# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aeb5019d-7493-5eba-934d-427aff645849
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-07
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 07.04.2015 TB150026
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_TB150026_2015-04-07.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
III. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: TB150026-O/U/HON 

 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Th. Meyer, Präsident, und lic. iur. W. Meyer, 

Ersatzoberrichter lic. iur. A. Schärer und Gerichtsschreiber Dr. iur. 

S. Christen 

 

Beschluss vom 7. April 2015 

 

in Sachen 

 

1. A._____,  

2. Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, Besondere Untersuchungen,  

Gesuchsteller 

 

gegen 

 

1. B._____, lic. iur.,  
2. C._____,  

Gesuchsgegnerinnen 

 

betreffend Ermächtigung zur Eröffnung einer Strafuntersuchung 
 

- 2 - 

Erwägungen: 

I. 

1. Die Kantonspolizei Zürich verzeigte A._____ am 24. Oktober 2013 wegen 

Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit. Er soll am 15. Juli 2013 

auf der Hauptstrasse in D._____ die signalisierte Geschwindigkeit um 9 km/h 

überschritten haben (Urk. 3/4/1). Das Statthalteramt Bezirk E._____ bestrafte ihn 

deshalb am 11. Dezember 2013 mit einem Strafbefehl (Urk. 3/4/2). Dagegen er-

hob A._____ Einsprache (Urk. 3/4/4). 

2. Am 24. Oktober 2014 erstattete A._____ beim Obergericht des Kantons Zü-

rich Strafanzeige gegen die Statthalterin B._____ und die Verwaltungsassistentin 

des Statthalteramts C._____ wegen Nötigung, Verletzung fremder Gebietshoheit, 

Amtsmissbrauchs und Urkundenfälschung im Amt. Das Statthalteramt habe am 

10. Oktober 2014 in der Strafuntersuchung gegen A._____ die Zeugin F._____ 

vorgeladen. Die Vorladung sei von der Verwaltungsassistentin unterzeichnet ge-

wesen. Diese habe auf direkte Anweisung der Statthalterin gehandelt. Die Vorla-

dung sei an den Wohnsitz der Zeugin in Deutschland geschickt worden und habe 

Zwangsandrohungen enthalten (Urk. 3/4/46). 

Das Obergericht überwies die Strafanzeige der Oberstaatsanwaltschaft des Kan-

tons Zürich (Urk. 3/1), welche die Sache an die Staatsanwaltschaft I des Kantons 

Zürich überwies. 

3. Mit Verfügung vom 5. Februar 2015 überwies die Staatsanwaltschaft die Ak-

ten via die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich an das Obergericht des 

Kantons Zürich, um über die Erteilung bzw. Nichterteilung der Ermächtigung zur 

Durchführung einer Strafuntersuchung zu entscheiden (Urk. 2). In der Begrün-

dung erwog die Staatsanwaltschaft, es liege nach summarischer Prüfung kein de-

liktsrelevanter Verdacht vor. 

Der Gesuchsteller 1 hat am 26. Februar 2015 Stellung genommen (Urk. 5). 

- 3 - 

4. Nach § 148 Satz 1 GOG hat das Obergericht über die Eröffnung oder Nicht-

anhandnahme einer Strafuntersuchung gegen Beamte zu befinden. Dabei handelt 

es sich um ein Ermächtigungsverfahren. Zweck dieser Ermächtigung ist, "Staats-

bedienstete vor mutwilliger Strafverfolgung" zu schützen. Das Strafverfahren ist 

erst durchzuführen, wenn eine Behörde ihre Zustimmung erteilt hat. Alsdann ob-

liegt der förmliche Entscheid über die Eröffnung einer Strafuntersuchung oder die 

Nichtanhandnahme der Staatsanwaltschaft. Das Obergericht amtet als blosse 

Ermächtigungsbehörde, wobei sie nicht über die Frage zu entscheiden hat, ob ei-

ne Strafuntersuchung gegen Beamte im Sinne von Art. 110 Abs. 3 StGB tatsäch-

lich zu eröffnen ist. Es ist aufgrund einer eher summarischen, ausschliesslich 

strafrechtliche Aspekte berücksichtigenden Prüfung zu beurteilen, ob eine Er-

mächtigung zu erteilen ist (vgl. BGE 137 IV 269 E. 2.3 ff.). 

5. 

5.1 Das Statthalteramt hat F._____ am 10. Oktober 2014 eine Vorladung an ei-

ne Adresse in Konstanz (Deutschland) geschickt (Urk. 3/4/43). Die Vorladung ist 

von der Gesuchsgegnerin 2 unterzeichnet. In der Vorladung wird ausgeführt, 

F._____ werde als Zeugin zur Einvernahme vorgeladen und müsse persönlich er-

scheinen. Es werden Datum und Ort des Erscheinens angegeben sowie gegen 

wen sich die Strafuntersuchung richtet. Sodann wird angegeben, dass die Ge-

suchsgegnerin 1 die Verfahrenshandlungen vornehmen werde. Nach bzw. unter-

halb der Unterschrift wird darauf hingewiesen, dass die Vorladung mitzubringen 

sei. Falls ein Dolmetscher benötigt werde, solle dies mitgeteilt werden. Schliess-

lich erfolgt der Hinweis, dass die beiliegenden Seiten F._____ auf die gesetzli-

chen Bestimmungen hinwiesen. 

Die beiliegenden Seiten enthalten einen Auszug aus dem Schweizerischen Straf-

gesetzbuch. Abgedruckt sind die Art. 303, Art. 304, Art. 305 Abs. 1 und Art. 307 

Abs. 1 StGB. Sie enthalten sodann einen Auszug aus der Schweizerischen Straf-

prozessordnung. Abgedruckt sind die Art. 127 Abs. 1, Abs. 4 und Abs. 5, Art. 147, 

Art. 162, Art. 163, Art. 168 - Art. 177, Art. 205 und Art. 393 StPO (Urk. 3/4/43). 

5.2 Die Vorladung ist eine Verfügung. Verfügungen sind grundsätzlich individuell 

und konkret. Sie richten sich an einen bestimmten Adressaten und regeln einen 

- 4 - 

bestimmten Einzelfall. Als Vorladung ist vorliegend einzig die erste Seite von 

Urk. 3/4/43 zu betrachten. Auf den der Vorladung beiliegenden Seiten werden ge-

setzliche Bestimmungen abgedruckt. Gesetzliche Bestimmungen sind grundsätz-

lich generell und abstrakt. Sie regeln eine unbestimmte Vielzahl von Fällen und 

richten sich an einen unbestimmten Kreis von Adressaten. Abgedruckte gesetzli-

che Bestimmungen sind keine "Verfügung", da sie nicht individuell-konkret sind. 

Sie können höchstens der allgemeinen (generell-abstrakten) Information des Ad-

ressaten dienen. Ob und wie sie anwendbar sind, ist in der Vorladung (Verfügung) 

nicht umschrieben. In der Vorladung wird keine Gesetzesbestimmung erwähnt. 

Das blosse Mitschicken von Gesetzbestimmungen ist grundsätzlich nicht verbo-

ten. Damit wird kein Zwang angewandt. Die Gesetzbestimmungen bestehen auch 

dann, wenn sie nicht mitgeschickt werden. Ob sie anwendbar sind oder nicht, 

hängt grundsätzlich nicht von der Kenntnis des Adressaten ab. In der Vorladung 

selbst hat das Statthalteramt der Zeugin keine Nachteile für den Fall der Nichtbe-

folgung der Vorladung angedroht. 

6. 

6.1 Soweit in der Strafanzeige vorgebracht wird, in der Vorladung würden 

rechtswidrig Zwangsmassnahmen angedroht (Urk. 3/2), weshalb der Tatbestand 

der Nötigung (Art. 181 StGB) erfüllt sei, ist der Vorwurf nach dem Gesagten unzu-

treffend. 

6.2 In der Strafanzeige wird der Vorwurf der Verletzung fremder Gebietshoheit 

(Art. 299 Ziff. 1 StGB) erhoben. Das unmittelbare Zusenden von Vorladungen 

nach Deutschland ist auf dem Postweg erlaubt (vgl. Art. 52 SDÜ sowie die dazu-

gehörige Erklärung der Schweiz). Eine unerlaubte Vornahme einer Amtshandlung 

auf fremdem Staatsgebiet liegt nach dem Gesagten nicht vor. Im Übrigen ist das 

Obergericht zur Erteilung der Ermächtigung für dieses Delikt nicht zuständig. 

Vielmehr obliegt dies dem Bundesrat (vgl. Art. 302 StGB). Auf das Gesuch um 

Ermächtigung ist insofern nicht einzutreten. 

6.3 Inwiefern die Gesuchsgegnerinnen ihre Amtsgewalt missbraucht (Art. 312 

StGB) und eine Urkundenfälschung im Amt (Art. 317 StGB) vorgenommen haben 

sollen, wie in der Strafanzeige behauptet, ist nach dem Gesagten nicht ersichtlich. 

- 5 - 

6.4 Im Übrigen ist der Gesuchsteller 1 mit seinen Vorbringen (insb. Urk. 5) nicht 

zu hören. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern der Gesuchsteller 1 durch die angebli-

chen Delikte unmittelbar betroffen bzw. geschädigt sein soll. In seine Grundrechte 

wurde durch die Vorladung nicht eingegriffen. Er ist ausschliesslich Anzeigeerstat-

ter. Ist die anzeigende Person durch die Tat nicht geschädigt und nicht Privatklä-

gerin, stehen ihr keine Verfahrensrechte zu ausser dem Anspruch, auf Anfrage 

darüber orientiert zu werden, ob ein Strafverfahren eingeleitet und wie es erledigt 

wird (Art. 301 Abs. 2 und 3 StPO; vgl. dazu Urteil 1C_344/2012 vom 31. Oktober 

2012 E. 2.1; vgl. auch Urteil 6B_299/2013 vom 26. August 2013 E. 1.1). 

7. Zusammenfassend bestehen aufgrund der derzeitigen Aktenlage keine An-

haltspunkte, wonach sich die Gesuchsgegnerinnen strafbar gemacht haben könn-

ten. Die Ermächtigungen sind nicht zu erteilen, soweit auf die Ermächtigungsge-

suche einzutreten ist. 

Das Ermächtigungsverfahren ist ein Verwaltungsverfahren, das nicht der Straf-

prozessordnung untersteht. Das Verfahren ist kostenlos. Gemäss § 17 des Ver-

waltungsrechtspflegegesetzes werden keine Prozessentschädigungen zugespro-

chen. 

 

Es wird beschlossen: 
 

1. Der Staatsanwaltschaft wird die Ermächtigung zum Entscheid über die Un-

tersuchungseröffnung bzw. die Nichtanhandnahme des Verfahrens gegen 

die Gesuchsgegnerin 1 nicht erteilt, soweit auf das Ermächtigungsgesuch 

eingetreten wird. 

2. Der Staatsanwaltschaft wird die Ermächtigung zum Entscheid über die Un-

tersuchungseröffnung bzw. die Nichtanhandnahme des Verfahrens gegen 

die Gesuchsgegnerin 2 nicht erteilt, soweit auf das Ermächtigungsgesuch 

eingetreten wird. 

3. Es werden keine Kosten erhoben. 

- 6 - 

4. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen. 

5. Schriftliche Mitteilung an: 

− den Gesuchsteller 1, per Gerichtsurkunde 
− die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, unter Beilage einer Kopie 

von Urk. 5,  ad VAR A-3/2014/10004156, gegen Empfangsbestätigung 

− die Gesuchsgegnerin 1, unter Beilage einer Kopie von Urk. 5, "persön-
lich/vertraulich" gegen Empfangsschein 

− die Gesuchsgegnerin 2, unter Beilage einer Kopie von Urk. 5, "persön-
lich/vertraulich" gegen Empfangsschein 

− die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, unter Beilage einer 
Kopie von Urk. 5, ad VARK/2015/4156, gegen Empfangsbestätigung 

sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an: 

− die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ad VARK/2015/4156, 
unter Rücksendung der eingereichten Akten (Urk. 3), gegen Emp-
fangsbestätigung 

6. Rechtsmittel: 
Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 
30 Tagen, vom Empfang an gerechnet, bei der Ersten öffentlich-rechtlichen 

Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des 

Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

- 7 - 

Zürich, 7. April 2015 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
III. Strafkammer 

 
Präsident: 

 
 
 

lic. iur. Th. Meyer 

Gerichtsschreiber: 
 
 
 

Dr. iur. S. Christen 
 

	Beschluss vom 7. April 2015
	
	Erwägungen:
	I.

	1. Der Staatsanwaltschaft wird die Ermächtigung zum Entscheid über die Untersuchungseröffnung bzw. die Nichtanhandnahme des Verfahrens gegen die Gesuchsgegnerin 1 nicht erteilt, soweit auf das Ermächtigungsgesuch eingetreten wird.
	2. Der Staatsanwaltschaft wird die Ermächtigung zum Entscheid über die Untersuchungseröffnung bzw. die Nichtanhandnahme des Verfahrens gegen die Gesuchsgegnerin 2 nicht erteilt, soweit auf das Ermächtigungsgesuch eingetreten wird.
	3. Es werden keine Kosten erhoben.
	4. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen.
	5. Schriftliche Mitteilung an:
	 den Gesuchsteller 1, per Gerichtsurkunde
	 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, unter Beilage einer Kopie von Urk. 5,  ad VAR A-3/2014/10004156, gegen Empfangsbestätigung
	 die Gesuchsgegnerin 1, unter Beilage einer Kopie von Urk. 5, "persönlich/vertraulich" gegen Empfangsschein
	 die Gesuchsgegnerin 2, unter Beilage einer Kopie von Urk. 5, "persönlich/vertraulich" gegen Empfangsschein
	 die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, unter Beilage einer Kopie von Urk. 5, ad VARK/2015/4156, gegen Empfangsbestätigung

	sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Erledigung allfälliger Rechtsmittel an:
	 die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ad VARK/2015/4156, unter Rücksendung der eingereichten Akten (Urk. 3), gegen Empfangsbestätigung

	6. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang an gerechnet, bei der Ersten öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundes...