# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 766d1b47-8e25-5dcd-b5fb-aef7e01bd08c
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1992-10-27
**Language:** de
**Title:** Abstände. Abstandspflicht bei teilweise unterirdisch und teilweise oberirdisch situiertem Geschoss.
**Docket/Reference:** BRKE II Nr. 0228/1992
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_II_228_1992_80.pdf

## Full Text

BRKE II Nr. 228/1992 vom 27. Oktober 1992 in BEZ 1993 Nr. 18

2. Wo die Bau- und Zonenordnung nichts anderes bestimmt, unterliegen unter-
irdische Gebäude und Gebäudeteile sowie oberirdische, die den gewachsenen Bo-
den um nicht mehr als einen halben Meter überragen und die keine Oeffnung gegen 
Nachbargrundstücke aufweisen, keinen Abstandsvorschriften (§ 269 PBG).

Der  zu  beurteilende  hangseitige  Anbau  an  das  Untergeschoss  liegt  teilweise 
unterirdisch; im übrigen überragt er den gewachsenen Boden um maximal 0,5 m. Er 
weist keine Oeffnungen gegen das 2 m entfernte höhergelegene Nachbargrundstück 
auf. Die Vorinstanz ist der Ansicht, dass der Anbau nicht isoliert, sondern zusammen 
mit dem talwärts anschliessenden Geschossteil zu beurteilen sei. Sie macht geltend, 
dieses Untergeschoss überrage auf der Südseite den gewachsenen Boden um eine 
volle  Geschosshöhe,  weshalb  auf  allen  Seiten  die  erforderlichen  Grenzabstände 
einzuhalten seien.

Es stellt sich die Frage, ob die rekursbetroffene unterirdische Anbaute als Ge-

bäudeteil im Sinne von § 269 PBG zu qualifizieren sei.

Die Auslegung nach dem Wortlaut der Bestimmung ist klar: Sobald sich ein Teil 
eines  Gebäudes  unter  dem  gewachsenen  Boden  befindet  (oder  diesen  nicht  um 
mehr als einen halben Meter überragt), gelten für eben diesen Teil keine Abstands-
vorschriften.  Die  Unterteilung  in  abstandspflichtige  und  abstandsfreie  Gebäudeteile 
ergibt sich daher aus dem Verlauf des gewachsenen Bodens bzw. einer 50 cm höher 
liegenden Ebene. Wären im Sinne der vorinstanzlichen Auffassung unter Gebäude-
teilen  nur  ganze  Geschosse  zu  verstehen,  würde  der  Gesetzgeber  in  §  269  PBG 
(wie etwa in § 275 PBG) die Begriffe Geschosse oder Gebäudeabschnitte verwendet 
haben.  Sodann  spricht  die  Bestimmung  von  oberirdischen  Gebäudeteilen,  welche 
den gewachsenen Boden bis zu 50 cm überragen, und legt damit ein die Geschoss-
struktur  eines  Gebäudes  nicht  berücksichtigendes,  rein  terrainbedingtes  Kriterium 
fest.

Bei einem in der Ebene liegenden Grundstück führt die Betrachtungsweise der 
Vorinstanz zu keinem anderen Resultat, da der horizontal verlaufende Boden in die-
sen  Fällen  immer  eine  Trennung  von  Gebäudeteilen  in  Form  von  horizontalen  Ge-
bäudeabschnitten  bewirkt.  Verläuft  ein  solcher  Abschnitt  unter  dem  gewachsenen 
Boden bzw. unter der 50 cm höher gelegenen Ebene, so darf er sich gemäss § 269 
PBG  in  jede  Himmelsrichtung  bis  hin  zur  jeweiligen  nachbarlichen  Grenze  ausdeh-
nen. Dies verträgt sich ohne weiteres mit Sinn und Zweck des Grenzabstandes, wel-
chem  in  erster  Linie  nachbarschutzrechtliche  Funktion  zukommt  (Wohnhygiene, 
Aussicht,  Immissionen,  Privatsphäre etc.). Befindet sich ein Gebäudeteil im Boden, 
ist  eine  Tangierung  dieser  Interessen  in  aller  Regel  zum  vornherein  ausgeschlos-

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sen.

Bei  einem  Hanggrundstück  ragt  ein  Untergeschoss  meist  nur  talseits  aus  dem 
gewachsenen Boden. Dass der oberirdische Teil die Abstandsvorschriften einzuhal-
ten  hat,  versteht  sich  von  selbst.  Nicht  einzusehen  ist  jedoch,  wieso  der  im  Boden 
liegende  Teil  einen  Grenzabstand  (zu  einer  "unterirdischen"  Grenze)  einzuhalten 
hätte. § 269 PBG ist daher dahingehend zu verstehen, dass alle Teile eines Gebäu-
des, die sich im gewachsenen Terrain befinden oder dieses nicht um mehr als einen 
halben Meter überragen, keine Abstandsvorschriften einzuhalten haben; dies unab-
hängig  davon,  ob  das  Terrain  eben  oder  ansteigend  verläuft  und  ob  die  abstands-
freien Teile baulich separiert sind oder nicht.

Der fragliche unterirdische Anbau an das erste Untergeschoss hat daher keinen 

Grenzabstand einzuhalten.