# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 721e0a75-1c6f-5a10-bd68-c349905ede30
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-20
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 20.03.2024 SB230513
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230513_2024-03-20.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230513-O/U/sm

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. 

Hoffmann und Oberrichter Dr. iur. Rauber sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Lazareva

Urteil vom 20. März 2024

in Sachen

A._____,
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,
Anklägerin und Berufungsbeklagte

sowie

B._____,
Privatklägerin

betreffend einfache Körperverletzung etc.

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht 
Strafsachen, vom 31. Juli 2023 (GG230037)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 11. April 

2023 (Urk. 16/3) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 27 = Urk. 30 S. 50 ff.)

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB so-

wie

 der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 

Fr. 30.– (entsprechend Fr. 3'600.–), wovon 2 Tagessätze als durch Haft 

geleistet gelten.

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre 

festgesetzt.

4. Die Privatklägerin B._____ wird mit ihren Zivilansprüchen auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen.

5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 1'800.00   Gebühr für das Vorverfahren; 

Fr. 70.00   Entschädigung Zeugin;

Fr. 9'000.00   Entschädigung amtliche Verteidigung (inkl. Barausla-  gen und MwSt.)

Fr. 12'670.00   Total

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert 

sich die Entscheidgebühr um einen Drittel.

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6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-

erlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden indessen einstweilen 

auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung dieser Kosten ge-

mäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 45 S. 2)

1. In Gutheissung der Berufung sei das angefochtene Urteil vollumfäng-

lich aufzuheben, und der Beschuldigte/Berufungskläger sei von Schuld 

und Strafe freizusprechen.

2. Dem Beschuldigten/Berufungskläger sei für die zu Unrecht erlittene 

Untersuchungshaft von zwei Tagen eine Genugtuung von Fr. 200.– pro 

Tag, insgesamt Fr. 400.–, zzgl. 5% seit dem 2. September 2022, aus-

zurichten.

3. Ausgangsgemäss seien dem Beschuldigten/Berufungskläger weder 

eine Entscheidgebühr, noch Kosten für das erstinstanzliche Verfahren 

aufzuerlegen.

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens samt Kosten der amtlichen Ver-

teidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen.

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich: 

(Urk. 37, schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

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Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Hinsichtlich des Gangs des Verfahrens bis zum erstinstanzlichen Urteil kann 

auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 30 

S. 3). Das Urteil wurde in Anwesenheit des Beschuldigten, seines amtlichen Ver-

teidigers sowie der Privatklägerin mündlich eröffnet (Prot. I S. 22-25). Der Be-

schuldigte liess mit Schreiben vom 7. August 2023 fristwahrend Berufung anmel-

den (Urk. 25) und nach Erhalt der begründeten Urteilsausfertigung am 5. Oktober 

2023 rechtzeitig die Berufungserklärung erstatten (Urk. 31).

2. Hernach wurde der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft Frist ange-

setzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben werde (Urk. 35). Mit Ein-

gabe vom 6. November 2023 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Anschlussbe-

rufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 37). Die 

Privatklägerin liess sich nicht vernehmen. Die Parteien wurden sodann auf den 

20. März 2024 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 39). Mit Eingabe vom 

2. Februar 2024 ging das Datenerfassungsblatt des Beschuldigten samt weiteren 

Unterlagen zu seinen aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen ein (Urk. 40 und 

Urk. 41/1-6). Am 12. März 2024 wurde ein neuer Strafregisterauszug über den 

Beschuldigten eingeholt (Urk. 42). In der Folge wurde eine Kopie des Urteils der 

hiesigen Kammer vom 13. September 2022, welches in der Zwischenzeit in 

Rechtskraft erwachsen ist, zu den Akten genommen (Urk. 43).

3. Am 12. März 2024 wurde die Privatklägerin zur Einvernahme als Auskunfts-

person im Rahmen der Berufungsverhandlung vom 20. März 2024 vorgeladen 

(Urk. 39).

4. Zur Berufungsverhandlung vom 20. März 2024 erschienen sind der Beschul-

digte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

sowie die Privatklägerin.

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II. Umfang der Berufung

1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO) und hemmt damit die Rechtskraft des angefochtenen Entscheides 

entsprechend. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an-

fechten (Urk. 31 S. 3).

2. Da einzig der Beschuldigte gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung er-

klärt hat und keine Anschlussberufung erhoben wurde, kommt das Verschlechte-

rungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zur Anwendung.

III. Sachverhalt

1. Tatvorwurf

Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe die Privatklägerin 

am 22. Juni 2022 vor der C._____ Bar in D._____ zweimal heftig mit der Faust ins 

Gesicht geschlagen. Zudem habe er die Privatklägerin vor der E._____ Zentrum 

F._____ am 3. September 2022 als Schlampe und Drecksau beschimpft 

(Urk. 16/3 S. 2 f.).

2. Allgemeines zur Beweiswürdigung und Beweismittel

2.1. Was die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung angeht, kann auf die 

ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 30 E. III.3. 

S. 5-8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist festzuhalten, was folgt:

2.2. Zu präzisieren ist insbesondere die Erwägung der Vorinstanz, der Grundsatz 

der Unschuldsvermutung sei bei der Beweiswürdigung nicht zu beachten (Urk. 30 

E. III.3.1. S. 6). In konstanter Rechtsprechung hat das Bundesgericht aus dem 

Grundsatz "in dubio pro reo" vielmehr eine sog. Beweiswürdigungsregel abgelei-

tet (BGE 145 IV 154 E. 1.1; BSK StPO-Tophinke, Art. 10 StPO N 82).

Diesbezüglich ist zu ergänzen, dass eine Hypothese zum Sachverhalt (vorliegend 

z.B. die Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin) erst dann als eine sicher rich-

tige Beschreibung der zugrunde liegenden Realität akzeptiert werden kann, wenn 

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sie allein in der Lage ist, eine restlose und annehmbare Erklärung des vorliegen-

den Informationsmaterials zu bieten (Bender / Häcker / Schwarz, Tatsachenfest-

stellung vor Gericht, 5. Aufl., 2021, S. 140 Rz 581).

2.3. Wesentlich zu berücksichtigen ist ferner, dass insbesondere bei überschau-

baren Sachverhalten und wenigen Aussagen ein glaubhaftes Lügen durchaus 

möglich ist. Ausserdem kann insbesondere ein kurzes, wahrheitswidriges Kernge-

schehen nahtlos in ein wahres Peripheriegeschehen eingebettet sein. Ohne 

Kenntnis und Reflexion möglicher Motive (zur Lüge) fehlt der Beweiswürdigung 

ein wesentlicher Baustein. Je wahrscheinlicher es erscheint, dass die Aussage-

person zu einer Lüge motiviert sein könnte, desto eindeutiger müssten die Ergeb-

nisse der Beweisaufnahme und der Aussageanalyse sein, damit man sich trotz-

dem von der Wahrheit der Angaben überzeugt zeigen kann (vgl. Bender / Hä-

cker / Schwarz, a.a.O., S. 70-72 Rz 292 und 298 und S. 132 Rz 550 f.).

2.4. Insgesamt ist die Antwort auf die Frage entscheidend, ob die einvernom-

mene Person ihre Aussagen vernünftigerweise so hätte deponieren können, wenn 

sie das Berichtete nicht erlebt hätte. Das Vorhandensein von Realitätskriterien be-

deutet noch nicht, dass eine Aussage wahr ist. Vielmehr muss eine Kompetenz-

analyse ergeben, dass eine Person nicht in der Lage wäre, den dargelegten 

Sachverhalt zu erfinden (vgl. Bender / Häcker / Schwarz, a.a.O., S. 78 Rz 332-

334).

2.5. Als Beweismittel liegen die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 3/1-3, Prot. I 

S. 13 ff., Prot. II S. 35 ff.), der Privatklägerin (Urk. 4/1-3, Prot. II S. 6 ff.) sowie de-

ren Mutter G._____ (Urk. 5/1-3) vor. Ferner liegen eine Fotodokumentation be-

züglich Verletzungen der Privatklägerin (Urk. 2/2), ein medizinischer Befund be-

treffend die Privatklägerin (Urk. 6/3) sowie ein medizinischer Bericht betreffend 

den Beschuldigten vor (Urk. 7/3).

Im Sinne von Indizien zu berücksichtigen sind die psychiatrischen Gutachten über 

den Beschuldigten von Dr. med. H._____ vom 18. Dezember 2013 (Urk. 13/1 

[insb. S. 154]) und vom 15. Oktober 2020 (Urk. 13/2 [insb. S. 53 f.]).

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3. Motivlage der Aussagenden

3.1. Der Beschuldigte dürfte unabhängig von seiner Schuld oder Unschuld ein In-

teresse daran haben, dass das vorliegende Verfahren für ihn möglichst positiv 

verläuft. Die Privatklägerin stellt dagegen zivilrechtliche Ansprüche (Urk. 12/3) 

und dürfte damit ein Interesse an einem verurteilenden Erkenntnis haben.

3.2. Der Beschuldigte und die Privatklägerin sind einander bekannt und waren 

unbestrittenermassen miteinander intim, jedoch ohne in einer Paarbeziehung zu 

sein (Urk. 3/1 F/A 14, Urk. 4/1 F/A 12). Insofern ist nicht auszuschliessen, dass 

gegenseitig persönliche Motive vorliegen könnten, der jeweils anderen Person zu 

schaden, zumal die Privatklägerin zu Protokoll gab, sie habe dem Beschuldigen 

zuvor gesagt, sie wolle keinen Kontakt zu ihm haben (was bereits auf eine frühere 

Konfliktsituation hindeutet). Er habe den Kontakt aber trotzdem gesucht (vgl. z.B. 

Urk. 4/1 F/A 20 und F/A 26). Sie habe den Kontakt zuvor mehrfach abgewiesen. 

Sie habe ihn gemieden. Als sie ihn in der Bar gesehen habe, habe sie sich nicht 

gefreut, durch jemanden überrascht zu werden, den man draussen meide. Er 

– der Beschuldigte – habe ihr nicht gepasst (Urk. 4/2 F/A 36-38). Besonders au-

genfällig wurde die Haltung der Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten an-

lässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, als sie ausführte, der Beschul-

digte sei kein Mensch, sondern ein ganz böses Tier (Prot. I S. 19).

3.3. G._____ ist die Mutter der Privatklägerin (Urk. 5/1 F/A 6) und dürfte daher 

ein natürliches Interesse daran haben, für die Privatklägerin Partei zu ergreifen.

3.4. Zusammenfassend ist daher davon auszugehen, dass keine Aussagen un-

beteiligter, neutraler Personen vorliegen. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass 

zwischen den jeweiligen eingeklagten Ereignissen und den ersten Einvernahmen 

sämtlicher Aussagepersonen mindestens mehrere Tage lagen, welche zur Vorbe-

reitung einer Aussage hätten dienen können.

4. Aussagen des Beschuldigten

4.1. Hinsichtlich der sehr ausführlichen Wiedergabe der Aussagen des Beschul-

digten kann im Wesentlichen auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden 

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(Urk. 30 E. III.4. S. 8-12). Was die Würdigung betrifft, kann der Vorinstanz inso-

fern gefolgt werden, als sie auf Widersprüche sowie Aggravationen in den Aussa-

gen des Beschuldigten hinweist und hinterfragt, weshalb gewisse entlastende 

Sachverhaltsdarstellungen von ihm nicht von der ersten Einvernahme an geschil-

dert wurden (Urk. 30 E. III.9.1.2. S. 26 f. und E. III.9.2.2. S. 36). Insofern ist nicht 

zu beanstanden, wenn die Vorinstanz die Aussagen des Beschuldigten tendenzi-

ell als unglaubhaft bewertet. Seine Aussagen sind daher mit Vorsicht in die Ge-

samtwürdigung einzubeziehen.

4.2. Auch die Verteidigung brachte in ihrer Berufungserklärung und vor Schran-

ken nichts vor, das diese Einschätzung umstürzen könnte, sondern konzentriert 

sich im Wesentlichen auf die Würdigung der anderen Beweismittel (Urk. 31, 

Urk. 45).

4.3. Zum Vorwurf der Beschimpfung ist lediglich anzumerken, dass der Beschul-

digte diesbezüglich auch anlässlich der Berufungsverhandlung kein vorbehaltlo-

ses Geständnis ablegte (vgl. Prot. II S. 42). So gab er dazu abschliessend zu Pro-

tokoll, dass die Privatklägerin ihn nur bestrafen und ihm Leid antun wolle, sowie 

dass sie hierzu alles erfinde (Prot. II S. 43).

5. Aussagen der Privatklägerin

5.1. Im Sinne einer Vorbemerkung ist darauf hinzuweisen, dass es in einem Ent-

scheid dann an einer inneren Logik fehlt, wenn dieselben Kriterien der Aussa-

geanalyse beim Beschuldigten als Lügensignale, bei der Privatklägerin jedoch als 

"erklärbar" oder gar nicht gewertet werden. Beispielhaft ist zu erwähnen, dass die 

Vorinstanz erwägt, es sei festzuhalten, dass seine (des Beschuldigten) Angaben 

im Zusammenhang mit dem zufälligen Treffen mit der Privatklägerin in der 

C._____ Bar sehr detailarm ausgefallen seien. So habe er beispielsweise zum In-

halt des Gesprächs mit der Privatklägerin nur sehr wenige Angaben gemacht. Of-

fenbar wertet dies die Vorinstanz als Warnsignal, obwohl das Treffen und das Ge-

spräch unzweifelhaft stattfanden (Urk. 30 E. III.9.1.2. S. 26 zweiter Absatz). Dass 

die Privatklägerin in der tatnächsten Einvernahme vom 3. Juli 2022 in ihrem freien 

Bericht zum Zusammentreffen mit dem Beschuldigten lediglich in einem kurzen 

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Nebensatz ausführte, der Beschuldigte sei erschienen und sie hätten zusammen 

normal gesprochen (Urk. 4/1 F/A 5), fand in die Würdigung keinen Eingang; 

ebenso wenig der Umstand, dass in dieser Einvernahme weitere Informationen 

zum Gespräch erst auf Nachfrage geliefert wurden und auch sehr kurz ausfielen 

(Urk. 4/1 F/A 20). Betreffend den Vorfall bei der E._____ Zentrum F._____ erwägt 

die Vorinstanz, die Darstellung des Kerngeschehens durch die Privatklägerin sei 

eher kurz, was jedoch nicht überrasche. Sie geht aber nicht darauf ein, dass da-

mit wenig Inhalt für eine Würdigung vorliegt. Eine kritische Auseinandersetzung 

mit der Detailarmut der Aussagen findet nicht statt.

5.2. Hinsichtlich der sehr ausführlichen Wiedergabe der Aussagen der Privatklä-

gerin in der Untersuchung kann im Wesentlichen auf das vorinstanzliche Urteil 

verwiesen werden (Urk. 30 E. III.5. S. 13-20). Auf ihre vor Berufungsinstanz depo-

nierten Aussagen (Prot. II S. 6 ff.) wird im Folgenden punktuell – sofern für die Be-

weiswürdigung relevant – eingegangen.

5.3. Die Aussagen der Privatklägerin weisen – entgegen der Ansicht der Vorin-

stanz – diverse Ungereimtheiten und Warnsignale auf:

a) Die ersten Aussagen der Privatklägerin zum eigentlichen Kerngeschehen 

sind extrem knapp und farblos. So sagte sie aus, der Beschuldigte sei ganz an-

ständig und nett gewesen (Urk. 4/1 F/A 21). Dann sei die Bar zu gegangen und 

man sei nach draussen gegangen (Urk. 4/1 F/A 22). Sie – die Privatklägerin – sei 

in Richtung Bahnhof F._____ gegangen und der Beschuldigte habe sie geschla-

gen (Urk. 4/1 F/A 23). Von sich aus schilderte die Privatklägerin nicht das Ge-

ringste dazu, was das Verhalten des Beschuldigten – der ja eben noch nett und 

anständig gewesen sein soll – erklären könnte. Sie machte nicht im Ansatz Anga-

ben zum Gespräch, allenfalls zu einem Streit oder zu einer aggressiven bzw. ag-

gressiver werdenden Stimmung. Erst auf konkretes Nachfragen deponierte die 

Privatklägerin – erneut sehr knapp und auffällig einzig auf die strafbaren Handlun-

gen fokussiert –, er habe gewollt, dass sie zu ihm nach Hause komme, was sie 

nicht gewollt habe. Auf die Nachfrage, wie er sie gefragt habe, beschränkte sich 

die Privatklägerin bei ihrer Antwort erneut auf das absolute Minimum (Urk. 4/1 

F/A 26 S. 3).

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Zudem ist fraglich, wie der soeben erwähnte verbale Austausch vor der Bar (auch 

wenn er kurz gewesen wäre) hätte stattfinden bzw. wann die angeblichen Schläge 

stattgefunden haben sollen. Einerseits sagte die Privatklägerin aus, der Beschul-

digte habe sie nach ihrer Zurückweisung und damit nach ihrem Wortwechsel ge-

schlagen (Urk. 4/1 F/A 27 S. 3). Kurz zuvor hatte sie noch gesagt, sie sei daran 

gewesen, wegzugehen, als er sie geschlagen habe (Urk. 4/1 F/A 23 S. 3).

Auch in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 7. September 2022 blieb 

der von der Privatklägerin geschilderte Sachverhalt weitgehend farblos und au-

genfällig nur auf die grossen Linien des angeblichen Geschehens beschränkt. 

Demnach habe sich die Privatklägerin mit dem Beschuldigten normal unterhalten, 

habe mit ihm das Lokal verlassen, er habe sie (gegenüber der polizeilichen Ein-

vernahme neu mehrfach) aufgefordert, zu ihm zu kommen, und sie habe verneint. 

Dabei sei sie schon einige Meter gegangen. Dann sei der erste Schlag gekom-

men. Sie schilderte jedoch nicht, ob der Schlag von der Seite oder von hinten ge-

kommen sei. Diesbezüglich ist anzumerken, dass ein Schlag von vorne bedingt 

hätte, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten gegenübergestanden haben 

müsste, was bei ihrem geltend gemachten Davonlaufen kaum möglich gewesen 

wäre. Die Privatklägerin sagte denn auch bei der Staatsanwaltschaft aus: "Ich lief 

ein paar Meter Richtung Bahnhof, zwei drei Meter. Dann fiel ich auf den Asphalt" 

(Urk. 4/2 F/A 44). Das liesse auf einen Schlag von hinten schliessen. Praktisch 

unmittelbar darauf sagte sie jedoch auf die Frage, wo der Beschuldigte beim 

Schlagen gestanden habe: "Vor mir" (Urk. 4/2 F/A 47), dies obwohl sie schon am 

Weglaufen gewesen sein will. Dieser Ablauf ist so kaum möglich. Eine differen-

ziertere Schilderung, die den Handlungsablauf plausibilisieren würde, konnte die 

Privatklägerin nicht beschreiben.

Dasselbe Aussageverhalten fiel auch anlässlich der Berufungsverhandlung auf. 

So schilderte die Privatklägerin wiederum nicht in freier Rede, sondern lediglich 

nur auf konkretes Nachfragen hin, dass sie am 22. Juni 2022 rausgegangen sei, 

um zu spazieren. Es sei spät gewesen, die C._____ Bar – welche sie indes zuvor 

nicht gekannt habe – sei noch offen gewesen und dort sei sie reingegangen 

(Prot. II S. 12 f.). Sie habe dann dort über längere Zeit ein Bier getrunken. Der Be-

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schuldigte sei zufälligerweise auch in diese Bar gekommen und habe sich neben 

sie gesetzt. Er habe eigentlich ganz normal geredet. Der Kontakt zwischen ihnen 

sei anständig gewesen. Es habe damals noch keinen Hinweis auf den Vorfall ge-

geben. Man sei dann rausgegangen und er habe sie aufgefordert, zu ihm nach 

Hause zu kommen. Sie habe das nicht gemacht und dann sei schon der erste 

Schlag gekommen. Sie sei dann zu Boden gefallen, worauf sie nochmals aufge-

standen sei und dann sei der zweite Schlag gekommen. Es habe dann "ruf die 

Polizei" geheissen und der Beschuldigte sei danach weggerannt (Prot. II S. 17-

19). Die Aussagen der Privatklägerin lassen hinsichtlich des Kerngeschehens so-

mit wiederum den erforderlichen Detailreichtum vermissen. Nach wie vor blieb da-

her unklar, wie das anfänglich angeblich anständige Gespräch mit dem Beschul-

digten in der Bar in eine derart aggressive Situation ausgeartet sein könnte, wie 

sie von der Privatklägerin – wiederum jedoch relativ oberflächlich – dargestellt 

wurde.

b) In diesem Kontext fällt – mit der Verteidigung (Urk. 45 Rz 19 f. S. 11 f.) – 

auch auf, dass die Privatklägerin bei der Polizei zunächst aussagte, der Beschul-

digte habe sie mit der linken Hand geschlagen (Urk. 4/1 F/A 40), was sie bei der 

Staatsanwaltschaft nicht mehr wusste (Urk. 4/2 F/A 49). Der Schlag mit der linken 

Hand würde damit korrespondieren, dass der Beschuldigte vor ihr gestanden 

(Urk. 4/2 F/A 47) und sie in der rechten Gesichtshälfte getroffen haben soll 

(Urk. 4/1 F/A 29), wobei auch Verletzungen rechts fotographisch dokumentiert 

sind (Urk. 2/2). Indes hat der Beschuldigte eindeutig nachgewiesen (Urk. 7/3) und 

wird von der Vorinstanz auch nicht in Frage gestellt, dass ihm ein Schlag mit der 

linken Hand infolge der durchgeführten Operation an derselben kaum möglich ge-

wesen wäre. Die Vorinstanz scheint davon auszugehen, dass die Schläge mit der 

rechten Hand ausgeführt worden seien (Urk. 30 E. III.9.1.3. S. 29). Unbeantwortet 

bleibt jedoch seitens der Privatklägerin (und auch seitens der Vorinstanz), wie der 

Beschuldigte die Privatklägerin mit der rechten Hand in ihrer rechten Gesichts-

hälfte getroffen haben soll, wenn er ihr gleichzeitig gegenübergestanden haben 

soll. Dies ist zwar nicht absolut ausgeschlossen, wäre jedoch sehr ungewöhnlich 

sowie bei einer spontan aufwallenden Aggression nicht zu erwarten, sondern 

würde eine besondere Schlagtechnik erfordern – zumindest um die fotographisch 

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dokumentierten Verletzungen herbeiführen zu können. Es wäre zu erwarten, dass 

eine besondere Schlagausführung seitens der Privatklägerin erwähnt worden 

wäre. Der eher unplausiblen und auch in diesem Punkt sehr summarischen Dar-

stellung der Privatklägerin lässt sich hierzu indes nichts entnehmen.

c) Nicht reflektiert wird von der Vorinstanz ferner der innere Widerspruch fol-

gender Aussage: Die Privatklägerin sagte bei der Staatsanwaltschaft wie erwähnt 

aus, der Beschuldigte sei ihr aus Wut hinterhergelaufen, was impliziert, dass er 

sie verfolgt habe. Gleichzeitig deponierte sie aber, er habe sie nicht verfolgt 

(Urk. 30 E. 9.2.1 S. 35 und Urk. 4/2 F/A 12). Ebenso widersprüchlich fielen ihre 

Angaben anlässlich der Berufungsverhandlung aus, wonach der Beschuldigte und 

sie, als sie aus der Bar raus seien, zum einen parallel zueinander bzw. nebenein-

ander in die gleiche Richtung gegangen seien, zum anderen aber auch sie ihren 

Weg gegangen sei und er sich herangeschlichen habe, wobei er ihr aber nicht 

nachgelaufen sei (Prot. II S. 19).

d) Der Vorinstanz kann auch bezüglich der Schilderungen der Privatklägerin 

hinsichtlich ihres eigenen Gefühlslebens nicht gefolgt werden. Dieses wird gerade 

nicht differenziert dargestellt, wobei zwischen dem unbestrittenen Peripheriege-

schehen (Treffen in der Bar, von dem die Privatklägerin tatsächlich nicht begeis-

tert gewesen sein mag) und dem Kerngeschehen (Gefühlslage unmittelbar vor 

der gewalttätigen Auseinandersetzung und dann zufolge erhaltener Schläge) zu 

unterscheiden ist. Hinsichtlich Letzterem fallen die erst auf Nachfrage gemachten 

Aussagen durch ihre Farblosigkeit auf. Bei der Polizei wurde sie gefragt, was die 

Schläge in ihr – der Privatklägerin – ausgelöst hätten. Selbst bei einer erfundenen 

Aussage wäre zu erwarten gewesen, dass sie über Angst oder Wut gesprochen 

hätte. Stattdessen beschränkte sich die Privatklägerin darauf, zu deponieren, es 

habe "Nichts gutes" ausgelöst, nur um anschliessend über die Absichten des Be-

schuldigten zu spekulieren und Belastendes über sein angebliches Gefühlsleben 

zu berichten ("Er hat mir das Gefühl gegeben, dass er mich haben möchte, aber 

da ich nicht von ihm will, wollte er mich bestrafen"; Urk. 4/1 F/A 35). Darin ist kein 

Realitätsmerkmal zu erblicken (vgl. Bender / Häcker / Schwarz, a.a.O., S. 107 

Rz 457). Auch in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme sind die Aussagen 

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der Privatklägerin in ihrem freien Bericht auffallend knapp und auf das strafbare 

Verhalten fokussiert. Zu ihrem Gefühlsleben führte sie erneut nur kurz und undif-

ferenziert aus: "Und dann war ich natürlich sehr durcheinander. Ich habe mich 

ganz schlecht gefühlt und irgendwie kam ich nachhause" (Urk, 4/2 F/A 24 S. 5). 

Auf Rückfragen, was der erste und der zweite Schlag bei ihr bewirkt hätten, sagte 

sie zuerst nur "Ein Schockmoment" und ging in der Folge mit keinem Wort auf 

ihre Gefühlslage ein. Vielmehr wich sie der Frage nach dem zweiten Schlag aus, 

indem sie darauf verwies, dass sie nicht wisse, wie sie nach Hause gekommen 

sei (Urk. 4/2 F/A 51 S. 8 und F/A 58 S. 9). Dagegen schilderte sie ein weiteres 

Mal Belastendes zum angeblichen, von ihr unterstellten Seelenleben des Be-

schuldigten, wenn sie sich dazu äusserte, was alles auf Grund seiner Schläge 

hätte passieren können, wobei er – der Beschuldigte – dies in Kauf genommen 

habe (vgl. Urk. 4/2 F/A 92 S. 13).

e) Wenn die Vorinstanz erwägt, die Privatklägerin habe zum Geschehen noch 

in der Bar detailliert, nachvollziehbar und zurückhaltend ausgesagt (Urk. 30 

E. III.9.1.3. S. 28 f.), so kontrastiert dazu ihr Aussageverhalten zum knapp gehal-

tenen Schildern des eigentlichen Kerngeschehens vor der Bar, was zwanglos als 

Strukturbruch in ihren Aussagen zu betrachten ist.

f) Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass die Aussagen der Privatklä-

gerin dazu, weshalb sie in der C._____ Bar gewesen sei, fragwürdig sind. Darauf 

kann verwiesen werden (Urk. 30 E. III.9.1.3. S. 27). Die Schilderung in der polizei-

lichen Einvernahme ist diesbezüglich kurz und nicht sehr plausibel (Urk. 4/1 F/A 5 

S. 1). Folgerichtig sind die Antworten der Privatklägerin auf entsprechende Fra-

gen in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme auch ausweichend (Urk. 4/2 

F/A 27, 28 und 30). Ebenso vage und nicht nachvollziehbar blieben die Aussagen 

der Privatklägerin dazu anlässlich der Berufungsverhandlung (vgl. Prot. II 

S. 12 f.). Aufhorchen lässt insbesondere ihre Angabe, wonach sie am Abend raus 

sei, "um zu spazieren" (Prot. II S. 12), wobei dieser Spaziergang – direkt von zu-

hause bis zur C._____ Bar – lediglich ca. 10 Minuten gedauert habe (vgl. Prot. II 

S. 27 f.). Dass die Privatklägerin ganz ausnahmsweise und ohne ersichtliche Mo-

tivation in eine Kontaktbar geht und ausgerechnet dort genau zu diesem Zeitpunkt 

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ganz zufällig auf den Beschuldigten – mit dem sie bereits intim gewesen ist – trifft, 

ist zwar theoretisch möglich. Plausibel wäre aber auch, dass die Privatklägerin 

(und allenfalls auch der Beschuldigte) nicht alle Hintergründe dieses Treffens of-

fengelegt hat. Jedenfalls erwecken die Aussagen der Privatklägerin den Eindruck, 

als wolle sie etwas verheimlichen, was die Frage aufwerfen würde, was alles un-

ausgesprochen geblieben und was alles anders gelaufen sein könnte, als sie es 

berichtete. Diesbezüglich kann auf die genannten Erwägungen der Vorinstanz 

verwiesen werden, die bei der Privatklägerin die Tendenz festgestellt hat, zu eige-

nen Gunsten beschönigend auszusagen (Urk. 30 E. III.9.1.3. S. 27).

g) Gleichzeit ist bei der Privatklägerin eine Tendenz zu erkennen, fast theatra-

lisch zu übertreiben, wenn es um ihre Opferstellung geht. Die Frage, wie es ihr 

am Tag nach der Tat gegangen sei, beantwortete sie nicht bzw. machte einmal 

mehr keine konkreten Angaben, sondern führte aus, es sei ihr tagelang sehr 

schlecht gegangen (Urk. 4/2 F/A 67 S. 10). Sie habe wochenlang Schmerzen im 

Gesicht gehabt. Ausserdem habe ihr Kreislauf immer wieder versagt. Sie habe 

nach der Tat eine Kreislaufschwäche und Kreislaufstörungen gehabt (Urk. 4/2 

F/A 70 f. S. 10). Diesbezüglich hält jedoch der medizinische Befund von Dr. med. 

I._____ vom 30. August 2022 lediglich Blutergüsse, eine Platzwunde und Schür-

fungen, einen angeschliffenen Schneidezahn sowie die Rötung der rechten 

Wange und eine anhaltende Schwellung fest. Das entspricht auch den Aussagen 

der Privatklägerin selber (Urk. 4/2 F/A 64 S. 10). Hinweise auf eine Kreislauf-

schwäche (oder z.B. neurologisch bedingte ähnliche Beschwerden) liegen keine 

vor (Urk. 6/3 S. 2). Insofern ist auch nicht plausibel, dass sie sich in der Untersu-

chung und anlässlich der Berufungsverhandlung nicht daran erinnern wollte, wie 

sie nach dem Vorfall nach Hause gekommen sei, und zu Protokoll gab, dass sie 

bewusstlos geworden sei, zumal erst, als sie den Wohnungsschlüssel in die Tür 

gesteckt habe (Urk. 4/1 F/A 36 S. 4, Urk. 4/2 F/A 24 S. 5 und F/A 58 S. 9 sowie 

Prot. II S. 20 f.).

Angesichts des Befundes von Dr. med. I._____ wirkt es denn auch stark übertrie-

ben, wenn die Privatklägerin anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 

und damit über ein Jahr nach dem angeblichen Vorfall zu Protokoll gab, der Ellbo-

-  15  -

gen sei – sinngemäss infolge der eingeklagten Ereignisse – noch immer nicht ver-

heilt (Prot. I S. 19 f.). Dementsprechend führte sie auch anlässlich der Berufungs-

verhandlung – und damit sogar fast zwei Jahre nach dem fraglichen Vorfall – aus, 

dass der Ellenbogen immer noch nicht gut sei und dieser Schaden für immer 

bleibe (Prot. II S. 8 und S. 25). Auf die entsprechende Nachfrage konkretisierte 

sie, dass das medizinische Problem darin bestehe, dass sie eine Narbe davon ge-

tragen habe. Sie habe aber auch ab und zu immer noch Schmerzen (Prot. II 

S. 26). Im Übrigen wäre in einem solchen Fall zu erwarten, dass darüber weiter-

gehende medizinische Akten vorliegen würden. Dass sich die Privatklägerin 

scheuen würde, diese einzureichen, kann auf Grund ihres offensiven Aussagever-

haltens ausgeschlossen werden. Indes liegen keine entsprechenden Unterlagen 

vor. Es erstaunt insofern auch nicht, dass die Privatklägerin ihren Aussagen zu-

folge deswegen nicht mehr in ärztlicher Behandlung sei (Prot. II S. 8).

h) Auch hinsichtlich der Frage, wann und wie (bzw. weshalb nicht) die Privat-

klägerin ärztliche Hilfe gesucht habe, sind ihre Aussagen wenig plausibel: So war 

der Grund, weshalb sie nicht sofort ärztliche Hilfe suchte, nicht etwa ihre psychi-

sche Disposition nach einem traumatischen Erlebnis, wie das zuweilen bei Gewal-

topfern zu beobachten ist. Vielmehr habe sie gedacht, sie gehe sofort zum Arzt, 

habe aber nicht gewusst, dass er in den Ferien gewesen sei (Urk. 4/2 F/A 82 

S. 11 f.). Weshalb sie in einer solchen Situation kein Spital aufsuchte oder den 

Notruf einschaltete, erklärte sie nicht – auch nicht damit, dass die Verletzungen 

nicht so gravierend gewesen seien ("Ich wollte zuerst zum Arzt und dachte, wenn 

er in den Ferien ist, kann ich nichts machen" […], Urk. 4/1 F/A 43 S. 5 und 

Urk. 4/2 Rz 83 S. 12). Ebenso unplausibel ist, weshalb sie dem Arzt keine Aus-

kunft am Telefon geben wollte. Entsprechend hilflos ist ihr Erklärungsversuch 

("Ohne Grund, es kam einfach so"; Urk. 4/2 F/A 82 S. 11 f.). Diesbezüglich lieferte 

sie auch anlässlich der Berufungsverhandlung keine überzeugende Erklärung, 

sondern machte wiederum lediglich geltend, sie habe nicht gewusst, was sie ma-

chen sollte. Man brauche einen Hausarzt, wenn man ein Problem habe oder et-

was Schlimmes passiert sei. Es sei ihr zudem nicht in den Sinn gekommen, (so-

fort nach dem Vorfall) zur Polizei zu gehen. Sie habe auf ihren Arzt warten wollen, 

damit dieser ein Protokoll von den Verletzungen mache (Prot. II S. 22 f.). Unlo-

-  16  -

gisch und widersprüchlich erscheint sodann ihre Erklärung, es sei ihr einerseits 

erst nachdem sie mit ihrem Hausarzt geredet habe, klar gewesen, dass es Verlet-

zungen seien, die sie vorzeigen könne. Andererseits gab sie gleich im Anschluss 

darauf zu Protokoll, sie habe sich von niemandem bezüglich Anzeigeerstattung 

beraten lassen. Vielmehr sei für sie klar gewesen, dass sie die Person anzeige, 

wenn eine Körperverletzung bestehe (Prot. II S. 23).

i) Die Verteidigung weist sodann zutreffend auf Ungereimtheiten beim zeitli-

chen Ablauf hin (Urk. 31 Rz 9-15 S. 5-7, Urk. 45 Rz 37-39 S. 19 f.). Die Privatklä-

gerin gab mehrfach – so auch anlässlich der Berufungsverhandlung – zu Proto-

koll, das Treffen zwischen ihr und dem Beschuldigten habe am 23. Juni 2022 

stattgefunden. Selbst auf Vorhalt des Zeitstempels der aktenkundigen Bilder be-

kräftigte die Privatklägerin, sie sei sich des Datums "ganz sicher". Auch der Be-

schuldigte bestätige, dass das Treffen am 23. Juni stattgefunden habe (Beschul-

digter: Urk. 3/1 F/A 5 S. 1; Privatklägerin: Urk. 1/1 S.1, Urk. 4/1 F/A 20 und 25 

S. 3, Urk. 4/3 F/A 11-14 S. 3, Prot. II S. 20). Entsprechend ging man bei praktisch 

allen Befragungen von diesem Datum aus. Daher ist die Diskrepanz zum Datum 

der Erstellung der Bilder auffällig, was auch von der Vorinstanz festgestellt wird 

(Urk. 30 E. 9.1.1. S. 25).

Diesbezüglich könnte vorgebracht werden, dass ein Irrtum im Datum nicht unge-

wöhnlich wäre, und dass Zeitangaben generell fehlerbehaftet sind, ohne dass in 

der Regel dadurch die übrigen Aussagen als unglaubhaft anzusehen wären. Aller-

dings sagte die Mutter der Privatklägerin sinngemäss aus, der telefonische Kon-

takt zum Arzt habe nach mehrmaligen Versuchen per Handy bereits am Tag des 

Vorfalls hergestellt werden können (Urk. 5/1 F/A 35 S. 5; andernfalls wäre zu er-

warten gewesen, dass die Zeugin erwähnt hätte, dass der Kontakt erst an einem 

der Folgetage zustande gekommen sei). Anlässlich der Berufungsverhandlung 

gab auch die Privatklägerin an, dass sie sofort, nachdem sie mit ihrer Mutter gere-

det habe, mit ihrem Hausarzt telefoniert habe (Prot. II S. 22). Dem Bericht von 

Dr. med. I._____ ist indes zu entnehmen, dass der Kontakt am 24. Juni stattfand 

(Urk. 6/3 S. 1). Das würde bedeuten, dass der Kontakt gerade nicht am gleichen 

Tag hätte hergestellt werden können, sondern sogar erst zwei Tage später. Selbst 

-  17  -

wenn man statt vom 22. Juni vom 23. Juni als Datum des Vorfalls ausgeht, würde 

dazwischen immer noch ein Tag liegen. Das bedeutet, dass aus den verschiede-

nen Zeitangaben schwerlich ein vernünftiger Handlungsablauf rekonstruiert wer-

den kann.

Die Vorinstanz führt dazu aus, der Beschuldigte und die Privatklägerin hätten 

übereinstimmend festgestellt, dass sie sich nur einmal in der C._____ Bar gese-

hen hätten. Ferner habe niemand dieser Personen erwähnt, dass die Privatkläge-

rin sichtbare Verletzungen im Gesicht gehabt habe. Daraus müsse geschlossen 

werden, dass sich die Privatklägerin und der Beschuldigte gesehen hätten, bevor 

es zu den Verletzungen gekommen sei. Damit stehe fest, dass das Treffen in der 

Nacht vom 21. auf den 22. Juni 2022 stattgefunden habe (Urk. 30 E. 9.1.1. S. 25). 

Angesichts des Tatvorwurfs wäre es in der Tat zu erwarten gewesen, dass zumin-

dest der Beschuldigte vorbestehende Verletzungen der Privatklägerin erwähnt 

hätte. Insofern ist mit der Vorinstanz anzunehmen, dass die dokumentierten Ver-

letzungen der Privatklägerin vor dem Zusammentreffen mit dem Beschuldigten 

noch nicht bestanden. Das bedeutet indes nicht, dass die Chronologie der Ge-

schehnisse keine Fragen aufwirft. Sollte sich der Vorfall tatsächlich am 22. Juni 

zugetragen haben, so ist die Aussage der Privatklägerin, es sei "ganz sicher" der 

23. Juni gewesen, offensichtlich falsch. Ferner ist nicht erklärbar, wie der Erstkon-

takt mit Dr. med. I._____ erst am 24. Juni stattgefunden haben soll, wenn er doch 

noch am selben Tag wie der Vorfall erfolgt sein soll. An dieser Ungereimtheit än-

dern auch die vorinstanzlichen Spekulationen über nicht notierte Anrufversuche 

bei Dr. med. I._____ nichts, wenn man davon ausgeht, dass gemäss der Zeugin 

G._____ der Kontakt am selben Tag geglückt sein soll (Urk. 5/1 F/A 35 S. 5).

Im Übrigen ist gar nicht so entscheidend, ob das Treffen des Beschuldigten mit 

der Privatklägerin am 22. oder 23. Juni stattfand. Entscheidend ist vielmehr einer-

seits, dass die Angaben der Privatklägerin unzuverlässig erscheinen, und dass 

anderseits der Umstand, dass die Privatklägerin beim Treffen mit dem Beschul-

digten noch unverletzt war, nicht bedeutet, dass er ihr diese Verletzungen zuge-

fügt hat.

-  18  -

Geht man im Übrigen davon aus, dass sowohl der Beschuldigte als auch die Pri-

vatklägerin nicht sehr glaubhaft aussagen und beide vielleicht etwas zu verheimli-

chen haben könnten, dann steht entgegen der Annahme der Vorinstanz keines-

falls fest, dass sie sich in der C._____ Bar nur einmal getroffen haben.

j) Sofern die Privatklägerin zum eigentlichen Kerngeschehen konstante Anga-

ben machte, wonach sie zweimal geschlagen worden sei, zu Boden gegangen 

und aufgestanden sei, und der Beschuldigte anschliessend gesagt habe, sie solle 

die Polizei rufen, und gegangen sei, so erfordert es keine besonderen intellektuel-

len Fähigkeiten, in diesen wenigen Punkten halbwegs widerspruchsfrei auszusa-

gen, zumal die erste Einvernahme erst etwas mehr als eine Woche nach dem 

Vorfall stattfand. Dadurch gewinnen ihre Aussagen nicht an Glaubhaftigkeit.

k) Letzteres gilt auch für den Vorwurf der Beschimpfungen beim Zentrum 

F._____. Die Behauptung, jemand habe "Schlampe" und "Drecksau" gesagt, kann 

problemlos behauptet und auch in eine real stattgefundene Begegnung eingebet-

tet werden. Die Aussagen der Privatklägerin haben somit zu wenig Gehalt, um ei-

ner Würdigung unterzogen zu werden, weshalb darauf nicht abgestellt werden 

kann.

Ausserdem gibt es Warnsignale: Die Privatklägerin behauptete zwar bei der 

Staatsanwaltschaft, anlässlich des Aufeinandertreffens vom 3. September 2022 

vom Beschuldigten nicht verfolgt worden zu sein. Im gleichen Satz aber sagte sie, 

er sei aus Wut hinter ihr her gelaufen – was sie auch anlässlich der Berufungsver-

handlung behauptete (Prot. II S. 43). Auf die Frage, wie lange er hinter ihr her ge-

laufen sei, meinte sie jedoch, sie habe nicht hingeschaut, was die Frage aufwirft, 

weshalb sie wissen wollte, dass er hinter ihr her gelaufen sei, dies umso mehr als 

sie zu wissen vorgab, er sei hinter ihr her gelaufen, um mit ihr reden zu können. 

Gleichzeitig aber sagte sie aus, er habe sie nicht richtig angesprochen, sondern 

nur beschimpft, was keinen Sinn ergeben würde, wenn er mit ihr hätte reden wol-

len (Urk. 4/2 F/A12-16 S. 3 f.).

Nicht schlüssig ist weiter, wenn die Vorinstanz erwägt, es sei als zurückhaltend zu 

werten, wenn die Privatklägerin ausführe, der Beschuldigte sei ihr aus Wut gefolgt 

-  19  -

(Urk. 30 E. 9.2.1 S. 35). Diese Darstellung ist vielmehr gerade belastend. Die Pri-

vatklägerin war bei ihrer Aussage offensichtlich darauf bedacht, den Beschuldig-

ten in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen, insbesondere indem sie 

nebst dem äusseren Sachverhalt zielgerichtet gleich eine bestimmte, negativ kon-

notierte Gefühlslage (Wut) des Beschuldigten als Begründung für dessen Verhal-

ten nachschob.

5.4. Insgesamt wirken die Aussagen der Privatklägerin über weite Strecken pau-

schal und farblos, weisen diverse Ungereimtheiten auf und sind in wichtigen 

Punkten nicht plausibel. Teilweise sind sie auch zu knapp, um einer Analyse un-

terzogen zu werden. Ein freier Bericht liegt praktisch nicht vor. Vieles wurde er-

fragt, wobei auffällt, dass gewisse Details erst auf entsprechende Vorhalte berich-

tet wurden (vgl. beispielhaft Urk. 4/1 F/A 36 S. 4). Spontane Ergänzungen und/

oder Korrekturen liegen kaum vor. Zumindest im Kerngeschehen könnten ihre 

Aussagen so deponiert worden sein, ohne wirklich Erlebtes wiederzugeben.

In die noch vorzunehmende Gesamtwürdigung sind sie daher mit grosser Zurück-

haltung einzubeziehen.

Ergänzend ist anzumerken, was folgt: Selbst wenn man den einzelnen aufgezähl-

ten Warnsignalen je für sich alleine keine grosse Bedeutung beimessen würde, so 

fällt doch spätestens in einer Gesamtschau deren Häufung auf.

6. Aussagen der Zeugin G._____

6.1. Hinsichtlich der sehr ausführlichen Wiedergabe der Aussagen der Zeugin 

G._____ kann im Wesentlichen auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden 

(Urk. 30 E. III.6. S. 21-24).

6.2. Vorab ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass die Zeugin G._____ 

keine Tatzeugin ist (Urk. 30 Erw. III.9.1.7. S. 32). An sich richtig geht die Vorin-

stanz sinngemäss davon aus, dass die Zeugin zu Umständen nach dem Vorfall 

wertvolle Informationen liefern kann, welche die Aussagen der Privatklägerin plau-

sibilisieren können. Gleichzeitig ist daran zu erinnern, dass die Zeugin die Mutter 

der Privatklägerin ist, mit ihr zusammen lebt und erst mehr als zwei Monate nach 

-  20  -

dem Geschehen befragt wurde (Urk. 5/1), was Absprachen zugunsten der Privat-

klägerin ohne Weiteres möglich oder sogar wahrscheinlich erscheinen lässt.

6.3. Völlig unplausibel ist die Darstellung der Zeugin, sie habe in den frühen Mor-

genstunden nach dem Vorfall ohne den geringsten Anlass die Wohnungstür auf-

gemacht. Ihre blosse Erklärung war, sie habe "ein komisches Gefühl" gehabt, es 

sei zu leise im Haus gewesen (Urk. 5/1 F/A 20 und 27 S. 3 f.). Einerseits ist es 

– mit der Verteidigung (Urk. 45 Rz 29 S. 15 f.) – völlig lebensfremd, dass man mit-

ten in der Nacht, wenn man kurz aufsteht, um auf die Toilette zu gehen (Urk. 5/1 

F/A 20 S. 3), einfach so die Wohnungstür öffnet. Anderseits sagte die Zeugin sel-

ber, dass sie das sonst nie tue (Urk. 5/1 F/A 27 S. 4). Dass sie es nun plötzlich 

und ohne Anlass doch getan habe, und das just dann, wenn die Privatklägerin vor 

der Tür gelegen habe, wirkt reichlich konstruiert. Schwer nachvollziehbar ist auch, 

dass die Zeugin angesichts einer im Treppenhaus bewusstlos liegenden, offenbar 

blutüberströmten Frau – notabene der eigenen Tochter – nicht augenblicklich die 

Polizei oder die Sanität alarmierte. Bei diesem Anblick hätte sie von einem medi-

zinischen Notfall ausgehen müssen. Dennoch habe sie zuerst die Tasche der Pri-

vatklägerin hineingenommen. Erst anschliessend habe sie die Privatklägerin (mut-

masslich sehr mühselig) in die Wohnung geschleppt (Urk. 5/1 F/A 23 S. 3 f.), dies 

obwohl sie damit rechnete, die Privatklägerin könnte Knochenbrüche erlitten ha-

ben (Urk. 5/1 F/A 29 S. 4). Sie habe sie auf das Bett gelegt. Erst dann will sie ge-

merkt haben, dass die Privatklägerin "voll Blut" gewesen sei (Urk. 5/1 F/A 26 

S. 4). Aber auch das veranlasste sie noch nicht, Hilfe zu holen. Sie machte viel-

mehr zuerst Fotos, und erst dann wollte sie schauen, wie schlimm die Verletzun-

gen seien. Offenbar erachtete sie die Bewusstlosigkeit nicht als schlimm genug, 

um eine Ambulanz aufzubieten. Ferner scheint sie – wie erwähnt – u.a. mit Brü-

chen gerechnet zu haben (Urk. 5/1 F/A 29 S. 4). Ein solches Verhalten wirkt, be-

sonders im Rahmen einer intakten Mutter-Tochter-Beziehung, absurd. Die nahe 

Möglichkeit einer konstruierten Aussage lässt sich nicht von der Hand weisen.

7. Ärztlicher Befund vom 30. August 2022 und Fotodokumentation

7.1. Wie erwähnt, hält der medizinische Befund von Dr. med. I._____ vom 

30. August 2022 lediglich Blutergüsse, eine Platzwunde und Schürfungen, einen 

-  21  -

angeschliffenen Schneidezahn sowie die Rötung der rechten Wange und eine an-

haltende Schwellung fest, die mit der Darstellung der Privatklägerin vereinbar sei 

(Urk. 6/3). Andere Ursachen wie beispielsweise ein Sturz (etwa infolge einer 

Kreislaufschwäche und/oder Alkoholisierung) sind damit jedoch ebenso kompati-

bel.

7.2. Mit dem vorliegenden Bildmaterial, das nicht von der Polizei, sondern von 

der Mutter der Privatklägerin erstellt wurde, lassen sich die von Letzterer geltend 

gemachten Verletzungen dokumentieren. Hinsichtlich des Zeitpunktes kann ledig-

lich halbwegs zuverlässig gesagt werden, dass sie zwischen dem eingeklagten 

Vorfall und der Anzeige bei der Polizei bzw. der Untersuchung durch 

Dr. med. I._____ entstanden sind. Ob der Zeitstempel manipuliert wurde, ist nicht 

bekannt, wobei nicht ersichtlich ist, weshalb dies hätte getan werden sollen.

8. Gesamtwürdigung

8.1. Zunächst ist festzuhalten, dass keine Aussagen neutraler Personen vorlie-

gen. Ferner bestehen bei allen Aussagen erhebliche Zweifel hinsichtlich ihrer 

Glaubhaftigkeit. Insbesondere die Aussagen der Privatklägerin deuten darauf hin, 

dass sie den Sachverhalt unvollständig schilderte. Nicht auszuschliessen wäre 

etwa, dass das Treffen mit dem Beschuldigten nicht so zufällig war, wie sie es 

schilderte, und der Abend ganz anders ablief, als es beide Beteiligten beschrie-

ben. Jedenfalls erscheint insbesondere in den Aussagen der Privatklägerin die 

Häufung unwahrscheinlicher Zufälle auffällig (der zufällige Entschluss, in eine Bar 

zu gehen, das zufällige Aufsuchen einer Kontaktbar, genau dann das zufällige 

Treffen auf einen Ex-Liebhaber und der zufällige Versuch von ihm, mit ihr wieder 

intim zu sein). Ferner ist daran zu erinnern, dass bereits die Vorinstanz beschöni-

gende Tendenzen hinsichtlich der privatklägerischen Sachverhaltsdarstellung 

feststellte, was durchaus auch z.B. ihren Alkoholkonsum tangieren könnte, was 

zwanglos einen Sturz, eine Kreislaufschwäche und/oder einen teilweisen Ge-

dächtnisverlust erklären könnte.

8.2. Die sehr konstruiert wirkenden Aussagen der Mutter der Privatklägerin kön-

nen vernünftigerweise nicht erklärt werden, ohne dass sie unter dem Einfluss der 

-  22  -

Privatklägerin selber entstanden wären, was die Qualität der Aussagen der Privat-

klägerin zusätzlich kompromittiert.

8.3. Da die Privatklägerin tatsächlich diverse Verletzungen aufwies, steht fest, 

dass sie diese nicht erfunden haben kann und darüber auch kein Irrtum bestehen 

kann. Dass sie sich diese vorsätzlich und direkt selber zugefügt hätte, kann auch 

ausgeschlossen werden (vgl. auch Urk. 6/3 S. 1). Daher ist zu fragen, weshalb sie 

diese dem Beschuldigten zu Unrecht anlasten sollte. Sollte sie z.B. von einer an-

deren Person geschlagen worden sein, wäre es naheliegender, diese zu beschul-

digen. Würde sie generell den Beschuldigten zu Unrecht belasten wollen, wäre es 

ein weiterer unwahrscheinlicher Zufall, dass sie sich Verletzungen zugezogen 

hätte, die gerade passend wären. Wären die Verletzungen während des Treffens 

mit dem Beschuldigten ohne dessen Zutun oder in einer Notwehrsituation ent-

standen, so wäre nicht nachvollziehbar, weshalb dies der Beschuldigte nicht er-

wähnen sollte. Diese Umstände würden eher für die Sachverhaltsdarstellung der 

Privatklägerin sprechen.

An dieser Stelle ist jedoch daran zu erinnern, dass ein Schuldspruch nur ergehen 

kann, wenn die eingeklagte Sachverhaltsvariante allein in der Lage ist, eine rest-

lose und annehmbare Erklärung des vorliegenden Informationsmaterials zu bieten 

(Bender / Häcker / Schwarz, a.a.O., S. 140 Rz 581). Das ist vorliegend nicht der 

Fall.

Geht man davon aus, dass eventuell beide – der Beschuldigte und die Privatklä-

gerin – das Geschehene herunterspielen wollen und das eigene Verhalten zu 

Lasten des anderen beschönigen, so ist – wie bereits erwähnt – durchaus plausi-

bel, dass die Privatklägerin stärker alkoholisiert gewesen sein könnte, als sie zu-

gibt. Unabhängig davon, ob das Treffen tatsächlich zufällig war oder nicht, so 

steht doch fest, dass es ein Treffen gab, das in einem wie auch immer gearteten 

Streit endete. Diesbezüglich liegt auf der Hand, dass beide Seiten ein Interesse 

daran haben, die eigene Rolle am Geschehen in einem möglichst guten Licht dar-

zustellen. Fest steht auch, dass man bestenfalls im Streit auseinander gegangen 

ist und dass sich die Privatklägerin alleine nach Hause begab, wobei unbekannt 

ist, was auf dem Weg passiert sein mag. Sogar die Privatklägerin selber macht 

-  23  -

hierzu kaum Angaben (Urk. 4/1 F/A 36 S. 4, Urk. 4/2 F/A 24 S. 5 und Prot. II 

S. 18 ff.). So hätte sie dann ohne Weiteres (allenfalls mehrfach) stürzen und dafür 

den Beschuldigten auf Grund des vorangehenden Streits verantwortlich machen 

können. Dann wäre es auch nachvollziehbar, wenn sie sich am Telefon gegen-

über dem Arzt zunächst noch nicht hätte festlegen wollen und sich ihm gegenüber 

daher "einfach so" nicht geäussert hätte (Urk. 4/2 F/A 82 S. 11 f.). Das würde fer-

ner erklären, wie und weshalb im Nachgang des Geschehens die Aussagen der 

Mutter der Privatklägerin konstruiert worden sein könnten. Oder die Privatklägerin 

könnte sich auf Grund eines tatsächlichen Gedächtnisverlustes nachträglich zu-

sammengereimt haben, dass der Beschuldigte der Urheber ihrer Verletzungen 

sein müsse (was allerdings die absurden Aussagen ihrer Mutter und ihr eigenes 

befremdliche Verhalten nach dem Vorfall nicht erklären würde). Letztlich bleibt im 

Dunkeln, was in jener Nacht – insbesondere auf dem Nachhauseweg der Privat-

klägerin – geschah.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Auswertung des vorliegenden Be-

weismaterials zu keinem eindeutigen Resultat darüber führt, was sich anlässlich 

des Treffens des Beschuldigten mit der Privatklägerin am 22. oder 23. Juni 2022 

und danach zugetragen hat. Festgehalten werden kann ergänzend, dass der An-

klagesachverhalt angesichts der zahlreichen aufgezeigten gewichtigen Unge-

reimtheiten innerhalb des belastenden Beweismaterials nicht besonders wahr-

scheinlich, wenn auch nicht unmöglich ist. 

8.4. Hinsichtlich des Vorwurfs der Beschimpfung vor dem Zentrum F._____ in 

D._____ kann darauf verwiesen werden, dass die Aussagen der Privatklägerin zu 

wenig Gehalt für eine Würdigung aufweisen, wobei dennoch gewisse Ungereimt-

heiten zutage treten (vgl. vorstehend E. III.5.3.k).

8.5. Die bei den Akten liegenden psychiatrischen Gutachten über den Beschul-

digten attestieren zwar, dass das ihm vorgeworfene Verhalten für ihn nicht we-

sensfremd wäre (vgl. Urk. 13/1 S. 154 und Urk. 13/2 S. 53). Dies könnte allenfalls 

zur Plausibilisierung des eingeklagten Sachverhaltes herangezogen werden. Das 

aktuelle Beweisergebnis wird dadurch jedoch nicht umgestossen, lässt sich doch 

daraus bezogen auf den konkreten Anklagevorwurf kein Schuldnachweis ableiten.

-  24  -

8.6. Der Beschuldigte ist auf Grund all dieser Erwägungen in Anwendung des 

Grundsatzes "in dubio pro reo" vollumfänglich freizusprechen.

IV. Zivilansprüche

1. Gemäss Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO wird über die Zivilklage bei einem Frei-

spruch dann entschieden, wenn der Fall spruchreif ist. Ist der Fall nicht spruchreif, 

so wird die Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO). 

Spruchreif ist der Sachverhalt, wenn auf Grund der im bisherigen Verfahren ge-

sammelten Beweise ohne Weiterungen über den Zivilanspruch entschieden wer-

den kann, er mithin ausgewiesen ist (BGE 146 IV 211 E. 3.1).

2. Bei einem Freispruch aus rechtlichen Gründen, d.h. bei Nichterfüllung eines 

Tatbestandsmerkmals, fehlen in der Regel die Voraussetzungen für eine Zivil-

klage durch Adhäsion an das Strafverfahren und die Zivilklage ist abzuweisen 

(BGE 148 IV 432 E. 3.1.1). Wenn jedoch der Sachverhalt – wie in diesem Fall – 

ungeklärt geblieben ist, so ist (von wenigen Ausnahmen abgesehen) auch der zi-

vilrechtlich bedeutsame Sachverhalt illiquid (Zürcher Kommentar StPO - Lieber, 

Art. 126 StPO N 7), weshalb die Ansprüche nicht abzuweisen, sondern auf den 

Zivilweg zu verweisen sind.

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.1. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so werden ihr die Verfahrens-

kosten nur dann auferlegt, wenn sie die Einleitung der Untersuchung durch ein 

verwerfliches oder leichtfertiges Benehmen verursacht oder ihre Durchführung er-

schwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Ansonsten werden die Kosten vom Kanton 

getragen (Art. 423 Abs. 1 StPO).

Vorliegend wurde der Beschuldigte von sämtlichen Vorwürfen freigesprochen. Es 

ist nicht ersichtlich, dass er die Untersuchung durch verwerfliches oder leichtferti-

ges Benehmen verursacht oder ihre Durchführung erschwert hätte.

-  25  -

1.2. Hinsichtlich der Höhe der Kosten (inkl. Entschädigung der amtlichen Vertei-

digung) ist das vorinstanzliche Urteil nicht zu beanstanden. Diesbezüglich wurde 

auch nichts Abweichendes geltend gemacht.

1.3. Damit ist die vorinstanzliche Kostenfestsetzung zu bestätigen. Die Kosten 

sind indes auf die Gerichtskasse zu nehmen.

2.1. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausgangsgemäss ausser Ansatz. 

Die weiteren Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen 

Verteidigung, sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.

2.2. Die amtliche Verteidigung macht für ihre Bemühungen und Barauslagen im 

Berufungsverfahren insgesamt Fr. 7'918.35 (inkl. 7,7 bzw. 8,1% MwSt.; vgl. 

Urk. 44/1-2) geltend. Unter Berücksichtigung der tatsächlich angefallenen Auf-

wendungen im Zusammenhang mit der Berufungsverhandlung (inkl. Weg zum 

Verhandlungsort und Nachbesprechung mit dem Klienten) erscheint es mithin an-

gemessen, den amtlichen Verteidiger mit insgesamt Fr. 8'100.– (inkl. 7,7 bzw. 

8,1% MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

3.1. Der Beschuldigte verlangt für zu Unrecht erlittene Haft (zwei Tage) eine Ge-

nugtuung von Fr. 400.– nebst 5% Zins (Urk. 31 S. 2, Urk. 45 S. 2).

3.2. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat die beschuldigte Person bei vollstän-

digem Freispruch Anspruch auf eine Genugtuung für besonders schwere Verlet-

zungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug. Die 

Festlegung der Genugtuungssumme beruht auf richterlichem Ermessen. Das 

Bundesrecht setzt keinen bestimmten Mindestbetrag fest. Das Bundesgericht er-

achtet bei kürzeren Freiheitsentzügen einen Grundbetrag von Fr. 200.– pro Haft-

tag als angemessene Genugtuung, sofern nicht aussergewöhnliche Umstände 

vorliegen, die eine höhere oder eine geringere Entschädigung rechtfertigen 

(BGE 146 IV 231 E. 2.3.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_1094/2022 vom 8. Au-

gust 2023 E. 2.2.2 und 6B_1160/2022 vom 1. Mai 2023 E. 2.1.2). Vorliegend sind 

solche aussergewöhnlichen Umstände nicht ersichtlich und werden auch nicht 

geltend gemacht. Ausserdem liegt ein kurzer Freiheitsentzug vor. Somit ist dem 

-  26  -

Beschuldigten antragsgemäss eine Genugtuung von Fr. 400.– für zu Unrecht erlit-

tene Haft von zwei Tagen zuzusprechen.

3.3. Der Beschuldigte verlangt 5% Zins auf der Genugtuung für erlittene Haft. 

Der Zins bildet Teil der Genugtuung. Wie Schadenersatzansprüche sind auch Ge-

nugtuungen nach der Rechtsprechung ab dem Tag des schädigenden Ereignis-

ses zu verzinsen. Wie der Schadenszins bezweckt der Zins auf die Genugtuung 

ab dem Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses den Gläubiger so zu stellen, als 

wäre ihm der Geldbetrag bereits im Zeitpunkt der Persönlichkeitsverletzung bzw. 

der Entstehung der seelischen Unbill zugeflossen. Der Zins bildet Teil der Genug-

tuung, denn diese soll der geschädigten Person unabhängig von der Länge des 

Verfahrens bis zur endgültigen Festlegung der Genugtuungssumme bzw. bis zur 

Zahlung in vollem Betrag zur Verfügung stehen; der Zins soll die vorenthaltene 

Nutzung des Kapitals für die Zeit zwischen dem schädigenden Ereignis bzw. des-

sen Auswirkung auf die Persönlichkeit des Opfers und der Zahlung ausgleichen. 

Der Zinssatz beträgt gemäss Art. 73 OR 5% (Urteile des Bundesgerichts 

6B_601/2021 vom 16. August 2022 E. 3, 6B_632/2017 vom 22. Februar 2018 

E. 2.3 und 6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017 E. 2.2 mit Hinweisen). Der Antrag 

auf Verzinsung des Genugtuungsbetrages zu 5% ab 2. September 2022 ist damit 

gutzuheissen.

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ wird vollumfänglich freigesprochen.

2. Die Zivilklage der Privatklägerin B._____ wird auf den Weg des Zivilprozes-

ses verwiesen.

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3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kos-

ten betragen:

Fr. 8'100.–   amtliche Verteidigung

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens sowie die Kosten der Untersuchung 

und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, einschliesslich derjenigen der 

amtlichen Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genommen.

5. Dem Beschuldigten werden Fr. 400.– (zuzüglich 5% Zins seit 2. September 

2022) als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen.

6. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 
 die Privatklägerin B._____ (übergeben)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
 die Privatklägerin B._____

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 das Migrationsamt des Kantons Zürich
 die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 

Abs. 1 PolG)
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 

des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils

 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten ge-
mäss Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 42.

7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-
chen erhoben werden.

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Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 20. März 2024

Die Präsidentin:

Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw Lazareva