# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1268ce30-baad-54f4-89f7-8187793d1df8
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1999-05-20
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) sonstige Behörden 20.05.1999 JAAC 63.89
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_999_JAAC-63-89--_1999-05-20.pdf

## Full Text

JAAC 63.89

Auszug aus einem Entscheid des ETH-Rates vom 20.
Mai 1999

Ecoles polytechniques fédérales. Examen intermédiaire. Matière
d’examen pour les candidats qui se représentent à un examen.
Conditions de la qualité pour recourir.

- Intérêt actuel à l’annulation d’une décision portant sur l’échec définitif
à un examen intermédiaire (consid. 1).

- L’examen intermédiaire porte chaque fois sur le contenu actuel des
cours de l’examinateur. Selon le principe de l’égalité de traitement,
ceci s’applique aussi aux candidats qui se représentent à un examen
(consid. 2a).

- Les candidats qui se représentent à un examen ont le devoir de
s’informer eux-mêmes sur le contenu de l’examen (consid. 2b).

Eidgenössische Technische Hochschulen. Vordiplomprüfung.
Prüfungsstoff für Repetenten. Beschwerdevoraussetzungen.

- Aktuelles Interesse an der Aufhebung einer Verfügung betreffend das
endgültige Nichtbestehen einer Prüfung trotz Aufnahme eines neuen
Studiums (E. 1).

- Die Vordiplomprüfungen umfassen jeweils den aktuellen
Vorlesungsstoff des Examinators. Dies gilt wegen des Gebots der
Gleichbehandlung aller Prüfungskandidaten auch für Repetenten
(E. 2a).

- Pflicht der Repetenten, sich selbst über den Prüfungsinhalt zu
informieren (E. 2b).

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Politecnici federali. Esami intermedi. Materie d’esame per i candidati
che si ripresentano a un esame. Condizioni di legittimazione al ricorso.

- Interesse attuale all’annullamento di una decisione concernente il
fallimento definitivo di un’esame malgrado l’inizio di un nuovo studio
(consid. 1).

- Gli esami intermedi comprendono il contenuto attuale dei corsi
dell’esaminatore. Giusta il principio della parità di trattamento ciò si
applica anche ai candidati che si ripresentano ad un esame (consid. 2a).

- I candidati che si ripresentano ad un esame hanno il dovere di
informarsi essi stessi sul contenuto degli esami (consid. 2b).

Zusammenfassung des Sachverhaltes:

A.M. begann ein Chemiestudium an der Abteilung für Chemie der
Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ). Nach drei Semestern
Studiums bestand er die 1. Vordiplomprüfung mit einem Notendurchschnitt
von 4. Er wiederholte das 2. und 3. Semester, besuchte anschliessend
das 4. und 5. Semester und legte die 2. Vordiplomprüfung für Chemiker
ab, bestand sie jedoch mit einer Durchschnittsnote von 2.7 nicht. Im
darauffolgenden Herbst wiederholte er die 2. Vordiplomprüfung, wobei er
einen Notendurchschnitt von 3.8 erzielte. Er war in vier Fächern mit der
Note 4 genügend, erzielte aber nur eine 3 in anorganischer Chemie. Die ETHZ
teilte M. das endgültige Nichtbestehen der 2. Vordiplomprüfung mit. Seit
Herbst 1998 ist M. im 1. Semester der Abteilung für Informatik der ETHZ
eingeschrieben.

B. Gegen diese Verfügung erhob M. mit Eingabe vom 24. November 1998
Verwaltungsbeschwerde an den ETH-Rat. Er beantragt die Wiederholung des
anorganisch-chemischen Teils der 2. Vordiplomprüfung oder der gesamten
2. Vordiplomprüfung. Zur Begründung führt er an, der für die anorganische
Chemie verantwortliche Dozent habe während der späteren Vorlesungen,
die er als Repetent kein zweites Mal besucht habe, bekanntgegeben, dass
eine Aufgabe der 2. Vordiplomprüfung der Marcus-Theorie gewidmet
sein werde. Als Repetent habe er keine Möglichkeit gehabt, von dieser
Information Kenntnis zu haben; insbesondere sei kein anderes Skript verteilt
worden. Die Marcus-Theorie sei nicht in den gängigsten Lehrbüchern für
anorganische Chemie erwähnt und könne deshalb nicht als Hauptbestandteil
einer Vordiplomprüfung in anorganischer Chemie gelten.

In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. Februar 1999 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Ablehnung der Beschwerde. Sie legt dar, dass die
Prüfung des Beschwerdeführers korrekt und fair bewertet worden sei. Der
Dozent erachte es als Pflicht eines jeden Repetenten, sein Wissen durch den
nochmaligen Besuch der Vorlesungen auf den neusten Stand zu bringen. Im

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übrigen habe er den Studierenden keine Aufgabe über die Marcus-Theorie
versprochen, sondern lediglich darauf hingewiesen, eine solche sei möglich.
Zudem habe er die Marcus-Theorie nie als untergeordnetes Thema behandelt.

Aus den Erwägungen:

1. Die Verfügung der ETHZ vom 23. November 1998 ist eine Verfügung
im Sinne von Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zur Beschwerde gegen diese
Verfügung ist berechtigt, wer durch sie berührt ist und ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Bst. a VwVG).
Das Interesse muss aktuell, also gegenwärtig, kann aber auch künftig,
darf jedoch nicht bereits dahingefallen sein (VPB 59.113; Fritz Gygi,
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 154; André Grisel,
Traité de droit administratif, Neuchâtel 1984, S. 900). Nach Art. 22 Abs. 2 der
Allgemeinen Prüfungsverordnung vom 8. Oktober 1996 der ETHZ (APrV ETHZ,
SR 414.132.1) können Studierende, die eine Vordiplomprüfung zweimal nicht
bestanden haben, am Unterricht der gleichen Studienrichtung nicht mehr als
Diplomstudierende teilnehmen. Damit verschliesst die Verfügung vom (...)dem
Beschwerdeführer die Möglichkeit, das Chemiestudium an der ETHZ mit
einem Diplom abzuschliessen. Auch wenn der Beschwerdeführer inzwischen
ein Informatikstudium aufgenommen hat, hat er ein schutzwürdiges Interesse
daran, sich die Möglichkeit eines Diplomabschlusses des Chemiestudiums
offenzuhalten. Da der Beschwerdeführer somit durch die angefochtene
Verfügung berührt ist und er ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung hat, ist er zur Beschwerde legitimiert. Die Beschwerde wurde
innerhalb der von Art. 50 VwVG vorgeschriebenen 30-tägigen Frist eingereicht.
Der ETH-Rat ist die zuständige Rechtsmittelbehörde (Art. 37 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1991 über die Eidgenössischen Technischen
Hochschulen [ETH-Gesetz], SR 414.110). Der Beschwerdeführer hat gemäss
Art. 63 Abs. 4 VwVG einen Kostenvorschuss von Fr. 500.- geleistet. Auf die
Beschwerde ist somit einzutreten.

2.a. Die Prüfungen werden von den im Prüfungsfach unterrichtenden
Dozenten abgenommen (Art. 15 Abs. 1 APrV ETHZ). Gemäss Art. 15 Abs. 4
Bst. a APrV ETHZ ist es Aufgabe der Examinatoren, den Prüfungsstoff
auszuwählen. Es versteht sich von selbst, dass eine Prüfung den jeweils
aktuellen Vorlesungsstoff des Examinators umfasst; diese Regel gilt wegen des
Gebots der Gleichbehandlung aller Prüfungskandidaten auch für Repetenten
(Entscheid des ETH-Rates vom 28. März 1996 in Sachen S. I.). Daraus kann
sich unter Umständen eine im Vergleich zum ersten Prüfungsversuch andere
Gewichtung des Prüfungsstoffs ergeben. Es besteht kein Anspruch auf Identität
der Prüfungsstoffe beider Prüfungsversuche oder auf Übereinstimmung
zwischen dem Lehr- und dem Prüfungsstoff (Entscheid des ETH-Rates vom

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002402.pdf?ID=150002402

30. Mai 1996 in Sachen D. B.; Entscheid des ETH-Rates vom 28. März 1996 in
Sachen S. I.). Die Examinatoren müssen daher die Studierenden rechtzeitig
über den Prüfungsstoff sowie die zusätzlichen Hilfsmittel informieren (Bst. b).

b. Es ergibt sich aus den Ausführungen des Beschwerdeführers, dass
der Examinator die Studierenden während der Vorlesungen über den
Prüfungsstoff der 2. Vordiplomprüfung informiert hat. Insbesondere hat
er ihnen mitgeteilt, dass eine Aufgabe über die Marcus-Theorie möglich sei.

Die Orientierung über den Prüfungsstoff während der Vorlesungen ist
durchaus zweckmässig, und der Beschwerdeführer macht nicht geltend, dass
diese Information nicht rechtzeitig erfolgt sei. Damit hat der Examinator
seine sich aus Art. 15 Abs. 4 Bst. b APrV ETHZ ergebende Informationspflicht
erfüllt. Der Einwand des Beschwerdeführers, die Marcus-Theorie sei in den
gängigsten Lehrbüchern der anorganischen Chemie nicht beschrieben, ist
unbehelflich, da es wie erwähnt Sache des Examinators ist, den Prüfungsstoff
auszuwählen. Wenn der Beschwerdeführer am Vorlesungsbesuch verhindert
war oder die Vorlesungen kein zweites Mal besuchen wollte, da diese
weitgehend mit den von ihm bereits besuchten Lehrveranstaltungen
übereinstimmten, hätte er den Examinator oder seine Assistenz aufsuchen
müssen, um sich über den genauen Umfang und Inhalt des Prüfungsstoffs
des zweiten Versuchs zu vergewissern. Die Beschwerde erweist sich somit als
unbegründet und ist abzuweisen.

3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 63.89 - Auszug aus einem Entscheid des ETH-Rates vom 20. Mai 1999

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1999
Année

Anno

Band 63
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Ref. No 150 004 418

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus einem Entscheid des ETH-Rates vom 20. Mai 1999
	Zusammenfassung des Sachverhaltes:
	Aus den Erwägungen: