# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 54cb9e42-f1d3-5944-98e2-616832fc20f9
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.10.2015 IV 2015/322
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2015-322_2015-10-27.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2015/322

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 02.06.2020

Entscheiddatum: 27.10.2015

Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2015
Prozentvergleich. Da kein Tabellenlohnabzug zu gewähren ist, hat die 
Versicherte bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 35 % keinen Anspruch 
auf eine IV-Rente. Abweisung der Beschwerde (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Oktober 2015, IV 
2015/322). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_898/2015.

Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2015

Entscheid vom 27. Oktober 2015

Besetzung

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und 

Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Lea Locher

Geschäftsnr.

IV 2015/322

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng,

Anwaltskanzlei St. Jakob, St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,

gegen

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.       

A.a  A.___ meldete sich am 24. November 2008 wegen Meniskusproblemen und 

Arthrose im rechten Knie bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Leistungsbezug 

an (IV-act. 2). Sie gab u.a. an, dass sie seit dem 28. November 2007 unfallbedingt 

arbeitsunfähig sei. Sie habe in B.___ die 1. bis 5. Klasse besucht und einen 

achtmonatigen Kurs als Näherin absolviert. Vom 1. November 2001 bis 30. April 2006 

habe sie zu 100 % als Raumpflegerin gearbeitet. Seit dem 1. März 2006 sei sie beim 

RAV gemeldet.

A.b  Die Versicherte hatte sich am 28. November 2007 bei der Arbeit als 

Reinigungsmitarbeiterin wegen eines Fehltritts auf der Treppe das rechte Knie verrenkt 

(IV-act. 16-27). Am 18. Februar 2008 war sie wegen eines Hinterhornlappenrisses des 

medialen Meniskus rechts und eines zweitgradigen Knorpelschadens des medialen 

Femuarcondylus und des femoralen Patellagleitlagers rechts von Dr. med. C.___, 

Orthopädische Chirurgie FMH, am rechten Knie operiert worden (IV-act. 16-25). Suva-

Kreisarzt Dr. med. D.___, Facharzt FMH für Chirurgie, hatte die Versicherte am 20. Mai 

2008 untersucht (IV-act. 16-10 ff.). Er hatte erklärt, dass die Versicherte weiterhin an 

persistierenden Schmerzen im rechten Knie leide und ein protrahierter Verlauf vorliege. 

Vom 4. August bis 4. September 2009 hatte die Versicherte einen stationären 

Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon absolviert (Austrittsbericht vom 5. September 

2008, IV-act. 16-13 ff.). Als Diagnosen hatten die Klinikärzte eine schmerzhafte 

Funktionseinschränkung des rechten Knies, eine Anpassungsstörung mit leichter 

depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21), eine maladaptive Schmerzüberzeugung und ein 

Bewältigungsmuster mit Schonverhalten angegeben. Infolge erheblicher 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate der 

physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nur 

teilweise verwertbar gewesen. Das Ausmass der demonstrierten physischen 

Einschränkungen habe sich mit den relativ geringfügigen objektivierbaren 

pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung 

sowie der Diagnose aus somatischer Sicht nur zum Teil erklären lassen. Aus 

psychologisch-psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. 

Es sei sogar zu erwarten, dass eine berufliche Tätigkeit sich positiv auf die nur leicht 

depressive Symptomatik auswirken könnte. Die Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin 

sei der Versicherten aktuell nicht mehr zumutbar, da es sich um eine ganztags gehende 

und stehende Tätigkeit handle. In einer leichten bis mittelschweren Arbeit sei sie jedoch 

zu 100 % arbeitsfähig. Es müsse sich um eine wechselbelastende Tätigkeit ohne länger 

dauerndes Knien oder Hocken handeln. Repetitives Leiter- und Treppensteigen sei auf 

ein Minimum zu reduzieren. Die Versicherte selbst erachte sich derzeit für keinerlei 

Tätigkeit als arbeitsfähig.

A.c  Die E.___ GmbH berichtete der IV-Stelle am 19. Januar 2009 (IV-act. 14), dass sie 

die Versicherte vom 1. November 2001 bis 30. April 2006 als Reinigungsmitarbeiterin in 

einem Pensum von 80-100 % beschäftigt habe. Im Jahr 2005 habe sie einen Lohn von 

Fr. 46'817.20 erzielt. Das Arbeitsverhältnis sei aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst 

worden.

A.d  Dr. F.___ erklärte im Verlaufsbericht vom 16. Februar 2009 (IV-act. 16-1 ff.), dass 

sich die Versicherte nicht zu einer erneuten Knieoperation habe entschliessen können. 

Dr. D.___ kam aufgrund einer kreisärztlichen Untersuchung vom 25. April 2009 zum 

Schluss, dass durch eine operative Sanierung des linken (richtig wohl: rechten) Knies 

eine Linderung erreicht werden könne (Nachtrag zum kreisärztlichen 

Untersuchungsbericht vom 25. Mai 2009, IV-act. 21-12).

A.e  Am 20. Mai 2009 fand ein Gespräch zwischen der Eingliederungsverantwortlichen 

der IV-Stelle und der Versicherten statt (IV-act. 24). Die Eingliederungsverantwortliche 

hielt im Protokoll fest, dass die Versicherte wiederholt ihre Schmerzen beschrieben und 

dargelegt habe, was sie nicht mehr könne. Die Frage, was sie heute noch gut machen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

könne, habe sie nicht beantwortet. Die Versicherte fühle sich zurzeit nicht in der Lage, 

eine Arbeitsstelle zu suchen und sei nicht motivierbar.

A.f   Dr. med. G.___, Oberarzt Privatklinik H.___, berichtete am 17. Mai 2005 (richtig: 

2009), dass sich die Versicherte vom 11. März bis 1. Mai 2009 bei ihm in ambulanter 

Behandlung befunden habe (IV-act. 21-20 f.). Als psychiatrische Diagnose gab er eine 

mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11) an. Am Anfang 

der Therapie habe die Versicherte einen sehr leidenden Eindruck gemacht und über 

Hoffnungs- und Hilflosigkeit, Schlafstörungen, Rückzugstendenz, Lebensmüdigkeit, 

unerträgliche Knieschmerzen rechts mit Ausstrahlung, Kopfschmerzen und Schwäche 

geklagt. Mittels der eingeleiteten medikamentösen Behandlung habe der Antrieb 

gesteigert und die Depression reduziert werden können. Die Versicherte habe das 

Medikament jedoch wegen zu starker Nebenwirkungen abgesetzt. Von einem 

harmonischen Familienleben sei sie weit entfernt; die Ehe sei sehr oberflächlich. Zudem 

habe sie den Verlust der Mutterrolle als sehr belastend erlebt. Dr. I.___, Neurologie 

FMH, Spital J.___, berichtete am 30. Juni 2009 (IV-act. 21-8 f.), dass die Versicherte an 

einem unspezifischen Kopfschmerz-Syndrom (DD: somatoformes Schmerzsyndrom bei 

Depression) leide. RAD-Ärztin Dr. K.___ erklärte in einer Stellungnahme vom 18. August 

2009 (IV-act. 23), dass ein operativer Eingriff am rechten Knie aus orthopädischer Sicht 

indiziert und erfolgsversprechend sei. Bei der Diagnose einer depressiven Episode 

handle es sich um ein prinzipiell heilbares Leiden. Die psychiatrische Therapie sollte 

fortgesetzt werden. Der Gesundheitszustand müsse als instabil angesehen werden. Am 

21. August 2009 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass zurzeit keine 

Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 26).

A.g  Am 30. Oktober 2009 fand die Abschlussuntersuchung durch Dr. D.___ statt (IV-

act. 28-7 ff.). Er erklärte, dass weiterhin die medial betonten Knieschmerzen 

persistierten. Das (rechte) Knie sei stabil und die Beweglichkeit seitengleich gewesen. 

Wesentliche Schonungszeichen hätten sich nicht gefunden. Die Beschwerden seien 

teilweise im Rahmen der diffusen Schmerzsymptomatik mit Kopf- und 

Rückenschmerzen zu sehen. Daher sei eine Operationsindikation mit Zurückhaltung zu 

stellen. Eine Zunahme der gonarthrotischen Veränderungen sei nicht eingetreten, was 

bei einem relevanten intraartikulären Knieschaden anzunehmen wäre. Der Versicherten 

sei eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Arbeit ganztägig zuzumuten. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Tätigkeiten, die Zwangshaltungen wie Knien und Kauern, häufiges Steigen auf Leitern 

und Treppen sowie das Begehen von unebenem Gelände beinhalteten, seien 

ungeeignet. Dr. F.___ berichtete der IV-Stelle am 23. November 2009 (IV-act. 28-1 ff.) 

über einen stationären Gesundheitszustand. Er sei mit der Suva-Beurteilung, wonach 

die Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei, einverstanden. 

Ob die depressive Entwicklung einen zusätzlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

habe, könne er nicht beurteilen. Dr. C.___ nannte in seinem Bericht vom 24. Februar 

2010 (IV-act. 34-1 ff.) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine 

beginnende, symptomatische Varusgonarthrose rechts. Als Diagnosen ohne 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab er rezidivierende Lumbalgien und 

postdistorsionelle Knieschmerzen links nach einem Sturz am 30. Dezember 2009 an. 

Körperlich belastende Tätigkeiten (im Reinigungsdienst) seien der Versicherten wegen 

Schmerzen im rechten Knie nicht mehr zumutbar. In einer knieschonenden Tätigkeit sei 

sie jedoch voll arbeitsfähig. Das Spital J.___ berichtete am 17. August 2010 (IV-act. 43), 

dass die Versicherte an einer beginnenden femoropatellarbetonten Gonarthrose Knie 

rechts und einer beginnenden Gonarthrose Knie links leide. In einer adaptierten 

Tätigkeit bestehe eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit. Der neue Hausarzt, Dr. med. L.___, 

Allgemeine Medizin, berichtete der IV-Stelle am 27. Oktober 2010 (IV-act. 47), dass die 

Versicherte aus körperlichen Gründen und aufgrund einer mittelschweren Depression 

seit dem 1. Oktober 2007 in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Dr. med. 

M.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, informierte die IV-Stelle am 5. 

Dezember 2010 (IV-act. 45), dass er aufgrund der einzelnen Konsultationen und der 

stereotypen Schmerzproblematik keine versicherungsmedizinische Einschätzung 

abgeben könne. Es müsse eine polydisziplinäre Begutachtung erfolgen.

A.h  Vom 27. Juli bis 4. August 2010 war die Versicherte wegen Kopfschmerzen und 

verzerrtem Sehen in der medizinischen Klinik des Spitals J.___ hospitalisiert (IV-act. 

84-3 ff.). Die Klinik gab im Austrittsbericht vom 14. August 2010 an, dass die 

Versicherte an einem analgetikainduzierten Kopfschmerz (DD: somatoform, bei 

Myopie), an einer Ulcus duodeni (ED Juni 2010), an einer depressiven Entwicklung 

(ambulante psychiatrische Behandlung bei Dr. N.___ wurde initiiert, bisher nicht erfolgt) 

und an einer beginnenden femoropatellar-betonten Gonarthrose beidseits 

(Langzeitanalgetika, V.a. Analgetikamissbrauch) leide. Die Klinik empfahl eine weitere 

ambulante psychiatrische Nachbetreuung sowie die Reevaluation einer antidepressiven 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

medikamentösen Therapie. Dr. N.___ hielt im psychiatrischen Konsil fest, dass die 

Versicherte sich von ihren Kniebeschwerden sehr betroffen gezeigt habe, obwohl sie 

beim Weg ins Psychiatriebüro ein zügiges Gangbild gezeigt habe.

A.i    Am 16. und 18. Mai 2011 wurde die Versicherte von der Medas Ostschweiz bidis­

ziplinär (psychiatrisch und orthopädisch) untersucht (Gutachten vom 21. Juli 2011, IV-

act. 56). Die Diagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit lauteten:

·       Beidseitige Knieschmerzen bei klinisch unauffälligem Befund mit freiem 

Bewegungsausmass und radiologisch beginnenden degenerativen Veränderungen 

rechts > links;

·       cervicolumbales Schmerzsyndrom seit 1 Jahr bei radiologisch leichten 

degenerativen Veränderungen;

·       rezidivierende depressive Störung, beginnend chronifizierte Symptomatik in leicht- 

bis mittelgradiger Ausprägung;

·       akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen Anteilen.

Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurden 

angegeben:

·       Gelegentliche Schmerzen an beiden Daumensattelgelenken ohne 

Funktionseinschränkung bei radiologisch beginnender Arthrose;

·       anamnestisch Verdacht auf analgetikainduzierten Kopfschmerz, neurologisch und 

in der Bildgebung wiederholt unauffällig;

·       chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren;

·       Adipositas.

Die Versicherte gab anlässlich der Begutachtung an, dass sie seit dem Unfall am 28. 

November 2007 unter Schmerzen im rechten Knie leide. Seit ca. einem Jahr habe sie 

auch Schmerzen im linken Knie. Weil sie lange Zeit an Krücken gegangen sei, hätten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

sich auch Schmerzen in den Daumengelenken entwickelt. In den letzten ein bis zwei 

Jahren seien Nacken- und LWS-Beschwerden hinzugekommen. Aufgrund der 

Schmerzen sei sie in jeglicher beruflicher Tätigkeit und auch in der Haushalttätigkeit 

eingeschränkt. Sie könne praktisch gar keine Tätigkeit mehr verrichten. Dr. med. O.___, 

Fachärztin für Orthopädische Chirurgie, erklärte, dass sich bei der Untersuchung 

beidseits reizlose Kniegelenke gefunden hätten. Die Versicherte habe einen diffusen 

retropatellaren Druckschmerz beidseits sowie einen Schmerz im Bereich des medialen 

Kompartiments links angegeben. Die Kniegelenksbeweglichkeit sei beidseits frei 

gewesen. Aktuell hätten sich keine Meniskuszeichen gezeigt. Bei symmetrischen 

Umfangsmassen seien keine Schonungszeichen an den unteren Extremitäten 

ersichtlich gewesen. Radiologisch hätten sich an beiden Kniegelenken im medialen 

Abschnitt beginnende degenerative Veränderungen rechts mehr als links feststellen 

lassen. Das MRI der LWS vom 12. März 2010 habe einen altersentsprechenden Befund 

gezeigt. Die aktuelle Untersuchung habe eine Druck- und Berührungsdolenz im Bereich 

der HWS und LWS mit endgradiger Bewegungseinschränkung offenbart. Radiologisch 

hätten sich im unteren HWS- und im unteren LWS-Abschnitt deutlich degenerative 

Veränderungen gezeigt. Wegen der beginnenden Arthrose im Bereich der 

Daumensattelgelenke sollte bei künftigen Tätigkeiten darauf geachtet werden, dass es 

sich um eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit handle. Der klinische Befund habe 

keine wesentliche Einschränkung der Funktionsfähigkeit gezeigt. Radiologisch habe 

beidseits eine beginnende Rhizarthrose vorgelegen. Aus somatischer Sicht sei der 

Versicherten die körperlich belastende Tätigkeit als Reinigungsfrau seit dem 

Unfallereignis am 28. November 2007 nicht mehr zumutbar. In einer leichten, 

wechselbelastenden Tätigkeit ohne Kniezwangspositionen und ohne Hocken, ohne 

Heben schwerer Gegenstände (über 10 kg) und ohne repetitives Leiter- und 

Treppensteigen sei die Versicherte aus somatischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig. Der 

Beginn der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei auf den September 2008 

festzulegen (Austritt aus der Rehaklinik Bellikon). Zwischenzeitlich sei die 

Arbeitsfähigkeit durch einen Fehltritt am 23. Dezember 2009 und der anschliessenden 

Behandlung längerfristig wieder aufgehoben gewesen. Im Juni 2010 seien eine 

Kniepunktion links und eine Infiltration erfolgt. Spätestens ab dem 

Begutachtungszeitpunkt sei die Versicherte aus somatischer Sicht in einer adaptierten 

Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Aufgrund der geringen bis blanden-

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

klinisch objektivierbaren Symptomatik und aufgrund des komplexen Beschwerdebildes 

mit Schmerzausbreitung sollte von operativen Massnahmen eher abgesehen werden. 

Dr. med. P.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, befand, dass die 

Grundstimmung bei der Untersuchung leicht bedrückt und die affektive 

Modulationsfähigkeit leicht eingeschränkt gewesen sei. Der Antrieb sei allenfalls leicht 

vermindert gewesen und psychomotorisch habe die Versicherte zeitweilig leicht 

unruhig gewirkt. Im klinischen Gespräch seien leichte bis allenfalls zeitweilig 

mittelgradige Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der Ausdauer und der 

Konzentrationsfähigkeit feststellbar gewesen. Die Stress- und Frustrationstoleranz sei 

leicht vermindert gewesen. Weiter hätten sich Hinweise auf akzentuierte 

Persönlichkeitszüge mit histrionischen Anteilen, die leichtgradige Einschränkungen der 

sozialen Kompetenzen bewirkten, gefunden. In Bezug auf die 

Psychotherapiemotivation habe eine eher ambivalente Motivation bestanden. 

Betreffend Eingliederungsmassnahmen habe keine Motivation festgestellt werden 

können. Die Versicherte befinde sich seit wenigen Wochen bei Dr. med. Q.___ in 

psychiatrischer Behandlung. Das neue Antidepressivum Cipralex werde langsam 

eindosiert. Bei der jetzigen Tagesdosis könne noch keine stabile antidepressive 

Wirkung erwartet werden. Dr. P.___ gab in seiner Beurteilung an, dass sich zum 

Untersuchungszeitpunkt eine leicht bis mittelgradige depressive Symptomatik mit 

Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Selbstzweifeln, Versagensängsten, 

Antriebsminderung, vermehrter Erschöpfbarkeit und verschiedenen somatischen 

Symptomen gefunden habe. Das Hauptsymptom seien jedoch diffuse und wohl 

beginnend chronifizierte Schmerzen gewesen. Die Schmerzsymptomatik habe bei der 

psychiatrischen Exploration eindeutig im Vordergrund gestanden. Es habe eine 

Schmerzausweitung stattgefunden und es habe ein dysfunktionales 

Krankheitsverhalten beobachtet werden können. Eine chronische psychiatrische 

Begleiterkrankung liege in Form der beginnend chronifizierten, leicht bis mittelgradigen 

depressiven Störung vor. Bei adäquater Behandlung sei eine gewisse 

Besserungstendenz, jedoch keine vollständige Remission, anzunehmen. Gemäss Dr. 

O.___ liege zudem eine schwerwiegende körperliche Erkrankung vor. Allenfalls bestehe 

ein teilweiser sozialer Rückzug. Die psychiatrische Symptomatik sei nicht als 

verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich 

missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung zu interpretieren. Die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Ambivalenz bezüglich der Psychotherapiemotivation stehe nur zum Teil mit einer leicht 

eingeschränkten Krankheitseinsicht in Zusammenhang. Es bestehe ein hoher 

Krankheitsgewinn durch die Schmerzsymptomatik. Die Familienmitglieder akzeptierten 

das Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten der Versicherten. Auch müsse sie 

die frühere Arbeit als Reinigungskraft nicht mehr ausüben. Im Haushalt werde sie 

ebenfalls stark entlastet. Bei diesem sekundären Krankheitsgewinn müsse von einer 

Verdeutlichungstendenz ausgegangen werden. Eine psychiatrisch-

psychotherapeutische Behandlung habe bisher in sehr niedriger Frequenz 

stattgefunden. Die Behandlungsmöglichkeiten seien nicht ausgeschöpft. Die 

Fortführung der neu begonnenen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung 

inklusive einer neuen Eindosierung und Optimierung der antidepressiven Medikation sei 

dringend empfehlenswert. Zusammenfassend lägen die Foerster-Kriterien nur zum Teil 

vor. Der Versicherten sei die Aufwendung der zumutbaren Willensanstrengung möglich, 

um die Schmerzen zu überwinden und schrittweise zumindest teilzeit wieder in den 

Arbeitsprozess einzusteigen. Die Versicherte habe auch über gewisse Ressourcen 

berichtet. So erledige sie noch gewisse Arbeiten im Haushalt, gehe regelmässig mit 

dem Ehemann spazieren, mache auch längere Spaziergänge und pflege regelmässige 

Kontakte mit ihren Kindern und Bekannten. Zusammenfassend könne festgehalten 

werden, dass leichte bis mittelgradige Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der 

Konzentration, der Ausdauer, der Stress- und Frustrationstoleranz und der 

Umstellungs- und Anpassungsfähigkeit ausgewiesen seien. Zu beachten sei auch eine 

ganze Reihe von psychosozialen Belastungsfaktoren, die nicht in die Beurteilung der 

Arbeitsunfähigkeit miteinbezogen werden könnten: Migrationshintergrund, geringe 

Schulbildung, keine Berufsausbildung, sehr geringe Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt, 

erschwerte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt, partnerschaftliche Spannungen, 

langjährige Überforderung als Mutter von vier Kindern und gleichzeitiger Berufstätigkeit 

sowie finanzielle Engpässe. In der angestammten Tätigkeit wie auch in einer 

adaptierten Tätigkeit bestehe seit März 2009, d.h. seit dem Beginn der ambulanten 

Behandlung in der Privatklinik H.___, aus rein psychiatrischer Sicht eine 30-40 %ige 

Arbeitsunfähigkeit. Unter adäquater Behandlung sei von einer gewissen 

Besserungstendenz auszugehen. Bei einer ideal adaptierten Tätigkeit handle es sich 

um eine einfache Tätigkeit, die keine besonders hohen Anforderungen an die Stress- 

und Frustrationstoleranz, die Konzentrationsfähigkeit und die Ausdauer stelle.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.j    Dr. K.___ hielt in einer Stellungnahme vom 8. September 2011 fest (IV-act. 57), 

dass das Medas-Gutachten sorgfältig erstellt, umfassend und in seinen 

Schlussfolgerungen vollumfänglich nachvollziehbar sei. Die tiefe Selbsteinschätzung im 

PACT-Test, die subjektive Krankheitsüberzeugung, der sekundäre Krankheitsgewinn 

durch die familiäre Fürsorge und die psychosozialen Belastungsfaktoren wiesen auf ein 

suboptimales Leistungsverhalten bzw. auf relevante Inkonsistenzen hin.

 

A.k  Mit Vorbescheid vom 22. September 2011 (IV-act. 60) kündigte die IV-Stelle der 

Versicherten bei einem IV-Grad von 33 % die Abweisung des Rentengesuches an. Zur 

Begründung brachte sie vor, dass die Versicherte aus somatischer Sicht in einer 

adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Aus psychiatrischer Sicht sei die 

Arbeitsfähigkeit ab März 2009 durchschnittlich um 35 % reduziert gewesen. Gemäss 

dem Entscheid UV 2010/18 sei dem Einkommensvergleich ein Valideneinkommen von 

Fr. 49'709.-- zugrunde zu legen (Einkommen als Reinigungsfrau im Jahr 2009). Das 

Invalideneinkommen sei auf Fr. 33'389.-- festzusetzen. Dagegen wendete die 

Versicherte am 24. Oktober 2011 ein (IV-act. 62), dass sie als Folge des Unfalles im 

November 2007 täglich unter Schmerzen in beiden Knien, in den Hüften, im Kreuz, im 

Rücken, im Nacken und im Kopf leide. Die Schmerzen, der Verlust der Arbeitsfähigkeit, 

der Einkommensverlust und die Unmöglichkeit, im Haushalt tätig zu sein sowie die 

soziale Abwertung hätten Depressionen ausgelöst.

A.l    Mit Verfügung vom 4. November 2011 (IV-act. 63) wies die IV-Stelle das 

Rentengesuch aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab. Zu den Einwänden 

erklärte sie, dass keine neuen medizinisch objektivierbaren wesentlichen Änderungen 

der Befunde oder Symptome vorgebracht worden seien.

A.m  Dr. L.___ berichtete der IV-Stelle am 14. November 2011 (IV-act. 65; ausgestellt 

am 2. November 2011), dass die Medas-Gutachter die Arbeitsfähigkeit zu hoch 

eingeschätzt hätten. Die Arbeitsunfähigkeit sei durch die mindestens mittelschwere 

Depression und die somatischen Beeinträchtigungen (Wirbelsäule, Knie, 

Kopfschmerzen) hinreichend begründet.

B.    

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.a  Am 30. November 2011 (IV-act. 67) teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sie 

mit dem Rentenentscheid nicht einverstanden sei. Sie bat darum, weitere ärztliche 

Berichte einzuholen. Mit Schreiben vom 6. Dezember 2011 (IV-act. 68) erklärte die IV-

Stelle der Versicherten, dass sie gegen die Rentenverfügung beim 

Versicherungsgericht Beschwerde erheben könne. Am 22. Dezember 2011 (IV-act. 69) 

teilte die Versicherte der IV-Stelle erneut mit, dass sie mit dem Rentenentscheid nicht 

einverstanden sei. Am 28. Dezember 2011 (IV-act. 70) informierte die IV-Stelle die 

Versicherte noch einmal darüber, dass sie die Verfügung anfechten könne.

B.b  Am 17. Januar 2012 reichte die Versicherte weitere medizinische Berichte ein (IV-

act. 71). Dr. med. R.___ von der Klinik S.___ hatte am 28. Dezember 2010 einen 

Verdacht auf ein analgetikainduziertes Kopfweh diagnostiziert (Erstdiagnose vom 

17. Dezember 2010: V.a. Medikamentenübergebrauchskopfschmerz durch NSAR, 

siehe IV-act. 77-7 ff.). Unter „andere Diagnosen“ gab Dr. R.___ u.a. eine schwere 

anhaltende depressive Episode an. Dr. R.___ hatte der Versicherten eine stationäre 

Entzugsbehandlung vorgeschlagen. Am 21. Januar 2011 hatte eine 

Kontrolluntersuchung stattgefunden. Dr. R.___ hatte angegeben, dass die Versicherte 

im Kontakt deutlich offener und aufgehellter gewirkt habe. Sie leide weiterhin täglich 

unter Kopfschmerzen. Eine psychiatrische Betreuung bestehe weiterhin nicht. Der 

Schlaf habe sich unter Seroquel verbessert, die Versicherte klage jedoch über ein 

Gefühl des Herzdrucks nach der Einnahme. Aufgrund einer Kontrolluntersuchung vom 

17. März 2011 hatte Dr. R.___ erklärt, dass die Versicherte weiterhin weder 

psychiatrisch noch medikamentös behandelt werde. Einen stationären Aufenthalt wolle 

sie nicht absolvieren, weil sie andere psychiatrische Patienten nicht ertragen könne. Es 

werde deshalb eine ambulante Versorgung organisiert. Nach der nächsten Kontrolle 

vom 9. September 2011 hatte Dr. R.___ berichtet, dass die Versicherte nach 

abgeschlossener Behandlung bei Dr. Q.___ nun mit Cipralex (10 mg/d) eingestellt sei. 

Die Stimmung und der Antrieb hätten sich unter der Medikation um 40 % verbessert. 

Die Versicherte sei insgesamt deutlich aktiver und sehe mehr Perspektiven. Sie 

konsumiere weiterhin täglich drei Dafalgan und habe weiterhin täglich Kopfschmerzen. 

Ein Entzug stehe im Vordergrund. Da die Versicherte psychisch noch etwas stabilisiert 

werden sollte, werde das Cipralex auf 20 mg/d erhöht. Dr. med. T.___ von der Klinik 

S.___ hatte am 25. November 2011 berichtet, dass die Affektivität etwas gebessert sei. 

Unter 30 mg Cipralex/d habe die Versicherte jedoch bereits ein Engegefühl mit z.T. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Luftnot entwickelt, weshalb eine Reduktion auf 20 mg/d vereinbart worden sei. Die 

Kopfwehsituation habe sich leicht gebessert, die Versicherte nehme aber weiterhin 

täglich Dafalgan ein. Da der Antrieb gebessert sei, die Schmerzen die Versicherte aber 

an regelmässigen Bewegungen und Aktivität hemmten, falle sie oft in ein 

Stimmungstief zurück. Dr. T.___ hatte die Wiederaufnahme einer psychiatrisch-

psychologischen Betreuung empfohlen. Dr. med. U.___, Leitender Arzt Chirurgische 

Klinik Orthopädie des Spital J.___, hatte am 13. Januar 2012 berichtet, dass die 

Versicherte an einer beginnenden femoropatellar-betonten Gonarthrose bds., einem 

lumbovertebralen Schmerzsyndrom und an einer schweren depressiven Verstimmung 

leide. Aus orthopädischer Sicht sei momentan kein weiteres operatives Vorgehen 

indiziert. Er denke, dass die Versicherte wegen den diversen Beschwerden nicht mehr 

zu 100 % arbeitsfähig sei. Aufgrund der Komplexität des Falles sei für eine objektive 

und umfassende Beurteilung eine Begutachtung nötig.

B.c  Am 18. Januar 2012 (IV-act. 72) informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, 

dass sie das Schreiben vom 30. November 2011 als Neuanmeldung behandle. Sie 

forderte die Versicherte auf, Unterlagen einzureichen, die eine relevante Veränderung 

der Verhältnisse belegten.

B.d  Am 1. Februar 2012 ging bei der IV-Stelle ein Bericht vom 9. Dezember 2011 von 

Dr. med. V.___, Pneumologie FMH, Allergologie und Immunologie FMH und Innere 

Medizin FMH, ein (IV-act. 75-2 f.). Als Diagnosen hatte er eine bronchiale 

Hyperreaktivität und eine chronische Rhinitis diagnostiziert. Die Versicherte habe 

angegeben, dass sie seit dem Herbst/Winter vor allem nachts an anhaltenden 

Atemnotbeschwerden leide. Die Beschwerden seien erstmals nach Beginn der 

Behandlung mit Remeron vor ca. einem Jahr aufgetreten. Auch beim Putzen der 

Wohnung mit Staubaufwirbelung leide sie vermehrt unter Atemnot.

B.e  Am 3. Februar 2012 liess die inzwischen anwaltlich vertretene Versicherte (nach­

folgend: Beschwerdeführerin) beim Gericht eine Beschwerde(-ergänzung) einreichen 

(act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die 

Zusprache einer ganzen IV-Rente ab spätestens November 2008. Zur Begründung 

führte er an, dass die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) das Schreiben vom 

30. November 2011 als Beschwerde dem Versicherungsgericht hätte weiterleiten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

müssen. Die Beschwerde sei deshalb rechtzeitig erfolgt. Die Beschwerdeführerin könne 

auch keine leidensangepasste Tätigkeit ausüben, weshalb sie Anspruch auf eine ganze 

IV-Rente habe. Der Rechtsvertreter bat um eine Frist zur nochmaligen 

Beschwerdeergänzung. Der Beschwerdeergänzung lag u.a. ein Untersuchungsbericht 

der Rheumatologie des Spitals J.___ vom 6. Januar 2012 bei (IV-act. 90-29 ff.). Der 

Leitende Arzt hatte darin festgehalten, dass eine entzündlich-rheumatische 

Systemerkrankung ausgeschlossen werden könne. Die Beschwerdeführerin sei an 

einem chronischen Schmerzsyndrom erkrankt, welches sich inzwischen von 

anatomisch definierten Strukturen bzw. von den zweifellos bestehenden einzelnen 

degenerativen Veränderungen der Gelenke „losgelöst“ habe. Gleichzeitig bestehe, 

ohne über Kausalitäten zu spekulieren, aus seiner Sicht momentan eine schwere 

Depression.

B.f   Innert Frist reichte der Rechtsvertreter am 28. Februar 2012 die zweite 

Beschwerdeergänzung ein (act. G 7). In Abänderung resp. Ergänzung der gestellten 

Rechtsbegehren beantragte er die Zusprache einer ganzen IV-Rente spätestens ab 

Juni 2009; eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung machte er geltend, dass das 

Valideneinkommen, angepasst an den Nominallohn bis 2011, Fr. 50'890.30 betrage. In 

somatischer Hinsicht bestehe gemäss dem UV-Urteil des Versicherungsgerichts vom 

11. Januar 2011 ein IV-Grad von 11 %. Zudem leide die Beschwerdeführerin an 

psychischen Störungen. Der psychiatrische Gutachter habe die Arbeitsfähigkeit auf 

30-40 % geschätzt. Da der genaue Arbeitsunfähigkeitsgrad unklar sei, müsse ein 

Obergutachten in Auftrag gegeben werden. Dem psychiatrischen Gutachter hätten 

ausserdem die Berichte der Klinik S.___, die eine schwere anhaltende depressive 

Episode diagnostiziert habe, nicht vorgelegen. Das Medas-Gutachten sei also auch 

nicht vollständig. Für die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei es sehr entscheidend, ob eine 

leichte bis mittelgradige oder eine schwere anhaltende depressive Episode vorliege. 

Weiter hätten die Medas-Gutachter die nächtlichen Atembeschwerden 

unberücksichtigt gelassen. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Medas könne 

deshalb nicht abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin sei in jeglicher Tätigkeit zu 

100 % arbeitsunfähig.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.g  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 29. März 2012 (act. G 9) die Abweisung 

der Beschwerde. Der Argumentation des Rechtsvertreters hielt sie entgegen, dass die 

Kopfschmerzen nicht objektivierbar seien. Weiter sei die Diagnose einer schweren 

depressiven Episode nicht von einem Psychiater gestellt worden. Auch enthalte der 

Bericht der Klinik S.___ keine Arbeitsfähigkeitseinschätzung. Sodann habe die 

Beschwerdeführerin bei der Begutachtung keine Atem- oder Lungenbeschwerden 

geltend gemacht, was gegen das Vorliegen von invalidisierenden pulmonalen 

Beschwerden spreche. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Gutachters 

stehe nicht im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts. Praxisgemäss 

seien leicht- bis mittelgradige depressive Episoden in der Regel nicht invalidisierend, 

weil kein von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbarer 

verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden vorliege. Bei der 

depressiven Episode handle es sich lediglich um eine reaktive Begleiterscheinung zur 

Schmerzstörung. Auch lägen keine anderen Faktoren, welche die zumutbare 

Willensanstrengung für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit behindern könnten, in der 

notwendigen Intensität vor. Rechtsprechungsgemäss sei deshalb aus psychiatrischer 

Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Beschwerdeführerin habe im 

Jahr 2005 ein Einkommen von Fr. 46'817.-- erzielt. Das durchschnittliche Einkommen 

einer Hilfsarbeiterin habe im Jahr 2005 Fr. 49'120.-- betragen. Da das durchschnittliche 

Einkommen einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2005 somit höher gewesen sei als das 

tatsächlich erzielte Einkommen, seien die Fr. 49'120.-- im Sinne der Rechtsprechung 

bis zu einer positiven Differenz von 5 % zum Valideneinkommen zu kürzen. Da die 

Beschwerdeführerin nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausüben könne, sei ein 

Leidensabzug von 10 % angemessen. Das Invalideneinkommen betrage folglich Fr. 

44'242.-- und der IV-Grad 5 %.

B.h  In seiner Replik vom 30. April 2012 (act. G 13) bemängelte der Rechtsvertreter, 

dass kein Allgemeinmediziner in die Begutachtung einbezogen worden sei.

B.i    Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik.

B.j    Am 18. Juni 2012 (act. G 16) reichte der Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. 

L.___ vom 2. Juni 2012 (act. G 16.1) ein. Dr. L.___ hatte erklärt, dass der 

Gesundheitszustand durch die chronischen Schmerzen und die mittelschwere 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Depression mit Erschöpfung wechselhaft sei. Am 5. November 2013 (act. G 18) reichte 

der Rechtsvertreter Berichte des Spitals J.___ vom 10. April 2013 und 15. Oktober 

2013 (act. G 18.1 und 18.2) sowie ein ärztliches Zeugnis von Dr. L.___ vom 25. Oktober 

2013 ein (act. G 18.3).

B.k  Am 15. Mai 2014 (act. G 20) forderte das Gericht die Parteien auf, Stellung zur 

Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung zu nehmen. Der Rechtsvertreter hielt in seiner 

Stellungnahme vom 23. Mai 2015 fest, dass auf die Beschwerde eingetreten werden 

müsse (act. G 21)

B.l    Am 4. Juni 2014 (act. G 22) reichte der Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. phil. 

W.___, Fachpsychologin FSP, vom 24. April 2014, ein (act. G 22.1).

B.m  Mit Entscheid vom 26. Februar 2015 trat das Versicherungsgericht mit der 

Begründung, die Beschwerdeführerin habe nicht rechtzeitig Beschwerde erhoben, 

nicht auf die Beschwerde ein (Entscheid IV 2012/58). Gegen diesen Entscheid erhob 

der Rechtsvertreter am 27. März 2015 Beschwerde beim Bundesgericht.

B.n  Mit Urteil vom 21. September 2015 (9C_211/2015) hiess das Bundesgericht die 

Beschwerde gut, hob den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 26. Februar 2015 

auf und wies die Sache zur materiellen Behandlung an das Versicherungsgericht 

zurück.

Erwägungen

1.        

1.1      Das Bundesgericht hat den Nichteintretensentscheid des Versicherungsgerichts 

vom 26. Februar 2015 mit Urteil vom 21. September 2015 aufgehoben und die Sache 

zur materiellen Behandlung an das Versicherungsgericht zurückgewiesen. 

Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist somit die Verfügung vom 4. 

November 2011, mit welcher die Beschwerdegegnerin das Rentengesuch der 

Beschwerdeführerin abgelehnt hat. Strittig ist demnach, ob die Beschwerdeführerin 

einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.2      Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist 

gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

1.3      Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad 

grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu 

erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst 

genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach 

Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120). 

Wird eine Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer 

ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch 

eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE 

114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).

2.        

2.1      Zunächst ist zu prüfen, ob bzw. in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin in 

ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. In somatischer Hinsicht hat die 

Beschwerdeführerin insbesondere geltend gemacht, an Knieschmerzen, an Schmerzen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

in den Daumengelenken, im Nacken, in der Lendenwirbelsäule und an Kopfschmerzen 

zu leiden. Die somatische Medas-Gutachterin Dr. O.___ (orthopädische Chirurgin) hat 

erklärt, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Reinigungsfrau seit 

dem Unfallereignis vom 28. November 2007 nicht mehr zumutbar sei. Diese 

Einschätzung ist unbestritten und aufgrund der nachgewiesenen beginnenden 

degenerativen Veränderungen in beiden Kniegelenken, den degenerativen 

Veränderungen in der HWS und LWS und der beginnenden Arthrose im Bereich der 

Daumensattelgelenke einleuchtend. Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit 

hat Dr. O.___ in somatischer Hinsicht auf 100 % geschätzt. Dabei müsse es sich um 

eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Kniezwangspositionen, ohne Hocken 

und ohne repetitives Leiter- und Treppensteigen handeln. Diese Einschätzung stimmt 

mit jenen der Rehaklinik Bellikon vom 5. September 2008 (IV-act. 16-13 ff.), des Suva-

Kreisarztes vom 30. Oktober 2009 (IV-act. 28-7 ff.) und des damaligen Hausarztes Dr. 

F.___ vom 23. November 2009 (IV-act. 28-1 ff.) grundsätzlich überein. Eine Abweichung 

ergibt sich lediglich bei der Umschreibung einer adaptierten Tätigkeit. Die Rehaklinik 

Bellikon und der Suva-Kreisarzt sind nämlich davon ausgegangen, dass die 

Beschwerdeführerin auch in einer mittelschweren Tätigkeit noch zu 100 % arbeitsfähig 

ist. Dies ist dadurch erklärbar, dass zum Zeitpunkt der Arbeitsfähigkeitsschätzungen 

der Rehaklinik und des Suva-Kreisarztes noch keine HWS-, LWS- und 

Daumensattelgelenksbeschwerden bekannt gewesen sind. Dr. L.___, der auf Dr. F.___ 

folgende Hausarzt, hat sich mit der Einschätzung von Dr. O.___ nicht einverstanden 

gezeigt und erklärt, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer physischen und 

psychischen Beeinträchtigungen in allen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig sei. Diese 

Einschätzung überzeugt jedoch nicht. Denn aus den Berichten von Dr. L.___ geht 

hervor, dass seine Arbeitsfähigkeitsschätzung hauptsächlich auf den Angaben der 

Beschwerdeführerin und den von ihr präsentierten körperlichen Einschränkungen 

basiert. So hat er in seinem Bericht vom 27. Oktober 2010 (IV-act. 47) beispielsweise 

angegeben, dass der Zehengang kaum möglich sei und die Beschwerdeführerin nur 

noch wie eine 90-Jährige aufstehen könne. Inwieweit die geltend gemachten 

Beschwerden auch somatisch nachvollziehbar sind, hat Dr. L.___ nicht erläutert. Dies 

wäre gerade im vorliegenden Fall, in dem bereits die Rehaklinik Bellikon im August/

September 2009 eine erhebliche Symptomausweitung, Selbstlimitierung und 

Inkonsistenz bei den physischen Leistungstests festgestellt hatte, unabdingbar 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gewesen. Aus orthopädischer Sicht ist die Beschwerdeführerin somit ab dem Austritt 

aus der Rehaklinik Bellikon im September 2008 in einer adaptierten Tätigkeit mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Zu prüfen bleibt, ob 

die Beschwerdeführerin wegen des Fehltritts im Dezember 2009 − wie von Dr. O.___ 

angegeben − längerfristig arbeitsunfähig gewesen ist. Dr. C.___ hat aufgrund einer 

Untersuchung am 22. Februar 2010 erklärt, dass die durch den Sturz ausgelösten 

Knieschmerzen links keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten (IV-act. 34). Die 

Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) hat am 28. Mai 

2010 reizlose Kniegelenke beidseits ohne Gelenkserguss festgestellt (IV-act. 47-5 f.). 

Es ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin wegen des Fehltritts im 

Dezember 2009 in einer adaptierten Tätigkeit nur kurzfristig arbeitsunfähig gewesen ist. 

Daran ändert nichts, dass Dr. U.___ am 25. Juni 2010 wegen eines leichten Ergusses 

eine Kniegelenkspunktion links vorgenommen hat (IV-act. 47-15). Zum einen muss 

davon ausgegangen werden, dass der Gelenkserguss erst nach der Untersuchung 

durch Dr. C.___ und das KSSG entstanden ist, da diese keinen Erguss haben 

feststellen können. Zum anderen hat Dr. U.___ auch nicht angegeben, dass die 

Beschwerdeführerin durch diesen Gelenkserguss in der Ausübung einer 

knieschonenden Tätigkeit längerdauernd eingeschränkt gewesen wäre.

2.2      Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat bemängelt, dass die 

Beschwerdeführerin nicht zusätzlich von einem Allgemeinmediziner begutachtet 

worden ist. Die Begutachtung hat im Mai 2011 stattgefunden. Das Bundesgericht hat 

mit dem Entscheid BGE 137 V 210 seine Rechtsprechung zum Verfahren bei 

Administrativgutachten geändert. Dieses Urteil ist jedoch erst nach der Medas-

Begutachtung, nämlich am 28. Juni 2011, ergangen. Das Bundesgericht hat in der 

Entscheidbegründung festgehalten, dass nach altem Verfahrensstandard eingeholte 

Gutachten ihren Beweiswert nicht per se verlören. Vielmehr sei im Rahmen einer 

gesamten Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den 

erhobenen Rügen entscheidend, ob das Abstellen auf die vorhandenen 

Beweisgrundlagen im angefochtenen Entscheid vor Bundesrecht standhalte (Erw. 6). 

Die Beschwerdeführerin hat vor und anlässlich der Begutachtung in somatischer 

Hinsicht hauptsächlich Knieschmerzen, Daumengelenksschmerzen, Nacken- und LWS-

Beschwerden sowie Kopfschmerzen beklagt. Aufgrund des Beschwerdebildes ist es 

vertretbar gewesen, die Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht nur durch eine 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

orthopädische Fachperson und nicht zusätzlich noch durch einen Allgemeinmediziner 

begutachten zu lassen.

2.3      Der Rechtsvertreter hat weiter moniert, dass Dr. O.___ die Berichte der Klinik 

S.___ aus dem Jahr 2011 nicht vorgelegen hätten. Dr. O.___ hat − wie die Klinik S.___ − 

als Diagnose (anamnestisch) den Verdacht auf einen analgetikainduzierten 

Kopfschmerz, neurologisch und in der Bildgebung wiederholt unauffällig, angegeben. 

Dem Kopfschmerz hat sie keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

beigemessen. Dr. O.___ hat bei der Begutachtung der Bericht des Neurologen Dr. I.___ 

vom Spital J.___ vom 30. Juni 2009 (IV-act. 21- 8 f.) vorgelegen. Dieser hatte ein 

unspezifisches Kopfschmerzsyndrom (DD: somatoformes Schmerzsyndrom bei 

Depression) diagnostiziert. Laut dem Bericht waren der neurologische Befund 

regelrecht und das Schädel-CT unauffällig gewesen. Zudem hat Dr. O.___ Kenntnis des 

Austrittsberichts des Spitals J.___ vom 14. August 2010 gehabt, laut dem die 

Beschwerdeführerin an einem analgetikainduzierten Kopfschmerz (DD: Somatoform) 

leide (IV-act. 84-3 ff.). Auch die Klinik S.___ hat als Diagnose einen Verdacht auf ein 

analgetikainduziertes Kopfweh angegeben. Die Berichte der Klinik S.___ haben also 

keine weiterführenden Erkenntnisse als die bisherigen Berichte enthalten. Dass Dr. 

O.___ bei der Begutachtung die Berichte der Klinik S.___ nicht vorgelegen haben, 

schmälert daher den Beweiswert des Gutachtens nicht.

2.4      Der Rechtsvertreter hat ausserdem argumentiert, dass die nächtlichen 

Atemnotbeschwerden im Gutachten nicht berücksichtigt worden seien. Die 

Beschwerdeführerin hat gegenüber Dr. V.___ am 9. Dezember 2011 (IV-act. 75-2 f.) 

angegeben, dass sie seit dem Herbst/Winter vor allem nachts an anhaltenden 

Atemnotbeschwerden leide. Diese Beschwerden seien erstmals vor ca. einem Jahr 

aufgetreten. Auch beim Putzen der Wohnung mit Staubaufwirbelung leide sie vermehrt 

an Atemnot. Dr. V.___ hat eine chronische Nasenschleimhautentzündung und eine 

bronchiale Hyperaktivität (Überempfindlichkeit der Bronchien gegenüber einem Reiz) 

diagnostiziert. Die Beschwerdeführerin hat die Atemnotbeschwerden anlässlich der 

Begutachtung im Mai 2011 unerwähnt gelassen. Es ist deshalb davon auszugehen, 

dass diese sie im Alltag zumindest bis zum Begutachtungszeitpunkt nicht wesentlich 

belastet haben. Fraglich ist, ob sich die Atemnotbeschwerden im Herbst/Winter 2011 

derart verstärkt haben, dass sie ab diesem Zeitpunkt einen Einfluss auf die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Arbeitsfähigkeit gehabt haben könnten. Die Beschwerdeführerin ist von ihrem Hausarzt 

Dr. L.___ an Dr. V.___ überwiesen worden. Dr. L.___ hat somit von den 

Atemnotbeschwerden Kenntnis gehabt. In seinem Bericht vom 2. November 2011 − 

d.h. zwei Tage vor Verfügungserlass − hat er noch einmal auf die seines Erachtens 

invalidisierenden Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin hingewiesen 

(IV-act. 65). Atemnotbeschwerden hat er dabei nicht erwähnt. Es ist daher mit dem 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die 

Atemnotbeschwerden zumindest im Zeitpunkt des Verfügungserlasses keine 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gehabt haben.

2.5      Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus 

somatischer Sicht in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsfrau seit dem 

Unfallereignis im November 2007 vollständig arbeitsunfähig ist. In einer körperlich 

adaptierten Tätigkeit ist sie spätestens seit Oktober 2008 (mit vorübergehendem 

Einbruch nach Fehltritt im Dezember 2009) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 

100 % arbeitsfähig.

2.6      Bleibt noch zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen in 

ihrer Arbeitsfähigkeit relevant eingeschränkt ist. Der psychiatrische Medas-

Sachverständige Dr. P.___ hat unter anderem eine chronische Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert, dieser jedoch keinen Einfluss 

auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen, da die nach der alten, bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung zu prüfenden Foerster-Kriterien nur zum Teil vorlägen. Mit BGE 141 V 

281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zur Frage, ob eine diagnostizierte 

anhaltende somatoforme Schmerzstörung oder ein vergleichbares psychosomatisches 

Leiden zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit führt, geändert. Die bisherige 

Vermutung, dass der versicherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit 

welcher die Folgen einer somatoformen Schmerzstörung überwunden werden könnten, 

wurde mit diesem Entscheid aufgegeben (vgl. Erw 3.3.1 und Erw. 3.6). Neu hat eine 

ergebnisoffene symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges von Indikatoren des 

tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens zu erfolgen (Erw. 3.6). Die Handhabung 

des Katalogs muss stets den Umständen des Einzelfalls gerecht werden; es handelt 

sich nicht um eine "abhakbare Checkliste" (Erw. 4.4.1). Die im Regelfall beachtlichen 

Standardindikatoren sind (Erw. 4.1-4.4):

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.    Funktioneller Schweregrad:

-     Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome;

-     Behandlungserfolg oder -resistenz;

-     Komorbiditäten;

-     "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und-struktur, grundlegende 

psychische Funktionen);

-     sozialer Kontext.

2.    Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):

-     Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren 

Lebensbereichen (sozialer Rückzug, Ressourcen);

-     Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen;

-     Verhalten im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung.

Der rechtliche Anforderungskatalog beschränkt sich auf einen Grundbestand von 

normativ massgeblichen Gesichtspunkten. Innerhalb dieses Rahmens muss die 

Begutachtungspraxis durch konkretisierende Leitlinien der medizinischen 

Fachgesellschaften angeleitet werden (Erw. 5.1.2). Nach dem alten Verfahrensstandard 

eingeholte Gutachten verlieren aber nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im 

Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen 

Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes 

Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In jedem 

einzelnen Fall ist zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder 

gerichtlichen Sachverständigengutachten ‒ gegebenenfalls im Kontext mit weiteren 

fachärztlichen Berichten ‒ eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen 

Indikatoren erlauben oder nicht (Erw. 8). Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob das 

Gutachten von Dr. P.___ mit Bezug auf die Diagnose einer chronischen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nach der 

Rechtsprechungsänderung eine schlüssige Beurteilung im Lichte der aufgezählten 

Indikatoren erlaubt oder nicht. Die Beschwerdeführerin selbst hat angegeben, in allen 

Alltagsfunktionen praktisch gänzlich eingeschränkt zu sein. Gegenüber dem 

psychiatrischen Gutachter hat sie angegeben, lediglich noch mit der Familie spazieren 

und einkaufen zu gehen; manchmal könne sie nicht einmal selber den Kaffee 

zubereiten (siehe IV-act. 56-30 f.). Inwieweit die Beschwerdeführerin aufgrund der 

geltend gemachten, nicht objektivierbaren Schmerzen bei der Ausübung der 

Alltagsfunktionen jedoch tatsächlich eingeschränkt ist, ist aufgrund der erheblichen 

Symtomausweitung bzw. des dysfunktionalen Verhaltens nicht erhebbar. Auffallend ist, 

dass Dr. O.___ an den unteren Extremitäten bei symmetrischen Umfangmassen keine 

Schonungszeichen hat feststellen können. Und laut dem Bericht von Dr. V.___ vom 9. 

Dezember 2011 erledigt die Beschwerdeführerin zumindest noch teilweise Putzarbeiten 

in der Wohnung. Weiter hat sich die Beschwerdeführerin bisher keiner adäquaten 

psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung unterzogen: Vom 11. März bis 

1. Mai 2009 ist sie bei Dr. G.___ in Behandlung gewesen. Ihre erste Sitzung bei Dr. 

M.___ hat sie erst fast ein Jahr später, am 1. März 2010, gehabt. Dr. M.___ hat am 5. 

Dezember 2010 berichtet, dass bei ihm nur einzelne Konsultationen stattgefunden 

hätten. Ab ca. Mai 2011 hat sich die Beschwerdeführerin bei Dr. Q.___ in 

therapeutischer Behandlung befunden, wobei die Therapie offenbar bereits im 

September 2011 wieder beendet worden war. Bis zum Begutachtungstermin hat die 

Beschwerdeführerin zudem nur jeweils über kurze Zeiträume hinweg eine 

antidepressive Medikation eingenommen. Gemäss Dr. P.___ steht die ambivalente 

Motivation für eine Psychotherapie nur zum Teil mit einer leicht eingeschränkten 

Krankheitseinsicht in Zusammenhang; durch die Schmerzsymptomatik bestehe ein 

hoher sekundärer Krankheitsgewinn. Die Schlussfolgerung von Dr. P.___, dass die 

Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft seien und bei adäquater 

Behandlung mit einer gewissen Besserung gerechnet werden könne, ist vor diesem 

Hintergrund einleuchtend. Als physische Komorbiditäten sind die beginnenden 

degenerativen Veränderungen in beiden Knien und die degenerativen Veränderungen in 

der HWS- und LWS-Gegend zu nennen, wobei diese Befunde nicht als erheblich 

qualifiziert werden können. In psychischer Hinsicht ist eine rezidivierende depressive 

Störung, beginnend chronifizierte Symptomatik in leicht- bis mittelgradiger Ausprägung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 23/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zu berücksichtigen. Im Rahmen der Persönlichkeitsdiagnostik sind ausserdem die von 

Dr. P.___ festgestellten akzentuierten Persönlichkeitszüge mit histrionischen Anteilen 

zu beachten. Im sozialen Kontext hat Dr. P.___ darauf hingewiesen, dass eine ganze 

Reihe von psychosozialen Belastungsfaktoren vorliege. Zudem verfüge die 

Beschwerdeführerin auch über gewisse Ressourcen. So erledige sie noch gewisse 

Haushaltsarbeiten, gehe regelmässig spazieren und pflege Kontakte mit ihren Kindern 

und Bekannten. Es könne deshalb nur von einem allenfalls teilweisen sozialen Rückzug 

gesprochen werden. Wie bereits erwähnt, hat die Beschwerdeführerin bisher keine 

adäquate psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen, obwohl diverse 

untersuchende Ärzte auf deren dringende Notwendigkeit hingewiesen haben. Auch 

eine Motivation zur beruflichen Wiedereingliederung ist während des gesamten 

Verwaltungsverfahrens nie erkennbar gewesen. Die fehlende Motivation ist gemäss Dr. 

P.___ auch auf den sekundären Krankheitsgewinn zurückzuführen. Zusammengefasst 

ist festzuhalten, dass der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren angesichts der erheblichen 

Symptomausweitung bzw. des dysfunktionalen Verhaltens, der bisher ungenügenden 

psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, der Besserungsmöglichkeit durch 

eine adäquate Psychotherapie, der vorhandenen Ressourcen, der fehlenden Motivation 

zur Psychotherapie und beruflichen Wiedereingliederung − im Übereinstimmung mit Dr. 

P.___ − kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen werden kann.

2.7      Dr. P.___ hat der Beschwerdeführerin allerdings aufgrund der von ihm 

festgestellten rezidivierenden depressiven Störung mit beginnend chronifizierter 

Symptomatik in leichter bis mittelgradiger Ausprägung und aufgrund von akzentuierten 

Persönlichkeitszügen mit histrionischen Anteilen in der angestammten wie auch in einer 

adaptierten Tätigkeit ab März 2009 eine 30-40 %ige Arbeitsunfähigkeit aus rein 

psychiatrischer Sicht attestiert. Begründet hat er die Arbeitsunfähigkeit mit 

Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Selbstzweifeln, Versagensängsten, 

Antriebsminderung, vermehrter Erschöpfbarkeit und verschiedenen somatischen 

Symptomen. Dr. P.___ hat in seiner Beurteilung alle aus Sicht eines medizinischen 

Laien relevanten Aspekte berücksichtigt. So hat er insbesondere auch darauf 

hingewiesen, dass bisher keine genügende psychiatrisch-psychotherapeutische 

Behandlung stattgefunden habe, dass die derzeitige antidepressive Medikation 

optimiert werden müsse, dass ein hoher sekundärer Krankheitsgewinn bestehe, dass 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 24/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

die Psychotherapiemotivation eingeschränkt sei, dass keine Motivation zur beruflichen 

Eingliederung vorhanden sei und dass viele psychosoziale Belastungsfaktoren 

vorlägen, die nicht in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einbezogen werden dürften. 

In Anbetracht der erhobenen Befunde erscheint die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 

30-40 % zwar als eher hoch. Da die Einschätzung von Dr. P.___ jedoch auf einer 

umfassenden und überzeugenden Beurteilung basiert, ist auf diese abzustellen.

2.8      Der Rechtsvertreter hat bemängelt, dass Dr. P.___ die Berichte der Klinik S.___, 

wonach die Beschwerdeführerin an einer schweren anhaltenden depressiven Episode 

leide, nicht vorgelegen hätten. Dr. P.___ hat tatsächlich keine Kenntnis dieser Berichte 

gehabt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass er auch in Kenntnis dieser Berichte 

keine andere Diagnose gestellt hätte. Denn einerseits ist den Berichten nicht zu 

entnehmen, gestützt auf welche klinischen Befunde die Diagnose gestellt worden ist. 

Damit lässt sich auch nicht erkennen, ob die Diagnose nachvollziehbar ist oder nicht. 

Andererseits ist die Diagnose nicht von einem Psychiater gestellt worden. Gerade bei 

psychiatrischen Erkrankungen, bei denen es sich um innerseelische Vorgänge handelt, 

ist es wichtig, dass die diagnosestellende Arztperson über psychiatrisches Fachwissen 

verfügt. Hinzu kommt, dass die Klinik S.___ keine Arbeitsfähigkeitsschätzung 

abgegeben hat. Der Rechtsvertreter hat ausserdem darauf hingewiesen, dass auch das 

Spital J.___ am 29. November 2011 (IV-act. 71-3) eine schwere anhaltende depressive 

Episode diagnostiziert habe. Hierzu ist anzumerken, dass das Spital J.___ lediglich die 

Diagnose einer schweren depressiven Verstimmung angegeben hat. Auch diese 

Diagnose ist nicht von einer psychiatrischen Fachperson gestellt worden und es fehlen 

die dazugehörigen klinischen Befunde sowie eine Arbeitsfähigkeitsschätzung. Die 

Diagnosen der Klinik S.___ und des Spitals J.___ sind somit nicht geeignet, die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. P.___ in Zweifel zu ziehen.

2.9      Der Rechtsvertreter hat weiter argumentiert, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung 

von 30-40 % zu ungenau sei. Bei den medizinischen Angaben zur Arbeitsfähigkeit 

handelt es sich um Näherungswerte, da die Arbeitsfähigkeit nicht messbar, sondern 

nur schätzbar, ist. Eine Arbeitsfähigkeitsschätzung ist daher nicht schon deshalb als 

nicht überzeugend zu qualifizieren, weil die medizinische Fachperson lediglich eine 

Grössenordnung und keine exakte Zahl angibt. Schätzt ein Gutachter die 

Arbeitsfähigkeit ohne weitere Angaben auf "30 bis 40 %", lässt sich gemäss der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 25/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

höchstrichterlichen Rechtsprechung daraus schliessen, dass 30 % als eher zu niedrig, 

40 % dagegen als eher zu hoch angesehen werden. Für die Invaliditätsbemessung 

rechtfertigt sich in dieser Konstellation praxisgemäss das Heranziehen des 

Mittelwertes, welcher von den beiden Extremwerten am wenigsten abweicht (vgl. Urteil 

des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 21. April 2005, I 822/04 E. 4.4 mit 

Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Dezember 2007, 9C_626/2007 E. 3.2 mit 

Hinweisen). Die Argumentation des Rechtsvertreters, die Arbeitsfähigkeitsschätzung 

von Dr. P.___ sei zu ungenau und deshalb nicht verwertbar, ist daher nicht stichhaltig. 

In psychiatrischer Hinsicht ist die Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit ab März 2009 

folglich auf 35 % zu beziffern.

3.        

3.1      Somit ist auf dieser Grundlage der Einkommensvergleich vorzunehmen. Vorab 

ist darauf hinzuweisen, dass die Invalidenversicherung nicht an die 

Invaliditätsbemessung der Unfallversicherung gebunden ist (vgl. BGE 133 V 549 E. 6; 

siehe auch Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juni 2013, 8C_259/2013 E. 2.2). Die 

Beschwerdeführerin ist aus somatischer Sicht spätestens ab Oktober 2008 in einer 

adaptierten Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Es wäre ihr ab diesem 

Zeitpunkt also zumutbar gewesen, eine adaptierte Hilfsarbeitertätigkeit anzutreten. 

Dadurch ist das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG unterbrochen worden (siehe 

auch Art. 29  IVV). Ab März 2009 ist die Beschwerdeführerin aus psychischer Sicht zu 

35 % arbeitsunfähig gewesen. Das Wartejahr hat also am 1. März 2009 zu laufen 

begonnen. Ein allfälliger Rentenanspruch würde somit am 1. März 2010 entstehen.

3.2      Die Beschwerdeführerin hat bis am 30. April 2006 zu 80-100 % als 

Reinigungsmitarbeiterin gearbeitet. Danach ist sie arbeitslos gewesen. Da eine 

Hilfsarbeitertätigkeit keine besonderen beruflichen Fähigkeiten voraussetzt, kann nicht 

davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall im März 

2010 als Reinigungsmitarbeiterin gearbeitet hätte, denn es hätten ihr viele andere 

Hilfsarbeiterinnentätigkeiten offen gestanden. Im Gegensatz zur Invaliditätsbemessung 

der Unfallversicherung ist für die Bemessung des Valideneinkommens deshalb nicht 

auf das zuletzt erzielte Einkommen als Reinigungsmitarbeiterin, sondern auf das 

durchschnittliche Einkommen einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2010 abzustellen. Da auch 

ter

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 26/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

die Invalidenkarriere in einer Hilfsarbeiterinnentätigkeit besteht, kann ein 

Prozentvergleich vorgenommen werden. Ob und in welcher Höhe statistische 

Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen 

Umständen des Einzelfalles ab, die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu 

schätzen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2014, 8C_97/2014 E. 2.2 mit 

Hinweis). Ein Tabellenlohnabzug ist im vorliegenden Fall nicht angezeigt. Ein 

Teilzeitabzug ist nicht zu gewähren, weil Hilfsarbeiterinnen gemäss der 

Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) im Jahr 2010, die zu einem 

Pensum von 50-74 % gearbeitet haben, durchschnittlich verhältnismässig sogar mehr 

verdient haben als vollzeittätige Hilfsarbeiterinnen (siehe Anhang zum IV-

Rundschreiben Nr. 328 S. 5). Auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin nur 

noch körperlich leichte Tätigkeiten ausüben kann, rechtfertigt keinen Abzug vom 

Tabellenlohn. Denn im vorliegenden Fall besteht die Validenkarriere ja nicht in der 

körperlich anstrengenden Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin, sondern in einer 

durchschnittlich bezahlten Hilfsarbeiterinnentätigkeit gemäss LSE. Letztere 

unterscheidet nicht zwischen körperlich leichten, mittelschweren und schweren 

Tätigkeiten. Weiter sind die somatischen Leiden nicht derart gravierend, dass mit 

häufigen krankheitsbedingten Absenzen gerechnet werden müsste. Somit liegen aus 

somatischer Sicht keine Gründe vor, die einen Tabellenlohnabzug rechtfertigen 

würden. Demgegenüber hat die Unfallversicherung, obwohl sie die Beschwerdeführerin 

als in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit als zu 100 % arbeitsfähig erachtet hat, 

einen 15 %igen Tabellenlohnabzug gewährt. Als Begründung hat sie lediglich die 

gesundheitlichen Einschränkungen angeführt (siehe Verfügung vom 11. Dezember 

2009 und Einspracheentscheid vom 12. Februar 2010, Fremdakten, nicht akturiert). Sie 

hat also nicht erklärt, inwiefern sich die gesundheitlichen Einschränkungen − neben 

den bereits berücksichtigten Einschränkungen in qualitativer Hinsicht − auf die 

Lohnhöhe auswirken. Das Gericht hat in seinem Entscheid vom 11. Januar 2011 (UV 

2010/18), mit welchem es die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 

12. Februar 2010 abgewiesen hat, angeführt, dass der Abzug als eher grosszügig 

bemessen erscheine. Es hat den Abzug von 15 % jedoch nicht als missbräuchlich 

angesehen und deshalb nicht korrigiert (Erw. 4.2). Mit Bezug auf die psychischen 

Probleme rechtfertigt sich im vorliegenden Fall kein Tabellenlohnabzug. Denn es ist 

davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mithilfe einer adäquaten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 27/27

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung ihren Zustand zumindest stabil 

halten kann und folglich keine überdurchschnittlich häufigen Krankheitsabsenzen 

verzeichnen muss. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 35 % beträgt der IV-Grad folglich 

35 %. Die Beschwerdeführerin hat somit keinen Anspruch auf eine IV-Rente.

3.3      Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.

3.4      Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. 

Diese ist durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt. Die 

Beschwerdeführerin hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.     

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.     

Die Beschwerdeführerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen; diese ist 

durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.

bis 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2015
	Prozentvergleich. Da kein Tabellenlohnabzug zu gewähren ist, hat die Versicherte bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 35 % keinen Anspruch auf eine IV-Rente. Abweisung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Oktober 2015, IV 2015/322). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_898/2015.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T08:42:26+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen