# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a08f4008-d0f3-57a1-8498-952f2c04e4a6
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 16.05.2024 SST.2023.127
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-127_2024-05-16.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.127 
(ST.2021.243; StA.2020.4762) 

 

 

Urteil vom 16. Mai 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichter Cotti 

Gerichtsschreiberin Gilgen 

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

 
    

Beschuldigter   A.A._____,  

geboren am tt.mm.1998, von Sri Lanka, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B._____,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Mehrfache Nötigung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 22. Dezember 2021 erhob die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

gegen den Beschuldigten Anklage wegen versuchter schwerer Körper-

verletzung, mehrfacher Nötigung, Freiheitsberaubung, Sachbeschädigung 

und mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen (GA act. 1 ff.). 

 

2. 

Das Bezirksgericht Aarau fällte am 10. November 2022 folgendes Urteil:  

 

1. 
Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf  
- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 

1 StGB; 
- der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB; 
- des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen gemäss Art. 292 StGB 

(sämtliche Vorfälle ausser Vorfall vom 19.01.2020). 
 
2.  
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB (Straftatendossier 2 und 3); 
- des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen gemäss Art. 292 StGB (Vorfall vom 

19.01.2020). 
 
3.  
Der Beschuldigte wird in Bildung einer Gesamtstrafe (mit dem Urteil des Bezirksgerichts 
Aarau vom 5. Dezember 2019; vgl. Ziff. 5 nachfolgend) und in Anwendung der in Ziff. 2 al. 
1 erwähnten Bestimmung und gestützt auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 15 
Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
4.  
4.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 al. 2 erwähnten Bestimmung und gestützt 
auf Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 200.00 verurteilt. 
 
4.2. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen 
vollzogen. 
 
5.  
5.1. 
Der mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 5. Dezember 2019 (9 Monate und 2 Wochen 
abzüglich 4 Tage Untersuchungshaft) gewährte bedingte Vollzug wird gestützt auf Art. 46 
Abs. 1 Satz 1 StGB widerrufen. 
 
5.2. 
Die widerrufene Freiheitsstrafe bildet zusammen mit der neuen Strafe die Gesamtstrafe 
gemäss Ziff. 3. 
 

 - 3 - 

 

 

6. 
6.1. 
Der mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 5. Dezember 2019 für 30 Tagessätze 
Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 20.00 gewährte bedingte Vollzug wird gestützt 
auf Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB widerrufen.  
 
6.2. 
Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Januar 2018 für 120 
Tagessätze Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 30.00 gewährte bedingte Vollzug 
wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB widerrufen.  
 
6.3  
Die widerrufene Geldstrafe von total Fr. 4'200.00 ist zu bezahlen. Wird die Geldstrafe nicht 
bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 150 Tagen vollzogen. 
 
7.  
7.1 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von  Fr.  2'500.00 
b) der Anklagegebühr von  Fr. 2'500.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von  Fr.  7'953.95 
d) andere Auslagen  Fr.  1'346.15 

Total  Fr.  14'300.10 
 
7.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 
gemäss lit. d zu 4/5, somit der Betrag von Fr. 5'076.90, auferlegt. 
 
7.3.  
Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 7'953.95 (inkl. Fr. 568.65 MwSt.) werden 
einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton 
Aargau die Kosten im Umfang von 4/5, somit Fr. 6'363.15, für die amtliche Verteidigung 
zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. 
a StPO). 
 
8. 
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 7'953.95 
(inkl. Fr. 568.65 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen.  

 

2.1. 

Mit Berufungserklärung vom 20. Juni 2023 beantragte der Beschuldigte, er 

sei von den Vorwürfen der mehrfachen Nötigung (Straftatendossier 2 und 

3) sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen (Vorfall vom 19. 

Januar 2020) freizusprechen, womit die Ziffern 2, 3, 4.1, 4.2, 5.1, 5.2, 6.1, 

6.2 und 6.3 des Urteilsdispositivs aufzuheben seien. Weiter seien die erst-

instanzlichen Verfahrenskosten und die Entschädigung der amtlichen 

Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

2.2. 

Der Beschuldigte reichte am 18. September 2023 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

 - 4 - 

 

 

2.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 9. Oktober 2023 beantragte die 

Oberstaatsanwaltschaft, die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen. 

 

2.4. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahmen des Beschuldigten sowie der 

Auskunftspersonen C._____ und D.A._____ sowie der Zeugen E.A._____ 

und F.A._____ fand am 16. Mai 2024 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte wendet sich mit Berufung gegen die Schuldsprüche 

wegen mehrfacher Nötigung (Straftatendossier 2 und 3) sowie 

Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen (Vorfall vom 19. Januar 2020, 

Straftatendossier 6). Damit einhergehend sind auch das Strafmass (inkl. 

Widerruf zweier Strafen) und die Kostenfolgen angefochten. Die übrigen 

Punkte des vorinstanzlichen Urteils – insbesondere die ergangenen 

Freisprüche – sind unangefochten geblieben. Diese sind somit grund-

sätzlich nicht mehr zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). Da lediglich der 

Beschuldigte Berufung erklärt hat und keine Anschlussberufung erhoben 

worden ist, ist das Obergericht an das Verschlechterungsverbot (Verbot der 

reformatio in peius gemäss Art. 391 Abs. 2 StGB) gebunden.  

 

2. Straftatendossier 2 

2.1. Anklageziffer 4 

2.1.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen mehrfacher (dreifacher) 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB zum Nachteil seiner Ex-Freundin C._____ 

schuldig gesprochen. Sie ist im Wesentlichen gestützt auf die Aussagen 

von C._____ davon ausgegangen, dass der Beschuldigte sie am 15. 

Januar 2020 bei der G._____-Station in Gemeinde Q._____ daran 

gehindert habe, ins Tram einzusteigen, indem er sich ihr in den Weg gestellt 

und sie festgehalten und später hochgehoben und weggetragen habe. Als 

sie deswegen die Polizei habe verständigen wollen, habe der Beschuldigte 

ihr das Handy aus der Hand gerissen. Schliesslich habe er sie den Weg 

entlang gezerrt und sie, als sie um Hilfe habe rufen wollen, am Hals 

festgehalten und das Kinn nach oben gedrückt, so dass sie nicht mehr habe 

sprechen bzw. um Hilfe habe rufen können.  

 

2.1.2. 

Der Beschuldigte hat den Vorfall an der Tramhaltestelle insbesondere in 

seiner Einvernahme vom 16. Januar 2020 teilweise eingestanden (UA act. 

102 ff.). Gegen den Schuldspruch wegen mehrfacher Nötigung bringt er 

jedoch vor, er habe seine Ex-Freundin C._____ nur deshalb am Einsteigen 

 - 5 - 

 

 

ins Tram gehindert, weil er mit ihr habe sprechen und sich entschuldigen 

wollen bzw. habe sie ihm Geld geschuldet. Das Mobiltelefon habe er ihr nur 

vorübergehend weggenommen. Den weiteren Verlauf bestreitet er (vgl. 

Berufungsbegründung S. 7 ff.). Zudem seien sinngemäss die Aussagen 

von C._____ nicht glaubhafter als seine und es würden Zweifel am 

angeklagten Sachverhalt verbleiben, weshalb er in dubio pro reo 

freizusprechen sei (Protokoll Berufungsverhandlung S. 21 und Plädoyer 

Berufungsverhandlung S. 2 f.). Weiter seien seine allfälligen Handlungen 

nur von kurzer Dauer gewesen, weshalb sie den Tatbestand der Nötigung 

nicht erfüllen würden. Zudem sei der subjektive Tatbestand nicht erfüllt, es 

habe ihm am Vorsatz gefehlt, C._____ mit Körperkraft zu einem Gespräch 

zu nötigen. Eventualiter sei von einem blossen Versuch auszugehen. 

Sodann habe nur ein einmaliger Tatentschluss mit dem Ziel eines 

Gesprächs vorgelegen, weshalb nicht von drei Nötigungen, sondern 

allenfalls höchstens einer Handlungseinheit auszugehen sei. 

 

2.1.3. 

Eine Nötigung nach Art. 181 StGB begeht, wer jemanden durch Gewalt 

oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung 

seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu 

dulden. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts besteht Gewalt in 

der Anwendung «d’une force physique» resp. eines physischen Zwangs 

einer gewissen Intensität gegen das Opfer (BGE 101 IV 42, E. 3a; Urteile 

des Bundesgerichts 6B_974/2018 vom 20. Dezember 2018 E. 3.1 und 

6B_70/2016 vom 2. Juni 2016 E. 4.3.2, nicht publiziert in BGE 142 IV 315). 

Bei der Androhung ernstlicher Nachteile stellt der Täter dem Opfer ein Übel 

in Aussicht, dessen Eintritt er als von seinem Willen abhängig erscheinen 

lässt. Ernstlich sind Nachteile, wenn ihre Androhung nach einem objektiven 

Massstab geeignet ist, auch eine besonnene Person in der Lage des 

Betroffenen gefügig zu machen und so seine Freiheit der Willensbildung 

oder -betätigung zu beschränken (BGE 122 IV 322 E. 1a). Eine Nötigung 

ist unrechtmässig, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn 

das Mittel zum angestrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder 

wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem 

erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 141 IV 

437 E. 3.2.1). Die Drohung muss eine gewisse Intensität aufweisen, die 

sich nach objektiven Kriterien und den Umständen des Einzelfalls 

bestimmt. Misslingt die Bestimmung von Willensbildung oder -betätigung, 

bleibt es beim Versuch (Urteil des Bundesgerichts 6B_415/2021 vom 

11. Oktober 2021 E. 5.3.1 mit Hinweisen).   

 - 6 - 

 

 

In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 181 StGB, dass der Täter mit Vorsatz 

handelt, das heisst, dass er, im Bewusstsein um die Unrechtmässigkeit 

seines eigenen Verhaltens, sein Opfer zu einem bestimmten Verhalten 

zwingen will; Eventualvorsatz genügt (BGE 120 IV 17 E. 2c). Ein Wille, die 

der Nötigung zugrundeliegende Drohung in die Tat umzusetzen, ist nicht 

erforderlich (vgl. BGE 137 IV 258 E. 2.6; Urteil des Bundesgerichts 

6B_196/2018 vom 19. September 2018 E. 1.1.2). 

 

2.1.4. 

Was der Beschuldigte gegen die vorinstanzlichen Schuldsprüche vorbringt, 

verfängt nicht. Mit der Vorinstanz ist in tatsächlicher Hinsicht gestützt auf 

die schlüssigen Aussagen von C._____ – auch anlässlich der 

Berufungsverhandlung – erstellt, dass der Beschuldigte sie zunächst am 

Einsteigen in das Tram, mit welchem sie zur Schule fahren wollte, gehindert 

hat, und welches sie deshalb auch verpasst hat. Unerheblich ist dabei, ob 

sie bereits einen Fuss in das Tram gesetzt hatte. Gestützt auf ihre 

Aussagen ist jedenfalls zweifelsfrei davon auszugehen, dass er sie gegen 

ihren Willen festgehalten und sie deshalb das Tram verpasst hat. Weiter ist 

erstellt, dass er ihr das Mobiltelefon entrissen hat, als sie die Polizei hat 

rufen wollen. Schliesslich erachtet es das Obergericht als erstellt, dass er 

sie gegen ihren Willen den Weg entlang Richtung Schule Q._____ gezerrt 

und sie dabei erneut daran gehindert hat, Hilfe zu rufen. C._____ hat dies 

in insgesamt vier Einvernahmen (UA act. 115 ff., 13.24 ff. und GA act. 298 

ff., Protokoll Berufungsverhandlung S. 9 ff.) konstant geschildert. Die 

leichten Verletzungen, die sie sich zugezogen hat, sind zudem fotografisch 

dokumentiert worden und belegt (UA act. 74 ff.). Der Beschuldigte hat denn 

auch selbst eingeräumt, sie einerseits festgehalten bzw. gepackt zu haben, 

sodass sie das Tram verpasst habe und dass er ihr das Mobiltelefon 

weggenommen habe, da er nicht gewollt habe, dass sie jemanden anrufe 

(UA act. 102 ff.). Er hat das Kerngeschehen somit hinsichtlich der ersten 

zwei Nötigungen eingeräumt. Insofern er die dritte Nötigung, nämlich das 

Abdrängen in einen kleinen Weg und das Hindern an den Hilferufen 

komplett abstreitet, handelt es sich um eine Schutzbehauptung. Dies zumal 

C._____ das Festhalten am Hals durch den Beschuldigten, ihre Versuche, 

sich beim Hineindrängen in einen Weg am Gebüsch oder an einem Zaun 

festzuhalten, die Tatsache, dass sie sich schwer machte und sich zu Boden 

sinken liess, ihre vergeblichen Versuche, um Hilfe zu rufen und das 

Wegwerfen ihres Handys durch den Beschuldigten konstant und detailliert 

geschildert hat, ohne den Beschuldigten übermässig zu belasten. Gewisse 

Unsicherheiten oder Abweichungen lassen sich ohne Weiteres mit dem 

Zeitablauf erklären, zumal sie nicht den Kernbereich der Aussagen 

betreffen. Der Beschuldige kann auch nichts für die Glaubhaftigkeit seiner 

Aussagen, namentlich dem Abstreiten des zweiten Sachverhaltsabschnitts, 

daraus ableiten, dass er den ersten Teil des Sachverhalts eingestanden 

hat. Sein Interesse daran, sein Verschulden möglichst gering darzustellen, 

liefert einen plausiblen Beweggrund, diesen Sachverhaltsabschnitt zu 

 - 7 - 

 

 

bestreiten. Demgegenüber besteht bei C._____ kein erkennbares 

Interesse, weshalb sie den Sachverhalt wahrheitswidrig ausweiten sollte. 

 

Indem der Beschuldigte C._____ gegen ihren Willen daran gehindert hat, 

das Tram, mit welchem sie zur Schule hat fahren wollen, zu benutzen, hat 

er in ihre Willensfreiheit eingegriffen. Daraus, dass diese Hinderung 

vorübergehend war, kann der Beschuldigte nichts zu seinen Gunsten 

ableiten, ändert dies doch nichts daran, dass sie das Tram, das sie hat 

nehmen wollen, verpasst hat. Dasselbe gilt hinsichtlich seiner 

anschliessenden Handlungen, die darauf gerichtet waren, C._____ davon 

abzuhalten, Hilfe rufen zu können. Der Beschuldigte hat dabei aufgrund der 

Reaktionen von C._____ jeweils erneut in ihre Willensfreiheit eingegriffen, 

um sie zu einem Gespräch bzw. zum Bleiben zu nötigen und so ihr 

Vorhaben, Hilfe zu holen, durchkreuzt. Dabei hat er bewusst seine 

körperliche Überlegenheit eingesetzt und damit für C._____ einen 

physischen Zwang von nicht unerheblicher Intensität geschaffen. Für eine 

drohendes Auftreten des Beschuldigten spricht auch der Umstand, dass 

die an der Tramhaltestelle anwesenden Personen nicht gewagt haben, in 

das Geschehen einzugreifen, obwohl C._____ auf sich aufmerksam 

gemacht hat und sogar explizit um Hilfe gebeten hat (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 12). Mithin hat sich der Beschuldigte bei den von ihm 

begangenen Nötigungen des Nötigungsmittels der Gewalt gemäss Art. 181 

StGB bedient. 

 

Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Beschuldigte daraus, dass er 

gemäss seinen Aussagen nur mit C._____ habe sprechen wollen. Für den 

Beschuldigten war es zweifelsohne erkennbar, dass sie nicht mit ihm hat 

sprechen wollen, was sie ihm durch ihre Abwehrhaltung und ihre 

Fluchtversuche sowie ihre verbalen Äusserungen deutlich zu verstehen 

gegeben hat. Über diesen Willen hat er sich bewusst hinweggesetzt. 

Gerade weil C._____ nicht mit ihm sprechen und stattdessen ins Tram 

steigen bzw. sich durch externe Hilfe von ihm entfernen wollte, hat er 

Gewalt angewendet. Er handelte somit mit direktem Vorsatz. Der 

Beschuldigte hat für jede einzelne Nötigung einen erneuten Tatentschluss 

gefasst, weil er verschiedene Unterlassungen von C._____ bezweckt hat 

und sie auch trotz der eindeutigen Gegenreaktionen am Gehen hindern 

wollte. Es kann somit – entgegen dem Beschuldigten – nicht mehr von einer 

Handlungseinheit ausgegangen werden. 

 

Die drei Nötigungen sind zudem vollendet und es handelt sich nicht um 

bloss versuchte Nötigungen. Eine Nötigung ist vollendet, «wenn sich das 

Opfer, zumindest teilweise, nach dem Willen des Täters verhält» (BGE 129 

IV 262 E. 2.7, vgl. auch BGE 141 IV 437 E. 3.2.1). Der Beschuldigte hat 

erreicht, dass C._____ weder in das Tram einsteigen noch die Polizei oder 

Dritte zur Hilfe rufen konnte. C._____ war durch die gewaltsame Nötigung 

 - 8 - 

 

 

des Beschuldigten gezwungen, sich nach seinem Willen zu verhalten und 

ihre gewünschten Handlungsweisen zu unterlassen. 

 

Das vom Beschuldigten angewandte Mittel (Gewalt) ist vorliegend nicht zu 

rechtfertigen, so dass es an der Zweck-Mittel-Relation fehlt. Die Rechts-

widrigkeit ist damit ohne Weiteres gegeben. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet. Er ist mit der Vorinstanz der mehrfachen 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB schuldig zu sprechen. 

 

2.2. Anklageziffer 6, Vorfall vom 19. Januar 2020 

2.2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen Ungehorsams gegen eine 

amtliche Verfügung gemäss Art. 292 StGB schuldig gesprochen. Sie ist 

davon ausgegangen, dass der Beschuldigte eingestanden habe, am 

19. Januar 2020 auf dem Vorplatz des Mehrfamilienhauses am Wohnort 

von C._____ eine Zigarette geraucht zu haben, obwohl ihm zuvor mit 

Wegweisungsverfügung vom 16. Januar 2020 verboten worden sei, sich 

bis zum 6. Februar 2020 am Wohnort von C._____ (ganzes 

Mehrfamilienhaus inkl. Vorplatz) aufzuhalten. 

 

2.2.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass dem 

Beschuldigten mit Wegweisungsverfügung vom 16. Januar 2020 verboten 

worden ist, sich bis zum 6. Februar 2020 am Wohnort von C._____ (ganzes 

Mehrfamilienhaus inkl. Vorplatz) aufzuhalten. Während der Beschuldigte 

vor Vorinstanz noch eingeräumt hat, sich am 19. Januar 2020 auf dem 

Vorplatz des Mehrfamilienhauses eine Zigarette angezündet zu haben und 

sich somit dort aufgehalten zu haben, bringt der Beschuldigte – entgegen 

seinem Antrag auf Schuldspruch vor Vorinstanz – mit Berufung vor, er habe 

sich hinter dem Mehrfamilienhaus und nicht auf dem Vorplatz aufgehalten. 

Da dieser Bereich nicht von der Wegweisungsverfügung erfasst sei, sei er 

vom Vorwurf des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung freizu-

sprechen. 

 

2.2.3. 

Des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen gemäss Art. 292 StGB 

macht sich strafbar, wer der von einer zuständigen Behörde oder einem 

zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels 

einer an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet. Subjektiv muss der 

Täter im Wissen handeln, dass mindestens möglicherweise eine verbind-

liche Verfügung vorliegt und dass deren Missachtung eine Bestrafung zur 

Folge haben kann, und mindestens in Kauf nehmen, die an ihn gerichtete 

Verfügung dennoch zu missachten. 

 

 - 9 - 

 

 

2.2.4. 

Der Beschuldigte hat in der Einvernahme vom 23. Mai 2020 auf die Frage 

«Sie konnten durch Frau C._____ fotografiert werden, wie sie sich zum 

Tatzeitpunkt von der Wiese wegbewegten und auf das Bänkchen vor dem 

MFH sassen. Was machten Sie zur Tatzeit dort?» wie folgt geantwortet: 

«Ich habe eine Zigarette geraucht vor dem Block. Das ist doch nicht 

verboten.» (UA act. 111). 

 

Entgegen der Vorinstanz bezog sich diese Aussage des Beschuldigten 

somit auf die Fotoaufnahmen, welche C._____ vom Beschuldigten aus 

ihrer Wohnung an der Adresse-X in R._____ erstellt hat (UA act. 82 und 

83). Diese zeigen den Beschuldigten jedoch nicht auf dem Vorplatz des 

Mehrfamilienhauses dieser Adresse, sondern hinter dem Mehrfamilien-

haus. Zudem befindet sich der Beschuldigte auch nicht in unmittelbarer 

Nähe zum Wohnhaus. Damit ist nicht erstellt, dass sich der Beschuldigte 

am 19. Januar 2020 auf dem von der Wegweisungsverfügung erfassten 

Bereich am Wohnort von C._____ – insbesondere dem Vorplatz des 

Mehrfamilienhauses – aufgehalten hat. Da der Wortlaut der 

entsprechenden Verfügung jedoch eng gefasst ist und nur gerade den 

Vorplatz, nicht hingegen die sonstige Umgebung der Liegenschaft 

Adresse-X in R._____ erfasst, hat der Beschuldigte nicht gegen die 

Verfügung verstossen und damit den Tatbestand von Art. 292 StGB nicht 

erfüllt. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als begründet. Er ist vom Vorwurf des Ungehorsams gegen 

eine amtliche Verfügung gemäss Art. 292 StGB freizusprechen. 

 

3. Anklageziffer 2, Straftatendossier 3 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen Nötigung gemäss Art. 181 

StGB zum Nachteil seiner Schwester D.A._____ schuldig gesprochen. Sie 

ist im Wesentlichen gestützt auf die Aussagen von D.A._____ davon 

ausgegangen, dass der Beschuldigte ihr am 6. April 2020 nach einer 

tätlichen Auseinandersetzung in der damaligen gemeinsamen Wohnung in 

R._____ mit dem Tod gedroht habe, falls sie sich ins Spital begeben würde, 

da dann die Polizei kommen würde. D.A._____ sei denn auch erst mit 

einiger zeitlicher Verzögerung mit dem Vater ins Spital gefahren, nachdem 

der Beschuldigte die Wohnung zuvor verlassen hatte und sie sich in 

Sicherheit wähnte. 

 

3.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und im Berufungsverfahren grund-

sätzlich unbestritten geblieben, dass es am 6. April 2020 um ca. 08.30 Uhr 

in der damaligen gemeinsamen Wohnung in R._____ zuerst zu einem 

verbalen Streit zwischen der Schwester des Beschuldigten, D.A._____, 

 - 10 - 

 

 

und der Mutter des Beschuldigten, E.A._____, und anschliessend zu einer 

tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und 

D.A._____, bei welcher sie sich als Folge einer Ohrfeige und von 

Faustschlägen diverse Verletzungen zugezogen hatte, gekommen ist. Der 

Beschuldigte hat zwar stets bestritten, gegenüber seiner Schwester Gewalt 

angewendet zu haben bzw. hat hierzu die Aussage verweigert (UA act. 

168, 13.1 und GA act. 305). Jedoch ergibt sich dies aus den schlüssigen 

Ausführungen von D.A._____ (UA act. 174 ff., 13.12 ff. und GA act. 303 ff., 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 5 ff.) sowie ergänzend aus denjenigen 

von E.A._____ (Protokoll Berufungsverhandlung S. 2 ff.) und F.A._____ 

(UA act. 184 ff.) sowie den Verletzungen von D.A._____ (UA act. 22 ff., 195 

f. und 32.20) und den sichergestellten Fotoaufnahmen der Wohnung mit 

Blutspuren und weiteren Spuren (UA act. 156 ff.). Der Beschuldigte wendet 

sich mit seiner Berufung jedoch nicht per se gegen diese Feststellung. Die 

Vorinstanz hat nämlich das Vorliegen einer (versuchten) schweren 

Körperverletzung in dubio pro reo verneint. Nachdem D.A._____ ihren 

Strafantrag zurückgezogen hatte, kam auch keine Verurteilung wegen 

einfacher Körperverletzung oder Tätlichkeiten infrage. Dies ist nicht zu 

überprüfen. 

 

Umstritten ist, ob der Beschuldigte im Anschluss an die tätliche 

Auseinandersetzung D.A._____, die sich aufgrund ihrer Verletzungen ins 

Spital hat begeben wollen, dazu genötigt hat, in der Wohnung zu verbleiben 

bzw. ihr damit gedroht hat, sie umzubringen, sollte sie doch ins Spital 

gehen, da dann die Polizei kommen werde. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte bringt gegen den Schuldspruch wegen Nötigung vor, die 

Aussagen von D.A._____ seien nicht stringent. An der Schluss-

einvernahme habe sie die angeklagte Nötigung mit dem Spital nicht von 

sich aus geschildert, sondern erst auf Nachfrage hin und sie habe sich nicht 

mehr genau daran erinnern können. Anlässlich der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung habe sie die angebliche Nötigung nur im Zusammenhang mit 

einer Schere genannt. Diesbezüglich habe aber bereits die Vorinstanz den 

Sachverhalt als nicht erstellt erachtet (Berufungsbegründung S. 3 ff.). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung habe sie den Beschuldigten 

schliesslich massiver belastet als in den früheren Einvernahmen. Sie habe 

neu ausgesagt, der Beschuldigte habe sie in ihrem Zimmer 

eingeschlossen, während er ihr gedroht habe. Diese Aussagen seien nicht 

schlüssig. Zudem habe die Mutter des Beschuldigten angegeben, dass 

D.A._____ die Familienwohnung verlassen habe und mit einer Kollegin ins 

Spital gefahren sei, während der Beschuldigte zuhause geblieben sei. 

Aufgrund dieser Unklarheiten sei der Beschuldigte in dubio pro reo 

freizusprechen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 21). 

 

 - 11 - 

 

 

In rechtlicher Hinsicht bringt der Beschuldigte vor, dass die Aussage «Du 

darfst nicht ins Spital gehen, weil die Polizei kommen wird. Geh in dein 

Zimmer und stirb!» keine ernstzunehmende Drohung gewesen sei und 

keine «Wenn/Dann-Situation» vorgelegen habe, sondern bloss eine 

einfache Aufforderung, weshalb es an der für die Annahme einer Nötigung 

nötigen Zwangsintensität fehle. Ohnehin habe er subjektiv ohne Vorsatz 

gehandelt. Es sei nicht ersichtlich, dass er habe verhindern wollen, dass 

D.A._____ ins Spital fahre, habe er die Wohnung doch verlassen. Vielmehr 

habe es sich um eine unüberlegte Spontanäusserung gehandelt. Sollte der 

subjektive Tatbestand dennoch zu bejahen sein, komme nur ein 

Schuldspruch wegen Versuchs infrage, da der Erfolg nicht eingetreten sei 

(Berufungsbegründung S. 3 ff.). 

 

3.4. 

Was der Beschuldigte gegen den vorinstanzlichen Schuldspruch vorbringt, 

verfängt nicht. Mit der Vorinstanz ist in tatsächlicher Hinsicht gestützt auf 

die schlüssigen Aussagen von D.A._____ erstellt, dass der Beschuldigte 

D.A._____ im Anschluss an die tätliche Auseinandersetzung gegen ihren 

Willen davon abgehalten hat, sofort ins Spital zu gehen, indem er ihr damit 

drohte, sie umzubringen, sollte sie doch ins Spital gehen, da dann die 

Polizei kommen werde. Dies hatte D.A._____ wiederholt und glaubhaft 

ausgesagt (UA act. 13,16, Protokoll Berufungsverhandlung S. 5 ff.). 

Entgegen dem Beschuldigten ist es nicht so, dass sie anlässlich der 

Berufungsverhandlung das erste Mal geschildert hat, dass der 

Beschuldigte sie anlässlich seiner verbalen Drohung in ihrem Zimmer 

eingesperrt habe, indem er die Zimmertüre abgeschlossen habe (vgl. 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 6 ff.). Dies hatte sie auch anlässlich der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung angegeben (GA act. 304: «Er hat mich 

zuerst im Zimmer eingesperrt. Er ist mit einer Schere auf mich los und hat 

gesagt, wenn ich zur Polizei oder ins Spital gehe, bringe er mich um.»). 

Auch die von ihr geschilderte Aussage des Beschuldigten «Geh in dein 

Zimmer und stirb» passt hierzu (UA act. 174). Es kann jedoch insgesamt 

offenbleiben, ob der Beschuldigte die Zimmertür von D.A._____ tatsächlich 

von aussen abgeschlossen hat, wurde ihm das mit Anklage doch gar nicht 

vorgeworfen und ist für die Erfüllung des Nötigungstatbestands auch nicht 

nötig. Für das Obergericht ist jedenfalls erstellt, dass sie sich aufgrund der 

vom Beschuldigten ausgehenden Drohkulisse nicht aus ihrem Zimmer 

getraut hat und insbesondere entgegen ihrem Willen nicht gewagt hat, 

sofort ins Spital zu fahren. Zwar hat die Mutter E.A._____ anlässlich der 

Berufungsverhandlung nur wage Aussagen gemacht und insbesondere 

angegeben, beim Streit nicht im Raum gewesen zu sein und auch die 

Verletzungen ihrer Tochter nicht gesehen zu haben (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 3 ff.). Ob sie den Vorfall nicht im Detail mitbekommen oder 

mit ihren Aussagen den Beschuldigten zu schützen versucht hat, kann 

offenbleiben. Gemäss ihren Aussagen fand der Streit zwischen den 

Geschwistern – und damit auch die Todesdrohung – ohnehin auf Deutsch 

 - 12 - 

 

 

statt und ihre Deutschkenntnisse sind zumindest nicht gut (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 3 f.). Ihre Aussagen vermögen jedoch keine 

Zweifel an den glaubhaften und detaillierten Aussagen von D.A._____ zu 

erwecken. Die Aussagen von D.A._____ wurden im Wesentlichen auch von 

den früheren Aussagen von F.A._____ bestätigt (vgl. 184 ff.). Dass er 

anlässlich der Berufungsverhandlung – wie auch der Beschuldigte selbst – 

die Aussage verweigert hat (Protokoll Berufungsverhandlung S. 4 und 13), 

führt nicht dazu, dass deshalb im Kerngehalt nicht auf die im Kerngehalt 

glaubhaften Aussagen von D.A._____ abgestellt werden könnte. Die aus-

gesprochene Todesdrohung war vor dem Hintergrund der Verletzungen, 

welche der Beschuldigte D.A._____ kurz zuvor zugefügt hatte, ohne 

weiteres geeignet, sie am Verlassen der Wohnung zu hindern. D.A._____ 

hat die Drohung denn auch durchaus ernstgenommen. Anlässlich der 

Berufungsverhandlung gab sie nachvollziehbar an, grosse Angst vor dem 

Beschuldigten gehabt zu haben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 7).  

 

Subjektiv hatte der Beschuldigte im Bewusstsein gehandelt, dass seine 

Todesdrohung geeignet war, D.A._____ mindestens möglicherweise 

gegen ihren Willen zum Verbleiben in der Wohnung zu veranlassen. 

Tatsächlich hat sich D.A._____, welche die Drohung durchaus 

ernstgenommen hat, denn auch erst ins Spital begeben, nachdem der 

Beschuldigte die Wohnung bereits verlassen hatte. Da er dies nicht sofort 

getan hatte, sondern erst mit einiger zeitlicher Verzögerung – gemäss der 

Schätzung von D.A._____ einige Minuten, jedoch höchstens 30 Minuten – 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 8), ist entgegen dem Beschuldigten 

nicht von einem blossen Versuch auszugehen. Es ist erstellt, dass die 

Verzögerung von nicht unwesentlicher Dauer war, und eine längere Dauer 

ist für die Erfüllung des Tatbestandes bei einem Nötigungsopfer, das sich 

aufgrund von Verletzungen sofort ins Spital begeben will, auch nicht 

notwendig. Mithin ist es nicht so, dass die Nötigung des Beschuldigten 

misslungen wäre, musste D.A._____ doch nachweislich gegen ihren Willen 

zumindest solange in der Wohnung ausharren anstatt sich sofort ins Spital 

zu begeben, bis der Beschuldigte die Wohnung selbst verlassen hatte und 

somit keine Gefahr mehr von ihm ausging. Nichts zu seinen Gunsten kann 

der Beschuldigte daraus ableiten, dass es sich bei seiner Todesdrohung 

nur um eine unüberlegte Spontanäusserung gehandelt haben soll, wurde 

seine Todesdrohung von D.A._____ doch als ernstzunehmende Drohung 

empfunden und ist ein Wille, die Drohung in die Tat umzusetzen, auch nicht 

erforderlich. Sowohl das vom Beschuldigten angewandte Mittel 

(Androhung Tod) als auch sein damit verfolgter Zweck (Verhinderung, dass 

die Polizei kommt) sind nicht erlaubt. Die Rechtswidrigkeit ist damit ohne 

weiteres gegeben. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet. Er ist mit der Vorinstanz der Nötigung 

gemäss Art. 181 StGB schuldig zu sprechen.  

 - 13 - 

 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB 

schuldig gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist. Hingegen wird er 

vom Vorwurf des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen 

vollumfänglich freigesprochen, sodass eine Busse hierfür entfällt. 

 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten – zusammen mit der Widerrufsstrafe 

von 9 Monaten und 2 Wochen gemäss Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau 

vom 5. Dezember 2019 – zu einer unbedingten Gesamtfreiheitsstrafe von 

15 Monaten und einer Übertretungsbusse von Fr. 200.00 verurteilt. Den 

bedingten Vollzug der mit Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau vom 5. 

Dezember 2019 ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 9 Monaten und der 

Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 20.00, d.h. Fr. 600.00, sowie den 

bedingten Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau vom 10. Januar 2018 für die Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 

30.00, d.h. Fr. 3'600.00, hat sie widerrufen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung für den Fall, dass sein Antrag auf 

Freispruch ganz oder teilweise abgewiesen wird, es sei unter Verlängerung 

der Probezeit von einem Widerruf abzusehen und er zu einer Freiheits-

strafe von maximal 5 Monaten zu verurteilen. 

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann 

verwiesen werden. 

 

Der Tatbestand der Nötigung gemäss Art. 181 StGB sieht alternativ eine 

Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. 

 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter 

Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den 

Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berück-

sichtigen (BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 

E. 4.1). 

 

Der Beschuldigte ist mehrfach und zum Teil im einschlägigen Delikts-

bereich vorbestraft (vgl. aktueller Strafregisterauszug). Mit Entscheid der 

Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau vom 26. August 2016 wurde er 

wegen mehrfachen teilweise versuchten Raubs, mehrfacher einfacher 

Körperverletzung, Raufhandels, Widerhandlungen gegen das Betäubungs-

mittelgesetz, Fälschung von Ausweisen, Tätlichkeiten und Beschimpfung 

zu einem bedingten Freiheitsentzug von 80 Tagen und einer Busse von Fr. 

 - 14 - 

 

 

150.00 verurteilt. Zudem wurde eine persönliche Betreuung nach Art. 13 

JStG angeordnet. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 14. Dezember 2017 wurde er wegen Nötigung, Tätlichkeiten, 

Beschimpfung und Widerhandlung gegen das PBG zu einer bedingten 

Geldstrafe von 50 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 600.00 verurteilt. 

Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Januar 

2018 wurde er wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung, Tätlich-

keiten, mehrfacher teilweise versuchter Nötigung, Sachentziehung, 

mehrfacher Beschimpfung und mehrfachen Ungehorsams im Betreibungs-

verfahren als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen und 

einer Busse von Fr. 1'200.00 verurteilt. Mit Urteil des Gerichtspräsidiums 

Aarau vom 5. Dezember 2019 wurde er wegen Widerhandlungen gegen 

das Betäubungsmittelgesetz, Drohung, versuchter Nötigung, Tätlichkeiten, 

mehrfacher Beschimpfung, Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung, 

Ungehorsams im Betreibungsverfahren und Störung des öffentlichen 

Verkehrs mit Gefährdung von Leib und Leben von Menschen als teilweise 

Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 

14. Dezember 2017 und zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau vom 10. Januar 2018 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 9 

Monaten und 2 Wochen sowie einer bedingten Geldstrafe von 30 

Tagessätzen und einer Busse von Fr. 600.00 verurteilt. Diese Vorstrafen 

konnten ihn nicht davon abhalten, bereits kurze Zeit nach der letzten 

Verurteilung und somit selbstredend noch während laufender Probezeiten 

erneut mehrere Nötigungen zu begehen. Es liegt daher auf der Hand, dass 

er sich von einer Geldstrafe nicht beeindrucken lassen würde und die 

Gefahr einer weiteren Straffälligkeit bei einer Verurteilung zu einer solchen 

noch erheblicher wäre. Unter dem Aspekt der Zweckmässigkeit sowie der 

präventiven Effizienz ist daher für die Nötigungen auf eine Freiheitsstrafe 

zu erkennen. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die Nötigung gemäss Art. 181 StGB vom 6. April 

2020 zum Nachteil von D.A._____ als – bei gleichem Strafrahmen – qua 

Verschulden konkret schwerste Straftat festzusetzen. Dazu ergibt sich 

Folgendes: 

 

Wer eine Nötigung begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

– hier nicht zweckmässiger – Geldstrafe bestraft. Das Gericht misst die 

Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach dem Verschulden zu 

(Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die Bestimmung des 

Verschuldens ist die Schwere der Verletzung oder Gefährdung des 

betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB schützt die Handlungsfreiheit bzw. die 

Willensfreiheit (BGE 141 IV 1; BGE 137 IV 326). In der Tatvariante der 

 - 15 - 

 

 

Anwendung von Gewalt wird auch die körperliche Unversehrtheit 

geschützt. 

 

Der Beschuldigte hat seiner Schwester D.A._____ nach einer tätlichen 

Auseinandersetzung in der damaligen gemeinsamen Wohnung in R._____ 

mit dem Tod gedroht, falls sie sich – aufgrund ihrer Verletzungen – ins 

Spital begeben würde, da dann die Polizei kommen würde. Damit hat er 

D.A._____, welche unter dem Eindruck der ihr zugefügten Verletzungen 

stand, mit dem Schlimmstmöglichen, dem Tod, bedroht. Diese konkret und 

unverblümt ausgesprochene Todesdrohung hat zu einer starken 

Beeinträchtigung der Handlungs- und Willensfreiheit von D.A._____ 

geführt, wurde sie dadurch doch davon abgehalten, das Spital unverzüglich 

aufsuchen zu können, obwohl sie dies selbst als für nötig empfunden hatte. 

Sie ist auch nicht etwa davon ausgegangen, dass der Beschuldigte die 

Todesdrohung offensichtlich nicht ernst gemeint hätte. Vielmehr war die 

damit einhergehende Verunsicherung sehr gross. 

 

Relativierend wirkt sich aus, dass der Beschuldigte die Wohnung schliess-

lich selbst verlassen hatte, woraufhin sich D.A._____ in Sicherheit wähnte 

und zusammen mit ihrem Vater das Spital aufsuchen konnte. Dies ändert 

zwar nichts daran, dass der Beschuldigte seiner Schwester mit der 

Auslöschung des höchsten Rechtsguts überhaupt gedroht hat und sie dies 

in diesem Augenblick auch durchaus ernst genommen hatte. Die mit der 

Todesdrohung einhergehende Beeinträchtigung ihrer Handlungs- und 

Willensfreiheit hat jedoch nicht sehr lange angedauert. 

 

Auch wenn der Beschuldigte selbst ebenfalls unter dem Einfluss der 

tätlichen Auseinandersetzung gestanden haben dürfte und er fürchtete, 

dass wenn D.A._____ ins Spital gehen würde, die Polizei kommen würde, 

so verfügte er hinsichtlich der von ihm ausgesprochenen Todesdrohung 

doch über ein erhebliches Mass an Entscheidungsfreiheit, was sich leicht 

verschuldenserhöhend auswirkt. Denn je leichter es für ihn gewesen wäre, 

die Handlungs- und Willensfreiheit seiner Schwester zu respektieren, desto 

schwerer wiegt die Entscheidung dagegen (BGE 127 IV 101 E. 2a; BGE 

117 IV 112 E. 1; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 

2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt ist von einem in Relation zum Strafrahmen von bis zu 3 Jahren 

Freiheitsstrafe nicht mehr leichten bis mittelschweren Verschulden und 

einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe 

auszugehen. 

 

4.3.2. 

Die Einsatzstrafe ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB für die weiteren 

Nötigungen angemessen zu erhöhen. 

 

 - 16 - 

 

 

Der Beschuldigte hat seine Exfreundin C._____ am 15. Januar 2020 am 

Morgen an der G._____ Haltestelle in Q._____ gegen deren Willen daran 

gehindert, ins Tram, mit dem sie zur Schule fahren wollte, einzusteigen. Als 

sie deswegen die Polizei verständigen wollte, hat der Beschuldigte ihr das 

Mobiltelefon aus der Hand gerissen und sie so an diesem Anruf gehindert. 

Schliesslich hat er sie den Weg entlang gezerrt und sie sodann erneut 

daran gehindert, Hilfe zu rufen. Bei diesen Handlungen hat der 

Beschuldigte seine körperliche Überlegenheit ausgenutzt und sich mit 

körperlicher Kraft bzw. Gewalt über den Willen von C._____ hinweggesetzt. 

Insgesamt hat er sie in ihrer Willens- und auch Bewegungsfreiheit nicht 

unerheblich eingeschränkt, zumal sie nicht mit dem Beschuldigten 

sprechen und das Tram nehmen und zur Schule gehen bzw. sich von ihm 

entfernen wollte bzw. davon laufen wollte, er dies aber nicht zuliess und sie 

auch am Beizug von Hilfe durch die Polizei oder Dritte hinderte. 

Insbesondere beim Festhalten am Hals hat er dabei auch nicht 

unwesentlich in ihre körperliche Unversehrtheit eingegriffen. Es handelt 

sich dabei um eine jeweils nicht zu bagatellisierende Beeinträchtigung der 

Handlungs- und Willensfreiheit von C._____. 

 

Relativierend wirkt sich die vergleichsweise kurze Zeitdauer der einzelnen 

Nötigungshandlungen aus. Das Mobiltelefon hat er ihr nach relativ kurzer 

Zeit zurückgegeben. Auch gelang es C._____ schliesslich, lautstark auf 

sich aufmerksam zu machen, so dass er von ihr abliess. Mithin hat die 

Beeinträchtigung ihrer Handlungs- und Willensfreiheit insgesamt nicht sehr 

lange angedauert, was allerdings zumindest teilweise auf das Verhalten 

C._____ zurückzuführen ist, und nicht, weil der Beschuldigte von seinem 

Unterfangen Abstand genommen hätte. 

 

Auch wenn der Beschuldigte angegeben hat, dass er nur mit seiner 

Exfreundin habe sprechen wollen und nicht gewollt habe, dass die Polizei 

kommen würde, so verfügte er doch über ein erhebliches Mass an 

Entscheidungsfreiheit, was sich leicht verschuldenserhöhend auswirkt. Er 

hätte C._____, welcher er an besagtem Morgen wohl nur zufällig begegnet 

ist, ohne Weiteres in Ruhe lassen und ihre ablehnende Haltung gegenüber 

einem Gespräch respektieren können. Ohne Belang ist in diesem 

Zusammenhang, ob sie ihm Geld geschuldet hat, wie er dies teilweise 

angegeben hatte. 

 

Insgesamt ist in Bezug auf diese drei weiteren Nötigungen von einem in 

Relation zum Strafrahmen von bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe nicht mehr 

leichten Verschulden auszugehen, für welches eine Einzelstrafe von 

jeweils 3 Monaten Freiheitsstrafe angemessen erscheint. Im Rahmen der 

Asperation ist zu berücksichtigen, dass hinsichtlich der gegenüber der Ex-

Freundin C._____ am 15. Januar 2020 bei der G._____-Haltestelle in 

Q._____ begangenen Nötigungen ein sehr enger zeitlicher, örtlicher und 

sachlicher Zusammenhang bestanden hat, nicht aber hinsichtlich der am 6. 

 - 17 - 

 

 

April 2020 in R._____ zum Nachteil seiner Schwester begangenen 

Nötigung. Unter diesen Umständen rechtfertigt sich eine angemessene 

Erhöhung der Einsatzstrafe um 6 Monate auf 12 Monate Freiheitsstrafe. 

 

4.3.3. 

Zur Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte ist 

mehrfach, zum Teil einschlägig vorbestraft (siehe vorstehend). Er hat aus 

den Verurteilungen offensichtlich keine Lehren gezogen und bereits kurze 

Zeit nach der letzten Verurteilung erneut delinquiert, was straferhöhend zu 

berücksichtigen ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6). Allerdings ist hinsichtlich der 

Vorstrafen zu berücksichtigen, dass aus dem täterbezogenen Straf-

zumessungskriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein tatbezogenes 

Kriterium gemacht werden darf; mithin sind die Vorstrafen nicht wie eigen-

ständige Delikte zu würdigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 

vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit weiteren Hinweisen). 

 

Wer wie der Beschuldigte hinsichtlich der ihm vorgeworfenen Nötigungen 

zumindest teilweise nicht geständig ist bzw. diese massiv bagatellisiert, 

kann hinsichtlich des begangenen Unrechts auch nicht nachhaltig 

einsichtig und aufrichtig reuig sein. Eine erhebliche Strafminderung, wie sie 

bei einem von Anfang an geständigen und einsichtigen Straftäter möglich 

ist, kommt vorliegend somit nicht in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_853/2013 vom 20. November 2014 E. 2.4.7). 

 

Leicht zu Gunsten des Beschuldigten wirkt sich aus, dass er mit C._____ 

am 9. Juni 2020 eine Vergleichsvereinbarung abgeschlossen hat 

(Fernhaltevereinbarung, Rückzug Strafanträge, Desinteresseerklärung an 

weiterer Strafverfolgung, Bezahlung von Fr. 1'750.00 für allenfalls erlittene 

Unbill; UA act. 200 ff.), der er soweit ersichtlich bis anhin nachgekommen 

ist. Auch wenn es an sich keine besondere Leistung darstellt, für die von 

ihm durch sein Verhalten verursachten Folgen aufzukommen, und er auch 

davon profitiert hat, dass die Strafanträge zurückgezogen worden sind, so 

ist doch nicht zu verkennen, dass er C._____ hinsichtlich allfälliger 

Zivilforderungen bzw. der anerkannten Genugtuung einen möglicherweise 

langwierigen Prozess erspart hat. 

 

Weitere Umstände, welche sich straferhöhend oder strafmindernd aus-

wirken könnten, sind nicht ersichtlich. Insbesondere liegt auch keine 

erhöhte Strafempfindlichkeit vor, lässt sich diese doch nur bei ausser-

gewöhnlichen Umständen, die hier nicht vorliegen, bejahen (statt vieler: 

Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit 

Hinweisen). Auch der Umstand, dass er drei Jahre in einem Jugendheim 

verbracht hat (UA act. 10), vermag keine Strafminderung zu rechtfertigen, 

standen die begangen Nötigungen dazu doch in keinem erkennbaren 

Zusammenhang. Dasselbe gilt für die Tatsache, dass er in Folge eines 

 - 18 - 

 

 

tragischen Arbeitsunfalls am 15. Oktober 2021 seinen rechten Unter-

schenkel verloren hat. 

 

Insgesamt überwiegen die negativen Faktoren deutlich, womit sich die 

Täterkomponente im Umfang von 2 Monaten straferhöhend auswirkt. 

 

4.3.4. 

Zusammengefasst erachtet das Obergericht für die neu zu beurteilenden 

Nötigungen eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten als seinem nicht mehr 

leichten bis mittelschweren Verschulden und den persönlichen Verhält-

nissen angemessen. 

 

4.4. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei 

Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig 

erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 

Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Wurde der Täter innerhalb der 

letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten 

Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt, so ist der Aufschub 

nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen (Art. 42 Abs. 2 

StGB). 

 

Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder 

Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben 

wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil 

der Strafe. Sind die widerrufene und die neue Strafe gleicher Art, so bildet 

es in sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe 

(Art. 46 Abs. 1 StGB). 

 

Das Nebeneinander von zwei Sanktionen (neue Strafe und Widerrufs-

strafe) erfordert sodann eine Beurteilung in Varianten: Möglich ist, dass der 

Vollzug der neuen Strafe erwarten lässt, der Verurteilte werde dadurch von 

weiterer Straffälligkeit abgehalten, weshalb es nicht notwendig erscheint, 

den bedingten Vollzug der früheren Strafe zu widerrufen. Desgleichen kann 

im umgekehrten Fall, wenn der bedingte Vollzug für die frühere Strafe 

widerrufen wird, unter Berücksichtigung dieses nachträglichen Vollzugs 

eine Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB 

und Art. 43 StGB verneint und deren Vollzug bedingt resp. teilbedingt 

aufgeschoben werden (BGE 144 IV 277 E. 3.2; BGE 134 IV 140 E. 4.3 ff.). 

Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist anhand einer 

Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. 

 

4.5. 

4.5.1. 

Der Beschuldigte ist mehrfach und zum Teil im einschlägigen Delikts-

bereich vorbestraft (siehe dazu oben).  

 - 19 - 

 

 

Der Beschuldigte wohnt, nachdem er sich in den Jahren 2013 bis 2016 in 

einem Jugendheim aufgehalten hatte (UA act. 10) und im Jahr 2019 zeit-

weise alleine gelebt hatte (Protokoll Berufungsverhandlung S. 13), wieder 

bei seinen Eltern. Dies war allerdings bereits im Zeitpunkt der früher und 

neu begangenen Straftaten der Fall. Mithin konnte ihn dieser grundsätzlich 

stabilisierende Umstand bereits früher nicht von der Begehung von 

Straftaten abhalten. 

 

Er hatte zwei Lehren begonnen, diese aber nicht beendet. Seit 2019 

absolvierte er bei der H._____ AG in Schlieren eine Lehre als Beruf. Am 

tt.mm. 2021 hat er bei einem Arbeitsunfall den Unterschenkel verloren, die 

Lehre aber dennoch abschliessen können. Im Rahmen von IV-Integrations-

massnahmen befindet er sich derzeit in einer gezielten Vorbereitung nach 

Art. 5 Abs. 2 IVV auf eine Ausbildung zum Kaufmann (EBA), die er im 

Sommer bei der I._____ AG beginnen möchte (vgl. Unterlagen von der IV 

usw. GA act. 329 ff.: Anspruch auf Eingliederungsmöglichkeiten (SUVA, 

GA act. 330), Protokoll Berufungsverhandlung S. 14 ff., Beilagen Protokoll 

Berufungsverhandlung). Die berufliche Situation des Beschuldigten 

erscheint somit vorerst als gesichert. Insgesamt ist bei den aktuellen 

persönlichen Umständen aber darauf hinzuweisen, dass sowohl die 

Tatsache, dass der Beschuldigte eine erneute Ausbildung angehen will und 

wieder bei den Eltern lebt, keine massgebenden Änderungen darstellen, 

da dies bereits in den Tatzeitpunkten der Fall war. 

 

Der Beschuldigte hat seine relativ hohen Schulden (ca. Fr. 20'000.00 vgl. 

UA act. 12) gemäss aktuellem Betreibungsregisterauszug zurückbezahlen 

können. Dies ist jedoch nicht in erster Linie auf eine besondere 

Anstrengung oder Einschränkung des Beschuldigten in seiner Lebens-

führung zurückzuführen, sondern dem Umstand geschuldet, dass er einen 

tragischen Arbeitsunfall erlitten hat und als Folge davon eine Integritäts-

entschädigung von fast Fr. 50'000.00 erhalten hat, die ihm die Rückzahlung 

ermöglicht hat (Protokoll Berufungsverhandlung S. 14 ff. und Beilage 

Protokoll Berufungsverhandlung). Eine Rückzahlung wäre ihm ansonsten 

nicht in so kurzer Zeit möglich gewesen, was entsprechend relativierend zu 

berücksichtigen ist. Ebenfalls ist darauf hinzuweisen, dass die finanziellen 

Verhältnisse vorliegend nicht von entscheidender Bedeutung sind, da die 

begangenen Straftaten nicht aus einer finanziellen Not heraus begangen 

worden sind. Mithin lässt sich aus der Bezahlung der Schulden keine 

wesentliche Verbesserung der Legalprognose ableiten. 

 

Die vorliegend zu beurteilenden Nötigungen hat er am 15. Januar 2020 und 

6. April 2020 und somit während der ihm mit Strafbefehl der Staats-

anwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Januar 2018 auferlegten Probezeit 

von vier Jahren sowie während der ihm mit Urteil des Gerichtspräsidiums 

Aarau vom 5. Dezember 2019 auferlegten Probezeit von 3 Jahren 

begangen. Die ausgesprochene bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen, 

 - 20 - 

 

 

die bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen und auch seine erste bedingte 

Freiheitsstrafe von 9 Monaten und 2 Wochen vermochten den Beschuldig-

ten nicht davon abzuhalten, bereits rund einen bzw. vier Monate nach der 

letzten Verurteilung wieder einschlägig zu delinquieren. Die Warnwirkung 

des bedingten Vollzugs ist damit komplett ausgeblieben. Vielmehr hat er 

sich zu einem eigentlichen Wiederholungstäter entwickelt. Sein Verhalten 

weist damit eine erhebliche Gleichgültigkeit gegenüber den bestehenden 

Normen auf. Der Beschuldigte hat mehrfach den Tatbeweis erbracht, dass 

ihn bedingte Strafen bzw. drohende Widerrufe, darunter eine Freiheits-

strafe von 9 Monaten und 2 Wochen, nicht kümmern und auch als 

Abschreckung gänzlich ungeeignet sind. Insbesondere ist beim 

Beschuldigten auch keine echte Reue zu erkennen. So hat er anlässlich 

der Berufungsverhandlung keine Empathie für die Opfer gezeigt, sondern 

sich selbst in der Opferrolle gesehen, indem er angab, es mache ihn traurig, 

dass sowohl seine Schwester als auch seine Exfreundin ihn als Monster 

darstellen würden. Er ziehe es mitunter nicht in Betracht, auf seine 

Schwester zuzugehen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 19 ff.). 

 

Angesichts der mehrfachen, teilweise einschlägigen Vorstrafen, des 

unbeirrten Weiterdelinquierens während laufender Probezeit und der 

fehlenden echten Einsicht des Beschuldigten kann zweifellos nicht von 

besonders günstigen Umständen ausgegangen werden, sondern es ist ihm 

noch immer eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen. Daran ändert 

auch nichts, dass er nunmehr – erneut wie z.B. bereits anlässlich der 

Hauptverhandlung vor Gerichtspräsidium Aarau vom 5. Dezember 2019 – 

vorbringt, in anderen Kreisen zu verkehren und Provokationen aus dem 

Weg zu gehen. Auch wenn der Beschuldigte möglicherweise tatsächlich 

gewillt ist, sich zu bessern, wird sich dies erst noch weisen müssen. Zwar 

sind positive Anhaltspunkte vorhanden. So besucht er gemäss eigenen 

Angaben regelmässig freiwillig und auf eigene Kosten ein Anti-

Aggressionstraining bei J._____, welches ihm helfe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 16 ff.). Dies ist ihm zugute zu halten. Anlässlich 

der Berufungsverhandlung hat er jedoch keine Belege eingereicht, die 

einen näheren Aufschluss über die Regelmässigkeit und den Inhalt des 

Coachings geben würden, sodass durch das Obergericht keine vertiefte 

Prüfung vorgenommen werden kann. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, 

dass bereits im Entscheid der Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau 

vom 26. August 2016 eine persönliche Betreuung nach Art. 13 JStG durch 

J._____ angeordnet worden ist, was den Beschuldigten aber offenbar nicht 

von der Begehung zahlreicher weiterer Delikte abhalten konnte. Ebenfalls 

wird sich noch zeigen müssen, ob er – wie er ausführt – aufgrund des 

erlittenen Arbeitsunfalls nunmehr in der Lage ist, Hilfe in Anspruch zu 

nehmen und ob ihn dies davon abhalten kann, weiter zu delinquieren. Es 

ist entgegen dem Beschuldigten auch nicht so, dass er seit April 2020 

straffrei geblieben ist. Vielmehr ist dem aktuellen Strafregisterauszug zu 

entnehmen, dass er am 28. Juli 2021 von der Bundesanwaltschaft wegen 

 - 21 - 

 

 

Verletzung der Maskentragpflicht, Beschimpfung und Gewalt oder Drohung 

gegen Behörden oder Beamte zu einer unbedingten Geldstrafe von 60 

Tagessätzen und einer Busse von Fr. 100.00 verurteilt worden ist, wobei 

die Begehung am 15. Mai 2021 stattfand. Die Tatsache, dass er sich seither 

wohlverhalten zu haben scheint, was den Normalfall darstellt, vermag die 

Schlechtprognose nicht entfallen zu lassen. 

 

Nach dem Gesagten ist ihm bei einer Gesamtwürdigung auch unter 

Berücksichtigung der Wechselwirkung sowohl für die neue Strafe als auch 

die Widerrufsstrafen eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen. 

 

4.5.2. 

In Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB ist mit der für die neu begangenen 

Straftaten ausgefällten Freiheitsstrafe von 14 Monaten und der 

Widerrufsstrafe gemäss Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau vom 5. 

Dezember 2019 von 9 Monaten und 2 Wochen Freiheitsstrafe eine 

Gesamtstrafe zu bilden. Diese würde sich auf deutlich mehr als die von der 

Vorinstanz ausgesprochene Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten 

belaufen, weshalb es damit in Nachachtung des Verschlechterungsverbots 

sein Bewenden hat. 

 

Die vom Beschuldigten im Verfahren der Widerrufsstrafe ausgestandene 

Untersuchungshaft von 4 Tagen (siehe Strafregisterauszug) ist auf die 

Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB). 

 

4.5.3. 

Der mit Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau vom 5. Dezember 2019 für die 

Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 20.00 und der mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Januar 2018 für die Geld-

strafe von 120 Tagessätzen à Fr. 30.00 gewährte bedingte Vollzug ist zu 

widerrufen. Die Geldstrafen sind zu vollziehen. 

 

4.6. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte mit einer unbedingten Freiheits-

strafe von 15 Monaten als Gesamtstrafe mit der Widerrufsstrafe gemäss 

Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau vom 5. Dezember 2019 zu bestrafen. 

Zudem sind die früher bedingt ausgesprochenen Geldstrafen von 30 

Tagessätzen à Fr. 20.00 gemäss Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau vom 

5. Dezember 2019 und 120 Tagessätzen à Fr. 30.00 gemäss Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Januar 2018 zu 

vollziehen. 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der 

 - 22 - 

 

 

Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung insoweit einen für ihn günstigeren 

Entscheid, als dass er in Bezug auf den Vorfall vom 19. Januar 2020 vom 

Vorwurf des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung freigesprochen 

wird und die diesbezügliche Busse von Fr. 200.00 entfällt. Dabei handelt 

es sich aber – im Vergleich zur den beantragten Freisprüchen vom Vorwurf 

der mehrfachen Nötigung sowie der ausgesprochenen unbedingten 

Freiheitsstrafe inkl. Widerrufsstrafe – um einen vergleichsweise unter-

geordneten Punkt. Der vorinstanzliche Entscheid wird denn auch nur 

unwesentlich abgeändert. Ohne Geltung des Verschlechterungsverbots 

wäre gar eine deutlich höhere Freiheitsstrafe auszusprechen gewesen. 

Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die obergerichtlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 vollumfänglich dem Beschuldigten 

aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. § 18 VKD). 

 

5.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren 

angemessen aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO 

i.V.m. § 9 Abs. 1 und 3bis AnwT; § 13 AnwT). 

 

Entschädigungspflichtig sind im Rahmen der amtlichen Verteidigung nur 

jene Bemühungen, die in einem kausalen Zusammenhang mit der 

Wahrung der Rechte im Strafverfahren stehen und die notwendig und 

verhältnismässig sind (BGE 141 I 124 E. 3.1). Als Massstab für die 

Beantwortung der Frage, welcher Aufwand für eine angemessene 

Verteidigung im Strafverfahren nötig ist, hat der erfahrene Anwalt zu gelten, 

der im Bereich des materiellen Strafrechts und des Strafprozessrechts über 

fundierte Kenntnisse verfügt und deshalb seine Leistung von Anfang an 

zielgerichtet und effizient erbringen kann (Urteil des Bundesgerichts 

6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 18.3.1 mit Hinweisen). 

 

Der amtliche Verteidiger hat anlässlich der Berufungsverhandlung eine 

Kostennote mit einem Aufwand von 24.3 Stunden bzw. inkl. Auslagen von 

Fr. 6'161.30 geltend gemacht. Dieser Aufwand steht zum Umfang und zur 

Schwierigkeit der sich im Berufungsverfahren in tatsächlicher und recht-

licher Hinsicht stellenden Fragen in einem Missverhältnis, weshalb nicht 

unbesehen auf die Kostennote abgestellt werden kann. 

 

Der amtliche Verteidiger war mit dem Sachverhalt und den sich in 

tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht stellenden Fragen, die sich auch nicht 

als besonders schwierig erwiesen haben, bereits aus dem erstinstanzlichen 

Verfahren bestens vertraut. Zudem wurde weitgehend an der bisherigen 

Verteidigungsstrategie festgehalten. Entsprechend geringer fällt der 

notwendige und verhältnismässige Aufwand im Berufungsverfahren aus. 

Der amtliche Verteidiger hatte bereits fundierte Kenntnisse der Akten und 

konnte weitgehend auf eigene, bereits gemachte Ausführungen zurück-

greifen. Er hat für die Erstellung der Berufungsbegründung inkl. Akten-

 - 23 - 

 

 

studium einen Aufwand von insgesamt 10 Stunden geltend gemacht, was 

überhöht erscheint. Angemessen erscheint nach dem Gesagten ein 

Aufwand von 7 Stunden, womit der Aufwand um 3 Stunden zu kürzen ist. 

 

Angesichts der weitgehenden Wiederholung von bereits erfolgten 

Eingaben und des Umstands, dass auf die Einvernahmen der beiden 

Zeugen, der beiden Auskunftspersonen und des Beschuldigten anlässlich 

der Berufungsverhandlung ohnehin nur ad hoc reagiert werden konnte, ist 

der geltend gemachte Aufwand für die Vorbereitung der Berufungs-

verhandlung von 5 Stunden zu hoch und um 2 Stunden zu kürzen. 

Hingegen ist der geltend gemachte Aufwand für die Teilnahme an der 

Berufungsverhandlung von 3 Stunden auf die effektive Dauer, nämlich um 

0.25 Stunden zu erhöhen.  

 

Bei den Positionen «Schreiben an Oger, Mail an Klient» vom 18. Juli 2023, 

7. August 2023 und 28. August 2023 handelt es sich um Frist-

verlängerungsgesuche. Diese stellen Sekretariatsarbeit dar bzw. sind 

diese vom amtlichen Verteidiger zu vertreten. Bei den Positionen «Sichtung 

Verfügung, Weiterleitung an Klient» vom 3. Juli 2023 und 2. November 

2023 dürfte es sich gemäss den Akten um blosse Weiterleitungen an den 

Beschuldigten zur Kenntnis und damit um Orientierungskopien, mithin 

ebenfalls um Sekretariatsarbeit, handeln. Sekretariatsarbeit ist grund-

sätzlich nicht separat zu entschädigen, da sie bereits im Stundenansatz 

des Verteidigers enthalten ist, ausgenommen die hierfür notwendigen 

Auslagen (Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 470 17 129 

vom 21. November 2017 E. 2.2c; LIEBER, in: Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), 3. Aufl. Zürich 2020, N. 4 

zu Art. 135 StPO; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_985/2020 vom 

5. November 2021 E. 4.9). Der jeweilige Kurzaufwand von insgesamt 1.05 

Stunden ist zu streichen. 

 

Es ergibt sich nach dem Ausgeführten ein auf die Zeit bis Ende 2023 

entfallender Aufwand von 9.5 Stunden und ein auf die Zeit seit 1. Januar 

2024 entfallender Aufwand von 9 Stunden bzw. ein Gesamtaufwand von 

18.5 Stunden. 

 

Der amtliche Verteidiger ist nicht von einem einheitlichen Regelstunden-

ansatz ausgegangen, sondern teilweise von Fr. 200.00, von Fr. 220.00 und 

von Fr. 250.00. Der Stundenansatz für die amtliche Verteidigung richtet 

sich nach § 9 Abs. 3bis AnwT, wobei zu differenzieren ist, ob die fraglichen 

Leistungen vor oder nach dem 1. Januar 2024 erbracht worden sind, da der 

in § 9 Abs. 3bis AnwT vorgesehene Stundenansatz per diesem Datum von 

Fr. 200.00 auf Fr. 220.00 erhöht wurde (zur zeitlichen Anwendung: 

Leitentscheid des Obergerichts SST.2023.55 vom 26. Januar 2024 E. 4.2). 

In der Konsequenz sind sämtliche bis zum 31. Dezember 2023 erbrachten 

Leistungen mit Fr. 200.00 und einem Mehrwertsteuersatz von 7.7 %, 

 - 24 - 

 

 

sämtliche ab dem 1. Januar 2024 erbrachten Leistungen mit Fr. 220.00 und 

einem Mehrwertsteuersatz von 8.1 % zu entschädigen, woraus zuzüglich 

der geltend gemachten Auslagen eine Entschädigung von gerundet Fr. 

4'260.00 resultiert ([Auslagen von Fr. 63.50 x 1.081] + [9. 5 Stunden x 

Fr. 200.00 x 1.077] + [9 Stunden x Fr. 220.00 x 1.081]). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

6. 

6.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die 

Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Im Falle eines teilweisen 

Freispruchs oder einer teilweisen Verfahrenseinstellung können ihr auch 

dann die gesamten Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn die ihr zur 

Last gelegten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang 

stehen und alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklage-

punktes notwendig waren. Bei einem einheitlichen Sachverhaltskomplex ist 

vom Grundsatz der vollständigen Kostenauflage mithin nur abzuweichen, 

wenn die Strafuntersuchung im freisprechenden Punkt zu Mehrkosten 

geführt hat. Für die Kostenauflage gemäss Art. 426 StPO ist nicht die 

rechtliche Würdigung und die Anzahl der angeklagten Tatbestände, 

sondern der zur Anklage gebrachte Sachverhalt massgebend (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 13. Oktober 2023 E. 3.2.2 mit 

Hinweisen; 6B_343/2020 vom 14. Dezember 2021 E. 8.3). 

 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten die erstinstanzlichen Verfahrens-

kosten zu 4/5 auferlegt, was unter Berücksichtigung dessen, dass 

hinsichtlich der ergangenen Schuld- und Freisprüche überwiegend 

einheitliche Sachverhaltskomplexe vorgelegen haben, keine erheblichen 

Mehrkosten in den freizusprechenden Punkten entstanden sind und die 

Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig 

waren, nicht zu beanstanden ist. Dasselbe gilt trotz des Freispruchs vom 

Vorwurf des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung hinsichtlich des 

Vorfalls vom 19. Januar 2020. Diesbezüglich fanden die Untersuchungs-

handlungen insbesondere mit Blick auf die (gewichtigeren) Nötigungs-

handlungen zum Nachteil von C._____ vom 15. Januar 2020 statt. 

 

6.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren zuge-

sprochene Entschädigung von Fr. 7'953.95 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

 - 25 - 

 

 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019 E. 2). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zu 4/5 zurückzufordern, sobald 

es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1.  

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf  

- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB [in Rechtskraft erwachsen]; 

- der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB [in Rechtskraft 

erwachsen]; 

- des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen gemäss 

Art. 292 StGB [teilweise in Rechtskraft erwachsen]. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB 

(Straftatendossier 2 und 3) schuldig. 

 

3.  

3.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss Art. 181 StGB sowie in Anwendung von Art. 

47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB und Art. 46 Abs. 1 StGB 

 

als Gesamtstrafe mit der Widerrufsstrafe gemäss Ziff. 3.2 zu einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. 

 

3.2. 

Der mit Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau vom 5. Dezember 2019 für die 

Freiheitsstrafe von 9 Monaten und 2 Wochen gewährte bedingte Vollzug 

wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 StGB widerrufen. Die widerrufene 

Freiheitsstrafe bildet zusammen mit der neuen Strafe die Gesamtstrafe 

gemäss Ziff. 3.1. 

 

3.3. 

Die im Verfahren der Widerrufsstrafe (Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau 

vom 5. Dezember 2019) ausgestandene Untersuchungshaft von 4 Tagen 

wird an die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 - 26 - 

 

 

3.4. 

Der mit Urteil des Gerichtspräsidiums Aarau vom 5. Dezember 2019 für die 

Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 20.00 gewährte bedingte Vollzug wird 

gestützt auf Art. 46 Abs. 1 StGB widerrufen. Die Geldstrafe von Fr. 600.00 

ist zu bezahlen. 

 

3.5. 

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 

10. Januar 2018 für die Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 30.00 

gewährte bedingte Vollzug wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 StGB 

widerrufen. Die Geldstrafe von Fr. 3'600.00 ist zu bezahlen. 

4. 

4.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

4.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 4'260.00 auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

5. 

5.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. Anklagegebühr von Fr. 

2'500.00) werden dem Beschuldigten zu 4/5 mit Fr. 5'076.90 auferlegt. 

 

5.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 7'953.95 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 4/5 mit Fr. 6'363.15 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 
 

 Zustellung an:  

[…] 

  

 - 27 - 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 16. Mai 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six Gilgen