# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a20b89c-e054-5b97-90e2-ae0def432755
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.08.2010 E-5944/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5944-2010_2010-08-27.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5944/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  A u g u s t  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard;
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A._____, geboren (...),
Kosovo,
vertreten durch Annelise Gerber, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Wieder-
erwägung )
Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 23. Juli 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5944/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 16. März 2010 in Anwendung von 
Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 24. April 
2009 nicht eingetreten ist, seine Wegweisung nach Frankreich und den 
Vollzug dieser Massnahme angeordnet hat, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom 29. März  2010  gegen 
diesen  Entscheid  beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erho-
ben hat,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 28. April 2010 auf 
die Beschwerde infolge Nichtleisten des Kostenvorschusses nicht ein-
getreten ist,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. Juni 2010 beim BFM 
ein  Wiedererwägungsgesuch  gestellt  und  unter  anderem  darum  er-
sucht  hat,  die  Verfügung vom 16. März 2010 in  Wiedererwägung zu 
ziehen,

dass er im B._____ am 25. Juni 2010 erneut befragt worden ist,

dass er mit Verweis auf den medizinischen Bericht von Dr. (...) vom 16. 
Juni  2010  insbesondere  geltend  macht,  er  leide  unter  einer  post-
traumatischen Belastungsstörung (PTBS),

dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  mit  Verfügung  vom 
23. Juli  2010  abwies  und  feststellte,  seine  Verfügung  vom 16. März 
2010 sei rechtskräftig und vollstreckbar und einer allfälligen Beschwer-
de komme keine aufschiebende Wirkung zu,

dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  anführte, 
Frankreich verfüge über ein funktionierendes Gesundheitssystem, so 
dass eine medizinische Behandlung des Beschwerdeführers auch dort 
gewährleistet sei,

dass  daher  keine  Gründe  vorliegen  würden,  welche  die  Rechtskraft 
der Verfügung vom 16. März 2010 beseitigen könnten,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. August 2010 (Post-
stempel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-

Seite 2

E-5944/2010

schwerde erhob und in materieller  Hinsicht  beantragt,  die Verfügung 
des BFM vom 24. April 2009 sei in Wiedererwägung zu ziehen und es 
sei die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs nach Kosovo und die (wahrscheinliche) Unmöglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs nach Frankreich festzustellen,

dass er in prozessualer Hinsicht um Gewährung der aufschiebenden 
Wirkung und um unentgeltliche Rechtspflege ersucht, zudem sei fest-
zustellen,  ob  seit  der  Befragung  des  Beschwerdeführers  in  Vallorbe 
zwischen dem 21. Juni 2010 und dem 2. Juli 2010 ein neues Asylver-
fahren eingeleitet worden sei und er sei über den Sinn, Zweck und das 
Resultat zu informieren,

dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren,  soweit  für  den  Ent-
scheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen 
wird,

dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  am  24.  August  2010 
beim Bundesverwaltungsgericht eingingen,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG,  SR 172.021]) des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teil -
genommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde 
legitimiert  ist  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art. 37  VGG und  Art. 48  Abs. 1 
VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 VwVG),

Seite 3

E-5944/2010

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten ist, wenn erhebliche 
Tatsachen oder Beweismittel geltend gemacht werden, die im früheren 
Verfahren  nicht  bekannt  waren  oder  damals  noch  nicht  geltend  ge-
macht werden konnten, oder aber wenn sich die Umstände seit dem 
ersten Entscheid wesentlich geändert haben (BGE 127 I 137 E. 6),

dass  bei  der  materiellen  Abweisung des Wiedererwägungsgesuches 
durch das BFM volle Kognition besteht,

dass  vorliegend  einzig  zu  untersuchen  ist,  ob  die  Veränderung  der 
Sachlage eine Neubeurteilung rechtfertigt, aber nicht auch, ob die ur -
sprüngliche Beurteilung angemessen war,

dass vorliegend mit  dem Vorbringen, der  Beschwerdeführer leide an 
einer PTBS, zwar neue Tatsachen geltend gemacht werden,

dass das BFM aber zutreffend festgestellt hat, dass eine medizinische 
Behandlung des Beschwerdeführers auch in Frankreich gewährleistet 
ist,

dass  zudem  von  der  Reisefähigkeit  des  Beschwerdeführers  auszu-
gehen ist,

dass  Frankreich  zur  Durchführung  des  Asylverfahrens  nach  wie  vor 
zuständig und zur Übernahme des Beschwerdeführers bereit ist,

dass  Frankreich  unter  anderem Signatarstaat  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30), der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) ist,

dass keine Hinweise dafür bestehen, wonach Frankreich sich nicht an 
die massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen, insbesondere an 
das Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, 
halten würde, 

Seite 4

E-5944/2010

dass der Beschwerdeführer daher nicht darzutun vermag, inwiefern die 
angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserheblichen 
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen 
ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,

dass mit dem Entscheid in der Hauptsache ohne vorgängige Instrukti -
on  der  Antrag  auf  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Be-
schwerde und der Antrag, es sei festzustellen, ob seit der Befragung 
des Beschwerdeführers in Vallorbe zwischen dem 21. Juni 2010 und 
dem 2. Juli  2010 ein neues Asylverfahren eingeleitet worden sei und 
der Beschwerdeführer sei über den Sinn, Zweck und das Resultat zu 
informieren, hinfällig geworden sind,

dass  sich  die  gestellten  Rechtsbegehren  aufgrund  vorstehender  Er-
wägungen  als  aussichtslos  erweisen,  weshalb  der  Antrag  auf  Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) un-
besehen der allenfalls bestehenden Bedürftigkeit zwar abzuweisen ist, 
aber die Auferlegung der Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1200.-
aufgrund des Aufwands für das Gericht unverhältnismässig wäre und 
die Kosten demnach auf  die  Hälfte,  also Fr. 600.-,  reduziert  werden 
(Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 5

E-5944/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die reduzierten Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwer-
deführer auferlegt.  Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des 
Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers, 
das BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Jonas Tschan

Versand: 

Seite 6