# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 819e5f9a-c838-59b7-947d-17368f392ceb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.06.2020 E-6531/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6531-2018_2020-06-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6531/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Constance Leisinger, 

mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis,  

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  

Advokatur Kanonengasse, (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 16. Oktober 2018 / N (…). 

 

 

 

E-6531/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine eritreische Staatsangehörige tigrinischer 

Ethnie, verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge Mitte 2014 

und reiste über den Sudan, Libyen und Italien am 2. September 2015 in 

die Schweiz ein. Am 3. September 2015 ersuchte sie im Empfangs- und 

Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl. Am 15. September 2015 

wurde sie im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) summarisch zu ihrer 

Person, dem Reiseweg und ihren Asylgründen befragt und am 24. Mai 

2017 vertieft zu diesen angehört. 

Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte sie im Wesentlichen aus, in 

C._______ geboren und aufgewachsen zu sein und die Schule bis zur 

7. Klasse besucht zu haben. Sie habe die Schule abbrechen müssen, da 

ihr Vater zu seiner militärischen Einheit mitgenommen worden und ihre 

Mutter erkrankt sei. Sie habe nach dem Schulabbruch ihre Eltern zu Hause 

unterstützt und in der (…) gearbeitet. Im Januar 2014 habe sie geheiratet. 

Ihr Ehemann sei damals bereits im Militärdienst gewesen. Er habe im April 

2014 Eritrea illegal verlassen, weil er nach der Heirat von seiner militäri-

schen Einheit gesucht worden sei. Gemäss ihren Ausführungen an der BzP 

habe sie ihren Heimatstaat verlassen, weil sie, nachdem ihr Ehemann aus-

gereist sei, keinen Sinn mehr darin gesehen habe, alleine zu leben. Sie 

habe keinen Militärdienst geleistet, da es keinen Zwang für Frauen gebe. 

Gemäss ihren Schilderungen an der Anhörung sei sie ausgereist, weil sie 

nach der Flucht ihres Ehemannes unter Druck gesetzt worden sei und stän-

dig Soldaten bei ihr aufgetaucht seien. Sie sei von ihnen bedroht und auf-

gefordert worden, ihren Ehemann beizubringen. Ausserdem sei sie mit Stö-

cken geschlagen, getreten und misshandelt worden. Sie habe des Weite-

ren im Mai beziehungsweise Juni 2014 ein Militärdienstaufgebot erhalten. 

Nachdem sie im Juni 2014 von ihrem Wohnort nach Äthiopien geflohen sei, 

sei sie in den Sudan gereist, wo sie von den Rashaidas während dreier 

Monate festgehalten worden sei. Ihre Familie habe durch eine Geldzahlung 

ihre Freilassung veranlassen können und auch ihre Reise in die Schweiz 

finanziert. 

Zur Untermauerung ihrer Vorbringen und ihrer Identität reichte sie einen 

Taufschein, einen Eheschein und Kopien der Identitätskarten ihrer Eltern 

zu den Akten.  

  

E-6531/2018 

Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 16. Oktober 2018 – eröffnet am 17. Oktober 2018 – 

verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, 

lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung sowie den Wegwei-

sungsvollzug aus der Schweiz an. 

C.  

Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin – handelnd durch 

den rubrizierten Rechtsvertreter – am 16. November 2018 beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der vorin-

stanzlichen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur rechtsgenügli-

chen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die Vo-

rinstanz. Eventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr 

Asyl zu gewähren, subeventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuord-

nen. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

sowie um Beiordnung ihres Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. November 2018 wurde die Beschwerde-

führerin zur Einreichung einer Fürsorgebestätigung aufgefordert. Gleich-

zeitig wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet und die 

Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.  

E.  

Mit Vernehmlassung vom 29. November 2018 hielt die Vorinstanz mit er-

gänzenden Ausführungen an ihren Erwägungen fest. 

F.  

Mit Eingabe vom 4. Dezember 2018 wurde eine Fürsorgebestätigung vom 

28. November 2018 nachgereicht.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2018 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und um Beiord-

nung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand gut 

und brachte der Beschwerdeführerin gleichzeitig die Vernehmlassung der 

Vorinstanz zu Kenntnis mit der Möglichkeit, im Rahmen einer Replik Stel-

lung zu nehmen.  

E-6531/2018 

Seite 4 

H.  

Mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 liess die Beschwerdeführerin eine 

Replik einreichen.  

I.  

Mit Eingabe vom 11. Februar 2019 reichte die Beschwerdeführerin zwei 

Dokumente als Beweismittel zu den Akten: ein Schreiben vom 30. Juni 

2014 des Einwohnermeldeamtes des Bezirks D._______ der Regionalver-

waltung E._______ an den Vater der Beschwerdeführerin, wonach er eine 

Busse zahlen müsse, weil seine Tochter, die Beschwerdeführerin, es ver-

säumt habe, ihren wegen Desertion und illegaler Ausreise gesuchten Ehe-

mann beizubringen, sowie ein Schreiben vom 3. Dezember 2014 der Fi-

nanzabteilung der genannten Behörde, wonach der Vater die Zahlung ge-

leistet habe.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

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Seite 5 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-

risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

5.  

5.1 In der Beschwerde wird gerügt, dass der rechtserhebliche Sachverhalt 

unvollständig und unrichtig abgeklärt worden sei. Diese formelle Rüge ist 

vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vor-

instanzlichen Verfügung zu bewirken. 

5.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

5.3 Zur Begründung der formellen Rüge wird in der Beschwerde ausge-

führt, dass die Beschwerdeführerin sowohl an der BzP als auch an der An-

hörung sehr aufgewühlt gewesen sei und immer wieder in Tränen ausge-

brochen sei. Es sei offensichtlich, dass sie von ihren Erlebnissen im Hei-

matstaat und auf der Flucht stark traumatisiert sei. In der BzP sei jedoch 

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Seite 6 

nicht nach ihrer psychischen Verfassung, sondern nur allgemein nach ih-

rem Gesundheitszustand gefragt worden. Auch der an der Anhörung an-

wesende Hilfswerksvertreter habe vermerkt, dass die Beschwerdeführerin 

fast während der gesamten Anhörung geschluchzt, geweint und emotional 

gesprochen habe. Sie sei sichtlich bewegt gewesen und habe ihre Erzäh-

lungen wegen der mehrfachen Weinkrämpfe teils unterbrechen müssen.  

Der Hilfswerksvertreter habe ausserdem nach der Anhörung die Ansicht 

geäussert, dass die Beschwerdeführerin geschlechtsspezifische Flucht-

gründe geltend gemacht habe. Tatsächlich sei sie, angesprochen auf die 

Gründe ihrer Flucht, von einem heftigen Weinanfall geschüttelt worden. Sie 

sei nach der illegalen Ausreise ihres Ehemannes von Soldaten unter Druck 

gesetzt worden. Diese seien zu ihr nach Hause gekommen, hätten sie be-

droht, mit Stöcken geschlagen, getreten und misshandelt, so dass sie sich 

bei ihrer Nachbarin habe verstecken müssen. Der Sachbearbeiter habe so-

dann in der Anhörung gefragt, ob sie Dinge erlebt habe, die sie lieber mit 

Frauen besprechen wolle, was sie mit «Okay» beantwortet habe. Sodann 

sei sie erneut gefragt worden, ob sie lieber mit Frauen sprechen wolle, was 

sie erneut mit «Ja, okay» beantwortet habe. Aus nicht nachvollziehbaren 

Gründen sei diese eindeutige Antwort nicht umgehend akzeptiert worden, 

sondern der Beschwerdeführerin sei ein drittes Mal die Frage gestellt wor-

den, ob die Anhörung abgebrochen und in einem Frauenteam fortgesetzt 

werden soll. Sichtlich verunsichert habe die Beschwerdeführerin darauf ge-

antwortet, dass es kein Problem sei und sie davon erzählen könne. Der 

Hilfswerksvertreter habe es als offensichtlich erachtet, dass dieses Einver-

ständnis, die Anhörung in einem reinen Männerteam fortzusetzen, durch 

den Druck einer weiteren Anhörung entstanden sei. Der Hinweis des Be-

fragers – welcher im Übrigen nicht protokolliert worden sei – es sei unge-

wiss, wann die nächste Anhörung stattfinden würde, habe dazu geführt, 

dass die Beschwerdeführerin eine weitere Vorladung zu einer Anhörung 

und die damit verbundene Wartezeit als grosse, für sie unerträgliche Be-

lastung empfunden habe und daher die Anhörung im reinen Männerteam 

fortgesetzt habe. Gemäss dem Protokolleintrag des Hilfswerksvertreters 

habe er in der Pause den Abbruch der Anhörung angeregt, da die Be-

schwerdeführerin Mühe gehabt habe, über die erlebten Misshandlungen 

zu berichten. Sie habe immerzu von «Druck» gesprochen. Der relevante 

Sachverhalt habe nicht vollständig abgeklärt werden können, weshalb der 

Hilfswerksvertreter eine weitere Befragung in einem gleichgeschlechtli-

chen Team angeregt habe. Ausserdem hätte, wie dies auch der Hilfswerks-

vertreter festgehalten habe, bereits der Hinweis der Beschwerdeführerin, 

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Seite 7 

sie sei im Sudan von Rashaida entführt und drei Monate festgehalten wor-

den, dazu führen müssen, dass sie von einem gleichgeschlechtlichen 

Team angehört werde. Auch während der BzP seien nur Männer anwesend 

gewesen, so dass es nicht erstaunlich sei, dass die unter Stress stehende 

Beschwerdeführerin sich so kurz nach ihrer Ankunft in der Schweiz nicht 

getraut habe, von den Misshandlungen durch die Soldaten zu berichten. In 

der BzP sei sie zudem mehrmals daran erinnert worden, ihre Asylgründe 

nur summarisch anzugeben. Bereits an der BzP habe die Beschwerdefüh-

rerin als Ausreisegrund ausgeführt, unter psychischem Druck gestanden 

zu haben, den sie nicht näher habe in Worte fassen können, der aber – 

gemäss Hilfswerksvertreter – klar aufgrund der erlittenen sexuellen Gewalt 

entstanden sei.  

5.4 In der Vernehmlassung nahm das SEM zur Frage, ob die Beschwerde-

führerin in einem reinen Frauenteam hätte angehört werden sollen, wie 

folgt Stellung: Aus dem Protokoll ergebe sich, dass sie sich hierzu unter-

schiedlich geäussert habe. Sowohl auf das ausführliche rechtliche Gehör 

als auch auf die diesbezüglichen Ergänzungen des Hilfswerksvertreters hin 

habe sie aber explizit angegeben, sie könne ihre Probleme vor den anwe-

senden Personen darlegen. Weder aus dem Protokoll noch aus dem Un-

terschriftenblatt des Hilfswerksvertreters gehe hervor, dass durch die Be-

fragungssituation Druck auf die Beschwerdeführerin ausgeübt worden sei 

oder das Protokoll fehlerhaft beziehungsweise unvollständig sei. Die in der 

Beschwerde einzig auf einer Einschätzung des Hilfswerksvertreters basie-

rende Schlussfolgerung, die angeblich nicht protokollierten Aussage, wo-

nach die nächste Anhörung möglicherweise erst in vier oder fünf Wochen 

stattfinden könne, habe von der Beschwerdeführerin als eine unerträgliche 

Belastung empfunden werden müssen, könne nicht geteilt werden.  

5.5 In der Replik wurde hierzu ausgeführt, dass sich der Hilfswerksvertreter 

insbesondere aufgrund der fehlenden Protokollierung der Bemerkungen 

des Befragers zu einer potentiell langen Wartezeit bis zur nächsten Anhö-

rung verpflichtet gefühlt habe, die Beschwerdeführerin über ihre Rechte 

aufzuklären. Die betreffende Stelle im Protokoll sei offensichtlich ein Text-

baustein. In der Folge sei die Aussage des Befragers eindeutig nicht pro-

tokolliert worden. Ausserdem erstaune es, dass die Vorinstanz das Proto-

koll des Hilfswerksvertreters derart anzweifle. Im vorliegenden Fall habe 

der Hilfswerksvertreter jedoch zusätzlich noch die Aufgabe übernehmen 

müssen, die Beschwerdeführerin neutral über ihre Rechte aufzuklären und 

das vom Befrager in Bezug auf den Abbruch der Anhörung vermittelte, ne-

gative Gefühl zu relativieren. Eindeutig sei der Befrager im vorliegenden 

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Seite 8 

Fall seinen Pflichten im Zusammenhang mit den geltend gemachten frau-

enspezifischen Fluchtgründen nicht nachgekommen.  

6.  

Zu den in der Beschwerde geltend gemachten formellen Rügen ist Folgen-

des festzustellen: 

6.1 Gemäss Art. 17 Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 6 AsylV 1 

(SR 142.311) wird die asylsuchende Person von einer Person gleichen Ge-

schlechts befragt, wenn konkrete Hinweise auf geschlechtsspezifische 

Verfolgung vorliegen. Geschlechtsspezifisch ist die Verfolgung dann, wenn 

sie in der Form sexueller Gewalt stattfindet oder die sexuelle Identität des 

Opfers treffen soll (hierzu und zum Folgenden BVGE 2015/42 E. 5.2, unter 

Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-

rekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 2 E. 5a c). Das Geschlecht soll nach 

Möglichkeit auch bei der Auswahl der Personen, die als Dolmetscher ein-

gesetzt werden und das Protokoll führen, berücksichtigt werden. Art. 6 

AsylV 1 – diese Bestimmung findet bei Frauen und Männern gleichermas-

sen Anwendung – ist eine Ausgestaltung des rechtlichen Gehörs, mithin 

eine Schutzvorschrift, deren Zweck es ist, dass asylsuchende Personen 

ihre Vorbringen angemessen vortragen, das heisst, konkret erlittene Über-

griffe möglichst frei und unbeeinträchtigt von Schamgefühlen schildern 

können. Gleichzeitig dient sie dazu, die Richtigkeit der Sachverhaltsabklä-

rung zu gewährleisten. Da diese Schutzvorschrift nicht bloss ein Recht der 

asylsuchenden Person beinhaltet, eine solche Befragung zu verlangen, 

sondern die Behörde dazu verpflichtet, in der vorgesehenen Weise vorzu-

gehen, sobald entsprechende Hinweise vorliegen, ist sie von Amtes wegen 

anzuwenden. In der genannten, immer noch Gültigkeit entfaltenden, 

Rechtspraxis wurde sodann festgehalten, dass ein Verzicht – wenn über-

haupt – jedenfalls nur dann angenommen werden könne, sofern ein sol-

cher ausdrücklich erklärt werde. Andernfalls werde der Schutzzweck der 

Norm ihres Sinnes beraubt (a.a.O. E. 5c, vgl. in diesem Sinne auch Urteil 

des BVGer D-6857/2016 vom 15. Februar 2018 E. 4.1 m.w.H.). 

6.2 Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin erst im Laufe der ein-

lässlichen Anhörung vorgebracht, dass sie nach der illegalen Ausreise ih-

res Ehemannes von Soldaten zu Hause aufgesucht und geschlagen, ge-

treten und misshandelt worden sei (act. A18/18 F82). Die Vorinstanz wird 

allerdings nicht von den Vorgaben in Art. 6 AsylV 1 entbunden, wenn sich 

Anknüpfungspunkte für das Vorliegen geschlechtsspezifischer Gewalt 

nicht schon im Vorfeld einer Bundesanhörung sondern erst während dieser 

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ergeben. Gerade in solchen Konstellationen ist besondere Rücksicht da-

rauf zu nehmen, dass Betroffene sexueller beziehungsweise geschlechts-

spezifischer Gewalt oft nicht von Beginn an in der Lage sind, offen über 

Erlebtes zu berichten. Den Akten lässt sich entnehmen, dass im vorliegen-

den Fall alle an der Anhörung Anwesenden männlichen Geschlechts waren 

(act. A18/18 F83). Das Verhalten des Befragers im Anschluss an die erst-

malige Erwähnung des Vorfalls mit den Soldaten offenbart auch die wün-

schenswerte Sensibilität für die eingangs beschriebene Thematik. Sobald 

sich die Beschwerdeführerin an der Anhörung zum ersten Mal zu ihrem 

Vorbringen geäussert hatte, wurde sie von ihm gefragt, ob sie Dinge erlebt 

habe, die sie nicht erzählen möchte. Er fragte, «[w]ir sind alle Männer. Gibt 

es Dinge, die Sie lieber mit Frauen besprechen möchten?», worauf sie mit 

«Okay» antwortete (act. A18/18 F83). Der Befrager erkundigte sich im An-

schluss an diese Antwort erneut, «Also Sie sagen ‘okay’. Verstehe ich Sie 

richtig, dass Sie lieber mit Frauen sprechen möchten?», worauf die Be-

schwerdeführerin antwortete: «Ja, okay.» (act. A18/18 F84). Bereits auf-

grund dieser beiden Antworten der Beschwerdeführerin hätte die Anhörung 

abgebrochen werden sollen. Stattdessen wurde die Beschwerdeführerin 

erneut sowohl vom Befrager als auch vom Hilfswerksvertreter auf die Mög-

lichkeit, die Anhörung abzubrechen und einen neuen Anhörungstermin in 

einem Frauenteam anzusetzen, hingewiesen, woraufhin sie ausführte, 

«Nein, es ist kein Problem, ich kann davon erzählen» (act. A18/18 F85) 

beziehungsweise erwiderte, «Für mich seid ihr alle gleich, ich kann von 

meinen Problemen erzählen.» (act. A4/11 F86). Diese Aufklärung der Be-

schwerdeführerin über ihr Recht, von einem gleichgeschlechtlichen Team 

befragt zu werden vermag dennoch nicht aufzuwiegen, dass die Vorinstanz 

in casu ihre amtliche Pflicht zur Befragung im Einklang mit Art. 6 AsylV 1 

verletzt hat. Aus der Rechtsprechung ergibt sich zwar – wie bereits erwähnt 

– die Möglichkeit der ausdrücklichen Verzichtserklärung auf eine Befra-

gung durch ein gleichgeschlechtliches Team. Die Reaktionen der Be-

schwerdeführerin auf die bezeichnete Rechtsbelehrung (act. A18/18 F85 

und F86) kann aber unter Berücksichtigung ihrer vorhergehenden Antwor-

ten (act. A18/18 F83 und F84) nicht als ausdrücklicher Verzicht aufgefasst 

werden. Es ist zudem zu bezweifeln, dass die emotional stark angeschla-

gene Beschwerdeführerin ein umfassendes Verständnis von der Proble-

matik hatte, mit welcher sie der Befrager und der Hilfswerksvertreter kon-

frontierten. Diese Einschätzung wird auch vom Hilfswerksvertreter geteilt, 

der auf dem Unterschriftenblatt vermerkte, dass die Beschwerdeführerin 

Mühe hatte, über die erlebten Misshandlungen zu sprechen und sichtlich 

bewegt war. Er habe eine Befragung in einem gleichgeschlechtlichen Team 

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Seite 10 

angeregt, weil die Beschwerdeführerin seiner Ansicht nach geschlechts-

spezifische Verfolgung geltend gemacht habe und ihr Einverständnis zur 

Fortführung der Anhörung durch den Druck einer weiteren Anhörung zu-

stande gekommen sei (act. A18/18 S. 18).  

6.3 Indem das SEM trotz Hinweisen auf eine geschlechtsspezifische Ver-

folgung die Beschwerdeführerin nicht durch ein reines Frauenteam zu den 

Asylgründen anhörte, wurde deren Anspruch auf rechtliches Gehör ver-

letzt, der rechtserhebliche Sachverhalt unrichtig beziehungsweise unvoll-

ständig festgestellt und damit Bundesrecht verletzt. Das SEM ist daher auf-

zufordern, die entsprechenden Massnahme, namentlich eine erneute An-

hörung in einem Frauenteam, durchzuführen und gestützt auf deren Er-

gebnisse das Asylgesuch neu zu beurteilen.  

7.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als mit ihr 

die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Rückweisung der Sache 

zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung 

beantragt wird. Die vorinstanzliche Verfügung vom 16. Oktober 2018 ist 

aufzuheben und die Sache ist in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 in fine 

VwVG zur vollständigen Sachverhaltsermittlung und Neubeurteilung im 

Sinne der Erwägungen ans SEM zurückzuweisen. 

8.  

Auf die im Beschwerdeverfahren in reformatorischer Hinsicht gestellten 

Rechtsbegehren und deren Begründung sowie auf die bisher, insbeson-

dere mit Eingabe vom 11. Februar 2019 eingereichten Dokumente ist bei 

diesem Verfahrensausgang im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht 

einzugehen, da es Sache des SEM sein wird, sich im Rahmen der Neube-

urteilung damit zu befassen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erhe-

ben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.  

Der im Beschwerdeverfahren vertretenen Beschwerdeführerin ist ange-

sichts ihres Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

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Seite 11 

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Ent-

schädigung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzu-

sprechen. 

Die am 11. Februar 2019 eingereichte aktualisierte Kostennote weist einen 

zeitlichen Vertretungsaufwand von 14.70 Stunden zu einem Stundenan-

satz von Fr. 300.- aus, was jedoch dem Aufwand des Verfahrens nicht an-

gemessen sondern zeitlich überhöht scheint. Insgesamt wird der Vertre-

tungsaufwand auf 10 Stunden gekürzt. Die geltend gemachten Auslagen 

betreffen sodann Übersetzungskosten im Zusammenhang mit den am 

11. Februar 2019 eingereichten Beweismitteln in der Höhe von Fr. 140.. 

Diese Kosten sind jedoch weder ausgewiesen noch ist ersichtlich, dass die 

Übersetzung von einem Übersetzungsbüro vorgenommen wurde. Diese 

Auslagen sind daher von vornherein nicht entschädigungspflichtig. Das 

SEM hat dem Rechtsvertreter dementsprechend ein Honorar von insge-

samt Fr. 3252. (inklusive weiteren geltend gemachte Auslagen und Mehr-

wertsteuerzuschlag) auszurichten. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache wird im Sinne 

der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 3252.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin:  Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili 

 

 

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