# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f9e615a-5d08-5e5d-ba6c-487ae0ea4dbe
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.01.2023 D-5666/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5666-2022_2023-01-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5666/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter Yanick Felley, Richterin Nina Spälti Giannakitsas,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bisig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

dessen Ehefrau 

B._______, geboren am (…), 

und das Kind 

C._______, geboren am (…), 

alle Angola,   

alle vertreten durch MLaw Meret Adam,  

(…),  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 29. November 2022 / N (…). 

 

D-5666/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) und B._______ (nachfol-

gend: Beschwerdeführerin) suchten am (…) 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach. 

B.  

B.a Die Beschwerdeführerin musste am darauffolgenden Tag bei Präe-

klampsie hospitalisiert werden. Am (…) 2022 gebar sie ihren Sohn 

C._______ (vgl. provisorischer Geburtsbericht der Frauenklinik des Univer-

sitätsspitals D._______ vom […] 2022 [Akten SEM 1183179-39/2]), wel-

cher gleichentags auf die Neonatologie verlegt wurde (vgl. Verlegungsbe-

richt der Neonatologie des […] vom […] 2022 [1183179-59/5]). Am (…) 

2022 konnte die Beschwerdeführerin das Spital verlassen (vgl. Entlas-

sungsbericht Abteilung Mutter und Kind vom […] 2022 [1183179-40/5]).  

B.b Der Beschwerdeführer war wegen eines epileptischen Anfalls vom (…) 

bis (…) 2022 in der (…) des Universitätsspitals D._______ hospitalisiert 

(vgl. entsprechender Austrittsbericht vom […] 2022). 

C.  

Am 9. August 2022 ersuchte das SEM die portugiesischen Behörden um 

Aufnahme der Beschwerdeführenden, nachdem ein Abgleich ihrer Finger-

abdrücke mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) ergab, 

dass sie am 19. Mai 2022 von der portugiesischen Botschaft in Luanda ein 

Schengenvisum (gültig vom […] 2022 bis […] 2022) erhalten hatten. 

D.  

D.a Anlässlich der Dublin-Gespräche vom 12. August 2022 konfrontierte 

das SEM die Beschwerdeführenden mit ihren Treffern im CS-VIS und ge-

währte ihnen das rechtliche Gehör zur möglichen Zuständigkeit Portugals 

für die Behandlung ihres Asylgesuchs, zu einer Wegweisung dorthin sowie 

zum medizinischen Sachverhalt. 

D.b Die Beschwerdeführenden brachten im Wesentlichen vor, sie hätten 

Angola am (…) 2022 verlassen und seien am darauffolgenden Tag mit dem 

Flugzeug in Deutschland angekommen. Anschliessend seien sie direkt in 

die Schweiz weitergereist, um ein Asylgesuch zu stellen. In Portugal hätten 

sie keine Familie und sie wüssten nicht, wie sie dort überleben könnten. 

Ansonsten hätten sie keine Probleme in Portugal. Ihnen gefalle es in der 

Schweiz sehr gut, weshalb sie hierbleiben wollten. Ihr Sohn sei ausserdem 

D-5666/2022 

Seite 3 

in der Schweiz geboren worden. Er sei eine Frühgeburt und müsse deshalb 

im Krankenhaus bleiben. Sein gesundheitlicher Zustand würde eine Weg-

weisung nach Portugal aktuell verunmöglichen. 

D.c Zu ihrem eigenen Gesundheitszustand gaben sie an, der Beschwer-

deführer sei quasi seit Geburt Epileptiker der Kategorie B und seine Ver-

dauung sei seit einer Blinddarmoperation etwas langsamer. Zudem sei er 

zurzeit aufgrund seiner Erfahrungen in der Vergangenheit sowie wegen Zu-

kunftsängsten traurig und er könne nicht gut schlafen, weil sein Sohn im-

mer noch im Spital behandelt werde. Auch der Beschwerdeführerin gehe 

es aufgrund der Frühgeburt ihres Sohnes nicht gut. Sie komme nicht zur 

Ruhe und habe Unterleibs- und Kopfschmerzen sowie Probleme mit dem 

Magen, dem Stuhlgang, dem Blutdruck und den Brustwarzen. Sie erhalte 

verschiedene Medikamente gegen ihre gesundheitlichen Leiden, welche 

vom Krankenhaus verschrieben worden seien. Aufgrund der Frühgeburt 

beziehungsweise der damit in Verbindung stehenden Krankheit "Prequen-

zia" habe sie zudem Schlafprobleme und fühle sich depressiv. 

D.d Der Beschwerdeführer reichte einen Medikationsplan zu den vorin-

stanzlichen Akten.  

E.  

Mit Eingabe vom 24. August 2022 an das SEM reichte die Rechtsvertre-

tung der Beschwerdeführenden mehrere (bereits erwähnte) ärztliche Be-

richte (inkl. ein Rezept) zu den vorinstanzlichen Akten und beantragte auf-

grund des gesundheitlichen Zustands der gesamten Familie einen Selbst-

eintritt aus humanitären Gründen. 

F.  

Der Sohn der Beschwerdeführenden konnte das Spital – zuletzt war er auf 

der Pädiatrie des (…) – am 29. August 2022 verlassen (vgl. entsprechen-

der Austrittsbericht [1183179-60/4]). 

G.  

Mit (zwei) Eingaben vom 5. September 2022 reichte die Rechtsvertretung 

zwei weitere Arztberichte betreffend die Beschwerdeführerin zu den vor-

instanzlichen Akten. 

H.  

Am 22. September 2022 stimmten die portugiesischen Behörden zunächst 

der Übernahme der Beschwerdeführenden und am 19. Oktober 2022 der 

Übernahme deren Sohnes zu. 

D-5666/2022 

Seite 4 

I.  

I.a Mit Eingabe vom 8. November 2022 reichte die Rechtsvertretung einen 

– im Hinblick auf eine Änderung der Wohnsituation der Beschwerdeführen-

den ausgestellten – "Allgemeinen Brief Pädiatrie" der Kinderklinik des (…) 

vom 4. November 2022 zu den vorinstanzlichen Akten. Diesem ist zu ent-

nehmen, dass beim Sohn der Beschwerdeführenden aufgrund der Frühge-

burtlichkeit (aktuell) ein erhöhtes Risiko von Atembeschwerden und Trink-

schwäche im Falle von Infektionen mit Viren und Bakterien bestehe. 

I.b Mit Eingabe vom 9. November 2022 reichte die Rechtsvertretung so-

dann einen Austrittsbericht der genannten Kinderklinik vom 7. November 

2022 zu den vorinstanzlichen Akten. Demgemäss wurde beim Sohn der 

Beschwerdeführenden ein Atemwegsinfekt und enoraler Soor sowie eine 

(wahrscheinlich damit zusammenhängende) Trinkschwäche diagnostiziert. 

Er war zur O2-Sättigungsüberwachung und Erstellung eines Trinkmengen-

protokolls vom 3. bis 7. November 2022 hospitalisiert. 

J.  

J.a Mit E-Mail vom 22. November 2022 übermittelte der zuständige Pfle-

gedienst der Vorinstanz – auf entsprechende Nachfrage hin – sämtliche 

ihm vorliegenden medizinischen Unterlagen der Beschwerdeführenden 

und teilte dem SEM gleichzeitig mit, die Beschwerdeführenden hätten noch 

Arzttermine ausstehend (beim Frauenarzt resp. in der Neurologie). 

J.b  

J.b.a Neben bereits erwähnten medizinischen Berichten lagen dem E-Mail 

folgende ärztlichen Dokumente betreffend die Beschwerdeführerin bei: ein 

Arztbericht vom 1. August 2022 (Diagnose: beginnende Entzündung der 

Brustdrüse und Lochialstau), ein Eintrag zur "Verlaufskontrolle Schwanger-

schafts-Hypertonie am 5. September 2022 nach Präeklampsie", wonach 

es ihr gut gehe, sie keine Kopfschmerzen habe und aktuell keine Medika-

tion notwendig sei, ein ärztlicher Bericht des (…) vom 4. November 2022 

(Diagnose: chronische Unterleibsschmerzen) sowie ein Notfallbericht des 

(…) vom 22. November 2022 (Diagnose: viraler Infekt der oberen Atem-

wege). 

J.b.b Betreffend den Beschwerdeführer lagen sodann – neben dem bereits 

erwähnten Austrittsbericht – zwei weitere ärztliche Berichte des Universi-

tätsspitals D._______ vom 27. und 28. Juli 2022 sowie ein "Medizinisches 

Datenblatt für interne Arztbesuche im BAZ E._______" vom 15. November 

2022 bei, gemäss welchem es dem Beschwerdeführer – unter Hinweis auf 

D-5666/2022 

Seite 5 

den epileptischen Anfall im Juli 2022 – gut gehe und er keine Beschwerden 

habe. 

J.b.c Betreffend den Sohn der Beschwerdeführenden stellte der Pflege-

dienst dem SEM sodann – neben den bereits erwähnten ärztlichen Doku-

menten – im Wesentlichen folgende Dokumente zu: einen ambulanten Be-

richt des Notfalls des (…) vom 4. September 2022 (Diagnose: viraler Infekt 

der oberen Atemwege), einen provisorischen Austrittsbericht der Pädiatrie 

des (…) vom 13. September 2022 betreffend Hospitalisierung vom 12. bis 

13. September 2022 wegen eines Infekts der oberen Atemwege, einen 

ärztlichen Bericht der (…) vom 17. November 2022 (Diagnose: Infekt der 

oberen Luftwege, DD beginnende RSV-Infektion) und die Detailergebnisse 

zu einem (bestandenen) Neugeborenenhörscreening. 

J.c Mit E-Mail vom 23. November 2022 teilte der Pflegedienst dem SEM 

sodann – auf entsprechende Nachfrage hin – mit, dass es sowohl der Be-

schwerdeführerin als auch deren Sohn aktuell gut gehe. 

K.  

Mit Verfügung vom 29. November 2022 – eröffnet am 1. Dezember 2022 – 

trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete deren 

Wegweisung aus der Schweiz nach Portugal an und forderte sie auf, die 

Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. 

Es beauftragte den Kanton F._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. 

Gleichzeitig händigte es den Beschwerdeführenden die editionspflichtigen 

Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, eine allfällige Be-

schwerde gegen den Entscheid habe keine aufschiebende Wirkung. 

L.  

Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe 

vom 8. Dezember 2022 – handelnd durch ihre Rechtsvertreterin – Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten dabei in mate-

rieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das SEM 

sei anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein ma-

terielles Asylverfahren durchzuführen, eventualiter sei die angefochtene 

Verfügung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurtei-

lung an das SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean-

tragten sie, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen 

und die Vollzugsbehörden seien unverzüglich anzuweisen, von ihrer Über-

stellung nach Portugal abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über 

D-5666/2022 

Seite 6 

die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Zudem sei 

ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Ferner seien die Akten der 

Vorinstanz beizuziehen. 

Mit der Beschwerde wurde der bereits in den vorinstanzlichen Akten lie-

gende Austrittsbericht der (…) des Universitätsspitals D._______ vom 

28. Juli 2022 zu den Akten gereicht. 

M.  

Am 9. Dezember 2022 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der 

Überstellung im Sinne einer vorsorglichen Massnahme per sofort einstwei-

len aus. 

N.  

Mit Verfügung vom 13. Dezember 2022 erteilte die Instruktionsrichterin der 

Beschwerde die aufschiebende Wirkung, hiess das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie das SEM zur Einrei-

chung einer Vernehmlassung ein.  

O.  

Mit Vernehmlassung vom 20. Dezember 2022 nahm das SEM zu den Be-

schwerdevorbringen Stellung. 

P.  

Mit Eingabe vom 12. Januar 2023 machten die Beschwerdeführenden – 

innert erstreckter Frist – von ihrem mit Verfügung vom 29. Dezember 2022 

eingeräumten Replikrecht Gebrauch. Sie reichten wiederum drei bereits in 

den vorinstanzlichen Akten liegende ärztlichen Dokumente ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).  

D-5666/2022 

Seite 7 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Das Gericht wendet das Recht von Amtes wegen an und ist nicht an 

die Anträge oder die Begründungen der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 

VwVG). 

2.3 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführenden rügen in der Beschwerde implizit, das SEM 

habe den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Diese Rüge ist vor-

ab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet ist, eine Kassation der angefochte-

nen Verfügung zu bewirken. 

3.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 

des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat 

die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung 

des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt in-

des nicht uneingeschränkt; er findet seine Grenzen an der Mitwirkungs-

pflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). 

 

D-5666/2022 

Seite 8 

3.3  

3.3.1 Soweit die Beschwerdeführenden in der Beschwerde rügen, die Vor-

instanz habe den medizinischen Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abge-

klärt, dazu jedoch nichts weiter ausführen, ist Folgendes festzuhalten: Das 

Gericht erachtet den medizinischen Sachverhalt vorliegend als hinreichend 

erstellt. So ergeben sich aus den vorinstanzlichen Akten die wesentlichen 

Diagnosen der Beschwerdeführenden (insb. Epilepsie des Beschwerde-

führers, Frühgeburtlichkeit des Sohnes und mit der Schwangerschaft bzw. 

der Geburt im Zusammenhang stehende Beschwerden der Beschwerde-

führerin). Das Abwarten allfälliger weiterer ärztlicher Abklärungen respek-

tive der ausstehenden Arzttermine (Arzttermin des Beschwerdeführers auf 

der Neurologie, Kontrolltermin der Beschwerdeführerin beim Frauenarzt 

sowie Entwicklungskontrollen des Sohnes [vgl. Bst. J.a vorstehend sowie 

1183179-61/3]) wie auch die Nachreichung entsprechender Arztberichte 

war (und ist) unter Hinweis auf die nachfolgenden Erwägungen (E. 7.3.2) 

sowie im Hinblick auf einen Selbsteintritt aus humanitären Gründen nicht 

nötig. 

3.3.2 Für eine Rückweisung der Sache an das SEM zur rechtsgenüglichen 

Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung besteht daher in dieser Hin-

sicht kein Anlass. Im Übrigen gibt es angesichts der nachfolgenden Erwä-

gungen zur Frage des Reisezeitpunktes (vgl. E. 5.3.2 f.) auch keinen 

Grund, die Sache zur tiefergehenden Befragung der Beschwerdeführen-

den zu ihrem Reiseweg beziehungsweise für sonstige weitere Abklärungen 

an das SEM zurückzuweisen. Der Eventualantrag ist daher abzuweisen. 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchen-

de in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-

dung. 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

D-5666/2022 

Seite 9 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Uni-

on (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, 

ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-

ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-

dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat 

zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO). 

4.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn individuelle völkerrecht-

liche Überstellungshindernisse vorliegen (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Das 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und 

das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-

tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO 

ein anderer Staat zuständig wäre. 

4.5 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-

stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin-III-VO aufzuneh-

men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). 

5.  

5.1 Die Beschwerdeführenden (Eltern) hatten gemäss Eintragung im CS-

VIS – wie bereits erwähnt – am 19. Mai 2022 von der portugiesischen Bot-

schaft in Luanda ein Schengenvisum (gültig vom […] 2022 bis […] 2022) 

erhalten. Das SEM ersuchte deshalb die portugiesischen Behörden um 

Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 12 Abs. 4 Dublin-

III-VO. Die portugiesischen Behörden stimmten den entsprechenden Ersu-

chen gestützt auf dieselbe Bestimmung (resp. betreffend den Sohn der Be-

schwerdeführenden gestützt auf Art. 20 Abs. 3 Dublin-III-VO) explizit zu. 

Angesichts dessen sieht das SEM die Zuständigkeit bei Portugal. 

 

D-5666/2022 

Seite 10 

5.2  

5.2.1 Die Beschwerdeführenden bestreiten in der Beschwerde die Zustän-

digkeit Portugals mit der Begründung, ein im Zeitpunkt der Stellung des 

Asylgesuchs bereits abgelaufenes Visum könne die Zuständigkeit des aus-

stellenden Mitgliedstaats nur unter der Bedingung begründen, dass das 

Visum im Zeitpunkt der Einreise in den Schengenraum noch gültig gewe-

sen sei. Ihre von der portugiesischen Botschaft ausgestellten Visa seien 

jedoch am (…) 2022 abgelaufen und sie seien erst am darauffolgenden 

Tag illegal aus Luanda nach Deutschland gereist. Es ergebe sich folglich 

die Zuständigkeit der Schweiz. 

5.2.2 Das SEM hielt in der Vernehmlassung an der Zuständigkeit Portugals 

an den in E. 5.1 erwähnten Gründen fest und führte aus, die Ausführungen 

in der Beschwerde vermöchten daran nichts zu ändern. Des Weiteren wies 

es hauptsächlich darauf hin, dass die Beschwerdeführenden kein Doku-

ment vorgelegt hätten, welches die angebliche Einreise am (…) 2022 in 

den Schengenraum belege und ihre Aussagen vor dem Hintergrund, dass 

die Ausreise scheinbar genau einen Tag nach Ablauf der Visa erfolgt sei, 

wenig glaubhaft seien. Es könne zwar sein, dass ein ungültiges Visum oder 

gefälschte Papiere am Abflugort nicht auffallen würden. Die Einreise in das 

Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten beziehungsweise nach Deutschland wä-

re mit einem abgelaufenen Visum jedoch nicht möglich gewesen. 

5.2.3 Die Beschwerdeführenden ergänzten in der Replik im Wesentlichen, 

dass sie sich in Luanda wegen Problemen des Beschwerdeführers ver-

steckt aufgehalten und versucht hätten, aus dem Untergrund die Flucht ins 

Ausland zu organisieren. Die Mutter des Beschwerdeführers habe einen 

Schlepper beauftragt, welcher ihnen versprochen habe, ein Visum für Por-

tugal zu beschaffen. Sie hätten die Kosten, die sich insbesondere aus der 

Bestechlichkeit der portugiesischen Behörden in Angola – diese würden 

die Visa lediglich an die Höchstbietenden verteilen – ergeben hätten und 

von welchen sie erst nach der Visabeschaffung erfahren hätten, jedoch 

nicht begleichen können. Der Schlepper habe daher vorgeschlagen, die 

bereits erstellten gültigen portugiesischen Visa an eine andere Familie zu 

übergeben und stattdessen auf dem Schwarzmarkt gefälschte Reisedoku-

mente für einen weitaus niedrigeren Preis zu organisieren. Eine Verletzung 

der Mitwirkungspflicht könne ihnen nicht vorgeworfen werden, da es aus-

serhalb ihres Möglichen stehe, Beweismittel für ihre Einreise nach 

Deutschland vorzulegen, zumal die Reise mittels eines Schleppers und 

mittels gefälschter Reisepapiere erfolgt sei, welche ihnen unmittelbar nach 

D-5666/2022 

Seite 11 

der Einreise in die Schweiz vom Schlepper wieder abgenommen worden 

seien. 

5.3  

5.3.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Zuständigkeitsregelung von 

Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO nur dann zur Anwendung gelangt, wenn die 

gesuchstellende Person aufgrund eines inzwischen abgelaufenen Visums 

in das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats einreisen konnte und das ge-

samte Hoheitsgebiet bisher nicht verlassen hat (vgl. auch Urteile des 

BVGer F-1478/2018 vom 15. März 2018 S. 4 f. und F-3085/2022 vom 

8. August 2022 E. 3.2). Bei Wahrunterstellung der Ausführungen der Be-

schwerdeführenden zu ihrer erst nach Ablauf ihrer Visa erfolgten Einreise 

in den Dublin-Raum wäre damit – entgegen der vom SEM nicht weiter be-

gründeten Auffassung – die Zuständigkeit Portugals nicht gegeben. 

5.3.2 Die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführenden ver-

mögen das Gericht indessen nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführen-

den gaben zwar im vorinstanzlichen Verfahren von Beginn weg an, dass 

sie von Angola her am (…) 2022 nach Deutschland gelangt seien (vgl. 

1183179-3/1, -4/1). Ihre Aussagen anlässlich der Dublin-Gespräche zu den 

Treffern im CS-VIS respektive zu ihrer Reise von Angola nach Deutschland 

sind allerdings äusserst knapp ausgefallen (vgl. Bst. D.b vorstehend; 

1183179-32/2 [S. 1], -35/2 [S. 1]). Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb sie 

nicht bereits in den Dublin-Gesprächen – oder spätestens in der Beschwer-

de – ausdrücklich erklärten, dass sie die ihnen ausgestellten Visa nicht ver-

wendet hätten, und die Gründe hierfür nannten. Die (erst) im Rahmen der 

Replik erfolgten Erklärungen sind demnach als nachgeschoben und mithin 

als unglaubhaft zu qualifizieren. Daran ändert auch der Umstand nichts, 

dass sich das SEM erst im Rahmen der Vernehmlassung zur Glaubhaf-

tigkeit der geltend gemachten Einreise am (…) 2022 in den Dublin-Raum 

äusserte. Die Ausführungen in der Replik lassen sich denn auch nicht mit 

der Tatsache vereinbaren, dass die Beschwerdeführenden – was in der 

Replik mit keinem Wort erwähnt wurde – für die Ausstellung ihrer Visa unter 

Vorlage ihrer Reisepässe auf der portugiesischen Botschaft vorsprechen 

und ihre Fingerabdrücke (vgl. die auf einem Fingerabdruckvergleich basie-

renden CS-VIS-Treffer) abgeben mussten. Im Übrigen bestätigt die Tatsa-

che, dass die vertretenen Beschwerdeführenden auch auf Beschwerde-

ebene keine (weiteren) substanziierten Angaben betreffend ihre angebli-

che Reise von Angola nach Deutschland (bspw. […]) machten, die Un-

D-5666/2022 

Seite 12 

glaubhaftigkeit ihrer entsprechenden Angaben. Schliesslich mutet der Er-

klärungsversuch in der Replik, die Beschwerdeführenden hätten erst nach 

Ausstellung der Visa von deren hohen Kosten erfahren, lebensfremd an. 

5.3.3 Nach dem Gesagten haben die Beschwerdeführenden keine glaub-

haften Erklärungen zu ihrer Reise in den Dublin-Raum abgegeben, welche 

die Einträge im CS-VIS respektive die Annahme einer Einreise während 

der Gültigkeitsdauer ihrer Visa zu widerlegen vermöchten. Daran vermö-

gen die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und der Replik nichts 

zu ändern, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist. Auch eine (weitere) 

Auseinandersetzung mit den entsprechenden Überlegungen der Vorin-

stanz in der Vernehmlassung erübrigt sich. 

5.4 Die Zuständigkeit Portugals für die Durchführung des Asyl- und Weg-

weisungsverfahrens ist somit grundsätzlich gegeben. Daran ändert auch 

der vom Beschwerdeführer geäusserte Wunsch nach einem weiteren Ver-

bleib in der Schweiz nichts, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden 

kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen 

(vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). Aus dem Umstand, dass ihr Sohn in der 

Schweiz geboren wurde, können die Beschwerdeführenden – wie bereits 

in der angefochtenen Verfügung angeführt – ebenfalls nichts zu ihren 

Gunsten ableiten. 

6.  

Es bestehen keine Gründe für die Annahme, dass das Asylverfahren und 

die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Portugal systemische 

Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO aufweisen 

würden. Portugal ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 

0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne 

und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien 

des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 

2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung 

des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-

D-5666/2022 

Seite 13 

sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-

geben. Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO ist 

demnach nicht gerechtfertigt. 

7.  

7.1 Hinsichtlich eines allfälligen Selbsteintritts durch die Schweiz ist so-

dann Folgendes festzuhalten:  

7.2 Die portugiesischen Behörden haben mit ihrer expliziten Zustimmung 

zur Aufnahme der Beschwerdeführenden signalisiert, die Verantwortung 

für deren Asylverfahren übernehmen zu wollen. Die Beschwerdeführenden 

haben in diesem Zusammenhang kein konkretes und ernsthaftes Risiko 

dargetan, die portugiesischen Behörden würden sich weigern, sie aufzu-

nehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der 

Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Sie haben auch keine konkreten 

Hinweise für die Annahme dargetan, Portugal würde ihnen (dauerhaft) die 

ihnen gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedin-

gungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung 

könnten sie sich im Übrigen nötigenfalls an die portugiesischen Behörden 

wenden und die ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem 

Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Aus ihrem Vorbrin-

gen anlässlich des Dublin-Gesprächs, wonach sie in Portugal keine Familie 

hätten und nicht wüssten, wie sie dort überleben könnten, vermögen sie 

vor diesem Hintergrund nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. 

7.3  

7.3.1 Die Beschwerdeführenden bringen insbesondere vor, dass sie ge-

sundheitlich stark belastet seien und an einschneidenden sowie behand-

lungsbedürftigen Krankheiten leiden würden. Ihr Gesundheitszustand ste-

he mithin einer Überstellung nach Portugal entgegen. 

7.3.2  

7.3.2.1 Dazu ist zunächst festzuhalten, dass eine zwangsweise Rückwei-

sung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahms-

weise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann. Dies ist insbe-

sondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fortge-

schrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe 

befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste 

und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. 

BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi-

schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom 

D-5666/2022 

Seite 14 

EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-

schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-

staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen 

und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands 

ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen 

Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, 

§§ 180–193 m.w.H.). 

7.3.2.2 Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Die beim Be-

schwerdeführer diagnostizierte Epilepsie, die medikamentös behandelt 

wird (vgl. 1183179-34/1, -64/8), und seine anlässlich des Dublin-Gesprächs 

erwähnte verlangsamte Verdauung sind nicht derart gravierend, als dass 

eine Überstellung nach Portugal eine tatsächliche Gefahr (real risk) einer 

Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich bringen würde. Auch bei der Be-

schwerdeführerin und dem Sohn der Beschwerdeführenden ist angesichts 

der in den Akten liegenden ärztlichen Berichten respektive der gestellten 

Diagnosen nicht ersichtlich, inwiefern eine solche Situation gegeben sein 

sollte (vgl. im Übrigen E-Mail des zuständigen Pflegedienstes vom 23. No-

vember 2022 [Bst. J.c vorstehend]). Dies gilt insbesondere auch hinsicht-

lich einer beim Sohn allenfalls noch bestehenden Anfälligkeit für Infekte 

sowie eines gegebenenfalls noch erhöhten Risikos von Atembeschwerden 

und einer Trinkschwäche im Falle von Infekten. So ist allgemein bekannt, 

dass Portugal über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. 

Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche 

medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbe-

dingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychi-

schen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnah-

merichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erfor-

derliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer 

geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf-

nahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Portugal den Be-

schwerdeführenden eine adäquate medizinische Behandlung verweigern 

würde. Mithin ist nicht davon auszugehen, dass sich die Beschwerdefüh-

renden aus medizinischer Sicht zwingend in der Schweiz aufhalten müss-

ten respektive eine adäquate Behandlung und allfällige weitere Untersu-

chungen in Portugal nicht möglich wären. Dies gilt – angesichts des von 

den Beschwerdeführenden mehrfach angesprochenen schlechten psychi-

schen Zustands – auch für eine allenfalls notwendige Behandlung psychi-

scher Beschwerden.  

D-5666/2022 

Seite 15 

7.3.2.3 Nur am Rande ist festzuhalten, dass sich für die Behauptung in der 

Replik, wonach der Sohn der Beschwerdeführenden an Augen- und Oh-

renproblemen leide und daher regelmässig im Spital untersucht werden 

müsse, ebenso wenig Hinweise in den Akten finden lassen, wie für die Be-

hauptung, wonach die Beschwerdeführerin unter "Bluttiefdruck" leide, der 

bei ihr starke Kopfschmerzen verursache. Aus den Akten ergibt sich dies-

bezüglich lediglich der Hinweis auf eine Schwangerschafts-Hypertonie und 

die Beschwerdeführerin gab etwa anlässlich einer Verlaufskontrolle vom 

5. September 2022 an, keine Kopfschmerzen zu haben (vgl. 1183179-

62/14).  

7.3.2.4 Anzumerken gilt es darüber hinaus, dass die schweizerischen Be-

hörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, 

den medizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modali-

täten der Überstellung der Beschwerdeführenden Rechnung tragen und 

die portugiesischen Behörden vorgängig über die spezifischen medizini-

schen Umstände informieren werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). 

7.3.3  

7.3.3.1 Soweit die Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit ihrer ge-

sundheitlichen Situation das Vorliegen von "humanitären Gründen" geltend 

machen, ist Folgendes festzuhalten:  

7.3.3.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM 

bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Gericht 

überprüft den vorinstanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 

AsylV 1 nicht auf Angemessenheit hin, sondern beschränkt seine Beurtei-

lung im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich 

korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung 

getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 

Bst. a und b AsylG). 

7.3.3.3 Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu 

beanstanden. Das SEM hat darin alle wesentlichen (ihm bekannten) Um-

stände (insb. [vormaligen] multiplen Beschwerden der Beschwerdeführen-

den sowie die Frühgeburtlichkeit und [implizit] das Alter des Sohnes) be-

rücksichtigt und es ist nicht ersichtlich, dass es in seiner Beurteilung die 

Gesamtumstände nicht gewürdigt hätte. An dieser Einschätzung ändert der 

in der Replik vorgebrachte Umstand nichts, wonach die Vorinstanz den je-

D-5666/2022 

Seite 16 

weiligen Gesundheitszustand der einzelnen Familienmitglieder einzeln auf-

geführt habe. Für das erstmals in der Replik (in unsubstanziierter Weise) 

geltend gemachte Vorbringen, wonach die Beschwerdeführenden auf-

grund ihrer gesundheitlichen Probleme nicht in der Lage seien, sich gegen-

seitig Beistand zu leisten, weshalb sie auf ihr in der Schweiz aufgebautes 

Beziehungsnetz angewiesen seien, bestehen in den vorinstanzlichen Ak-

ten sodann keinerlei Hinweise. Entsprechende stichhaltigen Hinweise wur-

den auch in der Replik nicht angeführt und es wurden insbesondere keine 

Belege für diese Behauptung eingereicht. Das Einholen einer weiteren 

Stellungnahme durch das SEM respektive eine diesbezügliche Rückwei-

sung der Sache erübrigt sich deshalb. Nur am Rande ist festzuhalten, dass 

angesichts der portugiesischen Muttersprache der Beschwerdeführenden 

ohnehin davon auszugehen ist, dass es ihnen auch in Portugal gelingen 

wird, ein unterstützendes Beziehungsnetz aufzubauen. 

7.4 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-

messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Daran vermögen die übrigen 

Vorbringen in der Replik nichts zu ändern, weshalb nicht weiter darauf ein-

zugehen ist. Somit bleibt Portugal der für die Behandlung der Asylgesuche 

der Beschwerdeführenden zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO.  

8.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. 

Da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- 

oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Portu-

gal in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 

Bst. a AsylV 1). 

9.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) 

unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 

m.w.H.). 

10.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen.  

 

D-5666/2022 

Seite 17 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem je-

doch mit Verfügung vom 13. Dezember 2022 die unentgeltliche Prozess-

führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfah-

renskosten zu erheben. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5666/2022 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Sandra Bisig 

 

 

Versand: