# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7a1d0e8-2739-53b1-8706-c095a6f6a791
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-25
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 25.07.2023 SK 2022 540
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-540_2023-07-25.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 22 540

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 25. Juli 2023 

Besetzung Oberrichterin Schwendener (Präsidentin i.V.), Oberrichter Vicari, 
Oberrichterin Weingart
Gerichtsschreiber Weibel

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilklägerin/Anschlussberufungsführerin

Gegenstand versuchter Mord, ev. versuchte vorsätzliche Tötung, ev. versuchte 
Gefährdung des Lebens; Nötigung, ev. versuchte Nötigung, 
ev. Drohung; Sachbeschädigung; Hausfriedensbruch; mehrfache 
Beschimpfung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 17. Mai 2022 (PEN 22 129)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht in Fünferbesetzung; 
nachfolgend Vorinstanz) erklärte A.________ (nachfolgend Beschuldigter) mit Ur-
teil vom 17. Mai 2022 (pag. 1679 ff.), im Kostenpunkt nachträglich berichtigt 
(pag. 1688 ff.), schuldig der versuchten vorsätzlichen Tötung, der mehrfachen ver-
suchten Nötigung, der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs und der Be-
schimpfung, alles begangen zum Nachteil von C.________ (nachfolgend Privatklä-
gerin), und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 7.5 Jahren unter Anrechnung 
von 494 Tagen provisorischer Haft an die Freiheitsstrafe (für das versuchte 
Tötungsdelikt), zu einer unbedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 
CHF 30.00, ausmachend total CHF 4'500.00 (für die übrigen Delikte), zu einer 
Landesverweisung von 10 Jahren und zur Übernahme der Verfahrenskosten von 
CHF 95'713.55. Im Weiteren setzte es die amtlichen Entschädigungen der beteilig-
ten Rechtsanwälte fest, urteilte über die Rück- und Nachzahlungspflichten, verur-
teilte den Beschuldigten zur Bezahlung von CHF 1'832.15 Schadenersatz, 
CHF 20'000.00 Genugtuung, beides zzgl. Zins zu 5% seit 8. Januar 2021, sowie 
CHF 14'461.10 Parteikostenersatz an die Privatklägerin, dem Grundsatz nach auch 
zur Tragung ihrer zukünftigen Behandlungs- und Therapiekosten, verwies die Pri-
vatklägerin für die vollständige Beurteilung dieser Forderung auf den Zivilweg und 
wies darüber hinausgehend ihre Zivilforderung ab, ohne Kosten im Zivilpunkt aus-
zuscheiden. Die Vorinstanz verfügte sodann den weiteren Verbleib des Beschuldig-
ten in Sicherheitshaft, die Einziehung eines Küchenmessers, eines Gürtels und ei-
nes Mobiltelefons zur Vernichtung, die Ausschreibung der Landesverweisung im 
SIS sowie die nötigen Zustimmungen zur Löschung des DNA-Profils und der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen 
Fristen. 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte im Anschluss an die Urteilseröffnung 
vom 17. Mai 2022 mündlich die Berufung an (pag. 1940). Sodann liess er der Vor-
instanz zwei schriftliche Berufungsanmeldungen, datierend vom 18. Mai 2022 (Ein-
gang: 20. Mai 2023; pag. 1698 ff.) und 19. Mai 2022 (Eingang: 23. Mai 2023; 
pag. 1709) zukommen. 

Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 20. September 2022 und wurde den 
Parteien mit Verfügung vom gleichen Tag zugestellt (pag. 1837 ff., 1940 ff.).

Am 3. Oktober 2022 erklärte der amtliche Verteidiger für den Beschuldigten form- 
und fristgerecht die Berufung (pag. 1950 ff.). Er beantragte darin vorab die Feststel-
lung der Unverwertbarkeit der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
10.–17. Mai 2022, die Weisung aus den Akten des Verhandlungsprotokolls, des Ur-
teils und dessen schriftlicher Begründung sowie die Rückweisung der Sache an die 
Vorinstanz zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und Beurteilung, unter 

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Kosten- und Entschädigungsfolgen. Eventualiter focht er das vorinstanzliche Urteil 
vollumfänglich an, verlangte einen vollumfänglichen Freispruch, unter kostenfälliger 
Abweisung der Zivilklage, unter Auferlegung der erst- und oberinstanzlichen Ver-
fahrenskosten an den Kanton Bern, unter Ausrichtung einer Entschädigung für die 
erst- und oberinstanzlichen Verteidigerkosten und unter Ausrichtung einer Genug-
tuung. 

Mit Eingabe vom 26. Oktober 2022 beantragte die Generalstaatsanwaltschaft die 
Abweisung des Antrags auf Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und der Rück-
weisung der Sache an das erstinstanzliche Gericht. Im Weiteren beantragte sie 
kein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten, schloss sich indessen sei-
ner Berufung an, wobei sie sich auf den Schuldspruch wegen versuchter vorsätzli-
cher Tötung samt Sanktion beschränkte und den Antrag eines Schuldspruchs we-
gen versuchten Mordes sowie einer deutlich höheren Freiheitsstrafe in Aussicht 
stellte (pag. 2019 ff.).

Mit Eingabe vom 1. November 2022 beantragte auch der unentgeltliche Rechtsbei-
stand der Privatklägerin die Abweisung des Antrags auf Aufhebung des vorinstanz-
lichen Urteils und der Rückweisung der Sache an das erstinstanzliche Gericht. Im 
Übrigen erhob er die Anschlussberufung (pag. 2038 ff.), dies beschränkt auf den 
Schuldpunkt, indem der Beschuldigte des versuchten Mordes schuldig zu sprechen 
sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu seinen Lasten. 

Mit Schreiben vom 8. Dezember 2022 teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, 
dass kein Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Privatklägerin beantragt 
werde (pag. 2074 f.). Am 20. Dezember 2022 liess auch die Privatklägerin durch ih-
ren Rechtsbeistand verlauten, dass kein Nichteintreten auf die Anschlussberufung 
der Generalstaatsanwaltschaft beantragt werde (pag. 2083). Der Beschuldigte liess 
sich zur Eintretensfrage im Zusammenhang mit den beiden Anschlussberufungen 
nicht vernehmen. 

3. Notwendige Verteidigung

Erstinstanzlich war der Beschuldigte seit Beginn der Strafuntersuchung von 
Rechtsanwalt E.________ amtlich verteidigt worden. Die Anträge des Beschuldig-
ten persönlich vom 23. März 2022 (pag. 1532 ff.) sowie vom 1. April 2022 
(pag. 1541 f.) auf Wechsel des amtlichen Verteidigers waren nach eingeholter Stel-
lungnahme bei Rechtsanwalt E.________ vom 8. April 2022 (pag. 1551 f.) von der 
Vorinstanz abgewiesen worden (pag. 1554 ff.). 

Mit Eingabe vom 18. Mai 2022 (pag. 1564 f.) beantragte Rechtsanwalt E.________ 
– nachdem der Beschuldigte sich anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung während dessen Plädoyer die Ohren zugehalten und auch sonst deutlich zu 
verstehen gegeben hatte, dass er seinen Verteidiger desavouierte (pag. 1609, 
1619) –, aus dem amtlichen Mandat entlassen zu werden. Auch der Beschuldigte 
persönlich beantragte mit Eingabe vom 24. Mai 2022 erneut einen Mandatswech-
sel, unter Bezeichnung seines Wunschanwaltes (pag. 1575 f.). Den Anträgen wur-
de mit vorinstanzlicher Verfügung vom 30. Mai 2022 stattgegeben und anstelle von 
Rechtsanwalt E.________ wunschgemäss Rechtsanwalt G.________ als notwen-
diger Verteidiger des Beschuldigten eingesetzt (pag. 1567 ff.).  

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Mit Eingabe vom 3. November 2022 ersuchte Rechtsanwalt H.________ die Ver-
fahrensleitung um eine einmalige Besuchsbewilligung zwecks Prüfung eines Ver-
teidigerwechsels (pag. 2041.2). Der Beschuldigte schrieb daraufhin mit Brief vom 
9. November 2022, dass Rechtsanwalt H.________ ihn zweimal im Gefängnis be-
sucht habe, anscheinend via I.________ von seiner Familie als möglicher neuer 
Anwalt bezahlt, er dies aber nicht wolle, weil er schon einen Anwalt habe (pag. 
2041.15). 

Mit Eingabe vom 31. Januar 2023 ersuchte Rechtsanwalt G.________ infolge un-
heilbarer Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zu seinem Klienten um Entlas-
sung aus dem amtlichen Mandat (pag. 2149 f.). Der Beschuldigte persönlich liess 
diesem Antrag am 31. Januar 2023 einen eigenen, entsprechenden Antrag folgen 
(pag. 2160 ff.). Mit Verfügung vom 14. Februar 2023 wurde Rechtsanwalt 
G.________ antragsgemäss aus dem Mandat entlassen (und mit Beschluss vom 
31. März 2023 entschädigt, pag. 2266 ff.) und stattdessen wunschgemäss Rechts-
anwalt B.________ als neuer amtlicher Verteidiger eingesetzt (pag. 2167 ff.). 

Mit persönlichen Eingaben vom 29. Mai 2023 (pag. 2321 ff.), 4. Mai 2023 
(pag. 2324 ff.) sowie einer weiteren, undatierten Eingabe (eingelangt am 13. Juni 
2023; pag. 2332 ff.) ersuchte der Beschuldigte erneut um Wechsel des amtlichen 
Verteidigers und forderte stattdessen seinen letzten Verteidiger, Rechtsanwalt 
G.________ zurück. Nach eingeholten Stellungnahmen bei der Generalstaatsan-
waltschaft vom 27. Juni 2023 (pag. 2345) und bei Rechtsanwalt B.________ vom 
28. Juni 2023 (pag. 2346 f.) sowie unter Berücksichtigung einer weiteren persönli-
chen Eingabe des Beschuldigten vom 28. Juni 2023 (pag. 2349 ff.) wurde der An-
trag auf Wechsel der amtlichen Verteidigung mit Verfügung vom 30. Juni 2023 
schriftlich begründet abgewiesen (pag. 2354 ff.). 

4. Haft / Besuchsrecht

Der Beschuldigte wurde am 9. Januar 2021 an J.________ (Adresse) vorläufig 
festgenommen und mit Entscheid des regionalen Zwangsmassnahmengerichts 
Berner Jura-Seeland (nachfolgend ZMG) vom 11. Januar 2021 (pag. 34 ff.) in Un-
tersuchungshaft versetzt, welche mit weiteren Entscheiden des ZMG jeweils ver-
längert wurde (pag. 43 ff.). Mit Entscheid vom 25. Februar 2022 ordnete das ZMG 
die Sicherheitshaft bis am 24. Mai 2022 an (pag. 1360 ff.). Mit Urteil der Vorinstanz 
vom 17. Mai 2022 wurde die Sicherheitshaft über den Beschuldigten bis am 
17. August 2022 (pag. 1683, pag. 1712 ff.) und mit Beschluss vom 16. August 2022 
bis am 17. November 2022 (pag. 1770 ff.) verlängert. Gegen diesen Beschluss er-
hob der Beschuldigte Beschwerde (pag. 1786 ff.), welche mit obergerichtlichem 
Beschluss vom 13. September 2022 insoweit gutgeheissen wurde, als die Verlän-
gerung nur bis am 17. Oktober 2022 bewilligt wurde (pag. 1822 ff.). 

Mit Eingang des Verfahrens beim Obergericht wurde die Sicherheitshaft über den 
Beschuldigten nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (Stellungnahme der Gene-
ralstaatsanwaltschaft vom 29. September 2022, pag. 7 Haftdossier; Stellungnahme 
der Verteidigung vom 3. Oktober 2022, pag. 9 Haftdossier) mit Verfügung vom 
7. Oktober 2022 auch für die Dauer des Berufungsverfahrens angeordnet (SK 22 
541, pag. 27 ff. Haftdossier). 

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Mit Verfügung vom 21. Oktober 2022 wurde der Antrag des Beschuldigten vom 
29. September 2022 (pag. 1955) resp. 5. Oktober 2022 (pag. 1962) auf Besuch 
seines minderjährigen Sohnes F.________ am 25. Oktober 2022 im K.________ 
(Spital) im Zusammenhang mit einer geplanten Herzoperation nach Einholung all-
seitiger Stellungnahmen (Verteidigung pag. 1977 f., Generalstaatsanwaltschaft 
pag. 1983, Privatklägerin pag. 1984, Beistand pag. 1986) abgewiesen (pag. 1999 
ff.). 

Nachdem das Besuchsrecht und die Kontakte mit dem minderjährigen Sohn 
F.________ während der gerichtlichen Instruktionsphase immer wieder Thema ge-
wesen waren, kam es am 19. Oktober 2022 angeblich zu einem Vorfall während 
eines Gefängnisbesuches von F.________ bei seinem Vater (pag. 2042 ff.). Die für 
die Familie zuständige sozialpädagogische Familienbegleiterin meldete dem Bei-
stand von F.________, dass der Beschuldigte seinem damals 8.5-jährigen Sohn 
beim Anschauen eines Kinderbuches auf seinem Schosse sitzend die Hand in die 
Hose geschoben und dessen Penis gehalten habe. Auf Aufforderung der Begleite-
rin habe der Beschuldigte geantwortet, F.________ sei sein Kind und er dürfe dies. 
Dieser Vorfall führte zu einer Verwarnung des Beschuldigten durch den Beistand 
(pag. 2044), einer Strafanzeige durch die Kindsmutter (pag. 2258) und schliesslich 
zur umgehenden zivilrechtlichen Sistierung des Besuchsrechts (pag. 2435 ff.). 

Ein Gesuch des Beschuldigten vom 18. Oktober 2022 und 28. November 2022 be-
treffend Dauerbewilligung für Telefongespräche an jedem zweiten Wochenende mit 
seinen Eltern (pag. 1988 und pag. 2049) wurde nach Einholung von Stellungnah-
men (Privatklägerin pag. 2009, Verteidigung pag. 2012, Generalstaatsanwaltschaft 
pag. 2021) mit Verfügung vom 1. Dezember 2022 abgewiesen (pag. 2051 ff.).   

Mit Eingabe vom 23. Dezember 2022 beantragte der Beschuldigte den vorzeitigen 
Strafvollzug (pag. 2085). Die Generalstaatsanwaltschaft brachte mit Schreiben vom 
29. Dezember 2022 dagegen keine Einwände vor (pag. 2106). Nach Eingang der 
Stellungnahme der BVD vom 5. Januar 2023 (pag. 2111) wurde der vorzeitige 
Strafvollzug mit Verfügung vom 13. Januar 2023 bewilligt (pag. 2112 f.) und der 
Beschuldigte konnte diesen schliesslich per 22. März 2023 in der JVA Thorberg an-
treten (pag. 2435 ff.). 

Aufgrund eines angeblich eine Drohung beinhaltenden Telefonats des Beschuldig-
ten an die Schwester der Privatklägerin Ende März 2023 (vgl. pag. 2258 f.; Schrei-
ben Rechtsanwalt D.________ vom 30. März 2023) wurden – nach Gewährung 
des rechtlichen Gehörs (pag. 2273 [Generalstaatsanwaltschaft], pag. 2276 [Be-
währungs- und Vollzugsdienste], pag. 2280 f. [Beschuldigter]) – mit Verfügung vom 
14. April 2023 durch die Verfahrensleitung die Telefonprivilegien des Beschuldigten 
mit Auflagen verbunden und für den Widerhandlungsfall die Rückversetzung in die 
Sicherheitshaft angedroht (pag. 2283 ff.). Betreffend diesen Vorfall wurde Anzeige 
erstattet und ein Strafverfahren eingeleitet, welches mit dem Strafverfahren betref-
fend Übergriff auf F.________ vereinigt wurde und am Urteilsdatum bei der Staats-
anwaltschaft Oberland hängig war (Akten Nr. O 22 13241). 

Gemäss Angaben der Privatklägerin (pag. 2379 ff.) hat die Mutter des Beschuldig-
ten Mitte Juli 2023 versucht, die Schwester der Privatklägerin via «Viber» telefo-

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nisch zu erreichen. Die Privatklägerin sah darin eine Verletzung der Haftauflagen 
und stellte die Frage nach einer Rückversetzung des Beschuldigten in Sicherheits-
haft in den Raum. Am 1. und 22. August 2023 sowie am 12. September 2023 ver-
suchte der Beschuldigte gemäss Angaben der Privatklägerin zudem selber, deren 
Schwester telefonisch zu kontaktieren (pag. 2464 f., 2475 f. und 2478 f.). Am 
14. Oktober 2023 meldete die Privatklägerin eine briefliche Kontaktaufnahme des 
Beschuldigten zu seinem Sohn F.________ (pag. 2483 ff.). Über die Frage der 
Rückversetzung des Beschuldigten in Sicherheitshaft auf Grund von Missachtun-
gen der gerichtlichen Auflagen wurde nicht im Rahmen des vorliegenden Urteils, 
sondern im Nachgang dazu mit verfahrensleitender Verfügung vom 16. November 
2023 befunden (pag. 2542 ff.). 

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurde im Hinblick auf die oberinstanzliche Hauptverhandlung 
ein aktueller Strafregisterauszug vom 10. Juli 2023 (pag. 2375 ff.), ein Führungsbe-
richt des Regionalgefängnisses Thun vom 20. Juni 2023 (pag. 2312), ein Vollzugs-
bericht der JVA Thorberg vom 6. Juli 2023 (pag. 2371 ff.) sowie aktualisierende Er-
gänzungen zu den bereits aktenkundigen Berichten betreffend Landesverweisung 
von den Migrationsdiensten der Stadt N.________(Ortschaft) (pag. 2306) und vom 
Staatssekretariat für Migration SEM (pag. 2308 ff.), beide vom 16. Juni 2023, ein-
geholt.

Weiter wurden während des Berufungsverfahrens von den Parteien Dokumente im 
Zusammenhang mit der Herzoperation des Sohnes des Beschuldigten F.________ 
(pag. 1956 ff., pag. 1986, pag. 2018), des Vorfalls vom 19. Oktober 2019 im Regio-
nalgefängnis Thun (pag. 2044 ff.), einer Untersuchung von F.________ in der Uni-
versitätsklinik für Kinderheilkunde des K.________ (Spital) (pag. 2045) sowie Briefe 
des Beschuldigten an den Kindsbeistand (pag. 2062 ff.), Screenshots und «Viber»-
Auszüge betreffend die Kontaktierung der Schwester der Privatklägerin durch den 
Beschuldigten und dessen Mutter (pag. 2260 resp. pag. 2380 ff.) sowie ein psycho-
logisch ärztliches Zeugnis der Privatklägerin vom 13. Juli 2023 eingereicht 
(pag. 2385) und mit Beschluss der Kammer anlässlich der Berufungsverhandlung 
vom 24. Juli 2023 zu den Akten erkannt (pag. 2398). Weiter wurde anlässlich der 
Berufungsverhandlung der Beweisantrag der Privatklägerin, es sei der Massnah-
menentscheid CIV 30 3031 / CIV 23 2066 (vM) des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland vom 31. Mai 2023 (pag. 2435) zu den Akten zu erkennen, mit Beschluss 
der Kammer gutgeheissen (pag. 2398). Sodann wurden die Privatklägerin und der 
Beschuldigte an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung unter Konfrontationsver-
meidung erneut befragt (pag. 2400 ff.; pag. 2407 ff.). 

6. Anträge der Parteien

Der amtliche Verteidiger stellte anlässlich der Berufungsverhandlung im Namen 
des Beschuldigten neben den bereits durch den Voranwalt formulierten Begehren 
auf Rückweisung (vgl. pag. 1950 ff. und Ziff. 8 hiernach) folgende Anträge 
(pag. 2428 f.; Hervorhebungen im Original):
I. Herr A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf:

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1. des versuchten Mordes, evtl. der versuchten vorsätzlichen Tötung, evtl. der versuchten 
Gefährdung des Lebens, angeblich begangen am 08.01.2021 in L.________ (Ortschaft), 
M.________ (Strasse), nahe dem Friedhof L.________(Ortschaft), zum Nachteil von 
C.________;

2. der Sachbeschädigung, angeblich begangen in der Zeit vom 21.07.2020 bis am 23.07.2020 
in L.________(Ortschaft), O.________(Adresse), zum Nachteil von C.________;

3. des Hausfriedensbruchs, angeblich begangen in der Zeit vom 21.07.2020 bis am 
23.07.2020 in L.________(Ortschaft), O.________(Adresse), zum Nachteil von C.________;

4. der Beschimpfung, angeblich mehrfach begangen in der Zeit vom 06.04.2020 bis am 
15.07.2020 in L.________(Ortschaft), P.________(Adresse), Soziale Dienste, zum Nachteil 
von C.________.

II. Herr A.________ sei hingegen schuldig zu erklären:

1. der versuchten Nötigung, begangen in der Zeit von Dezember 2019 bis am 08.01.2021 in 
L.________(Ortschaft) und N.________(Ortschaft), zum Nachteil von C.________;

und in Anwendung der Artikel

StGB: Art. 22 Abs. 1, 34, 42, 51, 181
StPO: Art. 426 ff.

zu verurteilen

1. zu einer bedingten Geldstrafe;

2. unter Ausscheidung von äusserst wenig Verfahrenskosten.

III. Die übrigen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

IV. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei aufgrund der eingereichten Kostennote gerichtlich 
zu bestimmen.

V. A.________ sei unverzüglich aus der Haft zu entlassen.

VI. Für die erlittene Haft vom 9. Januar 2021 bis 24. Juli 2023 (=927 Tage) sei A.________ eine 
Genugtuung von mindestens CHF 100.00 pro Tag auszurichten.

VII. Die geltend gemachten Zivilforderungen seien unter Kosten- und Entschädigungsfolgen abzu-
weisen.

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte indessen die folgenden Anträge (pag. 2437 f.; 
Hervorhebungen im Original):
I.

A.________ sei schuldig zu sprechen:

1. des versuchten Mordes, begangen am 8. Januar 2021 in L.________(Ortschaft), 
M.________(Strasse), nahe dem Friedhof L.________(Ortschaft), z.N. von C.________;

2. der versuchten Nötigung, mehrfach begangen in der Zeit vom Dezember 2019 bis am 8. Januar 
2021 in L.________(Ortschaft) und N.________(Ortschaft), z.N. von C.________;

3. der Sachbeschädigung, begangen in der Zeit vom 21. Juli 2020 bis am 23. Juli 2020 in 
L.________(Ortschaft), O.________(Adresse), z.N. von C.________ (Deliktssumme rund CHF 
1'500.00);

4. des Hausfriedensbruchs, begangen in der Zeit vom 21. Juli 2020 bis am 23. Juli 2020 in 
L.________(Ortschaft), O.________(Adresse), z.N. von C.________;

5. der Beschimpfung, mehrfach begangen in der Zeit vom 6. April 2020 bis am 15. Juli 2020 in 
L.________(Ortschaft), P.________(Adresse), Soziale Dienste, z.N. von C.________

und er sei in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen

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zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- 
und Sicherheitshaft;

2. zu einer unbedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total 
CHF 4'500.00;

3. zu einer Landesverweisung von 10 Jahren (inkl. SIS-Ausschreibung);

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Ge-
bühr gemäss Art. 21 VKD).

II.

Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (Honorar, amtliche Verteidigung etc.)

Der amtliche Rechtsvertreter der Straf- und Zivilklägerin beantragte sodann Fol-
gendes (pag. 2440 f.):
I. A.________, geb. A.________

1. wegen versuchten Mordes, begangen am 08.01.2021, zwischen ca. 17.00 und 20.20 Uhr in 
L.________(Ortschaft), M.________ (Strasse), z.N. von C.________;

2. wegen versuchter Nötigung, begangen in der Zeit von Dezember 2019 bis am 08.01.2021, in 
L.________(Ortschaft) und N.________ (Ortschaft), z.N. von C.________;

3. wegen Sachbeschädigung, begangen in der Zeit vom 21.07.2020 bis am 23.07.2020 in 
L.________(Ortschaft), O.________ (Adresse), z.N. von C.________ (Deliktssumme rund 
CHF 1'500.00);

4. wegen Hausfriedensbruchs, begangen in der Zeit vom 21.07.2020 bis am 23.07.2020 in 
L.________(Ortschaft), O.________(Adresse), z.N. von C.________;

5. wegen Beschimpfung, mehrfach begangen, in der Zeit vom 06.04.2020 bis am 15.07.2020 in 
L.________(Ortschaft), P.________ (Adresse), z.N. von C.________.

II. A.________ (vgt.) sei in Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zu verurteilen:

1. zu einer angemessenen Strafe;

2. zur Bezahlung der gesamten erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten;

3. zur Bezahlung der Interventionskosten der Privatklägerin für das erstinstanzliche Verfahren 
in der Höhe CHF 14'461.10 und oberinstanzliche Verfahren gemäss eingereichter Kostenno-
te, unter Vorbehalt der Bestimmungen der unentgeltlichen Rechtspflege.

III. Zivilansprüche der Privatklägerin:

1. A.________ (vgt.) sei zu verurteilen, der Privatklägerin eine angemessene Genugtuung in 
der Höhe von CHF 20'000.00 zu bezahlen, zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 08.01.2021.

2. A.________ (vgt.) sei zu verurteilen, der Privatklägerin Schadenersatz in der Höhe von 
CHF 1'832.15 zu bezahlen, zzgl. Zins zu 5 % seit dem 08.01.2021.

3. A.________ (vgt.) sei dem Grundsatz zur Tragung der Behandlungs- und Therapiekosten, 
welche der Privatklägerin durch die begangenen strafbaren Handlungen in Zukunft erwach-
sen werden, zu verurteilen. Für die vollständige Beurteilung sei die Forderung auf den Zivil-
weg zu verweisen.

4. Auf das Ausscheiden von Kosten- und Entschädigungsfolgen im Zusammenhang mit der Zi-
vilklage sei zu verzichten.

Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistands der Privatklägerin sei gestützt auf die eingereichte Kos-
tennote gerichtlich festzulegen.

Es seien die notwendigen Verfügungen zu erlassen.

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7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil mit Berufungserklärung vom 3. Ok-
tober 2022 vollumfänglich angefochten (pag. 1950 ff.), so dass das gesamte erstin-
stanzliche Urteil zu überprüfen ist. Die Kammer verfügt dabei über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 3 StPO).

Die Generalstaatsanwaltschaft und die Privatklägerin beschränkten ihre An-
schlussberufungen auf den Schuldspruch für das versuchte Tötungsdelikt. Beide 
Parteien forderten stattdessen einen Schuldspruch für versuchten Mord. Die Gene-
ralstaatsanwaltschaft verlangte zudem entsprechend eine höhere Freiheitsstrafe. 
Die Kammer ist infolgedessen insofern frei in ihrer Beurteilung, als dass sie das Ur-
teil bezüglich Tötungsvorwurf samt damit zusammenhängender Sanktion sowohl zu 
Gunsten als auch zu Ungunsten des Beschuldigten abändern kann. In Bezug auf 
die weiteren Tatvorwürfe, die dafür vorinstanzlich ausgesprochenen Sanktionen 
sowie die Landesverweisung ist sie indessen wegen der alleinigen Berufung durch 
den Beschuldigten an das Verschlechterungsverbot (reformatio in peius) gemäss 
Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil in diesen Punkten nicht zu 
Ungunsten des Beschuldigten abändern. Vom Verschlechterungsverbot grundsätz-
lich nicht erfasst ist die Höhe des erstinstanzlich festgesetzten Tagessatzes der 
Geldstrafe (vgl. BGE 144 IV 198 E. 5.3 f.).

Auf die Höhe der amtlichen Entschädigungen von Rechtsanwalt E.________ und 
Rechtsanwalt D.________ für das erstinstanzliche Verfahren ist nur zurückzukom-
men, sofern die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermes-
sen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (Urteile des Bundesgerichts 
[BGer] 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 
11. Januar 2017 E. 2.3). Darüber hinausgehend unterliegt auch dieser Punkt auf 
Grund der fehlenden Berufung durch die Generalstaatsanwaltschaft dem Ver-
schlechterungsverbot (BGer 6B_1231/2022 vom 10. März 2023 E. 2.2.5). 

8. Antrag auf Rückweisung

Der Beschuldigte beantragte in seiner Berufungserklärung vorab die Feststellung 
der Unverwertbarkeit der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 10.–17. Mai 
2022, die Weisung aus den Akten des Verhandlungsprotokolls, des Urteils und 
dessen schriftlicher Begründung sowie die Rückweisung der Sache an die Vorin-
stanz zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und Beurteilung, unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen (pag. 1950 f.). Zur Begründung führte er im We-
sentlichen und zusammengefasst aus, spätestens anlässlich der erstinstanzlichen 
Verhandlung sei das Ausmass der Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwi-
schen Rechtsanwalt E.________ und dem Beschuldigten offensichtlich geworden. 
Sowohl das Aussageverhalten des Beschuldigten, als auch das Plädoyer und die 
Anträge des Verteidigers seien nicht gestützt auf die im Rahmen eines Verteidi-
gungsmandats unabdingbaren Instruktionen erfolgt. Die Verhandlung hätte infolge-
dessen abgebrochen und eine neue Verteidigung beigeordnet werden müssen. Der 
damalige Verteidiger hätte nicht erst nach der Verhandlung um Anwaltswechsel er-
suchen müssen, sondern bereits, als er sich bewusst geworden sei, dass er seiner 
Funktion als Verteidiger nicht mehr gerecht werden könne. Durch seinen Verbleib 

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sei der grundrechtliche Anspruch auf sachkundige, engagierte und effektive Wahr-
nehmung der Parteiinteressen des Beschuldigten verletzt worden (pag. 1950 f.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft hielt mit Stellungnahme vom 26. Oktober 2022 im 
Wesentlichen und zusammengefasst dagegen, alleine die mehrfachen Gesuche 
um Wechsel des amtlichen Anwalts würden noch nicht auf ungenügende Verteidi-
gung schliessen lassen. Der Beschuldigte habe sich insbesondere am 25. Oktober 
2021 erfolglos gegen einen ablehnenden Entscheid gewehrt. Die Verhandlung ha-
be nur fünf Monate nach dem abschlägigen Beschluss der Beschwerdekammer 
stattgefunden, so dass von einer wirksamen Verteidigung habe ausgegangen wer-
den können. Entsprechend sei auch das neuerliche Gesuch um Wechsel am 
13. April 2022 vorinstanzlich abgewiesen worden. Betreffend Vorwurf der ungenü-
genden Instruktion könne festgehalten werden, dass der neue Verteidiger in der 
Hauptsache die gleichen Anträge stelle wie der früherer Verteidiger. Zudem seien 
der Leistungsabrechnung von Rechtsanwalt E.________ genügend Besuche des 
Beschuldigten zu entnehmen, was auf Instruktion schliessen lasse. Alleine das 
provozierende und inakzeptable Verhalten des Beschuldigten könne keinen Wech-
sel des amtlichen Verteidigers herbeiführen. Dass es aber auf Grund dieses Be-
nehmens für den amtlichen Verteidiger keinen Sinn mehr gemacht habe, das Man-
dat nach dem erstinstanzlichen Urteil weiterzuführen, könne nicht so verstanden 
werden, dass bereits an der Hauptverhandlung eine ungenügende Verteidigung 
bestanden habe. Rechtsanwalt E.________ habe sich trotz Provokationen durch 
den Beschuldigten an der Hauptverhandlung absolut professionell verhalten und 
habe sein Mandat bis zuletzt im Sinne des Beschuldigten weitergeführt (pag. 
2020).

Die Privatklägerin sodann liess durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom 1. No-
vember 2022 die Abweisung des Rückweisungsantrags stellen und begründete im 
Wesentlichen und zusammengefasst, der Beschuldigte habe von Anfang an sämtli-
che Vorwürfe bestritten. Sowohl die Anträge als auch das Plädoyer des damaligen 
amtlichen Verteidigers seien gestützt auf dieses Aussageverhalten erfolgt. Der 
Wechselwunsch des Beschuldigten stehe unter Verweis auf das Schreiben des 
Beschuldigten selber (pag. 1210) offensichtlich im Zusammenhang mit der Unter-
suchungshaft, deren Verlängerung damals angestanden sei. Er habe Rechtsanwalt 
E.________ offensichtlich für seinen erfolglosen Kampf um Haftentlassung verant-
wortlich machen wollen. Das provozierende Verhalten des Beschuldigten an der 
Hauptverhandlung sei klarerweise als Trotzreaktion zu werten und stelle keinen ob-
jektiven Grund für einen Verteidigerwechsel dar. Würde man solchen Anträgen 
nachkommen, würde man Tür und Tor für entsprechende Verzögerungstaktiken 
öffnen. Eine wirksame Verteidigung sei jederzeit gewährleistet gewesen (pag. 
2039).

Weist das erstinstanzliche Verfahren wesentliche Mängel auf, die im Berufungsver-
fahren nicht geheilt werden können, so hebt das Berufungsgericht das angefochte-
ne Urteil auf und weist die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung 
und zur Fällung eines neuen Urteils an das erstinstanzliche Gericht zurück 
(Art. 409 Abs. 1 StPO). Die kassatorische Erledigung durch Rückweisung ist auf-
grund des reformatorischen Charakters des Berufungsverfahrens die Ausnahme 

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und kommt nur bei derart schwerwiegenden, nicht heilbaren Mängeln des erstin-
stanzlichen Verfahrens in Betracht, in denen die Rückweisung zur Wahrung der 
Parteirechte, in erster Linie zur Vermeidung eines Instanzenverlusts, unumgänglich 
ist (BGer 6B_32/2017 vom 29. September 2017 E. 6.1). Namentlich die nicht gehö-
rige Verteidigung fällt als solch wesentlicher Mangel in Betracht (BGE 143 IV 408 
E. 6.1). Eine solche ist gegeben bei formell fehlender oder materiell völlig ungenü-
gender Verteidigung in den Fällen notwendiger Verteidigung oder bei gänzlichem 
Ausbleiben des notwendigen Verteidigers trotz persönlicher Erscheinungspflicht 
(SK StPO-ZIMMERLIN, 3. Aufl. 2020, N 6 zu Art. 409).

Der Rückweisungsentscheid fällt in die alleinige Kompetenz des Berufungsgerichts 
(Art. 409 Abs. 1 StPO). Zuständig ist somit die Kammer. Ergibt sich be-
reits aufgrund der Berufungserklärung, dass das Verfahren offensichtlich zurück-
zuweisen ist, kann eine Rückweisung bereits vor der Ansetzung der mündlichen 
Berufungsverhandlung angeordnet werden, wobei den Parteien zumindest schrift-
lich das rechtliche Gehör gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO zu gewähren ist (ZIMMER-
LIN, a.a.O., N 9 zu Art. 409). Diesfalls ergeht der Entscheid in Form eines Be-
schlusses (Art. 80 Abs. 1 Satz 2 StPO) und gilt als Zwischenentscheid (vgl. auch 
BGer 6B_766/2022 vom 14. September 2022 E. 1.1). Der Entscheid darüber, ob 
die Kammer bereits im Vorfeld zur Hauptverhandlung über einen Rückweisungsan-
trag beschliessen soll oder nicht, obliegt der Verfahrensleitung. Vorliegend waren – 
insbesondere auch nach durchgeführtem Schriftenwechsel – keine Gründe ersicht-
lich, welche eine offensichtliche Rückweisungsnotwendigkeit des Verfahrens an die 
erste Instanz vor Durchführung der Berufungsverhandlung nahegelegt hätten: Der 
bereits von Anbeginn an eingesetzte amtliche Verteidiger des Beschuldigten war 
an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung weder unentschuldigt säumig noch hatte 
er es unterlassen, für den Beschuldigten Anträge zu stellen, im Gegenteil: Dem 
Verhandlungsprotokoll ist zu entnehmen, dass Rechtsanwalt E.________ in allen 
Punkten Anträge im Interesse des Beschuldigten stellte und zur Begründung dazu 
umfassend plädierte. Infolgedessen hat die Verfahrensleitung nach weiterer Prü-
fung der Eintretensfragen i.S. von Art. 403 Abs. 4 StPO ohne Weiteres die notwen-
digen Anordnungen zur Durchführung des Berufungsverfahrens getroffen und zum 
Verhandlungstermin vorgeladen, was durch die Parteien nicht bemängelt wurde.

Die Kammer kommt auch nach durchgeführter Berufungsverhandlung und Bera-
tung zu keinem anderen Schluss. Es sind keinerlei Hinweise auf eine nicht gehöri-
ge amtliche Verteidigung ersichtlich. Zur Begründung kann auf die treffenden Ar-
gumente der Generalstaatsanwaltschaft und der Privatklägerin verwiesen werden. 
Insbesondere fällt auf, dass die an der Hauptverhandlung durch Rechtsanwalt 
E.________ gestellten Anträge (pag. 1642) inhaltlich deckungsgleich sind mit den 
Anträgen seines Nachfolgeverteidigers Rechtsanwalt G.________ in dessen Beru-
fungserklärung (pag. 1951 f.). Rechtsanwalt E.________ hat zudem – trotz zur 
Schau gestellter Desavouierung durch seinen Klienten – geradezu vorbildlich in 
dessen Namen und Interessen mit vollem Einsatz plädiert. Dabei orientierte er sich 
ganz offensichtlich an früher erhaltenen Instruktionen und insbesondere an den 
Aussagen des Beschuldigten, welcher stets seine Unschuld beteuerte und vollum-
fänglich freigesprochen und schadlos gehalten werden wollte (vgl. zum umfassen-
den Plädoyer pag. 1619 ff. und Audioaufnahme pag. 1628.1). Die Tatsache, dass 

12

sich der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung gegen seinen Verteidiger 
äusserst provokativ und gar respektlos verhalten hatte und diesen offensichtlich 
komplett ablehnte, vermag noch keinen echten Vertrauensbruch zu objektivieren. 
Wie die Privatklägerin treffend ausführte, würde eine gegenteilige Auffassung dazu 
führen, dass es jeder Beschuldigte in Händen hätte, alleine durch sein Benehmen 
zu jedem beliebigen Zeitpunkt – selbst nach rechtskräftig ergangener Abweisung 
eines solchen Wechselbegehrens – einen Verteidigerwechsel zu erzwingen, nur 
weil ihm die aktuelle Verteidigungsstrategie nicht gefällt, er Zeit gewinnen will oder 
aus sonst einem gewillkürten Grund. Es sei daran erinnert, dass der amtli-
che/notwendige Verteidiger eben nicht bloss das unkritische Sprachrohr seines 
Mandanten ist, dessen gewünschte Verteidigungsstrategie er nicht übernehmen 
und auch die Haltung des Beschuldigten nicht ungefiltert gegenüber den Straf-
behörden vertreten muss (BGE 138 IV 161 E. 2.4). 

An dieser Stelle sei zudem erwähnt, dass der Beschuldigte sowieso ein ambivalen-
tes Verhältnis in Bezug auf das Vertrauensverhältnis zu seinen Verteidigern zu ha-
ben scheint. So erklärte er später auch gegenüber der Berufungsinstanz betreffend 
Rechtsanwalt G.________, das Vertrauensverhältnis sei unwiderruflich zerstört. In 
seinen letzten Eingaben, als dann auch sein dritter Verteidiger, Rechtsanwalt 
B.________, schlussendlich in Ungnade gefallen war, verlangte er dann aber trotz 
angeblich zerstörtem Vertrauensverhältnis Rechtsanwalt G.________ wieder als 
Verteidiger zurück. Die Grenzen eines intakten Vertrauensverhältnisses sind für 
den Beschuldigten offenbar situativ flexibel. Auch das weist auf subjektive Willkür 
und komplett fehlende Objektivierbarkeit der Rügen an die Adressen seiner Vertei-
diger hin. 

Dass Rechtsanwalt E.________ nach der Hauptverhandlung und Urteilsfällung sel-
ber um Anwaltswechsel ersuchte, vermag keine Notwendigkeit eines solchen An-
trags auch bereits vor oder während der Hauptverhandlung zu begründen: ein sol-
cher Antrag wäre klar zu Unzeit erfolgt. Dass sich Rechtsanwalt E.________ nach 
abgeschlossener erstinstanzlicher Arbeit einer weiteren Belastung durch das Ver-
halten eines ablehnenden Klienten nicht länger aussetzen und diesem für das 
zweitinstanzliche Verfahren die Chance auf einen Neustart geben wollte, ist in An-
betracht des Benehmens des Beschuldigten gegenüber seinem Verteidiger an der 
Hauptverhandlung nachvollziehbar, in Bezug auf die Bedürfnisse des Beschuldig-
ten umsichtig und zeitlich vollkommen adäquat. 

Soweit der Beschuldigte selber immer wieder schriftlich geltend machte, es könne 
doch nicht sein, dass er von der Vorinstanz nicht richtig angehört und trotzdem 
verurteilt worden sei, ist entgegenzuhalten, dass es – nach übersetzter Rechtsbe-
lehrung durch den erstinstanzlichen Gerichtspräsidenten – seine eigene Entschei-
dung war, sich in seiner Einvernahme nicht zur Sache zu äussern (pag. 1609 f.). Er 
erklärte dem Gericht unmissverständlich, dass er keine Antworten geben werde, so 
lange Rechtsanwalt E.________ hier sei, er wolle sich lieber selber verteidigen 
(pag. 1609 Z. 21 ff., Z. 30 ff. und Z. 36 f.). Mit dieser Strategie schien er das Gericht 
regelrecht erpressen zu wollen. Es ist nämlich nicht ersichtlich, welchen Einfluss 
rein schon nur die Präsenz des unliebsamen Verteidigers auf die persönlichen 
Aussagen des Beschuldigten hätten haben sollen, wenn er sich denn tatsächlich 

13

hätte selber verteidigen wollen. Mit einer Aussage gegenüber dem Gericht hätte er 
weder explizit noch implizit seinen Verteidiger rehabilitiert und dessen Anwesenheit 
hätte der Aussage auch in Nichts geschadet. Seine wahre Absicht hinter der Ver-
weigerung offenbarte der Beschuldigte sodann auf Erklärung des Vorsitzenden, 
dass über den beantragten Anwaltswechsel bereits entschieden worden sei, dies 
nicht mehr thematisiert werde und die Befragung damit beendet werde: Er akzep-
tiere diese Verhandlung nicht, nach seinem Dafürhalten könne das Gericht die 
Verhandlung nicht abschliessen, wenn er nichts sage, das gehe doch nicht 
(pag. 1609 Z. 34 ff.). Als er dann merkte, dass auf sein Begehren trotz Aussage-
verweigerung nicht weiter eingegangen wurde und die Verhandlung ohne Weiteres 
ihren Lauf nahm, machte er im Rahmen seines letzten Wortes – wohlbemerkt trotz 
Anwesenheit von Rechtsanwalt E.________ –  dann doch noch spontane Angaben 
zum Sachverhalt. Inwiefern dieses Verhalten einer ungenügenden Verteidigung 
zugeschrieben werden soll, erhellt nicht. Auch darin ist somit kein Rückweisungs-
grund zu erkennen. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden schliesslich sei-
tens der Verteidigung des Beschuldigten keine weiteren Ausführungen zum Rück-
weisungsantrag mehr getroffen.

Der Antrag auf Rückweisung ist (kostenfällig) abzuweisen.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Versuchtes Tötungsdelikt 

9.1 Vorwurf gemäss Ziff. I.1 der Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird gemäss Anklageschrift versuchter Mord, evtl. versuchte 
vorsätzliche Tötung, evtl. versuchte Gefährdung des Lebens, zum Nachteil der Pri-
vatklägerin vorgeworfen, begangen am 8. Januar 2021, zwischen ca. 17:00 und 
22:20 Uhr in L.________(Ortschaft), M.________(Strasse), nahe dem Friedhof 
L.________(Ortschaft) und in N.________(Ortschaft), Q.________ (Adresse). Der 
Beschuldigte soll der Privatklägerin, seiner Exfrau, im Verlaufe des frühen Abends 
mit dem Mobiltelefon geschrieben haben, dass er angeblich zu seinem Cousin 
müsse und er ihr deshalb den gemeinsamen Sohn F.________ bereits am selben 
Abend gegen 22:00 Uhr wieder zurückbringen und sich angeblich deshalb mit ihr 
beim Friedhof in L.________(Ortschaft) verabreden wolle, um den Sohn zu über-
geben, wobei der Beschuldigte nie die Absicht gehabt habe, ihr den Sohn zu über-
bringen. Der Beschuldigte habe an seinem Domizil zwei schwarze Stoffgurte, wel-
che er zusammenknotete, sowie ein Küchenmesser mit einer 20 cm langen Klinge 
behändigt und das Domizil gegen ca. 21:45 Uhr mit dem Fahrrad in Richtung 
L.________(Ortschaft) verlassen, wobei er den Sohn F.________ alleine schlafend 
zu Hause gelassen habe. 

Zwischen der Einfahrt zum Parkplatz des Friedhofes L.________(Ortschaft) und 
dem Weg, welcher von der M.________(Strasse) in den R.________ (Örtlichkeit) 
führt, habe der Beschuldigte auf die Privatklägerin im Waldstück gewartet und sei 
aus dem Gebüsch gekommen, als diese sich genähert habe. Der Beschuldigte ha-
be seinen Fuss bewegt und die Privatklägerin aufgefordert, zu schauen, was er an 

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seinem Fuss habe. Nachdem die Privatklägerin gefragt habe, wo sich der Sohn 
F.________ befinde, habe der Beschuldigte auf das Gebüsch gezeigt und gesagt, 
F.________ sei im Auto am Warten. Der Beschuldigte habe sich anschliessend der 
Privatklägerin genähert, ihr seinen rechten Arm um deren Hals gelegt, wobei er in 
der rechten Hand den schwarzen Gurt gehalten und mit der linken Hand das ande-
re Ende des Gurtes gefasst und begonnen habe, die Privatklägerin am Hals zu 
würgen und sie gleichzeitig in das Gebüsch hineinzuziehen, wobei er versucht ha-
be, mit der anderen Hand den Mund der Privatklägerin zuzudrücken. Der Beschul-
digte habe die Privatklägerin gleichzeitig an deren Schal festgehalten und sie mit 
dem Gurt und dem Schal am Hals gewürgt. Die Privatklägerin habe sich zur Wehr 
gesetzt und die Hände unter den Schal und den Stoffgurt bringen und sich so nach 
einer gewissen Zeit davon befreien können. Bei der Auseinandersetzung sei die 
Kapuze der Jacke der Privatklägerin abgerissen. Die Privatklägerin sei umgehend 
zurück zur Strasse gerannt, wo sie ein vorbeifahrendes Auto habe anhalten kön-
nen. Der Beschuldigte habe sich anschliessend zurück an sein Domizil begeben 
und sich bis zum Eintreffen der Polizei zu seinem schlafenden Sohn gelegt.

Die Privatklägerin habe bei diesem Vorfall Rötungen am rechten und hinteren 
Halsbereich, je eine kleine Schürfwunde an der Streckseite des linken Mittel- und 
Ringfingers, 4 lineare Schürfungen (ca. 2 cm) am rechten Handgelenk, eine 
Schürfwunde von 2 auf 6 cm über der rechten Kniescheibe sowie eine Schürfwun-
de von 2 auf 2 cm über der linken Kniescheibe erlitten.

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen in der Absicht, den Tod der Privatklägerin 
herbeizuführen gehandelt zu haben, bzw. eventualiter diese in unmittelbare Le-
bensgefahr gebracht haben zu wollen, wobei er sowohl ein Würgeinstrument als 
auch ein Messer zum Tatort mitnahm.

Der Beschuldigte und die Privatklägerin seien seit dem 29. April 2020 geschieden, 
wobei der Beschuldigte der Privatklägerin bereits seit anfangs des Jahres 2020 
immer öfters an deren Domizil nachgestellt und ihr mit dem Tod gedroht habe (vgl. 
Ziff. 2–4 der AKS) und er sowohl mit der Erziehung des gemeinsamen Sohnes 
durch die Privatklägerin als auch mit den Besuchszeiten nicht einverstanden gewe-
sen sowie davon ausgegangen sei, dass die Privatklägerin einen neuen Partner 
habe.

Der Beschuldigte habe die Privatklägerin zu später Stunde in der Dunkelheit und 
unter einem Vorwand (Übergabe des Sohnes) zum Tatort gelockt und habe sich 
anschliessend im Gebüsch versteckt, um die Privatklägerin zu überraschen. Der 
Beschuldigte habe damit geplant, gezielt, heimtückisch, kaltblütig und aus verwerf-
lichen Gründen gehandelt.

9.2 Bestrittener / unbestrittener Sachverhalt 

Der Beschuldigte bestritt zum Schluss nicht mehr, die Privatklägerin zur angeklag-
ten Zeit am angeklagten Ort auf Verabredung hin angetroffen und dabei ein Messer 
und die beiden zusammengeknüpften Stoffgurte mit sich geführt zu haben, 
während er den gemeinsamen Sohn bei sich zu Hause gelassen hatte. Er bestritt 
jedoch, die Privatklägerin erdrosselt (nicht: gewürgt) oder sonstwie tätlich ange-
gangen zu haben. Er gab einzig zu, sie an der Kapuze zurückgehalten zu haben. 

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Eine Tötungsabsicht habe er zu keinem Zeitpunkt gehabt, er habe der Privatkläge-
rin lediglich Angst machen wollen, indem er ihr das Messer und die Gurten gezeigt 
habe. Auch bezüglich der Initiative und der Art und Weise der Verabredung am 
schlussendlichen Ort der Geschehnisse bestritt der Beschuldigte den angeklagten 
Sachverhalt. 

9.3 Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung / Beweismittel

In Bezug auf die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung sowie bezüglich 
die vorhandenen Beweismittel kann auf die zutreffenden Erwägungen und Zusam-
menfassungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 1842–1870). Insbesondere 
hat sie die Aussagen der einvernommenen Personen korrekt wiedergegeben. 

Da es sich bei den Hauptpersonen, insbesondere beim Beschuldigten mit klar un-
genügenden Deutschkenntnissen, um ausländische Staatsangehörige handelt, sei 
noch Folgendes ergänzt: Die Aussagenanalyse bei Fremdsprachlern verläuft an 
sich in weiten Teilen gleich wie bei Personen mit Muttersprache Deutsch. Neben 
der notwendigen Beachtung von Sonderheiten auf Grund der Übersetzungspro-
blematik kann auch von Ausländern eine detailreiche Geschehensschilderung er-
wartet werden. Es gilt immerhin, gewisse Besonderheiten (auf der Ebene der Per-
sönlichkeit, der Körpersprache etc.) zu beachten (hierzu bspw. HUSSELS in forum-
poenale 6/2015 338 ff). Es sind in Bezug auf die Aussagen des Beschuldigten kei-
ne wesentlichen Übersetzungsfehler (Albanisch/Deutsch) ersichtlich. Solche wur-
den von den Parteien denn auch nicht geltend gemacht.

Ferner ist daran zu erinnern, dass die Realkennzeichenanalyse nicht im Sinne ei-
ner Checkliste abgearbeitet werden kann, bei welcher einfach aufgezählt wird, wie 
viele Realkennzeichen in einer Aussage festgestellt wurden. Die inhaltlichen 
Merkmale erhalten ihre diagnostische Bedeutung vielmehr erst durch ein In-
Beziehung-Setzen zu anderen diagnostischen Befunden. Die Relevanz eines Be-
weisstückes ist nicht von der Quantität des Materials abhängig, sondern von einem 
möglichst einmaligen und eindeutigen Informationsgehalt (HAAS, Kriminalistik 
10/2022 S. 569). 

Auf die oberinstanzlich neu erhobenen Beweismittel ist soweit erforderlich im Rah-
men der nachfolgenden Beweiswürdigung näher einzugehen.

9.4 Beweiswürdigung 

Aussageverhalten des Beschuldigten

Neben den von der Vorinstanz bereits treffend zusammengefasst wiedergegebe-
nen Aussagen des Beschuldigten machte dieser auch vor der Kammer Aussagen 
zum Tatgeschehen. Weitgehend in Übereinstimmung mit seinem letzten Wort vor 
der Vorinstanz schilderte er, dass er zuhause die Wäsche gemacht habe, wobei die 
Privatklägerin ihn angerufen und mitgeteilt habe, dass er nächsten Freitag den 
Sohn F.________ nicht bei sich haben könne. Da es seit der Scheidung ein Jahr 
lang ein «Gstürm» gewesen sei wegen F.________, habe er den Gurt einer Lap-
top-Tasche abgeschnitten, diesen mit einem anderen Gurt zusammengebunden 
und der Privatklägerin wegen der Übergabe von F.________ geschrieben (pag. 
2411 Z. 18 ff.). Diese habe dann gesagt, er solle zum Friedhof kommen, wobei er 

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auf dem Weg dorthin bei der Privatklägerin nochmals telefonisch nach dem Weg 
gefragt habe (pag. 2411 Z. 27 ff.). Als er beim Waldstück angekommen sei, habe er 
sein Velo zurückgelassen und sei zur Privatklägerin gegangen, welche bereits auf 
der Strasse gestanden sei (pag. 2411 Z. 31 ff.). Sie hätten angefangen zu reden, 
wobei er sie gefragt habe, weshalb sie das festgelegte Besuchsrecht nicht akzep-
tiere und sich seit einem Jahr nicht mehr daran halte (pag. 2414 Z. 33 ff.). Er habe 
dann nicht mehr diskutieren und den gleichen Weg zurückgehen wollen, wobei die 
Privatklägerin schreiend gefragt habe, wo F.________ sei und ihm hinterher gelau-
fen sei (pag. 2411 Z. 35 ff.). Er habe sich dann umgedreht, ihr gesagt, sie solle 
aufhören und ihr das Messer gezeigt (pag. 38 f.). Er habe ihr Eindruck machen wol-
len, wobei die Privatklägerin zu schreien angefangen habe, als sie das Messer und 
den Gurt gesehen habe (pag. 2411 Z.40 f.). Die Privatklägerin habe sich umdrehen 
und weglaufen wollen, wobei er sie an der Kapuze gepackt habe, welche dann in 
seiner Hand hängen geblieben sei (pag. 2411 Z. 43 ff.). Das sei eigentlich das 
Ganze gewesen; er sei ihr weder nachgerannt, noch habe er sie mit dem Messer 
oder dem Gurt angegriffen (pag. 2412 Z. 1 f.). Er sei dann nach Hause gegangen 
und habe versucht, die Privatklägerin anzurufen, um sie zu beruhigen, wobei diese 
das Telefon nicht abgenommen habe. Er habe ihr nie etwas antun wollen, ihr nie 
etwas Schlechtes gewünscht und nie die Absicht gehabt, seinen Sohn ohne Mutter 
zurückzulassen, egal, ob diese eine gute oder schlechte Mutter sei (pag. 2412 Z. 3 
ff.). Er betonte, nicht aus dem Gebüsch gesprungen zu sein und dieses Missver-
ständnis nicht zu verstehen (pag. 2412 Z. 18 ff.). Er habe der Privatklägerin Angst 
einjagen wollen; es sei nicht vorgeplant, sondern eine spontane Entscheidung ge-
wesen (pag. 2412 Z. 39 ff.). Er habe den Gurt und das Messer gezeigt, damit die 
Privatklägerin Angst habe und es nächste Woche wieder klappe mit dem Besuch 
(pag. 2413 Z. 4 ff.) Er habe sich gewünscht, dass F.________ in ein Kinderheim 
komme und habe seine Zweifel, ob die Privatklägerin fähig sei ein Kind aufzuzie-
hen. Zur Zeit sei er aber der Auffassung, dass der Sohn bei der Mutter aufwachsen 
solle, da F.________ jetzt 9-jährig sei, vieles besser verstehe und auch selber 
langsam Entscheidungen treffen könne (pag. 2413 Z. 9 ff.). Es stimme nicht, dass 
er eifersüchtig auf die Privatklägerin gewesen sei (pag. 2413 Z. 25 ff.).

Die Vorinstanz hat das Aussageverhalten des Beschuldigten im Wesentlichen wie 
folgt gewürdigt (pag. 1871 ff.): 
Bezüglich der Aussagen des Beschuldigten ist auffallend, dass diese zum Kerngeschehen wie zum 
Rahmensachverhalt – bis auf eine Ausnahme (vgl. Ausführungen weiter unten) nicht konstant sind. 
Der Beschuldigte präsentierte in jeder Einvernahme eine neue Version der Geschehnisse. Gleichzei-
tig betonte der Beschuldigte bei jeder Einvernahme wiederholt und völlig übertrieben, dass er jetzt die 
Wahrheit sage (pag. 580 Z. 157 f.: Auf Frage, ob er das am Tatort gefundene Messer schon einmal 
gesehen habe «Nie, nie in 7000 Jahren nicht. [...]», pag. 587 Z. 40: «ich möchte die Wahrheit sagen, 
die ganze Wahrheit», pag. 597 Z. 501: «was dieser Vorfall angeht, ich habe Ihnen die Wahrheit ge-
sagt, zu 100%», pag. 620 Z. 210: «Ich sage zu 100% die Wahrheit. Was den Laptopgurt und ein 
Stück vom Gurt angeht, ich sage es zu 1 Mio. Prozent Überzeugung, dass es gar nicht angemacht 
und gar nicht benutzt worden ist», pag. 628 Z. 601 f.: «ich werde nun die Wahrheit sagen», pag. 644 
Z. 65 ff.: «Ich bin ein Mensch, der die Wahrheit sagt und Gerechtigkeit möchte», pag. 645 Z. 101: «Ich 
sage wirklich die Wahrheit. Wir müssen alle irgendwann sterben. Die Wahrheit kommt irgendwann 
heraus», pag. 647 Z. 165: «Am Anfang habe ich nicht die Wahrheit gesagt bei der Polizei. Danach 
habe ich aber die Wahrheit gesagt»). Diese übermässigen Wahrheitsbekundungen sind als klares Lü-
gensignal zu werten, zumal die entsprechenden Aussagen von ihm selbst in der jeweils nächsten Ein-
vernahme revidiert worden sind:

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In der ersten Befragung am 09.01.2021 bestritt er noch gänzlich, überhaupt am fraglichen Tatort ge-
wesen zu sein, vielmehr sei er die ganze Zeit mit F.________ in der Wohnung gewesen (pag. 568 Z. 
259). Anlässlich der zweiten Einvernahme vom 29.03.2021 schilderte er sodann detailliert und aus-
führlich, wie er sich zusammen mit seinem Sohn zu Fuss zum fraglichen Tatort begeben habe (pag. 
589 Z. 117 f.) Er habe dort seiner Exfrau jedoch nur Angst machen wollen und dafür habe er den Gurt 
und das Messer aus der Tasche geholt und ihr gesagt «C.________ du hast es übertrieben, siehst du 
das Messer und den Gurt» (pag. 589 Z. 135 ff.). Er sei anschliessend mit dem Sohn im Bus zurück 
nach Hause gefahren (pag. 590 Z. 157 ff.). Die Polizei zeigte ihm in der nächsten Einvernahme vom 
15.06.2021 anhand der Auswertung der Antennenstandorte auf, dass die Strecke von seinem Wohn-
ort bis zum Friedhof innerhalb von ca. 16 Minuten zurückgelegt worden sei und dies zu Fuss mit ei-
nem Kind unmöglich sei. Nichtsdestotrotz behauptete der Beschuldigte weiterhin, dass F.________ 
am Tatort gewesen und er mit ihm mit dem Bus zurück zur Wohnung gefahren sei (pag. 623 Z. 347 
ff.). Erst nach der Unterredung mit seinem Anwalt revidierte der Beschuldigte seine angebliche Wahr-
heit und räumte ein, dass er sich alleine zum Tatort begeben habe und zwar mit dem Fahrrad (pag. 
623 Z. 362 ff.). Den Sohn habe er alleine schlafend in der Wohnung zurückgelassen (pag. 623 
Z. 386 f.).

Auch bezüglich des Rahmensachverhalts sind die Aussagen des Beschuldigten nicht konstant und 
widersprüchlich. Dies beispielsweise in Bezug auf die Telefongespräche zwischen ihm und seiner 
Exfrau im Vorfeld des Treffens. So gab er anlässlich der ersten Einvernahme durch die Polizei an, 
dass C.________ ihn am 08.01.2021 vor 20:00 Uhr angerufen habe, um ihm mitzuteilen, dass er den 
Sohn am Samstag früher zurückzubringen soll (pag. 565 Z. 115 ff.). Er habe sie dann vor 22:00 Uhr 
angerufen, wobei sie ihm gesagt habe, er soll F.________ beim Friedhof übergeben (pag. 566 Z. 179 
f.). Hier widersprach er ich selbst innerhalb derselben Einvernahme, bestritt er im weiteren Verlauf der 
Einvernahme vor 22:00 Uhr mit seiner Exfrau telefoniert zu haben (pag. 567 Z. 194, Z. 217). Anläss-
lich der zweiten delegierten Einvernahme gab er sodann zu Protokoll, dass er seiner Exfrau auf «Vi-
ber» geschrieben und gefragt habe, ob sie den Sohn am Abend abholen könne, worauf sie den Treff-
punkt beim Friedhof vorgeschlagen habe (pag. 588 Z. 90 ff.). Nicht konstant sind seine Aussagen 
auch bezüglich des Messers. Während er anfänglich noch behauptete, das Messer in 7000 Jahren 
nicht gesehen zu haben (pag. 580 Z. 157 f.), machte er später auf Vorhalt seines daran aufgefunde-
nen DNA Profils geltend, er habe das Messer gekauft, als er in die neue Wohnung umgezogen sei 
(pag. 595 Z. 421 f.). 

Konstant sind seine Aussagen einzig bezüglich der Negierung jeglicher Tötungs- und Verletzungsab-
sichten. Er behauptete in diesem Zusammenhang den zusammengeknoteten Laptopgurt und Gürtel 
sowie das Messer lediglich mitgenommen zu haben, um seiner Exfrau Angst zu machen (pag. 589 
Z. 134 ff., pag. 624 Z. 396, pag. 644 Z. 68 f., pag. 646 Z. 139 f., pag. 1626). Seine Exfrau habe nach-
dem er den Gürtel und das Messer gezeigt habe, angefangen zu schreien (pag. 589 Z. 140, pag. 590 
Z. 173 ff.). Er gab dann auch zu Protokoll, dass er denke, dass sie das Messer gesehen habe und 
verstehen könne, dass sie Angst hatte, als sie das Messer gesehen habe (pag. 589 Z. 143 f., 
pag. 590 Z. 173 ff., pag. 596 Z. 467 f.). Allerdings sind auch diese Angaben wenig glaubhaft, da sie im 
Widerspruch zu den konstanten Aussagen der Privatklägerin stehen, wonach sie das Messer am Tat-
ort nicht gesehen hat (vgl. nachfolgend Ziff. 3.4.1.b).

Die Aussagen des Beschuldigten sind teilweise auch unlogisch. So machte er geltend, dass die 
Rötungen am Hals seiner Exfrau vom Zurückreissen der Kapuze stammen würden (pag. 596 Z. 472 
f.). Allerdings befinden sich die Rötungen am Hals der Exfrau nicht vorne, sondern gemäss den von 
der Polizei erstellten Fotos deutlich erkennbar seitlich rechts und insbesondere im Nacken. Eine 
Rötung durch das Zurückreissen an der Kapuze hätte aber zu Verletzungen am vorderen Bereich des 
Halses führen müssen. In diesem Zusammenhang kann auch noch erwähnt werden, dass der Be-
schuldigte in der Einvernahme vom 15.06.2021 behauptete, dass die Rötungen von Verbrennungen 
her stammen und er nichts dazu sagen könne (pag. 619 Z. 180 ff.). Auch hier zeigt sich das gleiche 
Bild der Aussagen des Beschuldigten: Diese sind in allen Belangen nicht konstant. 

Des Weiteren können die Angaben des Beschuldigten auch nicht mit den objektiven Beweismitteln in 
Einklang gebracht werden. Wie bereits oben erwähnt, stellte sich die Aussage des Beschuldigten, 
wonach er zusammen mit seinem Sohn zum fraglichen Tatort gelaufen sei, mittels der Auswertung 
der Antennenstandorte aufgrund der zeitlichen Begebenheiten als klar falsch heraus. Dies gilt auch 
bezüglich seiner Angaben in der Einvernahme bei der Polizei 29.03.2021, wonach er mit dem Bus 
zurückgefahren sei. Die Auswertung der Überwachungsbilder der Verkehrsbetriebe 

18

N.________(Ortschaft) und S.________ AG ergab, dass sich der Beschuldigte im Tatzeitraum in kei-
nem der überwachten Busse befunden hat (pag. 404). Gemäss den Spurensicherungen durch den 
KTD konnte der zusammengeknotete Gürtel und der Schal der Privatklägerin ineinander verwickelt 
aufgefunden werden (pag. 460). Keine der vom Beschuldigten zu Protokoll gegebenen Sachverhalts-
varianten vermag diesen Fund zu erklären. Hinzu kommt, dass der Schal und der Gurt nicht einmal 
am fraglichen Tatort selber gefunden wurden, sondern 30 Meter davon entfernt. Auch dieser Umstand 
kann durch keine der vom Beschuldigten geltend gemachten Varianten des Tatgeschehens erklärt 
werden. Ferner stellte der KTD auf dem Gürtel die DNA der Privatklägerin und des Beschuldigten und 
auf dem Messer lediglich diejenige des Beschuldigten fest (pag. 434). Die Erklärung des Beschuldig-
ten, wonach er die Gürtel bereits besessen habe, als er noch mit der Privatklägerin zusammen wohn-
te und das Messer erworben habe, als er getrennt von dieser gelebt habe (pag. 595 Z. 419 ff.), könnte 
zwar möglich sein. Mit Blick auf das gesamte Aussageverhalten des Beschuldigten und der übrigen 
Beweismittel (vgl. nachfolgend) verbleibt diese Erklärung aber lediglich eine rein theoretische Mög-
lichkeit.

Schliesslich spricht gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten auch die Tatsache, 
dass dieser keine Gelegenheit ausliess die Privatklägerin in den Einvernahmen schlecht darzustellen. 
So gab er an, dass sie das Besuchsrecht bezüglich des Sohnes nicht einhalte (pag. 566 Z. 132 ff., 
pag. 591 Z. 223 f., pag. 647 Z. 189 ff.), sie krank und deshalb nicht glaubhaft sei (pag. 582 Z. 258, 
pag. 591 Z. 241 f., pag. 617 Z. 59 ff., pag. 648 Z. 213, pag. 651 Z. 314) und Probleme habe mit der 
Familie habe (pag. 583 Z. 279 ff., pag. 62 Z. 541 ff.). Weiter betonte er auch immer wieder, dass sie 
minderintelligent und eine schlechte Mutter sei, die unfähig sei, zu ihrem Kind zu schauen (pag. 617 
Z. 68 ff., pag. 648 Z. 196 ff., pag. 652 Z. 352 ff.). Das Schlechtmachen der Belastungsperson ist nach 
der modernen Aussagenpsychologie ebenfalls als ein Lügensignal zu werten. 

Das inkonstante sowie widersprüchliche Aussageverhalten mit teilweise lebensfremden Darstellun-
gen, die offensichtliche Diskreditierung der Privatklägerin sowie die Tatsache, dass seine Aussagen 
mit den objektiven Beweismitteln nicht in Einklang gebracht werden können, lassen die Aussagen des 
Beschuldigten als nicht glaubhaft erscheinen. Im Verlauf des Verfahrens konnte denn auch beobach-
tet werden, wie er seine Aussagen dem Stand der Ermittlungen anpasste (beispielsweise wie er zum 
fraglichen Tatort gekommen ist, Aussagen zum Messer). Zusammengefasst kann auf die Aussagen 
des Beschuldigten deshalb nicht abgestellt werden, da diese gesamthaft betrachtet nicht glaubhaft 
erscheinen.

Die Vorinstanz kam zusammengefasst auf Grund der übertriebenen und übermäs-
sigen Wahrheitsbekundungen des Beschuldigten in Bezug auf das Rahmen- und 
Kerngeschehen, seiner ständig variierenden und stetig widersprüchlichen Aussa-
gen zu den Tatvorwürfen, seiner teilweise unlogischen Erklärungsversuche bei 
Konfrontation mit objektiven Beweismitteln oder Widersprüchen, seiner Tendenz, 
die Privatklägerin bei jeder Gelegenheit schlecht zu machen, der teilweise lebens-
fremden Darstellungen der angeblichen Abläufe sowie der immer wieder an den 
Ermittlungsstand angepassten Aussagen zum Schluss, dass seine Aussagen ins-
gesamt nicht glaubhaft seien und nicht auf sie abgestellt werden könne. 

Dieser Würdigung kann sich die Kammer vorbehaltslos anschliessen, insbesondere 
auch, nachdem sie sich anlässlich der Einvernahme im Berufungsverfahren ein ei-
genes Bild des Beschuldigten und seines Aussageverhaltens machen konnte. Er-
gänzend ist Folgendes festzuhalten: 

Zweifellos ist es im Herkunftsland und Kulturkreis des Beschuldigten auch im tägli-
chen Sprachgebrauch nicht unüblich und weitläufig akzeptiert, dem eigenen Stand-
punkt mit stark übertriebenen Vergleichsgrössen (zu 1000%, ich gehe freiwillig für 
20 Jahre ins Gefängnis, falls ich nicht recht haben sollte, ich schwöre es auf den 
Kopf meines Kindes etc.) Nachdruck zu verleihen. Solange solch kulturell bedingte 
Übertreibungen bei konstant bleibenden Aussagen eingesetzt werden, ist ihnen 
kulturbedingt nicht allzugrosse Bedeutung zuzumessen. Wie die Vorinstanz aber 

19

zutreffend festgestellt hat, fällt bei den Aussagen des Beschuldigten besonders auf, 
dass er solch massiv übertriebene Verstärkungen selbst dann immer wieder be-
nutzt, wenn er sich nur kurze Zeit später bereits wieder auf aussagetechnischem 
Kurswechsel befindet. Eine derartige Beteuerung angesichts sich stetig widerspre-
chenden Aussagen dürfte wohl in jedem Kulturkreis als Lügensignal gewertet wer-
den. 

Anlässlich seiner Einvernahme vor der oberen Instanz verzichtete der Beschuldigte 
auf übermässige Wahrheitsbekundungen und hielt betreffend den Vorfall vom 
8. Januar 2021 nun im Wesentlichen an der Darstellung fest, welche er bei der Vor-
instanz im Rahmen seines letzten Worts zu Protokoll gegeben hatte (pag. 1626 f.). 
Dass diese Darstellung indes nicht Ergebnis einer konstanten Erzählung, sondern 
vielmehr eines sich ständig ändernden Narratives war, geht aus der Aussagewür-
digung der Vorinstanz zweifelsfrei hervor. So hat diese zurecht hervorgehoben, 
dass dem Beschuldigten nachweislich über mehrere Einvernahmen hinweg diverse 
Lügen nachgewiesen werden konnten. So stritt der Beschuldigte zunächst ab, 
überhaupt am fraglichen Tatort gewesen zu sein (pag. 568 Z. 259), er sei den gan-
zen Abend zu Hause gewesen, dies könne der Hausabwart bezeugen (pag. 578 
Z. 104 ff. und pag. 579 Z. 119 ff.). Erst anlässlich der zweiten Einvernahme erklärte 
er – dafür umso wortreicher – wie er sich mit seinem Sohn zusammen zum Tatort 
begeben habe (pag. 588 Z. 87 ff.). Hierbei fällt auf, dass der Beschuldigte sich 
auch ausschmückenden, erfundenen Details bediente – so erklärte er, er habe dem 
Sohn gesagt, er solle auf ihn warten und ihm das Handy zum Spielen gegeben 
(pag. 589 Z. 129 f.). Der Beschuldigte gab zu Protokoll (pag. 590 Z. 185 ff.):
Wie hat F.________ reagiert, als seine Mutter geschrien hatte?
Er hat auf dem Telefon einige Videos von früher, von den Ferien angeschaut, er hat sie gar nicht 
schreien gehört. Er fragte mich nur, wo ist Mama. Er wusste, dass seine Mutter ihn abholen komme.

Dass der Sohn indes in Tat und Wahrheit gar nicht vor Ort, sondern Zuhause in der 
Wohnung des Beschuldigten war, räumte dieser erst an der dritten Einvernahme 
vom 15. Juni 2021 nach Vorhalt der Auswertung der Antennenstandorte und nach 
Unterredung mit seinem Anwalt ein (pag. 623 Z. 362 ff.). In Anbetracht dessen, 
dass der Sohn gar nicht vor Ort war, sind diese Aussagen des Beschuldigten – 
welche aufgrund ihres Detailreichtums und ihrer Originalität dem Grundsatz nach 
durchaus als wahr erachtet werden könnten – umso entlarvender. Ein solches Aus-
sageverhalten imponiert nicht zuletzt auch als besonders dreist. 

Die Vorinstanz hat weiter zu Recht die Widersprüche in den Aussagen des Be-
schuldigten betreffend das Messer, die geführten Telefongespräche mit der Privat-
klägerin und die Gründe resp. die Initiative für die Übergabe des Sohnes am 8. Ja-
nuar 2021 betont. Anzufügen ist, dass der Beschuldigte in seiner Einvernahme an-
lässlich der Hafteröffnung noch bestritt, einen Cousin namens I.________ zu haben 
(pag. 581 Z. 203 f.) und erst anlässlich seiner dritten Einvernahme das Gegenteil 
zugab und erklärte, er habe der Privatklägerin gesagt, diesen besuchen zu wollen, 
damit sie den Sohn abhole. Der Beschuldigte räumte ein, diesen Vorwand benutzt 
zu haben im Wissen darum, dass die Privatklägerin ansonsten nicht an den ge-
wünschten Ort gekommen wäre (pag. 589 Z. 107 ff.). Im Rahmen seines letzten 
Wortes vor der Vorinstanz schwor der Beschuldigte sodann einmal mehr, die 

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Wahrheit zu sagen, worauf er auch hier wiederum Aussagen machte, welche den 
objektiv nachgewiesenen Umständen widersprachen. Zum einen machte der Be-
schuldigte neuerdings geltend, er habe eine Tasche seines Sohnes dabeigehabt, in 
welche er das Messer zum Schluss wieder eingepackt habe. Diese Tasche habe er 
im Wald zurückgelassen (pag. 1626 f.). Aktenkundig ist der Fund des Messers tief 
im Waldesinnern, bei Schal und Gurten liegend, jedoch ohne die erwähnte Tasche 
(pag. 47 f.). Die Privatklägerin machte von Beginn weg geltend, der Beschuldigte 
habe keine Tasche von F.________ dabeigehabt (pag. 522 Z. 172). Anlässlich sei-
ner Einvernahme vor der oberen Instanz wollte der Beschuldigte nichts mehr von 
seinen letzten Darstellungen wissen und erklärte stattdessen, das Messer nicht 
zurück in die Tasche gelegt, sondern zusammen mit den Gurten weggeworfen zu 
haben (pag. 2412 Z. 32 ff.). 

Vor oberer Instanz fiel der Beschuldigte aber nicht nur mit weiteren Lügen auf. Es 
konnte auch eine starke Lebensfremdheit in seinen Schilderungen in Bezug auf die 
behauptete Kernversion der Geschehnisse ausgemacht werden. So ist zunächst 
fraglich, inwieweit der Beschuldigte in Anbetracht der örtlichen Gegebenheiten 
überhaupt ein Waldstück durchqueren oder betreten musste, erklärte er doch, die 
Privatklägerin habe ihn über die Brücke und dann links in die M.________(Strasse) 
gelotst (pag. 589 Z. 119 ff.). Weiter lässt sich durch den vom Beschuldigten be-
schriebenen Ablauf nicht erklären, wie der von ihm präparierte Gurt verflochten mit 
dem Schal der Privatklägerin im Waldstück T.________ 30 Meter vom Tatort auf-
gefunden werden konnten (pag. 613). Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass 
keine vom Beschuldigten geltend gemachte Version des Tatgeschehens diesen 
Umstand erklären könne. Eine plausible und schlüssige Erklärung für diesen Um-
stand vermochte der Beschuldigte denn auch vor der Kammer nicht vorzubringen. 
Auch seine Erklärungen für die bei der Privatklägerin festgestellten Rötungen am 
Nacken wurden von der Vorinstanz zu Recht als unlogisch und inkonstant bezeich-
net, zumal nicht erkennbar ist, inwieweit diese Rötungen, welche vor allem auf der 
rechten Seite und insbesondere im Nacken festgestellt wurden, durch das von hin-
ten zurückhaltende Reissen an der Kapuze oder durch irgendwelche Verbrennun-
gen verursacht worden sein könnten.

Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der Beschuldigte die Privat-
klägerin über das gesamte Strafverfahren hinweg wiederholt massiv verunglimpfte. 
Ein eindrückliches Beispiel dafür, dass er keine Gelegenheit ausliess, sie schlecht 
zu machen, findet sich bereits in seiner ersten Einvernahme betreffend Nötigungs-, 
Drohungs- und Beschimpfungsvorwürfe, als er am 7. Oktober 2020 auf Frage nach 
weiteren spontanen Ergänzungen zum Rundumschlag gegen sie ausholte 
(pag. 385 Z. 201 ff.). Dass dort die Privatklägerin im Übrigen in einer Sprachnach-
richt gegen den Beschuldigten ausfällig wurde («Ich schicke Besim und er kommt 
zu dir und er zerbricht dir deine Knochen») ist insofern nachvollziehbar, als sie sich 
in derselben Nachricht äusserst empört darüber zeigte, dass er ihren Sohn gegen 
ihren Willen im Ausland hatte beschneiden lassen (pag. 385 Z. 217 ff.). Auch wenn 
der Beschuldigte anlässlich der oberinstanzlichen Einvernahme betonte, der Pri-
vatklägerin nur Gutes zu wünschen (pag. 2416 Z. 27 f.), so bleibt der Grundtenor in 
den Akten ein gänzlich anderer.

21

Im Weiteren stritt er ab, vom Wohnungswechsel der Privatklägerin Kenntnis gehabt 
zu haben (pag. 588 Z. 94 ff.). Früher hatte er aber ausgesagt, ihr CHF 200.00 für 
ihren Umzug geliehen zu haben (pag. 383 Z. 119). Auch in diesem Punkt konnte 
ihm direkt nachgewiesen werden, dass er seine Aussagen jeweils situativ derart 
anpasst, dass sie seine übrigen Behauptungen am besten stützen. 

Auch die Kammer erachtet das Aussageverhalten des Beschuldigten als höchst 
problematisch, wenig glaubhaft, voller Lügen, Schutzbehauptungen und insgesamt 
ohne grossen Beweiswert. Der Beschuldigte verstrickte sich wiederholt in Wider-
sprüche, passte sein Aussageverhalten jeweils dem aktuellen Stand der Ermittlun-
gen an und gab den Strafbehörden gegenüber Belastendes nur zu, als er sich mit 
erdrückenden Beweisen konfrontiert sah. Er ist über das gesamte Strafverfahren 
hinweg mit unzuverlässigem, unehrlichem und unschlüssigem Aussageverhalten in 
Erscheinung getreten, weshalb auf seine Aussagen zur Ermittlung des Kernge-
schehens nicht abgestellt werden kann.

Aussageverhalten der Privatklägerin

Auch die Privatklägerin äusserte sich vor oberer Instanz erneut zum angeklagten 
Sachverhalt. Sie gab zu Protokoll, dass sie noch heute an gesundheitlichen Folgen 
des Vorfalls vom 8. Januar 2021 leide. Sie gehe jeden Monat in Therapie und kön-
ne manchmal nicht schlafen. Sie versuche aber, das zu vergessen und sich vor 
dem Sohn nichts anmerken zu lassen (pag. 2401 Z. 5 ff.). Dem Sohn F.________ 
gehe es gut, die Herzoperation sei erfolgreich gewesen (pag. 2401 Z. 11 ff.). Be-
treffend den Vorfall vom 8. Januar 2021 sei es so, dass der Beschuldigte darauf 
bestanden habe, F.________ am Abend um 22:00 Uhr zurückzubringen. Sie habe 
sich parat gemacht und ihm entgegengehen wollen, als er beim Friedhof aus dem 
Gebüsch gekommen sei (pag. 2401 Z. 24 ff.). Der Beschuldigte habe den Treff-
punkt vorgeschlagen, er habe sich weiter weg von der Wohnung der Privatklägerin 
treffen wollen, in er Nähe der Tennisplätze (pag. 2402 Z. 1 ff.). Es sei das erste Mal 
gewesen, dass sie sich dort getroffen hätten. Der Beschuldigte sei aus dem Ge-
büsch gekommen, habe begonnen, mit dem Fuss zu zappeln und gesagt, dass er 
etwas am Fuss habe (pag. 2402 Z. 8 ff.) Er habe gefragt, ob sie ihm helfen könne 
und sei etwas weiter aus dem Gebüsch gekommen. Sie habe gemerkt, dass etwas 
nicht stimme und dann den Gurt in seiner Hand gesehen (pag. 2402 Z. 11 ff.). Sie 
seien auf der Strasse gestanden, der Beschuldigte hinter ihr. Er habe sie dann ge-
packt, ihr den Mund zugehalten, den Gurt um den Hals gelegt und nach vorne ins 
Gebüsch gezogen. Sie habe sich dann umgedreht (pag. 2402 Z. 17 ff.). Der Be-
schuldigte habe den Gürtel von hinten gezogen, wobei dieser vorne um ihren Hals 
gewesen sei, da sie sie sich umgedreht habe. Sie habe dann keine Luft mehr be-
kommen (pag. 2402 Z. 31 ff.). Der Beschuldigte habe auch an der Kapuze gezo-
gen, woraufhin diese abgerissen sei (pag. 2402 Z. 34 f.). Sie seien nicht weit im 
Wald drin gewesen, sondern in der Nähe des Strassenrands. Sie habe sich befrei-
en können, als sie ihre Hände unter den Schal geführt habe und den Schal mitsamt 
dem Gürtel über den Kopf habe abstreifen können. Sie sei zum Auto gerannt, das 
gewendet und angehalten habe (pag. 2402 Z. 37 ff.). Bis dorthin, wo das Messer, 
die Gurte und der Schal gefunden worden seien, seien sie nicht gekommen 
(pag. 2402 Z. 44 f. und pag. 2403 Z. 1). Der Vorgang habe etwa zehn Minuten ge-

22

dauert, wobei sie sich nicht geachtet habe (pag. 2403 Z. 3). Die Privatklägerin prä-
zisierte hierzu, nicht der Strangulationsvorgang, sondern der ganze Vorfall habe 
etwa 10 Minuten gedauert (pag. 2405 Z. 3 ff.). Sie gab weiter zu Protokoll, froh zu 
sein, dass das Auto gekommen sei, zumal der Beschuldigte sonst weitergemacht 
hätte. Er habe nicht locker gelassen und habe extrem gezogen (pag. 2403 Z. 7 ff.). 
Sie habe Angst um ihr Leben gehabt (pag. 2403 Z. 12 ff.) Der Beschuldigte habe 
ihr gesagt, dass F.________ im Auto warte und habe aufs Gebüsch gezeigt. Sie 
habe aber F.________ selber nicht gesehen (pag. 2403 Z. 16 ff.). Sie wisse nicht, 
woher der Beschuldigte ihre Adresse kenne, sie hätten sich immer am Bahnhof 
L.________(Ortschaft) getroffen für die Übergabe von F.________ (pag. 2403 Z. Z. 
20 ff.). Als mögliche Gründe für die Tat gab die Privatklägerin Eifersucht des Be-
schuldigten an; er sei «hässig» auf sie gewesen und habe seit der Scheidung an-
gefangen, ihr zu drohen und sie zu beschimpfen (pag. 2403 Z. 30 ff.).

Die Vorinstanz hat das Aussageverhalten der Privatklägerin im Wesentlichen wie 
folgt gewürdigt: 
Die Aussagen der Privatklägerin sind hingegen konstant und stringent. Die Darstellung der Privatklä-
gerin ist vor allem hinsichtlich des Kerngeschehens gleichbleibend. Sie gibt den zentralen Handlungs-
ablauf stets gleich und nachvollziehbar wieder, ohne, dass ihre Schilderungen auswendig gelernt 
scheinen. Sie gab durchgehend an, dass ihr der Beschuldigte am Abend des 08.01.2021 über «Vi-
ber» geschrieben habe, dass er zu seinem Cousin gehen möchte und sie deshalb F.________ um ca. 
22:00 Uhr abholen kommen soll und als Treffpunkt der Friedhof abgemacht worden sei (pag. 513 
Z. 90 ff., pag. 1601 Z. 32 ff., pag. 1602 Z. 17 f.). Sie gab weiter gleichbleibend an, dass sie auf dem 
Trottoir stand und der Beschuldigte aus dem Gebüsch gekommen sei (pag. 513 Z. 101, pag. 521 Z. 
109). Er habe mit dem Fuss gezappelt und gesagt, sie solle nachschauen (pag. 513 Z. 10, pag. 521 
Z. 110 f., pag. 535 Z. 42 f.). Er habe dann zuerst den rechten Arm um ihren Hals gelegt, sie ins Ge-
büsch gezogen und sodann mit der linken Hand das andere Ende des Gurtes genommen und sie so 
gewürgt (pag. 513 Z. 110 ff., pag. 521 Z. 110, pag. 526 Z. 353 f., pag. 535 Z. 44 f., pag. 536 Z. 66 f.). 
Sie habe geschrien, weshalb er ihr die Hand auf den Mund gelegt habe (pag. 535 Z. 89). Ebenfalls 
konstant schilderte sie den Umstand, dass sie einen Schal getragen habe und der Beschuldigte auch 
daran gezogen habe. Er habe auch die Kapuze gepackt, weshalb diese abgerissen sei (pag. 537 
Z. 117 f., pag. 538 Z. 135). Sie habe die Hände unter den Gurt und den Schal bringen und sich des-
halb befreien können (pag. 514 Z. 118, pag. 524 Z. 265, pag. 526 Z. 378 f., pag. 535 Z. 46). Sie sei 
dann aus dem Gebüsch zurück auf den Weg gerannt und habe das Auto gesehen (pag. 514 
Z. 123 ff., pag. 526 Z. 368, pag. 535 Z. 46 f.). 

Dabei gibt [die Privatklägerin] nicht einen stereotypen Ablauf der Geschehnisse wieder, sondern 
schildert den Ablauf immer wieder mit anderen Worten. Sie macht keine zielgerichteten Aussagen, 
sondern schildert bildlich, was sie wahrgenommen hat. Sie gab beispielsweise an, dass der Beschul-
digte hinter dem Rücken einen Gurt hatte, wie von einem Rucksack – gemeint ist der Gurt der Laptop-
tasche – und dieser etwas Dickes gehabt habe, womit sie die Gurtschnalle meinte (pag. 513 Z. 103 
ff.). Zudem weisen ihre Aussagen originelle Details auf, wie, dass der Beschuldigte mit dem Fuss ge-
zappelt habe (pag. 513 Z. 10, pag. 521 Z. 110 f., pag. 535 Z. 42 f.). Die Privatklägerin weist auch dar-
auf hin, dass sie sich wegen des Schales habe befreien können, da es ihr gelungen sei mit beiden 
Händen unter den Schal und den Gurt zu greifen und sich so befreien zu können. Diese Schilderun-
gen wirken sehr nachvollziehbar und selbsterlebt. 

Die Angaben der Privatklägerin können denn auch mit den objektiven Beweismitteln in Einklang ge-
bracht werden. So wurde am Tatort der Gurt und der Schal ineinander verwickelt aufgefunden 
(pag. 460). Passend dazu wurde vom KTD am Gürtel die Spuren der Privatklägerin und des Beschul-
digten, am Messer hingegen nur diejenige des Beschuldigten gesichert. Auch hier gibt es zwischen 
den Schilderungen der Privatklägerin und des objektiven Spurenbildes keine Widersprüche. Die Ver-
teidigung wendete anlässlich des Hauptverhandlung ein, dass die Privatklägerin in ihrer ersten Befra-
gung nichts von der abgerissenen Kapuze erwähnte. Dies mag stimmen. Die Privatklägerin hat jedoch 
bereits am Tattag der Polizei gegenüber die abgerissene Kapuze erwähnt. Aus dem Berichtsrapport 

23

vom 11.01.2021 geht hervor, dass sich die Polizei mit der Privatklägerin an den Tatort begeben hat 
und dass sich die Polizei aufgrund der Ausführungen von C.________, wonach ihr die Kapuze sowie 
ein weisser Schal fehlen würde, sich weiter in das Waldesinneren begeben habe. Ca. 4 Meter im 
Waldesinneren habe die schwarze Kapuze gesichtet werden können (pag. 418). Dass die Privatkläge-
rin die Kapuze in der Einvernahme nicht erwähnte, vermag ihre Glaubwürdigkeit deshalb nicht in 
Zweifel zu ziehen. Anlässlich der Tatbegehung hielt die Polizei im vorgenannten Berichtsrapport wei-
ter fest, dass sich rund 30 – 40 Meter im Waldesinneren der Schal, die zusammengeknoteten Gurte 
sowie ein Küchenmesser hätten aufgefunden werden können (pag. 418). Die grössere Distanz zwi-
schen dem Würgeinstrument und Messer einerseits und der Kapuze andererseits vermag die Schilde-
rung der Privatklägerin deutlich zu untermauern. Ohne Weiteres passen die Angaben der Privatkläge-
rin auch zum dokumentierten Verletzungsbild. Das geschilderte kurze Würgen oder Ziehen am Hals 
mit einem Strangwerkzeug unter dem sich noch der Schal befunden hat, passen zu den deutlich fest-
stellbaren Rötungen am seitlichen und hinteren Halsbereich, die dann aber nach einem gewissen 
Zeitablauf (ca. 2 ¼ bis 2 ½ Stunden) wieder verschwunden sind. Die Verletzung an den Streckseiten 
des linken Mittel- und Ringfinger lassen sich auch sehr gut durch den Umstand erklären, dass die Pri-
vatklägerin unter das Strangwerkzeug gegriffen hat und sich dadurch befreien konnte. Ebenfalls las-
sen sich die vier linearen Schürfungen am rechten Handgelenk eher durch die Befreiungshandlung 
als durch einen Sturz erklären. Die Schürfwunden an den Knien und entsprechend den Hosen bekräf-
tigen hingegen den geltend gemachten Sturz nach ihrer Befreiung (pag. 516 Z. 259). Die objektiven 
Erkenntnisse sind daher genau so, wie man sie beim von der Privatklägerin geschilderten Handlungs-
ablauf erwarten würde. 

Ferner spricht für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin, dass sie den Beschuldigten 
nicht unnötig belastete. Es ist weder eine Dramatisierung der Geschehnisse, noch eine Aggravierung 
der Vorwürfe an die Adresse des Beschuldigten ersichtlich. Sie erwähnt beispielsweise von Anfang 
an, dass der Beschuldigte sie mit dem Gürtel gewürgt und sie kein weiteres Tatwerkzeug festgestellt 
habe. Selbst als sie wusste, dass der Beschuldigte ein Messer mitgeführt hat und es ihr somit ein 
leichtes gewesen wäre, zu behaupten, er habe sie damit umbringen wollen, blieb sie bei ihrer Aussa-
ge, wonach sie kein Messer gesehen habe (pag. 522 Z. 172). 

Zusammenfassend hat die Privatklägerin detaillierte, konstante und stimmige Aussagen mit vielfälti-
gen Wahrheitssignalen gemacht. Im Übrigen stimmen die Aussagen der Privatklägerin im Wesentli-
chen mit den Aussagen des Zeugen U.________ (vgl. nachfolgend) und den vorhandenen objektiven 
Beweismitteln überein. Die Aussagen der Privatklägerin erachtet das Gericht nach dem Gesagten als 
glaubhaft. Es kann beweismässig vollumfänglich darauf abgestellt werden.

Die Vorinstanz kam zusammengefasst auf Grund der konstanten, stringenten, 
gleichbleibenden Aussagen zu Rahmen- und Kerngeschehen, der fehlenden Ste-
reotypie gegenüber den bildlichen, authentischen Schilderungen, der Übereinstim-
mung ihrer Aussagen in Bezug auf die objektiven Beweismittel und der fehlenden 
Aggravierungstendenz zum Nachteil des Beschuldigten zum Schluss, dass die 
Aussagen der Privatklägerin glaubhaft seien und darauf abgestellt werden könne. 

Auch dieser Würdigung kann sich die Kammer anschliessen. Sie konnte sich zu-
dem anlässlich der Berufungsverhandlung einen eigenen Eindruck der Privatkläge-
rin machen. Ergänzend kann Folgendes festgehalten werden: 

Die Privatklägerin leidet selber unter einer intelligenzrelevanten Einschränkung, 
welche letztendlich auch der Grund für ihre IV-Rente darstellt (minderintelligent, 
pag. 768 f., 722, 730). In ihren Aussagen wird jedoch deutlich, dass sie sich – wenn 
auch einfach – so doch klar ausdrücken kann, dass ihre Aussagen stets einer 
stringenten Linie folgen und dass sie stets darum bemüht ist, die Dinge so zu sa-
gen, wie sie sie erinnert. Besonders ihre erste Einvernahme ist in diesem Zusam-
menhang eindrücklich. Wichtig sind ihr vorab der Verbleib und das Wohlbefinden 
ihres Sohnes (pag. 512 Z. 32 ff.) und ihre Angst vor dem Beschuldigten (pag. 512 
Z. 37 ff.), in dieser Reihenfolge. Diese emotionalen Reaktionen und Verbalisierun-

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gen sind adäquat und direkt. Im Weiteren ist die Privatklägerin in der Lage, die ge-
stellten Fragen klar und auf den Punkt zu beantworten. Sie verliert sich nicht in Ne-
bensächlichkeiten und schweift nicht ab (vgl. pag. 513). 

Erstmals angesprochen auf die Vorfälle an der M.________(Strasse) schildert sie 
mit klaren Worten in einfachen, gut verständlichen Sätzen was sie erlebt hat (pag. 
513 Z. 98 ff.). Bei der anschliessenden Beschreibung des Beschuldigten (Kleidung) 
sagt sie nur, an was sie sich erinnern kann und räumt darüber hinaus Unsicherhei-
ten ein (pag. 514 Z. 151 ff.). Sie war sodann im Stande, ihren erlebten Gefühlen 
nachvollziehbare und klare Worte zu verleihen (pag. 515 Z. 171 ff.). Betreffend Fol-
geschäden aus dem Vorfall blieb sie nüchtern, verfiel in keiner Weise in Aggravati-
on und unnötige Belastung (pag. 516 Z. 224 ff.). 

Ein Widerspruch in den Aussagen der Privatklägerin war einzig betreffend die Ver-
einbarung des Übergabeorts von F.________ auszumachen. So sagte sie in ihrer 
ersten polizeilichen Einvernahme vom 8. Januar 2021 aus, dass der Beschuldigte 
F.________ um 22:00 Uhr habe bringen wollen, dies etwas weiter weg, damit sein 
Cousin ihn nicht sehe. Sie habe ihm dann gesagt, dass er ihn zum Parkplatz beim 
Friedhof bringen könne (pag. 517 Z. 268 ff.). Vor der Vorinstanz und der Kammer 
gab die Privatklägerin sodann zu Protokoll, der Beschuldigte habe F.________ 
beim Friedhof übergeben wollen (pag. 1602 Z. 12, pag. 2402 Z. 1 f.). Bei genauerer 
Betrachtung erhellt, dass darin kein eigentlicher Widerspruch liegt. Aus ihrer Per-
spektive ist es nicht falsch, dass sie den Beschuldigten federführend erlebte bei der 
Rückgabe des Kindes. Schliesslich war er es, welcher sich bei ihr meldete und das 
Kind früher als abgemacht zurückgeben wollte (pag. 569 und 572) resp. sie durch 
diesen Vorwand sowie dem vorgeschobenen Cousin aus dem Haus in den Wald-
bereich locken wollte. Dass die Privatklägerin vor oberer Instanz betreffend den 
Treffpunkt erstmals ein Tenniscenter erwähnte, ist ebenfalls einleuchtend, zumal 
der Friedhof L.________(Ortschaft) resp. dessen an die Strasse angrenzender 
Parkplatz in unmittelbarer Nähe eines Tenniscenters und beides an der 
M.________(Strasse) liegt. Es ist denn auch nachvollziehbar, dass die Privatkläge-
rin auf Geheiss des Beschuldigten, ihr auf seinem Weg entgegenzukommen, an 
den an der Strasse liegenden Parkplatz des Friedhofs oder das etwas weiter vorne 
liegende Tenniscenter dachte. 

Darüber hinaus hielt die Privatklägerin auch vor oberer Instanz an dem von ihr über 
sämtliche Einvernahmen hinweg konstant geschilderten Geschehensablauf fest. 
Die Verteidigung will Unstimmigkeiten in den Aussagen der Privatklägerin ausma-
chen. So habe diese inkonstant ausgesagt, wie lange der Vorfall, insb. der konkrete 
Strangulationsvorgang, gedauert habe. Die Privatklägerin habe diese Dauer be-
wusst ausgedehnt.  Sodann sei bei dem von der Privatklägerin geschilderten Tat-
geschehen nicht nachvollziehbar, wie der Beschuldigte all dies mit lediglich zwei 
Händen gemacht haben solle. Auch habe sie die einzelnen Ereignisse teilweise 
durcheinander geschildert (pag. 526 Z. 349 ff.). Dem ist entgegenzuhalten, dass 
die Privatklägerin über sämtliche Einvernahmen hinweg konstant die gleichen Ele-
mente erwähnt hat. Bei der von der Verteidigung konkret genannte Passage im 
Einvernahmeprotokoll vom 10. Juni 2021, wonach die Privatklägerin die Ereignisse 
durcheinander schildere, ist die konkrete Fragestellung zu berücksichtigen. So 

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wurde die Privatklägerin nicht nach einer chronologischen Schilderung, sondern 
danach gefragt, was sie in diesem Wald veranlasst habe, Angst um ihr Leben zu 
haben. Insgesamt hat die Privatklägerin auf die Fragen zum Vorfall gleichbleibend 
geantwortet. Sie hat jeweils auf die konkrete Frage geantwortet, konnte aber bei 
Nachfragen nach zusätzlichem Kontext auch die jeweilige Situation und Reihenfol-
ge der Ereignisse weiter erläutern. 

Die Privatklägerin hat den Vorfall zusammengefasst wie folgt geschildert: Sie sei 
am 8. Juli 2023 gegen 22:00 Uhr bei der M.________(Strasse) in 
L.________(Ortschaft) zum Parkplatz beim Friedhof L.________(Ortschaft) gelau-
fen, als der Beschuldigte aus dem Gebüsch gesprungen sei. Anschliessend habe 
er mit dem Fuss gezappelt und die Privatkläger gebeten, mal nachzusehen. Dies 
habe sie nicht gemacht. Sie sei vis-à-vis vom Beschuldigten gestanden. Es sei ein 
Auto vorbeigefahren. Der Beschuldigte habe sich dann hinter sie gestellt und den 
Gurt in der rechten Hand gehalten. Sie habe geschrien und der Beschuldigte habe 
ihr den rechten Arm um den Hals gelegt. Mit der linken Hand habe er das andere 
Ende des Gurtes genommen und sie mit dem Gurt um ihren Nacken vorwärts in 
den Wald gezogen. Die Privatklägerin habe sich noch umdrehen können, so dass 
der Gurt vorne über ihrem Schal zu liegen gekommen sei. Der Beschuldigte habe 
dann aber von hinten am Gurt, welcher an ihrem Hals und über ihrem Schal gele-
gen habe, gezogen, so dass sie keine Luft mehr bekommen habe. Es sei ihr gelun-
gen, mit beiden Händen unter den Gurt und den Schal zu greifen. Er habe am Gurt 
und der Kapuze der Privatklägerin gezogen, wobei letztere schliesslich abgerissen 
sei. Der Privatklägerin sei es dann gelungen, den Gurt mitsamt ihrem Schal über 
ihren Kopf abzustreifen. Daraufhin sei sie auf die Knie gefallen und dann zur Stras-
se und zum Auto gerannt. Insgesamt vermochte die Privatklägerin das dynamische 
Geschehen nachvollziehbar darzulegen und konnte auch Besonderheiten, etwa 
das Zappeln mit dem Fuss des Beschuldigten und das darauffolgende Vorgehen, 
nämlich das vorwärtsweise Hineingezogenwerden in den Wald und anschliessende 
Gurt-/Schal-/Kapuzenziehen am Hals von hinten aufgrund ihrer Drehung, schlüssig, 
verständlich und dynamisch nachvollziehbar wiedergeben. Ihre Schilderungen wir-
ken selbsterlebt und vom Ablauf her einleuchtend. Inwieweit es dem Beschuldigten 
denn mit zwei Händen nicht möglich gewesen sein solle, so vorzugehen, ist nicht 
ersichtlich. 

Auch die Aussagen der Privatklägerin über die Zeitdauer des Vorfalls tun dem Ge-
samteindruck keinen Abbruch. Die von ihr oberinstanzlich angegebene Dauer von 
ca. 10 Minuten für den gesamten Vorfall erscheint zwar lange, die von der Verteidi-
gung anlässlich der Berufungsverhandlung errechneten und geltend gemachten 
10 Sekunden hingegen deutlich zu kurz. So ist zu berücksichtigen, dass dem tätli-
chen Vorgang eine Interaktion zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 
vorausging. Sodann fuhr der Zeuge U.________ zunächst neben den beiden Betei-
ligten vorbei und entschied sich erst nach 30 bis 40 Metern, das Auto zu wenden 
(pag 556 Z. 141 f.). Dabei ist zu beachten, dass er in einer 30er-Zone fuhr und 
gemäss eigenen Aussagen langsam an den beiden Vorbeifuhr und im Rückspiegel 
beobachtet, was weiter geschehen würde. Erst dann entschloss er sich, umzukeh-
ren und zurückzufahren. Der Privatklägerin ist zuzubilligen, betreffend die Dauer 
des Vorfalls nur ungefähre Angaben machen zu können, nicht zuletzt auch, weil es 

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notorisch ist, dass Opfer während einer Gewalttat in einer Ausnahmesituation sind 
und dabei das Zeitgefühl verlieren. Ihre Zeitangabe ist Anbetracht aller Umstände 
nachvollziehbar und entgegen der Darstellung der Verteidigung mitnichten geeig-
net, den von ihr geschilderten Geschehensablauf entscheidend in Frage zu stellen. 

Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin mit den 
objektiven Beweismitteln in Einklang stehen. Dass der Gurt – mit DNA-Spuren der 
Privatklägerin – und der Schal der Privatklägerin ineinander verwickelt unweit des 
Tatorts im Wald aufgefunden wurden (pag. 460), spricht für die Version der Privat-
klägerin, welche erklärte, den Gurt mitsamt ihrem Schal abgestreift zu haben, und 
klar gegen jene des Beschuldigten, welcher beteuerte, den Gurt nicht zum Einsatz 
gebracht, die Privatklägerin gar nicht gedrosselt und lediglich an der Kapuze 
zurückgehalten zu haben. Auch konnten auf dem Trottoir am Waldrand der fehlen-
de Schuh der Privatklägerin aufgefunden und am Tatort aufgewühlter Waldboden 
festgestellt werden. Sodann fand sich ca. 4 Meter im Waldesinnern die Kapuze der 
Privatklägerin. Weitere 30 bis 40 Meter im Waldesinnern wurden die zusammenge-
knoteten Gurte und das Küchenmesser sichergestellt (pag. 418; pag. 455–464).

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die intelligenzbedingten Einschränkun-
gen der Privatklägerin offensichtlich keinen Einfluss auf ihr Aussageverhalten und 
die Fähigkeit haben, selber Erlebtes und Empfundenes klar, deutlich und wider-
spruchsfrei auszudrücken. In den Aussagen der Privatklägerin ist nach dem Ge-
sagten eine Reihe von Realkennzeichen auszumachen. Sie stimmen sodann mit 
den Aussagen des Zeugen U.________ (vgl. nachfolgend) und den objektiven Be-
funden überein. Die Kammer teilt die Auffassung der Vorinstanz, wonach auf die 
glaubhaften Aussagen der Privatklägerin zur Ermittlung des Kerngeschehens ab-
zustellen ist.

Aussageverhalten des Zeugen U.________

Die Vorinstanz hat das Aussageverhalten des Zeugen im Wesentlichen wie folgt 
gewürdigt: 
Der Zeuge U.________ kann zwar zum eigentlichen Kerngeschehen keine Aussagen machen. Aller-
dings hat er den Beschuldigten und die Privatklägerin vor dem Vorfall auf dem Trottoir wahrgenom-
men und die Privatklägerin unmittelbar nach dem Vorfall auf die Polizeiwache gefahren. Die Aussa-
gen des Zeugen U.________ scheinen selbsterlebt. So gibt er die Gesprächsinhalte mit der Privatklä-
gerin wieder, wie dass diese gesagt habe, dass ihr Ex sie habe umbringen wollen (pag. 555 Z. 42). 
Originell ist auch die Erklärung des Zeugen, wonach er eine Discothek gehabt habe und deshalb wis-
se, wie sich komische Leute verhalten (pag. 556 Z. 92 f.). Die komischen Gesten der beiden Perso-
nen auf dem Trottoir haben ihn schlussendlich dazu bewogen, umzudrehen (pag. 556 Z. 95). Die 
Aussagen des Zeugen erachtet das Gericht als glaubhaft, zumal er auch keinen Grund hätte, die Be-
teiligten falsch zu belasten. 

Keine wesentliche Bedeutung kommt dem Umstand zu, dass U.________ die Rötungen am Hals der 
Privatklägerin nicht wahrgenommen hat (pag. 558 Z. 179 f.). Zum einen sass er als Fahrer auf der lin-
ken Seite des Fahrzeuges und die Privatklägerin hatte die massgeblichen Rötungen auf der rechten 
Seite und im Nacken. Zum anderen trug sie ihre Winterjacke und es war grundsätzlich wohl eher dun-
kel im Fahrzeug. Es ist deshalb gut erklärlich, dass der Zeuge diese Rötungen nicht zu erkennen 
vermochte. Diese konnten dann aber bei der Polizei zweifelsfrei festgestellt und fotografisch festge-
halten werden (vgl. pag. 447 f.). 

Das Gericht stellt damit auf die glaubhaften Aussagen des Zeugen ab.

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Auch dieser Würdigung kann sich die Kammer anschliessen. Der Zeuge wurde nur 
einmal einvernommen, wobei diese Einvernahme aber parteiöffentlich erfolgte 
(pag. 554 ff.). Insbesondere ist zu betonen, dass er ein unbeteiligter Dritter ist, wel-
cher die beiden Parteien weder kannte noch sonst einen ersichtlichen Grund hatte, 
den Beschuldigten unnötig zu belasten oder die Privatklägerin ungerechtfertigter-
weise in Schutz zu nehmen. Dies zeigt sich auch deutlich in seinem Aussagever-
halten. Allgemein schilderte er auf Frage seine Beobachtungen nüchtern, ohne 
gross eigene Interpretationen anstellen zu wollen. Auch die kritischen Fragen zu 
seiner Beobachtung des Zustands der Privatklägerin parierte er, ohne aus Recht-
fertigungsdruck heraus in Aggravierungstendenz zu verfallen (pag. 559 Z. 201 ff.). 
Der Zeuge war die erste Person, welche nach dem Vorfall mit der Privatklägerin 
sprach. Für ihn war bereits bei der ersten Durchfahrt klar, dass zwischen der Pri-
vatklägerin und dem Beschuldigten etwas Ungewöhnliches vorgefallen sein muss. 
Die beiden Personen hätten sich gegenübergestanden, eine habe mit dem Rücken 
gegen ihn auf dem Trottoir gestanden, eine andere etwas unterhalb der Böschung 
im Gebüsch, so dass sie sich nicht auf der gleichen Ebene befunden hätten 
(pag. 556 Z. 75 ff.). Er habe dies «bizarre» gefunden, aber zu diesem Zeitpunkt 
nicht gesehen, dass eine Person in Schwierigkeiten gewesen wäre (pag. 556 
Z. 89). Nach dem Vorbeifahren, im Rückspiegel erst, habe er «des gestes bizar-
res» gesehen (pag. 556 Z. 94 ff.), z.B. dass die Person im Wald nicht aus dem 
Wald herausgekommen, sondern vielmehr die Person auf dem Trottoir in den Wald 
verschwunden sei, was ihm seltsam vorgekommen sei (pag. 556 Z. 97 ff.). Diese 
Beobachtung ist in der Tendenz eher mit der Version der Privatklägerin in Einklang 
zu bringen, wonach sie nach dem Fussgezappelt des Beschuldigten von diesem 
gewaltsam in den Wald gezogen wurde. Demgegenüber soll nach dem Beschuldig-
ten nichts geschehen sein, abgesehen vom Zeigen des Messers und des Gurtes. 
Dass der Zeuge die Schreie der Privatklägerin beim ersten Vorbeifahren nicht hörte 
(pag. 537 Z. 98), ist insoweit erklärbar, als er nach eigenen Angaben das Fenster 
oben hatte und Musik hörte (pag. 556 Z. 76, pag. 558 Z. 151). Die Privatklägerin 
sei – als sie sich zu ihm ins Auto gesetzt habe – panisch, aber nicht schockiert ge-
wesen (pag. 558 Z. 152 f.). Sie habe ihm etwas wie «er bringt mich um» gesagt 
(pag. 557 Z. 147 f.). Er kenne 2-3 Worte auf Deutsch und habe sie gefragt «Wer?» 
worauf sie ihm geantwortet habe «Mini Ex» (pag. 558 Z. 155 f.). Die Panik habe 
sich vor allem an der Art und Weise gezeigt, wie sie aus dem Gebüsch gekommen 
sei (pag. 559 Z. 220 f.). Panik bedeute für ihn, wenn man sich noch kontrollieren 
könne. Jemand der schockiert sei, könne allenfalls nicht mehr kontrollieren, was er 
sage oder mache. Zum Beispiel könne eine schockierte Person schreien, gestiku-
lieren oder aber wie gelähmt sein. Die Privatklägerin sei seiner Meinung nach in ih-
ren Aussagen aber noch kontrolliert gewesen. Panisch sei sie aber für ihn gewe-
sen, weil ihr etwas geschehen sei durch jemanden, den sie gekannt habe (pag. 559 
Z. 205 ff.). Diese beobachtete Reaktion der Privatklägerin passt zu ihrem generell 
ruhigen, kontrollierten Wesen und ihrem präzisen, bündigen Aussageverhalten, von 
dem sich auch die Kammer ein eigenes Bild machen konnte. Der Zeuge ergänzte 
sodann spontan, dass die Privatklägerin einen Schuh verloren hatte (pag. 557 
Z. 107), was mit dem späteren Fund ihres Schuhs am Tatort korrespondiert 
(pag. 455 f.). 

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Was die zeitliche Komponente anbelangt kann mit der Verteidigung zwar festgehal-
ten werden, dass es die Beschreibungen des Zeugen erlauben, zumindest eine 
ungefähre zeitliche Eingrenzung des Vorfalls vorzunehmen (vgl. dazu auch 
pag. 555 Z. 32, 39 f., pag. 556 Z. 66 ff., pag. 557 Z. 141 f.). Wie bereits dargelegt, 
stehen die Aussagen der Privatklägerin und insbesondere ihre zeitlichen Angaben 
dieser Eingrenzung jedoch nicht entgegen. 

Insgesamt erachtet die Kammer die Aussagen des Zeugen U.________ als glaub-
haft, weshalb auf sie abzustellen ist. 

Aussagen des Sohnes F.________ 

An dieser Stelle ist der guten Ordnung halber festzuhalten, dass auch der Sohn 
F.________ (damals knapp sieben jährig) polizeilich einvernommen wurde. Die Be-
fragung fand am 14. Januar 2021 als kindsgerecht organisiert und durchgeführte, 
parteiöffentliche Videobefragung statt (pag. 546 ff.). Einleitend zur schriftlichen Do-
kumentierung der Einvernahme wurde in einer Kurzzusammenfassung festgehal-
ten, dass F.________ in seiner Entwicklung nicht genügend fortgeschritten sei, um 
bei einer Videoeinvernahme gerichtsverwertbare Aussagen machen zu können. 
Aufgrund seiner Antworten und seines Verhaltens könne angenommen werden, 
dass er beim Vorfall im R.________ (Örtlichkeit) nicht zugegen gewesen sei 
(pag. 547). Dieser Einschätzung kann sich auch die Kammer anschliessen. Das 
Ergebnis der Befragung vermag nichts Relevantes zur Klärung des angeklagten 
Sachverhaltes beizutragen. 

Rahmensachverhalt, Kerngeschehen und Absichten des Beschuldigten 

Die Vorinstanz hat vorab die Vorgeschichte zum Tatgeschehen wie folgt zusam-
mengefasst und gewürdigt: 
Aus den edierten Akten lässt sich entnehmen, dass die Privatklägerin und der Beschuldigte mit Ent-
scheid vom 29.04.2020 (Rechtskraft 12.05.2020) gemäss Art. 112 ZGB geschieden wurden (pag. 734 
ff.). Sie reichten für die Scheidung eine Vereinbarung zur Regelung der Angelegenheiten betreffend 
den gemeinsamen Sohn ein (pag. 737 ff.). Die Aussage des Beschuldigten, wonach er und die Privat-
klägerin sich nach der Trennung gut verstanden hätten, erscheint daher zumindest teilweise zutref-
fend (gerichtliche Genehmigung der Trennungsvereinbarung am 04.11.2019, pag. 741 ff.).

Gemäss den Aussagen der Privatklägerin vom 15.07.2020 hielt sich der Beschuldigte bis zu diesem 
Zeitpunkt gut an die Kontaktregelung (pag. 363 Z. 85). Ausnahme stellt die Reise in den Kosovo dar. 
Der Beschuldigte reiste gemäss den Angaben der Privatklägerin bereits am 03.07.2020 in den Koso-
vo, obwohl abgemacht gewesen war, dass er vom 05.07.2020 bis am 18.07.2020 verreisen dürfe 
(pag. 363 Z. 75 ff.). Im Rahmen dieser Ferien liess der Beschuldigte entgegen der schriftlichen Abma-
chung den Sohn im Kosovo beschneiden (pag. 363 Z. 97 ff.). Die entsprechende Abmachung bezüg-
lich der Ferien sowie, dass im Kosovo keine Beschneidung am Sohn vorgenommen werden darf, 
wurde durch Herrn X.________ der Sozialen Dienste L.________(Ortschaft) am 01.07.2020 schriftlich 
festgehalten. Das Schreiben befindet sich ebenfalls in den Akten (pag. 365). 

Gemäss der Aufstellung der Privatklägerin, welche sie im Rahmen ihrer Einvernahme vom 
10.06.2021 zu den Akten reichte (pag. 530), nahm der Beschuldigte ab Oktober 2020 die Telefonge-
spräche und Besuche mit dem Sohn nicht mehr regelmässig wahr. Demgemäss hielt er sich am 
30./31.10.2020 sowie am 11./12.12.2020 nicht an die abgemachten Besuche und am 28.10.2020, 
09.11.2020, 18.11.2020, 02.12.2020, 07.12.2020 sowie am 15.12.2020 nicht an die vereinbarten Te-
lefongespräche. Während der Beschuldigte sich offenbar anfänglich noch gut an die Abmachungen 
bezüglich des Sohnes hielt, stellte sich im Herbst 2020 eine gewisse Nachlässigkeit bezüglich der 
Kinderbetreuung des Beschuldigten ein.

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Das Verhältnis zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten verschlechterte sich gemäss den 
glaubhaften Aussagen der Privatklägerin bereits im Dezember 2019. Wie nachfolgend unter Ziffer 4 – 
6 noch aufgezeigt wird, begann der Beschuldigte die Privatklägerin an ihrem Domizil aufzusuchen, zu 
beobachten und ihr zu drohen. 

Inwiefern sich die Privatklägerin nicht an die Besuchsregelung gehalten respektive die Telefonate 
zwischen dem Sohn und dem Beschuldigten verunmöglicht hat, kann aufgrund der Akten vorliegend 
nicht beurteilt werden. 

Der Beschuldigte machte weiter geltend, dass die Privatklägerin ihm anfänglich die Gespräche mit 
den Behörden noch übersetzte und jeder sich wunderte, dass sie getrennt lebten, da sie so gut mit-
einander auskommen. Schlussendlich hatte er aber den Eindruck, dass er bei diesen Gesprächen 
mangels Sprachkenntnisse aussenvor gelassen wird. Schlimmer sogar noch, dass sich die Anwesen-
den über ihn lustig machen würden. Da er offenbar bei den Gesprächen seine Anliegen und Sorgen 
nicht anbringen konnte, adressierte er diese in – aktenkundig sind zwei – Schreiben an die Sozialen 
Dienste L.________(Ortschaft). Darin äusserte er seine Befürchtungen, dass die Privatklägerin nicht 
genug gut zum Sohn schaue und er bei ihr nichts lerne. Er bat deshalb darum, den Sohn in einem 
Kinderheim zu platzieren. Gemäss den edierten Akten war an der Anhörung zur Errichtung der Kin-
desschutzmassnahme ein Übersetzer anwesend (pag. 761). Bei den aktenkundigen Standortge-
sprächen mit der Familienbegleitung, V.________ und der Sozialarbeiterin der Sozialen Diensten 
L.________(Ortschaft), W.________ vom 03.07.2018 (pag. 781 ff.) sowie am 22.01.2019 (pag. 791 
ff.) war hingegen kein Übersetzer anwesend. Es ist daher gut möglich, dass auch bei den Gesprächen 
mit X.________ und der Familienbegleiterin kein Übersetzer aufgeboten wurde. Dies muss vorliegend 
nicht abschliessend beurteilt werden. Schlussendlich wesentlich ist, dass sich der Beschuldigte sub-
jektiv gegenüber der Privatklägerin wohl unterlegen und übergangen gefühlt hat, weshalb er – wie 
auch aus den Einv