# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** da349db7-6f5f-5726-9253-3fd3ec1194d2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.06.2008 D-3923/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3923-2008_2008-06-19.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3923/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  J u n i  2 0 0 8

Richter Martin Zoller,
mit Zustimmung von Richter Daniel Schmid;
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A._______, Geburtsdatum (...). unbekannter Herkunft, 
angeblich Liberia,
vertreten durch (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 6. Juni 2008 / (...)

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3923/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 16. September 2003 ohne Einreichung 
von Identitätsdokumenten in der Schweiz erstmals um Asyl nachsuch-
te und dabei im Wesentlichen geltend machte, aus Liberia zu stammen 
und wegen des Krieges von seiner Mutter nach B._______ gebracht 
worden  zu  sein,  wo  er  nach  dem  Tod  seiner  Mutter  von  seinem 
Stiefvater und dessen Familie nicht gut behandelt worden sei, weshalb 
er  B._______  verlassen  habe,  um  in  der  Schweiz  um  Asyl 
nachzusuchen,

dass das BFF (Bundesamt für Flüchtlinge, heute: BFM) mit Verfügung 
vom 13. Januar 2004 auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 
eintrat, dessen Wegweisung anordnete und den Vollzug als zulässig, 
zumutbar und möglich erachtete,

dass  es  dabei  die  geltend  gemachte  liberianische Herkunft  des  Be-
schwerdeführers  und  die  damit  verbundenen  Vorbringen  als  nicht 
glaubhaft erachtete,

dass diese Verfügung unangefochten in Rechtskraft erwuchs,

dass der Beschwerdeführer seit dem 28. Juli 2004 unbekannten Auf-
enthaltes  war,  indessen  am 19. August  2004  in  C._______  von der 
Polizei kontrolliert wurde,

dass der Beschwerdeführer am 20. April 2008, ohne Einreichung von 
Identitätsdokumenten, in der Schweiz ein Asylgesuch stellte und dabei 
im Rahmen der Befragung vom 15. Mai 2008 im (...) an seiner Angabe 
festhielt, liberianischer Staatsangehöriger zu sein (vgl. B1, S. 1),

dass er im Rahmen dieser Befragung, wo er auf die Notwendigkeit der 
Einreichung  rechtsgenüglicher  Identitätspapiere  hingewiesen  wurde, 
geltend machte, nie Identitätspapiere beantragt oder besessen zu ha-
ben und keine solchen beschaffen zu können (vgl. B1, S. 3), 

dass er im Weiteren angab, nach Abschluss seines ersten Asylverfah-
rens in  der Schweiz nicht  in  seinen angeblichen Heimatstaat  Liberia 
zurückgekehrt,  sondern  ohne  eigene  Identitätsdokumente  mit  einem 
Laissez  Passer,  welches  ihm  ein  Bekannter  aus  D._______  in 

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E._______  besorgt  habe,  mit  dem  Flugzeug  nach  F._______  und 
danach mit dem Schiff nach D._______ gereist zu sein (vgl. B1, S. 5),

dass er zur Begründung seines zweiten Asylgesuches ausschliesslich 
geltend machte, unter Hämorrhoiden zu leiden und zu befürchten, an 
dieser Krankheit zu sterben (vgl. B1, S. 4),

dass das BFM mit  -  gleichentags eröffneter -  Verfügung vom 6. Juni 
2008 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwer-
deführers nicht  eintrat,  dessen Wegweisung anordnete und den Voll-
zug als zulässig, zumutbar und möglich erachtete,

dass der Beschwerdeführer mit vorab per Telefax eingelangter Eingabe 
seines  Rechtsvertreters  vom 13.  Juni  2008  unter  Einreichung  eines 
Auszuges aus dem Internet  hinsichtlich der Behandlung von Hämor-
rhoiden gegen diese Verfügung Beschwerde erhob und dabei in ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht unter anderem um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021) ersuchte, 

dass  die  vollständigen Akten (erstes  und zweites  Asylverfahren)  am 
17. Juni 2008 beim Bundesverwaltungsgericht eingingen,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m.  Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

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dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 2 sowie Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass das BFM den Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 
Bst. e AsylG getroffen hat,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, die gestützt 
auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG getroffen wurden, die Beurteilungszu-
ständigkeit  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  be-
schränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht ein-
getreten ist, 

dass bei Begründetheit der Beschwerde, die angefochtene Verfügung 
aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission / EMARK 2004 Nr. 24 E. 2.1. S. 240 f.),

dass gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten wird, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylver-
fahren erfolglos durchlaufen haben oder während des hängigen Asyl-
verfahrens  in  den  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  zurückgekehrt  sind, 
ausser  es  gebe  Hinweise,  dass  in  der  Zwischenzeit  Ereignisse 
eingetreten  sind,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu 
begründen  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes 
relevant sind,

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dass vorab festzuhalten ist, dass die Vorinstanz zu Recht auf eine An-
hörung nach Art. 29 AsylG verzichtet hat, kehrte der Beschwerdefüh-
rer  doch nach eigenen Angaben nicht  aus  seinem angeblichen Hei-
mat- oder Herkunftsstaat in die Schweiz zurück (vgl. Art. 36 Abs. 1 Bst. 
b AsylG),

dass unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer das vorangegangene 
Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat, 

dass sich die Prüfung von Verfolgungshinweisen im Sinne dieser Be-
stimmung insbesondere  von der  Glaubhaftigkeitsprüfung im Rahmen 
einer  materiellen  Beurteilung  unterscheidet  und  gestützt  auf  Art.  32 
Abs. 2 Bst. e AsylG nur dann ein Nichteintretensentscheid auszufällen 
ist,  wenn  die  Unglaubhaftigkeit  der  Verfolgungshinweise  bereits  auf 
den ersten Blick erkennbar ist (vgl. EMARK 2000 Nr. 14), 

dass, wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten, aufgrund der in 
dieser Hinsicht auffallend ausweichenden, unbestimmten, teils wider-
sprüchlichen  und  realitätsfremden  Angaben  die  geltend  gemachte 
Rückkehr  nach  Afrika  (F._______  beziehungsweise  D._______)  und 
Wiedereinreise in die Schweiz in Zweifel zu ziehen ist, 

dass indessen die Frage, ob der Beschwerdeführer tatsächlich wie gel-
tend gemacht  die  Schweiz nach Ablehnung seines ersten Asylgesu-
ches verlassen und nach Afrika zurückgekehrt  ist,  ohnehin nicht ab-
schliessend  beurteilt  werden  muss,  da  der  Beschwerdeführer  sein 
Asylgesuch ausschliesslich damit begründete, unter Hämorrhoiden zu 
leiden, ein Vorbringen, das offensichtlich nicht geeignet ist, die Flücht-
lingseigenschaft zu begründen,

dass in der Beschwerdeschrift kein Bezug auf die Frage des Eintretens 
auf das Asylgesuch genommen wird, 

dass somit die Feststellung der Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung, aus den aktuellen Vorbringen ergäben sich keine Hinweise auf in 
der  Zwischenzeit  eingetretene  Ereignisse,  die  geeignet  sind,  die 
Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder für die Gewährung vorüber-
gehenden Schutzes relevant sind, zu bestätigen und das BFM daher 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

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dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat, vorliegend der Beschwerdeführer 
weder eine Aufenthaltsbewilligung besitzt noch einen Anspruch auf Er-
teilung einer  solchen hat,  weshalb  die verfügte Wegweisung im Ein-
klang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG, Art. 32 Bst. a AsylV 1; vgl. EMARK 2001 Nr. 21),

dass zu prüfen bleibt, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegwei-
sung entgegenstehen,  da im Fall  eines  unzulässigen,  unzumutbaren 
oder unmöglichen Vollzugs das Anwesenheitsverhältnis nach den Be-
stimmungen  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) über die vorläufige 
Aufnahme zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG),

dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG) grundsätzlich von Amtes we-
gen zu prüfen sind, diese Untersuchungspflicht jedoch nach Treu und 
Glauben ihre Grenzen an der  Mitwirkungspflicht  der  beschwerdefüh-
renden Person findet (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substan-
ziierungslast trägt (Art. 7 AsylG), und es nicht Sache der Asylbehörden 
sein  kann,  nach  allfälligen  Wegweisungshindernissen  in  hypotheti-
schen Herkunftsländern zu forschen,

dass der  Beschwerdeführer deshalb die  Folgen seiner  mangelhaften 
Mitwirkung respektive Verheimlichung seiner wahren Identität und Her-
kunft zu tragen hat, indem vermutungsweise davon auszugehen ist, es 
würden einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat keine lan-
des- oder völkerrechtlichen Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 44 
Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 - 4 AuG (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 
3.2.2. S. 4 f.) entgegen stehen,

dass es in diesem Zusammenhang ergänzend festzuhalten gilt,  dass 
die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Schwierigkeiten  des  Be-
schwerdeführers,  an  Hämorrhoiden  zu  leiden,  kein  grundsätzliches 
Vollzugshindernis bilden, kann doch davon ausgegangen werden, dass 
diese  auch  im  tatsächlichen  Herkunftsstaat  des  Beschwerdeführers 
behandelbar sind,

dass der mit der Beschwerdeschrift eingereichte Auszug aus dem In-
ternet,  welche  allgemeine  Aussagen  über  die  Diagnose  von 
Hämorrhoiden zum Gegenstand hat, nicht geeignet ist, diese Einschät-
zung in Frage zu stellen, 

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dass somit zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts eine, 
wie in der Beschwerdeschrift gefordert, diesbezügliche ärztliche Unter-
suchung des Beschwerdeführers weder im Rahmen des vorinstanzli-
chen Verfahrens noch auf Beschwerdeebene erforderlich erschien, die 
Vorinstanz daher zu Recht von der Vornahme einer solchen abgese-
hen hat und bei dieser Sachlage der Antrag in der Beschwerdeschrift, 
'es  sei  die Streitsache zwecks Sachverhaltsabklärung der Zumutbar-
keit  des  Wegweisungsvollzugs  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen', 
mangels Notwendigkeit abzulehnen ist, 

dass  somit  keine Wegweisungshindernisse  vorliegen  und  der  vom 
BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder  unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist, 

dass die Beschwerde als zum Vornherein aussichtslos erschien, wes-
halb das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 
Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 
173.320.2])  dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an:

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- die  Vorinstanz,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit 
den vorinstanzlichen Akten (Ref.-Nr. (...), per Kurier; in Kopie)

- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Daniel Merkli

Versand am:

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