# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3fdb1eb9-1802-5247-9218-80111f1048d4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.04.2010 D-2718/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2718-2010_2010-04-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2718/2010
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  A p r i l  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A.___________, geboren (...),
Eritrea,
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 8. April 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2718/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 8. April 2010 – eröffnet am 13. April  
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers vom 13. Juli 2009 nicht eintrat, die Wegweisung nach 
Italien  verfügte,  den  Beschwerdeführer  –  unter  Androhung  von 
Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – aufforderte, die Schweiz spätes-
tens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den 
Kanton Basel-Stadt  verpflichtete,  die Wegweisungsverfügung zu voll-
ziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  vorliegende 
Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und dem Beschwerde-
führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushän-
digte,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. April 2010 gegen die-
se Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde einreichte 
und beantragte,  es  sei  die  Verfügung des BFM aufzuheben  und  die 
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, die Vor-
instanz  sei  anzuweisen,  ihr  Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und 
sich  für  das  vorliegende  Verfahren als  zuständig  zu erachten,  even-
tualiter sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs nach Italien festzustellen,

dass er zudem in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei die 
unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren,  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses zu verzichten, im Sinne einer vorsorglichen Mass-
nahme der  vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu 
erteilen  und  es  seien  die  Vollzugsbehörden  des  Kantons  Baselstadt 
anzuweisen,  bis  zum Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  von 
einer Überstellung nach Italien abzusehen, 

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  mit  Verfügung  vom 
21. April 2010 vorsorglich aussetzte,

dass die  vorinstanzlichen Akten am 22. April  2010 beim Bundesver-
waltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungsge-
richtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs.  2  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  das  BFM  aufgrund  des  festgestellten  EURODAC-Treffers  in 
Italien  vom 21. September  2009 und der  innert  Frist  seitens Italiens 
unbeantwortet  gebliebenen  (Art. 18  Abs. 7  Verordnung  Nr. 343/2003 

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des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Ver-
fahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von 
einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylan-
trags zuständig ist [Dublin-II-VO]), gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Dublin-II-
VO erfolgten Anfrage um Aufnahme vom 23. November 2009, Italien 
zu Recht als für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig erach-
tet hat,

dass das BFM in der angefochtenen Verfügung zudem zutreffend dar-
gelegt  hat,  die  in  der  Schweiz  lebenden  Brüder  des  Beschwerde-
führers gehörten nicht  zur  Kernfamilie  im Sinne von Art.  2 Bst. i  der 
Dublin-II-VO,  und  es  könne  aufgrund  der  Aktenlage  auch  nicht  von 
einer  engen  Beziehung  des  Beschwerdeführers  zu  diesen  Brüdern 
ausgegangen werden, er auch nicht mehr auf eine – allenfalls gegen 
seine  Rückkehr  nach  Italien  sprechende  –  medizinische  Hilfe  ange-
wiesen sei, und keine Gründe zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts 
gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO vorliegen würden,

dass  in  der  Beschwerde  nichts  Stichhaltiges  geltend  gemacht  wird, 
was in Bezug auf die Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des 
Asylverfahrens zu einer anderen Beurteilung führen könnte, 

dass Art. 15 Abs. 1 Dublin-II-VO grundsätzlich nur dann zur Anwen-
dung gelangt, wenn sich ein Asylbewerber in dem für die Prüfung des 
Asylgesuches nach Art. 6-14 Dublin-II-VO zuständigen Staat  aufhält, 
humanitäre  Erwägungen  -  wie  das  Zusammenführen  von  Familien-
mitgliedern - jedoch dafür sprechen, das Asylverfahren in einem weite-
ren  Staat  durchzuführen  (vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER,  ANDREA SPRUNG, 
Dublin  II-Verordnung,  Das  Europäische  Asylzuständigkeitssystem, 
3. Aufl., Wien-Graz 2010, Art. 15, K4, S. 120), 

dass sich der Beschwerdeführer indessen in der Schweiz und damit in 
einem  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  nicht  zuständigen 
Staat  aufhält,  weshalb  entgegen der  in  der  Beschwerde vertretenen 
Auffassung die sogenannte humanitäre Klausel von Art. 15 Dublin-II-
VO vorliegend nicht zum Tragen kommt, 

dass anzufügen bleibt,  dass Italien unter anderem Signatarstaat  des 
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 
(FK,  SR  0.142.30),  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

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andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung 
oder Strafe (FoK, SR 0.105)  ist  und keine konkreten Hinweise dafür 
bestehen,  Italien würde sich nicht  an die  daraus resultierenden Ver-
pflichtungen halten, 

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An-
spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2001 Nr. 21),  weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den 
gesetzlichen  Bestimmungen steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des  Asylgesuches  zustän-
digen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet 
hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer  (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein, 
angefochtene Verfügung im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr.  N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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