# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 552926e1-8085-5dfa-a69d-d2f5278c6273
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-03-10
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2016 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2016
**Docket/Reference:** DB.2019.94
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-db.2019.94-1-st.2019.120-1588772965.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2019.94 
1 ST.2019.120 

Entscheid 

10. März 2020 

Mitwirkend: 

Abteilungsvizepräsident Michael Ochsner, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichte-
rin Barbara Collet und Gerichtsschreiberin Cécile Schmidlin 

1.  A,     
2.  B,      

vertreten durch C AG,   

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrenten,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Bau,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2016 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2016 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend der Pflichtige) war Alleininhaber der D AG sowie E AG, bei-

de mit Sitz in der Gemeinde F. Die D AG wies ein Aktienkapital von Fr. 200'000.- und 

die E AG ein solches von Fr. 100'000.- auf; beide Gesellschaften hatten einen Aktiven-

überschuss. Rückwirkend per ... 2016 wurde die E AG mit der D AG fusioniert. Zu die-

sem Zweck übernahm Letztere mit Fusionsvertrag vom ... 2016 und Bilanz per 31. De-

zember  2015  die  Aktiven  und  Passiven  (Fremdkapital)  der  E  AG.  Dabei  fand  weder 

eine Kapitalerhöhung noch eine Aktienzuteilung statt, stattdessen wurden dem Pflichti-

gen  Fr. 100'000.-  auf  seinem  Darlehenskonto  bei  der  D  AG  gutgeschrieben.  Gemäss 

Handelsregister nahm diese sodann per ... 2016 eine Kapitalherabsetzung vor, bei der 

sie das Aktienkapital von Fr. 200'000.- um Fr. 100'000.- auf Fr. 100'000.- herabsetzte; 

der Betrag wurde gemäss Handelsregister zurückbezahlt.  

Im Einschätzungsverfahren bezüglich der direkten Bundessteuer als auch der 

Staats- und Gemeindesteuern 2016 verlangte die Wertschriftenprüferin des kantonalen 

Steueramts vom Pflichtigen und seiner Ehefrau B (nachfolgend die Pflichtige) mit Auf-

lage vom 21. November 2017 den detaillierten Kaufvertrag bezüglich der von der D AG 

erworbenen Aktien. Die Pflichtigen reichten am 4. Dezember 2017 nur die Jahresrech-

nung 2015 der D AG ein.  

Mit  Einschätzungsvorschlägen  vom  25.  Februar  2019  stellte  der  Steuerkom-

missär in Aussicht, beim steuerbaren Einkommen jeweils eine im Rahmen der Fusion 

erfolgte verdeckte Gewinnausschüttung von Fr. 100'000.- aufzurechnen; sollte der Fu-

sionsgewinn  von  Fr.  100'000.-  über  die  Kapitaleinlagereserven  gebucht  worden  sein, 

sei dies nachzuweisen. Die Pflichtigen liessen darauf einen Prüfungsbericht bezüglich 

der Herabsetzung des Aktienkapitals der D AG einreichen, der die Deckung der Gläu-

bigerforderungen bei Herabsetzung des Aktienkapitals der D AG "von Fr. 300'000.- auf 

Fr. 100'000.-" bestätigte.  

Am  4.  März  2019  traf  der  Steuerkommissär  für  die  Steuerperiode  2016  fol-

gende Einschätzungen: 

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Direkte Bundessteuer 

Steuerbares Einkommen 

Staats- und Gemeindesteuern 

Steuerbares Einkommen  

Davon Ertrag aus qualifizierter Beteiligung  

Steuerbares Vermögen 

Fr.  

294'900.- 

342'000.- 

120'000.- 

832'000.-.  

Darin  hielt  er  an  der  Aufrechnung  einer  verdeckten  Dividende  von 

Fr. 100'000.- fest.  

B.  Hiergegen  liessen  die  Pflichtigen  am  19.  März  2019  Einsprache  erheben 

und beantragen, auf die Aufrechnung zu verzichten. Bei der Auszahlung habe es sich 

um die Rückzahlung des Nominalkapitals der E AG an den Pflichtigen als Alleinaktio-

när gehandelt. Hierzu sei das Aktienkapital der übernommenen Gesellschaft direkt auf 

das Aktionärsdarlehenskonto bei der übernehmenden Gesellschaft umgebucht worden.  

Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 29. Mai 2019 ab. Die Aus-

zahlung sei nicht aus der Kapitaleinlagereserve, sondern aus offenen Reserven erfolgt, 

weshalb sie als Gewinnausschüttung zu qualifizieren sei.  

C.  Mit  Beschwerde bzw.  Rekurs  vom  26.  Juni  2019 wiederholten  die Pflichti-

gen  den  Einspracheantrag  samt  Begründung.  Das  kantonale  Steueramt  schloss  am 

16. Juli  2019  auf  Abweisung  der  Rechtsmittel.  Die  Eidgenössische  Steuerverwaltung 

liess sich nicht vernehmen.  

Das Steuerrekursgericht zog die Einschätzungsakten 2016 der D AG bei.  

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Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. Der vorliegende Entscheid ist von grundsätzlicher Bedeutung, weshalb trotz 

des  geringen  Streitwerts  in  Dreierbesetzung  zu  entscheiden  ist  (§  114  Abs.  3  des 

Steuergesetzes vom 8. Juni 1997, StG).  

2.  Auf  dem  Darlehenskonto  des  Pflichtigen  erfolgten  2016  zwei  Gutschriften 

über Fr. 100'000.-, die zu unterscheiden sind:  

Am  ...  2016  beschloss  die  D  AG  gemäss  Handelsregister  eine  Kapitalherab-

setzung  um  Fr.  100'000.-.  Unstreitig  ist,  dass  die  daraus  folgende  Gutschrift  per 

... 2016 als Rückzahlung von Aktienkapital nicht steuerbar ist. Streitig ist einzig, ob die 

bereits  vorgängig  per  ...  2016  gutgeschriebenen  Fr. 100'000.-  als  Vermögensertrag 

steuerbar sind. 

3. a) aa) Steuerbar sind gemäss Art. 20 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über 

die direkte Bundessteuer vom 15. Dezember 1990 (DBG) die Erträge aus beweglichem 

Vermögen,  insbesondere  Dividenden,  Gewinnanteile,  Liquidationsüberschüsse  und 

geldwerte Vorteile aus Beteiligungen aller Art (einschliesslich Gratisaktien, Gratisnenn-

werterhöhungen u. dgl.). Die Rückzahlung von Einlagen, Aufgeldern und Zuschüssen, 

die  von  den  Inhabern  der  Beteiligungsrechte  nach  dem  31.  Dezember  1996  geleistet 

worden sind, wird gleich behandelt wie die Rückzahlung von Grund- oder Stammkapi-

tal  (Art.  20  Abs.  3  DBG,  in  der  Fassung  vom  23.  März  2007,  in  Kraft  seit  1.  Janu-

ar 2011). Das kantonale Recht enthält in § 20 Abs. 1 lit. c und Abs. 3 StG (Abs. 3 in der 

Fassung vom 5. Mai 2014, in Kraft seit 1. Januar 2015) eine gleichlautende Regelung, 

entsprechend der Vorgabe von Art. 7b des Bundesgesetzes über die Harmonisierung 

der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG), in 

der Fassung vom 23. März 2007, in Kraft seit 1. Januar 2009.  

Steuerbarer  Beteiligungsertrag  ist  jeder  geldwerte  Vorteil  aus  Beteiligungen, 

der  keine  Rückzahlung  von  Kapitalanteilen  darstellt.  Diesbezüglich galt  bei  Bund  und 

Kanton vor der Reform vom 23. März 2007 (Unternehmenssteuerreform II) jeweils das 

Nennwertprinzip (Nominalwertprinzip). Gemäss diesem  bildet jede geldwerte Leistung 

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steuerbaren  Ertrag  aus  beweglichem  Vermögen,  soweit  dadurch  nicht  die  Kapital-

schuld  getilgt  bzw.  die  einbezahlten  Kapitalanteile  zurückbezahlt  werden.  Für  die 

(steuerfreie)  Rückzahlung  von  Kapitalanteilen  wird  aber  eine  förmliche  Kapitalherab-

setzung (Art. 732 OR) oder Liquidation (Art. 739 OR) vorausgesetzt. Diese Konzeption 

wurde mit Einführung von Art. 20 Abs. 3 DBG bzw. Art. 7b StHG im Sinn eines Kapital-

einlageprinzips erweitert. Damit wurde sichergestellt, dass auch Kapitaleinlagen in die 

Reserven  bei  deren  Rückfluss  nicht  der  Einkommensbesteuerung unterliegen (Altdor-

fer/Streule,  Kommentar zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Bundesgesetz  über  die di-

rekte Bundessteuer, 3. A., 2017, Art. 20 N 159 ff. DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Handkommentar zum DBG, 3. A., 2016, Art. 20 N 105 ff. DBG).  

bb) Mit der Unternehmenssteuerreform II wurde auch Art. 5 Abs. 1bis des Ver-

rechnungsteuergesetzes vom 13. Oktober 1965 (in der Fassung vom 23. März 2007, in 

Kraft  seit  1.  Januar  2011)  angepasst.  Demnach  wird  die  Rückzahlung  von  Einlagen, 

Aufgeldern  und  Zuschüssen,  die  von  den  Inhabern  der  Beteiligungsrechte  nach  dem 

31. Dezember 1996 geleistet worden sind, gleich behandelt wie die Rückzahlung von 

Grund- oder Stammkapital, wenn die Einlagen, Aufgelder und Zuschüsse von der Kapi-

talgesellschaft oder Genossenschaft in der Handelsbilanz auf einem gesonderten Kon-

to ausgewiesen werden und die Gesellschaft jede Veränderung auf diesem Konto der 

Eidgenössischen Steuerverwaltung meldet.  

cc) Im Zug der Unternehmenssteuerreform II hat die Eidgenössischen Steuer-

verwaltung  das  Kreisschreiben  Nr.  29  Kapitaleinlageprinzip  vom  9.  Dezember  2010 

erlassen, welches mit Fassung Nr. 29a vom 9. September 2015 revidiert wurde (nach-

folgend  KS  29a).  Darin  wird  insbesondere  vorgeschrieben,  dass  zur  steuerneutralen 

Gutschrift  offener  Kapitaleinlagen  der  Beteiligungsinhaber  eine  Bilanzposition  "Reser-

ven  aus  Kapitaleinlagen"  zu  bilden  sei.  Diese  ist  dem  einbezahlten  Grund-  oder 

Stammkapital gleichgestellt (Ziff. 3.1 KS 29a). Rückzahlungen aus Reserven aus Kapi-

taleinlagen  unterliegen  weder  der  Einkommenssteuer  noch  der  Verrechnungssteuer 

(Ziff. 4.1. Abs. 8 KS 29a).  

Offene Kapitaleinlagen, die in der Handelsbilanz nicht gesondert ausgewiesen 

wurden, gelten gemäss Ziff. 3.2 KS 29a als übrige Reserven. Eine Umqualifikation von 

übrigen  Reserven  in  Reserven  aus  Kapitaleinlagen  ist  unzulässig  und  wird  steuerlich 

nicht anerkannt. Ausschüttungen von übrigen Reserven sind steuerbar (Ziff. 4.1 Abs. 3 

KS 29a).  

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Gemäss Ziff. 5.2.1 lit. a KS 29a stellt für die direkte Bundessteuer im Fall einer 

Fusion ein Fusionsagio nur in dem Umfang eine ausweisbare Reserve aus Kapitalein-

lage  dar,  als  es  aus  einbezahltem  Grund-  oder  Stammkapital  oder  aus  bestehenden 

Reserven aus Kapitaleinlage der übernommenen Gesellschaft stammt. Bei einer Fusi-

on erzielen beteiligte Privatpersonen in dem Umfang Vermögensertrag, als ihnen höhe-

rer Nennwert, Ausgleichszahlungen oder andere geldwerte Vorteile zu Lasten der übri-

gen Reserven zufliessen. Nennwertgewinne und -verluste sowie Gewinne und Verluste 

von Reserven aus Kapitaleinlagen können miteinander verrechnet werden. 

dd)  Kreisschreiben  der  ESTV  sind  Verwaltungsverordnungen,  die  für  die 

Steuerjustizbehörden  keine  verbindlichen  Rechtssätze  darstellen.  Dies  bedeutet  aber 

nicht,  dass  Verwaltungsverordnungen  oder  sonstige  Meinungsäusserungen  unerheb-

lich wären: Der Richter soll sie bei seinem Entscheid mitberücksichtigen, sofern sie ei-

ne dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren ge-

setzlichen  Bestimmungen  zulassen  (Michael  Beusch,  Kommentar  zum  Schweizeri-

schen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. A., 2017, Art. 102 

N 15 ff. DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, VB zu Art. 109 – 121 N 15 DBG).  

4. a) Im vorliegenden Fall entspricht die streitige Gutschrift dem Nennwert des 

Aktienkapitals der übernommenen Gesellschaft. Soweit die Gutschrift direkt eine Rück-

leistung  des  betreffenden  Aktienkapitals  darstellt,  ist  sie  nach  der  dargelegten  Rege-

lung in den Steuergesetzen ohne Weiteres steuerfrei.  

Diese  Voraussetzung  ist  offenkundig  erfüllt.  Dass  es  sich  um  eine  solche 

Rückzahlung handelt, ergibt sich klar aus der Verbuchung am ... 2016 auf den Konten 

...  "Durchlaufkonto  Fusion"  und  ...  "Darlehen  A".  Demnach  wurde  das  frühere  Aktien-

kapital  der  übernommenen  Gesellschaft  bei  buchhalterischem  Vollzug  der  Fusion  per 

... 2016 direkt auf das Darlehenskonto des Pflichtigen bei der übernehmenden Gesell-

schaft übertragen. Einen weiteren Hinweis ergib sich aus dem Handelsregisterauszug 

der E AG, gemäss welchem von den Passiven lediglich das Fremdkapital überging. 

An diesem  Schluss ändert  nichts,  dass  der  Prüfungsbericht  vom  ...  2016 be-

züglich  der  später  erfolgten  Herabsetzung  des  Aktienkapitals  samt  beigelegten  Bilan-

zen  nicht  korrekt  ist.  In  der  Übersicht  der  Bilanzen  vor/nach  der  Kapitalherabsetzung 

wurde  das  Aktienkapital  mit  Fr.  300'000.-  angegeben,  was  offenkundig  falsch  ist,  da 

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das Aktienkapital der D AG keine Erhöhung erfahren hat. Offenkundig wurde irrtümlich 

das Aktienkapital der untergegangenen E AG dem Aktienkapital der D AG hinzugezählt 

und danach eine Reduktion um Fr. 200'000.- vorgenommen. Mit Bezug auf das Aktien-

kapital der übernommenen E AG war indessen keine förmliche Herabsetzung des no-

minellen  Aktienkapitals mehr  erforderlich.  Die  dem  Prüfungsbericht  beigelegten  Bilan-

zen vor/nach AK-Erhöhung stellen indessen keine formellen Jahresabschlüsse dar. Die 

eigentlichen Konten, über die die Fusionsbuchungen erfolgten, geben, wie vorstehend 

aufgezeigt den Sachverhalt klar wieder. Die inkorrekte Vorgehensweise der D AG hat 

auf die vorliegend relevante Frage keinen Einfluss.  

b)  Die  Vorinstanz  wendet  dagegen  ein,  die  D  AG  habe  den  Nachweis  nicht 

erbracht, dass die Auszahlung aus einer Kapitaleinlagereserve gemäss Art. 5 Abs. 1bis 

VStG erfolgt sei. Offene Kapitaleinlagen, die in der Handelsbilanz nicht gesondert aus-

gewiesen  würden,  gälten  gemäss  Kreisschreiben  Nr.  29a  als  übrige  Reserven.  Eine 

Umqualifikation von übrigen Reserven in Reserven aus Kapitaleinlagen sei unzulässig 

und werde steuerlich nicht anerkannt.  

Mithin stösst sich die Vorinstanz einzig daran, dass die Verbuchung nicht über 

das  in  Art.  5  Abs.  1bis  VStG  erwähnte  "gesonderte  Konto",  namentlich  den  Reserven 

aus Kapitaleinlagen (Ziff. 3.1 des KS Nr. 29a), erfolgt war.  

aa)  Dem  ist  entgegen  zu  halten,  dass  es  sich  hier  nicht  um  Erträge  aus  be-

weglichem  Vermögen  wie  Dividenden,  Gewinnanteile,  Liquidationsüberschüsse  und 

geldwerte  Vorteile  aus  Beteiligungen  aller  Art  handelt,  sondern  um  die  Rückzahlung 

des  Aktienkapitals  der  durch  Fusion  übernommenen  Gesellschaft,  und  zwar  unmittel-

bar bei Vollzug der Fusion bzw. der damit einhergehenden Auflösung des Aktienkapi-

tals der E AG. Eine solche unmittelbare Rückzahlung von nominellem Kapital stellt kei-

ne  Rückzahlung  von  Einlagen,  Aufgeldern  und  Zuschüssen  dar  und fällt  deshalb  von 

vornherein  nicht  unter  den  Anwendungsbereich  von  Art.  20  Abs.  3  DBG  bzw.  Art.  5 

Abs. 1bis VStG.  

Die Natur der Kapitalrückzahlung ergibt sich – wie bereits erwähnt – unmittel-

bar aus der Art der Verbuchung auf den Konten ... "Durchlaufkonto Fusion" und Konto 

...  "Darlehen",  indem  bei  Einbuchung  der  Aktiven  und  Passiven  der  übernommenen 

Gesellschaft  ein  Betrag  entsprechend  dem  Aktienkapital  der  übernommenen  Gesell-

schaft  mit  gleichem  Datum  auf  das  Darlehenskonto  übertragen  wurde.  Daran  ändert 

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nichts, dass damit die Rückzahlung des Aktienkapitals durch die D AG erfolgte. Mit der 

Fusion gehen alle Aktiven und Passiven der übertragenden Gesellschaft von Gesetzes 

wegen auf die übernehmende Gesellschaft über (Art. 22 des Bundesgesetzes über Fu-

sion, Spaltung, Umwandlung und Vermögensübertragung vom 3. Oktober 2003). Die D 

AG  ist  Rechtsnachfolgerin  der  übernommenen  Gesellschaft,  und  der  Untergang  des 

Aktienkapitals  der  übernommenen  Gesellschaft  ist  deshalb  in  der  vorliegenden  Kons-

tellation nicht anders zu behandeln als eine Kapitalherabsetzung bei ihr selber.  

bb)  Selbst  wenn  aber  entsprechend  Art.  5  Abs.  1bis  VStG  eine  Verbuchung 

über ein gesondertes Konto erforderlich gewesen wäre, stellen sich die Fragen, ob es 

sich  dabei  tatsächlich  um  eine  unentbehrliche  Tatbestandsvoraussetzung  der  steuer-

freien Rückzahlung handelt, und ob diese für die Verrechnungsteuer aufgestellte Vor-

schrift auch für die direkten Steuern gilt.  

In der Lehre wird die Auffassung, es handle sich um eine unentbehrliche Vo-

raussetzung, abgelehnt. Zweck der Norm ist die Schaffung von Sachverhaltsgewissheit 

bzw.  die  Möglichkeit  des  Nachvollzugs  der  von  den  Inhabern  der  Beteiligungsrechte 

geleisteten Einlagen durch einen gesonderten Ausweis in der Handelsbilanz. Dass der 

gesonderte Ausweis aber ein kumulativ zu erfüllendes Tatbestandselement für die ver-

rechnungssteuerliche Gleichbehandlung der Einlagen mit dem Grund- und Stammkapi-

tal sein soll, wie dies in KS Nr. 29a festgehalten wird, lässt sich nicht schlüssig begrün-

den. Der Nachweis der privilegierten Kapitaleinlagen muss nach den allgemeinen ver-

fahrensrechtlichen  Regeln  auch  auf  andere  Weise  erbracht  werden  können  (Altdor-

fer/Greter, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuergesetz, Bundesgesetz über die 

Verrechnungssteuer,  2.  A.,  2012,  Art.  5  N  153  ff.,  mit  Hinweisen).  Dem  ist  zuzustim-

men.  

Hinzu  kommt,  dass  das  Recht  der  direkten  Steuern  keine  solche  strengen 

Vorschriften enthält. Bei der direkten Bundessteuer schreiben Art. 125 Abs. 3 DBG und 

§ 79 Abs. 1 StG einzig den Ausweis per Ende der Steuerperiode vor. Gemäss dieser 

Bestimmung  haben  Kapitalgesellschaften  und  Genossenschaften  das  ihrer  Veranla-

gung  zur  Gewinnsteuer  dienende  Eigenkapital  am  Ende  der  Steuerperiode  oder  der 

Steuerpflicht auszuweisen. Dieses besteht aus dem einbezahlten Grund- oder Stamm-

kapital,  den  in  der  Handelsbilanz  ausgewiesenen  Einlagen,  Aufgeldern  und  Zuschüs-

sen im Sinn von Art. 20 Abs. 3 DBG, den offenen und den aus versteuerten Gewinnen 

gebildeten stillen Reserven sowie aus jenem Teil des Fremdkapitals, dem wirtschaftlich 

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die  Bedeutung  von  Eigenkapital  zukommt.  Die  D  AG  hatte  unbestritten  weder  per 

31. Dezember 2015 noch per 31. Dezember 2016 solchen Reserven und musste damit 

steuerlich auch keine ausweisen.  

cc)  Anzufügen  ist,  dass  selbst  dann,  wenn  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  der 

separaten  Verbuchung  via  die  Reserven  aus  Kapitaleinlage  bestünde,  ohnehin  eine 

Bilanzberichtigung hätte vorgenommen werden müssen.  

Nach dem bundesrechtlich zwingenden Grundsatz der Massgeblichkeit ist die 

Handelsbilanz  für  die  Steuerbilanz  massgeblich,  wenn  und  soweit  sie  ordnungsge-

mäss,  nach  den  zwingenden  Vorschriften  des  Obligationenrechts  über  Buchführung 

und  Bilanz  der  Aktiengesellschaft  geführt  wird.  Massgeblich  ist  somit  die  handels-

rechtskonforme Bilanz. Daraus ergibt sich nach herrschender Lehre das Gebot der Bi-

lanzberichtigung: Verstösst die der Steuerbehörde eingereichte Jahresrechnung gegen 

Grundsätze ordnungsgemässer Bilanzierung, so ist sie (für Steuerzwecke) zu berichti-

gen. Die handelsrechtswidrigen Ansätze in der Bilanz sind durch handelsrechtskonfor-

me zu ersetzen (Markus Berger, Probleme der Bilanzberichtigung, ASA 70, 539, 540). 

Vor Eintritt der Rechtskraft einer Einschätzung kann eine eingereichte Bilanz durch ei-

ne neue ersetzt werden, sofern die Änderung handelsrechtlich zulässig und nachträg-

lich auch verbucht worden ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 58 N 50 DBG, und 

Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 64 N 137 StG). 

Art.  5  Abs.  1bis  VStG  spricht  von  einem gesonderten  Konto  in  der  Handelsbi-

lanz;  es  handelt  sich  somit  um  eine  Buchführungsvorschrift  (Altdorfer/Greter,  Art. 5 

N 153  VStG).  Vorliegend  kann  aufgrund  der  Akten  kein  Zweifel  bestehen,  dass  die 

Fr. 100'000.-  aus  dem  Aktienkapital  der  einfusionierten  Gesellschaft  stammten.  Sollte 

die Vorinstanz die Auffassung vertreten, solche Mittel fallen unter Art. 5 Abs. 1bis VStG, 

wäre  die  eingereichte  Handelsbilanz  nicht  ordnungsgemäss  und  hätte  berichtigt  wer-

den müssen.  

5.  Gestützt  auf  diese  Erwägungen  sind  die  Rechtsmittel  gutzuheissen.  Aus-

gangsgemäss sind die Kosten des Verfahrens der Beschwerdegegnerin bzw. dem Re-

kursgegner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG).  

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Demgemäss erkennt die Kammer: 

1. Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Beschwerdeführer  werden  für  die  direkte

Bundessteuer,  Steuerperiode  2016,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von

Fr. 234'900.- veranlagt (Art. 214 Abs. 2 DBG; Verheiratetentarif).

2. Der  Rekurs  wird  gutgeheissen.  Die  Rekurrenten  werden  für  die  Staats-  und  Ge-

meindesteuern,  Steuerperiode  2016,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von

Fr. 242'000.- (davon Ertrag aus qualifizierten Beteiligungen Fr. 20'000.-) und einem

steuerbaren  Vermögen  von  Fr.  832'000.-  eingeschätzt  (Tarif  gemäss  §  35  Abs. 2

bzw. § 47 Abs. 2 StG; Verheiratetentarif).

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