# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e14d514b-f4b2-500d-af8e-892df956bd6f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-19
**Language:** de
**Title:** Von psychosozialen Faktoren zu unterscheidende relevante selbständige psychische Störungen nicht ausgeschlossen; Rückweisung zur Veranlassung einer psychiatrischen Begutachtung.
**Docket/Reference:** IV.2020.00077
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00077.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00077
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiber Boller
Urteil
vom
1
9.
August 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Y.___
, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1
.
X.___
, geboren 1997, war zuletzt von 2013 bis 2016 bei der
Z.___
AG als
Lernende
tätig (Urk. 7/6+7)
, wobei
sie
die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit im Jahr 2016 mit Eidgenössischem Fähi
g
keitszeugnis
(EFK)
erfolgreich abschloss (Urk. 7/1). Unter Hinweis auf diverse psychische Beschwerden meldete sie sich am 7. April 2017 bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und verneinte nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/46; Urk. 7/49;
Urk. 7/51;
Urk. 7/54
; Urk. 7/55; Urk. 7/58
) mit Verfügung vom
20. Januar 2020 einen Rentenanspruch (Urk. 7/73
= Urk.
2
).
2.
Die Versicherte erhob am
31. Januar 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
20. Januar 2020
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
4. März 2020
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
12. März 2020
wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S.
2
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
8
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird
und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
cho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
schei
dende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invalidi
tätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens be
einflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, blei
ben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urtei
l des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bun
desgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizi
ni
schen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolge
rungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
es lägen vor allem psychosoziale Gründe (
«
laufendes Gerichtsverfahren et
cetera
»
) vor, welche die derzeitige volle Arbeitsunfähigkeit begründeten. Solche Faktoren könnten jedoch bei der Beurteilung des Rentenanspruchs nicht berück
sichtigt werden, weshalb keine gesundheitliche Beeinträchtigung im Sinne des Gesetzes vorliege (S. 1 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die zwei Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) wider
sprä
chen sich. So seien der Stellungnahme vom 10. Oktober
2018
keine Äusserungen zu entnehmen, dass die vorliegenden Berichte und Einschätzungen der Behandler unzutreffend seien. Vielmehr werde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
festge
halten.
In d
ieser Stellungnahme
käme auch keine Äusserung vor,
dass es sich
um
keinen invalidenversicherungsrechtlich
relevanten Gesundheitsschaden
handle. Diese Haltung habe sich erst durch die Ressourcenprüfung seitens der Kunden
beraterin ergeben.
So
werde in der RAD-Stellungnahme vom 15. Januar 2020 festgehalten, dass weiterhin erhebliche psychosoz
iale Faktoren im Vordergrund stü
nden, aus versicherungsmedizinischer Sicht könne am Vorbescheid festgehal
ten werden (S. 6 f. Ziff. 4).
Es liege somit ein Widerspruch vor, wobei unklar sei, aus welchen Gründen die RAD-Ärztin nun eine andere Auffassung vertrete. Eine medizinische Begründung, weshalb nicht auf die medizinischen Berichte abgestellt werde, fehle gänzlich. Sofern die Beschwerdegegnerin die Berichte
für
nicht beweiswertig halte, so genügten die vorliegenden RAD-Stellungnahmen ohne persönliche Untersuchung und ohne Begründung keinesfalls, um von der Einschätzung der Behandler abzu
weichen. Vielmehr würde sich in
casu
eine Begutachtung aufdrängen (S. 7 Ziff.
5).
Es sei nicht nachvollziehbar, wie ein solcher Leistungsentscheid gefällt werden könne. Sie sei eine gesundheitlich sehr stark angeschlagene Person, welche auf
grund enormer Traumatisierungen und
Retraumatisierungen
mittlerweile obdach
los sei und keiner geregelten Arbeitstätigkeit mehr nachgehen könne (S. 7 Ziff. 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin und dabei insbesondere die Frage, ob der medizinische Sachverhalt seitens der Be
schwerdegegnerin genügend abgeklärt wurde.
3.
3.1
Dr. med.
A.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 17. Mai 2017 (Urk. 7/14/6) aus, sie behandle die Beschwerdeführerin intermittierend seit 1998 (Ziff. 1.2). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte sie eine Anpassungsstörung in schwieriger psychosozialer Situa
tion, bestehend seit circa 2016 (Ziff. 1.1).
Im April 2017 sei eine Konsultation wegen Konzentrationsstörungen, Schlaflosig
keit, Müdigkeit, Energielosigkeit, Kontrollverlust bei starken Gefühlswallungen und Nervosität erfolgt. Die Patientin sei allseits orientiert, sprunghaft, traurig und ohne körpe
rliche
Auffälligkeiten gewesen. Die Prognose sei bei adäquater lang
dau
ernder Unterstützung zur Integration in den Arbeitsprozess und begleitender Psychotherapie gut (Ziff. 1.4).
3.2
Dr. phil.
B.___
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, nannte im Bericht vom 1. Juni 2017 (Urk. 7/16/6-11) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialver
halten (ICD-10 F43.25)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (F43.1) mit Überer
regt
heit,
Vigilanzsteigerung
und Schlafstörungen bei Problemen durch nega
tive Kindheits- und Jugenderlebnisse (Z61) und deren gegenwärtige Anzeige durch Drittpersonen
Die Klientin sei in der ersten Behandlungsphase während ihrer Ausbildung noch relativ stabil gewesen, weil sie die Aussage im Strafverfahren gegen den Vater habe hinauszögern können, und habe im Mai 2016 das Qualifikationsverfahren
(QV)
der Lehre als Fachfrau Gesundheit trotz der widrigen Umstände bestanden. Sie habe die Behandlung aufgesucht, weil seit langem belastende psychosoziale Probleme in der Familie, deren Opfer sie gewesen sei, von Drittpersonen gegen ihren Willen zur Anzeige gebracht worden seien. Seit der Konkretisierung des Verfahrens hätten sich die Symptome nochmals verschlechtert. Die Klientin sei aktuell im Denken sprunghaft und habe rasch wechselnde Gefühlszustände. Sie sei aber modulierbar, gut orientiert und die Symptome seien im Rahmen der aktuellen Belastungen sehr nachvollziehbar (Ziff. 1.4).
Es werde eine weiterhin engmaschige Begleitung empfohlen, bis eine psychische Stabilisierung eintrete und die Klientin die familiär enorm belastende Situation durchgestanden habe (Ziff. 1.5).
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage zurzeit sicher 50
%
. Mit der geeigneten Unterstützung sollte die Arbeitsfähigkeit gut aufbaubar sein. Die Prognose sei auf längere
Sicht gut. Es bestehe eine verminderte Leistungs
fähig
keit, da die Konzentrationsfähigkeit vorübergehend eingeschränkt sein könne. Allenfalls bestünden die raschere Ermüdbarkeit und
die
Konzentrationsprobleme aufgrund der Schlafstörungen (Ziff. 1.7).
3.3
Die Ärzte der
psychiatrisch-p
sychologischen
K
linik
C.___
nannten im Bericht vom 20. Oktober 2017 (Urk. 7/32) als Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1) eine posttraumatische Belastungsstörung (F43.1).
Die Patientin sei sehr streng erzogen worden (kein Ausgang, kein Taschengeld, wenig Zuwendung, viel Unterstützung der Mutter im Haushalt). Zur Bestrafung habe sie viel Gewalt erlebt. Ab dem zwölften Lebensjahr habe der Vater auch begonnen, sie und eine ihrer Schwestern sexuell zu missbrauchen. Die Mutter habe ihnen die Vorfälle nicht geglaubt und seither sei es in der Familie immer öfter zu eskalierenden Situationen gekommen. Die Anzeige sei schliesslich von
einer Drittperson
ausgegangen
;
der dadurch in Gang gesetzte Prozess habe die
Patientin
wohl überrumpelt. Die Mutter habe nach der Inhaftierung des Vaters den Druck auf die beiden
Töchter
erhöht, was sehr belastend für die Patientin gewesen sei (S. 2 Mitte
Ziff. 1.4
).
Die Patientin
zeige Symptome aus allen drei Clustern der posttraumatischen Belastungsstörung. Einerseits leide sie an körperlichen Intrusionen und auch an Wiedererinnerungen im Sinne von Alpträumen. Das Hyperarousal zeige sich vor allem in ihrer Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit sowie an den Konzentrations- und Durchschlafstörungen. Es gebe eine ausgeprägte Vermeidung, welche aktuell nicht mehr gut funktioniere, da die Patientin durch den Prozess ständig erinnert werde (S. 2 unten Ziff. 1.4).
Aktuell zeigten sich ausgeprägte Schwierigkeiten mit der eigenen Emotionsregu
lierung und Aggressivität. Bei fehlender innerer Stabilität und noch fehlenden Regulationsmechanismen werde sie aktuell ständig
retraumatisiert
(S. 2 unten Ziff. 1.4). Es hätten zwei Abklärungsgespräche stattgefunden, wofür mehrere Termine nötig gewesen seien, da die Patientin diese sehr unzuverlässig wahrge
nommen habe (Ziff. 1.5).
Die Patientin sei emotional aktuell sehr instabil und halte wenig Stress oder Druck aus, somit bestehe eine sehr geringe Durchhaltefähigkeit. Das Einhalten von
Regeln und Routinen sei sehr eingeschränkt, sie sei häufig unpünktlich und ver
passe Termine. Auch bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben sei sie sehr eingeschränkt, sie schaffe es nicht, die Tagesstruktur einzuhalten. Hilfe von Dritten könne sie dafür aber nicht annehmen, da sie sehr misstrauisch sei und «es alleine schaffen möchte». Die Selbstbehauptungsfähigkeit sei in dem Sinne ein
geschränkt, dass sie
in sozialen Situationen
überschiessend und inadäquat rea
giere. Somit seien auch die Gruppenfähigkeit und die Kontaktfähigkeit zu Dritten deutlich eingeschränkt. Emotionale Kontrollverluste könne sie nur durch Vermei
dung der Situation regulieren. Die bisherige Tätigkeit sei nicht zumutbar. Zum aktuellen Zeitpunkt wäre eine Tagesstruktur sehr wichtig, eine solche sei durch den Prozess und die damit verbundenen Stimmungsschwankungen jedoch nur eingeschränkt möglich. Subjektiv bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
in ge
schütztem Rahmen, was vermutlich zum aktuellen Zeitpunkt zu hoch einge
schätzt sei. Es sei ein Beginn mit 40
%
und danach eine langsame Steigerung zu empfehlen (Ziff. 1.7).
Eine Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung sei zum aktuellen Zei
tpunkt aufgrund des laufenden juristischen Verfahrens nicht möglich, da dies eventuell gegen die Patientin eingesetzt werden könnte (Veränderung der Erinne
rung). Zu einem späteren Zeitpunkt sei eine Behandlung dringend angezeigt und sollte die Symptomatik reduzieren (Ziff. 1.8).
Mit der Wiederaufnahme einer be
ruflichen Tätigkeit könne vermutlich erst nach Beendigung des Prozesses gerech
net werden, was jedoch erneut geprüft werden müsse (Ziff. 1.9).
3.4
Im Brief des Netzwerks
D.___
vom 30. Mai 2018 an die Beschwerdeführerin (Urk. 7/38) wurde festgehalten, es habe sich ge
zeigt, dass es ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sei, an arbeitsinte
grativen Massnahmen teilzunehmen.
Entsprechend wurde der Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin am 9. Juli 2018 mitgeteilt, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 7/39).
3.5
Dr.
phil.
B.___
(vorstehend E. 3.2) nannte im Bericht vom 24. August 2018
(Urk. 7/43)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine emo
tional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (F60.31) und eine Alkoholabhängigkeitsstörung, gegenwärtig abstinent (F10.20). Hierzu passten die Ätiologie mit den Traumatisierungen seit früher Kindheit, es passten die Auf
merksamkeitsstörung, die ständige Anspannung, die aggressiven Impulse, die Defi
zite in der Selbstregulierung und der Selbststeuerung, das selbstschädigende Kon
sumverhalten zwecks Verdrängung und Entspannung, die Störung des Selbst
bilde
s, die Stimmungsschwankungen und die depressiven Phasen (Ziff. 1.2).
Sitzungen fänden gegenwärtig wöchentlich statt (Ziff. 3.1). Die Prognose sei aktuell nicht sehr gut, langfristig seien die Störungen theoretisch behandelbar und besserungsfähig. Erschwerend für die Behandlung sei, dass die Patientin eine kontinuierliche Medikation ablehne (Ziff. 3.3+4).
Als Faktoren, welche die Krankheit aufrechterhielten,
nannte Dr.
phil.
B.___
(Ziff. 4.4): Keine eigene Wohnung, keine Rückzugsmöglichkeiten,
da sie gegen
wärtig bei der Schwester wohne, welche im Gerichtsverfahren gegen den Vater gegen die Patientin ausgesagt habe, laufendes Gerichtsverfahren, fehlende emo
tionale Unterstützung beziehungsweise Druck durch die restliche Familie, die Schuld auf sich zu nehmen.
3.6
Dr. med.
E.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, RAD, führte in der Stellungnahme vom 19. September 2018 (Urk. 7/44 S. 3-4) aus, die Versicherte leide unter einer posttraumatischen Belastungs
störung. Während ihrer Ausbildung sei sie psychisch stabil gewesen. Dann seien durch ein Strafverfahren, in welchem sie gegen ein Elternteil habe aussagen müssen, lange bestehende Probleme und Traumatisierungen reaktiviert worden und ihr Gesundheitszustand habe sich stark verschlechtert. Während der Dauer des noch nicht abgeschlossenen Strafverfahrens seien die psychosozialen Belas
tungen eskaliert: Die Versicherte sei zwischenzeitlich obdachlos gewesen, habe geheiratet und sich wieder scheiden lassen, wohne nun bei der Schwester, die im Verfahren gegen sie ausgesagt habe et
cetera
. Dies habe zu weiterer psychischen Instabilität beigetragen, so dass sie zwischenzeitlich mit Alkohol und Cannabis zu kompensieren versucht habe, inzwischen aber abstinent sei
.
In den vorlie
gen
den Arztberichten werde die Prognose hinsichtlich der Wiedereingliederungs
fähigkeit nach Abschluss des Verfahrens als hinreichend gut angesehen. Erst dann sei eine Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung möglich und auch erfolgsversprechend (S. 3).
Insgesamt bestehe derzeit mindestens bis zum Abschluss des juristischen Ver
fahrens eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für die letzte Tätigkeit. Im Anschluss habe eine entsprechende spezifische Therapie zu erfolgen, die auch als Schaden
minderungspflicht (SMP) auferlegt werden könne. Es werde eine Revision nach 1
Jahr empfohlen (S. 4 oben).
3.7
Dr.
phil.
B.___
(vorstehend E. 3.2) führte im mit «Einsprache gegen IV-Be
scheid» betitelten Bericht vom 12. Dezember 2018 (Urk. 7/56) aus, bei der Patientin sei zunächst die Symptomatik einer sehr akuten Belastungsreaktion an
gesichts der Fremdbestimmtheit und durch den massiven Kontrollverlust nach der Anzeige gegen ihren Vater durch Dritte sichtbar gewesen. Die Diagnose der
post
traumatischen Belastungsstörung bestehe daher seit dem Sommer 2017 (S. 1
unten). Es müsse unterschieden werden, ob eine solche Störung eine wenig kom
plexe und einfacher zu behandelnde Folge einer akuten, unpersönlichen Trauma
tisierung (wie zum Beispiel eine Naturkatastrophe oder ein Verkehrsunfall) dar
stelle oder ob sie eine Folge sei einer über Jahre erfolgten persönlichen Zerstörung der Kind-Eltern-Vertrauensbeziehung, in welcher das Kind über Jahre dem
Elternteil ausgeliefert sei,
missbraucht werde und dabei auch keine Hilfe vom anderen Elternteil erhalte. Eine solche Traumatisierung habe meistens eine Per
sönlichkeitsstörung zur Folge, wie sie im August 2018
diagnostiziert
worden sei (S. 2 oben).
Rückblickend könne festgehalten werden, dass die Patientin seit dem Sommer 2016, als sie die Schlussprüfungen ihrer Lehre nur teilweise bestanden habe, im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr arbeitsfähig sei. Die Schwere der psychischen Störung sei erheblich und ve
rursache die Arbeitsunfähigkeit
.
Die wichtigsten «psychosozialen Faktoren», wenn man die ph
ys
ische Gewalt und den sexuellen Missbrauch des Vaters über Jahre so nennen wolle, seien Ursache der Trauma
tisierung. Die Schwere der Traumatisierungen führe nun mit den psychischen Störungen zur Arbeitsunfähigkeit. Daneben gebe es aktuelle psychosoziale Fak
toren wie das Fehlen eines sicheren Wohnorts, die die psychischen Störungen weiterhin aufrechterhielten.
Es treffe zu, dass die Psychotherapie noch nicht voll und ganz ausgeschöpft sei. Dies könne aber erst angegangen werden, wenn die Patientin wenigstens äusserlich in Sicherheit sei. Dazu könne der Abschluss des Gerichtsverfahrens gegen den Vater beitragen, müsse aber überhaupt nicht.
Bei der ersten Empfehlung im Juni 2017, den Abschluss des Gerichtsverfahrens abzu
warten, sei nicht zu erahnen gewesen, dass dieses noch weitere anderthalb Jahre Zeit brauche. Sie sei daher überholt (S. 2 Mitte).
Für die Sicherstellung einer Traumatherapie brauche die Patientin zunächst Sicherheit, wozu eine kleine eigene Wohnung und eine Rente der Invaliden
ver
sicherung verhelfen würden. Zurzeit verfolge die Psychotherapie das wichtigste Ziel der Stabilisierung (S. 2 unten). Sie habe nicht den Wunsch, über Jahre eine Rente zu beziehen, sondern wolle eines Tages ein relativ normales Leben mit beruflicher Arbeit führen (S. 3).
Mit E-Mail vom 14. Januar 2020 (Urk.
7/71/1)
teilte Dr.
phil.
B.___
der Be
schwerdegegnerin mit, dass die Beschwerdeführerin seit Mitte April 2019 nicht mehr zu ihr gekommen sei. Eine Traumatherapie lasse sich nicht aufzwingen. Eine solche sollte zuerst einmal stabilisieren. Zu einer Stabilisierung gehöre aber auch eine sichere Wohnsituation.
3.8
D
r.
E.___
(vorstehend E. 3.6
) führte in ihrer Stellungnahme vom 15. Januar 2020 (Urk. 7/72 S. 5-6) aus, erhebliche psychosoziale Faktoren stünden weiterhin im
Vordergrund. Solange dies so sei, sei keine wesentliche Besserung durch stö
rungsspezifische Psychotherapie zu erwarten (S. 5 unten). Die Beschwerdefüh
rerin habe sich lediglich von Juni bis Juli 2017 in fachärztlicher psychiatrischer Behandlung wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung befunden. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne am (renten
ablehnenden
) Vorbescheid vom 10. Oktober 2018 festgehalten werden (S. 6 oben).
4.
4.1
Unbestrittener Weise erlebte die Beschwerdeführerin eine belastende Kindheit und Jugend, welche von einer sehr strengen Erziehung seitens der Eltern geprägt war
,
wobei sie mutmasslich – diese Vorwürfe sind Gegenstand des
soweit ersichtlich
noch nicht abgeschlossenen Gerichtsverfahrens – Opfer physischer Gewalt und sexuellen Missbrauch
s wurde. Im Frühling 2017 wurde
daher von der Hausärztin (vorstehend E. 3.1)
und
von der Psychologin (vorstehend E. 3.2) eine Anpas
sung
s
störung diagnostiziert. Letztere
vermutete
zusätzlich
eine
post
traumatische
Belastungsstörung. Eine Diagnos
e, die im Oktober 2017 von den Fachä
rzten der
C.___
bestätigt wurde (vorstehend E.3.3).
Diese zeigten
auf, dass Symptome aus allen drei Clustern der posttraumatischen Belastungsstörung vorlägen und
dass
das ausgeprägte Vermeidungsverhalten aktuell nicht mehr funktioniere, da die Beschwerdeführerin durch den Gerichtsprozess ständig an die Gewalt- und Miss
brauchserfahrungen erinnert werde. Die Einschätzung einer grundsätzlich steige
rungsfähigen Arbeitsfähigkeit von 40
%
wird mit den im Mini-ICF-App
festge
stellten Einschränkungen begründet
.
Eine Differenzierung der Arbeitsfähigkeit hinsichtlich angestammter und angepasster Tätigkeit sowie Ausführungen, die
eine Indikatorenprüfung
zuliessen, ergeben sich indes nicht aus dem Bericht der Fachärzte der
C.___
.
Damit kann nicht ohne Weiteres auf deren Einschätzung abgestellt werden.
4.2
Es bestehen
damit jedoch
wesentliche
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer
rele
vanten selbständigen psychischen Erkrankung im Sinne einer
posttraumatischen Belast
ungsstörung
(vgl. vorstehend E. 1.3). Es ist
Dr.
phil.
B.___
(vorstehend E. 3.7) darin zuzustimmen, dass gerade bei diesem Krankheitsbild bei
einer
Ent
stehung durch
mutmasslichen
jahrelangen Missbrauch dieser nicht zum Vornhe
rein als psychosozialer Faktor abgetan werden d
arf.
4.3
Zwar liegen durchaus auch psychosoziale Faktoren wie
das laufende Straf
ver
fahren gegen den Vater der Beschwerdeführerin und die dadurch verschärften familiären Konflikte beziehungsweise die damit zusammenhängende aktuelle Obdachlosigkeit vor. Dies wurde auch von Dr.
phil.
B.___
anerkannt, welche
folgerte
, dass diese
Faktoren
die psychischen Störungen weiterhin aufrechter
hielten, da sie eine Stabilisierung erschwerten (vorstehend E. 3.7
; vgl. auch schon E. 3.5
).
Schwierige und belastende Umstände gehen jedoch oft mit
verselbständigten
psy
chischen Störungen einher und vermögen deren Vorliegen somit alleine noch nicht in Frage zu stellen.
Vielmehr können sie sich mittelbar invaliditätsbe
grün
dend auswirken, indem s
ie
einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrecht
erhalten (vgl. vorstehend E. 1.3).
4.4
Nebst
einer posttraumatischen Belastungsstörung
stehen
sodann
noch weitere Diagnosen im Raum, welche einer näheren Prüfung bedürfen.
Dies gilt
nicht nur
für die Anpassungsstörung, welche im Frühling 2017
noch
diagnostiziert worden war (vorstehend E. 3.1+2)
, sondern auch für
die von
Dr.
phil.
B.___
diagnos
tizierte
emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (F60.31) und die Alkoholabhängigkeitsstörung (F10.20).
Es ist angesichts der Ausfüh
rungen von Dr.
phil.
B.___
zwar nicht gesichert, aber keinesfalls abwegig, dass auch
diese oder vergleichbare psychische Störungen
vorliegen.
4.5
Bei
Dr.
phil.
B.___
handelt es sich um die behandelnde Psychologin. Es ist Dr.
E.___
(vorstehend E. 3.8) daher insofern zuzustimmen, als dass die Be
schwerdeführerin lediglich von Juni bis Juli 2017 fachärztlich
untersucht worden war
. Der zulässige Schluss daraus ist, dass die Frage
n
, ob, in welcher Ausprägung und mit welchen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit psychischen Störungen vorliegen, einer fachärztlichen Expertise zu unterziehen sind.
Unzulässig ist hingegen der von Dr.
E.___
im Januar 2020
(vorstehend E. 3.
8)
gezogene Schluss, dass das Leistungsbegehren abzuweisen sei, da psychosoziale Faktoren im Vordergrund stünden.
Er ist mit der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 2.2) unzulässig, da er auf keiner eigenen Untersuchung beruhte, ohne diffe
renzierte Auseinandersetzung mit den anderslautenden medizinischen Einschät
zungen gezogen wurde und zudem im diametralen Widerspruch zur eigenen Einschätzung vom 19. September
2018 (vorstehend E. 3.6) steht
.
Damals war
die RAD-Ärztin noch von einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
für die letzte Tätigkeit bis mindestens zum Abschluss des Strafverfahrens
ausgegangen
.
M
it der Empfehlung der Auferlegung einer Schadenminderu
ngspflicht und der Revision in einem
Jahr
hatte sie zudem einen
Leistungsanspruch
zumindest nicht von vornherein aus medizinischer Sicht infrage gestellt
.
Diesen
Widerspruch
erwähnte
Dr.
E.___
im Januar 2020 nicht
und löste ihn auch nicht
auf. Auf ihre Beurteilung kann somit nicht abgestellt werden
(vgl. auch vorstehend E. 1.5)
.
4.
6
Zusammenfassend kann nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die vorliegend im Raum stehenden psychischen Beeinträchtigungen
einzig von belastenden psychosozialen oder soziokulturellen Faktoren herrühren.
Vielmehr kann gestützt auf die medizinischen Berichte nicht ausgeschlossen werden,
dass davon zu unterscheidende verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegen (vgl. vorstehend E. 1.3).
Mangels umfassender fachärztlicher psychiatrischer Beurteilung, welche Aus
kunft über die Diagnosen, die konkreten Einschränkungen und die daraus resul
tierende Arbeitsfähigkeit in angestammter und allenfalls angepasster Tätigkeit geben würde
,
und angesichts der Unmöglichkeit, bei der
derzeitigen Aktenlage
die erforderliche Indikatorenprüfung (vgl. vorstehend E. 1.4) vornehmen zu können
, lässt sich der medizinische Sachverhalt nicht erstellen.
4.
7
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine psychiatrische Begut
achtung veranlasse, hernach eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungs
an
spruch der Beschwerdeführerin neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
g
en.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
20. Januar 2020 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons
Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannBoller