# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a0524a08-1b34-5924-96ed-d81ba2596bd0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.04.2024 D-1493/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1493-2024_2024-04-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1493/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richter Yanick Felley,   

Gerichtsschreiberin Sarah Rutishauser. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Sabine Eichenberger,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 5. Februar 2024 / N (…). 

 

 

 

D-1493/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger tadschiki-

scher Ethnie – suchte am 13. Juni 2023 in der Schweiz um Asyl nach. Er 

wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Nordostschweiz zuge-

wiesen. 

B.  

Der Beschwerdeführer wurde jeweils im Beisein seiner Rechtsvertretung 

am 12. September 2023 summarisch zu seiner Person (Erstbefragung [EB] 

unbegleiteter Minderjähriger [UMA]) befragt und am 6. November 2023 zu 

seinen Asylgründen (nach Art. 29 AsylG [SR 142.31]) angehört.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs und zu seinem persönlichen Hinter-

grund führte er im Wesentlichen aus, er sei im Dorf Eshq Abad (Distrikt 

Jabal Saraj, Provinz Parwan) bei seinen Eltern mit vier Brüdern und drei 

Schwestern aufgewachsen. Sein Bruder B._______ sei aufgrund eines 

früheren Ereignisses vor sieben oder acht Jahren von der Familie eines 

Mädchens verfolgt worden und deshalb ausgereist. B._______ habe in der 

Schweiz Asyl erhalten ([…]). Seine Familie sei deswegen bedroht worden 

und habe für einige Jahre bei der Verwandtschaft mütterlicherseits gelebt, 

bevor sie in ihr Haus zurückgekehrt sei. Vor drei oder vier Jahren sei von 

drei Motorradfahrern auf zwei seiner Brüder, welche sich vor dem Haus 

aufgehalten hätten, geschossen worden. Diese hätten daraufhin Waffen 

geholt und die Angreifer in die Flucht geschlagen. Die Polizei habe den 

Vorfall rapportiert. Zwei derselben Täter hätten vor zwei oder drei Jahren 

vor dem Haus seines Onkels auf seinen Vater und einen Cousin geschos-

sen, wobei letzterer auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben sei. Der On-

kel sei danach mit einer Waffe zur Familie des Beschwerdeführers nach 

Hause gekommen und habe ihr die Schuld am Tod seines Sohnes gegeben 

und sie fortan gehasst, weshalb die Eltern beschlossen hätten, dass der 

Beschwerdeführer (und seine Brüder) aus Afghanistan weggehen müss-

ten. Der Beschwerdeführer sei zunächst mit drei Brüdern in den Iran ge-

gangen, alsdann alleine in die Türkei weitergereist, wo er ungefähr ein Jahr 

geblieben sei, bevor er über diverse Länder in die Schweiz eingereist sei. 

Das Haus der Familie in Afghanistan sei nach dem Regierungssturz bezie-

hungsweise nach seiner Ausreise mehrmals durchsucht worden. Der On-

kel befinde sich zurzeit im Iran. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan be-

fürchte er, von den Taliban, denen sich die Familie des Mädchens ange-

schlossen habe, getötet zu werden.  

D-1493/2024 

Seite 3 

C.  

Ein vom SEM eingeholtes Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 

15. August 2023 ergab im Zeitpunkt der Untersuchung am 11. August 2023 

ein Mindestalter des Beschwerdeführers von 17.6 Jahren, wobei sich die 

Vollendung des 18. Lebensjahres nicht mit Sicherheit belegen liess. 

D.  

Mit Verfügung vom 22. September 2023 setzte das SEM die Personenda-

ten des Beschwerdeführers im Zentralen Migrationsinformationssystem 

(ZEMIS) mit einem Bestreitungsvermerk auf _______, geb. (…) alias 

_______, geb. (…) alias _______, geb. (…) Afghanistan, fest.  

E.  

Aufgrund der am 5. Juni 2023 erfolgten Registrierung des Beschwerdefüh-

rers in Italien (Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Finger-

abdruck-Datenbank) ersuchte das SEM am 15. September 2023 die italie-

nischen Behörden im Rahmen des vormals eröffneten Dublin Verfahrens 

um seine Übernahme («take charge»), welche am 16. Oktober 2023 von 

diesen verweigert wurde.  

F.  

Alsdann wurde das Asylgesuch am 8. November 2023 dem erweiterten 

Verfahren zugewiesen und der Beschwerdeführer dem Kanton Zürich zu-

geteilt.  

G.  

Das Bundesverwaltungsgericht wies mit Urteil D-5691/2023 vom 14. No-

vember 2023 die gegen die Verfügung des SEM vom 22. September 2023 

erhobene Beschwerde vom 18. Oktober 2023 ab (ZEMIS-Datenänderung). 

H.  

Mit am 7. Februar 2024 eröffnetem Entscheid vom 5. Februar 2024 lehnte 

das SEM unter Verneinung der Flüchtlingseigenschaft das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers vom 13. Juni 2023 ab, ordnete seine Wegweisung aus 

der Schweiz an und setzte den Vollzug der Wegweisung zugunsten einer 

vorläufigen Aufnahme aus.  

I.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 7. März 2024 erhob der Be-

schwerdeführer gegen den Entscheid des SEM vom 5. Februar 2024 Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Es wurde die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung, die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

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Seite 4 

zur Neubeurteilung sowie eventualiter unter Anerkennung der Flüchtlings-

eigenschaft die Gewährung von Asyl beantragt. In verfahrensrechtlicher 

Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung sowie die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Per-

son der rubrizierten Rechtsvertretung unter Kosten- und Entschädigungs-

folge zu Lasten des Staates. 

J.  

Mit Schreiben vom 8. März 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet 

des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Ver-

fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf 

die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 

und 108 Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb 

das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer erhebt hauptsächlich formelle Rügen (Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht, unvollständige 

beziehungsweise falsche Sachverhaltsfeststellung), welche vorab zu 

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Seite 5 

beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der 

vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.  

 

4.1.1 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der 

Untersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli-

chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; 

vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren 

bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung 

und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und 

auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchen-

den Person sprechen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt aber nicht unein-

geschränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsu-

chenden findet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. CHRISTOPH AUER/ANJA 

MARTINA BINDER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER [Hrsg.], Kommentar zum 

Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, 

Art. 12 Rz. 9; BVGE 2012/21 E. 5.1; vgl. auch BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 

734 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23 E. 5a). 

 

4.1.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/ 

35 E. 6.4.1 mit Hinweisen).  

 

4.2 Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, der angefochtene Ent-

scheid leide an diversen, erheblichen Mängeln, welche die Beurteilung der 

Asylrelevanz aufgrund der vorliegenden Akten beziehungsweise eine 

sachgerechte Anfechtung verunmöglichen würden. Die Vorinstanz habe 

das Gesuch des Beschwerdeführers um Einsicht in die Anhörungsproto-

kolle im Asylverfahren des Bruders abgewiesen und seine von ihr konsul-

tierten Akten nicht ins Aktenverzeichnis aufgenommen (Aktenführungs-

pflicht). Den Asylvorbringen des Bruders komme entscheidende Bedeu-

tung für die Beurteilung einer flüchtlingsrechtlich relevanten Reflexverfol-

gung des Beschwerdeführers zu. Ferner liege zwischenzeitlich das Einver-

ständnis des Bruders zur Akteneinsicht vor. Zudem habe die Vorinstanz 

eine falsche Schlussfolgerung betreffend die Bedrohungslage gezogen 

und damit den Sachverhalt unvollständig beziehungsweise unrichtig fest-

gestellt sowie die Begründungspflicht verletzt (Beschwerde, Ziff. III/1. ff.; 

Beschwerdebeilage 3).   

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Seite 6 

4.3 Hinsichtlich des Akteneinsichtsgesuchs vom 15. Februar 2024 kann die 

Nichtberücksichtigung der erst am 1. März 2024 erteilten Einwilligungser-

klärung in die Asylverfahrensakten des Bruders B._______ (Asylgewäh-

rung vom 16. Dezember 2016; Beschwerdebeilage 3; Verweiserdossier 

N […]) nicht der Vorinstanz zum Vorwurf gemacht werden, weshalb ihre 

Abweisung am 22. Februar 2024 – zudem nach Erlass der vorinstanzlichen 

Verfügung vom 5. Februar 2024 – zu Recht erfolgte. Zudem ist entgegen 

der Behauptung des Beschwerdeführers keine Verletzung der Aktenfüh-

rung des hiesigen Dossiers ersichtlich (Aktenverzeichnisaufnahme konsul-

tierter Akten). Die Akten des Bruders wurden von der Vorinstanz lediglich 

(formell) beigezogen und nicht (materiell) zum Gegenstand des vorliegen-

den Verfahrens gemacht, wobei die Kenntnis der Akten des Bruders ohne-

hin keine ausschlaggebende Bedeutung für die Beurteilung der Einschät-

zung des SEM hat. Aus dem angefochtenen Entscheid geht sodann dies-

bezüglich auch nur hervor, dass sich aus dem Verweiserdossier für den 

Beschwerdeführer aufgrund der Verwandtschaft mit seinem Bruder keine 

persönliche Gefährdung in Afghanistan ergeben habe und keine objektive 

Furcht vor einer Reflexverfolgung ersichtlich sei (vi-Entscheid, Ziff. II., S. 

6). Ob dieser Einschätzung und auch derjenigen betreffend Schlussfolge-

rung zur Bedrohungslage gefolgt werden kann oder nicht, ist eine Frage 

der materiell-rechtlichen Würdigung und nicht der Wahrung des formell-

rechtlichen Anspruchs auf rechtliches Gehör. Es ergibt sich aus den Akten, 

wie auch grundsätzlich aus den Beschwerdeausführungen, dass die Vo-

rinstanz den vorliegenden Sachverhalt insgesamt rechtsgenüglich abge-

klärt und sich hinreichend differenziert mit den zentralen Vorbringen des 

Beschwerdeführers auseinandergesetzt hat. Eine Verletzung der Begrün-

dungspflicht ist nicht ersichtlich. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist 

auf nachstehende Erwägungen (E.) zur Asylrelevanz (E. 6) zu verweisen. 

 

4.4 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet und es besteht 

keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben 

und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der Hauptantrag ist 

demnach abzuweisen. 

 

Dem Beschwerdeführer ist es unbenommen, sich mit der mittlerweile er-

teilten Vollmacht zur Akteneinsicht in das Dossiers seines Bruders direkt 

bei der Vorinstanz darum zu bemühen.  

  

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Seite 7 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Subjektive Nachfluchtgründe 

führen zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, aber zum Ausschluss 

des Asyls (Art. 54 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, es sei nicht plau-

sibel, dass es in all den Jahren der Familienfehde nur zu zwei Vorfällen 

gekommen sei (vor sieben oder acht und vor drei oder vier Jahren) bezie-

hungsweise mehrere Jahre ereignislos geblieben sei, wenn die Familie des 

Mädchens ein ernsthaftes Interesse an einer Rache gehabt hätte. Darüber 

hinaus handle es sich um zwei weit zurückliegende Vorfälle, welche nicht 

als fluchtauslösend einzustufen seien. Was den getöteten Cousin anbe-

lange, sei kein gezielter Angriff auf den Beschwerdeführer oder seine Fa-

milie erkennbar gewesen, zumal die Angreifer danach verschwunden seien 

und sie keine weiteren Familienmitglieder direkt gesucht oder angegriffen 

hätten. Über diesbezügliche Gefahren vermöge der Beschwerdeführer ein-

zig zu spekulieren und die geforderte Eintrittswahrscheinlichkeit fehle 

gänzlich. Zudem würden die Eltern nach wie vor am gleichen Ort leben und 

es sei seither zu keinen weiteren Vorfällen gekommen. Nach den Haus-

durchsuchungen sei nichts weiter passiert und es könne auch diesbezüg-

lich nicht von einer drohenden Verfolgung durch die verfeindete Familie 

ausgegangen werden. Zudem sei der Beschwerdeführer gemäss eigenen 

Angaben nie persönlich von jemandem bedroht worden. Eine begründete 

Furcht vor Verfolgung sei bezüglich der genannten Familie, aber auch des 

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Onkels zu verneinen. Gemäss Bericht des Beschwerdeführers habe der 

Onkel weder konkrete Drohungen ausgesprochen noch sei ein asylrecht-

lich relevantes Ereignis eingetreten, indem er einmal mit Schuldzuweisun-

gen und bewaffnet an die Familie herangetreten sei. Zudem befinde sich 

der Onkel zurzeit im Iran und eine Gefahr für die Familie sei nicht ersicht-

lich. Vor diesem Hintergrund sei nicht von einem konkreten Verfolgungsin-

teresse an der Person des Beschwerdeführers auszugehen. Die zur Be-

gründung der Flüchtlingseigenschaft notwendige objektive Furcht in Bezug 

auf eine in der Zukunft liegende flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung 

liege nicht vor. Die Konsultation des Verweiserdossiers führe zu keiner an-

deren Einschätzung (kein Hinweis auf eine persönliche Gefährdung; keine 

objektive Furcht vor Reflexverfolgung).  

Die Vorbringen seien nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begrün-

den, weshalb es sich erübrige, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente 

einzugehen.   

6.2 In der Beschwerde wurde betreffend die Asylrelevanz einzig festgehal-

ten, die Asylvorbringen des Bruders B._______ seien ausschlaggebend für 

die Frage, ob dem Beschwerdeführer eine flüchtlingsrechtlich relevante 

Reflexverfolgung drohe beziehungsweise, ob der Bruder von der Familie 

des Mädchens asylrelevant verfolgt werde. Alsdann habe die Vorinstanz 

unerwähnt gelassen, dass sich die Familie des Beschwerdeführers für ei-

nige Jahre bei der Verwandtschaft der Mutter versteckt gehalten habe, ihr 

Aufenthalt damit der Familie des Mädchens nicht bekannt gewesen sei und 

deshalb währenddessen ausbleibende Vorfälle plausibel seien. Die 

Schlussfolgerung der Vorinstanz, die Familie hätte genug Gelegenheiten 

gehabt, seiner Familie etwas anzutun, sei falsch. Nach der Rückkehr ins 

Dorf sei es zu weiteren Angriffen und auch zur Tötung des Cousins gekom-

men. Im Weiteren sei in der angefochtenen Verfügung die Zugehörigkeit 

der feindlichen Familie zu den Taliban unberücksichtigt geblieben. Es 

handle sich nicht nur um eine blosse Bedrohung von Dritten, sondern um 

eine Gefährdung durch die Taliban. Seine Familie und damit auch der Be-

schwerdeführer würden gezielt gesucht und verfolgt.  

7.  

7.1 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung die vom Beschwerde-

führer geltend gemachten Vorbringen (wie nachfolgend aufgezeigt) zu 

Recht als nicht asylrelevant erachtet. Zur Vermeidung von Wiederholungen 

kann auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung sowie auf E. 6.1 

hiervor verwiesen werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene 

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führen, wie zu sehen sein wird, zu keiner anderen Betrachtungsweise. Auf 

die Entgegnungen in der Beschwerde ist im Folgenden näher einzugehen. 

 

7.2 Es ist betreffend Asylrelevanz mit der zutreffenden und nachvollzieh-

baren Begründung der angefochtenen Verfügung festzuhalten, dass der 

Beschwerdeführer in Afghanistan gemäss eigenen Angaben nie persönlich 

von jemandem bedroht wurde (A44/F30). Bei den beiden Vorfällen, die sich 

bereits vor einigen Jahren ereigneten, ist kein gezielter Angriff auf seine 

Person beziehungsweise keine asylrechtlich relevante Verfolgung erkenn-

bar. Gemäss eigenen Angaben war ausschlaggebender Grund für seine 

Ausreise «erstens» sein Onkel, der seiner Familie die Schuld am Tod des 

Cousins gegeben habe, sowie «ausserdem» der Anschluss der Familie 

des Mädchens an die Taliban (A44/8, F28) und damit nicht konkret die bei-

den Vorfälle älteren Datums (Schüsse von Motorradfahrern auf die Brüder; 

Schüsse auf den Vater und Cousin). Sein Erklärungsversuch, weshalb sich 

nach dem ersten Vorfall jahrelang keine Bedrohungssituation ergeben 

habe (vorübergehend bei Verwandten versteckt), vermag im Sinne der vo-

rinstanzlichen Erwägungen sowie bei einer Gesamtbetrachtung hinsicht-

lich einer asylrechtlich relevanten Verfolgung nicht zu überzeugen. Selbst 

wenn es nach der Rückkehr in ihr Haus mutmasslich zu einem zweiten 

Vorfall gekommen ist, hat sich dieser in der Nachbarschaft beim Haus des 

Onkels ereignet und damit ebenfalls nicht gezielt dem Beschwerdeführer 

gegolten. Im Weiteren kann er aus der blossen, unsubstantiierten Angabe 

zur Bedrohungslage, es sei nach der Rückkehr in ihr Haus – nebst der 

Tötung des Cousins – zu «weiteren Angriffen» gekommen, mangels Ge-

zieltheit nichts zu seinen Gunsten ableiten.  

 

7.3 In der Beschwerde wird alsdann pauschal eine Reflexverfolgung auf-

grund der Asylgewährung des Bruders B._______ vom 16. Dezember 

2016 behauptet («seine Familie werde verfolgt und deshalb auch er» [der 

Beschwerdeführer], Beschwerde Ziff. III/3.1).  

7.3.1 Eine familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einem erhöhten 

Verfolgungsrisiko ausgesetzt ist, kann zu einer Reflexverfolgung führen 

(vgl. statt vieler Urteile des BVGer E-3520/2014 E. 7.3, D-2161/2021 vom 

12. Januar 2022 E. 7.4 m.w.H.). Um eine objektiv begründete Furcht vor 

einer Reflexverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darzutun, muss glaubhaft 

gemacht werden, dass begründeter Anlass zur Annahme besteht, die Ver-

folgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zukunft verwirklichen. Es müssen konkrete Indizien und tatsächliche An-

haltspunkte dargelegt werden, die die Furcht vor einer konkret drohenden 

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Seite 10 

Verfolgung nachvollziehbar erscheinen lassen. Eine objektiv begründete 

Furcht vor künftiger Verfolgung ist mithin zu bejahen, wenn eine Person 

aufgrund konkreter Indizien mit guten Gründen, das heisst objektiv nach-

vollziehbar, befürchten muss, dass ihr mit erheblicher Wahrscheinlichkeit 

Verfolgung droht, und ihr deshalb ein weiterer Verbleib im Heimatstaat nicht 

zugemutet werden kann (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5; Urteil des 

BVGer E-4140/2014 vom 13. Oktober 2014 E. 5.4). 

7.3.2 Für die Vorinstanz bestand vor dem Hintergrund ihrer zutreffenden 

Einschätzung, insbesondere in Berücksichtigung dessen, dass weitere Fa-

milienmitglieder (Eltern, zwei Schwestern) nach wie vor in Afghanistan 

(Provinz Parwan) leben, zu Recht kein Grund, von einer Reflexverfolgung 

des Beschwerdeführers auszugehen. Es ist angesichts der Akten und den 

Beschwerdeausführungen weder eine konkrete individuelle Bedrohungssi-

tuation des Beschwerdeführers ersichtlich noch weshalb Familienangehö-

rige des Mädchens beziehungsweise die Taliban – auch unter Berücksich-

tigung der aktuellen Lage – ein flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungs-

interesse an ihm haben sollten. Aus den nach seiner Ausreise und nach 

dem Regierungssturz in Afghanistan erfolgten, nicht unüblichen Haus-

durchsuchungen kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ab-

leiten. Im Weiteren bestehen auch keine Hinweise darauf, der Beschwer-

deführer sei aufgrund einer allfälligen Exponiertheit einem erhöhten Verfol-

gungsrisiko in Afghanistan ausgesetzt (vgl. dazu als eines von vielen das 

Urteil des BVGer D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.2 ff.;), zumal er 

solche auch nicht geltend macht. 

7.3.3 Der Grund für die Asylgewährung des Bruders beziehungsweise ob 

ein Zusammenhang mit der Familie des Mädchens besteht, ist – entgegen 

der Behauptung des Beschwerdeführers (Beschwerde, Ziff. III/2) – bei vor-

liegender Ausgangslage nicht von Bedeutung. Wie bereits erwähnt wurde 

der Beschwerdeführer selber nie persönlich bedroht (A44/8, F30) und die 

beiden dargelegten Angriffe auf seine Brüder beziehungsweise seinen Va-

ter und Cousins liegen Jahre zurück und waren nicht ausschlaggebend für 

seine Ausreise aus Afghanistan (A44/8, F28). Aus einer rein hypotheti-

schen Furcht lässt sich keine Reflexverfolgung begründen.  

7.4 Die geltend gemachte Furcht vor einer (bisherigen und künftigen) asyl-

relevanten (Reflex-)Verfolgung ist als unbegründet einzustufen.  

http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5

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Seite 11 

7.5 Insgesamt ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine aktuell 

drohende Verfolgung nach Art. 3 AsylG darlegen konnte. Das SEM hat die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers demnach zu Recht verneint 

und sein Asylgesuch folgerichtig abgelehnt.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit der angefochtenen 

Verfügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der 

Schweiz vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vor-

liegen der weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der 

Wegweisung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall 

nicht).  

10.   

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

11.  

11.1 Die Beschwerde hat sich als von vornherein aussichtslos erwiesen, 

weshalb die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung – 

unabhängig von einer allfälligen Fürsorgeabhängigkeit – abzuweisen sind.  

11.2 Als Folge der Abweisung der Beschwerde sind die Kosten des Ver-

fahrens somit dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und auf Fr. 750.– fest-

zusetzen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a 

VGG).                                                                  (Dispositiv nächste Seite)  

D-1493/2024 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um 

amtliche Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Sarah Rutishauser