# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 79a0e27b-7726-53a4-9f27-70ad95563b86
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-10
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 10.02.2021 (publiziert) 60/2018/38
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_60-2018-38_2021-02-10.pdf

## Full Text

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Opferhilfeentschädigung; Verwirkungsfrist; Treu und Glauben – Art. 9 BV; 

Art. 8 ZGB; Art. 25 Abs. 2 und Art. 48 lit. a OHG; Art. 16 Abs. 3 aOHG. 

Beweislast und Beweismass bezüglich Zeitpunkt der Straftat (E. 2 und 3.4). 

Kommt die altrechtliche zweijährige Verwirkungsfrist zur Anwendung und wurde 

das Entschädigungsgesuch nach Ablauf der Verwirkungsfrist eingereicht, ist zu 

prüfen, ob das Gesuch nach Treu und Glauben rechtzeitig erfolgte (E. 4.1). 

Rechtzeitigkeit des Gesuchs verneint (E. 4.2.3, 4.3.3 und 4.4.3). 

OGE 60/2018/38 vom 8. März 2019 

Keine Veröffentlichung im Amtsbericht 

Sachverhalt 

C. wurde als Kind mehrfach sexuell missbraucht und reichte als junge Erwachsene 

zwei Gesuche um Opferhilfe ein. Einige Jahre später stellte sie ein weiteres 

Opferhilfegesuch, worauf ihr das Sozialamt des Kantons Schaffhausen eine 

Genugtuung zusprach. Ein daraufhin eingereichtes Gesuch um Entschädigung 

wies das kantonale Sozialamt ab. Das Obergericht wies die von C. dagegen 

erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde ab. 

Aus den Erwägungen 

2. Das Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom 23. März 

2007 (Opferhilfegesetz, OHG, SR 312.5) trat am 1. Januar 2009 in Kraft. Gemäss 

Art. 48 lit. a OHG gilt für Ansprüche auf Entschädigung oder Genugtuung für Straf-

taten, die vor dessen Inkrafttreten verübt wurden, das altrechtliche Bundesgesetz 

über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom 4. Oktober 1991 (aOHG; AS 1992 2465). 

Für Ansprüche aus Straftaten, die weniger als zwei Jahre vor dem Inkrafttreten des 

Opferhilfegesetzes verübt wurden, gelten indes die Fristen nach Art. 25 OHG. 

Danach kann das Opfer, welches im Tatzeitpunkt unter 16 Jahre alt war, bei 

Straftaten nach Art. 97 Abs. 2 StGB bis zum vollendeten 25. Lebensjahr ein 

Gesuch um Entschädigung und Genugtuung stellen. Unter altem Recht musste 

das Opfer die Gesuche um Entschädigung und Genugtuung innert zwei Jahren 

nach der Straftat einreichen, andernfalls es seine Ansprüche verwirkte (Art. 16 

Abs. 3 aOHG). Die Beweislast für den Zeitpunkt der Straftat obliegt dabei dem um 

Entschädigung oder Genugtuung ersuchenden Opfer, da dieses daraus Rechte 

ableitet (Art. 8 ZGB; vgl. BGE 142 II 433 E. 3.2.6 S. 439 f. mit zahlreichen Hinwei-

sen). Ist dem Opfer ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich 

oder nicht zumutbar, insbesondere weil der behauptete Zeitpunkt der Straftat vom 

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Opfer nur mittelbar durch Indizien bewiesen werden kann (sog. Beweisnot), kommt 

das herabgesetzte Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zum 

Tragen (BGE 144 II 406 E. 3.1 S. 409 ff. mit zahlreichen Hinweisen). Danach gilt 

ein Beweis als erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objek-

tiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare 

Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen. Eine Beweis-

not liegt aber nicht schon darin begründet, dass eine Tatsache, die ihrer Natur nach 

ohne Weiteres dem unmittelbaren Beweis zugänglich wäre, nicht bewiesen werden 

kann, weil der beweisbelasteten Partei die Beweismittel fehlen. Blosse Beweis-

schwierigkeiten im konkreten Einzelfall können nicht zu einer Beweiserleichterung 

führen (BGE 144 III 264 E. 5.2 f. S. 269 f.). 

3.1. Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin als unter Sechzehnjährige 

Opfer von sexuellen Übergriffen und somit von Katalogtaten nach Art. 97 Abs. 2 

StGB wurde. Strittig ist, wann der letzte Übergriff stattfand und ob in der Folge die 

altrechtliche zweijährige Verwirkungsfrist nach Art. 16 Abs. 3 aOHG oder die Ver-

wirkungsfrist nach Art. 25 Abs. 2 OHG zur Anwendung gelangt. 

3.2.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Übergriffe hätten bis ins Jahr 

2007 angedauert, weshalb die für sie günstigere Verwirkungsfrist nach Art. 25 

Abs. 2 OHG zur Anwendung gelange. […] 

3.2.2. […] 

3.3. Im Folgenden ist zu prüfen, ob der letzte Übergriff […], wie von der Be-

schwerdeführerin geltend gemacht, im Jahr 2007 erfolgte. […] 

[…] 

3.4. Nach dem Gesagten erscheint es nicht überwiegend wahrscheinlich, dass 

der letzte Übergriff, wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht, im Jahr 

2007 stattfand. Es ist vielmehr selbst im Lichte des Beweismasses der überwie-

genden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der letzte Übergriff 

spätestens im Jahr 2006 ereignete, weshalb die zweijährige Verwirkungsfrist nach 

Art. 16 Abs. 3 aOHG anwendbar und spätestens Ende 2008 abgelaufen ist. Das 

Entschädigungsgesuch der Beschwerdeführerin erfolgte unbestritten zu einem 

späteren Zeitpunkt. 

4. Strittig ist indes, ob die Beschwerdeführerin das Gesuch um Entschädigung 

nach Treu und Glauben rechtzeitig eingereicht hat. 

4.1. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann die zweijährige Verwir-

kungsfrist nach Art. 16 Abs. 3 aOHG einem Entschädigungsgesuch nur entgegen-

gehalten werden, wenn das Opfer über die Mittel zur wirksamen Wahrnehmung 

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seiner Rechte verfügt hat. Entscheidend ist insoweit die Pflicht der Polizei, das 

Opfer bei der ersten Einvernahme über die Beratungsstellen zu informieren, 

welche ihrerseits über die Hilfe an Opfer orientieren und Letztere bei ihren 

rechtlichen Schritten unterstützen. Diese behördliche Informationspflicht stellt das 

Korrelat zur Strenge der altrechtlichen Verwirkungsfrist dar. Die Verwirkungsfrist 

kann deshalb einem Opfer grundsätzlich nicht entgegengehalten werden, wenn die 

Behörden ihrer Informationspflicht nicht nachgekommen sind. Wurde das Opfer 

erst nach Ablauf der Verwirkungsfrist hinreichend informiert, ist es gehalten, ohne 

weitere Verzögerung ein Gesuch um Entschädigung zu stellen, nachdem es die 

gesetzlich vorgesehene Information erhalten hat. Sodann müssen die Behörden in 

Würdigung der Umstände des Einzelfalls und unter Berücksichtigung des Grund-

satzes von Treu und Glauben prüfen, ob das Opfer alle geeigneten und ihm 

zumutbaren Vorkehren zur Wahrung seiner Rechte getroffen hat. Bejahendenfalls 

ist der Eintritt der Verwirkung ausnahmsweise zu verneinen. Das Opfer kann sich 

indes dann nicht auf seine Schuldlosigkeit berufen, wenn es von dritter Seite Kennt-

nis von der Möglichkeit erlangt hat, opferhilferechtliche Ansprüche zu stellen (vgl. 

BGE 129 II 409 E. 2 f. S. 410 ff.; BGer 1C_99/2015 vom 18. November 2015 E. 3.1 

und 1C_338/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 3.2, jeweils mit weiteren Hinweisen; 

ferner Aemisegger/Schoder, Opferhilfe in der Gerichtspraxis, insbesondere in der 

Rechtsprechung des Bundesgerichts, ZBl 2008 582). Schliesslich können an die 

Substantiierung eines Gesuchs um Entschädigung keine allzu strengen Anforde-

rungen gestellt werden. Namentlich kann es genügen, zur Fristwahrung ein unbe-

ziffertes Entschädigungsbegehren einzureichen (vgl. BGE 126 II 97 E. 2.c S. 100 f.; 

ferner BGer 1C_216/2016 vom 5. Dezember 2016 E. 2.1.2). 

4.2. Zu prüfen ist zunächst, wann die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Ent-

schädigung eingereicht hat und ob ihr eine frühere Gesuchseinreichung möglich 

und zumutbar gewesen wäre. 

[…] 

4.2.3. Gesuche bzw. Rechtsbegehren sind nach Treu und Glauben und nament-

lich im Lichte der dazu gegebenen Begründung auszulegen (vgl. in BGE 144 V 418 

nicht publ. E. 1.2.2 von BGer 8C_62/2018 vom 19. September 2018). 

Vorliegend unterzeichnete die Beschwerdeführerin am 15. Dezember 2011 das 

teilweise von ihr selber ausgefüllte Formular "OHG, Opferhilfe, Gesuch um Ent-

schädigung/Vorschuss". Indes enthält das Formular weder Angaben zum Tather-

gang, noch zum Schaden. Auch wurde nicht angekreuzt, ob in einem Straf- oder 

Zivilverfahren Ansprüche gegen den Täter gestellt worden waren. Zum Tathergang 

verweist das Formular auf einen Bericht, wobei dieser Verweis der Schrift nach 

nicht von der Beschwerdeführerin selber angebracht worden war. Das Formular 

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wurde denn auch zusammen mit anderen Unterlagen als Beilage zum "Kurzbericht 

zum Gesuch um längerfristige Hilfe für anwaltliche Beratung/Therapie und 

Genugtuung für […]" der Fachstelle für Gewaltbetroffene vom 10. Januar 2012 

beim Sozialamt eingereicht. Dies ergibt sich einerseits aus dem Umstand, wonach 

nur der Kurzbericht mit einem Eingangsstempel des Sozialamts versehen ist. 

Andererseits wurde beim Sozialamt auch ein an die Fachstelle für Gewaltbe-

troffene gerichteter Therapiebericht der Fachpsychologin vom 3. Januar 2011 

(recte: 3. Januar 2012), welcher bei der Fachstelle für Gewaltbetroffene am 6. Ja-

nuar 2012 eingegangen war, beim Sozialamt eingereicht. Dieser Therapiebericht 

konnte im Dezember 2011 noch nicht vorgelegen haben. Sodann waren die ein-

zelnen Anträge im besagten Kurzbericht selbst formuliert, welcher folglich das ei-

gentliche Opferhilfegesuch darstellte und – wie sich bereits aus dem Titel 

"Kurzbericht zum Gesuch um längerfristige Hilfe für anwaltliche Beratung/Therapie 

und Genugtuung für […]" ergibt – nur Anträge auf längerfristige Hilfe (vgl. Art. 3 

Abs. 4 aOHG) und Genugtuung (Art. 11 i.V.m. Art. 12 Abs. 2 aOHG) umfasste. 

Demgegenüber beinhaltete das Opferhilfegesuch keinen Antrag auf Entschädi-

gung, auch nicht einen vorsorglichen, unbezifferten. In der Folge erliess das 

Sozialamt nach einem entsprechenden Vorbescheid denn auch nur eine Verfü-

gung bezüglich längerfristige Hilfe Dritter und Genugtuung, wobei es den Antrag 

auf Genugtuung sistierte. Einwände, wonach das Sozialamt auch einen Antrag auf 

Entschädigung hätte prüfen bzw. sistieren müssen, wurden von der Beschwerde-

führerin bzw. von der für sie handelnden Fachstelle für Gewaltbetroffene keine vor-

gebracht. Soweit die Beschwerdeführerin im Übrigen in diesem Zusammenhang 

geltend macht, sie sei damals nicht vertreten gewesen, ist dies offensichtlich un-

zutreffend. So war es denn auch die Fachstelle für Gewaltbetroffene, welche am 

29. November 2012 erneut ein Opferhilfegesuch einreichte. Entgegen dem von der 

Beschwerdeführerin im Verfahren vor dem Sozialamt noch vertretenen Stand-

punkt, ein Gesuch um Entschädigung sei erstmals am 29. November 2012 einge-

reicht worden, beschränkte sich das Gesuch vom November 2012 auf längerfris-

tige Hilfe Dritter. So lautete der konkrete Antrag auf die Übernahme der Kosten für 

die Weiterführung der Psychotherapie für das Jahr 2013. Unerheblich ist dabei, 

dass der Antrag mit "längerfristige Hilfe und Entschädigung" betitelt war, zumal 

auch das teilweise von der Beschwerdeführerin ausgefüllte und unterzeichnete 

Opferhilfegesuchsformular, welches dem Schreiben der Fachstelle für Gewaltbe-

troffene beilag, als Schaden ausschliesslich die Kosten für die Psychotherapie aus-

wies. Die Angaben zu den Schadenspositionen im Formular stammten indes nicht 

von der Beschwerdeführerin, sondern wiederum von der Fachstelle für 

Gewaltbetroffene. Dementsprechend bewilligte das Sozialamt in der Folge nur eine 

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Kostengutsprache für längerfristige Hilfe Dritter und sistierte den Antrag auf Ge-

nugtuung bis 31. Dezember 2013. Einwände, wonach das Sozialamt auch einen 

Antrag auf Entschädigung hätte prüfen sollen, wurden erneut keine erhoben. 

Nach dem Gesagten handelte die Beschwerdeführerin in Bezug auf die beiden 

Opferhilfegesuche vom Januar und November 2012 somit durch die Fachstelle für 

Gewaltbetroffene, welche auch die jeweiligen Anträge auf längerfristige Hilfe Dritter 

und Genugtuung formulierte. Die durch die Beschwerdeführerin unterzeichneten 

Gesuchsformulare dienten der Fachstelle für Gewaltbetroffene zur Geltendma-

chung dieser Anträge gegenüber dem Sozialamt (vgl. auch Schaffhauser Richtli-

nien für die Opferhilfe, gültig ab 1. März 2016, Ziff. A.3). Die Beschwerdeführerin 

bzw. die für sie handelnde Fachstelle für Gewaltbetroffene mussten sich daher 

bewusst gewesen sein, dass noch kein Antrag auf Entschädigung gestellt worden 

war. Hätten die Beschwerdeführerin bzw. die Fachstelle für Gewaltbetroffene ein 

Gesuch um Entschädigung stellen wollen, hätten sie dies ausdrücklich tun oder 

nach Treu und Glauben jeweils im Rahmen des rechtlichen Gehörs entsprechende 

Einwände erheben müssen (vgl. auch Empfehlung der Schweizerischen Verbin-

dungsstellen-Konferenz Opferhilfegesetz [SVK-OHG] zur Anwendung des Bun-

desgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten [OHG] vom 21. Januar 2010, 

Ziff. 4.3.1). Das Sozialamt durfte sich folglich darauf beschränken, die konkreten 

Anträge auf längerfristige Hilfe Dritter und Genugtuung zu behandeln. Die Behaup-

tung der Beschwerdeführerin, das Sozialamt habe lediglich das Genugtuungs-

gesuch sistiert und das Gesuch um Entschädigung gar nicht behandelt, ist daher 

unbehelflich. Mangels Gesuchs um Entschädigung war das Sozialamt denn auch 

nicht gehalten, die Beschwerdeführerin zur weiteren Substantiierung von Scha-

denspositionen aufzufordern (vgl. BGer 1C_216/2016 vom 5. Dezember 2016 

E. 2.1.2 mit Hinweisen). 

Im Ergebnis stellte die Beschwerdeführerin somit erst am 26. Oktober 2017 ein 

erstes Gesuch um Entschädigung. Die Konsultation der Opferhilfe fand indes be-

reits Anfang März 2011 statt (…). Sowohl die durch die Übergriffe erlittenen mass-

geblichen Verletzungen ihrer körperlichen, sexuellen und psychischen Integrität 

wie auch die Möglichkeit der Beantragung einer Entschädigung nach OHG muss-

ten der Beschwerdeführerin somit bereits im Frühling 2011 bekannt gewesen sein. 

Zudem erachtete die behandelnde Psychologin sie schon damals als in der freien 

Wirtschaft nicht einsetzbar (vgl. zum Ganzen BGE 126 II 348 E. 5.c f. S. 355 f.). Es 

wäre der Beschwerdeführerin somit möglich gewesen, im Frühling oder spätestens 

im Sommer 2011 ein vorsorgliches, unbeziffertes Gesuch um Entschädigung ver-

bunden mit einem Sistierungsantrag einzureichen bzw. über die Opferhilfe einrei-

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chen zu lassen (vgl. BGE 126 II 97 E. 2.c S. 100 f.). Die Einreichung des Entschä-

digungsgesuchs erfolgte damit nicht unverzüglich im Sinne der bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung und war somit verspätet. 

4.3.1. Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, sie und die Opferhilfe hätten 

aufgrund der Akten der Polizei und der Sozialhilfe, welche von Übergriffen bis Mitte 

2007 gesprochen hätten, davon ausgehen können und dürfen, dass für sie die 

längere Verwirkungsfrist gelte. […] 

4.3.2. […] 

4.3.3. Die Beschwerdeführerin wurde am 4. März 2011 von der Opferhilfe dahin-

gehend informiert, dass die Frist für die Einreichung eines Antrags auf Entschädi-

gung und/oder Genugtuung bis am 10. Juli 2012 laufe. Aus dem Schreiben der 

Fachstelle für Gewaltbetroffene wird indes ersichtlich, dass die Fachstelle zu Guns-

ten der Beschwerdeführerin eine Verwirkungsfrist bis Sommer 2012 annahm, da 

die Beschwerdeführerin das Ende der Übergriffe auf das Jahr 2006 oder 2007 

geschätzt habe. Der Zeitpunkt des letzten Übergriffs war folglich unklar. Unter die-

sen Umständen mussten sich die Beschwerdeführerin und die Opferhilfe bewusst 

gewesen sein, dass die altrechtliche Verwirkungsfrist bereits abgelaufen gewesen 

sein konnte. Sie durften daher nicht darauf vertrauen, dass die Verwirkungsfrist 

noch nicht verstrichen war. Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin im 

Strafverfahren […] in der Folge nicht aussagte, der letzte Übergriff habe im Jahr 

2007, oder als sie […] Jahre alt gewesen sei, stattgefunden (…). Entsprechende 

Aussagen fanden sich lediglich in den Darstellungen der Fachstelle für Gewaltbe-

troffene, und zwar ungeachtet dessen, dass bereits die Schaffhauser Polizei und 

die Stadtpolizei Zürich nach Befragungen der Beschwerdeführerin und ihrer Mutter 

übereinstimmend von Übergriffen bis ins Jahr 2006 ausgegangen waren (…). Ent-

gegen den Behauptungen der Beschwerdeführerin war in den Polizeiakten nie die 

Rede davon, dass der letzte Übergriff im Jahr 2007 stattfand (…). Diese Akten 

waren der Beschwerdeführerin bzw. der Opferhilfe bekannt, reichten sie doch 

relevante Dokumente daraus zusammen mit den Opferhilfegesuchen von Januar 

und November 2012 ein. Soweit die Beschwerdeführerin daher geltend macht, das 

Sozialamt habe in seiner Verfügung vom 14. Januar 2013 ebenfalls das Jahr 2007 

als Zeitpunkt des letzten Übergriffs betrachtet und sei darauf zu behaften, kann sie 

nicht gehört werden, da diese Angabe letztlich von ihr selber bzw. von der für sie 

handelnden Opferhilfe stammte. In Anbetracht dessen bestand für die Annahme 

eines letzten Übergriffs im Jahr 2007 keine Vertrauensgrundlage. Der Vollständig-

keit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass das Sozialamt bereits in der Verfü-

gung vom 8. März 2012 ausführte, die Beschwerdeführerin sei gemäss Opferhilfe-

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gesuch und Polizeiakten bis Juli 2007 Opfer von Übergriffen geworden. Am Ergeb-

nis vermag dies nach dem Gesagten freilich nichts zu ändern. Somit kann sich die 

Beschwerdeführerin zusammenfassend mangels Vertrauensgrundlage im Ergeb-

nis nicht auf Vertrauensschutz berufen (vgl. Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemei-

nes Verwaltungsrecht, 4. A., Bern 2014, § 22 N. 11, S. 175). Sie hätte vielmehr 

angesichts der bereits zum damaligen Zeitpunkt gefestigten bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung unverzüglich nach der Konsultation der Opferhilfe im März 2011 

beim Sozialamt ein Gesuch um Entschädigung einreichen müssen. 

4.4.1. Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, das Sozialamt habe ihr 

am 18. Januar 2018 in extensiver Gesetzesauslegung eine Genugtuung zugespro-

chen. Für die geltend gemachte Entschädigungszahlung würden die exakt gleichen 

Überlegungen zum Tragen kommen und das Sozialamt sei darauf zu behaften. […] 

4.4.2. […] 

4.4.3. Jede Person hat Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Will-

kür und nach Treu und Glauben behandelt zu werden (Art. 9 BV). Behörden unter-

liegen dementsprechend dem Verbot widersprüchlichen Verhaltens. Demnach darf 

ein und dieselbe Behörde von einem Standpunkt, den sie gegenüber einem be-

stimmten Bürger verbindlich eingenommen hat, nicht ohne sachlichen Grund ab-

weichen (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 22 N. 22, S. 180). Vorliegend sprach das 

Sozialamt der Beschwerdeführerin am 8. Januar 2018 für die Übergriffe […] bis Juli 

2001 (recte: bis Ende 2000; vgl. oben E. 3.3) eine Genugtuung zu. Es führte aus, 

es sei der Beschwerdeführerin angesichts des damals noch jungen Alters nicht 

zumutbar gewesen, ihre Ansprüche innerhalb der altrechtlichen Verwirkungsfrist 

von zwei Jahren geltend zu machen, weshalb ihr die Verwirkung nicht entgegen-

gehalten werden könne. Allerdings bezog sich das Sozialamt auf das Opferhilfe-

gesuch vom Januar 2012, welches wie erwähnt einen Antrag auf Genugtuung ent-

hielt (oben E. 4.2.3). Wie das Sozialamt zutreffend ausführte, unterscheidet sich 

der Entschädigungsanspruch, welcher erstmals im Oktober 2017 in Bezug auf die 

Übergriffe […] beantragt wurde (vgl. oben E. 4.2.3), wesentlich von der mit Verfü-

gung vom 8. Januar 2018 zugesprochenen Genugtuung. Es wäre der Beschwer-

deführerin möglich und zumutbar gewesen, im Januar 2012 ebenfalls ein vorsorg-

liches, unbeziffertes Gesuch um Entschädigung einzureichen (vgl. auch oben 

E. 4.2.3). Dies wird von ihr denn auch nicht bestritten, führt sie doch selbst aus, sie 

habe ein Entschädigungsgesuch im November 2011 (recte: wohl Dezember 2011) 

und somit zum frühestmöglichen Zeitpunkt eingereicht. Tatsächlich aber reichte sie 

ein erstes Gesuch um Entschädigung erst im Oktober 2017 und somit über fünfein-

halb Jahre später als ihr Gesuch um Genugtuung ein. Damit wäre das Entschädi-

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gungsgesuch selbst nach der extensiven Auslegung des Sozialamts in der Verfü-

gung vom 8. Januar 2018 (die vorliegend nicht näher zu prüfen ist) offensichtlich 

verspätet. Ein widersprüchliches Verhalten auf Seiten des Sozialamts oder eine 

krasse Ungleichbehandlung verschiedener Opfer liegt entgegen den Darstellungen 

der Beschwerdeführerin nicht vor. 

4.5. Die Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet und ist 

abzuweisen. Auf die übrigen Vorbringen der Beschwerdeführerin braucht daher 

nicht eingegangen zu werden.