# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7aad931b-fd84-5742-bdef-13fa49f7565b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.11.2010 D-8172/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8172-2010_2010-11-29.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8172/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas 
mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

X._______, geboren _______, Iran,
_______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 16. November 2010 / 
N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8172/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer den Iran eigenen Angaben zufolge im Jahr 
2000 verliess und sich in der Folge in Österreich aufhielt, 

dass er am 18. Oktober 2010 in der Schweiz ein Asylgesuch stellte, 

dass er dazu am 21. Oktober 2010 summarisch befragt wurde, 

dass er im Wesentlichen geltend machte, in Iran aus politischen und 
religiösen Gründen mit Verfolgung rechnen zu müssen, 

dass ihm das BFM gleichentags das rechtliche Gehör zur Zuständig-
keit Österreichs für das vorliegende Asylverfahren und zu einer all fälli-
gen Wegweisung dorthin gewährte,

dass das BFM mit Verfügung vom 16. November 2010 – eröffnet am 
17.  November  2010  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf  das Asylge-
such  nicht  eintrat  und  den  Beschwerdeführer  nach  Österreich  weg-
wies,

dass es den Beschwerdeführer gleichzeitig aufforderte, die Schweiz zu 
verlassen  und  festhielt,  einer  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung 
komme keine aufschiebende Wirkung zu,

dass  das  BFM  zur  Begründung  seiner  Verfügung  anführte,  der  Be-
schwerdeführer habe sich vor der Gesuchstellung in der Schweiz un-
bestrittenermassen in Österreich aufgehalten, 

dass  Österreich  gestützt  auf  das  Abkommen vom 26. Oktober  2004 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäi-
schen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 
des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat 
oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin-Assoziierungsab-
kommen  [DAA,  SR  0.142.392.68]),  auf  das  Übereinkommen  vom 
17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft,  der  Republik  Island  und dem Königreich  Norwegen über  die 
Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands 
und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 
Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwe-
gen gestellten Asylantrags (Übereinkommen vom 17. Dezember 2004, 

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SR 0.362.32)  sowie  in  Berücksichtigung  weiterer  Normen  für  die 
Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei,

dass Österreich am 10. November 2010 dem Antrag auf Rückübernah-
me des Beschwerdeführers entsprochen habe, 

dass der Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs keine 
relevanten Gründe, welche die Durchführung des Dublin-Verfahrens in 
Frage stellen würden, geltend gemacht habe, 

dass der Beschwerdeführer in  Österreich  Schutz vor Rückschiebung 
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG findet und es keine Hinweise einer 
Verletzung von Art. 3 EMRK gebe, 

dass auf sein Asylgesuch daher nicht einzutreten sei, 

dass die Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des Vollzugs zu 
bejahen seien,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 24. November 2010 beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob,

dass er die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Rückwei-
sung der Sache an das BFM zum Erlass einer neuen Verfügung mit 
rechtsgenüglicher Begründung respektive zur Anwendung des Selbst-
eintrittsrechts, den Erlass vorsorglicher Massnahmen und die Gewäh-
rung der  aufschiebenden Wirkung der  Beschwerde sowie die unent-
geltliche  Prozessführung  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht 
(Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 
1968 [VwVG, SR 172.021]) beantragte, 

dass  auf  die  Beschwerdebegründung  –  soweit  erforderlich  –  in  den 
nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, 

dass die vorinstanzlichen Akten am 26. November 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

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dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist,

dass er  ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung beziehungs-
weise Änderung der vorinstanzlichen Verfügung hat und daher zur Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwer-
de mithin einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. 
Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG), 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichter li-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass mit  dem vorliegenden Entscheid in  der Hauptsache der Antrag 
auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde im Sin-
ne von Art. 107a AsylG gegenstandslos wird,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist, 

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dass die vorinstanzliche Begründung des Entscheides entgegen den 
Beschwerdevorbringen insofern nicht zu beanstanden ist, als das BFM 
– wenn auch erst explizit in den Erwägungen zum Vollzug der Wegwei-
sung – eine allfällige völkerrechtswidrige Gefährdung des Beschwer-
deführers im Falle des Vollzugs beurteilte und diese ausschloss, 

dass diese Bezugnahme auf die Furcht des Beschwerdeführers vor ei-
ner Kettenabschiebung zwar äusserst knapp ausgefallen ist, im vorlie-
genden Fall jedoch letztlich zu genügen vermag,

dass die beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wegen 
Verletzung der Begründungspflicht mithin nicht in Betracht kommt, 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass der vorgängige Aufenthalt  des Beschwerdeführers in Österreich 
feststeht und er diesen nicht bestreitet, 

dass die österreichischen Behörden dem Ersuchen der Schweizer Be-
hörden um Rückübernahme entsprochen haben, 

dass vom Beschwerdeführer im Weiteren auch keine relevanten Grün-
de vorgebracht  wurden,  welche gegen die  Überstellung nach Öster-
reich als solche sprechen würden, 

dass somit Österreich für die Prüfung seines am 18. Oktober 2010 in 
der Schweiz eingereichten Asylantrags zuständig ist (vgl. S. 3 DAA so-
wie die der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18.  Februar 
2003 [Dublin-II-Verordnung] zur Festlegung der Kriterien und Verfahren 
zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-
nem  Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat  gestellten Asylan-
trags zuständig ist, und die Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kom-
mission vom 2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur 
Dublin-II-Verordnung des Rates  [DVO Dublin],  insbes. Art.  10  Abs. 1 
VO Dublin),

dass  Österreich  sowohl  Signatarstaat  des  Abkommens  vom 28. Juli 
1951 über  die  Rechtsstellung der  Flüchtlinge (FK,  SR 0.142.30)  als 

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auch der  Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Men-
schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist,

dass der Beschwerdeführer geltend macht, er habe in Österreich drei-
mal einen negativen Entscheid erhalten, 

dass  er  mit  dieser  Aussage  den  effektiven  Zugang  zum österreichi-
schen Asylsystem offenlegt, 

dass entgegen den Beschwerdevorbringen demnach keine konkreten 
Hinweise  darauf  bestehen,  Österreich  würde  sich  im  Falle  des  Be-
schwerdeführers nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen hal-
ten, womit die Vorbringen betreffend eine angeblich in Österreich dro-
hende Haft oder eine Wegweisung die Rechtmässigkeit der Überstel-
lung nach Österreich nicht in Frage zu stellen vermögen, 

dass die schweizerischen Asylbehörden entsprechend nicht gehalten 
waren respektive sind, das beantragte Selbsteintrittsrecht auszuüben, 
weshalb auf die diesbezüglichen Erwägungen in der Beschwerde nicht 
näher einzugehen ist,

dass sodann kein Anlass zur Annahme besteht, der Beschwerdeführer 
habe in Österreich eine existenzgefährdende Situation zu gewärtigen, 
da er sich wegen gesundheitlicher Beschwerden im Bedarfsfall an die 
zuständigen Behörden wenden kann, 

dass schliesslich alleine der erkennbare Wunsch des Beschwerdefüh-
rers  nach  einem  (erneuten)  Asylverfahren  in  der  Schweiz  in  keiner 
Weise gegen eine Rückführung nach Österreich spricht,

dass das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht 
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An-
spruch auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb die verfügte Weg-
weisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht  und 
demnach vom BFM zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi-
gen Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatzmass-

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nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass eine entsprechende Prüfung  – soweit notwendig  –  vielmehr be-
reits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss (vgl. 
vorgehende Erwägungen),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Österreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeich-
nete,

dass es sich erübrigt, auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde 
einzugehen,  da  diese  an  der  Würdigung  des  vorliegenden  Sachver-
halts nichts zu ändern vermögen,

dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserhebli-
chen Sachverhalt  unrichtig oder unvollständig feststellt  oder unange-
messen ist (Art. 106 AsylG),

dass die Beschwerde deshalb abzuweisen ist, 

dass aufgrund der Aussichtslosigkeit der Beschwerde das Gesuch im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten (Art.  1-3 des Re-
glements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.
Das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. Die 
Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer-
legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns-
ten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM mit den Akten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)
- _______

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand:

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