# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 43722976-aff4-5000-af69-fc94738cf83f
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-08
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 08.06.2020 ST.2019.101
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_001_ST-2019-101_2020-06-08.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: ST.2019.101

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Strafkammer und Anklagekammer

Publikationsdatum: 21.07.2020

Entscheiddatum: 08.06.2020

Entscheid Kantonsgericht, 08.06.2020
Art. 1 StGB (SR 311.0); Jagdgesetz (sGS 853.1); Jagdverordnung (sGS 
853.11). Der Bund überträgt den Kantonen unter anderem die Aufgabe, für 
einen ausreichenden Schutz wildlebender Säugetiere zu sorgen. Weder dem 
derzeit geltenden kantonalen Jagdgesetz, der dazugehörenden Verordnung, 
noch sonstigen kantonalen Erlassen können klare Vorgaben zum Umgang 
mit mobilen Weidezäunen, insbesondere deren Rückbau, entnommen 
werden. Dem Beschuldigten, der für den Tod einer in seinem mobilen 
Weidezaun verhedderten und verendeten Rehgeiss verantwortlich gemacht 
wird, kann keine Sorgfaltspflichtverletzung angelastet werden. Der 
verwendete herkömmliche Weidezaun befand sich in der 
Landwirtschaftszone und wurde von der kantonalen Wildhut kurze Zeit vor 
dem Vorfall besichtigt und nicht beanstandet. Hinweise dafür, dass dem 
Beschuldigten bekannt war, dass sich in diesem Gebiet bereits ein Wildtier 
in einem Zaun verfangen hatte, was ihn zur besonderen Sorgfalt verpflichtet 
hätte, liegen gemäss Akten nicht vor. Aufgrund der derzeit unklaren 
Gesetzeslage bestehen keine hinreichend klaren Verhaltensanweisungen im 
Zusammenhang mit mobilen Weidezäunen. (Kantonsgericht, Strafkammer, 
8. Juni 2020, ST.2019.101-SK3).

Aus den Erwägungen:

 

III.

 

1. Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten zur Last, vom 10. September bis 

13. Oktober 2018 am Waldrand im Gebiet A. (Gemeinde B.) einen flexiblen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Weidemaschenzaun stehen gelassen zu haben, obwohl er in dieser Zeit die Weide 

nicht mit seiner Schafherde bestossen habe. Am 13. Oktober 2018 habe die kantonale 

Wildhut in diesem Zaun den Kadaver einer adulten Rehgeiss entdeckt, die sich im 

genannten Zeitraum in den Maschen des Zauns verfangen und stranguliert habe. Dem 

Beschuldigten sei bekannt gewesen, dass freilaufende Hunde die Wildruhe in den 

Wäldern entlang der (Name der Strasse) störten und dass sich Wildtiere in 

Weidemaschenzäunen verheddern und darin verenden könnten. Mit dem Stehenlassen 

des Zauns habe er fahrlässig gegen Art. 65 Abs. 1 lit. a des Jagdgesetzes des Kantons 

St. Gallen (JG/SG) verstossen, indem er den Lebensraum von wildlebenden Tieren in 

schwerwiegender Weise beeinträchtigt habe. Ausserdem habe er fahrlässig den 

qualvollen Tod der Rehgeiss verschuldet, womit er sich der fahrlässigen Tierquälerei 

gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. b TschG strafbar gemacht habe.

 

2. a) Unbestritten ist vorliegend, dass der Beschuldigte einen flexiblen 

Weidemaschenzaun mit einer Maschenweite von ca. 10 cm x 10 cm bei ca. 1 Meter 

Höhe (FlexiNet-Weidezaun) vom 10. September bis 13. Oktober 2018 am Waldrand 

belassen hat, ohne dass die Weide in dieser Zeit mit Schafen bestossen wurde. Am 

10. September 2018 um 16:45 Uhr erfolgte eine Begehung des genannten Grundstücks 

durch die kantonale Wildhut (Amt für Natur, Jagd und Fischerei), die den Zaun 

begutachtete und dabei dokumentarisch festhielt. Zu einem nicht bekannten späteren 

Zeitpunkt verfing sich eine adulte Rehgeiss im Zaun, wobei sich die Zaunmaschen um 

deren Hals wickelten, was zu einem längeren Todeskampf unter Erleidens erheblicher 

Schmerzen und Ängste geführt haben muss. Am 13. Oktober 2018 wurde der Kadaver 

der im Weidezaun verendeten Rehgeiss entdeckt.

 

b) Der Beschuldigte bringt vor, diese Weide bereits seit vier Jahren mit Schafen zu be-

stossen. Es sei das erste Mal gewesen, dass sich dort ein Reh im Zaun verheddert 

habe und darin verendet sei. Auch an anderen Orten habe er seit gut 40 Jahren noch 

nie ein Reh in einem seiner Netze gehabt. Das Reh müsse gejagt worden sein, 

ansonsten könne er sich nicht erklären, weshalb sich das Tier im Zaun verfangen habe. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Nicht erwiesen sei zudem, ob die Rehgeiss aufgrund der Strangulation gestorben oder 

ob diese – fluchtunfähig verheddert im Netz – durch einen Fuchs oder ein anderes 

Raubtier gerissen worden sei. Das Netz am Waldrand habe er stehen lassen, da er 

seine Schafe dort später wieder habe grasen lassen wollen. Der Auf- und Abbau des 

betreffenden Weidezauns dauere jeweils ein bis zwei Mannstunden. Die Demontierung 

des Zauns wäre jedoch kein Problem gewesen. Er habe den Zaun nicht entfernt, da sie 

sich kurzfristig zur Bestossung der Nachbarweide entschieden hätten und die Schafe in 

der Folge dort hätten grasen lassen wollen. Grössere Komplikationen habe er in 

diesem Gebiet noch nie gehabt, weshalb er in Bezug auf das Stehenlassen des Zauns 

auch nicht "weiter studiert" habe. Davon, dass sich bereits am 31. Mai 2017 in 

unmittelbarer Nähe ein Rehbock im Weidezaun verheddert hatte (nicht zur Anklage 

gebracht), habe er erst am 13. Oktober 2018 bzw. im Rahmen des zu beurteilenden 

Vorfalls erfahren. Auch als die kantonale Wildhut am 10. September 2018 in diesem 

Gebiet unterwegs gewesen sei, habe diese sich nicht bei ihm gemeldet und ihn nicht 

auf die angebliche Gefährlichkeit des Zauns aufmerksam gemacht. Nicht 

nachvollziehbar sei die von der Vorinstanz festgelegte Dauer von einer Woche bis 

zehn Tagen, während welcher ein Zaun maximal um eine nicht benützte Weide stehen 

gelassen werden dürfe. Selbst die auf kantonaler Ebene hängige Gesetzesinitiative 

fordere eine Maximaldauer von 14 Tagen, wobei nun der Kantonsrat diese 14 Tage als 

zu kurz erachtet habe und eine Regelung wolle, wonach die Weidezäune erst am Ende 

der Sömmerung bzw. der Beweidung abzubrechen seien.

 

3. Der vom Beschuldigten verwendete mobile Weidezaun ist in der Landwirtschaft 

allgegenwärtig, dessen Tauglichkeit und Einsatzberechtigung zur Einzäunung von 

Nutztieren ist unbestritten. Gleichzeitig stellte der Zaun für die darin verendete 

Rehgeiss jedoch eine tödliche Falle dar. Der fragliche Zaun befand sich ausserhalb des 

Siedlungsgebiets in der Landwirtschaftszone, welche unter anderem auch für die 

Bestossung von Schafen genutzt werden darf. Der Zaun verlief teilweise direkt am 

Waldrand und schnitt somit Waldgebiet vom Wiesland ab. Rehe bevorzugen als 

Lebensräume die Grenzzonen zwischen Wald und offener Landschaft mit Wiesen, 

Weiden und Lichtungen. Es handelt sich somit – wie die Vorinstanz zutreffend 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ausführte – um eine wildsensible Zone, auch wenn der Beschuldigte am besagten Ort 

"noch nie ein Reh" gesehen haben will.

 

4. a) Dem Beschuldigten wird zunächst vorgeworfen, gegen Art. 65 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 41 JG/SG (sGS 853.1) verstossen zu haben, indem er mittels eines unnötigen 

Zauns eine unverhältnismässige Störung verursacht und den Lebensraum von 

wildlebenden Tieren in schwerwiegender Weise beeinträchtigt haben soll. Dass sich 

der Beschuldigte der weiteren Bestimmung von Art. 65 Abs. 1 zweiter Teilsatz JG/SG 

schuldig gemacht hätte, indem er ein Verbot oder Gebot in einer Wildruhezone 

missachtete, ist weder ersichtlich noch wird ihm dies zur Last gelegt.

 

b) Im eidgenössischen Jagdgesetz verankert der Bund in seiner Rahmengesetzgebung 

zunächst den Zweckartikel, wonach die Artenvielfalt und die Lebensräume der 

einheimischen und ziehenden wildlebenden Säugetiere und Vögel zu erhalten sind (Art. 

1 Abs. 1 Bst. a JSG). Er überträgt den Kantonen die Aufgabe, für einen ausreichenden 

Schutz der wildlebenden Säugetiere und Vögel vor Störung zu sorgen (Art. 7 Abs. 4 

JSG).

Das Jagdgesetz des Kantons St. Gallen, mit welchem der Kanton die 

Bundesgesetzgebung vollzieht und die dafür nötigen Ausführungsbestimmungen 

erlässt (vgl. Art. 25 JSG), sieht diesbezüglich in Art. 41 Abs. 1 JG/SG vor, dass 

Anlagen, insbesondere unnötige Zäune, verboten oder beseitigt werden, wenn sie den 

Lebensraum unverhältnismässig stören. Bei Anlagen, die im Wald liegen oder die 

Zugänglichkeit des Waldes für die Allgemeinheit einschränken, verfügt dies das 

Kantonsforstamt, in den übrigen Fällen das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (vgl. Art. 

41 Abs. 2 JG/SG sowie den Bericht und Antrag der Regierung zum Inhalt der 

Gesetzesinitiative sowie Entwurf des III. Nachtrags zum Jagdgesetz vom 11. Februar 

2020, S. 4). Gemäss der Strafbestimmung des kantonalen Jagdgesetzes wird zu einer 

Busse verurteilt, wer vorsätzlich oder fahrlässig den Lebensraum von Pflanzen und 

wildlebenden Tieren in schwerwiegender Weise beeinträchtigt (Art. 65 Abs. 1 lit. a JG/

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

SG). Art. 15 der Verordnung zum Einführungsgesetz zur eidgenössischen 

Waldgesetzgebung des Kantons St. Gallen (sGS 651.11) sieht sodann vor, dass 

Einschränkungen der allgemeinen Zugänglichkeit des Waldes durch Einzäunungen und 

andere Massnahmen zulässig sind, wenn sie im öffentlichen Interesse liegen und 

notwendig sind, insbesondere zum Schutz wertvoller Lebensräume von Tieren und 

Pflanzen, zur Waldverjüngung oder zum Schutz von Gefahren.

 

c) Vorab ist darauf hinzuweisen, dass sich Art. 41 JG/SG mit der Bestimmung, wonach 

"unnötige Zäune", die den Lebensraum "unverhältnismässig stören", zu verbieten oder 

zu beseitigen sind, an die zuständige Behörde wendet. Diese hat bei gegebenen 

Umständen folglich Zäune zu verbieten und die Beseitigung anzuordnen. Dass es sich 

dabei nicht um eine direkte Verhaltensanweisung an den Bürger, sondern um eine 

Anweisung an die Behörde handelt, ergibt sich auch aus dem Zweckartikel des 

Gesetzes, wonach der Kanton unter anderem für den Schutz wildlebender Tiere zu 

sorgen hat (Art. 1 JG/SG). Vorliegend wurde weder geltend gemacht noch ist den 

Akten zu entnehmen, dass der fragliche Weidezaun verboten oder dessen Beseitigung 

angeordnet worden war. Gleiches gilt im Übrigen bezüglich des Vorfalls im Jahr 2017, 

bei welchem sich in unmittelbarer Nähe ein Rehbock im Weidezaun verfangen hatte. 

Kommt hinzu, dass der Beschuldige den Akten zufolge davon gar erst im Rahmen des 

heute zu beurteilenden Vorfalls erfuhr.

 

d/aa) Eine Strafe oder Massnahme darf nur wegen einer Tat verhängt werden, die das 

Gesetz ausdrücklich unter Strafe stellt (Art. 1 StGB). Der Grundsatz der Legalität ("nulla 

poena sine lege") ist nicht nur in Art. 7 EMRK ausdrücklich verankert. Er ergibt sich 

auch aus Art. 5 Abs. 1, Art. 9 und Art. 164 Abs. 1 lit. c BV (BGE 129 IV 276 E. 1.1.1 mit 

Hinweisen). Der Grundsatz ist verletzt, wenn jemand wegen eines Verhaltens 

strafrechtlich verfolgt wird, das im Gesetz überhaupt nicht als strafbar bezeichnet wird; 

wenn das Gericht ein Verhalten unter eine Strafnorm subsumiert, unter welche es auch 

bei weitestgehender Auslegung der Bestimmung nach den massgebenden 

Grundsätzen nicht subsumiert werden kann; oder wenn jemand in Anwendung einer 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Strafbestimmung verfolgt wird, die rechtlich keinen Bestand hat. Der Grundsatz gilt für 

das gesamte Strafrecht, mithin auch für das kantonale Übertretungsstrafrecht (BGE 

118 Ia 137 E. 1c; BGE 112 Ia 107 E. 3a; je mit Hinweisen; PK StGB-Trechsel/Jean-

Richard, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 1 N 1 m.w.H.). Aus dem Grundsatz der 

Legalität wird das Bestimmtheitsgebot abgeleitet ("nulla poena sine lege certa"). Eine 

Strafnorm muss hinreichend bestimmt sein. Welche Anforderungen daran zu stellen 

sind, hängt von der Komplexität der Regelungsmaterie, den Umständen des zu 

regelnden Verhaltens, der Möglichkeit der Konkretisierung bei der Normsetzung und 

der Schwere der Rechtsfolge ab (BSK StGB-Popp/Berkemeier, Art. 1 N 46 m.w.H.). 

Das Gesetz muss so präzise formuliert sein, dass der Bürger sein Verhalten danach 

richten und die Folgen eines bestimmten Verhaltens mit einem den Umständen 

entsprechenden Grad an Gewissheit erkennen kann (BGE 119 IV 242 E. 1c; BGE 117 Ia 

472 E. 3e; je mit Hinweisen). Gefordert ist eine präzise Umschreibung der Tatbestände. 

Blankettstrafnormen genügen in Verbindung mit blankettausfüllenden Normen (PK 

StGB-Trechsel/Jean-Richard, a.a.O., Art. 1 N 20 m.w.H.). Der EGMR legt Art. 7 Abs. 1 

EMRK eine andere Bedeutung zu, als sie Art. 1 StGB hat. Der Fokus liegt nicht auf der 

Qualität der Strafnorm an sich, sondern auf der Voraussehbarkeit einer Bestrafung für 

den Handelnden. Diesen Gesichtspunkt hat sich auch die Praxis zu Art. 1 StGB zu 

eigen gemacht; sie fokussiert die individuelle Sicht des Bürgers. Sie versteht 

Voraussehbarkeit ex ante und verlangt, dass das Recht zugänglich und die Strafbarkeit 

im Moment der Handlung voraussehbar sind (BSK StGB-Popp/Berkemeier, Art. 1 N 50 

m.w.H.).

 

bb) Für die Anwendung der Strafbestimmung des Jagdgesetzes wird unter anderem 

eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Lebensräume von Pflanzen und 

wildlebenden Tieren vorausgesetzt (vgl. Art. 65 Abs. 1 erster Teilsatz JG/SG). Explizite 

Erläuterungen des normierten Begriffs "schwerwiegende Beeinträchtigung" lassen sich 

nicht finden. Was als "beeinträchtigen" zu gelten hat und ab wann eine solche 

"schwerwiegend" sein soll, ist unklar. Unter der Marginalie des Jagdgesetzes 

"Beeinträchtigung" im VI. Titel "Lebensraum und Lebensgemeinschaft" wird zwar im 

Weiteren ausgeführt, dass unter anderem unnötige Zäune verboten oder beseitigt 

werden, sofern sie den Lebensraum "unverhältnismässig stören" (Art. 41 Abs. 1 JG/

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2020&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-IA-107%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page107

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

SG). Es erhellt jedoch auch daraus nicht, wann eine schwerwiegende Beeinträchtigung 

gegeben sein soll. Vielmehr wirft letztgenannte Norm weitere Fragen auf, so in Bezug 

auf die Definition eines "unnötigen Zauns" wie auch hinsichtlich des unbestimmten 

Begriffs der unverhältnismässigen Störung. Während andere Kantone für den Umgang 

mit Weidezäunen in ihren Erlassen griffige Regelungen festgelegt haben (vgl. z.B. 

Art. 36 Abs. 3 JagdV/AR [bGS 526.21]: "Flexible Maschenzäune sind nach dem 

Abweiden der Wiesfläche innert acht Tagen zu entfernen"; Art. 89 Musterbaugesetz/

GR: "Pflicht, nach Beweidung die Weidzäune umgehend zu entfernen"; 

Art. 14 EG TschG/GL [IV G/3/2] "Während der Weidesaison sind Elektrozäune 

fachmännisch zu unterhalten und bei Nichtgebrauch zu entfernen"), fehlen solche für 

den Kanton St. Gallen (vgl. dazu E. auch III./4.f.). Insgesamt können zumindest derzeit 

weder Art. 41 bzw. Art. 65 JG/SG noch der Jagdverordnung (sGS 853.11) oder 

sonstigen Erlassen klare Vorgaben zum Umgang mit mobilen Weidezäunen und 

insbesondere deren Rückbau entnommen werden. Eine einigermassen präzise 

Formulierung, an welcher der Bürger sein Verhalten ausrichten und die Folgen seines 

Verhaltens mit einem den Umständen entsprechenden Grad an Gewissheit erkennen 

kann, lässt sich den derzeit geltenden Bestimmungen nicht entnehmen. Präzise bzw. 

griffige Rechtsnormen bilden jedoch die Grundlage für eine verlässliche Praxis, dies 

sowohl für die Rechtsunterworfenen wie auch

-anwender. Für die Rechtssicherheit wie auch die rechtsgleiche Anwendung sind 

solche Rechtsnormen unabdingbar. "Merkblätter" wie auch "Empfehlungen" können 

eine genügende klare und präzise Gesetzesgrundlage nicht ersetzen. Dass vorliegend 

Regelungsbedarf besteht, wurde mittlerweile erkannt. So hielt insbesondere auch die 

Regierung des Kantons St. Gallen fest, dass konkrete Regeln für Zäune derzeit fehlen 

(vgl. Bericht und Antrag der Regierung zum Inhalt der Gesetzesinitiative "Stopp dem 

Tierleid – gegen Zäune als Todesfalle für Wildtiere" sowie Entwurf des III. Nachtrags 

zum Jagdgesetz vom 11. Februar 2020, S. 7). Mit der Gesetzesinitiative "Stopp dem 

Tierleid – gegen Zäune als Todesfalle für Wildtiere" vom 14. September 2018 wurde 

bereits eine Ergänzung des bestehenden Art. 41 JG/SG gefordert. Die Initiative verlangt 

dabei die Normierung, dass mobile Weidezäune sachgerecht zu erstellen, für Wildtiere 

gut sichtbar zu machen, zu unterhalten und regelmässig zu kontrollieren sind; 

ungenutzte Weidezäune sollen innert 14 Tagen entfernt werden. Diese 

Gesetzesinitiative wurde kürzlich durch den Kantonsrat des Kantons St. Gallen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

abgelehnt; es wird nun ein Gegenvorschlag ausgearbeitet. Im Entwurf des 

Gegenvorschlags soll die Regierung bezüglich mobiler Zaunanlagen unter anderem die 

Eckwerte beachten, dass Weidenetze in für das Wild gut wahrnehmbaren Farben (blau-

weiss) einzusetzen sind und nach der Sömmerung oder Beweidung zurückgebaut 

werden müssen (vgl. dazu das Ergebnis der einzigen Lesung des Kantonsrats vom 

2. Juni 2020).

 

e) Eine Sorgfaltspflichtverletzung kann dem Beschuldigten vorliegend nicht angelastet 

werden. Wie bereits erwähnt, war er grundsätzlich berechtigt, den verwendeten 

mobilen Weidemaschenzaun aufzustellen. Auch ist aufgrund seiner Aussagen und 

gestützt auf die Aktenlage bzw. mangels rechtsgenüglicher Hinweisen davon 

auszugehen, dass ihm nicht bekannt war, dass sich in diesem Gebiet bereits ein Reh in 

seinem Netz verfangen hatte, was ihn zur besonderen Vorsicht verpflichtet hätte. 

Aufgrund der derzeitig unklaren Gesetzeslage bestanden sodann keine hinreichend 

klaren Verhaltensanweisungen bezüglich Umgang mit Weidezäunen, insbesondere 

deren Rückbau. Es ist ausserdem darauf hinzuweisen, dass die kantonale Wildhut am 

10. September 2018 den Zaun um die damals unbenutzte Weide bereits besichtigt und 

unbeanstandet gelassen hatte. Damit hat selbst die kantonale Wildhut den Zaun nicht 

als unverhältnismässige Störung betrachtet, ansonsten ein Verbot oder die Entfernung 

des Zauns hätte veranlasst werden müssen, was vorliegend gemäss Akten nicht einmal 

nach dem Vorfall geschehen ist. Auch ist den Akten nicht zu entnehmen, dass die 

kantonale Wildhut den Beschuldigten auf eine ungenügende Sichtbarkeit des Zauns für 

Wildtiere hingewiesen hätte. Dem Beschuldigten kann deshalb keine 

Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden. Er ist folglich von der Anklage der 

fahrlässigen Übertretung des Jagdgesetzes freizusprechen.

 

5. a) Dem Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, sich der fahrlässigen Tierquälerei 

(qualvolles Töten) schuldig gemacht zu haben.

 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

b) Der Tierquälerei macht sich u.a. schuldig, wer Tiere auf qualvolle Art oder aus Mut­

willen tötet (Art. 26 Abs. 1 lit. b TSchG). Qualvoll im Sinne dieser Bestimmung ist eine 

Tötung, wenn dem Tier Schmerzen, Leiden, Schäden oder Ängste von einer gewissen 

Erheblichkeit zugefügt werden. Qualvoll ist eine Tötung in jedem Fall, wenn sie sich bei 

vollem Schmerzempfinden des Tieres über einen gewissen Zeitraum hinzieht (Bolliger/

Richner/Rüttimann/Stohner, Schweizer Tierschutzstrafrecht in Theorie und Praxis, 

Zürich/Basel/Genf 2019, S. 160). Dies kann auch durch ein Unterlassen geschehen 

(Art. 333 Abs. 1 i.V.m. Art. 11 StGB; vgl. die Kasuistik bei Bolliger/Richner/Rüttimann/ 

Stohner, a.a.O., S. 164 f.). Art. 26 Abs. 2 TschG stellt die fahrlässige Begehung von 

Tierquälereien ausdrücklich unter Strafe. Fahrlässig handelt ein Täter, wenn er die 

Folgen seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf 

nicht Rücksicht nimmt (Art. 12 Abs. 3 StGB). Pflichtwidrig unvorsichtig verhält sich, wer 

nicht die Vorsicht aufbringt, zu der er nach den Umständen und nach seinen 

persönlichen Kenntnissen und Fähigkeiten verpflichtet ist. Dem Täter kann somit nur 

dann ein fahrlässiges Verhalten vorgeworfen werden, wenn er nach seinen individuellen 

Fähigkeiten imstande gewesen wäre, sorgfältiger zu handeln, dies aber nicht getan hat 

(Bolliger/Richner/Rüttimann/Stohner, a.a.O., S. 231, m.w.H.).

 

c) Vorliegend handelt es sich um ein unechtes Unterlassungsdelikt. Es ist unbestritten, 

dass der Beschuldigte berechtigt war, für die Zeit der Bestossung der Weide einen 

Zaun zu errichten. Dem Beschuldigten wird aber vorgeworfen, den Zaun anschliessend 

nicht entfernt zu haben. Für die Strafbarkeit ist allerdings eine Pflicht zur Entfernung 

vorausgesetzt. Soweit vorliegend nicht einmal eine klare gesetzliche 

Handlungsanweisung in Bezug auf den Rückbau von mobilen Weidezäunen besteht 

und darüber hinaus die kantonale Wildhut den Weidezaun begutachtete und 

unbeanstandet liess, ist dem Beschuldigten entgegen der Anklage und mit Verweis auf 

das in E.III./4.e bereits Ausgeführte keine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit vorzuwerfen.

 

6. Nach dem Dargelegten ist der Beschuldigte folglich auch von der Anklage der 

fahrlässigen Tierquälerei freizusprechen. Der Schuldspruch der Vorinstanz wegen 

fahrlässiger Tierquälerei und Übertretung des Jagdgesetzes ist deshalb aufzuheben.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Kantonsgericht, 08.06.2020
	Art. 1 StGB (SR 311.0); Jagdgesetz (sGS 853.1); Jagdverordnung (sGS 853.11). Der Bund überträgt den Kantonen unter anderem die Aufgabe, für einen ausreichenden Schutz wildlebender Säugetiere zu sorgen. Weder dem derzeit geltenden kantonalen Jagdgesetz, der dazugehörenden Verordnung, noch sonstigen kantonalen Erlassen können klare Vorgaben zum Umgang mit mobilen Weidezäunen, insbesondere deren Rückbau, entnommen werden. Dem Beschuldigten, der für den Tod einer in seinem mobilen Weidezaun verhedderten und verendeten Rehgeiss verantwortlich gemacht wird, kann keine Sorgfaltspflichtverletzung angelastet werden. Der verwendete herkömmliche Weidezaun befand sich in der Landwirtschaftszone und wurde von der kantonalen Wildhut kurze Zeit vor dem Vorfall besichtigt und nicht beanstandet. Hinweise dafür, dass dem Beschuldigten bekannt war, dass sich in diesem Gebiet bereits ein Wildtier in einem Zaun verfangen hatte, was ihn zur besonderen Sorgfalt verpflichtet hätte, liegen gemäss Akten nicht vor. Aufgrund der derzeit unklaren Gesetzeslage bestehen keine hinreichend klaren Verhaltensanweisungen im Zusammenhang mit mobilen Weidezäunen. (Kantonsgericht, Strafkammer, 8. Juni 2020, ST.2019.101-SK3).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T03:50:40+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen