# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 025d46a8-c084-5f00-b113-acdf0243157e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-11-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.11.2009 D-3379/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3379-2006_2009-11-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3379/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  N o v e m b e r  2 0 0 9

Richter Thomas Wespi (Vorsitz), 
Richter Pietro Angeli-Busi, Richter Martin Zoller, 
Gerichtsschreiberin Anna Kühler.

A._______, geboren B._______,
China,
vertreten durch lic. iur. Randi von Stechow, 
(...) ,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFF vom 
3. Mai 2004 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3379/2006

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer ist chinesischer Staatsbürger tibetischer Ethnie 
und stammt gemäss eigenen Angaben aus C._______ in der Autono-
men  Region  Tibet.  Laut  seinen  Aussagen  verliess  er  China  im  Juli 
2001 in Richtung D._______ und reiste über ihm unbekannte Länder 
am 27. Juli  2001 unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz 
ein,  wo  er  gleichentags  in  der  Empfangsstelle  E._______  um  Asyl 
nachsuchte und wo er am 30. Juli  2001 befragt  wurde. Am 14. Sep-
tember  2001  fand  die  Anhörung  durch  die  zuständige  Behörde  des 
Kantons Y._______ statt.

B.
Anlässlich der durchgeführten Befragungen machte der Beschwerde-
führer im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei  in seinem Heimat-
land keiner richtigen Erwerbstätigkeit nachgegangen, zuletzt habe er 
seinem Vater in der Landwirtschaft geholfen und habe regelmässig mit 
Waren  aus  D._______  gehandelt,  welche  er  an  der  Grenze  gekauft 
habe. Im Jahr 1999 habe er einen Mann namens F._______ kennen 
gelernt und angefangen, „Kurierdienste“ zu verrichten. F._______ habe 
ihm an der Grenze zu D._______ politische Schriften mitgegeben, wel-
che er seinem Onkel G._______ bringen sollte. Viermal habe er solche 
Schriften  für  seinen  Onkel  mitgenommen. Sein  Onkel  habe  ihm so-
dann zweimal Schriften für einen Mann namens X._______ mitgege-
ben. Bei einem Treffen mit F._______ in H._______ habe er erfahren, 
dass die Chinesen von seiner Tätigkeit wüssten, da ein Mann aus sei-
nem Dorf ihn verraten habe. Da dies nicht nur für ihn, sondern auch für 
die  Hintermänner  eine  grosse  Gefahr  bedeutet  habe,  habe  ihm 
F._______  geraten,  das  Land  schleunigst  zu  verlassen. Von seinem 
Vater habe er sodann erfahren, dass die chinesische Polizei zweimal 
zu  seinem Hause  gekommen sei  und  nach  ihm gefragt  habe. Auch 
sein Vater habe ihm geraten, das Land zu verlassen. F._______ habe 
ihm geholfen, von H._______ aus nach D._______ zu fliehen. Bereits 
als Jugendlicher sei er einmal von den chinesischen Behörden festge-
nommen  und  einen  Tag lang  festgehalten  worden,  er  wisse  jedoch 
nicht, aus welchem Grund. 

C.
Mit – am 6. Mai 2004 eröffneter – Verfügung vom 3. Mai 2004 stellte 
das BFF fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

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nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus 
der Schweiz an. Der Vollzug der Wegweisung wurde wegen Unzumut-
barkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. Zur Be-
gründung führte das BFF im Wesentlichen an, die Ausführungen des 
Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 
gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 
142.31) nicht  stand,  so  dass  ihre  Asylrelevanz nicht  geprüft  werden 
müsse. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei. 

D.
Mit Eingabe vom 4. Juni 2004 erhob der Beschwerdeführer durch sei-
ne Rechtsvertretung Beschwerde bei der damals zuständigen Schwei-
zerischen Asylrekurskommission (ARK) und beantragte, die Verfügung 
des BFM vom 3. Mai 2004 sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzu-
lässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, und in prozessualer 
Hinsicht sei auf einen Kostenvorschuss zu verzichten. Auf die Begrün-
dung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegan-
gen. 

E.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2004 verzichtete der Instruktions-
richter  der  ARK  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Am  2. 
März 2006 lud die ARK das BFM zur Vernehmlassung ein. 

F.
Mit  Verfügung  vom 7.  April  2006  zog  das  BFM  den  Entscheid  vom 
3. Mai 2004 teilweise in Wiedererwägung. Der Beschwerdeführer wur-
de zufolge subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling vorläufig aufge-
nommen. 

Zur Begründung führte das BFM aus, der Beschwerdeführer habe seit 
längerer Zeit ausserhalb Tibets respektive der Volksrepublik China ge-
lebt. Die chinesischen Behörden würden den Exiltibeterinnen und -ti-
betern  eine Dalai  Lama-freundliche Haltung unterstellen und würden 
sehr empfindlich auf den Aufenthalt im Ausland reagieren. China ver-
suche deshalb, die Kontrolle über die Tibeter zu verschärfen. Die ille-
gale Ausreise, die Asylgesuchstellung und der langjährige Aufenthalt 
im Ausland würden sehr streng geahndet. Der Beschwerdeführer habe 
deshalb  begründete  Furcht,  bei  einer  Rückkehr  in  die  Volksrepublik 
China ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu 

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werden,  womit  er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle.  Da  es  sich  um 
subjektive Nachfluchtgründe handle, werde kein Asyl gewährt (Art. 54 
AsylG).

G.
Mit Zwischenverfügung vom 19. April  2006 stellte die ARK fest, dass 
die  Beschwerde  vom  4.  Juni  2004  bezüglich  der  Anerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft gegenstandslos geworden sei (Ziffer 1 des Dis-
positivs der Verfügung vom 3. Mai 2004). Dem Beschwerdeführer wur-
de Frist zur Stellungnahme eingeräumt, ob er an der Beschwerde fest-
halte  oder ob er  diese zurückziehe,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos 
geworden sei.

H.
Mit Schreiben vom 30. Mai 2006 teilte die Rechtsvertretung des Be-
schwerdeführers  mit,  ihr  Mandant  halte  an  der  Beschwerde,  soweit 
den darin enthaltenen Begehren nicht durch die Wiedererwägung der 
Vorinstanz vom 7. April 2006 entsprochen worden sei, vollumfänglich 
fest. 

I.
Mit Schreiben vom 10. Dezember 2008 teilte das BFM dem Y._______ 
mit,  es habe am 4. Dezember 2008 seine Zustimmung zur Erteilung 
einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art. 14 Abs.  2  AsylG 
(schwerwiegender persönlicher Härtefall) gegeben. 

J.
Mit Zwischenverfügung vom 17. April 2009 stellte der zuständige Inst-
ruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, dass mit Erteilung 
der  Aufenthaltsbewilligung B die Anordnung des BFM betreffend die 
Wegweisung  (Ziffer  3  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung 
vom 3. Mai  2004)  dahinfalle,  da  diese gegenüber  dem neu erteilten 
Aufenthaltstitel  praxisgemäss keinen Bestand haben könne. Der  Be-
schwerdeführer  verfüge  demnach  über  ein  Aufenthaltsrecht  in  der 
Schweiz  und  die  Beschwerde  sei  zufolge  Wegfalls  des  Streitgegen-
standes in Bezug auf die Wegweisung als gegenstandslos geworden 
abzuschreiben. Er gewährte dem Beschwerdeführer Frist zur Stellung-
nahme, ob er an der Beschwerde vom 4. Juni 2004 festhalte oder die-
se  zurückziehen  wolle,  soweit  diese  nicht  gegenstandlos  geworden 
sei. 

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K.
Mit Schreiben vom 29. April 2009 teilte die Rechtsvertretung des Be-
schwerdeführers mit, der Beschwerdeführer halte an der Beschwerde 
fest.

L.
Mit Verfügung vom 31. August 2009 stellte das BFM das Erlöschen der 
vorläufigen Aufnahme fest,  da  dem Beschwerdeführer  wegen Vorlie-
gens eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls gemäss Art. 84 
Abs. 5 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslän-
derinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) in Verbindung mit  Art. 30 
Abs.  1  Bst.  b  AuG  die  Aufenthaltsbewilligung  B  erteilt  worden  sei. 
Gleichzeitig stellte das BFM fest, dass die bereits angeordnete Weg-
weisung damit ebenfalls dahin gefallen sei. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue 
Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3.
Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch 
die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der 
Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 48 Abs. 1, Art. 50 
und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

4.
Mit  Verfügung  vom  7.  April  2006  zog  das  BFM  die  Verfügung  vom 
3. Mai  2004  teilweise  in  Wiedererwägung,  sprach  dem Beschwerde-
führer die Flüchtlingseigenschaft zu und nahm ihn wegen Unzulässig-
keit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf. Sodann wurde mit Verfü-
gung des BFM vom 31. August 2009 festgestellt, dass dem Beschwer-
deführer wegen Vorliegens eines schwerwiegenden persönlichen Här-
tefalls  gemäss Art.  84  Abs. 5 AuG in Verbindung mit  Art. 30 Abs. 1 
Bst. b AuG eine Aufenthaltsbewilligung erteilt  worden sei. Da der Be-
schwerdeführer  als  Flüchtling anerkannt  und im Besitz  einer  Aufent-
haltsbewilligung ist, beschränkt sich das vorliegende Beschwerdever-
fahren nurmehr auf die Frage seiner Anerkennung als Flüchtling auf-
grund der geltend gemachten Vorfluchtgründe und die Frage der Asyl-
gewährung. In  Bezug auf  die angeordnete  Wegweisung erweist  sich 
die Beschwerde als gegenstandslos.

5.

5.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tra-
gen (Art. 3 AsylG).

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-

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lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

6.
Die Vorinstanz begründete die Abweisung des Asylgesuchs damit, die 
Vorbringen des Beschwerdeführers seien bezüglich seiner Asylgründe 
unglaubhaft. Diese Einschätzung ist im Ergebnis zu bestätigen, wie die 
folgenden Ausführungen zeigen. 

6.1 Zunächst ist festzustellen, dass die Ausführungen des Beschwer-
deführers  hinsichtlich  seiner  behaupteten Kurierdienste  widersprüch-
lich ausgefallen sind. So machte er anlässlich der Befragung geltend, 
er sei von einem Mann namens F._______ gefragt worden, ob er sei-
nem Onkel (...) Pakete mit Dokumenten übergeben könne. Er habe die 
Pakete  nicht  aufgemacht  und  habe  keine  Kenntnis  vom  Inhalt  der 
Schriften gehabt. Auf die Frage, ob er  gewusst habe, was für Doku-
mente er hin- und hergetragen habe, antwortete der Beschwerdeführer 
zunächst, F._______ habe ihm jeweils gesagt, er dürfe den Sack nicht 
öffnen, denn dieser enthalte gefährliche politische Schriften (vgl. act. A 
2/9 S. 4). Er hielt diesbezüglich fest, er habe nichts über die Dokumen-
te gewusst, weil er die Pakte nicht geöffnet habe (act. A 6/11 S. 6). Er 
habe nur gewusst, dass es mit Politik zu tun habe, aber er habe nicht 
genau gewusst,  um was es sich gehandelt  habe (vgl. a.a.O.). In der 
Beschwerdeschrift legte er demgegenüber dar, er habe das Päckchen 
geöffnet und so vom Inhalt Kenntnis genommen. Es habe sich um ver-
botene Schriften, Bücher und tibetische Zeitungen gehandelt, welche 
von Exiltibetern in Indien und D._______ gedruckt worden seien (vgl. 
S. 2 der Beschwerde vom 4. Juni 2004). Der Beschwerdeführer machte 
in der Beschwerde diesbezüglich geltend,  dass der Dolmetscher der 
kantonalen  Befragung  aus  W._______  stamme  und  einen  anderen 
Dialekt als der Beschwerdeführer spreche. Er habe den Dolmetscher 
zwar gut verstanden, aufgrund gewisser Ungereimtheiten dränge sich 
aber die Vermutung auf, dass dieser allenfalls Probleme mit dem Dia-
lekt des Beschwerdeführers bei der Übersetzung gehabt habe. Der Be-
schwerdeführer  sei  sich sicher,  dass er angegeben habe,  das Paket 
mit  den geheimen Schriften lediglich das erste Mal nicht geöffnet zu 
haben. Er habe den Kurierdienst auch nur das erste Mal gegen Entgelt 
geleistet. Danach habe er von dessen Inhalt gewusst: es habe sich um 

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Dokumente  der  Exilregierung  in  Indien  und  China,  um  in  China 
verbotene Bücher, eine tibetische Zeitung und Magazine gehandelt. 

Hierzu ist  festzuhalten,  dass die von der Vorinstanz angeführten Wi-
dersprüche durch den Verweis auf den Dialekt des Übersetzers nicht 
entkräftet oder plausibel erklärt  werden können. Der Beschwerdefüh-
rer sagte sowohl bei der vom BFF vorgenommenen Befragung vom 30. 
Juli  2001 als auch bei der kantonalen Anhörung vom 14. September 
2001 ausdrücklich aus, er habe die Pakete nicht geöffnet. Da bei den 
Befragungen nicht der gleiche Dolmetscher tätig war, können die er-
wähnten Widersprüche nicht dem Dolmetscher angelastet werden. An-
lässlich  der  Anhörung  vom  14.  September  2001  erklärte  der  Be-
schwerdeführer in Bezug auf den ersten Botengang, er habe das ihm 
anvertraute Paket nicht geöffnet, sondern es so seinem Onkel überge-
ben (act. A 6/11  S. 3).  Aus dem konkreten Kontext  der  Frage ergibt 
sich zwar, dass sich diese Aussage nur auf den ersten Botengang be-
zieht. Allerdings  wiederholte  die  Befragerin  im Verlauf  der  Anhörung 
diese Frage, wobei sie sich nicht mehr nur auf den ersten Botengang, 
sondern allgemein auf die Kuriertätigkeit  des Beschwerdeführers be-
zog. Die Frage lautete: „Haben Sie gewusst, was Sie für Dokumente 
hin- und hergetragen haben?“ Der Beschwerdeführer antwortete dar-
auf: „Ich hatte keine Ahnung, weil ich sie nicht geöffnet habe.“ (vgl. act. 
A 6/11 S. 6). Es kann demnach nicht davon gesprochen werden, dass 
der Beschwerdeführer diese Aussage nur auf  den ersten Botengang 
bezog,  wie er  in seiner Beschwerdeschrift  geltend machte. Überdies 
konnte er bereits bei der ersten Befragung keine Aussagen über die 
Schriften  machen.  Er  beantwortete  die  entsprechende  Frage  denn 
auch nicht, sondern verwies lediglich darauf, dass F._______ ihm je-
weils gesagt habe, er „dürfe den Sack nicht öffnen, es seien gefährli-
che politische Schriften.“ (vgl. act. A 2/9 S. 4). Dies zeigt, dass die Be-
hauptung in der Beschwerde, der Beschwerdeführer habe nach dem 
ersten  Botengang  genau  gewusst,  um  welche  Dokumente  es  sich 
handle und was ihr Inhalt sei, nicht aufrechtzuerhalten ist. Dabei ist zu 
berücksichtigen,  dass  die  Protokolle  dem Beschwerdeführer  wörtlich 
rückübersetzt wurden und er mit seiner Unterschrift auf jeder Seite der 
Protokolle  bestätigte,  dass  diese  seinen  Ausführungen  entsprechen. 
Der Beschwerdeführer bestätigte bei der kantonalen Anhörung zudem, 
dass  alle  seine Vorbringen  abschliessend festgehalten  seien  und er 
diesen nichts mehr beizufügen habe. Aus den Protokollen ist nicht er-
sichtlich,  dass der Beschwerdeführer, wie er  in der Beschwerde gel-
tend  machte,  bei  den  Befragungen  aussagte,  es  habe  sich  bei  den 

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Schriften um Dokumente der Exilregierung aus Indien und D._______, 
um in China verbotene Bücher, eine tibetische Zeitung und Magazine 
gehandelt.  Dieses  Vorbringen  muss  deshalb  als  nachgeschoben 
bewertet werden. Aus diesen Gründen vermag der Einwand des Be-
schwerdeführers in der Beschwerde nicht zu überzeugen. 

6.2 Zudem sind die Behauptungen des Beschwerdeführers, aus idea-
listischen Gründen als Kurier für die Sache der Opposition gearbeitet 
zu haben, als unsubstanziiert  zu qualifizieren. Der Beschwerdeführer 
vermag beispielsweise  nicht  darzulegen,  wie  sich  seine Botengänge 
genau abspielten, welches seine Auftraggeber waren und weshalb sich 
diese an ihn gewandt hatten. Er erwähnt zwar einen F._______, den er 
jeweils an der Grenze getroffen habe. Weitere Aufschlüsse über diese 
Person vermag er jedoch nicht  zu geben. Obschon er zwar gemäss 
seinen eigenen Aussagen grundsätzlich gewusst haben soll,  dass es 
sich um politische Schriften gehandelt habe, habe er sich mit seinem 
Onkel nie über politische Fragen unterhalten („Über solche politischen 
Sachen haben wir uns nie unterhalten.“, vgl. act. A 6/11 S. 6). Es ist 
deshalb unglaubhaft,  dass er  – wie er in der Beschwerdeschrift  gel-
tend machte – die Botengänge „von diesem Moment an“,  da er vom 
politischen Charakter der Dokumente Kenntnis genommen hatte, aus 
idealistischen Gründen verrichtete, zumal er bei der ersten Befragung 
angab, er habe sich nie politisch engagiert  (act. A 2/9 S. 5). Der Be-
schwerdeführer  konnte  auch keine Auskunft  darüber  geben,  an wen 
sein  Onkel  die  Schriften  weitergegeben  habe. Nicht  nachvollziehbar 
ist, dass sich der Beschwerdeführer, der nach eigenen Aussagen noch 
einen Monat lang in D._______ geblieben sei (vgl. act. A 2/9, S. 5; A 
6/11, S. 5), sich von dort aus nicht erkundigte, ob sein Onkel, dem er 
die Pakete geliefert habe, ebenfalls verraten worden sei, sollen doch 
der Onkel und der Verräter ebenfalls im gleichen Dorf C._______ ge-
lebt haben (vgl. act. A 6/11, S. 6; A 2/9, S. 4). Es ist schliesslich auch 
unglaubhaft, dass es, wie er geltend machte, auf dem Weg zur Grenze 
keine Kontrollen gebe, „wenn man den Ausweis hat“, und dass er le-
diglich seinen Ausweis habe zeigen müssen und nie untersucht wor-
den sei (vgl. act. A 6/11 S. 7). Insgesamt erwecken die Vorbringen des 
Beschwerdeführers  nicht  den  Eindruck,  als  ob  er  das  Geschilderte 
selbst tatsächlich erlebt hätte. Seine Antworten auf die ihm anlässlich 
der Befragungen gestellten Fragen sind einsilbig und knapp. Er kann 
keinerlei  Informationen über  den Ablauf  und die  Organisation seiner 
Botengänge wiedergeben. Demgegenüber fällt  die Beschreibung sei-
ner Flucht nach D._______, der Reisumstände und der Reiseroute viel 

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ausführlicher  und  substanziierter  aus,  was  darauf  schliessen  lässt, 
dass  lediglich  die  Ausreise  aus  China  auf  tatsächlich  erlebten  Ge-
schehnissen beruhen dürfte. 

6.3 In  Anbetracht  der  erwähnten  erheblichen  –  und  auch  unter  Be-
rücksichtigung der Ausführungen in der Beschwerdeschrift – nicht auf-
lösbaren Unglaubhaftigkeitselemente erübrigt es sich, auf weitere Un-
stimmigkeiten in den protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers 
einzugehen. Aus dem Gesagten ergibt sich vielmehr, dass die Asylvor-
bringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaft-
machung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügen. Die Vorinstanz ist 
folglich zu Recht zur Beurteilung gelangt, der Beschwerdeführer habe 
bezüglich  des  Zeitpunkts  seiner  Ausreise  keine asylrelevante  Verfol-
gung glaubhaft gemacht.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit sie sich nicht als 
gegenstandslos erweist.

8.

8.1 Beim  vorliegenden  Ausgang  des  Verfahrens  (Gutheissung  hin-
sichtlich der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und des Wegwei-

sungsvollzuges,  Abweisung  bezüglich  der  Asylgewährung,  Gegen-

standslosigkeit in Bezug auf die aufgrund einer nachträglich geänder-

ten Sachlage aufgehobene Wegweisung) ist von einem teilweisen Ob-

siegen des Beschwerdeführers auszugehen, wobei  bei  einer solchen 

Verfahrenskonstellationen praxisgemäss von einem Durchdringen von 

zwei  Dritteln  ausgegangen  wird.  Dem  Beschwerdeführer  sind  dem-

nach reduzierte Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 200.-- aufzuer-

legen  (Art.  63  Abs.  1  und  VwVG,  Art.  1  -  3  des  Reglements  vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

8.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 und 8 des 
Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädi-

gungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) 

spricht die Beschwerdeinstanz der  teilweise  obsiegenden Partei  von 

Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  die  der 

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Partei erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten 

zu. Wie in E. 8.1 ausgeführt, ist der Beschwerdeführer zu einem Drittel 

unterlegen.  Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers reichte am 

30.  Mai  2006  eine  Kostennote  ein,  in  der  ein  Aufwand  von  total 

Fr. 1'284.-- (inkl. Auslagen) ausgewiesen wird. Unter Berücksichtigung 

der Aufwendungen für die nachfolgende Eingabe vom 29. April  2009 

und  der  massgebenden  Berechnungsfaktoren  (Art.  9  –  11  und  13 

VGKE) ist von einem als angemessen zu erachtenden Gesamtbetrag 

von Fr. 1'350.-- auszugehen. Die (um einen Drittel reduzierte) Partei-

entschädigung ist somit auf Fr. 900.-- festzusetzen, welche vom Bun-

desamt zu entrichten ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird,  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden,  abge-
wiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 200.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung in der Höhe von Fr. 900.-- auszurichten.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beila-
ge: Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 
(per Kurier; in Kopie)

- das Y._______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Anna Kühler

Versand: 

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