# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4d74d1a0-99ef-59e1-8865-7d7d49e6dd3a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.06.2024 F-3010/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3010-2021_2024-06-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3010/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  J u n i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Sebastian Kempe (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richterin Regula Schenker Senn, 

Gerichtsschreiberin Aisha Luisoni. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

vertreten durch Derya Özgül, AD Consultancy, 

Beschwerdeführer, 

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Vorinstanz. 

  
 

 
 

Gegenstand 
 Reiseausweis für Flüchtlinge; 

Verfügung des SEM vom 28. Mai 2021. 

 

 

 

F-3010/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer (geb. 1988) ist türkischer Staatsangehöriger kurdi-

scher Ethnie. Im Jahr 2017 gelangte er in die Schweiz und ersuchte um 

Asyl. Am 4. Dezember 2020 lehnte die Vorinstanz sein Asylgesuch ab und 

wies ihn aus der Schweiz weg. Aufgrund exilpolitischer Aktivitäten nach 

seiner Ausreise aus der Türkei wurde er jedoch als Flüchtling anerkannt 

und als solcher wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig 

aufgenommen (Akten des SEM betr. Asylverfahren [SEM-1-act] A58). 

B.  

B.a Am 9. Dezember 2020 ersuchte der Beschwerdeführer die Vorinstanz 

um Ausstellung eines Reiseausweises für Flüchtlinge (Akten des SEM betr. 

Reisedokument [SEM-2-act] 1). 

B.b Mit Schreiben vom 2. Februar 2021 teilte die Vorinstanz dem Be-

schwerdeführer mit, dass sein Gesuch zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab-

gelehnt werden müsse. Ein neuer Antrag könne frühestens in 12 Monaten 

gestellt werden. Der Beschwerdeführer wurde darauf hingewiesen, dass er 

innerhalb der ihm gesetzten Frist eine beschwerdefähige Verfügung ver-

langen könne, ansonsten sein Gesuch als gegenstandslos abgeschrieben 

werde (SEM-2-act. 3). 

B.c Mit Eingabe vom 2. März 2021 und Erinnerungsschreiben vom 3. Mai 

2021 verlangte der Beschwerdeführer den Erlass einer beschwerdefähigen 

Verfügung (SEM-2-act. 4, 5). 

B.d Mit Verfügung vom 28. Mai 2021 lehnte die Vorinstanz das Gesuch des 

Beschwerdeführers um Ausstellung eines Reiseausweises für Flüchtlinge 

ab (SEM-2-act. 6). 

C.  

Gegen die vorgenannte Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 

29. Juni 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. In der Sache 

beantragte er deren Aufhebung und die Ausstellung eines Reiseausweises 

für Flüchtlinge. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer 

um unentgeltliche Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG und Bestel-

lung seiner Rechtsvertreterin zur unentgeltlichen Rechtsbeiständin nach 

Art. 65 Abs. 2 VwVG (Akten des BVGer [Rek-act] 1). 

F-3010/2021 

Seite 3 

D.  

Mit Zwischenverfügungen vom 27. Juli 2021 und 19. August 2021 wurde 

dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung nach Art. 65 

Abs. 1 VwVG gewährt. Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeistän-

dung durch seine Rechtsvertreterin nach Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde hin-

gegen abgewiesen (Rek-act. 3, 5). 

E.  

Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 3. September 

2021 die Abweisung der Beschwerde (Rek-act. 6). 

F.  

Per 1. März 2023 hat der vorsitzende Richter das vorliegende Verfahren 

aus organisatorischen Gründen vom vormaligen Instruktionsrichter über-

nommen. 

G.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit erheblich – in den Erwägungen 

eingegangen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen der Vorinstanz, welche die Ausstellung von Reisedoku-

menten für ausländische Personen betreffen, sind mit Beschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG).  

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-

gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf das frist- und formgerecht eingereichte 

Rechtsmittel ist daher einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG).  

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können vorliegend die 

Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Miss-

brauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt wer-

den (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im 

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Seite 4 

Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an und ist nicht 

an die Begründung der Begehren gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Mass-

gebend ist grundsätzlich die Sachlage im Zeitpunkt seines Entscheids 

(BVGE 2020 VII/4 E. 2.2 m.H.). 

3.  

Der Beschwerdeführer ist anerkannter Flüchtling und hat daher gestützt 

auf Art. 59 Abs. 2 Bst. a AIG (SR 142.20) in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 

Bst. a der Verordnung vom 14. November 2012 über die Ausstellung von 

Reisedokumenten für ausländische Personen (RDV, SR 143.5) grundsätz-

lich einen Anspruch auf einen Reiseausweis für Flüchtlinge. Strittig ist, ob 

er seinen Anspruch nach Massgabe von Art. 59 Abs. 3 AIG verwirkt hat. 

Nach dieser Bestimmung fällt der Anspruch dahin, wenn eine ausländische 

Person erheblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-

nung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet 

oder die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz gefährdet oder 

wenn gegen sie rechtskräftig eine Landesverweisung ausgesprochen 

wurde. 

4.  

4.1 Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) verfasste am 5. November 

2019 einen Bericht über den Beschwerdeführer zuhanden seines damals 

noch hängigen Asylverfahrens (SEM-1-act. A32, SEM-2-act. 8). 

Der NDB gelangte darin gestützt auf eine Auswertung der Aussagen des 

Beschwerdeführers im Asylverfahren und der eigenen Erkenntnisse zu 

dessen exilpolitischer Betätigung für die Sache der Kurden zum Ergebnis, 

dass der Beschwerdeführer einem «Risikoprofil» entspreche. Langfristig 

stärkten solche Flüchtlinge mit Zugehörigkeit zur PKK (Arbeiterpartei Kur-

distans) die hier bereits existierende Parallelgesellschaft dieser Organisa-

tion und würden so zu einer «möglichen» Bedrohung der inneren Sicher-

heit, da sie die Zugehörigkeit zur PKK höher gewichteten als die rechts-

staatlichen Strukturen der Schweiz. 

Im Einzelnen führte der NDB aus, der Beschwerdeführer sei seinen eige-

nen Aussagen im Asylverfahren zufolge im Juni 2013 freiwillig von Istanbul 

nach Syrien gereist und habe sich dort der YPG (kurdische Volksverteidi-

gungseinheiten in Syrien) angeschlossen. Nach zwei schweren Verletzun-

gen, unter anderem im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS), habe er 

nicht mehr weiterkämpfen können. Deshalb und wegen seiner schlechten 

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Seite 5 

psychischen Verfassung habe er Syrien Ende 2015 verlassen und sei in 

die Türkei zurückgekehrt. 

Der Beschwerdeführer habe im Weiteren ausgesagt, dass er sich in der 

Schweiz nicht mehr politisch betätige. Er besuche aber einen Verein in (…) 

und nehme gerne an dessen Anlässen teil. Zudem habe er als Kurde an 

verschiedenen Demonstrationen teilgenommen. Im Rahmen einer polizei-

lichen Befragung vom 30. Oktober 2019 habe der Beschwerdeführer be-

stätigt, Mitglied eines kurdischen Vereins in (…) zu sein und regelmässig 

an Demonstrationen teilzunehmen. Er habe zwar in Syrien auf der Seite 

der YPG gekämpft, werde aber diesen Konflikt nicht in die Schweiz tragen. 

Hier werde er keine Gewalt anwenden und die Gesetze befolgen. 

Auf seinem Facebook-Profil habe der NDB jedoch ein Foto vom 22. Sep-

tember 2019 feststellen können, dass ihn und eine weitere Person in Maas-

tricht/NL zeige. Im Hintergrund seien diverse Fahnen, unter anderem mit 

dem Bild von B._______, zu sehen. Gemäss OSINT (Open Source Intelli-

gence) habe am Tag zuvor eine Veranstaltung des europäischen Dachver-

bandes KCDK-E (Kongress der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in 

Europa) in Maastricht stattgefunden. Dies würde bedeuten, dass er die 

Schweiz unerlaubt verlassen habe und folglich die schweizerischen Ge-

setze nicht respektiere. Zudem veröffentliche der Beschwerdeführer auf 

Facebook beinahe täglich Beiträge mit Bezügen zum Konflikt in der Türkei 

und dem Krieg in Syrien. Dabei zeigten die Posts klar seine Unterstützung 

und aktive Propaganda zugunsten der PKK beziehungsweise der YPG. 

4.2 Am 29. Dezember 2020 gelangte die Vorinstanz an den NDB und er-

suchte um Mitteilung, ob dem Beschwerdeführer ein Reiseausweis ausge-

stellt werden könne oder ob Verweigerungsgründe aufgrund einer Gefähr-

dung der inneren und äusseren Sicherheit bestünden (SEM-2-act. 2). 

4.3 Der NDB teilte der Vorinstanz am 13. Januar 2021 mit, dass er am 

5. November 2019 bereits eine Stellungnahme verfasst habe und darin 

zum Schluss gekommen sei, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner 

Kampfeinsätze auf Seiten der YPG in Syrien sowie der Verbreitung von 

Propaganda auf Facebook einem «Risikoprofil» entspreche (siehe vorste-

hend E. 4.1). Deshalb sei es aus der Sicht des NDB «problematisch», 

wenn er einen Reiseausweis erhalte. Es liege jedoch in der Zuständigkeit 

der Vorinstanz zu entscheiden, ob diese Information ausreiche, um die 

Ausstellung eines Reisedokuments zu verweigern (SEM-2-act. 2). 

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Seite 6 

4.4 Mit der angefochtenen Verfügung lehnte die Vorinstanz gestützt auf 

Art. 59 Abs. 3 AIG das Gesuch des Beschwerdeführers um Ausstellung ei-

nes Reiseausweises für Flüchtlinge ab. Zur Begründung nahm sie explizit 

Bezug auf den Bericht des NDB vom 5. November 2019 und führte aus, 

aufgrund seiner Kampfeinsätze auf Seiten der YPG in Syrien sowie der 

Verbreitung von Propaganda auf Facebook entspreche der Beschwerde-

führer einem «Risikoprofil». Die Ausstellung eines Reisedokuments an ihn 

werde daher zum jetzigen Zeitpunkt als «problematisch» angesehen und 

sei zu verweigern. 

4.5 Der Beschwerdeführer beanstandet in seiner Rechtsmitteleingabe, die 

Beurteilung seines Gesuchs hätte aufgrund der aktuellen Sachlage erfol-

gen müssen und nicht gestützt auf einen am 5. November 2019 verfassten 

Bericht des NDB. Die Vorinstanz habe insoweit ihre Abklärungspflicht ver-

letzt. In der Sache führt er aus, dass sein Kampfeinsatz in Syrien mittler-

weile sechs Jahre zurückliege (Stand 2021). Damals habe er in Syrien die 

YPG gegen die grauenhaften und unmenschlichen Taten des IS unter-

stützt. Seither habe er sich weder im Ausland noch in der Schweiz an ei-

nem Krieg oder einem anderweitigen Kampfeinsatz beteiligt. Auch sei er 

nicht straffällig geworden. Mit Ausnahme eines einmaligen unerlaubten 

Grenzübertritts habe er stets die schweizerische Rechtsordnung beachtet 

und zu keinem Zeitpunkt die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet. 

In den sozialen Medien habe er vor allem Weblinks auf Nachrichtenseiten 

gepostet. Das solches als Propaganda oder Unterstützung zugunsten der 

PKK oder der YPG bewertet werde, sei von der türkischen Justiz zu erwar-

ten, nicht jedoch vom NDB und später von der Vorinstanz. Die Schlussfol-

gerung des NDB, dass Flüchtlinge mit PKK-Zugehörigkeit diese Zugehö-

rigkeit höher gewichten würden, als die rechtsstaatlichen Strukturen, sei 

«zu kurz» und nicht belegt. Zusammenfassend könne keine Rede davon 

sein, dass er, der Beschwerdeführer, einem Risikoprofil entspreche. Dass 

er sich von jeglicher Gewalt distanziert habe, sei offensichtlich, und die Teil-

nahme an bewilligten Demonstrationen in der Schweiz oder die Besuche 

von legalen kurdischen Vereinen könnten ihm nicht vorgeworfen werden. 

Das wäre rechtsverletzend.  

5.  

5.1 Dem Wortlaut der angefochtenen Verfügung kann nicht entnommen 

werden, ob die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine Störung bezie-

hungsweise Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne 

von Art. 59 Abs. 3 AIG oder die Gefährdung der inneren oder äusseren Si-

cherheit der Schweiz im Sinne derselben Bestimmung vorhält. Die 

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Bezugnahme auf den NDB-Bericht und die Verwendung der gleichen Be-

grifflichkeit machen jedoch deutlich, dass sich die Vorinstanz die Schluss-

folgerung des NDB zu eigen macht, wonach vom Beschwerdeführer eine 

mögliche Bedrohung für die innere Sicherheit der Schweiz ausgeht, weil 

Flüchtlinge mit PKK-Zugehörigkeit langfristig die bereits existierende Pa-

rallelgesellschaft dieser Organisation stärkten und die Zugehörigkeit zu ihr 

höher gewichteten als die rechtsstaatlichen Strukturen der Schweiz. 

5.2 Welche Verhaltensweisen im Anwendungsbereich des Ausländer-

rechts als Gefährdung beziehungsweise Bedrohung der inneren oder 

äusseren Sicherheit der Schweiz zu verstehen sind, ist Art. 77b der Ver-

ordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbs-

tätigkeit (VZAE, SR 142.201) zu entnehmen. Danach ist eine konkrete Be-

drohung der inneren oder äusseren Sicherheit der Schweiz gegeben, wenn 

ein bedeutendes Rechtsgut wie Leib und Leben oder die Freiheit von Per-

sonen oder der Bestand und das Funktionieren des Staates betroffen ist, 

indem die betroffene Person an Aktivitäten in den Bereichen nach Art. 6 

Abs. 1 Bst. a Ziff. 1–5 des Nachrichtendienstgesetzes vom 25. September 

2015 (NDG, SR 121) oder an Aktivitäten der organisierten Kriminalität teil-

nimmt, solche Aktivitäten unterstützt, fördert oder dazu anwirbt. Die in Art. 6 

Abs. 1 Bst. a Ziff. 1–5 NDG genannten Bereiche umfassen Terrorismus, 

verbotenen Nachrichtendienst, Verbreitung von Massenvernichtungswaf-

fen, illegalen Handel mit Rüstungsgütern, Angriffe auf kritische Infrastruk-

turen und gewalttätigen Extremismus. 

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht weist darauf hin, dass – soweit Perso-

nen mit Flüchtlingseigenschaft betroffen sind – der Vorbehalt des Art. 59 

Abs. 3 AIG (in Verbindung mit Art. 77b VZAE und Art. 6 Abs. 1 Bst. a 

Ziff. 1–5 NDG) im Lichte des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30) 

auszulegen ist. Deren Art. 28 Abs. 1 verpflichtet die vertragsschliessenden 

Staaten, Flüchtlingen, die sich rechtmässig auf ihrem Gebiet aufhalten, 

Reiseausweise auszustellen, es sei denn, der Ausstellung stehen zwin-

gende Gründe der Staatssicherheit oder der öffentlichen Ordnung entge-

gen (vgl. die authentische englische und französische Textfassung: «un-

less compelling reasons of national security or public order otherwise re-

quire», «à moins que des raisons impérieuses de sécurité nationale ou 

d’ordre public ne s’y opposent»). 

Wortlaut, Zweck und Entstehungsgeschichte des in Art. 28 Abs. 1 FK ver-

ankerten Vorbehalts zeigen, dass es sich hierbei um eine 

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Seite 8 

Ausnahmebestimmung handelt, die nur in schwerwiegenden und ausser-

ordentlichen Fällen zur Anwendung gelangen soll (vgl. dazu STEPHAN 

KLAMMER in: Constantin Hruschka [Hrsg.], Genfer Flüchtlingskonvention, 

Handkommentar, 2022, Art. 28 N. 14 ff. m.H.; JAMES C. HATHAWAY, The 

Rights of Refugees under International Law, 2. Aufl. 2021, Kap. 6.6 bei 

Rz. 1112 m.H.; JENS WEDSTED-HANSEN, in: Andreas Zimmermann [Hrsg.], 

The 1951 Convention Relating to the Status of Refugees and its 1967 Pro-

tocol - A Commentary, 2011, Art. 28 N. 70 m.H.). Das Gleiche gilt für Art. 59 

Abs. 3 AIG, soweit Personen mit Flüchtlingseigenschaft betroffen sind. 

5.4 Es ist offensichtlich, dass vorliegend die strengen Eingriffsvorausset-

zungen des völkerrechtskonform ausgelegten Art. 59 Abs. 3 AIG nicht er-

füllt sind. Der allgemeine und vage Hinweis auf eine «mögliche» Bedro-

hung der inneren Sicherheit durch Flüchtlinge mit PKK-Zugehörigkeit, da 

diese ihre Zugehörigkeit zur PKK höher gewichteten als die rechtsstaatli-

chen Strukturen der Schweiz, genügt nicht. Es tritt hinzu, dass der Kampf-

einsatz des Beschwerdeführers in Syrien gegen die Terrororganisation IS 

mittlerweile acht Jahre zurückliegt und angesichts der damaligen Situation 

unter anderem im syrischen Kobanê auf nachvollziehbaren Gründen be-

ruhte. Belastbare Anhaltspunkte dafür, dass er bei seinem späteren Enga-

gement im Exil für die kurdische Sache den Rahmen des Zulässigen über-

schritten hätte – illegaler Grenzübertritt als vorläufig aufgenommene Per-

son ohne Reisedokumente ausgenommen – oder auch nur der PKK be-

sonders nahegestanden wäre, sind den Akten nicht zu entnehmen. Unter 

den gegebenen Umständen kann keiner der in Art. 77b VZAE in Verbin-

dung mit Art. 6 Abs. 1 Bst. a Ziff. 1–5 NDG genannten Tatbestände erkannt 

werden. Insbesondere kann nicht angenommen werden, dass der Be-

schwerdeführer an Terrorismus oder gewalttätigem Extremismus teilge-

nommen, ihn unterstützt, gefördert oder dazu angeworben habe. 

6.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vorinstanz dem 

Beschwerdeführer zu Unrecht die Ausstellung eines Reiseausweises für 

Flüchtlinge verweigerte. Die angefochtene Verfügung ist daher in Gutheis-

sung der Beschwerde aufzuheben und die Vorinstanz unter Vorbehalt 

neuer, nach Massgabe von Art. 59 Abs. 3 AIG relevanter Erkenntnisse an-

zuweisen, dem Beschwerdeführer einen Reiseausweis für Flüchtlinge aus-

zustellen.  

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Seite 9 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu 

erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 Dem rechtskundig vertretenen Beschwerdeführer ist für die ihm not-

wendigerweise erwachsenen Kosten eine Parteientschädigung zu Lasten 

der Vorinstanz zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Höhe der Parteient-

schädigung ist unter Berücksichtigung des aktenkundigen Aufwands, der 

Bedeutung und der Komplexität der Sache und in Anwendung der gesetz-

lichen Bemessungskriterien (Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 1'000.– festzusetzen. 

In diesem Zusammenhang ist insbesondere auf Art. 10 Abs. 2 VGKE zu 

verweisen, der für nichtanwaltliche Vertreter und Vertreterinnen einen re-

duzierten Stundenansatz vorsieht. 

8.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 6 BGG; vgl. dazu THOMAS 

HÄBERLI, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, 

Art. 83 N. 127). 

(Dispositiv nächste Seite) 

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung aufgeho-

ben und die Vorinstanz im Sinne der Erwägungen angewiesen, dem Be-

schwerdeführer einen Reiseausweis für Flüchtlinge auszustellen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bun-

desverwaltungsgericht mit Fr. 1'000.– zu entschädigen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Aisha Luisoni 

 

 

 

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