# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fc3429a6-0cd5-5e7c-bf6a-2ade2249c618
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-21
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 21.11.2023 OG.2023.00013 (OGS.2025.200)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2023-00013_2023-11-21.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtspräsidentin Dr. iur. Petra Hauser,
  Oberrichterin lic. iur. Marianne Dürst Benedetti und Oberrichter Roger Feuz sowie
  Gerichtsschreiber lic. iur. Erich Hug. 

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 21. November 2023

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2023.00013

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______                                                                               Beklagter
  und

  
	
                                                                                                 Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  B.______                                                                               Klägerin
  und

  
	
                                                                                                 Beschwerdegegnerin

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Forderung

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  über die
  Anträge

  
	
  A. des
  Beklagten und Beschwerdeführers (gemäss Eingabe vom 6. März 2023, act.
  19):

  
	
  Es sei der
  Entscheid der Schlichtungsbehörde des Kantons Glarus vom 21. Dezember
  2022 aufzuheben und die Streitsache an die Schlichtungsbehörde des Kantons
  Glarus zurückzuweisen, damit diese der Klägerin und Beschwerde­gegnerin die
  Klagebewilligung erteilt; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu­lasten
  der Klägerin und Beschwerdegegnerin.

  
	
   

  
	
  B. der
  Klägerin und Beschwerdegegnerin (gemäss Eingabe vom 28. April 2023, act.
  24):

  
	
  Abweisung
  der Beschwerde unter Kostenfolge zulasten des Beklagten und
  Beschwerdeführers.

  
	
   

  
	
  ¾¾¾¾¾¾¾¾¾¾¾

  
	
   

  
	
  Erwägungen

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  1.1 Die Klägerin gelangte
  am 5. Oktober 2022 an die Schlichtungsbehörde des Kan­tons Glarus mit einer
  Forderung gegen den Beklagten in der Höhe von CHF 2'166.20 zuzüglich
  Zins; zugleich ersuchte sie um Beseitigung des Rechtsvor­schlags in der
  vorgängig gegen den Beklagten angehobenen Betreibung (act. 1).

  
	
   

  
	
  Die Schlichtungsbehörde führte am
  14. Dezember 2022 eine Verhandlung durch, zu welcher der Beklagte
  unentschuldigt nicht erschien (act. 8).

  
	
   

  
	
  Mit Entscheid vom 21. Dezember
  2022 verpflichtete die Schlichtungsbehörde den Beklagten, der Klägerin CHF
  2'000.- nebst Zins zu bezahlen, beseitigte in diesem Umfang den
  Rechtsvorschlag in der hängigen Betreibung (siehe dazu act. 2/10) und aufer­legte
  die Kosten des Schlichtungsverfahrens dem Beklagten (act. 13).

  
	
   

  
	
  1.2 Mit Eingabe vom 6.
  März 2023 (act. 19) erhob der Beklagte gegen den Ent­scheid der
  Schlichtungsbehörde beim Obergericht Beschwerde und verlangt dessen Auf­hebung.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Fällt die Schlichtungsbehörde in
  einer vermögensrechtlichen Streitigkeit im Rahmen ihrer
  Entscheidungskompetenz bis CHF 2'000.- (Art. 212 Abs. 1 ZPO) ein Urteil, so
  hat dieses die Bedeutung eines erstinstanzlichen (gerichtlichen) Entscheids
  (siehe dazu Botschaft zur schweizerischen ZPO, BBl 2006 7221 S. 7334; Honegger, in: Sutter-Somm et al.
  [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A., Art.
  212 N 4). Dieser Entscheid unterliegt der Beschwerde ans Obergericht
  (Art. 319 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 308 Abs. 2 ZPO sowie Art. 17 Abs. 2
  lit. c GOG/GL [GS III A/2]; siehe dazu: Botschaft ZPO, S. 7334; BK
  ZPO-Alvarez/Peter, Art. 212
  N 14; Honegger, a.a.O., Art.
  212 N 10). Der Beklagte ist durch den angefochtenen Entscheid
  beschwert und somit zur Beschwerde legitimiert; er hat die Beschwerde­frist
  von 30 Tagen (Art. 321 Abs. 1 ZPO) eingehalten (Zustellung des angefochtenen
  Entscheids am 3. Februar 2023 [act. 15], Postaufgabe der Beschwerde am
  Montag, 6. März 2023 [betreffend Beginn und Berechnung der Frist siehe Art.
  142 ZPO]).

  
	
   

  
	
  Auf die Beschwerde ist demnach
  einzutreten.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Der Beklagte und Beschwerdeführer
  bringt in seiner Beschwerde (act. 19) nur ganz am Rande materielle Einwände
  gegen den angefochtenen Entscheid vor. Die Beschwerde betrifft in erster
  Linie formelle Aspekte. Konkret vertritt der Beschwer­deführer dabei den
  Standpunkt, die Schlichtungsbehörde sei in der vorliegenden Angelegenheit aus
  prozessualen Gründen überhaupt nicht befugt gewesen, ein Sachurteil zu
  fällen.

  
	
   

  
	
  Mit Beschwerde kann eine
  unrichtige Rechtsanwendung und/oder die offensichtlich unrichtige
  Feststellung des Sachverhalts gerügt werden (Art. 320 ZPO). Unter den Begriff
  der unrichtigen Rechtsanwendung fällt konkret auch eine falsche Anwendung des
  Verfahrensrechts (Freiburghaus/Afheldt,
  in: Sutter-Somm et al. [Hrsg.], opc., Art. 320 N 3). Damit ist die vom
  Beschwerdeführer vorgetragene (Haupt)Rüge zulässig und zu behandeln.

  
	
   

  
	
  3.1

  
	
  Der Beschwerdeführer trägt in
  seiner Beschwerde im Wesentlichen vor, die Schlich­tungsbehörde verfüge nur
  über eine Entscheidungskompetenz bis zu einem Streit­wert von CHF 2'000.-.
  Vorliegend jedoch habe die Klägerin und Beschwerdegegne­rin in ihrem
  Schlichtungsgesuch einen höheren Forderungsbetrag beziffert, welcher Betrag
  den Streitwert ausmache und als solcher in der Folge für das ganze Schlich­tungsverfahren
  massgebend bleibe. Daran ändere auch nichts, dass die Beschwer­degegnerin
  ihre Forderung an der Schlichtungsverhandlung auf CHF 2'000.- redu­ziert
  habe.

  
	
   

  
	
  3.2  Grundsatz: Das Rechtsbegehren
  im Schlichtungsgesuch indiziert den Streitwert

  
	
   

  
	
  Gemäss Art. 212 Abs. 1 ZPO kann
  die Schlichtungsbehörde in vermögensrechtli­chen Angelegenheiten bis zu
  einem Streitwert von CHF 2'000.- ein Urteil fällen, sofern die klagende
  Partei einen entsprechenden Antrag stellt. Für die Festlegung des Streitwerts
  sind die Bestimmungen von Art. 91 ff. ZPO massgebend (BK ZPO-Alvarez/Peter, Art. 212 N 7; Honegger, a.a.O., Art.
  212 N 1; BSK ZPO-Infanger, Art. 212 N 5). Der Streitwert wird durch das
  Rechtsbegehren bestimmt (Art. 91 Abs. 1 ZPO). Das Schlichtungsverfahren
  wird durch das Schlichtungsge­such einge­leitet (Art. 202 Abs. 1 ZPO);
  darin sind die Rechtsbegehren zu bezeich­nen (Abs. 2). Der Streitwert bei
  einer Forderungsklage entspricht somit dem im Schlichtungsge­such bezifferten
  Betrag (jedoch exkl. Zinsen und Kosten, Art. 91 Abs. 1 2. Satz),
  dessen Bezahlung die klagende Partei von der beklagten Partei verlangt. Auf diesen
  Betrag referenziert die Zuständigkeits- bzw. Kompetenznorm von Art. 212 Abs.
  1 ZPO (Stein-Wigger, in:
  Sutter-Somm et al. [Hrsg.], opc., Art. 91 N 12; BK ZPO-Sterchi, Vor­bem. zu Art. 91-94
  N 3; BK ZPO-Alvarez/Peter,
  Art. 212 N 7): Beträgt die im Schlichtungsgesuch bezifferte Forderung
  maximal CHF 2'000.-, steht es der Schlichtungsbehörde bei entsprechendem
  Antrag der kla­genden Partei offen, über diesen vermögensrechtlichen Streit
  selbst zu entscheiden; bei einer höheren Forde­rung ist die
  Schlichtungsbehörde nicht befugt, ein Urteil zu erlassen.

  
	
   

  
	
  Vorliegend bezifferte die
  Klägerin in ihrem Schlichtungsgesuch vom 5. Oktober 2022 ihren
  Forderungsanspruch gegenüber dem Beklagten auf CHF 2'019.40 (act. 1;
  inwieweit die zusätzlich geltend gemachten «bisher aufgelaufene[n] Kosten» im
  Betrag von CHF 146.80 streitwertrelevant sind, kann hier offenblieben
  [eingehend zu dieser Thematik: Beschluss Obergericht vom 7. Februar 2020,
  OG.2019.00047, E. II. 3./4.]). Weil somit eine Forderung höher als CHF
  2'000.- im Streit lag, kam der Schlichtungsbehörde im Lichte von Art. 212
  Abs. 1 ZPO nach dem zuvor dargeleg­ten Grundsatz keine Kompetenz zu, darüber
  zu entscheiden.

  
	
   

  
	
  3.3  Reduktion der
  Forderung im Verlauf des Schlichtungsverfahrens

  
	
   

  
	
  Der zentrale Zweck des
  Schlichtungsverfahrens besteht darin, die Parteien nachhal­tig zu versöhnen.
  Die Schlichtung soll die Parteien davon abhalten, offensichtlich unbegründete
  Prozesse einzuleiten bzw. offensichtlich begründete Ansprüche zu bestreiten.
  Eine erfolgreiche Schlichtung schont nicht allein nur die Ressourcen der
  Parteien (Zeit und Geld) und deren psychische Verfassung, sondern hat
  zugleich den Effekt, dass die Gerichte vor unnötigen Prozessen verschont
  werden (siehe da­zu Honegger, a.a.O., Art.
  197 N 6 f., Art. 201, N 1). In Fällen, bei denen
  sich keine umfassende Einigung herbeiführen lässt, liegt es zudem im unbe­streitbaren
  Interes­se der Parteien, wenn im Schlichtungsverfahren erkennbar zu
  weitgehende Rechts­begehren wenigstens eingegrenzt werden können. Insofern
  bil­det das Festlegen der Rechtsbegehren im Schlichtungsverfahren nebst dem
  Ziel, Streitsachen vergleichs­weise zu erledigen, ebenfalls ein Kernstück (zu
  Letzterem Honegger, a.a.O., Art. 197
  N 8). Es ist denn auch gänzlich unbestritten, dass die im
  Schlichtungsgesuch formulierten Rechtsbegehren anlässlich der Schlichtungsver­handlung
  geändert wer­den dürfen (Honegger, a.a.O., Art.
  202 N 11; BK ZPO-Alvarez/Peter,
  Art. 202 N 8; sodann Leuenberger, in:
  Sutter-Somm et al. [Hrsg.], opc., Art. 227 N 24), zumal konkret eine
  Beschränkung der Klage (Reduktion eines Forderungsan­spruchs) selbst in einem
  allfällig nachfolgenden Gerichtsverfahren noch jederzeit zulässig ist (Art.
  227 Abs. 3 ZPO; siehe dazu auch BK ZPO-Killias,
  Art. 227 N 43).

  
	
   

  
	
  Bei der hiesigen
  Schlichtungsbehörde besteht die Praxis, die Kompetenz für einen Sachentscheid
  im Sinne von Art. 212 Abs. 1 ZPO auch dann zu bejahen, wenn ein
  Forderungsbegehren von anfänglich mehr als CHF 2'000.- erst anlässlich der
  Schlichtungsverhandlung auf die Streitwertgrenze von CHF 2'000.- oder
  darunter reduziert wird. Diese Praxis steht im Widerspruch zum vorhin
  dargelegten Grund­satz, wonach der im Schlichtungsgesuch bezifferte
  (anfängliche) Forderungsbetrag den Streitwert ausmacht, sodass die
  Schlichtungsbehörde keine Entscheidbefugnis gemäss Art. 212 Abs. 1 ZPO
  besitzt, wenn dieser ursprüngliche Betrag über CHF 2'000.- liegt. Indes
  erscheint dem Obergericht die Praxis der Schlichtungsbe­hörde durchaus
  sachgerecht und zweckmässig. Dies, weil der Sinn und Zweck des
  Schlichtungsverfahrens – wie zuvor angesprochen – ebenso darin liegt, die
  klagen­de Partei dazu zu veranlassen, ein offensichtlich überhöhtes
  Rechtsbegehren zu minimieren. Überdies kann etwa bei einer Klage von
  anfänglich unwesentlich höher als CHF 2'000.- auch die Aussicht auf eine
  rasche Beendigung des Rechtsstreits ohne langwieriges Gerichtsverfahren ein
  Motiv für eine nachträgliche Klagereduktion sein. Wenn mithin die klagende
  Partei sich in Betracht der ihr an der Schlichtungs­verhandlung nahe­gebrachten
  Bedenken und Überlegungen entschliesst, eine zunächst höher veran­schlagte
  Forderung auf CHF 2'000.- oder darunter zu senken, so soll ihr die Mög­lichkeit
  offenstehen, der Schlichtungsbehörde zugleich Antrag auf eine Entschei­dung
  im Sinne von Art. 212 Abs. 1 ZPO zu stellen und ist im Gegen­zug der Schlich­tungsbehörde
  die entsprechende (richterliche) Spruchkompetenz auch einzuräumen. Damit ist
  zugleich ein weiteres Ziel der Schlichtungsverhand­lung, nämlich die Ent­lastung
  der Gerichte, in optima forma verwirklicht.

  
	
   

  
	
  3.4  Der Aspekt des
  rechtlichen Gehörs

  
	
   

  
	
  Die Parteien haben Anspruch auf
  rechtliches Gehör (Art. 53 Abs. 1 ZPO). Hierzu zählen namentlich das Recht
  auf Anhörung vor dem Entscheid und das Recht auf Äusserung zu den Vorbringen
  des Gegners und dem Beweiser­gebnis (statt vieler: Sutter-Somm, in: Sutter-Somm et al. [Hrsg.], opc., Art. 53
  N 5).

  
	
   

  
	
  3.4.1 Die
  Schlichtungsbehörde ist bei einer vermögensrechtlichen Streitigkeit bis zu
  einem – durch das Schlichtungsgesuch vorgegebenen – Streitwert von CHF
  2'000.- nur dann gestützt auf Art. 212 Abs. 1 ZPO zu einer Entscheidung
  befugt, wenn dies die klagende Partei konkret beantragt. Der Idealfall liegt
  vor, wenn die klagende Par­tei bei einer Forderung von nicht mehr als CHF
  2'000.- den betreffenden Antrag bereits im Schlichtungsgesuch stellt.
  Diesfalls besteht für die beklagte Partei von Beginn an Transparenz und sie
  kann sich zureichend auf die Verhandlung vorberei­ten sowie insbesondere auch
  allfällige Ein­wendungen gegen diesen Antrag frühzei­tig kundtun (siehe zu
  denkbaren Vorbehal­ten der beklagten Partei gegen eine Ent­scheidung durch die
  Schlichtungsbehörde: BSK ZPO-Infanger,
  Art. 212 N 8).

  
	
   

  
	
  Der Antrag auf Entscheid ist
  freilich nicht zwingend bereits im Schlichtungsgesuch zu stellen; vielmehr
  kann die klagende Partei jederzeit im Verlauf des Schlich­tungsver­fahrens
  und demnach sogar erst an der Schlichtungsverhandlung bean­tragen, die
  Schlichtungsbehörde möge in der Sache urteilen (BSK ZPO-Infanger, Art. 212 N 7; Honegger, a.a.O., Art. 212 N 2;
  BK ZPO-Alvarez/Peter, Art. 212
  N 4). Die Schlichtungsbehörde kann daher, wenn von Anfang an eine
  Forderung von nicht mehr als CHF 2'000.- eingeklagt ist, bei Säumnis der
  beklagten Partei an der Schlichtungsverhandlung selbst dann ohne weiteres ein
  Urteil fällen, wenn die klagende Par­tei dies erst­mals an der Verhandlung
  beantragt; Art. 206 Abs. 2 ZPO besagt nämlich, dass bei Säumnis der
  beklagten Partei die Schlichtungsbe­hörde so verfährt, wie wenn keine
  Einigung zustande gekommen ist (siehe dazu auch BGE 147 III 440; Botschaft
  ZPO S. 7332). Dies bedeutet, dass unbekümmert um die Säumnis der beklagten
  Partei die Schlichtungsbehörde über eine Forderung von maximal CHF 2'000.-
  urteilen darf, sofern die klagende Partei einen entspre­chenden Antrag stellt
  (Art. 212 Abs. 1 ZPO). Dieser Vorgang ist unter dem Aspekt des recht­lichen
  Gehörs unbedenklich, wenn nach Massgabe von Art. 147 Abs. 3 ZPO die
  beklagte Partei in der Vorladung zur Schlichtungsverhand­lung darauf hin­gewiesen
  wurde, dass aufgrund der eingeklagten Klagesumme von maximal CHF 2'000.-
  die Schlichtungsbehörde auch bei Säumnis einen Entscheid fällen kann (Honegger, a.a.O., Art. 212 N 2
  sowie Art. 206 N 6). Die beklagte Partei weiss somit, welche Konse­quenz
  ihr unentschuldigtes Fernbleiben an der Schlich­tungs­verhandlung gegebe­nenfalls
  hat und kann sich diesfalls nicht hinterher auf eine Gehörsverlet­zung
  berufen.

  
	
   

  
	
  3.4.2 Die soeben gemachten
  Ausführungen beziehen sich auf den "Normalfall", dass bereits aus
  dem Schlichtungsgesuch ersichtlich ist, dass die klagende Partei eine
  Forderung von nicht mehr als CHF 2'000.- geltend macht und somit ab Verfah­rensbeginn
  feststeht, dass ein Entscheid der Schlichtungsbehörde nach Massgabe von Art.
  212 Abs. 1 ZPO denkbar ist und dies den Parteien mit der Vorladung auch
  entsprechend angezeigt wird.

  
	
   

  
	
  Anders verhält es sich dagegen,
  wenn die klagende Partei im Schlich­tungsgesuch eine Forderung von mehr als
  CHF 2'000.- geltend macht. Diesfalls verfügt die Schlichtungsbehörde bei
  enger Lesart der einschlägigen Bestimmungen (Art. 212 Abs. 1 i.V.m. Art.
  91 Abs. 1 und Art. 202 Abs. 2 ZPO) über keine Urteil­kompe­tenz und muss
  daher die beklagte Partei denn auch nicht mit einem Ent­scheid der
  Schlichtungsbehörde rechnen (siehe oben E. 3.2). Dies kollidiert mit der
  zuvor (oben E. 3.3) als sachgerecht und zweckmässig qualifizierten Praxis der
  hie­sigen Schlich­tungsbehörde, selbst in einem solchen Fall auf Antrag der
  klagenden Partei ein Urteil zu fällen, vorausgesetzt, das Forderungsbegehren
  wird im Verlauf des Schlichtungsverfahrens auf maximal CHF 2'000.-
  beschränkt. In einer solchen Kon­stellation ist daher ganz besonders darauf
  achtzugeben, dass das rechtliche Gehör der beklagten Partei gewahrt bleibt.
  Die notwendige Achtsamkeit erfordert dabei konkret, dass in der Vorladung zur
  Schlichtungsverhandlung die beklag­te Par­tei in einer allgemein
  verständlichen Sprache darauf hingewiesen wird, dass (i) ein Forde­rungsbegehren
  von anfänglich mehr als CHF 2'000.- noch an der Schlich­tungsverhandlung auf
  CHF 2'000.- oder darunter reduziert werden kann, sowie dass (ii) in diesem
  Fall die Schlichtungsbehörde auf Antrag der klagenden Partei ein Urteil
  erlassen kann (Art. 212 Abs. 1 ZPO), wobei die klagende Partei den Antrag auf
  Ent­scheid noch an der Schlichtungsverhandlung stellen kann. Unter der Prämis­se
  eines in die­sen oder ähnlichen Worten formulierten Hinweises in der
  Vorladung, kann die an der Schlichtungsverhandlung säumige beklagte Partei im
  Nachhinein nicht vorbringen, sie habe nicht damit rechnen müssen, dass die
  Schlichtungsbe­hörde ein Urteil fällen würde.

  
	
   

  
	
  3.5  Vorliegend:
  unzureichende Vorladung

  
	
   

  
	
  Im hier zu beurteilenden Fall
  bezifferte die Klägerin in ihrem Schlichtungsgesuch ihr Forderungsbegehren
  gegenüber dem Beklagten auf einen Betrag von mehr als CHF 2'000.- (act.
  1 sowie act. 3 [Eingangsbestätigung und zugleich Bekanntgabe der im Schlichtungsgesuch
  gestellten Begehren an den Beklagten]).

  
	
   

  
	
  Die am 27. Oktober 2022 ergangene
  Vorladung zur Schlichtungsverhandlung am 14. Dezember 2022 (act. 6) hält
  zunächst die persönliche Erscheinungspflicht der Parteien sowie die
  gegebenenfalls bestehende Vertretungsmöglichkeit fest, gefolgt vom Hinweis
  auf allfällige Ordnungsbussen und Kostentragung bei bös- oder mutwilliger
  Prozessführung. Daran knüpft sodann folgende Passage an: «Im Übrigen wird
  auf die nachgeführten Bestimmungen der Zivilprozessordnung verwie­sen.
  Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass auch anlässlich der Ver­handlung
  der Streitwert reduziert werden kann, um die Voraussetzungen nach Arti­kel
  210-212 ZPO zu erfüllen».

  
	
   

  
	
  Der soeben zitierte Hinweis auf
  eine mögliche Spruchkompetenz der Schlich­tungsbehörde (Art. 212 Abs. 1 ZPO)
  selbst bei einem Forderungsbegehren von (an­fänglich) mehr als CHF 2'000.-
  ist offensichtlich unzureichend; es fehlt darin nur schon die explizite
  Erwähnung eines möglichen Entscheids. Diese Text­stelle ver­mag daher
  der Anforderung von Art. 147 Abs. 3 ZPO, wonach das Gericht bzw. hier die
  Schlich­tungsbehörde die Parteien auf die Säumnisfolgen hinzuweisen hat,
  nicht zu genü­gen. Jedenfalls ein juristischer Laie ist nicht in der Lage,
  den Bedeutungs­gehalt der in diesem Abschnitt vermittelten Information zu
  erkennen; dies gilt erst recht, wenn zwar auf die «nachgeführten»
  Bestimmungen der ZPO verwiesen wird, in der Vorladung jedoch die betreffenden
  Gesetzesnormen gar nicht abgedruckt sind bzw. in der Vorladung ein entsprechen­der
  Gesetzesauszug auch nicht als Bei­lage vermerkt ist (siehe act. 6). Es kann
  nicht angehen und widerspricht auch dem Wesen eines Schlichtungsverfahrens
  als einem primär auf (möglichst kostengünsti­ge) Versöhnung und
  Wiederherstellung des Rechtsfriedens ausgerich­teten Verfah­ren, wenn eine im
  Recht nicht bewanderte Partei bereits eine fachkun­dige Person konsultieren
  muss, um nur schon die Vorladung zu einer Schlichtungs­verhandlung zu
  verstehen.

  
	
   

  
	
  Vor dem Hintergrund einer wie
  hier inhaltlich derart undeutlichen Vorladung ist der Anspruch der (säumigen)
  beklagten Partei auf rechtliches Gehör verletzt, wenn die klagende Partei bei
  einem Forderungsbegehren von zunächst mehr als CHF 2'000.- dieses an der
  Schlichtungsverhandlung auf CHF 2'000.- reduziert sowie gleichzeitig Antrag
  auf Entscheid stellt und die Schlichtungsbehör­de anschliessend gestützt auf
  Art. 212 Abs. 1 ZPO tatsächlich ein Urteil fällt. Eine solche Ver­fahrenserledigung
  liegt aus­serhalb dessen, womit die an der Schlichtungsverhand­lung säumige
  Partei im Lichte von Art. 206 Abs. 2 ZPO bei einer Forderungsklage von
  zunächst mehr als CHF 2'000.- konkret zu rechnen und demgemäss
  hinzunehmen hat (siehe oben E. 3.2, Grundsatz); die (sinnvolle)
  weitergehende Praxis der hiesigen Schlichtungs­behörde (oben E. 3.3) kann die
  beklagte Partei aus der Vorladung, wie sie hier for­muliert war (act. 6),
  nicht heraus­lesen.

  
	
   

  
	
  4.  Fazit

  
	
  Zusammenfassend ist festzuhalten,
  dass im vorliegenden Fall die Schlichtungs­behörde nicht befugt war, über die
  nach der (erst) an der Schlichtungsverhandlung vor­genommenen Klagereduktion
  noch strittig gebliebene Forderung von CHF 2'000.- materiell zu
  entscheiden. Dies, weil eine solche mögliche Verfahrenser­ledigung in der
  Vorladung zur Schlichtungsverhandlung nicht zureichend angekün­digt war;
  infolgedes­sen hatte der an der Schlichtungsverhandlung säumige Beklagte
  damit nicht zu rechnen, womit dessen rechtliches Gehör nicht gewahrt war.
  Insofern liegt eine Ver­letzung der einschlägigen, oben eingehend dargelegten
  verfahrens­rechtli­chen Vor­gaben vor, weshalb die Beschwerde gutzuheissen
  ist. Dies führt zur Auf­hebung des angefochtenen Entscheids der
  Schlichtungsbehörde vom 21. Dezember 2022 (act.13). Die Sache ist an die
  Schlichtungsbehörde zurückzu­weisen (Art. 327 Abs. 3 lit. a ZPO) zur
  Wiederaufnahme des Schlichtungsverfahrens im Stand nach durch­geführter
  Schlichtungsverhandlung. Als Erledigungsmöglichkei­ten verbleiben der
  Schlichtungsbehörde die Unterbreitung eines Urteilsvorschlags (Art. 210 Abs.
  1 lit. c ZPO) oder das Ausstellen der Klagebewilligung (Art. 209 ZPO).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Beim vorliegenden Ausgang des
  Beschwerdeverfahrens sind die hier auf CHF 1'000.- festzusetzenden
  Gerichtskosten in Anwendung von Art. 107 Abs. 2 ZPO auf die Staatskasse zu
  nehmen.

  
	
   

  
	
  Für das Beschwerdeverfahren sind
  keine Parteientschädigungen zuzusprechen, da beide Parteien nicht anwaltlich
  vertreten waren und ausserordentliche Umtriebe im Sinne von Art. 95 Abs. 3
  lit. c ZPO nicht ersichtlich sind (siehe dazu Urteil BGer 5A_132/2020 vom 28.
  April 2020 E. 4.2.1).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Entscheid

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    In Gutheissung der Beschwerde
    wird der Entscheid der Schlichtungsbehörde des Kantons Glarus vom 21.
    Dezember 2022 im Verfahren SE.2022.00114 auf­gehoben, und es wird die Sache
    zur Wiederaufnahme des Schlichtungsverfah­rens im Sinne der Erwägungen an
    die Schlichtungsbehörde zurückgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten des
    Beschwerdeverfahrens von CHF 1'000.- werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Für das Beschwerdeverfahren
    werden keine Parteientschädigungen zugespro­chen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]