# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11abf6bf-5e28-5227-b0fb-22e8b8d34c28
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-05
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 05.06.2024 SK 2023 120
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-120_2024-06-05.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 23 120

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 5. Juni 2024

Besetzung Oberrichter Wuillemin (Präsident i.V.),
Oberrichterin Schwendener, Oberrichterin Weingart
Gerichtsschreiberin Weissleder

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Erschleichung einer falschen Beurkundung sowie ungetreue Ge-
schäftsbesorgung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Einzel-
gericht) vom 7. Dezember 2022 (PEN 22 169)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 7. Dezember 2022 erklärte das Regionalgericht Oberland (Einzelge-
richt; nachfolgend: Vorinstanz) A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) des Er-
schleichens einer falschen Beurkundung, begangen am 29. Mai 2019 in Gstaad, 
.________, und der ungetreuen Geschäftsbesorgung, begangen am 13. Juni 2019 
in Saanen, .________, schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 64 Ta-
gessätzen zu CHF 350.00, ausmachend total CHF 22'400.00. Der Vollzug der 
Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Weiter 
verurteilte es den Beschuldigten zu einer Verbindungsbusse von CHF 5'600.00 (Er-
satzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung 16 Tage) sowie zur Bezahlung 
der Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf CHF 2'600.00 (pag. 517 ff.). 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die vormalige Verteidigung des Beschuldigten, Rechts-
anwältin C.________, am 15. Dezember 2022 form- und fristgerecht die Berufung 
an (pag. 523). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 3. März 2023 (pag. 528 
ff.) und wurde den Parteien mit Verfügung vom 3. März 2023 zugestellt (pag. 561 f.). 
Mit seiner form- und fristgerechten Berufungserklärung vom 30. März 2023 focht 
Rechtsanwalt B.________ im Namen und Auftrag des Beschuldigten das vorinstanz-
liche Urteil vollumfänglich an (pag. 567 ff.). Gestützt auf die Verfügung vom 31. März 
2023 (pag. 580 f.) erklärte die Generalstaatsanwaltschaft mit Eingabe vom 6. April 
2023, dass sie auf die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren verzichte 
(pag. 583 f.). 

3. Schriftliches Verfahren 

Mit Verfügung vom 18. April 2023 wurde von der Verfahrensleitung die Durchführung 
des schriftlichen Verfahrens in Aussicht gestellt und dem Beschuldigten Gelegenheit 
eingeräumt, innert Frist mitzuteilen, ob er mit der Durchführung des schriftlichen Ver-
fahrens einverstanden sei (pag. 585 f.). Mit fristgerechter Eingabe vom 9. Mai 2023 
erklärte sich der Beschuldigte mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens ein-
verstanden (pag. 588). Mit Verfügung vom 10. Mai 2023 wurde in Anwendung von 
Art. 406 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) die 
Durchführung des schriftlichen Verfahrens angeordnet und dem Beschuldigten Frist 
zur Einreichung der schriftlichen Berufungsbegründung angesetzt (pag. 590 f.). Nach 
einmalig gewährter Fristerstreckung (pag. 596 f.) reichte die Verteidigung am 
23. Juni 2023 die Berufungsbegründung ein (pag. 598 ff.). 

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurde in oberer Instanz ein aktueller Strafregisterauszug (datie-
rend vom 8. August 2023; pag. 614 ff.) über den Beschuldigten eingeholt. Anstelle 
des Leumundsberichts, der aufgrund der Ferienabwesenheit des Beschuldigten 

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nicht erstellt werden konnte (pag. 619 f.), wurde der Beschuldigte von der Verfah-
rensleitung durch Verfügung vom 26. September 2023 aufgefordert, innert Frist Aus-
kunft über seine aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse zu geben (pag. 622 f.). Nach 
einmalig gewährter Fristerstreckung kam der Beschuldigte der Aufforderung nach 
(pag. 625 und 627 f.). Mit Eingabe vom 3. November 2023 (pag. 629 ff.) reichte er 
folgende Unterlagen ein: Die Steuererklärung 2021 (pag. 632 ff.), seinen Lohnaus-
weis 2022 (pag. 656) und den Lohnausweis seiner Ehefrau 2022 (pag. 657). 

5. Anträge der Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ stellte im Berufungsverfahren namens und auftrags des 
Beschuldigten folgende Anträge (pag. 599):

1. Das Urteil der Strafabteilung des Regionalgerichts Oberland vom 7. Dezember 2022 sei aufzuhe-
ben und es sei der Beschuldigte / Berufungsführer (nachfolgend: «Berufungsführer») vom Vorwurf 
der Erschleichung einer falschen Beurkundung, angeblich begangen am 29. Mai 2019, sowie vom 
Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung, angeblich begangen am 13. Juni 2019, freizuspre-
chen. 

2. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

3. Dem Berufungsführer sei eine Entschädigung für die ihm im erstinstanzlichen Verfahren entstan-
denen Verteidigungskosten gemäss der eingereichten Kostennote von Rechtsanwältin 
C.________ auszurichten. 

4. Für das oberinstanzliche Verfahren seien die Gerichtskosten dem Kanton Bern zur Bezahlung 
aufzuerlegen und dem Berufungsführer sei eine angemessene Parteientschädigung gemäss noch 
einzureichender Kostennote zuzusprechen. 

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen 
Punkten (Art. 404 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil voll-
umfänglich angefochten. Die Kammer hat damit das gesamte erstinstanzliche Urteil 
zu überprüfen. Sie verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). 

Aufgrund der alleinigen Berufung des Beschuldigten ist die Kammer an das Ver-
schlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO; sog. Verbot der reformatio in peius) 
gebunden und darf das Urteil nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abändern. Vor-
behalten bleibt eine strengere Bestrafung aufgrund von Tatsachen, die dem erstin-
stanzlichen Gericht nicht bekannt sein konnten (Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO). Solche 
Tatsachen können beispielsweise die wirtschaftlichen Verhältnisse zur Bemessung 
der Höhe des Tagessatzes nach Art. 34 Abs. 2 Satz 4 des Schweizerischen Straf-
gesetzbuchs (StGB; SR 311.0) betreffen. So darf das Berufungsgericht bei einer Ver-
besserung der finanziellen Verhältnisse nach dem erstinstanzlichen Urteil einen 
höheren Tagessatz festlegen, auch wenn ausschliesslich die beschuldigte Person 
Berufung erhoben hat (BGE 146 IV 172 E. 3.3.3 und BGE 144 IV 198 E. 5.3 f.). 

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II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung 

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen und 
der Aussagenanalyse im Speziellen wird auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen (pag. 532 ff.; S. 5 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

8. Angeklagter Sachverhalt / Vorwurf gemäss Strafbefehl

Der Strafbefehl vom 29. April 2022 (pag. 447 f.) gilt gemäss Art. 356 Abs. 1 StPO als 
Anklageschrift. Dem Beschuldigten wird das Folgende vorgeworfen:

lit. a): Der Beschuldigte habe mit Statuten vom 29. Mai 2019 die D.________ AG 
(damals: E.________ AG; nachfolgend: D.________ AG) gegründet. Die öffentliche 
Beurkundung der Gründung sei durch den Notar F.________ erfolgt. Das zur Ge-
sellschaftsgründung erforderliche Aktienkapital von CHF 100’000.00 sei ihm von sei-
ner Mutter, G.________, als Darlehen gewährt und von dieser namens und auf 
Rechnung des Beschuldigten am 28. Mai 2019 direkt auf das Kapitaleinzahlungs-
konto der D.________ AG bei der SB Saanen Bank AG einbezahlt worden. Nach 
erfolgter Eintragung im Handelsregister per 4. Juni 2019 und Freigabe des Grün-
dungskapitals habe sich der Beschuldigte in seiner Eigenschaft als einziger Verwal-
tungsrat der D.________ AG ein Aktionärsdarlehen in der Höhe von CHF 100’000.00 
gewährt und die Rückzahlung des gesamten Liberierungskapitals direkt an 
G.________ veranlasst. Die entsprechende Belastung sei per 13. Juni 2019 erfolgt. 
Der Beschuldigte habe bereits im Zeitpunkt der Beurkundung des Gründungsakts in 
der Absicht, schuldenfrei zu sein, zumindest mit der Möglichkeit gerechnet, das 
Gründungskapital nach erfolgter Freigabe sogleich wieder abzuziehen und habe den 
Notar somit über die beabsichtigte Verwendung des Gründungskapitals sowie die 
freie Verfügungsmacht der Gesellschaft darüber getäuscht. Der Beschuldigte habe 
somit mit der Möglichkeit der Unwahrheit der Beurkundung gerechnet und habe die 
unrichtige Beurkundung durch den Notar zumindest in Kauf genommen. Mit der öf-
fentlichen Urkunde des Gründungsakts habe der Beschuldigte eine unwahre öffent-
liche Urkunde erwirkt, gestützt auf die ein unwahrer Handelsregistereintrag erfolgt 
sei. 

lit. b): Als einziger Verwaltungsrat der D.________ AG habe der Beschuldigte mit 
dem sich selber gewährten Aktionärsdarlehen der Gesellschaft das für ihn fremde 
Grundkapital vollständig entzogen. Durch dieses sorgfalts- und treuepflichtwidrige 
Vorgehen sei der D.________ AG ein Vermögensschaden durch Verminderung der 
Aktiven im Umfang von CHF 100’000.00 entstanden. Der Schaden sei erst mit Zah-
lungen vom 23. Januar 2020 in der Höhe von CHF 80’000.00 sowie vom 11. März 
2020 im Umfang von CHF 20’000.00 wieder beglichen worden. Das Aktienkapital sei 
somit während gut sieben Monaten vollständig und während rund eineinhalb weite-
ren Monaten teilweise ungedeckt gewesen. Der Beschuldigte habe diesen vorüber-
gehenden Vermögensschaden wissentlich und willentlich herbeigeführt. Er verfüge 
über einen Bachelor in business administration und sei bei der Gründung der 

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D.________ AG vom Notar wie auch vom Buchhalter beraten worden. Der Beschul-
digte habe somit von der Pflichtwidrigkeit seines Handelns gewusst und habe diese 
zumindest in Kauf genommen.

9. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt 

Vorab ist festzuhalten, dass der den vorinstanzlichen Schuldsprüchen zu Grunde 
liegende Sachverhalt weitgehend unbestritten ist. Der Beschuldigte stellt hingegen 
die rechtliche Würdigung der Vorinstanz vollumfänglich in Frage.

Wie im vorinstanzlichen Verfahren (vgl. S. 8 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 535) ist vor oberer Instanz nach wie vor unbestritten, dass der Beschuldigte mit 
Statuten vom 29. Mai 2019 die D.________ AG gründete und die Gründung von 
Notar F.________ öffentlich beurkundet wurde. Weiter ist unbestritten, dass der Be-
schuldigte am 28. Mai 2019 von seiner Mutter ein Darlehen über CHF 100'000.00 
als Gründungskapital erhielt, um die Aktien der neu gegründeten Aktiengesellschaft 
vollständig zu liberieren und der Beschuldigte sich im Anschluss an die Eintragung 
der Gesellschaft im Handelsregister und nach Freigabe des Gründungskapitals in 
seiner Funktion als Verwaltungsrat selbst ein Aktionärsdarlehen in der Höhe von 
CHF 100'000.00 durch die D.________ AG gewährte und die Rückzahlung des Dar-
lehens vom Geschäftskonto der D.________ AG an seine Mutter veranlasste. Es ist 
sodann nicht bestritten, dass der Beschuldigte durch diese Handlung der 
D.________ AG das ursprüngliche Gründungskapital entzog und bis zu den Einzah-
lungen vom 23. Januar 2020 in der Höhe von CHF 80'000.00 und 11. März 2020 in 
der Höhe von CHF 20'000.00 auf das Geschäftskonto der D.________ AG durch 
eine Forderung der Gesellschaft in der Höhe von CHF 100'000.00 ersetzte. Weiter 
ist unbestritten, dass der Beschuldigte nebst seiner Funktion als einziger Verwal-
tungsrat auch stets Alleinaktionär der D.________ AG war.

Auf Sachverhaltsebene bestreitet die Verteidigung einzig, der Beschuldigte habe 
entgegen der vorinstanzlichen Erwägungen und dem angeklagten Sachverhalt nicht 
bereits im Zeitpunkt der Beurkundung des Gründungsaktes zumindest mit der 
Möglichkeit gerechnet, das Gründungskapital nach erfolgter Freigabe sogleich wie-
der abzuziehen um schuldenfrei zu sein. Es wird ausserdem die vorinstanzliche, 
nicht im Strafbefehl enthaltene, Annahme bestritten, der Beschuldigte sei nicht li-
quide genug gewesen, um das ihm von der D.________ AG gewährte Aktionärsdar-
lehen jederzeit zurückzuerstatten (pag. 603 Rz. 19 f.). Nach Ansicht der Verteidigung 
sei sodann ergänzend zum vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt festzuhalten, 
dass die D.________ AG zu keinem Zeitpunkt aktiv geworden sei, d.h. keine Ver-
pflichtungen eingegangen oder gegenüber Dritten aufgetreten sei (pag. 601 f. Rz. 12 
f.). 

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10. Beweismittel 

10.1 Als objektive Beweismittel, die zur Klärung des bestrittenen Sachverhalts beitragen 
können, liegen der Kammer vor:

 Gründungsurkunde der D.________ AG vom 29. Mai 2019 (pag. 264 ff.)

 Handelsregisterauszug der D.________ AG vom 4. Juli 2020 (pag. 243) 

 Bankauszug der D.________ AG vom 29. Juli 2020 und des Beschuldigten 
vom 16. Juli 2020 (pag. 244 f.)

 Darlehensvertrag des Beschuldigten und seiner Mutter vom 28. Mai 2019 
(pag. 247) 

 Auszug der internen Kommentierung der SB Saanen Bank AG betreffend die 
Transaktionen vom 28. Mai 2019 bzw. vom 13. Juni 2019 des Kontos mit der 
Nr. .________ der D.________ AG (pag. 235)

 Schreiben des Notars F.________ an die SB Saanen Bank AG vom 11. Juni 
2019 (pag. 247) 

 Einzahlungsbescheinigung der SB Saanen Bank AG von CHF 100'000.00 auf 
das Sperrkonto bzw. Liberierungskonto mit der Nr. .________ 
der D.________ AG (pag. 247) 

 Eröffnungsdokumentation des Kontos (IBAN .________) der D.________ AG 
vom 11. Juni 2019 (pag. 247) 

 Steuerunterlagen des Beschuldigten aus den Jahren 2019 (pag. 387 ff.) und 
2021 (pag. 632 ff.)

10.2 Als subjektive Beweismittel liegen der Kammer die Aussagen des Beschuldigten 
(pag. 161 ff., 172 ff. und 493 ff.) sowie die Aussagen von H.________, Treuhänder 
des Beschuldigten, vor (pag. 204 ff.). 

10.3 Die Vorinstanz hat diese objektiven und subjektiven Beweismittel, die bereits dem 
erstinstanzlichen Verfahren zugrunde lagen, soweit hier interessierend grundsätzlich 
zutreffend wiedergegeben und zusammengefasst; darauf kann vorab verwiesen wer-
den (S. 9 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 536 ff.). 

10.4 Zu den objektiven Beweismitteln ist präzisierend und ergänzend Folgendes festzu-
halten: 

Dem Darlehensvertrag vom 28. Mai 2019 ist zu entnehmen, dass die Mutter des 
Beschuldigten ihm ein Darlehen über die Summe von CHF 100'000.00 (Darlehens-
zins 0 %) gewährte. Ein Rückzahlungsdatum geht aus dem schriftlichen Darlehens-
vertrag nicht hervor (pag. 247).

Gemäss Einzahlungsbescheinigung wurde am 28. Mai 2019 ein Betrag von 
CHF 100'000.00 auf dem Sperrkonto bzw. Liberierungskonto mit der Nr. .________ 
zu Gunsten der D.________ AG hinterlegt (pag. 247). 

Gemäss der internen Kommentierung der SB Saanen Bank AG wurde am 
28. Mai 2019 folgender Eintrag zur Gutschrift von CHF 100'000.00 auf dem Konto 
der D.________ AG mit der Nr. .________ erstellt (pag. 235): 

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Privates Darlehen der Mutter G.________ an Ihren Sohn A.________ welcher Gründer und Inhaber zu 

100 % der neu gegründeten E.________ AG ist.

Aus dem Schreiben des Notars F.________ (nachfolgend: Notar) an die SB Saanen 
Bank AG vom 11. Juni 2019 geht hervor, dass der mit der Gründung der D.________ 
AG betraute Notar am 11. Juni 2019 gegenüber der Bank erklärte, die Eintragung 
der D.________ AG ins Handelsregister sei erfolgt und der Beschuldigte dürfe dem-
nach über das auf dem Sperrkonto liegende Aktienkapital frei verfügen (pag. 247). 

Die Eröffnungsdokumentation zeigt auf, dass am 11. Juni 2019 ein Geschäftskonto 
für die D.________ AG eröffnet wurde (IBAN .________; pag. 247). Von diesem Ge-
schäftskonto aus wurde am 12. Juni 2019 die Rückzahlung des Darlehens an die 
Mutter des Beschuldigten veranlasst (die Ausführung der Auszahlung erfolgte am 
13. Juni 2019 [vgl. pag. 244]). 

Am 13. Juni 2019 wurde bankintern Folgendes zur erfolgten Belastung über 
CHF 100'000.00 auf dem Konto der D.________ AG mit der Nr. .________ festge-
halten (pag. 235): 
Rückzahlung des Privaten Darlehens an die Mutter des Gründers + Firmeninhaber von E.________ AG 

unserer Kunden A.________. Privater Darlehensvertrag beim Kunden eingefordert. Das Family Office 

wird diesen schreiben und nach Unterzeichnung an uns einreichen. Da die Kunden aktuell auf der Yacht 

am Mittelmeer unterwegs ist und ca. per Mitte Ende August in Gstaad sein wird, erhalten wir den Vertrag 

mit zeitlicher Verzögerung. 

Zur Vermeidung von unnötigen Wiederholungen wird an dieser Stelle auf Ausführun-
gen zu den Steuerunterlagen des Beschuldigten aus den Jahren 2019 und 2021 ver-
zichtet. Es wird im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung direkt darauf ein-
gegangen. 

11. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz gelangte hinsichtlich des Vorwurfs der Erschleichung einer falschen 
Beurkundung zu folgendem Beweisergebnis (S. 17 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 544): 

Gestützt auf die vorerwähnten Beweismittel ist ferner erstellt, dass sich der Beschuldigte nach erfolgter 
Eintragung im Handelsregister per 04.06.2019 und die Freigabe des Gründungskapitals in seiner Ei-
genschaft als einziger Verwaltungsrat der D.________ AG ein Aktionärsdarlehen in der Höhe von 
CHF 100'000.00 gewährte, um der Mutter den Darlehensbetrag zurückzuzahlen. Er veranlasste mithin 
wenige Tage nach der Gründung der Gesellschaft die Rückzahlung des gesamten Liberierungskapitals 
direkt an G.________. Die entsprechende Belastung erfolgte per 13.06.2019. Aufgrund des engen zeit-
lichen Zusammenhangs zwischen der Gründung und der Gewährung des Aktionärsdarlehens muss in 
Übereinstimmung mit dem Strafbefehl davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte bereits im 
Zeitpunkt der Beurkundung des Gründungsakts zumindest mit der Möglichkeit rechnete, das Grün-
dungskapital nach erfolgter Freigabe sogleich wieder abzuziehen (um die Schulden bei seiner Mutter 
zurückzuzahlen). Damit täuschte der Beschuldigte den Notar über die beabsichtigte Verwendung des 
Gründungskapitals sowie die freie Verfügungsmacht der Gesellschaft darüber. In Übereinstimmung mit 
dem Strafbefehl ist erstellt, dass der Beschuldigte mit der Möglichkeit der Unwahrheit der Beurkundung 
rechnete und er die unrichtige Beurkundung durch den Notar zumindest in Kauf genommen hat. Mit der 

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öffentlichen Urkunde des Gründungsakts erwirkte der Beschuldigte eine unwahre öffentliche Urkunde, 
gestützt auf die ein unwahrer Handelsregistereintrag erfolgte. 

Die Vorinstanz gelangte hinsichtlich des Vorwurfs der ungetreuen Geschäftsbesor-
gung beweismässig zu folgendem Ergebnis (S. 18 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 545): 

Zusammenfassend ist gestützt auf die obigen Ausführungen erstellt, dass sich der Sachverhalt wie im 
Strafbefehl vom 29.04.2022 aufgeführt (pag. 447 f.) zugetragen hat. Mithin hat der Beschuldigte die 
Gründung der D.________ AG (zuvor E.________ AG) am 29.05.2019 durch den Notar F.________ 
öffentlich beurkunden lassen, wobei er das zur Gesellschaftsgründung erforderliche Aktienkapital von 
seiner Mutter, G.________, als Darlehen aufgenommen hat. Nach erfolgter Eintragung im Handelsre-
gister am 04.06.2019 und der Freigabe des Gründungskapitals hat sich der Beschuldigte in seiner Ei-
genschaft als einziger Aktionär und Verwaltungsrat am 13.06.2019 ein Aktionärsdarlehen in der Höhe 
von CHF 100'000.00 gewährt, womit er seiner Mutter das zuvor zwecks Gesellschaftsgründung ge-
währte Darlehen vollumfänglich zurückzahlte. In der Folge stand die D.________ AG (zuvor 
E.________ AG) bis zur Zahlung von CHF 80'000.00 vom 23.01.2020 ohne und bis zur Überweisung 
von CHF 20'000.00 vom 11.03.2020 mit nur teilweisem gedeckten Aktienkapital da.

12. Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung bringt oberinstanzlich vor, zum Sachverhalt sei festzuhalten, dass 
die D.________ AG zu keinem Zeitpunkt aktiv geworden, d.h. keine Verpflichtungen 
eingegangen oder – abgesehen von der Bank, bei welcher sie ihr Aktienkapitals-
konto gehabt habe – Dritten gegenüber aufgetreten sei. Sie habe stets lediglich den 
Berufungsführer als Alleinaktionär und einzigen Verwaltungsrat gehabt (pag. 601 f. 
Rz. 12). 

Die Verteidigung führt weiter aus, die Vorinstanz habe sich betreffend den Vorwurf 
der Erschleichung einer falschen Beurkundung in ihrer Beweiswürdigung nicht de-
tailliert mit der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten auseinandergesetzt. 
Von der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sei insbesondere aufgrund des Fehlens 
gegenteiliger Hinweise auszugehen. Der Beschuldigte habe ausgeführt, die 
D.________ AG sei einzig und allein für den Fall gegründet worden, dass die 
I.________ AG infolge sich scheidender Gesellschafter nicht mehr wie gewünscht 
hätte operieren können. Aus diesem Grund habe die Gründung der neuen Gesell-
schaft schnell gehen müssen, weshalb wohl auch das Geld der Mutter eingesetzt 
worden sei. Das Darlehen der Mutter habe zudem keine Anreize zur schnellen Rück-
zahlung enthalten. Nach der Firmengründung habe der Beschuldigte aber realisiert, 
dass die D.________ AG noch nicht aktiv gebraucht werde. Allein aufgrund dieser 
Erkenntnis habe sich der Beschuldigte dazu entschieden, das Darlehen seiner Mut-
ter zurückzuzahlen (pag. 602 Rz. 17). 

Die glaubhaften Aussagen des Beschuldigten würden ein anderes Beweisergebnis 
als wesentlich wahrscheinlicher erscheinen lassen, als dasjenige, zu welchem die 
Vorinstanz gelangt sei. Dadurch, dass die Vorinstanz allein gestützt auf das Indiz der 
zeitlichen Komponente als erstellt erachte, dass der Beschuldigte bereits im Zeit-
punkt der Gesellschaftsgründung mit der baldigen Darlehensrückzahlung gerechnet 
habe, verletze die Vorinstanz Art. 10 Abs. 3 StPO und damit den Grundsatz von in 
dubio pro reo (pag. 603 Rz. 18).

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Weiter moniert die Verteidigung, die Vorinstanz sei im Rahmen der Beweiswürdi-
gung nicht auf die Frage der Liquidität des Beschuldigten eingegangen, habe diese 
im Rahmen der materiellrechtlichen Subsumtion aber wiederholt in Frage gestellt. 
Diese Würdigung der Beweismittel werde bestritten und lasse sich nicht mit den Er-
kenntnissen aus dem staatsanwaltschaftlichen Untersuchungsverfahren vereinba-
ren. Das steuerbare Vermögen des Beschuldigten habe im Jahr 2019 rund 
CHF 3'500'000.00 betragen. Anlässlich der Einvernahme vom 11. November 2021 
habe der Beschuldigte zudem glaubhaft angegeben, dass er das ihm von der Ge-
sellschaft gewährte Aktionärsdarlehen umgehend hätte zurückzahlen können, wenn 
die Aktiengesellschaft flüssige Mittel benötigt hätte. Eine ungenügende Liquidität 
lasse sich somit entgegen der Vorinstanz den Akten nicht entnehmen (pag. 603 
Rz. 19). 

Zusammenfassend sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte im Gründungs-
zeitpunkt der D.________ AG noch nicht damit gerechnet habe, das Darlehen seiner 
Mutter kurz nach der Gründung wieder zurückzuzahlen. Weiter sei der Beschuldigte 
in einem Umfang vermögend gewesen, der es ihm erlaubt hätte, seine Darlehens-
schuld von CHF 100'000.00 gegenüber der D.________ AG jederzeit zu begleichen 
(pag. 603 Rz. 20). 

13. Beweiswürdigung der Kammer

13.1 Vorbemerkung 

Die nachfolgenden Ausführungen gelten sowohl für den Vorwurf der Erschleichung 
einer falschen Beurkundung als auch für den Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbe-
sorgung. Beiden Delikten liegt im Wesentlichen der gleiche Sachverhalt zu Grunde, 
weshalb sich eine gemeinsame Beweiswürdigung vorliegend aufdrängt. 

13.2 Darlehensrückzahlung

Die der Kammer vorliegenden objektiven Beweismittel legen den zeitlichen Ablauf 
von der Darlehensgebung durch die Mutter, über die Gründung der D.________ AG 
bis zur Darlehensrückzahlung an die Mutter des Beschuldigten lückenlos dar. Wie 
bereits erwähnt, ist unbestritten, dass zwischen der Mutter des Beschuldigten und 
dem Beschuldigten am 28. Mai 2019 ein Darlehensvertrag über CHF 100'000.00 ab-
geschlossen wurde. Der Gründungsvertrag der D.________ AG wurde am 29. Mai 
2019 öffentlich beurkundet (pag. 264 ff.). Anschliessend wurde die D.________ AG 
am 4. Juni 2019 ins Handelsregister eingetragen und am 7. Juni 2019 erfolgte die 
Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB; pag. 243 und 256 f.). Mit 
Schreiben vom 11. Juni 2019 meldete der Notar der SB Saanen Bank AG, dass die 
Eintragung der D.________ AG im Handelsregister erfolgt sei und der Beschuldigte 
nun über das Gründungskapital frei verfügen könne (pag. 247). Gleichentags wurde 
für die D.________ AG ein Geschäftskonto bei der SB Saanen Bank AG eröffnet 
(pag. 247). Auch wenn der Beschuldigte gemäss Art. 633 Abs. 2 des Obligationen-
rechts (OR; SR 220) theoretisch ab der Eintragung der Gesellschaft im Handelsre-
gister hätte über das Gründungskapital verfügen können, so fiel im vorliegenden Fall 
die faktische Freigabe am 11. Juni 2019, da an diesem Tag sowohl die Mitteilung 
über die Eintragung durch den Notar an die Bank sowie die Eröffnung des Geschäfts-
kontos der D.________ AG erfolgte. Ab dem 11. Juni 2019 konnte der Beschuldigte 

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somit über den Betrag von CHF 100'000.00 frei verfügen. Bereits am darauffolgen-
den Tag veranlasste er die Rückzahlung der CHF 100'000.00 an seine Mutter; die 
Ausführung der Transaktion erfolgte schliesslich am 13. Juni 2019 (pag. 244). An der 
Korrektheit der dargelegten objektiven Beweismittel bestehen keine Zweifel, weshalb 
vollumfänglich auf sie abgestellt werden kann. 

Der Beschuldigte hat somit nur einen Tag, nachdem er über das Gründungskapital 
der Gesellschaft erstmals verfügen konnte, die Rückzahlung des Darlehens an seine 
Mutter veranlasst. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt (S. 17 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 544), lässt der enge zeitliche Zusammenhang 
zwischen Gesellschaftsgründung, der Freigabe des Gründungskapitals und der 
Rückzahlung des Darlehens nur wenig Zweifel daran offen, dass der Beschuldigte 
nicht bereits im Zeitpunkt der öffentlichen Beurkundung wusste, dass er das Darle-
hen umgehend zurückzahlen würde.  

Wie nachfolgend aufgezeigt wird, vermögen die Aussagen des Beschuldigten die 
Aussagen des Beschuldigten die aus den objektiven Beweismitteln gewonnenen Er-
kenntnisse nicht in relevanter Weise in Zweifel zu ziehen. 

Der Beschuldigte wurde insgesamt drei Mal befragt (pag. 161 ff., 172 ff. und 493 ff.). 
Er führte anlässlich seiner Einvernahmen mehrfach aus, die D.________ AG sei le-
diglich zur Absicherung gegründet worden, falls es mit der I.________ AG nicht mehr 
«funktioniert» hätte (pag. 165 Z. 152 ff., 176 Z. 129 ff., 177 Z. 162 ff. und 178 Z. 209 
ff.). Man habe die Gesellschaft schliesslich jedoch nicht gebraucht, weil bei der 
I.________ AG mit den übrigen Gesellschaftern, dem Ehepaar J.________ und 
K.________, eine Lösung gefunden worden sei. Im Scheidungsurteil der .________ 
habe J.________ seine Aktien der I.________ AG an K.________ abgetreten und 
diese habe dann später ihre Aktien an ihn [den Beschuldigten] verkauft, worauf er 
Alleinaktionär der I.________ AG geworden sei (pag. 176 Z. 130 f. und 177 
Z. 163 ff.). Nur aus diesem Grund habe er seiner Mutter dann auch das Darlehen 
sogleich zurückgezahlt (pag. 178 Z. 210 f.). Er betonte sodann mehrfach, dass die 
D.________ AG weder eine aktive Gesellschaft gewesen noch geschäftstätig ge-
worden sei (pag. 165 Z. 151 ff. und 178 Z. 196 f.). Beispielhaft antwortete er auf die 
Frage, welches Kapital die Firma nach der Darlehensrückzahlung noch gehabt habe, 
die Firma habe zu diesem Zeitpunkt kein Kapital benötigt, da sie keine Angestellten 
und auch keinerlei geschäftliche Aktivitäten gehabt habe (pag. 178 Z. 196 f.). 

Zu den Modalitäten des Darlehensvertrags führte er aus, er und seine Mutter hätten 
vereinbart, dass er das Darlehen jederzeit zurückzahlen könne (pag. 175 Z. 113 f.). 
Auf die Frage, warum er seiner Mutter die Darlehenssumme von CHF 100'000.00 
zwei Wochen nach Abschluss des Darlehensvertrages bereits wieder zurückgezahlt 
habe, antwortete er: «Ein Monat, zwei Wochen später, habe ich das Darlehen 
zurückbezahlt, weil ich meiner Mutter kein Geld schulden möchte» (pag. 175 
Z. 116 ff.). 

Die dargelegten Aussagen zeigen auf, dass der Beschuldigte die frühe Rückzahlung 
des Darlehens einerseits damit begründet, dass die D.________ AG zu dieser Zeit 
nicht aktiv gebraucht worden sei. Andererseits erklärte er, er habe seiner Mutter kein 
Geld schulden wollen. Nach Ansicht der Kammer gelingt es dem Beschuldigten nicht 

11

glaubhaft darzulegen, inwiefern sich die Situation unter den ehemaligen Gesellschaf-
tern der I.________ AG im Zeitraum zwischen der Gesellschaftsgründung der 
D.________ AG vom 29. Mai 2019 und der Darlehensrückzahlung am 13. Juni 2019 
an die Mutter des Beschuldigten in einem solchen Ausmass entspannt hätte, als 
dass er sich sicher genug sein konnte, die Gesellschaft tatsächlich nicht aktiv ge-
brauchen zu müssen. Es ist aktenkundig, dass die von ihm dargelegte Lösung, wo-
nach er Alleinaktionär der I.________ AG geworden sei, deutlich später als die Grün-
dung der D.________ AG erfolgte. Der Beschuldigte selbst führte im Vorverfahren 
aus, dass er (erst) im Frühjahr 2021 Alleinaktionär der I.________ AG geworden sei 
(vgl. Eingabe vom 1. November 2021, pag. 230). Folglich konnte die von ihm prä-
sentierte Lösung weder im Gründungszeitpunkt der D.________ AG noch im Zeit-
punkt der Darlehensrückzahlung bereits eingetreten sein. Vor diesem Hintergrund 
erscheint die Aussage des Beschuldigten, ihm sei erst nach der Gründung der 
D.________ AG klargeworden, dass er diese noch nicht aktiv brauchen werde, wi-
dersprüchlich und ist als Schutzbehauptung zu qualifizieren. Weiter stehen auch 
seine Aussagen hinsichtlich der vereinbarten Darlehensmodalitäten zueinander im 
Widerspruch. Einerseits sagte er aus, dass er das von seiner Mutter erhaltene Dar-
lehen jederzeit hätte zurückzahlen können, andererseits habe er das Darlehen aber 
sogleich zurückerstattet, weil er seiner Mutter eben gerade kein Geld habe schulden 
wollen. Es ist darauf hinzuweisen, dass aus dem Darlehensvertrag vom 28. Mai 2019 
zwar keine Rückzahlungsfrist hervorgeht, aber nach Ansicht der Kammer kann der 
Beschuldigte daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Schliesslich ist der internen 
Dokumentation der SB Saanen Bank AG zu entnehmen, dass der Vertrag am 
13. Juni 2019 offensichtlich noch nicht einmal unterzeichnet bzw. verfasst worden 
war. Vielmehr ist davon auszugehen, dass dieser erst nach dem 13. Juni 2019 auf-
gesetzt wurde, weshalb seine Aussagekraft von vornherein angezweifelt werden 
muss (pag. 235). Die zu den Beweisfragen relevanten Aussagen des Beschuldigten 
wirken nach dem Gesagten insgesamt nicht glaubhaft und es kann folglich nicht auf 
sie abgestellt werden. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nur einen Tag, nachdem 
er erstmals über das Gründungskapital von CHF 100'000.00 verfügen konnte, die 
Rückzahlung des Darlehens an seine Mutter veranlasste. Seine Begründung für die 
umgehende Rückzahlung vermochte die Kammer nicht zu überzeugen, da sich der 
Beschuldigte diesbezüglich in widersprüchlichen Aussagen verstrickte und auch die 
objektiven Beweismittel ein anderes und schlüssiges Bild aufzeigen. Das Verhalten 
des Beschuldigten lässt somit vor dem Hintergrund des engen zeitlichen Zusammen-
hangs sowie der wenig glaubhaften Aussagen keine Zweifel daran, dass ihm bereits 
im Zeitpunkt der Gesellschaftsgründung bewusst war, dass er das Darlehen umge-
hend zurückzahlen würde. 

13.3 Operative Tätigkeit der D.________ AG 

Im edierten Auszug des Kontoauszug der D.________ AG bei der SB Saanen Bank 
AG vom 29. Juli 2020 ist der vorliegend massgebliche Geldfluss ersichtlich 
(pag. 244). Es geht daraus hervor, dass zwischen der Darlehensrückzahlung am 
13. Juni 2019 und der Einzahlung vom 23. Januar 2020 über CHF 80'000.00 auf das 
Konto weder nennenswerte Belastungen noch Einzahlungen erfolgt sind. Zwischen 

12

der Einzahlung am 23. Januar 2020 und derjenigen am 11. März 2020 über 
CHF 20'000.00 wurden hingegen sieben Belastungen in der Höhe von insgesamt 
CHF 30'080.00 getätigt, wobei es sich bei einem Grossteil um Bargeldbezüge han-
delte (pag. 244). Mit Blick auf das Kontoblatt der D.________ AG für das Jahr 2020 
(vgl. pag. 236) erweisen sich die hiervor erwähnten Geldflüsse nicht als Hinweis auf 
eine operative Geschäftstätigkeit der D.________ AG, vielmehr dürfte es sich dabei 
um Privatbezüge des Beschuldigten handeln, die am Ende des Geschäftsjahrs im 
Wesentlichen wieder ausgeglichen wurden. Das Geschäftskonto weist mithin nicht 
darauf hin, dass tatsächlich eine operative Geschäftstätigkeit der D.________ AG 
anzunehmen wäre.

Die hiervor dargelegten Erkenntnisse decken sich sodann auch mit den Aussagen 
des Beschuldigten. Bereits anlässlich der Ersteinvernahme vom 11. Januar 2021 
führte er (mehrfach) aus, die D.________ AG sei keine aktive Gesellschaft und daher 
auch nicht geschäftstätig (pag. 163 Z. 84 und 94; pag. 165 Z. 165). Sie sei nur zur 
Sicherheit gegründet worden für den Fall, wenn es mit der I.________ AG nicht funk-
tionieren würde (pag. 165 Z. 151 ff.). An dieser Aussage hielt der Beschuldigte auch 
in der staatsanwaltlichen Einvernahme fest, führte jedoch ergänzend aus, dass die 
Gesellschaft im Zeitpunkt der Darlehensrückzahlung keinerlei Kapital benötigt habe 
und weder Angestellte noch Aktivitäten gehabt habe (pag. 176 Z. 126). Auf direkte 
Frage zu den nach der Einzahlung über CHF 80'000.00 getätigten Bargeldbezügen 
führte er aus, dass dies sein Geld und als Salär deklariert sei, er aber im Detail nicht 
sagen könne, für was er das benötigt habe (pag. 169 Z. 387 ff.). Der Beschuldigte 
führte sodann in der schriftlichen Berufungsbegründung vom 23. Juni 2023 erneut 
aus, dass die D.________ AG keine aktive Gesellschaft gewesen sei und daher auch 
keine Verbindlichkeiten eingegangen oder im Geschäftsverkehr aufgetreten sei 
(pag. 601 f.). 

Im Zusammenhang mit der erwähnten Erklärung des Beschuldigten, die D.________ 
AG sei nur als Sicherheit gegründet worden für den Fall, dass es mit der I.________ 
AG nicht funktionieren würde, ist sodann auf die Strafanzeige von J.________ gegen 
den Beschuldigten wegen versuchten Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und 
Veruntreuung einzugehen, die am Anfang des vorliegenden Strafverfahrens steht 
(pag. 3 ff.). Daraus geht hervor, dass J.________ und der Beschuldigte im Septem-
ber 2018 zusammen als Geschäftspartner und Mitaktionäre zu je 50 % die 
I.________ AG gegründet hatten (Strafanzeige, Rz. 1 ff., pag. 4). Der Beschuldigte 
und die (damalige) Ehefrau von J.________, K.________, hätten als Verwaltungs-
räte fungiert, wobei J.________ seiner damaligen Ehefrau im Anschluss an die Fir-
mengründung 25 % der Aktien abgetreten habe (Strafanzeige, Rz. 5 ff., pag. 4 f.). In 
der Folge habe die I.________ AG in .________ ihre operative Tätigkeit im Immobi-
lienbereich aufgenommen, indem Büroräumlichkeiten angemietet, Mandate für den 
Verkauf und die Vermietung von Immobilien akquiriert sowie Einnahmen generiert 
worden seien (vgl. pol. Einvernahme von J.________ vom 9. Juli 2020, pag. 184 
Z. 96 f.) In dieser ersten Zeit sei J.________ ebenfalls für die I.________ AG tätig 
gewesen (vgl. pol. Einvernahme von J.________ vom 9. Juli 2020, pag. 185 Z. 135 
ff.). Im Januar 2019 habe sich K.________ von J.________ getrennt, worauf erstere 
in Saanen geblieben und weiterhin für die Immobiliengesellschaft gearbeitet habe, 
während letzterer mit der gemeinsamen Tochter zurück nach Genf gezogen sei 

13

(Strafanzeige, Rz. 10, pag. 5). In der Folge habe es einen Konflikt im Zusammen-
hang mit einer geplanten Kapitalerhöhung bei der I.________ AG zwischen 
K.________ und dem Beschuldigten einerseits und J.________ gegeben (vgl. Straf-
anzeige, Rz. 17 ff., pag. 6 ff.), was J.________ u.a. auf die Trennung zwischen 
K.________ und ihm zurückgeführt zu haben scheint (vgl. pol. Einvernahme von 
J.________ vom 9. Juli 2020, pag. 186 Z. 67 ff.). In diesem Kontext reichte 
J.________ gegen den Beschuldigten die Strafanzeige ein, wobei er auch die im 
vorliegenden Verfahren interessierende D.________ AG erwähnte. Obwohl 
J.________ im Rahmen von Vorbemerkungen ausführte, der Beschuldigte habe 
heimlich die Aktivitäten und eine Lizenz der I.________ AG auf die D.________ AG 
übertragen und den Zweck der letzteren dahingehend abgeändert, dass er mit dem 
Zweck der ersteren übereinstimmen würde, womit die D.________ AG die 
I.________ AG konkurriere (Strafanzeige, pag. 3), enthält die Strafanzeige neben 
der Beschreibung der Gründung der D.________ AG keine konkrete operative Tätig-
keit derselben: Die in der Strafanzeige als «unlautere Machenschaften» bezeichne-
ten Aktivitäten beschränken sich auf die Gründung der D.________ AG mit dem da-
maligen Zweck Auktionsaktivitäten und dem Sitz an der Wohnadresse des Beschul-
digten sowie der Einsetzung des Beschuldigten als einzelzeichnungsberechtigten 
Verwaltungsrat (Strafanzeige, Rz. 42 ff., pag. 10). Insbesondere wird in der Strafan-
zeige die vorbemerkend erwähnte Lizenzübertragung der I.________ AG auf die 
D.________ AG weder erneut erwähnt noch belegt. Auch in seiner späteren polizei-
lichen Einvernahme erwähnte J.________ weder eine konkrete operative Tätigkeit 
der erwähnten Unternehmung, sondern führte vielmehr aus, aufgrund des späteren 
identischen Zwecks der beiden Firmen habe er dann verstanden, dass es «wohl [die 
Absicht des Beschuldigten] war, seine Aktivitäten auf diese neue Firma zu leiten und 
dies zu seinen Gunsten. Es gibt einen Lizenzvertrag rund um Gstaad und es können 
nicht zwei Firmen dort für den selben Lizenzgeber tätig sein. Die Firma I.________ 
AG hat das Exklusivrecht auf die Lizenz» (pag. 188 Z. 261 ff.), was – im Gegensatz 
zur vorbemerkenden Äusserung in der Strafanzeige – nahelegt, dass die erwähnte 
Lizenz nicht auf die D.________ AG übertragen wurde und die dort erwähnte Kon-
kurrenzierung eher eine vage Vermutung als eine nachgewiesene Tatsache dar-
stellte. Entsprechend ging den auch die regionale Staatsanwaltschaft in der Einstel-
lungsverfügung vom 29. April 2022 davon aus, dass J.________ lediglich befürchte, 
der Beschuldigte habe vor, Kundendaten der I.________ AG in die D.________ AG 
zu übertragen (pag. 444). Schliesslich gab J.________ an, weder den Internetauftritt 
der D.________ AG zu kennen noch deren Homepage nennen zu können (pag. 188 
Z. 267 ff.). Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass das Strafverfahren wegen 
versuchten Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Widerhandlungen gegen 
das UWG zum Nachteil von J.________ resp. der I.________ AG mit der erwähnten 
Verfügung der regionalen Staatsanwaltschaft vom 29. April 2022 eingestellt wurde 
(pag. 440 ff.). 

Auch die polizeiliche Einvernahme vom 3. Februar 2021 des Treuhandexperten 
H.________ der L.________ AG, welcher den Beschuldigten im Zusammenhang mit 
dessen Firmenbeteiligungen beriet, weist darauf hin, dass die D.________ AG bis 
dahin operativ nicht tätig war: Es wurde bis dahin kein Umsatz generiert (pag. 206 
Z. 89); weiter bestand per Ende 2019 ein «ganz kleiner Verlust» (pag. 206 Z. 94 f.); 

14

im Jahr 2019 wurden keine Lohnkosten ausgewiesen (pag. 207 Z. 107 f.); schliess-
lich bestanden für die Jahre 2019 und 2020 keine offenen Verpflichtungen gegenü-
ber Drittpersonen oder anderen Firmen, während (per Ende 2019) noch die im vor-
liegenden Verfahren zu diskutierende Darlehensforderung über CHF 100'000.00 ge-
genüber dem Beschuldigten bestand (vgl. pag. 207 Z. 121 ff.). 

Aus den obigen Ausführungen erhellt, dass die objektiven Beweismittel und die dis-
kutierten Aussagen übereinstimmen mit der Darstellung des Beschuldigten, der eine 
operative Geschäftstätigkeit der D.________ AG zwischen der Darlehensrückzah-
lung an seine Mutter per 13. Juni 2019 und der vollständigen Rückzahlung des im 
Anschluss gewährten Aktionärsdarlehens vom 11. März 2020 konstant verneinte. 
Entsprechend erachtet es die Kammer als erstellt, dass keine Hinweise vorliegen, 
wonach die D.________ AG bis zur vollständigen Rückzahlung des von ihr gewähr-
ten Aktionärsdarlehens operativ tätig wurde. Indessen geht aus den erwähnten Kon-
tounterlagen (Kontoauszug bei der SB Saanen Bank AG sowie dem Kontoblatt für 
das Jahr 2020) der D.________ AG hervor, dass der Beschuldigte Privatbezüge vom 
Geschäftskonto tätigte und insofern die Firmenstruktur benützte.

13.4 Finanzielle Verhältnisse des Beschuldigten

Entgegen der Ansicht der Verteidigung lassen sich den Akten diverse Hinweise auf 
eine (zumindest) getrübte Bonität des Beschuldigten in den Tatzeitpunkten entneh-
men. Aus den Steuerunterlagen des Beschuldigten aus dem Jahr 2019 geht zwar 
ein Einkommen von CHF 220'000.00 sowie ein Vermögen von CHF 3'500'000.00 
hervor (pag. 392 f.), dabei handelt es sich jedoch um eine Ermessensveranlagung, 
weshalb daraus nicht ohne Weiteres auf eine ungetrübte Bonität des Beschuldigten 
geschlossen werden kann. Weiter ist auch die steuerliche Selbstdeklaration des Jah-
res 2021 des Beschuldigten mit Vorsicht zu geniessen, zumal er nur zwei Jahre zu-
vor noch nach Ermessen veranlagt wurde und für das Jahr 2020 überhaupt keine 
steuerlichen Unterlagen vorliegen (pag. 632 ff.). Aus der Selbstdeklaration des Be-
schuldigten geht ein Jahreseinkommen von CHF 323'286.00 sowie ein Wertschrif-
tenvermögen von CHF 2'208'333.00 hervor (pag. 633 f.). Er deklarierte zudem meh-
rere Grundstücke im Privatbesitz (steuerlicher Gesamtwert: CHF 25'691'880.00 
[pag. 642 ff.]). Weiter ist daraus aber auch eine beachtliche Schuldensumme von 
CHF 28'767'146.00 ersichtlich, welche sich aus Darlehensschulden gegenüber sei-
nen Eltern (CHF 18'535’010.00) und Hypothekarschulden (CHF 10'232’136.00) zu-
sammensetzt (pag. 637). Aus dieser hohen Schuldensumme lässt sich nach Ansicht 
der Kammer eine (gewisse) finanzielle Abhängigkeit des Beschuldigten von seinen 
Eltern erkennen. Der Beschuldigte ist in finanzieller Hinsicht offenbar immer wieder 
auf Darlehen seiner Eltern angewiesen; was der Beschuldigte auch mit seiner An-
gabe in der Stellungnahme vom 3. November 2023, wonach seine (sehr vermögen-
den) Eltern ihm als Einzelkind auf erste Aufforderung hin und bei Bedarf Darlehen 
gewähren würden, bestätigte (pag. 630). Im Vorverfahren gab er zudem im Rahmen 
der Erhebung der wirtschaftlichen Verhältnisse vom 11. Januar 2021 an, dass ihn 
seine Eltern mit rund CHF 6'000.00 im Monat unterstützen würden (pag. 381 ff.). Es 
ist unbestritten, dass der Beschuldigte für die Liberierung des Aktienkapitals der 
D.________ AG auf ein Darlehen seiner Mutter angewiesen war. Der Kammer er-
schliesst sich nicht, weshalb der Beschuldigte zur Gesellschaftsgründung auf ein 

15

Darlehen seiner Mutter hätte zurückgreifen sollen, wenn er selbst über genügend 
finanzielle Mittel verfügt hätte, um das Aktienkapital zu liberieren. Insbesondere ver-
mag in dieser Hinsicht auch die Erklärung des Beschuldigten auf die Frage, warum 
er ein Darlehen bei seiner Mutter habe aufnehmen müssen, wenn er ja selber über 
Geld verfügt hätte, nicht zu überzeugen. So führte er lediglich aus, dass es sich ja 
um dieselbe Familie handle (pag. 178 Z. 215 ff.). Weiter sprechen auch seine direk-
ten Handlungen nach der Gesellschaftsgründung gegen die Annahme ungetrübter 
Bonität. Unbestrittenermassen zahlte er seiner Mutter das Darlehen nicht von sei-
nem eigenen Geld zurück, sondern liess sich von der D.________ AG dafür ein Ak-
tionärsdarlehen auszahlen. Dieses Aktionärsdarlehen wurde vom Beschuldigten erst 
nach mehreren Monaten in zwei Tranchen zurückgezahlt (pag. 244). Wären genü-
gende Barmittel vorhanden gewesen, hätte die Rückzahlung sofort und nicht in Tran-
chen erfolgen können. Noch vor der vollständigen Rückzahlung des Aktionärsdarle-
hens bediente sich der Beschuldigte sodann erneut am Grundkapital der 
D.________ AG und bezog mehrere Bargeldbeträge in der Höhe von insgesamt 
CHF 30'080.00 von deren Geschäftskonto (pag. 244). Weder bezahlte der Beschul-
digten somit der Gesellschaft das Aktionärsdarlehen durch eine einmalige Zahlung 
zeitnah zurück, noch beliess er das zurückgezahlte Kapital in der Gesellschaft. Viel-
mehr benützte der Beschuldigte die noch nicht operativ tätig gewordene Gesell-
schaft, indem er von ihrem Geschäftskonto bei der SB Saanen Bank AG mehrere 
Bargeldbeträge tätigte. Der Beschuldigte erklärte auf Frage, für was er dieses Geld 
benötigte habe, dieses Geld sei als Salär deklariert, er wisse aber nicht mehr, wofür 
er dieses genau gebraucht habe (pag. 169 Z. 387 ff.). Er liess sich somit von einer 
noch nicht operativen Gesellschaft ein Salär auszahlen, was grundsätzlich fragwür-
dig erscheint. Die vorgenommenen Bargeldbezüge implizieren nach Ansicht der 
Kammer, dass der Beschuldigte dringend flüssige Mittel benötigte und sich dafür 
erneut am Grundkapital der D.________ AG bediente. In seiner Gesamtheit betrach-
tet spricht das Vorgehen des Beschuldigten (Gründungsdarlehen durch die Mutter, 
Auszahlung eines Aktionärsdarlehen der D.________ AG zur Rückzahlung des Dar-
lehens, tranchenweise Rückzahlung des bezogenen Aktionärsdarlehens erst Mo-
nate später und erneute Bargeldbezüge vom Geschäftskonto der D.________ AG 
vor der vollständigen Rückzahlung des Aktionärsdarlehens) mit Blick auf die Rück-
zahlung des Aktionärsdarlehens für eine zum damaligen Zeitpunkt getrübte Bonität 
des Beschuldigten. 

13.5 Darlehensmodalitäten des Aktionärsdarlehens

Abschliessend ist darauf einzugehen, zu welchen Modalitäten das Aktionärsdarlehen 
dem Beschuldigten von der D.________ AG gewährt wurde. Mangels schriftlichen 
Darlehensvertrags zwischen der D.________ AG und dem Beschuldigten können 
den objektiven Beweismitteln diesbezüglich keine Erkenntnisse entnommen werden. 
Der Beschuldigte deponierte hingegen auf Frage, zu welchen Konditionen das Akti-
onärsdarlehen gewährt worden sei: «Null Zinse, Rückzahlung wann immer ich 
möchte» (pag. 177 Z. 181 ff.). Gestützt auf die Aussage des Beschuldigten und in 
Anbetracht dessen, dass der Beschuldigte sich in seiner Funktion als einziger Ver-
waltungsrat und Alleinaktionär das Aktionärsdarlehen gewährte und die Rückzah-
lung im Januar und März 2020 überdies ohne Zinsen erfolgte, ist entsprechend von 

16

einer unbefristeten und zinsfreien Darlehensgewährung auszugehen. Den Akten 
kann sodann auch keine allfällige Bestellung von Sicherheiten entnommen werden. 

13.6 Beweisergebnis 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der angeklagte Sachverhalt beweismässig 
erstellt ist. In Ergänzung zum angeklagten Sachverhalt erachtet die Kammer als er-
stellt, dass die D.________ AG bis zur vollständigen Rückzahlung des Aktionärsdar-
lehens durch den Beschuldigten nicht operativ tätig wurde und der Beschuldigte Al-
leinaktionär der D.________ AG war. Zudem geht die Kammer von einem ungesi-
cherten, unbefristeten und zinsfreien Aktionärsdarlehen der D.________ AG an den 
Beschuldigten und von einer im Tatzeitpunkt getrübten Bonität des Beschuldigten 
aus. 

III. Rechtliche Würdigung

14. Ungetreue Geschäftsbesorgung

14.1 Rechtliche Grundlagen 

Der ungetreuen Geschäftsbesorgung nach Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich 
schuldig, wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen Auftrages oder eines 
Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu verwalten oder eine 
solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei unter Verletzung seiner 
Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird 
(Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).

Auf die zutreffenden theoretischen Ausführungen der Vorinstanz zum Tatbestand 
der ungetreuen Geschäftsbesorgung wird vorab verwiesen (S. 22 ff. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung, pag. 549 ff.). Ergänzend bzw. teilweise wiederholend ist 
Folgendes festzuhalten: 

Der Tatbestand von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kennt vier Tatbestandmerkmale: Die 
Eigenschaft als Geschäftsführer, die Verletzung einer damit zusammenhängenden 
Pflicht, aus welcher ein Vermögensschaden resultiert, sowie Vorsatz hinsichtlich die-
ser Elemente (NIGGLI, in: Basler Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 
4. Aufl. 2019, N 11 zu Art. 158 StGB). 

Die Qualifikation als Geschäftsführer setzt vorweg voraus, dass der Täter für ein 
fremdes Vermögen zu sorgen hat. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist 
die Aktiengesellschaft auch in der Form einer Einpersonen-AG selbständige Vermö-
gensträgerin, und ihr Vermögen ist nicht nur nach aussen, sondern auch im Verhält-
nis zu dem sie als einziger Verwaltungsrat beherrschenden Alleinaktionär fremdes 
Vermögen (Urteil des Bundesgerichts 6B_300/2016 vom 7. November 2016 
E. 4.3.2). Eigenmittel sind jedoch mittlerweile gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung nur noch dann als fremd zu qualifizieren, soweit sie zur Abdeckung des 
Grundkapitals und der gebundenen Reserven der Einmannaktiengesellschaft not-
wendig sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_300/2016 vom 7. November 2016 
E. 4.3.2 mit Verweis auf BGE 117 IV 259 E. 3b; BGE 141 IV 104 E. 3.2). Entspre-
chend erweist sich eine Vermögensdisposition des einzigen Verwaltungsrats bzw. 

17

Geschäftsführers und Alleinaktionärs zu Lasten der Einpersonen-AG, die im Wider-
spruch zu den aktienrechtlichen Kapitalschutznormen steht, als pflichtwidrig und er-
füllt den objektiven Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von 
Art. 158 StGB, soweit in das Reinvermögen der AG (Aktiven minus Passiven) im 
Umfang des Aktienkapitals und der gebundenen Reserven eingegriffen und die 
Einpersonen-AG am Vermögen geschädigt wird (Urteil des Bundesgerichts 
6B_300/2016 vom 7. November 2016 E.4.3.2 mit Verweis auf BGE 117 IV 259 
E. 3b). Diese Auffassung ist in der Lehre auf Kritik gestossen (vgl. NIGGLI, a.a.O., 
N 16 zu Art. 158 StGB, wonach diese modifizierte Position des Bundesgerichts mit 
Problemen behaftet sei, weil damit Gläubigerinteressen geschützt würden, obwohl 
den Gläubigern der Aktiengesellschaft gegenüber gerade keine Treuepflicht be-
stehe). 

Der Inhalt der Treuepflicht wird von Art. 158 StGB nicht umschrieben, sondern ergibt 
sich aus dem Grundgeschäft und ist entsprechend jeweils für den konkreten Fall zu 
bestimmen. Bedeutsam ist insbesondere, ob dem Geschäftsführer nur die Erhaltung 
des vorhandenen Vermögens oder auch dessen Mehrung obliegt (NIGGLI, a.a.O., 
N 61 zu Art. 158 StGB). Bei einer Aktiengesellschaft gehört es zu den elementaren 
Pflichten eines Geschäftsführers, das Verbot der Einlagenrückgewähr gemäss 
Art. 680 Abs. 2 OR zu beachten. Gemäss Art. 680 Abs. 2 OR steht es dem Aktionär 
nicht zu, seinen eingezahlten Liberierungsbetrag zurückzufordern (VOGT, in: Basler 
Kommentar zum Obligationenrecht II, 6. Aufl. 2024, N 80 zu Art. 680 OR). Gegen 
das Verbot der Einlagenrückgewähr verstossen Leistungen, die kumulativ folgende 
drei Voraussetzungen erfüllen: Es handelt sich um eine Leistung, die als Ausschüt-
tung zu beurteilen ist; die Leistung erfolgt zugunsten eines Aktionärs; und mit der 
Leistung wird ins Aktienkapital eingegriffen oder es wird die Einlage zurückerstattet 
(VOGT, a.a.O., N 80 zu Art. 680 OR). Für von der Gesellschaft gewährte Darlehen 
im Speziellen gilt, dass Darlehen der Gesellschaft an einen Aktionär, insb. an einen 
kontrollierenden Aktionär, einen Alleinaktionär oder eine durch einen solchen Aktio-
när kontrollierte Gesellschaft, das Verbot der Kapitalrückgewähr gemäss Art. 680 
Abs. 2 OR missachten können (VOGT, a.a.O., N 85 ff. zu Art. 680 OR). Ob dem 
Darlehen Ausschüttungscharakter zukommt, wird daran gemessen, ob das Darlehen 
zu Drittbedingungen bzw. Marktbedingungen (sog. Drittmannstest) gewährt wurde, 
andernfalls ihm Ausschüttungscharakter zukommt und es so gegen Art. 680 
Abs. 2 OR verstösst (VOGT, a.a.O., N 87 zu Art. 680 OR). 

Bei der Beantwortung der Frage, ob ein Darlehen als Ausschüttung zu betrachten 
ist, gilt es vorab festzustellen, dass die Gewährung eines Darlehens keine Entäus-
serung von Vermögen, mithin keine Ausschüttung darstellt, sondern die Überlassung 
von Geld, wobei die Darleiherin einen Rückerstattungsanspruch und unter Umstän-
den einen Anspruch auf Zinsen zukommt; bei diesen Ansprüchen handelt es sich um 
verbuchbare Aktiven. Anstelle der (Geld-)Mittel verfügt die Gesellschaft über eine 
Forderung; insofern findet ein Aktiventausch statt. Dass der Gesellschaft die Mittel 
während der Dauer des Darlehens nicht zur Verfügung stehen, macht die Darlehens-
gewährung für sich allein nicht zu einer Ausschüttung (VOGT, a.a.O., N 86 zu 
Art. 680 OR). Drittbedingungen sind gemäss Bundesgericht u.a. dann nicht gege-
ben, wenn die Bonität des Schuldners nicht überprüft wird und die Gewährung eines 

18

vollkommen ungesicherten Darlehens angesichts des Darlehensbetrages als mark-
tunüblich erscheint (VOGT, a.a.O., N 89 zu Art. 680 OR mit Verweis auf BGE 140 III 
533 E. 4.5). Von besonderer Bedeutung für die Beurteilung, ob ein Darlehen zu Dritt-
bedingungen gewährt wurde, ist die Rückzahlungsfähigkeit des Darlehensempfän-
gers; dies gilt insbesondere, wenn etwaige Sicherheiten fehlen (Urteil des Bundes-
gerichts 4A_268/2018 vom 18. November 2019 E. 6.5.3). Bei zweifelhafter oder feh-
lender Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit kann von Drittbedingungen und damit ei-
nem Darlehen ohne Ausschüttungscharakter im Allgemeinen nur dann ausgegangen 
werden, wenn Sicherheiten bestellt werden; wobei auch bei fehlenden Drittbedingun-
gen die Möglichkeit besteht, dass aufgrund anderer Umstände dennoch von einem 
Darlehen und nicht von einer Ausschüttung auszugehen ist: Bei kleineren Beträgen 
oder im Verhältnis zwischen Gesellschaften mit engen geschäftlichen Beziehungen, 
schon länger bestehenden Beziehungen oder sonstigen Vertrauensbeziehungen ist 
vielfach weder eine Bonitätsprüfung noch die Bestellung von Sicherheiten üblich und 
angemessen (VOGT, a.a.O., N 89 zu Art. 680 OR).

Als Folge der pflichtwidrigen Handlung muss es zu einem Vermögensschaden kom-
men. Eine Vermögensschädigung ist grundsätzlich möglich durch Verminderung der 
Aktiven, Vermehrung der Passiven, Nichtvermehrung der Aktiven oder Nichtvermin-
derung der Passiven (NIGGLI, a.a.O., N 136 zu Art. 158 StGB; BGE 124 IV 346 
E. 3.2). Ein Vermögensschaden wird aber auch bereits dann bejaht, wenn das Ver-
mögen in einem Masse gefährdet wird, dass es in seinem wirtschaftlichen Wert ver-
mindert ist. Dabei genügt schon eine vorübergehende Gefährdung (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1223/2012 vom 4. Dezember 2014 E. 2.5.2). Der Gefährdungsscha-
den tritt dabei bereits im Zeitpunkt der Darlehensgewährung und nicht erst mit dem 
definitiven Ausfall ein (Urteil des Bundesgerichts 6B_446/2010 vom 14. Oktober 
2011 E. 6.4). Eine Vermögensgefährdung ist dann strafrechtlich relevant, wenn der 
Gefährdung im Rahmen einer sorgfältigen Bilanzierung durch Abschreibung, Wert-
berichtigung oder Rückstellung Rechnung getragen werden muss (BGE 142 IV 346 
E. 3.2); namentlich bei Vergabe von risikobehafteten, ungesicherten Darlehen (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_300/2016 vom 7. November 2016 E. 7.4; BGE 122 IV 279 
E. 2a; siehe zum Ganzen GRAF, in: Annotierter Kommentar StGB, Graf [Hrsg.], 2020, 
N 29 zu Art. 158).

Zwischen der Verletzung der Treuepflicht und dem Vermögensschaden muss zudem 
ein Kausalzusammenhang bestehen (NIGGLI, a.a.O., N 127 zu Art. 158 StGB). 

Subjektiv ist Vorsatz erforderlich. Dieser muss sich insbesondere auf die Pflichtwid-
rigkeit der Handlung bzw. Unterlassung, den Vermögensschaden und den zwischen 
ihnen bestehenden Kausalzusammenhang beziehen. Eventualvorsatz genügt 
(NIGGLI, a.a.O., N 136 zu Art. 158 StGB).

14.2 Würdigung der Vorinstanz 

Die Vorinstanz erwog, der Beschuldigte stelle als operativ leitendes Organ und Ge-
schäftsführer ein taugliches Strafsubjekt i.S.v. Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB dar. Zur 
Voraussetzung der Treuepflichtverletzung führte die Vorinstanz aus, der Beschul-
digte habe sich als einziger Verwaltungsrat und Alleinaktionär nur neun Tage nach 

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/08e5f55f-0d56-476f-a3e5-869719182cff/citeddoc/d0745f34-7179-405a-b297-cc30d5ccce26/source/document-link

19

der Eintragung der D.________ AG ein Aktionärsdarlehen in der Höhe des gesam-
ten, liberierten Aktienkapitals gewährt und den ganzen Betrag von CHF 100'000.00 
an seine Mutter überwiesen. Durch diese Handlung sei das Reinvermögen der 
Einpersonen-AG im Umfang des Aktienkapitals angetastet worden, wodurch der Be-
schuldigte gegen das Verbot der Einlagenrückgewähr verstossen habe. Der 
D.________ AG sei sämtliches Haftungssubstrat entzogen worden. Als einziger Ver-
waltungsrat und Alleinaktionär komme ihm von Gesetzes wegen die Pflicht zu, das 
Aktienkapital zu erhalten, weshalb durch dessen Abzug eine Pflichtverletzung zu be-
jahen sei. Aufgrund der finanziellen Lage des Beschuldigten sei zwar nicht 
grundsätzlich von einer grossen Vermögensgefährdung auszugehen. Er sei jedoch 
trotz seiner guten wirtschaftlichen Verhältnisse auf ein Darlehen seiner Mutter ange-
wiesen gewesen, wodurch er in diesem Zeitpunkt nicht genug liquide gewesen sei, 
um für allfällige Schulden seiner Unternehmung aufzukommen. Aus diesem Grund 
habe eine vorübergehende Gefährdung des Vermögens der D.________ AG bestan-
den, wodurch dessen wirtschaftlicher Wert gemindert worden sei und als Folge sei 
ein Vermögensschaden entstanden. Zudem habe der Beschuldigte das Aktionärs-
darlehen ungesichert und ohne Zins gewährt; auch unter diesem Gesichtspunkt sei 
ein Vermögensschaden zu bejahen. Das Aktienkapital der D.________ AG sei bis 
zu den vom Beschuldigten vorgenommenen Zahlungen am 23. Januar 2020 und am 
11. März 2020 während gut sieben Monaten vollständig und während rund einein-
halb Monaten teilweise ungedeckt gewesen. Damit habe eine vorübergehende 
Schädigung des Vermögens der Gesellschaft bestanden. Das pflichtwidrige Verhal-
ten des Beschuldigten sei für den Vermögensschaden kausal gewesen. Der objek-
tive Tatbestand von Art. 158 Ziff. 1 StGB sei damit erfüllt. Für die Erfüllung des ob-
jektiven Tatbestandes sei unerheblich, dass die AG keine weiteren Geschäfte 
getätigt habe und keine Gläubiger gehabt habe. Eine Schädigung allfälliger Gesell-
schaftsgläubiger sei nach Art. 158 Ziff. 1 StGB unerheblich, da dem Beschuldigten 
nicht das Vermögen allfälliger Gläubiger, sondern dasjenige der AG zur Fürsorge 
anvertraut worden sei (BGE 117 IV 259 E. 3a). Dass es sich um eine Einpersonen-
AG handle, ändere an der Erfüllung des objektiven Tatbestandes ebenfalls nichts, 
denn die Einwilligung des Alleinaktionärs in die Schädigung des Vermögens sei nicht 
von Relevanz (BGE 141 IV 104 E. 3.2.). 

Weiter führte die Vorinstanz aus, der Beschuldigte habe das gewährte Aktionärsdar-
lehen durch die Zahlungen am 23. Januar 2020 und am 11. März 2020 zurückbe-
zahlt. Der Umstand, dass der Beschuldigte die Rückzahlung veranlasst habe, ob-
wohl die Unternehmung – wie er selber mehrmals erwähnt habe – nicht aktiv gewe-
sen sei, zeige auf, dass er von einer vorübergehenden Schädigung der D.________ 
AG gewusst oder diese zumindest willentlich in Kauf genommen habe und den Scha-
den habe beheben wolle. Aufgrund seines beruflichen Backgrounds müsse ihm das 
Prinzip des Verbots der Einlagerückgewähr bekannt gewesen sein. Der Beschuldigte 
habe demzufolge von der Pflichtwidrigkeit seines Handelns und der vorübergehen-
den Schädigung gewusst und diese Schädigung zumindest in Kauf genommen, wo-
durch er eventualvorsätzlich gehandelt habe. Der Beschuldigte habe sich demnach 

20

der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gemacht (vgl. S. 22 ff. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung, pag. 549 ff.). 

14.3 Vorbringen der Verteidigung 

Die Verteidigung bestreitet weder die Stellung des Beschuldigten als Geschäftsfüh-
rer noch das Vorliegen einer Treuepflichtverletzung (pag. 607 Rz. 34). Sie bestreitet 
hingegen das Vorliegen eines Vermögensschadens durch Vermögensgefährdung. 
So führt sie aus, dass sich die von der Vorinstanz angenommene Illiquidität weder 
aus den objektiven Beweismitteln noch aus Indizien ableiten lassen würde und eine 
solche sei von der Vorinstanz im Beweisverfahren auch nicht festgestellt worden. 
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung müsse die Vermögensgefährdung 
ausserdem ein Ausmass erreichen, dass Wertberichtigungen oder Rückstellungen 
die Folge seien. Dies sei vorliegend nicht der Fall gewesen, weshalb nicht von einer 
Vermögensgefährdung ausgegangen werden könne (pag. 607 f. Rz. 36). 

Weiter sei die Gesellschaft nicht aktiv geworden. Sie sei keine Verpflichtungen ein-
gegangen und habe keinen Mittelzu- oder Abfluss gehabt. Gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung sei eine Vermögensgefährdung jedoch nur dann ein Vermö-
gensschaden, wenn das Vermögen in seinem wirtschaftlichen Wert für die Gesell-
schaft gemindert worden sei. Das Vermögen habe vorliegend jedoch gar keinen Wert 
für die nicht aktive Gesellschaft gehabt. Sie sei nicht auf das Vermögen angewiesen 
gewesen, weshalb der Wert auch nicht habe gemindert werden können. Im Übrigen 
sei das Darlehen werthaltig gewesen (pag. 608 Rz. 37). 

Zudem erfüllte der Beschuldigte auch den subjektiven Tatbestand nicht. Er habe ge-
wusst, dass er aufgrund seines Vermögens jederzeit dazu in der Lage gewesen 
wäre, die D.________ AG wieder mit liquiden Mitteln zu versorgen. Zudem sei ihm 
bewusst gewesen, dass die Gesellschaft nicht ohne sein Zutun hätte operativ tätig 
werden können. Der Beschuldigte habe somit sowohl die Möglichkeit gehabt, die 
Gesellschaft mit liquiden Mitteln zu versorgen, als auch die Steuerungsfähigkeit in-
negehabt (als Alleinaktionär und Geschäftsführer), um zu verhindern, dass sie vor 
dem Zeitpunkt der Rückzahlung des Aktionärsdarlehens auf Vermögen resp. Liqui-
dität angewiesen gewesen wäre. Er sei folglich davon ausgegangen, dass das Ver-
mögen der Gesellschaft nicht gefährdet sein konnte und habe entsprechend ohne 
Vorsatz hinsichtlich der Vermögensschädigung gehandelt. Die fahrlässige Bege-
hung sei weder strafbar noch angeklagt (pag. 608 Rz. 38).

14.4 Würdigung der Kammer 

Der Beschuldigte war bzw. ist als Alleinaktionär, einzelzeichnungsberechtigter Ver-
waltungsrat und Geschäftsführer der D.________ AG unbestrittenermassen ein Ge-
schäftsführer i.S.v. Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

Nach der zuvor dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. E. 14.1 hier-
vor) handelte es sich beim Aktienkapital von CHF 100'000.00 um ein dem Beschul-
digten fremdes Vermögen. Gemäss Beweisergebnis hat sich der Beschuldigte am 
13. Juni 2019 von der D.________ AG ein Aktionärsdarlehen in der Höhe des Grün-
dungskapitals von CHF 100'000.00 gewährt und damit die Darlehensschuld gegenü-
ber seiner Mutter beglichen. Die D.________ AG gewährte dem Beschuldigten das 

21

Aktionärsdarlehen ungesichert, unbefristet und zinsfrei. Daraus folgerte die Vorin-
stanz, das Aktionärsdarlehen sei nicht zu Marktbedingungen gewährt worden und 
unter diesem Gesichtspunkt sei ein Vermögensschaden entstanden (S. 24 der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung, pag. 551). Diese vorinstanzliche Einschätzung ist 
vorab insofern zu konkretisieren, als selbst bei Annahme, das Aktionärsdarlehen sei 
nicht zu Marktbedingungen bzw. Drittbedingungen gewährt worden, nicht ohne Wei-
teres auf eine Vermögensschädigung geschlossen werden kann. Fehlende Drittbe-
dingungen führen hingegen zur Qualifikation des Darlehens als Ausschüttung, womit 
der Beschuldigte gegen das Verbot der Einlagerückgewähr verstossen und damit 
eine Treuepflichtverletzung begangen hätte. Das Tatbestandsmerkmal des Scha-
dens ist sodann erst im Anschluss und insbesondere mit Blick auf die Werthaltigkeit 
des Aktionärsdarlehens zu beurteilen. 

Zur Beantwortung der Frage, ob der Beschuldigte eine Treuepflichtverletzung be-
gangen hat, ist zunächst zu beurteilen, ob das Aktionärsdarlehen als Ausschüttung 
zu qualifizieren ist. Das Aktionärsdarlehen wurde dem Beschuldigten gemäss erstell-
ten Sachverhalt ungesichert, zinslos und ohne fixes Rückzahlungsdatum gewährt, 
womit bereits einiges gegen die Annahme von eingehaltenen Drittbedingungen 
spricht. Es ist vorliegend zwar nicht von der Hand zu weisen, dass aufgrund der 
Ausgestaltung der D.________ AG als Einpersonen-AG ein besonderes Nähever-
hältnis zum Beschuldigten als Alleinaktionär bestand und vor diesem Hintergrund 
weder eine Bonitätsprüfung noch die Bestellung von etwaigen Sicherheiten üblich 
gewesen wären. Im Falle des Fehlens von Sicherheiten rückt zur Beurteilung von 
eingehaltenen Drittbedingungen – wie zuvor dargelegt – insbesondere die Rückzah-
lungsfähigkeit des Darlehensempfängers in den Vordergrund. Gemäss vorangehen-
dem Beweisergebnis muss im Zeitpunkt der Gewährung des Aktionärsdarlehens 
durch die D.________ AG von einer getrübten Bonität des Beschuldigten ausgegan-
gen werden, womit die Einbringlichkeit der Darlehensforderung zweifelhaft gewesen 
ist. Mangels Bestellung von Sicherheiten sowie aufgrund der zweifelhaften Einbring-
lichkeit der Darlehensforderung wurde im vorliegenden Fall das Aktionärsdarlehen 
ohne adäquate Gegenleistung und damit nicht unter Einhaltung von Drittbedingun-
gen resp. Markbedingungen gewährt. Ein umsichtiger und gewissenhafter Ge-
schäftsführer in der Situation des Beschuldigten hätte dieser Mittelverwendung nie-
mals zugestimmt. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz geht die Kammer daher 
von einem marktunüblichen und damit von einem Darlehen mit Ausschüttungscha-
rakter aus. Der Beschuldigte verstiess durch seinen Eingriff in das Grundkapital der 
D.________ AG folglich gegen das Verbot der Einlagenrückgewähr gemäss Art. 680 
Abs. 2 OR und beging eine Treuepflichtverletzung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 
StGB. 

Im Weiteren ist zu beurteilen, ob der D.________ AG durch die Treuepflichtverlet-
zung auch ein Vermögensschaden entstanden ist. Vorliegend steht der Vermögens-
schaden in Form der Vermögensgefährdung im Vordergrund. Nur im Falle der Un-
gleichwertigkeit zwischen ursprünglichem Aktienkapital und Darlehensforderung 
wäre ein Vermögensschaden zu bejahen; bei Gleichwertigkeit hätte der Beschuldigte 
einen gesellschaftsrechtlich erlaubten Aktiventausch vorgenommen. Vorliegend ist 
aufgrund der getrübten Bonität des Beschuldigten jedoch davon auszugehen, dass 
die Rückzahlung der Darlehensforderung in einem solchen Ausmass gefährdet war, 

22

dass sie in ihrem wirtschaftlichen Wert gemindert wurde. Aufgrund der finanziellen 
Lage des Beschuldigten ist zwar nicht davon auszugehen, dass die Darlehensforde-
rung wertlos war, der Darlehensforderung muss jedoch die Gleichwertigkeit zum ur-
sprünglich eingezahlten Aktienkapital aufgrund der getrübten Bonität klarerweise ab-
gesprochen werden, womit von einem Wertverlust der Darlehensforderung auszu-
gehen ist. Aufgrund dieses Wertverlusts ist von einer Vermögensgefährdung und 
folglich von einem Vermögensschaden auszugehen. Eine genaue Bezifferung des 
Vermögensschadens kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung unterblei-
ben. Nach der Rechtsprechung genügt es für die Bejahung des Gefährdungsscha-
dens, wenn das Ausfallrisiko so objektivierbar ist, dass im Geschäftsverkehr Abzüge 
vom Nennwert der Forderung oder Rückstellungen etc. gemacht werden müssen 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_300/2016 vom 7. November 2016 E. 7.4). Im vorlie-
gend Fall hätte bei einer sorgfältigen Bilanzierung der fraglichen Einbringlichkeit der 
Darlehensforderung zweifelsohne Rechnung getragen werden müssen, zumal das 
gesamte Aktienkapital der D.________ AG durch eine Darlehensforderung ersetzt 
wurde und nicht nur ein marginaler Teilbetrag. Soweit der Beschuldigte vorbringt, 
dass das Aktienkapital für die D.________ AG keinen wirtschaftlich Wert hatte, weil 
sie nicht operativ tätig geworden ist und daher auch nicht auf das Aktienkapital an-
gewiesen war, ist ihm entgegenzuhalten, dass diese Ansicht dem Sinn der steten 
Erhaltung des Aktienkapitals resp. dem Kapitalschutz sowie auch der Publizitätswir-
kung des Handelsregistereintrags zuwiderläuft. Das Aktienkapital einer Gesellschaft 
muss entsprechend auch dann erhalten bleiben, wenn die Aktiengesellschaft noch 
nicht operativ tätig geworden ist. Überdies ist aus dem Umstand, dass der Beschul-
digte das Aktionärsdarlehen nach rund neun Monaten wieder vollständig zurückbe-
zahlte, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Das Delikt war in dem Moment vollen-
det, in dem das Aktionärsdarlehen ausbezahlt und mithin der Vermögensschaden 
verursacht wurde (vgl. TRECHSEL/CRAMERI, in: Praxiskommentar Schweizerisches 
Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2021, Trechsel/Pieth [Hrsg.], N 12 zu Art. 158 StGB), wes-
halb eine spätere Rückzahlung die eingetretene Vermögensgefährdung nicht unge-
schehen macht. Zur Bejahung des Vermögensschadens genügt ausserdem eine 
bloss vorübergehende Schädigung. Nach dem Gesagten ist somit auch das Tatbe-
standsmerkmal des Vermögenschadens erfüllt. Da sich die Pflichtverletzung und der 
Gefährdungsschaden offensichtlich daraus ergeben, dass der Beschuldigte bei man-
gelnder Bonität ein Darlehen an sich selbst gewährt hat, ohne ausreichende Sicher-
heiten zu bestellen, ist der Kausalzusammenhang zwischen Pflichtverletzung und 
Gefährdungsschaden evident. Nach dem Gesagten erfüllt das Verhalten des Be-
schuldigten den objektiven Tatbestand von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte sowohl über einen Ba-
chelor in Business Administration verfügt als auch bei mehreren Unternehmen in der 
Schweiz die Stellung als Direktor und Geschäftsführer einnimmt (pag. 163 Z. 71 ff. 
und 174 Z. 52). Der Beschuldigte ist somit als erfahrener Geschäftsmann zu bezeich-
nen, welcher mit dem Schweizer Gesellschaftsrecht bestens vertraut ist resp. ver-
traut sein sollte (vgl. hierzu auch seine eigene Aussage, wonach er das Schweizer 
Recht verstehe, pag. 178 Z. 199). Mit der Vorinstanz ist daraus zu folgern, dass dem 
Beschuldigten aufgrund seines beruflichen Hintergrundes das Prinzip des Verbots 

23

der Einlagerückgewähr gemäss Art. 680 OR (Art. 680 OR gilt dabei als «Fundamen-
talnorm des Aktienrechts», vgl. VOGT, a.a.O., N 1 zu Art. 680 OR) bekannt gewesen 
sein musste und er damit von der Pflichtwidrigkeit seines Handelns und im Wissen 
um seine getrübte Bonität auch von der entstehenden Vermögensschädigung 
wusste. Dabei ist unbeachtlich, dass der Beschuldigte als Alleinaktionär und Ge-
schäftsführer verhindern konnte, dass die D.________ AG vor der Rückzahlung des 
Aktionärsdarlehens auf Vermögen resp. Liquidität angewiesen gewesen wäre, da 
das Aktienkapital stets erhalten werden muss. Es kann an dieser Stelle auf auch die 
vorangegangenen Ausführungen zum Vermögensschaden verwiesen werden. Ent-
gegen der Vorinstanz geht die Kammer dabei nicht nur von eventualvorsätzlichem, 
sondern von direktvorsätzlichem Handeln aus. Der Beschuldigte verfolgte mit der 
Auszahlung des Aktionärsdarlehens die sofortige Rückzahlung des Darlehens an 
seine Mutter. Um diese Schuld zu begleichen, musste sich der Beschuldigte mangels 
Alternativen bzw. mangels eigenen finanziellen Mitteln an dem für ihn fremden 
Grundkapital der D.________ AG bedienen. Der Entzug des Grundkapitals der 
D.________ AG war folglich eine Notwendigkeit, um sein angestrebtes Ziel der Dar-
lehensrückzahlung an seine Mutter zu erreichen. Der subjektive Tatbestand der un-
getreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ist somit ebenfalls 
erfüllt. 

Es sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe ersichtlich. 

14.5 Fazit 

Im Ergebnis hat sich der Beschuldigte der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss 
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

15. Erschleichung einer falschen Beurkundung

15.1 Rechtliche Grundlagen 

Der Tatbestand der Erschleichung einer falschen Beurkundung gemäss 
Art. 253 StGB begeht, wer durch Täuschung bewirkt, dass ein Beamter oder eine 
Person öffentlichen Glaubens eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkun-
det, namentlich eine falsche Unterschrift oder eine unrichtige Abschrift beglaubigt, 
oder wer eine so erschlichene Urkunde gebraucht, um einen andern über die darin 
beurkundete Tatsache zu täuschen. 

Für die theoretischen Ausführungen zum Tatbestand der Erschleichung einer fal-
schen Beurkundung nach Art. 253 StGB wird vorab auf die zutreffenden Ausführun-
gen der Vorinstanz verwiesen (S. 19 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 546 f.). Ergänzend bzw. teilweise wiederholend ist Folgendes festzuhalten: 

Tathandlung von Art. 253 StGB bildet das Erlangen oder der Gebrauch einer von 
einem Beamten oder einer Person öffentlichen Glaubens erstellten unwahren öffent-
lichen Urkunde (BOOG, in: Basler Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetz-
buch, 4. Aufl. 2019, N 3 zu Art. 253 StGB). Eine weitere Tathandlung ist das Bewir-
ken einer unrichtigen Beurkundung u.a. einer unrichtigen, d.h. inhaltlich unwahren 
Beurkundung rechtserheblicher Tatsachen durch Täuschung (BOOG, a.a.O., N 6 zu 
Art. 253 StGB). Die Erfüllung des Tatbestandes setzt voraus, dass die Täuschung 
den Vorsatz der Urkundsperson ausschliesst (BOOG, a.a.O., N 4 zu Art. 253 StGB).

24

Urkunden sind Schriften, die bestimmt und geeignet sind, oder Zeichen, die bestimmt 
sind, eine Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu beweisen (vgl. Art. 110 Abs. 5 
StGB). Die öffentliche Urkunde über die Gründung einer Aktiengesellschaft beglau-
bigt dabei nicht nur die Abgabe der Erklärung durch die Gründer, sondern leistet 
auch Gewähr für deren Wahrheit. Der öffentlichen Beurkundung der Erklärung, dass 
die einbezahlten Beträge der Gesellschaft zur freien Verfügung stehen, kommt hin-
sichtlich der von den Parteien abgegebenen Willenserklärungen erhöhte Beweiskraft 
zu. Die Rechtsprechung geht deshalb vom Erschleichen einer falsche Beurkundung 
nach Art. 253 StGB u.a. bei der Scheinliberierung (Gründungsschwindel; vor-
getäuschte Kapitalausstattung) aus, d.h. bei der in diesem Zusammenhang dem be-
urkundenden Notar gegenüber gemachten wahrheitswidrigen Angabe, die Einlagen 
ständen zur freien Verfügung der Gesellschaft und dem nachfolgenden Eintrag ins 
Handelsregister (Urteil des Bundesgerichts 6B_502/2023 vom 7. August 2023 E. 3.2; 
vgl. auch BOOG, a.a.O., N 11 f. zu Art. 253 StGB).

Bei der Scheinliberierung geht es um die «Rückzahlung» des der Gesellschaft bei 
der Gründung bzw. im Rahmen einer Kapitalerhöhung überwiesenen Geldes an ei-
nen Gründer bzw. Aktienzeichner (gegebenenfalls, damit dieser das für die Erfüllung 
der Liberierungsschuld aufgenommene Darlehen zurückzahlen kann) oder an einen 
Dritten (der ein anderer Aktionär sein kann), der dem Gründer bzw. Aktienzeichner 
den Geldbetrag geliehen hatte, damit dieser die Liberierungspflicht «erfüllen» 
konnte; dies alles, nachdem die Anforderungen an eine rechtswirksame Liberierung 
(vgl. Art. 633 OR) an sich erfüllt worden waren (VOGT, a.a.O., N 108 zu Art. 680 OR). 

Der Tatbestand der Erschleichung einer falschen Beurkundung besteht nicht zum 
Schutz des Investors, der das Gründungskapital zur Verfügung stellt, sondern zum 
Schutz der Wahrheitsgarantie, die einer öffentlichen Urkunde nach Art. 9 ZGB inne-
wohnt. Mit anderen Worten sollen allfällige Gläubiger der neu gegründeten Gesell-
schaft darauf vertrauen können, dass das liberierte Kapital auch tatsächlich der Ge-
sellschaft dient, sei dies als direkt vorhandenes Kapital oder aber als dem Geschäfts-
zweck dienende Investition. Dies ist bei einer Scheinliberierung mit bloss vor-
getäuschter Kapitalausstattung nicht der Fall. Vielmehr werden die allgemeinen In-
teressen der Gläubiger geschädigt und diesen das Haftungssubstrat der Gesell-
schaft entzogen (Urteil des Bundesgerichts 6B_502/2023 vom 7. August 2023 
E. 3.2).

In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz und Täuschungsabsicht verlangt, wobei Eventu-
alvorsatz genügt. Schädigungs- oder Vorteilsabsicht sind im Gegensatz zu 
Art. 251 StGB nicht erforderlich (BOOG, a.a.O., N 28 zu Art. 253 StGB).

15.2 Würdigung der Vorinstanz 

Die Vorinstanz erwog, dass der Beschuldigte durch die am 13. Juni 2019 vorgenom-
mene Rückzahlung des Darlehens an seine Mutter eine unzulässige Kapitalrückzah-
lung vorgenommen habe. Es würden mehrere Punkte dafürsprechen, dass der Be-
trag von CHF 100'000.00 nicht zur freien Verfügung der D.________ AG gestanden 
und er den Notar in dieser Hinsicht getäuscht habe. Es sei nicht nachvollziehbar, 
weshalb der Beschuldigte sich selbst ein Aktionärsdarlehen habe gewähren müssen, 
um das Darlehen zurückzuzahlen; gemäss eigener Aussage sei er sehr wohlhabend 

25

(pag. 229). Es sei deshalb davon auszugehen, dass der Beschuldigte die 
CHF 100'000.00 zum Gründungszeitpunkt und auch danach nicht in liquider Form 
besessen habe. Weiter sei ebenfalls nicht ersichtlich, weshalb der Beschuldigte das 
Darlehen bereits neun Tage nach Eintragung der D.________ AG ins Handelsregis-
ter wieder zurückgezahlt habe. Dieses kurze Zeitintervall spreche dafür, dass die 
kurzfristige Rückzahlung bereits vor der Gründung zwischen dem Beschuldigten und 
seiner Mutter vereinbart gewesen bzw. zumindest damit gerechnet worden sei. Das 
Gründungskapital sei im Beurkundungszeitpunkt deshalb nicht zur freien Verfügung 
der Gesellschaft gestanden. Der Beschuldigte habe eine Scheinliberierung erwirkt 
und den Notar über die beabsichtigte Verwendung sowie die freie Verfügungsmacht 
der Gesellschaft über das Gründungskapital getäuscht. Für den Notar sei dies nicht 
erkennbar gewesen, was vom Beschuldigten auch nicht vorgebracht worden sei. Der 
objektive Tatbestand sei damit erfüllt (S. 20 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 547 f.). 

Zum subjektiven Tatbestand führte die Vorinstanz aus, der Beschuldigte habe klar 
zu verstehen gegeben, dass er die D.________ AG nur als Versicherung angesehen 
und zu diesem Zweck gegründet habe. Daraus sei zu schliessen, dass der Beschul-
digte bereits während dem Gründungszeitpunkt damit gerechnet oder zumindest in 
Betracht gezogen habe, dass er die D.________ AG nicht aktiv nutzen werde. Es sei 
weiter hervorzuheben, dass er nicht in der Lage gewesen sei, selber für die Rück-
zahlung des Darlehens aufzukommen, sondern sich ein Aktionärsdarlehen auszah-
len liess, um das Darlehen zurückzuzahlen. Die kurze Zeitspanne, in der er das Dar-
lehen zurückerstattet und der Umstand, dass der Beschuldigte das Darlehen in Form 
eines Aktionärsdarlehens zurückgezahlt habe, spreche ebenfalls dafür, dass der Be-
schuldigte bereits während des Gründungsaktes damit gerechnet oder in Erwägung 
gezogen habe, das Darlehen zeitnah zurückzuzahlen. Er habe damit eventualvor-
sätzlich gehandelt, weshalb auch der subjektive Tatbestand von Art. 253 StGB erfüllt 
sei. Der Beschuldigte sei dementsprechend der Erschleichung einer falschen Beur-
kundung schuldig zu sprechen (S. 21 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 548 f.).

15.3 Vorbringen der Verteidigung 

Die Verteidigung führte in ihrer Berufungsbegründung aus, es handle sich nur dann 
um eine Scheinliberierung bzw. um Einlagen, welche nicht zur freien Verfügung der 
Gesellschaft stehen würden, wenn diese entweder der Gesellschaft selbst als Dar-
lehen gewährt worden seien (Urteil des Bundesgerichts 6B_199/2016 vom 8. De-
zember 2016 E. 2.1.2), eine kurzfristige Rückzahlung vereinbart worden sei 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_230/2011 vom 11. August 2011 E. A) oder das Geld 
dafür schon zur Schuldentilgung habe eingesetzt werden müssen, da andere Gesell-
schaften des Gründers massiv überschuldet gewesen seien (BGE 101 IV 60 E. A). 
Weiter führte sie aus, dem Beschuldigten sei das Darlehen von seiner Mutter unbe-
strittenermassen zinsfrei und auf unbestimmte Zeit gewährt worden. Somit sei das 
Darlehen weder der zu gründenden Gesellschaft gewährt, noch sei eine kurzfristige 
Rückzahlung vereinbart worden. Es müsse ausserdem davon ausgegangen werden, 
dass der Beschuldigte im Gründungszeitpunkt nicht damit gerechnet oder gar die 

26

Absicht gehabt habe, das Darlehen der Mutter nach wenigen Wochen wieder zurück-
zuzahlen. Entsprechend habe das Aktienkapital im Gründungszeitpunkt zur freien 
Verfügung gestanden. Der Notar sei nicht getäuscht worden und die Gründungsur-
kunde sei im Ausstellungszeitpunkt wahr gewesen. Zudem sei das Aktionärsdarle-
hen werthaltig gewesen, da der Beschuldigte ohne Weiteres in der Lage gewesen 
wäre, das Aktionärsdarlehen bei Bedarf umgehend zurückzubezahlen (pag. 604 ff. 
Rz. 26 ff.).

Selbst wenn man den objektiven Tatbestand als erfüllt ansehen würde, so sei der 
subjektive Tatbestand nicht gegeben, da es dem Beschuldigten am Wissen, um die 
angebliche Widerrechtlichkeit seiner Vorgehensweise gefehlt habe. Er sei von drei 
Fachpersonen (einem Bankberater der Saanen Bank, einem Buchhalter der 
L.________ AG und dem Notar) beraten worden. Er habe darauf vertraut, dass das 
gewählte Vorgehen hiesigen aktienrechtlichen Vorschriften entspreche. Er habe so-
mit weder vorsätzlich noch eventualvorsätzlich gehandelt. Der Beschuldigte sei da-
von ausgegangen, dass die CHF 100'000.00 zur freien Verfügung der gegründeten 
Gesellschaft gestanden hätten. Sollte der objektive Tatbestand bejaht werden, habe 
er sich diesbezüglich in einem Sachverhaltsirrtum i.S.v. Art. 13 StGB befunden. Nach 
der Vorstellung des Beschuldigten habe der Notar eine wahre Urkunde ausgestellt. 
Damit fehle es ihm am Vorsatz hinsichtlich des objektiven Tatbestandelements 
«Ausstellung einer falschen Urkunde». Infolge des Irrtums könne er keine Täu-
schungsabsicht gehabt haben, da er von der Korrektheit seiner Angaben ausgegan-
gen sei. Es fehle folglich an beiden subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen. 
Der Beschuldigte sei folglich vom Vorwurf der angeblichen Erschleichung einer 
Falschbeurkundung freizusprechen (pag. 605 f. Rz. 28 ff.). 

15.4 Würdigung der Kammer 

Es ist beweismässig erstellt, dass der Beschuldigte von seiner Mutter ein Darlehen 
über CHF 100'000.00 erhielt, um die D.________ AG zu gründen bzw. das Aktien-
kapital zu liberieren. Das Gründungskapital wurde dabei auf ein Sperrkonto bei der 
SB Saanen Bank AG einbezahlt und erst freigegeben, nachdem die Bank Kenntnis 
vom Handelsregistereintrag der D.________ AG erhielt; die Voraussetzungen von 
Art. 633 OR waren damit im Gründungszeitpunkt ohne Weiteres erfüllt. Weiter ist 
erstellt, dass der Beschuldigte nur einen Tag nach der Freigabe des Gründungska-
pitals die Rückzahlung des Darlehens veranlasste und sich von der D.________ AG 
ein Aktionärsdarlehen über dieselbe Summe gewährte, um den Geldabfluss durch 
die Darlehensforderung buchhalterisch auszugleichen. Die Darlehenssumme von 
CHF 100'000.00 wurde dabei direkt vom Geschäftskonto der D.________ AG an die 
Mutter des Beschuldigten überwiesen. Gemäss vorangehendem Beweisergebnis 
wusste der Beschuldigte bereits im Gründungszeitpunkt, dass er seiner Mutter die 
gewährte Darlehenssumme direkt nach Freigabe des Gründungskapitals umgehend 
zurückzahlen würde (vgl. E. 13.2 hiervor). Sodann wurde soeben dargelegt, dass der 
Beschuldigte durch die Gewährung des Aktionärsdarlehens gegen das Verbot der 
Einlagenrückgewähr gemäss Art. 680 Abs. 2 OR verstiess und das Aktionärsdarle-
hen aufgrund der getrübten Bonität des Beschuldigten nicht werthaltig war 
(vgl. E. 14.4 hiervor). 

27

Beim beurkundenden Notar handelt es sich um eine Person öffentlichen Glaubens 
(vgl. BOOG, in: Basler Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 
4. Aufl. 2019, N 3 zu Art. 110 Abs. 5 StGB). Weiter stellt die Gründungsurkunde der 
D.________ AG zweifelslos eine Urkunde im Sinne von Art. 110 Ziff. 5 StGB dar, da 
sie sowohl geeignet als auch dazu bestimmt ist, die vom Gründer darin bestätigten 
Angaben (vgl. insb. Art. 629 Abs. 1 und 2 OR) zu beweisen. Da der Beschuldigte das 
Kapital nach der Gründung umgehend wieder aus der D.________ AG herausnahm 
und mit dem Ziel der Rückzahlung des ihm von seiner Mutter gewährten Darlehens 
durch ein ungesichertes, nicht werthaltiges Aktionärsdarlehen ersetzte, verstiess er 
gegen das Verbot der Einlagenrückgewähr. Der Beschuldigte wusste dabei bereits 
im Beurkundungszeitpunkt um die sofortige Rückzahlung, weshalb das gesell-
schaftsrechtlich inkorrekte Handeln des Beschuldigten zwangsläufig zur Folge hatte, 
dass er den Notar über die beabsichtigte Verwendung sowie die freie Verfügungs-
macht der Gesellschaft über das Gründungskapitals durch Täuschung in Irrtum ver-
setzte und ihn dazu veranlasste eine unrichtige rechtserhebliche Tatsache zu beur-
kunden. Der Beschuldigte erwirkte durch sein Handeln eine sog. Scheinliberierung 
der Aktien der D.________ AG, was gemäss der zuvor dargelegten bundesgericht-
lichen Rechtsprechung den objektiven Tatbestand von Art. 253 StGB erfüllt. Die vor-
liegende Ausgangslage präsentiert sich dabei ähnlich zu einem kürzlich ergangenen, 
höchstrichterlichen Entscheid: Das Bundesgericht kam in seinem Urteil 
6B_502/2023 vom 7. August 2023 E. 3.2 ff. zum Schluss, dass ein ungesichertes 
Darlehen an einen verschuldeten Aktionär zum Zweck der Rückzahlung des zur Ver-
fügung gestellten Liberierungskapitals den objektiven Tatbestand der Erschleichung 
einer falschen Beurkundung erfüllte. Gleich wie im vorliegenden Fall wusste der da-
malige Beschuldigte im Beurkundungszeitpunkt, dass das Kapital direkt nach der 
Gründung der Gesellschaft an die Darlehensgeberin zurückfliessen würde (siehe 
auch im Unterschied zum vorliegenden Fall das Urteil des Obergerichts des Kantons 
Zürich SB150209 vom 5. Oktober 2015 E. 4.2, in welchem bei einem durch Hinter-
legung von werthaltigen Aktienzertifikaten als Faustpfand gesichertes Aktionärsdar-
lehens kein Verstoss gegen die Einlagerückgewähr vorlag und entsprechend im 
Gründungszeitpunkt die Bestätigung der freien Verfügbarkeit der Gesellschaft über 
das Gründungskapital keine Falschaussage darstellte). Mit der Vorinstanz ist festzu-
halten, dass die unrichtige Beurkundung für den Notar nicht erkennbar war und vom 
Beschuldigten auch nicht vorgebracht wurde (vgl. S. 21 der erstinstanzlichen Urteils-
begründung, pag. 548). Der Beschuldigte hat durch sein Verhalten somit veranlasst, 
dass eine Person öffentlichen Glaubens ihm eine unwahre öffentliche Urkunde 
ausstellte, gestützt auf die ein unwahrer Handelsregistereintrag erfolgt ist. Das Ver-
halten des Beschuldigten erfüllt nach dem Gesagten den objektiven Tatbestand von 
Art. 253 StGB. 

In subjektiver Hinsicht ist zu prüfen, ob der Beschuldigte vorsätzlich handelte, wobei 
Eventualvorsatz genügt. Im Weiteren ist zu beurteilen, ob sich der Beschuldigte hin-
sichtlich des objektiven Tatbestands in einem Sachverhaltsirrtum i.S.v. Art. 13 StGB 
befand.

Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so beurteilt das 
Gericht die Tat gemäss Art. 13 Abs. 1 StGB zugunsten des Täters nach dem Sach-

28

verhalt, den sich der Täter vorgestellt hat. Einem solchen Sachverhaltsirrtum unter-
liegt, wer von einem Merkmal eines Straftatbestandes keine oder eine falsche Vor-
stellung hat. In diesem Fall fehlt dem Irrenden der Vorsatz zur Erfüllung der fragli-
chen Strafnorm (vgl. BGE 129 IV 238 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_825/2019 
vom 6. Mai 2021 E. 5.2.3). Das für den Vorsatz notwendige Wissen verlangt, soweit 
es sich auf Tatbestandsmerkmale bezieht, deren Verständnis eine Wertung voraus-
setzt, nicht die juristisch exakte Erfassung des gesetzlichen Begriffs. Ausreichend 
ist, dass der Täter eine zutreffende Vorstellung von der sozialen Bedeutung seines 
Handelns hat (sog. Parallelwertung in der Laiensphäre; vgl. BGE 129 IV 238 
E. 3.2.2). Hätte der Täter den Irrtum bei pflichtgemässer Vorsicht vermeiden können, 
so ist er aber wegen Fahrlässigkeit strafbar, wenn die fahrlässige Begehung der Tat 
mit Strafe bedroht ist (Art. 13 Abs. 2 StGB). Diese Regeln bringen im Wesentlichen 
zum Ausdruck, was sich bereits aus der Konzeption von Vorsatz und Fahrlässigkeit 
gemäss Art. 12 Abs. 2 und 3 StGB ergibt. Zum «Sachverhalt», den Art. 13 StGB im 
Auge hat, gehören in erster Linie die Tatumstände, also sämtliche Merkmale des 
objektiven Tatbestands, weshalb auch von einem Tatbestandsirrtum gesprochen 
wird. Diesem unterliegt nicht nur, wer sich positiv falsche Vorstellungen über den 
«Sachverhalt» macht, sondern es genügt schon das Fehlen der richtigen Vorstel-
lung, die Unkenntnis eines Tatbestandsmerkmals, wie etwa, wenn der Erwerber ei-
ner gestohlenen Sache deren legale Herkunft als so selbstverständlich voraussetzt, 
dass er sie nicht einmal bedenkt (NIGGLI/MAEDER, in: Basler Kommentar Strafgesetz-
buch, 4. Aufl. 2019, N 8 und 10 zu Art. 13 StGB).

Dem Vorbringen der Verteidigung, wonach sich der Beschuldigte in einem Sachver-
haltsirrtum befunden habe, ist entgegenzuhalten, dass gemäss vorangehendem Be-
weisergebnis der Beschuldigte bereits im Zeitpunkt der Beurkundung wusste, dass 
er seiner Mutter das Darlehen umgehend durch ein ihm von der D.________ AG 
gewährtes und ungesichertes Aktionärsdarlehen zurückzahlen und somit der Gesell-
schaft sämtliches Gründungskapital entziehen würde. Er wusste dabei um die Wi-
derrechtlichkeit seines Handelns resp. dass diese Handlung einen Verstoss gegen 
das Prinzip der Einlagerückgewähr darstellte. Der Beschuldigte kann sich aufgrund 
seines beruflichen Hintergrundes nicht darauf berufen, dass ihm zu diesem Vorge-
hen geraten worden sei. Wie bereits festgehalten wurde, handelt es sich beim Be-
schuldigten um einen (in der Schweiz) erfahrenen Geschäftsmann. Es darf somit 
vom Beschuldigten erwartet werden, dass er mit den grundlegenden Normen des 
schweizerischen Gesellschaftsrechts (Art. 680 OR) vertraut ist. Der Beschuldigte 
irrte somit weder über die freie Verfügungsmacht der Gesellschaft über das Grund-
kapital noch über die Ausstellung der unwahren öffentlichen Urkunde; ein Sachver-
haltsirrtum i.S.v. Art. 13 StGB ist folglich auszuschliessen. Entgegen der vorinstanz-
lichen Einschätzung kommt die Kammer zum Schluss, dass der Beschuldigte nicht 
eventualvorsätzlich, sondern mit direktem Vorsatz handelte. Der Beschuldigte ver-
folgte bereits im Beurkundungszeitpunkt das Ziel, das ihm von seiner Mutter ge-
währte Darlehen umgehend zurückzuzahlen und sich dazu am Kapital der neu ge-
gründeten Gesellschaft zu bedienen. Er hat somit wissentlich und willentlich die un-
wahre Erklärung abgegeben, das Gründungskapital stehe zur freien Verfügung der 
Gesellschaft. Er handelte damit sowohl vorsätzlich als auch mit Täuschungsabsicht. 

29

Das Verhalten des Beschuldigten erfüllt somit auch den subjektiven Tatbestand von 
Art. 253 StGB. 

Es sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldauschlussgründe ersichtlich. 

15.5 Fazit 

Im Ergebnis hat sich der Beschuldigte der Erschleichung einer falschen Beurkun-
dung gemäss Art. 253 StGB schuldig gemacht. 

IV. Strafzumessung 

16. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung 

Hinsichtlich der Grundlagen der Strafzumessung verweist die Kammer auf die kor-
rekten Ausführungen der Vorinstanz (S. 26 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 553 f.). Wie bereits erwähnt, hat die Kammer das Verschlechterungsver-
bot nach Art. 391 Abs. 2 StPO zu beachten. Die Gesamtstrafe darf daher insgesamt 
nicht höher als im angefochtenen Urteil ausfallen. Demgegenüber können in der Be-
rechnung die Strafanteile für die einzelnen Delikte auch mit höheren Werten einge-
setzt werden, als sie von der Vorinstanz verwendet wurden, zumal sich das Ver-
schlechterungsverbot nur auf das Ergebnis, mithin das Urteilsdispositiv und nicht auf 
dessen Begründung auswirkt (BGE 139 IV 282 E. 2.6).

17. Echte Konkurrenz und Gesamtstrafenbildung 

Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für meh-
rere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der 
angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das gesetzliche 
Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Die Bildung einer Ge-
samtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Gelds-
trafe und Freiheitsstrafe sind nicht gleichartig und daher kumulativ zu verhängen. 
Das Gericht kann auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkre-
ten Fall für jeden einzelnen Normverstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (so-
genannte konkrete Methode). Dass die massgebenden Strafbestimmungen abstrakt 
gleichartige Strafen vorsehen, genügt nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 
E. 2.2; 142 IV 265 E. 2.3.2; 138 IV 120 E. 5.2). Allgemein ist bei der Strafzumes-
sung/Gesamtstrafenbildung vorab der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu be-
stimmen. Alsdann hat das Gericht die Einsatzstrafe für die schwerste Straftat inner-
halb des Strafrahmens festzusetzen, indem es alle diesbezüglichen straferhöhenden 
und strafmindernden Umstände berücksichtigt. Bei der Festsetzung der Einsatz-
strafe sind zunächst alle (objektiven und subjektiven) verschuldensrelevanten Um-
stände zu beachten. In einem weiteren Schritt sind die übrigen Delikte zu beurteilen. 
Auch insoweit muss es den jeweiligen Umständen Rechnung tragen (BGE 144 IV 
217, 142 IV 265, Urteil des Bundesgerichts 6B_559/2018 vom 26. Oktober 2018). In 
weiteren Schritten hat die Strafzumessung auch für die übrigen Delikte zu erfolgen. 
Liegt eine gleichartige Strafe vor, ist die Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen 
Straftaten angemessen zu erhöhen, wobei in Anwendung des Asperationsprinzips 

30

aufzuzeigen ist, in welchem Ausmass die Einsatzstrafe erhöht wird. Das Gericht hat 
sämtliche Einzelstrafen für die von ihm zu beurteilenden Delikte festzusetzen und zu 
nennen, damit beurteilt werden kann, ob die einzelnen Strafen und deren Gewich-
tung bei der Strafschärfung bundesrechtskonform sind (BGE 142 IV 265 E. 2.4.3. 
S. 2701 f. mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts 6B_559/2018 vom 26. Oktober 
2018). Erst nach der Festlegung der Gesamtstrafe für sämtliche Delikte sind endlich 
die allgemeinen Täterkomponenten zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.2; 6B_42/2016 vom 26. Mai 2016 E. 5.1 und 
6B_236/2016 vom 16. August 2016 E. 4.2).

18. Methodik, Strafrahmen und Strafart

18.1 Vorbemerkung 

Der Beschuldigte ist wegen folgender Schuldsprüche zu bestrafen: 

- Ungetreue Geschäftsbesorgung, bedroht mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 
oder Geldstrafe

- Erschleichung einer falschen Beurkundung, bedroht mit Freiheitsstrafe bis zu 
fünf Jahren oder Geldstrafe

18.2 Strafart, Strafrahmen und konkretes Vorgehen

Das Gericht kann statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn 
eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen 
oder Vergehen abzuhalten (Art. 41 Abs. 1 Bst. a StGB) oder eine Geldstrafe voraus-
sichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 Bst. b StGB). Wo immer möglich 
ist der Geldstrafe aber Vorrang zu geben. 

Angesichts des zu beachtenden Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) 
kann bereits an dieser Stelle vorweggenommen werden, dass für beide Delikte nur 
eine Geldstrafe in Betracht kommt. Weitere Ausführungen zur Freiheitsstrafe erübri-
gen sich infolgedessen. 

Das schwerste Delikt ist abstrakt betrachtet aufgrund der Strafandrohung die Er-
schleichung einer falschen Beurkundung. Der ordentliche Strafrahmen reicht dabei 
von 3 Tagen Geldstrafe bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe (Art. 34 Abs. 1 und 
40 Abs. 1 StGB). Vorliegend ist der ordentliche Strafrahmen nicht zu verlassen, da 
keine aussergewöhnlichen Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat an-
gedrohte Strafe im konkreten Fall nicht zu hart bzw. nicht zu milde erscheint 
(vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63). Der konkrete Strafrahmen entspricht demnach 
dem abstrakten Strafrahmen; innerhalb dieses Rahmens ist die Strafe festzusetzen. 
In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist die Erschleichung einer falschen Beur-
kundung als Ausgangspunkt der Strafzumessung zu nehmen und es ist hierfür eine 
Einsatzstrafe zu bestimmen, welche anschliessend in Anwendung von Art. 49 
Abs. 1 StGB infolge der begangenen ungetreuen Geschäftsbesorgung angemessen 
zu erhöhen ist. Schliesslich sind die Täterkomponenten zu gewichten, um das kon-
krete Strafmass festzulegen.

31

19. Einsatzstrafe für die Erschleichung einer falschen Beurkundung 

19.1 Objektives Tatverschulden

Art. 253 StGB schützt als Tatbestand des Urkundenstrafrechts das Vertrauen, wel-
ches im Rechtsverkehr einer Urkunde als einem Beweismittel entgegengebracht 
wird. Rechtsgut ist somit der Schutz der Sicherheit und der Zuverlässigkeit des 
Rechtsverkehrs mit Urkunden als Beweismittel und das öffentliche Vertrauen in den 
Urkundenbeweis (BOOG, in: Basler Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetz-
buch, 4. Aufl. 2019, N 5 zu 251 StGB). Der Beschuldigte erschlich sich durch sein 
Handeln eine unwahre öffentliche Urkunde und erwirkte einen daraus folgenden – 
bis zur vollständigen Rückzahlung des Aktionärsdarlehens – unwahren Handelsre-
gistereintrag. Insbesondere mit Blick auf die Publizitätswirkung des Handelsregisters 
kann die Verletzung des vorgenannten Rechtsguts nicht als unbeachtlich bezeichnet 
werden, zumal allfällige Gläubiger der neu gegründeten Gesellschaft darauf ver-
trauen können müssen, dass das Aktienkapital auch tatsächlich der Gesellschaft 
dient. Betreffend Art und Weise der Herbeiführung der Rechtsgutsverletzung bzw. 
der Verwerflichkeit des Handelns ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit keiner 
besonderen kriminellen Energie vorgegangen ist. Er legte weder eine erwähnens-
werte Raffinesse an den Tag noch bediente er sich zur Täuschung des Notars be-
sonderen Machenschaften. Gesamthaft stuft die Kammer das objektive Tatverschul-
den immer noch als leicht ein, weshalb für die objektiven Tatkomponenten vorerst 
eine Strafe von 50 Strafeinheiten veranschlagt wird. 

19.2 Subjektives Tatverschulden

Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich; was indes tatbestandsimmanent und 
daher neutral zu gewichten ist. Er täuschte den Notar über die freie Verfügungsmacht 
der Gesellschaft über das Grundkapital mit dem Ziel, seiner Mutter das Gründungs-
darlehen sogleich wieder zurückzahlen zu können. Seine Beweggründe waren somit 
finanzieller Natur. Dabei wäre die Tat für den Beschuldigten ohne Weiteres vermeid-
bar gewesen. Die subjektiven Elemente wirken sich insgesamt neutral aus und fallen 
damit weder straferhöhend noch strafmindernd ins Gewicht. 

19.3 Fazit

Das Tatverschulden des Beschuldigten wiegt damit insgesamt leicht. Unter Berück-
sichtigung der objektiven und subjektiven Tatkomponenten erscheint für die Erschlei-
chung einer falschen Beurkundung somit eine Einsatzstrafe von 50 Strafeinheiten 
als dem Verschulden des Beschuldigten angemessen. 

20. Asperation für die ungetreue Geschäftsbesorgung

20.1 Objektives Tatverschulden 

Geschütztes Rechtsgut von Art. 158 StGB bildet fremdes Vermögen, welches über 
Vertrauensmissbrauch angegriffen wird (NIGGLI, a.a.O., N 9 zu Art. 158 StGB). Der 
Beschuldigte hat der D.________ AG ihr gesamtes Aktienkapital entzogen und durch 
eine nicht werthaltige Darlehensforderung ersetzt, wodurch der Gesellschaft bis zur 
Rückzahlung des Aktionärsdarlehens ein Vermögensschaden durch Vermögensge-

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fährdung entstanden ist. Es ist dabei zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte auf-
grund des Umstandes, dass die D.________ AG zum Deliktszeitpunkt noch nicht 
operativ tätig war und nebst dem Beschuldigten über keine Angestellten sowie über 
keine weiteren Aktionäre oder Gläubiger verfügte, weder die Gesellschaft in eine 
tatsächliche finanzielle Schieflage brachte noch Drittinteressen konkret gefährdete 
oder verletzte. Das Ausmass der Verletzung des vorgenannten Rechtsguts ist damit 
als leicht zu qualifizieren, insb. auch vor dem Hintergrund, dass das Ausmass des 
Vertrauensbruchs vorliegend als gering zu bez