# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ceef3b2-3639-5c5f-ace0-04eb8e4bac86
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-15
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 15.08.2023 S 2021 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2021-22_2023-08-15.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 21 22

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis

RichterIn Pedretti und Paganini

Aktuarin ad hoc Jauch

URTEIL

vom 15. August 2023

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Vincent Augustin,

Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____, geboren am B._____, war seit 1989 als Pflegehelferin tätig. Am 

23. September 2019 meldete sie sich erstmals bei der IV-Stelle des 

Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) aufgrund degenerativer 

Veränderung der Wirbelsäule zur Früherfassung an. 

2. A._____ war aufgrund einer sekundären Fibromyalgie und degenerativ 

bedingter Veränderung der Wirbelsäule vom 19. August 2019 bis 

18. September 2019 in stationärer Rehabilitation in der Klinik C._____. 

Gemäss Austrittsbericht bestand ab dem 30. September 2019 eine 100 %-

ige Arbeitsfähigkeit für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit. Eine 

Rückkehr in die angestammte Tätigkeit als Pflegerin wurde nicht mehr 

empfohlen. Im Verlauf der Rehabilitation kam es zu einer 

Verschlechterung der Gesamtsituation mit zunehmender Dekompensation 

infolge Schmerzzunahme. 

3. Am 9. Oktober 2019 meldete sich A._____ bei der IV-Stelle zum Bezug 

von Leistungen an (berufliche Integration/Rente). In der Folge holte die IV-

Stelle verschiedene Arztberichte ein. Dr. med. D._____, Hausarzt und 

Facharzt für Allgemeinmedizin, attestierte eine 100 %-ige 

Arbeitsunfähigkeit. Dr. med E._____, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie, hielt in seinem Bericht vom 6. November 2019 fest, aus 

interdisziplinärer Sicht sehe er A._____ aktuell nur für eine leichte 

wechselbelastende Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig, bei hoffentlich weiterer 

Besserung der psychischen Grundverfassung mit steigender Tendenz 

(Richtung 100 %).

4. Vom 27. Februar 2020 bis 25. März 2020 erfolgte ein stationärer Aufenthalt 

in der Klinik F._____, da die Symptomatik im Verlauf nicht besserte. 

Anlässlich dieses Aufenthaltes sei es auf körperlicher Ebene zu keiner 

Verbesserung, jedoch zu einer leichten Stabilisierung des psychischen 

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Krankheitsbildes und Akzeptanz der Einschränkungen gekommen. Eine 

100 %-ige Arbeitsunfähigkeit wurde bis zum 8. April 2020 bescheinigt und 

eine aktuelle Wiedereingliederung aus therapeutischer Sicht als 

kontraindiziert beurteilt. 

5. Die Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (nachfolgend: RAD) 

Ostschweiz hielt in ihrer Beurteilung vom 18. Mai 2020 im Wesentlichen 

fest, es stehe einerseits die chronifizierte Schmerzproblematik und 

anderseits die psychiatrische Symptomatik im Vordergrund. Aus 

medizinischer Sicht sei A._____ in der angestammten Tätigkeit nicht mehr 

arbeitsfähig. In einer leidensangepassten Tätigkeit jedoch sollte A._____ 

wieder eine höherprozentige Arbeitsfähigkeit erlangen können. Was die 

Prognose jedoch verschlechtere, sei der lange Verlauf und die nach wie 

vor bestehenden starken Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Die 

RAD-Ärztin empfahl, A._____ noch etwas Zeit zur Stabilisierung der 

psychischen Symptomatik zu geben und in 1-2 Monaten mit 

niederschwelligen Eingliederungsmassnahmen zu beginnen, andernfalls 

eine polydisziplinäre Begutachtung einzuholen sei. 

6. Da sich A._____ im weiteren Verlauf weiterhin nicht arbeitsfähig sah, 

wurden die Eingliederungsmassnahmen aufgrund des Verzichts von 

A._____ mit Mitteilung vom 9. Juni 2020 abgeschlossen. 

7. Am 17. Juni 2020 gab die IV-Stelle ein polydisziplinäres medizinisches 

Gutachten bei der SMAB AG St. Gallen (nachfolgend: SMAB-Gutachten) 

in Auftrag. Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit: Degeneratives Wirbelsäulensyndrom mit stationären 

knöchernen Neuroforamenstenosen für die Wurzeln C4-C6 links bei vor 

allem links paramedianer Diskusprotrusion C 4/5 mit möglicher Einengung 

der Nervenwurzel C5 linksseitig mit generalisierten Spondylarthrosen, mit 

Osteochondrose C4/5 und C5/6, weniger auch C3/4, relativ ausgeprägter 

Unkarthrosis und Spondylosis C4/5 und C5/6 sowie leichtem 

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Retroglissement C3/4 (ca. 4mm) sowie aktivierter Osteochondrose und 

breitbasiger Diskusprotrusion L 2/3 mit Retroglissement (ca. 5mm) und 

möglicher Nervenwurzelreizung L3 bds., linkskonvexer Rotationsskoliose 

lumbal, Spondylarthrosen vor allem im unteren LWS-Segment ohne 

relevante Neurokompression. In der Konsensbeurteilung führten die 

Gutachter aus, die für die berufsbezogene Leistungsfähigkeit relevanten 

funktionellen Auswirkungen seien ausschliesslich rheumatologisch 

definiert. Es gehe um die Gewichtsbelastung und die Wirbelsäulenhaltung. 

Aus rheumatologischer Sicht könne A._____ nicht mehr in der 

angestammten Tätigkeit arbeiten, aber langfristig betrachtet, bestehe volle 

Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit, die weniger rückenbelastet sei. 

Zumutbar seien leicht-mittelschwere, selten mittelschwere Tätigkeiten mit 

der Möglichkeit zur Wechselbelastung ohne repetitives 

Heben/Tragen/Stossen/Ziehen. Gewichtslimit selten 20 kg. Kein 

langandauerndes Arbeiten in Wirbelsäulenzwangshaltungen bzw. keine 

langandauernde Arbeit in ergonomisch ungünstiger Wirbelsäulenhaltung.

8. In der RAD-Abschlussbeurteilung vom 15. Dezember 2020 stellte die 

RAD-Ärztin vollumfänglich auf das SMAB-Gutachten ab und führte aus, 

die Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit werde nur durch das 

degenerative Wirbelsäulensyndrom aufgehoben und sei 0 % seit 19. 

August 2019. Die adaptierte Arbeitsfähigkeit werde und sei zu keiner 

Weise durch keine Diagnose eingeschränkt worden.

9. Mit Vorbescheid vom 16. Dezember 2020 stellte die IV-Stelle A._____ die 

Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Gemäss SMAB-

Gutachten bestehe in einer angepassten Tätigkeit eine volle 

Arbeitsfähigkeit. In Gegenüberstellung der gestützt auf die Tabellenlöhne 

der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (LSE) ermittelten 

Einkommen ohne gesundheitliche Einschränkung von CHF 61’791.-- und 

mit Invalidität von CHF 55’229.-- resultiere ein Invaliditätsgrad von 11 %, 

womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Dagegen liess 

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A._____ am 19. Januar 2020 (recte wohl: 2021) einen begründeten 

Einwand erheben. Mit Verfügung vom 27. Januar 2021 entschied die IV-

Stelle wie vorbeschieden und verneinte in Abweisung des 

Leistungsbegehrens einen Rentenanspruch.

10. Hiergegen liess A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 

25. Februar 2021 unter Einreichung einer Stellungnahme des Hausarztes 

Dr. med. D._____ vom 16. Februar 2021 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erheben. Darin beantragte 

sie die Aufhebung der Verfügung und Einholung eines ergänzenden, 

gerichtlichen (polydisziplinären) Gutachtens sowie Neuentscheid über 

eine IV-Rente im gesetzlichen Rahmen. Eventualiter wurde die 

Rückweisung an die Vorinstanz zur weiteren polydisziplinären Abklärung 

und Neuentscheid beantragt. Ebenso wurde um Ansetzung und 

Durchführung einer mündlichen Gerichtsverhandlung ersucht. Die 

Beschwerdeführerin bestritt, dass von einer leidensadaptierten 

Erwerbsfähigkeit seit jeher ausgegangen werden könne. Zur Begründung 

führte sie im Wesentlichen aus, Dr. med. E._____ halte im Arztbericht vom 

6. November 2019 fest, dass er sie aus interdisziplinärer Sicht aktuell nur 

für eine leichte wechselbelastende Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig sehe, bei 

hoffentlich weiterer Besserung der psychischen Grundverfassung mit 

steigender Tendenz (Richtung 100 %). Die Klinik F._____ empfehle im 

Austrittsbericht vom März 2020 weitere Schonung und an ihre 

Schmerzgrenzen angepasste Aktivitäten. Selbst im RAD-

Abschlussbericht vom 15. Dezember 2020 werde gestützt auf das SMAB-

Gutachten geschlossen, es bestehe langfristig betrachtet volle 

Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit, die weniger rückenbelastet sei. 

Diese langfristig betrachtete volle Arbeitsfähigkeit stehe im Widerspruch 

zu den Feststellungen des SMAB-Gutachtens, wonach eine 

leidensadaptierte Arbeitsfähigkeit durchgehend bestanden habe (nur 

vorübergehend unterbrochen während den Klinikaufenthalten). Weiter 

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würden im SMAB-Gutachten die von der Klinik F._____ im Austrittsbericht 

vom März 2020 gestellte Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren F45.41 und die Diagnose der 

Kliniken C._____ im Bericht vom 18. September 2019 einer sekundären 

Fibromyalgie fehlen. Die Divergenz sei medizinisch nicht abgeklärt 

worden, woraus sich die Notwendigkeit ergänzender 

Sachverhaltsabklärungen ergebe. Zudem ergebe sich eine Inkonsistenz 

der medizinischen Abklärungen darin, dass nicht klar sei, ob ihr nur leichte 

Tätigkeiten oder leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, selten auch 

mittelschwere Tätigkeiten zugemutet werden könnten, was Auswirkung 

auf den Leidensabzug habe. Die ärztlichen Stellungnahmen der Klinik 

F._____, von Dr. med. E._____ und (teilweise) der RAD-Ärztin stünden 

damit den Schlussfolgerungen des SMAB-Gutachtens sowie der 

Vorinstanz entgegen. Zudem würde das SMAB-Gutachten die 

gegenteilige Beurteilung von Dr. med. E._____ nicht erörtern. Demzufolge 

hätte aufgrund der Widersprüche nicht auf das SMAB-Gutachten 

abgestellt werden dürfen. Vielmehr sei der Sachverhalt weiter abzuklären 

und zwar dahingehend, dass gerichtlich eine ergänzende Begutachtung 

eingeholt werde (Auswahl der Gutachtensstelle durch Zufallsermittlung), 

eventualiter eine Rückweisung an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung 

zu erfolgen habe. Ferner hielt die Beschwerdeführerin fest, auch der 

Hausarzt Dr. med. D._____ mache in seiner Stellungnahme vom 

16. Februar 2021 auf die Mängel im SMAB-Gutachten 

("psychopathologisch vollkommen unauffälliger Befund") aufmerksam, 

weil dieses im Widerspruch zu den Konsultationen bei ihm und zu den 

Austrittsberichten der Kliniken C._____ bzw. F._____ nach längeren 

stationären Klinikaufenthalten stehe. Er schliesse – unter Hinweis auf die 

Beurteilung der Klinik F._____ vom 17. Oktober (recte: November) 2020 – 

sie sei durch die somatischen, aber auch psychischen Beschwerden zu 

max. 20-30 % arbeitsfähig. Im Übrigen rügt die Beschwerdeführerin, dass 

eine Haushaltsabklärung unterblieben sei und dem SMAB-Gutachten 

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keine Aussagen darüber entnommen werden könnten, weshalb die im 

SMAB-Gutachten festgestellten Diagnosen ohne Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit auch ohne Auswirkungen auf die Haushaltsführung seien. 

Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin eine Verletzung des 

rechtlichen Gehörs geltend, da der angefochtene Entscheid die 

Beurteilung der Klinik F._____ vom 17. November 2020, auf die der 

Hausarzt Dr. med. D._____ verweise, völlig übergehe und nicht auf die 

Einwendungen eingehe. Die Beschwerdeführerin rügt schliesslich die 

fehlende Parallelisierung des Validen- und des Invalideneinkommens, da 

die sie als Pflegehelferin in einem schlecht bezahlten Gewerbe arbeite.

11. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer 

Vernehmlassung vom 30. März 2021 auf Abweisung der Beschwerde. Für 

die Begründung verwies sie auf die Verfügung vom 27. Januar 2021, an 

welcher festgehalten werde. Im Weiteren brachte die 

Beschwerdegegnerin vor, die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden 

das SMAB-Gutachten und die RAD-Beurteilung nicht derart zu erschüttern 

vermögen, dass davon abzuweichen sei. Die Feststellung der Gutachter 

sowie des RAD, wonach die Beschwerdeführerin in adaptierten 

Tätigkeiten langfristig voll arbeitsfähig sei, heisse nichts Anderes, als dass 

die Gutachter und der RAD von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit 

ausgehen und auch eine gute Prognose diesbezüglich stellen würden und 

nicht etwa, wie die Beschwerdeführerin mit Zusatz "nur" 

hineininterpretieren möchte, dass die Arbeitsfähigkeit erst zukünftig 

bestehen werde. Das Schreiben von Dr. med. E._____ vom 6. November 

2019 sei in sich widersprüchlich und widerspreche auch der Beurteilung 

seiner Klinik vom 18. November 2019, wonach für eine leidensadaptierte 

Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit (sic!) bestehe. Zudem sehe 

auch Dr. med. E._____ bei hoffentlich weiterer Besserung der 

psychischen Grundverfassung eine steigende Tendenz (Richtung 100 %). 

Im Übrigen könne er als psychiatrischer Facharzt keine interdisziplinäre 

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Beurteilung abgeben. Der psychiatrische Teil-Gutachter gehe sodann in 

der Beurteilung auf dieses Schreiben ein und halte fest, dass aktuell keine 

Anpassungsstörung feststellbar sei. Der psychiatrische Teil-Gutachter 

zeige im Weiteren Mängel am Austrittbericht der Klinik F._____ auf und 

begründe nachvollziehbar, weshalb keine psychiatrischen Diagnosen zu 

stellen seien, auch keine im Sinne von "Status nach". Interdisziplinär 

würden die Gutachter nachvollziehbar und schlüssig festhalten, welche 

Diagnosen vorlägen und welche nicht, sowohl betreffend depressives 

Spektrum, somatoforme Schmerzstörung, psychogene 

Schmerzverarbeitungsstörung wie auch betreffend somatische Diagnosen 

und insbesondere die Fibromyalgie. Hinsichtlich der von der 

Beschwerdeführerin eingereichten Stellungnahme des Hausarztes Dr. 

med. D._____ vom 16. Februar 2021 führte die Beschwerdegegnerin aus, 

die pauschale Kritik des Hausarztes Dr. med. D._____ vermöge das 

SMAB-Gutachten nicht zu erschüttern. Der Hausarzt Dr. med. D._____ 

orientiere sich an tatsächlichen, also auch IV-fremden Gegebenheiten, 

einschliesslich der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin und 

psychosozialen Faktoren. Er nehme überhaupt keine Prüfung der 

Indikatoren vor und zudem sei der Erfahrungstatsache Rechnung zu 

tragen, wonach Hausärzte in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten 

aussagen würden. Die Einschätzungen der SMAB-Gutachter würde im 

Weiteren durch die objektiven Ergebnisse der EFL untermauert, wonach 

die Belastbarkeit einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit ganztags (sic!) 

entspreche. Ferner seien die nicht nachvollziehbaren Vorbringen der 

Beschwerdeführerin betreffend Haushaltsabklärung im vorliegenden 

Verfahren irrelevant. Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin 

liege auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, da die 

Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung ausgeführt habe, 

dass sie gestützt auf das SMAB-Gutachten von einer vollständigen 

Arbeitsfähigkeit ausgehe und eine Anfechtung ohne weiteres möglich 

gewesen sei. Ein Leidensabzug sei zu Recht nicht vorgenommen worden 

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und eine Parallelisierung sei ebenfalls nicht angezeigt, da die 

Beschwerdeführerin mit einem angenommenem Valideneinkommen von 

CHF 61'791.-- im Vergleich zum branchenüblichen LSE-2018-

Tabellenlohn (TA1, Sektor 85-88, Kn 1, weiblich) nicht 

unterdurchschnittlich verdient habe.

12. Mit Replik vom 19. April 2021 hielt die Beschwerdeführerin fest, es sei 

Aufgabe des Gerichts, die Berichte von behandelnden Ärzten gleich streng 

zu überprüfen wie Gutachten, welche von der Beschwerdegegnerin 

eingeholten worden seien. Die Beschwerdegegnerin sei nicht in der Lage, 

nachprüfbar die Fachkundlichkeit der Stellungnahmen von Dr. med. 

E._____ bzw. Dr. med. D._____ und damit den gleichwertigen Beweiswert 

mit den eigenen Berichten in Frage zu stellen. Im Übrigen werde an der 

Schlussfolgerung festgehalten, wonach aktuell noch keine volle 

Arbeitsfähigkeit leidensadaptiert bestehe, sondern nur langfristig.

13. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 30. April 2021 auf die 

Einreichung einer Duplik. 

14. Mit Eingabe vom 28. September 2021 reichte die Beschwerdeführerin eine 

ärztliche Stellungnahme des Kantonsspitals Graubünden (nachfolgend: 

KSGR) vom 27. Juli 2021 ein und führte aus, das KSGR diagnostiziere ein 

schweres, generalisiertes Fibromyalgiesyndrom ICD 10 M79 mit daraus 

resultierender, schwerer psychosozialer Belastungssituation. Zudem 

werde eine schwere Somatisierungsstörung bei begleitender Depression 

diagnostiziert. Beide Aspekte würden zweifelsohne einen wesentlichen 

Einfluss auf die gemäss Beschwerde gefolgerte, nicht mehr gegebene 

Erwerbsfähigkeit bedeuten. 

15. Mit Stellungnahme vom 4. Oktober 2021 äusserte sich die 

Beschwerdegegnerin zum Bericht des KSGR vom 27. Juli 2021 und hielt 

dazu fest, dieser beziehe sich auf eine Erstkonsultation vom 26. Juli 2021 

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und bewerte die aktuelle Situation. Da der Bericht sich auf den nach dem 

Verfügungserlass verwirklichten Sachverhalt beziehe, vermöge dieser zur 

strittigen Frage nichts beizutragen.

16. Mit Eingabe vom 4. April 2022 reichte die Beschwerdeführerin eine 

ärztliche Bescheinigung der Psychiatrischen Dienste Kanton Graubünden 

(nachfolgend: PDGR) vom 31. März 2022 ein, welcher entnommen 

werden kann, dass sich die Beschwerdeführerin seit dem 8. März 2022 

aufgrund eines komplexen und multifokalen Schmerzsyndroms mit 

depressiver Dekompensation stationär in der PDGR befinde.

17. Auf entsprechende Nachfrage der Instruktionsrichterin am 22. April 2022 

erklärte die Beschwerdeführerin am 25. April 2022, auf eine mündliche 

Verhandlung zu verzichten.

18. Anlässlich der Beratung vom 10. Mai 2022 kam das Verwaltungsgericht 

zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit 

gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich und 

deshalb ein bidisziplinäres rheumatologisches und psychiatrisches 

Gerichtsgutachten einzuholen sei.

19. Mit Schreiben vom 16. Mai 2022 teilte die Instruktionsrichterin den 

Parteien mit, als Gerichtsgutachter seien G._____, Facharzt für 

Rheumatologie und Innere Medizin, sowie Dr. med. H._____, Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie, vorgesehen. Sie setzte den Parteien Frist 

an, um allfällige Ausstands- oder Ablehnungsgründe zu den 

vorgeschlagenen Experten geltend zu machen, zum beigelegten 

Fragenkatalog Stellung zu nehmen und allfällige Ergänzungsfragen 

einzureichen. 

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20. Die Beschwerdegegnerin teilte mit Eingabe vom 19. Mai 2022 mit, dass 

sie keine Ausstands- oder Ablehnungsgründe geltend mache, mit dem 

Fragenkatalog einverstanden sei und keine Ergänzungsfragen einreiche. 

21. Mit Eingabe vom 30. Mai 2022 wies die Beschwerdeführerin darauf hin, 

neu würden auch bidisziplinäre Gutachten nur noch an zugelassene 

Gutachterstellen und an Sachverständigen-Teams nach dem 

Zufallsprinzip vergeben. Zudem seien die Interviews mit einer 

Tonaufnahme zu erfassen. Ansonsten habe sie keine Anmerkungen. 

22. Nach einem Telefonat zwischen der Instruktionsrichterin und dem 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vom 2. Juni 2022 liess Letzterer 

vom Festhalten an einer Vergabe des Gutachtensauftrags an eine 

zugelassene Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip ab und erhob keine 

Einwände gegen die vorgeschlagene Experten. Dies teilte die 

Instruktionsrichterin den Parteien mit Schreiben vom 7. Juni 2022 mit.

23. Mit Schreiben vom 28. Juni 2022 warf der Facharzt G._____ die Frage 

auf, ob zusätzlich nicht noch eine internistische Begutachtung 

durchgeführt werden sollte, worauf die Parteien hierzu zur Stellungnahme 

eingeladen wurden. 

24. Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Eingabe vom 4. Juli 2022 fest, 

G._____ sei zu folgen, und reichte zudem einen Austrittsbericht der PDGR 

vom 28. Juni 2022 betreffend eine stationäre Behandlung vom 8. März bis 

3. Juni 2022 ein. Demgegenüber vertrat die Beschwerdegegnerin in ihrer 

Eingabe vom 5. Juli 2022 die Auffassung, dass eine Erweiterung des 

Gutachtensauftrages nicht nötig sei, da in der internistischen 

Begutachtung keine Einschränkungen oder Diagnosen mit 

Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit beschrieben worden seien. 

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25. In der Folge teilte die Instruktionsrichterin den Parteien mit Schreiben vom 

7. Juli 2022 mit, dass der zu erteilende Auftrag für das Gerichtsgutachten 

auch ein internistisches Teilgutachten umfasse. 

26. Mit Schreiben vom 21. Juli 2022 erteilte die Instruktionsrichterin den 

Gerichtsgutachtensauftrag (psychiatrisch, rheumatologisch, internistisch) 

an Dr. med. H._____ und Facharzt G._____. 

27. Am 10. November 2022 wurde das Gerichtsgutachten (psychiatrisches 

Teilgutachten von Dr. med. H._____ sowie tridisziplinäre 

Konsensbeurteilung) des Fachzentrums Forensik Ostschweiz erstattet, in 

welchem die Gutachter in ihrer Konsensbeurteilung zum Schluss 

gelangten, dass aus interdisziplinärer Sicht sowohl in der angestammten 

Tätigkeit als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit seit dem 

19. August 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestehe. Das 

Gerichtsgutachten wurde in der Folge den Parteien zur Stellungnahme 

zugestellt.

28. Mit Eingabe vom 29. November 2022 nahm die Beschwerdeführerin dazu 

Stellung und führte aus, die Konsensbeurteilung komme zum Schluss, 

dass aus interdisziplinärer Sicht in der angestammten Tätigkeit seit dem 

19. August 2019 eine anhaltende 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. 

Gegenüber dem bisherigen SMAB-Gutachten werde zudem neu aus 

interdisziplinärer Sicht die Gesamtarbeitsfähigkeit bezogen auf ein 

Vollpensum in einer anderen, leidensangepassten Tätigkeit ebenfalls 

verneint und eine diesbezügliche 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche 

Tätigkeit seit dem 19. August 2019 gefolgert. 

29. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 12. Dezember 

2022 fest, soweit die Gutachter in der angestammten wie auch in den 

adaptierten Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem 

19. August 2019 bestätigten, erscheine dies bezüglich den adaptierten 

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Tätigkeiten im Verlauf nicht besonderes schlüssig. Die Ausführungen im 

psychiatrischen Teilgutachten ab S. 48 würden sich nicht genügend mit 

den Akten auseinandersetzen. Gestützt auf die Aktenlage habe 

überwiegend wahrscheinlich im Sommer 2021 (Bericht über 

Erstkonsultation im KSGR vom 27. Juli 2021) eine erhebliche 

Verschlechterung stattgefunden. Entsprechendes habe auch der Sohn der 

Beschwerdeführerin anlässlich der Fremdanamnese ausgeführt. Mithin 

sei der Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 2021 eine ganze IV-Rente 

zuzusprechen. Damit erweise sich aber die angefochtene Verfügung vom 

27. Januar 2020 (recte: 2021), was den Zeitpunkt bis zum 

Verfügungszeitpunkt betrifft, als rechtens. 

30. In der Eingabe vom 19. Dezember 2022 brachte die Beschwerdeführerin 

vor, die Beschwerdegegnerin lege nicht rechtsgenüglich dar, weshalb die 

Schlussfolgerungen im Gerichtsgutachten nicht besonders schlüssig 

seien. Die Gutachter hätten sich rechtsgenüglich, detailliert und 

umfassend mit den Vorakten befasst. Tatsache sei, dass sie zu einem 

anderen Schluss gekommen seien als die Beschwerdegegnerin, weshalb 

der Beschwerdeführerin eine volle IV-Rente ab dem 19. August 2019 

zustehe. 

31. Am 8. Mai 2023 ging das Teil-Gerichtsgutachten von Facharzt G._____ 

(rheumatologisch und internistisch) auf wiederholtes, auch schriftliches 

Nachhaken, beim Gericht ein, welches den Parteien in der Folge mit 

Schreiben vom 12. Mai 2023 zur Stellungnahme zugestellt wurde. 

32. Mit Eingabe vom 17. Mai 2023 führte die Beschwerdeführerin aus, das 

Teilgutachten von Facharzt G._____ sei bereits in das tridisziplinäre 

Gerichtsgutachten mitsamt Konsensbeurteilung vom 10. November 2022 

eingeflossen, sodass keine Veranlassung bestehe, von den dort 

vorgenommenen Schlussfolgerungen abzuweichen. Überdies komme 

auch Facharzt G._____ zusammenfassend zum Schluss, dass aus 

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somatischer Sicht eine 80-85%-ige Arbeitsunfähigkeit auch in einer ideal 

angepassten leichten Tätigkeit schon ab dem 27. Januar 2021 und davor 

(wie danach) gegeben gewesen sei (Ziff. 4 S. 45 des Teilgutachtens) und 

aus rheumatologischer Sicht für die angestammte Tätigkeit seit längerem 

schon eine 100 % Arbeitsunfähigkeit bestanden habe bzw. bestehe (S. 43 

des Teilgutachtens). Gleichzeitig reichte der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin seine Honorarnote ein.

33. Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 22. Mai 2023 auf 

eine Stellungnahme zum Teil-Gerichtsgutachten von Facharzt G._____.

34. Schliesslich wurden die Stellungnahmen mit Schreiben vom 23. Mai 2023 

den Parteien sowie die Honorarnote an die Beschwerdegegnerin 

zugestellt.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in 

der angefochtenen Verfügung sowie auf die im Recht liegenden 

Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 27. Januar 2021 (IV-act. 62), worin 

das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen wurde (kein 

Anspruch auf IV-Leistungen). Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind 

Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem 

Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Als kantonales 

Versicherungsgericht ist das Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sowohl 

örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des 

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Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die 

Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung, 

weshalb sie durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist 

und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. 

Sie ist demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG 

i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 

1 IVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit 

einzutreten.

2.1. Streitgegenstand bildet die Frage des Rentenanspruchs der 

Beschwerdeführerin, welcher angesichts der Anmeldung im Oktober 2019 

(IV-act. 9) gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. April 2020 

(d.h. sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs) 

entsteht, sofern bis dahin das Wartejahr, währenddessen sie ohne 

wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent 

arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), erfüllt 

ist. Diesbezüglich ist den Akten zu entnehmen und zwischen den Parteien 

unbestritten, dass der Beschwerdeführerin eine seit dem 19. August 2019 

bestehende, durchgehende Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit 

von 100 % bescheinigt wurde (vgl. IV-act. 4 und 5). Demnach ist das 

Wartejahr als im August 2020 erfüllt zu betrachten, womit ein 

Rentenanspruch ab dem 1. August 2020 entstünde, sofern dannzumal ein 

Invaliditätsgrad von mindestens 40 % vorgelegen hat (vgl. Art. 28 Abs. 1 

lit. c IVG). 

2.2. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 1. 

Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG) 

und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in 

Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da der hier umstrittene 

Rentenanspruch seine Begründung jedoch noch vor dem 1. Januar 2022 

- 16 -

fände, sind die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen 

Bestimmungen massgebend (vgl. Übergangsbestimmungen des IVG zur 

Änderung vom 19. Juni 2020; Kreisschreiben über Invalidität und Rente in 

der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab dem 1. Januar 2022, Rz. 

9101). Dies ergibt sich aus den allgemeinen Grundsätzen des 

intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts 

(statt vieler: BGE 146 V 364 E.7.1, 144 V 210 E.4.3.1 und 129 V 354 E.1 

m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 8C_521/2021 vom 22. März 2022 

E.2.2).

2.3. Bestritten sind vorliegend die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit und 

das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin. Demgegenüber ist die 

volle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten 

Tätigkeit als Pflegehelferin sowie das für das Jahr 2020 ermittelte 

Valideneinkommen von CHF 61'791.-- unbestritten.

3. Zunächst ist auf die formellen Einwände der Beschwerdeführerin 

einzugehen.

3.1.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung ihres Anspruchs auf 

rechtliches Gehör, da sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen 

Verfügung nicht mit ihren Einwänden auseinandergesetzt habe und 

insbesondere die Beurteilung der Klinik F._____ vom 17. November 2020 

übergehe.

3.1.2. Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) umfasst als 

Mitwirkungsrecht all jene Befugnisse, die einer Betroffenen einzuräumen 

sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 

144 II 427 E.3.1, 135 II 286 E.5.1). Daraus folgt das Recht auf Einsicht in 

die Akten (BGE 144 II 427 E.3.1, 132 II 485 E.3.1), sich vor Erlass eines 

in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern 

- 17 -

sowie der Anspruch auf Abnahme der rechtzeitig und formrichtig 

angebotenen rechtserheblichen Beweismittel (BGE 144 II 427 E.3.1, 140 

I 99 E.3.4). Die Behörde hat die Vorbringen der vom Entscheid in ihrer 

Rechtsstellung Betroffenen tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der 

Entscheidfindung zu berücksichtigen (BGE 146 II 335 E.5.1, 136 I 229 

E.5.2).

3.1.3. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV 

fliessende Begründungspflicht verlangt nicht, dass sich die entscheidende 

Behörde mit allen Parteistandpunkten auseinandersetzt und jedes 

einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Sie darf sich auf das für den 

Entscheid Wesentliche beschränken. Den Betroffenen muss es aber 

immerhin möglich sein, sich über die Tragweite des Entscheides 

Rechenschaft zu geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die 

nächsthöhere Instanz weiterzuziehen. Der Entscheid hat folglich 

zumindest kurz die Überlegungen zu nennen, von denen sich die 

entscheidende Behörde leiten liess und worauf sie ihren Entscheid stützt 

(vgl. BGE 143 IV 40 E.3.4.3, 142 III 433 E.4.3.2 m.w.H.). Die 

Beschwerdegegnerin hat sich mit der von der Beschwerdeführerin 

kritisierten, ihr attestierten 100 %-igen Arbeitsfähigkeit in einer 

leidensadaptierten Tätigkeit befasst und erläutert, dass dem Einwand 

keine medizinischen Belege beigelegt worden seien, welche nicht schon 

anlässlich der Begutachtung vorgelegen hätten. Damit hat sie 

nachvollziehbar dargelegt, weshalb sie trotz der Einwände der 

Beschwerdeführerin auf das polydisziplinäre SMAB-Gutachten vom 

2. Dezember 2020 abstellt. Die Überlegungen, von denen sich die 

Beschwerdegegnerin leiten liess, können im Kern nachvollzogen werden, 

und deren Motive gehen mit genügender Klarheit aus der angefochtenen 

Verfügung hervor. Gestützt darauf war die Beschwerdeführerin denn auch 

in der Lage, den Entscheid vom 27. Januar 2021 sachgerecht anzufechten 

- 18 -

– etwas Anderes tut sie denn auch nicht dar. Die Gehörsrüge erweist sich 

somit als unbegründet.

3.2.1. Die Beschwerdeführerin verlangt in formeller Hinsicht des Weiteren, es sei 

eine mündliche Verhandlung anzusetzen und durchzuführen. 

3.2.2. Das erstinstanzliche Sozialversicherungsgericht hat grundsätzlich eine 

öffentliche Verhandlung anzuordnen, wenn eine solche beantragt wird. 

Der Antrag auf eine öffentliche Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 

EMRK muss klar und unmissverständlich gestellt werden. Liegt ein 

unmissverständlicher und klarer Antrag, der rechtzeitig im Rahmen des 

Schriftenwechsels gestellt wurde, vor, muss dieser nicht begründet 

werden. Wenn aber an der Ernsthaftigkeit des Antrags Zweifel bestehen, 

sollte nachgefragt werden (siehe BOLLINGER, in: FRÉSARD-

FELLAY/KLETT/LEUZINGER [Hrsg.], ATSG, BK, Basel 2020, Rz. 13 zu Art. 61 

ATSG). Verlangt eine Partei beispielsweise lediglich eine persönliche 

Anhörung oder Befragung, ein Parteiverhör, eine Zeugeneinvernahme 

oder einen Augenschein, liegt bloss ein Beweisantrag vor, welcher noch 

nicht auf den Wunsch nach einer konventionskonformen Verhandlung mit 

Publikums- und allenfalls Presseanwesenheit schliessen lässt (BGE 122 

V 47 E. 3a S. 55 mit Hinweisen). 

Von einer ausdrücklich beantragten öffentlichen Verhandlung kann u.a. 

dann abgesehen werden, wenn das kantonale Gericht auch ohne eine 

solche aufgrund der Akten zum Schluss gelangt, dass dem materiellen 

Rechtsbegehren der bezüglich der Verhandlung Antrag stellenden Partei 

zu entsprechen ist (siehe BGE 136 I 279 E.1 m.H.a. 122 V 47 E.3b/ee und 

3b/ff.; vgl. zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 8C_221/2020 vom 2. 

Juli 2020 E.2.2, 8C_751/2019 vom 25. Februar 2020 E.2.2, 8C_722/2019 

vom 20. Februar 2020 E.2.2 und 8C_723/2016 vom 30. März 2017 E.2.3).

- 19 -

3.2.3. Im vorliegenden Fall findet sich zwar in der Beschwerde vom 25. Februar 

2021 der formelle Verfahrensantrag, es sei eine mündliche Verhandlung 

anzusetzen und durchzuführen. Eine Begründung dieses Antrages fehlt 

jedoch in der Beschwerdeschrift. Auf entsprechende Nachfrage der 

Instruktionsrichterin erklärte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 

am 25. April 2022 sodann den Verzicht auf die Durchführung einer 

mündlichen Verhandlung. Das Rechtsschutzinteresse ist damit 

diesbezüglich weggefallen und das Beschwerdeverfahren in diesem Punkt 

gegenstandslos geworden. Im Übrigen hätte das Gericht aufgrund des 

Verfahrensausganges, mithin der Gutheissung der Beschwerde, ohnehin 

von einer Verhandlung absehen können. 

4.1. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf 

oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer 

Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder 

Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 

ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze 

oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von 

Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter 

Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, 

geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 

der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen 

Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des 

Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG 

ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu 

berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, 

wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 

- 20 -

4.2. Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden 

(vgl. BGE 140 V 8 E.2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis 

mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409, 143 V 418), sind für die Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter 

Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren 

einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – 

erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen 

(BGE 145 V 361 E.3.1, 141 V 281 E.2, E.3.4-3.6 und 4.1; vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_548/2021 vom 25. Februar 2022 E.5.1). 

5.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachpersonen zur Verfügung stellen. 

Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu 

beschreiben. Dies bedeutet in erster Linie, mit den Mitteln fachgerechter 

ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven 

Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose 

zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson 

hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr 

nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst sie gibt 

eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich 

begründet bzw. nimmt sie dazu Stellung, in welchem Umfang und 

bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. 

Insoweit sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die 

Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 

noch zugemutet werden können (siehe BGE 145 V 364 E.3.2.1 f., 140 V 

193 E.3.1 f. und 132 V 93 E.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_569/2021 

- 21 -

vom 2. Februar 2022 E.3.2.2, 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 

8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4, 8C_47/2021 vom 18. März 2021 

E.5.2.3).

5.2. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den 

Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel 

– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das 

Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von 

wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 

die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 

Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 

anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 

These abstellt (siehe BGE 143 V 124 E.2.2.2 und 125 V 351 E.3a). 

Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach 

entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf 

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die 

Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. 

BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 

8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 E.3.2, 8C_173/2021 vom 

25. Oktober 2021 E.4.1, 8C_101/2021 vom 25. Juni 2021 E.5.1, 

8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 

E.2.4). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit 

weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der 

- 22 -

eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder 

Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a und 122 V 157 E.1c). 

5.3. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf 

bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für 

die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche 

Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit 

zahlreichen Hinweisen). So kommt den Berichten und Gutachten 

versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig 

erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind 

und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache 

allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum 

Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität 

und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer 

Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung 

objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche 

Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht 

zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger 

Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 122 V 157 E.1c). 

Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 145 V 97 E.8.5, 142 V 

58 E.5.1, 135 V 465 E.4.3.2 und E.4.4; Urteile des Bundesgerichts 

9C_168/2020 vom 17. März 2021 E.3.2, 8C_245/2011 vom 25. August 

2011 E.5.3).

6. Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der 

Untersuchungsgrundsatz, wobei die Auskunfts‑ und Mitwirkungspflicht der 

Leistungen beanspruchenden Person zu berücksichtigen ist. Die Behörde 

hat, wo notwendig, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen 

abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (vgl. 

- 23 -

Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 

Zürich/Basel/ Genf 2020, Art. 43 Rz. 13 ff. und 96 ff.). Die 

Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie auch 

grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). 

Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung 

des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit 

besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das kantonale 

Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden, sorgfältigen, 

objektiven und inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur Überzeugung 

gelangt, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich 

sei, steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen. 

Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder 

Richtigkeit der getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter 

zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue 

wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E.3.1, 

8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E.2.1; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 18 ff. 

und 29 f.).

7.1. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin für die Beurteilung der 

gesundheitlich bedingten Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

ursprünglich auf das SMAB-Gutachten vom 2. Dezember 2020 (IV-act. 55) 

abgestellt und gestützt darauf einen Anspruch auf Leistungen der 

Invalidenversicherung verneint. 

7.2. Wie vorstehend ausgeführt, ist den im Rahmen des 

Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen 

und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und 

Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei 

der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der 

Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 

Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (Urteil des 

- 24 -

Bundesgerichts 8C_246/2020 vom 10. September 2020 E.2.3). Anlässlich 

der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten (Urteils-)Beratung vom 

10. Mai 2022 gelangte das Verwaltungsgericht zur Auffassung, dass den 

dazumal vorliegenden medizinischen Unterlagen keine 

ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. Dies aus nachfolgenden 

Gründen. 

7.2.1. Im SMAB-Gutachten wird festgehalten, dass von internistischer Seite her 

keine Diagnosen gestellt würden. Von psychiatrischer Seite sei der 

psychopathologische Befund vollkommen unauffällig ausgefallen. Die 

Kriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung seien 

ebenfalls nicht erfüllt (keine erhöhte Aufmerksamkeit für die Schmerzen 

und keine erhöhte Beschäftigung mit den Schmerzen). Auch eine 

psychogene Schmerzverarbeitungsstörung könne nicht sicher festgestellt 

werden. Bezüglich des langfristigen Opiat-Konsums dürfte mittlerweile 

eine Abhängigkeit eingetreten sein. Diese begründe aber keine 

Arbeitsunfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht betrage die Arbeitsfähigkeit 

100 % (IV-act. 55 S. 5). Im Gegensatz zu den im Austrittsbericht der Klinik 

F._____ vom 25. März 2020 (IV-act. 32) bzw. 11. Mai 2022 (IV-act. 34) 

gestellten Diagnosen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen 

und psychischen Faktoren (F45.41) sowie einer Anpassungsstörung und 

mittelgradig depressiven Symptomatik aufgrund des chronischen 

Schmerzsyndroms verneint der psychiatrische Teilgutachter des SMAB-

Gutachtens somit sowohl eine Diagnose aus dem depressiven Spektrum 

als auch eine somatoforme Schmerzstörung. In Bezug auf den 

Austrittsbericht der Klinik F._____ vom 11. Mai 2022 (IV-act. 34) weist er 

auf diverse Mängel hin und führt aus, die Klinik F._____ spreche einerseits 

von einer Anpassungsstörung und andererseits von einer mittelgradig 

depressiven Symptomatik. Dies irritiere insofern, als nicht klar sei, ob 

damit eine mittelgradige depressive Episode gemeint sei (was eine andere 

diagnostische Entität darstellen würde). Auch hier sei die 

- 25 -

Anpassungsstörung mit dem chronischen Schmerzsyndrom begründet 

worden, was insofern unüblich sei, weil es sich dabei nicht um ein Ereignis 

im engeren Sinne gehandelt habe. Er hält fest, dass die in der Klinik 

F._____ diagnostizierte chronische Schmerzstörung mit somatischen und 

psychischen Faktoren hätte vorgelegen haben können, dass sie aber 

aktuell nicht feststellbar sei. Die Kriterien für eine anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung seien nicht erfüllt (keine erhöhte Aufmerksamkeit für die 

Schmerzen und keine erhöhte Beschäftigung mit den Schmerzen) (IV-act. 

55 S. 5 und 46 und 47). Dabei unterlässt er es aber, eine detaillierte 

Prüfung der ICD-10 Kriterien vorzunehmen, weshalb seine 

Schlussfolgerung nicht nachvollziehbar begründet ist. Dass die Kriterien 

für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung nicht erfüllt seien, hält 

er lediglich in einem Satz unter dem Titel «Diagnosen» fest (IV-act. 55 

S. 46). Hinzu kommt, dass der psychiatrische Teilgutachter ein Opiat-

Abhängigkeitssyndrom (F11.25) ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit 

diagnostiziert (IV-act. 55 S. 46). Ein solches wurde im Bericht der Klinik 

F._____ vom 11. Mai 2020 (IV-act. 34) nicht erwähnt. Auch in Bezug auf 

diese Diagnose fehlt es an einer genauen Herleitung, weshalb keine 

fachärztlich einwandfreie Diagnose des Opiat-Abhängigkeitssyndroms 

vorliegt. 

7.2.2. Von rheumatologischer Seite wurde ein degeneratives 

Wirbelsäulensyndrom diagnostiziert, aufgrund dessen die 

Beschwerdeführerin nicht mehr in der angestammten Tätigkeit arbeiten 

könne (IV-act. 55 S. 30 und S. 35). Dies ist vorliegend unbestritten. Im 

Weiteren hält die rheumatologische Teilgutachterin fest, dass die Kriterien 

eines Fibromyalgie-Syndroms nicht erfüllt seien. Aus rheumatologischer 

Sicht bestehe langfristig betrachtet eine volle Arbeitsfähigkeit in 

adaptierter Tätigkeit, die weniger rückenbelastend sei (IV-act. 55 S. 6 und 

S. 37). Im Zuge der Prüfung des Fibromyalgie-Syndroms führt die 

rheumatologische Teilgutachterin aus, die Beschwerdeführerin klage über 

- 26 -

Schmerzen im Rücken, in den Beinen sowie über unspezifische 

Ganzkörperschmerzen. Demzufolge wäre der Widespread Index erfüllt. 

Allerdings sei die Symptomschwere-Skala als weiteres Kriterium des 

Fibromyalgie-Syndroms nicht erfüllt, da die Mindestpunktzahl von 5 nicht 

erreicht werde. So bestünden gestützt auf den Tagesablauf keine 

Tagesmüdigkeit, Morgenmüdigkeit oder kognitiven Probleme (IV-act. 55 

S. 29). Diese Feststellung erscheint nicht schlüssig. Bei der 

Symptomschwere-Skala werden Kriterien wie nicht erholsamer Schlaf und 

Müdigkeit resp. erhöhte Ermüdbarkeit sowie Konzentrations- und 

Merkfähigkeitsstörungen berücksichtigt (vgl. PETER KEEL, in: Schweiz Med 

Forum 2013, Fibromyalgie-Syndrom: Neue Erkenntnisse zu Diagnostik 

und Therapie, S. 517). Die Beschwerdeführerin führte aus, nachts 

aufgrund der Schmerzen sehr schlecht zu schlafen (IV-act. 55 S. 22), 

berichtet von nicht ungestörtem Schlaf trotz Quetiapin (IV-act. 55 S. 41) 

und es ist auch bekannt, dass sie Quetiapin (Antipsychotikum, das sehr 

häufig in niedriger Dosis als Schlafmittel eingesetzt wird) zur Nacht 

einnimmt (IV-act. 55 S. 24). 

7.2.3. Im Weiteren kommt hinzu, dass in der Beurteilung der Evaluation der 

funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) zum allgemeinen 

Belastbarkeitsniveau festgehalten wurde, die beobachtete Belastbarkeit 

entspreche einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit (Hantieren von 

Lasten selten bis max. 12.5 kg) (vgl. IV-act. 55. S. 64). In Abweichung 

dazu stellt die rheumatologische Teilgutachterin fest, von somatischer 

Seite seien leicht-mittelschwere, selten mittelschwere Tätigkeiten mit der 

Möglichkeit zur Wechselbelastung ohne repetitives 

Heben/Tragen/Stossen/Ziehen zumutbar; die Gewichtslimite betrage 

selten 20kg (IV-act. 55 S. 35). Zur Begründung der Abweichung führt sie 

die beobachtete Selbstlimitierung und mässige Symptomausweitung aus 

(IV-act. 55 S. 28). Diesbezüglich gilt jedoch festzuhalten, dass diese 

Selbstlimitierung gerade einmal in 3 von insgesamt 30 durchgeführten 

- 27 -

Tests beobachtet werden konnte (Arbeit über Schulterhöhe, Ziehen und 

Stossen) (IV-act. 55 S. 69 f.). Vor diesem Hintergrund hätte die 

rheumatologische Teilgutachterin genauer differenzieren müssen, für 

welche Tätigkeiten welche Gewichtsbelastung zumutbar ist. 

7.2.4. Nach dem Gesagten vermag das SMAB-Gutachten (V-act. 55) insgesamt 

nicht zu überzeugen. Im Übrigen bilden auch die übrigen bei den Akten 

liegenden medizinischen Berichte keine verlässliche 

Entscheidungsgrundlage. Dr. med. E._____ der Kliniken C._____ hält in 

seiner Beurteilung vom 6. November 2019 (IV-act. 29 S. 7 f.) fest, aus 

interdisziplinärer Sicht sehe er die Beschwerdeführerin aktuell nur für eine 

leichte wechselbelastende Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig, bei hoffentlich 

weiterer Besserung der psychischen Grundverfassung mit steigender 

Tendenz (Richtung 100 %). In Bezug auf diese Beurteilung ist der 

Beschwerdegegnerin zunächst beizupflichten, dass Dr. med. E._____ als 

psychiatrischer Facharzt keine interdisziplinäre Beurteilung abgeben 

kann. Sodann sind die Ausführungen von Dr. med. E._____ in seiner 

Beurteilung vom 6. November 2019 (IV-act. 29 S. 7 f.) nicht schlüssig und 

in sich widersprüchlich. So führt er aus, seitens der Depression sei die 

Beschwerdeführerin wie schon beim Vortermin (im Vergleich zur Zeit in 

C._____) gebessert und sicher nicht mehr selbstgefährdend. Im nächsten 

Satz hält er dann aber – entgegen dieser festgestellten Verbesserung – 

fest, die Symptomatik habe unverändert einer leicht bis mittelgradigen 

depressiven Störung im Sinne einer massiven Anpassungsstörung 

entsprochen. Entgegen der Beurteilung von Dr. med. E._____ halten die 

Ärzte dipl. med. I._____ sowie Dr. med. J._____, beide ebenfalls von den 

Kliniken C._____, in ihrem Bericht vom 18. November 2019 im Rahmen 

der IV-Abklärung berufliche Integration/Rente (IV-act. 22) fest, dass für 

eine leidensadaptierte leichte, wechselbelastende Tätigkeit eine 

vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe. In Bezug auf die Diagnose der 

chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren 

- 28 -

(F45.41) überzeugt auch der Bericht der Klinik F._____ vom 11. Mai 2020 

(IV-act. 34) nicht. Dort wird zwar eine solche Diagnose gestellt, allerdings 

ohne testpsychologische Untersuchungen / ICF und Psychometrie oder 

eine Indikatorenprüfung durchgeführt zu haben (IV-act. 34 S. 10). 

Demzufolge ist die Prüfung einer solchen Schmerzstörung nicht lege artis 

erfolgt. 

8. Zusammengefasst sind die Abklärungsergebnisse aus dem 

Verwaltungsverfahren nicht beweiskräftig. Daher hat das 

Verwaltungsgericht am 21. Juli 2022 zur Klärung der medizinischen 

Sachlage ein tridisziplinäres Gerichtsgutachten (psychiatrisch, 

rheumatologisch, internistisch) beim Fachzentrum Forensik Ostschweiz in 

Auftrag gegeben, welches am 10. November 2022 (psychiatrisches 

Teilgutachten und Konsensbeurteilung) bzw. am 8. Mai 2023 

(rheumatologisches und internistisches Teilgutachten) erstattet wurde. 

Damit steht nunmehr dieses Gerichtsgutachten im Zentrum der 

Beurteilung.

9. Nach den Richtlinien zur Beweiswürdigung weicht das Gericht 

praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von Gerichtsgutachten ab 

(BGE 143 V 269 E.6.2.3.2, 135 V 465 E.4.4). Ein Grund zum Abweichen 

kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder, wenn 

ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu 

anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann 

ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen 

anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die 

Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es 

die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer 

Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom 

Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht 

(BGE 125 V 351 E.3b/aa; Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2020 vom 3. 

November 2020 E.4).

- 29 -

10.1. Im Gerichtsgutachten stellten die Fachärzte folgende Diagnosen mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 der tridisziplinären 

Konsensbeurteilung):

• Depressive Episode von mittelgradig bei teilweise schwergradigem Ausmass, ICD-

10 F32.1 / F32.2; bestehend seit mindestens September 2019. 

• Somatische Belastungsstörung, DSM-5 – entsprechend F45.1- bestehend seit 

mindestens September 2019 

• Chronifiziertes Zervicocephales-, Zervicobrachiales- und Lumbospondylogenes 

Schmerzsyndrom ICD-10: M53.0, M53.1, M54.4, M51.3 (Erstmanifestation 

Nackenschmerzen ca. 2007, Erstmanifestation lumbale Rückenschmerzen ca. 

2011)

• Multisegmentale degenerative Veränderungen der Wirbelsäule mit 

▪ multisegmentären degenerativen Veränderungen der HWS, Osteochondrose 

C4/5 und C5/6, geringer C3/4, mit leichter im Vergleich zu 2014 

progredienter degenerativer Anterolisthese C3 versus C4, progredienter 

degenerativer Retrolisthese C4 versus C5, progrediente degenerative 

Retrolisthese C5 versus C6, progrediente foraminale Engen C4 – C6 li, 

deutliche Unkarthrose und Spondylose C4/5 und C5/6 (MRI HWS 7.3.11 

KSGR, MRI HWS 23.1.2014 Radiologie Südost (MRI HWS 21.2.18 + 

2.11.18 KSGR, Röntgen HWS vom 15.10.20 Rodiag AG) 

▪ Status nach CT-gesteuerter Wurzelinfiltration C5 links am 18.12.18, (KSGR) 

ohne Schmerzreduktion, Status nach Facettengelenksinfiltrationen HWS am 

7.3.19 (Polymedes Schmerzzentrum) ohne Schmerzreduktion.

▪ aktivierte Osteochondrose L2/3 mit breitbasiger Diskusprotrusion und 

Retrolisthese um ca. 5 mm mit möglichem Kontakt zur L2 Wurzel 

extraforaminal rechts, Diskusprotrusion extraforaminal rechtsbetont mit 

Kontakt zur L3 Wurzel extraforaminal re, Chondrose L4/5 multisegmentale 

Spondylarthrosen mit Betonung der unteren LWS, linkskonvexe 

Rotationsskoliose, (MRI LWS 2.11.18 KSGR, Röntgen LWS vom 15.10.20 

Rodiag AG) 

• Segmentale Funktionsstörung der HWS, Fehlhaltung und Fehlform der 

Wirbelsäule

• Muskuläre Dysbalance und muskuläre Dekonditionierung, Haltungsinsuffizienz

• Tendenz zum generalisierten chronifizierten Weichteilschmerzsyndrom 

Differentialdiagnose: Fibromyalgiesyndrom ICD-10:  M 79.10, M 79.7

- 30 -

In der Konsensbeurteilung kommen die Gerichtsgutachter zum Schluss, 

dass sowohl in der angestammten als auch in jeglichen angepassten 

Tätigkeiten eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 19. August 2019 

besteht.

10.2.1. Im psychiatrischen Teil-Gerichtsgutachten hielt der psychiatrische 

Gerichtsgutachter fest (S. 36 f.), in erster Linie stünden die Diagnosen 

einer Anpassungsstörung, einer depressiven Episode unterschiedlichen 

Schweregrades und einer chronischen Schmerzstörung im Raum. Bei 

einer Anpassungsstörung handle es sich gemäss ICD-10 um einen 

Zustand von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die 

soziale Funktion und Leistung behindern und während des 

Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, 

nach einem belastenden Lebensereignis oder auch nach schwerer 

körperlicher Krankheit aufträten. Die individuelle Disposition oder 

Vulnerabilität spiele bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der 

Anpassungsstörung eine grössere Rolle als bei anderen 

Krankheitsbildern. Es sei davon auszugehen, dass das Krankheitsbild 

ohne die Belastung nicht entstanden wäre. Die Anzeichen seien 

unterschiedlich und umfassten unter anderem depressive Stimmung. 

Keines der Symptome in diesen Fällen sei schwer genug oder an sich so 

markant, dass es eine spezifische Diagnose rechtfertige. Bei einer 

Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion sei ein leichter 

depressiver Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende 

Belastungssituation gemeint, der aber nicht länger als zwei Jahre dauere. 

Sollte die Symptomatik länger als zwei Jahre dauern, müsse eine andere 

diagnostische Einteilung erfolgen. Bei einer Anpassungsstörung nach 

ICD-10 handle es sich, wenn dann, um eine maximal leichtgradig 

depressive Symptomatik. Wenn die diagnostischen Kriterien für eine 

andere Störung erfüllt seien, dürfe man dann nicht von einer 

Anpassungsstörung sprechen. 

- 31 -

Im Weiteren prüfte der psychiatrische Teil-Gerichtsgutachter, ob bei der 

Beschwerdeführerin im Verlauf der Zeit Symptome einer depressiven 

Störung nach ICD-10 vorgelegen haben und wenn ja in welchem 

Schweregrad (S. 37 f.). Dabei beurteilte er die für die Diagnosestellung 

gemäss ICD-10 folgenden zehn Kriterien: 

- Depressive Stimmung in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen 
Ausmass für mindestens zwei Wochen.

- Interessens- oder Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren.
- Verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit.
- Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls.
- Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte Schuldgefühle.
- Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder suizidales Verhalten.
- Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder 

Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit.
- Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv).
- Schlafstörungen jeder Art.
- Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung.

In diesem Zusammenhang hielt er fest, bei einer Betrachtung dieser 

Symptome zeige sich, dass in den Unterlagen wiederholt von einer 

zunehmend depressiven Symptomatik (zum Beispiel Austrittsbericht Klinik 

F._____) berichtet werde. Die gedrückte Stimmung, die weitgehend durch 

äussere Umstände unbeeinflussbar sei, ziehe sich seit der Exacerbation 

der Schmerzsymptomatik kontinuierlich durch. Im Verlaufe der Zeit sei es 

zu einem Interessen- und Freudeverlust an Aktivitäten gekommen, die die 

Beschwerdeführerin eigentlich gerne gemacht habe. Dies spiegle sich 

auch in ihrem Kontakt mit den Enkelkindern wieder und auch dem 

Rückzug im sozialen Bereich. Die Beschwerdeführerin berichte von einem 

verminderten Antrieb, beziehungsweise hoher Müdigkeit. Das 

Selbstvertrauen sei deutlich verschlechtert. Immer wieder komme es zu 

suizidalen Gedanken, was auch während des Aufenthaltes in der Klinik 

C._____ zu einer Krisenintervention geführt habe. Auch klage sie über 

Konzentrationsstörungen, die auch im Verlauf festgehalten worden seien. 

So habe zum Beispiel Dr. med. E._____ festgehalten, dass nach einer 

halben Stunde des Gespräches ihre Fassade kollabiert sei und sie 

zunehmend affektinkontinent geworden sei. Es sei ihr somit nicht mehr 

- 32 -

möglich gewesen, ihr Bild der starken Frau nach aussen aufrecht zu 

erhalten. Sie klage auch über Ein- und Durchschlafstörungen. Anlässlich 

der Vorbegutachtung habe sie angegeben, dass der Appetit 

gleichgeblieben sei, nichts desto trotz sei es zu einem Gewichtsverlust 

gekommen. 

In der Beurteilung dieser Kriterien sei es unerheblich in wie weit sie (auch) 

als Folge der Schmerzsymptomatik erklärt werden könnten. Die einfache 

Aussage, dass es normalpsychologisch sei, mit einer gedrückten 

Stimmung auf Schmerzen zu reagieren, erfasse nicht die Schwere der von 

der Beschwerdeführerin geklagten, und in den Unterlagen auch immer 

wieder dokumentierten Beschwerden. Im Austrittsbericht der Klinik 

F._____ werde festgehalten, dass die Explorandin damals über 

Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Niedergeschlagenheit, 

reduzierte Vitalgefühle, Lebensüberdruss, Gedankenkreisen und 

Konzentrationsstörungen, Appetitstörungen und einen verminderten 

Antrieb geklagt habe. Damit seien acht Symptome für die Diagnose einer 

depressiven Episode bei Eintritt erfüllt. Gemäss ICD-10 spreche man bei 

einer Gesamtzahl von mindestens acht Symptomen von einer schweren 

depressiven Episode. Bei der Beschwerdeführerin hätten keine 

psychotischen Symptome vorgelegen, so dass damals die Diagnose der 

schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome, ICD-10 

F32.2, vorgelegen habe. Bei Austritt habe sich die Symptomatik 

leichtgradig gebessert, so dass „nur noch“ eine mittelgradig depressive 

Symptomatik vorgelegen habe (S. 38). 

Zusammenfassend hielt der psychiatrische Teil-Gerichtsgutachter fest, 

dass bei der Beschwerdeführerin im Verlauf eine depressive Symptomatik 

bestanden, welche zeitweilig ein schweres Ausmass angenommen habe, 

in der Längsschnittbetrachtung aber eher einem mittelgradigen Ausmass 

entsprochen habe (S. 39).

- 33 -

10.2.2. Im Weiteren prüfte der psychiatrische Teil-Gerichtsgutachter eine 

somatoforme Schmerzstörung und führte diesbezüglich aus (S. 40), bei 

der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gemäss ICD-10 sei die 

vorherrschende Beschwerde ein andauernder schwerer und quälender 

Schmerz, der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche 

Störung nicht vollständig erklärt werden könne. Er trete in Verbindung mit 

emotionalen Konflikten oder psychosozialen auf. Diese sollten 

schwerwiegend genug sein, um als entscheidende ursächliche Einflüsse 

zu gelten. Die Folge sei gewöhnlich eine beträchtliche persönliche oder 

medizinische Betreuung oder Zuwendung. Eine solche Diagnose könne 

anhand der vorliegenden Unterlagen und der Angaben der 

Beschwerdeführerin aus gutachterlicher Sicht nicht abgeleitet werden, weil 

die Ursache des Schmerzerlebens eben keine solche Konflikte oder 

psychosozialen Probleme seien. Die Beschwerdeführerin habe mehrmals 

erwähnt und betont, dass sie ein intaktes familiäres Umfeld habe. Auch 

der frühe Tod des Bruders scheine bei ihr keine schwerwiegenden 

psychischen Folgen hinterlassen zu haben, die sich dann zum Beispiel 

2019 dermassen bahngebrochen hätten, so dass es zu der geklagten 

Symptomatik gekommen wäre. In diesem Zusammenhang wies der 

psychiatrische Teil-Gerichtsgutachter darauf hin, dass das Konzept der 

anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, so wie es im ICD-10 

beschrieben werde, aktuell grossen Veränderungen unterliege. Die 

diagnostische Gruppe der somatischen Belastungsstörung und 

verwandten Störungen finde sich im DSM-5 in einer neuen Kategorie. Das 

DSM-5 soll die Komplexität des Zusammenspiels von psychischen 

Erkrankungen und Medizin besser berücksichtigen als die alten 

Klassifikationssysteme. Die Anzahl von körperlichen Symptomen sei für 

die Klassifikation der Störung nicht mehr wichtig. Entscheidend sei, ob die 

betroffene Person dysfunktionale Gedanken, Gefühle und 

Verhaltensweisen zeige oder davon berichte. Somit könne die Diagnose 

auch gegeben werden, wenn diagnostizierte medizinische Störungen 

- 34 -

bestünden. Gemäss DSM-5 gälten für die somatische Belastungsstörung 

folgende diagnostischen Kriterien (S. 40 f.): 

A. Eines oder mehrere somatische Symptome, die belastend sind oder zu erheblichen 
Einschränkungen in der alltäglichen Lebensführung führen. 

B. Exzessive Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen bezüglich der somatischen 
Symptome oder damit einhergehender Gesundheitssorgen, die sich in mindestens 
einem der folgenden Merkmale ausdrücken: 
1. Unangemessene oder andauernde Gedanken bezüglich der Ernsthaftigkeit der 

vorliegenden Symptome. 
2. Anhaltende, stark ausgeprägte Ängste in Bezug auf die Gesundheit oder die 

Symptome. 
3. Exzessiver Aufwand an Zeit und Energie, die für die Symptome oder 

Gesundheitssorgen aufgebracht werden. 
C. Obwohl keines der einzelnen somatischen Symptome durchgängig vorhanden sein 

muss ist der Zustand der Symptombelastung persistierend (typischerweise länger als 
sechs Monate). 

Das Kriterium A sei mit Sicherheit erfüllt. In Bezug auf das Kriterium B 

zeige sich, dass das Denken der Beschwerdeführerin stark auf ihre 

Schmerzen eingeengt sei. Dies zeige sich durch die Angabe, dass das 

Schmerzerleben auf einer Schmerzskala von 0 – 10 in der Regel bei 8 bis 

9 liege, selten darunter. Auch äussere sie immer wieder die ausgeprägte 

Angst, dass die Schmerzen noch stärker werden und sie dann vielleicht 

im Rollstuhl landen werde. Ebenso sei der Tagesablauf durch das 

Schmerzerleben stark bestimmt. So lege die Beschwerdeführerin sich 

nach einem kurzen Spaziergang hin, was bedeute, dass sie 

vergleichsweise viel Zeit und Energie für die Symptomatik aufwende. 

Somit seien die drei unter B genannten Merkmale erfüllt, so dass man von 

einem mindestens mittleren Schweregrad ausgehen müsse. Dass es sich 

um eine lang dauernde und konsistent berichtete Symptomatik handle, sei 

aus den Unterlagen ableitbar. Aufgrund der Tatsache, dass aber die 

Symptomatik nicht weiter objektiviert werden könne, ging der 

psychiatrische Teil-Gerichtsgutachter von einem mindestens 

- 35 -

mittelgradigen Schweregrad der somatischen Belastungsstörung nach 

DSM-5 aus und hielt zudem fest, dass sich ein schwererer Schweregrad 

nicht ausschliessen lasse (S. 42 f.).

Zusammenfassend kommt er zum Schluss, dass die beiden Diagnosen 

(Depressive Episode von mittelgradig bei teilweise schwergradigem 

Ausmass, ICD-10 F32.1 / F32.2; somatische Belastungsstörung, DSM-5 – 

entsprechend F45.1) eng miteinander zusammenhängen und sich 

gegenseitig negativ beeinflussen würden, so dass insgesamt aus 

gutachterlicher Sicht von einer schweren Symptomatik auszugehen sei 

(S. 45). 

10.2.3. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit führte der psychiatrische Teil-

Gerichtsgutachter aus, die Arbeit in der Altenpflege im Vollzeitpensum sei 

der Beschwerdeführerin nicht mehr möglich. Die Körperpflege und damit 

verbundene Mobilisation und die zum Teil nicht ergonomischen 

Körperhaltungen würden aus gutachterlicher Sicht eine 100 %-ige 

Arbeitsunfähigkeit ab dem Zeitpunkt der Krankmeldung bis und mit dem 

27. Januar 2021 bedingen (S. 48). Auch verneinte er die Arbeitsfähigkeit 

in einer leidensangepassten Tätigkeit. Selbst wenn die 

Beschwerdeführerin ihre früheren Ressourcen des doch starken 

Arbeitswillens und der Anpassungsfähigkeit wieder aktivieren könnte, 

könne nicht davon ausgegangen werden, dass sie eine relevante und über 

einen längeren Zeitraum abrufbare Arbeitsfähigkeit, selbst in einer 

leidensangepassten Tätigkeit, erreichen könnte. Selbst leichte 

Tätigkeiten, wie sie zum Beispiel auch im Haushalt durchgeführt werden 

können, könne sie offensichtlich nur mit ausreichenden Pausen machen. 

Tätigkeiten, mit dem nötigen Pausenbedarf, könnten zumindest aus 

medizinischer Sicht nicht beschrieben werden. Aus gutachterlicher Sicht 

sei die Beschwerdeführerin auch in einem angepassten Bereich nicht 

arbeitsfähig (S. 49). 

- 36 -

10.3.1. Im rheumatologischen Teil-Gerichtsgutachten hielt der Gerichtsgutachter 

fest, bei der Untersuchung der Extremitäten und des Rumpfes habe sich 

eine generalisierte Weichteildruckdolenz gefunden. 18 von 18 in der früher 

benutzten Diagnosenomenklatur für die Diagnose eines 

Fibromyalgiesyndroms seien positiv gewesen. Nach alter Klassifikation 

könnte ein Fibromyalgiesyndrom diagnostiziert werden. Die 

Beschwerdeführerin erfülle aber auch die Einschlusskriterien für die 

Diagnosestellung eines Fibromyalgiesyndroms gemäss den neuen 

Diagnosekriterien. Ob nun das Beschwerdebild als Fibromyalgiesyndrom 

oder als Tendenz zum generalisierten chronifizierten 

Weichteilschmerzsyndrom bezeichnet werde, sei nicht von 

entscheidender Bedeutung, da beide Krankheitsbilder einen negativen 

Einfluss auf die Lebensqualität und die körperliche Leistungsfähigkeit 

sowie die Arbeitsfähigkeit haben könnten. Dies liege bei der 

Beschwerdeführerin zweifelsfrei vor und sei in den vorliegenden Berichten 

wiederholt beschrieben worden. Weiter führte er aus, bildgebend fänden 

sich im Verlauf zunehmende multisegmentäre degenerative 

Veränderungen im Bereich der HWS sowie degenerative Veränderungen 

im Bereich der LWS. Zusammenfassend fände sich aus 

rheumatologischer Sicht ein chronifiziertes zervicozephales-, 

zervicobrachiales- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei 

multisegmentalen degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule, 

ausgeprägten chronifizierten muskulären Verspannungen und einer 

muskulären Dekonditionierung (S. 37). 

10.3.2. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt der rheumatologische Teil-

Gerichtsgutachter fest, es liessen sich zwei Symptomkomplexe 

nachweisen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, einerseits ein 

chronifiziertes Wirbelsäulensyndrom und andererseits ein generalisiertes 

Weichteilschmerzsyndrom. Diese würden eine verminderte Belastbarkeit 

des Rückens sowie eine generell leicht verminderte Belastbarkeit 

- 37 -

bedingen (S. 38). Zum Zeitpunkt der erstmaligen Begutachtung im 

September und Oktober 2020 habe eine eingeschränkte körperliche 

Leistungsfähigkeit für Tätigkeiten mit dynamischer und statischer 

Rückenbelastung sowie Tätigkeiten mit Gewichtsbelastungen bestanden. 

Insgesamt seien der Beschwerdeführerin leichte bis mittelschwere 

Tätigkeiten zumutbar, wobei mittelschwere Tätigkeiten bis max. 12.5 kg 

nur für Heben horizontal und nur selten zumutbar gewesen seien. Eine 

Einschränkung im Sinne einer nur manchmal am Tag zumutbaren 

Tätigkeit bestehe für vorgeneigtes Stehen, vorgeneigtes Sitzen und 

Hockstellung. Heben Boden zu Taillenhöhe, Heben Taille zur Kopfhöhe, 

Tragen mit der rechten und linken Hand seien bis max. 7.5 mg (recte wohl: 

kg) selten am Tag zumutbar. Zusätzlich bestehe bei chronifiziertem 

generalisiertem Weichteilschmerzsyndrom der Bedarf für vermehrte 

Pausen über den Tag verteilt im Ausmass von 15-20 %. Somit könne aus 

rheumatologischer Sicht eine leichte Tätigkeit, für Heben horizontal selten 

mittelschwere Tätigkeit, in einem Pensum von 80-85 % ganztags attestiert 

werden. Diese Einschränkung sei ab dem 19. August 2019 anzunehmen 

und gelte weiterhin unverändert. Aufgrund der in der aktuellen 

Untersuchung neu nachgewiesenen muskulären Dekonditionierung 

bestehe ab spätestens September 2022 eine maximale zumutbare 

Gewichtsbelastung von 10 kg für Heben horizontal maximal selten am 

Tag. Somit bestehe seit spätestens September 2022 die Zumutbarkeit 

einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit mit den vorstehend 

beschriebenen Einschränkungen (S. 39). Dies gelte für eine 

leidensangepasste Tätigkeit (S. 44 f.). Soweit Facharzt G._____ alsdann 

auf S. 45 seines Teil-Gerichtsgutachtens festhält, aus somatischer Sicht 

finde sich eine 80-85 %-ige Arbeitsunfähigkeit in einer ideal angepassten 

leichten Tätigkeit, muss es sich hierbei um einen Verschrieb handeln, 

zumal er sowohl auf S. 39 als auch auf S. 43 f. seines Teil-

Gerichtsgutachtens jeweils zum Schluss einer entsprechenden 80-

85 %igen Arbeitsfähigkeit (Hervorhebung durch das Gericht) in einer 

- 38 -

leidensangepassten Tätigkeit kommt. Für die angestammte Tätigkeit habe 

aufgrund der ungenügenden körperlichen Leistungsfähigkeit für eine 

derartige schwere Tätigkeit ab dem 19. August 2019 eine 100 %-ige 

Arbeitsunfähigkeit bestanden, welche bis und mit dem 27. Januar 2021 

vorhanden und zum Untersuchungszeitpunkt vom September 2022 

weiterhin vorhanden gewesen sei (S. 44).  

10.4. Aus internistischer Sicht geht aus dem Teil-Gerichtsgutachten hervor, 

dass sich keine relevanten Diagnosen fänden, welche die Arbeitsfähigkeit 

beeinflussen könnten (S. 41).

11.1. Wie bereits ausgeführt, ist von einem Gerichtsgutachten nur bei Vorliegen 

triftiger Gründe abzuweichen. 

11.2. Vorliegend bestehen keine Gründe, von der Beurteilung im 

Gerichtsgutachten abzuweichen. Das tridisziplinäre psychiatrische, 

rheumatologische und internistische Gerichtsgutachten erfüllt die 

rechtsprechungsgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer 

ärztlichen Expertise vollumfänglich. Es ist in Kenntnis der Vorakten 

ergangen (S. 7 ff. und S. 2 ff. der entsprechenden Teil-Gerichtsgutachten), 

setzt sich mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigung 

auseinander (S. 25 ff.; S. 31 ff. der entsprechenden Teil-

Gerichtsgutachten) und berücksichtigt die geklagten Beschwerden (S. 28 

f.; S. 27 der entsprechenden Teil-Gerichtsgutachten). Sodann haben sich 

die Gutachter mit den vorliegenden ärztlichen Berichten 

auseinandergesetzt und Abweichungen davon begründet (vgl. etwa S. 38 

f. und S. 52 des psychiatrischen Teil-Gerichtsgutachtens; S. 38 f. und 47 f. 

des rheumatologischen Teil-Gerichtsgutachtens). Das Gerichtsgutachten 

leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge sowie in 

der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält als 

nachvollziehbar begründete Schlussfolgerung, dass bei der 

Beschwerdeführerin seit dem 19. August 2019 keine Arbeitsfähigkeit in der 

- 39 -

angestammten und in einer leidensangepassten Tätigkeit besteht (S. 7 

und 8 der tridisziplinären Konsensbeurteilung). Insbesondere legt der 

psychiatrische Teil-Gerichtsgutachter anhand der jeweiligen ICD-Kriterien 

die Herleitung der Diagnose einer depressiven Episode von mittelgradig 

bei teilweise schwergradigem Ausmass, ICD-10 F32.1 / F32.2 sowie einer 

somatischen Belastungsstörung, DSM-5 – entsprechend F45.1 - über 

mehrere Seiten nachvollziehbar und schlüssig dar (vgl. vorstehende 

Erwägung 10.2). Darüber hinaus hat sich der psychiatrische Teil-

Gerichtsgutachter mit dem SMAB-Gutachten, insbesondere dem 

psychiatrischen SMAB-Teilgutachten (IV-act. 55 S. 39 ff.), 

auseinandergesetzt und ist schlüssig auf die Schlussfolgerung im SMAB-

Gutachten, wonach in psychiatrischer Sicht keinerlei Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit festgestellt wurde, eingegangen. Dabei zeigt er plausibel 

auf, weshalb im Gegensatz zum SMAB-Gutachten psychische Diagnosen 

festzustellen sind. So führte er aus, dem Vorgutachter könne insoweit 

zugestimmt werden, dass die diagnostische Ausführung im Austrittsbericht 

der Klinik F._____ gemäss ICD-10 nicht korrekt sei, weil eine 

Anpassungsstörung beim Vorliegen von mindestens mittelgradig 

depressiver Symptomatik nicht mehr diagnostiziert werden könne, 

sondern die entsprechende Diagnose gestellt werden müsse. Dies heisse 

aber nicht, dass beide Diagnosen nicht nachvollzogen werden könnten. 

Diesbezüglich gebe es im Austrittsbericht eine ausführliche Darstellung 

über die beobachtete, aber auch subjektiv geklagte Symptomatik (S. 38 

f.). Die diagnostische Beurteilung im SMAB-Gutachten entspreche weder 

den diagnostischen Leitlinien und Kriterien des DSM-5 noch des ICD-10. 

Dies sowohl in Bezug auf die mehrfach dokumentierte und beschriebene 

depressive Symptomatik, welche zu wenig hinterfragt und abgeklärt 

worden sei, als auch in Bezug auf die somatische Belastungsstörung wie 

sie heute verstanden werde. Insbesondere die Kombination der beiden 

Störungen sei als schwer zu bezeichnen. Hinzu komme die 

- 40 -

Wechselwirkung mit den somatischen Einschränkungen (S. 2 der 

tridisziplinären Konsensbeurteilung). 

Auch nimmt der psychiatrische Teil-Gerichtsgutachter Bezug auf die 

Beurteilung von Dr. med. E._____ vom 6. November 2019 (IV-act. 29 S. 7 

f.) und hielt fest, Dr. med. E._____ spreche in seinem Bericht von einer 

leicht bis mittelgradigen depressiven Störung ohne die dabei 

beobachteten Symptome näher zu erläutern. Da im November 2019 die 

Zeit seit der Anmeldung bei der SVA und der damals ausgesprochenen 

Arbeitsunfähigkeit noch vergleichsweise kurz gewesen sei, könne 

nachvollzogen werden, dass er damals noch primär von einer 

Anpassungsstörung gesprochen habe, wobei er erwähnt habe, dass diese 

leicht- bis mittelgradig depressive Störung im Sinne einer „massiven“ 

getriggerten Anpassungsstörung vorliege. Auch er habe somit die 

psychische Schwere der Symptomatik erkannt und die Chronifizierung der 

Problematik damals schon erwähnt (S. 38 f.). 

11.3. Auch der rheumatologische Teil-Gerichtsgutachter legt schlüssig und 

nachvollziehbar anhand der Resultate der EFL-Untersuchung dar, 

weshalb er im Vergleich zum Vorgutachten eine grössere Einschränkung 

der Arbeitsfähigkeit sieht und führt aus, dass im Vorgutachten im 

Widerspruch zu den Resultaten der EFL-Untersuchung auf unzulässige 

Art eine zu hohe Belastbarkeit attestiert und die Belastbarkeit zu wenig 

differenziert worden sei (S. 38 f.). 

11.4. Die Beschwerdegegnerin anerkennt offenbar die Schlussfolgerungen des 

Gerichtsgutachtens grundsätzlich als korrekt, wenn sie ausführt, es sei der 

Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 2021 eine ganze IV-Rente 

zuzusprechen (vgl. Eingabe vom 12. Dezember 2022). Die 

Beschwerdegegnerin rügt einzig, dass gestützt auf die Aktenlage 

überwiegend wahrscheinlich im Sommer 2021 (Bericht über 

Erstkonsultation im KSGR vom 27. Juli 2021) und damit nach dem 

- 41 -

Verfügungszeitpunkt eine erhebliche Verschlechterung stattgefunden 

habe. Entsprechendes habe auch der Sohn der Beschwerdeführerin 

anlässlich der Fremdanamnese ausgeführt. Dem kann nicht gefolgt 

werden. Der psychiatrische Teil-Gerichtsgutachter legte anhand der 

damaligen Akten, insbesondere des Austrittsberichts der Klinik F._____ 

vom 11. Mai 2020 (IV-act. 34), nachvollziehbar dar, dass der 

gesundheitliche Zustand zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung 

nicht grundlegend anders gewesen sei als zum Zeitpunkt der 

Begutachtung. Er würdigt zwar, dass der Sohn von einer Verschlechterung 

des Zustands im Verlauf des letzten Jahres berichtet hat, dies führt aber 

aus seiner Sicht zu keiner Andersbeurteilung. So führte er aus, das 

Denken der Beschwerdeführerin sei auf ihr Schmerzerleben eingeengt. Es 

sei zu einer ausgeprägten Dekonditionierung gekommen und einer 

Dekompensation der jahrelang mühsam aufrechterhaltenen 

Arbeitsfähigkeit. Im Austrittsbericht der Klinik F._____ vom 11. Mai 2020 

(IV-act. 34) sei in Bezug auf das Krankheitskonzept / die Psychodynamik 

festgehalten worden, dass sich aufgrund des langjährigen Überschreitens 

körperlicher Belastungsgrenzen und der langjährigen Einnahme von 

starken Schmerzmedikamenten bei der Beschwerdeführerin eine 

chronische Schmerzstörung entwickelt habe. Der Verlust der Arbeitsstelle 

und des damit einhergehenden selbstwertstabilisierenden Effekts, die 

massiven Funktionseinschränkungen im Alltag sowie die belastenden 

Schmerzen hätten sich negativ auf die psychische Befindlichkeit 

ausgewirkt, so dass mit der Zeit depressive Begleitsymptome entstanden 

seien (S. 49). Damit vermögen die Vorbringen der Beschwerdegegnerin 

nichts an der Beweiskraft des Gerichtsgutachtens zu ändern. 

11.5. Gestützt auf das beweiskräftige Gerichtsgutachten besteht bei der 

Beschwerdeführerin demnach seit dem 19. August 2019 keine 

Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht ergeben sich keine Gründe, 

zwischen der angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin und einer 

- 42 -

leidensangepassten Tätigkeit zu unterscheiden (S. 61 des psychiatrischen 

Teil-Gerichtsgutachtens und S. 7 und 8 der tridisziplinären 

Konsensbeurteilung). 

12. Da bei der Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 

sowohl in der angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin als auch in einer 

leidensangepassten Tätigkeit vorliegt, kann auf die Vornahme eines 

detaillierten Einkommensvergleichs verzichtet werden. Somit entspricht 

der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Da 

gemäss beweiskräftigem Gerichtsgutachten seit dem 19. August 2019 

sowohl in der angestammten wie auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit 

eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit besteht, endet das Wartejahr am 18. 

August 2020 (vgl. Art. 28 Abs. 1 IVG), so dass die Beschwerdeführerin 

einen Rentenanspruch auf eine ganze Rente ab dem 1. August 2020 hat. 

Das führt unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 27. Januar 

2021 zur Gutheissung der Beschwerde und Zusprechung einer ganzen IV-

Rente ab dem 1. August 2020. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt 

sich, auf die weiteren Vorbringen der Parteien einzugehen. 

13.1. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem 

kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach 

dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 

CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, 

in denen ein sehr hoher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die 

Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf 

CHF 1'000.-- fest. Die Kosten sind entsprechend dem Ausgang des 

Verfahrens der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei 

aufzuerlegen.

13.2.1. In Bezug auf die Frage nach der Kostentragung des Gerichtsgutachtens 

des Fachzentrums Forensik Ostschweiz vom 10. November 2022 bzw. 

- 43 -

8. Mai 2023 in der Höhe von insgesamt CHF 10'916.36 (CHF 4'636.36 

Dr. med. H._____ [inkl. Dolmetscherkosten CHF 202.50], CHF 6'000.-- 

Facharzt G._____ und Dolmetscherkosten CHF 280.--) ist festzuhalten, 

dass die gerichtlichen Abklärungskosten der Verwaltung auferlegt werden 

können, wenn ein Zusammenhang zwischen dem Untersuchungsmangel 

seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise 

anzuordnen, besteht (BGE 139 V 496 E.4.4). Dies ist unter anderem der 

Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation 

notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise 

abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische 

Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (BGE 140 V 70 E.6.1, 139 V 496 E.4.4 

mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung holt die kantonale 

Beschwerdeinstanz in der Regel ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie 

einen medizinischen Sachverhalt für gutachterlich abklärungsbedürftig 

hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen 

Punkt nicht beweiskräftig ist (BGE 137 V 210 E.4.4.1.4).

13.2.2. Nach Einsicht in die Rechtsschriften der Parteien sowie die medizinischen 

Unterlagen, insbesondere das SMAB-Gutachten (IV-act. 55), gelangte das 

streitberufene Gericht anlässlich der Urteilsberatung vom 10. Mai 2022 

zum Ergebnis, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals 

vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Wie in Erwägung 7.2 vorstehend 

ausgeführt, kam weder der psychiatrischen noch der rheumatologischen 

Beurteilung im SMAB-Gutachten vom 2. Dezember 2020 (IV-act. 55) mit 

Blick auf die Anforderungen an den Beweiswert ärztlicher Berichte und 

Gutachten eine ausschlaggebende Beweiskraft zu. Da auch die übrigen 

bei den Akten liegenden medizinischen Berichte keine verlässliche 

Entscheidungsgrundlage bildeten, waren die Abklärungsergebnisse aus 

dem Verwaltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräftig. Demnach 

wies das Verwaltungsverfahren Untersuchungsmängel auf, die eine 

Gerichtsexpertise notwendig machten. Auch die Gerichtsgutachter 

- 44 -

gelangten überzeugend zum Schluss, dass das SMAB-Gutachten vom 

2. Dezember 2020 aus medizinischer Sicht einige Mängel aufwies (vgl. 

vorstehende Erwägung 11). Für die Beurteilung des Rentenanspruchs der 

Beschwerdeführerin stellt das Gericht folglich auf das Gerichtsgutachten 

ab. Damit sind die rechtsprechungsgemässen Anforderungen erfüllt, 

welche es rechtfertigen, der Beschwerdegegnerin die Kosten für das 

Gerichtsgutachten in der Höhe von insgesamt CHF 10'916.36 (inkl. 

Dolmetscherkosten) zu überbinden.

13.3.1. Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die 

Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert 

nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig 

durch die Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird 

die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Satz 1 ATSG 

nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, 9C_321/2018 vom 16. 

Oktober 2018 E.6.1 und 9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 

f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung 

des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte 

(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach 

Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der 

Honorarnote geltend gemachten und als angemessen zu betrachtenden 

Aufwand sowie üblichen Stundenansatz ausgeht.

13.3.2. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte in seiner Eingabe 

vom 17. Mai 2023 insgesamt einen Aufwand von 23.5 Stunden à 

CHF 250.-- (CHF 5'875.--) zuzüglich einer Spesenpauschale von 3 % 

(CHF 176.25) und 7.7 % MWST (CHF 465.95) geltend. Da vorliegend eine 

Honorarvereinbarung über den angegebenen Stundenansatz im Recht 

liegt (Gerichtsakte B2) und der zeitliche Aufwand von 23.5 Stunden zudem 

- 45 -

als angemessen erscheint, ebenso die geltend gemachte 

Kleinspesenpauschale von 3 % auf das Honorar (vgl. dazu Urteil des 

Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 22 119 vom 

28. November 2022 E.4 und S 20 52 vom 24. März 2022 E.11.3), kann 

darauf abgestellt werden. Damit hat die Beschwerdegegnerin der 

Beschwerdeführerin im Umfang von CHF 6'517.20 einen 

Parteikostenersatz zu leisten (vgl. dazu auch Art. 2 Abs. 2 Ziff. 1 und 2, 

Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1 HV).

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Unter Aufhebung der Verfügung vom 27. Januar 2021 wird die 

Beschwerde gutgeheissen. A._____ hat ab dem 1. August 2020 Anspruch 

auf eine ganze IV-Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100 %.

2. Die Kosten von CHF 1'000.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden.

3. Die Kosten des eingeholten Gerichtsgutachtens von CHF 10'916.36 

gehen zu Lasten der IV-Stelle des Kantons Graubünden.

4. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden leistet A._____ einen 

Parteikostenersatz von CHF 6'517.20 (inkl. Spesen und MWST).

5. [Rechtsmittelbelehrung]

6. [Mitteilung]