# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c469e0eb-6917-5214-b8eb-656f6f4b5bc6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-03-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.03.2021 D-6447/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6447-2019_2021-03-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6447/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  M ä r z  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richter William Waeber, Richter Simon Thurnheer,  

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch MLaw Cora Dubach,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 31. Oktober 2019 / N (…). 

 

 

 

D-6447/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben 

zufolge am (…) und reiste am 5. Oktober 2016 illegal in die Schweiz ein. 

Gleichentags suchte er im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum 

(EVZ) B._______ um Asyl nach und wurde dort am 18. Oktober 2016 zu 

seiner Identität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgrün-

den befragt (Befragung zur Person; BzP). Ausserdem wurde er nach allfäl-

ligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gefragt. Die ausführliche Anhö-

rung zu den Asylgründen fand am 8. Januar und 7. Februar 2019 statt. 

A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen geltend, er sei Tamile und stamme aus C._______, 

D._______ (Nordprovinz). Im (…) habe er sich zum Fischen im Vanni-Ge-

biet aufgehalten und sei dort von den LTTE zwangsrekrutiert worden, ob-

wohl er damals noch minderjährig gewesen sei. Während seines Aufent-

halts bei den LTTE habe er Essen verteilt, Bunker gebaut und verletzte 

Personen versorgt; gekämpft habe er nicht. Im April 2009 habe die sri-lan-

kische Armee das Gebiet erobert, und alle hätten versucht zu fliehen. Bei 

dieser Gelegenheit sei er den LTTE entkommen, sei aber dann von der 

Armee aufgegriffen, verhört und in ein Flüchtlingslager nach E._______ 

gebracht worden. Nachdem ein von seinem Vater kontaktierter Priester in-

terveniert habe, sei er nach zwei Monaten Gefangenschaft entlassen wor-

den. Er sei nach C._______ zurückgekehrt und habe in der Folge im (…) 

seiner Familie gearbeitet. Dabei sei er ab und zu von den Behörden kon-

trolliert worden. Am (…) seien er und vier Kollegen beim Fischen in einer 

gesperrten Zone im Vanni festgenommen worden. Die Behörden hätten ihn 

zu Unrecht beschuldigt, mit (…) zu haben und weiterhin Kontakte zu den 

LTTE zu pflegen. Auch seine frühere LTTE-Zugehörigkeit sei ihm vorge-

worfen worden. Nach (…) Tagen Haft sei er mit Hilfe eines Anwalts gegen 

Leistung einer Kaution entlassen worden. Er habe in der Folge mehrere 

Male vor Gericht erscheinen müssen, sei aber dann im Jahr (…) von allen 

Anschuldigungen freigesprochen worden. Nachdem er im Zusammenhang 

mit den Parlamentswahlen vom (…) als Wahlkampfhelfer eines Kandidaten 

der (…) Flugblätter verteilt, Plakate aufgehängt und Versammlungen orga-

nisiert habe, hätten im (…) Angehörige des Criminal Investigation Depart-

ment (CID) sowie der Armee nach ihm gesucht; er sei jedoch nicht zuhause 

gewesen. Im (…) seien sie erneut vorbeigekommen und hätten ihn mitge-

nommen, geschlagen und nach seinen Tätigkeiten für die LTTE gefragt. Er 

habe einmal mehr erklärt, er habe mit den LTTE nichts mehr zu tun, worauf 

D-6447/2019 

Seite 3 

er nach drei Tagen unter der Auflage, sich zur Verfügung zu halten, freige-

lassen worden sei. Am (…) sei er wieder verhaftet, befragt und angehalten 

worden, andere LTTE-Mitglieder zu verraten. Diesmal habe die Haft fünf 

Tage gedauert, und er sei dabei sexuell misshandelt und missbraucht wor-

den. Im (…) sei er schliesslich nochmals von den Behörden mitgenommen 

worden. Sie hätten ihn wiederum zu seinen LTTE-Kontakten befragt, ge-

schlagen und sexuell missbraucht. Diese Haft habe nur einen Tag gedau-

ert, dann sei er nach Hause gebracht worden. Die Beamten hätten ihm 

gesagt, er werde die nächste Festnahme nicht überleben. Seine Eltern hät-

ten ihn daraufhin zu einem Onkel nach F._______ (D._______) gebracht, 

wo er drei Tage geblieben sei. Am (…) sei er dann mit Hilfe eines Schlep-

pers aus Sri Lanka ausgereist. Er werde bis heute von den Behörden ge-

sucht. Die Behörden hätten gedroht, sie würden ihn umbringen, wenn sie 

ihn erwischten. Zudem hätten sie einmal seinen jüngeren Bruder 

G._______ mitgenommen und geschlagen. Dieser sei anschliessend vo-

rübergehend nach Colombo gegangen und sei aktuell unbekannten Auf-

enthalts.  

A.c Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver-

fahrens folgende Unterlagen zu den Akten: einen Geburtsregisterauszug 

(inkl. Übersetzung), zwei ärztliche Schreiben betreffend seinen Vater (Ko-

pien), ein Schreiben eines Priesters vom 5. Januar 2019 (Kopie), ein 

Schreiben des Parlamentsmitglieds E. S. vom 19. Mai 2018, eine Vorla-

dung der Armee vom (…), eine Vorladung des Polizeipostens D._______ 

vom (…) (Kopie), ein Schreiben der Polizeistation H._______ vom (…) (Ko-

pie), ein Schreiben des Anwalts S. S. vom 28. Januar 2017 sowie ein 

Schreiben des Friedensrichters M. J. vom 19. Dezember 2018 (Kopie). 

B.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 31. Oktober 2019 fest, der Beschwer-

deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der 

Wegweisung an. 

C.  

Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom 5. De-

zember 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte die Aufhe-

bung der vorinstanzlichen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Even-

tuell sei infolge Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hin-

D-6447/2019 

Seite 4 

sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (in-

klusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses) und unent-

geltliche Verbeiständung. Ausserdem beantragte er, es sei die aufschie-

bende Wirkung der Beschwerde festzustellen. 

Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Voll-

macht vom 6. Oktober 2016 (Kopie) sowie eine Kostennote vom 5. Dezem-

ber 2019 bei.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2019 hielt die Instruktionsrich-

terin fest, der Beschwerdeführer könne den Abschluss des Verfahrens in 

der Schweiz abwarten. Ausserdem hiess sie die Gesuche um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und unentgeltliche Verbeiständung – 

unter Vorbehalt des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung – gut, ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, ordnete dem Be-

schwerdeführer seine Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei 

und forderte ihn auf, bis zum 27. Dezember 2019 eine Fürsorgebestätigung 

nachzureichen.  

E.  

Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 27. Dezember 2019 eine 

Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit vom 2. Dezember 2019 zu den Ak-

ten.  

F.  

Mit Eingaben vom 26. Mai, 4. September, 30. Oktober und 15. Dezember 

2020, reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel ein: ein E-Mail-

Austausch zwischen dem (…) und der Rechtsvertreterin vom 26. Mai 2020, 

ein Dokument der sri-lankischen Fischereibehörde vom 26. Juni 2016 (Ko-

pie, inkl. Übersetzung), mehrere ärztliche und psychologische Berichte be-

treffend den Beschwerdeführer (Kopien), zwei ärztliche Schreiben vom 23. 

Mai 2013 respektive 18. August 2020 betreffend seine Eltern, ein undatier-

tes Schreiben der Mutter des Beschwerdeführers (inkl. Übersetzung in 

Deutsch und Englisch) sowie drei jeweils aktualisierte Kostennoten. 

G.  

Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 16. Februar 2021 vollum-

fänglich an seiner Verfügung fest. Die Vernehmlassung wurde dem Be-

schwerdeführer am 18. Februar 2021 zur Kenntnis gebracht. 

 

D-6447/2019 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer  

Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das 

Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. 

Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung 

von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls, 

und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend 

– endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt indes das bisherige 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist – und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtenen Verfügungen besonders berührt und hat ein schutzwürdi-

ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-

her zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist demnach einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

 

3.  

3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-

chen aus, der Beschwerdeführer habe sich bei der Darlegung seiner Asyl-

gründe mehrfach widersprochen, so beispielsweise hinsichtlich der Frage, 

ob er für die LTTE mit der Waffe gekämpft habe, bezüglich der Dauer sei-

nes Aufenthalts bei den LTTE und den Umständen sowie dem Zeitpunkt 

seiner Flucht oder Freilassung aus der anschliessenden Haft. Die geltend 

D-6447/2019 

Seite 6 

gemachte LTTE-Mitgliedschaft sei daher zu bezweifeln. Ferner habe der 

Beschwerdeführer die in der Anhörung geschilderten Probleme im (…) 

(Festnahme beim (…), Vorwurf des (…), Gerichtsverfahren mit Freispruch) 

in der BzP nicht erwähnt, sondern im Gegenteil erklärt, er habe zwischen 

2013 und 2015 keine Probleme gehabt. Das Gerichtsverfahren habe er in 

der BzP zwar angesprochen, jedoch nur im Zusammenhang mit seiner 

LTTE-Vergangenheit. Bezüglich der Festnahme vom (…) habe er unter-

schiedliche Lokalitäten genannt. Der angebliche, bloss dreitägige Aufent-

halt beim Onkel sei sodann nicht zu vereinbaren mit den geltend gemach-

ten, wesentlich zeitintensiveren Ereignissen, welche sich währenddessen 

zugetragen hätten (mehrfache Suche nach ihm, Verkauf von Gegenstän-

den). Der Beschwerdeführer habe die geltend gemachten Vorfälle überdies 

unsubstanziiert und undifferenziert geschildert. Auch seine Schilderung der 

geltend gemachten sexuellen Übergriffe überzeuge nicht. Das angebliche 

Vorgehen der sri-lankischen Behörden sei ferner nicht logisch. Der Be-

schwerdeführer sei seinen Angaben zufolge vom Vorwurf der LTTE-Mit-

gliedschaft gerichtlich freigesprochen worden. Es sei daher, auch unter Be-

rücksichtigung seines jugendlichen Alters bei Kriegsende, nicht nachvoll-

ziehbar, dass er danach trotzdem immer wieder festgenommen und zu 

LTTE-Verbindungen befragt worden sei. Es sei auch nicht einleuchtend, 

weshalb ihn die Behörden, falls sie ihn tatsächlich festgenommen hätten, 

jeweils wieder hätten freilassen sollen. Da ihn die Behörden angeblich 

ständig beobachtet hätten, sei es zudem erstaunlich, dass er ihnen trotz-

dem habe entkommen können, indem er zum Onkel gegangen sei. 

Schliesslich sei auch das Verhalten des Beschwerdeführers angesichts der 

angeblichen mehrfachen Mitnahmen und Misshandlungen (keine Ergrei-

fung von Schutzmassnahmen) nicht plausibel. Die Asylvorbringen seien 

aus diesen Gründen nicht glaubhaft. Die eingereichten Beweismittel wür-

den an dieser Einschätzung nichts ändern. Sie seien insbesondere alle-

samt nicht fälschungssicher und könnten leicht käuflich erworben werden. 

Das geltend gemachte Gerichtsverfahren wäre im Übrigen selbst im Falle 

der Glaubhaftigkeit nicht asylrelevant, da der Beschwerdeführer dabei frei-

gesprochen worden sei. Es sei sodann auch nicht anzunehmen, dass der 

Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aus anderen Grün-

den mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylre-

levanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre (Verweis auf die im 

Referenzurteil E-1866/2015 des BVGer vom 15. Juli 2016 definierten Risi-

kofaktoren). Demnach sei die Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das 

Asylgesuch abzulehnen. Die Vorinstanz legte im Weiteren dar, der Weg-

weisungsvollzug nach Sri Lanka (Nordprovinz) sei zulässig, zumutbar und 

möglich. Hinsichtlich der Frage der individuellen Zumutbarkeit des Vollzugs 

D-6447/2019 

Seite 7 

verwies das SEM insbesondere auf das am Herkunftsort bestehende fami-

liäre Beziehungsnetz, die gesicherte Wohnsituation und die intakten Er-

werbsaussichten.  

3.2 In der Beschwerde wird zunächst der Sachverhalt wiederholt, wobei 

zur Haft im (…) angefügt wird, dem Beschwerdeführer sei damals auch 

seine Unterstützung der (…) vorgeworfen worden. Er sei damals brutal zu-

sammengeschlagen worden und habe mit dem Schlimmsten gerechnet, 

habe jedoch nach seiner Freilassung nicht umgehend ins Ausland flüchten 

wollen, da er von der eigenen Unschuld überzeugt gewesen sei. Nach der 

zweiten Inhaftierung im (…) habe er ausreisen wollen, aber der damalige 

Schlepper habe ihn nicht ausser Landes gebracht, weshalb er einfach ge-

hofft habe, die Behörden würden ihn fortan in Ruhe lassen. Nach seiner 

Ausreise Ende (…) sei sein Bruder G._______ von den Behörden befragt 

und gefoltert worden und danach nach Colombo gegangen. Nun gebe es 

von ihm jedoch keine Lebenszeichen mehr; die Familie befürchte, er sei 

irregulär verhaftet oder gar getötet worden. Der Beschwerdeführer werde 

zuhause weiterhin regelmässig von den Behörden gesucht. Hinsichtlich 

seiner gesundheitlichen Situation wird vorgebracht, er bedürfe einer trau-

maspezifischen Abklärung respektive Therapie. Ausserdem sei sein (…) 

worden; bei einer Rückkehr wäre er daher als Folteropfer erkennbar. Zur 

Frage der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen wird sodann ausgeführt, es 

sei nicht zulässig, widersprüchliche Aussagen zwischen der BzP und der 

Anhörung derart stark zu gewichten. Derartige Widersprüche seien nur re-

levant, wenn klare Aussagen diametral voneinander abweichen würden o-

der zentrale Asylgründe in der BzP nicht einmal ansatzweise erwähnt wür-

den. Im Zweifel müsse der Fokus auf eine mögliche Vereinbarung der Aus-

sagen gelegt werden. Zu den vom SEM festgestellten Widersprüchen wird 

vorgebracht, der Beschwerdeführer habe in der BzP zwar von «mitkämp-

fen» gesprochen, er habe damit aber nicht den Gefechtskampf, sondern 

den Befreiungskampf der LTTE im Allgemeinen gemeint. Seine Aussage, 

er habe geschossen, sei eine stressbedingte Übertreibung gewesen. Des-

wegen dürften nicht seinen gesamten Angaben zur Zwangsrekrutierung in 

Zweifel gezogen werden, zumal sich seine Aussagen mit den Informatio-

nen in einschlägigen Berichten von Nichtregierungsorganisationen decken 

würden. Die einmalige Aussage, er sei lediglich drei Monate bei den LTTE 

gewesen, könne ebenfalls nicht zur Annahme der Unglaubhaftigkeit führen; 

denn er habe ansonsten konstant erklärt, er sei von (…) bei den LTTE ge-

wesen. Sein Entkommen aus der Armee-Haft nach dem Krieg sei keine 

eigentliche Flucht, aber auch keine richtige Freilassung gewesen. Er sei 

freigelassen worden, nachdem sein Vater und der Pfarrer bei der Armee 

D-6447/2019 

Seite 8 

vorgesprochen hätten, habe jedoch danach Angst gehabt, erneut inhaftiert 

zu werden. Der Beschwerdeführer habe die Haft detailreich beschrieben, 

und sie dürfe nicht allein infolge der ungenauen Bezeichnung der 

Flucht/Freilassung angezweifelt werden. Sodann habe der Beschwerde-

führer das Gerichtsverfahren durchaus auch in der BzP erwähnt und ge-

sagt, Anlass dafür sei seine LTTE-Mitgliedschaft gewesen. Dies sei zutref-

fend, da ihm neben (…) auch die LTTE-Mitgliedschaft vorgeworfen worden 

sei. Mit seiner Aussage, er habe zwischen 2013 und 2015 keine «Prob-

leme» gehabt, habe er gemeint, dass in dieser Zeit keine Verhaftungen, 

Folterungen und sexuellen Übergriffe erlebt habe. Das reguläre Gerichts-

verfahren habe er nicht als Problem begriffen. Diesbezüglich sei anzufü-

gen, dass nicht klar sei, ob das Gerichtsverfahren tatsächlich aus Mangel 

an Beweisen mit einem Freispruch geendet habe oder ob es aus anderen 

Gründen abgeschrieben worden sei. In Bezug auf die Verhaftungsörtlich-

keiten habe sich der Beschwerdeführer keineswegs widersprochen, er 

habe in der Anhörung lediglich gesagt, er sei beim letzten Mal an einem 

anderen Ort festgehalten worden; es sei plausibel, dass es sich dabei um 

ein anderes Camp gehandelt habe. Hinsichtlich der Dauer des Aufenthalts 

beim Onkel habe sich der Beschwerdeführer sodann verschätzt; er sei 

nicht bloss drei Tage dort gewesen, sondern ungefähr 15 Tage. Dem Vor-

wurf des SEM, die Aussagen des Beschwerdeführers – insbesondere auch 

seine Vorbringen betreffend die sexuelle Gewalt – seien vage ausgefallen, 

sei entgegenzuhalten, dass von einer Traumatisierung des Beschwerde-

führers auszugehen sei und sich dies auf sein Aussageverhalten ausge-

wirkt haben dürfte. Zudem könne von ihm nicht erwartet werden, frei und 

detailreich über diese Erlebnisse zu sprechen; die Befrager hätten ja nach-

fragen können. Einschlägigen Berichten zufolge seien Vergewaltigungen 

und sexueller Missbrauch in Sri Lanka, insbesondere gegenüber tamili-

schen Männern, gängige Foltermethoden, was für die Glaubhaftigkeit die-

ses Vorbringens spreche. Entgegen der Darstellung der Vorinstanz fänden 

sich zudem an verschiedenen Stellen detaillierte Aussagen mit Realkenn-

zeichen, so beispielsweise betreffend die Inhaftierungen im (…). Es sei fer-

ner durchaus nachvollziehbar, dass der CID und die Armee trotz durchge-

führtem Gerichtsverfahren nicht von der Unschuld des Beschwerdeführers 

überzeugt gewesen seien und ihn daher erneut verhaftet und befragt hät-

ten. Sie hätten damit versucht, ihm doch noch ein Geständnis oder wichtige 

Informationen abzuringen. Das SEM habe mit seinen Erwägungen den sri-

lankischen Kontext nicht berücksichtigt. Entgegen der Auffassung des 

SEM sei es dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten insgesamt gelun-

gen, die geltend gemachte Verfolgung glaubhaft zu machen. Die erlittenen 

Nachteile seien intensiv gewesen, und es sei unter Berücksichtigung der 

D-6447/2019 

Seite 9 

jüngsten Entwicklungen in Sri Lanka (Machtergreifung des Rajapaksa-

Clans sowie Entführung einer Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Co-

lombo im November 2019) davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-

rer auch künftig einer Verfolgung ausgesetzt wäre. Das staatliche Interesse 

an seiner Person halte an, dies zeige sich in der Verhaftung seines Bruders 

und dessen plötzlichen Verschwindens. Es sei nicht auszuschliessen, dass 

dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka eine unmensch-

liche Behandlung drohen würde, zumal er als ehemaliger LTTE-Kämpfer 

bereits früher mehrmals irregulär verhaftet und gefoltert worden, illegal 

ausgereist und mutmasslich auf der «Black List» oder «Stop List» aufge-

führt sei. Er erfülle zudem die vom Bundesverwaltungsgericht im Urteil E-

1866/2015 vom 15. Juli 2016 genannten Risikofaktoren. Insbesondere sei 

er auch aufgrund seiner politischen Gesinnung und ethnischen Zugehörig-

keit verfolgt worden. Somit erfülle er die Flüchtlingseigenschaft, und es sei 

ihm Asyl zu gewähren, zumindest sei er infolge Unzulässigkeit des Weg-

weisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.  

3.3 In den Eingaben vom 4. September, 30. Oktober und 15. Dezember 

2020 wird unter Hinweis auf die damit eingereichten Beweismittel geltend 

gemacht, der Beschwerdeführer sei traumatisiert und nehme eine Therapie 

in Anspruch. Er leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung 

(PTBS) sowie einer depressiven Störung, was sich namentlich in Schlaf-

problemen, Angstzuständen, Flashbacks und Kopfschmerzen äussere. Zu-

dem sei er vergesslich, dünnhäutig und habe Suizidgedanken. Er habe be-

reits kurz nach den traumatischen Erlebnissen in Sri Lanka versucht, sich 

umzubringen. Durch seine distanzierten Schilderungen habe er versucht, 

die Flashbacks zu vermeiden. Seine Eltern seien gesundheitlich ebenfalls 

angeschlagen: Seine Mutter leide an einer Bronchitis (nach Tuberkulose), 

und seinem Vater sei im Jahr (…) aufgrund einer Herzkrankheit ein (…) 

eingesetzt worden. Die Mutter sei besorgt über den Gesundheitszustand 

des Beschwerdeführers und habe in ihrem Brief (vgl. Beweismittel) er-

wähnt, dass die Behelligungen auch nach der Ausreise des Beschwerde-

führers andauern würden. Es sei aufgrund des sporadischen Kontaktes 

des Beschwerdeführers zu seiner Familie und seiner fehlenden Belastbar-

keit nicht davon auszugehen, dass ihn seine Mutter über die aktuellen Be-

hördenbesuche zu Hause informieren würde.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

D-6447/2019 

Seite 10 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-

schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-

richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-

schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf 

kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 

4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-

schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. 

Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-

eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach 

Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-

bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden 

Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft 

machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu 

BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei gegen Ende des Bürger-

kriegs in Sri Lanka (im […[) (…) in einem Armeecamp festgehalten worden, 

nachdem er den LTTE entkommen sei, welche ihn im (…) zwangsrekrutiert 

hätten. Diese Haft weist weder in sachlicher noch in zeitlicher Hinsicht ei-

nen hinreichenden Zusammenhang zur Ausreise des Beschwerdeführers 

im (…) auf; dieses Vorbringen ist daher ungeachtet der Frage seiner Glaub-

haftigkeit nicht asylrelevant. 

5.2 Hinsichtlich der geltend gemachten Verhaftung respektive Haft im (…) 

sowie des angeblichen, damit zusammenhängenden Gerichtsverfahrens 

D-6447/2019 

Seite 11 

ist Folgendes festzustellen: Die angebliche Verhaftung im (…) sowie die 

anschliessende mehrtägige Haft erwähnte der Beschwerdeführer erst in 

der Anhörung. Er machte dabei geltend, er sei verhaftet worden, weil er in 

einer verbotenen Zone gefischt habe. Die Behörden hätten ihm (…) zu-

gunsten der LTTE sowie seine frühere Zugehörigkeit zu den LTTE vorge-

worfen (vgl. A24 F10). In der BzP war diese Verhaftung vom (…) respektive 

die darauffolgende Haft kein Thema; der Beschwerdeführer erklärte im Ge-

genteil, er habe zwischen 2013 und 2015 keinerlei Probleme gehabt (vgl. 

A5 Ziff. 7.01/S. 10). Sodann sprach er in der BzP zwar von einem zweijäh-

rigen Gerichtsverfahren, welches mit einem Freispruch geendet habe, 

nannte jedoch kein Datum. Er erwähnte auch nicht, dass er wegen (…) 

angeklagt worden sei, sondern gab als Grund für das Verfahren einzig die 

LTTE-Vorwürfe an (vgl. A5 Ziff. 7.01/S. 10). Diese Widersprüche zwischen 

den Aussagen in der BzP und denjenigen in der Anhörung betreffen zent-

rale Asylvorbringen und sind daher als relevant zu erachten. Entgegen der 

in der Beschwerde geäusserten Auffassung ist es somit durchaus zulässig, 

die erwähnten Widersprüche im Sinne von Indizien für die Unglaubhaf-

tigkeit der Vorbringen zu berücksichtigen. Der Einwand in der Beschwerde, 

der Beschwerdeführer habe das reguläre Gerichtsverfahren nicht – wie bei-

spielsweise irrreguläre Verhaftungen und Folterungen – als «Problem» be-

trachtet, weshalb er in der BzP gesagt habe, er habe zwischen 2013 und 

2015 «keine Probleme» gehabt, überzeugt ebenfalls nicht, zumal es nicht 

nur um das Gerichtsverfahren geht, sondern namentlich auch um die die-

sem angeblich vorausgegangene Verhaftung respektive (…) Haft, anläss-

lich welcher der Beschwerdeführer geschlagen und schikaniert worden 

sein will (vgl. A24 F10). Der Beschwerdeführer reichte in Bezug auf die 

erwähnten Vorbringen mehrere Beweismittel ein; diese sind jedoch nicht 

geeignet, die geltend gemachten Verfolgungsmassnahmen glaubhaft zu 

machen. Das auf Beschwerdeebene eingereichte Dokument der (…) ver-

mag bestenfalls zu belegen, dass der Beschwerdeführer ein (…) besass, 

sagt jedoch nichts aus über die von ihm geltend gemachte Verfolgung 

durch die sri-lankischen Behörden. Das Schreiben der Polizeistation 

H._______ vom (…) weist formale Unzulänglichkeiten auf (namentlich ei-

nen unvollständigen Absender sowie eine unzureichende Identifizierung 

des Adressaten), nennt als Verhaftungsdatum nicht den (…) sondern den 

(…) und spricht von insgesamt vier verhafteten Personen, während der Be-

schwerdeführer ausgesagt hatte, sie seien zu fünft gewesen (vgl. A24 

F10). Auch im Schreiben des Anwalts sowie des Friedensrichters werden 

insgesamt vier verhaftete Personen erwähnt; ohnehin fällt auf, dass alle 

drei genannten Schreiben einen verdächtig ähnlichen Wortlaut haben. Im 

Schreiben des Friedensrichters findet sich überdies ein anderes als das 

D-6447/2019 

Seite 12 

vom Beschwerdeführer erwähnte Ausreisedatum ([…]). Aufgrund des Ge-

sagten ist davon auszugehen, dass es sich bei den drei Schreiben um Ge-

fälligkeitsschreiben oder Fälschungen handelt. Weitere sachdienliche Be-

weismittel zur fraglichen Haft sowie dem Gerichtsverfahren hat der Be-

schwerdeführer nicht eingereicht. Insbesondere hat er trotz angeblicher 

anwaltlicher Vertretung (vgl. A24 F43) und angeblichem Kontakt zu diesem 

Anwalt (vgl. das erwähnte anwaltliche Schreiben) keinerlei offizielle (Ge-

richts-)Dokumente zu den Akten gereicht. Im Ergebnis ist daher festzustel-

len, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die angebliche 

Festnahme und Haft im (…) sowie ein damit zusammenhängendes Ge-

richtsverfahren glaubhaft zu machen.  

5.3 Die angebliche (erfolglose) Suche nach ihm im (…) sowie die geltend 

gemachten Vorfälle von (…) sind sodann ebenfalls zu bezweifeln.  

5.3.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei von den Behörden im 

Jahr (…) dreimal für je ein bis fünf Tage mitgenommen, nach seinen Ver-

bindungen zu den LTTE befragt, misshandelt und sexuell missbraucht wor-

den. Zwar ist nicht auszuschliessen, dass er in Sri Lanka physische Gewalt 

und sexuellen Missbrauch erlebt hat, da seine diesbezüglichen Schilderun-

gen entgegen der vom SEM vertretenen Auffassung und unter Berücksich-

tigung der Tatsache, dass bei ihm eine PTBS diagnostiziert wurde, welche 

sich auf das Aussageverhalten auswirken kann, zumindest teilweise durch-

aus hinreichend realitätsnah, emotional und detailliert ausgefallen sind 

(vgl. beispielsweise A24 F70 ff.) und die auf Beschwerdeebene eingereich-

ten medizinischen Unterlagen nahelegen, dass der Beschwerdeführer auf-

grund von Gewalterfahrungen traumatisiert ist. Hingegen erscheint es auf-

grund der Aktenlage und der nachfolgenden Erwägungen nicht glaubhaft, 

dass sich diese Übergriffe im geltend gemachten Kontext (Verfolgung 

durch die Behörden im Jahr 2016 infolge LTTE-Vergangenheit respektive 

vermuteter LTTE-Verbindungen) zugetragen haben.  

5.3.2 Im Gegensatz zu den Aussagen betreffend die körperlichen und se-

xuellen Misshandlungen müssen die Vorbringen des Beschwerdeführers 

zu den im Jahr (…) angeblich erfolgten Mitnahmen an sich sowie den je-

weiligen Befragungen zu seinen LTTE-Verbindungen als oberflächlich und 

repetitiv bezeichnet werden (vgl. A24 F45, F54 f., F64). Sodann ist auf-

grund der Aktenlage nicht nachvollziehbar, weshalb die Behörden im Jahr 

(…) plötzlich ein derart ausgeprägtes Interesse an der Person des Be-

schwerdeführers hätten entwickeln sollen, nachdem er zuvor seit der gel-

tend gemachten Freilassung aus dem Armee-Camp im Jahr (…) keinen 

D-6447/2019 

Seite 13 

konkreten und glaubhaften (zur Unglaubhaftigkeit der angeblichen Vorfälle 

im Jahr (…) vgl. vorstehend E. 5.2) Verfolgungshandlungen im Zusammen-

hang mit seiner angeblichen LTTE-Vergangenheit ausgesetzt war. Der Be-

schwerdeführer brachte im Sinne einer Erklärung für dieses Interesse vor, 

möglicherweise habe jemand den Behörden verraten, dass er im Jahr (…) 

bei den LTTE gewesen sei (vgl. A24 F48 und F51 f.). Dieses Argument 

überzeugt jedoch nicht; denn angesichts des von ihm behaupteten Aufent-

halts im Armee-Camp im Jahr (…) war dies den Behörden ja längst be-

kannt. Falls der Beschwerdeführer im Jahr (…) tatsächlich – wie von ihm 

vorgebracht – (…) Monate lang von der Armee festgehalten und anschlies-

send ohne jegliche Auflagen freigelassen wurde, ist insbesondere davon 

auszugehen, dass die Behörden überzeugt waren, dass sich der (damals 

noch minderjährige) Beschwerdeführer nicht freiwillig den LTTE ange-

schlossen, dort lediglich eine unbedeutende Rolle gespielt und insbeson-

dere nie an einer bewaffneten Auseinandersetzung teilgenommen hatte 

und keine Gefahr für den sri-lankischen Staat darstellen würde. Die angeb-

liche LTTE-Vergangenheit des Beschwerdeführers vermag daher das Ver-

folgungsinteresse der Behörden im Jahr (…) nicht zu erklären. Der Be-

schwerdeführer verweist ferner auf das Schicksal eines Kollegen, welcher 

(…) habe und im Jahr (…) erschossen worden sei (vgl. A24 F85). Ein Zu-

sammenhang zwischen diesem Vorbringen und den geltend gemachten 

Verhaftungen des Beschwerdeführers im Jahr (…) ist indessen nicht er-

sichtlich. Auch die angebliche, marginale Unterstützung eines (…)-Kandi-

daten im (…) kann nicht als nachvollziehbare Begründung für die geltend 

gemachten, massiven Verfolgungsmassnahmen im Jahr 2016 herangezo-

gen werden. In der Beschwerde wird zwar vorgebracht, dem Beschwerde-

führer sei bei der Befragung im (…) unter anderem auch seine Wahlkampf-

hilfe für die (…) vorgeworfen worden (vgl. Ziff. 16 der Beschwerdebegrün-

dung). Dieses Vorbringen ist indessen als unglaubhaft zu erachten, da der 

Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren nie ausgesagt hatte, die 

Behörden hätten ihn damals beschuldigt, die (…) unterstützt zu haben. 

Nach dem Gesagten bestehen erhebliche Vorbehalte hinsichtlich der 

Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgung im Jahr (…). 

5.3.3 Diese Zweifel werden bestärkt durch die realitätsfremden und wider-

sprüchlichen Angaben betreffend das Verhalten des Beschwerdeführers 

angesichts der vorgebrachten Verfolgungsmassnahmen respektive im Vor-

feld der Ausreise: Den Akten zufolge blieb er trotz angeblich massiver 

Übergriffe und Drohungen anlässlich der Verhaftungen im (…) weiterhin 

zuhause, anstatt bereits damals zumindest seinen Aufenthaltsort innerhalb 

D-6447/2019 

Seite 14 

Sri Lankas zu wechseln, was nicht nachvollziehbar erscheint. Darauf an-

gesprochen, brachte er in der Anhörung vor, er habe nach der zweiten Ver-

haftung gehofft, es sei nun vorbei (vgl. A24 F60), was allerdings angesichts 

der zuvor angeblich erlittenen Verfolgungsmassnahmen sowie im sri-lanki-

schen Kontext als Motiv für das Ausharren nicht nachvollziehbar erscheint. 

In der Beschwerde wird als alternative Erklärung für den weiteren Verbleib 

am Wohnort zunächst geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe nicht 

gleich ins Ausland gehen wollen, da er von der eigenen Unschuld über-

zeugt gewesen sei (vgl. Ziff. 19 der Beschwerdebegründung), was aus be-

reits genannten Gründen ebenfalls nicht zu überzeugen vermag. An ande-

rer Stelle wird sodann vorgebracht, der Beschwerdeführer habe eigentlich 

bereits nach der zweiten Haft im (…) ausreisen wollen, aber der Schlepper 

habe ihn nicht ins Ausland gebracht (vgl. a.a.O., Ziff. 24). Diese Version ist 

ebenfalls unglaubhaft, da der Beschwerdeführer zuvor nie erwähnt hatte, 

er habe schon zu einem früheren Zeitpunkt einen Ausreiseversuch unter-

nommen. Damit ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, sein unplau-

sibles Verhalten angesichts der angeblichen, wiederholten Verhaftungen 

schlüssig zu erklären. Betreffend seinen Aufenthaltsort im Vorfeld der Aus-

reise gab der Beschwerdeführer in der Anhörung an, er habe sich vor der 

Ausreise drei Tage lang beim Onkel in F._______ aufgehalten (vgl. A24 

F10). Nachdem diese Aussage vom SEM zu Recht bezweifelt wurde (vgl. 

S. 4 der angefochtenen Verfügung), wird in der Beschwerde nun einge-

räumt, der Beschwerdeführer habe sich «verschätzt», er sei ungefähr 15 

Tage beim Onkel gewesen (vgl. Ziff. 50 der Beschwerdebegründung). Falls 

sich der Beschwerdeführer jedoch tatsächlich rund zwei Wochen lang beim 

Onkel aufgehalten und in dieser Zeit – wie vom Beschwerdeführer geltend 

gemacht wird – aktiv gesucht worden wäre, hätten ihn die Behörden wohl 

auch gefunden, da F._______ und C._______ lediglich rund zwei Kilometer 

auseinanderliegen. Der Umstand, dass ihm beim Onkel nichts geschehen 

ist, lässt daher ebenfalls auf die Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten 

Verfolgung schliessen.  

5.3.4 Nach dem Gesagten erscheint es insgesamt nicht glaubhaft, dass 

der Beschwerdeführer im (…) behördlich gesucht sowie im Jahr (…) drei 

Mal wegen Verdachts auf LTTE-Verbindungen verhaftet und dabei miss-

handelt wurde. Demnach müssen auch die – nicht näher substanziierten – 

Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer nach der Ausreise und bis 

heute weiterhin gesucht werde und sein Bruder G._______ seinetwegen 

von den Behörden mitgenommen und befragt worden sei respektive des-

sen angebliches Verschwinden mit den Asylvorbringen des Beschwerde-

führers zusammenhänge, als unglaubhaft bezeichnet werden. 

D-6447/2019 

Seite 15 

5.3.5 Die eingereichten Beweismittel vermögen an der festgestellten Un-

glaubhaftigkeit der genannten Verfolgungsmassnahmen nichts zu ändern. 

Vorab ist dazu festzuhalten, dass die Identität des Beschwerdeführers bis 

heute nicht feststeht, da er keinerlei Identitätsdokumente eingereicht hat. 

Die Beweistauglichkeit der eingereichten Unterlagen aus Sri Lanka (dies 

betrifft auch die bereits vorstehend in E. 5.2 erwähnten Beweismittel) ist 

damit von vornherein vermindert, da sie nicht zweifelsfrei der Person des 

Beschwerdeführers zugeordnet werden können. Beim Schreiben des 

Priesters sowie demjenigen der Mutter des Beschwerdeführers handelt es 

sich sodann offensichtlich um äusserst vage formulierte Gefälligkeits-

schreiben ohne Beweiswert. Das Schreiben des Parlamentsmitglieds ent-

hält mehrere Angaben, welche nicht mit denjenigen des Beschwerdefüh-

rers übereinstimmen (er sei dem Jugendflügel der […] beigetreten, habe 

bei mehreren Wahlen mitgearbeitet und sei Anfang […] ausgereist), was 

ebenfalls auf ein Gefälligkeitsschreiben oder allenfalls auf eine Fälschung 

hindeutet. Das Schreiben der Armee vom (…) entspricht weder in formaler 

noch inhaltlicher Hinsicht einer authentischen Vorladung, zudem fällt auf, 

dass der Beschwerdeführer darin für den (…) vorgeladen wird, was unplau-

sibel ist, da dieser Tag ein Sonntag war. Auch das Schreiben des Polizei-

postens D._______ vom (…) enthält keinen offiziellen Briefkopf, zudem 

wird der Beschwerdeführer als «(…)» bezeichnet und ohne genaue Zeit-

angabe für denselben Tag ([…]) vorgeladen, was nicht plausibel erscheint. 

Im Übrigen hat der Beschwerdeführer nie geltend gemacht, er sei schon 

im Jahr (…) von den Behörden vorgeladen worden. Die erwähnten Beweis-

mittel vermögen die Asylvorbringen des Beschwerdeführers demnach nicht 

zu untermauern, sondern bestärken vielmehr die Einschätzung, wonach 

die geltend gemachte Verfolgung unglaubhaft ist.  

5.3.6 Nach dem Gesagten sind die Asylvorbringen des Beschwerdeführers 

als nicht asylrelevant beziehungsweise unglaubhaft zu bezeichnen. Es ist 

insbesondere als unglaubhaft zu erachten, dass er vor seiner Ausreise im 

Jahr 2016 der von ihm geltend gemachten Verfolgung durch die sri-lanki-

schen Behörden ausgesetzt war. Zwar ist – wie bereits vorstehend bemerkt 

wurde (vgl. E. 3.5.1) – nicht auszuschliessen, dass er in der Vergangenheit 

körperliche und sexuelle Gewalt erlebt hat. Der von ihm geltend gemachte 

Kontext kann jedoch aufgrund der vorstehenden Erwägungen nicht ge-

glaubt werden, weshalb diese Übergriffe nicht als asylrelevante Verfol-

gungsmassnahmen qualifiziert werden können. Insgesamt ist es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen glaubhaft zu machen, dass ihm im Zeit-

punkt der Ausreise aus dem Heimatland eine asylbeachtliche Verfolgung 

gedroht hat. 

D-6447/2019 

Seite 16 

5.4 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr 

nach Sri Lanka aus anderen Gründen flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-

gungsmassnahmen zu befürchten hätte. 

5.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert] unter Berücksichtigung von 

zahlreichen einschlägigen Quellen eine Analyse der Situation von Rück-

kehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und dabei verschiedene Kriterien 

aufgestellt, die ein Verfolgungsrisiko begründen. Drei Faktoren wurden da-

bei als stark risikobegründend qualifiziert: eine tatsächliche oder vermeint-

liche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE (darunter fallen 

auch tatsächliche oder vermutete familiäre Verbindungen zu LTTE-Mitglie-

dern und Hilfeleistungen für die LTTE [a.a.O., E. 8.4.1]), die Teilnahme an 

exilpolitischen regimekritischen Handlungen sowie frühere Verhaftungen 

durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit 

einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE. Demgegen-

über würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangs-

weise respektive durch die International Organisation for Migration (IOM) 

begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegrün-

dende Faktoren darstellen. Im Urteil wird weiter ausgeführt, von den Rück-

kehrenden, die diese Risikofaktoren erfüllten, habe allerdings nur eine 

kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte 

Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten; und zwar jene Perso-

nen, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden bestrebt seien, den ta-

milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und deshalb eine Ge-

fahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellten (a.a.O., E. 8.5.3). Mit 

Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkeh-

rer gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren 

«Stop-List» vermerkt seien und deren Eintrag den Hinweis auf eine Verhaf-

tung beziehungsweise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit 

einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. 

Entsprechendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Aus-

land regimekritisch betätigt hätten (a.a.O., E. 8.5.5). 

5.4.2 Diesbezüglich ist zunächst festzustellen, dass der Beschwerdeführer 

– wie erwähnt – vor der Ausreise keiner glaubhaften und asylrelevanten 

Verfolgung seitens der Behörden ausgesetzt war. Es ist ihm insbesondere 

nicht gelungen glaubhaft zu machen, dass er auch noch nach dem Jahr 

(…) wegen angeblicher LTTE-Zugehörigkeit von den Behörden verfolgt 

wurde (vgl. dazu vorstehend E. 5.3.2). Auch wenn LTTE-Verbindungen 

D-6447/2019 

Seite 17 

grundsätzlich als stark risikobegründender Faktor im Sinne der Rechtspre-

chung gelten, so ist im vorliegenden Fall aus diesem Grund dennoch nicht 

davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach 

Sri Lanka deswegen ernsthafte Nachteile zu gewärtigen hätte. Anderwei-

tige persönliche oder familiäre Verbindungen zu den LTTE machte er nicht 

geltend. Der Beschwerdeführer ist ferner weder exilpolitisch aktiv, noch hat 

er sich vor der Ausreise in Sri Lanka regimekritisch betätigt; insbesondere 

ist er nie als Befürworter des tamilischen Separatismus in Erscheinung ge-

treten. Bei der geltend gemachten Wahlkampfhilfe für einen (…)-Kandida-

ten im (…) handelt es sich den Akten zufolge um ein legales und überdies 

marginales, einmaliges und kurzzeitiges Engagement, und es ist überdies 

zu bezweifeln, dass die Behörden davon überhaupt Kenntnis erlangt ha-

ben. Aus Europa respektive der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrende 

tamilische Asylsuchende sind ferner – auch wenn sie ohne gültige Reise-

papiere zurückkehren – nicht per se einer ernstzunehmenden Gefahr aus-

gesetzt, bei ihrer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG 

zu erleiden, sondern nur dann, wenn die sri-lankischen Behörden das Ver-

halten der zurückkehrenden Person mutmasslich als staatsfeindlich einstu-

fen. Diese Voraussetzung ist vorliegend mit Blick auf die vorstehenden 

Ausführungen zu verneinen. Der Beschwerdeführer weist kein Profil auf, 

welches darauf schliessen lassen müsste, dass er bei einer Rückkehr die 

Aufmerksamkeit der sri-lankischen Sicherheitsbehörden auf sich ziehen 

würde. Es ist aufgrund der Aktenlage sowie der vorstehenden Erwägungen 

nicht davon auszugehen, dass er in Sri Lanka einschlägig registriert ist o-

der gar auf einer Fahndungsliste der heimatlichen Behörden steht und im 

Falle seiner Rückkehr einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegt. Soweit 

in der Beschwerdeschrift vorgebracht wird, dem Beschwerdeführer sei in 

der Haft der (…) worden und er sei aufgrund des krumm zusammenge-

wachsenen (…) als Folteropfer erkennbar, ist darauf hinzuweisen, dass der 

Beschwerdeführer in der BzP ausgesagt hatte, er habe sich diese Verlet-

zung beim Fischen zugezogen (vgl. A5 Ziff. 8.02). Selbst wenn er bei der 

Wiedereinreise nach Sri Lanka darauf angesprochen würde, ist daher nicht 

anzunehmen, dass er deswegen relevante Verfolgungsmassnahmen zu 

befürchten hätte. Aus diesen Gründen erscheint es selbst in Anbetracht der 

jüngeren Lageentwicklung in Sri Lanka (namentlich des im November 2019 

erfolgten Machtwechsels sowie des – inzwischen beigelegten – diplomati-

schen Konflikts zwischen der Schweizer Botschaft und den sri-lankischen 

Behörden) insgesamt unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer bei 

einer Rückkehr nach Sri Lanka infolge seines Aufenthalts in der Schweiz 

in asylrelevanter Weise gefährdet wäre. 

D-6447/2019 

Seite 18 

5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-

gründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entspre-

chende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Demnach hat die  

Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge-

such abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdefürher verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 

möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-

mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-

weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu 

beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG).  

7.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

D-6447/2019 

Seite 19 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-

mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-

handlung unterworfen werden. 

7.1.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen, 

welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-

weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte 

Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-

wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem 

Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.  

7.1.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kam-

mer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde 

Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt 

festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe 

in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müsse eine Risi-

koeinschätzung im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. beispielsweise 

das EGMR-Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 

Nr. 10466/11, Ziff. 37). Die Einzelfallprüfung fällt mangels hinreichender 

und glaubhafter Anhaltspunkte vorliegend negativ aus (vgl. vorstehend 

E. 5.4). Die vom EGMR genannten Faktoren sind im Wesentlichen durch 

die im Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 in den Erwägungen 8.4 und 8.5 identifizierten Risikofaktoren 

abgedeckt. Vorliegend wurde bereits festgestellt, dass aufgrund der Akten-

lage nicht davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer bei einer 

Rückkehr aus der Schweiz nach Sri Lanka die Aufmerksamkeit der sri-lan-

kischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf 

sich ziehen wird. Demnach bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass 

ihm aus denselben Gründen eine menschenrechtswidrige Behandlung im 

Heimatland drohen würde. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri 

Lanka lässt den Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht 

D-6447/2019 

Seite 20 

als unzulässig erscheinen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Er-

gebnisse der Präsidentschaftswahlen von November 2019 sowie des dip-

lomatischen Konflikts zwischen der Schweizer Botschaft und den sri-lanki-

schen Behörden, zumal kein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers 

zu diesen Ereignissen erkennbar ist. 

7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

7.2.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und 

den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka 

weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe-

renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok-

tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine Einschätzung der Lage 

in Sri Lanka vorgenommen. Dabei hat es festgestellt, dass der Wegwei-

sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter 

Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von be-

stimmten individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz ei-

nes tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussicht 

auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann. 

An dieser Einschätzung vermögen weder die (sicherheits-)politischen Er-

eignisse in den vergangenen Jahren (namentlich die Anschläge vom 

21. April 2019, der gleichentags von der Regierung verhängte, am 28. Au-

gust 2019 jedoch wieder aufgehobene Ausnahmezustand, die Machtüber-

nahme des Rajapaksa-Clans im November 2019 und die damit zusammen-

hängenden gewalttätigen Ausschreitungen) noch die aktuelle Situation in 

Sri Lanka etwas zu ändern. 

7.2.2 Das SEM hat demnach den Vollzug der Wegweisung des Beschwer-

deführers an seinen Herkunftsort im Distrikt D._______, Nordprovinz, zu 

Recht als generell zumutbar erachtet.  

7.2.3 In Bezug auf die individuellen Zumutbarkeitskriterien ist für den vor-

liegenden Fall festzustellen, dass mehrere Verwandte des Beschwerdefüh-

rers nach wie vor in seiner Herkunftsregion leben, namentlich seine Eltern, 

seine Geschwister sowie eine Tante und mehrere Onkel. Der heute 

(…)-jährige Beschwerdeführer verfügt ferner über eine durchschnittliche 

D-6447/2019 

Seite 21 

Schulbildung und hat vor der Ausreise im (…) seiner Familie gearbeitet. 

Diese Erwerbstätigkeit könnte er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ohne 

weiteres wiederaufnehmen. Auch wenn es zutreffen sollte, dass seine El-

tern gesundheitlich angeschlagen sind (vgl. die dazu eingereichten ärztli-

chen Unterlagen aus Sri Lanka), so ist aufgrund des Gesagten dennoch 

davon auszugehen, dass er an seinem Herkunftsort über ein tragfähiges 

soziales Beziehungsnetz sowie eine gesicherte Wohnmöglichkeit verfügt 

und überdies gute Chancen hat, sich dort nach seiner Rückkehr erneut 

eine wirtschaftliche Lebensgrundlage aufzubauen. Seine gesundheitlichen 

Probleme vermögen ebenfalls nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs zu führen. Den auf Beschwerdeebene eingereich-

ten ärztlichen Berichten zufolge leidet der Beschwerdeführer an einer 

PTBS, einer rezidivierenden depressiven Störung (aktuell mittelgradige bis 

schwere Episode) sowie somatischen Beschwerden (namentlich Kopf-

schmerzen und Schlafprobleme). Zudem besteht eine latente Suizidalität. 

Gemäss dem Arztbericht des Psychiatrischen Ambulatoriums (…) vom 31. 

August 2020 wird der Beschwerdeführer zurzeit mit einem Antidepressi-

vum behandelt; auf die grundsätzlich indizierte Psychotherapie wurde of-

fenbar angesichts des hängigen, vorliegenden Beschwerdeverfahrens vor-

läufig verzichtet. Die genannten gesundheitlichen Probleme des Be-

schwerdeführers können auch in seiner Herkunftsregion adäquat – wenn 

auch nicht auf Schweizer Niveau – behandelt werden. Verschiedene staat-

liche und private Einrichtungen bieten im Distrikt D._______ entspre-

chende ambulante Therapien an (vgl. dazu beispielsweise die Urteile des 

BVGer D-6325/2018 vom 13. Juli 2020 E. 8.4.5 und E-3613/2018 vom 

17. Juli 2020 E. 7.3.4, je m.w.H.). Es ist daher nicht davon auszugehen, 

dass eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat zu einer 

raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheits-

zustandes führen wird. Mehrere den Beschwerdeführer aktuell belastende 

Faktoren (Einsamkeit, fehlende Beschäftigung, unsicherer Aufenthaltssta-

tus; vgl. den Sprechstundenbericht des […] vom 22. August 2020) würden 

bei einer Rückkehr nach Sri Lanka zudem voraussichtlich wegfallen, was 

sich positiv auf seine Psyche auswirken dürfte. Sollten sich seine aktuell 

latenten suizidalen Tendenzen akzentuieren, so wäre diesem Umstand bei 

einem zwangsweisen Wegweisungsvollzug im Rahmen der Vollzugsmoda-

litäten Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des BVGer D-3574/2016 vom 

14. Juli 2016 E. 5.3.2). Insgesamt ist der Vollzug der Wegweisung damit 

auch in individueller Hinsicht als zumutbar zu erachten. 

D-6447/2019 

Seite 22 

7.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung 

auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).  

Die aktuelle Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls 

nicht entgegen; denn es handelt sich dabei – wenn überhaupt – um ein 

bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Voll-

zugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, 

indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland ange-

passt wird. 

7.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-

sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. 

Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).  

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.  

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das 

mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung 

mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2019 gutgeheissen worden ist, 

werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

9.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde ferner auch das Gesuch um 

amtliche Verbeiständung gutgeheissen. Die Festsetzung des amtlichen 

Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). In der am 15. Dezember 

2020 letztmals aktualisierten Kostennote wird ein Aufwand von 23 Stunden 

und 20 Minuten sowie Auslagen von Fr. 222.– (inkl. Übersetzungskosten) 

ausgewiesen, was angemessen erscheint. Der Stundenansatz von 

Fr. 150.– bewegt sich im Rahmen der vom Gericht festgelegten Praxis bei 

D-6447/2019 

Seite 23 

amtlicher Vertretung (vgl. dazu bereits die Ausführungen in der Zwischen-

verfügung vom 12. Dezember 2019). Der amtlichen Vertreterin ist demnach 

zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von insgesamt 

Fr. 3'722.– zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6447/2019 

Seite 24 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das amtliche Honorar für die als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzte 

Rechtsvertreterin beträgt Fr. 3’722.– und geht zulasten der Kasse des Bun-

desverwaltungsgerichts. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

Versand: