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**Case Identifier:** c2a8a94a-9a27-5a0b-ba44-c045564379ef
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-05
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 05.02.2024 VBE.2023.180
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-180_2024-02-05.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

VBE.2023.180 / lf / sc 
Art. 17 

 

 

Urteil vom 5. Februar 2024 
 

 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Fischer 

Oberrichterin Gössi 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

vertreten durch Dr. iur. Markus Wick, Rechtsanwalt, Bachmattweg 1,  

Postfach, 5070 Frick 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene 1  B._____ 

 

Beigeladene 2  C._____ 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 10. März 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1981 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 11. Februar 2016 

aufgrund psychischer Beschwerden bei der Beschwerdegegnerin zum Be-

zug von Leistungen (berufliche Integration/Rente) der Eidgenössischen In-

validenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin Ab-

klärungen in erwerblicher, medizinischer und persönlicher Hinsicht, holte 

die Akten der Krankentaggeldversicherung (D._____) ein, nahm mehrmals 

Rücksprache mit ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) und liess die 

Beschwerdeführerin begutachten (Gutachten von Dr. med. E._____, Fach-

arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Mai 2020). Nach erneuter 

Rücksprache mit dem RAD wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbe-

gehren der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. Dezember 2020 ab. 

Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht mit Ur-

teil VBE.2021.36 vom 15. Juni 2021 teilweise gut, hob die angefochtene 

Verfügung auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung und anschlies-

senden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurück. 

 

1.2. 

Im Nachgang an das Rückweisungsurteil aktualisierte die Beschwerdegeg-

nerin die medizinischen Akten, nahm Rücksprache mit dem RAD und holte 

eine ergänzende gutachterliche Stellungnahme bei Dr. med. E._____ ein 

(Stellungnahme vom 20. Oktober 2022). Nach erneuten Rücksprachen mit 

dem RAD und durchgeführtem Vorbescheidverfahren wies die Beschwer-

degegnerin das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin mit Verfügung 

vom 10. März 2023 erneut ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 10. März 2023 erhob die Beschwerdeführerin 

mit Eingabe vom 11. April 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte fol-

gende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 10.03.2023 (betr. 
Vers.nr. XY) sei aufzuheben. 

 
2. 
2.1 Der Beschwerdeführerin sei rückwirkend ab 01.08.2016 eine volle In-

validenrente gemäss IVG zuzusprechen, allenfalls nachdem die Be-
schwerdeinstanz ein (Ober)Gutachten von einem/einer Fach-
arzt/Fachärztin im Fachbereich Psychiatrie, spezialisiert auf Trauma-
folgestörungen und dissoziative Störungen, insbesondere zu Ein-
schränkungen der Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Be-
reich angestammter und angepasster Tätigkeiten im relevanten Zeit-
raum eingeholt hat. 

 

 - 3 - 

 

 

2.2 Eventualiter sei die Sache für weitere Abklärungen und/oder zur Neu-
beurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde-

gegnerin, eventualiter zu Lasten des Staates. Der Beschwerdeführe-
rin sei dabei ein Parteikostenersatz gemäss einer auf Aufforderung 
hin einzureichenden Kostennote ihres Rechtsvertreters zuzuspre-
chen. Eventualiter sei ihr ein Parteikostenersatz zuzusprechen, des-
sen Höhe ins Ermessen des Gerichts gestellt wird." 

 

2.2. 

Mit Eingabe vom 25. April 2023 reichte die Beschwerdeführerin eine 

E-Mail-Nachricht ihres behandelnden Psychiaters Dr. med. F._____, Fach-

arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13. April 2023 und von die-

sem ausgestellte Arbeitsunfähigkeitszeugnisse ein. 

 

2.3. 

Mit Vernehmlassung vom 23. Mai 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlichen Verfügungen vom 26. Mai und 1. Juni 2023 

wurden die beruflichen Vorsorgeeinrichtungen der Beschwerdeführerin im 

Verfahren beigeladen und ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. 

Diese liessen sich in der Folge nicht vernehmen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren 

der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 10. März 2023 (Vernehmlas-

sungsbeilage [VB] 134) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden  

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 - 4 - 

 

 

3. 

3.1. 

In der angefochtenen Verfügung vom 10. März 2023 (VB 134) stützte sich 

die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht insbesondere auf das 

psychiatrische Gutachten von Dr. med. E._____ vom 5. Mai 2020 (VB 87) 

und dessen ergänzende Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 (VB 121). 

Letztere hatte sie eingeholt, weil das Versicherungsgericht mit Urteil 

VBE.2021.36 vom 15. Juni 2021 (VB 110) zum Schluss gelangt war, dass 

sich Dr. med. E._____ in seinem Gutachten nicht mit sämtlichen relevanten 

Akten auseinandergesetzt habe. 

 

Im Gutachten vom 5. Mai 2020 hielt Dr. med. E._____ fest, es liessen sich 

keine überwiegend wahrscheinlichen versicherungsmedizinisch relevanten 

psychiatrischen Diagnosen plausibilisieren, welche eine relevante Ein-

schränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit begründen würden. Auch 

rückblickend sei eine Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit 

aufgrund einer überdauernden IV-relevanten psychischen Erkrankung seit 

dem Referenzzeitpunkt der IV-Anmeldung nicht überwiegend wahrschein-

lich (VB 87 S. 41 f.). 

 

In der ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 

gelangte Dr. med. E._____ zum Schluss, dass sich aufgrund der neu ins 

Recht gelegten medizinischen Berichte keine neuen wesentlichen Erkennt-

nisse, welche eine andere versicherungsmedizinische Beurteilung zu be-

gründen vermöchten, ergäben. Auch in Kenntnis der neuen Berichte sei 

keine Änderung der versicherungsmedizinisch-psychiatrischen Beurteilung 

aus dem Gutachten vom 5. Mai 2020 vorzunehmen (VB 121 S. 9). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-

tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.2.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

 - 5 - 

 

 

 

3.3. 

Das Gutachten von Dr. med. E._____ vom 5. Mai 2020 (VB 87), ergänzt 

durch die gutachterliche Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 (VB 121), 

wird den von der Rechtsprechung formulierten Anforderungen an eine be-

weiskräftige medizinische Stellungnahme (vgl. E. 3.2.1. hiervor) gerecht. 

Das Gutachten mit ergänzender Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 ist 

in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) erstellt worden (vgl. VB 87 S. 5 ff., 

10 ff.; 121 S. 5 f.), gibt die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin 

ausführlich wieder (vgl. VB 87 S. 25 ff.), beruht auf einer allseitigen psychi-

atrischen Untersuchung (vgl. VB 87 S. 28 ff.), und der Gutachter setzte sich 

im Anschluss an seine Ausführungen betreffend diagnostische Wertung der 

von der Beschwerdeführerin im Verlauf geklagten Beschwerden eingehend 

mit den subjektiven Beschwerdeangaben bzw. den medizinischen Akten 

auseinander (vgl. VB 87 S. 30 ff.; 121 S. 6 ff.). Das Gutachten, ergänzt 

durch die Stellungnahme vom 20. Oktober 2022, ist in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation nachvoll-

ziehbar und damit grundsätzlich geeignet, den Beweis für den anspruchs-

erheblichen medizinischen Sachverhalt zu erbringen. 

 

3.4. 

Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber im Wesentlichen mit Ver-

weis auf ihren behandelnden Arzt Dr. med. F._____ vor, das Gutachten 

von Dr. med. E._____ sei auch nach dem ergänzenden Bericht vom 

20. Oktober 2022 derart mangelhaft, dass es nicht als Grundlage tauge 

(vgl. Beschwerde S. 6 ff.). 

 

3.4.1. 

Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, Dr. med. E._____ müsse bezüg-

lich der Überprüfung seines eigenen Gutachtens als befangen angesehen 

werden (vgl. Beschwerde S. 16), ist darauf hinzuweisen, dass eine Vorbe-

fassung eines Sachverständigen nicht zwingend den Anschein der Befan-

genheit begründet. Nach der Rechtsprechung kann ein Sachverständiger 

nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil er den Exploranden schon frü-

her einmal begutachtet hat (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110; SVR 2013 IV 

Nr. 30 S. 87, 8C_978/2012 E. 5.3.2; SVR 2009 IV Nr. 16 S. 41, 

8C_89/2007 E. 6.2). Massgebend ist diesbezüglich gemäss Bundesgericht 

im Einzelfall, dass das Verfahren in Bezug auf den konkreten Sachverhalt 

und die konkret zu entscheidenden Rechtsfragen trotz der Vorbefassung 

als offen erscheint und nicht der Anschein der Vorbestimmtheit erweckt 

wird (BGE 117 Ia 182 E. 3b S. 184 mit Hinweis). Entscheidend ist daher, 

ob das Ergebnis der Begutachtung nach wie vor als offen und nicht vorbe-

stimmt erscheint. Kann die Offenheit bejaht werden, ist die Besorgnis der 

Voreingenommenheit trotz Vorbefassung unbegründet (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 8C_276/2016 vom 23. Juni 2016 E. 5.1. mit Hinweisen). Dies 

ist beispielsweise der Fall, wenn der Experte andere Fragen zu 

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beantworten oder sein erstes Gutachten lediglich zu erklären, zu erläutern 

oder zu ergänzen hat, nicht aber, wenn er die Schlüssigkeit seiner früheren 

Expertise zu überprüfen oder objektiv zu kontrollieren hat. Demnach darf 

einem Sachverständigen aufgegeben werden, sein erstes Gutachten zu 

vervollständigen und sich mit weiteren Arztberichten vertiefter auseinan-

derzusetzen. Befangenheit entsteht in einem solchen Fall erst, wenn wei-

tere Umstände hinzutreten, beispielsweise das Gutachten nicht neutral und 

sachlich gehalten ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_35/2014 vom 16. Juni 

2014 E. 2.3.). 

 

Das Versicherungsgericht wies die Sache mit Urteil VBE.2021.36 vom 

15. Juni 2021 zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurück, 

da das Gutachten von Dr. med. E._____ vom 5. Mai 2020 nicht in Kenntnis 

aller relevanten Vorakten bzw. in Auseinandersetzung mit ebenjenen er-

folgt ist, womit sich dieses in diesem Punkt als unvollständig erwiesen hat 

und daher darauf nicht abgestellt werden konnte (vgl. Urteil VBE.2021.36 

vom 15. Juni 2021 E. 4.4.; VB 110 S. 5 f.). Damit musste Dr. med. E._____ 

nicht die Schlüssigkeit seines Gutachtens vom 5. Mai 2020 überprüfen oder 

objektiv kontrollieren, sondern dieses lediglich ergänzen und vervollständi-

gen. Damit lässt die Vorbefassung von Dr. med. E._____ nicht auf eine Be-

fangenheit oder Voreingenommenheit seinerseits schliessen. Dass weitere 

Umstände vorlägen, aufgrund deren von einer Befangenheit des Gutach-

ters auszugehen wäre, macht die Beschwerdeführerin – nach Lage der Ak-

ten zu Recht – nicht geltend. 

 

3.4.2. 

Die Beschwerdeführerin bringt in formeller Hinsicht weiter vor, bereits die 

Struktur des Gutachtens sei nicht lege artis. Dr. med. E._____ habe sich 

über die Gliederungsvorgaben der Beschwerdegegnerin hinweggesetzt, 

was diese selbst in ihrer Verfügung vom 7. Dezember 2020 festgehalten 

habe, und auch der ergänzende Bericht des Gutachters vom 20. Oktober 

2022 korrigiere diesen Strukturmangel nicht. Bereits daher tauge das Gut-

achten von Dr. med. E._____ nicht als Beweismittel (vgl. Beschwerde 

S. 8). 

 

Vorliegend ist jedoch nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin 

auch nicht substantiiert dargetan, inwiefern die von Dr. med. E._____ ge-

wählte Strukturierung des Gutachtens (vgl. Inhaltsverzeichnis des Gutach-

tens [VB 87 S. 3]) dessen Beweiswert in Frage stellen sollte. Entgegen der 

Beschwerdeführerin gab die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 

7. Dezember 2020 zudem lediglich die Ausführungen des RAD-Arztes wie-

der (VB 100 S. 2). Dieser war am 10. November 2020 zum Schluss ge-

langt, es könne auf das Gutachten von Dr. med. E._____ abgestellt wer-

den. Es sei unter formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten korrekt, ins-

gesamt schlüssig und medizinisch nachvollziehbar. Aus formaler Sicht sei 

die Gliederung des Gutachtens korrekt. Die dem Gutachter im 

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Zusammenhang mit den Standardindikatoren gestellten Fragen würden be-

antwortet, auch wenn dies nicht anhand des vorgesehenen Schemas er-

folgt sei (VB 99 S. 1). Dass Dr. med. E._____ sich bei seinen Ausführun-

gen zu den Standardindikatoren nicht am vorgesehenen Schema orien-

tierte, ist schon deshalb unerheblich, weil er eine psychisch bedingte Ar-

beitsunfähigkeit mit nachvollziehbarer Begründung verneinte (VB 87 S. 36, 

41 f.), womit eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Standardindikato-

ren entbehrlich war (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 S. 428 f.; 141 V 281 E. 2.2.1 

S. 287). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass ein Gutachten nicht automa-

tisch seine Beweiskraft verliert, wenn es sich nicht an die Begutachtungs-

leitlinien anlehnt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_295/2022 vom 

21. Dezember 2022; 8C_270/2019 vom 5. September 2019 E. 4.1.2). 

 

3.4.3. 

Soweit die Beschwerdeführerin dem psychiatrischen Gutachten von 

Dr. med. E._____ die abweichende Beurteilung von Dr. med. F._____ ge-

genüberstellen lässt (vgl. Beschwerde S. 6 ff., 11 ff.), trifft es zwar grund-

sätzlich zu, dass die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende 

Betreuung durch behandelnde Ärzte oft wertvolle Erkenntnisse zu erbrin-

gen vermag. Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des the-

rapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des 

amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits (statt vieler: 

BGE 137 V 210 E. 1.2.4. S. 224 mit Hinweis auf BGE 124 I 170 E. 4 

S. 175), lässt es aber nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu 

stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan-

delnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten 

bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil 

die behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der 

Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: 

Urteil des Bundesgerichts 8C_42/2022 vom 13. April 2022 E. 4 mit Hinwei-

sen). Dies ist vorliegend nicht der Fall: 

 

3.4.3.1. 

In seiner nach Kenntnisnahme des Gutachtens vom 5. Mai 2020 erstellten 

Stellungnahme vom 2. September 2020 führte Dr. med. F._____ aus, er 

halte das Gutachten von Dr. med. E._____ vom 5. Mai 2020 sowohl formal 

als auch inhaltlich für fehlerhaft und die darin ausgesprochenen Bewertun-

gen und Schlussfolgerungen würden in keiner Art und Weise der klinischen 

Realität der Beschwerdeführerin entsprechen. Es würden wesentliche Be-

funde und Berichte nicht genannt und nicht gewürdigt (VB 98 S. 1). Er halte 

es für sehr unwahrscheinlich, dass über einen längeren Zeitraum mehrere 

ausgewiesenen Fachpersonen und Institutionen gravierende psychische 

Störungen diagnostiziert hätten, die dann bei der Untersuchung durch 

Dr. med. E._____ plötzlich nicht mehr bestanden hätten. Es liege zudem 

bei Traumafolgestörungen im Wesen des Krankheitsbildes, dass regelmäs-

sig traumaspezifische Inhalte ungenau und fragmentiert berichtet würden. 

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Wären spezifische psychometrische Tests der Traumadiagnostik durchge-

führt worden bzw. wären eine korrekte Diagnostik und psychopathologi-

sche Befunderhebung erfolgt, hätte Dr. med. E._____ niemals behaupten 

können, dass die Kriterien für die Diagnose einer PTBS nicht erfüllt seien. 

Es werde immer wieder deutlich, dass Dr. med. E._____ die Berichte über 

die erlittene Traumatisierung bezweifle und so indirekt die Beschwerdefüh-

rerin der Simulation bezichtige (VB 98 S. 2). Nun sei es tatsächlich so, dass 

das Erscheinungsbild der Beschwerdeführerin und deren Art, zu kommuni-

zieren, negative Gegenübertragungsgefühle provozieren könne. So könne 

man als Laie oder auch als mit diesem Störungsbild nicht vertrauter Fach-

mann tatsächlich den Eindruck erhalten, das Störungsbild sei unecht. Die 

Realität sei aber, dass die Beschwerdeführerin praktisch keinen Zugang zu 

ihren Gefühlen habe und permanent eine Rolle spiele, die sie selbst als 

nicht authentisch erlebe. Mitunter komme es dann allerdings in Belastungs-

situationen zu raptusartigen heftigen Gefühlsausbrüchen. Zu einer korrek-

ten gutachterlichen Haltung gehöre neben der Exploration des zu Begut-

achtenden und einer ausführlichen Würdigung der vorliegenden Berichte 

auch die Kontaktaufnahme mit den Behandlern und Angehörigen. Beides 

sei von Dr. med. E._____ versäumt worden (VB 98 S. 3). 

 

3.4.3.2. 

Zur Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. G._____, Facharzt für Psy-

chiatrie und Psychotherapie, vom 10. November 2020 (VB 99), in welcher 

dieser das Gutachten von Dr. med. E._____ für beweistauglich befunden 

hatte, hielt Dr. med. F._____ am 8. Januar 2021 fest, Dr. med. G._____ sei 

mit keinem Wort auf die von ihm (Dr. med. F._____) gemachten Einwände 

eingegangen. Dieser bescheinige einzig pauschal die angebliche Qualität 

von Gutachter und Gutachten, das er als in sich schlüssig und konsistent 

bezeichne. Dies sei das Gutachten an sich schon, nur beziehe es sich auf 

falsch erhobene Befunde und Prämissen. Im Übrigen impliziere die Stel-

lungnahme von Dr. med. G._____, dass das Gutachten von 

Dr. med. H._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, auf das 

Dr. med. G._____ mit keinem Wort eingehe, fehlerhaft und nicht verwertbar 

sei. Seiner (Dr. med. F._____) Ansicht nach sei das Gutachten von 

Dr. med. H._____ wesentlich relevanter als dasjenige von 

Dr. med. E._____. Entgegen dem RAD-Arzt habe der Begriff der "Gegen-

übertragung" schulenübergreifend in der Facharztausbildung zum Facharzt 

für Psychiatrie und Psychotherapie FMH einen wichtigen Stellenwert. Glei-

ches gelte für die Versicherungsmedizin (VB 103 S. 37). Zudem sei die 

Behauptung, eine (komplexe) PTBS könne gar nicht diagnostiziert werden, 

wenn die Symptome erst im Erwachsenenalter und nicht schon in der Ju-

gend aufgetreten seien, irritierend. Auch hier handle es sich um eine laien-

hafte Behauptung. Bei einer Traumafolgestörung handle es sich immer um 

einen dialektischen Prozess zwischen traumaaktivierenden und trauma-

kompensatorischen Einflüssen. So sei es fast schon die Regel, dass Opfer 

von sexuellem Missbrauch in der Kindheit zunächst jahrelang – zumindest 

 - 9 - 

 

 

scheinbar – nach aussen hin gut funktionieren könnten, bis es zur Dekom-

pensation komme. Wenn man allerdings genau hinschaue, könne man bei 

in der Kindheit bzw. Jugend traumatisierten Menschen meist subklinische 

Funktionseinschränkungen beobachten, dies auch bei der Beschwerdefüh-

rerin. Leider hätten weder Dr. med. G._____ noch Dr. med. E._____ darauf 

Bezug genommen (VB 103 S. 38). 

 

3.4.3.3. 

In der ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 

führte Dr. med. E._____ aus, es handle sich bei den Beurteilungen der psy-

chiatrischen Diagnostik und der daraus abgeleiteten Leistungseinschät-

zung im Bericht von Dr. med. F._____ vom 8. Januar 2021 um eine andere 

Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhalts, der von ihm bereits 

im Gutachten beurteilt bzw. berücksichtigt worden sei. Im Gutachten sei in 

Kenntnis der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin festgehalten 

worden, dass betreffend den Werdegang der Beschwerdeführerin nicht da-

von auszugehen sei, dass eine eingeschränkte intellektuelle Leistungsfä-

higkeit gemäss der ICD-10 überwiegend wahrscheinlich sei; dies gelte, 

auch wenn in einem neu vorgelegten neuropsychologischen Bericht vom 

12. Oktober 2019 Hinweise auf eine ADHS im Kindesalter genannt würden. 

Anhaltspunkte für kinderpsychiatrische Erkrankungen und aus den berich-

teten Traumatisierungen bestehende psychiatrische Brückensymptome, 

die bis ins Erwachsenenalter weiterbestünden und sich relevant auf die be-

rufliche Leistungsfähigkeit auswirkten, seien nicht überwiegend wahr-

scheinlich. Er sei auf diese Aspekte in seinem Gutachten eingegangen, 

weshalb die Angaben von Dr. med. F._____, dass im Gutachten darauf 

nicht Bezug genommen worden sei, unrichtig seien (VB 121 S. 6 f.). Die 

Beschwerdeführerin habe unter anderem die Schule erfolgreich absolviert 

und eine Ausbildung zur Kosmetikerin und Coiffeuse erreicht. Sie habe 

ohne Einschränkungen ihre Mutter-Rolle wahrgenommen bzw. tue dies im-

mer noch und habe eine langjährige Ehe mit dem Kindsvater geführt, so 

dass sie eine Beziehungskonstanz nachweise, die unter anderem bei einer 

Borderline-Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.31) allgemein sehr unty-

pisch wäre. Sie sei mehrere Jahre als Versicherungsvertreterin in einem 

100%-Pensum tätig gewesen und habe hernach mehrere Jahre in einem 

60%igen Arbeitspensum als Verkäuferin gearbeitet. Gerade in diesen Be-

rufen mit Kundenkontakt würden soziale und emotionale Kompetenzen, 

Flexibilität und kognitive Umstellungsfähigkeit verlangt, die die Beschwer-

deführerin über Jahre als Ressource unter Beweis gestellt habe. Sie habe 

eine Familie gegründet und die Mutterrolle erfolgreich ausgefüllt. Sie habe 

zum Begutachtungszeitpunkt wieder eine stabile Lebenspartnerschaft ge-

pflegt. Die Beschwerdeführerin zeige mit diesen Ressourcen, dass sie über 

sehr grosse Kompetenzen in der sozialen und emotionalen Adaptionsfähig-

keit verfüge, die eine komplex traumatisierte Person bzw. eine erheblich 

persönlichkeitsgestörte Person allgemein "nur sehr unwahrscheinlich 

ha[be]". Diese Kompetenzen würden auch unter Berücksichtigung der neu 

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ins Recht gelegten Aktenstücke gegen eine leistungseinschränkende rele-

vante Persönlichkeitsproblematik sprechen. Überdies pflege die Beschwer-

deführerin unauffällige Beziehungen zu einem Freundeskreis. Im Sommer 

2019 sei sie mit dem damaligen Freund und der Tochter in die Sommerfe-

rien gereist und in den Akten würden mehrere Flugreisen ins Ausland fest-

gehalten. Sie habe vor der Corona Pandemie regelmässig die Sauna und 

das Fitnessstudio besucht. Aus diesen Gründen seien bereits die Ein-

gangskriterien, um von einer spezifischen leistungseinschränkenden Per-

sönlichkeitsstörung gemäss der ICD-10 sprechen zu können, überwiegend 

wahrscheinlich nicht erfüllt. Eine seit der Jugend und Adoleszenz sich wie 

ein roter Faden durch die Biografie ziehende Persönlichkeitsstörung, die 

vergleichbare Lebensbereiche gleichermassen einschränke und andau-

ernd durchdringe, sei auch unter Berücksichtigung der neu ins Recht ge-

legten Aktenstücke nicht überwiegend wahrscheinlich (VB 121 S. 8). Die 

Diskrepanz in der Beurteilung (Behandler versus Gutachter) sei sehr wahr-

scheinlich auch mit den unterschiedlichen Rollen erklärbar. Aufgrund der 

neu ins Recht gelegten Berichte würden sich aber keine neuen wesentli-

chen Erkenntnisse, welche eine andere versicherungsmedizinische Beur-

teilung zu begründen vermöchten, ergeben. An den Ausführungen im Gut-

achten sei festzuhalten und der medizinische Sachverhalt ändere sich 

durch die neu ins Recht gelegten Berichte und die darin enthaltenen Beur-

teilungen der zumutbaren Arbeitsfähigkeit nicht (VB 121 S. 9). 

 

3.4.3.4. 

Dr. med. E._____ hat sich entgegen der Beschwerdeführerin (vgl. Be-

schwerde S. 10 f.) damit sowohl in seinem Gutachten (VB 87 S. 30 ff.) als 

auch in der ergänzenden Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 (VB 121 

S. 6 ff.) umfassend mit dem beruflichen Werdegang – zu dem 

Dr. med. E._____ im Rahmen der Erstellung seines Gutachtens der Le-

benslauf der Beschwerdeführerin (VB 87 S. 9 f.), das Protokoll des Erstge-

spräches betreffend Frühintegration (VB 87 S. 8 f.), die Informationen aus 

dem Eingliederungsprozess (VB 87 S. 14 ff.) sowie die subjektiven Anga-

ben zur Berufsanamnese (VB 87 S. 25 ff.) vorgelegen hatten – auseinan-

dergesetzt. Der RAD-Arzt Dr. med. G._____ hielt zudem in seinem Bericht 

vom 5. Februar 2023 zum Bericht von Dr. med. F._____ vom 10. Juni 2020, 

in dem es um den beruflichen Werdegang der Beschwerdeführerin und de-

ren Leistungsfähigkeit ging (VB 129), fest, die darin stehenden Ausführun-

gen würden keine neuen und wesentlichen anderslautenden Angaben dar-

stellen, welche nicht bereits durch Dr. med. E._____ in seinem Gutachten 

gewürdigt worden seien. Die kritische Auseinandersetzung von 

Dr. med. E._____ mit den gleichen Angaben und Ausführungen von 

Dr. med. F._____ sei bereits im Gutachten sowie in der ergänzenden Stel-

lungnahme vom 20. Oktober 2022 erfolgt. Es handle sich also nicht um 

gänzlich neue medizinische Informationen (VB 132 S. 2). 

 

 - 11 - 

 

 

Im Rahmen psychiatrischer Beurteilungen besteht sodann immer ein ge-

wisser Ermessensspielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinische 

Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern die Ex-

pertin oder der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesge-

richts 8C_548/2021 vom 25. Februar 2022 E. 7.2.1 mit Hinweisen). Vorlie-

gend sind ausweislich der Akten weder Hinweise ersichtlich noch wurden 

derartige Anhaltspunkte schlüssig dargetan, wonach die Einschätzung von 

Dr. med. E._____ nicht lege artis erfolgt wäre. So bemängelte 

Dr. med. F._____ in seinem Bericht vom 2. September 2020 (VB 98) zwar 

in formeller Hinsicht eine fehlende Aktenkenntnis von Dr. med. E._____ 

(VB 98 S. 1), dass dieser die nach den Leitlinien erforderlichen psychomet-

rischen Tests nicht durgeführt (VB 98 S. 2) und keine Fremdanamnese ein-

geholt habe (VB 98 S. 3). Die Notwendigkeit der Einholung einer Fremda-

namnese ist aber in erster Linie eine Frage des medizinischen Ermessens 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_794/2017 vom 27. März 2018 E. 4.2.1 

mit Hinweisen). Dass der psychiatrische Gutachter auf die Einholung von 

Auskünften von Drittpersonen verzichtete, ist demnach nicht zu beanstan-

den. Auch bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Ex-

pertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu und es ist ent-

gegen der Auffassung von Dr. med. F._____ nicht zwingend, dass ein psy-

chiatrischer Gutachter Zusatzuntersuchungen anordnet (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 mit Hinweisen). Zu-

dem kommt dem testmässigen Erfassen der Psychopathologie im Rahmen 

der psychiatrischen Exploration rechtsprechungsgemäss generell nur eine 

ergänzende Funktion zu. Ausschlaggebend bleibt die klinische Untersu-

chung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbe-

obachtung (Urteil des Bundesgerichts 9C_344/2013 vom 16. Oktober 2013 

E. 3.1.5). Dass Dr. med. E._____ nach seiner fundierten Untersuchung der 

Beschwerdeführerin auf weitere Abklärungen verzichtete, stand damit 

ebenfalls in seinem fachgutachterlichen Ermessen. Aufgrund des Um-

stands, dass Dr. med. E._____ im Zeitpunkt der Begutachtung nicht über 

die vollständigen Akten verfügt hatte, wurde schliesslich die ergänzende 

Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 eingeholt. 

 

In den E-Mail-Nachrichten vom 3. (vgl. Beschwerdebeilage [BB] 4) und 

13. April 2023 (eingereicht mit Eingabe vom 25. April 2023) sowie in den 

Verlaufsberichten von Dr. med. F._____ vom 16. Oktober 2021 (VB 113), 

7. Dezember 2021 (VB 115) und 23. Dezember 2022 (VB 123) wurde zu-

dem keine Verschlechterung seit der Begutachtung, sondern sogar eine 

leichte Verbesserung der dissoziativen Symptomatik dargetan. Es ist damit 

insgesamt bei der von der gutachterlichen Einschätzung abweichenden Be-

urteilung von Dr. med. F._____ lediglich von einer anderen Beurteilung des 

gleichen medizinischen Sachverhalts auszugehen, ohne dass dabei wich-

tige und nicht bereits hinlänglich bekannte und gewürdigte neue Befunde 

benannt würden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_618/2014 vom 19. De-

zember 2014 E. 2.1 mit Hinweisen). Dies rechtfertigt angesichts der 

 - 12 - 

 

 

umfassenden gutachterlichen Abklärung kein Abweichen von der psychiat-

rischen Einschätzung von Dr. med. E._____, insbesondere da dieser nach-

vollziehbar begründete, weshalb er die Einschätzung von 

Dr. med. F._____ nicht teile (VB 121 S. 6 ff.). Bezüglich der Einschätzung 

von Dr. med. F._____ ist schliesslich der Erfahrungstatsache Rechnung zu 

tragen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte nicht nur in der Funktion als 

Hausärzte (BGE 135 V 465 E. 4.5; 125 V 351 E. 3a/cc), sondern auch als 

spezialärztlich behandelnde Medizinalpersonen sowie auch behandelnde 

Therapiekräfte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in 

Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patientinnen und Patienten 

aussagen (Urteil des Bundesgerichts 8C_515/2020 vom 14. Oktober 2020 

E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die nach der Begutachtung eingereichten Berichte 

von Dr. med. F._____ vermögen damit keine Zweifel an der gutachterlichen 

Einschätzung von Dr. med. E._____ zu begründen. 

 

Soweit die Beschwerdeführerin eine mangelnde Auseinandersetzung von 

Dr. med. E._____ in der ergänzenden Stellungnahme vom 20. Oktober 

2022 mit den weiteren abweichenden ärztlichen Einschätzungen, insbe-

sondere dem Gutachten von Dr. med. H._____, rügt (vgl. Beschwerde 

S. 10), ist sodann festzuhalten, dass sich Dr. med. E._____ durchaus mit 

der Beurteilung von Dr. med. H._____ auseinandergesetzt hat. 

Dr. med. E._____ kam jedoch zum Schluss, dass Dr. med. H._____ die 

Symptomatik im versicherungsmedizinisch-psychiatrischen Gutachten vom 

2. Oktober 2016 (VB 103 S. 50 ff.) als mittelgradige bis schwergradige de-

pressive Episode vor dem Hintergrund einer PTSD (ICD-10 F43.1) seit der 

Kindheit und Jugend interpretiert habe, eine solche im Rahmen der Begut-

achtung vom 1. Mai 2020 aber nicht überwiegend wahrscheinlich zu bestä-

tigen gewesen sei (VB 121 S. 8 f.). Überdies ist darauf hinzuweisen, dass 

es keiner ausdrücklichen Stellungnahme zu jeder einzelnen abweichenden 

Meinung bedarf, sondern von medizinischen Experten eine in Kenntnis der 

Aktenlage gebildete eigenständige Beurteilung erwartet wird (vgl. SVR 

2009 UV Nr. 29 S. 101, 8C_669/2008 vom 25. Februar 2009 E. 3). Dies 

wurde von Dr. med. E._____ gemäss den vorangehenden Ausführungen 

den Vorgaben entsprechend vorgenommen. Dies bestätigte auch der RAD-

Arzt Dr. med. G._____ in seiner Stellungnahme vom 1. Januar 2023. Darin 

führte Dr. med. G._____ aus, Dr. med. E._____ komme in seiner ergän-

zenden Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 nach detaillierter bzw. recht 

differenzierter Würdigung zu der Beurteilung, dass er an seiner Beurteilung, 

die er im Rahmen seiner psychiatrischen Beurteilung vom 5. Mai 2020 ab-

gegeben habe, festhalte. Er begründe seine Beurteilung recht ausführlich 

und für den RAD gut nachvollziehbar. Insofern könne auf die versiche-

rungsmedizinische Beurteilung von Dr. med. E._____ abgestellt werden 

(VB 125 S. 2). 

 

 - 13 - 

 

 

3.4.4. 

Entgegen den entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführerin (vgl. 

Beschwerde S. 8, 11) kommt es für den Aussagegehalt eines medizini-

schen Gutachtens zudem grundsätzlich nicht auf die Dauer der Untersu-

chung an. Massgebend ist in erster Linie, ob ein Gutachten inhaltlich voll-

ständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. statt vieler Urteil des Bundesge-

richts 9C_190/2019 vom 14. Mai 2019 E. 3.1), was vorliegend gemäss den 

vorangehenden Ausführungen zutrifft. 

 

3.4.5. 

Hinsichtlich der medizinischen Beurteilung des Sachverhalts durch den 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist schliesslich darauf hinzuwei-

sen, dass diese bereits deshalb unbehelflich ist, weil er als medizinischer 

Laie hierfür nicht befähigt ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_283/2017 

vom 29. August 2017 E. 4.1.2; 9C_614/2015 vom 21. Juni 2016 E. 5.1). Die 

Frage, ob ein medizinischer Endzustand vorliegt (vgl. Beschwerde S. 17), 

ist sodann bei der Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente der IV 

unbeachtlich (Urteil des Bundesgerichts 8C_584/2019 vom 7. November 

2019 E. 7.2). 

 

3.5. 

Zusammenfassend sind damit weder den Ausführungen der Beschwerde-

führerin noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche am Gut-

achten von Dr. med. E._____ vom 5. Mai 2020 (VB 87), ergänzt durch die 

gutachterliche Stellungnahme vom 20. Oktober 2022 (VB 121), Zweifel zu 

begründen vermöchten (Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-

keit; BGE 134 V 109 E. 9.5, mit Hinweis). Der anspruchsrelevante medizi-

nische Sachverhalt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollständig ab-

geklärt. Auf weitere Abklärungen (vgl. Beschwerde S. 16 f.) ist in antizipier-

ter Beweiswürdigung zu verzichten, da von diesen keine weiteren Erkennt-

nisse zu erwarten sind (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368 mit Hinweisen). 

Gestützt auf das Gutachten von Dr. med. E._____ ist damit betreffend den 

vorliegend massgebenden Beurteilungszeitraum von keiner invalidenversi-

cherungsrechtlich relevanten, längerdauernden Arbeitsunfähigkeit auszu-

gehen (vgl. E. 3.1. hiervor). 

 

4. 

Mangels einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten durchschnittlich 

mindestens 40%igen Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres ohne we-

sentlichen Unterbruch sind damit bereits die materiellen Rentenanspruchs-

voraussetzungen gemäss Art. 6 und 8 ATSG i.V.m. Art. 28 Abs. 1 IVG nicht 

erfüllt. Die Beschwerdegegnerin hat das Rentenbegehren der Beschwer-

deführerin folglich mit Verfügung vom 10. März 2023 (VB 134) zu Recht 

abgewiesen. 

 

 - 14 - 

 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. 

 

5.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.00 werden der Beschwerde-

führerin auferlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als 

 - 15 - 

 

 

Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie 

in Händen hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 5. Februar 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Fricker