# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a70422f2-1702-5348-b0af-b149cf6dafc9
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 09.07.2020 SR200006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SR200006_2020-07-09.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SR200006-O /U 
 
Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi 

und Oberrichter lic. iur. Wenker sowie Gerichtsschreiberin lic. iur. 

Leuthard 

Urteil vom 9. Juli 2020 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Gesuchsteller 

 

gegen 

 

Statthalteramt Bezirk Zürich,  
Gesuchsgegnerin 

 

betreffend Widerhandlung gegen das Sozialhilfegesetz   
 
Revision gegen einen Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Zürich vom 
4. Juli 2019 (ST.2019.4297) 
 
 

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Erwägungen: 

I. 

 1. Mit Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Zürich vom 4. Juli 2019 wurde 

A._____ (nachfolgend: Gesuchsteller) wegen unrechtmässigen Bezugs von Sozi-

alhilfeleistungen im Sinne von § 48a Abs. 1 in Verbindung mit § 18 Abs. 1 Sozial-

hilfegesetz (SHG) mit einer Busse von Fr. 150.– bestraft (Urk. 2/1 entspricht 

Urk. 4/6). Der Strafbefehl ist in Rechtskraft erwachsen (vgl. Urk. 7).  

 2. Mit Eingabe vom 21. April 2020 stellte der Gesuchsteller ein Revisionsbe-

gehren und beantragte die Aufhebung des vorgenannten Strafbefehls, wobei ihm 

die Busse samt Gebühren zurückzuzahlen seien. Es sei ein neuer Entscheid mit 

einem Freispruch zu erlassen. Ein allfälliger Strafregistereintrag sei zu löschen 

(Urk. 1).  

 3. Mit Beschluss des Obergerichtes vom 29. Mai 2020 wurde das Revisi-

onsgesuch dem Statthalteramt Bezirk Zürich zur freigestellten Vernehmlassung 

innert 20 Tagen zugestellt (Urk. 5). Das Statthalteramt liess die Frist unbenutzt 

verstreichen (vgl. Urk. 6/1). Damit ist das Verfahren spruchreif. 

 

II. 

 1. Der Gesuchsteller begründet das Revisionsgesuch zusammengefasst 

damit, dass er zu Beginn des Jahres 2019 völlig überraschend einen Rückforde-

rungsentscheid der Sozialen Dienste erhalten habe, in welchem ihm vorgeworfen 

worden sei, dass er seine Einkünfte nicht ordnungsgemäss gemeldet habe. Da er 

seinen Mitwirkungspflichten stets nachgekommen sei – mithin den Sozialen 

Diensten seine Arbeitseinsätze als Reiseleiter jeweils vorgängig angekündigt ha-

be und die Lohnabrechnungen, welche er erst einige Monate später erhalten ha-

be, nach Erhalt eingereicht habe – habe er sich an die Ombudsstelle der Stadt 

Zürich gewandt. Diese habe keine Verletzung seiner Mitwirkungspflicht erkennen 

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können und ihm empfohlen, gegen die Verfügung der Sozialbehörde Einsprache 

zu erheben. Dies habe er innert Frist getan. Anfang Juni 2019 sei er dann von der 

Kantonspolizei zu einer Vernehmung vorgeladen worden. Wiederum sei er zur 

Ombudsstelle gegangen, welche ihm geraten habe, der Polizei die Einsprache 

vorzulegen, was er auch getan habe. Er habe dem Polizisten die Sachlage erklärt, 

doch dieser sei nicht bereit gewesen, auf seine Vorbringen einzugehen. Hernach 

sei er, ohne dass geprüft worden sei, ob er die Mitwirkungspflichten verletzt habe 

oder nicht, mit Strafbefehl vom 4. Juli 2019 gebüsst worden. Er habe sich wehrlos 

gefühlt und eine Einsprache gegen den Strafbefehl als zwecklos erachtet. Dar-

über hinaus habe er sich vor der angedrohten Ersatzfreiheitsstrafe gefürchtet, 

weshalb er die Busse samt Gebühren ratenweise abgezahlt habe. Am 5. März 

2020 – rund ein Jahr nach der Einsprache – sei dann aber ein Entscheid der So-

zialbehörde der Stadt Zürich ergangen, in welchem festgestellt worden sei, dass 

er die Auskunftspflichten im Sinne von § 18 SHG nicht verletzt habe, weshalb die 

Rückerstattungsforderung nicht zulässig gewesen sei (Urk. 1). 

 2. Wer durch ein rechtskräftiges Urteil beschwert ist, kann gemäss Art. 410 

Abs. 1 lit. a StPO Revision verlangen, wenn neue, vor dem Entscheid eingetrete-

ne Tatsachen oder neue Beweismittel vorliegen, die geeignet sind, einen Frei-

spruch oder eine wesentlich mildere Bestrafung herbeizuführen. Neu sind Tatsa-

chen und Beweismittel, wenn sie im Zeitpunkt des zu revidierenden Urteils zwar 

bereits vorhanden, in der nun vorliegenden Bedeutung der Strafbehörde aber 

nicht bekannt waren und nicht in den Entscheid einflossen (Schmid/Jositsch, 

StPO Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 410 N 13; Urteil des 

Bundesgerichtes 6B_781/2015 vom 30. September 2015 u.a. mit Hinweis auf 

BGE 130 IV 72 E. 1). 

 3. Den Akten lässt sich entnehmen, dass der Gesuchsteller mit Verfügung 

der Stellenleitung des Sozialzentrums B._____ vom 18. Dezember 2018 verpflich-

tet wurde, die in der Zeit von 1. September 2016 bis 30. November 2016 zu Un-

recht bezogenen Leistungen im Betrag von Fr. 3'643.50 den Sozialen Diensten 

Zürich zurückzuerstatten (Urk. 4/3/7). Dagegen erhob der Gesuchsteller am 

5. Februar 2019 "Einsprache" bzw. stellte sinngemäss ein Begehren um Neubeur-

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teilung (Urk. 2/3, vgl. Rechtsmittelbelehrung in Urk. 4/3/7). Parallel zum verwal-

tungsrechtlichen Verfahren leiteten die Sozialen Dienste am 13. Mai 2019 beim 

Statthalteramt Bezirk Zürich mittels Strafanzeige ein Strafverfahren gegen den 

Gesuchsteller ein (Urk. 4/1/1). Zudem wiesen sie in einem separaten Schreiben 

an das Statthalteramt auf die Dringlichkeit des Falls hin, da es um nicht deklarier-

te Erwerbseinnahmen von August 2016 gehe und die Gefahr bestehe, dass der 

Sachverhalt bald verjähre (Urk. 4/2). 

 Weiter ist aus den Akten ersichtlich, dass der Gesuchsteller in dem gegen 

ihn erhobenen Strafverfahren am 3. Juni 2019 von der Polizei einvernommen 

wurde. Anlässlich dieser Einvernahme bestritt er den ihm vorgeworfenen Sach-

verhalt und informierte die Polizei – wie von ihm behauptet – über seine "Einspra-

che" bzw. sein Begehren um Neubeurteilung (Urk. 4/5/3 und 4/5/4, vgl. auch De-

legationsverfügung Urk. 4/4/1). Trotz dieser Information sistierte das Statthalter-

amt das Verfahren – wohl nicht zuletzt aufgrund der drohenden Verjährung – nicht 

bis zum Vorliegen eines Entscheids der Sozialbehörde, sondern erliess rund ei-

nen Monat später einen Strafbefehl, ohne zur Klärung des Sachverhaltes weitere 

Beweisabnahmen vorzunehmen (Urk. 4/6). Rund ein Jahr später hiess die Sozial-

behörde das Begehren des Gesuchstellers um Neubeurteilung mit inzwischen 

rechtskräftigem Entscheid vom 5. März 2020 gut und hob den angefochtenen 

Entscheid der Stellenleitung vom 18. Dezember 2018 auf. Zur Begründung führte 

sie aus, dass der Gesuchsteller seine Tätigkeit als Reiseleiter im Jahre 2016 und 

den entsprechenden Verdienst frühzeitig angekündigt habe. Damit sei er seiner 

Melde- und Auskunftspflicht ausreichend nachgekommen (Urk. 2/2, vgl. Urk. 8). 

 Der Entscheid der Sozialbehörde hält klar fest, dass der Gesuchsteller nicht 

gegen das Sozialhilfegesetz (§ 18 Abs. 1 SHG) verstossen hat. Diese Tatsache 

war dem Statthalteramt im Zeitpunkt, als es den Strafbefehl erliess, nicht bekannt 

und hat damit als neu zu gelten.  

 Im Umstand, dass der Gesuchsteller den Strafbefehl nicht angefochten hat, 

kann vorliegend kein Rechtsmissbrauch erblickt werden. Er hat sich als juristi-

scher Laie von der Ombudsstelle beraten lassen und seine Lage im Strafverfah-

ren, nachdem seine Einwände unbeachtet geblieben sind, als aussichtslos einge-

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schätzt, was ihm nicht zur Last gelegt werden kann, war er sich doch im damali-

gen Zeitpunkt über den Ausgang des Verwaltungsverfahrens im Unsicheren. Erst 

mit Erhalt des Entscheids der Sozialbehörde konnte er die neue Tatsache bele-

gen und hat er umgehend ein Revisionsbegehren gestellt. 

 4. Das Revisionsbegehren ist somit gutzuheissen und der angefochtene 

Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Zürich vom 4. Juli 2019 (ST.2019.4297) 

vollumfänglich aufzuheben (Art. 413 Abs. 2 StPO).  

 Da die Aktenlage vorliegend klar ist, kann das Berufungsgericht sogleich in 

der Sache einen neuen Entscheid fällen (Art. 413 Abs. 2 lit. b StPO). Der Ge-

suchsteller hat nicht gegen die Pflichten gemäss § 18 Abs. 1 SHG verstossen und 

ist damit vollumfänglich freizusprechen. Folgerichtig sind die Kosten des Strafbe-

fehlsverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 426 StPO in Verbindung mit 

Art. 423 StPO) und dem Gesuchsteller zusammen mit der von ihm bereits geleis-

teten Busse (vgl. Urk. 9) von der Kasse des Statthalteramtes Bezirk Zürich zu-

rückzuerstatten. 

 

III. 

 Da der Gesuchsteller vom Statthalteramt wegen einer Übertretung eines 

kantonalen Gesetzes gebüsst und darüber hinaus eine Busse von weniger als 

Fr. 5'000.– ausgefällt wurde, wurde der Strafbefehl gar nie im Strafregister einge-

tragen (Art. 366 Abs. 2 lit. b StGB i.V. m. Art. 3 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 VOSTRA-

Verordnung). Das Begehren des Gesuchstellers, eine allfällige Eintragung aus 

dem Strafregister zu löschen, ist demnach gegenstandslos. 

 

IV. 

 Ausgangsgemäss sind die Kosten des Revisionsverfahrens auf die Ge-

richtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO).  

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Es wird erkannt: 

1. Der Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Zürich vom 4. Juli 2019 

(ST.2019.4297) wird aufgehoben. 

2. Der Gesuchsteller wird vollumfänglich freigesprochen. 

3. Die Kosten des Strafbefehlsverfahrens werden auf die Staatskasse genom-

men und dem Gesuchsteller zusammen mit der von ihm bereits geleisteten 

Busse von der Kasse des Statthalteramtes Bezirk Zürich zurückerstattet. 

4. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. 

5. Schriftliche Mitteilung an  

− den Gesuchsteller 
− das Statthalteramt Bezirk Zürich (im Doppel) 
− die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 

sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist resp. Erledigung allfäl-

liger Rechtsmittel an  

− die Kasse des Statthalteramtes Bezirk Zürich (unter Hinweis auf Ziff. 3) 
− das Statthalteramt Bezirk Zürich (unter Rücksendung der Akten). 

6. Rechtsmittel: 

 Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen 

erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

 Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

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Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 9. Juli 2020 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Spiess 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. Leuthard 
 

 

	Urteil vom 9. Juli 2020
	Erwägungen:
	4. Das Revisionsbegehren ist somit gutzuheissen und der angefochtene Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Zürich vom 4. Juli 2019 (ST.2019.4297) vollumfänglich aufzuheben (Art. 413 Abs. 2 StPO).
	Da die Aktenlage vorliegend klar ist, kann das Berufungsgericht sogleich in der Sache einen neuen Entscheid fällen (Art. 413 Abs. 2 lit. b StPO). Der Gesuchsteller hat nicht gegen die Pflichten gemäss § 18 Abs. 1 SHG verstossen und ist damit vollumfä...
	III.

	Es wird erkannt:
	1. Der Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Zürich vom 4. Juli 2019 (ST.2019.4297) wird aufgehoben.
	2. Der Gesuchsteller wird vollumfänglich freigesprochen.
	3. Die Kosten des Strafbefehlsverfahrens werden auf die Staatskasse genommen und dem Gesuchsteller zusammen mit der von ihm bereits geleisteten Busse von der Kasse des Statthalteramtes Bezirk Zürich zurückerstattet.
	4. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz.
	5. Schriftliche Mitteilung an
	 den Gesuchsteller
	 das Statthalteramt Bezirk Zürich (im Doppel)
	 die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich
	sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist resp. Erledigung allfälliger Rechtsmittel an
	 die Kasse des Statthalteramtes Bezirk Zürich (unter Hinweis auf Ziff. 3)
	 das Statthalteramt Bezirk Zürich (unter Rücksendung der Akten).

	6. Rechtsmittel: