# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d437e1b7-061c-5938-bf0b-4a1465d7119b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-12-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.12.2014 E-6820/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6820-2013_2014-12-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6820/2013 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  D e z e m b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richterin Esther Karpathakis (Vorsitz), 

Richterin Sylvie Cossy, 

Richterin Gabriela Freihofer, 

Gerichtsschreiber Peter Jaggi. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

Eritrea, 

vertreten durch dipl. iur. Tilla Jacomet, 

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

(…), 

Beschwerdeführerin, 

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 

Verfügung des BFM vom 1. November 2013 / N (…). 

 

 

E-6820/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Ehemann der Beschwerdeführerin (B._______, geboren […]), eritrei-

scher Staatsangehöriger mit letztem Wohnsitz in C._______, verliess sei-

nen Heimatstaat am (…). Am (…) bewilligte ihm das BFM die Einreise in 

die Schweiz zwecks Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens und er-

mächtigte die Schweizer Botschaft in D._______ (…), ihm ein Einreisevi-

sum für die Schweiz auszustellen. Am (…) gelangte er auf dem Luftweg 

von (…) her kommend in die Schweiz, wo er am (…) um Asyl nachsuchte. 

Mit Verfügung vom 15. März 2011 stellte das BFM fest, er erfülle die Flücht-

lingseigenschaft, und gewährte ihm Asyl. 

B.  

B.a Mit schriftlicher Eingabe vom 20. Januar 2012 an das BFM beantragte 

der damalige Rechtsvertreter (…) namens der Beschwerdeführerin das 

Eintreten auf das vorliegende Asylgesuch, die Bewilligung der Einreise in 

die Schweiz zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens und 

die Gewährung der vollumfänglichen Einsicht in alle verfahrensrelevanten 

Akten vor allfälliger negativer Entscheidfällung. Zur Stützung seiner Vor-

bringen reichte er eine Willenserklärung seiner Mandantin bezüglich der 

Einreichung des Asylgesuchs, eine (…) inklusive Übersetzung und Brief-

umschlag, eine Kopie des (…) aus dem Sudan und eine Kopie des (…) des 

Ehemannes zu den Akten. 

Zur Begründung des Asylgesuchs führte er im Wesentlichen an, dem Asyl-

gesuch liege eine persönliche Erklärung der Beschwerdeführerin bei, in der 

sie ihren Willen, die Schweiz um Schutz und Vereinigung mit ihrem in der 

Schweiz lebenden Ehemann zu ersuchen, bekunde. Für die weitere prak-

tische Durchführung ihres Asylverfahrens sei die HEKS Rechtsberatungs-

stelle für Asylsuchende St. Gallen / Appenzell beauftragt worden. Die Be-

schwerdeführerin sei aus dem Militärcamp (...) desertiert und illegal in den 

Sudan geflüchtet, wo sie sich im Flüchtlingslager E._______ aufhalte. Eine 

Rückkehr nach Eritrea wäre mit ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 

AsylG (SR 142.31) verbunden, weshalb sie auf den Schutz der Schweiz 

angewiesen sei. Der Ehemann der Beschwerdeführerin wohne als aner-

kannter Flüchtling mit Asylstatus in der Schweiz. Die Trauung sei am (…) 

mittels einer nach eritreischem Recht zugelassenen Fern- beziehungs-

weise Stellvertreterhochzeit beim Gericht in C._______ (Eritrea) erfolgt. 

Der Trauschein inklusive beglaubigter Übersetzung und Briefumschlag, mit 

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Seite 3 

dem das Dokument in die Schweiz übermittelt worden sei, liege dem Ge-

such bei. Es werde um Anerkennung dieser Trauung ersucht, obwohl eine 

Fernhochzeit aufgrund der Höchstpersönlichkeit der Eheschliessung in der 

Schweiz verboten sei. Die Beziehungsnähe zur Schweiz liege unzweifel-

haft vor. Die Integrations- und Assimilationschancen könnten aufgrund der 

familiären Beziehungsnähe zum in der Schweiz wohnhaften Ehemann als 

potentiell erfolgreich prognostiziert werden. Zudem ergebe sich aus dem 

Gesagten, dass kein Drittstaat für die Schutzgewährung in Frage komme, 

weil die Beziehungsnähe zur Schweiz feststehe. Der Beschwerdeführerin 

sei ein weiterer Verbleib am Aufenthaltsort nicht zumutbar, weil sie im su-

danesischen Flüchtlingscamp auf sich alleine gestellt sei und weder Fami-

lienangehörige noch Freunde um sich habe. Die Gefahr für alleinstehende 

Frauen, in den Lagern sexuell missbraucht zu werden, sei sehr gross. Ver-

schiedene Quellen würden auch über Entführungen von eritreischen 

Flüchtlingen durch organisierte, kriminelle Netzwerke berichten. Bei Aus-

bleiben der Lösegeldforderung würden die entführten Personen für immer 

verschwinden. 

B.b Mit Eingaben vom 30. Mai 2012 und vom 11. Juli 2012 ersuchte der 

Rechtsvertreter das BFM um Auskunft über den Verfahrensstand respek-

tive um eine baldige Behandlung des Asylgesuchs und um die Zustellung 

einer Empfangsbestätigung. Die Beschwerdeführerin gehöre zum Kreis 

der verletzlichen Personen. Ihr Ehemann mache sich grosse Sorgen um 

sie. Die Zustände gerade für junge, alleinstehende Frauen im Ostsudan 

seien unerträglich gefährlich geworden. Zur Stützung seiner Vorbringen 

reichte er die Kopie des Asylgesuchs und einen SFH-Länderbericht vom 5. 

Juli 2012 zu den Akten. Mit Telefaxeingabe vom 8. August 2012 ersuchte 

die Rechtsvertretung das BFM um Beantwortung ihrer Eingaben. 

C.  

C.a Mit Zwischenverfügung vom 4. Oktober 2012 teilte das Bundesamt 

dem Rechtsvertreter unter Verweis auf ein Schreiben der Schweizerischen 

Botschaft in Khartum (Sudan) vom 23. März 2010 mit, eine Befragung sei-

ner Mandantin könne aus sicherheitstechnischen, strukturellen und kapa-

zitätsmässigen Gründen nicht durchgeführt werden. Da das eingereichte 

schriftliche Asylgesuch noch einige für den Entscheid relevante Punkte of-

fen lasse, die im Rahmen der Sachverhaltsabklärung schriftlich zu beant-

worten seien, werde die Beschwerdeführerin ersucht, die Fragen des BFM 

spätestens bis zum 5. November 2012 zu beantworten und zur Verfügung 

stehende Beweismittel (Kopien von Dokumenten, welche die Identität und 

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Seite 4 

die Asylvorbringen belegen würden) einzureichen. Sollte die Beschwerde-

führerin mit dem Asylgesuch nicht bereits ein eigens von ihr verfasstes und 

unterzeichnetes Schreiben eingereicht haben, sei es notwendig, dass sie 

das Antwortschreiben selbst verfasse oder zumindest unterschreibe, damit 

sie persönlich in Erscheinung trete. Gleichzeitig räumte es der Beschwer-

deführerin die Gelegenheit ein, sich zu einer allfälligen Ablehnung ihres 

Asylgesuchs und zu einer Verweigerung der Einreise in die Schweiz zu 

äussern. 

C.b Mit Eingabe vom 24. Oktober 2012 reichte der Rechtsvertreter ein Ant-

wortschreiben der Beschwerdeführerin vom 12. Oktober 2012 ein, das sie 

ihrem Ehemann B._______ mit den beiliegenden Briefumschlägen ge-

schickt habe. 

C.c Mit Schreiben vom 11. Februar 2013 liess der Rechtsvertreter dem 

Bundesamt einen deutschsprachigen Brief des Ehemannes seiner Man-

dantin zukommen, in dem dieser um eine rasche Bearbeitung des Gesuchs 

bitte. 

C.d Mit Eingabe vom 11. September 2013 erkundigte sich die Rechtsver-

tretung nach dem Verfahrensstand und reichte einen Arztbericht vom 

27. August 2013 zu den gesundheitlichen Problemen seiner Mandantin 

ein. 

D.  

Mit Verfügung vom 1. November 2013 bewilligte das BFM die Einreise der 

Beschwerdeführerin in die Schweiz nicht und lehnte ihr Asylgesuch vom 

10. September 2012 ab. 

Zur Begründung führte es an, die Abklärung des rechtserheblichen Sach-

verhalts erfordere die Anwesenheit der Beschwerdeführerin in der Schweiz 

nicht. Aufgrund des vollständig erstellten Sachverhalts könne davon aus-

gegangen werden, dass keine unmittelbare Gefährdung vorliege, die ihre 

Einreise in die Schweiz notwendig erscheinen lasse. Die Ausführungen im 

Auslandgesuch vom 23. Januar 2012 (recte: 20. Januar 2012) und in der 

Stellungnahme vom 26. Oktober 2012 (recte: 12. Oktober 2012) liessen 

darauf schliessen, dass sie im Zeitpunkt der Ausreise ernstzunehmende 

Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt habe. 

Was den Asylausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG anbelange, sei in 

Bezug auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme 

vom 12. Oktober 2012, die Grundversorgung im Lager sei knapp und die 

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medizinische Versorgung sei ungenügend, sie sei krank und in medizini-

scher Behandlung, ausserdem fürchte sie sich vor einer Entführung aus 

dem Lager, festzustellen, dass sich laut Berichten des UNHCR zahlreiche 

eritreische Flüchtlinge und asylsuchende Personen im Sudan befänden. 

Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für 

diese Menschen wie auch für die Beschwerdeführerin nicht einfach sei. 

Dennoch bestünden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, ein 

weiterer Verbleib im Sudan sei für sie nicht zumutbar oder nicht möglich. 

Aufgrund ihres bereits längeren Aufenthaltes im Flüchtlingslager gehe das 

Bundesamt davon aus, dass sie über ein gewisses Kontaktnetz verfüge 

und nicht auf sich alleine gestellt sei. 

Die vom UNHCR im Sudan registrierten eritreischen Flüchtlinge, die einem 

Flüchtlingslager zugeteilt worden seien, hätten sich dort aufzuhalten, wo 

sie auch die nötige Versorgung erhielten. Sie verfügten nicht über ein freies 

Aufenthaltsrecht für das ganze Land. Es sei der Beschwerdeführerin zuzu-

muten, sich beim UNHCR zu melden, sollte sich ihre Situation tatsächlich 

als kritisch erweisen; diesbezüglich werde auf die Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts verwiesen. 

Das Bundesamt erachte die Befürchtung einer allfälligen Rückschaffung 

nach Eritrea als unbegründet, zumal gemäss gesicherten Erkenntnissen 

das Risiko einer Deportation, Entführung oder Verschleppung für eritrei-

sche Staatsangehörige, denen der UNHCR im Sudan den Flüchtlingssta-

tus zuerkannt habe, in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Ge-

richts als gering einzustufen sei. 

Der UNHCR registriere vor Ort sämtliche Eritreer, die sich in einem Flücht-

lingslager melden würden, unabhängig davon, weshalb sie Eritrea verlas-

sen hätten. In jüngster Vergangenheit seien denn auch keine Rückführun-

gen von Flüchtlingen nach Eritrea bekannt geworden. Es gebe vorliegend 

keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführerin eine 

solche Massnahme drohen könnte. Sie verfüge aufgrund der Akten nicht 

über ein geeignetes Risikoprofil, das eine Befürchtung vor einer Verschlep-

pung objektiv begründen könnte. Sie habe nicht glaubhaft dartun können, 

persönlich, faktisch und unmittelbar bedroht zu sein, unter Verletzung des 

Nonrefoulement-Prinzips nach Eritrea zurückgeschafft zu werden. Der UN-

HCR habe ihr den Flüchtlingsstatus zuerkannt, weshalb sie jederzeit die 

Möglichkeit habe, sich dort zu melden. Im Übrigen habe der UNHCR den 

Sudan, der das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 

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Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) unterzeichnet habe, an seine internationalen 

Verpflichtungen erinnert. 

In Bezug auf die belegten gesundheitlichen Probleme der Beschwerdefüh-

rerin werde auf die Auskünfte des UNHCR und des COR vom August 2010 

verwiesen, wonach diese Organisationen die medizinische Versorgung in 

den Flüchtlingslagern sicherstelle und sämtliche Flüchtlinge Zugang zu un-

entgeltlichen medizinischen Leistungen hätten. Flüchtlinge, die über ein 

Einkommen verfügten und sich nicht in einem Lager aufhielten, müssten 

medizinische Leistungen selber bezahlen. Erwerbslose Flüchtlinge, die 

sich ausserhalb eines Lagers aufhalten würden, erhielten vom UNHCR auf 

entsprechende Anfrage einen Überweisungsschein für eine unentgeltliche 

Behandlung. Solche Überweisungsscheine würden auch für in den Flücht-

lingslagern nicht behandelbare Krankheiten ausgestellt. Die Beschwerde-

führerin habe einen Arztbericht eingereicht, aus dem hervorgehe, dass sie 

medizinisch behandelt werde, womit erwiesen sei, dass die von ihr benö-

tigte medizinische Versorgung sichergestellt sei. 

Hinsichtlich des von der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Ehe mit einem 

in der Schweiz wohnhaften eritreischen Staatsangehörigen geltend ge-

machten Anknüpfungspunktes zur Schweiz sei festzuhalten, dass nicht von 

einer vorbestandenen Beziehung gesprochen werden könne. Sie habe nie 

mit ihrem Ehemann, den sie mehrerer Jahre nicht gesehen habe, zusam-

mengelebt. Zudem sei die Heirat erst Ende 2011, mithin rund (…) Jahre 

nach der Flucht des Ehemannes, erfolgt. 

Unbesehen davon seien vorliegend auch die Voraussetzungen von Art. 51 

AsylG für die Gewährung von Familienasyl nicht erfüllt, weil sich aus den 

Akten keine Anhaltspunkte dafür ergäben, die Beschwerdeführerin habe 

vor ihrer Ausreise aus Eritrea mit ihrem Ehemann in einer eheähnlichen 

Gemeinschaft gelebt. Zudem sei die Ehe erst (…) geschlossen worden. 

Dem Ehemann sei es nach der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit unbenom-

men, bei den Migrationsbehörden seines Aufenthaltsortes ein Gesuch um 

Familiennachzug einzureichen. 

E.  

Mit Beschwerde vom 4. Dezember 2013 an das Bundesverwaltungsgericht 

liess die Beschwerdeführerin durch ihre jetzige Rechtsvertreterin in mate-

rieller Hinsicht beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben 

und es sei ihr zwecks Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens die 

Einreise in die Schweiz zu bewilligen, eventualiter sei die Einreise gestützt 

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auf Art. 51 AsylG zu bewilligen, subeventualiter sei die Sache zur vollstän-

digen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur erneuten 

Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher 

Hinsicht beantragte sie unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG und für den Fall des Obsiegens die Kosten- und Ent-

schädigungsfolge zulasten des Staates. Zusammen mit der Beschwerde 

liess sie eine Honorarrechnung ihrer Rechtsvertreterin vom 4. Dezember 

2013 einreichen. 

Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit für den Entscheid 

wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

F.  

F.a Am 10. Dezember 2013 bestätigte das Gericht der Rechtsvertreterin 

den Eingang ihrer Beschwerde. 

F.b Mit Eingabe vom 2. April 2014 ersuchte die Rechtsvertreterin das Ge-

richt um die Vornahme eines nächsten Instruktionsschrittes. 

F.c Mit Zwischenverfügung vom 9. April 2014 verlegte die Instruktionsrich-

terin den Entscheid über den Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gegebenenfalls auf einen spä-

teren Zeitpunkt, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

und forderte die Beschwerdeführerin gleichzeitig auf, bis zum 24. April 

2014 die Sozialhilfebedürftigkeit ihres als anerkannter Flüchtling in der 

Schweiz wohnhaften Ehemannes zu belegen, ansonsten die nachträgliche 

Erhebung eines Kostenvorschusses ausdrücklich vorbehalten werde. 

Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz ein, sich innert Frist zur Beschwerde ver-

nehmen zu lassen. 

G.  

Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 11. April 2014, die der 

Rechtsvertreterin am 3. Juli 2014 zur Kenntnis gebracht wurde, vollum-

fänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. 

H.  

Am 22. April 2014 liess die Beschwerdeführerin aufforderungsgemäss eine 

Fürsorgebestätigung des Sozialamtes (…) vom 14. April 2014 für ihren 

Ehemann einreichen. 

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Seite 8 

I.  

Mit Eingabe vom 10. Juli 2014 reichte die Rechtsvertreterin ein Schreiben 

des Ehemannes vom 12. Juni 2014 ein, in dem er auf den schlechten Ge-

sundheitszustand der Beschwerdeführerin aufmerksam mache und auf 

ihre äusserst schwierige Lebenslage im Sudan hinweise. 

J.  

Mit Schreiben vom 13. Oktober 2014 führte die Rechtsvertreterin an, ge-

mäss dem gleichzeitig eingereichten aktuellen Bericht des Spitals (…) in 

(…) vom (…) leide ihre Mandantin unter (…). Wegen der massiven Be-

schwerden sei eine operative Behandlung dringend angezeigt, diese schei-

tere aber an fehlenden finanziellen Mitteln. Der Ehemann überweise zwar 

gelegentlich kleinere Beträge an die Beschwerdeführerin, aber seine Mittel 

seien begrenzt, weil er sich in der Schweiz in Ausbildung befinde. Allein die 

Diagnose und das beiliegende Arztzeugnis hätten bereits (…) gekostet. 

Hinzu kämen Kosten für Medikamente, die jedoch bislang keine dauerhafte 

Linderung der Symptome bewirkt hätten. Angesichts dieser Sachlage er-

suche sie um eine baldige Fortführung des Beschwerdeverfahrens. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Das vorliegende Verfahren ergeht gestützt auf die Übergangsbestim-

mung zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (in Kraft 

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getreten am 29. September 2012), wonach für Asylgesuche, die im Aus-

land vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt 

worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in der bisherigen 

Fassung des Asylgesetzes Geltung haben. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Vorab ist zu prüfen, ob sich die Rüge, das Bundesamt habe den Sachver-

halt unvollständig festgestellt, als begründet erweist, weil gege-benenfalls 

die angefochtene Verfügung zu kassieren und die Sache an die Vorinstanz 

zur Neubeurteilung zurückzuweisen wäre. 

Eine Prüfung der Akten ergibt keine Hinweise auf eine unvollständige Fest-

stellung des Sachverhaltes. Die Beschwerdeführerin hatte im Rahmen ih-

res schriftlich eingereichten Asylgesuches und ihrer ergänzenden Stellung-

nahme zu den vom Bundesamt in dessen Schreiben vom 4. Oktober 2012 

gestellten Fragen ausreichend Gelegenheit, ihre Asylgründe darzulegen 

und bei der Erhebung und Ergänzung des rechtserheblichen Sachverhal-

tes mitzuwirken. Die nicht weiter begründete Rüge, der rechtserhebliche 

Sachverhalt sei von der Vorinstanz unvollständig festgestellt worden, er-

weist sich somit als unbegründet, weshalb das diesbezügliche Rechtsbe-

gehren abzuweisen ist. 

 

 

4.  

E-6820/2013 

Seite 10 

4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer 

Schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an 

das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfah-

rens bei der Vertretung sieht Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 

1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der 

asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Davon 

kann nur abgewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus or-

ganisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen unmöglich ist, oder 

wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als 

entscheidreif erstellt erscheint (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 367 f.). Ist eine 

Befragung im Ausland nicht möglich, ist die asylsuchende Person aufzu-

fordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). 

Das BFM hat den Verzicht auf eine Befragung im Ausland in der Verfügung 

zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 368). 

4.2 Der Umstand, dass das vorliegende Asylgesuch nicht bei einer Schwei-

zerischen Vertretung, sondern direkt beim BFM eingereicht wurde, ist nicht 

massgeblich (vgl. BVGE 2011/39 E. 3; Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2b S. 

129); das BFM hat die Eingabe vom 20. Januar 2012 zu Recht als Asylge-

such aus dem Ausland entgegengenommen. Es begründete den Verzicht 

auf eine persönliche Befragung der Beschwerdeführerin in seiner Verfü-

gung vom 1. November 2013 mit dem begrenzten Personalbestand der 

Schweizerischen Botschaft in Khartum und fehlenden Voraussetzungen im 

sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich. Die Beschwerdeführerin 

nahm am 12. Oktober 2012 zu den vom Bundesamt in dessen Schreiben 

vom 4. Oktober 2012 gestellten Fragen ergänzend Stellung. Vorliegend er-

hielt die Beschwerdeführerin somit Gelegenheit, ihre Asylgründe darzule-

gen und bei der Erhebung und Ergänzung des rechtserheblichen Sachver-

haltes mitzuwirken. 

5.  

5.1 Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die 

Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für 

Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaub-

haft gemacht wird (aArt. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf die 

Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn für 

die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Aufenthalt 

im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat 

nicht zumutbar erscheint (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und damit die Ein-

reise in die Schweiz – ist ihr zu verweigern, wenn keine Hinweise auf eine 

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Seite 11 

aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumu-

ten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 Abs. 2 

AsylG). 

5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset-

zungen. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 

sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG nament-

lich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Mög-

lichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die praktische 

Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche 

sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkei-

ten in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE E-8127/2008 vom 12. Mai 2011 

E. 3.3; EMARK 2005 Nr. 19 E. 4 S. 174 ff.). 

6.  

Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend ausgeführt, die 

Ausführungen im Auslandgesuch vom 20. Januar 2012 und in der Stellung-

nahme vom 12. Oktober 2012 liessen darauf schliessen, dass die Be-

schwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea ernstzunehmende 

Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt habe. Insbesondere 

ist davon auszugehen, dass die militärdienstpflichtige Beschwerdeführerin 

aufgrund ihrer Flucht aus dem Militärcamp von (...) (vgl. die diesbezügli-

chen Vorbringen in ihrem dem Asylgesuch beigelegten Schreiben vom 9. 

Januar 2012) bei einer Rückkehr nach Eritrea befürchten muss, ernsthaf-

ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Eine Ge-

fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 20 AsylG ist insofern zu be-

jahen. Zu prüfen bleibt, ob das BFM zu Recht davon ausgegangen ist, die 

Voraussetzungen für die Anwendbarkeit des Asylausschlussgrundes von 

aArt. 52 Abs. 2 AsylG seien vorliegend erfüllt. 

7.  

7.1  

7.1.1 Gemäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Aus-

land befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden 

kann, sich in einem andern Staat um Aufnahme zu bemühen. Diese Be-

stimmung trifft keine Unterscheidung zwischen Asylgesuchen aus dem 

Herkunftsland der asylsuchenden Person und solchen, die aus einem Dritt-

staat gestellt werden. Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus dem 

Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermu-

tung davon auszugehen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat 

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Seite 12 

bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, wes-

halb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben bezie-

hungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann 

sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat 

(vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch hinsichtlich der Zumut-

barkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend 

erweisen. Es ist deshalb zu prüfen, ob die asylsuchende Person im Dritt-

staat Schutz vor Verfolgung gefunden hat oder erlangen kann, und – falls 

dies zu bejahen ist – ob der asylsuchenden Person die Inanspruchnahme 

des Schutzes des Drittstaates und somit der Verbleib in diesem Staat ob-

jektiv zugemutet werden kann. Bei dieser Abwägung bildet die besondere 

Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein zentrales, 

wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. Urteil des Bundesverwaltungs-

gerichts E-8127/2008 vom 12. Mai 2011 E. 5.1; EMARK 2004 Nr. 21 E. 4 

b.aa S. 139 f.). 

7.1.2 Das Kriterium der besonderen Beziehungsnähe ist nicht mit den Vo-

raussetzungen des Familienasyls in Bezug auf den Verwandtschaftsgrad 

nach Art. 51 AsylG gleichzusetzen. Auch verwandtschaftliche Beziehung 

zu Personen ausserhalb der Kernfamilie sind in die Abwägung mit einzu-

beziehen. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass gegebenenfalls auch aus 

anderen Gründen als aufgrund einer Verwandtschaft zu in der Schweiz le-

benden Personen eine enge Beziehung zur Schweiz anzunehmen sein 

könnte (vgl. EMARK 2004 Nr. 21. E. 4.b.aa S. 140, EMARK 1997 Nr. 15 

E. 2g S. 132). Zu berücksichtigen sind zudem die Beziehungsnähe zum 

Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie die voraussichtlichen Eingliede-

rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im 

Drittstaat (oder in anderen Staaten). Die Tatsache allein, dass die asylsu-

chende Person keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz hat, ist des-

halb für die Ablehnung des Asylgesuches nicht ausschlaggebend (vgl. E-

MARK 1997 Nr. 15 E. 2 f. S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in 

einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu be-

willigen, wenn der Drittstaat keine hinreichende Gewähr für ein ordentli-

ches Asylverfahren bietet und eine Abschiebung in den Heimatstaat nicht 

ausgeschlossen erscheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsu-

chenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 

S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur 

Schweiz namentlich aufgrund von hier ansässigen nahen Familienangehö-

rigen gegeben ist, nicht zur Erteilung einer Einreisebewilligung, wenn auf-

grund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat ob-

E-6820/2013 

Seite 13 

jektiv als zumutbar zu erachten ist (vgl. etwa Urteile des Bundesverwal-

tungsgerichts D-7225/2010 vom 14. Februar 2011 E. 6, insbes. E. 6.6, D-

4758/2010 vom 30. August 2010 E. 4.1.4 und D-2047/2010 vom 29. April 

2010 insbes. S. 9 f.). 

7.2  

7.2.1 Im Hinblick auf die Prüfung der Anwendbarkeit des Asylausschluss-

grundes von aArt. 52 Abs. 2 AsylG hält das BFM in seiner Verfügung unter 

Hinweis auf die Rechtsprechung fest, die Kriterien, welche die Zuflucht-

nahme in einem Drittstaat als zumutbar erscheinen liessen, seien mit einer 

allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es legt sodann unter 

Verweis auf zitierte Urteile des Bundesverwaltungsgerichts dar, weshalb 

trotz der schwierigen Bedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan 

nicht von der Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Verbleibs in diesem 

Drittstaat ausgegangen werden könne. Der Beschwerdeführerin sei es zu-

zumuten, sich beim UNHCR zu melden, sollte ihre Situation tatsächlich kri-

tisch sein. Zu den belegten gesundheitlichen Problemen führte es an, aus 

dem eingereichten Arztbericht gehe hervor, dass sich die Beschwerdefüh-

rerin in ärztlicher Behandlung befinde, was zeige, dass die notwendige me-

dizinische Versorgung gewährleistet sei. Hinsichtlich der Beziehungsnähe 

zur Schweiz wird angeführt, vorliegend könne nicht von einer vorbestande-

nen Beziehung gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehe-

mann hätten nie zusammen gelebt, sie hätten sich mehrere Jahre nicht 

gesehen und die Heirat sei erst (…), mithin rund (…) Jahre nach seiner 

Flucht, erfolgt. Es bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass sie vor ihrer 

Ausreise aus Eritrea mit ihrem Ehemann in einer eheähnlichen Gemein-

schaft gelebt habe. 

7.2.2 Die vom BFM aus den in der angefochtenen Verfügung zitierten Ur-

teilen des Bundesverwaltungsgerichts gezogenen Schlussfolgerungen er-

weisen sich als nicht zutreffend. Keines dieser Urteile äussert sich in allge-

meiner Weise dahingehend, dass der Aufenthalt für eritreische Flüchtlinge 

in sudanesischen Flüchtlingslagern (Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts D-2047/2010 vom 29. April 2010, D-7225/2010 vom 14. Februar 

2011, E-1230/2011 vom 25. Mai 2011, D-1395/2011 vom 16. Juni 2011, E-

3405/2011 sowie E-3498/2011 vom 11. August 2011,    D-4600/2011 vom 

14. September 2011 und E-5739/2011 vom 1. November 2011) grundsätz-

lich zumutbar sei. Das Gericht legte vielmehr aufgrund einer Einzelfallprü-

fung unter Abwägung der gemäss Rechtsprechung massgeblichen Krite-

rien dar, weshalb der Verbleib im Sudan den eritreischen Beschwerdefüh-

renden zuzumuten ist. Eine Beziehungsnähe zur Schweiz, welche zu einer 

E-6820/2013 

Seite 14 

anderen Beurteilung der Zumutbarkeit des Verbleibs im Aufenthaltsstaat 

hätte führen können, wurde in diesen Fällen verneint. 

8.  

8.1 In der Praxis erachtet das Bundesverwaltungsgericht vielmehr für 

Frauen, die sich – mit oder ohne Kinder – in einem Drittstaat (meist in ei-

nem Flüchtlingslager) ohne erwachsene nahe Familienangehörige oder 

weitere volljährige Verwandte aufhalten, und die deswegen nicht nur in 

ökonomischer Hinsicht, sondern auch unter dem Aspekt der persönlichen 

Sicherheit unter prekären Bedingungen leben, den weiteren Verbleib im 

Aufenthaltsstaat in der Regel als unzumutbar und weist das BFM an, die 

Einreisebewilligung zu erteilen, wenn diese – in der Regel in Gestalt des 

Ehemannes, welcher als Flüchtling anerkannt ist – über eine besondere 

Beziehungsnähe zur Schweiz verfügen und zu keinem anderen Staat stär-

kere Bezugspunkte bestehen (vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts E-5089/2011 vom 17. Januar 2012 E. 5.3.10, E-4757/2009 vom 

8. Juli 2011 E. 8.6, E-4469/2009 vom 1. März 2011 E. 5, D-7804/2007 vom 

27. Oktober 2010 E. 7, E-2247/2009 vom 9. August 2010 E. 7, D-

4548/2009 vom 18. Februar 2010 E. 6, D-3190/2011 vom 7. Februar 2012 

E. 8 und E-326/2013 vom 15. März 2013 E. 8). 

8.2 Das BFM begnügte sich in der angefochtenen Verfügung damit, unter 

Hinweis auf die – wie vorstehend in Erwägung 7.2.2 aufgezeigt – unzutref-

fend zitierte Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts festzuhal-

ten, der Aufenthalt in sudanesischen Flüchtlingslagern sei für eritreische 

Flüchtlinge und auch für die Beschwerdeführerin grundsätzlich zumutbar, 

weshalb sie den subsidiären Schutz der Schweiz nicht benötige. Das Bun-

desamt nahm somit weder eine eingehendere Einschätzung der individu-

ellen Situation der Beschwerdeführerin in ihrem derzeitigen Aufenthalts-

staat Sudan vor, noch veranschlagte es in rechtsgenüglicher Weise die von 

ihr geltend gemachte besondere Beziehungsnähe zur Schweiz. 

8.3 Wie dargelegt, ist bei Asylgesuchen aus einem Drittstaat in jedem Ein-

zelfall eine Abwägung zwischen der Zumutbarkeit der Zufluchtnahme in 

diesem oder einem allfälligen anderen Land (z. B. der Schweiz) vorzuneh-

men, wobei die Beziehungsnähe zur Schweiz ein gewichtiges Kriterium bil-

det. Indem das BFM bei der Prüfung der Zumutbarkeit im Sinne von 

aArt. 52 Abs. 2 AsylG weder die persönliche Situation der Beschwerdefüh-

rerin noch ihre besondere Beziehung zur Schweiz in ausreichendem 

Masse berücksichtigt, sondern im Ergebnis allein auf die Verfolgungssi-

cherheit und die genügende materielle sowie medizinische Versorgung von 

E-6820/2013 

Seite 15 

eritreischen Flüchtlingen im Sudan verwiesen hat, hat es im vorliegenden 

Fall zumindest die Begründungspflicht verletzt. Gestützt auf die mit Blick 

auf die Zumutbarkeitsfrage spruchreife Aktenlage ist das vorliegende Ver-

fahren jedoch reformatorisch zu entscheiden, zumal der Beschwerdefüh-

rerin dadurch kein Rechtsnachteil erwächst. 

8.4 Die (…)-jährige, gemäss dem am 13. Oktober 2014 zu den Akten ge-

reichten ärztlichen Zeugnis des Spitals (…) in (…) vom (…) an einer (…) 

leidende Beschwerdeführerin hält sich eigenen Angaben zufolge ohne 

nahe Familienangehörige oder weitere Verwandte im Flüchtlingslager 

E._______ auf und verfügt im Sudan oder in anderen Drittstaaten über 

keine weiteren Bezugspersonen. Das Gericht schliesst sich den Ausfüh-

rungen in der Beschwerde an, wonach es sich bei der Annahme des Bun-

desamtes, aufgrund des (zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen 

Verfügung) (…)jährigen Aufenthaltes der Beschwerdeführerin könne auf 

ein soziales Netz geschlossen werden, um eine reine Mutmassung handle. 

Ihre Lebensbedingungen dürften nicht zuletzt auch wegen ihrer mit massi-

ven Beschwerden verbundenen gesundheitlichen Probleme als prekär be-

zeichnet werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die dringend benötigte 

operative Behandlung (chirurgische Therapie) offenbar aus finanziellen 

Gründen nicht möglich ist. Mit dem Sudan verbindet sie keine besondere 

kulturelle oder sprachliche Nähe; eine solche existiert zwar auch zur 

Schweiz nicht, aber ihr Ehemann lebt hier seit dem (…) als anerkannter 

Flüchtling mit Asylstatus. Angesichts des mehrjährigen Aufenthalts des 

Ehemannes – dieser ist am (…) in die Schweiz eingereist – verfügt sie of-

fensichtlich über einen engen Bezug zur Schweiz. Die Eingliederungsmög-

lichkeiten in der Schweiz sind nicht geringer als in einem sudanesischen 

Flüchtlingslager. Vor diesem Hintergrund erweist sich der Verbleib der Be-

schwerdeführerin im Sudan entgegen der Auffassung der Vorinstanz als 

unzumutbar im Sinne von aArt. 20 Abs. 2 AsylG. Die Beschwerdeführerin 

heiratete ihren Ehemann gemäss dem zusammen mit dem Asylgesuch zu 

den Akten gereichten Eheschein am (…). Eigenen Angaben zufolge kenne 

sie ihn seit der Schulzeit und sie seien ein Paar gewesen. Hinweise, dass 

es sich vorliegend um eine rechtsmissbräuchliche Eheschliessung handelt, 

die einzig dazu dient, der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz 

zu ermöglichen, sind den Akten nicht zu entnehmen. Angesichts dieser 

Sachlage ist festzustellen, dass diese auf den (subsidiären) Schutz der 

Schweiz angewiesen ist. 

E-6820/2013 

Seite 16 

9.  

Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 4. De-

zember 2013 gutzuheissen und die Verfügung vom 1. November 2013 auf-

zuheben. Das BFM ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin die Einreise 

in die Schweiz zu bewilligen, ihr die erforderlichen Einreisepapiere auszu-

stellen und nach ihrer Einreise das ordentliche Asylverfahren durchzufüh-

ren. Angesichts dieser Sachlage erübrigt es sich, zu prüfen, ob allenfalls 

entgegen den diesbezüglichen Erwägungen des Bundesamtes in der an-

gefochtenen Verfügung auch die Voraussetzungen für Familienasyl ge-

mäss Art. 51 Abs. 1 AsylG erfüllt sein könnten. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird damit gegenstands-

los. 

10.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. In der Kos-

tennote vom 4. Dezember 2013 wird ein Arbeitsaufwand von 5,5 Stunden 

zu einem Stundenansatz von Fr. 200.– ausgewiesen, der unter Berücksich-

tigung von Umfang und Schwierigkeit des vorliegenden Verfahrens ange-

messen erscheint. In Berücksichtigung der zusätzlichen Eingaben auf Be-

schwerdeebene seit der Einreichung der Kostennote ist der Beschwerde-

führerin somit eine vom BFM zu entrichtende Parteientschädigung im Be-

trag von pauschal Fr. (…) (inkl. Auslagen und allfällige MWSt) zuzuspre-

chen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6820/2013 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 1. November 2013 wird aufgehoben. 

3.  

Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin die Einreise in die 

Schweiz zu bewilligen, ihr die erforderlichen Einreisepapiere auszustellen 

und nach ihrer Einreise das ordentliche Asylverfahren durchzuführen. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

5.  

Das BFM hat der Beschwerdeführerin für das Rechtsmittelverfahren eine 

Parteientschädigung von Fr. (…) (inkl. Auslagen und allfällige MWSt) aus-

zurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Esther Karpathakis Peter Jaggi 

 

 

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