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**Case Identifier:** 92f68b06-0b68-5d4d-9ae8-9913ac1d4476
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-22
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 22.05.2024 BH.2024.5
**Docket/Reference:** BH.2024.5
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BH-2024-5_2024-05-22

## Full Text

Anordnung der Sicherheitshaft nach dem erstinstanzlichen Urteil (Art. 364b Abs. 4 i.V.m Art. 231 Abs. 1 i.V.m. Art. 222 StPO); amtliche Verteidigung im Beschwerdeverfahren (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO);;Anordnung der Sicherheitshaft nach dem erstinstanzlichen Urteil (Art. 364b Abs. 4 i.V.m Art. 231 Abs. 1 i.V.m. Art. 222 StPO); amtliche Verteidigung im Beschwerdeverfahren (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO);;Anordnung der Sicherheitshaft nach dem erstinstanzlichen Urteil (Art. 364b Abs. 4 i.V.m Art. 231 Abs. 1 i.V.m. Art. 222 StPO); amtliche Verteidigung im Beschwerdeverfahren (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO);;Anordnung der Sicherheitshaft nach dem erstinstanzlichen Urteil (Art. 364b Abs. 4 i.V.m Art. 231 Abs. 1 i.V.m. Art. 222 StPO); amtliche Verteidigung im Beschwerdeverfahren (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO)

Beschluss vom 22. Mai 2024 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Nathalie Zufferey und Felix Ulrich,  

Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia  

   
 

Parteien 

  

A.,  

vertreten durch Advokatin Angela Agostino-Passerini,  

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESANWALTSCHAFT,  

Beschwerdegegnerin 

 

Vorinstanz  BUNDESSTRAFGERICHT, STRAFKAMMER,  

 

Gegenstand  Anordnung der Sicherheitshaft nach dem erstinstanzli-

chen Urteil (Art. 364b Abs. 4 i.V.m Art. 231 Abs. 1 

i.V.m. Art. 222 StPO); amtliche Verteidigung im Be-

schwerdeverfahren (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO) 

 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BH.2024.5 

Nebenverfahren: BP.2024.36  

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit Urteil vom 7. September 2021 sprach die Berufungskammer des Bun-

desstrafgerichts A. der strafbaren Vorbereitungshandlungen gemäss 

Art. 260bis Abs. 1 lit. e StGB und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz 

gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. c WG schuldig und von 

den weiteren Anklagevorwürfen frei. Damit bestätigte sie die mit Urteil vom 

5. März 2021 gefällten Schuld- und Freisprüche der Strafkammer des Bun-

desstrafgerichts als Vorinstanz. 

 

Die Berufungskammer erachtete es als erstellt, dass A. am 11. Februar 2020 

unterwegs nach Z. zu seinen Kindern war, die er einer Sekte zugehörig be-

trachtete und Misshandlungen ausgesetzt befürchtete. Er führte die folgen-

den, im Zeitraum ca. Mitte Januar 2020 bis 11. Februar 2020 (zum Teil) 

selbst angefertigten, (zum Teil) gekauften oder sich bereits im seinem Besitz 

befindlichen bzw. bereit gestellten Gegenstände mit sich: Vier unkonventio-

nelle Spreng- oder Brandvorrichtungen (USBV), zwei geschliffene Dolche, 

einen Nothammer/Glasbrecher, ein Küchenmesser/Rüstmesser, einen Feld-

stecher, ein Kunststoffseil, sieben Kunststoffkabelbinder, eine Stirnlampe, 

ein Notizbuch und diverse handschriftliche (undatierte) Notizen, darunter ein 

Dokument mit dem Titel «Testament», welche einen (in) direkten Bezug zu 

seinen Kindern bzw. seiner geschiedenen Ehefrau aufweisen. Für die Beru-

fungskammer stand fest, dass A. seine Kinder gewaltsam befreien wollte.  

 

Die Berufungskammer verurteilte A. zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, 

unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft 

von 440 Tagen und der Ersatzmassnahmen von 135 Tagen im Umfang von 

534 Tagen. Wie die Vorinstanz ordnete auch sie des Weiteren eine Mass-

nahme im Sinne von Art. 60 StGB an und schob den Vollzug der Freiheits-

strafe zugunsten der Massnahme auf. Als Vollzugskanton wurde der Kanton 

Basel-Stadt bestimmt (CA.2021.7, pag. 11.100.001 ff.; pag. 11.100.006 ff.).  

 

Das Bundesgericht wies die gegen das Urteil der Berufungskammer des 

Bundesstrafgerichts von A. erhobene Beschwerde mit Urteil 6B_188/2022 

vom 17. August 2022 ab, soweit es darauf eintrat (CA.2021.7, 

pag. 11.200.054 ff.).  

 

 

B. A. hatte sich seit dem 11. Februar 2020 bis am 5. März 2021 in Untersu-

chungs- bzw. Sicherheitshaft befunden, wobei die Haft vom 28. Mai bis 

10. Oktober 2020 durch Ersatzmassnahmen, d.h. ambulante sowie statio-

näre Behandlungen, substituiert worden war. Die Sicherheitshaft war 

- 3 - 

 

 

letztmals auf Antrag der Strafkammer mit Entscheid des Zwangsmassnah-

mengerichts des Kantons Bern vom 19. Februar 2021 bis zum Zeitpunkt des 

erstinstanzlichen Urteils bzw. längstens bis zum 12. März 2021 verlängert 

worden (SK.2020.56, pag. 6.231.7.063 ff.). Mit Beschluss SN.2021.6 vom 

5. März 2021 hatte die Strafkammer des Bundesstrafgerichts zufolge Aus-

führungsgefahr nach Art. 221 Abs. 2 StPO die Fortsetzung der Sicherheits-

haft bis zum 4. Juni 2021 angeordnet (SK.2020.56, pag. 6.912.2.001 ff.). Auf 

Gesuch von A. war mit Verfügung der Strafkammer SN.2021.7 vom 22. März 

2021 der vorzeitige Antritt der Massnahme gemäss Art. 60 StGB bewilligt 

worden (SK.2020.56, pag. 6.912.1.001 ff.). 

 

 

C. Mit Eingabe an den Präsidenten der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

vom 7. November 2023 beantragte das Amt für Justizvollzug des Kantons 

Basel-Stadt (nachfolgend «AJV») gestützt auf Art. 62c Abs. 6 StGB i.V.m. 

Art. 363 Abs. 1 sowie Art. 364 Abs. 1 StPO die Aufhebung der mit Urteil der 

Berufungskammer des Bundesstrafgerichts CA.2021.7 vom 7. September 

2021 angeordneten stationären Suchtbehandlung gemäss Art. 60 StGB und 

stattdessen die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme 

nach Art. 59 StGB (SK.2023.48, pag. 3.100.011 ff.).  

 

Zum bisherigen Massnahmenvollzug führte das AJV aus, dass das Mass-

nahmenzentrum B. am 4. November 2021 und die Klinik C. am 14. April 2022 

eine Aufnahme von A. zum Vollzug der angeordneten stationären Suchtbe-

handlung abgelehnt haben. Am 30. November 2022 habe das AJV A. in die 

suchttherapeutische Einrichtung D. eingewiesen. A. habe sich zuvor im Ge-

fängnis E. befunden. A. sei am 11. März 2023 aus der Einrichtung D. ge-

flüchtet und gleichentags in Basel intoxikiert (Konsum von Alkohol und He-

roin) in lebensbedrohlichem Zustand aufgefunden worden. Nach einer not-

fallmässigen Behandlung im Spital F. sei er am 11. März 2023 zwecks Time-

outs im Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt untergebracht worden und am 

28. März 2023 in die Einrichtung D. zurückversetzt worden. Am 1. April 2023 

sei A. erneut aus der Einrichtung D. geflüchtet. Nach seiner Festnahme am 

3. April 2023 sei seine Platzierung im Untersuchungsgefängnis und am 

11. April 2023 dessen Versetzung in das Gefängnis E. erfolgt. Am 15. Mai 

2023 habe die Einrichtung D. über den Massnahmenverlauf berichtet und 

am 21. Juni 2023 habe das AJV A. in die Justizvollzugsanstalt G. versetzt. 

Im Auftrag des AJV habe Dr. med. H. am 8. September 2023 ein psychiatri-

sches Gutachten über A. erstellt, welche sich für eine Massnahme nach 

Art. 59 StGB ausgesprochen habe. Gemäss dem AJV habe der bisherige 

Massnahmenverlauf gezeigt, dass eine stationäre Suchtbehandlung ange-

sichts der bei A. diagnostizierten Störungen völlig unzureichend sei. Die 

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Weiterführung der Massnahme sei aussichtslos. A. sei auf das Setting einer 

stationären Massnahme nach Art. 59 StGB angewiesen, um sein Zustands-

bild langfristig zu stabilisieren und damit das Rückfallrisiko zu minimieren. 

 

Das AJV wies abschliessend darauf hin, dass die Höchstdauer der mit Urteil 

des Berufungskammer des Bundesstrafgerichts vom 7. September 2021 an-

geordneten Massnahme am 23. März 2024 erreicht sein werde (SK.2023.48, 

pag. 3.100.017). 

 

 

D. Die Strafkammer leitete in der Folge die Eingabe des AJV der Berufungs-

kammer des Bundesstrafgerichts weiter (s. SK.2023.48, pag. 3.100.004). 

Die Berufungskammer stellte mit Beschluss CA.2023.24 vom 4. Dezember 

2023 die Zuständigkeit der Strafkammer für die Beurteilung des Antrags fest 

und leitete diesen zuständigkeitshalber an die Strafkammer weiter 

(SK.2023.48, pag. 3.100.001 ff.). 

 

 

E. Mit Urteil SK.2023.48 vom 20. März 2024 hob die Strafkammer des Bun-

desstrafgerichts die mit Urteil der Berufungskammer des Bundesstrafge-

richts CA.2021.7 vom 7. September 2021 angeordnete stationäre Suchtbe-

handlung gemäss Art. 60 StGB in Anwendung von Art. 62c Abs. 6 StGB auf. 

An deren Stelle ordnete sie eine stationäre therapeutische Massnahme ge-

mäss Art. 59 StGB an und befristete die Massnahme auf zwei Jahre. Als 

Vollzugskanton wurde wiederum der Kanton Basel-Stadt bestimmt 

(SK.2023.48, pag. 3.930.001 ff.). 

 

Gegen das Urteil der Strafkammer SK.2023.48 vom 20. März 2024 liess A. 

am 25. März 2024 Berufung anmelden (SK.2023.48, pag. 3.940.001).   

 

 

F. Mit Beschluss SN.2024.1 vom 20. März 2024 ordnete die Strafkammer über 

A. die Sicherheitshaft bis 19. Juni 2024 an (SK.2023.48, pag. 9.912.2.001 

ff.). 

 

 

G. Gegen den Beschluss SN.2024.1 vom 20. März 2024 lässt A. durch Advo-

katin Angela Agostino-Passerini mit Eingabe vom 2. April 2024 bei der Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben (act. 1). Er 

beantragt die Aufhebung des Beschlusses der Strafkammer vom 20. März 

2024, seine umgehende Entlassung aus der Sicherheitshaft, eventualiter un-

ter Auferlegung von Ersatzmassnahmen, unter Kosten- und 

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Entschädigungsfolgen zulasten der Bundesanwaltschaft als Beschwerde-

gegnerin (act. 1 S. 2).  

 

In prozessualer Hinsicht beantragt er die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege mit Advokatin Agostino-Passerini als seine unentgeltliche 

Rechtsvertreterin (BP.2024.36). 

 

 

H. Die Bundesanwaltschaft beantragt mit Beschwerdeantwort vom 8. April 2024 

die kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, 

unter Kostenfolge (act. 3).  

 

Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts teilte der Beschwerdekammer mit 

Schreiben vom 27. Dezember 2023 mit, dass sie auf die Einreichung einer 

Stellungnahme unter Hinweis auf die Ausführungen im angefochtenen Be-

schluss verzichte (act. 4).  

 

Mit Eingabe vom 12. April 2024 liess der Beschwerdeführer seine Replik ein-

reichen (act. 6), welche in der Folge der Gegenseite zur Kenntnis übermittelt 

wurde (act. 7). 

 

 

I. Die Strafkammer reichte der Beschwerdekammer mit Schreiben vom 3. Mai 

2024 das Hauptverhandlungsprotokoll, das Protokoll der Verhandlung be-

treffend die Sicherheitshaft inklusive Anhang, die Einvernahmeprotokolle 

von A. sowie von Dr. med. H., alle jeweils vom 26. Februar 2024, und das 

aktualisierte Aktenverzeichnis nach (act. 8). 

 

  

J. Mit Schreiben vom 3. Mai 2024 wurden der Beschwerdeführer und die Be-

schwerdegegnerin eingeladen, bis zum 10. Mai 2024 zu den von der Straf-

kammer nachgereichten Akten Stellung zu nehmen (act. 9).  

 

 

K. Die Bundesanwaltschaft reichte mit Schreiben vom 7. Mai 2024 ihre Stel-

lungnahme ein (act. 10), welche mit Schreiben vom 8. Mai 2024 allseits zur 

Kenntnis gebracht wurde (act. 11). Dem Beschwerdeführer wurde mit glei-

chem Schreiben zusätzlich eine Frist bis am 13. Mai 2024 für eine allfällige 

separate Stellungnahme dazu eingeräumt (act. 11).  

 

Der Beschwerdeführer ersuchte am 9. Mai 2024 um Fristerstreckung bis am 

17. Mai 2024 für seine Stellungnahme zu den von der Strafkammer 

- 6 - 

 

 

nachgereichten Akten (act. 12). Am 13. Mai 2024 ersuchte er um Fristerstre-

ckung bis am 17. Mai 2024 für seine Replik zur Stellungnahme der Bundes-

anwaltschaft (act. 13). Beiden Fristerstreckungsgesuchen wurde entspro-

chen (act. 12 und 13).  

 

Am 17. Mai 2024 reichte der Beschwerdeführer seine Stellungnahme ein 

(act. 14).  

 

 

L. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Die verhaftete Person kann Entscheide über die Anordnung, die Verlänge-

rung und die Aufhebung der Sicherheitshaft während des selbständigen ge-

richtlichen Nachverfahrens bei der Beschwerdeinstanz anfechten (Art. 364b 

Abs. 4 i.V.m. Art. 222 StPO). Die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des 

Bundesstrafgerichts zur Beurteilung von Beschwerden gegen Beschlüsse 

der Strafkammer als erstinstanzliches Gericht ergibt sich aus Art. 393 Abs. 1 

lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG. Voraussetzung zur Beschwerdeer-

hebung ist auf Seiten der Partei ein rechtlich geschütztes Interesse an der 

Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides (Art. 382 Abs. 1 

StPO). Die Beschwerde ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet ein-

zureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt werden können gemäss 

Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung 

und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzöge-

rung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts 

(lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c).  

 

1.2 Angefochten ist vorliegend ein Beschluss der Strafkammer als erstinstanzli-

ches Gericht betreffend die Anordnung der Sicherheitshaft nach dem erstin-

stanzlichen Urteil im selbständigen gerichtlichen Nachverfahren. Der ange-

fochtene Beschluss vom 20. März 2024 wurde der Rechtsvertreterin des Be-

schwerdeführers am Folgetag zugestellt (SK.2023.48, pag. 3.912.2.011). 

Damit wurde die Beschwerde vom 2. April 2024 fristgerecht erhoben. Auf die 

formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 

 

- 7 - 

 

 

 

2.  

2.1 Im selbständigen nachträglichen Gerichtsverfahren kann die verurteile Per-

son nach Art. 364b Abs. 1 StPO unter den Voraussetzungen von Art. 364a 

Abs. 1 StPO festgenommen werden. Im Übrigen gelten die Artikel 222 und 

230-233 sinngemäss (Art. 364b Abs. 4 StPO). 

 

Gemäss Art. 364a Abs. 1 i.V.m. Art. 364b Abs. 1 StPO setzt die Anordnung 

von Sicherheitshaft im selbständigen nachträglichen Gerichtsverfahren vo-

raus, dass ernsthaft zu erwarten ist, dass:  

a.  gegen die Person der Vollzug einer freiheitsentziehenden Sanktion ange-

ordnet wird; und  

b.  die Person:  

1.  sich deren Vollzug entzieht, oder  

2.  erneut ein Verbrechen oder ein schweres Vergehen begeht. 

 

2.2 Die Bestimmungen von Art. 364a und Art. 364b StPO traten am 1. März 2021 

in Kraft und entsprechen der früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung, 

wonach die Anordnung von Sicherheitshaft während der Dauer des gericht-

lichen Nachverfahrens von Art. 363 ff. StPO auch ohne gesetzliche Grund-

lage in analoger Anwendung von Art. 221 und Art. 229 ff. StPO zulässig ist 

(statt vieler: BGE 146 I 115 E. 2.3 ff. m.w.H.; vgl. zum Ganzen: Urteil des 

Bundesgerichts 1B_375/2022 vom 4. August 2022 E. 3.4). Der Botschaft zur 

Änderung der Strafprozessordnung vom 28. August 2019 ist zu entnehmen, 

dass vorab die diesbezügliche bundesgerichtliche Rechtsprechung kodifi-

ziert und entsprechend Haftgründe analog zu Art. 221 Abs. 1 lit. a und c 

StPO (Fluchtgefahr bzw. Wiederholungsgefahr) geschaffen werden sollten 

(BBl 2019 6717 f. und 6765).  

 

 

3.  

3.1 Zur Voraussetzung gemäss Art. 364a Abs. 1 lit. a StPO führte die Vorinstanz 

aus, sie habe mit Urteil vom 20. März 2024 eine freiheitsentziehende Mass-

nahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet, womit – unter der Voraussetzung 

des Eintritts der Rechtskraft jenes Urteils – der Vollzug einer freiheitsentzie-

henden Sanktion zu erwarten sei (SK.2023.48, pag. 3.912.2.004).  

 

3.2 Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein, er habe gegen das Urteil Beru-

fung angemeldet und es sei davon auszugehen, dass die Umwandlung in 

eine Massnahme nach Art. 59 StGB aufgehoben werde (act. 1 S. 3). Nach 

seiner Ansicht sei die Grundlage für die Anordnung einer Massnahme von 

Art. 59 StGB offensichtlich nicht gegeben (act. 1 S. 5). So seien keine neuen 

- 8 - 

 

 

Tatsachen eingetreten und insbesondere liege keine neue Diagnose vor. Die 

Anordnung einer Massnahme nach Art. 59 StGB sei eine Umgehung der ge-

setzlich vorgesehenen Höchstdauer einer Massnahme zur Suchttherapie ge-

mäss Art. 60 StGB (act. 1 S. 3). Es sei auch nicht ersichtlich, weshalb plötz-

lich die angebliche psychische Erkrankung im Vordergrund stehen soll 

(act. 1 S. 3 f.). Alles in allem fehle es an einem öffentlichen Interesse, wel-

ches gegenüber dem gewichtigen Freiheitsinteresse des Beschwerdeführers 

überwiegen würde (act. 1 S. 4). Die Tatsache, dass die Vollzugsbehörde so 

lange untätig geblieben sei bzw. die meisten Institutionen die Aufnahme des 

Beschwerdeführers abgelehnt hätten und er insgesamt einzig vier Monate 

therapiert worden sei, dürfe nicht zulasten des Beschwerdeführers gehen 

(act. 1 S. 4 f.). 

 

In der Replik bringt er vor, eine Suchttherapie mit dem Therapieziel der kon-

trollierten Substitution oder dem einzigen Konsum von weichen Drogen sei 

nicht versucht worden, was die mildere Massnahme gewesen wäre. Eine 

Verlängerung der Massnahme gemäss Art. 60 StGB um ein weiteres Jahr 

wäre nach seiner Ansicht die verhältnismässige Lösung gewesen (act. 6 

S. 2 f.). 

 

3.3 Vorab ist festzuhalten, dass die schriftliche Begründung des Urteils der Straf-

kammer noch nicht vorliegt. Allein gestützt auf die Vorbringen des Be-

schwerdeführers steht nicht offensichtlich fest, dass das Berufungsgericht 

die vorinstanzliche Anordnung einer Massnahme gemäss Art. 59 StGB auf-

heben wird (s. mutatis mutandis Urteil des Bundesgerichts 1B_329/2020 

vom 15. Juli 2020 E. 2.2 m.H.). Zusammenfassend kann deshalb bei dieser 

Ausgangslage die Anordnung einer freiheitsentziehenden Massnahme nach 

wie vor ernsthaft erwartet werden, womit die Voraussetzung gemäss 

Art. 364a Abs. 1 lit. a StPO zu bejahen ist. 

 

 

4.  

4.1 Die Vorinstanz bejahte den Haftgrund von Art. 364a lit. b Ziff. 2 und damit 

die Gefahr beim Beschwerdeführer der Begehung eines schweren Verge-

hens mit folgender Begründung (SK.2023.48, pag. 3.912.2.005 f.): 

 

Der Beschwerdeführer sei wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen ge-

mäss Art. 260bis Abs. 1 lit. e StGB hinsichtlich einer Freiheitsberaubung oder 

Entführung zum Nachteil seiner Kinder, eventuell auch seiner ehemaligen 

Ehefrau, rechtskräftig verurteilt worden. Das Bundesgericht habe in seinem 

Urteil dazu festgehalten, dass es im Zeitraum von 2010 bis 2019 zu dreizehn 

Einträgen wegen Delikten gekommen sei, welche sowohl direkt als auch 

- 9 - 

 

 

indirekt mit Suchtmitteln und der familiären Problematik gestanden seien. 

Das Bundesgericht habe weiter festgehalten, auch aus dem Gutachten von 

PD Dr. med. I. vom 27. Juni 2020 habe sich schlüssig ergeben, dass der 

problematische familiäre Kontext und die diagnostizierten psychischen Stö-

rungen des Beschwerdeführers nicht losgelöst voneinander betrachtet wer-

den könnten. Die Vorinstanz wies sodann auf das Gutachten von Dr. med. 

H. vom 8. September 2023 hin. Danach zeige der Strafregisterauszug, dass 

der Beschwerdeführer nach der Trennung von seiner Ehefrau in die schwere 

Drogenabhängigkeit zurückgefallen sei, sehr häufig und ohne grosse Hem-

mungen gegen Regeln verstosse. Die Gutachterin habe erklärt, dass die 

Gleichgültigkeit gegenüber den gesetzlichen Regeln und sozialen Normen 

vermutlich einerseits mit Persönlichkeitsstörungen als Folge der langjährigen 

Sucht in Zusammenhang stehe, aber vermutlich «durch die schizotype DD 

schizophrene Störung» zusätzlich verstärkt werde. Daher sei nach der Gut-

achterin das Risiko hoch, dass der Beschwerdeführer auch zukünftig mit De-

likten in Erscheinung treten werde. Sie habe sich als Zeugin etwas skeptisch 

über die Einschätzung der Wiederholungsgefahr durch den Vorgutachter ge-

äussert. Sie habe erklärt, dass der Beschwerdeführer die Töchter beschüt-

zen wolle, aber diese den Kontakt zu ihm ablehnen würden. Nach der Gut-

achterin habe der Umstand, dass die Töchter inzwischen erwachsen seien 

und nicht mehr in der Evangelischen Gemeinde J. in Z. leben würden, mög-

licherweise einen Einfluss. Aber wenn jemand wahnhaft von einer Vorstel-

lung überzeugt sei, sei es schwierig, dass das einzig aufgrund neuerer 

äusserer Umstände wieder weggehe. Die Vorinstanz kam zum Schluss, 

dass der Umstand, dass die beiden Töchter zwar nicht mehr, wie zurzeit des 

Strafverfahrens, in der Evangelischen Gemeinde wohnen aber weiterhin jeg-

lichen Kontakt zum Vater ablehnen, somit ohne Einfluss auf die Beurteilung 

der Wiederholungsgefahr sei und sich diese nach wie vor in unveränderter 

Weise präsentiere. Sie berücksichtigte dabei, dass verbale Drohungen und 

körperliche Gewaltandrohung unter erhöhtem Alkoholeinfluss im Rahmen 

des Massnahmenvollzugs aktenkundig seien. Sie bejahte zumindest die Ge-

fahr einer schweren Drohung gemäss Art. 180 StGB gegenüber seinen 

Töchtern und seiner ehemaligen Ehefrau angesichts des unkontrollierten 

Verhaltens im Massnahmenvollzug und der aktenkundigen Suchtmittelprob-

lematik, in Kombination mit den diagnostizierten psychischen Störungen, wo-

bei die Gefahr unter einem Suchtmitteleinfluss in Freiheit umso grösser sei.  

 

4.2 Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein, das Urteil des Bundesgerichts 

liege bereits mehr als eineinhalb Jahren zurück und er habe in der Zwischen-

zeit bewiesen, dass er keinen Kontakt mehr zu seiner Ex-Frau und den bei-

den Töchtern suche und er sich mit dieser Situation abgefunden habe. Die 

Legalprognose der Gutachterin, dass der Beschwerdeführer weitere 

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«Drohungen» aussprechen könnte, erfülle nicht die notwendige Schwere für 

die Anordnung einer Massnahme (act. 1 S. 5). Der Beschwerdeführer macht 

weiter geltend, er sei im Massnahmenzentrum falsch behandelt worden. Die 

dortigen Rückfälle dürften ihm somit nicht negativ angelastet werden. So-

dann fehle es an einem schweren Vergehen, welches die Sicherheitshaft 

rechtfertigen könne. Auch die Gutachterin vermute einzig Drohungen und 

eben nicht tatsächliche Ausschreitungen (act. 1 S. 6). In der Replik macht 

der Beschwerdeführer geltend, er werde inzwischen substituiert und habe 

seine Einstellung zum unkontrollierten Konsum erheblich verändert nach 

dem traumatischen Erlebnis, als er habe wiederbelebt werden müssen 

(act. 6 S. 3). In seiner Stellungnahme vom 17. Mai 2024 betont er, dass die 

Gutachterin über ihre gesamte Befragung hinweg Vorbehalte angebracht 

und ihre Vermutungen auch als solche bezeichnet habe. Von einer klaren 

Diagnose könne nicht die Rede sein und es sei offen, ob er überhaupt und 

falls ja an welcher schweren psychischen Erkrankung er leide (act. 14 S. 2 

f.). Zur Stellungnahme der Beschwerdegegnerin führt er aus, dass die Tat-

sache der Nichtverwirklichung eines «hohen Risikos» über Jahrzehnte hin-

weg das validere Entscheidkriterium sei, als ein statistischer «Erfahrungs-

wert» (act. 14 S. 4). 

 

4.3 Der Wortlaut des Haftgrundes der Wiederholungsgefahr gemäss Art. 221 

Abs. 1 lit. c StPO ist auf das ordentliche Untersuchungs- und Hauptverfahren 

(mit Vortaten und neu zu untersuchenden Delikten) zugeschnitten (Urteil des 

Bundesgerichts 1B_96/2021 vom 25. März 2021 E. 4.2). Im gerichtlichen 

Nachverfahren mit bereits rechtskräftig beurteilten Straftaten ist aufgrund ei-

ner Rückfallprognose zu prüfen, ob weitere sicherheitsrelevante Verbrechen 

oder schwere Vergehen ernsthaft zu erwarten sind (Art. 364a Abs. 1 lit. b 

Ziff. 2 StPO). Ausschlaggebend ist damit die Frage der potentiellen Gefähr-

lichkeit der im Nachverfahren inhaftierten oder zu inhaftierenden Person (Ur-

teile des Bundesgerichts 1B_247/2023 vom 6. Juni 2023 E. 3.1; 1B_96/2021 

vom 25. März 2021 E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen). Der Haftgrund der 

Wiederholungsgefahr ist restriktiv zu handhaben. In der Regel erscheint die 

Gefährdung der Sicherheit anderer umso höher, je schwerer die drohende 

Tat wiegt. Betreffend die Anforderungen an die Rückfallgefahr gilt hingegen 

eine umgekehrte Proportionalität. Je schwerer die drohenden Taten sind und 

je höher die Gefährdung der Sicherheit anderer ist, desto geringere Anforde-

rungen sind an die Rückfallgefahr zu stellen. Liegen die Tatschwere und die 

Sicherheitsrelevanz am oberen Ende der Skala, so ist die Messlatte zur An-

nahme einer rechtserheblichen Rückfallgefahr tiefer anzusetzen. Eine nega-

tive, d.h. eine ungünstige Rückfallprognose ist zur Annahme von Wiederho-

lungsgefahr notwendig, grundsätzlich aber auch ausreichend (BGE 143 IV 9 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=1B_247%2F2023&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-9%3Ade&number_of_ranks=0#page9

- 11 - 

 

 

E. 2.8-2.10; Urteile des Bundesgerichts 1B_247/2023 vom 6. Juni 2023 

E. 3.1; 1B_96/2021 vom 25. März 2021 E. 4.2; je mit Hinweisen). 

 

4.4 Was das Verhalten und die Einstellung des Beschwerdeführers im Zusam-

menhang mit seinen Kindern und seiner Ex-Frau während des Massnah-

menvollzugs anbelangt, geht aus den Akten Folgendes hervor: 

 

Dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 

26. Oktober 2022 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vor und 

nach der Erhebung der Beschwerde ans Bundesgericht gegen das zeitlich 

unlimitierte Kontakt- und Annäherungsverbot in Bezug auf seine Ex-Frau K. 

sowie die beiden Kinder verstossen hat. Er hat seiner Ex-Frau aus dem Ge-

fängnis kurz vor dem 27./28. Januar 2022 einen handgeschriebenen Brief 

mit wirren Äusserungen gesandt. Am 12. März 2022 kontaktierte er seine 

Ex-Frau telefonisch aus dem Gefängnis. Er machte ihr Vorwürfe und be-

schuldigte sie, wegen ihr im Gefängnis zu sitzen. Er sprach später auch auf 

ihre Combox und sagte, er wolle wissen, wo die Kinder seien, machte klar, 

dass er ein Besuchsrecht habe und warf ihr vor, alles vorgetäuscht zu haben. 

Weiter teilte er ihr mit, dass er sie anzeigen werde. Zuletzt sagte er Folgen-

des «Wehe ihnen [den Kindern] geschieht etwas, dann bist du …». Danach 

beendete er das Telefonat (SV000588 f.). Eine weitere Kontaktaufnahme er-

folgte im Februar 2023, als der Beschwerdeführer einen Brief an seine Mut-

ter gesandt und diese den Brief anschliessend an die Ex-Frau abgegeben 

hat (SV000591). In der Folge erstattete die Ex-Frau eine Strafanzeige gegen 

den Beschwerdeführer. Mit Einstellungsverfügung vom 23. Mai 2023 stellte 

das Statthalteramt des Bezirks Meilen die Strafuntersuchung gegen den Be-

schwerdeführer mit der Begründung ein, das Vorgehen des Beschwerdefüh-

rers, seine Mutter zu bitten, die Kinder von ihm grüssen zu lassen, sollte sie 

sie sehen, könne noch nicht als eine Kontaktaufnahme durch Drittpersonen 

angesehen werden (SK.2023.48, pag. 3.721.001 f.) 

 

Gemäss dem Behandlungsbericht der Klinik L. vom 19. Oktober 2022 

(SV000526 f.) nahmen die Unschuldsbeteuerungen des Beschwerdeführers 

bezüglich der Delinquenz, die zu seiner Inhaftierung geführt hatte, in den 

Visiten mittlerweile weniger Raum ein, ausserdem schienen sie mittlerweile 

von weniger Affekt begleitet zu sein. Gespräche über die gegenständliche 

Delinquenz gestalteten sich nach dem Behandlungsbericht jedoch noch im-

mer schwierig. Dem Schlussbericht der Einrichtung D. vom 15. Mai 2023 

(SV000680 ff.) zufolge habe der Beschwerdeführer sein deliktisches Verhal-

ten bagatellisiert und [das Verfahren] als gegen ihn gerichtete Manipulation 

des Systems betrachtet. Er habe sich von dieser Sichtweise nicht lösen kön-

nen und es habe entsprechend keine Verantwortungsübernahme für sein 

- 12 - 

 

 

Handeln respektive seine Taten stattgefunden (SV000689). Es wurde fest-

gehalten, dass die nach wie vor bestehende Überzeugung bezüglich der 

Festhaltung seiner Töchter in einer evangelischen Gemeinde resp. das da-

mit verbunden Fernhalten von ihm sein Handeln weiterhin prägen. Gedank-

liche Rigidität und damit verwobenes stark ausgeprägtes Gefühlserleben von 

Ungerechtigkeit und Beeinträchtigung sowie dem Drang dem ein Ende zu 

setzen und sich wie auch seine Kinder verteidigen zu müssen, seien nach 

wie vor gegeben (SV000690).  

 

Auch Dr. med. H. stellte in ihrem Gutachten vom 8. September 2023 fest, 

dass beim Beschwerdeführer kein Problembewusstsein bestehe, was die 

Anlasstat angehe. Andererseits habe er sich im Gespräch von der Thematik, 

d.h. Misshandlung der Töchter durch die religiöse Gemeinschaft, deutlich 

weiter distanziert. Er habe klar den Vorsatz geäussert, in Zukunft keinen 

Kontakt mehr zu den Töchtern zu suchen und bestehende Kontaktverbote 

einzuhalten (SV000786). 

 

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 26. Februar 2024 wurde der Be-

schwerdeführer gefragt, ob er Kontakt zu seinen Töchtern habe, was er ver-

neinte. Er halte das Kontaktverbot immer ein. Ausser einmal, als er vielleicht 

etwa 80 m in der Nähe des Hauses gewesen sei. Der Beschwerdeführer 

wurde auch zu seinen Gefühlen zu seinen Töchtern befragt. Dazu erklärte 

er, dass er sie natürlich vermisse. Er habe sie 12 Jahre lang nicht mehr ge-

sehen. Nach der Scheidung habe die Ex-Frau den Kontakt immer wieder 

sabotiert. Im Scheidungsurteil sei die Normalisierung des Besuchsrechts im 

Zentrum gewesen, aber das sei nie realisiert worden, durch die M., die Sekte, 

in welcher er früher auch gewesen sei (SK.2023.48, pag. 3.731.002). Die 

Frage, ob er weiterhin der Meinung sei, dass seine Töchter immer noch in 

Gefahr seien, beantwortete der Beschwerdeführer wie folgt: «Also in Gefahr: 

Jetzt, wo ich weiss, dass es ihnen gut geht, und dass sie in Ausbildung an 

der Uni sind bzw. dass sie arbeiten, das entlastet mich natürlich sehr. Ich 

hoffe einfach, für mich ist einfach die Hoffnung, dass es ihnen gut geht und 

dass ihnen nicht Gewalt angetan wird wie zu jener Zeit. Kurz bevor sie mich 

rausgeschmissen haben, habe ich das damals erfahren. Diese Sache haben 

sie 9 Jahre lang geheim gehalten vor mir, das finde ich schrecklich, so etwas 

Tiefgründiges. Die Kinder waren so verängstigt, dass niemals ein Kind dar-

über geredet hat. Das ist für mich schon lange Vergangenheit, ich bin schon 

20 Jahre lang weg von dort» (SK.2023.48, pag. 3.731.004). 

 

4.5 Gemäss dem Gutachten vom 8. September 2023 von Dr. med. H. scheint 

sich das Zustandsbild des Beschwerdeführers nach Wiederbeginn der Me-

thadonsubstitution, Minimierung des Beikonsums durch das geschlossene 

- 13 - 

 

 

Setting und neuroleptische Medikation, «wieder etwas stabilisiert» zu haben. 

Die Gutachterin erachtete eine substitutionsgestützte Suchtbehandlung für 

sinnvoll mit dem Therapieziel, das Ausmass von unkontrolliertem Beikonsum 

auch unter offenen Bedingungen zu minimieren bzw. zu kontrollieren. Sie 

erachtete es als grosse Herausforderung, den Beschwerdeführer aus dem 

aktuell hochgeschlossenen Setting der Justizvollzugsanstalt G.in das offene 

Setting zu platzieren, ohne dass es wieder zu einer Destabilisierung des Zu-

standbildes komme (SV000784 f.).   

 

Der Gutachterin wurde sodann die Frage unterbreitet, wie hoch die Wahr-

scheinlichkeit für Delikte mit einer schweren Beeinträchtigung der physi-

schen, psychischen und / oder sexuellen Integrität von Dritten sei. Sie wurde 

dabei gefragt, wie hoch sie diese Wahrscheinlichkeit kurzfristig (unmittelbar, 

in den nächsten Tagen und wenigen Wochen, z.B. nach einer neuen Locke-

rung), mittelfristig (in den nächsten Monaten) und langfristig (in den nächsten 

ca. fünf Jahren, ev. darüber hinaus) einschätze. Dazu gab Dr. med. H. Fol-

gendes zur Antwort (SV000789): «Kurzfristig ist das Risiko für Delikte mit 

einer schweren Beeinträchtigung der physischen, psychischen und/oder se-

xuellen Integrität von Dritten eher gering. Denn Herr A. äussert in meiner 

Exploration klar den Vorsatz, sich von den Töchtern fernzuhalten und keinen 

Kontakt zu suchen. Mittel- und langfristig könnte das Risiko wieder anstei-

gen, nämlich dann, wenn Herr A. in einem offenen Setting – trotz adäquater 

Therapie der Suchterkrankung – in einen unkontrollierten Substanzkonsum 

zurückfallen würde. Dies würde einerseits inhaltliche Denkstörungen (wahn-

hafte Ängste bzgl. Wohlergehen der Töchter) «anheizen». Andererseits kann 

es im Rahmen von mehr oder weniger schweren (Misch-)Intoxikationen na-

türlich zu Veränderungen von Stimmung und Impulskontrolle kommen, was 

z.B. das Risiko erhöhen würde, dass Konflikte tätlich eskalieren».  

 

Zum Rückfallrisiko führte die Gutachterin Folgendes aus (SV000788 f.): 

«Günstig würde sich das Rückfallrisiko entwickeln, wenn es gelingen würde, 

das Zustandsbild des Expl. durch eine niederschwellige Behandlung (Stich-

wort «harm-reduction») soweit zu stabilisieren, dass er in der Lage wäre, 

einer sinnstiftenden Beschäftigung nachzugehen und einzelne Kontakte zu 

pflegen. Ungünstig im Hinblick auf das Rückfallrisiko wäre, wenn Herr A. 

durch einen vermehrten unkontrollierten Beikonsum häufige Intoxikationszu-

stände erleben würde, in denen er – in Abhängigkeit von situativen Faktoren, 

begünstigt durch die enthemmende Wirkung psychotroper Substanzen – 

Konflikte erleben würde, die mehr oder weniger gewalttätig eskalieren könn-

ten. Unkontrollierter Drogenkonsum würde ausserdem, angesichts der schi-

zotypen DD schizophrenen Störung, psychotisches Erleben verstärken. Es 

würde wahrscheinlicher, dass die paranoiden Ängste um das Wohlergeben 

- 14 - 

 

 

der Töchter wieder in den Vordergrund treten und den Expl. wieder zu delik-

tischem Verhalten motivieren würden. Zunächst würde er wohl wieder gegen 

das Kontaktverbot verstossen. Je ausgeprägter die Wahndynamik werden 

würde, umso eher müsste man damit rechnen, dass er wieder ein Tatverhal-

ten zeigen könnte, entsprechend den Anlasstaten».   

 

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 26. Februar 2024 wurde die Gutach-

terin als sachverständige Person sowie als Zeugin einvernommen. Zur 

Frage, wie sie das Rückfallrisiko bzw. das Risiko einer Gefährdung der Si-

cherheit Dritter bei einer Entlassung aus dem Massnahmenvollzug beurteile, 

gab Dr. med. H. folgende Antwort: «Man kann da am besten in verschiedene 

Szenarien denken. Man kann sich vorstellen, wenn Herr A. aus dem hoch 

strukturierten, geschlossenen Setting nach draussen kommt, er mit einer re-

lativ grossen Wahrscheinlichkeit in einen mehr oder weniger regelmässigen 

Substanzbeikonsum zurückfällt, d.h. er wird wahrscheinlich regelmässig mit 

Alkohol intoxikiert sein, mit möglicher zusätzlicher Einnahme von Opiaten 

oder Ritalin. Das erhöht das Risiko, dass Herr A. immer wieder einmal ag-

gressive Durchbrüche hat, wie es im ambulanten Behandlungssetting immer 

wieder beobachtet wurde. Das heisst so Drohungen oder im schlimmsten 

Fall auch Tätlichkeiten könnte man sich innerhalb einer kurzen Zeit allein 

durch den zu erwartenden Substanzkonsum vorstellen. Man kann sich aber 

auch vorstellen, dass durch den Substanzkonsum eben diese wahnhaften 

Denkinhalte, diese Befürchtungen bezüglich der Töchter, wieder in den Vor-

dergrund treten und angeheizt werden, und man müsste mit einer Missach-

tung des Kontaktverbots und Kontaktversuchen zu den Töchtern rechnen. 

Auch Autofahrten unter Substanzkonsum, wie sie sich aus der Vorge-

schichte ergeben, müsste man sich mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit 

vorstellen, weil Herr A. da nicht ein besonders entwickeltes Unrechtsbe-

wusstsein hat, als er mir davon erzählte. Es gibt aber immer wieder auch 

Fälle, wo wahnhafte Denkinhalte ein ausgeprägt aggressives Verhalten mo-

tivieren. Das hat nicht zuletzt Herr I. in seiner Beurteilung beschrieben (risk 

retrospectiv). Man kann sich dann vielleicht retrospektiv vorstellen, wie etwas 

entstanden ist. Solche sind natürlich sehr schwierig zu prognostizieren. Man 

kann sagen, dass bei Personen, die eine schizophrene oder schizotype Stö-

rung sowie eine Substanzabhängigkeit (Konsum) haben, das Risiko für Ge-

walttaten viel grösser ist als wenn nur eine schizotype oder schizophrene 

Störung vorliegt. Im Einzelfall ist das aber immer schwierig zu prognostizie-

ren» (SK.2023.48, pag. 3.771.015). Der Umstand, dass die Töchter nicht 

mehr in der Evangelischen Gemeinschaft J. leben und mittlerweile erwach-

sen sind, könnte nach Beurteilung von Dr. med. H. möglicherweise schon 

einen Einfluss auf das Risiko haben, ob der Beschwerdeführer in diesem 

Zusammenhang delinquieren könnte. Gleichzeitig stellte sie klar: «Aber nach 

- 15 - 

 

 

allem, was man weiss, sind wahnhafte Gedanken sehr stabil. Wenn jemand 

einmal wahnhaft von etwas überzeugt ist, dass ist es schwierig, dass das 

einzig aufgrund einer neuen Realität wieder weggeht. Eine solche Person 

lässt sich nicht einfach so vom Gegenteil überzeugen. Unter einer geeigne-

ten Medikation tritt das vielleicht in den Hintergrund und die Person ist nicht 

mehr so affektiv engagiert. Aber dass ein Wahn, der einmal da war, dann 

plötzlich wieder weggeht, das sieht man eigentlich nicht». Was die Bezie-

hung des Beschwerdeführers zu seinen Töchtern anbelangt, führte die 

Dr. med. H. weiter aus, dass der Beschwerdeführer von einer ganz anderen 

Realität ausgehe als seine Töchter. Die Töchter würden sich ja gar nicht be-

einträchtigt fühlen. Der Beschwerdeführer wolle die Töchter beschützen, 

aber diese lehnen den Kontakt zu ihm ab. Das sei das Krankhafte, das man 

in der Behandlung mit dem Beschwerdeführer managen müsste 

(SK.2023.48, pag. 3.771.010). 

 

4.6 Demnach ist gestützt auf das Gutachten von Dr. med. H. aufgrund der 

schweren Suchterkrankung des Beschwerdeführers von einem ernst zu neh-

menden Risiko auszugehen, dass er in einem offenen Setting – trotz adä-

quater Therapie der Suchterkrankung – in einen unkontrollierten Substanz-

konsum zurückfallen würde. Mit anderen Worten ist der Zustand des Be-

schwerdeführers nicht ausreichend stabil. Die Gutachterin weist darauf hin, 

es sei durch den unkontrollierten Drogenkonsum in Kombination mit der psy-

chischen Störung wahrscheinlicher, dass die paranoiden Ängste des Be-

schwerdeführers um das Wohlergeben der Töchter wieder in den Vorder-

grund treten und ihn wieder zu deliktischem Verhalten motivieren würden. 

Ähnlich äusserte sich die Gutachterin anlässlich ihrer Einvernahme als sach-

verständige Person und Zeugin. Dabei bestreitet der Beschwerdeführer 

nicht, dass er im Rahmen des Massnahmenvollzugs unter erhöhtem Alko-

holeinfluss verbale Drohungen und körperliche Gewaltandrohung ausges-

tossen hat. Gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen kann dabei das 

Risiko eines solchen Verhaltens auch bei adäquater Therapie nicht ausge-

schlossen werden. Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers weist 

die Gutachterin auch auf die Wahrscheinlichkeit tätlicher Eskalationen und 

eines Tatverhaltens entsprechend den Anlasstaten hin. Wie von der Gutach-

terin sowie seinen Betreuern und Therapeuten festgehalten, besteht beim 

Beschwerdeführer darüber hinaus auch kein Problembewusstsein bezüglich 

der Anlasstat, was seine Erklärungen relativiert, wonach er keinen Kontakt 

mehr zu seiner Ex-Frau und den beiden Töchtern suche und er sich mit die-

ser Situation abgefunden habe. An dem durch alle Instanzen hindurch ge-

richtlich festgestellten Präventionsbedarf hat sich demnach mit Ablauf der 

Höchstdauer der gerichtlich angeordneten Massnahme im Ergebnis nichts 

geändert. Daran vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers nichts zu 

- 16 - 

 

 

ändern. Namentlich ist sein Vorgehen, gewisse Aussagen der Gutachterin 

hervorzuheben unter Auslassung anderer Ausführungen und insbesondere 

in Verkennung der Schlussfolgerungen der Gutachterin (s. zum Beispiel 

act. 14 S. 2), nicht geeignet, eine andere Gesamtbeurteilung herbeizuführen. 

Die Vorinstanz ging somit zurecht von einem ernst zu nehmen Risiko einer 

schweren Drohung gemäss Art. 180 StGB durch den Beschwerdeführer ge-

genüber seinen Töchtern und seiner ehemaligen Ehefrau aus, welches die 

Anordnung der Sicherheitshaft rechtfertigt (zur Verhältnismässigkeit s. nach-

folgend). So fällt hier insbesondere ins Gewicht, dass die Vorbereitungs-

handlungen des Beschwerdeführers gerade im Hinblick auf ein schweres 

Delikt zum Nachteil namentlich seiner Kinder erfolgten, weshalb sein Vorge-

hen auch strafbar war. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, ist dazu 

auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen. Würde der 

Beschwerdeführer umgehend aus der Sicherheitshaft entlassen, wie er dies 

zur Hauptsache beantragt, ist offensichtlich, dass er aufgrund seiner Krank-

heit und seiner schweren Polytoxikomanie überfordert wäre und nicht nur für 

seine Familie, sondern auch für die öffentliche Sicherheit und letztlich für sich 

selber potentiell gefährlich wäre.  

 
  

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Sicherheitshaft sei unverhältnismässig. Zur 

Begründung bringt er Folgendes vor (act. 1 S. 7 f.): 

 

In Anbetracht der Tatsache, dass er schon über drei Jahre im Freiheitsent-

zug sei, für eine Tat, deren Sanktion 12 Monate schuldangemessen gewe-

sen wäre und von ihm noch nicht einmal eine Gefahr für hochstehende 

Rechtsgüter ausgehe, sei vorliegend die Verhältnismässigkeit offensichtlich 

nicht gegeben. Unter Berufung auf das Urteil des Bundesgerichts 

1B_95/2023 vom 8. März 2023 E. 4.3 macht der Beschwerdeführer geltend, 

von ihm gehe keine erhebliche Sicherheitsgefährdung aus. Obwohl er 

60 Jahre alt sei und seit Jahrzehnten an einer erheblichen Suchtmittelerkran-

kung leide und die von den Gutachtern vermuteten psychischen Erkrankun-

gen bereits ebenfalls seit mehreren Jahrzehnten besehen würden, habe er 

keine Tat begangen, bei denen er tatsächlich jemanden verletzt hätte. Wenn 

er dies somit bereits in jungen Jahren nicht getan habe, würde er es viel 

weniger im Alter tun. Sodann seien seine weiteren Interessen zu berücksich-

tigen. Er habe eine betagte, kranke Mutter. Er würde seine Mutter sehr gerne 

nochmals sehen und sie auch unterstützen können. So würde er im Falle 

einer Haftentlassung in ihre Nähe ziehen, damit er sie regelmässig im Pfle-

geheim besuchen könne, da sie seine nächste Bezugsperson sei. Selbst 

wenn die Wiederholungsgefahr und die Verhältnismässigkeit im engeren 

Sinne angenommen würde, so könne der Wiederholungsgefahr mit diversen 

- 17 - 

 

 

Ersatzmassnahmen begegnet werden. So sei er vor seiner Inhaftierung be-

reits über Jahre hinweg freiwillig in einer Therapie in Basel gewesen, so dass 

er bereits bewiesen habe, dass er sich einer solchen unterziehen würde 

(act. 1 S. 7). Sodann sei er jetzt substituiert und nehme seine Medikamente 

regelmässig, so dass bei ihm kein Suchtdruck mehr bestehe. Der Beschwer-

deführer wäre auch bereit in ein betreutes Wohnheim zu gehen, eine ambu-

lante Therapie zu machen, sich Abstinenzkontrollen zu unterziehen oder 

auch eine Fussfessel zu tragen. Die Vorinstanz halte fest, dass keine Ersatz-

massnahmen angeordnet werden könnten, weil er bereits gegen die am 

18. Mai 2020 verfügten Ersatzmassnahmen verstossen habe. Dabei ver-

kenne die Vorinstanz, dass dies bereits vier Jahre her sei und dem Be-

schwerdeführer zumindest eine zweite Chance zu geben sei. Der Beschwer-

deführer habe sich vielleicht nicht an alle Auflagen gehalten, mal Drogen 

konsumiert oder einen Termin verpasst, er habe in dieser Zeit keine weiteren 

Straftaten verübt, so dass die nicht 100%-ige Einhaltung der Ersatzmass-

nahmen dennoch nicht zur Verwirklichung des Haftgrundes der Wiederho-

lungsgefahr geführt hätten (act. 1 S. 8). 

 

5.2 Gemäss Art. 31 Abs. 3 BV und Art. 5 Ziff. 3 EMRK hat eine in strafprozessu-

aler Haft gehaltene Person Anspruch darauf, innerhalb einer angemessenen 

Frist richterlich abgeurteilt oder während des Strafverfahrens aus der Haft 

entlassen zu werden. Eine übermässige Haftdauer stellt eine unverhältnis-

mässige Beschränkung dieses Grundrechts dar. Sie liegt dann vor, wenn die 

Haftfrist die mutmassliche Dauer der zu erwartenden freiheitsentziehenden 

Sanktion übersteigt (vgl. auch Art. 212 Abs. 3 StPO). Bei der Prüfung der 

Verhältnismässigkeit der Haftdauer ist namentlich der Schwere der fragli-

chen Straftaten Rechnung zu tragen. Das Gericht darf die Haft nur so lange 

erstrecken, als sie nicht in grosse zeitliche Nähe der (im Falle einer rechts-

kräftigen Verurteilung bzw. eines nachträglichen Sanktionenentscheides) 

konkret zu erwartenden Dauer der freiheitsentziehenden Sanktion rückt 

(BGE 145 IV 179 E. 3.1 und 3.5-3.6; 143 IV 168 E. 5.1; 139 IV 270 E. 3.1; 

133 I 168 E. 4.1, 270 E. 3.4.2; je mit Hinweisen). Die Frage, ob eine Haft-

dauer als übermässig bezeichnet werden muss, ist aufgrund der konkreten 

Verhältnisse des einzelnen Falles zu beurteilen (BGE 137 IV 92 E. 3.1; 136 

I 274 E. 2.3; 133 I 168 E. 4.1, 270 E. 3.4.2; je mit Hinweisen).   

 

Nach der Praxis des Bundesgerichtes kann nicht ohne weiteres von der 

Höhe einer ausgefällten schuldadäquaten Freiheitsstrafe auf die voraus-

sichtliche Dauer einer gleichzeitig oder nachträglich angeordneten freiheits-

entziehenden Massnahme geschlossen werden (BGE 126 I 172 E. 5d). Falls 

ein stationärer Massnahmenvollzug droht, ist die Fortdauer der strafpro-

zessualen Haft verhältnismässig, wenn aufgrund der Aktenlage mit einer 

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- 18 - 

 

 

freiheitsentziehenden Massnahme ernsthaft zu rechnen ist, deren gesamter 

Vollzug deutlich länger dauern könnte als die bisherige strafprozessuale Haft 

(BGE 126 I 172 E. 5e; Urteil 1B_160/2020 vom 28. April 2020 E. 3.2; je mit 

Hinweisen). Die Anordnung und Fortdauer von Sicherheitshaft während des 

selbstständigen gerichtlichen Nachverfahrens setzt im Übrigen die ernst-

hafte Erwartung voraus, dass gegen die verurteilte Person der Vollzug einer 

freiheitsentziehenden Sanktion angeordnet wird (Art. 364a Abs. 1 lit. a 

StPO). 

 

5.3 Der Beschwerdeführer befindet sich seit dem 20. März 2024 in Sicherheits-

haft. Beim davor absolvierten und am 20. März 2024 wegen Aussichtslosig-

keit aufgehobenen stationären Massnahmenvollzug gemäss Art. 60 StGB 

handelte es sich nicht um strafprozessuale Haft, sondern um den Vollzug 

einer strafrechtlichen Sanktion nach rechtskräftiger gerichtlicher Verurtei-

lung. Mit Urteil SK.2023.48 vom 20. März 2024 ordnete die Strafkammer des 

Bundesstrafgerichts eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss 

Art. 59 StGB an und befristete die Massnahme auf zwei Jahre (s. supra 

lit. E). Der Beschwerdeführer muss derzeit ernsthaft mit dem Vollzug einer 

freiheitsentziehenden Massnahme rechnen, die deutlich länger dauern 

könnte als die vorläufig bis zum bis 19. Juni 2024 beschränkte Haftfrist. Da-

mit ist die Sicherheitshaft noch lange nicht in grosse Nähe der freiheitsent-

ziehenden Sanktion gerückt, die dem Beschwerdeführer im Falle einer 

rechtskräftigen Bestätigung des Massnahmenurteils vom 20. März 2024 

droht.  

 

5.4 Dem Beschwerdeführer kann auch mit seinen übrigen Einwendungen nicht 

gefolgt werden. Zwar führte auch Dr. med. H. (im Zusammenhang mit dem 

HCR-20) aus, dass sich beim Beschwerdeführer das höhere Lebensalter 

«eher protektiv» auswirke, da er in einem Alter sei, in dem generell weniger 

Leute Gewaltdelikte begehen würden (SK.2023.48, pag. 3.771.010). Dazu 

ist allerdings festzuhalten, dass im Falle des Beschwerdeführers die Gefähr-

lichkeit des deliktischen Verhaltens bis zu seiner Festnahme im Februar 

2020 mit den Jahren entgegen seiner Darstellung gerade zugenommen hat, 

weshalb er aus seinem Alter vorliegend nichts weiter zu seinen Gunsten ab-

leiten kann. Soweit der Beschwerdeführer einwendet, er habe während des 

Massnahmenvollzugs und nach seinen Fluchten aus dem Massnahmenvoll-

zug keine weiteren Straftaten begangen, ist ihm entgegenzuhalten, dass 

seine Freiheit während des Massnahmenvollzugs gerade eingeschränkt war 

und seine Fluchten jeweils von kurzer Dauer waren, weshalb sich seine Vor-

bringen nicht als durchschlagend erweisen. Inwiefern Abstinenzkontrollen 

und Fussfesseln den Beschwerdeführer dazu bewegen könnten, nicht gegen 

die Regeln zu verstossen, ist nicht ersichtlich. Weder die während des 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22Art.+364b%22+AND+Sicherheitshaft+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-I-172%3Ade&number_of_ranks=0#page172

- 19 - 

 

 

bisherigen Massnahmenvollzugs durchgeführten Abstinenzkontrollen noch 

sein erklärter Wunsch, seine kranke Mutter unterstützen zu wollen, haben 

den Beschwerdeführer bisher davon abhalten können, unter erhöhtem Alko-

holeinfluss verbale Drohungen und körperliche Gewaltandrohung auszu-

stossen. Die Gutachterin führte aus, dass Ziel der Massnahme es sein 

müsste, im Rahmen der Massnahme den Übergang vom hochgeschlosse-

nen Setting in ein niederschwelliges, offenes Setting, in dem der Beschwer-

deführer langfristig leben könne, vorzubereiten und zu erproben. Um dieses 

– angesichts der Schwere der Erkrankung anspruchsvolle – Therapieziel 

umzusetzen, scheine ein Zeithorizont von ca. 2 bis 3 Jahren realistisch 

(SV000787). Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers sind zu-

sammenfassend aktuell weder mildere Ersatzmassnahmen angezeigt noch 

wären sie sofort umsetzbar. Die Anordnung der Sicherheitshaft erweist sich 

somit als verhältnismässig.  

 

 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des Be-

schleunigungsgebots, weil die Strafkammer nach seiner Ansicht den Ent-

scheid gemäss Art. 365 Abs. 2 StPO sofort mündlich hätte eröffnen müssen 

(act 1 S. 3). 

 

6.2 Die Strafkammer hat im Rahmen des selbständigen nachträglichen Verfah-

rens gemäss Art. 363 ff. StPO die Akten ergänzt und am 26. Februar 2024 

eine Verhandlung durchgeführt, an welcher die Bundesanwaltschaft, das 

AJV sowie der Beschwerdeführer und dessen amtlichen Rechtsbeiständin 

teilgenommen haben und die Gutachterin Dr. med. H. als sachverständige 

Person und als Zeugin einvernommen wurde (SK.2023.48, pag. 3.720.001 

ff.). Unmittelbar im Anschluss an diese Verhandlung wurde in Anwesenheit 

der Parteien eine Verhandlung zur Frage der Anordnung von Sicherheitshaft 

durchgeführt (SK.2023.48, pag. 3.720.1.001 ff.). Das AJV äusserte sich da-

hingehend, dass über den Beschwerdeführer ab dem 24. März 2024 bis zum 

rechtskräftigen Abschluss des selbständigen nachträglichen Verfahrens Si-

cherheitshaft zu verfügen sei (SK.2023.48, pag. 3.721.038). Der Beschwer-

deführer beantragte, die Massnahme sei gemäss Art. 60 StGB spätestens 

per 23. März 2024 aufzuheben; eventualiter sei eine bedingte Entlassung 

aus dem Massnahmenvollzug unter Auflagen zu verfügen (SK.2023.48, 

pag. 3.720.014 und 3.70.1.004). 

 

6.3 In zeitlicher Hinsicht ist der angefochtene Beschluss vom 20. März 2024 

demnach bereits mit Blick sowohl auf die Höchstdauer der mit Urteil des Be-

rufungskammer angeordneten Massnahme als auch auf den vom 

- 20 - 

 

 

Beschwerdeführer selber gestellten Antrag nicht zu beanstanden. Entspre-

chend bietet auch die schriftliche Eröffnung des Beschlusses keinen Anlass 

zur Kritik (zu Art. 365 Abs. 2 Satz 2 StPO als Ordnungsvorschrift s. auch 

HEER/BERNARD/STUDER, Basler Kommentar, 3. Aufl., 2023, Art. 365 StPO 

N. 7). Im Übrigen teilte der Vorsitzende dem Beschwerdeführer bereits an 

der Verhandlung vom 26. Februar 2024 betreffend die Sicherheitshaft nach 

dem erstinstanzlichen Urteil mit, dass das Urteil in der Sache und der Be-

schluss zur Haft schriftlich eröffnet werde und die Dispositive bis spätestens 

am 22. März 2024 versandt würden (SK.2023.48/SN.2024.1, 

pag. 3.720.1.005). Dass der Beschwerdeführer oder seine Verteidigerin da-

mals Einwände gegen das angekündigte Vorgehen erhoben hätten, ist dem 

Verhandlungsprotokoll nicht zu entnehmen. 

 

 

7. Die Anordnung der Sicherheitshaft durch die Vorinstanz erweist sich nach 

dem Gesagten als rechtmässig und die Beschwerde ist vollumfänglich abzu-

weisen.  

 

 

8.  

8.1 Der Beschwerdeführer ersucht um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung und Rechtsvertretung (BP.2024.36, act. 1).  

 

8.2 Die Beschwerdekammer ist als Beschwerdeinstanz im Sinne von Art. 20 

Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 222 und Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO im vor ihr geführten 

Beschwerdeverfahren selbst zuständig für die Anordnung und Bestellung ei-

ner amtlichen Verteidigung (Art. 133 Abs. 1 i.V.m. Art. 388 lit. c StPO; für das 

erstinstanzliche Haftanordnungsverfahren vor dem Zwangsmassnahmenge-

richt vgl. BGE 137 IV 215 E. 2.3 S. 218). Die in der Strafuntersuchung ein-

gesetzte amtliche Verteidigung wirkt im Haftbeschwerdeverfahren – jeden-

falls wenn die beschuldigte Person beschwerdeführende Partei ist – nicht 

automatisch als unentgeltliche Rechtsvertretung mit und zwar auch dann 

nicht, wenn die beschuldigte Person im Hauptverfahren notwendigerweise 

verteidigt werden muss. Dies ergibt sich aus der nach dem Inkrafttreten der 

StPO beibehaltenen Rechtsprechung, wonach die Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege bei Beschwerden gegen die Anordnung bzw. die 

Verlängerung von Untersuchungshaft von der Nichtaussichtlosigkeit der Be-

schwerde abhängig gemacht werden kann, und zwar auch dann, wenn die 

beschuldigte Person im Hauptverfahren die Voraussetzungen der notwendi-

gen Verteidigung erfüllt (vgl. zum Ganzen zuletzt u.a. das Urteil des Bundes-

gerichts 1B_188/2022 vom 9. Mai 2022 E. 5.2 m.w.H.).  

 

- 21 - 

 

 

8.3 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Prozessbegehren 

als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich gerin-

ger erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Begehren nicht als 

aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr 

die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese (BGE 142 III 

138 E. 5.1 S. 139 f.; 140 V 521 E. 9.1).  

 

8.4 Wie die vorstehenden Erwägungen aufzeigen, steht der angefochtene Ent-

scheid im Einklang mit der ständigen Rechtsprechung und den bestehenden 

anerkannten Grundsätzen im Haftrecht. Dass der Beschwerdeführer seine 

Inhaftierung (wie den Massnahmenvollzug an sich) als ein Übel empfindet, 

ist nachvollziehbar. Trotzdem muss der Hauptantrag auf umgehende Entlas-

sung aus der Sicherheitshaft als aussichtslos bezeichnet werden. Die vom 

Beschwerdeführer erhobenen Rügen zielten von Beginn weg an der Sache 

vorbei. Damit mangelt es an einer materiellen Voraussetzung für die unent-

geltliche Rechtspflege. Das entsprechende Gesuch des Beschwerdeführers 

ist unbesehen seiner finanziellen Verhältnisse abzuweisen.  

 

 

9. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Gerichtskosten dem 

unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Un-

ter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Beschwerdeführers 

rechtfertigt sich eine reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- (vgl. Art. 73 

StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts 

vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in 

Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

- 22 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechts-

vertretung wird abgewiesen. 

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 22. Mai 2024 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Advokatin Angela Agostino-Passerini 

- Bundesanwaltschaft 

- Bundesstrafgericht, Strafkammer 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide der Beschwerdekammer über Zwangsmassnahmen kann innert 30 Tagen nach 
der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde geführt werden (Art. 
79 und 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005; BGG). Eingaben 
müssen spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen 
der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen 
Vertretung übergeben werden (Art. 48 Abs. 1 BGG). Im Falle der elektronischen Einreichung ist für 
die Wahrung einer Frist der Zeitpunkt massgebend, in dem die Quittung ausgestellt wird, die 
bestätigt, dass alle Schritte abgeschlossen sind, die auf der Seite der Partei für die Übermittlung 
notwendig sind (Art. 48 Abs. 2 BGG). 

Das Verfahren richtet sich nach den Artikeln 90 ff. BGG. 

Eine Beschwerde hemmt den Vollzug des angefochtenen Entscheides nur, wenn der 
Instruktionsrichter oder die Instruktionsrichterin es anordnet (Art. 103 BGG).