# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7d88bc5a-7437-5350-907c-3938c3bff98b
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-01-08
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 1. Abteilung 08.01.2019 OG O1S-17-6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_001_OG-O1S-17-6_2019-01-08.pdf

## Full Text

Berufungsbeklagte 1 

Anklägerin 

Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden 

 

vertreten durch: StA B___, Schützenstrasse 1A, 9100 Herisau 

 

 

Berufungsbeklagte 2 

Privatklägerin 

C___ 

 

vertreten durch: RA CC___ 

 

 

 

Obergericht Appenzell Ausserrhoden 
1. Abteilung 

Die vom Beschuldigten gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde beim Bundesgericht  

hat dieses in seinem Entscheid vom 21. August 2019 abgewiesen (6B_741/2019) 

Urteil vom 8. Januar 2019 
 

Mitwirkende Obergerichtsvizepräsident W. Kobler 

Oberrichterin S. Rohner-Staubli, M. Gasser Aebischer 

Oberrichter H. Zingg, H. P. Fischer  

Obergerichtsschreiberin B. Widmer 

 

 

Verfahren Nr. O1S 17 6 

 

 

Sitzungsort Trogen 

 

 

Berufungskläger 

Beschuldigter 

A___ 

 

verteidigt durch: RA AA___ 

 

 

Gegenstand Beschimpfung 

Berufung gegen das Urteil des Einzelrichters des Kantons- 

gerichts SE3 16 4 vom 27. Februar 2017 

 

 

Seite 2 

Anträge 
 
a) der Staatsanwaltschaft und Berufungsbeklagten 1: 
 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren (sinngemäss): 
 

1. Der Beschuldigte A___ sei wegen Beschimpfung, begangen, am 10. September 
2014, zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 100.00, unter 
der Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren, und zu einer unbedingten Geldstrafe 
von 10 Tagessätzen zu je CHF 100.00 zu verurteilen.  

 
2. Die Zivilforderung der Privatklägerin sei auf den Zivilweg zu verweisen. 
 
3. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.  

 
 
bb) im Berufungsverfahren: 
 

(kein Antrag) 
 

 
b) des Beschuldigten und Berufungsklägers: 
 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Beschimpfung freizusprechen. 
 
2. Die Zivilforderung sei abzuweisen bzw. auf den Zivilweg zu verweisen. 

 
3. Der Staat bzw. die Privatklägerin seien zu verpflichten, die Kosten zu übernehmen 

und den Beschuldigten angemessen zu entschädigen. 
 
 
bb) im Berufungsverfahren: 
 

1. Das Urteil des Einzelrichters des Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden vom 
27. Februar 2017 (SE3 16 4) sei aufzuheben. 
 

2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Beschimpfung freizusprechen.  
 

3. Die Zivilforderungen seien abzuweisen bzw. auf den Zivilweg zu verweisen. 

 

4. Der Staat bzw. die Privatklägerin sei zu verpflichten, die Kosten zu übernehmen und 
den Beschuldigten angemessen zu entschädigen. 

 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 
 
 

c) der Privatklägerin und Berufungsbeklagten 2: 
 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

1. Es sei der Beschuldigte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und 
angemessen zu bestrafen. 

 

 

Seite 3 

2. Der Beschuldigte sei zur Zahlung einer Genugtuung in Höhe von CHF 2‘000.00 an 
die Privatklägerin zu verurteilen.  
 

3. Es seien die Verfahrenskosten dem Beschuldigten aufzuerlegen, und es sei der 
Privatklägerin eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.  

 
 
bb) im Berufungsverfahren: 
 

1. Es sei der Beschuldigte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und 
angemessen zu bestrafen.  
 

2. Der Beschuldigte sei zur Zahlung einer Genugtuung in Höhe von CHF 300.00 an die 
Privatklägerin zu verurteilen.  
 

3. Es seien die Verfahrenskosten für beide Instanzen dem Beschuldigten 
aufzuerlegen, und es sei der Privatklägerin für beide Instanzen eine angemessene 
Parteientschädigung zuzusprechen.  

 

 

 

Sachverhalt 

 

A. Übersicht 

Am Mittwoch, 10. September 2014 kam es zwischen der in D___ in E___ wohnhaften 

C___ und ihrem Nachbar A___ bei dessen Stall im D___ 0001 zu einem Vorfall, als sie 

dort vorbeispazierte. C___ erstattete am 14. September 2014 beim Polizeiposten E___ 

Strafanzeige gegen A___ wegen Beschimpfung sowie aufgrund eines weiteren Vorfalls 

wegen Nötigung, allenfalls SVG-Vergehen, und stellte Strafantrag (act. B 3/1; B 3/2). 

C___ sagte bezüglich des Vorwurfs der Beschimpfung gleichentags bei der Polizei aus, 

sie sei vom Spaziergang mit ihrem Hund nachhause gekommen und als sie auf der Höhe 

des Stalls von Herrn A___ gewesen sei, sei Herr A___ vor der Stalltüre gestanden und 

habe angefangen sie zu beschimpfen (act. B 3/4, S. 2). Zur Abschreckung habe sie A___ 

ihr iPhone 5 entgegengehalten (act. B 3/4, S. 2). Als sie zuhause gewesen sei, habe sie 

festgestellt, dass sie die Beschimpfungen tatsächlich aufgenommen habe (act. B 3/4). 

A___ gab am 19. November 2014 in der Einvernahme durch die Polizei an, C___ 

beschimpfe ihn des öfteren und halte danach ihr Natel in die Luft (act. B 3/5, S. 2). Er 

kenne sich nicht so aus mit den Geräten, vielleicht habe sie Fotos gemacht (act. B 3/5, S. 

4). Anlässlich der Einvernahme erstattete A___ Anzeige gegen C___ wegen Anhören und 

Aufnehmen fremder Gespräche, unbefugtem Aufnehmen von Gesprächen und 

Beschimpfung und stellte Strafantrag (act. B 3/1, S. 3; B 3/3).  

 

Seite 4 

B. Prozessgeschichte 

 C___ wurde am 4. Dezember 2014 hinsichtlich der ihr vorgeworfenen Delikte durch die 

Polizei einvernommen (act. B 3/6). Mit Strafbefehl vom 16. Juni 2015 verurteilte die 

Staatsanwaltschaft C___ wegen unbefugten Aufnehmens von Gesprächen (U 15 165; act. 

B 3/21). Hinsichtlich des Vorwurfs der Beschimpfung erging eine Einstellungsverfügung 

(act. B 3/63/P1.3). A___ wurde mit Strafbefehl vom 16. Juni 2015 wegen Beschimpfung 

zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 100.00, unter der 

Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren, und zu einer unbedingten Geldstrafe von 10 

Tagessätzen zu je CHF 100.00 verurteilt. Die Zivilforderung der Klägerin wurde auf den 

Zivilweg verwiesen (U 15 165; act. B 3/22). Das Verfahren gegen A___ wegen des 

Vorwurfs der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln wurde eingestellt (act. B 

3/64/P2.5). C___ liess mit Schreiben ihres Verteidigers vom 24. Juni 2015 rechtzeitig 

Einsprache gegen den sie betreffenden Strafbefehl vom 16. Juni 2015 erheben (act. B 

3/23). Mit Schreiben vom 29. Juni 2015 liess A___ ebenfalls fristgerecht Einsprache 

gegen den Strafbefehl erheben (act. B 3/24). Am 30. Juli 2015 führte der zuständige 

Staatsanwalt mit A___ und C___ eine Vergleichsverhandlung durch (act. B 3/29+30), 

welche jedoch scheiterte (act. B 3/34). In der Folge wurden sowohl A___ (act. B 3/37) als 

auch C___ (act. B 3/38) am 7. Juni 2016 durch die Staatsanwaltschaft einvernommen. RA 

CC___ beantragte am 22. August 2016 die Anhörung der CD von C___ (act. B 3/54), was 

die Staatsanwaltschaft mit Beweisverfügung vom 13. September 2016 ablehnte (act. B 

3/58+59). Am 10. Oktober 2016 überwies die Staatsanwaltschaft die Strafbefehle gegen 

A___ (act. B 3/65B, B 3/66A) und C___ (O1S 17 8, act. B 3/65A, B 3/66A) zur Beurteilung 

an das Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden. RA CC___ stellte am 7. November 2016 

den Beweisantrag, dass die von der Staatsanwaltschaft aus den Akten entfernte CD mit 

der von C___ erstellten Tonaufnahme wieder zu den Akten zu nehmen und anlässlich der 

Hauptverhandlung vorzuspielen sei (act. B 3/68A). RA AA___ beantragte am 

21. November 2016, dass die aus den Akten entfernte CD weiterhin unter Verschluss zu 

halten und nicht zu verwenden sei (act. B 3/71). Am 30. November 2016 reichte A___ das 

Formular „Erklärung über die finanziellen Verhältnisse“ ein (act. B 3/72A+B; B3/73/1-2). 

Mit Verfügung des Einzelrichters vom 5. Dezember 2016 wurde entschieden, dass die 

Tonaufnahme von C___ beigezogen werde, um über die Frage der Verwertbarkeit 

befinden zu können. Im Übrigen wurden die Beweisanträge von RA CC___ vom 

7. November 2016 abgelehnt (act. B 3/74). Den Parteien wurde am 12. Dezember 2016 je 

eine Kopie der von der Staatsanwaltschaft eingeforderten Audio-Sprachaufnahme 

zugestellt (act. B 3/76). A___ liess mit Eingabe vom 22. Dezember 2016 beantragen, dass 

der Einzelrichter vorfrageweise und vor der angesetzten Hauptverhandlung darüber 

befinde, ob die Aufnahme mit seiner rechtsgenüglichen Zustimmung zustande gekommen 

sei (act. B 3/77). Der Einzelrichter lehnte mit Verfügung vom 12. Januar 2017 den Antrag 

 

Seite 5 

ab und erklärte, das Gericht werde erst im Rahmen des Endentscheids über diese Frage 

entscheiden (act. B 3/78). Der Einzelrichter vereinigte am 9. Februar 2017 (act. B 3/79) 

die Verfahren SE3 16 4 (A___) und SE3 16 5 (C___). Die Hauptverhandlungen in den 

Verfahren SE3 16 4 (act. B 3/84) und SE3 16 5 (act. B 3/87) fanden am 27. Februar 2017 

statt. Das Urteil im Verfahren gegen A___ (SE3 16 4) wurde dem Beschuldigten im 

Anschluss an die Hauptverhandlung mündlich eröffnet und kurz begründet (act. B 3/84). 

Das Dispositiv wurde am 2. März 2017 versandt (act. B 3/90) und dem Verteidiger des 

Beschuldigten am 3. März 2017 zugestellt (act. B 3/92). Am 13. März 2017 meldete RA 

AA___ rechtzeitig die Berufung an (act. B 3/95A).   

 

 
 

C. Erstinstanzliches Urteil 

Mit Urteil des Einzelrichters des Kantonsgerichts vom 27. Februar 2017 (SE3 16 4) wurde 

A___ der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB schuldig gesprochen. Er wurde zu 

einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 30.00 (entsprechend CHF 1‘800.00) und zu 

einer Busse von CHF 300.00 (bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise zu einer 

Freiheitsstrafe von 10 Tagen) verurteilt. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben, 

unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren. Der Beschuldigte wurde verpflichtet, der 

Privatklägerin eine Genugtuung von CHF 300.00 zu bezahlen. Die Verfahrenskosten von 

total CHF 1‘380.00 wurden dem Beschuldigten auferlegt und dieser verpflichtet, der 

Privatklägerin eine Parteientschädigung von CHF 2‘296.10 zu bezahlen.  

 

Auf eine Wiedergabe der Urteilsbegründung in den angefochtenen Punkten wird 

verzichtet und auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen. 

 

 
 

D. Schriftenwechsel 

  a) Gegen das Urteil vom 27. Februar 2017, dessen Zustellung an RA AA___ in 

begründeter Ausfertigung am 10. April 2017 erfolgt war (act. B 3/103), reichte dieser 

mit Eingabe vom 1. Mai 2017 (act. B 1) fristgemäss die Berufung ein. Darin stellte 

er, nebst den eingangs angeführten Rechtsbegehren, folgende 

Vorfragen/Beweisanträge:  

   1.  Es sei vorfrageweise festzustellen, dass die Tonaufnahmen, worauf sich die 
Verurteilung stützt, unrechtmässig erhoben wurden und nicht verwertbar sind. 

   2. Sofern das angerufene Gericht von einer Verwertbarkeit der Tonaufnahmen 
eingeht, ist in Anwendung von Art. 20 StGB ein Sachverständigengutachten 
einzuholen. 

 

 

Seite 6 

  b) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 3. Mai 2017 (act. B 4) wurde den 

Berufungsbeklagten Gelegenheit gegeben, einen schriftlichen und begründeten 

Nichteintretensantrag und/oder eine schriftliche Anschlussberufung einzureichen, 

wovon diese keinen Gebrauch machten.  

 

c) Die Parteien wurden am 27. Oktober 2017 zur mündlichen Hauptverhandlung vom 

3. April 2018 vorgeladen (act. B 6). 

 

d) Mit Eingabe vom 6. November 2017 (act. B 8) stellte RA CC___ den Antrag, dass 

die CD mit der von der Privatklägerin erstellten Tonaufnahme zu den Akten und vom 

Gericht vorgängig zur Hauptverhandlung zur Kenntnis genommen, eventualiter 

anlässlich der Hauptverhandlung selber abgespielt werde. Zudem warf er die Frage 

auf, ob das Verfahren O1S 17 8 nicht vor dem Verfahren O1S 17 6 durchgeführt 

werden sollte, da die Frage des unbefugten bzw. befugten Aufnehmens von 

Gesprächen für das Verfahren O1S 17 6 von erheblicher Bedeutung sei und daher 

vorgängig geklärt sein sollte.  

 

e) Das vom Berufungskläger ausgefüllte Formular „Befragung zur Person/Angaben zu 

Einkommens- und Vermögensverhältnissen“ datiert vom 6. November 2017 (act. B 

10 und B 9). 

 

f) RA AA___ teilte am 19. Dezember 2017 mit, dass er vorerst keine Beweisanträge 

stelle (act. B 12). 

 

g) Mit Schreiben der Verfahrensleitung vom 21. Dezember 2017 (act. B 14) an RA 

CC___ wurde bestätigt, dass sich die CD mit der Tonaufnahme von C___ bei den 

Akten befinde. Den Antrag, dass die CD vom Gericht vorgängig zur 

Hauptverhandlung zur Kenntnis zu nehmen sei, werde abgewiesen, da anlässlich 

der Hauptverhandlung vorfrageweise über die Frage der Verwertbarkeit dieser CD 

zu entscheiden sei. Das Eventualbegehren, dass die CD anlässlich der 

Hauptverhandlung abgespielt werde, hänge davon ab, wie das Gericht diese Frage 

entscheide. Auch der Antrag, zunächst die Verhandlung im Verfahren O1S 17 8 

durchzuführen, werde abgewiesen, da im Verfahren O1S 17 6 die Frage der 

Verwertbarkeit der Tonaufnahme als Vorfrage behandelt, beraten und der Entscheid 

des Gerichts unverzüglich bekannt gegeben werde.  

 

h) Die mündliche Hauptverhandlung fand am 3. April 2018 in Anwesenheit des 

Beschuldigten und dessen Verteidigers sowie der Privatklägerin und deren 

Rechtsvertreters statt. RA AA___ stellte als Vorfrage folgenden Antrag (act. B 18, S. 

 

Seite 7 

2): „Es sei vorfrageweise festzustellen, dass die Tonaufnahmen, worauf sich die 

Verurteilung stützt, unrechtmässig erhoben wurden und nicht verwertbar sind.“ RA 

CC___ stellte folgendes Begehren (act. B 18, S. 3): „Die fragliche Tonaufnahme, auf 

welcher die üblen Beschimpfungen des Beschuldigten zu hören sind, ist im 

vorliegenden Verfahren verwertbar.“ Der Entscheid des Gerichts über die von RA 

AA___ gestellte Vorfrage wurde den Parteien anschliessend an die Beratung des 

Gerichts vom Vorsitzenden mündlich eröffnet und kurz begründet. Der Vorsitzende 

gab bekannt, das Gericht verfüge einen Augenschein und werde sich die 

Örtlichkeiten anschauen zum Thema Öffentlichkeit des Gesprächs. Es werde ein 

Beweisbeschluss ergehen im Rahmen der Vorfrage  (act. B 18, S. 6).  

 

 

i) Mit Beschluss vom 3. April 2018 wurde den Parteien bekanntgegeben, dass am 

26. Juni 2018 in E___, D___ 0002 und Umgebung, ein Augenschein durchgeführt 

werde. Nach Durchführung des Augenscheins werde die Berufungsverhandlung 

fortgesetzt (act. B 19). Der Augenschein fand in Anwesenheit von A___ und dessen 

Verteidigers, StA B___ sowie C___ und deren Rechtsvertreters statt (act. B 

21+22/1-4).  

  

j) Innert der vom Gericht angesetzten Frist zur Einreichung eines Gesuchs um 

Protokollberichtigung (act. B 23) teilte RA AA___ mit, bei den Feststellungen zum 

Bild Nr. 1 auf Seite 2 habe sich ein Fehler eingeschlichen. Das Gebäude 

Assekuranz Nr. 0001 werde nicht von A___ bewohnt. Es sei korrekt, dass es ihm 

gehöre und bewirtschaftet werde (act. B 27; B 28). Das Augenscheinprotokoll vom 

26. Juni 2018 wurde entsprechend berichtigt (act. B 29 und B 30).  

 

k) Die Fortsetzung der mündlichen Hauptverhandlung fand am 8. Januar 2019 in 

Anwesenheit des Beschuldigten und dessen Verteidigers sowie der Privatklägerin 

und deren Rechtsvertreters statt. Das Gericht entschied vorfrageweise, dass die 

Tonaufnahme verwertbar sei und der Rahmen, in dem die Äusserungen gefallen 

seien, öffentlich sei. Im Beweisverfahren wurde zunächst der Beschuldigte befragt 

und anschliessend die Tonaufnahme abgespielt. Sodann stellte RA AA___ den 

Antrag auf Befragung von C___ zum Thema Tonaufnahmen und RA CC___ im 

Sinne eines Eventualbegehrens für den Fall, dass behauptet werden sollte, die 

Tonaufnahme sei manipuliert, die Einholung eines entsprechenden Gutachtens. Das 

Gericht liess den Antrag auf Befragung von C___ zu, wies jedoch denjenigen auf 

Einholung eines Gutachtens im Moment ab. Danach fand die Befragung von C___ 

statt. Die Parteien verzichteten auf eine öffentliche Urteilsverkündung (act. B 37).  

 

Seite 8 

 

  Auf die entsprechenden Ausführungen und Angaben in den in lit. a - k vorstehend 

angeführten Schriftstücken wird, soweit für die Beurteilung erforderlich, im Rahmen der 

nachfolgenden Erwägungen einzugehen sein. 

 

 

 

 

Erwägungen des Gerichts 

 

1. Formelles 

1.1 Örtliche und sachliche Zuständigkeit 

 Auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen 1.1 zur örtlichen und sachlichen 

Zuständigkeit kann verwiesen werden.  

 Bezüglich der sachlichen und funktionellen Zuständigkeit des Obergerichts ist auf 

die Art. 26 und 27 Justizgesetz (JG, bGS 145.31) hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist 

das Obergericht Berufungs- und Beschwerdeinstanz in der allgemeinen 

Strafrechtspflege, unter Vorbehalt der Befugnisse des Einzelrichters (letztere 

beschränken sich laut Art. 27 JG auf den Bereich des Zwangsmassnahmenrechts). 

 

 

 1.2 Strafantrag 

 Wie die Vorinstanz in deren Erwägung 1.2 zutreffend festgehalten hat, ist die 

Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB nur auf Antrag strafbar. Ein rechtzeitig 

gestellter Strafantrag von C___ liegt vor (act. B 3/2). 

 

 

 1.3 Legitimation des Beschuldigten und Berufungsklägers  

 Die Legitimation des durch den vorinstanzlichen Schuldspruch beschwerten 

Beschuldigten zur Erhebung der Berufung ergibt sich ohne weiteres aus Art. 382 

Abs. 1 StPO i.V. Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO. 

 

 

1.4 Noven 

 Vorliegend sind neue Tatsachenbehauptungen und Beweise zulässig. Dies ergibt 

sich e contrario aus Art. 398 Abs. 4 StPO, da es sich bei der Beschimpfung im 

Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB gestützt auf Art. 10 Abs. 3 StGB um ein Vergehen 

handelt  

 

Seite 9 

 

 

1.5 Vorfrage der Verwertbarkeit der Audioaufnahme und der Einvernahmeproto-

kolle / Verletzung von Art. 179
ter 

StGB / Nichtöffentlichkeit des Gesprächs 

 Der Berufungskläger lässt vorbringen, sein Stall sei sehr abgeschieden gelegen. 

Das Gespräch und die Äusserungen seien nicht an die Allgemeinheit gerichtet 

gewesen, sondern nur an einen in personeller Beziehung abgegrenzten Kreis (C___ 

und A___). Der am Stall des Berufungsklägers vorbeiführende Wanderweg sei nicht 

stark frequentiert. Am Tag des Augenscheins sei trotz schönem Wetter und idealen 

Wandertemperaturen nicht ein einziger Wanderer vorbeigelaufen. Wanderer 

würden, wenn überhaupt, nur am Wochenende vorbeikommen. Ausserdem würden 

diese praktisch immer von Westen her kommen, also von der Seite, wo gemäss 

Augenschein freie Sicht bestehe und kein Überraschungsbesuch/Überraschungs-

zuhörer drohe. Es treffe nicht zu, dass die Chancen 50 zu 50 stehen würden, dass 

jemand von Osten oder von Westen komme. Man müsse nicht damit rechnen, dass 

jemand von Osten komme. Die seltenen Wanderer würden zudem erst gegen Mittag 

oder Nachmittag vor dem Gebäude des Berufungsklägers vorbeigehen. Am 

angeblichen Deliktszeitpunkt, Mittwoch, 10. September 2014, 10.00 Uhr, habe der 

Berufungskläger nicht mit Wanderern rechnen müssen. Zwischen 8.15 und 9.45 Uhr 

sei die Wahrscheinlichkeit äusserst klein, wenn nicht gar auszuschliessen. Es sei 

keine Ferienzeit gewesen und gutes Wanderwetter sei aktenmässig nicht erstellt. 

Sowohl die Wanderempfehlung Kulturspur Appenzellerland als auch die 

Beschreibung der Schweizerfamilie für ihre Familienfeuerstelle würden die 

Wanderroute von F___ bzw. G___ her nach E___ vorschlagen, d.h. wenn Wanderer 

kommen würden, dann von Westen her. Es treffe nicht zu, dass häufig im D___ 

geparkt werde, um zum Grillieren zur Schweizerfamilien-Feuerstelle zu gelangen. 

Zum strittigen Tatzeitpunkt seien keine Zeugen zugegeben gewesen. Der 

Berufungskläger habe davon ausgehen dürfen, dass seine Äusserungen, selbst 

wenn sie lautstark erfolgt seien, nicht von einem Dritten hätten gehört werden 

können. Die Situation sei so gewesen, dass sich der Beschuldigte auf seinem 

Privatgrundstück befunden habe. Dies sei damit zu vergleichen, dass im 

Gerichtssaal ein Gespräch geführt werde und die Türe in den Gang hinaus offen 

stehe. Damit werde das Gespräch nicht öffentlich. Im vorliegenden Fall handle es 

sich somit um ein nichtöffentliches Gespräch.  

 Die Berufungsbeklagte 2 lässt entgegnen, der Augenschein vom 26. Juni 2018 

habe deutlich gemacht, dass die Entfernung zwischen dem Berufungskläger und ihr 

29 Meter betragen habe und vom seinerzeitigen Standort des Berufungsklägers aus 

in Richtung des seinerzeitigen Standortes der Berufungsbeklagten 2 gerufene Worte 

 

Seite 10 

dort gut hör- und verstehbar gewesen seien. Der Weg, auf dem die 

Berufungsbeklagte 2 seinerzeit gestanden habe, sei in Richtung Westen zwar gut 

einsehbar. Es sei aus der Ostrichtung aber jederzeit und für jemanden, der am 

fraglichen Stalleingang stehe, nicht vorzeitig erkennbar (toter Winkel), ob Wanderer 

oder Spaziergänger erscheinen könnten. Dort wo der Weg und die Südfassade des 

Stalles sich schneiden würden, seien vom fraglichen Stalleingang her gesprochene 

Worte aufgrund der etwas grösseren Distanz von 34 Metern zwar etwas leiser, aber 

ebenfalls noch gut verständlich hörbar. Wanderer würden mit dem Auto auf den 

Parkplatz fahren und ab dort laufen. Es würden also sicher 50 % der Wanderer von 

Osten her kommen. Es würden immer von beiden Seiten Wanderer vorbeilaufen. 

Der ganze Teil dort sei schlicht öffentlich. Es sei somit erstellt, dass die 

Beschimpfungen des Berufungsklägers in der Öffentlichkeit stattgefunden hätten. 

Jeder andere Spaziergänger, der sich von Osten her auf dem Weg aus dem toten 

Winkel heraus bewegt hätte, was an einem Mittwoch zwischen 8.45 und 9.15 Uhr 

durchaus möglich gewesen wäre, hätte die Beschimpfungen ohne Weiteres hören 

können. Diese Zeit sei eine klassische “Hundespazierzeit“. An diesem Ort befinde 

man sich quasi auf offenem Feld und wer hier so laut rufe, dass man es 29 bzw. 34 

Meter entfernt noch problemlos hören und verstehen könne, der tue dies nicht mehr 

in einem nichtöffentlichen Gespräch, womit die Tatbestandsmässigkeit von Art. 

179
ter 

StGB entfalle. Es müsse ein objektivierter Massstab angesetzt werden. Damit 

sei die Aufnahme in jedem Fall verwertbar. Man könne nicht einfach aus dem 

Garten heraus auf 30 Meter hinaus in die Öffentlichkeit herausschreien und dann 

sagen, es sei ein nichtöffentliches Gespräch gewesen. Würde man der Auffassung 

des Berufungsklägers folgen, dann gäbe es die Öffentlichkeit praktisch gar nicht 

mehr. Im Übrigen wäre er sich nicht ganz sicher, ob das Gespräch nicht öffentlich 

wäre, wenn hier im Gerichtssaal die Türe offenstehen würde.  

 

 Zu klären ist, ob sich die Berufungsbeklagte 2 mit der Aufnahme von Äusserungen 

des Berufungsklägers mit ihrem Handy des unbefugten Aufnehmens von 

Gesprächen im Sinne von Art. 179
ter 

StGB schuldig gemacht hat. Ist dieser 

Tatbestand erfüllt, müsste gestützt auf Art. 141 StPO vorfrageweise über die 

Verwertbarkeit der Tonaufnahme im vorliegenden Strafverfahren entschieden 

werden. Hat sich die Berufungsbeklagte 2 jedoch nicht nach Art. 179
ter 

StGB strafbar 

gemacht, ist die Verwertbarkeit der Aufnahme ohne weiteres möglich.   

 

 Wer als Gesprächsteilnehmer ein nichtöffentliches Gespräch, ohne die Einwilligung 

der andern daran Beteiligten, auf einen Tonträger aufnimmt, wird, auf Antrag, mit 

Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft (Art. 179
ter 

StGB). Art. 

 

Seite 11 

179
ter 

StGB schützt den Privat- und Geheimbereich. Der Einzelne soll sich in diesem 

Bereich frei äussern können, ohne Gefahr zu laufen, dass das von ihm geführte 

Gespräch ohne seinen Willen von einem Dritten mit einem Abhörgerät abgehört 

oder auf einen Tonträger aufgenommen wird (BGE 133 IV 249 E. 3.2.2).  

 

 Im Vordergrund steht für das Gericht beim Tatbestand von Art. 179
ter 

StGB das 

Tatbestandselement der Nichtöffentlichkeit bzw. Öffentlichkeit des Gesprächs (act. 

B 18, S. 6; B 19). Zu diesem Thema führte das Obergericht am 26. Juni 2018 vor 

Ort einen Augenschein durch (act. B 21+22/1-4; B 29). Die Vorinstanz gelangte in 

Erwägung 2.5 ihres Urteils zur Auffassung, wegen der sehr abgeschiedenen Lage 

des Stalls des Berufungsklägers und aufgrund dessen, dass zur fraglichen Zeit 

keine Zeugen zugegen gewesen seien, habe der Berufungskläger davon ausgehen 

dürfen, dass seine Äusserungen nicht noch von Dritten hätten mitangehört werden 

können. Einen Augenschein am Tatort führte sie nicht durch. Daraus kann 

geschlossen werden, dass es die Vorinstanz als massgebend erachtete, dass zur 

Zeit des Vorfalls keine Drittperson in der Nähe war. Für das Obergericht stellt sich 

jedoch die Frage, ob es unter Umständen nicht bereits genügen kann, dass eine 

unbeteiligte Person hätte vorbeikommen und die Äusserungen des 

Berufungsklägers mitanhören können.   

 

 In Anbetracht der Verschiedenartigkeit der Tatbestände, die Öffentlichkeit als 

strafbegründendes Element voraussetzen, liegt eine tatbestandsbezogene 

Auslegung des Merkmals der Öffentlichkeit nahe (BGE 130 IV 111 E. 4.2; 133 IV 

149 E. 3.2.2). ANDREAS DONATSCH verweist zu dem in Art. 179
ter 

StGB verwendeten 

Begriff „nichtöffentlich“ auf Art. 179
bis 

StGB (in: Donatsch [Hrsg.], Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, 20. Aufl. 2018, N. 1 zu Art. 179
ter 

StGB). Nichtöffentlich sei das 

Gespräch, wenn es nicht an die Allgemeinheit gerichtet ist und nur in einem in 

personeller Beziehung abgegrenzten Kreis gehört werden könne (ANDREAS 

DONATSCH, a.a.O., N. 3 zu Art. 179
bis 

StGB). Nach ANDREAS DONATSCH ist die auf 

der Strasse oder in einem Café in normaler Lautstärke gehaltene Zwiesprache nicht 

öffentlich (Jositsch [Hrsg.], Strafrecht III, 11. Aufl. 2018, S. 424). 

STRATENWERTH/WOHLERS betonen, es komme darauf an, ob die Kommunikation 

innerhalb eines abgeschlossenen Personenkreises stattfinde, was dann 

anzunehmen sei, wenn die Kenntnisnahme durch Aussenstehende besondere 

Massnahmen oder Anstrengungen erforderlich mache. Insoweit sei dann auch der 

Ort, an dem das Gespräch geführt werde, von Bedeutung (Handkommentar 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, 3. Aufl. 2013, N. 2 zu Art. 179
bis 

StGB). 

TRECHSEL/LIEBER vertreten die Meinung, nicht öffentlich sei das Gespräch, wenn es 

 

Seite 12 

nach begründeter Erwartung der Gesprächsteilnehmer ohne Einsatz technischer 

Hilfsmittel nicht mitgehört werden könne (in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, 3. Aufl. 2018, N. 4 zu Art. 179
bis 

StGB; Entscheid des 

Kantonsgerichts St. Gallen, Strafkammer, vom 15. Februar 2010, in: SG GVP 2010 

Nr. 100). Das Bundesgericht führte zu Art. 179
bis 

StGB aus, der öffentliche oder nicht 

öffentliche Charakter eines Gesprächs hänge auch wesentlich davon ab, ob es in 

einem privaten oder allgemein zugänglichen Umfeld stattfinde (BGE 133 IV 249 E. 

3.2.2). So hat es ein Gespräch als nichtöffentlich bezeichnet, welches in einem 

zahntechnischen Labor geführt wurde, in welchem sich einzig dessen Inhaber und 

seine Angestellte aufhielten, und damit in einem privaten Umfeld. Daran ändere 

nichts, dass die Tür des Labors zum Treppenhaus des Geschäftsgebäudes 

zunächst ganz und danach noch eine Handbreit offen gewesen sei (BGE 133 IV 149 

E. 3.2.3). In einem weiteren Entscheid zu Art. 179
bis 

StGB beurteilte das 

Bundesgericht das aufgenommene Gespräch ebenfalls als nichtöffentlich. Die 

Gespräche hätten im Garten der Beschwerdegegner stattgefunden und hätten wohl 

vom Beschwerdeführer, aber nicht von beliebigen Drittpersonen auf den in der Nähe 

vorbeiführenden Quartierstrassen mitgehört werden können (Urteil des 

Bundesgerichts 6P.79/2006/6S.162/2006 vom 6. Oktober 2006 E. 6.). Die 

Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Bern hielt zu Art. 

179
ter 

StGB fest, die Privatheit der Örtlichkeit ergebe sich in der Regel aus dem 

Umstand, dass der Ort nicht frei zugänglich sei, sondern nur einem begrenzten 

Personenkreis offenstehe; dies treffe z. B. für die eigene Wohnung, das 

Hotelzimmer oder das Fahrzeug zu (Beschluss 2013 388 vom 31. März 2013 E. 

3.2). In einem Entscheid zu Art. 179
bis 

StGB führt die Beschwerdekammer in 

Strafsachen des Obergerichts des Kantons Bern aus, es treffe zu, dass sich die 

Quartierstrasse und das Trottoir sowie die Terrassen anderer Wohnungen in 

unmittelbarer Nähe zum Parkplatz, wo das Gespräch stattgefunden habe, befinden 

würden. Dieser Umstand alleine mache das Gespräch aber noch nicht öffentlich. 

Der Ort, an welchem ein Gespräch geführt werde, sei nur eines von mehreren 

Kriterien. Das Gespräch habe um die Mittagszeit stattgefunden. Es seien keine 

weiteren Personen auf dem Video erkennbar. Wie auch aus der Einvernahme des 

damals beigezogenen Polizisten hervorgehe, sei es sehr kalt an diesem Tag 

gewesen, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass sich Personen auf den 

Terrassen befunden hätten. Nach Durchsicht der Videodatei komme die Kammer 

zudem zum Schluss, dass die Unterhaltung nicht in lautstarkem Ton geführt worden 

sei. Es habe deshalb keinen Grund gegeben, davon auszugehen, dass beliebige 

Dritte das Gespräch mühelos hätten mitanhören können. Der Beschwerdeführer 

habe sich unmittelbar bei seinem Auto befunden. Es habe sich um den Austausch 

 

Seite 13 

zwischen Vater und Sohn über die Situation gehandelt (Beschluss 16 379 vom 

1. Mai 2017 E. 6.3).   

 

 Der vom Obergericht am 26. Juni 2018 im Weiler D___ in E___ beim Gebäude 

Assekuranz Nr. 0001 durchgeführte Augenschein hat folgendes ergeben:  

 Der Berufungskläger stand nach der unwidersprochen gebliebenen Darstellung der 

Berufungsbeklagten 2 während des behaupteten Vorfalls vom 10. September 2014 

im Türrahmen seines Stalleinganges (Standort 2; act. B 29, S. 5 Bild Nr. 5), 

während dem sich die Berufungsbeklagte 2 auf dem öffentlichen Wanderweg 

befand, der südlich am Gebäude Assekuranz Nr. 0001 vorbeiführt (Standort 3; act. 

B 29, S. 7 Bild Nr. 8; S. 6 Bild Nr. 6; S. 9 Bild Nr. 10). Die Messung zwischen den 

Standorten 2 und 3 ergab eine Entfernung von 29 Metern (act. B 29, S. 7 ff.). Die 

Entfernung zwischen dem Standort 2 und dem Schnittpunkt der Flucht der südlichen 

Stallfassade mit dem Wanderweg östlich des Gebäudes beträgt 34 Meter (Standort 

4; act. B 29, S. 10 Bild Nr. 11). Der sichttote Bereich ist in Beilage 2 zum Protokoll 

des Augenscheins mittels Schraffierung gekennzeichnet (act. B 22/2). In der Folge 

wurde ein Hörtest mit einem Handy des Typs iPhone 5s, den die Berufungsbeklagte 

gemäss ihren Angaben damals verwendete, durchgeführt. Die Aufnahme der von 

Oberrichter Fischer am Standort 2 gesprochenen Worte durch den Vorsitzenden 

Kobler am Standort 3 mit dem Handy war gemäss Feststellung des Vorsitzenden 

gut hörbar. Die anwesenden Parteien widersprachen dieser Feststellung nicht (act. 

B 29, S. 12). Ein weiterer Hörtest mit dem Handy wurde an den Standorten 2 und 4 

vorgenommen, indem Oberrichter Fischer am Standort 2 wiederum von 1 bis 10 

zählte und der Vorsitzende Kobler dies am Standort 4 mit dem Handy aufnahm. Der 

Vorsitzende stellte fest, dass die Worte von Oberrichter Fischer leicht schwächer als 

am Standort 3, aber immer noch gut hörbar waren. Auch dies wurde von den 

anwesenden Parteien akzeptiert (act. B 29, S. 13). Im Übrigen findet sich eine 

Übersicht über die Standorte 1 bis 4 in act. B 22/1 sowie ein Ortho-Foto des 

Gebäudes Assekuranz Nr. 0001 mit Umgebung in act. B 22/3). Die beiden am 

Augenschein erstellten Sprachaufnahmen befinden sich als act. B 22/4 auf einem 

USB Speicherstick bei den Akten.  

 

 Gestützt auf die am Augenschein gemachten Feststellungen sowie weitere Kriterien 

kommt das Obergericht zum Schluss, dass die vom Berufungskläger an die 

Berufungsbeklagte 2 gerichteten Äusserungen nicht als nichtöffentliches Gespräch 

im Sinne von Art. 179
ter 

StGB zu qualifizieren sind. Von Bedeutung ist zunächst, 

dass sich die Berufungsbeklagte 2 während des behaupteten Vorfalls auf einem 

öffentlichen Wanderweg befand, also in einem allgemein zugänglichen Umfeld (act. 

 

Seite 14 

B 29, Bild Nr. 3 „Wanderwegzeichen“). Bezüglich des Wanderwegs anzumerken ist, 

dass es sich dabei um einen besonderen Wanderweg handelt, nämlich um einen 

Teil der touristisch vermarkteten „Kulturspur Appenzellerland 22“ (act. B 29, Bild Nr. 

4; B 33/2). Auf demselben Wegweiser findet sich auch ein Hinweis auf eine 

„Schweizerfamilie-Feuerstelle“, welche ebenfalls über diesen Wanderweg erreichbar 

ist (act. B 33/1). Zweifellos hätten deshalb von Osten und von Westen her jederzeit 

beliebige Dritte - Wanderer oder Velofahrer - vorbeikommen können (act. B 29, 

Bilder Nr. 1-4). Zudem zeigte der Hörtest am 34 Meter entfernten Standort 4, dass 

eine Drittperson die Äusserungen des Berufungsklägers ohne weiteres hätte 

mithören können. Denn solange sie sich im sichttoten Bereich befunden hätte, hätte 

der Berufungskläger sie nicht wahrnehmen und folglich auch nicht mit einem 

sofortigen Gesprächsabbruch reagieren können. Ferner spricht auch die erhebliche 

Distanz von 29 Metern zwischen den beiden Beteiligten während des Vorfalls gegen 

ein nichtöffentliches Gespräch. Die Parteien standen mitnichten in geringer Distanz 

im „Zwiegespräch“ beieinander. Äusserungen, welche sich nun aber an eine Person 

richten, welche sich 29 Meter weit entfernt auf einem öffentlichen Wanderweg 

befindet, erfolgen klar nicht mehr innerhalb eines abgeschlossenen 

Personenkreises bzw. in einem privaten Umfeld. Im Gegenteil durfte der 

Berufungskläger bei dieser Ausgangslage nicht damit rechnen, dass nur die 

Berufungsbeklagte 2 seine Äusserungen hören konnte. Ausserdem war an der von 

der Berufungsbeklagten 2 behaupteten Tatzeit 8.45 bis 9.15 Uhr jederzeit mit 

Wanderern oder spazierenden Hundehalterinnen und –haltern zu rechnen; dies 

auch an einem Mittwoch. Im Weiteren ist zu bemerken, dass Wanderwege in der 

Regel immer von beiden Richtungen her begangen werden. Umso mehr gilt dies 

vorliegend, denn gerade wegen des öffentlichen Parkplatzes im D___ handelt es 

sich bei der Begehung von Osten her um eine attraktive Ausflugsvariante. Dass 

offenbar zur Tatzeit keine Drittperson zugegen war, vermag nach Ansicht des 

Obergerichts den im Rahmen einer Gesamtwürdigung klar zu bejahenden 

Öffentlichkeitscharakter des Gesprächs nicht zu widerlegen. Die Berufungsbeklagte 

2 hat sich folglich nicht des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen im Sinne von 

Art. 179
ter 

StGB schuldig gemacht. 

 

 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von der Berufungsbeklagten 2 

aufgenommenen Äusserungen des Berufungsklägers und demzufolge auch die 

davon angefertigte Tonaufnahme (act. B 3/75.2) nicht rechtswidrig erlangt wurden 

und somit im vorliegenden Verfahren verwertbar sind.   

 
 

 

Seite 15 

 

2. Materielles  

 2.1 Beschimpfung (Art. 177 StGB) 

  2.1.1 Beweistauglichkeit der Tonaufnahme  

Der Berufungskläger lässt geltend machen, C___ habe heute selber gesagt, dass 

sie nach dem Gang zur Polizei nach Hause gegangen sei und die CD habe brennen 

lassen. Es sei deshalb nicht auszuschliessen, dass eine andere Aufnahme als 

diejenige vom 10. September 2014 eingereicht worden sei. Schwierig 

nachzuvollziehen sei auch, wieso die Polizistin, welche die Anzeige aufgenommen 

habe, das iPhone nicht als Beweissicherungsmittel zurückbehalten habe. Die 

Aufnahme könne nicht von einem Morgen stammen. Man habe gehört, dass die 

Kühe im Stall gewesen seien. Dies sei schlicht um 10.00 Uhr morgens nicht 

möglich, denn die Kühe würden morgens um 8.00 Uhr auf die Weide gelassen. Der 

Berufungskläger sei der Ansicht, dass es auch durchaus sein könne, dass diese 

Tonaufnahme zusammengesetzt sei aus verschiedenen Aufnahmen. Auch dies 

müsste letztlich geklärt werden, wenn dies überhaupt möglich sei. Ebenso das 

Erstellungsdatum dieser Aufnahme, welches sich wohl nicht klären lasse, weil die 

Daten ja auf eine CD überspielt worden seien. Es gebe noch andere Indizien für 

verschiedene Aufnahmen von C___ zu verschiedenen Zeitpunkten, auch wenn sie 

dies heute bestreite. Aus den Akten ergebe sich, dass C___ in der ersten 

Einvernahme am 14. September 2014 keine einzige Beschimpfung namentlich 

genannt habe. Zwei Monate später, am 19. November 2014, sei der 

Berufungskläger erstmals einvernommen worden von derselben Polizistin, welche 

die Anzeige entgegengenommen habe. Sie habe ihm bereits zu Anfang der 

Befragung vorgeworfen, er habe „Hure“ und „alte Fotze“ gesagt. Alle anderen 

Begriffe, welche im Urteil des Einzelrichters des Kantonsgerichts genannt würden, 

seien dort nicht Thema. Weshalb halte die Polizistin dem Berufungskläger, ohne 

dass ein Begriff aktenkundig sei, Ausdrücke vor? Der Berufungskläger könne sich 

das nur so erklären, dass die Polizistin das iPhone mit Frau C___ abgehört und 

dann noch gewisse Begriffe im Kopf gehabt habe. Sie habe aber nicht mehr das 

Tonband oder die CD, welche eingereicht worden sei, nochmals angehört. Sonst 

hätte sie nämlich andere Begrifflichkeiten in die Einvernahme aufgenommen und 

insbesondere den Ausdruck „alte Fotze“ nicht verwendet. Der Einzelrichter des 

Kantonsgerichts, welcher die Tonaufnahme angehört habe, habe den Ausdruck „alte 

Fotze“ nicht ins Urteil aufgenommen. Das heisse, es könne sich theoretisch um zwei 

verschiedene Tonaufnahmen handeln. In der Einvernahme vom 4. Dezember 2014, 

insbesondere in den Antworten zu den Fragen 12 und 13, spreche C___ von 

mehreren Aufnahmen. Sie habe auf die Frage 13, ob sie schon mehrere solche 

 

Seite 16 

Tonaufnahmen gemacht habe, gesagt, nein, das sei die erste Aufnahme gewesen. 

Nachher habe sie weitere Aufnahmen gemacht bei gleichen Beschimpfungen. 

Heute habe die Berufungsbeklagte 2 gesagt, sie habe auch im Nachhinein keine 

weiteren Aufnahmen gemacht. Es sei also nicht auszuschliessen, dass hier mehrere 

Aufnahmen existieren würden. Somit sei der behauptete Vorfall nicht bewiesen und 

auch der Anklagegrundsatz sei verletzt.  

Die Berufungsbeklagte 2 lässt entgegnen, solche Hypothesen seien zu 

hypothetisch, als dass sie einen normalen Kausalverlauf in Frage stellen könnten. 

Die Berufungsklägerin 2 sehe nicht so aus, als ob sie in einem High-Tech-Studio 

irgendwelche Aufnahmen zusammenschneiden würde. Als Tatzeit sei nicht 10.00 

Uhr genannt, sondern 8.15 bis 9.45 Uhr. Ob die Kühe dann draussen gewesen 

seien oder nicht, spiele keine Rolle. Jedenfalls höre man die Kuh im Hintergrund. Es 

habe also eine noch in der Nähe auf der Weide gestanden. Dass hier das 

Anklageprinzip verletzt worden sein solle, leuchte nicht ein. Dass sich die 

Berufungsbeklagte 2 von der Polizei nicht das Handy abnehmen lasse als 

Beweissicherung, sei nachvollziehbar. Wenn die Polizistin das iPhone bei der 

Anzeigeerstattung sofort behalten hätte, dann würde heute einfach bestritten, dass 

es nicht am 10. September 2014 gewesen sei, sondern eine ältere Aufnahme. 

Immerhin sei man jetzt soweit, dass es auch nachher noch Aufnahmen gebe, die in 

Frage stehen würden und nicht auch vorher gemachte, so dass die vorliegende 

somit doch die vom 10. September 2014 sei. Hier liege eine tatbestandsmässige 

Beschimpfung vor. Anzufügen sei zu der vom Berufungskläger aufgestellten These 

der Provokation, dass auf der Aufnahme kein Knacken, kein Unterbruch zu hören 

sei. Es laufe schön durch 2 Minuten lang.  

 

Das Obergericht hat anlässlich der Verhandlung vom 8. Januar 2019 im Gerichts-

saal die im Recht befindliche Sprachaufnahme zweimal abgespielt. Der Wortlaut der 

Aufnahme ist im Protokoll der Hauptverhandlung wiedergegeben (act. B 37, S. 8). 

Der Berufungskläger wendet ein, möglicherweise sei diese Aufnahme aus 

verschiedenen Aufnahmen zusammengesetzt. Der Rechtsvertreter der 

Berufungsbeklagten 2 beantragt dazu die Einholung eines Gutachtens. Das 

Obergericht hält die Einholung eines Gutachtens zur Frage einer allfälligen 

Manipulation bzw. Zusammenschnitts der Aufnahme als nicht erforderlich. Auf der 

Sprachaufnahme sind während des Abspielens im Hintergrund deutlich 

Kuhglockengeläut, das Muhen von Kühen und Flugzeuggeräusche zu hören. Diese 

Umgebungsgeräusche sind während des gesamten, fast zwei Minuten andauernden 

Sprechens des Berufungskläger durchgehend und ohne jeden Unterbruch zu hören. 

Die Hintergrundgeräusche und auch die Worte des Berufungsklägers sind „wie aus 

 

Seite 17 

einem Guss“. In den Akten finden sich zudem keinerlei Anhaltspunkte, welche auf 

eine Manipulation der Aufnahme hindeuten würden. Die Aufnahme kann aus diesen 

Gründen als authentisch bezeichnet werden.  

 

Ferner macht der Berufungskläger geltend, es könne sich bei der im Recht 

liegenden Tonaufnahme um eine Aufnahme eines anderen Vorfalls handeln. Die 

Antworten von C___ auf die Fragen 12 und 13 in der Einvernahme vom 

4. Dezember 2014 lassen es als möglich erscheinen, dass die Berufungsbeklagte 2 

mit ihrem Handy mehrere Aufnahmen von Äusserungen des Berufungsklägers 

angefertigt hat (act. B 3/6, S. 3). In der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft 

vom 7. Juni 2016 (act. B 3/38, S. 3) erklärte die Berufungsbeklagte 2 auf die Frage 

13, ob sie schon mehrere solche Tonaufnahmen gemacht habe: „Nein, das war die 

erste Aufnahme. Nachher machte ich weitere bei gleichen Beschimpfungen.“ An 

Schranken des Obergerichts gab die Berufungsbeklagte 2 auf die Frage, ob sie 

noch weitere Tonaufnahmen von A___ gemacht habe, zur Antwort, bis zu diesem 

Vorfall habe sie keine Aufnahmen gemacht. Das sei die einzige. Auf die Frage, ob 

sie nach dem 10. September 2014 noch Aufnahmen gemacht habe, antwortete sie 

mit „nein“ (act. B 37, S. 9). Im Parallelverfahren O1S 17 8 sagte C___ ebenfalls aus, 

sie habe vor diesem Vorfall keine Gespräche mit A___ aufgenommen. Nachher 

auch nicht, aber sie habe ihm das Handy oft so gezeigt, aber keine Aufnahmen 

gemacht (O1S 17 8; act. B 26 S. 6 ff.). Zu Recht weist der Berufungskläger deshalb 

darauf hin, dass sich hier die Aussagen der Berufungsbeklagten 2 widersprechen. 

Jedoch kann aus den Aussagen geschlossen werden, dass es sich bei der 

Aufnahme vom 10. September 2014 um die erste gehandelt hat. Zu fragen ist 

deshalb, ob die bei den Akten befindliche Sprachaufnahme tatsächlich den Vorfall 

vom 10. September 2014 wiedergibt oder allenfalls einen späteren? Die 

Berufungsbeklagte 2 sagte an der Hauptverhandlung im Verfahren O1S 17 8 aus, 

sie sei am Sonntag, 14. September 2014, bei der Kantonspolizei auf dem Posten 

E___ gewesen. Die Polizistin und ihr Kollege hätten die Aufnahme in ihrer 

Anwesenheit angehört und gesagt, sie solle in einem Laden im F___ eine fachliche 

Aufnahme machen lassen. Sie habe das dann gemacht und die Aufnahme am 

Montagvormittag, 15. September 2014, der Polizistin abgegeben (O1S 17 8; act. B 

26, S. 7). Der von der Berufungsbeklagten 2 glaubwürdig und nachvollziehbar 

geschilderte Ablauf der Ereignisse zwischen Anzeigeerstattung und Einreichung der 

Tonaufnahme wird dadurch gestützt, dass sich auf der CD mit der Sprachaufnahme 

die Information „Kundenaufnahme 15. September 2014“ befindet. Dieses Datum 

spricht für die Version der Berufungsbeklagten 2 und somit dafür, dass es bei der 

eingereichten CD tatsächlich um die von den Polizisten am Vortag angehörten 

 

Seite 18 

Sprachaufnahme handelt. Aufgrund dessen kann von einem Beweisverfahren zu 

diesem Thema abgesehen werden und der Einwand des Berufungsklägers erweist 

sich als unbegründet.  

 

Das Vorbringen des Berufungsklägers, die Aufnahme könne nicht von einem 

Morgen stammen, da man auf der Aufnahme gehört habe, dass die Kühe im Stall 

gewesen seien, diese aber morgens um 8.00 Uhr auf die Weide gelassen würden, 

ist unbehelflich. Aus dem auf der Sprachaufnahme zu hörenden Muhen ergibt sich 

nicht schlüssig, ob sich die Kühe im Zeitpunkt der Aufnahme im Stall, auf dem 

Stallvorplatz, beim Trinken am Brunnen oder auf der Weide vor dem Stall befunden 

haben. Somit kann daraus nichts abgeleitet werden, das dafür sprechen würde, 

dass die fragliche Tonaufnahme nicht den Vorfall vom 10. September 2014 

wiedergibt.  

 

Festzuhalten ist sodann, dass der Berufungskläger vor Obergericht nicht bestritten 

hat, dass er selbst es ist, der auf der fraglichen Tonaufnahme zu hören ist. Zudem 

macht er im Berufungsverfahren auch nicht mehr geltend, er habe die in der 

Aufnahme zu hörenden Ausdrücke zu seinen Tieren gesagt. Zusammenfassend 

wird festgehalten, dass für die Beurteilung des Vorfalls vom 10. September 2014 auf 

die von der Berufungsbeklagten 2 eingereichten Tonaufnahme abgestellt werden 

kann, vorbehältlich einer – nachfolgend zu prüfenden - Verletzung des 

Anklagegrundsatzes. Soweit vom Berufungskläger im Zusammenhang mit den 

vorstehend beurteilten Einwänden eine Verletzung des Anklagegrundsatzes geltend 

gemacht wurde, entfällt die Prüfung, da sich die Einwände als unbegründet 

erwiesen haben.   

 

2.1.2 Anklagegrundsatz 

Der Berufungskläger lässt vorbringen, der Anklagegrundsatz sei verletzt. Gemäss 

Strafbefehl stehe eine Tat vom 10. September 2014 zur Diskussion, die Uhrzeit 

werde darin nicht genannt. Gemäss Strafbefehl vom 16. Juni 2015 seien zwei 

Ausdrücke angeklagt. Es gehe um den Begriff „Hure“ und „alte Fotze“. Die 

Vorinstanz habe aber den Berufungskläger verurteilt wegen „Fuzi“, „Usländeribabe“, 

„Usländerhuer“ und „Huere“. Diese Ausdrücke seien so aber nicht angeklagt.  

Die Berufungsbeklagte 2 lässt ausführen, das Anklageprinzip sei natürlich zu 

beachten. Aber wenn man jetzt hingehe und sage, es sei letztlich nicht erstellt, in 

welcher Sekunde die Beschimpfung stattgefunden habe, dann strapaziere man den 

Schutz des Anklageprinzips.  

 

 

Seite 19 

 Der Anklagegrundsatz wird in Art. 9 StPO festgehalten. Danach kann eine Straftat 

nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte 

Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Gericht 

Anklage erhoben hat. Die Anforderungen an die Anklageschrift werden in Art. 325 

StPO konkretisiert. Danach hat die Anklageschrift u.a. möglichst kurz, aber genau 

die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, 

Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung zu bezeichnen (Art. 325 Abs. 1 lit. f 

StPO). Der Strafbefehl gilt als Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1 StPO). Entscheidend 

ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt 

und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Verteidigung 

richtig vorbereiten kann (BGE 143 IV 63 E. 2.2). Ungenauigkeiten in den Orts-, Zeit- 

oder Personenangaben beeinträchtigen dieses Erfordernis allerdings – immer unter 

Berücksichtigung der konkreten Umstände – nicht und führen nicht zur 

Unbeachtlichkeit der Anklage bzw. zum Freispruch (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch 

des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, Rz. 1268).  

 

 Im Strafbefehl gegen A___ vom 16. Juni 2015 ist das Datum, an welchem die 

behauptete Beschimpfung stattfand, angegeben, die Uhrzeit fehlt jedoch (act. B 

3/22). Aufgrund des im Strafbefehl zweifelsfrei und genau umschriebenen 

Sachverhalts ist davon auszugehen, dass der Berufungskläger auch ohne die 

Zeitangabe ausreichend darüber informiert ist, was ihm konkret vorgeworfen wird. 

Jedenfalls hat er nicht geltend gemacht, dass ihm durch die im Strafbefehl nicht 

genannte Uhrzeit eine umfassende Vorbereitung der Verteidigung verunmöglicht 

worden wäre. Anzufügen ist, dass der Verteidiger des Berufungsklägers vor 

Obergericht ebenfalls Ausführungen zur Tatzeit gemacht hat. Eine Verletzung des 

Anklagegrundsatzes liegt nach Ansicht des Obergerichts deshalb nicht vor.  

 

Bezüglich der Rüge, die Ausdrücke, wegen der der Berufungskläger verurteilt 

worden sei, seien nicht angeklagt gewesen, trifft zu, dass im Strafbefehl vom 

16. Juni 2015 - und damit in der Anklageschrift - lediglich die Wörter „Hure“ und „alte 

Fotze“ aufgeführt sind. Zutreffend ist zudem, dass der Einzelrichter des 

Kantonsgerichts wegen der Ausdrücke „Fuzi“, „Usländeribabe“, „Usländerhuer“ und 

„Huere“ den Tatbestand der Beschimpfung als erfüllt erachtete. Diese Ausdrücke 

sind mit Ausnahme des Wortes „Huere“ nicht angeklagt. Jedoch ist der 

Anklagegrundsatz zumindest bezüglich „Huere“ erfüllt und damit nachfolgend zu 

prüfen, ob sich der Berufungskläger mit diesem Wort der Beschimpfung im Sinne 

von Art. 177 Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat.   

 

 

Seite 20 

2.1.3 Objektiver und subjektiver Tatbestand  

Der Berufungskläger hat vor dem Einzelrichter des Kantonsgerichts ausführen 

lassen, die Staatsanwaltschaft komme in ihrem Schlussbericht zum Ergebnis, dass 

beweismässig ein Geständnis vorliege. Diese Schlussfolgerung sei falsch. Der 

Berufungskläger habe an der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft nur 

gesagt, dass er möglicherweise gewisse Kraftausdrücke gegenüber seinen Tieren 

verwendet habe. Er habe auch gesagt, dass er sich an dieses Gespräch nicht 

erinnern könne. Ein Geständnis liege jedenfalls nicht vor. Dem Berufungskläger 

werde vorgeworfen, das Wort „Hure“ verwendet zu haben. Es sei jedoch nicht 

unüblich, dass man dieses Wort als Adjektiv verwende, z. B. du „huere Aff“, „huere 

seich“. Ausserdem gebe die Tonaufnahme nur einen Teil des Gesprächs wieder. 

Man wisse nicht, ob zuvor eine Provokation erfolgt sei.  

Die Berufungsbeklagte 2 lässt vor Obergericht vorbringen, dass es sich bei den 

aufgenommenen Äusserungen „Fuzi“, „Usländerbabe“, „Usländerhuer“, „Huere“ und 

„alti Fotze“ um übelste und absolut niveaulose Beschimpfungen handle, bedürfe 

wohl keiner weiteren Erklärung. Dass die Aussagen vom Berufungskläger 

stammten, sei ebenfalls erstellt. Während der Berufungskläger in seiner 

Einvernahme vom 19. November 2014 bei der Polizei noch habe bestreiten wollen, 

dass er die aufgenommenen Beschimpfungen ausgesprochen habe, habe er sich in 

der Folge darauf verlegt, dass er diese gegenüber seinem Hund (einem Rüden!) 

oder gegenüber seinen Kühen geäussert haben wolle. Dies seien klarerweise 

Schutzbehauptungen. Heute habe der Berufungskläger nicht bestritten, dass er es 

gewesen sei, der diese Beschimpfungen gemacht habe. Die Tatbestandsmässigkeit 

der Beschimpfungen sei damit erstellt. Ausserdem wolle der Berufungskläger 

weissmachen, dass er ganze 2 Minuten lang auf eine Provokation reagiert haben 

wolle, was schlicht nicht glaubwürdig sei.  

 

Wer jemanden in anderer Weise (als durch üble Nachrede oder Verleumdung) 

durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift, wird, 

auf Antrag, mit Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen bestraft (Art. 177 Abs. 1 StGB; 

FRANZ RIKLIN, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N. 1 zu Art. 177 

StGB). Objektiv ist erforderlich, dass der Täter seine Verachtung des Betroffenen 

kundtut, ihn „dem Schimpf und der Schande preisgibt“ (ANDREAS DONATSCH, 

Strafrecht III, a.a.O., S. 412 ff.). Das negative Urteil muss den sittlich-menschlichen 

Wert des Angegriffenen betreffen (ANDREAS DONATSCH, Strafrecht III, a.a.O., S. 412 

ff.). Im Weiteren wird auf die in der vorinstanzlichen Erwägung 3.4 aufgeführte 

Rechtsprechung zu Art. 177 StGB verwiesen.  

 

 

Seite 21 

Die im Gerichtssaal abgespielte Tonaufnahme zeigt, dass der Berufungskläger die 

Berufungsbeklagte 2, nebst einigen anderen Ausdrücken, welche jedoch nicht 

angeklagt sind, mehrmals mit „Huere“ betitelt hat. Für das Obergericht steht damit 

ohne weiteres fest, dass er mit diesem Wort die Berufungsbeklagte 2 in deren Ehre 

verletzt hat, indem er ihr damit seine Verachtung kundgetan und sie in ihrer 

Persönlichkeit herabgewürdigt hat. Wie in vorstehender Erwägung 2.1.1 erwähnt, 

bringt der Berufungskläger vor Obergericht nicht vor, die Äusserungen auf der CD 

stammen nicht von ihm. Ebenfalls hat er nicht mehr vorgebracht, er habe die in der 

Aufnahme zu hörenden Ausdrücke zu seinen Tieren gesagt. Beide Vorbringen sind 

offensichtliche Schutzbehauptungen, welche nicht zu hören sind. Diesbezüglich 

kann auf die zutreffenden Erwägungen 3.5 der Vorinstanz verwiesen werden. Das 

Argument, dass man „huere“ im üblichen Sprachgebrauch als Adjektiv verwendet, 

kann das Obergericht nicht nachvollziehen, erst recht nicht im vorliegenden Kontext 

- unter Nachbarn - und es wird in Abrede gestellt, dass es üblich sein soll, jemanden 

mit „huere Aff“ zu bezeichnen. Beim Wort „Huere“ handelt es sich im vorliegenden 

Gebrauch klar um ein Schimpfwort im klassischen Sinn und nicht um einen 

Verstärkungspartikel.  

 

Hat der Beschimpfte durch sein ungebührliches Verhalten zu der Beschimpfung 

unmittelbar Anlass gegeben, so kann der Richter den Täter von Strafe befreien (Art. 

177 Abs. 2 StGB. Dass die Äusserungen des Berufungsklägers allenfalls eine 

Reaktion auf eine vorausgegangene Provokation durch die Berufungsbeklagte 2 

darstellen, kann ausgeschlossen werden, da in einem solchen Fall eine heftige 

Gemütsbewegung seitens des Berufungsklägers zu erwarten gewesen wäre. 

Vorliegend liegt dagegen ein fast zwei Minuten dauernder Monolog in einer 

praktisch durchwegs gleichbleibenden Lautstärke vor. Dies spricht klar gegen eine 

vorausgegangene Provokation durch die Berufungsbeklagte 2. Im Übrigen sagte der 

Berufungskläger auch vor Obergericht aus, er könne sich an den Vorfall vom 

Mittwoch, 10. September 2014, nicht mehr erinnern (act. B 37, S. 6). Dies weist 

ebenfalls daraufhin, dass es keine Provokation seitens der Berufungsbeklagten 2 

gab.  

 

Der objektive Tatbestand von Art. 177 Abs. 1 StGB ist erfüllt. 

 

Subjektiv wird Vorsatz gefordert, d.h. der Täter muss mit Wissen und Willen 

jemandem gegenüber ein ehrenrühriges Werturteil über den Betroffenen kundgeben 

(ANDREAS DONATSCH, Strafrecht III, a.a.O., S. 414). Die Sprachaufnahme zeigt klar, 

 

Seite 22 

dass der Berufungskläger die Berufungsbeklagte wissentlich und willentlich mit 

„Huere“ betitelte.  

 

Folglich ist auch der subjektive Tatbestand von Art. 177 Abs. 1 StGB erfüllt. 

 

2.1.4 Schuldfähigkeit 

Der Berufungskläger lässt den Antrag stellen, in Anwendung von Art. 20 StGB sei 

ein Sachverständigengutachten betreffend Schuldfähigkeit einzuholen. Bei der 

Befragung des Berufungsklägers sei gesagt worden, der Verteidiger habe geltend 

gemacht, der Berufungskläger sei am 10. September 2014 betrunken gewesen. Das 

stimme so nicht. Der Verteidiger habe gesagt, gestützt auf den Wortlaut der 

Tonaufnahme und der Ausdruckweise könne man nicht ausschliessen, dass der 

Berufungskläger alkoholisiert gewesen sei. Diese Frage sei bis heute nicht geklärt 

worden.  

Die Berufungsbeklagte 2 lässt die vom Berufungskläger bereits vor erster Instanz 

geltend gemachte Angetrunkenheit, welche seine Schuldfähigkeit beeinträchtigt 

oder gar ausgeschlossen habe, bestreiten. Eine Angetrunkenheit morgens um 8.45 

bis 9.15 Uhr wäre zumindest bemerkenswert. Ausserdem habe der Berufungskläger 

dies erst über zwei Jahre nach dem Vorfall ein erstes Mal geltend gemacht. Da eine 

– bestrittene – Angetrunkenheit heute sowieso nicht mehr nachgewiesen werden 

könnte, erübrige sich die entsprechende Abklärung.  

 

War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder 

gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19 Abs. 1 StGB). 

War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat 

einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die 

Strafe (Art. 19 Abs. 2 StGB). Besteht ernsthafter Anlass, an der Schuldfähigkeit des 

Täters zu zweifeln, so ordnet die Untersuchungsbehörde oder das Gericht die 

sachverständige Begutachtung durch einen Sachverständigen an (Art. 20 StGB). 

Bei einer Blutalkoholkonzentration zwischen 2 und 3 Promillen besteht eine 

Vermutung für die Verminderung der Schuldfähigkeit des Täters, die aber im 

Einzelfall durch Gegenindizien umgestossen werden kann (ANDREAS DONATSCH, 

a.a.O., N. 10 zu Art. 19 StGB). Die Begehung der Tat in angetrunkenem Zustand 

bildet noch keinen Grund, um an der Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln, wenn 

ausser der Blutalkoholkonzentration keine weiteren Indizien für Zweifel an der 

Schuldfähigkeit bestehen (ANDREAS DONATSCH, a.a.O., N. 2 zu Art. 20 StGB).  

 

 

Seite 23 

Das Obergericht ist mit der Vorinstanz der Ansicht, dass aufgrund der 

Sprachaufnahme und der Tatumstände kein Anlass zu Zweifeln an der 

Schuldfähigkeit von A___ besteht und von der Einholung eines 

Sachverständigengutachtens abgesehen werden kann. Der Berufungskläger hat in 

den Einvernahmen im Vorverfahren nie vorgebracht, er sei im Zeitpunkt der 

Beschimpfung alkoholisiert gewesen, sondern erstmals im Verfahren vor dem 

Einzelrichter des Kantonsgerichts (act. B 3/77, S. 3). Das Obergericht erachtet 

aufgrund der Sprachaufnahme die Schuldfähigkeit des Berufungsklägers als 

vollumfänglich gegeben. Die darauf zu hörenden Ausdrücke wurden von A___ mit 

einer klaren Aussprache vorgebracht, diese war in keiner Weise verwaschen oder 

gar (leicht) lallend. In der Befragung an Schranken des Obergerichts sagte A___, er 

habe kein Alkoholproblem. Vielleicht trinke er ein Glas Most zum Mittagessen. Wein 

und Bier habe er nicht zu Hause (act. B 37, S. 7). Auch diese Angaben weisen 

darauf hin, dass A___ im Tatzeitpunkt nicht oder höchstens in geringem Umfang 

alkoholisiert gewesen war. Die Schuldfähigkeit zum Zeitpunkt der Beschimpfung ist 

zu bejahen.  

 

2.1.5 Fazit 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass A___ sich am 10. September 2014 

gegenüber C___ der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB schuldig 

gemacht hat.  

 

 

 

3. Strafzumessung 

 3.1. Strafmass 

 Die Vorinstanz hat in Erwägung 4 die Kriterien der Strafzumessung zutreffend 

aufgeführt, darauf kann verwiesen werden. Bezüglich der festzulegenden Anzahl 

Tagessätze sowie der Tagessatzhöhe kommt das Obergericht jedoch zu einer 

anderen Beurteilung. Wie die Vorinstanz festhält, sieht Art. 177 Abs. 1 StGB einen 

Strafrahmen von Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen vor. Sie erachtet angesichts 

einer als mittel bis schwer zu gewichtenden objektiven Tatschwere eine Bestrafung 

im oberen Drittel des Strafrahmens, somit mit 60 Tagessätzen, als angemessen. Die 

Staatsanwaltschaft hat in der Anklageschrift die Bestrafung mit 30 Tagessätzen 

beantragt, davon 10 unbedingt (act. B 3/65B, B 3/66A). Das Obergericht erachtet 

jedoch für einen Ersttäter eine Strafe in der Höhe von 2/3 der Maximalstrafe als zu 

hoch. Dies selbst unter Berücksichtigung, dass der Berufungskläger die 

Beschimpfung mit „Huere“ mehrmals wiederholte und rund zwei Minuten „redete“. 

 

Seite 24 

Das Obergericht erachtet eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen als schuldange-

messen.  

 

 Die gestützt auf Art. 34 Abs. 2 StGB von der Vorinstanz mit CHF 30.00 ermittelte 

Höhe des Tagessatzes ist aus folgendem Grund zu korrigieren. Bei ihrer 

Berechnung ist die Vorinstanz statt vom monatlichen Nettoeinkommen vom 

steuerbaren Einkommen ausgegangen, massgebend ist jedoch ersteres. Der 

Berufungskläger hat vor Obergericht sein monatliches Nettoeinkommen mit CHF 

2‘050.00 angegeben (act. B 10). Um den Tagessatz zu berechnen, kann das 

Formular der Konferenz der Strafverfolgungsbehörden der Schweiz (KSBS) 

herbeigezogen werden, welches (je nach Einkommen) einen Pauschalabzug von 

20% bis 30% des Nettoeinkommens für allgemeine Ausgaben vorsieht 

(<https://www.ssk-cps.ch/empfehlungen> unter „Berechnungsformular Tagessatz). 

Ausgehend von einem hier angemessenen Abzug von 20 % ergibt dies 

CHF 410.00. Unterstützungsabzüge für Ehepartner und Kinder entfallen, so dass 

das Zwischenresultat CHF 1‘640.00 beträgt. Hinsichtlich des Vermögens ist darauf 

hinzuweisen, dass dieses nur zu berücksichtigen ist, wenn der Täter seine 

Lebenshaltungskosten aus der Substanz des Vermögens bestreitet (BGE 134 IV 60 

E. 6.2). Dies ist hier nicht der Fall, weshalb das Vermögen auf der Seite gelassen 

werden kann. Teilt man CHF 1‘640.00 durch 30, ergibt sich ein Tagessatz von CHF 

54.67 bzw. abgerundet von CHF 50.00.  

 

 Ausgehend von einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen à CHF 50.00, ergibt sich ein 

Betrag von CHF 2‘250.00, währenddem die Vorinstanz von 60 Tagessätzen à 

CHF 30.00, somit CHF 1‘800.00, ausging. Art. 391 Abs. 2 StPO hält fest, dass die 

Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nachteil der beschuldigten oder 

verurteilten Person abändern darf, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten 

ergriffen worden ist. Vorbehalten bleibt eine strengere Bestrafung aufgrund von 

Tatsachen, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt sein konnten. Im 

Gegensatz zum Sachverhalt im Urteil des Bundesgerichts 6B_712/2017 vom 

23. Mai 2018 E. 5.4.3, in welchem sich die finanziellen Verhältnisse des Täters seit 

dem erstinstanzlichen Urteil verbessert hatten, und dies deshalb der Vorinstanz 

nicht bekannt sein konnte, liegt vorliegend keine Veränderung in den finanziellen 

Verhältnissen von A___ vor. Vielmehr wurde derselbe Sachverhalt vom Obergericht 

anders beurteilt (Nettoeinkommen statt steuerbares Einkommen). Aufgrund dessen 

darf der Berufungskläger nicht schlechter gestellt und folglich die von der Vorinstanz 

ausgefällte Geldstrafe von CHF 1‘800.00 nicht auf CHF 2‘250.00 erhöht werden. 

Der vorstehend errechnete Tagessatz von CHF 50.00 wird deshalb auf CHF 40.00 

 

Seite 25 

reduziert, was bei 45 Tagessätzen der von der Vorinstanz ausgefällten Geldstrafe 

von total CHF 1‘800.00 entspricht.  

 

 3.2 Bedingte bzw. unbedingte Strafe / Probezeit / Busse / Ersatzfreiheitsstrafe 

  Das Obergericht schliesst sich bezüglich bedingtem Strafvollzug und Probezeit den 

Erwägungen 5 der Vorinstanz an, weshalb in diesen Punkten darauf verwiesen wird. 

Somit ist dem Berufungskläger für die Geldstrafe von 45 Tagessätzen à CHF 40.00 

der bedingte Strafvollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer Probezeit von 4 

Jahren. Die Verbindungsbusse wurde von der Vorinstanz auf CHF 300.00 

festgesetzt und die Ersatzfreiheitsstrafe bei Nichtbezahlung auf 10 Tage. Zur 

Verbindungsbusse nach Art. 42 Abs. 4 StGB ist festzuhalten, dass das 

Bundesgericht entschieden hat, dass sich die Verbindungsbusse maximal auf einen 

Fünftel der Gesamtstrafe belaufen darf (BGE 135 IV 188 E. 3.4.2 ff.). Unter 

Gesamtstrafe ist das Total von Geldstrafe und Busse zu verstehen. Vorliegend 

beträgt bei einer Busse von CHF 300.00 der Gesamtstrafbetrag CHF 2‘100.00 (CHF 

1‘800.00 plus CHF 300.00), so dass die Höhe der Busse zulässig ist und auch 

angemessen erscheint. Die Ersatzfreiheitsstrafe im Falle der Nichtbezahlung der 

Busse ist zufolge der vom Obergericht neu festgesetzten Tagessatzhöhe von CHF 

40.00 neu zu berechnen. So ist die Tagessatzhöhe der bedingten Geldstrafe als 

Umrechnungsschlüssel heranzuziehen, indem der Betrag der Verbindungsbusse 

durch jene dividiert wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_366/2007 vom 17. März 

2008 E. 7.3.3). Der Bussenbetrag von CHF 300.00 geteilt durch den Tagessatz von 

CHF 40.00 ergibt eine Ersatzfreiheitsstrafe von abgerundet 7.  

 
 

 

4. Zivilklage 

 Das Obergericht schliesst sich den plausiblen und zutreffenden Ausführungen der 

Vorinstanz in Erwägung Ziff. 6 an, wonach A___ C___ eine Genugtuung von CHF 300.00 

zu bezahlen hat. Zu bemerken ist, dass die Berufungsbeklagte 2 im erstinstanzlichen 

Verfahren noch einen Betrag von CHF 2‘000.00 verlangt hat, jedoch in der Folge keine 

Berufung gegen das Urteil der Vorinstanz eingereicht hat.   

 
 

 

5. Fazit 

In Abweisung der Berufung ist zusammenfassend festzuhalten, dass A___ wegen 

Beschimpfung mit einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen à CHF 40.00 sowie einer Busse 

von CHF 300.00 zu bestrafen ist. Der Vollzug der Geldstrafe ist bedingt aufzuschieben 

 

Seite 26 

und die Probezeit auf 4 Jahre festzusetzen. Die Busse ist zu bezahlen. Die 

Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen beträgt 7 Tage. Zudem hat A___ 

C___ eine Genugtuung von CHF 300.00 zu bezahlen.  

 

 

6. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

 6.1 Erst- und zweitinstanzliche Verfahrenskosten 

  Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz 

selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der 

Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Art. 426 Abs. 1 StPO 

sieht vor, dass die beschuldigte Person die Verfahrenskosten trägt, wenn sie 

verurteilt wird. Da die Berufung von A___ abgewiesen und er verurteilt worden ist, 

sind ihm sowohl die erst- als auch die zweitinstanzlichen Verfahrenskosten 

aufzuerlegen. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf CHF 2‘000.00 

festgesetzt (Art. 29 lit. b Gebührenordnung, bGS 233.3).  

 

 6.2 Erst- und zweitinstanzliche Entschädigung 

 Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren richten 

sich nach den Artikeln 429-434 StPO (Art. 436 Abs. 1 StPO). Aus den Art. 429-434 

StPO folgt ohne weiteres, dass bei einem Schuldspruch grundsätzlich kein Raum für 

eine Entschädigung des Beschuldigten bleibt (SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar 

Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2018, N. 1 zu Art. 429 StPO). A___ 

hat somit weder im erst- noch im zweitinstanzlichen Verfahren eine Entschädigung 

zugute.  

   

 Die Privatklägerin hat gegenüber dem Beschuldigten Anspruch auf angemessene 

Entschädigung für ihre Aufwendungen im Verfahren (Art. 433 Abs. 1 StPO), wenn 

sie im Straf- und/oder Zivilpunkt obsiegt (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch, a.a.O., Rz. 

1830). Vorliegend hat C___ vor zweiter Instanz vollumfänglich und vor erster 

Instanz grösstenteils obsiegt. A___ sind daher die gesamten Aufwendungen von 

C___ für ihre private Rechtsvertretung in beiden Instanzen aufzuerlegen. Sowohl 

die von RA CC___ vor erster Instanz eingereichte Kostennote in der Höhe von CHF 

2‘296.10 (act. B 3/86/1) als auch diejenige vor zweiter Instanz von CHF 3‘231.00 

(act. B 36) erweisen sich als tarifkonform. Somit hat der Berufungskläger die 

Berufungsbeklagte 2 für die Kosten ihrer Vertretung im erst- und zweitinstanzlichen 

Verfahren mit insgesamt CHF 5‘527.10 (inkl. Barauslagen und MWSt) zu 

entschädigen.   

 

Seite 27 

In Abweisung der Berufung erkennt das Obergericht: 
 
 
1. Der Beschuldigte A___ wird der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB 

schuldig gesprochen (Tatzeit: 10. September 2014). 
 
 
2. Er wird verurteilt zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen à CHF 40.00 sowie zu einer 

Busse von CHF 300.00 (Art. 34, Art. 47 und Art. 106 StGB).   
 
 
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben, unter Ansetzung einer Probezeit von 4 

Jahren. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte A___ die Busse nicht, so tritt 
an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen (Art. 36 Abs. 1, Art. 42 Abs. 1 und 
4, Art. 44 Abs. 1, Art. 106 StGB). 

 
 
4. Der Beschuldigte A___ wird verpflichtet, der Privatklägerin C___ eine Genugtuung von 

CHF 300.00 zu bezahlen.  
 

 
5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus 
 

CHF    930.00 Kosten der Voruntersuchung 
CHF    450.00 erstinstanzliche Gerichtsgebühr 
CHF 2‘000.00 zweitinstanzliche Gerichtsgebühr 
CHF 3‘380.00 insgesamt, 

 
werden dem Berufungskläger A___ auferlegt.  

 
 
6. Der Berufungskläger A___ wird verpflichtet, der Privatklägerin C___ für die Kosten ihrer 

Vertretung im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren eine Entschädigung von CHF 
5‘527.10 (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.  

 
 
7. A___ wird für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren keine Entschädigung 

zugesprochen.  
 
 
8. Rechtsmittel: 
 Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit der Zustellung Beschwerde in Strafsachen 

erhoben werden. Die Zulässigkeit einer solchen Beschwerde richtet sich nach Art. 78 ff. 
Bundesgerichtsgesetz (BGG, SR 173.110). Die Beschwerde ist beim Schweizerischen 
Bundesgericht, Avenue du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, schriftlich 
einzureichen. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 
der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die 
als Beweismittel angerufenen Urkunden sind - soweit vorhanden - beizulegen (Art. 42 
BGG). Die Beschwerde hat in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Art. 103 BGG). 

 

 

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9. Zustellung am 16. Mai 2019 an: 

- den Berufungskläger über seinen Verteidiger 
- die Privatklägerin über ihren Rechtsvertreter 
- die Staatsanwaltschaft (U 15 165) 
- die Vorinstanz (SE3 16 4) 
- Verfahrensakten O2S 17 8 

 
 

 

Der Obergerichtsvizepräsident: 

 

 

lic. iur. W. Kobler 

Die Obergerichtsschreiberin: 

 

 

B. Widmer, Fürsprecherin