# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 937c7f81-6470-5169-8d8f-d8d01fe41379
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-15
**Language:** de
**Title:** Revisionsweise Rentenherabsetzung. Wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes ausgewiesen.
**Docket/Reference:** UV.2013.00155
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00155.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00155
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Leicht
Urteil
vom
15. August 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
Zustelladresse:
Y.___
Z.___
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1951 geborene
X.___
war zuletzt als
Bauarbeiter (
Fassaden
iso
lation
)
bei der
A.___
tätig und bei der Schweizerischen Unfall
versicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 4. Oktober 1994 bei einem Verkehrsunfall ein Schädel-Hirn-Trauma mit wahrscheinlicher
Contusio
cerebri,
beidseitige
Fazialis- und
Abduzensparesen
und
diverse
Frakturen erlitt
.
Als relevante Unfallfolgen verblieben eine
wahr
scheinlich
mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung sowie eine
Ab
duzensparese
links (Urk. 8/46 und Urk.
8/
61).
Für die
verbliebenen
Unfallfolgen sprach die SUVA dem Beschwerdeführer m
it Verfügung vom 24. März 1997 eine einer Erwerbseinbusse von 80 % entsprechende Invalidenrente
und eine auf einer Integritätseinbusse von 55 % beruhende Int
egritätsentschädigung zu (Urk. 8
/77).
Ein im Jahr 2003 eingeleitetes Revisionsverfahren ergab keine Än
derung des
Rentenanspruch
s
(Urk. 8/
88).
1.2
Die Invalidenversicherung (IV-Stelle Zürich)
hatte
X.___
mit Verfü
gung vom 16.
Jan
uar 1996 eine ganze Rente ab 1.
Oktober 1995 zugesproche
n
(Urk. 8/47) und bestätigte diese am 24. Januar 1997 und am 28. April 1998 (Urk. 8/68 und Urk. 8/80). In der Folge verlegte der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz nach
B.___
. Im Jahr 2000 leitete die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA) erneut eine Rentenrevision ein.
Aufgrund medizinischer Un
terlagen aus
B.___
kam
der
IV-Arzt
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, zum Schluss, die für die ursprüngliche
Rentenzusprache
massgebliche psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit sei offenbar nicht mehr vorhanden, weshalb dem Versicherten leichtere Arbeiten in einem reduzierten Umfang von 80 % wieder zumutbar seien. Der von der IVSTA durchgeführt
e
Einkommensvergleich ergab einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 33% (Urk. 8/89 S. 1-2).
Mit Verfügung vom 2.
Juni 2004 ste
llte die IVSTA die Rente
der Invalidenversicherung
per 1.
August 2004 ein. Diese Verfügung blieb unangefochten.
Das mit Neuanmeldung vom 9.
März 2005 gestellte
Rentengesuch lehnte die IVSTA mangels Verschlechterung des Gesundheitszustandes
mit Verfügung vom 27.
Dezember 2005 ab (Urk. 8/95). Das Bundesverwaltungsgericht schützte die
sen Entscheid mit Urteil vom 19. Mai 2009 (Urk. 8/102).
1.3
Aufgrund des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts reduzierte die SUVA i
m Rahmen eines weiteren Revisionsverfahrens
ihre bis anhin ausgerichtete
Invali
denrente mit Verfügung vom 10. Dezember 2009 auf 33 %
und bestätigte die
Herabsetzung mit
Einspracheentscheid
vom 1. Februar 2010
(Urk. 8/104).
Dieser Entscheid
wurde mit Urtei
l des hiesigen Gerichts vom 30.
November 2010 auf
gehoben
mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenre
nte von 80 % habe
. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass sich die SUVA nicht auf die ungenügenden Abklärungen der Invali
denversicherung hätte verlassen dürfen. Nachdem sie ihre ursprüngliche
Rentenzusprache
auf die fachlich kompetenten Abklärungen der
D.___
abgestützt habe, sei für eine Neubeurteilung eine gleicher
massen umfassende Untersuchung zwingend. Wenn sie die Einleitung eines
Re
visionsverfahrens
für angezeigt halte, komme sie nicht umhin, den Versicherten in der Schweiz fachärztlich abklären zu lassen
(Urk. 8/110).
In der Folge liess
die SUVA
den Beschwerdeführer in der
D.___
interdisziplinär
begutachten
. Das Gutachten wurde am 19. September 2012 erstattet (Urk. 8/119-123). Gestützt darauf reduzierte die SUVA die Invali
denrente mit Verfügung vom 12. Februar 2013
per 1.
März 2013 auf 12 % (Urk. 8/129). Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom
15. April 2013
ab (Urk.
8/134 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
15.
April 2013
erhob der
Versicherte mit Eingabe vom 8.
Mai 2013 Beschw
erde
.
Er
bestritt eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes
und
beantragte
sinngemäss
die Weiterausrichtung der bis
herigen Rente (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Juli 2013
beantragte
die Beschwerdegegnerin
die
Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Das Doppel der Beschwerdeantwort wurde dem Beschwerdeführer am
27.
August 2013
zuge
stellt (Urk.
12
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzu
gehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben (Art.
17 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
In Abweichung zu dieser Bestimmung des ATSG kann die Invalidenrente der Unfallversicherung nach dem Monat, in dem Mä
nner das 6
5.
und Frauen das 62.
Altersjahr vollendet haben, ni
cht mehr revidiert werden (Art.
22
des Bun
desgesetzes über die Unfallversicherung [
UVG
]
, BGE 134 V 131).
1.2
Anlass zur Revision einer I
nvalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs.
1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht (BGE 134 V 131 f. E. 3 mit Hin
weisen; BGE 133 V 108 E. 5.4).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
aus dem
interdis
zip
linäre
n
Gutachten der
D.___
ergebe sich, dass im Vergleich zur gesundheitlichen Situation, wie sie im Zeitpunkt der
Rentenver
fügung
vom 24. März 1997 vorgelegen habe, eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers eingetreten sei. Der Beschwerde
führer sei – mit Ausnahme der aufgrund der Doppelbilder noch immer beste
henden Absturzgefährdung bei Arbeiten auf Gerüsten – unfallbedingt voll arbeitsfähig
. Sie ermittelte eine unfallbedingte Erwerbseinbusse von 12 %
und setzte die Invalidenrente entsprechend herab
(Urk. 2)
.
2.2
Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein,
den
medizinischen Unterlagen
könne entnommen werden
, dass die Diagnosen
immer noch
die gleichen seien. Es liege
somit
keine Verbesserung
seines
Gesundheitszustandes vor (Urk. 1).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist, ob wegen einer wesentlichen Veränderung des Ge
sund
heitszustandes des Beschwerdeführers die Voraussetzungen für eine Revi
sion der laufenden Rente gegeben sind.
Zeitliche Vergleichsbasis zu den mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
15. April 2013
beurteilten Ver
hältnissen bildet der Sachverhalt, auf dessen Grundlage mit Verfügung vom
24. März 1997
eine
auf einer Erwerbseinbusse von 80 % beruhende In
va
li
den
rente der Unfallversicherung
zugesprochen worden war.
3.2
Der ursprünglichen Rentenverfügung lag in medizinischer Hinsicht
im Wesent
lichen der Austrittsbericht der
D.___
vom
21. Dezember 1995
zugrunde
.
Darin wurden folgende Diagnosen gestellt:
-
Geschlossenes Schädelhirntrauma mit höchstwahrscheinlich leichter
Con
tusio
cerebri und Pyramidenlängsfraktur beidseits
-
Periphere
Fazialisparese
beidseits
-
Abduz
ensparese
beidseits
-
Fraktur der Sinus
maxillaris
Vorderwand beidseits
-
Fraktur des Os nasale
-
Metatarsale
II-Fraktur links
-
Rippenfrakturen links
Es wurde
berichtet
, dass gut ein Jahr nach geschlossenem Schädelhirntrauma mit wahrscheinlicher
Contusio
cerebri, beidseitiger peripherer
Facialisparese
und beidseitiger
Abduzensparese
unverändert mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörungen
mit Beeinträchtigung der intellektuellen Umstellfähigkeit und der Handlungsplanung sowie unsystematischem Vorgehen bei Aufgaben mit mehreren Lösungsmöglichkeiten
im Vordergrund stünden
. Daneben fänden sich psychische Auffälligkeiten wie stark reduzierte Eigeninitiative und einge
schränkte Affektmodulation. Zusätzlich bestehe noch eine leichte
Abduzenspa
rese
links und anamnestisch Residuen der beidse
i
tigen peripheren
Facialisparese
(Urk. 8/46).
Das
ophtalmologische
Gutachten vom
22.
Oktober
1996 ergab eine
Restabduk
tionsschwäche
links bei Zustand nach traumatischer
Abduzensparese
links
am 4.
Oktober 1994 mit Doppelbildern bei Blick nach links. Es wurde festgehalten, dass aus
ophtalmologischer
Sicht wegen erhöhter Unfallgefahr keine Arbeiten auf Gerüsten ausgeführt werden sollten (Urk. 8/57).
3.3
Im angefochtenen Entscheid stützte sich die Beschwerdegegnerin
auf
das
inter
diszi
plinäre
Gutachten der
D.___
, welches gestützt auf
die
neurologische Untersuchung vom 14. Februar 201
2 (Urk. 8/119)
, die neu
ropsychologische Untersuchung vom 16. Februar 2012
(Urk. 8/122)
, die psychi
atrische
Untersuchung vom 14. Februar 2012 (Urk. 8/120)
und die
physikalisch-medizinische Untersuchung vom 21. Februar 2012
(Urk.
8/
121)
erstattet wurde
.
N
eurologischerseits
geht
aus dem Gutach
t
en
hervor, dass sich der Beschwerde
führer eine leicht
e
traumatische Hirnverletzung zugezogen hat. Die MR-tomo
graphische Verlaufskontro
lle vom 20.
Februar 2012 habe keine posttraumati
schen Residuen im Hirnparenchym ergeben, was darauf hindeute,
dass sich der Beschwerdeführer trotz der schweren Verletzungen des Gesichtsschädels und der Schädelbasis keine strukturelle
Hirnparenchymverletzung
zugezogen habe. Im Rahmen der
suszeptibilitätsgewichteten
Sequenzen wären sonst trotz dem lan
gen Verlauf posttraumatische Residuen zu erwarten gewesen. Auch fänden sich keine Vernarbungen als Hinweis auf eine traumatische Hirnverletzung mit
Hirnparenchymbeteiligung
.
Beim Beschwerdeführer persistierten chronische Spannungskopfschmerzen mit
migräniformen
Anteilen, wobei rein
definitions
gemäss
von einem
chronifizierten
posttraumatischen Kopfschmerz ausgegangen werden müsse, obwohl aktuell kein organisches Korrelat mehr objektivierbar sei. Inwieweit ein Analgetika-Überkonsum zur
Chronifizierung
der
Kopfschmerz
symptomatik
im Verlauf beigetragen habe, lasse sich im Rahmen der aktuellen Abklärung nicht abschliessend beurteilen, da eine mindestens dreimonatige Karenz jeglicher Analgetika-Einnahme Voraussetzung für die D
iagnose eines A
nalgetika
induzierten
Kopfschmerzes sei. Die neuropsychologischen Defizite liessen sich aufgrund der deutlichen Aggravationstendenz nicht sicher objekti
vieren und im Schweregrad einschätzen.
Da es im Rahmen des Unfallereignisses offensichtlich nicht zu einer relevanten traumatischen Hirnverletzung gekom
men sei, seien persistierende neuropsychologische Defizite über den langen Zeitraum nicht mehr somatisch organisch erklärbar. Des Weiteren persistiere ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom ohne objektivierbare klini
sche Reiz- und Ausfallerscheinungen
(Urk. 8/123 S. 1 ff.)
.
Aus neuropsychologischer Sicht
sei von einer unspezifischen neuropsycholo
gischen Störung bei wahrscheinlichem Vorliegen einer Aggravation der Be
schwerden (ICD-10: F68.0) auszugehen
(Urk. 8/123 S.
4)
.
Im Rahmen der neuropsych
ologischen Untersuchung vom 16.
Februar 2012 habe der
Beschwer
de
führer
überwiegend unterdurchschnittliche bis weit unterdurchschnittliche Testergebnisse in den Bereichen der Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen erzielt. Neben deutlich verzögerten Reaktion
s
zeiten seien zudem qualitative Auffälligkeiten im Sinne einer erhöhten F
ehleranfälligkeit aufgefallen.
Unter
durchschnittliche Resultate seien auch in
d
en Bereichen der verbalen
Merk
span
ne
, der Lernleistung in Bezug auf Routen sowie einem sprachungebundenen Intel
ligenztest vorgelegen. Normgere
chte Ergebnisse habe
der Beschwerdeführer
in den Bereichen der basalen Planungskompetenzen, der visuellen Merkspanne,
der
visuo
-konstruktiven Fähigkeit und der non-verbalen Gedächtnisleistungen erreicht. Bei alleiniger Betrachtung der Tes
t
ergebnisse würde man zum Schluss kommen, dass eine mittelschwere neuropsychologische Störung vorliege. Die Durchführung einer standardisierten Symptomvalidierung habe jedoch Hinweise auf das wahrscheinliche Vorli
egen bewusstseinsna
her psychischer Prozesse der Aggravation ergeben. Im Rahmen eines Symptomvalidierungstests habe der Beschwerdeführer ein Testergebnis erzielt, welches im Bereich der
Zufallswahr
scheinlichkeit
gelegen sei und damit auf
eine negative
,
bewusste
Antwortver
zerrung
hingewiesen habe. Zudem hätten mehrere Inkonsistenzen innerhalb des kognitiven Testprofils bestanden. Beispielsweise seien die normgerechten
Test
ergebnisse
im Bereich der non-verbalen Gedächtnisfunktionen nicht mit den ausgeprägten Defiziten im Bereich der Aufmerksamkeitsfunktionen vereinbar gewesen. Die Testergebnisse hätten eine starke Verlangsamung zum Ausdruck gebracht,
welche klinisch nicht evident gewesen sei. Die testpsychologisch objektivierten kognitiven Beeinträchtigungen seien kaum mit der Tatsache ver
einbar, dass der Beschwerdeführer selbständig aus
B.___
in die Schweiz habe reisen können. Das kognitive Testprofil sei auch mit den medizinischen Diag
nosen nicht vereinbar.
Neurologischerseits
sei
beim Unfall vom 4.
Oktober 1994 von einer wahrschei
nlich leichten traumatischen Hi
rnverletzung ausgegangen worden, welche grundsätzlich eine gute Prognose aufweise. Neuroradiologisch hätten keine strukturellen Hirnläsionen festgestellt werden können.
Psyc
hiat
r
i
scherseits
liege keine psychische Störung von Krankheitswert vor. Es hätten auch kein
e Anzeichen für eine beginnende
degenerative Erkrankung bestanden. Einzig die Einnahme von Benzodiazepinen könne negative Auswirkungen auf das kognitive Leistungsvermögen haben. Allerdings wären dabei auch Beein
trächtigungen im Gedächtnisbereich zu erwarten gewesen, welche aber
testpsy
chologisch
nicht hätten festgestellt werden können. Das tiefe Abschneiden bei einem sprachungebundenen Intelligenztest mit Anforderung an das logische Denken mit einem IQ von 76 Punkten sei angesichts der früheren Tätigkeit als Mathematiklehrer unglaubwürdig. Bei Vorliegen einer wahrscheinlichen Aggra
vation sei die Glaubhaftigkeit des Ausmasses der angegebenen Beschwerde
n oder der dia
g
n
ostisch festgestellten Leis
t
ungseinbussen in Frage zu stellen. Das im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung ermittelte kognitive
Test
profil
besitze hiermit nur geringe Aussagekraft. Der Schweregrad der neuropsy
chologischen Störung sei unter diesen Umständen entsprechend schwierig einzuschätzen und auf jeden Fall geringer, als
es
das Testprofil darlege
(Urk. 8/122).
Psychiatrisch ergebe sich
– so die Gutachter
weiter
–
auf der Befundebene keine relevante objektivierbare Pathologie
.
Die gesamte Interaktion während des
Gesprächs und die Psychomotorik sprächen eindeutig gegen eine
versiche
rungspsychiatrisch
relevante depressive oder anders geartete psychische Stö
rung. Auch liessen sich keine Hinweise auf eine
psychotraumatologische
Störung finden.
Es hätten keine Zeichen für eine Wesensänderung, wie sie allenfalls nach einer relevanten Hirnverletzung angetroffen werde, gefunden werden können. Was der Beschwerdeführer aktuell äussere
,
sei quantitativ noch in der Bandbreite dessen, was normalpsychologisch in einer solchen sozialen Situation zu erwarten sei.
Insgesamt bestehe keine versicherungspsychiatrisch relevante Störung.
Es bestünden auch keine spezifischen Anhaltspunkte für eine
somatoforme
Störung
(Urk. 8/123 S.
4 f.)
.
Aus physikalisch-medizinischer Sicht lasse sich klinisch ein
lumbospondylo
ge
nes
Schmerzsyndrom rechts diagnostizieren, welches wahrscheinlich zu einem Grossteil durch die degenerativen Veränderungen tieflumbal bedingt sei. Durch die schwere
Osteochondrose
, einen nahezu aufgelösten und vollständig
höhen
geminderten
Nucleus
pulposus
LWK 4/5 mit fettiger Degenerat
ion des angren
zenden
Kochenmarke
s
liessen sich sowohl die lokalen Rückenschmerzen als auch die Ausstrahlungen in das rechte Bein begründen. Es sei möglich, dass auch eine Nervenwurzelirritation L4 rechts durch die degenerativen Verände
rungen bestehe, die allerdings im klinischen Befund nicht eindeutig abgrenzbar sei. Unter Berücksichtigung der Aktenlage mit diversen in diese Richtung wei
senden ärztlichen
Berichten sei davon auszugehen, dass die Rückenschmerzen nicht direkt nach dem Unfall aufgetreten seien. Allerdings sei eine Aktivierung vorbestehender degenerativer Veränderungen durch den Unfall möglich, wobei dann davon auszugehen wäre, dass die Beschwerden nach sechs bis neun, jedoch spätestens nach
zwölf
Monaten nicht mehr vorhanden
gewesen
wären. Hinsichtlich der übrigen beim Unfall erlittenen Verletzungen
des Bewegungsap
parates, so die
M
etatarsale
II-Fraktur links und die Rippenfraktur links, sei der Beschwerdeführer beschwerdefrei. Auch hätten sich hier keine auffälligen kör
perlichen Befunde erheben lassen
(Urk. 8/123 S. 5 f.)
.
In Bezug auf die berufsbezogene Leistungsfähigkeit hielten die Gutachter fest, dass aus neurologischer Sicht keine relevanten Einschränkungen, welche zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten, bestünden. Aufgrund der
persistierenden Doppelbilder sei das Arbeiten auf Gerüsten mit
Absturzgefähr
dung
aus Sicherheitsgründen zu vermeiden. Somit sei die ursprüngliche Tätig
keit als Fassadenisolierer
nicht mehr zumutbar.
Aus psychiatrischer Sicht
bestehe keine Einschränkung der Zumutbarkeit. Unfallbedingt seien dem Be
schwerdeführer aus physikalisch-medizinischer Sicht alle Arbeiten ganztags zumutbar
. Aufgrund der degenerativen Veränderung der
Lendenwirbelsäule
und der bestehenden Symptomatik seien dem Beschwerdeführer nur noch leichte bis
mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten, die kein häufiges Bücken und Kauern beinhalten sollten, ganztags zumutbar
(Urk. 8/123 S. 6)
.
3.4
Das interdisziplinäre Gutachten ist
für die streitigen Belange
umfassend, beruht auf
sorgfältigen und
allseitigen
Untersuchungen der Gutachter im Beisein einer Dolmetscherin und wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben. Es berücksichtigt die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen
hinreichend
auseinander.
Die Darlegung der medizinischen Zustände und
Zusammenhänge ist einleuchtend und die Schlu
ssfolgerungen sind nachvoll
zieh
bar.
Das Gutachten erfüllt
somit
sämtliche von der Rechtsprechung gefor
derten Kriterien (vgl. E. 1.3), weshalb darauf abzustellen ist.
Wie die Beschwerdegegnerin im angefochtene
n Entscheid zutreffend ausführt (Urk. 2 S. 11)
, ergibt sich a
ufgrund der objektiven Befundlage
eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers.
Damit
ist eine anspruchsrelevante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG gegeben.
G
estützt auf das interdisziplinäre Gutachten
ist
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
dem Beschwerdeführer seine ursprüngliche Tätigkeit als Fassadenisolierer
zwar
wei
terhin
nicht zumutbar ist, in einer angepassten Tätigkeit jedoch
keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
mehr
besteht
.
4.
4.1
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Er
werbseinkommen
, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
4.2
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturer
hebungen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V
472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es aus
serdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochen
stunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entspre
chende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E.
4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
4.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
4.4
Für die Berechnung des
Valideneinkommens
stützte sich die
Beschwerde
gegne
rin
auf die Schweizerische
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2010, Tabelle
T
A1
, Ziffer 41-43 (Baugewerbe), Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkei
ten)
, was sachgerecht erscheint. Sie
ging von einem standardisierten Monats
lohn von Fr. 5‘310.--
aus und
ermittelte a
ngepasst an die betriebsübliche
durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung ein Jahreseinkommen von Fr. 68‘440.95, was nicht zu beanstanden ist.
4.5
Für die Ermittlung des Invalideneinkommens stützte sich die
Beschwerdegegne
rin
auf die LSE 2010, Tabelle
T
A1,
Total,
Anforderungsniveau 4
,
und ging
von einem standardisierten Monatslohn von Fr. 4‘901.-- aus.
Angepasst an die betriebsübliche durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit und
unter Berück
sichtigung der Nominallohnentwicklung
errechnete sie ein
Jahreseinkommen
von Fr.
63‘169.3
0.
Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
leidens
be
dingte
Abzug von 5 % erscheint
in Anbetracht sämtlicher relevanter
Merkmale
(vgl. oben E. 4.3
)
als angemessen
,
womit
ein Invalideneinkommen von Fr.
60‘010.85
resultiert
.
4.6
D
ie
von der Beschwerdegegnerin ermittelte
unfallbedingte Erwerbseinbusse von Fr. 8‘430.10, die einem
Invaliditätsgrad von gerundet 12 %
entspricht,
ist
somit
nicht zu beanstanden
. Die
Herabsetzung der Invalidenrente von 80 % auf 12 % erweist sich
daher
als korrekt, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu
enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstLeicht