# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b6d4b5bf-6fab-583c-805d-c727ec04867b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.03.2024 D-331/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-331-2024_2024-03-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-331/2024 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  M ä r z  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 

Richter Simon Thurnheer, 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch MLaw Christa Bucher,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

  
 
gegen 

  
 

Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug) (beschleunigtes Verfah-

ren); 

Verfügung des SEM vom 4. Januar 2024. 

 

 

 

D-331/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Paschtune mit letztem Aufenthalt in 

B._______ (Provinz C._______), verliess Afghanistan eigenen Angaben 

gemäss Ende August 2021 und suchte am 13. Oktober 2023 in der 

Schweiz um Asyl nach. Am 25. Oktober 2023 bevollmächtigte er die ihm 

zugewiesene rubrizierte Rechtsvertretung. 

A.b Das SEM führte mit dem Beschwerdeführer am 28. November 2023 in 

Anwesenheit seiner Rechtsvertretung/Vertrauensperson die Erstbefragung 

für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) durch. Dabei gab 

er zu Protokoll, er kenne sein Geburtsdatum nicht und werde diesbezüglich 

nachfragen. Die Schule habe er bis zur Machtübernahme durch die Taliban 

besucht; er sei damals in der (…) Klasse gewesen. Sein Vater habe in Af-

ghanistan als (…) gearbeitet. Vor dem Sturz der Regierung sei er (sein 

Vater) mehrmals bedroht und aufgefordert worden, seine Stelle aufzuge-

ben, danach seien zweimal Taliban bei ihnen gewesen. Sein Vater habe 

sich bei seinem Schwager versteckt. Zusammen mit seinem Vater sei er 

(der Beschwerdeführer) in den D._______ gereist, wo sich sein Vater im-

mer noch aufhalte. 

Der Beschwerdeführer gab beim SEM eine Fotografie seiner Tazkira ab. 

A.c Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers händigte dem SEM am 

20. Dezember 2023 mehrere Beweismittel aus (vgl. SEM-act. […]-18/1). 

A.d Am 20. Dezember 2023 hörte das SEM den Beschwerdeführer in An-

wesenheit der ihm zugewiesenen Rechtsvertretung zu seinen Asylgründen 

an. Er machte im Wesentlichen geltend, sein Vater habe in Afghanistan bei 

(…) gearbeitet. Er habe (…). Die Taliban würden nach seinem Vater, der 

schon mehrmals beschossen worden sei, und ihm (dem Beschwerdefüh-

rer) suchen und wollten sie töten. Er selbst sei mit ihnen nicht in Kontakt 

geraten und ihm sei nichts geschehen. Während sein Vater sich bei seinem 

Schwager versteckt habe, seien die Taliban bei ihnen zu Hause erschie-

nen. Damit sie ihn nicht hätten mitnehmen können, und über ihn seinen 

Vater hätten finden können, sei er danach ebenfalls zu seinem Onkel ge-

gangen. Die Taliban seien einige Tage nach dem Sturz der Regierung zum 

ersten Mal zu ihnen gekommen. Sie hätten das Haus durchsucht und ge-

fragt, wo sein Vater sei. Die Taliban hätten ihnen durch den Vorsteher der 

Moschee beziehungsweise des Dorfes einen Drohbrief zukommen lassen, 

der an seinen Vater und ihn gerichtet gewesen sei. Sie hätten den Vater im 

D-331/2024 

Seite 3 

Brief aufgefordert, seine Stelle zu verlassen und sich zusammen mit sei-

nem ältesten Sohn (dem Beschwerdeführer) ihrer Kommission zu stellen. 

Sollten sie dies nicht tun, erwarte sie eine «heftige» Strafe. In einem zwei-

ten Drohbrief hätten sie geschrieben, dass er (der Beschwerdeführer) und 

sein Vater den ersten Drohbrief nicht ernstgenommen hätten. An jedem Ort 

in Afghanistan, wo sie wohnen würden, hätten sie sich dem Kommissar der 

(…) Militärzone im Distrikt E._______ zu stellen. Wenn sie es nicht täten, 

müssten sie getötet werden. Beide Drohbriefe seien nach dem Sturz der 

Regierung überbracht worden. Die Taliban würden heute noch ständig 

nach seinem Vater fragen. 

A.e Am 29. Dezember 2023 übermittelte das SEM der Rechtsvertretung 

des Beschwerdeführers einen Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Diese 

übergab dem SEM am 2. Januar 2024 ihre Stellungnahme. 

B.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 4. Januar 2024 stellte das SEM 

im Rahmen des beschleunigten Verfahrens fest, der Beschwerdeführer er-

fülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Zu-

gleich verfügte es seine Wegweisung aus der Schweiz. Zufolge Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs ordnete es seine vorläufige Aufnahme 

an und beauftragte den Kanton F._______, dem der Beschwerdeführer zu-

gewiesen wurde, mit deren Umsetzung. Es stellte fest, dass eine allfällige 

Beschwerde gegen die Kantonszuweisung keine aufschiebende Wirkung 

habe. Er müsse den Ausgang eines allfälligen Beschwerdeverfahrens im 

Zuweisungskanton abwarten. 

C.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 

15. Januar 2024 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde. Darin wurde beantragt, die Ziffern 1-3 der angefochtenen 

Verfügung seien aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventua-

liter seien die Ziffern 1-3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die 

Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde 

zudem beantragt, dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Prozess-

führung zu gewähren und von der Erhebung eines Kostenvorschusses sei 

abzusehen. 

D-331/2024 

Seite 4 

D.  

Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung mit Verfügung vom 24. Januar 2024 gut, und verzich-

tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Akten übermittelte er 

zur Vernehmlassung an das SEM. 

E.  

Das SEM äusserte sich in seiner Vernehmlassung vom 8. Februar 2024 

zur Beschwerde und hielt an seiner Einschätzung fest. 

F.  

Die Rechtsvertreterin nahm in ihrer Replik vom 23. Februar 2024 zur Ver-

nehmlassung Stellung. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme liegt nicht vor. 

1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37 

VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

D-331/2024 

Seite 5 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, die beiden an-

geblich von den Taliban verfassten Drohbriefe liessen mangels formaler 

Kriterien und Vergleichsmaterials keine schlüssige Überprüfung zu. Der 

erste Brief sei auf den 26. Juli 2021 datiert und wäre somit deutlich vor dem 

Sturz der afghanischen Regierung ausgestellt worden. Der Beschwerde-

führer habe bei der Anhörung angegeben, beide Drohbriefe seien ihnen 

nach dem Sturz der Regierung überbracht worden. Die Frage, ob er jemals 

persönlich mit den Taliban in Kontakt gekommen sei, habe er verneint. Kurz 

darauf habe er erzählt, die Taliban seien einige nach Tag dem Sturz der 

Regierung zuhause aufgetaucht, um seinen Vater festzunehmen. Auf 

Nachfragen habe er ausgeführt, die Taliban hätten sich bei diesem Vorfall 

lediglich nach seinem Vater erkundigt und ihn persönlich nicht bedroht. Es 

erscheine nicht plausibel, dass die Taliban, die sich bei ihrem «Besuch» 

nicht für ihn interessiert hätten, ihn in zwei Briefen persönlich bedroht hät-

ten. Demzufolge könne nicht geglaubt werden, dass er von den Taliban 

bedroht worden sei, und mit den eingereichten Drohbriefen könne kein 

asylrelevanter Sachverhalt glaubhaft gemacht werden. 

Familienangehörige von missliebigen Personen, so das SEM weiter, könn-

ten von Übergriffen seitens der Taliban betroffen sein. Behelligungen könn-

ten in Form von Drohungen, aber auch von Gewaltanwendung – insbe-

D-331/2024 

Seite 6 

sondere bei Hausdurchsuchungen – erfolgen. Ein systematisches Vorge-

hen der Taliban gegen Familienangehörige von missliebigen Personen sei 

nicht erkennbar. Das Bestehen einer begründeten Furcht vor flüchtlings-

rechtlich relevanter Reflexverfolgung sei deshalb nur bei Vorliegen beson-

derer Umstände gegeben. Dies könne der Fall sein, wenn die betreffende 

Person bereits schwerwiegende Nachteile erlitten habe oder von den Tali-

ban oppositioneller Aktivitäten verdächtigt werde. Zudem müssten diese 

aufgrund des spezifischen Profils der gesuchten Hauptperson ein ausge-

prägtes und ungebrochenes Interesse an deren Ergreifung haben. 

Die Aussagen des Beschwerdeführers enthielten keine glaubhaften Hin-

weise dafür, dass er oder weiterhin in Afghanistan wohnhafte Familienan-

gehörige nach der Machtübernahme der Taliban von diesen behelligt wor-

den seien. Er habe nicht geltend gemacht, in der Vergangenheit persönlich 

Probleme mit den Taliban gehabt oder ein Verhalten an den Tag gelegt zu 

haben, das ihn in deren Augen als missliebige Person erscheinen liesse. 

Zum Zeitpunkt seiner Ausreise sei er etwa (…) Jahre alt gewesen, weshalb 

ein ihn persönlich betreffendes Verfolgungsinteresse seitens der Taliban 

wenig wahrscheinlich erscheine. Seine subjektive Furcht vor künftiger Ver-

folgung sei objektiv gesehen nicht begründet. 

Bezüglich der Stellungnahme der Rechtsvertretung zum Entscheidentwurf 

sei festzuhalten, dass dieser bei der Anhörung ohne Einschränkungen Ge-

legenheit für eigene Fragen gewährt worden sei, welche genutzt worden 

sei. Es sei davon auszugehen, dass sie den Sachverhalt ebenfalls als ab-

geklärt erachtet habe. Beim in der Stellungnahme angesprochenen Wider-

spruch (Frage des Kontaktes zu den Taliban; Anmerkung des Gerichts) 

handle es sich lediglich um eine von mehreren in der Verfügung dargeleg-

ten Ungereimtheiten, wobei die übrigen nicht bestritten worden seien. Dass 

angeblich von den Taliban verfassten Drohbriefen kein Beweiswert zuer-

kannt werden könne, sofern der betreffende Sachverhalt nicht im Rahmen 

der Befragungen überzeugend dargelegt worden sei, entspreche der ge-

festigten Praxis der schweizerischen Asylbehörden. 

4.2 In der Beschwerde wird einleitend der Sachverhalt zusammengefasst 

und geltend gemacht, bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussa-

gen sei auf die Minderjährigkeit der asylsuchenden Person Rücksicht zu 

nehmen. Auch Umstände, die das Aussageverhalten der Person beein-

flussten (Traumata, Posttraumatische Belastungsstörung, Übersetzungs-

probleme, Bildung, Alter, Reifegrad, Komplexität der Vorbringen sowie kul-

tureller Hintergrund der Person) seien zu berücksichtigen. Der Beschwer-

D-331/2024 

Seite 7 

deführer habe zahlreiche Dokumente als Beweismittel eingereicht, unter 

denen sich zwei Drohbriefe befänden. Es liege in der Natur der Sache, 

dass im Asylverfahren kaum Echtheitsprüfungen von Dokumenten möglich 

seien. Es widerspreche einer sachgemässen Beweiswürdigung, ein Doku-

ment, bei dem keine offensichtlichen Fälschungsmerkmale ersichtlich sei-

en, allein mit dem Argument der Fälschungsmöglichkeit für beweisuntaug-

lich zu erklären. Der strikte Beweis könne nur verlangt werden, wenn des-

sen Erbringung für die asylsuchende Person grundsätzlich möglich und zu-

mutbar sei, was vorliegend offensichtlich nicht der Fall sei. Der Beschwer-

deführer sei nur bei der Überbringung eines der beiden Drohbriefe anwe-

send gewesen und habe nie behauptet, vor seiner Flucht beide gesehen 

zu haben. Er wisse nur vom Hörensagen, wann der zweite Brief angekom-

men sei, ein Widerspruch könne ihm nicht angelastet werden. Bezüglich 

der Frage, wie er den Begriff «Kontakt haben» interpretiert habe, sei noch-

mals auf sein Alter hinzuweisen. Er habe gesagt, dass die Taliban bei der 

Hausdurchsuchung Informationen über seinen Vater gewollt hätten und er 

ihnen keine gegeben habe. Er habe sich nicht mit den Taliban ausge-

tauscht und kein tiefergehendes Gespräch mit ihnen geführt. Der Begriff 

«Kontakt haben» sei auslegungsbedürftig und es verstehe nicht jede Per-

son dasselbe darunter. Man wisse nicht, welchen Auftrag die Taliban, die 

das Haus durchsucht hätten, gehabt hätten. Es wäre möglich, dass sie ste-

tig den Druck auf den Vater des Beschwerdeführers erhöhen wollten. Das 

Bundesgericht (recte: Bundesverwaltungsgericht) habe wiederholt festge-

halten, dass die Plausibilität ein kulturell- und persönlichkeitsabhängiges 

Konzept sei, weshalb bei einer darauf gestützten Argumentation das Risiko 

bestehe, dass die entsprechenden Erwägungen auf einem subjektiven Ge-

fühl der entscheidenden Person gründeten. Das Kriterium der Plausibilität 

im Kontext der Glaubhaftigkeitsprüfung werde auch von der Lehre kritisiert. 

Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass gewisse Vorbringen, die für 

eine Person im hiesigen Umfeld plausibel erschienen, für Personen aus 

einem anderen kulturellen und sozioökonomischen Kontext gänzlich un-

plausibel seien. 

Die Ausführungen des Beschwerdeführers im Rahmen der freien Schilde-

rung seien auf gleichbleibendem Niveau kurz angebunden, eher nüchtern 

sowie ohne freiwillige Mitteilung seiner Gefühlslage gewesen und auf den 

Punkt gebracht worden. Angesichts seines jugendlichen Alters und der er-

lebten Traumata sei nachvollziehbar, dass er nicht darin geübt sei, seine 

Gefühlslage preiszugeben. Die Zeiträume, in denen sich die fluchtauslö-

senden Ereignisse zugetragen hätten, habe er ohne Zögern angegeben, 

und er habe mehrmals und widerspruchslos erklärt, dass er nur bei der 

D-331/2024 

Seite 8 

Zustellung von einem der beiden Drohbriefe anwesend gewesen sei. Es 

könne nicht von erheblichen Zweifeln an der Glaubhaftigkeit ausgegangen 

werden. Seine Erzählweise könne mit seinem Alter, den Traumata und den 

nicht komplexen Vorbringen erklärt werden. 

Der Vater des Beschwerdeführers weise ein besonderes Risikoprofil auf, 

Opfer von Verfolgungsmassnahmen durch die Taliban zu werden. Bereits 

vor dem Sturz der Regierung sei er von den Taliban bedroht und verfolgt 

worden. Als ältester Sohn sei auch der Beschwerdeführer in den Fokus der 

Taliban geraten. Sie hätten ihn zwingen wollen, den Aufenthaltsort des Va-

ters preiszugeben, und er sei in mindestens zwei Drohbriefen persönlich 

genannt und mit dem Tod bedroht worden. Die Taliban kennten keinen Kin-

derschutz und verfolgten ihre Ziele ohne Skrupel. Angesichts der Tatsache, 

dass sich sein Vater im D._______ verstecke und ein Zugriff durch die Ta-

liban weder auf ihn noch auf den Beschwerdeführer habe erfolgen können, 

halte die Bedrohungslage an. Es bestehe ein ausgeprägtes und ununter-

brochenes Interesse der Taliban an der Ergreifung des Beschwerdefüh-

rers. 

Der Beschwerdeführer habe zahlreiche Dokumente eingereicht. Abgese-

hen von den Drohbriefen habe sich das SEM zu keinem einzigen dieser 

Dokumente geäussert. Deren Relevanz liege damit offen, und das SEM 

hätte weitere Abklärungen durchführen sollen. Auf das Risikoprofil des Va-

ters sei das SEM nicht eingegangen und es habe ohne Begründung eine 

Reflexverfolgung verneint, womit es auch die Begründungspflicht respek-

tive den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt 

habe. Die eingereichten Dokumente seien nicht gewürdigt worden, obwohl 

das SEM gemäss Art. 12 VwVG dazu verpflichtet gewesen wäre. Die Sach-

verhaltsbasis sei ungenügend, das SEM verletze die Abklärung- und die 

Begründungspflicht. 

4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, die Ausführungen des 

Beschwerdeführers erschienen angesichts des Inhalts des ersten Droh-

briefs nicht plausibel. Dieser wäre gemäss Datierung mehrere Wochen vor 

der Machtübernahme der Taliban entstanden, was seiner Aussage, beide 

Drohbriefe seien nach der Machtübernahme überbracht worden, wider-

spreche. Es sei unwahrscheinlich, dass die Taliban fast einen Monat nach 

Verfassen des Drohbriefs sein Haus aufsuchen und danach den bereits 

zuvor verfassten Drohbrief überbringen lassen würden. Wäre er von dieser 

Annahme ausgegangen, wäre zu erwarten gewesen, dass er diesen Um-

stand von sich aus – spätestens im Rahmen der Stellungnahme zum 

D-331/2024 

Seite 9 

Entscheidentwurf – angesprochen hätte. Im zweiten Brief sei die Rede da-

von, dass sein Vater und er (der Beschwerdeführer) den ersten nicht ernst-

genommen und respektiert hätten – eine Aussage, die zum Datum des ers-

ten Drohbriefs, nicht jedoch zur erwähnten Angabe des Beschwerdeführers 

passe. Nicht plausibel sei, dass die Taliban ihn quasi aus dem Nichts brief-

lich bedrohten, ihn jedoch anlässlich ihres «Besuchs» lediglich zum Auf-

enthaltsort seines Vaters befragt und kein Interesse an ihm bekundet hät-

ten. Die Authentizität der eingereichten Drohbriefe sei damit nicht nur we-

gen ihrer leichten Manipulierbarkeit, sondern auch aufgrund der unzu-

reichenden Kontextualisierung seitens des Beschwerdeführers mit erheb-

lichen Zweifeln behaftet. Die eingereichten Drohbriefe seien nicht geeignet, 

seine Aussagen zu stützen, weshalb ihnen kein Beweiswert zuzusprechen 

sei. 

Basierend auf dieser bereits im Asylentscheid festgehaltene Schlussfolge-

rung habe sich das SEM nicht veranlasst gesehen, eine vertiefte Glaubhaf-

tigkeitsprüfung der Vorbringen des Beschwerdeführers vorzunehmen oder 

sämtliche eingereichten Beweismittel einer umfassenden Würdigung zu 

unterziehen. Die Dokumente gäben zwar Aufschluss über die Aus- und 

Weiterbildungen seines Vaters sowie dessen berufliche Tätigkeit betref-

fend die Zeit bis ins Jahr 2019, beinhalteten aber keine Hinweise oder 

Rückschlüsse auf eine mögliche (Vor-)Verfolgung seitens der Taliban. An-

gesichts der knappen Antworten, die der Beschwerdeführer in Zusammen-

hang mit der Tätigkeit seines Vaters und dessen damit verbundenen 

Schwierigkeiten gegeben habe, sei nicht davon auszugehen gewesen, 

dass eine Vertiefung dieser Themenbereiche weitere sachverhaltsrele-

vante Elemente zutage gefördert hätte. In antizipierter Beweiswürdigung 

sei auf eine Auseinandersetzung mit den weiteren eingereichten Dokumen-

ten verzichtet worden. 

4.4 In der Replik wird entgegnet, Aussagen über die Handlungsweise der 

Taliban würden auf reiner Spekulation gründen. Denkbar sei, dass die an 

der Hausdurchsuchung beteiligten Taliban nicht gewusst hätten, dass an-

dere Taliban einen Monat zuvor einen Drohbrief verfasst hätten und der 

Beschwerdeführer der gesuchte Sohn in dieser Familie sei. Möglich sei 

auch, dass die Taliban durch die Hausdurchsuchung lediglich den Druck 

auf seinen Vater hätten erhöhen wollen. Aufgrund des fehlenden Einblicks 

in die Vorgehensweisen und die Logik der Taliban könnten aus der Datie-

rung des ersten Drohbriefs und dessen Abgabe im Hause des Beschwer-

deführers keine entscheidrelevanten Schlüsse gezogen werden. Schon 

D-331/2024 

Seite 10 

gar nicht könne daraus auf die Unechtheit der Drohbriefe geschlossen wer-

den. 

Die Vorinstanz nenne keine stichhaltigen Gründe, die darauf schliessen 

lassen würden, dass diese nicht echt seien. Zwischen Datierung und Inhalt 

des ersten Briefs bestehe keine Kausalität dahingehend, dass aus dem 

Datum geschlossen werden könne, ob die im Brief beinhaltete Drohung 

sich im Falle einer Rückkehr des Beschwerdeführers nach Afghanistan be-

wahrheiten werde oder nicht. Der Beschwerdeführer habe bei der Anhö-

rung wahrheitsgemäss geschildert, was sich zugetragen habe. Die Vor- 

instanz erkläre, dass die Aussage im zweiten Drohbrief nicht zu den Anga-

ben des Beschwerdeführers passe. Die Logik dieses Arguments sei nicht 

ersichtlich, denn er habe ausgesagt, dass beide Briefe nach dem Sturz der 

Regierung angekommen seien, und sein Vater und er bereits geflüchtet 

gewesen seien, als der zweite Brief gebracht worden sei. Sie hätten der 

Aufforderung des ersten Drohbriefs keine Folge geleistet, da sie gar nicht 

mehr vor Ort gewesen seien, was den zweiten Drohbrief begründet habe. 

Im zweiten Brief sei dem Beschwerdeführer mit dem Tod gedroht worden, 

falls er sich nicht stelle. Dies stelle als drohende zukünftige Verfolgung ei-

nen ernsthaften Nachteil gemäss Art. 3 Abs. 2 AsyIG dar. 

Hinsichtlich der eingereichten weiteren Beweismittel verkenne das SEM, 

dass mit diesen erwiesen sei, dass der Vater des Beschwerdeführers als 

(…) tätig gewesen sei, womit er zu einer von den Taliban verfolgten Risi-

kogruppe gehöre. Daraus könne geschlossen werden, dass er bei einer 

Rückkehr nach Afghanistan als ältester Sohn ersatzweise für den Vater, 

der sich mittlerweile nicht mehr in Afghanistan befinde, von den Taliban 

verfolgt werden würde. 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 

5.2  

5.2.1 Der Beschwerdeführer brachte bei der Anhörung vor, dass sein Vater 

vor der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 in der Provinz 

C._______ (Bezirk G._______) als (…) gearbeitet habe (vgl. SEM-act. […]-

19/7 F45 f.). Angesichts der eingereichten Kopien der Identitätskarte, der 

D-331/2024 

Seite 11 

Heiratsurkunde, des Arbeitsausweises und zahlreicher Ausbildungsbestä-

tigungen (vgl. SEM-act. […]-16/- ID-Nr. 002 – 006, 008, 009) erachtet es 

das Bundesverwaltungsgericht als glaubhaft, dass der Vater des Be-

schwerdeführers für die afghanischen (…) gearbeitet hat. Aufgrund der be-

ruflichen Stellung seines Vaters erscheinen die Ausführungen in der EB 

UMA und der Anhörung, dieser sei von den Taliban bedroht und aufgefor-

dert worden, seine Arbeitstätigkeit für die Regierung einzustellen (vgl. 

SEM-act. […]-14/10 Pkt. 7.02, 19/7 F9 ff.), als überwiegend wahrschein-

lich. In diesem Zusammenhang ist auch davon auszugehen, dass Freunde 

beziehungsweise Arbeitskollegen des Vaters, die ebenfalls als (…) tätig 

waren, getötet wurden (SEM-act. […]-14/10 Ziff. 7.03). 

5.2.2 Nach den Gründen für seine Asylgesuchstellung gefragt, erklärte der 

Beschwerdeführer anlässlich der EB UMA, nach dem Sturz der afghani-

schen Regierung seien zweimal Taliban bei ihnen gewesen (vgl. SEM-act. 

[…]-14/10 Ziff. 7.02). Eine irgendwie geartete Bedrohung seiner Person 

durch die Taliban – sei es in Drohbrief(en) oder mündlich – erwähnte er 

nicht ansatzweise. Erst bei der Anhörung machte er geltend, die Taliban 

hätten seinen Vater und ihn in einem Drohbrief vom 26. Juli 2021 aufgefor-

dert, sich bei ihrer Kommission zu stellen. Der Drohbrief sei seiner Familie 

zugestellt worden, nachdem die Taliban einige Tage nach ihrer Machtüber-

nahme bei ihnen zuhause gewesen seien und sich nach dem Aufenthalts-

ort seines Vaters erkundigt hätten, den sie hätten festnehmen wollen (vgl. 

SEM-act. […]-19/7 F15, F17 ff., F25). Der Beschwerdeführer gab bei der 

Anhörung an, er habe sich nach der Machtübernahme durch die Taliban 

noch zirka vier oder fünf Tage zuhause aufgehalten (vgl. SEM-act. […]-19/7 

F32). Von seinen Aussagen ausgehend, hätten die Taliban, unmittelbar 

nachdem sie bei ihm zuhause in seiner Anwesenheit seinen Vater gesucht 

hätten, einen rund 25 Tage zuvor verfassten Drohbrief abgeben lassen, in 

dem sein Vater und er aufgefordert worden seien, sich bei ihnen zu melden. 

Einerseits erscheint nicht überzeugend, dass die Taliban, zu einem Zeit-

punkt, als sein Vater noch im Amt war, diesen aufgefordert hätten, sich zu-

sammen mit seinem im damaligen Zeitpunkt ungefähr (…) Sohn bei ihnen 

zu melden, weil sie kaum ein Interesse an der Vorsprache eines Kindes 

gehabt haben dürften, solange dessen Vater sich noch zuhause aufhielt 

und seiner Arbeit nachging. Anderseits erscheint es unwahrscheinlich, 

dass die Taliban bei einem «Besuch» bei seiner Familie, kein Interesse am 

Beschwerdeführer gezeigt hätten, falls sie seiner Familie unmittelbar da-

nach einen einige Wochen vorher verfassten Drohbrief hätten überbringen 

lassen, indem (auch) der Beschwerdeführer aufgefordert worden wäre, 

sich bei ihnen zu melden. Die Erklärung des Beschwerdeführers, das Ziel 

D-331/2024 

Seite 12 

der Taliban sei sicher gewesen, seinen Vater über ihn zu finden, indem sie 

ihn als Druckmittel benutzt hätten (vgl. SEM-act. […]-19/7 F43), ist nicht 

stichhaltig, da sein Vater zum Zeitpunkt der Ausstellung des ersten Droh-

briefs noch seiner Arbeitstätigkeit nachging und für die Taliban nicht unauf-

findbar war. Das SEM weist zudem in Einklang mit der ständigen Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts darauf hin, dass Kopien beziehungsweise 

Fotografien von angeblich von den Taliban verfassten Drohbriefen grund-

sätzlich kaum Beweiswert zuerkannt werden kann (vgl. zuletzt etwa die Ur-

teile des BVGer F-2470/2022 vom 29. November 2023 E. 4.4, F-2311/202 

vom 27. November 2023 E. 6.4, D-836/2021 vom 7. November 2023 E. 4.2 

und D-2544/2020 vom 1. Februar 2023 E. 6.8). Es stellt ferner zu Recht 

chronologische Unstimmigkeiten fest, welche vorliegend die grundsätzli-

chen Vorbehalte am Beweiswert von angeblich durch die Taliban verfass-

ten Drohbriefen stützen. Da im zweiten, auf den 25. Oktober 2021 datierten 

Drohbrief auf den ersten Bezug genommen wird, bestehen auch an dessen 

Authentizität überwiegende Zweifel. Vor diesem Hintergrund vermag der 

Beschwerdeführer aus den beiden als Fotografien eingereichten Drohbrie-

fen nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. 

5.3 Nach dem Gesagten ist übereinstimmend mit dem SEM festzustellen, 

dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, ein zum Zeitpunkt sei-

ner Ausreise aus Afghanistan bestehendes tatsächliches Verfolgungsinte-

resse an seiner Person seitens der Taliban zu beweisen oder wenigstens 

glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, in diesem Zusammenhang auf die 

weiteren Ausführungen in der Beschwerde und der Replik einzugehen, da 

sie zu keiner anderen Einschätzung führen. 

6.  

6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-

ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zuge-

fügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.2). Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, letz-

tere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich 

– aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer 

Zukunft verwirklichen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). 

D-331/2024 

Seite 13 

6.2 Unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen zur Frage der Glaub-

haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers – und insbesondere der 

Authentizität der in Form von Fotografien eingereichten Drohbriefe (vgl. 

E. 5.) – ist vorweg erneut festzuhalten, dass er zum Zeitpunkt seiner Aus-

reise aus Afghanistan nicht von flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung 

bedroht war. Das Bundesverwaltungsgericht zweifelt die beruflichen Tätig-

keiten seines Vaters ebenso wenig an wie das SEM, es geht aber überein-

stimmend mit diesem davon aus, dass der Beschwerdeführer bis zu seiner 

Ausreise aus Afghanistan keine konkret mit den beruflichen Tätigkeiten sei-

nes Vaters verbundenen Nachteile erlitt beziehungsweise solche – objektiv 

gesehen – künftig befürchten musste. 

7.  

7.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen sich 

bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan Gruppen von Perso-

nen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfol-

gungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, die 

der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft nahe-

stehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie 

westlich orientierte oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Grün-

den nicht entsprechende Personen. Die aktuelle diesbezügliche Lage in 

Afghanistan kann derzeit nicht abschliessend beurteilt werden, sie hat sich 

jedoch nach der Machtergreifung der Taliban im August 2021 zweifellos 

akzentuiert (vgl. die Urteile des BVGer E-1749/2023 vom 26. Januar 2024 

E. 7.2., D-1884/2023 vom 25. Januar 2024 E. 6.2, E-6291/2020 vom 

14. Juli 2023 E. 5.2 mit weiteren Hinweisen). Das Bundesverwaltungsge-

richt geht ferner davon aus, dass auch die familiäre Zugehörigkeit zu einer 

Person, die einem erhöhten Verfolgungsrisiko im Sinne der obenstehenden 

Erwägungen ausgesetzt ist, zu einer Reflexverfolgung führen kann (vgl. 

das Urteil des BVGer D-1884/2023 vom 16. Januar 2024 E. 7.2 mit weite-

ren Hinweisen). Dies gilt insbesondere in Bezug auf (ehemalige) Angehö-

rige der Polizei und der Sicherheitskräfte, Regierungsbeamte oder der Re-

gierung nahestehende Personen (vgl. Update der Schweizerischen Flücht-

lingshilfe [SFH] – Länderanalyse vom 31. Oktober 2021, Afghanistan: Ge-

fährdungsprofile S. 13 f. sowie Human Rights Watch [HRW], «No For-

giveness for People Like You»: Executions and Enforced Disappearances 

in Afghanistan under the Taliban, 30. November 2021). Die konkrete Ein-

schätzung des Risikoprofils ist im jeweiligen Einzelfall vorzunehmen. 

7.2 Der Beschwerdeführer machte im Rahmen der Anhörung geltend, sein 

Vater sei von den Taliban einige Tage nach deren Machtübernahme zuhau-

D-331/2024 

Seite 14 

se gesucht worden. Sie würden ihn immer noch suchen und sowohl die 

Dorfbewohner, als auch seinen Onkel mütterlicherseits, bei dem seine Ge-

schwister wohnten, nach ihm fragen (vgl. SEM-act […]-19/7 F9 F51). An-

gesichts der ehemaligen beruflichen Stellung seines Vaters ist ohne weite-

res denkbar, dass die Taliban auch heute noch ein Interesse an dessen 

Ergreifung haben könnten. Indessen ist nicht davon auszugehen, dass sie 

über zweieinhalb Jahre nach der Machtübernahme noch intensiv nach ei-

nem ehemaligen (…) suchen, da die Annahme, dieser habe Afghanistan 

wie zahlreiche (…) tätige Amtsträger längst verlassen, auch für die Taliban 

naheliegend sein dürfte. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers 

geht es seinen – weiterhin in Afghanistan lebenden –Familienangehörigen 

gut, die Taliban hätten kein Interesse an ihnen (vgl. SEM-act […]-19/7 F8). 

Da die Taliban die Geschwister des Beschwerdeführers offenbar nicht be-

helligen, erscheint die von ihm geäusserte Befürchtung, sie würden ihn tö-

ten, falls er nach Afghanistan zurückkehren würde (vgl. SEM-act […]-19/7 

F54), objektiv gesehen unbegründet. Falls die Taliban es als erfolgverspre-

chend erachtet hätten, einen ehemaligen (…) dazu zu bewegen, sich ihnen 

zu stellen, indem sie einen seiner Söhne «mitnehmen» würden, hätten sie 

sich an den zweitältesten Sohn, der durch die Ausreise des Beschwerde-

führers zum ältesten in der Heimat verbliebenen Sohn geworden ist, halten 

können. Der Umstand, dass die Taliban offenbar weder die Mitglieder der 

Kernfamilie des ehemaligen (…) noch dessen Schwager ernsthaft behelli-

gen, deutet darauf hin, dass sie seinen Tätigkeiten für die vormalige Re-

gierung sicherheitspolitisch nicht (mehr) eine derartige Bedeutung beimes-

sen, dass sie anstelle des Geflohenen, dessen Familie ernsthafte Nach-

teile zufügen. Der Umstand, dass es gemäss Aussage des Beschwerde-

führers seinen Familienangehörigen in Afghanistan gut gehe, sie mithin of-

fenbar von keinen Repressalien wegen des Vaters betroffen sind, legt den 

Schluss nahe, dass die Taliban auch an der Person des Beschwerdefüh-

rers kaum mehr ein Verfolgungsinteresse haben dürften. Begründete 

Furcht vor (Reflex)Verfolgung besteht nach konstanter Rechtsprechung je-

doch nur, wenn hinreichend Anlass zur Annahme besteht, diese werde sich 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirkli-

chen – eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht 

(vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). Eine auf Mutmassungen beruhende Furcht vor 

Verfolgung ist im flüchtlingsrechtlichen Sinne nicht begründet. Nach dem 

Gesagten bestehen im Falle des Beschwerdeführers keine hinreichend 

konkreten Anhaltspunkte, die es rechtfertigen würden, ihm eine begründete 

Furcht vor (Reflex)Verfolgung durch die Taliban zu attestieren. 

D-331/2024 

Seite 15 

7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer über kein 

individuelles Risikoprofil verfügt, das zur Annahme einer begründeten 

Furcht vor Verfolgung führt, zumal keine konkreten Indizien oder Anhalts-

punkte vorliegen, aufgrund derer zu schliessen wäre, dass er mit beachtli-

cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft Opfer von ernsthaften 

Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG werden könnte. Das SEM hat folglich 

zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und 

sein Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Insofern in der Beschwerde geltend gemacht wird, das SEM habe sich, 

abgesehen von den Drohbriefen, nicht zu den vom Beschwerdeführer ein-

gereichten Beweismitteln geäussert, weshalb deren Relevanz offenliege 

und es weitere Abklärungen hätte durchführen sollen, ist festzustellen, 

dass das SEM die vorliegend eingereichten Beweismittel in der angefoch-

tenen Verfügung vollständig aufzählt (vgl. Abschn. I Ziff. 3). Es würdigt 

diese dahingehend, dass es sie als Belege für die Berufstätigkeit des Va-

ters des Beschwerdeführers vor dem Sturz der afghanischen Regierung 

erachtete, an denen es keine Zweifel äusserte (vgl. Abschn. II Ziff. 1 S. 4). 

Eine darüberhinausgehende Relevanz der Beweismittel ist nicht zu erken-

nen, da dieselben keine Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der Aussa-

gen des Beschwerdeführers, er sei von den Taliban persönlich bedroht 

worden, zulassen. Das SEM musste sich deshalb nicht veranlasst sehen, 

Abklärungen zur Authentizität der eingereichten Beweismittel oder zur be-

ruflichen Tätigkeit des Vaters des Beschwerdeführers durchzuführen. 

8.2 Das SEM hält in der angefochtenen Verfügung im Einklang mit der bun-

desverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung fest, dass im Kontext mit Af-

ghanistan eine begründete Furcht vor Reflexverfolgung bei Vorliegen be-

sonderer Umstände (bereits erlittene persönliche Nachteile, Verdacht auf 

oppositionelle Tätigkeiten bzw. Unterstützung Oppositioneller) zu bejahen 

ist (vgl. Urteile des BVGer D-4149/2023 vom 29. Januar 2024 E. 6.4.1,  

E-3516/2023 vom 29. November 2023 E. 6.3 ff., D-4340/2023 vom 8. No-

vember 2023 E. 7.3.1). In der Folge stellt es fest, dass die Aussagen des 

Beschwerdeführers keine glaubhaften Hinweise darauf enthielten, dass er 

oder weiterhin in Afghanistan wohnende Familienangehörige nach der 

Machtübernahme der Taliban von diesen behelligt worden seien. Zudem 

habe er nicht geltend gemacht, in der Vergangenheit persönlich Probleme 

mit den Taliban gehabt oder ein Verhalten an den Tag gelegt zu haben, das 

ihn in deren Augen als missliebige Person erscheinen liesse. Ein ihn per-

sönlich betreffendes Verfolgungsinteresse seitens der Taliban erscheine 

D-331/2024 

Seite 16 

auch unter dem Gesichtspunkt seines Alters bei seiner Ausreise wenig 

wahrscheinlich. Die in der Beschwerde vertretenen Auffassung, das SEM 

habe ohne Begründung eine Reflexverfolgung verneint und damit die Be-

gründungspflicht verletzt, kann somit offensichtlich nicht gefolgt werden. 

8.3 Wie bereits vorstehend erwähnt (vgl. E. 8.1), ist die Rüge, das SEM 

habe die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel nicht gewür-

digt, unzutreffend. Da das SEM an den Aussagen des Beschwerdeführers, 

sein Vater sei vor der Machtübernahme der Taliban als (…) tätig gewesen, 

keinerlei Zweifel anmeldete, ist nicht ersichtlich, inwiefern die Sachver-

haltsbasis ungenügend wäre und das SEM die Abklärungspflicht verletzt 

hätte. 

8.4 Die in der Beschwerde erhobenen formell-rechtlichen Rügen sind auf-

grund des vorstehend Gesagten unbegründet, weshalb der Eventualan-

trag, die Ziffern 1-3 der vorinstanzlichen Verfügung seien aufzuheben und 

die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen, abzuweisen ist. 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, so verfügt es in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht verfügt (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Der Vollzug der Wegweisung ist 

aufgrund der durch das SEM angeordneten vorläufigen Aufnahme nicht 

Prozessgegenstand. 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Instruktionsverfü-

gung vom 24. Januar 2024 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, 

sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.  

D-331/2024 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosen erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler 

 

 

Versand: