# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e55077e-6f9e-5021-abbd-b07c13878cd3
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-10-24
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 24.10.2012 RR.2012.97
**Docket/Reference:** RR.2012.97
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2012-97_2012-10-24

## Full Text

Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).

Entscheid vom 24. Oktober 2012 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud,  

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

   
 

Parteien 

  

A. AG, vertreten durch Rechtsanwalt Walter Wagner, 

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

STAATSANWALTSCHAFT DES KANTONS 

NIDWALDEN, 

Beschwerdegegnerin 

 

Gegenstand  Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frank-

reich 

 

Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2012.97 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Der Premier Juge d'instruction auprès du Tribunal de Grande Instance de 

Paris führt gegen B. sowie zahlreiche weitere Personen ein Strafverfahren 

wegen Urkundenfälschung, Betrugs, Veruntreuung, Geldwäscherei und ir-

reführender Werbung. In diesem Zusammenhang gelangte der französi-

sche Untersuchungsrichter mit Rechtshilfeersuchen vom 22. Juni 2010 an 

die Schweiz und ersuchte unter anderem um Bankermittlung bei der Bank 

C. in St. Gallen bezüglich sämtlicher Konten, welche auf die D. AG lauten 

bzw. an welchen die D. AG oder B. wirtschaftlich Berechtigte sind oder für 

welche die D. AG oder B. eine Vollmacht verfügen, für den Zeitraum ab 

1. Januar 2002 bis 22. Juni 2010 (Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 35 f.).  

 

B. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") bestimmte am 4. Au-

gust 2010 den Kanton Nidwalden als Leitkanton für die Erledigung aller 

Rechtshilfehandlungen betreffend das französische Rechtshilfebegehren 

(Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 1).  

 

C.  Mit Eintretensverfügung vom 6. September 2010 ersuchte das Verhöramt 

des Kantons Nidwalden (nachfolgend "Verhöramt") die Staatsanwaltschaft 

des Kantons St. Gallen unter anderem um Anordnung der Edition der 

Bankunterlagen bei der Bank C. in St. Gallen (Verfahrensakten Ordner 1 

Urk. 110). Die Staatsanwaltschaft St. Gallen erliess am 8. September 2010 

die entsprechende Editionsverfügung (Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 131). 

Am 20. September 2010 erging die Zwischenverfügung betreffend Konto-

sperre des Verhöramtes (Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 137). Die Bank C. 

teilte der Staatsanwaltschaft St. Gallen mit Schreiben vom 27. September 

2010 mit, die Nachforschungen hätten ergeben, dass B. unter anderem 

wirtschaftlich Berechtigter an den Konten der A. AG sei (Verfahrensakten 

Ordner 3 Urk. 1).  

 

D. Mit Schlussverfügung vom 26. März 2012 entsprach die Staatsanwaltschaft 

des Kantons Nidwalden dem Rechtshilfeersuchen und ordnete unter ande-

rem die Herausgabe der Bankunterlagen der Bank C. betreffend die Konten 

Nr. 1 und Nr. 2 lautend auf die A. AG an (act. 1.2).  

 

E. Gegen diese Verfügung lässt die A. AG bei der Beschwerdekammer des 

Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben mit den Anträgen, es sei die 

Schlussverfügung vom 26. März 2012 aufzuheben, und die Herausgabe 

der von der Vorinstanz bei der Bank C. heraus verlangten Dokumente an 

die rechtshilfeersuchende Behörde zu verweigern. Eventualiter sei die An-

gelegenheit an die Vorinstanz zur Durchführung einer Triage und zur Ge-

währung des rechtlichen Gehörs zurückzuweisen (act. 1 S. 2). Während die 

- 3 - 

 

 

Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme verzichtet (act. 6), beantragt 

das BJ in seiner Eingabe vom 29. Mai 2012, die Beschwerde sei abzuwei-

sen (act. 7). Die Beschwerdeführerin hält in der Replik vom 25. Juni 2012 

vollumfänglich an ihren in der Beschwerde gemachten Anträgen fest (act. 

10).  

 

 Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten 

wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.  

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. Für die akzessorische Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Frankreich 

sind in erster Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe 

in Strafsachen vom 20. April 1959 (EUeR; SR.0351.1), der zwischen dem 

Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Französischen Repu-

blik abgeschlossene Vertrag vom 28. Oktober 1996 zur Ergänzung des Eu-

er (SR.0.351.934.92) sowie die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Überein-

kommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von 

Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen, 

SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 – 62) massgebend. So-

weit das Staatsvertragsrecht bestimmte Fragen nicht abschliessend regelt, 

gelangt das schweizerische Landesrecht, namentlich das Bundesgesetz 

vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; 

SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale 

Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV; SR 351.11), zur Anwendung (vgl. Art. 1 

Abs. 1 IRSG). Das innerstaatliche Recht gilt nach dem Günstigkeitsprinzip 

auch dann, wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt 

(BGE 137 IV 22 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1). Vorbehalten 

bleibt die Wahrung der Menschenrechte (vgl. BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 

595 E. 7c S. 616 ff.). 

 

2. 

2.1 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer 

Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an 

deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG).  

 

Ein schutzwürdiges Interesse liegt nicht schon dann vor, wenn jemand ir-

gendeine Beziehung zum Streitobjekt zu haben behauptet. Vielmehr muss 

eine vom einschlägigen Bundesrecht erfasste "spezifische Beziehungsnä-

he" dargetan sein. Eine bloss mittelbare Betroffenheit genügt hingegen 

nicht (BGE 129 II 268 E. 2.3.3 S. 269; 128 II 211 E. 2.2 S. 216 f.; 127 II 104 

- 4 - 

 

 

E. 3 S. 107 ff., 198 E. 2d S. 205; 126 II 258 E. 2d S. 259; 125 II 356 

E. 3b/aa S. 361 f.; 123 II 153 E. 2b S. 156, je mit Hinweisen; TPF 2010 47 

E. 2.1 S. 48). Als persönlich und direkt betroffen (im Sinne von Art. 80h lit. 

b und Art. 21 Abs. 3 IRSG) wird im Falle der Erhebung von Konteninforma-

tionen der jeweilige Kontoinhaber angesehen (Art. 9a lit. a IRSV; BGE 118 

Ib 547 E. 1d; BGE 122 II 130 E. 2b; TPF 2007 79 E. 1.6). Für bloss indirekt 

Betroffene, insbesondere Personen, die zwar in den erhobenen Kontenun-

terlagen erwähnt werden, aber nicht direkt von Zwangsmassnahmen be-

troffen bzw. Inhaber der fraglichen Konten sind, ist die Beschwerdebefugnis 

grundsätzlich zu verneinen (BGE 129 II 268 E. 2.3.3 S. 269; 123 II 153 

E. 2b S. 157, 161 E. 1d S. 164, je mit Hinweisen; 122 II 130 E. 2b S. 132 

f.).  

 

Die Beschwerdeführerin ist Inhaberin der Konten Nr. 1 und Nr. 2 der Bank 

C. Diesbezüglich ist ihre Beschwerdelegitimation im Sinne der oben erläu-

terten Bestimmungen gegeben, weshalb in diesem Umfang auf ihre Be-

schwerde einzutreten ist. Darüber hinaus ist auf die Beschwerde nicht ein-

zutreten, da die weiteren angefochtenen Rechtshilfemassnahmen Konto-

beziehungen betreffen, die nicht auf sie lauten. 

 

2.2 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Schlussverfügung 

der ausführenden kantonalen Behörde in internationalen Rechtshilfeange-

legenheiten, gegen welche innert 30 Tagen ab der schriftlichen Mitteilung 

bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt 

werden kann (Art. 80e Abs. 1 i.V.m. Art. 80k IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a 

Ziff. 1 StBOG; Art. 19 Abs. 2 des Organisationsreglements für das Bundes-

strafgericht vom 31. August 2010, SR 173.713.161).  

 

Die Schlussverfügung vom 26. März 2012 ist mit Beschwerde vom 

26. April 2012 fristgerecht angefochten worden.  

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich 

mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren der 

Rechtshilfe allenfalls entgegenstehenden Gründen zu forschen, die aus der 

Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 123 II 134 E. 1d S. 136 f.; 122 II 367 

E. 2d S. 372, mit Hinweisen). Ebenso wenig muss sich die urteilende In-

stanz nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit allen Parteistand-

punkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen aus-

drücklich widerlegen. Sie kann sich auf die für ihren Entscheid wesentli-

chen Punkte beschränken, und es genügt, wenn die Behörde wenigstens 

kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess und auf wel-

- 5 - 

 

 

che sich ihr Entscheid stützt (Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 

16. Juli 2004, E. 5.2, mit weiteren Hinweisen). 

 

4. 

4.1 Die Beschwerdeführerin moniert zunächst, dass der Sachverhalt im 

Rechtshilfeersuchen verworren dargestellt sei. Es sei nicht möglich, den 

Sachverhalt unter das Schweizerische Recht zu subsumieren, sodass kei-

ne Schlussfolgerungen in Bezug auf die doppelte Strafbarkeit gemacht 

werden könnten (act. 1 S. 7 f.; act. 10 S. 2 f.). 

 

4.2 In formeller Hinsicht muss das Rechtshilfeersuchen insbesondere Angaben 

über den Gegenstand und den Grund des Ersuchens enthalten (Art. 14 

Ziff. 1 lit. b EUeR). Ausserdem muss das Ersuchen namentlich bei Heraus-

gabe von Beweismitteln wie in casu die strafbare Handlung bezeichnen 

und eine kurze Darstellung des Sachverhalts enthalten (Art. 14 Ziff. 2 i.V.m. 

Art. 3 Ziff. 1 EUeR). Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG i.V.m. Art. 10 IRSV stellen 

entsprechende Anforderungen an das Rechtshilfeersuchen. Diese Anga-

ben müssen der ersuchten Behörde die Prüfung erlauben, ob die doppelte 

Strafbarkeit gegeben ist (vgl. Art. 5 Ziff. 1 lit. a   EUeR), ob die Handlungen, 

wegen denen um Rechtshilfe ersucht wird, nicht politische oder fiskalische 

Delikte darstellen (Art. 2 lit. a EUeR) und ob der Grundsatz der Verhältnis-

mässigkeit gewahrt wird (BGE 129 II 97 E. 3.1 S. 98 f. m.w.H.).  

 

Die Rechtsprechung stellt an die Schilderung des Sachverhalts im Rechts-

hilfeersuchen keine hohen Anforderungen. Von den Behörden des ersu-

chenden Staates kann nicht verlangt werden, dass sie den Sachverhalt, der 

Gegenstand des hängigen Strafverfahrens bildet, bereits lückenlos und völ-

lig widerspruchsfrei darstellen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck des 

Rechtshilfeverfahrens nicht vereinbar, ersucht doch ein Staat einen ande-

ren gerade deswegen um Unterstützung, damit er die bisher im Dunkeln 

gebliebenen Punkte aufgrund von Beweismitteln, die sich im ersuchten 

Staat befinden, klären kann. Es reicht daher aus, wenn die Angaben im 

Rechtshilfeersuchen den schweizerischen Behörden ermöglichen zu prü-

fen, ob ausreichend konkrete Verdachtsgründe für eine rechtshilfefähige 

Straftat vorliegen, ob Verweigerungsgründe gegeben sind bzw. in welchem 

Umfang dem Begehren allenfalls entsprochen werden muss. Es kann auch 

nicht verlangt werden, dass die ersuchende Behörde die Tatvorwürfe be-

reits abschliessend mit Beweisen belegt. Der Rechtshilferichter hat weder 

Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweis-

würdigung vorzunehmen, sondern ist vielmehr an die Sachdarstellung im 

Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken 

oder Widersprüche sofort entkräftet wird (BGE 133 IV 76 E. 2.2 S. 79; 132 

- 6 - 

 

 

II 81 E. 2.1 S. 85; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2009.39 vom 

22. September 2009, E. 8.1; RR.2008.158 vom 20. November 2008, E. 5.3, 

je m.w.H). 

4.3 Die Vertragsparteien des EUeR können sich das Recht vorbehalten, die Er-

ledigung von Rechtshilfeersuchen um Durchsuchung oder Beschlagnahme 

von Gegenständen der Bedingung zu unterwerfen, dass die dem Ersuchen 

zugrunde liegende strafbare Handlung sowohl nach dem Recht des ersu-

chenden als auch nach dem des ersuchten Staates strafbar ist (Art. 5 Ziff. 1 

lit. a EUeR). Die Schweiz hat für den Vollzug von Rechtshilfeersuchen, mit 

welchen Zwangsmassnahmen beantragt werden, einen entsprechenden 

Vorbehalt angebracht. Art. 64 Abs. 1 IRSG bestimmt für die akzessorische 

Rechtshilfe, dass prozessuale Zwangsmassnahmen nur angewendet wer-

den dürfen, wenn aus der Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen hervorgeht, 

dass die im Ausland verfolgte Handlung die objektiven Merkmale eines 

nach schweizerischem Recht strafbaren Tatbestandes aufweist.  

Für die Frage der beidseitigen Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist 

der im Rechtshilfeersuchen dargelegte Sachverhalt so zu subsumieren, wie 

wenn die Schweiz wegen des analogen Sachverhalts ein Strafverfahren 

eingeleitet hätte (BGE 132 II 81 E. 2.7.2 S. 90; 129 II 462 E. 4.4 S. 465). Zu 

prüfen ist mithin, ob der im Ausland verübte inkriminierte Sachverhalt, so-

fern er – analog – in der Schweiz begangen worden wäre, die Tatbe-

standsmerkmale einer schweizerischen Strafnorm erfüllen würde. Die 

Strafnormen brauchen nach den Rechtssystemen der Schweiz und des er-

suchenden Staates nicht identisch zu sein (Urteil des Bundesgerichts 

1A.125/2006 vom 10. August 2006, E. 2.1 m.w.H.). Dabei genügt es, wenn 

der im Rechtshilfeersuchen geschilderte Sachverhalt unter einen einzigen 

Straftatbestand des schweizerischen Rechts subsumiert werden kann. Es 

braucht dann nicht weiter geprüft zu werden, ob darüber hinaus auch noch 

weitere Tatbestände erfüllt sein könnten (BGE 129 II 462 E. 4.6 S. 466). 

Ebenfalls nicht erforderlich ist, dass dem von der Rechtshilfemassnahme 

Betroffenen im ausländischen Strafverfahren selbst ein strafbares Verhal-

ten zur Last gelegt wird (Urteil des Bundesgerichts 1A.245/2006 vom 

26. Januar 2007, E. 3). 

Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob der Sachverhalt im Rechtshilfeersu-

chen genügend konkret dargestellt worden ist, damit eine Subsumtion unter 

einen schweizerischen Straftatbestand möglich ist.  

 

4.4 Im französischen Rechtshilfeersuchen vom 22. Juni 2010 wird zum strafba-

ren Verhalten im Wesentlichen Folgendes ausgeführt: Im Juni 2005 habe 

die "E." Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Fälschung erhoben. Dies, 

- 7 - 

 

 

weil im Februar 2005 an einen Beamten einer öffentlich-rechtlichen Körper-

schaft von einer gewissen "F.", die sich als Hellseherin präsentiert habe, 

eine Werbeschrift zugestellt worden sei. Darin sei dem Beamten eine 

Überweisung von EUR 30'000.-- seitens einer "E. des prix" zu seinen 

Gunsten angezeigt worden. Gleichzeitig sei er zu einer Überweisung von 

EUR 15 aufgefordert worden, um einen Glücksbringer zu erhalten. Im 

Rahmen des Ermittlungsverfahrens habe festgestellt werden können, dass 

zahlreiche weitere Personen dasselbe Werbeschreiben erhalten hätten, 

wobei die Antworten ("les réponses") an ein Postfach in Österreich hätten 

gesendet werden sollen. Es habe sich gezeigt, dass zahlreiche Mailings mit 

unterschiedlichen Inhalten unter der Verwendung des Namens "F." ver-

schickt worden seien mit dem Ziel, von den Empfängern Geldzahlungen in 

der Hoffnung auf beträchtliche Gewinne zu erhalten. Es  seien ferner An-

rufautomaten eingesetzt worden, um bei den betroffenen Personen den 

Glauben zu erwecken, einen Anruf von "F." erhalten zu haben. Die esoteri-

schen Werbekampagnen "F." würden zu einem grösseren Netz gehören, 

das sich bis nach Amerika und Holland erstrecken würde. Die Tätigkeit ha-

be sich als lukrativ erwiesen. Die von Privatpersonen eingeschickten 

Schecks seien auf einem Konto der schweizerischen Firma D. AG bei der 

französischen Bank G. eingelöst worden. Die Einzahlungen auf dieses Kon-

to hätten sich monatlich auf EUR 500'000.-- bis 800'000.-- belaufen (Ver-

fahrensakten Urk. 7 ff.). 

 

4.5. 

4.5.1 Gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB macht sich der Urkundenfälschung schuldig, 

wer in der Absicht, jemanden am Vermögen zu schädigen oder einem an-

dern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, eine Urkunde fälscht 

oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines 

andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich 

erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt. Die Tat-

bestände des Urkundenstrafrechts schützen das Vertrauen, welches im 

Rechtsverkehr einer Urkunde als einem Beweismittel entgegengebracht 

wird. Mittel zum Beweis kann nur sein, was generell geeignet ist, Beweis zu 

erbringen (BGE 124 IV 61 E. 5.a; Urteil des Bundesgerichts 6B.624/2007 

vom 14. November 2007, E. 4.1). Als Urkunden gelten deshalb unter an-

dern nur Schriften, die bestimmt und geeignet sind, eine Tatsache von 

rechtlicher Bedeutung zu beweisen (Art. 110 Ziff. 5 Abs. 1 StGB). Die Ur-

kundenfälschung im engeren Sinn erfasst das Herstellen einer unechten 

Urkunden, deren wirklicher Aussteller mit dem aus ihr ersichtlichen Urheber 

nicht identisch ist. Demgegenüber betrifft die Falschbeurkundung die Er-

richtung einer echten, aber unwahren Urkunde, bei der also der wirkliche 

und der in der Urkunde enthaltene Sacherhalt nicht übereinstimmen (statt 

- 8 - 

 

 

vieler: ULRICH WEDER, Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 

Andreas Donatsch [Hrsg.], Zürich 2009, N8 zu Art. 251 StGB). Nach der 

Rechtsprechung ist das Vertrauen darin, dass eine Urkunde nicht verfälscht 

wird, grösser als das Vertrauen darauf, dass jemand in schriftlicher Form 

nicht lügt. Sie stellt daher an die Beweisbestimmung und Beweiseignung 

einer Urkunde bei der Falschbeurkundung hohe Anforderungen und wen-

det Art. 251 StGB restriktiv an. Die Falschbeurkundung erfordert demnach 

eine qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche liegt nur vor, wenn der Ur-

kunde eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt und der Adressat ihr auf-

grund dessen ein besonderes Vertrauen entgegenbringt. Dies ist der Fall, 

wenn allgemein gültige objektive Garantien die Wahrheit der Erklärung ge-

genüber Dritten gewährleisten, wie sie unter anderem in der Prüfungspflicht 

einer Urkundsperson oder in gesetzlichen Bestimmungen über die ord-

nungsgemässe Rechungslegung und in den Bilanzvorschriften vorkommen, 

die gerade den Inhalt dieser Schriftstücke näher festlegen (Urteil des Bun-

desgerichts 6B.624/2007 vom 14. November 2007, E. 4.1). 

 

 Dem im Rechtshilfeersuchen ausgeführten Sachverhalt ist nicht zu ent-

nehmen, dass mit dem Werbeschreiben oder den "Mailings" über die Identi-

tät der Ausstellerin hätte getäuscht werden sollen, sodass der Tatbestand 

der Urkundenfälschung im engeren Sinne ausscheidet. Fraglich ist, ob das 

geschilderte Verhalten unter den Tatbestand der Falschbeurkundung sub-

sumiert werden kann. Entscheidend hierfür ist, ob der Werbeschrift und den 

"Mailings" erhöhte Glaubwürdigkeit im Sinne der zitierten Rechtsprechung 

zukommt. Die Sachverhaltsschilderung lässt die Annahme einer erhöhten 

Glaubwürdigkeit nicht zu, sodass eine Qualifikation der Werbeschrift bzw. 

der "Mailings" als Urkunde im Sinne von Art. 110 Ziff. 5 StGB nicht in Be-

tracht kommt. Eine Subsumtion des Sachverhalts unter den Tatbestand der 

Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB scheidet somit aus.  

 

4.5.2 Der im Rechtshilfeersuchen geschilderte Sachverhalt lässt sich auch nicht 

unter einen anderen Straftatbestand des Schweizerischen Strafrechts sub-

sumieren. Insbesondere entfällt eine Subsumierung unter den Straftatbe-

stand des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, da dem Rechtshilfe-

ersuchen nicht zu entnehmen ist, auf welche Art und Weise die unbekannte 

Täterschaft die Opfer arglistig getäuscht haben sollen. Arglistig ist ein Ver-

halten dann, wenn sich der Täter besonderer Machenschaften bedient oder 

ein ganzes Lügengebäude aufbaut. Arglist kann zwar auch bei einfachen 

Lügen gegeben sein, nämlich dann, wenn deren Überprüfung nicht oder 

nur mit besonderer Mühe möglich oder zumutbar ist, sowie dann, wenn der 

Täter den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder nach 

den gegebenen Umständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der 

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Angaben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen 

werde (BGE 126 IV 1165 E. 2a; 125 IV 124 E. 3; 122 IV 246 E. 3a je 

m.w.H.). Ob der Einsatz eines Anrufbeantworters zwecks Vorspiegeln eines 

Anrufes von "F." als besondere Machenschaft zu qualifizieren ist, lässt sich 

aufgrund des Sachverhalts nicht schlüssig beurteilen, kann aber auch offen 

bleiben. Denn Arglist scheidet nämlich in jedem Falle aus, wenn die Anga-

ben in zumutbarer Weise überprüfbar gewesen wären und schon die Auf-

deckung einer einzigen Lüge zur Enthüllung des ganzen Schwindels ge-

nügt hätte (sog. Opfermitverantwortung). Gerade bei Geschäften, die ohne 

persönliche Kontakte stattfinden und die mittels einer Werbung angeprie-

sen werden, ist besondere Vorsicht geboten. Auch der Umstand, dass sich 

vorliegend die Ausstellerin der Werbeschrift als eine Hellseherin namens 

"F." ausgegeben hat, hätte die Opfer stutzig machen müssen. Im Übrigen 

handelt es sich bei der "E." um eine der bedeutendsten öffentlich-

rechtlichen Anstalten Frankreichs, die sich vor allem mit der Finanzierung 

öffentlich-rechtlicher Körperschaften beschäftigt. Die "E." führt weder Kon-

ten für Privatpersonen noch organisiert sie Wettbewerbe. Zumindest einem 

französischen Beamten hätte dieser Umstand bekannt gewesen sein müs-

sen. Es kommt hinzu, dass auf den Werbeschreiben von einer "E. des prix" 

die Rede ist, was ein weiterer Punkt ist, der bei den Geschädigten zu Zwei-

feln an der Wahrheit der Angaben hätte führen müssen. Eine Überprüfung 

der Angaben auf ihre Richtigkeit wäre jedenfalls ohne weiteres möglich und 

zumutbar gewesen. Ferner sind Geschäfte, bei der die Gegenseite anonym 

ist, gerade nicht dazu geeignet, eine für die Annahme eines Vertrauensver-

hältnisses notwendige Vertrauensbasis zu schaffen. Deshalb kann vorlie-

gend auch nicht davon ausgegangen werden, die Täterschaft hätte voraus-

gesehen, dass die Geschädigten die Überprüfung der Angaben unterlassen 

würden, zumal aus der Sachverhaltsdarstellung nicht hervorgeht, dass zwi-

schen den Geschädigten und der Täterschaft in der Vergangenheit bereits 

Kontakte bestanden hätten. Schliesslich fehlt es an Hinweisen dafür, dass 

die Täterschaft die Geschädigten von einer Überprüfung abgehalten hätte. 

Ob das konkrete Auftreten der Täterschaft und die jeweiligen Werbeschrif-

ten eine andere Schlussfolgerung nahelegen, kann aufgrund der rudimen-

tären Sachverhaltsschilderung nicht beurteilt werden. Aufgrund der vorlie-

genden Sachverhaltsdarstellung lässt sich das Tatbestandsmerkmal der 

Arglist nicht bejahen, weshalb eine Subsumtion des Sachverhaltes unter 

den Tatbestand des Betrugs nach Art. 146 Abs. 1 StGB ausscheidet.  

 

 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin entfällt sodann von vorn-

herein eine Subsumierung des Sachverhalts unter den Tatbestand der Ver-

untreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB, da keinerlei Anhaltspunkte 

dafür bestehen, die Geschädigten hätten der Täterschaft Vermögenswerte 

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oder fremde bewegliche Sachen anvertraut. Was die Subsumierung des 

Sachverhalts unter einen Tatbestand des Bundesgesetzes über den unlau-

teren Wettbewerb anbelangt (UWG), könnte allenfalls Art. 3 lit. b UWG in 

Betracht gezogen werden. Danach handelt unter anderem unlauter, wer 

über sich und seine Leistungen unrichtige oder irreführende Angaben 

macht.  Allerdings müssen die Angaben objektiv zur Täuschung bzw. Irre-

führung geeignet sein. Die Gefahr der Täuschung bzw. Irreführung genügt. 

Massgebend dafür, ob von einer solchen ausgegangen werden kann, ist 

das objektive Verständnis der angesprochenen Verkehrskreise unter 

Zugrundelegung durchschnittlicher Erfahrung, Sachkunde und Aufmerk-

samkeit (BGE 136 III 23 E. 9.1, m.w.H.). Die spärlichen Sachverhaltsschil-

derungen lassen auch hier keine Beurteilung zu, ob die Werbeschriften ob-

jektiv geeignet waren, bei den Opfern eine Täuschung oder Irreführung 

hervorzurufen. Eine Subsumtion des Sachverhalts unter Art. 3 lit.  b UWG 

scheidet daher aus. Aus dem Gesagten folgt, dass damit auch die Wahr-

scheinlichkeit des Vorliegens einer Vortat zur Geldwäscherei im Sinne von 

Art. 305
bis

 StGB nicht dargetan ist, weshalb auch eine Subsumierung unter 

den letztgenannten Tatbestand entfällt.  

 

 Dies führt dazu, dass das Erfordernis der doppelten Strafbarkeit vorliegend 

nicht gegeben ist, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist und Ziffer 2 

der Schlussverfügung vom 26. März 2012 in Bezug auf die Herausgabe der 

Bankunterlagen der bei der Bank C. liegenden Konten Nr. 1 und Nr. 2, lau-

tend auf die Beschwerdeführerin, aufzuheben. 

 

 Damit erübrigt sich die Prüfung aller weiteren von der Beschwerdeführerin 

vorgebrachten Punkte. 

 

5.   Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdegegnerin die Be-

schwerdeführerin im Umfang des Obsiegens für die ihr erwachsenen not-

wendigen und verhältnismässigen Parteikosten zu entschädigen (Art. 64 

Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Dabei erscheint eine 

Entschädigung von Fr. 1'500.-- inkl. MwSt. als angemessen (Art. 10, 11 und 

12 Abs. 2 des Reglementes des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 

über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren 

[BStKR; SR 173.713.162]). Soweit auf die Beschwerde nicht einzutreten ist, 

ist der Beschwerdeführerin die Gerichtsgebühr aufzuerlegen. Für die Be-

rechnung der Gerichtsgebühr gelangt das BStKR zur Anwendung (Art. 53 

Abs. 2 lit. a, Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 65 Abs. 5 VwVG sowie Art. 22 Abs. 3 

BStKR). Es rechtfertigt sich, die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-- festzusetzen 

und der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, unter Anrechnung des entspre-

chenden Betrags am geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- (Art. 5 

- 11 - 

 

 

und 8 Abs. 3 lit. a BStKR). Die Bundesstrafgerichtskasse ist anzuweisen, 

der Beschwerdeführerin den Restbetrag von Fr. 2'500.-- zurückzuerstatten.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

- 12 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. Dispositiv Ziffer 2 der Schlussverfügung vom 26. März 2012 wird im Sinne 

der Erwägungen aufgehoben. 

 

3. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin im Umfang ihres Ob-

siegens für das Verfahren vor dem Bundesstrafgericht mit Fr. 1'500.-- inkl. 

MwSt. zu entschädigen. 

 

4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt, un-

ter Anrechnung des entsprechenden Betrags am geleisteten Kostenvor-

schuss von Fr. 3'000.--. Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewiesen, der 

Beschwerdeführerin den Restbetrag von Fr. 2'500.-- zurückzuerstatten.   

 

 

Bellinzona, 24. Oktober 2012 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Walter Wagner 

- Staatsanwaltschaft des Kantons Nidwalden 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 

- 13 - 

 

 

BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).