# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 07dfeeee-d85b-59c6-8963-3f4cdd537ab1
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-08-24
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 24.08.2012 SK.2011.12
**Docket/Reference:** SK.2011.12
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2011-12_2012-08-24

## Full Text

Fahrlässige Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht, fahrlässige Tötung und fahrlässige schwere Körperverletzung.;;Fahrlässige Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht, fahrlässige Tötung und fahrlässige schwere Körperverletzung.;;Fahrlässige Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht, fahrlässige Tötung und fahrlässige schwere Körperverletzung.;;Fahrlässige Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht, fahrlässige Tötung und fahrlässige schwere Körperverletzung.

Urteil vom 24 . August 2012   
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Walter Wüthrich, Einzelrichter  

Gerichtsschreiberin Anne Berkemeier Keshelava  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT , vertreten durch Hans-
jörg Stadler, Staatsanwalt des Bundes,  

 

und 

als Privatkläger /-innen: 

1. C. und D., vertreten durch Advokat David Gel-
zer,  

2. E. und F., vertreten durch Rechtsanwalt Erich 
Züblin, 

3. G., vertreten durch Rechtsanwalt Erich Züblin,  

4. H.,  

5. I.,  

6. J.,  

7. K.,  
 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: SK.2011.12 
 

- 2 - 

 gegen 

 

 

 

1. A., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Urs 
Rudolf,  

2. B., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Ste-
fan Flachsmann,  

 

 

Gegenstand 
 

Fahrlässige Gefährdung durch Sprengstoffe ohne 

verbrecherische Absicht, fahrlässige Tötung und fahr-

lässige schwere Körperverletzung 

 

- 3 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. Der Beschuldigte A. sei schuldig zu sprechen: 

- der fahrlässigen Gefährdung durch Sprengstoffe gemäss Art. 225 Abs. 1 StGB im 
Zeitraum 16. – 25. April 2009 in U., V., W. und bei der Kaserne X. in Y.; 

- der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB am 25. April 2009 bei der Kaserne 
X. in Y. z.N. des †L.; 

- der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB am 
25. April 2009 bei der Kaserne X. in Y. z.N. des H.;  

2. Er sei zu verurteilen 

- zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 200.—, bedingt vollziehbar bei 
einer Probezeit von zwei Jahren und 

- zu einer Busse von Fr. 3'000.—. 

3. Der Beschuldigte B. sei schuldig zu sprechen: 

- der fahrlässigen Gefährdung durch Sprengstoffe gemäss Art. 225 Abs. 1 StGB im 
Zeitraum 16. – 25. April 2009 in U., V., W. und bei der Kaserne X. in Y.;  

- der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB am 25. April 2009 bei der Kaserne 
X. in Y. z.N. des †L.; 

- der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB am 
25. April 2009 bei der Kaserne X. in Y. z.N. des H.;  

4. Er sei zu verurteilen: 

- zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 140.—, bedingt vollziehbar bei 
einer Probezeit von zwei Jahren und 

- zu einer Busse von Fr. 2'500.—. 

5. Die Kosten des Vorverfahrens von insgesamt Fr. 18'604.55 und die Kosten für die 
Anklagevertretung von Fr. 1'418.— seien den beiden Beschuldigten je hälftig aufzuer-
legen. 

6. Die Kosten des erstinstanzlichen Hauptverfahrens seien durch das Gericht festzule-
gen und den Beschuldigten zu gleichen Teilen aufzuerlegen. 

 

- 4 - 

Anträge der Verteidigung: 

I. Rechtsanwalt Rudolf für A.: 

1. A. sei vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung nach Art. 117 StGB freizusprechen. 

2. A. sei vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 
StGB freizusprechen. 

3. A. sei vom Vorwurf der Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht 
nach Art. 225 Abs. 1 StGB freizusprechen. 

4. Die gestellten Zivilforderungen seien abzuweisen. 

5. Die Kosten für das Ermittlungsverfahren, die Voruntersuchung, die Ausübung der 
Parteirechte in der Voruntersuchung, die Kosten der Anklageerhebung und  
-vertretung sowie die Kosten des Bundesstrafgerichts seien dem Staat aufzuerlegen. 

6. Für die anwaltliche Vertretung sei A. eine angemessen Parteientschädigung zuzu-
sprechen. 

 

II. Rechtsanwalt Flachsmann für B.: 

1. Es sei auf die Anklage nicht einzutreten. 

 Eventualiter sei B. von Schuld und Strafe freizusprechen. 

2. Er sei aus der Staatskasse für die ihm aus dem Verfahren erwachsenen Kosten und 
Umtriebe angemessen zu entschädigen. 

3. Auf die Zivilforderungen sei nicht einzutreten. 

 

Anträge der Privatklägerschaft: 

I. Rechtsanwalt Gelzer für C. und D. 

Strafantrag: 

Die Angeschuldigten A. und B. seien entsprechend den Anträgen der Staatsanwaltschaft 
der fahrlässigen Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht (Art. 225 
Abs. 1 StGB), der fahrlässigen Tötung (Art. 117 StGB) und der fahrlässigen schweren 
Körperverletzung (Art. 125 Abs. 2 StGB) schuldig zu sprechen unter Kostenfolge. 

Zivilforderungen: 

1. Der Angeschuldigte A. sei (eventualiter in solidarischer Verbindung mit dem Ange-
schuldigten B.) zu verurteilen, C. eine Genugtuung von Fr. 75'000.— zuzüglich Zins 
zu 5% seit 26. April 2009 und D. eine Genugtuung von Fr. 53'000.— zuzüglich Zins 
zu 5% seit 26. April 2009 zu bezahlen. Eine Mehrforderung bleibt ausdrücklich vorbe-
halten. 

- 5 - 

2. Es sei gemäss Art. 126 Abs. 3 StPO dem Grundsatz nach zu entscheiden, dass der 
Angeschuldigte A. (eventualiter in solidarischer Verbindung mit dem Angeschuldigten 
B.) C. und D. für den erlittenen materiellen Schaden vollständig zu entschädigen hat, 
wobei die Geschädigten bezüglich des Quantums auf den Zivilweg zu verweisen sei-
en. 

3. Der Angeschuldigte B. sei (eventualiter in solidarischer Verbindung mit dem Ange-
schuldigten A.) zu verurteilen, C. eine Genugtuung von Fr. 75'000.— zuzüglich Zins 
zu 5% seit 26. April 2009 und D. eine Genugtuung von Fr. 53'000.— zuzüglich Zins 
zu 5% seit 26. April 2009 zu bezahlen. Eine Mehrforderung bleibt ausdrücklich vorbe-
halten. 

4. Es sei gemäss Art. 126 Abs. 3 StPO dem Grundsatz nach zu entscheiden, dass der 
Angeschuldigte B. (eventualiter in solidarischer Verbindung mit dem Angeschuldigten 
A.) C. und D. für den erlittenen materiellen Schaden vollständig zu entschädigen hat, 
wobei die Geschädigten bezüglich des Quantums auf den Zivilweg zu verweisen sei-
en. 

5. Alles unter o/e Kostenfolge. 

 

II. Rechtsanwalt Züblin für E. und F. sowie G. 

1. B. und A. seien solidarisch dazu zu verurteilen, E. und F. eine Genugtuungssumme in 
der Höhe von je Fr. 30'000.— zuzüglich Schadenszins 5% seit 26. April 2009 zu be-
zahlen. Eine Mehrforderung bleibt ausdrücklich vorbehalten. 

2. B. und A. seien solidarisch dazu zu verurteilen, G. eine Genugtuungssumme in der 
Höhe von je Fr. 10'000.— zuzüglich Schadenszins 5% seit 26. April 2009 zu bezah-
len. Eine Mehrforderung bleibt ausdrücklich vorbehalten. 

3. Unter o/e Kostenfolge. 

 

III. J. 

J. fordert eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.—.  

 

- 6 - 

Sachverhalt: 

A. Am 16. bis 17. April 2009 (Kadervorkurs [KVK]), 19. bis 24. April 2009 (Spreng-
kurs) und 25. April 2009 (Prüfungstag) wurde in Z./Y. ein Sprengkurs P für Spez-

Formationen der Polizei (P SF) des Schweizerischen Polizeiinstituts (SPI) ab-

gehalten. Der Kurs basierte auf dem "Reglement über die Ausbildung für den 

Sprengausweis P für die Spezialformationen der Polizei (SF)" (nachfolgend: Aus-

bildungsreglement SF; cl. 7 pag. BO.01.0318). Im Anschluss wurde, basierend auf 

dem "Prüfungsreglement für den Sprengausweis P für die Spezialformationen der 

Polizei (SF)" (nachfolgend: Prüfungsreglement SF; cl. 7 pag. BO.01.0319) eine 

Abschlussprüfung durchgeführt. Beim SPI handelt es sich um eine privatrechtliche 

Stiftung. Seine Aufgabe umfasst die Aus- und Weiterbildung der Polizeiangehöri-

gen aus der ganzen Schweiz (http://www.institut-police.ch/d/interieur.asp/2-0-55-

4-2-0/). 

B. A. zur Tatzeit Polizeihauptmann bei der Kantonspolizei UU. (heute: UU. Polizei), 
amtete wie bereits seit mindestens 20 Jahren von Montag bis Freitag, 19. bis 24. 

April 2009, als Direktor des Sprengkurses. Am Samstagmorgen, 25. April 2009, 

war er als Experte bei den mündlichen Prüfungen eingesetzt (cl. 2 pag. 

12.04.0001 f.). Die Prüfung stand unter Leitung des vom SPI nominierten Prü-

fungsobmanns M. (cl. 2 pag. 12.13.0001 f.). 

C. B. zur Tatzeit pensionierter Polizist der Kantonspolizei VV., fungierte seit 1988 als 
Kursinstruktor und Prüfungsexperte. Für den Sprengkurs P SF 2009 war er am 

21. April 2009 für eine Theorielektion und am 22. April 2009 im V. bei den prakti-

schen Übungen als Instruktor im Einsatz (cl. 2 pag. 12.01.0007). Zudem war er 

Materialverantwortlicher für den Kurs (pag. ....0001) und auch für die Prüfung 

(pag. ....0009). 

D. Anlässlich der Abschlussprüfung des Kurses kam es am 25. April 2009 im Fach 
„Vernichten von unbrauchbar gewordenen Sprengmitteln“ auf dem Areal der Ka-

serne X. in Y. um ca. 13.40 Uhr zu einem Explosionsunfall mit Sprengmitteln, bei 

dem der Kursteilnehmer †L., Angehöriger der Kantonspolizei WW., so schwer ver-

letzt wurde, dass er am folgenden Tag verstarb (cl. 1 pag. 11.06.0004 ff.). Der 

Prüfungsexperte H. erlitt Verletzungen, nämlich Explosionsverletzungen mit 

Verbrennungen Grad Ia, fleckförmig IIb, 13% der Körperoberfläche (Gesicht, Hals, 

kranio-vertikaler Thorax, Ober- und Unterarm rechts, Handrücken und dorsale 

Langfingerhand rechts, distale Hälfte ventraler Oberschenkel bds., ventraler Un-

terschenkel bds.). Multiple Fremdkörpereinsprengungen (Gesicht, Hals, ventraler 

Thorax, Ober-/ Unterarme und Hände bds., Abdomen, Ober-/ Unterschenkel 

bds.). Rissquetschwunden (mediales Unterlid rechts, Wange rechts, kubital 

rechts, axiliär links, palmarer Unterarm links). Subtotale Trommelfellperforation 

- 7 - 

bds., atypischer Hörsturz bds., Augenverletzungen. Gemäss Arztzeugnis Dr. K. 

Gerber vom 8. Juli 2009 bestand eine unmittelbare Lebensgefahr (cl. 1 pag. 

11.04.0009). Die weiteren Kursteilnehmer N., O., P. und J. erlitten Gehörverlet-

zungen, wie Knalltraumata, Tinnitus, Gehörverlust (cl. 1 pag. 11.05.0001, cl. 2 

pag. 12.06.0002, 12.09.0002, 12.14.0001; cl. 3 pag. 12.17.0001, 12.22.0001, 

12.24.0001, 12.30.0001, 12.31.0001, 12.33.0001, 12.37.0001, 12.38.0001; cl. 4 

pag. 15.07.0013, 15.15.0006). 

E. Unmittelbar nach dem Unfall eröffnete das Verhöramt des Kantons XX. ein Ermitt-
lungsverfahren gegen Unbekannt. Am 5. Mai 2009 teilte es der Bundesanwalt-

schaft mit, dass es diese als zuständig für das Verfahren erachte. Am 14. Mai 

2009 eröffnete die Bundesanwaltschaft ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfah-

ren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Gefährdung durch 

Sprengstoffe (ohne verbrecherische Absicht) nach Art. 225 StGB und der fahrläs-

sigen Tötung gemäss Art. 117 bzw. fahrlässigen schweren Körperverletzung nach 

Art. 125 Abs. 1 StGB (cl. 1 pag. 02.00.004 f.). Am 31. März 2010 dehnte sie das 

Verfahren auf A. und B. aus (cl. 1 pag. 01.00.0002). Mit Verfügung vom 12. Au-

gust 2011 (cl. 9 pag. 9.140.001), d.h. nach Anklageerhebung, jedoch vor Eingang 

der Anklageschrift beim Gericht (unten lit. G), vereinigte die Bundesanwaltschaft 

das ganze Strafverfahren (auch die originär in kantonaler Beurteilungskompetenz 

stehenden Tatbestände) in der Hand der Bundesbehörden. 

F. Das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt (URA) eröffnete am 26. August 
2010 auf Antrag der Bundesanwaltschaft die Voruntersuchung (cl. 1 pag. 

04.00.0006). Per 31. Dezember 2010 sandte es die Akten an die Bundesanwalt-

schaft zurück, da es mit Inkrafttreten der Schweizerischen Strafprozessordnung 

(StPO; SR 312.0) am 1. Januar 2011 aufgehoben wurde, die Zuständigkeit dann 

bei der Bundesanwaltschaft lag und die Voruntersuchung bis zu diesem Zeitpunkt 

nicht abgeschlossen werden konnte (cl. 1 pag. 04.01.015 f.). 

G. Am 11. Juli 2011 (Eingang: 13. Juli) erhob die Bundesanwaltschaft Anklage beim 
Bundesstrafgericht gegen A. und B. wegen fahrlässiger Gefährdung durch 

Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger 

schwerer Körperverletzung (cl. 9 pag. 9.100.001 ff.). 

H. Am 14. Oktober 2011 hörte der Einzelrichter in Bern den Zeugen Q. aufgrund sei-
nes Gesundheitszustands vorzeitig an. Der Zeuge ist kurz darauf verstorben. 

I. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte der Einzelrichter mit Auftrag vom  
24. Oktober 2011 bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in 

Berlin (Dr. Dietrich Eckardt oder andere Personen unter seiner Verantwortung; im 

Folgenden: BAM) ein Gutachten ein, welches am 30. Januar 2012 erstattet wurde. 

- 8 - 

Mit Schreiben vom 2. April 2012 beantworteten die Gutachter Ergänzungsfragen 

der Parteien. 

J. Die Hauptverhandlung vor dem Bundesstrafgericht fand am 16. und 17. August 
2012 am Sitz des Gerichts statt. Anwesend waren die Bundesanwaltschaft, die 

beiden Beschuldigten und ihre Verteidiger, die Privatklägerin C., vertreten durch 

Rechtsanwalt David Gelzer, die Privatklägerschaft E. und F. sowie G., alle vertre-

ten durch Rechtsanwalt Erich Züblin, die Privatkläger H. und J. (cl. 9 pag. 

9.920.002 f.). Das Urteil wurde am 24. August 2012 mündlich verkündet und kurz 

begründet. 

 

Der Einzelrichter erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Angeklagt ist unter ande-

rem die fahrlässige Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht 

(Art. 225 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs [StGB; SR 311.0]). Die 

Verbrechen und Vergehen der Art. 224 – 226ter StGB unterstehen gemäss Art. 35 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bundes 

(StBOG; SR 173.71) i.V.m. Art. 23 Abs. 1 lit. d StPO der Bundesgerichtsbarkeit. 

Die Verfolgung der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB und der fahrlässi-

gen schweren Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB liegt laut Art. 22 

Abs. 1 StPO in der Kompetenz der Kantone. Ist in einer Strafsache sowohl Bun-

desgerichtsbarkeit als auch kantonale Gerichtsbarkeit gegeben, so kann die 

Staatsanwaltschaft des Bundes die Vereinigung der Verfahren in der Hand der 

Bundesbehörden oder der kantonalen Behörden anordnen (Art. 26 Abs. 2 StPO). 

Am 14. Mai 2009 übernahm die Bundesanwaltschaft das Verfahren (cl. 1 pag. 

02.00.0004). Mit Vereinigungsverfügung vom 12. August 2011 wurden die Verfol-

gung und Beurteilung aller vorgeworfenen strafbaren Handlungen in der Hand der 

Bundesanwaltschaft vereinigt (cl. 9 pag. 9.140.001).  

1.2 Die Anklageschrift datiert vom 11. Juli 2011. Sie ging am 13. Juli 2011 beim Bun-

desstrafgericht ein. Damit ging die Verfahrensherrschaft auf den Einzelrichter über 

(Art. 61 StPO). Die Vereinigungsverfügung der Bundesanwaltschaft datiert vom 

12. August 2011, somit nach Anklageerhebung. Ob die gesetzlichen Vorausset-

zungen für die Bundesgerichtsbarkeit damit auch für die Delikte der kantonalen 

Kompetenz erfüllt sind, kann indes offen bleiben. Zweckmässigkeitsüberlegungen 

gebieten, auf die Anklage einzutreten (BGE 133 IV 235 E. 7.1 a.E.). 

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1.3 Während des Vorverfahrens ist am 1. Januar 2011 die StPO in Kraft getreten. Das 

Vorverfahren wickelte sich teilweise noch nach den Regeln des Bundesgesetzes 

über die Bundesstrafrechtspflege vom 15. Juni 1934 (BStP) ab. Ab dem 1. Januar 

2011 war das Verfahren nach neuem Recht fortzuführen. Verfahrenshandlungen, 

die vor Inkrafttreten der StPO angeordnet oder durchgeführt worden sind, behiel-

ten jedoch ihre Gültigkeit (Art. 448 StPO). Die Anklageschrift hatte der StPO zu 

entsprechen. 

1.3.1  

a) Die beiden Verteidiger rügten anlässlich der Hauptverhandlung eine Verlet-

zung des Anklageprinzips und von Art. 6 EMRK. Die Anklage sei weitschweifig 

und missachte die Umgrenzungsfunktion. Zudem sei sie objektiv und subjektiv 

ungenügend. Das Einstechen von gekürzten Zünderdrähten in den Primär-

satz, was die Expertise ins Zentrum der Unfallursachen stellte, sei nicht Ge-

genstand der Anklage, ebensowenig die Menge der für die Prüfung zusam-

mengepackten Sprengmittel. Rechtsanwalt Rudolf rügt, dass der Kausalzu-

sammenhang und die Vorhersehbarkeit nicht erstellt seien. Es sei nicht klar, 

ob ein Handlungs- oder Unterlassungsdelikt vorgeworfen werde sowie – im 

zweitgenannten Fall – welches die Garantenpflichten sein sollen. Er beantragt 

die Rückweisung der Anklage (Art. 329 StPO), Rechtsanwalt Flachsmann ein 

Nichteintreten auf diese (Art. 329 Abs. 4 StPO). 

b) Die Anklage umschreibt zentral das Kursziel, wonach sich die Ausbildung nur 

auf gebräuchliche Zündmittel bezog. Sie beschreibt, dass die Beschuldigten 

(in unterschiedlicher Funktion) für praktische Aufgaben unter anderem nicht 

mehr handelsübliche Sprengmittel zur Wiederverwendung je in Behältnissen 

zusammenführten und dass damit zusätzliche Risiken geschaffen wurden 

(Ausrieseln, chemische Reaktionen, Bildung sehr empfindlicher Substanzen). 

Sie legt dar, dass sich in jedem Sack mehr als 100 Sprengkapseln, Spreng-

verzögerer und Sprengzünder befanden. Sie beschreibt weiter, dass das Kür-

zen von Zünderdrähten durch die Beschuldigten das Risiko einer ungewollten 

Zündung von elektrischen Sprengzündern erhöhe und zudem die eingekürz-

ten Zünderdrähte in die Kapselhohlräume von andern pyrotechnischen Zün-

dern gelangen und so den schlag- und reibempfindlichen Primärsatz mecha-

nisch belasten könnten. Die Einwände der Verteidiger sind also teilweise ak-

tenwidrig (Menge; Einstechen) und im Übrigen – wie bei der materiellen Beur-

teilung näher zu zeigen ist – haltlos. Die für die Beurteilung wesentlichen 

Handlungen/Unterlassungen sind eindeutig und ausreichend umschrieben. 

Eine Umschreibung aller nicht mehr beeinflussbaren Folgen der Tat (physika-

lische und/oder chemische Reaktionen), die zum strafrechtlichen Erfolg führ-

ten, ist bloss für die Frage nach der Kausalität zwischen Tat und Erfolg erfor-

derlich. Da die Kausalität nicht mehr vorsatzabhängig ist, gehört deren eindeu-

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tiger Verlauf nicht zum Anklagevorwurf. Es genügt, mehrere zum Beweis ste-

hende Möglichkeiten darzulegen, woraus sich deren Vorhersehbarkeit ableiten 

lässt. Dies tut die Anklageschrift. Dass sich damit die Möglichkeit ergibt, dass 

die Anklageschrift Pflichtverletzungen vorwirft, welche sich letztendlich als 

nicht kausal herausstellen, ist unbeachtlich. Aus dem Gesagten ergibt sich 

auch, dass die Bundesanwaltschaft zu Recht die Anklageschrift nicht ergänz-

te, nachdem das vom Gericht angeordnete Gutachten BAM einen andern 

Kausalverlauf in den Vordergrund stellte als der Amtsbericht des Wissen-

schaftlichen Forschungsdiensts Zürich (im Folgenden: WFD). 

c) Soweit die Verteidiger geltend machen, im Zusammenhang mit allfälligen Un-

terlassungsvorwürfen sei die Garantenstellung der Beschuldigten nicht um-

schrieben, trifft dies nicht zu. Die Anklageschrift beschreibt auf Seite 2 unten 

die Funktion und Verantwortung des Beschuldigten A. und auf Seite 10 Mitte 

jene des Beschuldigten B.. Wie noch zu zeigen ist, führen die gerichtlichen 

Erwägungen nicht zu Unterlassungsdelikten. 

d) Rechtsanwalt Flachsmann bezeichnet es als unzulässig, bezüglich Anklage-

sachverhalt der fahrlässigen Tötung (Anklage Ziff. 1.2.2) bzw. der fahrlässigen 

schweren Körperverletzung (Ziff. 1.2.3) auf den Anklagesachverhalt zur Ge-

fährdung durch Sprengstoffe (Ziff. 1.2.1) zu verweisen. Wie zu zeigen ist, un-

terscheiden sich die drei Vorwürfe nicht durch die Tat, sondern ausschliesslich 

durch deren Erfolg. Der gerügte Verweis schafft keinerlei Unklarheit. 

1.3.2  

a) Nach Art. 92 i.V.m. Art. 113 BStP lag die Ernennung eines Sachverständigen 

im Vorverfahren in der Kompetenz des Eidg. Untersuchungsrichters. Für die 

Sachverständigen galten die gleichen Ausstandsvorschriften wie für Gerichts-

personen. Art. 99 Abs. 2 BStP verweist auf das Bundesgesetz vom 17. Juni 

2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110), dessen hier insbesondere 

interessierender Art. 34 Abs. 1 lit. e vorschreibt, dass die der Bestimmung un-

terstehenden Personen in Ausstand treten, wenn sie „aus andern Gründen, 

insbesondere wegen besonderer Freundschaft oder persönlicher Feindschaft 

mit einer Partei oder ihrem Vertreter beziehungsweise ihrer Vertreterin, befan-

gen sein könnten“. 

b) Am 18. Mai 2009 beauftragte die Bundesanwaltschaft den WFD, ein Gutach-

ten zum Sprengunfall zu erstellen (cl. 1 pag. 11.01.0001).  

c) Die Bundesanwaltschaft war gemäss BStP nicht zuständig, einen Sachver-

ständigen zu ernennen, also können der WFD oder ein Funktionär desselben 

hier nicht als Sachverständige gelten. Ob sich bei diesen die Frage des Aus-

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stands stellen würde, da durch den der Expertenmeinung unterbreiteten 

Sachverhalt auch Angehörige der Stadt- und Kantonspolizei Zürich tangiert 

waren (cl. 1 pag. 10.00.0160 f.), kann daher offen bleiben. Das „Gutachten“ 

des WFD entspricht einem Amtsbericht, wie er in Art. 27 BStP vorgesehen 

war bzw. in Art. 195 StPO vorgesehen ist und wird als solcher in die Beweis-

würdigung eingebracht. Die Frage der persönlichen Nähe der Berichterstatter 

zu Betroffenen ist im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen. 

1.3.3 Anlässlich der Hauptverhandlung erhoben die Verteidiger, welche in ihren Plädoy-

ers gegenseitig die formellen Einwände des jeweils anderen generell übernah-

men, mehrere Rügen gegen die Verwertbarkeit von Beweismitteln: 

a) Der WFD-Bericht habe wegen Befangenheit der Sachbearbeiter keine Be-

weiskraft und äussere sich auch zu Rechtsfragen. Für einen Amtsbericht gel-

ten die Regeln über den Ausstand (Art. 183 StPO) nicht. Die Beweiskraft ist 

Frage der Beweiswürdigung. Ob sich ein Amtsbericht zu Rechtsfragen äus-

sert, ist für dessen Verwertbarkeit irrelevant. Er besitzt nicht die Beweiskraft 

eines Gutachtens und das Gericht ist an Rechtsmeinungen Verfahrensbetei-

ligter ohnehin nicht gebunden. 

b) Die Zeugeneinvernahmen R. und S., beides Mitarbeiter des WFD, seien zu 

Lasten der Beschuldigten nicht verwertbar, da mit deren Einvernahme als 

Zeugen die Ausstandsbestimmungen für Gutachter ausgehebelt worden sei-

en, denn Zeugen könnten nicht abgelehnt werden. Die Tatsache, dass Zeu-

gen nicht wie Sachverständige abgelehnt werden können, hängt mit ihrer an-

deren beweisrechtlichen Stellung zusammen. Nichts hindert aber die Strafbe-

hörden daran, eine Person mit naher Beziehung zu einer beschuldigten Per-

son oder zum Prozessgegenstand als Zeuge anzuhören. Sagt sie aus, so bil-

det das Ergebnis Gegenstand freier Beweiswürdigung. Dies ergibt sich u.a. 

aus Art. 175 Abs. 2 StPO. 

c) A. und B. seien bei ihrer Einvernahme als Auskunftspersonen vom  

3. Februar 2010 durch die Bundesanwaltschaft falsch belehrt worden. Die bei-

den waren bereits durch die Kantonspolizei XX. und die Bundesanwaltschaft 

als Auskunftspersonen befragt worden, als sich das Verfahren noch gegen 

Unbekannt richtete (cl. 2 pag. 12.01.0001 ff.; pag. 12.01.0016 ff.; pag. 

12.04.0001 ff; pag. 12.04.0009 ff.) und dabei auf ihr Recht zur Aussagever-

weigerung sowie auf die strafrechtlichen Folgen einer falschen Anschuldigung, 

Irreführung der Rechtspflege bzw. Begünstigung (Art. 303 – 305 StGB) hin-

gewiesen worden. Später, aber immer noch bevor sich das Verfahren konkret 

gegen sie richtete, befragte die Bundesanwaltschaft A. und B. am  

3. Februar 2010 ein weiteres Mal. Dabei enthielt die Rechtsbelehrung an die 

- 12 - 

Auskunftspersonen zusätzlich den Passus "Wenn Sie jedoch Aussagen ma-

chen, sind Sie verpflichtet, nach bestem Wissen und Gewissen die Wahrheit 

zu sagen" (cl. 2 pag. 12.01.0021; pag. 12.04.0024). Die beiden waren zum 

damaligen Zeitpunkt nicht anwaltlich verbeiständet.  

Nach Übernahme des Mandats monierte der Verteidiger von B. die falsche 

und irreführende Rechtsbelehrung und verlangte, dieses Einvernahmeproto-

koll aus dem Recht zu weisen und aus den Akten zu entfernen (cl. 2 pag. 

12.01.0033). Die Bundesanwaltschaft lehnte das Ansinnen ab (cl. 5 pag. 

16.02.0009). Anlässlich der Hauptverhandlung wurde der Antrag erneuert. 

Die erwähnten Einvernahmen fanden noch unter Herrschaft der BStP statt, 

welche die Stellung der Auskunftsperson nicht explizit erwähnte. Die Praxis 

der Bundesstrafbehörden liess die Auskunftsperson nach analogen Regeln 

zu, wie sie die StPO heute vorsieht. Demnach sind Auskunftspersonen nicht 

zur Aussage verpflichtet; für sie gelten sinngemäss die Bestimmungen über 

die Einvernahme der beschuldigten Person (Art. 180 Abs. 1 StPO), d.h. insbe-

sondere keine Wahrheitspflicht. Die Ausübung von Zwang, Drohungen, Ver-

sprechungen etc., um eine Auskunftsperson zu einer Aussage zu bewegen, 

sind unzulässig (DONATSCH, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-

ordnung, Zürich 2010, Art. 180 N. 22). Die vom Befragenden in concreto aus-

gesprochene "Verpflichtung" war nicht mit einer Sanktionsandrohung ver-

knüpft. Zudem wussten A. und B. als langjährige Polizisten zweifellos, dass 

die konkrete Rechtsbelehrung als Ermahnung und nicht als Verpflichtung zu 

verstehen war. Sie kennen nach eigener Aussage die Einvernahmeregeln des 

Strafprozessrechts (cl. 9 pag. 9.930.014 und 9.930.022). Eine Täuschung lag 

nicht vor. Dies gilt vor allem auch, nachdem bei den ersten beiden Einver-

nahmen die Rechtsbelehrung korrekt gewesen war. Die Rechtsbelehrung an 

eine Auskunftsperson ist nur bei deren erster Einvernahme zwingend 

(SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gal-

len 2009, Rdnr. 924 Fn. 315). Die kritisierten Einvernahmeprotokolle sind ver-

wertbar. Gemäss Ansicht von GIOVANNONE, Rechtsfolgen fehlender Belehrung 

bei Einvernahmen, AJP 8/2012, 1068 kann im Übrigen eine mangelhafte Be-

lehrung einer Auskunftsperson nicht als Gültigkeitsvoraussetzung der Befra-

gung einer Auskunftsperson gewertet werden. 

d) Die Rüge, anlässlich ihrer Einvernahmen als Auskunftspersonen vom 1. Mai 

2009 und 17. Juni 2009 (cl. 2 pag. 12-01-0006 bzw. 12-04-0010) seien die 

beiden später beschuldigten A. und B. nicht auf ihr Recht zum Beizug eines 

Anwalts hingewiesen worden, stösst ins Leere. Unter Herrschaft der BStP war 

der Beizug eines Anwaltes für eine Auskunftsperson nicht vorgesehen. Die 

Aussagen bleiben verwertbar. 

- 13 - 

e) Die Verteidiger rügten ferner, ergänzende Aussagen der Auskunftspersonen 

am Telefon, worüber die Bundesanwaltschaft Aktennotizen erstellt habe, seien 

ohne Rechtsbelehrung erfolgt und daher unverwertbar. Diese Aussagen er-

folgten im Anschluss an die Einvernahmen von B. und A. vom 17. Juni 2009 

(am Folgetag [cl. 2 pag. 12-01-0017 bzw. pag. 12-04-0021] und eine Woche 

später [cl. 2 pag. 12-01-0018]). Bezüglich Rechtsbelehrung kann auf die Aus-

führungen vorne lit. c verwiesen werden. Die Verwertbarkeit dieser Aktennoti-

zen ist gegeben. 

f) Weiter machen die Verteidiger geltend, bei den meisten Einvernahmen Dritter 

sei den Beschuldigten das Teilnahmerecht nicht gewährt worden, was zur Un-

verwertbarkeit dieser Aussagen zulasten der Beschuldigten führe. Insbeson-

dere betrifft das die Einvernahmen mit T. als Auskunftsperson vom 15. Juni 

2009 und mit demselben als Zeuge vom 5. März 2010. Die erstmals im Plä-

doyer an der Hauptverhandlung vorgebrachte Rüge ist verspätet. Die Be-

schuldigten und ihre Verteidiger hatten nach Gewährung der Akteneinsicht im 

Vorverfahren wie auch nach Eingang der Anklage beim Gericht und selbst am 

Schluss des Beweisverfahrens anlässlich der Hauptverhandlung in Kenntnis 

der Beweis- und Anklagesituation ausdrücklich Gelegenheit, Beweisanträge 

zu stellen. Dazu hätte auch die Möglichkeit gehört, Personen, mit denen man 

früher nicht konfrontiert worden war, als Zeugen zu beantragen, um an sie 

Fragen stellen zu können. Indem sie es nicht taten, haben die Beschuldigten 

auf ihr Konfrontationsrecht verzichtet. Zudem ist keine der gerügten Einver-

nahmen ein ausschlaggebendes Beweismittel. Insbesondere sind die mass-

gebenden Vorgänge im V. durch die Aussagen der Beschuldigten selbst be-

weiskräftig erhellt. Aus denselben Gründen durften der WFD und die BAM die 

Ereignisse im V. als ihren Ausführungen zugrunde liegende Fakten betrach-

ten. 

g) Die Verteidigung verlangt, das BAM-Gutachten aus dem Recht zu weisen, 

weil es sich insbesondere in Ziff. 3.9 zu Rechtsfragen äussere. Die Fragen an 

die Expertin waren vorab bekannt und die Verteidigung hat die Frage zu  

Ziff. 3.9 nach Literatur, Reglementen oder Merkblätter mit Warnungen in Be-

zug auf das Zusammenpacken von Zündmitteln nicht beanstandet. Die Exper-

tenantwort bestand im Hinweis auf entsprechende Unterlagen (wie dies z.B. 

bei Expertisen des Institut Suisse de droit comparé – ISDC – regelmässig die 

zentrale Thematik ist). Die Interpretation der Unterlagen (Rechtsfrage) obliegt 

dem Gericht. Das Gutachten ist insoweit nicht zu beanstanden. 

h) Die Verteidigung opponiert dagegen, dass das Gericht den Amtsbericht des 

WFD an die Expertin BAM als Grundlage für ihren Bericht zugestellt hat. Die 

Verteidiger wussten, welche Fragen und Unterlagen der Expertin unterbreitet 

- 14 - 

wurden. Gegen die Unterbreitung des WFD-Berichts als solchen wurden von 

Seiten der Verteidigung grundsätzlich keine Einwände erhoben (cl. 9 pag. 

9.521.009 und pag. 9.522.010). Das Vorgehen des Gerichts entspricht        

Art. 184 Abs. 4 StPO. 

2. Beweiswürdigung 

2.1 Die Bundesanwaltschaft wirft den Beschuldigten folgenden Sachverhalt vor: 

2.1.1 A.  

A. sei als Direktor des Sprengkurses der Verantwortliche für dessen Durchfüh-

rung, die Ausbildung der Kursteilnehmer, die Bereitstellung des gesamten 

Sprengmaterials für den Kurs und den Prüfungstag und die Kontrolle der verwen-

deten Sprengmittel für die ganze Kursdauer inkl. Prüfung. Er habe neben ge-

bräuchlichen Zündmitteln sehr alte, nicht mehr handelsübliche Zündmittel (Minen-

zünder vom Typ Spaltzünder, Brückenzünder) sowie ebenfalls nicht übliche 

Zündmittel (A- und U-empfindliche elektrische Sprengzünder, Kupfer-Sprengkap-

seln Nr. 8) bei den praktischen Arbeiten für den Sprengkurs verwendet, aber mit 

Ausnahme der Kupfer-Sprengkapseln Nr. 8 nicht ausgebildet. Die Zündmittel habe 

er ausschliesslich vom Magazin der UU. Polizei bezogen. Sie hätten sich haupt-

sächlich aus übriggebliebenen Sprengmitteln früherer Kurse angesammelt gehabt. 

Neu erworben habe er für den Kurs lediglich 30 Verbindungsblöcke zum Verbin-

den von Nonel-Zünderschläuchen. Er habe die im Kurs 2009 verwendeten Zünd-

mittel und Sprengstoffe sowie die Beschaffenheit und Empfindlichkeit der Zünd-

mittel, mit Ausnahme der Minenzünder vom Typ Spaltzünder, gekannt und habe 

gewusst, dass Primärsprengstoff auf Reibung und Schlag sehr empfindlich reagie-

re. Er habe die Sprengmittel im Vorfeld des Kurses bzw. vor dem Prüfungstag 

weder kontrolliert noch auf ihre Handhabungssicherheit und ihre Eignung für den 

Kurs überprüft, sondern habe B. die gesamten Sprengmittel für den Sprengkurs 

und den Prüfungstag im KVK übergeben und das Material zusammen mit diesem 

mit einem Sprengbus in das Sprengstoffmagazin des Kurses transportiert. Im KVK 

habe A. die Kürzung der Drähte der elektrischen Zünder angeordnet und dies in 

der Folge zusammen mit B., Instruktor und Prüfungsobmann M. sowie zwei Ange-

hörigen der UU. Polizei durchgeführt. Die Zünder habe er entgegen der Vorschrif-

ten im Kurs und am Prüfungstag weiter verwendet bzw. verwenden lassen, anstatt 

diese umgehend zu vernichten bzw. der Vernichtung zuzuführen. 

Am Mittwoch, 22. April 2009, also 3 Tage vor dem der Anklage zugrunde liegen-

den Sachverhalt, war es im Rahmen des selben Kurses während der Vorberei-

tungsarbeiten für das praktische Vernichten von unbrauchbar gewordenen 

- 15 - 

Sprengmitteln im V., zu einem Zwischenfall gekommen. Während der Kursteil-

nehmer T. ein Bündel mit Sprengkapseln vorschriftsgemäss mit von ihm selber 

mitgebrachtem orangefarbenem Klebband umwickelte, gab es einen Knall. Die 

Bundesanwaltschaft wirft A. vor, nach diesem Vorfall mit dem Kandidaten T. habe 

er die Ursache für den Knall nicht erklären können, das Bündel nicht weiter unter-

sucht und auch keinen Experten zu Rate gezogen. Auf Geheiss A.s (und B.s) sei-

en die praktischen Arbeiten im V. fortgesetzt worden. A. habe als Kursverantwort-

licher das Material vor dem Rücktransport nicht kontrolliert, keine Anweisungen 

bzgl. der bearbeiteten Sprengmittel gegeben und den Rücktransport durch B. 

nicht verhindert. Er habe keine Bescheinigung des Eidgenössischen Gefahrgu-

tinspektorats (EGI) für den Transport von mit Sprengschnur umwickelten Bündeln 

auf öffentlicher Strasse besessen bzw. nicht überprüft, ob der Transport durch ei-

ne bereits existierende Bescheinigung des EGI bewilligt worden sei. Zudem habe 

er keine Bescheinigung für den Transport eines Zündmittelgemisches, bestehend 

aus mehr als 100 Sprengkapseln, -verzögerern und -zündern pro Sack gehabt 

bzw. nicht überprüft, ob dieser Transport bereits durch eine existierende Beschei-

nigung des EGI erlaubt worden sei. A. habe die Sprengmittel in den sechs Mi-

neurkisten nicht kontrolliert, aber gewusst, dass verschiedene Zündmittel in den 

für die Prüfung bereitgestellten Zündmittelsäcken gewesen seien, deren Zusam-

mensetzung er im Einzelnen aber nicht gekannt habe. Zudem habe A. kein Natel-

verbot bei den praktischen Einsätzen ausgesprochen und insbesondere nicht auf 

die Gefahren eines eingeschalteten Natels während des Hantierens mit Spreng-

mitteln hingewiesen. Er habe der sehr geringen Luftfeuchtigkeit (25% bei ca. 

20°C) am Prüfungstag und damit der Möglichkeit eine r elektrischen Entladung 

keine Beachtung geschenkt. 

Damit habe A. ungewollt Leib und Leben der Kurs- und Prüfungsteilnehmer, In-

struktoren und Experten sowie fremdes Eigentum in konkrete Gefahr gebracht. Er 

habe insbesondere nach dem Vorfall mit dem Kandidaten T. voraussehen müs-

sen, dass die Manipulation von †L. an den Zündmitteln anlässlich der Prüfung ei-

ne Gefahr für Leib und Leben der auf dem Platz anwesenden Prüflinge und In-

struktoren sowie für fremdes Eigentum darstelle. Somit habe er ungewollt den 

Tod von †L. und eine schwere Schädigung von Körper und Gesundheit des H. 

verursacht (cl. 9 pag. 9.100.001 ff.). 

2.1.2 B. 

B. sei als Kursinstruktor und Prüfungsexperte sowie seit mehreren Jahren als Ma-

terialverantwortlicher des Sprengkurses verantwortlich für die Verwaltung, Vorbe-

reitung und Bereitstellung des Materials, welches der Kursdirektor A. ihm zur Ver-

fügung gestellt hatte. Er habe die im Kurs 2009 verwendeten Zündmittel und 

Sprengstoffe sowie die Beschaffenheit und Empfindlichkeit der Zündmittel, mit 

- 16 - 

Ausnahme der Minenzünder vom Typ Spaltzünder, gekannt. Er habe die gesam-

ten Sprengmittel für den Kurs und den Prüfungstag im KVK beim Magazin der UU. 

Polizei von A. entgegengenommen und die Sprengmittel zusammen mit diesem in 

einem Sprengbus ins Sprengstoffmagazin des Kurses transportiert, ohne dass er 

das Material vorher kontrolliert und auf seine Handhabungssicherheit und die Eig-

nung für den Kurs überprüft habe. Zudem habe er die Sprengmittel während der 

gesamten Ausbildung und am Prüfungstag für die Kursteilnehmer bereitgestellt. B. 

habe die Gefahr, die von Primärsprengstoffen ausgehe, gekannt. Er habe zu-

sammen mit Instruktor und Prüfungsobmann M. und zwei Angehörigen der UU. 

Polizei die Kürzung der Drähte der elektrischen Zünder vorgenommen, nachdem 

A. dies im KVK angeordnet habe. Er habe jedoch diese Zünder dann nicht umge-

hend vernichtet bzw. der Vernichtung zugeführt, sondern sie entgegen der gesetz-

lichen Vorschriften im Kurs und am Prüfungstag weiter verwendet bzw. weiter 

verwenden lassen.  

Nach dem Vorfall mit dem Kandidaten T. im V. habe B. die Ursache für den Knall 

nicht klären können, das Bündel jedoch nicht weiter untersucht und auch keinen 

Experten beigezogen. Auf B.s Anweisung hin habe T. das betreffende Bündel zu 

den anderen, teilweise gebündelten, Kapseln in die Mineurkiste zurückgelegt. 

Nach Beendigung der praktischen Übung habe B. die Kursteilnehmer dazu aufge-

fordert, die Bündel in die Mineurkisten zurückzulegen. Dann habe er die sechs 

Mineurkisten im Sprengbus auf öffentlichen Strassen ins Sprengstoffmagazin zu-

rücktransportiert und dort bis am Abend des nächsten Tages gelagert. Dabei hät-

ten sich die von den Kursteilnehmern gebündelten und – bis auf das von T. präpa-

rierte Bündel – mit Sprengschnur umwickelten Sprengkapseln zusammen im glei-

chen Fach der Mineurkiste befunden. B. habe ausserdem keine Bescheinigung 

des EGI besessen bzw. nicht überprüft, ob dieser Transport durch eine bereits 

existierende Bescheinigung des EGI genehmigt sei. Er habe am Abend des  

23. April 2009 allein die gebündelten Sprengkapseln im Sprengstoffmagazin aus-

einander genommen und die Sprengkapseln in die sechs Zündmittelsäcke verteilt, 

ohne die Zündmittel zuvor kontrolliert zu haben. In jedem Zündmittelsack hätten 

sich mehr als 100 Sprengkapseln, Sprengverzögerer oder Sprengzünder befun-

den. B. sei mit den sechs Zündmittelsäcken, die je in einer Mineurkiste in einem 

separaten Fach für Sprengzünder verstaut gewesen seien, am gleichen Abend 

auf öffentlichen Strassen zur Kaserne X. gefahren und habe den Sprengbus im 

Materialmagazin eingeschlossen. Ausserdem habe B. keine Bescheinigung des 

EGI besessen bzw. nicht überprüft, ob dieser Transport durch eine bereits existie-

rende Bescheinigung des EGI genehmigt sei. Keiner ausser B. habe Zugang zu 

den Mineurkisten gehabt, da dieser die Kisten während der ganzen Zeit über-

wacht habe. B. habe zudem der sehr geringen Luftfeuchtigkeit (25% bei ca. 20°C) 

am Prüfungstag und damit der Möglichkeit einer elektrischen Entladung keine Be-

achtung geschenkt. 

- 17 - 

Damit habe B. ungewollt Leib und Leben der Kurs- und Prüfungsteilnehmer, In-

struktoren und Experten sowie fremdes Eigentum in konkrete Gefahr gebracht. Er 

habe insbesondere nach dem Vorfall mit dem Kandidaten T. voraussehen müs-

sen, dass die Manipulation von †L. an den Zündmitteln anlässlich der Prüfung ei-

ne Gefahr für Leib und Leben der auf dem Platz anwesenden Prüflinge und In-

struktoren sowie für fremdes Eigentum darstelle. Somit habe er ungewollt den Tod 

von †L. und eine schwere Schädigung von Körper und Gesundheit des H. verur-

sacht (cl. 9 pag. 9.100.001 ff.). 

2.2 Unbestritten ist: Am Samstag, 25. April 2009, war †L. als Kursteilnehmer auf dem 

Kasernenareal X. in Y. daran, seine Prüfungsaufgabe vorzubereiten. Als er 

Zündmittel aus dem Sack, der auf dem Boden neben der Mineurkiste lag, ent-

nehmen wollte oder bei der weiteren Handhabung der Zündmittel durch ihn, exp-

lodierten sämtliche bei ihm bereitgestellten Sprengmaterialien (Zünder und 

Sprengschnur). †L. erlitt tödliche und der unmittelbar bei ihm weilende Prüfungs-

experte H. die erwähnten lebensgefährlichen Verletzungen. Vier weiter weg be-

findliche Personen wurden leicht verletzt.  

Das für den Kurs massgebende Ausbildungsreglement SF (cl. 7 pag. BO.01.0318) 

legt in Art. 15 im Lehrplan fest, dass sich der Stoff auf "gebräuchliche" Sprengmit-

tel bezieht. Insbesondere Fach 10 handelt von "Vernichten der gebräuchlichen, 

unbrauchbar gewordenen Sprengmittel". 

2.3 Wie gesagt, war bereits am Mittwoch, 22. April 2009, im Rahmen des selben Kur-

ses während der Vorbereitungsarbeiten für das praktische Vernichten von un-

brauchbar gewordenen Sprengmitteln im V. ein Zwischenfall verzeichnet worden: 

Während der Kursteilnehmer T. ein Bündel mit Sprengkapseln vorschriftsgemäss 

mit von ihm selber mitgebrachtem orangefarbenem Klebband umwickelte, gab es 

eine Verpuffung und es wurde hell. T. hat das Bündel sofort losgelassen. Auf sei-

ner Hand zwischen Daumen und Zeigefinger entstanden zwei kleine Brandlöcher 

(cl. 2 pag. 12.05.0004). Sowohl A. als auch B. waren bei diesem Vorfall unbestrit-

tenermassen in der Nähe. Dem WFD-Bericht ist zu entnehmen, dass am Unfall-

platz vom 25. April 2009 diverse Fragmente von Kunststoffklebebändern sicher-

gestellt wurden, darunter auch ein Fragment eines orangefarbenen Kunststoffkle-

bebandes. Diese Tatsache lässt gemäss WFD vermuten, dass die Sprengkapsel 

aus dem Vorfall mit T. am Prüfungstag zusammen mit anderen Zündmitteln wie-

der verwendet worden ist (cl. 1 pag. 11.01.0051). 

2.4  

2.4.1 Der WFD kommt in seinem Amtsbericht darüber hinaus zu folgenden Ergebnissen 

(cl. 1 pag. 11.01.0001): 

- 18 - 

Er untersuchte im Material vom 25. April 2009 zunächst den Inhalt der Zündmittel-

säcke und das Spurenmaterial. In den Zündmittelsäcken 1 bis 5 wurden gefunden: 

elektrische Sprengzünder, elektrische Minenzünder (= technologisch über 100 

Jahre alte Spaltzünder; sie sind sehr empfindlich gegenüber elektrostatischer Ent-

ladung und haben keine Sicherung gegen elektrostatische Entladung zwischen 

Zünderköpfchen und Aussenhülse), Brückenzünder (50 Jahre alt; sie haben keine 

Sicherung gegen elektrostatische Entladungen), Übungssprengzünder (enthalten 

keinen Sprengstoff), nicht elektrische Sprengzünder (Schlauchzünder), Spreng-

kapseln Nr. 8 (der darin enthaltene Primärsatz kann durch Feuer, elektrische Fun-

ken oder mechanische Einwirkung – Schlag oder Reibung – leicht zur Detonation 

gebracht werden; davon gibt es zwei Arten: Aluminium-Sprengkapseln und Kup-

fer-Sprengkapseln; Aluminium-Sprengkapseln enthalten i.d.R. einen Primärsatz 

aus Bleiazid/Bleitrinitroresorcinat und einen Sekundärsatz aus Nitropenta; Kupfer-

Sprengkapseln haben Quecksilberfulminat als Primärsatz; daraus kann sich beim 

Kontakt mit Kupfer Kupferazid bilden; daher sollten aus Sicherheitsgründen Kup-

fer-Sprengkapseln und Aluminium-Sprengkapseln getrennt aufbewahrt werden); 

Detonationsverzögerer, Sprengschnur und Sicherheitsanzündschnur (cl. 1 pag. 

11.01.0031 ff.). 

Aus den Fragmenten der beim Unfall umgesetzten Zündmittel und aus denjeni-

gen, die aus dem Körper von †L. entfernt worden waren, zogen die WFD-

Fachleute Rückschlüsse, um den Inhalt des explodierten Zündmittelsacks zu er-

mitteln. Demnach müssten sich im Zündmittelsack sowohl Sprengzünder mit Alu-

minium- wie auch mit Kupferhülsen befunden haben. Ebenfalls vorhanden müss-

ten verschiedene elektrische Sprengzünder unterschiedlicher Typen (auch Verzö-

gerungssatz) gewesen sein. Die jeweilige Menge der Zündmittel könne allerdings 

nicht eruiert werden. Hinweise auf Schlauchzünder sowie elektrische Minenzünder 

(elektrische Sprengzünder der Schweizerischen Armee) hätten sich nicht gefun-

den. Dennoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass solche auch im Zündmit-

telsack vorhanden gewesen sein könnten (cl. 1 pag. 11.01.0036).  

Welche Arten von Sprengmitteln beim Unfall detoniert sind, konnten die WFD-

Fachleute nicht eindeutig beantworten. Die Zerstörung bei der Umsetzung sei so 

gross gewesen, dass keine sichere Identifikation möglich sei. Jedoch geht der Be-

richt davon aus, dass sich im detonierten Zündmittelsack eine ähnliche Zündmit-

telpalette befand wie in den untersuchten Zündmittelsäcken 1 bis 5. Es gebe Hin-

weise darauf, dass der Anteil der Zündmittel mit Kupferhülsen im Unfallsack etwas 

höher gewesen sei als in den anderen. Des Weiteren könne nicht ausgeschlossen 

werden, dass sich im am Unfall beteiligten Zündmittelsack noch andere nicht eru-

ierbare Zündmittel befanden, die zusätzliche Risiken beinhalteten (cl. 1 pag. 

11.01.0051 f.). Der genaue Grund für die ungewollte Zündung liesse sich nicht 

eruieren. Es kämen drei Ursachen in Frage: mechanische Einwirkung (Schlag, 

- 19 - 

Reibung), elektrostatische Entladung und elektromagnetische Felder. Eine Zün-

dung durch elektromagnetische Felder sei unwahrscheinlich, eine elektrostatische 

Entladung sei möglich, am wahrscheinlichsten jedoch sei die Zündung durch me-

chanische Einwirkung auf die Zündmittel.  

Als sehr kritisch wertet der WFD das Zusammenpacken von Aluminium- und Kup-

fer-Sprengkapseln wegen der möglichen Bildung des sehr schlag- und reibungs-

empfindlichen Kupferazids (cl. 1 pag. 11.01.0055). Die asservierte Aluminium-

Sprengkapsel mit einer Anhaftung innen (Abbildung in cl. 1 pag. 11.01.0086) zei-

ge deutlich, wie bei einigen Aluminium-Sprengkapseln aus den Zündmittelsäcken 

1 bis 5 Primärsatz ausgerieselt sei, so dass Bleiazid/Bleitrizinad freigesetzt wor-

den sei. Bleiazid neige bei Kontakt zu Kupfer zur Bildung von Kupferazid, welches 

wesentlich schlag- und reibempfindlicher sei als Bleiazid. Das trockene Kupferazid 

explodiere oft nur durch Berührung (cl. 1 pag. 11.01.0047). Beim Hantieren mit 

Zündmitteln entstünden zwischen den einzelnen Hülsen der Sprengkapseln 

und/oder elektrischen Sprengzünder erhebliche Druck- und Reibbelastungen. 

Wenn nun an diesen Stellen Primärsatz vorhanden sei, bestehe das Risiko, dass 

dieser durch die Reibung umgesetzt und der Rest der im Zündmittelsack vorhan-

denen Zündmittel initiiert werde. Die eingekürzten Zünderdrähte und Zündschläu-

che stellten eine zusätzliche Gefahr dar, wenn sie in die Kapselhohlräume gelan-

gen und so den schlag- und reibempfindlichen Primärsatz belasten (cl. 1 pag. 

11.01.0052 f.).  

Der Bericht geht davon aus, dass †L. sich während des Kurses genügend Fach-

kenntnisse angeeignet hatte, um mit handelsüblichen Spreng- und Zündmitteln 

umgehen zu können. Er habe allerdings nicht wissen können, dass die bei der 

Prüfung gebrauchten nicht handelsüblichen Zündmittel ein erhöhtes Risiko dar-

stellten (cl. 1 pag. 11.01.0053 f.). Als problematisch erachtet der Bericht das ge-

meinsame Lagern und Zusammenpacken von unterschiedlichen Zündmitteln in 

gleichen Behältnissen.  

Weiter stellt der WFD fest, dass die verwendeten Kursunterlagen im Hinblick auf 

das Abtrennen der Zünderdrähte nicht aktuell seien. Zünderdrähte dürften erst 

unmittelbar vor dem Vernichten von Sprengzündern abgetrennt werden (Kursun-

terlagen, Sprengkommission SBV-SVS-SAFAS, September 2008, Teil „Vernichten 

von Sprengmitteln“, Absatz 5.1 Zündmittel). Wenn man die Zünderdrähte nicht 

unmittelbar vor dem Vernichten der Sprengzünder abschneide, bedeute dies eine 

wesentliche Erhöhung des Risikos einer ungewollten Zündung von elektrischen 

Sprengzündern (cl. 1 pag. 11.01.0055). Der Bericht kommt zum Schluss, dass der 

Kursleitung, den Instruktoren und Prüfungsexperten nicht bewusst gewesen sei, 

welche Gefahren von den im Kurs verwendeten Zündmitteln ausgehen. Der Vor-

fall in V. zeige, dass von den anwesenden Personen niemand die latente Gefahr 

- 20 - 

erkannt, eine notwendige Risikobeurteilung vorgenommen und daraus die richti-

gen Schlüsse gezogen habe. In Anbetracht dessen, dass Zündmittel elektrosta-

tisch und mechanisch empfindlich, sowie dass unbekannte oder alte Zündmittel 

besonders vorsichtig zu handhaben seien, müsse festgestellt werden, dass zu 

keinem der genannten Punkte eine adäquate Massnahme ergriffen worden sei   

(cl. 1 pag. 11.01.0057). 

2.4.2 Der Einzelrichter beauftragte am 24. Oktober 2011 Dr. Dietrich Eckardt von der 

BAM in Berlin mit der Ausarbeitung eines Gutachtens und gestattete ihm, andere 

Personen unter seiner Verantwortung zur Ausarbeitung beizuziehen (cl. 9 pag. 

9.684.002 ff.). Die Expertise (cl. 9 pag. 9.511.001 ff.) bestätigt die Ansicht des 

WFD bezüglich der im umgesetzten Zündmittelbeutel wahrscheinlich vorhandenen 

Zusammensetzung und Anzahl an Zündmitteln (Ziff. 3.1). Hinsichtlich Ursachen-

wertung stimmt die Expertise dem Amtsbericht des WFD im Wesentlichen zu: „Im 

Vordergrund steht für uns deshalb die Zündung durch mechanische Einwirkung 

auf Zündmittel“ (Ziff. 3.3/3.4; Seite 4). In der Detailbetrachtung sieht die Expertise 

aber eine etwas andere Gewichtung und Wahrscheinlichkeit der möglichen Ursa-

chen:  

- Eine Detonation des gesamten Beutelinhaltes ist nur möglich, wenn ein oder 

mehrere Zünder gezündet wurden und eine ausreichende Stossenergie er-

zeugt wurde. 

- Das Ausrieseln von kleinen Mengen an Primärsatz aus den offenen Spreng-

kapseln und feiner oberflächlicher Verteilung im Beutel kann höchstens zu lo-

kalen Umsetzungen (Explosion, Deflagration) geführt haben und nicht zur Ini-

tiierung eines Zünders. 

- Die Bildung von Kupferazid durch Kontakt von Bleiazid an einer Kupferober-

fläche erscheint aufgrund der Umgebungsbedingungen als vernachlässigbar. 

- Aus anderen als den im WFD-Bericht beschriebenen Gründen erachtet das 

Gutachten auch eine elektrostatische Auslösung der Zündmittel als nicht 

wahrscheinlich. 

- Als wahrscheinlichste Ursache erscheint das Einstechen gekürzter Zünder-

drähte in den Primärsatz offener Sprengkapseln. 

Die Häufigkeit ungewollter Zündungen in Verbindung mit der Vernichtung von 

Zündmitteln sei nach den der BAM vorliegenden Erkenntnissen äusserst gering 

(Ziff. 3.5). 

- 21 - 

Die Sachverständigen beurteilen den Vorfall im V. aufgrund der Beschreibung als 

Umsetzung oberflächlicher Anhaftungen von Explosivstoff auf den Zündern durch 

mechanische oder elektrostatische Auslösung. Wahrscheinlich habe es sich um 

eine schnelle Deflagration gehandelt. Die Ursachen dieses Vorfalls hätten analy-

siert und die jeweiligen Zünder einer gesonderten Vernichtung zugeführt werden 

müssen (Ziff. 3.6). 

Gefragt, ob ihre Erkenntnisse in der Literatur beschrieben seien und gegebenen-

falls in Quellen, welche einer für einen Sprengkurs der aktuellen Art verantwortli-

chen Person ohne Weiteres zugänglich seien, antworten die Experten zusam-

mengefasst: Die Empfindlichkeit von Explosivstoffen, insbesondere von Initi-

alsprengstoffen, gegenüber mechanischer, elektrostatischer und thermischer 

Energie sei in diversen Standardwerken umschrieben und sollte in Grundzügen 

zum Basiswissen von Personen gehören, die mit diesen Stoffen umgehen. Beim 

Umgang mit Zündern sei ebenfalls vorauszusetzen, dass zumindest von den han-

delsüblichen elektrischen und nichtelektrischen Zündern Kenntnisse zu deren 

elektrischen bzw. elektrostatischen Kenndaten vorhanden seien. Es wird auf Lite-

ratur, gesetzliche Vorschriften und Angaben der Hersteller verwiesen. Ebenfalls 

bekannt sein sollte, dass das Kürzen von Zünderdrähten bei elektrischen Zündern 

zu einer Verringerung des Gesamtwiderstandes führe und somit die elektrische 

Empfindlichkeit der Zünder erhöhe. Kenndaten zu nicht-handelsüblichen, militäri-

schen oder veralteten Zündmitteln seien demgegenüber in der frei zugänglichen 

Literatur oft schwer zu finden. Dies betrifft vorliegend die elektrischen Minenzün-

der (Spalt- und Brückenzünder der Schweizer Armee). Umso notwendiger sei eine 

gründliche Recherche (evtl. bei militärischen Institutionen) und insbesondere bei 

ungenügender Informationslage das Treffen von speziellen Sicherheitsvorkehren 

beim Umgang mit solchen Zündern. 

Berichte zur Häufigkeit und Ursachenanalyse ungewollter Zündungen von Zünd-

mitteln seien meist nicht öffentlich zugänglich. Hersteller und Anwender führten in-

terne Datenbanken. Inwiefern bei deutschen und schweizerischen Polizeibehör-

den Unfallereignisse mit Spreng- und Zündmitteln recherchierbar sind, entzieht 

sich der Kenntnis der Experten (Ziff. 3.7). 

Den Experten sind aus beruflicher Erfahrung und aus anderen Quellen nur Aus-

nahmefälle bekannt, wo an Sprengkursen, insbesondere für Formationen der Po-

lizei, unterschiedliche Zündmittel gemeinsam gelagert bzw. im gleichen Behältnis 

zusammengepackt wurden. Es handelt sich bei den von den Experten beschrie-

benen Fällen um sicherheitstechnisch unbedenkliche (Ziff. 3.8). 

Das Zusammenpacken der unterschiedlichen Zündmittel im gleichen Behältnis 

(wie in concreto) sei weder nach den Gefahrgutvorschriften ADR/RID noch nach 

- 22 - 

den deutschen Vorschriften zur Lagerung von Explosivstoffen verboten. Für das 

Befördern von (nicht elektrischen) Sprengkapseln gelte gemäss ADR/RID die 

Verpackungsvorschrift: „Säcke ... dürfen nicht als Innenverpackungen verwendet 

werden“. Für Sprengschnüre (Verträglichkeitsgruppe D) bestehe gemäss 

ADR/RID Kapitel 7.5 ein Verbot für das gemeinsame Befördern mit Zündmitteln 

der Verträglichkeitsstufe B, ausser in speziellen behördlich zugelassenen Behäl-

tern oder Abteilen. Zündmittel dürfen gemäss deutschem Recht in Sprengstoffla-

gern nur aufbewahrt werden, wenn Fächer, Nischen oder Kammern vorhanden 

sind, deren Abtrennung eine Detonationsübertragung der Zündmittel auf die ande-

ren Explosivstoffe verhindert. (Hinweis des Gerichts: Analoge Vorschriften für die 

Schweiz finden sich in Art. 74 ff. der Verordnung vom 27. November 2000 über 

explosionsgefährliche Stoffe [Sprengstoffverordnung, SprstV; SR 941.411]). In 

diesem Zusammenhang erwähnt die Expertise, dass bereits angewürgte Zünd-

schnüre durchaus als Teil des Zündsystems betrachtet werden können. Ausser-

dem wäre ein Entfernen der Sprengschnurstücke durch Lösen der Anwürgung 

nach Ansicht der Verfasser sicherheitstechnisch problematischer als der Verbleib 

der Stücke am Zündmittel (Ziff. 3.9). 

Als sicherheitstechnisch bedenklich erachteten die Experten den Umstand, dass 

bei der Vernichtung von Zündmitteln, wenn schon nicht eine sortenreine Vernich-

tung, nicht wenigstens eine grobe Vorsortierung nach Zündertypen, Empfindlich-

keiten und Beschädigungen gewählt wurde. Offene Sprengkapseln hätten zudem 

so aufbewahrt oder befördert werden müssen, dass ein Ausrieseln von Primärsatz 

nicht möglich gewesen wäre. Nicht handhabungssichere oder nicht identifizierbare 

Zünder hätten vereinzelt und unter besondern Schutzvorkehren (Gesichts-

/Kopfschutz, ableitende Schuhe) vernichtet werden sollen. Das Kürzen von Zün-

derdrähten hätte erst kurz vor der Vernichtung erfolgen sollen. Die Experten er-

achten weder Menge noch Zusammensetzung der Zündmittel, die für die Prüfung 

bereitgestellt wurden, als verhältnismässig für den Zweck der Prüfung, noch hin-

sichtlich des Kenntnisstands der Prüflinge (Ziff. 3.12). 

2.4.3 Schlussfolgerungen über die objektiven Abläufe:  

Aufgrund des Gutachtens der BAM, des Amtsberichts des WFD, aber auch der 

Aussagen von Auskunftspersonen, ist die genaue Ursache der ungewollten Zün-

dung letztendlich ungeklärt. Es muss aber zwingend davon ausgegangen werden, 

dass diese als Folge des Zusammenmischens einer grossen Menge verschiede-

ner, zum Teil sehr alter und nicht mehr handelsüblicher Zündmittel in einem Sack 

– analog der vom WFD in den Säcken 1 bis 5 vorgefundenen – verursacht wurde. 

Die Folge dieser Primärursache war entweder das Einstechen gekürzter Zünder-

drähte in den Primärsatz offener Sprengkapseln oder aber die Bildung des sehr 

- 23 - 

schlag- und reibungsempfindlichen Kupferazids (als Folge des Zusammenpa-

ckens von Aluminium-Sprengkapseln mit Kupfer-Sprengkapseln).  

Die Wahrscheinlichkeit dieser beiden Varianten ist im Hinblick auf die Frage des 

Kausalverlaufs gegeneinander abzuwägen: Die im WFD-Bericht im Vordergrund 

stehenden Theorie, es hätte sich Kupferazid gebildet, rückt für die BAM aufgrund 

der Umgebungsbedingungen in den Hintergrund. Die Begründung im BAM-

Gutachten, wonach die wahrscheinlichste Ursache das Einstechen gekürzter 

Zünderdrähte in den Primärsatz offener Sprengkapseln war, ist schlüssig und ba-

siert zudem auf der kritischen wissenschaftlichen Auseinandersetzung der Gut-

achterin mit den Schlüssen im WFD-Amtsbericht. Dabei ist zu beachten, dass 

auch im WFD-Bericht die gekürzten Zünderdrähte als zusätzliche Gefahr be-

schrieben werden. 

Die zweite, vom WFD-Amtsbericht in den Vordergrund gerückte Möglichkeit, dass 

sich das hochexplosive Kupferazid gebildet haben könnte, ist hier ebenfalls nicht 

völlig ausser Acht zu lassen.  

2.5 Die Experten deuten die Kursunterlagen so, dass im Kurs über die Empfindlichkeit 

von Sprengstoffen und Zündmitteln gegenüber mechanischer, thermischer und 

elektrischer/elektrostatischer Beanspruchung nur ein kurzer Abriss erfolgte und 

dass zu speziellen oder veralteten Zündern (z.B. Spaltzündern) keine Kenntnisse 

vermittelt wurden. Aufgrund der Kursunterlagen ist nicht ersichtlich, dass gelehrt 

wurde, wie Zündmittel zu identifizieren sind und welche Schutzmassnahmen bei 

der Vernichtung je nach Empfindlichkeit der Zündmittel oder im Fall einer ungenü-

genden Informationslage zur Empfindlichkeit nicht eindeutig identifizierbarer 

Zündmittel zu treffen sind. Aufgrund all dessen schliesst die Expertise, dass die 

Kursteilnehmer auch am letzten Kurstag die von den ihnen für die Prüfung vorge-

legten Zündmitteln ausgehenden Gefahren nicht ohne Weiteres kennen mussten 

(Ziff. 3.11). 

Aus den vorliegenden Unterlagen geht nicht hervor, über welche Eingangsvoraus-

setzungen (Fachkenntnisse, Erfahrung) die Teilnehmer des Kurses verfügen 

mussten. Unter den Teilnehmern befand sich jedoch mindestens einer, der an 

diesem Kurs seine ersten Erfahrungen mit Sprengmitteln machte (Auskunftsper-

son AA.; cl. 3 pag. 12.26.0002) und A. bestätigte anlässlich der Hauptverhand-

lung, dass die Kursteilnehmer grundsätzlich über keine Eingangsvoraussetzungen 

verfügen mussten. Man sei allerdings davon ausgegangen, dass die Personen 

aus ihren Korps Kenntnisse von Sprengarbeiten mitbrächten. Es handle sich in 

der Regel um Angehörige von Sondereinheiten (cl. 9 pag. 9.930.015).  

- 24 - 

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass bei den Kursteilnehmern keine spezifischen 

Vorkenntnisse erwartet werden durften. 

2.6 Die Sprengkommission SBV-SVS-SAFAS hat im September 2008 das Reglement 

"Vernichten von unbrauchbar gewordenen Sprengmitteln" abgeändert. Insbeson-

dere schreibt die neue Fassung in Ziff. 5.1 Abs. 4 Satz 2 vor: "Die Zünderdrähte 

dürfen erst unmittelbar vor dem Vernichten von den Sprengzündern getrennt wer-

den" (cl. 3 pag. 12.42.0018 ff.). Am Sprengkurs arbeitete man gemäss Aussage 

des Beschuldigten A. mit einer Fassung von 2003 (cl. 2 pag. 12.04.0032). In der 

entsprechenden Fassung, aber auch noch in den Unterlagen der Sprengkommis-

sion Ausgabe Juni 2005, fehlte in Absatz 4 der 2. Satz (cl. 7 pag. BO.01.0216). 

2.7 Welche Handlungen/Unterlassungen zu den geschilderten objektiven Vorgängen 

führten, lässt sich aus den Einvernahmen folgern: 

2.7.1 Aussagen des Beschuldigten A. 

Das Strafverfahren richtete sich vorerst gegen Unbekannt. A. (Inhaber des 

Sprengausweises C sowie des Brevets zum Metallsprengen und –vernichten, Mit-

glied der Sprengkommission SPI und als Vertreter des SPI bei der SAFAS; cl. 2 

pag. 12.04.0025), wurde in dieser Phase am 1. Mai 2009 durch die Kantonspolizei 

XX. sowie am 17. Juni 2009 und am 3. Februar 2010 durch die Bundesanwalt-

schaft als Auskunftsperson befragt. Seine Aussagen sind im Allgemeinen in sich 

geschlossen und beweiskräftig. Wo dies nicht der Fall ist, wird im Folgenden, so-

weit beweisrelevant, darauf eingegangen.  

Den Aussagen als Auskunftsperson entsprechend, war er wie schon bei zwanzig 

oder mehr früheren Kursen von Montag bis Freitag der Ausbildungswoche Kursdi-

rektor. Er hat das Kursprogramm gemäss den Ausbildungsreglementen des SPI 

und des Bundesamtes für Bildung und Technologie (BBT) zusammengestellt (pag. 

...0002). Am Samstag (Unfalltag) war er als Ersatz Experte bei den mündlichen 

Prüfungen. Für die Besorgung des gesamten Sprengmaterials für Kurs und Prü-

fung sei er verantwortlich gewesen. Die am Kurs verwendeten Sprengmaterialien 

stammten, wie er aussagt, grösstenteils aus Beständen von früheren Sprengkur-

sen (zum Teil herrührend aus Beständen der Armee, zum Teil von der Kantonspo-

lizei St. Gallen) sowie aus Ankauf; die Zünder zum Vernichten aus Rücknahmen 

der Polizei oder aus dem Sprengkurs selber (aus Delaboration der von den Kan-

didaten angefertigten pyrotechnischen Zündsysteme) und die Sprengschnur aus 

Restbeständen von früheren Kursen, von der UU. Polizei oder vom SPI (pag. 

...0001 ff.; ...0011 ff.). 

- 25 - 

Er selber habe das Material für Kurs und Prüfung bestellt und dem Materialver-

antwortlichen ohne weitere Kontrolle der Handhabungssicherheit zur Verfügung 

gestellt (pag. ...0026 f.). Die Materialzusammenstellung sei am 16./17. April 2009 

(KVK) durch die Instruktoren BB., CC., einen nicht mehr bekannten Dritten sowie 

Mitarbeiter der UU. Polizei vorgenommen worden. Er selbst sei dabei zum gros-

sen Teil anwesend gewesen, weil er dies als seine Aufgabe erachte (pag. 

...0014). Wer Zünderdrähte abgeschnitten habe, sei nicht mehr in seiner Erinne-

rung; auch nicht, ob in den Prüfungssäcken nebst Zündschnur auch echte Zünd-

mittel enthalten waren. Er habe damals aus dienstlichen Gründen früher wegge-

hen müssen (pag. ...0027 ff.). 

Alle Instruktoren seien solche mit Sprengausweis C und langjähriger Erfahrung 

gewesen, weshalb keine weiteren Sicherheitsinstruktionen nötig gewesen seien 

(pag. ...0015). Insbesondere habe der Beschuldigte B. als Materialverantwortlicher 

kein Pflichtenheft und für den Kurs weder schriftliche noch mündliche Weisungen 

gehabt (pag. ...0026). 

Beim Ereignis im V. vom 22. April 2009 war A. gemäss eigener Aussage als In-

struktor zugegen. Er hörte ein zischendes Geräusch, der betroffene Kandidat er-

klärte ihm, er habe an der Hand etwas gespürt, er untersuchte die bereits gebün-

delten Sprengkapseln Nr. 8 und stellte nichts Aussergewöhnliches fest. Wie A. 

sagt, war er aufgrund seiner Erfahrung der Ansicht, das Geräusch habe nicht im 

Zusammenhang mit den gebündelten Sprengkapseln gestanden (pag. ...0003; 

...0016 f.). Das Material sei nachher durch den Beschuldigten B. mit Unterstützung 

von ihm selbst und von M. ordnungsgemäss in die Kisten zurückgelegt und zum 

Teil für die Prüfung vom Samstag, 25. April 2009, wieder gebraucht worden (pag. 

...0015). Das Prüfungsmaterial für Samstag sei seines Wissens durch den Be-

schuldigten B. allein zusammengestellt worden. Er selber (A.) habe die verwende-

ten Sprengstoffe und Zündmittel zuvor nicht überprüft. Für das Material und des-

sen Überprüfung sei er als Kursdirektor zuständig (pag. ...0016; ...0018). 

Weil der Prüfling (am Samstag) die verschiedenen Sprengmittel auf verschiedene 

Arten vernichten müsse, seien in einer Mineurkiste eine gewisse Anzahl pyrotech-

nischer, elektrischer und nicht elektrischer Zündmittel, Sprengschnur und Spreng-

stoff vorhanden (pag. ...0016; ...0030 f.). 

Die elektrostatische Empfindlichkeit von Explosivstoffen sei ihm grundsätzlich be-

kannt. Er wisse auch, dass elektrische Zünder mit abgeschnittenen Zünderdrähten 

in Kapselhöhlungen anderer Zünder geraten können und es dadurch zum Ausrie-

seln von Primärsprengstoff kommen kann (pag. ...0029). Die Herkunft der Zünder 

mit den abgeschnittenen Drähten sei ihm unbekannt. Er habe sie so erhalten 

(pag. ...0032). 

- 26 - 

Auf Frage erklärt A., dass am Kurs vom April 2009 nach den Vorschriften FAS 

TG-2; VE vom 6. Februar 2003, gearbeitet worden sei. Das Dokument „Vernichten 

von unbrauchbar gewordenen Sprengmitteln“ der Sprengkommission SBV-SVS-

SAFAS, September 2008, worin steht „Die Zünderdrähte dürfen erst unmittelbar 

vor dem Vernichten von Sprengzündern getrennt werden“ habe er nicht gekannt 

(pag. ...0032).  

Nachdem A. und B. als Beschuldigte ins Verfahren einbezogen worden waren, 

wurde A. am 10. Mai 2010 sowie am 15. März 2011 (Schlussbefragung) nochmals 

einvernommen. Dabei bestätigte er seine früheren Aussagen im Wesentlichen (cl. 

4 pag. 13.02.0007 ff. und ...0020 ff.) mit folgenden sachbezüglichen Korrekturen 

bzw. Ergänzungen: Er wisse nicht mehr, könne aber auch nicht ausschliessen, 

dass sie im KVK Zünderdrähte abgeschnitten hätten. Diese Zünder, aber auch die 

im jeweils gleichen Sack zusammen gelagerten verschiedenen Zündmittel, hätten 

am Prüfungstag 2009 zur Vernichtung vorbereitet und nach dem Kurs durch ihn 

selber vernichtet werden sollen (pag. ...0008; ...0010). Er wisse nicht, was sich bei 

der Prüfung in den einzelnen Säcken befunden habe (pag. ...0009). Gemäss 

WFD-Amtsbericht befanden sich in den Vergleichs-Zündmittel-säcken eine Anzahl 

längst nicht mehr zugelassener A- und U-Zünder. Dazu sagt der Beschuldigte A., 

M. habe während des Kurses die Teilnehmer über die Gefahren der A-Zünder in-

formiert. Die U-Zünder seien seines Wissens nicht ausgebildet worden (pag. 

...0009). Er erinnere sich nicht, darüber gesprochen zu haben, wie die Bündel aus 

dem V. weiterverwendet werden dürften (pag. ...0014). Die zur Vernichtung vor-

gesehenen Sprengmittel müsse man nicht prüfen, weil man sie ja nicht mehr be-

nutze, da sie unmittelbar nach Kursabschluss zur Vernichtung vorgesehen gewe-

sen seien (pag. ...0022). Obwohl die Kursunterlagen unter dem Kapitel „Verwen-

dung" (cl. 7 pag. BO.01.0241) aus Sicherheitsgründen dringend empfehlen, nur 

mit HU-Zündern zu arbeiten, habe man für das Prüfungsfach „Vernichtung“ auch 

A-Zünder in die Zündmittelsäcke gelegt, damit die Kandidaten lernten, die Unter-

schiede der verschiedenen Zündmittel zu erkennen (pag. ...0023). 

Anlässlich der Hauptverhandlung sagte A. im Wesentlichen aus, dass am Kurs 

gelehrt wurde, wie Zündmittel zu identifizieren seien. Zudem sei der Bereich 

"Kenntnis von Sprengstoffen und Zündmitteln" instruiert worden. Aus dem Lehr-

mittel sei auch hervorgegangen, und es sei auch im Unterricht gestreift worden, 

welche Schutzmassnahmen bei der Vernichtung von Zündmitteln und im Fall einer 

nicht genügenden Informationslage zur Empfindlichkeit von Zündmitteln zu treffen 

sind. Er könne sich nicht erinnern, dass am KVK Zünderdrähte abgeschnitten 

worden seien, jedoch wisse er, dass in den Säcken Zünder mit eingekürzten 

Drähten waren. Wenn solche abgeschnitten worden seien, so sei er dabei gewe-

sen. Dass man die Drähte nicht kurzgeschlossen habe, wenn die Zünder zum 

Vernichten vorgesehen gewesen seien, sei ihm bekannt gewesen. Das habe man 

- 27 - 

immer so gemacht. Ob die Prüflinge dies wussten, könne er nicht sagen. Über-

haupt seien die Kurse und Prüfungen (auch das Arbeiten mit "scharfen" Spreng-

mitteln statt mit Attrappen) schon bei den Vorgängern so gemacht worden. Oft 

seien auch SUVA und BBT dabei gewesen und hätten somit das Vorgehen gebil-

ligt. Die grossen Quantitäten an verschiedenen Zündmitteln habe man in die 

Zündmittelsäcke eingepackt, damit die Kandidaten erkennen konnten, wie sie die 

Ware zu vernichten hätten (cl. 9 pag. 9.930.012 ff.). 

2.7.2 Aussagen des Beschuldigten B. 

Auch B. wurde noch am Unfalltag selbst durch die Kantonspolizei XX. sowie am 

17. Juni 2009 und am 3. Februar 2010 durch die Bundesanwaltschaft als Aus-

kunftsperson befragt. Auch seine Aussagen wirken allgemein in sich geschlossen, 

glaubwürdig und nicht widersprüchlich zu anderen Aussagen. Soweit Details un-

genau oder in Widerspruch mit anderen Beweisen stehend sind, fehlt ihnen die 

Beweisrelevanz. 

B. bezeichnete sich selbst als Materialverantwortlichen und Instruktor des Kurses 

und seit 1988 Inhaber der Sprengausweises C (Sprengmeister). Er habe seit 1988 

immer als Instruktor und Prüfungsexperte an den Polizeisprengkursen teilgenom-

men und sich auch im zivilen Leben mit Sprengarbeiten befasst (cl. 2 pag. 

12.01.0002; ...0007 ff.). 

Zusammengefasst gab er anlässlich dieser Einvernahmen an, er habe einen Teil 

des Materials für die Prüfungsarbeiten im KVK vor dem Kurs gemeinsam mit A., 

dem Prüfungsobmann M. und zwei Mitarbeitern von A. zusammengestellt. Dabei 

hätten sie zur Vorbereitung der Vernichtung auch Zünderdrähte eingekürzt (abge-

schnitten; pag. ...0029). Den andern Teil des Prüfungsmaterials habe er selbst am 

Donnerstag, 23. April 2009, für die Prüfung zusammengestellt, in sechs Mineur-

kisten verpackt und in den Sprengbus verladen. Es habe sich um Sprengstoff und 

Sprengzünder gehandelt, welche sich bei der UU. Polizei angesammelt hatten. Er 

selber habe am Unfalltag die sechs Mineurkisten an die Prüfungsexperten abge-

geben. Alle Kisten seien mit dem gleichen Material bestückt gewesen, namentlich 

mit elektrischen, Schlauch- und pyrotechnischen Zündern sowie Verzögerern. Die 

Sprengzünder seien in einem Plastiksack verstaut im separaten Fach für die 

Sprengzünder in der Mineurkiste deponiert gewesen. Ebenda sei auch ein Stück 

Sicherheitszündschnur deponiert gewesen. Im mittleren Fach seien verschiedene 

Sprengstoffe verstaut gewesen, sowie wiederum mehrere Meter neuer Spreng-

schnur. Das dritte Fach der Kiste sei für Werkzeuge bestimmt (cl. 2 pag. 

12.01.0002; ...0007 ff.; ...0024). Vor der Prüfung vom 25. April 2009 habe er die 

verwendeten Sprengstoffe und Zündmittel nicht überprüft. Bereits beim Zusam-

menstellen im KVK und am Donnerstagabend habe er summarisch geschaut, 

- 28 - 

dass die Materialien vollständig und sauber seien, damit sie den Prüflingen in ord-

nungsgemäss präpariertem Zustand zur Verfügung stehen. Diese Aussage präzi-

siert er: Beim Material zum Vernichten habe es sich um Zünder aus Rückschub, 

bei Sprengstoff hingegen um neuwertiges Material gehandelt. Es werde alte, be-

schädigte und abgelaufene Ware für die Vernichtung vorbereitet. Bei der Prüfung 

werde nicht gesprengt. Die Vernichtung der alten Ware erfolge durch einwandfrei-

es Material. Am Prüfungstag, als es um das Fach Vernichten ging, habe die ver-

wendete Sprengschnur einwandfrei sein müssen (pag. ...0013). Auf Frage gibt B. 

an, er sei davon ausgegangen, dass er nur Gegenstände, welche man heute noch 

kaufen könne und welche heute noch hergestellt würden (handelsübliches Materi-

al), in die Zündmittelsäcke abgefüllt habe. Über Spaltzünder habe er noch nie et-

was gehört (pag. ...0028). 

Instruktoren und Prüfungsexperten seien nicht speziell über die verwendeten 

Zündmittel instruiert worden. Es habe sich allesamt um erfahrene Personen mit 

Sprengausweis (sicher Sprengausweis P) gehandelt (pag. ...0010).  

Beim Ereignis im V. sei er in der Nähe gewesen. Er habe den Knall oder „Pfupf“ 

gehört, sich bei den Betroffenen erkundigt, die Folgen und das betroffene Material 

gesehen. Das betroffene Bündel habe ausschliesslich aus Sprengkapseln Nr. 8 

aus Kupfer bestanden. (Im Nachgang zur Einvernahme korrigiert sich B. auf Vor-

halt eines Widerspruchs zum betroffenen Kandidaten T.: Er habe nicht genau ge-

sehen, ob es Sprengkapseln Nr. 8 aus Kupfer oder aus Aluminium gewesen sei-

en; pag. ...0017; ...0022). Er habe die Öffnungen der Kapseln von aussen be-

trachtet und in deren Innerem nichts Besonderes festgestellt. Eine weitere Unter-

suchung habe er nicht angestellt. Das Bündel sei nicht mit Sprengschnur umwi-

ckelt gewesen. Er habe keine angesengten oder deformierten Sprengkapseln 

festgestellt. Dieselben Feststellungen habe auch A. gemacht, der ebenfalls ge-

meint habe, man sehe den Kapseln nichts an (pag. ...0011/0012). Gleich nach 

Beendigung der Übung habe er das restliche Material im Bus ins Sprengmagazin 

zurücktransportiert. Dieses Material sei weder verbrannt noch gesprengt worden. 

Er habe es in die sechs Mineurkisten verteilt und am 25. April 2009 für die Prüfung 

in Y. wieder gebraucht. In den Kisten habe sich ein Gemisch befunden. Was ge-

nau darin war, könne er nicht sagen. Er habe aber darauf geschaut, dass sich in 

allen Kisten elektrische, Schlauch- und pyrotechnische Zünder befunden hätten. 

Zusätzlich habe er mindestens in einzelne Mineurkisten Sprengverzögerer gelegt 

(pag. ...0011; ...0014). Es habe niemand anderes Material aus den sechs Kisten 

rausnehmen oder in diese reinlegen können (pag. ...0014; ...0024). 

Er habe das Material ohne Weisungen nach den Bedürfnissen des Kurses zu-

sammengestellt (pag. ...0023). Auch in Bezug auf die Kontrolle der eingesetzten 

- 29 - 

Sprengmittel habe er weder vom Kursleiter noch vom Prüfungsobmann Instruktio-

nen erhalten (pag. ...0025). 

Er kenne die elektrostatische Empfindlichkeit von Zündern. Eine Kapsel Nr. 8 sei 

empfindlicher als ein elektrischer oder ein Schlauchzünder. Die Gefahr im Um-

gang mit Primär- oder Initialsprengstoff kenne er. Es sei ihm auch bewusst, dass 

abgeschnittene Zünderdrähte in Kapselhöhlungen gelangen können. Über die 

Folgen (Ausrieseln von Primärsprengstoff) sei ihm nichts bekannt. Er wisse aber, 

dass die Kapsel Nr. 8 innen empfindlich sei (pag. ...0027). Abgeschnittene elektri-

sche Zünderdrähte verringerten den Widerstand des betreffenden Zünders. Die 

Empfindlichkeit auf Fremdeinwirkung, d.h. einer ungewollten Explosion, werde 

grösser. Diese Gefahr könne man mit Kurzschliessen der Zünderdrähte verrin-

gern, was aber nicht gemacht werde, wenn die Zünder zum Vernichten vorgese-

hen seien (pag. ...0028 f.). Wenige Zünder seien bereits abgeschnitten gewesen, 

als er sie entgegengenommen habe. Diese könnten vom Kurs des Vorjahres oder 

von der Polizei stammen. Aus Sicherheitsgründen achte man darauf, dass die 

Sprengmittel möglichst rasch vernichtet werden, wenn nicht im laufenden Kurs, so 

doch während des Jahres oder beim nächsten Kurs (pag. ...0030). 

Bei einer weiteren Einvernahme durch die Bundesanwaltschaft vom 18. Mai 2010 

– diesmal als Beschuldigter –, bei der Schlussbefragung vom 15. März 2011 und 

anlässlich der Hauptverhandlung hat B. weitere Aussagen zur Sache verweigert 

(cl. 4 pag. 13.1.0005 ff. und 13.01.0018 ff.; cl. 9 pag. 9.930.019 ff.). 

2.7.3 Aus der grossen Anzahl an Befragungen von Auskunftspersonen – vor allem In-

struktoren und Kursteilnehmer – sind einige Aussagen als beweisunterstützend zu 

erwähnen. Widersprüche in wesentlichen Punkten ergeben sich nicht:  

a) BB., Prüfungsexperte, bestätigt als Auskunftsperson, dass an der Prüfung die 

Sprengmittel nur zur Vernichtung vorbereitet wurden. Eine Vernichtung war 

bei dieser Gelegenheit nicht vorgesehen (cl. 2 pag. 12.02.0002). In seiner Be-

fragung durch die Bundesanwaltschaft vom 16. Juli 2009 kann er seine frühe-

re Angabe nicht bestätigen, wonach er gesehen habe, dass †L. unmittelbar 

vor der Explosion einen Sack aus dem Transportbehälter (Mineurkiste) ge-

nommen habe (pag. ...0012 f.). 

b) Der beim Ereignis schwer verletzte und als Auskunftsperson befragte Prü-

fungsexperte H., welcher sich bei der Explosion unmittelbar neben dem tödlich 

Verunfallten befand, erklärt, soweit er gesehen habe, habe †L. zum Zeitpunkt 

des Ereignisses noch nichts aus der Kiste herausgenommen gehabt (cl. 2 

pag. 12.16.0006; ...0008). 

- 30 - 

c) Gemäss Prüfungsobmann M. (Auskunftsperson) wurden die Kursteilnehmer 

zu den Themen der Prüfungsaufgaben am Mittwoch vorher im V. theoretisch 

und praktisch ausgebildet (cl. 2 pag. 12.3.0002). Seines Wissens habe man 

am Kurs die A-Zünder nicht ausgebildet. Er selber habe zwar einen Vergleich 

zwischen HU-Zündern und A-Zündern gemacht, die Verwendung des Letzte-

ren aber nicht im Einzelnen unterrichtet. U-Zünder habe er nicht ausgebildet 

und er wisse nicht, wer sie ausgebildet habe (pag. ...0043 f.).  

d) T. war am 22. April 2009 im V. durch eine kleine Umsetzung an der Hand ver-

letzt worden. Er sagt als Auskunftsperson und bestätigt als Zeuge, er habe die 

durch ihn aussortierten Sprengkapseln Nr. 8 mit einem Klebeband zu einem 

Bündel zusammengerollt. Er musste die auf einer Seite offenen Sprengkap-

seln mit Klebeband verschliessen, damit kein Sprengmittel ausfliesst. Beim 

Abkleben der Öffnungen kam es zur Umsetzung. Er habe die Beschuldigten 

A. und B. über diesen Vorfall orientiert. A. habe er seine Verletzung gezeigt. 

Ob er sie auch B. gezeigt habe, wisse er nicht mehr (cl. 2 pag. 12.5.0004; 

...0019; ...0048 ff.).  

e) J. war zur Zeit der Detonation mit der gleichen Aufgabe beschäftigt wie †L.. Er 

sagt aus, an seinem Prüfungsmaterial seien alle Drähte der Elektrozünder ab-

geschnitten gewesen (cl. 3 pag. 12.33.0003). 

f) Der Kursteilnehmer DD. fragt sich, wieso man an der Prüfung überhaupt ech-

tes Material und nicht bloss Attrappen verwendet habe, wenn doch die Aufga-

be bloss im Sortieren und nicht im Vernichten bestand. Während der Ausbil-

dung am 22. April 2009 seien in einem Blechbehälter rund 300 Sprengkapseln 

Nr. 8 mit Sägemehl vermischt zur Verfügung gestellt worden, welche die 

Kursteilnehmer zu Bündeln zusammengebunden hätten. Er habe es als un-

gewöhnlich und gefährlich erachtet, dass sie als Laien – wenn auch unter Auf-

sicht – auf der harten Unterlage (Kiesstrasse) diese Arbeit verrichtet hätten  

(cl. 3 pag. 12.41.0003 f.). 

g) Gemäss Aussage der sachverständigen Auskunftsperson EE., Chemiker 

ETH, Dr. sc. techn., Mitglied der Sprengkommission SPI als Vertreter des 

WFD [an dessen Amtsbericht nicht beteiligt], ist nach dem Kurs mit der Prü-

fung der Lernprozess für die meisten Teilnehmer abgeschlossen, weil nur we-

nige künftig in der Praxis mit der Vernichtung solcher Sprengmittel zu tun ha-

ben werden (cl. 3 pag. 12.46. 0004 ff., insb. ...0007). 

h) Die Aussagen der fachkundigen Auskunftspersonen FF., Verantwortlicher  

(cl. 3 pag. 12.42.0004 ff.), GG., Sicherheitsfachmann, insb. für Sprengwesen 

(cl. 3 pag. 12.43.0003 ff), HH., Mitglied der Eidg. Sprengkommission, Bau-

- 31 - 

meisterverband, beruflich im sprengtechnischen Dienst (cl. 3 pag. 12.44.0004 

ff), und II., Spezialist Explosivstoffe (cl. 3 pag. 12.45.0005 ff.), sowie die Zeu-

genaussagen der am Amtsbericht des WFD beteiligten R. (cl. 3  

pag. 12.47.0005 ff.) und S. (cl. 3 pag. 12.48.0008) und die Zeugenaussage 

von Q. (jahrelanger Kursinstruktor und 2005 – 2008 technischer Leiter dieser 

Kurse) (cl. 9 pag. 9.930.001 ff.) enthalten keine zusätzlichen entscheidrele-

vanten Informationen.  

2.8 Schlussfolgerungen zum Handeln/Unterlassen der Beschuldigten: 

A. hat die Zündmittel für den Kurs und den Prüfungstag organisiert und B. hat mit 

A.s Hilfe oder mindestens mit dessen Wissen und Billigung Zünderdrähte einge-

kürzt und die Zündmittelsäcke zusammengestellt. Weder A. noch B. wussten im 

Detail, welche Zündmittel den Prüflingen vom Materialverantwortlichen B. im glei-

chen Behältnis zusammengemischt zum Sortieren unterbreitet wurden.  

Die Zünderdrähte waren an diversen Zündern vor der Prüfung eingekürzt worden, 

obwohl die Vernichtung anlässlich der Prüfung und am Prüfungstag gar nicht vor-

gesehen war.  

3. Fahrlässige Gefährdung durch Sprengstoffe ohne v erbrecherische Absicht 
(Anklagepunkte 1.1.1 [A.] und 1.2.1 [B.]) 

3.1 Rechtliches 

3.1.1 Gemäss Art. 225 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder 

Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich, jedoch ohne verbrecherische Absicht, oder 

wer fahrlässig durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Men-

schen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt. Der objektive Tatbestand verlangt, 

dass der Täter durch Sprengstoff oder giftige Gase konkret eine Gefahr für die 

genannten Rechtsgüter schafft. Dabei ist von einer Gefährdung der Allgemeinheit 

im Sinne der Repräsentationstheorie auszugehen, d.h. die Opfer stellen im Ver-

hältnis zum Täter Repräsentanten der Allgemeinheit dar (ROELLI/FLEISCHANDERL, 

Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 225 StGB N. 3; STRATEN-

WERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, BT II, 6. Aufl., VV. 2008, vor § 28 N. 

4; a.M. BGE 103 IV 241, E.I.1, S. 243).  

Das Strafgesetzbuch enthält keine Legaldefinition des Begriffs Sprengstoff, jedoch 

werden Sprengmittel (Sprengstoffe und Zündmittel) praxisgemäss in Anlehnung 

an Art. 4 – 7 des Bundesgesetzes über explosionsgefährliche Stoffe (SprstG; SR 

941.41) definiert (ROELLI/FLEISCHANDERL, a. a. O., Art. 224 StGB N. 4; CORBOZ, 

- 32 - 

Les infractions en droit suisse, Band II, 3. Aufl., VV. 2010, Art. 224 StGB N. 1 f.). 

Gemäss Art. 5 SprstG sind Sprengstoffe einheitliche chemische Verbindungen 

oder Gemische solcher Verbindungen, die durch Zündung, mechanische Einwir-

kung oder auf andere Weise zur Explosion gebracht werden können und die we-

gen ihrer zerstörenden Kraft, sei es in freier oder verdämmter Ladung, schon in 

verhältnismässig geringer Menge gefährlich sind.  

Taterfolg ist die alternative oder kumulative konkrete Gefährdung von Leib und 

Leben von Menschen oder fremden Eigentums. Gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung genügt hierfür im Sinne der Individualtheorie eine gezielte kon-

krete Gefährdung eines Rechtsgutes (BGE 115 IV 111 E. 3a; 103 IV 241 E. I.1), 

wohingegen die heutige Lehrmeinung gemäss der Repräsentationstheorie den 

Eintritt einer Gemeingefahr verlangt, zumal als Tathandlung beliebige Verhaltens-

weisen in Frage kämen (TRECHSEL/FINGERHUTH, Schweizerisches Strafgesetz-

buch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 224 StGB N. 5 und Art. 225 

StGB N 1; ROELLI/FLEISCHANDERL, a. a. O., Art. 224 StGB N. 6 und Art. 225 StGB 

N. 2, jeweils mit Hinweisen). Die zur Gefährdung führende Handlung spezifiziert 

das Gesetz nicht. Der durch Umgang mit Sprengstoff eintretende Gefährdungser-

folg genügt, so z. B. rechtswidriges Hinlegen und das Liegenlassen an einem Ort, 

wo sich eine Gefahr für Menschen oder fremdes Eigentum ergibt, ohne dass der 

Sprengstoff zur Explosion gelangt (BGE 115 IV 111 E. 3a; ROELLI/FLEISCHANDERL, 

a. a. O., Art. 224 StGB N. 7 und Art. 225 StGB N. 2; TRECHSEL/FINGERHUTH, 

a. a. O., Art. 224 StGB N. 4 und Art. 225 StGB N. 1). 

3.1.2 Aufgrund von Art. 11 StGB kann die Gefährdung durch Sprengstoffe nach Art. 225 

StGB auch durch pflichtwidriges Untätigbleiben begangen werden. Wie noch zu 

zeigen ist, entfällt im vorliegenden Fall strafbares Unterlassen. 

3.1.3 In subjektiver Hinsicht wirft die Bundesanwaltschaft den beiden Beschuldigten 

Fahrlässigkeit vor.  

Ein Schuldspruch bei einem Fahrlässigkeitsdelikt setzt voraus, dass der Täter den 

Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die 

Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände 

sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der 

Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und wenn er 

zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Dabei müssen die 

zum Erfolg führenden Geschehensabläufe für den konkreten Täter mindestens in 

ihren wesentlichen Zügen voraussehbar gewesen sein. Erkennbar beziehungs-

weise voraussehbar ist die Gefahr des Erfolgseintritts für den Täter, wenn sein 

Verhalten geeignet ist, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrun-

gen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindes-

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tens zu begünstigen. Die Vorhersehbarkeit der zu beurteilenden Ursache für den 

Erfolg ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das 

Mitverschulden eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursa-

che hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die 

derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache 

des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren – na-

mentlich das Verhalten des Beschuldigten – in den Hintergrund drängen. Es ge-

nügt, wenn der Täter überhaupt die Möglichkeit des entsprechenden Erfolges vor-

aussehen konnte; unerheblich ist hingegen, ob der Täter hätte bedenken können 

und sollen, dass sich die Ereignisse gerade so abspielen würden, wie sie sich zu-

getragen haben (BGE 130 IV 7 E. 3.2 S. 10; 126 IV 13 E. 7a/bb S. 16 f.; Urteil des 

Bundesgerichts 6S.529/2001 vom 18. Februar 2002 E. 2a m.w.H.). Damit der Ein-

tritt des Erfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten des Täters zurückzuführen ist, ge-

nügt seine blosse Voraussehbarkeit nicht. Vielmehr stellt sich die weitere Frage, 

ob der Erfolg auch vermeidbar war. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlauf 

untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters 

ausgeblieben wäre. Dabei genügt es für die Zurechnung des Erfolgs, wenn das 

Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit 

oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolges 

bildete (Urteil des Bundesgerichts 6S.142/2007 vom 11. Februar 2008 E. 5.1; 

BGE 131 IV 145 E 5.2 S. 148; 130 IV 7 E 3.2 S. 10 f. m.w.H.). Wo besondere 

Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu 

beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Fehlen solche, 

kann auf analoge Regeln privater oder halbprivater Vereinigungen abgestellt wer-

den, sofern diese allgemein anerkannt sind. Das schliesst nicht aus, dass der 

Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den 

allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden kann (BGE 127 IV 62 E. 2d). 

Den Tatbestand von Art. 225 StGB erfüllt fahrlässig, wer bei einer (legalen) Mani-

pulation mit Sprengstoff eine unter den gegebenen Umständen objektiv beste-

hende Sorgfaltspflicht verletzt, obwohl ihm die Beobachtung subjektiv möglich und 

zumutbar gewesen wäre. Dabei ist lediglich die unbewusste Fahrlässigkeit tatbe-

standsmässig, da Handeln im Wissen um eine mögliche Gefährdung Vorsatz zur 

Folge hat (TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O., Art. 225 StGB N. 3). Die pflichtwidrige 

Unvorsichtigkeit kann in der Missachtung z.B. der SprstV, von spezifischen Reg-

lementen, Betriebsvorschriften oder anerkannten Regeln für die Ausübung gefähr-

licher Tätigkeiten liegen (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 225 StGB N. 6). 

3.1.4 Als Mittäter gilt, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines De-

likts vorsätzlich in massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so 

dass er als Hauptbeteiligter dasteht (BGE 133 IV 76, E. 2.7). Ist ein (Eventual-) 

Vorsatz nicht nachweisbar, bleibt für eine "Beteiligung" nur die fahrlässige Täter-

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schaft, welche überwiegend als fahrlässige Nebentäterschaft bezeichnet wird 

(FORSTER, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2007, vor Art. 24 StGB N. 21). 

3.2 Bei den zur Explosion gelangten Objekten handelte es sich zweifelsohne um 

Sprengmittel im Sinne der Sprengstoff-Gesetzgebung.  

3.3 Im Zeitpunkt der Detonation befanden sich nebst dem Getöteten und dem 

Schwerverletzten zahlreiche Personen im Streubereich herumfliegender Gegen-

stände (Fotobericht cl. 1 pag. 10.00.0111 ff.; zahlreiche Aussagen zu Standorten 

cl. 2 und 3). Zudem sind Verletzungen diverser Kursteilnehmer dokumentiert (vor-

ne lit. D.). Somit steht eine konkrete Gefährdung weiterer Personen als "Reprä-

sentanten der Allgemeinheit" fest. 

3.4 Es liegen keinerlei Anhaltspunkte dafür vor, dass ein vorsätzliches Handeln ir-

gendeiner Person zur Explosion geführt haben könnte. Aufgrund der in E. 2 her-

ausgearbeiteten objektiven Abläufe ist eine Unvorsichtigkeit in Betracht zu ziehen. 

Damit stellen sich die Fragen, ob die Beschuldigten pflichtwidrig unvorsichtig han-

delten bzw. nicht handelten und ob sich die Detonation als vorhersehbares kausa-

les Ereignis dieses Umstands ausserhalb des erlaubten Risikos ereignet habe. 

- 35 - 

3.5 Beschuldigter A. 

3.5.1 A. hat selbst nur beschränkt in direkter Weise in die Geschehnisse eingegriffen, 

welche schlussendlich zum Unfall geführt haben, indem er nämlich den Kurs or-

ganisierte und das Kursprogramm entsprechend den Ausbildungsreglementen 

des SPI und des BBT zusammenstellte. Ihm oblag die Leitung des Kurses und 

somit die oberste Verantwortung. In dieser Funktion war er routiniert, hat er sie 

doch gemäss eigenen Angaben schon mindestens zwanzig Mal wahrgenommen.  

Er bezeichnet sich jedoch selbst als die Person, welche für die Beschaffung des 

gesamten Sprengmaterials für den Kurs und die Prüfung verantwortlich war. Der 

für den Kurs massgebende Lehrplan (Art. 15 Ausbildungsreglement SF; cl. 7 pag. 

BO.01.0318) legt fest, dass sich der Stoff auf "gebräuchliche" Sprengmittel be-

zieht. Insbesondere Fach 10 handelt von "Vernichten der gebräuchlichen, un-

brauchbar gewordenen Sprengmittel". In Anbetracht der kurzen fünftägigen Kurs-

dauer (zum Vergleich: die Schweizer Armee bietet für Milizangehörige zweiwöchi-

ge Grundkurse zur Sprengberechtigung an [Schreiben Kompetenzzentrum ABC-

KAMIR der Armee; cl. 9 pag. 9.925.097]) und der schwierigen Informationsbe-

schaffung zu alten Sprengmitteln (vgl. cl. 9 pag. 9.925.096 Ziff. 3 sowie Gutachten 

BAM cl. 9 pag. 9.511.008), ist davon auszugehen, dass unter "gebräuchlichen 

Sprengmitteln" nur die mindestens bis vor Kurzem handelsüblichen gemeint sind. 

A. hat aber nebst gebräuchlicher Ware auch sehr alte, nicht mehr handelsübliche 

Zündmittel (Minenzünder vom Typ Spaltzünder, Brückenzünder) sowie sonstige 

nicht handelsübliche Zündmittel (A- und U-empfindliche elektrische Sprengzünder, 

Kupfersprengkapseln Nr. 8), aus Armee- und Polizeibeständen herrührend, von 

früheren Kursen beigezogen. Gebräuchliche Ware hat er zum Teil zugekauft. Er 

selbst hat das Material bestellt und es dem ihm als ausgewiesener Fachmann be-

kannten Materialverantwortlichen B. ohne weitere Kontrolle der Handhabungssi-

cherheit zur Verfügung gestellt.  

Bei der Materialzusammenstellung war er zum grossen Teil anwesend. Er erteilte 

den Instruktoren keine Sicherheitsinstruktionen, da er deren langjährige Erfahrung 

kannte und sie alle im Besitz des Sprengausweises C waren. Insbesondere liess 

er den Materialverantwortlichen B. seine Arbeit ohne Pflichtenheft ausüben. Drei 

Tage vor dem hier zugrundeliegenden Unfall war A. im Rahmen des Kurses un-

mittelbarer Beobachter einer für alle Beteiligten unerklärbaren Verpuffung beim 

Bündeln von Sprengkapseln im V.. Dieses Ereignis blieb ohne Ursachenermittlung 

und ohne organisatorische Folgen für die Materialzusammenstellung und die wei-

tere Kurstätigkeit, obwohl A. Kenntnis hatte, dass der Kursteilnehmer T. Brand-

spuren an der Hand abbekommen hatte. So wurde das im V. nicht umgesetzte 

Sprengmaterial zum anderen zurückgelegt und zum Teil am 25. April 2009 für die 

Prüfung – in die diversen Kisten aufgeteilt – wieder gebraucht. Unklar ist, ob A. 

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dieser Wiederverwendung ausdrücklich zugestimmt hat. Seiner eigenen Aussage 

und derjenigen von B. ist zu entnehmen, dass er in Kenntnis der Umstände gegen 

den weiteren Gebrauch des Materials jedenfalls nichts einzuwenden hatte. Beim 

Prüfungsmaterial befanden sich zudem Zünder, deren Drähte vor dem Kurs (im 

KVK) unter Leitung des Materialverantwortlichen B. eingekürzt worden waren. Es 

steht fest, dass A. um diesen Umstand wusste. Und gemäss Aussage des Be-

schuldigten B. waren wenige Zünder bereits abgeschnitten, als er das Material 

von A. übernommen hatte. A. selbst bestätigt dies in cl. 2 pag. 12.04.0032 Zeile 

35 ff.  

Es entsprach der A. bekannten Prüfungsanlage vom 25. April 2009 (cl. 9 pag. 

9.930.015), dass den Kandidaten in einem Sack in einer Mineurkiste eine gewisse 

Anzahl willkürlich zusammengestellter pyrotechnischer, elektrischer und nicht 

elektrischer Zündmittel, Sprengschnur und Sprengstoff ausgehändigt wurde, wel-

che jene – als Abschluss einer einschlägigen einwöchigen Ausbildung – im Hin-

blick auf eine fachgerechte Entsorgung trennen mussten.  

Die sich nebst gebräuchlichen auch im Prüfungsmaterial befindlichen sehr alten, 

nicht mehr handelsüblichen Zündmittel, waren am Kurs nicht ausgebildet worden. 

Gemäss eigenen Angaben hat A. am Kurs nach Vorschriften zum Vernichten von 

Sprengmitteln gearbeitet, welche überholt waren. Die aktuellen Vorschriften vom 

September 2008, worin neu steht, die Zünderdrähte dürften erst unmittelbar vor 

dem Vernichten von Sprengzündern getrennt werden, hat er nicht gekannt. 

3.5.2 Die rein organisatorische Tätigkeit des Beschuldigten A. im Rahmen des Kurses 

kann nicht als adäquat kausal für die Explosion während der Prüfung bezeichnet 

werden, ebensowenig wie seine Expertentätigkeit an der Prüfung selbst.  

3.5.3 Hingegen ist zu prüfen, ob A. beim Zusammenstellen bzw. Zusammenstellen Las-

sen des Materials Vorsichtspflichten verletzt hat und/oder ob er mit seinem oben 

beschriebenen Verhalten bestimmte Dinge nicht tat, zu denen er nach dem Zu-

sammenstellen des Materials verpflichtet gewesen wäre und die zu tun für ihn 

subjektiv möglich und zumutbar gewesen wären. 

A. war als Direktor des Sprengkurses im Sinne von Art. 4 des Ausbildungsregle-

ments SF (cl. 7 pag. BO.01.0318) für die Durchführung des Kurses, die Zulas-

sung, Berichterstattung und administrative Organisation zuständig (a.a.O. Ziff. 4). 

Er hatte die Sprengmittel und das Zubehör zu besorgen (a.a.O. Ziff. 12.2). Die Di-

rektionsfunktion, soweit hier relevant, endete für ihn mit Ende des Kurses am 24. 

April 2009. Für den Prüfungstag selbst oblag ihm keine reglementarische Verant-

wortung, wenn man von seiner Mitverantwortung als Mitglied der Sprengkommis-

- 37 - 

sion absieht. Die Sprengkommission hatte aber die verantwortliche Leitung für die 

Durchführung und Organisation der einzelnen Prüfungen ihrem Mitglied M. über-

tragen, wie dies Art. 4 Ziff. 3 des Prüfungsreglements SF vorsieht (cl. 7 pag. 

BO.01.0319). 

Die Bereitstellung des Sprengmaterials für die Prüfung erfolgte im gleichen Zug 

und unter den gleichen Verantwortlichkeiten wie jene für den Kurs. Nachdem fest-

steht, dass die Umstände und der Zeitpunkt für die Explosion des zusammenge-

stellten Materials nach dem Zusammenstellen nur noch von Zufälligkeiten abhin-

gen (Ausrieseln, Einstechen, Vermischen o.ä.) und seither auch zu jedem ande-

ren Zeitpunkt hätte stattfinden können, trugen die Personen, welche für das Be-

reitstellen des Materials im Kurs verantwortlich waren, auch die Verantwortung für 

Materialumsetzungen, die erst nach Kursende erfolgten, in concreto während der 

Prüfung. Aufgrund des Gesagten lag diese Verantwortung auch für den Prüfungs-

tag bei A.. 

3.5.4  

a) Der Materialverantwortliche B. stellte das Material, das er vom Direktor A. zur 

Verfügung gestellt erhielt, pro Fach zusammen. Der explodierte Sprengmittel-

sack enthielt – bei total weit über 100 Stück (cl. 1 pag. 11.01.0029 f.) – eine im 

Detail unbekannte Mischung aus bis zu fünf völlig verschiedenen Zünderarten, 

Aluminium- und Kupfer-Sprengkapseln Nr. 8, Detonationsverzögerer, Spreng-

schnur und Sicherheitsanzündschnur. Gemäss WFD kann nicht ausgeschlos-

sen werden, dass sich noch andere, nicht eruierbare Zündmittel im Sack be-

fanden, die zusätzliche Risiken beinhalteten. Siehe auch die Aussage A. vor-

ne E. 2.7.1 wonach er (A.) den genauen Inhalt der Säcke nicht unter Kontrolle 

hatte. Dieses Zusammenpacken als solches der unterschiedlichen Zündmittel 

im gleichen Behältnis ist weder für den Transport noch für die Lagerung von 

Explosivstoffen verboten (vorne E. 2.4.2), war also nicht gesetzeswidrig. 

b) Bleibt die Frage, ob das Zusammenpacken unter den konkreten Umständen 

riskant und demzufolge aus anderen Gründen pflichtwidrig war.  

Für den Umgang der Polizei mit Sprengmitteln gilt eine spezielle Verordnung. 

Der Sprengstoffgesetzgebung kommt bloss subsidiäre Bedeutung zu (Art. 1 

und 2 der Verordnung über den Verkehr mit Sprengmitteln bei der Polizei vom 

27. Juni 1984; SR 941.413; nachfolgend SprstVPol). Art. 6 SprstVPol erklärt 

die Verwendung von Sprengmitteln und pyrotechnischen Gegenständen, die 

den Sicherheitsnormen der SprstV nicht entsprechen, als zulässig. Für den 

konkreten Kurs galt jedoch nicht die SprstVPol. Vielmehr war dessen Inhalt, 

wie erwähnt, durch das Ausbildungsreglement SF (cl. 6 pag. BO.01.0318) be-

stimmt, welches sich nicht – wie die SprstVPol – auf Art. 16 SprstG ("Beson-

- 38 - 

dere Fälle") stützt, sondern auf Art. 14 SprstG ("Ausweis"). Der Lehrplan    

(Art. 15 Ausbildungsreglement SF) beschränkt sich auf "gebräuchliche" 

Sprengmittel, womit die den Sicherheitsnormen der SprstV nicht entsprechen-

den a priori nicht kursadäquat waren. 

Sprengmittel, die in ihrer Wirkungsweise, Brauchbarkeit oder Beständigkeit 

nach dem Stand der Technik Mängel aufweisen, sind durch Sachverständige 

zu vernichten oder dem Verkäufer zurückzugeben (Art. 26 SprstG). Wo die 

Sprengstoffgesetzgebung für die Verwendung und die Vernichtung von 

Sprengmitteln [...] keine Vorschriften enthält, sind die allgemein anerkannten 

Regeln der Technik zu beachten (Art. 92 Abs. 1 SprstV). Zur Bestimmung die-

ser Regeln sind namentlich die Ausbildungs- und Prüfungsunterlagen sowie 

die Herstellerangaben und die Gebrauchsanweisung heranzuziehen (Abs. 2). 

Unbrauchbar gewordene Sprengmittel [...] dürfen im Rahmen von Art. 108 

fachgemäss vernichtet werden (Art. 107 Abs. 1 SprstV). Als unbrauchbar gel-

ten Sprengmittel [...], deren Beschaffenheit sich durch mechanische Einwir-

kungen, durch Feuchtigkeit oder durch lange Lagerung verändert hat oder de-

ren Frist für den Verbrauch abgelaufen ist (Abs. 2).  

Wie aufgezeigt, hat A. nicht mehr handelsübliche, zum Teil sehr alte, Spreng-

mittel, welche eventuell bereits während früherer Kurse zur Vernichtung ge-

trennt worden waren oder zumindest bereits damals für die Vernichtung vor-

gesehen waren (vgl. gekürzte Drähte), für den Kurs bzw. die Prüfung 2009 

wieder mit anderen Sprengmitteln zusammenführen und Kursteilnehmer daran 

hantieren lassen. Dieses jährlich wiederkehrende Üben mit solchen Mitteln ist 

nichts anderes als ein u.a. mit mechanischen Kräften (Reibung, Schlägen, 

etc.) einhergehendes Weiterverwenden dieser gefährlichen Objekte, auch 

wenn es sich dabei um Übungen zum Vorbereiten der Vernichtung handelt. 

Die Vernichtung wird letztendlich zwecks weiterer Bearbeitung hinausgescho-

ben. Das Risiko einer ungewollten Umsetzung wird nicht beseitigt. Mit (von 

Kurs zu Kurs) über Jahre zunehmendem Alter und wiederkehrendem Hantie-

ren (Zusammenfügen; Trennen) steigt zudem die Gefahr einer Beschädigung 

und des Ausrieselns, was zu einer elektrostatischen oder thermischen oder – 

aufgrund von Vermischung – zu einer unkontrollierten chemischen Reaktion 

führen kann. A. hat die gesetzliche Vorschrift, dass solche Mittel zu vernichten 

sind, missachtet. 

c) Die Empfindlichkeit von Explosivstoffen, insbesondere von Initialsprengstof-

fen, gegenüber mechanischer, elektrostatischer und thermischer Energie, ist 

in diversen Standardwerken umschrieben und gehörte zum Basiswissen von 

A. als Hauptverantwortlichem für das Prüfungsmaterial, was er selbst be-

stätigt. Kenntnisse über die handelsüblichen elektrischen und nichtelektri-

- 39 - 

schen Zünder und deren elektrische bzw. elektrostatische Kenndaten gemäss 

Literatur, gesetzlichen Vorschriften und Angaben der Hersteller werden bei A. 

aufgrund seiner Fachkenntnisse und seiner leitenden Funktion als Kursdirek-

tor als gegeben erachtet (u.a. seine Aussage in cl. 2 pag. 12.04.0029). Es war 

ihm bekannt, dass das Kürzen von Zünderdrähten bei elektrischen Zündern zu 

einer Verringerung des Gesamtwiderstandes führt, was die elektrische Emp-

findlichkeit der Zünder erhöht, bzw. dass abgeschnittene Zünderdrähte in 

Kapselhöhlungen anderer Zünder eindringen können, womit die Gefahr be-

steht, dass Primärsprengstoff ausrieselt ("Bei elektr. Zündern mit abgeschnit-

tenen Zünderdrähten kann ich die Risiken abschätzen" [pag. ....0031]). Wenn 

A. sagt, er habe nicht gewusst, dass es eine neue Fassung des Reglements 

bezüglich „Vernichten von unbrauchbar gewordenen Sprengmitteln“ vom Sep-

tember 2008 gibt, worin das Gebot, Zünderdrähte erst kurz vor der Vernich-

tung zu kürzen, neu aufgenommen worden ist, so ist dies vorliegend ange-

sichts seines spezifischen Fachwissens ohne Belang. War ihm die Herkunft 

der im Kurs verwendeten elektrischen Sprengzünder mit den abgeschnittenen 

Zünderdrähten nicht bekannt ("Ich habe sie so erhalten; diese stammen z.T. 

aus Restbeständen von Dritten oder früheren SPI Kursen" [cl. 2  

pag. 12.04.0032]), so führt dies nicht zu seiner Entlastung. Vielmehr bestätigt 

dies den Schluss, dass bereits an früheren Kursen gleich vorgegangen wor-

den war. Die Aussage A.s, dass man die zur Vernichtung vorgesehenen 

Sprengmittel nicht prüfen müsse, weil sie unmittelbar nach Kursabschluss zur 

Vernichtung vorgesehen gewesen seien, deutet in Anbetracht vorhandener 

Restbestände aus früheren SPI-Kursen zusätzlich zum vorne Gesagten auf 

dessen pflichtwidrig mangelnde Vorsicht hin. 

d) Ein lockeres Verhältnis zur gebotenen Vorsicht geht auch aus folgendem Um-

stand hervor: Obwohl die von A. selbst verfassten Kursunterlagen unter dem 

Kapitel „Verwendung" (cl. 7 pag. BO.01.0241) aus Sicherh