# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e4d86420-5fb5-5ea7-8ac4-e2ad9114363d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-04-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.04.2025 E-7137/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7137-2023_2025-04-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

  

 

 Abteilung V 

E-7137/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  A p r i l  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Mathias Lanz (Vorsitz), 

Richter Gregor Chatton,  

Richterin Barbara Balmelli,    

Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Irak, 

vertreten durch lic. iur. Ismet Bardakci, Fürsprecher,  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 14. Dezember 2023 / N (…). 

 

 

 

E-7137/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 28. September 2023 in der Schweiz 

um Asyl nach. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der Eurodac-Daten-

bank ergab, dass sie am 16. Mai 2023 bereits in Kroatien ein Asylgesuch 

gestellt hatte (vgl. SEM-Akten […] [nachfolgend: A] 8). Die Aufnahme der 

Personalien erfolgte am 11. Oktober 2023.  

B.  

Am 23. Oktober 2023 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin im Rah-

men des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen 

oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-

nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) das rechtliche Ge-

hör zur Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Weg-

weisungsverfahrens, zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid, zur po-

tenziellen Überstellung nach Kroatien sowie zu ihrem Gesundheitszustand 

(A20). 

Die Beschwerdeführerin gab dabei an, man sei in Kroatien sehr schlecht 

mit ihr umgegangen und sie sei psychisch am Ende gewesen. Sie sei von 

der Polizei geschlagen und es seien ihr auf der Strasse die Kleider zerris-

sen worden, woraufhin sie ausgelacht worden sei. Sie sei auf eine Polizei-

stelle gebracht worden, wo sie Schlagstöcke gehabt hätten, auf sie losge-

gangen seien und sie an den Haaren gezogen hätten. Aus Angst habe sie 

(…) Blutungen bekommen. Danach sei sie ausgelacht worden. Einen Dol-

metscher habe es nicht gegeben. Sie habe in einem Zimmer auf dem Bo-

den schlafen müssen und nichts zu Essen und zu Trinken erhalten. Später 

habe sie in einem anderen Zimmer ihre Fingerabdrücke geben müssen. 

Sie sei nur einen Tag lang in Kroatien gewesen, dann sei sie in einem Fahr-

zeug in einen Wald an der serbischen Grenze gebracht worden. Nachdem 

sie dort habe aussteigen müssen, sei auf sie eingeschlagen worden. Sie 

sei liegen geblieben, bis jemand einen Schlepper organisiert habe. Dann 

sei sie nach B._______ gelangt, von wo aus sie nach vier Monaten mit Hilfe 

eines Schleppers in die Schweiz gekommen sei. Auf Nachfrage hin erklärte 

sie, sie werde ein Dokument, das sie von der Polizei in B._______ erhalten 

habe, der Rechtsvertretung zukommen lassen. 

E-7137/2023 

Seite 3 

In Bezug auf den medizinischen Sachverhalt erklärte die Beschwerdefüh-

rerin, es gehe ihr psychisch sehr schlecht. Sie leide an einer Herzkrankheit 

und habe Probleme mit dem Rücken. Aufgrund ihrer Herzprobleme habe 

sie sich an die Pflege gewandt und es sei ein Röntgenbild gemacht worden. 

Betreffend ihre Rückenbeschwerden erhalte sie noch einen Termin. Zudem 

habe sie eine psychiatrische Behandlung verlangt. 

Die Beschwerdeführerin reichte ferner eine im Irak ausgestellte Flücht-

lingskarte des UNHCR, eine Registrierungsbestätigung des UNHCR als 

Flüchtling sowie ein Diplom der von ihr besuchten High School vom Schul-

jahr 2018/2019 ein (A1, ID-002, ID-003 und ID-004). 

C.  

C.a Am 25. Oktober 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um 

Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO.  

C.b Am 2. und am 3. November 2023 reichte die Beschwerdeführerin ver-

schiedene Belege ein, unter anderem einen Polizeirapport vom (…) in ser-

bischer Sprache und medizinische Unterlagen.  

C.c Mit Verweis auf eine mögliche Ausreise der Beschwerdeführerin aus 

dem Dublin-Raum lehnten die kroatischen Behörden das Ersuchen um de-

ren Übernahme am 8. November 2023 ab. Die Beschwerdeführerin sei be-

reits am 17. Mai 2023 untergetaucht. Seither, mithin fünf Monate später, 

sei ihr Verbleib unbekannt (A28). 

C.d Am 23. November 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden 

um Wiedererwägung. Es monierte dabei erneut, die Beschwerdeführerin 

habe die angebliche Ausreise aus dem Dublin-Raum sowie ihren Aufent-

halt in B._______ gegenüber den Schweizer Behörden nicht glaubhaft dar-

legen können. Beim eingereichten Polizeirapport handle es sich um eine 

Fälschung. Die Beschwerdeführerin habe ausserdem die Transitländer, die 

sie auf ihrer Reise in die Schweiz passiert habe, nicht benennen können, 

was ebenfalls darauf hinweise, dass sie Kroatien nicht verlassen habe.  

C.e Am 1. Dezember 2023 stimmten die kroatischen Behörden der Wie-

deraufnahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-

III-VO zu. 

E-7137/2023 

Seite 4 

D.  

Den Akten der Vorinstanz sind folgende medizinische Unterlagen zu ent-

nehmen: 

- Ein ärztlicher Kurzbericht vom 13. Oktober 2023, wonach die Beschwerdefüh-

rerin unter (…) im Bereich der Brustwirbelsäule sowie (…) leidet; es bestehe 

der Verdacht auf eine Depression; sie leide ferner unter (…), differenzialdiag-

nostisch Helicobacter pylori, und an einer (…); 

- die medizinische Dokumentation des BAZ C._______ mit letztem Eintrag vom 

27. Oktober 2023; 

- ein ärztlicher Bericht des (…)spitals D._______ /(…)klinik für Notfallmedizin 

vom 25. Oktober 2023, wonach sich bei der Beschwerdeführerin kein Anhalt 

für ein (…) Geschehen gezeigt habe und bei ihr eine Posttraumatische Belas-

tungsstörung (PTBS) diagnostiziert worden sei; 

- ein Laborbericht vom 25. Oktober 2023; 

- ein Befundbericht des (…)instituts E._______ vom 16. Oktober 2023, wonach 

bei der Beschwerdeführerin ein normaler Herz-Lungen-Befund diagnostiziert 

worden sei. 

E.  

Mit am 18. Dezember 2023 eröffneter Verfügung vom 14. Dezember 2023 

trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, 

verfügte ihre Wegweisung in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Kroa-

tien) und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwer-

defrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kanton 

F._______ mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte der Beschwerde-

führerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und 

hielt fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine 

aufschiebende Wirkung zu. 

F.  

Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 21. De-

zember 2023 (Postaufgabe am 22. Dezember 2023) beantragte die Be-

schwerdeführerin, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, ihre 

Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewähren, 

eventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuord-

nen. 

E-7137/2023 

Seite 5 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Wiederherstellung der 

aufschiebenden Wirkung und um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses so-

wie um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands. 

Der Eingabe lagen nebst den Kopien der ersten Seite der angefochtenen 

Verfügung und der Empfangsbestätigung, zwei Seiten des Protokolls der 

Personalienaufnahme vom 11. Oktober 2023 (A10) sowie die bereits im 

vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Kopien der im Irak vom UNHCR 

ausgestellten Flüchtlingskarte der Beschwerdeführerin sowie die Registrie-

rungsbestätigung beim UNHCR als Flüchtling (ID-002 A und ID-003 B) bei. 

G.  

Mit Eingabe vom 22. Dezember 2022 reichte eine Drittperson, die keine 

Vollmacht der Beschwerdeführerin vorwies, einen Wikipedia-Artikel über 

das Flüchtlingslager in G._______, Kopien der vorinstanzlichen Akte A22 

(Einwilligungserklärung zur Datenweitergabe) sowie der Seite 3 der ange-

fochtenen Verfügung nach. Sie erklärte unter anderem, die Aussagen der 

Beschwerdeführerin liessen darauf schliessen, dass sie in Kroatien auf 

dem Polizeiposten vergewaltigt worden sei. 

H.  

Am 22. Dezember 2023 setzte die damals zuständige Instruktionsrichterin 

den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einst-

weilen aus. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 29. Dezember 2023 wurde der Beschwerde 

die aufschiebende Wirkung erteilt. Die Gesuche um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung und amtliche Rechtsverbeiständung wurden 

vorbehaltlich der Nachreichung eines Bedürftigkeitsnachweises innert Frist 

gutgeheissen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzich-

tet und die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Säumnisfolge aufge-

fordert, innert Frist eine Rechtsvertretung zu bezeichnen und eine entspre-

chende Vollmacht einzureichen. 

J.  

Am 9. Januar 2024 gelangte der rubrizierte Rechtsvertreter unter Anzeige 

seines Mandats an das Bundesverwaltungsgericht und ersuchte um seine 

Beiordnung als unentgeltlicher Rechtsbeistand. Gleichzeitig beantragte er, 

E-7137/2023 

Seite 6 

ihm die Verfahrensakten zukommen zu lassen und eine Frist für allfällige 

ergänzende Ausführungen anzusetzen. 

Der Eingabe lag eine Vollmacht vom 8. Januar 2024 sowie ein Schreiben 

des SEM vom 4. Januar 2024 bei, wonach die Beschwerdeführerin im BAZ 

C._______ untergebracht sei und über keine finanziellen Mittel verfüge. 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2024 wurde der rubrizierte Rechts-

vertreter als amtlicher Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin eingesetzt. 

Ihm wurden die bisher auf Beschwerdeebene entstandenen Verfahrensak-

ten in Kopie zugestellt und das SEM wurde aufgefordert, ihm Einsicht in 

die vorinstanzlichen Akten zu gewähren. Gleichzeitig erhielt die Beschwer-

deführerin unter Hinweis auf die Säumnisfolge Gelegenheit, innert fünf Ar-

beitstagen ab Gewährung der Akteneinsicht eine Stellungnahme einzu-

reichen. 

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 6. Februar 2024 wies die Instruktionsrichterin 

ein Gesuch um Erstreckung der Frist zur Einreichung einer Stellungnahme 

vom 29. Januar 2024 ab. 

M.  

Am 9. Februar 2024 reichte der Rechtsbeistand eine Stellungnahme ein. 

Mit Blick auf eine erstmals geltend gemachte Vergewaltigung der Be-

schwerdeführerin beantragte er ergänzend die Rückweisung der Sache an 

die Vorinstanz zur Feststellung des vollständigen Sachverhalts und zur 

Neubeurteilung. Ferner erklärte er, er habe bei den (…) Psychiatrischen 

Diensten H._______ ([…]PD) um Ausstellung eines Berichts ersucht.  

N.  

Mit Zwischenverfügung vom 15. Februar 2024 wurde die Beschwerdefüh-

rerin aufgefordert, bis am 1. März 2024 den in Aussicht gestellten ärztlichen 

Bericht einzureichen. 

O.  

Am 28. Februar 2024 reichte die Beschwerdeführerin folgende Unterlagen 

in Kopie ein: 

- Einen Abklärungsbericht der (…)PD vom 12. Februar 2024, wonach bei der 

Beschwerdeführerin eine PTBS (ICD 10: F43.1) sowie eine schwere depres-

sive Episode ohne psychotische Symptome (ICD10: F32.2) diagnostiziert 

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Seite 7 

wurden; bei einer Rückkehr nach Kroatien sollte eine psychologisch-psychiat-

rische Behandlung vor Ort gewährleistet sein; bei einem Abbruch der Behand-

lung sei mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustands zu rechnen; 

- einen Verlaufsbericht der (…)PD vom 23. Februar 2024, wonach die Be-

schwerdeführerin an einer stark ausgeprägten PTBS leide, mit Wiedererleben 

in Form von Intrusionen, Flashbacks und Albträumen, Hyperarousal mit stän-

diger Unruhe, Angstzuständen, Bedrohungsgefühl, interpersoneller Angst, 

Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Vermeidungsverhalten in 

Form von Nicht-darüber-nachdenken-wollen, dissoziativen Symptomen (sich-

kognitiv-ausklinken) und chronischen Suizidgedanken; sie leide ferner an ei-

ner schweren depressiven Episode mit Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, 

Freudlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Schuld- 

und Insuffizienzgefühlen; eine psychiatrisch-psychotherapeutische Therapie 

sei unerlässlich, wobei ein Abbruch gesundheitsgefährdend sei und die bereits 

bestehende Suizidalität erhöhe; 

- eine E-Mail der (…)PD vom 28. Februar 2024. 

P.  

Am 13. März 2024 liess sich das SEM zur Beschwerde vernehmen. 

Q.  

Die Beschwerdeführerin replizierte am 2. April 2024. Der Eingabe lagen die 

Kopie einer Kostennote sowie einer E-Mail der (…)PD vom 27. März 2024 

bei, wonach eine Rückführung der Beschwerdeführerin nach Kroatien mit 

grosser Wahrscheinlichkeit ein weiteres traumatisierendes Erlebnis res-

pektive eine Retraumatisierung auslösen könnte. 

R.  

Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Verfahren im Feb-

ruar 2025 auf den vorsitzenden Richter übertragen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen 

Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. 

Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

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Seite 8 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 

VwVG). 

1.4 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu prüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz des Bundesver-

waltungsgerichts grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob das SEM zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/30 E. 3 

und 2011/9 E. 5; BVGE 2017 VI/5 E. 3.1 m.w.H.). Demnach ist auf die Be-

gehren, wonach die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin anzu-

erkennen und ihr Asyl zu gewähren, sowie die Unzumutbarkeit und Unzu-

lässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen respektive die vorläufige 

Aufnahme anzuordnen sei, nicht einzutreten. 

1.5 Im Übrigen ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 

einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Einleitend stellte die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung fest, 

dass Kroatien ein Rechtsstaat mit funktionierendem Rechtssystem sei. 

Sollte sich die Beschwerdeführerin durch die kroatischen Behörden unge-

recht oder rechtswidrig behandelt fühlen, könne sie sich mit Beschwerde 

an die zuständigen Stellen wenden. Aus dem Fehlverhalten einzelner Mit-

arbeiter der kroatischen Sicherheitskräfte lasse sich keine systemische An-

wendung von Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten ableiten. Die Be-

troffenen könnten die fehlbaren Beamtinnen und Beamten nach ihrer Ein-

reise bei den zuständigen Behörden in Kroatien zur Anzeige bringen, soll-

ten sie eine juristische Aufarbeitung dieser Vorkommnisse wünschen. Das 

SEM gehe nicht davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei einer Über-

stellung nach Kroatien erneut in eine solche Situation geraten werde.  

Was die geltend gemachte Ausreise aus dem Hoheitsgebiet der Dublin-

Mitgliedstaaten respektive den viermonatigen Aufenthalt in B._______ 

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Seite 9 

betreffe, habe sie diesen nicht belegen können. So sei beispielsweise die 

Echtheit des (…)rapports fraglich; auffallend sei auch, dass sie sich nicht 

einmal an den Namen der Stadt habe erinnern können, in der sie sich vier 

Monate lang aufgehalten haben wolle. Ausserdem habe Kroatien in Kennt-

nis dieser Umstände ihrer Rückübernahme zugestimmt.  

Die Schweizer Botschaft habe in Kroatien mehrfach abgeklärt, ob und in-

wiefern Dublin-Rückkehrende von der Push-Back-Problematik betroffen 

seien. Die Problematik im kroatischen Grenzgebiet könne nicht mit Rück-

führungen nach Kroatien gestützt auf die Dublin-III-VO in Verbindung ge-

bracht werden. Dublin-Rückkehrende würden ausnahmslos nach Zagreb 

überstellt, wo sie Zugang zu einem rechtsstaatlichen Asyl- und Wegwei-

sungsverfahren mit wirksamen Beschwerdemöglichkeiten hätten. Es gebe 

auch keine Hinweise, dass Dublin-Rückkehrenden eine Kettenabschie-

bung oder systematische Gewalt seitens der kroatischen Behörden drohe.  

In Bezug auf die medizinischen Probleme der Beschwerdeführerin hielt das 

SEM fest, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur 

verfüge und gemäss der Richtlinie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Fest-

legung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen 

Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) verpflichtet sei, ihr die erfor-

derliche medizinische Versorgung zu gewähren, welche zumindest die Not-

versorgung, die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und 

schweren psychischen Störungen sowie – bei besonderen Bedürfnissen – 

auch weitere medizinische Hilfe umfasse. Allfällige Schwierigkeiten beim 

Zugang zur medizinischen Versorgung, wie beispielsweise situative Ver-

ständigungsprobleme, vermöchten nicht gegen die Zumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs nach Kroatien zu sprechen. Für das weitere Dublin-Ver-

fahren sei daher einzig die Reisefähigkeit der Beschwerdeführerin aus-

schlaggebend, welche kurz vor der Überstellung beurteilt werde. Das SEM 

werde bei deren Organisation insbesondere dem aktuellen Gesundheits-

zustand der Beschwerdeführerin Rechnung tragen und die kroatischen Be-

hörden darüber informieren. Im Übrigen seien keine konkreten Hinweise 

für die Annahme dargetan worden, Kroatien würde ihr dauerhaft die ihr ge-

mäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vor-

enthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung sei sie ge-

halten, die ihr zustehenden Ansprüche auf dem Rechtsweg einzufordern.  

3.2 Auf Beschwerdeebene machte die Beschwerdeführerin erstmals gel-

tend, dass sie in Kroatien auf dem Polizeiposten vergewaltigt worden sei 

und deshalb unter psychischen Problemen (PTBS und schwere depressive 

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Seite 10 

Episode) leide. Sie sei bei der (…)PD H._______ in psychiatrischer Be-

handlung. Gemäss dem eingereichten Verlaufsbericht der (…)PD vom 

23. Februar 2024 sei mit Blick auf ihre psychischen Beschwerden auf eine 

Wegweisung nach Kroatien zu verzichten. 

3.3 Bezüglich dieser Einschätzung aus ärztlicher Sicht führt das SEM in 

seiner Vernehmlassung aus, Berichte von behandelnden Ärzten unterlä-

gen der freien Beweiswürdigung. Dass die Beschwerdeführerin eine regel-

mässige Therapie benötige, werde nicht bestritten, doch stellten ihre ge-

sundheitlichen Probleme keine medizinische Notlage dar. Es handle sich 

nicht um gravierende Erkrankungen und ohne diese verharmlosen zu wol-

len, könnten sie in Kroatien angemessen behandelt werden. Die für die 

Behandlung der Beschwerdeführerin erforderlichen Medikamente seien in 

Kroatien erhältlich; ein Anfangsvorrat könne ihr zudem bei der Ausreise 

mitgegeben werden.  

3.4 In der Replik hebt die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Be-

richte der (…)PD erneut hervor, dass eine erfolgreiche Behandlung in Kro-

atien praktisch nicht möglich sei, auch wenn dort therapeutische Hilfe zur 

Verfügung stehen würde. Dies aufgrund der Nähe zu den traumatischen 

Erlebnissen und ihrer interpersonellen Angst. Dieser Umstand werde vom 

SEM in der Vernehmlassung nicht berücksichtigt.  

4.  

4.1 Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht eine unvollständige 

Sachverhaltsermittlung im Zusammenhang mit der erstmals auf Beschwer-

deebene explizit geltend gemachten Vergewaltigung. Da sie bereits an-

lässlich des Dublin-Gesprächs Misshandlungen erwähnt und Verletzungen 

im (…)bereich angesprochen habe, wäre das SEM gehalten gewesen, 

diesbezüglich weitere Fragen zu stellen.  

4.2 Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu den angeführten sexuel-

len Übergriffen, respektive einer Vergewaltigung beschränken sich auf eine 

pauschale Behauptung und blieben gänzlich unsubstantiiert. Den Zeitpunkt 

oder die genauen Umstände der Vorkommnisse legte die anwaltlich vertre-

tene Beschwerdeführerin nicht dar. Unbesehen davon wird sie in Kroatien 

eine psychiatrisch-psychotherapeutische Therapie in Anspruch nehmen 

können (vgl. unten E. 7.5.3). Einer allfälligen Retraumatisierung bezie-

hungsweise einer psychischen Destabilisierung aufgrund der Vorkomm-

nisse in Kroatien kann damit vorgebeugt und gegebenenfalls Abhilfe ge-

schaffen werden. Zudem wird die Beschwerdeführerin nicht in die Grenz-

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Seite 11 

region, sondern nach Zagreb rücküberstellt. Eine unmittelbare Nähe zu 

den von ihr angeführten Misshandlungserlebnissen wird deshalb nicht ge-

geben sein (vgl. unten E. 7.5.4). Weitere Abklärungen oder Anhörungen 

zur geltend gemachten Vergewaltigung in Kroatien sind daher nicht erfor-

derlich (zur antizipierten Beweiswürdigung siehe BGE 144 V 361 E. 6.5 

m.H.). Die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung erweist sich 

als nicht stichhaltig und es besteht keine Veranlassung, die Sache zur 

Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen.   

5.  

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-

men des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet 

grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-

III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

5.3 Unbestrittenermassen ging aus einem Abgleich ihrer Fingerabdrücke 

mit der Eurodac-Datenbank hervor, dass die Beschwerdeführerin am 

16. Mai 2023 bereits in Kroatien ein Asylgesuch gestellt hatte. Demnach ist 

Kroatien zu ihrer Wiederaufnahme und zur Fortführung des Verfahrens zur 

Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates grundsätzlich zuständig. 

Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO sieht jedoch vor, dass die Pflicht eines Mitglied-

staats zur Wiederaufnahme einer antragstellenden Person gemäss Art. 18 

Abs. 1 Dublin-III-VO erlischt, wenn dem zuständigen Mitgliedstaat der 

Nachweis gelingt, dass die betreffende Person das Hoheitsgebiet der Mit-

gliedstaaten für mindestens drei Monate verlassen hat.  

5.4 Vorliegend gelingt es weder der Beschwerdeführerin noch den kroati-

schen Behörden, einen mehrmonatigen Aufenthalt der Beschwerdeführe-

rin in B._______ nachzuweisen. Letztere war nicht ansatzweise in der 

Lage, etwelche Erlebnisse in B._______ zu schildern, geschweige denn 

E-7137/2023 

Seite 12 

ihre Aufenthaltsorte zu nennen. Dass sie aus sprachlichen Gründen, oder 

weil sie in einem Flüchtlingslager ohne Ortsschilder aufgewachsen ist, 

keine Ortschaften nennen konnte, ist nicht plausibel. Ausserdem hätte 

durchaus erwartet werden dürfen, dass sie einen Aufenthalt von mehreren 

Wochen mit stichhaltigen Dokumenten belegen kann. Keines der von ihr 

eingereichten Beweismittel (Einkaufsquittung, Foto und Videomaterial) 

lässt einen verlässlichen Rückschluss auf einen tatsächlichen Aufenthalt in 

B._______ zu. Der zu den Akten gereichte Polizeirapport ist leicht fälsch-

bar. 

5.5 Somit bleibt es bei der Wiederaufnahmezuständigkeit Kroatiens. So-

weit die Beschwerdeführerin moniert, in Kroatien zur Abgabe der Finger-

abdrücke gezwungen worden zu sein, ist sie darauf hinzuweisen, dass die 

Abnahme der Fingerabdrücke grundsätzlich rechtmässig erfolgt und unge-

achtet eines fehlenden Willens, ein Asylgesuch zu stellen, zuständigkeits-

begründend beziehungsweise -relevant ist. Die Dublin-III-VO räumt den 

Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber 

auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

6.  

6.1 Besteht aufgrund systemischer Schwachstellen im Asylwesen des ur-

sprünglich als zuständig erkannten Mitgliedstaates die erhebliche Gefahr, 

der Antragsteller werde bei einer Überstellung einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung ausgesetzt, wird der die Zuständigkeit prü-

fende Mitgliedstaat zuständig, soweit nach den Regeln der Dublin-III-VO 

kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden kann (Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO).  

6.2 Im als Referenzurteil publizierten Entscheid E-1488/2020 vom 22. März 

2023 hat sich das Bundesverwaltungsgericht einlässlich mit der Situation 

von Dublin-Rückkehrern in Kroatien befasst. Dabei hat es festgehalten, 

dass im heutigen Zeitpunkt keine Hinweise für die Annahme vorliegen, das 

Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen von Antragstellenden in Kro-

atien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zwei-

ter und dritter Satz Dublin-III-VO auf, die eine Überstellung generell als un-

zulässig erscheinen liessen. Dies gelte sowohl für das Aufnahmeverfahren 

als auch für das Wiederaufnahmeverfahren (vgl. a.a.O. E. 9.5). Selbst un-

ter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geschilderten Miss-

handlungen sowie der behaupteten Vergewaltigung während ihres sehr 

kurzen dortigen Aufenthaltes ist nicht davon auszugehen, Kroatien 

verstosse zum heutigen Zeitpunkt systematisch gegen seine vertraglichen 

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Seite 13 

Verpflichtungen als zuständiger Dublin-Mitgliedstaat im Falle einer Rück-

überstellung von Asylsuchenden. Diese Einschätzung gilt auch im heutigen 

Zeitpunkt (vgl. statt vieler Urteile des BVGer E-2615/2024 vom 1. Novem-

ber 2024 E. 6.1 und D-5321/2024 vom 11. September 2024 E. 6.2). 

6.3 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

nicht gerechtfertigt. 

7.  

7.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen 

gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach 

den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zu-

ständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbst-

eintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverord-

nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss 

dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus humanitären 

Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein an-

derer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstel-

lungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 

E. 8.2.1). 

7.2 Bei der Beurteilung des Selbsteintritts gilt es zu beachten, dass Kroa-

tien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) 

sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) 

ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach-

kommt. Im Weiteren darf davon ausgegangen werden, das Land aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus der Richt-

linie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie der 

Aufnahmerichtlinie ergeben. Die Vermutung, Kroatien halte seine völker-

rechtlichen Verpflichtungen ein, kann im Einzelfall widerlegt werden. Dafür 

braucht es aber konkrete Indizien, die gegebenenfalls von den Betroffenen 

glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.). Vorliegend gelingt 

es der Beschwerdeführerin nicht, diese Vermutung umzustossen (vgl. auch 

oben E. 6.2).  

E-7137/2023 

Seite 14 

7.3 Das Verhalten der kroatischen Polizei gegenüber der Beschwerdefüh-

rerin – sollten ihre Ausführungen zutreffen – wäre in keiner Weise zu recht-

fertigen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass sie im Rahmen einer 

gestützt auf die Dublin-III-VO erfolgenden Rückführung nach Kroatien er-

neut mit Misshandlungen und Gewalt zu rechnen hat. Das Bundesverwal-

tungsgericht geht vielmehr davon aus, dass sie sich nach der Dublin-Rück-

überstellung in einer anderen Situation als bei ihrer ersten Einreise nach 

Kroatien befinden wird (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 E. 9.4. sowie 

bspw. Urteil des BVGer F-4288/2024 vom 25. Juli 2024 E. 5.5 m.w.H.). 

Dass die Erlebnisse bei der Einreise im Mai 2024 für die Beschwerdefüh-

rerin belastend waren und sie eine erneute schlechte Behandlung durch 

die kroatischen Behörden fürchtet, ist verständlich. In objektiver Hinsicht ist 

jedoch die notwendige hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich eine entspre-

chende schlechte Behandlung auch bei einer Rückkehr im Rahmen des 

Dublin-Verfahrens wiederholen könnte, in ihrem Fall nicht gegeben. 

7.4 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt auch nicht, dass das Verhal-

ten der kroatischen Grenzbehörden und die Behandlung von Asylsuchen-

den im Rahmen der Erstaufnahme bis zur Gesuchstellung problematisch 

sein können. Die Beschwerdeführerin hat indessen kein konkretes und 

ernsthaftes Risiko dargetan, die kroatischen Behörden würden sich wei-

gern, sie wieder aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz 

unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten 

sind denn auch keine konkreten, sie betreffenden Gründe für die Annahme 

zu entnehmen, Kroatien werde sie unter Missachtung des Non-Refoule-

ment-Gebots zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben 

oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist 

oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-

zwungen zu sein.  

7.5 Schliesslich ist zu prüfen, ob eine Überstellung der Beschwerdeführerin 

nach Kroatien sie einer Gefahr für ihre Gesundheit aussetzt. 

7.5.1 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen vermag nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK 

darzustellen, etwa wenn eine schwerkranke Person durch die Abschiebung 

– mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit ei-

nem realen Risiko konfrontiert wäre, einer ernsten, raschen und unwieder-

bringlichem Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu 

werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der 

Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteile des EGMR Paposhvili gegen 

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Seite 15 

Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180-193 

m.w.H., bestätigt durch Savran gegen Dänemark 7. Dezember 2021, 

Grosse Kammer 57467/15, §§ 121 ff.).  

7.5.2 Die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin (siehe dazu oben 

Bst. O) sind nicht unerheblich. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen 

sind indes nicht derart gravierend, dass in Anwendung von Art. 3 EMRK 

von einer Überstellung nach Kroatien abgesehen werden muss. Eine we-

sentliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes seit dem letzten 

ärztlichen Bericht macht die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin im 

Rahmen der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) nicht geltend. 

Sämtliche Leiden können in Kroatien behandelt werden, das über eine für 

alle Dublin-Rückkehrende hinreichend zugängliche medizinische Infra-

struktur verfügt (vgl. das bereits erwähnte Referenzurteil E-1488/2020 

E. 10.2 und E. 10.3; Urteil des BVGer E-2615/2024 vom 1. November 2024 

E. 7.4.3 m.w.H.). Nebst den staatlichen Einrichtungen bestehen in Kroatien 

auch Angebote von Nichtregierungsorganisationen für die psychiatrische 

Betreuung, womit von einem genügenden psychologischen Behandlungs-

angebot auszugehen ist (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-2698/2024 

vom 23. Juli 2024 E. 7.3.3 m.w.H.).  

7.5.3 Sodann trat in Kroatien im März 2020 eine Verordnung in Kraft, die 

den Umfang des Rechts auf Gesundheitsversorgung für Antragsteller, die 

Folter, Vergewaltigung oder andere schwere Formen von Gewalt erlitten 

haben, sowie für Personen mit besonderen Bedürfnissen im Bereich der 

Gesundheitsversorgung festlegt. In dieser Verordnung werden die ver-

schiedenen schutzbedürftigen Personengruppen aufgeführt, die Anspruch 

auf Gesundheitsversorgung haben, unter anderem Kinder und Opfer von 

sexueller Gewalt. Diese Personengruppen haben Anspruch auf psychoso-

ziale Unterstützung und Hilfe in geeigneten Einrichtungen. Ausserdem wur-

den im Jahr 2020 Leitlinien für den Umgang mit Fällen von sexueller Ge-

walt gegen Frauen und Kinder erstellt. Der Inhalt der Leitlinien wurde in 

das Standardverfahren für Fälle von sexueller und geschlechtsspezifischer 

Gewalt in den Aufnahmezentren für Personen, die internationalen Schutz 

beantragen, aufgenommen. Das Standardverfahren wurde in Zusammen-

arbeit mit dem kroatischen Innenministerium, dem UNHCR, der IOM, 

MDM-BELGIQUE, dem Kroatischen Roten Kreuz und dem Kroatischen 

Rechtszentrum entwickelt und ist im April 2021 in Kraft getreten (vgl. statt 

vieler Urteil E-2615/2024 E. 7.4.3 m.w.H.).  

E-7137/2023 

Seite 16 

7.5.4 Entgegen ihren Vorbringen auf Beschwerdeebene ist somit davon 

auszugehen, dass die psychiatrisch-psychologische Betreuung der Be-

schwerdeführerin in Kroatien weitergeführt werden kann. Gleiches gilt für 

eine allfällige Physiotherapie. Erforderliche Medikamente können ihr auf 

Vorrat mitgegeben werden. Eine Verletzung von Art. 3 EMRK ist dement-

sprechend bei einer Überstellung der Beschwerdeführerin nicht zu erwar-

ten. Wie vorstehend in E. 7.3 erwähnt, wird sie sich bei ihrer Rückkehr nach 

der Dublin-Rücküberstellung in einer anderen Situation als bei ihrer ersten 

Einreise nach Kroatien befinden. In diesem Zusammenhang ist ihr Ein-

wand, wonach ein erneuter Kontakt mit der kroatischen Polizei ihre psychi-

sche Gesundheit destabilisieren könnte, zu relativieren. 

7.5.5 Die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragten 

schweizerischen Behörden sind gehalten, dem aktuellen Gesundheitszu-

stand der Beschwerdeführerin bei der Organisation der Überstellung nach 

Kroatien Rechnung zu tragen. Zudem kann einer allfällig wieder akzentu-

ierten Suizidalität mit geeigneten Massnahmen der Vollzugsbehörden 

Rechnung getragen werden. Gemäss konstanter Rechtsprechung stellt 

Suizidalität für sich alleine jedoch kein Vollzugshindernis dar (vgl. Urteil des 

BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2 und statt vieler Urteil des 

BVGer F-5259/2024 vom 30. September 2024 E. 9.4.4 m.w.H.). Mithin be-

steht kein Anlass für einen zwingenden Selbsteintritt der Schweiz.  

7.6 Insgesamt liegen keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt der 

Schweiz im Sinne von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO vor und die angefoch-

tene Verfügung ist auch unter dem Blickwinkel der Anwendung der Kann-

Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 – hinsichtlich derer das SEM über 

einen (durch das Bundesverwaltungsgericht lediglich eingeschränkt über-

prüfbaren) Ermessensspielraum verfügt – nicht zu beanstanden (vgl. 

BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das SEM hat den Umständen des Einzelfalls hinrei-

chend Rechnung getragen und es sind den Akten keine Hinweise auf einen 

Ermessensmissbrauch zu entnehmen. Die Anwesenheit einer Cousine so-

wie eines Onkels der Beschwerdeführerin in der Schweiz führt zu keiner 

anderen Einschätzung. 

8.  

Kroatien bleibt folglich für die Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin 

zuständig und hat das Zuständigkeitsbestimmungsverfahren zum Ab-

schluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). Das SEM ist demnach zu 

Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Be-

schwerdeführerin nicht eingetreten und hat die Überstellung nach Kroatien 

E-7137/2023 

Seite 17 

angeordnet. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit 

darauf einzutreten ist, und die Verfügung des SEM zu bestätigen.  

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Zwischenverfü-

gung vom 29. Dezember 2023 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, und sich an den Voraussetzungen 

dazu nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.  

9.2 Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 29. Dezember 2023 wurde der 

Beschwerdeführerin die amtliche Rechtsverbeiständung gewährt und mit 

Zwischenverfügung vom 18. Januar 2024 wurde Fürsprecher Ismet Bar-

dakci als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. In der mit der Replik einge-

reichten Kostennote macht der Rechtsvertreter einen zeitlichen Aufwand 

von 9.55 Stunden à Fr. 250.– sowie Auslagen von Fr. 36.30 geltend und 

weist daraufhin, dass er der Mehrwertsteuer unterliege. Der zeitliche Auf-

wand scheint angesichts des Umfangs der seit 8. Januar 2024 eingereich-

ten Eingaben zu hoch und ist entsprechend zu reduzieren. Ebenfalls ist der 

Stundenansatz für den Aufwand der anwaltlichen Vertretung auf Fr. 220.– 

zu kürzen (vgl. Zwischenverfügung vom 18. Januar 2024). Unter Berück-

sichtigung des Umfangs und der Schwierigkeit der Streitsache ist dem amt-

lichen Rechtsbeistand für die Rechtsverbeiständung daher ein amtliches 

Honorar von Fr. 900.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im 

Sinne von Art. 9 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]) durch das Gericht zu entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-7137/2023 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zulasten der Gerichtskasse ein Hono-

rar von Fr. 900.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mathias Lanz Ulrike Raemy 

 

 

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