# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 12c01a48-8f70-5a83-84c6-80d82af324d0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.06.2009 A-1652/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1652-2006_2009-06-22.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1652/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  J u n i  2 0 0 9

Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz), 
Richter Daniel Riedo, Richter Thomas Stadelmann,
Gerichtsschreiber Johannes Schöpf.

X._______, ...,
vertreten durch ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (MWSTG / Ende der Steuerpflicht / 
1. Quartal 2001 bis 4. Quartal 2004).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1652/2006

Sachverhalt:

A.
Die X._______ war vom 1. Januar 1997 bis zum 30. Juni 2005 im von 
der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) geführten Register der 
Mehrwertsteuerpflichtigen  eingetragen.  Gemäss 
Handelsregisterauszug  und  Angaben  im Fragebogen  zur  Eintragung 

als Mehrwertsteuerpflichtige bezweckt die Gesellschaft die Forschung 

und  Entwicklung  im  Bereich  ....  Am 27.  Dezember  1999  wurde  der 

X._______  das  Gesuch  zur  Mehrwertsteuerabrechnung  nach 

vereinnahmten Entgelten bewilligt.

B.
Am 4. April und 13. Mai 2005 führte die ESTV bei der X._______ eine 
Kontrolle  nach  Massgabe  von  Art.  62  des  Bundesgesetzes  vom  2. 
September  1999  über  die  Mehrwertsteuer  (MWSTG,  SR  641.20) 
durch.  Dabei  überprüfte  die  Verwaltung  unter  anderem  die 
Abrechnungsperioden 1. Quartal  2001 bis 4. Quartal  2004 (Zeitraum 
vom 1. Januar 2001 bis 31. Dezember 2004) und stellte fest, dass die 
Gesellschaft in den Jahren 2001 bis 2004 keine oder nur unbedeuten-
de Umsätze erzielte und demzufolge im Jahr 2001 und in den Folge-
jahren  die  für  die  obligatorische Mehrwertsteuerpflicht  massgebliche 
Mindestumsatzgrenze nicht  mehr  erreichte. Aufgrund der  gemachten 
Feststellungen  wurde  die  X._______  von Amtes wegen  auf  den  30. 
Juni 2005 mit Wirkung ab dem 31. Dezember 2001 aus dem Register 
der Mehrwertsteuerpflichtigen gelöscht. Mit Schreiben der ESTV vom 
8. Juni  2005  wurde  die  Gesellschaft  über  die  vorgenommene 
Löschung  orientiert  und  darauf  hingewiesen,  dass  ab  dem 
31. Dezember  2001  die  Mehrwertsteuernummer  auf  den  Ge-
schäftspapieren  nicht  mehr  verwendet  und  in  den  Fakturen  keine 
Mehrwertsteuer mehr ausgewiesen werden dürfe. Aufgrund des Weg-
falls der subjektiven Mehrwertsteuerpflicht per 31. Dezember 2001 for-
derte  die ESTV mit  der  Ergänzungsabrechnung (EA)  Nr. ...  vom 13. 
Mai 2005 die Eigenverbrauchssteuer auf den per 31. Dezember 2001 
vorhandenen  Anlagegütern  nach  und  belastete  der  X._______ 
überdies  die  in  den  Jahren  2002  bis  2004  geltend  gemachten 
Vorsteuern wieder zurück. Insgesamt forderte die Verwaltung für das 1. 
Quartal 2001 bis 4. Quartal 2004 (Zeitraum vom 1. Januar 2001 bis 31. 
Dezember 2004) Fr. ... Mehrwertsteuer zuzüglich Verzugszins zu 5 % 
ab dem 31. August 2003 (mittlerer Verfall) nach.

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C.
Mit Schreiben vom 25. Juli 2005 machte die X._______ geltend, dass 
die  ESTV  die  Löschung  aus  dem  Register  der  Mehr-
wertsteuerpflichtigen trotz intensiver Tätigkeiten und grosser Investitio-
nen  für  ein  "...  Center"  vorgenommen  habe.  Mit  dem  Verzicht  auf 
Abmeldung habe sie jedoch per 1. Januar 2002 für die freiwillige Mehr-
wertsteuerpflicht gemäss Art. 27 Abs. 2 MWSTG  optiert. Danach be-
stehe ein Rechtsanspruch auf freiwillige Unterstellung unter die Mehr-
wertsteuerpflicht,  sofern  eine  Tätigkeit  aufgenommen  wurde,  die 
darauf ausgerichtet sei, spätestens innert fünf Jahren im Inland regel-
mässig steuerbare Jahresumsätze von mehr als Fr. 250'000.-- zu er-
zielen. Demzufolge  habe  ihre  Mehrwertsteuerpflicht  auch  nach  dem 
31.  Dezember  2001  weiter  bestanden.  Die  Gesellschaft  verlangte 
einen einsprachefähigen Entscheid.

D.
Mit Entscheid vom 18. Januar 2006 bestätigte die ESTV die Mehrwert-
steuernachforderung gemäss der EA Nr. ...  im Betrag von Fr. ... und 
forderte für den Zeitraum vom 1. Januar 2001 bis 31. Dezember 2004 
(unter Anrechnung der Guthaben der Abrechnungsperioden 1. Quartal 
2002 bis 4. Quartal 2004) Fr. ... Mehrwertsteuer zuzüglich Verzugszins 
zu  5  % ab dem 31. August  2003 (mittlerer  Verfall)  nach. Die  gegen 
diesen Entscheid am 16. Februar 2006 erhobene Einsprache hiess die 
ESTV mit Einspracheentscheid vom 28. August 2006 im Betrag von Fr. 
... teilweise gut und wies sie im Übrigen ab. Die Verwaltung stellte sich 
dabei auf den Standpunkt, eine stillschweigende Option nach Art. 27 
Abs. 1 MWSTG sei mangels des erforderlichen Mindestumsatzes von 
Fr. 40'000.--  ausgeschlossen  und  die  Option  nach  Art.  27  Abs.  2 
MWSTG stehe nur Unternehmen zur Verfügung, die ihre Tätigkeit neu 
aufnehmen, nicht aber bestehenden Unternehmen.

E.
Gegen  den  Einspracheentscheid  vom  28.  August  2006  erhob  die 
X._______ (Beschwerdeführerin) Beschwerde an die Eidgenössische 
Steuerrekurskommission (SRK) mit den nachfolgenden Anträgen:

"1. Es sei festzustellen, dass die X._______ in den Abrechnungsperioden 

1.  Quartal  2002  bis  4.  Quartal  2004  (Zeit  vom  1.  Januar  2002  bis  31. 

Dezember  2004)  mehrwertsteuerpflichtig  war  und  deshalb  zu  Unrecht  mit 

Wirkung  ab  dem  31.  Dezember  2001  aus  dem  Register  der  Mehr-

wertsteuerpflichtigen gelöscht wurde.

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2. Es sei festzustellen, dass die Rückzahlung der MWST-Beträge für die 

Steuerperiode 1. Quartal 2002 bis 4. Quartal 2004 (Zeit vom 1. Januar 2002 

bis 31. Dezember 2004) gemäss Ergänzungsabrechnung vom 13. Mai 2005 

und Gutschriftsanzeige vom 28. August 2006 bzw. Ziffer 3 des angefochtenen 

Einsprachentscheides vom 28. August 2006 hinfällig ist.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen nach Gesetz."

Zur Begründung führte die Beschwerdeführerin insbesondere aus, die 
Rechtsansicht der Verwaltung, wonach eine Option nach Art. 27 Abs. 2 
MWSTG nicht auf bestehende Unternehmen anwendbar sei, sei unzu-
treffend.  Die  Gesellschaft  machte  eine  Wettbewerbsverzerrung  gel-
tend,  eine Option könne auch stillschweigend erfolgen. Zudem dürfe 
die ESTV bei einer Option nach Art. 27 Abs. 2 MWSTG nicht die Ein-
reichung eines Businessplans verlangen.

F.
In  der  Vernehmlassung vom 16. Januar  2007 schloss  die  ESTV auf 
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde und legte dar, warum die 
Bestimmung  von  Art.  27  Abs.  2  MWSTG  lediglich  auf  Jungunter-
nehmen  anwendbar  sei  und  dass  die  Beschwerdeführerin  auch  die 
weiteren Voraussetzungen für die verlangte Option nicht erfüllt habe.

G.
Mit  Schreiben  vom  23.  Januar  2007  teilte  das  Bundesverwaltungs-
gericht den Parteien mit,  dass es das hängige Beschwerdeverfahren 
per 1. Januar 2007 übernommen habe.

Auf die weiteren Begründungen der Eingaben wird – soweit entscheid-
wesentlich  –  im  Rahmen  der  nachstehenden  Erwägungen  einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Bis zum 31. Dezember 2006 unterlagen Einspracheentscheide der 
ESTV  der  Beschwerde  an  die  SRK.  Das  Bundesverwaltungsgericht 
übernahm, sofern es zuständig ist, die am 1. Januar 2007 bei der SRK 
hängigen  Rechtsmittel.  Die  Beurteilung  erfolgt  nach  neuem  Ver-
fahrensrecht  (Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 

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über das Bundesverwaltungsgericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, 
SR 173.32]).  Soweit  das  VGG nichts  anderes  bestimmt,  richtet  sich 
gemäss  Art.  37  VGG  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  zur  Behandlung  der 
Beschwerde sachlich wie funktionell  zuständig (Art. 31 und 33 Bst. d 
VGG).  Die  Beschwerdeführerin  hat  den  Einspracheentscheid  vom 
28. August 2006 frist- und auch formgerecht angefochten (Art. 50 und 
52 VwVG). Sie ist durch diesen beschwert und grundsätzlich zur An-
fechtung berechtigt (Art. 48 VwVG). Somit ist auf die Beschwerde ein-
zutreten.

1.2 Am 1. Januar 2001 sind das MWSTG sowie die Verordnung vom 
29.  März  2000  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer 
(MWSTGV, SR 641.201) in Kraft getreten. Da der Sachverhalt, soweit 
er sich vorher zugetragen hat, nicht Streitgegenstand bildet, ist im vor-
liegenden Verfahren das MWSTG anwendbar. Der Wortlaut von Art. 27 
Abs. 2  MWSTG wurde durch Ziff. 1  des Anhangs zum Stromversor-
gungsgesetz vom 23. März 2007 (SR 734.7) auf den 1. Januar 2008 
geändert; vorliegend massgebend ist jedoch der ursprüngliche Text.

1.3 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Ein-
spracheentscheid grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die Be-
schwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 
Bst. a  VwVG)  und  der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung 
des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art. 49  Bst. b  VwVG)  auch  die 
Rüge  der  Unangemessenheit  erheben  (Art. 49  Bst. c  VwVG;  ANDRÉ 
MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem Bun-
desverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S. 73  Rz. 2.149;  ULRICH 
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 
5. Aufl.,  Zürich  Basel  Genf  2006,  Rz. 1632  ff.).  Das  Bundesverwal-
tungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und 
ist  dabei  nicht  ausschliesslich  an die  Parteibegehren gebunden. Die 
Beschwerdeinstanz hat das Recht von Amtes wegen anzuwenden; sie 
ist an die vorgebrachten rechtlichen Überlegungen  der Parteien nicht 
gebunden (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Ver-
waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., 
Zürich 1998, S. 39 Rz. 112).

1.4 Die  Beschwerdeführerin  hat  ihre  Anträge  als  Feststellungsbe-
gehren formuliert (Feststellung der Mehrwertsteuerpflicht für die Jahre 

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2002 bis  2004 sowie  Feststellung,  dass  die  Rückzahlung von Mehr-
wertsteuerbeträgen "hinfällig" sei). Bezüglich Ziff. 1 der angefochtenen 
Verfügung ist dies korrekt, verlangt die Beschwerdeführerin doch damit 
die  Reformation  einer  Feststellung  der  Vorinstanz 
(MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O., S. 94, Rz. 2.211). Hingegen ist das 
Feststellungsbegehren,  welches  sich  auf  Ziff.  3  des  angefochtenen 
Einspracheentscheids  bezieht,  als  Begehren  um  Aufhebung  zu  ver-
stehen, da laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung der Anspruch auf 
Erlass einer Feststellungsverfügung subsidiär gegenüber rechtsgestal-
tenden Verfügungen ist (BGE 119 V 13 E. 2a, BGE 114 V 203;  RENÉ 
RHINOW/BEAT KRÄHENMANN,  Schweizerische  Verwaltungsrechtsprechung, 
Ergänzungsband,  Basel  1990,  Nr. 36,  S. 109 f.).  Soweit  die  Be-
schwerdeführerin in ihrem Antrag auch die EA vom 13. Mai 2005 und 
die GS vom 28. August 2006 erwähnt, ist darauf hinzuweisen, dass EA 
und GS nach ständiger Rechtsprechung und Praxis keine Verfügungen 
im Sinn von Art. 5  VwVG sind und insoweit  nicht  Anfechtungsobjekt 
eines Rechtsmittelverfahrens sein können (vgl. Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts  A-1454/2006  vom  26. September  2007  E.  1.3  und 
A-1608/2006  vom  8.  Mai  2007  E. 2.1;  Entscheid  der  SRK  vom 
31. August  2004,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbe-
hörden [VPB] 69.6 E. 2b/bb; vgl. auch ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/
KLAUS A. VALLENDER,  Handbuch  zum Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG], 
2. Aufl., Bern 2003, Rz. 1678). Mit dieser Einschränkung ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

2.

2.1 Die  Voraussetzungen  der  subjektiven  Mehrwertsteuerpflicht  bei 
der  Inlandsteuer  ergeben  sich  aus  Art.  21  MWSTG.  Demnach  ist 
grundsätzlich mehrwertsteuerpflichtig, wer eine mit der Erzielung von 
Einnahmen verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstän-
dig ausübt, sofern seine Lieferungen, seine Dienstleistungen und sein 
Eigenverbrauch im Inland jährlich gesamthaft Fr. 75'000.-- übersteigen 
(Art. 21 Abs. 1 MWSTG). Von der Mehrwertsteuerpflicht ausgenommen 
ist gemäss Art. 25 Abs. 1 Bst. a MWSTG ein Unternehmen mit einem 
Jahresumsatz nach Art. 21 Abs. 3 MWSTG bis zu Fr. 250'000.--, sofern 
die  nach  Abzug  der  Vorsteuer  verbleibende  Steuer  (sogenannte 
Steuerzahllast)  regelmässig  nicht  mehr  als  Fr.  4'000.--  im  Jahr  be-
tragen würde.

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2.2 Zur  Wahrung der  Wettbewerbsneutralität  oder  zur  Vereinfachung 
der Steuererhebung kann die ESTV unter den von ihr festzusetzenden 
Bedingungen derjenigen Person, welche nach Art. 21 Abs. 1 MWSTG 
die  gesetzlich  festgelegte  Mindestumsatzgrenze  nicht  erreicht  oder 
nach Art. 25 Abs. 1 MWSTG von der Steuerpflicht ausgenommen ist, 
gestatten,  sich  der  Steuerpflicht  freiwillig  zu  unterstellen  (Art.  27 
Abs. 1 MWSTG; so genannte subjektive Option; siehe auch CAMENZIND/
HONAUER/VALLENDER,  a.a.O.,  Rz. 876). Die Verwaltungspraxis der ESTV 
verlangt, dass pro Jahr ein Mindestumsatz von Fr. 40'000.-- erzielt wird 
(Wegleitung 2001 zur Mehrwertsteuer [nachfolgend: Wegleitung 2001], 
Rz.  688,  Spezialbroschüre  Nr.  02  "Steuerpflicht  bei  der  Mehrwert-
steuer"  [nachfolgend:  Spezialbroschüre  Nr.  02],  Rz.  4.2.1),  was  die 
SRK und das Bundesverwaltungsgericht  in  konstanter  Praxis  als  zu-
lässig  erachtet  haben  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-12/2007 vom 28. Januar 2009 E. 2.2.1,  A-1371 vom 26. Juli  2007 
E. 2.2.1 sowie A-1534/2006 vom 9. Mai 2007 E. 4.1.2; Entscheide der 
SRK vom 25. März 2004, veröffentlicht in VPB 68.130 E. 2c/aa und bb, 
und vom 6. August 2003, veröffentlicht in VPB 68.20 E. 2c).

2.3 Mit Art. 27 Abs. 2 MWSTG besteht eine weitere Optionsmöglich-
keit. Diese Bestimmung kann für diejenigen Unternehmen von Bedeu-
tung sein,  welche – infolge  fehlender  Voraussetzungen –  nicht  nach 
Art.  21  oder  Art.  27  Abs.  1  MWSTG  als  Mehrwertsteuerpflichtige 
registriert  werden  können.  Unternehmen,  welche  eine  Tätigkeit  neu 
aufgenommen  haben  und  die  darauf  ausgerichtet  sind,  spätestens 
innert  fünf  Jahren  im  Inland  regelmässig  steuerbare  Jahresumsätze 
von mehr als Fr. 250'000.-- zu erzielen, wird ein Rechtsanspruch auf 
freiwillige  Unterstellung  unter  die  Mehrwertsteuerpflicht  eingeräumt. 
Die Mehrwertsteuerpflicht beginnt dabei bereits mit Aufnahme der Tä-
tigkeit  (Art. 27 Abs. 2 MWSTG). Nach Rechtsprechung und Lehre ist 
diese Regelung auf sogenannte "Jungunternehmen" (auch als "Start-
up-Unternehmen" bezeichnet)  ausgerichtet  (vgl. E. 3). Die ESTV hat 
dazu das Merkblatt Nr. 17 "Option nach Art. 27 Abs. 2 MWSTG" (Merk-
blatt  610.545.17; nachfolgend Merkblatt  Nr. 17)  verfasst,  in  welchem 
sie unter anderem ausführt, dass die Option von Unternehmen bean-
tragt werden kann, welche vor der Aufnahme der produktiven Tätigkeit 
eine  unproduktive  Aufbauphase  haben,  während  welcher  insbeson-
dere  vorsteuerbelastete  Investitionen  und  andere  Vorbereitungs-
arbeiten  anfallen  (z.B. Erstellung  von  Kraftwerken,  Hotels,  Einkaufs-
zentren  sowie  Entwicklung  von  Softwareprogrammen  bis  zur  Markt-
reife) (Merkblatt Nr. 17 Ziff. 2).

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Die  ESTV  verfügt  im  Rahmen  der  gesetzlichen  Vorgaben  über  die 
Kompetenz zur Festsetzung der Bedingungen für die freiwillige Unter-
stellung unter die Mehrwertsteuerpflicht (Art. 27 Abs. 1 MWSTG).

2.4 Die  Mehrwertsteuerpflicht  endet  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  27 
MWSTG – am Ende des Kalenderjahres, in welchem die für die Mehr-
wertsteuerpflicht  massgebenden  Beträge  nicht  mehr  überschritten 
wurden und zu erwarten ist, dass diese Beträge auch im nachfolgen-
den Kalenderjahr nicht überschritten werden (Art. 29 Bst. b MWSTG). 
Dies bedeutet,  dass die Mehrwertsteuerpflicht  nicht  bereits in  jenem 
Jahr entfällt, in welchem die Grenzbeträge nicht mehr erreicht werden, 
sondern frühestens im Folgejahr (statt vieler: Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts  A-12/2007  vom  28.  Januar  2009  E.  2.4  und 
A-1369/2006 vom 26. November 2007 E. 2.2; Entscheid der SRK vom 
9. März 2005, veröffentlicht in VPB 69.87 E. 3a/bb, 4b).

2.5 Wenn  die  Mehrwertsteuerpflicht  gemäss  Art.  29  Bst.  a  und  b 
MWSTG endet oder die Voraussetzungen einer Option für die Mehr-
wertsteuerpflicht wegfallen, obliegt es dem Mehrwertsteuerpflichtigen, 
die ESTV unverzüglich schriftlich  zu benachrichtigen (Art. 56  Abs. 2 
MWSTG). Unterlässt  es  der  Unternehmer,  der  die  für  die Mehrwert-
steuerpflicht massgebliche Umsatzgrenze nicht mehr erreicht (Art. 29 
Bst.  b  MWSTG),  sich  bei  der  Verwaltung  abzumelden,  wird  ange-
nommen, dass er für die Mehrwertsteuerpflicht optiert (Art. 56 Abs. 3 
MWSTG). Dies bedeutet  den Fortbestand der  subjektiven Mehrwert-
steuerpflicht  (im  Sinne  einer  Optierung  gemäss  Art.  27  Abs.  1 
MWSTG) bis zum Ablauf der Steuerperiode, in welcher die Abmeldung 
erfolgt. Der Unternehmer hat  bis zu diesem Zeitpunkt gegenüber der 
ESTV die Mehrwertsteuer abzurechnen und zu bezahlen (Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-12/2007  vom  28.  Januar  2009  E.  2.4 
und A-1369/2006 vom 26. November 2007 E. 2.2; Entscheid der SRK 
vom 12. Oktober 1999, veröffentlicht in VPB 64.48 E. 5a).

Diesfalls nimmt die ESTV die Streichung aus dem Register der Mehr-
wertsteuerpflichtigen in der Regel erst auf das Ende der Steuerperiode 
vor, in welcher die Abmeldung erfolgt (Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts A-1369/2006 vom 26. November 2007 E. 2.2; Entscheide der 
SRK  vom  9.  März  2005,  veröffentlicht  in  VPB  69.87  E.  3a/bb,  vom 
25. März  2004,  veröffentlicht  in  VPB 68.130 E. 2c,  vom 12. Oktober 
1999, veröffentlicht in VPB 64.48 E. 4c; vgl. aber Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts A-1371/2006 vom 26. Juli  2007 E. 2.3.2,  3.8,  3.8.1 

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und nachfolgend E. 2.6). Während unter  dem Recht  der  Verordnung 
vom 22. Juni 1994 über die Mehrwertsteuer (MWSTV, AS 1994 1464) 
die Löschung aus dem Register der Mehrwertsteuerpflichtigen grund-
sätzlich nicht  auf  einen zurückliegenden Zeitpunkt  erfolgte (vgl. Bro-
schüre "Steuerpflicht bei der Mehrwertsteuer" [zur MWSTV], Rz. 4.4; 
Entscheide der  SRK vom 9. März  2005,  veröffentlicht  in  VPB 69.87 
E. 3a/bb, vom 3. November 2006 [SRK 2004-029/030] E. 3b/aa/aaa), 
behält sich die ESTV im zeitlichen Anwendungsbereich des MWSTG 
vor,  das  Löschungsdatum  allenfalls  auch  rückwirkend  festzusetzen 
(siehe Spezialbroschüre Nr. 02,  Rz. 6.4 sowie Urteil  des Bundesver-
waltungsgerichts A-1371/2006 vom 26. Juli 2007 E. 2.3.1).

2.6 Die Fiktion der Optierung nach Art. 56 Abs. 3 MWSTG gilt  ohne 
Weiteres  für  Unternehmen,  welche  die  von  der  gesetzeskonformen 
Verwaltungspraxis  für  eine  Option  aufgestellte  Voraussetzung  von 
mehr als Fr. 40'000.-- jährlichen Umsatzes erfüllen (Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-1375/2006  vom  27.  September  2007  E. 2.5; 
Entscheide der SRK vom 25. März 2004, veröffentlicht in VPB 68.130 
E. 2c/bb, vom 3. November 2006 [SRK 2004-029/030] E. 2c, E. 3b/bb, 
vom 26. April 2006 [SRK 2004-204] E. 3b/bb, 4b; zur Situation, wenn 
diese Grenze nicht erreicht wird: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1371/2006 vom 26. Juli 2007 E. 2.3, 3.8.3).

Das Bundesverwaltungsgericht hat sodann in diesem Zusammenhang 
im Grundsatz die Zulässigkeit der Praxis der ESTV (siehe Spezialbro-
schüre  Nr.  02,  Rz.  6.4),  gemäss  derer  diese  eine  rückwirkende 
Löschung  vornehme,  anerkannt.  Namentlich  dort,  wo  die  Umsatz-
grenzen  für  die  obligatorische  Mehrwertsteuerpflicht  nicht  erreicht 
seien oder die Voraussetzungen für die Option entfielen und sich die 
Mehrwertsteuerpflichtige nicht unverzüglich bei der ESTV abmelde, sei 
eine  rückwirkende  Löschung  vorzusehen. Dabei  habe  die  Löschung 
auf den Beginn des Quartals zu erfolgen, für das die Mehrwertsteuer-
pflichtige der Verwaltung mitteile, dass sie den für die Mehrwertsteuer-
pflicht erforderlichen Umsatz nicht mehr erreiche bzw. die ESTV dies 
feststelle  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1371/2006  vom 
26. Juli 2007 E. 2.3.2, 3.8, 3.8.3).

2.7 Ein  Verbrauchssteuersystem wie  die  Mehrwertsteuer  muss unter 
anderem nach Möglichkeit neutral sein in seinen Auswirkungen auf die 
Wettbewerbsverhältnisse und das Gleichbehandlungsgebot beachten. 
Anzustreben  ist  eine  umfassende  Besteuerung  aller  wirtschaftlichen 

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Aktivitäten  und  eine  gleichmässige  Belastung  des  Verbrauchs  aller 
Waren und Dienstleistungen im Inland (u.a. BGE 125 II 333 f. E. 6a; 
124 II 210 f. E. 8a; 123 II 301 f. E. 5a und b). Unter dem Blickwinkel der 
Wettbewerbsneutralität muss die Mehrwertsteuer insbesondere verhin-
dern, dass die Steuerüberwälzung nur einem Teil der Unternehmungen 
möglich ist und einem anderen Teil nicht (XAVIER OBERSON,  mwst.com, 
Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel 2000, 
Rz. 1 zu  Art. 22  MWSTG).  Dies  bedeutet,  dass  der  Vorsteuerabzug 
möglichst umfassend zu verwirklichen ist, da dieser bewirkt, dass der 
Unternehmer, obgleich die Bemessungsgrundlage das Gesamtentgelt 
ohne Umsatzsteuer ist,  nur seinen "Mehrwert"  (Nettoumsatz) zu ver-
steuern hat und so vom Grundsatz her sämtliche von ihm an seine Lie-
feranten und Auftragnehmer bezahlte Mehrwertsteuer als  Vorsteuern 
geltend  machen  und  von  seiner  Zahllast  gegenüber  der  ESTV  ab-
ziehen  kann  (KLAUS A.  VALLENDER,  in:  Die  schweizerische  Bundesver-
fassung,  Kommentar,  2. Aufl.,  Zürich 2008,  Rz. 13). Das Erfordernis, 
den Endkonsum allgemein zu erfassen und sämtliche Lieferungen und 
Dienstleistungen zu besteuern,  folgt  sowohl  aus dem Grundsatz der 
Allgemeinheit der Besteuerung als auch aus jenem der Wettbewerbs-
neutralität bzw. der Steuerneutralität (vgl. BGE 125 II 333 f. E. 6a; 124 
II 211 E. 8a; 123 II 301 f. E. 5b;  DANIEL RIEDO,  Vom Wesen der Mehr-
wertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und von den entsprechen-
den Wirkungen auf das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 28 ff., 50; 
JEAN-MARC RIVIER/ANNIE ROCHAT PAUCHARD, La taxe sur la valeur ajoutée, 
Fribourg 2000, S. 17 f., 23). Ein umfassendes Verbrauchssteuersystem 
findet sich jedoch kaum in einem Land (BGE 123 II 295, 301f, E. 5a 
und b).

2.8 Ziel  der  Auslegung ist  die  Ermittlung des  Sinngehalts  einer  Ge-
setzesnorm.  Auszugehen  ist  vom  Wortlaut,  doch  kann  dieser  nicht 
allein massgebend sein. Besonders wenn der Text unklar ist oder ver-
schiedene Deutungen zulässt, muss nach seiner wahren Tragweite ge-
sucht  werden  unter  Berücksichtigung  der  weiteren  Auslegungsele-
mente  (Methodenpluralismus),  wie  namentlich  der  Entstehungs-
geschichte der Norm und ihres Zwecks. Wichtig ist  auch die Bedeu-
tung, die der Norm im Kontext mit  anderen Bestimmungen zukommt 
(BGE 125 II 333 E. 5; 124 II 376 E. 5).

Bei der Auslegung des Mehrwertsteuerrechts sind die systemtragen-
den Prinzipien  der  Mehrwertsteuer  zu beachten (Urteil  des  Bundes-
gerichts  2A.353/2001  vom 11.  Februar  2002  E.  3;  BGE  124  II  193 

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E. 8a; BVGE 2007/23 E. 2.1 mit Hinweisen). Als solche gelten das Ver-
brauchsteuer- und damit das Überwälzbarkeitsprinzip, der Grundsatz 
der  Allgemeinheit  der  Mehrwertsteuer,  der  Steuerneutralitätsgrund-
satz, die Wettbewerbsneutralität und das Gleichbehandlungsgebot, der 
Grundsatz der einmaligen Besteuerung (Vermeidung von Doppel- und 
Nichtbesteuerung) oder das Bestimmungslandprinzip (vgl. Art. 1 Abs. 1 
und 2 MWSTG; statt vieler: BGE 125 II 326 E. 6a; 123 II 295 E. 5; aus-
führlich: BVGE 2007/23 E. 2.1 und 2.2 mit Hinweisen).

3.

3.1 Umstritten ist, ob Art. 27 Abs. 2 MWSTG auch auf bereits subjektiv 
mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen bzw. auf solche, welche früher 
die  Voraussetzungen  der  subjektiven  Mehrwertsteuerpflicht  erfüllt 
haben, anwendbar ist, ob eine stillschweigende Unterstellung möglich 
ist  und  ob  die  von der  ESTV aufgestellte  Bedingung  für  die  Option 
nach Art. 27 Abs. 2 MWSTG, dass das Unternehmen aufgrund eines 
Businessplans etc. darlegen muss, dass es innert  fünf  Jahren einen 
Umsatz von Fr. 250'000.-- erreicht, zulässig ist. Kommt das Bundesver-
waltungsgericht zum Schluss, dass Art. 27 Abs. 2 MWSTG nicht auf 
bereits  subjektiv  mehrwertsteuerpflichtige  Unternehmen  anwendbar 
ist, müssen die weiteren Fragen nicht mehr geprüft werden.

3.2 Bei der Auslegung einer Norm ist von deren Wortlaut auszugehen 
(E. 2.8). Es mag zwar noch angehen darauf hinzuweisen, dass die For-
mulierung  "Unternehmen,  die  eine  Tätigkeit  aufgenommen  haben" 
keinen  eindeutigen  Schluss  zulässt,  ob  nur  Unternehmen  gemeint 
sind,  die  noch  nicht  mehrwertsteuerpflichtig  sind  oder  auch  bereits 
mehrwertsteuerpflichtige bzw. solche die es gewesen sind. Denn auch 
ein  bereits  subjektiv  mehrwertsteuerpflichtiges  Unternehmen  könnte 
"eine Tätigkeit aufnehmen". Hingegen zeigt der Wortlaut des zweiten 
Satzes von Abs. 2 bereits klar, dass es nur um noch nicht mehrwert-
steuerpflichtige Unternehmen gehen kann, denn nur bei diesen kann 
die  Mehrwertsteuerpflicht  mit  der  Aufnahme  der  Tätigkeit  beginnen. 
Für  bereits  mehrwertsteuerpflichtige  Unternehmen  würde  die  Mehr-
wertsteuerpflicht  höchstens  fortgesetzt,  für solche,  die bereits  früher 
die Voraussetzungen der Mehrwertsteuerpflicht erfüllt  haben, wieder-
aufgenommen. Damit kann nicht gesagt werden, der Wortlaut der Be-
stimmung  lasse  verschiedene  Deutungen  zu,  so  dass  nicht  weiter 
nach der wahren Tragweite des Textes unter Beizug der verschiedenen 
Auslegungselemente gesucht werden müsste (E. 2.8). Doch zeigt sich, 

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dass die Auffassung der Beschwerdeführerin sich schon gar nicht auf-
recht erhalten lässt,  wenn man die Entstehungsgeschichte der Norm 
(E. 3.3) und deren Zweck (E. 3.4) berücksichtigt.

3.3 Dass  sich  die  besagte  Regelung  an  Jungunternehmen  in  ihrer 
Gründungsphase  richtet,  lässt  sich  ohne  Weiteres  der  Entstehungs-
geschichte der Norm entnehmen. Ausgangspunkt  ist,  dass es in der 
MWSTV nur  eine Norm gab,  die Art.  27  Abs. 1 MWSTG entsprach, 
nämlich Art. 20 Abs. 1 Bst. a MWSTV. Eine Art. 27 Abs. 2 MWSTG ent-
sprechende  Norm fehlte  (KLAUS A. VALLENDER,  Freiwillige  Steuerpflicht 
bei  Aufnahme der Tätigkeit,  Archiv für  Schweizerisches Abgaberecht 
[ASA] 63  S. 399).  Diese Situation  wurde als  unbefriedigend empfun-
den: Aus dem Bericht der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des 
Nationalrates  (WAK-NR)  vom 28. August  1996 zu Art. 25  Abs. 2  E-
MWSTG  (Parlamentarische  Initiative  Bundesgesetz  über  die  Mehr-
wertsteuer [Dettling] Bericht der WAK-NR vom 28. August 1996, BBl 
1996 Bd. V S. 763 [nachfolgend Bericht Dettling WAK NR]) sowie aus 
den von der ESTV zitierten Voten von Ständerat Christoffel Brändli (AB 
SR 1998 S. 978 sowie 1999 S. 979) ergibt sich, dass der Gesetzgeber 
mit  der  neuen  Norm  die  Möglichkeit  schaffen  wollte,  dass  Unter-
nehmen  bereits  in  der  Startphase  die  auf  den  –  gerade  in  dieser 
Phase  beachtlichen  –  Investitionen  lastenden  Vorsteuern  sofort  zu-
rückfordern  können  und  nicht  erst,  wenn  sie  die  für  die  Mehrwert-
steuerpflicht erforderliche Umsatzgrenze erreicht haben. Insbesondere 
sollten damit Nachteile für neugegründete Unternehmungen mit inno-
vativen  Projekten,  die  eine  lange  Vorbereitungsphase  benötigen,  in 
denen keine Umsätze erzielt werden, beseitigt werden. Das Parlament 
dachte hier namentlich an Kraftwerke sowie Forschungs- und Entwick-
lungsinstitute (vgl. auch AB 1998 S 979 f., Voten Schüle, Bloetzer; Be-
richt  Dettling  WAK NR,  S. 763).  Ständerat  Brändli  verwendete  aus-
drücklich  den  Begriff  "Gründungsstadium"  (AB  SR  1999  S.  979), 
Ständerat  Bloetzer  jenen  des  "Jungunternehmens"  (AB  SR  1998 
S. 978). Ständerat Plattner sprach von "Unternehmen, die  ihre [nicht 
eine] Tätigkeit aufnehmen" (AB SR 1998 S. 979). Dies zeigt klar, dass 
die Entstehungsgeschichte der Norm darauf schliessen lässt, dass die 
Regelung  nicht  auf  bereits  subjektiv  mehrwertsteuerpflichtige  Unter-
nehmen  bzw.  auf  solche,  die  bereits  früher  mehrwertsteuerpflichtig 
waren, anwendbar ist.

3.4 Zweck der Norm ist es – wie bereits erwähnt – , Unternehmen in 
der  Gründungsphase  zu  ermöglichen,  die  auf  den  Investitionen  und 

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Aufwendungen  lastenden  Vorsteuern,  die  vollumfänglich  im  Zu-
sammenhang  mit  künftigen  steuerbaren  Umsätzen  stehen,  zurück-
fordern  zu  können  (GERHARD SCHAFROTH/  DOMINIK ROMANG,  mwst.com, 
Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel 2000, 
Rz. 7 ff. zu Art. 27; KLAUS A. VALLENDER, a.a.O., S. 498 ff.). Es geht somit 
entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  nicht  darum, 
"Schwankungen"  in  den steuerbaren Umsätzen von Mehrwertsteuer-
pflichtigen zu beseitigen, sondern neuen Unternehmen überhaupt die 
Rückforderung von Vorsteuern auf den Anfangsinvestitionen zu ermög-
lichen.

3.5 Diese Auslegung entspricht im Übrigen auch der einhelligen Auf-
fassung in der Literatur (SCHAFROTH/ROMANG, a.a.O., Rz. 7 ff. zu Art. 27; 
KLAUS A. VALLENDER,  a.a.O.,  S. 500 f.; vgl. ferner auch  HEINZ KELLER,  in 
Klaus A. Vallender/Heinz Keller/Felix Richner/Conrad Stockar, Schwei-
zerisches  Steuerlexikon,  Band  1:  Bundessteuer,  Zürich  2006,  Mehr-
wertsteuer, S. 125, der davon spricht, dass der Gesetzgeber darüber-
hinaus die Option im Hinblick auf eine erst künftige Mehrwertsteuer-
pflicht ermöglicht habe; er geht also ebenfalls davon aus, dass Art. 27 
Abs. 2  bei  bestehender  oder  gewesener  Mehrwertsteuerpflicht  nicht 
anwendbar ist.

4.
Als Zwischenresultat ist festzuhalten, dass die Auslegung ergibt, dass 
Art. 27 Abs. 2 MWSTG nur auf bisher nicht mehrwertsteuerpflichtige 
Unternehmen anwendbar  ist;  ein  solches ist  die  Beschwerdeführerin 
unbestrittenermassen nicht.

4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Auslegung von Art. 27 
Abs.  2  MWSTG  durch  die  ESTV  führe  zu  einer  Wettbewerbsver-
zerrung. Diese bestehe ihrer Ansicht nach wohl darin, dass neu mehr-
wertsteuerpflichtig werdende Unternehmen die Vorsteuer auf Investiti-
onen für Entwicklungen zurückfordern könnten, während dies bei be-
reits mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen, die sich neu ausrichten, 
nicht  möglich sei,  was zu unterschiedlichen Preisen für das Endpro-
dukt führe. Sie macht somit eine Verletzung des Grundsatzes der Wett-
bewerbsneutralität geltend (E. 2.7).

Eine allfällige  Verletzung dieses Grundsatzes kann die Beschwerde-
führerin  jedoch nicht  mit  Erfolg geltend machen. Die Auslegung von 
Art. 27 Abs. 2 MWSTG hat  gezeigt,  dass sich der Gesetzgeber ent-
schieden  hat,  dass  mehrwertsteuerpflichtige  Unternehmen  bei  einer 

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Neuausrichtung sich nicht auf Art. 27 Abs. 2 MWSTG berufen können. 
Selbst wenn dies systemtragende Prinzipien der Mehrwertsteuer ver-
letzen  würde,  könnte  sich  die  Beschwerdeführerin  nicht  mit  Erfolg 
darauf  berufen,  weil  die  Regelung im Gesetz  selber  vorgesehen ist, 
das heisst vom Gesetzgeber beabsichtigt oder zumindest bewusst in 
Kauf genommen worden ist und das Bundesverwaltungsgericht keine 
Möglichkeit hat, die Norm aufzuheben oder ihr die Anwendung zu ver-
sagen  (Art.  190  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidge-
nossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101];  YVO HANGARTNER,  in: 
Bernhard Ehrenzeller, Phillipe Mastronardi, Rainer Schweizer, Klaus A. 
Vallender, Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfassung, Zürich 
2002, Rz. 4 zu Art. 190 [Justizreform] bzw. Art. 191; PIERRE TSCHANNEN, 
Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bern, 2004, § 8 
Rz. 8 f).

4.2 Die Auffassung der Beschwerdeführerin, dass auch bereits mehr-
wertsteuerpflichtige  Unternehmen  und  solche  die  einmal  mehrwert-
steuerpflichtig  waren,  nach Art. 27 Abs. 2 MWSTG optieren können, 
wenn sie in eine neue Tätigkeit investieren, verletzt hingegen das Prin-
zip der Gleichmässigkeit der Besteuerung. Danach müssen Personen 
in gleichartigen Situationen gleich behandelt werden, währenddem un-
terschiedliche Situationen zu einer unterschiedlichen Steuerbelastung 
führen müssen (BGE 126 I 76, 78 E. 2a, 128 I 240, 243 E. 2.3 mit wei-
teren  Hinweisen;  XAVIER OBERSON,  a.a.O.,  Rz. 41  zu  Art.  1  MWSTG). 
Allein  der  Umstand,  ob –  wenn ein bisher  mehrwertsteuerpflichtiges 
Unternehmen oder  eines,  das bereits  einmal  mehrwertsteuerpflichtig 
war, den erforderlichen Mindestumsatz nicht  mehr  erreicht  – in  eine 
neue oder in die bisherige Tätigkeit investiert wird, kann nicht zu einer 
unterschiedlichen Besteuerung führen.

4.3 Auf  die  weiteren  Argumente  der  Beschwerdeführerin,  insbeson-
dere darauf, ob eine stillschweigende Unterstellung möglich ist und ob 
die  von  der  ESTV  aufgestellte  Voraussetzung  für  die  Option  nach 
Art. 27 Abs. 2 MWSTG, dass das Unternehmen aufgrund eines Busi-
nessplans etc. darlegen muss, dass es innert  fünf Jahren einen Um-
satz von Fr. 250'000.-- erreicht, zulässig ist, muss angesichts des kla-
ren Resultats der Auslegung nicht mehr eingegangen werden.

4.4 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin nicht 
nach  Art.  27  Abs. 2  MWSTG für  die  Mehrwertsteuerpflicht  optieren 
konnte. Nicht umstritten ist im Übrigen, dass sie in den Jahren 2001 

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bis 2004 keine oder nur unbedeutende Umsätze erreichte. Demzufolge 
ist  auch die  Fiktion  der  Option  gestützt  auf  Art.  56  Abs. 3  MWSTG 
nicht anwendbar (E. 2.5) und es erfolgt eine rückwirkende Löschung 
auf den Zeitpunkt, für den die ESTV feststellte, dass der für die Mehr-
wertsteuer erforderliche Umsatz nicht mehr erreicht wird (E. 2.6). Die 
Verwaltung hat die Beschwerdeführerin somit zu Recht mit Wirkung ab 
dem  31.  Dezember  2001  aus  dem  Register  der  Mehrwertsteuer-
pflichtigen gestrichen.

4.5 Die Beschwerdeführerin hat sich lediglich zur Frage der Mehrwert-
steuerpflicht, nicht jedoch zum von der ESTV geforderten Betrag ge-
äussert. Demnach ist die Berechnung von Mehrwertsteuerschuld und 
Guthaben nicht umstritten.

5.
Nach dem Gesagten ist  die  Beschwerde vollumfänglich abzuweisen, 
soweit darauf eingetreten wird. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. ... 
sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und 
mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. 
Eine  Parteientschädigung  kann  nicht  zugesprochen  werden  (Art.  64 
Abs. 1 VwVG).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. ...  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. ... 
verrechnet.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an:

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Gerichtsurkunde)

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Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Salome Zimmermann Johannes Schöpf

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-recht-
lichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die  Be-
gehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Un-
terschrift  zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweis-
mittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, 
beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand:

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