# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 15ace9f4-f9ea-54ea-969f-a39f2d5cd6d4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.08.2008 E-6298/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6298-2006_2008-08-21.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6298/2006/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 1 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richter Walter Stöckli (Vorsitz), 
Richter Robert Galliker, 
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 
Gerichtsschreiberin Esther Karpathakis.

A._______, Bosnien und Herzegowina,
vertreten durch Marozia Fischer, CARITAS - Genève, 
rue de Carouge 53, case postale 75, 1211 Genève 4,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Aberkennung Flüchtlingseigenschaft und Widerruf Asyl; 
Verfügung des BFF vom 12. Dezember 2002 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6298/2006

Sachverhalt:

A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein Angehöriger der bosniakischen Ethnie 
aus B._______, verliess seinen Heimatstaat im September 1992 und 
traf  in  Kroatien  mit  seiner  Frau  und  seinen  beiden  Töchtern  zu-
sammen, welche Bosnien einen Monat zuvor verlassen hatten. Nach-
dem  die  Familie  während  eines  Jahres  in  C._______  gelebt  hatte, 
gelangte sie am 6. Januar 1994 in die Schweiz, wo sie um vorläufige 
Aufnahme nachsuchte, welche ihr von den damals dafür zuständigen 
Bundesämtern für Ausländerfragen und für Flüchtlinge gewährt wurde. 

A.b Nachdem der  Beschwerdeführer und seine Familie  erfahren ha-
ben, dass die kollektive vorläufige Aufnahme von Bosniaken aufgeho-
ben werden soll, suchten sie am 5. Mai 1998 um Asyl in der Schweiz 
nach. Sie machten geltend, aufgrund ihres niedrigen Bildungsstandes 
und der im Zeitpunkt ihrer Einreise extremen psychischen Belastungs-
situation hätten sie sich im Jahre 1994 mit der vorläufigen Aufnahme 
begnügt; dass sie die Voraussetzungen von Art. 3 AsylG erfüllen wür-
den, sei ihnen nicht bewusst gewesen. Am selben Tag fanden die sum-
marischen Befragungen zum Reiseweg und den Ausreisegründen statt 
(A1 und A2); am 1. Juli  1998 folgte die kantonale Anhörung zu den 
Asylgründen (A14). 

A.c Zur  Begründung  seines  Asylgesuches  machte  der  Beschwerde-
führer geltend, im Mai des Jahres 1992 habe die jugoslawische Armee 
die Bewohner seines Heimatdorfes zum Verlassen der Häuser aufge-
fordert.  In  D._______  seien  die  Männer  von ihren Familien  getrennt 
worden  und  der  Beschwerdeführer  habe  die  Ermordung  seines 
Cousins miterlebt. Er sei zunächst ins Lager E._______ und später in 
jenes von F._______ gebracht worden, wo er vom 28. Mai bis am 10. 
August 1992 festgehalten worden sei. Am 12. Juni 1992 sei er von den 
Lageraufsehern  dermassen  geschlagen  worden,  dass  diese  ihn  tot 
geglaubt und liegengelassen hätten. Erst am nächsten Morgen hätten 
Mithäftlinge  ihn  bewusstlos  aufgefunden  und  ihn  gepflegt.  Während 
seines Aufenthaltes in diesem Lager sei  er Zeuge vieler Gräueltaten 
geworden. Nach der Öffnung des Lagers am 10. August 1992 sei er ins 
Transitlager G._______ transferiert  worden, wo er weitere zehn Tage 
geblieben  sei.  Am  21.  August  1992  seien  die  Gefangenen  nach 
H._______  deportiert  worden,  wo  die  tauglichen  Männer  von  den 

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Tchetniks  weggebracht  worden  seien.  Die  älteren  Personen  und 
Frauen seien an die Grenze zum freien Territorium gebracht worden.

Die Ehefrau des Beschwerdeführers hatte geltend gemacht, nach der 
Trennung von ihrem Mann sei sie mit ihren Töchtern und mit den ande-
ren Frauen und Kindern ins Lager D._______ gebracht worden, wo sie 
im  Schulgebäude  vom  27.  Mai  bis  am  24.  Juni  1992  festgehalten 
worden  seien.  Jeden  Abend  hätten  maskierte  Personen  Frauen 
abgeholt. Am zehnten Tag sei auch die Beschwerdeführerin abgeholt 
und mit  weiteren drei  Frauen in  einem Zimmer vergewaltigt  worden. 
Am 24. Juni  1992 sei  sie  zusammen mit  den beiden Töchtern  nach 
I._______  und  von  dort  nach  C._______  gebracht  worden,  wo  sie 
schliesslich  wieder  mit  ihrem  Ehemann  beziehungsweise  Vater 
zusammengetroffen seien.

A.d Mit Verfügung vom 7. August 1998 anerkannte das BFF den Be-
schwerdeführer  und  seine  Familie  als  Flüchtlinge  und  erteilte  ihnen 
Asyl.

B.
B.a Mit Schreiben vom 8. Oktober 2001 gelangte das BFF an den Be-
schwerdeführer. Es teilte ihm mit, laut einer Information von dritter Sei-
te  sei  er  offenbar  im  Besitze  eines  heimatlichen  Reisepasses  und 
habe sich nach Erteilung des Asyls in Bosnien und Herzegowina auf-
gehalten. Sowohl eine Reise in den Heimatstaat als auch bereits der 
Erhalt eines heimatlichen Reisepasses, würden aber in der Regel den 
Widerruf des Asyls oder die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft 
nach  sich  ziehen.  Die  Konsequenz  eines  solchen  Widerrufs-  bezie-
hungsweise Aberkennungsentscheides sei, dass die betroffene Person 
nicht mehr dem Asylgesetz unterstehe, sondern den allgemeinen, für 
Ausländer geltenden Regelungen.

B.b In  seiner  Stellungnahme  vom  18.  Oktober  2001  hielt  der  Be-
schwerdeführer fest, er habe einen Pass von Bosnien und Herzegowi-
na  besessen,  welcher  seit  dem  Jahre  1998  abgelaufen  sei;  diesen 
habe er den schweizerischen Behörden im Verlaufe seines Asylverfah-
rens abgegeben. Mit diesem Pass sei er letztmals im Jahre 1997, im 
Rahmen der schweizerischen Gesetzgebung, in sein Heimatland ge-
reist. Dies sei sein letzter Aufenthalt in Bosnien und Herzegowina ge-
wesen. Die Information der denunzierenden Person könne schon des-
wegen nicht zutreffen, weil  die bosnisch-herzegowinischen Behörden 
in der Schweiz nicht bereit seien, hier anerkannten Flüchtlingen Reise-

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pässe  auszustellen.  Nach  Bosnien  und  Herzegowina  zu  reisen,  um 
sich vor Ort ein solches Dokument ausstellen zu lassen, erlaube ihm 
sein  gestützt  auf  den  Flüchtlingsstatus  ausgestellter  Reiseausweis 
nicht.  Er  sei  also  weder  in  der  Lage,  einen  heimatlichen  Pass  zu 
erhalten, noch wünsche er dies.

B.c Mit  Schreiben  vom  24.  Oktober  2001  teilte  das  BFF  dem  Be-
schwerdeführer mit, aufgrund seiner Stellungnahme bestehe kein An-
lass, den Äusserungen der Drittperson weiter nachzugehen.

B.d Im Jahre 2003 erlangten die beiden Töchter des Beschwerdefüh-
rers das schweizerische Bürgerrecht; ihre Eltern erhielten die Nieder-
lassungsbewilligung (Ausweis C).

C.
C.a Mit Notiz vom 30. Oktober 2002 zeigte das Grenzwachtkorps Chi-
asso dem BFF an, dass der Beschwerdeführer von Italien her in die 
Schweiz eingereist sei und sich dabei mit einem gültigen heimatlichen 
Pass  ausgewiesen  habe.  Gemäss  der  beigelegten  Kopie  wurde  der 
bosnisch-herzegowinische  Pass,  Nr.  3912583,  am  27.  Juni  2002  in 
D._______ ausgestellt und war bis am 27. Juni 2007 gültig.

C.b Mit  Schreiben vom 20. November 2002 teilte das BFF dem Be-
schwerdeführer seine Absicht mit, seine Flüchtlingseigenschaft abzu-
erkennen und das Asyl zu widerrufen. Zur Begründung führte es aus, 
es gehe davon aus, der Beschwerdeführer habe sich unter den Schutz 
seines Heimatstaates gestellt,  nachdem er im Besitze eines gültigen 
heimatlichen Passes sei. Demzufolge sei das Asyl zu widerrufen. Der 
Asylwiderruf und die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft bedeute-
ten jedoch nicht, dass er die Schweiz verlassen müsse, sondern ein 
solcher Entscheid habe in erster Linie zur Folge, dass er nicht mehr 
dem Asylgesetz, sondern dem allgemeinen Ausländerrecht unterstehe. 
Auf  eine  bereits  erteilte  Niederlassungsbewilligung  habe der  Asylwi-
derruf keinen Einfluss. Für entsprechende Fragen könne er sich an die 
kantonale Fremdenpolizeibehörde wenden. Dasselbe gelte im Übrigen 
hinsichtlich eines bereits  hängigen oder künftigen Einbürgerungsver-
fahrens. Nachteile könnten sich allenfalls im Bereich des Sozialversi-
cherungswesens einstellen, wenn er über zu wenige Beitragsjahre ver-
füge. 

C.c In  seiner  Stellungnahme vom 2. Dezember  2002 führte  der  Be-
schwerdeführer aus, aus dem Umstand, dass er über einen heimatli-

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chen Pass verfüge, sei weder sein Wille noch sein Wunsch abzuleiten, 
sich unter den Schutz seines Heimatstaates zu stellen. Sein Tun sei 
einzig  aufgrund  einer  moralischen  Verpflichtung  seiner  Familie 
gegenüber  erfolgt.  Sein  Neffe  sei  nämlich  seit  zehn  Jahren 
verschwunden. Nachdem in Bosnien und Herzegowina Massengräber 
ausgehoben  worden  seien,  habe  er  sich  verpflichtet  gefühlt,  mittels 
einer Blutprobe bei der Identifizierung seines Neffen behilflich zu sein, 
zumal sein Bruder, der Vater seines Neffen, welcher ebenfalls in der 
Schweiz  lebe,  aus  gesundheitlichen  Gründen  nicht  in  der  Lage 
gewesen  sei,  eine  solche  Reise  zu  unternehmen.  Zur  Ein-  und 
Ausreise  in  und  aus  Bosnien  und  Herzegowina  habe  er  aber  eines 
heimatlichen Passes bedurft.

D.
Mit  Verfügung vom 12. Dezember  2002 -  eröffnet  am 13. Dezember 
2002 - aberkannte das BFF die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-
deführers und widerrief sein Asyl. Zur Begründung führte es aus, der 
Beschwerdeführer habe es unterlassen, bei den schweizerischen Be-
hörden  um  Erlaubnis  zur  Reise  in  den  Heimatstaat  nachzusuchen. 
Hinzu komme, dass es dem Beschwerdeführer möglich gewesen wäre, 
das Blut in der Schweiz zu spenden und via die bosnisch-herzegowini-
sche Vertretung in sein Heimatland schicken zu lassen. Insgesamt sei-
en die von der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) formu-
lierten  drei  Widerrufsvoraussetzungen  -  Freiwilligkeit  der  Handlung, 
Absicht auf Unterschutzstellung, erfolgte Schutzgewährung - erfüllt. Es 
sei erwiesen, dass er über einen bosnisch-herzegowinischen Pass ver-
füge, dass er mit diesem problemlos über einen Grenzübergang in sei-
nem Heimatland eingereist ist und dass er dieses ebenso problemlos 
wieder verlassen habe.

E.
Mit Beschwerde vom 9. Januar 2003 gelangte der Beschwerdeführer 
an  die  damals  zuständige  ARK  und  beantragte  die  Aufhebung  der 
BFF-Verfügung vom 12. Dezember 2002. In formeller Hinsicht begehr-
te er den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die 
Auferlegung von Verfahrenskosten. Zur Begründung führte er aus, er 
habe sich seinem Bruder gegenüber verpflichtet gefühlt, bei der Identi-
fizierung seines Neffens behilflich zu sein,  zumal er als einziger der 
Familie den Sohn dieses Bruders im Jahre 1992 im Lager F._______ 
zuletzt  lebend gesehen habe. Er  habe sich  zwecks  Passausstellung 
nicht  selbst  zu  den  bosnisch-herzegowinischen  Behörden  begeben, 

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sondern  Freunde hätten  das  Dokument  für  ihn  besorgt  und ihm vor 
dem  Grenzübertritt  übergeben.  Er  sei  sich  auch  nicht  bewusst 
gewesen,  dass  sich  aus  der  Ausstellung  des  Passes  Probleme  im 
Zusammenhang  mit  seinem  Flüchtlingsstatus  ergeben  könnten.  Seit 
seiner  Einreise  in  die  Schweiz  und  bis  zur  fraglichen  Reise  Mitte 
Oktober  des  Jahres  2002  sei  der  Beschwerdeführer  nie  mehr  nach 
Bosnien  und  Herzegowina  gereist.  Mit  den  Behörden  seines 
Heimatstaates  habe  er  im  Zusammenhang  mit  seiner  Reise  im 
Oktober  2002  nur  insofern  Kontakt  gehabt,  als  er  sich  durch 
Vermittlung  seiner  Freunde  habe  einen  Pass  ausstellen  lassen,  mit 
diesem  die  Grenze  überquert  habe  und  mit  den  dafür  zuständigen 
Organisationen anlässlich der Identifizierung seines Neffens in Kontakt 
gekommen sei,  wobei die diesbezüglich beauftragten Organisationen 
kaum als Behörden bezeichnet werden könnten. Insgesamt sprächen 
die  Umstände,  namentlich,  dass  der  Beschwerdeführer  bis  zum 
fraglichen  Ereignis  nie  ins  Heimatland  zurückgereist  sei  und  seine 
Freunde für  ihn den Pass besorgt  hätten,  gegen seine Absicht,  sich 
wieder  unter  den  Schutz  des  Heimatstaates  zu  stellen.  Auch  die 
Aufenthaltsdauer von zwei Wochen im Heimatstaat sei angesichts des 
Zwecks  der  Reise  und  der  damit  zusammenhängenden  Umstände 
nicht  ein  Hinweis  dafür.  Zudem  sei  der  Anlass  seiner  Reise  als 
schwerwiegender familiärer Grund zu qualifizieren.

F.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Februar 2003 verzichtete der Instrukti-
onsrichter  der  ARK auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses und 
verwies die Behandlung des Gesuches um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege in den Endentscheid.

G.
Mit  Vernehmlassung  vom  3.  März  2003  hielt  das  BFF  an  seinem 
Standpunkt fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

H.
H.a Mit Gesuchen vom 18. September 2006 gelangten der Beschwer-
deführer und seine Frau ans BFM und beantragten die Ausstellung von 
neuen Reisedokumenten für Flüchtlinge. 

H.b Mit Schreiben vom 27. September 2006 gelangte das BFM an den 
Beschwerdeführer und forderte ihn dazu auf, seinen bosnisch-herze-
gowinischen Reisepass abzugeben, welcher bis am 27. Juni 2007 gül-

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tig  sei  und sich noch in seinem Besitz befinde. Danach könnten die 
Gesuche um Abgabe von Reisepapieren behandelt werden.

H.c Mit  Schreiben vom 1. November 2006 hielt  die Ehefrau des Be-
schwerdeführers  fest,  dieser  habe  entschieden,  seinen  bosnischen 
Reisepass zu behalten. Sie selbst wünsche jedoch die Behandlung ih-
res Gesuches um Ausstellung eines Reisedokumentes. 

H.d Mit  Schreiben vom 6. November  2006  teilte  das  BFM dem Be-
schwerdeführer mit, es erachte sein Gesuch vom 18. September 2006 
aufgrund des Schreibens vom 1. November 2006 als gegenstandslos.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des 
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach 
Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsge-
richts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 
32  VGG liegt  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zu-
ständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  ent-
scheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue 
Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). Das Verfah-
ren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das 
Asylgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG).

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50 und 
52 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung, womit er zur Einreichung der Beschwerde legi-
timiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Gemäss  Art.  63  Abs.  1  Bst.  b  AsylG  wird  die  Flüchtlingseigen-
schaft aberkannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art. 1 C 
Ziff. 1 - 6 des Abkommens über die Rechtstellung der Flüchtlinge vom 
28. Juli 1951 (FK, SR 0.142.30) vorliegen. Art. 1 C FK beinhaltet die 
Beendigungsklauseln hinsichtlich des Flüchtlingsstatus, sie definieren 
mit  anderen  Worten  die  Umstände,  unter  denen  ein  Flüchtling  nicht 
mehr unter die FK fällt, also aufhört, ein Flüchtling zu sein.

3.2 Nach Art. 1 C Ziff. 1 FK fällt eine Person, welche die Definition ei-
nes Flüchtlings im Sinne der Konvention erfüllt, dann nicht mehr unter 
das Abkommen, wenn sie sich freiwillig erneut dem Schutz des Lan-
des, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, unterstellt. Dies ist dann 
anzunehmen, wenn die Person freiwillig  in  Kontakt  mit  dem Heimat-
land getreten ist und dies in der Absicht, von ihrem Heimatland Schutz 
in  Anspruch zu nehmen. Schliesslich  muss der  Schutz  ihr  auch tat-
sächlich gewährt worden sein (vgl. zu den einzelnen Kriterien die wei-
terzuführende Rechtsprechung der ARK in Entscheidungen und Mittei-
lungen der ARK [EMARK] 1998 Nr. 29 E. 3.a-b mit weiteren Hinweisen, 
insbes. EMARK 1996 Nr. 7 E. 8-10; Handbuch über Verfahren und Kri-
terien  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  Genf,  September 
1979, Neuauflage: UNHCR Österreich, Dezember 2003, Erläuterungen 
zu Art. 1C FK, S. 32 f., Ziff. 118 ff., insbes. Ziff. 121).

4.  
Vorab kann festgehalten werden, dass der vorliegende Entscheid das 
Anwesenheitsverhältnis des Beschwerdeführers (Niederlassungsbewil-
ligung, Ausweis C) in der Schweiz nicht tangiert. Diesbezüglich kann 
ergänzend auf das Schreiben des BFF vom 20. November 2002 ver-
wiesen werden. 

5.
5.1 Der  Beschwerdeführer  bestreitet  nicht,  dass  er  sich,  allenfalls 
durch Vermittlung von Freunden, von den bosnisch-herzegowinischen 
Behörden  in  D._______  im  Juni  2002  einen  heimatlichen  Pass  mit 
einer Gültigkeitsdauer von fünf Jahren hat ausstellen lassen und dass 
er damit im Herbst des Jahres 2002 in seinen Heimatstaat gereist, sich 

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dort  während rund zweier  Wochen aufgehalten und wieder zurück in 
die  Schweiz  gereist  ist.  Damit  ist  das  Kriterium  einer 
Unterschutzstellung  zweifellos  erfüllt.  Ebenso  offensichtlich  ist,  dass 
die  Schutzgewährung  durch  die  heimatlichen  Behörden  auch 
tatsächlich  erfolgte.  Der  Pass  wurde  von  den  bosnisch-
herzegowinischen  Behörden  tatsächlich  ausgestellt  und  der 
Beschwerdeführer reiste damit problemlos in sein Heimatland ein und 
wieder aus. Nachdem er sich bei seiner Wiedereinreise in die Schweiz 
gegenüber  den  Behörden  mit  dem  Pass  auswies,  ist  davon 
auszugehen, dass er ihn auch bei den übrigen Grenzübergängen, die 
er auf seiner Reise zu passieren hatte, benutzte.

5.2 Es verbleibt zu prüfen, ob diese Unterschutzstellung freiwillig und 
absichtlich im Sinne der unter E. 3.2 genannten Kriterien geschah.

5.2.1 Was das Kriterium der Freiwilligkeit betrifft, so ist damit gemeint, 
dass der Flüchtling - trotz Erfüllung der übrigen Kriterien - dann nicht 
aufhört ein solcher zu sein, wenn er die betreffende Handlung gegen 
seinen Willen vornimmt, etwa weil er von den Behörden des Landes, 
wo er seinen Wohnsitz hat, dazu angewiesen wird, oder weil Umstän-
de, auf die er keinen Einfluss hat, ihn dazu zwingen (EMARK 1996 Nr. 
7 E. 8 a, Handbuch UNHCR a.a.O., Ziff. 120). Der Beschwerdeführer 
wurde von den schweizerischen Behörden nicht angewiesen, sich ei-
nen heimatlichen Pass ausstellen  zu lassen. Wie das BFF in  seiner 
Verfügung zutreffend erwägt, hätte es zudem der Heimatreise des Be-
schwerdeführers  -  demzufolge auch der  Passausstellung  -  nicht  be-
durft, um die Blutprobe den zuständigen Stellen zukommen zu lassen. 
Zwar macht er auf Beschwerdestufe geltend, wesentlich sei auch ge-
wesen, dass er derjenige gewesen sei, der seinen Neffen zuletzt gese-
hen  habe,  und  sich  an  die  Kleider  erinnern  könne,  die  er  getragen 
habe, was seine Anwesenheit in Bosnien und Herzegowina zwingend 
erfordert habe. Auch dieser Umstand steht jedoch der Freiwilligkeit der 
erfolgten Schutzunterstellung nicht entgegen, denn er hätte ohne Wei-
teres von den schweizerischen Behörden eine Ausnahmeerlaubnis für 
eine Reise ins Heimatland verlangen können. Angesichts des geltend 
gemachten tragischen Grundes seiner Reise hätte er zweifellos hohe 
Chancen  auf  Bewilligung  eines  solchen  Gesuches  gehabt,  so  dass 
also die Ausstellung eines heimatlichen Passes nicht notwendig gewe-
sen wäre; dies geht  im Übrigen sinngemäss aus der  angefochtenen 
Verfügung hervor. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auch das 

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Kriterium  der  Freiwilligkeit  der  Unterschutzstellung  vorliegend  erfüllt 
ist.

5.2.2 Der  Beschwerdeführer  bestreitet,  sich  absichtlich  unter  den 
Schutz seines Heimatstaates gestellt zu haben. Wenn ein Flüchtling ei-
nen Pass des  Landes,  dessen Staatsangehörigkeit  er  besitzt,  bean-
tragt und erhält, so ist das zwar - entgegen der früheren schweizeri-
schen Praxis - nicht mehr ein absoluter Asylwiderrufsgrund, immerhin 
aber noch ein gewichtiges Indiz für seine Absicht, erneut den Schutz 
seines Heimatlandes in Anspruch zu nehmen. Dass seine Freunde für 
den Beschwerdeführer den Pass hätten ausstellen lassen, vermag da-
gegen noch nichts Wesentliches zu bewirken. Das Argument der Un-
wissenheit  verfängt schon deshalb nicht,  weil  aus den Akten gerade 
etwas anderes hervorgeht. So haben sich sowohl der Beschwerdefüh-
rer selbst als auch seine Angehörigen bereits während den Jahren, als 
sie sich im Rahmen der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz aufhiel-
ten, wiederholt an die Behörden gewandt und um die Bewilligung von 
Auslandaufenthalten  nachgesucht.  Diese  wurden  ihnen,  bei  gegebe-
nen Voraussetzungen, auch erteilt. Einem solchen, vom Beschwerde-
führer verfassten, Gesuch vom 1. Juni 1995 an die zuständige Migrati-
onsbehörde um Ausstellung eines Reisedokumentes für seine Tochter 
J._______  lässt  sich  etwa  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer 
wusste, dass ihre Situation in der Schweiz (Ausweis F) an sich eine 
Auslandreise  nicht  zulasse.  Auch  seine  Stellungnahme  vom  18. 
Oktober  2001  (vgl.  oben  unter  Sachverhalt,  Bst.  B.b)  lässt  die 
Annahme,  er  habe  völlig  unwissend  hinsichtlich  der  Konsequenzen 
seines Vorgehens gehandelt, nicht zu. Mit dem Kriterium der Absicht 
der Schutzunterstellung soll gewährleistet bleiben, dass ein Flüchtling 
seinen Status behält, wenn die Beschaffung heimatlicher Reisepapiere 
oder eine Reise in den Heimatstaat aus beachtlichen Gründen erfolgt 
(EMARK  1998  a.a.O.  E.  3  b,  bb).  Das  vom  Beschwerdeführer 
vorgebrachte Motiv seiner Reise nach Bosnien und Herzegowina wäre 
zwar  ein  solcher  beachtlicher  Grund.  Allerdings  sind  Zweifel 
angebracht,  ob es der wirkliche und der einzige Grund war, der den 
Beschwerdeführer  veranlasst  hat,  sich  einen  heimatlichen  Pass 
ausstellen  zu  lassen.  Zwar  hatte  er  bereits  im  Rahmen  des 
Asylverfahrens ausgeführt, er sei bei der Ankunft im Lager F._______ 
von  seinem  Neffen  getrennt  worden  und  habe  ihn  seither  nie 
wiedergesehen (A14 S. 3). Demgegenüber ist schwer nachvollziehbar, 
dass  der  Beschwerdeführer  die  Teilnahme  an  den  Versuchen  zur 
Identifizierung seines Neffen in keiner Weise belegen kann. Letztlich 

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kann aber die Frage der Glaubhaftigkeit dieses Grundes offen bleiben, 
weil, wie erwähnt (vgl. E. 5.2.1), für diese Reise ein heimatlicher Pass 
nicht  notwendig  gewesen  wäre.  Soweit  der  Beschwerdeführer 
vorbringt, seine fehlende Absicht werde zusätzlich erkennbar daraus, 
dass er seit seiner Einreise in die Schweiz abgesehen von der Reise 
zur Identifizierung seines Neffen nie nach Bosnien und Herzegowina 
gereist sei, ist ihm entgegenzuhalten, dass er damit schon deswegen 
nichts  bewirkt,  weil  er  sich  diesbezüglich  widersprüchlich  geäussert 
hat. Laut seiner Stellungnahme vom 18. Oktober 2001 habe er nämlich 
mit  seinem im Jahre 1997 ausgestellten heimatlichen Pass im Jahre 
1997 eine kurze Reise  ins Heimatland unternommen. Zwar  wird der 
Grund jener Reise nirgends ersichtlich; möglicherweise waren es die 
Wahlen vom 13. und 14. September  1997. Letztlich spielt  dies auch 
keine Rolle,  wobei  im Sinne einer  Klammerbemerkung zu erwähnen 
ist,  dass  die  schweizerischen  Behörden  damals  auch  anerkannten 
Flüchtlingen die Teilnahme an den Wahlen erlaubten,  ohne dass sie 
ihres  Status  verlustig  gingen.  Immerhin  kann  festgehalten  werden, 
dass  der  Beschwerdeführer,  entgegen  seinen  Ausführungen  in  der 
Beschwerde,  offenbar  -  zwar  vor  seiner  Anerkennung als  Flüchtling, 
aber nach Verwirklichung seiner Asylgründe - mit einem heimatlichen 
Pass nach Bosnien und Herzegowina gereist ist. 

5.2.3 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Kriterien 
der freiwilligen und absichtlichen Schutzunterstellung vorliegend eben-
falls  erfüllt  sind.  Bestätigung  erfährt  diese  Einschätzung  durch  den 
Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  laut  Angaben  seiner  Ehefrau 
nicht bereit sei, seinen heimatlichen Pass dem BFM abzugeben, son-
dern vielmehr entschieden habe, diesen zu behalten und auf die Aus-
stellung des beantragten Reiseausweises zu verzichten (vgl. oben un-
ter Sachverhalt, Bst. H). Mit dieser Weigerung unterstreicht er, dass er 
sich freiwillig und permanent unter den diplomatischen Schutz seines 
Heimatlandes stellt und diesen geniesst.

5.3 Zusammenfassend ist  festzuhalten,  dass die von der Rechtspre-
chung ausformulierten Kriterien für die Anwendbarkeit von Art. 1 C Ziff 
1 FK respektive 63 Abs. 1 Bst. b AsylG erfüllt sind. Die Vorinstanz hat 
demzufolge zu Recht die Flüchtlingseigenschaft  des Beschwerdefüh-
rers aberkannt und sein Asyl widerrufen. Die angefochtene Verfügung 
verletzt  Bundesrecht  nicht,  stellt  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
richtig und vollständig fest und ist angemessen (Art. 106 AsylG). Die 
Beschwerde ist abzuweisen.

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6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). 
Das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG 
verbleibt  jedoch  zu  behandeln  und  ist  gutzuheissen,  nachdem  die 
Beschwerde  im  Zeitpunkt,  als  sie  eingereicht  wurde,  nicht  als 
aussichtslos im Sinne des Gesetzes zu qualifizieren war und von der 
Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Demzufolge sind 
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

6.2 Eine Parteientschädigung ist nicht auszurichten (vgl. Art. 64 VwVG 
und Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin-
ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)
- die kantonale Migrationsbehörde (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Stöckli Esther Karpathakis

Versand: 

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