# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd37b52b-f46a-59c3-83ef-d704f8a0247b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.06.2010 D-917/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-917-2010_2010-06-08.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-917/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  8 .  J u n i  2 0 1 0

Richter Robert Galliker (Vorsitz), 
Richterin Christa Luterbacher, Richter Walter Lang; 
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

A._______, geboren (...),
B._______, geboren (...),
C._______, geboren (...),
D._______, geboren (...),
E._______, geboren (...),
Kosovo,
alle vertreten durch Dr. iur. Jean-Pierre Menge, 

Gesuchsteller,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern.

Ausstand; Revisionsverfahren D-(...) betreffend Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Januar 2010 / D-(...), 
D-(...), D-(...), 
D-(...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-917/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 30. Juni 2005 die Asylgesuche der 
Gesuchsteller vom 27. November 2003 ablehnte und ihre Wegweisung 
aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug anordnete,

dass  die  in  der  Folge  durchgeführten  Beschwerde-,  Revisions-  und 
Wiedererwägungsverfahren nicht zu einem anderen Resultat führten,

dass  die  Gesuchsteller  daraufhin  die  Schweiz  verliessen  und  am 
24. Juni  2009  in  F._______  um  Asyl  nachsuchten,  jedoch  in 
Anwendung  des  Abkommens  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen 
Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und Verfahren zur  Bestimmung des 
zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder 
in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrages  (Dublin-
Assoziierungsabkommen/DAA,  SR  0.142.392.68)  von  Belgien  in  die 
Schweiz überstellt wurden, 

dass  die  Gesuchsteller  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  zur 
Ausschaffungshaft am 20. November 2009 zum zweiten Mal um Asyl 
in der Schweiz nachsuchten,

dass  das  BFM mit  Verfügungen  vom 7. Januar  2010  in  Anwendung 
vom Art. 32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, 
SR 142.31) auf diese zweiten Asylgesuche nicht eintrat und erneut die 
Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug anordnete,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  diese  Verfügungen 
gerichteten Beschwerden mit Urteil vom 25. Januar 2010 abwies,

dass die Gesuchsteller mit Eingabe vom 29. Januar 2010 durch ihren 
Rechtsvertreter  beim Bundesverwaltungsgericht  ein  Revisionsgesuch 
einreichen liessen,

dass  der  Instruktionsrichter  im  Revisionsverfahren,  G._______,  mit 
Zwischenverfügung  vom 2. Februar  2010  feststellte,  der  Vollzug  der 
Wegweisung werde nicht ausgesetzt und die Gesuchsteller hätten den 
Ausgang des Verfahrens im Ausland abzuwarten,

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dass  die  Gesuchsteller  überdies  zur  Leistung  eines  Kostenvor-
schusses von Fr. 1'200.-- aufgefordert wurden,

dass  der  Rechtsvertreter  der  Gesuchsteller  mit  Eingabe  vom 
15. Februar  2010  die  Adresse  der  zwischenzeitlich  ausgeschafften 
Gesuchsteller  mitteilte  und  zudem  ein  Ausstandsbegehren  gegen 
Bundesverwaltungsrichter G._______ stellte,

dass  zur  Begründung  des  Ausstandsbegehrens  geltend  gemacht 
wurde,  der  zuständige  Instruktionsrichter  sei  offensichtlich  speziell 
gegenüber Angehörigen von Roma-Minderheiten voreingenommen, da 
er  als  ehemaliges  Vorstandsmitglied  der  SVP  H._______  den 
Parteikurs  in  Asyl-  sowie  Ausländerfragen mitgeprägt  habe und sich 
demzufolge  ein  Communiqué  von  2002  mit  dem  Text  "Roma  aus 
Rumänien und Drogenhändler aus Schwarzafrika führen uns zur Zeit 
im  Massstab  1:1  vor,  was  unser  Asylwesen  ist.  Nämlich  ein 
kostspieliger Leerlauf, der uns jedes Jahr fremdkulturelle Einwanderer 
in die Schweiz bringt. Die Mehrzahl der Asylsuchenden kommt heute 
aus muslimischen Ländern." entgegenhalten lassen müsse,

dass die Gesuchsteller mit Zwischenverfügung vom 17. Februar 2010 
aufgefordert  wurden  zu  präzisieren,  welchen  der  in  Art. 34  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110) 
genannten Ausstandsgründe sie mit ihrem Begehren anrufen wollten,

dass  sie  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  22. Februar 
2010 mitteilten, sie stützten ihr Ausstandsbegehren auf Art.  34 Abs. 1 
Bst. e BGG,

dass gestützt auf Art. 36 Abs. 2 BGG, wonach sich die von einem Aus-
standsbegehren  betroffene  Gerichtsperson  über  die  vorgebrachten 
Ausstandsgründe zu äussern hat, Richter G._______ durch den für die 
Behandlung des Ausstandsbegehrens zuständigen Instruktionsrichter 
am 24. Februar 2010 aufgefordert  wurde, sich zu den vorgebrachten 
Ausstandsgründen zu äussern,

dass Richter G._______ dieser Aufforderung am 15. März 2010 innert 
erstreckter Frist nachkam,

dass das Bundesverwaltungsgericht dem Rechtsvertreter der Gesuch-
steller  mit  Verfügung  vom  19. März  2010  die  Stellungnahme  von 
Richter G._______ zur Kenntnis brachte,

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und zieht in Erwägung,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021]) des  BFM  entscheidet 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

dass im Rahmen dieser Verfahren das Bundesverwaltungsgericht auch 
zur abschliessenden Beurteilung von Ausstandsbegehren zuständig ist 
(Art. 37 BGG i.V.m. Art. 38 VGG; vgl. BVGE 2007/4 E. 1.1),

dass nach Art. 38 VGG die Bestimmungen des Bundesgerichtsgeset-
zes über den Ausstand (Art. 34 ff. BGG) im Verfahren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht sinngemäss gelten,

dass über Ausstandsbegehren gegen Gerichtspersonen im Sinne von 
Art. 34 BGG die jeweilige Gerichtsabteilung unter Ausschluss der be-
troffenen Gerichtspersonen (Art. 37 Abs. 1 BGG i.V.m. 38 VGG) in der 
Regel in der Besetzung mit drei Richtern beziehungsweise Richterin-
nen entscheidet (Art. 21 Abs. 1 VGG), sofern nicht die Präsidentin oder 
der  Präsident  im  Interesse  der  Rechtsfortbildung  eine  Fünferbeset-
zung anordnet oder ein Mitglied des Spruchkörpers bei der Kammer-
präsidentin beziehungsweise beim Kammerpräsidenten dies beantragt 
(vgl. Art. 21 und Art. 24 VGG i.V.m. Art. 25 Abs. 2 des Geschäftsregle-
ments vom 17. April 2008 für das Bundesverwaltungsgericht [VGR, SR 
173.320.1]),

dass  das  Ausstandsbegehren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
schriftlich  einzureichen  ist,  sobald  die  Partei  vom  Ausstandsgrund 
Kenntnis erhalten hat, wobei die den Ausstand betreffenden Tatsachen 
zumindest glaubhaft zu machen sind (Art. 36 Abs. 1 BGG),

dass die  Ausstandsgründe in  Art. 34  Abs. 1 Bstn. a-e  BGG geregelt 
sind,

dass  ein  Richter  beziehungsweise  eine  Richterin  in  Ausstand  tritt,  
wenn  er  (oder  sie)  aus  anderen  als  den  in  Art. 34  Abs. 1  Bstn. a-d 
BGG  aufgeführten  Gründen,  insbesondere  wegen  besonderer 

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Freundschaft oder persönlicher Feindschaft mit einer Partei oder ihrem 
Vertreter  beziehungsweise  ihrer  Vertreterin,  befangen  sein  könnte 
(Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG),

dass  eine  besondere  Freundschaft  oder  Feindschaft  von 
Bundesverwaltungsrichter  G._______  zu  einer  Partei  oder  deren 
Rechtsvertreter nicht behauptet wird und auch nicht ersichtlich ist,

dass  eine  im  Rahmen  der  Behandlung  eines  Gesuchs  um 
unentgeltliche  Rechtspflege  vorgenommene  Einschätzung  der 
Prozessaussichten  für  sich  allein  nie  die  Annahme  erlaubt,  die 
Gerichtsperson sei  befangen; es  müssten vielmehr  weitere  konkrete 
Anhaltspunkte hinzukommen (Urteil des Bundesgerichts 2C_262/2008 
vom  7. April  2008,  E. 2.3,  mit  Hinweis  auf  BGE  131  I  113  E. 3.7 
S. 120 ff.),

dass  hinsichtlich  der  Anordnung  vorsorglicher  Massnahmen  von 
denselben Grundsätzen auszugehen ist (vgl. BGE 131 I 113 E. 3.7.2 
S. 123),

dass  für  die  Beurteilung  der  Frage,  ob  nach  objektiven 
Gesichtspunkten  eine  Befangenheit  vorliegt,  das  Kriterium  der 
Offenheit  des  Verfahrensausganges  massgebend  ist,  wobei  dies 
jeweils  in  Bezug  auf  den  im  konkreten  Fall  zu  beurteilenden 
Sachverhalt und betreffend die konkret zu entscheidende Rechtsfrage 
zu untersuchen ist (BGE 114 Ia 50 E. 3d S. 59),

dass dabei nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt  
werden kann, sondern das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit 
vielmehr  in  objektiver  Weise  begründet  erscheinen  muss  (BGE  135 
I 14 E. 2, BGE 134 I 238 E. 2.1, BGE 118 Ia 286 E. 3d),

dass der Hinweis im Ausstandsbegehren auf ein Pressecommuniqué 
aus  dem Jahr  2002  allein  schon  unter  dem zeitlichen  Aspekt  nicht  
geeignet  erscheint,  acht  Jahre  später  den  Anschein  einer 
Befangenheit zu begründen,

dass sich zudem – entgegen der Auffassung der Gesuchsteller – auch 
ein (ehemaliges) Vorstandsmitglied einer kantonalen Partei nicht jede 
Medienmitteilung  derjenigen  Partei,  welcher  er  angehört,  per  se 
entgegenhalten lassen muss,

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dass  in  keiner  Weise  nachvollziehbar  ist,  inwiefern  aufgrund  der 
Zwischenverfügung  vom  2.  Februar  2010  auf  eine  bestimmte 
ideologische  Gesinnung  und  –  mehr  noch  –  auf  ein  persönliches 
Interesse des betreffenden Richters geschlossen werden könnte, aus 
einer  entsprechenden  weltanschaulichen  und  politischen  Motivation 
einen Entscheid in bestimmter Weise zu treffen,

dass somit nicht erkennbar ist, dass und weshalb Richter G._______ 
im  Revisionsverfahren  der  Gesuchsteller  "aus  anderen  Gründen" 
befangen  sein  könnte,  weshalb  das  Ausstandsbegehren  der 
Gesuchsteller abzuweisen ist,

dass die Akten an den zuständigen Instruktionsrichter G._______ zur 
Weiterführung des Revisionsverfahrens zu überweisen sind,

dass  das  sinngemäss  auch  für  das  Ausstandsverfahren  gestellte 
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 
Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG abzuweisen ist, da das Ausstandsbegehren 
– wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos 
zu bezeichnen war, weshalb die kumulativen Voraussetzungen für die 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 300.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) den Gesuchstellern aufzuerlegen und zur Hauptsache 
zu schlagen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Das Ausstandsbegehren wird abgewiesen.

2.
Die Akten des Revisionsverfahrens D-(...)  werden zur  Weiterführung 
des Verfahrens dem bisherigen Instruktionsrichter überwiesen.

3.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das 
Ausstandsverfahren wird abgewiesen.

4.
Die  Kosten  des  Ausstandsverfahrens  von  Fr. 300.--  werden  den 
Gesuchstellern auferlegt und zur Hauptsache geschlagen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Gesuchsteller (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  zu  den  Akten  Ref.-Nr. N  (...)  (in 

Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

Versand: 

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