# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cb68eef7-c233-5469-988e-cfa6cfb8132c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240094-O1
**Docket/Reference:** SB240094-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240094-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240094-O/U/nk

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Ohnjec 

und Oberrichter lic. iur. Hoffmann sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Boese

Urteil vom 18. Dezember 2024

in Sachen

A._____, 

Privatklägerin und Berufungsklägerin

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____, 

sowie

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, 

Anklägerin

B._____, 

gegen

Beschuldigter und Berufungsbeklagter

amtlich verteidigt durch Fürsprecher Y._____, 

betreffend Vergewaltigung etc.  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Jugendgericht, vom 

30. Mai 2023 (DJ230001)

-  2  -

Anklage:

Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Unterland vom 20. Januar 2023 ist 

diesem Urteil beigeheftet (Urk. 5A).

Urteil der Vorinstanz:

Der Beschuldigte wird freigesprochen.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wird abgewiesen.

Dem Beschuldigten wird weder eine Entschädigung noch eine Genugtuung 

1.

2.

3.

zugesprochen. 

4.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:

500.–   Gebühr für die Strafuntersuchung

11'500.–   amtl. Verteidigungskosten (inkl. MWST) 

4'829.–   unentgeltliche Rechtsvertretung Geschädigte (exkl. MWST)

5.

Die Kosten werden auf die Staatskasse genommen.

Berufungsanträge:

a)

Der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin (A._____):

(Urk. 63 S. 1; vgl. auch Urk. 48 S. 1)

1.

Es sei der Beschuldigte wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung 

schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.

2.

Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genug-

tuung in der Höhe von Fr. 12'000.– zu bezahlen zuzüglich 5 % Zins seit 

30.10.2018, wobei davon Vormerk zu nehmen sei, dass die Genugtu-

ungsforderung im Umfang von Fr. 10'000.– auf den Kanton Zürich 

übergegangen ist.

-  3  -

3.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST), wobei die un-

entgeltliche Vertretung der Privatklägerin wie folgt zu entschädigen sei: 

Fr. 1'844.90 für das Verfahren am BG Bülach und Fr. 8'857.– für das 

obergerichtliche Verfahren.

b)

Der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich:

Keine Anträge.

c)

Der Verteidigung des Beschuldigten (B._____):

(Urk. 65 S. 1)

1.

2.

3.

Die Berufung der Privatklägerin sei abzuweisen.

Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen, eventualiter 

seien sie auf den Zivilweg zu verweisen.

4.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

-  4  -

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerich-

tes Bülach, Jugendgericht, vom 30. Mai 2023 liess die Privatklägerin mit Eingabe 

vom 2. Juni 2023 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 26). Am 5. Februar 2024 

wurde den Parteien die begründete Urteilsausfertigung zugestellt (Urk. 44), wor-

auf die Privatklägerin am 26. Februar 2024 fristgerecht die Berufungserklärung er-

stattete (Urk. 48). Daraufhin wurde dem Beschuldigten und der Oberjugendan-

waltschaft am 6. März 2024 Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberu-

fung erhoben werde, oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung der 

Privatklägerin zu beantragen. Sodann wurde der Privatklägerin Frist angesetzt, 

um zu beantragen, dass dem erkennenden Gericht eine Person gleichen Ge-

schlechtes angehören und diese eine allfällige Befragung durchführen solle 

(Urk. 49). Mit Eingabe vom 28. März 2024 stellte die Privatklägerin einen solchen 

Antrag (Urk. 52), dem bei der Zusammensetzung des Gerichts Rechnung getra-

gen wurde (vgl. Urk. 53). Der Beschuldigte und die Oberjugendanwaltschaft lies-

sen sich nicht vernehmen. 

2.

Am 29. April 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 18. Dezember 

2024 vorgeladen (Urk. 53). Mit Eingabe vom 10. Juni 2024 teilte die Oberjugend-

anwaltschaft mit, auf die Teilnahme an der Berufungsverhandlung zu verzichten. 

Anträge stellte sie keine (Urk. 55). Mit Eingabe vom 25. November 2024 liess die 

Privatklägerin beantragen, C._____ sei anlässlich der bevorstehenden Berufungs-

verhandlung als Zeugin einzuvernehmen (Urk. 56). Diesem Antrag wurde mit Prä-

sidialverfügung vom 27. November 2024 entsprochen (Urk. 58). 

3.

Zum Verhandlungstermin erschienen die Privatklägerin und der Beschul-

digte jeweils persönlich und in Begleitung ihrer amtlichen bzw. unentgeltlichen 

Rechtsvertreter (Prot. II S. 6). Nach Durchführung der Berufungsverhandlung, in 

deren Rahmen C._____ als Zeugin befragt wurde, erklärten sich die erschienenen 

Parteien bzw. deren Vertreter mit der schriftlichen Eröffnung des Berufungsurteils 

einverstanden (Prot. II S. 48). Direkt im Anschluss an die Verhandlung wurde die 

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Urteilsberatung aufgenommen und das vorliegende Berufungsurteil gefällt, wel-

ches den Parteien bzw. ihren jeweiligen Rechtsvertretern hernach schriftlich im 

Dispositiv mitgeteilt wurde (Prot. II S. 48 ff.; Urk. 66; Urk. 72).

II. Prozessuales

1.

Anwendbares Recht

Am 1. Januar 2024 sind die infolge einer Teilrevision der Strafprozessordnung ge-

änderten Bestimmungen in Kraft getreten. Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO (unver-

ändert belassen) werden Rechtsmittel gegen Entscheide, die vor Inkrafttreten der 

neuen Bestimmungen gefällt wurden, nach bisherigem Recht beurteilt. Da der an-

gefochtene Entscheid am 30. Mai 2023 und damit vor Inkrafttreten der Teilrevision 

erging, richtet sich das vorliegende Berufungsverfahren nach der bisherigen Straf-

prozessordnung.

2.

Umfang der Berufung

2.1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung 

im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des 

angefochtenen Urteils dementsprechend gehemmt. Das Berufungsgericht über-

prüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 

Abs. 1 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte werden – unter dem 

Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO – rechtskräftig.

2.2. Die Privatklägerin lässt das vorinstanzliche Urteil bezüglich der Dispositiv-

ziffern 1 (Freispruch), 2 (Abweisung ihrer Genugtuungsforderung) und 5 (Kosten-

tragung durch den Staat) anfechten (Urk. 48 S. 1).

Unangefochten blieben dagegen die Dispositivziffern 3 (Zusprechung weder einer 

Entschädigung noch einer Genugtuung an den Beschuldigten) und 4 (Kostenfest-

setzung). In diesem Umfang ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwach-

sen, was vorab mit Beschluss festzustellen ist.

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III. Sachverhalt

1.

Anklagevorwurf / Zu erstellender Sachverhalt

1.1. Die Privatklägerin und der Beschuldigte trafen sich an einem nicht näher 

bestimmbaren Tag zwischen Anfang August und Ende Oktober 2018 im Park bei 

der D._____ in E._____. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe der Pri-

vatklägerin im Verlauf ihres Gesprächs vorgeschlagen, nun Sex zu haben, was 

diese klar abgelehnt habe. Der Beschuldigte habe jedoch insistiert und die Privat-

klägerin aufgefordert, ihn oral zu befriedigen. Als sie auch dies abgelehnt habe, 

habe er sie zusammengefasst unter Anwendung von körperlicher Gewalt dazu 

gezwungen. Anschliessend habe er die Privatklägerin ebenso zur Duldung von 

vaginalem Geschlechtsverkehr gezwungen, während diese sich an der … [Mauer] 

abgestützt und ihm den Rücken zugewandt habe. Schliesslich habe der Beschul-

digte seinen Penis auch anal in die Privatklägerin eingeführt, womit er jedoch auf-

gehört habe, als diese vor Schmerzen aufgeschrien habe (Urk. 5A S. 2 f.).

1.2. Der Sachverhalt ist weitgehend unbestritten und kann insofern als erstellt 

betrachtet werden, als es am besagten Ort zwischen dem Beschuldigten und der 

Privatklägerin zu den umschriebenen sexuellen Handlungen kam. In Frage steht 

lediglich, ob diese vom Beschuldigten erzwungen wurden und/oder ob der entge-

genstehende Wille der Privatklägerin für den Beschuldigten erkennbar war.

2.

Grundsätze der Beweiswürdigung

2.1. Die von der Vorinstanz ausgeführten Regeln der Beweiswürdigung müssen 

nicht wiederholt werden. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 45 S. 4 - 6; Art. 82 

Abs. 4 StPO).

2.2. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die (nicht im Vordergrund ste-

hende) ganz allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person gleichsam im Sinne einer 

generell gültigen Eigenschaft nicht ohne Weiteres gleichzusetzen ist mit der situa-

tiv konkreten Motivlage, eventuell Falschaussagen zu machen. Der Würdigung 

von Aussagen fehlt ohne Kenntnis und Reflexion möglicher Motive (zur Lüge) ein 

wesentlicher Baustein. Je wahrscheinlicher es erscheint, dass die Aussageperson 

-  7  -

zu einer Lüge motiviert sein könnte, desto eindeutiger müssten die Ergebnisse der 

Beweisaufnahme und der Aussageanalyse sein, damit man sich trotzdem von der 

Wahrheit der Angaben überzeugt zeigen kann (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, 

Tatsachenfeststellung vor Gericht, 5. Auflage, 2021, S. 70 - 72 Rz 292 und 298 

sowie S. 132 Rz 550 f.).

2.3. Hinsichtlich der Aussageanalyse selbst ist darauf hinzuweisen, dass das 

Vorhandensein von Realitätskriterien noch nicht bedeutet, dass eine Aussage 

wahr ist. Vielmehr muss eine Kompetenzanalyse ergeben, dass eine Person nicht 

in der Lage wäre, den dargelegten Sachverhalt zu erfinden (HERMANUTZ/LITZCKE/ 

KROLL/ADLER, Polizeiliche Vernehmung und Glaubhaftigkeit, 4. Auflage, 2018, 

S. 9 f.; vgl. auch BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, a.a.O., S. 78 Rz 332 - 334). Insbe-

sondere bei überschaubaren Sachverhalten und wenigen Aussagen ist ein glaub-

haftes Lügen durchaus möglich. Insbesondere ein kurzes, wahrheitswidriges 

Kerngeschehen kann nahtlos in ein wahres Peripheriegeschehen eingebettet 

sein, ohne dass klassische Warnsignale auftreten.

Steht Aussage gegen Aussage, ist besonders zu beachten, dass dem Realitäts-

kriterium der Aussagekonstanz dann kein grosses Gewicht beizumessen ist, 

wenn das Opfer als Privatklägerin oder Privatkläger Akteneinsicht hatte. Selbst 

ohne Mutwillen kann es aufgrund einer Re-Konsolidierung zu Veränderungen der 

Erinnerung im Sinne einer Überlagerung früherer Erinnerungen kommen (BEN-

DER/HÄCKER/SCHWARZ, a.a.O., S. 372 Rz 1616).

2.4. Schliesslich ist auch von Bedeutung, dass bei Irrtümern, falschen Erinne-

rungen oder späteren (unbewussten) Uminterpretationen des Geschehenen in der 

Regel keine Warnsignale auftreten, weil die Aussageperson überzeugt ist, die 

Wahrheit zu sagen.

3.

Motivlagen der Aussagepersonen

3.1. Der Beschuldigte hat unabhängig von Schuld oder Unschuld ein offensicht-

liches Interesse, dass das vorliegende Strafverfahren für ihn positiv ausgeht.

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Auffällig ist indes auch, dass es der Beschuldigte war, der als Erster die Polizei 

beizog (Urk. 1/1 S. 3), was gegen die Annahme sprechen könnte, er würde ein 

von ihm begangenes Verbrechen möglichst vor den Behörden verbergen wollen. 

Allerdings gab der Beschuldigte selber zu Protokoll, er habe die Polizei deshalb 

gerufen, weil der Onkel der Privatklägerin nach der Konfrontation mit deren An-

schuldigungen zu ihm gesagt habe, dass entweder die Polizei kommen solle oder 

er (der Onkel) ihn (den Beschuldigen) verprügeln würde (Urk. 3/3 F/A 157 S. 17; 

vgl. auch Prot. II S. 34). Insofern wäre es verständlich, wenn der Beschuldigte die 

Einleitung eines Strafverfahrens vorgezogen hätte.

3.2. Die Privatklägerin hat ebenfalls ein Interesse am Ausgang des Verfahrens. 

Nebst der geltend gemachten namhaften Genugtuungsforderung ist jedoch zu be-

rücksichtigen, dass sie von Beginn weg auf keinen Fall wollte, dass ihre Familie – 

v.a. aber ihre Eltern – von der Angelegenheit erfahren würden (vgl. z.B. Urk. 1/1 

S. 6; Urk. 1/12 F/A 42 S. 7 und F/A 63 S. 10 und Urk. 2/2). Aus der zugunsten des 

Beschuldigten verwertbaren Aussage von F._____ (Onkel der Privatklägerin) geht 

hervor, dass die Sache ihm gegenüber nur heraus kam, weil die Privatklägerin 

sich mutmasslich versprochen hatte (Urk. 1/12 F/A 36 ff. S. 6 ff.) und F._____ im-

mer wieder nachgehakt habe, weshalb es auch zur Anzeige gekommen sei (z.B. 

Urk. 1/12 F/A 49 S. 8 f.; vgl. auch Urk. 1/13 F/A 104 S. 15). Nach Aussage von 

C._____ habe die Privatklägerin deshalb nicht gewollt, dass ihre Eltern vom Vor-

fall auf der D._____ erfahren, weil sie Angst gehabt habe, von ihrer Familie ver-

stossen zu werden (Urk. 1/13 F/A 16 S. 4, vgl. auch F/A 73 S. 11 und insb. auch 

F/A 102 f. S. 14 f.; Prot. II S. 11). Die Privatklägerin sagte sodann selber aus, sie 

habe das Geschehen ihren Eltern nicht erzählt, weil sie Angst gehabt habe, dass 

diese sie rausschmeissen würden. Und obwohl die Privatklägerin weiter relati-

vierte, dass sie nicht mehr denke, dass ihre Eltern das machen würden, erklärte 

sie dennoch, dass sie ihnen nach wie vor nichts erzählt habe (Urk. 3/1 F/A 11 

S. 4). Auch anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte die Pri-

vatklägerin, dass sie ursprünglich nicht gewollt habe, dass ihre Eltern davon er-

fahren. Sie sei sehr eingeschüchtert gewesen (Prot. I S. 21).

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Insgesamt war es für die Privatklägerin ein ganz beherrschendes Thema, dass 

ihre Eltern vom Vorfall auf der D._____ nicht erfahren durften, ansonsten sie ganz 

drastische Folgen befürchtete (ob zu Recht oder zu Unrecht ist nicht relevant). 

Unklar ist, ob sich die Angst vor einem Ausschluss aus der Familie oder anderen 

Konsequenzen auf die angeblich erlittene Gewalttat bezog oder generell auf den 

– mutmasslich kulturell bedingt nicht erlaubten – Geschlechtsverkehr. Letzteres 

wäre plausibler und im Zweifel für den Beschuldigten anzunehmen. Das wird auch 

dadurch unterstrichen, dass die Privatklägerin selber zu Protokoll gab, Angst ge-

habt zu haben, dass sie jemand von der Familie beim blossen Treffen mit dem 

Beschuldigten sehen würde (Urk. 3/1 F/A 13 S. 4). Für sie war also bereits ein 

harmloses, kollegiales Treffen mit einem jungen Mann ein solcher Regelverstoss, 

dass sie Angst hatte, dabei gesehen zu werden. Dasselbe musste umso mehr für 

(einvernehmlichen) Geschlechtsverkehr gelten und könnte das Ausmass ihrer 

psychischen Nöte erklären. Somit wäre es aus Sicht der Privatklägerin nachvoll-

ziehbar, dass sie unter ihrem Regelverstoss erheblich gelitten und eine Person 

gesucht hätte, der sie sich anvertrauen konnte, wobei sie aber dieser gegenüber 

nicht zugeben wollte oder konnte, dass sie beim besagten Regelverstoss freiwillig 

mitgemacht hätte. Aus dieser Optik würde es sogar verständlich erscheinen, dass 

sie sich quasi als Rückfallposition zu ihrem eigenen Schutz eine Gewalttat hätte 

zurecht legen können, ohne dem Beschuldigten aus ihrer Sicht wirklich schaden 

oder gar ein Strafverfahren gegen ihn anzetteln zu wollen. Dazu passt, dass sie 

nach eigenen Angaben einfach mal nur mit ihrer besten Freundin G._____ über 

das Geschehen auf der D._____ sprach. Dann begann die Sache jedoch bereits 

eine Eigendynamik zu entwickeln, die es ihr verunmöglichte, ihre Aussagen zu 

korrigieren. G._____ schaltete nämlich ihre Mutter C._____ ein und diese fand es 

verständlicherweise wichtig, die Opferhilfe zu kontaktieren (Urk. 3/1 F/A 13 S. 5 

unten und S. 6). Dies liesse sich auch damit in Einklang bringen, dass die Privat-

klägerin von ihrem Onkel zu einer Anzeige "motiviert" werden musste und die Dy-

namik der Angelegenheit weiterhin ihren eigenen Lauf nahm, den sie nicht mehr 

kontrollieren konnte und ihr je länger je mehr verunmöglichte, von ihrer Darstel-

lung wieder abzurücken.

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Die von der Privatklägerin beschriebene Drucksituation und ihr hernach auch von 

Dritten festgestelltes Verhalten wären denn auch mit der offenbar überaus gros-

sen Angst in Einklang zu bringen, dass ihren Eltern der (allenfalls eben auch ein-

vernehmliche) Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten zu Ohren kommen 

könnte und sie dann in ihrem Familienverbund sehr schlecht dastehen würde, 

ganz besonders, wenn sie mit den Handlungen des Beschuldigten einverstanden 

gewesen wäre. Insofern könnte die Privatklägerin ein starkes Motiv haben, den 

Beschuldigten zu Unrecht zu belasten.

Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin hält dagegen, dass ihre 

Mandantin bereits zu einem Zeitpunkt gegenüber ihrer besten Freundin G._____ 

und deren Mutter von einer Vergewaltigung gesprochen habe, als ihre Familie 

noch nichts gewusst habe und nicht ansatzweise involviert gewesen sei. Mit an-

deren Worten habe die Privatklägerin den strafrechtlichen Vorwurf nicht erst erho-

ben, als ihr Onkel und andere Familienmitglieder Kenntnis vom Sexualkontakt auf 

der D._____ erlangt hätten, sondern schon viel früher (Urk. 63 S. 3 f.). Dem ist zu 

entgegnen, dass die Privatklägerin bereits gegenüber ihrer Freundin einen Recht-

fertigungsdruck gehabt haben könnte und ein Nachaussendringen der Information 

über ihren (allenfalls auch einvernehmlichen) Geschlechtsverkehr mit dem Be-

schuldigten nicht ausgeschlossen war (selbst wenn sie dies für unwahrscheinlich 

gehalten haben dürfte). Wie vorstehend bereits erwähnt, könnte es unter Berück-

sichtigung der von der Privatklägerin beschriebenen Drucksituation und ihrer 

Angst vor einem Ausschluss aus dem Familienverbund oder anderen Konsequen-

zen durchaus sein, dass sie sogar gegenüber ihrer besten Freundin von erzwun-

genen sexuellen Handlungen sprach, um sich für den Fall, dass ihre Begegnung 

mit dem Beschuldigten auf der D._____ ans Licht kommen sollte, selbst zu schüt-

zen. Das Erwogene gilt ebenso für die Schilderungen der Privatklägerin gegen-

über der Mutter ihrer besten Freundin, mit der sie angeblich einen sehr vertrauten 

und innigen Kontakt hatte und der sie sich mit Bezug auf den angeklagten Vorfall 

komplett geöffnet haben soll. Im Verhältnis zu C._____ fällt sodann auf, dass die 

Privatklägerin potentiell nachteilige Informationen zurückhielt bzw. sie (C._____) 

bewusst falsch informierte. Beispielhaft zu nennen ist die ursprüngliche Aussage 

von C._____, die Privatklägerin habe seit dem Vorfall auf der D._____ bis kurz 

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vor ihrer Einvernahme "nie wieder" Kontakt mit dem Beschuldigten gehabt. Diese 

offenkundig falsche Information konnte die Zeugin nur von der Privatklägerin be-

kommen haben, die gegenüber C._____ offenbar aktiv verschleierte, dass sie 

nach dem angeklagten Vorfall weiterhin mit dem Beschuldigten sexuell verkehrte 

(Urk. 1/13 F/A 93 S. 13 sowie Prot. II S. 16 und S. 18 ff.). 

Dass die Privatklägerin unter der strengen Strafdrohung von Art. 303 - 305 StGB 

aussagte, wie die Vorinstanz erwägt (Urk. 45 S. 11), ist richtig, dürfte indes nur 

eine untergeordnete Rolle spielen, insbesondere wenn das oben dargelegte Sze-

nario zutreffen sollte.

3.3. C._____ ist die Mutter der besten Freundin der Privatklägerin und offen-

kundig eine enge Vertraute, der gegenüber sich die Privatklägerin öffnete, wenn 

es ihr schlecht ging. Sie begleitete die Privatklägerin sodann zu Arztterminen und 

half ihr, das Schreiben vom 26. Februar 2020 zu erstellen (Urk. 1/13 F/A 10 S. 2 

sowie insb. F/A 36 - 47 S. 7 f.; vgl. auch Prot. II S. 11 ff., 16 und S. 19). Insofern 

ist nur natürlich, dass C._____ uneingeschränkt und damit mutmasslich auch un-

kritisch auf der Seite der Privatklägerin steht und insofern auch ein Interesse am 

Ausgang des Verfahrens hat. Sie gab denn auch unumwunden zu Protokoll, dass 

sie enttäuscht sei, dass die Sache an die Jugendanwaltschaft gehe. Dann pas-

siere ja sowieso nichts (Urk. 1/13 F/A 111 S. 15). Insofern erscheinen die Straf-

drohungen, unter denen sie im Verlauf dieses Verfahrens ihre Aussagen depo-

nierte, eher von marginaler Bedeutung.

4.

Aussagen des Beschuldigten

4.1. Sowohl hinsichtlich der Wiedergabe als auch hinsichtlich der Würdigung 

der Aussagen des Beschuldigten kann einleitend auf die zutreffenden Erwägun-

gen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 45 S. 9, 12 f., 15 f. sowie 

S. 18 - 23; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen verstehen sich 

als Präzisierungen und punktuelle Ergänzungen: 

4.2. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme beschränkte sich der Beschul-

digte nicht einfach darauf, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bzw. die ihn belas-

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tenden Teile des Geschehens zu bestreiten. Vielmehr schilderte er einen vollstän-

digen, differenzierten, in sich stimmigen und plausiblen Sachverhalt. Dabei stellte 

er sich selber nicht einfach nur im besten Licht dar, wenn er z.B. ausführte, er 

habe "konsumiert". Ebenso berichtete er, die Privatklägerin habe ihm im Nach-

gang mitgeteilt, sie fühle sich nicht gut wegen dem, was gewesen sei. Sie gehe zu 

einem Psychologen. Der Beschuldigte gab auch von sich aus offen zu, dass er 

sich bei der Privatklägerin dafür entschuldigt habe, wenn es ihr zu hart gewesen 

sei (Urk. 3/3 F/A 27 S. 4 und F/A 142 S. 14). Ferner gab er freimütig zu Protokoll, 

dass die sexuellen Handlungen auf seine Initiative zurückgegangen seien 

(Urk. 3/3 F/A 54 S. 6, F/A 67 S. 7 f. und F/A 86 S. 9). Dies lässt seine Aussagen 

glaubhaft erscheinen. Er gab auch zu, wenn er etwas nicht wusste, statt eine für 

ihn günstige Antwort zu geben (vgl. z.B. Urk. 3/3 F/A 45 S. 6). Auf die Frage, ob 

er psychischen Druck auf die Privatklägerin ausgeübt habe, verneinte dies der 

Beschuldigte nicht einfach pauschal, sondern zeigte sich reflektiert und antwor-

tete, dass er nicht wisse, ob es schon psychischer Druck sei, wenn man versu-

che, jemanden zu überreden (Urk. 3/3 F/A 74 - 80 S. 8 f.). Den Geschlechtsver-

kehr beschrieb er in der Folge nicht einfach als gut und komplikationslos, sondern 

meinte von sich aus und ohne entsprechende Nachfrage, die Privatklägerin habe 

gesagt, dass es ihr weh tue. Der vaginale Verkehr habe ihr dann aber gefallen. 

Dies stellte der Beschuldigte keinesfalls übertrieben prahlerisch dar. Er führte so-

dann aus, dass die Privatklägerin und er den analen Verkehr aufgrund ihrer 

Schmerzen abgebrochen hätten (Urk. 3/3 F/A 96, F/A 99 S. 10 und F/A 111 

S. 11 f.), wobei er ohne Weiteres zugab, dass es ihn "agschisse" habe, dass die 

Privatklägerin den Analverkehr nicht habe fortführen wollen (Urk. 3/3 F/A 126 

S. 13).

Ferner ist nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte versucht hätte, die Privatkläge-

rin in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken. Für die Glaubhaftigkeit seiner Aus-

sagen spricht schliesslich, dass er einen Umstand schilderte, der im Kontext der 

Anklagevorwürfe unwahrscheinlich erscheint, jedoch von der Privatklägerin im 

Wesentlichen bestätigt wurde und damit als wahr unterstellt werden kann, nämlich 

dass er mit der Privatklägerin nach dem angeklagten Vorfall mehrfach einver-

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nehmlichen Geschlechtsverkehr hatte (vgl. z.B. Urk. 3/3 F/A 146 - 150 S. 15 und 

F/A 183 S. 19). Dies steht im Einklang mit seiner Sachverhaltsdarstellung.

4.3.

In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, vor Vorinstanz und anläss-

lich der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte im Wesentlichen seine 

zuvor gemachten Aussagen. Soweit er noch einlässliche Ausführungen zu den 

gegen ihn erhobenen Vorwürfen machte, sind diese mit seinen früheren Aussa-

gen konsistent, weiterhin reflektiert und selbstkritisch (vgl. z.B. Urk. 3/12 S. 4) so-

wie der Privatklägerin gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt ("Sie als Person 

ist ja sehr nett", Urk. 3/12 S. 6). Was die Vertretung der Privatklägerin dagegen 

vorbringt, vermag nicht zu überzeugen (Urk. 63 S. 10 f.; Prot. II S. 35 f.)

4.4.

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten glaubhaft und als solche 

in die Gesamtwürdigung miteinzubeziehen. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, 

dass selbst wenn seine Aussagen als nicht besonders glaubhaft anzusehen wä-

ren, damit noch kein Schuldbeweis geführt wäre.

5.

Aussagen der Privatklägerin

5.1. Auch mit Bezug auf den Inhalt und die Würdigung der Aussagen der Privat-

klägerin kann im Wesentlichen auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Urk. 45 S. 8 f. und S. 11 - 25; Art. 82 Abs. 4 StPO). Demnach wirkt die 

Darstellung der Privatklägerin auf den ersten Blick zunächst glaubhaft (Urk. 45 

S. 19). Zu ergänzen ist indes noch was folgt, wobei insbesondere auf die vorhan-

denen, gewichtigen Warnsignale und groben Ungereimtheiten in ihrem Aussage-

verhalten einzugehen sein wird:

5.2.

Zunächst ist daran zu erinnern, dass dem Realitätskriterium der Aussage-

konstanz dann kein grosses Gewicht beizumessen ist, wenn die Privatklägerin 

Akteneinsicht hatte. Das muss auch für den Fall gelten, dass sie ihre Aussage 

vorbereiten konnte. Ob eine solche Vorbereitung bewusst im Hinblick auf ein Ver-

fahren geschah oder nicht, ist insofern nicht von Bedeutung, als in beiden Fällen 

eine bestimmte Sachverhaltsvariante memoriert wurde und entsprechend konsis-

tent wiedergegeben werden kann. Vorliegend liess die Privatklägerin vor ihren 

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Einvernahmen das Geschehen durch C._____ minutiös niederschreiben 

(Urk. 1/8). Auch wenn die erste Einvernahme erst rund zwei Jahre später erfolgte, 

ist anzunehmen, dass der Privatklägerin dieses Schreiben zur Verfügung stand. 

Übereinstimmungen zwischen ihren Aussagen und dem besagten Schreiben ver-

mögen daher nicht zu überraschen.

5.3. Sehr auffällig ist das Aussageverhalten der Privatklägerin zu Beginn ihrer 

polizeilichen Einvernahme, als sie bereits vorwegnahm und zu erklären versuchte, 

weshalb sie allenfalls eben nicht konsistente Aussagen machen würde. Trotz ei-

nes einprägsamen und einschneidenden Ereignisses, über welches sie im Rah-

men der Einvernahme berichten sollte, gab die Privatklägerin zu Protokoll, sie 

habe das meiste vergessen oder eine andere Version im Kopf. Auffällig ist auch 

ihr Versuch, sich allenfalls abzeichnende Ungereimtheiten quasi präventiv zu er-

klären, um sie bedeutungslos erscheinen zu lassen. Schliesslich kam sie auf das 

vorgenannte Schreiben zu sprechen, welches sie einreichte (Urk. 3/1 F/A 5 S. 2).

5.4. Auffällig ist ausserdem, dass die Privatklägerin im freien Bericht nur sehr 

wenig zur Vorgeschichte aussagte. So gab sie nur an, dass man sich beim 

H._____ getroffen habe. Ob das Treffen zufällig oder verabredet war, sagte sie 

nicht. Ausserdem konnte sie zunächst keinen Grund dafür nennen, weshalb der 

Beschuldigte und sie dann zur nahe gelegenen D._____ gegangen seien. Ansch-

liessend führte sie aus, dass sie Angst gehabt habe, dass jemand von der Familie 

sie sehen und etwas Falsches denken würde (Urk. 3/1 F/A 13 S. 4). Diesbezüg-

lich wirken ihre vagen Aussagen zur Motivation für das Treffen mit dem Beschul-

digten ausweichend.

Auf konkretes Nachfragen, ob sie sich zufällig getroffen hätten, gab die Privatklä-

gerin zur Antwort, das wisse sie nicht (Urk. 3/1 F/A 33 S. 8), was wenig glaubhaft 

erscheint, insbesondere wenn das Treffen hernach derart einprägsam ablief, wie 

es in der Anklage umschrieben wird. Damit nicht konsistent ist sodann die Antwort 

auf die Folgefrage, weshalb sie sich mit dem Beschuldigten getroffen habe, die ei-

gentlich hätte lauten müssen, dass sie auch das nicht wisse. Stattdessen aber 

machte die Privatklägerin – unter der Annahme, das Treffen sei geplant gewesen 

– Ausführungen zu einem angeblich nur hypothetischen Grund und schob letztlich 

-  15  -

nach, es könne aber eben auch sein, dass der Beschuldigte und sie sich zufällig 

getroffen hätten (Urk. 3/1 F/A 34 S. 8). Ebenso sonderbar ist ihre darauf folgende 

Aussage, wonach sie sich nicht daran erinnern könne, dass sie im Vorfeld mit 

dem Beschuldigten über Sex gesprochen habe. Aber falls es doch ein solches 

Gespräch gegeben habe, dann sei es ihrerseits nur "ein Spässli" gewesen 

(Urk. 3/1 F/A 35 S. 8). Das Aussageverhalten der Privatklägerin wirkt auswei-

chend, als wolle sie einen eigenen Anteil am Geschehen verschleiern oder be-

schönigen. Auffällig ist ferner, dass sie sich dann vor Vorinstanz doch relativ klar 

wieder daran erinnerte, dass der Beschuldigte und sie sich eben doch verabredet 

hätten (Prot. I S. 17). Dabei scheint sie vergessen zu haben, was sie in ihrem 

Schreiben vom 26. Februar 2020 zu Papier hatte bringen lassen. Darin hielt sie 

zwar nicht explizit fest, dass man sich zufällig getroffen habe. Die Schilderungen 

zu Beginn des Schreibens würden jedoch nur bei einem zufälligen Aufeinander-

treffen Sinn ergeben ("Er begrüsste mich freundlich und fragte, ob ich mich an ihn 

erinnere"; Urk. 1/8).

Wie vorstehend zitiert, liess die Privatklägerin in ihrem Schreiben vom 26. Februar 

2020 festhalten, der Beschuldigte habe sie danach gefragt, ob sie sich an ihn er-

innere (Urk. 1/8). Das macht angesichts ihrer Aussage bei der Polizei insofern kei-

nen Sinn, als sie dort deponierte, sie habe mit dem Beschuldigten zwischendurch, 

einen Monat vor dem Treffen, ein wenig geschrieben (Urk. 3/1 F/A 20 - 25 S. 7).

5.5.

Zum eigentlichen Tathergang sagte die Privatklägerin mehrfach aus, sie 

habe laut geschrien (Urk. 3/1 F/A 13 S. 5, F/A 61 S. 11 und F/A 88 S. 14; Prot. I 

S. 17 und S. 19). Anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme gab sie zunächst zu 

Protokoll, sie habe beim vaginalen Verkehr laut geschrien, was den Beschuldigten 

aber nicht interessiert habe. Beim analen Verkehr habe sie ebenfalls geschrien 

und dann habe er aufgehört (Urk. 3/1 F/A 13 S. 5). Was das Schreien beim vagi-

nalen Verkehr von demjenigen beim analen Verkehr unterschied und wie die un-

terschiedliche Reaktion des Beschuldigten zu erklären wäre, bleibt dabei unklar. 

An anderer Stelle in derselben Einvernahme führte die Privatklägerin dagegen 

aus, wenn sie jetzt (erneut) in eine solche Situation kommen würde, dann würde 

sie schreien (Urk. 3/1 F/A 55 S. 11). Bei der Staatsanwaltschaft will sie dann auf 

-  16  -

den Vorhalt, sie habe beim Analverkehr geschrien, doch nicht so reagiert haben, 

nur um anschliessend auszusagen, sie wisse nicht, weshalb sie nicht weiter ge-

schrien habe (Urk. 3/16 S. 6). Zuvor hatte sie ferner explizit ausgesagt, sie würde 

heute anders reagieren und sich wehren. Auf die Frage, wie sie sich wehren 

würde, meinte sie, sie würde laut schreien (Urk. 3/16 S. 5; Prot. I S. 16), als ob sie 

zuvor nicht ausgesagt hätte, sie habe geschrien.

5.6. Anlässlich ihrer Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft berichtete die Pri-

vatklägerin erstmals von einer Schockstarre (Urk. 3/16 S. 5), die sie bei der Poli-

zei noch nicht erwähnt hatte. Auffällig ist dabei, dass nicht ersichtlich ist und von 

der Privatklägerin nicht erklärt wird, wie sich diese Schockstarre ausgewirkt haben 

soll. Unbestritten ist, dass sie den Beschuldigten oral befriedigte und sich hernach 

selber auszog, was eine gewisse Aktivität ihrerseits voraussetzt (Urk. 3/16 S. 4 f.). 

Die Privatklägerin schilderte auch immer wieder kurze Wortwechsel zwischen 

dem Beschuldigten und ihr (vgl. zum Ganzen z.B. Urk. 3/1 F/A 13 S. 5). Wie 

mehrfach erwähnt, habe sie auch geschrien. Beim Analverkehr habe sie "die 

ganze Zeit" Nein gesagt, habe weggehen wollen und dazu ihren Körper von 

demjenigen des Beschuldigten weggestossen (Urk. 3/16 S. 6). Inwiefern das mit 

einem Erstarren vereinbar ist, erschliesst sich nicht. Auch vor Vorinstanz blieben 

die Aussagen zur angeblichen Schockstarre farblos und schwer in das sonst ge-

schilderte Geschehen zu integrieren (Prot. I S. 15 f.).

5.7.

In ihrem Schreiben vom 26. Februar 2020 erwähnte die Privatklägerin noch 

explizit das wohl einprägsame Detail, der Beschuldigte sei nicht in ihr zum Sa-

menerguss gekommen, sondern habe "draussen" gespritzt (Urk. 1/8). Bei der Po-

lizei gab sie jedoch auf die Frage, wie sie gemerkt habe, dass der Beschuldigte 

gekommen sei, zur Antwort, er sei schneller geworden und habe dann so wie auf-

gehört (Urk. 3/1 F/A 84 S. 14). Dies lässt darauf schliessen, dass er in der Privat-

klägerin zum Samenerguss kam. Sie schilderte denn auch nichts anderes. Vor 

Vorinstanz führte sie sogar aus: "Und dann hat der Beschuldigte sein Genital 

rausgenommen und ins andere Loch rein getan und ja, dann hat er das halt ge-

macht bis er zum... ehm... Samenerguss gekommen ist" (Prot. I S. 17), was eben-

falls klar erkennen lässt, dass er nicht "draussen" zum Höhepunkt kam.

-  17  -

5.8. Stark aggravierend wirken – selbst wenn man den Anklagesachverhalt als 

wahr unterstellt – die Aussagen der Privatklägerin zu ihren angeblich erlittenen 

Verletzungen. Sie habe rund ein Jahr lang Blutungen gehabt und unter Schmer-

zen gelitten, die sie nie zuvor gehabt habe. Schon diese Schilderung wirkt über-

trieben und nicht plausibel. Würde man aber ihre Richtigkeit unterstellen, so ist 

unverständlich, weshalb sich die Privatklägerin bei derartigen Blutungen und noch 

nie dagewesenen Schmerzen erst nach einem Jahr in ärztliche Behandlung be-

gab (Urk. 3/1 F/A 106 f. S. 16). Ebenso unverständlich ist, weshalb in diesem 

Falle (der erhebliche innere Verletzungen bedingen würde) bei der ärztlichen Un-

tersuchung im Spital Männedorf keine auffälligen Verletzungsspuren gefunden 

werden konnten (Urk. 1/10).

5.9.

In ihrer polizeilichen Einvernahme vom 22. Februar 2022, d.h. rund dreiein-

halb Jahre nach dem angeklagten Vorfall, gab die Privatklägerin (im Präsens for-

muliert) zu Protokoll: "Wenn ich alleine bin und einen Mann sehe, bekomme ich 

Angst" (Urk. 3/1 F/A 67 S. 12) und "Ich habe kein Vertrauen mehr in Männer. Ich 

hatte zeitweise sogar einen Hass auf meinen Vater, obwohl er mir nie irgendet-

was gemacht hat. Und wie schon gesagt habe ich Angst, wenn ich alleine bin und 

einem Mann begegne" (Urk. 3/1 F/A 135 S. 19). In derselben Einvernahme führte 

sie dagegen aus, sie habe sich mit dem Beschuldigten (also nicht nur mit irgend-

einem Mann, sondern mit ihrem angeblichen Vergewaltiger) mehrfach getroffen 

und sogar einvernehmlichen Sex mit ihm gehabt (Urk. 3/1 F/A 117 - 120 S. 18). 

Ebenso gab die Privatklägerin an, einen Verlobten zu haben, mit dem sie seit dem 

tt. Juli 2021 offiziell zusammen sei, den sie aber schon länger kenne. Als sie über 

ihren Verlobten sprach, soll die Privatklägerin gestrahlt haben (Urk. 3/1 F/A 10 

S. 3 f.). Inwiefern sich diese Aussagen mit ihrer generellen und offenbar lang an-

haltenden Angst vor Männern (sogar vor solchen, von denen sie angab, dass sie 

ihr nichts angetan hätten) verträgt, ist nicht erklärbar.

Hinsichtlich des nach dem angeklagten Geschehen mehrfach stattgefundenen 

einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs mit dem Beschuldigten ist sodann in kei-

ner Weise nachvollziehbar und plausibel, weshalb sich die Privatklägerin darauf 

hätte einlassen sollen, wenn der in der Anklage umschriebene Sachverhalt tat-

-  18  -

sächlich zutreffen würde. Persönliche und auch intime Kontakte mit dem eigenen 

Vergewaltiger sind dort nicht selten, wo das Opfer durch familiäre Strukturen oder 

andere Abhängigkeitsverhältnisse mit dem Täter verbunden ist und sich (auch 

emotional) nicht ohne Weiteres daraus lösen kann. Eine solche Situation ist vor-

liegend aber nicht gegeben. Offenbar war die Privatklägerin denn auch ohne Wei-

teres in der Lage, den Kontakt zum Beschuldigten abzubrechen, als sie ihn nicht 

mehr wünschte (Urk. 3/1 F/A 123 S. 18). Wenn die Privatklägerin – auf diesen 

Punkt angesprochen – aussagte, sie habe den Beschuldigten nicht als ihren Ver-

gewaltiger, sondern als eine andere Person gesehen (Urk. 3/16 S. 8), so würde 

dies höchstens erklären, weshalb sie in der Lage gewesen wäre, mit dem Be-

schuldigten intim zu sein, nicht aber, weshalb sie sich darauf überhaupt eingelas-

sen hatte. Besonders unverständlich ist, dass sie mit dem Beschuldigten sogar 

bei sich zu Hause Sex hatte, also in einem besonders intimen Umfeld (Urk. 3/16 

S. 8).

Die Vertreterin der Privatklägerin führte in diesem Kontext aus, dass seitens der 

Privatklägerin das psychologische Phänomen einer traumatischen Bindung an 

den Beschuldigten vorgelegen haben dürfte. Ein Missbrauch führe beim Opfer zu 

einer emotionalen Bindung an den Täter, was dazu führen könne, dass das Opfer 

es nicht schaffe, sich davon zu lösen. Die Vertreterin der Privatklägerin stützt ihr 

Vorbringen u.a. auf einen Wikipedia-Artikel zum Thema "Traumabindung" (Urk. 63 

S. 15). Wie jedoch bereits ausgeführt, entsteht eine solche Bindung nicht nach ei-

nem Vorfall ausserhalb eines jeglichen, auch nur halbwegs (sozial) verbindlichen 

Verhältnisses zwischen Täter und Opfer. Das Phänomen der traumatischen Bin-

dung ist wie erwähnt in familiären Strukturen zu beobachten. Will man den Kreis 

weiter ziehen, ist an rigid organisierte Gruppen zu denken, die eine gewisse Loya-

lität von ihren Angehörigen einfordern. So unterlässt es denn auch die Vertreterin 

der Privatklägerin, den besagten Wikipedia-Artikel vollständig zu zitieren. Sofern 

der Artikel überhaupt als Belegstelle taugt, ist auf den folgenden Inhalt hinzuwei-

sen: "Traumabindungen (auch traumatische Bindungen genannt) sind emotionale 

Bindungen zu einem Individuum (und manchmal auch zu einer Gruppe), die aus 

einem wiederkehrenden zyklischen Muster von Missbrauch entstehen, das durch 

intermittierende Verstärkung durch Belohnungen und Bestrafungen aufrechterhal-

-  19  -

ten wird. Der Prozess der Bildung von Traumabindungen wird als trauma bonding 

oder traumatic bonding bezeichnet. Traumatisches Bonding tritt als Ergebnis ei-

nes andauernden Missbrauchszyklus auf, in dem die intermittierende Verstärkung 

von Belohnung und Strafe starke emotionale Bindungen schafft, die resistent ge-

gen Veränderungen sind". Eine solche Konstellation ist vorliegend offensichtlich 

nicht gegeben.

5.10. An dieser Stelle ist auf eine weitere Ungereimtheit in den Aussagen der 

Privatklägerin hinzuweisen. Bei der Polizei schilderte sie mit drastischen Worten, 

wie schlecht es ihr nach dem Vorfall auf der D._____ gegangen sei. Sodann be-

richtete sie, dass das Thema "Vergewaltigung" zufällig eine Woche später in der 

Schule besprochen worden sei. Da habe sie sich gedacht, dass das eine Verge-

waltigung gewesen sein müsse. Ferner gab sie zu Protokoll, sie habe dem Be-

schuldigten kurz nach dem Vorfall geschrieben, was er gemacht habe, sei eine 

Vergewaltigung gewesen (Urk. 3/1 F/A 13 S. 6 und F/A 112 S. 17; vgl. dazu auch 

Prot. II S. 16). Sie konnte das Geschehene somit durchaus einordnen. Dies würde 

auch damit korrespondieren, dass sie sich danach schlecht gefühlt und sogar Sui-

zidgedanken gehegt habe. Es würde auch angesichts des Anklagevorwurfs er-

staunen, wenn sie nicht sofort begriffen hätte, dass es sich um eine Vergewalti-

gung (resp. sexuelle Nötigung) gehandelt habe. Dennoch hatte die Privatklägerin 

zugestandenermassen in der Folge mehrfach einvernehmlichen Sex mit dem Be-

schuldigten. Auf die Frage, weshalb sie mit ihm eine "Freundschaft plus" gepflegt 

habe, gab sie bei der Staatsanwaltschaft in Widerspruch zu ihren früheren Aussa-

gen an, sie habe am Anfang nicht richtig verstanden, dass es eine Vergewalti-

gung gewesen sei. Sie habe gedacht, das sei normal (Urk. 3/16 S. 7). Letztere 

Aussage erstaunt insbesondere auch deshalb, weil die Privatklägerin mit Bezug 

auf sexuelle Kontakte und Geschlechtsverkehr nicht mehr gänzlich ahnungslos 

gewesen sein will und von sich aus deponierte, sie sei zum Zeitpunkt des Vorfalls 

auf der D._____ keine Jungfrau mehr gewesen (Urk. 3/1 F/A 13 S. 5).

5.11.

Insgesamt weisen die Aussagen der Privatklägerin zahlreiche Ungereimt-

heiten und markante Widersprüche auf. Sofern sie bezüglich der sexuellen Hand-

lungen konsistent ausfielen, vermag das angesichts der Tatsache, dass diese 

-  20  -

Handlungen unbestrittenermassen stattgefunden haben, nicht zu erstaunen. Die 

behaupteten und bestrittenen Gewaltanwendungen des Beschuldigten sowie die 

Reaktion der Privatklägerin darauf, sind nicht besonders komplex und lassen sich 

leicht in das unbestrittene Geschehen integrieren. Im Übrigen hatte die Privatklä-

gerin viel Zeit, um ihre Aussagen vorzubereiten, wovon ihr Schreiben vom 26. Fe-

bruar 2020 zeugt. Dabei ist augenfällig, dass sie dennoch kein kohärentes Bild zu 

schildern vermochte, wie vorstehend dargelegt wurde. Die Aussagen der Privat-

klägerin wirken damit unglaubhaft und sind somit mit grösster Vorsicht in die Ge-

samtwürdigung miteinzubeziehen.

6.

Aussagen von C._____

6.1. C._____ ist keine Tatzeugin, machte aber Aussagen zum Verhalten der 

Privatklägerin nach dem angeklagten Geschehen. Sie berichtete, dass die Privat-

klägerin sich niemandem habe anvertrauen können, weder Frau I._____ von der 

Opferhilfe noch der Ärztin im Spital Männedorf. Ihr (C._____) dagegen schon. Da-

nach habe sie das Erlebte aber nie wieder erzählen wollen (Urk. 1/13 F/A 15 S. 3 

und F/A 38 f. S. 7; vgl. auch Prot. II S. 12 und S. 19). Diesbezüglich kann ange-

merkt werden, dass die Privatklägerin selbst aussagte, sie habe sich C._____ erst 

anvertraut, nachdem ihre Freundin G._____ gesagt hatte, sie würde es ihrer Mut-

ter (C._____) erzählen müssen (Urk. 3/1 F/A 13 S. 5 f.). Dazu passend sagte die 

Zeugin C._____ auch aus, die Privatklägerin habe sich zuerst ihrer Tochter anver-

traut und Letztere habe gesagt, sie würde mit ihr (der Privatklägerin) zur Polizei 

gehen, was die Privatklägerin aber nicht gewollt habe. Es sei auch ihre Tochter, 

von der sie (C._____) über den Vorfall informiert worden sei (Urk. 1/13 F/A 16 f. 

S. 4; vgl. auch Prot. II S. 11).

6.2. Bei ihrer Einvernahme durch die Polizei war C._____ in der Lage, das an-

geblich Geschehene detailliert wiederzugegeben, obwohl sie nicht dabei gewesen 

war und obwohl zwischen dem Verfassen des Schreibens für die Privatklägerin 

am 26. Februar 2020 und ihrem Einvernahmetermin fast exakt zwei Jahre vergan-

gen waren (Urk. 1/13 F/A 16 S. 3). Das deutet klar auf eine Vorbereitung oder gar 

Vorbesprechung hin. Ebenso liegt ein Memorieren des besagten Schreibens 

-  21  -

nahe. Darauf lassen auch die Aussagen von C._____ anlässlich der Berufungs-

verhandlung schliessen. Zu Beginn ihrer Befragung hielt sie zwar fest, dass alles 

schon so lange her sei und sie sich an gewisse Details nicht mehr erinnern könne 

(Prot. II S. 9). In der Folge wies sie jedoch wiederholt darauf hin, dass und wie sie 

gewisse Elemente des Tatgeschehens für die Privatklägerin aufgeschrieben habe 

(vgl. Prot. II S. 14 ff.).

6.3. Auffällig ist sodann die Aussage von C._____, dass die Privatklägerin auf 

das gemeinsam verfasste Schreiben vom 26. Februar 2020 nicht den echten Na-

men des Täters habe schreiben wollen (Urk. 1/13 F/A 15 S. 3 und F/A 54 S. 9). 

Schlüssig konnte C._____ das nicht erklären. Es würde aber dazu passen, dass 

die Privatklägerin den Beschuldigten ursprünglich eigentlich nicht beschuldigen 

und somit eventuell auch kein belastendes Dokument erstellen wollte, sondern ei-

nes bloss zur eigenen Entlastung.

6.4. Weiter fällt auf, dass nach der Darstellung von C._____ im Rahmen ihres 

Gesprächs mit der Privatklägerin und G._____ im McDonald's am Bahnhof 

J._____ das Wort "Vergewaltigung" nicht benutzt worden sei. G._____ habe es 

aber ausgesprochen (Urk. 1/13 F/A 23 f. S. 5; vgl. auch Prot. II S. 11). Wenig stim-

mig ist sodann, dass C._____ angab, die Privatklägerin sei beim Gespräch im Mc-

Donald's nicht in der Lage gewesen, etwas zu erzählen. Sie habe nur geweint und 

gesagt, sie habe solche Schmerzen und könne nicht mehr (Urk. 1/13 F/A 23 - 25 

S. 5; Prot. II S. 11 f. und S. 22). Zu diesem Zeitpunkt lag der angeklagte Vorfall 

aber bereits geraume Zeit zurück, weshalb die Schilderung "solcher Schmerzen", 

welche dazu geführt haben sollen, dass die Privatklägerin nicht reden konnte, 

hätte Fragen aufwerfen müssen und zwar nicht nur dahingehend, wie dies derart 

lange Zeit nach der angeblichen Tat noch möglich sein konnte, sondern auch, 

weshalb es die Privatklägerin überhaupt geschafft hatte, sich zum McDonald's zu 

begeben. Weiter erstaunt, dass in einer derartigen Situation nicht umgehend ir-

gendeine Art von Hilfe organisiert wurde (bzw. C._____ nicht darüber berichtete), 

zumal sie (C._____) selber der Meinung zu sein schien, die Privatklägerin hätte 

sogar in eine Klinik eingeliefert werden müssen. Wenig nachvollziehbar ist ihre Er-

klärung, dies sei wegen dem Zuhause der Privatklägerin nicht gegangen 

-  22  -

(Urk. 1/13 F/A 28 S. 6), wenn sie tatsächlich von einem medizinischen Notfall aus-

gegangen wäre. Sie führte zwar anschliessend aus, dass wichtig gewesen sei, die 

Schmerzen zu stoppen. Sie (C._____) habe sich auf das Gesundheitliche konzen-

triert. Das scheint jedoch allein darin bestanden zu haben, die Privatklägerin in 

den Arm zu nehmen und ihr gut zuzureden (Urk. 1/13 F/A 29 - 31 S. 6). Dies ist 

umso mehr unverständlich, als in der unmittelbaren Nähe des McDonald's am 

J._____ mehrere Arztpraxen und Apotheken gelegen sind.

6.5. Relevant ist sodann die spontane Aussage von C._____, dass die Privat-

klägerin bei der Untersuchung durch die Ärztin K._____, wo es besonders bedeut-

sam hätte sein können, explizit verneint habe, dass es zu Analsex gekommen sei. 

Erst beim gemeinsamen Aufschreiben, was bei der D._____ passiert sei, habe sie 

davon erzählt. Auf ihre Frage, weshalb sie dies bei der Ärztin nicht erwähnt habe, 

habe die Privatklägerin geantwortet, dass sie es nicht habe sagen können 

(Urk. 1/13 F/A 35 S. 6 f.; Prot. II S. 19). Es ist nicht erklärlich, weshalb dieses eine 

Detail eher hätte verschwiegen werden sollen als alle anderen. Ferner wirkt die 

von C._____ geäusserte Erklärung der Privatklägerin, sie habe es nicht sagen 

können, aufgesetzt. Gemäss C._____ sei die Privatklägerin von der Ärztin gefragt 

worden, ob es Analsex gegeben habe. Die Privatklägerin hätte darauf im Grunde 

gar nichts sagen bzw. nichts weiter aussprechen müssen ausser "Ja". Sogar ein 

Nicken hätte gereicht. Daraus erhellt bezüglich der Privatklägerin, dass die Art, 

wie sie C._____ informierte, fragwürdig erscheint.

6.6. Soweit C._____ weiter über den medizinischen Untersuch im Spital Män-

nedorf berichtete, erscheint überraschend, weshalb bei Abklärungen wegen des 

Verdachts auf eine deutlich über ein Jahr zurückliegende Vergewaltigung ein 

Schwangerschaftstest hätte gemacht werden sollen (Urk. 1/13 F/A 84 S. 12; Prot. 

II S. 17 f.). Interessant ist sodann ihre Aussage, bei der Privatklägerin sei Endo-

metriose diagnostiziert worden, sonst sei aber nichts "kaputt" gewesen (Urk. 1/13 

F/A 81 - 85 S. 12; Prot. II S. 17 und S. 20 ff.). Dennoch war C._____ auch bei ih-

rer Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung noch der festen Überzeu-

gung, dass die erheblichen Schmerzen und Blutungen, unter denen die Privatklä-

gerin angeblich im Januar / Februar 2020 noch immer litt, auf den angeklagten 

-  23  -

Vorfall und nicht auf die Diagnose betreffend Endometriose zurückzuführen seien 

(Prot. II S. 21 ff., insbes. S. 23). Dies deutet darauf hin, dass sie die Angaben der 

Privatklägerin weder kritisch hinterfragte noch daran zweifelte. Daraus lässt sich 

schliessen, dass sie im vorliegenden Strafverfahren die Schilderungen der Privat-

klägerin genau so wiedergab, wie sie ihr noch in Erinnerung waren, als diese sich 

ihr anvertraut hatte. Dass die Privatklägerin potentiell nachteilige Informationen 

zurückgehalten bzw. C._____ bewusst falsch informiert hatte, wurde vorstehend 

bereits dargelegt (vgl. E. III.3.2.).

6.7. Mit Blick auf die Aussagen der Privatklägerin ist sodann von Interesse, 

dass C._____ zu Protokoll gab, sie (die Privatklägerin) habe sich das Leben neh-

men wollen. Dann sei ihr Vater dazu gekommen. Er soll sie geschlagen haben 

(Urk. 1/13 F/A 16 S. 4). Dabei handelt es sich um einen Umstand, der von der Pri-

vatklägerin selbst nicht erwähnt wurde. Vielmehr betonte sie im vorliegenden Ver-

fahren wie erwähnt, dass der Vater ihr nie etwas angetan habe (Urk. 3/1 F/A 135 

S. 19).

6.8. Schliesslich bestätigte C._____ mehrfach, dass die Privatklägerin nicht ge-

wollt habe, dass ihre Eltern etwas von der Angelegenheit im Zusammenhang mit 

ihrem Treffen mit dem Beschuldigten auf der D._____ erfahren. Explizit bestätigte 

sie, dass die Privatklägerin Angst gehabt habe, von ihren Eltern ausgestossen zu 

werden (Urk. 1/13 F/A 103 S. 15; Prot. II S. 11).

6.9. Als Fazit kann geschlossen werden, dass die Aussagen von C._____ unter 

dem Gesichtspunkt der Plausibilität gewisse Fragen aufwerfen, aber grundsätzlich 

authentisch wirken, da sie in gewissem Umfang detailliert und in sich wider-

spruchsfrei sind. Sie wirken teils abgesprochen und/oder memoriert, vor allem, 

wenn es um den Inhalt des Schreibens vom 26. Februar 2020 geht. Sie stehen 

zum Teil aber auch in Widerspruch zu den Aussagen der Privatklägerin, was inso-

fern (und zugunsten des Beschuldigten) tendenziell für deren Glaubhaftigkeit 

spricht. Die Aussagen von C._____ erscheinen daher grundsätzlich glaubhaft, 

sind aber mit einer gewissen Zurückhaltung in die Gesamtwürdigung miteinzube-

ziehen.

-  24  -

7.

Kopie des Schreibens vom 26. Februar 2020 (Urk. 1/8)

7.1. Hinsichtlich des bereits mehrfach erwähnten Schreibens vom 26. Februar 

2020 ist vorab anzumerken, dass es sich nicht um eine Urkunde handelt, die un-

abhängig von behördlichen Verfahren erstellt wurde (wie z.B. ein Tagebuch). 

Nach Angaben der Privatklägerin selber sowie von C._____ stand das Dokument 

im direkten Kontext der Opferhilfe (z.B. Urk. 3/1 F/A 5 S. 2 und Urk. 1/13 F/A 39 

S. 7).

7.2. Es ist letztlich nicht bekannt, wie genau das Schreiben entstanden ist, wie-

viel Zeit sich die Privatklägerin genommen hat, um es zu formulieren, und inwie-

fern die dabei behilfliche C._____ allenfalls nicht nur bei der reinen Niederschrift 

mitgewirkt hat ("Wir haben das ja quasi zusammen verfasst", Urk. 1/13 F/A 50 

S. 8; vgl. auch Prot. II S. 12), auch wenn diese zu Protokoll gab, man habe es in-

nerhalb einer Stunde am Stück geschrieben (Urk. 1/13 FA 45 S. 8). Unklar bleibt 

ohnehin, wie sich die Privatklägerin darauf vorbereitet hatte. Insofern kann das 

Schreiben nicht als Beweismittel gegen den Beschuldigten herangezogen wer-

den. Es ist aber durchaus geeignet, den Beschuldigten zu entlasten: Die Urheber-

schaft des Schreibens ist unbestritten, und wenn sich darin deutliche Ungereimt-

heiten zu den Aussagen der Privatklägerin ergeben, so ist das beachtlich.

8.

Lage des Tatorts

8.1. Die Tat soll sich bei Tageslicht ereignet haben. Der Tatort befindet sich in 

einer Parkanlage, wobei drei Spazierwege in seiner unmittelbaren Nähe vorbei 

führen. Die nächsten Gebäude und Parkplätze sind lediglich ca. 20 Meter entfernt. 

Weiter gelegene Gebäude sind maximal nur ca. 80 Meter entfernt. Auch wenn 

man davon ausgeht, dass der Tatort schwer einsehbar ist, solange die dort vor-

handenen Bäume Blätter tragen, hätte der Beschuldigte jederzeit mit einer Stö-

rung rechnen müssen. Ebenso hätten die von der Privatklägerin behaupteten 

Schreie des Beschuldigten sowie ihre eigenen Schreie weit herum hörbar sein 

müssen. Unter diesen Umständen ist zumindest zweifelhaft, ob ein potentieller 

Täter das erkennbar erhebliche Risiko, bei der Verübung eines Sexualdelikts er-

tappt zu werden, eingegangen wäre. Zwar ist der Beschuldigte zugestandener-

-  25  -

massen ein grosses Risiko eingegangen, als er mit der Privatklägerin bei der 

D._____ sexuelle Handlungen vornahm. Doch einerseits sind die Folgen, bei ein-

vernehmlichem Sex erwischt zu werden, ungleich weniger gravierend, als wenn 

dasselbe bei einem Gewaltverbrechen passiert. Und andererseits gab es bei der 

Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten die zahlreichen von der Privatklägerin 

erwähnten Schreie nicht, was das erwähnte Risiko deutlich kleiner erscheinen 

liesse.

Sodann erscheint auch fraglich, ob die angeblichen lauten Schreie der Privatklä-

gerin angesichts von Tatort und Tatzeit einfach so verhallt wären. Das ist zwar 

möglich, weckt indes gewisse Zweifel an ihrer Darstellung.

8.2. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Ort leichte, offenkundig sehr 

kurze Fluchtwege zu frequentierten Wegen, Strassen oder Parkplätzen bietet. So-

dann behauptet selbst die Privatklägerin nicht, sie sei permanent festgehalten 

worden und habe sich ständig in einer Schockstarre befunden, da sie dem Be-

schuldigten immer wieder widersprochen habe, ihn weggeschubst habe, sich 

überlegt habe, was sie tun könne und sich z.B. selber ausziehen konnte (vgl. 

z.B. Urk. 3/1 F/A 13 S. 5).

9.

Gesamtwürdigung

9.1.

Zunächst ist in Erinnerung zu rufen, dass der angeklagte Sachverhalt weit-

gehend unbestritten ist und auf den übereinstimmenden Aussagen der Privatklä-

gerin und des Beschuldigten basiert. Es steht lediglich in Frage, ob der Beschul-

digte die sexuellen Handlungen mit der Privatklägerin unter Anwendung von Ge-

walt erzwang und/oder ob der entgegenstehende Wille der Privatklägerin für ihn 

erkennbar war. Diesbezüglich präsentiert sich die Beweislage insgesamt wie folgt: 

Primär stehen die glaubhaften Aussagen des Beschuldigten den deutlich weniger 

glaubhaften Aussagen der Privatklägerin gegenüber. 

Es gibt keine Sachbeweise, welche die bestrittenen Elemente des Anklagevor-

wurfs stützen würden. Lokalität und Zeit des Geschehens sprechen tendenziell 

dagegen, dass der Sexualkontakt zwischen dem Beschuldigten und der Privatklä-

-  26  -

gerin bei der D._____ so ablief, wie es in der Anklage umschrieben wird, nämlich 

dass der Beschuldigte sich über den entgegenstehenden Willen der Privatklägerin 

hinwegsetzte und sie unter Anwendung körperlicher Gewalt zur Vornahme von 

sexuellen Handlungen bzw. zur Duldung von Geschlechtsverkehr zwang.

Die Aussagen von C._____ betreffen nicht das Kerngeschehen, sondern was da-

nach geschah. Ein direkter Tatbeweis lässt sich damit nicht führen. Auf die Frage 

nach den Folgen des Geschehens, wozu C._____ sehr wohl Aussagen machen 

konnte, wird nachstehend unter E. III.9.3. einzugehen sein.

9.2. Aus der vorstehenden Beweislage ergibt sich im Detail Folgendes: Den 

übereinstimmenden Aussagen ist zu entnehmen, dass es der Beschuldigte war, 

der im Verlauf des Treffens bei der D._____ das Thema "Sex" zur Sprache 

brachte und die Privatklägerin irgendwann fragte, ob sie mit ihm sexuelle Hand-

lungen vornehmen wolle. Weiter steht fest, dass die Privatklägerin auf diese erste 

Initiative ablehnend reagierte, worauf der Beschuldigte versuchte, sie trotzdem 

dazu zu überreden. Dass es darüber hinaus zu Gewaltanwendungen durch den 

Beschuldigten kam, um die Privatklägerin zum Sex zu zwingen, erscheint jedoch 

äusserst zweifelhaft. So bilden die nicht besonders glaubhaften Aussagen der Pri-

vatklägerin zu diesem Punkt keine verlässliche Grundlage. Sodann ist an dieser 

Stelle hervorzuheben, dass die Privatklägerin nach dem Geschehen auf der 

D._____ noch mehrmals einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit dem Beschul-

digten hatte. Wie bereits erwähnt, ist sehr fragwürdig, ob sie sich darauf eingelas-

sen hätte, wenn es beim ersten Sexualkontakt tatsächlich zur Anwendung von 

körperlicher Gewalt gekommen wäre, um ihren entgegenstehenden Willen zu bre-

chen. 

Aus den übereinstimmenden Aussagen ist vielmehr zu schliessen, dass die Pri-

vatklägerin irgendwann nachgab und auf die Frage des Beschuldigten, ob sie nun 

doch miteinander Sex haben wollen, mit "Okay" antwortete. Weiter hat als erstellt 

zu gelten, dass sie den Beschuldigten daraufhin zunächst oral befriedigte und 

sich dann selbst entkleidete, dem Beschuldigten den Rücken zuwandte und sich 

an der … [Mauer] abstützte, sodass dieser in der Folge vaginalen und analen Ge-

-  27  -

schlechtsverkehr an ihr vornehmen konnte. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, 

dass der Beschuldigte das vorstehende Verhalten der Privatklägerin als Einwilli-

gung verstehen durfte (Urk. 45 S. 23). Gerade vor dem Hintergrund, dass sie 

seine erste Initiative abgelehnt hatte, musste der Beschuldigte die spätere Einwil-

ligung und das aktive Mitwirken der Privatklägerin nicht hinterfragen bzw. von ei-

nem noch innerlich fortbestehenden Widerwillen ausgehen. Auch die Äusserun-

gen der Privatklägerin während des vaginalen Geschlechtsverkehrs, er solle lang-

samer machen und/oder aufhören, musste der Beschuldigte unter den gegebenen 

Umständen nicht als Ablehnung verstehen, sondern durfte dies als konkrete An-

weisung zur Anpassung seiner Vorgehensweise auffassen. Sodann steht auf-

grund der übereinstimmenden Aussagen fest, dass die Privatklägerin beim Anal-

verkehr angab, es tue ihr weh, worauf der Beschuldigte damit aufhörte. Dies 

spricht mit der Vorinstanz dafür, dass er bei einer deutlichen und unmissverständ-

lichen Äusserung der Privatklägerin, sein Handeln entspreche nicht ihrem Willen, 

hierauf Rücksicht nahm und sogleich anders vorging. Weshalb er eine ebenso 

deutliche Äusserung der Privatklägerin bei den vorangehenden oder nachfolgen-

den sexuellen Handlungen nicht berücksichtigt haben soll, lässt sich nicht nach-

vollziehen (Urk. 45 S. 22 f.).

Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass die Privatklägerin die sexuellen Handlun-

gen, zu denen sie sich hatte überreden lassen, weiterhin innerlich ablehnte oder 

diese ihr nicht gefielen. Dass sie dies für den Beschuldigten auch unmissver-

ständlich zum Ausdruck brachte, erscheint dagegen äusserst zweifelhaft. Zu-

nächst weisen die Aussagen der Privatklägerin auch in diesem Punkt diverse Wi-

dersprüche und Ungereimtheiten auf, worauf vorstehend bereits im Einzelnen ein-

gegangen wurde. Insbesondere mit Bezug auf die Frage, ob sie durch Schreie ih-

ren entgegenstehenden Willen zum Ausdruck gebracht habe, divergieren ihre 

Aussagen erheblich. Hinzu kommt, dass es aufgrund der örtlichen Gegebenheiten 

bei der D._____ und der Tatzeit fraglich ist, ob die angeblichen lauten Schreie der 

Privatklägerin tatsächlich von niemandem wahrgenommen worden wären. Ihre 

anderweitigen Äusserungen gegenüber dem Beschuldigten während der sexuel-

len Handlungen lassen wie erwähnt einen Interpretationsspielraum offen, sodass 

-  28  -

daraus nicht mit der genügenden Deutlichkeit auf ihren entgegenstehenden Willen 

geschlossen werden konnte bzw. musste. 

Dass sich die innere Ablehnung der Privatklägerin nach dem Sexualkontakt auf 

der D._____ weiter verstärkte und sie quasi im Nachhinein für sich zur Überzeu-

gung gelangte, dass ihr die sexuellen Handlungen nicht gefallen hatten, weil sie 

sich "grusig" und benutzt fühlte, darauf lassen ihre entsprechenden Aussagen und 

die Nachrichten schliessen, welche sie dem Beschuldigten zugestandenermassen 

unmittelbar danach schrieb. Darin hielt sie fest, dass sie sich nicht gut fühle we-

gen dem, was gewesen sei. Allerdings ist auch dies kein verlässlicher Hinweis 

darauf, dass es im Verlauf des Treffens seitens des Beschuldigten zur Anwen-

dung von Gewalt gekommen war, um die Privatklägerin gegen ihren klar geäus-

serten Willen zum Sex zu zwingen. Das von der Privatklägerin geäusserte ungute 

Gefühl könnte seine Ursache auch darin haben, dass sie sich erst im Nachhinein 

(vollends) bewusst wurde, dass sie einen erheblichen Regelverstoss begangen 

habe, als sie den Beschuldigten tagsüber an einem öffentlichen Ort getroffen und 

dort sogar Sex mit ihm gehabt habe, und sie sich vor allfälligen Konsequenzen 

fürchtete, sollte dies ihren Eltern bekannt werden (vgl. dazu sogleich E. III.9.3.).

9.3.

Für die Erstellung des bestrittenen Sachverhalts kann auch bedeutend 

sein, wie das Strafverfahren seinen Anfang nahm bzw. wie es zur Anzeige gegen 

den Beschuldigten kam. In der Regel ist es ein starkes Indiz für die Wahrheit ei-

nes Vorwurfs, wenn das mutmassliche Opfer nicht selber Anzeige erstattete, was 

vorliegend der Fall war. Allerdings kann dieses Kriterium nicht ohne Rücksicht auf 

den konkreten Einzelfall in die Würdigung einfliessen.

Auch wenn einzelne Aussagen der Privatklägerin und von C._____ Fragen auf-

werfen, kann geschlossen werden, dass es Ersterer nach dem Vorfall psychisch 

schlecht ging. Ferner scheint ein alles beherrschendes Thema gewesen zu sein, 

dass die Eltern der Privatklägerin nichts vom Geschehen auf der D._____ erfah-

ren durften. Es ist anzunehmen, dass die Eltern auch von einvernehmlichem Sex 

mit dem Beschuldigten nichts wissen durften, was bei der Privatklägerin entspre-

chend heftige Ängste (z.B. verstossen zu werden) mit allenfalls auch körperlichen 

Symptomen ausgelöst haben dürfte. Das steht nicht unbedingt in Widerspruch 

-  29  -

dazu, dass es später zu weiteren sexuellen Kontakten (insbesondere zum Be-

schuldigten) kam. Vielmehr würde es erklären, weshalb die Privatklägerin zur Ein-

sicht gelangte, die von ihr gelebte "Freundschaft plus" zum Beschuldigten tue ihr 

nicht gut. Auffällig ist auch, wie die Privatklägerin offenkundig bemüht war, den 

Kreis der eingeweihten Personen so lange wie möglich auf einzelne Vertrauens-

personen zu beschränken, d.h. so klein wie möglich zu halten. Diesbezüglich 

kann auf die vorstehenden Erwägungen zur Motivlage der Privatklägerin verwie-

sen werden (vgl. E. III.3.2.). Es ist nachvollziehbar, dass sie sich über das Erlebte, 

das sie vielleicht erst nachträglich als nicht (vollständig) ihrem Willen entspre-

chend einstufte und Ängste in ihr auslöste, mit einer Freundin austauschen wollte, 

wobei sie bereits zu diesem Zeitpunkt nicht selber daran schuld sein durfte, dass 

es zu einem unerlaubten Sexualkontakt gekommen war, jedoch ohne wirklich je-

mandem zu schaden mit ihrer Darstellung. So ist auch erklärlich, dass sie selbst 

im Schreiben vom 26. Februar 2020 den Namen des Beschuldigten nicht nennen 

wollte oder es ihr schwer viel, gewisse Dinge (wie z.B. das Wort "Vergewalti-

gung") auszusprechen – weil sie eben allenfalls gar nicht zutrafen.

Nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass das Unwohlsein der Privatklägerin 

auch gänzlich andere Gründe gehabt haben könnte, die sie nachträglich auf den 

Beschuldigten übertrug. So sagte sie zwar aus, ihr Vater habe ihr nie etwas ange-

tan. Dennoch will sie auf ihn einen Hass entwickelt haben. Gleichzeitig gab 

C._____ zu Protokoll, die Privatklägerin habe ihr anvertraut, der Vater habe sie 

geschlagen, was die Privatklägerin selbst nicht erwähnt hatte. Immerhin traute die 

Privatklägerin ihrem Vater bzw. ihren Eltern zu, sie aus dem Familienverbund zu 

verstossen, sollten sie von ihrem Treffen und den sexuellen Handlungen mit dem 

Beschuldigten auf der D._____ erfahren. Es ist also absolut möglich, dass (auch) 

im familiären Umfeld der Privatklägerin die Ursache für ihre psychischen Nöte zu 

suchen ist, die sie aber aufgrund ihres Abhängigkeitsverhältnisses nicht an den 

Eltern festmachen konnte, sobald sie diese nicht mehr verbergen konnte.

Der Untersuch im Spital Männedorf ist sodann zumindest gemäss dem Bericht 

von C._____ sehr aufschlussreich. Geht man davon aus, die Privatklägerin hätte 

tatsächlich die beschriebenen, heftigen Beschwerden gehabt, würde die Aussage 

-  30  -

von C._____ zu einem normalen Arztbesuch ohne Kontext einer Vergewaltigung 

passen, wenn sie meinte, es sei bei der Privatklägerin Endometriose diagnosti-

ziert worden, sonst sei aber nichts "kaputt". Damit wird denn auch widerlegt, der 

Analverkehr mit dem Beschuldigten habe innere Verletzungen hervorgerufen, 

weshalb er auch keine entsprechenden Symptome wie Schmerzen oder Blutun-

gen auslösen konnte. Das bedeutet aber auch, dass die Behauptung der Privat-

klägerin, der Beschuldigte habe diese Beschwerden verursacht, falsch sein muss. 

Ferner wird dadurch klar, weshalb die Privatklägerin den Analverkehr beim Arzt-

besuch nicht nur nicht erwähnte, sondern nicht einmal durch ein kurzes "Ja" oder 

ein Nicken zu bestätigen vermochte. Soweit die Vertreterin der Privatklägerin an-

lässlich der Berufungsverhandlung vortrug, bei ihrer Mandantin sei doch keine En-

dometriose festgestellt worden, es habe sich nur um eine unzutreffende Ver-

dachtsdiagnose gehandelt und die Schmerzen der Privatklägerin seien mutmass-

lich psychosomatisch gewesen (Prot. II S. 36), so wirft auch dieses neue Vorbrin-

gen Fragen auf. Zwar steht ausser Zweifel, dass Schmerzen psychosomatischer 

Natur sein können. Die behaupteten Blutungen wären aber umso mehr ohne jegli-

che Erklärung und angesichts dessen, dass die Privatklägerin offenbar keine 

Schädigungen aufwies, eben nicht mit dem eingeklagten Geschehen zu vereinba-

ren und auch nicht psychosomatisch zu erklären.

9.4.

Insgesamt weist der belastende Teil des Beweismaterials diverse Unstim-

migkeiten auf und lässt zahlreiche Fragen unbeantwortet, wohingegen die Aussa-

gen des Beschuldigten glaubhaft erscheinen. Es ist zwar letztlich nicht völlig aus-

geschlossen, dass der Sexualkontakt zwischen dem Beschuldigten und der Pri-

vatklägerin bei der D._____ so ablief, wie es in der Anklage umschrieben wird. 

Dies erscheint jedoch nicht besonders wahrscheinlich. Bei der gegebenen Be-

weislage verbleiben vielmehr erhebliche Zweifel, weshalb sich der Sachverhalt im 

bestrittenen Umfang nicht anklagegemäss erstellen lässt. Der Beschuldigte ist da-

her in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" (Art. 10 Abs. 3 StPO) voll-

umfänglich freizusprechen. Damit erübrigen sich Ausführungen zur rechtlichen 

Würdigung des Geschehens.

-  31  -

IV. Zivilforderungen

1. Gemäss Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO wird bei einem Freispruch dann über die 

Zivilklage entschieden, wenn der Fall spruchreif ist. Ist der Fall nicht spruchreif, so 

wird die Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO). 

Spruchreif ist der Sachverhalt, wenn auf Grund der im bisherigen Verfahren ge-

sammelten Beweise ohne Weiterungen über den Zivilanspruch entschieden wer-

den kann, er mithin ausgewiesen ist (BGE 146 IV 211 E. 3.1).

2.

Bei einem Freispruch aus rechtlichen Gründen, d.h. bei Nichterfüllung eines 

Tatbestandsmerkmals oder bei Vorliegen eines Rechtfertigungsgrunds, fehlen in 

der Regel die zivilrechtlichen Haftungsvoraussetzungen nach Art. 41 ff. OR (Wi-

derrechtlichkeit, Kausalzusammenhang, Verschulden) und die Zivilklage ist abzu-

weisen (BGE 148 IV 432 E. 3.1.1; DOLGE, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], 

Basler Kommentar StPO, 3. Auflage, Basel 2023, N 21 zu Art. 126 StPO). Wenn 

jedoch der Sachverhalt – wie in diesem Fall – in Anwendung des Grundsatzes "in 

dubio pro reo" nicht rechtsgenügend erstellt werden kann, so ist (von wenigen 

Ausnahmen abgesehen) auch der zivilrechtlich bedeutsame Sachverhalt illiquid 

(LIEBER, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schwei-

zerischen StPO, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, N 7 zu Art. 126 StPO), wes-

halb die Ansprüche nicht abzuweisen, sondern auf den Zivilweg zu verweisen 

sind.

Die obgenannte Regelung gilt für Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen 

gleichermassen, weshalb die Genugtuungsforderung der Privatklägerin auf den 

Zivilweg zu verweisen ist.

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Gemäss Art. 44 Abs. 1 JStPO trägt der Kanton, in dem das Urteil gefällt 

wurde, vorerst die Kosten. Diese Norm regelt jedoch lediglich die Kostentragung 

im interkantonalen Verhältnis (RAE/HEBEISEN, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], 

Basler Kommentar JStPO, 3. Auflage, Basel 2023, N 4 zu Art. 44 JStPO). Bei Ab-

-  32  -

schluss des Verfahrens ist in Anwendung von Art. 44 Abs. 2 JStPO eine Kosten-

auflage gemäss den Art. 422 - 428 StPO vorzunehmen.

2. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr die Kosten der 

Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens nur dann auferlegt 

werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens be-

wirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO in Verbin-

dung mit Art. 428 Abs. 3 StPO). Ansonsten werden die Kosten vom Kanton getra-

gen (Art. 423 Abs. 1 StPO). 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dis-

positivziffer 5) zu bestätigen, unter Hinweis auf die zutreffenden Erwägungen im 

angefochtenen Urteil (Urk. 45 S. 29 f.).

3.

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte 

mit seinen Berufungsanträgen im Grunde vollumfänglich obsiegt, sind ihm keine 

Kosten aufzuerlegen.

Die Privatklägerin, welche als Einzige Berufung erhoben hat, unterliegt dagegen 

vollständig. Entsprechend wären eigentlich ihr die Kosten des Berufungsverfah-

rens aufzuerlegen. Angesichts ihrer Stellung als Opfer und der erheblichen Trag-

weite der Anklagevorwürfe erscheint ihr Anliegen, das erstinstanzliche Urteil 

durch das Berufungsgericht überprüfen zu lassen, jedoch legitim. Der Privatkläge-

rin kann nicht angelastet werden, dass sie mutwillig gelogen oder den Beschuldig-

ten falsch beschuldigt hätte. Aus diesen Gründen sind die Kosten des Berufungs-

verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Vertretung der Privatklägerin, auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

4.

Die amtliche Verteidigung macht für das Berufungsverfahren Aufwendungen 

und Barauslagen von insgesamt Fr. 8'111.95 geltend (Urk. 61). Die verlangte Ent-

schädigung erscheint der Schwierigkeit und Bedeutung des Falles sowie dem not-

wendigen Zeitaufwand für die gehörige Verteidigung des Beschuldigten angemes-

sen (§ 2 Abs. 1 lit. b-e AnwGebV, § 18 Abs. 1 in Verbindung mit § 17 Abs. 1 Anw-

-  33  -

GebV). Der amtlichen Verteidigung ist daher für ihre Leistungen und Barauslagen 

im Berufungsverfahren eine Entschädigung von aufgerundet Fr. 8'200.– (inkl. 

Mehrwertsteuer) zuzusprechen.

Die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin verlangt für ihre Aufwendungen 

und Barauslagen im Berufungsverfahren eine Entschädigung von insgesamt 

Fr. 10'702.05 (Urk. 51 und Urk. 62). Dieser Betrag erscheint den einschlägigen 

Bemessungsgrundlagen gemäss der Anwaltsgebührenverordnung ebenfalls an-

gemessen. Rechtsanwältin lic. iur. X._____ ist daher für ihre Leistungen und Bar-

auslagen im Berufungsverfahren mit aufgerundet Fr. 11'000.– (inkl. Mehrwert-

steuer) zu entschädigen.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Jugendge-

richt, vom 30. Mai 2023 bezüglich der Dispositivziffern 3 (Zusprechung we-

der einer Entschädigung noch einer Genugtuung an den Beschuldigten) und 

4 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte B._____ ist der angeklagten Delikte nicht schuldig und 

wird freigesprochen.

2.

Die Genugtuungsforderung der Privatklägerin (A._____) wird auf den Zivil-

weg verwiesen.

3.

4.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 5) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

-  34  -

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

8'200.–   amtliche Verteidigung (inkl. 7,7 resp. 8,1 % MWST)

11'000.–   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin (inkl. 7,7 

  resp. 8,1 % MWST).

5.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, 

werden auf die Gerichtskasse genommen. 

6.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und 
zuhanden der Privatklägerin

die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich 

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und 
zuhanden der Privatklägerin 

die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an









die Vorinstanz

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten ge-
mäss Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 47.

7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

-  35  -

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 18. Dezember 2024

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichter lic. iur. Spiess

MLaw Boese