# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c6249531-3acd-5b2c-8bbd-2ba4accc8c2c
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-27
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Sozialversicherungsgericht 27.06.2021 IV.2020.126 (SVG.2021.151)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_SVG_001_IV-2020-126_2021-06-27.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

   

  

 

 

URTEIL

 

vom 27.
Juni 2021

 

 

Mitwirkende

 

Dr. A. Pfleiderer (Vorsitz), C.
Müller, lic. iur. S. Bammatter-Glättli 

und
Gerichtsschreiber lic. iur. H. Dikenmann 

 

 

 

 

Parteien

 

A____ 

vertreten durch B____

                                                                                              Beschwerdeführerin

 

 

 

 

IV-Stelle Basel-Stadt

Rechtsdienst, Lange Gasse 7,
Postfach, 4002 Basel   

                                                                                            Beschwerdegegnerin

 

 

Gegenstand

 

IV.2020.126

Verfügung vom 17. September 2020

Invaliditätsschätzung, gemischte
Methode, insb. Schätzung des Anteils Haushalt. Validenlohn bei Frühinvalidität
im erwerblichen Anteil.

 

Tatsachen

I.        

a)        Die 1986 geborene Beschwerdeführerin wurde am 23.
April 2001 (IV-Akte 1) zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen
Invalidenversicherung (IV) für Versicherte vor dem 20. Altersjahr angemeldet.
Am 25. März 2002 sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin
medizinische Massnahmen (ambulante Psychotherapie nach ärztlicher Verordnung
vom 1. September 2001 bis 31. August 2003, IV-Akte 10, verlängert bis 30.
September 2005, IV-Akte 19) zu.

Am 9. Februar 2004 stellte die Beschwerdeführerin Antrag auf
berufliche Massnahmen (IV-Akte 16, sowie am 16. Februar 2004 unterzeichnetes
Antragsformular, IV-Akte 21).

b)        Am 20. Dezember 2007 (IV-Akte 26) beantragte die
Versicherte die Ausrichtung einer Invalidenrente. Am 3. April 2014 erfolgte
eine Abklärung im Haushalt (Bericht vom 14. April 2014, IV-Akte 83). Die
Beschwerdegegnerin nahm sodann medizinische Abklärungen vor. Sie veranlasste
(vgl. Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes [RAD] vom 7. Juli 2014,
IV-Akte 88, sig. C____, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, Zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM) eine psychiatrische Begutachtung (Gutachten von D____,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, [...], vom 27. Mai 2015, IV-Akte 95,
ergänzende Stellungnahme vom 12. April 2016, IV-Akte 125). Mit Verfügung vom
22. April 2016 lehnte die Beschwerdegegnerin die Ausrichtung einer
Invalidenrente ab (IV-Akte 128). 

Die Versicherte erhob hiergegen Beschwerde. Mit Urteil vom 17.
August 2016 (IV-Akte 135) wies die Präsidentin des Sozialversicherungsgerichts
Basel-Stadt die Sache in Gutheissung der Beschwerde und in Aufhebung der
Verfügung vom 22. April 2016 an die Beschwerdegegnerin zurück zur weiteren
Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung.

c)         Im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Schreiben vom 6.
Februar 2017, IV-Akte 140) erstattete E____, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, [...], am 30. November 2017 ein Gutachten (IV-Akte 150).
Nochmals erfolgte am 13. November 2018 ein Abklärungsbericht zur Situation im
Haushalt (IV-Akte 165). 

Mit Vorbescheid vom 8. Mai 2020 (IV-Akte 173, vgl. schon den
vorangegangenen Vorbescheid vom 17. Mai 2018, IV-Akte 154, sowie den Einwand
vom 25. Juni 2018, IV-Akte 158) kündigte die Beschwerdegegnerin die Ausrichtung
einer Viertelsrente ab 1. Januar 2018 an. Am 17. September 2020 erliess die
Beschwerdegegnerin die dem Vorbescheid entsprechenden Verfügungen (betreffend Viertelsrente
an die Beschwerdeführerin, Kinderrenten sowie Drittauszahlung, IV-Akten 177 bis
179, nachfolgend bezeichnet als «die» Verfügung vom 17. September 2020).

II.       

a)        Mit Beschwerde vom 19. Oktober 2020 beantragt die
Versicherte, es seien ihr in Aufhebung der Verfügung vom 17. September 2020 mit
Wirkung ab 1. Januar 2013 eine ganze Invalidenrente sowie zwei ganze
Kinderrenten zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin
zu weiteren Abklärungen zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird
um Kostenlerlass ersucht.

b)        Mit Beschwerdeantwort vom 2. Dezember 2020 beantragt
die Beschwerdegegnerin, es sei die Beschwerde «teilweise gutzuheissen und die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung» an sie zurückzuweisen.

c)         Mit Eingabe vom 10. Dezember 2020 beantragt die
Beschwerdeführerin, es sei die Beschwerdegegnerin aufzufordern, zur Beschwerde
materiell Stellung zu nehmen.

d)        Die Beschwerdegegnerin äussert sich am 7. Januar 2021
zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 10. Dezember 2020.

III.     

Mit Verfügung vom 18. Januar 2021 bewilligt die Instruktionsrichterin
der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und die unentgeltliche
Vertretung durch B____, Advokat.

IV.     

Die Urteilsberatung durch die Kammer des Gerichts findet auf
dem Zirkularweg statt (§ 11 Abs. 5 des Gesetzes vom 9. Mai 2001 über das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Basel-Stadt und über das Schiedsgericht
in Sozialversicherungssachen [Sozialversicherungsgerichtsgesetz, SVGG; SG
154.200]).

Entscheidungsgründe

1.              
 

1.1.         
Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist als einzige kantonale
Instanz sachlich zuständig zum Entscheid über die vorliegende Streitigkeit (§
82 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die Organisation
der Gerichte und der Staatsanwaltschaft [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG; SG
154.100]). Die örtliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 69 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20).    

1.2.         
Da die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist (Art. 60 des
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]) und auch die übrigen formellen
Beschwerdevoraussetzungen erfüllt sind, ist darauf einzutreten.  

2.              
 

2.1.         
Mit der angefochtenen Verfügung vom 17. September 2020 hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Januar 2018 eine
Viertelsrente zuzüglich zweier entsprechender Kinderrenten zugesprochen. Die
Beschwerdeführerin beantragt demgegenüber, es sei ihr mit Wirkung ab 1. Januar
2013 eine ganze Invalidenrente zuzüglich entsprechender Kinderrenten
zuzusprechen.

In medizinisch-theoretischer Hinsicht stützt sich der
Rentenentscheid auf das Gutachten von E____ vom 30. November 2017 (IV-Akte
150). Die Gutachterin attestiert der Versicherten (IV-Akte 150 S. 23), dass eine
Arbeitsfähigkeit von 40% an vier oder fünf halben Tagen zumutbar und umsetzbar
sei, dass jedoch eine Steigerung darüber hinaus zur fraglichen Zeit und bis
heute störungsbedingt nicht möglich sei. Gestützt auf eine Abklärung im
Haushalt hat die Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad nach der gemischten
Bemessungsmethode ermittelt. Sie nahm dabei an, die Versicherte wäre im
Gesundheitsfall zunächst ganz im Haushalt tätig gewesen. Ab August 2013 habe
der Anteil Erwerb 36% bzw. der Anteil Haushalt 64% und ab August 2015 hätten
die Anteile Erwerb und Haushalt je 50% betragen (vgl. Bericht vom 14. April
2014, IV-Akte 83, sowie Bericht vom 13. November 2018, IV-Akte 165).

Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Auffassung, die
Versicherte verfüge über keine in der Wirtschaft realisierbare
Arbeitsfähigkeit. Mit Blick auf die Statusfrage macht sie geltend, sie wäre im
Gesundheitsfall voll erwerbstätig. Ferner wird die Bemessung des Validenlohnes
sowie die Einschätzung der Einschränkungen im Haushalt beanstandet (vgl.
Beschwerde S. 10 f.). 

Ob die angefochtene Verfügung mit Blick auf diese Einwendungen
der Prüfung standhält, ist nachfolgend zu prüfen.

2.2.         
Vorweg ist noch Stellung zu nehmen zum Antrag der Beschwerdegegnerin
in der Beschwerdeantwort.

Die Beschwerdegegnerin begründet ihren Antrag auf Rückweisung
der Sache zur weiteren Abklärung, dass an der Verfügung vom 17. September 2020
nicht festgehalten werden könne, da mit dem Rentenentscheid trotz der
Empfehlung des RAD (IV-Akte 170 S. 2) weder Eingliederungsmassnahmen geprüft
noch durchgeführt worden seien.

Allein mit dieser von der Beschwerdegegnerin vorgebrachten
Begründung besteht jedoch kein Anlass, die Verfügung vom 17. September 2020
aufzuheben.

Zwar ist richtig, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund des
geltenden Grundsatzes Eingliederung vor Rente grundsätzlich berufliche
Massnahmen zu prüfen hat. Ob die Beschwerdegegnerin in casu
Eingliederungsmassnahmen durchzuführen hat oder nicht, bildet aber nicht
Gegenstand des Verfahrens. Die angefochtene Verfügung spricht sich nämlich
lediglich über den Rentenanspruch aus. Die Eingliederungsmassnahmen können im
Übrigen nicht deshalb im Beschwerdeverfahren zum Streitgegenstand erhoben
werden, weil die Verwaltung es pflichtwidrig unterliess, hierüber vorab oder
gleichzeitig mit dem Rentenbescheid zu verfügen (Urteil des Bundesgerichts 9C_575/2012
vom 25. September 2012 E. 3 mit Hinweis). Hinzuweisen ist diesbezüglich
immerhin auf die nachstehend in Erw. 3.2.1. erörterte Bemerkung der Fachstelle
«Eingliederung» der Beschwerdegegnerin, wonach Eingliederungsmassnahmen vor dem
Rentenentscheid als «nicht sinnvoll» bezeichnet wurden (vgl. Aktennotiz vom 5.
Mai 2020, IV-Akte 172).

Ob der Beschwerdeführerin Eingliederungsmassnahmen zustehen
oder nicht, kann somit nicht abschliessend beurteilt werden. Immerhin kann aber
festgehalten werden, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrer Beschwerdeantwort
die Bereitschaft kundtut, die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen zu prüfen.

3.              
 

3.1.         
3.1.1. E____ hat gemäss Gutachten vom 30. November 2017 (IV-Akte
150) eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung / Borderline Typ (ICD-10:
F60.31) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte
Episode (ICD-10: F33.0), diagnostiziert (IV-Akte 150 S. 20). Als Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führt die Expertin eine psychische Störung
bzw. Verhaltensstörung durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
abstinent (ICD-10: F12.20), an.

E____ hält fest, die Borderline-Persönlichkeitsstörung sei durchgehend
als Hauptdiagnose anzusehen (IV-Akte 150 S. 20). Der Verlauf werde zeitweilig
erschwert durch rezidivierende depressive Zustände. Durch die Grunderkrankung
wie auch durch die Verfügbarkeit im Freundeskreis bestehe eine Rückfallgefahr
in erneuten Cannabiskonsum.

Die Expertin beschreibt das Störungsbild (IV-Akte 150 S. 17
f.). Die Versicherte habe sich als Kind überangepasst und gehemmt verhalten, um
weder Mutter noch Vater zu reizen und um drohende Schläge zu verhindern. Sie
sei vom 4. bis 8. Lebensjahr durch einen Jugendlichen wiederholt sexuell missbraucht
worden. Mit 14 Jahren habe sie im Kollegenkreis eine Vergewaltigung erlitten.
Darüber habe sie bis ins 18. Lebensjahr geschwiegen. Seit dem Schulalter sei die
Entwicklung auffällig verlaufen, mit Kontaktschwierigkeiten, Ängsten und Lernstörungen.
Der Vater sei im 12. Lebensjahr der Versicherten infolge einer Krebserkrankung
verstorben. 

Aus dieser Zeit werde erstmals über (sich selbst zugefügte) Schnittverletzungen
berichtet. Damals habe auch der Konsum von Cannabis, Alkohol und Nikotin begonnen.
Die Beschwerdeführerin habe sich mit wesentlich älteren Männern in
selbstdestruktive Beziehungen eingelassen und habe die Schule abgebrochen. Im
14. Altersjahr sei wegen den Auffälligkeiten eine Abklärung in der Kinder- und
Jugendpsychiatrie durchgeführt und eine ambulante Therapie eingeleitet worden. 

E____ verneint eine primäre Cannabis- bzw. Alkoholabhängigkeit.
Dagegen spricht gemäss ihren Darlegungen eine grosse Therapieadhärenz von
einigen Jahren zur Jugendtherapeutin. Auch habe die Versicherte als Jugendliche
Hilfe und Führung gut angenommen. Sie habe unter Therapie in einem Praktikum
auf einem Reithof gut kooperiert. Die Schule habe sie regulär abschliessen
können. 

Im therapeutischen Rahmen habe es immer wieder Zeiten von
Cannabisabstinenz gegeben, jedoch habe diese längerfristig nicht
aufrechterhalten werden können. 

Aus der Zeit der Jugendtherapie seien starke und
unvorhergesehene Wechsel zwischen erstaunlichen Verbesserungen und abrupten,
unerwarteten Einbrüchen dokumentiert, was nach Einschätzung der Expertin für
eine Borderline-Persönlichkeitsstörung bereits in Jugendjahren spricht.

Die Explorandin leide unter einer frühen Bindungsstörung, die
sie bis heute, trotz vielen therapeutischen Bemühungen, nicht habe überwinden können.
Diese zeige sich in der erwähnten Borderline-Persönlichkeitsstörung mit wenig
innerem Halt, Selbstverletzungen, emotionalen und aggressiven Durchbrüchen, die
sich retrospektiv schon in der Pubertät als solche bemerkbar gemacht habe und
zu Schulunterbruch und Cannabiskonsum geführt habe.

Die Störung müsse vom zeitlichen Ablauf her und aufgrund der
hilfesuchenden Dynamik als primär, der Cannabiskonsum als sekundär betrachtet
werden. Die Entlastung von den täglichen Mutterpflichten sei als adäquat zu
beurteilen und ermögliche, den Fokus auf eine berufliche Teilintegration zu
setzen. 

Das Sistieren des Cannabiskonsums sei für die verfügbare
Energie der Explorandin als günstig zu betrachten, bringe aber bezüglich der
Borderline Persönlichkeitsstörung mit wenig innerer Struktur keine grundlegende
Verbesserung.

3.1.2.  Die Gutachterin attestiert der Versicherten (IV-Akte
150 S. 23), dass der Rahmen von 40% an vier oder fünf halben Tagen zumutbar und
umsetzbar sei, dass jedoch eine Steigerung darüber hinaus zur fraglichen Zeit
und bis heute störungsbedingt nicht möglich sei.

Diese Einschätzung nimmt die Gutachterin mit Blick auf den ersten
Arbeitsmarkt vor (IV-Akte S. 23). Dies aufgrund der schwachen eigenen
Strukturiertheit mit zeitweiliger Impulshaftigkeit und Neigung zu selbstdestruktivem
Verhalten. E____ bezeichnet im Rahmen von 40% eine leichte Hilfsarbeit als vorstellbar,
wie das Auffüllen von Regalen oder Hilfsarbeiten in einer Kantine. Die
rezidivierenden Depressionen seien dabei berücksichtigt, da sie bei
rechtzeitiger konsequenter Behandlung und Cannabisabstinenz nicht zu einer
Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit führten.

3.1.3.  Der RAD hat sich dieser Einschätzung angeschlossen
(Stellungnahme vom 22. März 2018, IV-Akte 152, sig. F____, Facharzt Psychiatrie
und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM). Er weicht
allerdings hinsichlich des Beginns der Arbeitsunfähigkeit von der Beurteilung
von E____ ab.

Die Expertin hat dargelegt (IV-Akte 150 S. 23), die Explorandin
habe sich entschieden, vorerst als junge Mutter keiner Berufstätigkeit
nachzugehen. Mit dem Erkennen der Strukturprobleme und der Festlegung auf die
Diagnose der Borderline-Störung in der Klinik G____ 2012 seien in der Folge
massive Entlastungen für den Alltag der Explorandin wie eine Verbeiständung,
das Platzieren der Tochter und Familienbegleitung veranlasst worden, sodass die
Explorandin weiterhin die Rolle als Mutter für den Sohn habe erfüllen können.
Ab 2012 seien verschiedene Anstrengungen unternommen worden, die Explorandin in
die Lage zu versetzen, sich in die Arbeitswelt integrieren zu können. Es seien ambulante
und teilstationäre Therapien, Skill-Trainings und störungsspezifische
dreimonatige stationäre Aufenthalte auf der Psychotherapieabteilung 2015 und
nochmals 2017 unternommen worden. Es habe zum damaligen Zeitpunkt die Chance
auf eine höherprozentige Arbeitsintegration durch Entlastung, Arbeitstraining
und Therapie bestanden, so dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch das
Gutachten D____ durchaus plausibel erschienen sei, zumal sich die Explorandin
damals in verbessertem Zustand und aktiv in einem Arbeitstraining stehend
präsentiert habe. Mit dieser Begründung lässt die Gutachterin die von ihr attestierte
Arbeitsfähigkeit von 40% ab dem Zeitpunkt der gescheiterten
Arbeitsrehabilitation vom 27. Mai 2015 einsetzen.

Der RAD führt dazu aus, die strukturellen Defizite in der
Persönlichkeit und deren Auswirkungen seien bei der Versicherten Person mit
hoher zeitlicher Konstanz vorhanden und somit zumindest ab 2012
anzunehmen. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von D____ sei «zu
optimistisch» gewesen. Zwar habe E____ für 2015 eine Chance auf eine
höherprozentige Arbeitsintegration bejaht. Der RAD hält dazu jedoch zutreffend
fest, dass diese Chance krankheitsbedingt aber nie realisiert worden sei.

3.2.         
3.2.1. Die Beschwerdeführerin äussert sich zur Einschätzung der
Gutachterin E____ insoweit, indem sie anführt (Beschwerde S. 10 Ziff. 16.2),
die Gutachterin, der RAD und die seinerzeit behandelnde Ärztin hätten Zweifel
an einer Eingliederung der Beschwerdeführerin in den ersten Arbeitsmarkt
geäussert und die Fähigkeit zur Selbsteingliederung werde von keiner Seite
thematisiert. Die Beschwerdegegnerin wäre jedenfalls verpflichtet, die
Beschwerdeführerin einzugliedern, wobei sie «aus nachvollziehbaren Gründen
hierzu offensichtlich nicht bereit» sei. Die Beschwerde (S. 8 Ziff. 14)
verweist diesbezüglich auf die Aktennotiz der Beschwerdegegnerin vom 5. Mai
2020 (IV-Akte 172), wonach die Fachstelle „Eingliederung“ Anfang März 2020 den Abschluss
der Eingliederung besprochen habe und zum Schluss gekommen sei, die Versicherte
sei noch nie berufstätig gewesen und Eingliederungsmassnahmen vor dem
Rentenentscheid nicht sinnvoll seien. Zudem bestehe mit einer Arbeitsfähigkeit
von 40% nur ein geringes Potential. Sollte die Versicherte Interesse haben,
könne dies anschliessend durchgeführt werden.

Die Argumentation dreht sich um die Frage der Voraussetzungen
zur Gewährung von Eingliederungsmassnahmen. Dagegen werden die
Schlussfolgerungen der Gutachterin zur Restarbeitsfähigkeit auch in der
Beschwerde nicht substantiiert in Frage gestellt.

3.2.2.  Die Beschwerdeführerin verweist (Beschwerde S. 10 Ziff.
16.3) auf einen Abschlussbericht Arbeitsrehabilitation der H____ [...] (H____)
vom 19. Mai 2015 (IV-Akte 119 S. 3 ff.), wonach nach 2 Stunden die
Konzentration und die Aufmerksamkeit der Versicherten nachgelassen hätten, was
zu vermehrten Fehlern geführt habe. E____ ignoriert diesen Umstand bei ihrer
Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit jedoch nicht. Vielmehr legt sie dar, wenn
infolge Nachlassens der Konzentration nach 2 Stunden vermehrt Fehler
entstünden, so könne dies in einer leichten Hilfsarbeit im Sinne von Ungenauigkeiten
toleriert werden (IV-Akte 150 S. 24).

3.2.3.  Die Beschwerdeführerin spricht auch die Stellungnahme
des RAD vom 28. Februar 2019 an (IV-Akte 170 S. 2). Der RAD führt aus, anhand
der grossen strukturellen Defizite auf der Persönlichkeitsebene, die kongruent
von der Behandlerin und der Gutachterin abgebildet würden, sei es «tatsächlich
fraglich, ob die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit auch praktisch
umsetzbar ist, das heisst ob die versicherte Person überhaupt in einem
Arbeitsumfeld auf dem ersten Arbeitsmarkt dauerhaft einsetzbar ist und einem
Arbeitgeber zumutbar ist». Der RAD führt weiter aus, die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sei im vorliegenden Fall eine medizinisch-theoretische, vor
allem da die versicherte Person noch nie tatsächlich in der freien Wirtschaft
gearbeitet habe und seit Jugend hauptsächlich störungsbedingt mit den Kindern, Partnerschaften
und ihrer eigenen psychischen Situation beschäftigt gewesen sei. Insgesamt
erschienen die Ressourcen der versicherten Person doch recht fragil und
eingeschränkt. Der RAD erachtet es auch als fraglich, ob Fehler in leichten
Hilfstätigkeiten dauerhaft von einem Arbeitgeber toleriert würden. Mit dieser
Begründung befürwortet es der RAD, dass die versicherte Person durch ein
Arbeitstraining an die medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit
herangeführt werde, er zieht jedoch nicht die medizinisch-theoretische
Einschätzung der Gutachterin als solche in Zweifel.

3.3.         
Zusammenfassend ergibt sich kein Anlass zu Zweifeln an der
Einschätzung der Gutachterin hinsichtlich der aktuellen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Hinsichtlich deren Beginns ist jedoch auf die einleuchtenden
Erörterungen des RAD vom 22. März 2018 (IV-Akte 152) abzustellen. 

4.              
 

4.1.         
4.1.1. Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird
für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben
auch im Aufgabenbereich (gemäss Art. 7 Abs. 2 IVG) tätig, so wird die
Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem
Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu
bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Methode der
Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 144 I 21, 24 E. 2.1).  

Bei Anwendbarkeit dieser Methode werden für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und
der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich summiert
(vgl. Art. 27bis Abs. 2 lit. a und lit. b der Verordnung vom 17.
Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).  

4.1.2.  Gemäss dem seit 1. Januar 2018 in Kraft stehenden Art.
27bis Abs. 3 IVV richtet sich die Berechnung des Invaliditätsgrades
in Bezug auf die Erwerbstätigkeit nach Art. 16 ATSG, wobei (a.) das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine
Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird und (b.) die prozentuale
Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die Person hätte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird. Nach dem bis 31. Dezember 2017
massgeblichen Recht unterblieb dagegen die erwähnte Hochrechnung des
Valideneinkommens auf eine Vollerwerbstätigkeit; massgeblich war das
Valideneinkommen entsprechend dem für den Gesundheitsfall angenommenen
Beschäftigungsgrad im erwerblichen Teil.

4.1.3.  Die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person
ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, ist mit Rücksicht auf
die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und
erwerblichen Verhältnisse, zu beantworten. Zu berücksichtigen sind namentlich
allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die
beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und
Begabungen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der
Verfügung entwickelt haben (BGE 141 V 15, 20 E. 3.1; BGE 137 V 334, 338 E. 3.2;
BGE 125 V 146, 150 E. 2c). Ein starkes Indiz ist dabei die Tätigkeit, welche
bei Eintritt der invalidisierenden gesundheitlichen Beeinträchtigung
tatsächlich – und unter Umständen seit längerer Zeit – ausgeübt wurde, vor
allem bei sonst im Wesentlichen unveränderten Verhältnissen bis zur Entstehung
des Rentenanspruches (SVR 2010 IV Nr. 35 S. 111; Urteil des Bundesgerichts
9C_565/2015 vom 29. Januar 2016 E. 3.2).    

4.2.         
4.2.1. Gestützt auf eine Abklärung im Haushalt hat die
Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad nach der gemischten Bemessungsmethode
ermittelt. Sie nahm dabei an, die Versicherte wäre im Gesundheitsfall zunächst
ganz im Haushalt mit ihren Kindern tätig gewesen. Ab August 2013 habe der
Anteil Erwerb 36% (bzw. der Anteil Haushalt 64%, Abklärungsbericht vom 14.
April 2014, IV-Akte 83 S. 5) und ab August 2014 (vgl. Bericht vom 13. November
2018, IV-Akte 165 S. 2) hätten die Anteile Erwerb und Haushalt je 50% betragen.

4.2.2.  Im April 2014 hatte die Abklärungsperson notiert (vgl.
IV-Akte 83 S. 3), die Versicherte sei ohne gesundheitliche Probleme seit der
Geburt der im Dezember 2004 geborenen Tochter zu 50% erwerbstätig gewesen.
Diese Erwerbstätigkeit hätte sie auch nach der Geburt des Sohnes im Dezember
2008 weitergeführt (vgl. auch am 3. April 2014 von der Versicherten
unterzeichnete Erklärung, IV-Akte 82).

Die Abklärungsperson erachtete das von der Versicherten
angegebene Ausmass der Erwerbstätigkeit als nicht glaubwürdig, da die
Versicherte bis im Juni 2013 keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sei, dies
obwohl sie gemäss dem damals aktenkundigen Gutachten von D____ vom Dezember
2008 arbeitsfähig gewesen sei. Weiter ging die Abklärungsperson davon aus, dass
die Kinder sich bei guter Gesundheit der Versicherten bei ihr aufgehalten
hätten. Bis zum Eintritt des Sohnes in den Kindergarten im August 2013 sei die
Beschwerdeführerin wegen ihrer Kinder als ausschliesslich im Haushalt tätig
einzustufen.

Ab Juni 2003 habe die Versicherte an 2 Nachmittagen pro Woche
jeweils von 13 bis 16 Uhr in einem Handwerksatelier gearbeitet. Unter
Berücksichtigung dieses Umstandes sowie aufgrund des Eintritts des Sohnes in
den Kindergarten ab August 2013 erachtete die Abklärungsperson eine
Teilerwerbstätigkeit der Versicherten als nachvollziehbar. Sie schätzte diese
auf ein Pensum von 36%. Zur Begründung hielt sie fest, der Sohn halte sich
jeweils von 8-12 Uhr im Kindergarten auf, die Kinderbetreuung am Nachmittag
müsste durch die Versicherte gewährleistet werden. Die Beschwerdeführerin
schicke den Sohn am Morgen zwar alleine in den sehr nahegelegenen Kindergarten.
Eine Erwerbstätigkeit sei aber daher grundsätzlich lediglich unter
Berücksichtigung insbesondere der Kindergartenzeiten möglich (4 Std.). Zu
beachten sei aber, dass die Beschwerdeführerin bei einer Erwerbstätigkeit auch
selbst einen Arbeitsweg zu bewältigen hätte und zu Hause sein müsste, wenn der
5-jährige Schulschluss habe. Somit sei lediglich eine Erwerbstätigkeit von
durchschnittlich 3 Stunden täglich bzw. 15 Stunden wöchentlich nachvollziehbar,
was bezogen auf ein Vollpensum von 42 Std./W. einem Arbeitspensum von 36% entspreche
(IV-Akte 83 S. 4 f.).

In der Stellungnahme vom 13. November 2018 (IV-Akte 165 S. 2),
somit nach Erstellung des Gutachtens von E____, hielt die Abklärungsperson an
ihren Einschätzungen, d.h. der Annahme einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 36%
ab August 2013 fest. Ab Beginn des 2. Kindergartenjahrs des Sohnes d.h. ab August
2014, erachtete es die Abklärungsperson dann aber als überwiegend
wahrscheinlich, dass der Kindergartenweg eingeübt und eine Überwachung des
Sohnes dabei nicht mehr notwendig gewesen sei. Bei Vorliegen dieser
Ausgangslage erscheine eine Erwerbstätigkeit von 50% ab August 2014 nachvollziehbar.

4.2.3.  In der Stellungnahme vom 13. November 2018 will die Abklärungsperson
an der Aufteilung der Bereiche Haushalt und Erwerbstätigkeit zu je 50% ab
August 2014 trotz des Umstandes festhalten, dass seit 2017 nun nicht nur die
Tochter, sondern auch der jüngere Sohn fremdplatziert sind. Die
Abklärungsperson will diesen Wegfall der Betreuungsbelastung mit der Begründung
unbeachtet lassen, es sei überwiegend wahrscheinlich, dass sich die beiden
Kinder bei guter Gesundheit der Versicherten bei ihr aufhalten würden, d.h. sie
die damit verbundene Verantwortung, die mit der Kinderbetreuung einhergeht,
tragen müsste.

4.3.         
In vorliegendem Zusammenhang ist die Klärung der Statusfrage nicht
einfach zu beantworten. Fraglich erscheint, bis zu welchem Grad die Faktoren,
welche bei der Klärung der Statusfrage hineinspielen könnten, ihrerseits einer
hypothetischen Betrachtungsweise unterzogen werden können. Zwar mag theoretisch
die Überlegung der Abklärungsperson zutreffen, dass die Kinder nicht einer
Fremdbetreuung bedürften, wenn die Versicherte nicht an der vorliegend
diagnostizierten psychischen Erkrankung litte. Mit gleicher Begründung konnte demgegenüber
aber etwa argumentiert werden, dass sie ohne ihre psychischen Belastungen einen
Beruf erlernt und auch ausgeübt hätte. Dann könnte ihr die fehlende
Erwerbsbiografie nicht entgegengehalten werden. Je weiter der Kreis der
hypothetischen Überlegungen gezogen wird, desto mehr lassen sich Faktoren
finden, die für oder gegen ein hohes Erwerbspensum sprechen und sich damit gegenseitig
aufheben.

Angemessen erscheint dem Gericht daher unter Berücksichtigung
der vorliegenden Situation, sowohl bis 2017 als auch für die Zeit danach
zunächst auf die tatsächlichen Gegebenheiten der Kinderbetreuung, so wie sie in
den Akten dokumentiert sind, abzustellen. Dies führt dazu, dass die
Einschätzung der Abklärungsperson für die Verhältnisse bis 2017 nicht zu
beanstanden ist. Ab 2017 ist jedoch dem Umstand, dass beide Kinder der
Versicherten fremdbetreut waren, Rechnung zu tragen.

Im Gutachten von E____ wird festgehalten, die Versicherte habe
den «nun 9-jährigen Sohn» (geboren im Dezember 2008) in der gleichen
Pflegefamilie wie die 13-jährige Tochter platziert. Dieser habe bis April 2017
bei ihr gewohnt (IV-Akte 150 S. 14).

Die Versicherte könnte angesichts ihrer fehlenden beruflichen
Qualifikationen lediglich eine einfache Tätigkeit ausüben. Sie wäre darum, um
ihren Lebensunterhalt abzudecken und auch an den Unterhalt der fremdplatzierten
Kinder beitragen zu können, auf ein hohes Arbeitspensum angewiesen gewesen.
Dieses ist auf 80% zu veranschlagen.

Geht man davon aus, dass die Versicherte nach dem gewöhnlichen
Lauf der Dinge das bis dahin geltende Pensum von 50% nicht sofort hätte
aufstocken können, so darf diese Aufstockung auf 80% jedenfalls spätestens bis Ende
September 2017 angenommen werden. Mit Blick auf Art. 88a Abs. 2 IVV ist
festzuhalten, dass diese Pensenveränderung somit ab 1. Januar 2018 als
rentenwirksam zu betrachten ist. 

5.              
 

5.1.         
5.1.1. Aufgrund der (fehlenden) Erwerbsbiographie hat die Beschwerdegegnerin
für den Einkommensvergleich im erwerblichen Bereich Tabellenlöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik herangezogen. Sie
stellte dabei auf den Tabellenlohn gemäss TA1, Total Frauen, Kompetenzniveau 1,
mit Umrechnung von 40 auf 41,7 Wochenstunden, ab. 

5.1.2.  Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, es
sei bei der Bemessung des Invaliditätsgrades vom Validenlohn bei frühinvaliden
Personen auszugehen (Beschwerde S. 10 Ziff. 16.1 lit. d bzw. will S. 11 Ziff.
16.5). Sie verweist auf Art. 26 IVV. Dort ist vorgesehen, dass sofern die
versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen
Kenntnisse erwerben konnte, das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide
erzielen könnte, nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich
aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für
Statistik entspreche. 

Vorliegend hat E____ in Beantwortung der Frage nach IV-fremden
Faktoren (Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Lage, Alter, Bildung, Sprache,
soziokulturelle Einflüsse) festgehalten, die Persönlichkeitsstörung sei als
stärkster Faktor zu gewichten. Ausbildung und Berufserfahrung fehlten völlig,
neben Erkrankungsfaktoren auch wegen der frühen Mutterschaft (IV-Akte 150 S. 19
Ziff. 5.4). In der Beschreibung des Störungsbildes (IV-Akte 150 S. 17 ff.) hält
E____ fest, in der Jugendtherapie seien starke und unvorhergesehene Wechsel
zwischen erstaunlichen Verbesserungen und abrupten, unerwarteten Einbrüchen
dokumentiert, was für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung bereits in
Jugendjahren spreche. Mit 18 Jahren «wurde sie erstmals Mutter, wie wenn sie
damit den Weg der beruflichen Herausforderung umgehen wollte». Diese
Bemerkungen fügen sich in das Gesamtbild, dass vorliegend die schon in der
Jugendzeit aufgetretene Erkrankung der bestimmende Faktor war, welcher die
Inangriffnahme einer an die Grundschule (9 Jahre) anschliessenden
Berufsausbildung verhinderte. Die Gutachterin stellt auch klar, dass vor dem
Konsum von Cannabis bereits eine psychische Gesundheitsstörung bestanden hatte.
Diese sei von den [...] als chronisch depressive Entwicklung festgehalten,
welcher eine narzisstische Störung zugrunde liege. Bei der noch sehr jungen
Explorandin sei damals vorsichtig eine Dysthymia diagnostiziert worden. Aus
heutiger Sicht habe die vorliegende Persönlichkeitsstörung bereits vor der
Sucht mit Selbstverletzungen als 12-jährige begonnen. Der Konsum sei als
sekundär zur psychischen Erkrankung zu betrachten, Cannabis sei als Selbstmedikation
gegen Ängste, depressive Gefühle und Einschlafstörungen eingenommen worden (IV-Akte
150 S. 19). All dies spricht vorliegend für die Anwendbarkeit von Art. 26 Abs.
1 IVV.

5.1.3.  Die Beschwerdeführerin ist 1986 geboren. Für die per 1.
Januar 2018 vorzunehmende Invaliditätsschätzung sind somit 100% des in Art. 26
Abs. 1 IVV genannten Medianwertes einzusetzen. 

Für die per 2013 und 2014 zu tätigenden Einkommensvergleiche (bei
Alter 27 bzw. 28 in den Jahren 2013 und 2014) sind gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV
90% des Medianwertes einzusetzen.

Die entsprechenden Werte werden jährlich vom BSV mit
IV-Rundschreiben bekanntgegeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_611/2014 vom
19. Februar 2015 E. 3.2).

Vorliegend hat die Beschwerdegengegnerin Einkommensvergleiche
für das Jahr 2013, 2014 sowie 2018 vorgenommen. Massgeblich sind damit die
IV-Rundschreiben Nr. 317 vom 17. Oktober 2012 (CHF 77'000.--) bzw. Nr. 324 vom
27. November 2013 (CHF 77'000.--), sowie Nr. 369 vom 19. Dezember 2017 (CHF
82'000.--).

Für die Einkommensvergleiche per 2013 und 2014 sind als
Valideneinkommen 90% von CHF 77'000.--, somit CHF 69'300.-- einzusetzen.

5.2.         
Die jeweils eingesetzten Werte für die Invalideneinkommen sind nicht
beanstandet und es ist kein Indiz ersichtlich, dass die Werte zu korrigieren
wären. Die Beschwerdegegnerin hat jeweils noch einen leidensbedingten Abzug von
10% gewährt, was ebenfalls nicht zu korrigieren ist.

5.3.         
Für den Einkommensvergleich im erwerblichen Bereich sind
nachfolgende Zahlen einzusetzen:

5.3.1. Ab August 2013 beträgt das Valideneinkommen 36% von CHF
69'300.--, somit CHF 24'948.--. Dem Invalideneinkommen von CHF 16'780.-- gegenübergestellt
(IV-Akte 177 S. 5), ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 32,7%. Gewichtet
entsprechend dem Erwerbsanteil von 36% resultiert für den erwerblichen Teil ein
Invaliditätsgrad von 11,78% oder aufgerundet 12%.

5.3.2.  Ab August 2014 beträgt das Valideneinkommen 50% von CHF
69’300.--, somit 36'650.--. Dem Invalideneinkommen von CHF 19'365.-- gegenübergestellt
(IV-Akte 177 S. 7), resultiert ein Invaliditätsgrad von 47%. Gewichtet
entsprechend dem Erwerbsanteil von 50% ergibt sich für den erwerblichen Teil
ein Invaliditätsgrad von 23,58% oder gerundet 24%.

5.3.3.  Nach dem Dargelegten ist mit Blick auf Art. 88a Abs. 2
IVV (vgl. Erw. 4.3. a.E.) ab 1. Januar 2018 von einem Erwerbsanteil von 80%
auszugehen. Zusätzlich gilt ab diesem Datum gemäss dem auf diesen Zeitpunkt in
Kraft gesetzten Recht, dass das Valideneinkommen entsprechend einem Pensum von
100% zu berechnen ist.

Gemäss IV-Rundschreiben Nr. 369 ist ein Validenlohn von CHF 82'000.--massgeblich.
Dem Invalideneinkommen von CHF 19'365.-- (IV-Akte 177 S. 7) gegenübergestellt,
ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 76,38%. Gewichtet entsprechend dem
Erwerbsanteil von 80% beträgt der Invaliditätsgrad 61%.

6.              
 

E____ hält im Gutachten (IV-Akte 150 S. 22) fest, es sei im
April 2014 eine Haushaltsabklärung durchgeführt worden. Die Einschränkung im Haushalt
sei bis November 2013 mit 30% und ab Dezember 2013 28% geschätzt worden (vgl.
Bericht vom 14. April 2014, IV-Akte 83 S. 9).

Die Expertin verweist auf das Gutachten von D____, wonach bei
Cannabisabstinenz keine Einschränkung im Haushalt bestehe. Die Explorandin habe
in der Untersuchung durch E____ aber angegeben, sie möchte ihren Haushalt zwar selbständig
führen, aber sie schaffe es nicht immer, das Geschirr wegzuräumen und Staub zu
saugen. Die behandelnde Psychologin empfehle ihr dringend eine Hilfe durch die
Psychiatrie-Spitex. Die Expertin vermerkt, dass anlässlich verschiedener
Klinikaufenthalte ein desolater Zustand des Haushaltes beschrieben und Hilfe
zum Aufräumen organisiert worden sei und dass in der Zwischenzeit beide Kinder
weitgehend in einer Pflegefamilie platziert seien, was als grosse Entlastung
der Haushaltsanforderungen zu werten sei. Vor diesem Hintergrund erachtet die
Expertin die Versicherte als in der Lage, den Haushalt ohne Einschränkungen
bewältigen zu können (IV-Akte 150 S. 24 Ziff. 11.3.). E____ äussert sich aber
nicht explizit zur Situation, bevor beide Kinder fremdbetreut wurden. Aufgrund
der gutachterlichen Äusserungen sind somit keine Zweifel an der Einschätzung
der Haushaltsabklärung für diese Zeitspanne bis Mai 2017 begründet.

Die Beschwerdegegnerin geht auch für die Zeit ab der
Fremdbetreuung beider Kinder von einer Einschränkung von 28% aus. Da sich auch
gemäss der Beschreibung der Gutachterin nach wie vor Schwierigkeiten bei der
Haushaltsführung präsentieren, besteht kein Grund, von dem in der Verfügung
anerkannten Ausmass der Einschränkung um 28% ab Dezember 2013 abzugehen.

7.              
 

7.1.         
Die Einschränkung im Haushalt im Rahmen einer ausschliesslichen
Haushaltstätigkeit bis Juli 2013 beträgt 30% (vgl. Bericht vom 14. April 2014,
IV-Akte 83 S. 9), womit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad besteht. 

7.2.         
Die gewichtete Einschränkung im Haushalt (Anteil 64%) ab August 2013
schätzt die Beschwerdegegnerin auf 17,92% (IV-Akte 177 S. 6). Rechnet man den
Invaliditätsgrad im erwerblichen Teil von 12% (Erw. 5.3.1.) hinzu, ergibt sich
nach wie vor ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von gerundet 30%.

7.3.         
Die gewichtete Einschränkung im Haushalt (Anteil 50%) ab August 2014
wird auf 14% geschätzt. Unter Hinzurechnung des Invaliditätsgrades im
erwerblichen Bereich von 24% (Erw. 5.3.2.) ergibt sich ein wiederum
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 38%.

7.4.         
Gemäss vorstehenden Ausführungen resultiert ab 1. Januar 2018 im
erwerblichen Bereich (80%) ein gewichteter Invaliditätsgrad von 61%. Für den Haushalt
ist, ausgehend von einer Einschränkung von 28%, bei einem Anteil von 20% ein
Invaliditätsgrad von 5,6% hinzuzurechnen. Gesamthaft ergibt sich ein gerundeter
Invaliditätsgrad von 67%, was zu einer Dreiviertelsrente (Art. 28 Abs. 2 IVG) ab
1. Januar 2018 berechtigt.

8.              
 

8.1.         
Zusammenfassend ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 17. September 2020 dahingehend abzuändern,
dass der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2018 ein Dreiviertelsrente auszurichten
ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.

Vorliegend dringt die Beschwerdeführerin mit ihren
Rechtsbegehren nur teilweise durch. Für die Verlegung der Verfahrenskosten ist
die Halbierung der ordentlichen Kosten wie die Zusprache einer um die Hälfte
reduzierten Parteientschädigung vorzusehen.

8.2.         
Dementsprechend sind die ordentlichen Kosten mit einer Gebühr von
CHF 800.-- von den Parteien je hälftig zu tragen. Der Anteil der
Beschwerdeführerin geht zufolge Bewilligung des Kostenerlasses zu Lasten des
Staates

8.3.         
Das Sozialversicherungsgericht spricht im Sinne einer Faustregel in
durchschnittlichen IV-Fällen wie dem vorliegenden bei Obsiegen des Versicherten
eine Parteientschädigung von CHF 3'750.-- bzw. bei Wettschlagen der
ausserordentlichen Kosten ein Kostenerlasshonorar von Fr. 3’000.-- (inkl.
Auslagen) zu.  

Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin
entsprechend dem Ausgang des Verfahrens eine Parteientschädigung von CHF
1'875.-- (inkl. Auslagen) zu entrichten. 

Die ausserordentlichen Kosten werden im Übrigen wettgeschlagen.
Entsprechend Prozessausgang sind dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin im
Kostenerlass CHF 1'500.-- (inkl. Auslagen) aus der Gerichtskasse auszurichten.

Entsprechend der Eingabe des Vertreters der Beschwerdeführerin
vom 22. Januar 2021 erfolgt auf den genannten Beträgen kein
Mehrwertsteuerzuschlag.

Demgemäss erkennt das
Sozialversicherungsgericht:

://:        In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird
die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 17. September 2020 dahingehend abgeändert,
dass die Beschwerdegegnerin verpflichtet wird, der Beschwerdeführerin ab 1.
Januar 2018 eine Dreiviertelsrente zuzüglich zweier entsprechender Kinderrenten
auszurichten.

            Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.

            Die Parteien tragen die ordentlichen Kosten
des Verfahrens, bestehend aus einer Gebühr von CHF 800.--, je zur Hälfte.
Zufolge Bewilligung des Kostenerlasses an die Beschwerdeführerin geht ihr
Anteil zu Lasten des Staates.

            Die Beschwerdegegnerin trägt eine reduzierte Parteientschädigung
von CHF 1'875.-- (inkl. Auslagen) an die Beschwerdeführerin. 

            Dem Vertreter der Beschwerdeführerin, B____, Advokat,
wird ein Anwaltshonorar von Fr. 1‘500.-- (inklusive Auslagen) aus der
Gerichtskasse ausgerichtet.  

 

 

Sozialversicherungsgericht
BASEL-STADT

 

Die Präsidentin                                                         Der
Gerichtsschreiber

 

 

 

Dr. A. Pfleiderer                                                        lic.
iur. H. Dikenmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim
Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die
Beschwerdefrist kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die
Beschwerdegründe sind in Art. 95 ff. BGG geregelt.

Die Beschwerdeschrift ist
dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung
zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu
genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:

a)            Die Beschwerdeschrift
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;

b)            in der Begründung ist in
gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht
verletzt;

c)             die Urkunden, auf die
sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie
in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geht an:

–          Beschwerdeführerin

–          Beschwerdegegnerin

–          Bundesamt für Sozialversicherungen

 

Versandt am: