# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 444cdc3d-54e8-5ce5-9e00-f5f531c626ec
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-12-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2010 PVG 2010 13
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2010-13_2010-12-31.pdf

## Full Text

5/13 Sozialversicherung PVG 2010

Arbeitslosenversicherung.Verwirkung des Anspruchs (Art. 20 
Abs. 3 AVIG und 29 Abs. 3 AVIV).
– Die Verwirkung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschä- 

digung setzt zwingend voraus, dass die Arbeitslosen- 
kasse der Antrag stellenden Person eine Nachfrist zur 
Einreichung der für die Anspruchsbeurteilung erforderli- 
chen Unterlagen ansetzt und sie ausdrücklich und un- 
missverständlich auf die Verwirkungsfolge bei Nicht- oder 
verspäteter Einreichung hingewiesen hat; Letzteres hat die 
Verwaltung unterlassen, weshalb die Verwirkung nicht 
eintreten konnte.

Assicurazione contro la disoccupazione. Perenzione del 
diritto (art. 20 cpv. 3 LADI e 29 cpv. 3 OADI).
– La perenzione del diritto alle indennità di disoccupa- 

zione presuppone in ogni caso che la cassa di disoccu- 
pazione assegni alla richiedente prestazioni un congruo 
termine per l’introduzione dei documenti necessari all’e- 
same del diritto e che richiami in modo esplicito e ine- 
quivocabile le conseguenze dell’omissione o della tardi- vità 
quanto all’estinzione del diritto; l’amministrazione ha 
omesso tale avvertimento, per cui il diritto non può essere 
perento.

Erwägungen:
2. a) Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung erlischt,

wenn er nicht innert dreier Monate nach dem Ende der Kontroll- 
periode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht wird (Art. 20  
Abs. 3 AVIG). Als Kontrollperiode gilt jeder Kalendermonat,  für 
den die versicherte Person Entschädigungsansprüche geltend 
macht (Art. 27a AVIV). Die in Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG gesetzte 
Frist ist eine Verwirkungsfrist, die weder einer Erstreckung noch ei- 
ner Unterbrechung, aber einer Wiederherstellung zugänglich ist. 
Mit Ablauf der Verwirkungsfrist erlischt der Anspruch auf Arbeits- 
losenentschädigung. Nach der Rechtsprechung tritt die Verwir- 
kungsfolge auch dann ein, wenn der Anspruch zwar innert der An- 
meldefrist gemacht wird, die versicherte Person aber innerhalb 
dieses Zeitraums oder einer ihr allenfalls – hier gestützt auf Art. 29 
Abs. 3 AVIV – gesetzten Nachfrist nicht alle für die Anspruchsbe- 
urteilung erforderlichen Unterlagen beibringt. Dies (Eintritt der 
Verwirkungsfolge) gilt jedoch nur, wenn die Arbeitslosenkasse die 
Antrag stellende Person ausdrücklich und unmissverständlich auf

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die Verwirkungsfolge bei verspäteter Einreichung der für die Beur- 
teilung des Leistungsanspruchs wesentlichen Unterlagen hinge- 
wiesen hat. Bei der in Art. 29 Abs. 3 AVIV geregelten Verpflichtung 
der Arbeitslosenkasse, die Versicherte auf den Untergang ihres 
Entschädigungsanspruchs im Säumnisfall hinzuweisen, handelt 
es sich um eine Konkretisierung des Verhältnismässigkeitsgrund- 
satzes. Aus diesem verfassungsrechtlichen Grundsatz folgt für das 
Sozialversicherungsrecht ganz allgemein, dass schwere Rechts- 
nachteile als Folge eines pflichtwidrigen Verhaltens nur Platz 
greifen dürfen, wenn die Versicherte vorgängig ausdrücklich auf 
diese Rechtsfolge hingewiesen worden ist (Urteil des Eidgenös- 
sischen Versicherungsgerichts C 167/ 06 vom 7. November 2006; 
ARV 2005 Nr. 11 S. 135 ff.; ARV 1993/ 94 Nr. 33; Rechtsprechung 
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Hrsg. Erwin 
Murer und Hans-Ulrich Stauffer, Bundesgesetz über die obligatori- 
sche Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 3. 
Auflage, Zürich 2008, Art. 20 Abs. 3 AVIG, S. 103 f. ).

4. a) Zu prüfen ist indes noch, ob die Beschwerdegegnerin 
die Beschwerdeführerin, wie von der Rechtsprechung gefordert, 
ausdrücklich und unmissverständlich auf die Verwirkungsfolge bei 
verspäteter Einreichung der für die Beurteilung des Leistungsan- 
spruchs wesentlichen Unterlagen hingewiesen hat. Im Schreiben 
der Beschwerdegegnerin vom 8. Mai 2009 werden am Schluss un- 
ter dem Titel «Rechtsgrundlagen» die Art. 28 Abs. 2 sowie Art. 43 
Abs. 3 ATSG kleingedruckt im Wortlaut aufgeführt. Diese Bestim- 
mungen machen die Beschwerdeführerin zwar auf ihre Auskunfts- 
und Mitwirkungspflicht aufmerksam, jedoch nicht auf das Erlö- 
schen des Entschädigungsanspruchs im Falle der nicht rechtzeiti- 
gen Einreichung der zur Anspruchsbeurteilung erforderlichen Un- 
terlagen im Sinne von Art. 29 Abs. 3 AVIV. Einen ausdrücklichen 
und unmissverständlichen Hinweis auf die erwähnte Verwirkungs- 
folge enthält dieses Schreiben demnach nicht.

Im Mahnschreiben vom 24. Juni 2009 wurde die Beschwer- 
deführerin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass aufgrund der vor- 
liegenden Unterlagen über den Entschädigungsanspruch entschie- 
den werde, falls die geforderten Dokumente nicht fristgerecht (1. Juli 
2009) eingereicht würden. Dieser Hinweis entspricht der in Art. 29 
Abs. 3 AVIV geregelten Verpflichtung der Kasse, die Versicherte im 
Säumnisfall auf den Untergang des Entschädigungsanspruchs hin- 
zuweisen, nicht. Die Beschwerdeführerin wird damit nicht in der von 
der Rechtsprechung geforderten Weise auf die im Falle ihrer Säum- 
nis eintretende, einschneidende Rechtsfolge des Anspruchsunter-

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gangs hingewiesen. Am Schluss des Mahnschreibens werden im 
Weiteren unter dem Titel «Rechtsgrundlagen» die Art. 20 Abs. 3 
AVIG, Art. 29. Abs. 2 und 3 AVIV sowie Art. 28 Abs. 2, Art. 43 Abs. 1 
und 3 ATSG kleingedruckt imWortlaut wiedergegeben. Mit dem Hin- 
weis auf Art. 20 Abs. 3 AVIG ist für die Beschwerdeführerin zwar er- 
kennbar, dass ihr Anspruch, falls er nicht innerhalb von drei Mona- 
ten nach dem Ende der Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, 
geltend gemacht wird, erlischt. Dass diese Verwirkungsfolge ge- 
mäss der Rechtsprechung auch eintritt, wenn der Anspruch zwar in- 
nert der Anmeldefrist geltend gemacht wird, die versicherte Person 
aber innerhalb dieses Zeitraums oder einer ihr gesetzten Nachfrist 
nicht alle für die Anspruchsbeurteilung erforderlichen Unterlagen 
beibringt, geht durch den Verweis auf Art. 20 Abs. 3 AVIG indes nicht 
ausdrücklich hervor. Ferner führt die Auflistung von sechs gesetzli- 
chen Bestimmungen zu einer Unübersichtlichkeit, die es einem 
Laien erschwert, die für seinen Fall massgebende Bestimmung zu 
erkennen. Von einem unmissverständlichen und ausdrücklichen 
Hinweis auf das Erlöschen des Entschädigungsanspruchs wegen 
nicht rechtzeitiger Beibringung der geforderten Unterlagen kann 
somit nicht gesprochen werden. Dem als «Fristverlängerung» be- 
zeichneten Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 7. Juli  2009 
fehlt schliesslich jeglicher Hinweis auf die Säumnisfolgen bei nicht 
rechtzeitiger Einreichung der geforderten Unterlagen.

b) Nachdem die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Fall 
die gesetzlich vorgesehene Rechtsfolge der nicht rechtzeitigen Gel- 
tendmachung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung nicht 
ausdrücklich und unmissverständlich im Sinne der Rechtsprechung 
angedroht hat, ist die Verwirkung nicht eingetreten und der Ent- 
schädigungsanspruch der Beschwerdeführerin somit nicht erlo- 
schen. Da jedoch einerseits bestimmte zur Anspruchsprüfung be- 
nötigte Unterlagen nicht bei den Akten liegen und die von der Be- 
schwerdeführerin eingereichten Dokumente andererseits nicht ver- 
wertet werden können (vgl. Erw. 3.c), ist vorliegend eine Prüfung 
eines allfälligen Entschädigungsanspruchs nicht möglich. Unter die- 
sen Umständen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu- 
weisen, welche der Beschwerdeführerin unter erneuter Fristanset- 
zung und korrekter Androhung der Säumnisfolgen im Sinne der 
Rechtsprechung (vgl. Erw. 2.a) nochmals die Gelegenheit einzuräu- 
men hat, die zur Prüfung des Anspruchs erforderlichen Unterlagen 
einzureichen. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin erneut 
über den streitigen Entschädigungsanspruch zu verfügen haben.
S 10 19 Urteil vom 18. Mai 2011

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