# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 10006ccd-e242-5ab2-ab71-ed94d64cec36
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.01.2024 F-227/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-227-2024_2024-01-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-227/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas;   

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geboren am (…), 

Irak, 

BAZ Brugg, Ländistrasse, 5200 Brugg AG,   

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 29. Dezember 2023 / (…). 

 

 

 

F-227/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reichte am 13. Dezember 2023 in der Schweiz ein 

Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-

Datenbank ergab, dass er am 27. Januar 2016 in Deutschland um Asyl 

nachgesucht hatte (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 7). 

B.  

Am 21. Dezember 2023 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer 

im Rahmen des Dublin-Gesprächs nach Art. 5 der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen 

oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-

nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), im Beisein der zu-

gewiesenen Rechtsvertretung, das rechtliche Gehör zur mutmasslichen 

Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-

sungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizi-

nischen Sachverhalt. Hierbei bestätigte er, in Deutschland ein Asylgesuch 

gestellt, seither aber viermal einen negativen Entscheid erhalten zu haben. 

Ungefähr zwölf Tage vor seiner Einreise in die Schweiz habe es einen Streit 

gegeben, in dessen Gefolge man versucht habe, ihn umzubringen. Sein 

Schwager, mit welchem er seit 2015 Probleme habe, sowie eine weitere 

Person, hätten ihn in seiner Wohnung aufgesucht und mit einem Messer 

bedroht. Der Polizei, die er gerufen habe, sei es nicht gelungen, die fragli-

chen Personen festzunehmen. Er habe auch telefonisch Morddrohungen 

erhalten. Die Polizei habe verlauten lassen, dass sie ihm auch nicht helfen 

und ihn nicht 24 Stunden lang überwachen könne. Seither lebe er in stän-

diger Angst, sei traumatisiert und zittere. Es habe deshalb zehn Kilo an 

Gewicht verloren. Im Falle einer Rückkehr nach Deutschland sei er sicher, 

dass man ihn dort umbringen werde. Zum Gesundheitszustand gab er an, 

dass es ihm psychisch sehr schlecht gehe und er an Appetitlosigkeit leide. 

Beim Gesundheitsdienst habe er sich deswegen noch nicht gemeldet. Im 

Jahr 2020 sei er zudem am Rücken operiert worden. Er habe nun Platten 

und Schrauben, was ihm noch heute Schmerzen und entsprechende Be-

schwerden bereite. Zu deren Linderung habe er hier Medikamente erhalten 

(SEM act. 13).   

C.  

Das SEM ersuchte die deutschen Behörden am 27. Dezember 2023 um 

F-227/2024 

Seite 3 

Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-

III-VO (SEM act. 15). Diese hiessen das Übernahmeersuchen am 29. De-

zember 2023 gestützt auf die genannte Bestimmung gut (SEM act. 18). 

D.  

Mit Verfügung vom 29. Dezember 2023 (eröffnet am 5. Januar 2024) trat 

die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Über-

stellung nach Deutschland und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM 

den Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Be-

schwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus 

und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid 

keine aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 20). 

Die zugewiesene Parteivertretung erklärte am 5. Januar 2024 das Man-

datsverhältnis für beendet (SEM act. 22). 

E.  

Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 8. Januar 

2024 (Datum des Poststempels) beantragte der Beschwerdeführer, das 

SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die 

Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. Subeventualiter sei das SEM anzuweisen, von den Be-

hörden des zuständigen Dublin-Staates individuelle Zusicherungen betref-

fend Zugang zum Asylverfahren, adäquater medizinische Versorgung und 

Unterbringung einzuholen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Ertei-

lung der aufschiebenden Wirkung, Erlass vorsorglicher Massnahmen und 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (BVGer act. 1).   

F.  

Am 10. Januar 2024 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Über-

stellung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus (BVGer 

act. 2). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 

F-227/2024 

Seite 4 

Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-

diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-

her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und 

Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 

Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-

fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-

führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu 

behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.H.). 

4.  

4.1 Auf ein Asylgesuch wird in der Regel nicht eingetreten, wenn der oder 

die Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kann, der für die Durchfüh-

rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist 

(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der 

Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an 

(Art. 44 AsylG). 

F-227/2024 

Seite 5 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

4.3 Im Rahmen des – hier interessierenden – Wiederaufnahmeverfahrens 

(Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeits-

prüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt. Die Zuständigkeit bezie-

hungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme 

ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 

Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 

2019, H. und R., C 582/17 und C-583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; 

BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). Die Dublin-III-

VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfen-

den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).  

4.4 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-

rodac»-Datenbank ergab, dass er am 27. Januar 2016 in Deutschland ein 

Asylgesuch gestellt hatte (SEM act. 7). Das SEM ersuchte die deutschen 

Behörden deshalb am 27. Dezember 2023 um seine Übernahme (SEM 

act. 15). Diese stimmten dem Ersuchen am 29. Dezember 2023 gestützt 

auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO zu (SEM act. 18). 

4.5 Die grundsätzliche Zuständigkeit Deutschlands ist folglich gegeben. 

5.  

5.1 Nachfolgend ist demnach im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu 

prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren 

und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Deutschland würden 

systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch-

lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-

Grundrechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist. 

5.2 Deutschland ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

F-227/2024 

Seite 6 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

5.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

6.  

6.1 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-

recht). Dieses Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert. Erweist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in 

einen Dublin-Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer 

anderen, die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, muss die 

Vorinstanz die Souveränitätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der 

Schweiz behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2). 

6.2 Aus den Akten geht hervor, dass der Asylantrag des Beschwerdefüh-

rers in Deutschland am 11. September 2020 abgelehnt worden war. Seither 

war er im Besitze einer bis zum 27. Dezember 2023 gültigen Duldung. Am 

13. Juli 2023 hat ihn die Ausländerbehörde X._______/D zwecks Auswei-

sung/Abschiebung zur Festnahme ausgeschrieben (SEM act. 15). Nega-

tive Asylentscheide der deutschen Behörden bilden genauso wenig ein 

Überstellungshindernis wie von diesem Land ausgesprochene Wegwei-

sungen. Nach rechtskräftigem Abschluss des Asyl- und Wegweisungsver-

fahrens bleibt Deutschland gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO bis 

zu einem allfälligen Wegweisungsvollzug aus dem Dublin-Raum oder einer 

Regelung des Aufenthaltsstatus zuständig. Es gilt das Prinzip, dass ein 

Asylgesuch lediglich von einem einzigen Dublin-Mitgliedstaat zu prüfen ist 

(Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO; BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Konkrete An-

haltspunkte dafür, dass die deutschen Behörden die Anträge des 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2017%20VI/5

F-227/2024 

Seite 7 

Beschwerdeführers auf internationalen Schutz nicht unter Einhaltung der 

Verfahrensrichtlinie geprüft oder das Asylverfahren mangelhaft durchge-

führt hätten, sind nicht ersichtlich. Ebenso wenig bestehen Hinweise da-

rauf, dass Deutschland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen aus der 

EMRK, der Fok und der FK sowie dem Zusatzprotokoll der FK nicht nach-

kommt. Dem Beschwerdeführer steht es offen, nach seiner Überstellung in 

Deutschland ein Mehrfach- oder ein Wiedererwägungsgesuch zu stellen 

(Art. 40 ff. Verfahrensrichtlinie) und sich solcherart um eine erneute Über-

prüfung des negativen Asyl- und Wegweisungsentscheides bzw. dessen 

Vollzugs zu bemühen (siehe bspw. Urteile des BVGer F-601/2023 vom 

9. Februar 2023 E. 7.2 oder F-4459/2022 vom 11. Oktober 2022 E. 7.3).  

6.3 Der Beschwerdeführer begründet seine Anträge hauptsächlich damit, 

dass ihm Personen (laut Dublin-Gespräch aus dem Umfeld seines Schwa-

gers) in Deutschland nach dem Leben trachteten. Hierzu gilt es festzuhal-

ten, dass keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die deutschen Behör-

den nicht in der Lage wären, dem Beschwerdeführer den allenfalls benö-

tigten Schutz zukommen zu lassen. Deutschland ist ein Rechtsstaat mit 

einem funktionierenden Justizsystem. Das Land verfügt über Polizeibehör-

den, die schutzwillig und schutzfähig sind und deren Hilfe der Beschwer-

deführer im Falle einer Bedrohung durch Dritte in Anspruch nehmen kann. 

Wie sich seinen Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe entnehmen 

lässt, hat die deutsche Polizei denn gewisse Vorkehren getroffen, um ihm 

Schutz vor seinem Schwager und Personen aus dessen Umfeld zu bieten. 

Nicht glaubhaft dazutun vermag er in diesem Zusammenhang zudem, dass 

er in der benachbarten Schweiz sicherer wäre als in jeder beliebigen an-

deren deutschen Stadt (der Betroffene hielt sich zuletzt in Baden-Württem-

berg auf). Die deutschen Behörden sind aber über die vom Beschwerde-

führer geltend gemachten drohenden Übergriffe durch Drittpersonen zu in-

formieren (vgl. Art. 31 Dublin-III-VO; vgl. hierzu etwa Urteil des BVGer        

F-5549/2022 vom 28. Februar 2023 E. 4.2). 

6.4 Was den medizinischen Sachverhalt angeht, so kann eine zwangs-

weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur 

ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Ein 

solcher würde voraussetzen, dass eine bereits schwer kranke Person 

durch die Abschiebung mit dem realen Risiko konfrontiert würde, einer 

ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden  

oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, 

F-227/2024 

Seite 8 

Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Eine solche Situation liegt 

hier offenkundig nicht vor. 

6.5 Der Beschwerdeführer gab anlässlich des Dublin-Gesprächs an, dass 

es ihm psychisch sehr schlecht gehe. Zudem klagte er über Appetitlosigkeit 

und Rückenschmerzen als Folge einer Operation, welcher er sich im Jahr 

2020 in Deutschland unterzogen habe. Auf Beschwerdeebene ergänzte er, 

sich für regelmässige Kontrollen ins Spital in Y._______/D begeben zu ha-

ben. In der Schweiz will er Medikamente erhalten haben, ansonsten benö-

tigte er hierzulande, soweit aktenkundig, bislang keine medizinische Be-

treuung. Unabhängig davon leidet er nicht an gesundheitlichen Beschwer-

den, die einer Überstellung nach Deutschland entgegenstünden. Im Übri-

gen verfügt dieses Land über eine ausreichende medizinische Infrastruk-

tur. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellenden die erforder-

liche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die 

unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-

chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-

nahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Deutschland dem 

Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern 

würde. Soweit er argumentiert, sich aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu 

Kontrolluntersuchen ins Spital zu wagen, kann auf das unter E. 6.3 Ge-

sagte verwiesen werden. Darüber hinaus trägt die Vorinstanz seinem ak-

tuellen Gesundheitszustand bei der Organisation der Überstellung nach 

Deutschland Rechnung, indem sie die dortigen Behörden vor der Überstel-

lung über seinen Zustand und eine allfällig notwendige medizinische Be-

handlung informiert. Dies ist vorliegend geschehen, figurieren die geltend 

gemachten gesundheitlichen Probleme («Beschwerden nach Rücken-OP 

und psychischen Probleme») doch in der Beschreibung der Überstellungs-

modalitäten (SEM act. 21). 

6.6 Bei dieser Sachlage besteht, entgegen dem Eventualantrag, kein An-

lass, die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts an das 

SEM zurückzuweisen. Auch individuelle Garantien betreffend Zugang zum 

Asylverfahren, medizinischer Versorgung und Unterbringung sind von den 

deutschen Behörden nach dem Gesagten keine einzuholen. Das entspre-

chende Eventualbegehren des Beschwerdeführers ist ebenfalls abzuwei-

sen. 

7.  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der 

Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum 

F-227/2024 

Seite 9 

(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem 

Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin-

weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-

schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb 

in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

8.  

Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-

sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Deutschland der für die 

Behandlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mit-

gliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 

9.  

Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 

10.  

Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 

11.  

Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erteilung der auf-

schiebenden Wirkung gegenstandslos geworden. 

Der am 10. Januar 2024 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem 

Urteil dahin. 

12.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu-

weisen, da die Beschwerde – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen 

ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen ist. Somit sind die Voraussetzun-

gen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt; die Verfahrenskosten sind dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

F-227/2024 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Die Vorinstanz wird aufgefordert, die deutschen Behörden vor der Über-

stellung über die vom Beschwerdeführer geltend gemachten drohenden 

Übergriffe durch Drittpersonen zu informieren. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Regula Schenker Senn Daniel Grimm 

 

 

 

Versand: 

F-227/2024 

Seite 11 

Zustellung erfolgt an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein) 

– die Vorinstanz, zu den Akten (…)  

– das Migrationsamt des Kantons Zürich (in Kopie)