# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 51099eaa-f31d-5363-86cc-7573c78d0099
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-04-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.04.2008 E-2412/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2412-2008_2008-04-21.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-2412/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 1 .  A p r i l  2 0 0 8

Richterin Therese Kojic (Vorsitz), 
Richter Kurt Gysi, 
Richterin Christa Luterbacher, 
Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener.

A._______, Irak,
vertreten durch Hansjörg Trüb, 
Gesuchsteller,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern.

Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 
19. März 2008 / E-1588/2008; Wiederherstellung der 
Beschwerdefrist.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-2412/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  das  Bundesamt  für  Migration  (BFM;  vormals  Bundesamt  für 
Flüchtlinge [BFF]) mit Verfügung vom 9. Dezember 2004 das Asylge-
such  des  Gesuchstellers  vom  27.  Dezember  2002  abwies  und  die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass das BFM mit Verfügung vom 11. November 2005 seine Verfügung 
vom 9. Dezember 2004 teilweise in Wiedererwägung gezogen und we-
gen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Auf-
nahme des Gesuchstellers angeordnet hat,

dass  das  BFM mit  Verfügung vom 7. November  2007 die  vorläufige 
Aufnahme des Gesuchstellers aufgehoben und eine Ausreisefrist  auf 
den 7. Januar 2008 angesetzt hat,

dass diese Verfügung von der zuständigen Poststelle am 12. Novem-
ber  2007  (gemäss  Track  &  Trace)  als  nicht  zustellbar  („Empfänger 
konnte  unter  angegebener  Adresse  nicht  ermittelt  werden“)  an  das 
BFM retourniert worden ist,

dass  dem  Gesuchsteller  anlässlich  eines  „Informationsgesprächs“ 
des ... vom 26. November 2007 mitgeteilt  wurde, dass das BFM mit 
Verfügung vom 7. November 2007 sein Asylgesuch abgelehnt und ihm 
eine Frist zur Ausreise bis zum 7. Januar 2008 angesetzt habe,

dass  der  Beschwerdeführer  dabei  erklärte,  er  habe  den  Inhalt  der 
Verfügung verstanden und werde mit seinem Anwalt eine Beschwerde 
einreichen,

dass dem Gesuchsteller bei einem weiteren Gespräch mit dem ... am 
11. Februar  2008  eine Kopie  der  Verfügung vom 7. November  2007 
übergeben  und  mitgeteilt  wurde,  er  habe  die  Beschwerdefrist 
ungenutzt  verstreichen  lassen,  weshalb  der  Entscheid  des  BFM 
rechtskräftig sei,

dass der Rechtsvertreter  des Gesuchstellers beim BFM am 12. Feb-
ruar 2008 um nähere Informationen betreffend die Zustellung der Ver-
fügung vom 7. November 2007 ersuchte,

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dass das BFM mit Schreiben an den Rechtsvertreter vom 15. Februar 
2008 unter Hinweis auf Art. 12 Abs. 1 AsylG festhielt,  die Verfügung 
vom  7.  November  2007  sei  an  die  damalige  aktuelle  Adresse  des 
Beschwerdeführers geschickt worden und in Rechtskraft erwachsen,

dass der Gesuchsteller gegen die Verfügung vom 7. November 2007 
mit  Eingabe  vom  10.  März  2008  Beschwerde  beim  Bundesverwal-
tungsgericht einreichte, wobei er unter anderem um Beibehaltung der 
vorläufigen Aufnahme sowie im Sinne eines Eventualantrags um Wie-
derherstellung der Beschwerdefrist ersuchte,

dass das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom 19. März  2008 – 
eröffnet am 29. März 2008 - im einzelrichterlichen Verfahren auf das 
Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist sowie auf die Be-
schwerde nicht eintrat,

dass  es  dies  damit  begründete,  die  Beschwerdefrist  sei  am 26. De-
zember  2007  abgelaufen,  der  Beschwerdeführer  beziehungsweise 
Gesuchsteller habe am 11. Februar 2008 eine Kopie der angefochte-
nen Verfügung erhalten und die dadurch allenfalls ausgelöste Frist zur 
Einreichung eines Gesuchs um Wiederherstellung der Beschwerdefrist 
sei am 21. Februar 2008 abgelaufen,

dass sich deshalb die Prüfung erübrige, ob der Beschwerdeführer un-
verschuldet davon abgehalten worden sei, innerhalb der Beschwerde-
frist zu handeln, da das – nicht unterschriebene – Gesuch um Wieder-
herstellung der Beschwerdefrist  vom 10. März 2008 verspätet einge-
reicht worden sei,

dass die  am 10. März  2008 eingereichte  Beschwerde verspätet  und 
daher offensichtlich unzulässig sei, weshalb auf diese im einzelrichter-
lichen Verfahren nicht einzutreten sei,

dass der Gesuchsteller mit Eingabe vom 14. April 2008 gegen dieses 
Urteil beim Bundesverwaltungsgericht ein Revisionsgesuch einreichte 
und  dessen  Aufhebung  beantragte,  wobei  auf  das  Revisionsgesuch 
einzutreten und die vorläufige Aufnahme beizubehalten sei,  eventua-
liter  sei  die  Beschwerdefrist  wieder  herzustellen  und die  Rechte  als 
vorläufig  Aufgenommener  seien  während  des  hängigen  Verfahrens 
wieder herzustellen,

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dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses ersuchte,

dass für die Begründung des Revisionsgesuchs auf die Akten zu ver-
weisen ist,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 15. April 2008 die 
für  den allfälligen Wegweisungsvollzug zuständige Behörde um Aus-
setzung des Vollzugs ersuchte,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass es ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen ist, die es 
in  seiner  Funktion  als  Beschwerdeinstanz  gefällt  hat  (vgl.  BVGE 
2007/21 E. 2.1 S. 242f.),

dass gemäss Art. 45 VGG für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts  die  Art.  121-128  BGG  sinngemäss  gelten  und 
nach Art. 47 VGG auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesu-
ches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung findet,

dass mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision die Unab-
änderlichkeit  und Massgeblichkeit  eines rechtskräftigen Beschwerde-
entscheides angefochten wird, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft 
beseitigt wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. 
PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI, Allgemeines  Verwaltungsrecht,  2. 
Aufl., Bern 2005, S. 269),

dass das Bundesverwaltungsgericht auf Gesuch hin seine Urteile aus 
den in Art. 121-123 BGG aufgeführten Gründen in Revision zieht (Art. 
45 VGG), wobei Gründe, welche bereits im ordentlichen Beschwerde-
verfahren hätten geltend gemacht werden können, nicht als Revisions-
gründe gelten (Art. 46 VGG),

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dass im Revisionsgesuch der angerufene Revisionsgrund anzugeben 
und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von Art. 124 
BGG darzutun ist,

dass  sich  der  Gesuchsteller  auf  die  Revisionsgründe  nach  Art.  121 
Bst. a BGG (Verletzung der Vorschriften über die Besetzung des Ge-
richts) und nach Art. 121 Bst. d BGG (Übersehen einer in den Akten 
liegenden erheblichen Tatsache) beruft, und ferner die Verletzung der 
Begründungspflicht  nach Art.  61  Abs. 2  VwVG und  die  Missachtung 
der für die Einreichung eines Gesuchs um Wiederherstellung der Be-
schwerdefrist  nach Art. 24 VwVG geltende Frist und der Bestimmun-
gen über den Fristenstillstand nach Art. 22a VwVG rügt,

dass  der  Gesuchsteller  an  der  Änderung  des  Urteils  vom 19.  März 
2008 ein schutzwürdiges Interesse hat und daher zur Einreichung des 
Revisionsgesuchs legitimiert  ist  (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG in ana-
logiam;  vgl.  auch  URSINA BEERLI-BONORAND,  Die  ausserordentlichen 
Rechtsmittel in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes und der Kan-
tone, Zürich 1985, S. 65 ff.),

dass die Eingabe vom 14. April 2008 innert der zu beachtenden Fris-
ten erfolgte (vgl. Art. 124 BGG), weshalb auf das form- und fristgerecht 
eingereichte Revisionsgesuch einzutreten ist,

dass  im  angefochtenen  Urteil  ausgeführt  wurde,  der  Gesuchsteller 
habe seine Beschwerde vom 10. März 2008 verspätet eingereicht und 
die Frist zur Einreichung eines Gesuchs um Wiederherstellung der Be-
schwerdefrist sei bereits am 21. Februar 2008 abgelaufen, weshalb die 
Beschwerde offensichtlich unzulässig sei,

dass die Wiederherstellung einer Frist  gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG 
dann erteilt werden kann, wenn der Gesuchsteller oder sein Vertreter 
binnen 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses ein begründetes Be-
gehren  um  Wiederherstellung  einreicht  und  die  versäumte  Rechts-
handlung nachholt,

dass aufgrund der Erwägungen im angefochtenen Urteil davon auszu-
gehen ist,  die  zuständige Einzelrichterin  sei  bei  der  Anwendung von 
Art. 24 Abs. 1 VwVG aus einem Versehen von einer zehntägigen Frist 
ausgegangen,

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dass daher die Feststellung der verspäteten Einreichung des Gesuchs 
um Wiederherstellung der Beschwerdefrist und die Ausführungen zur 
offensichtlichen  Unzulässigkeit  der  Beschwerde  auf  einem Versehen 
beruhen und das Urteil zu Unrecht gestützt auf Art. 111 Abs. 1 Bst. b 
AsylG im einzelrichterlichen Verfahren gefällt worden ist,

dass  vorliegend  einerseits  von  einer  Verletzung  über  die  Besetzung 
des Gerichts im Sinne von Art. 121 Bst. a BGG auszugehen ist,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  demnach  auch  den  Antrag  um 
Wiederherstellung  der  Beschwerdefrist  zu  Unrecht  nicht  geprüft  hat 
(Art. 121 Bst. c BGG),

dass damit das Bundesverwaltungsgericht auf das Gesuch um Wieder-
herstellung der Beschwerdefrist zu Unrecht nicht eingetreten ist,

dass bei dieser Sachlage das Revisionsgesuch gutzuheissen und das 
Verfahren betreffend das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwer-
defrist  beziehungsweise  das  Beschwerdeverfahren  wieder  aufzuneh-
men ist,

dass betreffend die Frage, ob der Beschwerdeführer unverschuldeter-
weise davon abgehalten worden war, innert  Frist zu handeln (Art. 24 
Abs. 1 VwVG), im wieder aufgenommenen Verfahren (Gesuch um Wie-
derherstellung der Beschwerdefrist) materiell zu befinden und festzu-
stellen sein wird, ob auf die Beschwerde einzutreten ist,

dass sich der Gesuchsteller bis zum Abschluss des vorliegenden Ver-
fahrens in der Schweiz aufhalten kann (Art. 42 AsylG),

dass bei diesem Ausgang des Revisionsverfahrens keine Verfahrens-
kosten aufzuerlegen sind (Art. 63 VwVG),

dass der  Gesuchsteller  mit  seinem Revisionsbegehren durchgedrun-
gen ist, weshalb ihm für die ihm aus diesem Verfahren erwachsenen 
notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten eine Parteientschädi-
gung zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1  des 
Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und Entschädi-
gungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]), 
welche in casu nach Ermessen festzusetzen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE),

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dass dem Gesuchsteller vom Bundesverwaltungsgericht aufgrund der 
Akten eine Parteientschädigung von Fr. 500.-- (inkl. allfällige Auslagen 
und Mehrwertsteuer) auszurichten ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen. 

2.
Das Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 19.  März  2008  wird 
aufgehoben. 

3.
Das  Beschwerdeverfahren  und  das  Verfahren  betreffend  Wiederher-
stellung  der  Frist  werden  wieder  aufgenommen;  der  Gesuchsteller 
kann den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

5.
Dem Gesuchsteller wird vom Bundesverwaltungsgericht für das Revi-
sionsverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 500.-- ausgerichtet.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Gesuchstellers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N_______ (in Kopie)
-

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Therese Kojic Alexandra Püntener

Versand: 

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