# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 14b10c97-0ea5-524f-9cb5-178432885480
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-03-30
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 30.03.2017 VG.2017.00008 (VG.2017.510)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2017-00008_2017-03-30.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 30. März 2017

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2017.00008

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin  

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 

    	
    Beschwerdegegnerin

    
	
    des Kantons Glarus

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Aktenführung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Am 30. August 2016 meldete sich B.______, Vater von
  C.______, geb. […], und D.______, geb. […], telefonisch bei der Kindes- und
  Erwachsenenschutzbehörde des Kantons Glarus (KESB) und teilte mit, er habe
  erfahren, dass der neue Ehemann von A.______, E.______, vor ca. zwei Wochen
  mit Blaulicht von zu Hause abgeholt worden sei. Er mache sich Sorgen, weil er
  annehme, dass seine Kinder anwesend gewesen seien. Auf Nachfrage bei der
  Kantonspolizei Glarus am 31. August 2016 erhielt die KESB die Antwort,
  dass der Polizeibericht fast fertiggestellt sei und anschliessend der KESB
  zugestellt werde. Am 21. September 2016 erhielt die KESB mit Begleitschreiben
  vom 21. September 2016 Kopien der Strafanzeigen und Polizeirapporte vom 31.
  Juli 2016 und 18. August 2016.

  
	
   

  
	
  1.2 A.______ gebar am 21. September 2016 ihren Sohn
  F.______. Am 12. Oktober 2016 gelangte sie an die KESB und
  forderte eine sofortige Teil-Aktenvernichtung der KESB-Akten. Sie sprach der
  KESB das Recht ab, polizeiliche Akten beizuziehen. Weiter wollte sie
  verhindern, dass ihr Ex-Mann Einsicht in diese Akten erhält. Sie verlangte
  den Erlass einer anfechtbaren Verfügung.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Am 11. Januar 2017 verfügte die KESB, dass die
  Polizeirapporte in den Akten der KESB beibehalten würden (Disp.-Ziff. 1).
  Aufgrund der Polizeirapporte werde eine Abklärung betreffend
  Kindswohlgefährdung aller drei Kinder eröffnet (Disp.-Ziff. 2).

  
	
   

  
	
  2.2 Gegen die Verfügung der KESB vom 11. Januar 2017
  erhob A.______ am 25. Januar 2017 Beschwerde und beantragte sinngemäss,
  der Beschluss der KESB vom 11. Januar 2017 sei aufzuheben. Die
  Polizeirapporte seien aus den Akten zu nehmen und zu vernichten. Sodann sei
  auf die Abklärung betreffend Kindswohlgefährdung zu verzichten.

  
	
   

  
	
  Die KESB beantragte am 3.
  Februar 2017, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf
  einzutreten sei; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten von
  A.______.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Gemäss Art. 450 des Schweizerischen
  Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB) i.V.m. Art. 67 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches im
  Kanton Glarus vom 7. Mai 1911 (EG ZGB) ist das Verwaltungsgericht zur Beurteilung
  von Beschwerden gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zuständig.
  

  
	
   

  
	
  1.2 Zu den
  Prozessvoraussetzungen gehört nach Art. 88 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über
  die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) die Beschwerdebefugnis. Zur
  Beschwerde befugt ist, wer über eine spezifische Beziehungsnähe zur
  Streitsache verfügt und einen praktischen Nutzen aus der Aufhebung oder Änderung
  des angefochtenen Entscheids zieht. Dies ist dann der Fall, wenn die tatsächliche
  oder rechtliche Situation der Beschwerdeführerin durch den Ausgang des Verfahrens
  beeinflusst werden kann (BGE 137 II 30 E. 2.2.2). Die Einleitung eines Abklärungsverfahrens
  durch die Beschwerdegegnerin bzw. durch deren Abklärungsdienst ist nicht
  anfechtbar. Es würde die Verwaltungstätigkeit ungemein erschweren, wenn vor
  dem eigentlichen Verfahren noch ein Verfahren über die Frage stattzufinden
  hätte, ob ein Verfahren eingeleitet werden dürfte. So hat das Bundesgericht
  festgehalten, dass die Eröffnung einer Disziplinarverfahrens gegen einen Beamten
  nicht anfechtbar sei, obwohl dieses für den Betroffenen faktische Unannehmlichkeiten
  bereiten könne und damit ein Nachteil bzw. eine Art Vorverurteilung verbunden
  sei (BGE 131 II 587 4.1.2; vgl. Martin Bertschi, in Alain Griffel [Hrsg.],
  Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A.,
  Zürich/Basel/Genf 2014, § 19 N. 7, § 21 N. 20). Im Übrigen ist
  beispielsweise auch die Eröffnung einer Strafuntersuchung nicht anfechtbar
  (Art. 309 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007
  [StPO]). Die Eröffnung einer Abklärung beinhaltet für sich genommen keine Anordnung
  einer Kindesschutzmassnahme, sondern deren Anordnung oder Nichtanordnung wird
  erst geprüft. Soweit die Beschwerdeführerin die Anordnung einer Abklärung
  bezüglich ihrer drei Kinder anficht, ist sie nicht in ihrer
  Erziehungsautonomie betroffen und es mangelt ihr somit an der
  Beschwerdebefugnis. Auf den Antrag, auf die Abklärung der Kindswohlgefährdung
  sei zu verzichten, ist daher nicht einzutreten. Hingegen kann der
  Beschwerdeführerin kein schutzwürdiges Interesse abgesprochen werden, soweit
  sie beantragt, die Polizeirapporte seien aus den Akten zu nehmen und zu vernichten.
  Diese enthalten sensible Daten, hinsichtlich welcher die Beschwerdeführerin
  ein Interesse hat, dass sie nur einem beschränkten Kreis von Personen zur
  Einsicht offen stehen.

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, es hätte nicht
  zur Erfassung einer Gefährdungsmeldung von B.______, ihrem Ex-Mann, durch die
  Beschwerdegegnerin kommen dürfen. Dieser habe bei der Beschwerdegegnerin
  angerufen und mitgeteilt, er mache sich Sorgen, dass die Kinder anwesend
  gewesen seien, als E.______, ihr jetziger Ehemann, von der Polizei abgeholt
  worden sei. Der Beschwerdegegnerin fehle ein Konzept betreffend das Vorgehen
  bei Gefährdungsmeldungen. Eine Gefährdungsmeldung müsse schriftlich begründet
  eingegeben werden und nur in akuten, superprovisorischen Fällen sei
  ausnahmsweise eine mündliche Gefährdungsmeldung zulässig. Nach einem halben
  Jahr seit dem Vorfall sei die Sachlage aber nicht dringend. Laut der
  Konferenz der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KOKES) und den Konzepten
  der anderen Kantone handle es sich faktisch gar nicht um eine Gefährdungsmeldung
  und es müsse daher auch nicht ermittelt werden. Sie sei nach der Erfassung
  der Gefährdungsmeldung nicht darüber informiert oder angehört worden. Indem
  enorm sensible Daten in den Polizeirapporten enthalten seien und diese Daten
  an die Beschwerdegegnerin weitergeschickt worden seien, sei ihr Anspruch auf
  Datenschutz verletzt und es bestehe die Gefahr einer künftigen Datenschutzverletzung.
  

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen
  Verfügung aus, sie erforsche den Sachverhalt von Amtes wegen, wenn sie eine
  Mitteilung erhalte, wonach das Kindswohl gefährdet sein könnte (Art. 314 Abs.
  1 i.V.m. Art. 446 ZGB). Sie hole dazu die erforderlichen Erkundigungen ein
  und erhebe die notwendigen Beweise. Sie könne eine geeignete Person oder
  Stelle mit Abklärungen beauftragen. In Frage kämen hierfür beispielsweise
  Sozialarbeiter, Ärzte oder andere Fachpersonen. Zudem könne sie Gutachten
  einer sachverständigen Person anordnen. Sie bzw. die Sozialarbeiterin des
  Abklärungsdienstes sei nach der Meldung des Kindsvaters gehalten und berechtigt
  gewesen, abzuklären, ob aufgrund des geschilderten Vorfalls eine
  Kindswohlgefährdung vorliege. Die polizeiliche Intervention sei zumindest ein
  genügendes Indiz gewesen. Die Edition des Polizeirapports sei zur Klärung der
  Sachlage ein taugliches Beweismittel. Die Polizei wäre ebenso berechtigt,
  wenn nicht sogar verpflichtet gewesen, sie zu informieren. Eine Meldung habe
  bereits bei einer möglichen Gefährdung zu erfolgen, weshalb es nicht Sache
  der Polizei sei, die Gefährdungseinschätzung selbst vorzunehmen. Der Anschein
  einer Gefährdung, welche bei einer Todesdrohung durch ein Familienmitglied
  ohne Zweifel gegeben gewesen sei, hätte für die Meldepflicht ausgereicht. Da
  sie wegen der fehlenden Meldung durch die Polizei erst durch die Mitteilung
  des Kindsvaters Kenntnis vom Vorfall genommen habe, sei sie spätestens zu
  diesem Zeitpunkt gehalten und berechtigt gewesen, in der Sache zu ermitteln.
  Eine Anfrage bei der Beschwerdeführerin sei für den Beizug des
  Polizeirapports nicht notwendig gewesen. Dieser sei gesetzmässig,
  verhältnismässig und geeignet gewesen zur Abklärung einer Kindswohlgefährdung
  infolge Störungen in der Beziehung zwischen der Beschwerdeführerin und
  E.______. Das Akteneinsichtsrecht werde dem Kindsvater B.______ erst nach
  Vornahme einer Interessenabwägung teilweise gewährt oder nicht gewährt.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Gemäss Art. 73 Abs. 1 StPO sind Mitglieder von
  Strafbehörden, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die von
  Strafbehörden ernannten Sachverständigen zur Wahrung des Stillschweigens
  hinsichtlich Tatsaschen verpflichtet, die ihnen in Ausübung ihrer amtlichen
  Tätigkeit zur Kenntnis gelangt sind.

  
	
   

  
	
  3.2 Nach
  Art. 75 Abs. 2 StPO sind die Strafbehörden indessen verpflichtet, die Sozialbehörden
  und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden über eingeleitete Strafverfahren
  sowie .er Strafentscheide zu informieren, wenn dies zum Schutz einer beschuldigten
  oder geschädigten Person oder ihrer Angehörigen erforderlich ist. Gemäss Art. 443 Abs. 2 ZGB ist
  jede Person meldepflichtig, die in amtlicher Tätigkeit von einer
  hilfsbedürftigen Person erfährt. Die Kantone können weitere Meldepflichten
  vorsehen. Gemäss Art. 44 EG ZGB sind
  öffentliche Angestellte, namentlich Polizeibeamte, die in der Ausübung ihres
  Amtes Kenntnis von einer möglichen Kindswohlgefährdung erhalten,
  verpflichtet, diese Gefährdung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zu
  melden. Nach Art. 31 Abs. 1 lit. a und b des Polizeigesetzes vom
  6. Mai 2007 (PolG) darf die Kantonspolizei zudem im Einzelfall
  Personendaten, einschliesslich besonders schützenswerter Personendaten,
  weitergeben, wenn dies zur Abwehr einer unmittelbar drohenden Gefahr für Leib
  und Leben oder anderer höher zu gewichtenden Rechtsgüter geeignet und
  notwendig ist, oder wenn das anfragende öffentliche Organ glaubhaft macht, diese
  zur Erfüllung einer ihr obliegenden gesetzlichen Aufgabe zu benötigen.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 In seinem Anruf bei der Beschwerdegegnerin vom 30.
  August 2016 bekundete B.______ seine Besorgnis über die Situation seiner
  beiden Söhne C.______ und D.______, da E.______ mit Blaulicht habe von zu
  Hause abgeholt werden müssen. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, eine
  Gefährdungsmeldung müsse schriftlich erfolgen und im Übrigen sei der
  Telefonanruf von B.______ keine Gefährdungsmeldung gewesen, geht an der Sache
  vorbei. Die Gefährdungsmeldung muss nicht schriftlich ergehen. Gemäss Art.
  443 Abs. 1 ZGB ist Schriftform nämlich nicht vorgeschrieben. Inhaltlich war
  der Anruf von B.______ als Gefährdungsmeldung zu verstehen, da im Zeitpunkt
  des Anrufs nicht klar war, ob die Kinder C.______ und D.______ durch das
  Handeln von E.______, das eine polizeiliche Intervention erforderlich machte,
  im Sinne von Art. 307 ZGB gefährdet waren. Damit war die Beschwerdegegnerin
  zur Abklärung verpflichtet.

  
	
   

  
	
  4.2 Aktenkundig sind zwei Vorfälle häuslicher
  Auseinandersetzungen vom 31. Juli 2016 und vom 18. August 2016, in deren
  Verlauf die Beschwerdeführerin die Polizei verständigte, diese intervenieren
  musste und die Beteiligten befragte sowie den Ehemann der Beschwerdeführerin
  vorläufig festnahm. 

  
	
   

  
	
  4.2.1 So kam es am Abend des 31. Juli 2016
  (polizeiliche Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 31. Juli 2016) zwischen
  der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann E.______ zu einer
  Auseinandersetzung, in deren Verlauf dieser ihr gedroht habe, sie, ihre
  beiden Kinder und das ungeborene Baby umzubringen. Grund für diese
  Auseinandersetzung seien die Kränkung ihres Ehemanns nach seiner Abholung im
  Durchgangszentrum […], die schweren gesundheitlichen Probleme seiner Mutter
  in […] sowie die Ungewissheit und Uneinigkeit darüber, wie die gemeinsame
  Zukunft gestaltet werden solle, gewesen. Anschliessend rief die Beschwerdeführerin
  die Polizei, welche ihren Ehemann vorläufig festnahm und auf den
  Polizeiposten verbrachte. E.______ bestritt die Todesdrohung gegenüber der
  Beschwerdeführerin und ihren Kindern.

  
	
   

  
	
  4.2.2 Zu einem weiteren Streit, bei dem der Ehemann die
  Beschwerdeführerin durch seine Gestik bedroht habe und der eine polizeiliche
  Intervention notwendig machte, kam es am 18. August 2016. Grund für den Streit
  war die Suche nach Lösungen für die je eigene oder gemeinsame Zukunft, die
  Suche nach den Scheidungsdokumenten und Uneinigkeit bezüglich gemeinsamer
  Unternehmungen. Beim Streit waren die beiden Söhne der Beschwerdeführerin
  anwesend (polizeiliche Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 18. August
  2016).

  
	
   

  
	
  Aufgrund dieser Umstände,
  der kurzen Zeit, die zwischen den Vorfällen verstrich, und des zumindest
  latent vorhandenen Konfliktpotenzials zwischen der Beschwerdeführerin und
  ihrem Ehemann, dessen Entladung ihre Kinder miterleben mussten, ist eine
  mögliche Kindswohlgefährdung nicht auszuschliessen. Es ist widersprüchlich,
  wenn die Beschwerdeführerin von einer von ihrem Ehemann ausgestossenen
  Todesdrohung bezüglich ihr und ihrer Kinder sprach und dennoch davon ausgeht,
  es bestehe keine Kindswohlgefährdung. Ausserdem gab die Beschwerdeführerin in
  ihrer Beschwerde zu, die Polizei gerufen zu haben, damit ihr jetziger Ehemann
  sie nicht schlage ("weil es nie mehr so weit kommen wird, dass ein Mann
  mich schlägt"). Wenn die Todesdrohung von E.______ tatsächlich
  ausgesprochen wurde und sich auf die Beschwerdeführerin und alle drei Kinder
  (inkl. das noch nicht geborene) bezog, so ist sicher von einer Gefährdung
  auch des Neugeborenen auszugehen, denn dieses kam am 21. September 2016
  zur Welt und damit nur ein paar Wochen nach dem zweiten Vorfall. 

  
	
   

  
	
  4.3 

  
	
  4.3.1 Die Meldepflicht der Polizei ist gesetzlich
  vorgeschrieben und stützt sich auf Art. 443 Abs. 2 ZGB i.V.m. Art. 44 EG
  ZGB. Wer gestützt auf die Meldepflicht eine Meldung macht und dabei an das
  Amtsgeheimnis gebunden ist, handelt rechtmässig (vgl. Daniel Rosch, in Daniel
  Rosch/Andrea Büchler/Dominique Jakob [Hrsg.], Erwachsenenschutzrecht,
  Einführung und Kommentar zu Art. 360 ff. ZGB und VBVV, 2. A., Basel
  2014, Art. 443 N. 4, 7; Daniel Rosch, Melderechte, Melde- und Mitwirkungspflichten,
  Amtshilfe: die Zusammenarbeit mit der neuen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde,
  in FamPra 2014/2, S. 1020 ff., 1029). Sodann findet die Weitergabe des
  Polizeirapports auch in Art. 31 Abs. 1 lit. a und b PolG eine genügende gesetzliche
  Grundlage.

  
	
   

  
	
  4.3.2 Mit Art. 11 der Bundesverfassung der
  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) geniesst das
  Kindswohl Verfassungsrang und es gilt in der Schweiz als oberste Maxime des
  Kindesrechts in einem umfassenden Sinn (BGE 141 III 328 E. 5.4). Somit
  lagen die Handlungen der Beschwerdegegnerin im öffentlichen Interesse. Sie
  handelte im Rahmen ihrer Amtspflicht. Sie ist dazu gehalten, Berichten über
  Polizeieinsätze in Häusern, in denen auch minderjährige Kinder der
  Beteiligten anwesend sind, nachzugehen. Bei beiden Ereignissen, die einen Polizeieinsatz
  nach sich zogen, waren nämlich die minderjährigen Kinder der Beschwerdeführerin
  anwesend und Letztere war hochschwanger. Nach ihrer eigenen Aussage vom 31. Juli
  2016 hätten ihre Kinder sehr viel Angst gehabt, weshalb sie diese daher von
  ihren Eltern abholen liess (polizeiliche Befragung der Beschwerdeführerin vom
  31. Juli 2016). 

  
	
   

  
	
  4.3.3 Die Weiterleitung der Berichte an die Beschwerdegegnerin
  erscheint auch im Lichte der auf dem Spiel stehenden Interessen zulässig.
  Immerhin berichtete die Beschwerdeführerin über gegen sie und ihre Kinder
  ausgesprochene Todesdrohungen. Dass diese Aussagen aufgenommen und der
  Bericht an die Beschwerdegegnerin weitergeleitet wurde, bezweckte eine
  fachmännische Abklärung einer möglichen Gefährdung des Kindswohls. Die
  Einholung solcher Berichte ist im Übrigen ein geeignetes, mildes und
  zielführendes Mittel zur Abklärung einer Kindswohlgefährdung. Das Interesse
  an der Wahrung des Kindswohls überwiegt deshalb das Interesse der Beteiligten
  an der Geheimhaltung der Polizeiberichte.

  
	
   

  
	
  4.4 Damit wurden die Rapporte rechtmässig erlangt und
  bleiben in den Akten. Schliesslich ist festzuhalten, dass das Verfahren vor
  der Beschwerdegegnerin und nun vor Verwaltungsgericht von der Offizial- und
  Untersuchungsmaxime beherrscht ist (Art. 446 ZGB). Das bedeutet, dass
  diese Behörden alle rechtmässig erstellten Akten und Beweise zu
  berücksichtigen und soweit sie für die Sache wesentlich sind, auch zu
  würdigen haben. Die rechtmässig erhobenen Akten (inkl. Polizeirapporte) haben
  damit in den Akten zu bleiben und es ist ausgeschlossen, dass diese aus den
  Akten entfernt oder vernichtet werden.

  
	
   

  
	
  4.5 Die Befürchtung der Beschwerdeführerin, ihr Ex-Mann
  könnte in die Polizeirapporte Einsicht nehmen und dadurch sensible
  Informationen über ihre Beziehung zu ihrem jetzigen Ehemann erfahren, ist nur
  teilweise begründet. Im Rahmen der Gewährung des Einsichtsrechts an B.______
  wird die Beschwerdegegnerin die Persönlichkeitsrechte der Beschwerdeführerin
  und ihres Ehemannes gegen die Auskunftsansprüche von B.______ sorgfältig
  gegeneinander abzuwägen haben (Art. 449b Abs. 1 ZGB; BGE 113 Ia 1
  E. 4; BGer-Urteil 1A.225/2002 vom 27. Mai 2003 E. 3; Daniel
  Steck, in Andrea Büchler et al. [Hrsg.], FamKomm Erwachsenenschutz, Bern
  2013, Art. 443b N. 8 ff., 11). Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen,
  dass der Kindsvater nicht automatisch das Einsichtsrecht bezüglich seine
  Kinder betreffender Gefährdungsmeldungen und diesbezüglicher Akten nach Art.
  449b Abs. 1 ZGB verliert, nur weil er sein Besuchsrecht nicht ausübt. In
  diesem Zusammenhang hat die Beschwerdegegnerin ein gewisses Ermessen, darüber
  zu entscheiden, welche Inhalte dem Ex-Mann der Beschwerdeführerin zur
  Kenntnis zu bringen sind, wenn dieser darum ersucht. 

  
	
   

  
	
  Die Beschwerde ist somit
  abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Hinzuweisen bleibt darauf,
  dass Beschlüsse, welche F.______ betreffen, auch dessen Vater, E.______, zu
  eröffnen sind, was die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht. Die
  Beschwerdegegnerin wird daher künftig derartige Beschlüsse beiden Elternteilen
  eröffnen.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG)
  hat die Partei, die im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten
  zu tragen. Demgemäss sind die Gerichtskosten von Fr. 800.- der Beschwerdeführerin
  aufzuerlegen. Diese Kosten sind mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss
  von Fr. 300.- und den aus dem früheren Verfahren VG.2016.00095
  (Disp.-Ziff. 2) antragsgemäss nicht zurückerstatteten Kosten von
  Fr. 500.- zu verrechnen (vgl. das Schreiben der Beschwerdeführerin vom
  5. Februar 2017 und die Auftragsbestätigung der X. ______ AG vom 6. Februar
  2017).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt und
    mit dem bereits erhobenen Kostenvorschuss von Fr. 300.- und den bei der
    Gerichtskasse antragsgemäss zurückbehaltenen Fr. 500.- verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]