# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 52bc824e-b2b0-5095-87c5-95e908ce8847
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.05.2020 D-2160/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2160-2020_2020-05-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2160/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter Grégory Sauder, Richter Hans Schürch, 

Gerichtsschreiberin Sandra Bisig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und deren Kinder 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

alle D._______, 

sowie E._______, geboren am (…), 

F._______, 

alle vertreten durch Urs Jehle, Rechtsschutz für  

Asylsuchende, Bundesasylzentrum Region Zürich,  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch (sicherer Drittstaat)  

und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 15. April 2020. 

 

D-2160/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) reichte am (…) 2019 

zusammen mit E._______ in der Schweiz ein Asylgesuch ein. 

A.b Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der "Eurodac"-Datenbank durch 

das SEM ergab, dass sie am (…) in Griechenland ein Asylgesuch einge-

reicht hatte und ihr dort am (…) Schutz gewährt worden war. 

A.c Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs respektive des rechtli-

chen Gehörs zur beabsichtigten Wegweisung nach Griechenland und zum 

medizinischen Sachverhalt vom (…) 2019 machte die Beschwerdeführerin 

– im Beisein ihrer Rechtsvertretung – im Wesentlichen geltend, sie habe 

zusammen mit ihrem Ehemann (G._______, geboren am […], F._______) 

sowie B._______ im Jahr (…) einen Schutzstatus in Griechenland erhal-

ten. Anfangs Oktober 2019 sei sie dann mit ihrer Familie von Griechenland 

in die Schweiz aufgebrochen. Sie und E._______ hätten es in die Schweiz 

geschafft, während ihr Ehemann und B._______ noch unterwegs seien. 

Sie möchte nicht nach Griechenland zurück. Sie hätten dort zuerst in einem 

Zelt leben müssen. Danach hätten sie diese Unterkunft verlassen und sich 

selbst um eine Unterkunft kümmern müssen. In Griechenland gebe es 

keine Arbeit und unter den Flüchtlingen komme es oft zu Auseinanderset-

zungen. Die Situation sei sehr problematisch. Angesprochen auf gesund-

heitliche Beeinträchtigungen machte sie sodann geltend, dass sie keine 

gravierenden medizinischen Probleme habe. Sie leide an Ohren- sowie 

Zahnschmerzen und habe in der Nacht manchmal Schlafprobleme, da sie 

oft an ihren Ehemann und B._______ denken würde.  

B.  

B.a Am (…) 2019 ersuchte das SEM die griechischen Behörden gestützt 

auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in 

den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehö-

riger (sog. Rückführungs-Richtlinie) und auf das Abkommen zwischen dem 

Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Hellenischen Republik 

über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. 

August 2006 (SR 0.142.113.729) um Rückübernahme der Beschwerdefüh-

rerin und E._______. 

B.b Am (…) 2019 stimmten die griechischen Behörden der Rücküber-

nahme der Beschwerdeführerin zu. Gleichzeitig informierten sie darüber, 

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Seite 3 

dass diese in Griechenland über eine bis am (…) 2020 gültige Aufenthalts-

bewilligung verfüge. 

C.  

Am (…) 2019 brachte die Beschwerdeführerin C._______ zur Welt. Im Ge-

burtsbericht, der in den vorinstanzlichen Akten liegt, wird auf eine psycho-

soziale Belastungssituation hingewiesen.  

D.  

D.a Am (…) 2020 reichte B._______ in der Schweiz ein Asylgesuch ein. 

D.b Im Rahmen eines Informationsaustausches im Sinne von Art. 34 der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO) teilten die 

griechischen Behörden dem SEM am 21. Februar 2020 mit, dass 

B._______ in Griechenland gemeinsam mit der Beschwerdeführerin als 

Flüchtling anerkannt worden sei und ebenfalls über eine bis am (…) 2020 

gültige Aufenthaltsbewilligung verfüge. Auch der Ehemann der Beschwer-

deführerin respektive Stiefvater von B._______ sei in Griechenland als 

Flüchtling anerkannt worden. 

E.  

Am (…) 2020 ersuchte das SEM die griechischen Behörden (erneut) um 

Rückübernahme der Beschwerdeführerin und ihrer drei Kinder. Die griechi-

schen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen am (…) 2020 zu.  

F.  

F.a Mit Schreiben des SEM vom 1. April 2020 erhielten die Beschwerde-

führenden nochmals Gelegenheit, sich zur Absicht der Vorinstanz, auf die 

Asylgesuche nicht einzutreten und sie nach Griechenland wegzuweisen, 

zu äussern. 

F.b In ihrer Stellungnahme vom 6. April 2020 führten die Beschwerdefüh-

renden in individueller Hinsicht im Wesentlichen an, sie hätten in Griechen-

land trotz Schutzstatus weder eine Unterkunft noch finanzielle Unterstüt-

zung erhalten, was dazu geführt habe, dass sie sich zur Deckung ihrer ele-

mentaren Grundbedürfnisse Geld von ihrer Familie in F._______ hätten 

schicken lassen müssen. Die Sicherheitslage in den diversen Unterkünften 

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Seite 4 

(stets im Zelt, in überfüllten Camps) sei desolat gewesen und blutige Schlä-

gereien hätten zur Tagesordnung gehört. B._______ selbst sei aufgrund 

seiner (…) Abstammung einmal Opfer von Beschimpfungen sowie eines 

gewalttätigen Übergriffs geworden, infolge dessen er sich während vier Ta-

gen in ärztlicher Behandlung im Spital befunden habe. Die Polizei habe 

keine Anzeige entgegengenommen, da sie nicht in der Lage gewesen sei-

en, den dafür erforderlichen Betrag für das Tätigwerden der Polizei zu be-

zahlen. Die Beschwerdeführerin habe sich aufgrund der menschenunwür-

digen Lage in den Camps sowie der ständigen Unruhe geprägt von starken 

Gefühlen der Unsicherheit psychisch schwer angeschlagen gefühlt. Ihr 

Ehemann habe die Familie im Camp in Griechenland zurücklassen müs-

sen, um in Athen nach Arbeit zu suchen. Er habe jedoch keine Chance 

gehabt, jemals eine Arbeit zu finden, um damit seine Familie ernähren zu 

können. B._______ habe sodann nur zu Beginn in Griechenland eine 

Schule besuchen können. Danach sei weder die Finanzierung gewährleis-

tet, noch ein Platz in der Schule für ihn vorhanden gewesen. Der Umstand, 

dass mit der Zeit weder Gesundheits- noch Sicherheitspersonal in den 

Camps anwesend gewesen sei, habe sie schlussendlich zur Flucht in die 

Schweiz veranlasst. Weitergehend wird auf die Ausführungen in der Stel-

lungnahme verwiesen.  

G.  

G.a Am 8. April 2020 übermittelte das SEM den Entwurf des angekündig-

ten Nichteintretensentscheid der Rechtsvertretung der Beschwerdeführen-

den zur Stellungnahme. 

G.b In der Stellungnahme vom 14. April 2020 wurde im Wesentlichen gel-

tend gemacht, die Beschwerdeführerin befürchte in Griechenland ohne si-

chere Unterkunft, Zugang zu medizinischer Versorgung oder finanzieller 

Unterstützung das Überleben ihrer drei Kinder nicht sicherstellen zu kön-

nen. Das SEM habe die familiäre Situation der alleinerziehenden Mutter im 

Entscheidentwurf nur ungenügend berücksichtigt. Bei einer aktuellen 

Rückkehr könne die Beschwerdeführerin nicht auf die physische Unterstüt-

zung ihres Ehemannes, der sich zurzeit in Bosnien und Herzegowina be-

finde, zählen. C._______ sei erst vor (…) Monaten zur Welt gekommen, 

weshalb sie sich körperlich nicht in der Lage fühle, ohne Unterstützung des 

griechischen Staates für die drei Kinder zu sorgen. Um daneben, wie vom 

SEM erwartet, auf dem Rechtsweg in Griechenland die ihr eigentlich zu-

stehenden Rechte einzufordern, würden ihr schlichtweg die nötigen Res-

sourcen fehlen. Ohnehin sei nicht nachvollziehbar, wie Personen, die nicht 

einmal die notwendigste soziale Versorgung erhalten würden, sich diese 

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Seite 5 

auf dem Rechtsweg erstreiten sollten. B._______ habe sodann bei der Be-

sprechung des Entscheidentwurfs erklärt, dass er unter Schlafstörungen 

und weiteren psychischen Beschwerden leide, seit er auf der Überfahrt von 

der Türkei nach Griechenland habe mitansehen müssen, wie einer seiner 

besten Freunde ertrunken sei. Aufgrund der ausserordentlichen Lage we-

gen des COVID-19 Virus habe er diese noch nicht abklären lassen können, 

da nur psychiatrische Notfälle behandelt würden. Auch die psychosoziale 

Belastungssituation der Beschwerdeführerin bedürfe weiteren, aktuell nicht 

möglichen, psychologischen Abklärungen. Ihre psychischen Belastungen 

rührten unter anderem von Ereignissen in D._______ her, wo sie unter an-

derem auch Folterungen erlebt habe. Weitergehend wird auf die Ausfüh-

rungen in der Eingabe verwiesen.  

H.  

Mit Verfügung vom 15. April 2020 – gleichentags eröffnet – trat das SEM 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf die Asyl-

gesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, wies sie aus der Schweiz 

weg und forderte sie auf, die Schweiz bis zum 31. Mai 2020 zu verlassen, 

ansonsten sie in Haft genommen und unter Zwang nach Griechenland zu-

rückgeführt werden könnten. Ferner beauftragte das SEM den zuständigen 

Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und ordnete die Aushändigung 

der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwer-

deführenden an. 

I.  

Mit Eingabe vom 22. April 2020 (Datum Poststempel) erhoben die Be-

schwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie be-

antragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das Verfahren 

sei zwecks vollständiger Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die vorinstanzliche Ver-

fügung im Wegweisungspunkt aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen 

die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit der Wegweisung 

festzustellen und die Beschwerdeführenden in der Schweiz vorläufig auf-

zunehmen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, individuelle 

Garantien betreffend die adäquate Unterbringung und den benötigten Zu-

gang zu fachärztlicher Behandlung von den griechischen Behörden einzu-

holen. Es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, insbeson-

dere sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen.  

J.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

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24. April 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Darin 

sind – neben dem bereits erwähnten Geburtsbericht (vgl. Bst. C vorste-

hend) – auch ärztliche Berichte betreffend E._______ und C._______ ent-

halten. Bei E._______ wurden ein Vitamin-D-Mangel, eine Eisenmange-

lanämie und ein (…) diagnostiziert. Dem Bericht über die bisher erfolgten 

Untersuchungen von C._______ ist zu entnehmen, dass (…), es 

C._______ – und ferner auch der Beschwerdeführerin – aber im Wesentli-

chen gut gehe.  

K.  

Das Gericht bestätigte den Beschwerdeführenden am 24. April 2020 den 

Eingang der Beschwerde. 

L.  

Mit Eingabe vom 28. April 2020 reichten die Beschwerdeführenden einen 

Notfallbericht des (…) betreffend B._______ vom 22. April 2020 sowie zwei 

Arztberichte ihrer Hausärztin betreffend die Beschwerdeführerin und 

B._______ vom 23. beziehungsweise 24. April 2020 nach.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 7 

3.  

3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die 

Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-

prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-

schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz 

zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 

m.w.H.). 

3.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs 

hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem 

Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 

4.  

4.1 Das SEM tritt gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf ein Asylgesuch 

nicht ein, wenn Asylsuchende in einen sicheren Drittstaat nach Art. 6a 

Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vorher auf-

gehalten haben. 

 

4.2 Griechenland wurde durch den Bundesrat am 14. Dezember 2007 als 

sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet. Die 

Beschwerdeführenden haben sich vor der Einreise in die Schweiz unbe-

strittenermassen in Griechenland aufgehalten, wo ihnen der Flüchtlings-

status zuerkannt wurde und sie auch entsprechende Aufenthaltsbewilligun-

gen erhalten habe. Die griechischen Behörden haben ihrer Rückkehr zu-

gestimmt (vgl. Bstn. B.b, D.b und E.)  

4.3 Griechenland ist unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonven-

tion, FK; SR 0.142.30) und bietet grundsätzlich Gewähr für die korrekte 

Durchführung von Asylverfahren. So haben denn auch die Beschwerdefüh-

renden nicht behauptet, ihr Asylverfahren in Griechenland sei fehlerhaft ge-

wesen beziehungsweise es würde ihnen dort die Rückschiebung nach 

F._______ oder D._______ unter Verletzung des Refoulement-Verbots 

drohen. Ferner enthält die Beschwerde keine diesbezüglichen Einwände, 

so dass das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht 

auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist. 

5.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt 

oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über 

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eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch 

auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht 

angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je 

m.w.H.). 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände-

rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Bei der Geltend-

machung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss ständiger 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der 

strikte Beweis möglich ist, andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen 

(vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2).  

Vorliegend ist einzig der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland einer 

Prüfung zu unterziehen. 

6.2 Unzulässig ist der Vollzug der Wegweisung, wenn völkerrechtliche Ver-

pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-

länders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen 

(Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise 

in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 

aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 

Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 

Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der 

Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 

unterworfen werden. Auch weitere Verletzungen völkerrechtlicher Ver-

pflichtungen der Schweiz, die sich unter anderem aus der EMRK ergeben, 

können einem Wegweisungsvollzug entgegenstehen.  

Unzumutbar kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und 

Ausländer gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG dann sein, wenn sie im Heimat- oder 

Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei-

ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine 

konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 

AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

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Seite 9 

6.3 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie 

Griechenland es ist (vgl. E. 4.2) – die Vermutung, dass diese ihre völker-

rechtlichen Verpflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-

Verbot und grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten 

(vgl. FANNY MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh Son Nguyen, Code annoté 

de droit des migrations, 2015, Art. 6a AsylG N 12 S. 68). Gestützt auf 

Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung 

in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der 

betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen. Dazu 

hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des 

in Frage stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, 

ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdi-

gen Lebensumständen aussetzen würden respektive dass sie im in Frage 

stehenden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirt-

schaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten 

würde (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 

2017 E. 4).  

7.  

7.1 In der Beschwerde wird betreffend Unzulässigkeit des Wegweisungs-

vollzugs im Wesentlichen geltend gemacht, dass die Regelvermutung, wo-

nach Griechenland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkomme, 

vorliegend nicht aufrechterhalten werden könne. Anerkannte Schutzbe-

rechtigte in Griechenland hätten gemäss Berichten internationaler Nichtre-

gierungsorganisationen – auch angesichts der anhaltenden Wirtschafts-

krise – keinen Zugang zu Arbeit oder zu Sozialleistungen, würden keinerlei 

Unterstützung bei der Suche nach einer Wohnung erhalten und müssten 

nach ihrer Anerkennung die Flüchtlingsunterkünfte gleichwohl verlassen. 

Verschieden Quellen würden sodann berichten, dass der tatsächliche Zu-

gang zu Gesundheitsdienstleistungen durch einen erheblichen Ressour-

cen- und Kapazitätsmangel eingeschränkt sei und es an geeigneten Über-

setzern und transkulturellem Personal fehle. Das Bundesverwaltungsge-

richt habe in seiner bisherigen Rechtsprechung selbst festgestellt, dass 

das griechische Fürsorgesystem nicht nur für Asylsuchende, sondern auch 

für Personen mit Schutzstatus in der Kritik stehe. Die entsprechenden Fest-

stellungen würden belegen, dass Überstellungen von Schutzberechtigten 

nach Griechenland sich bereits in der Vergangenheit nah an der Grenze 

zur Unzulässigkeit bewegt hätten. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen 

(schlechte wirtschaftliche Prognosen angesichts der Corona-Pandemie, 

Zuspitzung an der griechisch-türkischen Grenze und angekündigte Ver-

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schärfungen im griechischen Asylwesen, insbesondere betreffend die fi-

nanzielle Unterstützung von Flüchtlingen) sei absehbar, dass sich die Situ-

ation für Schutzberechtigte noch weiter verschlechtere beziehungsweise 

Griechenland sich nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten 

werde. Die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts könne daher nicht mehr 

aufrechterhalten werden und sei anzupassen respektive seien die aktuel-

len Entwicklungen abzuwarten und momentan von Überstellungen nach 

Griechenland abzusehen.  

Die Beschwerdeführenden hätten die schwierigen Zustände im griechi-

schen Asylsystem am eigenen Leib erfahren müssen. Sie hätten keine 

staatlichen Hilfsleistungen erhalten und die Beschwerdeführerin habe al-

lein für die Kinder sorgen müssen, weil ihr Ehemann für die Suche nach 

einer Arbeitsstelle nach Athen gereist sei. Dies ohne soziale Unterstützung, 

ohne Sicherheitspersonal in den Camps und ohne medizinische Versor-

gung der Kinder. Auch eine psychologische Unterstützung sei in Griechen-

land nicht zugänglich gewesen und B._______ habe die Schule nicht be-

suchen können. Schliesslich habe die Familie ein Schreiben erhalten, wo-

nach sie das Camp zu verlassen habe, ohne dass ihnen eine neue Unter-

kunft zugewiesen worden sei, woraufhin sie in ihrer Verzweiflung in die 

Schweiz gereist seien. Angesichts der dargelegten Umstände könne davon 

ausgegangen werden, dass den Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr 

der Zugang zur notwendigen medizinischen Behandlung verwehrt werde 

und nicht sichergestellt sei, dass sie nicht auf der Strasse landen würden, 

wodurch C._______ und E._______ in eine existenzbedrohende Lage ge-

raten würden. Sofern die Schweizer Asylbehörden am Vollzug der Wegwei-

sung festhalten würden, seien sie gehalten, von den griechischen Behör-

den individuelle Zusicherungen bezüglich adäquater medizinischer Be-

handlung und Unterbringung einzuholen, zumal es sich bei den Beschwer-

deführenden aufgrund der Minderjährigkeit der drei Kinder um besonders 

schutzbedürftige Personen handle.  

7.2 Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem Aspekt der Zuläs-

sigkeit bei Personen, denen von den griechischen Behörden ein Schutz-

status verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss 

nur unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Grundsätzlich geht das 

Gericht davon aus, dass in Griechenland Schutzberechtigte dort Schutz 

vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden. Ebenso geht 

das Gericht davon aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK, 

des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 

grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 

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Seite 11 

(FoK, SR 0.105) und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Ja-

nuar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen grundsätzlich auch dann nachkommt, wenn vom Vollzug der 

Wegweisung Familien mit Kindern betroffen sind (vgl. etwa Urteil des 

BVGer E-3319/2019 vom 27. September 2019 E. 9.3 m.w.H.). Zwar aner-

kennt das Gericht – auch aufgrund der von den Beschwerdeführenden zi-

tierten Berichte –, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig 

sind. Das griechische Fürsorgesystem steht nicht nur für Asylsuchende, 

sondern auch für Personen mit Schutzstatus in der Kritik (vgl. dazu auch: 

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte [EGMR], Saidoun gegen 

Griechenland [Beschwerde 40083/07] und Fawsie gegen Griechenland 

[Beschwerde 40080/07], beide vom 28. Oktober 2010). So wurde davon 

berichtet, dass die Unterstützung von Personen, denen in Griechenland 

internationaler Schutz zuerkannt worden sei, häufig unzulänglich sei. Da 

das Land nicht über ein Sozialwohnungssystem verfüge, sei es für Perso-

nen mit Schutzstatus aus wirtschaftlichen Gründen oft schwierig, eine Un-

terkunft zu finden. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, die neben der 

Wirtschaftskrise unter anderem auf den Mangel einer nationalen Strategie 

zurückgeführt wird, die Beschäftigung – insbesondere auch von Personen 

mit anerkanntem Schutzstatus – zu fördern, seien die Betroffenen dabei im 

Wesentlichen auf die beschränkten Fürsorgeleistungen des Staates ange-

wiesen. Mit Bezug auf die staatlichen Unterstützungsleistungen komme es 

in der Praxis ferner immer wieder zu Diskriminierungen von Personen mit 

Schutzstatus gegenüber griechischen Staatsangehörigen, wobei dies auch 

damit zusammenhänge, dass die betroffenen Ausländerinnen und Auslän-

der nicht an die kompetenten Behörden verwiesen würden. Dennoch ist 

gemäss Rechtsprechung diesbezüglich nicht von einer unmenschlichen  

oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive ei-

ner existenziellen Notlage auszugehen (vgl. Urteil des BVGer D-5016/2017 

vom 12. März 2018 E. 6.4 m.w.H.; bestätigt in den Urteilen des BVGer E-

2360/2019 vom 22. Mai 2019 E. 8.3.1 f.; E-4866/2019 vom 2. Oktober 2019 

E. 10.1). Personen mit Schutzstatus sind griechischen Bürgerinnen und 

Bürgern gleichgestellt in Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten 

und den öffentlichen Schulunterricht respektive gleichgestellt mit anderen 

Ausländern und Ausländerinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätig-

keit oder die Gewährung einer Unterkunft (vgl. Art. 16-24 FK). Unterstüt-

zungsleistungen und weitere Rechte können direkt bei den zuständigen 

Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg. Nicht 

zuletzt können Schutzberechtigte sich auch auf die Garantien in der Qua-

lifikationsrichtlinie berufen, auf die sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat 

behaften lassen muss. Von Interesse dürften diesbezüglich insbesondere 

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Seite 12 

die Regeln betreffend den Zugang von Personen mit Schutzstatus zu Be-

schäftigung (Art. 26), zu Bildung (Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen (Art. 29), 

zu Wohnraum (Art. 32) und zu medizinischer Versorgung (Art. 30) sein. Es 

ist im jetzigen Zeitpunkt – insbesondere auch trotz in der Beschwerde zi-

tierten Aussagen des griechischen Migrationsministers betreffend kom-

plette Einstellung der finanziellen Unterstützung für Flüchtlinge – nicht da-

rauf zu schliessen, dass Griechenland sich künftig in einen Widerspruch zu 

seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen begeben wird. Im Falle einer Ver-

letzung der Garantien der EMRK steht sodann gestützt auf Art. 34 EMRK 

letztlich der Rechtsweg an den EGMR offen (vgl. statt vieler das Urteil des 

BVGer D-1118/2020 vom 2. April 2020 E. 9.1 m.H.).  

7.3  

7.3.1 Die Beschwerdeführenden waren am (…) in Griechenland als Flücht-

linge anerkannt worden. Es besteht daher kein Anlass zur Annahme, es 

drohe ihnen eine Verletzung des in Art. 33 Abs. 1 FK verankerten Grund-

satzes der Nichtrückschiebung. Aufgrund der Akten liegen ferner keine An-

haltspunkte dafür vor, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Grie-

chenland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK 

oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären.  

7.3.2 Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, sie befürchteten 

in Griechenland auf der Strasse leben zu müssen, weil sie vor ihrer Aus-

reise aus Griechenland eine schriftliche Aufforderung zum Verlassen des 

Camps erhalten hätten, ohne dass ihnen eine neue Unterkunft zugewiesen 

worden sei, ist ergänzend zu den vorstehenden Ausführungen in E. 7.2 

festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin für diese Behauptung kein Be-

weismittel einreichte und im vorinstanzlichen Verfahren solches bezogen 

auf den Zeitpunkt unmittelbar vor der Ausreise noch nicht vorbrachte. Im 

Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass in Griechenland – wie bereits in der 

angefochtenen Verfügung angeführt – neben staatlichen Strukturen, die 

primär existenzielle Bedürfnisse abdecken, private und internationale Or-

ganisationen bestehen, an die sie sich wenden kann.  

7.3.3  

7.3.3.1 Die Beschwerdeführenden machen sinngemäss geltend, dass die 

noch nicht vollständig abgeklärte gesundheitliche Situation der Beschwer-

deführerin und von B._______ einem Wegweisungsvollzug entgegenste-

hen würden, da davon auszugehen sei, dass in Griechenland der Zugang 

zur notwendigen medizinischen Behandlung verwehrt werde. Betreffend 

die Beschwerdeführerin wurde im Geburtsbericht vom (…) 2019 auf eine 

D-2160/2020 

Seite 13 

psychosoziale Belastungssituation hingewiesen und in dem sie betreffen-

den ärztlichen Bericht vom 23. April 2020 ein Erschöpfungssyndrom diag-

nostiziert sowie der Verdacht auf eine Posttraumatische Belastungsstörung 

geäussert. Gemäss den weiteren am 28. April 2020 zu den Akten gereich-

ten Berichten hatte B._______ am 22. April 2020 einen Krampfanfall, infol-

gedessen er mit der Ambulanz in das (…) gefahren wurde. Zur weiteren 

Abklärung der Ursache würden – gemäss Ausführungen in der Beweismit-

teleingabe vom 28. April 2020 – spätestens in vier Wochen weitere Unter-

suchungen stattfinden, welche abzuwarten seien, da insbesondere auch 

psychische Ursachen als Auslöser des Krampfanfalls nicht ausgeschlos-

sen werden könnten. 

7.3.3.2 Die medizinischen Sachverhalte der Beschwerdeführenden kön-

nen nicht unter die vom EGMR in seinem Urteil vom 13. Dezember 2016 

(Nr. 41738/10 Paposhvili gg. Belgien), §183, genannten "other very excep-

tional cases" subsumiert werden. Es handelt sich bei ihnen nicht um 

schwerkranke Personen, bei denen die ernsthafte Gefahr besteht, dass sie 

bei einer Rückschaffung nach Griechenland einer schwerwiegenden, rapi-

den und irreversiblen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, ver-

bunden mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der 

Lebenserwartung, ausgesetzt wären, zumal die medizinische Versorgung 

in Griechenland gewährleistet ist. Aufgrund der Umstände ist jedenfalls 

nicht darauf zu schliessen, dass bei der Beschwerdeführerin oder 

B._______ (und im Übrigen auch bei E._______ und C._______) gesund-

heitliche Probleme vorliegen, die derart gravierend wären, als dass eine 

adäquate Behandelbarkeit im EU-Staat Griechenland nicht gegeben wäre. 

So wurde B._______ gemäss Notfallbericht vom 22. April 2020 nach seiner 

Einlieferung in das Spital noch gleichentags in gutem Allgemeinzustand 

nach Hause entlassen. Weder er noch die Beschwerdeführerin sahen sich 

sodann – was ihnen bereits in der angefochtenen Verfügung entgegenge-

halten wurde – bis zum Inkrafttreten der Verordnung 2 über Massnahmen 

zur Bekämpfung des Coronavirus (COVID-19; Covid-19-Verordnung 2) be-

ziehungsweise bis zum Verbot von nicht dringend indizierten Untersuchun-

gen, Behandlungen und Therapien veranlasst, sich zwecks Abklärung ih-

res Gesundheitszustands beim Gesundheitsdienst ihrer Einrichtung zu 

melden. Es ist zwar nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführerin eine 

Abklärung nach der Geburt von C._______ nicht möglich war, da sie mit 

der Heilung der Geburtsnarbe und der Fürsorge ihrer drei Kinder beschäf-

tigt war. Dieses Vorbringen lässt indessen – wie auch ihre Aussagen zum 

medizinischen Sachverhalt anlässlich des Gesprächs vom 17. Oktober 

D-2160/2020 

Seite 14 

2019 (vgl. Bst. A.c vorstehend) und die Hinweise zu ihrem Gesundheitszu-

stand in den Arztberichten betreffend C._______ (vgl. Bst. J vorstehend) – 

wiederum nicht darauf schliessen, dass bei ihr schwerwiegende psychi-

sche Probleme vorliegen, die einer dringenden, in Griechenland nicht er-

hältlichen Behandlung bedürfen. Entgegen der Beschwerdevorbringen und 

unter Hinweis auf die Ausführungen in E. 7.2 vorstehend, ist sodann nicht 

davon auszugehen, dass den Beschwerdeführenden in Griechenland der 

Zugang zu notwendigen medizinischen Behandlungen verwehrt wird. Die 

erstmals in der Beschwerde vorgebrachte Behauptung, wonach in Grie-

chenland eine psychologische Unterstützung nicht zugänglich gewesen 

sei, ist zu unsubstanziiert ausgefallen, als dass die Beschwerdeführenden 

daraus etwas zu ihren Gunsten ableiten können. In diesem Zusammen-

hang ist sodann darauf hinzuweisen, dass gemäss Aussagen der Be-

schwerdeführerin B._______ nach einer Auseinandersetzung vier Tage im 

Spital war. Nach dem Gesagten ist in antizipierter Beweiswürdigung weder 

der Eingang weiterer Beweismittel betreffend den Gesundheitszustand von 

B._______ abzuwarten, noch weitere Abklärungen bezüglich der gesund-

heitlichen Situation der Beschwerdeführerin zu treffen, weshalb die ent-

sprechenden Anträge (insb. der Rückweisungsantrag zwecks vollständiger 

Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung) abzuweisen sind. 

7.3.4 Der Vollständigkeit halber ist sodann in Bezug auf den im vorinstanz-

lichen Verfahren erwähnten Übergriff auf B._______ festzuhalten, dass 

Griechenland ein Rechtsstaat ist, der über einen funktionierenden Polizei- 

und Justizapparat verfügt (vgl. Urteil des BVGer E-4234/2018 vom 30. Juli 

2018 E. 6.3.3, m.w.H.). Das SEM führte demnach zu Recht aus, die Be-

schwerdeführenden könnten sich bei Übergriffen durch Privatpersonen o-

der entsprechenden Befürchtungen an die zuständigen staatlichen Stellen 

wenden und nötigenfalls auf dem Rechtsweg vorgehen, wenn sie etwa – 

wie von ihnen geschildert – mit korrupten Beamten konfrontiert würden. 

7.4 Es liegen somit keine konkreten Hinweise vor, dass die Beschwerde-

führenden im Falle ihrer Rückkehr nach Griechenland einer unmenschli-

chen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausge-

setzt wären. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. Auf die weiteren 

diesbezüglichen Beschwerdevorbringen wird – soweit erforderlich – in den 

nachfolgenden Erwägungen zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

eingegangen. 

8.  

D-2160/2020 

Seite 15 

8.1 Wie bereits erwähnt kann gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG der Vollzug für 

Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Herkunfts-

staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt 

und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Gestützt auf Art. 83 

Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen 

EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen 

Person, diese Vermutungen umzustossen.  

8.2 Diesbezüglich bringen die Beschwerdeführenden in der Beschwerde 

zusammengefasst vor, es sei anzunehmen, dass sich die wirtschaftliche 

Situation in Griechenland, das bereits jetzt eine hohe Arbeitslosenquote 

habe und wo rücküberstellte Schutzberechtigte in der Regel auf der Stras-

se landen würden, angesichts der Corona-Pandemie weiter verschlechtern 

werde, wodurch das Einhalten der Qualifikationsrichtlinie in Frage gestellt 

sei. Schutzberechtigte, welche über kein soziales Beziehungsnetz in Grie-

chenland verfügen würden, würden als erste unter den Auswirkungen feh-

lender Arbeit und eingestellter Sozialleistungen leiden. Auch müsse davon 

ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführenden aufgrund fehlender 

Integrationsmassnahmen nicht in der Lage sein werden, ihren Lebensun-

terhalt selbständig zu bewerkstelligen. Zu beachten sei sodann, dass es 

sich bei den Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der Überstellung um eine 

alleinerziehende Frau mit drei minderjährigen Kindern handle, wovon zwei 

angesichts ihres Alters besonders schutzbedürftig seien. Da besondere 

Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Befriedigung existenzieller 

Grundbedürfnisse bestehen und mithin nicht von einer genügenden le-

bensnotwendigen Versorgung der Beschwerdeführenden ausgegangen 

werden könne, sei eine Überstellung als individuell unzumutbar zu erach-

ten.  

8.3 Die Beschwerdeführenden vermögen die Vermutung, dass eine Rück-

kehr nach Griechenland als zumutbar zu erachten ist, nicht umzustossen. 

Griechenland ist ein sicherer Drittstaat, in dem keine Situation von allge-

meiner Gewalt herrscht. Der Staat ist an die Qualifikationsrichtlinie gebun-

den. Im Kapitel VII werden die den Flüchtlingen und Personen mit subsidi-

ärem Schutzstatus zu gewährenden Rechte geregelt (Art. 26 [Zugang zu 

Beschäftigung], Art. 29 Abs. 2 [Sozial- und Nothilfe] und Art. 30 Abs. 2 [me-

dizinische Versorgung]). Selbst wenn die Lebensbedingungen in Griechen-

land aufgrund der herrschenden Wirtschaftslage nicht einfach sind, beste-

hen zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise darauf, Griechenland würde 

den Beschwerdeführenden dauerhaft die gemäss der Richtlinie zustehen-

D-2160/2020 

Seite 16 

den minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und sie einer existenziel-

len Notlage aussetzen. Es darf zudem auch von einer alleinerziehenden 

Mutter erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen 

Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem 

Rechtsweg einzufordern. Im Übrigen ist – wie bereits in der angefochtenen 

Verfügung angeführt – festzuhalten, dass der Ehemann der Beschwerde-

führerin ohne Weiteres jederzeit nach Griechenland zurückkehren kann, 

sobald allfällige, aktuell geltende Reiseeinschränkungen im Zusammen-

hang mit der Situation rund um das Coronavirus aufgehoben sind. 

Schliesslich ist erneut darauf hinzuweisen, dass in Griechenland neben 

staatlichen Strukturen, die primär existenzielle Bedürfnisse abdecken, pri-

vate und internationale Organisationen bestehen, an die sie sich wenden 

kann. 

8.4 Ferner spricht ein Wegweisungsvollzug auch nicht gegen das Kindes-

wohl. Es liegen keine erhärteten Hinweise vor, wonach sich Griechenland 

als Signatarstaat des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die 

Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) nicht an seine entsprechenden völ-

kerrechtlichen Verpflichtungen halten würde. Insbesondere liegen – wie 

bereits in der angefochtenen Verfügung festgehalten – keine Belege dafür 

vor, dass B._______ in Griechenland der Zugang zu Bildung verweigert 

worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht hat denn auch in letzter Zeit in 

mehreren Urteilen die Wegweisung von Familien mit flüchtlingsrechtlichem 

Schutzstatus in Griechenland als zulässig und zumutbar qualifiziert und 

entsprechende Nichteintretens- und Wegweisungsverfügungen des SEM 

bestätigt (vgl. etwa Urteil des BVGer E-2113/2020 vom 27. April 2020 

E. 8.4.2 m.w.H.). Der Vollzug erweist sich somit als zumutbar.  

8.5 Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass für die Einholung indivi-

dueller Garantien (vgl. hierzu BVGE 2017 VI/10), weshalb der entspre-

chende Antrag abzuweisen ist.  

9.  

Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG mög-

lich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme der Beschwer-

deführenden ausdrücklich zugestimmt haben und diese dort über Aufent-

haltsbewilligungen verfügen. In Übereinstimmung mit dem SEM – und ent-

gegen Auffassung der Beschwerdeführenden respektive deren Rechtsver-

tretung – vermögen vorübergehende Einschränkungen des Flugverkehrs 

oder vorübergehende Einreisebeschränkungen durch die griechischen Be-

D-2160/2020 

Seite 17 

hörden im Zusammenhang mit der aktuellen Situation rund um das Coro-

navirus keine Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs zu begründen. Das 

SEM hat sodann der aktuellen Lage Rechnung getragen, indem es eine 

Ausreisefrist bis zum 31. Mai 2020 ansetzte und darauf hinwies, dass die 

Möglichkeit einer Verlängerung dieser Frist bestehe.  

10.  

Nach den vorstehenden Erwägungen ist der von der Vorinstanz verfügte 

Vollzug der Wegweisung zu bestätigen. Auch die weiteren Beschwerdevor-

bringen sind nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewir-

ken. 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.  

12.  

12.1 Mit dem vorliegenden Urteil in der Sache wird der Antrag auf Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandlos. 

12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-

deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese beantragten in-

dessen die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Dieses Ge-

such ist gutzuheissen, da ihre Begehren nicht zum vornherein aussichtslos 

waren und aufgrund der Umstände von ihrer Mittellosigkeit auszugehen ist. 

Auf die Erhebung der Verfahrenskosten ist zu verzichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2160/2020 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Sandra Bisig 

 

 

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