# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a1832e35-ab43-56f1-8009-07dfb7489038
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-11
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 11.01.2024 710 23 233 / 08 (710 2023 233)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_710-23-233---08_2024-01-11.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht 

 

 
vom 11. Januar 2024 (710 23 233 / 08) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Alters- und Hinterlassenenversicherung 

 

 

Schadenersatz nach Art. 52 Abs. 1 AHVG 

 

 
 
Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan-

tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführer 
  

 
gegen 
 
 

 Ausgleichskasse Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 
4102 Binningen, Beschwerdegegnerin 
 

  
  
Betreff Schadenersatz  
 
 
A. Die B.____ GmbH mit Sitz in X.____ wurde mit Wirkung per 1. Oktober 2018 von Am-
tes wegen als beitragspflichtige Arbeitgeberin der Ausgleichskasse Basel-Landschaft (Aus-
gleichskasse) angeschlossen. In den Lohnbescheinigungen für die Jahre 2019 und 2020 mel-
dete die Arbeitgeberin für zwei Mitarbeitende eine Lohnsumme von insgesamt Fr. 72'000.-- bei 
der Ausgleichskasse. In der Folge leistete die Arbeitgeberin keine Beiträge an die Ausgleichs-
kasse. Das Gericht C.____ verfügte am 13. September 2021 die Auflösung der Arbeitgeberin 
mit Anordnung der Liquidation. Am 27. Oktober 2021 wurde das Konkursverfahren mangels 
Aktiven eingestellt.  

 

 
 
Seite 2   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Mit Verfügung vom 6. Juni 2023 forderte die Ausgleichskasse von A.____, der vom 18. Oktober 
2018 bis zum 11. Januar 2021 als Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der 
B.____ GmbH im Handelsregister eingetragen war, Schadenersatz in der Höhe von 
Fr. 23'642.05. In der Begründung legte die Ausgleichskasse dar, dass die B.____ GmbH Art. 14 
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. 
Dezember 1946 in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlas-
senenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 missachtet habe, weshalb Beitragsforderun-
gen entstanden seien, die bei der Arbeitgeberin nicht mehr einbringlich seien. Es bleibe daher 
nur noch der Rückgriff auf die verantwortlichen Organe der Arbeitgeberin gemäss Art. 52 
AHVG. Dagegen erhob A.____ mit Schreiben vom 23. Juni 2023 Einsprache. Diese wurde von 
der Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom 5. Juli 2023 abgewiesen. In der Begründung 
führte die Ausgleichskasse aus, dass gegenüber der B.____ GmbH in Liquidation am 13. Sep-
tember 2021 der Konkurs eröffnet und das Konkursverfahren mangels Aktiven am 27. Oktober 
2021 eingestellt worden sei. Für den Zeitraum der Jahre 2020 bis 2021 sei eine Forderung für 
ausstehende Sozialversicherungsbeiträge von insgesamt Fr. 23'642.05 entstanden. Der Ein-
sprecher sei gemäss Auszug aus dem Handelsregister von Anfang an bis 11. Januar 2021 Ge-
sellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift gewesen. Die anderen Gesellschafter 
hätten nie Wohnsitz in der Schweiz gehabt. Der Einsprecher sei verantwortliches Arbeitgeber-
organ gewesen. Für die Arbeitgeberhaftung sei es unerheblich, ob ein Organ am Gesellschafts-
vermögen beteiligt sei oder nicht. Massgebend sei die Funktion des Organs für den fraglichen 
Zeitraum. Er sei das einzige Organ gewesen mit zwingendem Wohnsitz in der Schweiz. Der 
Einsprecher, wenn nicht bereits durch die Eintragung im Handelsregister, sei mindestens als 
faktisches Organ bzw. als Strohmann für die beiden anderen Gesellschafter anzusehen. 
 
B. Dagegen erhob A.____ mit Eingabe vom 2. August 2023 Beschwerde beim Kantons-
gericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er 
beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. In der Be-
gründung legte er dar, dass er weder die Höhe des Forderungsbetrages von Fr. 23'642.05 noch 
die Berechnungsgrundlage und auch nicht die dargelegten Gründe anerkenne. Seine Beteili-
gung am Stammkapital der B.____ GmbH habe vom 17. Oktober 2018 bis zum 11. Januar 2021 
1 Anteil à Fr. 200.-- betragen. Die Beteiligung von D.____ am Stammkapital der B.____ GmbH 
habe in der besagten Zeitspanne 79 Anteile à Fr. 200.-- betragen. Gemäss Handelsregister sei 
D.____ nach wie vor Hauptgesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung und im Besitz 
der Mehrheit von 80 Anteilen à Fr. 200.--. Die Beteiligung von E.____ am Stammkapital der 
B.____ GmbH habe 20 Anteile à Fr. 200.-- betragen. Gemäss Handelsregister sei auch sie 
nach wie vor Gesellschafterin mit 20 Anteilen à Fr. 200.--. Die Beschwerdegegnerin wolle es 
sich vorliegend einfach machen und ihn als ehemaligen Mitgesellschafter mit einer Beteiligung 
von 1 % belangen. Dies lasse darauf schliessen, dass es der Beschwerdegegnerin schwierig 
bis unmöglich erscheine, die im Ausland lebenden Hauptgesellschafter für einen Schaden haft-
bar zu machen. 
 
C. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 17. August 2023 die 
Abweisung der Beschwerde. Die Abklärungen hätten ergeben, dass D.____ seit 2020 keinen 
Wohnsitz in der Schweiz mehr gehabt habe. 

 

 
 
Seite 3   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

D. Mit Verfügung vom 23. August 2023 wurde der Fall der Dreierkammer zur Beurteilung 
überwiesen. 
 
E. Mit Replik vom 11. September 2023 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen 
und Begründungen fest und teilte dem Kantonsgericht die Adresse von D.____ im Staat Z.____ 
mit. In der Folge verzichtete die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 20. September 2023 auf 
eine Duplik. 
 
F. Mit Verfügung vom 21. September 2023 wurde die Angelegenheit der Dreierkammer 
erneut zur Beurteilung überwiesen. 
 
 
Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g :  
 
1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver-
sicherungsrechtes (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide der Versi-
cherungsträger Beschwerde erhoben werden. Jeder Kanton bestellt ein Versicherungsgericht 
als einzige Instanz zur Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung 
(Art. 57 ATSG). Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und 
Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige 
gerichtliche Instanz des Kantons zur Beurteilung von Beschwerden gegen Einspracheentschei-
de der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG sachlich zuständig. Nach Art. 52 Abs. 5 
AHVG ist in Abweichung von Art. 58 Abs. 1 ATSG für Beschwerden betreffend Schadenersatz-
ansprüche der Ausgleichskassen das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in 
dem die als Arbeitgeberin auftretende juristische Person ihr statutarisches Domizil hatte, unge-
achtet des jeweiligen Wohnsitzes der in Anspruch genommenen Organe. Vorliegend hatte die 
Arbeitgeberin ihren Sitz in X.____ im Kanton Basel-Landschaft. Damit ist auch die örtliche Zu-
ständigkeit des Kantonsgerichts gegeben. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene 
Beschwerde vom 2. August 2023 ist demnach einzutreten. 
 
2.1 Nach Art. 52 Abs. 1 AHVG hat eine Arbeitgeberin, welche der AHV durch absichtliche 
oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. 
Handelt es sich bei der Arbeitgeberin um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mit-
glieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten Personen. 
Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen 
Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG). Solidarhaftung bedeutet, dass mehrere Schuldner 
gemeinsam für den entstandenen Schaden einstehen müssen und der Gläubiger gegen jeden 
einzelnen der Schuldner vorgehen kann. Art. 52 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach 
öffentlichem Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haf-
tungsvoraussetzungen gegeben sein, das heisst es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf 
ein widerrechtliches und schuldhaftes Verhalten der Arbeitgeberin und – subsidiär – des ver-
antwortlichen Organs zurückzuführen ist. 
 

 

 
 
Seite 4   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

2.2 Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwi-
ckelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss 
Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invaliden-
versicherung vom 19. Juni 1959), die Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über 
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft vom 25. September 1952) und die 
Arbeitslosenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits-
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25. Juni 1982) sowie auf die Beiträge 
an die Familienausgleichskassen gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen vom 
24. März 2006 (Art. 25 lit. c). 
 
3.1 Der Schaden der Ausgleichskasse besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich ge-
schuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, den die Aus-
gleichskasse nicht erhältlich machen kann. Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranla-
gungs- und Mahngebühren sowie Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der 
Ausgleichskasse zu ersetzen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. August 2013, 
9C_646/2012, E. 4.1). 
 
3.2 Die Beschwerdegegnerin macht gegenüber dem Beschwerdeführer den ganzen Scha-
den im Umfang Fr. 23'642.05 geltend. Die konkrete Berechnung der Schadenersatzforderung 
wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten, so dass das Kantonsgericht grundsätzlich keine 
Veranlassung hat, diese zu überprüfen. Der Verwaltungsprozess ist zwar vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht, dieser entbindet jedoch die rechtsuchende Partei nicht davon, selber die 
Beanstandungen vorzubringen und ihrerseits zur Feststellung des Sachverhalts beizutragen 
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Schweizerisches Bundesge-
richt, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 21. April 2006, H 157/05, E. 2.2). Zu beachten ist vor-
liegend aber die zeitliche Komponente in Bezug auf die einzelnen Schadensposten, die von der 
Beschwerdegegnerin offensichtlich übersehen wurde. Einem Organ können als Schaden nur 
diejenigen Forderungen entgegengehalten werden, die im Zeitpunkt eines allfälligen Ausschei-
dens aus der Gesellschaft bereits fällig waren.  
 
3.3 Der Beschwerdeführer trat am 11. Januar 2021 aus der Gesellschaft aus. Gemäss 
Kontoauszug der Beschwerdegegnerin vom 6. Juni 2023 wurden ihm jedoch auch Beträge be-
lastet, die erst nach seinem Ausscheiden fällig wurden. Es geht dabei um folgende, auf Seite 2 
des Kontoauszuges aufgeführte Positionen: 
 

• Position 14. Januar 2021: Gesetzliche Mahnung für die Periode Dezember 2020 im Betrag von 

Fr. 70.--, 

• Position 12. Februar 2021: Verzugszins vom 1. Januar 2021 bis 12. Februar 2021 für die Periode 

Oktober 2020 bis Dezember 2020 im Betrag von Fr. 15.25, 

• Position 2. März 2021: Definitiver 1. Pfändungsverlustschein im Betrag von Fr. 71.30. 

 

Folgende Positionen, die auf Seite 2 des Kontoauszugs aufgelistet sind, dürfen hingegen bei 
der Berechnung des Schadenersatzes berücksichtigt werden: 
 

 

 
 
Seite 5   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

• Position 2. März 2021: Verzugszins (Betreibungsamt) für die Periode Juli 2020 bis September 

2020 im Betrag von Fr. 37.20, 

• Position 25. März 2021: Differenzberechnung aus Arbeitgeber-Beiträgen für die Periode März 

2021 als Gutschrift im Betrag von Fr. 870.35, 

• Position 18. August 2021: Rückverteilung der CO2-Abgabe für das Jahr 2019 als Gutschrift im 

Betrag von Fr. 21.40, 

• Position 24. August 2021: Rückverteilung der CO2-Abgabe für das Jahr 2020 als Gutschrift im 

Betrag von Fr. 61.35. 

 
Damit ergibt sich eine Schadenersatzforderung gegenüber dem Beschwerdeführer in der Höhe 
von Fr. 20'855.45. 
 
4.1 Der Schaden der Ausgleichskasse muss sodann auf ein widerrechtliches Verhalten der 
schadenersatzpflichtigen Person zurückzuführen sein. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit 
Art. 34 ff. AHVV schreibt vor, dass die Arbeitgeberin bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmer-
beiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit ihren eigenen Beiträgen der Ausgleichskasse 
periodisch zu entrichten hat. Diese werden von der Ausgleichskasse aufgrund der voraussichtli-
chen Lohnsumme festgesetzt, wobei die Arbeitgeberin wesentliche Änderungen der Lohnsum-
me während des Jahres melden muss. Nach Ablauf einer Abrechnungsperiode, welche jeweils 
das Kalenderjahr umfasst, nimmt die Ausgleichskasse aufgrund der Abrechnung der Arbeitge-
berin den Ausgleich zwischen den geleisteten Akonto-Beiträgen und den tatsächlich geschulde-
ten Beiträgen vor, wobei ausstehende Beiträge innert 30 Tagen ab Rechnungsstellung zu be-
zahlen sind (Art. 36 Abs. 3 und 4 AHVV). Diese Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht der 
Arbeitgeberin ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Dazu erklärte 
das Bundesgericht wiederholt, dass die Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine 
Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 AHVG bedeute und die volle Schadensde-
ckung nach sich ziehe (BGE 111 V 172 E. 2 und 118 V 193 E. 2a). 
 
4.2 Im vorliegenden Fall muss der Arbeitgeberin insofern eine Missachtung von Vorschrif-
ten vorgeworfen werden, als sie den ihr obliegenden Abrechnungs- und Zahlungsverpflichtun-
gen gemäss Art. 17 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV gar nicht nachkam. Sie 
wurde deswegen von der Beschwerdegegnerin wiederholt gemahnt und auch betrieben. 
Schliesslich blieben Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von ins-
gesamt Fr. 23'642.05 offen. Mit dieser Vorgehensweise verletzte die Arbeitgeberin öffentlich-
rechtliche Vorschriften. 
 
5. Zwischen dem bei der Ausgleichskasse eingetretenen Schaden und dem pflichtwidri-
gen Verhalten der Arbeitgeberin bzw. ihrer Organe muss sodann ein adäquater Kausalzusam-
menhang bestehen (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen). Vorliegend ist offensichtlich, dass 
das pflichtwidrige Verhalten der Arbeitgeberin nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der 
allgemeinen Lebenserfahrung geeignet war, den entstandenen Schaden zu bewirken. Der adä-
quate Kausalzusammenhang ist somit ebenfalls zu bejahen. 
 

 

 
 
Seite 6   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

6.1 Art. 52 Abs. 1 AHVG setzt für die Haftbarkeit der Arbeitgeberin voraus, dass die Miss-
achtung von Vorschriften in absichtlicher oder grobfahrlässiger Weise erfolgte. Sowohl die Ar-
beitgeberin wie auch das allfällige Arbeitgeberorgan muss ein Verschulden treffen. Verlangt 
wird somit ein doppeltes Verschulden. Das Bundesgericht geht in seiner Praxis davon aus, dass 
bei Verletzung der Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht ein Verschulden der Arbeitgebe-
rin grundsätzlich gegeben ist. Lediglich wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der ein-
schlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen, entfällt eine Haf-
tung (vgl. THOMAS NUSSBAUMER, Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG [Haf-
tung des Verwaltungsrates], in: AJP 1996 S. 1077 f.). Zu diesen besonderen Umständen gehört 
etwa, wenn es einer Arbeitgeberin, die sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch das 
(absichtliche) Nichtbezahlen der Beiträge gelingt, das Überleben des Unternehmens zu sichern. 
Es muss aber feststehen, dass die Arbeitgeberin im Zeitpunkt, in welchem sie diese Entschei-
dung trifft, aufgrund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage damit 
rechnen durfte, die Forderung der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist befriedigen zu können 
(BGE 108 V 183 E. 2). In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass fehlende finanzielle Mit-
tel der Gesellschaft für sich allein keinen Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgrund darstel-
len, da ansonsten die Haftungsvorschrift von Art. 52 Abs. 1 AHVG weitgehend ihres Gehaltes 
entleert würde (Urteile des Kantonsgerichts vom 7. April 2016, 710 14 238/84, E. 8.1 und vom 
10. Dezember 2015, 710 14 283/326, E. 3.4). 
 
6.2 Solche Bemühungen gehen aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Unter die-
sen Umständen trifft die Arbeitgeberin hinsichtlich ihrer Beitragszahlungspflicht ein Verschulden 
im Umfang grober Fahrlässigkeit. Es sind auch keine Anhaltspunkte ersichtlich, die ihr fehler-
haftes Verhalten als gerechtfertigt erscheinen lassen würden. 
 
7.1 In einem letzten Schritt ist das persönliche Verschulden des Beschwerdeführers zu 
beurteilen. Hintergrund bildet der Umstand, dass nicht jedes einer Firma anzulastende Ver-
schulden auch ein solches ihrer Organe sein muss. Vielmehr ist abzuwägen, ob und inwieweit 
eine Handlung der Arbeitgeberin einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche 
und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft handelte, 
hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von 
der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a). Gesellschafter und formell 
eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines 
Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse zufolge nicht bezahlter Bundes-
sozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden nach den gleichen Grundsätzen wie Orga-
ne einer Aktiengesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vor-
behältlich einer abweichenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Über-
wachung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht 
angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 E. 4). 
 
7.2 Gemäss Handelsregisterauszug war der Beschwerdeführer vom 22. Oktober 2018 bis 
11. Januar 2021 Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift. Er war damit mehr 
als nur ein einfacher Gesellschafter, obwohl er mit einem sehr kleinen Anteil an der Arbeitgebe-
rin beteiligt war. Die Arbeitgeberin ist ein kleines Unternehmen mit einfacher Verwaltungsstruk-

 

 
 
Seite 7   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

tur. Entsprechend darf von den Organen der Überblick über alle Belange verlangt werden und 
es sind an deren Sorgfaltspflicht grundsätzlich strengere Anforderungen zu stellen (vgl. Urteil 
des EVG vom 18. Januar 2005, H 77/2003, E. 6.4; BGE 108 V 202 E. 3a). In seiner Eigenschaft 
als geschäftsführender Gesellschafter hatte der Beschwerdeführer darauf zu achten, dass keine 
Beitragsausstände entstehen und massgebender Lohn nur in dem Umfang ausgerichtet wird, 
als die darauf geschuldeten, unmittelbar mit der Lohnauszahlung anfallenden Beitragsverbind-
lichkeiten bezahlt oder doch wenigstens sichergestellt werden können. Ebenfalls nichts an sei-
nem Verschulden zu ändern vermag die Tatsache, dass es noch zwei andere Gesellschafter 
gibt, die ebenfalls für den entstandenen Schaden verantwortlich gemacht werden könnten. So-
mit sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die gegen eine persönliche Schadenersatzpflicht des 
Beschwerdeführers sprechen würden. 
 
8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für eine Schadenersatzfor-
derung erfüllt sind. Rechtfertigungs- oder Exkulpationsgründe liegen keine vor. Die Beschwer-
degegnerin verpflichtete den Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 52 AHVG deshalb zu 
Recht zur Bezahlung eines Schadenersatzes. Die Höhe der Schadenersatzforderung ist aller-
dings auf den Betrag von Fr. 20'855.45 zu reduzieren. Die Beschwerde ist in diesem Sinne teil-
weise gutzuheissen. 
 
9. Art. 61 lit. fbis ATSG hält fest, dass das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen 
kostenpflichtig ist, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Das AHVG sieht in 
Art. 85bis Abs. 2 AHVG keine Kostenpflicht vor, weshalb der vorliegende Prozess vor dem kan-
tonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegende 
Verfahren keine Kosten zu erheben. 
 
 
Demgemäss wird  e r k a n n t : 

://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gutgeheissen, als die 
Schadenersatzforderung der Beschwerdegegnerin auf den Betrag von 
Fr. 20'855.45 reduziert wird. Im Übrigen wird die Beschwerde abge-
wiesen. 

 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 
 

 
 http://www.bl.ch/kantonsgericht