# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 159eb7bf-cf6c-595c-ac47-234d58346ebd
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-26
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 26.04.2016 110 2015 166
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_110-2015-166_2016-04-26.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION 

RA Nr. 110/2015/166 Bern, 26. April 2016

in der Beschwerdesache zwischen

Herrn A.________
Beschwerdeführer 1

Frau B.________
Beschwerdeführerin 2

beide vertreten durch Herrn Fürsprecher C.________

und

Herrn D.________
Beschwerdegegner 1

Frau E.________
Beschwerdegegnerin 2

beide vertreten durch Frau Fürsprecherin F.________

sowie

Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Wilderswil, Bauverwaltung, Kirchgasse 31, 
3812 Wilderswil

betreffend die Verfügung der Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Wilderswil vom 
17. November 2015 (4.301.01728/07; 2-Familienhaus)

RA Nr. 110/2015/166 2

I. Sachverhalt

1. Die Beschwerdegegner reichten am 17. Juni 2015 bei der Gemeinde Wilderswil ein 

Baugesuch ein für den Neubau eines Zweifamilienhauses mit Studio und vier 

Abstellplätzen sowie für den Teilabbruch und die Umnutzung des bestehenden Schopfes 

auf Parzelle Wilderswil Grundbuchblatt Nr. G.________. Die Parzelle liegt in der Kernzone. 

Gegen das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit 

Gesamtentscheid vom 17. November 2015 erteilte die Gemeinde Wilderswil die 

Baubewilligung.

2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 16. Dezember 2015 Beschwerde 

bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen 

die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 17. November 2015 und die Abweisung des 

Baugesuchs. Sie machen insbesondere geltend, aufgrund der voraussichtlichen Baukosten 

sei die Zuständigkeit der Gemeinde nicht gegeben, die Dachgestaltung entspreche nicht 

dem Gemeindebaureglement und der erforderliche Gebäudeabstand sei nicht eingehalten.

3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den 

Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegner und die 

Gemeinde beantragen die Abweisung der Beschwerde. Auf die Rechtsschriften wird, 

soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1. Sachurteilsvoraussetzungen

a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann 

er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel 

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und 
Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1)

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angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im 

vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide 

können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei 

der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der fristgerecht 

eingereichten Beschwerde zuständig.

b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer 

Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit 

Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, 

sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert. Sie sind zudem unmittelbare 

Nachbarn des Baugrundstücks, so dass sie die für die Einsprache- und 

Beschwerdeberechtigung erforderliche Beziehungsnähe zum Bauvorhaben aufweisen. Die 

Beschwerdeführenden sind damit zur Beschwerdeführung legitimiert. Ob die 

Beschwerdeführenden an jeder einzelnen Rüge das von Art. 35c Abs. 1 BauG verlangte 

schutzwürdige Interesse haben, kann offen bleiben. Ein solches Interesse besteht 

jedenfalls an der Rüge, die vorgesehene Dachgestaltung sei unzulässig und diene einzig 

einer maximalen Ausnützung (siehe Erwägung 4). Auf die formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten.

2. Rechtliches Gehör

a) Die Beschwerdeführenden baten die Gemeinde nach Eröffnung des Bauentscheides 

im Hinblick auf eine allfällige Beschwerde bei der BVE um Akteneinsicht.4 Sie rügen, die 

Gemeinde habe ihrem Anwalt daraufhin lediglich Kopien der Akten zugestellt mit dem 

Hinweis, die Pläne würden nicht herausgegeben, diese könnten jedoch bei der Gemeinde 

eingesehen werden.5

b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG6 gibt den Parteien unter 

anderem das Recht, Einsicht in die Akten zu nehmen, soweit nicht überwiegende 

öffentliche oder private Interessen deren Geheimhaltung erfordern (Art. 23 Abs. 1 VRPG). 

3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
4 Vorakten, pag. 100
5 Vorakten, pag. 101
6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)

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Die Akten können am Sitz der entscheidenden Behörde eingesehen werden. Ein Recht, sie 

nach Hause mitzunehmen, besteht nicht. Den zur Berufsausübung im Kanton 

zugelassenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten werden die Akten jedoch 

praxisgemäss zur Einsicht überlassen, da genügend Gewähr dafür besteht, dass sie 

vollständig und unverändert wieder zurückgegeben werden.7

c) Die Gemeinde erklärt, sie habe die Akten den anwaltlich vertretenen 

Beschwerdeführenden fälschlicherweise nur in Kopie und ohne die Pläne zugestellt. Sie 

anerkennt damit, dass sie die Akteneinsicht vorliegend nicht gemäss der genannten Praxis 

gewährt hat. Eine Gehörsverletzung liegt hingegen nicht vor. Die Beschwerdeführenden 

bzw. ihr Anwalt hätten nachfragen oder die Pläne bei der Gemeinde einsehen können. Die 

Beschwerdeführenden machen daher zu Recht nicht geltend, sie hätten einen Nachteil 

erlitten, der zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides führen müsste.

3. Zuständigkeit der Gemeinde

a) Es ist unbestritten, dass Wilderswil eine kleine Gemeinde im Sinn von Art. 33 Abs. 2 

BauG ist und dass ihr nicht die volle Bewilligungskompetenz übertragen wurde.8 Ihre 

Zuständigkeit beschränkt sich daher auf Bauvorhaben mit geringem Koordinationsaufwand 

(Art. 33 Abs. 2 BauG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 1 BewD9), sofern weder eine 

Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist noch die Baukosten Fr. 1'000'000.00 

übersteigen (Art. 9 Abs. 2 BewD).

b) Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Baukosten für die Erstellung von drei voll 

ausgebauten Geschossen mit komplexer Dachgestaltung, mit dem Teilabbruch und der 

Neuerstellung von Abstellräumen sowie der Erstellung von vier Abstellplätzen überstiegen 

Fr. 1'000'000.00 deutlich. Bei einem Gebäudevolumen von rund 1'250 Kubikmeter und 

einem durchschnittlichen Preis von Fr. 850.00 pro Kubikmeter ergäben sich Baukosten von 

Fr. 1'062'500.00 bzw. unter Einbezug der Umgebungsgestaltung sowie der Erstellung der 

7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 23 N. 12
8 Vgl. www.jgk.be.ch > Baubewilligungen > Baubewilligungsverfahren > Liste der Gemeinden mit voller 
Bewilligungskompetenz (pdf)
9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)

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notwendigen Autoabstellplätze von Fr. 1'100'000.00. Die Gemeinde sei für die Erteilung der 

Baubewilligung nicht zuständig gewesen.

c) Im Baugesuch sind die Baukosten einschliesslich der Eigenarbeiten, aber ohne 

Kosten für Projektierung, Landerwerb, Erschliessung und Bauzinsen zu beziffern; die 

Behörde kann in Zweifelsfällen die Vorlage der Kostenvoranschläge verlangen (Art. 11 

Abs. 1 Bst. e BewD).

d) Die Baukosten sind im Baugesuch mit Fr. 800'000.00 ausgewiesen. Nach Eingang 

der Einsprache der Beschwerdeführenden holte die Gemeinde bei den 

Beschwerdegegnern einen detaillierten Kostenvoranschlag ein, der die einzelnen Posten 

genau beschreibt und die Baukosten auf Fr. 825'000.00 beziffert.10 Entgegen den 

Vorbringen der Beschwerdeführenden sind im Kostenvoranschlag die Umgebungsarbeiten 

sowie die geplanten Abstellplätze enthalten.11 Die Beschwerdeführenden zeigen zudem 

nicht auf, welche Posten im Kostenvoranschlag unterbewertet sein sollen. Sie kritisieren 

den Kostenvoranschlag lediglich pauschal aufgrund der Annahme eines mittleren 

Kubikmeterpreises von Fr. 850.00. Kubikmeterpreise können von Bauvorhaben zu 

Bauvorhaben erheblich schwanken. Die Annahme eines nicht näher begründeten 

Kubikmeterpreises vermag den detaillierten Kostenvoranschlag nicht zu widerlegen. 

Zudem liegen die Baukosten gemäss Kostenvoranschlag mit Fr. 825'000.00 deutlich unter 

der relevanten Grenze von Fr. 1'000'000.00. Die Rüge der Unzuständigkeit der Gemeinde 

ist unbegründet.

4. Dachform und Baudimensionen

a) Geplant ist ein Zweifamilienhaus mit einem Studio. Das Gebäude weist zwei 

Vollgeschosse und ein Dachgeschoss auf. Der Grundriss ist gestaffelt; auf der Südfassade 

besteht auf der südwestlichen Ecke ein Rücksprung von 3,30 m auf 2,79 m. Geplant ist ein 

Dach mit zwei parallel verlaufenden Firsten. Die Firste weisen einen Abstand von lediglich 

3,30 m auf und stehen quer zur Gebäudelänge. Die Dachflächen des Hauptdaches bzw. 

der Hauptdächer weisen eine Dachneigung von jeweils 30° auf. Vorgesehen sind pro 

Dachfläche je eine Lukarne mit einer Dachneigung von 20°.

10 Vorakten, pag. 61; Kostenvoranschlag, pag. 69 f.; Beilage zur Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2016
11 Beilage 3 zur Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2016, S. 18

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b) Die Beschwerdeführenden machen geltend, es handle sich um zwei Satteldächer 

und zwei Lukarnen. Dies ergebe keine ruhige Dachgestaltung und es bestehe auch keine 

vergleichbare Dachgestaltung in Wilderswil. Es gehe rein um eine maximale Ausnützung, 

indem die vorgesehene Dachgestaltung einen dreigeschossigen Bau ermögliche. Für die 

Beurteilung der Gestaltung sei ein Augenschein durchzuführen und die Kantonale 

Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) beizuziehen.

Die Beschwerdegegner bringen vor, es handle sich um ein 2-firstiges Satteldach, welches 

vom Gemeindebaureglement nicht verboten werde. In der Umgebung bestehe eine 

heterogene Dachlandschaft, die auch nicht besonders schützenswert sei. Die Einwände 

der Beschwerdeführenden betreffend Ästhetik vermöchten einen Bauabschlag nicht zu 

rechtfertigen, zumal die Gemeinde, welche in Gestaltungsfragen über eine gewisse 

Autonomie verfüge, das Bauvorhaben bewilligt habe. Auch die Gemeinde ist der 

Auffassung, es liege ein 2-firstiges Satteldach vor und dieses werde vom 

Gemeindebaureglement nicht ausgeschlossen.

c) Die Gemeinde weist detaillierte Vorschriften über die Dachgestaltung auf. In der 

Kernzone sind für Hauptbauten nur Sattel- und Walmdächer zugelassen; die Dachflächen 

sind ruhig zu halten. Die Dachneigung muss 18° bis 30° betragen und die Vordächer 

müssen in der Kernzone giebel- und traufseitig mindestens 1,20 m betragen (Art. 6 Abs. 1 

GBR12). Dachaufbauten sind nach den detaillierten Vorgaben von Art. 6 Abs. 2 GBR 

zulässig, soweit im Rahmen von Art. 5 GBR eine gute Gesamtwirkung erzielt wird. 

Dacheinschnitte sind in der Kernzone nicht erlaubt. Weitere Vorgaben betreffen 

beispielsweise Parabolantennen und die Materialisierung (Art. 6 Abs. 3 und 4 GBR).

d) Umstritten ist, ob es sich beim geplanten Dach mit zwei Firsten um ein Satteldach im 

Sinn von Art. 6 Abs. 1 GBR handelt. Ein Satteldach besteht definitionsgemäss aus zwei 

gegeneinander ansteigenden Dachflächen.13 Daraus ergeben sich senkrechte dreieckige 

Giebel. Sind mehrere Satteldächer mit ihren Längsachsen nebeneinander angeordnet, so 

liegt ein Paralleldach vor.14 Solche sind beispielsweise bei Reihenhäusern verbreitet. Beim 

vorliegend geplanten Dach handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Satteldach. 

12 Baureglement der Einwohnergemeinde Wilderswil vom 15. September 2008 (GBR)
13 Koepf/Binding, Bildwörterbuch der Architektur, 3. Aufl., Stuttgart 1999, S. 114 f.
14 Koepf/Binding, Bildwörterbuch der Architektur, 3. Aufl., Stuttgart 1999, S. 114 f.

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Insbesondere ergibt sich mit den zwei Firsten auf der Nordfassade eine ungewöhnliche 

Form, da hier zwei dreieckige Giebel nebeneinander stehen. Es liegt aber auch nicht ein 

typisches Paralleldach vor, da das darunter liegende Dachgeschoss durchgehend ist und 

die beiden Firste nahe beieinander stehen. Die Beschwerdegegner und die Gemeinde 

bezeichnen die Dachform als "2-firstiges Satteldach". Ob das geplante Dach ein Satteldach 

im Sinn von Art. 6 Abs. 1 GBR darstellt, ist nach dem Wortlaut der Bestimmung unklar. 

Einzig aus der Bezeichnung "Satteldach" lässt sich nicht schliessen, ob ein Satteldach 

auch zwei oder allenfalls sogar mehrere Firste aufweisen darf.

e) Ist der Wortlaut einer Bestimmung nicht eindeutig, muss unter Einbezug der weiteren 

Auslegungselemente nach der Lösung gesucht werden, die mit Blick auf die 

Wertentscheidung des Gesetzgebers am meisten überzeugt. Dabei sind der 

Zusammenhang mit anderen Gesetzesbestimmungen, die Entstehungsgeschichte sowie 

der Sinn und Zweck der Norm zu berücksichtigen.15

Die Vorschriften über die Dachgestaltung befinden sich im Abschnitt "Qualität des Bauens 

und Nutzens" unter dem Titel "Gestaltung". Aus der systematischen Stellung von Art. 6 

Abs. 1 GBR ergeben sich keine direkten Anhaltspunkte über die Zulässigkeit von Dächern 

mit mehreren Firsten.

Der Erläuterungsbericht zur Ortsplanungsrevision vom 17. Februar 2009 gibt Hinweise auf 

die Entstehungsgeschichte. In Bezug auf die Dachgestaltung geht daraus hervor, dass 

diese für das Ortsbild wichtig ist und die Bestimmungen zur Dachgestaltung gegenüber 

dem alten Gemeindebaureglement präzisiert wurden.16 Anhaltspunkte zur Zulässigkeit 

eines Daches mit zwei oder mehreren Firsten ergeben sich aus dem Erläuterungsbericht 

nicht.

f) Die Vorschrift, wonach in der Kernzone nur Sattel- und Walmdächer zugelassen sind, 

verfolgt jedenfalls einen ästhetischen Zweck. Im Kommentar zu Art. 6 GBR wird 

festgehalten, dass das Ortsbild von Wilderswil durch die bestehende Dachlandschaft 

besonders geprägt wird. Dies ergibt sich auch aus dem Erläuterungsbericht.17 Bei der 

Beurteilung der Ästhetik ist daher der Dachgestaltung besonderes Gewicht beizumessen. 

15 BVR 2015 S. 450 E. 4.1.
16 Erläuterungsbericht Ortsplanungsrevision Wilderswil vom 17. Februar 2009, S. 9
17 Erläuterungsbericht Ortsplanungsrevision Wilderswil vom 17. Februar 2009, S. 9

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Ob das 2-firstige Dach mit zwei Lukarnen der von Art. 6 Abs. 1 GBR geforderten ruhigen 

Dachgestaltung entspricht, ist fraglich. Die Frage muss jedoch nicht abschliessend 

beantwortet werden und es kann auf einen Augenschein und den Beizug der OLK 

verzichtet werden.

Das Gemeindebaureglement von Wilderswil sieht keine Nutzungsbegrenzung über eine 

Geschossflächen-, Baumassen- oder Überbauungsziffer vor. Die zulässige Ausnützung 

ergibt sich somit ausschliesslich aus den Vorschriften über die Bauabstände und die 

Gebäudedimensionen.18 Diese finden sich zur Hauptsache in Art. 2 GBR. So gilt in der 

Kernzone von Wilderswil eine Gebäudehöhe von 6 m und eine Firsthöhe von 9 m (Art. 2 

Abs. 1 GBR). Es sind zwei Geschosse erlaubt, wobei ein Geschoss ab einer 

Kniewandhöhe von mehr als 0,60 m als Vollgeschoss zählt. Aber auch die 

vorgeschriebene Dachform sowie die Dachneigung beschränken die Baudimensionen. So 

sind für Hauptbauten nur Sattel- und Walmdächer mit einer Dachneigung von 18° bis 30° 

zulässig (Art. 6 Abs. 1 GBR). Die Vorschriften über die Gebäude- und Firsthöhe, die 

Kniewandhöhe sowie die Dachform und Dachneigung führen in ihrem Zusammenwirken 

dazu, dass die Ausnützung im Dachgeschoss bei typischen Satteldächern mit einem First 

eingeschränkt wird. Wie sich aus den Materialien ergibt, wurde die Kniewandhöhe mit dem 

aktuellen Gemeindebaureglement neu eingeführt, was bei Kreuzfirstdächern zu 

Unsicherheiten betreffend die Messweise führte.19 In der Folge wurde die Fussnote 4 bei 

Art. 2 GBR ergänzt und klar gestellt, dass "bei Kreuzfirstdächern, welche die ganze 

Fassadenlänge des Dachgeschosses in Anspruch nehmen, (...) die Kniewandhöhe in den 

Eckpunkten gemessen" wird. Dies unterstreicht, dass die Vorschriften über die 

Dachgestaltung auch für die Baudimensionen von Bedeutung sind. Neben der ästhetischen 

Zielsetzung bezwecken die Vorschriften zur Dachform und zur Dachgestaltung auch die 

Begrenzung des Nutzungsmasses.

g) Die Beschränkung auf Satteldächer (und Walmdächer) zusammen mit den 

detaillierten Dachvorschriften (Art. 6 Abs. 1 und 2 GBR) bezwecken also u.a., die Nutzung 

des Dachgeschosses zu begrenzen. Vor diesem Hintergrund ist eine Auslegung, wonach 

unter dem Begriff "Satteldach" auch 2-firstige Satteldächer zugelassen sein sollen, rechtlich 

nicht haltbar. Denn bei zwei- oder mehrfirstigen Satteldächern verlieren die detaillierten 

18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 13 
N. 7
19 Verfügung des Amts für Gemeinden und Raumordnung (AGR) vom 15. November 2012

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Vorschriften zur Dachgestaltung ihre Wirkung zur Beschränkung des Nutzungsmasses. 

Eine mit dem zweifirstigen Dach vergleichbare Ausnützung im Dachgeschoss wäre mit 

einem gewöhnlichen Satteldach mit einem First nur möglich, wenn beispielsweise die 

zulässige Firsthöhe überschritten, die Dachneigung nicht eingehalten und/oder die 

Kniewandhöhe überschritten wird. Das Dach mit zwei Firsten ist daher in der Kernzone 

nicht zulässig. Die Beschwerde ist gutzuheissen und dem Baugesuch ist der Bauabschlag 

zu erteilen. Bei diesem Ergebnis erübrigen sich Ausführungen zu den weiteren Vorbringen 

der Beschwerdeführenden.

5. Kosten

a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdegegner. Sie haben 

die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine 

Pauschalgebühr von Fr. 1'600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 

GebV20).

b) Die Beschwerdegegner haben zudem den Beschwerdeführenden die Parteikosten zu 

ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdeführenden 

beträgt Fr. 2'412.70 (Honorar Fr. 2'000.00; Auslagen Fr. 82.50; Mehrwertsteuer Fr. 166.60; 

Saldo Geldverkehr Fr. 163.60). Unter dem Titel Saldo Geldverkehr sind Zahlungen an die 

Gemeinde Wilderswil vom 5. Dezember 2014 über Fr. 96.50 sowie vom 7. Januar 2016 

über Fr. 67.10 für das Kopieren von Akten aufgeführt. Während die Zahlung aus dem Jahr 

2016 in den Vorakten ausgewiesen ist,21 betrifft die Zahlung aus dem Jahr 2014 nicht das 

vorliegende Beschwerdeverfahren, da sie bereits vor Einreichung des Baugesuchs im Juni 

2015 erfolgte. Die Kostennote, die ansonsten zu keinen Bemerkungen Anlass gibt, ist 

damit um Fr. 96.50 zu kürzen. Die Beschwerdegegner haben somit den 

Beschwerdeführenden die Parteikosten von Fr. 2'316.20 zu ersetzen.

c) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren hat in jedem 

Fall der Gesuchsteller zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD). Diese belaufen sich gemäss 

20 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; 
BSG 154.21)
21 Vorakten, pag. 101

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Ziff. IV/4.6 des Bauentscheids der Gemeinde Wilderswil vom 17. November 2015 auf 

Fr. 2'818.70. Für das Inkasso dieser Kosten ist die Gemeinde Wilderswil zuständig.

III. Entscheid

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Gesamtentscheid der Gemeinde Wilderswil 

vom 17. November 2015 wird aufgehoben. Dem Baugesuch vom 17. Juni 2015 wird 

der Bauabschlag erteilt.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'600.00 werden den Beschwerdegegnern zur 

Bezahlung auferlegt. Die Beschwerdegegner haften solidarisch für den gesamten 

Betrag. Eine separate Zahlungseinladung folgt, sobald dieser Entscheid in 

Rechtskraft erwachsen ist.

Die Kosten des erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens von Fr. 2'818.70 werden 

den Beschwerdegegnern zur Bezahlung auferlegt. Für das Inkasso dieser Kosten ist 

die Gemeinde zuständig.

3. Die Beschwerdegegner haben den Beschwerdeführenden die Parteikosten im Betrag 

von Fr. 2'316.20 (inkl. Mehrwertsteuer) zu ersetzen. Die Beschwerdegegner haften 

solidarisch für den gesamten Betrag.

IV. Eröffnung

- Herrn Fürsprecher C.________, eingeschrieben

- Frau Fürsprecherin F.________, eingeschrieben

- Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Wilderswil, Bauverwaltung, eingeschrieben

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BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

Barbara Egger-Jenzer

Regierungsrätin