# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33d7bdc9-7408-53ce-bdaf-41d8b4e19645
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.06.2008 D-2098/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2098-2008_2008-06-06.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2098/2008
sch/bah
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6  J u n i  2 0 0 8

Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, 
Richter Martin Zoller,
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren _______,
Afghanistan,
vertreten durch Randi von Stechow, 
Thurgauer Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, 
_______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
26. März 2008 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2098/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der  Beschwerdeführer,  der  am 26. Januar 2008 in  der Schweiz 
um Asyl  nachsuchte,  Afghanistan  eigenen Angaben  zufolge im Jahr 
2004 verliess und sich anschliessend zirka vier Jahre lang im Iran auf-
hielt,

dass er im Empfangszentrum A._______ am 12. Februar 2008 zu sei-
nen Personalien und zum Reiseweg befragt wurde,

dass mit  dem Beschwerdeführer am 15. Februar 2008 ein Gespräch 
geführt wurde, aufgrund dessen zwei Experten einen Herkunftsbericht 
erstellten (LINGUA-Analyse),

dass beide Experten in ihren Berichten vom 25. bzw. 27. Februar 2008 
zum Schluss gelangten, der Beschwerdeführer sei hauptsächlich in ei-
nem darisprachigen Milieu Afghanistans sozialisiert worden und stam-
me sehr wahrscheinlich aus der Provinz Ghazni,

dass  der  Beschwerdeführer  vom  BFM  am  7.  März  2008  zu  seinen 
Asylgründen angehört wurde,

dass für den Inhalt seiner Aussagen auf die Akten zu verweisen ist,

dass das BFM mit Verfügung vom 26. März 2008 – eröffnet am glei-
chen Tag – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein-
trat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordne-
te,

dass für die Begründung der Verfügung auf die Akten zu verweisen ist,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 1. April 2008 gegen die-
sen Entscheid – den Vollzug der Wegweisung betreffend – beim Bun-
desverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  dabei  beantragen 
liess, es sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Voll-
zugs der Wegweisung festzustellen und als Folge davon sei von Amtes 
wegen die vorläufige Aufnahme zu verfügen,

dass  er  in  formeller  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  und  die  Anordnung  vollzugshemmender  Massnahmen 
beantragen liess,

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dass der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts mit Verfü-
gung vom 3. April  2008 auf  den Antrag,  die Vollzugsbehörden seien 
mittels vorsorglicher Massnahmen anzuweisen, von Vollzugsmassnah-
men abzusehen, nicht  eintrat,  da der eingereichten Beschwerde von 
Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukam,

dass  dem Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
gemäss Art. 65 Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) mit gleicher Ver-
fügung entsprochen und die Akten zur Vernehmlassung an das BFM 
überwiesen wurden,

dass das BFM in seiner Vernehmlassung vom 24. April 2008 aufgrund 
eines  Verfahrensfehlers  die  Kassation  seines  Entscheides  vom 
26. März 2008 beantragte,

dass der Instruktionsrichter die Akten mit Verfügung vom 15. Mai 2008 
erneut an das BFM überwies und dieses aufforderte, den Verfahrens-
fehler zu bezeichnen und die in der Vernehmlassung gestellten Anträ-
ge zu begründen,

dass das BFM am 27. Mai 2008 dieser Aufforderung nachkam,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31-34 des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

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dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  indessen  im  Falle  des  Nichteintretens  auf  ein  Asylgesuch  ge-
mäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG über das Nichtbestehen 
der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, 
soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. 
BVGE 2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.),

dass dementsprechend in einem diesbezüglichen Beschwerdeverfah-
ren  ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen 
Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozess-
gegenstand ist (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73),

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle 
Kognition zukommt, 

dass somit – mit Ausnahme des Antrags, es seien vollzugshemmende 
Massnahmen anzuordnen (vgl. Verfügung vom 3. April 2008 – auf die 
im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten 
ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass das BFM in der Begründung seines Antrags auf Kassation vom 
27. Mai 2008 ausführt, es habe unterlassen, bei der Wegweisung das 
LINGUA-Gutachten zu würdigen, was vom Beschwerdeführer erkannt 
worden sei, 

dass zwischenzeitlich der Fingerabdruckvergleich von Grossbritannien 
vorliege, welcher belege, dass sich der Beschwerdeführer vor seiner 
Einreise in die Schweiz in Grossbritannien aufgehalten habe,

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dass Grossbritannien sich bereit erklärt  habe, den Beschwerdeführer 
zu  übernehmen,  wozu  ihm noch  das  rechtliche Gehör  zu  gewähren 
sei,

dass das BFM in seiner Begründung einräumt, es habe bei der Beur-
teilung der Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs das Ergebnis der 
LINGUA-Analysen nicht berücksichtigt,

dass  diese  Nichtberücksichtigung  –  für  sich  allein  gesehen  –  eine 
Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz wohl nicht rechtfer-
tigen würde, zumal es dem BFM im Rahmen des Vernehmlassungsver-
fahrens offengestanden hätte, eine neue Verfügung zu erlassen bzw. in 
der Vernehmlassung zu erläutern, weshalb seiner Ansicht nach auch 
in Würdigung der LINGUA-Analysen an der angefochtenen Verfügung 
festzuhalten sei,

dass der Verfahrensfehler damit möglicherweise hätte geheilt  werden 
können, was indessen vorliegend nicht abschliessend zu prüfen ist,

dass sich der  Beschwerdeführer  vor der  Einreichung seines  Asylge-
suchs in der Schweiz gemäss dem Resultat eines Fingerabdruckver-
gleichs beim britischen „Home Office“ (Eingang BFM: 11. April 2008) in 
Grossbritannien aufhielt, 

dass damit aus heutiger Sicht der rechtserhebliche Sachverhalt – dazu 
gehören  in  der  Regel  auch  vorgängige  Aufenthalte  in  Drittstaaten  – 
noch nicht rechtsgenüglich abgeklärt ist,

dass weitere Abklärungen erforderlich sind, die nicht vom Bundesver-
waltungsgericht vorzunehmen sind, weshalb dem Antrag auf Rückwei-
sung der Angelegenheit an das BFM zu entsprechen ist,

dass die Ziffern 3. und 4. des Dispositvs der Verfügung des BFM vom 
26. März 2008 (die Ziffern 1. und 2. des Dispositivs sind unangefoch-
ten in Rechtskraft erwachsen und bilden somit nicht Gegenstand des 
vorliegenden Beschwerdeverfahrens) aufzuheben sind und die Sache 
zur ergänzenden Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
neuem Entscheid hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs an das BFM 
zurückzuweisen ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen 
sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), zumal dem Gesuch um Gewäh-

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rung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Verfügung vom 3. April 2008 
entsprochen wurde,

dass dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung auszurichten 
ist, da die Rückweisung der Sache zur weiteren Sachverhaltsfeststel-
lung notwendig wurde, weil er gegenüber den Asylbehörden unzutref-
fende Angaben zu seinem Aufenthaltsort  bzw. -land vor Einreichung 
des  Asylgesuchs  in  der  Schweiz  machte,  weshalb  die  Rückweisung 
nicht als Obsiegen zu werten ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 
Abs. 1 des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2). 

(Dispositiv auf der nächsten Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Dem Antrag des BFM auf  Rückweisung der Angelegenheit  wird ent-
sprochen.

2.
Die Ziffern 3. und 4. des Dispositivs der Verfügung vom 26. März 2008 
werden  aufgehoben  und  die  Sache  wird  zur  ergänzenden  Sachver-
haltsfeststellung und neuer Verfügung hinsichtlich des Wegweisungs-
vollzugs an das BFM zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Kosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beila-
ge: Begründung der Vernehmlassung vom 27. Mai 2008)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)

- (kantonale Behörde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

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