. November 2019 bei der Staatsanwaltschaft ein
  Haftentlassungsgesuch, welches die Staatsanwaltschaft mit dem Antrag auf
  Abweisung an das Zwangsmassnahmengericht weiterleitete. Das
  Zwangsmassnahmengericht bewilligte das Haftentlassungsgesuch des
  Beschuldigten und ordnete seine Freilassung bis spätestens am
  2. Dezember 2019, 14.00 Uhr, an. Die gegen diese Verfügung erhobene
  Beschwerde der Staatsanwaltschaft hiess das Obergericht mit Beschluss vom 23. Dezember 2019
  gut. Die dagegen erhobene Beschwerde des Beschuldigten an das Bundesgericht
  wurde abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde (OG.2019.00098,
  act. 1, act. 2/1, act. 25, act. 48, act. 54). 

  
	
  Am 7. Februar 2020
  beantragte die Staatsanwaltschaft die Verlängerung der Untersuchungshaft für
  drei Monate. Das Zwangsmassnahmengericht wies das Haftverlängerungsgesuch ab.
  Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde der Staatsanwaltschaft hiess
  das Obergericht mit Beschluss vom 20. Februar 2020 gut und
  verlängerte die Untersuchungshaft bis 10. April 2020 (OG.2020.00012,
  act. 1, act. 8, act. 25, Disp. Ziff. 1, 2).

  
	
   

  
	
  3. Mit Eingabe vom
  6. April 2020 beantragte die Staatsanwaltschaft erneut die
  Verlängerung der Untersuchungshaft für drei Monate (act. 1). Das Zwangsmassnahmengericht
  hiess diesen Antrag mit Verfügung vom 9. April 2020 gut und
  verlängerte die Untersuchungshaft des Beschuldigten einstweilen längstens bis
  9. Juli 2020 (act. 15, S. 7, Disp. Ziff. 1). Dagegen
  erhob der Beschuldigte am 20. April 2020 Beschwerde (act. 20). Die
  Staatsanwaltschaft beantragt Abweisung der Beschwerde (act. 24;
  act. 25/1-7). Die Stellungnahme des Beschuldigten zur Beschwerdeantwort
  der Staatsanwaltschaft datiert vom 29. April 2020 (act. 27)
  und wurde der Staatsanwaltschaft zur Kenntnisnahme zugestellt (act. 28).

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1. Der vorliegend
  angefochtene Haftentscheid ist der Beschwerde zugänglich (Art. 393
  Abs. 1 lit. c StPO i.V.m. Art. 222 StPO). Der durch
  die Haft unmittelbar betroffene Beschuldigte ist beschwerdelegitimiert
  (Art. 382 Abs. 1 StPO); die Anfechtungsfrist ist vorliegend
  eingehalten (Art. 396 Abs. 1 StPO; act. 19-20). Die
  übrigen Rechtsmittelvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf
  die Beschwerde des Beschuldigten ist einzutreten. 

  
	
   

  
	
  2. Mit Beschwerde an das
  Obergericht können in Bezug auf den angefochtenen Entscheid
  Rechtsverletzungen und eine unvollständige oder unrichtige Feststellung des
  Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 393
  Abs. 2 StPO).

  
	
   

  
	
  3. Die Akten des
  vorinstanzlichen Verfahrens SG.2020.00037 (act. 1-19) sowie der früheren
  Haftverfahren (SG.2019.00105, SG.2019.00123, SG.2019.00130, SG.2020.00023,
  OG.2019.00098, OG.2020.00012) wurden beigezogen. Die Aktenzitate des
  vorinstanzlichen Verfahrens erfolgen unter der Verfahrensnummer des
  Beschwerdeverfahrens.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Untersuchungshaft ist
  nur zulässig, wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens oder eines
  Vergehens dringend verdächtig ist und ernsthaft namentlich zu befürchten ist,
  dass sie sich entweder durch Flucht dem Strafverfahren oder der zu
  erwartenden Sanktion entzieht, dass sie Personen beeinflusst oder auf
  Beweismittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen
  (Art. 221 Abs. 1 lit. a und b StPO). Der Haftgrund des dringenden
  Tatverdachts setzt voraus, dass genügend konkrete Anhaltspunkte für eine
  Straftat und eine Beteiligung des Beschuldigten daran vorliegen und die
  Untersuchungsbehörden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit
  vertretbaren Gründen bejahen durften. Im Haftprüfungsverfahren genügt der
  Nachweis von konkreten Verdachtsmomenten, wonach das inkriminierte Verhalten
  mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale
  erfüllen könnte. Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen lässt keinen Raum für
  ausgedehnte Beweismassnahmen (BGE 143 IV 316, E. 3.1). 

  
	
   

  
	
  1.2. 

  
	
  1.2.1 Der Beschuldigte
  wird eines Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB dringend
  verdächtigt. Dabei handelt es sich um ein Verbrechen im Sinne von
  Art. 10 Abs. 2 StGB, was die Voraussetzung von Art. 221 Abs. 1
  erster Satzteil StPO erfüllt.

  
	
   

  
	
  1.2.2 Die Staatsanwaltschaft führt in Bezug auf einen
  versuchten Auftragsmord vom 3. Oktober 2018, verübt in [...] zum
  Nachteil von E.______ (Mitbeschuldigter des Angriffs vom
  19./20. Mai 2017), eine umfassende Strafuntersuchung (nachfolgend
  «Delikt [...]»). Im Rahmen dieser Strafuntersuchung wurden mehrere
  beschuldigte Personen in Untersuchungshaft versetzt, u.a. auch die
  mutmasslichen Auftraggeber H.______ und J.______, wobei Letzterer erst im
  Dezember 2019 verhaftet werden konnte. H.______ gab in der Einvernahme
  vom 19. September 2019 an, er und J.______ seien in der Nacht vom
  19./20. Mai 2019 (recte: 2017) im Club [...] in [...] von E.______,
  K.______ und M.______ (der Beschuldigte, welcher seit der Heirat den Nachnamen
  M.______ trägt; SG.2019.00105, act. 2/2, S. 3, Frage 16) mit
  einem Baseballschläger zusammengeschlagen worden (SG.2019.00105, act.
  1, act. 2/5, S. 8, Fragen 6 ff.).

  
	
   

  
	
  1.2.3 Gestützt auf die
  Aussagen von H.______ verdächtigt die Staatsanwaltschaft E.______, in der
  Nacht vom 19./20. Mai 2017 mit einem Baseballschläger zuerst auf
  J.______ eingeschlagen zu haben. In der Folge hätten der Beschuldigte und
  dessen Bruder (K.______) H.______ festgehalten, während E.______ mit dem
  Baseballschläger auf den Kopf, den Rücken, die Hände und die Beine von
  H.______ eingeschlagen habe. Der Beschuldigte habe bestritten, am Angriff auf
  H.______ und J.______ beteiligt gewesen zu sein und geltend gemacht, er sei
  zur Tatzeit im Kosovo gewesen. Aufgrund der aktuellen Ermittlungen sei jedoch
  davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte zur Tatzeit im Club [...]
  aufgehalten habe und in eine Auseinandersetzung mit H.______ und J.______
  involviert gewesen sei (SG.2019.00105, act. 1, act. 2/2, act. 2/4, act.
  2/7; OG.2020.00012, act. 2/1 und act. 2/3; vgl. im Detail auch
  OG.2019.00098, act. 48, S. 5, E. III.1.2.3). Die Aussagen von zwei
  anonym einvernommenen Personen stützten die bisherigen
  Ermittlungserkenntnisse. Der dringende Tatverdacht gegenüber dem
  Beschuldigten sei erdrückend (act. 1, S. 3 f.; act. 24,
  S. 2).

  
	
   

  
	
  1.2.4 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren bestreitet der
  Beschuldigte pauschal weiterhin das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts
  (act. 20, S. 4 oben; act. 27, S. 1, Ziff. 1).

  
	
   

  
	
  1.2.5 Das
  Zwangsmassnahmengericht bejahte in der angefochtenen Verfügung vom
  9. April 2020 den dringenden Tatverdacht unter Hinweis auf die
  Ausführungen des Obergerichts in seinem Beschluss vom
  20. Februar 2020 (act. 15, S. 3, E. 3).

  
	
   

  
	
  1.3 

  
	
  1.3.1 Das Obergericht hat
  sich in seinem Beschluss vom 20. Februar 2020 ausführlich zum
  dringenden Tatverdacht geäussert und diesen bestätigt. Um Wiederholungen zu
  vermeiden, wird auf diese Erwägungen verwiesen (vgl. OG.2020.00012,
  act. 25, S. 7 ff., E. III.1.3-1.4). Ebenso wird auf die
  diesbezüglichen Ausführungen des Bundesgerichts verwiesen, welches den
  dringenden Tatverdacht ebenfalls bestätigte (BGer 1B_58/2020 Urteil vom
  24. Februar 2020, E. 6.5). 

  
	
   

  
	
  1.3.2 Es ist vorliegend
  nicht ersichtlich, inwiefern sich der dringende Tatverdacht zwischenzeitlich
  relativiert haben soll. Auch der Beschuldigte macht vor Obergericht keine
  diesbezüglichen Ausführungen (act. 20 und 27). Wie nachfolgend zu zeigen
  sein wird, hat sich der dringende Tatverdacht aus nachfolgenden Gründen
  weiter erhärtet. Aus den von der Staatsanwaltschaft im Beschwerdeverfahren
  eingereichten Protokollen der Einvernahmen von zwei anonymen Personen, welche
  sich in der Tatnacht beide im Club [...] aufhielten (act. 25/4,
  Frage 16; act. 25/6, Frage 20), geht hervor, dass der Beschuldigte
  in der Tatnacht im besagten Club anwesend und in eine Auseinandersetzung mit
  H.______ und J.______ involviert war (act. 25/4, Fragen 10 f.
  und 24; act. 25/5, Fragen 1, 9 und 11; act. 25/6, Fragen
  5 f., 8, 14, 28 und 30; act. 25/7, Fragen 1 f., 8 und
  13). So sagte Person 2 aus, als der Beschuldigte dazu gekommen sei, sei es
  zur Schlägerei gekommen und die involvierten Personen hätten «alle Fäuste
  ausgeteilt» (act. 25/6, Fragen 5 f. und 8; act. 25/7,
  Fragen 1 f., 13, 22). Bei dieser Auseinandersetzung sei auch ein
  Holzstiel verwendet worden (ein Besenstiel oder Ähnliches). Sie (Person 2)
  habe aber nicht gesehen, wer mit diesem Stiel zugeschlagen habe. Jedoch habe
  sie gesehen, wie E.______ den Holzstiel vom Boden aufgehoben habe als alles
  vorbei gewesen sei. Anschliessend habe E.______ zu ihr (Person 2)
  gesagt, «dass es nun zu Ende sei» (act. 25/6, Fragen 5, 7, 8,
  13 f. und 21; act. 25/7, Fragen 1, 13, 15, 17). 

  
	
   

  
	
  1.3.3 Nach der Darstellung
  von E.______ und der anonym einvernommenen Person 2 soll sich H.______
  in der Tatnacht eines Messers behändigt haben, was dann auch die
  Auseinandersetzung ausgelöst habe (OG.2019.00098, act. 32/2,
  Frage 5; SG.2019.00123, act. 2/1, Frage 3; act. 25/6,
  Fragen 5 f.; act. 25/7, Fragen 1, 13 und 20). E.______
  berichtete aber nicht, dass er an jenem Abend irgendwelche Verletzungen
  erlitten hätte. Die anonym einvernommene Person 2 sagte aus, sie habe
  nach der Auseinandersetzung sowohl im Eingangsbereich des Clubs [...] als
  auch auf dem Holzstiel Blut gesehen. Jedoch hätten weder der Beschuldigte
  noch E.______ nach der Auseinandersetzung geblutet. Deswegen sei sie davon
  ausgegangen, dass dieses Blut von J.______ und H.______ stamme
  (act. 25/6, Fragen 6, 8, 14 und 21 f.; act. 25/7,
  Fragen 1, 13, 15, 18 und 21). Es muss als erstellt gelten, dass H.______
  am 19./20 Mai 2017 sehr schwer am Kopf verletzt wurde (SG.2019.00105,
  act. 2/1; SG.2019.00123, act. 2/1, S. 5). Gemäss der Konfronta­tionseinvernahme
  vom 4. Februar 2020 wurde auch J.______ an jenem Abend verletzt
  (OG.2020.00012, act. 2/3, S. 4 f.). Zwar sagte die Person 2 aus, es habe
  sich beim mutmasslich verwendeten «Schläger» nicht – wie von H.______
  angegebenen (SG.2019.00105, act. 2/5, Fragen 6 ff.) – um einen
  Baseballschläger gehandelt (act. 25/6, Frage 7 und 23). Jedoch
  stimmt die Aussage der Person 2 mit derjenigen von H.______ immerhin
  dahingehend überein, dass in der Tatnacht mutmasslich mit einer Art
  Holzschläger auf H.______ und J.______ eingeschlagen wurde.

  
	
   

  
	
  1.3.4 Nach dem Gesagten
  liegen somit – neben den Aussagen von H.______ und J.______ – Aussagen von
  zwei weiteren Personen vor, wonach der Beschuldigte am besagten Abend im Club
  [...] gewesen sei (act. 25/4-7). Vorliegend ist nicht ersichtlich,
  inwiefern die Aussagen der anonym einvernommenen Personen, wie vom
  Beschuldigten vorgebracht (act. 27, S. 1, Ziff. 1), von
  Vornherein unverwertbar sein sollen (vgl. BGer 1B_58/2020 Urteil vom 24.
  Februar 2020, E. 4.2 m.w.H.). Der vom Beschuldigten angeführte
  Alibibeweis, wonach er sich zur Tatzeit im Kosovo aufgehalten habe, muss
  aufgrund der aktuellen Ermittlungsergebnisse als gescheitert gelten. Es ist
  derzeit davon auszugehen, dass H.______ und J.______ am
  19./20. Mai 2017 von mindestens zwei Angreifern attackiert und
  verletzt wurden. Weiter ist aufgrund der inhaltlich übereinstimmenden Aussagen
  von H.______ und J.______, den Aussagen der beiden anonymen Zeugen sowie auch
  aufgrund des Aussageverhaltens des Beschuldigten anzunehmen, dass der
  Beschuldigte an diesem Angriff beteiligt war. Die Annahme des Beschuldigten,
  wonach sich der Vorwurf des Angriffs aufgrund der Aussagen der anonym
  einvernommenen Personen nicht aufrechterhalten lasse, zielt ins Leere. Der
  Beschuldigte blendet vollständig aus, dass die anonym einvernommenen Personen
  übereinstimmend aussagten, der Beschuldige habe sich zur Tatzeit am Tatort
  aufgehalten und sei in eine Auseinandersetzung mit H.______ und J.______
  involviert gewesen. Die rechtliche Qualifikation der Tat (Angriff oder
  Raufhandel) obliegt sodann dem Sachrichter. Weiter erscheint es derzeit
  unwahrscheinlich, dass eine Person alleine auf H.______ und J.______
  (gemäss Akten beides sehr kräftige Männer; SG.2019.00123, act. 2/1,
  Fragen 2 f.; OG.2019.00098, act. 32/2, S. 4) losgegangen ist und
  diese derart schwer verletzen konnte, ohne dabei selber irgendwelche
  Verletzungen davonzutragen. Dies umso mehr, als H.______ sich eines Messers
  behändigt haben soll und K.______ gemäss den Aussagen der anonym
  einvernommenen Personen die Situation lediglich habe schlichten wollen und in
  die Auseinandersetzung nicht involviert gewesen sei (act. 25/6,
  Fragen 5, 6, 8 und 14; act. 25/4, Frage 24). 

  
	
   

  
	
  Somit hat sich der bereits im
  Beschluss des Obergerichts vom 20. Februar 2020 bejahte und vom
  Bundesgericht bestätigte dringende Tatverdacht weiter verdichtet und ist
  aufgrund der Aussagen der anonym einvernommenen Personen geradezu erdrückend.
  Damit ist der dringende Tatverdacht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zu
  bejahen (i.S.v. Art. 221 Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Neben dem dringenden
  Tatverdacht verlangt Art. 221 Abs. 1 StPO auch einen
  besonderen Haftgrund. Kollusionsgefahr liegt vor, wenn ernsthaft zu
  befürchten ist, dass der Beschuldigte Personen beeinflusst oder auf
  Beweismittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen
  (Art. 221 Abs. 1 lit. b StPO). Dies kann insbesondere in
  der Weise erfolgen, dass sich der Beschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen,
  Sachverständigen oder Mitbeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu
  wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst, oder dass er Spuren und Beweismittel
  beseitigt. Strafprozessuale Haft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass
  der Beschuldigte die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts vereitelt
  oder gefährdet. Konkrete Anhaltspunkte für Kollusionsgefahr können sich
  namentlich ergeben aus dem bisherigen Verhalten des Beschuldigten im
  Strafprozess, aus seinen persönlichen Merkmalen, aus seiner Stellung und
  seinen Tatbeiträgen im Rahmen des untersuchten Sachverhalts sowie aus den
  persönlichen Beziehungen zwischen ihm und den beteiligten Personen. Bei der
  Frage, ob im konkreten Fall eine massgebliche Beeinträchtigung des
  Strafverfahrens wegen Kollusion droht, ist auch der Art und Bedeutung der von
  Beeinflussung bedrohten Aussagen bzw. Beweismittel, der Schwere der
  untersuchten Straftaten sowie dem Stand des Verfahrens Rechnung zu tragen
  (BGE 132 I 21, E. 3.2).

  
	
   

  
	
  2.2

  
	
  2.2.1 Das
  Zwangsmassnahmengericht führte in der angefochtenen Verfügung aus, die
  Staatsanwaltschaft zeige in ihrem Gesuch keinen weiteren Einvernahme- oder
  Ermittlungsbedarf mehr auf, weshalb die Kollusionsgefahr nicht mehr bejaht
  werden könne (act. 15, S. 4, E. 4).

   

  
	
  2.2.2 Der Beschuldigte
  bestreitet das Vorliegen von Kollusionsgefahr und verweist diesbezüglich auf
  die vorinstanzlichen Ausführungen (act. 20, S. 4 oben).

  
	
   

  
	
  2.2.3 Die
  Staatsanwaltschaft geht weiter von Kollusionsgefahr aus (act. 24, S. 2
  oben; act. 1, S. 5).

  
	
   

  
	
  2.3 

  
	
  2.3.1 Das Obergericht
  bejahte in seinem Beschluss vom 20. Februar 2020 das Vorliegen
  einer konkreten Kollusionsgefahr beim Beschuldigten. Um Wiederholungen zu
  vermeiden, wird auf die diesbezüglichen Erwägungen verwiesen (OG.2020.00012,
  act. 25, S. 15 ff., E. III.2.3). An diesen Erwägungen ist
  festzuhalten. So ist zwar nach wie vor davon auszugehen, dass sich mit den
  zwischenzeitlich getätigten Einvernahmen die Kollusionsgefahr hinsichtlich
  der Aussagen der Mitbeschuldigten und mutmasslich Geschädigten relativiert
  hat. Es ist aber auch daran festzuhalten, dass es aufgrund der Aussagen der
  anonym einvernommenen Personen (act. 25/4-7) als erstellt gelten muss,
  dass weitere Personen in der Nähe waren als die Tat geschah und das
  Tatgeschehen beobachteten. Es ist derzeit davon auszugehen, dass der
  Beschuldige am Angriff vom 19./20. Mai 2017 beteiligt war, weshalb ihm auch
  die Personen, welche das Tatgeschehen beobachteten, bekannt sein könnten;
  zumal zur Tatzeit mutmasslich nur noch ca. 20-30 Personen anwesend waren
  (act 25/4, Frage 17; act. 25/7, Frage 10). Weiter wurde die anonym
  befragte Person 2 als beschuldigte Person einvernommen, da sie am
  Angriff vom 19./20. Mai 2017 mutmasslich beteiligt gewesen sein soll. So habe
  Person 2 E.______ das Tathilfsmittel (Holzstiel o.ä.) gereicht, damit
  dieser auf H.______ und J.______ habe einschlagen können, was Person 2 jedoch
  bestritt (act. 25/6, S. 1 und S. 5, Frage 19). Sollte Person 2 am
  Angriff tatsächlich beteiligt gewesen sein, könnte sie dem Beschuldigten
  bekannt sein. Wenn der Beschuldigte auf freiem Fuss wäre, könnte er aus den
  eben dargelegten Gründen auf die bereits anonym einvernommenen Personen und
  möglicherweise weitere (dem Beschuldigten bekannte) Personen, die das
  Tatgeschehen beobachtet hatten, einwirken, was dem Zweck der
  Strafuntersuchung völlig zuwiderlaufen würde. So dient die Untersuchungshaft
  dann u.a. auch dazu, dass keine Kollusionshandlungen auf die im Rahmen der
  Strafuntersuchung getätigten Aussagen vorgenommen werden können. Schliesslich
  deuten auch die vielen geschwärzten Stellen im Protokoll der Einvernahme von
  Person 2 vom 3. Dezember 2019 (act. 25/6) auf weiteren
  Ermittlungsbedarf hin. Auch diese Ermittlungen muss die Staatsanwaltschaft
  ungestört durchführen können.

  
	
   

  
	
  2.3.2 Derzeit ist davon
  auszugehen, dass die Furcht um das eigene Leben der anonym einvernommenen
  Personen der Grund für die Zusicherung der Anonymität war. So gab die anonym
  einvernommene Person 1 zu Protokoll, dass ihre Sicherheit und die ihrer
  Familie gefährdet sei, wenn «diese Informationen nach Aussen gelangen»
  würden. Sie habe in der Tatnacht aus Angst nicht geschlafen und «noch nie
  so etwas erlebt». Man habe gemerkt, «dass etwas Schlimmes passiert»
  sei (act. 25/4, Fragen 18, 31). Diese Aussagen widersprechen den
  Behauptungen des Beschuldigten, wonach es sich in der Tatnacht lediglich um
  ein «Gerangel» gehandelt habe (act. 27, S. 2, Ziff. 1).
  Person 1 gab weiter an, sie habe Angst, dass die in den Angriff vom
  19./20. Mai 2017 involvierten Personen sie aufsuchen und ihr vorhalten
  könnten, was sie bei der Polizei ausgesagt habe (act. 25/4,
  Fragen 1, 33). Auch die anonym einvernommene Person 2 gab an, dass
  sie ihre Familie nicht in Gefahr bringen wolle und sie Angst habe, dass sie «Probleme
  von beiden Seiten erhalte» (act. 25/6, Fragen 33 f.). 

  
	
   

  
	
  2.3.3 Die Furcht um das
  eigene Leben scheint angesichts der vollzogenen archaischen Selbstjustiz
  (Delikt [...]) und mit Hinweis auf die Vorstrafen des Beschuldigten (u.a.
  falsche Anschuldigung, Vergehen gegen das Waffengesetz, mehrfache Nötigung,
  mehrfache Gefährdung des Lebens, Drohung; SG.2019.00105, act. 2/7) nicht
  von der Hand zu weisen. Aus den im Recht liegenden Haftakten geht
  zweifelsfrei hervor, dass die Staatsanwaltschaft mehrfach Schutzmassnahmen
  (i.S.v. Art. 149 ff. StPO) vorkehren musste. So beispielsweise die
  Abschirmung der Geschädigten mittels Trennwänden anlässlich der
  Konfrontationseinvernahme vom 4. Februar 2020 (OG.2020.00012, act. 2/3,
  S. 4), die anonyme Einvernahme von Person 1 und 2 (act. 25/4-7)
  oder etwa die Einvernahme von G.______ in Abwesenheit der beschuldigten
  Personen, da G.______ dies zum Schutze seiner Familie für erforderlich hielt
  (OG.2019.00098, act. 17/6, Frage 1). Angesichts der vermutlich seit Jahren
  bestehenden Fehde zwischen den Familien G./H.______ und K./M.______
  (OG.2019.00098, act. 48, E. III.1.3.4; OG.2020.00012, act. 25,
  E. III.1.3.7) muss von einer umfangreichen, komplexen und viel Zeit
  beanspruchenden Strafuntersuchung ausgegangen werden. Überdies ist nicht
  auszuschliessen, dass auch der vorliegend zu untersuchende Angriff in
  Fortsetzung der Familienfehde eine Vergeltungstat war. Schliesslich nahm der
  Beschuldigte in der vorliegenden Strafuntersuchung bereits Kollusionshandlungen
  vor (OG.2019.00098, act. 48, S. 14, E. III.2.4 und
  act. 33). Aus all diesen Gründen ist beim Beschuldigten immer noch von
  einer konkreten Kollusionsgefahr i.S.v. Art. 221 Abs. 1
  lit. b StPO auszugehen. 

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Weiter ist zu prüfen, ob beim Beschuldigten auch von
  Fluchtgefahr (Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO) auszugehen ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts braucht
  es für die Annahme von Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass
  sich der Beschuldigte, wenn er in Freiheit wäre, der Strafverfolgung und dem
  Strafvollzug durch Flucht entziehen würde. Die Schwere der drohenden Strafe
  darf als ein Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden; sie genügt jedoch für
  sich allein nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die konkreten
  Umstände des betreffenden Falles, insbesondere die gesamten Verhältnisse des
  Beschuldigten, in Betracht gezogen werden (BGE 117 Ia 69, E. 4a).

  
	
   

  
	
  3.2

  
	
  3.2.1
  Das Zwangsmassnahmengericht ging in
  seiner Verfügung vom 9. April 2020 unter Hinweis auf die Ausführungen des
  obergerichtlichen Beschlusses vom 20. Februar 2020 (OG.2020.00012,
  act. 25) und des Urteils des Bundesgerichts (BGer 1B_58/2020 Urteil vom
  24. Februar 2020) beim Beschuldigten von Fluchtgefahr aus. Auch
  wenn durch die aktuelle Pandemie eine ausserordentliche Lage mit
  entsprechenden Grenzkontrollen bestehe, könne nicht abgeschätzt werden, wie
  lange diese Massnahmen aufrechterhalten würden, weshalb dies die Fluchtgefahr
  nicht zu beseitigen vermöge. Es bestehe auch die Gefahr des Untertauchens in
  der Schweiz oder im nahen Ausland. Gemäss Art. 196 StPO würden die
  Zwangsmassnahmen auch dazu dienen, die Anwesenheit von Personen im Verfahren,
  insbesondere der beschuldigten Person, sicherzustellen sowie die
  Vollstreckung des Entscheides zu gewährleisten; dies stehe zurzeit im
  Vordergrund (act. 15, S. 4-6, E. 5).

  
	
   

  
	
  3.2.2
  Nach dem Dafürhalten des
  Beschuldigten liege keine Fluchtgefahr vor. Der Beschuldigte wiederholt im
  Beschwerdeverfahren mehrheitlich seine Vorbringen vor Vorinstanz und in den
  bisherigen Haftverfahren oder verweist darauf. Die Vor-instanz habe ausser
  Betracht gelassen, dass der Zeitablauf zur Verringerung der Fluchtgefahr
  führe. Es sei vorliegend sehr unwahrscheinlich, dass er zu einer
  Freiheitsstrafe von über drei Jahren verurteilt würde. Aufgrund der Aussagen
  der beiden anonym einvernommenen Personen könne der Verdacht auf Angriff
  (Art. 134 StGB) nicht mehr aufrechterhalten werden; so hätten doch
  beide Personen keine durch ihn (Beschuldigten) begangenen strafbaren
  Handlungen geschildert. Somit sei höchstens ein Schuldspruch wegen
  Raufhandels denkbar (Art. 133 StGB), womit eine Freiheitsstrafe
  über drei Jahre gar nicht möglich sei. Zudem sei eine Verurteilung und eine
  Strafe, deren unbedingt zu vollziehender Teil die bereits erlittene Haft von
  über sechs Monaten übersteige, derart unwahrscheinlich, dass er
  (Beschuldigter) damit nicht ernsthaft rechnen müsse. Der Anreiz für eine
  Flucht sinke damit erheblich (act. 20, S. 5 f.,
  Rz. III.2.1). Zudem habe er sich bisher nie einem Verfahren durch Flucht
  entzogen. Bereits in der Vergangenheit sei er gegen Kaution aus der
  Untersuchungshaft entlassen worden und sei nicht geflüchtet. Weiter habe er
  sich den Strafbehörden im vorliegenden Strafverfahren freiwillig gestellt.
  Schliesslich verfüge er in der Schweiz über eine geregelte Wohn- und
  Arbeitssituation. So könne er nach seiner Entlassung bei seinem Sohn in [...]
  wohnen (act. 21/3) und auch seine alte Arbeitsstelle wieder antreten;
  der anfänglich Verdacht, es könnte sich beim früheren Arbeitgeber um eine Scheinfirma
  handeln, sei zerstreut worden (act. 20, S. 7, Rz. III.2.2). 

  
	
   

  
	
  3.2.3 Demgegenüber geht die Staatsanwaltschaft in ihrer
  Beschwerdeantwort unter Hinweis auf ihren Haftverlängerungsantrag vom
  6. April 2020 und die vorinstanzlichen Erwägungen beim Beschuldigten
  weiterhin von Fluchtgefahr aus. Insbesondere wohne die Ehefrau des
  Beschuldigten in Italien und es bestehe nach wie vor der Verdacht, dass sich
  der Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt in [...] aufgehalten habe (act. 1,
  S. 5 ff.; act. 24, S. 3). Darüber hinaus führt die Staatsanwaltschaft
  aus, dass aufgrund der konkreten Umstände vorliegend Ersatzmassnahmen nicht
  in Frage kämen. Zumal die Fluchtgefahr mit fortschreitender Untersuchung auch
  nicht wegfallen werde. Aus dem Strafregisterauszug sei dann auch ersichtlich,
  dass sich der Beschuldigte in der Vergangenheit nicht an die Rechtsordnung
  gehalten habe und keinesfalls nur von einer unterschwelligen Fluchtgefahr
  ausgegangen werden könne. Vielmehr sei in Anbetracht der dem Beschuldigten
  drohenden längeren Freiheitsstrafe, dem drohenden obligatorischen
  Landesverweis und seinem intensiven Auslandsbezug von einer ausgeprägten
  Fluchtgefahr auszugehen (act. 24, S. 2 f.). 

  
	
   

  
	
  3.3

  
	
  3.3.1 Das Obergericht
  bejahte in seinem Beschluss vom 20. Februar 2020 das Vorliegen
  einer konkreten Fluchtgefahr beim Beschuldigten. Um Wiederholungen zu
  vermeiden, wird auf diese Erwägungen verwiesen (OG.2020.00012, act. 25,
  S. 18, E. III.3.3 i.V.m. OG.2019.00098, act. 48,
  S. 16-19, E. III.3.3 ff.). Ebenso wird auf die diesbezüglichen
  Ausführungen des Bundesgerichts verwiesen, welches beim Beschuldigten
  ebenfalls von Fluchtgefahr ausging (BGer 1B_58/2020 Urteil vom
  24. Februar 2020, E. 7.4). Zur Fluchtgefahr haben sich
  zwischenzeitlich keine wesentlichen Änderungen ergeben, weshalb an diesen
  Erwägungen aktuell festzuhalten ist; was auch die Vorinstanz zutreffend
  annahm (act. 15, S. 5, E. 5).

  
	
   

  
	
  3.3.2 Die Ausführungen des
  Beschuldigten, dass eine Verurteilung angesichts der aktuellen Beweislage
  höchst unwahrscheinlich sei und daher zur Verringerung der Fluchtgefahr
  beitrage, zielen gemäss obigen Erwägungen ins Leere (vgl. oben
  E. III.1.3). Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt, obliegt die
  Strafzumessung dem Strafgericht. Vorliegend kann aber in Übereinstimmung mit
  dem Bundesgericht festgehalten werden, dass dem Beschuldigten die Beteiligung
  an einem schweren Gewaltdelikt vorgeworfen wird und ihm eine mehrjährige
  Freiheitsstrafe droht (BGer 1B_58/2020 Urteil vom 24. Februar 2020,
  E. 7.4). Der Beschuldigte verkennt zudem (act. 27, S. 2,
  Ziff. 2), dass ihm neben der Landesverweisung auch eine mehrjährige
  Freiheitsstrafe droht.

  
	
   

  
	
  3.3.3 Wie in früheren
  Haftverfahren festgehalten, liegen gleich mehrere konkrete Indizien für eine
  Fluchtgefahr vor: Seine sozialen Bindungen pflegt er im Ausland (Mutter im
  Kosovo und Ehefrau in Italien; zum Ganzen OG.2019.00098, act. 48,
  S. 16, E. III.3.4). Offenbar ist er auch in Deutschland angemeldet
  (OG.2020.00012, act. 2/2). In der Schweiz ist er an einer Adresse
  gemeldet (Hotel [...] in [...]), wo er nie gesehen wurde (OG.2019.00098,
  act. 48, S. 17 ff., E. 3.5 f.; act. 2/1;
  act. 2/3, Frage 42; act. 2/3, S. 13). Anlässlich der
  Hausdurchsuchung im angeblichen Hotelzimmer des Beschuldigten wurden dann
  auch ausschliesslich Effekten von […] aufgefunden und der Suchlauf im
  Buchungsprogramm des Hotels [...] auf den Namen des Beschuldigten lieferte
  keinen Treffer (act. 2/3, S. 13). Diesbezüglich erstaunt es zudem, dass
  der Besitzer des Hotels [...] in [...], N.______, zunächst in seinem
  Schreiben an die Kantonspolizei Glarus vom 17. März 2020 mit
  Bestimmtheit angab, der Beschuldigte sei nie im Hotel aufgetaucht und habe
  auch das Zimmer nicht bezahlt, weshalb dieses für andere Hotelgäste
  freigegeben wurde (act. 2/1). Anlässlich seiner Befragung vom 26. März 2020
  als beschuldigte Person betreffend Täuschung der Behörden legte N.______ dann
  aber einen Mietvertrag für ein Hotelzimmer vor, welcher jedoch weder von ihm
  noch vom Beschuldigten unterzeichnet wurde (act. 2/3,
  Fragen 1 ff. und 41; act. 2/3, S. 11; der vom Beschuldigten
  in einem früheren Haftverfahren eingereichte Mietvertrag weist lediglich die
  Unterschrift von N.______ auf [SG.2019.00123 act. 8/2]). Zudem gab N.______
  anlässlich seiner Einvernahme – entgegen seinem früheren Schreiben – an, er
  wisse nicht, ob der Beschuldigte noch Mietschulden habe (act. 2/3,
  Fragen 6). Vorliegend ist aufgrund alledem immer noch fraglich, ob der
  Beschuldigte tatsächlich im Hotel [...] in [...] gewohnt hat. Da der
  Beschuldigte angibt, angeblich drei Monate bei der XY.______ GmbH gearbeitet
  zu haben (vgl. nachfolgend E. III.3.3.4), ist es umso erstaunlicher,
  dass er nicht plausibel darlegen kann, wo er während dieser Zeit gewohnt hat.
  Schliesslich vermag auch der Umstand, dass der Beschuldigte nach seiner
  Entlassung angeblich bei seinem Sohn in [...] wohnen könnte (act. 21/3),
  an der vorliegend hohen Fluchtgefahr nichts zu ändern. 

  
	
   

  
	
  3.3.4 Auch gegen O.______,
  den Inhaber der mutmasslich ehemaligen Arbeitgeberin des Beschuldigten
  (XY.______ GmbH), läuft eine Strafuntersuchung wegen Täuschung der Behörden
  (act. 2/2). O.______ sagte anlässlich der Einvernahme vom 26. März 2020
  aus, der Beschuldigte habe bei ihm gearbeitet (act. 2/2, Frage 1).
  Jedoch versäumte es O.______ trotz Aufforderungen seit
  17. Februar 2020 den Strafuntersuchungsbehörden die entsprechenden
  Arbeitsjournale und Abrechnungen des Beschuldigten zukommen zu lassen
  (act. 2/2, Frage 26). Zudem gab O.______ an, den Beschuldigten seit
  mehreren Jahren zu kennen (act. 2/2, Frage 20 f.), weshalb
  nicht auszuschliessen ist, dass es sich beim Abschluss des Arbeitsvertrages
  um eine Gefälligkeit handelte. Dies umso mehr, da aus den Vorbringen des
  Beschuldigten hervorgeht, dass dieser bestrebt war, in der Schweiz zu
  arbeiten und wegen seines Knies über eine Krankenversicherung (resp. auch
  über eine Kranken- und Unfalltaggeldversicherung) zu verfügen (zum Ganzen
  OG.2019.00098, act. 48, S.18 f., E. 3.6). Vorliegend ist daher
  entgegen den Ausführungen des Beschuldigten immer noch fraglich, ob der
  Beschuldigte in der Schweiz über eine geregelte Arbeitsstelle verfügt. So
  handelt es sich gemäss Kantonspolizei Zürich bei der Firma XY.______ GmbH um
  eine Scheinfirma. An der angegebenen Adresse existiere nicht einmal ein
  Briefkasten des Unternehmens und es würde auch kein Mietverhältnis mit der dortigen
  Immobilienbesitzerin bestehen (act. 2/3, S.13 unten).

  
	
   

  
	
  3.3.5 Darüber hinaus hielt
  sich der Beschuldigte in der Vergangenheit nicht an die Rechtsordnung der
  Schweiz und es wurde über ihn eine Einreisesperre verfügt (SG.2019.00105,
  act. 2/7; SG.2019.00123, act. 8/1). Der Umstand, dass sich der
  Beschuldigte in der laufenden Strafuntersuchung freiwillig gestellt hat, kann
  entgegen seinen Ausführungen nicht als starkes Indiz gegen eine Fluchtgefahr
  gewertet werden. So könnte der Beschuldigte, wie bereits ausgeführt (vgl.
  oben E. III.3.3.4), in die Schweiz zurückgekehrt sein, um die
  medizinische Behandlung seines Knies von der staatlichen Krankenkasse
  bezahlen zu lassen (BGer 1B_58/2020 Urteil vom 24. Februar 2020,
  E. 7.4; OG.2019.00098, act. 48, S.18 f., E. 3.6).
  Schliesslich vermag der Beschuldigte aus dem Umstand, dass sich E.______ und
  K.______ derzeit nicht in Untersuchungshaft befinden, nichts für sich
  hinsichtlich der Fluchtgefahr abzuleiten (act. 27, S. 5,
  Ziff. 6). 

  
	
   

  
	
  3.3.6 Aufgrund des oben Ausgeführten
  liegen vorliegend gleich mehrere konkrete Indizien vor, dass sich der
  Beschuldigte, sollte er auf freien Fuss gesetzt werden, der Strafuntersuchung
  durch Untertauchen (in der Schweiz oder in Deutschland), Flucht nach Italien
  oder in den Kosovo, wo er über ein Familiennetz verfügt, entziehen könnte.
  Beim Beschuldigten ist immer noch von Fluchtgefahr (i.S.v. Art. 221
  Abs. 1 lit. a StPO) auszugehen. 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1. Weiter hat die
  Untersuchungshaft verhältnismässig zu sein (Art. 197 Abs. 1
  lit. c und lit. d StPO). Konkretisiert wird der Verhältnismässigkeitsgrundsatz
  in Art. 237 Abs. 1 StPO. Gemäss dieser Norm ordnet das
  zuständige Gericht an Stelle der Untersuchungshaft eine oder mehrere mildere
  Massnahmen (Ersatzmassnahmen) an, wenn sie den gleichen Zweck wie die Haft
  erfüllen (BGE 140 IV 19, E. 2.1.2).

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Das
  Zwangsmassnahmengericht bejahte in der angefochtenen Verfügung unter Hinweis auf die Ausführungen des
  obergerichtlichen Beschlusses vom 20. Februar 2020 die
  Verhältnismässigkeit einer weiteren Untersuchungshaft. Für die beim
  Beschuldigten bestehende Fluchtgefahr seien – mit Verweis auf die bisherigen
  Beschlüsse des Obergerichts (OG.2019.00098 und OG.2020.00012) –
  Ersatzmassnahmen vorliegend nicht adäquat (act. 15, S. 6, E. 6).

  
	
   

  
	
  4.2.2
  Der Beschuldigte ist demgegenüber
  der Ansicht, dass eine Fortführung der Untersuchungshaft nicht mehr
  verhältnismässig sei. Die pauschale Ablehnung der Ersatzmassnahmen durch die
  Vorinstanz verletze Art. 237 StPO, das Verhältnismässigkeitsgebot und
  im Ergebnis die persönliche Freiheit des Beschuldigten. Wie bereits vor
  Vorinstanz führte der Beschuldigte auch vor Obergericht aus, mit einer
  erhöhten Kautionszahlung von CHF 30'000.— durch die Schwester des
  Beschuldigten und deren Ehemann könne einer allfälligen Fluchtgefahr begegnet
  werden. Dies stelle für die in knappen finanziellen Verhältnissen lebenden
  Familienangehörigen des Beschuldigten eine grosse Belastung dar.
  Diesbezüglich reicht der Beschuldigte im Beschwerdeverfahren u.a.
  Kontoauszüge und Lohnabrechnungen seiner Schwester und deren Ehemann ein
  (act. 21/4-6). Sollte das Gericht diese Kautionszahlung als nicht
  ausreichend ansehen, beantragt der Beschuldigte eventualiter zusätzlich zur
  Kaution die Anordnung von Hausarrest, welcher mittels Electronic Monitoring
  überprüft werden könne. Wie bereits vor Vorinstanz vorgetragen sei zudem zu
  beachten, dass aufgrund der aktuellen Lage der COVID-19-Pandemie eine Flucht
  ins Ausland kaum möglich sei und sich die Fluchtmöglichkeit damit auf ein
  Untertauchen innerhalb der Schweiz reduziere (act. 20, S. 7-10,
  Rz. III.3).

  
	
   

  
	
  4.2.3 Die Staatsanwaltschaft führt in ihrer
  Beschwerdeantwort zusammengefasst hinsichtlich der Verhältnismässigkeit
  Folgendes aus: Dem Beschuldigten drohe im Falle einer Verurteilung nebst
  einer mehrjährigen Freiheitsstrafe auch ein obligatorischer Landesverweis.
  Aufgrund der zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten erscheine die Gewährung
  des bedingten Strafvollzugs ausgeschlossen. Eine Überhaft drohe nicht. Zudem
  sei vorliegend die Vielzahl der beteiligten Personen als Beschuldigte und die
  entsprechende Koordination der jeweiligen Verteidigungen sowie insbesondere
  die Komplexität der Strafsache zu berücksichtigen. Die Staatsanwaltschaft
  treibe die komplexe Strafuntersuchung (inkl. Nebendelikten) betreffend zwei
  Tatorte in zwei Kantonen mit einer Beteiligung von über zehn beschuldigten
  Personen unter Beachtung des Beschleunigungsgebotes voran. Aufgrund der beim
  Beschuldigten vorliegenden ausgeprägten Fluchtgefahr erscheine weder
  Electronic Monitoring noch eine Sicherheitsleitung tauglich, den
  Beschuldigten von einer Flucht abzuhalten. Zudem bestehe bei schweren
  Straftaten dann auch ein gesteigertes öffentliches Interesse an der
  Anwesenheit der beschuldigten Person (act. 24, S. 2 f.).

  
	
   

  
	
  4.3

  
	
  4.3.1 Der Beschuldigte ist
  dringend tatverdächtig, am Angriff vom 19./20. Mai 2017 auf H.______ und
  J.______ beteiligt gewesen zu sein. Im Falle einer Verurteilung wegen
  Angriffs (i.S.v. Art. 134 StGB) droht dem Beschuldigten eine mehrjährige
  Freiheitsstrafe. Der Beschuldigte befindet sich seit dem
  9. Oktober 2019 in Untersuchungshaft (SG.2019.00105,
  act. 2/3). Weiter ist der Vorinstanz und der Staatsanwaltschaft darin
  beizupflichten, dass das öffentliche Interesse an der Aufklärung dieses
  Gewaltverbrechens und an der Anwesenheit des Beschuldigten als hoch
  einzustufen ist (vgl. BGer 1B_388/2015 Urteil vom 3. Dezember 2015,
  E. 2.4.3). Vorliegend handelt es sich um eine grosse und komplexe
  Strafuntersuchung, in die zahlreiche Personen involviert sind, und die in
  zwei Kantonen geführt wird. Die Ermittlungen im Delikt von [...] führten die
  Strafuntersuchungsbehörden zum Vorfall in [...]. Hinsichtlich dieses Delikts
  ist aufgrund der Akten noch einiges unklar (konkreter Tatbeitrag des
  Beschuldigten, Drahtzieher, Sühneverhandlung, Sühnegeld; zum Ganzen
  OG.2020.00012, act. 25, S. 7 ff., E. III.1.3). Weiter
  deuten auch die vielen geschwärzten Stellen im Protokoll der Einvernahme von
  Person 2 vom 3. Dezember 2019 (act. 25/6) auf weiteren Ermittlungsbedarf
  hin; zumal Person 2 als beschuldigte Person einvernommen wurde.
  Schliesslich ist derzeit nicht auszuschliessen, dass vom Beschuldigten eine
  gewisse Gefahr ausgeht. Der Beschuldigte wurde in der Vergangenheit mehrfach
  wegen teils schweren Verbrechen verurteilt und es ist ersichtlich, dass sich
  der Beschuldigte in der Vergangenheit weder an die Rechtsordnung in der
  Schweiz noch an verfügte Einreisesperren hielt (SG.2019.00105, act. 2/7;
  SG.2019.00123, act. 8/1).

  
	
   

  
	
  4.3.2 Die Mutter des
  Beschuldigten lebt im Kosovo, seine Ehefrau in Italien, sein Sohn in der
  Schweiz, angemeldet ist er auch in Deutschland. In der Schweiz ist er an
  einer Adresse angemeldet, wo er nie gesehen wurde. Zudem ist vorliegend
  fraglich, ob er in der Schweiz über eine Arbeit verfügt. Weiter ist mit der
  Vorinstanz davon auszugehen, dass die aktuelle COVID-19-Pandemie die hohe
  Fluchtgefahr, insbesondere auch das Untertauchen in der Schweiz, nicht zu
  bannen vermag (act. 15, S. 5 unten, E. 5).

  
	
   

  
	
  4.4 Sodann ist zu prüfen,
  ob die vom Beschuldigten thematisierten Ersatzmassnahmen (i.S.v. Art. 237
  StPO), welche nach seinem Dafürhalten geeignet wären, die konkrete
  Fluchtgefahr zu bannen, anstelle der Untersuchungshaft treten könnten.
  Ersatzmassnahmen für Untersuchungshaft können zwar geeignet sein, einer
  gewissen (niederschwelligen) Fluchtneigung Rechnung zu tragen. Bei
  ausgeprägter Fluchtgefahr erweisen sie sich nach der einschlägigen Praxis des
  Bundesgerichts jedoch in der Regel als nicht ausreichend (BGer 1B_378/2018
  Urteil vom 21. September 2019, E. 6.2 m.w.H.). 

  
	
   

  
	
  4.4.1 Die vorliegend
  angebotene Fluchtkaution (i.S.v. Art. 237 Abs. 2
  lit. a StPO) über CHF 30'000.— soll von der Schwester des
  Beschuldigten und deren Ehemann bezahlt werden (act. 21/2).
  Drittpersonen, wie u.a. Verwandte, können grundsätzlich anstelle einer
  mittellosen beschuldigten Person eine Sicherheit leisten (Art. 240
  Abs. 2 StPO; BGer 1B_388/2015 Urteil vom
  3. Dezember 2015, E. 2.5). Die Höhe der vorliegend angebotenen
  Kaution ist gemessen an den finanziellen Verhältnissen der Schwester und
  ihres Ehemannes beträchtlich (act. 21/5-6). Bei Kautionen von
  Drittpersonen ist jedoch auch zu prüfen, ob diese die dargebotene Hilfe
  überhaupt vom Beschuldigten zurückfordern würden (BGer 1B_378/2018 Urteil vom
  21. September 2018, E. 6.4 m.w.H.). Dies erscheint vorliegend
  unklar und offen. Die angebotene Kaution bietet deshalb angesichts der hohen
  Fluchtgefahr keine ausreichende Sicherheit für einen Verbleib des
  Beschuldigten in der Schweiz, zumal dieser durch den Verfall der
  Sicherheitsleistung nur indirekt betroffen wäre (BGer 1B_358/2019 Urteil vom
  5. August 2019, E. 4). Daran ändern auch die vom Beschuldigten
  geltend gemachten finanziellen Folgen eines solchen Verfalls für seine
  Schwester und deren Ehemann nichts. Zwar wären die finanziellen Folgen eines
  Verfalls der Kaution für seine Schwester und deren Ehemann sicher
  einschneidend. Jedoch wäre ein Verfall aufgrund deren regelmässigen
  Einkommen, insbesondere dasjenige des Ehemannes, nicht existenzbedrohend.
  Zumal angenommen werden muss, dass die Schwester des Beschuldigten und deren
  Ehemann noch über weitere Vermögenswerte verfügen, mit welchen die angebotene
  Kaution über CHF 30'000.— bezahlt werden soll (so weist das Konto der
  Schwester per 17. April 2020 einen Saldo von CHF 3'236.55
  [act. 21/5b] und dasjenige ihres Ehemannes per 7. April 2020 einen
  Saldo von CHF 392.68 auf und ist aufgrund des unvollständigen
  Kontoauszuges des Ehemannes nicht ersichtlich, wohin rund CHF 26'500
  geflossen sind [act. 21/6c]).

  
	
  Aufgrund des eben Ausgeführten
  vermag die angebotene Kaution vorliegend den Fluchtanreiz nicht ausreichend
  abzuschwächen. Hinzu kommt, dass der Tatvorwurf vorliegend schwer wiegt und
  in Anbetracht der dem Beschuldigten drohenden mehrjährigen Freiheitsstrafe
  und seiner sozialen Kontakte im Ausland auf eine ausgeprägte Fluchtgefahr zu
  schliessen ist. Daher erweist sich der Rechtsprechung des Bundesgerichts
  folgend die angebotene Sicherheitsleistung vorliegend als nicht tauglich, den
  Beschuldigten von einer Flucht abzuhalten (BGer 1B_388/2015 Urteil vom
  3. Dezember 2015, E. 2.4.3 f.). 

  
	
   

  
	
  4.4.2 Schliesslich würde
  auch eine Eingrenzung (Hausarrest) verbunden mit einer
  elektronischen Überwachung (sog. Electronic Monitoring; Art. 237
  Abs. 2 lit. c i.V.m. Abs. 3 StPO) die vorliegend hohe Fluchtgefahr
  nicht hinreichend reduzieren, sondern lediglich bewirken, dass Alarm
  ausgelöst und eine Flucht damit rascher entdeckt würde (BGer 1B_358/2019
  Urteil vom 5. August 2019, E. 4; vgl. Merkblatt des Ostschweizer
  Strafvollzugskonkordats zur elektronischen Überwachung im Front-Door-Vollzug,
  wonach Electronic Monitoring weder Delikte noch Fluchten verhindern und es
  deshalb nur als Kontroll- und nicht als Sicherungsinstrument eingesetzt
  werden kann; vgl. https://www.osk-web.ch/assets/files/pdf/rechtserlasse/

  MB+Eletro-nic+Monitoring+EM+2017.pdf,
  zuletzt besucht am 30. April 2020). Der Vollständigkeit halber ist
  noch zu erwähnen, dass auch eine Ausweis- und Schriftensperre angesichts der
  italienischen und kosovarischen Staatsangehörigkeit des Beschuldigten
  vorliegend nur von beschränkter Wirkung wäre, da die Schweiz ausländischen
  Behörden nicht verbieten kann, neue Ausweise auszustellen und somit eine
  Einreise nach Italien oder in den Kosovo nicht verlässlich unterbunden werden
  könnte (BGer 1B_348/2018 Urteil vom 9. August 2018, E. 6.2.5 m.w.H.).
  

  
	
   

  
	
  4.4.3 Damit durfte die
  Vorinstanz unter den vorliegenden Umständen die Möglichkeit geeigneter
  Ersatzmassnahmen (einzeln oder in Kombination) verneinen, zumal auch keine
  weiteren gegenüber der Haft milderen Massnahmen ersichtlich sind. Dem Beschuldigten
  droht auch keine Überhaft. Der Beschuldigte vermag aus dem Umstand, dass das
  Obergericht in seinem Beschluss vom 20. Februar 2020
  (OG.2020.00012, act. 25), die Haft «nur» um zwei Monate verlängerte,
  dann auch nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Damals lagen die Protokolle
  der Einvernahmen der anonym befragten Personen noch nicht vor (Art. 149
  Abs. 2 lit. e StPO). Zwischenzeitlich liegen diese aber im
  Recht und insbesondere Person 2 belastet den Beschuldigten stark (vgl. oben
  E. III.1.3.2), weshalb sich die Verlängerung der Untersuchungshaft von
  drei Monaten vorliegend unter Beachtung sämtlicher Umstände als
  verhältnismässig erweist. Der Beschuldigte ist darauf hinzuweisen, dass er
  bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus jederzeit ein Haftentlassungsgesuch
  stellen kann (Art. 226 Abs. 3 StPO; Art. 228 StPO). 

  
	
   

  
	
  5. Nach diesen
  Ausführungen ist die Beschwerde des Beschuldigten vollumfänglich abzuweisen
  und die angefochtene Verfügung zu bestätigen.

  
	
   

  
	
  IV.

  
	
  1. Die Regelung der
  Kosten- und Entschädigungsfolgen hat im Endentscheid zu erfolgen
  (Art. 421 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühren sind zuhanden der
  das Strafverfahren abschliessenden Strafbehörde in Beachtung der
  Bemessungskriterien von Art. 6 der Zivil- und Strafprozesskostenverordnung
  des Kantons Glarus (GS III A/5) festzusetzen und zu den Untersuchungskosten
  im Sinne von Art. 326 Abs. 1 lit. d StPO zu schlagen. Die
  Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren ist gestützt auf Art. 8
  Abs. 2 lit. b der Zivil- und Strafprozesskostenverordnung des Kantons
  Glarus auf CHF 800.— festzusetzen. Ausgangsgemäss bleibt es bei der
  Kostenregelung der Vorinstanz (Art. 428 Abs. 3 StPO e contrario;
  act. 15, S. 7, Disp. Ziff. 4 f.). Parteientschädigungen
  sind keine zuzusprechen (Art. 423 Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
  2. Die
  Entschädigung der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten für ihre im
  Beschwerdeverfahren getätigten Aufwendungen wird durch die Staatsanwaltschaft
  

  oder das urteilende Gericht bei Abschluss des Strafverfahrens festzusetzen
  sein (Art. 135 Abs. 2 StPO). 

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird
    vollumfänglich abgewiesen und die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts
    des Kantons Glarus vom 9. April 2020 im Verfahren SG.2020.00037 wird
    bestätigt.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    Beschwerdeverfahren wird zuhanden der das Strafverfahren abschliessenden
    Behörde auf CHF 800.— festgesetzt.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Regelung der Kostenauflage
    und allfälliger Entschädigungen wird dem Endent­scheid vorbehalten.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]