# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e4fa427-de4d-5b75-b2e1-e1e857063b88
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.01.2024 D-6614/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6614-2023_2024-01-19.pdf

## Full Text

R u b r u m  B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6614/2023 

law/fes 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter William Waeber; Richter Thomas Segessenmann; 

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei, 

vertreten durch Necmettin Sahin, HEVI Flüchtlingshilfe, 

Beschwerdeführer,  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (Nichteintreten auf Mehrfachgesuch); 

Verfügung des SEM vom 21. November 2023 / N (…). 

 

 

 

D-6614/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 20. September 2022 in der Schweiz um 

Gewährung von Asyl nach. 

B.  

Mit Verfügung vom 25. Mai 2023 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-

rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. 

Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den 

Vollzug derselben an. 

C.  

Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde vom Bundes-

verwaltungsgericht mit Urteil D-3607/2023 vom 19. Juli 2023 abgewiesen. 

D.  

Mit Eingabe vom 24. August 2023 gelangte der Beschwerdeführer an das 

SEM und machte darin im Wesentlichen geltend, die Polizei sei am 19. Au-

gust 2023 bei seiner vormaligen Adresse in der Türkei beim Nachmieter 

erschienen und habe diesen gefragt, wo er (der Beschwerdeführer) und 

sein Vater sich aufhalten würden. Sein Vater habe am 21. August 2023 den 

Anwalt B._______ um Abklärungen gebeten. Dieser habe seinem Vater am 

24. August 2023 mitgeteilt, dass gegen ihn (den Beschwerdeführer) in der 

Provinz C._______ bei der (…) ein Strafverfahren hängig sei. Da die Er-

mittlungen aber verdeckt geführt würden, habe er (der Anwalt) nicht her-

ausfinden können, warum gegen ihn (den Beschwerdeführer) ermittelt 

werde. Eine gründliche Recherche sei nicht möglich gewesen, weil in der 

Türkei im Moment Gerichtsferien seien. Es werde nächste Woche möglich 

sein, genauere Informationen zu liefern. 

E.  

Das SEM wies die zuständigen kantonalen Behörden am 31. August 2023 

an, vom Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers einstweilen ab-

zusehen und die Vorbereitungshandlungen zu sistieren. 

F.  

Mit Eingabe vom 3. Oktober 2023 reichte der Beschwerdeführer ein Schrei-

ben eines in der Türkei tätigen Anwalts inklusive Übersetzung ein. 

G.  

Mit Verfügung vom 21. November 2023 – eröffnet am 24. November 

D-6614/2023 

Seite 3 

2023 – trat das SEM in Anwendung von Art. 111c AsylG (SR 142.31) i.V.m. 

Art. 13 Abs. 2 VwVG auf das Mehrfachgesuch des Beschwerdeführers 

vom 24. August 2023 nicht ein und verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz. Es hielt weiter fest, der Beschwerdeführer sei verpflichtet, das 

Staatgebiet der Schweiz sowie den Schengen-Raum bis am Tag nach Ein-

tritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, dies zur Rückreise in sei-

nen Heimatstaat beziehungsweise den Herkunftsstaat oder zur Weiterreise 

in ein Land, das sich ausserhalb des Schengen-Raumes befinde und in 

dem er aufgenommen werde; falls er seiner Verpflichtung nicht innert Frist 

nachkomme, könne die Wegweisung unter Zwang vollzogen werden. Das 

SEM beauftragte sodann den Kanton D._______ mit dem Vollzug der Weg-

weisung und erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.–. 

H.  

H.a. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. November 2023 liess 

der Beschwerdeführer gegen diesen Nichteintretensentscheid beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Darin wurde beantragt, die 

Verfügung des SEM sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft an-

zuerkennen und es sei Asyl zu gewähren. Es sei festzustellen, dass der 

Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und 

die Anerkennung als Flüchtling anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hin-

sicht wurde zudem beantragt, es sei die unentgeltliche Prozessführung zu 

gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, und 

es sei die vom SEM erhobene Gebühr in der Höhe von Fr. 600.– aufzuhe-

ben. Schliesslich wurde in der Begründung der Beschwerde beantragt, die 

Angelegenheit sei an das SEM zurückzuweisen, damit es den rechtserheb-

lichen Sachverhalt abklären und anschliessend eine neue Verfügung erlas-

sen könne (vgl. Beschwerde Ziff. 4.2.1). 

H.b. Mit der Beschwerde wurden die wie folgt bezeichneten Beweismittel 

eingereicht: 

1. Asylentscheid vom 21. November 2023 

2. Vollmacht 

3. 11 Seiten Facebook-Auszüge von der Akte des Strafverfahrens wegen Propa-
ganda 

4. Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft F._______ an die Sicherheitsdirek-
tion für Bekämpfung gegen Terror, zwecks Durchführung eine Ermittlung ge-
gen A._______, 08.09.203 (recte: 2023) 

5. Untersuchungsbericht der Sicherheitsdirektion vom 18.10.2023 

6. Der Begleitbrief der Sicherheitsdirektion an die Generalstaatsanwaltschaft, 
zwecks Übermittlung des Untersuchungsberichts, 20.10.2023 

D-6614/2023 

Seite 4 

7. Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft F._______ an die Generalstaats-
anwaltschaft E._______, Anweisungsbüro, 26.10.2023 

8. Anweisung-Infoblatt vom 26.10.2023 

9. Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft E._______ an die Zuständige Be-
hörden, 26.10.2023 

10. Untersuchungsbericht der Polizei vom 31.10.2023 

11. Antwort der Generalstaatsanwaltschaft E._______ an die Generalstaatsan-
waltschaft F._______ 

12. FEZLEKE 

13. Unzuständigkeitsbeschluss der Generalstaatsanwaltschaft F._______ 

14. -Anzeige vom 25.07.2023 

I.  

Der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts stellte mit Verfü-

gung vom 6. Dezember 2023 fest, der Beschwerdeführer dürfe das Verfah-

ren in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig verzichtete er auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses und gab dem SEM Gelegenheit, zur Be-

schwerde eine Vernehmlassung einzureichen. 

J.  

Das SEM reichte seine Vernehmlassung am 14. Dezember 2023 ein. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:  

1.  

1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

– in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 3 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerde-

führer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG 

und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der 

nachstehenden Ausführungen – einzutreten. 

D-6614/2023 

Seite 5 

1.3. Die Verfügung als Anfechtungsgegenstand bildet in der Bundesverwal-

tungsrechtspflege den äusseren Rahmen, innerhalb welchem die Parteien 

der Rechtsmittelinstanz ein Rechtsverhältnis zur Beurteilung unterbreiten 

können. Der durch die Parteibegehren definierte Streitgegenstand darf da-

bei nicht über den Anfechtungsgegenstand hinausreichen. Gegenstand 

des Beschwerdeverfahrens kann somit nur sein, was Gegenstand des erst-

instanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzesauslegung hätte 

sein sollen (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, Prozessieren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 2.7, KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl., 2013, Rz. 687). 

1.4. Die angefochtene Verfügung enthält keine materielle Regelung die 

Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl betreffend, weshalb 

auf die in der Beschwerde enthaltenen Begehren, es sei die Flüchtlingsei-

genschaft festzustellen und Asyl zu gewähren, nicht einzutreten ist. 

2.  

2.1. Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-

schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-

richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen, 

ist die Beurteilungskompetenz des Bundesverwaltungsgerichts grundsätz-

lich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylge-

such nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5 m.w.H.). Erachtet das 

Bundesverwaltungsgericht den Nichteintretensentscheid als unrechtmäs-

sig, enthält es sich einer selbstständigen materiellen Prüfung, und hebt die 

angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung 

an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2014/39 E. 3 m.w.H.). 

3.  

3.1. Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, der Beschwer-

deführer begründe sein Gesuch damit, dass die Polizei immer noch nach 

ihm suche und ein Strafverfahren eingeleitet worden sei. In seinem Schrei-

ben vom 25. August 2023 erwähne er, dass in der Türkei gerade Gerichts-

ferien seien. Informationen seien erst in der darauffolgenden Woche erhält-

lich. Im Referenzschreiben seines Anwalts vom 3. Oktober 2023 bestätige 

dieser die Ausführungen des Beschwerdeführers. In seinem Schreiben 

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Seite 6 

erwähne der Anwalt, dass ihm der Zugang zu Informationen seitens der 

Behörden verweigert worden sei. Er würde in einem späteren Schritt die 

benötigten Informationen von der Staatsanwaltschaft erhalten. Ausserdem 

sei er immer noch nicht als Anwalt des Beschwerdeführers in den Akten 

aufgeführt, weshalb er auch keinen Zugriff zu den Akten desselben habe. 

In Anbetracht dieser Aussage bleibe unklar, weshalb er am 3. Oktober 

2023 immer noch nicht als sein Anwalt in den Akten registriert worden sei. 

Laut seinen Angaben habe er dann nach einiger Zeit doch erfahren, dass 

gegen den Beschwerdeführer ein Strafverfahren wegen Propaganda für 

eine Terrororganisation und Beleidigung des Präsidenten erhoben worden 

sei. Es bleibe unklar, wie der Anwalt zu diesen Informationen gelangt sei, 

erwähne er doch explizit das Aktenzeichen und die Paragraphen, die im 

Strafverfahren vorgeworfen würden. Beim Referenzschreiben seines An-

walts handle es sich um ein Gefälligkeitsschreiben. Teilweise wiederhole 

er lediglich die Asylvorbringen, die der Beschwerdeführer bereits mehrmals 

erwähnt habe. Bezüglich des Prozesses gebe es keine konkreten Beweis-

mittel, die ein Strafverfahren beweisen würden. Der Anwalt sage zwar, 

dass er an Informationen gekommen sei, jedoch bleibe unklar, wie ihm das 

trotz erstmaliger Abweisung geglückt sei. Ohne Beweismittel könne die 

Echtheit dieser Behauptungen nicht überprüft werden. Trotz Verweis, dass 

im August Gerichtsferien seien, habe der Beschwerdeführer in den Mona-

ten nach den Ferien kein einziges Beweismittel einreichen können, das 

eine Verfolgung durch die türkischen Behörden nachweisen würde. Das 

Referenzschreiben liefere somit keine neuen flüchtlingsrechtlich relevan-

ten Tatsachen. 

3.2. In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, ein weite-

rer Anwalt habe inzwischen in der Türkei die im Strafverfahren gegen den 

Beschwerdeführer bis zum 28. November 2023 in F._______ erstellten Ak-

ten erhältlich machen und ihm diese per E-Mail zustellen können. Aus den 

Unterlagen gehe hervor, dass die Generalstaatsanwaltschaft F._______ 

am (…) an die Generalstaatsanwaltschaft E._______ eine Anweisung ge-

sendet habe, damit gegen den Beschwerdeführer ermittelt werde, und die 

Polizei am (…) bei ihm zuhause mit dem Nachmieter gesprochen und nach 

dem Aufenthaltsort des Beschwerdeführers und seiner Familie gefragt 

habe. Die eingereichten Beweismittel würden so schnell wie möglich über-

setzt und eingereicht. Der Anwalt des Beschwerdeführers in der Türkei 

werde ihm ein aktuelles Referenzschreiben sowie Informationen über das 

hängige Strafverfahren zukommen lassen. Aus den Akten sei ersichtlich, 

dass dem Beschwerdeführer vorgeworfen werde, Propaganda der Gülen-

Bewegung verbreitet zu haben und deren Mitglied zu sein. 

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Seite 7 

3.3. In seiner Vernehmlassung hält das SEM fest, die Beschwerde enthalte 

neue Beweismittel, die jedoch nicht in einer Sprache des Bundes übersetzt 

worden seien. Das SEM könne sich zu deren Inhalt nicht äussern und diese 

demnach nicht prüfen. Es sei im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens 

nur Partei und nicht verfahrensführend. Um sich zu den Beweismitteln äus-

sern zu können, müssten Übersetzungen vorliegen. Das Bundesverwal-

tungsgericht werde deshalb ersucht, dem SEM die Übersetzungen nach 

Erhalt umgehend zustellen, da die Einreichung der übersetzten Beweismit-

tel in Aussicht gestellt worden sei, und dann zu einer neuen Vernehmlas-

sung einladen. Nach Prüfung der übersetzten Beweismittel könne sich das 

SEM materiell zu den neuen Vorbringen äussern. Zurzeit könne das SEM 

jedoch nicht entscheiden, ob an der Verfügung vom 21. November 2023 

festgehalten werden könne. 

4.  

4.1. Asylgesuche, die innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft des 

Asyl- und Wegweisungsentscheides eingereicht werden, haben gemäss 

Art. 111c Abs. 1 AsylG schriftlich und begründet zu erfolgen (vgl. zur genü-

genden Begründung BVGE 2014/39 E. 5.3 – 5.5). Kommt eine asylsu-

chende Person im Rahmen eines Mehrfachgesuchs ihrer Begründungs-

pflicht offensichtlich nicht nach, hat die Behörde auch in Verfahren, in de-

nen nicht ohnehin schon die speziellen Voraussetzungen der Art. 31a 

Abs. 1–3 AsylG vorliegen, die Möglichkeit, auf das Gesuch gestützt auf 

Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzutreten (vgl. 

BVGE 2014/39 E. 7.1) 

4.2. Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht dürfen 

im Rahmen des Streitgegenstandes bisher noch nicht gewürdigte, be-

kannte wie auch bis anhin unbekannte neue Sachverhaltsumstände, die 

sich zeitlich vor (sog. unechte Noven) oder erst im Laufe des Rechtsmittel-

verfahrens (sog. echte Noven) zugetragen haben, vorgebracht werden. 

Gleiches gilt für neue Beweismittel. Die Behörde muss mithin jederzeit Vor-

bringen zum Sachverhalt entgegennehmen und berücksichtigen, falls sie 

diese für rechtserheblich hält (vgl. Art. 32 Abs. 2 VwVG). Dem Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts ist derjenige Sachverhalt zugrunde zu legen, 

wie er sich aufgrund der Aktenlage im Zeitpunkt der Entscheidung präsen-

tiert. Die angefochtene Verfügung des SEM hat sich mithin auch gegenüber 

den im Verlauf des Beschwerdeverfahrens dazugekommenen Tatsachen 

und Beweismitteln zu bewähren (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). 

 

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Seite 8 

5.  

5.1. Der Beschwerdeführer machte in seinem Mehrfachgesuch neu gel-

tend, es in der Türkei gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet worden. 

Diese Behauptung untermauerte er mit diversen, im Rahmen des vorlie-

genden Beschwerdeverfahrens eingereichten, in türkischer Sprache ver-

fassten Dokumenten, die – wenngleich ohne Übersetzung eingereicht – 

bereits aufgrund der im Beilagenverzeichnis verwendeten deutschen Be-

zeichnungen derselben (vgl. Bst. H.b) unschwer erkennen lassen, dass es 

sich um Dokumente handelt, die grundsätzlich geeignet erscheinen, zu be-

legen, dass gegen den Beschwerdeführer in der Türkei tatsächlich ein 

strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Ungeachtet des-

sen kann davon ausgegangen werden, dass auch das SEM dies als Fach-

behörde – zur Vernehmlassung aufgefordert – ohne weiteres hat erkennen 

können. Es wird mit dem Mehrfachgesuch mithin ein neuer Sachverhalt 

geltend gemacht, der hinreichend mit Beweismitteln unterlegt begründet 

wird. Der Vorwurf des SEM in der angefochtenen Verfügung, das Mehr-

fachgesuch sei unbegründet, da der Beschwerdeführer keine Beweismittel 

eingereicht habe, die belegen würden, dass gegen ihn ein strafrechtliches 

Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei, ist folglich nicht länger haltbar. 

5.2. Das SEM führt in der Vernehmlassung zwar aus, da die eingereichten 

Dokumente nicht in eine Amtssprache übersetzt vorliegen würden, könne 

es sich nicht zu deren Inhalt äussern und diese demnach nicht prüfen be-

ziehungsweise, es könne sich erst nach Prüfung der übersetzten Beweis-

mittel materiell zu den neuen Vorbringen äussern. Es verkennt damit, dass 

in Bezug auf die Frage, ob auf ein Mehrfachgesuch einzutreten ist, nur zu 

prüfen ist, ob dieses inhaltlich ausreichend begründet vorliegt. Der Um-

stand, dass der Inhalt der in türkischer Sprache eingereichten Beweismittel 

(noch) nicht in eine Amtssprache übersetzt eingereicht worden sind, ändert 

nichts daran, dass das im Mehrfachgesuch neu geltend gemachte Vorbrin-

gen, in der Türkei sei gegen den Beschwerdeführer ein strafrechtliches Er-

mittlungsverfahren eingeleitet worden, eine Behauptung, die mit den im 

Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Dokumenten unter-

mauert wird, ausreichend begründet ist, um über das Mehrfachgesuch in 

der Sache materiell befinden zu können. 

5.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass das Mehrfachgesuch des Be-

schwerdeführers vom 24. August 2023 (nunmehr) ausreichend begründet 

vorliegt. Der Nichteintretensentscheid des SEM vom 21. November 2023 

erweist sich mithin als bundesrechtswidrig. Die Beschwerde ist folglich gut-

zuheissen, soweit auf diese einzutreten ist, die angefochtene Verfügung ist 

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Seite 9 

aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuwei-

sen. Dieses wird in der Sache darüber zu befinden haben, welche Bedeu-

tung das den eingereichten Dokumenten zugrunde liegende strafrechtliche 

Ermittlungsverfahren mit Blick auf die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers beizumessen ist. Es bleibt dabei dem SEM überlassen, 

den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 8 Abs. 2 AsylG aufzufordern, Über-

setzungen der eingereichten Dokumente einzureichen, sollte es dies für 

angebracht erachten. 

6.  

6.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung wird damit gegenstandslos. 

6.2. Dem vertretenen Beschwerdeführer ist in Anwendung von Art. 64 

VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 

SR 173.320.2) eine ihn durch das SEM zu erstattende Entschädigung für 

die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. 

Diese ist mangels eingereichter Kostennote aufgrund der Akten zu bestim-

men (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 7 ff. VGKE) auf insgesamt Fr. 400.– (inkl. Aus-

lagen und allfälligem Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6614/2023 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1. 

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit auf diese eingetreten wird. 

2. 

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur Neube-

urteilung im Sinne der Erwägung an das SEM zurückgewiesen. 

3. 

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4. 

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 400.– auszurichten. 

5. 

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Sarah Ferreyra 

 

 

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