# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a772d02-0e2a-5c4f-b938-da1311d6f31c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-12
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung, somatoforme Schmerzstörung, kein Rentenanspruch (unveränderte volle Arbeitsfähigkeit in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten). Keine posttraumatische Belastungsstörung.
**Docket/Reference:** IV.2013.00268
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00268.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00268
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiber Rubeli
Urteil
vom
12. Februar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Karin
Caviezel
SwissLegal
Lardi
& Partner AG
Reichsgasse 65, Postfach 474, 7002 Chur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1976
geborene
,
von Juli 2006 bis Juli 2008
(Urk. 8/15)
als
Mitarbeiterin
„
Room
-Service
“
im
Y.___
teiler
werbstätig gewesene
X.___
meldete sich im November 2009
unter Hinweis auf
schlimme Schmer
zen
zum Bezug von Leistungen der In
validenversicherung an (Urk. 8/8
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf er
werbliche und
medizinisch
e Abklärungen
und holte
insbesondere ein
Gutachten von
Dr.
med
.
Z.___
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumaerkrankungen, vom 24. November 2010
ein
(Urk. 8/31)
. Gestützt darauf
wies die IV-Stelle das
Leis
tungsbegehren
von
X.___
mit
Verfügung vom 4. Februar 2011
ab (
„
zu kei
nem
Zeitpunkt anhaltend eingeschränkte Arbeitsunfähigkeit
“
[
Urk. 8/39
]
).
1.2
Im
Juli
2011
meldete sich
X.___
erneut bei der Invaliden
ver
sicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/43
-44
). Die
IV-Stelle
klärte die
aktu
ell
en
Verhältnisse
ab
. Insbesondere zog sie
eine
psychiatrische Beurteilung
des be
handelnden Dr. med.
A.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie,
vom
31.
August 2011
(Urk. 8/50)
bei und veranlasste
ein psychiatrisches Gut
achten
bei
Dr. med.
B.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
3.
Mai 2012 (Urk. 8/57)
. Gestützt
auf das eingeholte Gutachten von Dr.
B.___
wies die IV-Stelle
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/61, Urk.
8/72)
den Rentenanspruch von
X.___
mit Verfügung vom
22. Februar 2013
(
erneut
)
ab (Urk.
2
).
2.
2.1
Dagegen liess
X.___
mit Eingabe vom
14.
März 2013
Be
schwerde erheben und beantragen, es sei
ihr eine Rente der Invalidenversiche
rung
zuzusprechen
(
Urk.
1)
. Dabei liess sie
eine Stellungnahme
von Dr. med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psych
otherapie, vom 30. Oktober 2012
ein
rei
chen (
„
Rekursbegründung
“,
Urk.
3
=
12
)
. Mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin
die
Abweisung der Beschwer
de
(Urk. 7).
Nach Stellungnahme von Dr.
A.___
vom 28. Mai 2013 (Urk. 11)
liess
X.___
,
nunmehr
vertreten durch Rechtsanwältin Karin
Caviezel
,
m
it Replik vom 12. Juli 2013
die
Einholung eines polydisziplinären me
dizinischen Obergutachtens und die
Zusprache
einer I
nvali
denrente mit Wir
kung ab 1.
Januar 2012
beantragen.
Zudem liess die Be
schwerdeführerin
in pro
zessualer Hinsicht
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
un
entgeltlichen
Rechtsverbeiständung
durch Rechts
anwä
lt
in
Karin
Caviezel
nach
su
chen
(Urk. 15)
.
In Bewilligung des Gesuchs
vom 12. Juli 2013 wurde der Be
schwerdeführerin
mit Gerichtsverfügung vom 16. Juli 2013
Rechtsanwältin Karin
Caviezel
als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vor
liegende Verfahren be
stellt, und es wurde ihr die unentgeltliche Prozessführung gewährt (Urk. 17).
Mit Schreiben vom
12. August 2013
erklärte
die
Beschwerde
gegnerin
Ver
zicht auf
Duplik
(Urk. 19
)
,
wovon der Beschwerdeführerin am 14. August 2013 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 20).
Schliesslich reichte
Rechtsanwä
lt
in
Caviezel
am
15. Au
gust 2013
ihre
Honorarnote
(Urk. 21)
samt
Tätigkeitsnach
weis
(Urk. 22) ein
.
2.2
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
forderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
w
er
ten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend ob
jek
tiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
sche
n
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also
nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hin
wei
sen)
.
1.2.2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerz
störung oder ihre Folgen mit ei
ner
zumutbaren Willensanstrengung überwindba
r sind. Bestimmte Umstände, wel
che die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wie
dereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Ein
zelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vorder
grund steht die Feststellung
ei
ner psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer.
Massgebend sein können auch weitere Fa
ktoren, so: chronische körperli
che
Be
gleiterkrankungen
; ein mehrjähriger,
chronifizier
ter
Krankheitsverlauf mit un
ver
änderter oder progredienter Sympt
omatik ohne längerdauernde Rück
bildung;
ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, thera
peu
tisc
h nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf e
iner an sich missglückten,
psy
chisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht
in die Krankheit"); das Scheitern ein
er konsequent durchgeführten am
bu
lanten oder stationären Behandlung (auch
mit unter
schiedlichem therapeu
ti
schen Ansatz) trotz koo
perativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr die
se
r Kriterien zutreffen u
nd je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde dar
stel
len, desto eher si
nd - ausnahmsweise - die Vo
raus
setz
ungen für eine zu
mut
bare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352). Diese im Bereich der
somatoformen
Schm
erzstör
ungen entwickelten Grundsätze w
e
rd
en
recht
spre
chungs
gemäss
etwa auch bei Anpassungsstörungen angewendet
(vgl.
etwa
Urteile des Bundesgerichts
9
C_
408
/2010 vom
22
.
November
2010 E. 5.2
sowie
8
C_
1055
/2010 vom
17
.
Februar
201
1 E.
4
.3
).
1.2.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Er
krankungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die
Ar
beits
-
und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine
fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
han
den sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Be
ein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrüh
ren,
bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu um
fassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar un
ter
scheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokul
tu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbst
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Er
werb
s
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde er
hebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinrei
chende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sie
ren
der
psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bun
desgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG)
sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
1.4.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie
stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist
im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchun
gen
beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psy
chischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
le
gung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Ex
per
te oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten,
welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c
; U. Meyer
Blaser, Die
Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
Rechtsprechungsgemäss darf das Gericht Gutac
hten externer Spezialärzte, wel
che von Versicherungsträgern im Verfahren
nach
Art.
44 ATSG eingeholt wur
den
und den einschlägigen Anforderungen entsprec
hen, vollen Beweiswert zu
er
ken
nen, solange nicht konkrete Indizien gege
n die Zuverlässigkeit der Exper
tise
spre
chen. Demgegenüber stehen die behandelnden Ä
rztinnen und Ärzte in einem
auf
tragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person und haben sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren
. Ihre Berichte ver
folgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden E
ntscheid über die Versicherungs
an
sprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des
Gesundheits
zustandes und er
fül
le
n deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 352 E. 3a. Aus diesen Gründen
und aufgrund der Erfahrungs
tat
sa
che, dass Hausärzte - beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte
(vgl.
etwa
Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April
2007 E. 4.2)
–
mitun
ter
im Hin
blick auf ihre auftragsrechtl
iche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher
zu Gun
sten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine direkte
Leis
tungs
zusprache
einzig gestützt auf die
Angaben der behandelnden Ärztin
nen und
Ärzte
kaum je in Frage kommen (vgl. etwa Urteil des Bundesge
richts 8C_1055/2010 vom 17. Feb
ruar 2011 E. 4.1 mit Hinweisen).
1.4.2
Aufgabe des begutachtenden Arztes oder der begutachtenden Ärztin im Rahmen
der Invaliditätsbemessung bei Vorliegen einer a
nhaltenden
somatoformen
Schmerz
störung
(oder eines vergleichbaren ätiol
ogisch unklaren
syndromalen
Zu
standes) ist es, sich dazu zu äussern, ob eine p
sychische
Komorbidität
oder wei
tere Umstände gegeben sind, welche die Schmerzbewältigung im Hinblick
auf eine erwerbliche Tätigkeit behindern (vgl. E. 1.2.2). Gestützt darauf haben die
rechtsanwendenden Behörden zu entscheiden,
ob der Gesundheitsschaden inva
li
disie
rend ist, das heisst zu prüfen, ob eine f
estgestellte psychische
Komor
bi
di
tät
hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere
der fest
gestellten
weite
ren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vorliegen, um ge
samt
haft den Schluss auf eine im Hinblick auf eine erw
erbliche Tätigkeit nicht mit
zumut
barer Willensanstrengung üb
erwindbare Schmerzstörung zu er
lauben (vgl.
etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_482/2010 vom 2
1.
September 2010 E. 4.3).
1.5
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozial
versicherungsgericht die Ge
setzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachver
halt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsach
en,
die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand
einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243; 121 V 362
E.
1b S.
366).
1.6
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden
und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im
Beschwer
dever
fah
ren
zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch rele
vante
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
2.
Nachdem die IV-
Stelle einen Leistungsanspruch mit in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 4. Februar 2011 (Urk. 8/39) verneint hatte, trat sie auf
die neue Anmeldung vom 4. Juli 2011 (Urk. 8/43)
ein und unterzog das
Leistungsbegeh
ren
einer mate
riellen Prüfung,
verneinte jedoch eine
n invalidisierenden
Ge
sund
heitsschaden
erneut
(Verfü
gung vom 2
2. Februar 2013
, Urk. 2). Zu prüfen ist folg
lich, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse (namentlich der Gesundheits
zu
stand) seit dem
4. Februar 2011
bis zum Zeitpunkt de
r angefochtenen Verfü
gung vom
2
2. Februar 2013
in anspruchserheblicher Weise verändert
haben.
3.
3.1
In dem
nach der
Neuanmeldung veranlassten,
auf
den
medizinischen
Vor
akten
– darunter das Gutachten von Dr.
Z.___
vom 24. November 2010 (Urk. 8/31) und
die
Bericht
e
des behandelnden Psychiaters Dr.
A.___
vom 31. August 2011
(Urk. 8/50)
und vom 4. Januar 2012 (Urk. 8/53)
-
sowi
e auf eigener
psych
iatri
scher Untersuchung
(vom 25. April 2012) beruhenden Expertise vom 3.
Mai 201
2
(Urk.
8/57
) stellte
Dr.
B.___
folgende Diagnosen
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 18 Ziff.
6
):
-
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histrionischen
und emotional in
stabilen Ante
ilen (ICD-10 Z73.1), DD: k
ombinierte Persönlichkeits-
stö
rung
mit
histrionischen
und emotional instabilen Zügen (ICD-10  F61)
-
Verdacht auf
schädlichen Gebrauch von Sedativa (ICD-10 F13.1)
In Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit
hielt Dr.
B.___
fest (S. 19
Ziff.
7),
leidens
an
ge
passt
seien
Tätigkeiten
,
die
keine besonders hohen Anforderungen an die Stre
ss-
und Frustrationstoleranz sowie
an soziale Kompetenzen stell
ten
. In Betracht käme
n sämtliche einfachen Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt. Die Tätig
keit als Callcenter-Agentin und die erlernte Tätigkeit als
Servicefach
angestellte
seien
grundsätzlich leidensadaptiert und die Beschwerdeführerin in diesen
Tätig
k
eiten
voll arbeitsfähig.
In ihre
r Gesamtbeurteilung
erklärte
Dr.
B.___
(S. 14 ff.
Ziff.
5)
, bei der Be
schwer
deführerin hätten aktuell keine psychischen Symptome von
Krankheits
wert
fe
st
ge
stellt werden können. Im
Vorderg
rund stünden
interaktionel
le,
per
sönlich
keits
s
trukture
lle
Auffälligke
iten
. Die Beschwerdesc
hilderung
habe zahl
reiche Inkon
si
stenzen und Widersprüc
he aufgewiesen. Zudem habe sich
eine deutliche
Dis
krepanz zwischen den
beklagten Beschwerden und
der Lebendig
keit der Be
schwer
d
eführerin
und ihren
zahlreichen Aktivitäten
beziehungsweise dem weit
gehend unauffäl
ligen psychischen Befund gezeigt
. Insgesamt sei bei der Be
schwer
deführerin über Verdeutlichungstendenzen hinausgehend auch der Ein
druck von
Aggravationstendenzen und
von manipulativen Tendenzen ent
stan
den
.
Aus der Schilderung
der Beschwerdeführerin
über ihre Kindheit und Jugend gehe
hervor, dass sie ein unerwünschtes, emotional vernachlässigtes und kör
perlich
misshandelt
es
Ki
nd gewesen sei. Zudem habe
sie ein Ereigni
s in Form von sexu
a
lisierter Ge
wa
lt im Alter von
15 Jahre
n geschildert.
Insgesamt
würden sich bei der Beschwerdeführerin
relevant
e Verlusterlebnisse, namentlich
Wech
sel von
Be
zugspersonen,
sowie belastende Ereignisse in der Kindheit und Ju
gend eru
ie
ren
lassen
, welche die
Entwicklung einer stabilen Per
s
önlichk
eits
struktur verhindert hätten.
In
ihre
r
Berufsanamnese
hielt
Dr.
B.___
ein
en häufigen
Wechsel de
r Arbeits
stellen fest
(S. 15 am Anfang)
.
D
ie Beschwerdeführerin habe s
eit Beendigung
der
Lehre 1994 bis heute
insgesamt acht verschiedene Arbeitsstellen innegehabt. Nach
dem ihr die letzte Arbeitsstelle bei einem Callcenter wegen häuf
iger
Ab
senzen gekündigt worden sei, sei
die Beschwerdeführerin seit März
2011 ar
beit
s
los.
In ihrer
Krankheitsanamnese
(S. 15)
hielt
Dr.
B.___
fest,
die Beschwerde
füh
rer
in
sei
im Zusammenhang mit einer ungewollten Schwangerschaft
im Jahr
2007 und der Zuspitzung partnerschaftlicher Probleme ab Septembe
r 2007
„
krank
ge
meldet
“
gewesen
.
Nach
der Geburt des dritten Kindes im
Jahr
2008
sei es
zur
langsamen Entwicklung einer Schmerzsymptomatik gekommen. Ab April 2009 s
ei es wie
derum im Zusammenhang mit einer
Zuspitzung der partnerschaft
l
i
chen
Proble
m
atik
zu einer Zunahme der
Schmerzen gekommen.
Im September
2009
habe sich die Beschwerdeführerin
von
ihrem
ge
walttätigen Ehemann
getrennt und
i
m Novembe
r 2009 habe
sie
einen Antrag auf Leistungen der Invali
den
versiche
rung
gestellt
, wobei sie als gesundheitliche Beeinträcht
igung s
chlimme Schmer
zen im
Bereich der
Lend
enwirbel,
ein
Kribbeln im rechten Bein,
Schul
terschmer
zen
sowie
Schmerzen
in beiden Knien und
Armen
bestehend seit dem 1.
April
2009 ange
geben habe
.
In seinem rheumatologis
chen Gutachten vom
24.
November
2010
sei
Dr.
Z.___
zu
r
Konklusion
gekommen
, dass die
Arbe
its
fähig
keit aus rein somatisch-
rheumatologischer Sicht zu keinem Zeitp
unkt
anhaltend einge
schränkt gewesen sei
.
D
er
behandelnde
Dr
.
A.___
habe
bei der Beschwer
de
führerin „diverse Suizidversuche'' und Suiziddrohungen sowie aggressive Ge
fühle
gegenüber ihren Kindern
beschrieben
. Im Rahm
en der aktuellen Explora
tion (
April 2012
)
habe die Beschwerdeführerin vordergründig über Schmerzen in verschiedenen Körperregionen und über Missempfindungen beziehungsweise
ein Kribbelgefühl berichtet. Auf konkretes Nachfragen hin habe sie wider
sprüch
l
iche Angaben zu ihren angegebenen Suizidversuchen seit 2007 gemacht. Eine sta
tionäre psychiatrische Behandlung - wie dies aufgrund der angegebenen Sui
zidali
tät indiziert gewesen wäre -
habe
bisher
nicht stattgefunden
.
Aktuell habe
die Beschwerdeführerin einschiessende
, wenige Minuten andauernde
Spannungs
zustände mit teilweise aggressiven Durchbrüchen bei Zunahme ihrer Schmerzen
angegeben
.
Depressive Sym
ptome seien
- abgesehen v
on den ange
gebenen Schlaf
störungen - von der Beschwerdeführerin
nicht erwähnt
worden
.
Auch hätten sich bei der Beschwerdeführerin keine
Symptome einer
posttrau
ma
ti
schen
Belastungsstö
rung eruieren
lassen.
Diagnostisch
(S.
16 Mitte)
sei von einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstö
rung
auszu
gehen, die auf dem Boden von akzentuierten Persönlichkeitszügen mit
histrio
nischen
und emotional instabilen Anteilen entstanden sei.
Diffe
ren
tial
diagnos
tisch
sei eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen
und emoti
onal instabilen Zügen
zu erwägen.
Die Angaben der Beschwer
de
führerin
zu ih
rer sozialen
und beruflichen Anamnese hätten
teilweise
wenig an
gepasste
Ver
haltensmuster auf unterschiedliche persön
liche und soziale Reak
tio
nen er
ken
nen
lassen.
G
emäss den d
iagnostischen Leitlinien
bestehe ein
fliessender Über
gang zwischen einer Persönlichkeitsakzentuierung und einer
Persönlichkeits
störung
; derzeit sei e
ine ab
schliess
e
nde diagnostische Zuordnung
nicht möglich.
Dissoziative Bewegungsstörungen - neurologisch als funktionelles
Hemisyn
drom
rechts diagnostiziert - seien zuletzt im März 2010 beschrieben worden und hätten
aktuell
nicht festgestellt werden können.
H
insichtlich der Auswirkungen der persönlichkeitsstrukturellen Defizite
hielt Dr.
B.___
fest
(S. 17)
, dass die - per d
efinitionem seit der Jugend bestehenden -
akzentuierten Persönlich
keitszüge beziehungsweise
die differentialdiagnostisch
erwogene kombinierte Persönlich
keitsstörung keine quantitativen Einschrän
kun
gen
der Arbeitsfähigkeit zur Folg
e
gehabt hätten
.
Allenfalls könnten
aus den
per
sönlich
keitsstruktur
ellen
Auffälligkeiten
qua
litative Einschränkungen der Ar
beits
fähigkeit resultieren.
Schliesslich bejahte Dr.
B.___
die willentliche Überwindbarkeit der festgestell
ten unspezifischen
somatoformen
Beschwerden, und sie erklärte,
b
ei de
r Be
schwerdeführerin
würden sich zudem
psychosoziale Faktoren eruieren lassen, die
bei ihr den Störungsverlauf mit beeinflussen würden
.
Zusammenfassend
hätten die
vorliegenden Diagnosen keine andauernde Auswir
kung auf die quan
titative Arbeitsfähigkeit
. Es
würden
bei der Beschwer
de
füh
rerin
lediglich qualitative Einschrän
kungen der Arbeitsfähigkeit in Form einer leicht
verminderten Stress- und Frust
rationstoleranz sowie
leichte Ein
schrän
kungen der
sozialen Kompetenzen in Form einer verminderten
Anpas
sungs
- und
Konfliktfähigkeit vorliegen, die sich bei ideal adaptierten Tätigkei
ten nicht aus
wirken würden.
3.2
Der Psychiater
Dr.
A.___
, auf welche
n
die Beschwerdeführerin verwies (Urk. 1
,
Urk.
15
),
hielt
folgende Diagnosen mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit
fest
(
vgl. etwa
in seinem
Bericht vom 4.
Januar 2012
,
Urk. 8
/53
/1
):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen
, emotional insta
bilen
und abhängigen Anteilen (
ICD
-10 F61.0)
-
posttraumatische Belastungs- und Anpassungsstörung (ICD-10 F43.1/2)
-
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Der seit 8. März 2011 behan
delnde Dr.
A.___
attestierte
der Beschwerdeführe
rin
von
März
2010
bis Dezember
2010
eine Arbeitsunfähigkeit
von 20 %
sowie
seit Januar 2011
eine
andauernde
volle Arbeitsunfähigk
eit
(
als
Serviceange
stellte
beziehungsweise als Call
c
enter-Angestellte [
Urk.
8/53/9 Ziff.
1.6
,
Urk. 8/50/2
]
)
.
Dr.
A.___
führte aus,
d
ie
Beschwerdeführerin
sei
zwar in der Lage
,
ihre Kinder
zu betreuen
, aber nur, wenn die psychosoziale Umgebung konstant, berechen
bar und auch unterstützend wahrgenommen werde. Eine Ar
beitsfähigkeit sei, so lange das Chaos anhalte, aus psychiatrischer Sicht n
icht möglich beziehungs
weise die Beschwerdeführerin
sei nur grenzwertig in der Lage, den Haushalt und die Fürsorge
für die
Kinder, die alle jetzt schon mit der Integration sehr grosse Probleme hätten, zu bewältigen. Mittelfristig werde sich daran nichts wesentlich
ändern
(vgl. auch
Stellungnahmen
[
Rekursbegründung
en
]
vom
30. Oktober 2012
[
Urk. 3
]
und vom
28. Mai 2013
[
mit Angabe einer
andauern
den
Arbei
tsunfähig
keit
von wenigstens 80 %,
Urk. 11
S. 2
])
.
4.
4.1
In psychi
atri
scher Hinsicht liegen in Bezug auf Diagnosen und Arbeitsfähigkeit divergierende medizinische Beurteilungen vor.
D
as Gutachten von Dr.
B.___
, auf welches sich die B
eschwerdegegnerin abstützt,
beruht auf sorgfältiger Un
ter
suchung und
es
berücksich
tigt
die geklagten Beschwerden und die medizi
ni
schen
Vorakten
.
Es wird durch die abweichenden Einschätzungen von Dr.
A.___
nicht in Zweifel gezogen.
4.2
Diagnostisch
bestehen
nach der
Beurteilung von Dr.
B.___
insbesondere
eine
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
und
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histrionischen
und emotional instabilen Anteilen beziehungsweise e
ine kom
binierte Persönlichkeits
störung mit
histrionischen
und emot
ional instabilen Zügen
,
welche Beurteilung nachvollziehbar
ist. Dagegen handelt es sich bei der
von Dr.
A.___
diagnostizierten
posttraumatischen Belastungsstörung gemäss der
massgeblichen Klassifikation (ICD-10 F43.1) um eine verzögerte oder protrah
ierte
Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation ausserge
wöhnlicher Be
drohung oder katastrophenartigen Ausmasses, die bei fast jedem eine tiefe
Verzweiflung hervorrufen
würde, wobei die Störung dem Trauma mit
einer La
tenz, die Wochen bis Mo
nate dauern kann (doch selten mehr als sechs Monate nach dem Trauma), folgt. Der Verlauf
ist
wechselhaft,
in der Mehrzahl der Fälle
kann jedoch eine Heilung erwartet werden (vgl. ICD-10 F43.1; vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], von der Weltgesundheitsorganisation [WHO] heraus
ge
gebene
Internationale
Klassifikation psychischer
Störungen, ICD-10 Kapitel V
[F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
7.
Aufl., Bern 2010
, S.
183
). Dr.
B.___
schloss
nachvollziehbar eine posttraumatische Belastungsstörung aus
(Gutach
ten
S.
20
Ziff.
8.5)
.
Dabei fällt
insbesondere
auf, dass
es
der Beschwer
deführerin
möglich gewesen
war
,
über
viele
Jahre
eine
berufliche
Tätigkeit
aus
zuüben
,
und
dass sich
i
n ihrem
Privatleben
kein
e Einschrän
kungen
ergeben ha
tten
(vgl. „Berufs-
und Tätigkeitsanamnese
"
, Gutachten von Dr.
B.___
, S. 8 und 17)
.
So
dann fällt ins Gewicht, dass gemäss konstanter Praxis des Bundesgerichts die Diagnose gemäss ICD-10 zwingend „ein belastendes Ereignis oder eine Situation mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“ (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_665/2010 vom 25. November 2010 E. 4.1) vorliegen muss. Eine weniger
einschränkende Formulierung des Belastungskriteriums mag therapeutisch Sinn
machen. In der Invalidenversicherung sind hingegen eine schwierige Kindheit und
die Erfahrung von Beziehungsgewalt in Adoleszenz und Erwachsenenalter für die Leistungsberechtigung nicht ausreichend (Urteil des Bundesgerichts 9C_671/2012 vom 15. November 2012 E. 4.1 und E. 4.3). Mangels eines ent
sprechenden Ereignisses kann die Beschwerdeführerin aus der entsprechenden Diagnose von Dr.
A.___
nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Insoweit die Beschwerdeführerin die Schlussfolgerungen der Gutachterin nament
lich mit Blick auf die Persönlichkeitsstörung als widersprüchlich bemängelte (Urk.
15 S.
13 f.), ist ihr entgegen zu halten, dass Dr.
B.___
akzentuierte
Per
sönlichkeitszüge
mit
histrionischen
und emotional instabilen Anteilen (ICD-10 Z73.1) diagnostizierte und die Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F 61) nur
ihm
Rahmen der Differentialdiagnose erwähnte (Urk. 8/57 S. 18).
Bei den soge
nannten Z-Kodierungen handelt es sich um Faktoren, die den Gesundheits
zu
stand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen
, aber
keine rechtserhebliche Gesundheitsbeeinträchtigung darstellen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
8C_302/2011 vom 20. September 2011 E. 2.3
). Wenn auch die Gutachterin auf den
fliessenden Übergang zwischen einer
Persönlichkeits
ak
zentuierung
und einer Persönlichkeitsstörung (Urk. 8/57)
und damit die
Schwierig
keiten der Diagnosestellung hinwies, bleibt festzuhalten, dass im Ein
zel
fall weniger die Diagnose
an sich
als die daraus
resultierende
Beeinträchtigung
der Erwerbsfähigkeit massgebend ist (BGE 136 V 281 E. 3.2.1). Zur Ar
beits
fähig
keit der Beschwerdeführerin hat die Gutachterin
hinreichend bestimmt Stel
lung genommen, weshalb sich die Expertise durchaus als schlüssig erweist. Von der
beantragten Befragung der Arbeitgeber der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
15 S. 15)
ist abzusehen, da nicht diese, sondern die Ärzte den Gesundheitszustand und die zumutbare Arbeitsfähigkeit zu beurteilen haben (vgl. vorstehend E. 1.4.1)
. Diesbezüglich zu bemerken bleibt, dass gemäss Arbeitgeberbericht des
Y.___
nicht gesundheitliche Probleme, sondern die Unzuverlässigkeit der Beschwerdeführerin zur Kündigung führten (Urk. 8/15/8).
Die von Dr. med.
C.___
, FMH Allgemein- und Arbeitsmedizin, im Bericht vom 7. November 2011 genannte Distorsion der Halswirbelsäule vom März 2011 (Urk. 8/52/1) hat offenbar keine weiteren gesundheitlichen Beschwerden nach sich gezogen. So hat Dr.
A.___
am 4. Januar 2012 einen entsprechenden Vorfall nicht einmal erwähnt (Urk. 8/53) und ebenso wenig fand das Ereignis Eingang in die Anamnese des Gutachtens von Dr.
B.___
(vgl. indes Urk. 8/57 S. 5 oben). Diesbezüglich erscheint daher eine Änderung der gesundheitlichen Verhältnisse nicht als überwiege
nd wahrscheinlich ausgewiesen.
I
n Bezug auf die
von Dr.
A.___
zusätzlich
diagnostiziert
e
Anpassungsstörung
sind
die im Be
reich der
somatoformen
Schmerzstörungen (Diagnose von Dr.
B.___
) entwi
ckelten Grundsätze analog anzuwenden (
vgl. dazu
nachstehende E.
4.4).
4.3
Gemäss
der
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
durch
Dr.
B.___
besteht in psychischer Hinsicht
eine volle Ar
beitsfähigkeit in den ausgeübten
Tätigkeiten.
Dabei
sind – entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin (
Urk.
15 S.
8 und 15
)
–
die
Tätigkeit als C
allcenter-Agentin und als
Servicefachangestellte
durchaus
lei
den
s
adaptiert
.
Soweit
der behandelnde D
r.
A.___
die Arbeitsfähigkeit
in seinen
Stellungnahmen
vom 30. Oktober
2012 (
U
rk. 3
)
und
vom 28. Mai 2013 (Urk. 11)
anders einschätzt
e
, ist einerseits
festzu
stellen, dass die darin bes
chriebenen Be
funde
nicht von
seinen früheren Fest
stellungen
abweichen, welc
he Dr.
B.___
be
rücksichtigt
und
als
hauptsächlich auf subjektiven Angaben
beruhend
kritisiert
hat
(
Gutachten
S. 20
Ziff.
8.5).
An
derseits
ist festzuhalten, dass die Stellung
nahmen von Dr.
A.___
IV-fremde
psychosoziale Faktoren
(vgl. E. 1.2.3
hievor
)
be
r
ücksichtigten (vgl. etwa
Angabe einer „teilweisen Arbeitsfähigkeit in un
ge
fähr zwei Jahren, wenn die Kinder grösser sind“ [Urk. 8/53/3
Ziff.
1.8] bezieh
ungsweise
„reale Überforderungen im Management der Kinder, des Haushalts und in Folge ihres kleinen Budgets“ [Urk. 3])
.
Dr.
A.___
begründete auch nicht, weshalb er für die Zeit von März bis Dezember eine Arbeit
s
unfähigkeit
von 20
% und hernach eine solche von 100 % bescheinigte (Urk. 8/53/9).
Im Weiteren
gilt
es die Rec
htsprechung zu beachten, wonach
in Bezug auf
die Würdigung der
Be
richte
regelmässig behandelnder Spezialärzte (vgl. Ur
teil des
Bundesgerichts I 551/06 vom 2.
April 2007 E. 4.2)
das Gericht der Er
fahrungstatsache Rechnung tragen
darf und soll, dass diese mitunter im Hin
blick auf ihre au
ftragsrechtliche Vertrauensstel
lung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer P
atientinnen und Patienten aussa
gen (
vgl. Urteil des Bundesge
richts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2).
4.4
Was
die
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
beziehungsweise
die von
Dr.
A.___
zusätzlich
diagnostizierte Anpassungsstörung
(mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
)
anbelangt, ist
die ausnahmsweise Unüberwindbarkeit der Stö
rung
(vgl. E. 1.2.2
hievor
)
gestützt auf das
Gutachten von Dr.
B.___
zu verneinen.
Sie legte mit einleuchtender Begründung dar
(S. 17)
,
dass sich
kein
e
(
komorbide
)
depressive Störung oder Angststörung
habe
eruieren lasse
n
und
dass
die
seit der Jugend bestehenden persönlichkeits-strukturellen Beson
derheiten
keine quant
itativen
Einschränkungen der Ar
beitsfähigkeit bewirk
t
en
.
Im Weiteren wies
Dr.
B.___
darauf hin, dass kein
sozial
er
Rückzug
bestehe
(vgl. auch Angabe von
„zwei guten
Freundinnen
“
und Kontakt zu einem Halbbruder [Urk. 8/57/11
]
)
und
k
e
in verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer missglückten, psychisch aber entlastenden
Kon
fliktbewältigung
(primärer Krankheitsgewinn)
vor
liege.
Selbst wenn
ein mehr
jähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf zu gewärtigen
wäre
,
wäre
dieses Kri
terium
jedoch
nicht allzu stark zu gewichten, weshalb
insgesamt
nicht auf eine ausnahmsweise
Unzumutbarkeit der willentlichen Überwindung
der entspre
chenden
Störung
en
ges
chl
o
ssen
werden kann
.
5
.
D
er medizinische Sachverhalt
ist
in psychischer und physischer Hinsicht
als
er
stellt zu betrachten. Von dem
mit Replik
beantragten
polydisziplinären
Ober
gut
achten
(vgl. Urk. 1
5
S. 2
Ziff.
2
)
sind keine
entscheidwesentlichen
neuen Er
kenntnisse
zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte
Beweis
wür
digung
;
BGE
136 I 229 E. 5.3
).
6
.
Demnach
ist
von einer (unveränderten) vollen Arbeitsfäh
igkeit in den
zuletzt aus
geübten
Tätigkeit
en
auszugehen
, womit
– mangels
gesundheitlich
bedingter
Ein
kommenseinbusse
– weiterhin kein Rentenanspruch
besteht
.
D
ie angefochtene Verfügung
erweist sich damit
als rechtens, was zur Abwei
sung
der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7
.
Die in Anwendung von Art. 69 Abs. 1
bis
IVG auszufällende Gerichtskostenpau
schale ist auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerde
füh
rerin aufzuerlegen, zufolge der mit Gerichtsverfügung vom
1
6.
Juli 2013
ge
währ
ten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen. Im Weiteren ist die mit genannter Gerichtsverfügung zur un
entgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin bestellte Rechtsanwältin
Caviezel
aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Neben dem mit
Honoranote
und
Leistungsnachweis vom 15. August 2013 (Urk. 21-22) spezifizierten Aufwand
von 10 Stunden 20 Minuten, welche zum gerichtsüblichen Ansatz von Fr. 200.--
entschädigt werden, machte sie Barauslagen von insgesamt Fr. 382.40 geltend, beinhaltend 296 Kopien à Fr. 1.-- sowie Pauschalspesen für Telefonate und
Porti
von Fr. 86.40. Praxisgemäss beträgt die Abgeltung von Kosten für Foto
ko
pien Fr. 0.50. Sodann stehen die geltend gemachten Pauschalspesen in krassem
Gegensatz zu den dokumentierten Aufwendungen, welche kein einziges Tele
fo
nat
ausweisen und lediglich zwei
un
- sowie zwei eingeschriebene Postsen
dung
en enthalten. Damit sind die Barauslagen mit Fr. 160.-- zu bemessen. Gesamthaft resultiert eine Entschädigung von Fr. 2‘404.80 (inkl. Barauslagen und
MWSt
).
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
7
00
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Karin Caviezel
, Chur,
wird mit
Fr. 2'
404
.
80
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichts
kasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Karin
Caviezel
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubRubeli