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**Case Identifier:** ef4a2224-a154-5c81-97ba-aa99519889e4
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-06-05
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 05.06.2015 IV 2014/238
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-238_2015-06-05.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/238

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 14.05.2020

Entscheiddatum: 05.06.2015

Entscheid Versicherungsgericht, 05.06.2015
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Schleudertrauma. Persönlichkeitsänderung. 
Auseinandersetzung mit drei polydisziplinären Gutachten. Frage des 
Vorliegens eines „syndromalen Leidens“. Frage der 
„Überwindbarkeit“ (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 5. Juni 2015, IV 2014/238).

Entscheid Versicherungsgericht, 05.06.2015

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und

Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 5. Juni 2015

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christian Thöny, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente

Sachverhalt:

A.  

A.a  A.___ meldete sich am 1. Juni 1991 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 6). Sie gab an, sie arbeite als Heilmasseurin. Am 

28. Januar 1990 habe sie einen Verkehrsunfall mit einem Schleudertrauma der Hals­

wirbelsäule erlitten. Ende August 1991 nahm sie eine Umschulung zur Heilpraktikerin in 

Angriff (IV-act. 20). Per 31. Juli 1993 wurde das Arbeitsverhältnis mit dem B.___ 

aufgrund der andauernd hohen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten aufgelöst (IV-

act. 23–3). Die Umschulung zur Naturheilpraktikerin wurde am 4. November 1993 

rückwirkend bewilligt (IV-act. 34 und 42). Der Chefarzt der neurologischen Abteilung 

der Klinik C.___, Prof. Dr. med. D.___, berichtete der Unfallversicherung (Winterthur 

Versicherungen, heute: AXA Versicherungen AG) in einem Gutachten vom 

29. Dezember 1998 (IV-act. 81), der Verlauf des Gesundheitszustandes der 

Versicherten seit dem Unfall sei wechselnd gewesen. Die persistierenden Schmerzen 

im Bereich der oberen Halswirbelsäule, die zeitweisen Kopfschmerzen und die 

rechtsseitigen Armschmerzen hätten unter Belastung jeweils stark zugenommen. Die 

aktuelle somatische Schmerzsymptomatik, die rechtsseitige Brachialgie mit sensiblem 

Reizsyndrom C6 und das neuropsychologische Syndrom mit Konzentrations- und 

Gedächtnisstörungen seien typisch für die Folgen einer indirekten Traumatisierung der 

Halswirbelsäule, auch wenn keine neurologischen Ausfälle objektiviert werden könnten. 

Die Röntgenaufnahmen liessen einen Verdacht auf eine Instabilität im Segment C2/3 

entstehen. Diese Instabilität könne durchaus die Ursache der persistierenden 

Beschwerden sein. Es bestehe keine Aggravationstendenz. Am 2. Februar 1999 gab 

Dr. D.___ ergänzend an, die Arbeitsunfähigkeit der Versicherten als Naturheilpraktikerin 

betrage 30 Prozent (IV-act. 80). Mit einer Mitteilung vom 14. Oktober 1999 schrieb die 

IV-Stelle das Gesuch der Versicherten vom 1. Juni 1999 zufolge Rückzugs als 

gegenstandslos ab (IV-act. 84).

A.b  Am 7. Juli 2004 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen 

der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie beantragte unter Verweis auf ein für die 

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Unfallversicherung erstelltes Gutachten die Ausrichtung einer Invalidenrente. Das 

Gutachten der medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz vom 28. Mai 

2004 (Fremdakten) stützte sich auf rheumatologische, neurologische, 

neuropsychologische und psychiatrische Abklärungen. Der rheumatologische 

Sachverständige hatte für die neue Arbeit als Heilpraktikerin eine Arbeitsunfähigkeit 

von 50 Prozent attestiert und ausgeführt, dass die Arbeitsfähigkeit in anderen 

Tätigkeiten wohl nicht wesentlich höher angesetzt werden könnte. Nach Möglichkeit 

sollte die Versicherte monotone Haltungen, Arbeiten mit grossem Kraftaufwand der 

Hände, Arbeiten mit vornüber geneigtem Oberkörper, Heben und Tragen von Lasten 

über fünf Kilogramm sowie Arbeiten oberhalb der Schulterebene vermeiden. Der 

neurologische Sachverständige hatte eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert. 

Der neuropsychologische Sachverständige hatte angegeben, er habe keine 

neuropsychologischen Defizite objektivieren können. Der psychiatrische 

Sachverständige hatte festgehalten, dass die Arbeitsfähigkeit aufgrund des 

anhaltenden Schmerzsyndroms mit somatoformer Komponente eingeschränkt sei. 

Interdisziplinär wurde die Versicherte als insgesamt zu 50 Prozent arbeitsunfähig 

qualifiziert. Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 30. Dezember 2004 mit, dass sie 

den Invaliditätsgrad der Unfallversicherung übernehmen und deshalb deren Entscheid 

abwarten werde (IV-act. 109). In der Folge erkundigte sich die IV-Stelle von Zeit zu Zeit 

nach dem Verfahrensstand bei der Unfallversicherung. Diese nahm Abklärungen im 

Hinblick auf den von der Versicherten ausgeübten Schiesssport vor, da sie sich davon 

offenbar Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit erhoffte. Mit einer Verfügung vom 

21. Februar 2008 (Fremdakten) wies die Unfallversicherung das Rentengesuch der 

Versicherten ab. Sie begründete diesen Entscheid sinngemäss damit, dass angesichts 

der Fähigkeit der Versicherten, intensiv dem Schiesssport nachzugehen, keine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehen könne. Es sei davon auszugehen, dass 

die Ärzte der MEDAS Zentralschweiz getäuscht worden seien. Die Versicherte liess der 

IV-Stelle am 8. Januar 2009 mitteilen (IV-act. 126), dass sie den Entscheid des 

Unfallversicherers angefochten habe. Inzwischen sei eine Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes eingetreten. Die Leistungseinbusse betrage 70–80 Prozent. Am 

23. November 2009 wies der Unfallversicherer die Einsprache der Versicherten ab 

(Fremdakten).

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A.c  Am 21. Dezember 2009 empfahl Dr. med. E.___ vom IV-internen regionalen 

ärztlichen Dienst (RAD) eine Vergleichsbegutachtung (IV-act. 129). Die IV-Stelle 

beauftragte die MEDAS Zentralschweiz mit dieser Begutachtung (IV-act. 133). Am 

28. Januar 2010 erfolgte eine Abklärung in der Wohnung der Versicherten. Der 

entsprechende Bericht vom 30. April 2010 (IV-act. 156) enthielt folgenden Passus: 

„Gemäss den Angaben von A.___ wäre ihr Wunschziel fünf Kunden pro Tag; dies 

würde einer Tätigkeit von etwa fünf Stunden entsprechen, was wiederum einem 

Beschäftigungsgrad von circa 60 Prozent gleichkommen würde. Die restlichen 40 

Prozent würden für den Haushalt und die Freizeit verwendet. Dieses Wunschprogramm 

sei ihr jedoch in ihrem heutigen Gesundheitszustand nicht möglich zu erfüllen. 

Allerhöchstens zwei Patienten pro Tag, dies je nach gesundheitlichem Befinden“ (IV-

act. 156–4). Die Abklärungsperson gab weiter an, die Erwerbsfähigkeit könne weder 

durch eine Anpassung des Betriebs noch durch die Anschaffung von Hilfsmitteln 

wesentlich verbessert werden. Bevor ein Wechsel in ein Angestelltenverhältnis 

diskutiert werden könne, müsse Klarheit über die medizinisch zumutbare 

Arbeitsfähigkeit bestehen. Abschliessend äusserte die Abklärungsperson die 

Vermutung, dass die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einer adaptierten Tätigkeit 

wesentlich höher wäre. Die Versicherte hatte sich am 28. Januar 2010 gegen das ihrer 

Auffassung nach von der Abklärungsperson gezeigte Verhalten – Verachtung, 

Misstrauen, ständige Provokationen – verwahrt (IV-act. 146).

A.d  Im Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 21. Juni 2010 (IV-act. 157) wurde 

ausgeführt, bei der ersten Begutachtung im Jahr 2004 habe die Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit schwergewichtig auf der Beurteilung des Rheumatologen basiert. 

Dieser habe damals eine Restarbeitsfähigkeit von 50 Prozent angegeben. Der 

Neurologe und die Neuropsychologin hätten keine Arbeitsunfähigkeit attestiert; der 

Psychiater habe die Einschränkung nicht quantifiziert. Bei der aktuellen Untersuchung 

habe die Versicherte angegeben, sie habe nie eine Leistung von 50 Prozent erreicht; 

die Leistung habe maximal 25 Prozent betragen. Sie brauche nämlich eine, wenn nicht 

zwei Stunden Pause zwischen den Patienten. Diese Angaben hätten in einem krassen 

Gegensatz zum Alltagsverhalten der Versicherten gestanden. Diese habe berichtet, 

dass sie oft durch „Blockaden“ arbeitsunfähig sei, aber bei der Untersuchung sei sie in 

Holzschuhen und mit Rucksack sowie mit einem auffällig sthenischen Gehabe 

erschienen. Sie habe mitgeteilt, dass sie Bergwanderungen mache und dass sie mit 

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dem Hund möglichst zügig spaziere. Obwohl sie gemäss ihren Angaben die Arme und 

Hände oft kaum einsetzen könne, sei sie andererseits in der Lage, Woche für Woche an 

Schiesswettbewerben teilzunehmen. Sie habe eine Menge von Aussagen gemacht, die 

nahe am nicht mehr Erfüllbaren/Paranormalen erschienen seien. Hier hätten sich 

Elemente einer schweren Persönlichkeitsstörung gezeigt, die der Psychiater denn auch 

bestätigt habe. Der Rheumatologe hatte ausgeführt, schon bei der ersten Abklärung im 

Jahr 2004 habe er festgehalten, dass es keine sicheren Hinweise für eine relevante 

Instabilität der Halswirbelsäule gebe, dass die funktionsradiologischen Befunde gut zu 

einer konstitutionellen Hyperlaxität passten und dass keine Indikation für eine operative 

Spondylodese bestehe. Inzwischen sei ein Carpaltunnelsyndrom rechts operiert 

worden. Wenn er die damaligen Befunde mit der aktuellen Untersuchung vergleiche, so 

seien die myofascialen Befunde nun deutlich weniger ausgeprägt. Es finde sich ein 

mehrheitlich myotendinotisches Cervicalsyndrom mit einem latenten thoracic outlet 

syndrome rechts. Die ausgesprochen geringe berufliche Belastbarkeit könne mit den 

objektivierbaren Befunden am Bewegungsapparat nur zu einem kleinen Teil erklärt 

werden. Streng auf die objektivierbaren strukturellen Veränderungen beschränkt könne 

keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Relevante strukturelle Läsionen 

hätten schon im Jahr 2004 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt werden 

können. Die Rechtsprechung habe die Anforderungen an den Beweis inzwischen 

verschärft. Die Neurologin berichtete, im Vergleich zu früheren neurologischen 

Beurteilungen könnten keine eindeutige cervico-radiculäre sensible Symptomatik und 

kein eindeutiges cervico-brachiales Syndrom nachgewiesen werden. Aus 

neurologischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Der psychiatrische 

Sachverständige hielt in seinem Teilgutachten fest, eine Aggravation oder eine 

Simulation könnten ausgeschlossen werden. Die Kriterien einer anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung seien nicht erfüllt, da kein anhaltender quälender 

Schmerz objektiviert werden könne. Das Schmerzsyndrom sei auch nicht durch eine 

major depression oder durch eine floride posttraumatische Belastungsstörung zu 

erklären. Das gelte auch für eine zönästhetische Schizophrenie, obwohl sich einige 

typische Merkmale wie Leistungsknick, Belastungsinsuffizienz, zunehmend deutlicher 

werdende affektive Wandlung, Persönlichkeitsänderung, psychästhetische 

Minussymptomatik und Veränderung im emotionalen Wesen, in der 

Beziehungsfähigkeit und im Kontaktverhalten nachweisen liessen. Klinisch fänden sich 

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bei der Versicherten dissoziative Zeichen wie parathyme Affektlage, mechanistische 

und monotone Stimme und ausgeprägte Parfümierung. Differenzialdiagnostisch sei 

deshalb eine dissoziative Störung in Betracht zu ziehen. Es müsse davon ausgegangen 

werden, dass in den letzten Jahren eine Persönlichkeitsänderung eingesetzt habe. 

Diese könne phänomenologisch mit einer dissoziativen Störung umschrieben werden. 

Die Persönlichkeitsänderung sei chronifiziert. Sie habe Krankheitswert. Die Angaben 

der Versicherten seien glaubwürdig. Die Versicherte sei in ihrer Beziehungs- und 

Bezugsfähigkeit der Umwelt gegenüber eingeschränkt, was Auswirkungen auf ihre 

Tätigkeit haben dürfte. Auch die Angaben zur teilweise grotesken Durchstrukturierung 

des Tagesablaufs seien glaubhaft. Mit der jetzigen Tätigkeit sei die Versicherte bis an 

die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit gefordert. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 

50 Prozent, da die Versicherte auf Erholungspausen angewiesen sei, um den 

emotionalen Distress zu reduzieren. Interdisziplinär wurde diese 

Arbeitsfähigkeitsschätzung übernommen. Die RAD-Ärzte Dr. E.___ und Dr. med. F.___ 

betrachteten dieses Verlaufsgutachten als umfassend, konsistent und in sich 

widerspruchsfrei (IV-act. 158).

A.e  Mit einem Vorbescheid vom 5. Juli 2010 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die 

Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 161). Sie begründete den vorgesehenen 

Entscheid damit, dass die Versicherte ihre Arbeit noch zu 40 Prozent, die 

administrativen Tätigkeiten noch zu zehn Prozent und die Reinigungsarbeiten/Wäsche 

noch zu zehn Prozent ausüben könne. Das ergebe das Wunschprogramm von 60 

Prozent, sodass im Erwerb keine Einschränkung bestehe. Im Haushalt bestehe 

ebenfalls keine relevante Einschränkung, weshalb keine Invalidität vorliege. Am 

16. September 2010 verfügte die IV-Stelle entsprechend diesem Vorbescheid (IV-

act. 163). Eine von der Versicherten am 6. Oktober 2010 gegen diese Verfügung 

erhobene Beschwerde wurde vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit 

einem Entscheid vom 20. November 2012 (IV 2010/390; vgl. IV-act. 190) teilweise 

gutgeheissen. Das Versicherungsgericht hielt fest, der Passus im 

Haushaltabklärungsbericht, gestützt auf den die IV-Stelle ein Erwerbspensum von 60 

Prozent angenommen habe, sei unklar. Damit sei ein hypothetisches Erwerbspensum 

von 60 Prozent noch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit belegt. Von einer Rückfrage an die Versicherte könne in 

antizipierender Beweiswürdigung keine zuverlässige Angabe erwartet werden. Die 

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Indizien sprächen insgesamt für ein Vollpensum, weshalb der Invaliditätsgrad anhand 

eines Einkommensvergleichs ermittelt werden müsse. Die Validenkarriere bestehe in 

der Tätigkeit als medizinische Masseurin und Bademeisterin, welche die Versicherte 

vor dem Unfall ausgeübt habe, denn die Versicherte habe die Umschulung zur 

Heilpraktikerin erst infolge des Unfalls in Angriff genommen. Es lägen keine 

Anhaltspunkte dafür vor, dass sich die Versicherte auch ohne den Unfall zur 

Heilpraktikerin hätte umschulen lassen. Das zumutbarerweise erzielbare 

Invalideneinkommen entspreche dem erzielbaren Reinertrag aus der selbständigen 

Tätigkeit als Naturheilpraktikerin. Für die Ermittlung des Invalideneinkommens sei die 

Arbeitsfähigkeit entscheidend. Die rheumatologischen Teilgutachten aus den Jahren 

2004 und 2010 seien allerdings nicht überzeugend, denn der rheumatologische 

Sachverständige habe die Aussagekraft seines Teilgutachtens aus dem Jahr 2004 in 

seinem Teilgutachten aus dem Jahr 2010 erheblich relativiert. Nach der Begutachtung 

im Jahr 2010 sei die Versicherte an der Halswirbelsäule operiert worden. In der Folge 

seien die Nackenschmerzen vollständig verschwunden. Dies widerlege die Aussage 

des rheumatologischen Sachverständigen, dass die von der Beschwerdeführerin 

geklagten Beschwerden für die Arbeitsfähigkeit nicht relevant seien. Der psychiatrische 

Sachverständige habe seinen Schlussfolgerungen die Aussage des rheumatologischen 

Sachverständigen, die subjektiv empfundenen Schmerzen würden sich nur teilweise 

durch die objektiven Befunde erklären lassen, zugrunde gelegt. Sollte eine weitere 

rheumatologische Begutachtung ergeben, dass die Schmerzen objektivierbar seien, 

müsse deshalb auch aus psychiatrischer Sicht eine Neubeurteilung vorgenommen 

werden. Ohne eine erneute rheumatologische und allenfalls psychiatrische 

Begutachtung könne das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen also nicht 

ermittelt werden. Das Versicherungsgericht wies die Sache deshalb an die IV-Stelle zur 

Durchführung der weiteren Abklärungen und zur Prüfung von 

Eingliederungsmassnahmen zurück. Das Bundesgericht trat auf eine von der IV-Stelle 

erhobene Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichtes des Kantons 

St. Gallen nicht ein (Urteil des Bundesgerichtes 9C_971/2012 vom 13. Februar 2013; 

vgl. IV-act. 194).

A.f   Am 5. September 2013 beauftragte die IV-Stelle die MEDAS Ostschweiz mit einer 

polydisziplinären Begutachtung der Versicherten (IV-act. 215). Das Gutachten wurde 

am 4. Dezember 2013 fertiggestellt (IV-act. 218). Der psychiatrische Sachverständige 

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führte aus, dass die von ihm erhobenen Befunde mit der diagnostischen Einschätzung 

des damaligen psychiatrischen Sachverständigen im Rahmen der zweiten 

Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz im Jahr 2010 übereinstimmten, die 

Diagnosen anhand des aktuellen ICD-10 aber etwas anders codiert worden seien. In 

der aktuellen Untersuchung sei eine leichte bis mittelschwere depressive Symptomatik 

festgestellt worden. Weiterhin bestünden dissoziative Zustände. Zudem hätten 

verschiedene klinische Merkmale einer andauernden Persönlichkeitsänderung 

festgestellt werden können. Die psychischen Auffälligkeiten seien als chronifizierte 

psychische Einschränkungen anzusehen. Der Versicherten könne aber zugemutet 

werden, ihre Beschwerden zumindest teilweise zu überwinden und teilweise im 

Arbeitsprozess zu verbleiben. Die Arbeitsfähigkeit liege bei etwa 50 Prozent. Die 

entsprechende Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent bestehe spätestens seit der ersten 

Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz im Jahr 2004. Der orthopädische 

Sachverständige hielt fest, dass sich eine Discushernie L5/S1 mit Einengung der 

Wurzel S1 rechts, ein Status nach Bandscheibenoperation und interspinöser 

Stabilisierung L4/5 und L5/S1, eine Spondylodese C4–6, ein panvertebrales 

Schmerzsyndrom und ein Status nach Carpaltunnelspaltung rechts auf die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkten. Infolge der verminderten 

Belastbarkeit der Wirbelsäule nach drei operativen Eingriffen könne der Versicherten 

die Tätigkeit als medizinische Masseurin nur eingeschränkt zugemutet werden. Ein 

Einsatz mit langen Pausen, wie es die Versicherte handhabe, sei zumutbar. Die 

Leistung dürfte sich auf etwa 50 Prozent belaufen. Diese Einschätzung sei ab März 

2009, das heisst nach der abgeschlossenen Rehabilitation von der 

Carpaltunnelspaltung, gültig. Die späteren Wirbelsäuleneingriffe hätten bezüglich der 

Belastbarkeit wenig verändert. In einer adaptierten Tätigkeit sei der Versicherten eine 

volle Arbeitsleistung zumutbar. Als angepasst sei eine Tätigkeit anzusehen, die 

teilweise sitzend/stehend/gehend, vorzugsweise an einem höhenverstellbaren 

Arbeitstisch, erfolge. Es sollte kein wiederholtes Lastenheben über zehn Kilogramm 

nötig sein und die Tätigkeit könne nicht länger als eine halbe Stunde in Inklination von 

Kopf und Oberkörper erfolgen. In der interdisziplinären Besprechung gelangten die 

Sachverständigen zum Schluss, dass die Versicherte spätestens seit der ersten 

Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz im Jahr 2004 in ihrer Tätigkeit als 

Naturheilpraktikerin sowie in adaptierten Tätigkeiten zu 50 Prozent arbeitsunfähig sei. 

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Die RAD-Ärztin Dr. F.___ notierte am 14. Januar 2014, dass auf das Gutachten 

abgestellt werden könne, da es ausführlich, umfassend, konsistent und 

widerspruchsfrei sei (IV-act. 219). Ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes hielt am 

21. Februar 2014 fest, dass eine Persönlichkeitsänderung zwar eine psychische 

Krankheit sei, die einen invalidisierenden Gesundheitsschaden bewirken könne, dass 

vorliegend die Persönlichkeitsänderung aber Ausfluss eines syndromalen Leidens und 

aus diesem Grund das Vorliegen eines zum Bezug einer Rente berechtigenden 

Gesundheitsschadens zu verneinen sei (IV-act. 226).

A.g  Mit einem Vorbescheid vom 25. Februar 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten 

mit, dass sie vorsehe, das Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 229). Die Versicherte 

liess am 19. März 2014 einwenden (IV-act. 233), dass sich die Sachverständigen der 

MEDAS Ostschweiz eingehend mit der Zumutbarkeit der Leistung von Arbeit trotz 

Beschwerden auseinander gesetzt hätten und es nicht angehe, diese Beurteilung 

einfach beiseite zu setzen. Das Bundesgericht habe zudem bislang noch nie eine 

andauernde Persönlichkeitsänderung als syndromales Beschwerdebild 

(„PÄUSBONOG“) qualifiziert. Auch das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen 

habe vorliegend klar festgehalten, dass es der Versicherten nicht zugemutet werden 

könne, die Folgen der Persönlichkeitsänderung und der dissoziativen Störung einfach 

willensmässig zu unterdrücken und wieder normal zu funktionieren. Die andauernde 

Persönlichkeitsänderung sowie die vom psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS 

Ostschweiz festgestellte depressive Symptomatik stellten eine psychiatrisch 

ausgewiesene Komorbidität zur dissoziativen Bewegungsstörung dar. Die Versicherte 

leide auch an chronischen körperlichen Begleiterkrankungen und einem mehrjährigen 

Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne 

längerfristige Remission. Sie habe sich sozial stark zurückgezogen. Der psychiatrische 

Sachverständige habe auch einen so genannten primären Krankheitsgewinn 

festgestellt. Damit erweise sich der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad von 16 

Prozent als falsch, auch wenn die Versicherte für den Hinweis, dass sie dank ihrer 

Behinderung ökonomisch ja wesentlich besser gestellt sei denn als Gesunde, wohl 

dankbar zu sein habe. Für die Ermittlung des Invalideneinkommens dürfte die 

Einholung eines betriebswirtschaftlichen Gutachtens unabdingbar sein. Ansonsten 

müsste auf die massgebenden statistischen Werte abgestellt werden. Am 1. April 2014 

verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid (IV-act. 235). Sie führte aus, dass 

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ungeachtet der Vorbringen der Versicherten von einer uneingeschränkten 

Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen sei. Die 

Vergleichseinkommen seien parallelisiert worden, was am Ergebnis allerdings nichts 

ändere. Die Versicherte sei nicht invalid.

B.    

B.a  Am 6. Mai 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 1. April 2014 erheben (act. G 1). Ihr 

Rechtsvertreter beantragte die Zusprache mindestens einer halben Rente der 

Invalidenversicherung ab dem 1. Mai 2005. Zur Begründung führte er aus, die 

Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz seien wie bereits die Sachverständigen der 

MEDAS Zentralschweiz in deren Gutachten aus den Jahren 2004 und 2010 zum 

Schluss gelangt, dass die Beschwerdeführerin auch in adaptierten Tätigkeiten lediglich 

noch zu 50 Prozent arbeitsfähig sei. Die IV-Stelle (nachfolgend: die 

Beschwerdegegnerin) habe versucht, mit juristischen Kniffen von dieser 

Arbeitsfähigkeitsschätzung abzuweichen. Sie habe darauf hingewiesen, dass keine 

Hirnschädigung und keine schwere psychische Erkrankung vorliege, weshalb die 

Sachverständigen eine falsche Diagnose gestellt hätten. Die Sachverständigen hätten 

aber eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsänderung diagnostiziert, was mit 

Blick auf den ICD-10 korrekt sei. Das von der Beschwerdegegnerin erwähnte Urteil des 

Bundesgerichtes 8C_167/2012 erweise sich als nicht einschlägig. Die 

Beschwerdegegnerin habe sich über die Gutachten und den Entscheid des 

Versicherungsgerichtes hinweggesetzt. Schliesslich sei sie auch zu Unrecht davon 

ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin heute als Naturheilpraktikerin tätig sein 

könne. Die Beschwerdeführerin erfülle die dafür notwendigen beruflichen 

Qualifikationen nämlich nicht.

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Juni 2014 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, vorliegend müsse die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den syndromalen Leiden zur Anwendung 

gelangen, weil die psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin allesamt auf ihre 

Schmerzen zurückzuführen seien. Juristisch gesehen könne die Willensanstrengung zur 

Überwindung der Beschwerden nicht aufgeteilt werden. Entweder sei sie zumutbar 

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oder nicht zumutbar. Insofern überzeuge das Gutachten der MEDAS Ostschweiz, in 

dem eine teilweise Überwindbarkeit festgehalten worden sei, nicht. Die 

Beschwerdeführerin sei im Übrigen in der Lage gewesen, während Jahren sehr aktiven 

Nebenbeschäftigungen und Sportaktivitäten nachzugehen. Ausserdem nehme sie 

keine psychiatrische Therapie in Anspruch, was darauf hindeute, dass sie sich 

aufgrund der psychischen Beschwerden nicht als sonderlich beeinträchtigt erlebe.

B.c  Die Beschwerdeführerin liess am 24. Juni 2014 an ihrem Antrag festhalten 

(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen:

1.      Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich 

zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, 

erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach dem 

Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind, haben einen Anspruch auf 

eine Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der 

Invalidität eines erwerbstätigen Versicherten wird das Erwerbseinkommen, das dieser 

nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare 

Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zum 

Erwerbseinkommen gesetzt, das er erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden 

wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).

2.     

2.1   Die Beschwerdeführerin ist im Laufe des mittlerweile über zehn Jahre dauernden 

Verfahrens betreffend einen allfälligen Rentenanspruch gegenüber der Invalidenver­

sicherung dreimal polydisziplinär begutachtet worden. Die MEDAS Zentralschweiz hat 

im Jahr 2004 ein Gutachten für die Unfallversicherung und im Jahr 2010 ein zweites 

Gutachten für die Beschwerdegegnerin erstellt. Da der rheumatologische 

Sachverständige im zweiten Gutachten seine Beurteilung im ersten Gutachten 

erheblich relativiert hat, haben in der Folge Zweifel an der Zuverlässigkeit des 

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Gutachtens aus dem Jahr 2004 bestanden. Weil er zudem keine erheblichen 

Beeinträchtigungen mehr festgestellt hat, die Beschwerdeführerin später aber an der 

Halswirbelsäule hat operiert werden müssen, haben auch Zweifel an der 

Zuverlässigkeit des Gutachtens aus dem Jahr 2010 bestanden. Diese Zweifel haben 

nicht nur das rheumatologische Teilgutachten betroffen, denn der psychiatrische 

Sachverständige hatte seine Beurteilung wesentlich auf die Feststellung des 

rheumatologischen Sachverständigen, die subjektiv empfundenen Beschwerden 

liessen sich nicht hinreichend durch die objektiv erhobenen Befunde erklären, gestützt. 

Aus diesem Grund hat ein drittes polydisziplinäres Gutachten eingeholt werden 

müssen, das von der MEDAS Ostschweiz für die Beschwerdegegnerin erstellt worden 

ist. Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz haben die Beschwerdeführerin 

internistisch, psychiatrisch und orthopädisch untersucht. Der orthopädische 

Sachverständige hat die vorhandenen bildgebenden Befunde beigezogen, womit sich 

die Beurteilung auf die Ergebnisse der eigenen klinischen Untersuchungen, die 

bildgebenden Befunde und die gesamte vorhandene Aktenlage gestützt hat. Die 

Sachverständigen haben sich eingehend mit dem Verlauf gemäss den früheren 

medizinischen Berichten auseinander gesetzt und Stellung zu den unterschiedlichen 

Beurteilungen sowie auch zur Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin genommen. 

Rückblickend haben sie ein in sich stimmiges Bild der Entwicklung der Beschwerden 

seit dem Jahr 2004 gezeichnet. Die Schilderungen der Sachverständigen sowie die 

Schlussfolgerungen, die sie aufgrund des Datenmaterials (Akten, 

Untersuchungsergebnisse, bildgebende Befunde, Schilderungen der 

Beschwerdeführerin) gezogen haben, entsprechen weitestgehend jenen der 

Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz aus dem Jahr 2010. Entgegen des 

Verdachtes des Versicherungsgerichtes hat sich zwischenzeitlich ergeben, dass weder 

der Operation an der Halswirbelsäule noch den zwei weiteren Operationen an der 

Wirbelsäule hinsichtlich der quantitativen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin eine 

relevante Bedeutung zukommt, denn die Schmerzen der Beschwerdeführerin haben 

sich aufgrund der Eingriffe nicht weiter objektivieren lassen und die Operationen haben 

die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin nicht wesentlich verbessert. Im zeitlichen 

Verlauf hat der orthopädische Sachverständige dem Carpaltunnelsyndrom und der 

Carpaltunnelspaltung eine wesentliche Bedeutung zugemessen, denn die 

Carpaltunnelspaltung hat die Belastbarkeit der rechten Hand vermindert.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/22

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2.2   Der Vergleich zwischen dem orthopädischen Teilgutachten und den beiden 

rheumatologischen Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz aus den Jahren 2004 und 

2010 zeigt, dass sich der Befund jeweils als weitestgehend gleich dargestellt hat. Wie 

der rheumatologische Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz im Jahr 2010 selbst 

eingeräumt hat, hatte er im Jahr 2004 bei einer weitgehend ähnlichen Befundlage eine 

andere, dem damaligen Zeitgeist beziehungsweise der damaligen Praxis 

entsprechende Beurteilung abgegeben. Die von ihm angesprochene Entwicklung der 

Praxis lässt sich anhand der einschlägigen Bundesgerichtsurteile leicht nachvollziehen. 

Hatte das Bundesgericht im BGE 117 V 359 aus dem Jahr 1991 noch festgehalten, 

dass bei einem typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der 

Halswirbelsäule der natürliche Kausalzusammenhang zu vermuten sei und bei der 

Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs keine Unterscheidung zwischen den 

psychischen und somatischen Beschwerden vorgenommen werden dürfe (anders als 

bei der so genannten „Psycho-Praxis“ gemäss dem BGE 115 V 133), hat es den 

Kriterienkatalog für die Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhang im BGE 134 V 

109 aus dem Jahr 2008 deutlich verschärft und im BGE 136 V 279 aus dem Jahr 2010 

die invalidisierende Wirkung eines Schleudertraumas regelhaft verneint. Folglich hat die 

vom rheumatologischen Sachverständigen im Jahr 2004 abgegebene Beurteilung der 

damaligen Sachlage, der damaligen medizinischen Erkenntnis und dem damaligen 

Rechtsverständnis entsprochen. Im Jahr 2010 hat diese Beurteilung aber zumindest 

angesichts des geänderten Rechtsverständnisses nicht mehr zu überzeugen vermocht, 

ohne dass daraus folgen würde, dass im Jahr 2004 ein fehlerhafter Befund erhoben 

worden wäre. Der rheumatologische Sachverständige hat bereits in seinem ersten 

Gutachten darauf hingewiesen, dass sich kaum Befunde objektivieren liessen. Insofern 

besteht also einerseits eine Übereinstimmung zwischen dem orthopädischen 

Teilgutachten der MEDAS Ostschweiz und den beiden rheumatologischen 

Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz und lässt sich andererseits die von den 

späteren Beurteilungen abweichende Beurteilung im Jahr 2004 erklären. Die 

zwischenzeitlich erfolgten Operationen an der Wirbelsäule sind im Gutachten der 

MEDAS Ostschweiz berücksichtigt worden und wecken – retrospektiv – eine Zweifel an 

der Zuverlässigkeit des rheumatologischen Teilgutachtens der MEDAS Zentralschweiz 

aus dem Jahr 2010.

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2.3   Der Vergleich zwischen den drei psychiatrischen Teilgutachten zeigt eindrücklich 

und plausibel, wie die Beschwerdeführerin ursprünglich durch den Unfall „aus der Bahn 

geworfen“ worden ist und in der Folge eine Persönlichkeitsänderung durchlaufen hat. 

Im Jahr 2004 hat sie noch als weitgehend psychisch unauffällig imponiert. Der 

psychiatrische Sachverständige hat damals festgehalten, dass sie zwar während des 

Abklärungsgesprächs teilweise unruhig und angespannt gewirkt, sich im Übrigen aber 

freundlich und kooperativ verhalten habe und hinsichtlich des Bewusstseins, der 

Orientierung und des formalen Denkens unauffällig erschienen sei. Affektiv habe sie 

etwas unsicher, manchmal konfus, dysphorisch, gereizt, innerlich unruhig, gelegentlich 

auch affektlabil und affektinkontinent gewirkt. Beurteilend hat der psychiatrische 

Sachverständige ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin im Gespräch viele 

Formulierungen gebraucht habe, welche darauf hingedeutet hätten, dass ihre innere 

Stabilität und die klare Vorstellung davon, wer sie sei, ernstlich ins Rutschen geraten 

seien, was zu einer tiefgreifenden Verunsicherung und Verängstigung geführt habe. 

Eindrücklich sei die Umstellung von einer überwiegend aussenweltorientierten in eine 

überwiegend innenweltorientierte Wahrnehmung und Lebensweise. Die problematische 

frühe Kindheitsentwicklung mit einer Vernachlässigung durch die eigenen, leiblichen 

Eltern und einer Adoption sei als Risikofaktor für die Entwicklung eines anhaltenden 

Schmerzsyndroms zu qualifizieren. Diese vom psychiatrischen Sachverständigen 

beschriebene, damals beginnende Problematik ist im Jahr 2010 bereits erheblich 

fortgeschritten gewesen. Alle an der Begutachtung beteiligten Sachverständigen der 

MEDAS Zentralschweiz haben nämlich beschrieben, dass die Beschwerdeführerin sich 

höchst auffällig verhalten habe. Der psychiatrische Sachverständige hat festgehalten, 

dass die Beschwerdeführerin affektiv wenig spürbar gewesen sei. Ihre Ausführungen 

seien synthym gewesen. Das Denken sei sehr umständlich gewesen. Sie habe den 

Blick oft in die Ferne gerichtet. Ihre Stimme sei mechanistisch und monoton gewesen. 

Die Affektlage sei teilweise parathym oder manieriert gewesen. Unter Berücksichtigung 

der früheren Berichte hat der psychiatrische Sachverständige aufgrund der von ihm 

erhobenen Befunde eine Persönlichkeitsänderung diagnostiziert, deren Beginn er auf 

einige Jahre vor der eigenen Untersuchung festgelegt hat. Der Persönlichkeitsstörung 

hat er Krankheitswert zugemessen. Phänomenologisch hat er sie als dissoziative 

Störung umschrieben. Den Zustand hat er als chronifiziert bezeichnet, woraus er 

gefolgert hat, dass selbst mittels einer integriert psychiatrisch-psychotherapeutischen 

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Behandlung das Zustandsbild nicht so beeinflusst werden könne, dass mit einer 

Zunahme der Restarbeitsfähigkeit zu rechnen sei. Bei den Sachverständigen der 

MEDAS Ostschweiz hat die Beschwerdeführerin im Jahr 2013 denselben Eindruck 

hinterlassen. Der psychiatrische Sachverständige hat sich hinsichtlich der Diagnose, 

der Befunde und der Arbeitsfähigkeitsschätzung dem psychiatrischen 

Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz angeschlossen. Aufgrund einer 

zwischenzeitlichen Revision des ICD-10 hat er die Diagnose leicht anders codiert, was 

allerdings nicht als anderslautende Beurteilung qualifiziert werden kann. Damit steht 

zusammenfassend fest, dass die Beschwerdeführerin spätestens seit der 

Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz Ende Januar/Anfang Februar 2004 an 

nicht objektivierbaren Schmerzen, an einer verminderten Belastbarkeit der Wirbelsäule 

und an einer sich damals in Entwicklung befunden habenden und spätestens im Jahr 

2010 weitgehend abgeschlossenen tiefgreifenden Persönlichkeitsänderung, verbunden 

mit einer dissoziativen Störung, leidet. Angesichts der diesbezüglich klaren Aktenlage 

haben weder die Beschwerdeführerin noch die Beschwerdegegnerin die 

Zuverlässigkeit der Beurteilung der Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz in Frage 

gestellt.

2.4   Die Beschwerdegegnerin behauptet, dass die Persönlichkeitsänderung, die der 

psychiatrische Sachverständige der MEDAS Ostschweiz (und jener der MEDAS 

Zentralschweiz) beschrieben und diagnostiziert habe, nicht invalidisierend sei, das 

heisst wohl die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht erheblich und 

längerdauernd beeinträchtige. Begründet hat sie dies mit dem Umstand, dass ein so 

genanntes „pathogenetisch-ätiologisch unklares Beschwerdebild ohne nachweisbare 

organische Genese“, nämlich die nach dem Unfall persistierenden Folgen des 

Schleudertraumas der Halswirbelsäule, die Persönlichkeitsänderung ins Rollen 

gebracht habe und dass die Persönlichkeitsänderung folglich bloss eine Folge eines 

solchen „syndromalen Leidens“ sei. Weil ein „syndromales Leiden“ 

rechtsprechungsgemäss keine Invalidität zur Folge haben könne, könne auch ein 

Leiden, das sich aus einem „syndromalen Leiden“ heraus entwickelt habe, keine 

Invalidität zur Folge haben. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz würde nur vorliegen, 

wenn die „Überwindbarkeit“ des Leidens ausnahmsweise anhand der so genannten 

Foerster’schen Kriterien verneint werden müsse. Die „Überwindbarkeit“ könne nur 

bejaht oder verneint werden. Eine teilweise „Überwindbarkeit“ gebe es nicht, weshalb 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/22

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die Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen, der Beschwerdeführerin 

könne trotz ihrer Beschwerden die Verrichtung einer Erwerbstätigkeit in einem Pensum 

von 50 Prozent – und damit bloss die „halbe Überwindbarkeit“ der Beschwerden – 

zugemutet werden, juristisch nicht überzeuge. Diese Auffassung hält einer kritischen 

Würdigung nicht stand. Sie krankt nämlich bereits daran, dass der Unfall 

beziehungsweise das in dessen Folge aufgetretene „syndromale Leiden“ nicht die 

einzige Ursache der mittlerweile chronifizierten Persönlichkeitsänderung gewesen ist. 

Vielmehr lässt sich insbesondere dem psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS 

Zentralschweiz aus dem Jahr 2004 entnehmen, dass die Vernachlässigung der 

Beschwerdeführerin im frühen Kindesalter infolge der Überforderung der leiblichen 

Eltern mit anschliessender Adoption und einer darüber hinaus gehenden 

problematischen Beziehung zwischen der Beschwerdeführerin und deren leiblichen 

Eltern eine erhebliche Vulnerabilität verursacht haben. Der Unfall und dessen Folgen 

haben die Beschwerdeführerin zwar für eine Zeit aus der Bahn geworfen. Retrospektiv 

betrachtet dürfte es sich dabei aber nur um einen Auslöser – um den berüchtigten 

Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – gehandelt haben, der das im frühen 

Kindesalter erlittene Trauma reaktiviert hat. Dieses Trauma und die damit verbundene 

elementare Verunsicherung bezüglich der eigenen Persönlichkeit hat die unheilvolle 

Entwicklung in den Jahren 2004–2010 verursacht; der Unfall ist lediglich ein „Trigger“ 

gewesen, wie die psychiatrischen Sachverständigen überzeugend dargelegt haben 

(vgl. IV-act. 157–61 f. und Fremdakten). Eine derart tiefgehende 

Persönlichkeitsänderung, wie sie die Beschwerdeführerin durchlaufen hat, kann mit 

den Schmerzen infolge des Unfalls allein nicht erklärt werden. Die Qualifikation der 

Persönlichkeitsänderung als blosse Folge des Schmerzsyndroms widerspräche der 

medizinischen Empirie, wie die psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS 

Zentralschweiz und der MEDAS Ostschweiz nachvollziehbar und überzeugend 

aufgezeigt haben. Die Auffassung, die Persönlichkeitsstörung in der jetzigen 

Ausprägung sei kein eigenständiges Krankheitsbild, liefe den Beurteilungen der 

psychiatrischen Sachverständigen diametral zuwider. Soweit ersichtlich hat auch das 

Bundesgericht eine Persönlichkeitsänderung noch nie als „syndromales Leiden“ 

qualifiziert. Insbesondere lässt sich dem von der Beschwerdegegnerin angeführten 

Urteil 8C_167/2012 vom 15. Juni 2012 nichts dergleichen entnehmen, denn in dessen 

E. 5.2 heisst es, der psychiatrische Sachverständige habe festgehalten, dass die 

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leichte Persönlichkeitsänderung und das chronische Schmerzsyndrom keine 

Arbeitsunfähigkeit bewirkten. Das Bundesgericht hat zwar in der E. 6.1 festgehalten, 

dass die Diagnose der „Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom 

(…) für sich allein keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Rechtssinne“ 

darstelle, doch hat es sich dabei auf den konkreten Fall mit einer leichten 

Persönlichkeitsänderung infolge eines chronischen Schmerzsyndroms bezogen. Die 

Persönlichkeitsänderung hat in jenem Fall nur die Qualität einer Nebenfolge des 

Schmerzsyndroms gehabt, weshalb der psychiatrische Sachverständige auch keine 

daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte. Hier liegt aber im Gegensatz 

dazu eine eigenständige, wesentliche (und nicht bloss leichte) Persönlichkeitsänderung 

vor, die nicht bloss eine Nebenerscheinung eines chronischen Schmerzsyndroms 

darstellt. Es handelt sich dabei um ein eigenständiges Leiden. Dementsprechend 

haben die psychiatrischen Sachverständigen nicht eine Persönlichkeitsänderung bei 

chronischem Schmerz (ICD-10 F 62.80), sondern eine anderweitige 

Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F 62.90) diagnostiziert. Es besteht kein Grund zur 

Annahme, das Bundesgericht würde auch eine eigenständige Persönlichkeitsänderung 

als „syndromales Leiden“ qualifizieren. Medizinisch liesse sich dies nämlich nicht 

begründen. Hier liegt also kein „syndromales Leiden“ vor. Die Frage der 

„Überwindbarkeit“ ist folglich nicht anhand der Foerster’schen Kriterien zu 

beantworten. Die Beschwerdegegnerin hat bezüglich der Frage, inwiefern der 

Beschwerdeführerin die Verrichtung von Arbeit trotz ihrer 

Gesundheitsbeeinträchtigungen zugemutet werden kann, verkannt, dass sich die 

„Überwindbarkeit“ nicht ausschliesslich auf eine vollständige Arbeitsleistung in einer 

adaptierten Tätigkeit beziehen muss. Natürlich kann einer versicherten Person eine 

gewisse Leistung entweder zugemutet werden oder nicht. Eine Hürde oder ein 

Hindernis kann nicht teilweise überwunden werden. Daran gibt es nichts zu rütteln. Die 

entscheidende Frage ist aber, welche Leistung der versicherten Person entweder 

zugemutet werden kann oder nicht beziehungsweise wie hoch eine Hürde ist, die 

entweder überwunden werden kann oder nicht. Gemäss den überzeugenden 

Ausführungen der psychiatrischen Sachverständigen kann es der Beschwerdeführerin 

zugemutet werden, trotz ihrer Gesundheitsbeeinträchtigungen eine halbe 

Arbeitsleistung zu erbringen. Die „Überwindbarkeit“ ist also in Bezug auf die Hälfte 

eines gewöhnlichen Arbeitspensums – integral – zu bejahen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/22

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2.5   Würde man sich nun allerdings auf den Standpunkt stellen, die „Überwindbarkeit“ 

der dissoziativen Störung müsse anhand der Foerster’schen Kriterien geprüft werden, 

ergäbe sich kein anderes Resultat, wie nachfolgend aufgezeigt werden wird. 

Diesbezüglich ist allerdings darauf hinzuweisen, dass es nicht einleuchtet, weshalb die 

„Überwindbarkeit“ beim Vorliegen einer Persönlichkeitsänderung „normal“, beim 

Vorliegen einer Persönlichkeitsänderung plus einer dissoziativen Störung aber nach 

den (strengeren) Foerster’schen Kriterien geprüft werden sollte. Damit würde bei einer 

Person, die an einer Beeinträchtigung weniger leidet, ein milderer 

Zumutbarkeitsmassstab angelegt. Jedenfalls stellt die von den psychiatrischen 

Sachverständigen beschriebene tiefgreifende Persönlichkeitsänderung eine psychische 

Komorbidität von erheblicher Ausprägung, Schwere und Dauer dar, denn es handelt 

sich dabei um ein eigenständiges und chronifiziertes, mittlerweile seit Jahren in der 

aktuellen Schwere bestehendes Leiden, das die Beschwerdeführerin in ihrer 

Leistungsfähigkeit und in ihrer Fähigkeit, trotz der dissoziativen Störung Arbeit zu 

verrichten, erheblich beeinträchtigt. Die psychiatrischen Sachverständigen haben 

überzeugend dargelegt, dass die Persönlichkeitsänderung eine schwere Belastung für 

die Beschwerdeführerin darstellt und diese zwingt, immer wieder Pausen einzulegen, 

um den emotionalen Distress zu verarbeiten. Die persönlichen Ressourcen der 

Beschwerdeführerin sind infolge der Persönlichkeitsänderung also erheblich 

vermindert. Die Beschwerdeführerin leidet weiter an einer chronischen körperlichen 

Begleiterkrankung, denn ihre Wirbelsäule ist objektivierbar geschwächt und 

geschädigt, weshalb sie sich auch bereits mittlerweile drei Operationen hat unterziehen 

müssen. Diese objektivierbaren Beeinträchtigungen vermögen zwar das Ausmass der 

von der Beschwerdeführerin geklagten Schmerzen nicht zu erklären, belegen aber 

immerhin einen Teil der chronisch vorhandenen Schmerzen, die die 

Beschwerdeführerin seit Jahren „zermürben“. Bezüglich eines so genannten primären 

Krankheitsgewinns im Sinne einer Flucht in die Krankheit lässt sich dem 

psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS Ostschweiz keine klare Stellungnahme 

entnehmen. Auch das psychiatrische Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz aus 

dem Jahr 2010 enthält keine entsprechenden Ausführungen. Die gesamte Entwicklung 

in den vergangenen Jahren spricht aufgrund der Ausführungen der psychiatrischen 

Sachverständigen eher für als gegen eine an sich missglückte, psychisch aber 

entlastende Konfliktbewältigung als. Verneint werden müssen dagegen ein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/22

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ausgeprägter sozialer Rückzug und das Vorliegen von unbefriedigenden 

Behandlungsergebnissen, da die Behandlungsergebnisse adäquat ausgefallen sind 

und die Beschwerdeführerin am sozialen Leben nach wie vor teilweise teilnimmt, auch 

wenn im Vergleich zum Zustand vor dem Unfall sicherlich ein deutlicher Rückzug 

stattgefunden hat. Bei dieser Sachlage müssten die Foerster’schen Kriterien, so sie 

denn überhaupt relevant wären, als erfüllt qualifiziert werden, weshalb die 

„Überwindbarkeit“, das heisst die Zumutbarkeit der Verrichtung von Arbeit in einer 

adaptierten Tätigkeit mit einer vollen Leistung, zu verneinen wäre.

2.6   Die Beschwerdeführerin hat in den Jahren 1981–1983 eine Ausbildung zur medi­

zinischen Masseurin absolviert und anschliessend bis nach dem Unfall im Jahr 1990, 

nämlich bis ins Jahr 1991, als medizinische Masseurin gearbeitet (vgl. IV-act. 6). Im 

Jahr 1991 hat sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin begonnen, die sie selbst als 

„Umschulung“ bezeichnet hat (IV-act. 6–5). Den Akten lässt sich klar entnehmen, dass 

die Beschwerdeführerin diese Ausbildung aus gesundheitlichen Gründen angestrebt 

hat (vgl. z.B. IV-act. 10 und 11). Auch die IV-Kommission hat diese Ausbildung als 

invaliditätsbedingte Umschulung qualifiziert (IV-act. 27), weshalb sie der 

Beschwerdeführerin mit einer Verfügung vom 4. November 1993 entsprechende 

Leistungen zugesprochen hat (IV-act. 34). Die Beschwerdeführerin hat allerdings die 

kantonale Heilpraktikerprüfung nicht bestanden und deshalb weiterhin als medizinische 

Masseurin mit Fachausweis gearbeitet (vgl. IV-act. 218–31). Folglich arbeitet sie wieder 

im erlernten Beruf, doch hat sie ihr Aufgabengebiet so verlagert, dass sie dabei mehr 

leidensadaptierte Tätigkeiten verrichten kann. Da keinerlei Hinweise darauf vorliegen, 

dass die Beschwerdeführerin ohne den Unfall die Ausbildung zur Heilpraktikerin 

begonnen hätte, ist der erlernte Beruf der medizinischen Masseurin, den sie nach dem 

Abschluss der Ausbildung während fast zehn Jahren – bis zum Unfall und noch etwa 

ein Jahr länger – ausgeübt hat, als Validenkarriere zu qualifizieren. Mit anderen Worten 

ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin als medizinische 

Masseurin erwerbstätig gewesen wäre. Aus medizinischer Sicht kann ihr die 

Weiterführung dieser Tätigkeit trotz der Gesundheitsbeeinträchtigungen zugemutet 

werden. Effektiv übt die Beschwerdeführerin diesen Beruf ja auch weiterhin aus. 

Alternativ ist ihr die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit in 

der freien Wirtschaft aus medizinischer Sicht ebenfalls zumutbar. Als adaptierte 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/22

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Tätigkeiten sind laut den Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz (vgl. IV-act. 218–

37) Tätigkeiten zu qualifizieren, die keine speziell erhöhten Anforderungen an die 

Stress- und Frustrationstoleranz, an die emotionale Belastbarkeit, an die 

Konzentrationsfähigkeit oder an die sozialen Kompetenzen stellen. Mangels einer 

zweiten Ausbildung fallen allerdings aus beruflicher Sicht nur die Weiterausübung der 

erlernten Tätigkeit oder die Verrichtung von Hilfsarbeiten in Betracht. Da gelernte und 

erfahrene Arbeitnehmerinnen im Gesundheitswesen (deutlich) mehr als ungelernte 

Arbeitnehmerinnen im Allgemeinen, das heisst über alle Branchen hinweg, verdienen 

(vgl. etwa LSE 2012, TA1: 6’283 Franken versus 4’646 Franken [Kompetenzniveau 2] 

bzw. 4’112 Franken [Kompetenzniveau 1]), ist die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer 

allgemeinen Schadenminderungspflicht gehalten, nicht als Hilfsarbeiterin, sondern 

weiterhin im erlernten Beruf tätig zu sein. Dabei kann nicht auf den tatsächlichen 

Nettoerfolg der selbständigen Tätigkeit abgestellt werden, weil die Beschwerdeführerin 

das medizinisch-theoretisch zumutbare Mass bislang noch nie ausgeschöpft hat und 

weil der Nettoerfolg durch invaliditätsfremde Faktoren (wie etwa die Konjunkturlage) 

verfälscht sein kann. Das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen ist folglich 

abstrakt zu berechnen. Dessen Ausgangswert entspricht damit dem 

Valideneinkommen, weil sich die beiden Vergleichskarrieren entsprechen. Das 

bedeutet, dass die Höhe der Vergleichseinkommen mathematisch keine Rolle spielen 

kann und der Invaliditätsgrad damit dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen 

allfälligen Abzug (BGE 126 V 75), entspricht. Angesichts der selbständigen 

Erwerbstätigkeit ist kein Grund für einen solchen Abzug ersichtlich, womit der 

Invaliditätsgrad dem Arbeitsunfähigkeitsgrad entspricht, also 50 Prozent beträgt. 

Folglich hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine halbe Rente der 

Invalidenversicherung. Von Eingliederungsmassnahmen kann keine rentensenkende 

oder gar rentenausschliessende Wirkung erwartet werden, denn erstens ist die 

Beschwerdeführerin in sämtlichen Tätigkeiten zu 50 Prozent arbeitsunfähig und 

zweitens erscheint eine höherwertige Umschulung als aussichtslos, weil die 

Beschwerdeführer damit intellektuell überfordert und durch ihre Krankheit an einem 

erfolgreichen Abschluss gehindert sein dürfte. Die Zusprache der halben Rente verletzt 

den Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ also nicht.

2.7   Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz haben festgehalten, dass ihre 

Arbeitsfähigkeitsschätzung spätestens ab dem Zeitpunkt der ersten Begutachtung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/22

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durch die MEDAS Zentralschweiz im Januar 2004 gültig sei, was angesichts der 

medizinischen Berichte überzeugt. Wie im Entscheid IV 2010/390 festgehalten worden 

ist, hat der Rentenanspruch angesichts der Anmeldung im Juli 2004 frühestens am 

1. Juli 2003 entstehen können. Folglich ist zu klären, wie hoch der Invaliditätsgrad in 

der zweiten Jahreshälfte 2003 gewesen ist und ob die Beschwerdeführerin im Juli 2003 

bereits das so genannte Wartejahr erfüllt gehabt hatte. Weder das Gutachten der 

MEDAS Ostschweiz noch die beiden Gutachten der MEDAS Zentralschweiz enthalten 

allerdings eine explizite Arbeitsfähigkeitsschätzung bezüglich des Zeitraums vor der 

ersten Begutachtung im Januar 2004. Der Neurologe Dr. D.___, der die 

Beschwerdeführerin im Dezember 1998 im Auftrag der Unfallversicherung begutachtet 

hatte, hatte allerdings bereits damals eine Arbeitsunfähigkeit von 30 Prozent attestiert. 

Die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz haben in ihrem ersten Gutachten 

festgehalten, dass sich der Zustand in den vergangenen 14 Jahren seit dem Unfall 

chronifiziert habe. Ihr Gutachten hat keine Hinweise auf eine Verbesserung des 

Gesundheitszustandes in den Jahren 1998–2004 und auch keine Hinweise auf eine 

relevante Verschlechterung im zweiten Halbjahr 2003 enthalten, weshalb mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin 

im Juli 2003 bereits zu 50 Prozent invalid gewesen ist und in diesem Zeitpunkt das 

Wartejahr bereits erfüllt gehabt hat. Folglich ist ihr die halbe Rente mit Wirkung ab dem 

1. Juli 2003 zuzusprechen.

3.      Diesem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Gerichtskosten von 

600 Franken der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der 

von ihr geleistete Kostenvorschuss von ebenfalls 600 Franken zurückerstattet. Die 

Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

auszurichten, die praxisgemäss auf 3’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) festgelegt wird.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

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1.      In Gutheissung der Beschwerde wird der Beschwerdeführerin eine halbe Rente 

mit Wirkung ab dem 1. Juli 2003 zugesprochen; die Sache wird zur Festsetzung der 

Rentenbeträge an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.      Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; der 

Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--

zurückerstattet.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3’500.-- auszurichten.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 05.06.2015
	Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Schleudertrauma. Persönlichkeitsänderung. Auseinandersetzung mit drei polydisziplinären Gutachten. Frage des Vorliegens eines „syndromalen Leidens“. Frage der „Überwindbarkeit“ (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. Juni 2015, IV 2014/238).

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