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**Case Identifier:** 8ca90f65-ea0c-59d1-a16e-41aaba8b4130
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-15
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 15.02.2024 IV 2022/140
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2022-140_2024-02-15.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2022/140

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 12.03.2024

Entscheiddatum: 15.02.2024

Entscheid Versicherungsgericht, 15.02.2024
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Neuanmeldung. Würdigung eines 
polydisziplinären Administrativgutachtens (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Februar 2024, IV 
2022/140).

Entscheid vom 15. Februar 2024

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Corinne 

Schambeck; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2022/140

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, rechtsanwälte.og 42, 

Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Mai 2008 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Der Psychiater Dr. med. B.___ berichtete im Mai 

2008 (IV-act. 9), die Arbeitgeberin der Versicherten habe im September 2007 das 

Arbeitsverhältnis fristlos gekündigt. Dies habe eine akute Belastungsreaktion ausgelöst. 

Im Dezember 2007 habe die Versicherte erstmals Dr. B.___ konsultiert. Der seitherige 

Verlauf sei unbefriedigend und schwierig. Die Versicherte befinde sich in einem 

schwersten depressiven Zustand und sei kaum aufnahmefähig. Ein konstruktives 

Gespräch sei nicht möglich, weil die Versicherte zu sehr traumatisiert sei. Sie sei 

vollständig arbeitsunfähig und auch unfähig, den eigenen Haushalt zu besorgen. Mit 

einer Verfügung vom 20. August 2009 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit 

Wirkung ab dem 1. September 2008 eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 

100 Prozent zu (IV-act. 39).

A.a. 

Im April 2012 beauftragte die IV-Stelle die C.___ GmbH mit einer Observation der 

Versicherten (IV-act. 58). Am 28. Juni 2012 berichtete die C.___ GmbH (IV-act. 62), die 

Versicherte habe sich normal und ohne sichtbare Einschränkungen oder Beschwerden 

bewegt. Im Bewegungsbild hätten keine Schonhaltungen beobachtet werden können. 

Sie habe sich zu Fuss und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewegt, Einkäufe 

getätigt und teils alleine am sehr stark frequentierten Kinderfest teilgenommen. Nach 

einer Würdigung des Observationsmaterials hielt Dr. med. D.___ vom IV-internen 

regionalen ärztlichen Dienst (RAD) im Juli 2012 fest, die Observationsergebnisse 

weckten erhebliche Zweifel an der geltend gemachten Gesundheitsbeeinträchtigung, 

weshalb er eine psychiatrische Begutachtung mit Würdigung des 

Observationsmaterials empfehle (IV-act. 63). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete med. 

A.b. 

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pract. F.___ am 21. Mai 2013 ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 113). Sie hielt fest, 

die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer 

gegenwärtig leichten bis allenfalls zeitweise mittelgradigen depressiven Episode, an 

einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sowie – ohne Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit – an akzentuierten Persönlichkeitszügen mit histrionischen und 

emotional instabilen Anteilen. Nach der deutlichen Teilremission der initial schweren 

depressiven Symptomatik, die vermutlich im November 2011, mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit im Juni 2012 und mit Sicherheit aktuell eingetreten sei, könne 

höchstens noch ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30–40 Prozent attestiert werden. Mit 

einer Verfügung vom 12. Dezember 2013 hob die IV-Stelle die laufende Rente mit 

Wirkung ab dem Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 

131). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ersetzte die Rentenaufhebung 

mit einem Entscheid vom 4. Juni 2018 durch eine Herabsetzung der ganzen Rente auf 

eine Viertelsrente per 1. Februar 2014 (IV 2017/215; vgl. IV-act. 231). Das 

Bundesgericht hob diesen Entscheid mit einem Urteil vom 18. Dezember 2018 auf und 

„bestätigte“ die Verfügung der IV-Stelle vom 12. Dezember 2013 (8C_557/2018; vgl. IV-

act. 237).

Bereits im Juli 2015 hatte die Versicherte (gegenüber dem Versicherungsgericht) 

geltend machen lassen, am 9. Juni 2015 sei wegen einer Selbstgefährdung eine 

fürsorgerische Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik verfügt worden (IV-act. 159 

f.). Im September 2015 hatte die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 

eine Weiterführung der fürsorgerischen Unterbringung verfügt (IV-act. 171). Im Oktober 

2015 hatte die Versicherte bei der IV-Stelle „vorsorglich“ die Zusprache einer 

„vollen“ (recte: ganzen) Invalidenrente beantragt (IV-act. 173). Sie hatte geltend 

machen lassen, sie leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer 

gegenwärtig schwergradigen Episode, an einer posttraumatischen Belastungsstörung 

sowie an einer kombinierten und anderen Persönlichkeitsstörung. Sie sei vollständig 

arbeitsunfähig. Ihr Gesundheitszustand habe sich in den vergangenen Monaten 

erheblich verschlechtert, was im Rahmen der wiederholten stationären psychiatrischen 

Behandlungen bestätigt worden sei. Der Eingabe hatte ein Bericht der Klinik E.___ vom 

8. Oktober 2015 beigelegen (IV-act. 174). Diesem hatte sich entnehmen lassen, dass 

die Versicherte offenbar mehrere Suizidversuche unternommen hatte und nach einer 

A.c. 

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Intoxikation mit Medikamenten im September 2015 auf der Intensivstation gelandet 

war. Die Ärzte der Klinik E.___ hatten sich in ihrem Bericht auch zum Gutachten von 

med. pract. F.___ geäussert und betont, dass sich der Gesundheitszustand der 

Versicherten verschlechtert habe, wobei kein Anlass zur Vermutung bestehe, diese 

Verschlechterung des Gesundheitszustandes könnte nur vorgespielt sein. Im 

November 2015 hatte die Versicherte ein ausgefülltes Anmeldeformular eingereicht (IV-

act. 180). Die IV-Stelle hatte den Eingang der Anmeldung für berufliche Massnahmen 

und eine Rente am 16. November 2015 bestätigt (IV-act. 184).

Im Auftrag der IV-Stelle hatte Dr. med. G.___ am 14. Juni 2016 ein psychiatrisches 

Gutachten erstellt (IV-act. 206). Er hatte festgehalten, er könne mangels ausreichender 

Kooperation der Versicherten bei der Begutachtung keine Diagnose stellen. Das 

bedeute nicht, dass die Versicherte gesund sei, sondern nur, dass sich aufgrund der 

zahlreichen Diskrepanzen und Widersprüche keine zuverlässige diagnostische 

Einordnung vornehmen lasse. Auch zur Arbeitsfähigkeit könne nicht Stellung 

genommen werden. Der von Dr. G.___ beigezogene Neuropsychologe Dr. phil H.___ 

hatte ausgeführt (IV-act. 207), zwischen den Testergebnissen und dem Verhalten der 

Versicherten hätten erhebliche Diskrepanzen bestanden. Mehrere 

Beschwerdevalidierungstests hätten hoch auffällige Resultate geliefert. Die 

Testleistungen seien nicht valide.

A.d. 

Im Februar 2019 berichtete der Allgemeinmediziner Dr. med. I.___ unter anderem, 

die Versicherte habe sich im Januar 2017 bei einem nächtlichen Sturz eine komplizierte 

Luxationsfraktur zugezogen, die mit einer Arthrodese am Vorfuss behandelt worden sei 

(IV-act. 252–3). Einem von Dr. I.___ eingereichten Bericht des Spitals Z.___ vom 25. 

Januar 2018 liess sich entnehmen, dass sich die Versicherte am 14. Januar 2017 eine 

divergierende Lisfranc-Luxationsfraktur am linken Fuss zugezogen hatte und dass am 

11. Dezember 2017 eine Lisfranc-Arthrodese durchgeführt worden war (IV-act. 252–15 

f.). Gemäss einem Bericht des Spitals J.___ vom 20. Juli 2018 hatte sich die Versicherte 

Ende Juni 2018 bei einem zweiten Unfall mehrere Frakturen subcapital der Ossa 

metatarsalla III–V sowie eine dislozierte Fraktur der Phalanx proximales Dig. II links 

zugezogen (IV-act. 252–24 ff.). Im Februar 2019 berichtete der Psychiater Dr. med. 

K.___ (IV-act. 257), die Versicherte befinde sich seit Mai 2014 in Behandlung bei ihm. 

Sie leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und an einer rezidivierenden 

A.e. 

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depressiven Störung mit einer gegenwärtig schweren Episode. Sie sei weder auf dem 

freien Arbeitsmarkt noch in einem geschützten Rahmen eingliederungs-fähig. Die 

vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe seit der Aufnahme der Therapie. Im September 

2019 notierte die RAD-Ärztin Dr. med. L.___ (IV-act. 258), in somatischer Hinsicht sei 

eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes seit der Aufhebung der Rente 

im Dezember 2013 ausgewiesen, da sich die Versicherte gemäss den medizinischen 

Berichten im Januar 2017 eine komplizierte Luxationsfraktur des Mittelfusses 

zugezogen habe. In psychiatrischer Hinsicht bestehe Unklarheit bezüglich des 

Gesundheitszustandes. Am 17. Dezember 2019 beauftragte die IV-Stelle die ZVMB 

GmbH mit einer psychiatrischen, orthopädischen und neuropsychologischen 

Begutachtung der Versicherten (IV-act. 266). Das Gutachten wurde am 2. September 

2020 fertiggestellt (IV-act. 284 ff.). Die orthopädische Sachverständige hielt fest, die 

Versicherte habe kooperativ an der Untersuchung mitgewirkt. Während der rund zwei 

Stunden dauernden Befragung habe sie ruhig auf dem Stuhl gesessen, ohne ihre 

Position zu wechseln oder auf dem Stuhl zu rutschen. Das Anziehen sei im Sitzen und 

Stehen problemlos möglich gewesen. Die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule sei 

leicht eingeschränkt gewesen. Ein paravertebraler Hartspann oder radiculäre Zeichen 

hätten nicht bestanden. Auch die Beweglichkeit der Halswirbelsäule sei leicht 

eingeschränkt gewesen. Hier habe sich ein ausgeprägter paravertebraler Hartspann 

vorfinden lassen. Auf dem linken Fuss hätten reizlose Narben festgestellt werden 

können. Die Digiti II und III hätten eine Superposition ohne Sohlenkontakt aufgewiesen. 

Ansonsten seien der (im Gutachten detailliert beschriebene) klinische und auch der 

bildgebende Befund weitestgehend unauffällig gewesen. Die Versicherte leide an 

einem cervico-spondylogenen Schmerzsyndrom, an einem lumbo-spondylogenen 

Schmerzsyndrom sowie an belastungsabhängigen Schmerzen am linken Fuss. Keine 

dieser Diagnosen wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Das Heben und Tragen von 

schweren Lasten von mehr als 10kg, das Arbeiten mit Zwangspositionen des Kopfes 

oder des Rumpfes, das Arbeiten in gebückter Position, andauernde Überkopfarbeiten, 

rein gehend und stehend zu verrichtende Arbeiten, das Gehen im unebenen Gelände, 

ein ständiges Treppensteigen sowie das Besteigen von Gerüsten seien nicht mehr 

zumutbar. Die Behandlung des linken Fusses sei lege artis erfolgt. Für die 

Vergangenheit sei aufgrund des Unfallereignisses im Januar 2017 und dem 

protrahierten postoperativen Heilverlauf mit einer erneuten Arthrodese im Dezember 

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2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit von Januar 2017 bis März 2018 zu 

attestieren. Mangels entsprechend zuverlässiger Angaben in den Akten könne die 

Frage nach der Arbeitsfähigkeit für die Zeit von Juni bis Dezember 2017 allerdings nicht 

abschliessend beantwortet werden. Für die Zeit nach dem zweiten Unfallereignis Ende 

Juni 2018 habe bis Mitte Oktober 2018 („maximal drei Monate nach ORIF vom 

15.07.2018“) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Der psychiatrische 

Sachverständige führte aus, die Versicherte habe von ihrer Erscheinung her einen 

spröden, traditionell-biederen, fast altbackenen Eindruck vermittelt, was mit den 

vorhandenen Bildern kontrastiert habe, die anlässlich der Observation entstanden 

seien. Nach der Ankunft habe sich die Versicherte im Wartezimmer zunächst ruhig 

verhalten. Die Körperhaltung sei unauffällig gewesen. Schon kurz nach der Begrüssung 

habe sie klagsam gewirkt. Sie sei öfters im Sitzen in sich zusammen gezuckt, habe die 

Arme meistens vor dem Körper verschränkt gehalten. Streckenweise habe sie 

unvermittelt geweint, geklagt, geseufzt und gestöhnt. Auch sonst habe sie unruhig und 

nervös gewirkt. Immer wieder habe sie betont, in der Kindheit das Opfer von 

Misshandlungen und Schlägen gewesen zu sein sowie im privaten als auch im 

beruflichen Umfeld wiederholt durch andere Personen in belastende Situationen 

gebracht worden zu sein. Sei sie jedoch mit Themen aus der Aktenlage konfrontiert 

worden, die sie selbst zuvor anders dargestellt oder gar nicht erwähnt habe, habe sie 

prompt die Auskunft verweigert. Die Versicherte habe behauptet, sie habe sich die 

Namen und Geburtstage ihrer beiden Söhne eintätowieren lassen, da sie sich weder 

die Namen noch die Geburtsdaten merken könne. Klinisch habe sie jedoch keinerlei 

Anzeichen einer Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörung gezeigt. Zwischen den 

Angaben der Versicherten und den Schilderungen in den Akten hätten erhebliche 

Diskrepanzen bestanden. Auf die Frage, ob der Vater, der sie begleitet habe, am Ende 

der Untersuchung um eine fremdanamnestische Auskunft gebeten werden dürfe, habe 

sie sofort ablehnend reagiert, ohne eine Begründung dafür zu liefern. Die Versicherte 

habe während der Untersuchung versucht, einen erheblichen Leidensdruck zu 

vermitteln, was jedoch nicht authentisch, sondern vielmehr gestellt gewirkt habe. Die 

Aufmerksamkeit, die Konzentration und das Gedächtnis seien unauffällig gewesen. 

Eine zunehmende Ermüdung habe nicht festgestellt werden können. Die 

Grundstimmung sei indifferent gewesen. Die Versicherte habe sehr kontrolliert gewirkt 

und einen ernsten Eindruck hinterlassen. Eine Affektlabilität habe nicht bestanden. Die 

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angeblich regelmässig eingenommenen Psychopharmaka hätten bei einer 

Laboranalyse des Blutes nicht oder nur in Spuren nachgewiesen werden können. Die 

vom neuropsychologischen Sachverständigen durchgeführte neuropsychologische 

Testung habe nicht-authentische kognitive Minderleistungen in den Bereichen 

Optimierung, Aufmerksamkeit, Neugedächtnis, Exekutivfunktionen, Visuokonstruktion 

sowie Rechnen bei einer Leistungsverzerrung im Sinne einer Aggravation ergeben. Aus 

psychiatrischer Sicht seien anhand der Akten, der Ergebnisse der 

neuropsychologischen Testung und dem objektiven klinischen Befund bei der aktuellen 

Untersuchung eine narzisstische Persönlichkeitsstörung mit antisozialen und süchtigen 

Zügen sowie einer Konversion pseudologia phantastica, eine Aggravation 

beziehungsweise Simulation und nicht-authentische kognitive Minderleistungen zu 

diagnostizieren. Bei der Würdigung der medizinischen Berichte erstaune es doch, wie 

wenig sich die behandelnden Ärzte offenbar untereinander abgesprochen hätten und 

dass die zahlreichen, teilweise deutlichen Hinweise auf das nicht authentische 

Verhalten der Versicherten nicht aufgefallen seien. Zwar gehöre es zum 

therapeutischen Auftrag eines behandelnden Arztes, einem Patienten einen gewissen 

Vertrauensvorschuss einzuräumen, was zur Folge habe, dass behandelnde Ärzte in der 

Regel relativ leicht getäuscht werden könnten, aber hier hätte ein behandelnder Arzt 

angesichts der zahlreichen Diskrepanzen aufmerksam werden und der Frage nach der 

Authentizität der vorgegebenen Beschwerden nachgehen müssen. Zu bedenken sei 

auch, dass sich Hinweise und Anleitungen zu einem „richtigen“ Verhalten gegenüber 

den Ärzten im Internet problemlos finden liessen. Objektiv klinisch fehlten die 

Symptome für die Diagnose einer depressiven oder einer Traumafolgestörung. Eine 

Arbeitsunfähigkeit könne aus psychiatrischer Sicht nicht attestiert werden. Nach der 

Konsensbesprechung hielten die Sachverständigen fest, die Versicherte leide an einer 

narzisstischen Persönlichkeitsstörung, an einem cervico-spondylogenen 

Schmerzsyndrom, an einem lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom sowie an 

belastungsabhängigen Schmerzen im linken Fuss bei einer Aggravation respektive 

Simulation. Keine dieser Diagnosen wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Eine 

leidensadaptierte Tätigkeit sei ihr uneingeschränkt zumutbar. Für die Zeit von Januar 

bis und mit Mai 2017, für die Zeit von Dezember 2017 bis März 2018 sowie für die Zeit 

von Ende Juni 2018 bis Mitte Oktober 2018 sei wegen der Beschwerden am linken 

Fuss eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Die RAD-Ärztin Dr. L.___ 

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qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 288). Die IV-Stelle holte die 

Berichte im Zusammenhang mit der Behandlung des linken Fusses ein, unterbreitete 

diese den Sachverständigen der ZVMB GmbH und forderte diese auf, unter 

Berücksichtigung der Berichte Stellung zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit zu nehmen (IV-

act. 321). In einer Stellungnahme vom 15. Januar 2021 hielten die Sachverständigen 

fest (IV-act. 326), ab Januar 2017 sei die Versicherte vollständig arbeitsunfähig 

gewesen. Ab April 2018 habe eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent bestanden, ab Mitte 

Mai 2018 sei die Versicherte zu 75 Prozent arbeitsfähig gewesen. Nach dem zweiten 

Unfallereignis Ende Juni 2018 sei die Versicherte erneut vollständig arbeitsunfähig 

gewesen. Ab Mitte Oktober 2018 habe ihr eine leidensadaptierte Tätigkeit zu 50 

Prozent zugemutet werden können. Ab Mitte Februar 2019 sei wieder von einer 

vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ab Mitte September 2019 sei eine 

sukzessive Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 80 Prozent zumutbar gewesen. Ab 

Januar 2020 habe eine definitive Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent (vermehrter 

Pausenbedarf) bestanden.

Mit einem Vorbescheid vom 8. Februar 2021 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit 

(IV-act. 327), dass sie die Zusprache einer ganzen Rente für die Zeit vom 1. Januar 

2018 bis zum 31. März 2020 vorsehe. Zur Begründung führte sie an, nach dem ersten 

Unfall im Januar 2017 habe die Arbeitsfähigkeit der Versicherten geschwankt, wobei es 

retrospektiv nicht möglich sei, den genauen Arbeitsfähigkeitsgrad während der 

einzelnen Phasen zu benennen. Ab Januar 2020 sei die Versicherte wieder zu 80 

Prozent arbeitsfähig gewesen. Folglich bestehe ein Anspruch auf eine ganze Rente für 

die Zeit ab Januar 2018 bis zum 31. März 2020. Dagegen liess die Versicherte am 8. 

April 2021 einwenden (IV-act. 332), das psychiatrische Teilgutachten der ZVMB GmbH 

überzeuge nicht. Der Sachverständige habe auf die nicht aussagekräftigen Ergebnisse 

einer unzulässigen Observation abgestellt. Er habe sich nicht hinreichend mit den 

Berichten der behandelnden Ärzte auseinandergesetzt. Der Eingabe lag eine 

Stellungnahme des behandelnden Psychiaters Dr. K.___ bei (IV-act. 333). Dieser hatte 

festgehalten, die schwere depressive Symptomatik sei für den gesamten (langen) 

Behandlungsverlauf bestens dokumentiert und ausgewiesen. Die 

Observationsergebnisse seien nicht aussagekräftig. Der psychiatrische 

Sachverständige habe sich nicht hinreichend mit den Berichten der behandelnden 

A.f. 

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B.  

Fachärzte auseinandergesetzt. Die ZVMB GmbH führte in einer weiteren 

Stellungnahme vom 24. August 2021 aus, sie sehe keine Veranlassung, die 

psychiatrische Beurteilung zu revidieren (IV-act. 346). Mit einer Verfügung vom 5. Juli 

2022 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine ganze Rente für die Zeit vom 1. Januar 

2018 bis zum 31. März 2020 zu (IV-act. 361).

Am 7. September 2022 liess die Versicherte (nachfolgend: die 

Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 5. Juli 2022 erheben 

(act. G 1). Sie liess die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprache einer 

ganzen Rente ab Mai 2016, eventualiter ab Juni 2018 sowie subeventualiter die 

Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur 

weiteren Abklärung beantragen. Zur Begründung liess sie ausführen (act. G 8), das 

psychiatrische Teilgutachten der ZVMB GmbH überzeuge nicht. Der Sachverständige 

habe die vorgefasste Meinung gehabt, die Beschwerdeführerin sei eine Simulantin. Er 

sei voreingenommen gewesen. Er habe sich nicht hinreichend mit den Vorakten 

auseinandergesetzt.

B.a. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 19. Dezember 2022 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 10). Zur Begründung führte sie an, der psychiatrische 

Sachverständige habe detailliert aufgezeigt, dass die Beschwerdepräsentation bei 

seiner Untersuchung nicht authentisch gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe sich 

bereits bei den früheren Begutachtungen durch Dr. G.___ und med. pract. F.___ nicht 

authentisch verhalten. Das Gutachten der ZVMB GmbH sei in jeder Hinsicht 

überzeugend.

B.b. 

Am 22. Dezember 2022 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt (act. G 11).

B.c. 

Die Beschwerdeführerin liess am 1. März 2023 an ihren Anträgen festhalten 

(act. G 15). Sie liess einen Bericht der Klinik E.___ vom 13. Februar 2023 betreffend 

eine stationäre Behandlung in der Zeit vom 23. Dezember 2022 bis zum 27. Januar 

2023 einreichen, in dem eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig 

schweren Episode, eine kombinierte und andere Persönlichkeitsstörung sowie eine 

B.d. 

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komplexe posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden waren (act. G 

15.1). Gemäss einem Bericht vom 19. Dezember 2022, den die Beschwerdeführerin 

einreichen liess (act. G 15.2), hatte in einem Vorgespräch ein stark depressiv gefärbtes 

Zustandsbild imponiert, weshalb die Empfehlung für eine stationäre psychiatrische 

Behandlung abgegeben worden war.

Die Beschwerdegegnerin hielt am 20. April 2023 an ihrem Antrag fest (act. G 17).B.e. 

Am 31. Mai 2023 wies das Versicherungsgericht die Beschwerdeführerin darauf hin 

(act. G 19), dass nach dem klaren Wortlaut der Art. 7 f. ATSG keine rentenbegründende 

Invalidität entstehen könne, solange die medizinische Eingliederung noch nicht 

abgeschlossen sei. Das Versicherungsgericht könnte deshalb zur Auffassung gelangen, 

dass die Rentenzusprache rechtswidrig gewesen sei.

B.f. 

Die Beschwerdeführerin liess am 20. Juni 2023 geltend machen (act. G 20), sie 

wolle ihre Beschwerde nicht zurückziehen. Sie könne nicht nachvollziehen, wann und 

wo sie sich nicht um eine zumutbare Behandlung oder Eingliederung bemüht hätte. 

Eine reformatio in peius könne bei dieser Ausgangslage nicht in Betracht kommen.

B.g. 

Am 27. Juni 2023 teilte das Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin mit 

(act. G 22), dass fraglich sei, ob im Zuge der Wiederanmeldung eine relevante 

Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht worden sei. Müsste das verneint werden, 

wäre die rentenzusprechende Verfügung durch eine Nichteintretensverfügung 

betreffend die Wiederanmeldung vom Oktober 2015 zu ersetzen, was eine reformatio in 

peius darstellen würde.

B.h. 

Die Beschwerdeführerin liess am 14. Juli 2023 an ihrer Beschwerde festhalten 

(act. G 23). Sie liess ausführen, die Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei im 

Schreiben der damaligen Rechtsvertreterin vom 21. Oktober 2015 ausführlich und 

anschaulich dargelegt worden.

B.i. 

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Erwägungen

1.  

Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen 

Verfügung auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des 

vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat sich auf die 

Prüfung eines im Oktober 2015 eingereichten Rentenbegehrens beschränkt. Da es sich 

bei jener Anmeldung aber um eine sogenannte Wiederanmeldung gehandelt hat, hätte 

die Beschwerdegegnerin prüfen müssen, ob es der Beschwerdeführerin gelungen war, 

eine relevante Sachverhaltsveränderung seit der Aufhebung der früheren Rente 

glaubhaft zu machen. Den massgebenden Vergleichszeitpunkt hätte das Datum der 

Eröffnung der Rentenaufhebungsverfügung, also der 12. Dezember 2013, gebildet, 

denn die anschliessenden Rechtsmittelverfahren hatten sich auf eine Überprüfung 

dieser Verfügung unter Berücksichtigung der Sachverhaltsentwicklung bis zum 12. 

Dezember 2013 beschränkt. Gemäss den von der Beschwerdegegnerin eingereichten 

Akten hat eine solche Prüfung nicht stattgefunden; die Beschwerdegegnerin hat direkt 

ein psychiatrisches Administrativgutachten in Auftrag gegeben. Das bedeutet aber 

nicht, dass die Eintretensfrage hinfällig geworden wäre und dass der verfahrensleitende 

Eintretensentscheid der Beschwerdegegnerin hingenommen werden müsste. Vielmehr 

ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob es der Beschwerdeführerin gelungen ist, im 

Rahmen ihrer Wiederanmeldung vom Oktober 2015 eine relevante 

Sachverhaltsveränderung seit dem 12. Dezember 2013 glaubhaft zu machen.

1.1. 

„Glaubhaft“ gemacht im Sinne des Art. 87 Abs. 3 IVV ist eine Tatsache nicht erst 

dann, wenn sie überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen ist. Es reicht bereits, wenn 

wenigstens gewisse Anhaltspunkte für die geltend gemachte Tatsache bestehen, auch 

wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass eine eingehende 

Sachverhaltsabklärung zu einem anderen Beweisergebnis führen könnte (vgl. etwa Ueli 

Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 43 N 58, mit Hinweisen). Andererseits 

reicht es nicht aus, eine bestimmte Tatsache bloss zu behaupten. Die 

Tatsachenbehauptung muss durch Indizien so belegt werden, dass bei der 

Beweiswürdigung ein ausreichender Grund zur Annahme besteht, die Behauptung 

könne durchaus zutreffen. Praxisgemäss wird die Hürde tief angesetzt. In der Regel 

wird ein Hinweis in einem medizinischen Bericht auf eine Veränderung des 

Gesundheitszustandes (z.B. neue Diagnose, neue bildgebende Befunde o.ä.) als 

ausreichend qualifiziert. Mit dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2015 

fürsorgerisch in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden ist, wäre eine 

1.2. 

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relevante Sachverhaltsveränderung im Sinne der obigen Ausführungen grundsätzlich 

glaubhaft gemacht. Die Akten aus der Zeit davor weisen allerdings eine erhebliche 

Aggravation aus, was den Beweiswert der Angaben der Beschwerdeführerin massiv 

herabsetzt. Das bedeutet, dass auch der Bericht eines behandelnden Arztes, der sich 

massgeblich auf die Angaben der Beschwerdeführerin stützt, nur einen sehr tiefen 

Beweiswert haben kann. Hätte die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer 

Neuanmeldung im Oktober 2015 lediglich Berichte von behandelnden Ärzten 

eingereicht, die ihre Beurteilung im Wesentlichen auf die Angaben der 

Beschwerdeführerin gestützt hätten, hätte die Verschlechterung des psychischen 

Gesundheitszustandes folglich als lediglich direkt und indirekt (über die behandelnden 

Ärzte) von der Beschwerdeführerin behauptet, aber nicht als glaubhaft gemacht 

qualifiziert werden müssen. Selbst die fürsorgerische Unterbringung hätte daran nichts 

geändert, wenn auch diese sich wesentlich auf die Angaben der Beschwerdeführerin 

und der behandelnden Ärzte gestützt hätte, da ja der starke Verdacht bestünde, die 

Beschwerdeführerin habe mit ihrer nachgewiesenen Aggravation sowohl die 

behandelnden Ärzte als auch die Behördenmitglieder getäuscht. Nun hat die 

Beschwerdeführerin aber einen ausführlichen Bericht der Klinik E.___ eingereicht, in der 

sie während mehreren Wochen behandelt worden ist. Diesem Bericht lässt sich 

entnehmen, dass die behandelnden Ärzte Kenntnis vom Inhalt des Gutachtens der 

Psychiaterin F.___ gehabt haben. Ihnen ist also bekannt gewesen, dass die 

Beschwerdeführerin wiederholt aggraviert hatte. Sie haben sich denn auch eingehend 

zur Frage der Glaubwürdigkeit des von der Beschwerdeführerin während der 

stationären Behandlung gezeigten Beschwerdebildes geäussert, wobei sie zum 

Schluss gekommen sind, dass die geltend gemachte Verschlechterung des 

psychischen Gesundheitszustandes nicht aggraviert oder simuliert sein könne. Auch 

wenn die Ausführungen im Bericht der Klinik E.___ angesichts der Aktenlage, wie sie 

sich im Oktober 2015 präsentiert hat, nicht in jeder Hinsicht überzeugend gewesen 

sind, weil die behandelnden Ärzte unter anderem das von den Gerichten als 

uneingeschränkt beweiskräftig qualifizierte Gutachten der Psychiaterin F.___ kritisiert 

haben, hat er die geltend gemachte Verschlechterung des psychischen 

Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin doch so untermauert, dass nicht von 

einer blossen Behauptung einer Sachverhaltsveränderung gesprochen werden kann. 

Die praxisgemäss tief anzusetzende Hürde für das Glaubhaftmachen einer 

Sachverhaltsveränderung ist damit gemeistert worden, weshalb die 

Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Neuanmeldung vom Oktober 2015 eingetreten 

ist.

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 13/17

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2.  

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen 

Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität 

ist in Anwendung des Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit 

bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem 

Erwerbseinkommen zu setzen, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre.

2.1. 

Die Beschwerdeführerin hat keine in der Schweiz anerkannte Berufsausbildung 

absolviert, weshalb sie als eine Hilfsarbeiterin zu qualifizieren ist. Das 

Valideneinkommen entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der 

Hilfsarbeiterinnenlöhne.

2.2. 

Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

entscheidend, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht 

noch in welchem Umfang zugemutet werden können. Zur Beantwortung dieser Frage 

hat die Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten bei der ZVMB GmbH 

eingeholt. Die medizinischen Sachverständigen haben die Beschwerdeführerin 

umfassend orthopädisch, psychiatrisch und neuropsychologisch untersucht und sie 

haben die umfangreichen medizinischen Vorakten eingehend gewürdigt. Nichts deutet 

darauf hin, dass sie eine wesentliche Tatsache übersehen oder ignoriert hätten. Sie 

haben sowohl die Angaben der Beschwerdeführerin als auch die von ihnen erhobenen 

objektiven klinischen und bildgebenden Befunde ausführlich und anschaulich 

wiedergegeben, wobei sie – im Unterschied zu den behandelnden Ärzten – sorgfältig 

zwischen den subjektiven Schilderungen und den objektiven Befunden unterschieden 

haben. Zudem haben sie die Angaben und die Symptompräsentation der 

Beschwerdeführerin kritisch im Hinblick auf Diskrepanzen und Inkonsistenzen geprüft. 

Damit haben sie sichergestellt, dass ihre Beurteilung, das heisst die Diagnosestellung 

und das Arbeitsfähigkeitsattest, ausschliesslich auf den objektiven Befunden beruht 

hat. Sie haben sowohl die Diagnosestellung als auch das Arbeitsfähigkeitsattest 

sorgfältig anhand der objektiven klinischen Befunde begründet. In psychiatrischer 

2.3. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 14/17

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Hinsicht (unter Berücksichtigung der Ergebnisse der neuropsychologischen Testung) 

sind sie zu denselben Ergebnissen wie bereits die davor mit einer Begutachtung der 

Beschwerdeführerin beauftragten Sachverständigen F.___ und Dr. G.___ gelangt, was 

die Überzeugungskraft des Gutachtens bestärkt. Die orthopädische Sachverständige 

hat im Rahmen ihres Teilgutachtens darauf hingewiesen, dass sie für eine zuverlässige 

retrospektive Beurteilung des Verlaufs weitere Berichte der behandelnden Ärzte 

benötige. Nachdem die Beschwerdegegnerin ihr diese Berichte zur Verfügung gestellt 

hat, hat sie nochmals eingehend Stellung zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit genommen. 

Das zeigt, dass auch die orthopädische Sachverständige darum bemüht gewesen ist, 

den für ihre medizinische Beurteilung massgebenden Sachverhalt sorgfältig zu erheben 

und zu würdigen. Die orthopädische Beurteilung überzeugt deshalb in jeder Hinsicht. 

Gestützt auf das Gutachten der ZVMB GmbH steht folglich mit dem erforderlichen 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin 

im hier massgebenden Zeitraum ab dem 1. April 2016 (frühestmöglicher 

Anspruchsbeginn bei einer Neuanmeldung im Oktober 2015) für leidensadaptierte 

Tätigkeiten bis zur Lisfranc-Fraktur im Januar 2017 uneingeschränkt arbeitsfähig 

gewesen ist. Nach der Fraktur ist sie für längere Zeit, nämlich bis Ende März 2018, 

vollständig arbeitsunfähig gewesen. Ab April 2018 ist sie wieder teilweise, nämlich 

zunächst zu 50 Prozent und etwa sechs Wochen später zu 75 Prozent, arbeitsfähig 

gewesen. Ende Juni 2018 hat sie sich eine weitere Fraktur zugezogen, weshalb sie 

anschliessend für weitere vier Monate vollständig arbeitsunfähig gewesen ist. Ab Mitte 

Oktober 2018 ist sie wieder zu 50 Prozent arbeitsfähig gewesen. Infolge einer CT-

verifizierten Pseudarthrose ist sie ab Mitte Februar 2019 für weitere sieben Monate 

vollständig arbeitsunfähig gewesen. Ab Mitte September 2019 hat ihr wieder eine 

Erwerbstätigkeit zugemutet werden können. Die Arbeitsfähigkeit hat sich im Verlauf von 

drei Monaten sukzessive auf 80 Prozent verbessert, weshalb die Beschwerdeführerin 

schliesslich ab Januar 2020 zu 80 Prozent arbeitsfähig gewesen ist.

Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens 

entspricht dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne und damit dem 

Valideneinkommen. Der Betrag kann bei der Berechnung des Invaliditätsgrades 

mathematisch gar keine Rolle spielen. Der Invaliditätsgrad ist folglich anhand eines 

sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen, was bedeutet, dass er dem 

Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen dem sogenannten Tabellenlohnabzug 

analogen Abzug, entspricht. Ein solcher Abzug wird gewährt, wenn davon 

ausgegangen werden muss, dass die versicherte Person ihre Arbeitsfähigkeit nicht mit 

demselben ökonomischen Erfolg verwerten kann wie eine gesunde, im selben Pensum 

tätige Person. Ein strikt ökonomisch-betriebswirtschaftlich denkender, also keinen 

2.4. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 15/17

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3.  

Soziallohn ausrichtender Arbeitgeber wird einer versicherten Person nämlich keinen 

durchschnittlichen, sondern nur einen unterdurchschnittlichen Lohn ausbezahlen, um 

seinen aus der Anstellung resultierenden „Arbeitsmehrwert“ – die Differenz zwischen 

dem ökonomischen Wert der Arbeitsleistung und den direkten und indirekten Lohn- 

und Lohnnebenkosten – auf einen durchschnittlichen Betrag zu erhöhen, wenn die 

versicherte Person nur einen unterdurchschnittlichen ökonomischen Mehrwert 

generieren kann respektive wenn die indirekten Lohnkosten und die Lohnnebenkosten 

überdurchschnittlich hoch sind, sodass für den Arbeitgeber nur ein 

unterdurchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Ein strikt betriebswirtschaftlich 

operierender, also ganz bewusst keinen Soziallohn ausrichtender Arbeitgeber wird das 

nicht hinnehmen, sondern diese „Einbusse“ auf die versicherte Person überwälzen, 

indem er ihr nur einen unterdurchschnittlichen Lohn bezahlt, sodass für ihn im Ergebnis 

ein durchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Ein potentieller Arbeitgeber müsste 

bei einer Beschäftigung der Beschwerdeführerin unter anderem in Kauf nehmen, dass 

die Beschwerdeführerin nicht so flexibel wie eine gesunde Arbeitnehmerin eingesetzt 

werden könnte, weil sie nur ideal leidensadaptierte Tätigkeiten ausführen und weil sie 

keine Mehr- oder Überstunden leisten könnte. Nach der ständigen Praxis der Abteilung 

II des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen rechtfertigen diese 

Einschränkungen einen zusätzlichen Abzug von maximal zehn Prozent.

Das sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) hat nach der Lisfranc-Fraktur 

im Januar 2017 zu laufen begonnen und am 31. Dezember 2017 geendet, weshalb die 

Beschwerdeführerin ab Januar 2018 einen Anspruch auf eine Rente gehabt hat. Bei 

einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit hat ein Anspruch auf eine ganze Rente 

bestanden. Die vorübergehende Verbesserung des Gesundheitszustandes ab April 

2018 hat weniger als drei Monate (nämlich nur sechs Wochen plus einen Monat) 

betragen, da sich die Beschwerdeführerin Ende Juni 2018 eine weitere Fraktur 

zugezogen hat. Für diese Zeit kommt eine Rentenabstufung gemäss der 

bundesgerichtlichen Praxis zum Art. 88a Abs. 1 IVV nicht in Frage.

3.1. 

Ab Mitte Oktober 2018 ist die Beschwerdeführerin dann allerdings wieder zu 

50 Prozent arbeitsfähig gewesen. Diese Verbesserung hat mehr als drei, nämlich vier 

Monate angehalten, bis die Beschwerdeführerin wegen einer Pseudarthrose ab Mitte 

Februar 2019 wieder vollständig arbeitsunfähig gewesen ist. Bei einem 

Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent und einem zusätzlichen Abzug von maximal

zehn Prozent ergibt sich für diese Zeit ein massgebender Invaliditätsgrad von 55 

Prozent (= 100% – 90% × 50%), was bedeutet, dass die rückwirkend zuzusprechende 

3.2. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 16/17

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4. Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes praxisgemäss auf 600 

Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich der unterliegenden 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen 

Prozessführung ist sie von der Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen, allerdings 

Rente in Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis zum Art. 88a Abs. 1 IVV mit einer 

dreimonatigen „Verzögerung“ per 1. Februar 2019 auf eine halbe Rente herabzusetzen 

und per 1. Juni 2019 (ebenfalls mit einer dreimonatigen „Verzögerung“) wieder auf eine 

ganze Rente zu erhöhen ist, da die ab Mitte Februar 2019 eingetretene 

Verschlechterung des Gesundheitszustandes mehr als drei Monate angehalten hat.

Mitte September 2019 ist eine relevante Verbesserung des Gesundheitszustandes 

eingetreten; im Verlauf von drei Monaten hat sich die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin anhaltend auf 80 Prozent erhöht. Bei einem 

Arbeitsunfähigkeitsgrad von lediglich noch 20 Prozent hat der Invaliditätsgrad bloss 

noch 28 Prozent betragen (= 100% – 90% × 80%), was bedeutet, dass die 

Beschwerdeführerin keinen Anspruch mehr auf eine Invalidenrente gehabt hat und 

dass die rückwirkend zuzusprechende Rente folglich auf das entsprechende Datum hin 

aufzuheben ist. In Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis zum Art. 88a Abs. 1 IVV 

ist die Rentenaufhebung mit einer dreimonatigen „Verzögerung“ ab dem Ende der 

Phase der sukzessiven Verbesserung, folglich per 31. März 2020 hin vorzunehmen.

3.3. 

Zusammenfassend ist der Beschwerdeführerin also im Sinne der angekündigten 

reformatio in peius eine befristete, rückwirkend abgestufte Rente der 

Invalidenversicherung zuzusprechen, nämlich eine ganze Rente für die Zeit von Januar 

2018 bis und mit Januar 2019, eine halbe Rente für die Zeit von Februar 2019 bis und 

mit Mai 2019 und eine ganze Rente für die Zeit von Juni 2019 bis und mit März 2020. 

Die angefochtene Verfügung, mit der die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin 

für die Zeit von Januar 2018 bis und mit März 2020 durchgehend eine ganze Rente 

zugesprochen hat, ist folglich im Sinne einer reformatio in peius zu korrigieren. Da die 

zuständige Ausgleichskasse im Auftrag der Beschwerdegegnerin die Rentenbeträge 

bereits ermittelt hat, verbietet sich eine Rückweisung zur Festsetzung der 

Rentenbeträge; das Versicherungsgericht hat rechtsgestaltend zu entscheiden. Der 

Rentenbetrag der ganzen Rente hat sich im Jahr 2018 auf 1’786 Franken pro Monat 

und in den Jahren 2019 und 2020 auf 1’801 Franken pro Monat belaufen. Die 

Beschwerdeführerin hat also einen Anspruch auf eine monatliche Rente von 1’786 

Franken für das Jahr 2018, von 1’801 Franken für den Monat Januar 2019, von 901 

Franken für die Monate Februar bis und mit Mai 2019 und von 1’801 Franken für die 

Monate Juni 2019 bis und mit März 2020.

3.4. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 17/17

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vorläufig befreit. Da ihr auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden 

ist, hat der Staat ihrem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurichten, die 80 

Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der 

erforderliche Vertretungsaufwand ist unter Berücksichtigung des zusätzlichen 

Schriftenwechsels mit zwei Androhungen einer reformatio in peius als leicht 

überdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die Entschädigung auf 80 Prozent von 

4’500 Franken, also auf 3’600 Franken, festzusetzen ist. Sollten es ihre wirtschaftlichen 

Verhältnisse dereinst gestatten, wird die Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der 

Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 

ZPO).

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die angefochtene Verfügung vom 5. Juli 2022 wird aufgehoben und der 

Beschwerdeführerin wird eine monatliche Rente von 1’786 Franken für das Jahr 2018, 

von 1’801 Franken für den Monat Januar 2019, von 901 Franken für die Monate 

Februar bis und mit Mai 2019 und von 1’801 Franken für die Monate Juni 2019 bis und 

mit März 2020 zugesprochen.

2.

Die Beschwerdeführerin ist von der Pflicht, die Gerichtskosten von 600 Franken zu 

bezahlen, vorläufig befreit.

3.

Der Staat hat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit 3’600 Franken 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 15.02.2024
	Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Neuanmeldung. Würdigung eines polydisziplinären Administrativgutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Februar 2024, IV 2022/140).

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		2026-01-28T05:31:41+0100
	"9001 St.Gallen"
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