# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2e5f13fa-7b02-5515-a2cb-487535b7f82e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-10-25
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 2. Kammer 25.10.2016 S 2016 21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_002_S-2016-21_2016-10-25.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 16 21

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Moser
Richter Meisser, Racioppi 

Aktuar Paganini

URTEIL

vom 25. Oktober 2016

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch die B._____ Rechtsschutz AG,

Beschwerdeführerin

gegen 

Unia Arbeitslosenkasse,

Beschwerdegegnerin

betreffend Anspruch nach AVIG

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1. A._____ meldete sich erstmals per 1. Juli 2014 zur Arbeitsvermittlung und 

zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung, nachdem ihr das 

Arbeitsverhältnis bei C._____ am 24. März 2014 zum 30. Juni 2014 

gekündigt wurde. Ab dem 13. Juni 2014 war A._____ krankheitsbedingt 

arbeitsunfähig, weshalb sich das Enddatum der Kündigungsfrist auf den 

31. Dezember 2014 hinauszögerte. Ab dem 1. Januar 2015 eröffnete ihr 

die Unia Arbeitslosenkasse eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug 

(vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2016) mit einem versicherten 

Verdienst von Fr. 4'443.--.  

2. Infolge 100%iger Arbeitsunfähigkeit rechnete die Unia Arbeitslosenkasse 

für die Kontrollperiode Januar 2015 die Taggelder unter Anrechnung der 

Krankentaggeldleistungen der D._____ Kranken- und 

Unfallversicherungen AG (nachfolgend: D._____) bis zum 15. Januar 

2015 ab. 

3. Gestützt auf das Gutachten von Dr. med. E._____ vom 10. März 2015 

teilte die D._____ A._____ mit Schreiben vom 14. April 2015 mit, dass sie 

per 16. Januar 2015 als vollumfänglich vermittelbar und arbeitsfähig gelte, 

weshalb ab dem 16. Januar 2015 keine Krankentaggeldleistungen mehr 

ausgerichtet würden. 

4. Nachdem sich A._____ am 27. April 2015 bei der 

Arbeitslosenversicherung erneut angemeldet hatte, eröffnete ihr die Unia 

Arbeitslosenkasse mit Verfügung vom 17. Juli 2015, dass sie ihren 

Anspruch auf Taggelder bei vorübergehender fehlender oder verminderter 

Arbeitsunfähigkeit am 30. Januar 2015 ausgeschöpft habe. 

5. Aufgrund eines formellen Fehlers anerkannte die D._____ ihre 

Leistungspflicht bis am 30. April 2015 und richtete der 

Beschwerdeführerin mit Leistungsabrechnung vom 12. September 2015 

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nachträglich weitere Krankentaggeldleistungen für die Periode vom 16. 

Januar 2015 bis zum 30. April 2015 aus. Gleichzeitig wurde der Unia 

Arbeitslosenkasse die bereits für den Monat Januar 2015 erbrachte 

Arbeitslosenentschädigung wieder zurückerstattet.

6. Mit Schreiben vom 11. August 2015 beanstandete A._____ die 

Abrechnung der Unia Arbeitslosenkasse vom 20. Juli 2015 für den Monat 

Juni 2015, wonach der versicherte Verdienst Fr. 2'222.-- betrage, und 

ersuchte die Unia Arbeitslosenkasse um Ausrichtung der vollen 

Leistungen, basierend auf dem vollen versicherten Verdienst von 

Fr. 4'443.--, seit dem 1. Mai 2015. Sie brachte insbesondere vor, dass, 

nachdem die D._____ seit dem 1. Mai 2015 keine Leistungen mehr 

erbringe, das IV-Verfahren weiterhin pendent und noch kein Vorbescheid 

ergangen sei, die Arbeitslosenkasse im Rahmen ihrer Vorleistungspflicht 

gegenüber der Invalidenversicherung zur Erbringung der vollen 

Leistungen verpflichtet sei. 

7. Am 30. September 2015 verfügte die Unia Arbeitslosenkasse, dass kein 

Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung vom 1. Mai 2015 bis zum 31. 

Mai 2015, sowie ein 50%iger Anspruch vom 1. Juni 2015 bis zum 30. Juni 

2015 bestehe. 

8. Die dagegen erhobene Einsprache vom 2. November 2015 wurde mit 

Einspracheentscheid vom 8. Januar 2016 abgewiesen. Zur Begründung 

wurde im Wesentlichen ausgeführt, gemäss den Arztzeugnissen sei 

A._____ bis zum 31. Mai 2015 60 % und ab dem 1. Juni 2015 50 % 

arbeitsunfähig gewesen, weshalb die verfügten Leistungen gestützt auf 

Art. 28 Abs. 4 AVIG und Art. 73 Abs. 1 KVG korrekt seien.   

9. Dagegen erhob A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 9. 

Februar 2016 Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons 

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Graubünden mit dem Antrag, es seien die Verfügung vom 30. September 

2015 sowie der Einspracheentscheid vom 8. Januar 2016 aufzuheben, 

und es seien ihr für die Monate Mai 2015 und Juni 2015 die vollen 

Leistungen der Arbeitslosenversicherung (basierend auf einem 

versicherten Verdienst von Fr. 4'443.--) zuzusprechen. Sie machte im 

Wesentlichen geltend, die rechtliche Beurteilung der Unia sei nicht 

korrekt. Art. 28 Abs. 4 AVIG sei ab dem 1. Mai 2015 nicht anwendbar, 

weil die Beschwerdeführerin seitdem keine Krankentaggeldleistungen der 

D._____ mehr erhalten habe. Die D._____ lehne eine Leistungspflicht 

gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr. E._____ vom 10. März 

2015, wonach die Beschwerdeführerin ab Mitte Januar 2015 voll 

arbeitsfähig sei, ab. Ein Klageverfahren gegenüber der D._____ sei 

angesichts des psychiatrischen Gutachtens wenig aussichtsreich. Dazu 

kämen erhebliche Kosten. Der Leistungsanspruch gegenüber der 

D._____ sei in rechtsgenüglicher Weise geltend gemacht worden und es 

sei sogar eine Verlängerung der Leistungen bis Ende April 2015 erreicht 

worden. Es sei erstellt, dass ab dem 1. Mai 2015 keine weiteren 

Leistungen der D._____ erbracht würden. Folglich liege keine 

Koordinationsphase zwischen Krankentaggeldversicherer und 

Arbeitslosenversicherung mehr vor, womit Art. 28 Abs. 4 AVIG ab dem 1. 

Mai 2015 nicht mehr zur Anwendung gelange. Art. 28 Abs. 4 AVIG setze 

voraus, dass die Krankentaggeldversicherung auch tatsächlich 

Leistungen erbringe. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin 

genüge nicht, dass die Leistungsdauer der Krankentaggeldversicherung 

nicht erschöpft sei. Daher gebe es eine Vorleistungspflicht der 

Arbeitslosenversicherung gegenüber der Invalidenversicherung. Die 

Beschwerdeführerin habe sich am 4. Dezember 2014 bei der 

Invalidenversicherung angemeldet. Das IV-Verfahren sei noch pendent. 

Sie habe vom 1. Juli 2015 bis zum 31. Dezember 2015 

Eingliederungsmassnahmen absolviert und IV-Taggelder bezogen. Bis 

heute sei kein IV-Vorbescheid ergangen. Die übrigen Voraussetzungen 

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zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung seien erfüllt. Folglich habe die 

Beschwerdeführerin ab dem 1. Mai 2015 die vollen Leistungen – 

ausgehend von 100 % Arbeitsfähigkeit – zu erbringen. Ab dem 1. Juli 

2015 gingen sodann die IV-Taggeldleistungen vor. 

10. Mit Beschwerdeantwort vom 2. März 2016 beantragte die Unia 

Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung 

der Beschwerde. Sie führte im Wesentlichen aus, es stehe fest, dass sich 

die Beschwerdeführerin bei der Invalidenversicherung angemeldet habe 

und von Dr. med. F._____ für den Monat Mai 2015 im Ausmass von 60 % 

und für Juni 2015 im Ausmass von 50 % arbeitsunfähig geschrieben 

worden sei. Die Beschwerdeführerin sei zu Beginn der Rahmenfrist für 

den Leistungsbezug zu 100 % arbeitsunfähig gewesen, weshalb die 

Arbeitslosenkasse für die Kontrollperiode Januar 2015 während 30 Tagen 

Taggelder abgerechnet und die Krankentaggelder der D._____ 

angerechnet habe. Damit sei der Anspruch auf das volle Taggeld 

beendet. Vorliegend könne die Vorleistungspflicht der 

Arbeitslosenversicherung nicht greifen, nur weil die 

Krankentaggeldversicherung aus ihrer Sicht keine Leistungen mehr zu 

erbringen habe. Eine gesetzliche Vorleistungspflicht komme nur dann 

zum Tragen, wenn eine Unsicherheit über die Zuordnung der definitiven 

Leistungspflicht bestehe. Da die Beschwerdeführerin im Mai und Juni 

2015 teilweise arbeitsunfähig gewesen sei, bestehe eine 

(Vor-)Leistungspflicht der Krankenversicherung. 

11. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und 

auf den angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

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1. a) Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der 

Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 8. Januar 2016.

Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische 

Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 

837.0) in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über 

den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) 

kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der 

Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen 

Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 

Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a 

und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische 

Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 

837.02) das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die 

versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht 

erfüllt. Vorliegend erfüllte die Beschwerdeführerin zur Zeit des 

Verfügungserlasses ihre Kontrollpflicht im Kanton Graubünden. Auf die 

beim sachlich (Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m. Art. 56 ATSG) und 

örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte 

Beschwerde ist somit – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung – 

einzutreten.

b) Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Beschwerdeschrift die 

Aufhebung des Einspracheentscheids vom 8. Januar 2016 sowie der 

Verfügung vom 30. September 2015. Gemäss ständiger Rechtsprechung 

des Bundesgerichtes tritt der Einspracheentscheid an die Stelle der 

Verfügung und bildet damit alleiniger Anfechtungsgegenstand des 

Beschwerdeverfahrens. Die Verfügung, soweit angefochten, hat mit dem 

Erlass des Einspracheentscheids demgegenüber jede rechtliche 

Bedeutung verloren (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_592/2012 vom 

23. November 2012 E.3.2 mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund hätte 

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die Beschwerdeführerin korrekterweise lediglich die Aufhebung des 

Einspracheentscheids vom 8. Januar 2016 beantragen müssen, da dieser 

− wie gesehen − an die Stelle des von ihr mitangefochtenen Entscheids 

getreten ist und damit grundsätzlich das einzig mögliche 

Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet. 

Soweit die Beschwerdeführerin also auch die Aufhebung der Verfügung 

vom 30. September 2015 beantragt, ist nach dem soeben Gesagten 

darauf nicht einzutreten.

2. Streitig und zu prüfen ist, in welchem Umfang die Beschwerdegegnerin 

für die Monate Mai und Juni 2015 Arbeitslosenversicherungstaggeld zu 

erbringen hat. Nicht streitig ist hingegen, dass sich die 

Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 2015 in IV-Massnahmen befindet und 

IV-Taggelder bezieht, die der Arbeitslosenentschädigung vorgehen. 

3. Vorliegend hat die zuständige Krankentaggeldversicherung (angeblich 

wegen formeller Fehler) bis Ende April 2015 Taggeldleistungen erbracht 

(vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 10, auch 

beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] I/12), indessen eine weitere 

Leistungspflicht gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med. 

E._____ vom 10. März 2015 abgelehnt, da dieser zum Schluss 

gekommen ist, dass die Beschwerdeführerin ab dem 15. Januar 2015 

100 % arbeitsfähig sei (vgl. Bf-act. 10). Dabei handelt es sich um eine 

dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) 

unterstehende Taggeldversicherung. Die Beschwerdegegnerin ihrerseits 

geht gestützt auf die Angaben von Dr. med. F._____ in der Krankentag-

Kontrolle (Bg-act. I/17) davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Mai 

2015 (60 %) und Juni 2015 (50 %) teilweise arbeitsunfähig gewesen sei. 

Sie stellt sich deshalb gestützt auf Art. 28 Abs. 4 AVIG auf den 

Standpunkt, dass sie für Mai 2015 keine und für Juni 2015 Taggelder im 

Umfang von 50 % zu leisten habe. 

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4. a) Die Parteien streiten darüber, ob Art. 28 Abs. 4 AVIG bzw. Art. 73 Abs. 1 

des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) 

oder Art. 70 Abs. 2 lit. b ATSG Anwendung findet und mithin über die 

Frage, ob eine Koordinationsphase im Verhältnis zwischen 

Arbeitslosenversicherer und Krankentaggeldversicherer vorliegt oder eine 

Vorleistungspflicht des Arbeitslosenversicherers gegenüber der 

Invalidenversicherung besteht. Unbestritten ist, dass eine 

Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung nur gegenüber der 

Invalidenversicherung in Betracht käme. Gestützt auf Art. 70 ATSG kann 

nämlich keine Vorleistungspflicht der dem VVG unterstehenden 

Taggeldversicherung der Beschwerdeführerin zum Zuge kommen (vgl. 

KIESER, ATSG Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 70 Rz. 

23 und 29). 

b/aa) Eine Vorleistungspflicht setzt Zweifel darüber voraus, ob neben dem 

gemäss Art. 70 Abs. 2 ATSG als vorleistungspflichtig erklärten Zweig 

Leistungen gegenüber einem anderen in der jeweiligen Bestimmung 

bezeichneten Zweig beansprucht werden können (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 

70 Rz. 6). Im Falle eingeschränkter Leistungsfähigkeit ist zu 

unterscheiden zwischen vorübergehend fehlender oder verminderter 

Arbeitsfähigkeit im Sinne von Art. 28 AVIG und den behinderten 

Versicherten im Sinne von Art. 15 Abs. 2 AVIG (BGE 136 V 95 E.5.2). Als 

Behinderte sind Versicherte zu betrachten, die während längerer Zeit, d.h. 

mindestens ein Jahr, erheblich in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt 

sind. Nicht erforderlich ist, dass sie im IV-rechtlichen Sinne 

rentenberechtigt sind  (NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung, in: 

Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 3. Aufl. 2016, S. 2351 Rz. 280). 

b/bb) Auf die Voraussetzungen einer dauerhaften 

Arbeitsfähigkeitsverminderung und damit auf den Begriff der 

Neubehinderten im Sinne von Art. 15 Abs. 2 AVIG und Art. 15 Abs. 3 

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AVIV (womit Behinderte bezeichnet werden, bei welchen die Frage der 

IV-Rentenberechtigung bzw. des Leistungsanspruchs bei einer anderen 

Versicherung noch nicht abgeklärt ist) ist hier nicht weiter einzugehen. 

Der IV-Rentenanspruch entsteht nämlich frühestens nach Ablauf von 

sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 

831.20]), zudem ist die einjährige Wartezeit (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) zu 

berücksichtigen. Gemäss Aktenlage ist die Arbeitsunfähigkeit der 

Beschwerdeführerin am 13. Juni 2014 (vgl. Bg-act. I/2) eingetreten. Die 

Beschwerdeführerin hat sich am 4. Dezember 2014 bei der 

Invalidenversicherung angemeldet. Vom 1. Juli 2015 bis zum 31. 

Dezember 2015 absolvierte sie Eingliederungsmassnahmen der 

Invalidenversicherung und bezog IV-Taggelder (vgl. Bg-act. II/2, 3, 4, 16). 

Möglich wäre somit theoretisch nur die Zusprechung einer rückwirkenden 

Rente für den Zeitraum vom 1. bis zum 30. Juni 2015. Eine rückwirkende 

Rente entfällt aber infolge bestandener Eingliederungsfähigkeit (vgl. BGE 

121 V 190 E.3). Eine Vorleistungspflicht der Arbeitslosenkasse gegenüber 

der Invalidenversicherung scheidet somit aus. 

5. a) Sodann ist zu prüfen, ob die Koordinationsregel von Art. 28 Abs. 4 AVIG 

greift. 

Art. 28 Abs. 1 AVIG bestimmt, dass Versicherte, die wegen Krankheit, 

Unfall oder Schwangerschaft vorübergehend nicht oder nur vermindert 

arbeits- und vermittlungsfähig sind und deshalb die Kontrollvorschriften 

nicht erfüllen können, Anspruch auf das volle Taggeld haben, sofern sie 

die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Gemäss Art. 28 Abs. 4 

AVIG haben Arbeitslose, die ihren Anspruch nach Absatz 1 ausgeschöpft 

haben, weiterhin vorübergehend vermindert arbeitsfähig sind und 

Leistungen einer Taggeldversicherung beziehen, sofern sie unter 

Berücksichtigung ihrer verminderten Arbeitsfähigkeit vermittelbar sind und 

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die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf (a) das 

volle Taggeld, wenn sie zu mindestens 75 Prozent arbeitsfähig sind; (b) 

das um 50 Prozent gekürzte Taggeld, wenn sie zu mindestens 50 Prozent 

arbeitsfähig sind.

b) Hier ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin ihren Anspruch auf 

Taggelder der Arbeitslosenversicherung nach Art. 28 Abs. 1 AVIG 

ausgeschöpft hat (vgl. Bg-act. I/11), weshalb die Beschwerdegegnerin 

einen Anspruch im Rahmen von Abs. 4 geprüft und gewährt hat. Art. 28 

Abs. 4 AVIG kommt indessen nur zur Anwendung, wenn die arbeitslose, 

arbeitsunfähige Versicherte Leistungen einer Taggeldversicherung 

bezieht (vgl. KIESER, Die Koordination von Taggeldern der 

Arbeitslosenversicherung mit Taggeldern anderer 

Sozialversicherungszweige, in: ARV 2012, S. 232). Hier steht aber fest, 

dass ab dem 1. Mai 2015 keine weiteren Leistungen der 

Krankentaggeldversicherung erbracht wurden. Sodann ändert daran auch 

die Tatsache nichts, dass – wie die Krankentaggeldversicherung selber 

einräumte (vgl. Bf-act. 10) – die maximale Leistungsdauer gemäss 

Lohnausfallpolice eigentlich nicht erschöpft sei. In einem solchen Fall 

würde sich nun eine Leistungspflicht der Arbeitslosenversicherung 

grundsätzlich nach den sonstigen Bestimmungen des AVIG beurteilen. 

Gemäss Art. 28 Abs. 1 AVIG wäre hier die Entschädigung dann aber 

bereits ausgeschöpft (vgl. KIESER, a.a.O., S. 232 m.H. in Fn. 90). Da aber 

die Beschwerdegegnerin selbst die Koordinationsregel gemäss Art. 28 

Abs. 4 AVIG anwendete, wird nachfolgend gestützt darauf dennoch die 

Erfüllung der übrigen Voraussetzungen geprüft. 

c) Voraussetzung zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung 

ist namentlich die Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f und Art. 15 

AVIG). Die Vermittlungsfähigkeit im Sinne von Art. 15 Abs. 1 AVIG 

beschlägt drei Elemente, wovon die Arbeitsfähigkeit und die 

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Arbeitsberechtigung objektiver Natur sind, die Frage der 

Vermittlungsbereitschaft jedoch subjektiver Natur (NUSSBAUMER, a.a.O., 

S. 2345 Rz. 261). Die Vermittlungsbereitschaft der Beschwerdeführerin ist 

vorliegend ohne weiteres zu bejahen. Davon zu unterscheiden ist der 

anrechenbare Arbeitsausfall, der für die Entschädigungsbemessung 

massgebend ist. Dabei kommt es unter anderem darauf an, in welchem 

zeitlichen Umfang die Versicherte bereit, berechtigt und in der Lage ist, 

eine zumutbare Arbeit aufzunehmen (vgl. BGE 125 V 51 E.6). Gemäss 

ihren selbst gemachten Angaben (vgl. Formular der versicherten Person 

für den Monat Mai bzw. Juni 2015 [Bg-act. II/18 und 38]) war die 

Beschwerdeführerin jeweils bereit, im Umfang des Vormonats Arbeit zu 

suchen. Der von ihr angegebene Grad der Arbeitsunfähigkeit entsprach 

dabei jeweils demjenigen, der ihr in der Krankentag-Kontrolle von Dr. 

med. F._____ attestiert wurde (vgl. Bg-act. II/19). Für den Monat Mai ist 

ihr somit ein Arbeitsausfall von 40 % und für den Monat Juni 2015 einer 

von 50 % eines Vollpensums anzurechnen. Angesichts dessen braucht 

der objektive Arbeitsfähigkeitsgrad anhand einer Wertung der sich 

widersprechenden Gutachten nicht mehr ermittelt zu werden. Ein 

Anspruch auf Leistung von Taggeldern für die verbleibende 

Arbeitsunfähigkeit von 60 % für den Monat Mai bzw. 50 % für den Monat 

Juni 2015 muss die Beschwerdeführerin allenfalls gestützt auf Art. 73 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KRV; SR 

832.10) i.V.m. Art. 100 Abs. 2 VVG gegen ihre 

Krankentaggeldversicherung gerichtlich durchsetzen.   

6. Der von der Beschwerdegegnerin gewährte Entschädigungsanspruch in 

Höhe eines 50%igen Taggeldes für den Monat Juni 2015 und die 

Verneinung eines Taggeldanspruchs für den Monat Mai 2015 sind somit 

nicht zu beanstanden, weshalb sich die Beschwerde als unbegründet 

erweist und abzuweisen ist. 

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7. Gemäss Art. 61 lit. a  ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren in

Sozialversicherungssachen – ausser bei leichtsinniger oder mutwilliger 

Prozessführung – für die Parteien kostenlos. Demnach werden für das 

vorliegende Beschwerdeverfahren keine Kosten erhoben. Der 

obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten zu (Art. 61 lit. g  ATSG e contrario).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Es werden keine Kosten erhoben. 

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]