# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 225ae6ff-1155-5206-810d-9660f15609cb
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-08
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 08.04.2025 IV 2024/110
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2024-110_2025-04-08.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 1/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2024/110

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 11.07.2025

Entscheiddatum: 08.04.2025

Entscheid Versicherungsgericht, 08.04.2025
Art. 16 ATSG; Art. 28 IVG: Beweiskraft Gutachten bejaht. Die 
Behandelbarkeit einer Gesundheitsbeeinträchtigung schliesst einen 
Rentenanspruch nicht aus, sofern die Therapie nicht allein über die 
Selbsteingliederungspflicht wahrgenommen werden kann. Im vorliegenden 
Fall stationäre Therapie notwendig und Prognose ist ungünstig. 
Rentenanspruch bejaht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons 
St. Gallen vom 8. April 2025, IV 2024/110).

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Kanton St.Gallen  
Gerichte 
 
 

 
 
 
 

 
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Versicherungsgericht 
Abteilung III 

 

 

 
 
 
 

 Entscheid vom 8. April 2025 

Besetzung  Versicherungsrichterin Mirjam Angehrn (Vorsitz),  
Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und Corinne 
Schambeck; Gerichtsschreiberin Sabrina Bleile  

   

Geschäftsnr.   IV 2024/110 

   

Parteien 
 

 A.___,  
Beschwerdeführerin,  

vertreten durch Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, c/o Procap,  
Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten 1 Fächer,  
 
 

  gegen 

  I V - S t e l l e  d e s  K a n t o n s  S t .  G a l l e n ,  Postfach 368, 
9016 St. Gallen,  

Beschwerdegegnerin,  
 
 

 
  

Gegenstand  Rente 
 
 
 

 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

IV 2024/110 
 

 

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Sachverhalt 

A.  

A.a A.___ (ehemals B.___; nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 21. Mai 2015 bei der IV-Stelle 
des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und Rentenleistungen an 

(IV-act. 1). Sie hatte ___ ihr eidgenössisches (…) erlangt (IV-act. 1-4 und 3) und hatte als Aushilfe in 

einer auf den Mai und Juli 2014 befristeten Anstellung bei der C.___ AG gearbeitet (IV-act. 10-3). 

Anschliessend hatte sie eine Tätigkeit in einem (…) aufgenommen (IV-act. 6 und 8-1). Seit dem 12. 

November 2014 war sie hausärztlicherseits zu 100 % krankgeschrieben worden (IV-act. 8). Vom __ bis 

__ November 2014 war die Versicherte aufgrund einer Schmerzexazerbation bei Morbus Scheuermann 

im Spital D.___ hospitalisiert worden (IV-act. 17-27). Vom __ März bis __ April 2015 hatte sie an einer 
stationären Behandlung (multimodales Schmerzmanagement) im Spital E.___ teilgenommen (IV-act. 

17-9). 

A.b In einem Bericht vom 2. Juni 2015 führte Dr. med. F.___, praktische Ärztin, aus, dass die 
Versicherte nach einer im Jahr ___ erlebten Vergewaltigung an einer posttraumatischen 

Belastungsstörung leide. Zudem sei bei der (…) der Versicherten (…) diagnostiziert worden und es sei 

zum Tod einiger Familienangehöriger gekommen, was zu einer Depression geführt habe. Ausserdem 

leide die Versicherte an einem chronischen Schmerzsyndrom und einem Morbus Scheuermann. Die 

Stelle im (…) habe die Versicherte wegen zunehmender Rückenschmerzen und wiederholtem 

Auftauchen des Vergewaltigers an der Arbeitsstelle gekündigt. Die Versicherte würde gerne wieder als 

(…) arbeiten, was vom Rücken her jedoch unrealistisch sei. In wechselbelastenden Tätigkeiten sei ein 

Pensum von 60-70 % möglich. Druck und Stress würden sich nachteilig auswirken. Die Versicherte sei 

am Beginn der therapeutischen Arbeit. Sie müsse zunächst die traumatische Geschichte aufarbeiten, 

weshalb ihr ein bis zwei Monate Zeit bis zum Start der Eingliederung gegeben werden sollte (IV-act. 8). 

Mit Mitteilung vom 1. Juli 2015 informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass aufgrund ihres 
Gesundheitszustandes aktuell keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien. Ende 

August 2015 würden weitere Akten eingefordert und über den weiteren Verlauf entschieden werden 

(IV-act. 14). 

A.c Vom 11. August bis 18. September 2015 wurde die Versicherte im Psychiatrischen Zentrum 
G.___ hospitalisiert (zur Zuweisung vgl. IV-act. 17-57 ff.). Im Austrittsbericht wurden als Diagnosen eine 

andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung, der Verdacht auf eine 

Persönlichkeitsstörung (impulsiver Typus und Borderlinetypus gemischt), eine dissoziative 

Sensibilitäts- und Empfindungsstörung, der Verdacht auf eine beginnende Somatisierungsstörung bei 

Morbus Scheuermann, sexueller Missbrauch sowie psychischer Missbrauch genannt. Weiter hiess es 

im Bericht, dass die Versicherte den Wunsch geäussert habe, aufgrund einer privaten 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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Belastungssituation aus dem Zentrum austreten zu dürfen. Die Versicherte sei bei Austritt etwas 

stabilisiert gewesen (IV-act. 24-7 ff.). In einem zuhanden der IV-Stelle erstellten Bericht des 

Psychiatrischen Zentrums G.___ hiess es, dass ein beruflicher Wiedereinstieg in einem alternativen 

Berufsfeld mit schrittweiser Erhöhung des Arbeitspensums aktuell als möglich erscheine. Ab Oktober 

2015 könne mit der Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit im Umfang von 50 % gerechnet werden 
(IV-act. 20-4). 

A.d In einem Bericht vom 30. August 2015 hatte Dr. med. H.___, Facharzt FMH Physikalische Medizin 
und Rehabilitation, FMH Allgemeine Innere Medizin, festgehalten, dass die Geschichte der Versicherten 

hochkomplex sei (IV-act. 17-4). Sie sei bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig in der angestammten 

Tätigkeit als (…). Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (IV-act. 17-3). Die Einschränkungen 

würden sich durch psychische Genesung und einen geschützten Arbeitsplatz vermindern lassen (IV-

act. 17-4). 

A.e Aufgrund zunehmender unspezifischer Herz- und Atembeschwerden wies Dr. F.___ die 
Versicherte dem Spital D.___ zu, wo sie vom 27. bis 29. Oktober 2015 hospitalisiert wurde. Im 

Austrittsbericht vom 29. Oktober 2015 ist zu lesen, dass für die Herz- und Atembeschwerden kein 

somatisches Korrelat gefunden worden sei. Die Rückenschmerzen hätten mittels Analgesie und 

Physiotherapie gut eingestellt werden können. Vorhandene Hautläsionen hätten sich im Spital 

erfreulicherweise regredient gezeigt, sodass man diesbezüglich von einer Ursache im häuslichen 
Umfeld (am ehesten durch Insekten) ausgegangen sei (IV-act. 40-22 f.). 

A.f In einem Bericht vom __ Dezember 2015 erklärte Psychologin I.___, Klinik Für Psychosomatik, 
Kantonsspital St. Gallen (KSSG), dass sie die Versicherte im März 2015 beim stationären Aufenthalt im 

Spital E.___ kennengelernt habe. Im Anschluss daran sei mit einer ambulanten Psychotherapie 

begonnen worden. Aufgrund der psychischen Situation und ungünstiger Rahmenbedingungen habe 

sich die Versicherte mit dem stationären Aufenthalt im Psychiatrischen Zentrum D.___ einverstanden 

erklärt. Anschliessend hätten bis zum 25. November 2015 (zum Datum vgl. IV-act. 24-2) weitere 

ambulante Sitzungen stattgefunden und die psychische sowie soziale Situation habe sich deutlich 

stabilisiert. Derzeit bestehe seitens der Versicherten kein psychotherapeutischer Auftrag mehr. Die 

Versicherte melde sich bei Bedarf wieder (IV-act. 24-6). 

A.g Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) hielt in einer Aktenbeurteilung vom 22. Januar 2016 fest, 
dass von psychiatrischer Seite zuletzt eine 50%ige Arbeitsfähigkeit adaptiert angenommen worden sei. 

Diese Einschätzung sei aufgrund der pessimistischen Angaben des Hausarztes jedoch vorsichtig zu 

betrachten und zunächst als provisorische Einschätzung anzusehen (IV-act. 26-2).  

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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A.h Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom 28. Januar 2016 eröffnete die Versicherte der IV-
Stelle, dass sie schwanger sei (IV-act. 29). Mit Mitteilung vom 29. Januar 2016 hielt die IV-Stelle 

gegenüber der Versicherten fest, dass eine Unterstützung in Form von beruflichen Massnahmen im 

Jahr 2016 für die Versicherte aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht in Frage komme und sie sich ____ 

2017 wieder bei der IV-Stelle melden werde (IV-act. 31).  

A.i Am ___ 2016 brachte die Versicherte ihr Kind zur Welt (IV-act. 34). Nach einer Kontaktaufnahme 
seitens der IV-Stelle (IV-act. 36) hielt die Versicherte in einer E-Mail vom 23. Januar 2017 fest, dass sie 

gerne in einem Pensum von 60-100 % arbeiten würde. Am liebsten würde sie als (…) arbeiten (IV-act. 

37-1).  

A.j Nach der Einholung eines weiteren Arztberichtes von Dr. H.___ (IV-act. 40) hielt der RAD am 31. 
März 2017 fest, dass Eingliederungspotential bestehe und vom Hausarzt eine optimistische Prognose 

gestellt werde. Medizintheoretisch sei vorerst von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Ob 

darüber hinaus noch eine Leistungseinschränkung bestehe, müsse abgeklärt werden. Auch die 

Qualifikation der Versicherten sei unklar. Der angestammte Beruf sei für die Versicherte nicht mehr 

geeignet. Er nannte folgende Adaptationskriterien: leichte wechselbelastende körperliche Arbeit ohne 

besondere psychische Belastung (IV-act. 42-2). 

A.k Gestützt auf einen von der Versicherten am 26. August 2017 unterzeichneten Eingliederungsplan 
(IV-act. 54) gewährte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 12. September 2017 Beratung und Unterstützung 
bei der Stellensuche (IV-act. 56). Im Schlussbericht der J.___ AG (diese war von der IV-Stelle mit einem 

Coaching beauftragt worden) vom 2. August 2018 wurde festgehalten, dass sie mit der Versicherten 

zwischen November 2017 und Februar 2018 mehrere Reflexionsgespräche geführt und die 

Bewerbungsunterlagen optimiert hätten. (…) Zwischen Mitte Februar und April 2018 habe die 

Versicherte sich proaktiv am Bewerbungsprozess beteiligt. Im ___ 2018 habe sie sich bei der K.___ AG 

vorstellen und einen Probetag absolvieren können. Im Anschluss daran habe sie eine Temporär-

Anstellung für drei Monate in einem Pensum von 50 % bekommen. Am ___ 2018 habe die Versicherte 

die J.___ AG informiert, dass sie mit ihrem Lebenspartner einen Autounfall gehabt habe und zur 

Untersuchung ins Spital eingewiesen worden sei. Am ___ 2018 sei der Stand derart gewesen, dass die 

Versicherte durch den Unfall einen Schock erlitten habe und nicht wieder zur Arbeit habe erscheinen 

können. Die Versicherte habe auch gesagt, dass vieles zusammengekommen sei, sie eine Auszeit 

benötige und aktuell in L.___ bei ihren Eltern wohne. In der Folge habe sie die J.___ AG fast täglich 

über ihre aktuelle Situation informiert. Sie wolle ___ 2018 wieder zu ihrem Lebenspartner nach M.___ 

ziehen und sich in dieser Region eine Arbeit suchen. Die IV-Stelle wünsche den Fallabschluss (IV-act. 
64). Mit Mitteilung vom 16. Oktober 2018 verneinte die IV-Stelle einen weiteren Anspruch auf berufliche 

Massnahmen (IV-act. 79).  

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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A.l In einem Fragebogen der IV-Stelle gab die Versicherte am 23. November 2018 an, am liebsten 
in einem Pensum von 100 % arbeiten zu wollen (IV-act. 92). 

A.m Nach Erhalt weiterer medizinischer Berichte (IV-act. 70, 82, 84 ff., 94 und 103) kam der RAD in 
seiner Aktenbeurteilung vom 15. Februar 2019 zum Schluss, dass eine bidisziplinäre Begutachtung 

angezeigt sei (IV-act. 106; vgl. dazu auch die RAD-Stellungnahme vom 5. Oktober 2018, IV-act. 71). 

A.n Am 7. Juli 2019 erstatteten Dr. med. N.___, Facharzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, 
und dipl. Arzt O.___, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, im Auftrag der IV-Stelle ein 

bidisziplinäres Gutachten (IV-act. 113 f.). In ihrer Konsensbeurteilung nannten sie als psychiatrische 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine akzentuierte Persönlichkeitsstruktur mit 

emotional-instabilen und impulsiven Anteilen, aktuell kompensiert (aufgrund der Vorgeschichte im 

Grenzbereich zur Differentialdiagnose der Persönlichkeitsstörung), eine dissoziative Störung sowie 

anamnestisch eine posttraumatische Belastungsstörung, aktuell symptomatisch kompensiert. Aus 

rheumatologischer Sicht wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches 

belastungsabhängiges lumbospondylogenes Syndrom beidseits (Diskopathie L4/5 und L5/S1 mit 

Dehydration und medianen, nicht kompressiven Bandscheibenhernien; ausgeprägte muskuläre 

Dysbalance mit Verkürzungen ischiocrural des Musculus rectus femoris sowie Insuffizienz der 

rumpfstabilisierenden Muskulatur) genannt (IV-act. 113-24). Weiter hielten die Sachverständigen fest, 

dass psychiatrisch eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 30 % bezogen auf das angestammte 
Tätigkeitsprofil oder denkbare Verweistätigkeiten abgeleitet werde. Da unsicher sei, inwieweit die 

Versicherte unter Belastung über einen längeren Zeitraum eine stabile Arbeitsleistung erbringen könne, 

werde der berufliche Einstieg mit einem maximal 50%-Pensum und unter Begleitung empfohlen. 

Rheumatologisch werde die Arbeitsfähigkeit in einer wechselbelastenden Tätigkeit ohne häufige 

Arbeiten in ungünstigen Körperstellungen, ohne repetitives Heben oder Tragen von Lasten über 5 kg 

und ohne Einzellasten über 15 kg aktuell mit ca. 60 % beurteilt. Die Einschränkung von 40 % begründe 

sich durch die glaubhaften belastungsabhängigen spondylogenen Beschwerden im Rahmen der 

muskulären Dysbalance und dadurch notwendiger erhöhter Erholungszeit. Integrativ sollte aus 

medizinischer Sicht eine berufliche Reintegration in einem Pensum von 50 % mit unterstützender 

Betreuung in einer den rheumatologischen Vorgaben entsprechenden Tätigkeit angestrebt werden, 

wobei der von der Versicherten geäusserte Wunsch nach einer Tätigkeit im (…) unbedingt 

mitberücksichtigt werden sollte. Mittels der im rheumatologischen Teilgutachten empfohlenen 

körperlichen Rekonditionierungsmassnahmen sollte mittelfristig im Verlauf von ca. sechs Monaten eine 

Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf mindestens 70 % angestrebt werden (IV-act. 113-25). In einer 
Stellungnahme vom 19. September 2019 hielt die IV-Eingliederungsverantwortliche fest, dass die 

Versicherte von April 2017 bis Oktober 2018 in den beruflichen Massnahmen unterstützt worden sei. 

Es sei keine weitere Unterstützung in der Arbeitsvermittlung mehr angezeigt, da dies 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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unverhältnismässig wäre. Auch die Versicherte wünsche keine weitere Unterstützung. Sie sei fähig, 

sich selbständig auf Stellen zu bewerben und entsprechende Kontakte mit Arbeitgebenden 

aufzunehmen (IV-act. 121). 

A.o Am __ November 2019 wurde die Versicherte im Schmerzzentrum des KSSG vorstellig. Im 
entsprechenden Untersuchungsbericht vom ___ 2019 (IV-act. 126; vgl. auch den für die IV-Stelle 
erstellten Bericht; IV-act. 131) war zu lesen, dass bei der Versicherten eine chronische Schmerzstörung 

mit psychischen und somatischen Faktoren bestehe, wobei es zu einer weiteren Chronifizierung 

gekommen sei. Von somatischer Seite seien ein Morbus Scheuermann sowie eine HWS-Distorsion 

bekannt. In der Untersuchung sei eine ausgeprägte Schmerzhaftigkeit der gesamten Wirbelsäule 

einschliesslich der paravertebralen Muskulatur aufgefallen. Therapeutisch sei ein multimodales 

Vorgehen indiziert. Die Versicherte sei zu einer orthopädischen und psychosomatischen Beurteilung 

sowie zur Physiotherapie und Einzeledukation angemeldet worden (IV-act. 126-3). Im Bericht zur 

Untersuchung vom ___ 2020 in der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 

Bewegungsapparates des KSSG wurde festgehalten, dass im MRI aus dem Jahr 2017 für die 

Sensibilitätsstörungen und die ausstrahlenden Schmerzen in die untere Extremität ein gewisses 

Korrelat im Sinne der Diskusprotrusionen-/hernien L4/5 und L5/S1 bestehe. Diesbezüglich werde eine 

Verlaufsbildgebung durchgeführt. Weiter sei aber offen das Problem der sehr auffälligen und unüblichen 

panvertebralen Schmerzen im gesamten Rücken angesprochen worden, insbesondere da diese auch 
im Zusammenhang mit einer Misshandlung exazerbiert seien. Die Versicherte sei sich dieses 

Zusammenhangs bewusst, betone aber, die psychische Belastungssituation verarbeitet zu haben. Eine 

MRT-Untersuchung werde auch von den oberen Wirbelsäulensegmenten durchgeführt (IV-act. 136-3). 

Im Bericht zur Verlaufsuntersuchung vom ___ 2020 in der Klinik für Orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG wurde ausgeführt, dass im MRI kein eigentliches 

Korrelat für die panvertebralen Rückenschmerzen festgehalten werden könne. Als Korrelat der 

intermittierend leicht ausstrahlenden Beinschmerzen beidseits bestehe eine Diskusprotrusion bis -

hernie LWK 3/4 und LWK 4/5 mit Tangierung und leichter Kompromittierung insbesondere der rechten 

L5 Wurzel. Ein gewisser Beinschmerz sei hierdurch gut erklärbar. Dieser könne mit einer 

entsprechenden Infiltration angegangen werden. Die Versicherte habe jedoch eine ausgeprägte Angst 

vor Spritzen und wolle eine Infiltration nicht durchführen lassen (IV-act. 136-4 f.). Anlässlich der 

Verlaufskontrolle im Schmerzzentrum des KSSG vom ___ 2020 berichtete die Versicherte, dass die 

paravertebralen Rückenschmerzen mit zirkulärer Ausstrahlung in die Beine etwas stärker geworden 

seien. Allenfalls sei eine leichte Verbesserung der Aktivität durch die Physiotherapie bei nun geplanter 
MTT zu verzeichnen (IV-act. 135-1). Im Eintrag der Krankenakte zur Vorstellung der Versicherten im 

Schmerzzentrum vom ___ 2020 war zu lesen, dass diese über eine Verschlechterung von Schmerzen 

und Funktionalität berichtet habe, dies möglicherweise auch im Zusammenhang damit, dass die 

geplanten ambulanten Therapien wegen der Corona-Pandemie nicht gesteigert werden konnten. 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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Möglicherweise habe die Versicherte infolgedessen die Schmerzmedikamente und insbesondere auch 

das Tramadol erhöht, was die berichtete Tagesmüdigkeit erklären könnte (IV-act. 138). Vom __ bis __ 

Juli 2020 wurde die Versicherte in der Klinik (…) notfallmässig hospitalisiert aufgrund seit mehreren 

Monaten geklagten unklaren abdominellen Schmerzen (IV-act. 153-1 ff.). Es liess sich gemäss 

Austrittsbericht jedoch kein somatisches Korrelat für die abdominalen Schmerzen finden, weshalb man 
am ehesten von einer Somatisierungsstörung ausging (IV-act. 153-4). In einer Stellungnahme vom 5. 

August 2020 hielt der RAD fest, dass eine Verschlechterung der vorbestehenden Diskushernie möglich 

sei, weshalb eine Rückfrage an die Radiologie des KSSG erfolgen solle (IV-act. 148). Nach Erhalt einer 

entsprechenden Rückmeldung der Radiologie des KSSG (IV-act. 154 f.) kam der RAD in seiner 

Aktenbeurteilung vom 1. September 2020 zum Schluss, dass sich aus dem Vergleich der MRI-Befunde 

der LWS von ___ 2017 und ___ 2020 keine Hinweise auf eine Verschlechterung finden liessen. Auch 

hätten sich nach ausführlichen Abklärungen im stationären Rahmen keine Hinweise auf einen neuen 

für die Arbeitsfähigkeit relevanten Gesundheitsschaden aus gastroenterlogischem und 

gynäkologischem Fachgebiet ergeben. Auf das Gutachten von Juli 2019 könne weiterhin abgestellt 

werden (IV-act. 156). 

A.p Mit Vorbescheid vom 19. Oktober 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des 
Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 30 % in Aussicht (IV-act. 159). Gegen diesen 

Vorbescheid erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt M. Roos, (…), am 30. Dezember 
2020 Einwand (IV-act. 171). In einer IV-internen juristischen Stellungnahme vom 23. Juli 2021 wurde 

festgehalten, dass insbesondere der psychiatrische Gutachter nicht abschliessend habe bestimmen 

können, wie die Versicherte unter Arbeitsbelastung längerfristig reagiere. Die Massnahmen gemäss 

Gutachten seien umzusetzen, beispielsweise mit einem mehrmonatigen Belastbarkeitstraining. Nach 

Abschluss der Massnahmen sei eine Verlaufsbegutachtung durchzuführen (IV-act. 175). Mit Schreiben 

vom 19. Oktober 2021 wurde die Versicherte von der IV-Stelle unter Hinweis auf ihre 

Schadenminderungspflicht dazu aufgefordert, ein Muskelaufbautraining durchzuführen. Gemäss 

Gutachten könne ihre Arbeitsfähigkeit dadurch gesteigert werden. Sechs Monate nach Beginn des 

Muskelaufbau- und Ausdauertrainings werde in einem zweiten Schritt mit beruflichen Massnahmen 

begonnen. Parallel zu den beruflichen Massnahmen werde sie aufgefordert, die psychiatrisch-

psychotherapeutische Behandlung nach Massgabe des Behandlers wiederaufzunehmen (IV-act. 177). 

Am 25. Oktober 2021 erklärte Dr. med. P.___, Allgemeine Innere Medizin, dass die Versicherte im 

Ambulatorium Q.___ einmal wöchentlich eine Doppel-Konsultation Physiotherapie wahrnehmen werde, 

da aus medizinischen Gründen aktuell sowieso eine Physiotherapie verordnet werden müsse. Des 
Weiteren sei die Versicherte bereits im psychiatrischen Ambulatorium Q.___ angemeldet worden. Es 

bestehe eine posttraumatische Belastungsstörung. Die chronische Schmerzstörung sei eine Folge 

davon und werde kaum mit Muskelaufbau und Ausdauer behandelt sein (IV-act. 181). Mit Schreiben 

vom 2. November 2021 bestätigte die IV-Stelle, dass die von Dr. P.___ angegebene Behandlung den 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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Auflagen entspreche (IV-act. 182). In einem Bericht vom 23. Februar 2022 hielt das Ambulatorium 

Q.___ fest, dass aus rein psychiatrischer Sicht, abgesehen von den Schmerzen, ein stabiles 

Zustandsbild vorliege. In der Vergangenheit habe jedoch das Bild einer schweren posttraumatischen 

Belastungsstörung vorgelegen. Es sei nicht auszuschliessen, dass diese erneut auftreten könne bei 

starken Belastungen oder kritischen Lebensereignissen. Die Versicherte sei sicherlich nicht 
allumfassend arbeitsfähig. Eine spezifische Angabe der Arbeitsfähigkeit sei dem Ambulatorium nicht 

möglich (IV-act. 190-5). Am 8. März 2022 hielt Dr. P.___ fest, dass die Versicherte die Physiotherapie 

anfangs Jahr in geforderter Frequenz mehr oder weniger habe besuchen können. Sie stosse aber 

bereits bei normalen Physiotherapiesitzungen körperlich an ihre Grenzen. Glaubhaft versuche sie, die 

Heimübungen durchzuführen. Die Schmerzsituation habe sich bisher nicht geändert. Sie sehe die 

Versicherte höchstens in einer wechselbelastenden Tätigkeit in einem Kleinstpensum von maximal 30 

% (IV-act. 192-7). In einem bei der IV-Stelle am 18. Mai 2022 eingegangen Physiotherapiebericht 

wurden die Sitzungsdaten aufgezählt und festgehalten, dass die Versicherte nach Ansicht der 

Physiotherapeutin die Übungen sorgfältig ausführe (IV-act. 198). Am 10. Januar 2023 berichtete die 

Physiotherapeutin, dass die Versicherte noch immer bei ihr in Behandlung sei. Leider würden bei der 

Versicherten immer wieder Probleme wie Schwellungen und schmerzhafte Entzündungen ungeklärter 

Ursache an verschiedenen Stellen auftreten, die sie einschränken würden. Durch solche Vorfälle werde 

der Therapieerfolg zurückgeworfen (IV-act. 206). Der RAD kam am 26. Januar 2023 zum Schluss, dass 
die im rheumatologischen Gutachten postulierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit trotz der intensiven 

Physiotherapie nicht möglich gewesen sei. Aus versicherungsmedizinischer Sicht ergebe unter 

Berücksichtigung der nun beschriebenen Schwellungen einzig eine erneute bidisziplinäre 

Begutachtung Sinn (IV-act. 220). 

A.q Am 21. August 2023 erstatteten Dr. N.___ und dipl. Arzt. O.___ ihr bidisziplinäres (psychiatrisches 
und rheumatologisches) Verlaufsgutachten (IV-act. 233). Sie nannten in ihrer interdisziplinären 

Konsensbeurteilung als relevante Diagnose eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und 

psychischen Faktoren mit/bei akzentuierter Persönlichkeitsstruktur mit emotional vulnerablen und 

vorberichtet impulsiven Anteilen (aktuell kompensiert), anamnestisch posttraumatischer 

Belastungsstörung (aktuell symptomatisch kompensiert), chronischem belastungsabhängigem 

lumbospondylogenem Syndrom beidseits mit progredienter Schmerzausweitung seit 2019 ohne klares 

organisch-strukturelles Korrelat (ausgeprägte muskuläre Dysbalance und allgemeine 

Dekonditionierung) sowie klinisch und im MRI Insertionstendinopathie der Tibialis posterior-Sehne 

rechtsbetont bei chronischer Fehlbelastung (IV-act. 233-70 f.). Weiter hielten die Sachverständigen fest, 
medizinisch-theoretisch sei aus somatischer Sicht aufgrund der objektiven Befunde in einer körperlich 

leichten und wechselbelastenden Tätigkeit gemäss rheumatologischen Vorgaben weiterhin eine 

Arbeitsfähigkeit von mindestens 60 % gegeben. Dies sei auch integrativ interdisziplinär unter 

Berücksichtigung der psychiatrischen Störungskomponente entsprechend einer aktuell abzuleitenden 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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maximal 40%igen Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit abzuleiten. Allein aus 

somatischer Sicht erscheine unter entsprechenden Therapiemassnahmen die Wiedererlangung einer 

vollen Arbeitsfähigkeit prognostisch denkbar. Unter Berücksichtigung einer anzunehmenden, sehr 

wahrscheinlich überdauernden psychischen Störungskomponente sei von einer zumindest bleibenden 

Teil-Einschränkung von 30 % wahrscheinlich längerfristig auszugehen. Als letzte therapeutische Option 
werde eine stationäre, interdisziplinär-multimodale Therapie empfohlen unter der Voraussetzung, dass 

die Versicherte im Rahmen eines zuvor sehr wahrscheinlich notwendigen psychoedukativen Prozesses 

zu einem erweiterten Krankheitskonzept und Schmerzgeneseverständis geführt werden könne (IV-act. 

233-72). In seiner Aktenbeurteilung vom 24. August 2023 kam der RAD zum Schluss, dass das 

Gutachten vom 21. August 2023 umfassend, schlüssig, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei 

sei. Auch zu eventuellen Ausschlusskriterien wie Aggravation und Konsistenz sei Stellung genommen 

und auf die sozialen Kontextfaktoren sowie die persönlichen Ressourcen sei eingegangen worden. Die 

Versicherte sei seit der letzten Begutachtung von 2019 in der bisherigen und in einer angepassten 

Tätigkeit zu 40 % arbeitsunfähig (IV-act. 235). 

A.r Nach einer IV-internen Besprechung (IV-act. 236) stellte die IV-Stelle der Versicherten mit 
Vorbescheid vom 21. November 2023 die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht bei einem 

Invaliditätsgrad von 0 %. Zur Begründung wurde angeführt, dass aus medizinischer Sicht eine 

mindestens 60%ige Arbeitsfähigkeit vorliege. Aus rechtlicher Sicht würden eine Dekonditionierung und 
Malcompliance keine Arbeitsunfähigkeit begründen und seien deshalb bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit nicht zu berücksichtigen, womit aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht von einer 

vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 238-2). Gegen diesen Vorbescheid erhob die 

Versicherte, vertreten durch die Procap R.___ (nachfolgend: Procap), am 12. Januar 2023 [recte: 2024] 

Einwand (IV-act. 243). 

A.s Mit Verfügung vom 19. April 2024 wies die IV-Stelle das Rentengesuch im Sinne des 
Vorbescheids ab (IV-act. 244).  

B.  

B.a Gegen diese Verfügung erhob die weiterhin durch Procap vertretene Versicherte (nachfolgend: 
Beschwerdeführerin) am 23. Mai 2024 Beschwerde. Sie beantragte, die Verfügung der IV-Stelle 

(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 19. April 2024 sei aufzuheben und ihr sei mit Wirkung ab 2015 

eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der 

Beschwerdegegnerin. Überdies beantragte sie die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche 
Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 1 und 4). 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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10/22 

B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2024 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung 
der Beschwerde (act. G 5). 

B.c Am 17. Juli 2024 entsprach die verfahrensleitende Richterin dem Gesuch um Bewilligung der 
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 6). 

B.d Mit Schreiben vom 12. September 2024 hielt die Beschwerdeführerin an den in der Beschwerde 
gestellten Anträgen fest und verzichtete auf die Erstattung einer ausführlichen Replik (act. G 8, zum 

Abschluss Schriftenwechsel vgl. auch act. G 9). 

Erwägungen 
1.  

Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente. Da 

im vorliegenden Fall der frühestmögliche Beginn des Rentenanspruchs und auch die Rentenanpassung 

auf einen Zeitpunkt vor dem 1. Januar 2022 fallen (vgl. E. 4.7 f. und 5.6), kommen zur Beurteilung des 

Rentenanspruchs die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Bestimmungen des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der Verordnung über die 

Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) zur Anwendung (siehe das Kreisschreiben des Bundesamtes 

für Sozialversicherungen über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 

2022, Rz. 9100 ff.). Sie werden nachfolgend in dieser Fassung zitiert. 

2.  

2.1 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit 
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können, während eines 
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind 

und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Als Invalidität gilt 

laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

(ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 

psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung 

verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat die 

Beschwerdeführerin als im Gesundheitsfall Vollzeiterwerbstätige eingestuft (vgl. IV-act. 244). 

Angesichts der von der Beschwerdeführerin im Fragebogen der Beschwerdegegnerin am 23. 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

IV 2024/110 
 

 

11/22 

November 2018 gemachten Angabe, sie würde am liebsten in einem Pensum von 100 % arbeiten (IV-

act. 92), sowie des Umstands, dass (…), ist die Einstufung der Beschwerdeführerin als 

Vollzeiterwerbstätige nicht zu beanstanden. Folglich ist die Ermittlung des Invaliditätsgrades anhand 

eines Einkommensvergleichs vorzunehmen (vgl. Art. 16 ATSG). 

2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte 
Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. 

2.3 Um den Invaliditätsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das 
Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur 

Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand 

zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 

versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines 

Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen 

Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. 

der Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson 

begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). 

3.  

3.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin für die Rentenablehnung – auch 
wenn sie in ihrer Beschwerdeantwort gewisse Zweifel an der psychiatrischen Einschätzung vorbringt 

(act. G 5) – auf das von ihr bei Dr. N.___ und dipl. Arzt O.___ eingeholte bidisziplinäre 

(rheumatologische und psychiatrische) Verlaufsgutachten vom 21. August 2023 (IV-act. 233). Die 

Beschwerdeführerin misst diesem Gutachten ebenfalls Beweiskraft zu (act. G 1). 

3.2 Das Verlaufsgutachten von Dr. N.___ und dipl. Arzt O.___ beruht auf eigenständigen 
Abklärungen und berücksichtigt die Vorakten. Den von der Beschwerdeführerin geklagten 

Beschwerden und Einschränkungen haben die Gutachter ebenfalls Beachtung geschenkt. So nimmt 

der rheumatologische Sachverständige zu den von der Beschwerdeführerin eingereichten Handyfotos 

zu einer Schwellung unterhalb des Malleolus medialis verständlich Stellung. Er hat ausgeführt, dass 

gestützt auf die Bilder die Ursache nicht eindeutig zu klären sei. Zusammen mit dem MRT-Befund vom 

__ 2022 dürfte es sich am ehesten um eine Schwellung im Ansatzbereich der Tibialis posterior-Sehne 

handeln im Sinne eines belastungsinduzierten Reizzustandes (IV-act. 233-18; vgl. dazu und zur 
geklagten Druckdolenz im Bereich der Tibialis posterior-Sehne rechtsbetont auch die Ausführungen in 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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12/22 

act. 233-19 f.). Als Hauptproblematik hat der rheumatologische Gutachter wie bereits in der 

Vorbegutachtung die lumbalbetonten, nun panvertebralen und beidseits spondylogen ausstrahlenden 

Schmerzen mit Verstärkung bereits bei geringen körperlichen Belastungen beschrieben. In 

nachvollziehbarer Weise hat er sodann erklärt, weshalb er eine entzündlich-rheumatische Erkrankung 

ausschliesst und auch die früher erhobene Verdachtsdiagnose Morbus Scheuermann fallen gelassen 
hat. Da auch die in den MRT-Untersuchungen beschriebenen geringen Bandscheibenprotrusionen die 

Beschwerden bei fehlender neurogener Beeinträchtigung für ihn nicht plausibel erklären können, geht 

er unverändert zum Vorgutachten von 2019 von einem vorwiegend unspezifischen 

lumbospondylogenen Syndrom mit zwischenzeitlich panvertebraler Ausweitung und weiterhin 

erheblicher myofaszialer Schmerzhaftigkeit im Rahmen einer muskulären Dysbalance und allgemeinen 

Dekonditionierung aus (IV-act. 233-20). Medizinisch-theoretisch sei aus somatischer Sicht aufgrund der 

objektiven Befunde in einer körperlich leichten und wechselbelastenden, nicht rein stehend/gehenden 

Tätigkeit und ohne längerdauernde Zwangshaltungen des Rumpfes, mit repetitiv zu hantierenden 

Lasten bis maximal 5 kg bzw. Einzellasten bis maximal 15 kg weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 

mindestens 60 % gegeben. Es bestünden keine objektiven medizinischen Befunde, welche eine höhere 

Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würden (IV-act. 233-22). 

3.3 Der psychiatrische Sachverständige sieht klinisch führend aufgrund des Längsverlaufs und der 
gutachterlichen Abklärung eine chronische Schmerzstörung mit aus fachärztlich psychiatrischer Sicht 
anzunehmenden mitursächlichen und einflussnehmenden psychodynamisch wirksamen Faktoren 

entsprechend der Codierung F45.41. Er nimmt zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung 

einleuchtend Stellung. Die Störung habe sich multifaktoriell auf der Grundlage einer anzunehmenden 

disponierenden persönlichkeitsstrukturellen Akzentuierung bei belasteter und massiv gewaltbesetzt 

traumatisch berichteter Vorgeschichte entwickelt. Die Störung habe sich sehr wahrscheinlich im Verlauf 

zunehmend auf der Schmerzebene manifestiert. Eine im Vorgutachten erfasste dissoziative 

Symptomatik könne ebenso wie eine einem posttraumatischen Belastungsgeschehen zuzuordnende 

Pathologie aktuell nicht mehr objektiviert werden. Zu beachten sei weiterhin, dass das vordergründig 

kompensierte psychopathologische Zustandsbild im Rahmen der entlasteten persönlichen Situation der 

Beschwerdeführerin vorliege und unter forcierten Anforderungen, beispielsweise im Rahmen einer 

beruflichen Belastungserprobung, erneut eine Zustandsverschlechterung im Sinne einer psychischen 

Destabilisierung möglich sei (IV-act. 233-59). Unter Berücksichtigung der Standardindikatoren des 

strukturierten Beweiserfahrens kommt der psychiatrische Sachverständige sodann zum Schluss, 

psychiatrisch ergebe sich im Rahmen der objektivierbaren Psychopathologie, der abzuleitenden 
psychiatrischen Diagnose und der resultierenden funktionellen Einschränkungen im Rahmen der 

psychiatrisch zu gewichtenden somatoformen Störungskomponente eine seit 2019 ableitbare 30%ige 

Arbeitsunfähigkeit bezogen auf das angestammte Tätigkeitsprofil und denkbare Verweistätigkeiten. 

Dabei sei auch die zugrundeliegende Grundvulnerabilität mit verminderter Belastbarkeit unter 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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13/22 

beruflichen Anforderungen mitgewichtet (IV-act. 233-61). Aktuell liege aus psychiatrischer Sicht 

theoretisch somit eine 70%ige Arbeitsfähigkeit vor, die aber sehr wahrscheinlich nach vorbereitendem 

therapeutisch intensiviertem Behandlungsprozess schrittweise rehabilitativ im Rahmen eines IV-

gestützten Prozesses aufgebaut werden müsse (IV-act. 233-62). 

3.4 Auch zu den erfolgten und noch möglichen Therapiemassnahmen haben die Sachverständigen 
im Verlaufsgutachten ausführlich Stellung genommen. Der rheumatologische Sachverständige kann 

den Misserfolg der ambulant versuchten Rehabilitation bei weiterhin fehlenden relevanten strukturell-

organischen Veränderungen rein somatisch nicht erklären (IV-act. 233-23). Rein somatisch müsste bei 

entsprechender Motivation und genügender Frequenz und Intensität davon ausgegangen werden, dass 

durch eine erfolgreiche Rekonditionierung eine Verbesserung der Belastbarkeit des Achsenskelettes 

erreicht werden und die Arbeitsfähigkeit zumindest in leichter Tätigkeit auf ein volles Pensum gesteigert 

werden könne. Aufgrund der nun weitgehend gescheiterten Rehabilitationsversuche im ambulanten 

Setting und der zwischenzeitlich weiteren nicht-organischen Schmerzausweitung müssten allerdings 

die Erfolgschancen einer solchen Therapie deutlich kritischer als noch 2019 gesehen werden (IV-act. 

233-22 f.). Nachdem die ambulanten Therapiemassnahmen gescheitert seien, sieht der 

rheumatologische Sachverständige als letzte Therapiemöglichkeit eine mehrwöchige stationäre 

Rehabilitationsbehandlung. Aufgrund der fehlenden organisch-strukturellen Schmerzursache und den 

somit zu postulierenden wesentlichen nicht-organischen Faktoren sollte eine solche Behandlung aus 
seiner Sicht jedoch in einem interdisziplinären Setting unter Einbezug psychotherapeutischer 

Behandlungen und auch schmerzmodulierender Medikation durchgeführt werden. Als Voraussetzung 

für eine solche Behandlung müsste die Beschwerdeführerin aus seiner Sicht jedoch von ihrem 

überwiegend somatisch ausgerichteten Krankheitsverständis abgebracht werden (IV-act. 233-21 f.). 

Insgesamt müsse aufgrund des Verlaufs in den letzten vier Jahren die Prognose für einen Erfolg einer 

solchen Therapie eher kritisch gesehen werden und mit einer weiteren Chronifizierung des 

Beschwerdebildes gerechnet werden (IV-act. 233-23). Der psychiatrische Gutachter hat betreffend 

Rehabilitation ausgeführt, dass im Rahmen der Auflage der Beschwerdegegnerin zur 

Schadenminderung eine ambulante psychiatrische Begleitung durch das Ambulatorium Q.___ erfolgt 

sei. Die Beschwerdeführerin sei in Übereinstimmung mit der aktuellen Abklärung vordergründig 

psychopathologisch kompensiert erlebt worden und die Behandlung sei im Verlauf nach nicht 

zielführender Entwicklung wieder beendet worden. Bedeutsam seien die wiederholten Hinweise der 

Spezialisten des Schmerzzentrums des KSSG auf eine psychodynamisch somatoform bestehende 

Störungskomponente in der Schmerzgenese mit notwendiger psychotherapeutischer Mitbehandlung. 
Hierfür habe die Beschwerdeführerin bei fehlendem Krankheitsverständnis im Verlauf nicht motiviert 

werden können. Aus gutachterlich psychiatrischer Sicht ergebe sich in diesem Zusammenhang in 

Übereinstimmung mit den Vorempfehlungen der Spezialisten des KSSG und auch den Erwägungen 

des rheumatologischen Gutachters die Empfehlung für den Versuch, die Beschwerdeführerin für einen 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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multimodalen Behandlungsprozess in einer geeigneten Schmerzklinik mit psychotherapeutischem 

Behandlungselement zu motivieren (IV-act. 233-59 f.). Dementsprechend hat der psychiatrische 

Gutachter zusammenfassend den Versuch einer intensivierten stationären interdisziplinären 

Schmerzbehandlung mit psychotherapeutischer Behandlungskomponente in einer geeigneten Klinik 

empfohlen, sofern es gelinge, der Beschwerdeführerin diesbezüglich ein erweitertes Krankheits- und 
Behandlungskonzept zu vermitteln. Die Prognose hat er aus psychiatrischer Sicht jedoch ebenfalls als 

sehr unsicher und kritisch eingeschätzt (IV-act. 233-61 f.; vgl. ferner IV-act. 233-60). Namentlich hat er 

eine gegen ihren Willen, ihre Einsicht und Motivationslage angeordnete Auflage als wahrscheinlich nicht 

zielführend erachtet. Ein entsprechender Therapieprozess sei nur nach entsprechenden 

psychoedukativen Schritten und gewonnenem erweitertem Krankheitsverständnis als zielführend 

einzuschätzen (IV-act. 233-60). 

3.5 In Übereinstimmung mit den Teilgutachten haben die Sachverständigen in ihrem 
interdisziplinären Konsens als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische 

Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren festgehalten (IV-act. 233-70). Sodann sind 

sie zum Schluss gekommen, dass medizinisch-theoretisch aus somatischer Sicht aufgrund der 

objektiven Befunde in einer körperlich leichten und wechselbelastenden Tätigkeit gemäss 

rheumatologischen Vorgaben weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 60 % gegeben sei. Dies 

sei auch integrativ interdisziplinär unter Berücksichtigung der psychiatrischen Störungskomponente 
entsprechend einer aktuell abzuleitenden maximal 40 % Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und 

angepasster Tätigkeit abzuleiten (IV-act. 233-72). Zwar wäre es aus rechtlicher Sicht zu begrüssen 

gewesen, wenn die Formulierung der Gesamtarbeitsfähigkeitsschätzung (vgl. "maximal") weniger offen 

gehalten worden wäre. Unter Berücksichtigung der Gesamtaktenlage, der gutachterlichen 

Ausführungen und der RAD-Beurteilung vom 24. August 2023 (IV-act. 235) ist die gutachterliche 

Arbeitsfähigkeitsschätzung jedoch ohne Weiteres derart zu verstehen, dass der Beschwerdeführerin 

eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter und leidensangepasster Tätigkeit attestiert worden ist. 

Die attestierte 40%ige Arbeitsunfähigkeit leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge 

und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Auch der RAD hat das Gutachten vom 21. 

August 2023 als umfassend, schlüssig, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei gewürdigt (IV-act. 

235). Auf die gutachterlich überzeugend dargelegte 40%ige Arbeitsunfähigkeit ist demnach abzustellen. 

4.  

4.1 Die Beschwerdegegnerin sieht aus rechtlichen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit jedoch nicht als 
ausgewiesen an. Die Arbeitsfähigkeit des Mediziners stehe einer rechtlichen Würdigung offen und beim 
Begriff der Invalidität handle es sich um einen Rechtsbegriff. Zu betonen gelte es, dass die Invalidität 

eine dauernde Erwerbsunfähigkeit voraussetze, nicht nur eine aktuelle medizinisch-theoretische 

Arbeitsunfähigkeit. Auch sei eine versicherte Person verpflichtet, die schadenmindernden Massnahmen 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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auszuschöpfen. Könne durch solche medizinischen Eingliederungsmassnahmen der 

Gesundheitszustand erheblich bzw. rentenausschliessend gesteigert werden, könne keine Invalidität 

angenommen werden. Im Gutachten habe der rheumatologische Gutachter ausdrücklich festgehalten, 

dass keine relevante pathologische Ursache für die Schmerzen erkannt werden könne. Auch habe er 

festgehalten, dass die Schmerzen unspezifisch seien und eine allgemeine Dekonditionierung dafür 
ursächlich sei. Mit einer Rekonditionierung könne eine volle Arbeitsfähigkeit in leichten Tätigkeiten 

wiederhergestellt werden. Von einem dauerhaften invalidisierenden Gesundheitsschaden könne bei 

einer solchen, auf einer Dekonditionierung basierenden und überwindbaren Einschränkung nicht 

ausgegangen werden. Das gleiche gelte für die muskulären Dysbalancen der Beschwerdeführerin. Des 

Weiteren sei festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin eine Malcompliance ausweise und ihre 

Schadenminderungspflicht nicht wahrnehme (act. G 5). Eine Dekonditionierung und eine 

Malcompliance würden keine Arbeitsunfähigkeit begründen, weshalb aus rechtlicher Sicht von einer 

vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 244). Daher verbleibe lediglich die Einschätzung des 

psychiatrischen Sachverständigen. Dieser habe eine 30%ige Einschränkung attestiert. Ob diese 

Einschätzung verfange, sei fraglich, da praktisch kein Leidensdruck ersichtlich sei. Da sowohl der 

Validenlohn als auch der Invalidenlohn bei der Beschwerdeführerin derselbe seien, könne mit einer 

Einschränkung von 30 % offensichtlich kein rentenrelevanter IV-Grad von mindestens 40 % erreicht 

werden (act. G 5). 

4.2 Die Beschwerdeführerin kritisiert die Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach kein IV-
rechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliege. Die Auffassung stelle nicht nur eine Kehrtwende in 

dem seitens der Beschwerdegegnerin über neun Jahre als Krankheitsfall behandelten Versicherungsfall 

dar, sondern finde vor allem in den Akten keine Stütze. Die plötzliche Behauptung, die Einschränkungen 

in der Arbeitsfähigkeit seien lediglich auf fehlende Compliance und Dekonditionierung zurückzuführen, 

stelle eine willkürliche Annahme dar und wirke ihr gegenüber in diesem Fall wie ein Affront (act. G 1 S. 

4). Die Beschwerdegegnerin zitiere einzig und aus dem Zusammenhang gerissen eine Stelle im 

rheumatologischen Gutachten, wonach der Misserfolg bei weiterhin fehlender relevanter strukturell-

organischer Veränderung rein somatisch nicht erklärt werden könne. Es müssten wesentliche nicht-

organische oder allenfalls auch nicht-medizinische (Compliance-)Faktoren postuliert werden (act. G 1 

S. 8). Entgegen der willkürlichen Behauptung der Beschwerdegegnerin gebe es keinerlei Hinweise auf 

eine schlechte Compliance. Der rheumatologische Gutachter nenne diesen Begriff ebenfalls nur als 

Klammerbemerkung und als reine Vermutung. Im Gegenteil beschreibe der Physiotherapiebericht vom 

10. Januar 2023 (IV-act. 206) die gute Kooperationsbereitschaft und habe auch Gründe des 
Zurückgeworfenwerdens genannt. Es gebe zahlreiche Hinweise für ein motiviertes und kooperatives 

sowie konsistentes Verhalten. Die Schmerzen, welche zweifellos auch auf das Ausbleiben des 

Therapieerfolgs bei Muskelaufbau und damit für Dekonditionierung verantwortlich seien, fänden ihre 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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Begründung zwar weitgehend in einer nicht-organischen, aber klar medizinischen Ursache, nämlich der 

gutachterlich diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung (act. G 1 S. 8). 

4.3 Zwar hat der Rechtsanwender die Beweiskraft eines Gutachtens aus rechtlicher Sicht zu 
überprüfen (vgl. E. 2.2; vgl. ferner Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 

15. November 2018, IV 2016/373, E. 3.1.3). Eine von den medizinischen Einschätzungen losgelöste 
juristische Parallelüberprüfung der Arbeitsfähigkeit steht den Rechtsanwendenden aber selbst durch 

das strukturierte Beweisverfahren nicht offen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juni 2018, 

9C_194/2018, E. 4.1 mit Hinweisen). Wäre die Beschwerdegegnerin der Ansicht gewesen, die 

gutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung sei nicht einleuchtend, wäre es an ihr gewesen, weitere 

medizinische Abklärungen vorzunehmen. 

4.4 Die Beschwerdegegnerin verkennt sodann, dass die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit 
nicht einzig auf einer Dekonditionierung und muskulären Dysbalance fusst. Vielmehr gehen die 

Sachverständigen, wie von der Beschwerdeführerin vorgebracht, in der interdisziplinären 

Konsensbeurteilung von einer chronischen Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren 

aus (IV-act. 233-70 f.). 

4.5 Dekonditionierung für sich, stellt zwar, wie von der Beschwerdegegnerin korrekt ausgeführt, kein 
in der Invalidenversicherung versichertes Risiko dar. Von der versicherungsrechtlich unbeachtlichen 

Dekonditionierung abzugrenzen ist jedoch die Frage, ob eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit 
tatsächlich umsetzbar ist. Bedingt die Ausschöpfung eines theoretischen Erwerbspotenzials gemäss 

ärztlichen Feststellungen bestimmte Therapiemassnahmen, ist danach zu fragen, ob die notwendigen 

Schritte der versicherten Person allein überantwortet werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 

8. März 2021, 9C_755/2020, E. 5.2). Ein möglicher Behandlungserfolg darf bei der 

Invaliditätsbemessung unter dem Titel der Pflicht zur Selbsteingliederung nur dann vorweggenommen, 

d.h. unmittelbar angerechnet werden, ohne dass zuvor ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren 

durchgeführt werden müsste, wenn der Erfolg direkt vom Verhalten der versicherten Person abhängt, 

indem diese selbst ohne (weitere) Hilfe von Fachleuten die Leistungskapazität realisieren könnte. Dies 

trifft dann zu, wenn therapeutische Vorkehren, die eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit 

erwarten lassen (z.B. Einnahme verschriebener Medikamente), aus Eigeninitiative umsetzbar sind. 

Insoweit geht die Selbsteingliederung dem Rentenanspruch (und auch gesetzlichen 

Eingliederungsleistungen) vor. Besteht keine aus Eigeninitiative umsetzbare 

Selbsteingliederungspflicht, weil die versicherte Person es nicht ohne Weiteres selber in der Hand hat, 

Arbeitsfähigkeit herzustellen oder auf ihre Eingliederungsfähigkeit hinzuwirken, kann bei einem noch 
nicht austherapierten Leiden ein Rentenanspruch entstehen. Die betreffenden Spielräume der 

Schadenminderung müssen im Rahmen eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens definiert werden. Ob 

eine geplante Behandlung erfolgreich sein wird, kann erst nach Abschluss der betreffenden Therapie 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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beurteilt werden. Solange sie andauert, kommt ein unbefristeter Rentenanspruch infrage; hat sich der 

prognostizierte Behandlungserfolg realisiert (oder die versicherte Person die Mitwirkungspflicht 

verletzt), wird die Invalidenrente gegebenenfalls auf dem Weg der materiellen Revision (Art. 17 Abs. 1 

ATSG) herabgesetzt oder aufgehoben (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Februar 2025, 9C_443/2023, 

E. 5.1.4). 

4.6 Ein simpler Verweis auf eine Dekonditionierung, wie ihn die Beschwerdegegnerin macht, reicht 
somit nicht aus, um auf einen nicht invalidisierenden Gesundheitsschaden zu schliessen. Dass gemäss 

Konsensbeurteilung allein aus somatischer Sicht unter entsprechenden Therapiemassnahmen eine 

volle Arbeitsfähigkeit prognostisch noch denkbar ist (IV-act. 233-72; vgl. dazu auch den RAD [IV-act. 

235-2]) und auch aus psychiatrischer Sicht bei entsprechender Therapie eine Verbesserung der 

gesundheitlichen Situation nicht ausgeschlossen ist (vgl. dazu IV-act. 233-59 ff.), steht der Annahme 

einer rentenbegründenden Invalidität in diesem Verfahren nicht entgegen (vgl. oben E. 4.5; vgl. auch 

BGE 143 V 414 ff. E. 4.4 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Februar 2018, 9C_590/2017, E. 5.1; 

Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. November 2020, IV 2019/13, E. 

3.3). Zum einen handelt es sich bei der gutachterlich attestierten 40%igen Arbeitsunfähigkeit für die 

angestammte und auch für allfällige Verweistätigkeiten bereits um eine langandauernde 

Arbeitsunfähigkeit respektive Erwerbsunfähigkeit (schon im Vorgutachten vom 7. Juli 2019 wurde diese 

Arbeitsunfähigkeit attestiert; IV-act. 113). Zum anderen fällt das im Gutachten vorgeschlagene 
Behandlungskonzept, das als letzte Therapieoption eine mehrwöchige intensivierte stationäre 

Schmerz- und Rehabilitationsbehandlung in einem interdisziplinären Setting unter Einbezug 

psychotherapeutischer Behandlungen und schmerzmodulierender Medikation vorsieht (IV-act. 233-21 

f. und 233-59 ff.), offensichtlich nicht mehr unter die rentenausschliessende Selbsteingliederungspflicht 

der Beschwerdeführerin. Dies gilt umso mehr, als die angedachte Therapie gemäss Gutachten 

voraussetzt, dass der Beschwerdeführerin im Vorfeld eines stationären Aufenthaltes ein erweitertes 

Krankheits- und Behandlungskonzept vermittelt werden kann; sie mithin von ihrem überwiegend 

somatisch ausgerichteten Krankheitsverständnis abgebracht werden kann (IV-act. 233-21 f. und 233-

61 f.). Ob die Vermittlung eines solchen Behandlungskonzepts gesundheitsbedingt und 

persönlichkeitsbedingt überhaupt möglich ist, ist unklar. Auch wird der Therapieerfolg seitens der 

Sachverständigen als eher kritisch betrachtet (vgl. dazu oben E. 3.4).  

4.7 Auf die Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens hat die Beschwerdegegnerin nach 
der zweiten Begutachtung verzichtet. Die von der Beschwerdegegnerin vor der zweiten Begutachtung 

auferlegten Therapieauflagen hat die Beschwerdeführerin erfüllt (IV-act. 177 und 181), wie die 
Beschwerdegegnerin ausdrücklich bestätigt hat (IV-act. 182). Auch haben die Sachverständigen in ihrer 

Konsensbeurteilung des zweiten Gutachtens explizit festgehalten, dass sich die Beschwerdeführerin 

sowohl in der psychiatrischen als auch in der rheumatologischen Untersuchung sehr kooperativ und 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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bemüht gezeigt habe, ohne Hinweise für aggravierende oder demonstrierende Darstellungstendenzen 

bei aus psychiatrischer Sicht eher dissimulierend fassadär positivem Auftreten mit insbesondere 

Verneinung jeglicher aktuell bestehender psychischer Krankheitskomponente (IV-act. 233-70). Vor 

diesem Hintergrund kann der Beschwerdeführerin auch keine Malcompliance vorgeworfen werden. 

4.8 Nach dem Gesagten kann, entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin, nicht von der 
gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit von 40 % abgewichen werden, da ein Gesundheitsschaden 

trotz der Therapieoptionen, welche nicht über die Selbsteingliederungspflicht wahrgenommen werden 

können, ausgewiesen ist. 

4.9 Da sich das Verlaufsgutachten vom 21. August 2023 lediglich zur Zeit ab Juli 2019 (Datum der 
Vorbegutachtung) ausspricht (IV-act. 233), gilt es retrospektiv den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit 

aufgrund der übrigen Aktenlage zu eruieren. Der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit ist indessen nur bis zu 

jenem Zeitpunkt rückwirkend festzusetzen, in welchem ein potentieller Rentenanspruch der 

Beschwerdeführerin entstanden ist. Zunächst ist folglich zu prüfen, auf wann der Beginn eines allfälligen 

Rentenanspruchs fällt. 

4.10 Die Anmeldung der Beschwerdeführerin ist bei der Beschwerdegegnerin am 21. Mai 2015 
eingegangen (IV-act. 1). Der frühestmögliche Rentenbeginn i.S.v. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG fällt somit 

auf den 1. November 2015. Invalidität liegt indessen nur vor, wenn nach zumutbarer Eingliederung ein 

ganzer oder teilweiser Verlust der Erwerbsmöglichkeiten verbleibt (Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 
7 Abs. 1 ATSG sowie Art. 16 ATSG). Gemäss Rechtsprechung ist für die Entstehung des 

Rentenanspruchs deshalb das Ende der Eingliederungsmassnahmen massgebend: Die IV-Stelle hat 

nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" zuerst abzuklären, ob die Erwerbsfähigkeit der 

versicherten Person (oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen) voraussichtlich durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann (vgl. 

Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Nur wenn sie zum Schluss gelangt, dass keine entsprechenden Massnahmen 

(mehr) in Frage kommen, kann ein Rentenanspruch bejaht werden; andernfalls sind vorab geeignete 

Eingliederungsmassnahmen anzuordnen. Nach der gesetzlichen Konzeption kann deshalb eine Rente 

vor der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen (allenfalls auch rückwirkend) nur zugesprochen 

werden, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesundheitszustandes nicht oder noch nicht 

eingliederungsfähig war. Dass der Rentenanspruch grundsätzlich erst nach Beendigung der 

Eingliederungsmassnahmen entstehen kann, gilt dabei selbst im Fall, dass diese nur einen Teilerfolg 

brachten oder scheiterten. Anders verhält es sich nach Abklärungsmassnahmen, die zeigen sollen, ob 

der Versicherte überhaupt eingliederungsfähig ist, und die dann ergeben, dass dies nicht zutrifft; 
diesfalls kann eine Rente rückwirkend zugesprochen werden (zum Ganzen: BGE 148 V 397 E. 6.2.4 

mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Oktober 2024, 8C_194/2024, E. 3.5). Am 1. 

November 2015 sind – unabhängig davon, ob das Wartejahr i.S.v. Art. 28 Abs. 1 IVG zu jenem Zeitpunkt 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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allenfalls erfüllt gewesen ist – die beruflichen Eingliederungsmassnahmen noch nicht abgeschlossen 

gewesen. Vielmehr wäre aufgrund der Verbesserung der gesundheitlichen Situation der 

Beschwerdeführerin (zum Verlauf der gesundheitlichen Situation vgl. IV-act. 114-23) gegen Ende des 

Jahres 2015 respektive Anfang des Jahres 2016 der Start der Eingliederungsmassnahmen geplant 

gewesen. Wie sich bei einem Assessmentgespräch anfangs des Jahres 2016 herausgestellt hat, war 
die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich jedoch schwanger geworden, weshalb für sie eine 

Eingliederung im Jahr 2016 nicht in Frage gekommen ist (IV-act. 29). Zu einer allfälligen 

Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2016 finden sich in den Akten keine echtzeitlichen über längere Zeit 

ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeiten. Allein aufgrund der Schwangerschaft kann nicht ohne Weiteres 

angenommen werden, die Beschwerdeführerin sei das ganze Jahr 2016 über eingliederungsunfähig 

gewesen. Anfangs des Jahres 2017 sah sich dann auch die Beschwerdeführerin im Stande, am 

Eingliederungsprozess teilzunehmen (IV-act. 37-1) und der RAD ist am 31. März 2017 von einer 

50%igen Arbeitsfähigkeit mit entsprechendem Eingliederungspotential ausgegangen (IV-act. 42-2; vgl. 

auch IV-act. 114-23). In der Folge ist die Beschwerdeführerin bis Oktober 2018 im 

Eingliederungsprozess unterstützt worden (vgl. Sachverhalt A.l; vgl. dazu auch IV-act. 121). Mit 

Mitteilung vom 16. Oktober 2018 hat die Beschwerdegegnerin einen weiteren Anspruch auf berufliche 

Massnahmen verneint (IV-act. 79), womit der Eingliederungsprozess grundsätzlich als abgeschlossen 

gelten kann. In der Begutachtung vom 7. Juli 2019 sind zwar weitere Eingliederungsmassnahmen 
empfohlen worden (IV-act. 113-25). Die IV-Eingliederungsverantwortliche sah eine weitere 

Unterstützung in der Arbeitsvermittlung in ihrer Stellungnahme vom 19. September 2019 jedoch nicht 

mehr als angezeigt an (IV-act. 121). Die Eingliederung ist somit nicht mehr aufgenommen worden. Die 

Beschwerdeführerin ist zwar am 19. Oktober 2021 von der Beschwerdegegnerin noch aufgefordert 

worden, ein Muskelaufbautraining durchzuführen und für die Zeit danach wurden weitere berufliche 

Eingliederungsmassnahmen in Aussicht gestellt (IV-act. 177). Auf solche Massnahmen ist dann 

indessen ohne weitere Thematisierung verzichtet worden und mit Vorbescheid vom 21. November 2023 

die Ablehnung des Rentenanspruchs in Aussicht gestellt worden (IV-act. 238-2). Vor diesem 

Hintergrund rechtfertigt es sich, den Abschluss der beruflichen Massnahmen auf den 16. Oktober 2018 

zu datieren (IV-act. 79). Zu diesem Zeitpunkt ist auch das Wartejahr i.S.v. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG erfüllt 

gewesen, da spätestens ab dem 31. März 2017 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist 

(IV-act. 42-2, 113-20 und 114-23) und zwar bis zur ersten gutachterlichen Untersuchung von Juni 2019 

(zu den Untersuchungsdaten vgl. IV-act. 113-23, oben), anlässlich welcher interdisziplinär 

nachvollziehbar eine 40%ige medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit festgestellt worden ist (IV-act. 
113-25). Folglich fällt der frühestmögliche Beginn des Rentenanspruchs auf den 1. Oktober 2018 (IV-

act. 79, Art. 29 Abs. 3 IVG). 

4.11 Zusammenfassend ist gestützt auf das Gesagte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nach Abschluss der beruflichen Massnahmen im Oktober 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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2018 bis Mai 2019 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen ist und ab Juni 2019 zu 40 % arbeitsunfähig ist 

(vgl. E. 4.7). 

5.  

5.1 Ausgehend von der ermittelten Arbeitsunfähigkeit von 50 % bis Mai 2019 und 40 % ab Juni 2019 
bleiben die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der 
Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2). Für den 

Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des 

Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Massgebend für den Einkommensvergleich ist 

somit das Jahr 2018 (vgl. oben E. 4.7). 

5.2  

5.2.1 Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund ihrer 
beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns hätte verdienen können, 

wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG; BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je 

mit Hinweisen). 

5.2.2 Da es im vorliegenden Fall aufgrund der langen Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin und der 
nur kurzzeitigen Erwerbstätigkeit an einer repräsentativen Einkommensbasis fehlt, rechtfertigt sich für 

die Bestimmung des Valideneinkommens der Beizug von Tabellenlöhnen gemäss der 
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik. Die Beschwerdeführerin hat eine 

Ausbildung als (…) abgeschlossen (IV-act. 3). Als solche könnte sie als Valide in sehr unterschiedlichen 

Wirtschaftszweigen tätig sein. Das Abstellen auf den Tabellenlohn eines bestimmten 

Wirtschaftszweiges ist demnach nicht passend, zumal die Beschwerdeführerin auch bereits Tätigkeiten 

ausserhalb des (…) ausgeübt hat. Vorliegend rechtfertigt es sich daher auf das Total der Tabelle TA1 

für Tätigkeiten im Kompetenzniveau 2 im Jahr 2018 abzustellen. Durch den Beizug der Löhne des 

Kompetenzniveaus 2 wird die Ausbildung der Beschwerdeführerin ausreichend berücksichtigt. 

Angepasst an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (vgl. Tabelle T 

03.02.03.01.04.01) bei einem Pensum von 100 % ergibt sich für die im Kompetenzniveau 2 

beschäftigten weiblichen Arbeitnehmenden ein jährliches Valideneinkommen von Fr. 62'049.60 (Fr. 

4'960.-- x 12 = Fr. 59'520.--; Fr. 59'520.-- / 40 x 41.7 = Fr. 62'049.60). 

5.3 Für das Invalideneinkommen rechtfertigt sich mangels Umschulung das Abstellen auf die 
Tabellenlöhne der Tabelle TA1 für im Jahr 2018 im Kompetenzniveau 1 tätige weibliche 

Arbeitnehmende. Unter Berücksichtigung einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41. 7 Stunden ergibt sich 
bei einem Pensum von 100 % ein jährliches Invalideneinkommen von Fr. 53'993.15 (Fr. 4'316.-- x 12 = 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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Fr. 51'792.--; Fr. 51'792.-- / 40 x 41.7 = Fr. 53'993.15). Bei einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit, wie sie 

bei der Beschwerdeführerin bis Mai 2019 vorgelegen hat, resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 

26'996.60. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 40 %, wie sie ab Juni 2019 anzunehmen ist, ergibt sich ein 

Invalideneinkommen von Fr. 32'395.90. Gründe für einen Tabellenlohnabzug sind vorliegend nicht 

ersichtlich. 

5.4 Wird das Valideneinkommen von Fr. 62'049.60 dem bei Arbeitsunfähigkeit von 50 % erzielten 
Invalideneinkommen von Fr. 26'996.60 gegenübergestellt, resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 

35'053.-- und ein Invaliditätsgrad von gerundet 57 % (Fr. 35'053 x 100 / Fr. 62'049.60 = 56.5 %). 

5.5 Wird der Validenlohn von Fr. 62'049.60 dem bei Arbeitsunfähigkeit von 40 % erzielten 
Invalideneinkommen von 32'395.90 gegenübergestellt, ergibt sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 

29'653.70 und ein Invaliditätsgrad von gerundet 48 % (Fr. 29'653.70 x 100 / Fr. 62'049.60 = 47.79). 

5.6 Nach dem Gesagten besteht für die Zeit vom 1. Oktober 2018 (Beginn Rentenanspruch) bis 31. 
Mai 2019 bei einem Invaliditätsgrad von 57 % ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Ab dem 1. 

Juni 2019 besteht bei einem Invaliditätsgrad von 48 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 

2 IVG). Aufgrund der Übergangsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV ist die halbe Rente jedoch noch bis 31. 

August 2019 auszurichten. 

6.  

6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass der 
Beschwerdeführerin in Aufhebung der angefochtenen Verfügung für die Zeit vom 1. Oktober 2018 bis 

31. August 2019 eine halbe Invalidenrente und ab dem 1. September 2019 eine Viertelsrente 

auszurichten ist. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.  

6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand 
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis 

IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit 

als angemessen. Da die Beschwerdeführerin mit ihren Anträgen nur marginal unterliegt (Rentenbeginn 

erst im Oktober 2018 und nicht, wie beantragt, im Jahr 2015; vgl. act. G 1 S. 2), rechtfertigt es sich 

vorliegend, hinsichtlich der Kosten von einem vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin 

auszugehen. Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr vollumfänglich der Beschwerdegegnerin 

aufzuerlegen. Das bereits bewilligte Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege 

(act. G 6) wird damit hinfällig. 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

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6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz 
der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne 

Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Im hier zu beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf 

vergleichbare Fälle eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- als angemessen. Auch 
hinsichtlich der Parteientschädigung rechtfertigt es sich von einem vollen Obsiegen der 

Beschwerdeführerin auszugehen (vgl. E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin 

deshalb mit Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Das bereits 

bewilligte Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G 6) wird 

damit hinfällig. 

Entscheid 
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP  

1.  
Die Beschwerde wird dahingehend gutgeheissen, dass der Beschwerdeführerin in Aufhebung der 
angefochtenen Verfügung rückwirkend für die Zeit vom 1. Oktober 2018 bis 31. August 2019 eine halbe 

Invalidenrente und ab dem 1. September 2019 eine Viertelsrente zugesprochen wird. Die Sache wird 

zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen. 

2.  
Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. 

3.  
Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- 

(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 08.04.2025
	Art. 16 ATSG; Art. 28 IVG: Beweiskraft Gutachten bejaht. Die Behandelbarkeit einer Gesundheitsbeeinträchtigung schliesst einen Rentenanspruch nicht aus, sofern die Therapie nicht allein über die Selbsteingliederungspflicht wahrgenommen werden kann. Im vorliegenden Fall stationäre Therapie notwendig und Prognose ist ungünstig. Rentenanspruch bejaht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. April 2025, IV 2024/110).

		2026-01-28T04:32:22+0100
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen