# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b7539321-3a51-5d5c-92d5-9a3c643e33c8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.05.2010 D-7795/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7795-2009_2010-05-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7795/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  M a i  2 0 1 0

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

B._______, Somalia,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone; Zwischen-
verfügung des BFM vom 9. Dezember 2009 / N 533 926.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7795/2009

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer – ein somalischer Staatsangehöriger aus dem 
Clan der Tumal mit letztem Wohnsitz in Mogadishu – verliess nach ei-
genen Angaben seinen Heimatstaat am 14. September 2009 und ge-
langte auf dem Luftweg über Dubai nach Mailand und von dort am 17. 
September 2009 in die Schweiz, wo er am 22. Oktober 2010 im Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum Vallorbe um Asyl nachsuchte.

B.
Am 3. November 2009 nahm Dr. med. A._______ [...],  anhand einer 
Röntgenaufnahme der linken Handwurzel des Beschwerdeführers eine 
Knochenaltersbestimmung  nach  Greulich/Pyle  vor.  In  seinem  dem 
BFM übermittelten Bericht vom 4. November 2009 führte er aus, die 
Wachstumsfugen von Speiche und Elle sowie der Mittelhandknochen 
seien allesamt  vollständig  verschlossen,  womit  das  Knochenalter  19 
Jahre oder mehr betrage.

C.
Am 6. November 2009 wurde der Beschwerdeführer im Transitzentrum 
Altstätten  summarisch  zur  Person  und  zu  den  Asylgründen  befragt. 
Der  Beschwerdeführer  gab  dabei  im  Wesentlichen  an,  er  sei  am 
14. Januar 1993 geboren worden und zusammen mit drei Schwestern 
und  einem  Bruder  im  Quartier  C._______  in  Mogadishu 
aufgewachsen. Seine etwa drei Jahre ältere Schwester D._______ sei 
vor  sechs  Jahren  in  die  Schweiz  gelangt,  wo  sie  seither  –  wie  ein 
Onkel  väterlicherseits  namens  E._______  –  im  Kanton  F._______ 
lebe.  Im  Jahre  2008  seien  seine  Eltern  aufgrund  der  Unruhen  in 
Mogadishu mit  den jüngeren Geschwistern  ins  ausserhalb  gelegene 
G._______ gezogen und hätten ihn im Haus der Familie in C._______ 
zurückgelassen. Er habe in der Folge auf das Haus aufgepasst und sei 
einmal wöchentlich zu seiner Familie gegangen. Ende 2008 seien zwei 
Männer  der  radikal-islamistischen  Al-Shabab  gekommen  und  hätten 
ihn zunächst nach H._______ und von dort in ein Trainingscamp nach 
I._______ gebracht, wo er während zwei Monaten gegen seinen Willen 
an  einer  militärischen  Ausbildung habe  teilnehmen müssen. Danach 
sei  er  mit  anderen Teilnehmern nach J._______ geführt  worden,  um 
dort  Leute  umzubringen.  Weil  er  dies  nicht  gewollt  habe,  sei  er 
geflüchtet  und habe sich  zu  seinen Eltern  begeben,  welche Kontakt 

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mit seiner Schwester und seinem Onkel in der Schweiz aufgenommen 
und seine Ausreise organisiert hätten.

D.
Nachdem das  BFM den  Beschwerdeführer  bereits  in  der  Befragung 
vom 6. November  2009  mit  dem Resultat  der  Knochenaltersanalyse 
konfrontiert  hatte,  gewährte es ihm am 19. November 2009 im Rah-
men einer Zusatzanhörung das rechtliche Gehör dazu sowie zur Frage 
der  Kantonszuteilung  gemäss Art.  27  Abs. 3  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31).  Das  Bundesamt  hielt  dem  Be-
schwerdeführer  dabei  Ungereimtheiten  zwischen  dessen  Aussagen 
und  denjenigen  seiner  angeblichen  Schwester  D._______  bezüglich 
seines Alters, dem Alter seiner Geschwister und den Wohnorten seiner 
Familienangehörigen vor. Der Beschwerdeführer hielt an der von ihm 
geltend  gemachten  Minderjährigkeit  und  seiner  verwandtschaftlichen 
Beziehung zu D._______ fest.

E.
Am 3. Dezember 2009 hörte das BFM den Beschwerdeführer im Rah-
men der einlässlichen Befragung im Sinne von Art. 29 Abs. 1 AsylG 
an. Der Beschwerdeführer brachte dabei unter anderem vor, seine Fa-
milienangehörigen  lebten  seit  dem  Jahre  2008  im  Flüchtlingslager 
G._______.  Er  selber  sei  zunächst  ebenfalls  dorthin  mitgegangen, 
habe dann aber ins Haus der Familie zurückkehren müssen, um auf 
die Liegenschaft aufzupassen. Er habe bis ins Jahr 2008 im Quartier 
C._______  die  Schule  besucht  und  diese  abbrechen  müssen, 
nachdem  die  Kämpfe  zwischen  den  äthiopischen  Truppen  und  den 
somalischen  Gruppierungen  begonnen  hätten.  Er  habe  in  der 
Zwischenzeit  vergeblich  versucht,  Kontakt  zu  seiner  Mutter 
aufzunehmen, damit ihm diese seine Schulzeugnisse zustellen könnte. 
Bezüglich der übrigen Vorbringen des Beschwerdeführers wird auf die 
Akten verwiesen.

F.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Dezember 2009 – eröffnet am 12. De-
zember 2009 – wies das BFM den Beschwerdeführer für den Aufent-
halt während des Asylverfahrens dem Kanton K._______ zu. Auf die 
Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen 
eingegangen.

G.
Mit Eingabe vom 16. Dezember 2009 erhob der Beschwerdeführer ge-

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gen diese Zwischenverfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Zwischenver-
fügung, die Feststellung seiner Minderjährigkeit und die Zuweisung an 
den  Kanton  F._______. Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheid-
wesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen.  Im  Rahmen  seiner 
Beschwerdeeingabe  reichte  der  Beschwerdeführer  Kopien  dreier 
Dokumente ein, bei welchen es sich nach seinen Angaben um seinen 
Geburtsschein,  sein  Schulabgangszeugnis  sowie  dessen 
englischsprachige Übersetzung handle.

H.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Januar 2010 verzichtete der Instruk-
tionsrichter auf das Erheben eines Kostenvorschusses.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist 
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sach-
gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung 
der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich end-
gültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset-
zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2
Ein Zuweisungsentscheid des Bundesamts kann gemäss Art. 27 Abs. 
3 letzter Satz AsylG – welcher als lex spezialis der allgemeinen Regel 
von Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht (vgl. Art. 106 Abs. 2 AsylG) – in ma-
terieller Hinsicht nur mit der Begründung angefochten werden, er ver-
letze den Grundsatz der Einheit der Familie; diese Rüge wird im vorlie-
genden Fall vom Beschwerdeführer denn auch sinngemäss erhoben. 
Ferner reichte der Beschwerdeführer mit seiner Eingabe vom 16. De-
zember 2009 drei Beweismittel mit Bezug zu seinen Altersangaben zu 
den Akten (Geburtsschein,  Schulabgangszeugnis sowie dessen eng-
lischsprachige  Übersetzung),  und  macht  damit  sinngemäss  geltend, 

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das BFM habe den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig ab-
geklärt; diese formelle Rüge ist zulässig, da sie im Zusammenhang mit 
der Frage des Grundsatzes der Einheit  der Familie steht (vgl. BVGE 
2008/47 E. 1.3 S. 672 ff.).

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.4 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 108 
Abs. 1 AsylG, Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Der Beschwerdefüh-
rer ist  durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 
einzutreten.

2.
2.1 Da  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  die  verwandtschaftli-
chen Verhältnisse  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  sowie  die 
Frage seines Alters eine zentrale Rolle spielen, hat das Bundesverwal-
tungsgericht  die  Asylverfahrensakten  der  von  ihm  angegebenen 
Schwester D._______ [...] und seines Onkels E._______ [...] beigezo-
gen.  Angesichts  des  für  den  Beschwerdeführer  positiven  Ausgangs 
des Beschwerdeverfahrens erübrigt es sich, ihm das rechtliche Gehör 
zu den Vorbringen dieser Personen zu gewähren, soweit dies das BFM 
nicht  ohnehin  im  Rahmen  der  Zusatzbefragung  vom  19.  November 
2009 getan hat (Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG).

2.2 Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels im Sinne von Art. 
57  VwVG  wurde  angesichts  der  Aktenlage  in  Anwendung  von  Art. 
111a Abs. 1 AsylG verzichtet.

3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Grundsatzes der 
Einheit der Familie und bringt zur Begründung vor, das BFM sei zu Un-
recht  von  einem  fehlenden  Verwandtschaftsverhältnis  zu  D._______ 
und  ebenso  unzutreffend  von  seiner  Volljährigkeit  ausgegangen.  Im 
Folgenden  ist  demnach  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  diesbezüglich 
seinen  verfahrensrechtlichen  Obliegenheiten  nachgekommen  ist 
beziehungsweise nachvollziebare und zutreffende rechtliche Schlüsse 
gezogen hat.

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3.2 In formeller Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass das BFM dem 
Beschwerdeführer, nachdem er um Zuteilung in den Aufenthaltskanton 
von D._______ nachgesucht hatte, im Rahmen einer Zusatzbefragung 
am 19. November 2009 das rechtliche Gehör zu seinem Alter, zu der 
von  ihm  geltend  gemachten  Verwandtschaft  mit  D._______  sowie 
schliesslich  zur  Frage  der  Kantonszuteilung  gewährte.  In  seiner 
Zwischenverfügung vom 9. Dezember  2009 hat  sich  das Bundesamt 
sodann  explizit  mit  den  diesbezüglichen  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  auseinandergesetzt  und  eine  individuell-konkrete 
Prüfung  der  Frage  des  Vorliegens  besonders  schützenswerter 
Interessen im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG vorgenommen. Damit ist 
die  Vorinstanz  insoweit  ihren  verfahrensrechtlichen  Pflichten 
nachgekommen (vgl. BVGE 2008/47 E. 3 S. 674 ff.).

3.3 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
demgegenüber zum Schluss, dass der entscheidwesentliche Sachver-
halt für die Prüfung der massgeblichen Kriterien der Einheit der Fami-
lie  (vgl.  zum Schutzbereich  dieses  Begriffes  im  Zusammenhang  mit 
der  Frage der  Kantonszuteilung BVGE 2008/47 E. 4.1  S. 677 ff.)  in 
zweifacher Hinsicht nicht rechtsgenüglich abgeklärt ist beziehungswei-
se die vom Bundesamt festgestellte fehlende Glaubhaftigkeit der dies-
bezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers aufgrund der heutigen 
Aktenlage nicht bestätigt werden kann.

3.3.1 Zum einen betrifft dies die Frage der Verschwisterung zwischen 
dem Beschwerdeführer und D._______. Das BFM führt dazu in seiner 
Zwischenverfügung  vom  9.  Dezember  2009  aus,  dieses 
Verwandtschaftsverhältnis  sei  aufgrund  von Abweichungen  zwischen 
den Aussagen des Beschwerdeführers und denjenigen von D._______ 
stark in Zweifel zu ziehen. Offensichtlich bezieht es sich dabei implizit 
auf den dem Beschwerdeführer im Rahmen der Zusatzbefragung vom 
19. November 2009 gemachten Vorhalt, wonach zum einen D._______ 
nach  eigenen  Aussagen  in  einem  anderen  als  dem  von  ihm 
angegebenen Quartier von Mogadishu gelebt habe und zum anderen 
der  Beschwerdeführer  abweichende  Altersangaben  zu  den  noch  in 
Somalia  lebenden  Geschwistern  gemacht  habe.  Eine  nähere 
Betrachtung der entsprechenden Protokollstellen ergibt indessen, dass 
sich  die  diesbezüglichen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  und 
diejenigen von D._______ nicht geradezu gegenseitig ausschliessen. 
So brachte der Beschwerdeführer betreffend die Wohnsitzfrage vor, er 
habe mit seiner Familie grundsätzlich im Quartier C._______ gewohnt, 

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wo früher auch seine Schwester D._______ mit ihnen gelebt habe (vgl. 
A1,  S.  3).  Diese  Aussage  deckt  sich  zumindest  insoweit  mit  den 
Schilderungen von D._______, als diese angegeben hat, sie habe bis 
drei Jahre vor ihrer Ausreise aus Somalia in C._______ und anschlies-
send im Quartier L._______ gewohnt (vgl. [...], A10, S. 5 f.). Auf den 
Vorhalt  nicht  übereinstimmender  Schilderungen  brachte  der 
Beschwerdeführer  sodann  vor,  dass  D._______  diesfalls  sicher 
L._______  angegeben  habe  (vgl.  A9,  S.  2).  Damit  hätte  für  das 
Bundesamt weiterer Klärungsbedarf bestanden. Die Vorinstanz hat es 
indessen  versäumt,  an  dieser  Stelle  nachzufragen  und  den 
Beschwerdeführer  erläutern  zu  lassen,  wie  er  zu  dieser  Annahme 
komme und  was  es  mit  dem Quartier  L._______  in  Bezug  auf  den 
Wohnsitz  seiner  Familie  auf  sich  habe.  So  bleibt  offen,  ob  der 
Beschwerdeführer  in  den  Befragungen  nicht  einfach  diejenige 
Wohngegend der Familie angegeben hat, die ihm für die vergangenen 
Jahre noch bewusst war und wesentlich erschien, und einen allfälligen 
früheren Aufenthalt im Quartier L._______ – als er nota bene erst rund 
11-jährig  gewesen  wäre  –  versehentlich  nicht  genannt  oder  als 
irrelevant erachtet hat. Eine entsprechende Klärung wäre umso mehr 
angezeigt gewesen, als die übrigen Angaben des Beschwerdeführers 
zu den Personalien seiner Eltern und Geschwister sowie zu weiteren 
Verwandten  –  insbesondere  zu  den  beiden  in  der  Schweiz 
beziehungsweise  in  den  USA  lebenden  Onkel  väterlicherseits  –  im 
Wesentlichen mit  denjenigen von D._______ übereinstimmen. Soweit 
das  BFM  dem  Beschwerdeführer  in  der  Zusatzbefragung  vom 
19. November  2004  sodann  vorhielt,  die  Verschwisterung  sei 
zweifelhaft,  weil  er  das  Alter  seiner  noch  in  Somalia  lebenden  Ge-
schwister  anders  angegeben  habe  als  D._______,  ist  zunächst 
festzuhalten,  dass die Schilderungen der beiden jedenfalls  in  Bezug 
auf  die  drei  älteren  Kinder  der  Familie  –  einschliesslich  des 
Beschwerdeführers  und  D._______  selber  –  übereinstimmend 
ausgefallen  sind  und  es  lediglich  betreffend  den  jüngsten  Bruder 
M._______ und die jüngste Schwester  N._______ zu Abweichungen 
von etwa zwei Jahren kam (gemäss dem Beschwerdeführer waren im 
Zeitpunkt der Befragung vom 6. November 2009 M._______ 14- und 
N._______ 13-jährig [vgl. A1, S. 4], während sie laut den Schilderun-
gen  von  D._______  vom  23.  Februar  2004  damals  11- 
beziehungsweise  9-jährig  waren  [vgl.  [...],  A10,  S. 4]).  Ferner  ist  zu 
berücksichtigen, dass D._______ im Zeitpunkt ihrer Befragung erst 14-
jährig war, weshalb nicht auszuschliessen ist, dass sie – und nicht der 
bei seiner Befragung wesentlich ältere Beschwerdeführer – sich über 

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das Alter  ihrer  jüngsten Geschwister geirrt  haben könnte. Bei  dieser 
Sachlage spricht jedenfalls aufgrund der derzeitigen Aktenlage nichts 
gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  vom  Beschwerdeführer  geltend 
gemachten Verschwisterung mit D._______, weshalb die angefochtene 
Verfügung  aufzuheben  und  das  BFM  anzuhalten  ist,  die  Frage  der 
Kantonszuteilung  neu  zu  beurteilen  und  dabei  vom Bestehen  eines 
engen Verwandtschaftsverhältnisses zu D._______ auszugehen. Dass 
das  BFM  in  seiner  Zwischenverfügung  vom  9. Dezember  2009  in 
gewisser  Weise eine  Prüfung unter  Annahme einer  Verschwisterung 
vorgenommen hat,  ändert  daran nichts,  da die Vorinstanz dabei  von 
der Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen ist, für diesen 
Schluss  aber  –  wie  nachstehend  aufgezeigt  –  bei  der  heutigen 
Aktenlage  der  Sachverhalt  nicht  erstellt  ist.  Sofern  nach 
rechtsgenüglicher  Abklärung  des  Sachverhaltes  von  der  Minder-
jährigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  wäre,  läge  entweder 
eine der  Kernfamilie  gleichzustellende familiäre  Beziehung zwischen 
ihm und seiner volljährigen Schwester  vor (vgl. dazu die Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts D-4231/2006 vom 7. Juli 2008 E. 7.3.3 und 
E-5627/2006  vom 8. Dezember  2008  E.  4.1),  oder  es  wäre  ein  Ab-
hängigkeitsverhältnis  aus  dem  noch  nicht  vollendeten  18. Altersjahr 
des Beschwerdeführers abzuleiten (vgl. dazu BGE 120 Ib 257).

3.3.2 Wie  soeben  angezeigt,  erscheint  der  Sachverhalt  auch 
bezüglich  der  Frage  des  Alters  des  Beschwerdeführers  nicht 
genügend abgeklärt.

Gemäss ständiger Rechtsprechung darf das BFM vor der einlässlichen 
Anhörung zu den Asylgründen und ohne Beiordnung einer Vertrauens-
person vorfrageweise über die Glaubhaftigkeit einer geltend gemach-
ten Minderjährigkeit befinden, wenn Zweifel an den Altersangaben der 
asylsuchenden  Person  bestehen.  Insbesondere  wenn  die  betroffene 
Person keine schlüssigen Identitätsdokumente abgibt, kann das Bun-
desamt dabei  die Frage des Alters im Rahmen einer Würdigung der 
gesamten  Umstände  beurteilen,  die  für  und  gegen  die  behauptete 
Minderjährigkeit sprechen, wobei es im Falle der Beweislosigkeit ange-
sichts der Beweislastverteilungsregel von Art. 8 des Schweizerischen 
Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (SR 210) von der Volljäh-
rigkeit ausgehen darf, da die asylsuchende Person ihr Alter zumindest 
glaubhaft  zu  machen hat  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 30  E. 5 
und 6 S. 208 ff.). Im vorliegenden Fall  hat  der  Beschwerdeführer  im 

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Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens weder Identitätspapiere noch 
andere Dokumente abgegeben, die Rückschlüsse auf sein Alter zulies-
sen. Die Vorinstanz hat sodann einerseits die Durchführung einer Kno-
chenaltersanalyse  angeordnet  –  welche  ein  abgeschlossenes  Kno-
chenwachstum im Bereich der Handwurzel und damit ein Knochenalter 
von  19  Jahren  und  mehr  ergeben  hat  –  und  andererseits  den  Be-
schwerdeführer  über  sein  Alter  befragt. In  der  angefochtenen  Verfü-
gung  führt  das  BFM  gestützt  auf  diese  Abklärungen  aus,  der  Be-
schwerdeführer gelte aufgrund verschiedener Indizien, so unter ande-
rem aufgrund der Knochenaltersbestimmung, als volljährig.

Soweit  sich  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  auf  das 
Ergebnis der Knochenaltersanalyse vom 4. November 2009 stützt, ist 
festzustellen, dass der Beschwerdeführer trotz den abgeschlossenen 
Verwachsungen  an  der  Handwurzel  ohne  weiteres  noch  im  statisti-
schen Streubereich liegt, der mit seiner Altersangabe – wonach er im 
Zeitpunkt der Analyse 16 Jahre und zehn Monate alt war – vereinbar 
ist. Die Analyse vermag daher lediglich ein schwaches Indiz auf seine 
allfällige Volljährigkeit zu bilden (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.2 S. 210 
f.), welches indessen durch das – allerdings ebenso schwache – Ge-
genindiz seiner noch sehr jugendlich wirkenden äusseren Erscheinung 
auf der vom BFM im Empfangs- und Verfahrenszentrum erstellten Fo-
tografie  auf  der  Asylgesuchsbescheinigung  (vgl.  A16)  ohne  weiteres 
entkräftet  wird. Damit  verbleiben zur Prüfung der Altersfrage im We-
sentlichen die eigenen Aussagen des Beschwerdeführers. Diesbezüg-
lich  hat  sich  der  Beschwerdeführer  in  allen  Befragungen  durch  das 
BFM übereinstimmend geäussert, indem er stets den 14. Januar 1993 
als  Geburtsdatum  genannt  hat.  Im  Weiteren  korrespondieren  seine 
Altersangaben mit denjenigen zu seiner schulischen Ausbildung, wel-
che er im Jahre 2000 begonnen und im Jahre 2008 als 15-Jähriger be-
endet habe (vgl. A1, S. 3), sowie mit den Angaben von D._______ zu 
seinem Alter (vgl. dazu oben stehende E. 3.3.1), und schliesslich hat 
er  auf  Beschwerdeebene  mehrere  Beweismittel  –  angeblich  Kopien 
seines  Geburtsregisterauszuges  und  seines  Schulabschlussdiploms, 
auf welchen ebenfalls der 14. Januar 1993 als Geburtsdatum vermerkt 
ist  – eingereicht,  die einer genaueren Prüfung bedürfen. Vor diesem 
Hintergrund  ist  die  Frage  der  Volljährigkeit  des  Beschwerdeführers 
derzeit noch offen beziehungsweise der rechtserhebliche Sachverhalt 
noch nicht erstellt.

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3.4 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass das 
BFM den Sachverhalt in mehrfacher Hinsicht nicht genüglich abgeklärt 
und damit den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Ge-
hör  verletzt  hat.  Dieser  Anspruch  ist  formeller  Natur,  weshalb  seine 
Verletzung grundsätzlich ohne weiteres  – das  heisst  ungeachtet  der 
materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin ergangenen 
Entscheides führt (vgl. BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185, BVGE 2007/30 E. 
8.2 S. 371 m.w.H., BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332). Da die Gehörsver-
letzung nicht  als leicht  bezeichnet werden kann und zudem die Ent-
scheidreife jedenfalls hinsichtlich der Frage des Alters des Beschwer-
deführers derzeit fehlt und mit weiteren Abklärungen hergestellt  wer-
den muss, kann der Verfahrensmangel auf Beschwerdeebene nicht ge-
heilt  werden (vgl. dazu BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332,  wonach eine 
Heilung die Ausnahme bleiben soll). Bei  dieser Sachlage ist  die Be-
schwerde im Sinne der Erwägungen gutzuheissen, die Zwischenverfü-
gung des BFM vom 9. Dezember 2009 aufzuheben und die Sache zur 
weiteren Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes beziehungs-
weise zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Soll-
ten  sich  keine  neuen  Erkenntnisse  ergeben,  welche gegen die  vom 
Beschwerdeführer geltend gemachte Minderjährigkeit  beziehungswei-
se  seine  Verschwisterung  mit  D._______  sprechen,  wäre  der 
Beschwerdeführer  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton 
F._______ zuzuteilen. Angesichts der potentiellen Minderjährigkeit des 
Beschwerdeführers ist das Verfahren beschleunigt zu behandeln.

4.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  zu  erheben 
(Art.  63  Abs.  1  und  2  VwVG).  Trotz  seines  Obsiegens  ist  dem  Be-
schwerdeführer sodann keine Parteientschädigung auszurichten, da er 
im  Beschwerdeverfahren  keine  Rechtsvertretung  mandatiert  hat  und 
sich aus den Akten keine Hinweise darauf ergeben, dass ihm selber 
durch die Beschwerdeführung verhältnismässig hohe Kosten im Sinne 
von Art. 64 Abs. 1 VwVG erwachsen wären.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Zwischenverfügung des BFM vom 9. Dezember 2009 wird aufge-
hoben und die Sache im Sinne der  Erwägungen an das Bundesamt 
zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Asylverfahren,  mit  den  Akten  (per  Kurier;  in 

Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

Seite 11