# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7185826c-53a8-56bb-a903-151df28f6ac4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.11.2022 E-5762/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5762-2019_2022-11-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5762/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, 

Richterin Déborah D’Aveni, 

Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

bis 23. Dezember 2021 amtlich verbeiständet durch  

lic. iur. Katrin Stutz,  

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 1. Oktober 2019 / N (…). 

 

 

 

E-5762/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte in der Schweiz erstmals am 4. August 

2016 um Asyl. Nachdem er vor der Durchführung der Befragung zur Per-

son (BzP), am 26. August 2016 als verschwunden gemeldet worden war, 

schrieb das SEM am 29. August 2016 sein Asylgesuch als gegenstandslos 

geworden ab. 

Am 27. September 2016 stimmte das SEM einem Ersuchen der deutschen 

Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers zu und nahm sein 

Asylverfahren am 6. April 2017 wieder auf. 

B.  

Am 25. April 2017 wurde die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt. Am 

16. Mai 2018 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asylgrün-

den befragt.  

Dabei gab er zu Protokoll, er habe Afghanistan am 10. September 2015 

verlassen und sei über Pakistan, Iran und die Türkei nach Europa gelangt. 

Er habe am 31. August 2016 in Deutschland ein Asylgesuch eingereicht 

und sei am 6. April 2017 zum zweiten Mal in die Schweiz eingereist.  

Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab er an, er sei tadschikischer Eth-

nie und in B._______, Distrikt C._______, Provinz Bamyan geboren, wo er 

sein erstes Lebensjahr verbracht habe. Bis zum 8. Lebensalter habe er mit 

seiner Familie in D._______ (Provinz Baghlan) gelebt und sei danach ins 

Heimatdorf zurückgekehrt, wo er die nächsten vier Jahre gelebt habe. An-

schliessend habe er bis etwa 2013/2014 wieder in D._______ gelebt. Die 

letzten drei bis vier Jahre vor seiner Ausreise habe er in Kabul gewohnt. Er 

habe etwa vier Jahre lang die Schule unregelmässig besucht und könne 

weder lesen noch schreiben. In Afghanistan habe er als (…) gearbeitet. 

Seine Eltern würden zusammen mit seiner Schwester in Kabul und eine 

weitere Schwester in Mazar-i-Sharif leben. Er habe eine afghanische 

Taskara besessen, die er den deutschen Behörden abgegeben habe. Den 

schweizerischen Asylbehörden gab der Beschwerdeführer zwei afghani-

sche Reisepässe sowie eine Kopie eines Identitätsausweises ab.   

Zur Begründung seines Asylgesuches führte er im Wesentlichen aus, er 

habe während seiner Tätigkeit als (…) Waren für die NATO transportiert. 

Auf einer Fahrt von Kandahar nach Kabul seien er und der (…) von den 

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Seite 3 

Taliban angegriffen und der (…) dabei getötet worden; er selbst sei ge-

schlagen und am Kopf verletzt worden. Die Taliban hätten ihm mit dem Tod 

gedroht und ihn zur Aufgabe seiner Tätigkeit aufgefordert. Er habe sich in 

Spitalpflege begeben müssen und sei dann arbeitslos gewesen. Anschlies-

send habe er Warentransporte von Khairatan nach Bagram durchgeführt 

und sei dabei wiederum von den Taliban angegriffen worden. Eine Kugel 

habe sein (…) verletzt und die Fahrzeuge seien verbrannt worden. Er sei 

von den Behörden gerettet worden, worauf seine Verletzungen in 

D._______ und in Kabul behandelt worden seien. Weil es zu gefährlich 

geworden sei, habe er nicht mehr als (…) arbeiten können und sich als (…) 

betätigt. Ende August 2015, zehn Tage vor seiner Ausreise aus Afghanis-

tan, sei er auch während dieser Tätigkeit in eine Strassenkontrolle der Ta-

liban geraten. Er habe wegen seiner früheren Tätigkeit für die Amerikaner 

Konsequenzen bei dieser Kontrolle befürchtet, weshalb er sich dieser Kon-

trolle entzogen und mit seinem Fahrzeug einen bewaffneten Taliban ange-

fahren habe. Danach sei er weggefahren und habe sich zu Hause ver-

steckt. Sein Vater habe in der Folge ein Grundstück verkauft und damit 

seine Ausreise finanziert.    

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer ein fremd-

sprachiges Dokument im Original mit mehreren Stempeln und Unterschrif-

ten (gemäss eigenen Angaben: Bestätigungsschreiben des Dorfältesten, 

des Distriktleiters, der Polizeibehörde, des Provinzrats von Bamiyam und 

des Abgeordneten des Parlaments der Provinz Bamiyam; vgl. Akte B8, Ziff. 

7.04) zu den Akten.  

C.  

Am 16. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht der 

E._______, Zentrum für (…) vom 5. September 2017 zu den Akten. In die-

sem werden die Diagnosen «chronische Ellbogenluxation nach links mit 

Neoarthros humeroulnar und Destruktionen des Capitulum humeri nach 

Foltertrauma 2010» und «Status nach Schussverletzung rechter Vorfuss 

2014 mit Fehlstellung der Metatarsalknochen II/IV und Dig. Hyperductus III 

und V rechter Vorfuss» gestellt.  

Mit undatiertem Schreiben (Eingang SEM: 23. Mai 2018) an das Migrati-

onsamt liess der Beschwerdeführer einen Bericht der Psychiatrischen Uni-

versitätsklinik F._______, Zentrum für Soziale Psychiatrie, Ambulatorium 

G._______, datiert 11. Mai 2018, einreichen. Diesem Bericht zufolge wurde 

beim Beschwerdeführer eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; 

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Seite 4 

F43.1 nach ICD-10) diagnostiziert. Ferner wurden als «somatische Diag-

nosen» die Fehlstellungen am (…), die chronische (…)luxation links und 

die Destruktionen am (…) bestätigt.  

Der Beschwerdeführer sei auf Zuweisung des Hausarztes freiwillig einge-

treten bei depressiver Symptomatik im Rahmen einer PTBS. Gemäss den 

Angaben des Beschwerdeführers sei er durch die Taliban in Afghanistan 

(…) schwer verletzt respektive gefoltert worden. Eine Operation des (…) 

stehe im Januar 2018 an; er leide unter Flashbacks, Alpträumen, Schlaf-

störungen und Ängsten, wieder nach Afghanistan zurückgeschickt zu wer-

den.  

Er werde seit November 2017 psychiatrisch-psychotherapeutisch hinsicht-

lich der PTBS behandelt. Medikamentös sei eine antidepressive und 

schlafanstossende Behandlung initiiert worden. Bei ausbleibender antide-

pressiver Wirkung sei augmentativ ein weiteres Medikament verordnet 

worden. Im Verlauf habe sich keine signifikante Verbesserung des Zustan-

des gezeigt. Der Beschwerdeführer leide weiterhin an schweren Schuldge-

fühlen, seine Familie in Afghanistan zurückgelassen zu haben, und be-

richte über ausgeprägte Ängste, im Falle einer Ausschaffung nach Afgha-

nistan durch die Taliban getötet zu werden. Bei vorhergehender Folterung 

in Afghanistan und daraus hervorgegangener Schussverletzung am (…) 

sowie Gewalteinwirkung am (…) schienen diese Ängste nachvollziehbar. 

Des Weiteren bestehe eine psychosoziale Belastungssituation im Rahmen 

der ausstehenden Entscheidung über den Aufenthaltsstatus. Im Falle eines 

negativen Asylbescheides sei eine akute suizidale Krise nicht auszu-

schliessen. 

D.  

Mit Eingabe der ZBA vom 30. November 2018 wurde ein Schreiben des 

Universitätsspitals F._______, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psycho-

somatik, datiert 27. November 2018, eingereicht. Aus diesem geht hervor, 

dass der Beschwerdeführer zu wöchentlichen therapeutischen Terminen 

komme; die starke Ungewissheit im laufenden Asylverfahren führe bei ihm 

zu grossem Leidensdruck, der sich subjektiv und objektiv auf seinen Ge-

sundheitszustand und den laufenden Behandlungsprozess auswirke.  

E.  

Mit Verfügung vom 1. Oktober 2019 – dem Beschwerdeführer am 3. Okto-

ber 2019 eröffnet – lehnte das SEM sein Asylgesuch ab, verfügte dessen 

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Wegweisung aus der Schweiz und ordnete gleichzeitig wegen Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs (medizinische und länderspezifische 

Gründe) die vorläufige Aufnahme an.   

F.  

Mit Eingabe vom 31. Oktober 2019 erhob der Beschwerdeführer – han-

delnd durch seine Rechtsvertretung – beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte, die SEM-Verfügung sei bezüglich der verwei-

gerten Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung aufzuheben und die Sa-

che sei der Vorinstanz zur Prüfung der Asylrelevanz zurückzuweisen.  

In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und Rechtsverbeiständung inklusive Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses. 

G.  

Mit Instruktionsverfügung vom 3. Dezember 2019 hiess die zuständige In-

struktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Rechtsverbeiständung 

gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setze lic. 

iur. Kathrin Stutz, ZBA, H._______, als amtliche Rechtsbeiständin ein. 

Gleichzeitig wurde das SEM zur Vernehmlassung eingeladen. 

H.  

Am 6. Dezember 2019 liess sich das SEM vernehmen und hielt an seinen 

bisherigen Erwägungen fest. 

I.  

Am 20. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Replikeingabe 

ein und legte dieser eine Kostennote seiner Rechtsvertreterin für die bis-

herigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren bei.   

J.  

Mit Schreiben vom 17. Dezember 2021 teilte die amtlich eingesetzte 

Rechtsvertreterin dem Gericht mit, dass sie ihre Arbeit bei der ZBA per 

Ende Dezember 2021 beende. Die Beschwerdeverfahren, in denen sie als 

unentgeltliche Rechtsbeiständin eingesetzt worden sei, würden von den 

Juristinnen und Juristen der ZBA weitergeführt. Die Entschädigungen für 

ihre hängigen unentgeltlichen Rechtsbeistandschaften seien der ZBA aus-

zurichten.  

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Seite 6 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2021 entliess die zuständige 

Instruktionsrichterin lic. iur. Katrin Stutz, ZBA, aus ihrem Mandat als amtli-

che Rechtsbeiständin und hielt weiter fest, im aktuellen Zeitpunkt werde 

keine neue amtliche Rechtsbeistandschaft eingesetzt. 

L.  

Mit E-Mail vom 16. Mai 2022 erkundigte sich das kantonale Migrationsamt 

nach dem Stand des Beschwerdeverfahrens.  

Diese Anfrage wurde von der Instruktionsrichterin mit Schreiben vom 

18. Mai 2022 beantwortet.   

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das vorliegende Verfahren richtet sich nach altem Recht (Abs. 1 der 

Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG [SR 142.31] vom 

25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

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Seite 7 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, die Vorbringen 

des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftma-

chung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylrelevanz 

nicht geprüft werden müsste.  

Seine Angaben zu den beiden Angriffen durch die Taliban und seine Aus-

führungen, wie er zehn Tage vor seiner Ausreise einen Talib überfahren 

habe, seien vage, wenig substanziiert und teilweise widersprüchlich aus-

gefallen. Zudem seien seine Angaben, wie er sich nach dem Überfahren 

dieses Talibs verhalten habe, inhaltlich nicht übereinstimmend ausgefallen. 

Bei diesem Vorfall handle es sich um ein zentrales Element seiner Asylvor-

bringen, weshalb vom Beschwerdeführer hätte erwartet werden müssen, 

dass er einheitlichere Angaben hätte machen können. Auch seinen Schil-

derungen, wie sich die übrigen Fahrgäste in seinem Fahrzeug bei diesem 

Vorfall verhalten hätten, fehle es an Substanz und Nachvollziehbarkeit. Es 

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widerspreche zudem den Erwartungen, dass er nach dem Überfahren ei-

nes Talibs ohne weiteres seine Fahrt habe fortsetzen können, ohne dass 

die Taliban sein Entkommen zu verhindern versucht hätten. Dies gelte 

umso mehr, als zwei der Taliban bewaffnet gewesen sein sollten. Im Wei-

teren bleibe auch nicht nachvollziehbar, wie die Taliban den Beschwerde-

führer als durchfahrenden Fahrzeugführer hätten identifizieren können. 

Seine diesbezüglichen Erklärungen seien nicht plausibel ausgefallen. 

Hinzu komme, dass auch die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner 

Tätigkeit für die ausländischen Organisationen und deren Dauer Wider-

sprüche enthielten.  

Dem eingereichten (fremdsprachigen) Beweismittel komme nur ein gerin-

ger Beweiswert zu, da Schreiben der vorliegenden Art leicht käuflich erhält-

lich seien.  

Schliesslich habe der Beschwerdeführer bei der BzP nicht geltend ge-

macht, dass sein Vater nach seiner Ausreise von Unbekannten, die nach 

dem Beschwerdeführer gefragt hätten, zusammengeschlagen und drei 

Tage von den Taliban festgehalten worden sei. Seine diesbezügliche Er-

klärung, wonach er bei der Erstbefragung angehalten worden sei, sich kurz 

zu fassen, vermöge nicht zu überzeugen.   

4.2 Der Beschwerdeführer hielt diesen Erwägungen entgegen, seine Vor-

bringen anlässlich der Anhörungen seien entgegen der vorinstanzlichen 

Einschätzung sehr detailliert und anschaulich vorgetragen worden. Beim 

Vortrag der Asylvorbringen sei er jedoch laufend durch Fragen der Sach-

bearbeiterin unterbrochen und an einem ausführlichen Bericht gehindert 

worden. Die vorgehaltenen, unterschiedlichen Angaben zwischen BzP und 

der Anhörung zum letzten Vorfall mit den Taliban seien sehr gering. Der 

Widerspruch betreffe einen Satz im BzP-Protokoll und könne auf einem 

Übersetzungsfehler beruhen. Das Ereignis sei bei beiden Anhörungen 

übereinstimmend vorgetragen worden, bei der Bundesanhörung sei das 

Geschilderte aber noch anschaulicher und detailreicher ausgefallen. Ge-

mäss Rechtsprechung (Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3) dürfe die Erstbefragung nur 

mit Zurückhaltung zum Vergleich herangezogen werden. Vorliegend wür-

den die Angaben des Beschwerdeführers innerhalb der beiden Protokolle 

nicht diametral voneinander abweichen. 

 

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Seite 9 

Er habe zum Ereignis beim Überfahren eines Talibs ausführliche Angaben 

gemacht, die sehr lebensnah wirkten. Er habe auch schlüssig erklärt, wes-

halb die Taliban ihn beim Passieren der Strassenkontrolle am Checkpoint 

hätten identifizieren können; beim ersten Vorfall mit den Taliban und seiner 

Inhaftierung sei er fotografiert und seine Personalien seien aufgenommen 

worden. Die Taliban verfügten über ein gut aufgebautes Informationssys-

tem und seien überall aktiv. Die Fotos von verdächtigten Personen würden 

an alle Checkpoints verteilt. 

 

Bei seinen Angaben zur Tätigkeit für die Ausländer habe er sowohl von der 

«NATO» als auch von den «Amerikanern» gesprochen, was nicht als Wi-

derspruch gewertet werden dürfe. Bei der BzP habe er als letzte Arbeitstä-

tigkeit angegeben, dass er als «normaler (…)» gearbeitet habe; der Arbeit-

geber sei dabei nicht thematisiert worden. Seine Vorbringen hielten insge-

samt den Anforderungen an Art. 7 AsylG stand, weshalb die Asylrelevanz 

geprüft werden müsse. 

4.3 In der Vernehmlassung hielt das SEM ergänzend fest, es sei bei einer 

gezielten Anhörung Aufgabe der Vorinstanz, den Befragten zu unterbre-

chen, wenn den gemachten Angaben hinsichtlich des Asylgesuchs keine 

Relevanz zukomme oder dieser die gestellten Fragen nicht beantworte. 

Den Akten seien keine Hinweise zu entnehmen, dass dem Beschwerde-

führer nicht hinreichend Gelegenheit eingeräumt worden sei, seine Vorbrin-

gen glaubhaft darzutun. Soweit in der Beschwerde Übersetzungsfehler 

vermutet worden seien, werde darauf hingewiesen, dass das BzP-Protokoll 

dem Beschwerdeführer im Anschluss an die Befragung in seiner Sprache 

vorgelesen worden sei und er das besagte Protokoll mit seiner Unterschrift 

bestätigt habe. Es sei wenig wahrscheinlich, dass ein doppelter Überset-

zungsfehler – bei der Übersetzung und der Rückübersetzung – vorliege. 

Es lasse sich nicht überprüfen, wie die in der Rechtsmitteleingabe ange-

sprochenen (körperlichen) Verletzungen und die psychische Verfassung 

des Beschwerdeführers zustande gekommen seien. 

4.4 In der Replikeingabe vom 20. Dezember 2019 hielt der Beschwerde-

führer den Ausführungen des SEM entgegen, er sei bei der Anhörung na-

mentlich bei den Fragen 13 und 21 unterbrochen worden, obwohl seine 

Angaben asylrelevant gewesen seien. Gemäss Handbuch des SEM diene 

die Anhörung der Sicherstellung, dass der Asylsuchende detailliert und um-

fassend seine Asylgründe darlegen könne.  

 

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Seite 10 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteleingabe, er sei im 

Verlauf der einlässlichen Anhörung vom 16. Mai 2018 «laufend» durch Fra-

gen der befragenden Sachbearbeiterin unterbrochen worden, wodurch er 

am ausführlichen Bericht seiner Asylvorbringen gehindert worden sei. Zu-

dem könnte bei der Protokollierung der Angaben zum letzten Vorfall mit 

den Taliban ein Satz bei der BzP mit einem Übersetzungsfehler behaftet 

sein.  

Auf diese Rügen ist vorweg einzugehen.  

 

5.2 Eine Prüfung des Anhörungsprotokolls ergibt, dass der Beschwerde-

führer im Verlauf seines Sachverhaltsvortrages tatsächlich mehrmals von 

der Befragerin des SEM unterbrochen worden ist (vgl. B20, Fragen 13, 28, 

38, 49 und 88).  

Wie das SEM in seiner Vernehmlassung jedoch zutreffend festhielt, erfolg-

ten diese Unterbrechungen des Redeflusses des Beschwerdeführers je-

weils dann, als er Umstände, die für sein Asylverfahren nicht von Relevanz 

waren (vgl. Fragen 28 und 49), näher erläuterte respektive als er inhaltlich 

nicht auf die ihm gestellten Fragen einging (vgl. Fragen 13, 38 und 88). Bei 

Antwort 48 äusserte sich der Beschwerdeführer am Schluss seiner proto-

kollierten Antwort eingehend zu den Kosten einer (…), was für das Asylge-

such nicht von massgebender Bedeutung ist. Deshalb ist die Feststellung 

der Befragerin, sie müsse hierzu keine weiteren Angaben entgegenneh-

men, korrekt und der Unterbruch war auch sachlich geboten, damit der Be-

schwerdeführer nicht mit unerheblichen Ausführungen ausuferte. Als die 

Befragerin in Frage 28 dem Beschwerdeführer mitteilte, dass nur seine 

Asylgründe von Interesse seien, hielt er selbst fest «Sie haben Recht», 

weshalb davon auszugehen ist, dass ihm durch die Unterbrechung seines 

Redeflusses bewusst wurde, dass er auf Nebensächlichkeiten zu sprechen 

kam, die für die Beurteilung seines Asylgesuches nicht von Relevanz sind. 

5.3 Soweit der Beschwerdeführer die Vermutung äussert, «es könnte» 

beim BzP-Protokoll ein Übersetzungsfehler vorliegen (vgl. Beschwerde, 

S. 5 oben), lässt er es mit dieser blossen Behauptung ohne weiter spezifi-

zierende Erläuterungen bewenden. Das SEM hat hierzu im Rahmen des 

Schriftenwechsels zutreffenderweise darauf hingewiesen, dass es sehr un-

wahrscheinlich ist, dass in zweifacher Hinsicht – bei der ersten Protokollie-

rung respektive Übersetzung und bei der Rückübersetzung – die Angaben 

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Seite 11 

des Beschwerdeführers falsch übersetzt worden sind. In diesem Zusam-

menhang ist weiter festzuhalten, dass der Beschwerdeführer sowohl das 

BzP- als auch das einlässliche Anhörungsprotokoll als vollständig und sei-

nen Angaben entsprechend mit seiner Unterschrift bestätigt hat, weshalb 

er sich mit seinen schriftlich protokollierten Angaben behaften zu lassen 

hat.  

5.4 Nach dem Gesagten sind die Befragungstechnik und die Vorgehens-

weise der Befragerin bei der Anhörung nicht zu beanstanden. Sowohl das 

BzP- als auch das Anhörungsprotokoll durften und mussten vom SEM ohne 

Einschränkungen oder Vorbehalte bei der Beurteilung des vorliegenden 

Asylgesuchs herangezogen werden. Es bestehen keine konkreten Hin-

weise dafür, dass dem Beschwerdeführer nicht im gebotenen Umfang Ge-

legenheit eingeräumt worden wäre, seine Asylgründe einlässlich und voll-

ständig darzulegen. Die in der Beschwerde vorgetragenen Rügen erwei-

sen sich als unbehelflich und es besteht keine Veranlassung, die Sache an 

die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen.   

Im Nachfolgenden sind die Asylvorbringen des Beschwerdeführers materi-

ell zu beurteilen.  

6.  

6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

asylsuchenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, über-

wiegen oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um 

eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des 

wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Anga-

ben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuch-

steller beziehungsweise die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine 

Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-

bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 

2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

6.2 Die Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung, wonach die Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers diese Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

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Seite 12 

nicht erfüllen, sind zu bestätigen. Dabei fallen insbesondere die vom SEM 

bereits festgestellten Unstimmigkeiten innerhalb der Kernvorbringen des 

Beschwerdeführers – die angeblich insgesamt drei Begegnungen mit den 

Taliban – ins Gewicht.  

6.2.1 So schilderte der Beschwerdeführer den Vorfall, bei welchem er zehn 

Tage vor seiner Ausreise aus Afghanistan an einem Checkpoint der bewaff-

neten Taliban vorgefahren sei und einen Talib überfahren habe, unter-

schiedlich. Seinen Angaben bei der BzP zufolge habe er sich unmittelbar 

nach diesem Vorfall zum Polizeiposten begeben und habe das Ereignis 

angezeigt (vgl. Akte B8, Ziffer 7.02: «Direkt nach diesem Ort war eine 

Kurve. Ich bin dann weitergefahren bis zu einem Polizeiposten. Dort habe 

ich angekündigt, was passiert war, aber sie sagten, wir haben Verantwor-

tung für diesen Posten»). Bei der einlässlichen Anhörung trug er hingegen 

vor, er sei nach dem Überfahren des Talib weitergefahren und habe einen 

Checkpoint der Soldaten erreicht. Diesen habe er berichtet, dass die Tali-

ban einen Checkpoint erreichtet hätten, worauf die Soldaten ihm gesagt 

hätten, dass sie dort keinen Einfluss hätten, es sei nicht deren Gebiet» (vgl. 

B20, Antwort 47). Sowohl die konkrete Anlaufstelle, bei welcher er die 

Strassenkontrolle der Taliban angezeigt haben will, als auch seinen dies-

bezüglichen Wortwechsel mit den afghanischen Sicherheitskräften hat er 

nicht übereinstimmend dargelegt.  

6.2.2 Das SEM hat bereits bei der Anhörung die Frage aufgeworfen, wie 

der Beschwerdeführer als vorbeifahrender, sein Auto auf der Höhe des 

Checkpoints beschleunigender Fahrzeugführer von den die Strassenkon-

trolle durchführenden Taliban habe identifiziert werden können (vgl. B20, 

Fragen 70-73). Seine Angaben, er sei bei den Taliban bekannt gewesen 

und diese hätten über Fotos von ihm verfügt (vgl. Antwort 70), vermögen 

nicht zu überzeugen. Dasselbe gilt für seine Ausführungen, es könne sein, 

dass die Taliban bereits Informationen über ihn gehabt respektive diese 

weitergegeben hätten, und derjenige Talib, welcher die Fahrzeuge ange-

halten habe, habe die jeweiligen Fahrzeuginsassen genau angeschaut 

(vgl. Antwort 72). Auch seine zusätzliche Erklärung in Antwort 73, vielleicht 

seien die Taliban nicht nur hinter ihm her oder es gebe vielleicht andere 

Leute, die für die afghanische Regierung gearbeitet hätten, vermag nicht 

auf plausible Weise aufzuzeigen, wie es den Taliban gelungen sein soll, 

den Beschwerdeführer bei der Vorbeifahrt hinreichend sicher zu erkennen. 

In Übereinstimmung mit der Vorinstanz scheint dem Gericht nicht realis-

tisch, dass er bei dieser dritten Begegnung mit den Taliban persönlich 

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durch diese identifiziert worden ist und deshalb Verfolgungsmassnahmen 

zu befürchten hätte.  

6.2.3 Im Weiteren erscheint nicht nachvollziehbar, dass die – gemäss den 

Angaben des Beschwerdeführers – bewaffneten Taliban nicht versucht ha-

ben, ihn an seiner Weiterfahrt zu hindern, nachdem er einen Talib überfah-

ren haben soll. Weder bei der BzP noch bei der Anhörung trug der Be-

schwerdeführer vor, dass er von den Taliban bei seiner Weiterfahrt verfolgt 

worden wäre oder diese durch Schussabgabe oder auf andere Weise sein 

Entkommen zu verhindern versucht hätten.  

6.2.4 Der Beschwerdeführer begründet mit dieser dritten Begegnung mit 

den Taliban, die sich zehn Tage vor seiner Ausreise zugetragen haben soll, 

im Wesentlichen sein Verlassen des Heimatstaates im September 2015. 

Aufgrund der bisher dargelegten Unstimmigkeiten kommen bereits erste 

Zweifel am Wahrheitsgehalt seines Sachverhaltsvortrages auf.   

6.2.5 Hinzu kommt, dass die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner 

Tätigkeit für die Ausländer vage und inhaltlich widersprüchlich ausgefallen 

sind, obwohl er in diesen Tätigkeiten den ursprünglichen Grund für die Ver-

folgung durch die Taliban sah. In der BzP trug er vor, er habe als (…) Waren 

für die NATO transportiert und zuletzt als «normaler (…)» gearbeitet (vgl. 

A8, Ziffer 7.01). Bei der Anhörung schilderte er, wie er Waren für Ausländer 

respektive für die Amerikaner transportiert habe (vgl. B20, Antwort 7, 9 und 

14). Die NATO erwähnte er bei der Anhörung nicht, was von der Vorinstanz 

als Unglaubhaftigkeitselement gewürdigt wurde. Den Ausführungen in der 

Rechtsmitteleingabe, wonach die Warentransporte der NATO-Mission in 

Afghanistan durch die amerikanischen Streitkräfte wahrgenommen wür-

den, weshalb es keinen Widerspruch darstelle, wenn der Beschwerdefüh-

rer von der NATO respektive «den Amerikanern» spreche, trifft zwar zu und 

die diesbezügliche Erwägung des SEM ist entsprechend zu relativieren. Es 

bleibt aber insgesamt nicht nachvollziehbar, weshalb er einerseits die 

NATO nicht erwähnt, andererseits aber gleichzeitig die Firmen 

«I._______» und die unter ausländischem Vertrag arbeitende Firma 

«J._______», welche Waren für Ausländer transportiert habe, explizit ge-

nannt hat (vgl. B20, Antworten 15 und 39).  

Aufgrund dieser Ausführungen bestehen auch erhebliche Zweifel am Vor-

bringen, dass der Beschwerdeführer als (…) für eine internationale Orga-

nisation oder für ausländische Firmen tätig gewesen sein soll und dieses 

Engagement eine Verfolgung durch die Taliban ausgelöst haben soll.  

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Seite 14 

6.2.6 Diese Zweifel werden weiter bekräftigt durch den Umstand, dass er 

auch die Dauer seines angeblichen Arbeitseinsatzes für die ausländischen 

Kräfte in Afghanistan nicht übereinstimmend vortrug. In der Anhörung gab 

er dazu in Antwort 29 zu Protokoll, er habe seine diesbezügliche Tätigkeit 

eingestellt, nachdem er – bei seiner zweiten Begegnung mit den Taliban – 

am (…) verletzt worden sei; er sei danach nicht mehr zur betreffenden 

Firma zurückgekehrt. In Antwort 36 gab er an, die Taliban hätten ihn auf-

gefordert, nicht mehr für die Ausländer zu fahren; er habe aber trotzdem 

seine Arbeit fortgesetzt und sei als Fahrer für die unter ausländischem Ver-

trag arbeitende Firma «J._______» im Einsatz gewesen. Diese Schilde-

rungen stimmen inhaltlich nicht miteinander überein.   

6.3 Die festgestellten Unstimmigkeiten mögen jeweils isoliert betrachtet 

nicht die gesamten Vorbringen als gänzlich ausgeschlossen erscheinen 

lassen. In Kombination mit der bereits von der Vorinstanz festgestellten 

Substanzarmut in den Aussagen des Beschwerdeführers fallen sie aber 

dennoch ins Gewicht. Die festgestellten Widersprüche und die fehlende 

Substanziiertheit führen dazu, dass die vom Beschwerdeführer zu Proto-

koll gegebenen Ereignisse und die von ihm daraus abgeleitete Verfolgung 

durch die Taliban nicht als überwiegend wahrscheinlich dargetan einge-

schätzt werden können.  

6.4 In der Rechtsmitteleingabe wird nichts vorgetragen, was die  

vorinstanzliche Einschätzung des Sachverhaltsvortrags des Beschwerde-

führers in einem anderen Licht betrachten liesse. Nachdem dieser die ihm 

in Afghanistan drohende asylrelevante Verfolgungssituation mit drei Be-

gegnungen mit den Taliban begründet, wäre von ihm zu erwarten gewesen, 

dass er diese Ereignisse substanziierter und im Wesentlichen wider-

spruchsfrei hätte vortragen können.  

6.5 Auch das eingereichte fremdsprachige Beweismittel, in welchem ge-

mäss den Angaben des Beschwerdeführers seine Asylgründe bestätigt 

würden, vermag seinen Sachverhaltsvortrag nicht als überwiegend wahr-

scheinlich darzutun. 

6.5.1 Der Beschwerdeführer gab zum Inhalt dieses Dokuments an, meh-

rere Amtsträger (ein Vertreter des Provinzrates, ein Provinzverwalter und 

ein Senator) würden bestätigen, dass er von den Taliban überfallen und 

sein (…) dabei verletzt worden sei (vgl. B20, Antwort 7). Der bei der Anhö-

rung anwesende Dolmetscher hat den Inhalt des – nicht datierten – Be-

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weismittels übersetzt (B20, Antwort 7). Weder aus den Angaben des Be-

schwerdeführers noch aus der vorgenommenen Übersetzung geht schlüs-

sig hervor, wie die Verfasser zur Feststellung der im Dokument festgehal-

tenen Ereignisse gekommen sind. Es muss angenommen werden, dass 

die Verfasser bei den drei Begegnungen des Beschwerdeführers mit den 

Taliban ihrerseits nicht persönlich anwesend waren. Deshalb muss davon 

ausgegangen werden, dass der Inhalt des Dokumentes nicht auf den eige-

nen Wahrnehmungen der genannten Amtsträger, sondern vielmehr auf den 

persönlichen Angaben des Beschwerdeführers beruht. Das Dokument 

wurde zwar im Original eingereicht; es weist aber keinerlei Sicherheits-

merkmale auf, weshalb seine Authentizität vom Gericht nicht überprüft wer-

den kann. Hinzu kommt, dass entsprechende Beweismittel auch relativ 

leicht käuflich erhältlich sind.  

6.5.2 Nach dem Gesagten muss dem genannten Dokument die Beweis-

kraft abgesprochen werden. Es ist nicht geeignet, die Vorbringen des Be-

schwerdeführers schlüssig zu untermauern oder als überwiegend wahr-

scheinlich darzutun.   

6.6 Auch die eingereichten Unterlagen zum psychischen und physischen 

Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vermögen keine flüchtlings-

rechtlich relevante Verfolgungssituation zu untermauern. Aus den diesbe-

züglichen Berichten gehen zwar Hinweise hervor, dass der Beschwerde-

führer Wunden aufweist, die auf Schussverletzungen zurückgeführt wer-

den können. Zudem leidet er an einer PTBS, die vom Gericht nicht in Zwei-

fel gezogen wird.  

Wie das SEM in der Vernehmlassung jedoch bereits festhielt, lässt sich 

anhand der fachärztlichen Ausführungen nicht abschliessend überprüfen, 

wie die Krankheitsbilder entstanden sind. Die Angaben der Fachärzte zu 

den Ursachen der festgestellten Beeinträchtigungen basieren im Wesent-

lichen auf den Angaben des Beschwerdeführers, welche – wie oben bereits 

dargelegt – nicht glaubhaft ausgefallen sind. Die Arzt- und Klinikberichte 

sind deshalb insgesamt nicht geeignet, die körperlichen Beeinträchtigun-

gen und das psychische Krankheitsbild des Beschwerdeführers in einen 

asylbeachtlichen Zusammenhang zu stellen.  

6.7 Nach dem Gesagten vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers 

die Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG 

nicht zu erfüllen. Bei dieser Sachlage kann auf eine eingehende Prüfung 

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von deren Asylrelevanz verzichtet werden. Der Vollständigkeit halber ist in-

dessen Folgendes festzuhalten: 

Personen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen 

Gemeinschaft inklusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder 

als Unterstützer derselben wahrgenommen werden, sind aufgrund ihrer 

Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko durch die Taliban ausge-

setzt (vgl. statt vieler Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-5923/2018 

vom 17. August 2020 E. 8.2 und E-6048/2018 vom 19. Juni 2020 E. 7.2.2). 

Allein der Umstand, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat 

während eines gewissen Zeitraumes angeblich für ausländische Firmen 

als (…) oder als einfacher (…) gearbeitet haben soll, vermag die Flücht-

lingseigenschaft jedoch nicht zu begründen.  

Vielmehr wäre dafür erforderlich, dass sich diese abstrakte Gefährdung 

hinsichtlich des Beschwerdeführers individuell konkretisiert hätte (vgl. Ur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts E-857/2017 vom 4. März 2019 E. 6.7 

und D-7906/2015 vom 20. September 2016 E. 5.2.3). Dies ist zu verneinen, 

da die Schilderungen des Beschwerdeführers Unstimmigkeiten aufweisen 

und er darüber hinaus keine wegen seines Berufs als (…) resultierende 

persönliche Gefährdung nachweisen oder zumindest glaubhaft machen 

konnte. 

7.  

Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine 

flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu 

machen. Das SEM hat das Asylgesuch somit zu Recht abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1. Oktober 

2019 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

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Seite 17 

vorläufig aufgenommen hat, erübrigen sich Erwägungen zur Zulässigkeit, 

Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung. Festzuhalten 

bleibt, dass die physischen und psychischen Krankheitsbilder, soweit aus 

ihnen Wegweisungshindernisse abzuleiten wären, bereits durch die Anord-

nung der vorläufigen Aufnahme als mitberücksichtigt gelten.   

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem diesem 

mit Zwischenverfügung vom 3. Dezember 2019 die unentgeltliche Pro-

zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und aktuell nach 

wie vor von dessen prozessualer Bedürftigkeit auszugehen ist, ist auf die 

Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.  

11.2 In der genannten Instruktionsverfügung vom 3. Dezember 2019 

wurde lic. iur. Kathrin Stutz, ZBA, dem Beschwerdeführer als amtlicher 

Rechtsbeiständin beigeordnet; dabei wurde die Rechtsbeiständin darauf 

hingewiesen, dass sie gemäss den Entschädigungskonditionen des Bun-

desverwaltungsgerichts (Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für 

nicht-anwaltliche Rechtsvertretungen) entschädigt wird.  

Gemäss Schreiben der damals eingesetzten amtlichen Rechtsbeiständin 

hat diese die ZBA per Ende 2021 verlassen und hat sich damit einverstan-

den erklärt, dass die ihr zustehenden Entschädigungen für unentgeltliche 

Rechtsbeistandschaften an die ZBA auszurichten sind (vgl. Sachverhalt, 

Bst. J). Mit Instruktionsverfügung vom 23. Dezember 2021 wurde die 

Rechtsbeiständin von ihrem amtlichen Mandat entbunden. Für die Aufwen-

dungen im Beschwerdeverfahren ist dennoch ein amtliches Honorar aus-

zurichten. In der mit der Replikeingabe vom 20. Dezember 2019 einge-

reichten Kostennote werden ein Arbeitsaufwand von 7.5 Stunden sowie 

Auslagen von Fr. 40.– ausgewiesen, was angemessen erscheint. Seither 

ist kein weiterer Schriftenwechsel erfolgt.  

 

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Der bis am 23. Dezember 2021 eingesetzten Rechtsbeiständin ist zuhan-

den der ZBA eine amtliche Entschädigung von insgesamt Fr. 1'165.– (7.5 

Arbeitsstunden à Fr. 150.–, ausmachend Fr. 1’125.–, zuzüglich Auslagen 

von Fr. 40.–) aus der Gerichtskasse zu entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Es wird ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 1'165.– ausgerichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde 

 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Sandra Bodenmann 

 

 

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