# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fd9c89b5-2f69-5066-9e7e-5b4ad2a21e53
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-11-25
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 25.11.2010 SE100016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SE100016_2010-11-25.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
   
 
 

Geschäfts-Nr. SE100016/U/eh 

 

I. Strafkammer 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. F. Bollinger, Vorsitzender, lic. iur. R. Naef  

und Ersatzoberrichter lic. iur. E. Leuenberger sowie die juristische  

Sekretärin lic. iur. N. Burri 
 

Urteil vom 25. November 2010 

 

in Sachen 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. C. Kasper,  

Anklägerin 
 

sowie 
 

Geschädigter gemäss Anklageschrift 
 

gegen 
 

1. A._____,  
2. B._____,  
Angeklagte 

1  amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

2  amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

 

 

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. 
 
 
 

Anklage: 
(Urk. 41) 

-   2   - 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 1. Juni 

2010 ist diesem Urteil beigeheftet. 

 

Anträge: 

a) der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich: 

(Urk. 61 S. 2) 

1. Die Angeklagten seien im Sinne der Anklage für schuldig zu sprechen. 

2. Der Angeklagte A._____ sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 ¼ Jahren, 

unter Anrechnung der erstandenen Haft, zu bestrafen. 

3. Der Angeklagte B._____ sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, un-

ter Anrechnung der erstandenen Haft, zu bestrafen. 

4. In Bezug auf A._____ sei eine stationäre Massnahme gemäss Art. 59 

StGB anzuordnen. 

5. In Bezug auf B._____ sei eine Massnahme für junge Erwachsene im 

Sinne von Art. 61 StGB anzuordnen. 

6. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV des  

Kantons Zürich vom 11. März 2010 beschlagnahmte Stahlrohr sei frei-

zugeben und der Eigentümerin C._____ herauszugeben. Das mit  

Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons  

Zürich vom 8. März 2009 beschlagnahmte Mobiltelefon Sony Ericsson 

sei einzuziehen und zu vernichten. 

7. Kostenauflage. 

 

b) der Vertreterin des Geschädigten: 

(Urk. 62 S. 1) 

-   3   - 

1. Die Angeklagten A._____ und B._____ seien antragsgemäss schuldig 

zu sprechen und hierfür angemessen zu bestrafen. 

2. Weiter seien beide Angeklagten unter solidarischer Haftung zu  

verpflichten, dem Geschädigten Fr. 1'056.– Schadenersatz sowie 

Fr. 20'000.– Genugtuung zu bezahlen. 

Dies unter den gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

c) des Verteidigers des Angeklagten A._____: 

(Urk. 65 S. 1, Prot. S. 45) 

1. Schuldigsprechung im Sinne der Anklage. 

2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten. 

3. Vollzug von 12 Monaten Freiheitsstrafe unter Anrechnung der bereits 

erstandenen Haft. 

4. Gewährung des bedingten Strafvollzugs für die verbleibenden  

12 Monate unter Ansetzung einer dreijährigen Probezeit. 

5. Anordnung einer Bewährungshilfe während der Probezeit. 

6. Anerkennung der Zivilforderungen des Opfers im Grundsatz. 

7. Kostenauflage, definitive Abschreibung infolge offensichtlicher  

Uneinbringlichkeit. 

8. Einziehungsfolgen gemäss Anträgen der Staatsanwaltschaft. 

 

d) des Verteidigers des Angeklagten B._____: 

(Urk. 67 S. 1 f.) 

 

-   4   - 

1. Der Angeklagte sei schuldig zu sprechen der Tätlichkeiten im Sinne 

von Art. 126 StGB gegenüber dem Geschädigten D._____. 

Eventualiter sei der Angeklagte schuldig zu sprechen der versuchten 

einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Der Angeklagte sei freizusprechen vom Vorwurf der versuchten  

schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

3. Das Urteil bzw. zumindest die Festlegung des Strafmasses seien aus-

zusetzen bis zum Entscheid des Kassationsgerichtes des Kantons  

Zürich im Verfahren Nr. AC100017 bzw. dem Entscheid des  

Schweizerischen Bundesgerichtes im Verfahren Nr. 6B_755/2010 und 

alsdann eine Zusatzstrafe auszufällen. 

Eventualiter sei der Angeklagte zu bestrafen mit einer Busse von 

Fr. 3'000.–. Im Eventualfall gemäss vorstehend Ziff. 1 Abs. 2 sei der 

Angeklagte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe im Sinne von Art. 41 

Abs. 1 StGB in der Höhe von 4 Monaten zu bestrafen. 

4. Die Zivilansprüche des Geschädigten D._____ seien abzuweisen. 

5. Die erstandene Überhaft von 13 Monaten sei an die Strafe im Ver-

fahren Nr. SE100006 des Obergerichtes des Kantons Zürich  

anzurechnen. Eventualiter sei der Angeklagte für die erstandene Über-

haft angemessen zu entschädigen. 

 

6. Die Kosten des Verfahrens seien zu einem Viertel dem Angeklagten 

aufzuerlegen, zu drei Vierteln zulasten des Staates. Die dem Angeklag-

ten auferlegten Kosten seien zufolge Uneinbringlichkeit definitiv  

abzuschreiben bzw. mit einer Entschädigung im Sinne von Ziff. 5 vor-

stehend zu verrechnen. 

-   5   - 

 

Das Gericht erwägt: 
 

1. Verfahrensgang und Prozessuales 

1.1. Am 1. Juni 2010 erhob die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich bei der 
Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Zürich die heute zu beurteilende 

Anklage (Urk. 41). Sie beantragt darin, die beiden Angeklagten A._____ (Ange-

klagter 1) und B._____ (Angeklagter 2) seien der versuchten schweren Körperver-

letzung, begangen in Mittäterschaft, zu verurteilen. A._____ sei weiter der einfa-

chen Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs schuldig zu sprechen und zu 

bestrafen.  

1.2. Über den untersuchungsrichterlichen Verfahrensgang gibt der Bericht über 
die Untersuchungsergebnisse der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

6. Mai 2010 Auskunft (Urk. 37). 

1.3. Mit Verfügung vom 2. Juni 2010 eröffnete die Anklagekammer des Ober-
gerichts des Kantons Zürich das Anklagezulassungsverfahren (Urk. 42). Mit 

Schreiben vom 9. Juni 2010 liess der Angeklagte A._____ erklären, dass  

er keine Einwendungen gegen die Anklage erhebe, dass er sowohl den einge-

klagten Sachverhalt als auch dessen rechtliche Würdigung anerkenne und er die 

Beurteilung des eingeklagten Sachverhalts durch das Obergericht wünsche  

(Urk. 45). Mit Datum vom 22. Juni 2010 erklärte der Angeklagte B._____, dass 

gegen die Anklage grundsätzlich keine Mängel erhoben würden. Er bestreite auch 

nicht, sich an der Auseinandersetzung zwischen A._____ und dem Geschädigten 

beteiligt zu haben. Er bestreite jedoch den Vorwurf der Anklägerin, dass er ver-

sucht haben solle, den Geschädigten schwer zu verletzen und dabei eine schwe-

re Verletzung des Geschädigten in Kauf genommen habe. Ebenfalls werde die 

rechtliche Würdigung bestritten. B._____ erklärte gestützt auf  

§ 198a Ziff. 3 lit. c StPO, dass er zur Beurteilung der Anklage das Obergericht des 

Kantons Zürich wähle (Urk. 50). Mit Beschluss vom 5. Juli 2010 überwies die  

-   6   - 

Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Zürich A._____ gestützt auf  

§ 198a Abs. 1 Ziff. 2 lit. a StPO und B._____ gestützt auf § 198a Abs. 1  

Ziff. 3 lit. c StPO dem Obergericht des Kantons Zürich zur Beurteilung (Urk. 52). 

1.4. A._____ wurde am tt.mm.2009, 22.45 Uhr, verhaftet (Urk. 25/2) und mit Ver-
fügung des Haftrichters des Bezirksgerichts Zürich vom 18. Juni 2009 wurde er in 

Untersuchungshaft versetzt (Urk. 25/6). Mit Verfügung vom 15. Juni 2010 der An-

klagekammer des Obergerichts des Kantons Zürich wurde über A._____ die Si-

cherheitshaft angeordnet (Urk. 46). B._____ wurde am 18. Juni 2009 um  

10.00 Uhr von der Polizei verhaftet (Urk. 26/3) und mit Verfügung des Haftrichters 

des Bezirksgerichts Zürich vom 19. Juni 2009 wurde über ihn die Untersuchungs-

haft angeordnet (Urk. 26./8). Gegen die Anordnung der Untersuchungshaft erhob 

B._____ Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht, welche Beschwerde mit 

Urteil des Bundesgerichts, I. öffentlich-rechtliche Abteilung, vom 5. November 

2009, abgewiesen wurde (Urk. 26/12 und 26/19). Mit Verfügung der Anklage-

kammer des Obergericht des Kantons Zürich vom 15. Juni 2010 wurde über 

B._____ die Sicherheitshaft angeordnet (Urk. 46). 

1.5. Am 25. November 2010 fand die Hauptverhandlung statt, zu welcher die  
zuständige Staatsanwältin als Vertreterin der Anklagebehörde, die beiden Ange-

klagten mit ihren amtlichen Verteidigern und die Vertreterin des Geschädigten  

erschienen (Prot. S. 2). Anlässlich der Hauptverhandlung stellten die Partei-

vertreter die eingangs erwähnten Anträge. 

 

 

2. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

2.1. Anklageziffer I., Einfache Körperverletzung  

2.1.1. A._____ wird gemäss Anklageschrift Ziffer I. S. 3 zusammengefasst vorge-
worfen, am tt.mm.2009, zirka 22.45 Uhr, in der Nähe des E1._____ [Bahnhof in 

Stadt F._____] bei der E._____ [Platz] vor dem Zebrastreifen in F._____ in  

-   7   - 

Mittäterschaft mit G._____ und G1._____ (beide separate Verfahren) dem Ge-

schädigten von vorne zweimal mit der rechten Faust auf dessen Mund  

geschlagen zu haben, während der Geschädigte von G._____ von hinten an den 

Armen festgehalten worden sei. Dabei habe der Geschädigte eine Hirnerschütte-

rung, den Verlust von zwei Zähnen, eine Rissquetschwunde an der Unterlippe 

und eine Prellung des Ellenbogens rechts erlitten, wobei jeder Beteiligte von den 

Schlägen des anderen gewusst bzw. diese zumindest in Kauf genommen  

habe und A._____ gewusst habe, dass die genannten Verletzungen entstehen 

können, was er denn auch gewollt bzw. zumindest in Kauf genommen  

habe. 

2.1.2. Der Anklagesachverhalt stützt sich hinsichtlich des Tatgeschehens im  
Wesentlichen auf die Aussagen des Geschädigten (Urk. 12/9) sowie der Zeugen 

H1._____ (Urk. 13/29), H2._____ (Urk. 13/31) und H3._____ (Urk. 13/34). Der 

Angeklagte A._____, welcher im Rahmen der Untersuchung wiederholt befragt 

wurde (vgl. Urk. 9/2, 9/3, 9/12, 9/13), anerkannte letztlich in der Schlusseinver-

nahme vom 24. März 2010 den eingeklagten Sachverhalt (Anklageziffer I. betref-

fend einfache Körperverletzung) vollumfänglich (Urk. 9/15 S. 9f.). Mit Eingabe 

vom 9. Juni 2010 an die Anklagekammer liess der Angeklagte A._____ durch sei-

nen amtlichen Verteidiger erklären, dass er keine Einwendungen gegen die An-

klage erhebe und den eingeklagten Sachverhalt anerkenne (Urk. 45). Auch an-

lässlich der heutigen Berufungsverhandlung anerkannte er den eingeklagten 

Sachverhalt (Prot. S. 29; Urk. 65 S. 1). Das Geständnis deckt sich mit dem Unter-

suchungsergebnis und stimmt insbesondere auch mit den Aussagen des Ge-

schädigten und der Zeugen H1._____, H2._____ und H3._____, welche den Tat-

vorgang aus nächster Nähe beobachteten, überein.  

Der Anklagesachverhalt Ziffer I. ist demnach rechtsgenügend erstellt. 

Der rechtlichen Würdigung der Anklagebehörde ist zuzustimmen. Die durch den 

Angriff des Angeklagten A._____ bewirkten Verletzungen beim Geschädigten sind 

als einfache Körperverletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu qua-

lifizieren. 

-   8   - 

 

2.2. Anklageziffer II., versuchte schwere Körperverletzung 

2.2.1. Unter Anklageziffer II. wirft die Anklagebehörde den Angeklagten A._____ 
und B._____ zusammengefasst vor, gewaltsam gegen den Geschädigten vorge-

gangen zu sein, wobei die beiden Angeklagten von den gewaltsamen Handlungen 

des anderen gewusst und diese auch gewollt hätten, bzw. zumindest in Kauf  

genommen und gewusst hätten, dass durch deren Handlungen schwere oder  

lebensgefährliche Verletzungen des Geschädigten resultieren könnten bzw. diese 

zumindest in Kauf genommen hätten. Das gewaltsame Vorgehen sei wie folgt ab-

gelaufen: 

A._____ sei dem Geschädigten (nach dem Vorfall gemäss Anklageziffer I.) in den 

E1._____ nachgerannt und habe in der Nähe des Restaurants … den Geschädig-

ten eingeholt, diesen an dessen Genick bzw. Haaren festgehalten und versucht, 

zu Boden zu reissen, währenddem der ebenfalls herbeigeeilte Angeklagte 

B._____ noch in der rennenden Bewegung mit Schwung mit dem rechten Fuss 

bewusst und gewollt gegen den Kopf bzw. Halsbereich des Geschädigten getre-

ten habe, wobei er den Geschädigten verfehlt habe. A._____ habe den Geschä-

digten weiterhin festgehalten und in Richtung Boden gedrückt, während B._____ 

mit seinem rechten Fuss versucht habe den halb am Boden liegenden Geschä-

digten halb auf Kopfhöhe gegen den Kopf- bzw. Gesichtsbereich zu treten. In der 

Folge habe B._____ den auf dem Boden liegenden Geschädigten mit der rechten 

Hand am rechten Fuss und mit der linken Hand am rechen Wadenbein gepackt, 

währenddem A._____ ein sich neben ihm befindliches 4.7 Kilogramm schweres 

und etwa 1.02 Meter langes Eisenrohr behändigt habe, dieses mit beiden Händen 

etwa auf Gesichtshöhe gehoben und alsdann mit hoher Geschwindigkeit bewusst 

und gewollt in Richtung Kopf bzw. Nacken des Geschädigten geschlagen habe, 

wobei er diesen verfehlt habe. Dabei sei B._____ dem Eisenrohr ausgewichen 

und habe den rechten Fuss und die rechte Wade des Geschädigten losgelassen. 

Darauf habe A._____ die Eisenstange erneut etwa auf Kopfhöhe hochgehoben 

und damit bewusst und gewollt in Richtung Nacken des Geschädigten geschla-

gen, wobei er diesen erneut verfehlt habe. Währenddessen habe B._____ ver-

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sucht, mit dem rechten Fuss in Richtung Gesicht/Kopf des Geschädigten zu tre-

ten. Schliesslich hätten unbeteiligte Passanten eingegriffen und die beiden Ange-

klagten festgehalten, so dass der Geschädigte habe flüchten können. 

2.2.2. Die Anklagebehörde stützt ihren Vorwurf im Wesentlichen auf die Videoauf-
zeichnung der Überwachungszentrale des E1._____ (Urk. 15/4) sowie die 3-D 

Rekonstruktion des Unfalltechnischen Dienstes der Stadtpolizei F._____ (Urk. 

19/2) und die Biomechanische Beurteilung des I._____ (Urk. 19/5). Weiter liegen 

die Aussagen der beiden Angeklagten A._____ und B._____ vor. 

2.2.3. Der Geschädigte erklärte anlässlich der Zeugeneinvernahme vom  
28. August 2009, dass er nach der Auseinandersetzung mit dem Angeklagten 

A._____ (Anklageziffer I.) in die Haupthalle des E1._____ gerannt sei. Wie er 

schlussendlich zur Polizei gekommen sei, wisse er nicht mehr (Urk. 12/9 S. 4). An 

die Auseinandersetzung in der Bahnhofshalle könne er sich nicht erinnern  

(Urk. 12/9 S. 7). Er könne sich erst wieder ab jenem Zeitpunkt erinnern, als er im 

Polizeiposten gewesen sei (Urk. 12/9 S. 4). Zur Erstellung des Sachverhalts kön-

nen demnach die Aussagen des Geschädigten nichts beitragen. 

2.2.4. Der Angeklagte A._____ wurde zu diesem Anklagevorwurf in der  
Untersuchung mehrfach befragt und er anerkannte schliesslich in der Schlussein-

vernahme vom 24. März 2010 den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt. Er 

fügte jedoch an, was seinen Bruder (B._____) betreffe, mache er von seinem 

Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 9/15 S. 9f.). Mit Eingabe vom 9. Juni 

2010 liess der Angeklagte A._____ durch seinen Verteidiger erklären, dass er den 

eingeklagten Sachverhalt und dessen rechtliche Würdigung anerkenne (Urk. 45). 

Auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erklärte sich A._____  

geständig und anerkannte die rechtliche Würdigung der Anklagebehörde  

(Prot. S. 29; Urk. 65 S. 1f.).  

2.2.5. Auch der Angeklagte B._____ wurde zu diesem Anklagevorwurf in der Un-
tersuchung mehrfach befragt (vgl. Urk. 10/2, 10/3, 10/12 und 10/15).  

Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 30. April 2010 erklärte B._____ zum An-

klagevorwurf, es sei ein bisschen viel gelogen und zum Vorhalt, dass dies in Mit-

-   10   - 

täterschaft mit A._____ erfolgt sei, erklärte er "nein" (Urk. 10/15 S. 9f.). Mit 

Schreiben vom 22. Juni 2010 liess der Angeklagte B._____ durch seinen  

Verteidiger erklären, dass er nicht bestreite, sich an der Auseinandersetzung  

zwischen seinem Bruder (A._____) und dem Geschädigten beteiligt zu haben. Er 

bestreite jedoch den Vorwurf, dass er versucht haben soll, den Geschädigten 

schwer zu verletzen und dabei ein schwere Verletzung des Geschädigten in Kauf 

genommen habe (Urk. 50).  

2.2.6. Soweit der Angeklagte B._____ den ihm vorgeworfenen Sachverhalt nicht 
anerkennt, ist dieser aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vor-

gebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Im 

Folgenden sind daher vorweg die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung 

festzuhalten: 

Die bestrittenen Sachverhalte sind aufgrund der Untersuchungsakten und der vor 

Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu 

erstellen. Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 

EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis 

seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklag-

te unschuldig ist (Urteile des Bundesgerichts 1P.587/2003 vom  

29. Januar 2004, E. 7.2. und 1P.437/2004 vom 1. Dezember 2004, E. 4.2. f.;  

Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 180; BGE 127 I 40, 120 Ia 31 E. 2b). Als 

Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von 

der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt  

erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der 

Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Überzeugung des Richters muss auf einem 

verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen 

Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches 

Strafprozessrecht, 6. A., Basel/Genf/München 2005, Rz 11 ff. zu § 54). Dabei  

beruht die nötige richterliche Überzeugung nicht auf äusseren, sondern alleine auf 

der inneren Autorität eines Beweismittels, bestehend in dessen zwingend-

überzeugender Kraft (Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich 2004, Rz 291; 

-   11   - 

drs. Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St.Gallen 2009, 

Rz 229).  

Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des 

Angeklagten hätte zweifeln müssen (BGE 127 I 41, 124 IV 87 E. 2a). Wenn  

erhebliche oder nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachver-

halt so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, so ist der Angeklagte nach dem 

Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio pro 

reo", in ZBJV 1993 S. 419 f.). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der 

Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen  

Indizien, deren "Mosaik" (Arzt, In dubio contra, in Zeitschrift für Strafrecht 115,  

S. 197) zu würdigen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4; Pra 2002 

Nr. 180 S. 962 f. Ziff. 3.4.).  

Ein Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld des Ange-

klagten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür vor-

liegen, dass der Angeklagte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den ihm 

zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann nicht verlangt  

werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen  

Aspekten unwiderlegbar feststehe (Schmid, a.a.O., Rz 288, S. 96). Es muss ge-

nügen, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld des Angeklagten ausgeschlossen 

werden können. Aufgabe des Richters ist es, seinem Gewissen verpflichtet, in  

objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses, zu prüfen, ob er von  

einem bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an 

dessen Richtigkeit zu überwinden vermag (§ 284 StPO; ZR 72 Nr. 80; Guldener, 

Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4.;  

BGE 124 IV 88, 120 Ia 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit 

menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung 

erreicht werden kann; daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis über 

jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid vom  

26. Juni 2003 Nr. 2002/387S E. 2.2.1 samt Hinweisen). Bloss abstrakte oder theo-

retische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich 

sind (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., Rz 12 zu § 54, und Urteile des Bundes-

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gerichtes 6B_297/2007 vom 4. September 2007 E. 3.4. und 1P.587/2003 vom  

29. Januar 2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld 

ausgeschlossen werden können, hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser 

Wahrscheinlichkeit beruhen. Lässt sich ein Sachverhalt nicht mit letzter Gewiss-

heit feststellen, was schon im Wesen menschlichen Erkenntnisvermögens liegt, 

so hindert dies den Richter nicht, subjektiv mit Gewissheit davon überzeugt zu 

sein.  

Dabei können auch indirekte, mittelbare Beweise, sogenannte Anzeichen oder  

Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen Schluss erlauben. Indizien 

sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, unmittelbar erhebliche Tat-

sache zulassen. Beim Indizienbeweis wird mithin vermutet, dass eine nicht be-

wiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfolgerung aus bewiesenen 

Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung aufdrängt. Der Indizienbeweis ist 

dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59  

Rz. 14). Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die  

Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des 

Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (Hans Walder, Der Indizien-

beweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309, derselbe, Die Beweisführung in 

Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es ist  

jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je  

für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine be-

stimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, 

auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu schliessen  

(Hauser/ Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 Rz. 15 und Urteil des Bundesgerichtes 

6B_297/2007 vom 4. September 2007 E. 3.4.).  

Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese frei 

zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und den 

Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend 

ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, ver-

bunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der Würdigung von 

Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdig-

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keit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die Glaub-

haftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Gemäss BGE 129 I 49 

E.5 hat sich bei der Abklärung des Wahrheitsgehalts von Aussagen die Aussa-

geanalyse weitgehend durchgesetzt. Nach dem empirischen Ausgangspunkt der 

Aussageanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche 

geistige Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, ob die 

aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen 

Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen  

Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise 

vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens 

durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, so genannte Real-

kennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des 

Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft 

und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert werden. Bei 

der Glaubhaftigkeitsbegutachtung ist immer davon auszugehen, dass die Aus-

sage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese  

Unwahrhypothese (Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht mehr in  

Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die Alternativ-

hypothese, dass die Aussage wahr sei. Erforderlich ist dafür besonders auch die 

Analyse der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage (vgl. dazu 

die im erwähnten BGE angegebene Literatur). 

Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, das heisst, der 

verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tat-

bestandselemente nachzuweisen (vgl. dazu Schmid, a.a.O., S. 198, N 599) und 

nicht der Angeklagte hat seine Unschuld zu beweisen (BGE 127 I 40 und Urteile 

des Bundesgerichtes 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2. und 1P.437/2004 

vom 1. Dezember 2004, E. 4.3.; 6S.154/2004 vom 30. November 2005 E. 4). 

2.2.7. Wie erwähnt, bestreitet der Angeklagte B._____ versucht zu haben, den 
Geschädigten schwer zu verletzen und dabei schwere Verletzungen des  

Geschädigten in Kauf genommen zu haben. Ebenso bestreitet er das Vorgehen in 

-   14   - 

Mittäterschaft mit A._____. Den äusseren Tatablauf wie er in der Anklage um-

schrieben ist, wird von B._____ anerkannt.  

B._____ führte dazu in der Schlusseinvernahme vom 30. April 2010 aus, wenn 

man einen Menschen mit Fusstritten, wie in der Anklage umschrieben,  

gegen den Kopf oder das Gesicht trete, könnten Beulen, Schürfungen, blaue  

Flecken oder im schlimmsten Fall ein Nasenbeinbruch resultieren. Er ergänzte, 

dass es aufgrund eines heftigen Fusstritts gegen den Kopf zu einer Gehirn-

erschütterung kommen könne (Urk. 10/15 S. 3). Auch wenn er den Geschädigten 

getroffen hätte mit seinem Fusstritt, wäre der Geschädigte nicht schwer verletzt 

worden. Es sei nicht seine Absicht gewesen den Geschädigten zu verletzen und 

er habe diesen auch nicht verletzt. Auch habe er keine Lähmung des Geschädig-

ten in Kauf genommen oder dass dieser an der Luftröhre getroffen werde. Seine 

Absicht sei es gewesen, den Geschädigten und A._____ zu trennen (Urk. 10/15  

S. 5). Er habe an jenem Abend flache Turnschuhe getragen. Wenn er den  

Geschädigten getroffen hätte, hätte er ihn nicht schwer verletzt. Mit Schuhen mit 

grösseren Flächen könnten geringere Verletzungen entstehen. Was er mit den 

Tritten gewollt habe, wisse er nicht (Urk. 10/15 S. 6).  

Sein Bruder A._____ habe einen Schlüsselbeinbruch gehabt und deswegen eine 

Vorrichtung tragen müssen. Der Arzt von A._____ habe gesagt, dass dieser 

nichts heben dürfe. Er habe erst aufgrund des Tons realisiert, dass die Stange 

aus Stahl gewesen sei, als diese auf den Boden gefallen sei. Wie habe er wissen 

sollen, dass das Rohr 4 bis 5 Kilogramm gewogen habe, wenn er davon ausge-

gangen sei, dass sein Bruder nichts tragen könne. Er habe nicht gedacht, dass 

das Rohr so schwer sei. Es sei für ihn ein Rätsel, wie sein Bruder die Stange ha-

be anheben können (Urk. 10/15 S. 5 und 8).  

Er habe den Geschädigten mit dem Fusstritt nicht schwer verletzen wollen, son-

dern er habe A._____ und den Geschädigten nur trennen wollen. Was er gewollt 

habe, was er gemacht habe und was heraus gekommen sei, sei alles unter-

schiedlich (Urk. 10/15 S. 6). Es sei sicher nicht seine Absicht gewesen, dass der  

Geschädigte hätte sterben oder im Rollstuhl landen können. Auch habe er den 

-   15   - 

Geschädigten mit der Fusssohle und nicht mit dem Rist oder Fussspitz getroffen 

(Urk. 10/15 S. 8). 

2.2.8. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte B._____, er habe vom ersten 
Vorfall vor dem E1._____ zwischen A._____ und dem Geschädigten  

direkt nichts mitbekommen. G2._____ habe ihn dann gerufen und er habe zu sei-

nem Bruder gewollt, weil sein Bruder zuvor eine Operation an der Schulter gehabt  

habe und seinen Arm nicht habe belasten dürfen. Es sei dann eine Gruppe von 

zehn bis zwölf Jugendlichen gewesen und er habe nicht gewusst, wer mit wem 

etwas habe oder was mache. Als er angekommen sei, sei der Geschädigte  

weggerannt und sein Bruder hinterher. Weil der Geschädigte als einziger weg-

gerannt sei, habe er gedacht, dieser habe seinem Bruder etwas angetan. In  

jenem Zeitpunkt habe er nicht gewusst, dass der Geschädigte das Opfer gewesen 

sei. Nach dem ersten Vorfall sei er hingerannt, um die beiden zu trennen. Im 

E1._____ habe er diese Absicht nicht mehr gehabt (Prot. S. 39 bis 42). 

Auf entsprechende Frage bestätigte B._____, den Geschädigten am Fuss und 

Wadenbein gehalten zu haben. Warum er das gemacht habe, könne er nicht sa-

gen, um seinen Bruder zu beschützen. Er habe gesehen, wie sein Bruder 

A._____ mit der Stange geschlagen habe, aber er habe nicht gewusst, das es 

sich um eine Eisenstange gehandelt habe. Dies habe er erst gemerkt, als die 

Stange zu Boden gefallen sei. Er sei nicht zurück gewichen, als A._____ mit der 

Stange ausgeholt und zugeschlagen habe. Er habe den Geschädigten am Fuss 

gehalten und als dieser getreten habe, sei er zurück gewichen und nicht wegen 

der Stange. Er habe gedacht, die Stange sei aus Plastik. Sonst hätte er nie zuge-

lassen, dass A._____ den Geschädigten damit geschlagen hätte. Er frage sich bis 

heute, wie sein Bruder die Stange nach seiner Operation habe heben können. Er 

habe seinem Bruder bis zum Tattag hin helfen müssen, sich anzuziehen und der 

Arzt habe A._____ gesagt, er dürfe nichts Schweres heben (Prot. S. 43f.). 

Es sei richtig, dass er den Geschädigten nach dem ersten Schlag weiterhin ver-

sucht habe, zu treten. Er habe aber nicht gegen den Kopf treten wollen. Er  

komme gar nicht so hoch. Er hätte den Geschädigten vermutlich am Schädel  

getroffen und diesem im schlimmsten Fall das Nasenbein gebrochen. Es sei nicht 

-   16   - 

wie von der Staatsanwältin behauptet. Er habe auf die Hüfte des Geschädigten 

gezielt. Auf die Frage, was hätte passieren können, wenn A._____ den Geschä-

digten mit der Stange getroffen hätte, schwieg er zuerst und auf die Frage, ob er 

die Ausführungen dazu von seinem Bruder A._____ bestätigen könne, antwortete 

er, es könne alles möglich sein. Rückwirkend beurteile er den Vorfall als sinnlos. 

Er habe erst später erfahren, worum es gegangen sei und es hätte nicht so weit 

kommen müssen. Der Vorfall sehe aber schlimmer aus als er eigentlich sei. Beim 

ersten Fusstritt sei er fast einen halben Meter entfernt gewesen und er habe den  

Geschädigten nicht einmal getroffen. Es sei nicht gut zum anschauen, aber es sei 

noch lange nicht so schlimm, wie es behauptet werde (Prot. 45 bis 47). 

2.2.9. Nach der bundesgerichtlichen Umschreibung gilt als Mittäter, wer bei der 
Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in mass-

gebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Haupt-

beteiligter dasteht; dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Um-

ständen des konkreten Falles und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so  

wesentlich ist, dass die Tat mit ihm steht oder fällt (BGE 133 IV 76 ff.; BGE 120 IV 

265 ff). 

Mittäterschaft verlangt in objektiver Hinsicht keine direkte Beteiligung an der  

Ausführung der konkreten Straftat. Auch die massgebliche Tatherrschaft bzw. Mit-

Tatherrschaft begründende Beteiligung an der Entschlussfassung bzw. an der 

Planung oder Koordination kann genügen (BGE 133 IV 76, 82; 130 IV 58). An 

spontanen, nicht geplanten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten ist Mit-

täterschaft möglich. Dem einen Täter sind die vom anderen im Rahmen des  

gemeinsamen Plans verübten Taten auch dann zuzurechnen, wenn er selber im 

betreffenden Ausführungsstadium nicht mehr Mitinhaber der Tatherrschaft ist,  

sofern eine enge, zeitliche, räumliche und sachliche Beziehung zwischen den 

gemeinsam vorgenommenen Tathandlungen und dem eingetroffenen Erfolg zu 

bejahen ist (BGE 108 IV 92 ff.; BSK StGB II, Marc Forster, N 9 vor Art. 24). Bei 

Mittäterschaft gibt es demnach keine Beschränkung der Haftung auf die "eigenen" 

kausalen Tatbeiträge. 

-   17   - 

In subjektiver Hinsicht setzt Mittäterschaft Vorsatz und einen gemeinsamen Ta-

tentschluss voraus. Der gemeinsame Tatentschluss braucht nicht ausdrücklich zu 

sein, er kann auch bloss konkludent begründet werden, wobei Eventualvorsatz 

genügt. Es ist auch nicht erforderlich, dass der Mittäter an der ursprünglichen 

Entschlussfassung mitwirkt. Es genügt, dass er sich später - sukzessive (spätes-

tens bis zur Vollendung des Deliktes) - den Vorsatz seines Mittäters zu eigen 

macht (BGE 130 IV 58 ff.; 125 IV 134 ff., BGE 126 IV 84, 88; BSK StGB I - Fors-

ter, vor Art. 24 N 12,).  

Mittäterschaft ist damit auch möglich, wenn die konkrete Tat nicht im Voraus  

geplant und aufgrund eines vorher gefassten gemeinsamen Tatentschlusses aus-

geführt wurde. Der Mittäter muss sich dem Tatentschluss in der Weise  

angeschlossen haben, dass er als Hauptbeteiligter erscheint (BGE 130 IV 58 

E. 9.2.1 S. 66; BGE 125 IV 134 E. 3a S. 136 mit weiteren Hinweisen). Einerseits 

ist also das blosse Wollen der Tat zur Begründung von Mittäterschaft nicht aus-

reichend; andererseits ist für die Qualifizierung von Mittäterschaft nicht erforder-

lich, dass der Mittäter an der eigentlichen Tatausführung selber beteiligt sei bzw. 

diese zu beeinflussen vermöge (BGE 118 IV 227 E. 5d/aa S. 230). 

2.2.10. Dem Geschehen in der Bahnhofshalle ging die heftige tätliche Auseinan-
dersetzung gemäss Anklageziffer I. zwischen dem Angeklagten A._____ und dem 

Geschädigten voraus, bei welcher der Geschädigte verletzt wurde.  

B._____ wusste von dieser Auseinandersetzung und rannte dem Angeklagten 

A._____ und dem Geschädigten nach, als diese nach der Auseinandersetzung 

Richtung Bahnhofshalle wegrannten (vgl. Urk. 10/3 S. 3). Auch heute erklärte der 

Angeklagte B._____, G2._____ sei zu ihm gekommen und habe ihn gerufen, wo-

rauf er zu A._____ gewollt und ihm und dem Geschädigten nachgerannt sei. Weil 

A._____ dem Geschädigten hinterher gerannt sei, sei er davon ausgegangen, 

dass diese beiden eine Auseinandersetzung miteinander gehabt hätten (Prot. S. 

40f.) Der Angeklagte B._____ gab an, er habe A._____ und den  

Geschädigten nur trennen wollen. Diese Aussage findet jedoch in der Videoauf-

zeichnung (Urk. 15/4) keine Bestätigung. Anlässlich der Berufungsverhandlung 

räumte er denn auch ein, im E1._____ habe er nicht mehr die Absicht gehabt, die 

-   18   - 

beiden zu trennen (Prot. S. 42). Aus der Videoaufzeichnung ist ersichtlich, dass 

sich B._____ kurz nachdem A._____ den Geschädigten eingeholt und gepackt 

hatte, dem tätlichen Vorgehen von A._____ gegen den Geschädigten anschloss 

und diesen vielmehr "unterstützte". Hätte er die beiden trennen wollen, hätte er 

sich zwischen die beiden gestellt oder einen der beiden Personen vom anderen 

weggezogen und nicht auf den Geschädigten eingetreten und diesen festgehal-

ten. Zuzustimmen ist, dass der ursprüngliche Tatenschluss von A._____ ausging. 

Indem B._____ in der im Anklagesachverhalt umschriebenen Weise gegen den 

Kopf bzw. Halsbereich des Geschädigten zu treten versuchte und diesen in der 

Folge am Fuss und Wadenbein festhielt, schloss er sich dem gewaltsamen  

Vorgehen gegen den Geschädigten an und machte sich den bereits bestehenden 

Vorsatz von A._____ zu eigen. Der Geschädigte wurde jeweils von einem oder 

beiden Angeklagten festgehalten und mit Fäusten und Fusstritten traktiert, womit 

von einem massgeblichen Zusammenwirken der beiden Angeklagten auszugehen 

ist. Der Videoaufzeichung ist zudem zu entnehmen, dass der Angeklagte A._____ 

unvermittelt nach der Eisenstange griff und mit dieser in Richtung Kopf bzw. Na-

cken des Geschädigten schlug. Auf der Aufzeichnung ist weiter ersichtlich, dass 

B._____ im Moment, als A._____ zur Eisenstange griff, den Körper zu A._____ 

gerichtet hatte und somit sehen musste, dass dieser die Eisenstange  

ergriff und damit Richtung Geschädigter schlug. B._____ gab denn auch zu, er 

habe gesehen dass A._____ die Stange genommen und damit in Richtung des 

Geschädigten geschlagen habe. Nachdem A._____ das erste Mal mit der Eisen-

stange in Richtung des Geschädigten geschlagen hatte, traktierte B._____ diesen 

weiter mit Fusstritten und Faustschlägen. Der Aufzeichnung ist keine  

Reaktion von B._____ zu entnehmen, dass er A._____ hätte davon abhalten wol-

len, weiter mit der Stange gegen den Geschädigten zu schlagen oder sich sonst 

wie in irgendeiner Weise von den Handlungen des Angeklagten A._____ hätte 

distanzieren wollen. Dieses Verhalten von B._____ ist nicht anders zu deuten als 

Fortführung des bereits Geschehenen, als Identifikation und Solidarisierung von 

B._____ mit der Tathandlung von A._____. In der Bewegung von A._____ beim 

Heben der Stange ist in keiner Weise ersichtlich, dass ihm dies irgendwelche Mü-

he bereitete, weshalb die Aussagen von B._____, dass er aufgrund der früheren 

-   19   - 

Verletzung am Schlüsselbein davon ausgegangen sei, dass A._____ keine so 

schwere Stange heben können, als unglaubhaft und reine Schutzbehauptung zu 

deuten sind. Ebenfalls nicht überzeugend ist die Aussage von B._____, dass er 

erst als die Stange auf den Boden gefallen sei, bemerkt habe, dass diese aus Ei-

sen gewesen sei. B._____ stand in nächster Nähe zu A._____ und war ihm zu-

dem zugewandt und es lässt sich aus dieser Nähe ohne Weiteres erkennen, dass 

es sich um eine Stange aus Eisen oder ähnlichem Material handelt. Der Ange-

klagte B._____ bestreitet im Übrigen, dass er den Fuss und die Wade des  

Geschädigten los gelassen habe, weil er der Eisenstange ausgewichen sei. Er 

macht geltend, er sei ausgewichen, weil der Geschädigte nach ihm getreten habe 

(Prot. S. 44). Auf der Videoaufzeichnung ist wie erwähnt zu erkennen, dass 

B._____ seinen Körper A._____ zugewandt hatte und somit erkennen musste, 

was dieser machte. Ebenso ist ersichtlich, dass der Geschädigte mit seinem Bein  

gegen B._____ trat, dass B._____ jedoch erst nach dem Treten und zeitgleich mit 

dem Schlagen der Stange gegen den Geschädigten rückwärts zurück wich. Das 

Zurückweichen steht daher eindeutig im Zusammenhang mit dem Zuschlagen mit 

der Stange durch A._____. 

Somit ist das Vorgehen von A._____ und B._____ als Mittäterschaft zu qualifizie-

ren. 

2.2.11. Der Angeklagte B._____ bestreitet wie erwähnt weiter, dass er den Ge-
schädigten habe schwer verletzen wollen. 

Der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB macht sich – nebst 

weiterem – schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt 

(Abs. 1) oder dessen Körper, ein wichtiges Organ oder Glied verstümmelt oder 

ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht (Abs. 2). 

Art. 122 Abs. 1 StGB setzt in objektiver Hinsicht voraus, dass eine unmittelbare 

Lebensgefahr bestanden hat. Es muss ein Zustand herbeigeführt worden sein, in 

dem sich die „Möglichkeit des Todes dermassen verdichtet, dass sie zur  

ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit wurde“. Es genügt deshalb nicht, 

dass die Möglichkeit des Todes nur in etwelche Nähe rückt (BSK, Strafrecht II, 2. 

-   20   - 

Auflage, Roth/Berkemeier, Art. 122 StGB N 5 mit Hinweisen auf Literatur und 

Praxis). Anderseits genügt eine vorübergehende Lebensgefahr von kurzer Dauer, 

und es ist ohne Bedeutung, ob ärztliche Hilfe rechtzeitig eingreifen konnte oder 

nicht. Sodann muss die Lebensgefahr durch eine Verletzung entstanden sein 

(Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 18. Auf-

lage, Zürich 2010, N 8 zu Art. 122, S.236). „Körper“ im Sinne von Art. 122 StGB 

sind Schädel, Thorax und Becken (vgl. Stefan Trechsel, Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich / St.Gallen 2008, N 4 zu Art. 122). 

2.2.12. Der Biomechanischen Beurteilung der I._____ von Prof.Dr.med. J._____, 
Dr.med. J1._____ und Dr.sc.techn. J2._____ vom 4. Februar 2010 (Urk. 19/5) ist 

zur Frage, welches Verletzungspotential für den Geschädigten bestanden hätte, 

wenn er im Kopf-, Hals oder Schulterbereich mit der Eisenstange getroffen wor-

den wäre, zu entnehmen, dass Bruchverletzungen des Schädelknochens, Hirn-

blutungen und eine Hirnschwellung hätten resultieren können, welche jeweils le-

bensbedrohlich seien. Gegen den Hals geführt, sei davon auszugehen, dass eine 

Verletzung der Halswirbelsäule, gegebenenfalls mit Verletzung des Rückenmarks, 

eine Verletzung von Blutgefässen und der Schilddrüse (gut durchblutetes Stoff-

wechselorgan) und der Luftröhre mit Atemproblemen hätten herbeigeführt werden 

können. Weiter könne ein Schlag gegen den Hals im Hinblick auf einen pathologi-

schen sog. Karotis-Sinusreflex ein reflektorisches Absinken der Herzfrequenz be-

wirken. Eine Schlagwirkung könne zu massivem Blutdruckabfall und Herzstill-

stand führen (Urk. 19/5 S. 3 Ziff. 1.). 

Zur Frage des Verletzungspotentials mit einem Fusstritt gegen den Kopf- und 

Halsbereich wird angeführt, dass dieselbe grundsätzliche Verletzbarkeit wie beim 

Schlag mit der Metallstange bestehe, wobei ein Schuh weniger hart sei als eine 

Eisenstange und der Schuh somit nur geeignet sei, die genannten Verletzungen 

hervorzurufen, wenn der Tritt mit hohem Kraftaufwand, einer eher festen Struktur 

(Kante, Spitze, Ferse, gespannter Ballen, feste Sohle) getreten werde. Biome-

chanisch sei weiter relevant, dass die im Vergleich zur Eisenstange deutlich  

grössere Fläche eines Schuhs, z.B. der Sohle, eine günstigere Kraftverteilung auf 

der Kopfoberfläche erlaube. Dadurch sinke das Risiko einer knöchernen Ver-

-   21   - 

letzung. Andererseits werde dadurch der Kopf, falls dieser nicht z.B. am Boden 

aufliege, durch den Fusstritt deutlich stärker beschleunigt und gegenüber dem 

Oberkörper verschoben, wodurch das Risiko beschleunigungsinduzierter Kopf-

verletzungen steige, weil es zu Drehbeschleunigungen des Gehirnes komme. 

Gegen den Hals geführt, sei wiederum davon auszugehen, dass bei genügend 

grosser Krafteinwirkung eine Verletzung der Halswirbelsäule, eine Verletzung von 

Blutgefässen und der Schilddrüse und der Luftröhre mit Atemproblemen herbei-

geführt werden könne (Urk. 19/5 S. 3f. Ziff. 2.). 

2.2.13. Eines versuchten Delikts macht sich schuldig, wer, nachdem er mit der 
Ausführung der Tat begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt,  

respektive wenn der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt (Art. 22 

Abs. 1 StGB). Zum Tatentschluss, dem auf die Begehung gerichteten Willen,  

gehört stets der Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt (Basler Kommentar, 

Strafrecht I, N 2 zu Art. 22 StGB). 

Sowohl die Fusstritte von B._____ als auch die Schläge mit der Eisenstange von 

A._____ in Richtung Kopf- Halsbereich des Geschädigten verfehlten diesen und 

der Geschädigte erlitt aufgrund dieses Vorfalls gemäss Anklageziffer II. keine  

Verletzungen. Der objektive Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne 

von Art. 122 StGB wurde demnach nicht erfüllt. Hingegen ist von einem vollende-

ten Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB auszugehen. 

 

2.2.14. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen vor-
sätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, 

wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Der direkte 

Vorsatz verlangt neben dem Wissen um die reale Möglichkeit der Tatbestands-

erfüllung auch den Willen, den Tatbestand zu verwirklichen. Der Täter muss sich 

gegen das rechtlich geschützte Gut entscheiden. Dieser Wille ist gegeben, wenn 

die Verwirklichung des Tatbestandes das eigentliche Handlungsziel des Täters ist 

oder ihm als eine notwendige Voraussetzung zur Erreichung seines Zieles  

erscheint. Dasselbe gilt, wenn die Verwirklichung des Tatbestandes für den Täter 

-   22   - 

eine notwendige Nebenfolge darstellt, mag sie ihm auch gleichgültig oder gar  

unerwünscht sein. Beim Eventualvorsatz strebt der Täter den Erfolg nicht an,  

sondern weiss lediglich, dass dieser möglicherweise mit der willentlich vollzoge-

nen Handlung verbunden ist. Die Rechtsprechung bejaht Eventualvorsatz, wenn 

der Täter den Eintritt des Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich 

hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf 

nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Für den Nach-

weis des Vorsatzes kann sich der Richter – soweit der Täter nicht geständig ist – 

regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln 

stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die innere Ein-

stellung des Täters erlauben. Nach der Rechtsprechung darf er vom Wissen des 

Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter die Verwirklichung der  

Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge  

hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolges ausgelegt 

werden kann. Zu den äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezogen 

werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, 

zählt die Rechtsprechung unter anderem auch die Grösse des dem Täter bekann-

ten Risikos der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflicht-

verletzung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist 

und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die tat-

sächliche Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf 

genommen. Zu den relevanten Umständen können aber auch die Beweggründe 

des Täters und die Art der Tathandlung gehören. Der Schluss, der Täter habe die 

Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, darf aber jedenfalls nicht allein 

aus der Tatsache gezogen werden, dass sich dieser des Risikos der Tat-

bestandsverwirklichung bewusst war und dennoch handelte. Denn dieses Wissen 

um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung wird auch bei der bewussten  

Fahrlässigkeit vorausgesetzt (BGE 130 lV 58 E. 8.2 und E. 8.4, mit Hinweisen).  

2.2.15. B._____ führte wie erwähnt mehrfach aus, dass er den Geschädigten 
nicht schwer habe verletzen wollen. Schlimmstenfalls hätte wegen seines 

Fusstritts ein Nasenbeinbruch resultieren können. Zu den in der biometrischen 

Beurteilung genannten Verletzungen hätte es eventuell kommen können, wenn 

-   23   - 

sowohl er als auch A._____ den Geschädigten auf den Millimeter genau getroffen 

hätten (vgl. Urk. 10/15 S. 7f.). An der heutigen Berufungsverhandlung räumte er 

auf die Frage, was hätte passieren können, wenn die Stange den Geschädigten 

nicht verfehlt hätte ein, " Es kann alles möglich sein" (Prot. S. 46). 

2.2.16. Der Verteidiger des Angeklagten B._____ führte zu diesem Anklagevorfall 
im Wesentlichen an, dass sich der Fuss des Angeklagten B._____ im Zeitpunkt, 

als er den Geschädigten mit diesem hätte treffen sollen, einen halben Meter vom 

Geschädigten entfernt befunden habe. B._____ habe den Geschädigten daher 

unmöglich treffen können. Die Anklagebehörde argumentiere mit Mutmassungen 

und Möglichkeiten. B._____ sei vor dem Fusstritt in die Luft gesprungen und habe 

im Zeitpunkt des Fusstritts keinen Bodenkontakt gehabt. Der Oberkörper des An-

geklagten sei gegen den Geschädigten gerichtet gewesen und der Angeklagte 

habe versucht, den Geschädigten mit einem rechtwinklig zur Sprungrichtung, d.h. 

von rechts nach links, ausgeführten Kick zu treffen. Selbst ein Laie könne sich 

nun vorstellen, dass ein Schlag, welcher bei gegen vorne gerichtetem Oberkörper 

rechtwinklig zur Laufrichtung erfolgen solle, fast unmöglich sei. Nicht einmal im 

asiatischen Kampfsport gebe es einen solchen Angriffsschlag. Der einzige Fuss-

tritt, der rechtwinklig zum gegen vorne gerichteten Oberkörper ausgeführt werde, 

sei ein Verteidigungs- und Angriffsschlag. Ein solcher Fusstritt könne nicht kraft-

voll getätigt werden, wenn er im Sprung ausgeführt werde. Der Angeklagte 

B._____ verfüge über keinerlei Kampfsporterfahrung, weshalb er in keiner Weise 

in der Lage gewesen wäre, einen solchen erwähnten Schlag auch nur einigerma-

ssen mit starker Schlagwirkung auszuführen. In der auf dem Video ersichtlichen 

Position des Angeklagten sei es diesem absolut unmöglich gewesen, einen kräfti-

gen Schlag auszuführen (Urk. 67 S. 5f., Ziff. 7.a). 

Weiter beanstandet der Verteidiger des Angeklagten die 3D-Spezialvermessung 

durch die Stadtpolizei F._____ (Urk. 19/2). Er beanstandet im Wesentlichen, dass 

der Geschädigte nicht immer im Sichtwinkel der Kamera gewesen sei, dass die 

Distanzangaben (teilweise) und die Schlagrichtung des Fusses des Angeklagten 

nicht stimmen würden, sowie dass der Angeklagte den Geschädigten mit der  

Innenseite und nicht mit dem Fussrist getroffen hätte. Insgesamt sehe das  

-   24   - 

Arbeitsprotokoll der Spezialvermessung zwar optisch schön aus, gebe jedoch  

eindeutig nicht die tatsächliche Situation wieder (Urk. 67 S. 7f., Ziff. 7.b).  

Den Vorwurf, dass der Fusskick des Angeklagten, hätte er den Geschädigten  

getroffen, eine schwere Körperverletzung verursacht hätte, verneint der Ver-

teidiger. Mit dem Tritt des Angeklagten hätte keine grosse Krafteinwirkung bewirkt 

werden können. Zudem hätte er den Geschädigten mit der Innenseite des Fusses 

getroffen, da seine Zehen gegen oben gerichtet und der Schlag seitlich erfolgt sei. 

Und der biomechanischen Beurteilung sei zu entnehmen, dass ein Tritt mit einem 

Turnschuh nur dann geeignet sei, schwere Verletzungen zu bewirken, wenn  

einerseits mit hohem Kraftaufwand und einer festen Struktur getreten werde. Und 

dies sei beim Angeklagten nicht der Fall gewesen (Urk. 67 S. 9). 

Vorausgesetzt gewesen wäre, dass sich durch das Handeln des Täters die  

Möglichkeit der vorgeworfenen Verletzung dermassen verdichtete, dass sie zur 

ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit geworden wäre. Eine schwer-

wiegende Verletzung des Geschädigten durch den vorliegenden Fusstritt des  

Angeklagten sei in casu jedoch unwahrscheinlich und eine lebensgefährliche  

Verletzung oder gar der Tod des Opfers praktisch ausgeschlossen. Bezüglich der 

Eisenstange mache das biometrische Gutachten einzelne wenige Ausführungen, 

die die Wahrscheinlichkeit des Eintritts einer gefährlichen Verletzung betreffen. 

Mit der Weise, mit welcher der Angeklagte gegen den Geschädigten getreten  

habe, habe ein solch hoher Kraftaufwand, wie für die Herbeiführung einer schwe-

ren Körperverletzung gemäss Gutachten nötig gewesen wäre, nicht erreicht  

werden können. Das Gutachten schweige sich zur relevanten Frage, ob der Kick 

des Angeklagten mit hohem oder niedrigem Kraftaufwand ausgeführt und die 

Schlagwirkung stark oder schwach gewesen sei, aus. Die Wahrscheinlichkeit, 

dass der Angeklagte mit seinem Fuss eine schwere Körperverletzung beim  

Geschädigten bewirken konnte, sei somit als gänzlich ausgeschlossen oder  

zumindest als absolut minimal zu bezeichnen. Bereits der objektive Tatbestand 

der schweren Körperverletzung sei daher nicht erfüllt (Urk. 67 S. 11). 

Zum Vorwurf des eventualvorsätzlichen Handelns führt der Verteidiger an, der 

Angeklagte habe auf den Oberkörper des Geschädigten und nicht auf dessen 

-   25   - 

Kopf gezielt. Selbst wenn er die Absicht gehabt hätte, den Kopf zu treffen, könnte 

dem Angeklagten nicht unterstellt werden gewusst zu haben, dass ein Fusstritt 

mit einem Turnschuh gegen den Kopf eines Gegners schwerwiegende Verletzun-

gen nach sich ziehen könnte. Eine schwere Verletzung wäre zudem möglich, 

wenn der Täter, wie das Beispiel in München zeige, mit voller Kraft auf ein am 

Boden liegendes Opfer einschlage, dessen Kopf am Boden liege und daher  

blockiert sei, oder wenn er wiederholt auf ein Opfer einschlage, welches sich nicht 

mehr wehre. Dies sei im vorliegenden Fall klar nicht gegeben. Auch habe der  

Angeklagte als Laie nicht wissen können, dass speziell ausgeführte Schläge die 

im Gutachten genannten Verletzungen hervorrufen können. Selbst wenn der  

Angeklagte das theoretische Wissen besessen hätte, dass die im Gutachten  

genannten gefährlichen Verletzungen resultieren könnten, so könne daraus nicht 

automatisch auch auf das Vorliegen der Willenskomponente geschlossen werden. 

Dem Angeklagten könne nicht vorgeworfen werden, er habe in Kenntnis einer  

hohen Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts den Schlag trotzdem ausgeführt 

und damit gleichsam den somit wahrscheinlichen Eintritt der Verletzung in Kauf 

genommen. Um so mehr, als die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Verletzung 

äusserst gering gewesen sei, habe der Angeklagte auch nicht mit einer solchen 

Verletzung rechnen müssen. Selbst wenn also der Angeklagte auf den Kopf des 

Geschädigten gezielt hätte, was nachgewiesenermassen nicht der Fall sei, so 

liesse sich ein Eventualvorsatz für eine vorsätzliche schweren Körperverletzung 

durch nichts belegen (Urk. 67 S. 11ff., Ziff. 8). 

2.2.17. Der Videoaufzeichnung (Urk. 15/4) ist zu entnehmen, dass der Tritt von 
B._____ mit Schwung, in der Vorwärtsbewegung und einer gewissen  

Geschwindigkeit ausgeführt wurde. Zudem weist der Angeklagte B._____ mit ei-

ner Körpergrösse von rund 175 Zentimetern (Urk. 26/3) und sportlicher  

Statur ein gewisses Körpergewicht auf. Das Körpergewicht des Angeklagten und 

die Energie, welche die Vorwärtsbewegung im Sprung mit sich brach, bewirken 

eine grosse Krafteinwirkung, welche sich auf den Fusstritt überträgt. Auf dem  

Video ist, entgegen der Behauptung der Verteidigung, ersichtlich, dass der Ange-

klagte den Geschädigten mit dem Fussrist getroffen hätte. Die Fussspitze war erst 

am Schluss des Kicks nach oben gerichtet. Weiter ist auf der Videoaufzeichnung 

-   26   - 

zu erkennen, dass der Fusstritt des Angeklagten eindeutig auf den Kopf des  

Geschädigten gerichtet war. An der Stelle, wo der Angeklagte hintrat, befand sich 

vorher der Kopf des Geschädigten, welcher vorne über gebückt war. Der Ange-

klagte war bereits hoch gesprungen, als der Angeklagte A._____ den  

Geschädigten wegzog, womit der Angeklagte B._____ die Richtung seines Kicks 

nicht mehr ändern konnte. Der Angeklagte sah, bevor er zum Kick ansetzte, dass 

sich der Geschädigte in gebückter und nicht stehender Haltung befand. Der 3-D 

Darstellung des Unfalltechnischen Dienstes der Stadtpolizei F._____ des tatbe-

ständlichen Vorfalls ist zu entnehmen, dass der Geschädigte nur durch Zufall dem 

Fusstritt von B._____ entgangen ist. Der Fusstritt sei eindeutig auf die Hals- und 

Kopfhöhe des Geschädigten gerichtet gewesen (Urk. 19/2 S. 6). Es  

bestehen keinerlei Anhaltspunkte an der genannten 3-D Darstellung zu zweifeln, 

weshalb auf diese abzustellen ist. Dies auch deshalb, weil sich deren Erkenntnis-

se auch aufgrund der Videoaufzeichnung nachvollziehen lassen. 

Somit ist erstellt, dass der vom Angeklagten ausgeführte Kick gegen den Kopf-, 

bzw. Halsbereich des Geschädigten geführt war und eine grosse Krafteinwirkung 

aufwies und somit geeignet war, eine der in der Biomechanischen Beurteilung  

erwähnten schweren und lebensbedrohlichen Verletzungen herbeizuführen, ins-

besondere auch, weil der Kopf des Geschädigten nirgends fest auflag und ein  

Risiko beschleunigungsinduzierter Kopfverletzungen bestand. Dass das Schlagen 

mit einer 4.7 Kilogramm schweren Eisenstange gegen den Kopf- bzw. Hals-

bereich lebensgefährliche Verletzungen bewirken kann, ist derart evident, dass es 

dazu keiner weiteren Ausführungen bedarf. 

Es verkennt jeglichem Menschenverstand, dass ein derart heftiger und zielge-

richteter, mit Schwung ausgeführter Tritt, wie ihn B._____ gegen den Kopf- bzw. 

Halsbereich des Geschädigten ausführte, lediglich einfachere Verletzungen wie 

einen Nasenbeinbruch herbeiführen könnte. Wer mit seinem Eigengewicht im 

Sprung gegen den Kopf- oder Halsbereich eines Menschen tritt, muss mit der 

Möglichkeit rechnen, diesen schwer zu verletzen. Eine solche Verletzung liegt  

erfahrungsgemäss im Bereich des Möglichen. Die Verwirklichung der Gefahr ei-

ner solchen Verletzung musste sich B._____ daher aufdrängen, weshalb sein 

-   27   - 

Handeln als Inkaufnahme einer schweren Verletzung des Geschädigten  

ausgelegt werden muss. B._____ nahm daher das Risiko, dem Geschädigten 

schwere oder lebensgefährliche Verletzungen zuzufügen, in Kauf. Ein direkter 

Wille den Geschädigten derart zu verletzten, kann dem Angeklagten hingegen 

nicht nachgewiesen werden. In Bezug auf den Fusstritt ist deshalb von  

eventualvorsätzlichen Handeln des Angeklagten B._____ auszugehen. .  

In Bezug auf die Schläge mit der Eisenstange gegen den Geschädigten bedarf 

es, wie bereits erwähnt, keiner weiteren Erörterung, dass dadurch schwere und 

lebensgefährliche Verletzungen beigefügt werden können und B._____ dies auch 

gewusst haben muss. Dass er davon ausgegangen sei, die Stange sei aus Plastik 

ist unglaubhaft und als reine Schutzbehauptung zu qualifizieren. Es ist daher von 

direkt vorsätzlichem Handeln des Angeklagten B._____ auszugehen. In diesem 

Zusammenhang ist zu erwähnen, dass jedem Mittäter - in den Grenzen seines 

(Eventual-)Vorsatzes - die kausalen Tatbeiträge der anderen Mittäter angerechnet 

werden (Forster in BSK StGB I, a.a.O., N 8 vor Art. 24 StGB). B._____ ist  

demnach als Mittäter auch das Handeln von A._____ anzurechnen. Wie erwähnt, 

war bereits das eigene Handeln von B._____ auf das Zufügen oder zumindest in 

Kauf nehmen schwerer und lebensgefährlicher Verletzungen gerichtet. Ein  

Vorsatz-Exzess des Mittäters A._____ liegt daher nicht vor.  

2.2.18. Die Angeklagten A._____ und B._____ sind demgemäss der versuchten 
schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 bis 3 StGB in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, begangen in Mittäterschaft, schuldig zu sprechen. 

 

2.3. Anklageziffer III, Hausfriedensbruch 

Dem Angeklagten A._____ wird unter Anklageziffer III. zusammengefasst vorge-

worfen, am tt.mm.2009, anlässlich des Vorfalls gemäss Anklageziffer II., gegen 

das von der C._____ ihm gegenüber am 30. Dezember 2005 ausgesprochenen 

Hausverbot, von welchem er Kenntnis gehabt habe, verstossen zu haben,  

indem er ohne Recht das Areal des E1._____ betreten habe. 

-   28   - 

Der Angeklagte anerkannte diesen Anklagevorwurf vollumfänglich (Prot. S. 39; 

Urk. 65 S. 1). Das Geständnis deckt sich mit dem Untersuchungsergebnis,  

weshalb der Sachverhalt rechtsgenügend erstellt ist. Die rechtliche Würdigung der 

Anklagebehörde ist zutreffend, weshalb der Angeklagte A._____ des  

Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB schuldig zu sprechen ist. 

2.4. Fazit 

Der Angeklagte A._____ ist der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne 

von Art. 122 Abs. 1 bis 3 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der einfa-

chen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie des Haus-

friedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB schuldig zu sprechen. 

Der Angeklagte B._____ ist der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne 

von Art. 122 Abs. 1 bis 3 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu 

sprechen. 

 

 

 
3. Sanktionen 

3.1. Retrospektive Konkurrenz 

3.1.1. Der Angeklagte B._____ wurde am 19. Juli 2010 vom Obergericht des Kan-
tons Zürich, II. Strafkammer, wegen schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 

122 Abs. 1 StGB und Raufhandel im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB,  

begangen am 4. November 2007 in Zürich, zu 4 Jahren und 9 Monaten Freiheits-

strafe, abzüglich 395 Tage erstandene Haft, verurteilt. Diesen Entscheid hat der 

Verurteilte an das Kassationsgericht des Kantons Zürich und ans Bundesgericht 

weitergezogen. Das Verfahren ist zurzeit beim Kassationsgericht des Kantons  

Zürich hängig.  

-   29   - 

Der Verteidiger des Angeklagten B._____ beantragt, das Urteil bzw. zumindest 

die Festlegung des Strafmasses, sei auszusetzen bis zum Entscheid des Kassa-

tionsgerichts des Kantons Zürich bzw. dem Entscheid des Bundesgerichts und 

alsdann sei eine Zusatzstrafe auszufällen (Urk. 67 S. 1 und 18). 

Damit stellt sich die Frage, ob heute eine selbständige Strafe oder eine Zusatz-

strafe im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB zur erwähnten Strafe auszufällen ist. Eine 

Zusatzstrafe ist auszufällen, wenn das vorangegangene Urteil in Rechtskraft er-

wachsen ist. Ist die Rechtskraft noch nicht eingetreten, ist eine selbständige Stra-

fe auszusprechen (und wird die Rechtsmittelinstanz im früheren Verfahren eine 

Zusatzstrafe zum jüngeren Verfahren anordnen müssen). Rechtskräftig ist derje-

nige Entscheid, der nur noch mit einem ausserordentlichen Rechtsmittel ange-

fochten werden kann (vgl. zum Ganzen BSK Strafrecht I-Ackermann, 2. Aufl. 

2007, Art. 49 N 62 f; Trechsel et. al. Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, 

Art. 49 N 13; je mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Urteile des Obergerichts 

werden mit der Ausfällung formell rechtskräftig, da dagegen kein ordentliches 

Rechtmittel möglich ist (Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl. Zürich 2004, Rz 585). 

Nachdem das erwähnte Urteil der II. Strafkammer des Obergerichts formell 

rechtskräftig ist, ist heute eine Zusatzstrafe zu diesem Urteil auszusprechen. 

Gründe, welche ein Aussetzen des Urteils oder des Strafmasses rechtfertigen 

würden, sind im vorliegenden Fall nicht ersichtlich. Es ist daher wie erwähnt eine 

Zusatzstrafe auszufällen. 

3.1.2. Gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB bestimmt das Gericht, wenn es eine Tat zu 
beurteilen hat, die der Täter begangen hat, bevor er wegen einer anderen Tat 

verurteilt worden ist, die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht schwerer 

bestraft wird, als wenn die strafbaren Handlungen gleichzeitig beurteilt worden 

wären. Somit soll das Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz ge-

währleistet werden. Der Täter soll durch die getrennte Beurteilung von Straftaten, 

die zeitlich zusammen hätten beurteilt werden können, nicht benachteiligt und 

soweit als möglich auch nicht besser gestellt werden. Die Zusatzstrafe gleicht 

dementsprechend die Differenz zwischen der ersten Einsatz- oder Grundstrafe 

und der hypothetischen Gesamtstrafe aus, die nach Auffassung des Richters bei 

-   30   - 

Kenntnis der später beurteilten Straftat ausgefällt worden wäre. Bei der Festset-

zung der Zusatzstrafe zu einer Grundstrafe hat sich der Richter vorerst zu fragen, 

welche Strafe er im Falle einer gleichzeitigen Verurteilung in Anwendung von  

Art. 49 Abs. 1 StGB ausgesprochen hätte. Ausgehend von dieser hypothetischen 

Gesamtbewertung bemisst er anschliessend unter Beachtung der rechtskräftigen 

Grundstrafe die Zusatzstrafe. Dabei ergibt sich die für die neu zu beurteilende 

Straftat auszufällende Zusatzstrafe aus der Differenz zwischen der hypotheti-

schen Gesamtstrafe und der Grundstrafe. Bei der Bemessung der gedanklich zu 

bestimmenden Zusatzstrafe ist der Richter sowohl in Bezug auf die Strafart als 

auch hinsichtlich der Art des Vollzugs nicht an den rechtskräftigen ersten  

Entscheid gebunden (BGE 132 IV 102 E. 8.2 und 8.3 mit Hinweisen). Bei der 

Festsetzung der hypothetischen Gesamtstrafe beachtet der Richter die  

Bestimmungen zur Strafzumessung im Sinne von Art. 47 StGB.  

3.1.3. Der Angeklagte war im Verfahren der II. Strafkammer des Obergerichts des 
Kantons Zürich geständig, in der Nacht vom 4. November 2007 sich in eine 

Schlägerei eingemischt und dabei mit einem Schraubenzieher auf den Geschä-

digten eingestochen zu haben. Der Geschädigte erlitt lebensgefährliche Ver-

letzungen im Brustbereich. Das Gericht gelangte zum Schluss, dass sich der  

Angeklagte der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB 

sowie des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig machte. Da-

bei ging das Gericht in seinem Urteil bei der schweren Körperverletzung von 

eventualvorsätzlichem Handeln aus und bezeichnete insgesamt das Verschulden 

als erheblich. Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe waren nicht gegeben. 

Sanktioniert wurden die Straftaten mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren  

9 Monaten (SE080025, Urteil vom 28. April 2009, S. 28 f.; SE100006, Urteil vom 

19. Juli 2010, S. 5). 

Vorab ist festzuhalten, dass die von der II. Strafkammer beurteilte schwere  

Körperverletzung verschuldensmässig schwerer wiegt, als die heute zu beurtei-

lende Tat. Dies nur schon deshalb, weil es sich dabei um ein vollendetes Delikt 

handelt. Darauf wird in den folgenden Ausführungen noch näher einzugehen sein. 

3.2. Strafrahmen 

-   31   - 

Schwere Körperverletzung wird – als schwerstes der zur Diskussion stehenden 

Delikte - mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe nicht unter  

180 Tagessätzen bestraft (Art. 122 StGB). 

Beim Angeklagten B._____ öffnet sich der Strafrahmen nach unten, nachdem von 

einem Versuch auszugehen ist (Art. 22 Abs. 1 und Art. 48a StGB). Die gleiche 

Strafrahmenerweiterung nach unten ergibt sich beim Angeklagten A._____. Da 

ihm indessen zwei weitere Delikte zur Last zu legen sind, erweitert sich der obere 

Strafrahmen auf 15 Jahre (Art. 49 Abs. 1 StGB). 

3.3. Allgemeine Prinzipien 

Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden 

des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse so-

wie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Die Bewertung des Ver-

schuldens wird in Art. 47 Abs. 2 StGB dahingehend präzisiert, dass dieses nach 

der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach 

der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters  

sowie danach bestimmt wird, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren 

Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden. Nach 

Art. 50 StGB hat das Gericht die für die Zumessung der Strafe erheblichen  

Umstände und deren Gewichtung festzuhalten.  

Das Bundesgericht hat in neuesten Entscheiden die Regeln zur Strafzumessung 

modifiziert und in Grundsatzentscheiden das nachfolgend skizzierte Model vorge-

geben (BGE 6B_865/2009 vom 25. März 2010; BGE 6B_238/2009 vom 8. März 

2010 und BGE 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010, E. 2, je mit Hinweisen). Die  

Ausführungen des Bundesgerichts werden ergänzt durch weitere Strafzu-

messungskriterien, auf welche das Bundesgericht nicht näher eingegangen ist, 

die sich indessen aus der Literatur und der weiteren Rechtsprechung des Bun-

desgerichts ergeben. 

Ausgehend von der objektiven Tatschwere hat der Richter dieses Verschulden zu 

bewerten. Er hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche 

-   32   - 

verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer 

Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Der Gesetzgeber hat 

einzelne Kriterien aufgeführt, welche für die Verschuldenseinschätzung von  

wesentlicher Bedeutung sind und allenfalls bewirken können, das Verschulden als 

derart gering einzustufen, dass eine Strafe unterhalb des ordentlichen Straf-

rahmens geboten ist. So trifft etwa - neben einer allfällig verminderten Schuld-

fähigkeit -  denjenigen ein geringerer Schuldvorwurf, dem lediglich eventualvor-

sätzliches Handeln anzulasten ist (Art. 12 Abs. 2 StGB). Das StGB selbst erwähnt 

verschiedene Umstände, die das Verschulden reduzieren können: Wenn der  

Täter aus achtenswerten Beweggründen, in schwerer Bedrängnis oder unter dem 

Eindruck einer schweren Drohung gehandelt hat; ebenso wenn sein Handeln 

durch eine Person, der er Gehorsam schuldet oder von der er abhängig ist, veran-

lasst worden ist (Art. 48 lit. a StGB). Im gleichen Sinne ist von einem minderen 

Verschulden auszugehen, wenn der Täter durch das Verhalten der verletzten 

Person ernsthaft in Versuchung geführt worden ist (Art. 48 lit. b), wenn er in einer 

heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung (Art. 48  

lit. c StGB) gehandelt hat. Ein reduziertes Verschulden trifft auch denjenigen, der 

die Tat durch Unterlassung begeht (Art. 11 Abs. 4 StGB). Zu nennen sind 

schliesslich die entschuldbare Notwehr (Art. 16 Abs. 1 StGB) und der entschuld-

bare Notstand (Art. 18 Abs. 1 StGB), der vermeidbare Irrtum über die Rechtswid-

rigkeit (Art. 21 StGB), der Rücktritt (Art. 23 Abs. 1 StGB) und die Gehilfenschaft 

(Art. 25 StGB). In all diesen Fällen liegen Sachverhaltselemente vor, die sich  

verschuldensmindernd auswirken, was zu einer milderen Strafe führt. Auf der  

anderen Seite sind Umstände denkbar, welche das Tatverschulden erhöhen und 

namentlich die wegen der reduzierten Einsichts- bzw. Steuerungsfähigkeit des 

Täters geringere Schuld wieder auszugleichen vermögen. Zu erwähnen ist  

beispielsweise ein verwerfliches Motiv.  

Weiter zu berücksichtigen sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art 

und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges (Deliktsbetrag, Gefährdung/Risiko, 

Sachschaden etc.), die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, das 

"Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter sowie die sogenannte Intensität des 

deliktischen Willens (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Straf-

-   33   - 

gesetzbuch, 18.A., Zürich 2010, N11 zu Art. 47 StGB samt Zitaten). Je leichter es 

für ihn gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die Ent-

scheidung gegen sie (BGE 6S.270/2006 vom 5. September 2006 E. 6.2.1., 

6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 E. 2. und 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004, 

E. 1.1.; BGE 122 IV 241 und Pra 2001 S. 832 lit. a; Stratenwerth, Schweizeri-

sches Strafrecht, AT II, 2.A., Bern 2006, S. 179 N 13; Schweizerisches Strafge-

setzbuch, Stefan Trechsel, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen, 2008 N 21 zu  

Art. 47 StGB). Auch die Grösse des Tatbeitrages (bei mehreren Tätern) und die 

hierarchische Stellung sind von Bedeutung (vgl. Hans Wiprächtiger in BSK StGB 

I, 2.A., Basel 2007, N 69 ff. zu Art. 47 StGB; Stefan Trechsel, Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen, 2008 N 18 ff. zu Art. 47 

StGB; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

18.A., Zürich 2010, N8 zu Art. 47 StGB samt Zitaten). 

In diesem Zusammenhang ist aber auch das Doppelverwertungsverbot zu  

beachten. Umstände, die schon Merkmale des gesetzlichen Tatbestandes sind, 

dürfen nicht für die konkrete Strafzumessungsentscheidung innerhalb des anzu-

wendenden gesetzlichen Strafrahmens berücksichtigt werden - weder zu Lasten 

noch zu Gunsten des Täters. Denn die Tatbestandserfüllung als solche hat sich 

bereits im Eröffnen des gesetzlichen Strafrahmens niedergeschlagen und ist in ih-

rer Bedeutung für die Strafmassfindung insoweit verbraucht, sonst würde dem  

Täter der gleiche Umstand zwei Mal zur Last gelegt oder zu Gute gehalten. Der 

Richter ist aber nicht gehindert zu berücksichtigen, in welchem Ausmass ein  

qualifizierender oder privilegierender Tatumstand gegeben ist (vgl. dazu Hans 

Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 77 zu Art. 47 StGB samt Ver-

weisen; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar,  

Zürich/St. Gallen, 2008, N 27 zu Art. 47 StGB). 

Es liegt im Ermessen des Sachrichters, in welchem Umfang er die verschiedenen 

Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Das Gericht ist nicht gehalten, in Zahlen 

oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien  

berücksichtigt.  

-   34   - 

Das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im  

Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen 

nach Schweregrad auszugehen ist. Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb 

des zur Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu be-

stimmen, die diesem Verschulden entspricht.  

Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt auf-

grund wesentlicher Täterkomponenten (sowie wegen eines allfälligen blossen 

Versuchs im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB) verändert werden.  

Zu den Täterkomponenten gehört auch das Nachtatverhalten eines Täters.  

Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren (wie zum Bei-

spiel Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit vgl. dazu Stefan Trechsel, Schwei-

zerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen, 2008, N 22 zu 

Art. 47 StGB; Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 105 ff. zu Art. 63 aStGB 

und Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 109 Absatz 2 zu Art. 47 

StGB). Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei  

der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd 

(Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 107 zu Art. 63 aStGB und  

Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 130 und N 131 zu Art. 47 StGB). 

Aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts ergibt sich, dass nur ein ausgespro-

chen positives Nachtatverhalten zu einer erheblichen Strafreduktion führen kann. 

Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an und 

aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach Vorhalt 

entsprechender Beweise. Die Berücksichtigung von Geständnissen im Rahmen 

der Strafzumessung beruht hauptsächlich auf zwei Gründen. Zum einen kann das 

Geständnis (vorbehältlich seiner kritischen Prüfung im Rahmen der freien richter-

lichen Beweiswürdigung) zur Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens und 

zur Wahrheitsfindung beitragen. Zum andern kann das Opfer bzw. die geschädig-

te Partei durch die Schuldanerkenntnis des Täters bereits eine gewisse immateri-

elle Genugtuung erfahren. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich allenfalls 

aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, weil 

die Täterschaft ohnehin bereits überführt gewesen wäre. Bei umfangreichen und 

-   35   - 

prozessentscheidenden Geständnissen kann die Strafreduktion nach der bundes-

gerichtlichen Praxis hingegen bis zu einem Drittel betragen (vgl. BGE 121 IV 202 

E. 2d/cc S. 205). Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung dazu, 

beispielsweise wenn aufgrund des Verhaltens eines Angeklagten weitere Delikte 

aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden können, was ohne 

sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich stellen 

auch Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue Strafminderungsgründe dar. Nur 

wenn all diese Faktoren erfüllt sind, kann eine massgebliche Strafreduktion  

erfolgen. Fehlen einzelne Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu 

reduzieren. Ausgeschlossen ist eine Strafreduktion, wenn der Angeklagte lediglich 

einen erstinstanzlichen Schuldspruch akzeptiert und nicht anficht (vgl.  

BGE 6B_ 974/2009 vom 18. Februar 2010, E.5.4.).  

Mit der neu ins Gesetz aufgenommenen Formulierung (Art. 47 Abs. 1 StGB) wird 

letztlich die Strafempfindlichkeit eines Täters angesprochen. Es ist unbestritten, 

dass gewisse Täter vom Strafvollzug besonders hart betroffen sein können, wes-

halb eine solche besondere Strafempfindlichkeit im Rahmen der Strafzumessung 

zu berücksichtigen ist. Üblicherweise wird dies bereits im Rahmen der  

persönlichen Verhältnisse berücksichtigt, wobei sie sich bei genauer Betrachtung 

nicht auf das Verschulden bezieht, sondern auf das den Täter treffende Mass an 

Strafe. Das Bundesgericht (BGE 6S.703/1995 vom 26.3.1996) hat ausgeführt, die 

Strafempfindlichkeit und Strafempfänglichkeit fielen als strafmindernde Strafzu-

messungsfaktoren nur in Betracht, wenn Abweichungen vom Grundsatz einer 

einheitlichen Leidempfindlichkeit geboten seien, wie etwa bei Gehirnverletzten, 

Schwerkranken, unter Haftpsychosen Leidenden oder Gehörlosen. Es gehe da-

rum, Gleichheit in dem Sinne herzustellen, dass gleiches Verschulden mit einem 

gleichen Mass an Übelszuführung geahndet werde. Die Schwere dieses  

Übels könne auch von der persönlichen Situation des Betroffenen abhängen 

(Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 95 zu Art. 63 aStGB; Wiprächtiger im 

BSK StGB I, 2. Auflage, Basel 2007, N 117 ff. zu Art. 47 StGB). Das Bundesge-

richt hatte sich auch mit der Frage der Relevanz der familiären Situation zu befas-

sen. Im bereits zitierten Entscheid vom 26. März 1996 verneinte es eine zu einer 

Strafreduktion führende Strafempfindlichkeit infolge Verheiratung. Ein langer 

http://relevancy2.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&query_words=Strafreduktion+Nachtatverhalten&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-IV-202

-   36   - 

Strafvollzug werde zwar den Ehepartner hart treffen, doch sei dies eben eine 

 unmittelbare Auswirkung einer unbedingten Freiheitsstrafe. Im Entscheid 

6S.5/2000 vom 21. Februar 2000 berücksichtigte das Bundesgericht dann eine 

etwas erhöhte Strafempfindlichkeit aus familiären Gründen. Dennoch bleibt fest-

zuhalten, dass die Verbüssung einer langjährigen Freiheitsstrafe zwar für jeden in 

ein familiäres Umfeld eingebetteten Angeklagten mit einer gewissen Härte ver-

bunden ist, dies als unmittelbar gesetzmässige Folge jeder Sanktion jedoch nur 

bei Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände erheblich strafmindernd berück-

sichtigt werden darf.  

In der Bevölkerung hat es als Normalfall zu gelten, (kriminell) nicht vorbestraft zu 

sein. Die Vorstrafenlosigkeit  ist deshalb neutral zu behandeln, also bei der Straf-

zumessung nicht zwingend strafmindernd zu berücksichtigen. Dies schliesst nicht 

aus, sie ausnahmsweise und im Einzelfall in die Gesamtbeurteilung der Täterper-

sönlichkeit einzubeziehen, was sich allenfalls strafmindernd auswirken kann. Vo-

rausgesetzt ist jedoch, dass die Straffreiheit auf eine aussergewöhnliche  

Gesetzestreue hinweist. Eine solche darf wegen der Gefahr ungleicher Behand-

lung nicht leichthin angenommen werden, sondern hat sich auf besondere  

Umstände zu beschränken. Zu denken ist beispielsweise an den Berufschauffeur, 

der sich als Ersttäter wegen eines Strassenverkehrsdeliktes strafrechtlich zu ver-

antworten hat, obschon er seit vielen Jahren täglich mit seinem Fahrzeug unter-

wegs ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6.3). 

Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. 

Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um 

sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in 

der Praxis verbreiteten Auffassung wird der ordentliche Strafrahmen durch Straf-

schärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann 

innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üblichen Zumessungskrite-

rien festzusetzen wäre. Zwar ist auch in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

darauf hingewiesen worden, das Gesetz sehe eine Strafrahmenerweiterung vor. 

Damit sollte aber nur ausgedrückt werden, dass der Richter infolge eines Straf-

-   37   - 

schärfungs- bzw. Strafmilderungsgrundes nicht mehr in jedem Fall an die Grenze 

des ordentlichen Strafrahmens gebunden ist. Der ordentliche Rahmen ist nur zu 

verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betref-

fende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint. 

Die Frage einer Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens kann sich stellen, 

wenn verschuldens- bzw. strafreduzierende Faktoren zusammentreffen, die einen 

objektiv an sich leichten Tatvorwurf weiter relativieren, so dass eine Strafe inner-

halb des ordentlichen Rahmens dem Rechtsempfinden widerspräche. Dabei hat 

der Richter zu entscheiden, in welchem Umfang er den unteren Rahmen wegen 

der besonderen Umstände erweitern will. Der vom Gesetzgeber vorgegebene or-

dentliche Rahmen ermöglicht in aller Regel, für eine einzelne Tat die angemessen 

Strafe festzulegen. Er versetzt den Richter namentlich in die Lage, die denkbaren 

Abstufungen des Verschuldens zu berücksichtigen. Die verminderte Schuldfähig-

keit allein führt deshalb grundsätzlich nicht dazu, den ordentlichen Strafrahmen zu 

unterschreiten. Dazu bedarf es weiterer ins Gewicht fallender Umstände, die das 

Verschulden als besonders leicht erscheinen lassen. Nur eine solche Betrach-

tungsweise vermag der gesetzgeberischen Wertung des Unrechtsgehaltes einer 

Straftat und damit letztlich der Ausgleichsfunktion (auch) des Strafrechts  

Rechnung zu tragen. 

Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für 

mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 

schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass 

der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das 

gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der  

Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der Strafrahmen für 

die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die 

schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. Schliesslich ist die 

Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des 

 Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Der Richter hat mithin in einem 

ersten Schritt gedanklich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen, 

indem er alle diesbezüglichen straferhöhenden und strafmindernden Umstände 

einbezieht. In einem zweiten Schritt hat er die Strafe zu erhöhen, um die weiteren 

-   38   - 

Delikte zu sanktionieren. Auch dort muss er den jeweiligen Umständen Rechnung 

tragen. Das Kumulationsprinzip, wonach für jedes einzelne Delikt eine Strafe fest-

zusetzen ist und diese Strafen addiert werden, ist somit nicht vorgesehen. 

3.4. Umsetzung auf den konkreten Fall 

3.4.1. Versuchte schwere Körperverletzung 

3.4.1.1. Tatkomponenten 

Die objektive Tatschwere bemisst sich beim Angeklagten A._____ zunächst 
nach den eingesetzten Mitteln. Von Bedeutung ist zunächst, dass A._____ den 

Geschädigten am Boden derart festhielt, dass es dem Mitangeklagten B._____ 

möglich wurde, mit dem Fuss gegen den Kopf- resp. Gesichtsbereich zu treten. 

Dass dieser mit dem Fuss keinen Treffer landen konnte, ist weder A._____ noch  

B._____, sondern der Gegenwehr des Geschädigten und/oder dem Zufall zu ver-

danken. Das Handeln beider Angeklagter war in diesem Moment darauf gerichtet, 

dem am Boden liegenden Geschädigten eine erhebliche Verletzung im Kopf-

bereich mittels eines Fusstritts zuzufügen. Im Vordergrund steht aber eindeutig 

das anschliessend von A._____ verwendete Eisenrohr. Dieses entspricht – so wie 

es verwendet wurde – klar einem „Mordinstrument“, das geeignet ist, einem  

Menschen schwerste Verletzungen im Kopfbereicht zuzufügen. Dies wird durch 

das Gutachten von Prof.Dr.med. J._____, Dr.med. J1._____ und Dr.sc.techn.  

J2._____ vom 4. Februar 2010 bestätigt: „Biomechanisch relevant ist, dass die 

Eisenstange dem Eindruck nach (Videofilm) mit hoher Geschwindigkeit und mit 

dem äusseren Ende gegen die Person geführt wurde. Allein aus dem hohen  

Eigengewicht und der Höhe aus der die Stange geführt wird, ergibt sich das  

Potential für eine hohe Krafteinleitung. Daraus, dass das äussere Ende gegen die 

Person geführt wurde, entsteht eine für diese Person ungünstige hohe Krafteinlei-

tung. Die Stange selbst ist aus Stahl, so dass davon auszugehen ist, dass sie 

auch beim Auftreffen auf körperfeste Strukturen (Knochen) nicht nachgibt oder 

bricht (Urk. 19/5 S. 2 f.). Zu den Ausführungen im Gutachten betreffend die Frage 

der möglichen Verletzungen kann - um Wiederholungen zu vermeiden - auf die 

vorstehenden Ausführungen unter Ziff. 2.2.12. verwiesen werden. Dies genannten 

-   39   - 

Feststellungen trafen die Gutachter unter Annahme eines Gewichts der  

Eisenstange von 4.3 Kg (a.a.O. S. 1), währenddem das wahre Gewicht 4.7 Kg be-

trägt (Urk. 19/6). Dokumentiert sind ferner zwei Schläge mit der Eisenstange (vgl. 

Urk. 15/5, S. 23-28). In objektiver Hinsicht muss daher die Tatschwere als schwer 

qualifiziert werden. Das Tatmittel und die Art und Weise dessen Verwendung wa-

ren grundsätzlich geeignet, den Tod des Geschädigten herbeizuführen. Damit hat 

– objektiv betrachtet - die Einsatzstrafe am oberen Strafrahmen zu liegen, denn 

bei Eintreten des beabsichtigten Erfolgs hätten unweigerlich schwerste Verletzun-

gen resultiert, und es hätte die hohe Wahrscheinlichkeit bestanden, dass die Ver-

letzungen zu einer dauernden gesundheitlichen Beeinträchtigung geführt hätten.  

Dem Angeklagte B._____ muss aus objektiver Sicht betrachtet ein erhebliches 
Tatverschulden zur Last gelegt werden. Betreffend die Ausführungen im genann-

ten Gutachten zur Frage des Verletzungspotentials der Vorgehensweise des An-

geklagten B._____ gegen den Geschädigten, ist ebenfalls auf die vorangehenden 

Ausführungen unter Ziff. 2.2.12. zu verweisen. Die Spezialvermessung der Stadt-

polizei F._____ vom 9. Oktober 2009 ergab sodann, „dass das Opfer nur durch 

Zufall dem Fusstritt B._____s entging, jenem Fusstritt, welcher eindeutig auf den 

Kopf-/Halsbereich des Opfers ausgerichtet war.“ (Urk. 19/2 S. 6). Dieser im Stile 

eines Kung-Fu-Kämpfers ausgeführte Fusstritt in Kopfhöhe des Geschädigten 

(Urk. 15/5 S. 10-12) war für den Angeklagten B._____ indessen nicht genug, ver-

suchte er doch ein weiteres Mal, den am Boden liegenden Geschädigten mit dem 

Fuss zu treten (a.a.O. S. 19-21). In einer objektiven Sichtweise ergibt sich unter 

Verweis auf die Ausführungen beim Angeklagten A._____, die in etwas abge-

schwächter Form auch für den Angeklagten B._____ gelten, somit eine Einsatz-

strafe, welche deutlich über der Hälfte des Strafrahmens liegt.  

Beim Vorgehen gegen den Geschädigten ist bei beiden Angeklagten eine enorme 

Gewaltbereitschaft zu erkennen, welche nicht nur eine auf eine Verletzung, son-

dern eine auf „Vernichtung“ gerichtete Bereitschaft dokumentiert. 

Die subjektive Tatschwere mindert beim Angeklagten A._____ die objektive 
Schwere in keiner Weise. Es handelte sich um eine durch nichts zu rechtfertigen-

de, auf schwerste Verletzungen ausgerichtete Handlung. Ein nur ansatzweise 

-   40   - 

entschuldigendes Motiv ist nicht ersichtlich. Im Gegenteil liess der Angeklagte 

A._____ es nicht beim ersten Faustschlag bleiben, der den Geschädigten bereits 

erheblich verletzt hatte (vgl. Urk. 21/1, 21/3, 21/5 und 21/6), sondern er eilte dem 

fliehenden Geschädigten über eine nicht unbeträchtliche Strecke nach, um ihn er-

neut und noch massiver zu attackieren. Es ist auch nicht zu erkennen, dass der 

Angeklagte aus eigenem Antrieb vom Geschädigten abgelassen hätte. Vielmehr 

mussten Unbeteiligte einschreiten, um Schlimmeres zu verhindern (vgl. Urk. 15/5 

S. 25-39). Nur so gelang es dem Geschädigten, zu entkommen. Es muss dem 

Angeklagten somit eine enorme kriminelle Energie attestiert werden.  

Das subjektive Tatverschulden des Angeklagten B._____ ist nur um Weniges ge-
ringer zu veranschlagen, als jenes seines Bruders A._____. Es gab für den Ange-

klagten B._____ keinen die Gewaltanwendung rechtfertigenden Anlass, gegen 

den Geschädigten überhaupt gewalttätig zu werden. Die Nacheile kann nur so 

verstanden werden, als er aus eigenem Antrieb dem Geschädigten ebenfalls eine 

Abreibung verpassen wollte, ein dem Bruder zu Hilfe eilen kann ausgeschlossen 

werden, erwies sich doch jener von Anfang an als der Stärkere, der den  

Geschädigten im eigentlichen Sinne des Wortes in die Flucht geschlagen hatte 

(siehe auch Ziff. 2.2.10. hievor). Eine in leichtestem Masse mildere  

Betrachtungsweise drängt sich nur deshalb auf, weil  der Angeklagte B._____ ein 

geringfügig weniger gefährliches Tatmittel einsetzte als der Angeklagte A._____. 

Auch er liess aber nicht aus eigenem Antrieb vom Geschädigten ab, sondern 

musste von Dritten gehindert werden, die Gewalt fortzusetzen. Dem Angeklagten 

B._____ wohnt eine beinahe vergleichbare kriminelle Energie inne wie seinem 

Bruder. 

Dass es letztlich nur bei einem Versuch zu einer schweren Körperverletzung 

blieb, haben nicht die Angeklagten zu verantworten, jedoch muss dieser Umstand 

von Gesetzes wegen zu einer – wenn auch nur leichten – Minderung der Strafe 

führen (Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB). 

Eine verminderte Schuldfähigkeit liegt bei beiden Angeklagten nicht vor  

(Urk. 34/11 S. 34 und Urk. 34/12 S. 31).  

-   41   - 

Beim Angeklagten B._____ ist zu berücksichtigen, dass ihn Bezug auf den Fuss-

tritt lediglich von eventualvorsätzlichen Handeln auszugehen ist (siehe  

Ziff. 2.2.17. hievor). 

  

3.4.1.2. hypothetische Einsatzstrafen 

In Würdigung der Tatkomponenten erscheint beim Angeklagten A._____ eine hy-
pothetische Einsatzstrafe von sechs Jahren der objektiven und subjektiven Tat-

schwere angemessen.  

Beim Angeklagten B._____ würde im vorliegenden Fall eine hypothetische Ein-
satzstrafe von dreieinhalb Jahren resultieren. Da eine Zusatzstrafe zum  

früheren Urteil zu bemessen ist (vorne Ziff. 3.1), ist indessen als Ausgangspunkt 

jene hypothetische Einsatzstrafe zu Grunde zu legen. Die II. Strafkammer erwog 

in ihrem Urteil in objektiver Hinsicht, dass sich der Geschädigte einer notfall-

mässigen Operation habe unterziehen und rund eine Woche habe in Spitalpflege 

verbleiben müssen. „Der Stich mit dem konkreten Tatwerkzeug hätte durchaus 

noch gravierendere und bleibende Folgen für die Gesundheit und die weitere  

Lebensführung des Geschädigten haben können, wenn nicht sogar seinen Tod. 

Bleibende Schäden scheinen sich indessen nicht abzuzeichnen. Die attestierte 

Arbeitsunfähigkeit betrug nur – aber immerhin – drei Wochen.“ In subjektiver  

Hinsicht falle ins Gewicht, „dass der Angeklagte nicht mit der Absicht handelte, 

dem Geschädigten eine lebensgefährliche Verletzung zuzufügen. Eine solche 

Verletzung war keineswegs geplant. Die Tat trägt gewisse affektakzentuierte  

Züge und war jedenfalls nicht von langer Hand vorbereitet. Ein direkter Vorsatz, 

dem Geschädigten eine lebensgefährliche Verletzung zuzufügen, lässt sich nicht 

zweifelsfrei erstellen. Zu Gunsten des Angeklagten ist nur von einem Eventual-

vorsatz auszugehen. Es ist sodann davon auszugehen, dass er einem Kollegen 

zu Hilfe eilte und diesem einen Rückzug ermöglichen wollte. Insofern kann auch 

dem Gutachter gefolgt werden, wenn er in entlastendem Sinne von einem gewis-

sen Gruppendruck gesprochen hat (…). Freilich entschuldigt dies die unverhält-

nismässige, schwere Verletzung nicht, zumal sie im Rahmen eines Raufhandels 

erfolgte, in den der Angeklagte nicht ahnungslos und überraschend hineingeraten 

-   42   - 

war. Vielmehr hatte er sich an den Tatort begeben, um dort bei einer allfälligen 

tätlichen Auseinandersetzung mitzumachen. Insofern ist auch nicht einzusehen, 

weshalb eine Gewalttat milder beurteilt werden sollte, wenn sie aus einem zu-

sammengerotteten Haufen heraus verübt wird.“ Insgesamt erachtete die II. Straf-

kammer das Verschulden als erheblich (SE080025, Urteil S. 28 f.). Unter Berück-

sichtigung des jugendlichen Alters und des Strafschärfungsgrundes der Bege-

hung von zwei Straftaten (weitere strafreduzierende oder straferhöhende Fakto-

ren sind dem Urteil nicht zu entnehmen) gelangte die II. Strafkammer zu einer 

Freiheitsstrafe von drei Jahren (a.a.O. S. 30 f.). Nach Rückweisung durch das 

Bundesgericht, welches die ausgefällte Strafe offenkundig als zu tief erachtete, 

weil eine Strafreduktion wegen der Vorstrafenlosigkeit und des jugendlichen  

Alters nicht infrage komme und in der heutigen Zeit ebenfalls Überlegungen zur 

Generalprävention nötig seien (BGE 6B_584/2009 vom 28. Januar 2010, E. 2), 

verurteilte die II. Strafkammer den Angeklagten mit Urteil vom 19. Juli 2010 zu  

einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Dabei wurde auf die 

 Erwägungen des Bundesgerichtes sowie auf die eigenen Erwägungen, soweit sie 

vom Bundesgericht nicht beanstandet worden waren, verwiesen. Neu wurde  

berücksichtigt, dass der Angeklagte seit dem vom Bundesgericht aufgehobenen 

Urteil Fr. 2'500.- der mit dem Geschädigten vereinbarten Entschädigung  

(Schadenersatz und Genugtuung) von Fr. 7'000.- bezahlt hat. Für die schwere 

Körperverletzung erachtete die II. Strafkammer eine Strafe von vier Jahren und 

sechs Monaten als angemessen (a.a.O. S. 5). Nachdem für die Strafzumessung 

als Täterkomponente einzig noch die Bezahlung der erwähnten Summe eine  

reduzierende Rolle spielte, muss angenommen werden, dass die Einsatzstrafe 

unter Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatschwere etwas über  

4 viereinhalb Jahre liegt. Ausgangspunkt für die heute vorzunehmende Strafzu-

messung bildet demnach eine theoretische Einsatzstrafe von etwas über  

viereinhalb Jahren. 

3.4.2. einfache Körperverletzung und Hausfriedensbruch 

Das objektive und subjektive Tatverschulden des Angeklagten A._____ in Bezug 
auf die einfache Körperverletzung wiegt nicht mehr leicht. A._____ schlug dem 

-   43   - 

Geschädigten D._____ zweimal von vorne mit der Faust auf den Mund, was ein-

deutig von einer gewissen Gewaltbereitschaft zeugt. Dabei erlitt der Geschädigte 

nicht unerhebliche Verletzungen, eine Hirnerschütterung, den Verlust von zwei 

Zähnen, eine Rissquetschwunde an der Unterlippe und eine Prellung des Ellen-

bogens rechts. Neben der versuchten schweren Körperverletzung fällt das Ver-

schulden bezüglich der einfachen Körperverletzung allerdings nicht stark ins Ge-

wicht; ebenso das Verschulden im Rahmen des Hausfriedensbruchs. 

3.4.3. Unter Einbezug der einfachen Körperverletzung und des Haufriedens-
bruchs rechtfertigt sich die Erhöhung der Einsatzstrafe von A._____ auf etwas 
mehr als sechs Jahre. 

3.4.4. Täterkomponenten 

3.4.4.1. Der Angeklagte A._____ wuchs gemäss eigenen Angaben 
 (Urk. 36/6, Urk. 34/11 S. 13 f.) bis zu seinem neunten Altersjahr in bescheidenen 

Verhältnissen in K._____ [im Land L._____] auf. Im Alter von acht oder neun Jah-

ren kam er mit seiner Familie nach M._____. Er hat einen älteren Bruder, zwei 

jüngere Brüder (darunter B._____) und zwei jüngere Schwestern. Sein Vater ist 

Hilfskoch, seine Mutter verrichtet gelegentlich Putzarbeiten. Während rund vier bis 

fünf Monaten lebte die Familie in einem Asylantenheim und während rund einem 

halben Jahr in einem solchen Heim in F._____. Danach erhielt die Familie eine 

Wohnung in N._____. Nach acht Jahren, d.h. drei bis vier Jahre vor der Verhaf-

tung des Angeklagten, wechselte die Familie nach N1._____. In N._____ besuch-

te er die Schule von der dritten oder vierten bis zur sechsten Klasse. Nach einem 

Jahr Oberstufe in N2._____ musste er im Alter von etwa 15 Jahren die Schule 

verlassen. Während rund eineinhalb Jahren machte er „nichts“ und lebte in den 

Tag hinein. Im Alter von 16 Jahren sei er sodann in ein Lehrlingsheim gekommen, 

wo er habe Schreiner lernen wollen. Da ihm die Lehre nicht gefallen habe, habe 

er die Ausbildung nach sieben oder acht Monaten, Anfang 2006, abgebrochen. Im 

Jahre 2007 kam er für rund 13 Monate ins Massnahmezentrum N3._____, wo er 

zunächst als Metallbauer arbeitete. Er hatte indessen grosse Schwierigkeiten in 

der Berufsschule. Ab 2009 hatte der Angeklagte verschiedene Aushilfejobs inne, 

zuletzt als Lagerist. Anlässlich der heutigen Verhandlung ergänzte der Angeklag-

-   44   - 

te, er habe ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern und Geschwistern. Seine Familie 

besuche ihn auch wöchentlich im Gefängnis. Seine Noten in der Primarschule 

seien mittelmässig gewesen, aber er sei ein anständiger Schüler gewesen. Von 

der Oberstufenschule sei er wegen eines Nateldiebstahls geflogen. Als Lagerist 

an seiner letzten Arbeitsstelle habe er zirka Fr. 1'000.-- bis 1'200.-- verdient. Bei 

der O._____ habe er Schulden im Betrag von etwa Fr. 600.--. In der Zukunft 

möchte er eine Lehre als Metallbauer machen und Englisch lernen (Prot. S. 7, 8, 

14, 15). 

Aus dem Leumundsbericht der Kantonspolizei Zürich vom 15. Dezember 2009 

(Urk. 35/6) ergibt sich, dass der Angeklagte A._____ vom 30. Juli 2007 bis zum  

9. Februar 2008 im Massnahmezentrum N3._____ weilte. In den ersten Monaten 

war er intern in der Malerei, Schreinerei und in der Kreativabteilung beschäftigt. 

Nach Auskunft des stellvertretenden Abteilungsleiters sei er nicht sehr arbeits-

tüchtig gewesen, habe häufig verschlafen und habe sich nicht für die Arbeit  

begeistern können. Ende 2007 habe er für zwei Monate in einer externen Malerei 

schnuppern können. Nach etwa zwei Wochen sei das Schnupper-Verhältnis aber 

wieder aufgelöst worden, da der Angeklagte ungenügende Leistungen erbracht 

habe.  

Aus den beigezogenen Akten der Jugendanwaltschaft ergeben sich die folgenden 

Erziehungsverfügungen: 

7. Dezember 2004, Diebstahl, 10 Tage Arbeitsleistung, 

22. März 2005, geringfügiger Diebstahl, 3 Tage Einschliessung, 

22. November 2005, Drohung, 6 Tage unentgeltliche Arbeitsleistung. 

Der Vorstrafenbericht weist drei Jugendstrafen auf (Urk. 35/1): Am 1. November 

2006 wurde er von der Jugendanwaltschaft Uster wegen Raub und Hausfriedens-

bruch mit zehn Tagen Einschließung bestraft. Am 8. Februar 2007 ordnete die 

nämliche Jugendanwaltschaft wegen Hausfriedensbruch und Vergehen gegen 

das Waffengesetz einen Freiheitsentzug von 10 Tagen an. Diese beiden Strafen 

wurden widerrufen. Die bedingte Entlassung aus dem Vollzug erfolgte am  

-   45   - 

13. März 2007, die Probezeit für die Reststrafe von neun Tagen wurde auf sechs 

Monate festgesetzt. Ferner wurde Bewährungshilfe angeordnet. Schließlich wurde 

der Angeklagte der am 22. Februar 2008 von der Jugendanwaltschaft 

See/Oberland wegen Raub, Diebstahl, Tätlichkeiten, falschem Alarm sowie  

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte mit einer Freiheitsstrafe von 

90 Tagen belegt, wobei 240 Tage Untersuchungshaft angerechnet wurden. 

Mit Verfügung der Jugendanwaltschaft See/Oberland vom 25. Juli 2007 wurde der 

Angeklagte in das Massnahmezentrum N3._____, geschlossene Abteilung, ein-

gewiesen. Mit Verfügung der nämlichen Jugendanwaltschaft vom 26. November 

2007 wurde der Angeklagte in Fortsetzung der vorsorglichen Unterbringung am 

27. November 2007 in das Gefängnis N4._____ eingewiesen. Dies deshalb, weil 

er seit seinem Eintritt eine minimale bis gar keine Bereitschaft zeigte, sich auf die 

Anforderungen der Massnahme – sowohl im Bereich Wohnen/Freizeit wie auch 

im Bereich Abklärung – einzulassen, um die Chance zur Veränderung seiner  

Lebensperspektive zu nutzen. Zwischen dem Eintritt am 30. Juli und dem 8. No-

vember waren bereits sieben Disziplinarverfügungen notwendig. In zwei Fällen 

kam es zu bedrohlichem Verhalten. Im Abklärungsbereich hat sich A._____ durch 

sein destruktives, störendes Verhalten gezeigt. Eine kontinuierliche, zielorientierte 

Arbeit mit Blick auf einen Ausbildungsplatz war bisher nicht möglich. Nachdem 

sich die Situation während einigen Tagen beruhigt hatte, kam es inzwischen – 

trotz intensiver Einzelbetreuung, ständigen Ermahnungen und Unterstützungs-

angeboten seitens der Mitarbeitenden des Massnahmenzentrums – wieder zu ei-

ner massiven Verschlechterung des Verhaltens von A._____ im Bereich Abklä-

rung und Bereich Wohnen/Freizeit. Am 10. Dezember 2007 wurde er in das Mas-

snahmezentrum zurückgeführt.  

Der Strafverfügung vom 22. Februar 2008 ist zu entnehmen, die zivilrechtliche 

Unterbringung von A._____ im Jugendheim N5._____ und die spätere  

vorsorgliche Unterbringung durch die Jugendanwaltschaft See/Oberland habe 

deutlich gezeigt, dass A._____ therapeutisch und erzieherisch nicht zu erreichen 

sei. Seine Verhaltensmuster seien so gefestigt, dass erzieherische Interventionen 

an ihm abperlen würden. Dies verhindere, ja verunmögliche erzieherische bzw. 

-   46   - 

therapeutische Erfolge. Wenn die Anordnung einer jugendstrafrechtlichen Mass-

nahme aber keine positive Veränderung bewirken könne, mache die zwangswei-

se Anordnung keinen Sinn und es sei davon abzusehen. Da die Anordnung einer 

Schutzmassnahme oder einer ambulanten oder stationären Therapie bei A._____ 

keinen Sinn mache, sei er für sein Fehlverhalten ausschliesslich zu bestrafen.  

Die Deliktsbiographie des Angeklagte