# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6ea5cf2d-8406-5de7-af15-755b576fd1be
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-11
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 11.09.2020 200 2020 476
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-476_2020-09-11.pdf

## Full Text

200 20 476 IV
JAP/FRN/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 11. September 2020

Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichterin Wiedmer
Gerichtsschreiberin Franzen

A.________
vertreten durch B.________, lic. iur. C.________,
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 18. Mai 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Sept. 2020, IV/20/476, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1986 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich im Juli 2011 unter Hinweis auf eine posttraumatische Belas-
tungsstörung (PTBS) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) 
zum Leistungsbezug an (Akten der IV [act. II] 1). Die IV-Stelle Bern (IVB 
bzw. Beschwerdegegnerin) führte erwerbliche und medizinische Erhebun-
gen durch. Sie gewährte ein Belastbarkeitstraining bei der Abklärungsstelle 
D.________, gefolgt von einem Aufbautraining (act. II 25, 30, 31). Auf Emp-
fehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD, act. II 18) holte die IVB 
ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. E.________, Facharzt für 
Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, ein (psychiatrisches 
Gutachten vom 10. September 2012 [act. II 39.1]). Mit Verfügung vom 27. 
März 2013 (act. II 47) sprach sie der Versicherten eine ganze IV-Rente zu. 
Der Anspruch auf eine ganze IV-Rente wurde in den Jahren 2014, 2015 
und 2017 revisionsweise bestätigt (act. II 66, 83, 94). Im Rahmen einer im 
Juli 2019 eingeleiteten Rentenrevision nahm die IVB wiederum erwerbliche 
und medizinische Abklärungen vor. In der Folge holte sie nach Rückspra-
che mit dem RAD (act. II 106) bei Dr. med. E.________ ein psychiatrisches 
Verlaufsgutachten ein (Gutachten vom 5. Februar 2020 [act. II 120.1]). Mit 
Vorbescheid vom 5. März 2020 (act. II 125) stellte sie die Aufhebung der 
Rentenleistungen nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden 
Monats in Aussicht. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch lic. 
iur. C.________ vom B.________, Einwand (act. II 135, 137). Am 18. Mai 
2020 verfügte die IVB wie im Vorbescheid angekündigt (act. II 138). 

B.

Dagegen erhob die Versicherte, nach wie vor vertreten durch lic. iur. 
C.________, am 18. Juni 2020 Beschwerde und stellte folgenden Antrag:

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Es sei die Verfügung vom 18. Mai 2020 aufzuheben und das Vor-
liegen eines invalidisierenden Leidens zu bejahen. Es sei der Be-
schwerdeführerin sodann weiterhin eine Rente zuzusprechen. 

-unter Entschädigungsfolge-

Gleichentags stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche 
Rechtspflege. 

Mit Beschwerdeantwort vom 31. Juli 2020 schloss die Beschwerdegegnerin 
auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

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1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 18. Mai 2020 (act. II 
138). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführe-
rin und dabei insbesondere, ob die Beschwerdegegnerin die laufende Ren-
te zu Recht per Ende des der Verfügungszustellung folgenden Monats – 
mithin per 30. Juni 2020 – aufhob. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und 
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän-
kungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung 
allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv 
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1).

2.3 Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, 
dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt 
sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Ge-

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sundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend 
ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr 
zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).

Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG 
Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrachtungs-
weise von der grundsätzlichen „Validität“ der versicherten Person auszuge-
hen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295).

Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechts-
anwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben 
tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 
2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prü-
fung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende 
Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten 
normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 
S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 
7.2 S. 429).

Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeeinträchti-
gung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der 
ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach 
BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte Ge-
sundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Ag-
gravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Liegt auch unter dem 
Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicherte Gesundheits-
schädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene anhand eines 
normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergeb-
nisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leis-
tungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensati-
onspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren Leis-
tungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Regelfall nach 
gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardindikatoren zu be-
achten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien „funktioneller 
Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ einteilen lassen (E. 4.4 S. 

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303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). Die Anerken-
nung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn 
die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitli-
chen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren 
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr-
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Be-
weislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 
6 S. 308).

2.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Ren-
te, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Drei-
viertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditäts-
grad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei 
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertels-
rente. 

2.5 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

2.6

2.6.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines 
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf 
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).

2.6.2 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den 
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit 
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht 
nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son-
dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen 
(oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) 
des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert 

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haben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer 
Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist 
ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der 
Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des 
Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 
2.3 S. 10; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1).

2.6.3 Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeit-
punkt der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur 
Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 
E. 3.5.2 S. 351, 125 V 368 E. 2 S. 369; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1).  
Wurde die Rente zuvor bereits revidiert oder bestätigt, so ist als zeitliche 
Vergleichsbasis die letzte rechtskräftige Verfügung heranzuziehen, sofern 
eine materielle Überprüfung des Leistungsanspruches tatsächlich stattge-
funden hat, d.h. eine rechtskonforme (medizinische) Sachverhaltsab-
klärung, eine Beweiswürdigung und gegebenenfalls – sofern Hinweise für 
eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszu-
stands bestanden – ein Einkommensvergleich durchgeführt worden sind 
(BGE 133 V 108 E. 5.4 S. 114; SVR 2019 IV Nr. 68 S. 220 E. 2).

2.6.4  Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren-
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag-
gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali-
ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 
200; SVR 2019 IV Nr. 39 S. 124 E. 5).

2.7 Bei Versicherten, welche die Leistung weder unrechtmässig erwirkt 
noch die Meldepflicht verletzt haben, erfolgt die Herabsetzung oder Aufhe-
bung der Renten frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung 
der Verfügung folgenden Monats an (Art. 88bis Abs. 2 der Verordnung vom 
17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).

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3.

3.1 Zu vergleichen (zur zeitlichen Vergleichsbasis vgl. E. 2.6.3 hiervor) 
ist der Sachverhalt, wie er der Verfügung vom 27. März 2013 (act. II 47) 
zugrunde lag, mit demjenigen, der sich bis zum Erlass der angefochtenen 
Verfügung vom 18. Mai 2020 (act. II 138) entwickelt hat. Revisionsrechtlich 
dagegen unbeachtlich sind die Verfügungen vom 29. Januar 2014, 4. Mai 
2015 und 11. April 2017 (act. II 66, 83, 94), da diese nicht auf einer umfas-
senden materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nach Massgabe der 
Rechtsprechung (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 25. Februar 
2020, 8C_735/2019, E. 3.2) beruhten. 

3.2 Die Verfügung vom 27. März 2013 (act. II 47) stützte sich in medizi-
nischer Hinsicht im Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von Dr. 
med. E.________ vom 10. September 2012 (act. II 39.1). Dieser diagnosti-
zierte mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine PTBS (ICD-10: F43.1, 
S. 9). Die Beschwerdeführerin beschreibe die typischen Symptome einer 
PTBS, die sich nach einer Vergewaltigung in … im September 2010 entwi-
ckelt habe (S. 10). Sie schildere ausgeprägte Grübelphänomene und Ge-
dankenkreisen sowie die PTBS-typischen Nachhallerinnerungen und ein 
ausgeprägtes Vermeidungsverhalten. Zudem komme es immer wieder zu 
dissoziativen Zuständen mit ausgeprägten gedanklichen Blockierungen und 
psychosomatischen Beschwerden, vor allem ausgeprägten Kopfschmerzen 
(S. 8). Bei der gutachterlichen Exploration seien diese Symptome fast 
"lehrbuchhaft" zu objektivieren, wenn die Beschwerdeführerin über ihre 
traumatischen Erlebnisse spreche und dabei den typischen "Affektsturm" 
mit einer deutlich zu beobachtenden Zunahme dieser Symptome erleide. 
Sie sei weiterhin in einem psychisch sehr fragilen Zustand und eine Tätig-
keit oder Ausbildung auf dem freien Arbeitsmarkt sowie die Wiederaufnah-
me ihres Studiums seien bis auf Weiteres nicht möglich (S. 12). Spätestens 
seit Herbst 2010 sei von einer medizinisch begründeten, vollständigen Ar-
beitsunfähigkeit auszugehen (S. 14). Bis auf Weiteres könne sie allenfalls 
im geschützten Rahmen eine Tätigkeit mit therapeutischer Zielsetzung 
ausüben, die keinerlei Ansprüche an ihre dauerhafte Leistungsfähigkeit 
stelle (S. 13). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Sept. 2020, IV/20/476, Seite 9

3.3 Hinsichtlich des Verlaufs bis zum Erlass der hier angefochtenen 
Verfügung vom 18. Mai 2020 (act. II 138) lässt sich den Akten im Wesentli-
chen Folgendes entnehmen: 

3.3.1 Dr. med. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
diagnostizierte im Bericht vom 20. April 2015 (act. II 80) eine rezidivierende 
depressive Störung (ICD-10: F33) sowie eine andauernde Persönlich-
keitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62). Es bestehe nach wie 
vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die stundenweise Arbeit im geschütz-
ten Rahmen (... der G.________) hätte etwas verlängert werden können. 
Ein betreutes Wohnen sei nicht mehr nötig. Die körperliche wie psychische 
Belastbarkeit der Beschwerdeführerin sei noch sehr gering. Sie sei immer 
noch sehr leicht erschöpfbar. Es liege ein chronifizierter Verlauf mit Beein-
trächtigung der Stressintoleranz vor. 

3.3.2 Im psychiatrischen Verlaufsgutachten vom 5. Februar 2020 (act. II 
120.1) diagnostizierte Dr. med. E.________ mit Auswirkungen auf die Ar-
beitsfähigkeit eine anhaltende Persönlichkeitsänderung nach Extrembelas-
tung (ICD-10: F62). Die Beschwerdeführerin schildere noch immer Grübel-
phänomene und Gedankenkreisen, diese beträfen aber nicht mehr das 
traumatische Erlebnis aus dem Jahr 2010. Sie beschreibe gelegentlich auf-
tretende Ängste, am ehesten in Form einer gewissen inneren Anspannung. 
Das eigene Krankheitsmodell sei weiterhin auf eine PTBS fixiert. Das 
Krankheitsbewusstsein sei noch immer ausgeprägt, der Leidensdruck sei 
weiterhin erheblich, die Beschwerdeführerin bestätige hingegen eine Bes-
serung ihrer Symptomatik (S. 20). Ihre Kopfschmerzen seien sehr viel bes-
ser geworden, sie habe sogar das Topamax von 100 mg auf 50 mg redu-
zieren können (S. 14, 17). Auch ihre Ängste seien deutlich besser gewor-
den (S. 27, 35 f.). Das Entführungs- und Missbrauchserleben im Jahre 
2010 liege mittlerweile fast zehn Jahre zurück. Die noch persistierende 
Symptomatik umfasse somit denn auch bereits seit längerem nicht mehr 
die PTBS-typischen Symptome wie Intrusion und Vermeidung, auch hätten 
sich die dissoziativen und die Angstsymptome deutlich zurückgebildet. Die 
Beschwerdeführerin könne bereits seit einigen Jahren wieder alleine leben, 
sie könne ihre Angstsymptome ausreichend kontrollieren und verlasse oh-
ne Probleme das Haus. Sie könne öffentliche Verkehrsmittel benutzen und 

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unterhalte einige soziale Kontakte. Die Diagnose einer PTBS sei somit 
nicht mehr zu stellen. Die noch fortbestehenden psychischen Symptome 
seien gemäss den Regeln der ICD-10 neu zu definieren, am ehesten als 
anhaltende Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (S. 24). Bei der 
Betrachtung der Biographie und der Entwicklung der Beschwerdeführerin 
liessen sich bis zu ihrem Missbrauchserleben im September 2010 keinerlei 
Anhaltspunkte und Argumente für eine prämorbid wirklich pathologische 
Persönlichkeitsorganisation finden (S. 25). Die frühe Übernahme von sehr 
viel Verantwortung in der Familie, vor allem auch für die Pflege der Mutter, 
zeugten von perfektionistisch-anankastischen Zügen und einem hohen 
Eigenanspruch. Insbesondere seien es diese bereits prämorbid zu identifi-
zierenden, als akzentuierte Persönlichkeitszüge zu wertenden Charakterei-
genschaften, welche dazu beigetragen hätten, dass die Beschwerdeführe-
rin nach zehn Jahren noch immer die Symptome ihrer PTBS nicht adäquat 
hätte überwinden können. Aus der Beschwerdeführerin sei eine ängstlich-
vermeidende, selbstunsichere und leicht erschöpfbare Person geworden, 
der es bisher nie mehr gelungen sei, ein ausreichendes Selbstvertrauen 
aufzubauen, um ihre Traumata zu überwinden. Somit seien auch die vom 
damaligen oder auch von zukünftigen Therapeuten möglicherweise postu-
lierten Diagnosen wie eine rezidivierende depressive Störung, eine wie 
auch immer geartete Angsterkrankung oder andere Diagnosen der Kapitel 
F3 oder F4 der ICD-10 sicherlich nicht haltbar (S. 26). Zur Arbeitsfähigkeit 
führte der Psychiater aus, eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 
sollte in einem möglichst konstanten und ruhigen Umfeld erfolgen, ohne 
allzu hohe Anforderungen an die Sozialkompetenzen der Beschwerdefüh-
rerin und ohne allzu viele Kundenkontakte. Eine derartige angepasste 
Tätigkeit (wie zum Beispiel auch in einer ... durchaus möglich) wäre zu 
mindestens drei Stunden täglich möglich, wobei eine Leistungsminderung 
von 10% anzuerkennen sei. Dies entspreche einer Arbeitsfähigkeit von 
rund 35% in einer optimal angepassten Tätigkeit (S. 40). 

3.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 

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widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

3.5 Das psychiatrische Verlaufsgutachten vom 5. Februar 2020 (act. II 
120.1) erfüllt die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Be-
weiswert einer Expertise gestellten Anforderungen und überzeugt. Der 
Sachverständige stützte seine fachärztliche Beurteilung auf die wesentli-
chen Vorakten, das klinische Explorationsgespräch und berücksichtigt die 
geklagten Beschwerden. Die Expertise leuchtet in der Darlegung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-
tuation ein. Folglich kommt dem Gutachten in Bezug auf die darin erhobe-
nen Befunde und die gestellte Diagnose unbestrittenermassen voller Be-
weiswert zu (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353, vgl. Beschwerde S. 4 f. 
Ziff. V, Beschwerdeantwort S. 2 lit. C Ziff. 8). 

3.5.1 Zunächst geht aus dem psychiatrischen Verlaufsgutachten vom 
5. Februar 2020 (act. II 120.1) hervor, dass sich der Gesundheitszustand 
der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom 27. März 2013 (act. II 47) 
wesentlich verbessert hat. Die Beschwerdeführerin bestätigte gegenüber 
dem Gutachter eine Besserung ihrer Schlafstörungen, ihrer Ängste und 
Stimmungsschwankungen sowie auch eine deutliche Remission ihrer dis-
soziativen Symptome. Überdies leidet sie nicht mehr an den spezifischen 
Symptomen einer PTBS mit Nachhallerinnerungen und Vermeidungsver-

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halten (act. II 120.1 S. 41 f. Ziff. 8.4). Demzufolge ist vorliegend eine revisi-
onsrechtlich erhebliche Änderung des Gesundheitszustandes erstellt. Der 
Rentenanspruch ist deshalb frei zu prüfen (vgl. E. 2.6.4 hiervor).

3.5.2 Dr. med. E.________ hat schlüssig und nachvollziehbar dargelegt, 
dass die diagnostischen Kriterien der PTBS (ICD-10: F43.1) nicht mehr 
erfüllt sind (act. II 120.1 S. 23 f. Ziff. 1.1). Indessen diagnostizierte er eine 
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62; act. II 120.1 
Ziff. 6 S. 23) und legte dar, dass die vom ehemals behandelnden Psychia-
ter oder auch von zukünftigen Therapeuten möglicherweise postulierten 
Diagnosen wie eine rezidivierende depressive Störung, eine Angsterkran-
kung oder andere Diagnosen der Kapitel F3 oder F4 der ICD-10 nicht halt-
bar seien (act. II 120.1 S. 26). Diese Beurteilung überzeugt. Dr. med. 
E.________ geht schliesslich von einer Restarbeitsfähigkeit von rund 35% 
in einer optimal angepassten Tätigkeit – in einem möglichst konstanten und 
ruhigen Umfeld, ohne allzu hohe Anforderungen an die Sozialkompetenzen 
der Beschwerdeführerin und ohne allzu viele Kundenkontakte – aus (act. II 
120.1 S. 40 Ziff. 8.2). Die von ihm attestierte Einschränkung hält jedoch 
einer rechtlichen Beurteilung nicht stand (vgl. E. 4 hiernach). Das psychia-
trische Verlaufsgutachten erlaubt dabei eine schlüssige Beurteilung im 
Lichte der massgeblichen Indikatoren.

4.

4.1 Obwohl die Diagnosestellung bloss auf einer einzigen klinischen 
Exploration vom 15. Januar 2020 basiert und keine Fremdanamnese erho-
ben wurde (act. II 120.1 S. 24 f. Ziff. 2.2, S. 32 Ziff. 7.1), sind die klassifika-
torischen Vorgaben hinsichtlich der gestellten Diagnose Persönlichkeitsän-
derung nach Extrembelastung (ICD-10: F62) erfüllt (vgl. DILLING/MOM-
BOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 
ICD-10 Kapitel V [F], klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, 
S. 286 f.). Ob die nicht krankheitsbedingten Verdeutlichungstendenzen, die 
diversen Inkonsistenzen, die Diskrepanzen sowie die ausgeprägte Selbst-
limitierung (act. II 120.1 S. 37 Ziff. 7.3) als eigentliche Ausschlussgründe 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Sept. 2020, IV/20/476, Seite 13

nach BGE 131 V 49 zu qualifizieren sind, kann angesichts des Ausgangs 
der Indikatorenprüfung offen bleiben. 

4.2 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie 
"funktioneller Schweregrad" (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.):

4.2.1 Mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung (BGE 141 V 
281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes:

4.2.1.1 Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde 
und Symptome gilt es unter anderem, die Schwere des 
Krankheitsgeschehens anhand aller verfügbaren Elemente aus der 
diagnoserelevanten Ätiologie und Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 
141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298 f.). Die in der Voruntersuchung noch 
beschriebenen Blockaden mit dissoziiert wirkenden Zustandsbildern sind 
nicht mehr objektivierbar und traten während des gesamten 
Untersuchungsgespräches nicht mehr auf (act. II 120.1 S. 20 Ziff. 4.3). Das 
psychische Zustandsbild der Beschwerdeführerin ist jedoch weiterhin fragil 
und instabil (act. II 120.1 S. 27 Ziff. 3, S. 35 Ziff. 7.1, S. 38 Ziff. 7.4), die 
Kopfschmerzen und Ängste sind aber besser geworden. Die 
Beschwerdeführerin kann mittlerweile recht problemlos aus dem Haus 
gehen und auch öffentliche Verkehrsmittel benutzen (act. II 120.1 S. 14 f. 
Ziff. .2, 120.1 S. 24 Ziff. 1.1). Das eigene Krankheitsmodell ist gemäss 
Gutachter weiterhin auf eine PTBS fixiert und das Krankheitsbewusstsein 
immer noch ausgeprägt (act. II 120. S. 20 Ziff. 4.3). Insgesamt sind die 
diagnoserelevanten Befunde und Symptome nicht (mehr) schwer 
ausgeprägt.

4.2.1.2 Sodann ist auf den Verlauf und den Ausgang von Therapien (und 
damit auf Behandlungserfolg bzw. -resistenz) als wichtige Indikatoren für 
den funktionellen Schweregrad einzugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 
299 f.). Der Beschwerdeführerin wurden seitens des Hausarztes ein 
Präparat gegen Kopfschmerzen sowie ein Antidepressivum verordnet (act. 
II 120.1 S. 12 Ziff. 3.1, 120.1 S. 18 Ziff. 3.2, 120.1 S. 17 Ziff. 3.2), wobei 
mangels entsprechender Blutspielgebestimmung die Medikamenten-
Compliance bzgl. des Letzteren unklar ist (act. II 120.1 S. 22 Ziff. 4.3). Die 
Beschwerdeführerin lässt sich lediglich noch komplementärmedizinisch 

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(Bewegungstherapie nach Feldenkrais) behandeln und besucht höchstens 
einmal monatlich einen "Psychologen" ohne in der Schweiz anerkannten 
Abschluss; sie steht dagegen nicht mehr in fachpsychiatrischer Behandlung 
(act. II 120.1 S. 12 Ziff. 3.1, S. 16 f. Ziff. 3.2, S. 35 Ziff. 7.2). Dr. med. 
E.________ empfahl eine Intensivierung der aktuellen medizinischen 
Behandlung in Bezug auf die Therapiefrequenz, ohne dass er eine 
fehlende Behandlungsadhärenz postulierte (act. II 120.1 S. 28 Ziff. 5, S. 35 
Ziff. 7.2). Nach dem Dargelegten sind die Behandlungsoptionen nicht 
ausgeschöpft. 

4.2.1.3  Zu prüfen ist weiter, ob massgebende Komorbiditäten bestehen 
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 ff.). Es liegen weder somatische 
Begleiterkrankungen noch psychische Komorbiditäten vor (act. II 120.1 
S. 26 Ziff. 2.2). 

4.2.2 Weiter ist der Komplex Persönlichkeit (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 
S. 302) zu prüfen. Der gestellten Diagnose ist per definitionem eine 
Persönlichkeitsänderung inhärent. Gemäss Gutachter ist die 
Beschwerdeführerin eine ängstlich-vermeidende, selbstunsichere und leicht 
erschöpfbare Person geworden (act. II 120.1 S. 26 Ziff. 2.2), was auf eine 
gewisse Ressourcenhemmung schliessen lässt. Eindeutige Anhaltspunkte, 
Hinweise und Belege für eine echte Persönlichkeitsstörung sind indes nicht 
auszumachen (act. II 120.1 S. 33 Ziff. 7.1). 

4.2.3 Der Komplex Sozialer Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303) 
zeigt keine Anhaltspunkte für eine gesundheitsbedingte Einschränkung.  
Die Beschwerdeführerin kommt mit ihren Arbeitskollegen gut zurecht. Sie 
hat drei Freundinnen, die sie trifft, um bspw. einen Kaffee zu trinken oder 
gemeinsam zu wandern. Sie besucht häufig eine ihrer Freundinnen, die 
Mutter zweier kleinen Kinder ist und erledigt bei Bedarf auch deren 
Einkäufe. Im Sommer (2019) war sie einige Tage bei einer Freundin, die 
ein Haus in der Nähe von ... gemietet hatte. Zweimal in der Woche geht sie 
zum "..." (act. II 120.1 S. 13 Ziff. 3.1, S. 16 Ziff. 3.2). 

4.3 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie "Konsistenz". 
Darunter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 
S. 303).

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4.3.1 Es besteht keine gleichmässige Einschränkung des 
Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (BGE 141 V 281 
E. 4.4.1 S. 303 f.). Die Beschwerdeführerin arbeitet in der ... der 
G.________ im geschützten Rahmen (act. II 82, 91), wobei sie selbst ihre 
Arbeitsfähigkeit in diesem Bereich mit maximal dreieinhalb Stunden täglich 
beurteilt (act. II 120.1 S. 14 Ziff. 3.1). Dies kontrastiert mit den Aktivitäten 
des täglichen Lebens, welche nicht auf eine wesentliche Einschränkung in 
der Freizeit hindeuten. Insbesondere ist die Beschwerdeführerin im Stande, 
sich um ihre Hausarbeit zu kümmern, geht regelmässig spazieren, ist gerne 
in der Natur, trifft sich mit Freundinnen, erledigt sogar Einkäufe für 
Drittpersonen, geht regelmässig in die Bibliothek, um sich Bücher und 
Filme auszuleihen, geht zweimal wöchentlich zum "...", unternimmt am 
Wochenende z.B. auch längere Wanderungen, fährt in die Berge, verreist 
ins Ausland, konnte erfolgreich an einem Kurs bei der H.________ 
teilnehmen und sie kann sich um ihre Katze kümmern, die ihr viel Freude 
bereitet (act. 120.1 S. 13 Ziff. 3.1, S. 15 Ziff. 3.2, S. 28 Ziff. 3, S. 32 Ziff. 
7.1). 

4.3.2 Was den Indikator der Inanspruchnahme von therapeutischen Op-
tionen anbelangt (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304), ist auf Folgendes 
zu verweisen: Trotz des subjektiv zweifelsohne bestehenden Leidens-
drucks (act. II 120.1 S. 20 Ziff. 4.3, S. 37 Ziff. 7.3) steht die Beschwerdefüh-
rerin lediglich in einer niederfrequenten Therapie bei einem in der Schweiz 
nicht anerkannten "Psychologen" und gibt sich gegenüber beruflichen 
Massnahmen der IV als sehr skeptisch und eher ablehnend (act. II 120.1 S. 
28 Ziff. 4); sie denkt nicht, dass sie davon profitieren könnte und hofft, dass 
ihr die Beschwerdegegnerin weiterhin eine Rente bezahlt (act. II 120.1 S. 
14 Ziff. 3.1). Ein krankheitsbedingter grosser Leidensdruck ist damit zu ver-
neinen.

4.4 Zusammengefasst sind die diagnoserelevanten Befunde und 
Symptome nicht (mehr) ausgeprägt und die Behandlungsoptionen nicht 
ausgeschöpft. Der soziale Kontext zeigt keine Anhaltspunkte für eine 
gesundheitsbedingte Einschränkung und es besteht keine gleichmässige 
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren 
Lebensbereichen. Überdies ist ein krankheitsbedingter grosser Leidens-

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druck zu verneinen. In der Gesamtbetrachtung ist damit kein invalidisieren-
der Gesundheitsschaden mehr ausgewiesen. Vor diesem Hintergrund ist 
auf die ärztlicherseits aus rein medizinischer Sicht attestierte Arbeitsun-
fähigkeit aus rechtlicher Optik nicht abzustellen.

5. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin nicht mehr in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Die Durch-
führung einer Invaliditätsbemessung erübrigt sich damit. Die Beschwerde-
gegnerin hat die IV-Rente mit Verfügung vom 18. Mai 2020 (act. II 138) – in 
Anwendung von Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV – zu Recht per 30. Juni 2020 
aufgehoben. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 

Die Beschwerdegegnerin wird aufgefordert, die eine Drittperson betreffen-
den Dokumente (unpaginierte Akten nach act. II 147) aus den Akten zu 
entfernen. 

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Vorliegend sind die Verfahrenskosten auf Fr. 800.-- festzusetzen und 
– unter Vorbehalt der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. E. 6.3 hiernach) –  
der unterliegenden Beschwerdeführerin zur Bezahlung aufzuerlegen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG).

6.2 Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr-
schluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

6.3 Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Auf 
Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Kos-
ten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, wenn die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Sept. 2020, IV/20/476, Seite 17

Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren 
nicht aussichtslos erscheint (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 VR-
PG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Die Prozessarmut der Beschwerdeführerin ist ausgewiesen (Akten der Be-
schwerdeführerin [act. I] 3). Da das Verfahren zudem nicht als von vorn-
herein aussichtslos bezeichnet werden kann, sind die Voraussetzungen für 
die Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege betreffend die 
Verfahrenskosten erfüllt. Das entsprechende Gesuch ist somit gutzuheis-
sen. Eine amtliche Verbeiständung steht nicht zur Diskussion, weil die 
Rechtsvertreterin nicht über die hierfür notwendige anwaltliche Befähigung 
verfügt (Art. 111 Abs. 2 VRPG). Die Beschwerdeführerin ist somit – unter 
Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 
der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (Zivil-
prozessordnung, ZPO; SR 272) – von der Zahlungspflicht betreffend die 
Verfahrenskosten zu befreien.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird betreffend die Ver-
fahrenskosten gutgeheissen. 

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO –  jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

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5. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334,

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.