# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eeed1257-40b1-5744-a95e-f63d8f0210fa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.11.2010 E-8027/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8027-2010_2010-11-24.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-8027/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 4 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Stöckli, 
mit Zustimmung von Richter Markus König;
Gerichtsschreiber Tobias Meyer.

A._______, Nigeria,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 10. November 2010 / 
N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-8027/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge am 9. Dezember 
2007 sein Heimatland verliess  und über  Lagos und die  Niederlande 
am  10. Dezember  2007  (nicht  wie  in  der  Verfügung  des  BFM  vom 
10. November  2010  angegeben  am 9.  Dezember  2008;  vgl.  Vorakte 
A1/7) mit einem Arbeitsvisum nach Italien einreiste, 

dass er sich ebenfalls eigenen Angaben zufolge seit Februar 2008 mit 
einer  Aufenthaltsbewilligung  mit  einer  Gültigkeit  von  zwei  Jahren  in 
Italien aufhielt und dort von Oktober 2008 bis März 2009 eine Arbeit 
ausübte,  danach jedoch keine Arbeitsstelle  mehr  fand,  und  dass im 
März 2010 die Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung von den ita-
lienischen Behörden verweigert wurde, da er zu diesem Zeitpunkt über 
keinen Arbeitsvertrag verfügte,

dass der Beschwerdeführer am 5. August 2010 in die Schweiz einreis-
te, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso 
um Asyl nachsuchte und am 23. August  2010 im Transitzentrum Alt -
stätten zu seinen Fluchtgründen befragt wurde, 

dass er  anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 23. August  2010 be-
züglich einer allfälligen Rücküberstellung nach Italien geltend machte, 
er habe in Italien kein Leben und keine Zukunftsperspektiven und be-
fürchte,  von dort  in  seinen Heimatstaat  ausgeschafft  zu  werden,  wo 
sein Leben bedroht sei,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  10.  November  2010  –  die  dem 
Beschwerdeführer am 11. November eröffnet wurde – auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht eintrat, seine Wegweisung nach Ita-
lien verfügte, ihn aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ab-
lauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den Kanton Schwyz mit  dem 
Vollzug  der  Wegweisung  beauftragte,  feststellte,  eine  allfällige  Be-
schwerde  gegen  die  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung, 
und dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Ak-
tenverzeichnis aushändigte,

dass der Beschwerdeführer mit an das BFM gerichteter Eingabe vom 
12. November 2010 (Postaufgabe)  – am 17. November  2010 zustän-
digkeitshalber  vom BFM an das Bundesverwaltungsgericht  weiterge-
leitet  –  gegen diesen Entscheid  beim Bundesverwaltungsgericht  Be-

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schwerde erhob und dabei sinngemäss beantragte, die Verfügung des 
BFM vom 10. November  2010 sei  aufzuheben,  von der  Wegweisung 
sei abzusehen und auf sein Asylgesuch sei einzutreten,

dass  er  zur  Begründung  im  Wesentlichen  vorbrachte,  in  Nigeria  sei 
sein Leben in Gefahr und in Italien könne er aufgrund seiner Arbeits-
losigkeit nicht bleiben,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM entscheidet  (Art. 105  des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG; Art. 105  AsylG  i.V.m. Art.  37 
VGG und Art. 52 VwVG), 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen (Art. 32 - 35a AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

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dass über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und 
es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine solche han-
delt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen 
ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass das BFM aufgrund der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdefüh-
rers für Italien, die weniger als zwei Jahre zuvor abgelaufen ist (Art. 9  
Abs. 4 der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 
2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des 
Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehöri-
gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist [Dublin-
II-VO]) und aufgrund des Umstands, dass Italien auf das Übernahmege-
such des BFM vom 27. August 2010 bis zum Ablauf der Frist am 28. Ok-
tober  2010  nicht  geantwortet  hat,  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  1 Bst.  c 
Dublin-II-VO,  Italien  zu  Recht  als  für  die  Durchführung  des  Asylver-
fahrens zuständig erachtet hat,

dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30),  der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 
oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  ist  und 
keine konkreten Hinweise dafür bestehen, dass Italien sich nicht an die 
daraus resultierenden Verpflichtungen halte,

dass die Vorbringen des Beschwerdeführers, die Lebensbedingungen in 
Italien seien schlecht und er befürchte, von dort in seinen Heimatstaat  
weggewiesen zu werden, deshalb keine rechtsrelevanten Gründe gegen 
seine Rücküberstellung nach Italien darstellen,

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dass insgesamt weder Anhaltspunkte für eine Verletzung der durch die 
EMRK  garantierten  Rechte  durch  Italien  noch  humanitäre  Gründe 
nach Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über 
Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  vorliegen,  die  für  einen 
Selbsteintritt im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO sprechen,

dass das BFM demnach zu Recht  in  Anwendung von  Art. 34  Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vor-
liegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  auch 
kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb die verfügte 
Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom BFM zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi -
gen Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung, soweit notwendig, vielmehr bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem Sinne  das  BFM den  Vollzug  der  Wegweisung  nach 
Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder un-
angemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist, soweit auf diese einzutreten ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.– 
(Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän-
dige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Stöckli Tobias Meyer

Versand: 

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