# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7307f5d3-3ccc-5c5e-92f7-58c6cc1b7732
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-02-19
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 19.02.2013 SB120353
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB120353_2013-02-19.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB120353-O/U/cs 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Burger, Vorsitzender, Oberrichterin Dr. Janssen 

und Ersatzoberrichter lic. iur. Hediger sowie der Gerichtsschreiber 

lic. iur. Höfliger 

 

Urteil vom 19. Februar 2013 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Privatkläger und Berufungskläger 

 

vertreten durch Rechtsanwältin X._____ 

 

gegen 

 

B._____, Polizeibeamter, 
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ 

 

betreffend Amtsmissbrauch etc.   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 
24. Mai 2012 (DG120093) 

 

-  2  - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 19. März 

2012 (Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs im Sinne 

von Art. 312 StGB sowie der einfachen Körperverletzung zum Nachteil einer 

wehrlosen Person im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs 1 in Verbindung mit Ziff. 

2 Abs. 3 StGB nicht schuldig und wird freigesprochen. 

2. Die Zivilklage der Privatklägerschaft wird auf den Zivilweg verwiesen. 

3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr.         Kosten Kantonspolizei 

Fr. 2'000.–   Gebühr Anklagebehörde 

Fr.     Kanzleikosten 

Fr. 3'170. –   Auslagen Untersuchung 

Fr. 10'831.45   unentgeltliche Verbeiständung Untersuchung 

Fr.    unentgeltliche Vertretung Privatkläger (ausstehend) 
 
Die Kosten inkl. derjenigen der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers 

werden auf die Gerichtskasse genommen. 

4. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von pauschal 

Fr. 17'000.– (MwSt. inbegriffen) aus der Gerichtskasse zugesprochen. 

5. Dem Beschuldigten wird eine Genugtuung aus der Gerichtskasse von 

Fr. 1'000.– zugesprochen. 

-  3  - 

Berufungsanträge: 

a) Des Privatklägers: 

(Urk. 72 S. 2) 

1. Ziff. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 24. Mai 2012 sei wie folgt 

abzuändern: 

Der Beschuldigte sei des Amtsmissbrauchs gemäss Art. 312 StGB und der 

einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 

3 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 

2. Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 24. Mai 2012 sei wie folgt 

abzuändern: 

2.1. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien dem Be-

schuldigten aufzuerlegen. 

2.2. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers sei-

en im zweitinstanzlichen Verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

3. Ziff. 4 und 5 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 24. Mai 2012 seien 

aufzuheben. 

b) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 74 S. 1) 

1. Abweisung der Berufung des Privatklägers 

2. Ausgangsgemässe Regelung der Kostenfolgen 

3. Ersatz der dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren erwachsenen 

Kosten der erbetenen Verteidigung 

 

-  4  - 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte 

Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichtes 

Zürich, 3. Abteilung, vom 24. Mai 2012 meldete die Vertreterin des Privatklägers 

mit Eingabe vom 4. Juni 2012 rechtzeitig die Berufung an (Urk. 53). Das begrün-

dete Urteil wurde von der Vertreterin des Privatklägers am 2. August 2012 entge-

gen genommen (Urk. 55/2). Mit Eingabe vom 22. August 2012 wurde die Beru-

fungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO eingereicht und gleichzeitig 

beantragt, es sei der Privatkläger vor Schranken zu befragen und es sei einem 

Sachverständigen die Erstellung eines biomechanischen Gutachtens in Auftrag zu 

geben (Urk. 58). Anschlussberufungen wurden keine erhoben (Urk. 62 und 63). 

Die Staatsanwaltschaft beantragte vielmehr mit Eingabe vom 4. September 2012 

ausdrücklich die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 63). Mit Präsidial-

verfügung vom 13. Februar 2013 wurde die unentgeltliche Verbeiständung des 

Privatklägers gemäss Präsidialverfügungen der Stellvertretenden Vizepräsidentin 

des Bezirksgerichts Zürich vom 28. Dezember 2009 (Urk. 8/5, Rückseite) sowie 

des Stellvertretenden Vizepräsidenten des Bezirksgerichts Zürich vom 24. März 

2010 (Urk. 8/8) per sofort widerrufen. Zudem wurde der Beweisantrag des Privat-

klägers, es sei einem Sachverständigen die Erstellung eines biomechanischen 

Gutachtens in Auftrag zu geben, mit dieser Präsidialverfügung abgewiesen 

(Urk. 68). 

 

II. Prozessuales 

1. Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung in Kraft getre-

ten. Da der angefochtene Entscheid nach diesem Zeitpunkt gefällt wurde, gilt für 

das vorliegende Berufungsverfahren neues Recht (Art. 454 Abs. 1 StPO). Verfah-

renshandlungen, die vor dem Inkrafttreten der neuen Strafprozessordnung ange-

ordnet oder durchgeführt wurden, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 StPO). 

-  5  - 

2. Gemäss Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefochtenen 

Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der Privatkläger liess Dispositivziffer 

2 sowie Dispositivziffer 3 teilweise (Kostenfestsetzung) des vorinstanzlichen Ur-

teils nicht anfechten (Urk. 58 S. 2). Es ist daher vorab festzustellen, dass das vor-

instanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist. 

3. Bei der Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB handelt es sich um 

ein Antragsdelikt. Am 13. Juli 2009, und somit in einem Zeitpunkt, in dem die Frist 

gemäss Art. 31 StGB noch nicht abgelaufen sein konnte, erstattete der Privatklä-

ger wegen des inkriminierten Verhaltens Anzeige, wobei sinngemäss auch ein 

Strafantrag gestellt wurde (Urk. 1 S. 4). Damit liegt hinsichtlich der einfachen Kör-

perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB ein rechtsgenügender Strafan-

trag vor. Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass anklagegemäss der von 

Amtes wegen zu verfolgende qualifizierte Tatbestand von Art. 123 Ziff. 1 in Ver-

bindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB erfüllt ist, wäre das Vorliegen eines Strafantrages 

nicht notwendig. 

4.1. Der Privatkläger liess, wie schon in seiner Berufungsbegründung, anlässlich 

der Berufungsverhandlung im Sinne von Beweisanträgen beantragen, er sei vor 

den Schranken zu befragen und es sei die Erstellung eines biomechanischen 

Gutachtens einem Sachverständigen in Auftrag zu geben (Prot. II S. 7; Urk. 72 

S. 2). 

4.2. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung wurde der Privatkläger, wie 

von ihm beantragt, befragt (Urk. 71). Der Antrag auf Erstellung eines biomechani-

schen Gutachtens ist abzuweisen, da nicht ersichtlich ist, dass sich daraus neue 

Erkenntnisse ergeben könnten, die auf den Ausgang des vorliegenden Verfahrens 

einen Einfluss haben könnten. Die relevanten medizinischen Fragen zur Ursache 

der vom Privatkläger erlittenen Spiralfraktur wurden im Gutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin der Universität Zürich (nachfolgend "IRM" genannt) vom 30. Juli 

2010 (Urk. 5/5) samt Ergänzungsgutachten vom 21. April 2011 (Urk. 5/28) beant-

wortet. Es besteht keine Veranlassung, die Ergebnisse, zu denen die Gutachter 

gelangten, in Frage zu stellen (dazu nachfolgend unter Ziff. III.4.9). 

-  6  - 

III. Sachverhalt 

1.1. Vom Beschuldigten wird nicht in Abrede gestellt, dass er, wie ihm in der An-

klageschrift vom 19. März 2012 (Urk. 29) vorgeworfen wird, in seiner Funktion als 

ziviler Betäubungsmittelfahnder der Stadtpolizei Zürich am 15. April 2009 um ca. 

19.20 Uhr anlässlich einer Verhaftung an der …strasse … in Zürich am rechten 

Arm des Privatklägers einen Armhebel ansetzte, während dieser, bäuchlings am 

Boden liegend, durch zwei weitere Polizeibeamte fixiert wurde, und dass der Pri-

vatkläger dadurch hörbar eine Humerusschaft-Spiralfraktur rechts erlitt. Da sich 

das Teilgeständnis mit dem Untersuchungsergebnis deckt, kam die Vorinstanz zu 

Recht zum Schluss, dass der Sachverhalt insoweit erstellt ist, weshalb auf ihre 

Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 57 S. 6; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

1.2. Der Beschuldigte bestreitet hingegen, dass er den Druck auf den Arm des in 

dieser Position zur Verteidigung gänzlich unfähigen Privatklägers trotz fehlender 

Gegenwehr und trotz expliziter Schmerzensbekundungen desselben ohne Not 

und mutwillig erhöht habe, bis dieser gebrochen sei. Zudem habe er sich beim 

Armhebel während der Verhaftung des Privatklägers nicht unverhältnismässiger 

und unnötiger Gewalt bedient und damit seine amtliche Machtstellung miss-

braucht. Ferner habe er weder bezüglich der Körperverletzung noch bezüglich 

des Amtsmissbrauchs vorsätzlich oder eventualvorsätzlich gehandelt (Urk. 57 

S. 6 mit Verweis auf Urk. 3/2 S. 3 ff., Urk. 23 und Urk. 48 S. 5 ff.; Urk. 70 S. 3 ff.; 

Urk. 74 S. 2 ff.).  

1.3. Dass der Privatkläger im gegen ihn geführten Verfahren der Hinderung einer 

Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB schuldig gesprochen wurde, hat, wie 

die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 57 S. 6), auf das vorliegende Ver-

fahren keinen Einfluss. 

2.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten ganz oder teilwei-

se, ist der Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vor-

gebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. 

Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK 

-  7  - 

verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner 

Schuld zu vermuten, dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig 

ist (Urteile des Bundesgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 

1P_437/2004 vom 1. Dezember 2004, E. 4.2.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. 

Nr. 180; BGE 127 I 40, 120 Ia 31. E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die 

Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschul-

digten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver 

Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile 

des Bundesgerichtes 6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4., und 

6B_438/2007 vom 26. Februar 2008, E. 2.1.). Die Überzeugung des Richters 

muss auf einem verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den 

unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, 

Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn er-

hebliche oder nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt 

so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte nach dem Grundsatz 

"in dubio pro reo" freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 

1993, N 419 f.). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der 

Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren 

"Mosaik" zu würdigen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4.; Pra 

2002 Nr. 180 S. 962 f., Ziff. 3.4.). 

2.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in ob-

jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem 

bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen 

Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; ZR 72 Nr. 80; Max Gul-

dener, Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 256 Ziff. 1.4.; 

BGE 124 IV 88, 120 1A 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit 

menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung 

erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis über 

jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid vom 

26. Juni 2003, Nr. 2002/387S, E. 2.2.1. mit Hinweisen). Bloss abstrakte oder theo-

retische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich 

sind (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12, Urteile des Bundesgerichtes 

-  8  - 

6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4., und 1 P_587/2003 vom 29. Januar 

2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausge-

schlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahr-

scheinlichkeit beruhen. 

2.3. Wie bereits angesprochen können auch indirekte, mittelbare Beweise, soge-

nannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen 

Schluss erlauben. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, 

unmittelbar erhebliche Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird somit vermu-

tet, dass eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfol-

gerung aus bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung auf-

drängt. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hau-

ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 N 14). Da ein Indiz immer nur mit einer ge-

wissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, ein-

zeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den 

Zweifel (Hans Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, 

S. 309; Derselbe, Die Beweisführung in Strafsachen, insbesondere der Indizien-

beweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der 

verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen 

Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und 

insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat 

oder Täter zu schliessen (Entscheide des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 

12. November 2009, E. 1.4., 6B_332/2009 vom 4. August 2009, E. 2.3. mit Hin-

weisen, und 6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4.; Hauser/Schweri/Hart-

mann, a.a.O., § 59 N 15). 

2.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese 

frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und 

den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeu-

gend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, 

verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der Würdigung 

von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaub-

würdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die 

-  9  - 

Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer 

kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von soge-

nannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Rolf Bender, Die 

häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] 

S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdig-

keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Auflage, München 2007, N 310 ff. 

und N 350 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Geschlos-

senheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufs", "kon-

krete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die "Schilderung des 

Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten 

ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der psychischen Si-

tuation von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelastung oder unvor-

teilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des 

Beschuldigten" und "Konstanz der Aussage bei verschiedenen Befragungen, wo-

bei sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände 

verändern können" (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit 

Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Andererseits sind 

auch allfällige Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aus-

sagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussa-

gen", "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen An-

schuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von 

mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichende Antwor-

ten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen". Als gene-

relle Phantasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-Weiss-Malerei", 

die "Verarmung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssignal" und die "be-

hauptete Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzungen", wobei wei-

ter festgehalten wird, den "Phantasiebegabten" falle es ganz allgemein leichter, 

von eigenen Aussagen und Aktivitäten zu berichten, als die Antworten und Reak-

tionen der Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere Phantasiesignal 

auftritt, braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist dann aber eine 

ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern. Bei häufigem 

Auftreten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl und Qualität der Realitätskri-

-  10  - 

terien strenge Anforderungen gestellt werden, damit eine Aussage als zuverlässig 

eingestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 429 ff.). 

2.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach neue-

ren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahr-

heitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkre-

ten Aussagen.  

2.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der 

verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-

standselemente nachzuweisen (vgl. dazu Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 

4. Auflage, Zürich 2004, N 599) und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BGE 

127 I 40 und Urteile des Bundesgerichtes 1P_437/2004 vom 1. Dezember 2004, 

E. 4.3., sowie 6S_154/2004 vom 30. November 2005, E. 4.). 

2.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-

dung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne 

dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich in-

soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-

behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis wider-

legt werden muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse 

Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Rich-

tigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen 

lassen, oder wenn der Beschuldigte sie sonst wie glaubhaft macht (vgl. Kassati-

onsgerichtsentscheid vom 2. November 2004, Nr. AC040082, E. 3.5, Stefan 

Trechsel, SJZ 1981 S. 320). 

3.1.1. An relevanten Beweismitteln liegen die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 

3/2, Urk. 23, Urk. 48, Urk. 70), des Privatklägers (Urk. 4/1-7, Urk. 71) sowie der 

beiden ebenfalls an der Verhaftung beteiligten Polizeibeamten C._____ (Urk. 4/9, 

Urk. 4/11) und D._____ (Urk. 4/13, Urk. 4/15) vor und ferner ein Gutachten des 

IRM vom 30. Juli 2010 (Urk. 5/5) samt Ergänzungsgutachten vom 21. April 2011 

(Urk. 5/28). Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die vom Pri-

vatkläger eingeholten ärztlichen Stellungnahmen nur für die Prüfung der Frage, 

-  11  - 

ob ein weiteres förmliches Gutachten eingeholt werden soll, relevant sein können 

(Urk. 57 S. 7). Nicht von Relevanz sind die von der Vertretung anlässlich der Be-

rufungsverhandlung eingereichten Beweisunterlagen (Urk. 73/1-10; vgl. dazu 

nachstehend Ziff. 4.8.). 

3.1.2. Der Verwertbarkeit der genannten relevanten Beweismittel steht, wie schon 

die Vorinstanz darlegte (Urk. 57 S. 7 ff.), nichts entgegen. Zwar sind die Erwä-

gungen der Vorinstanz zu den Einvernahmen des Privatklägers insofern zu korri-

gieren, als in den ersten sechs Einvernahmen des Privatklägers der Beschuldigte 

und seine Verteidigung nicht anwesend waren (Urk. 57 S. 7; Urk. 4/1-6). Da der 

Beschuldigte und seine Verteidigung aber an der letzten Einvernahme des Privat-

klägers, in der er als Auskunftsperson befragt wurde und die noch unter der Herr-

schaft des kantonalen Prozessrechts stattfand, teilnehmen und Ergänzungsfragen 

stellen konnten (Urk. 4/7 S. 14), können gemäss der Praxis zum alten Recht auch 

die ersten sechs Einvernahmen sowohl zu Gunsten als auch zu Ungunsten des 

Beschuldigten verwertet werden (vgl. Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Auf-

lage, Zürich 2004, N 622, zur vergleichbaren Situation bei Mittätern). Die Vor-

instanz ist zu Recht zum Schluss gelangt, dass das Gutachten des IRM samt Er-

gänzungsgutachten verwertbar ist. Auf ihre zutreffenden Ausführungen, denen 

nichts hinzuzufügen ist, kann verwiesen werden (Urk. 57 S. 7 ff.; Art. 82 Abs. 4 

StPO). 

3.2.1. Die während der Untersuchung und der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

gemachten Aussagen des Beschuldigten, die während der Untersuchung ge-

machten Aussagen des Privatklägers und der beiden Zeugen C._____ und 

D._____ sowie der Inhalt des Gutachtens und des Ergänzungsgutachtens des 

IRM wurden von der Vorinstanz ausführlich wiedergegeben (Urk. 57 S. 10 ff.), 

weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen primär darauf verwiesen werden 

kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Soweit Ergänzungen notwendig sind, sind diese im 

Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung vorzunehmen. 

3.2.2. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung schilderten sowohl der Beschul-

digte als auch der Privatkläger den Ablauf der Verhaftung ein weiteres Mal aus ih-

-  12  - 

rer eigenen Sicht und hielten dabei im Wesentlichen je an ihren früheren Aussa-

gen fest (Urk. 70 und 71). 

3.3.1. Hinsichtlich der generellen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist festzuhal-

ten, dass dieser gemäss dem in der ersten Phase der Untersuchung noch gelten-

den kantonalen Strafprozessrecht zunächst als Angeschuldigter und hernach als 

Beschuldigter einvernommen und somit nicht unter der Strafandrohung von Art. 

307 StGB zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet wurde. Zudem dürfte er 

als direkt vom Verfahren Betroffener, dem im Falle einer rechtskräftigen Verurtei-

lung auch berufliche Nachteile drohen dürften, ein – durchaus nachvollziehbares 

– Interesse daran haben, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht dar-

zustellen. Die Vorinstanz hat aber zu Recht darauf hingewiesen, dass keine An-

haltspunkte vorliegen, die von vornherein gegen die Glaubwürdigkeit des Be-

schuldigten sprechen würden. Ferner hat sie auf den Führungsbericht vom 

14. März 2012 verwiesen, wonach das Verhalten des Beschuldigten, der seit 20.. 

in den Diensten der Stadtpolizei Zürich steht, noch nie Anlass zu Beschwerden 

gegeben habe und wonach auch nie eine Disziplinaruntersuchung gegen ihn 

durchgeführt worden sei (Urk. 57 S. 29; Urk. 25). Die Aussagen des Beschuldig-

ten sind aber angesichts seiner prozessualen Stellung doch mit einer gewissen 

Vorsicht zu würdigen. 

3.3.2. Was die generelle Glaubwürdigkeit des Privatklägers angeht, ist zu berück-

sichtigen, dass dieser bis auf die Befragung vor dem Berufungsgericht (Urk. 71 

S. 1) ebenfalls nicht unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB zu wahrheits-

gemässen Aussagen verpflichtet und zudem nur in seiner letzten Einvernahme 

durch die Untersuchungsbehörden als Auskunftsperson unter Hinweis auf die 

Art. 303 bis 305 StGB befragt wurde (Urk. 4/7). Seine ersten Einvernahmen er-

folgten im Rahmen der Strafuntersuchung gegen ihn selbst, in der er im Zusam-

menhang mit den Geschehnissen anlässlich der Verhaftung der Hinderung einer 

Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB verdächtigt und später angeklagt wur-

de, woraus in zweiter Instanz eine rechtskräftige Verurteilung resultierte (vgl. ins-

besondere Urk. 4/5 S. 12 und 15; Urk. 41/1-115; Urk. 57 S. 4). Er dürfte daher, 

wie die Vorinstanz zu Recht anmerkte (Urk. 57 S. 29), nur schon aus diesem 

-  13  - 

Grund ebenfalls ein – durchaus nachvollziehbares – Interesse daran gehabt ha-

ben, die Vorgänge in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Auch ohne Vor-

liegen eines entsprechenden Gutachtens (vgl. dazu die Vorinstanz in Urk. 57 

S. 29) kann festgestellt werden, dass der Privatkläger sich als Opfer sieht, dessen 

Leben durch die Mehrfachfraktur des rechten Armes eine stark negative Wende 

genommen hat (vgl. insbesondere Urk. 4/5 S. 15). Zudem machte er namhafte Zi-

vilansprüche geltend, weshalb er am Ausgang des Verfahrens auch ein erhebli-

ches finanzielles Interesse hatte und für den Fall, dass er seine Forderungen auf 

dem Zivilweg weiter verfolgen möchte, auch weiterhin hat. Unter den gegebenen 

Umständen erscheint es angezeigt, auch die Aussagen des Privatklägers mit ei-

ner gewissen Vorsicht zu würdigen.  

3.3.3. Was die allgemeine Glaubwürdigkeit der beiden Zeugen C._____ und 

D._____ angeht, ist darauf hinzuweisen, dass sie unter der strengen Strafandro-

hung gemäss Art. 307 StGB aussagten. Ferner ist von Bedeutung, dass sie an-

gaben, zum Beschuldigten in einem beruflich-kollegialen Verhältnis zu stehen 

(C._____: Urk. 4/9 S. 4) resp. ein gutes Arbeitsverhältnis zu haben (D._____: Urk. 

4/13 S. 3). 

3.3.4. Den Ausführungen der Vorinstanz zum allgemeinen Aussageverhalten der 

Befragten kann ohne Weiteres gefolgt werden, weshalb sie an dieser Stelle nicht 

zu wiederholen sind (Urk. 57 S. 29 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.3.5. In erster Linie massgebend ist jedoch, wie bereits dargelegt wurde, nicht 

die prozessuale Stellung der Befragten bzw. ihre allgemeine Glaubwürdigkeit, 

sondern der materielle Gehalt ihrer Aussagen. 

4.1. Die Vorinstanz hat eine sorgfältige, fundierte und plausible Beweiswürdigung 

vorgenommen, die in allen Punkten überzeugt. Demzufolge ist ihrem Fazit, wo-

nach der Beschuldigte des Amtsmissbrauchs im Sinne von Art. 312 StGB sowie 

der einfachen Körperverletzung zum Nachteil einer wehrlosen Person im Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB nicht schuldig und 

freizusprechen sei, zu folgen. In Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO kann grund-

-  14  - 

sätzlich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden und sind nachfol-

gend nur noch einzelne Punkte hervorzuheben resp. zu ergänzen. 

4.2. In Würdigung der Aussagen der Beteiligten ist mit der Vorinstanz davon aus-

zugehen, dass der Privatkläger sich entgegen seinen Angaben (Urk. 4/3 S. 7; Urk. 

4/5 S. 12 ff.; Urk. 4/6 S. 1 f.; Urk. 4/7 S. 3 ff.; Urk. 71 S. 3) in der ersten Phase des 

Geschehens sehr wohl der Verhaftung zu entziehen versuchte. Es besteht dies-

bezüglich kein Anlass, an den übereinstimmenden, in sich stimmigen Angaben 

des Beschuldigten (Urk. 3/2 S. 3 ff.; Urk. 70 S. 3 und 4) sowie des Zeugen 

C._____ (Urk. 4/9 S. 2 und S. 4) zu zweifeln. Dass der Zeuge D._____ den von 

seinen Kollegen geschilderten Fluchtversuch nicht bestätigen konnte (Urk. 4/15 

S. 6), spricht nicht gegen deren Darstellung, war der Zeuge D._____ gemäss sei-

nen glaubhaften Angaben doch zu Beginn der Verhaftungsaktion noch weiter vom 

Privatkläger entfernt und hatte er lediglich Sicht auf dessen Rücken (Urk. 4/13 S. 

2 f.; Urk. 4/15 S. 4). Vielmehr macht die Angabe von D._____, er habe nicht ge-

sehen, ob der Privatkläger habe flüchten wollen, deutlich, dass die drei Polizeibe-

amten ihre Aussagen vor den Einvernahmen nicht koordiniert hatten und dass der 

Zeuge D._____ den Privatkläger nicht wahrheitswidrig belasten wollte. Ebenso 

wenig kann aus der modifizierten Aussage des Zeugen C._____ anlässlich der 

Einvernahme vom 29. Juni 2010, der Privatkläger habe sich gedreht, was für ihn 

den Anschein gemacht habe, dass dieser habe fliehen wollen (Urk. 4/11 S. 3), et-

was zu Ungunsten des Beschuldigten abgeleitet werden. Auch wenn der Zeuge 

C._____ im damaligen Zeitpunkt lediglich vermutet hätte, dass der Privatkläger 

flüchten wollte, bedeutet dies nicht, dass er dies nicht tatsächlich vorhatte und 

auch Anstalten dazu traf. Dem Zeugen C._____ wurde die aufgezeigte Unstim-

migkeit im Vergleich mit seiner in der Einvernahme vom 3. Februar 2010 depo-

nierten Aussage von der Vertreterin des Privatklägers vorgehalten, worauf er er-

klärte, "Wenn jemand den Anschein macht, dann will er fliehen. Er machte diese 

Vorwärtsbewegung, er 'hät welle gah'" (Urk. 4/11 S. 8). Zudem gab der Privatklä-

ger selber an, dass er mit den Worten "Stop, Police, you are a drugdealer" zum 

Stehenbleiben aufgefordert worden sei (Urk. 71 S. 1; Urk. 4/7 S. 3), woraus sich 

ergibt, dass er vom ersten Moment an wusste, dass die Polizei ihn anhalten woll-

te, und hatte er ein gewichtiges Motiv, die Flucht anzutreten: Er hatte erstellter-

-  15  - 

massen Heroin in seiner Umhängetasche, weshalb ohne Weiteres davon ausge-

gangen werden kann, dass ihm klar war, dass er bei einer Verhaftung des 

Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz überführt würde. Hinzu kommt 

auch, dass kein anderer Grund ersichtlich ist, weshalb der unbestrittenermassen 

viel kleinere C._____ (Urk. 3/2 S. 4; Urk. 4/11 S. 3 und S. 5) den Privatkläger an-

sprang, es daraufhin zu einem Gerangel kam und der Privatkläger sowie C._____ 

zu Fall kamen (Urk. 4/9 S. 2). Wäre der Privatkläger tatsächlich sofort stillgestan-

den und hätte er sich widerstandslos der Verhaftung unterzogen, wie er dies 

durchwegs aussagte, hätten die verhaftenden Polizeibeamten ihn wohl stehend 

arrestiert und wären sie insbesondere nicht das Risiko eingegangen, sich selber 

zu verletzen. Immerhin zog sich der Zeuge C._____ bei der Verhaftungsaktion 

unbestrittenermassen einen Rippenbruch zu (Urk. 4/11 S. 3). 

4.3. Demgegenüber überzeugen die Ausführungen des Privatklägers zu seiner 

Behauptung, dass er nicht habe flüchten wollen, nicht. Abgesehen von den im 

Laufe der Einvernahmen immer wieder neuen Erklärungen, weshalb er dies nicht 

habe tun wollen oder können, und von der von der Vorinstanz aufgezeigten Stei-

gerungstendenz, sticht ein Widerspruch besonders ins Auge: Anlässlich seiner 

Einvernahme vom 3. Februar 2010 hatte der Privatkläger angegeben, er habe 

keine Chance gehabt zu flüchten, da vor ihm der Polizist (gemeint: der Zeuge 

C._____), auf der linken Seite der Bus, auf der rechten Seite die Kaffee-Bar, vor 

der Leute an den Tischen gesessen seien, und hinter ihm die Kreuzung, über die 

er auch nicht habe flüchten können, gewesen sei (Urk. 4/6 S. 1 f.). Ausserdem 

hatte er in der Einvernahme vom 19. Mai 2010 diese Aussagen zunächst bestätigt 

und hinzugefügt, er sei aufgrund des Pavlov-Effektes ungefähr zwei Sekunden 

lang völlig versteinert geblieben (Urk. 4/7 S. 3 f.). Demgegenüber machte er spä-

ter in dieser Einvernahme vom 19. Mai 2010 zwar zunächst nochmals geltend, 

keine Fluchtmöglichkeit gehabt zu haben, im gleichen Atemzug aber auch, er ha-

be damals kein Gramm Fett gehabt und hätte vor jedem Polizisten wegrennen 

können; der 20 cm kleinere Polizist (gemeint: der Zeuge C._____) hätte keine 

Chance gehabt, wenn er die Absicht gehabt hätte zu fliehen (Urk. 4/7 S. 8 ff.). 

Dieses widersprüchliche Aussageverhalten erweckt den Eindruck, wie wenn der 

-  16  - 

Privatkläger wahllos jedes Argument anführte, das ihm gerade einfiel, anstatt sich 

an der Wahrheit zu halten. 

4.4. Dass der Privatkläger sich der Verhaftung durch Flucht zu entziehen versuch-

te, passt denn auch nahtlos zu den Schilderungen des Beschuldigten sowie der 

beiden Zeugen, wonach er sich, als er am Boden gelegen sei, weiterhin gegen die 

Verhaftung gewehrt habe. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang zu Recht 

darauf hingewiesen, dass keinerlei Anzeichen dafür vorliegen, dass der Beschul-

digte sowie die beiden Zeugen den Privatkläger übermässig belastet haben könn-

ten. So gaben sie nicht etwa an, der Privatkläger habe heftig um sich herumge-

schlagen, sondern sagten lediglich aus, dieser habe sich gesperrt (Urk. 3/2 S. 5 

und S. 7; Urk. 4/9 S. 2 f.; Urk. 4/11 S. 3 ff.; Urk. 4/13 S. 2 f.; Urk. 4/15 S. 4 und 

S. 7; Urk. 70 S. 3). Auch hinsichtlich dieser Angaben ist kein Grund ersichtlich, 

weshalb den übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten sowie der beiden 

Zeugen nicht geglaubt werden könnte. 

4.5. Sodann besteht kein Anlass daran zu zweifeln, dass der Privatkläger jeden-

falls seinen rechten Arm, bäuchlings auf dem Boden liegend, unter seinem Ober-

körper begraben hatte und nicht freiwillig freigab, damit ihm die Handschellen an-

gelegt werden konnten, und zwar auch nicht auf mehrfache Aufforderung der 

Verhaftenden hin. Diesbezüglich decken sich die Aussagen des Zeugen C._____ 

(Urk. 4/9 S. 3 f.; Urk. 4/11 S. 5 und S. 9) sowie des Zeugen D._____ (Urk. 4/13 S. 

2 f.; Urk. 4/15 S. 6) ebenfalls mit denjenigen des Beschuldigten (Urk. 3/2 S. 5 f.). 

Bei den Aussagen des Beschuldigten fällt auf, dass dieser in diesem Zusammen-

hang Details zu Protokoll gab, wie sie nur von einer Person zu erwarten sind, die 

das Geschilderte tatsächlich erlebt hat. Sehr anschaulich erklärte der Beschuldig-

te, wie er, als der Privatkläger den rechten Arm nicht freigegeben habe, zunächst 

vergeblich versucht habe, die Freigabe mittels eines "Atemis" zu erreichen, er 

dann durch Ausübung von Druck auf einen Druckpunkt zwischen Kiefer und Ohr 

des Privatklägers diesen für einen Moment habe ablenken können, worauf des-

sen Widerstand nachgelassen habe, er daraufhin sofort wieder beide Hände zu 

Hilfe genommen und den Hebel angesetzt habe, um den Arm unter dem Körper 

hervorzuziehen, es dem Privatkläger dann wieder gelungen sei, genügend Kraft 

-  17  - 

aufzubauen, um dem Hebel entgegen zu wirken, und daraufhin der Arm hörbar 

gebrochen sei (Urk. 3/2 S. 5; Urk. 70 S. 3 f.). 

4.6. Glaubhaft erscheinen ferner die Aussagen des Zeugen C._____, er habe we-

der eine Bereitschaft zur Kooperation noch Schmerzbekundungen von Seiten des 

Privatklägers gehört (Urk. 4/11 S. 6 und S. 9). Auch hier steht die Aussage des 

Zeugen D._____, der in seinen Einvernahmen vom 3. Februar und 30. Juni 2010 

erklärte, sich nicht mehr erinnern zu können, dem nicht entgegen. Vielmehr ist 

auch hierin ein Zeichen dafür zu sehen, dass die Polizeibeamten ihre Aussagen 

nicht vorweg koordiniert hatten. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte selber eben-

falls aussagte, sich nicht mehr erinnern zu können (Urk. 3/2 S. 8 f.). Hätte er seine 

Rolle beschönigen wollen, wäre zu erwarten gewesen, dass er die Fragen zu sei-

nen Gunsten beantwortet hätte. Der Beschuldigte aber schloss lediglich aus dem 

Ablauf der Geschehnisse, dass der Privatkläger nicht gesagt habe, er werde ko-

operieren, indem er erklärte, dass er ihm dann keinen "Atemi" hätte versetzen 

müssen, und dass dieser nicht über Schmerzen geklagt habe, bevor der Arm ge-

brochen sei, da in einer solchen Situation Adrenalin ausgeschüttet werde, was üb-

licherweise das Schmerzempfinden beeinträchtige, und zudem bei Schmerzen zu 

erwarten gewesen wäre, dass er den Arm freiwillig freigegeben hätte. 

4.7. Dass es bei der Frage, ob und wie die Hände des Privatklägers gefesselt 

wurden, zu einer Unstimmigkeit in den Aussagen der beiden Zeugen sowie des 

Beschuldigten kam, da der Zeuge D._____ entgegen den Aussagen der beiden 

anderen Beteiligten (Urk. 3/2 S. 6 ff. Urk. 4/11 S. 4) davon ausging, es seien bei-

de Hände des Privatklägers fixiert worden (Urk. 4/13 S. 5), zeigt ebenfalls auf, 

dass die Polizeibeamten ihre Aussagen vorweg nicht abgesprochen hatten. Diese 

Schlussfolgerung findet ihre Bestätigung auch darin, dass der Zeuge D._____ 

seine diesbezügliche Aussage in der zweiten Einvernahme nicht korrigierte, ob-

wohl er nach der ersten Einvernahme vom Zeugen C._____ gehört hatte, dass es 

wohl anders gewesen war (Urk. 4/15 S. 6). 

4.8. Dass die Aussagen des Privatklägers von Übertreibungen, Theatralik (z.B. 

"Ich werde auf keinen Fall erlauben, dass jemand meine Intelligenz beleidigt": 

Urk. 4/3 S. 8; "Ausserdem geht aus meiner Ausbildung hervor, dass ich mir solche 

-  18  - 

Lügen nicht anzuhören brauche": Urk. 4/5 S. 13; "Ist der Kollege vom anwesen-

den Polizisten allenfalls unter Drogen gestanden?": Urk. 4/7 S. 16), Misstrauen 

und Widersprüchen geprägt sind und seine Einwände die überzeugende Darstel-

lung der Geschehnisse durch den Beschuldigten und die beiden Zeugen nicht in 

Zweifel zu ziehen vermögen, hat die Vorinstanz bereits ausführlich dargelegt (Urk. 

57 S. 29 ff.). Der Privatkläger unterstellte dem Polizeibeamten, den er für den 

Armbruch verantwortlich machte, sogar niedrige Motive, indem er erklärte, dieser 

habe ihm dem Arm gebrochen "um sich irgendwie auszuleben oder so" (Urk. 4/3 

S. 7), und auf die Frage, ob er wirklich das Gefühl habe, hier in der Schweiz wür-

den Polizeibeamte irgendwelchen Menschen aus Spass ein Gliedmass brechen, 

"unglücklicherweise jetzt ja" antwortete. Er machte geltend, der Täter habe, als er 

diesem gesagt habe, dass er ihm Schmerzen zufüge, entgegnet, "Oh, I am hurt-

ing you" (Urk. 4/5 S. 12; Urk. 4/7 S. 4 f. und S. 8; Urk. 71 S. 2). Der Täter habe 

ihm in jenem Moment wie von Sinnen erschienen (Urk. 4/3 S. 8), dieser habe un-

glaublich geweitete Pupillen gehabt und auf seinem Gesicht habe man nur noch 

Wut sehen können. Da habe er um sein Leben Angst gehabt (Urk. 4/3 S. 9). Ab-

gesehen davon, dass nur schon deshalb nicht leichthin davon ausgegangen wer-

den kann, dass Polizeibeamte ihre Befugnisse derart krass überschreiten wie dies 

der Privatkläger geltend macht, weil sie in diesem Fall auch mit beruflichen Kon-

sequenzen rechnen müssten, lassen sich die Angaben des Privatklägers nicht in 

Einklang bringen mit seiner Annahme, dass derjenige Mann, der in seine Rich-

tung gerannt sei, ihm den Arm gebrochen habe. Er habe diesen (gemeint: vor und 

während seiner Bauchlage) als einzige Person sehen können und dieser sei auch 

ausgesprochen aggressiv gewesen (Urk. 4/7 S. 9). Vom Beschuldigten sagte er 

anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Mai 2010, er hätte 

diesen, als er heute zur Tür hineingekommen sei, erkannt als den Kollegen von 

demjenigen, der ihn zu Boden geworfen und ihm den Arm gebrochen habe. Er 

habe den Beschuldigten (gemeint: im Rahmen der Verhaftungsaktion) erblickt, als 

er wieder auf die Beine gestellt worden sei. Er habe ihn an der Tätowierung auf 

seinem Arm erkannt (Urk. 4/7 S. 2). Schon aus den Einvernahmen vom 12. Juni 

und vom 16. Dezember 2009 sowie vom 3. Februar 2010 ist ersichtlich, dass der 

Privatkläger gar nicht davon ausging, dass der Beschuldigte ihm den Arm gebro-

-  19  - 

chen hatte, sondern dass C._____ dies getan hatte, und dass er es auch gewe-

sen war, der ihm "Oh, I'm hurting you" und "Fuck you" gesagt habe (Urk. 4/3 S. 8 

f.; Urk. 4/5 S. 12; Urk. 4/6 S. 2). Dass es C._____ gewesen sei, der "Fuck you" 

gesagt habe, gab der Privatkläger auch anlässlich der Einvernahme vom 19. Mai 

2010 an (Urk. 4/7 S. 5 und S. 9). Daraus lässt sich schliessen, dass er nicht vom 

Beschuldigten, sondern von C._____ (u.a.) behauptete, dass dieser ihm in jenem 

Moment wie von Sinnen erschienen sei und er seinetwegen um sein Leben Angst 

gehabt habe (Urk. 4/3 S. 8 f.). Demgegenüber schilderte der Privatkläger, dass 

der Beschuldigte (der "Kollege mit dem Tattoo") Mitleid und Verwirrung auf sei-

nem Gesicht gehabt habe und zutiefst betrübt gewesen sei (Urk. 4/3 S. 9); dieser 

habe einen entsetzten Blick gehabt (Urk. 4/7 S. 5). Das Bild, das der Privatkläger 

vom Beschuldigten für den Zeitraum unmittelbar anschliessend an die Verhaftung 

und den Armbruch zeichnete, passt demzufolge denkbar schlecht zum skrupello-

sen Verhalten, das diesem in der Anklageschrift vorgeworfen wird.  

Der Privatkläger liess anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung eine Reihe 

von Unterlagen in …  Sprache [des Staates E._____] einreichen (Urk. 73/1-10, 

vgl. Prot. II S. 8 f.), mit denen seine in der Untersuchung deponierten Angaben zu 

seinem Lebensweg und insbesondere zu seinem schulischen, akademischen und 

beruflichen Werdegang belegt werden sollen, deren Richtigkeit von der Verteidi-

gung und der Vorinstanz angezweifelt worden war. Auf eine Übersetzung dieser 

Dokumente kann verzichtet werden, da sie nicht von Relevanz sind. Selbst wenn 

sämtliche Angaben des Privatklägers zu seiner Biographie zutreffend sein sollten, 

führt dies (entgegen der Auffassung der Vertreterin des Privatklägers, Urk. 72 S. 

7; Prot. II S. 10) nicht dazu, dass seine Darstellung des inkriminierten Verhaf-

tungsvorgangs als glaubhaft anzusehen wäre; ändert dies doch nichts an der 

Übertriebenheit und Widersprüchlichkeit seiner entsprechenden Aussagen.   

4.9. Darauf, dass das Ergebnis der Würdigung der Aussagen der verschiedenen, 

an der Verhaftung beteiligten Polizeibeamten durch die Ergebnisse der ärztlichen 

Gutachten bestätigt wird, ist die Vorinstanz bereits eingegangen, weshalb grund-

sätzlich auf ihre Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 57 S. 37; Art. 82 Abs. 

4 StPO). Die Gutachter kamen zum Schluss, dass die beim Privatkläger diagnos-

-  20  - 

tizierten Verletzungen mit dem durch den Beschuldigten geschilderten genauen 

Ablauf der Verhaftung, nicht aber mit dem durch den Privatkläger geschilderten 

genauen Ablauf der Verhaftung in Übereinstimmung gebracht werden können, 

wobei sie davon ausgingen, dass es durch die wieder verstärkte Gegenwehr des 

Privatklägers zu einer reflexartigen, ebenfalls verstärkten Gegenspannung des 

Beschuldigten gekommen sei. Die Summe dieser gegeneinander wirkenden Rota-

tionskräfte habe aus ihrer Sicht die Spiralfraktur verursacht (Urk. 5/5 S. 4 f.). 

Demgegenüber wurde im Ergänzungsgutachten vom 21. April 2011 der These 

des Privatklägers resp. seiner Vertreterin, der Beschuldigte habe eine übermässi-

ge Torsionswirkung auf den Oberarm des Privatklägers ausgeübt, weshalb dieser 

mit einer reflektorischen, schmerzbedingten, unbewussten und unwillentlichen 

Gegenwehr reagiert habe, entgegengetreten. Die Gutachter gingen davon aus, 

dass bei einem derart ambitionierten und trainierten Schwimmer wie dem Privat-

kläger anzunehmen sei, dass dessen Arm bei fehlender Gegenwehr jederzeit 

problemlos und schmerzlos zur Inhaftierung auf den Rücken hätte geführt werden 

können und bei einer Forcierung der Bewegung bis zur Ausreizung der Bewe-

gungstoleranz im Schultergelenk statt der Spiralfraktur des Oberarmes primär 

Weichteilverletzungen an Schulter- und Ellenbogengelenk zu erwarten gewesen 

wären (Urk. 5/28 S. 2). Mit den verschiedenen von Seiten des Privatklägers ein-

gereichten Stellungnahmen anderer Ärzte hat sich die Vorinstanz eingehend und 

in allen Punkten überzeugend auseinandergesetzt (Urk. 57 S. 38 ff.). Ihr Fazit, 

dass diese weder den klaren, nachvollziehbaren und überzeugenden Inhalt des 

Gutachtens samt Ergänzungsgutachten des IRM noch die Darstellung des Be-

schuldigten in Frage zu stellen vermögen, ist nicht zu beanstanden. 

Die Vertreterin des Privatklägers machte anlässlich der heutigen Berufungsver-

handlung geltend, dass aufgrund einer Veröffentlichung der Harvard Universität 

bezüglich des Themas Spiralbruch davon auszugehen sei, dass ein Oberarmkno-

chen bei einem Bruchmoment von 60 Nm (Newtonmeter) breche, und stellte in 

der Folge Berechnungen an, wonach eine Kraft von 20 bis 30 kg auf den Oberarm 

des Privatklägers eingewirkt haben müsse, damit es zum Bruch gekommen sei 

(Urk. 72 S. 10 ff.; Prot. II S. 10 f.). Ob diese Berechnungen richtig sind, kann offen 

gelassen werden. Fest steht nämlich, dass nicht nur die Kraft des Beschuldigten, 

-  21  - 

sondern auch die Gegenkraft des Privatklägers auf dessen Oberarm einwirkte. 

Das Vorhandensein dieser Gegenkraft – welche vom Beschuldigten als Gegen-

wehr geschildert wurde – wird auch von Seiten der Vertreterin der Privatkläger-

schaft, welche diese als reflexartige Gegenbewegung bezeichnete, nicht bestrit-

ten (Prot. II S. 10). Entgegen der Darstellung der Vertreterin der Privatklägerin 

kann deshalb jedenfalls nicht gesagt werden, dass der Beschuldigte die zum 

Bruch erforderliche Kraft allein aufgewendet hatte. Vielmehr resultiert die Bruch-

kraft aus den Einzelkräften des Beschuldigten und des Privatklägers. Mit welcher 

Intensität diese beiden Kraftkomponenten je wirkten, lässt sich im Nachhinein 

nicht mehr bestimmen, selbst nicht mit einem biomechanischen Gutachten. Auch 

unter diesem Aspekt kann dem Beschuldigten deshalb eine unverhältnismässige 

Kraftaufwendung nicht nachgewiesen werden. 

4.10. Die Vorinstanz ist aufgrund ihrer Erwägungen sowie der vorstehenden Er-

gänzungen zu Recht zum Schluss gekommen, dass die Einwände des Privatklä-

gers keine Zweifel an der überzeugenden Version des Beschuldigten hervorzuru-

fen vermögen (Urk. 57 S. 35). Gestützt auf die gutachterlichen Feststellungen ist 

davon auszugehen, dass das Zusammenwirken der Gegenwehr des Privatklägers 

mit einer reflexartigen, ebenfalls verstärkten Gegenspannung des Beschuldigten 

zur Fraktur geführt hat. Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass der 

Beschuldigte zuvor unzählige Verhaftungen durchgeführt hatte (Urk. 57 S. 38). 

Ferner liegen keine Anzeichen dafür vor, dass die vom Beschuldigten angewand-

te Hebeltechnik nicht dem x-fach erprobten und instruktionsgemässen Prozedere 

entsprach oder dass es bei vorherigen Verhaftungen zu ähnlichen Verletzungen 

gekommen wäre, die beim Beschuldigten eine erhöhte Vorsicht hätten auslösen 

müssen. Mithin kann nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte den Druck auf 

den Arm des in dieser Position zur Verteidigung gänzlich unfähigen Privatklägers 

trotz fehlender Gegenwehr und trotz expliziter Schmerzensbekundungen dessel-

ben ohne Not und mutwillig erhöhte, bis dieser brach, und dass er sich beim Arm-

hebel während der Verhaftung des Privatklägers unverhältnismässiger und unnö-

tiger Gewalt bediente und damit seine amtliche Machtstellung missbrauchte. Im 

Sinne einer Ergänzung ist festzuhalten, dass angesichts dessen, dass die Gut-

achter von einer reflexartigen Gegenspannung des Beschuldigten ausgehen und 

-  22  - 

wie bereits dargelegt kein Anlass besteht, diese Einschätzung anzuzweifeln, auch 

keine Anzeichen für ein fahrlässiges Verhalten des Letzteren vorliegen. Der voll-

umfängliche Freispruch durch die Vorinstanz ist demzufolge zu bestätigen. 

 

IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kosten- und Ent-

schädigungsregelung zu bestätigen. 

2.1. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ih-

res Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).  

2.2. Vorliegend unterliegt der Privatkläger mit seiner Berufung vollumfänglich, 

weshalb die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten seiner 

unentgeltlichen Vertretung, ihm aufzuerlegen sind. 

3.1. Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richtet sich der Anspruch auf Entschädigung 

und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren nach den Art. 429-434 StPO. Der Be-

schuldigte hat gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO Anspruch auf Entschädigung 

seiner Aufwendungen für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte. 

Nach Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO steht ihm überdies eine Genugtuung zu, wenn ei-

ne besonders schwere Verletzung seiner persönlichen Verhältnisse vorliegt, ins-

besondere bei Freiheitsentzug. In gewissen Fällen kann gemäss Art. 432 StPO 

die Privatklägerschaft zur Leistung einer Entschädigung an den obsiegenden Be-

schuldigten verpflichtet werden. Im vorliegenden Fall sind die Voraussetzungen 

dafür indessen nicht erfüllt. Da die Anklagebehörde den von Amtes wegen zu ver-

folgenden qualifizierten Tatbestand von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit 

Ziff. 2 Abs. 3 StGB eingeklagt hat, ist insbesondere nicht vom Vorliegen eines An-

tragsdeliktes auszugehen. Dies führt dazu, dass die Entschädigung und die Ge-

nugtuung aus der Gerichtskasse zu leisten sind.  

3.2. Dem erbeten verteidigten Beschuldigten ist somit in Anwendung von Art. 436 

Abs. 1 in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a und c StPO – ausgehend von den 

-  23  - 

vom Verteidiger geltend gemachten und angemessen erscheinenden Angaben zu 

Aufwand und Auslagen (Prot. II S. 14) – für seine anwaltliche Vertretung im Beru-

fungsverfahren eine Prozessentschädigung von pauschal Fr. 6'500.– (inkl. 

MWSt.) aus der Gerichtskasse zuzusprechen.  Weiter ist ihm antragsgemäss 

(Urk. 74 S. 10) eine Genugtuung von Fr. 1'000.– für das gesamte Verfahren aus 

der Gerichtskasse zuzusprechen. 

 

Es wird beschlossen: 

6. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 

vom 24. Mai 2012, bezüglich Dispositivziffer 2 sowie Dispositivziffer 3 teil-

weise (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist. 

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist des Amtsmissbrauchs im Sinne von Art. 312 

StGB sowie der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB nicht schuldig und wird freige-

sprochen. 

2. Die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung (Dispositivziffern 

3 und 4) wird bestätigt. 

3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'959.95   unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft    (vgl. Präsidialverfügung vom 13. Februar 2013) 

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der frühe-

ren unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Privat-

-  24  - 

kläger auferlegt. Die Kosten der früheren unentgeltlichen Vertretung der Pri-

vatklägerschaft werden auf die Gerichtskasse genommen. 

5. Dem Beschuldigten wird für anwaltliche Verteidigung eine Prozessentschä-

digung von Fr. 6'500.– aus der Gerichtskasse zugesprochen. 

6. Dem Beschuldigten wird für das gesamte Verfahren eine Genugtuung von 

Fr. 1'000.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.  

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben) 

− die Vertreterin der Privatklägerschaft im Doppel für sich und zuhanden 
des Privatklägers (übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
− die Vertreterin der Privatklägerschaft im Doppel für sich und zuhanden 

der Privatklägerschaft 
− die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA 

8. Rechtsmittel:  

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

-  25  - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 19. Februar 2013 
 
 

Der Vorsitzende: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Burger 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

lic. iur. Höfliger 
 

 
 

	Urteil vom 19. Februar 2013
	 Anklage:
	Urteil der Vorinstanz:
	1. Der Beschuldigte B._____ ist des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs im Sinne von Art. 312 StGB sowie der einfachen Körperverletzung zum Nachteil einer wehrlosen Person im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB nicht schuld...
	2. Die Zivilklage der Privatklägerschaft wird auf den Zivilweg verwiesen.
	3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die weiteren Auslagen betragen:
	Die Kosten inkl. derjenigen der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers werden auf die Gerichtskasse genommen.
	4. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von pauschal Fr. 17'000.– (MwSt. inbegriffen) aus der Gerichtskasse zugesprochen.
	5. Dem Beschuldigten wird eine Genugtuung aus der Gerichtskasse von Fr. 1'000.– zugesprochen.
	Berufungsanträge:
	1. Ziff. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 24. Mai 2012 sei wie folgt abzuändern:
	Der Beschuldigte sei des Amtsmissbrauchs gemäss Art. 312 StGB und der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 3 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.
	2. Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 24. Mai 2012 sei wie folgt abzuändern:
	2.1. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
	2.2. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers seien im zweitinstanzlichen Verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen.
	3. Ziff. 4 und 5 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 24. Mai 2012 seien aufzuheben.
	1. Abweisung der Berufung des Privatklägers
	2. Ausgangsgemässe Regelung der Kostenfolgen
	3. Ersatz der dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren erwachsenen Kosten der erbetenen Verteidigung
	Erwägungen:
	I. Prozessgeschichte

	III. Sachverhalt
	Es wird beschlossen:
	6. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 24. Mai 2012, bezüglich Dispositivziffer 2 sowie Dispositivziffer 3 teilweise (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.
	7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte B._____ ist des Amtsmissbrauchs im Sinne von Art. 312 StGB sowie der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB nicht schuldig und wird freigesprochen.
	2. Die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung (Dispositivziffern 3 und 4) wird bestätigt.
	3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der früheren unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Privatkläger auferlegt. Die Kosten der früheren unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden auf die ...
	5. Dem Beschuldigten wird für anwaltliche Verteidigung eine Prozessentschädigung von Fr. 6'500.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
	6. Dem Beschuldigten wird für das gesamte Verfahren eine Genugtuung von Fr. 1'000.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
	7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben)
	 die Vertreterin der Privatklägerschaft im Doppel für sich und zuhanden des Privatklägers (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Vertreterin der Privatklägerschaft im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerschaft
	 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
	 die Vorinstanz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA

	8. Rechtsmittel:
	Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.