# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a2d592f1-baba-5704-a4ae-fd42b35a1c05
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-09-05
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 05.09.2018 SK.2018.13
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2018-13_2018-09-05.pdf

## Full Text

Urteil vom 5. September 2018 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Martin Stupf, Vorsitz, 

Stefan Heimgartner und Andrea Blum, Ersatzrichterin  

Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch  

a.i. Staatsanwältin des Bundes Simone Burger,  

 

und 

 

als Privatklägerschaft: 

 

1. C. AG,  

 

2. D. Verkehrsbetriebe,  

 

3. E.,  

 

4. F.,  

 

5. G.,  

 

6. H.,  

vertreten durch Rechtsanwalt Peter Sutter,  

 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer: SK.2018.13 

- 2 - 

 
gegen 

  
1. A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Andreas 

Fäh, 

  

2. B., amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Eve-

lyne Angehrn,  

 

Gegenstand  
Einfache Körperverletzung, mehrfache einfache Kör-

perverletzung, mehrfache Sachbeschädigung,  

Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in 

verbrecherischer Absicht, mehrfaches Herstellen, 

Verbergen, Weiterschaffen von Sprengstoffen und 

giftigen Gasen, Störung des öffentlichen Verkehrs, 

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte,  

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz 

- 3 - 

(alle Anträge redaktionell sinngemäss) 

 

Anträge der Bundesanwaltschaft (TPF pag. 6.925.21 f.): 

I. A. 

1. A. sei freizusprechen vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 

StGB). 

2. A. sei schuldig zu sprechen: 

– der mehrfachen Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB); 

– der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht 

(Art. 224 Abs. 1 StGB); 

– des mehrfachen sich Verschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen 

(Art. 226 Abs. 2 StGB); 

– der Störung des öffentlichen Verkehrs (Art. 237 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). 

3. A. sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 4 Monaten. Davon 

seien 8 Monate zu vollziehen und 20 Monate aufzuschieben, unter Ansetzung einer 

Probezeit von 3 Jahren. Die ausgestandene Untersuchungshaft von 12 Tagen sei 

anzurechnen. 

4. A. sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 30.--, entspre-

chend Fr. 1‘800.--. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung 

einer Probezeit von 3 Jahren. 

5. Die Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 18‘880.--, ohne die vom Gericht festzule-

genden Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, seien je zur Hälfte unter solidari-

scher Haftung A. und B. aufzuerlegen. 

6. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Fäh, sei aus der Gerichtskasse für 

seine Aufwendungen zu entschädigen. A. sei im Falle einer Verurteilung zu ver-

pflichten, diese Kosten dem Bund vollumfänglich zurückzuerstatten.  

7. Es sei der Kanton St. Gallen als Vollzugskanton zu bestimmen. 

II. B. 

1. B. sei schuldig zu sprechen: 

– der mehrfachen einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB); 

- 4 - 

– der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht 

(Art. 224 Abs. 1 StGB); 

– der Störung des öffentlichen Verkehrs (Art. 237 Ziff. 1 Abs. 2 StGB); 

– der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB); 

– der Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 4 

Abs. 1 Bst. f und Art. 11 Abs. 1 WG); 

– der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19a Ziff. 1 BetmG). 

2. B. sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 2 Monaten. Davon 

seien 6 Monate zu vollziehen und 20 Monate aufzuschieben, unter Ansetzung einer 

Probezeit von 3 Jahren. Die ausgestandene Untersuchungshaft von 23 Tagen sei 

anzurechnen. 

3. B. sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 90.--, entspre-

chend Fr. 5‘400.--. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung 

einer Probezeit von 3 Jahren. 

4. B. sei mit einer Übertretungsbusse in der Höhe von Fr. 100.-- zu bestrafen, bei 

schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 1 Tag.  

5. Die folgenden bei B. sichergestellten Gegenstände seien nach Rechtskraft des Ur-

teils einzuziehen und zu vernichten: 

– 1 Säcklein Marihuana (Ass-Nr. 5), 

– 1 Plastikkübel Hanfblätter (Ass-Nr. 6), 

– 1 Sack Hanfblätter (Ass-Nr. 7). 

6. Die Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 18‘880.--, ohne die vom Gericht festzule-

genden Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, seien je zur Hälfte unter solidari-

scher Haftung A. und B. aufzuerlegen. 

7. Die amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin Evelyne Angehrn, sei aus der Gerichts-

kasse für ihre Aufwendungen zu entschädigen. B. sei im Falle einer Verurteilung zu 

verpflichten, diese Kosten dem Bund vollumfänglich zurückzuerstatten.  

8. Es sei der Kanton St. Gallen als Vollzugskanton zu bestimmen. 

 

  

- 5 - 

Anträge der Privatklägerschaft C. AG (BA pag. 15-02-0005): 

Die Beschuldigten seien zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 2‘595.10 als Schadenersatz 

zu bezahlen. 

Anträge der Privatklägerschaft D. Verkehrsbetriebe (BA pag. 15-03-0010 ff. und -

0022): 

Die Beschuldigten seien zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 2‘695.-- als Schadenersatz 

zu bezahlen. 

Anträge der Privatklägerschaft E. (BA pag. 15-04-0010 ff.): 

Die Beschuldigten seien zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 200.-- als Schadenersatz 

und Fr. 800.-- als Genugtuung zu bezahlen. 

Anträge der Privatklägerschaft F.: 

(entfällt) 

Anträge der Privatklägerschaft G. (BA pag. 15-06-0010 ff.): 

Die Beschuldigten seien zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 425.-- als Schadenersatz 

und eine Genugtuung nach Ermessen des Gerichts zu bezahlen. 

Anträge der Privatklägerschaft H. (TPF pag. 6.925.21 f.): 

1. Die Beschuldigten seien gemäss den Anträgen der Bundesanwaltschaft schuldig zu 

sprechen und dafür angemessen zu bestrafen. Ergänzend wird beantragt, das zur 

Anklage gebrachte Verhalten von A. auch im Lichte der mehrfachen einfachen Kör-

perverletzung zu beurteilen. 

2. Die Beschuldigten seien zu verpflichten, dem Privatkläger unter solidarischer Haft-

barkeit einen Betrag von Fr. 1‘000.-- sowie einen Betrag von Fr. 4‘000.--, je nebst 

5% Zins seit dem 21. April 2017, zuzüglich Gerichts- und Anwaltskosten, zu bezah-

len. 

3. Eventualiter sei der Beschuldigte B. zu verpflichten, dem Privatkläger einen Betrag 

von Fr. 1‘000.-- sowie einen Betrag von Fr. 4‘000.--, je nebst 5% Zins seit dem 21. 

April 2017, zuzüglich Gerichts- und Anwaltskosten, zu bezahlen. 

4. Unter solidarischer Kosten- und Entschädigungsfolge (gemäss Honorarnote). 

- 6 - 

Anträge der Verteidigung von A. (TPF pag. 6.920.6, 6.925.42 f.): 

1. Der Beschuldigte sei freizusprechen von den Vorwürfen: 

– der mehrfachen Sachbeschädigung;  

– der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht;  

– des mehrfachen Erwerbs sowie der Aufbewahrung von verbotenen pyrotechni-

schen Gegenständen; 

– der mehrfachen Weitergabe verbotener pyrotechnischer Gegenstände; 

– der Störung des öffentlichen Verkehrs.  

2. Das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen einfacher Körperverletzung zum 

Nachteil von F. sei einzustellen; allenfalls sei der Beschuldigte freizusprechen. 

3. Der Beschuldigte sei der Gefährdung in leichten Fällen durch Sprengstoffe und gif-

tige Gase ohne verbrecherische Absicht schuldig zu sprechen und zu einer teilbe-

dingten Geldstrafe zu verurteilen. 

4. Die Zivilklagen von G. und E. seien abzuweisen. In Bezug auf die Zivilklage von H. 

sei der Beschuldigte auf seiner vollumfänglichen Anerkennung der Zivilforderung 

vor Gericht zu behaften. 

5. Die Verfahrenskosten seien zu 9/10 auf die Staatskasse zu nehmen. 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen bei Zusprechung einer Entschädigung für 

die amtliche Verteidigung. 

  

- 7 - 

Anträge der Verteidigung von B. (TPF pag. 6.920.10, 6.925.59 f.): 

1. Der Beschuldigte sei freizusprechen von den Vorwürfen: 

– der mehrfachen einfachen Körperverletzung; 

– der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht; 

– der Störung des öffentlichen Verkehrs; 

– der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte.  

2. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen: 

– der Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 4 

Abs. 1 Bst. f und Art. 11 Abs. 1 WG); 

– der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19a Ziff. 1 BetmG). 

3. Der Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 30.-- 

und mit einer Busse von Fr. 200.-- zu bestrafen. 

4. Die beschlagnahmten Gegenstände gemäss Anklageschrift Ziff. 4 seien einzuzie-

hen und zu vernichten. 

5. a) Die Zivilforderungen der C. AG und der D. Verkehrsbetriebe sowie von F. seien 

abzuweisen. 

b) Die Zivilforderungen von G., E. und H. seien abzuweisen; eventuell sei davon 

Vormerk zu nehmen, dass sie im Grundsatz anerkannt sind, und im Übrigen seien 

sie auf den Zivilweg zu verweisen. 

6. Von einem Widerruf der bedingten Strafe (gemäss Strafbefehl des Untersuchungs-

amts Gossau vom 27. Mai 2015) sei abzusehen. 

7. Die Kosten seien nach Ausgang des Verfahrens zu verlegen, unter Zusprache einer 

Entschädigung für die amtliche Verteidigung. 

  

- 8 - 

Prozessgeschichte: 

A. Am 21. April 2017 um 18:09:17 Uhr detonierte ein pyrotechnischer Gegenstand 

der Marke Petard Shark 5 Gram (Blitzknallsatz) bei der Bushaltestelle „Olma 

Messen“ an der St. Jakobstrasse in St. Gallen; ein beinahe voll besetztes Post-

auto (Eurobus) und ein voll besetzter Bus der D. Verkehrsbetriebe (nachfolgend: 

D.-Bus) wurden dabei beschädigt. Besagter pyrotechnischer Gegenstand war 

unmittelbar vorher von einer unbekannten Person vom Aussenbereich des Ein-

gangs F zur Halle 4 des Messegeländes der Frühlings- und Trendmesse St. Gal-

len (nachfolgend: OFFA) auf die Strasse zwischen die beiden Busse geworfen 

worden. Durch die Detonation zerbarst beim Postauto und beim D.-Bus je eine 

Fensterscheibe. F. erlitt als Fahrgast des D.-Busses durch die Glassplitter blu-

tende Kratzer am Rücken. In der Folge konnte dieser Bus die Fahrt nicht fortset-

zen. Die Weiterfahrt des Postautos verzögerte sich. Als Polizisten mit den Auf-

räumarbeiten und der Spurensicherung beim beschädigten D.-Bus beschäftigt 

waren, wurde um 18:43:40 Uhr erneut ein pyrotechnischer Gegenstand, eben-

falls ein Petard Shark 5 Gram, diesmal aus dem mobilen Pissoir nahe dem Ein-

gang F zur Halle 4 des Messegeländes gezündet und auf die St. Jakobstrasse 

bzw. in Richtung der dort anwesenden, mit Aufräumarbeiten und Spurensiche-

rung beschäftigten Personen geworfen. Durch die Explosion bzw. den Knall die-

ses zweiten pyrotechnischen Gegenstandes wurden die sich in unmittelbarer 

Nähe befindlichen Personen E. (Lenkerin des D.-Busses), G. (Hallenchefin 

OFFA) und H. (Polizeibeamter Stadtpolizei St. Gallen) leicht verletzt.  

B. Am 21. April 2017 stellte H. Strafantrag im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 

21. April 2017 (BA pag. 15-08-0001). Am 31. August 2017 konstituierte er sich 

als Privatkläger im Straf- und Zivilpunkt (BA pag. 15-08-0011 ff.). Am 14. Sep-

tember 2017 orientierte Rechtsanwalt Peter Sutter die Bundesanwaltschaft über 

seine Mandatierung durch H. (BA pag. 15-08-0018). Am 22. Januar 2018 über-

mittelte Rechtsanwalt Peter Sutter der Bundesanwaltschaft ein Ton-Audiogramm 

betreffend eine beim Vorfall vom 21. April 2017 durch H. erlittene Hörschädigung 

(BA pag. 15-08-0022 ff.). Mit Eingabe vom 28. Februar 2018 bezifferte H. seine 

Zivilansprüche auf Fr. 1‘000.-- (von den Beschuldigten solidarisch zu tragen) so-

wie Fr. 4‘000.--, je nebst 5 % Zins seit 21. April 2017, zuzüglich Gerichts- und 

Anwaltskosten (BA pag. 15-08-0033 f.). 

C. Am 24. April 2017 stellte die C. AG Strafantrag wegen Sachbeschädigung im 

Zusammenhang mit dem Vorfall vom 21. April 2017, konstituierte sich als Privat-

klägerin im Zivilpunkt und machte Schadenersatz von Fr. 8‘000.-- geltend (BA 

pag. 15-02-0001). Mit Eingabe vom 15. Januar 2018 wurde die Schadenersatz-

forderung auf Fr. 2‘595.10 reduziert (BA pag. 15-02-005 ff.).  

- 9 - 

D. Am 26. April 2017 stellten die D. Verkehrsbetriebe (nachfolgend D.) Strafantrag 

wegen Sachbeschädigung im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 21. April 2017 

(BA pag. 15-03-0001). Am 31. August 2017 konstituierten sie sich als Privatklä-

ger im Zivilpunkt und bezifferten ihre Schadenersatzforderung auf Fr. 3‘000.-- (BA 

pag. 15-03-0010 f.). Später wurde eine Abrechnung eingereicht, die Gesamtkos-

ten von Fr. 2‘695.-- ausweist (BA pag. 15-03-0022). 

E. Am 26. April 2017 stellte E. Strafantrag im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 

21. April 2017 (BA pag. 15-04-0001). Am 15. September 2017 konstituierte sie 

sich als Privatklägerin im Straf- und Zivilpunkt und machte eine Genugtuungsfor-

derung von Fr. 1‘000.-- (Fr. 200.-- für Aufenthalt in Notaufnahme mit Hörtest und 

Fr. 800.-- für psychische Beeinträchtigung) geltend (BA pag. 15-04-0010 ff.).  

F. Am 4. Mai 2017 stellte F. Strafantrag im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 21. 

April 2017 (BA pag. 15-05-0001). Am 1. September 2017 konstituierte sie sich 

als Privatklägerin im Straf- und Zivilpunkt und machte sinngemäss eine Genug-

tuungsforderung von Fr. 600.-- geltend (BA pag. 15-05-0010 ff.). 

G. Am 4. Mai 2017 stellte G. Strafantrag im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 

21. April 2017 (BA pag. 15-06-0001). Am 7. September 2017 konstituierte sie 

sich als Privatklägerin im Straf- und Zivilpunkt und machte eine Schadenersatz-

forderung im Umfang von Fr. 425.-- (für Lohnausfall und Hörtest) und eine Ge-

nugtuung nach gerichtlichem Ermessen geltend (BA pag. 15-06-0010 f.). 

H. Die Kantonspolizei St. Gallen tätigte umfangreiche Ermittlungen; u.a. wertete sie 

Aufnahmen der Videoüberwachung des Messegeländes aus. Das von der 

Staatsanwaltschaft St. Gallen geführte Verfahren ST.2017.16299 wegen Ver-

dachts der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer 

Absicht (Art. 224 StGB), Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

(Art. 285 StGB) und Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) wurde am 12. Juni 2017 

von der Bundesanwaltschaft unter der Fallnummer SV.17.0842-SH übernommen 

(BA pag. 02-00-0003). Mit Ausdehnungsverfügung vom 19. Juni 2017 wurde es 

auf die Tatbestände der Schreckung der Bevölkerung (Art. 258 StGB), Störung 

des öffentlichen Verkehrs (Art. 237 StGB) und einfachen bzw. fahrlässigen Kör-

perverletzung (Art. 123 und Art. 125 StGB) ausgedehnt (BA pag. 01-00-0003 f.); 

ausserdem erfolgte eine Ausdehnung auf I. (BA pag. 01-00-0001). Die Auswer-

tung dessen Mobiltelefons ergab seine Mitgliedschaft resp. Beteiligung am 

Whatsapp-Gruppenchat „Q.“, woraus sich eine mutmassliche Implikation von A. 

in Bezug auf die beiden pyrotechnischen Gegenstände ergab (BA pag. 10-01-

0045 ff.). A. wurde nach einer Hausdurchsuchung an seinem Wohnort (BA pag. 

- 10 - 

08-03-0002 ff.) am 29. Juni 2017 polizeilich festgenommen (BA pag. 06-01-

0001).  

I. Mit Ausdehnungsverfügungen vom 28. Juni 2017/3. Juli 2017 wurde die gegen 

I.und Unbekannt geführte Strafuntersuchung auf A. ausgedehnt (BA pag. 01-00-

0003 ff.). A. liess sich ab 29. Juni 2017 durch Rechtsanwalt Andreas Fäh vertei-

digen; dieser wurde am 14. März 2018 als amtlicher Verteidiger von A. eingesetzt 

(BA pag. 16-02-0038). Mit Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts des Kan-

tons Bern vom 3. Juli 2017 wurde A. in Untersuchungshaft versetzt (BA pag. 06-

01-0016 ff.). A. wurde am 10. Juli 2017 aus der Haft entlassen (BA pag. 06-01-

0030). Mit Verfügung vom 7. September 2017 wurde die Strafverfolgung gegen 

A. auf den Tatbestand des sich Verschaffens von Sprengstoffen und giftigen Ga-

sen ausgedehnt (BA pag. 01-00-0013). Mit Entscheid des Zwangsmassnahmen-

gerichts des Kantons Bern vom 13. September 2017 wurde die gegen A. ange-

ordnete rückwirkende Überwachung der diesem oder anderen, zur Haushaltung 

an seiner Wohnadresse gehörenden Personen zugestellten Postsendungen vom 

19. Dezember 2016 bis 22. Dezember 2017 genehmigt (BA pag. 09-01-0015 ff.).  

J. Mit Ausdehnungsverfügungen vom 3./5. Juli 2017 wurde das Verfahren auf B. als 

mutmasslichen Werfer des zweiten pyrotechnischen Gegenstandes ausgedehnt 

(BA pag. 01-00-0005 f., -0011 f.).  

K. Am 4. Juli 2017 erfolgte eine Hausdurchsuchung am Wohnort von B., die Zufalls-

funde (pyrotechnische Gegenstände, Marihuana, eine CO2-Pistole Hämmerli 

P26) zutage brachte (BA pag. 08-04-0005 bis -0013). Gleichentags wurde B. fest-

genommen (BA pag. 06-02-0005). B. wurde mit Entscheid des Zwangsmassnah-

mengerichts des Kantons Bern vom 6. Juli 2017 in Untersuchungshaft versetzt 

(BA pag. 06-02-0022 ff). Am 6. Juli 2017 wurde Rechtsanwältin Evelyne Angehrn 

als amtliche Verteidigerin von B. bestellt (BA pag. 16-01-0004 f.). Mit Ausdeh-

nungsverfügung vom 17. Juli 2017 wurde die Strafverfolgung gegen B. auf die 

Tatbestände der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19a 

BetmG) und das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. g und 

Art. 11 WG) ausgedehnt (BA pag. 01-00-0011 f.). Nach einmaliger Haftverlänge-

rung (Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Bern vom 24. Juli 

2017; BA pag. 06-02-0037 ff.) wurde B. am 23. Juli 2017 aus der Untersuchungs-

haft entlassen (BA pag. 06-02-0048 f.).  

L. Am 2. Februar 2018 kündigte die Bundesanwaltschaft den Parteien den Ab-

schluss der Untersuchung an. Sie stellte in Aussicht, gegen A. und B. Anklage 

zu erheben und das Verfahren gegen I. einzustellen (BA pag. 16-02-0017 f.). Mit 

- 11 - 

Verfügung vom 20. Februar 2018 vereinigte die Bundesanwaltschaft das Verfah-

ren SV.17.0842-SH gegen I., A. und B. gemäss Art. 26 Abs. 2 StPO in der Hand 

der Bundesbehörden (BA pag. 01-00-0013 ff.).  

M. Mit Einstellungsverfügung vom 13. März 2018 stellte die Bundesanwaltschaft die 

Strafuntersuchung SV.17.0842-SH gegen I. ein (BA pag. 03-01-0001). 

N. Am 23. März 2018 erhob die Bundesanwaltschaft gegen A. und B. Anklage beim 

Bundestrafgericht wegen einfacher Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) (be-

treffend A.), mehrfacher einfacher Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) (be-

treffend B.), mehrfacher Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) (A.), Gefähr-

dung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 

Abs. 1 StGB) (A. und B.), mehrfachen sich Verschaffens von Sprengstoffen und 

giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 StGB) (A.), Störung des öffentlichen Verkehrs 

(Art. 237 Ziff. 1 Abs. 2 StGB) (A. und B.), Gewalt und Drohung gegen Behörden 

und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB) (B.), Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz (Art. 19a Ziff. 1 BetmG) (B.), Widerhandlung gegen das Waffenge-

setz (Art. 33 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 Bst. f und Art. 11 Abs. 1 WG) (B.) 

(TPF pag. 6.100.1 ff.). 

O. Das Gericht eröffnete am 27. März 2018 das Hauptverfahren unter der Ge-

schäftsnummer SK.2018.13 (TPF pag. 6.160.001). Die Verfahrensleitung setzte 

den Parteien Frist bis 25. April 2018 für Beweisanträge an (TPF pag. 6.300.001). 

P. Mit Eingabe vom 10. April 2018 beantragte die Bundesanwaltschaft die Befra-

gung von J., Forensisches Institut Zürich (FOR), durch das Gericht als Sachver-

ständiger zu den Berichten des FOR vom 19. Mai 2017, 6. Oktober 2017 und 7. 

März 2018, sofern das Gericht davon ausgehen sollte, dass die genannten Be-

richte nicht verwertbar sein sollten (TPF pag. 6.510.001 f.). Die Verteidiger der 

Beschuldigten A. und B. verzichteten innert erstreckter Frist am 9. Mai 2018 auf 

Beweisanträge (TPF pag. 6.521.002, 6.522.004). Der Privatkläger H. reichte am 

23. April 2018 einen Untersuchungsbericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 

18. April 2018 ein (TPF pag. 6.566.001). 

Q. E., F., G. und H. wurden mit Schreiben vom 5. Juni 2018 aufgefordert, dem Ge-

richt sämtliche Arztberichte und Unterlagen, die ihre laut Strafantrag erlittenen 

Körperverletzungen dokumentieren und belegen, einzureichen, soweit sich diese 

nicht bereits in den Akten befinden (TPF pag. 6.300.007). 

- 12 - 

Alle Privatkläger wurden mit Schreiben vom 5. Juni 2018 darauf hingewiesen, 

dass sie ihre zivilrechtlichen Ansprüche – soweit dies noch nicht erfolgt ist – spä-

testens in der Hauptverhandlung zu beziffern und zu begründen haben, sowie 

die Beweismittel einzureichen oder zu nennen haben, soweit sich diese nicht be-

reits in den Akten befinden. Die Privatkläger wurden gleichzeitig darauf hingewie-

sen, dass die Zivilklage u.a. auf den Zivilweg verwiesen wird, wenn die Klage 

nicht hinreichend begründet oder beziffert wird (TPF pag. 6.300.005, 6.300.007). 

R. Von Amtes wegen wurden folgende Beweise erhoben: Beim Bundesamt für Po-

lizei (Fedpol) ein Amtsbericht vom 28. Juni 2018 über die von A. bestellten pyro-

technischen Gegenstände (TPF pag. 6.295.017 ff.), beim FOR ein Gutachten 

vom 15. August 2018 zur Gefährlichkeit dieser pyrotechnischen Gegenstände 

(TPF pag. 6.296.023 ff.), bei der Kantonspolizei St. Gallen, Kompetenzzentrum 

Forensik, ein forensischer Untersuchungsbericht (Betäubungsmittelanalyse) vom 

4. Juli 2018 über die bei B. sichergestellten Hanfblätter (TPF pag. 6.297.003 ff.) 

und beim Fedpol ein Amtsbericht vom 15. Mai 2018 betreffend die bei B. sicher-

gestellte CO2-Pistole, Marke Hämmerli P26 (TPF pag. 6.295.010 ff.). 

Im Weiteren wurden die Akten um je einen Strafregister- und Betreibungsregis-

terauszug, einen Leumundsbericht, einen Führungsbericht der Haftanstalt sowie 

um die aktuellen Steuerunterlagen der Beschuldigten ergänzt. Ausserdem wur-

den die Akten bezüglich der Vorstrafen der beiden Beschuldigten beigezogen.  

S. Am 9. August 2018 reichte die Bundesanwaltschaft dem Gericht eine präzisierte 

Anklageschrift, datiert vom 3. August 2018, ein (TPF pag. 6.110.005, 007 ff.).  

T. Den Parteien wurde am 21. August 2018 mitgeteilt, dass das Gericht den in An-

klage Ziff. 1.1.1 betreffend A. und Ziff. 1.2.1 betreffend B. unter dem Tatbestand 

von Art. 224 Abs. 1 StGB, Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in 

verbrecherischer Absicht, angeklagten Sachverhalt in rechtlicher Hinsicht auch 

unter dem Tatbestand von Art. 225 Abs. 1 StGB (Gefährdung ohne verbrecheri-

sche Absicht) prüfen werde (TPF pag. 6.300.009). 

U. Die Hauptverhandlung fand am 4. September 2018 in Anwesenheit der Bundes-

anwaltschaft, der Beschuldigten, der Verteidiger und des Privatklägers H. sowie 

seines Rechtsvertreters am Sitz des Gerichts statt. Die anwesenden Parteien 

verzichteten auf eine mündliche Urteilseröffnung (TPF pag. 6.920.5). 

  

- 13 - 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Zuständigkeit 

 Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet auf 

einfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB), mehrfache einfache Körper-

verletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB), mehrfache Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 

StGB), Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Ab-

sicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), mehrfaches sich Verschaffen von Sprengstoffen und 

giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 StGB), Störung des öffentlichen Verkehrs 

(Art. 237 Ziff. 1 Abs. 2 StGB), Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

(Art. 285 Ziff. 1 StGB), Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

(Art. 19a Ziff. 1 BetmG) und Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Art. 33 

Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 Bst. f und Art. 11 Abs. 1 WG). Gemäss Art. 35 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bun-

des vom 19. März 2010 (StBOG; SR 173.71) i.V.m. Art. 23 Abs. 1 lit. d StPO 

unterstehen vorliegend die Tatbestände von Art. 224 und 226 StGB der Bundes-

gerichtsbarkeit. Für die Verfolgung der übrigen Delikte sind die Kantone zustän-

dig (Art. 22 StPO). Sind in einer Strafsache sowohl Bundes- als auch kantonale 

Zuständigkeit gegeben, kann die Staatsanwaltschaft des Bundes die Vereinigung 

der Verfahren in der Hand der Bundesbehörden oder der kantonalen Behörden 

anordnen (Art. 26 Abs. 2 StPO). Die Bundesanwaltschaft hat die Verfahren mit 

Verfügungen vom 20. Februar 2018 in ihrer Hand vereinigt. Die Zuständigkeit des 

Bundesstrafgerichts für die Beurteilung aller Anklagepunkte ist somit gegeben. 

1.2 Prozessvoraussetzungen 

1.2.1 Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann jede Person, die durch sie verletzt 

worden ist, die Bestrafung des Täters beantragen (Art. 30 Abs. 1 StGB). Das 

Antragsrecht erlischt nach Ablauf von drei Monaten. Die Frist beginnt mit dem 

Tag, an welchem der antragsberechtigten Person der Täter bekannt wird (Art. 31 

StGB). Die antragsberechtigte Person kann ihren Strafantrag zurückziehen, so-

lange das Urteil der zweiten kantonalen Instanz noch nicht eröffnet ist (Art. 33 

Abs. 1 StGB). Wer seinen Strafantrag zurückgezogen hat, kann ihn nicht noch-

mals stellen (Art. 33 Abs. 2 StGB). Zieht die antragsberechtigte Person ihren 

Strafantrag gegenüber einem Beschuldigten zurück, so gilt der Rückzug für alle 

Beschuldigten (Art. 33 Abs. 3 StGB). Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte 

Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklä-

gerin zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Der Strafantrag ist dieser Erklärung 

gleichgestellt (Art. 118 Abs. 2 StPO). Die geschädigte Person kann jederzeit 

- 14 - 

schriftlich oder mündlich zu Protokoll erklären, sie verzichte auf die ihr zustehen-

den Rechte. Der Verzicht ist endgültig (Art. 120 Abs. 1 StPO). In Bezug auf die 

Anklage sind die Tatbestände der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 

StGB) und der Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) nur auf Antrag strafbar.  

1.2.2 F., E., G. und H. stellten rechtzeitig und formgültig hinsichtlich des Tatbestands 

der Körperverletzung Strafantrag (Prozessgeschichte Bst. B, E, F, G), ebenso 

die D. und die C. AG hinsichtlich des Tatbestands der Sachbeschädigung (Pro-

zessgeschichte Bst. C, D). Die Prozessvoraussetzung des Strafantrags (Art. 30 

StGB) ist – mit Ausnahme von F. (vgl. E. 1.2.3) – erfüllt und die Parteistellung als 

Privatklägerschaft ist somit gegeben. 

1.2.3 Vor Beginn der Hauptverhandlung zog F. ihren Strafantrag zurück (TPF pag. 

6.925.41). Die Prozessvoraussetzung ist entfallen. Das Verfahren gegen den Be-

schuldigten A. ist bezüglich Anklagepunkt 1.1.2 (Vorwurf der einfachen Körper-

verletzung zum Nachteil von F.) einzustellen (Art. 329 Abs. 4 StPO). 

1.3 Beweisverwertbarkeit 

1.3.1 Im Vorverfahren wurden, bevor eine mutmassliche Täterschaft eruiert werden 

konnte und somit ohne Anwesenheit der Beschuldigten oder ihrer Verteidiger, 

die Privatkläger E. (BA pag. 12-01-0001 ff.), F. (BA pag. 12-02-0001 ff.), G. (BA 

pag. 12-03-0001 ff.) und H. (BA pag. 12-05-0001 ff.), letzterer indes auch in der 

Hauptverhandlung (TPF pag. 6.933.1 ff.), je als Auskunftsperson befragt. K. 

wurde zunächst als Auskunftsperson (BA pag. 12-06-0004 ff.) und in Anwesen-

heit der Verteidiger von A. und B. als Beschuldigter (BA pag. 12-06-0016 ff.) und 

L. als Auskunftsperson (BA pag. 12-13-0004 ff.) einvernommen; diesbezüglich 

wurde die Verteidigung über den Einvernahmetermin orientiert; sie nahm nicht 

teil (BA pag. 12-13-0002). M.wurde als Auskunftsperson befragt (BA pag. 12-15-

0003 ff., 0016 ff.). Die Verteidiger verzichteten auf eine Teilnahme (BA pag. 12-

15-0016). 

1.3.2 Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK gibt dem Beschuldigten mindestens das Recht, Fragen 

an Belastungszeugen zu stellen oder stellen zu lassen und die Ladung und Ver-

nehmung von Entlastungszeugen unter denselben Bedingungen zu erwirken, wie 

sie für Belastungszeugen gelten. Diese Bestimmung ist grundsätzlich verletzt, 

wenn eine Verurteilung ausschliesslich oder wesentlich auf eine Zeugenaussage 

gestützt wird und der Beschuldigte weder im Ermittlungsverfahren noch in der 

Hauptverhandlung die Möglichkeit hatte, den Zeugen zu befragen (MEYER-LADE-

WIG/NETTESHEIM/VON RAUMER [Hrsg.], EMRK Europäische Menschenrechtskon-

vention, Handkommentar, 4. Aufl. 2017, Art. 6 EMRK N. 241). Der Begriff „Zeuge“ 

wird autonom ausgelegt und erfasst jede Person, deren Aussage wesentlich sein 

kann (MEYER-LADEWIG/NETTESHEIM/VON RAUMER, a.a.O., Art. 6 EMRK N. 240).  

- 15 - 

1.3.3 Die Beschuldigten A. und B. wurden nicht mit allen Auskunftspersonen konfron-

tiert; teilweise erklärten sie Verzicht auf Teilnahme an der Einvernahme. Soweit 

sie nicht die Möglichkeit hatten, ihr Fragerecht nach Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK 

auszuüben, kann sich ein Schuldspruch nicht ausschliesslich oder wesentlich auf 

die betreffenden Auskunftspersonen bzw. deren Aussagen stützen. 

2. Anklagesachverhalt 

2.1 A. wird in der Anklageschrift zusammengefasst Folgendes vorgeworfen: 

 A. habe am 21. April 2017 in St. Gallen anlässlich der OFFA aus dem Aussenbe-

reich von Halle 4 unweit des Eingangs F (Raucherzone beim Rolltor) einen von 

drei pyrotechnischen Gegenständen der Marke Petard Shark 5 Gram (PS5), die 

er in einem Rucksack mitgenommen habe, gezündet und auf die befahrene St. 

Jakobstrasse, in Richtung der Bushaltestelle „Olma-Messen“ stadteinwärts direkt 

zwischen zwei Verkehrsbusse geworfen. Beim verwendeten pyrotechnischen 

Gegenstand handle es sich um einen Blitzknallkörper mit einer Nettoexplosiv-

stoffmasse von ca. 5 g, welcher zur Einfuhr in die Schweiz für Vergnügungszwe-

cke nicht zugelassen sei und als bodenknallender Feuerwerkskörper qualifiziert 

werde. Der von A. geworfene pyrotechnische Gegenstand habe auf der St. Ja-

kobstrasse zwischen dem stadteinwärts fahrenden, an der Bus-Haltestelle 

„Olma-Messen“ wartenden, voll besetzten D.-Bus der Linie 3 (Kurs-Nr. 2; GTB 

Nr. 3) und dem stadtauswärts fahrenden, beinahe voll besetzten Eurobus der C. 

AG (Fahrzeug 1), der sich kurz vor der anderen Bushaltestelle „Olma-Messen“ 

befunden habe, umgesetzt. A. habe sich beim Werfen des pyrotechnischen Ge-

genstandes in der Menschenmenge im Freien hinter dem Kassenhäuschen im 

Eingangsbereich F auf dem OFFA-Gelände befunden. Er habe sich beim Wurf in 

die Hocke begeben und so die Wurfbahn mangels ausreichender Sicht nicht kon-

trollieren können. Durch den Knalldruck des sehr laut explodierenden pyrotech-

nischen Gegenstands seien Personen, die sich innerhalb eines Radius‘ von 40 

Metern vom Umsetzungs- bzw. Detonationspunkt auf und neben der St. Jakob-

strasse befunden hätten (Chauffeure und jeweils zahlreiche Passagiere im Euro-

bus und im D.-Bus, weitere Personen in der Nähe dieser Busse, im Eingangsbe-

reich F der OFFA und in anderen Fahrzeugen, welche in der Nähe vorbeifuhren), 

an Leib und Leben gefährdet worden und es sei fremdes Eigentum in diesem 

Radius (besagte zwei Busse, weitere Fahrzeuge auf der St. Jakobstrasse, an-

grenzende Gebäude zu dieser Strasse) konkret gefährdet worden. Durch den 

Knalldruck sei beim Eurobus und beim D.-Bus je eine Glasscheibe zerborsten. 

Dabei sei der D. ein Schaden von Fr. 2‘695.-- und der C. AG ein Schaden von 

Fr. 2‘595.10 entstanden. Durch Glassplitter habe die beim geborstenen Fenster 

im D.-Bus sitzende Passagierin F. blutende Kratzer am Rücken erlitten. Zudem 

sei durch diesen Vorfall die Weiterfahrt des Eurobusses verzögert und diejenige 

- 16 - 

des D.-Busses verhindert worden (Buswechsel, Kursausfall). A. habe wissentlich, 

willentlich und in verbrecherischer Absicht gehandelt und mit dem gezielten Wurf 

des gezündeten pyrotechnischen Gegenstandes auf die befahrene St. Jakob-

strasse in St. Gallen die Verletzung zahlreicher Personen sowie die Beschädi-

gung fremden Eigentums (genannte Busse) in bedeutendem Ausmass verursa-

chen und den Verkehrsfluss stören wollen oder dies zumindest in Kauf genom-

men. F. habe dabei auch tatsächlich Verletzungen erlitten.  

 A. habe mutmasslich am 20. und 22. Dezember 2016 eine grössere Menge py-

rotechnischer Gegenstände („Polen-Böller“) bei M. für insgesamt Fr. 683.-- er-

worben, bezahlt (jeweils durch seine Freundin oder seine Mutter) in vier Tranchen 

à Fr. 114.-- am 19. Dezember 2016, Fr. 300.-- am 21. Dezember 2016, Fr. 69.-- 

am 29. Dezember 2016 und Fr. 200.-- am 1. Februar 2017. Diese Gegenstände 

seien in zwei Postpaketen an seine Wohnadresse in Z. geliefert worden, wo er 

sie einstweilen gelagert habe. Ein 1.640 kg schweres Paket sei ohne Absender 

am Schalter der Poststelle Basel 2 am 17. Dezember 2016 um 14:05 Uhr aufge-

geben und am 20. Dezember 2016 in Z. zugestellt worden; dieses habe sog. „Po-

len-Böller“ enthalten. Das andere, 3.450 kg schwere Paket mit Absender M. sei 

am Schalter der Poststelle Basel 2 am 21. Dezember 2016 um 13:46 Uhr aufge-

geben und am 22. Dezember 2016 in Z. zugestellt worden; dieses habe die fol-

genden Gegenstände enthalten: 60 Stück Crazy Robots, 80 Stück FP3, 10 Stück 

Tiger Boom, 1 Stück Super Cobra, 4 Stück Black Thunder und 30 Stück JC05. 

Bei den pyrotechnischen Gegenständen dieser zwei Pakete handle es sich um 

Blitzknallkörper, welche zur Einfuhr in die Schweiz für Vergnügungszwecke nicht 

zugelassen seien und als bodenknallende Feuerwerkskörper qualifiziert würden. 

A. habe sie wissentlich und willentlich erworben und aufbewahrt und auch ge-

wusst, dass sie zu verbrecherischem Gebrauch bestimmt gewesen seien, was 

sich im teilweisen Einsatz durch ihn und B. am 21. April 2017 an der St. Jakob-

strasse in St. Gallen manifestiert habe.  

 Am 21. April 2017 habe A. drei pyrotechnische Gegenstände der Marke Petard 

Shark 5 Gram (PS5) an die OFFA mitgenommen. Nachdem er einen davon ge-

zündet und geworfen habe, habe er einen anderen dem ihm damals nicht be-

kannten B., zwischen 18:00 Uhr und 18:44 Uhr, in der Nähe des Eingangs F zur 

Halle 4 der OFFA, wo sich zahlreiche Personen aufgehalten hätten, übergeben; 

den dritten Gegenstand habe er am selben Ort einer anderen, nicht bekannten 

Person übergeben. Bei den pyrotechnischen Gegenständen handle es sich um 

Blitzknallkörper mit einer Nettoexplosivstoffmasse von ca. 5 g, welche zur Einfuhr 

in die Schweiz für Vergnügungszwecke nicht zugelassen seien und als boden-

knallende Feuerwerkskörper qualifiziert würden. A. habe die Übergaben wissent-

lich und willentlich vorgenommen und wissen oder annehmen müssen, dass die 

- 17 - 

Gegenstände zu verbrecherischem Gebrauch bestimmt gewesen seien. Letzte-

res habe sich beim späteren Wurf durch B. manifestiert. 

2.2 B. wird in der Anklageschrift zusammengefasst Folgendes vorgeworfen: 

 B. habe einen pyrotechnischen Gegenstand der Marke Petard Shark 5 Gram 

(PS5), kurz nachdem er diesen Gegenstand am 21. April 2017 in St. Gallen an 

der OFFA von A. erhalten habe, im Aussenbereich von Halle 4 von der Pissoir-

anlage beim Eingang F der OFFA gezündet und von dort aus auf die befahrene 

St. Jakobstrasse in Richtung der Bushaltestelle „Olma-Messen“ geworfen. Der 

Gegenstand sei seitlich vor dem an dieser Bushaltestelle stehenden D.-Bus der 

Linie 3 (Kurs-Nr. 2; GTB Nr. 3), der aufgrund der Beschädigung durch den Böl-

lerwurf von A. nicht mehr habe weiterfahren können, gelandet und habe sich dort 

umgesetzt. B. habe sich beim Werfen in der seitlich durch Planen abgeschirmten 

und nach oben offenen Pissoiranlage vor der Halle 4 im Eingangsbereich F der 

OFFA befunden und dadurch die Wurfbahn mangels ausreichender Sicht nicht 

kontrollieren können. Durch den Knalldruck des sehr laut explodierenden pyro-

technischen Gegenstandes seien Personen innerhalb eines Radius von 40 Me-

tern vom Umsetzungs- bzw. Detonationspunkt (die mit Aufräumarbeiten wegen 

des aufgrund der ersten, durch A. verursachten Explosion beschädigten Busses 

im Eingangsbereich F beschäftigt waren oder sich in anderen Fahrzeugen befan-

den, die in der Nähe vorbeifuhren) an Leib und Leben sowie fremdes Eigentum 

in diesem Radius konkret gefährdet worden. E. (Chauffeuse des D.-Busses) habe 

aufgrund der Detonation eine Gehörsverletzung am rechten Ohr (Knalltrauma), 

G. (Hallenchefin der OFFA) eine Gehörsverletzung an beiden Ohren (leichtes 

Pfeifen, Sausen und Druck) und H. (Polizist der Stadtpolizei St. Gallen) eine Ge-

hörsverletzung am linken Ohr (Tinnitus) sowie durch den Fall zu Boden eine Zer-

rung am linken Oberschenkel erlitten. Der Polizist H. sei dadurch in einer Amts-

handlung – der Sachverhaltsaufnahme sowie der Durchführung und Anordnung 

erster Ermittlungen in Folge des von A. geworfenen Gegenstandes – behindert 

worden und habe diese Handlung nicht zu Ende führen können. Der öffentliche 

Verkehr sei gefährdet bzw. gestört worden. B. habe wissentlich und willentlich 

gehandelt und mit dem Wurf des pyrotechnischen Gegenstandes die Verletzung 

zahlreicher Personen, die Beschädigung fremden Eigentums in bedeutendem 

Ausmass sowie die Störung des Verkehrs gewollt oder dies zumindest in Kauf 

genommen.  

 B. habe unbefugt 2 g Marihuana in einem Minigrip, 10 g getrocknete Hanfblätter 

in einem Plastikkübel sowie 240 g getrocknete Hanfblätter in einem Plastiksack 

besessen und zwecks Eigenkonsums bis zur Hausdurchsuchung am 4. Juli 2017 

aufbewahrt, wobei er wissentlich und willentlich gehandelt habe.  

- 18 - 

 B. habe Ende 2016/Anfang 2017 ohne Berechtigung eine CO2-Pistole der Marke 

Hämmerli P26, 4 Dosen dazugehörige Munition sowie 2 CO2-Patronen von L.in 

Besitz genommen, besessen bzw. bis zur Hausdurchsuchung am 4. Juli 2017 

aufbewahrt, wobei er wissentlich und willentlich gehandelt habe.   

3. Äusserer Sachverhalt 

3.1 Tathergang und Täterschaft 

3.1.1 Aussagen des Beschuldigten A. 

3.1.1.1 Nach anfänglicher Aussageverweigerung (BA pag. 13-03-003 bis -0013) machte 

A. am 30. Juni 2017 gegenüber der Kantonspolizei St. Gallen und gleichentags 

später anlässlich der Hafteinvernahme durch die Bundesanwaltschaft hinsichtlich 

der Anklagevorwürfe folgende Aussagen: Er habe am Freitag, dem 21. April 

2017, am Mittag, um ca. 12:00 Uhr oder 13:00 Uhr, das Gelände der OFFA be-

treten und sich die Ausstellung angeschaut. Er habe Weisswein (Margritli), Gin 

oder Wodka und Bier konsumiert und sei betrunken gewesen. Er habe sich dann 

um ca. 16:00 Uhr aus der Halle 4 in die Raucherzone begeben. Im „Vollsuff“ habe 

er dann um ca. 18:00 Uhr in einem kleinen Fächlein seines Rucksacks einen 

Böller gefunden, diesen herausgenommen und in den Hosensack genommen. Er 

sei etwas später in die Menge gestanden und habe gesehen, dass zwei Busse 

heranfahren würden. Er habe gewartet bis die beiden Busse stillgestanden hät-

ten, da dort keine Personen durchgehen würden. Er sei in die Hocke gegangen, 

damit ihn niemand sehe, habe den Böller angezündet und ihn rund 20 Meter auf 

die St. Jakobstrasse zwischen die zwei Busse geworfen, um die Leute zu er-

schrecken. Durch die Detonation sei Sachschaden entstanden (kaputte Scheibe 

an einem Bus). Er habe jedoch weder Leute verletzen noch Sachschaden anrich-

ten wollen. Ihm sei nicht bewusst gewesen, wie laut ein Böller sein könne. Er 

kenne sich nicht aus mit diesen Sachen; er habe gedacht, es seien „Weiberfürze“. 

Nachdem er gesehen habe, was passiert sei, sei er in Panik geraten und habe 

nichts mehr mit diesen Sachen zu tun haben wollen. Daher habe er die restlichen 

zwei Böller im Eingangsbereich der Halle 4 an zwei ihm unbekannte Personen, 

eine davon mit einer weissen Kappe, verschenkt. Diese habe ihm gesagt, dass 

sie den Böller jetzt werfen würde. Er habe dann gesehen, wie die unbekannte 

Person mit der weissen Kappe nach hinten zur Toilette gegangen sei. Kurz darauf 

sei der Böller geflogen gekommen und es habe, rund 40 Minuten nach der ersten 

Explosion, gekracht. Den Wurf selber habe er nicht gesehen. Er sei auch abends 

noch ein bisschen in Panik gewesen, habe die OFFA dann ca. zwischen 20:00 

Uhr und 21:00 Uhr verlassen, um in der Stadt noch etwas trinken zu gehen (BA 

pag. 13-03-0019 bis 13-03-0039). Diese Aussagen bestätigte A. auch anlässlich 

der Konfrontationseinvernahme mit B. vom 10. Juli 2017 (BA pag. 13-03-0062 ff.) 

- 19 - 

und anlässlich der Schlusseinvernahme durch die Bundesanwaltschaft vom  

25. Januar 2018 (BA pag. 13-03-0082 bis 13-03-0087).  

3.1.1.2 In der Schlusseinvernahme vom 25. Januar 2018 sagte A. zum Erwerb der an 

der OFFA verwendeten pyrotechnischen Gegenstände aus, er sei via Instagram 

auf M. gestossen. Er habe ihn angeschrieben und von ihm die Auskunft erhalten, 

welche Böller er an Lager habe und welche er bestellen müsse. Er habe etwas 

bestellt, wisse aber nicht mehr was genau. Er habe im Zusammenhang mit seiner 

Bestellung vier Zahlungen an M. gemacht bzw. veranlasst (Fr. 114.-- am 19. De-

zember 2016, Fr. 300.-- am 21. Dezember 2016, beide durch N.; Fr. 69.-- am  

29. Dezember 2016, Fr. 200.-- am 1. Februar 2017, beide durch O.). Seine Freun-

din (N.) und seine Mutter (O.) hätten für ihn per Kreditkarte bezahlt; sie hätten 

nicht gewusst, dass er pyrotechnische Gegenstände kaufe. Er bestätigte, dass 

er am 22. Dezember 2016 in seiner Wohnung das Öffnen des Pakets mit dem 

Handy per Video festgehalten habe; es könne sein, dass er das Video, das auf 

dem Handy von K. sichergestellt wurde, an K. gesendet habe. Die an der OFFA 

verwendeten bzw. an B. und eine weitere Person weitergegebenen pyrotechni-

schen Gegenstände würden aus diesem Paket stammen. Gemäss Bericht des 

FOR vom 6. Oktober 2017 enthielt dieses Paket 60 Blitzknallkörper Crazy Ro-

bots, 80 Blitzknallkörper FP3, 10 Blitzknallkörper Tiger Boom, 1 Blitzknallkörper 

Super Cobra, 4 Blitzknallkörper Black Thunder und 30 Blitzknallkörper JC05 (BA 

pag. 13-03-0079 bis 13-03-0085).  

3.1.1.3 A. bestätigte in der Hauptverhandlung im Wesentlichen seine im Vorverfahren 

gemachten Aussagen (TPF pag. 6.931.1 ff.). Er erklärte zum Anklagevorwurf, 

wonach er am 21. April 2017 anlässlich der OFFA einen pyrotechnischen Gegen-

stand geworfen habe, er habe diesen Böller bewusst zwischen die beiden Busse 

geworfen, weil er keine Absicht gehabt habe, Personen zu verletzen; der einzige 

Ort dazu sei zwischen den Bussen gewesen. Er habe niemanden verletzen wol-

len und nicht gewusst, dass dies geschehen könnte. Er bekenne sich schuldig, 

den Sachschaden an den Bussen verursacht zu haben. Er sei nicht davon aus-

gegangen, dass sich innerhalb eines Radius von 40 m vom Detonationspunkt 

Leute befinden würden, weil sich zwischen den beiden Bussen keine Leute be-

funden hätten. Er habe nur Leute erschrecken wollen. Er sei sich nicht bewusst 

gewesen, dass er mit dem Böller Leute verletzen könnte, die in der Nähe waren. 

Er habe gewusst, dass die von ihm bestellten pyrotechnischen Gegenstände 

nicht erlaubt seien. Er habe aber nicht gewusst, wie laut sie seien; er habe sie 

zuvor noch nie getestet gehabt. Es treffe zu, dass er bei M. Ende 2016 das Paket 

mit den pyrotechnischen Gegenständen bestellt habe. Als er den ersten Böller 

geworfen habe, sei er ob der Detonation und der Wucht erschrocken. Deshalb 

habe er die beiden anderen Böller loswerden wollen und sie andern Personen 

übergeben. Nachdem er erfahren habe, dass Frau F. verletzt worden sei, habe 

- 20 - 

er sich sofort bei dieser entschuldigt und ihr erklärt, dass ihm das nicht recht sei 

und er den Schaden begleichen wolle (TPF pag. 6.931.4 f.). 

3.1.2 Aussagen des Beschuldigten B. 

3.1.2.1 In der Einvernahme durch die Kantonspolizei St. Gallen vom 4. Juli 2017 erklärte 

B., dass die bei der Hausdurchsuchung vom 4. Juli 2017 bei ihm gefundenen 5 

g Marihuana (Ass.-Nr. 5) und die Pflanzenrückstände von Hanf (Ass.-Nr. 6 und 

7) ihm gehörten. Das Marihuana habe er für den Eigenkonsum (Rauchen) erwor-

ben, er wisse aber nicht mehr wo und zu welchem Preis. Die Pflanzen habe er 

an einem Waldrand geerntet, um daraus Tee zu machen. Die 8 pyrotechnischen 

Gegenstände der Marke Thunder (Ass.-Nr. 2) habe er vor drei bis vier Jahren für 

einen 1. August-Anlass gekauft (BA pag. 13-04-0007–0010). In der polizeilichen 

Einvernahme vom 4. Juli 2017 sowie in der Hafteinvernahme vom 5. Juli 2017 

und der Schlusseinvernahme vom 24. Juli 2017 durch die Bundesanwaltschaft 

erklärte B., dass die bei ihm sichergestellte CO2 Pistole der Marke Hämmerli P26 

wie auch die vier Dosen Munition und die zwei CO2 Patronen seinem Kollegen 

L. gehörten; dieser habe die Pistole legal erworben. Er habe früher mit L. in einem 

Schiesskeller in einem Industriegebiet auf eine Zielscheibe geschossen. Diesen 

Schiesskeller hätten sie abgeben müssen, weshalb er alle Sachen aus dem 

Raum mit zu sich nach Hause genommen habe. Er habe danach L. mehrmals 

telefonisch mitgeteilt, dass sich die Pistole noch immer bei ihm befinden würde. 

L. habe ihm jeweils geantwortet, dass er sich in den nächsten Tagen bei ihm 

melden werde, was jedoch nie geschehen sei (BA pag. 13-04-0008, 13-04-0016 

f, 13-04-0038 ff. und 13-04-0045). 

3.1.2.2 B. machte zu Beginn der Ermittlungen gegen ihn lediglich Aussagen zu den an-

lässlich der Hausdurchsuchung vom 4. Juli 2017 an seinem damaligen Wohnort 

gefundenen Betäubungsmitteln (Marihuana) und der Pistole (E. 3.1.2.1), wäh-

rend er die Vorwürfe bezüglich des Böllerwurfs an der OFFA vom 21. April 2017 

abstritt bzw. die Aussage dazu verweigerte (BA pag. 13-04-003 bis 13-04-0022). 

In der Einvernahme vom 24. Juli 2017 durch die Bundesanwaltschaft legte er 

betreffend den Vorfall an der OFFA vom 21. April 2017 ein Geständnis ab. Seine 

Aussagen lauteten im Wesentlichen wie folgt: Er sei am 21. April 2017 den gan-

zen Tag allein an der OFFA gewesen. Er habe gesehen, dass aus der Raucher-

zone ein Böller geworfen worden sei. Er habe den Knall und den weissen Rauch 

wahrgenommen. Er habe beobachtet, dass der Bus auf der St. Jakobstrasse 

nach dem Böllerwurf nicht mehr weitergefahren sei; Fussgänger habe er keine 

bemerkt. Er habe nicht gesehen, wer den ersten Böller geworfen habe. Danach 

sei er in die Halle neben dem Pissoir gegangen, um etwas zu trinken. Er habe an 

diesem Tag ein Glas Wein, ein paar Liter Bier und wahrscheinlich noch ein Glas 

- 21 - 

Wodka getrunken und sei betrunken gewesen. Es sei ihm aber bewusst gewe-

sen, was er tue. Als er herausgekommen sei, habe A. ihm einen Böller überge-

ben. Er sei dann zum Pissoir gegangen und habe den Böller in seiner alkoholbe-

dingten Dummheit über die Abdeckung auf die St. Jakobstrasse geworfen. Er 

habe nicht gesehen, ob sich dort Personen befunden hätten. Sein Böllerwurf 

habe sich rund 30 bis 60 Minuten nach dem ersten ereignet. Der Sachschaden 

sei aber durch den ersten Böllerwurf verursacht worden. Seine Handlung sei ein 

grosser Fehler gewesen; es tue ihm leid. Es sei ihm wohl nicht richtig bewusst 

gewesen, ansonsten er es nicht getan hätte (BA pag. 13-04-0040–0046). 

3.1.2.3 B. bestätigte in der Hauptverhandlung im Wesentlichen seine im Vorverfahren 

gemachten Aussagen (TPF pag. 6.932.1 ff.). Er anerkannte die Anklagevorwürfe, 

wonach er am 21. April 2017 einen Böller geworfen und dadurch den laufenden 

Verkehr gestört und einen Polizisten in seiner amtlichen Handlung behindert 

habe. Er erklärte, er habe niemanden verletzen wollen; es tue ihm leid, dass Per-

sonen verletzt worden seien. Er habe keine Ahnung gehabt, was für Auswirkun-

gen dieser Böller habe. B. anerkannte weiter, mit dem Besitz des Marihuanas 

und der Hanfblätter gegen das Betäubungsmittelgesetz und mit dem Besitz einer 

CO2-Pistole, vier Dosen dazugehöriger Munition und zwei CO2-Patronen gegen 

das Waffengesetz zuwidergehandelt zu haben (TPF pag. 6.932.3 f.).  

3.1.3 Aussagen von Auskunftspersonen 

3.1.3.1 In der Einvernahme als Auskunftsperson durch die Kantonspolizei St. Gallen vom 

26. April 2017 (BA pag. 12-01-0001 ff.) erklärte E. zum Vorfall vom 21. April 2017, 

sie sei als Chauffeuse im D.-Bus, Linie 3, stadteinwärts gefahren und habe bei 

der Haltestelle Olma Messen angehalten, um Passagiere ein- und aussteigen zu 

lassen. Als sie die Türen habe schliessen wollen, habe sie in den Rückspiegel 

geschaut, ob alles in Ordnung sei. Sie habe gerade losfahren wollen, als sie von 

links her einen sehr lauten Knall wahrgenommen habe. Sie sei erschrocken und 

habe von Fahrgästen gehört, dass eine Scheibe geborsten sei. Sie habe gese-

hen, dass eine Fensterscheibe auf der Seite zur Strasse halbwegs noch im Rah-

men gewesen sei. Da es viele Passagiere im Bus gehabt habe, habe sie gefragt, 

ob jemand verletzt worden sei. Eine Frau habe von der geborstenen Scheibe 

Glassplitter im Nacken gehabt. Sie habe diese aufgefordert, im Bus zu bleiben. 

Die anderen Passagiere seien ausgestiegen. Den Vorfall habe sie der Leitstelle 

gemeldet. Als die Polizei gekommen sei, habe sie mit einem Polizisten den Scha-

den am Bus begutachtet. Ausser der Fensterscheibe sei nichts beschädigt ge-

wesen. Von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes habe sie erfahren, dass vom 

OFFA-Gelände, aus der Zone Pissoir/Raucherzone/Kassahäuschen, ein Gegen-

stand geworfen worden sei. Sie sei mit dem Polizisten H. und der Hallenchefin 

G. beim Bus gestanden. H. habe die geborstene Scheibe in einem Sack entsorgt, 

- 22 - 

während ein anderer Polizist den Verkehr geregelt habe. Dieser habe plötzlich 

„Achtung“ gerufen. Sie habe zuerst nicht verstanden, was er damit gemeint habe. 

Sie habe dann kurz gesehen, wie ein Knallkörper zwischen ihren Beinen hindurch 

gerollt sei. Es sei ein kleiner, zylindrischer, blauer Gegenstand gewesen. Sie 

habe sich gerade noch wegdrehen können, als dieser schon explodiert sei. Die 

Explosion sei ungefähr einen halben Meter von ihr entfernt erfolgt. Es habe einen 

ungeheuerlich lauten Knall gegeben. 

3.1.3.2 In der Einvernahme als Auskunftsperson durch die Kantonspolizei St. Gallen vom 

4. Mai 2017 (BA pag. 12-02-0001 ff.) erklärte F. zum Vorfall vom 21. April 2017, 

sie habe mit ihrem Mann bei der Bushaltestelle Olma Messen gewartet. Als der 

D.-Bus angehalten habe, seien sie eingestiegen und sie habe sich ans Fenster 

gesetzt, mit dem Rücken in Fahrtrichtung. Kurz danach habe es einen ungeheu-

erlichen Knall gegeben und die Fensterscheibe neben ihr sei geborsten. Der 

Knall sei von ihrer Seite her und von aussen gekommen. Alle seien erschrocken 

und sie seien wieder aus dem Bus gestiegen. Sie hätten nicht gewusst, was pas-

siert sei. Kurz darauf sei die Polizei mit zwei Mann eingetroffen.  

3.1.3.3 In der Einvernahme als Auskunftsperson durch die Kantonspolizei St. Gallen vom 

4. Mai 2017 (BA pag. 12-03-0001 ff.) erklärte G. zum Vorfall vom 21. April 2017, 

der Polizist H. sei zu ihr ins Büro in der OFFA gekommen und habe wegen einer 

beschädigten Busscheibe nach Abfallsäcken gefragt. Sie sei ihm gefolgt und zu-

sammen hätten sie die beschädigte Scheibe des D.-Busses entfernt. H. habe die 

Scheibe ganz herausgeschlagen und sie habe den Abfallsack innenseitig im Bus 

hingehalten. Danach habe sie mit der Buschauffeuse E. die Glasscherben auf 

der Strasse zusammengewischt. H. habe ihnen dazu den Abfallsack hingehalten. 

In diesem Moment habe sie eine Stimme gehört, die „Achtung“ gerufen habe. H. 

habe angenommen, dass sich ein Fahrzeug nähere. Er habe sie seitlich gefasst 

und zur Seite des Busses gedrückt. Wiederum habe jemand „weg!“ gerufen. Sie 

hätten aber nichts gesehen und seien weggerannt, um aus der Gefahrenzone zu 

kommen. Gleichzeitig habe sie einen sehr lauten Knall wahrgenommen. Bei die-

ser Aktion habe sich H. irgendwie am Bein verletzt, als er versucht habe, sie 

wegzuziehen. Sie habe dann zu jemandem gesagt, man solle die Sanität rufen. 

Sie habe nicht gesehen, was den Knall verursacht habe. Sie habe nur gespürt, 

dass etwas an ihre rechte Hüfte geprallt sei. Sie erklärte weiter, dass sie vom 

ersten Knall nichts wahrgenommen habe, da sie in der Halle an einer Sitzung 

gewesen sei.  

3.1.3.4 In der delegierten Einvernahme als Auskunftsperson durch die Bundeskriminal-

polizei vom 9. November 2017 und in der Einvernahme durch die Bundesanwalt-

schaft vom 25. Januar 2018 bestätigte M., einer Person aus Z. bzw. A. im De-

zember 2016 auf Bestellung Feuerwerk bzw. „Polen-Böller“ für gesamthaft Fr. 

- 23 - 

683.-- in zwei Paketen geschickt zu haben. Das Geld sei von dessen Freundin in 

Teilbeträgen auf sein Bankkonto überwiesen worden. Das eine Paket habe 2-5 

kg gewogen und verschiedene Böller (Crazy Robots, PF3, Tiger Boom, Super 

Cobra, Black Thunder, JC5) und Stopfmaterial enthalten (BA pag. 12-15-0005 

bis 12-15-0010 und 12-15-018 bis 12-15-0023).  

3.1.3.5 In der Einvernahme als Auskunftsperson durch die Kantonspolizei St. Gallen vom 

26. Juli 2017 erklärte L., dass die anlässlich der Hausdurchsuchung am damali-

gen Wohnort von B. sichergestellte CO2-Pistole Hämmerli P26 ihm gehöre. Er 

habe sie 2012 via Internet im Softgun-Shop für Fr. 400.-- bis Fr. 500.-- mit fünf 

Büchsen Munition gekauft. Er und B. hätten damit im Proberaum von B. geschos-

sen. Dann habe er sie dort gelassen, um später nochmals schiessen zu können. 

Er habe aber gemerkt, dass B. nicht sein „Typ“ sei. Die Waffe habe ihn dann nicht 

mehr interessiert. B. habe ihn mehrmals angerufen und gefragt, ob er die Waffe 

abholen würde. Er habe dies am Telefon bestätigt, sei jedoch nie vorbeigegan-

gen und habe später die Anrufe nicht mehr entgegengenommen, weil er keinen 

Kontakt mehr gewollt habe (BA pag. 12-13-006 ff.). 

3.1.3.6 In der Hauptverhandlung schilderte H., Polizist bei der Stadtpolizei St. Gallen, als 

Auskunftsperson befragt, seine Wahrnehmungen vom 21. April 2017 (TPF pag. 

6.933.1 ff.). Er erklärte, er habe seit sieben Jahren die Einsatzleitung an der 

OFFA. Er sei mit einem Dienstkollegen als Fusspatrouille an der OFFA im Einsatz 

gewesen. Sie hätten sich am Haupteingang befunden, als sie einen lauten Knall 

gehört hätten, den sie aber nicht hätten lokalisieren können. Nach zwei Minuten 

hätten sie eine Mitteilung per Funk erhalten, dass sie zur Bushaltestelle an der 

St. Jakobstrasse gehen müssten, beim oberen Bereich des Eingangs F zur Halle. 

Sie seien sofort dorthin gegangen und hätten den Bus gesehen, der auf der nörd-

lichen Strassenseite mit Fahrtrichtung stadteinwärts gestanden sei, mit einer be-

schädigten Scheibe über der zweiten Achse. Unterhalb der Scheibe hätten sie 

zwei Einschläge festgestellt. Beim rechten Einschlag hätten sie einen Riss fest-

gestellt, der hoch bis zur Mitte der Scheibe gegangen sei. Sie hätten begonnen, 

die Situation zu fotografieren, auch vom Bus hin zum Bereich des Kassahäus-

chens. Sie hätten wegen der Art des Tatbestands die Kantonspolizei herbeigeru-

fen. Er habe sich dann in die Halle zu Frau G. begeben und Abfallsäcke geholt. 

Diese sei mit ihm auf die Strasse gekommen; sie hätten die Abfallsäcke innen 

und aussen über der Scheibe befestigt. Dann habe er die Scheibe mit dem 

Schlagstock eingedrückt, damit die Scherben in den Sack fallen würden. Danach 

seien sie mit der Verkehrsregelung beschäftigt gewesen, sein Dienstkollege in 

der Nähe der Führerkabine des Busses und er selber im Bereich zwischen dem 

Bus und dem Kassahäuschen. Als Frau G. und Frau E. die Scherben fast fertig 

zusammengewischt gehabt hätten, sei er zu ihnen gegangen und habe geholfen, 

- 24 - 

die letzten Scherben in den Abfallsack zu tun. Unterdessen hätten sie die Mel-

dung erhalten, dass auch noch ein Postauto beschädigt worden sei. Sein Kollege 

habe plötzlich „Achtung“ gerufen. Er habe aufgrund des Strassenverkehrs und 

der vorbeigehenden Leute nur das gehört, aber nicht gewusst, was passiert sei. 

Er habe an ein Warnzeichen gedacht und gemeint, dass vielleicht ein Fahrzeug-

lenker ihn übersehen hätte und auf ihn zufahre. Er habe deshalb Frau G. gegen 

die Seite des Busses gedrückt und in Richtung stadtauswärts, von wo der Ver-

kehr gekommen sei, geschaut. Er habe festgestellt, dass sich kein Fahrzeug nä-

here. Sein Kollege habe weiter geschrieben, aber er habe immer noch nicht ge-

wusst, was los sei. Er habe in diesem Moment nur noch weggehen wollen. Er 

habe Frau G. am Rücken gepackt und sie weggestossen. Nachdem er einen 

Schritt gemacht habe, habe es eine Explosion gegeben. Er sei noch einige 

Schritte weiter bis zum Ende des Busses gegangen, weil er nicht gewusst habe, 

was passiert sei, und er Panik gehabt habe. Er sei dann zu Boden gegangen, 

weil er Schmerzen am Bein gehabt habe. Sie seien vor Ort durch die Sanität 

erstmals begutachtet worden. Dann seien sie zu Fuss in die Notaufnahme des 

Kantonsspitals gegangen. Dort habe er bemerkt, dass an seinem Hosenbein so-

wie an jenem von Frau G. blaue Splitter anhaften würden; diese hätten sie der 

Kantonspolizei übergeben. Er sei nach der Untersuchung im Spital zurück an die 

OFFA gegangen und habe seinen Dienst beendet (TPF pag. 6.933.2-4).  

3.1.4 Die Kantonspolizei St. Gallen erstellte am Tatort Fotos der beschädigten Busse 

(BA pag. 10-01-0010 ff., 10-01-0059 f.) und wertete die Videobilder (Innenauf-

nahmen) aus dem Postauto sowie der Hallenüberwachung (Raucherzone vor 

Halle 4) der OFFA aus (CD BA pag.10-01-0067, 10-01-0116, 10-01-0197 bis 10-

01-0200; UBS Stick BA pag. 10-01-0201 bis 10-01-0203 und 10-01-0028 ff., 10-

01-0039, 10-01-0043, 10-01-0067 ff., 10-01-0083 ff.). Die Videobilder aus dem 

Postauto zeigen die Wucht der Detonation des ersten Böllers. Die Videobilder 

der Hallenüberwachung (Zeit: 18:09:17 Uhr) zeigen betreffend den ersten Böller 

keine Detonation, jedoch ein stadtauswärts fahrendes Postauto und einen stadt-

einwärts fahrenden, stehenden Bus. In einem bestimmten Moment ist zu sehen, 

wie plötzlich ein Grossteil der sich in der Raucherzone zahlreich aufhaltenden 

Personen den Kopf Richtung St. Jakobstrasse dreht. Betreffend den zweiten Böl-

ler zeigen die Videobilder (Zeit: 18:43:40 Uhr) den immer noch an der Bushalte-

stelle stehenden, durch den ersten Böller beschädigten D.-Bus sowie Füsse und 

Beine von Personen, die mit Aufräumarbeiten und Spurensicherung beschäftigt 

sind. Bei der Zeit 18:43:40 Uhr ist ersichtlich, wie der zweite Böller auf der Strasse 

vor dem Bus detoniert, wobei nicht ersichtlich ist, woher der Böller geworfen 

wurde, und wie erneut ein Grossteil der sich in der Raucherzone befindlichen 

Personen in Richtung St. Jakobstrasse schaute (BA pag. 10-01-0028 f.).  

- 25 - 

3.1.5 Aufgrund des ausgewerteten Bildmaterials sowie der Aussagen der Beschuldig-

ten und der Auskunftspersonen sind sowohl der Tathergang als auch die Täter-

schaft der Beschuldigten A. und B. und damit der in der Anklageschrift beschrie-

bene äussere Ablauf der Geschehnisse vom 21. April 2017 erstellt. Ebenso er-

stellt ist die Bestellung von pyrotechnischen Gegenständen durch A. im Dezem-

ber 2016 und die Aufbewahrung dieses Materials bei sich zuhause, ferner dessen 

Weitergabe solchen Materials an zwei Personen am 21. April 2017. In Bezug auf 

B. sind die Handlungen im Zusammenhang mit den angeklagten Widerhandlun-

gen gegen das Betäubungsmittel- und Waffengesetz erstellt. 

3.2 Amtliche Berichte und Gutachten 

3.2.1 Betreffend die am 21. April 2017 anlässlich der OFFA geworfenen pyrotechni-

schen Gegenstände erstellte das FOR zu Handen der Kantonspolizei St. Gallen 

am 19. Mai 2017 anhand der sichergestellten Überreste einen Untersuchungs-

bericht (BA pag. 11-01-0001 ff.). Laut Bericht handle es sich bei beiden Gegen-

ständen um Blitzknallkörper der Marke Petard Shark PS5, Label Supremo Piro-

technika U.A.B. Litauen, hergestellt auf der Basis von Perchlorat, Kalium und 

Aluminium, mit einer Nettoexplosivstoffmasse (NEM) von ca. 5 g. Diese seien für 

die Einfuhr als pyrotechnischer Gegenstand zu Vergnügungszwecken nicht zu-

gelassene pyrotechnische Artikel, da sie zur Kategorie der am Boden knallenden 

Feuerwerkskörper gehörten (mit Hinweis auf Art. 8a des Bundesgesetzes über 

explosionsgefährliche Stoffe vom 25. März 1977 [Sprengstoffgesetz, SprstG; SR 

941.41]; Art. 31 der Verordnung über explosionsgefährliche Stoffe vom 27. No-

vember 2000 [Sprengstoffverordnung, SprstV; SR 941.411]). Blitzknallsätze 

seien sehr energiereiche Systeme mit hoher Reaktionsgeschwindigkeit und mit 

entsprechend grossem Explosionsdruck und Knalleffekt (BA pag. 11-01-0001 ff.).  

3.2.2 Mit Bericht vom 7. März 2018 zu Handen der Bundesanwaltschaft äusserte sich 

das FOR zur Gefährlichkeit dieser Gegenstände. Aus technischer Sicht bestehe 

bei direktem Kontakt mit dem detonierten Sprengkörper ein erhebliches Verlet-

zungs- bzw. Zerstörungspotential, welches mit zunehmender Distanz rasch ab-

nehme. Der Sicherheitsabstand betrage 40 m bzw. 30 m für Personen mit 

Schutzausrüstung. Bei Unterschreitung dieser Distanz bestehe eine Gefährdung. 

Eine unsachgemässe Anwendung, wie beispielsweise Werfen, könne schwer-

wiegende Verletzungen verursachen. Der Artikel dürfe nicht gezündet werden, 

wenn sich Personen innerhalb der Gefahrenzone befinden würden. Zum Anzün-

den müsse der Artikel auf den Boden gestellt und dürfe nicht in der Hand gehal-

ten werden. Es seien Ohrenstöpsel und Schutzhandschuhe zu tragen. Nach dem 

Anzünden müsse man sich sofort 30 m entfernen (BA pag. 11-01-0021 f.).  

- 26 - 

3.2.3 Betreffend die von A. per Postpaket am 22. Dezember 2016 erhaltenen und von 

ihm gefilmten pyrotechnischen Gegenstände (BA pag. 10-01-0011 ff.) erstellte 

das FOR zu Handen der Bundesanwaltschaft am 6. Oktober 2017 anhand des 

Videos IMG_2333.mp4 einen Kurzbericht (BA pag. 11-01-0008 ff.).  

Laut diesem Bericht enthielt das Paket folgende pyrotechnischen Gegenstände: 

60 Stück Blitzknallkörper Crazy Robots, Label Triplex, Polen, ca. 6 g NEM; 

80 Stück Blitzknallkörper FP3, Label Jorge, Polen, ca. 3 g NEM; 10 Stück Blitz-

knallkörper Tiger Boom, Label Privatex Pyro, Slowakei, ca. 3.5 g NEM; 1 Blitz-

knallkörper Super Cobra 6, Hersteller Di Blasio Elio, Italien, ca. 28 g NEM; 

4 Stück Blitzknallkörper Black Thunder, Hersteller Pirogiochi, Italien, ca. 25 g 

NEM; 30 Stück Blitzknallkörper JC05, Label Jorge, Polen, ca. 0.8 g NEM.  

Im Bericht wird weiter ausgeführt, dass bodenknallendes Feuerwerk wie dieses 

oft missbräuchlich verwendet werde. Es enthalte einen brisanten Blitzknallsatz. 

Blitzknallsätze seien sehr energiereiche Systeme mit hoher Reaktionsgeschwin-

digkeit und mit entsprechend grossem Explosionsdruck und Knalleffekt. Es 

handle sich um für die Einfuhr als pyrotechnischer Gegenstand zu Vergnügungs-

zwecken nicht zugelassene pyrotechnische Artikel, da sie zur Kategorie der am 

Boden knallenden Feuerwerkskörper gehörten (Art. 8a SprstG; Art. 31 SprstV).  

3.2.4 Das Gericht unterbreitete mit Gutachtensauftrag vom 20. Juli 2018 dem FOR, 

Gutachter P., die Frage, ob die Gegenstände PS5 (Petard Shark), Crazy Robots, 

FP3, Tiger Boom, Super Cobra 6, Black Thunder und JC05 (oder einzelne davon) 

eine grosse Zerstörung bewirken könnten, sowie die von der Bundesanwaltschaft 

eingereichten Ergänzungsfragen betreffend den Gefährdungsradius dieser Ge-

genstände ab Umsetzungs- bzw. Detonationspunkt und betreffend deren Gefähr-

lichkeit, insbesondere in Bezug auf den PS5, betreffend die Gefährdung des im 

Untersuchungsbericht des FOR vom 19. Mai 2017 beschriebenen PS5 und be-

treffend den Sicherheitsabstand für einen PS5 oder einen Sprengkörper ver-

gleichbarer Beschaffenheit / NEM (TPF pag. 6.296.14 ff.).  

Gemäss dem Gutachten des FOR vom 15. August 2018 (TPF pag. 6.296.23 ff.) 

handle es sich bei den genannten Gegenständen um für die Einfuhr als pyrotech-

nischer Gegenstand zu Vergnügungszwecken nicht zugelassene pyrotechnische 

Artikel bzw. um am Boden knallendes Feuerwerk (Art. 8a SprstG; Art. 31 SprstV) 

mit brisanten Blitzknallsätzen, somit um sehr energiereiche Systeme mit hoher 

Reaktionsgeschwindigkeit mit entsprechend grossem Explosionsdruck und 

Knalleffekt. Für die Beurteilung der Gefährlichkeit bzw. des Zerstörungspotentials 

seien die Nettoexplosivstoffmasse des enthaltenen Blitzknallsatzes sowie die 

Distanz des Objektes zum Explosionspunkt entscheidend. Die Zerstörungskraft 

- 27 - 

nehme mit zunehmender Distanz rasch ab. Auch sei entscheidend, ob der pyro-

technische Gegenstand lediglich berührt oder aber in der Hand gehalten bzw. 

eingeschlossen oder mit der Person oder dem Objekt verklebt oder auf andere 

Weise noch stärker verdämmt werde. Direkt anliegend oder unter Einschluss (so-

genannt verdämmt) sei die Wirkung am grössten. In der Nähe von Glas, Metall 

etc. könnten sich durch die Explosion zudem Splitter und Scherben bilden, die 

beim Wegschleudern auch über grössere Distanz zusätzlichen Schaden anrich-

ten oder Personen verletzen könnten (TPF pag. 6.296.30 f.). In Bezug auf den 

Petard Shark PS5 hält das Gutachten fest, der Gegenstand müsse zum Anzün-

den auf den Boden gestellt und dürfe nicht in der Hand gehalten werden; unsach-

gemässe Anwendung, wie z.B. Werfen, könne schwerwiegende Verletzungen 

verursachen. Bei direktem Kontakt mit dem explodierenden Sprengkörper be-

stehe ein erhebliches Verletzungs- und Zerstörungspotenzial (TPF pag. 6.296.32 

f.). Generell werde bei Ladungen ab ca. 10 g Blitzknallsatz, die direkt am Körper 

umsetzten, von einer erheblichen Zerstörung des Gewebes bzw. bei Betroffen-

heit von vitalen Strukturen von lebensbedrohlichen Verletzungen ausgegangen 

(TPF pag. 6.296.34). Das Gutachten stellt für die untersuchten Gegenstände fol-

gende Nettoexplosivstoffmassen und Sicherheitsabstände bzw. Gefährdungsra-

dien (GR) fest, wobei die Gefährdungsradien von den Sicherheitsabständen ab-

geleitet würden (TPF pag. 6.296.34): Super Cobra 6 28 g NEM, 50 m GR (wobei 

dieser auf der Verpackung nicht angegeben sei, da das Produkt die Klassifizie-

rung F4 aufweise und nur für Personen mit Fachkenntnis zugelassen sei); Black 

Thunder 18 g NEM, 30 m GR; PS5 Funke 5 g NEM, 40 m GR; PS5 Supremo 5 g 

NEM, 15 m GR; Crazy Robots max. 5 g NEM, 40 m GR; Tiger Boom max. 3.5 g 

NEM, 25 m GR; FP3 2.1 g NEM, 25 m GR; JC05 max. 0.8 g NEM, 25 m GR. 

3.3 Körperverletzungen der Privatkläger 

3.3.1 E. 

Als Auskunftsperson befragt sagte E. am 26. April 2017 aus, ihr Gehör sei vom 

Knall in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie habe ein Surren in den Ohren ge-

habt; die Abklärung im Kantonsspital habe als Befund ein Knalltrauma ergeben. 

Sie habe am Anfang Schmerzen vor allem im rechten Ohr gehabt, mehr so ein 

taubes Gefühl, das in einem Geräusch geendet habe und nun relativ gut abge-

klungen sei. Es gehe ihr wieder gut (BA pag. 12-01-0001 ff.). E. hielt auf dem 

Formular betreffend Privatklage fest, sie sei in der Notaufnahme des Kantonsspi-

tals St. Gallen gewesen und habe eine Nachkontrolle mit Hörtest für Fr. 200.-- 

machen lassen müssen. Sie habe eine psychische Beeinträchtigung erlitten; sie 

sei schreckhaft geworden und zucke jedes Mal zusammen, wenn es knalle (BA 

pag. 15-04-0011). Es liegen keine ärztlichen Berichte oder andere Beweismittel 

vor, welche die angeklagte gesundheitliche Beeinträchtigung belegen würden.  

- 28 - 

3.3.2 F. 

In der Einvernahme als Auskunftsperson vom 4. Mai 2017 erklärte F., sie habe 

eine leichte Körperverletzung erlitten (ohne diese näher zu bezeichnen) und habe 

sicherlich die folgenden zwei Nächte nicht gut geschlafen. Sie habe aber keinen 

Arzt aufgesucht und sei infolgedessen nicht im Besitz eines Arztzeugnisses (BA 

pag. 12-02-0004). E. (Buschauffeuse des D.-Busses; E. 3.1.3.1) erklärte als Aus-

kunftsperson, auf ihre Frage, ob jemand verletzt worden sei, habe sich eine Pas-

sagierin gemeldet und angegeben, dass sie von der geborstenen Scheibe Glas-

splitter in den Hals/Nacken bekommen habe und dass vermutlich beim Heraus-

fischen der Glassplitter die Haut leicht verletzt worden sei (BA pag. 12-01-0003). 

Gemäss Bericht der Kantonspolizei St. Gallen vom 15. Mai 2017 (BA pag. 10-01-

0001 ff.) habe F. leichte Schnittwunden an Hals und Oberkörper durch das Weg-

wischen von Glassplittern erlitten; sie sei im D.-Bus direkt neben dem beschä-

digten Fenster gesessen (Bericht S. 2 und 7). Andere Beweismittel bezüglich der 

Art und Schwere der Verletzungen liegen nicht vor.  

3.3.3 G. 

Als Auskunftsperson befragt sagte G. am 4. Mai 2017 (BA pag. 12-03-0001 ff.) 

aus, sie habe nach dem Vorfall vom 21. April 2017 ein leichtes Pfeifen, Sausen 

und einen Druck im Ohr gehabt und sei noch am gleichen Tag im Spital unter-

sucht worden; es seien aber keine bleibenden Schäden festgestellt worden. Sie 

habe danach weiterarbeiten wollen, habe aber vom Vorgesetzten ein Arbeitsver-

bot erhalten und zwei Tage, d.h. bis zum Ende der OFFA, nicht mehr gearbeitet. 

Anschliessend habe sie Ferien gehabt. G. hielt auf dem Formular betreffend Pri-

vatklage fest, sie habe einen Lohnausfall von Fr. 350.-- und für einen Hörtest 

Auslagen von Fr. 75.-- gehabt (BA pag. 15-06-0013). Es liegen jedoch keine ärzt-

lichen Berichte oder andere Beweismittel vor, welche die angeklagte gesundheit-

liche Beeinträchtigung oder die behaupteten Kostenpositionen belegen würden. 

3.3.4 H. 

H. wurde durch die Kantonspolizei St. Gallen am 8. Mai 2017 als Auskunftsper-

son befragt (BA pag. 12-05-0001 ff.). In der Hauptverhandlung erklärte er als 

Auskunftsperson, er sei am 21. April 2017 im Kantonsspital St. Gallen untersucht 

worden. Er habe dem untersuchenden Arzt gesagt, dass er wahrscheinlich eine 

Zerrung am linken Oberschenkel habe, seine Sorge aber dem Gehör gelte, weil 

schon viele Dienstkollegen wegen der Fussball-Hooliganszene einen Gehörsver-

lust erlitten hätten. Er habe nach dem Knall ein Pfeifen im Ohr und ein Taubheits-

gefühl gehabt und habe nicht viel hören können. Ein Hals-, Nasen-, Ohrenspezi-

alist habe ihn untersucht und ihm gesagt, dass er keinen mechanischen Schaden 

am Gehör habe, dass sich aber ein Tinnitus entwickeln könnte. H. erklärte weiter, 

- 29 - 

er habe am Tag nach dem Vorfall unter einer plötzlich aufgetretenen Gleichge-

wichtsstörung gelitten, die etwa 15 Minuten lang gedauert habe. Am folgenden 

Montag sei im Kantonsspital St. Gallen bei einem Gehörtest festgestellt worden, 

dass er bei 3000 Hz und 20 dB einen Tinnitus habe. Der Arzt habe erklärt, dass 

die Gleichgewichtsstörungen daher rühren würden, dass sein Gleichgewichtsor-

gan durch die Druckwelle gereizt sei; das könne noch mindestens 14 Tage an-

dauern. Er habe in der Folge kein privates Fahrzeug gelenkt. Auf Patrouille sei 

er jeweils nur Beifahrer gewesen und habe den Aktivgehörschutz getragen. Im 

Grossraumbüro habe er ein Gerät, bei dem er die Lautstärke reduzieren könne, 

getragen. Er habe nicht mehr ferngesehen und Radio gehört. Er habe zwischen-

durch immer wieder den Tinnitus gehabt. Er habe sich notiert, wann der Tinnitus 

auftrete, und dabei festgestellt, dass im Zeitraum vom 14. Januar 2018 bis am 

29. April 2018 der Tinnitus insgesamt 14 Mal aufgetreten sei, jeweils in einer 

Länge von 3 bis 20 Sekunden. Er leide aktuell noch unter dem Tinnitus, aber 

nicht mehr in dieser Häufigkeit. Er habe keine Einschränkungen mehr im Beruf, 

im Alltag oder im Privatleben. Wenn aber beruflich nachts in einer Situation ge-

flüstert werden müsse und der Tinnitus eintrete, müsse er das Gespräch für ei-

nige Sekunden unterbrechen, bis der Tinnitus weg sei. Mit dem linken Ohr könne 

er dann nicht alles mitbekommen. Er habe keine ärztliche Behandlung und keine 

Therapie gehabt. Der Arzt habe ihm nicht sagen können, ob der Tinnitus wieder 

weggehe oder schlimmer werden könne; dieser habe gesagt, eine abschlies-

sende Beurteilung sei nicht möglich (TPF pag. 6.933.4 f., 6.933.7).  

Der Rechtsvertreter von H. reichte im Vorverfahren am 22. Januar 2018 ein im 

Kantonsspital St. Gallen am 24. April 2017 über H. erstelltes Ton-Audiogramm 

ein. Dieses weist einen „Tinnitus links 20 dB bei 3000 Hz“ aus (BA pag. 15-08-

0023). Der Rechtsvertreter erklärte, es handle sich nicht um eine irreversible 

Schädigung. Der Tinnitus und die damit verbundene Gleichgewichtsstörung hät-

ten sich nach einigen Monaten „ausgewachsen“ (BA pag. 15-08-0022). 

Dem Untersuchungsbericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 18. April 2018 

(TPF pag. 6.566.2 f.) bzw. dem in der Hauptverhandlung eingereichten (unter-

zeichneten) Untersuchungsbericht vom 19. April 2018 (TPF pag. 6.925.23 f.) be-

treffend den aktuellen Status nach dem Knalltrauma vom 21. April 2017 ist zu 

entnehmen, dass das Hörvermögen von H. in einem unauffälligen, altersentspre-

chenden Bereich ist. Gemäss Reintonaudiogramm ist rechts- und linksseitig die 

Hörschwelle unter 20 dB. Die Untersuchung ergab einen „Tinnitus links bei 

2000 Hz und 20 dB über der Schwelle“. Der Sinuston komme laut, bleibe und 

flache nachher ab, bei einer Zeitdauer zwischen 3 und 20 Sekunden. Die 

Schweregradeinschätzung mittels Tinnitus Handicap Inventory Fragebogen er-

gebe 16 Punkte, was einer leichten Einschränkung im Alltag (Grad 1) entspre-

che. Laut Bericht komme H. im Alltag mit dem Ohrgeräusch zurecht.  

- 30 - 

3.4 Sachbeschädigungen der Privatkläger 

 A. anerkannte anlässlich der Hauptverhandlung den durch seinen Böllerwurf vom 

21. April 2017 verursachten Sachschaden, d.h. je eine zerborstene Scheibe an 

den beiden Bussen der D. und der C. AG, sowie die entsprechenden Zivilforde-

rungen der D. im Umfang von Fr. 2‘695.-- (BA pag. 15-03-0018 bis 15-03-0022) 

und der C. AG im Umfang von Fr. 2‘595.10 (BA pag. 15-02-0005 bis 15-02-0014; 

TPF pag. 6.931.4, 6.931.9).  

4. Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Ab-

sicht (Art. 224 Abs. 1 StGB; Anklage Ziff. 1.1.1 [A.], Ziff. 1.2.1 [B.]) 

4.1 Rechtliches 

4.1.1 Nach Art. 224 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich und in verbreche-

rischer Absicht durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Men-

schen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt. 

4.1.2 Der Sprengstoffbegriff gemäss Art. 224 Abs. 1 StGB deckt sich im Wesentlichen 

mit dem Begriff im Sprengstoffgesetz. Als Sprengstoffe gelten nach Art. 5 Abs. 1 

SprstG "einheitliche chemische Verbindungen oder Gemische solcher Verbin-

dungen, die durch Zündung, mechanische Einwirkung oder auf andere Weise zur 

Explosion gebracht werden können und die wegen ihrer zerstörenden Kraft, sei 

es in freier oder verdämmter Ladung, schon in verhältnismässig geringer Menge 

gefährlich sind". Darunter fallen Stoffe gemäss Art. 2 der Sprengstoffverordnung.  

Nicht unter den Sprengstoffbegriff fallen Molotow-Cocktails (Brandwurfkörper) 

und Stoffe nach Art. 5 Abs. 2 SprstG (gemäss lit. a: explosionsfähige Gase, 

Dämpfe von flüssigen Brennstoffen sowie andere Stoffe, die erst nach einer Ver-

mischung mit Luft explodieren; gemäss lit. b: bei der Herstellung chemischer Pro-

dukte verwendete Hilfsstoffe oder entstehende Zwischenerzeugnisse, die explo-

sionsgefährlich sind, aber diese Eigenschaft vor Abschluss des Produktionsver-

fahrens verlieren; gemäss lit. c: explosionsfähige Erzeugnisse und Präparate, die 

nicht zu Sprengzwecken hergestellt und in den Handel gebracht werden).  

Die Definition in Art. 5 Abs. 1 SprstG gilt auch in Bezug auf Art. 224-226 StGB, 

wobei das Merkmal der zerstörerischen Kraft entscheidend ist (BGE 104 IV 232 

E. Ia; 103 IV 241 E. I.1; Entscheid des Bundesstrafgerichts SK.2015.28 vom 

7. April 2016 E. 4.1; TRECHSEL/CONINX, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Pra-

xiskommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 224 StGB N. 2; ROELLI/ 

FLEISCHANDERL, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 224 StGB N. 4).  

- 31 - 

 Feuerwerkskörper und andere gebrauchsfertige Erzeugnisse mit einem Explosiv- 

oder Zündsatz, die nicht zum Sprengen bestimmt sind, gelten als pyrotechnische 

Gegenstände (Art. 7 SprstG). Sie fallen nicht unter den Sprengstoffbegriff von 

Art. 5 SprstG. Pyrotechnische Gegenstände sind daher grundsätzlich nicht als 

Sprengstoff im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB zu qualifizieren. Ausgenommen 

sind Erzeugnisse, die besonders grosse Zerstörungen bewirken oder zum Zwe-

cke der Zerstörung verwendet werden (BGE 104 IV 232 E. 1a; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_299/2012 vom 20. September 2012 E. 2.2; Entscheid des Bun-

desstrafgerichts SK.2015.28 vom 7. April 2016 E. 4.2).  

4.1.3 Art. 224 StGB setzt voraus, dass der Täter durch Sprengstoffe oder giftige Gase 

Leib und Leben von Menschen oder fremdes Eigentum in konkrete Gefahr bringt 

(vgl. BGE 115 IV 111 E. 3b). Die Gefahr muss nicht einer Mehrzahl von Personen 

oder Sachen von grosser Substanz gelten; es genügt die gezielte Gefährdung 

eines bestimmten Menschen oder einer bestimmten fremden Sache (BGE 103 

IV 241 E. I.1; 115 IV 113; CORBOZ, Les infractions en droit suisse, Volume II, 

3. Aufl., Bern 2010, Art. 224 StGB N. 12). Deshalb erfüllt bereits der taugliche 

Versuch eines Sprengstoffattentats den Tatbestand von Art. 224 StGB (RO-

ELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7; Entscheid des Bundesstrafge-

richts SK.2015.28 vom 7. April 2016 E. 4.1).  

4.1.4 Der subjektive Tatbestand erfordert zunächst Gefährdungsvorsatz. Dieser liegt 

vor, sobald der Täter die Gefahr kennt und trotzdem handelt; nicht erforderlich ist 

hingegen, dass der Täter die Verwirklichung der Gefahr, sei es auch nur eventu-

ell, gewollt hat (BGE 103 IV 241 E. I.1). Die verbrecherische Absicht bezieht sich 

auf das Handlungsziel des Täters. Dieses muss in der Verwirklichung eines (an-

deren) Verbrechens oder – über den Wortlaut hinaus – Vergehens bestehen, wie 

beispielsweise Delikte gegen Leib und Leben oder Sachbeschädigung; eine an-

gestrebte Übertretung reicht dagegen nicht aus (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., 

Art. 224 StGB N. 9; TRECHSEL/CONINX, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7). Gemäss Bun-

desgericht (BGE 103 IV 241 E. I.1 m.H.a. BGE 80 IV 117 S. 121) genügt eine 

entsprechende Eventualabsicht (wobei sich die Doktrin auf Grund des hohen Re-

gelstrafrahmens kritisch dazu äussert; vgl. dazu DONATSCH/THOMMEN/WOHLERS, 

Strafrecht IV, Delikte gegen die Allgemeinheit, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2017, 

S. 50; STRATENWERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II, 

7. Aufl., Bern 2013, § 29 N. 20; ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 224 StGB 

N. 9). Eventualvorsatz liegt vor, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs bzw. die 

Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den 

Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er 

ihm auch unerwünscht sein. Der Richter darf vom Wissen des Täters auf den 

Willen schliessen, wenn sich diesem der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich 

- 32 - 

aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise 

nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4).  

4.2 Subsumtion objektiver Tatbestand (A. und B.) 

4.2.1 Es ist vorerst zu prüfen, ob es sich bei den beiden pyrotechnischen Gegenstän-

den (Böllern), welche die Beschuldigten A. und B. am 21. April 2017 in St. Gallen 

anlässlich der OFFA auf die St. Jakobstrasse geworfen haben, um Sprengstoffe 

oder giftige Gase im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB handelt.  

Bei beiden Gegenständen handelt es sich gemäss Untersuchungsbericht des 

FOR vom 19. Mai 2017 um Blitzknallkörper, d.h. sehr energiereiche Systeme mit 

hoher Reaktionsgeschwindigkeit und entsprechend grossem Explosionsdruck 

und Knalleffekt, hergestellt auf der Basis von Perchlorat, Kalium und Aluminium 

(ca. 5 g NEM), der Marke Petard Shark PS5, Label Supremo Pirotechnika U.A.B. 

Litauen. Diese gehören zu den am Boden knallenden Feuerwerkskörpern und 

sind daher für die Einfuhr zu Vergnügungszwecken nicht zugelassen (Art. 8a 

SprstG und Art. 31 SprstV). Gemäss Bericht des FOR vom 7. März 2018 besteht 

aus technischer Sicht bei direktem Kontakt mit dem detonierten Sprengkörper 

ein erhebliches Verletzungs- bzw. Zerstörungspotential, das mit zunehmender 

Distanz rasch abnimmt. Der Sicherheitsabstand beträgt 40 m bzw. 30 m für Per-

sonen mit Schutzausrüstung. Bei Unterschreitung dieser Distanz besteht eine 

Gefährdung. Eine unsachgemässe Anwendung, wie beispielsweise Werfen, 

kann schwerwiegende Verletzungen verursachen. Der Artikel darf nicht gezündet 

werden, wenn sich Personen innerhalb der Gefahrenzone befinden. Zum Anzün-

den muss der Artikel auf den Boden gestellt und darf nicht in der Hand gehalten 

werden, wobei Ohrenstöpsel und Schutzhandschuhe zu tragen sind und man 

sich nach dem Anzünden sofort 30 m entfernen muss (E 3.2.1, 3.2.2). Im Gut-

achten des FOR vom 15. August 2018 wird das Vorstehende bestätigt und weiter 

ausgeführt, dass sich durch die Explosion der untersuchten pyrotechnischen Ge-

genstände, darunter der Petard Shark PS5 (Fabrikat Supremo), in der Nähe von 

Glas, Metall etc. Splitter respektive Scherben bildeten und weggeschleudert wür-

den. Diese könnten auch über eine grössere Distanz zusätzlichen Schaden an-

richten oder Personen verletzen (TPF pag. 6.296.31). Der Petard Shark PS5 ist 

demnach ein Erzeugnis, das besonders grosse Zerstörungen bewirken kann. 

Das FOR führt im Gutachten vom 15. August 2018 aus, der bei der Verwendung 

einzuhaltende Sicherheitsabstand ergebe sich aus der Gebrauchsanweisung; 

diese sei auf der Verkaufspackung aufgedruckt (TPF pag. 6.296.33 und pag. 

6.296.37-42 [Anhang 1 Abbildung 1-6]). Beim Gegenstand PS5, Label Supremo, 

ist diese mehrsprachig (u.a. Englisch) aufgedruckt, wobei ein Sicherheitsabstand 

- 33 - 

von 15 m angegeben ist (TPF pag. 6.296.37 [Anhang 1 Abbildung 1]). Das Gut-

achten hält fest, beim PS5, Fabrikat Funke, betrage der Sicherheitsabstand 40 m 

und beim PS5, Fabrikat Supremo, – offenbar in Übereinstimmung mit einer EU-

Richtlinie – 15 m (TPF pag. 6.296.27, 6.296.33). Laut Schlussfolgerung des Gut-

achters seien aufgrund eines Quervergleichs die Angaben zum Fabrikat Funke 

mit einem Sicherheitsabstand von 40 m plausibel (TPF pag. 6.296.33 unten). Das 

FOR stellte im Bericht vom 19. Mai 2017, wie erwähnt, fest, dass am 21. April 

2017 das Fabrikat Supremo verwendet worden ist (BA pag. 11-01-0002); dies 

wird im Bericht des FOR vom 7. März 2018 bestätigt (BA pag. 11-01-0021). Ob 

die Beschuldigten A. und B. gemäss Gutachten einen Sicherheitsabstand von 40 

m oder, wie beim verwendeten Fabrikat Supremo angegeben, von 15 m hätten 

einhalten müssen, kann offen bleiben, wie sich im Folgenden ergibt. 

Der von A. gezielt zwischen die beiden sich auf der St. Jakobstrasse befindenden 

Busse geworfene Böller detonierte mit einem lauten Knall, wobei an beiden gut 

bzw. voll besetzten Bussen je eine Fensterscheibe zerbarst und eine D.-Passa-

gierin (F.) durch Glasscherben verletzt wurde. Durch die Aussagen von E. ist 

zudem belegt, dass an der Haltestelle mehrere Passagiere zu- und ausstiegen 

und die Türen offen waren, als der Knallkörper explodierte. Innerhalb des Ge-

fährdungsradius von 15 m befanden sich mehrere Personen und die beiden 

Busse. Damit fällt der derart verwendete pyrotechnische Gegenstand Petard 

Shark PS5 unter den Sprengstoffbegriff nach Art. 224 Abs. 1 StGB.  

Der von B. auf die St. Jakobstrasse vor den D.-Bus, in unmittelbare Nähe der mit 

Aufräumarbeiten beschäftigten Personen (E. und G.) und der zwei mit der Ver-

kehrssicherung beschäftigten Polizisten geworfene Böller detonierte mit einem 

lauten Knall, wobei der Polizist H. eine Gehörsverletzung erlitt. Innerhalb des Ge-

fährdungsradius von 15 m befanden sich mehrere Personen und ein Bus. Damit 

fällt auch der derart verwendete pyrotechnische Gegenstand Petard Shark PS5 

unter den Sprengstoffbegriff nach Art. 224 Abs. 1 StGB.  

4.2.2 In Bezug auf die konkrete Gefährdung ist erstellt, dass sowohl A. als auch B. den 

jeweiligen Sprengkörper zündeten und warfen, als sie von Menschen (im Ein-

gangsbereich F der Halle und der Raucherzone) umgeben waren. A. gab an, er 

sei zum Werfen in die Menge gestanden (BA pag. 13-03-0020). Gleich verhält es 

sich bei B., der den Sprengkörper aus dem Pissoir heraus warf. Eine konkrete 

Gefährdung von Menschen bestand demnach sowohl bei A. als auch bei B. 

schon am Wurfstandort, da die gezündeten Sprengkörper dem Werfenden aus 

der Hand hätten gleiten oder aufgrund der nicht beeinflussbaren Zeitverzögerung 

zwischen dem Zünden und der Detonation schon vor dem Werfen, und damit in 

unmittelbarer Nähe von zahlreichen Menschen, hätten detonieren können. Beide 

Sprengkörper wurden in den Bereich einer Bushaltestelle geworfen, wobei sich 

- 34 - 

beim ersten Wurf zahlreiche Personen in den beiden Bussen und beim zweiten 

Wurf mehrere Personen vor dem D.-Bus aufhielten. Der zweite Böller landete 

gemäss Aussagen von E. direkt neben ihr und rollte zwischen ihren Beinen hin-

durch, bevor er explodierte (BA pag. 12-01-0003). H. hat sich nach seinen Aus-

sagen nach der Landung des Böllers noch zwei Schritte entfernen können, bevor 

dieser explodierte (BA pag. 12-06-0003). Mit dem Werfen wurden die Gegen-

stände nicht vorschriftsgemäss verwendet, und der vom Hersteller vorgeschrie-

bene Sicherheitsabstand von 15 m wurde von beiden Beschuldigten nicht annä-

hernd eingehalten. Innerhalb dieses Radius befanden sich bei beiden Würfen 

zahlreiche Personen sowie Sachen (Fahrzeuge). Dass in diesem Bereich eine 

konkrete Gefährdung für Personen und Sachen bestand, zeigen die von F. (E. 

3.3.2) und H. (E. 3.3.4) erlittenen Verletzungen sowie die zerborstenen Fenster-

scheiben an den Bussen (E. 3.4) auf. 

4.2.3 Die Beschuldigten A. und B. haben somit mit dem Zünden und Werfen der 

Sprengkörper den objektiven Tatbestand von Art. 224 Abs. 1 StGB erfüllt. 

4.3 Subsumtion subjektiver Tatbestand 

4.3.1 A. 

A. zündete und warf den Sprengkörper wissentlich und willentlich. Er wusste, 

dass bei unsachgemässer Verwendung eine Gefahr vom Sprengkörper ausging. 

Auf dieses Wissen um die Gefahr ist schon deshalb zu schliessen, weil er wenige 

Monate zuvor eine grössere Menge Sprengkörper erworben hatte. Auch wenn 

ihm die genaue Lautstärke und Wirkung des verwendeten Böllers nicht bekannt 

gewesen sein mag, so war ihm dessen Gefahrenpotential bekannt. In der Haupt-

verhandlung erklärte A., der Händler habe ihm etwas zur Bestellung vorgeschla-

gen, was er dann auch bestellt habe. Er habe erst nachher gesehen, was er ge-

nau bestellt habe. Er sei sich nicht bewusst gewesen, dass es sich um gefährliche 

Ware handle. Er habe aber gewusst, dass man Sicherheitsabstände einhalten 

müsse. Er habe auch gewusst, dass die Gegenstände illegal seien. Er habe den 

eingesetzten Böller zuerst testen wollen, das dann jedoch nicht getan. Ob je nach 

Hersteller 15 m bzw. 40 m Sicherheitsabstand eingehalten werden müssten, 

habe er nicht gewusst. Er habe die Herstellerangaben oder die Gebrauchsanwei-

sung nicht gelesen. Er habe nur Leute erschrecken, aber nicht schädigen wollen. 

Er habe gewusst, dass er Knallkörper bestellt habe, aber gedacht, sie seien et-

was lauter als die in der Schweiz erhältlichen Gegenstände. Er habe nicht erwar-

tet, dass sie derart laut seien und einen solchen Schaden anrichten könnten, 

wenn man sie an den falschen Ort werfe (TPF pag. 6.931.8 f., 6.931.11). Beim 

Whatsapp-Gruppenchat „Q.“ vom 13. Februar 2017, der offenbar im Zusammen-

hang mit einem auswärtigen Fussballspiel des FC St. Gallen geführt wurde, 

- 35 - 

konnten A. u.a. die Mitteilungen „I nimm böller mit on mass“ und „Im zug tätsche 

lo da züg“ zugeordnet werden (BA pag. 10-01-0143). In der Hauptverhandlung 

sagte A., er könne sich an diesen Chat nicht erinnern (TPF pag. 6.931.6). Auch 

aus diesem Chat kann indessen geschlossen werden, dass ihm das Gefahren-

potential von Knallkörpern bewusst war. Nicht entscheidend ist, ob er wusste, 

welcher Sicherheitsabstand konkret einzuhalten gewesen wäre und welchen 

Schalldruck der Sprengkörper bewirken konnte. Er wusste, dass ein Sicherheits-

abstand notwendig war, und traf nicht die minimalsten Sicherheitsvorkehren, son-

dern zündete den Sprengkörper in unmittelbarer Nähe von Menschen und warf 

ihn zwischen zwei praktisch vollbesetzte Busse. Seine Aussage, wonach er ge-

wartet habe, bis die Busse stillgestanden hätten, da dort keine Personen durch-

gehen würden (E. 3.1.1.1), zeigt auf, dass er sich einer konkreten Gefahr durch-

aus bewusst war. A. wusste, dass sich am frühen Abend zahlreiche Personen im 

Aussenbereich des Messegeländes, namentlich im Eingangsbereich F der Halle 

und der Raucherzone, sowie bei der Bushaltestelle bzw. in den Bussen aufhalten 

würden, wie auch, dass sich zwei Busse in diesem Bereich befanden. Er hielt es 

für möglich, Personen oder Sachen zu gefährden bzw. Personen verletzen oder 

Sachschaden verursachen zu können. Er kannte die Gefahr und handelte trotz-

dem. Mithin nahm er Körperverletzungen und Sachbeschädigungen in Kauf und 

handelte dabei in der Eventualabsicht, Menschen an Leib und Leben zu verletzen 

und fremdes Eigentum zu beschädigen. Der Gefährdungsvorsatz und die verbre-

cherische Absicht sind zu bejahen. 

4.3.2 B. 

B. zündete und warf den Sprengkörper wissentlich und willentlich. In der Haupt-

verhandlung erklärte er zwar, er habe keine Ahnung gehabt, was für Auswirkun-

gen dieser kleine Böller habe, und sei sich nicht bewusst gewesen, dass er mit 

seinem Vorgehen Personen oder Sachen in Gefahr bringen oder verletzen bzw. 

beschädigen könnte; er habe nie mit solchen Gegenständen zu tun gehabt. Er 

habe sich keine Gedanken gemacht, was für einen Gegenstand er von A. erhal-

ten habe. Er räumte jedoch ein, dass er gewusst habe, dass es Sicherheitsab-

stände brauche, doch habe er nicht gewusst, wie gross dieser mindestens hätte 

sein müssen (TPF pag. 6.932.3, 6.932.5 f.). B. wusste mithin, dass eine Gefahr 

vom Sprengkörper ausging. Dies geht auch aus dem Umstand hervor, dass er 

nach eigenen Aussagen die zuvor erfolgte Detonation des ersten (von A. gewor-

fenen) Böllers miterlebt, den Knall und den weissen Rauch wahrgenommen und 

beobachtet hatte, dass ein Bus auf der St. Jakobstrasse nicht mehr weiterfahren 

konnte (TPF pag. 6.932.4 ff.). Unglaubhaft ist daher seine Aussage, dass er nicht 

gesehen haben will, ob sich beim Wurf des Sprengkörpers, den er nach eigener 

Angabe 30 bis 60 Minuten nach der ersten Detonation vorgenommen hatte, Per-

sonen im Bereich der Bushaltestelle befanden (TPF pag. 6.932.5). Aufgrund des 

- 36 - 

Beweisergebnisses (u.a. Video-Aufzeichnungen) kann ausgeschlossen werden, 

dass B. den Polizisten H., der sich unmittelbar vor dem Bus in Sichtweite vom 

Wurfstandort aufhielt und mit Verkehrssicherung und Aufräumarbeiten beschäf-

tigt war, vor dem Wurf nicht wahrgenommen hatte (TPF pag. 6.933.5 f. [H.]). Aus-

serdem befanden sich zahlreiche Personen im Eingangsbereich F der Halle und 

im Bereich des Pissoirs, von wo aus B. den Sprengkörper warf. Wie bereits bei 

A. ausgeführt, ist auch bei B. nicht entscheidend, ob er wusste, welcher Sicher-

heitsabstand konkret einzuhalten gewesen wäre und welchen Schalldruck der 

Sprengkörper bewirken konnte. Aufgrund der Intensität der ersten Detonation, 

der Vielzahl von Messebesuchern und des Verkehrsaufkommens nahm B. mit 

dem Böllerwurf zumindest in Kauf, Personen und Sachen zu gefährden bzw. Per-

sonen zu verletzen und Sachschaden anzurichten. Er erklärte zwar, dass er si-

cher niemanden habe verletzen wollen. Er kannte indessen die Gefahr und han-

delte trotzdem. Mithin handelte er mit Gefährdungsvorsatz und in verbrecheri-

scher Eventualabsicht.  

4.3.3 Nach dem Gesagten sind bei beiden Beschuldigten sowohl der Gefährdungsvor-

satz als auch eine verbrecherische (Eventual-)Absicht gegeben. Beide Beschul-

digte erfüllen somit auch den subjektiven Tatbestand von Art. 224 Abs. 1 StGB. 

Die Würdigung des Sachverhalts unter Art. 225 StGB entfällt bei dieser Sachlage. 

4.4 Die Beschuldigten A. und B. haben nach dem Gesagten jeweils den Tatbestand 

von Art. 224 Abs. 1 StGB in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt.  

4.5 Es liegen keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschliessungsgründe vor. A. und 

B. haben je bezüglich Art. 224 Abs. 1 StGB tatbestandmässig, rechtswidrig und 

schuldhaft gehandelt und sind entsprechend für schuldig zu befinden. 

5. Herstellen, Verbergen, Weiterschaffen von Sprengstoffen und giftigen Ga-

sen (Art. 226 Abs. 2 StGB; Anklage Ziff. 1.1.5 [A.])  

5.1 Rechtliches 

5.1.1 Nach Art. 226 Abs. 2 StGB macht sich strafbar, wer Sprengstoffe, giftige Gase 

oder Stoffe, die zu deren Herstellung geeignet sind, sich verschafft, einem andern 

übergibt, von einem andern übernimmt, aufbewahrt, verbirgt oder weiterschafft, 

wenn er weiss oder annehmen muss, dass sie zu verbrecherischem Gebrauche 

bestimmt sind. 

5.1.2 Art. 226 StGB trägt der Bedeutung und Gefährlichkeit von Sprengstoffdelikten 

Rechnung, indem er bestimmte Vorbereitungs- und Beihilfehandlungen zu 

Art. 224 StGB selbständig mit Strafe bedroht und damit den Schutz gegen die 

Gefährdung mit Sprengstoff und giftigen Gasen weiter ausdehnt. Im Gegensatz 

- 37 - 

zu den konkreten Gefährdungsdelikten gemäss Art. 224 und 225 StGB handelt 

es sich bei Art. 226 StGB um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, weshalb der 

Nachweis einer konkret herbeigeführten Tat nicht erforderlich ist. Gemäss Ab-

satz 2 macht sich strafbar, wer sich Sprengstoffe oder giftige Gase oder (Grund- 

oder Ausgangs-) Stoffe, die zu deren Herstellung geeignet sind, verschafft, einem 

anderen übergibt, von einem anderen übernimmt, sie aufbewahrt, verbirgt oder 

weiterschafft (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O. Art. 226 StGB N. 2 und 5 m.w.H.). 

5.1.3 In subjektiver Hinsicht ist erforderlich, dass der Täter weiss oder annehmen 

muss, dass der Sprengstoff oder das giftige Gas zu verbrecherischem Gebrauch 

bestimmt ist, weshalb Art. 226 StGB nur Vorbereitungs- und Beihilfehandlungen 

zu Art. 224 StGB erfasst. Nicht erforderlich ist, dass der Täter eine genaue Vor-

stellung davon hat. Blosse Fahrlässigkeit genügt nicht, hingegen Eventualdolus 

(ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7). Art. 226 Abs. 1-3 StGB tre-

ten als mitbestrafte Vortat zurück, wenn der Täter vorsätzlich den Tatbestand von 

Art. 224 StGB erfüllt. Übergibt der Täter, der Sprengstoff selber strafbar verwen-

det, einen Teil des Sprengstoffes einem anderen und weiss dabei oder muss 

annehmen, dass dieser zu verbrecherischem Gebrauch bestimmt ist, liegt echte 

Realkonkurrenz vor (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O. Art. 224 StGB N. 9 m.w.H.). 

5.2 Erwerb und Aufbewahrung von verbotenen pyrotechnischen Gegenständen (An-

klage Ziff. 1.1.5.1) 

5.2.1 Subsumtion objektiver Tatbestand  

5.2.1.1 Der von A. am 21. April 2017 verwendete pyrotechnische Gegenstand sowie die 

zwei von A. an B. und an eine unbekannte Person übergebene pyrotechnischen 

Gegenstände des Typs Petard Shark PS5 sind Sprengstoffe im Sinne von 

Art. 224 StGB (E. 4.2). A. erwarb diese Gegenstände im Dezember 2016 von M. 

und bewahrte sie bei sich zuhause bis zum OFFA-Besuch vom 21. April 2017 auf 

(E. 3.1.1.2 und 3.1.3.1). Der Erwerb und die Aufbewahrung von Sprengstoffen 

sind in Bezug auf diese drei Gegenstände erfüllt.  

5.2.1.2 A. erwarb im Dezember 2016 weitere pyrotechnische Gegenstände, nämlich: 

60 Stück Blitzknallkörper Crazy Robots, Label Triplex, Polen, ca. 6 g NEM; 80 

Stück Blitzknallkörper FP3, Label Jorge, Polen, ca. 3 g NEM; 10 Stück Blitzknall-

körper Tiger Boom, Label Privatex Pyro, Slowakei, ca. 3.5 g NEM; 1 Blitzknall-

körper Super Cobra 6, Hersteller Di Blasio Elio, Italien, ca. 28 g NEM; 4 Stück 

Blitzknallkörper Black Thunder, Hersteller Pirogiochi, Italien, ca. 25 g NEM; 

30 Stück Blitzknallkörper JC05 Label Jorge, Polen, ca. 0.8 g NEM (E. 3.2.3).  

- 38 - 

Das FOR äusserte sich zur Gefährlichkeit dieser Gegenstände im Gutachten vom 

15. August 2018 (E. 3.2.4). Aufgrund der gutachterlichen Feststellungen sind zu-

mindest der Blitzknallkörper Super Cobra 6 und die vier Blitzknallkörper Black 

Thunder, welche eine deutlich über der Schwelle von ca. 10 g Blitzknallsatz für 

lebensgefährliche Verletzungen aufweisende Nettoexplosivstoffmasse aufwei-

sen (TPF pag. 6.296.34), wegen des grossen Zerstörungspotentials und der er-

heblichen Gefährlichkeit (vgl. BGE 104 IV 232 E. 1a) als Sprengstoffe im Sinne 

von Art. 224 StGB zu qualifizieren. Wie es sich damit bei den anderen pyrotech-

nischen Gegenständen verhält, braucht nicht abschliessend beurteilt zu werden.  

Durch das Erwerben und das Aufbewahren der vorgenannten Gegenstände hat 

A. den objektiven Tatbestand von Art. 226 Abs. 2 StGB erfüllt. Zu seinen Gunsten 

ist davon auszugehen, dass es sich bei diesen pyrotechnischen Gegenständen 

sowie den drei Gegenständen des Typs Petard Shark PS5 (E. 5.2.1.1) um eine 

Gesamtbestellung und damit um eine einfache Widerhandlung handelt. 

5.2.2 Subsumtion subjektiver Tatbestand 

 A. handelte wissentlich und willentlich, indem er wusste, dass die von ihm erwor-

benen und aufbewahrten pyrotechnischen Gegenstände zu verbrecherischem 

Gebrauch bestimmt waren; das wird durch deren teilweisen Einsatz durch ihn 

selbst und B. am 21. April 2017 an der OFFA bestätigt. In diesem Sinne sind 

zudem seine Mitteilungen im Chat „Q.“ vom 13. Februar 2017 zu werten (E. 

4.3.1.1). Damit ist der Tatbestand in subjektiver Hinsicht erfüllt.  

 Das Aufbewahren des von A. selber geworfenen Sprengkörpers ist indes als mit-

bestrafte Vortat bereits von Art. 224 Abs. 1 StGB erfasst (E. 4.4 und 5.1.3). 

5.3 Mehrfache Weitergabe verbotener pyrotechnischer Gegenstände (Anklage 

Ziff. 1.1.5.2) 

5.3.1 Subsumtion objektiver Tatbestand  

 Die zwei von A. an B. und an eine weitere, unbekannte Person übergebene py-

rotechnischen Gegenstände des Typs Petard Shark PS5 sind Sprengstoffe im 

Sinne von Art. 224 StGB (E. 4.2). A. hat mit der Weitergabe der beiden Gegen-

stände an die genannten Personen den objektiven Tatbestand von Art. 226 Abs. 

2 StGB erfüllt. Es liegt dabei mehrfache Tatbegehung vor. 

5.3.2 Subsumtion subjektiver Tatbestand 

 A. handelte wissentlich und willentlich, da er wusste bzw. annehmen musste, 

dass die beiden Gegenstände zu verbrecherischem Gebrauch bestimmt waren. 

Diese Absicht wurde denn auch durch den Böllerwurf von B. am 21. April 2017 

- 39 - 

umgesetzt. A. erklärte, er sei durch die Detonation und die Wucht des ersten 

Sprengkörpers erschrocken, habe Panik gehabt und die anderen beiden Spreng-

körper loswerden wollen; er habe nichts mehr damit zu tun haben wollen. Er habe 

gesehen, dass die Busse beschädigt worden seien (TPF pag. 6.931.5 f.). Mit der 

Weitergabe der pyrotechnischen Gegenstände nach der von ihm verursachten 

Detonation an ihm unbekannte Personen und der widerspruchslosen Entgegen-

nahme durch diese (TPF pag. 6.932.5; BA pag. 13-03-0036) musste er damit 

rechnen, dass die Sprengkörper eingesetzt werden könnten, zumal B. ihm beim 

Erhalt des Böllers gesagt habe, dass er diesen jetzt werfen werde (BA pag. 13-

03-0036, -0026). B. bestritt zwar, dies A. gesagt zu haben (BA pag. 13-04-0019); 

in der Hauptverhandlung erklärte er, er glaube, er habe nichts gesagt (TPF pag. 

6.932.5), während A. erklärte, er wisse nicht mehr, wie B. reagiert habe (TPF 

pag. 6.931.7). Die erste Aussage von A. ist jedenfalls ein gewichtiges Indiz dafür, 

dass er wusste oder annehmen musste, dass B. den pyrotechnischen Gegen-

stand ebenfalls an der OFFA einsetzen werde. Damit ist der Tatbestand hinsicht-

lich der Weitergabe in subjektiver Hinsicht erfüllt. Es liegt auch in subjektiver Hin-

sicht mehrfache Tatbegehung vor. 

5.4 Die Anklage wirft A. in Ziff. 1.1.5.1 und 1.1.5.2 mehrere Tatvarianten vor, die alle 

unter den Tatbestand des Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Spreng-

stoffen und giftigen Gasen im Sinne von Art. 226 Abs. 2 StGB zu subsumieren 

sind. A. hat diesen Tatbestand nach dem G