# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ee803c03-b437-5bac-8d94-91f722cb7998
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-08-12
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 12.08.2025 BG.2025.8
**Docket/Reference:** BG.2025.8
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2025-8_2025-08-12

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO)

Beschluss vom 12. August 2025 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Miriam Forni und Daniel Kipfer Fasciati, 

Gerichtsschreiber Stephan Ebneter 

   
Parteien   

KANTON ST. GALLEN, Staatsanwaltschaft, 

Untersuchungsamt Gossau, 

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

1. CANTON DE VAUD, Ministère public central, 

Cellule For-Entraide,  

 

2. CANTON DE NEUCHÂTEL, Ministère public,  

 

Gesuchsgegner 

  

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2025.8 

 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Gossau 

(nachfolgend «StA SG»), führt das Strafverfahren ST.2023.43949 gegen 

ehemalige Angestellte der A. AG, nämlich B., C., D., E. und F. u.a. wegen 

Verdachts des Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB) und der Urkundenfälschung 

(Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Das Verfahren geht zurück auf eine Strafan-

zeige vom 11. Dezember 2023. 

 

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Neuenburg (nachfolgend «StA NE») 

führt die Strafverfahren MP.2024.3112 und MP.2024.4719 gegen B. wegen 

Verdachts der unrechtsmässigen Aneignung (Art. 137 Ziff. 1 StGB), Verun-

treuung (Art. 138 Ziff. 1 StGB) und Sachentziehung (Art. 141 StGB) bzw. des 

Betrugs (Art. 146 StGB) und Urkundenfälschung (Art. 251 StGB). Die Ver-

fahren gehen zurück auf Strafanzeigen vom 24. Mai 2024 und 14. August 

2024. 

 

Weitere Strafverfahren gegen (einzelne) beschuldigte Personen werden in 

den Kantonen Freiburg (SOO/MDE F 24 6996, SOO/MDE F 24 14676 und 

SOO/MDE F 25 4), Bern (GGS 24 2646 / JPI bzw. EO 24 9531) und Zürich 

(G-3/2024/31127) geführt. 

 

 

B. Im ab 15. Februar 2024 geführten Meinungsaustausch konnten sie die 

StA SG, die StA NE und die Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt (nach-

folgend «StA VD») nicht über den Gerichtsstand einigen. Mit Schreiben vom 

9. Januar 2025 lud der Leitende Staatsanwalt der StA SG die StA VD und 

die StA NE ein, zum Gerichtsstand abschliessend Stellung zu nehmen. Mit 

Schreiben vom 20. Januar 2025 liess sich die Generalstaatsanwaltschaft des 

Kantons Bern (unaufgefordert) vernehmen und lehnte eine Zuständigkeit des 

Kantons Bern ab. Die StA NE lehnte die Zuständigkeit des Kantons Neun-

burg mit Schreiben vom 21. Januar 2025 ab. Mit Schreiben vom 23. Januar 

2025 lehnte die StA VD die Zuständigkeit des Kantons Waadt ab. 

 

 

C. Mit Gesuch vom 6. Februar 2025 an die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts beantragt der Leitende Staatsanwalt der StA SG, es seien 

die Strafbehörden des Kantons Waadt, eventualiter jene des Kantons Neu-

enburg für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die Strafverfolgung der be-

schuldigten Personen B., C., D., E. und F. vorzunehmen (act. 1). 

 

 

- 3 - 

 

 

D. Mit Gesuchsantwort vom 14. Februar 2025 beantragt der Staatsanwalt der 

StA VD, es seien die Strafbehörden des Kantons Neuenburg, eventualiter 

jene des Kantons Appenzell Ausserrhoden, subeventualiter jene des Kan-

tons St. Gallen für zuständig zu erklären, die B., C., D., E. und F. zur Last 

gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen (act. 3). 

 

 

E. Mit Gesuchsantwort vom 19. Februar 2025 lehnt der Generalstaatsanwalt 

der StA NE die Zuständigkeit des Kantons Neuenburg ab, ohne Anträge zu 

stellen (act. 4). 

 

 

F. Mit Schreiben vom 3. März 2025 wurden die Gesuchsantworten den Parteien 

gegenseitig zur Kenntnis gebracht (act. 5). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten ei-

nen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). Er-

scheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich 

die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-

mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung 

(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-

dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die 

Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die 

Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO 

i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die 

ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist 

von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden (vgl. 

hierzu TPF 2019 62 E. 1; TPF 2011 94 E. 2.2). Die Behörden, welche be-

rechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der 

Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen kan-

tonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO). 

 

- 4 - 

 

 

1.2 Der Leitende Staatsanwalt des Untersuchungsamts Gossau ist berechtigt, 

den Gesuchsteller bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Be-

schwerdekammer zu vertreten (Art. 24 des Einführungsgesetzes zur Schwei-

zerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung des Kantons St. Gallen 

vom 3. August 2010 [EG-StPO/SG; sGS 962.1]). Auf Seiten der Gesuchs-

gegner steht diese Befugnis der StA VD (Art. 25 Abs. 2 Loi sur le Ministère 

public des Kantons Waadt vom 19. Mai 2009 [LMPu/VD; BLV 173.21]) bzw. 

der StA NE (Art. 40 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 52 Abs. 1 Loi d'organisation ju-

diciaire neuchâteloise vom 27. Januar 2010 [OJN/NE; RSN 161.1]; vgl. Be-

schluss des Bundesstrafgerichts BG.2022.26 vom 26. Juli 2022 E. 1.2) zu. 

 

1.3  

1.3.1 Geht in einem Kanton eine Strafanzeige bzw. ein Strafantrag ein, so hat die 

betroffene Strafverfolgungsbehörde von Amtes wegen zu prüfen, ob nach 

den Gerichtsstandsbestimmungen die örtliche Zuständigkeit ihres Kantons 

gegeben ist. Damit diese Prüfung zuverlässig erfolgen kann, muss die frag-

liche Behörde alle für die Festlegung des Gerichtsstandes wesentlichen Tat-

sachen erforschen und alle dazu notwendigen Erhebungen durchführen. So-

lange die Frage der Zuständigkeit offen oder streitig ist, bleibt jeder Kanton 

verpflichtet, die sein Gebiet betreffenden Tatsachen so weit abzuklären, als 

es der Entscheid über den Gerichtsstand erfordert (TPF 2019 62 E. 4.1; vgl. 

auch TPF 2017 170 E. 3.3.2). Dazu gehört insbesondere die Ermittlung des 

Ausführungsorts (vgl. die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2024.53 

vom 17. September 2024 E. 2.1; BG.2022.35 vom 19. Dezember 2022 

E. 3.2.1; BG.2020.37 vom 30. September 2020 E. 3.3; SCHWERI/BÄNZIGER, 

Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl. 2004, 

N. 443). Wurden nicht alle für die Festlegung des Gerichtsstands wesentli-

chen Tatsachen erforscht und alle dazu notwendigen Erhebungen durchge-

führt, ist auf das Gesuch grundsätzlich nicht einzutreten (vgl. hierzu den Be-

schluss des Bundesstrafgerichts BG.2023.44 vom 23. Januar 2024 E. 2.1 in 

fine m.w.H.). 

 

1.3.2 Die Beschwerdekammer hat diese Rechtsprechung jüngst präzisiert: Wo 

Spuren oder einfache Abklärungen es ermöglichen, den Gerichtsstand zügig 

zu klären, so stehen diese in Einklang mit einem raschen und summarischen 

Gerichtsstandsverfahren. Wenn eine ausführliche Strafanzeige vorliegt, 

und/oder ein Anzeigeerstatter befragt ist sowie rasche und naheliegende Ab-

klärungen getätigt sind, so ist in der Regel die summarische Gerichtsstands-

bestimmung (inkl. vorläufiger rechtlicher Qualifikation) möglich und vorzu-

nehmen. Insbesondere soll die Festlegung des Gerichtsstands keine inter-

nationalen Rechtshilfeverfahren verlangen. Die Festlegung des Gerichts-

stands selbst soll auch nicht einen umfassenden «ersten Angriff» und/oder 

- 5 - 

 

 

Untersuchungshaft auslösen resp. erfordern. Die Gerichtsstandsfrage sollte 

ausser bei Sammelverfahren grundsätzlich innert eines Monats bis zu vier 

Monaten reif sein für den interkantonalen Meinungsaustausch auf der Ebene 

der fallführenden Staatsanwaltschaften (Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BG.2025.40 vom 29. Juli 2025 E. 2.5.3). 

 

1.3.3 Im vorliegenden Fall liegt eine ausführliche Strafanzeige vor und die Anzei-

geerstatterin bzw. der Anzeigeerstatter wurden befragt. Wie die nachfolgen-

den Erwägungen zeigen werden, ist eine Gerichtsstandsbestimmung mög-

lich. 

 

1.4 Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben keinen Anlass zu Bemerkun-

gen. Auf das Gesuch ist einzutreten. 

 

 

2.  

2.1 Der Gesuchsteller bringt vor, die polizeiliche Befragung von G. (der für die 

A. AG und sich selbst die Strafanzeige vom 11. Dezember 2023 eingereicht 

hatte) habe ergeben, dass die A. AG Büroräumlichkeiten in Z./VD gemietet 

habe, welche durch die Mitarbeitenden der Westschweiz zu Beginn ihrer Tä-

tigkeit wöchentlich für Kundengespräche genutzt worden seien. Aufgrund 

des Wachstums des Standorts seit dem 1. März 2023 sei bis spätestens am 

1. September 2023 ein Büro in Y./VD hinzugekommen. B. sei währenddes-

sen Teamleiter von C., D., E. und F. geworden, da G. selbstsagend nicht 

jeden Tag in Z./VD habe sein können. Ebenfalls in Z./VD hätten die beschul-

digten Personen ihre Arbeitsverträge mit der A. AG unterzeichnet. Weiter 

habe B. zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zwischen November 

und Dezember 2023 Fr. 10'000.– für die Büromiete in Z./VD überwiesen. Der 

Anzeige seien sodann diverse Versicherungsanträge beigelegt worden, wo-

bei die ersten zwei Anträge, vermittelt durch B., am 19. Juli 2023 in Z./VD 

von den Versicherungsnehmern (H. und I.) unterzeichnet worden seien. 

Ebenfalls in Z./VD hätten die Schulungen der beschuldigten Personen durch 

die A. AG stattgefunden. Im Weiteren hätten die Mitarbeitenden gemäss 

Aussagen von G. auch an ihren Wohnorten gearbeitet, während die Kunden-

gespräche im Büro in Z./VD stattgefunden hätten. Die angezeigte Betrugs-

handlung in Form der Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen 

oder dem Bestimmen zu einem Verhalten unter Ausnützung eines Irrtums in 

den Kundengesprächen habe folglich in den Büros in Z./VD begonnen, in-

dem die beschuldigten Personen die Versicherungsnehmer falsch informiert 

und getäuscht hätten, um einen Vertragsabschluss zu erreichen. Eine ge-

richtsstandsrechtliche Anknüpfung im Kanton St. Gallen liege mangels 

Handlungs- und Erfolgsort im Kanton St. Gallen nicht vor. Die deliktische 

- 6 - 

 

 

Tätigkeit sei ausschliesslich in der Westschweiz ausgeführt worden. Auf-

grund der ersten aktenkundigen Tathandlung in Z./VD durch B. und dem Tat-

verdacht der gemeinsamen Tatbegehung basierend auf der Tatsache, dass 

B. die weiteren beschuldigten Personen angeworben habe, sowie dem glei-

chen modus operandi, erachte er in Anwendung von Art. 31 Abs. 1 und 

Art. 33 Abs. 2 StPO die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Waadt als 

zuständig. Gemäss Aussagen von G. seien die bei der A. AG angestellten 

beschuldigten Personen, nebst den Kundengesprächen im Büro in Z./VD, 

üblicherweise an ihren Wohnorten tätig gewesen. Zum Tatzeitpunkt (19. Juli 

2023 bis 28. September 2023) sei der mutmassliche Haupttäter B. in X./NE 

wohnhaft gewesen. Es müsse daher davon ausgegangen werden, dass B., 

wenn er nicht im Büro in Z./VD gehandelt habe, in seiner Wohnung in X./NE 

gehandelt habe. Somit liege auch an dessen Wohnsitz im Kanton Neuenburg 

ein gerichtsstandsrechtlich relevanter Anknüpfungspunkt vor. 

 

2.2 Der Kanton Waadt macht im Wesentlichen geltend, solange der Ausfüh-

rungsort nicht bestimmt sei, können der Gerichtsstand nicht gestützt auf 

Art. 31 Abs. 1 StPO festgelegt werden. Der vom Gesuchsteller behauptete 

Ausführungsort gehe aus den Akten nicht hervor. Mangels entsprechender 

Abklärungen finde Art. 32 Abs. 1 StPO Anwendung. Da B. im Kanton Neu-

enburg Wohnsitz gehabt habe, erscheine dieser Kanton zuständig. Im Übri-

gen sei der Kanton Appenzell Ausserrhoden nicht am Meinungsaustausch 

beteiligt worden, obwohl ein subsidiärer Gerichtsstand angesichts des Sitzes 

der A. AG in W./AR nicht ausgeschlossen sei. Schliesslich könne Art. 33 

StPO keine Anwendung finden, weil nichts darauf schliessen lasse, dass die 

beschuldigten Personen als Mittäter gehandelt hätten. 

 

2.3 Der Kanton Neuenburg bringt im Wesentlichen vor, im Kanton Neuenburg 

gebe es keinen Ausführungsort, keinen Erfolgsort und keine ersten Verfol-

gungshandlungen. Die fraglichen Versicherungsanträge seien in den Kanto-

nen Wallis, Freiburg, Genf und Waadt unterzeichnet worden. Die A. AG, de-

ren Sitz sich in W./AR und deren Zweigniederlassung in V./SG befinde, habe 

Büroräumlichkeiten in Z./VD gemietet, wo insbesondere die Kundengesprä-

che geführt worden seien. Der Umstand, dass G. in einer Befragung gesagt 

habe, die Mitarbeitenden könnten auch an ihrem Wohnort gearbeitet haben, 

reiche als Anknüpfungspunkt nicht aus. Für einen Tatort im Kanton Neuen-

burg gebe es keine objektiven Anhaltspunkte. Art. 32 Abs. 1 StPO biete 

keine Grundlage für einen Gerichtsstand im Kanton Neuenburg, da B. im 

Zeitpunkt der Strafanzeige bereits keinen Wohnsitz mehr im Kanton gehabt 

habe. 

 

 

- 7 - 

 

 

3. Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-

dachtslage. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten letztlich nachge-

wiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der Unter-

suchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als haltlos 

oder als sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand bestimmt sich also nicht 

nach dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was ihm vorge-

worfen wird, das heisst, was aufgrund der Aktenlage überhaupt in Frage 

kommt. Dabei stützt sich die Beschwerdekammer auf Fakten, nicht auf Hy-

pothesen. Es gilt der Grundsatz in dubio pro duriore, wonach im Zweifelsfall 

auf den für den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt abzustellen bzw. 

das schwerere Delikt anzunehmen ist (TPF 2021 167 E. 3.2.3; 2019 82 

E. 2.4; 2019 52 E. 2.1; 2019 28 E. 2.2; jeweils m.w.H.). 

 

 

4. Ist eine Straftat von mehreren Mittäterinnen oder Mittätern verübt worden, so 

sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlun-

gen vorgenommen worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO). Hat eine beschuldigte 

Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die 

Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zu-

ständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen wor-

den ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des Ortes zuständig, an 

dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 34 

Abs. 1 StPO). Begehen mehrere Beschuldigte zusammen in verschiedenen 

Kantonen mehrere Delikte, so sind Art. 33 Abs. 2 und Art. 34 Abs. 1 StPO 

so miteinander zu kombinieren, dass in der Regel alle Mitwirkenden an dem 

Orte verfolgt werden, wo von einem Mittäter die mit der schwersten Strafe 

bedrohte Tat verübt worden ist. Bei gleich schweren Strafdrohungen be-

stimmt sich der Gerichtsstand für alle Beteiligten nach dem Ort, wo zuerst 

Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (TPF 2022 146 E. 2.1 

m.w.H.). 

 

 

5.  

5.1 In Bezug auf die Strafanzeige vom 11. Dezember 2023 legt der Gesuchstel-

ler den beschuldigten Personen (als mit schwerster Strafe bedrohte Taten) 

Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB) und Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) 

zur Last, wobei von Mittäterschaft ausgegangen wird. Insoweit kann dem 

Gesuchsteller gefolgt werden. 

 

Nicht gefolgt werden kann dem Gesuchsteller, wonach die angezeigte Be-

trugshandlung in Form von Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsa-

chen oder dem Bestimmen zu einem Verhalten unter Ausnützung eines 

- 8 - 

 

 

Irrtums in den Kundengesprächen in den Büros in Z./VD begonnen habe, 

indem die Beschuldigten die Versicherungsnehmer falsch informiert und ge-

täuscht hätten, um einen Vertragsabschluss zu erreichen. 

 

Der Gesuchsteller übergeht, dass gemäss Strafanzeige vom 11. Dezember 

2023 den beschuldigten Personen – deren Aufgabe darin bestanden habe, 

Finanz- und Versicherungslösungen zu vermitteln – hauptsächlich vorgewor-

fen wird, auf Versicherungsanträgen Unterschriften (scheinbarer) Kunden 

gefälscht und jeweils die erste Versicherungsprämie einbezahlt zu haben, 

damit die A. AG den beschuldigten Personen für die (scheinbaren) Vertrags-

abschlüsse Provisionen auszahlte. Die (scheinbaren) Kunden hätten erst 

nach mehreren Monaten gemerkt, dass die Verträge gefälscht gewesen 

seien, als sie Mahnungen für die weiteren Prämien erhalten hätten. Dabei 

sei der A. AG ein Schaden von mindestens Fr. 300'000.– entstanden (Akten 

StA SG, S/1). Zu Vertragsabschlüssen soll es gerade nicht gekommen sein. 

Anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 19. Juni 2024 sprach der 

Anzeigeerstatter von «Fake-Verträgen». Die Unterlagen (Anträge und Bera-

tungsprotokolle) seien von den beschuldigten Personen per Post oder online 

(«Schnittstelle») zur A. AG gelangt (Akten StA SG, S/2 S. 3 und 5). Die be-

schuldigten Personen sollen mithin den Anzeigeerstatter irregeführt und ihn 

so zur Auszahlung von Provisionen bestimmt haben, wodurch dieser die 

A. AG am Vermögen geschädigt haben soll. 

 

Angesichts der Aussagen des Anzeigeerstatters anlässlich dessen Einver-

nahme vom 19. Juni 2024 ist derzeit zwar nicht auszuschliessen, dass es 

auch zur Täuschung von Kunden gekommen sein könnte. So hat der Anzei-

geerstatter ausgesagt, er nehme an, dass der eine vorgelegte Versiche-

rungsvertrag vom Kunden unterzeichnet worden sei und der Vertrag korrekt 

sei. Es gebe noch andere Verträge – gemeint sind wohl solche, die korrekt 

seien. Er vermute, B. habe diese Personen angelogen. Als er den Kunden 

angerufen habe, hätten sie von den Verträgen gewusst, jedoch hätten sie 

immer zurücktreten wollen (Akten StA SG, S/2 S. 5). Unklar bleibt, von wie 

vielen der mit der Strafanzeige eingereichten Verträgen der Anzeigeerstatter 

sprach. Klar ist, dass die Strafanzeige eingereicht wurde, weil die beschul-

digten Personen den Anzeigeerstatter getäuscht und ihn so zu die A. AG 

schädigenden Vermögensverfügungen bestimmt haben sollen. Entspre-

chend wurde beantragt, «dem Anzeigeerstatter und Geschädigten die Stel-

lung als Privatkläger einzuräumen». 

 

5.2 Ein Betrug gilt als dort verübt, wo der Täter jemanden durch Vorspiegelung 

oder Unterdrückung von Tatsachen zu einem Verhalten bestimmt, das den 

sich Irrenden oder einen Dritten am Vermögen schädigt (Urteil des 

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Bundesgerichts 6B_127/2013 vom 3. September 2013 E. 4.2.2 mit Hinwei-

sen). Ausführungshandlung des Betrugs ist jede Tätigkeit, die nicht blosse 

Vorbereitungshandlung ist, d.h. die nach dem Plan des Betrügers auf dem 

Weg zum Erfolg den entscheidenden Schritt bildet, von dem es in der Regel 

kein von äusseren Schwierigkeiten unbeeinflusstes Zurück mehr gibt 

(SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 106 mit Hinweisen; siehe den Beschluss des 

Bundesstrafgerichts BG.2021.17 vom 16. Juni 2021 E. 2.4.3). Gemäss bun-

desgerichtlicher Rechtsprechung ist Betrug ein Erfolgsdelikt mit einem dop-

pelten Erfolg (kupiertes Erfolgsdelikt). Der Erfolg kann sowohl am Ort eintre-

ten, wo die Entreicherung bzw. die beabsichtigte Bereicherung eingetreten 

ist, wie auch am Ort, wo die Täuschung oder die Vermögensdisposition statt-

gefunden haben (Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2021.17 vom 

16. Juni 2021 E. 2.4.4 mit Hinweisen). In gerichtsstandsrechtlicher Hinsicht 

ist primär der Handlungsort massgebend, während dem Ort des Erfolgsein-

tritts lediglich subsidiäre Bedeutung zukommt (TPF 2024 103 E. 4.3.1; 2022 

154 E. 3.2; 2022 140 E. 2.2). 

 

Bei schriftlichen Täuschungshandlungen liegt der Ausführungsort dort, wo 

der Täter die Schrift geschrieben und versandt hat (Urteil des Bundesge-

richts 6B_127/2013 vom 3. September 2013 E. 4.2.2; SCHWERI/BÄNZIGER, 

a.a.O., N. 77). Bei Begehung mittels E-Mail befindet sich der Gerichtsstand 

dort, wo der Täter gehandelt hat, d.h. die Meldung verfasst und versandt hat 

(SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 78; vgl. zum Ganzen Beschluss des Bun-

desstrafgerichts BG.2020.3 vom 27. Februar 2020 E. 4.5.1). 

 

Der Tatbestand der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 

StGB gilt an dem Ort ausgeführt, wo die Urkunde gefälscht, somit geschrie-

ben und unterzeichnet wird. Eine Urkunde wird dort nach Art. 251 Ziff. 1 

Abs. 3 StGB zur Täuschung gebraucht, wo sie der geschädigten Person zu-

gänglich gemacht wird (BAUMGARTNER, Die Zuständigkeit im Strafverfahren, 

2014, S. 137). Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Gebrauch einer fal-

schen Urkunde durch den Hersteller eine mitbestrafte Nachtat darstellt (BGE 

100 IV 238 E. 5; vgl. zum Ganzen Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BG.2019.1 vom 26. März 2019 E. 3.3). 

 

5.3 Vorliegend ist der mutmassliche Ausführungsort der Täuschungshandlun-

gen gestützt auf die aktuelle Aktenlage nicht bestimmbar. Er könnte – hypo-

thetisch – in Z./VD, Y./VD, an den Wohnorten der beschuldigten Personen, 

aber auch sonst wo liegen. Konkretisieren lässt sich dies derzeit nicht. 

Ebenso wenig lässt sich der mutmassliche Ausführungsort der Urkundenfäl-

schungen gestützt auf die aktuelle Aktenlage bestimmen. Versagt der Aus-

führungsort als gerichtsstandsbegründendes Merkmal, ist auf den 

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mutmasslichen Ort des Erfolgseintritts abzustellen (vgl. BAUMGARTNER, 

a.a.O., S. 85 mit Hinweis auf Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2006.4 

vom 13. März 2006 E. 2; SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 95 f.). 

 

Gestützt auf die aktuelle Aktenlage ergeben sich konkrete Anhaltspunkte auf 

den Ort, wo der Anzeigeerstatter irregeführt und in der Folge Vermögensdis-

positionen zum Schaden den A. AG vorgenommen haben soll. Anlässlich 

seiner Einvernahme erwähnte der Anzeigeerstatter mehrfach V./SG als sei-

nen Arbeitsort. So seien im Oktober und November [2023] alle [beschuldig-

ten Personen] zusammen nach V./SG gekommen (Akten StA SG, S/2 

S. 2 f.). Auch habe er einmal in V./SG im September oder Oktober [2023] ein 

Schreiben unterzeichnet, das ihm von B. zugestellt worden sei (Akten StA 

SG, S/2 S. 3). Nach seinen Ferien seien sie [die beschuldigten Personen] 

Anfang November [2023] zu fünft nach V./SG gekommen (Akten StA SG, 

S/2 S. 3). Die A. AG habe insbesondere über Büroräumlichkeiten in V./SG 

verfügt (Akten StA SG, S/2 S. 3). Schliesslich wurde gemäss Angaben in der 

Strafanzeige vom 11. Dezember 2023 dieselbe in V./SG, Ort der Zweignie-

derlassung der A. AG, verfasst (Akten StA SG, S/1). Derzeit ist daher davon 

auszugehen, dass ein Ort des Erfolgseintritts in V./SG liegt. Damit besteht – 

entgegen der Ansicht des Gesuchstellers – ein Anknüpfungspunkt im Kanton 

St. Gallen. Die ersten Verfolgungshandlungen erfolgten im Kanton St. Gal-

len. 

 

5.4 Keiner der beschuldigten Personen werden weitere Straftaten zur Last ge-

legt, die mit schwerer Strafe bedroht wären. Frühere Verfolgungshandlungen 

wegen Straftaten mit gleich schweren Strafdrohungen sind nicht ersichtlich. 

 

 

6. Nach dem Gesagten liegt der gesetzliche Gerichtsstand betreffend die den 

beschuldigten Personen zur Last gelegten Straftaten im Kanton St. Gallen. 

Triftige Gründe im Sinne von Art. 40 Abs. 3 StPO, die ein Abweichen vom 

gesetzlichen Gerichtsstand gebieterisch aufdrängen würden, werden nicht 

geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. Entsprechend ist das Ge-

such abzuweisen und es sind die Strafbehörden des Kantons St. Gallen für 

berechtigt und verpflichtet zu erklären, die den beschuldigten Personen zur 

Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

 

7. Praxisgemäss ist bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten keine Ge-

richtsgebühr zu erheben (TPF 2023 130 E. 5.1). 

 

- 11 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafbehörden des Kantons St. Gallen sind berechtigt und verpflichtet, die 

B., C., D., E. und F. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurtei-

len. 

 

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 

 

Bellinzona, 12. August 2025 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Gossau 

- Ministère public central du Canton de Vaud, Cellule For-Entraide 

- Ministère public du Canton de Neuchâtel 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.