# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68a17b46-249d-5db8-9940-149cb03cb8c8
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-27
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 27.02.2024 VBE.2023.394
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-394_2024-02-27.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2023.394; VBE.2023.395 / jl / nl  
Art. 24 

 

 

Urteil vom 27. Februar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Peterhans  

Oberrichterin Gössi  

Gerichtsschreiberin Lang  

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____  

unentgeltlich vertreten durch Nicolai Fullin Advokat, c/o indemnis, 

Rain 63, 5000 Aarau  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten/IVG allgemein; Hilflosenent-

schädigung (Verfügungen vom 21. Juli 2023 und 10. August 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1990 geborene Beschwerdeführerin erlitt am 26. März 2017 einen Au-

tounfall mit Mehrfachverletzung und meldete sich infolgedessen am 

12. Juni 2017 bei der Beschwerdegegnerin aufgrund von Beschwerden am 

linken Bein, an der Hüfte, am Unterschenkel und am rechten Fuss zum 

Bezug von Leistungen (berufliche Integration/Rente) der Eidgenössischen 

Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin klärte daraufhin 

die gesundheitliche, soziale und erwerbliche Situation ab, zog die Unterla-

gen des Unfallversicherers bei und führte am 14. Januar 2021 eine Abklä-

rung an Ort und Stelle durch. Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärzt-

lichen Dienst (RAD) stellte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführe-

rin mit Vorbescheid vom 23. Februar 2021 die Zusprache einer vom 

1. März 2018 bis 31. März 2019 befristeten ganzen Rente in Aussicht. 

 

1.2. 

Am 20. November 2020 meldete sich die Beschwerdeführerin bei der Be-

schwerdegegnerin zum Bezug einer Hilflosenentschädigung aufgrund der 

körperlichen Einschränkungen nach dem Autounfall vom 26. März 2017 an. 

Die Beschwerdegegnerin führte am 1. Juli 2021 eine Abklärung an Ort und 

Stelle durch (Abklärungsbericht vom 8. Juli 2021) und stellte gestützt da-

rauf mit Vorbescheid vom 9. August 2021 die Abweisung des Leistungsbe-

gehrens in Aussicht. 

 

1.3. 

Nach Eingang der von der Beschwerdeführerin erhobenen Einwände ge-

gen die beiden Vorbescheide sowie weiterer Unterlagen liess die Be-

schwerdegegnerin die Beschwerdeführerin auf Empfehlung des RAD  

orthopädisch und psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 21. März 

2023). Nach Rücksprache mit der Abklärungsperson sowie dem RAD hielt 

die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 21. Juli 2023 am Vorbescheid 

vom 9. August 2021 fest und wies das Gesuch um eine Hilflosenentschä-

digung ab. Mit Verfügung vom 10. August 2023 hielt die Beschwerdegeg-

nerin am Vorbescheid vom 23. Februar 2021 fest, sprach der Beschwerde-

führerin eine vom 1. März 2018 bis 31. März 2019 befristete ganzen Rente 

zu und verneinte einen darüber hinaus gehenden Rentenanspruch. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 21. Juli 2023 betreffend das Gesuch um eine 

Hilflosenentschädigung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 

14. September 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

 - 3 - 

 

 

  "1.  Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 10. August 2023 
[recte: 21. Juli 2023] aufzuheben und diese zu verpflichten, der Be-
schwerdeführerin eine Hilflosenentschädigung (mindestens befristet 
und mindestens leichten Grades) zu leisten. 

 
2.  Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen durchzuführen 

und es sei im Anschluss daran erneut über den Anspruch der Be-
schwerdeführerin eine Hilflosenentschädigung zu entscheiden. 

 
3.  Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege mit 

dem unterzeichneten Advokaten als Rechtsvertreter zu bewilligen. 
 
4.  Unter o/e- Kostenfolge." 

 

Dieses Verfahren wurde unter der Nummer VBE.2023.394 erfasst. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 28. September 2023 beantragte die Beschwer-

degegnerin die Abweisung der Beschwerde.  

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 15. November 2023 wurde der 

Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und zu ihrem 

unentgeltlichen Vertreter Nicolai Fullin, Advokat, Aarau, ernannt. 

 

2.4. 

Mit Eingabe vom 1. Dezember 2023 reichte die Beschwerdegegnerin wei-

tere Unterlagen ein. 

 

3. 

3.1. 

Gegen die Verfügung vom 10. August 2023 betreffend das Rentenbegeh-

ren erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 14. September 2023 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

  "1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 10. August 2023 
abzuändern und es sei diese zu verpflichten, der Beschwerdeführerin 
über den 31. März 2019 hinaus eine Invalidenrente nach den gesetz-
lichen Bestimmungen zu leisten. 

 
2. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen, insbesondere 

eine neurologische Untersuchung sowie eine gesamtmedizinische 
Konsensbeurteilung, durchzuführen und es sei im Anschluss daran 
erneut über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu ent-
scheiden. 

 
3. Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege mit 

dem unterzeichneten Advokaten als Rechtsvertreter zu bewilligen. 
 
4. Unter o/e- Kostenfolge." 

 

 - 4 - 

 

 

Dieses Verfahren wurde unter der Nummer VBE.2023.395 erfasst. 

 

3.2. 

Mit Vernehmlassung vom 28. September 2023 beantragte die Beschwer-

degegnerin die Abweisung der Beschwerde.  

 

3.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 15. November 2023 wurde der 

Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und zu ihrem 

unentgeltlichen Vertreter Nicolai Fullin, Advokat, Aarau, ernannt. 

 

3.4. 

Mit Eingabe vom 1. Dezember 2023 reichte die Beschwerdegegnerin wei-

tere Unterlagen ein.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Strittig ist unter anderem die Befristung der ganzen Rente der Beschwer-

deführerin per 31. März 2019. Der Umstand, dass Umfang und allenfalls 

Dauer des Rentenanspruchs über den verfügungsweise geregelten Zeit-

raum hinweg variieren, ist allerdings praxisgemäss unter anfechtungs- und 

streitgegenständlichem Gesichtspunkt belanglos. Wird nur die Abstufung 

oder die Befristung der Leistungen angefochten, wird damit die gerichtliche 

Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass unbestritten 

gebliebene Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (vgl. 

etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_453/2020 vom 20. November 2020 

E. 3.1 mit Hinweisen). Zu prüfen ist daher, ob die Beschwerdegegnerin der 

Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 10. August 2023 (Vernehmlas-

sungsbeilage [VB] 177) zu Recht für den Zeitraum vom 1. März 2018 bis 

31. März 2019 eine ganze Rente zugesprochen und darüber hinaus einen 

Rentenanspruch verneint hat sowie ob die Beschwerdegegnerin einen An-

spruch der Beschwerdeführerin auf Hilflosenentschädigung mit Verfügung 

vom 21. Juli 2023 (VB 172) zu Recht verneint hat. Aufgrund des bestehen-

den Sachzusammenhangs, der Beurteilung eng verbundener Rechtsfragen 

und angesichts der Prozessökonomie ist die Sache gesamthaft zu beurtei-

len. Die beiden Beschwerdeverfahren VBE.2023.394 und VBE.2023.395 

sind daher zu vereinigen. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderung-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind 

 - 5 - 

 

 

daher nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Be-

stimmungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 

21. Juli 2023 betreffend Hilflosenentschädigung (VB 172) im Wesentlichen 

auf den Abklärungsbericht vom 8. Juli 2021 (VB 112), welcher in medizini-

scher Hinsicht auf der Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. B._____, 

Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-

apparates, vom 11. August 2020 (VB 85) basiert, sowie auf das bidiszipli-

näre Gutachten vom 21. März 2023 von Dr. med. C._____, Facharzt für 

Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, 

und Dr. med. D._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, wel-

ches eine orthopädische sowie psychiatrische Beurteilung beinhaltet 

(VB 160).  

 

In der angefochtenen Verfügung vom 10. August 2023 betreffend Rente 

(VB 177) stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im 

Wesentlichen auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. B._____ vom 

11. August 2020 (VB 85) sowie auf das bidisziplinäre Gutachten von 

Dr. med. C._____ und Dr. med. D._____ vom 21. März 2023 (VB 160). 

 

3.2. 

Dr. med. B._____ führte in der Beurteilung vom 11. August 2020 aus, seit 

dem Unfall vom 26. März 2017 habe in der angestammten Tätigkeit bis zum 

18. November 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab dem 

19. November 2019 bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestamm-

ten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit im kaufmännischen Bereich, aber auch 

für die früher ausgeübte, rein sitzende Tätigkeit als Callcenter Agent. In 

einer angepassten, wechselbelastenden, vorwiegend sitzenden und kör-

perlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit Schonung des linken Bei-

nes unter Vermeidung von Arbeiten auf unebenem Gelände, in hockender 

oder kniender Stellung mit repetitivem Treppensteigen oder Besteigen von 

Leitern, bestehe seit dem 23. Dezember 2018 mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (VB 85 S. 7). 

 

3.3. 

Im Bericht vom 8. Juli 2021 hielt die zuständige Abklärungsperson fest, die 

Beschwerdeführerin sei bei den alltäglichen Lebensverrichtungen lediglich 

 - 6 - 

 

 

im Bereich Fortbewegung auf Dritthilfe angewiesen (VB 112 S. 2 f.). In Be-

zug auf die lebenspraktische Begleitung ging sie in der Rubrik "Hilfebedarf 

im Haushalt" von einem Bedarf an Dritthilfe im zeitlichen Umfang von 40 Mi-

nuten pro Woche (10 Minuten bei der Mahlzeitenzubereitung und 30 Minu-

ten bei Reinigungsarbeiten) sowie 15 Minuten pro Woche für die Begleitung 

bei ausserhäuslichen Verrichtungen (10 Minuten für Einkäufe und 5 Minu-

ten für Kontaktpflege mit Behörden, Ärzten, Therapeuten, Coiffeure usw.) 

aus (VB 112 S. 4 f.).  

 

3.4. 

Im bidisziplinären Gutachten vom 21. März 2023 wurden keine Diagnosen 

mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Aus orthopädischer Sicht sei 

die Einschätzung der exakten körperlichen Leistungsfähigkeit aufgrund der 

ausführlich diskutierten Inkonsistenzen und Widersprüche nur bedingt 

möglich. Anhand der objektivierbaren Befunde (straffe Pseudoarthrose am 

Oberschenkelknochen links, beginnende Abnützung am Kniegelenk links 

und Sprunggelenk rechts, beginnende Abnützung der Wirbelsäule) müsse 

jedoch davon ausgegangen werden, dass die Mobilität und körperliche Be-

lastbarkeit eingeschränkt seien. Dies führe zu einer Einschränkung für kör-

perlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten. Aus psychiatrischer Sicht 

könne aufgrund der nicht authentischen Beschwerdeschilderung keine 

Auswirkung funktioneller Einschränkungen formuliert werden (VB 160 

S. 7). Im angestammten Beruf als Callcentermitarbeiterin sowie in einer ad-

ministrativen Tätigkeit mit ähnlichem Belastungsprofil (körperlich leichte 

Tätigkeit in überwiegend sitzender Haltung) bestehe seit Januar 2019 eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit ohne Einschränkung in der Zeit oder der Leistung. 

Vom 26. März 2017 bis Dezember 2018 habe in der angestammten Tätig-

keit eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. In Bezug auf die Arbeitsfähig-

keit in einer angepassten Tätigkeit wurde dasselbe ausgeführt (VB 160 

S. 9 f.). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-

tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

 - 7 - 

 

 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen 

Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee 

S. 353 ff.). Bestehen jedoch auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässig-

keit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, 

so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 

S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.3. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

Den Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der So-

zialversicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar 

zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts, 4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 

E. 5.2.8 S. 105). 

 

5. 

Den medizinischen Akten ist insbesondere Folgendes zu entnehmen: 

 

5.1. 

In den Berichten des Kantonsspitals E._____ , Neurozentrum, vom 

16. Februar 2018 und vom 27. Juli 2021 wurde der Beschwerdeführerin 

eine posttraumatische schwere Körperfehlwahrnehmung mit funktionellen 

Paresen bei ausgeprägter Schmerzhemmung bzw. multilokulären Schmer-

zen diagnostiziert (VB 24.31; 117 S. 8). Es bestehe kein Hinweis auf eine 

Neuropathie als Ursache der ausgeprägten sensomotorischen Defizite. Es 

liege eine funktionelle Störung vor. Aufgrund der hochgradigen Einschrän-

kungen sowohl im Alltag als auch der Arbeitsfähigkeit sei eine Beurteilung 

durch eine Spezialistin für funktionelle Störungen angezeigt (VB 117 S. 9). 

Im Bericht vom 10. Januar 2021 (recte: vermutlich 10. Januar 2022 oder 

10. Dezember 2021, Untersuchung vom 1. Dezember 2021) des Spitals 

F._____ führten Dr. med. G._____, Fachärztin für Neurologie, und Assis-

tenzarzt Dr. med. H._____ aus, bei eindeutigen klinischen Positivzeichen 

in der Untersuchung komme zur Schmerzchronifizierung eine sekundäre 

neurofunktionelle Symptomausweitung in Form einer beinbetonten und pri-

mär motorischen Hemisymptomatik links hinzu. In den externen umfassen-

den Abklärungen habe ein zusätzliches strukturelles Korrelat der sensomo-

torischen Defizite ausgeschlossen werden können (VB 125 S. 4). 

 

 - 8 - 

 

 

5.2. 

Am 16. April 2019 sowie am 12. Mai 2021 fanden im Kantonsspital E._____ 

neuropsychologische Untersuchungen statt. Aufgrund von Auffälligkeiten 

und Inkonsistenzen seien die Befunde jedoch nicht valide interpretierbar 

respektive quantifizierbar, weshalb auf eine Stellungnahme zur Arbeitsfä-

higkeit verzichtet werde (VB 53.42 S. 3; 131 S. 17). Die behandelnde Psy-

chiaterin, Dr. med. I._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, 

Klinik J._____, attestierte der Beschwerdeführerin im Bericht vom 26. Ja-

nuar 2022 unter anderem eine Schmerzstörung mit somatischen und psy-

chischen Faktoren, dissoziative Bewegungsstörung nach Polytrauma mit 

sekundär neurofunktioneller Symptomausweitung mit beinbetonter und pri-

mär motorischer Hemisymptomatik links, eine mittelgradige depressive 

Episode sowie eine posttraumatische Belastungsstörung. Aufgrund dessen 

sei die Beschwerdeführerin vom 2. August 2021 bis auf weiteres voll ar-

beitsunfähig (VB 122 S. 3 ff.). Im Austrittsbericht der Klinik J._____ vom 

18. August 2022 wurden der Beschwerdeführerin unter anderem eine chro-

nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, eine 

posttraumatische Belastungsstörung und eine depressive Störung mit ge-

genwärtig mittelgradiger Episode diagnostiziert (VB 141 S. 2). Bei Austritt 

bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (VB 141 S. 7).  

 

5.3. 

Nach Berücksichtigung der neu eingegangenen Arztberichte führte RAD-

Arzt Dr. med. B._____ in der Beurteilung vom 24. Oktober 2022 aus, den 

Berichten seien neue medizinische Befunde zu entnehmen, welche bisher 

nicht hätten berücksichtigt werden können und aufgrund derer eventuell 

von der bisherigen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit abgewichen werden 

müsse. Zur korrekten Erfassung der medizinischen Sachlage und versiche-

rungsmedizinischen Beurteilung der aktuellen Gesundheitssituation und 

Klärung der Frage, ob ein Gesundheitsschaden mit Krankheitswert vor-

liege, der eine länger dauernde oder bleibende Einschränkung der Arbeits-

fähigkeit begründe, sei ein Gutachten auf psychiatrischem und orthopädi-

schem Fachgebiet in Auftrag zu geben. Neben der Beantwortung des be-

kannten Fragenkataloges werde um Auskunft über die Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit nach Ablauf des gesetzlichen Wartejahres per 1. März 

2018 ersucht (VB 142 S. 2). 

 

5.4. 

Im psychiatrischen Teilgutachten vom 21. März 2023 stellte Dr. med. 

D._____ keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Di-

agnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er eine posttrauma-

tische Belastungsstörung, eine chronische Schmerzstörung mit somati-

schen und psychischen Faktoren sowie eine dissoziative Bewegungsstö-

rung fest (VB 160 S. 72). Es wurden zahlreiche Inkonsistenzen aufgezeigt 

(VB 160 S. 53 f.). Aufgrund der Inkonsistenzen in den Begutachtungssitu-

ationen seien aus gutachterlicher Sicht die Hinweise für ein Aggravations- 

 - 9 - 

 

 

bzw. Simulationsverhalten noch weiter zu diskutieren. Nach einlässlicher 

Prüfung der Hinweise für Aggravation bzw. Simulation hielt Dr. med. 

D._____ zusammenfassend fest, es zeigten sich aus psychiatrischer Sicht 

deutliche Hinweise auf eine nicht-authentische Beschwerdeschilderung. 

Aufgrund der zahlreichen Inkonsistenzen könnten funktionelle Auswirkun-

gen nur schwer abgeleitet werden, aufgrund der nicht-authentischen Be-

schwerdeschilderung seien Aussagen zur Arbeitsfähigkeit aus psychiatri-

scher Sicht nicht möglich (VB 160 S. 70 ff.). 

 

Dr. med. C._____ führte im orthopädischen Teilgutachten vom 21. März 

2023 aus, die gesamte Einschätzung aus orthopädischer-traumatologi-

scher Sicht sei aufgrund einer ausgeprägten Symptomverdeutlichung, Aus-

weitung und Selbstlimitation nur erschwert möglich. Anhand der objektivier-

baren Befunde bestehe mit Sicherheit in Folge der vorwiegend posttrauma-

tischen Veränderungen am Bewegungsapparat eine Einschränkung der 

körperlichen Belastbarkeit und Mobilität. Allerdings könnten die von der Be-

schwerdeführerin demonstrierten Einschränkungen und Ausfälle anhand 

der Verhaltensbeobachtung und der umfassenden, klinischen elektroneu-

rografischen, bildgebenden Abklärung im Vorfeld und der jetzigen Untersu-

chung weder erklärt noch nachvollzogen werden. Auch das von ihr subjek-

tiv empfundene, teils dekompensierte Ausmass der Schmerzen sei weder 

im Rahmen der Untersuchung ersichtlich noch von orthopädischer-trauma-

tologischer Seite erklärbar (VB 160 S. 35 f.). Eine Einschätzung der exak-

ten körperlichen Leistungsfähigkeit sei aufgrund der ausführlich diskutier-

ten Inkonsistenzen und Widersprüche nur bedingt möglich. Anhand der ob-

jektivierbaren Befunde (straffe Pseudoarthrose am Oberschenkelknochen 

links, beginnende Abnützung am Kniegelenk links und Sprunggelenk 

rechts, beginnende Abnützung der Wirbelsäule) müsse jedoch davon aus-

gegangen werden, dass die Mobilität und körperliche Belastbarkeit einge-

schränkt seien. Da sich im Rahmen der Begutachtung in Ruhe und ohne 

vermehrte Belastung der geschädigten Regionen des Bewegungsappara-

tes keine Anzeichen von Schmerzen zeigten, könne eine körperlich leichte 

Tätigkeit in überwiegend sitzender Haltung aus orthopädischer-traumatolo-

gischer Sicht uneingeschränkt ausgeübt werden (VB 160 S. 37).  

 

6. 

6.1. 

Die Beschwerdeführerin macht in der Beschwerde betreffend Rentenbe-

gehren zusammenfassend geltend, das Gutachten sei nicht überzeugend 

ausgefallen. Zudem müsse zusätzlich eine neurologische Abklärung durch-

geführt werden, bevor gesamtmedizinisch abschliessend über die Leis-

tungsfähigkeit entschieden werden könne. Betreffend Hilflosenentschädi-

gung macht die Beschwerdeführerin zum einen ebenfalls geltend, auf das 

Gutachten könne nicht abgestellt werden. Zum anderen hätte der Anspruch 

auf eine Hilflosenentschädigung bereits ab März 2018 geprüft werden müs-

sen. 

 - 10 - 

 

 

6.2. 

Obwohl im Spital F._____ sowie im Kantonsspital E._____ neurologische 

Untersuchungen durchgeführt wurden und eine neurologische Diagnose 

gestellt wurde, wurde die Beschwerdeführerin lediglich orthopädisch und 

psychiatrisch begutachtet. Die Berichte des Kantonsspitals E._____ vom 

16. Februar 2018 und vom 27. Juli 2021 sowie der Bericht des Spitals 

F._____ vom 10. Januar 2021 wurden dem RAD-Arzt Dr. med. B._____ zur 

Beurteilung vorgelegt. Obwohl dieser ausführte, es sei u.a. die Diagnose 

"sekundär neurofunktionelle Symptomausweitung mit beinbetonter und pri-

mär motorischer Hemisymptomatik links" gestellt worden, empfahl er, ein 

Gutachten einzig auf psychiatrischem und orthopädischem Fachgebiet in 

Auftrag zu geben. Dazu, weshalb trotz neurologischer Diagnose keine neu-

rologische Begutachtung erfolgen soll, äusserte sich Dr. med. B._____ 

nicht. Dr. med. D._____ hielt im psychiatrischen Teilgutachten in Bezug auf 

den Bericht vom 16. Februar 2018 des Kantonsspitals E._____ fest, die 

"Bewertung der Schmerzkomponente [sei] nicht ausschliesslich neurolo-

gisch erklärbar" (VB 160 S. 56). In Bezug auf den Bericht vom 10. Januar 

2021 des Spitals F._____ hielt er fest, die vorgeschlagene Intervention 

(multimodaler Behandlungsansatz mit körperlichen Therapiemassnahmen, 

aber auch kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansätzen, je nach Verlauf 

bei ausgeprägter Klinik auch ein erneuter stationärer psychosomatischer 

Aufenthalt) sei nachvollziehbar (VB 160 S. 62 f.). Nach Erteilung des Gut-

achtensauftrags ging ein weiterer Bericht des Spitals F._____ ein. Im Be-

richt vom 17. November 2022 hielten Dr. med. G._____ und Assistenzarzt 

Dr. med. H._____ fest, eine Rentenprüfung von Seiten der IV erscheine 

indiziert, wobei eine rasche Klärung der versicherungsrechtlichen Gesamt-

situation sicherlich auch aus neurologischer Sicht wichtig sei, handle es 

sich doch um einen erheblichen Belastungsfaktor, welcher sich zusätzlich 

auf den Krankheitsverlauf negativ auswirken dürfte (VB 155 S. 10). Der Be-

richt wurde ausweislich der Akten weder den Gutachtern (vgl. VB 160 

S. 74 ff.) noch dem RAD (vgl. VB 169) zur Beurteilung vorgelegt. Im Rah-

men des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin einen wei-

teren Bericht des Spitals F._____ ein. Im Bericht vom 23. Juni 2023 hielten 

Dr. med. G._____ und Assistenzärztin K._____ unter anderem fest, eine 

Berufsausübung zu 100 % sei – auch bei angepasster Arbeitsstelle – zu-

mindest zum aktuellen Zeitpunkt nicht realistisch (Eingabe vom 1. Dezem-

ber 2023). 

 

Trotz neurologischer Berichte und Diagnosen wurde die Beschwerdeführe-

rin im Rahmen des Gutachtens nicht neurologisch untersucht. Zu den bis 

zum Gutachterauftrag vorhandenen neurologischen Berichten nahmen le-

diglich die psychiatrische Gutachterin sowie der RAD-Arzt Dr. med. 

B._____, welcher über keinen Facharzttitel in Neurologie verfügt, Stellung. 

Im Bericht des Spitals F._____ vom 23. Juni 2023, welcher im Beschwer-

deverfahren eingereicht wurde, wird der Beschwerdeführerin überdies eine 

Arbeitsunfähigkeit aus neurologischer Sicht attestiert. Aufgrund der 

 - 11 - 

 

 

erwähnten neurologischen Berichte behandelnder Fachärzte bestehen 

Hinweise darauf, dass allenfalls eine neurologische Beeinträchtigung vor-

liegen könnte, weshalb eine neurologische Begutachtung angezeigt gewe-

sen wäre. Grundsätzlich obliegt es dem RAD, eine umfassende Einordnung 

bezüglich der an einer Begutachtung zu beteiligenden medizinischen Fach-

disziplinen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 349 E. 3.3.; Urteil des Bundes-

gerichts 9C_296/2018 vom 14. Februar 2019 E. 6.1). Vorliegend hat RAD-

Arzt Dr. med. B._____ seine Auswahl jedoch nicht begründet. Zudem gin-

gen nach der Einordnung weitere neurologische Berichte ein, welche noch 

nicht berücksichtigt werden konnten.  

 

6.3. 

Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die Beurteilung der Arbeitsfä-

higkeit in der Gesamtbeurteilung des Gutachtens nicht schlüssig begründet 

wurde. Aus dem orthopädischen Teilgutachten geht nicht hervor, weshalb 

vom 26. März 2017 bis Dezember 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit bzw. 

seit Januar 2019 eine volle Arbeitsfähigkeit in der bisherigen sowie in einer 

angepassten Tätigkeit bestehe (VB 160 S. 40). Dies wäre insbesondere in 

Anbetracht der fallspezifischen Zusatzfrage des RAD ("Bitte um Auskunft 

über die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nach Ablauf des gesetzlichen 

Wartejahrs per 01.03.2018"; VB 160 S. 41) notwendig gewesen. Im psychi-

atrischen Teilgutachten wird sodann ausgeführt, aufgrund nicht-authenti-

scher Beschwerdeschilderung seien Aussagen zur Arbeitsfähigkeit aus 

psychiatrischer Sicht nicht möglich (VB 160 S. 73). In Bezug auf Aggrava-

tion bzw. Simulation hielt Dr. med. D._____ fest, alle Kriterien, mit Aus-

nahme des Kriteriums "Die Angaben des Probanden weichen erheblich von 

fremdamnestischen Informationen und Aktenlage ab" seien erfüllt, womit 

sich aus psychiatrischer Sicht deutliche Hinweise auf eine nichtauthenti-

sche Beschwerdeschilderung zeigten (VB 160 S. 71 f.). 

 

Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen 

Konstellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung 

vor. Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche 

Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten 

Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben 

werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische 

Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vor-

getragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; 

schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale 

Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die 

Invalidenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 48 zu Art. 4 IVG, BGE 131 V 

49 E. 1.2. S. 50). Es ist zudem darauf hinzuweisen, dass rechtsprechungs-

gemäss eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beru-

hende Leistungseinschränkung eine versicherte Gesundheitsschädigung 

nicht leichthin auszuschliessen vermag, sondern nur, wenn im Einzelfall 

 - 12 - 

 

 

Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die 

Anhaltspunkte auf eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeu-

tig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens 

zweifellos überschritten sind, ohne dass das aggravatorische Verhalten auf 

eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzufüh-

ren wäre (Urteil des Bundesgerichts 9C_154/2016 vom 19. Oktober 2016 

E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). Die Frage, ob Aggravation vorliegt, wurde 

im psychiatrischen Gutachten nicht abschliessend beantwortet. In der in-

terdisziplinären Gesamtbeurteilung wurde sodann festgehalten, dass bei 

der Gesamtarbeitsfähigkeit aufgrund der nicht-authentischen Beschwerde-

schilderung im psychiatrischen Teilgutachten nur auf die objektivierbaren 

Einschätzungen aus dem orthopädischen Gutachten abgestellt werden 

könne (VB 160 S. 9). Ob die Grenze eines bloss verdeutlichenden Verhal-

tens zweifellos überschritten ist, steht nicht eindeutig fest. Dr. med. 

D._____ hielt ausdrücklich fest, Aussagen zur Arbeitsfähigkeit seien aus 

psychiatrischer Sicht nicht möglich (VB 160 S. 73). Aufgrund dessen sind 

auch diesbezüglich weitere Abklärungen notwendig, zumal im "Zwischen-

bericht für die IV" der Klinik J._____ vom 7. September 2023 (im Beschwer-

deverfahren eingereicht, Eingabe vom 1. Dezember 2023; vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 9C_175/2018 vom 16. April 2018 E. 3.3.2) ausgeführt wird, 

dass die psychogenen Anteile der Schmerzsymptomatik nicht als bewusste 

Aggravation zu werten seien, sondern im Rahmen der Gesamtpersönlich-

keit als nicht direkt überwindbar betrachtet werden müssten. Kann das Vor-

liegen einer Aggravation nicht eindeutig bejaht werden, muss eine indika-

torengeleitete Überprüfung des psychischen Leidens erfolgen (vgl. BGE 

143 V 418; 143 V 409; 141 V 281). 

 

6.4. 

Aufgrund des Ausgeführten kann weder für die Beurteilung des Rentenan-

spruchs noch für die Beurteilung des Anspruchs auf Hilflosenentschädi-

gung auf das Gutachten vom 21. März 2023 abgestellt werden. Der Abklä-

rungsbericht vom 8. Juli 2022 erging vor Eingang der neuen Arztberichte 

und der Empfehlung des RAD vom 24. Oktober 2022, ein bidisziplinäres 

Gutachten einzuholen. Die Abklärungsperson führte aufgrund dessen in 

der Stellungnahme vom 12. April 2023 aus, der Abklärungsbericht müsse 

dem RAD zur Plausibilisierung vorgelegt werden (VB 167). RAD-Arzt 

Dr. med. B._____ hielt in der Beurteilung vom 1. Mai 2023 sodann fest, 

nach Kenntnisnahme des Abklärungsberichts vom 8. Juli 2022 sowie dem 

Gutachten vom 21. März 2023, welches sich für die streitigen Belange als 

umfassend, vollständig, auf allseitigen Untersuchungen beruhend, qualita-

tiv einwandfrei, in Kenntnis der Vorakten erstellt, in sich konsistent und in 

der Begründung eindeutig erweise, könne klar bestätigt werden, dass eine 

lebenspraktische Begleitung nicht ausgewiesen sei (VB 169 S. 2). Da auf 

das Gutachten vom 21. März 2023 wie aufgezeigt nicht abgestellt werden 

kann, lässt sich nicht abschliessend beurteilen, ob die gesundheitlichen 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin bzw. der dadurch bedingte 

http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9c-472%2F2015&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9c-472%2F2015&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281

 - 13 - 

 

 

Bedarf an Dritthilfe ein Ausmass annehmen, welches einen Anspruch auf 

eine Hilflosenentschädigung begründen könnte. Auf den Abklärungsbericht 

vom 8. Juli 2022 kann somit aufgrund des unvollständig abgeklärten medi-

zinischen Sachverhalts ebenfalls nicht abgestellt werden.  

 

6.5. 

Zusammenfassend erweist sich der anspruchsrelevante Sachverhalt im 

Lichte der Untersuchungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; 

BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 130 V 64 E. 5.2.5 

S. 68 f.; 125 V 193 E. 2 S. 195; 122 V 157 E. 1a S. 158; vgl. auch UELI 

KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu Art. 43 ATSG) als 

nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Es rechtfertigt sich damit vorliegend, die 

Sache – wie von der Beschwerdeführerin jeweils eventualiter beantragt 

(vgl. Rechtsbegehren Ziff. 2) – zur weiteren Abklärung an die Beschwerde-

gegnerin zurückzuweisen. Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin neu 

über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente und auf Hilflo-

senentschädigung zu verfügen. 

 

7. 

7.1. 

Nach dem Dargelegten sind die Beschwerden in dem Sinne gutzuheissen, 

als die angefochtenen Verfügungen vom 21. Juli 2023 und vom 10. August 

2023 aufzuheben sind und die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neu-

verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

7.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 1'000.00. Sie sind gemäss dem Verfahrens-

ausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

7.3. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 

215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). Die Parteikosten sind dem unentgeltli-

chen Rechtsvertreter zu bezahlen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht beschliesst: 

 

Die Verfahren VBE.2023.394 und VBE.2023.395 werden vereinigt. 

 

 
   

 - 14 - 

 

 

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerden werden die Verfügungen vom 

21. Juli 2023 und vom 10. August 2023 aufgehoben und die Sache wird zur 

weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an 

die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.00 werden der Beschwerdegegnerin 

auferlegt.  

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsver-

treter der Beschwerdeführerin die Parteikosten in richterlich festgesetzter 

Höhe von Fr. 4'000.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

 - 15 - 

 

 

Aarau, 27. Februar 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Kathriner Lang