# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 54d4041a-bc5c-5fc5-8d4c-4330ab8463a9
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-07
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 07.09.2023 SK 2022 338
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-338_2023-09-07.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 22 338

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 7. September 2023 

Besetzung Oberrichterin Schwendener (Präsidentin), Oberrichter Vicari, 
Obergerichtssuppleantin Marti-Schreier
Gerichtsschreiber Kuratle

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

C.________

Strafkläger 1

D.________

Strafkläger 2

E.________

Straf- und Zivilkläger 3

F.________

Strafklägerin 4

G.________, p.A. M.________

Strafkläger 5
Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, Raub, Gewalt und Drohung 

gegen Behörden und Beamte etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 2. Februar 2022 (PEN 21 1139)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 2. Februar 2022 (pag. 1082 ff.) sprach das Regionalgericht Bern-
Mittelland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung; nachfolgend: Vorinstanz) den Be-
schuldigten frei von der Anschuldigung der Widerhandlung gegen das Bundesge-
setz über die Sicherheitsorgane der Transportunternehmen im öffentlichen Verkehr 
(BGST; SR 745.2), angeblich begangen am 15. Mai 2021 in Bern, ohne Ausrich-
tung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

Hingegen erklärte die Vorinstanz den Beschuldigten schuldig:

- der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 15. Mai 2021 in Bern 
z.N. von C.________,

- des Raubes, begangen am 7. August 2021 in Bern, z.N. von E.________,

- der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, mehrfach begangen

- am 11. April 2021 in Bern z.N. von G.________;
- am 15. Mai 2021 in Bern z.N. von D.________ und F.________,

- der Widerhandlung gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG; SR 
142.20), neunfach begangen in der Zeit vom 11. April 2021 - 7. August 2021 in 
Bern, durch Missachten der Ausgrenzungsverfügung des Migrationsdienstes 
des Kantons Bern vom 10. September 2020,

- der Beschimpfung, mehrfach begangen

- am 11. April 2021 in Bern z.N. von G.________;
- am 15. Mai 2021 in Bern z.N. von D.________ und H.________,

- der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 11. April 2021 in Bern,

- der Tätlichkeiten, begangen am 29. August 2021 in Zürich z.N. von I.________,

- der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen 
(SR 818.31), begangen am 15. Mai 2021 in Bern durch Rauchen in einem Ge-
bäude des öffentlichen Verkehrs,

- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (BetmG; SR 812.121), 
mehrfach begangen in der Zeit zwischen dem 14. März 2021 und 16. Septem-
ber 2021 in Bern und Neuenegg durch Konsum einer unbekannten Menge Ko-
kain und Cannabis,

- der Widerhandlung gegen die aCovid-19-Verordnung besondere Lage, mehr-
fach begangen am 11. April 2021 und am 15. Mai 2021 in Bern durch Nichttra-
gen der obligatorischen Gesichtsmaske im Hauptbahnhof,

3

- der Widerhandlung gegen das Gesetz über das kantonale Strafrecht (KStrG; 
BSG 311.1), begangen am 5. Juli 2021 in Bern durch Verweigerung der Na-
mensgabe.

In Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen wurde der Beschuldigte 
zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten verurteilt, wobei 173 Tage ausgestandene 
Untersuchungs- und Sicherheitshaft in vollem Umfang angerechnet wurden. Zudem 
wurde er zu einer Geldstrafe von 28 Tagessätzen zu CHF 10.00, ausmachend total 
CHF 280.00 und zu einer Übertretungsbusse von CHF 900.00, beides teilweise als 
Zusatzstrafe zum Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 11. Mai 2021 
verurteilt. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse wur-
de auf 9 Tage festgesetzt. Es wurde eine Landesverweisung von 7 Jahren sowie 
deren Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) angeordnet und 
dem Beschuldigten wurden die gesamten Verfahrenskosten von CHF 30'277.50 
zur Bezahlung auferlegt. 

Weiter setzte die Vorinstanz die amtliche Entschädigung und das volle Honorar des 
amtlichen Verteidigers fest und verfügte dafür die Rück- und Nachzahlungspflicht 
des Beschuldigten.

Im Zivilpunkt verurteilte die Vorinstanz den Beschuldigten ohne Ausscheidung von 
Verfahrenskosten zur Bezahlung von

- CHF 500.00 Genugtuung an den Privatkläger E.________. Soweit weiterge-
hend wurde die Zivilklage abgewiesen;

- CHF 100.00 Genugtuung an die Privatklägerin F.________;

- CHF 100.00 Genugtuung an den Privatkläger D.________.

Die Zivilklage des Privatklägers H.________ wies die Vorinstanz ab, die Zivilklage 
des Privatklägers C.________ wurde auf den Zivilweg verwiesen und es wurde 
festgestellt, dass die Privatklägerin I.________ ihre Zivilklage vor Abschluss der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung zurückgezogen hat und diese auf dem Zivil-
weg erneut geltend machen kann.

Zu guter Letzt verfügte die Vorinstanz die Belassung des Beschuldigten in Sicher-
heitshaft, die Verwendung des beschlagnahmten Geldbetrags von CHF 100.00 zur 
Deckung der Busse, die Einziehung diverser Gegenstände zur Vernichtung, die 
Rückgabe diverser Gegenstände an den Beschuldigten, die Rückgabe von zwei 
Gegenständen an den Privatkläger C.________ und erteilte die Zustimmung zu 
den DNA-Profil- und AFIS-Löschungen. 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Rechtsan-
walt B.________, am 11. Februar 2022 (pag. 1120), fristgerecht Berufung an.

Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 13. Mai 2022 und wurde den Partei-
en gleichentags mit Verfügung zugestellt (pag. 1140 ff., pag. 1208 f.).

Mit Eingabe vom 7. Juni 2022 erklärte Rechtsanwalt B.________ namens und im 
Auftrag des Beschuldigten frist- und formgerecht die Berufung (pag. 1218 ff.). Er 

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beschränkte die Berufung auf den Schuldspruch des Raubes, die Strafzumessung 
bzw. Sanktionen, die Landesverweisung von 7 Jahren einschliesslich Ausschrei-
bung im SIS, die mit den Schuld- und Freisprüchen zusammenhängenden Neben-
folgen wie namentlich die vollständige Auferlegung der Verfahrenskosten an den 
Beschuldigten und die Verpflichtung zur Rückzahlung der amtlichen Entschädigung 
an den Kanton Bern und die Verurteilung zur Zahlung einer Genugtuung an den 
Privatkläger E.________. 

Mit Eingabe vom 11. Juli 2022 teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, dass auf 
die Erklärung der Anschlussberufung verzichtet wird (pag. 1235 f.). Die übrigen 
Parteien liessen sich innert Frist nicht vernehmen. 

Mit Beschluss vom 26. September 2022 entschied die Kammer nach Gewährung 
des rechtlichen Gehörs, dass das Urteil der Vorinstanz in Bezug auf den Freispruch 
gemäss Ziff. I., die Schuldsprüche gemäss Ziff. II. mit Ausnahme des Raubes 
(Ziff. II.2) und den Zivilpunkt gemäss Ziff. IV. mit Ausnahme der Genugtuung an 
den Straf- und Zivilkläger samt Abweisung der Zivilklage (Ziff. IV. 1.1.) in Rechts-
kraft erwachsen sei und entliess die Straf- und Zivilkläger 1, 2 und 4 sowie die Zi-
vilkläger 1 und 2 als Zivilkläger aus dem oberinstanzlichen Verfahren, wobei die 
Straf- und Zivilkläger 1, 2 und 4 fortan lediglich noch als Strafkläger im Verfahren 
blieben. 

Die oberinstanzliche Hauptverhandlung fand am 6. und 7. September 2023 statt 
(pag. 1408 ff.)

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Berufungsverhandlung wurden von Amtes we-
gen über den Beschuldigten folgende Unterlagen eingeholt:

- aktueller Strafregisterauszug vom 28. August 2023 (pag. 1398 ff.)
- aktueller Vollzugsbericht der JVA S.________ vom 21. August 2023 (pag. 1392)
- aktuelle Berichte zur Prüfung der strafrechtlichen Landesverweisung beim Mi-

grationsdienst des Kantons Bern vom 27. Juli 2023 (pag. 1343 f.) und beim 
Staatssekretariat für Migration SEM vom 24. Juli 2023 (pag. 1334 ff.) 

- vollständige Vollzugsakten bei den Bewährungs- und Vollzugsdiensten vom 
17. August 2023 (pag. 1391) mit Aufdatierungen, welche sich teilweise auch in 
den amtlichen Hauptakten befinden. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden der Beschuldigte und der Straf- und 
Zivilkläger 3 (nachfolgend: Privatkläger 3) einvernommen (pag. 1411 ff.).

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte namens und im Auftrag des Beschuldigten fol-
gende Anträge (pag. 1429 ff.)
I. Es sei festzustellen, dass die Ziffer I., die Schuldsprüche gemäss Ziffern II./1. und II./3.-11., 

IV/1.2.-5. sowie V.1.-6. des Urteilsdispositivs des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 2. Fe-
bruar 2022 (PEN 21 1139) in Rechtskraft erwachsen sind. 

II. A.________, geb. P.________, von Eritrea, zzt. in der JVA S.________ T.________, sei freizu-
sprechen

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vom Vorwurf des Raubs, angeblich begangen am 07.08.2021 zwischen 02:00 Uhr und 
03:00 Uhr in Bern, Reithalle, z.N. von E.________ [Ziff. II./2. des Urteils vom 2. Februar 2022]; 

unter Ausscheidung der anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton 
Bern und unter Ausrichtung einer angemessenen Entschädigung für die gebotenen Verteidi-
gungskosten für das erstinstanzliche Verfahren. 

III. A.________ (vgt.) sei in Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wovon 12 Monate zu vollziehen sind, unter Anrech-
nung der bereits ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie des vorzeitigen 
Strafvollzuges.

Der Vollzug der restlichen Freiheitsstrafe von 12 Monaten sei aufzuschieben, unter Anset-
zung einer Probezeit von 3 Jahren;

2. zu einer Zusatzstrafe von 0 Tagessätzen (unter Berücksichtigung der mittels Urteils der Re-
gionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 11. Mai 2021 bereits ausgesprochenen 
Geldstrafe);

3. zur Bezahlung einer Busse von CHF 690.00;

4. zur Bezahlung der anteilsmässigen, auf die Schuldsprüche anfallenden erstinstanzlichen 
Verfahrenskosten.

IV. Auf die Anordnung einer Landesverweisung sei zu verzichten.

V. Die Verfahrenskosten für das oberinstanzliche Verfahren seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

VI. Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das oberinstanzliche Verfahren sei gemäss einge-
reichter Honorarnote gerichtlich zu bestimmen.

VII. Es seien die notwendigen Verfügungen zu erlassen.

Staatanwältin Dr. J.________ stellte für die Generalstaatsanwaltschaft folgende 
Anträge (pag. 1432 ff.):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht in Dreierbesetzung) vom 2. Februar 2022 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. des Freispruchs von der Anschuldigung der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die 
Sicherheitsorgane; 

2. der Schuldsprüche, wonach A.________ folgender Delikte schuldig erklärt wurde: 

2.1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 15.05.2021 in Bern z.N. von 
C.________; 

2.2. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, mehrfach begangen 

2.2.1. am 11.04.2021 in Bern z.N. von G.________; 

2.2.2. am 15.05.2021 in Bern z.N. von D.________ und F.________; 

2.3. der Widerhandlung gegen das Ausländer-und Integrationsgesetz, mehrfach begangen durch 
Missachten einer Ausgrenzungsverfügung 

2.3.1. am 11.04.2021 in Bern;

2.3.2. am 12.05.2021 in Bern, 

2.3.3. am 15.05.2021 in Bern; 

2.3.4. am 16.06.2021 in Bern;

2.3.5. am 26.06.2021 in Bern;

2.3.6. am 27.06.2021 in Bern;

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2.3.7. am 05.07.2021 in Bern;

2.3.8. am 09.07.2021 in Bern;

2.3.9. am 07.08.2021 in Bern;

2.4. der Beschimpfung, mehrfach begangen 

2.4.1. am 11.04.2021 in Bern z.N. von G.________;

2.4.2. am 15.05.2021 in Bern z.N. von D.________ und H.________;

2.5. der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 11.04.2021 in Bern; 

2.6. der Tätlichkeiten, begangen am 29.08.2021 in Zürich z.N. von I.________;

2.7. der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen, begangen am 
15.05.2021 in Bern durch Rauchen in einem Gebäude des öffentlichen Verkehrs;

2.8. der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen durch Konsum 
einer unbekannten Menge Kokain und Cannabis in der Zeit zwischen dem 14.03.2021 und 
16.09.2021 in Bern und Neuenegg;

2.9. der Widerhandlung gegen die aCovid-19-Verordnung besondere Lage, mehrfach begangen 
durch Nichttragen der obligatorischen Gesichtsmaske in Bern, Hauptbahnhof,

2.9.1. am 11.04.2021 und

2.9.2. am 15.05.2021; 

2.10. der Widerhandlung gegen das Gesetz über das kantonale Strafrecht (KStrG) durch Ver-
weigerung der Namensgabe, begangen am 05.07.2021 in Bern.

II.

A.________ sei zusätzlich zu den in Rechtskraft erwachsenen Schuldsprüchen in Bestätigung de-
serstinstanzlichen Urteils schuldig zu erklären wegen Raubs, begangen am 07.08.2021 in Bern z.N. 
von E.________. 

III.

A.________ sei in Anwendung von Art. 22 Abs. 1, 34, 40, 47, 49 Abs. 1 und 2, 51, 66a Bst. b und c, 
106, 122, 126 Abs. 1, 140 Ziff. 1 al. 2, 177 Abs. 1, 285 Ziff. 1 al. 1 und 2, 286 StGB; 119 Abs. 1 AIG; 
3b und 13 Bst. f der Verordnung über Massnahmen in der besonderen Lage zur Bekämpfung der Co-
vid-19-Epidemie (Stand 01.04.2021 und Stand 13.05.2021); 1 Abs. 2 Bst. i i.V.m. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 5 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes zum Schutz vor Passivrauchen; 19a Ziff. 1 des Betäu-
bungsmittelgesetzes; 15 Abs. 1 des Gesetzes über das kantonale Strafrecht; Art. 426ff. StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten, unter Anrechnung der Untersuchungs- und Sicherheits-
haft von 214 Tagen (15.05.2021 bis 16.06.2021 sowie vom 16.09.2021 bis am 15.03.2022) und 
des vorzeitigen Strafantritts von 541 Tagen (vom 16.03.2022 bis am 07.09.2023); 

2. zu einer Geldstrafe von 28 Tagessätzen zu CHF10.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der 
Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 11.05.2021; 

3. zu einer Busse von CHF 900.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der Regionalen Staatsan-
waltschaft Bern-Mittelland vom 11.05.2021, wobei die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung auf 9 Tage festzusetzen sei; 

4. zu einer Landesverweisung von 7 Jahren. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung im 
Schengener Informationssystem anzuordnen; 

5. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. einer angemessenen Ge-
bühr gemäss Art. 21 VKD). 

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

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1. Das von A.________ erfasste DNA-Profil sei nach 30 Jahren, gerechnet ab Urteilsdatum, zu lö-
schen (Art. 16 Abs. 2 Bst. c i.V.m. Art. 16 Abs. 3 DNA-ProfilG). 

2. Die von A.________ erfassten biometrischen erkennungsdienstlichen Daten seien nach 30 Jah-
ren, gerechnet ab Urteilsdatum, zu löschen (Art. 354 Abs. 4 Bst. a StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 2 
Bst. c und Art. 16 Abs. 3 DNA-ProfilG). 

3. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

Der Privatkläger 3 hielt an der Berufungsverhandlung an seiner erstinstanzlich ge-
stellten Zivilforderung fest und verlangte eine Genugtuung von CHF 500.00 
(pag. 1414 Z. 8 f.). 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]).

Mit Blick auf den Umfang der Berufung und den Beschluss vom 26. September 
2022 ist vorab festzustellen, dass das Urteil der Vorinstanz vom 2. Februar 2022 
insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als den Freispruch gemäss Ziff. I, die 
Schuldsprüche gemäss Ziff. II (mit Ausnahme des Raubes; Ziff. II. 2), den Zivil-
punkt gemäss Ziff. IV (mit Ausnahme der Genugtuung an den Straf- und Zivilkläger 
E.________; Ziff. IV 1.1) samt Abweisung der Zivilklage und die weiteren Verfü-
gungen (Ziff. V. 1 - 5) betreffend (wobei die erste der irrtümlicherweise doppelt auf-
geführten Ziff. V. 1, Sicherheitshaft, auf Grund ihrer provisorischen Natur der 
Rechtskraft im vorliegenden Sinne nicht zugänglich ist). 

Von der Kammer zu überprüfen sind hingegen der Schuldspruch wegen Raubes 
(Ziff. II. 2), der gesamte Sanktionenpunkt, die Strafzumessung samt Landesverwei-
sung (inkl. Ausschreibung im SIS) und die vollständige Kostenauflage (Ziff. II und 
V. 7), die Rück- und Nachzahlungspflicht des Beschuldigten in Bezug auf das Ho-
norar des amtlichen Verteidigers (Ziff. III. 1) und die Verurteilung zur Bezahlung ei-
ner Genugtuung an den Privatkläger E.________ (Ziff. IV. 1.1). 

Auf die Höhe des amtlichen Honorars in erster Instanz ist nur zurückzukommen, 
sofern die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermessen in 
unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (Urteile des Bundesgerichts 6B_349/2016 
vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3). 
Darüber hinausgehend unterliegt auch dieser Punkt auf Grund der fehlenden Beru-
fung durch die Generalstaatsanwaltschaft dagegen dem Verschlechterungsverbot 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1231/2022 vom 10. März 2023 E. 2.2.5).

Der Rechtskraft nicht zugänglich sind die Verfügungen betreffend DNA sowie der 
erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. V. 6.). 

Die Kammer verfügt hinsichtlich der zu überprüfenden Punkte über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 3 StPO). Aufgrund der alleinigen Berufung des Beschuldigten ist sie 
allerdings an das Verschlechterungsverbot (Verbot der sog. reformatio in peius) 
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil nicht zu Ungunsten 
der beschuldigten Person abändern. Vom Verschlechterungsverbot grundsätzlich 

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nicht erfasst ist die Höhe des erstinstanzlich festgesetzten Tagessatzes der Gelds-
trafe (vgl. BGE 144 IV 198 E. 5.3 f.).

II. Sachverhalt / Beweiswürdigung / Rechtliche Würdigung 

6. Rechtskräftige Schuldsprüche 

Mit Ausnahme des Tatvorwurfes des Raubes blieben sämtliche Schuldsprüche un-
angefochten und sind in Rechtskraft erwachsen. Es ist damit oberinstanzlich von 
dem durch die Vorinstanz jeweils als erwiesen erachteten Sachverhalt auszuge-
hen, worauf vollumfänglich verwiesen werden kann (pag. 1150 ff., S. 11 ff. der Ur-
teilsbegründung). 

Ebenso kann im Hinblick auf die rechtskräftigen Schuldsprüche bezüglich der 
rechtlichen Würdigung auf die erstinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden 
(pag. 1171 ff., S. 32 ff. der Urteilsbegründung).

Zum besseren Verständnis der nachfolgenden Erwägungen zur Strafzumessung 
und Landesverweisung wird der massgebliche Sachverhalt dieser Tatbestände an 
dieser Stelle nochmals kurz zusammengefasst: 

Versuchte schwere Körperverletzung
Der Beschuldigte war am 15. Mai 2021 um ca. 02:30 Uhr in Bern beim Baldachin 
mit seinem Kollegen K.________ unterwegs zur Kleinen Schanze, als er auf den 
Privatkläger C.________ und dessen im Rollstuhl sitzenden Kollegen L.________ 
stiess. Der Beschuldigte fragte L.________ nach einer Zigarette, was dieser ihm 
verwehrte, ihm aber Tabak zum selber Drehen anbot. Damit war der Beschuldigte 
nicht einverstanden und fing Streit an. C.________ sagte darauf zum Beschuldig-
ten: «Bist du so billig, dass du einen Mann im Rollstuhl attackieren willst?». Dar-
aufhin nahm der Beschuldigte eine neben L.________ auf der Bank stehende 
Wodka-Flasche und ging damit drohend auf C.________ zu. Dieser nahm seiner-
seits ein Messer hervor, klappte es auf und hielt es leicht hinter sich. Als er die Si-
tuation nicht mehr als gefährlich einschätzte, versorgte er das Messer wieder und 
forderte K.________ auf, den Beschuldigten fernzuhalten. Nachdem sich die Situa-
tion etwas beruhigt hatte, ging C.________ zu L.________ zurück. Der Beschuldig-
te näherte sich den beiden wieder, nahm sein Messer hervor und klappte es 
mehrmals auf und zu. C.________ verliess die Örtlichkeit in Richtung Tibits, wor-
aufhin der Beschuldigte ihm folgte und ihm einmal das Messer in den Rücken, links 
unterhalb des Rippenbogens, ca. 3 cm neben der Wirbelsäule, stach. Dabei wusste 
er, dass ungezielte Messerstiche beim Opfer zu schweren Verletzungen, insbeson-
dere zu lebensbedrohlichen inneren Organverletzungen führen können. Der Be-
schuldigte flüchtete daraufhin, konnte aber von zwei Polizisten angehalten werden. 
C.________ erlitt durch den Stich eine ca. 3 cm lange klaffende Fleischwunde am 
Rücken.

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Beschimpfung
Am 11. April 2021 rannte der Beschuldigte im Bahnhof Bern auf den Strafkläger 5, 
G.________ zu und versuchte ihn mit den Fäusten zu schlagen, als dieser mit wei-
teren Mitarbeitern der M.________ aufgrund einer Streiterei versuchte, eine Grup-

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pe grölender Personen, welche teilweise keine Masken trugen, anzusprechen bzw. 
diese aus dem Bahnhof zu begleiten und teilweise zu kontrollieren. Dabei be-
schimpfte der Beschuldigte den Strafkläger 5 mit den Worten «Nuttensohn, Arsch-
loch, Wixxer und Schweiss-Schweizer». 

Nach seiner Anhaltung am 15. Mai 2021 spuckte der Beschuldigte auf der Polizei-
wache Waisenhausplatz in Bern zuerst im Raum herum und dann in Richtung der 
anwesenden Polizisten, wobei er die Strafklägerin 4 F.________ im Gesicht (Schlä-
fe rechts) traf. Zudem beschimpfte er den Strafkläger 2 D.________ und 
H.________ mit den Worten «Arschloch», «Nuttensohn», «i figge dini Mueter» und 
«i figge dini Muter vor dir».

Hinderung einer Amtshandlung
Am 11. April 2021 versuchte sich der Beschuldigte der durch den M.________-
Mitarbeiter angeordneten Personenkontrolle im Bahnhof Bern durch Flucht zu ent-
ziehen, indem er davonrannte, dabei jedoch vom Strafkläger 5 eingefangen und ar-
retiert werden konnte.

Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz
Der Beschuldigte missachtete in der Zeit vom 11. April 2021 bis 7. August 2021 
insgesamt neun Mal die Ausgrenzungsverfügung des Migrationsdienstes des Kan-
tons Bern vom 10. September 2020, indem er sich auf dem Gebiet der Innenstadt 
Bern aufhielt, obwohl ihm dies mit vorgenannter Verfügung verboten wurde und er 
von dieser Verfügung Kenntnis hatte.

Tätlichkeiten
Der Beschuldigte spuckte I.________ am 29. August 2021 um 13 Uhr im Haupt-
bahnhof in Zürich im Zug zweimal an, nachdem sie ihn auf die im Zug geltende 
Maskenpflicht aufmerksam gemacht hatte. 

Widerhandlungen gegen das Epidemiengesetz und die Covid-19-Verordnung 
Der Beschuldigte trug sowohl am 11. April und 15. Mai 2021 die damals obligatori-
sche Gesichts-Schutzmaske im Bahnhof Bern nicht und zog sie am 15. Mai 2021 
auf der Bahnhofwache mehrmals aus. 

Rauchen in einem Gebäude des öffentlichen Verkehrs
Ebenfalls am 15. Mai 2021 rauchte der Beschuldigte im Bahnhof Bern im Nichtrau-
cherbereich eine Zigarette.

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
Der Beschuldigte konsumierte in der Zeit vom 14. März 2021 bis 16. September 
2021 in Bern und Neuenegg eine unbekannte Menge Kokain und Cannabis.

Verweigerung der Namensangabe
Der Beschuldigte gab am 5. Juli 2021 in Bern, Kleine Schanze, der Polizei nach 
mehrfacher Aufforderung seine Personalien nicht bekannt.

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7. Beweiswürdigung räuberischer Diebstahl 

7.1 Vorwurf gemäss Ziff. I. 3 der Anklageschrift

Der Beschuldigte wehrt sich mit der vorliegenden Berufung gegen den Tatvorwurf 
des Raubes bzw. des räuberischen Diebstahls. Mit Anklageschrift vom 27. Oktober 
2021 (pag. 907 ff.) wurde ihm diesbezüglich vorgeworfen, er habe am 7. August 
2021 zwischen 02:00 Uhr und 03:00 Uhr in Bern, Reithalle, z.N. des Privatklägers 3 
einen Raub begangen, indem er ihm unvermittelt zwei Halsketten abgerissen und 
als das Opfer die Halsketten zurückgefordert habe, ein kleines Messer hervorge-
nommen und dieses mit geöffneter Klinge gegen das Opfer gehalten habe, ohne 
Stichbewegungen zu machen, was das Opfer eingeschüchtert und zum Gehen be-
wogen habe, ohne die Süsswasserperlen, die am Boden gelegen seien, aufzuhe-
ben. Das Opfer habe durch den Vorfall eine kleine Schnittverletzung am rechten 
Mittelfinger erlitten, welche aber nicht habe ärztlich versorgt werden müssen. Der 
Deliktsbetrag belaufe sich auf CHF 750.30. 

7.2 Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung und Beweismittel

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen 
(pag. 1147 f.) und der Aussagenanalyse im Speziellen (pag. 1148 ff.) kann auf die 
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Es wird an dieser 
Stelle auf die Wiedergabe der verfügbaren Beweismittel verzichtet. Wo nötig wird in 
der nachstehenden Beweiswürdigung direkt darauf eingegangen.

7.3 Beweiswürdigung der Vorinstanz

Die Vorinstanz kam bezüglich des Tatvorwurfes des Raubes zusammengefasst 
beweiswürdigend zu folgenden Schlüssen (pag. 1166 ff.): 

- Der Privatkläger 3 habe von Anfang an konstante und widerspruchsfreie Anga-
ben über den Ablauf des Raubes gemacht und den Täter bereits bei seiner ers-
ten Einvernahme in allen Details beschreiben können, dies weil er ihn schon 
früher bei der Reithalle gesehen habe. 

- Sodann habe er den Beschuldigten auf einer Fotovorweisung unter 13 mögli-
chen Tätern zweifelsfrei erkannt und gesagt, er sei sich zu 100% sicher. Er er-
kenne ihn am Bart, an den Haaren, dem ganzen Gesicht, einfach allem. Es 
stimme entgegen der Verteidigung nicht, dass die Fotovorweisung nicht aussa-
gekräftig sei, weil dort nur der Beschuldigte einen Vollbart getragen habe. An-
dere hätten auch einen Bart gehabt und der Privatkläger 3 habe klar ausgesagt, 
ihn nicht nur am Bart erkannt zu haben. 

- Der Privatkläger 3 habe konstant ausgesagt und eingeräumt, wenn er etwas 
nicht gewusst habe. Er habe seinen eigenen Zustand nicht beschönigt und ha-
be sein eigenes Verhalten und seine Gedanken zu erklären versucht. Zudem 
habe er den Beschuldigten nicht übermässig belastet und habe neben dem 
Täter auch das Messer detailliert beschrieben. 

- Das Argument der Verteidigung, der Privatkläger 3 habe die Geschichte mit 
dem Raub nur erfunden, um seiner Mutter gegenüber den Verlust der Kette zu 
rechtfertigen, greife nicht. Diesfalls hätte es gereicht, der Mutter einen Diebstahl 

11

vorzugaukeln. Spätestens bei der Fotovorweisung hätte er sagen können, dass 
er niemanden erkenne. 

- Das vom Privatkläger 3 genau beschriebene Messer sei bei der anschliessen-
den Hausdurchsuchung unter dem Kopfkissen des Beschuldigten gefunden 
worden. Selbst wenn es tatsächlich einem Dritten gehören würde, sei damit 
noch nicht erklärt, wie es kurz nach der Tat in den Besitz des Beschuldigten 
gekommen sei. 

- Schlussendlich habe der Beschuldigte selber höchst widersprüchliche Aussa-
gen gemacht, insbesondere bezüglich eines allfälligen Alibis. Zuerst habe er 
angegeben, seit seiner letzten Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft (noch 
vor dem Vorfall bei der Reithalle) gar nicht mehr in Bern gewesen zu sein. 
Dann habe er ca. 1.5 Monate nach dem Vorfall angegeben, nicht mehr zu wis-
sen, was er in der fraglichen Nacht gemacht habe, resp. die ganze Zeit alleine 
zu Hause gewesen zu sein. Auch bei der Einvernahme vom 8. Oktober 2021 
habe er nichts erwähnt, erst an der Hauptverhandlung sei ihm in den Sinn ge-
kommen, in Zürich bei einer Party gewesen zu sein. Dies sei umso unglaubhaf-
ter, als aktenkundig sei, dass auf dem Weg an eine solche Party nach Zürich im 
Zug an einem anderen Datum nach dem Raubvorwurf der Spuckvorfall stattge-
funden habe. Auf seine Aussagen könne nicht ohne Vorbehalt abgestellt wer-
den. 

- Die äusserst glaubhaften Aussagen des Privatklägers 3, die ausserordentlich 
vielen Indizien und Beweise sowie die widersprüchlichen Aussagen des Be-
schuldigten würden auf die Täterschaft des Beschuldigten hinweisen. 

7.4 Oberinstanzliche Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung brachte dagegen anlässlich der Berufungsverhandlung zusam-
mengefasst und im Wesentlichen vor, die Aussagen des Privatklägers 3 seien nicht 
so glaubhaft, wie dies von der Vorinstanz beschrieben worden sei. Er habe erst in 
seiner zweiten Einvernahme erwähnt, dass er Angst gehabt habe. Die unbestritte-
ne Alkoholisierung des Privatklägers 3 habe die Vorinstanz lediglich zu seinen 
Gunsten gewertet, ohne zu berücksichtigen, dass seine Erinnerungen dadurch ver-
schwommen gewesen sein könnten. Zudem habe er in seiner ersten Einvernahme 
noch von einer ganzen Gruppe von dunkelhäutigen Personen auf dem Platz ge-
sprochen, oberinstanzlich dann nur noch von zwei dunkelhäutigen Personen. Der 
Privatkläger 3 sei anlässlich der Fotovorweisung zudem in Richtung des Beschul-
digten geleitet worden, da er eine Person mit einem Vollbart beschrieben habe und 
der Beschuldigte auf der Fotovorweisung der Einzige mit einem Vollbart gewesen 
sei. Weiter decke sich der orangefarbene Griff des Messers überhaupt nicht mit 
den Aussagen des Privatklägers 3. Diese Aussagen stünden damit in Widerspruch 
zu einem objektiven Beweismittel. Demgegenüber sei in den Erstaussagen des 
Beschuldigten eindeutig die Überraschung über den ihm vorgeworfenen Raub er-
sichtlich. Zu berücksichtigen sei zudem, dass der Beschuldigte sämtliche weiteren 
Vorwürfe eingestanden habe und damit insbesondere auch den Vorwurf der ver-
suchten schweren Körperverletzung, welcher grundsätzlich ebenfalls eine obligato-
rische Landesverweisung nach sich ziehe. Es gebe damit absolut keinen Grund, 

12

weswegen der Beschuldigte den Raub bestreiten sollte, hätte er diesen tatsächlich 
begangen. Damit bestünden mehr als nur theoretische Zweifel an der Täterschaft 
des Beschuldigten, weswegen zumindest in Anwendung des Grundsatzes in dubio 
pro reo davon auszugehen sei, dass der Beschuldigten den Raub nicht begangen 
habe. 

7.5 Oberinstanzliche Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft brachte dagegen anlässlich der Berufungsverhand-
lung zusammengefasst und im Wesentlichen vor, der Privatkläger 3 habe trotz des 
dynamischen Geschehens des räuberischen Diebstahls äusserst klare und präzise 
Signalemente des Täters abgegeben, welche allesamt auf den Beschuldigten zu-
getroffen hätten. So habe er den Bart, die Haare, die Augenbrauen, das Gesicht 
und auch die Grösse übereinstimmend mit dem Beschuldigten beschrieben. Zudem 
habe er den Beschuldigten sowohl auf der Fotovorweisung als auch in persona 
erst- und oberinstanzlich zweifelsfrei identifizieren können. Der Privatkläger habe 
bereits in der ersten Einvernahme erwähnt, dass er Respekt vor dem Beschuldig-
ten gehabt habe. Hinzu komme, dass beim Beschuldigten ein Messer gefunden 
worden sei, welches mit dem Beschrieb des Privatklägers 3 übereinstimme. Es er-
scheine dabei plausibel, dass der Privatkläger den orangefarbenen Griff nicht ge-
sehen habe, weil dieser ja gerade nicht ersichtlich sei, wenn jemand ein Messer in 
der Hand halte. Zudem habe er auch zugegeben, den Griff nicht gesehen zu ha-
ben. Er habe jedoch bereits in seiner ersten Einvernahme ein Messer mit einer 
mattschwarzen Klinge von etwa 10cm Länge beschrieben – eine sehr spezifische 
Charakterisierung – welche mit dem beim Beschuldigten unter dem Kopfkissen ge-
fundenen Messer übereinstimme. Die Aussagen des Beschuldigten generell und 
zum Messer seien demgegenüber sehr unglaubhaft. So habe er unterschiedliche 
Angaben darüber gemacht, wo er an jenem Abend gewesen sei und erst an der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung plötzlich erwähnt, er sei in Zürich-Oerlikon ge-
wesen, was er anlässlich der Berufungsverhandlung wiederum bestätigt habe. Vor 
der Hausdurchsuchung habe er zuerst angegeben, man würde bei ihm nur Sachen 
von ihm finden. Als das Messer dann gefunden worden sei, habe er angegeben, es 
stamme von seinem Kollegen. Insgesamt seien beide abweichende Aussagen ein-
deutig als Schutzbehauptungen zu qualifizieren. Wenn der Privatkläger 3 oberin-
stanzlich nur noch von zwei dunkelhäutigen Personen gesprochen habe, sei dies 
auf die lange zeitliche Dauer zurückzuführen. Gestützt auf die tatnächsten Aussa-
gen des Privatklägers 3 sei aber klar, dass es sich beim Beschuldigten um den 
Täter handle. Darauf sei abzustellen und der angeklagte Sachverhalt sei mit der 
Vorinstanz als erstellt zu erachten.

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7.6 Beweiswürdigung Kammer

Die Kammer kann sich der vorinstanzlichen Beweiswürdigung vollumfänglich an-
schliessen. Ergänzend und präzisierend kann Folgendes festgehalten werden: 

Belastende Aussagen
Der Privatkläger 3 wurde insgesamt fünf Mal zur Sache befragt, davon dreimal par-
teiöffentlich. Bei der zweiten Einvernahme handelte es sich um die Fotovorwei-
sung. Die erste Einvernahme vom Montag, 9. August 2023, 08:58 Uhr, fand am 
Morgen nach dem Wochenende der Tatnacht (Freitag auf Samstag) statt. Der Pri-
vatkläger 3 war am Montagmorgen um 08:35 Uhr in Begleitung seiner Mutter am 
Schalter der Polizeiwache N.________ erschienen, um Anzeige zu erstatten (pag. 
477). Dabei gab er Zeit und Ort an und erklärte, dass ihm von einem Somalier oder 
Eritreer zwei Halsketten vom Hals gerissen worden seien. Dabei sei aufgefallen, 
dass der Privatkläger 3 erst auf Nachdruck der Mutter angegeben habe, dass auch 
ein Messer im Spiel gewesen sei (pag. 479). Der Privatkläger 3 wurde danach di-
rekt polizeilich befragt, wobei seine Mutter dabei offenbar nicht mehr zugegen war 
(pag. 500; keine Angaben zu einer weiteren anwesenden Person). Bei diesen Aus-
sagen handelt es sich um die tatnächsten, so dass ihnen das grösste Gewicht bei-
gemessen werden dürfte. Der Privatkläger 3 erklärte die Umstände der Tatnacht 
und dass er bereits bei seinem Eintreffen bei der Reithalle von einem Eritreer oder 
Somalier aus einer Gruppe, welche am üblichen Ort herumgestanden seien, um-
armt worden sei. Er sei ein paar Schritte zurückgegangen und habe gesagt, dass 
er das nicht wolle. Die Person sei nahe an ihn herangekommen. Er sei dann zu 
Freunden gegangen und habe insgesamt an jenem Abend ca. 1/3 einer Wodkafla-
sche konsumiert, aber nichts anderes, auch keine Drogen. Als er irgendwann zwi-
schen 02:00 und 03:00 Uhr das Areal habe verlassen und nach Hause gehen wol-
len, sei er wieder bei derselben Gruppe von ausländischen Männern vorbeige-
kommen. Einer sei ganz nahe an ihn herangekommen und dann etwa drei Meter 
mit ihm mitgelaufen. Er habe diesen Mann schon etwa zwei-drei Mal bei der Reit-
halle gesehen, kenne ihn aber nicht und wisse auch nicht, wie er heisse. Er würde 
ihn aber wiedererkennen. Er könne sich auf Grund des Alkohols nicht mehr genau 
an die Situation erinnern, aber plötzlich habe der Mann ihm von hinten die Halsket-
ten abgerissen. Er habe ihm gesagt, er solle ihm die Sachen zurückgeben und da 
habe dieser plötzlich ein kleines Messer in der Hand gehabt. Daraufhin beschrieb 
er den Täter ziemlich detailliert, machte genaue Angaben zum Diebesgut und zum 
Messer. Bezüglich der Messerdrohung führte er aus, er sei (nach dem Abreissen) 
auf ihn zugegangen und habe ihn beschuldigt, die Ketten genommen zu haben, 
was dieser jedoch abgestritten habe. Er habe die Ketten daraufhin zurückgefordert, 
worauf der Täter das Messer hervorgeholt habe. Er sei aggressiv geworden. Er 
selber habe danach eine Beule an der Stirne und kleine Verletzungen am Finger 
gehabt, wisse aber nicht, woher er diese habe (pag. 500 ff.). Die Aussagen des 
Privatklägers 3 sind stringent, klar, nicht beschönigend, den Täter nicht übermässig 
belastend und konsistent. So kann er auch aus dem Kontext gerissene Themen-
komplexe so erklären, dass sie mit seiner Gesamtgeschichte harmonieren. Es sind 
keinerlei Widersprüche ersichtlich. Insbesondere relativiert er seine eigenen Erin-
nerungen insofern, als er nur das sagt, woran er sich wirklich erinnert und über ei-

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nige Details freimütig einräumt, diese auf Grund seines eigenen Alkoholkonsums 
nicht zu wissen. Diesen Tathergang samt Details erzählt er auch in den darauffol-
genden Einvernahmen durchwegs konstant, gleichbleibend und deckungsgleich. 

In seiner dritten Einvernahme vom 8. Oktober 2021 ergänzte er, er sei damals mit 
zwei Kollegen zur Reithalle gegangen. Diese seien vor ihm nach Hause gegangen 
und auch eine Frau, mit der er dann noch gesprochen habe, habe sich verabschie-
det, so dass er sich dann auch auf den Heimweg habe machen wollen. Er ergänzte 
weiter, es habe bereits früher einmal jemand versucht, die Perlenkette abzureissen, 
damals sei zum Glück nur der Verschluss aufgegangen und er habe diesen selber 
reparieren können. Diesmal habe der Mann ihm die Kette aber abgerissen und die 
Kette sei kaputtgegangen. Er habe dem Mann dann gesagt, er solle ihm seine Ket-
te zurückgeben, wobei dieser die Täterschaft abgestritten habe. Er habe ihm dar-
aufhin gesagt, er lüge ihn an, er sei ja der, welcher ihm die Kette schon früher ein-
mal habe abzunehmen versucht und zudem sei er am nächsten gestanden (pag. 
512 ff.). Bei dieser Aussage blieb vorerst unklar, ob er damit meinte, dass das 
erstmalige Abreissen der Kette (als der Verschluss nachgegeben hatte) an einem 
früheren Datum durch den gleichen Mann erfolgt sei oder aber, dass dieser ihm 
beim ersten Treffen in der besagten Tatnacht die Kette bereits einmal abgerissen 
hatte. Später klärte er dann aber auf, dass er den Täter beim ersten Mal, als er ihm 
in dieser Tatnacht bei der Reithalle begegnet sei und er ihm nahe gekommen sei, 
ein wenig weggedrückt habe, weil er gewusst habe, dass er es gewesen sei, der 
schon einmal versucht habe, ihm die Kette wegzunehmen (pag. 514 Z. 85 f.). Ab-
gesehen davon sind seine Aussagen an dieser dritten Befragung übereinstimmend 
mit jenen seiner Erstaussage. Die Ergänzungen fügten sich lückenlos und wider-
spruchslos in seine frühere Erzählung ein. 

Anlässlich der Einvernahme an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung machte er 
vor allem noch Aussagen zu seinen Gefühlen während und seit der Tat. Zudem 
bestätigte er im Gerichtsaal ausdrücklich, dass es sich beim anwesenden Beschul-
digten um den damaligen Täter handle (pag. 1048 ff.). 

Im Rahmen der Berufungsverhandlung bestätigte der Privatkläger 3 seine bisher 
gemachten Aussagen und die Täterschaft des Beschuldigten (pag. 1411 ff.). Er hat 
dabei auch bestätigt, dass es mit dem Beschuldigten bei der Reithalle bereits 
früher zu Auseinandersetzungen gekommen sei (pag. 1412 Z. 14 f.). Der Privatklä-
ger 3 verzichtete aber auch oberinstanzlich darauf, den Beschuldigten übermässig 
zu belasten, indem er angab, dass diese früheren Auseinandersetzungen nicht mit 
Gewalt gewesen seien (pag. 1412 Z. 15), er das Abreissen der Kette zwar gespürt 
habe aber nicht so, dass er am nächsten Tag am Hals einen Abdruck gehabt hätte 
(pag. 1412 Z. 31). Auf explizite Frage hin sagte er aus, soweit er wisse sei noch ei-
ne andere dunkelhäutige Person dabei gewesen, die auf dem Geländer gesessen 
sei. Eine weitere Person habe er, soweit er wisse, nicht gesehen oder wäre ihm 
nicht aufgefallen (pag. 1413 Z. 32 ff.). Er habe versucht, die Perlen, die auf den 
Boden gefallen und überall herumgelegen seien, aufzusammeln, wobei ihm einer 
irgendwie noch geholfen habe, irgendein Afghane oder so, irgendeine fremde Per-
son (pag. 1411 Z. 39 ff.). 

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Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass vor allem das tatnahe Aussageverhalten des 
Privatklägers 3 zu keinem Zweifel Anlass bietet, dies insbesondere auf Grund der 
fehlenden Widersprüche, der fehlenden übermässigen Täterbelastung, der fehlen-
den Beschönigung seines eigenen Zustandes und des unumwundenen Einräu-
mens von Wissenslücken, dort wo es einfach gewesen wäre, die Geschehnisse 
noch etwas zu seinen Gunsten zu frisieren. Auf seine Aussagen kann vollumfäng-
lich abgestützt werden. Daran vermag auch der Einwand der Verteidigung nichts zu 
ändern, wonach offensichtlich die Mutter die treibende Kraft hinter der Anschuldi-
gung gewesen sei. Weder die Mutter noch der Privatkläger 3 vermöchten aus einer 
Falschbeschuldigung zusammen oder je für sich etwas zu ihren Gunsten zu erwir-
ken. Der Beschuldigte ist offensichtlich mittellos. Auf eine Entschädigung wird man 
von ihm wohl vergeblich hoffen. Es wäre deutlich lukrativer gewesen, jemand of-
fensichtlich Betuchtes zu beschuldigen oder dann aber zulasten einer Versicherung 
lediglich einen Diebstahl (von Unbekannt verübt) zur Anzeige zu bringen. Auch, 
dass der Sohn den Verlust seiner Ketten nur auf Druck der Mutter hin mit einem 
Verbrechen begründet hätte, macht keinen Sinn. Wie die Vorinstanz richtig aus-
führte, hätte er diesfalls einfach einen Diebstahl anzeigen können. Insgesamt ist 
weder bei der Mutter noch beim Privatkläger 3 ein Motiv ersichtlich, um erstens wi-
der besseren Wissens von einem Raub zu sprechen und zweitens wider besseren 
Wissens gerade den Beschuldigten dieses Raubes zu bezichtigen. 

Die Kammer kann sodann auch in den oberinstanzlich getätigten Aussagen des 
Privatklägers 3 keine derartigen Widersprüche erkennen, welche die Glaubhaftig-
keit seiner Aussagen in Frage stellen könnten. In Bezug auf die im Vergleich zu 
den Erstaussagen teilweise etwas abweichenden Aussagen ist zu berücksichtigen, 
dass der Vorfall und die beiden ersten Einvernahmen zur Sache bereits über zwei 
Jahre zurückliegen. Der Privatkläger 3 hat seither offensichtlich versucht, den gan-
zen Vorfall zu vergessen. So fragte er die Kammer an der Berufungsverhandlung 
vorfrageweise, weshalb er heute noch einmal vorgeladen worden sei (pag. 1409). 
Der Vorfall belastet ihn offensichtlich bis heute, er meidet seither die Reithalle und 
geht auch sonst in der Nacht nicht mehr in Bern aus (pag. 1412 Z. 36 ff.). Dabei 
darf auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass er im gesamten Strafverfahren 
nie anwaltlich vertreten war. Entsprechend wurde er auch nie dahingehend instru-
iert, sich immer wieder im Detail mit der Tatnacht auseinanderzusetzen. Anders als 
ein anwaltlich vertretener Privatkläger dürfte er sich seine bisherigen Aussagen in 
Vorbereitung auf die Berufungsverhandlung auch nicht noch einmal speziell in Er-
innerung gerufen oder diese gar gelesen haben. Dass er sich nach über zwei Jah-
ren nicht mehr an alle Einzelheiten dieser Nacht erinnern kann, erscheint deshalb 
nachvollziehbar und kann angesichts des weiterhin gleich geschildeten Kernge-
schehens nicht ernsthaft als Lügensignal gedeutet werden. Der Privatkläger war 
zudem in der Tatnacht alkoholisiert und am 7. August 2021 nicht zum ersten Mal 
bei der Reitschule, weswegen es auch denkbar ist, dass er situative Umstände wie 
z.B. die damalige Anwesenheit Dritter mit früheren Situationen verwechselt haben 
könnte. Insgesamt liegen der Kammer jedenfalls keinerlei Indizien für eine phanta-
sierte Lügengeschichte vor. Das Kerngeschehen schilderte der Privatkläger 3 über 
das gesamte Verfahren hinweg gleichbleibend, und der aussergewöhnliche Ablauf 
der Ereignisse, wonach er den Täter zu Beginn des Abends bereits einmal gese-

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hen habe, die Kette so abgerissen sei, dass er es zuerst nicht einmal bemerkt habe 
und das Messer erst später zum Einsatz gekommen sei, spricht dafür, dass der 
Privatkläger 3 das Beschriebene auch tatsächlich selber erlebt hat.   

Diebesgut 

Der Privatkläger 3 machte von Anfang klare Angaben über die beiden Ketten. Bei 
der einen handelt es sich um eine Süsswasserperlenkette mit einem Thomas Sabo 
Anhänger, welche er von seiner Mutter geschenkt bekommen hatte (pag. 502 Z. 66 
f., pag. 513 Z. 40 f. und pag. 516 Z. 129; Foto auf pag. 490). Von der Kette hatte 
der Privatkläger 3 keine Quittung, aber seine Mutter hatte den Preis am Schalter 
mit CHF 509.00 beziffert (pag. 516 Z. 133 ff.). Der Anhänger war ein viktoriani-
sches Kreuz im Wert von CHF 89.00, welches zu einem reduzierten Kaufpreis von 
CHF 62.30 erworben worden war (pag. 504). Die andere Kette war eine Silberkette, 
welche er ebenfalls von jemandem geschenkt erhalten haben will, allerdings vor 
längerer Zeit (pag. 516 Z. 130 f.), ebenfalls mit einem Kreuzanhänger (pag. 502 Z. 
67 f.; Foto pag. 491). Dieser Anhänger stammte von Rhomberg Schmuck AG und 
kostete CHF 64.00 (pag. 505). Den Wert der Silberkette hatte man am Schalter mit 
CHF 115.00 angegeben (pag. 479), wobei unklar ist, woher dieser Betrag stammt. 
Der Privatkläger 3 machte glaubhaft geltend, dass ihm diese beiden Ketten in der 
Tatnacht abgerissen worden waren. Dabei sei die Perlenkette gerissen und die 
Süsswasserperlen seien danach auf dem Boden verstreut gewesen. Er habe sie 
nicht einsammeln können und dort liegen gelassen (pag. 513 Z. 34 ff.). Oberin-
stanzlich gab der Privatkläger 3 sodann ebenfalls an, es habe einen Ruck gegeben 
und die Perlen seien dann auf den Boden gefallen (pag. 1412 Z. 29 f.). Etwas ab-
weichend sagte er aus, er habe versucht die Perlen aufzusammeln, wobei ihm ei-
ner irgendwie noch geholfen habe (pag. 1411 Z. 39 ff.). Jedoch sagte er auch obe-
rinstanzlich aus, dass er die Perlen nicht mitgenommen habe (pag. 1413 Z. 14). 
Die Silberkette war hingegen nirgends auffindbar (pag. 513 Z. 24 f.). Er habe den 
mutmasslichen Täter beschuldigt, diese abgerissen und genommen zu haben, er 
habe genau gewusst, dass er es gewesen sei. Er (der Täter) habe aber immer alles 
abgestritten (pag. 513 Z. 23 ff.). Auch auf diese Aussagen kann abgestellt werden, 
wobei offengelassen werden kann, ob der Privatkläger 3 effektiv kurzzeitig versucht 
hat, die Perlen aufzusammeln.

Messer 
Der Privatkläger 3 beschrieb das gezückte Messer des Täters von Anfang an als 
kleines Messer (pag. 501 Z. 52). Die Klinge sei mattschwarz gewesen und ca. 10 
cm lang (pag. 502 Z. 72). Diese Angaben wiederholte er bei den nächsten Einver-
nahmen unverändert. Auf Vorhalt des Bildes des sichergestellten Messers beim 
Beschuldigten erklärte er, er könne wirklich nicht sagen, ob der Griff diese Farbe 
gehabt habe (Orange; pag. 515 Z. 107 und pag. 218). Er habe einfach diese Klinge 
gesehen, schwarz, etwas dunkler (pag. 515 Z. 108). Diese präzise Beschreibung 
eines eher aussergewöhnlichen Messers ist zumindest ein Indiz dafür, dass er 
tatsächlich mit einem Messer bedroht worden ist. Bezeichnend ist denn auch, dass 
er stets ausführte, der Täter habe die Klinge nur vorgehalten, in seine Richtung ge-
richtet, jedoch nie zugestochen oder dies versucht. Die kleinen Verletzungen, wel-
che er später an der Hand festgestellt habe, könne er nicht zuordnen (pag. 502 Z. 

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82 ff.). Hier fällt besonders auf, dass der Privatkläger 3 nicht aggraviert und den 
Täter unnötig belastet. Hätte er das Messer erfunden, wäre es ein Leichtes gewe-
sen, den Messereinsatz noch etwas dramatischer zu schildern, um seiner Ge-
schichte Nachdruck zu verleihen. Darauf verzichtete er aber komplett und war 
stattdessen sichtlich darum bemüht klarzustellen, dass der Täter mit dem Messer 
nicht auf ihn losgegangen sei, ihm aber doch etwas Angst gemacht habe resp. er 
Respekt gehabt habe, so dass er schlussendlich weggegangen sei. Entgegen dem 
Vorbringen der Verteidigung erscheint es zudem auch plausibel, dass der Privat-
kläger den orangefarbenen Griff des Messers damals tatsächlich nicht wahrge-
nommen hat, weil der Täter das insgesamt relativ kleine Messer in der Hand gehal-
ten hat, so dass der Griff mehr oder weniger in der geschlossenen Faust des 
Täters verschwunden sein dürfte. Es erscheint auch logisch und glaubhaft, dass 
sich der Privatkläger 3 im Moment der aktiv gegen ihn gerichteten Messerdrohung 
auf die Klinge und nicht den für ihn in dem Moment belanglosen Griffrand – sollte 
ein solcher denn überhaupt sichtbar gewesen sein – konzentriert hat. So gab er 
auch unumwunden zu, dass er wirklich nicht sagen könne, ob der Griff die gleiche 
Farbe gehabt habe, wie das Messer auf dem Foto gemäss Vorhalt (pag. 515 Z. 
107). Ob es sich beim anlässlich der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten vor-
gefundenen Messer tatsächlich um das Messer handelt, mit welchem der Privat-
kläger 3 bedroht wurde, kann die Kammer weder abschliessend feststellen noch 
ausschliessen, zumal die Hausdurchsuchung auch erst über einen Monat nach 
dem Vorfall durchgeführt wurde. Zweifelsfrei festgestellt werden kann diesbezüglich 
einzig, dass ein Messer, welches die Eigenschaften des vom Privatkläger 3 be-
schrieben Messers im Wesentlichen erfüllt, ca. einen Monat nach dem Vorfall unter 
dem Kopfkissen des Beschuldigten gefunden werden konnte.

Zwischenfazit

Ungeachtet dessen, ob es sich bei dem sichergestellten Messer tatsächlich um die 
Tatwaffe handelt oder nicht, kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass in 
Anbetracht der glaubhaften Aussagen des Privatklägers 3 über das Tatgeschehen 
jener Nacht für die Kammer glaubhaft erstellt ist, dass sich das Kerngeschehen in 
jener Tatnacht so zugetragen hat, wie vom Privatkläger 3 geschildert. Es ist auch 
überhaupt kein Motiv ersichtlich, weshalb er wegen zwei Ketten ein derartiges De-
likt mit einem solch speziellen Tathergang erfinden sollte. 

Der Beschuldigte bestreitet nun aber vor allem seine Täterschaft in diesem nun-
mehr erwiesenen Geschehen.  

Bezeichnung des Beschuldigten als Täter

Auffallend ist, dass der Privatkläger 3 bereits in seinen Erstaussagen eine detaillier-
te Beschreibung des Täters abgeben konnte. So sagte er aus, der Täter sei Soma-
lier oder Eritreer gewesen. Er sei klein, kleiner als er selber, aber grösser als seine 
Mutter (und somit zwischen 150 und 169 cm, somit ca. 160 cm). Er könne sich er-
innern, dass er einen Vollbart gehabt habe. Er habe dunkle, krause Haare gehabt, 
welche jedoch auf der Seite deutlich kürzer geschnitten gewesen seien. Er sei älter 
als 18 Jahre. An seine Kleider könne er sich nicht erinnern, er habe aber nichts 
Auffälliges getragen, auch keine Kopfbedeckung (pag. 501 Z. 55 ff.). Vor dem Hin-

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tergrund dieser detaillierten Beschreibung kann die Notiz der Einsatzleiterin im An-
zeigerapport nicht nachvollzogen werden, wonach der Privatkläger 3 aufgrund sei-
ner eigenen Alkoholisierung nur ein vages Signalement habe abgeben können 
(pag. 479). Der Privatkläger 3 hat Herkunft, Grösse, Gesichtshaare, Haupthaare 
und Alter sehr präzise beschreiben resp. einmitten können. Erneut hat er – hier in 
Bezug auf die Kleidung und auf den Dialekt – Wissenslücken eingestanden, statt 
solche im Eifer der Anzeigeerstattung mit Fiktion zu füllen. Mit dem Privatkläger 3 
wurde zehn Tage nach dem Vorfall, am 17. August 2021, auf der Polizeiwache eine 
Fotovorweisung durchgeführt (pag. 509). Auf Frage, ob er eine Person erkenne, 
bezeichnete er ohne zu zögern den Beschuldigten als Täter (pag. 507 Z. 34 ff.). Auf 
Frage, was ihm an der Person bekannt vorkomme, antwortete er, der Bart, die Au-
genbrauen, die Haare, das ganze Gesicht. Einfach alles. Er sei sich zu 100% si-
cher, dass es sich um den Täter handle (pag. 507 Z. 38 ff.). Auf der Fotovorwei-
sung sind 13 Männer offensichtlich somalischer resp. eritreischer Herkunft por-
trätiert. Sie haben alle krauses, schwarzes Haar, seitlich kürzer und oben länger. 
Dabei sind die Gesichtstypen und die Abstufung der Hautfarbe jedoch sehr unter-
schiedlich. Keiner der Männer ist glattrasiert, wobei der Beschuldigte den deutlich 
kräftigsten Bartwuchs aufweist. Alleine aus der Fotovorweisung kann dadurch aber 
kein Element der Suggestion oder der Anleitung abgeleitet werden. Der Verteidi-
gung ist zwar insoweit beizupflichten, als eine Täteridentifikation ausschliesslich 
mittels Fotovorweisung in der Praxis mit Vorsicht und kritischer Hinterfragung zu 
begegnen ist. Vorliegend stellt die Fotovorweisung aber eben gerade nicht das ein-
zige Element dar. Einerseits hat der Privatkläger 3 bei der Fotovorweisung ohne 
lange zu überlegen klar und überzeugt gesagt, es sei die Nr. 9 gewesen. Anderer-
seits ist er dem Beschuldigten an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung im Ge-
richtssaal entgegengetreten, hat ihm ins Gesicht geschaut und daraufhin ausge-
sagt, dass er der Täter gewesen sei. Er sei sich sicher, weil er ihn vorher bereits 
mehrmals gesehen habe, so dass er ihm nicht so fremd sei, wie sonst jemand. Es 
sei nicht so, dass man den Menschen nachher vergesse (pag. 1040 Z. 34 ff.). Auch 
anlässlich der Berufungsverhandlung identifizierte der Privatkläger 3 den Beschul-
digten und legte dar, dass er genau gewusst habe, wer es gewesen sei, als ihm die 
Kette abgerissen worden sei (pag. 1411 Z. 31). Er habe ihn erkannt, weil er ihn 
schon mehrmals vor der Reithalle gesehen habe (pag. 1412 Z. 17). Diese Begrün-
dung überzeugt. Es ist aktenkundig, dass der Beschuldigte häufig bei der Reitschu-
le verkehrte. Die Kammer erachtet die Aussagen des Privatklägers 3, wonach er 
ihn vorher bereits mehrmals gesehen und ihn deshalb wiedererkannt habe, als 
glaubhaft. Hinzu kommt, dass die eher kleine und drahtige Statur, welche der Pri-
vatkläger ebenfalls treffend beschrieben hatte, zwar auf der Fotovorweisung nicht 
ersichtlich ist, bei der persönlichen Begegnung des Beschuldigten aber ein weite-
res Identifikationsmerkmal darstellte. 

Hausdurchsuchung 
Die Fotovorweisung und die zweimalige Identifikation im Gerichtssaal stehen aber 
nicht als einzige Belastung gegen den Beschuldigten da. Mit Verweis auf die vor-
stehenden Erwägungen zum Messer ist an dieser Stelle daran zu erinnern, dass 
beim Beschuldigten anlässlich der Hausdurchsuchung vom 21. September 2021 in 
seinem Zimmer in der Kollektivunterkunft (der Beschuldigte war zu diesem Zeit-

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punkt bereits inhaftiert, die Hausdurchsuchung wurde im Beisein der stv. Gemein-
deschreiberin als Vertretung des Beschuldigten durchgeführt) unter dem Kopfkis-
sen ein Klappmesser sichergestellt werden konnte, welches mit der mattschwar-
zen, kurzen Klinge bestens auf die Beschreibung durch den Privatkläger 3 passt 
(pag. 481). Der Beschuldigte sagte in diesem Zusammenhang noch vor der Haus-
durchsuchung aus, er habe nie ein Messer dabei gehabt, seit er jemanden ge-
schlagen und dafür im Gefängnis gesessen habe (pag. 524 Z. 93 f.). In seinem 
Zimmer sei zudem nichts, was nicht ihm gehöre (pag. 524 Z. 152 ff.). Nach der Si-
cherstellung des Messers räumte er ein, davon Kenntnis zu haben, es sei aber das 
Messer eines somalischen Kollegen aus Bern. Er habe es ihm gerade am Wo-
chenende vor seiner Verhaftung (und somit zeitlich nach dem Raub) gegeben (pag. 
528 Z. 98 ff.). Oberinstanzlich sagte der Beschuldigte sodann aus, er habe das 
Messer für den Kollegen, dessen Namen er nicht nennen wolle, aufbewahrt. Er ha-
be es erst am 11. September 2021 und somit nach dem 7. August 2021 erhalten 
(pag. 1419 Z. 15 ff.). Die Ausflüchte des Beschuldigten überzeugen nicht und ver-
mögen insbesondere nicht den aussergewöhnlichen Zufall zu erklären, dass die 
Beschreibung des Messers durch den Privatkläger 3 mit der mattschwarzen, klei-
nen Klinge ziemlich genau mit einem Messer in seinem Besitz übereinstimmt. Be-
zeichnend ist auch, dass der Beschuldigte dieses Messer unter dem Kopfkissen 
aufbewahrte, zusammen mit Minigrips, welche Restbestände von illegalen Sub-
stanzen aufwiesen. Ob es sein Messer ist oder ob es seinem Kollegen gehört, ist 
letztendlich unerheblich. Angesichts der Gesamtumstände ist jedoch davon auszu-
gehen, dass es sich zumindest beim angegebenen Zeitpunkt des Erhalts dieses 
Messers erst nach der Tatnacht um eine Schutzbehauptung handelt. 
Im Weiteren fällt immerhin auf, dass anlässlich der Hausdurchsuchung zwar nicht 
die Silberkette des Privatklägers 3, so doch aber anderer Schmuck, nämlich ein 
Armband und eine Halskette, in einer Sporttasche sichergestellt werden konnte 
(pag. 483). Angesichts der Gesamtumstände bestehen ernsthafte Zweifel daran, 
dass es sich dabei um den Schmuck des Beschuldigten handelt. Somit wird auch 
seine Aussage, wonach er keine solchen Sachen mache und niemandem die Kette 
vom Hals reisse, zumindest in Frage gestellt (pag. 524 Z. 101). 

Aussagen des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestritt kategorisch, an jenem Abend in der Reithalle gewesen zu 
sein. Er sei auch nicht in Bern und mit niemandem unterwegs gewesen (pag. 532 
Z. 42; pag. 524 Z. 62 ff.). Er habe ein Rayonverbot für Bern und sei immer nur zu 
Hause in O.________ gewesen, aber er habe niemanden, der das bestätigen kön-
ne (pag. 525 Z. 115 ff.). An der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz sagte er dann 
plötzlich aus, er wisse nichts von diesem Tatvorwurf, er sei damals nicht da gewe-
sen (pag. 1049 Z. 24 f.). Er sei an jenem Abend mit dem Zug nach Zürich-Oerlikon 
an den Geburtstag seines Freundes in einer gemieteten Villa gefahren (pag. 1049 
Z. 29 ff.). Dies bestätigte er auch vor der Kammer (pag. 1419 Z. 3). Der plötzliche 
Richtungswechsel betreffend Alibi ist doch eher erstaunlich. Es trifft zu, dass der 
Beschuldigte andere Tatvorwürfe gemäss Anklage eingestanden hat, wobei dies-
bezüglich zu relativieren ist, dass er dies auch erst aufgrund der erdrückenden Be-
weislage tat. Zudem entschuldigte er sich oberinstanzlich lediglich für die Körper-
verletzung, die Maskengeschichte und die Tätlichkeiten (pag. 1417 ff. Z. 37 ff.). Der 

20

Beschuldigte betonte zudem, er könne sich nur für die Taten entschuldigen, an 
welche er sich auch erinnere (pag. 1420 Z. 16 ff.). Entsprechend kann auch nicht 
davon gesprochen werden, dass der Beschuldigte bezüglich der verbleibenden 17 
Tatvorwürfe überwiegend geständig sei. Dass er in der Tatnacht des angefochte-
nen Raubes nun an einem Fest in Zürich gewesen sein will, lässt eher darauf 
schliessen, dass er sich ganz einfach nicht mehr erinnern kann, wo er damals war. 
Immerhin sagte er gegenüber der Staatsanwältin in anderem Zusammenhang: 
«Ich habe auch alles verstanden, was Sie gesagt haben, und habe alles gemacht, was Sie sagten. 
Also nicht alles, ich habe 70% davon gemacht. Aber dann heisst es von den Leuten immer 
`A.________ hat dies gemacht, A.________ hat jenes gemacht`. Also sagen wir, ich habe zum Bei-
spiel in Zürich ein Problem und ich bin besoffen und habe ein Problem mit jemandem aber am Mor-
gen erinnere ich mich gar nicht mehr daran. Gar gar nicht. Ich habe eine Schlägerei und erinnere 
mich nicht. Es passiert immer am Morgen! Ich saufe zuviel und ich rauche einen Joint, dann kommt 
jemand und es macht `Bumm` – ich mache Probleme und dann werde ich verhaftet. Aber ich weiss 
nicht, was ich gemacht habe. Das ist das Problem.» 

Und auf Frage: 

«Sicher. Sicher macht mir das Angst. Das ist ja auch mein Leben.» (pag. 521 Z. 106 ff.). 

Angesichts dieser entwaffnenden Selbsterkenntnis vermögen die widersprüchli-
chen, als Schutzbehauptung anmutenden Aussagen des Beschuldigten und die 
Beteuerungen, nichts mit dem Raub zu tun zu haben, die vorerwähnten belasten-
den Beweismittel nicht zu entkräften. 

Die Kammer erachtet somit den angeklagten Sachverhalt gemäss Anklageschrift 
Ziff. 3 als erstellt.

8. Rechtliche Würdigung räuberischer Diebstahl

8.1 Allgemeine Ausführungen

Gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 
311.0) macht sich des Raubes schuldig, wer mit Gewalt gegen eine Person oder 
unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder nachdem er den 
Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht. Eben-
falls des Raubes schuldig macht sich, wer, bei einem Diebstahl auf frischer Tat er-
tappt, vorgenannte Nötigungshandlungen begeht, um die gestohlene Sache zu be-
halten (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB; sog. räuberischer Diebstahl). 

Der Raub stellt damit in beiden Begehungsvarianten ein aus Diebstahl und qualifi-
zierter Nötigung zusammengesetztes, zweiaktiges Delikt dar. Der Diebstahl wird 
dadurch zum Raub, dass entweder zum Zwecke dessen Begehung oder aber zum 
Zwecke der Sicherung der Beute eine qualifizierte Nötigung begangen wird. Der ei-
gentliche Raubtatbestand ist die in Diebstahlabsicht begangene qualifizierte Nöti-
gung. Zur Vollendung des Tatbestandes gehört zum einen ein vollendeter Dieb-
stahl und zum anderen wird der Diebstahl erst dadurch zum Raub, dass der Täter 
ein tatbestandliches Nötigungsmittel anwendet, um die Eigentumsverschiebung 
herbeizuführen (BGE 133 IV 207 E. 4.2 mit Hinweisen). 

Demgegenüber ist der objektive Tatbestand des räuberischen Diebstahls dadurch 
gekennzeichnet, dass nach einem Diebstahl eine tatbestandliche Nötigungshand-
lung begangen wird, um das Gestohlene zu behalten. Ein räuberischer Diebstahl ist 

21

damit nur möglich, wenn der Diebstahl bereits vollendet ist (NIGGLI/RIEDO, in: Bas-
ler Kommentar, Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N 46 f. zu Art. 140 StGB). Vollendet 
ist der Diebstahl mit der Herstellung eines neuen, nicht notwendigerweise eigenen 
Gewahrsams nach dem Willen des Täters. Ob es dazu gekommen ist, bestimmt 
sich nach den allgemeinen Anschauungen und den Regeln des sozialen Lebens 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1360/2019 vom 20. November 2020 E. 2.3.1 mit 
Hinweis auf BGE 132 IV 108 E. 2.1). Nach der herrschenden Apprehensionstheorie 
ist dies der Fall, sobald der Täter die Sache ergriffen hat (TRECHSEL/CRAMERI, in: 
Praxiskommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2021, N 11 zu Art. 139 
StGB). Der Täter muss im Weiteren auf «frischer Tat ertappt» werden. Mit «frisch» 
gemeint ist eine Entdeckung des Diebstahls in flagrante delictu, d.h. bei Wahrneh-
mung des Diebstahls, bei Vorbereitung des Abtransportes der Beute oder des Ab-
transports selbst durch eine beliebige Drittperson am Tatort selbst oder dessen 
unmittelbarer Nähe, jedenfalls vor Beendigung des Diebstahls, sprich vor der Si-
cherung der Beute (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., N 49 zu Art. 140). 

Der Wert des Diebesguts spielt dabei keine Rolle, zumal beim Raub die Bestim-
mung über die geringfügigen Vermögensdelikte gemäss Art. 172ter Abs. 2 StGB 
keine Anwendung findet (vgl. auch BGE 124 IV 102 E. 2). 

Die Nötigungshandlung muss darauf abzielen, die Beute zu sichern, d.h. den Ge-
wahrsam am Diebesgut zu erhalten. Dabei ist allerdings nicht vorausgesetzt, dass 
die Sicherung der Beute das einzige Handlungsziel ist. Der Tatbestand ist auch er-
füllt, wenn der Täter durch seine Nötigungshandlungen sowohl die Beute als auch 
seine Flucht sichern will, sofern es ihm nur primär um die Beutesicherung geht. 
Wenn die Nötigungshandlungen dagegen nur der Sicherung der Flucht des Diebes 
dienen oder sie nur verhindern sollen, dass er erkannt wird, so besteht kein räube-
rischer Diebstahl (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., N 52 zu Art. 140; s. auch BGE 92 IV 153 
E. 1). 

Das Gesetz sieht alternativ drei Nötigungsmittel vor: Gewalt gegen eine Person, die 
Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben oder das Bewirken von 
Widerstandsunfähigkeit. Unter Gewalt gegen eine Person wird die unmittelbare 
physische Einwirkung auf den Körper einer Person verstanden. Dabei ist nicht vor-
ausgesetzt, dass das Opfer durch die Anwendung von Gewalt zum Widerstand un-
fähig gemacht wird (BGE 133 IV 207 E. 4.3.1; Urteil des Bundesgerichts 
6B_356/2012 vom 1. Oktober 2012 E. 1.2.1; NIGGLI/RIEDO, a.a.O., N 18 ff. zu Art. 
140). Bei der Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben muss die Dro-
hung grundsätzlich geeignet sein, das Opfer widerstandsunfähig zu machen, d.h. 
die angedrohte Beeinträchtigung der körperlichen Integrität muss entsprechend ei-
ne erhebliche sein. Das ergibt sich einerseits aus der Alternativität der Drohung mit 
der Gewalt, sollte aber auch aus der Mindeststrafe von sechs Monaten bereits klar 
sein. Ob dies zutrifft, ist nicht einfach zu bestimmen, wird aber anhand eines gene-
ralisierenden Massstabes zu entscheiden sein, d. h. die Drohung muss so ausge-
staltet sein, dass sich ihr auch ein anderer, «besonnener Mensch» in derselben Si-
tuation beugen würde. Auch dieses Kriterium liefert keine scharfe Abgrenzung. 
Deutlich dürfte sein, dass die Drohung mit einer Tätlichkeit (z.B. einer Ohrfeige) 
nicht ausreichen kann. Umgekehrt kann nicht die Drohung mit einer schweren Kör-

22

perverletzung gefordert werden, weil typischerweise die Androhung einer einfachen 
Körperverletzung wie z.B. das Brechen eines Arms oder das «Zusammenschla-
gen» durchaus geeignet ist, einen durchschnittlichen, besonnenen Menschen zum 
Einlenken zu bewegen. Der Täter muss die Drohung nicht ausführen wollen; es 
reicht aus, dass sie als ernst gemeint erscheint. Andererseits muss die Gefahr, die 
angedroht ist, gegenwärtig sein, d.h. ihre sofortige Verwirklichung muss in Aussicht 
gestellt werden (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., N 30 ff. zu Art. 140). Die Androhung gegen-
wärtiger Gefahr für Leib oder Leben kann sowohl ausdrücklich – wenn auch nur 
andeutungsweise – oder konkludent, etwa durch Vorhalten einer Waffe, erfolgen 
(BGE 72 IV 56). 

Subjektiv setzt der Tatbestand des räuberischen Diebstahls Vorsatz, mithin die 
Ausführung mit Wissen und Willen, sowie Aneignungs- und Bereicherungsabsicht 
voraus. Weiter muss die Nötigungshandlung in der Absicht erfolgen, die Beute zu 
sichern (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., N 55 f. zu Art. 140).

8.2 Subsumtion

Die Kammer kommt subsumierend im Einklang mit der Vorinstanz zum Schluss, 
dass der Gewahrsamsbruch und die Herstellung neuen Gewahrsams nach dem 
Willen des Täters vorliegend im Zeitpunkt geschah, als der Beschuldigte dem Pri-
vatkläger 3 die beiden Ketten vom Halse riss, wobei die Perlenkette zerriss, die 
einzelnen Perlen zu Boden fielen und zerstreut herumlagen. Nichts destotrotz trat 
mit dem erfolgreichen Abreissen die eigentliche Vollendung des Delikts, nämlich 
des Entreissdiebstahls, ein, welche als Voraussetzung eines räuberischen Dieb-
stahls zwingend vor der Nötigungshandlung eintreten muss. Der Beschuldigte woll-
te sich beide Ketten, die er von hinten ergriff, aneignen und tat dies auch. Dass da-
bei eine der Ketten derart zerriss und die Perlen zu Boden fielen, konnte der Be-
schuldigte weder voraussehen, noch entsprach dies seinem Plan. Das Diebesgut 
war in seinen werthaltigen Bestandteilen, nämlich den Perlen, nach wie vor vor-
handen, wenn auch aus der ursprünglichen Form geraten. 

Das Abreissen der Ketten wurde aber vom Privatkläger 3 trotz Alkoholisierung be-
merkt. Er wurde von der Gruppe Eritreer/Somalier gerade auf den Beschuldigten 
aufmerksam, mit dem er bei der Reithalle bereits früher einmal eine Auseinander-
setzung gehabt hatte und der ihm zudem auch früher an jenem Abend bereits ge-
folgt resp. näher gekommen war. Er richtete sich daraufhin an ihn und beschuldigte 
ihn der Wegnahme seiner Ketten. Auf Grund des erstellten Sachverhalts ist die 
Täterschaft des Beschuldigten bestätigt. Letzterer war somit in flagranti beim Dieb-
stahl ertappt worden, und zwar noch am Tatort, kurz nach der Wegnahme. Dies 
geschah – wie für den räuberischen Diebstahl vorausgesetzt – nach Vollendung, 
aber noch vor Beendigung des Diebstahls. Erst durch die nachträgliche Nötigungs-
handlung mittels Messer wurde der Privatkläger 3 schliesslich vertrieben, so dass 
der Beschuldigte zumindest die Möglichkeit hatte, die Perlen ungestört vom Boden 
aufzuheben und zusammen mit der Silberkette samt beiden Anhängern für sich zu 
behalten. Die Sicherung des Diebesguts war durch die Nötigung endgültig ermög-
licht, so dass der Diebstahl zu diesem Zeitpunkt als beendet gelten kann. 

23

Mit dem Vorhalten des Messers hat der Beschuldigte eine hinlängliche Nötigungs-
handlung im Sinne des Gesetzes begangen, auch wenn er mit dem Messer nicht 
gegen den Privatkläger 3 gestochen hat. Durch die Rückforderung der Ketten sah 
sich der Beschuldigte vom Privatkläger 3 in der Sicherung der Beute gehindert. Mit 
dem darauffolgenden Vorhalt des Messers signalisierte der Beschuldigte klar, dass 
er mit der Frage nach dem Diebstahl in Ruhe gelassen werden wollte und sich 
nicht davor scheuen würde, das Messer gegen den Beschuldigten einzusetzen, 
wenn dieser ihm zu nahe kommen bzw. versuchen würde, die Silberkette bei ihm 
zu suchen und die Perlen vom Boden aufzulesen. Um dies klarzumachen benötigte 
es weder einer zusätzlichen Stichbewegung noch eines Fuchtelns gegen den Be-
schuldigten. Alleine schon das Zeigen des gefährlichen Gegenstandes machte die 
Absichten des Beschuldigten auch für einen objektiven Dritten klar. 

Das vom Privatkläger 1 beschriebene Messer hat zwar eine mit ca. 10 cm ver-
gleichsweise kurze, schwarzmatte, glattgeschliffene Klinge. Aber auch ein kleines 
Messer kann Todesangst bei einem Opfer auslösen, was jedoch zur Erfüllung des 
objektiven Tatbestandes gar nicht nötig ist. Der angedrohte Nachteil ist bereits 
ernstlich, wenn er irgendwo zwischen Tätlichkeit und schwerer Körperverletzung zu 
liegen kommt. Mit einem Küchenmesser können einem Menschen erhebliche Stich- 
und Schnittverletzungen zugefügt werden, welche je nach Ausführung auch zu sehr 
nachhaltigen Verletzungen wie Nervendurchtrennungen, Sehnenverletzungen, 
Durchtrennungen wichtiger Blutgefässe, Anstechen eines Organs, Blutvergiftungen 
etc. führen können. Dies war auch dem Privatkläger 3, welcher durch den Alkohol 
nach eigenen Angaben noch relativ gefasst reagierte, bewusst. Er sprach von Re-
spekt, auch ein wenig Angst. Er konnte das Messer nicht anders denn als Drohung 
verstanden haben. Fakt ist, dass er den Beschuldigten nach anfänglicher Rückfor-
derung in Ruhe gelassen hat und wegging, als dieser das Messer zückte. Bereits 
schon daraus ergibt sich die nachhaltige Wirkung des Messers auf den Privatkläger 
3. Der angedrohte Nachteil überschreitet die Schwelle der Tätlichkeit deutlich. Die 
konkludente Drohung war so ausgestaltet, dass sich ihr auch ein anderer, «beson-
nener Mensch» in derselben Situation dem Willen des Täters gebeugt hätte. Die er-
forderliche qualifizierte Nötigung ist somit erfüllt. 

Der Beschuldigte handelte klar vorsätzlich. Mit dem Abreissen der Ketten und sei-
nem Verhalten gegenüber dem Privatkläger 3 hat er eindeutig zum Ausdruck ge-
bracht, dass er bezüglich der Beute in Aneignungs- und Bereicherungsabsicht 
handelte und zudem den direkten Vorsatz hatte, das Diebesgut durch Drohung ge-
gen Leib und Leben zu sichern.

Der Beschuldigte ist im Ergebnis des Raubes, begangen am 7. August 2021 in 
Bern zum Nachteil des Privatklägers 3, schuldig zu erklären.

III. Strafzumessung

9. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung 

Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung sind zutreffend. 
Darauf kann verwiesen werden (pag. 1184 ff., S. 45 ff. der Urteilsbegründung). Die 

24

Strafkammern des Obergerichts verfügen als Berufungsgericht über umfassende 
Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). 
Das gilt auch für die Strafzumessung.

Ergänzend ist sodann festzuhalten, dass die Kammer wie bereits erwähnt das Ver-
bot der reformatio in peius zu beachten hat. Die Gesamtstrafe darf daher insge-
samt nicht höher als im angefochtenen Urteil ausfallen, da nur der Beschuldigte 
Berufung erhoben hat (Art. 391 Abs. 2 StPO). Demgegenüber können in der Be-
rechnung die Strafanteile für einzelne Delikte auch mit höheren Werten eingesetzt 
werden, als sie von der Vorinstanz festgesetzt wurden; denn das Verschlechte-
rungsverbot wirkt sich nur auf das Ergebnis, mithin das Dispositiv des Urteils aus, 
nicht auf dessen Begründung (BGE 139 IV 282 E. 2.6).

10. Retrospektive Konkurrenz

Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl vom 11. Mai 2021 rechtskräftig zu einer 
Geldstrafe von 180 Tagessätzen à CHF 30.00 und zu einer Busse von CHF 300.00 
verurteilt. Dabei handelte es sich nicht um Zusatzstrafen zu einem anderen Urteil. 

Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor er wegen 
einer andern Tat verurteilt worden ist, so hat es eine Zusatzstrafe auszusprechen. 
Sind die neu zu beurteilenden Straftaten ausnahmslos vor dem Ersturteil begangen 
worden, spricht man von vollkommener retrospektiver Konkurrenz (MATHYS, Leitfa-
den Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, N 524). Das Gericht ist auch bei der Zusatz-
strafenbildung nach Art. 49 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 StGB an das gesetzliche Höchst-
mass der Strafe gebunden (Urteil des Bundesgerichts 6B_483/2016 vom 30. April 
2018 E. 3.3.3 und 3.6; ACKERMANN, in: Basler Kommentar, Strafgesetzbuch, 4. 
Aufl. 2019 [aktualisiert per 30. April 2023], N 170 zu Art. 49 StGB). 

Von den vorliegend zu beurteilenden Delikten wurden zwei Delikte, welche nur mit 
Geldstrafe geahndet werden können, die Beschimpfung und die Hinderung einer 
Amtshandlung, beides vom 11. April 2021, vor diesem Strafbefehl begangen. Dies-
bezüglich ist somit eine Zusatzstrafe zu bilden. Da mit den bereits rechtskräftigen 
180 Tagessätzen Geldstrafe die Obergrenze der Geldstrafe gemäss Art. 34 Abs. 1 
StGB bereits ausgeschöpft wurde (wie die Vorinstanz in ihrer Urteilsbegründung 
übrigens bereits selber treffend erkannt hat; pag. 1193, S. 54 der Urteilsbegrün-
dung), ist im Rahmen der Zusatzstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 2 StGB zu einer 
Strafe von 180 Tagessätzen Geldstrafe eine spürbare Sanktion für die Hinderung 
einer Amtshandlung und die Beschimpfung nicht mehr zu erreichen, weswegen die 
Zusatzstrafe 0 Tagessätze Geldstrafe zu betragen hat. Bei dieser Ausgangslage 
erübrigen sich Ausführungen zur eigentlichen Strafzumessung zu diesen Delikten.

Auch im Bussenbereich wurde mit dem Covid-19 Delikt (fehlende Maske) vom 
11. April 2021 eine Tat vor Ausfällung des Strafbefehls begangen. Da es sich bei 
der zu verhängenden Busse aber um eine Ordnungsbusse handelt, welche nicht 
asperiert, sondern kumuliert wird (Art. 5 Abs. 1 des Ordnungsbussengesetz [OBG; 
SR 314.1]), entfällt auch die Asperation im Zusammenhang mit einer Zusatzstrafe. 

25

11. Zur Gesamtstrafenbildung 

Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für 
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass 
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das 
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).

Die Bildung einer Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichartigen 
Strafen möglich. Geldstrafe und Freiheitsstrafe sind nicht gleichartig und daher ku-
mulativ zu verhängen. Das Gericht kann auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erken-
nen, wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss eine Freiheits-
strafe ausfällen würde (sogenannte konkrete Methode). Dass die massgebenden 
Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen vorsehen, genügt nicht (BGE 144 
IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 2.2; 142 IV 265 E. 2.3.2; 138 IV 120 E. 5.2).  

Die frühere Rechtsprechung liess Ausnahmen von der erwähnten konkreten Me-
thode zu, dies beispielsweise bei zeitlich und sachlich eng miteinander verknüpften 
Straftaten, die sich nicht sinnvoll auftrennen und für sich allein beurteilen lassen 
(Urteile des Bundesgerichts 6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2; 
6B_210/2017 vom 25. September 2017 E. 2.2.1; 6B_1011/2014 vom 16. März 
2015 E. 4.4). Eine weitere Ausnahme galt, wenn nicht eine deutlich schwerere Tat 
zusammen mit einer oder wenigen weiteren, leichter wiegenden Nebentaten zu 
sanktionieren war und bei einer Gesamtbetrachtung nur eine 360 Einheiten über-
steigende Sanktion als verschuldensangemessen erschien (Urteile des Bundesge-
richts 6B_499/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 1.8; 6B_157/2014 vom 26. Januar 
2015 E. 3.1; 6B_65/2009 vom 13. Juli 2009 E. 1.4.2). 

Seit BGE 144 IV 313 sind solche Ausnahmen nicht mehr zulässig (vgl. dort E. 1.1.2 
mit Hinweis auf BGE 144 IV 217 E. 3.5.4; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 
6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4; 6B_619/2019 vom 11. März 2020 
E. 3.4). 

Weiterhin gilt jedoch, dass das Gericht anstelle einer Geldstrafe auf eine Freiheits-
strafe erkennen kann, wenn eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden 
kann (Art. 41 Abs. 1 Bst. b StGB). Eine kurze Freiheitsstrafe anstelle einer Gelds-
trafe von höchstens 180 Tagessätzen ist gemäss Art. 41 Abs. 1 Bst. a StGB (in 
Kraft seit 1. Januar 2018) zudem zulässig, wenn eine solche geboten erscheint, um 
den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Vor 
dem 1. Januar 2018 sah das Gesetz auch für Strafen von mehr als sechs Monaten 
bis zu einem Jahr alternativ Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor (vgl. Art. 34 Abs. 1 
aStGB). Bei der Wahl der Sanktionsart für Strafen zwischen sechs Monaten und 
einem Jahr war als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten 
Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre 
präventive Effizienz zu berücksichtigen. Bei alternativ zur Verfügung stehenden 
Sanktionen war entsprechend dem Prinzip der Verhältnismässigkeit die Geldstrafe 
als weniger eingriffsintensive Sanktion zu bevorzugen (BGE 134 IV 82 E. 4.1; Urtei-
le des Bundesgerichts 6B_141/2021 vom 23. Juni 2021 E. 1.3.2 und 6B_112/2020 
vom 7. Oktober 2020 E. 3.2). 

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26

Auch nach der neusten Rechtsprechung darf eine Gesamtfreiheitsstrafe ausge-
sprochen werden, wenn viele Einzeltaten zeitlich sowie sachlich eng miteinander 
verknüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der in einem engen Zusam-
menhang stehenden Delikte geeignet ist, in genügendem Masse präventiv auf den 
Täter einzuwirken (Urteile des Bundesgerichts 6B_93/2022 vom 24. November 
2022 E. 1.3.5; 6B_141/2021 vom 23. Juni 2021 E. 1.3.2; 6B_496/2020 vom 11. Ja-
nuar 2021 E. 3.4.2; 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 3.2; 6B_1186/2019 vom 
9. April 2020 E. 2.2 und 2.4). 

Allgemein ist bei der Strafzumessung/Gesamtstrafenbildung vorab der Strafrahmen 
für die schwerste Straftat zu bestimmen. Alsdann hat das Gericht die Einsatzstrafe 
für die schwerste Straftat innerhalb des Strafrahmens festzusetzen, indem es alle 
diesbezüglichen straferhöhenden und strafmindernden Umstände berücksichtigt. 
Bei der Festsetzung der Einsatzstrafe sind zunächst alle (objektiven und subjekti-
ven) verschuldensrelevanten Umstände zu beachten. In einem weiteren Schritt 
sind die übrigen Delikte zu beurteilen. Auch insoweit muss es den jeweiligen Um-
ständen Rechnung tragen (BGE 144 IV 217, 142 IV 265, Urteil des Bundesge-
richts 6B_559/2018 vom 26. Oktober 2018). In weiteren Schritten hat die Strafzu-
messung auch für die übrigen Delikte zu erfolgen. Liegt eine gleichartige Strafe vor, 
ist die Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten angemessen zu er-
höhen, wobei in Anwendung des Asperationsprinzips aufzuzeigen ist, in welchem 
Ausmass die Einsatzstrafe erhöht wird. Das Gericht hat sämtliche Einzelstrafen für 
die von ihm zu beurteilenden Delikte festzusetzen und zu nennen, damit beurteilt 
werden kann, ob die einzelnen Strafen und deren Gewichtung bei der Strafschär-
fung bundesrechtskonform sind (BGE 142 IV 265 E. 2.4.3. mit Hinweisen, Urteil 
des Bundesgerichts 6B_559/2018 vom 26. Oktober 2018). Erst nach der Festle-
gung der Gesamtstrafe für sämtliche Delikte sind endlich die allgemeinen Täter-
komponenten zu berücksichtigen (Urteile des Bundesgerichts 6B_466/2013 E. 
2.3.2; 6B_42/2016 E. 5.1 und 6B_236/2016 E. 4.2).

12. Methodik, Strafrahmen und Strafart 

12.1 Vorbemerkungen

Der Beschuldigte ist wegen folgenden, mehrheitlich bereits rechtskräftigen Schuld-
sprüchen zu bestrafen:

- Versuchte schwere Körperverletzung, bedroht mit Freiheitsstrafe von 6 Mona-
ten bis 10 Jahren (Art. 122 StGB);

- Raub, bedroht mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis 10 Jahren (Art. 140 Ziff. 1 
Abs. 2 StGB); 

- Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen in zwei Fällen, 
bedroht mit Freiheitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe (Art. 285 Ziff. 1 Abs. 2 
StGB); 

- Widerhandlungen gegen das AIG durch Missachtung einer Ausgrenzungsver-
fügung, begangen in 9 Fällen, bedroht mit Freiheitsstrafe bis 3 Jahre oder 
Geldstrafe (Art. 119 Abs. 1 AIG);

27

- Beschimpfung, mehrfach begangen, bedroht mit Geldstrafe bis zu 90 Tages-
sätzen (Art. 177 Abs. 1 StGB); 

- Hinderung einer Amtshandlung, bedroht mit Geldstrafe bis 30 Tagessätzen 
(Art. 286 StGB);

- Tätlichkeiten, bedroht mit Busse (Art. 126 StGB); 

- Rauchen in einem Gebäude des öffentlichen Verkehrs, bedroht mit Ordnungs-
busse von CHF 80.00 (Art. 5 Abs. 1 Bst. a Bundesgesetz zum Schutz vor Pas-
sivrauchen und Ziff. 10001 der damals gültigen Fassung der Ordnungsbussen-
verordnung [OBV; SR 314.11]); 

- Konsum von Betäubungsmitteln, mehrfach begangen, bedroht mit Busse 
(Art. 19a Ziff. 1 BetmG);

- Widerhandlung gegen die Covid-19 Verordnung 2 (in der Fassung vom 1. April 
2021 und 13. Mai 2021), mehrfach begangen in zwei Fällen, bedroht mit Busse 
(Art. 7c Abs. 2 und 10f Abs. 2 Bst. a Covid-19 Verordnung 2) wobei diese 
gemäss OBV Anhang 2 Ziff. 16003 in der damals gültigen Fassung mit einer 
Ordnungsbusse von CHF 100.00 bedroht war;

- Widerhandlung gegen das Gesetz über das kantonale Strafrecht, bedroht mit 
Busse (Art. 15 Abs. 1 KStrG).

12.2 Strafart, Strafrahmen und Bestimmung der schwersten Straftat

Hinsichtlich der Wahl der Strafart kommt für die versuchte schwere Körperverlet-
zung und den Raub von vornherein nur eine Freiheitsstrafe in Frage. In Anbetracht 
der nachfolgend konkret zu begründenden Strafhöhen in Bezug auf die zweifache 
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und neunfachen Widerhandlung 
gegen das AIG sind grundsätzlich sowohl das Ausfällen einer Freiheits- als auch 
einer Geldstrafe möglich. Vom Primat der Geldstrafe – wie voranstehend erwähnt – 
darf in solchen Konstellationen jedoch nur abgewichen werden, wenn das Aus-
sprechen einer Freiheitsstrafe aus spezialpräventiven Gründen angezeigt oder die 
Geldstrafe in finanzieller Hinsicht uneinbringlich ist. Vorliegend kann festgestellt 
werden, dass sich der Beschuldigte trotz zahlreicher Anhaltungen durch die Polizei 
und Verurteilungen nicht von seinem delinquenten Verhalten abbringen liess. Erst 
mit seiner Versetzung in die Untersuchungs- resp. Sicherheitshaft konnte seine de-
liktische Tätigkeit vorübergehend unterbrochen werden. Nachdem der Beschuldigte 
am 16. Juni 2021 nach einem Monat in Untersuchungshaft aus der Haft entlassen 
wurde (pag. 55) missachtete er allerdings bereits in derselben Nacht und daraufhin 
noch fünf weitere Male die ihm auferlegte Ausgrenzungsverfügung (Ziff. II. 4.4 – 4.9 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), machte sich der Tätlichkeiten schuldig 
(Ziff. II. 7 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) und beging den Raub (Ziff. II. 2 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs bzw. Ziff. 8 vorne), bis er schlussendlich am 
16. September 2021 erneut festgenommen und anschliessend erneut in Untersu-
chungshaft versetzt wurde (pag. 87 ff.). Selbst im Strafvollzug dauert das gewalt-
tätige Verhalten des Beschuldigten jedoch an. So musste der Beschuldigte unter 
anderem wegen eines Angriffs auf die physische Integrität eines Mitarbeitenden 
und eines Miteingewiesenen der Justizvollzugsanstalt S.________ und zahlreichen 

28

weiteren Vorfällen diszipliniert sowie unter anderem auch in Arrest versetzt werden 
(pag. 1392 ff.). In Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Erwägungen erscheint 
deshalb einzig eine Freiheitsstrafe sachgerecht, zweckmässig und geeignet, um 
den Beschuldigten von der Begehung weiterer Verbrechen und Vergehen abzuhal-
ten. Angesichts der momentanen finanziellen Situation des Beschuldigten wäre oh-
nehin nicht davon auszugehen, dass bei ihm eine Geldstrafe vollzogen werden 
könnte.

Für diese Delikte sind deshalb je Freiheitsstrafen auszusprechen und hiernach eine 
Gesamtfreiheitsstrafe zu bilden. Der ordentliche Strafrahmen für die schwere Kör-
perverletzung (welche von der Kammer in Übereinstimmung mit der Vorinstanz als 
abstrakt und konkret schwerstes Delikt betrachtet wird) beträgt Freiheitsstrafe von 
6 Monaten bis 10 Jahren. Der ordentliche Strafrahmen ist nur zu verlassen, wenn 
aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte 
Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint. Es bedarf gewichtiger 
Umstände, die das Verschulden als besonders leicht bzw. schwer erscheinen las-
sen, damit die Unter- bzw. Überschreitung des ordentlichen Strafrahmens ange-
zeigt erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Solche sind im vorliegenden Fall zu vernei-
nen.

Für die Beschimpfungen und die Hinderung einer Amtshandlung kommt von vorn-
herein nur eine Geldstrafe in Frage. Der Strafrahmen beträgt drei bis 30 Tagessät-
ze Geldstrafe (Art. 286 i.V.m. 49 Abs. 1 Satz 2 StGB).

Die weiteren Delikte sind von Gesetzes wegen mit Busse zu ahnden, welche bis zu 
CHF 10'000.00 betragen kann (Art. 106 Abs. 1 StGB). Auch diese sind zu einer 
Gesamtbusse zu asperieren. Davon ausgenommen sind die Ordnungsbussen we-
gen dem Rauchen und der verweigerten Maskentragung. 

Wie bereits erwähnt, erachtet die Kammer in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 
von den abstrakt gleichartig bedrohten Delikten schwere Körperverletzung und 
Raub in Anbetracht der schwere des Verschuldens die schwere Körperverletzung 
als das schwerste Delikt, sodass die hierfür nachfolgend auszufällende Strafe die 
Einsatzstrafe bildet. 

13. Einsatzstrafe für die versuchte schwere Körperverletzung 

13.1 Allgemeine Ausführungen

Da vorliegend die Strafe für ein versuchtes Delikt festzusetzen ist, ist gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung zuerst die schuldangemessene Strafe für das 
vollendete Delikt nach dem Vorsatz des Täters festzulegen. Massgeblich ist dem-
nach, welche Folgen eingetreten wären, wenn die strafbare Handlung entspre-
chend dem Vorsatz des Täters vollendet worden wäre (MATHYS, a.a.O., N 89). Die 
derart ermittelte hypothetische Strafe ist in der Folge unter Berücksichtigung des 
fakultativen Strafmilderungsgrunds von Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

13.2 Tatkomponenten

Objektive Tatschwere

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Geschütztes Rechtsgut ist die körperliche Integrität und die körperliche und geistige 
Gesundheit (TRECHSEL/FINGERHUTH, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxis-
kommentar, 4. Aufl. 2021, N. 4 f. zu vor Art. 122 StGB). Der Beschuldigte verletzte 
durch seinen Messerstich in den Rücken dieses hochrangige Rechtsgut des Straf-
klägers 1. Hinsichtlich der Schwere der Verletzung bzw. der Gefährdung des be-
troffenen Rechtsguts stellt die Kammer fest, dass bei Vorliegen einer vollendeten 
schweren Körperverletzung die Verletzung von inneren Organen wie beispielswei-
se der Niere oder der Milz und damit lebensbedrohliche Blutungen oder eine le-
bensgefährliche Wundinfektion resultiert hätten. Effektiv erlitt der Strafkläger 1 
durch das Zustechen mit einem Taschenmesser mit Klingenlänge von ca. 5 cm ei-
ne ca. 3 cm lange und wenige Millimeter klaffende, glatt begrenzte Hautdurchtren-
nung mit einer Wundtiefe von ca. 1.5 cm (pag. 234 f.). Das tatsächliche Verlet-
zungsbild war für den Beschuldigten auf Grund der gewählten Waffe und des 
Stichs in den Rücken weder plan- noch voraussehbar, was den Angriff noch unbe-
rechenbarer machte. Da der Beschuldigte dem Strafkläger 1 in den Rücken stach, 
war es diesem nicht möglich, dem Stich auszuweichen. Mit der Stichbewegung in 
den Rücken in unmittelbarer Nähe zu lebenswichtigen Organen, war die Gefahr ei-
ner schweren bzw. lebensgefährlichen Verletzung sehr gross, und es ist bloss dem 
Zufall zu verdanken, dass der Strafkläger 1 keine schwereren Verletzungen davon-
getragen hat. 

Entsprechend ist von einem mittelschweren Verschulden im unteren Bereich aus-
zugehen und die Einsatzstrafe ist auf 46 Monate festzusetzen.

Hinsichtlich der Verwerflichkeit des Handelns fällt in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz insbesondere negativ ins Gewicht, dass der Beschuldigte dem Strafkläger 1 
nachrannte, als dieser sich bereits entfernt hatte und ihm aufgrund eines Streites 
über eine Bagatelle, welcher der Beschuldigte selber angefangen hatte, das Mes-
ser in den Rücken rammte. Aufgrund der besonderen Verwerflichkeit des Handelns 
ist die Einsatzstrafe um 2 Monate auf 48 Monate zu erhöhen. 

Das Tatverschulden wird von der Kammer angesichts des weiten Strafrahmens 
und anderer denkbarer Fälle als mittelschwer im unteren Bereich betrachtet. Für 
das vollendete Delikt erscheint eine Einsatzstrafe von 48 Monaten als angemes-
sen.

Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Hierfür ist eine Strafminderung zu 
gewähren (vgl. MATHYS, a.a.O., N  249 mit Verweis auf BGE 133 IV 222 E. 5.3). 
Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, war der Eventualvorsatz mit Blick auf das 
konkrete Vorgehen des Beschuldigten nicht weit vom direkten Vorsatz entfernt, 
weswegen die Kammer diesen bloss leicht verschuldensmindernd berücksichtigt 
und die Einsatzstrafe um ca. 10%, d.h. um fünf Monate auf 43 Monate reduziert. 

Die Tat wäre ohne Weiteres vermeidbar gewesen. Der Beschuldigte hätte sich da-
zu entscheiden können, dem Strafkläger 1 nicht nachzurennen und ihn stattdessen 
in Ruhe zulassen. Daran ändert nach Ansicht der Kammer auch der Umstand sei-
ner damaligen Alkoholisierung nichts. Dem Beschuldigten war angesichts des von 
ihm selber eingeräumten häufigen Alkoholkonsums die bei ihm eintretende ent-

30

hemmende und aggressive Wirkung bestens bekannt. Trotzdem betrank er sich er-
neut und nahm seine Eskalation in der Gruppe geradezu in Kauf. Eine Reduktion 
rechtfertigt sich unter diesem Titel somit nicht. 

13.3 Versuch

Gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht bei Vorliegen eines Versuchs die 
Strafe mildern. Das Mass der Milderung hängt unter anderem von der Nähe des 
tatbestandsmässigen Erfolges und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab 
(MATHYS, Zur Technik der Strafzumessung, in: SJZ 100/2004 S. 173 ff., S. 178; 
WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kommentar, Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N 24 
zu Art. 48a StGB).

Der Beschuldigte hat nach seinem Plan mit dem einmaligen Zustechen alles getan, 
um die Tat zu verwirklichen. Der Versuch ist somit vollendet. Es ist zwar dem Zu-
fall, aber wohl auch ein wenig seiner Alkoholisierung zu verdanken, dass er den 
Strafkläger 1 nicht schwerer verletzte. Von den erlittenen Verletzungen ging keine 
akute Lebensgefahr aus. Es resultierte jedoch eine 3 cm lange und wenige Millime-
ter klaffende Stichverletzung, welche genäht werden musste und welche beim Lie-
gen noch Schmerzen verursachte. Eine Reduktion der Strafe um ca. 30%, ausma-
chend 13 Monate, erscheint unter diesen Voraussetzungen angemessen. Die Stra-
fe reduziert sich damit auf 30 Monate.

13.4 Fazit

Für die versuchte schwere Körperverletzung erscheint der Kammer gestützt auf die 
vorangehenden Ausführungen damit eine Strafe von 30 Monaten Freiheitsstrafe als 
dem Verschulden des Beschuldigten angemessen. 

14. Asperation für die weiteren Delikte

14.1 Raub

14.1.1 Tatkomponenten

Objektive Tatschwere

Die von Art. 140 StGB geschützten Rechtsgüter bilden das Vermögen, die körperli-
che Integrität und die persönliche Freiheit. Der Beschuldigte hat dem Privatkläger 3 
unvermittelt zwei Halsketten abgerissen. Als der Privatkläger 3 diese zurückforder-
te, hat der Beschuldigte ein kleines Messer gezückt und mit geöffneter Klinge ge-
gen ihn gehalten. Dabei hat er zwar keine Stichbewegungen gemacht, den Privat-
kläger 3 aber damit eingeschüchtert und zum Weggehen bewogen. Damit hat er 
seine Beute gesichert. Insgesamt hat der Beschuldigte mit diesem Vorgehen die 
vorgenannten Rechtsgüter verletzt. Obwohl sich der Deliktsbetrag auf CHF 750.30 
beläuft und damit immer noch verhältnismässig gering ausfiel, war das für die Si-
cherung der Beute eingesetzte Nötigungsmittel nicht harmlos. Das Vorgehen ist als 
verwerflich zu betrachten. Mit dem Vorhalten eines Messers stellte der Beschuldig-
te dem Privatkläger 3 ernsthafte körperliche Nachteile in Aussicht. Insgesamt wiegt 
die Schwere der Verletzung der geschützten Rechtsgüter aber leicht, wobei immer 
noch leichtere Delikte denkbar sind. In Anbetracht des weiten Strafrahmens wird 
die Einsatzstrafe auf 12 Monate festgesetzt.

31

Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte hinsichtlich des Diebstahls und der Drohung mit dem 
Messer in der Hand mit direktem Vorsatz, was sich infolge Tatimmanenz neutral 
auswirkt. Zu den Zielen und Beweggründen ist festzuhalten, dass es dem Beschul-
digten nur darum ging, mit Gewalt bzw. der Androhung von Gewalt zu Wertge-
genständen zu kommen, sei dies für den eigenen Gebrauch oder den Verkauf. Das 
Handlungsziel war somit rein egoistischer Natur. In Bezug auf die Willensrichtung 
handelte er hinsichtlich des Diebstahls und der Drohung mit dem Messer in der 
Hand mit direktem Vorsatz. Die Tat wäre zudem ohne Weiteres vermeidbar gewe-
sen. Die subjektiven Tatkomponenten sind insgesamt neutral zu gewichten.

14.1.2 Asperation

Die verschuldensangemessene Strafe von 12 Monaten wird mit 8 Monaten zur Ein-
satzstrafe asperiert. Damit resultiert eine Strafe von 38 Monaten.  

14.2 Drohung und Gewalt gegen Behörden und Beamte

14.2.1 Tatkomponenten

Objektive Tatschwere

Geschütztes Rechtsgut ist das reibungslose Funktionieren der staatlichen Organe 
(TRECHSEL/VEST, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 
2021, N. 1 zu vor Art. 285 StGB). Indem der Beschuldigte gemäss dem von der 
Vorinstanz rechtskräftig erstellten Sachverhalt (siehe Ziff. 6 vorne) einerseits ver-
suchte einen Mitarbeiter der M.________ mit den Fäusten zu schlagen und diesen 
beschimpfte und andererseits nach seiner Anhaltung auf der Polizeiwache einer 
Polizistin ins Gesicht spuckte und weitere Polizisten beschimpfte, verletzte er vor-
genanntes Rechtsgut. Das Verhalten des Beschuldigten erweist sich zwar zwei-
felsohne als verwerflich und geht über das Übliche hinaus, was Polizisten bzw. Mit-
arbeiter der M.________ in ihrem Alltag erleben müssen. Mit Blick auf anderen 
denkbare Tatvarianten stuft die Kammer das objektive Tatverschulden jedoch den-
noch als leicht ein. 

Die Richtlinien des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältin-
nen und Staatsanwälte (VBRS) sehen für gewisse Deliktskategorien normierte 
Strafen vor. Die Kammer ist nicht an diese Richtlinien gebunden, sie können jedoch 
als Orientierungspunkte dienen (Urteil des Bundesgericht 6B_510/2019 vom 8. Au-
gust 2019 E. 4.3). Die VBRS-Richtlinien sehen für den Referenzsachverhalt, wo-
nach sich der Täter gewaltsam seiner Festnahme widersetzt, indem er dem Polizis-
ten einen Ellbogen in die Magengegend rammt, ohne ihn zu verletzen, eine Strafe 
von 20 Strafeinheiten vor (Ziff. 14, S. 51 der Richtlinien). 

Sowohl der versuchte Angriff auf den Strafkläger 5 als auch das Anspucken der 
Polizisten sind nach Ansicht der Kammer mit dem Referenzsachverhalt zu verglei-
chen, weswegen in Übereinstimmung mit der Vorinstanz für beide Vorfälle eine 
Strafe von je 20 Tagen Freiheitsstrafe als dem Verschulden des Beschuldigten an-
gemessen erachtet wird. 

32

Subjektive Tatschwere

Mit Blick auf die subjektive Tatschwere kann festgehalten werden, dass der Be-
schuldigte direktvorsätzlich handelte, was jedoch tatbestandsimmanent ist. Die Ta-
ten wären ohne weiteres vermeidbar gewesen. Insgesamt wirkt sich die subjektive 
Tatschwere neutral aus, womit es bei einer Strafe von 20 Tagen Freiheitsstrafe pro 
Vorfall bleibt. 

14.2.2 Asperation

Die verschuldensangemessene Strafe von insgesamt 40 Tagen Freiheitsstrafe für 
die zweifach begangene Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte wird 
mit 30 Tagen bzw. einem Monat Freiheitsstrafe zur Einsatzstrafe asperiert. Damit 
resultiert eine Strafe von 39 Monaten. 

14.3 Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz

14.3.1 Tatkomponenten

Gemäss den von der Vorinstanz rechtskräftig erstellten Sachverhalten missachtete 
der Beschuldigte während knapp vier Monaten insgesamt neun Mal die Ausgren-
zungsverfügung des Migrationsdienstes des Kantons Bern, von welcher er Kennt-
nis hatte, indem er sich auf dem Gebiet der Stadt Bern aufhielt, obwohl ihm dies mit 
vorgenannter Verfügung verboten war. Der Beschuldigte manifestierte angesichts 
der Vielzahl an Missachtungen innerhalb von kurzer Zeit zwar eine gewisse 
Gleichgültigkeit gegenüber behördlichen Anordnungen, zeigte sich unbelehrbar und 
handelte mit direktem Vorsatz. Allerdings geht das Tatverschulden insgesamt nicht 
über das übliche Mass hinaus, weswegen in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 
und in Anlehnung an die VBRS-Richtlinien (Ziff. 3.V, S. 30) eine Strafe von 25 Ta-
gen Freiheitsstrafe pro Missachtung, insgesamt ausmachend, 225 Tage Freiheits-
strafe, als verschuldensangemessen erachtet wird.

14.3.2 Asperation

Die verschuldensangemessene Strafe von 225 Tagen Freiheitsstrafe für die neun 
Widerhandlungen gegen das AIG wird mit 150 Tagen bzw. 5 Monaten Freiheits-
strafe zur Einsatzstrafe asperiert. Damit resultiert eine Gesamtfreiheitsstrafe von 44 
Monaten. 

15. Geldstrafen

Mit Verweis auf die Ausführungen unter Ziff. 10 hiervor erübrigen sich detaillierte 
Ausführungen zur eigentlichen Strafzumessung hinsichtlich der vorliegend ange-
klagten Delikte, welche lediglich mit Geldstrafe geahndet werden können. Weil die 
Strafen für die Beschimpfung und die Hinderung einer Amtshandlung, beides be-
gangen am 11. April 2021, als Zusatzstrafe zu einer bereits rechtskräftigen Höchst-
geldstrafe auszufällen sind, beträgt die Zusatzstrafe auf Grund der gesetzlichen 
Deckelung (vgl. Art. 34 Abs. 1 StGB) 0 Tagessätze. 

Die Beschimpfung beging der Beschuldigte am 15. Mai 2021 und damit nachdem 
er mit Strafbefehl vom 11. Mai 2021 rechtskräftig zu einer Geldstrafe von 180 Ta-
gessätzen verurteilt worden war. Für diese neue Tat kommt er im Lichte der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 145 IV 1 E. 1.2 f.) nicht mehr in Genuss ei-

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ner Asperation mit der Vorstrafe und profitiert nach Ansicht der Kammer auf Grund 
der Zäsur zwischen der retrospektiven Deliktsgruppe und der nach dem Ersturteil 
begangenen Tat auch nicht mehr von der strafartbedingten Deckelung für die Vor-
phase; es kommt zur Kumulation. Im Einklang mit der Vorinstanz wird unter 
Berücksichtigung des Referenzsachverhalts gemäss VBRS-Richtlinien (Ziff. 14, S. 
48) für die Beschimpfung eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen als angemessen er-
achtet. Diese wird zusätzl