# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 31d3e711-327a-529e-98ac-d00b7a7fbcee
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-07
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 07.09.2020 OG.2020.00043 (OGS.2021.100)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2020-00043_2020-09-07.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfügung
  vom 7. September 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2020.00043

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats- und Jugendanwaltschaft

  
	
  des Kantons Glarus                                                                 Gesuchstellerin

  
	
   

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch den Staatsanwalt

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______                                                                                    Beschuldigter
  und

  
	
                                                                                                     Gesuchsgegner

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch Rechtsanwalt B.______

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Sicherheitshaft

  
	
   

  
	
  Erwägungen

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  1.1 Die
  Strafkammer des Kantonsgerichts hat mit Urteil vom 2. September 2020 den
  Beschuldigten A.______ vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung sowie
  vom Vorwurf des qualifizierten Raubs freigesprochen (Verfahren SG.2020.00051,
  dort act. 44 S. 5 Dispositiv-Ziff. 2). Das Urteil des
  Kantonsgerichts erfolgte wenige Stunden nach der mündlichen Hauptverhandlung
  und liegt erst im Dispositiv vor; über die Erwägungen des Kantonsgerichts ist
  nichts bekannt, zumal auch keine öffentliche Urteilseröffnung stattgefunden
  hat.

  
	
   

  
	
  1.2 Mit
  Beschluss ebenfalls vom 2. September 2020 (act. 1) hat die
  Strafkammer des Kantonsgerichts die bestehende Sicherheitshaft über A.______
  aufgehoben (Dispositiv-Ziff. 1). Zugleich aber hat die Strafkammer in
  ihrem Beschluss vorge­merkt, dass die Staatsanwaltschaft zuhanden des
  Obergerichts die Fortsetzung der Sicherheitshaft beantragt habe und der
  Beschuldigte A.______ daher bis zum Entscheid des Obergerichts in Haft bleibe
  (Dispositiv-Ziff. 2).

  
	
   

  
	
  1.3 Mit Eingabe vom 3. September 2020 (act. 2) hat die
  Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Kantonsgerichts vom 2. September
  2020 Berufung angemeldet und dabei auch ihren Antrag auf Fortsetzung der
  Sicherheitshaft bekräftigt.

  
	
   

  
	
  1.4 Der Rechtsvertreter des Beschuldigten beantragt in seiner
  Stellungnahme vom 7. September 2020, es sei das Gesuch um Fortsetzung
  der Sicherheitshaft abzu­weisen (act. 8).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Vorweg ist der Sachverhalt
  zusammen mit der prozeduralen Vorgeschichte summa­risch
  darzulegen:

  
	
   

  
	
  2.1 Die Staatsanwaltschaft
  legt in ihrer Anklageschrift vom 4. Mai 2020 dem Beschuldigten A.______
  hinsichtlich der ihm gegenüber erhobenen Tatvorwürfe der versuchten vorsätzlichen
  Tötung (Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB)
  und des qualifizierten Raubes (Art. 140 Ziff. 1 StGB in Verbindung
  mit Art. 140 Ziff. 4 StGB) Folgendes zur Last (Verfahren
  SG.2020.00051, act. 1 S. 2 ff.):

  
	
   

  
	
  "A.______ besprach sich am Dienstag, 25.
  September 2018, und in den Tagen und Wo­chen zuvor mit zumindest zwei
  weiteren Personen, wobei sie gemeinsam den Entschluss fassten, D.______
  Bargeld und Betäubungsmittel zu entwenden. Sie einigten sich schliess­lich
  darauf, dass A.______ durch eine List in den Personenwagen von D.______ gelan­gen
  und diesen nach […] lotsen würde, während die beiden anderen Personen
  A.______ und D.______ dort erwarten würden. Weiter einigten sie sich darauf,
  dass sie D.______ in […] mit einer geladenen Schusswaffe und mit Stichwaffen
  Angst einflössen und angreifen und diese auch einsetzen würden, um das
  erhoffte Bargeld und die erhofften Betäubungsmittel zu entwenden.

  
	
   

  
	
  Auf nicht näher bekannte Art und Weise brachten
  A.______ und die zumindest zwei wei­teren Personen D.______ dazu, am 25.
  September 2018 im Raum Unterterzen/Walenstadt einen grösseren Bargeldbetrag
  mitzuführen. Am 25. September 2018 um ca. 19:00 Uhr bestieg A.______ im Raum
  Unterterzen/Walenstadt den Personenwagen «Mercedes-Benz S500», Kontrollschild
  […], welcher von D.______ gelenkt wurde, nachdem sich D.______ vorgängig
  ausdrücklich damit einverstanden erklärt hatte, dass A.______ mit ihm
  mitfahren würde. D.______ war nur deshalb damit einverstanden, weil ihm der
  wahre Zweck der Mitfahrt von A.______ nicht offengelegt worden war. D.______
  lenkte den Personenwagen von Walenstadt oder Unterterzen kommend über die
  Autobahn A3 in Fahrtrichtung Weesen. Bei der Ausfahrt «Weesen» verliess
  D.______ die Autobahn. In der Folge lenkte er den Personenwagen über die
  […]-strasse in Rich­tung […]. Nach dem Bahnübergang, welcher sich zwischen
  den Liegenschaften […] und […] befand, wies A.______ D.______ um ca. 19:20
  Uhr an, nach rechts abzubiegen. D.______ entsprach dieser Anweisung und bog
  nach rechts in die ca. 150 Meter lange Sackgasse (Parzellen-Nr. …) ein,
  welche zur Lie­genschaft [...] führte. Beim Ende der Sackgasse, im Bereich
  der Liegen­schaft [...], hielt D.______ den Personenwagen an. D.______ und
  A.______ stiegen aus dem Personenwagen. Im Bereich der dortigen Liegenschaft
  warteten zwei Komplizen von A.______, wobei beide Personen mit je einer
  schwarzen Mütze mas­kiert waren, so dass ihre Gesichter nicht erkennbar
  waren. Dabei handelte es sich um jene Kollegen von A.______, mit welchen
  dieser den Überfall vorab geplant hatte. Die eine dieser beiden Personen
  führte eine Schusswaffe mit, zeigte sie vor und richtete sie ab einem
  gewissen Zeitpunkt in die Richtung von D.______. Einer der anderen Angreifer
  führte eine Stichwaffe mit und brachte sie ebenfalls ins Geschehen mit ein,
  sodass D.______ diese wahrnahm. Während A.______ und seine zwei Kollegen
  D.______ einschüchterten, in der Absicht, ihn gefügig zu machen, versuchte
  A.______ zusammen mit seinen Kollegen, das von D.______ mitgeführte Bargeld
  in der Höhe von insgesamt 65’000 Euro zu behän­digen, womit D.______ nicht
  einverstanden war, weshalb er sich zur Wehr setzte. Dabei kam es zu einer
  physischen Auseinandersetzung zwischen A.______ und D.______, wobei A.______
  durch die beiden weiteren Personen unterstützt wurde: Diejenige Per­son,
  welche eine Stichwaffe mitführte und vorzeigte, griff mit der Stichwaffe
  ebenfalls aktiv in die körperliche Auseinandersetzung ein. Jene Person,
  welche eine Schusswaffe mitführte, richtete diese geladen und schussbereit
  auf D.______, zielte aus einer Distanz von weni­gen Metern auf dessen Körper
  und gab mindestens vier Schüsse ab, wobei vier Schüsse den Körper von
  D.______ trafen. Mit zwei Schüssen traf der Schütze den Bauch, ein Schuss
  traf den linken Unterschenkel und ein weiterer Schuss traf den rechten
  Oberschen­kel. Drei Projektile blieben im Körper von D.______ stecken, zwei
  davon im Bauch. Ein Projektil kam in einem hölzernen Gartentor an der
  westlichen Seite der Liegenschaft [...] zu stecken. Bei der verwendeten
  Schusswaffe handelt es sich um einen Revolver der Marke «Webley, Modell Mark
  VI, Kaliber .455 Webley», wobei Bleige­schosse mit Durchmesser 11.6 mm
  verwendet wurden. Mit dem Waffeneinsatz wollte der Schütze den Angreifer
  A.______ bei der gewaltsamen Wegnahme von Geld und Betäu­bungsmitteln
  unterstützen, was er auch tat. A.______ war auf die Unterstützung seiner
  Kollegen angewiesen und vertraute darauf, dass diese ihre Waffen einsetzen
  würden, zumal er wusste oder zumindest annahm, dass er dem deutlich grösseren
  und kräftigeren D.______ körperlich unterlegen sein würde. A.______ und
  seinen Kollegen gelang es schliess­lich, durch den körperlichen Angriff, die
  Bedrohung mittels Waffen und den Einsatz dersel­ben, dem sich wehrenden
  D.______ auf nicht näher bekannte Art und Weise einen Betrag von 50'000 Euro
  wegzunehmen. Wenige Sekunden nach der letzten Schussabgabe bestieg D.______
  seinen Personenwagen, verliess die Örtlichkeit und fuhr auf direktem Weg zum
  Notfall des Kantonsspitals Glarus, Burgstrasse 99, Glarus. Während der Fahrt
  verlor D.______ aufgrund der Schussverletzungen rund 1.3 Liter an Blut. Im
  Spital musste D.______ umgehend intubiert und operiert werden, ansonsten wäre
  er verstorben. Es folgte eine stati­onäre Behandlung im Kantonsspital Glarus.
  Im Verlaufe der weiteren Behandlung waren mehrere Operationen erforderlich.

  
	
   

  
	
  Ein Betrag von 50'000 Euro, welcher sich vor dem
  Angriff in [...] im Personenwagen von D.______ respektive in dessen Effekten
  befunden hatte und ihm bzw. seiner Familie gehörte, verblieb nach der
  Wegfahrt von D.______ bei der Gruppierung um A.______. Diesen Betrag teilten
  A.______ und seine Kollegen untereinander zu nicht näher bekann­ten Anteilen
  auf. A.______ und seine Kollegen verfügten in der Folge nach ihrem eigenen
  Gutdünken über dieses Geld."

  
	
   

  
	
  2.2 Das Obergericht
  verlängerte letztmals mit Beschwerdeentscheid vom 26. Mai 2020 die (damalige)
  Untersuchungshaft über den Beschuldigten; im betreffenden Entscheid ist zur
  bisherigen Inhaftierung des Beschuldigten Folgendes festgehalten (Verfahren
  OG.2020.00024, act. 31 S. 2 E. I.):

  
	
   

  
	
  "Der Beschuldigte wurde am
  15. November 2018 verhaftet und befand sich bis am
  27. Januar 2020 in Untersuchungshaft. Seit dem
  27. Januar 2020 befindet sich der Beschul­digte im vorzeitigen
  Strafvollzug (act. 3/3, act. 3/6). Der Beschuldigte stellte mit Eingabe
  vom 7. April 2020 bei der Staatsanwaltschaft ein
  Haftentlassungsgesuch (act. 2), welches die Staatsanwaltschaft mit dem Antrag
  auf Abweisung an das Zwangsmassnahmengericht weiterleitete (act. 1). Mit Verfügung vom
  20. April 2020 wies das Zwangsmassnahmengericht das
  Haftentlassungsgesuch des Beschuldigten ab (act. 20)."

  
	
   

  
	
  Weil der Beschuldigte ein Gesuch
  um Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug gestellt hatte, prüfte (und
  bejahte) das Obergericht damals dessen weitere Inhaftie­rung nach den für die
  Untersuchungshaft geltenden Kriterien (Verfahren OG.2020.00024, act. 31
  S. 3 E. III.1. mit Hinweis auf BGE 143 IV 160 Regeste).

  
	
   

  
	
  2.3 Nachdem die
  Staatsanwaltschaft am 4. Mai 2020 gegen den Beschuldigten bei der Strafkammer
  des Kantonsgerichts Anklage erhoben hatte, ordnete das
  Zwangsmassnahmengericht des Kantonsgerichts über den Beschuldigten Sicher­heitshaft
  an, einstweilen längstens bis 9. September (Verfahren SG.2020.00050,
  act. 25 S. 4 Dispositiv-Ziff. 1).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Wird die inhaftierte
  beschuldigte Person erstinstanzlich freigesprochen und ver­fügt das
  erstinstanzliche Gericht deren Freilassung, so kann die Staatsanwaltschaft
  beim erstinstanzlichen Gericht zu Handen der Verfahrensleitung des
  Berufungsge­richts die Fortsetzung der Sicherheitshaft beantragen
  (Art. 231 Abs. 2 StPO). Die Zulässigkeit der Sicherheitshaft nach
  Art. 231 Abs. 2 StPO ist nach den allgemeinen Vorgaben von
  Art. 221 StPO zu messen (Urteil BGer 1B_171/2015 vom 27. Mai 2015 E.
  5.3).

  
	
   

  
	
  3.2 Gemäss Art. 221
  Abs. 1 StPO ist Untersuchungs- und Sicherheitshaft zulässig, wenn die beschuldigte
  Person eines Verbrechens oder Vergehens dringend ver­dächtig ist und zudem
  ernsthaft namentlich zu befürchten ist, dass sie sich durch Flucht dem Strafverfahren
  oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (Fluchtgefahr; lit. a). Die
  Inhaftierung muss zudem verhältnismässig sein (Art. 197 Abs. 1
  lit. c und lit. d StPO).

  
	
   

  
	
  3.2.1 Das Obergericht
  legte in seinem bereits vorhin erwähnten Beschwerdeent­scheid vom 26. Mai
  2020 (dazu vorstehend E. 2.2) die in der Untersuchung gegen den
  Beschuldigten ermittelten Indizien eingehend dar (siehe Verfahren
  OG.2020.00024, act. 31 S. 5 ff. E. 2.3.1 – 2.3.11) und
  gelangte zur Auffassung, dass gegen den Beschuldigten hinsichtlich der ihm
  vorgeworfenen Tatvorwürfe der versuchten vorsätzlichen Tötung und des
  qualifizierten Raubes ein erheblicher und konkreter Tatverdacht bestehe, dies
  aus folgenden Erwägungen (siehe a.a.O., act. 31 S. 8 f.
  E. 2.5):

  
	
   

  
	
  "2.5. Gestützt auf die Haftakten ist nach wie vor
  davon auszugehen, dass der Beschuldigte mit D.______ vom Walensee nach […]
  gefahren ist, dort zum Fabrikareal wollte und D.______ deshalb in diese
  Richtung fuhr, wo er dann kurz davor vom (späteren) Schützen in die Sackgasse
  (und in die Falle) gelotst wurde. Hinsichtlich des Tatablaufs ist erstellt,
  dass auf D.______ mehrfach geschossen und dieser dabei sehr schwer verletzt
  wurde (SG.2019.00035
  act. 2/3). Dass
  der Beschuldigte in die körperliche Auseinandersetzung mit dem Geschädigten,
  anlässlich welcher der Geschädigte ein Messer eingesetzt haben will,
  involviert war und sich dabei schwere Schnittverletzungen an den Händen
  zugezogen hatte, muss aufgrund seiner Blutspuren am Tatort sowie am Fahrzeug
  und an der Jacke des Geschädigten ebenfalls als erstellt gelten
  (SG.2018.00093 act. 2/14, SG.2019.00035 act. 6/4 S. 8 Frage 89). Sodann ist
  aufgrund der Beobachtungen von gerade zwei Auskunftsperso­nen mit sehr hoher
  Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich bei einem der drei flüchtenden
  Männer um den an den Händen blutenden Beschuldigten handelte. Dafür spricht
  auch der Umstand, dass die auf dem Fluchtweg vorgefundenen Blutspuren dem
  Beschuldigten zugeordnet werden konnten (OG.2019.00069 act. 23/37, SG.2018.00093
  act. 2/12). 

  
	
  Bei diesem Sachverhalt drängt sich die Vermutung
  geradezu auf, dass der Beschuldigte zusammen mit den maskierten Angreifern, welche
  auf den Geschädigten geschossen hat­ten, kooperierte (OG.2019.00069 act. 27
  S. S. 13 f. Erw. III.2.6.5 und OG.2019.00046 act. 26 S. 8 f. Erw.
  III.3). Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte gemäss dem
  albanischen Strafregisterauszug, lautend auf A.______ (hier handelt es sich
  um den richtigen Namen des Beschuldigten), am 16. Mai 2017 wegen
  der Produktion und des Ver­kaufs von Betäubungsmitteln zu 7 Jahren und 6
  Monaten Haft verurteilt wurde ("Prodhim Dhe shit je E Narkotikeve. […]
  Denuar Me 7 vite e 6 Muaj Burgim", übersetzt durch Google Übersetzung
  [act. 3/16]).

  
	
  Die Behauptung des Beschuldigten, wonach sich in den Akten
  keine Hinweise befänden, dass er an der versuchten Tötung beteiligt gewesen
  sei, ist nicht nachvollziehbar. Der Beschuldigte blendet aus, dass sein Blut
  aufgrund von DNA-Spuren am Tatort, am Fahrzeug des Geschädigten sowie an
  dessen Jacke und auf dem Fluchtweg identifiziert wurde. Weiter
  ignoriert er, dass gerade zwei Auskunftspersonen beobachten konnten, wie drei
  Männer zusammen vom Tatort weg flüchteten, wovon einer der Männer
  (mutmasslich handelt es sich um den Beschuldigten) an den Händen verletzt schien.
  Nach dem Gesagten liegt ein geradezu erdrückender Tatverdacht (i.S.v.
  Art. 221 Abs. 1 StPO) vor, dass der Beschuldigte an der versuchten
  Tötung zum Nachteil von D.______ beteiligt war. Dieser erdrückende
  Tatverdacht gegen den Beschuldigten hat sich im Verlauf der Strafuntersuchung
  (auch mit den zwei Einvernahmen vom 20. Dezember 2019 und vom
  24. Januar 2020 [act. 3/2 und act. 3/5]) nicht abgeschwächt.
  Die Vorinstanz hat dies zutreffend festgestellt."

  
	
   

  
	
  3.2.2 Sodann erkannte das
  Obergericht in seinem Entscheid vom 26. Mai 2020 auf eine konkrete erhebliche
  Fluchtgefahr, dies mit folgender Begründung (Verfahren OG.2020.00024,
  act. 31 S. 11 f. E. 3.3 und 3.4):

  
	
   

  
	
  "3.3. Die nachfolgenden Anhaltspunkte legen nahe, dass
  sich der Beschuldigte, wenn er auf freiem Fuss wäre, der Strafverfolgung resp. dem Vollzug
  der Strafe durch Flucht entziehen würde:

  
	
  Wie bereits erwähnt, wurde der Beschuldigte in Albanien am 16. Mai 2017 wegen
  einem Betäubungsmitteldelikt zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 6
  Monaten verurteilt. Der
  Beschuldigte ist albanischer Staatsangehöriger und wurde bereits mehrfach
  straffällig (in Italien und in Albanien [act. 3/15, act. 3/16]). Da Albanien
  seine Auslieferung verlangt, ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte
  bereits dem Vollzug der Freiheitsstrafe in Albanien entzogen hat.

  
	
  Der Anklageschrift ist zu entnehmen, dass Italien im März
  2016 gegen den Beschuldigten ein Einreiseverbot für alle Schengenstaaten,
  gültig bis 16. März 2026, verhängte. Dieses Einreiseverbot missachtete der
  Beschuldigte offenbar, indem er rechtswidrig mehrfach in die Schweiz
  einreiste. Das Migrationsamt Zürich erliess am 12. November 2018
  eine Wegwei­sungsverfügung gegen den Beschuldigten; auch diese Verfügung
  missachtete der Beschul­digte (act. 28/1 S. 4 f.). 

  
	
  Anlässlich einer Personenkontrolle in Zürich vom 10.
  November 2018 fanden die Polizisten beim Beschuldigten ein Schreiben seiner
  Anwältin, worin der Beschuldigte mit dem Namen A.______ bezeichnet wurde. Auf
  diesen Namen lautete das im März 2016 in Italien aus­gestellte
  Einreiseverbot. Es ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte eines
  Alias­namens (…) bedient hat, um das bestehende Einreiseverbot zu umgehen
  (SG.2019.00093 act. 2/8).

  
	
  Mit Hinweis auf die bereits angefallenen Dolmetscherkosten
  gemäss der Kostenaufstellung in der Anklageschrift (act. 28/1) spricht der
  Beschuldigte kein Deutsch.

  
	
  Unmittelbar nach der Tat vom 25. September 2018
  setzte sich der Beschuldigte nach Italien ab (vgl. Erw. III.4.3 nachfolgend)
  und am 15. November 2018 versuchte der Beschuldigte, sich mit einem
  Sprung vom Balkon aus dem ersten Stock der Polizei und drohenden Verhaf­tung
  zu entziehen (SG.2018.00093
  act. 2/2 S. 2).

  
	
  Die Mutter des Beschuldigten, […], gab an, ca. März
  oder April 2017 in die Schweiz gekommen zu sein, um hier zu arbeiten. Der
  Rest der Familie lebe in Italien (OG.2019 00069 act. 23/41). Es gibt aus den
  Akten keinerlei Hinweise, dass der Beschuldig­te irgendwelche soziale
  Bindungen – abgesehen von seiner Mutter – zur Schweiz hat.

  
	
   

  
	
  3.4. Das Obergericht ging bereits in seinen Beschlüssen vom
  27. Juni 2019 und vom 20. September 2019 von einer
  konkreten Fluchtgefahr aus (OG.2019.00046 act. 26; OG.2019.00069 act. 27).
  Daran ist festzuhalten. Zu den Ausführungen des Beschuldigten in seiner
  Beschwerde ist Folgendes festzuhalten: 

  
	
  Aufgrund der Vorstrafen des Beschuldigten und der
  erdrückenden Beweislage, kann der Beschuldigte nicht mit einer "sehr
  geringen Reststrafe" rechnen. Die vom Beschuldigten thematisierten
  Vorzüge seines Verbleibs in der Schweiz sind vor dem Hintergrund, dass er
  über keinen gültigen Aufenthaltstitel für die Schweiz verfügt, nicht
  nachvollziehbar. Es ist dem Beschuldigten jedoch beizupflichten, dass Italien
  als mögliches Fluchtland eher unat­traktiv ist, zumal er auch für Italien
  keinen Aufenthaltstitel besitzt und auch in Italien offen­sichtlich bereits
  straffällig wurde. Es ist nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte in der
  Schweiz, ausser zu seiner Mutter, irgendwelche private Beziehungen pflegt
  oder soziale Bindungen aufweist. Bei dieser Sachlage ergeben sich keine
  Hinweise, dass sich der Beschuldigte, wenn er auf freiem Fuss wäre, der
  Strafuntersuchung resp. dem Vollzug der Strafe zur Verfügung halten würde. Es
  ist höchst wahrscheinlich, dass der Beschuldigte, sobald er auf freiem Fuss
  ist, untertauchen wird. Damit ist beim Beschuldigten immer noch von konkreter
  Fluchtgefahr (i.S.v. Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO) auszugehen."

  
	
   

  
	
  3.3 Für die
  Verfahrensleitung des Berufungsgerichts sind keine Anhaltspunkte ersichtlich,
  welche mit Blick auf den soeben dargelegten Beschluss des Oberge­richts vom
  26. Mai 2020 zum jetzigen Zeitpunkt eine andere Beurteilung des drin­genden
  Tatverdachts sowie der Fluchtgefahr nahelegen würden. Zwar hat zwi­schenzeitlich
  das erstinstanzliche Sachgericht den Beschuldigten mit Urteil vom
  2. September 2020 (Verfahren SG.2020.00051, act. 44) von den
  Anklagepunkten der versuchten vorsätzlichen Tötung und des qualifizierten
  Raubes freigesprochen. Weil jedoch das betreffende Urteil des Kantonsgerichts
  erst im Dispositiv vorliegt und somit die sachverhaltlichen und rechtlichen
  Erwägungen des Kantonsgerichts nicht bekannt sind, präsentiert sich
  vorliegend die Ausgangslage nicht anders als im Zeitpunkt des zuvor eingehend
  zitierten Entscheides des Obergerichts vom 26. Mai 2020.

  
	
   

  
	
  Darnach stehen für die
  Verfahrensleitung des Berufungsgerichts folgende Fakten fest: Der
  Beschuldigte stieg am 25. September 2018 im Raum Unterter­zen/Walen­stadt
  in den von D.______ gelenkten Mercedes mit dem Kontrollschild […], wobei
  D.______ in seinem Wagen Notenbündel von mehreren tau­send Euro mitführte,
  welche allesamt mit Drogen kontaminiert waren. Die beiden fuhren in der Folge
  nach Glarus Nord, wo der Beschuldigte den Lenker D.______ anwies, in die
  […]-strasse abzubiegen. Hierbei handelt es sich um eine Sack­strasse, gesäumt
  hauptsächlich von Gewerbe- und Industrieliegen­schaften, und wurde D.______
  dort zu einem verlassenen und durch Gebäulich­keiten rundum abgeschotteten
  Fabrikareal gelotst (siehe dazu Untersuchungsakten, act. 8.1.01 S. 21
  Ziff. 2.1 und S. 23 Ziff. 2.3.5 [Polizeirapport] sowie
  act. 8.1.12 [Fotodokumen­tation]). Dort waren zwei weitere Personen
  zugegen, die beide mut­masslich mas­kiert waren. Zwischen den vier Personen
  kam es in der Folge zu einer Auseinander­setzung, in deren Verlauf D.______
  von vier Schüssen getroffen und dabei lebensgefährlich verletzt wurde. In der
  Folge setzte sich der Beschuldigte zu­sam­men mit den beiden anderen
  unbekannten Personen vom Tatort ab; danach wurden der Beschuldigte und die
  beiden unbekannten Personen von E.______ in […] abgeholt und nach […]
  gefahren (siehe dazu act. 9 S. 9). Die Gesamt­umstände legen die
  Ver­mutung nahe, dass es sich bei der eben beschrie­benen Auseinandersetzung
  auf dem Fabrikareal in [...] um eine Abrechnung im Drogen­milieu handelte.
  Dabei ist beim jetzi­gen Erkenntnisstand davon auszugehen, dass der
  Beschuldigte zusammen mit den beiden unbekannten Personen eine Täterge­meinschaft
  bildete und diese also zu dritt D.______ gegenüberstanden. Bei einer solchen
  3:1-Situation erscheint es als eher unwahrscheinlich, dass D.______ der
  Aggressor gewesen wäre und die Auseinandersetzung zur Eskalation gebracht
  hätte, wie der Verteidiger des Be­schuldigten anlässlich der Verhandlung vor
  Kantonsgericht als mögliche Hypothese ins Spiel brachte (act. 10
  S. 6 Ziff. 7). So oder anders aber steht fest, dass aus der
  Dreiergemeinschaft, welcher der Beschul­digte angehörte, auf D.______ geschos­sen
  wurde und sich in der Folge die drei Personen miteinander vom Tatort
  absetz­ten und sie gemeinsam abgeholt und weggefahren wurden. Lediglich
  ergänzend ist anzumerken, dass der Beschuldig­te punkto Drogenkriminalität
  erheblich vorbelastet ist, wurde er doch 2017 von einem albanischen Gericht
  wegen "Herstellung und Verkauf von Betäubungsmitteln" zu einer
  mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt (Untersuchungsakten,
  act. 1.1.14).

  
	
   

  
	
  Aus alledem ergeben sich
  gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte auf massgebliche Weise,
  sei es als Mittäter oder aber Teilnehmer (Anstiftung oder Gehilfenschaft), in
  das Gewaltdelikt gegen D.______ involviert sein könnte. Ein entsprechend
  dringender Tatverdacht im Sinne von Art. 221 Abs. 1 Ingress StPO
  besteht somit gegen den Beschuldigten unverändert fort.

  
	
   

  
	
  3.4 Der Beschuldigte hat
  keinen Wohnsitz in der Schweiz und verfügt hier auch nicht über gefestigte
  Beziehungen. Würde dessen Inhaftierung zum jetzigen Zeit­punkt aufgehoben,
  würde er unweigerlich untertauchen und sich so dem bevorste­henden
  Berufungsverfahren und einer ihm allenfalls blühenden Sanktion entziehen. Die
  Fluchtgefahr im Sinne von Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO ist somit
  evident. Es kann hier­zu ergänzend auf die einschlägigen Erwägungen im
  Entscheid des Obergerichts vom 26. Mai 2020 verwiesen werden, welche
  vorstehend wiedergegen sind (oben E. 3.2.2).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Einer Fortführung der
  Sicherheitshaft steht auch unter dem Gesichtswinkel der Ver­hältnismässigkeit
  (Art. 197 Abs. 1 lit. c und lit. d StPO) nichts entgegen.

  
	
   

  
	
  4.1 Sollte die
  Staatsanwaltschaft mit ihrer Berufung durchdringen, droht dem Be­schuldigten
  eine mehrjährige Freiheitsstrafe (siehe bei act. 9 S. 1 den
  Strafantrag der Staatsanwaltschaft); es droht daher trotz der bald zwei Jahre
  andauernden Inhaftierung noch bei weitem keine Überhaft (Art. 212
  Abs. 3 StPO). 

  
	
   

  
	
  4.2 Mildere Ersatzmassnahmen
  als eine Inhaftierung des Beschuldigten sind vorlie­gend keine denkbar. Die
  Verfahrensleitung des Berufungsgerichts macht sich hierzu die Erwägungen des
  Obergerichts in seinem Entscheid vom 26. Mai 2020 zu eigen (Verfahren
  OG.2020.00024, act, 31 S. 16 f. E. 5.3.3):

  
	
   

  
	
  Die elektronische Überwachung, allenfalls auch verbunden
  mit einem Hausarrest (sog. Electronic Monitoring, Art. 237 Abs. 2 lit. c
  i.V.m. Abs. 3 StPO), sowie die Meldepflicht (Art. 237 Abs. 2 lit. d
  StPO), würden die sehr hohe Fluchtgefahr im vorliegenden Fall nicht
  hinreichend reduzieren, sondern lediglich bewirken, dass Alarm ausgelöst und
  eine Flucht damit rascher entdeckt würde (BGer 1B_358/2019 Urteil vom
  5. August 2019 E. 4, diesbezüglich wird auch das Merkblatt des
  Ostschweizer Strafvollzugskonkordat zur elektronischen Überwachung im
  Front-Door-Vollzug verwiesen, welches festhält, dass Electronic Monitoring
  weder Delikte noch Fluchten verhindern kann und es deshalb nur als Kontroll-
  und nicht als Sicherungs­instrument eingesetzt werden kann; vgl.
  https://www.osk-web.ch/assets/files/pdf/rechtserlasse/
  MB+Eletronic+Monitoring+EM+2017.pdf, zuletzt besucht am
  20. Mai 2020). 

  
	
  Auch eine Ausweis- und Schriftensperre (Art. 237 Abs. 2
  lit. b StPO) ist angesichts der alba­nischen Staatsangehörigkeit des
  Beschuldigten nur beschränkt wirksam, da die Schweiz ausländischen Behörden
  nicht verbieten kann, neue Ausweise auszustellen (BGer 1B_348/2018 Urteil vom
  9. August 2018 E. 6.2.5). Weiter könnte eine Ausweis- und Schrif­tensperre
  den Beschuldigten nicht daran hindern, unterzutauchen. Zu bedenken ist auch,
  dass sich der Wohnort der Mutter des Beschuldigten (…) in einem grenznahen
  Gebiet befindet und der Beschuldigte bereits in rund einer Stunde die Schweiz
  verlassen könnte. Zur Bannung der konkreten Kollusionsgefahr sind die vom
  Beschuldigten vorge­schlagenen Ersatzmassnahmen unwirksam. Weitere
  Ersatzmassnahmen (i.S.v. Art. 237 Abs. 2 StPO), welche geeignet wären, der
  erheblichen Flucht- und Kollusionsgefahr entge­genzuwirken, sind nicht
  ersichtlich.

  
	
  5.

  
	
  Aus dem Gesagten folgt, dass die
  Sicherheitshaft über den Beschuldigten bis zum rechtskräftigen Abschluss des
  Berufungsverfahrens fortzusetzen ist.

  
	
   

  
	
  Die Regelung der Kosten- und
  Entschädigungsfolgen hat im Endentscheid zu erfol­gen (Art. 421 Abs. 1 StPO).
  Die Gerichtsgebühr für das vorliegende Verfahren ist zuhanden des
  Endentscheids in Beachtung der Bemessungskriterien von Art. 6 und
  gestützt auf Art. 8 der Zivil- und Strafpro­zesskostenverordnung (GS III
  A/5) auf CHF 500.– festzu­setzen.

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Entscheid

  
	
  	
     

    	
     

    
	
    1.

    	
    Die Sicherheitshaft über den
    Beschuldigten A.______ wird bis zum rechts­kräftigen Abschluss des
    Berufungsverfahrens fortgesetzt.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    vorliegende Verfahren wird zuhanden des Endent­scheids auf CHF 500.-
    festgelegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Regelung der Kostenauflage
    und einer allfälligen Entschädigung wird dem Endentscheid vorbehalten.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]