# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ba96f144-a7ff-56d0-9960-851e2f8cd829
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.11.2008 E-6303/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6303-2008_2008-11-19.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6303/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Einzelrichter Markus König, 
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli-Busi;
Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay.

A._______, geboren (...),
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Susanne Eberle, Rechtsanwältin, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz,

Asyl und Wegweisung; Verfügung vom 25. August 2008 / 
N _______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6303/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer, (...), eigenen  Angaben  zufolge  am  10. 
Januar  2006  seinen  Heimatort  und  im  Februar  2006  Afghanistan 
verliess  und  am  14.  Mai  2006  in  die  Schweiz  einreiste,  wo  er  am 
16. Mai 2006 um Asyl nachsuchte,

dass er am 22. Mai 2006 im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chias-
so summarisch sowie am 18. Juli 2006 durch die zuständige kantonale 
Behörde ausführlich zu seinen Asylgründen befragt wurde,

dass das Bundesamt am 22. Mai 2006 eine radiologische Analyse des 
Knochenalters  durchführen  liess  und  den  Beschwerdeführer  am 
21. August 2008 ergänzend zu seinen Fluchtgründen befragte,

dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im 
Wesentlichen geltend machte, er habe einen Schulfreund gehabt, der 
Bahai gewesen sei,

dass er mehr über diese Religion habe erfahren wollen und sich daher 
Bücher über den Bahaismus ausgeliehen habe,

dass ihn sein Onkel bei der Lektüre der Bücher erwischt und daraus 
gefolgert  habe, der Beschwerdeführer sei  zur  Bahai-Religion konver-
tiert,

dass der Beschwerdeführer in der Folge geschlagen und beschimpft 
worden sei, obwohl er stets bestritten habe, seine Religion gewechselt 
zu haben,

dass er sich ab Anfang 2006 daher bei Familienangehörigen versteckt 
habe, bevor ihm B._______ im Februar 2006 zur Flucht ins Ausland 
verholfen habe,

dass B._______ in der Zwischenzeit vergiftet worden sei,

dass das BFM in seiner Verfügung vom 25. August 2008 die Asylgrün-
de als nicht glaubhaft beurteilte, das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug 
anordnete,

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dass der Beschwerdeführer mit  Eingabe vom 1. Oktober 2008 gegen 
diesen  Entscheid  beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhe-
ben und dabei die Aufhebung der angefochtenen Verfügung des BFM 
vom 25. August 2008 die Asylgewährung, eventuell die Anordnung ei-
ner  vorläufigen  Aufnahme  und  subeventuell  die  Rückweisung  der 
Sache an die Vorinstanz zum neuen Entscheid beantragte,

dass der mit Zwischenverfügung vom 13. Oktober 2008 verlangte Kos-
tenvorschuss am 27. Oktober 2008 fristgerecht geleistet wurde,

und das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 50 und 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

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dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl  gewährt  (Art. 2 
Abs. 1 AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimat-
staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, 
Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen 
Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nach-
teilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nach-
teilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft  glaubhaft  gemacht ist,  wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält, 

dass Vorbringen insbesondere dann unglaubhaft sind, wenn sie in we-
sentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälsch-
te oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden,

dass die  Vorbringen des Beschwerdeführers,  wie von der Vorinstanz 
zutreffend festgestellt, offensichtlich nicht glaubhaft sind,

dass  der  Beschwerdeführer  beispielsweise  einerseits  ausgesagt  hat, 
er sei fünfzehn Tage nachdem sein Onkel die Bücher bei ihm entdeckt 
habe, von zu Hause geflüchtet (vgl. Protokoll Empfangsstelle S. 6), an-
dererseits schilderte, er sei drei Monate nach der Entdeckung der Bü-
cher durch den Onkel von zu Hause geflüchtet, zuvor habe er noch an 
einer Hochzeit teilgenommen und dort nach verbalen Angriffen gegen 
seine Person den Sohn seines Onkels geschlagen und sei erst nach 
diesem Vorfall auf Anraten des älteren Bruders zunächst zu Familien-
angehörigen in C._______ und danach ausser Landes gegangen (vgl. 
kantonales Protokoll S. 15),

dass der Beschwerdeführer in der ergänzenden Befragung durch das 
Bundesamt  neu  geltend  machte,  auch  an  Zusammenkünften  der 
Bahais teilgenommen zu haben, um sich dadurch mehr Informationen 
über diese Religion zu beschaffen,

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dass er diese Aktivitäten bei den beiden vorangegangenen Befragun-
gen nicht erwähnt hat,

dass die Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe sich im Wesentlichen 
darin erschöpfen, die Authentizität  der mündlichen Vorbringen zu be-
kräftigen und zu ergänzen, womit die von der Vorinstanz aufgezeigten 
Unstimmigkeiten und Widersprüche zu zentralen Punkten der Asylbe-
gründung nicht entkräftet werden können,

dass  es  dem Beschwerdeführer  insgesamt  nicht  gelingt,  die  Flücht-
lingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, 
weshalb das Bundesamt das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 
hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen besteht  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die ver-
fügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen 
steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli-
chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern re-
gelt, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar 
oder nicht möglich ist  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtli-
che  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin 
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]),

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dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig 
ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, wes-
halb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet 
und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung 
ersichtlich sind, die im Heimat- oder Herkunftsstaat droht,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumut-
bar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass  sich  bereits  die  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK) 
eingehend  zur  Lage  in  Kabul  geäussert  und  die  Unterschiede  zwi-
schen  dem  Grossraum  Kabul  und  anderen  Regionen  Afghanistans 
dargestellt  hat  (vgl.  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte, 
Praxis in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 10 und 30, bestätigt und aktuali-
siert in EMARK 2006 Nr. 9) und infolge der vergleichsweise günstige-
ren Situation den Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter bestimm-
ten Voraussetzungen, namentlich dem Bestehen eines tragfähigen Be-
ziehungsnetzes und einer gesicherten Wohnsituation, als zumutbar er-
achtet hat,

dass das Bundesverwaltungsgericht die nach wie vor komplexe Sicher-
heitssituation in Afghanistan nicht verkennt,  jedoch im heutigen Zeit-
punkt  keine Veranlassung hat,  von der oben dargelegten Rechtspre-
chung abzuweichen,

dass der Beschwerdeführer in  der Hauptstadt  Kabul  geboren wurde, 
dort  mit  seiner  Familie  lebte  und  seine  D._______  gemäss 
vorliegenden Akten nach wie vor dort ihren Wohnsitz haben,

dass aufgrund der – wie oben ausgeführt – nicht glaubhaften Vorbrin-
gen weiter anzunehmen ist, dass weitere Familienangehörige des Be-
schwerdeführers, wie der von ihm erwähnte Onkel und E._______, in 
Kabul Wohnsitz haben, 

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dass somit davon auszugehen ist,  der junge und gemäss den Akten 
gesunde Beschwerdeführer verfüge in Kabul über ein verwandtschaftli-
ches Beziehungsnetz sowie über eine gesicherte Wohnsituation,

dass es dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten offen steht, sich 
wieder  in  Kabul  –  allenfalls  anfänglich  D._______  –  niederzulassen 
und  sich  eine  eigene  berufliche  und  wirtschaftliche  Existenz  auf-
zubauen,

dass  folglich  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimatstaat  des  Be-
schwerdeführers noch individuelle  Gründe auf  eine konkrete Gefähr-
dung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Vollzug 
der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Hei-
matstaat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse beste-
hen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt,  bei 
der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4 
AsylG),

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass der rechtserhebliche Sachverhalt vom BFM korrekt und vollstän-
dig erstellt worden ist und sich aus den Akten keine Gründe für eine 
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ergeben,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG) und diese mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kosten-
vorschuss verrechnet werden.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer auf-
erlegt.  Dieser Betrag wird mit  dem geleisteten Kostenvorschuss glei-
cher Höhe verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Eveline Chastonay

Versand: 

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