# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 37d5c93b-59ea-55eb-a914-c9de7f06e1a5
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-02
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 02.11.2022 S2 22 14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_S2-22-14_2022-11-02.pdf

## Full Text

S2 22 14 

 

 

URTEIL VOM 2. NOVEMBER 2022 

 

Kantonsgericht Wallis 

Sozialversicherungsrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Dr. Thierry Schnyder, Präsident; Candido Prada und Thomas Brunner, 

Kantonsrichter; Renata Kreuzer, Gerichtsschreiberin 

 

in Sachen 

 

X _________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Nicolas Kuonen, 

3930 Visp 

 

gegen 

 

 

MUTUEL KRANKENVERSICHERUNG AG, 1919 Martigny, Beschwerdegegnerin  

 

 

(Krankentaggeld KVG) 

Beschwerde gegen den Entscheid vom 30. Dezember 2021 

  

- 2 - 

 

Sachverhalt 

A. 

Die 1978 geborene Beschwerdeführerin war seit dem 1. September 2017 bei ihrer  

Arbeitgeberin angestellt und über den Kollektiv-Krankentaggeldvertrag nach KVG bei 

der Mutuel Krankenversicherung AG (fortan: Mutuel, Versicherung oder Beschwerde-

gegnerin) versichert (90% des Lohnes für 730 Tage innerhalb von 900 Tagen, nach einer 

Wartefrist von 60 Tagen). Die Arbeitgeberin melde der Versicherung am 27. November 

2020 eine Arbeitsunfähigkeit ab dem 2. November 2020. Nachdem diese aufgrund einer 

schwergradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (F32.21) und eines Er-

schöpfungssyndroms (Z73.0) persistierte und vom 21. April 2021 bis zum 28. Mai 2021 

zu einem stationären Spitalaufenthalt führte (Dossier Mutuel Dok. 17), gab die Mutuel 

ein medizinisches Gutachten in Auftrag. Dr. A _________, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie FMH, untersuchte die Beschwerdeführerin am 5. Juli 2021 und erstat-

tete sein Gutachten am 4. August 2021 (a.a.O. Dok. 22). Dr. A _________ stellte die 

Diagnose einer depressiven Episode (F32), aktuell in guter Besserung bis Teilremission. 

Es sei nachvollziehbar, dass die Versicherte ab 2020 unter zunehmender beruflicher 

Belastung gestanden habe und zugleich die Freizeitaktivitäten – auch aufgrund von 

Corona – eingeschränkt worden seien, was zu einer «Work-Life-Dysbalance» und zu 

einem Burn-out geführt habe. Ab Oktober/November 2020 habe sich eine depressive 

Symptomatik manifestiert und im April 2021 sei wegen Suizidalität sogar eine stationäre 

Behandlung notwendig geworden. Hierzu sei anzumerken, dass die im Herbst 2020 ver-

ordnete Medikation nie eine Anpassung erfahren habe, was aus gutachterlicher Sicht 

fragwürdig sei. Durch eine Überprüfung der Pharmakotherapie im Hinblick auf Wirksam-

keit/unerwünschte Wirkungen könnten für die Zukunft mehr Stabilität und eine vollstän-

dige Remission erreicht werden. Von November 2020 bis Ende Juli 2021 liege eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Danach sei die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit 

möglich, zumutbar und sinnvoll. Ab dem 1. September 2021 sei aus versicherungspsy-

chiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitstätigkeit möglich. Die Versicherte sollte dabei an 

fünf Tagen pro Woche jeweils vormittags arbeiten und nachmittags Aktivitäten im Frei-

zeitbereich oder soziale Kontakte erleben. Die bisherige Tätigkeit sei geeignet, Pflich-

tenheft und Arbeitszeit müssten aber klar geregelt sein. Zu Beginn wäre eine psycholo-

gisch-psychotherapeutische Unterstützung und die Begleitung durch ein case-manage-

ment der Taggeldversicherung oder ein Jobcoaching der Invalidenversicherung hilfreich. 

- 3 - 

Ab dem 1. November 2021 könne theoretisch wieder von einer 100%igen Arbeitsfähig-

keit ausgegangen werden. 

B. 

Mit Verfügung vom 13. August 2021 teilte die Mutuel der Beschwerdeführerin mit, die 

Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit sei ab dem 1. September 2021 zu 50% 

und ab dem 1. Dezember 2021 zu 100% möglich. Demzufolge würden die Leistungen 

ab dem 1. September 2021 zu 50% erbracht und per 30. November 2021 eingestellt. Die 

Beschwerdeführerin erhob am 25. August 2021 Einsprache. Sie wies darauf hin, dass 

am 4. August 2021 ein Belastbarkeitstraining der IV mit 2 Stunden Arbeit pro Tag in 

geschütztem Rahmen und mit therapeutischer Begleitung begonnen habe. Ziel sei es, 

die Präsenzzeit nach Möglichkeit zu steigern. Die Massnahme daure bis mindestens am 

2. Oktober 2021. Mit Entscheid vom 30. Dezember 2021 wies die Mutuel die Einsprache 

mit Verweis auf das Gutachten von Dr. A _________ ab. Den Taggeldanspruch  

bestätigte sie bis zum 31. Oktober 2021 zu 100% und danach bis zum 30. November 

2021 zu 50%. 

C. 

Dagegen wurde am 1. Februar 2022 Beschwerde bei der Sozialversicherungsrechtli-

chen Abteilung des Kantonsgerichts Wallis erhoben. Die Beschwerdeführerin beantragte 

die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Zusprache der Taggeldentschä-

digung zu 100% für die Zeit vom 1. November 2021 mindestens bis zum 31. Januar 

2022, eventuell länger. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die 

Versicherung zurückzuweisen. Allenfalls sei es angebracht, ein externes, unabhängiges 

Gutachten einzuholen. Der Beschwerdeführerin seien die Akten der Mutuel bis dato nicht 

zugestellt worden. Weder das Gutachten von Dr. A _________ noch die Fragen, die 

diesem gestellt worden seien, habe sie je gesehen und sie habe auch keine eigenen 

Fragen stellen können. Unter diesen Umständen sei es nicht möglich gewesen, eine 

umfassend begründete Einsprache bzw. Beschwerde einzureichen. Damit sei der  

Beschwerdeführerin das Akteneinsichtsrecht verwehrt und der Anspruch auf rechtliches 

Gehör verletzt worden. Die Beschwerdeführerin reichte als Beweismittel unter anderem 

einen ärztlichen Bericht ihres behandelnden Psychotherapeuten vom 10. Januar 2022 

ein, in dem eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bis Ende Januar 2022 und eine darüber 

hinaus fortdauernde arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit postuliert wurde. Im  

Gutachten von Dr. A _________ 2021 sei eine arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit 

gar nicht in Betracht gezogen worden. 

- 4 - 

Mit Vernehmlassung vom 7. April 2022 beantragte die Mutuel die Abweisung der  

Beschwerde. Sie stützte sich dabei auf das Gutachten von Dr. A _________, das mit 

den Ausführungen der behandelnden Psychotherapeuten übereinstimme und den An-

forderungen der Rechtsprechung genüge. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liege 

nicht vor. Der Beschwerdeführerin wäre jederzeit Akteneinsicht – selbstverständliche 

auch in das Gutachten von Dr. A _________ – gewährt worden, wenn sie dies verlangt 

hätte, was indessen erst am 13. Januar 2022 geschehen sei. Aufgrund von mehreren 

krankheitsbedingten Abwesenheiten seien die Akten erst am 1. Februar 2022 versandt 

worden. Bei Dr. A _________ handle es sich um einen von der Mutuel wirtschaftlich 

unabhängigen, externen Gutachter. Die Beschwerdeführerin nenne keine sachlichen 

Gründe, welche die Qualität des Gutachtens in Frage stellen würden. Selbst wenn die 

Versicherte nicht an ihrem angestammten Arbeitsplatz hätte weiterarbeiten können – 

wofür es keine Anzeichen gebe – hätte sie seit Erhalt der Verfügung vom 13. August 

2021 viereinhalb Monate Zeit gehabt, das Arbeitsverhältnis aufzulösen oder die Bedin-

gungen für eine Weiterbeschäftigung auszuhandeln. Im Falle einer Kündigung wäre die 

Arbeitslosenversicherung zuständig gewesen, um eine Einkommenslücke zu vermeiden. 

Die Beschwerdeführerin replizierte am 15. Juni 2022. Sie bestritt weiterhin die Unabhän-

gigkeit der Begutachtung. Zudem seien ihre Verfahrens- bzw. Mitwirkungsrechte miss-

achtet worden. Der Gutachter habe sich nicht mit der arbeitsplatzbezogenen Arbeitsun-

fähigkeit auseinandergesetzt. Die Einschätzungen der behandelnden Ärzte dürften nicht 

unberücksichtigt bleiben. Diese seien aktueller als die Begutachtung und berücksichtig-

ten den Krankheitsverlauf der letzten Monate. Das Gutachten hingegen erweise sich 

rückblickend als unzutreffend und falsch, es sei sachverhaltsmässig lückenhaft. 

Die Mutuel reichte ihre Duplik am 22. August 2022 ein. Die Partizipationsrechte gemäss 

Art. 44 ATSG seien der Beschwerdeführerin gewährt worden. Mit Schreiben vom 16. 

Juni 2021 habe sie Gelegenheit erhalten, sich zur Person des Begutachtenden und zum 

Fragenkatalog zu äussern. Falls die Partizipationsrechte nicht in genügender Weise ge-

währt worden wären, wäre das Gutachten zumindest als versicherungsinterne medizini-

sche Stellungnahme zu berücksichtigen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin 

habe der Gutachter in Ziffer 6 seines Berichtes zur Situation am Arbeitsplatz Stellung 

genommen und diese als Belastungsfaktor anerkannt. Die Beschwerdeführerin habe kei-

nen ärztlichen Bericht eingereicht, der ihre fortdauernde Arbeitsunfähigkeit über den  

1. Dezember 2021 hinaus belegen würde. Es seien lediglich Arbeitsunfähigkeitszeug-

nisse der behandelnden Ärzte vorhanden. 

- 5 - 

Auf weitere Vorbringen wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegan-

gen. 

 

Erwägungen 

1. 

Die versicherte Person hat ihren Wohnsitz in Brig, mithin im Kanton Wallis. Die sachliche 

und örtliche Zuständigkeit der angerufenen Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung 

des Kantonsgerichts ist somit gegeben (Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 [ATSG], Art. 7 

Abs. 2 des Gesetzes über die Rechtspflege vom 11. Februar 2009 [RPflG], Art. 1 Abs. 2 

des Verfahrensreglements vom 2. Oktober 2001 [RVG] und Art. 81a des Gesetzes über 

das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungsrechtspflege vom 6. Oktober 1976 

[VVRG]). Die Beschwerdeführerin ist vom angefochtenen Entscheid berührt und hat ein 

schützwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur  

Beschwerde legitimiert (Art. 59  ATSG). Auf die form- (Art. 61 lit. b ATSG) und fristge-

recht (Art. 60 ATSG) eingereichte Beschwerde kann eingetreten werden. 

2. 

2.1  Die Beschwerdeinstanz hat nicht zu prüfen, ob sich der angefochtene Entscheid 

unter schlechthin allen in Frage kommenden Aspekten als korrekt erweist, sondern im 

Prinzip nur die vorgebrachten Beanstandungen zu untersuchen (Rügeprinzip). Von den 

Verfahrensbeteiligten nicht aufgeworfene Rechtsfragen werden von der Beschwer-

deinstanz nur geprüft, wenn dazu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus 

den Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichend Anlass besteht (BGE 119 V 347 E. 

1a). 

2.2  Unbestritten ist, dass X _________ über die Kollektiv-Krankentaggeldversicherung 

ihrer Arbeitgeberin der Mutuel angeschlossen ist. Streitig und zu prüfen ist, ob die Mutuel 

die Leistungen aus der Taggeldversicherung nach KVG zu Recht per 31. Oktober auf 

50% reduziert und per 30. November 2021 ganz eingestellt hat. 

3. 

3.1  Bei dem streitigen Taggeld handelt es sich um ein Krankentaggeld im Sinne von Art. 

67 ff. KVG. Die freiwillige Taggeldversicherung nach Art. 67 ff. KVG bezweckt die  

- 6 - 

Deckung des Erwerbsausfalls infolge von Krankheit, Unfall oder Mutterschaft; sie ist also 

eine reine Erwerbsausfallversicherung (BBl 1992 I S. 138), wobei das KVG nur die tra-

genden Eckpfeiler setzt. Alles Übrige kann in Versicherungsbedingungen oder in Ver-

einbarungen zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer (bzw. deren Verbänden) 

vereinbart werden (Alfred Maurer, Das neue Krankenversicherungsrecht, Basel und 

Frankfurt am Main 1996, S. 108). 

3.2  Für den Anspruch auf Taggelder reicht das Bestehen einer Versicherungsdeckung 

allein nicht aus, die versicherte Person muss bei Arbeitsunfähigkeit auch eine entspre-

chende krankheits- oder unfallbedingte finanzielle Einbusse ausweisen. Der entgangene 

Verdienst beurteilt sich nach der krankheits- oder unfallbedingten Erwerbseinbusse wäh-

rend der Arbeitsunfähigkeitsperiode, für die Taggeld beansprucht wird. Das Taggeld wird 

proportional zum Grad der Unfähigkeit, die mindestens 25% betragen muss, ausgerich-

tet (Art. 12 der Allgemeinen Bedingungen der Kollektiv-Taggeldversicherung nach KVG 

(AVB) der Mutuel). Der Grad der Arbeitsunfähigkeit ist unter Berücksichtigung des bis-

herigen Berufes festzusetzen, solange von der versicherten Person im Rahmen der ihr 

obliegenden Schadenminderungspflicht vernünftigerweise nicht verlangt werden kann, 

ihre restliche Arbeitsfähigkeit in einem anderen Berufszweig zu verwerten (Art. 6 ATSG). 

3.3  Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind Verwaltung und Richter auf die Angaben 

von Ärzten angewiesen. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen 

(Befunderhebung, Diagnosestellung) und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang 

und bezüglich welcher Tätigkeiten der Versicherte arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Aus-

künfte bilden eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleis-

tungen dem Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4, 115 V 

134 E. 2). 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht 

für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch 

die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge-

geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der  

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen be-

gründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Einem diese 

Voraussetzungen entsprechendem Bericht kommt volle Beweiskraft zu. 

Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spe-

zialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie 

nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu 

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schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen 

(BGE 125 V 351 E. 3b/bb; Urteil 9C_278/2016 vom 22. Juli 2016 E. 3.2.2). Werden bei 

deren Anordnung Beteiligungsrechte der versicherten Person (vgl. insbesondere BGE 

137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258; 139 V 349 E. 5.4 S. 357) verletzt, so machen bereits relativ 

geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Expertise eine neue Begut-

achtung erforderlich (BGE 139 V 99 E. 2.3.2). 

4. 

Es gibt vorliegend keine Anhaltspunkte dafür, dass Dr. A _________ Angestellter oder 

Vertrauensarzt der Mutuel sein sollte. Zu prüfen bleibt, ob seine Beurteilung die Anfor-

derungen an ein Gutachten eines externen Spezialisten erfüllt und damit eine erhöhte 

Beweiskraft geniesst, d.h., ob es unter Einhaltung der rechtsstaatlichen Verfahrens-

grundsätze und der Beteiligungsrechte der Beschwerdeführerin zustande gekommen ist 

(BGE 139 V 349 und 137 V 210). Der Beschwerdeführerin wurde mit Schreiben vom  

16. Juni 2021 (Dossier Mutuel Dok. 20) Frist angesetzt, um Bemerkungen zum ausge-

wählten Arzt oder zu den gestellten Fragen zu machen. Sie erhielt aber nicht explizit 

Gelegenheit, Zusatzfragen zu stellen. Sobald das Gutachten vorlag, stellte der Vertrau-

ensarzt der Mutuel eine Zusatzfrage (a.a.O. Dok. 23), der Beschwerdeführerin wurde 

das Gutachten nicht zur Kenntnis gebracht und sie hatte mithin keine Möglichkeit, ihrer-

seits Zusatzfragen zu stellen. 

Wenn die Mitwirkungsrechte nicht von Beginn weg durchgesetzt werden können, so 

kann hieraus ein nicht wiedergutzumachender Nachteil entstehen, der im Beschwerde-

verfahren nicht geheilt werden kann, da kein Anspruch auf Einholung eines Gerichtsgut-

achtens besteht (BGE 137 V 210 E. 3.4.2). Vorliegend besteht eine erhebliche Verlet-

zung der Kooperationsmöglichkeiten der Betroffenen. Bereits aus diesem Grund ist die 

Beschwerde gutzuheissen und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, 

damit sie die notwendigen medizinischen Abklärungen trifft und gestützt darauf neu  

entscheidet. Falls ein erneutes Gutachten in Auftrag gegeben werden sollte, ist die  

Beschwerdegegnerin angehalten, auf dessen Unabhängigkeit zu achten und die bun-

desgerichtlichen Vorgaben zum rechtlichen Gehör (z.B. Mitwirkung bei der Ernennung 

des Gutachters; Meldung und Akteneinsicht sämtlicher ins Dossier aufgenommener  

Unterlagen; Möglichkeit von Ergänzungsfragen; Recht auf abschliessende Vernehmlas-

sung) einzuhalten. 

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Da das Gutachten von Dr. A _________ die Anforderungen der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung an eine externe Expertise nicht erfüllt, genügen bereits relativ geringe 

Zweifel, um seine Beweiskraft einzuschränken (Bundesgerichtsurteil 8C_112/2019 vom 

30. April 2019 E. 4.5).  

5. 

5.1  In casu teilte die Mutuel der Beschwerdeführerin mit, ab dem 1. November 2021 

habe eine 50%ige und ab dem 1. Dezember 2021 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit in 

der angestammten Tätigkeit bestanden. Dabei stützte sich die Versicherung auf die  

Beurteilung ihres Vertrauensarztes, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die 

dieser nach der Einholung des Gutachtens von Dr. A _________ abgegeben hatte. Im 

Gutachten wurde die Diagnose einer depressiven Episode (F32), aktuell in guter Besse-

rung bis Teilremission gestellt. Eine Wideraufnahme der bisherigen Arbeitstätigkeit 

wurde als geeignet betrachtet. Bei klar geregelter Arbeitszeit und eingehaltenem Pflich-

tenheft wurde ab dem 1. September 2021 eine 50%ige und ab November 2021 eine volle 

Arbeitsfähigkeit attestiert. Der Gutachter empfahl zu Beginn eine psychologisch-psycho-

therapeutische Unterstützung und die Begleitung durch ein case-management der Tag-

geldversicherung. Die Untersuchung der Beschwerdeführerin durch Dr. A _________ 

hatte am 5. Juli 2021 stattgefunden. 

5.2  Die Beschwerdeführerin reichte Berichte ihrer behandelnden Therapeuten zu den 

Akten. Aus dem Austrittsbericht nach der tagesklinischen Behandlung vom 31. Mai 2021 

bis zum 30. Juli 2021 (Beschwerdebeilage 12) ergaben sich die Diagnosen einer rezidi-

vierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem 

Syndrom F33.11 und der Verdacht auf eine histrionische Persönlichkeitsakzentuierung 

F60.4. Nachdem die Patientin mitgeteilt habe, dass sie nicht mehr an ihren bisherigen 

Arbeitsplatz zurückkehren wolle, sei das entsprechende Therapieziel auf ihren Wunsch 

aus den tagesklinischen Aufenthaltszielen entfernt worden. Es wurde eine 100%ige  

Arbeitsunfähigkeit bis zum 31. Juli 2021 attestiert. Gemäss dem ärztlichen Bericht vom  

10. Januar 2022 (Beschwerdebeilage 10) hatte sich die depressive Störung seit Juli 2021 

auf ein leichtgradiges Mass reduziert. Noch immer sei die Patientin aber reduziert be-

lastbar, phasenweise niedergeschlagen, äussere Selbstzweifel, beschreibe Hilflosig-

keitsgefühle und sei gedanklich eingeengt auf die unklaren beruflichen Zukunftsperspek-

tiven. Es wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 30. Dezember 2020 bis zum  

31. Januar 2022 attestiert. Prognostisch wurde eine Wiedererlangung der vollen Arbeits-

fähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt erwartet. Eine Rückkehr an den bisherigen Arbeits-

platz sei zu Beginn der Behandlung das Ziel gewesen, inzwischen aber nicht mehr  

- 9 - 

erreichbar. Die Arbeitsunfähigkeit für den letzten Arbeitsplatz bleibe dementsprechend 

unvermindert bestehen. 

5.3  In den Akten der Mutuel befinden sich in medizinischer Hinsicht der Austrittsbericht 

nach dem stationären Spitalaufenthalt vom 21. April 2021 bis zum 28. Mai 2021 (Dossier 

Mutuel Dok. 17), die beiden Stellungnahmen des Vertrauensarztes und das Gutachten 

von Dr. A _________, das dieser nach der Untersuchung vom 5. Juli 2021 erstattete. Im 

Einspracheverfahren ging die Mitteilung der IV-Stelle Wallis über Frühinterventions-

massnahmen in Form eines Belastbarkeitstrainings bei der Mutuel ein (a.a.O. Dok. 29). 

Ziel der Massnahme, die vom 11. Oktober 2021 bis zum 31. Oktober 2021 durchgeführt 

werden sollte, war unter anderem die Steigerung der Präsenzzeit über anfänglich  

2 Stunden pro Tag an 5 Tagen pro Woche. 

Trotz dieser widersprüchlichen Informationen erachtete es die Mutuel zu keinem Zeit-

punkt als geboten, weitere Abklärungen in die Wege zu leiten oder einen aktuellen Arzt-

bericht einzuholen. Sie ist der ihr obliegenden Untersuchungspflicht damit in ungenü-

gender Weise nachgekommen. Dem Gutachten von Dr. A _________ kommt keine  

erhöhte Beweiskraft zu, es steht im Widerspruch zu den recht ausführlichen Berichten 

der behandelnden Ärzte und Therapeuten, die von Seiten der Versicherung nie eingeholt 

und damit auch nicht berücksichtigt wurden. Für das erkennende Gericht ist es nicht 

möglich, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der fraglichen Zeit zwischen dem 

1. November 2021 und dem 31. Januar 2022 zu beurteilen. 

5.4  Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen und die Sache zur Vornahme der 

notwendigen medizinischen Abklärungen und gestützt darauf zu einem neuen Entscheid 

an die Mutuel zurückzuweisen.  

6. 

6.1  Das Verfahren ist, von hier nicht massgebenden Ausnahmen abgesehen, kostenlos. 

6.2  Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch 

auf Parteientschädigung, die das Gericht unter Würdigung der Bedeutung und Schwie-

rigkeit der Streitsache, des Umstandes, des Umfangs der Arbeitsleistung sowie der 

durch den Rechtstreit entstandenen Auslagen auf CHF 1’800 (inkl. Auslagen und Mehr-

wertsteuer) festsetzt (Art. 61 lit. g ATSG; Art. 4 GTar). 

 

Demnach wird erkannt 

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1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der 

Erwägungen an die Mutuel Krankenversicherung AG zurückgewiesen. 

2. Die Mutuel Krankenversicherung AG wird ermahnt, dass sie zukünftig bei der Ein-

holung von medizinischen Gutachten die bundesgerichtlichen Vorgaben betreffend 

die Mitwirkungsrechte der betroffenen Person einhält. 

3. Es werden keine Kosten erhoben. 

4. Die Mutuel Krankenversicherung AG bezahlt der Beschwerdeführerin eine Partei-

entschädigung in der Höhe von CHF 1’800 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer). 

Sitten, 2. November 2022