# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a74d440a-5853-5ef1-9f5f-410554698f79
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-14
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 14.04.2015 A 2015 4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_A-2015-4_2015-04-14.pdf

## Full Text

F       

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

A 15 4

4. Kammer 

Einzelrichter Racioppi und Bott als Aktuar ad hoc

URTEIL

vom 14. April 2015

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

Beschwerdeführer

gegen 

Gemeinde X._____,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Otmar Bänziger, 

Beschwerdegegnerin

betreffend Feuerwehrpflichtersatz

- 2 -

1. A._____ ist IV-Bezüger und hatte seinen zivilrechtlichen Wohnsitz vom 

1. Februar 2012 bis 15. Dezember 2014 in X._____. Für das Jahr 2012 

stellte die Gemeinde X._____ A._____ mit der Gemeindesteuerrechnung 

auch die Feuerwehrersatzabgabe pro rata temporis für das Jahr 2012 in 

Höhe von Fr. 172.-- in Rechnung. Anschliessend führte sie betreffend die 

Erhebung der Feuerwehrersatzabgabe einen Systemwechsel ein, wonach 

diese nicht mehr zusammen mit der Gemeindesteuerrechnung, sondern 

separat durch die Einwohnerkontrolle in Rechnung gestellt wurde.

2. Am 13. Oktober 2014 stellte die Einwohnerkontrolle A._____ die Feuer-

wehrersatzabgaben für die Jahre 2013 und 2014 in Höhe von je Fr. 350.--

, total Fr. 700.-- in Rechnung. Der Rechnung war ein erläuterndes Schrei-

ben der Gemeinde beigefügt, welches die Änderung der Inkassomodalität 

erläuterte.

3. Dagegen erhob A._____ am 3. Dezember 2014 Einsprache und machte 

sinngemäss geltend, dass er als IV-Bezüger von der Leistungspflicht be-

freit sei, dass er für die Jahre 2014 und 2015 in Zürich steuerpflichtig sei 

und dass die definitive Veranlagungsverfügung für das Jahr 2013 im Un-

terschied zu derjenigen für das Jahr 2012 keine Feuerwehrersatzabgabe 

enthalten habe.

4. Mit Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2014 hiess die Gemeinde 

X._____ die Einsprache teilweise gut. Aufgrund des Wohnsitzwechsels 

von A._____ respektive der Abmeldung in der Gemeinde X._____ per 

15. Dezember 2014, ende die Feuerwehrpflicht zu diesem Zeitpunkt. Die 

Feuerwehrersatzabgabe für das Jahr 2014 sei deshalb lediglich pro rata 

temporis geschuldet. Im Übrigen wurde die Einsprache abgewiesen. 

Gemäss Art. 4 und 6 des Feuerwehrgesetzes der Gemeinde X._____ 

(FWG), sei A._____ als IV-Bezüger vom aktiven Feuerwehrdienst befreit. 

Die Befreiung von der Feuerwehrpflicht sei in Art. 5 FWG geregelt. Alle 

- 3 -

Personen, welche den darin aufgezählten Kriterien nicht entsprächen, wie 

z.B. Personen, die wegen einer erheblichen Behinderung eine Rente oder 

eine Hilflosenentschädigung der IV oder der UV beziehen würden, seien 

feuerwehrpflichtig. Dies im Unterschied zu den Feuerwehrgesetzen ande-

rer Gemeinden und zum Bundesgesetz über die Wehrpflichtersatzabga-

be. Da somit A._____ als IV-Bezüger nicht von der Feuerwehrpflicht be-

freit sei, habe er gemäss Art. 15 Abs. 1 FWG eine jährliche Feuerwehrer-

satzabgabe zu leisten.

5. Hiergegen erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 8. Januar 

2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden 

und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspra-

cheentscheids. In der definitiven Veranlagungsverfügung 2013, welche er 

am 25. September 2014 erhalten habe, sei die Feuerwehrersatzabgabe 

für das Jahr 2013 nicht enthalten gewesen. Stattdessen sei ihm diese am 

13. Oktober 2014 separat in Rechnung gestellt worden, was gegen Treu 

und Glauben verstosse, da die Feuerwehrersatzabgabe bis anhin immer 

zusammen mit der Gemeindesteuerrechnung in Rechnung gestellt wor-

den sei. Er müsse für das ganze Jahr 2014 in Zürich die Steuern bezah-

len, auch wenn er seinen Wohnsitz erst am 15. Dezember 2014 dorthin 

verlegt habe. Wenn nun die Gemeinde X._____ die Feuerwehrersatzab-

gabe für das Jahr 2014 verlange, müsse er diese doppelt entrichten.

6. Am 28. Januar 2015 beantragte die Gemeinde X._____ (nachfolgend 

Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Dabei wiederholte 

sie grundsätzlich die bereits im angefochtenen Einspracheentscheid ge-

machten Ausführungen. Ergänzend machte sie Ausführungen zur angeb-

lichen Problematik der Doppelbesteuerung und wies darauf hin, dass 

Steuern und Kausalabgaben nicht dasselbe seien.

7. In seiner Replik vom 2. März 2015 hielt der Beschwerdeführer an seiner 

Beschwerde fest. Zudem machte er insbesondere geltend, in den Jahren 

- 4 -

2013 und 2014 habe er sich weniger als 90 Tage in X._____ aufgehalten, 

daher sei sein Wohnsitz gar nicht in X._____ gewesen. Da er häufiger in 

Zürich gewesen sein, habe er seine Post ab Februar 2013 nach Zürich 

senden lassen.

8. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 12. März 2015 insbe-

sondere fest, dass die Veranlagungsverfügungen 2012 und 2013 in 

Graubünden unangefochten in Rechtskraft erwachsen seien, womit der 

Beschwerdeführer seinen steuerrechtlichen Wohnsitz in Graubünden 

selbst anerkannt habe.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie auf den an-

gefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 

Erwägungen eingegangen.

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:

1. a) Gemäss Art. 43 Abs. 3 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-

pflege (VRG; BR 370.100) entscheidet das Gericht in einzelrichterlicher 

Kompetenz, wenn der Streitwert Fr. 5‘000.-- nicht überschreitet und keine 

Fünferbesetzung vorgeschrieben ist. Vorliegend wird der erforderliche 

Streitwert bei weitem noch nicht erreicht (Höhe der strittigen Feuerwehr-

ersatzabgabe weniger als Fr. 700.--) und es ist auch keine Fünferbeset-

zung vorgeschrieben, weshalb die Zuständigkeit des Einzelrichters zu be-

jahen ist.

b) Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2014, 

worin die Rechnungsverfügung vom 13. Oktober 2014 bezüglich die Feu-

erwehrersatzabgaben für die Jahre 2013 und 2014 grösstenteils bestätigt 

wurde (Abgabe für 2013 vollumfänglich bestätigt, Abgabe für 2014 redu-

- 5 -

ziert auf pro rata temporis vom 1. Januar 2014 bis 15. Dezember 2014). 

Strittig und zu klären ist dabei, ob die Beschwerdegegnerin damit nicht 

gegen höherrangiges Recht (verfassungsrechtliches Doppelbesteue-

rungsverbot gemäss Art. 127 BV) verstossen hat und sie den Anknüp-

fungspunkt des abgaberelevanten Wohnsitzes in ihrer Gemeinde zu 

Recht nach Bundes- und kommunalem Recht bejahte. Des Weiteren ist 

zu prüfen, ob der Beschwerdeführer als IV-Bezüger überhaupt feuer-

wehrersatzabgabepflichtig ist. Nicht Gegenstand dieses Verfahrens bilden 

insbesondere die Feuerwehrersatzabgaben der Jahre 2012 und 2015.

2. a) Laut Art. 3 lit. b des Gesetzes über den vorbeugenden Brandschutz und 

die Feuerwehr im Kanton Graubünden (Brandschutzgesetz [BSG]; BR 

840.100) sind die Gemeinden für die Organisation und den Betrieb einer 

Gemeindefeuerwehr gemäss Vorgaben des Kantons zuständig. Nach 

Art. 26 Abs. 3 BSG erlassen die Gemeinden eine Feuerwehrordnung, 

welche die Aufgaben, die Dienstpflicht, den Pflichtersatz, die Organisati-

on, den Übungsdienst, das Alarmwesen, die Besoldung und das Strafwe-

sen regelt. Das BSG ist seit dem 1. Januar 2011 in Kraft. Vorher bildete 

die kantonale Feuerpolizeiverordnung (FPV; BR 838.100; ausser Kraft) 

die entsprechende Grundlage (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts A 08 

72 vom 25. März 2009 E.2). Das vorliegend anwendbare FWG wurde an 

der Gemeindeversammlung vom 19. Juni 2012 verabschiedet und trat am 

4. Juli 2012 mit der Genehmigung durch die Gebäudeversicherung 

Graubünden in Kraft. Art. 15 FWG regelt die Feuerwehrersatzabgabe, bei 

welcher es sich von der Rechtsnatur her um eine Ersatzabgabe und somit 

um eine Kausalabgabe handelt (vgl. HÖHN/WALDBURGER, Steuerrecht, 

9. Aufl., Bern 2001, Bd. I, § 1 Rz. 7 m.H.a. BGE 102 Ia 7, 123 I 56).

b) Aus dem verfassungsrechtlichen Legalitätsprinzip, das im Abgabenrecht 

den Charakter eines selbständigen verfassungsmässigen Rechts hat, 

folgt, dass eine Kausalabgabe zumindest in rechtssatzmässiger Form 

- 6 -

festgelegt sein muss, so dass den rechtsanwendenden Behörden kein 

übermässiger Spielraum verbleibt und die möglichen Abgabepflichten für 

den Betroffenen voraussehbar und rechtsgleich sind. Die Anforderungen 

an die gesetzliche Grundlage können namentlich dann herabgesetzt wer-

den, wenn das Äquivalenzprinzip eine verfassungsmässige Überprüfung 

der Abgabe erlaubt. Das Äquivalenzprinzip konkretisiert das Verhältnis-

mässigkeitsprinzip und das Willkürverbot im Bereich der Kausalabgaben. 

Es gebietet, dass eine Ersatzabgabe grundsätzlich nach dem Vorteil zu 

bemessen ist, den der Pflichtige aus der Befreiung von der Erfüllung der 

Primärpflicht zieht. Dabei dürfen schematische, auf Wahrscheinlichkeit 

und Durchschnittserfahrungen beruhende Massstäbe angelegt werden 

(Urteil des Bundesgerichts 1P.586/2004 vom 28. Juni 2005 E.4.1 m.H.a. 

BGE 128 II 112 E.5a; 126 I 180 E.2a/aa; 129 I 346 E.5.1; 128 II 247 

E.3.1 ; 128 I 46 E.4a; 102 Ia 7 E.6a; Urteil des Bundesgerichts 

2P.128/1999 vom 18. August 1999 E.5a, in: ZBl 104/2003 S. 553). Dele-

giert das Gesetz die Kompetenz zur Festlegung einer Abgabe an eine 

nachgeordnete Behörde, muss es zumindest den Kreis der Abgabepflich-

tigen, den Gegenstand der Abgabe sowie deren Bemessungsgrundlagen 

nennen. Diese Anforderungen hat die Rechtsprechung für die Abgaben-

bemessung bei gewissen Arten von Kausalabgaben gelockert: Sie dürfen 

namentlich dort herabgesetzt werden, wo das Mass der Abgabe durch 

überprüfbare verfassungsrechtliche Prinzipien (Kostendeckungs- und 

Äquivalenzprinzip) begrenzt wird und nicht allein der Gesetzesvorbehalt 

diese Schutzfunktion erfüllt. Der Umfang des Legalitätsprinzips ist dem-

nach je nach der Art der Abgabe zu differenzieren. Das Prinzip darf weder 

seines Gehalts entleert noch in einer Weise überspannt werden, dass es 

mit der Rechtswirklichkeit und dem Erfordernis der Praktikabilität in einen 

unlösbaren Widerspruch gerät (vgl. BGE 130 I 113 E.2.2 m.H.a BGE 126 

I 180 E.2a/bb; 128 II 112 E.5a; 128 II 247 E.3.1 und 3.2 u.a.). Bei Kausal-

abgaben, auch bei kostenunabhängigen, kann dem Legalitätsprinzip mit 

Hinblick auf die Bemessungsgrundlage bereits Genüge getan sein, wenn 

- 7 -

das formelle Gesetz die maximale Höhe der Abgabe im Sinne einer 

Obergrenze festlegt (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5550/2008 

vom 21. Oktober 2009 E. 2.2.2 m.H.a. BGE 126 I 110 E.2a/bb; 121 I 230 

E.3g/aa). Die Voraussetzungen für die Erhebung der Abgabe müssen in 

den einschlägigen Rechtssätzen so umschrieben sein, dass der rechts-

anwendenden Behörde kein übermässiger Spielraum verbleibt und die 

möglichen Abgabepflichten für den Bürger voraussehbar sind. Auch inso-

fern hängen die Anforderungen von der Natur der jeweiligen Materie ab; 

das Gleiche gilt für die Frage, ob und wieweit die Kostendeckungs- und 

Äquivalenzprinzipien im Einzelfall die gesetzliche Grundlage tatsächlich 

zu ersetzen vermögen (vgl. BGE 126 I 180 E.2a/bb m.H.a. BGE 123 I 248 

E.2; 123 I 254 E. 2b/bb und cc).

3. a) Vorliegend sind insbesondere Art. 3, 4, 5 und 15 FWG massgebend, wel-

che wie folgt lauten:

Art. 3 2. Pflicht
1Feuerwehrpflichtig sind Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Gemeinde 
X._____.
2Die Feuerwehrpflicht beginnt am Anfang des Jahres, in dem das 20. Altersjahr erfüllt 
wird und endet am Schluss des Jahres der Erfüllung des 50. Altersjahres. Der Gemein-
devorstand kann das Dienstalter nach unten bis zum erfüllten 18. Altersjahr und nach 
oben bis zum erfüllten 62. Altersjahr ausdehnen, wenn der Sollbestand mit der vorgese-
henen Dienstdauer nicht erreicht wird.
3Die Feuerwehrpflicht wird durch aktiven Feuerwehrdienst oder die Bezahlung der Er-
satzabgabe erfüllt. Niemand hat Anspruch, zum aktiven Feuerwehrdienst eingeteilt zu 
werden.

Art. 4 3. Befreiung vom aktiven Feuerwehrdienst
1Vom aktiven Feuerwehrdienst sind befreit:
a) Personen, die amtliche Funktionen ausüben, die mit der aktiven Feuerwehr-

dienstpflicht nicht vereinbar sind
b) Personen mit nachweisbarer geistiger oder körperlicher Behinderung
c) Alleinerziehender Elternteil von vorschul- oder schulpflichtigen Kindern
d) Werdende oder stillende Mütter
e) Personen, die einer kantonal anerkannten Betriebsfeuerwehr angehören
2Der Gemeindevorstand kann in begründeten Fällen weitere Personengruppen vom    
aktiven Feuerwehrdienst befreien.
Art. 5 Befreiung von der Feuerwehrpflicht
Von der Feuerwehrpflicht befreit sind:
a) Mitglieder des Gemeindevorstandes
b) Personen, die in einer anerkannten Betriebsfeuerwehr aktiven Dienst leisten
c) Bei Ehepaaren ist nur eine Person feuerwehrpflichtig. Für das Ende der Feuer-

wehrpflicht ist das Alter des Hauptverdieners massgebend

- 8 -

Art. 15 Ersatzabgabe
1Feuerwehrpflichtige, die nicht nach Art. 4 von der Pflicht befreit werden, haben eine 
jährliche Feuerwehrersatzabgabe zu entrichten.
2Die Feuerwehrersatzabgabe beträgt im Minimum Fr. 150.- für Lehrlinge und Studenten 
und im Maximum Fr. 350.- für Erwerbstätige und Ausländer mit Jahresbewilligung. Der 
Gemeindevorstand legt die Feuerwehrersatzabgabe fest.
3Zu- und Wegzüger zahlen die Ersatzabgabe pro rata der Wohnsitzdauer.

Die hier zu beurteilende Feuerwehrersatzabgabe kann sich unbestritte-

nermassen auf eine formell genügende Rechtsgrundlage im Sinne von 

Art. 5 Abs. 1 und Art. 36 Abs. 1 BV stützen; so sind der Kreis der Abga-

bepflichtigen, das Abgabeobjekt und der Rahmen der Abgabehöhe in ei-

nem formellen Gesetz geregelt. Gemäss Art. 3 FWG sind grundsätzlich 

feuerwehrpflichtige Personen (Art. 3 Abs. 1 und 2 FWG) welche keinen 

aktiven Feuerwehrdienst leisten (Art. 3 Abs. 3 Satz 1 FWG) abgabepflich-

tig. Abgabeobjekt ist die Nichtleistung von aktivem Feuerwehrdienst trotz 

bestehender Feuerwehrpflicht (Art. 3 FWG). Die Höhe der Abgabe liegt im 

Rahmen zwischen Fr. 150.-- und maximal Fr. 350.-- (Art. 15 Abs. 2 und 3 

FWG). Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. b FWG sind Personen mit nachweisbarer 

geistiger oder körperlicher Behinderung vom aktiven Feuerwehrdienst be-

freit. Laut Art. 15 Abs. 1 FWG haben Feuerwehrpflichtige, die nicht nach 

Art. 4 FWG von der Pflicht befreit werden, eine jährliche Feuerwehrer-

satzabgabe zu entrichten. Art. 15 Abs. 1 FWG e contrario ergibt somit, 

dass Personen, welche von Art. 4 FWG erfasst werden, keine Feuer-

wehrersatzabgabe zu entrichten haben.

b) Die Beschwerdegegnerin anerkennt selbst, dass der Beschwerdeführer 

als IV-Bezüger die Voraussetzungen von Art. 4 Abs. 1 lit. b FWG erfüllt. 

Durch den ausdrücklichen Verweis von Art. 15 Abs. 1 FWG auf Art. 4 

FWG ist der Beschwerdeführer somit nicht verpflichtet eine Feuerwehrer-

satzabgabe zu leisten. In ihrem Einspracheentscheid und in den Rechts-

schriften unterscheidet die Beschwerdegegnerin zwischen Feuerwehr-

dienst und Feuerwehrpflicht. Dabei führt sie u.a. aus, gemäss Art. 15 

Abs. 1 FWG habe, wer nicht von der Feuerwehrpflicht befreit sei, eine 

- 9 -

jährliche Feuerwehrersatzabgabe zu leisten. Der Beschwerdeführer sei 

als IV-Bezüger jedoch bloss vom aktiven Feuerwehrdienst und nicht auch 

von der Feuerwehrpflicht befreit, weshalb er die Feuerwehrersatzabgabe 

leisten müsse. Dabei verkennt die Beschwerdegegnerin, dass Art. 15 

Abs. 1 FWG zwar von „Pflicht“ spricht, aber gleichzeitig unmissverständ-

lich auf Art. 4 FWG (Befreiung vom aktiven Feuerwehrdienst) verweist. 

Nach dem oben in Erwägung 2b erwähnten Grundsatz, wonach die Vor-

aussetzungen für die Erhebung der Abgabe in den einschlägigen 

Rechtssätzen so umschrieben sein müssen, dass der rechtsanwenden-

den Behörde kein übermässiger Spielraum verbleibt und die möglichen 

Abgabepflichten für den Bürger voraussehbar sind, ist der Einzelrichter 

zur Überzeugung gelangt, dass die gesetzliche Regelung der Beschwer-

degegnerin für den Bürger den Schluss zulässt, dass wer gemäss Art. 4 

FWG vom aktiven Feuerwehrdienst befreit ist, keine Ersatzabgabe 

gemäss Art. 15 FWG zu leisten hat. In der beschwerdegegnerischen Bei-

lage Nr. 6 wird erwähnt, dass der Verweis von Art. 15 FWG im Zusam-

menhang mit der Feuerwehrpflichtbefreiung auf Art. 4 FWG falsch sei. Die 

Befreiung von der Feuerwehrpflicht sei in Art. 5 FWG geregelt. Art. 4 

FWG regle nur die Befreiung vom aktiven Feuerwehrdienst. Dies ändere 

jedoch nichts daran, dass nur keinen Feuerwehrpflichtersatz leisten müs-

se, wer von der Feuerwehrpflicht und nicht bloss vom aktiven Feuerwehr-

dienst befreit sei. Somit wird von der Beschwerdegegnerin sinngemäss 

geltend gemacht, dass es sich beim Verweis von Art. 15 FWG auf Art. 4 

FWG um ein gesetzgeberisches Versehen handle. Art. 3 FWG bestimmt, 

wer feuerwehrpflichtig ist und besagt, dass die Feuerwehrpflicht durch ak-

tiven Feuerwehrdienst oder durch die Bezahlung der Ersatzabgabe erfüllt 

wird. Es besteht zwar kein Anspruch auf Einteilung in den aktiven Feuer-

wehrdienst (Art. 3 Abs. 3 FWG), jedoch kann eine Pflicht zur Leistung von 

aktivem Feuerwehrdienst bestehen (Art. 3 Abs. 4 FWG). Der Begriff 

„Pflicht“ im Verweis von Art. 15 FWG auf Art. 4 FWG kann daher sowohl 

als „Feuerwehrpflicht“ als auch als „aktive Feuerwehrdienstpflicht“ ver-

- 10 -

standen werden. Daher besteht für einen Bürger kein Grund den aus-

drücklichen Verweis in Art. 15 FWG auf Art. 4 FWG in Frage zu stellen. 

c) Nach dem Gesagten fehlt es vorliegend an einer ausreichenden gesetzli-

chen Grundlage für die Erhebung der Feuerwehrpflichtersatzabgabe von 

Personen, welche – wie der Beschwerdeführer – gemäss Art. 4 FWG vom 

aktiven Feuerwehrdienst und damit auch von der aktiven „Feuerwehr-

dienstpflicht“ befreit sind. Somit kann vorliegend offen bleiben, ob die Be-

schwerdegegnerin mit ihrem Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2014 

gegen höherrangiges Recht (verfassungsrechtliches Doppelbesteue-

rungsverbot gemäss Art. 127 BV) verstossen hat und ob sie den Anknüp-

fungspunkt des abgaberelevanten Wohnsitzes in ihrer Gemeinde zu 

Recht nach Bundes- und kommunalem Recht bejahte. Die vorliegende 

Beschwerde ist daher gutzuheissen und der angefochtene Einspra-

cheentscheid vom 8. Dezember 2014 aufzuheben.

4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gestützt 

auf Art. 73 Abs. 1 VRG zulasten der unterliegenden Beschwerdegegnerin. 

Da der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist, steht ihm praxis-

gemäss kein Anspruch auf Parteientschädigung zu.

Demnach erkennt der Einzelrichter

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefochtene Einspracheent-

scheid aufgehoben.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 230.--

- 11 -

zusammen Fr. 730.--

gehen zulasten der Gemeinde X._____ und sind innert 30 Tagen seit Zu-

stellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]