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**Case Identifier:** f817f0a9-b8fb-5acb-b02c-a232edc4746f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.08.2011 BVGE 2011/28
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2011-28_2011-08-24.pdf

## Full Text

2011/28 Asylverfahren 

 

 

544 BVGE / ATAF / DTAF 

 

28 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V 
i. S. B. gegen Bundesamt für Migration 

E–1995/2009 vom 24. August 2011 

Asylverfahren. Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit). Um-

fang der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person zur Belegung 

der eigenen Identität. Angemessenheit der Ausreisefrist (Bestätigung 

der Rechtsprechung von EMARK 2004 Nr. 27). 

Art. 3, Art. 8 Abs. 1 und 4, Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 Bst. a, 

Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG. Art. 5 Abs. 3, Art. 9 BV. Art. 1 A, Art. 1 C 

Ziff. 1 FK. 

1. Aus dem verfassungsmässigen Grundsatz von Treu und Glauben 
(Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV) ist es dem Bundesamt für Migra-

tion verwehrt, während des Asylverfahrens die asylsuchende Per-

son zu einer Handlung aufzufordern, die ihr bei Erfüllen der 

Flüchtlingseigenschaft als Widerrufsgrund (Art. 1 C FK) vor-

gehalten werden könnte (E. 3.3–3.6). 

2. Es gehört nicht zur Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Per-
son, sich während des hängigen Asylverfahrens bei ihren heimat-

lichen Behörden – und somit den potentiellen Verfolgerbehörden 

– Identitätspapiere zu beschaffen (E. 3.3–3.6). 

3. Es obliegt der asylsuchenden Person, sich bei der zuständigen 
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), dies jedoch 

erst nach erfolgter rechtskräftiger Beurteilung der Flüchtlings-

eigenschaft, namentlich dann, wenn ein vollziehbarer Wegwei-

sungsentscheid vorliegt (E. 3.4 und 6.4).  

4. Unangemessenheit einer Ausreisefrist von nur einem Tag nach 
längerer Verfahrensdauer; Fortsetzung der Praxis von EMARK 

2004 Nr. 27 (E. 6.5). 

 

 

Asylverfahren 2011/28 

 

 

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Procédure d'asile. Non-entrée en matière sur une demande d'asile 

(non-production de pièces d'identité). Etendue de l'obligation du 

requérant de collaborer à l'établissement de son identité. Caractère 

proportionné du délai de départ imparti (confirmation de la juris-

prudence JICRA 2004 n
o
 27). 

Art. 3, art. 8 al. 1 et 4, art. 32 al. 2 let. a et al. 3 let. a, art. 63 al. 1 

let. b LAsi. Art. 5 al. 3, art. 9 Cst. Art. 1 A, art. 1 C ch. 1 Convention 

du 28 juillet 1951 relative au statut des réfugiés (ci-après: Conv. 

réfugiés). 

1. En vertu des principes constitutionnels de la bonne foi (art. 5 
al. 3 et art. 9 Cst.), il est interdit à l'Office fédéral des migrations, 

au cours de la procédure d'asile, d'inciter le requérant d'asile à 

effectuer des démarches qui, en cas de reconnaissance de la qua-

lité de réfugié, pourraient lui être opposées comme motif de révo-

cation (art. 1 C Conv. réfugiés) (consid. 3.3–3.6). 

2. L'obligation de collaborer d'un requérant d'asile ne comprend 
pas celle de se procurer, au cours de la procédure d'asile, des 

pièces d'identité auprès des autorités de son pays, autrement dit 

auprès de ses persécuteurs potentiels (consid. 3.3–3.6). 

3. Il incombe au requérant d'asile de se procurer les documents de 
voyage nécessaires à son retour auprès de la représentation 

compétente de son pays d'origine (art. 8 al. 4 LAsi), mais seule-

ment à l'entrée en force de la décision en matière d'asile, c'est-à-

dire lorsqu'il fait l'objet d'une décision de renvoi exécutoire 

(consid. 3.4 et 6.4). 

4. Caractère disproportionné du délai de départ d'un jour seule-
ment, après une procédure de longue durée; confirmation de la 

jurisprudence JICRA 2004 n
o
 27 (consid. 6.5). 

 

 

 

 

2011/28 Asylverfahren 

 

 

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Procedura d'asilo. Non entrata nel merito di una domanda di asilo 

(mancata produzione di documenti d'identità). Portata dell'obbligo 

del richiedente l'asilo di collaborare all'accertamento della propria 

identità. Proporzionalità del termine di partenza (conferma della 

giurisprudenza pubblicata in GICRA 2004 n. 27). 

Art. 3, art. 8 cpv. 1 e 4, art. 32 cpv. 2 lett. a e cpv. 3 lett. a, art. 63 

cpv. 1 lett. b LAsi. Art. 5 cpv. 3, art. 9 Cost. Art. 1 A, art. 1 C n. 1 

della Convenzione del 28 luglio 1951 sul statuto dei rifugiati (qui di 

seguito: Conv. rifugiati). 

1. Il principio costituzionale della buona fede (art. 5 cpv. 3 e art. 9 
Cost.) vieta all'Ufficio federale della migrazione di pretendere dal 

richiedente, nel corso della procedura d'asilo, il compimento di 

un atto che in seguito, qualora gli fosse riconosciuta la qualità di 

rifugiato, potrebbe essergli opposto come motivo di revoca 

(art. 1 C Conv. rifugiati) (consid. 3.3–3.6). 

2. L'obbligo di collaborare del richiedente non include l'obbligo di 
rivolgersi durante la pendente procedura d'asilo alle autorità del 

proprio Paese d'origine, ossia ai suoi potenziali persecutori, per 

procurarsi un documento d'identità (consid. 3.3–3.6). 

3. Il richiedente l'asilo è senz'altro tenuto a rivolgersi alla compe-
tente rappresentanza del proprio Paese d'origine per ottenere i 

documenti di viaggio necessari al rimpatrio (art. 8 cpv. 4 LAsi), 

ma quest'obbligo sussiste soltanto quando il giudizio sulla qualità 

di rifugiato è cresciuto in giudicato, e segnatamente in presenza 

di una decisione esecutiva d'allontanamento (consid. 3.4 e 6.4).  

4. Carattere sproporzionato del termine di partenza di un solo 
giorno nel caso di procedure di lunga durata; conferma della giu-

risprudenza pubblicata in GICRA 2004 n. 27 (consid. 6.5). 

 

Der Beschwerdeführer – gemäss eigenen Angaben ein aus Tiflis stam-

mender Georgier ossetischer Ethnie – ersuchte am 11. November 2008 in 

der Schweiz um Asyl. 

Sein Asylgesuch begründete er im Wesentlichen damit, sein Vater sei im 

Jahre 2008 tot aufgefunden worden, wobei er seiner Vermutung nach er-

tränkt worden sei. Die Autopsieexperten hätten sich diesbezüglich wider-

sprüchlich geäussert und zum einen festgestellt, es sei von einer Tötung 

auszugehen, andererseits aber im Bericht festgehalten, dass sein Vater 

Asylverfahren 2011/28 

 

 

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ertrunken sei. Niemand der Familie habe sich diesbezüglich an die geor-

gischen Behörden gewendet, da nicht auszuschliessen gewesen sei, dass 

die Polizei selbst den Vater getötet habe. Er selbst sei als Fahrer für eine 

Journalistin tätig gewesen und sei zweimal von drei unbekannten Per-

sonen heimgesucht und verprügelt worden. Das Motiv der Täter sei ihm 

unbekannt, möglich sei jedoch, dass diese Geschehnisse mit seiner Tätig-

keit als Fahrer für die Journalistin zusammenhingen; die Unbekannten 

könnten vermuten, dass er über gewisse Geheimnisse informiert sei. Er 

habe die Vorfälle nicht bei der Polizei angezeigt. 

Mit Verfügung vom 12. März 2009 trat das Bundesamt für Migration 

(BFM) gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 

(AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.  

Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, es lägen 

keine entschuldbaren Gründe für die Nichteinreichung von rechtsgenüg-

lichen Reise- oder Identitätspapieren vor. Der Beschwerdeführer habe 

auch seine Mitwirkungspflicht verletzt, indem er es unterlassen habe, 

sich bei der Vertretung seines Heimatlandes in Genf um Papiere zu be-

mühen.  

Mit Beschwerde vom 27. März 2009 focht der Beschwerdeführer diese 

Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte, die ange-

fochtene Verfügung sei aufzuheben und bezüglich der Frage der Flücht-

lingseigenschaft und der Asylgewährung zur Neubearbeitung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei die Unzumutbarkeit der 

Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. 

Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 

Aus den Erwägungen: 

3.   
3.1 Vorab ist das Vorgehen der Vorinstanz, den Beschwerdeführer 
während des Verfahrens mehrmals dazu aufzufordern, mit den heimat-

lichen Behörden zwecks Beschaffung von Reisepapieren in Kontakt zu 

treten, und ihre Argumentation, er habe in Nichtbeachtung dieser Anwei-

sung seine Mitwirkungspflicht verletzt, zu würdigen.  

3.2   
3.2.1 Die Vorinstanz forderte im Verlauf des erstinstanzlichen Verfah-

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rens den Beschwerdeführer von sich aus auf, sich bei der georgischen 

Botschaft in Genf zu melden, um Ersatzpapiere zu beschaffen (vgl. […]: 

« In Genf gibt es eine georgische Botschaft. Dort sollten sie sich melden, 

um Ersatzpapiere ausstellen zu lassen. »). Als Antwort auf seine Nach-

frage erklärte sie ihm, die georgische Botschaft würde auf seine Anfrage 

hin Ersatzpapiere ausstellen. Dies könne aber eine Weile dauern, weshalb 

der Beschwerdeführer ihr eine Bestätigung seiner Anfrage auf der Bot-

schaft zukommen lassen solle (vgl. […]: « Was wir brauchen ist eine ID 

oder ein Reisepass. – Woher kann ich das kriegen? – In der georgischen 

Botschaft in Genf. [...] Sie müssen Kontakt mit der Botschaft aufnehmen. 

Diese nehmen Abklärungen in Tiflis vor, um festzustellen, wer Sie sind, 

und stellen dann Ersatzpapiere aus [...]. »).  

3.2.2 In der angefochtenen Verfügung vom 12. März 2009 führte die 
Vorinstanz sodann aus: « Die Unglaubwürdigkeit seiner Aussagen wird 

auch dadurch bestätigt, dass der Gesuchsteller bis dato keinerlei Schritte 

unternahm, sich bei der georgischen Botschaft in Genf Ersatzpapiere aus-

stellen zu lassen. Dies ist ihm insbesondere vorzuwerfen, da er bei der 

Anhörung zu den Asylgründen in Aussicht stellte, sich darum zu bemü-

hen », (…). Aufgrund dieser Überlegungen verneinte die Vorinstanz, dass 

der Beschwerdeführer entschuldbare Gründe für die Nichteinreichung 

von Papieren habe. Auf Beschwerdeebene brachte der Beschwerdeführer 

die Rüge an, es dürfe von einer asylsuchenden Person bis zum Abschluss 

eines ordentlichen Verfahrens nicht verlangt werden, ihre eigene konsu-

larische Vertretung zu kontaktieren. Im Anschluss ersuchte das Bundes-

verwaltungsgericht die Vorinstanz um Stellungnahme; namentlich hin-

sichtlich ihrer Vorgehensweise, erstens den Beschwerdeführer vor der 

Prüfung der Flüchtlingseigenschaft zu einer Handlung aufzufordern, 

welche diesem bei Erfüllen der Flüchtlingseigenschaft als Widerrufs-

grund vorgehalten werden könnte, und zweitens ihre Verfügung sodann 

mit denselben Umständen zu begründen. Die Vorinstanz führte daraufhin 

in ihrer Vernehmlassung aus, der Beschwerdeführer habe lediglich eine 

Verfolgung Dritter und keinerlei staatliche Behelligung geltend gemacht, 

daher spreche nichts dagegen, mit den heimatlichen Behörden in Kontakt 

zu treten, um seiner Mitwirkungspflicht im Zusammenhang mit der Be-

schaffung von rechtsgenüglichen Reisepapieren nachzukommen. Der 

Beschwerdeführer setze sich dadurch keiner Gefahr aus.  

3.3   
3.3.1 Wie sich aus dem Nachfolgenden ergibt, ist das Vorgehen der 
Vorinstanz nicht haltbar. Zweck des Asylverfahrens ist die Prüfung der 

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Flüchtlingseigenschaft des Asylsuchenden gemäss Art. 1 A des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30) und Art. 3 AsylG. Bis zur endgültigen Rechtskraft einer ver-

neinten Flüchtlingseigenschaft und somit einer Abweisung des Asyl-

gesuchs oder eines Nichteintretensentscheides ist vom Grundgedanken 

auszugehen, der Asylsuchende sei möglicherweise in asylrelevanter 

Weise gefährdet und daher gelte der Non-Refoulement-Schutz. In diesem 

Verfahrensstadium sind die heimatlichen Behörden somit als potentielle 

Verfolgerbehörden zu betrachten. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine 

materielle Prüfung der Flüchtlingseigenschaft erfolgt ist und somit noch 

nicht festgestellt worden ist, ob eine asylrelevante Gefährdung vorliegt, 

ist es systemwidrig, den Asylsuchenden während der Anhörung zu seinen 

Asylgründen aufzufordern, Kontakt mit seinen heimatlichen Behörden 

aufzunehmen.  

3.3.2 In diesem Zusammenhang ist auch Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG 
zu beachten, der auf Art. 1 C FK verweist. Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b 

AsylG i. V. m. Art. 1 C Ziff. 1 FK wird die Flüchtlingseigenschaft eines 

anerkannten Flüchtlings widerrufen, wenn sich eine Person, welche die 

Flüchtlingseigenschaft erfüllt, freiwillig wieder unter den Schutz des 

Landes stellt, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt. Mit einer solchen 

Handlung gibt der Flüchtling zu erkennen, dass keine begründete Furcht 

mehr vor Verfolgung besteht und dass kein internationaler Schutz mehr 

erforderlich ist (vgl. GUY S. GOODWIN-GILL/JANE MCADAM, The Refu-

gee in International Law, 3. Aufl., Oxford 2007, S. 135 ff.; JAMES C. 

HATHAWAY, The Law of Refugee Status, Toronto/Vancouver 1991, 

Reprint 1996, S. 191 ff.). Als eine solche Unterschutzstellung gelten in 

der Regel alle Handlungen, die auf die Wiederherstellung der normalen 

Beziehung mit den Behörden des Heimatlandes abzielen, namentlich die 

Registrierung beim Konsulat oder die Beantragung eines neuen Passes, 

wobei letztere Handlung in der Praxis einen der wichtigsten Anwen-

dungsfälle der Unterschutzstellung darstellt (vgl. GOODWIN-GILL/MC 

ADAM, a. a. O., S. 136; HATHAWAY, a. a. O., S. 192; United Nations High 

Commissioner for Refugees [UNHCR], Handbuch über Verfahren und 

Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1979, 

Rz. 121 ff. S. 33; JOAN FITZPATRICK/RAFAEL BONOAN, Cessation of 

refugee protection, in: Erika Feller/Volker Türk/Frances Nicholson 

[Hrsg,], Refugee Protection in International Law. UNHCR's Global 

Consultations on International Protection, Cambridge 2003, S. 523 ff.; 

für die schweizerische Literatur und Praxis vgl. insbes. SAMUEL 

WERENFELS, Der Begriff des Flüchtlings im schweizerischen Asylrecht, 

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Bern/Frankfurt am Main/New York/Paris 1987, S. 307 ff.; ALBERTO 

ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch des Asylrechts, 

2. Aufl., Bern/Stuttgart 1991, S. 202 f.; sowie Entscheidungen und Mit-

teilungen der schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1998 

Nr. 29; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E–2912/2010 vom 6. Sep-

tember 2010). Analoge Überlegungen gelten bereits im Asylverfahren; 

verwirklicht eine asylsuchende Person Tatbestände, die bei einem aner-

kannten Flüchtling zur Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft führen 

können, steht dies bereits der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft im 

Asylverfahren entgegen, denn es wäre « sinnlos […], zuerst Asyl zu 

gewähren und dieses sogleich zu widerrufen » (ACHERMANN/HAUS-

AMMANN, a. a. O., S. 200). 

3.3.3 Das verfassungsmässige Prinzip von Treu und Glauben und das 
Vertrauensprinzip verpflichten die Behörden zu loyalem und vertrauens-

würdigem Verhalten im Rechtsverkehr (vgl. Art. 5 Abs. 3 der Bundes-

verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 

[BV, SR 101] und Art. 9 BV; vgl. dazu GIOVANNI BIAGGINI, Bundesver-

fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft und Auszüge aus der 

EMRK, den UNO-Pakten sowie dem BGG, Zürich 2007, Rz. 22 f. zu 

Art. 5 BV; ELISABETH CHIARIELLO, Treu und Glauben als Grundrecht 

nach Art. 9 der schweizerischen Bundesverfassung, Bern 2004, 

S. 224 ff.; ANDREAS AUER/GIORGIO MALINVERNI/MICHEL HOTTELIER, 

Droit constitutionnel suisse. Les droits fondamentaux, Bd. II, 2. Aufl., 

Bern 2006, N 1159 ff.; YVO HANGARTNER, in: Bernhard Ehrenzeller/Phi-

lippe Mastronardi/Rainer J. Schweizer/Klaus A. Vallender [Hrsg.], Die 

schweizerische Bundesverfassung. Kommentar, Zürich 2008, N. 41 zu 

Art. 5 BV; vgl. auch BVGE 2007/19 E. 3.3). Diesem Grundsatz ent-

springt insbesondere das Verbot des widersprüchlichen Verhaltens einer 

Behörde (vgl. AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, a. a. O., N. 1163 f.; RENÉ 

RHINOW/MARKUS SCHEFER, Schweizerisches Verfassungsrecht, 2. Aufl., 

Basel 2009, N. 1997). Es würde nun das Verbot des widersprüchlichen 

Verhaltens verletzen, wenn das BFM während des hängigen Asylverfah-

rens eine asylsuchende Person zu Handlungen auffordert, die ihr – da sie 

eine Unterschutzstellung im Sinne von Art. 1 C FK sind – bei der Aner-

kennung der Flüchtlingseigenschaft zum Nachteil gereichen. 

3.3.4 Daraus ergibt sich, dass es dem BFM aus dem verfassungs-
mässigen Grundsatz gemäss Art. 5 Abs. 3 BV und aus dem Vertrauens-

prinzip gemäss Art. 9 BV verwehrt ist, während des Asylverfahrens den 

Beschwerdeführer aufzufordern, sich seine Ausweispapiere bei seiner 

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konsularischen Vertretung beziehungsweise seiner Botschaft zu beschaf-

fen; dieses Verhalten ist im Rahmen eines Asylverfahrens unzulässig. 

3.4 Nach dem Gesagten sind demnach auch die Erwägungen der 
Vorinstanz nicht zu bestätigen, wonach der Beschwerdeführer seine Mit-

wirkungspflicht verletzt habe, indem er es unterliess, sich bei der Vertre-

tung seines Heimatlandes in Genf um Papiere zu bemühen. Zur Mitwir-

kungspflicht des Asylsuchenden im Asylverfahren gehört es, seine Iden-

tität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzugeben, an der 

Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der Anhörung die 

Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeich-

nen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometri-

schen Daten mitzuwirken (vgl. Art. 8 AsylG; Art. 13 des Verwaltungs-

verfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]). Es 

kann aber gerade nicht zur Mitwirkungspflicht gehören, mit den Heimat-

behörden – und damit mit den potentiellen Verfolgerbehörden – in Kon-

takt zu treten. Gemäss Art. 8 Abs. 4 AsylG ist die betroffene Person ex-

plizit erst nach Vorliegen eines vollziehbaren Wegweisungsentscheides – 

folglich nach erfolgter rechtskräftiger Beurteilung der Flüchtlingseigen-

schaft – verpflichtet, bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzu-

wirken. 

3.5 Die auf Vernehmlassungsebene eingereichte Stellungnahme der 
Vorinstanz – sie habe den Beschwerdeführer zur Kontaktaufnahme mit 

den heimatlichen Behörden auffordern dürfen, weil er offensichtlich nur 

eine Drittverfolgung geltend gemacht habe – bleibt unbehelflich. Es ist 

nämlich irrelevant, auf welcher Begründung basierend der Flüchtlings-

status beantragt wird und welche die Flüchtlingseigenschaft begrün-

denden Vorbringen dargetan werden. Insbesondere kann nicht ausschlag-

gebend sein, ob der Beschwerdeführer direkte oder indirekte staatliche 

Verfolgung oder private Verfolgung, gegen die er in seinem Heimatstaat 

aufgrund flüchtlingsrechtlich relevanter Motive keinen hinlänglichen 

Schutz finden könne, geltend macht; seit dem mit Grundsatzentscheid 

EMARK 2006 Nr. 18 vollzogenen Paradigmenwechsel, mit dem sich die 

damalige ARK von der sogenannten Zurechenbarkeitstheorie abgewen-

det und zur sogenannten Schutztheorie bekannt hat, sind die Fragen der 

staatlichen oder privaten Urheberschaft des Verfolgers nicht mehr von 

Bedeutung. Zu prüfen ist vielmehr die Frage der hinlänglichen Schutz-

fähigkeit und Schutzwilligkeit des Heimatstaates. 

3.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aufforderungen der 
Vorinstanz an den Beschwerdeführer während des hängigen Asylverfah-

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rens, sich bei den Heimatbehörden Identitätspapiere ausstellen zu lassen, 

unzulässig waren und dass die entsprechenden Erwägungen – der Be-

schwerdeführer habe in diesem Zusammenhang seine Mitwirkungspflicht 

verletzt, weshalb auch keine entschuldbaren Gründe für die Nichtabgabe 

von Identitätspapieren bejaht werden könnten – nicht aufrechterhalten 

werden können. 

3.7 Wie indessen aus der nachfolgenden Erwägung hervorgeht, ist 
das BFM im Ergebnis dennoch zu Recht zum Schluss gelangt, der Be-

schwerdeführer könne für die Nichteinreichung von Identitätspapieren 

keine entschuldbaren Gründe gemäss Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG auf-

zeigen.  

4. – 5. (…) 

6.   
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar 
oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von 

Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Ausländergesetzes 

vom 16. Dezember 2005 [AuG, SR 142.20]).  

6.2 – 6.3 (…)  

6.4 Schliesslich obliegt es – aber erst zum jetzigen Zeitpunkt – dem 
Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates 

die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen 

(Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG; BVGE 2008/34 E. 12).  

6.5 Hinsichtlich der angemessenen Ausreisefrist setzt das Gericht 
die diesbezügliche Praxis der damaligen ARK fort (vgl. EMARK 2004 

Nr. 27); es übt Zurückhaltung bei der Bestimmung der angemessenen 

Ausreisefrist, hält aber das Faktum fest, falls eine Ausreisefrist offen-

sichtlich unangemessen ist. Angesichts des Zeitablaufs seit dem 12. März 

2009 – dem Zeitpunkt der Verfügung des BFM – ist die damals ange-

setzte kurze Ausreisefrist (« am Tag nach Eintritt der Rechtskraft ») nicht 

mehr angemessen. Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung ist daher aufzu-

heben, und das BFM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine ange-

messene Ausreisefrist anzusetzen.