# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 712fcb1b-2dcf-5bc8-99bc-a9ad77aaffdc
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-03
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 03.02.2014 IV 2013/231
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2013-231_2014-02-03.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2013/231

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 03.06.2020

Entscheiddatum: 03.02.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 03.02.2014
Art. 17 IVG. Umschulung. Gleichwertigkeit. Qualitative Komponente.Das 
Erfordernis der Gleichwertigkeit einer Umschulung bemisst sich nicht allein 
am erzielbaren Lohn an einem Arbeitsplatz, sondern auch am Spektrum der 
Tätigkeiten innerhalb des neuen Berufs, in dem ein entsprechender Lohn 
erzielt werden kann. Eine Umschulung unterscheidet sich von der 
Einarbeitung an einen Arbeitsplatz insbesondere dadurch, dass der 
versicherten Person ermöglicht wird, an unbestimmt vielen Arbeitsplätzen in 
ihrem neuen Beruf einen gleichwertigen Lohn zu erzielen (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. Februar 2014, IV 
2013/231).

Entscheid Versicherungsgericht, 03.02.2014

Der Vizepräsident

hat

am 3. Februar 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Nico Gächter, Rosenbergstrasse 42, 

9000 St. Gallen,

gegen

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

berufliche Massnahmen (Umschulung)

in Erwägung gezogen:

Sachverhalt

A.    

A.a  A.___ geboren 19__, meldete sich im April 1996 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 3). Er gab an, eine Berufslehre zum Maler absolviert 

und anschliessend als gelernter Maler gearbeitet zu haben. Diese Tätigkeit könne er 

aber aufgrund von Hüft-, Bein-, Knie- und Rückenbeschwerden nicht mehr ausüben. 

Die Ärzte bestätigten in der Folge, dass ein Wechsel in eine teils sitzend und teils 

stehend zu verrichtende Tätigkeit notwendig sei (vgl. IV-act. 5). Ein Onkel des Ver­

sicherten bot an, den Versicherten in die Anwendung eines CAD-Programms ein­

zuführen (IV-act. 10). Der IV-Berufsberater empfahl am 2. August 1996 eine ent­

sprechende Einarbeitung in den Beruf des Planzeichners während 40 Stunden (IV-

act. 11 f.). Diese Einarbeitung fand im Oktober 1996 statt (IV-act. 16). Im Anschluss 

daran wurde vereinbart, dass der Onkel des Versicherten diesen während eines 

weiteren halben Jahres in die Bedienung des CAD-Programms einführen sollte (IV-

act. 21). Mittels zusätzlichen Selbststudiums sollte der Versicherte lernen, Ortspläne zu 

zeichnen. Sein Onkel sollte ihn anschliessend an eine Unternehmung vermitteln, die 

ihm für mindestens drei Jahre Aufträge zuweisen sollte. Die IV-Stelle übernahm auch 

die Kosten für einen geeigneten Monitor (IV-act. 28) und einen Personal Computer im 

Rahmen eines selbstamortisierenden, unverzinslichen Darlehens (IV-act. 33). Ende April 

2007 gab der Versicherte an, er könne nun selbständig Pläne zeichnen und habe auch 

genügend Arbeit. Er verdiene etwa 6’000 Franken pro Monat (IV-act. 29).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.b  Im Mai 2008 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-

act. 34). Sein Hausarzt, Dr. med. B.___, teilte am 3. Juni 2008 mit (IV-act. 41), der 

Versicherte habe nach der Anlehre selbständig im Auftrag eines Kartographen ge­

arbeitet, könne mit dieser Tätigkeit aber aktuell kein existenzsicherndes Einkommen 

mehr erzielen. Weiter berichtete Dr. B.___ über eine im Juni 2000 erlittene Distorsion 

der Halswirbelsäule und über eine im Februar 2003 diagnostizierte rechtskonvexe 

Skoliose und Teillumbalisation des Wirbels S1. Ein IV-Berufsberater erhielt in der Folge 

den Auftrag, die Möglichkeiten einer nochmaligen einfachen und zweckmässigen 

„Eingliederung/Umschulung“ zu prüfen, da es sich bei der beruflichen Massnahme im 

Jahr 1996/1997 lediglich um eine kurze, einfache halbjährige Umschulung gehandelt 

habe (IV-act. 48). Am 20. Oktober 2008 teilte der Versicherte dem Berufsberater mit (IV-

act. 51), er habe eine neue Arbeit gefunden und werde sich nach Ablauf der Probezeit 

nochmals melden. Am 16. Januar 2009 (IV-act. 54) notierte der Berufsberater, der 

Versicherte sei von seiner ehemaligen Auftraggeberin angestellt worden und habe die 

Probezeit zwischenzeitlich bestanden, weshalb der Fall abgeschlossen werden könne. 

Am 26. Februar 2009 schloss die IV-Stelle das Verfahren ab (IV-act. 58).

A.c  Am 12. Juli 2012 meldete sich der Versicherte zum dritten Mal zum 

Leistungsbezug an (IV-act. 60). Gemäss den Beilagen zur Anmeldung war das 

Arbeitsverhältnis mit der ehemaligen Auftraggeberin per Ende Juli 2011 gekündigt 

worden (IV-act. 70–5). Danach hatte der Versicherte drei Monate als 

Wärmepumpenmonteur gearbeitet (IV-act. 70–4). Anschliessend war er arbeitslos 

gewesen (IV-act. 61). Am 31. Juli 2012 teilte Dr. B.___ mit (IV-act. 73), im November 

2011 sei zusätzlich zu den bekannten Rückenbeschwerden eine Discushernie L4/5 

rechts festgestellt worden. Trotz physikalischer Therapie und Antirheumatika habe sich 

die Situation zugespitzt. Seit dem 30. Juli 2012 sei der Versicherte nicht mehr 

arbeitsfähig. Seit dem 22. Mai 2012 habe sich zudem eine zunehmende depressive 

Entwicklung eingestellt, weshalb der Versicherte unter anderem in psychiatrischer 

Behandlung stehe. Kartographen seien zudem bereits seit längerer Zeit auf dem 

Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt. Im Rahmen einer (internen) Vortriage hielt eine IV-

Berufsberaterin fest, der Versicherte sei einfach und zweckmässig umgeschult worden. 

Es sei ihm damit möglich gewesen, über Jahre eine selbständige Tätigkeit auszuüben 

und ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Dass die Aufträge 

zurückgegangen seien bzw. der Beruf des Kartographen, den er zuletzt ausgeübt habe, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

nicht mehr gefragt sei, sei eine invaliditätsfremde Tatsache. Im Rahmen von 

Massnahmen der Frühintervention könnten dem Versicherten Kurse zur Aktualisierung 

seiner CAD-Kenntnisse zugesprochen werden. Es bestehe jedoch kein Anspruch auf 

eine Umschulung (IV-act. 83). Die behandelnde Psychiaterin, Dr. med. C.___, teilte am 

6. Februar 2013 mit (IV-act. 105), gegenwärtig sei der Versicherte in psychischer 

Hinsicht vollständig arbeitsfähig. Aus psychotherapeutischer Sicht sei aber eine 

stufenweise Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess angezeigt. Eine solche 

Wiedereingliederung sei auch als der beste Weg aus Verzweiflung und Depression 

heraus anzusehen. Sollte eine Wiedereingliederung nicht gelingen, hätte dies allerdings 

schwerwiegende Folgen für den weiteren psychotherapeutischen Prozess und die 

Entwicklung. Am 5. April 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass kein 

Umschulungsanspruch bestehe (IV-act. 110). Der Versicherte liess am 15. April 2013 

die Eröffnung einer anfechtbaren Verfügung betreffend den Umschulungsanspruch 

verlangen (IV-act. 111). Am 23. April 2013 verfügte die IV-Stelle entsprechend (IV-

act. 113).

B.    

B.a  Am 24. Mai 2013 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) Be­

schwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung vom 23. April 2013 sowie die 

Gewährung beruflicher Massnahmen in Form einer Umschulung beantragen (act. G 1). 

Zur Begründung liess er im Wesentlichen ausführen, er habe von Mai 1997 bis 2008 

lediglich für eine Auftraggeberin gearbeitet. Es sei ihm nicht möglich gewesen, weitere 

Kunden zu akquirieren. Im Oktober 2008 sei er von dieser Auftraggeberin angestellt 

worden. Mangels Arbeit sei der Arbeitsvertrag dann aber per Ende Juli 2011 aufgelöst 

worden. Eine Umschulung habe entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht 

stattgefunden. Es seien lediglich zuerst eine einmonatige Abklärung und anschliessend 

ein dreimonatiger Einführungsunterricht durchgeführt worden. Er habe weder einen 

Lehrgang absolviert noch einen Abschluss gemacht. Er habe auch keine CAD-Kurse 

absolviert. Er sei nur angeleitet worden, für eine spezifische Arbeit benötigte 

Funktionen auszulösen. Ausser einer Berufserfahrung mit einem bestimmten, heute 

längst nicht mehr gebräuchlichen CAD-Programm könne er nichts vorweisen. 

Eigentlich besitze er keine CAD-Kenntnisse, sondern bloss Kenntnisse bestimmter 

Funktionen. Kurse zur Aktualisierung seiner CAD-Kenntnisse seien daher ungeeignet, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

seine beruflichen Qualifikationen zu verbessern. Es fehle ihm an einer Grundausbildung 

für CAD-Programme. Ohne eine eigentliche Umschulung sei er nicht in der Lage, 

qualifizierte Arbeiten zu verrichten. Er müsste vielmehr eine Hilfsarbeit ausüben, was 

mit einer erheblichen Erwerbseinbusse verbunden wäre.

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. August 2013 die Abweisung der Be­

schwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, der 

Beschwerdeführer sei über Jahre hinweg in der Lage gewesen, mithilfe der im Rahmen 

der beruflichen Massnahmen erworbenen Kenntnisse ein rentenausschliessendes 

Einkommen zu erzielen. Das Arbeitsverhältnis sei nicht aus gesundheitlichen, sondern 

aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst worden. Gemäss einer Aussage eines IV-

Berufsberaters existiere der Beruf des Planzeichners nach wie vor. Ein Anspruch auf 

eine weitere Umschulung bestehe daher nicht.

B.c  Der Beschwerdeführer liess am 20. September 2013 an seinen Anträgen festhalten 

(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen:

1.

1.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Umschulung auf 

eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und 

dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann. 

Mit „Invalidität“ kann dabei nicht eine Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG gemeint 

sein, denn letztere setzt unter anderem den Abschluss jener beruflichen Massnahmen 

voraus, die geeignet und erforderlich sind, die Erwerbsfähigkeit der versicherten 

Person zu erhalten oder verbessern. Die Rede ist in Art. 17 IVG also von einer anderen, 

umschulungsspezifischen Invalidität, die sich von der rentenspezifischen Invalidität 

unterscheidet. Gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung liegt eine 

umschulungsspezifische Invalidität vor, wenn eine versicherte Person wegen einer 

Gesundheitsbeeinträchtigung in den bisher ausgeübten und ihr ohne zusätzliche 

berufliche Ausbildung offenstehenden noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine 

bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 Prozent erleidet 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(vgl. Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichtes zum IVG, 2. Aufl. 2010, 

S. 191). Was eine Umschulung ist, lässt sich dem Gesetzeswortlaut (ebenfalls) nicht 

entnehmen. Praxisgemäss sind darunter Eingliederungsmassnahmen zu verstehen, die 

notwendig und geeignet sind, einer schon erwerbstätig gewesenen versicherten 

Person eine neue eingliederungswirksame Erwerbsmöglichkeit zu verschaffen. Die 

Umschulung soll also die wegen der Gesundheitsbeeinträchtigung ganz oder teilweise 

verloren gegangene Erwerbsfähigkeit so weit als möglich wieder herstellen. Hierzu ist in 

der Regel ein dem bisherigen gleichwertiger Beruf geeignet, sofern er den Fähigkeiten 

der versicherten Person entspricht. Das Erfordernis der Gleichwertigkeit bezieht sich 

einerseits auf das Ausbildungsniveau, andererseits vor allem aber auf die nach der 

erfolgten Eingliederung zu erwartenden Verdienstmöglichkeiten (Meyer, a.a.O., 

S. 194 f.).

1.2 In der Praxis stehen die von der Rechtsprechung entwickelten quantitativen 

Voraussetzungen und Ziele im Vordergrund. Als entscheidend für die Beurteilung, ob 

ein Umschulungsanspruch besteht, gilt eine Erwerbseinbusse von 20 Prozent. Als 

massgeblich für die Wahl einer konkreten Massnahme gelten die zu erwartenden 

Verdienstmöglichkeiten. Unwesentlich vereinfacht kann also festgehalten werden, dass 

es praxisgemäss bei der Anwendung von Art. 17 IVG darum geht, einer versicherten 

Person, die gesundheitsbedingt eine Erwerbseinbusse von mindestens 20 Prozent 

erlitten hat, mittels beruflicher Massnahmen die Ausübung einer anderen 

Erwerbstätigkeit zu ermöglichen, mit der sie ein Einkommen im Rahmen des vor dem 

Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung erzielten generieren kann. Diese rein 

quantitative Betrachtungsweise greift aber zu kurz. Mittels einer Umschulung soll eine 

versicherte Person, die gesundheitsbedingt in ihrem angestammten Beruf nicht mehr 

voll arbeitsfähig ist, in die Lage versetzt werden, in einem anderen Beruf eine 

Arbeitsstelle zu finden, an der sie einen vergleichbaren Lohn erzielen kann. Dies 

schliesst ein qualitatives Element mit ein. Es darf nämlich im Rahmen einer 

Umschulung nicht einfach darum gehen, die versicherte Person gewissermassen in 

eine bestimmte Arbeit einzuführen, für die sie einen Lohn im Rahmen des vorher 

erzielten erhält. Vielmehr muss es darum gehen, die versicherte Person in die Lage zu 

versetzen, an unbestimmt vielen Arbeitsstellen in ihrem neuen Beruf einen Lohn im 

Rahmen des vorher erzielten generieren zu können. Darin besteht der wesentliche 

Unterschied zwischen einer Umschulung in einen neuen Beruf und der Einarbeitung in 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eine Hilfsarbeit. Wird eine versicherte Person in eine (überdurchschnittlich entlöhnte) 

Hilfsarbeit eingearbeitet, kann sie zwar ein Einkommen erzielen, das ungefähr dem im 

angestammten Beruf erzielbaren Einkommen entspricht. Dies kann vor allem dann der 

Fall sein, wenn die versicherte Person einen Beruf erlernt hat, in dem in der Regel eher 

niedrigere Löhne bezahlt werden (z.B. Berufe im Gastgewerbe oder im Detailhandel). 

Verliert sie aber später die Hilfsarbeitsstelle, kann sie die im Rahmen der Einarbeitung 

erworbenen Fähigkeiten, die sich ja nicht auf einen Beruf, sondern nur auf eine 

bestimmte Arbeit beziehen, nicht mehr verwerten – ausser, sie fände eine vergleichbar 

gut bezahlte Hilfsarbeitsstelle. Wird sie dagegen auf einen neuen Beruf umgeschult, 

kann sie die im Rahmen der Umschulung erworbenen Fähigkeiten nach einem 

Arbeitsplatzverlust ohne Weiteres auch an anderen ebenso gut entlöhnten 

Arbeitsstellen innerhalb des Berufsfeldes verwerten. Dieses Ziel muss eine Umschulung 

anstreben. Daraus folgt, dass sich die von der Rechtsprechung geforderte 

Gleichwertigkeit der Ausbildung nicht nur auf die Verdienstmöglichkeiten, sondern 

auch auf das Spektrum verschiedener Tätigkeiten, in denen diese 

Verdienstmöglichkeiten realisiert werden können, beziehen muss. Der versicherten 

Person muss nach der Umschulung ein vergleichbares Spektrum an Tätigkeiten 

offenstehen wie vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung.

2.

2.1 Der Beschwerdeführer ist gelernter Maler. Er hat vor dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung ein Einkommen erzielt, das dem eines gelernten Malers 

entspricht. Hätte er seine Arbeitsstelle verloren, hätte er an einer anderen Arbeitsstelle 

als Maler einen vergleichbaren Lohn erzielen können. Diese Arbeitsstelle hätte nicht 

zwingend der Arbeitsstelle entsprechen müssen, die er innehatte. Auch eine andere 

Arbeit innerhalb des Berufsfeldes „Maler“ hätte ihm die Erzielung eines vergleichbaren 

Einkommens ermöglicht. Mittels der von der Invalidenversicherung durchgeführten 

„Umschulung“ ist der Beschwerdeführer zwar tatsächlich in der Lage gewesen, 

während fast fünfzehn Jahren ein Einkommen im Rahmen des als Maler erzielten 

Lohnes zu generieren. Trotzdem hat es sich bei den durchgeführten Massnahmen 

entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht um eine Umschulung im Sinne 

von Art. 17 IVG gehandelt. Der Beschwerdeführer ist lediglich in eine bestimmte 

Tätigkeit eingearbeitet worden. Er hat weder eine eigentliche Ausbildung genossen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

noch einen Abschluss erlangt. Er hat nicht einen bestimmten Beruf erlernt, sondern 

sich bloss praktische Fertigkeiten für die Verrichtung einer ganz bestimmten Tätigkeit 

angeeignet. Trotz des hohen Einkommens, das er in der Folge während mehreren 

Jahren hat erzielen können, hat es sich um eine beinahe „klassische“ Einarbeitung in 

eine Hilfsarbeit gehandelt. Der Beschwerdeführer ist nämlich bloss darin unterwiesen 

worden, mit einer bestimmten Software gewisse Arbeiten durchzuführen, wobei ihm 

nur jene Abläufe beigebracht worden sind, die erforderlich gewesen sind, um für eine 

einzige Auftraggeberin eine ganz bestimmte Tätigkeit auszuführen. Ihm sind weder die 

grundsätzlichen Funktionsprinzipien der Software noch grundlegende Kenntnisse des 

Planzeichnens beigebracht worden. Er ist in der Folge lediglich in der Lage gewesen, 

einen spezifischen Ablauf immer wieder zu repetieren. Der enge Fokus der 

„Ausbildung“ und der anschliessenden Tätigkeit haben vom Beschwerdeführer auch 

nicht verlangt, sich selbst weitere Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen. Ebenfalls 

hat keine Notwendigkeit bestanden, Software-Upgrades durchzuführen. Der hohe 

Lohn, den der Beschwerdeführer für diese Tätigkeit erhalten hat, hat seinen Grund 

nicht in der dafür notwendigen Ausbildung, sondern in der für den Beschwerdeführer 

günstigen Markt- bzw. Konkurrenzsituation, gehabt. Vom Lohn kann also nicht auf die 

Qualität der Ausbildung geschlossen werden. Spätestens dann, als die benutzte 

Software veraltet gewesen ist, hat der Beschwerdeführer keine Möglichkeit mehr 

gehabt, an einem anderen Arbeitsplatz ein vergleichbar hohes Einkommen zu erzielen. 

Dies hat sich endgültig gezeigt, als er seine Arbeitsstelle verloren hat. Er ist danach 

nämlich nicht in der Lage gewesen, die im Rahmen der „Umschulung“ erworbenen 

Fertigkeiten an einem anderen Arbeitsplatz zu nutzen. Selbstverständlich kann er nicht 

als Planzeichner oder Kartograph qualifiziert werden, hat er doch erwiesenermassen 

nie eine entsprechende Ausbildung genossen oder einen entsprechenden Abschluss 

erlangt. Er ist vielmehr bloss in der Bedienung eines (inzwischen veralteten) CAD-

Programmes für ganz spezifische Aufgaben unterwiesen worden. Diese Fähigkeiten 

kann er an einem anderen Arbeitsplatz nicht mehr nutzen, weil nur schon davon 

auszugehen ist, dass die Software, mit der er gearbeitet hat, nirgends mehr in 

Gebrauch ist und dass er im Verlauf des Auftrags- und Arbeitsverhältnisses keine 

weiteren Kenntnisse erworben hat, weil dies nicht notwendig gewesen ist. Dies ist 

übrigens auch den im Jahr 2008 mit diesem Fall betrauten Sachbearbeitern der 

Beschwerdegegnerin bewusst gewesen (vgl. IV-act. 48). Lediglich das für eine Hilfs­

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

arbeit überdurchschnittliche Einkommen verstellt den Blick auf die Tatsache, dass der 

Beschwerdeführer nach seiner Anmeldung im Jahr 1996 keine neue Berufsausbildung 

genossen hat. Qualitativ gesehen ist er also nicht umgeschult, sondern bloss in eine 

Hilfsarbeit eingearbeitet worden. Weil er deshalb nicht in der Lage ist, einer anderen 

Erwerbstätigkeit nachzugehen und dabei ein vergleichbares Einkommen zu erzielen, 

wie er ohne Gesundheitsbeeinträchtigung in seinem angestammten Beruf als Maler 

erzielen könnte, besteht nach wie vor ein Anspruch auf eine Umschulung.

2.2 Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin 

hat eine geeignete berufliche Eingliederung zu ermitteln und durchzuführen. Dazu ist 

die Sache an sie zurückzuweisen. Angesichts des klaren Sachverhaltes und der ein­

deutigen Rechtslage ist von einem einfachen Fall gemäss Art. 17 Abs. 2 des St. Galler 

Gerichtsgesetzes (sGS 941.1) auszugehen, der einzelrichterlich beurteilt werden kann 

(Art. 19 der Verordnung über die Organisation und den Geschäftsgang des 

Versicherungsgerichtes; sGS 941.114). Die gemäss Art. 69 Abs. 1  IVG zu 

erhebenden und angesichts des unterdurchschnittlichen Aufwandes auf 400 Franken 

festzusetzenden Gerichtskosten sind der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Diese hat 

dem Beschwerdeführer sodann eine Parteientschädigung von 3’500 Franken 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.

Demgemäss hat der Vizepräsident

als Einzelrichter im Verfahren gemäss Art. 19 OrgV

entschieden:

1.      In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 

23. April 2013 aufgehoben und die Sache wird zur beruflichen Eingliederung 

des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.      Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 400.-- zu bezahlen.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 3’500.-- auszurichten.

bis

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 03.02.2014
	Art. 17 IVG. Umschulung. Gleichwertigkeit. Qualitative Komponente.Das Erfordernis der Gleichwertigkeit einer Umschulung bemisst sich nicht allein am erzielbaren Lohn an einem Arbeitsplatz, sondern auch am Spektrum der Tätigkeiten innerhalb des neuen Berufs, in dem ein entsprechender Lohn erzielt werden kann. Eine Umschulung unterscheidet sich von der Einarbeitung an einen Arbeitsplatz insbesondere dadurch, dass der versicherten Person ermöglicht wird, an unbestimmt vielen Arbeitsplätzen in ihrem neuen Beruf einen gleichwertigen Lohn zu erzielen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. Februar 2014, IV 2013/231).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T10:08:18+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen