# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 66ce4b6b-6682-50dc-b267-72df61137edc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.12.2011 D-6770/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6770-2011_2011-12-23.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­6770/2011/sps

U r t e i l   v om   2 3 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis,
mit Zustimmung von Richter Walter Lang;  
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

Parteien A._______, geboren am … ,
Afghanistan,  
vertreten durch Hansjörg Trüb, Asylbrücke Zug,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 21. November 2011 / N … .

D­6770/2011

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  am  17.  September  2011  –  angeblich  von 
Österreich kommend – in der Schweiz ein Asylgesuch einreichte, worauf 
er vom BFM am 5. Oktober 2011 zu seiner Person, zu seinem Reiseweg 
und summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt wurde (vgl. act. A7), 

dass  er  dabei  zur  Hauptsache  geltend  machte,  er  sei  ein 
Staatsangehöriger  von  Afghanistan  und  ethnischer  Paschtune,  er 
stamme aus der Provinz X._______ und habe seine Heimat verlassen, da 
ihm dort in Zusammenhang mit einer Erbstreitigkeit, welcher bereits seine 
Brüder zum Opfer gefallen seien, der Tod drohe, 

dass  er  zu  seinem  Reiseweg  angab,  er  habe  seine  Heimat  vor  zirka 
einem Jahr verlassen und sei über Pakistan, den Iran und die Türkei nach 
Griechenland gelangt, wo er sich acht Monate in Athen aufgehalten habe, 
wo er jedoch keinen Asylantrag gestellt habe und von den Behörden auch 
nicht registriert worden sei, 

dass  er  danach  auf  dem  Landweg  über Mazedonien  und Serbien  nach 
Österreich gereist  sei, wo er … einen Asylantrag gestellt  habe und  von 
wo  er  in  die  Schweiz  weitergereist  sei,  und  zwar  ohne  den 
österreichischen Asylentscheid abzuwarten, da es in Österreich viel Streit 
unter den Arabern und Afrikanern gegeben habe, 

dass  vom  BFM  aufgrund  einer  Abfrage  der  Eurodac­Datenbank 
festgestellt worden war,  dass  sich der Beschwerdeführer  tatsächlich  als 
Asylsuchender in Österreich aufgehalten hatte (Asylantrag … verzeichnet 
per  12.  Juni  2011),  dass er  aber  zuvor  bereits  in  Italien  in Erscheinung 
getreten war (illegaler Aufenthalt, verzeichnet … per 8. April 2011), 

dass  sich  der  Beschwerdeführer  auf  entsprechende  Frage  des  BFM 
gegen  eine  Rückkehr  nach  Griechenland  aussprach,  da  dort  die  Lage 
schlecht sei und Griechenland kein Asyl gewähre, 

dass  er  sich  demgegenüber  zu  einer  Rückkehr  nach  Österreich  bereit 
erklärte,  sollte  seine  Rückkehr  dorthin  vom  Bundesamt  gewünscht 
werden, 

dass er auf Vorhalt des BFM betreffend seine Eurodac­Verzeichnung  in 
Italien vorbrachte, er und andere seien bereits auf dem Wasser von den 
Italienern erwischt worden, worauf man  ihnen noch auf dem Wasser die 

D­6770/2011

Seite 3

Fingerabdrücke  abgenommen  und  sie  direkt  anschliessend  nach  … 
Griechenland zurückgeschickt habe, 

dass  er  sich  gleichzeitig  gegen  eine  Rückkehr  nach  Italien  aussprach, 
indem er geltend machte,  Italien habe  ihn nach Griechenland deportiert, 
obwohl die Italiener dies nicht hätten machen dürfen, 

dass  das  BFM  am  19.  Oktober  2011  –  nach  den  Bestimmungen  der 
Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur 
Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um  Wiederaufnahme  des 
Beschwerdeführers an Österreich richtete, 

dass  dem  Bundesamt  jedoch  bereits  am  nächsten  Tag  vonseiten 
Österreichs  mitgeteilt  wurde,  einer  Übernahme  des  Beschwerdeführers 
könne  nicht  zugestimmt  werden,  da  Österreich  im  Falle  des 
Beschwerdeführers  bereits  ein  Übernahmeersuchen  an  Italien  gerichtet 
habe,  welchem  von  italienischer  Seite  am  22.  Juli  2011  ausdrücklich 
entsprochen worden sei, 

dass die Überstellung nach Italien alleine wegen des Untertauchens des 
Beschwerdeführers noch nicht vollzogen worden sei, 

dass  das  BFM  vor  diesem  Hintergrund  am  20.  Oktober  2011  ein 
Ersuchen  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  an  Italien 
richtete,  wobei  das  Bundesamt  ausdrücklich  auf  die  von  Italien  am  22. 
Juli  2011  gegenüber  Österreich  abgegebene  Übernahmeerklärung 
verwies, 

dass  das  Ersuchen  des  Bundesamtes  innert  massgeblicher  Frist  von 
Italien nicht beantwortet wurde, 

dass  das  BFM  in  der  Folge  mit  Verfügung  vom  21.  November  2011 – 
eröffnet  durch  die  kantonale  Behörde  am  9.  Dezember  2011  –  in 
Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 
1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers 
nicht eintrat und dessen Wegweisung nach Italien anordnete, 

dass  das  Bundesamt  dem  Beschwerdeführer  gleichzeitig  eine 
Ausreisefrist auf den Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist ansetzte, die 

D­6770/2011

Seite 4

zuständige  kantonale  Behörde  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung 
beauftragte  und  abschliessend  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde 
gegen diesen Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, 

dass  das  Bundesamt  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die 
Bestimmungen  der  Dublin­II­VO,  die  Verzeichnung  des 
Beschwerdeführers  in  Italien,  die  italienische  Übernahmeerklärung  vom 
22. Juli 2011 und auf das an Italien gerichtete Gesuch vom 20. Oktober 
2011  um  eine  Übernahme  (recte:  Wiederaufnahme)  des 
Beschwerdeführers, welches  innert massgeblicher Frist  von  italienischer 
Seite  nicht  beantwortet  wurde  –  auf  die  Zuständigkeit  Italiens  für  die 
Behandlung  des  Asylgesuches  des  Beschwerdeführers  verwies  und 
festhielt,  vom  Beschwerdeführer  seien  keine  relevanten  Gründe  gegen 
eine Überstellung vorgebracht worden, 

dass das Bundesamt  abschliessend den Vollzug der Wegweisung nach 
Italien als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,

dass  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  am  16.  Dezember 
2011 – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – Beschwerde einreichte, 

dass er  in  seiner Eingabe die Aufhebung der angefochtenen Verfügung 
[1],  die  Feststellung  der  Zuständigkeit  Griechenlands  [2]  und  daran 
anschliessend  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzuges  nach  Griechenland  [3]  beantragt,  weshalb  das 
BFM  anzuweisen  sei,  das  Asylverfahren  in  der  Schweiz  durchzuführen 
[4], 

dass  er  im  Weiteren  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der 
Beschwerde [5] sowie um Erlass der Verfahrenskosten und um Befreiung 
von der Kostenvorschusspflicht [6] ersucht, 

dass er in seiner Eingabe unter Vorlage von zehn Fotografien namentlich 
geltend macht, er sei zwar erstmals  in  Italien  in der Eurodac­Datenbank 
registriert  worden,  er  habe  sich  aber  tatsächlich  zuerst  in Griechenland 
aufgehalten,  was  er  mit  den  jetzt  vorgelegten  Fotos  –  welche  ihn  vor 
verschiedenen  griechischen  Sehenswürdigkeiten  und 
Naherholungsgebieten zeigten – auch belegen könne, 

dass  bei  dieser  Sachlage  unter  Beachtung  der  einschlägigen 
Bestimmungen  der  Dublin­II­VO  nicht  Italien,  sondern  richtigerweise 

D­6770/2011

Seite 5

Griechenland  für  ihn  zuständig  sei,  woran  alleine  der  Umstand  seiner 
Nichtregistrierung in diesem Staat nichts ändere, 

dass aber gleichzeitig eine Wegweisung nach Griechenland aufgrund der 
dort herrschenden Verhältnisse völkerrechtlich nicht zulässig sei, weshalb 
das  BFM  anzuweisen  sei,  von  seinem  Selbsteintrittsrecht  nach  Art.  3 
Abs. 2 Dublin­II­VO Gebrauch zu machen, 

dass  nach  Eingang  der  Beschwerde  der  Vollzug  der Wegweisung  vom 
Bundesverwaltungsgericht  mittels  Telefax  vom  20.  Dezember  2011 
einstweilen  ausgesetzt  wurde  (vgl.  Art.  56  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 
172.021]), 

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  20.  Dezember  2011  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei 
Vorliegen  eines  Auslieferungsgesuches  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 31  und  33   des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 
[VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder 
das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  des  legitimierten 
Beschwerdeführers  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art.  52 
VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass sich die vorliegende Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als 
offensichtlich unbegründet erweist, weshalb darüber  in einzelrichterlicher 

D­6770/2011

Seite 6

Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),

dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),

dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

dass  aufgrund  der  Akten  zweifelsfrei  erstellt  ist,  dass  der 
Beschwerdeführer  im  europäischen  Raum  erstmals  in  Italien  registriert 
worden ist (am 8. April 2011 im kalabrischen Y._______), und Italien auf 
entsprechendes  Ersuchen  vonseiten  Österreichs  einer  Übernahme  des 
Beschwerdeführers  zwecks  Prüfung  seines  Asylantrages  bereits 
ausdrücklich  zugestimmt  hat  (vgl.  die  Zustimmungserklärung  aus  Rom 
vom 22. Juli 2011), 

dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen 
Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer 
Wiederholung zu verweisen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG) –  Italien  für die 
Prüfung  des  Asylantrages  des  Beschwerdeführers  zuständig  ist,  wurde 
doch gleichzeitig von Italien das Ersuchen des BFM um Wiederaufnahme 
des Beschwerdeführers (im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO) 
innert  der  vorliegend  massgeblichen  Frist  von  einem  Monat  nicht 
beantwortet,  womit  Italien  seine  Zuständigkeit  gemäss  Dubliner 
Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung  auch 
gegenüber der Schweiz akzeptiert hat (vgl. dazu Art. 20 Abs. 1 Bst. b und 
c Dublin­II­VO),

dass  damit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in 
Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist, 

dass  der Beschwerdeführer  zwar  unter Verweis  auf  seinen  angeblichen 
Reiseweg sowie unter Berufung auf die einschlägigen Bestimmungen der 
Dublin­II­VO eine angeblich falsche Bestimmung des für ihn zuständigen 
Staates  geltend  macht,  seine  diesbezüglichen  Vorbringen  jedoch  ins 
Leere stossen, 

dass  in  diesem  Zusammenhang  vorab  darauf  hinzuweisen  ist,  dass  es 
grundsätzlich nicht die Sache der asylsuchenden Person  ist,  den  für  ihr 

D­6770/2011

Seite 7

Asylverfahren  zuständigen  Staat  selber  zu  bestimmen,  sondern  die 
Bestimmung  des  für  sie  zuständigen  Staates  alleine  den  beteiligten 
Dublin­Vertragsstaaten  obliegt  (vgl.  dazu  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA 
SPRUNG, Dublin II­Verordnung, 3. Aufl., Wien/Graz 2010, K10 zu Art. 19), 

dass eine Verletzung der Zuständigkeitsbestimmungen nach der Dublin­
II­VO nur dann gerügt werden kann, wenn sich durch eine Überstellung in 
einen  unzutreffend  bestimmten  Staat  aus  anderen  Gründen  eine 
Verletzung der der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ergeben würde, 
was im Falle von Italien – wie nachfolgend aufgezeigt – nicht der Fall ist, 

dass  zudem  bei  vorliegender  Aktenlage  –  nachdem  der 
Beschwerdeführer vor Österreich einzig noch in Italien registriert worden 
ist – ohnehin kein Anlass zur Annahme einer unzutreffenden Bestimmung 
des  zuständigen  Staates  besteht,  sondern  das  BFM  nach  Eingang  der 
aus  Österreich  eingelangten  Ablehnungserklärung  zu  Recht  ein 
Wiederaufnahmeersuchen an den nächstzuständigen Staat – also Italien 
– gerichtet hat, 

dass zudem der Vollständigkeit halber angemerkt werden kann, dass die 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  betreffend  einen  angeblich 
erstmaligen  Aufenthalt  im  europäischen  Raum  in  Griechenland mit  den 
vorgelegten  Fotos  in  keiner  Weise  belegt  werden,  sondern  aufgrund 
dieser  Beweismittel  vielmehr  Anlass  zur  Annahme  besteht,  der 
Beschwerdeführer  sei  nach  einem  längeren  Aufenthalt  in  Italien  über 
Griechenland  nach  Österreich  weitergereist,  wobei  er  sich  –  zwecks 
Belegs  eines  angeblich  längeren  Aufenthalts  –  in  Griechenland  habe 
fotografieren lassen, 

dass er beispielsweise auf einem der Fotos aus Griechenland das T­Shirt 
eines  italienischen  Baumarktes  trägt  (….),  welcher  seinen  Sitz  im 
kalabrischen Z._______ hat, was durchaus für einen längeren Aufenthalt 
in Italien spricht, 

dass er zudem auf den Fotos durchwegs eine sehr gepflegte und saubere 
Kleidung  trägt  und  er  sich  gleichzeitig  –  wie  von  ihm  selbst  erwähnt – 
praktisch  durchwegs  vor  einem  touristischen  Hintergrund  hat 
fotografieren lassen, was keinesfalls darauf schliessen lässt, er habe sich 
während  Monaten  als  illegaler  Immigrant  in  Griechenland  aufgehalten, 
leben  doch  gerade  die  in  Griechenland  befindlichen  Afghanen  in  aller 

D­6770/2011

Seite 8

Regel  in  sehr  erbärmlichen  Verhältnissen,  da  ihnen  in  Griechenland 
zumeist  ein  Zugang  zu  Arbeit  und  angemessener  Unterkunft  verwehrt 
bleibt, 

dass  im  Übrigen  die  Dauer  des  tatsächlichen  Aufenthalts  des 
Beschwerdeführers  im  europäischen  Raum  als  weitgehend  offen 
erscheint,  da  er  zwar  eine  Ausreise  aus  seiner  Heimat  vor  einem  Jahr 
geltend  gemacht  hat,  er  das  Jahr  seiner  Ausreise  aus  der  Heimat 
hingegen nicht benennen konnte (vgl. act. A7 Ziff. 2.01), 

dass er zudem in Europa bereits unter Angabe verschiedenster Namen, 
unterschiedlichster  Altersangaben  und  gar  unter  Angabe  verschiedener 
Nationalitäten aufgetreten ist (vgl. dazu u.a. die Ablehnungserklärung aus 
Österreich  vom  20.  Oktober  2011  [act.  A15]),  was  seine  Angaben 
überhaupt als sehr zweifelhaft erscheinen lässt, 

dass  sich  der  Beschwerdeführer  namentlich  im  Rahmen  des 
erstinstanzlichen  Verfahrens  gegen  eine  Rückkehr  nach  Italien 
ausgesprochen hat, aufgrund der Akten  jedoch keine Gründe ersichtlich 
sind, welche in rechtserheblicher Weise gegen die vom BFM angeordnete 
Überstellung nach Italien sprechen würden, 

dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 
über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (Flüchtlingskonvention,  SR 
0.142.30)  als  auch  der  EMRK  ist  und  keine  konkreten Hinweise  darauf 
bestehen,  Italien  würde  sich  im  Falle  des  Beschwerdeführers  nicht  an 
seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten, 

dass  der  Beschwerdeführer  im  erstinstanzlichen  Verfahren  zwar 
sinngemäss  geltend  gemacht  hat,  er  befürchte  in  Italien  eine 
Abschiebung nach Griechenland, 

dass  nach  vorstehenden  Ausführungen  jedoch  keine  Anlass  zur 
Annahme  besteht,  der  Beschwerdeführer  wäre  in  Italien  von  einer 
Abschiebung nach Griechenland bedroht, 

dass zwar Asylsuchende in Italien bei der Unterkunft, der Arbeit und dem 
Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  gewissen  Schwierigkeiten 
ausgesetzt  sein  können,  wobei  sich  bereits  vorbestandene 
Kapazitätsprobleme  des  italienischen Asylsystems  aufgrund  der  starken 
Zunahme  von  Asylsuchenden  aus  dem  nordafrikanischen  Raum 
akzentuiert haben dürften, 

D­6770/2011

Seite 9

dass  jedoch  auch  unter  Berücksichtigung  dieser Umstände  kein  Anlass 
zur  Annahme  besteht,  der  Beschwerdeführer  –  ein  junger  und  soweit 
ersichtlich  gesunder  Mann  –  würde  im  Falle  einer  Rückführung  nach 
Italien in eine existenzielle Notlage geraten, 

dass  im Rahmen  der  Beschwerdeeingabe  nichts  vorgebracht  wird,  was 
einen anderen Schluss zulassen würde, 

dass  aufgrund  der  vorliegenden  Akten  ein  Selbsteintritt  auf  das 
Asylgesuch  (im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  ausgeschlossen 
bleibt,  womit  der  Nichteintretensentscheid  des  BFM  in  Anwendung  von 
Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist, 

dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Italien  der  Systematik  des 
Dublin­Verfahrens  entspricht  und  von  daher  im  Einklang  mit  der 
Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht,

dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Behandlung  des  Asylgesuches 
zuständigen Staat handelt – systembedingt kein Raum bleibt für die vom 
Beschwerdeführer  beantrage  Ersatzmassnahme  für  den 
Wegweisungsvollzug  (im Sinne  von Art.  44 Abs.  2 AsylG  i.V.m.  Art.  83 
Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die 
Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]),  mithin  eine 
entsprechende  Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen 
des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende 
Erwägungen), 

dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Italien 
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte, 

dass  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  die  angefochtene  Verfügung 
zu  bestätigen  und  die  eingereichte  Beschwerde  als  offensichtlich 
unbegründet abzuweisen ist, 

dass mit vorliegendem Endentscheid das Gesuch um ein Aussetzen des 
Wegweisungsvollzuges  (nach  Art.  107a  AsylG)  und  das  Gesuch  um 
Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) 
gegenstandslos werden,

D­6770/2011

Seite 10

dass das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten (im Sinne von Art. 65 
Abs. 1 VwVG) abzuweisen ist, da sich die Beschwerde von Anfang an als 
aussichtslos erwiesen hat, 

dass  demnach  die  Kosten  des  Verfahrens  von  Fr.  600.–  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (vgl.  dazu  Art. 63  Abs.  1  VwVG 
sowie  Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

D­6770/2011

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten wird abgewiesen. 

3.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Contessina Theis Lorenz Mauerhofer

Versand: