# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 48c5e337-9d6f-53a8-b0ae-db7eb54cffe8
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-08
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 08.09.2017 SK 2017 2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-2_2017-09-08.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 17 2

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 8. September 2017 

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), Oberrichterin Bratschi, Oberrich-
ter Schmid
Gerichtsschreiber Bruggisser

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Berufungsführerin

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, Nötigung 
(mehrfach), Gefährdung des Lebens (mehrfach), Hinderung einer 
Amtshandlung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 28. Juni 2016 (PEN 16 37)

2

Inhaltsverzeichnis

I. Formelles ......................................................................................................................4

1. Erstinstanzliches Urteil ...........................................................................................4

2. Berufung.................................................................................................................6

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen ...................................................................6

4. Anträge der Parteien ..............................................................................................7

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer ...............................................8

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung...............................................................................9

6. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung und Aussagenanalyse ...............9

7. Unbestrittener bzw. rechtskräftig beurteilter Sachverhalt.......................................9

8. Bestrittener Sachverhalt und Beweismittel...........................................................11

9. Zu Phase 2: Abstand nach hinten und erstes Bremsmanöver (Ziff. I.1.2 der 
Anklageschrift)......................................................................................................11

9.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift ..................................................................11

9.2 Würdigung der Vorinstanz ..........................................................................11

9.3 Würdigung der Kammer..............................................................................12

10. Zu Phase 4: zweites Bremsmanöver (Ziff. I.1.4 der Anklageschrift) ....................17

10.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift ..................................................................17

10.2 Würdigung der Vorinstanz ..........................................................................18

10.3 Würdigung der Kammer..............................................................................18

III. Rechtliche Würdigung.................................................................................................19

11. Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim Wiedereinbiegen nach 
Überholen (Phase 2) ............................................................................................19

12. Erstes Brüskes und unnötiges Abbremsen (Phase 2)..........................................21

12.1 Verkehrsregelverletzung (Art. 90 SVG) ......................................................21

12.2 Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB)....................................................26

12.3 Nötigung (Art. 181 StGB) ............................................................................27

13. Zweites brüskes und unnötiges Abbremsen (Phase 4)........................................29

13.1 Verkehrsregelverletzung (Art. 90 SVG) ......................................................29

13.2 Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB)....................................................31

IV. Strafzumessung ..........................................................................................................31

14. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung.......................................................31

15. Konkrete Strafzumessung ....................................................................................32

15.1 Strafrahmen und schwerste Straftat ...........................................................32

3

15.2 Einsatzstrafe für die grobe Verkehrsregelverletzung in Phase 2 
(brüskes Bremsen)......................................................................................32

15.3 Asperation...................................................................................................33

15.3.1 Für die grobe Verkehrsregelverletzung in Phase 4 (brüskes 
Bremsen) .........................................................................................33

15.3.2 Für die Nötigungen in den Phasen 2 und 4.....................................34

15.3.3 Für die weiteren groben Verkehrsregelverletzungen in den 
Phasen 1 (Abstand nach vorne) und 2 (Abstand nach hinten 
beim Wiedereinbiegen) ...................................................................35

15.4 Übertretungsbusse......................................................................................35

15.5 Allgemeine Täterkomponenten ...................................................................36

16. Tagessatzhöhe, Vollzug und Verbindungsbusse .................................................36

V. Kosten und Entschädigung .........................................................................................37

17. Verfahrenskosten .................................................................................................37

18. Amtliche Entschädigung.......................................................................................38

VI. Dispositiv.....................................................................................................................40

4

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 28. Juni 2016 hat das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Ein-
zelgericht; nachfolgend: Vorinstanz) Folgendes erkannt (pag. 125 ff.; Hervorhebun-
gen im Original):

I.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung der Nötigung, angeblich begangen am 13.11.2014 auf der Autobahn A1 
Ost, Fahrtrichtung Zürich, z.N. C.________ und D.________;

2. von der Anschuldigung der Gefährdung des Lebens, angeblich mehrfach begangen am 
13.11.2014 auf der Autobahn A1 Ost, Fahrtrichtung Zürich sowie auf der Umfahrungsstrasse 
Kirchberg, Fahrtrichtung Kirchberg z.N. C.________ und D.________;

3. von der Anschuldigung der Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung, an-
geblich begangen am 13.11.2014 durch Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwin-
digkeit (einfache Verkehrsregelverletzung) auf der Umfahrungsstrasse Kirchberg, Fahrtrich-
tung Kirchberg;

4. von der Anschuldigung der Hinderung einer Amtshandlung, angeblich begangen am 
13.11.2014 zwischen Kirchberg und Wydenhof;

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren 
von CHF 707.00 und Auslagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 935.00, insge-
samt bestimmt auf CHF 1‘642.00, an den Kanton Bern.

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

 

Kosten der Untersuchung CHF 395.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 312.00
Total CHF 707.00

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

 

Entschädigung für Zeugen CHF 5.00
Kosten für die amtliche Verteidigung CHF 805.00
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 125.00
Total CHF 935.00

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 125.00. Die reduzier-
ten Verfahrenskosten betragen damit CHF 1‘517.00.

Für die amtliche Verteidigung von A.________ wird Fürsprecher B.________ eine Entschädigung 
von CHF 805.00 (inkl. Auslagen und MwSt.) ausgerichtet. 

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

5

1. der Nötigung, begangen am 13.11.2014 auf der Umfahrungsstrasse Kirchberg, Fahrtrichtung 
Kirchberg, z.N. C.________ und D.________;

2. der Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung, mehrfach begangen am 
13.11.2014 durch

2.1. Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes nach vorne (grobe Verkehrsregelver-
letzung) auf der Autobahn A1 Ost, Fahrtrichtung Zürich;

2.2. Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes nach hinten (einfache Verkehrsregel-
verletzung) auf der Autobahn A1 Ost, Fahrtrichtung Zürich;

2.3. brüskes Bremsen, mehrfach (grobe Verkehrsregelverletzung) auf der Autobahn A1 
Ost, Fahrtrichtung Zürich sowie auf der Umfahrungsstrasse Kirchberg, Fahrtrichtung 
Kirchberg;

2.4. Rechtsüberholen durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen, (einfache Verkehrs-
regelverletzung) auf der Umfahrungsstrasse Kirchberg, Fahrtrichtung Kirchberg;

und in Anwendung der 

Art. 34, 42, 44 Abs. 1, 47, 49 Abs. 1, 106, 181, 333 StGB
Art. 34 Abs. 4, 35 Abs. 1, 37 Abs. 1, 90 Abs. 1 und 2 SVG
Art. 8 Abs. 3, 12 Abs. 1 und 2, 36 Abs. 5 VRV
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu CHF 140.00, ausmachend total CHF 28‘000.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 5‘600.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung wird auf 40 Tage festgesetzt.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 450.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 5 Tage festgesetzt.

4. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 4‘958.00 und Auslagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 
6‘548.60, insgesamt bestimmt auf CHF 11‘506.60 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung 
auf CHF 5‘868.00).

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

 

CHF 2770.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 2188.00
Total CHF 4958.00

Kosten der Untersuchung

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

 

Entschädigung für Zeugen CHF 35.00
Kosten für die amtliche Verteidigung (vgl. Tabelle) CHF 5638.60
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 875.00
Total CHF 6548.60

6

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 875.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 10‘631.60 (ohne Kosten für die amtliche Ver-
teidigung CHF 4‘993.00).

III.

Die auf den Schuldspruch entfallende amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche 
Verteidigung von A.________ durch Fürsprecher B.________ werden wie folgt bestimmt:

- amtliche Entschädigung: total CHF 5‘638.60 (inkl. Auslagen und MwSt.);

- volles Honorar: total CHF 7‘002.50 (inkl. Auslagen und MwSt.).

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecher B.________ für die amtliche Verteidigung von A.________ 
mit CHF 5‘638.60. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Fürsprecher B.________ die Differenz von CHF 1‘363.90 zwischen der amtlichen Entschädigung und 
dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 
Abs. 4 StPO).

[Eröffnung]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region 
Emmental-Oberaargau, mit Eingabe vom 4. Juli 2016 (pag. 132) form- und fristge-
recht die Berufung an. Ebenfalls form- und fristgerecht ging die vom 20. Januar 
2017 datierende Berufungserklärung der Generalstaatsanwaltschaft (pag. 195 ff.) 
beim Obergericht des Kantons Bern ein. Darin beschränkte die Generalstaatsan-
waltschaft die Berufung auf die Freisprüche gemäss Ziffer I.1 (Nötigung auf der Au-
tobahn A1 Ost) sowie Ziffer I.2 (Gefährdung des Lebens, mehrfach), die Schuld-
sprüche gemäss Ziffer II.2.2 (Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes nach 
hinten, einfache Verkehrsregelverletzung) sowie Ziffer II.2.3 (brüskes Bremsen, 
mehrfach, grobe Verkehrsegelverletzung) des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
auf die Sanktionen sowie auf den damit verbundenen Kostenpunkt (pag. 196). Der 
Beschuldigte verzichtete in seinem Schreiben vom 13. Februar 2017 auf das Vor-
bringen formeller Einwände oder die Erhebung der Anschlussberufung (pag. 201).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

In der Berufungserklärung beantragte die Generalstaatsanwaltschaft die Polizeibe-
amten D.________ und C.________ in der oberinstanzlichen Hauptverhandlung 
als Zeugen einzuvernehmen (pag. 197). Der Beschuldigte hat sich zu den gestell-
ten Beweisanträgen nicht vernehmen lassen (vgl. pag. 203). Mit begründetem Be-
schluss vom 21. Februar 2017 (pag. 203 ff.) – auf den an dieser Stelle verwiesen 
wird – wies die Kammer die Beweisanträge der Generalstaatsanwaltschaft ab. Zur 
Begründung verwies die Kammer auf Art. 389 Abs. 1 und Art. 343 Abs. 3 der 
Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) und hielt unter anderem 
fest, dass es in der vorliegenden Angelegenheit trotz der «Aussage-gegen-
Aussage»-Konstellation nicht entscheidend auf die Art und Weise der Präsentation 
der Zeugenaussagen und damit auf deren unmittelbare Kenntnis ankommt.

7

Von Amtes wegen wurden in oberer Instanz ein aktueller Strafregisterauszug 
(pag. 224) sowie ein aktueller Leumundsbericht samt Erhebungsformular wirt-
schaftliche Verhältnisse und Betreibungsregisterauszug, datierend vom 3. August 
2017 (pag. 215 ff.), eingeholt.

4. Anträge der Parteien

Für die Generalstaatsanwaltschaft stellte und begründet Staatsanwalt E.________ 
im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung die folgenden Anträge (pag. 227 
und pag. 233 f.):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 28. Juni 
2016 insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als der Beschuldigte

1.1 von den Anschuldigungen der Widerhandlung gegen das SVG durch Überschreiten der 
signalisierten Höchstgeschwindigkeit und der Hinderung einer Amtshandlung unter Aus-
scheidung von anteilsmässigen Verfahrenskosten und unter Ausrichtung einer Entschä-
digung freigesprochen worden ist;

1.2 wegen Nötigung auf der Umfahrungsstrasse Kirchberg, Fahrtrichtung Kirchberg, Nicht-
wahrens eines ausreichenden Abstandes nach vorne (grobe Verkehrsregelverletzung) 
und wegen Rechtsüberholens (einfache Verkehrsregelverletzung) schuldig gesprochen 
worden ist.

2. Der Beschuldigte sei schuldig zu erklären wegen

2.1 Gefährdung des Lebens, mehrfach begangen am 13.11.2014 z.N. von C.________ und 
D.________ in Lyssach, Autobahn A1 Ost, Fahrtrichtung Zürich, und in Kirchberg, Entlas-
tungsstrasse Fahrtrichtung Kirchberg;

2.2 Nötigung, begangen am 13.11.2014 z.N. C.________ in Lyssach, Autobahn A1 Ost, 
Fahrtrichtung Zürich;

2.3 grober Verkehrsregelverletzung, begangen am 13.11.2014 in Lyssach, Autobahn A1 Ost, 
Fahrtrichtung Zürich, durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes nach hinten.

3. Der Beschuldigte sei zu verurteilen zu

3.1 einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten; der Vollzug sei aufzuschieben unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 2 Jahren;

3.2 einer Übertretungsbusse von CHF 300.00;

3.3 zu den auf die Schuldsprüche entfallenden erst- und zu den oberinstanzlichen Verfah-
renskosten.

4. Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (DNA, AFIS, Mitteilungen, Honorar der amtlichen 
Verteidigung). 

Beantragte Gebühr gemäss Art. 21 VKD: CHF 500.00.

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete seinerseits für den Beschuldigten 
die folgenden Anträge (pag. 230 und pag. 235 f., Hervorhebungen im Original):

I.

8

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 28. Juni 2016 
bezüglich der Ziffern I.3, I.4, II.1, II.2.1 und II.2.4 des Dispositivs in Rechtskraft erwachsen ist.

II.

A.________, sei

freizusprechen:

1. von der Anschuldigung der Nötigung, angeblich begangen am 13.11.2014 auf der Autobahn A1 
Ost, Fahrtrichtung Zürich, z.N. C.________ und D.________;

2. von der Anschuldigung der Gefährdung des Lebens, angeblich mehrfach begangen am 
13.11.2014 auf der Autobahn A1 Ost, Fahrtrichtung Zürich sowie auf der Umfahrungsstrasse 
Kirchberg, Fahrtrichtung Kirchberg z.N. C.________ und D.________;

III.

A.________, vgt., sei

schuldig zu erklären

der Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung, mehrfach begangen am 
13.11.2014 durch

1. Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes nach hinten (einfache Verkehrsregelverlet-
zung) auf der Autobahn A1 Ost, Fahrtrichtung Zürich;

2. brüskes Bremsen, mehrfach (grobe Verkehrsregelverletzung) auf der Autobahn A1 Ost, Fahrt-
richtung Zürich sowie auf der Umfahrungsstrasse Kirchberg, Fahrtrichtung Kirchberg;

und er sei in Anwendung der massgeblichen Bestimmungen

zu verurteilen

1. Zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu CHF 140.00, ausmachend total CHF 28‘000.00.

Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 5‘600.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung sei auf 40 Tage festzusetzen.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 450.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung sei auf 5 Tage festzusetzen.

4. Zu den anteilsmässigen Verfahrenskosten vor erster Instanz.

IV.

1. Die Kosten des Verfahrens vor oberer Instanz seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

2. Es seien die notwendigen Verfügungen zu erlassen.

3. Es sei das Honorar der amtlichen Verteidigung gerichtlich festzusetzen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Generalstaatsanwaltschaft hat das erstinstanzliche Urteil nur teilweise ange-
fochten. Nicht angefochten wurden folgende Teile des Dispositivs: die Freisprüche 
gemäss Ziffer I.3 (einfache Verkehrsregelverletzung durch Überschreiten der signa-
lisierten Höchstgeschwindigkeit) und Ziffer I.4 (Hinderung einer Amtshandlung) so-

9

wie die Schuldsprüche gemäss Ziffer II.1 (Nötigung auf der Umfahrungsstrasse 
Kirchberg), Ziffer II.2.1 (grobe Verkehrsregelverletzung durch Nichtwahren eines 
ausreichenden Abstandes nach vorne) und Ziffer II.2.4 (einfache Verkehrsregelver-
letzung durch Rechtsüberholen). Mithin sind diese Teile des erstinstanzlichen Ur-
teils in Rechtskraft erwachsen.

Demgegenüber hat die Kammer über die im Schuldpunkt angefochtenen Teile des 
erstinstanzlichen Urteils (vgl. E. 2 oben), über die Bemessung der Strafe sowie 
über die damit verbundenen Kosten- und Entschädigungsfolgen, mit umfassender 
Kognition, neu zu befinden (vgl. Art. 398 Abs. 2 StPO). Da die generalstaatsanwalt-
liche Berufung nicht zugunsten des Beschuldigten ergriffen worden ist, gilt das Ver-
schlechterungsverbot nicht, d.h. die Kammer darf das vorinstanzliche Urteil auch 
zum Nachteil des Beschuldigten abändern (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO).

In Gutheissung des Antrags der Generalstaatsanwaltschaft prüft die Kammer den 
in Ziffer I.1.2 der Anklageschrift erhobenen, von der Vorinstanz als einfache Verlet-
zung der Verkehrsregeln qualifizierten Vorwurf des Nichtwahrens eines ausrei-
chenden Abstandes nach hinten (Art. 34 Abs. 4 i.V.m. Art. 90 Abs. 1 des Strassen-
verkehrsgesetzes [SVG; SR 741.01]), begangen am 13. November 2014 in Kirch-
berg auf der Autobahn A1 Ost (Ziff. II.2.2 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), 
auch unter dem Gesichtswinkel eines Verstosses gegen Art. 34 Abs. 3 i.V.m. 
Art. 90 Abs. 2 SVG (Ungenügende Rücksichtnahme auf nachfolgende Fahrzeuge 
beim Überholen/Wiedereinbiegen). Im Zusammenhang mit dem entsprechenden 
Würdigungsvorbehalt in der Berufungsverhandlung (pag. 227) hat die Kammer den 
Parteien dazu das rechtliche Gehör gewährt (vgl. Art. 344 StPO).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung und Aussagenanalyse

Die Vorinstanz hat in ihrer Urteilsbegründung die rechtlichen und theoretischen 
Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen sowie die anerkannten Grund-
sätze und Kriterien zur Analyse von Aussagen im Besonderen zutreffend und aus-
führlich wiedergegeben, sodass auf diese verwiesen werden kann (pag. 142 ff., 
S. 6 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

7. Unbestrittener bzw. rechtskräftig beurteilter Sachverhalt

Aufgrund der beschränkten Berufung sind einzelne Teile des in der Anklageschrift 
als mehrphasig umschriebenen Geschehens vom 13. November 2013 – konkret 
die nachfolgend als Phasen 1, 3 und 5 bezeichneten Sachverhaltsabschnitte – 
nicht mehr umstritten, da durch die Vorinstanz rechtskräftig beurteilt. Es kann auf 
die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Die Kammer 
geht somit wie die Vorinstanz zunächst von folgenden Sachverhalten aus:

- Phase 1 (pag. 73 f., Ziff. I.1.1 der Anklageschrift; pag. 127, Ziff. II.2.1 des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 150 ff., S. 14 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung):

10

Bei regem Verkehrsaufkommen näherte sich der Beschuldigte mit seinem PW 
Audi A4 ca. einen Kilometer vor der Autobahnausfahrt Kirchberg rasant dem 
auf dem Überholstreifen zirkulierenden zivilen Fahrzeug von Polizistin 
C.________ mit Polizist D.________ als Beifahrer. Mit einer Geschwindigkeit 
von ca. 120 bis 125 km/h schloss der Beschuldigte bis auf zwei bis drei Meter 
(Abstandszeit: 0,06 bis 0,09 Sekunden) zum Heck des Fahrzeuges von Polizis-
tin C.________ auf und folgte diesem Fahrzeug mit diesem Abstand über eine 
Strecke von ca. 200 Metern. Zum Ende dieser Phase tippte Polizistin 
C.________ die Bremse leicht an, «ohne Bremswirkung zu erzielen», um den 
hinter ihr fahrenden PW auf die Gefährlichkeit der Situation aufmerksam zu 
machen. Bei nächster Gelegenheit wechselte sie dann den Fahrstreifen und 
verlangsamte die Geschwindigkeit, indem sie vom Gas ging.

Dieser Sachverhaltsabschnitt führte zum Schuldspruch wegen grober Verkehrs-
regelverletzung durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes nach vorne 
(Art. 90 Abs. 2, Art. 34 Abs. 4 SVG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelver-
ordnung [VRV; SR 741.11]), welchen der Beschuldigte akzeptierte.

- Phase 3 (pag. 74 f., Ziff. I.1.3 der Anklageschrift; pag. 127, Ziff. II.2.4 des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 154, S. 18 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung):

Der Beschuldigte verliess die Autobahn Richtung Ausfahrt Kirchberg und fuhr 
auf dem Fahrstreifen Richtung Umfahrungsstrasse Kirchberg T1 auf einen 
langsamer fahrenden blauen Kleinwagen auf. Um diesen zu überholen wech-
selte er unvermittelt auf den rechten Fahrstreifen Richtung AZUE, dann wieder 
auf den linken Fahrstreifen Richtung Umfahrungsstrasse.

Dieses Verhalten führte zum Schuldspruch wegen einfacher Verkehrsregelver-
letzung durch Rechtsüberholen (Art. 90 Abs. 1, Art. 35 Abs. 1 SVG), welcher 
ebenfalls in Rechtskraft erwachsen ist.

- Phase 5 (pag. 75, Ziff. I.1.5 der Anklageschrift; pag. 126, Ziff. I.3 und Ziff. I.4 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 156 ff., S. 20 ff. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung):

Nach dem umstrittenen zweiten Bremsmanöver (Phase 4) folgten die Polizisten 
dem Beschuldigten mit einer Geschwindigkeit (gemäss Navigationsgerät) von 
ca. 100 km/h und holten ihn schliesslich ein. Aufgrund des Umstandes, dass 
zuerst ein Aufholen stattfinden musste, war für die Vorinstanz nicht zwingend, 
dass die am Navigationsgerät des Polizeifahrzeugs abgelesene Geschwindig-
keit dieselbe war, mit welcher der Beschuldigte effektiv fuhr. Zugunsten des 
Beschuldigten ging die Vorinstanz daher davon aus, dass er mit der zulässigen 
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h unterwegs war. Der Beschuldigte hielt 
dann auf dem Parkplatz Wydenhof («F.________») an. In dubio pro reo nahm 
die Vorinstanz an, dass der Beschuldigte erst nach der Autobahnüberführung 
merkte, dass ihn die Insassen des nachfahrenden Fahrzeugs anhalten wollten 
und dass er diesem Begehren dann auch nachkam.

Die rechtliche Beurteilung dieser Phase durch die Vorinstanz führte zu Frei-
sprüchen von den Vorwürfen des Überschreitens der signalisierten Höchstge-

11

schwindigkeit und der Hinderung einer Amtshandlung, eventuell des Nichtbe-
achtens von polizeilichen Haltezeichen. Letzteres deswegen, weil die Vorin-
stanz im Winken mit einer Stablampe und im Aus-dem-Fenster-Halten des kre-
ditkartengrossen Polizeiausweises – notabene durch Polizisten in einem zivilen 
Fahrzeug und in Zivilkleidung – kein eindeutiges Anhaltesignal bzw. keine klar 
konkretisierte Amtshandlung, deren Ablauf durch den Beschuldigten unnötig 
verzögert worden wäre, erblickte.

8. Bestrittener Sachverhalt und Beweismittel

Sachverhaltsmässig zu klären sind demgegenüber die beiden Phasen dazwischen, 
d.h. die Phasen 2 und 4, in denen dem Beschuldigten das Nichtwahren eines aus-
reichenden Abstandes nach hinten bzw. ein unvorsichtiger Wechsel des Fahrstrei-
fens und ein brüskes Bremsen (alles Phase 2, auf der Autobahn; E. 9 unten) sowie 
ein erneutes brüskes Bremsmanöver auf der Umfahrungsstrasse (Autostrasse, 
Phase 4; E. 10 unten) vorgeworfen wird. Auch wenn der Beschuldigte die beiden 
Schuldsprüche wegen der brüsken Bremsmanöver grundsätzlich als grobe Ver-
kehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG akzeptiert und überdies der für 
den Vorfall in Phase 4 erfolgte Schuldspruch wegen Nötigung bereits in Rechtskraft 
erwachsen ist, sind diese Sachverhaltsabschnitte aufgrund der staatsanwaltlichen 
Berufung näher zu beleuchten bzw. die vorinstanzliche Würdigung zu überprüfen.

Für diese beiden Phasen liegen keine objektiven Beweismittel vor; es gilt deswe-
gen die Aussagen der beiden Zeugen sowie des Beschuldigten zu würdigen.

9. Zu Phase 2: Abstand nach hinten und erstes Bremsmanöver (Ziff. I.1.2 der 
Anklageschrift)

9.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in Ziffer I.1.2 der Anklagschrift vom 4. Februar 2016 zu-
sammengefasst vorgeworfen, er habe den PW von Polizistin C.________ überholt 
und sei mit einem Abstand von maximal anderthalb Fahrzeuglängen (d.h. einer Ab-
standszeit von maximal 0,2 Sekunden) vor ihnen eingebogen und habe bei einer 
Geschwindigkeit von ca. 115 km/h brüsk auf ca. 20 bis 30 km/h abgebremst, so-
dass Polizistin C.________ gezwungen gewesen sei, ebenfalls massiv zu brem-
sen, um eine Kollision zu verhindern. Das Bremsmanöver des Beschuldigten sei 
weder aus verkehrstechnischen noch aus fahrzeugtechnischen Gründen indiziert 
gewesen (Schikanestopp). Der Beschuldigte habe damit vorsätzlich elementare 
Verkehrsregeln verletzt und sei so das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerver-
letzten oder Todesopfern eingegangen. Eventualiter habe er eine ernstliche Gefahr 
für die Sicherheit anderer hervorgerufen respektive in Kauf genommen (pag. 74).

9.2 Würdigung der Vorinstanz

Nachdem die Vorinstanz in ihrer allgemeinen Würdigung der Aussagen der drei Be-
teiligten zum Schluss gekommen war, dass im Wesentlichen auf die für glaubhaft 
erachteten Aussagen der beiden Polizisten abgestellt werden könne und hinsicht-
lich der Aussagen des Beschuldigten von einem geringen Wahrheitsgehalt auszu-
gehen sei, erachtete sie hinsichtlich der Phase 2 mit gewissen Präzisierungen 

12

grundsätzlich den Sachverhalt gemäss Anklageschrift als erstellt. Demnach habe 
der Beschuldigte bei einer Geschwindigkeit von ca. 120 km/h das Fahrzeug der 
Zeugen überholt und sei mit knappem Abstand vor diesem wieder eingebogen und 
habe danach ohne verkehrsbedingten oder fahrzeugtechnischen Grund unmittelbar 
und brüsk auf ca. 20 bis 30 km/h abgebremst, wobei Polizistin C.________ durch 
das Abbremsen adäquat habe reagieren und eine Kollision habe verhindern kön-
nen. Hinsichtlich des Abstandes zwischen den Fahrzeugen erwog die Vorinstanz, 
die Angaben des Zeugen D.________ könnten nicht zutreffen, weil es mit der ge-
fahrenen Geschwindigkeit bei einem Abstand von lediglich 1,5 Fahrzeuglängen (ca. 
6 bis 7 Meter) und dem anschliessenden Bremsmanöver des Beschuldigten unwei-
gerlich zu einem Zusammenstoss gekommen wäre. Die Abstandszeit hätte unter 
diesen Voraussetzungen lediglich 0,18 bis 0,21 Sekunden betragen und selbst ei-
nem geübten Fahrer wäre es nicht möglich gewesen, innert dieser Zeit ein derarti-
ges Bremsmanöver einzuleiten. Es sei daher von einem mehr als 0,5 Sekunden 
ausmachenden, aber dennoch ungenügenden Abstand von klar unter 1,8 Sekun-
den auszugehen (pag. 152 ff., S. 16 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

9.3 Würdigung der Kammer

9.3.1 Die Kammer schliesst sich, was die allgemeine Würdigung der Aussagen des Be-
schuldigten und der beiden Zeugen betrifft, grundsätzlich der Einschätzung der 
Vorinstanz an, worauf an dieser Stelle verwiesen wird (vgl. pag. 147 ff., S. 11 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Insbesondere erscheinen auch der Kammer 
die Aussagen des Beschuldigten nur als wenig zuverlässig und überwiegend be-
schönigend. Für die konkrete Beurteilung des in der Phase 2 Geschehenen erwei-
sen sich die Aussagen und Angaben der beiden Zeugen als aufschlussreich:

In den ersten Angaben von Polizistin C.________ zum Vorfall im Anzeigerapport 
hielt sie zum Überholmanöver mit anschliessendem Schikanestopp fest, der Be-
schuldigte habe sich «wiederum mit einem sehr geringen Abstand» direkt vor ihren 
PW gesetzt und habe dann mit einer Geschwindigkeit von ca. 115 km/h eine abrup-
te Bremsung auf eine Geschwindigkeit von ca. 20 bis 30 km/h gemacht. Dadurch 
sei sie genötigt gewesen, ebenfalls eine massive Bremsung einzuleiten, um eine 
Kollision zu verhindern. Unter dem Zwischentitel «Nötigung durch Schikanestopp, 
evtl. Gefährdung des Lebens (BGE 6B_385/2011)» hielt sie weiter fest, bei diesem 
(sowie beim zweiten Schikanestopp) sie sie in eine Zwangssituation gebracht wor-
den und habe schwere Folgen nur durch sofortiges und korrektes Reagieren (meh-
rere fahrtechnische Weiterbildungen bei der Kantonspolizei Bern) abwenden kön-
nen. Beim ersten Schikanestopp habe sie nicht über einen genügend grossen Si-
cherheitsabstand verfügt, da der Beschuldigte nach dem Überholen wenige Meter 
vor ihrer Fahrzeugfront den Fahrstreifen gewechselt und ihr somit die Möglichkeit 
eines ausreichenden Sicherheitsabstandes nicht gewährt habe. Den Schikane-
stopp wertete sie selber in der Anzeige als Verstoss gegen Art. 12 Abs. 2 VRV, 
Art. 34 Abs. 4, Art. 37 Abs. 1 und Art. 90 Abs. 2 SVG sowie Art. 181 des Strafge-
setzbuches (StGB; SR 311.0; pag. 3 ff.).

In der staatsanwaltlichen Einvernahme bestätigte Polizistin C.________ als Zeugin 
die Ausführungen im Anzeigerapport, meinte aber auch, das Grobe zwar noch zu 
wissen, für das Feine aber den Rapport beiziehen zu müssen (pag. 18, Z. 26–30). 

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Sie führte aus, der Beschuldigte sie «relativ nahe ebenfalls auf den rechten Fahr-
streifen vor mein Auto» gefahren und habe dann «nach ein paar Sekunden – ich 
kann die Zeit nicht mehr sagen» ein brüskes Bremsmanöver gemacht (pag. 18, 
Z. 44–46). Gefragt nach konkreten Angaben in Metern, gab sie später an, das sei 
sehr schwer einzuschätzen, nach ihrem Empfinden sei es aber keine Fahrzeuglän-
ge gewesen (pag. 24, Z. 271–275). Auf die Frage, wie sie darauf komme, dass sie 
auf 20 bis 30 km/h habe abbremsen müssen, sagte sie, das sei die Geschwindig-
keit gemäss Navi, die sie gehabt habe, als sie gewusst habe, dass es zu keinem 
Unfall komme. Sie gehe gefühlsmässig davon aus, der Beschuldigte habe auch 
dieses Tempo gehabt. Es sei in dem Sinne keine Vollbremsung bis zum Stillstand 
gewesen, sondern ein massives Abbremsen (pag. 21, Z. 141–149). Wie schnell sie 
nach dem Fahrstreifenwechsel gefahren war, wusste sie nicht mehr. Sie seien im 
Tempo-100-Bereich gewesen (pag. 21, Z. 138–139), was sie dann in der Haupt-
verhandlung insofern korrigierte, als sie nun sagte, nach dem Überholmanöver ha-
be sie wieder mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h fahren können (pag. 105, 
Z. 41–42). Gefragt danach, warum nicht schon nach diesem ersten gefährlichen 
Manöver der Entschluss für eine Kontrolle gefasst worden sei, gab sie an, sie seien 
zwar im Dienst und voll ausgerüstet gewesen, es sei aber nie einfach, in einem zi-
vilen Fahrzeug jemanden anzuhalten. Sie habe sich gesagt, das sei kein gutes 
Fahrmanöver gewesen, (erst) als aber dann das Rechtsüberholen gekommen sei, 
habe sie wissen wollen, wer da fahre (pag. 22, Z. 171–177).

Polizist D.________ sprach, vor der Staatsanwaltschaft als Zeuge befragt, davon, 
der Beschuldigte sei «dicht vor uns» auf den rechten Fahrstreifen eingeschwenkt 
und habe dann «plötzlich und abrupt» gebremst, was dazu geführt habe, dass auch 
seine Kollegin «in die Eisen» treten und sehr stark habe abbremsen müssen. Ohne 
sich auf konkrete Zahlen punkto Geschwindigkeit oder Abstände festzulegen, führ-
te er weiter aus, sie seien zwar nicht zum Stillstand gekommen, seien aber «be-
stimmt nicht mehr sehr schnell auf der Autobahn» gefahren. Was das Bremsmanö-
ver für das von ihnen überholte Fahrzeug für Auswirkungen gehabt habe – ob sehr 
nahe aufgeschlossen oder Fast-Unfall –, könne er nicht sagen, da er selber durch 
das Bremsmanöver erschrocken sei (pag. 8, Z. 48–56; pag. 9, Z. 57–59; vgl. 
pag. 11, Z. 164–170). Als der Beschuldigte die Autobahn bei der Ausfahrt Kirch-
berg verlassen habe, hätten sie sich gegenseitig angeschaut und über dessen 
Fahrweise «gfutteret», zuerst aber nicht polizeilich intervenieren wollen. Dazu ent-
schlossen hätten sie sich erst nach dem Rechtsüberholen des Beschuldigten, weil 
sie sich dann gesagt hätten, der Fahrer lege allgemein eine sehr gefährliche Fahr-
weise an den Tag, was nicht gehe (pag. 9, Z. 62–70). Auf Vorhalt der Angaben im 
Anzeigerapport, wonach der Beschuldigte auf eine Geschwindigkeit von 20 bis 
30 km/h runtergebremst habe, sagte er, dass Polizistin C.________, soweit er sich 
erinnern könne, noch gefahren sei. Wie schnell sie nach dem Bremsen gefahren 
sei, wisse er nicht mehr. Sie hätten für eine Autobahn auf eine sehr tiefe Ge-
schwindigkeit runterbremsen müssen, geschätzt unter 50 km/h (pag. 11, Z. 153–
162). Nochmals angesprochen auf den Abstand beim Wiedereinbiegen des Be-
schuldigten sagte Polizist D.________, die Distanz zwischen den Fahrzeugen beim 
Wiedereinbiegen sei schwer zu sagen, es sei aber relativ knapp und zu dicht für ein 
vernünftiges Überholmanöver gewesen. Erst auf nochmalige Nachfrage nannte er 

14

Zahlen: Der Abstand habe eine, maximal anderthalb Fahrzeuglängen betragen 
(pag. 12, Z. 172–175). In der Hauptverhandlung war dann die Rede von einem ge-
ringen Abstand und wenigen Metern (pag. 110, Z. 43–44).

9.3.2 Bezüglich der gefahrenen Geschwindigkeit vor dem Bremsmanöver legte sich die 
Zeugin C.________ im Anzeigerapport auf ca. 115 km/h fest. Zwischenzeitlich 
sprach sie dann von 100 km/h, weil sie fälschlicherweise davon ausging, dort sei 
man bereits im Tempo-100-Bereich gewesen, in der Hauptverhandlung ging sie 
dann von der von der Vorinstanz übernommenen 120 km/h aus. Übereinstimmend 
führten beide Zeugen aus, sie seien nach ihrem Überholmanöver mit derselben 
Geschwindigkeit mit dem Verkehrsfluss weitergefahren. Die Kammer stellt auf die 
in zeitlicher Hinsicht tatnächste Angabe der Zeugin C.________ im Anzeigerapport 
ab, wonach der Beschuldigte mit einer Geschwindigkeit von ca. 115 km/h unter-
wegs war. Der Annahme einer Geschwindigkeit von ca. 120 km/h steht ohnehin 
entgegen, dass eine Geschwindigkeit in dieser Höhe in der Anklagschrift keine 
Stütze findet.

Die Argumentation der Vorinstanz, die Angaben von Zeuge D.________ könnten 
deshalb nicht zutreffen, weil es mit der gefahrenen Geschwindigkeit von 120 km/h 
bei einem Abstand von lediglich 1,5 Fahrzeuglängen – d.h. ca. 6 bis 7 Meter und 
einer Abstandszeit von 0,18 bis 0,21 Sekunden – und dem anschliessenden 
Bremsmanöver des Beschuldigten unweigerlich zu einem Zusammenstoss ge-
kommen wäre, erachtet die Kammer in Bezug auf das Bremsmanöver durchaus als 
zutreffend, bezüglich des Abstandes beim Wiedereinbiegen hingegen eher nicht. 
Die Vorinstanz geht nämlich davon aus, dass der Beschuldigte nicht nur im Mo-
ment des Fahrstreifenwechsels bzw. Wiedereinbiegens, sondern auch bei der Ein-
leitung seines brüsken Bremsmanövers gegen hinten immer noch den gleichen 
(knappen) Abstand einhielt. Das ist indessen nicht erstellt, sondern aufgrund der 
Aussage von Polizistin C.________ sogar äusserst unwahrscheinlich. Sie sprach 
nämlich klar davon, der Beschuldigte habe sein brüskes Bremsmanöver erst ein 
paar Sekunden nach dem Fahrstreifenwechsel – eine Zeit könne sie nicht mehr 
sagen – ausgeführt. Fahrstreifenwechsel bzw. Wiedereinbiegen und das zeitlich 
spätere Bremsmanöver sind also auch aus ihrer Sicht auseinanderzuhalten. Aus 
der Tatsache, dass es nach dem brüsken Bremsen des Beschuldigten keine Kolli-
sion gab, weil Polizistin C.________ rechtzeitig abbremsen konnte, kann mit ande-
ren Worten nicht auf den Abstand beim Fahrstreifenwechsel bzw. Wiedereinbiegen 
geschlossen werden. Vielmehr sind die beiden Fragen getrennt voneinander zu 
beurteilen.

Zum Abstand beim Fahrstreifenwechsel bzw. Wiedereinbiegen des Beschuldigten 
nach dem Überholen fällt auf, dass Polizistin C.________ nie konkret von Metern 
sprach, sondern von einem «sehr geringen Abstand», von «wenigen Metern vor 
unserer Fahrzeugfront» oder davon, er sei «relativ nahe» vor ihr Auto gefahren. 
Erst auf Nachfrage gab sie an, nach ihrem Empfinden sei es keine Fahrzeuglänge 
gewesen. Ähnlich sprach auch Polizist D.________ zuerst davon, der Beschuldigte 
sei «dicht vor uns» eingeschwenkt und es sei «relativ knapp und zu dicht für ein 
vernünftiges Überholmanöver» gewesen. Erst auf konkrete Frage nannte er die 
Zahl von einer bis maximal anderthalb Fahrzeuglängen. In der Hauptverhandlung 

15

war dann die Rede von einem «geringen Abstand» und er würde sagen, es seien 
«wenige Meter» gewesen. Beide Zeugen haben den Abstand zuerst zwar nicht 
konkretisiert – damit auch nicht dramatisiert –, diesen aber übereinstimmend mit 
dicht und relativ nahe beschrieben. Die Kammer hält diese Angaben entsprechend 
der allgemeinen Beurteilung der Zuverlässigkeit der Zeugenaussagen für sehr 
glaubhaft. Damit bleibt kein Raum, zugunsten des Beschuldigten von einem Ab-
stand im Bereich einer einfachen Verkehrsregelverletzung auszugehen. Ausge-
hend von einem für die Abgrenzung auf Autobahnen als Richtschnur massgeben-
den Abstandszeit von 0,6 Sekunden (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2.2; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_848/2016 vom 13. Februar 2017 E. 1.3.3) müsste der Abstand bei 
der gefahrenen Geschwindigkeit von ca. 115 km/h (31,94 m/s) mehr als 19 Meter 
betragen haben. Weshalb die im Abschätzen von Abständen geübten Polizisten mit 
ihren Angaben und insbesondere Polizist D.________ mit seiner Schätzung von 
1,5 Fahrzeuglängenvöllig völlig daneben liegen sollten, ist nicht einzusehen, zumal 
ja schon das vorherige Auffahren des Beschuldigten (Phase 1) als sehr knapp be-
schrieben und von der Vorinstanz als erstellt erachtet wurde. Unter diesen Um-
ständen geht die Kammer von einem Abstand beim Streifenwechsel bzw. Wieder-
einbiegen von sicher nicht über 10 Metern aus. Demgegenüber ist für die Kammer 
nicht erstellt, dass der Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen im Moment des 
brüsken Bremsens immer noch gleich gering war (E. 9.3.3 unten).

9.3.3 Beide Zeugen sprachen übereinstimmend, konstant und glaubhaft von einem plötz-
lichen und abrupten Bremsmanöver des Beschuldigten ohne verkehrsbedingten 
oder fahrzeugtechnischen Grund, welches Zeugin C.________ zu einem starken 
Abbremsen zwang, wobei die Fahrzeuge aber nicht zum Stillstand kamen. Das 
Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte wohl als Reaktion auf das Antippen der 
Bremse durch Polizistin C.________, als ihr dieser zuvor zu nahe aufgefahren war. 
Die Geschwindigkeit nach dem Bremsmanöver gab Zeugin C.________ stets mit 
20 bis 30 km/h an. Zeuge D.________ führte aus, seine Kollegin habe «in die Ei-
sen» getreten, sei zwar nicht zum Stillstand gekommen, habe aber auf eine für eine 
Autobahn sehr tiefe Geschwindigkeit runterbremsen müssen, geschätzt unter 
50 km/h. Aufgrund dieser durchaus etwas abweichenden Schätzung von Zeuge 
D.________ – eine mit «unter 50 km/h» geschätzte Geschwindigkeit dürfte deutlich 
höher als bloss 20 km/h sein –, geht die Kammer zugunsten des Beschuldigten von 
einer Geschwindigkeit von ca. 30 km/h aus. Abgesehen vom Hinweis von Zeugin 
C.________, sie habe schwerere Folgen nur durch sofortiges und korrektes Re-
agieren (unter Hinweis auf die absolvierten fahrtechnischen Weiterbildungen bei 
der Kantonspolizei Bern) abwenden können und sie habe beim Schikanestopp we-
gen des vorherigen knappen Einbiegens des Beschuldigten nicht über einen genü-
gend grossen Sicherheitsabstand verfügt, erwähnten die Polizisten keine besonde-
ren weiteren Vorkommnisse – wie etwa Schleudern oder andere Fahrzeuge, die 
betroffen gewesen wären – als Folge des massiven Runterbremsens. Insbesonde-
re blieb von beiden unbemerkt, ob das Bremsmanöver Auswirkungen auf ein hinter 
ihnen fahrendes Fahrzeug – namentlich das zuvor von ihnen überholte – hatte oder 
ob es gar fast zu einem Auffahrunfall kam (vgl. pag. 21, Z. 151–155, pag. 106, Z. 8; 
pag. 11 Z. 166–170; pag. 8 Z. 56, pag. 9 Z. 57–59). Gerade bei der Polizistin 
C.________ als Fahrzeugführerin – zumal mit den von ihr hervorgehobenen fahr-

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technischen Fähigkeiten – ist kaum zu erwarten, dass ihr ein Beinahe-Auffahrunfall 
oder auch nur schon eine knappe Situation hinter ihr entgangen wäre. Es bestehen 
damit keine Hinweise auf konkrete Beeinträchtigung oder Gefährdungen für weitere 
Fahrzeuge.

Zu klären bleibt damit der konkrete Abstand zum Fahrzeug des Beschuldigten im 
Moment, als dieser dann das Bremsmanöver einleitete. Wie ausgeführt, geht die 
Kammer gestützt auf die Aussagen von Zeugin C.________ davon aus, dass das 
Bremsmanöver des Beschuldigten nicht unmittelbar nach seinem deutlich zu knap-
pen Wiedereinbiegen geschah, sondern erst einige Sekunden danach. Die Zeugen 
machten keine konkreten Abstandsangaben für diesen Zeitpunkt; Zeugin 
C.________ sprach aber von einem nicht genügenden Sicherheitsabstand. Der 
Abstand muss aber bereits deutlich über 10 Meter betragen haben, denn ein 
Bremsmanöver mit den von der Kammer für den Zeitpunkt des Streifenwechsels 
bzw. Wiedereinbiegens für erwiesen erachteten Kennzahlen hätte unweigerlich ei-
ne Kollision zur Folge gehabt: Bei einem Abstand von maximal 10 Metern und einer 
gefahrenen Geschwindigkeit von ca. 115 km/h verbleibt dem nachfolgenden Fahr-
zeug nämlich höchstens 0,313 Sekunden, um zu reagieren. Diese Zeit unterschrei-
tet eine realistische Bremsreaktionszeit selbst dann deutlich, wenn von einer 
bremsbereiten und geübten Fahrerin mit einer Reaktionszeit von unter einer Se-
kunde (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 6B_1030/2010 vom 22. März 2011 
E. 3.3.3, wonach Untersuchungen zufolge die Bremsreaktionszeit selbst bei erhöh-
ter Bremsbereitschaft in der Regel mindestens eine Sekunde beträgt) oder sogar 
von bestmöglichen 0,5 bis 0,7 Sekunden (HANS GIGER, in: SVG-Kommentar, 
8. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 32 SVG mit Hinweisen) ausgegangen wird. Überdies fin-
den sich auch in den Aussagen der Zeugen weitere Hinweise darauf, dass der Ab-
stand zwar ungenügend war, aber doch (sehr) deutlich über 10 Meter betragen ha-
ben muss. Beide Zeugen sprachen in diesem Zusammenhang, ganz im Gegensatz 
zum zweiten Bremsmanöver (Phase 4, E. 10.3.1 unten), nie von einem einsetzen-
den ABS, sodass davon auszugehen ist, dass zwar stark gebremst wurde, das 
Bremspedal aber dennoch nicht voll, bis zum Anschlag durchgedrückt, betätigt 
werden musste, um eine Kollision abzuwenden. Auch weitere, beim zweiten 
Bremsmanöver erwähnte Details – Zeugin C.________ berichtete dort etwa, der im 
Fahrzeug befindliche Hund sei mit voller Wucht in die Rückwand der Hundebox 
geprallt (pag. 22, Z. 182–184) und Zeuge D.________ erwähnte, er sei in die Gurte 
gefallen (pag. 9, Z. 81–82; pag. 12, Z. 205–206) –, fanden offenbar beim ersten 
Bremsmanöver nicht oder zumindest nicht mit gleicher Intensität statt. Hierzu passt 
auch, dass die Fahrerin den zweiten Schikanestopp «ganz klar» für das gefährli-
chere Manöver hält (pag. 23, Z. 218–219). Offenbar stand auch eine polizeiliche In-
tervention nach dem ersten, im Nachhinein als sehr gravierend dargestellten Vor-
fall, vorerst noch gar nicht zur Debatte. Erst nach weiteren Verfehlungen des Be-
schuldigten erachteten die Polizisten auch die Vorkommnisse in Phase 2 (sowie 
diejenigen in Phase 1) als «anzeigewürdig» – notabene als grobe Verkehrsregel-
verletzung und Nötigung, eventuell Gefährdung des Lebens. Nach dem Gesagten 
geht die Kammer von einem ungenügenden, letztlich aber nicht bekannten Abstand 
nach hinten aus, der aber deutlich grösser war, als die beim Streifenwechsel bzw. 
Wiedereinbiegen angenommenen 10 Meter.

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9.3.4 Das Beweisergebnis der Vorinstanz ist für die Phase 2 dahingehend zu korrigieren, 
dass ein Abstand beim Streifenwechsel bzw. Wiedereinbiegen des Beschuldigten 
von maximal 10 Metern bzw. 0,313 Sekunden als erstellt gilt. Einige Sekunden 
nach diesem (deutlich) zu knappen Wiedereinbiegen bremste der Beschuldigte oh-
ne verkehrsbedingten oder fahrzeugtechnischen Grund aus einer Geschwindigkeit 
von ca. 115 km/h unmittelbar und brüsk auf eine solche von ca. 30 km/h ab, wobei 
Zeugin C.________ durch starkes Abbremsen, ohne einsetzendes ABS, adäquat 
reagieren und eine Kollision verhindern konnte. Zugunsten des Beschuldigten ist 
davon auszugehen, dass der Sicherheitsabstand zum nachfolgenden Fahrzeug im 
Moment des Bremsens zwar ungenügend war, aber nicht mit dem deutlich zu 
knappen Abstand beim Wiedereinbiegen gleichgesetzt werden kann. Der Schika-
nestopp hatte weder für die beiden unmittelbar beteiligten noch für andere Fahr-
zeuge weitere Folgen.

10. Zu Phase 4: zweites Bremsmanöver (Ziff. I.1.4 der Anklageschrift)

10.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Die Polizisten C.________ und D.________ seien dem Beschuldigten (auf der Um-
fahrungsstrasse Kirchberg) gefolgt und hätten versucht, ihn mittels Hand- und 
Lichtzeichen sowie Hupen und Vorhalten des Polizeiausweises zum Anhalten zu 
bewegen. In der Folge habe der Beschuldigte bei einer Geschwindigkeit von 
ca. 100 km/h eine weitere brüske Bremsung gemacht, wodurch Polizistin 
C.________ trotz Einhaltung eines genügenden Abstandes gezwungen gewesen 
sei, eine Vollbremsung bis zum Stillstand einzuleiten, um eine Kollision zu verhin-
dern. Das Bremsmanöver des Beschuldigten sei weder aus verkehrstechnischen 
noch aus fahrzeugtechnischen Gründen indiziert gewesen (Schikanestopp). Es sei 
alleine dem fahrerischen Können und der Fahrerfahrung der entsprechend ge-
schulten Polizistin zu verdanken, dass es nicht zu einer Auffahrkollision gekommen 
sei. Der Beschuldigte habe damit vorsätzlich elementare Verkehrsregeln verletzt 
und sei so das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern 
eingegangen. Eventualiter habe er eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer 
hervorgerufen respektive in Kauf genommen (pag. 75).

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10.2 Würdigung der Vorinstanz

Gestützt auf die für glaubhaft befundenen Aussagen der beiden Zeugen erachtete 
die Vorinstanz im Wesentlichen den angeklagten Sachverhalt als erwiesen. Präzi-
sierend ging sie davon aus, der Beschuldigte habe zwar brüsk gebremst, sein 
Fahrzeug sei aber, im Gegensatz zu demjenigen der nachfahrenden Zeugen, nicht 
ganz zum Stillstand gekommen. Da nicht zweifelsfrei festgestellt werden könne, 
wie schnell der Beschuldigte gefahren sei, ging die Vorinstanz zu seinen Gunsten 
von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h aus. Schliesslich erachtete 
sie als erstellt, dass sich der (in Phase 3) von den beiden Fahrzeugen überholte 
blaue Kleinwagen «in der Nähe» befunden haben müsse (pag. 155 f., S. 19 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

10.3 Würdigung der Kammer

10.3.1 Auch den zweiten Schikanestopp, durch welchen sie erneut gezwungen worden 
sei, eine Vollbremsung einzuleiten, subsumierte Polizistin C.________ im Anzeige-
rapport unter die Tatbestände der groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 
SVG) und der Nötigung, eventuell der Gefährdung des Lebens. Sie erwähnte aber 
bereits in der Anzeige, die Bremsung sei derart heftig gewesen, dass bei ihrem 
Fahrzeug das ABS habe regeln müssen und somit automatisch die Warnblinker 
eingeschaltet worden seien. Sie sei bei diesem Ausbremsen genötigt worden, ihr 
Fahrzeug bis zum Stillstand anzuhalten. Schwerere Folgen habe sie nur durch so-
fortiges und korrektes Reagieren (mehrere fahrtechnische Weiterbildungen bei der 
Kantonspolizei Bern) sowie durch den Umstand, dass sie beim zweiten Schikane-
stopp genügend Abstand gehabt habe, abwenden können (pag. 5).

Vor der Staatsanwaltschaft bestätigte Polizistin C.________, als Zeugin, diese Aus-
führungen (pag. 18, Z. 26–27, pag. 19, Z. 63–68) und erwähnte zudem, ihr Hund in 
der Hundebox sei mit voller Wucht in die Rückwand der Box geknallt. Sie selbst 
habe weiche Knie gehabt (pag. 22, Z. 182–185). Der zweite Schikanestopp sei 
ganz klar das gefährlichere Manöver des Beschuldigten gewesen. Sie habe da sel-
ber sehr aktiv werden müssen und nur dank ihrer Erfahrung habe sie eine grobe 
Auffahrkollision verhindern können (pag. 23, Z. 218–219). Jemand, der nicht über 
die fahrtechnische Ausbildung verfüge, hätte wohl nicht wie sie reagieren können; 
selbst für sie sei das hart am Limit gewesen (pag. 24, Z. 246–255). Eine genaue 
Angabe betreffend Distanz zum Fahrzeug A.________ könne sie nicht machen, sie 
wisse aber, sie habe aufgrund des ersten Schikanestopps genügend Abstand ge-
habt; dies im Bewusstsein, dass sie nach dem ersten Fahrmanöver mit allem habe 
rechnen müssen (pag. 24, Z. 265–269), was sie anlässlich der Hauptverhandlung 
nochmals ähnlich zu Protokoll gab (pag. 106, Z. 36–38).

Gemäss Zeuge D.________ sei der Beschuldigte voll auf die Bremsen gegangen. 
Diesmal noch stärker, sodass sie gezwungen gewesen seien, auf Null zu stoppen. 
Er erinnere sich, er sei in die Gurten gefallen, da man sich als Beifahrer nicht am 
Steuerrad abstützen könne (pag. 9, Z. 77–82). Es sei effektiv ein abruptes, brüskes 
Bremsmanöver gewesen, wobei er darauf eher eingestellt gewesen sei, weil man 
nach dem ersten damit habe rechnen müssen. Als Beifahrer sei dies aber nicht das 
Gleiche; als Fahrer wäre er sicher eher darauf vorbereitet gewesen (pag. 12, 

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Z. 205–208). Den Abstand könne er nicht genau abschätzen. Er sei aber etwas 
grösser gewesen als beim ersten Mal. Ohne Vollbremsung wäre es mit Sicherheit 
zu einer Kollision gekommen (pag. 13, Z. 209–211). Auf die Frage, welches das 
gefährlichste Manöver des Beschuldigten gewesen sei, meinte er, das könne die 
Lenkerin besser beurteilen. Für ihn sei der erste Stopp auf der Autobahn gravier-
ender gewesen, auch wegen des nachfolgenden Verkehrs und weil sie nicht darauf 
vorbereitet gewesen seien, dies obwohl sie beim zweiten Stopp auf Null hätten 
bremsen müssen (pag. 14, Z. 258–262).

10.3.2 Die Kammer schliesst sich grundsätzlich der überzeugenden Würdigung der Vorin-
stanz zu dieser Phase an, worauf verwiesen wird (vgl. pag. 155 f., S. 19 f. der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung). Präzisierend ist darauf hinzuweisen, dass auf-
fällt, dass die Zeugin C.________ den zweiten Schikanestopp erst in den späteren 
Befragungen, nicht bereits in der Anzeige, im Ergebnis als deutlich gravierender 
bezeichnete als den ersten. Auch wenn ihre Angaben teilweise gewisse Aggravie-
rungstendenzen erkennen lassen – so die Schilderung mit dem Hund, der in die 
Rückwand geknallt sei und das wiederholte Betonen des eigenen vorbildlichen 
Verhaltens –, geht aus dem Hinweis auf die Aktivierung des ABS und auch dem 
dadurch ausgelösten Warnblinklicht hervor, dass heftig gebremst worden sein 
musste. Dies unterstreichen auch die glaubhaften und bildlichen Schilderungen von 
Zeuge D.________, wonach er in die Gurte fiel. Dass für ihn als Beifahrer der erste 
Schikanestopp, weil völlig unerwartet, gravierender war, ist nachvollziehbar. Insge-
samt erscheinen somit auch die übereinstimmenden Angaben der Zeugen zu die-
ser Phase als zuverlässig, ganz im Gegensatz zu den unglaubhaften Aussagen 
des Beschuldigten, der sein Verhalten durchwegs zu relativieren und beschönigen 
versuchte. Mit der Vorinstanz ist von einer gefahrenen Geschwindigkeit im Bereich 
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auszugehen (vgl. auch der für 
Phase 5 erwiesene Sachverhalt, E. 7 oben). Konkrete Auswirkungen des Manövers 
auf andere Verkehrsteilnehmer stellten beide Zeugen keine fest.

10.3.3 Damit bleibt es hinsichtlich Phase 4 beim vorinstanzlich festgestellten Beweiser-
gebnis. Der Beschuldigte bremste ein zweites Mal ohne fahrzeugtechnischen oder 
verkehrsbedingten Grund sein mit ca. 80 km/h zirkulierendes Fahrzeug so stark ab, 
dass das nachfolgende Fahrzeug mit den beiden Polizisten gezwungen wurde, ei-
ne Vollbremsung (mit ABS) bis zum Stillstand einzuleiten. Im Unterschied zum 
Bremsmanöver in Phase 2 hatte Zeugin C.________ aber bereits wieder einen 
genügenden Abstand zum vor ihr fahrenden Beschuldigten inne. Der Schikane-
stopp hatte weder für die beiden unmittelbar beteiligten noch für andere Fahrzeuge 
weitere Folgen.

III. Rechtliche Würdigung

11. Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim Wiedereinbiegen nach 
Überholen (Phase 2)

11.1 Mit Busse wird bestraft, wer Verkehrsregeln des SVG oder der Vollziehungsvor-
schriften des Bundesrates verletzt (Art. 90 Abs. 1 SVG). Wer durch grobe Verlet-
zung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervor-

20

ruft oder in Kauf nimmt, macht sich nach Art. 90 Abs. 2 SVG der groben Verkehrs-
regelverletzung schuldig. Für die Voraussetzungen des objektiven und subjektiven 
Tatbestandes der groben Verkehrsregelverletzung, insbesondere die Abgrenzung 
zu Art. 90 Abs. 1 SVG bei ungenügendem Abstand auf der Autobahn, kann auf die 
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 159 f., S. 23 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Die Vorinstanz hat die Abstandsfrage in Phase 2 unter dem Gesichtspunkt von 
Art. 34 Abs. 4 SVG (i.V.m. Art. 12 Abs. 1 VRV) abgehandelt. Diese Verkehrsregel 
normiert das Gebot genügenden Abstands gegenüber allen Strassenbenützern, 
nicht nur beim Kreuzen, Überholen und Nebeneinanderfahren, sondern namentlich 
auch beim Hintereinanderfahren. Ausreichend ist der Abstand dann, wenn das hin-
tere Fahrzeug auch bei einer überraschenden Bremsung des vorderen rechtzeitig 
bremsen kann und damit ein Unfall vermieden wird (STEFAN MAEDER, in: Basler 
Kommentar zum SVG, 2014, N. 1 zu Art. 34 SVG). Art. 12 VRV konkretisiert, was 
ein ausreichender Abstand beim Hintereinanderfahren ist: Der Abstand ist so zu 
wählen, dass der nachfolgende Fahrzeugführer auch bei überraschendem Brem-
sen des voranfahrenden Fahrzeugs (also auch bei einer Notbremsung) rechtzeitig 
halten kann. Die Vorschrift von Art. 34 Abs. 4 SVG richtet sich klar an den nachfol-
genden Fahrzeugführer (MAEDER, Basler Kommentar, N. 48 zu Art. 34 SVG mit 
Hinweis; vgl. BGE 115 IV 248 E. 3a) und ist damit nicht einschlägig. Wie die Gene-
ralstaatsanwaltschaft zu Recht vorbrachte, gelangt vielmehr Art. 34 Abs. 3 SVG zur 
Anwendung. Diese – wichtige (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_892/2009 vom 
15. Januar 2010 E. 3.2) – Verkehrsregel verpflichtet den Fahrzeugführer, beim Än-
dern der Fahrtrichtung auf den Gegenverkehr und auf die nachfolgenden Fahrzeu-
ge Rücksicht zu nehmen (BGE 97 IV 34). Zur Rücksichtnahme auf die übrigen, 
namentlich auf die überholten Strassenbenützer, gehört vor allem die Pflicht, mit 
dem Wiedereinbiegen zuzuwarten, bis für den überholten Verkehrsteilnehmer keine 
Gefahr mehr besteht (vgl. Art. 10 Abs. 2 VRV). Der Abstand, der diesen Anforde-
rungen entspricht, hängt von der Geschwindigkeit der beteiligten Fahrzeuge, aber 
auch von den Strassen- und Sichtverhältnissen ab. Gemäss BGE 104 IV 194 
genügt bei Tag und auf trockener ebener Strasse regelmässig ein Abstand von 
halb so viel Metern, als die Geschwindigkeit in Kilometern beträgt (vgl. MAEDER, 
Basler Kommentar, N. 57 zu Art. 34 SVG und N. 37 zu Art. 35 SVG; vgl. auch GI-
GER, SVG-Kommentar, N. 20 zu Art. 35 SVG).

11.2 Der Beschuldigte bog vorliegend auf der Autobahn bei einer gefahrenen Ge-
schwindigkeit von ca. 115 km/h mit einer Abstandszeit von lediglich 0,313 Sekun-
den bzw. einem Abstand von maximal 10 Meter vor das überholte Fahrzeug der 
beiden Zeugen ein. Es herrschte reger Verkehr. Der Beschuldigte war als überho-
lender Fahrzeugführer gemäss Art. 34 Abs. 3 SVG verpflichtet, beim Wiedereinbie-
gen einen ausreichenden Abstand zum überholten Fahrzeug einzuhalten. Durch 
dieses Einbiegen mit massiv zu geringem Abstand nahm der Beschuldigte in 
schwerer Missachtung einer wichtigen Verkehrsvorschrift keinerlei Rücksicht auf 
die nachfolgenden Fahrzeuge, allen voran das überholte Fahrzeug, das er dadurch 
behinderte und deren Insassen er gefährdete.

21

Weil auch beim Wiedereinbiegen nach Überholen in Bezug auf den einzuhaltenden 
Abstand die «Halber-Tacho»-Faustregel gilt, kann hinsichtlich der Qualifikation, 
was als einfache und was als grobe Verletzung der Verkehrsregeln zu gelten hat, 
der gleiche Massstab herangezogen werden, wie bei der Beurteilung des einzuhal-
tenden Abstandes beim Hintereinanderfahren. Dort gilt als Richtschnur, dass auf 
Autobahnen bei einem Abstand von weniger als «1/6-Tacho» bzw. weniger als 
0,6 Sekunden eine grobe Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist (MAEDER, Bas-
ler Kommentar, N. 69 zu Art. 34 SVG; vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2.2; Urteil des 
Bundesgerichts 6B_1004/2016 vom 14. März 2017 E. 2.3 mit Hinweisen). Gemäss 
den Richtlinien für die Strafzumessung des Verbandes Bernischer Richterinnen 
und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (VBRS, nachfolgend VBRS-
Richtlinien), ist ein zu nahes Aufschliessen auf Autobahn und Autostrasse dann als 
grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG zu qualifizieren, 
wenn der Abstand 0,5 Sekunden oder weniger beträgt. Selbst wenn diese Faustre-
geln nicht absolut gelten, sind diese Werte vorliegend deutlich unterschritten. Das 
Wiedereinbiegen mit derart geringem Abstand bei einer Geschwindigkeit von deut-
lich über 100 km/h auf der Autobahn hat eine zumindest erhöhte abstrakte Gefahr 
für das nachfolgende Fahrzeug herbeigeführt und erfüllt den objektiven Tatbestand 
der groben Verkehrsregelverletzung.

Auch in subjektiver Hinsicht erfüllt der Beschuldigte den Tatbestand der groben 
Verkehrsregelverletzung. Offenbar als Reaktion auf das Antippen der Bremse 
durch Polizistin C.________, als er ihr zuvor massiv zu nahe aufgefahren war, 
wechselte er absichtlich mit zu geringem Abstand vor das überholte Fahrzeug und 
offenbarte damit eine ausgeprägte Rücksichtslosigkeit. Rechtfertigungs- und 
Schuldausschliessungsgründe sind keine ersichtlich.

11.3 Der Beschuldigte hat sich der groben Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 2 
i.V.m. Art. 34 Abs. 3 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV schuldig gemacht, begangen am 
13. November 2014 in Lyssach auf der Autobahn A1 Ost durch Nichtwahren eines 
ausreichenden Abstandes nach hinten.

12. Erstes Brüskes und unnötiges Abbremsen (Phase 2)

12.1 Verkehrsregelverletzung (Art. 90 SVG)

12.1.1 Gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG hat der Fahrzeugführer, der anhalten will, nach Mög-
lichkeit auf die nachfolgenden Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen. Brüskes Bremsen 
und Halten sind nur gestattet, wenn kein Fahrzeug folgt und im Notfall (Art. 12 
Abs. 2 VRV). Für die allgemeinen Ausführungen zu diesen Verkehrsregeln sowie 
den Voraussetzungen der groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 
SVG kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden 
(vgl. pag. 159 f. und pag. 162 f., S. 23 f. und S. 26 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung).

12.1.2 Nach Art. 90 Abs. 3 SVG wird mit Freiheitsstrafe zwischen einem und vier Jahren 
bestraft, wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe 
Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich 
durch besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, wag-

22

halsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motor-
fahrzeugen.

Der objektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG erfordert zunächst die Verletzung 
elementarer Verkehrsregeln. Dadurch muss ein Risiko geschaffen werden, das sich 
auf einen Unfall mit Todesopfern oder Schwerverletzten bezieht und somit ein qua-
lifiziertes Ausmass erreicht. «Der Erfolgseintritt muss zudem vergleichsweise nahe 
liegen; gefordert ist ein ‹hohes› Risiko. Der Gesetzgeber wollte damit offenbar zum 
Ausdruck bringen, dass es sich um eine höhere Gefahr als die in Art. 90 Abs. 2 
SVG geforderte ‹ernstliche› Gefahr handeln muss. Analog der Lebensgefährdung 
nach Art. 129 StGB muss die Gefahr eine unmittelbare sein, nicht jedoch eine un-
ausweichliche; die nahe Möglichkeit des Erfolgseintritts genügt» (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_148/2016 vom 29. November 2016 E. 1.3.2). Weiter führte das 
Bundesgericht im vorgenannten Urteil zum erforderlichen Ausmass der Gefahr Fol-
gendes aus (E. 1.4.2):

[…] Die herrschende Lehre betrachtet ebenfalls alle Tatbestandsvarianten des Art. 90 SVG mit Blick 
auf die geschützten Rechtsgüter Leib und Leben als abstrakte Gefährdungsdelikte und lässt auch für 
die Abs. 2-4 den Nachweis einer - je nach Tatbestand abgestuften - erhöhten abstrakten Gefährdung 
genügen (GERHARD FIOLKA, Kommentar SVG, N. 9 und 116 zu Art. 90 SVG; ebenso PHILIPPE 
WEISSENBERGER, a.a.O., N. 123 zu Art. 90 SVG; YVAN JEANNERET, a.a.O., S. 35 f.; CÉDRIC 
MIZEL, a.a.O., S. 194; a.A. DÉLÈZE/DUTOIT, Le ‹délit de chauffard› au sens de l'art. 90 al. 3 LCR: 
éléments constitutifs et proposition d'interprétation, in: AJP 8/2013, S. 1208 und WOHLERS/COHEN, 
Verschärfte Sanktionen bei Tempoexzessen und sonstigen ‹elementaren› Verkehrsregelverletzungen, 
in: Strassenverkehr 4/2013, Sondernummer, S. 13). Dem Beschwerdeführer ist aber zuzustimmen, 
dass der Tatbestand gemäss herrschender Lehre eine gegenüber Abs. 2 gesteigerte, sozusagen qua-
lifiziert erhöhte abstrakte Gefahr verlangt. Da bereits die erhöhte abstrakte Gefahr im Sinne von 
Art. 90 Abs. 2 SVG die naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung voraussetzt (BGE 142 
IV 93 E. 3.1 S. 96; 131 IV 133 E. 3.2 S. 136), ist für die Erfüllung von Abs. 3 die besonders nahelie-
gende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung zu verlangen. Die Gefahr muss mithin unmittelbar 
sein. Die allgemeine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr kann in Anlehnung an Art. 90 Abs. 2 
SVG nur genügen, wenn aufgrund besonderer Umstände, wie Tageszeit, Verkehrsdichte, Sichtver-
hältnisse usw. der Eintritt einer konkreten Gefahr oder gar einer Verletzung besonders nahe lag und 
es letztlich nur vom Zufall abhing, dass sich diese nicht verwirklicht hat (vgl. Urteil 6B_374/2015 vom 
3. März 2016 E. 3.1 mit Hinweisen).

Über die in Art. 90 Abs. 3 SVG enthaltene, nicht abschliessende Aufzählung von 
Regelbeispielen hinaus erfasst der Tatbestand je nach den Umständen weitere 
krasse Verkehrsregelverletzungen. WEISSENBERGER nennt als Beispiele, die von 
der Generalklausel regelmässig erfasst würden, etwa der Fahrzeugführer, der vor-
sätzlich auf einen Fussgänger oder auf eine Polizeisperre zufährt, Haltesignale vor 
einer unübersichtlichen Kreuzung missachtet, an Haltestellen der öffentlichen Ver-
kehrsbetriebe oder vor einer Schule kurz vor Mittag mit übersetzter, wenn auch 
nicht im Sinne von Art. 90 Abs. 4 SVG qualifiziert exzessiver Geschwindigkeit vor-
beifährt oder vorsätzlich in entgegengesetzter Richtung fährt (PHILIPPE WEISSEN-
BERGER, in: SVG Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 154 zu Art. 90 SVG).

Der subjektive Tatbestand des Art. 90 Abs. 3 SVG erfordert Vorsatz, wobei Even-
tualvorsatz genügt. Dieser hat sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

23

nicht nur auf die Verletzung der elementaren Verkehrsregel, sondern auch auf die 
Risikoverwirklichung eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern zu be-
ziehen (BGE 142 IV 137 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_136/2016 vom 
23. Januar 2017 E. 2.1). Ein (direkter) Gefährdungsvorsatz oder der Vorsatz, einen 
bestimmten Erfolg herbeizuführen, ist nicht erforderlich (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_148/2016 vom 29. November 2016 E. 1.3.2 in fine, u.a. mit Hinweis auf 
WEISSENBERGER, SVG-Kommentar, N. 159 f. zu Art. 90 SVG).

12.1.3 Die Vorinstanz kam zunächst zum Schluss, der Beschuldigte habe durch das Ein-
biegen mit ungenügendem Abstand und das brüske Abbremsen auf eine Ge-
schwindigkeit von 20 bis 30 km/h ohne fahrzeugtechnischen oder verkehrsbeding-
ten Grund einen Schikanestopp vorgenommen und mit Art. 37 Abs. 1 i.V.m. Art. 12 
Abs. 2 VRV eine wichtige Verkehrsregel verletzt. Aufgrund des Abstandes beim 
Einbiegen – die Vorinstanz ging von einer Abstandszeit zwischen 0,5 und 1,8 Se-
kunden aus – habe er durch das Abbremsen für die beiden Insassen des nachfol-
genden Fahrzeuges eine konkrete Gefahr eines Auffahrunfalles geschaffen, weite-
re Verkehrsteilnehmer in erhöht abstrakter Weise gefährdet und damit den objekti-
ven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung erfüllt. In subjektiver Hinsicht 
beurteilte sie das Verhalten des Beschuldigten als rücksichtslos und schwerwie-
gend regelwidrig, da er die Führerin des nachfolgenden Fahrzeugs ebenfalls zum 
Abbremsen habe bewegen wollen. Der Beschuldigte habe grob fahrlässig gehan-
delt; der Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung sei damit erfüllt 
(pag. 163 ff., S. 27 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Den Tatbestand der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung verneinte die Vor-
instanz einerseits mit der Begründung, sie gehe «knapp» nicht davon aus, der Be-
schuldigte habe durch sein Manöver eine Gefahr genügender Intensität geschaffen. 
Dies vor allem, weil der Abstand zwar knapp gewesen sei, aber nicht genau eruiert 
werden könne (Spanne von 0,5 bis 1,8 Sekunden) und es nicht zu einer Vollbrem-
sung bis zum Stillstand eines der Fahrzeuge gekommen sei. Zudem seien die 
Strassen- und Sichtverhältnisse gut und die Beteiligten nicht mit übersetzter Ge-
schwindigkeit unterwegs gewesen. Es handle sich zwar klar um ein im Strassen-
verkehr gefährliches Verhalten, aber «gerade noch nicht» um eine gemeingefährli-
che Tat im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG. Andererseits verneinte die Vorinstanz 
auch den subjektiven Tatbestand, da sie Zweifel daran bekundete, ob der Beschul-
digte das Risiko eines Unfalles mit Schwerverletzten oder Toten herbeizuführen, 
zumindest in Kauf genommen habe. Es sei kein besonders rücksichtsloses und 
verwerfliches Verhalten zu erkennen, welches über das in Art. 90 Abs. 2 SVG Ge-
forderte hinausgehe (pag. 165 f., S. 29 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

12.1.4 Die Generalstaatsanwaltschaft äusserte sich anlässlich der Berufungsverhandlung 
nicht eingehend zu Art. 90 Abs. 3 SVG, da sie davon ausging, der ihrer Einschät-
zung nach ebenfalls erfüllte Tatbestand der Gefährdung des Lebens gemäss 
Art. 129 StGB gehe dieser Bestimmung vor. Sie gab damit aber zu erkennen, dass 
ihres Erachtens der Tatbestand der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung erst 
recht erfüllt sei. Der Beschuldigte habe eine aktuelle unmittelbare Gefahr einer 
Massenkarambolage herbeigeführt, womit auch eine unmittelbare Lebensgefahr 
bestanden habe. Der Eintritt sei einerseits vom Zufall und andererseits vom Reak-

24

tionsvermögen der nachfolgenden Fahrzeuge, nicht aber vom Verhalten des Be-
schuldigten abhängig gewesen. Dies zumal vorliegend davon auszugehen sei, 
dass jemand der nicht wie Zeugin C.________ über eine entsprechende Ausbil-
dung verfüge, eine Kollision nicht hätte abwenden können. Wenn jemand mit Schi-
kaneabsicht und ohne jeden nachvollziehbaren Grund auf der Autobahn voll auf die 
Bremse trete, handle er skrupellos. Selbst wenn sich der Beschuldigte durch das 
Bremslicht provoziert gefühlt habe sollte, sei dieser Anlass auf sein eigenes ver-
kehrswidriges Verhalten zurückzuführen. Wer so handle, nehme die Gefährdung 
auch in Kauf (pag. 228 f.).

12.1.5 Das Beweisergebnis der Kammer weicht etwas von demjenigen der Vorinstanz ab. 
An den rechtlichen Folgerungen der Vorinstanz in Bezug auf Art. 90 Abs. 2 SVG 
und dem Schikanestopp als solchen ändert dies aber nichts. Nachdem der Be-
schuldigte zuvor viel zu knapp vor dem Fahrzeug der Zeugin C.________ eingebo-
gen war, führte er einige Sekunden später bei einer Geschwindigkeit von ca. 115 
km/h und ohne dass der Sicherheitsabstand gegen hinten zum überholten Fahr-
zeug C.________ wiederhergestellt gewesen wäre, ein brüskes Bremsmanöver 
aus und bremste sein Fahrzeug bis auf ca. 30 km/h ab. Wie die Vorinstanz richtig 
festgehalten hat, schuf er damit für die sich im nachfolgenden Auto befindlichen 
Zeugen C.________ und D.________ eine konkrete Gefahr eines Auffahrunfalls 
und damit eine ernstliche Gefahr für deren Sicherheit. Auch die übrigen Verkehrs-
teilnehmer, die in dieser Zeit im betroffenen Autobahnabschnitt unterwegs waren, 
wurden in abstrakter Weise gefährdet. Durch die Missachtung der wichtigen Be-
stimmungen von Art. 37 Abs. 1 i.V.m. Art. 12 Abs. 2 VRV hat der Beschuldigte so-
mit objektiv eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG 
begangen. 

In subjektiver Hinsicht ist das Verhalten des Beschuldigten als rücksichtslos und 
schwerwiegend regelwidrig zu beurteilen. Er wollte der nachfolgenden Fahrzeug-
führerin offensichtlich eine Lektion erteilen und sie mit seinem Manöver bei knap-
pem Abstand dazu zwingen, ebenfalls abzubremsen. Dem Beschuldigten musste 
das Risiko eines Auffahrunfalls bewusst gewesen sein. Er hat somit vorsätzlich – 
nicht nur grob fahrlässig, wie die Vorinstanz angenommen hat – gehandelt.

Die Tatbestandsmerkmale von Art. 90 Abs. 2 SVG sind folglich erfüllt, Rechtferti-
gungs- oder Schuldausschliessungsgründe keine ersichtlich.

12.1.6 Eine qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung hat die Vorinstanz mit einer im Er-
gebnis zutreffenden Begründung verneint. Auch für die Kammer ist das vorliegende 
brüske Bremsen als grobe, nicht aber als qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung 
zu qualifizieren:

Wie dargelegt, geht es hier nicht noch einmal um den zu knappen Abstand beim 
Wiedereinbiegen, sondern um das brüske Abbremsen von einer Geschwindigkeit 
von ca. 115 km/h auf eine solche von 30 km/h bei einem vorgängig ungenügenden, 
aber letztlich nicht genau bekannten Abstand nach hinten. Mit dem Manöver 
bremste also weder der Beschuldigte sein Fahrzeug bis zum Stillstand, noch wurde 
dem nachfolgenden Fahrzeug ein solcher Halt aufgenötigt. Wesentlich ist auch, 
dass keines der Fahrzeuge eine Vollbremsung vollzog bzw. zur Abwendung einer 

25

Kollision vollziehen musste. So muss der Abstand genügend gross gewesen sein, 
dass Zeugin C.________ ihr Fahrzeug ohne Kollision rechtzeitig auf ca. 30 km/h 
abbremsen konnte, ohne die Bremse derart stark betätigen zu müssen oder sich 
auch nur zu einer so starken Bremsung veranlasst gesehen zu haben, dass da-
durch das ABS eingesetzt hätte. Über das starke Abbremsen hinaus war auch kein 
Ausweichen oder ein anderes gefährliches Manöver notwendig. Zu berücksichtigen 
ist ferner, dass der Vorfall mittags bei guten Sichtverhältnissen und trockener Fahr-
bahn geschah und dass beide Fahrzeuge nicht mit übersetzter Geschwindigkeit un-
terwegs waren. Das Bremsen führte so zwar zweifellos zu einer ernstlichen Ge-
fährdung der Verkehrssicherheit, insbesondere in Form einer erhöhten Gefahr ei-
nes Auffahrunfalls. Ob ein solcher Auffahrunfall unter den konkreten Umständen 
aber geeignet gewesen wäre, zu Schwerverletzten und Todesopfern zu führen, ist 
fraglich. Auch bestand keine besonders naheliegende Möglichkeit eines Auffahrun-
falles. Es kann nämlich nicht gesagt werden, dass der Eintritt eines Unfalls gerade-
zu vom Zufall abhängig war oder nur, für den Beschuldigten glückhaft, aufgrund der 
fahrtechnischen Ausbildung der Zeugin C.________ hat abgewendet werden kön-
nen. Vielmehr ist davon auszugehen, auch andere Fahrzeugführer hätten durch 
angemessene Reaktion in der konkreten Situation eine Auffahrkollision abwenden 
können. Ein unmittelbares, hohes Risiko für einen Unfall mit Schwerverletzten oder 
Todesopfern bzw. eine besonders naheliegende Möglichkeit einer solchen konkre-
ten Gefährdung von Leib und Leben der beiden Insassen des nachfolgenden Fahr-
zeuges ist unter diesen Umständen zu verneinen. Auch mit Blick auf die Literatur 
und die – abgesehen von Fällen, welche die in Art. 90 Abs. 3 SVG genannten Re-
gelbeispiele betreffen (zur «besonders krassen Missachtung der zulässigen 
Höchstgeschwindigkeit» z.B. Urteil des Bundesgerichts 6B_148/2016 vom 29. No-
vember 2016 E. 1.4) – noch nicht sehr reiche Praxis zu Art. 90 Abs. 3 SVG lässt 
sich sagen, dass der vorliegende Schikanestopp zwar ein gefährliches Verhalten, 
aber eben noch keine gemeingefährliche Tat im Sinne dieser Bestimmung darstellt, 
welche nach einer Mindeststrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe ruft. Die von der 
Generalstaatsanwaltschaft genannten Fälle, in denen die Gefährdung des Lebens 
im Strassenverkehr angenommen wurde, betreffen zwar mit Art. 129 StGB einen 
Tatbestand mit – hinsichtlich des Taterfolgs und des Vorsatzes – enger formulier-
ten Voraussetzungen (vgl. E. 12.2 unten). Sie lassen aber zumindest erkennen, in 
welche Richtung das verkehrswidrige Verhalten gehen muss, um einen genügen-
den Schweregrad der Gefährdung zu erreichen und dass sich das Verhalten des 
Beschuldigten deutlich davon unterscheidet: So der Beifahrer, der auf der Auto-
bahn und mit der dreijährigen Tochter auf dem Rücksitz bei einer Geschwindigkeit 
von 120 km/h die Handbremse zog, wodurch der Personenwagen unkontrolliert ins 
Schleudern geriet und sich einmal um 360 Grad drehte, bevor es gegen die Leit-
planke prallte (Urteil 6B_794/2014 vom 9. Februar 2015); ein Fahrzeugführer, der 
auf der Autobahn mit seinem Personenwagen einen anderen Personenwagen ab-
sichtlich seitlich rammte (Urteil des Bundesgerichts 6B_281/2007 vom 30. Juli 
2007) oder ein Fahrzeugführer, der nachts und auf nasser Fahrbahn mit einer Blut-
alkoholkonzentration von mindestens 0,96 Promille auf der Autobahn mit 185 km/h 
unmittelbar vor ein Fahrzeug einlenkte und die Herrschaft über sein Fahrzeug ver-
lor, von der Strasse abhob, 46,5 Meter durch die Luft flog und sich mehrmals über-

26

schlug (Urteil des Bundesgerichts 6S.164/2005 vom 20. Dezember 2005). Nach 
dem Gesagten ist mangels Eintritts des hohen Risikos eines Unfalls mit Schwerver-
letzten oder Todesopfern der objektive Tatbestand der Qualifikation gemäss Art. 90 
Abs. 3 SVG vorliegend nicht erfüllt.

Der Beschuldigte verletzte zwar vorsätzlich eine wichtige – und vorliegend wohl 
auch elementare – Verkehrsregel (Art. 37 Abs. 1 SVG bzw. Art. 12 Abs. 2 VRV), 
womit er das Risiko eines Auffahrunfalls schuf. Dass er damit auch hinsichtlich der 
Risikoverwirklichung eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Toten zumindest mit 
Eventualvorsatz handelte, lässt sich indessen nicht sagen, zumal ja auch der ge-
naue Abstand zum nachfahrenden Fahrzeug nicht bekannt ist. Ein besonders rück-
sichtsloses und verwerfliches Verhalten, das über das in Art. 90 Abs. 2 SVG gefor-
derte hinausgeht, vermag die Kammer nicht zu erkennen. Auch der subjektive Tat-
bestand von Art. 90 Abs. 3 SVG ist folglich nicht gegeben. 

Zusammenfassend erreicht das brüske Bremsen des Beschuldigten in Phase 2 den 
von Art. 90 Abs. 3 SVG vorausgesetzten extremen objektiven und subjektiven 
Schweregrad nicht. Bei diesem Ergebnis erübrigen sich Ausführungen zu der von 
der Generalstaatsanwaltschaft aufgeworfenen Frage der Konkurrenz von Art. 90 
Abs. 3 SVG zum Tatbestand der Gefährdung des Lebens.

12.1.7 Der Beschuldigte hat sich der groben Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 2 
i.V.m. Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV, begangen in Lyssach auf der 
Autobahn A1 Ost, Fahrtrichtung Zürich, durch brüskes Bremsen, schuldig gemacht.

12.2 Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB)

Der Gefährdung des Lebens macht sich nach Art. 129 StGB schuldig, wer einen 
Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt. Es kann auf 
die korrekten rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zu diesem Tatbestand ver-
wiesen werden (pag. 167 f., S. 31 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

27

Erforderlich für den Tatbestand ist somit insbesondere, dass objektiv eine unmittel-
bare Lebensgefahr bestand, d.h. es muss sich aus dem Verhalten des Täters direkt 
die Wahrscheinlichkeit und nahe Möglichkeit der Todesfolge ergeben, und diese 
Lebensgefahr muss, subjektiv, vom Täter direktvorsätzlich herbeigeführt worden 
sein. Wie schon die Vorinstanz in ihrer Subsumtion zutreffend ausgeführt hat, fehlt 
es vorliegend an diesen Elementen. Der Beschuldigte schuf durch sein Brems-
manöver kein hohes Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern, 
weshalb sich die beiden Zeugen im nachfolgenden Fahrzeug auch nicht in Lebens-
gefahr, erst recht nicht in einer unmittelbaren, befanden. Zudem fehlt es, wenn die 
qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung insbesondere auch deswegen verneint 
wurde, weil es hinsichtlich der Risikoverwirklichung eines Unfalls mit Schwerver-
letzten oder Toten am (Eventual-)Vorsatz fehlt, am direkten Vorsatz hinsichtlich des 
Herbeiführens einer unmittelbaren Lebensgefahr.

Der Beschuldigte hat sich damit durch das brüske Bremsen auf der Autobahn nicht 
der Gefährdung des Lebens schuldig gemacht und ist von diesem Vorwurf freizu-
sprechen.

12.3 Nötigung (Art. 181 StGB)

Wegen Nötigung nach Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer jemanden durch 
Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung 
seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. 

Der Tatbestand der Nötigung i.S.v. Art. 181 StGB ist sehr weit umschrieben, und 
zwar sowohl in Bezug auf den Nötigungserfolg «etwas zu tun, zu unterlassen oder 
zu dulden» als auch und vor allem bezüglich des in Form einer Generalklausel um-
schriebenen Nötigungsmittels der «anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit», 
welche neben der «Gewalt» und der «Androhung ernstlicher Nachteile» genannt 
wird (VERA DELNON/BERNHARD RÜDY, in: Basler Kommentar Strafrecht II, 3. Aufl. 
2013, N. 43 zu Art. 181 StGB). Die Generalklausel ist restriktiv auszulegen. Das 
Zwangsmittel muss, um tatbestandsmässig zu sein, das üblicherweise geduldete 
Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise eindeutig überschreiten, wie es für die 
ausdrücklich genannten Nötigungsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher 
Nachteile gilt (BGE 137 IV 326 E. 3.3.1). Unrechtmässig ist eine Nötigung, wenn 
das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist, wenn das Mittel zum erstrebten Zweck 
nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an 
sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sit-
tenwidrig ist (BGE 134 IV 216 E. 4.1 mit Hinweisen). Nach Auffassung des Bun-
desgerichts können Art. 90 SVG und Art. 181 StGB in echter Konkurrenz zueinan-
der stehen, da diese Bestimmungen unterschiedliche Rechtsgüter schützen 
(BGE 137 IV 326 E. 3.5.2 und E. 3.6).

Wie bereits ausgeführt, bremste der Beschuldigte unvermittelt und ohne fahrzeug-
technischen oder verkehrsbedingten Grund sein Fahrzeug brüsk und stark ab. Um 
eine Kollision zu vermeiden, war die Zeugin C.________ gezwungen, ebenfalls 
stark, von ca. 115 km/h auf ca. 30 km/h abzubremsen. Die Vorinstanz verneinte die 
erforderliche Intensität des Zwangsmittels – und damit den Tatbestand der Nöti-
gung – mit der Begründung, Zeugin C.________ habe trotz des Bremsmanövers 

28

noch weiter fahren können und nicht bis zum Stillstand abbremsen müssen. Da-
durch sei das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung nicht in ähnlicher 
Weise überschritten, wie es bei Gewalt oder Androhung eines ernstlichen Nachteils 
der Fall sei. Diese Begründung überzeugt nicht. Bei der Beurteilung, ob die Be-
schränkung der Handlungsfreiheit das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflus-
sung seiner Intensität bzw. Wirkung nach vergleichbar eindeutig überschreitet, wie 
dies in den Fällen von Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile der Fall ist, 
kann nach Ansicht der Kammer nicht einzig auf die Tatsache, ob die beteiligten 
Fahrzeuge bis zum Stillstand kamen oder nicht, abgestellt werden. Vielmehr ist 
aufgrund der konkreten Umstände das Ausmass der Zwangssituation bzw. der 
Einwirkung auf die Willensfreiheit des zum Bremsmanöver gezwungenen Fahr-
zeugführers zu beurteilen. Die Vorinstanz hat zwar richtig ausgeführt, dass das 
Bundesgericht in BGE 137 IV 326 (E. 3.4 in fine) ausdrücklich offen gelassen hat, 
ob die erforderliche Intensität eines schikanösen Ausbremsens, ohne dass es zum 
Stillstand der involvierten Fahrzeuge kommt, gegeben wäre. Das Bundesgericht 
bejahte in jenem Fall die für die Nötigung notwendige Intensität der Einwirkung auf 
die Handlungsfreiheit bei einem Schikanestopp auf einer Hauptstrasse. Vorliegend 
fand der Vorfall auf der Autobahn statt, wo das Halten grundsätzlich überhaupt 
nicht zulässig ist (vgl. Art. 36 Abs. 3 VRV) und höhere Geschwindigkeiten gefahren 
werden. Mit einem brüsken und starken Abbremsen ist dementsprechend auch 
weniger zu rechnen und ein solches wirkt sich intensiver auf die Willensfreiheit – 
Willensbildung, Willensentschluss und Willensbetätigung – des folgenden Fahr-
zeugführers aus. Ein brüskes und starkes Abbremsen eines mit zu geringem Ab-
stand und mit einer Geschwindigkeit von deutlich über 100 km/h vor einem zirkulie-
renden Fahrzeuges ist geeignet, bei einem durchschnittlichen Fahrzeugführer – 
ähnlich wie dies bei der Androhung ernstlicher Nachteile der Fall ist – Angst vor ei-
nem Unfall mit allfälligen Verletzungs- und Schadensfolgen auszulösen. Die hier-
durch ausgelöste Zwangssituation war von einer solchen Intensität, dass sie die 
Willensfreiheit der Zeugin C.________, auch wenn sie nicht ganz bis zum Stillstand 
abbremsen musste, erheblich einschränkte, zumal die Geschwindigkeitsverzöge-
rungen beim Beschuldigten und diejenige, welche er damit der Zeugin C.________ 
aufzwang, netto etwa gleich gross war, wie bei einem Schikanestopp mit vollstän-
digem Halt auf einer Landstrasse. Das Bremsmanöver des Beschuldigten über-
schritt damit das üblicherweise geduldete Mass ebenso eindeutig, wie es bei der 
Ausübung von Gewalt oder beim Androhen eines ernstlichen Nachteils der Fall ist. 
Wie erwähnt, ändert entgegen der Auffassung der Vorinstanz der Umstand nichts, 
dass keines der beiden Fahrzeuge bis zum Stillstand abbremste bzw. abbremsen 
musste (vgl. auch Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 16 272 vom 
19. Mai 2017 E. 15). Der Beschuldigte zwang die nachfolgende Fahrzeugführerin 
zu einem starken Abbremsmanöver, beeinträchtigte dadurch ihre Handlungsfreiheit 
und erfüllte damit den objektiven Tatbestand der Nötigung.

Der Beschuldigte handelte aus rein schikanösen Motiven, ohne verkehrs- oder 
fahrzeugbedingte Gründe; er wollte die nachfolgende Fahrzeugführerin durch sein 
Manöver «erziehen». Er wusste und wollte, dass die nachfolgende Fahrzeugführe-
rin durch sein Verhalten an der Weiterfahrt gehindert, zu einem starken Brems-
manöver gezwungen und damit in ihrer Handlungsfreiheit beeinträchtigt wird. Das 

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eingesetzte Nötigungsmittel, d.h. das brüske Abbremsen, stellt nicht nur eine grobe 
Verletzung der Verkehrsregeln dar (Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV; 
E. 12.1.5 oben), sondern auch der damit verfolgte, schikanöse Zweck, erweist sich 
als unrechtmässig. Die Nötigung war damit tatbestandsmässig und rechtswidrig. 
Schuldausschliessungsgründe sind keine ersichtlich.

Der Beschuldigte hat sich der Nötigung, begangen am 13. November 2014 in Lys-
sach auf der Autobahn A1 Ost, Fahrtrichtung Zürich, zum Nachteil der Zeugin 
C.________ schuldig gemacht.

13. Zweites brüskes und unnötiges Abbremsen (Phase 4)

13.1 Verkehrsregelverletzung (Art. 90 SVG)

Auch hier geht es analog zum ersten brüsken Abbremsen in Phase 2 um die Ver-
letzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV 
sowie um die Frage, ob das Verhalten des Beschuldigten als grobe (Art. 90 Abs. 2 
SVG) oder als qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 3 SVG 
zu qualifizieren ist. Für die allgemeinen rechtlichen Ausführungen zu diesen Be-
stimmungen kann auf das Vorgesagte und die dortigen Verweise auf die Erwägun-
gen der Vorinstanz verwiesen werden (E. 12.1.1 und E. 12.1.2 oben).

Die Vorinstanz kam zusammenfassend zum Schluss, der Beschuldigte habe wie 
beim ersten Bremsmanöver Art. 37 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 12 Abs. 2 VRV missach-
tet und dadurch für die Fahrzeugführerin und den Beifahrer des nachfolgenden 
Fahrzeugs eine konkrete Gefahr eines Auffahrunfalls geschaffen. Das Verhalten 
des Beschuldigten sei rücksichtslos und schwerwiegend regelwidrig gewesen und 
er habe sich des Risikos eines Aufpralls bewusst sein müssen. Damit habe er den 
Tatbestand gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt. Auch in Bezug auf diesen Vorfall 
verneinte die Vorinstanz allerdings das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerver-
letzten oder Todesopfern im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG, insbesondere weil die 
Führerin des nachfolgenden Fahrzeuges einen genügenden Abstand eingehalten 
habe und «auf alles» vorbereitet gewesen sei. Auch wenn der Beschuldigte stärker 
abgebremst habe, als noch zuvor auf der Autobahn, habe er keine Vollbremsung 
bis zum Stillstand vorgenommen und seien die Fahrzeuge mit tieferen, nicht über-
setzten Geschwindigkeiten unterwegs gewesen. Insbesondere aufgrund des genü-
genden Abstands zum nachfolgenden Fahrzeug ging die Vorinstanz auch nicht da-
von aus, dass der Beschuldigte hinsichtlich des Risikos eines Unfalles mit Schwer-
verletzten oder Toten Eventualvorsatz aufwies.

Die Generalstaatsanwaltschaft macht auch bezüglich dieses Vorfalls geltend, der 
Beschuldigte habe den Tatbestand der Gefährdung des Lebens und damit auch 
denjenigen der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 3 
SVG erfüllt (pag. 228 f., vgl. E. 12.1.4 oben).

Der für die Kammer erstellte Sachverhalt für diese Phase ist weitgehend identisch 
mit demjenigen, wie ihn die Vorinstanz festgestellt hat: Der Beschuldigte bremste 
auch beim zweiten Mal ohne fahrzeugtechnischen oder verkehrsbedingten Grund 
sein mit ca. 80 km/h zirkulierendes Fahrzeug brüsk ab. Diesmal so stark, dass das 
nachfolgende Fahrzeug mit den beiden Polizisten gezwungen war, eine Vollbrem-

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sung bis zum Stillstand einzuleiten, wobei das ABS einsetzte. Im Unterschied zum 
Bremsmanöver in Phase 2 hatte Zeugin C.________ aber bereits wieder einen 
genügenden Abstand zum vor ihr fahrenden Beschuldigten inne. In der Beurteilung 
dieses Manövers fällt negativ ins Gewicht, dass Zeugin C.________ bis zum Still-
stand abbremsen musste, was impliziert, dass der Beschuldigte seinerseits diesmal 
wohl sogar auf unter 30 km/h abbremste. Das Ganze geschah aber mit deutlich ge-
ringerer Geschwindigkeit und einem genügenden Abstand des Fahrzeuges von 
Zeugin C.________. Insgesamt und mit Blick auf die rechtliche Qualifikation bedeu-
tet dies, dass beide Schikanestopps – wovon auch die Generalstaatsanwaltschaft 
ausging (vgl. pag. 229) – von ihrer Gefährlichkeit her in etwa gleich zu bewerten 
sind. Es kann daher vorab und im Wesentlichen auf das zur rechtlichen Qualifikati-
on des ersten Bremsmanövers Gesagte verwiesen werden (E. 12.1.5 und E. 12.1.6 
oben). Der Beschuldigte missachtete durch das unnötige und brüske Bremsen mit 
Art. 37 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 12 Abs. 2 VRV eine wichtige Verkehrsvorschrift in 
schwerer Weise und rief dadurch eine ernstliche Gefahr für andere Verkehrsteil-
nehmer hervor, insbesondere gefährdete er damit die beiden Insassen des ihm fol-
genden Fahrzeugs. Aufgrund der tieferen und nicht übersetzten Geschwindigkeit 
der beiden Fahrzeuge von ca. 80 km/h und des genügenden Abstandes zwischen 
ihnen ist aber nicht von einer besonders naheliegenden Möglichkeit eines Unfalls 
mit Schwerverletzten oder Todesopfern auszugehen. Überdies sprechen die guten 
Strassen- und Sichtverhältnisse sowie die bei Zeugin C.________ nach dem ersten 
Bremsmanöver gesteigerte Aufmerksamkeit bzw. Vorsicht – sie habe nach dem 
ersten Fahrmanöver mit allem rechnen müssen (pag. 24 Z. 268–269) – gegen eine 
solche qualifizierte Nähe des Erfolgseintritts. Der objektive Tatbestand der groben 
Verkehrsregelverletzung ist damit erfüllt, nicht jedoch derjenige der Qualifikation 
gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG.

Zum subjektiven Tatbestand ist anzumerken, dass der Beschuldigte zwar rück-
sichtslos, erneut mit Schikaneabsicht handelte und sich auch bei diesem Vorfall 
des Risikos eines Auffahrunfalles bzw. der dadurch bedingten ernstlichen Gefähr-
dung der Insassen des ihm folgenden Fahrzeugs bewusst sein musste, weshalb 
auch hier von direktem Vorsatz auszugehen ist. Ein über Art. 90 Abs. 2 SVG hin-
ausgehendes, besonders rücksichtsloses und verwerfliches Verhalten ist für die 
Kammer aber auch hinsichtlich dieses Bremsmanövers nicht ersichtlich. Vor allem 
unter Berücksichtigung, dass der Abstand zum nachfolgenden Fahrzeug genügend 
war, geht die Kammer ebenfalls nicht davon aus, dass er einen Unfall mit Schwer-
verletzten oder Todesopfern in Kauf nahm. Damit schliesst sich die Kammer der 
überzeugenden vorinstanzlichen Beurteilung dieser Phase an: Der Beschuldigte er-
füllt den Tatbestand der groben, nicht aber der qualifiziert groben Verkehrsregelver-
letzung. Im oberinstanzlichen Verfahren berief sich der Beschuldigte nicht mehr auf 
die angebliche (Putativ-)Notwehr, die er noch vor der Vorinstanz geltend machte. 
Eine rechtfertigende oder entschuldigende Situation liegt vorliegend ohnehin nicht 
vor, wie die Vorinstanz zutreffend erwog (pag. 172, S. 36 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Auch sonst sind keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlies-
sungsgründe ersichtlich.

Der Beschuldigte hat sich der groben Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 2 
i.V.m. Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV, begangen am 13. November 

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2014 in Rüdtligen-Alchenflüh auf der Umfahrungsstrasse Kirchberg, Fahrtrichtung 
Kirchberg, durch brüskes Bremsen, schuldig gemacht. 

13.2 Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB)

Da es auch hinsichtlich des Bremsmanövers in Phase 4 für die Annahme einer 
qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung am hohen Risiko eines Unfalls mit 
Schwerverletzten oder Todesopfern sowie am (Eventual-)Vorsatz des Beschuldig-
ten mangelt (E. 13.1 oben), ist auch der Tatbestand der Gefährdung des Lebens 
nicht erfüllt. Es kann auf E. 12.2 oben verwiesen werden.

Der Beschuldigte hat sich durch das brüske Bremsen auf der Umfahrungsstrasse 
nicht der Gefährdung des Lebens schuldig gemacht und ist von diesem Vorwurf 
freizusprechen.

IV. Strafzumessung

14. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung

Vorab kann auf die soweit korrekten theoretischen Ausführungen der Vorinstanz 
zur Strafzumessung (Art. 47 StGB) und zur Gesamtstrafenbildung (Art. 49 Abs. 1 
StGB) verwiesen werden (pag. 175 f., S. 39 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Eine Ergänzung drängt sich einzig hinsichtlich der Ausführungen zur Ge-
samtstrafenbildung auf:

Bei der Bildung einer Gesamtstrafe ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB zu-
erst eine Strafe für das schwerste Delikt festzusetzen und diese dann für die übri-
gen Delikte angemessen zu erhöhen. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.6) sind dabei die 
«allgemeinen Täterkomponenten» erst nach Bestimmung der Gesamtstrafe zu 
berücksichtigen. Die Kammer interpretiert diese Rechtsprechung in ihrer Praxis dif-
ferenziert. Sie berücksichtigt bei Tatmehrheit bei der Zumessung der Strafe für das 
schwerste Delikt nach Art. 49 Abs. 1 StGB auch die für dieses Delikt wesentlichen 
spezifischen Täterkomponenten wie z.B. Vorstrafen, Reue und Einsicht, Geständ-
nis, Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren. Dies deshalb, weil sich diese 
speziellen Täterkomponenten bei den einzelnen Delikten unterschiedlich auswirken 
können. So können Vorstrafen bezüglich eines Delikts einschlägig sein oder nicht, 
kurz vor der Tat verbüsst worden sein oder bereits lange Zeit zurückliegen. Ein 
Täter kann für ein Delikt Reue zeigen und geständig sein, für ein anderes nicht. In 
dieser Situation die Täterkomponenten erst nach der Bildung der Gesamtstrafe zu 
berücksichtigen, erscheint schwierig und kaum nachvollziehbar. 

Demgegenüber diskutiert die Kammer die allgemeinen Täterkomponenten, z.B. ei-
ne allfällige Strafempfindlichkeit oder die Auswirkung der Strafe auf das Leben des 
Täters erst nach Bestimmung der Gesamtstrafe, da sich diese Faktoren natur-
gemäss erst hier auswirken können (vgl. HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 
Basel 2016, N. 360; ebenso MARKO CESAROV, Zur Gesamtstrafenbildung nach der 
konkreten Methode, in: forumpoenale 2/2016 S. 97 ff.). In keinem Fall darf es zu 
einer Doppelberücksichtigung kommen.

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15. Konkrete Strafzumessung

15.1 Strafrahmen und schwerste Straftat

Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist das schwerste Delikt. Der Beschuldigte 
wird vorliegend wegen mehrerer Vergehen mit der jeweils gleichen Strafandrohung 
verurteilt. Sowohl die groben Verkehrsregelverletzungen i.S.v. Art. 90 Abs. 2 SVG 
als auch die beiden Nötigungen (Art. 181 StGB) werden mit Freiheitsstrafe von bis 
zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Die einfache Verkehrsregelverletzung 
(durch Rechtsüberholen) wird nach Art. 90 Abs. 1 SVG mit Busse geahndet. 

Entgegen dem Vorgehen der Vorinstanz – die mit der Begründung, bei der Nöti-
gung handle es sich um ein Erfolgsdelikt, bei den Verkehrsregelverletzungen «nur» 
um abstrakte Gefährdungsdelikte, in der Nötigung die schwerste Straftat sah – geht 
die Kammer davon aus, dass bei einem Schikanestopp das Verkehrsdelikt im Vor-
dergrund steht, ist doch die Nötigung nur eine Folge des Bremsens. Von den bei-
den groben Verkehrsregelverletzungen durch brüskes Bremsen erscheint die erste 
bei grundsätzlich gleicher rechtlicher Qualifikation als gefühlsmässig leicht gravier-
ender, da sich dieser Vorfall auf der Autobahn, bei höherer Geschwindigkeit und 
ohne genügenden Sicherheitsabstand zugetragen hat und für die Insassen im 
nachfolgenden Fahrzeug überraschender erfolgte.

Der ordentliche Strafrahmen wird durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungs-
gründe indes nicht automatisch erweitert, woraufhin dann innerhalb dieses neuen 
Rahmens die Strafe nach den üblichen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. 
Vielmehr ist die tat- und täterangemessene Strafe grundsätzlich innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens der schwersten Straftat festzusetzen (BGE 136 VI 55 
E. 5.8). Mangels aussergewöhnlicher Umstände entspricht der konkrete Strafrah-
men vorliegend dem ordentlichen Strafrahmen der schwersten Straftat, mithin 
Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen oder Freiheitsstrafe von (in der Regel) mindes-
tens sechs Monaten bis zu drei Jahren (Art. 90 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 und 
Art. 40 StGB). 

15.2 Einsatzstrafe für die grobe Verkehrsregelverletzung in Phase 2 (brüskes Bremsen)

Im Rahmen der objektiven Tatkomponenten ist zu gewichten, wie schwer der Be-
schuldigte gegen die Verkehrsregeln verstossen hat. Das Ausmass der Gefähr-
dung war vorliegend nicht unerheblich. Der Beschuldigte schuf eine konkrete Ge-
fahr eines Auffahrunfalles für die beiden Insassen des folgenden Personenwagens, 
die Fahrzeugführerin musste umgehend reagieren und brüsk abbremsen, um einen 
Zusammenstoss zu verhindern. Auch für andere Verkehrsteilnehmer, welche sich 
zum Zeitpunkt des Manövers auf der Autobahn befanden, bestand eine erhöht abs-
trakte Gefährdung. Das rücksichtslose Verhalten des Beschuldigten im Strassen-
verkehr zeugt durchaus von einer gewissen kriminellen Energie. Im Übrigen geht 
die Art und Weise seines Vorgehens aber nicht über das für die Tatbestandsmäs-
sigkeit Erforderliche hinaus.

Der Beschuldigte wollte die ihm folgende Fahrzeugführerin mit seinem Manöver 
schikanieren bzw. «erziehen» – aufgrund der zuvor durch diese angetippte Brem-
se. Dieser Anlass ist aber auf sein eigenes verkehrswidriges Verhalten zurückzu-
führen, da er Zeugin C.________ zuvor mit massiv zu knappem Abstand aufgefah-

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ren war. Er handelte äusserst impulsiv und unbedacht, direktvorsätzlich, aus nichti-
gem Anlass und egoistischen Beweggründen. Derartige «Retourkutschen» 
gehören nicht auf die Strasse. Die subjektiven Tatkomponenten wirken sich ten-
denziell eher straferhöhend aus. Innerhalb des grossen Strafrahmens wiegt das 
Verschulden gesamthaft aber gerade noch leicht.

Unter diesen Umständen ist der Vorinstanz aber beizupflichten, wenn sie die grobe 
Verkehrsregelverletzung durch brüskes Bremsen vorliegend als deutlich schwer-
wiegender erachtet als der «Referenzfall» gemäss den VBRS-Richtlinien, die für 
«Brüskes Abstoppen ohne Not bei nachfolgendem Fahrzeug (Schikanestopp)» ei-
ne Strafe ab 12 Strafeinheiten und einer Verbindungsbusse von mindestens 
CHF 500.00 vorsehen (VBRS-Richtlinien S. 21). Die Kammer erachtet eine Ein-
satzstrafe von 90 Strafeinheiten dem ermittelten Verschulden als angemessen.

Für dies speziellen Täterkomponenten kann vorweg auf die korrekten Ausführun-
gen der Vorinstanz auf pag. 182 f. (S. 46 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung) verwiesen werden. Der Beschuldigte verfügt über ein unauffälliges Vorleben; 
er ist weder vorbestraft (vgl. pag. 224) noch im ADMAS-Register verzeichnet (vgl. 
pag. 94 f.). Im Anzeigerapport ist zwar die Rede davon, er habe sich während der 
Kontrolle aufmüpfig, provokativ und uneinsichtig verhalten (pag. 5). Dies bestätigte 
sich aber im darauffolgenden Strafverfahren – zumindest vor Gericht – nicht; sein 
Verhalten gegenüber den Strafbehörden gab keinen Anlass zu Beanstandungen, er 
verhielt sich korrekt und anständig. Den aus dem ersten Schikanestopp resultie-
renden Schuldspruch der groben Verkehrsregelverletzung hat er grundsätzlich ak-
zeptiert und damit implizit auch eine gewisse Einsicht zum Ausdruck gebracht. 
Dennoch kann er nicht als geständig gelten, haben doch seine weitgehend bagatel-
lisierenden Aussagen und teilweise pauschalen Bestreitungen die Sachverhaltser-
mittlung erschwert. Nicht zuletzt aufgrund dieses beschönigenden Aussageverhal-
tens ist für die Kammer die Bekundung des Beschuldigten im «letzten Wort» vor 
der Vorinstanz, ihm tue die ganze Sache sehr leid, nicht als Ausdruck aufrichtiger 
Reue und Einsicht zu werten. Auch im oberinstanzlichen Verfahren ist über die 
Tatsache hinaus, dass der Schuldspruch als solcher akzeptiert wurde, keine echte 
Reue oder Einsicht erkennbar. So wies der Beschuldigte in seinem «letzten Wort» 
etwa auch nur auf die für ihn schwere Zeit und die mittlerweile vergangene Zeit hin 
(pag. 231). Insgesamt fallen die speziellen Täterkomponenten neutral aus.

Nach dem Gesagten, insbesondere aufgrund des intakten Leumunds des Beschul-
digten, sind keine Gründe ersichtlich, wieso vom gesetzlich vorgesehenen Primat 
der Geldstrafe abzuweichen wäre (vgl. Art. 34 Abs. 1 i.V.m. Art. 40 StGB). Eine 
Freiheitsstrafe fällt damit ausser Betracht. Die Einsatzstrafe beträgt 90 Tagessätze 
Geldstrafe.

15.3 Asperation

15.3.1 Für die grobe Verkehrsregelverletzung in Phase 4 (brüskes Bremsen)

Die objektive und subjektive Schwere des zweiten brüsken und starken Abbrem-
sens des Beschuldigten bei einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h schätzt die 
Kammer weitgehend analog dem ersten ein (E. 15.2 oben). Hier war zwar bei Ein-
leitung des Bremsmanövers die gefahrene Geschwindigkeit tiefer und der Sicher-

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heitsabstand zwischen den Fahrzeugen eingehalten, demgegenüber war Zeugin 
C.________ aber gezwungen, eine Vollbremsung bis zum Stillstand mit akt