# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d641fdf6-515f-5d78-ac06-a419159f83e3
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-12-06
**Language:** de
**Title:** Natürliche Kausalität; Eintritt des medizinischen Endzustandes.
**Docket/Reference:** UV.2012.00093
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00093.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00093
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiber Stocker
Urteil
vom
6. Dezember 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
Goecke Laur Reger-
Wyttenbach
Zürcher & Meier Rhein Rechtsanwälte
Ankerstrasse 24, Postfach 2250, 8026 Zürich
gegen
Unfallversicherung Stadt Zürich
Stadelhoferstrasse
33, Postfach, 8022 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
,
geboren 1982, war seit dem 1. Oktober 2003 als Polizist bei der
Y.___
angestellt und bei der Unfallversicherung Stadt Zürich gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er bei einem Einsatz im Rahmen der Veranstaltung „Silvester Zauber“ am 1. Januar 2008 mit Flaschen und anderen Gegenständen beworfen und am Kopf und Kör
per getroffen wurde (Urk. 9/G1; vgl. auch Urk. 9/G3-G4).
Die medizinische Erstversorgung fand im
Z.___
statt; es wur
den Schädelkontusionen mit Commotio cerebri, eine durchgehende
Riss
quetsch
wunde
der Oberlippe rechts bis an die
Nasolabialfalte
reichend, eine Luxation der Zähne 21-23, ein Hämatom am Hinterkopf sowie eine Kontusion am proxi
malen Oberschenkel diagnostiziert (Urk. 9/M1). Der Versicherte blieb bis zum 2. Januar 2008 hospitalisiert (Urk. 9/M2). In der Folge wurde er von seiner Hausärztin
Dr.
med.
A.___
betreut (vgl. Urk. 9/M3). Am 31. August 2009 fand eine Magnetresonanzuntersuchung des Gehirns statt (Urk. 9/M4).
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt FMH für Neurologie, berichtete am 1. September 2009 über die Untersuchung des Versicherten (Urk. 9/M5).
Dr.
A.___
nahm am 8. Januar 2010 Stellung (Urk. 9/M6). Der
Osteopath
C.___
reichte am 28. März 2011 seinen Bericht zu den Akten (Urk. 9/M7). Am 4. Mai 2011 folgte der Bericht des Physi
otherapeuten
D.___
(Urk. 9/M8).
Dr.
med.
E.___
,
Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumatologie, erstattete am 21. Juli 2011 seinen
Konsiliar
bericht
(Urk. 9/M9).
1.2
Mit Verfügung vom 5. September 2011 (Urk. 9/G30) stellte die Unfall
ver
siche
rung Stadt Zürich ihre Leistungen per 21. Juli 2011 ein mit der Begrün
dung, dass zwischen den vom Beschwerdeführer nach diesem Datum noch geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem Unfallereignis vom 1. Ja
nuar 2008 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein natürlicher Kausal
zusammenhang mehr bestehe. Die dagegen erhobene Einsprache vom 7. Oktober 2011 (Urk. 9/G34) wies die Unfallversicherung Stadt Zürich mit Entscheid vom 14. März 2012 (Urk. 2 = Urk. 9/G36) ab.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 3. Mai 2012 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
In Gutheissung der Beschwerde sei der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer weiterhin die ihm aufgrund
des Unfalles vom 1. Januar 2008 aus dem UVG zustehenden Leis
tungen zu erbringen;
2.
eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, zusätzli
che medizinische Abklärungen durchzuführen;
3.
im vorliegenden Verfahren sei die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels anzuordnen;
alles unter Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten der Beschwerdegegnerin.
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 13. Juni 2012 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde.
Replicando
und
duplicando
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Urk. 13 und 17).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Wenn die versicherte Person durch den Unfall eine dau
ernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen In
tegrität erleidet, steht ihr nach Art. 24 Abs. 1 UVG eine angemessene
Integri
tätsentschädigung
zu.
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der
gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E.
4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.2.2
Diese Beweisgrundsätze gelten auch in Fällen mit Schleuderverletzungen der Halswirbelsäule, Schädelhirntraumata und äquivalenten Verletzungen. Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Ver
letzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu beto
nen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürli
chen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.3.3
Die
Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitli
chen Beeinträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare
Funktionsaus
fälle
zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Recht
sprechung des Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfol
gen, wie sie für psychische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beein
trächtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne
Weiteres
zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des  Un
falls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurteilung des ad
äquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehl
entwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als orga
nischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109 ff.; RKUV 2001 Nr. U 442 S.
544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.3.4
Die zum Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung wendet das Bundesge
richt sinngemäss auch bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammen
hangs zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas (BGE 117 V 369 f. E. 4b) oder den Folgen einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung der Halswirbelsäule an (vgl. RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 E. 3b; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; ferner BGE 134 V 109 E.
10.2 f.).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete im angefochtenen
Einspracheentscheid
die Leistungseinstellung per 21. Juli 2011 im Wesentlichen damit, dass zwischen den nach diesem Datum noch geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem Unfallereignis vom 1. Januar 2008 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein natürlicher Kausalzusammenhang mehr bestehe. Im Zeitpunkt der Beurtei
lung durch
Dr.
E.___
sei der medizinische Endzustand erreicht gewesen. Von der Weiterführung der physiotherapeutischen und
osteopathischen
Therapien sei keine namhafte Beschwerdebesserung mehr zu erwarten gewesen. Festzuhalten sei zudem, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall vom 1. Januar 2008 seine Arbeit am 28. Januar 2008 wieder aufgenommen habe und dass keine weiteren unfallbedingten Arbeitsunfähigkeiten nachgewiesen seien (Urk. 2).
Im vorliegenden Prozess hielt die Beschwerdegegnerin an dieser Sichtweise fest und ergänzte, dass die medizinische Aktenlage widerspruchsfrei und eindeutig sei, weshalb - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - von weiteren
medizinischen Abklärungen abgesehen werden könne. Der Beschwerdeführer habe am 1. Oktober 2008 eine Commotio cerebri erlitten, die in der Folge spontan abgeheilt sei. Der neurologische Konsiliararzt habe die bestehenden Kopfschmerzen als Migräne ohne Aura beurteilt, wobei diesbezüglich ein
Vor
zustand
bestanden habe. Daneben würden Spannungskopfschmerzen bestehen. Auch der zweite Konsiliararzt habe die Beschwerden als eine nicht näher spezi
fizierbare chronische Kopfschmerzsymptomatik qualifiziert, deren
Unfallbe
dingtheit
lediglich möglich sei. Beide Konsiliarärzte seien sich somit einig gewesen, dass die noch bestehenden Beschwerden nicht mehr mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 1. Januar 2008 zurückzu
führen seien (Urk. 8 und 17).
2.2
Demgegenüber liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen, dass nach Auffassung von
Dr.
A.___
ein Kausalzusammenhang zwischen der Gewalt
einwirkung vom 1. Januar 2008 und den nunmehr vorhandenen Ein
schränkungen gegeben sei. Dem Beschwerdeführer sei es
bisher durch grosse
Selbstdisziplin gelungen, seinen
Beruf weiter auszuüben. I
m Privatleben sei es jedoch zu einem zunehmenden schmerzbedingten sozialen Rückzug gekommen. Gemäss den Aussagen des behandelnden
Osteopathen
sei es zwar zu einer Bes
serung gekommen, aber noch nicht zu einem „endgültigen Endzustand“. Er erwarte durch die Weiterführung der Therapie ein weiteres Abklingen der Symptome. Auch der behandelnde Physiotherapeut erkläre, dass die Beschwer
den in den letzten drei Jahren leicht abgenommen hätten. Es seien aber insbe
sondere nach Nachtarbeit immer wieder Kopfschmerzen und Nacken-Rücken-Verspannungen festzustellen. Auf den Bericht des Neurologen
Dr.
B.___
könne nicht abgestellt werden, da er von der falschen Annahme ausgehe, dass bereits vor dem Unfallereignis migräneartige Kopfschmerzen bestanden hätten. Aus den Ausführungen von
Dr.
A.___
gehe klar hervor, dass diese Annahme nicht zutreffend sei. Da
Dr.
E.___
hinsichtlich der Kopfschmerzen die Beurteilung von
Dr.
B.___
übernehme, könne insoweit auch auf dessen Meinungsäusserung nicht abgestellt werden. Zudem überrasche, dass beim Beschwerdeführer niemals eine CTT-Untersuchung durchgeführt worden sei, obwohl dies von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt SUVA empfohlen werde. Die natür
liche Kausalität sei vorliegend gegeben. Gestützt auf die Rechtsprechung sei auch die adäquate Kausalität zu bejahen; da beim Beschwerdeführer klar kör
perliche Beschwerden vorlägen, deckten sich die natürliche und adäquate Kau
salität (Urk. 1).
Replicando
liess der Beschwerdeführer ergänzen, dass nun unter anderem die Beurteilung des
F.___
vorliege, aus welcher die
Unfall
kausalität
der
Kopfschmerzen hervorgehe. Daraus
sei
weiter ersichtlich, dass der sogenannte medizinische Endzustand noch nicht erreicht sei (Urk. 13).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht per 21. Juli 2011 eingestellt hat, weil zwischen den nach diesem Datum noch geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem Unfallereignis vom 1. Januar 2008 kein Kausalzusammenhang mehr bestanden hat beziehungs
weise von der Weiterführung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Beschwerdebesserung mehr zu erwarten gewesen ist.
Anzufügen ist, dass der Beschwerdeführer bereits seit dem 28. Januar 2008 wieder in seinem angestammten Beruf als Polizist arbeitet. Ob er auch heute noch (vornehmlich) Innendienst leistet, wie
Dr.
A.___
am 8. Januar 2010 berich
tete (Urk. 9/M6; vgl. dazu auch unten E. 3.2.5), kann vorliegend offen
bleiben. Auf jeden Fall hat der Beschwerdeführer - solange er seiner ange
stammten Tätigkeit zu 100 % nachgehen kann - keinen Taggeldanspruch. Er macht einen solchen Anspruch denn auch nicht explizit geltend (vgl. dazu
das
allerdings sehr weit gefasste
-
Rechtsbegehren).
3.2
3.2.1
Klinikdirektor Prof.
Dr.
med.
G.___
,
Oberarzt
Dr.
med.
H.___
und Assistenz
arzt
Dr.
med.
I.___
von der Klinik Unfallchirurgie des
Z.___
hielten in ihrem Bericht vom 2. Januar 2008 (Urk. 9/M1; vgl. auch Urk. 9/M2) fest, der Beschwerdeführer habe berichtet, Schläge gegen den Kopf erhalten zu haben und zu Boden gegangen zu sein. Es bestehe eine kurzzeitige Amnesie direkt nach dem Sturz (zu den Diagnosen vgl. Sachverhalt Ziffer 1.1).
3.2.2
Dr.
A.___
diagnostizierte in ihrem Bericht vom 4. April 2008 (Urk. 9/M3) eine Schädelkontusion mit Commotio cerebri, ein Hämatom am Hinterkopf, eine komplett durchgehende Rissquetschwunde der Oberlippe rechts bis an die
Nasolabialfalte
, Luxationen verschiedener Zähne und einen Verdacht auf ein Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule sowie eine Kontusion am Ober
schenkel. Die Heilung verlaufe erwartungsgemäss. Der Beschwerdeführer habe nach der Gehirnerschütterung noch täglich Kopfschmerzen und sei schnell ermüd
bar.
3.2.3
Prof.
Dr.
med.
J.___
,
Spezialarzt FMH für Neuroradiologie, von der
Klinik
K.___
gab
nach der magnetresonanztomographischen Untersuchung des Gehirns vom 31. Augu
st 2009, die insbesondere zum Zwecke des
Ausschlusses einer strukturellen traumatischen Läsion durchgeführt worden sei, folgende
Beurteilung
ab
(Urk. 9/M4): „Normales MR des Gehirns, insbesondere keine umschriebenen posttraumatischen Läsionen objektivierbar.“
3.2.4
Dr.
B.___
diagnostizierte in seinem Bericht vom 1. September 2009 (Urk. 9/M5) eine leichte traumatische Hirnverletzung (MTBI) der Kategorie 1 nach EFNS-Kriterien nach tätlichem Übergriff am 1. Januar 2008 (Ausschluss einer struk
turellen traumatischen Läsion), eine Migräne ohne Aura und einen chronischen Spannungskopfschmerz. Der Beschwerdeführer habe geschildert, dass er nach dem Übergriff vom 1. Januar 2008 kurz bewusstlos gewesen sei. Es bestehe eine kurze Erinnerungslücke im Minutenbereich für die unmittelbare
Zeit
nach dem Ereignis. An das Eintreffen der Sanität und den anschliessenden Transport ins Spital habe er wieder detaillierte Erinnerungen. Aktuell habe er noch Mühe mit dem Kurzzeitgedächtnis
und verspüre
Verspannungen im Nackenbereich. Aus
serdem habe er seit dem Ereignis permanent Kopfschmerzen. Es handle sich
dabei
meist um ein konstantes Druckgefühl im ganzen Kopf mit einer Intensität von 2/10 auf einer visuellen Analogskala (VAS). Diese Symptomatik sei seit mindestens einem Jahr konstant. Bei körperlicher Belastung komme es zu einer Zunahme der Beschwerden. Es komme zu pochenden Kopfschmerzen im
Schlä
fenbereich
,
die
meist einige Stunden
anhielten
. Vor dem Unfall vom 1. Januar 2008 habe er gelegentlich unter Kopfschmerzen bei Wetterwechsel gelitten, die teils von unangenehmen Sensationen in der Magengegend begleitet gewesen seien. Seit dem Unfall leide er unter verstärkten Beschwerden im Kreuzbereich. Schon davor habe er aber immer mal wieder Kreuzschmerzen gehabt. In berufli
cher Hinsicht arbeite er inzwischen wieder vollzeitig als Polizist im bisherigen Betätigungsfeld.
Da eine strukturelle traumatische Läsion mit dem Grad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit ausgeschlossen werden könne und die Prognose bei einer MTBI üblicherweise günstig sei, seien diesbezüglich keine weiteren Massnahmen erforderlich. Gestützt auf die medizinische Literatur sollte spätestens ein Jahr nach dem Ereignis der Status quo sine beziehungsweise ante erreicht sein.
Bei einer Migräne handle es sich um genetisch determinierte zyklisch-konsti
tutionelle primäre Kopfschmerzen mit hoher Spontanprävalenz in der
Allge
meinbevölkerung
und eigenständiger, nicht vorhersehbarer Krankheitsdynamik. Im Fall des Beschwerdeführers hätten schon vor dem Unfall migräneartige Kopfschmerzen bei familiärer Kopfschmerzbelastung bestanden. Von einer Unfallkausalität könne allenfalls zeitlich befristet, aber keinesfalls richtungge
bend gesprochen werden. Nach der medizinischen Literatur sei eine
unfallbe
dingte
Verschlechterung einer vorbestehenden Migräne über einen maximalen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten möglich.
3.2.5
Dr.
A.___
führte in ihrem Bericht vom 8. Januar 2010 (Urk. 9/M6) aus, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Ereignis vom 1. Januar 2008 an einigen Tage
n
im Monat Kopfschmerzen gehabt habe; er sei aber nie eingeschränkt gewesen und habe keine Schmerztabletten gebraucht. Nach dem Unfall hätten sich klinisch vermehrt Kopfschmerzen im Frontalbereich gezeigt, passend zur Gehirnerschütterung, sowie eine deutlich verspannte Nacken- und Rückenmus
kulatur mit Einschränkung der Kopfdrehbewegung
und der Kopfbeweglichkeit
. Der tägliche Kopfschmerz habe nur wenig beeinflusst werden können. Ab 28. Januar 2008 habe der Beschwerdeführer den Polizeidienst wieder auf
nehmen können, allerdings nur im Innendienst. Man habe deutliche
Konzentra
tionseinschränkungen
während des Dienstes und eine komplette Erschöpfung danach beobachten können. Die weiterhin bestehenden Nacken- und die ver
mehrten Kopfschmerzen seien
mit
Physiotherapie behandelt worden, später auch
mit
Osteopathie und Akupunktur. Sie sei der Meinung, dass eine Kausalität zwischen der Gewalteinwirkung vom 1. Januar 2008 und den gegenwärtigen Einschränkungen gegeben sei. Durch Selbstdisziplin sei es dem Beschwerde
führer bislang gelungen, den Polizeiberuf weiter auszuüben. Im Privatleben sei es jedoch zu einem schmerzbedingten sozialen Rückzug gekommen. Um einer weiteren Verschlechterung vorzubeugen, sei ihres Erachtens eine stationäre Rehabilitation medizinisch indiziert.
3.2.6
Der
Osteopath
C.___
äusserte sich am 28. März 2011 dahingehend, dass die Beschwerden gut mit der erlittenen Gewalteinwirkung korrespondierten. In den nächsten ein bis zwei Jahren sei noch mit einer langsamen Besserung zu rech
nen; nach seiner Erfahrung sei jedoch davon auszugehen, dass gewisse Beschwerden bleiben würden (Urk. 9/M7).
3.2.7
Der Physiotherapeut
D.___
erklärte am 4. Mai 2011, die Beschwerden hätten in den letzten drei Jahren leicht abgenommen. Vor allem nach Nachtarbeit würden immer wieder Kopfschmerzen und Nacken
/Rücken-Verspannungen auftreten. Bis zum weiteren Abklingen der Symptome seien noch zwei bis drei
Physiothe
rapiesitzungen
pro Monat notwendig (Urk. 9/M8).
3.2.8
Dr.
E.___
hielt in seinem Bericht vom 21. Juli 2011 (Urk. 9/M9) fest, dass der Beschwerdeführer mit einem vollen Pensum und voller Arbeitsfähigkeit bei der Polizei tätig sei. Seit dem Ereignis vom 1. Januar 2008 leide er
an
andauernden diffusen
Kefalgien
wechselnder Lokalisation mit einem Basisschmerz im Bereich 2 der VAS und zeitweiser Schmerzverstärkung ohne bekannten Auslöser. Es habe eine Commotio cerebri mit Amnesie bestanden, aber es fehle eine radiolo
gisch nachweisbare strukturelle Hirnveränderung. Jedoch könne es nach einer solchen Commotio cerebri zu einem
postcommotionellen
Syndrom kommen
beziehungsweise zur Verstärkung von vorbestehenden
Kefalgien
ohne struktu
relles Korrelat. Der übrige Untersuch sei unauffällig. Eine
zervikogene
Schmerz
problematik
könne ausgeschlossen werden. Die Halswirbelsäule sei unauffällig. Es fehlten Hinweise für
myofasziale
Dysbalancen
mit
reffered
-
pain
-Mustern.
Weiter äusserte sich
Dr.
E.___
wie folgt:
„Zusammenfassend beurteile ich eine nicht näher spezifizierbare,
chronifizierte
Kopfschmerzsymptomatik bei Status nach Commotio cerebri mit einem Vorzustand, wobei aufgrund des Verlaufs die Intensität der Beschwerden wie i
m Vorzustand nicht erreicht [ist]
. Ob es sich bei den jetzigen
Kefalgien
überwiegend wahrscheinlich um eine Unfallfolge han
delt, oder aber der schicksalshafte Verlauf auch ohne Commotio cerebri ähnli
che Beschwerden bewirkt hätte (bei einem Vorzustand mit entsprechender Dis
position) kann ich nicht angeben, weshalb ich eine noch mögliche
Unfallkausa
lität
beurteile.“ Der Endzustand sei erreicht, weil die Situation trotz intensiver Therapien unverändert sei. Der Beschwerdeführer sei zu 100 % arbeitsfähig, und zwar sowohl in der angestammten Tätigkeit als Polizeibeamter als auch
in
jeder anderen Tätigkeit.
3.2.9
Dr.
med.
L.___
und
Dr.
med.
M.___
,
Spezialarzt
FMH für Neurologie, Leiter des
F.___
, beurteilen die
Gesundheitsbeein
trächtigungen
des Beschwerdeführers in ihrem Bericht vom 18. Juli 2012 (Urk. 14/2) folgendermassen: Bei den Kopfschmerzen handle es sich am ehesten um einen chronischen posttraumatischen Kopfschmerz bei leichter Kopfver
letzung. Für die Diagnose sprächen vor allem der enge zeitliche Zusammenhang des Beginns des Kopfwehs und die Persistenz nach dem Trauma. Anhand der IHS-Kriterien würden folgende Voraussetzungen gefordert: kein
Bewusstseins
verlust
oder ein solcher von weniger als 30 Minuten Dauer, Glasgow
Coma
Scale
(CGS) mindestens 13, Symptome und/oder Zeichen einer Hirnerschütte
rung, Auftreten innerhalb von sieben Tagen nach dem Kopftrauma und Persis
tenz über drei Monate. Diese Kriterien seien beim Beschwerdeführer alle erfüllt. Weiterhin könnten leichte Kopfverletzungen einen Symptomenkomplex mit Störungen der Kognition, des Verhaltens und des Bewusstseins zur Folge haben. Sie könnten mit oder ohne Auffälligkeiten in den neurologischen Untersuchun
gen, der zerebralen Bildgebung (CCT, MRT) und der neuropsychologischen Tes
tung einhergehen. Aufgrund des aktuell weitestgehend unauffälligen
Neurosta
tus
und der Anamnese sowie der Vorbefunde sei der Beschwerdeführer nicht erneut für eine bildgebende Diagnostik angemeldet worden. Die neuropsycholo
gische Testung habe kein
e
Auffälligkeiten ergeben. Da der Beschwerdeführer bis heute täglich unter Kopfschmerzen leide, sei die Indikation zu einer Prophylaxe gegeben. Daher würden sie die Einstellung auf
Nortriptylin
empfehlen. Weiter
hin sollten nichtmedikamentöse Verfahren zur Beeinflussung der
Chronifi
zierung
zur Anwendung kommen.
3.2.10
Dr.
med.
N.___
führte in ihrem Zeugnis vom 18. September 2012 (Urk. 14/1) aus, dass der Beschwerdeführer seit zwei Jahren in ihrer Behandlung stehe. Die letzte Untersuchung im
F.___
habe die Diag
nose „chronische posttraumatische Kopfschmerzen“ ergeben. Es habe nun ein direkter Zusammenhang mit dem Vorfall vom 1. Januar 208 festgehalten und dokumentiert werden
können
. Die Therapie sei nun neu eingeleitet worden.
4.
4.1
Vorauszuschicken ist, dass die Rüge des Beschwerdeführers, wonach die Beschwerdegegnerin zu wenige bildgebende Untersuchungen veranlasst habe, nicht stichhaltig ist. Die involvierten medizinischen Experten und Expertinnen sahen offenbar keinen Anlass für weitere bildgebende Untersuchungen, nach
dem solche stets unauffällige Befunde ergeben hatten. Die
Dres
.
L.___
und
M.___
,
die den Beschwerdeführer im
F.___
untersucht hatten
, äusserten sich sogar explizit
zur Frage
, ob weitere
bildge
bende
Untersuchungen angezeigt seien
, indem sie festhielten, dass
Aufgrund des weitestgehend unauffälligen Neurostatus, der Anamnese und der
Vorbe
funde
auf eine erneute bildgebende Diagnostik verzichtet
werde
(Urk. 14/2 S. 3).
4.2
4.2.1
Aus den in E. 3.2 zitierten Arztberichten ergibt sich, dass beim Beschwerde
führer nach wie vor erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigungen vorliegen, ins
besondere starke Kopfschmerzen, Nackenbeschwerden und erhöhte Ermüdbar
keit. Zwischen den Parteien ist allerdings umstritten, ob diese Gesundheitsstö
rungen auf den tätlichen Angriff vom 1. Januar 2008 zurückzuführen sind oder nicht. Die Beschwerdegegnerin verneinte den Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis ab 21. Juli 2011 im Wesentlichen gestützt auf den Bericht ihres Konsiliararztes
Dr.
B.___
vom 1. September 2009 (Urk. 9/M5; vgl. E. 3.2.4), der die Unfallkausalität im Wesentlichen
unter
Verweis auf von ihm zitierte medizi
nische Literaturmeinungen verneinte. Danach sei eine unfallbedingte Ver
schlechterung einer vorbestehenden Migräne über einen maximalen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten möglich. Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzu
weisen, dass die Auffassungen der medizinischen Experten
darüber
, ob beim Beschwerdeführer vor dem Unfall vom 1. Januar 2008 eine eigentliche Migräne bestanden hat, auseinandergehen (vgl. dazu die Ausführungen von
Dr.
A.___
[Urk. 9/M6 und E. 3.2.5] sowie von Dr
.
L.___
und
Dr.
M.___
[Urk. 14/2 und
E. 3.2.9]). Zur Unfallkausalität äusserte sich auch der zweite Konsiliararzt der Beschwerdegegnerin,
Dr.
E.___
.
Aus seinem Bericht vom 21. Juli 2011 (Urk. 9/M9; vgl. E. 3.2.8) geht diesbezüglich hervor, dass er
im Grunde
keine Aussagen zur Unfallkausalität machen kann und deshalb zum Ergebnis kommt, dass nur eine „mögliche Unfallkausalität“ bestehe:
(
„Ob es sich bei den jetzigen
Kefalgien
überwiegend wahrscheinlich um eine Unfallfolge handelt, oder aber der schicksalshafte Verlauf auch ohne Commotio cerebri ähnliche Beschwerden bewirkt hätte
[
bei einem Vorzustand mit entsprechender Disposition
]
kann ich nicht angeben, weshalb ich eine noch mögliche Unfallkausalität beurteile“
).
Letzterer Schluss
erscheint
nicht überzeugend. Festzuhalten ist vielmehr, dass
sich
Dr.
E.___
- nach seiner eigenen Aussage - nicht in der Lage
sah
, die Frage nach der Unfallkausalität zu beantworten.
Im Gegensatz zur Einschätzung von
Dr.
B.___
wurde
die Unfallkausalität
von
Dr
.
A.___
(Urk. 9/M6; vgl. E. 3.2.5) und ausdrücklich
auch
von den
Dres
.
L.___
,
M.___
(Urk. 14/2; vgl. E. 3.2.9) und
N.___
(Urk. 14/1; vgl. E. 3.2.10) bejaht. Die
Dres
.
L.___
und
M.___
,
bei denen es
sich
um ausgewiesene Fach
leute auf dem Gebiet der Behandlung von Kopfschmerzen handelt,
leg
t
en dabei im Einzelnen und detailliert dar, aufgrund welcher Diagnosekriterien sie zum Ergebnis
kamen
, dass der chronische Kopfschmerz unfallbedingt sei: Für die Diagnose sprächen vor allem der enge zeitliche Zusammenhang des Beginns des Kopfwehs und die Persistenz nach dem Trauma. Anhand der IHS-Kriterien wür
den folgende Voraussetzungen gefordert: kein Bewusstseinsverlust oder ein sol
cher von weniger als 30 Minuten Dauer, Glasgow
Coma
Scale
(CGS) mindestens 13, Symptome und/oder Zeichen einer Hirnerschütterung, Auftreten innerhalb von sieben Tagen nach dem Kopftrauma und Persistenz über drei Monate. Diese Kriterien seien beim Beschwerdeführer alle erfüllt. Einzuwenden ist allerdings, dass aus dem Bericht von
Dr.
L.___
und
Dr.
M.___
nicht hervorgeht, ob sie (hinreichend) darüber informiert waren, dass der Beschwerdeführer (offenbar) bereits vor dem Unfallereignis vom 1. Januar 2008 an (weniger ausgeprägten) Kopfschmerzen gelitten hatte. Jedenfalls sind ihrem Bericht keine Ausführungen dazu zu entnehmen, wie sich ein allfälliger Vorzustand auf die
Beantwortung der
Kausalitätsfrage ausgewirkt haben könnte.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Frage, ob zwischen den beim Beschwerde
führer auch nach dem 21. Juli 2011 noch geklagten Gesundheitsstörungen und dem Unfall vom 1. Januar 2008 ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, gestützt auf die vorliegende
n medizinischen Akten nicht
entschieden werden kann.
Angesichts der
diversen
divergierenden Einschätzungen von medizini
schen Fachpersonen hätte die Beschwerdegegnerin nicht einzig auf die Beurtei
lung von
Dr.
B.___
(und die ambivalente Meinungsäusserung von
Dr
.
E.___
)
abstellen dürfen.
4.2.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht ab 21. Juli 2011 über
dies mit dem Argument, dass die Gesundheitsbeeinträchtigungen des Beschwer
deführers nicht mehr behandlungsbedürftig seien beziehungsweise von einer weiteren Behandlung keine namhafte Besserung mehr zu erwarten sei. Diesbe
züglich stützte sie sich im Wesentlichen auf die Ausführungen von Dr.
E.___
,
der die Ansicht vertrat, es sei ein Endzustand erreicht worden, weil die diversen Therapien zu keinem Erfolg geführt hätten (Urk. 9/M9 S. 4 f.). Dieser Auffas
sung widersprachen nicht nur die behandelnden Therapeuten
C.___
und
D.___
,
sondern auch die
Dres
.
L.___
,
M.___
und
N.___
(Urk. 14/1-2),
welche
in ihren Berichten weitere Therapiemöglichkeiten aufzeigten beziehungsweise sol
che Therapien inzwischen eingeleitet haben. Aufgrund der Aktenlage ist somit der Schluss, dass der medizinische Endzustand erreicht sei, nicht zwingend.
Auch insoweit ist der Sachverhalt abklärungsbedürftig.
4.2.3
Die Frage der Adäquanz ist - angesichts der beschriebenen Unklarheit, ob der medizinische Endzustand bereits erreicht wurde oder nicht - nicht zu disku
tieren, und
z
war nicht einmal bei hypothetischer Annahme des Vorliegens eines natürlichen Kausalzusammenhangs. Vor Erreichen des Endzustandes kann nicht beurteilt werden, ob beziehungsweise inwieweit die in E. 1.3.3 genannten
Adä
quanzkriterien
gegeben sind.
4.3
Aus dem Gesagten folgt, dass die Aktenlage einen Entscheid
darüber,
ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht per 21. Juli 2011 eingestellt hat, nicht zulässt. Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 14. März 2012 (Urk. 2) ist demzufolge aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein versicherungsunabhängiges Gutachten einhole, das insbesondere klare und eindeutige Antworten auf die Fragen der
Unfall
kausalität
der Beschwerden und des
allfälligen
Erreichens eines medizinischen Endzustandes gibt, und hernach über ihre Leistungen ab 21. Juli 2011 neu ver
füge.
5.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Als Obsiegen gilt insoweit auch die
Rückwei
sung
an den Versicherungsträger zur weiteren Abklärung (BGE 110 V 57 E. 3a). Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
eine angemessen erscheinende Prozessentschädi
gung in der Höhe von Fr. 2‘500
.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der
Einspracheentscheid
vom 14. März 2012 aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit sie ein versicherungsunabhängiges Gutachten einhole und hernach neu über ihre Leistungen ab 21. Juli 2011 verfüge.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine
Prozessent
schä
di
gung
in der Höhe von Fr. 2‘500
.
(inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
-
Unfallversicherung Stadt Zürich
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubStocker