# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 87e650da-2412-530a-8171-074b1b6d89d6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-04-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.04.2012 E-6004/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6004-2011_2012-04-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6004/2011 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A p r i l  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), 

Richter Fulvio Haefeli, Richter Daniele Cattaneo; 

Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

p.A. Schweizerische Botschaft in Khartoum, Sudan, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
Gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
 

Einreisebewilligung und Asylgesuch aus dem Ausland;  

Verfügung des BFM vom 12. September 2011 / N (…). 

 

 

E-6004/2011 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit englischsprachiger Eingabe vom 15. September 2010 an die Schwei-

zerische Botschaft in Khartoum suchte die Beschwerdeführerin um Asyl in 

der Schweiz nach. 

Zur Begründung führte sie – eine erithreische Staatsangehörige, christli-

chen Glaubens – aus, sie habe ihr Heimatland verlassen, weil sie in den 

Wehrdienst eingezogen worden sei, wo sie ein Jahr in der 20. Runde ha-

be Militärdienst leisten müssen. Wegen ihres Glaubens sei sie dort 

mehrmals bestraft worden. Als Frau könne sie diese Untersagung und 

Strenge nicht ertragen. Während einer Dienstpause sei sie eines Nachts 

zu Hause von der Militärpolizei verhaftet und ein Jahr lang im Militärge-

fängnis "B._______" inhaftiert worden. Dort sei sie derart eingeschüchtert 

worden, dass sie ihre Religion nicht mehr praktiziert habe. Auch im Sudan 

sei es für Flüchtlinge sehr schwer, ihren christlichen Glauben zu praktizie-

ren und ihre Kultur zu pflegen.  

Sie legte weder Ausweispapiere noch Beweismittel zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 11. November 2010 gewährte das BFM der Be-

schwerdeführerin die Möglichkeit, sich zu dem sich abzeichnenden nega-

tiven Entscheid zu äussern, und setzte ihr Frist zu einer Stellungnahme.  

C.  

Innert Frist teilte die Beschwerdeführerin mit, obschon sie im Sudan als 

Flüchtling anerkannt worden sei, sei sie denselben Problemen und Hin-

dernissen ausgesetzt, wie in Eritrea. So werde sie aufgrund ihres christli-

chen Glaubens auch hier von den Nachbaren beschimpft und misshan-

delt. Zudem reiche das Entgelt nicht aus, um ein zumutbares Leben zu 

führen, so dass sie finanzielle Probleme habe. Ferner lebe ihr Cousin, 

M.T., in der Schweiz, welcher sie unterstützen könnte. 

D.  

Aufgrund struktureller und kapazitätsmässiger Aspekte forderte das BFM 

mit Verfügung vom 17. Mai 2011 die Beschwerdeführerin auf, ergänzende 

Fragen zur Abklärung des Sachverhalts in Schriftform konkret zu beant-

worten. 

E-6004/2011 

Seite 3 

E.  

Mit Schreiben vom 16. Juni 2011 nahm die Beschwerdeführerin dazu 

Stellung. Im Wesentlichen führte sie dabei aus, sie sei in C._______ in 

Eritrea geboren, wo sie zusammen mit ihren Eltern und ihren Geschwis-

tern (ein Bruder und eine Schwester) aufgewachsen sei. In C._______ 

und in D._______ habe sie studiert und bis zu ihrer Ausreise aus Eritrea 

bei ihren Eltern zu Hause gewohnt. Nachdem sie ihr elftes Schuljahr be-

endet habe, sei sie verdächtigt worden, Gläubige einer Pfingstgemeinde 

zu sein, weshalb sie im Juni 2005 für ein Jahr im Militärgefängnis 

"B._______" inhaftiert worden sei. Nachdem sie sich den Behörden un-

tergeordnet, ihr angebliches Glaubensbekenntnis zugegeben und sich 

dafür entschuldigt habe, sei sie entlassen worden. Obwohl ihre Akte we-

gen ihrer angeblichen Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinde weiterbestan-

den habe, habe sie nach ihrer Haftentlassung nebst einem Militärtraining 

ihr Studium erfolgreich abgeschlossen, woraufhin sie in den Militärdienst 

einberufen worden sei. Dort sei sie erneut wegen ihres Glaubens einge-

schüchtert worden. Aufgrund dieser Vorkommnisse und aufgrund der 

Schulden ihrer Eltern wegen der Steuerabgaben in Eritrea sei sie nach 

längeren Vorbereitungen im Dezember 2009 in den Sudan geflüchtet. 

Dort habe sie sich am 14. Dezember 2009 beim United Nations High 

Commissioner for Refugees (UNHCR) gemeldet und registrieren lassen, 

woraufhin sie ins Flüchtlingslager E._______ transferiert worden sei. We-

gen der schlechten Lebensbedingungen, der menschenunwürdigen Be-

dingungen, aus Sicherheitsgründen und wegen der Gefahr von sexuellen 

Übergriffen sei sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Khar-

toum gezogen. Dort habe sie kostenlos in einem Haus ehemaliger Kame-

raden leben können und habe später eine Arbeit gefunden. Aber auch in 

Khartoum sei sie überall wegen ihres Glaubens diskriminiert worden und 

als Eritreerin und Frau verschiedenen Gefahren ausgesetzt gewesen.  

F.  

Mit Verfügung vom 12. September 2011 – eröffnet am 27. September 

2011 – verweigerte das BFM der Beschwerdeführerin die Einreise in die 

Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. 

G.  

Mit Eingabe vom 18. Oktober 2011 beantragt die Beschwerdeführerin 

sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Die Eingabe 

ist am 3. November beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen.   

E-6004/2011 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-

ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM 

gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist somit eine Vorinstanz 

des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus-

nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-

tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig, ausser bei Vorlie-

gen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die be-

schwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  

1.2. Im vorliegenden Fall ist eine solche Ausnahme gemäss Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG nicht gegeben, so dass das Bundesverwaltungsgericht in ca-

su endgültig entscheidet.  

1.3. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.4. Die angefochtene Verfügung wurde der Beschwerdeführerin gemäss 

Empfangsbestätigung am 27. September 2011 eröffnet, womit die 30-

tägige Beschwerdefrist am 27.  Oktober 2011 abgelaufen wäre. Die Be-

schwerde datiert wohl vom 18. Oktober 2011, es lässt sich indes aus den 

Akten nicht klar eruieren, wann die Eingabe zu Handen der schweizeri-

schen Post oder einer schweizerischen dipomatischen oder konsulari-

schen Vertretung übergeben wurde (vgl. Art. 21 Abs. 1 VwVG), zumal un-

klar ist, ob der auf der Beschwerde angebrachte Stempel, der ebenfalls 

das Datum vom 18. Oktober 2011 trägt, allenfalls von der Schweizer Bot-

schaft in Khartoum stammt. Auch findet sich kein allfälliges Zustellcouvert 

bei den Akten. Die Beweislast für die Einhaltung der Frist trägt zwar die 

Partei. Im vorliegenden Fall ist aber aufgrund der besonderen Umstände 

zugunsten der Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass die am 

3. November 2011 beim Bundesverwaltungsgericht eingegangene Be-

schwerde rechtzeitig erfolgt ist. 

E-6004/2011 

Seite 5 

1.5. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-

tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

2.  

Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Re-

gel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 

 Abs. 1 VGG). Vorliegend  rechtfertigt es sich, gestützt auf Art. 111a  

Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel zu verzichten. 

3.    

3.1. Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 AsylG im Ausland bei einer 

schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an 

das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfah-

rens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asyl-

verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, 

SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel 

eine Befragung durchführt. Davon kann nur abgewichen werden, wenn 

eine Befragung faktisch oder aus organisatorischen oder kapazitätsmäs-

sigen Gründen unmöglich ist, oder wenn der Sachverhalt bereits aufgrund 

des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint (vgl. 

BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 367 f.). Ist eine Befragung im Ausland nicht mög-

lich, ist die asylsuchende Person aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich 

festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das BFM hat den Verzicht auf eine 

Befragung im Ausland in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE 

2007/30 E. 5.8 S. 368). 

3.2. Im vorliegenden Fall verzichtete die Schweizer Botschaft in Khartoum 

auf eine Anhörung der Beschwerdeführerin zu ihrem Asylgesuch. In sei-

ner Verfügung vom 12. September 2011 begründete das BFM den Ver-

zicht auf eine Befragung mit dem begrenzten Personalbestand der Bot-

schaft und den fehlenden Voraussetzungen im sicherheitstechnischen 

und räumlichen Bereich. Die Beschwerdeführerin nahm mit Eingabe vom 

16. Juni 2011 zu den vom BFM im Schreiben vom 17. Mai 2011 gestellten 

Fragen Stellung. Vorliegend erhielt die Beschwerdeführerin somit die 

Möglichkeit, ihre Asylgründe darzulegen und mithin bei der Erhebung und 

Ergänzung des rechtserheblichen Sachverhaltes mitzuwirken.  

4.  

Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die Ein-

reise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für 

Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG 

E-6004/2011 

Seite 6 

glaubhaft gemacht wird (Art. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf 

die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn 

für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Auf-

enthalt im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen 

Drittstaat nicht zumutbar erscheint (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und da-

mit die Einreise in die Schweiz – ist ihr zu verweigern, wenn keine Hin-

weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen 

oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü-

hen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 

5.   

5.1. Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung vom 12. Septem-

ber 2011 aus, aufgrund des vollständig erstellten Sachverhaltes könne 

davon ausgegangen werden, dass keine unmittelbare Gefährdung der 

Beschwerdeführerin vorliege, die eine sofortige Einreise in die Schweiz 

als notwendig erscheinen liesse. Zwar liessen ihre Schilderungen in den 

Stellungnahmen vom 12. Dezember 2010 und vom 16. Juni 2011 darauf 

schliessen, dass sie in Eritrea asylbeachtliche Schwierigkeiten mit den 

heimatlichen Behörden gehabt habe. Jedoch befände sie sich seit dem 

Dezember 2009 im Sudan, wo sie vom UNHCR registriert worden sei, 

den Flüchtlingsstatus erhalten und sich im Flüchtlingslager Shegerab 

aufgehalten habe. Vor dem Hintergrund, dass sich gemäss einem Bericht 

des United States for Refugees and Immigrants (USCRI) rund 165'800 

eritreeische Flüchtlinge und Asylbewerber im Sudan aufhalten würden, 

sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort nicht einfach sei. Dennoch 

bestünden keine konkreten Anhaltspunkte zur Annahme, ein weiterer 

Verbleib im Sudan sei für sie unzumutbar oder unmöglich. Ferner würden 

Flüchtlinge, die vom UNHCR registriert worden seien, nicht über ein frei-

es Aufenthaltsrecht im ganzen Land verfügen. Diese hätten sich vielmehr 

in den ihnen zugeteilten Flüchtlingslagern aufzuhalten, wo sie auch die 

nötige Versorgung erhalten würden. Das Bundesverwaltungsgericht habe 

im Urteil  E-145/2010 vom 11. Februar 2010 entschieden, dass für soma-

lische Flüchtlinge der Aufenthalt in äthiopischen Flüchtlingslagern grund-

sätzlich zumutbar sei. Diese Schlussfolgerung müsse auch für eritreische 

Flüchtlinge im Sudan gelten, unterstünden diese doch den gleichen Auf-

enthaltspflichten wie die äthiopischen Flüchtlinge. Der Beschwerdeführe-

rin sei daher zuzumuten, im Sudan zu bleiben, weshalb sie den subsidiä-

ren Schutz der Schweiz nicht benötige (Art. 52 Abs. 2 AsylG).  

5.2. Die Beschwerdeführerin stellte sich zur Begründung ihrer Beschwer-

de vom 18. Oktober 2011 auf den Standpunkt, dass es ihr aufgrund ihrer 

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Seite 7 

Flucht aus Eritrea verwehrt sei, in ihr Heimatland zurückzukehren. Dort 

hätte sie mit einer lebenslangen Haftstrafe zu rechnen. Sie sei im Flücht-

lingslager E._______ registriert worden und sei dort fast zwei Monate 

gewesen. Da sich dieses Lager in (…) befinde und dort militärische Ein-

heiten ihrer ehemaligen Einheit stationiert seien, habe sie sich gefürchtet, 

erneut festgenommen und inhaftiert zu werden, weshalb sie sich nach 

Khartoum begeben habe. Obwohl dort die Sicherheitslage wegen der Po-

lizeipräsenz besser sei, sei das Leben in Khartoum für sie als Flüchtling 

sehr schwierig. So gebe es keinen freien Personenverkehr, sie könne 

weder studieren noch arbeiten oder sonstigen Aktivitäten nachgehen. Zu-

dem würde sie von den Menschen bedroht und in ihrer Religionsfreiheit 

eingeschränkt. Weil diese wüssten, dass sie christlichen Glaubens sei, 

werde sie behelligt. Da sie sich fürchte, nach Eritrea abgeschoben zu 

werden, verhalte sie sich stets rücksichtsvoll. Aufgrund fehlender Arbeit 

verschlimmere sich ihre Situation zusehends. 

6.   

6.1. Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus-

setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu-

kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 

sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der 

Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu 

anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit 

zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliede-

rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. den zur 

Publikation vorgesehenen BVGE D-2018/2011 vom 14. September 2011 

E. 6.1., mit weiteren Hinweisen). 

6.2.   

6.2.1. Die Beschwerdeführerin macht eine Gefährdung im Sinne von 

Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 20 AsylG geltend, indem sie einen Monat wegen 

ihres Glaubens im Militärgefängnis "B._______" inhaftiert gewesen und 

behelligt worden sei. Das BFM hält in der angefochtenen Verfügung, oh-

ne auf diese Vorbringen näher einzugehen fest, die Schilderungen in ih-

rem Gesuch sowie in den Stellungnahmen vom 12. Dezember 2010 und 

vom 16. Juni 2011 liessen darauf schliessen, dass ihre Schwierigkeiten 

mit den eritreischen Behörden asylbeachtlich seien. Die Vorinstanz geht 

mithin implizit vom Vorliegen einer asylrelevanten Gefährdung der Be-

schwerdeführerin im Sinne von Art. 3 AsylG im Zeitpunkt der Ausreise aus 

Eritrea in den Sudan aus, bejaht bei der anschliessenden Prüfung des 

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Seite 8 

Asylausschlussgrundes von Art. 52 Abs. 2 AsylG jedoch die Zumutbarkeit 

ihres Verbleibs im Sudan.  

6.2.2. Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin bis zu ih-

rer Ausreise aus Eritrea Militärdienst geleistet hat, wo sie wegen ihrer an-

geblichen Zugehörigkeit zu der Pfingstgemeinde inhaftiert worden sei. 

Zwar kann die Beschwerdeführerin keine näheren Angaben zum geltend 

gemachten Gefängnisaufenthalt und den dort erlittenen Behelligungen 

machen. Sie hat Eritrea jedoch im Dezember 2009 im militärdienstpflich-

tigen Alter von 23 Jahren illegal, das heisst ohne behördliches Ausreise-

visum, verlassen, weshalb sie bereits deshalb begründete Furcht hat, bei 

einer Rückkehr in ihre Heimat wegen Dienstverweigerung oder Desertion 

ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden 

(vgl. zu subjektiven Nachfluchtgründen EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10, 

mit weiteren Hinweisen, sowie zur Anwendung auf Eritrea das Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts D-3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3). Eine 

Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 20 AsylG ist daher zu 

bejahen.  

7.  

7.1.  

7.1.1. Gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Aus-

land befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden 

kann, sich in einem andern Staat um Aufnahme zu bemühen. Diese Be-

stimmung trifft keine Unterscheidung zwischen Asylgesuchen aus dem 

Herkunftsland der asylsuchenden Person und solchen, die aus einem 

Drittstaat gestellt werden. Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus 

dem Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer 

Vermutung davon auszugehen, die betreffende Person habe in diesem 

Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort er-

langen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu 

verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese 

Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung 

durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch 

die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als 

unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prüfen, ob die asylsuchende 

Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung gefunden hat oder erlangen 

kann, und – falls dies zu bejahen ist – ob der asylsuchenden Person die 

Inanspruchnahme des Schutzes des Drittstaates und somit der Verbleib 

in diesem Staat objektiv zugemutet werden kann. Bei dieser Abwägung 

bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur 

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Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE 

D-2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7., BVGE 2011/10, mit weiteren 

Hinweisen). 

7.1.2. Das Kriterium der besonderen Beziehungsnähe ist hinsichtlich des 

Verwandtschaftsgrades nicht auf den eng gefassten Personenkreis des 

Familienasyls gemäss Art. 51 AsylG beschränkt. Auch verwandtschaftli-

che Beziehungen zu Personen ausserhalb der Kernfamilie sind in die 

Abwägung mit einzubeziehen. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass ge-

gebenenfalls auch aus anderen Gründen als aufgrund einer Verwandt-

schaft zu in der Schweiz lebenden Personen eine enge Beziehung zur 

Schweiz anzunehmen sein könnte (vgl. EMARK 2004 Nr. 21. E. 4.b.aa 

S. 140, EMARK 1997 Nr. 15 E. 2g S. 132). Zu berücksichtigen sind zu-

dem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie 

die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in 

der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). Al-

lein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezie-

hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ablehnung des Asylgesu-

ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f. S. 131 f.). 

Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise 

in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin-

reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine Ab-

schiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen erscheint, auch 

wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt 

(vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, 

dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier an-

sässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung ei-

ner Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kri-

terien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist 

(vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-7225/2010 vom 

14. Februar 2011 E. 6, insbes. E. 6.6, D-4758/2010 vom 30. August 2010 

E. 4.1.4, D-2047/2010 vom 29. April 2010 insbes. S. 9 f.). 

7.2.  

7.2.1. Im Hinblick auf die Prüfung der Anwendbarkeit des Asylausschluss-

grundes von Art. 52 Abs. 2 AsylG hält das BFM in seiner Verfügung unter 

Hinweis auf die Rechtsprechung zu Recht fest, die Kriterien, welche die 

Zufluchtnahme in einem Drittstaat als zumutbar erscheinen liessen, seien 

mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen (vgl. S. 3, 

2. Lemma). Es legt sodann dar, weshalb trotz der schwierigen Bedingun-

gen für eritreische Flüchtlinge im Sudan nicht von der Unzumutbarkeit 

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Seite 10 

und Unmöglichkeit des Verbleibs in diesem Drittstaat ausgegangen wer-

den könne.  

7.2.2.  Die Beschwerdeführerin ist eigenen Angaben gemäss vom 

UNHCR registriert sowie im Besitz eines Flüchtlingsausweises und wurde 

im Dezember 2009 dem sudanesischen Flüchtlingslager E._______ zu-

geteilt. Da ein Flüchtlingsausweis in der Regel vom UNHCR an anerkann-

te Flüchtlinge aus Eritrea ausgestellt wird, ist davon auszugehen, dass 

sie im Sudan als Flüchtling anerkannt ist und weitgehend Schutz vor ei-

ner Abschiebung nach Eritrea geniesst, zumindest, solange sie sich im ihr 

zugewiesenen Flüchtlingslager aufhält. Obschon in letzter Zeit von der 

Deportation von rund 300 Eritreern in den Heimatstaat berichtet wurde 

(vgl. etwa den UNHCR-Bericht "Dismay at new deportation of Eritreans 

by Sudan" vom 18.10.2011 [www.unhcr.org/print/ 4e9d47269.html be-

sucht am 2.11.2011]), ergibt sich allein angesichts der Zahl von gegen 

170'000 eritreischen Flüchtlingen und Asylsuchenden im Sudan keine ge-

nerelle Gefahr der Rückschiebung. Den Akten sind denn auch keine Hin-

weise zu entnehmen, die auf ein besonderes Profil der Beschwerdeführe-

rin schliessen liessen, sie sei einer konkreten Gefahr einer Deportation 

nach Eritrea ausgesetzt, da sie bereits seit drei Jahren im Sudan lebt, da-

von offenbar die meiste Zeit in Khartoum, wo sie kostenlos im Haus ehe-

maliger Kameraden hat leben können und aussagegemäss auch Arbeit 

gefunden hat. Weiter ist es ihr unbenommen, sich an die örtliche Vertre-

tung des UNHCR zu wenden, um die von ihr erwähnten Übergriffe zu 

melden. Ausserdem hat sie grundsätzlich die Möglichkeit, sich wieder in 

einem Flüchtlingslager des UNHCR niederzulassen, falls sie sich an ih-

rem aktuellen Aufenthaltsort offenbar ausserhalb eines Lagers nicht hin-

reichend sicher fühlen sollte. Nach dem Gesagten spielt keine Rolle, dass 

die Beschwerdeführerin in der Schweiz über einen Verwandten verfüge, 

an den sie sich jederzeit wenden könne. Allein wegen dieser nicht zur 

Kernfamilie gehörenden Person ist noch nicht von einer besonderen Be-

ziehungsnähe zur Schweiz auszugehen. Somit erscheint es für die Be-

schwerdeführerin in Berücksichtigung der heutigen Situation im Sudan 

objektiv nicht unzumutbar, den in diesem Land bestehenden Schutz wei-

terhin in Anspruch zu nehmen. 

7.3.  Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass das BFM zutreffend 

festgestellt hat, die Beschwerdeführerin sei nicht schutzbedürftig im Sinne 

des Asylgesetzes. Unter diesen Umständen hat das Bundesamt zu Recht 

die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch ab-

gelehnt. 

http://www.unhcr.org/print/%204e9d47269.html

E-6004/2011 

Seite 11 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-

schwerde ist daher abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus ver-

waltungsökonomischen Gründen ist vorliegend jedoch auf die Erhebung 

von Verfahrenskosten zu verzichten.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

E-6004/2011 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die Schwei-

zerische Botschaft in Khartoum. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Gabriela Freihofer Chantal Schwizer 

 

 

Versand: