# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8fcd37ee-5dc0-5d2a-96b6-9ab818ab1453
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-08-28
**Language:** de
**Title:** Staats- und Gemeindesteuern 2013
**Docket/Reference:** ST.2016.318
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2016_318_it.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 ST.2016.318 

Entscheid 

 28. August 2018 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichter Alexander Widl, Ersatzrichter Clau-
de Treyer und Gerichtsschreiber Hans Heinrich Knüsli 

A    

vertreten durch RA lic.iur. B,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrent,  

S t a a t   Z ü r i c h ,   

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Dienstleistungen, 
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Staats- und Gemeindesteuern 2013 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend der Pflichtige) meldete sich per 23. Dezember 2013 zufolge 

Wegzugs  in  einen  anderen  Kanton  von  seinem  bisherigen  Wohnsitz  in  der  selbstbe-

wohnten Eigentumswohnung der Gemeinde S ab. Seine in dieser Eigentumswohnung 

ausgeübte selbstständige Erwerbstätigkeit als Wirtschaftsprüfer- und -berater führte er 

auch nach diesem Datum weiter. 

Der Pflichtige reichte seine am 14. März 2015 unterzeichnete Steuererklärung 

für  die  Steuerperiode  2013  im  Zuzugskanton  sowie  seine  am  24.  März  2015  unter-

zeichnete  Steuererklärung  mit  Kopien  der  für  den  erstgenannten  Kanton  bestimmten 

Unterlagen für dieselbe Steuerperiode im Kanton Zürich ein. Der Zuzugskanton veran-

lagte  den  Pflichtigen  nach  Durchführung  einer  interkantonalen  Steuerausscheidung 

aufgrund  der  Liegenschaften  in  den  Kantonen  Zürich  und  Graubünden  sowie  der 

selbstständigen Beratungstätigkeit im Kanton Zürich mit einem steuerbaren bzw. satz-

bestimmenden  Einkommen  von  Fr. 0.-  bzw.  Fr.  4'800.-  und  einem  steuerbaren  bzw. 

satzbestimmenden Vermögen von Fr. 1'487'000.- bzw. Fr. 2'563'000.-.  

Der  zürcherische  Steuerkommissär  seinerseits  forderte  vom  Pflichtigen  am 

20.  November  2015/7.  Januar  2016  den  Nachweis  für  die  Wohnsitzverlegung  in  den 

anderen Kanton vor dem 31. Dezember 2013, den Kaufvertrag und weitere Unterlagen 

betreffend die neu erworbene Liegenschaft im Zuzugskanton sowie den Nachweis und 

eine Begründung einer Vermögensvermehrung von Fr. 979'000.- in der Steuerperiode 

2013 bei einem deklarierten steuerbaren Einkommen von Fr. 4'200.- ein. Der Pflichtige 

nahm  hierzu  am  11.  Februar  2016  Stellung,  ohne  weitere  Unterlagen  einzureichen. 

Nachdem die Steuerverwaltung des Zuzugskantons auf Verlangen die Steuerausweise 

2013 der UBS und der Migrosbank betreffend den Pflichtigen übermittelt hatte, forderte 

der Steuerkommissär mit erweiterter Auflage vom 13. April 2016 erneut Unterlagen zur 

Wohnsitzverlegung sowie zu den Wertschriftenaktivitäten des Pflichtigen im Jahr 2013 

(insb.  ordnungsgemäss  geführte  Buchhaltung/Aufzeichnungen  inkl.  Transaktionsbele-

ge, Kreditverträge betreffend im Jahr 2013 aktive Libor-Darlehen und feste Vorschüs-

se) ein und mahnte diese Auflage am 27. Mai 2016. Mangels Beantwortung dieser Auf-

lage  schätzte  der  Steuerkommissär  den  Pflichtigen  mit  Einschätzungsentscheid  vom  

4.  Juli  2016  für  die  ganze  Steuerperiode  2013  mit  einem  steuerbaren  bzw.  satzbe-

stimmenden Einkommen von Fr. 603'700.- bzw. Fr. 606'400.- und mit einem steuerba-

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ren bzw. satzbestimmenden Vermögen von Fr. 1'344'000.- bzw. Fr. 1'398'000.- ein. Die 

Wohnsitzverlegung  noch  im  Jahr  2013  erachtete  er  als  nicht  nachgewiesen.  Zudem 

schätzte  er  die  Einkünfte  aus  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  (Wirtschaftsprüfung  so-

wie gewerbsmässiger Wertschriftenhandel) nach pflichtgemässem Ermessen auf netto 

Fr. 600'000.- ein. 

B.  Die  hiergegen  erhobene  Einsprache  des  Pflichtigen  vom  3./4./9.  Au-

gust 2016 mit zahlreichen Beilagen, in welcher dieser einen Verstoss gegen das Ver-

bot  der  interkantonalen  Doppelbesteuerung  gerügt,  an  seiner  Wohnsitzverlegung  in 

den Zuzugskanton noch vor Ende 2013 festgehalten und die Erfüllung der Vorausset-

zungen  für  das  Vorliegen  eines  geschäftsmässigen  Wertschriftenhandels  bestritten 

hatte,  hiess  der  Steuerkommissär  mit  Einspracheentscheid  vom  10. November 2016 

teilweise gut und schätzte den Pflichtigen mit einem steuerbaren bzw. satzbestimmen-

den Einkommen von Fr. 472'900.- bzw. 502'900.- und einem steuerbaren bzw. satzbe-

stimmenden Vermögen von Fr. 1'293'000.- bzw. Fr. 1'370'000.- ein. Dabei akzeptierte 

er  den  ausserkantonalen  Wohnsitz  ab  24.  Dezember  2013,  schätzte  die  realisierten 

Kapitalgewinne aus Wertschriftenveräusserung aufgrund der eingereichten Aufstellung 

(ohne  Transaktionsbelege)  nach  pflichtgemässem  Ermessen  auf  Fr.  500'000.-,  zog 

hiervon  verschiedene  Aufwendungen  ab  und  verlegte  diese  Einkünfte,  die  geschäftli-

chen Schuldzinsen, das Geschäftswertschriftenvermögen sowie die Geschäftspassiven 

nach Massgabe der Wohnsitzdauer auf den Kantone Zürich und den Zuzugskanton. 

C. Mit Rekurs vom 12. Dezember 2016 liess der Pflichtige seine Qualifikation 

als  gewerbsmässiger  Wertschriftenhändler  bestreiten.  Für  den  Fall  der  Beibehaltung 

dieser Qualifikation seien die Einkünfte aus realisierten Kapitalgewinnen unter Berück-

sichtigung  verschiedener  Aufwendungen  (nicht  realisierter  Verlust  auf  einem  Ti-

tel/AHV/Handelsaufwand/Büroanteil)  auf  Fr.  158'000.-  festzulegen,  die  Besteuerung 

des  Wertschriftenvermögens  dem  Zuzugskanton  als  Leitkanton  überlassen  und  das 

Datum der Wohnsitzverlegung in den Zuzugskanton auf den 1. Dezember 2013 festzu-

legen. Zudem verlangte er eine Parteientschädigung. 

Mit Rekursantwort vom 13. Januar 2017 beantragte das kantonale Steueramt 

unter  Beilage  einer  Berechnungstabelle  "Realisierte  Kursgewinne  2013"  Abweisung 

des Rechtsmittels. 

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In  einer  Vorabstellungnahme  vom  6.  Februar  2017  rügte  der  Pflichtige  das 

Fehlen eines Steuerhoheitsentscheids, weshalb keine materielle Einschätzung (teilwei-

se nach pflichtgemässem Ermessen) hätte durchgeführt werden dürfen. Das kantonale 

Steueramt  nahm  hierzu  am  17.  Februar  2017  Stellung.  Mit  Eingabe  selben  Datums 

beantragte der Pflichtige den Abzug weiterer Aufwendungen (Wertschwankungsreser-

ve/AHV-Beiträge).  Das  kantonale  Steueramt  liess  sich  hierzu  am  3.  März  2017  ver-

nehmen.  Schliesslich  nahm  der  Pflichtige  am  30.  Oktober  2017  hierzu  abschliessend 

Stellung. 

Auf die Parteivorbringen wird – soweit rechtserheblich – in den nachfolgenden 

Erwägungen zurückgekommen. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  a)  Vorab  ist  die  Rüge  des  Pflichtigen  betreffend  die  vorgängige  Durchfüh-

rung  eines  Steuerhoheitsverfahrens  zu  prüfen.  Wären  die  Voraussetzungen  für  die 

Durchführung  eines  separaten  vorgängigen  Steuerhoheitsverfahrens  erfüllt,  erwiese 

sich  die  vorliegende  materielle  Einschätzung  für  die  Steuerperiode  2013  als  verfrüht 

und  wäre,  da  sie  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  widerspräche,  als  Ganzes 

aufzuheben. 

b) Das Bundesgericht hat für interkantonale Verhältnisse aus Art. 127 Abs. 3 

der Schweizerischen Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) einen Anspruch des 

Bürgers  auf  Vorausbeurteilung  der  Steuerhoheitsfrage  abgeleitet  (BGE  137  I  273, 

E. 3.3.2; BGr, 10. Juni 2008, 2C_249/2008, E. 3; BGE 125 I 54, E. 1a, 62 I 75; Zweifel/ 

Casanova/Beusch/Hunziker, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, Direkte Steuern, 

2.  A.,  2018,  S.  302  N  9  und  FN  1012;  Zweifel/Hunziker,  in:  Zweifel/Beusch/Mäusli-

Allenspach, Interkantonales Steuerrecht, 2011, § 6 N 102; Peter Locher, Einführung in 

das  interkantonale  Steuerrecht,  4. A.,  2015,  S.  130).  Dies  deshalb,  weil  eine  Person 

erst mit der Feststellung der subjektiven Steuerpflicht die aus der Steuerpflicht erwach-

senden  Verfahrenspflichten  treffen.  Der  Anspruch  besteht  aber  nur  dann,  wenn  die 

grundsätzliche Frage strittig ist, ob jemand der Steuerhoheit eines Kantons untersteht. 

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Ist aber lediglich strittig, ob eine bereits der beschränkten Steuerpflicht unterstehende 

Person inskünftig der beschränkten oder unbeschränkten Steuerpflicht unterliegt bzw. 

mit  welchen  Einkommens-  und  Vermögensteilen  sie  der  grundsätzlich  bestehenden 

beschränkten  Steuerpflicht  unterliegt,  besteht  kein  bundesrechtlicher  Anspruch  auf 

einen  Steuerhoheitsentscheid  (vgl.  Zweifel/Hunziker,  §  6  N  103;  Richner/Frei/Kauf-

mann/  Meuter,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  3.  A.,  2013,  §  3  N  94  und  98 

StG).  Denn  diese  Frage  betrifft  nicht  die  Steuerpflicht  als  solche,  sondern  bloss  den 

Umfang der subjektiven Steuerpflicht. 

c) Der Pflichtige unterliegt für die Steuerperiode 2013 trotz seines – noch nä-

her  zu  bestimmenden  –  Wohnsitzwechsels  im  Dezember  2013  in  den  Zuzugskanton 

weiterhin  infolge  der  fortbestehenden  wirtschaftlichen  Anknüpfung  aufgrund  seines 

Liegenschaftenbesitzes  sowie  seiner  in  der  Eigentumswohnung  in  der  zürcherischen 

Gemeinde  S  ausgeübten  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  als  Wirtschaftsprüfer  und  -

berater einer beschränkten Steuerpflicht im Kanton Zürich. Die im Streit liegende Frage 

der interkantonalen Ausscheidung eines allfälligen Erwerbseinkommens und der dazu-

gehörigen Geschäftsaktiven und -passiven aus selbstständigem Wertschriftenhandel in 

den Kanton Zürich betrifft bei dieser Sachlage lediglich den Umfang einer bereits vor-

bestehenden  beschränkten  Steuerpflicht  im  Kanton  Zürich.  Ein  Anspruch  des  Pflichti-

gen  auf  die  Durchführung  eines  vorgängigen  Steuerhoheitsverfahren  besteht  daher 

nicht. Bezeichnenderweise hat der Pflichtige sich denn auch mit seiner zürcherischen 

Steuererklärung  2013  vom  24.  März  2015  auf  das  hiesige  Einschätzungsverfahren 

eingelassen. 

2. Zwischen den Parteien ist im Hauptpunkt streitig, ob der Pflichtige aufgrund 

der  in  der  Steuerperiode  2013  getätigten  Wertschriftenkäufe  und  -verkäufe  unter  Be-

rücksichtigung  der  gesamten  Umstände  als  selbstständiger  Wertschriftenhändler  zu 

qualifizieren ist bzw. ob die vom Pflichtigen im Jahr 2013 erzielten Gewinne aus dem 

Handel mit Wertschriften steuerbares Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit 

im Sinn von § 18 Abs. 1 und 2 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) oder steu-

erfreie private Kapitalgewinne im Sinn von § 16 Abs. 3 StG darstellen. 

a) Vorab ist festzuhalten, dass die Regelung des Zürcher Steuergesetzgebers 

von  der  Lösung,  wie  sie  im  Bundesgesetz  über die  direkte  Bundessteuer  vorgesehen 

ist, nicht abweicht: § 18 Abs. 1 und 2 StG und Art. 18 Abs. 1 und 2 des Bundesgeset-

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zes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) – ebenso wie Art. 7 

und 8 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone 

und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) – verwenden dieselben Begriffe und 

haben  im Wesentlichen den gleichen  Inhalt.  Der  Begriff  der  selbständigen  Erwerbstä-

tigkeit kann unter dem Geltungsbereich des Steuerharmonisierungsgesetzes im kanto-

nalen Recht daher grundsätzlich nicht anders ausgelegt werden als auf dem Gebiet der 

direkten  Bundessteuer.  Eine  andere  Auslegung  würde  dem  Anliegen  der  vertikalen 

Steuerharmonisierung  zuwiderlaufen  und  die  mit  dem  Erlass  des  Steuerharmonisie-

rungsgesetzes  angestrebte  Vereinfachung  der  Rechtsanwendung  vereiteln  (vgl.  BGr, 

23. Oktober 2009, 2C_868/2008, E. 2.1).  

b)  aa)  Nach  §  16  Abs.  1  StG  bzw.  Art.  16  Abs. 1  DBG  unterliegen "alle  wie-

derkehrenden und einmaligen Einkünfte" der Einkommenssteuer. Der Gesetzgeber hat 

damit  an  dem  bereits  in  Art.  21  Abs.  1  des  Bundesratsbeschlusses  vom  9.  Dezem-

ber 1940 über die Erhebung einer direkten Bundessteuer (BdBSt) enthaltenen Grund-

satz  der  Gesamtreineinkommensbesteuerung  festgehalten.  Steuerfrei  sind  nach  §  16 

Abs.  3  StG  bzw.  Art.  16  Abs.  3  DBG  die  Kapitalgewinne  aus  der  Veräusserung  von 

Privatvermögen. Damit bestätigt das Gesetz ausdrücklich, was schon unter dem Bun-

desratsbeschluss  über  die  Erhebung  einer  direkten  Bundessteuer  Gültigkeit  hatte. 

§ 18 Abs.  1  StG  bzw.  Art.  18  Abs.  1  DBG  bestimmt,  dass  alle  Einkünfte  aus  einem 

Handels-,  Industrie-,  Gewerbe-,  Land-  und  Forstwirtschaftsbetrieb,  aus  einem  freien 

Beruf sowie jeder anderen selbständigen Erwerbstätigkeit steuerbar sind. Zu den Ein-

künften aus selbständiger Erwerbstätigkeit gehören nach § 18 Abs. 2 StG bzw. Art. 18 

Abs. 2 DBG auch alle Kapitalgewinne aus Veräusserung, Verwertung oder buchmässi-

ger Aufwertung von Geschäftsvermögen.  

bb)  Unter  den  Begriff  der  selbständigen  Erwerbstätigkeit  fällt  allgemein  jede 

Tätigkeit,  bei  der  ein  Unternehmer  auf  eigenes  Risiko,  unter  Einsatz  von  Arbeit  und 

Kapital, in einer frei gewählten Organisation und mit der Absicht der Gewinnerzielung 

am  Wirtschaftsverkehr  teilnimmt.  Eine  solche  Tätigkeit  kann  haupt-  oder  nebenberuf-

lich sowie dauernd oder temporär ausgeübt werden. Ob eine selbständige Erwerbstä-

tigkeit vorliegt, ist stets nach den gesamten Umständen des Einzelfalls zu beurteilen. 

Als Indizien hierfür gelten im Zusammenhang mit dem Wertschriftenhandel die 

systematische  oder  planmässige  Art  und  Weise  des  Vorgehens,  die  Häufigkeit  der 

Transaktionen,  die  kurze  Besitzdauer,  der  enge  Zusammenhang  mit  der  beruflichen 

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Tätigkeit  der  steuerpflichtigen  Person,  der  Einsatz  spezieller  Fachkenntnisse  oder  er-

heblicher  fremder  Mittel  zur  Finanzierung  der  Geschäfte  sowie  die  Verwendung  der 

erzielten  Gewinne  bzw.  deren  Wiederanlage  in  gleichartige  Vermögensgegenstände. 

Jedes  dieser  Indizien  kann  zusammen  mit  andern,  unter  Umständen  jedoch  auch  für 

sich allein zur Annahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit ausreichen. Dass einzel-

ne  typische  Elemente  einer  selbständigen  Erwerbstätigkeit  im  Einzelfall  nicht  erfüllt 

sind,  kann  durch  andere  Elemente  kompensiert  werden,  die  besonders  ausgeprägt 

vorliegen. Entscheidend ist, dass die Tätigkeit in ihrem gesamten Erscheinungsbild auf 

Erwerb  ausgerichtet  ist  (BGE  125  II  113  E.  5e  S.  122  f.;  BGr,  1.  Dezember  2015, 

2C_375/2015 mit Hinweisen auf die jüngere Rechtsprechung).  

Im  Hinblick  auf  diese  Indizien  hat  das  Bundesgericht  für  die  Frage,  ob  ge-

werbsmässiger Wertschriftenhandel vorliege, erwogen, es seien insbesondere die Hö-

he  des  Transaktionsvolumens  (d.h.  der  Summe  aller  Kaufpreise  und  Verkaufserlöse) 

sowie der Einsatz erheblicher fremder Mittel zur Finanzierung der Geschäfte als mass-

gebliche Kriterien zu berücksichtigen. Demgegenüber hätten die Indizien des systema-

tischen und planmässigen Vorgehens sowie des Einsatzes spezieller Fachkenntnis nur 

noch  untergeordnete  Bedeutung,  etwa  im  Sinne  von  "Ausschlusskriterien"  (BGr,  

23. Oktober 2009, 2C_868/2008, E. 2.7).  

cc)  Für  den  (hier  nicht  direkt  betroffenen)  Bereich  der direkten  Bundessteuer 

hat die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) am 27. Juli 2012 das Kreisschreiben 

Nr.  36  zum gewerbsmässigen Wertschriftenhandel  erlassen  (nachfolgend  KS  Nr.  36). 

Darin  konkretisiert  die  ESTV  die  obenstehend  genannten  Abgrenzungselemente  zwi-

schen  privater  Vermögensverwaltung  einerseits  und  dem  gewerbsmässigen  Wert-

schriftenhandel  andererseits.  Demgemäss  gehen  die  Steuerbehörden  im  Sinn  einer 

"safe haven rule" in jedem Fall von einer privaten Vermögensverwaltung aus, wenn die 

nachfolgenden fünf Kriterien kumulativ erfüllt sind: 

-  Die Haltedauer der veräusserten Wertschriften beträgt mindestens sechs Monate. 

-  Das Transaktionsvolumen (entspricht der Summe aller Kaufpreise und Verkaufser-

löse) pro Kalenderjahr beträgt gesamthaft nicht mehr als das Fünffache des Wert-

schriften- und Guthabenbestands zu Beginn der Steuerperiode. 

-  Das  Erzielen  von  Kapitalgewinnen  aus  Wertschriftengeschäften  bildet  keine  Not-

wendigkeit,  um fehlende  oder  wegfallende  Einkünfte  zur  Lebenshaltung zu  erset-

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zen. Das ist regelmässig dann der Fall, wenn die realisierten Kapitalgewinne weni-

ger als 50% des Reineinkommens in der Steuerperiode betragen. 

-  Die  Anlagen  sind  nicht  fremdfinanziert  oder  die  steuerbaren  Vermögenserträge 

aus den Wertschriften (wie z.B. Zinsen, Dividenden, usw.) sind grösser als die an-

teiligen Schuldzinsen. 

-  Der Kauf und Verkauf von Derivaten (insbesondere Optionen) beschränkt sich auf 

die Absicherung von eigenen Wertschriftenpositionen. 

Sind diese Kriterien nicht kumulativ erfüllt, kann gewerbsmässiger Wertschriftenhandel 

nicht  ausgeschlossen  werden.  Die  entsprechende  Beurteilung  erfolgt  dann  auf  Grund 

sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls. 

Beim  Kreisschreiben  der  ESTV  handelt  es  sich  um  eine  generell-abstrakte 

Dienstanweisung und mithin um eine Verwaltungsverordnung. Solche richten sich for-

mell nur an die Verwaltungsbehörden. Behörden und ihr Personal sind insoweit durch 

die Verwaltungsverordnungen gebunden, als die verwaltungsinternen Vorschriften kei-

nen  offensichtlich  verfassungs-  oder  gesetzwidrigen  Inhalt  aufweisen.  Aufgrund  der 

blossen Behördenverbindlichkeit stehen Rechtsunterworfene und Gerichte regelmässig 

ausserhalb  des  Adressatenkreises.  Ihnen  gegenüber  stellen  sich  reine  Verwaltungs-

verordnungen als zwar standardisierte (generell-abstrakte) jedoch rechtsunverbindliche 

Ansichtsäusserungen  der  Verwaltungsbehörde  über  die  Auslegung  und  Anwendung 

der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen dar. Dennoch weicht das Steuerrekurs-

gericht von einer rechtmässigen Verwaltungsverordnung nicht ohne triftigen Grund ab, 

sofern  die  generell-abstrakte  Ansichtsäusserung  eine  dem  individuell-konkreten  Fall 

angepasste und gerecht werdende Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen zulässt 

und  überdies  eine  überzeugende  Konkretisierung  der  gesetzlichen  Vorgaben  enthält. 

Obschon das vorliegende Verfahren einzig die Kantons- und Gemeindesteuern betrifft, 

ist das genannte Kreisschreiben der ESTV mit Blick auf die vertikale Steuerharmonisie-

rung mit zu berücksichtigen. 

c) Die im Kreisschreiben vorgesehene Vorprüfung ergibt in der Steuerperiode 

2013 beim Pflichtigen das folgende Bild: 

aa) Mindesthaltedauer der veräusserten Aktien von sechs Monaten 

Bei  einer  konsolidierten  Betrachtungsweise  über  beide  Wertschriftendepots 

bei  der  UBS  und  bei  der  Migrosbank  sowie  bei  Anwendung  der  sogenannten  FIFO 

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(first in first out)-Methode, bei welcher für die Bestimmung der Haltedauer die veräus-

serten  Titel  jeweils  den  frühesten  Erwerbsdaten  des  entsprechenden  Titels  gegen-

übergestellt  werden,  ist  bei  folgenden  Titelveräusserungen  die  Mindesthaltefrist  von 

sechs Monaten nicht eingehalten: 

Titel 

Anz.  Verkauf  

Verkaufsvol.  
Fr. 

gegenüberstehender Kauf 

12 

26.04.2013 (UBS)  14'657.90 

21.01.2013 (UBS) 

Chemie&Papier 
Holding AG N 
Conzetta AG  
Basilea AG N 
Novartis AG N  
Credit Suisse N 

5 
500 
500 
2219  26.06.2013 (UBS 

04.11.2013 (UBS)  10'105.00 
02.07.2013 (UBS)  35'521.95 
28.01.2013 (UBS)  30'804.00 
56'679.75 

Credit Suisse N 

1000  01.07.2013 (UBS)  25'000.75 

Bank Vontobel N 

1000  15.03.2013 (UBS)  32'093.85 

26.04.2013 (UBS)  15'003.45 

500 
3000  14.02.2013 (UBS)  110'736.00 

500 

15.03.2013 (UBS)  18'870.00 

19.08.2013 (UBS) 
22.05.2013 (UBS) 
09.01.2013 (UBS) 
11.01.2013 (UBS, 1000) 
16.01.2013 (UBS, 1000) 
01.03.2013 (Migros, 219) 
01.03.2013 (Migros, 781) 
22.03.2013 (UBS, 219) 
04.02.2013 (UBS, 500) 
12.02.2013 (UBS, 500) 
13.02.2013 (UBS) 
09.01.2013 (UBS, 500) 
11.01.2013 (UBS, 500) 
18.01.2013 (UBS, 1000) 
06.02.2013 (UBS, 1000) 
07.02.2013 (UBS, 500)  

Bank Vontobel N  
Julius Bär Gruppe 
N 

Julius Bär Gruppe 
N 
Julius Bär Gruppe  
N 
Helvetia N  

Helvetia N  

Verwaltungs-  und 
Privatbank 
AG 
Vaduz 
Verwaltungs-  und 
Privatbank 
AG 
Vaduz 
Verwaltungs-  und 
AG 
Privatbank 
Vaduz 
Gesamtvolumen  

500 

26.04.2013 (UBS)   17'509.30 

07.02.2013 (UBS, 500) 

100 

50 

305 

38'739.45 

23.05.2013 
(Migros) 
31.05.2013 
(Migros)  
06.09.2013 (UBS)  24'247.45 

19'776.10 

12.03.2013 (Migros, 50) 
28.03.2013 (Migros, 50) 
09.04.2013 (Migros) 

25.03.2013 (UBS, 105) 
27.03.2013 (UBS, 200) 

500 

17.09.2013 (UBS)  41'384.50 

28.05.2013 (UBS, 500) 

500 

18.09.2013 (UBS)  41'375.65 

28.05.2013 (UBS, 300) 
31.05.2013 (UBS, 200) 

532'505.10 

Das  Gesamtvolumen  dieser  Veräusserungen  nach  einer  Haltedauer  von  we-

niger  als  sechs  Monaten  entspricht  rund  16.2%  des  Gesamtveräusserungsvolumens 

2013 von knapp Fr. 3.3 Mio.  

bb)  Das  Wertschriftentransaktionsvolumen  2013  des  Pflichtigen  liegt  –  man-

gels  Vorliegens  der  einzelnen  Transaktionsbelege  vermutungsweise  inkl.  Transakti-

onskosten – bei rund Fr. 7.6 Mio. Dem steht ein Wertschriften- und Guthabenbestand 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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zu  Beginn  der  Steuerperiode  2013  von  rund  Fr.  3.1  Mio.  gegenüber.  Der  Anfangsbe-

stand 2013 wird damit während des Kalenderjahrs knapp 2.5 mal umgesetzt. 

cc) In Bezug auf die Notwendigkeit des Ersatzes fehlender oder wegfallender 

Einkünfte  zur  Lebenshaltung  durch  Kapitalgewinne  bzw.  auf  das  Verhältnis  der  reali-

sierten  Kapitalgewinne  im  Vergleich  zum  Reineinkommen  2013  ist  Folgendes  festzu-

halten:  Ausserhalb  der  wertschriftenbezogenen  Zuflüsse  hat  der  Pflichtige  aus  seiner 

selbstständigen  Erwerbstätigkeit  als Wirtschaftsprüfer  bzw.  -berater  Nettoeinkünfte  im 

Umfang von Fr. 7'386.- sowie – unter Berücksichtigung pauschalierter Liegenschaften-

unterhaltskosten – Nettoliegenschaftserträge aus den beiden Renditeliegenschaften in 

der Stadt T im Umfang von Fr. 72'725.- erzielt, während die Eigenmietwerte der selbst-

bewohnten Stockwerkeigentumseinheit in der Gemeinde S sowie des Feriendomizils in 

der Gemeinde M zu keinem realen Zufluss geführt haben. Diesen Einkommenszuflüs-

sen  stehen  Schuldzinsen  aus  hypothekarisch  gesicherten  Darlehen  im  Umfang  von 

rund  Fr.  35'400.-  gegenüber,  was  zu  einem  verfügbaren  Einkommen  im  Bereich  von 

knapp Fr. 50'000.- führt. Nach Abzug der Alimentenleistungen an die Tochter im Um-

fang  von  knapp  Fr.  18'500.-  stehen  dem  Pflichtigen  aus  diesen  Einkommensquellen 

noch rund 31'500.- zur Verfügung, was für sich allein selbst in der Konstellation selbst-

bewohnten  Stockwerkeigentums  für  die  Bestreitung  des  Lebensunterhalts  als  sehr 

knapp erscheint.  

Dennoch ist der Pflichtige entgegen den Ausführungen des Steuerkommissärs 

im  Jahr  2013  zur  Tragung  der  Lebenshaltungskosten  nicht  auf  die  Realisierung  von 

Kapitalgewinnen aus der Veräusserung von Wertschriften angewiesen gewesen. Dies 

deshalb,  weil  dem  Pflichtigen  in  der  Steuerperiode  2013  wesentlich  mehr  ordentliche 

Wertschriftenerträge  zugeflossen  sind  als  die  im Wertschriftenverzeichnis  deklarierten 

Fr.  22'182.-.  Zurückzuführen  ist  dies  darauf,  dass  viele  börsenkotierte  schweizerische 

Unternehmen  im  Nachgang  an  die  Unternehmenssteuerreform  II  und  dem  damit  ein-

hergehenden Wechsel vom Nennwert- zum Kapitaleinlageprinzip ab 2011 die neu ge-

schaffene  Möglichkeit  wahrgenommen  haben,  Ausschüttungen  an  das  Aktionariat 

durch  Rückzahlungen  aus  den  Kapitaleinlagereserven  vorzunehmen.  Diese  Rückzah-

lungen  aus  Kapitaleinlagereserven  von  Kapitalgesellschaften  und  Genossenschaften 

unterliegen  beim  Aktionär  ab  2011  weder  der  Einkommens-  noch  der  Verrechnungs-

steuer  (Art.  20  Abs.  3  DBG,  Art.  7b  i.V.m.  Art.  72h  StHG  für  das  kantonale  Recht  ab 

2011  direkt  anwendbar,  Art.  5  Abs.  1bis  des  Bundesgesetzes  über  die  Verrechnungs-

steuer  vom  13.  Oktober  1965  [VStG]).  Anhand  der  zur  Verfügung  stehenden  Steuer-

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
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auszüge 2013 der UBS und der Migrosbank und der Konsultation der Kurslisten 2013 

der  ESTV  ist  festzustellen,  dass  dem  Pflichtigen  aufgrund  des  Wertschriftenbestands 

an  den  jeweiligen  Dividendenstichtagen  neben  verschiedenen  kleineren  Ausschüttun-

gen  durch  Rückzahlungen  aus  Kapitaleinlagereserven  allein  aufgrund  seiner  Beteili-

gungen  an  der  Swiss  Re  (Dividenden-  und  Zusatzdividendenstichtag  12.  April  2013, 

Bestand 8500 bei der UBS und 3500 bei der Migrosbank, insgesamt Fr. 7.50 pro Titel 

= Fr. 90'000.-) und der Zurich Insurance Group (Dividendenstichtag 8. April 2013, Be-

stand je 1800 bei der UBS und der Migrosbank, Fr. 17.- pro Titel = Fr. 61'200.-) über 

Fr.  150'000.-  zusätzlich  einkommenssteuerfrei  zugeflossen  sind.  Selbst  wenn  diesen 

ordentlichen Wertschriftenerträgen von insgesamt deutlich über Fr. 170'000.- sämtliche 

nicht  grundpfandgesicherten  Schuldzinsen  im  Umfang  von  rund  Fr.  45'000.-  gegen-

übergestellt würden, ergäbe dies einen Überschuss, aus welchen der Lebensunterhalt 

problemlos zu finanzieren ist. 

Dem vom Steuerkommissär geltend gemachten Umstand, dass das steuerba-

re  Reineinkommen  (unter  Berücksichtigung  sämtlicher  Schuldzinsen  und  Vermögens-

verwaltungskosten)  gemäss  Steuererklärung  2013  von  Fr.  4'976.-  in  Anbetracht  der 

von den Parteien verfochtenen Bruttokapitalgewinne aus Wertschriftenveräusserungen 

von  Fr.  500'000.-    bzw.  Fr.  194'390.40  in  einem  sehr  deutlichen  Missverhältnis  steht, 

kann  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  keine  Ausschlag  gebende  Bedeutung 

mehr zukommen. 

dd)  Die  Wertschriftenanlagen  des  Pflichtigen  sind  in  erheblichem  Umfang 

fremdfinanziert.  Bereits zu  Beginn  der  Steuerperiode  2013 stehen  dem Wertschriften-

bestand  bei  der  UBS  von  Fr.  2'011'190.-  und  bei  der  Migrosbank  von  Fr.  978'830.- 

nicht  grundpfandgesicherte  Libordarlehen  und  feste  Vorschüsse  bei  der  UBS  im  Um-

fang von Fr. 1'150'000.- sowie bei der Migrosbank im Umfang von Fr. 450'000.- gegen-

über.  Per  Ende  Steuerperiode  2013  wiederum  stehen  dem  Wertschriftenbestand  bei 

der UBS von Fr. 4'322'660.- und bei der Migrosbank von Fr. 1'092'492.50 nicht grund-

pfandgesicherte Lombardkredite, Libordarlehen und feste Vorschüsse/Darlehen bei der 

UBS  bzw.  der  Migrosbank  im  Umfang  von  Fr.  2'800'000.-  bzw.  Fr.  652'114.-  gegen-

über. Die steuerbaren Vermögenserträge aus den Wertschriften sind im Jahr 2013 mit 

Fr.  22'182.-  geringer  als  die  2013  bei  der  UBS  aufgelaufenen  Schuldzinsen  aus  der 

Inanspruchnahme  von  Libor-Darlehen  und  festen  Vorschüssen  im  Umfang  von  rund  

Fr.  28'400.-  sowie  den  bei  der  Migrosbank  aufgelaufenen  Schuldzinsen  für  die  Inan-

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
- 12 - 

spruchnahme  von  Lombardkrediten  bzw.  festen  Darlehen  im  Umfang  von  rund  

Fr. 15'700.-. 

ee) Der Pflichtige hat nicht mit Derivaten (insbesondere Optionen) gehandelt. 

ff)  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Pflichtige  den  safe  haven 

Test gemäss dem KS Nr. 36 zumindest bei der Haltedauer und der Fremdfinanzierung 

nicht  besteht  und  das  Vorliegen  eines  gewerbsmässigen  Wertschriftenhandels  auf-

grund sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls zu beurteilen ist.  

d)  aa)  Die Gesamtbetrachtung  aller  Umstände  beim  Pflichtigen  im  Jahr 2013 

führt zum Schluss, dass dessen Anlageverhalten nicht mehr als blosse private Vermö-

gensverwaltung, sondern als gewerbsmässiger Wertschriftenhandel zu qualifizieren ist. 

Auch  wenn  angesichts  des  nicht  unerheblichen Wertschriftenvermögens  die rund  160 

Wertschriftentransaktionen im Jahr 2013 sowie das 2.5 fache Transaktionsvolumen im 

Verhältnis zum Jahresanfangsbestand eine blosse private Vermögensverwaltung nicht 

a priori ausschliessen, sprechen verschiedene andere Gründe gegen eine solche Wür-

digung. Der Pflichtige hat seine Einkommensquellen im Jahr 2013 dahingehend struk-

turiert,  dass  er  neben  den  verbleibenden  geringfügigen  Nettoeinkünften  aus  seiner 

selbstständigen Beratertätigkeit und seinem reduzierten Engagement im Immobilienbe-

reich  nach  dem  Verkauf  mehrerer  Stockwerkeigentumseinheiten  in  der  Gemeinden  H 

und S in den Jahren 2011 und 2012 sein Engagement im Wertschriftenbereich mit ei-

nem  deutlich  erhöhten  Fremdmitteleinsatz  (vgl.  hierzu  E. c/dd  vorstehend)  und  ent-

sprechend  höheren  Transaktions-  bzw.  Anlagevolumen  intensiviert  hat.  Anfang  und 

Ende der Steuerperiode 2013 ist der Pflichtige mit nicht grundpfandgesicherten Schul-

den  im  Umfang  von  rund  53%  bzw.  knapp  64%  des  Wertschriftenbestands  belastet. 

Diese sehr hohe Fremdkapitalquote birgt neben einem Hebeleffekt bei positivem Bör-

senverlauf  auch  ein  markant  erhöhtes  Risiko  bei  entgegengesetztem  Börsenverlauf, 

welches  sich  mit  einer  blossen  privaten  Vermögensanlage  nicht  mehr  vereinbaren 

lässt.  Sobald  die  Fundamentaldaten  bzw.  der  Kursverlauf  verschiedener  Titel  Anlass 

dazu gegeben haben, hat sich der Pflichtige auch nach kurzer Haltedauer mit kleineren 

Verlusten oder Gewinnen von verschiedenen Titeln getrennt (vgl. hierzu E. c/aa) bzw. 

sein Engagement durch Inanspruchnahme zahlreicher neu eröffneter fester Vorschüs-

se und Libordarlehen, bei welchen mangels Einreichung der entsprechenden Kreditver-

träge trotz Mahnung davon auszugehen ist, dass der Wertschriftenbestand hierfür als 

Sicherheit  gedient  hat,  erhöht  (insb.  Schweizerische  Versicherungstitel  und  Deutsche 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 13 - 

Commerzbank). Auch wenn der Pflichtige nicht mit Derivaten gehandelt hat, ist in An-

betracht  des  bereits  2013  verhältnismässig  tiefen  Zinsniveaus  für  die  Aufnahme  von 

Fremdkapital  davon  auszugehen,  dass  dieser  aufgrund  seiner  beruflichen  Finanz-

kenntnisse als Wirtschaftsprüfer bzw. -berater versucht hat, in Erwartung sich gut ent-

wickelnder Wertschriftentitel durch eine hohe Fremdkapitalquote eine Hebelwirkung zu 

erzielen. 

bb) Die hiergegen erhobenen Einwendungen des Pflichtigen führen zu keinem 

anderen  Ergebnis.  Selbst  wenn  ein  hoher  Anteil  der  Wertschriftengewinne  mit  Wert-

schriften mit einer Haltedauer von mehr als sechs Monaten erzielt  worden ist, hat die 

Veräusserung  verschiedener  Titel  mit  negativer  oder  ungenügend  positiver  Perfor-

mance innert sechs Monaten nicht unberücksichtigt zu bleiben. Im Gegenteil zeigt die-

se  auf,  dass  der  Pflichtige  –  abweichend  vom  Anlageverhalten  vieler  Privatanleger  – 

wenn nötig auch eine stop-loss-Strategie gefahren ist und das in unrentable Titel inves-

tierte  Kapital  kurzfristig  in  andere  Titel  mit  aus  dessen  Sicht  besserem  Kurspotential 

umgeschichtet  hat.  Der  Umstand,  dass  der  Pflichtige  bereits  seit  vielen  Jahren Wert-

schriftengeschäfte  teilweise  mit  Fremdkapital finanziert  hat  und  bislang  dennoch  nicht 

als Wertschriftenhändler qualifiziert worden ist, verbietet es den Steuerbehörden unter 

dem Gesichtspunkt des Verbots widersprüchlichen Verhaltens nicht, diese Qualifikation 

im  Rahmen  der  Einschätzung  2013  erstmalig  zu  prüfen  und  zu  bejahen  (vgl.  Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Vorbemerkungen  zu  §§  119-131,  N  87  ff.  StG).  Dass  der 

Pflichtige  im  Jahr  2013  bereits  verschiedene  Vorbereitungsarbeiten  für  eine  weitere 

selbstständige  Tätigkeit  als  Wirt  im  Zuzugskanton  ab  Januar  2014  in  Angriff  genom-

men hat, steht einem gewerbsmässigen Wertschriftenhandel ebenfalls nicht entgegen, 

hat er doch offenkundig während der ganzen Steuerperiode 2013 über genügend Res-

sourcen  verfügt,  den  Markt  zu  beobachten  und  zahlreiche  Wertschriftentransaktionen 

zu veranlassen. Nicht hilfreich ist das Vorbringen, der Pflichtige hätte seine Wertschrif-

tentransaktionen  auch  durch  eine  Erhöhung  grundpfandgesicherter  Darlehen  fremdfi-

nanzieren  können.  Die  Beurteilung  der  konkreten  Einzelfallumstände  hat  sich  an  den 

tatsächlichen und nicht an hypothetischen Verhältnissen zu orientieren. Kommt hinzu, 

dass  eine  teilweise  Fremdfinanzierung  von  Wertschriftenkäufen  durch  eine  Hypothe-

kenerhöhung  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  einer  Qualifikation  als  ge-

werbsmässiger  Wertschriftenhändler  nicht  entgegensteht  (BGr,  23.  Oktober  2009, 

2C_868/2008,  E.  3.1).  Der  Umstand  schliesslich,  dass  der  aufgrund  des  Umzugs  im 

Dezember  2013  als Wohnsitzkanton  zuständige  Zuzugskanton  den  Pflichtigen  für  die 

Steuerperiode  2013  nicht  als  gewerbsmässigen  Wertschriftenhändler  qualifiziert  hat, 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
- 14 - 

verbietet dem Kanton Zürich nicht, aufgrund seiner Einschätzungszuständigkeit zufolge 

weiterbestehender  bloss  wirtschaftlicher  Anknüpfung  des  Pflichtigen  diese  Frage  zu 

untersuchen  und  allenfalls  zu  einem  gegenteiligen  Ergebnis  zu  gelangen.  Sollte  sich 

aus  der  Einschätzung  des  zweitveranlagenden  Kantons  Zürich  eine  interkantonale 

Doppelbesteuerung von Einkommen oder Vermögen ergeben, wäre eine solche – die 

entsprechenden  qualifizierten  Rügen  vorausgesetzt  –  spätestens  in  einem  bundesge-

richtlichen Verfahren zu beseitigen. 

3.  Sind  die  Wertschriftentransaktionen  des  Pflichtigen  im  Jahr  2013  als  ge-

werbsmässiger  Wertschriftenhandel  zu  qualifizieren,  ist  in  einem  ersten  Schritt  der 

Wertschriftengewinn zu ermitteln. 

a)  Zwischen  den  Parteien  ist  unbestritten,  dass  der  Steuerkommissär  im 

Rahmen des Einschätzungsverfahrens für die Staats- und Gemeindesteuern 2013 mit 

Einschätzungsentscheid vom 4. Juli 2016 hinsichtlich dieses Einkommensbestandteils 

zu Recht zu einer Ermessenseinschätzung gemäss § 139 Abs. 2 Satz 1 StG geschrit-

ten  ist,  hat  es  der  Pflichtige  doch  –  nachdem  der  Steuerkommissär  von  sich  aus  die 

einschlägigen  Steuerausweise  der  UBS  und  der  Migrosbank  per  31.  Dezember  2013 

von  den  Steuerbehörden  des  Zuzugskantons    beigezogen  hatte  –  trotz  Auflage  und 

deren Mahnung vom 13. April 2016 bzw. 27. Mai 2016 unterlassen, die für eine Ermitt-

lung eines allfälligen steuerbaren Gewinns aus gewerbsmässigem Wertschriftenhandel 

sachdienlichen  Unterlagen  wie  eine  ordnungsgemäss  geführte  Buchhaltung  oder  zu-

mindest Aufstellungen über die Einnahmen und Ausgaben aus dem Wertschriftenhan-

del samt vollständigen geordneten Belegen hierzu (insbesondere Kauf- und Verkaufs-

belege)  für  das  Jahr  2013  einzureichen.  Der  Steuerkommissär  hat  in  der  Folge  den 

Nettogewinn  aus  dem  gewerbsmässigen  Wertschriftenhandel  auf  rund  Fr.  592'000.- 

festgelegt. Umstritten ist hingegen, ob der Pflichtige mit seiner Einsprache den Nach-

weis  der  offensichtlichen  Unrichtigkeit  der  Ermessenseinschätzung  durch  Darstellung 

und  Nachweis  des  tatsächlichen  Sachverhalts  erbracht  hat  und  der  Steuerkommissär 

deshalb  im  Rahmen  des  Einspracheverfahrens  nicht  an  der  Ermessenseinschätzung 

hätte festhalten dürfen.  

aa) Eine zu Recht ergangene Ermessenseinschätzung kann der Steuerpflich-

tige  nur  wegen  offensichtlicher  Unrichtigkeit  anfechten  (Art.  132  Abs.  3  Satz  1  DBG 

bzw. § 140 Abs. 2 Satz 1 StG). Er hat diesen Nachweis selber zu erbringen, wobei ihm 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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zwei  Möglichkeiten  offenstehen  (Zweifel/Hunziker,  in:  Kommentar  zum  Schweizeri-

schen Steuerrecht, 3. A., 2017, Art. 48 N 46 ff. StHG): 

Er kann den tatsächlichen Sachverhalt dartun und nachweisen, mit der Folge, 

dass die Ermessensveranlagung durch eine ordentliche Veranlagung ersetzt wird und 

die Steuerfaktoren nach den für "gewöhnliche" Veranlagungen geltenden Regeln ermit-

telt werden. Dieser Nachweis muss allerdings umfassend sein, d.h. den gesamten von 

der Ermessensveranlagung betroffenen Teil umfassen. Blosse Teilnachweise genügen 

grundsätzlich  nicht  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  § 140  N  75  f.  StG,  je  mit  Hinwei-

sen; Zweifel/Hunziker, Art. 48 N 49 ff. StHG, je auch zum Folgenden). Die versäumten 

Mitwirkungshandlungen  müssen  vollständig  und  formell  ordnungsgemäss  nachgeholt 

werden.  Unter  Umständen  treffen  den  Steuerpflichtigen  deshalb  höhere  Anforderun-

gen, als sie vor der Säumnis an ihn gestellt wurden. Nur unter diesen Bedingungen ist 

der  Unrichtigkeitsnachweis  formell  gehörig  angetreten  und  lebt  die  amtliche  Untersu-

chungspflicht wieder auf. Erweist sich der Sachverhalt nach Abschluss einer daraufhin 

durchgeführten  Untersuchung  aber  weiterhin  als gänzlich  oder  teilweise  ungewiss,  so 

hat  es  bei  der  Ermessensveranlagung  sein  Bewenden 

(Zweifel/Casanova/ 

Beusch/Hunziker, § 20 N 28).  

Ist dieser Nachweis nicht möglich oder misslingt er, kann der Steuerpflichtige 

noch  darlegen  und  nachweisen,  dass  die  angefochtene  Veranlagung  offensichtlich 

unrichtig  ist.  Als  offensichtlich  unrichtig  (namentlich  zu  hoch)  erweist  sich  eine  Schät-

zung  dann,  wenn  sie  sachlich  nicht  begründbar  (z.B.  erkennbar  pönal  oder  fiskalisch 

begründet) ist, sich auf sachwidrige Schätzungsgrundlagen, -methoden oder -hilfsmittel 

stützt oder sonst wie mit den konkreten aktenkundigen Verhältnissen aufgrund der Le-

benserfahrung  vernünftigerweise  nicht  vereinbar  ist  (Zweifel/Hunziker,  Art.  48  N 59 

StHG,  mit  Hinweisen).  Ist  dieser  Nachweis  geleistet,  bleibt  es  zwar  bei  einer  Ermes-

sensveranlagung, doch wird die angefochtene durch eine neue (tiefere) Schätzung der 

Rechtsmittelinstanz ersetzt. 

Der Einsprachebehörde sind im Rahmen der Willkürprüfung weitere Untersu-

chungen verwehrt. Es hat bei seiner eingeschränkten Überprüfung des angefochtenen 

Entscheids  auf  offensichtliche  Unrichtigkeit  hin  nur  die  Schriftstücke  zu  berücksichti-

gen, die im Zeitpunkt der Entscheidfällung vorhanden sind und den behaupteten Sach-

verhalt  sofort  beweisen  oder  zumindest  als  sehr  wahrscheinlich  erscheinen  lassen 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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(VGr, 27. Mai 1986, SB 10/1986 und 11. September 1986, SB 38/1986; Martin Zweifel, 

Die Sachverhaltsermittlung im Steuerveranlagungsverfahren, 1989, S. 144). 

bb)  Seiner  Ergänzung  zur  Einsprache  vom  9.  August  2016  hat  der  Pflichtige 

eine "pro-forma"-Wertschriftenbuchhaltung beigelegt, in welcher er ausgehend von den 

in  den  Steuerausweisen  2013  der  UBS  und  der  Migrosbank  enthaltenen  Basisdaten 

(Anfangsbestand,  Erwerb,  Veräusserung,  Endbestand)  den  einzelnen  Aktienkäufen 

und -verkäufen innerhalb des Jahres 2013 Abrechnungsbeträge zugewiesen hat, ohne 

diese durch die einschlägigen Transaktionsbelege der Banken zu belegen, obschon er 

hierzu  bereits  im  Einschätzungsverfahren  aufgefordert  worden  war.  Der  Einwand  des 

Pflichtigen,  dass  mit  der  Einreichung  seiner  "pro  forma"-Wertschriftenbuchhaltung  die 

dieser  zugrundeliegenden  Transaktionsbelege  auch  im  Einspracheverfahren  gegen 

eine  Ermessenseinschätzung  betreffend  gerade  diese  Wertschriftentransaktionen  als 

mitofferiert gelten, kann nicht gefolgt werden, da es am Pflichtigen liegt, den tatsächli-

chen  Sachverhalt  umfassend  darzutun  und  zu  beweisen,  um  im  Rahmen  des  Ei-

spracheverfahrens  ins  ordentliche  Einschätzungsverfahren  zurückzugelangen.  Ohne 

die  Transaktionsbelege  sind  die  geltend  gemachten  Abrechnungsbeträge  gar  nicht 

oder aber nur durch zusätzliche aufwändige Untersuchungsmassnahmen (Konsultation 

der Tageskurse an den Transaktionsterminen) höchstens näherungsweise verifizierbar. 

Schliesslich ist der Einsprache und der "pro forma"-Wertschriftenbuchhaltung nichts zu 

entnehmen,  was  auf  eine  konkrete  Gewinnberechnung  des  Pflichtigen  für  den  Wert-

schriftenhandel hinweist. Eine auf die streitbetroffene Gewinnermittlung zielende Sach-

darstellung,  mit  welcher  die  offensichtliche  Unrichtigkeit  der  diesbezüglichen  Ermes-

senseinschätzung aufgezeigt werden könnte, fehlt. Das kantonale Steueramt hat daher 

zu  Recht  auch  im  Einspracheverfahren  an  der  Ermessenseinschätzung  der  Einkünfte 

aus gewerbsmässigem Wertschriften festgehalten. 

b)  Im  Rahmen  der  weiterbestehenden  Ermessenseinschätzung  im  Ein-

spracheverfahren hat der Steuerkommissär aufgrund der eingereichten Unterlagen die 

Höhe der steuerbaren Einkünfte aus gewerbsmässigem Wertschriftenhandel von rund 

Fr. 592'000.- auf Fr. 500'000.- herabgesetzt, die ordentlichen Wertschriftenerträge der 

beiden Depots von Fr. 22'102.- als Ertrag aus Geschäftsvermögen hinzugerechnet und 

hiervon ausgewiesene Depotgebühren von Fr. 10'940.- sowie Fremdkapitalzinsen von 

insgesamt  Fr.  45'719.-  als  Gewinnungskosten  abgezogen,  was  im  Ergebnis  zu  Ein-

künften aus gewerbsmässigem Wertschriftenhandel von Fr. 465'443.- führt. 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
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c) Zu prüfen ist, ob dem Pflichtigen im Rahmen des vorliegenden Rekursver-

fahrens  der  Nachweis  der  offensichtlichen  Unrichtigkeit  des  ermessensweise  festge-

setzten Gewinns von 500'000.- aus Wertschriftenhandel 2013 gelingt (vgl. zu den Vo-

raussetzungen  E.  3a.aa  vorstehend)  bzw.  die  Ermessenseinschätzung  sich  im  Fall 

eines gescheiterten Unrichtigkeitsnachweises aufgrund des Aktenstands im Rekursver-

fahren als zu hoch erweist. 

aa)  In  seiner  Rekursschrift  ermittelt  der  Pflichtige  einen  realisierten  Gewinn 

von  Fr.  194'390.40.  Zu  diesem  Ergebnis  gelangt  er  wie  folgt:  Die  bereits  im  Ein-

spracheverfahren eingereichte Wertschriftenbuchhaltung wird bei all denjenigen Titeln, 

deren Bestände im Laufe des Jahr 2013 vollständig verkauft worden sind, dahingehend 

ergänzt,  dass  –  sofern  vorhanden  –  ein  Eingangsbestand  per  1.1.2013  entsprechend 

den  Jahresschlusskursen  der  Kursliste  2012  bewertet  und  auf  dieser  Basis  sämtliche 

Kaufs- und Verkaufsbetreffnisse einander gegenübergestellt werden, was im Ergebnis 

pro Titel zu einem Gewinn- oder Verlustsaldo führt. Dementsprechend weist der Pflich-

tige  bei  acht  Titeln  (Georg  Fischer/Komax  Holding/Basilea  Pharma/Novartis/Vontobel 

Holding/Swiss Life Holding/Julius Bär/Helvetia Holding/Ver-waltungsbank Vaduz) einen 

realisierten Gewinn und bei zwei Titeln (CPH/Rieter Holding) einen realisierten Verlust 

aus.  

bb)  Mit  diesem  Gewinnberechnungsansatz  gelingt  es  dem  Pflichtigen  nicht, 

den  Unrichtigkeitsnachweis  zu  erbringen.  Dies  deshalb,  weil  dieser  Ansatz  lediglich 

diejenigen  Titel  berücksichtigt,  von  deren  Beständen  sich  der  Pflichtige  im  Jahr  2013 

vollständig  getrennt  hat.  Der  Pflichtige  hat  aber  Gewinne/Verluste  aus  dem  teilweise 

sehr umfangreichen Verkauf verschiedener Titel realisiert, bei welchen er am Ende der 

Steuerperiode  weiterhin  über  Bestände  verfügt  hat  (Conzetta/Crédit  Suisse  Group/ 

Zurich  Insurance  Group/Bâloise/UBS/Swiss  Re/Commerzbank).  Die  sich  aus  diesen 

Wertschriftenveräusserungen  ergebenden  Gewinne/Verluste  sind  ebenfalls  in  der 

Steuerperiode 2013 realisiert und können nicht unberücksichtigt bleiben. 

Nicht  weiter  hilft  dem  Pflichtigen  schliesslich  der  allgemeine  Hinweis  in  der 

Nachtragsstellungnahme zur Rekursantwort vom 17. Februar 2017, der Wertschriften-

gewinn sei anstatt mit der FIFO-Methode (vgl. hierzu E. 3d/cc/bbb nachfolgend) mit der 

Durchschnittsmethode zu berechnen, zeigt er damit doch in keiner Weise auf, dass die 

Anwendung  dieser  Methode  zu  einem  niedrigeren  Wertschriftengewinn  als  dem  er-

messensweise geschätzten führt.  

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
- 18 - 

cc)  Zu  prüfen  verbleibt  die  Höhe  der  Ermessenseinschätzung  aufgrund  des 

Aktenstands im Rekursverfahren. 

aaa) Der Gewinn aus der Veräusserung von Wertschriften wird gemäss Punkt 

4.4  KS  Nr.  36  definiert  als  positive  Differenz  zwischen  dem  Veräusserungserlös  und 

den Gestehungskosten der Wertschriften, abzüglich der Kosten der Veräusserung.  

bbb)  Das  kantonale  Steueramt  hat  zur  Stützung  der  Höhe  der  Ermessenein-

schätzung  des  Bruttogewinns  2013  aus  Wertschriftenhandel  mit  Rekursantwort  vom 

13.  Januar  2017  eine  plausibilisierende  Gewinnberechnung  anhand  der  vom  Pflichti-

gen gelieferten  Basisdaten  eingereicht.  Es  bedient  sich  hierbei grundsätzlich  der sog. 

FIFO-Methode, welche bei einer Veräusserung von Wertschriften im Jahr 2013 davon 

ausgeht,  die  bisher  am  längsten  gehaltenen  entsprechenden  Titel  seien  Verkaufsge-

genstand.  Dementsprechend  sind  dem  Veräusserungserlös  grundsätzlich  die  Geste-

hungskosten  für  diese  jeweils  ältesten  Titel  gegenüberzustellen.  Allerdings  verzichtet 

das kantonale Steueramt auf die exaktere Ermittlung der realen Gestehungskosten für 

bereits  Anfang  2013  sich  in  den  Depots  des  Pflichtigen  befindliche  Wertschriftenbe-

stände  (Conzetta/Georg  Fischer/Rieter/Komax/Zürich  Insurance  Group/Cré-dit  Suisse 

Group/Bâloise/Swiss Life/UBS/Swiss Re/Verwaltungs- und Privatbank Vaduz), sondern 

setzt  die  Jahresschlusskurse  der  entsprechenden  Titel  gemäss  Kursliste  2012  der 

ESTV  als  Gestehungskosten  ein.  Es  rechtfertigt  dieses  vereinfachte  Vorgehen  damit, 

es  sei  in  Anbetracht  der  bereits  2012  und  in  den  Vorjahren  positiven  Börsenentwick-

lung  davon  auszugehen,  die  damaligen  Gestehungskosten  seien  niedriger  gewesen 

als die Werte gemäss Kursliste 2012. Diese Methode führe zu einem Wertschriftenge-

winn  2013  von  knapp  Fr.  464'000.-  (recte  wohl  rund  Fr.  514'000.-,  da  das  kantonale 

Steueramt bei der Bewertung des Eingangsbestands 2013 der CS-Titel irrtümlich den 

Wert  der  Kursliste  2013  per  31.12.2013  vom  27.27  anstatt  denjenigen  der  Kursliste 

2012 von 22.26 verwendet hat). 

ccc)  Dieses  Vorgehen  erweist  sich  im  Hinblick  auf  den  Rechtfertigungsgrund 

der  allgemeinen  positiven  Börsenentwicklung  als  nicht  unproblematisch.  Die  vom 

Steueramt  geltend  gemachte  Zunahme  des  SMI-Indexes  im  Jahr  2012  um  12%  sagt 

letztlich  nichts  über  die  konkrete  Kursentwicklung  der  einzelnen  vom  Pflichtigen  im 

Jahr 2012 bereits gehaltenen oder neu erworbenen Titel aus, weshalb nicht von vorn-

herein  ausgeschlossen  ist,  dass  die  tatsächlichen  Gestehungskosten  inkl.  Transakti-

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
- 19 - 

onskosten teilweise auch höher als die herangezogenen Jahresschlusswerte der Kurs-

liste 2012 sein könnten. 

Im  Rahmen  der  vorliegenden  Angemessenheitsprüfung  bei  einer  Ermes-

senseinschätzung kann dieses Vorgehen nach Analyse der bei den Einschätzungsak-

ten  2012  enthaltenen  Steuerauszügen  2012  der  UBS  und  der  Migrosbank  

sowie der öffentlich verfügbaren Kurscharts der einzelnen von den Verkäufen im Jahr 

2013 betroffenen, bereits 2012 oder früher erworbenen Titeln aus folgenden Gründen 

dennoch bestätigt werden: 

-  Werden  die  2012  getätigten  Verkäufe  der  vorgenannten  Titel  (Conzet-

ta/Georg  Fischer/Rieter/Komax/Zürich  Insurance  Group/Crédit  Suisse 

Group/Bâloise/Swiss Life/UBS/Swiss Re/Verwaltungs- und Privatbank Va-

duz)  ihrerseits  in  Anwendung  der  FIFO-Methode  bankenübergreifend 

wiederum  den  ältesten  jeweilig  verfügbaren  Titeln  gegenübergestellt,  so 

gibt  es  nur  noch  betreffend  die  folgenden  Eingangsbestände  2012  Un-

klarheiten  betreffend  noch  frühere  Gestehungskosten:  Rieter  50  Titel, 

Komax  1230  Titel,  Zurich  Insurance  Group  1050  Titel,  Credit  Suisse 

Group 1000 Titel, UBS 1000 Titel, Privatbank Vaduz 100 Titel.  

-  Für alle übrigen Zukäufe des Pflichtigen im Jahr 2012, welchen Verkäufe 

im Jahr 2013 gegenüberzustellen sind, lassen sich die Gestehungskosten 

aufgrund der Transaktionsdaten gemäss Steuerauszügen 2012 und unter 

Verwendung von Tagesmittelkursen (Mittel zwischen Tageshoch und Ta-

gestief)  an  diesen  Daten  unter  Ausklammerung  der  Transaktionskosten 

(Kommission/Stempelsteuer/andere  Börsengebühren)  annäherungsweise 

bestimmen. Dies ergibt folgendes Bild: 

Titel 
Anzahl 

Conzetta 
5 

Datum 
Kauf 
2012 

05.04. 

Tagesmittel-
kurs Fr. 

Rückwirkend 
nicht  ermittelbar 
wegen  Aktien-
split  2015  und 
Abtrennung 
Immobilienbe-
reich 2015 

Gestehungs-
kosten 
annäherugs-
weise Fr. 

2012 

Steuerwert 
31.12.2012 Fr. 

Nicht  ermittel-
bar 

1'664.00  x  5  = 
Fr. 8'320.00 

G. Fischer 
100 
50 
40 
60 

22.06 
15.08 
11.09. 
28.09 

328.125 
367.25 
367.75 
332.75 

32'812.50 
18'362.50 
14'710.00 
19'965.00 

368.00 x 250 

2 ST.2016.318 

 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 20 - 

22.03. 
28.03. 
17.04. 
31.10. 

161.50 
156.70 
144.25 
149.65 

13.01. 
23.03. 

75.20 
91.90 

23.02. 
08.03. 
13.03. 
11.05. 
24.05. 
20.08. 
18.10. 
23.10. 
05.11. 
13.11. 

224.05 
229.15 
233.20 
208.40 
201.75 
232.20 
236.30 
234.50 
229.90 
231.30 

23.05. 
15.06. 
20.06. 
02.08. 

19.085 
17.495 
18.185 
16.48 

13.03. 
14.03. 
22.03. 
26.03. 
02.07. 

71.525 
73.625 
72.40 
72.625 
62.85 

31.05. 
07.06. 
12.06. 
18.06. 

78.525 
79.325 
77.05 
80.90 

21.06. 
27.06. 
06.07. 
27.07. 
31.07. 
06.08. 
12.09. 
01.11. 
02.11. 
26.11. 
28.11. 
18.12. 

11.405 
10.91 
10.95 
10.375 
10.37 
10.49 
11.95 
14.145 
14.485 
14.625 
14.29 
15.15 

85'850.00 

16'150.00 
15'670.00 
28'850.00 
22'447.50 
83'117.50 

15'040.00 
18'380.00 
33'420.00 

33'607.50 
22'915.00 
23'320.00 
20'840.00 
40'350.00 
69'660.00 
23'630.00 
93'800.00 
22'990.00 
92'520.00 
443'632.50 

2'290.20 
34'990.00 
54'555.00 
63'942.40 
155'777.60 

14'305.00 
22'087.50 
21'720.00 
14'525.00 
62'850.00 
135'487.50 

51'041.25 
23'797.50 
57'787.50 
93'035.00 
225'661.25 

11'405.00 
21'820.00 
21'900.00 
20'750.00 
41'480.00 
41'960.00 
47'800.00 
28'290.00 
14'485.00 
29'250.00 
28'580.00 
45'450.00 
353'170.00 

18.09. 

62.475 

62'475.00 

Total 
Rieter 
100 
100 
200 
150 
Total 
Komax 
200 
200 
Total 
Zurich 
150 
100 
100 
100 
200 
300 
100 
400 
100 
400 
Total 
CS 
120 
2000 
3000 
3880 
Total 
Bâloise 
200 (Rest) 
300 
300 
200 
1000 
Total 
Swiss Life 
650 (Rest) 
300 
750 
1150 
Total  
UBS 
1000 
2000 
2000 
2000 
4000 
4000 
4000 
2000 
1000 
2000 
2000 
3000 
Total 
Swiss Re 
1000 

92'000.00 
159.40 x 650 

103'610.00 
71.00 x 400 

28'400.00 
243.40 x 1950 

474'630.00- 
22.26 x 9000 

200'340.00 
78.50 x 2000 

157'000.00 
121.40 x 2850 

345'990.00 
14.27 x 29000 

413'830.00 
65.90 x 10000 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 21 - 

24.09. 
01.10. 
02.10. 
15.10. 
18.10. 
24.10. 
29.10. 
08.11. 
15.11. 
28.12. 

62.125 
60.755 
62.25 
64.025 
66.725 
65.55 
63.5 
67.5 
65.875 
66.40 

25.01. 
05.07. 
02.08. 

84.00 (gesch.) 
72.00 (gesch.) 
72.00 (gesch) 

62'125.00 
30'377.50 
31'125.00 
64'025.00 
66'725.00 
157'320.00 
38'100.00 
33'750.00 
65'875.00 
33'200.00 
645'097.50 

16'800.00 
21'600.00 
21'600.00 
60'000.00 
2'221'213.85 

1000 
500 
500 
1000 
1000 
2400 
600 
500 
1000 
500 
Total 
VPB 
200 
300 
300 
Total 
Total  Geste-
hungskosten 
Differenz 

659'000.00 
65.00 x 800 

52'000.00 
2'526'800.00 

305'586.15 

-  Damit hat das kantonale Steueramt mit dem Einsetzen der Werte gemäss 

Kursliste 2012 dem Pflichtigen über Fr. 300'000.- höhere Gestehungskos-

ten  zugebilligt  als  die  vorliegend  näherungsweise  ermittelten  Geste-

hungskosten für die 2012 erworbenen Akten. Dieser Umstand rechtfertigt 

es, die Unsicherheiten betreffend die Gestehungskosten der sich im Ein-

gangsbestand  2012  befindlichen  Wertschriftenbestände  (vgl.  erstes 

Lemma) als kompensiert zu betrachten, da anhand der vom Pflichtigen in 

den  Jahren  2012  und  2013 getätigten  Anzahl Transaktionen  nicht  davon 

auszugehen  ist,  dass  er  die  Eingangsbestände  2012  vor  mehreren  Jah-

ren,  allenfalls  sogar  noch  vor  den  erheblichen  Kurskorrekturen  als  Folge 

der Finanzkrise 2007/2008 zu ausserordentlich hohen Gestehungskosten 

erworben hätte. Ebenfalls als kompensiert zu erachten sind in diesem Zu-

sammenhang sämtliche Transaktionskosten. 

ddd) Der vom kantonalen Steueramt im Einspracheverfahren unter Aufrechter-

haltung der Ermessenseinschätzung festgelegte Gewinn aus Wertschriftenhan-

del von Fr. 500'000.- ist daher im Rahmen der Angemessenheitsprüfung zu be-

stätigen. 

4. Nebst den bereits durch das kantonale Steueramt gewährten Gewinnungs-

kosten  (Depotgebühren/Fremdkapitalzinsen)  beantragt  der  Pflichtige  die  Berücksichti-

gung zusätzlicher Aufwandpositionen, welche zur Ermittlung des Erwerbseinkommens 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 22 - 

aus  Wertschriftenhandel  vom  –  vorstehend  bestätigten  –  Wertschriftengewinn  2013 

von Fr. 500'000.- abzuziehen seien. 

a)  Der  Pflichtige  möchte  Fr.  5'000.-  Handelsaufwand  als  Gewinnungskosten 

abziehen. Soweit damit der Handelsaufwand für den Kauf der im Jahr 2013 veräusser-

ten  Titel  in  den  Jahren  2012  und  zuvor  gemeint  sein  sollte,  ist  darauf  hinzuweisen, 

dass  solche  Transaktionskosten  als  im  Rahmen  der  vorstehenden  Ermessensein-

schätzung  als  mitberücksichtigt  zu  gelten  haben.  Soweit  der  Antrag  auf  die  Handels-

kosten 2013 zielt, ist der Pflichtige den Nachweis dieser Kosten durch Einreichung der 

Transaktionsbelege 2013 trotz Auflage und Mahnung des Steuerkommissärs schuldig 

geblieben und hat auch im Rekursverfahren keine entsprechenden Belege eingereicht. 

Da der Pflichtige für steuermindernde Tatsachen die Beweislast trägt, hat er die Folgen 

der  Beweislosigkeit  zu  tragen.  Der  Handelsaufwand  kann  mangels  Nachweises  nicht 

gewinnmindernd zum Abzug zugelassen werden. 

b)  Beantragt  wird  ein  Abzug  von  Fr.  3'600.- für  die  Benutzung  eines  Büroan-

teils in der bis Dezember 2013 selbstbewohnten Eigentumswohnung in der Gemeinde 

S.  Dabei  handelt  es  sich  gemäss  eingereichtem  Plan  um  eine  3  1/2-Zimmerwohnung 

mit  einem  grösseren  Koch-/Wohnbereich  und  zwei  kleineren  Zimmer.  Der  Pflichtige 

versteuert hierfür einen Eigenmietwert von Fr. 16'200.- und zieht für seine selbststän-

dige  Erwerbstätigkeit  als  Wirtschaftsprüfer  und  -berater  bereits  einen  Büroanteil  von  

Fr. 3'750.- als Gewinnungskosten ab. In Anbetracht des zur Verfügung stehenden limi-

tierten Raumangebots ist davon auszugehen, dass der Pflichtige für die selbstständige 

Erwerbstätigkeit  als  Wertschriftenhändler  auf  die  Büroräumlichkeiten  für  seine  selbst-

ständige  Erwerbstätigkeit  als  Wirtschaftsprüfen  und  -berater  an  seinem  Wohnort  zu-

rückgreift. Ein Abzug für einen zusätzlichen Büroanteil ist daher nicht gerechtfertigt. 

c) Weiter  liegt  die Gewährung  einer  Rückstellung für  AHV-Beiträge als Folge 

der Besteuerung als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler im Streit. 

aa) Gemäss § 27 Abs.2 lit. b StG sind die verbuchten Rückstellungen für Ver-

pflichtungen,  deren  Höhe  noch  unbestimmt  ist,  abzugsfähig.  Werden  Steuerpflichtige 

als Liegenschaften- oder als Wertschriftenhändler qualifiziert, wird diesen regelmässig 

eine  Rückstellung  für  AHV-Beiträge  auf  dem  steuerbaren  Liegenschaften-  oder Wert-

schriftengewinn zugestanden (vgl. BGr, 13. Juni 2013, 2C_1273/2012 Liegenschaften-

handel; BGr, 31. März 2003, 2A.486/2002 Wertschriftenhandel). 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
- 23 - 

bb) Fraglich ist indes, ob eine solche AHV-Rückstellung auch in der vorliegen-

den Sachverhaltskonstellation gerechtfertigt ist. Zwar steht ausser Frage, dass bei der 

Besteuerung  eines  2013  erzielten Wertschriftengewinns  die  Ursache  für  einen  allfälli-

gen künftigen AHV-Beitragsaufwand ebenfalls im Jahr 2013 liegt. Für die Bildung einer 

Rückstellung  ist  indes  überdies  erforderlich,  dass  diese  Ausgabe  künftig  mit  hinrei-

chend  hoher  Wahrscheinlichkeit  auch  eintreten  wird  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  

§ 64 N 119 i.V.m § 27 N 26 StG; Reich/von Ah, in: Kommentar zum Schweizerischen 

Steuerrecht, 3. A., 2017, Art. 10 N 21 StHG). 

Mit  dem  im  Dezember  2013  vollzogenen  Wohnsitzwechsel  des  Pflichtigen  in 

den  Zuzugskanton  wird  die  direkte  Bundessteuer  für  die  Steuerperiode  2013  gemäss 

Art. 105 DBG durch diesen veranlagt und ist gemäss Art. 117 Abs. 2 der Verordnung 

über  die  Alters-  und  Hinterlassenenversicherung  vom  31.  Oktober 1947  (AHVV)  die 

dortige  kantonale  Ausgleichskasse  für  die  Beitragserhebung  aus  seiner  selbstständi-

gen  Erwerbstätigkeit  als  Wertschriftenhändler  zuständig.  Allenfalls  käme  alternativ 

auch  eine  Verbandsausgleichskasse,  welcher  der  Pflichtige  aufgrund  seiner  selbst-

ständigen  Erwerbstätigkeit  als  Wirtschaftsprüfer  bzw.  -berater  angeschlossen  sein 

könnte,  infrage.  Grundlage  für  die  Beitragsmessung  ist  gemäss  Art.  23  Abs.  1  AHVV 

das durch die zuständige Steuerbehörde eruierte und der Ausgleichskasse übermittelte 

massgebende  Erwerbseinkommen  auf  Grund  der  rechtskräftigen  Veranlagung  für  die 

direkte  Bundessteuer.  Die  Veranlagung  des  Zuzugskantons  für  die  direkte  Bundes-

steuer  2013  des  Pflichtigen  ist  ohne  Einkünfte  aus  dem  Wertschriftenhandel  2013  in 

Rechtskraft  erwachsen,  so  dass  keine  entsprechende  AHV-Beitragserhebung  durch 

die  zuständige  Ausgleichskasse  erfolgt  ist.  Ein  Nachsteuerverfahren  bezüglich  die  di-

rekte  Bundessteuer  2013  im  Zuzugskanton  dürfte  ausgeschlossen  sein, da  den  dorti-

gen  Steuerbehörden  die  Wertschriftengeschäfte  2013  des  Pflichtigen  aufgrund  der 

eingereichten  Depotauszüge  bekannt  gewesen  sind.  Mit  einer  nachträglichen  AHV-

Beitragserhebung durch die zuständige Ausgleichskasse ist schliesslich in Anbetracht 

der in Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversiche-

rung vom 20. Dezember 1946 (AHVG) für die Beitragsfestsetzung enthaltenen fünfjäh-

rigen  Verjährungsfrist  nach  Ablauf  des  Kalenderjahres,  für  welche  die  Beiträge  ge-

schuldet sind, kaum mehr zu rechnen, läuft diese doch in wenigen Monaten ab.  

Die  Bildung  einer  AHV-Rückstellung  ist  daher  mangels  einer  hinreichenden 

Wahrscheinlichkeit des entsprechenden Aufwands nicht zu gewähren.  

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 24 - 

d)  Zu  prüfen  ist  überdies,  ob  eine  Wertschwankungsreserve  in  analoger  An-

wendung  des  Merkblatts  des  kantonalen  Steueramts  über  die  Besteuerung  von  Ban-

ken und Effektenhändlern vom 20. Juli 2005 (aZStB Nr. 25/620) zuzugestehen ist. 

Gemäss Abschnitt B III dieses Merkblatts können Banken und Effektenhändler 

auf ihren Handelsbeständen in Wertschriften und Edelmetallen eine pauschale Wertbe-

richtigung  von  20%  vornehmen.  Gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  (BGr, 

12.  Juli  2012,  2C_243+244/2012,  vgl.  auch  den  vorinstanzlichen  Entscheid  des  Ver-

waltungsgerichts des Kantons Zürich, 18. Januar 2012, SB.2011.00052) ist die Gewäh-

rung  einer  solchen  pauschalen  Wertschwankungsreserve  allerdings  auf  Banken  ge-

mäss dem Bundesgesetz vom 8. November über die Banken und Sparkassen bzw. auf 

Effektenhändler gemäss dem Bundesgesetz vom 24. März 1995 über die Börsen und 

den  Effektenhandel  begrenzt.  Hintergrund  der  Einschränkung  der  Pauschalierung  ist, 

dass  damit  den  ganz  speziellen  branchenspezifischen  Verlustrisiken  auf  Handelsbe-

ständen  Rechnung  getragen  werden  soll.  Hierzu  gehört  nicht  nur  ein  Volatilitätsrisiko 

aufgrund eines für den kurzfristigen Wiederverkauf bestimmten Handelsbestands, wel-

ches auch bei einem "gewöhnlichen" gewerbsmässigen Wertschriftenhändler vorliegen 

kann,  sondern  auch  das  bei  Effektenhändlern  viel  grössere  Volumenrisiko  und  nicht 

zuletzt das Absatzrisiko bei Steuerpflichtigen, welche gewerbsmässig von Dritten aus-

gegebene Effekten fest übernehmen und sie öffentlich im Primärmarkt anbieten. Diese 

tragen  das  spezifische  Risiko,  dass  die  Emission  nicht  vollständig  platziert  werden 

kann und sie auf einem Bestand an Titeln sitzenbleiben, welcher dann häufig unter den 

Einstandspreis veräussert werden muss. Da der Pflichtige weder diesen branchenspe-

zifischen  Risiken  noch  der  einschlägigen  Gesetzgebung  und  der  Aufsicht  durch  die 

eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA untersteht, kann ihm weder aufgrund des 

einschlägigen  Merkblatts  noch  in  analoger  Anwendung  desselben  eine  pauschale 

Wertberichtigung zugestanden werden. 

e) Zu prüfen ist des Weiteren die Zulässigkeit einer Wertschwankungsreserve 

gemäss Art. 960b Abs. 2 OR.  

aa) Das neue Rechnungslegungsrecht ist am 1. Januar 2013 in Kraft getreten. 

Gemäss  Übergangsrecht  ist  die  spezifische  Wirksamkeit  des  neuen  Rechts  für  das 

einzelne Unternehmen durch eine Übergangsfrist von zwei Jahren aufgeschoben. Bei 

einem  Rechnungsabschluss  per  Ende  Kalenderjahr  wird  die  neue  Rechnungslegung 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 25 - 

auf den 1. Januar 2015 zwingend wirksam. Es steht indes einem buchführungspflichti-

gen  Unternehmen  frei,  die  Rechnungslegung  bereits  innerhalb  der  Zweijahresfrist  auf 

das  neue  Recht  auszurichten  (vgl.  Peter  Böckli,  Neue  OR-Rechnungslegung,  2014, 

S. 299  f.).  Das  Übergangsrecht  stünde  einer  Anwendung  des  neuen  Rechnungsle-

gungsrechts beim Pflichtigen für ein Geschäftsjahr 2013 daher nicht grundsätzlich ent-

gegen.  

bb)  In  steuerrechtlicher  Hinsicht  ist  bereits  die  generelle  geschäftsmässige 

Begründetheit  des  Aufwands  für  die  Bildung  einer  solchen  Wertschwankungsreserve 

nicht  unumstritten.  Die  Schweizerische  Steuerkonferenz  geht  in  ihrer  Analyse  zum 

neuen Rechnungslegungsrecht vom 12. Februar 2013 (abrufbar unter www.steuerkon-

ferenz.ch)  davon  aus,  die  Bildung  von  Schwankungsreserven  gelte  im  Rahmen  der 

üblichen  Kursschwankungen  als  geschäftsmässig  begründet.  Dieser  Auffassung 

schliessen  sich  auch  Altdorfer/Duss/Felber  (Die  steuerliche  Gewinnermittlung  unter 

neuem  Rechnungslegungsrecht,  ASA  83,  521)  an.  Begründet  wird  dies  vor  allem  da-

mit,  dass  diese  Marktpreisbewertung  optional  sei  und  die  Transparenz  über  die  tat-

sächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse erhöhen soll und damit einem gesetzlich fest-

gehaltenen  Ziel  diene.  Die  Verfolgung  dieses  Ziels  habe  indes  eine  steuerrechtliche 

Kehrseite, den bei Marktpreisen über den Anschaffungskosten führe die Marktpreisbe-

wertung  grundsätzlich  zu  zusätzlichem  steuerbaren  Gewinn.  Der  Bilanzersteller  sollte 

nicht darin gehemmt sein, dem Transparenzgedanken Rechnung zu tragen. Würde die 

Bildung der Schwankungsreserve zu geschäftsmässig nicht begründetem Aufwand im 

Sinn des Steuergesetzgebers führen, würde das gesetzlich verankerte Transparenzziel 

torpediert und die handelsrechtlichen Bestimmungen würden faktisch unterlaufen. Zu-

dem  sei  auch  aus  Rechtsgleichheitsgründen  von  geschäftsmässig  begründetem  Auf-

wand  auszugehen.  Unternehmen,  welche  die  Marktpreisbewertung  nicht  anwenden 

und damit vorhandene Werte verschleiern würden, sollten nicht bessergestellt werden 

als jene, welche durch die Marktpreisbewertung die Transparenz über ihre Vermögens-

lage  erhöhen.  Gegen  die  geschäftsmässige  Begründetheit  dieser  Aufwendungen  wird 

angeführt,  da  die  Schwankungsreserve  handelsrechtlich  nicht  erforderlich,  sondern 

freiwillig  sei,  habe  sie  als  stille  Reserve  Eigenkapitalcharakter  (Hans  Ulrich  Meuter, 

Gruppenbewertungen  von  Beteiligungen,  ZStP  2016,  195;  Reich/Züger/Betschart,  in: 

Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Bundesgesetz  über  die  direkte  Bun-

dessteuer, 3. A., 2017, Art. 29 N 3, 9 und 33 DBG). Dieser Schluss ergebe sich auch 

aus  der  Steuerneutralität  des  neuen  Rechnungslegungsrechts.  Schon  bisher  hätten 

Wertschriften mit Kurswert zum Verkehrswert bewertet werden können (Art. 667 Abs. 1 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
- 26 - 

OR  in  der  bis  31.12.2012  gültigen  Fassung),  ohne  dass  die  sich  daraus  ergebende 

Aufwertung  steuerwirksam  mit  einer  Rückstellung  hätte  neutralisiert  werden  können. 

Wäre  die  Schwankungsreserve  steuerlich  abzugsfähig,  stünde  dies  somit  im  Wider-

spruch  zum  Postulat  der  Steuerneutralität  des  neuen  Rechnungslegungsrechts.  Eine 

abschliessende  Beurteilung  dieser  Frage  kann  indes  offenbleiben,  da  der  als  Quasi-

Wertschriftenhändler  qualifizierte  Pflichtige  von  vornherein  nicht  in  den  Anwendungs-

bereich dieser Norm fällt. 

cc)  Unter  Berücksichtigung  des  Normzwecks  kann  einem  gewerbsmässigen 

Wertschriftenhändler  im  Sinn  eines  "Quasi-Wertschriftenhändlers"  eine  Wertschwan-

kungsreserve gemäss Art. 960b Abs. 2 OR nicht zugestanden werden.  

Ausgangspunkt für diese Regelung ist das in Art. 960a OR festgehaltene Kos-

tenwertprinzip, wonach Aktiven sowohl bei der Ersterfassung als auch in der Folgebe-

wertung  höchstens  zu  den  Anschaffungs-  oder  Herstellungskosten  bewertet  werden 

dürfen. In  Art.  960b  Abs.  1 OR  wird  als  Ausnahme  hierzu  das Wahlrecht  eingeräumt, 

Aktiven mit einem aktiven Markt- oder Börsenkurs zum einem gegenüber den Anschaf-

fungskosten  höheren  Kurs  am  Bilanzstichtag  zu  bewerten.  Eine  solche  Aufwertung 

dieser Aktiven wäre sowohl handels- als auch steuerrechtlich indes erfolgswirksam. Mit 

der  in  Art.  960b  Abs.  2  OR  vorgesehenen  Wertberichtigung  soll  eine  solche  erfolgs-

wirksame  Aufwertung  wahlweise  neutralisiert  werden  dürfen  (vgl.  Lukas  Handschin, 

Rechnungslegung im Gesellschaftsrecht, 2. A., 2016, S. 303 f.). 

Auch wenn beim Pflichtigen als Quasi-Wertschriftenhändler der von der Han-

delstätigkeit  betroffene  Wertschriftenbestand  kotierter  Aktien  als  Geschäftsvermögen 

qualifiziert wird, ist dieser Wertschriftenbestand im Bereich der Vermögensbesteuerung 

am Ende der Steuerperiode 2013 wie im Fall der blossen privaten Vermögensverwal-

tung anhand der Kursliste der ESTV mit den Börsenjahresschlusswerten der einzelnen 

Titel  zu  bewerten.  Ein  allfälliger  tieferer  Anschaffungswert  führt  im  Bereich  der  Ein-

kommensbesteuerung  beim  Quasi-Wertschriftenhändler  beim  blossen  Halten  dieser 

Aktien  am  Stichtag  31.  Dezember  2013  zu  keiner  erfolgswirksamen  Realisation  von 

Einkommen  aus  selbstständiger  Erwerbstätigkeit.  Eine  solche  steuerbare  Realisation 

erfolgt erst Zeitpunkt des tatsächlichen Verkaufs der Wertschriften nach dem Stichtag. 

Dementsprechend  besteht  auch  kein  Bedarf  nach  Neutralisierung  eines  Aufwertungs-

erfolgs.  

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 27 - 

f)  Der  Pflichtige  möchte,  dass  die  Wertberichtigungsregeln  für  Forderungen 

aus  Lieferung  und  Leistung  (Delkredere)  bzw.  für  den  Warenbestand  (Warendrittel) 

auch auf seinen Wertschriftenbestand per 31. Dezember 2013 Anwendung finden.  

aa)  Mit  einer  Wertberichtigung  auf  den  Debitoren,  einer  sog.  Delkredere-

"Rückstellung", werden Verlustrisiken für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 

und  für  andere  Forderungen  des  Umlaufvermögens  berücksichtigt.  Der  Umfang  der 

geschäftsmässig  begründeten  Wertberichtigung  richtet  sich  nach  dem  Grad  der  Ver-

lustwahrscheinlichkeit  der  einzelnen  Forderung,  welche  von  der  Bonität  des  Forde-

rungsschuldners abhängt. Aus verfahrensökonomischen Gründen lässt die Praxis eine 

pauschale Bemessung der Delkredere-"Rückstellung" ohne besonderen Nachweis der 

geschäftsmässigen Begründetheit zu. 

Eine  Übernahme  einer  solchen  "Pauschalrückstellung" für  den Wertschriften-

bestand drängt sich nicht auf. Während es bei den Forderungen aus Lieferungen und 

Leistungen als notorisch gelten kann, dass sich ein gewisser Prozentsatz dieser Forde-

rungen als uneinbringlich erweisen wird, ist die Entwicklung von börsenkotierten Titeln 

aufgrund vieler verschiedener betriebs- und volkswirtschaftlicher sowie politischer und 

psychologischer  Faktoren  in  beide  Richtungen  völlig  offen.  Es  rechtfertigt  sich  hier 

nicht, einseitig von einem worst-case Szenario mit pauschalierten drohenden künftigen 

Kursverlusten auszugehen. 

bb) Bei Vorräten an Rohmaterialien, Waren, Halb- und Fertigfabrikaten ist eine 

Risikorückstellung  bis  zu  33  1/3%  (sog.  «Warendrittel»)  des massgebenden  Inventar-

werts  –  Anschaffungs-  bzw.  Herstellungskosten  abzüglich Wertverminderung  –  zuläs-

sig,  sofern  ein  mengenmässig  vollständiges  Inventar  vorliegt  und  die  Anschaffungs- 

oder  Herstellungskosten  bzw.  die  Marktwerte  nachgewiesen  sind.  Hintergrund  dieser 

Regelung ist, dass vorhandene Warenvorräte verschiedenen, kaum oder nur mit sehr 

grossem Aufwand ermittelbaren, künftigen Verlustrisiken ausgesetzt sind. Dazu gehö-

ren physische Lagerhaltungsrisiken wie Zerstörung, Verderb und Schwund der Vorräte, 

Erfassungsungenauigkeiten, aber auch technischer Fortschritt, Absatzschwierigkeiten, 

Alterung, saisonale Einflüsse, Veränderung der Mode oder des Geschmacks.  

Das  Aktiendepot  eines  Wertschriftenhändlers  hingegen  ist  keinerlei  physi-

schen Lagerhaltungsrisiken, sondern einzig dem Marktrisiko der künftigen Kursentwick-

lung an den Börsen ausgesetzt. Eine analoge Anwendung einer Risikorückstellung im 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 28 - 

Sinn  des  Warendrittels  auf  diesen  Wertschriftenbestand  rechtfertigt  sich  aus  diesem 

Grund allein nicht. 

g)  Der  Pflichtige  macht  schliesslich  nicht  realisierte  tatsächliche  Kursverluste 

im  Jahr  2013  auf  den  beiden  Titeln  der  Repower  AG  (Partizipationsschein  und  Inha-

beraktie)  im  Umfang  von  insgesamt  Fr.  9'147.85  geltend.  Das  kantonale  Steueramt 

anerkennt  die  Bildung  einer  entsprechenden  "Rückstellung"  in  seiner  2.  Vernehmlas-

sung  im  Rekursverfahren  vom  3.  März  2017.  Das  Einkommen  des  Pflichtigen  aus 

selbstständiger  Erwerbstätigkeit  als  Wertschriftenhändler  im  Jahr  2013  ist  daher  um 

diesen Betrag herabzusetzen. 

5. Ist das Einkommen des Pflichtigen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit als 

Wertschriftenhändler  bestimmt,  ist  aufgrund  des  im  Dezember  2013  erfolgten  Wohn-

sitzwechsels in den Zuzugskanton festzulegen, welchem Kanton im Rahmen einer in-

terkantonalen  Steuerausscheidung  in  welchem  Umfang  die  Besteuerungsbefugnis  für 

diesen Einkommensbestandteil zusteht. 

a) Die bundesgerichtliche Rechtsprechung hat sich – soweit ersichtlich – noch 

nie ausdrücklich mit der Zuteilung der Besteuerungsbefugnis im Jahr der interkantona-

len Wohnsitzverlegung eines selbstständigen Quasi-Wertschriftenhändlers befasst.  

aa) Sofern keine interkantonale Wohnsitzverlegung vorliegt, scheint das Bun-

desgericht das aus dem Quasi-Wertschriftenhandel fliessende Erwerbseinkommen aus 

selbstständiger  (Neben-)Erwerbstätigkeit  nicht  einem  allfälligen  Arbeitsort  eines  Un-

selbstständigerwerbenden (vgl. BGr, 1. Dezember 2015, 2C_375/2015) oder mangels 

eindeutiger Hinweise auf eine dortige Handelstätigkeit einem allenfalls vorbestehenden 

Geschäftsort  aufgrund  einer  anderweitigen  selbstständigen  Erwerbstätigkeit,  sondern 

dem  Wohnort  des  Quasiwertschriftenhändlers  zuzuweisen.  Es  geht  dabei  wohl  vom 

Bild aus, dass diese Handelstätigkeit vermutungsweise in der Freizeit eines anderwei-

tig  (Haupt-)Erwerbstätigen  stattfindet  (vgl.  BGr,  23.  Oktober  2009,  2C_868/  2008, 

E. 3.3), was indes aufgrund der heute an vielen Arbeitsplätzen zur Verfügung stehen-

den  Kommunikationsmittel  (Telefonie/Internetanschluss)  nicht  unbedingt  als  zwingend 

erscheint.  In  Anbetracht  der  heutigen  technischen  Möglichkeiten,  bei  einer  entspre-

chenden  Netzabdeckung  auch  von  jedem  beliebigen  Ort  aus  zu  jeder  beliebigen  Zeit 

zu Wirtschafts- und Börseninformationen zu gelangen und Börsentransaktionen in Auf-

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 29 - 

trag zu geben, rechtfertigt sich dennoch die vermutungsweise Konzentration auf einen 

örtlichen  Anknüpfungspunkt  dieser  spezifischen  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  am 

Wohnsitz,  werden  doch  an  diesem  häufig  zumindest  teilweise  die  notwendigen  Re-

cherchen  durchgeführt, Transaktionsentscheide getroffen  und meist  die damit  zusam-

menhängenden  physischen  Unterlagen  aufbewahrt.  Solange  kein  interkantonaler 

Wohnsitzwechsel  erfolgt,  erübrigt  sich  in  dieser  Sachverhaltskonstellation  die  Abklä-

rung,  ob  die  am  Wohnsitz  in  einer  festen  Einrichtung  ausgeübte  selbstständige  Er-

werbstätigkeit  als  Quasi-Wertschriftenhändler  ein  Spezialsteuerdomizil  des  Ge-

schäftsorts  begründet,  da  dieser  mit  dem  Hauptsteuerdomizil  des  Wohnsitzes  örtlich 

zusammenfällt. 

bb) Bei einem interkantonalen Wohnsitzwechsel wird die Frage des Bestands 

und einer Verlegung eines allfälligen Geschäftsorts eines Quasi-Wertschriftenhändlers 

indes aktuell. Gemäss dem für die Steuerperiode 2013 noch geltenden Art. 68 Abs. 1 

StHG  verschiebt  sich  die  Steuerpflicht  des  Pflichtigen  aufgrund  persönlicher  Zugehö-

rigkeit  und  damit  das  Hauptsteuerdomizil  für  die  ganze  Steuerperiode  in  den  Zu-

zugskanton.  Dieser  verfügt  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  zur  Vermei-

dung  einer  interkantonalen  Doppelbesteuerung  grundsätzlich  über  eine  umfassende 

Besteuerungsbefugnis, es sei denn, diese werde im Rahmen der Steuerausscheidung 

durch spezielle Steuerdomizile in anderen Kantonen zurückgedrängt. Dazu gehört das 

Spezialsteuerdomizil des Geschäftsorts Selbständigerwerbender. 

Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts sind das Einkommen aus selb-

ständiger  Erwerbstätigkeit,  welches  in  einer  Geschäftsniederlassung  mit  ständigen 

Anlagen oder Einrichtungen erzielt wird, und das dieser Tätigkeit dienende bewegliche 

Vermögen am Geschäftsort zu versteuern (vgl. Daniel de Vries Reilingh, in: Kommen-

tar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht, Interkantonales  Steuerrecht.,  2011,  §  10  N  13, 

mit  Hinweisen).  Mit  der  Wohnsitzverlegung  im  Dezember  2013  verschiebt  sich  der 

steuerrechtliche  Wohnsitz  des  Pflichtigen  und  damit  seine  persönliche  Zugehörigkeit 

für die gesamte Steuerperiode 2013 in den Zuzugskanton. Damit einher geht die Fikti-

on,  dass  der  Pflichtige  während  der  ganzen  Steuerperiode  seinen  steuerrechtlichen 

Wohnsitz  in  diesem  Zuzugskanton  innegehabt  hat.  Fällt  daher  im  Kanton  Zürich  der 

steuerrechtliche  Wohnsitz  für  die  ganze  Steuerperiode  2013  dahin,  so  stellt  sich  die 

Frage, ob dies auch für die zürcherische Anknüpfung des Einkommens aus Wertschrif-

tenhandel gilt. 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
- 30 - 

Dies ist bis zum Wegzugsdatum zu verneinen, da die Wertschöpfung aus dem 

Wertschriftenhandel  bis  zu  diesem  Zeitpunkt  auf  eine  selbstständige  Erwerbstätigkeit 

zurückzuführen  ist,  welche  –  zumindest  im  Sinn  eines  Schwerpunkts  –  tatsächlich  in 

den Räumlichkeiten der Eigentumswohnung in der Gemeinde S und damit in einer fes-

ten Einrichtung im Kanton Zürich stattgefunden hat. Diese – auch in der Steuerperiode 

2014 noch als pied-à-terre im Kanton Zürich und zumindest als Archiv für seine selbst-

ständige  Erwerbstätigkeit  als Wirtschaftsprüfer  und  -berater  beibehaltene  –  Stockwer-

keigentumseinheit  ist  daher  bis  zum  Wegzugsdatum  im  Dezember  2013  als  Ge-

schäftsort 

für  den  Wertschriftenhandel  zu  qualifizieren.  Eine  vollumfängliche 

Zuordnung an den in der Steuerperiode 2013 weitestgehend fiktiven Wohnsitz im  Zu-

zugskanton rechtfertigt sich nicht. 

Eine über das Wegzugsdatum hinausgehende Anknüpfung an den Kanton Zü-

rich  rechtfertigt  sich  nicht.  Denn  mit  der  tatsächlichen  Wohnsitzverlegung  ist  entspre-

chend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung davon auszugehen, dass der Pflichtige 

mangels  Hinweisen  auf  einen  anderweitigen  Geschäftsort  die  Wertschriftengeschäfte 

wiederum an seinem tatsächlichen Wohnort getätigt hat. 

b)  aa)  Zur  Bestimmung  des  Umfangs  des  am  zürcherischen  Geschäftsort  zu 

versteuernden  Einkommens  aus Wertschriftenhandel  bzw.  des  entsprechenden Wert-

schriftenbestands  als  Geschäftsvermögen  ist  von  entscheidender  Bedeutung,  wann 

dieser  Wohnsitzwechsel  tatsächlich  stattgefunden  hat.  Denn  wird  der  Geschäftsort 

oder eine Betriebsstätte einer Personenunternehmung von einem Kanton in einen an-

deren  verlegt,  besteht  die  Steuerpflicht  aufgrund  wirtschaftlicher  Zugehörigkeit  für  die 

gesamte Steuerperiode sowohl im Wegzugs- als auch im Zuzugskanton (Art. 68 Abs. 2 

Satz 1 StHG). Nach dem Prinzip der Einheit der Steuerperiode wird das zwischen den 

Kantonen  quotenmässig  auszuscheidende  Unternehmensergebnis  nicht  aufgeteilt, 

sondern als Ganzes behandelt. Das Einkommen zwischen Wegzugs- und Zuzugskan-

ton  ist  gemäss  Art.  68  Abs.  2  Satz  3  StHG  jedoch  in  sinngemässer  Anwendung  der 

Grundsätze  zum  interkantonalen  Doppelbesteuerungsverbot  auszuscheiden.  Konkret 

bedeutet dies, dass für die Steuerperiode, in welcher die Verlegung des Geschäftsor-

tes beziehungsweise der Betriebsstätte erfolgt, Wegzugs- und Zuzugskanton das quo-

tenmässig ausgeschiedene Jahresergebnis pro rata temporis, das heisst aufgrund der 

tatsächlichen  jeweiligen  Dauer  der  wirtschaftlichen  Zugehörigkeit  des  Unternehmens, 

veranlagen  dürfen (vgl. Matteotti/Felber/Elischa  Krenger,  in:  Kommentar  zum  Schwei-

zerischen Steuerrecht, Interkantonales Steuerrecht., 2011, § 37 N 7 f., mit Hinweisen). 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
- 31 - 

bb) Der Pflichtige verficht unter Verweis auf seine Unterlagen im Einsprache-

verfahren  das  Umzugsdatum  1.  Dezember  2013,  während  das  kantonale  Steueramt 

auf  den  Tag  der  Abmeldung  bei  der  Einwohnerkontrolle  der  Gemeinde  S  am  23.  De-

zember 2013  abstellt  und  die Wohnsitzaufnahme  im  Zuzugskanton  auf  den  darauffol-

genden  Tag,  d.h.  den  24.  Dezember  2013,  festlegt.  Da  es  sich  beim  vom  Pflichtigen 

geltend  gemachten  früheren  Wohnsitzwechsel  im  vorliegenden  Zusammenhang  auf-

grund einer vergrösserten pro rata temporis-Quote zugunsten des Zuzugskantons um 

eine steuermindernde Tatsache handelt, ist er hierfür beweisbelastet.  

Mit  den  bereits  mit  der  Einsprache  ins  Recht  gelegten  Dokumenten  vermag 

der  Pflichtige  den  Nachweis  einer Wohnsitzverlegung  per  1.  Dezember 2013  nicht  zu 

erbringen.  Zwar  ist  der  Vereinbarung  betreffend  die  Übergabe  der  im  Zuzugskanton 

erworbenen Liegenschaft vom 31. Oktober 2013 zu entnehmen, dass für den Pflichti-

gen  ab  Anfang  Dezember  2013  die  Möglichkeit  bestanden  hat,  eine  frei  werdende  3-

Zimmerwohnung  im  ersten  Obergeschoss  des  erworbenen  Mehrfamilienhauses  mit 

Gastrobetrieb zu beziehen. Dass der Pflichtige diese Möglichkeit im Sinn einer definiti-

ven  Verlegung  des  Lebensmittelpunkts  bereits  im  vertraglich  frühestmöglichen  Zeit-

punkt  genutzt  hat,  wird  zwar  durch  die  Nennung  zahlreicher  Planungsarbeiten  für  die 

Restauranteröffnung  im  letzten  Quartal  2013  vor  Ort  sowie  des  Transports  sperriger 

Mobiliarstücke  mit  dem  Privatwagen  am  entsprechenden  Wochenende  geltend  ge-

macht, ist indes in keiner Weise bewiesen. Der geltend gemachte Zukauf von Ausstel-

lungsstücken am 28. Dezember 2013 ist nicht näher spezifiziert, so dass unklar bleibt, 

ob  der  Pflichtige  erst  zu  jenem  Zeitpunkt  oder  aber  bereits  aufgrund  der  genannten 

Transporte über ein für regelmässige Übernachtungen geeignetes Mobiliar verfügt hat. 

Gegen eine Wohnsitzaufnahme bereits per 1. Dezember 2013 spricht auch das Verhal-

ten gegenüber verschiedenen kantonalen Behörden. Der Pflichtige hat sich in der Ge-

meinde S erst am 23. Dezember 2013 abgemeldet. Der in der Verfügung der zuständi-

gen  Behörde  des  Zuzugskantons  vom  9.  Dezember  2013  enthaltenen  Auflage für  die 

Restaurant-Betriebsbewilligung, nach dem Wohnsitzwechsel die aktuelle Wohnadresse 

mitzuteilen,  ist  der  Pflichtige  gemäss  Handnotiz  erst  am  8.  Januar  2014  –  d.h.  über 

einen  Monat  nach  dem  geltend  gemachten  Umzugstermin  –  telefonisch  nachgekom-

men.  Das  dieser  Betriebsbewilligung  zugrunde  liegende  Gesuch  wiederum  hat  der 

Pflichtige erst am 30. November 2013 in der zürcherischen Gemeinde S unterzeichnet 

und darin einen Wohnungswechsel per Mitte Dezember 2013 in den Zuzugskanton in 

Aussicht gestellt. 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
- 32 - 

c)  Das  kantonale  Steueramt  hat  im  Rahmen  der  interkantonalen  Steueraus-

scheidung  den  Stichtag  24.  Dezember  2013  insofern  berücksichtigt,  als  es  den  ge-

schätzten Nettogewinn im Umfang von Fr. 29'000.- aus der einzigen Verkaufstransak-

tion  zwischen  diesem  Stichtag  und  dem  Jahresende  (gemäss  Steuerausweis  UBS 

2013  Verkauf  1000  Aktion  Bâloise  am  24.  Dezember  2013  dem  Zuzugskanton  sowie 

die  geschäftlichen  Schuldzinsen,  das  Wertschriftengeschäftsvermögen  und  die  Ge-

schäftspassiven  des  Wertschriftenhandels  zu  353/360  dem  Kanton  Zürich  und  zu 

7/360 dem Zuzugskanton zugewiesen hat. Diese Ausscheidung ist nicht zu beanstan-

den und erweist sich hinsichtlich der Verlegung der Wertschriftennettogewinne gar als 

für den Pflichtigen vorteilhaft, da das kantonale Steueramt auch diesbezüglich berech-

tigt  gewesen  wäre,  vom  gesamten  Jahresnettogewinn  aus  gewerbsmässigem  Wert-

schriftenhandel von 465'443.- lediglich die pro rata temporis-Quote von 7/360, d.h. Fr. 

9'050.-, dem Zuzugskanton zuzuweisen.  

Die Einschätzung sowie die interkantonale Steuerausscheidung ist einzig da-

hingehend  zu  korrigieren,  dass  der  nicht  realisierte  Kursverlust  auf  den  Titeln  der 

Repower AG im Umfang von Fr. 9'148.- im Sinn einer Wertberichtigung und unter Bei-

behaltung  der  Ausscheidungssystematik  des  kantonalen  Steueramts  als  zusätzlicher 

Aufwand  dem  Kanton  Zürich  zuzuweisen  ist,  was  bei  den  einkommensabhängigen 

Abzügen zu leichten interkantonalen Verschiebungen führt. 

6. Die vorstehenden Erwägungen führen zur teilweisen Gutheissung des Re-

kurses.  Das  steuerbare bzw.  satzbestimmende Einkommen  des  Pflichtigen  wird  unter 

Berücksichtigung der Wertberichtigung für die Titel der Repower AG von Fr. 472'900.- 

bzw. Fr. 502'900.- auf Fr. 463'800.- bzw. 493'700.- herabgesetzt.  Aufgrund des nur ge-

ringfügigen  Obsiegens  des  Pflichtigen  sind  die  Verfahrenskosten  vollumfänglich  die-

sem aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG) und bleibt ihm die Zusprechung einer Parteient-

schädigung verwehrt (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegeset-

zes vom 24. Mai 1959). 

2 ST.2016.318 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 33 - 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen. Der Rekurrent wird wie folgt eingeschätzt 

(Tarif gemäss § 35 Abs. 1 bzw. § 47 Abs. 1 StG; Grundtarif): 

Steuerperiode 

 Einkommen 

Vermögen 

2013 

steuerbar 

Fr. 

463'800.- 

satzbestimmend 

493'700.- 

Fr. 

1'293'000.- 

1'370'000.-. 

[…] 

2 ST.2016.318