# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f9b55269-8608-54b4-ab7f-4cebf273df1e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 E-2405/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2405-2011_2011-10-04.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­2405/2011

U r t e i l   v om   4 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz),
Richter Bruno Huber, Richter Walter Stöckli,
Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer.

Parteien A._______,
dessen Ehefrau
B._______,
und deren gemeinsame Kinder
C._______,
D._______,
Bosnien und Herzegowina,
alle vertreten durch Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt,
(…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 
vom 24. März 2011 / N (…).

E­2405/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Die Beschwerdeführenden, ethnische Bosniaken, suchten am 3. Juli 2005 
erstmals  in  der  Schweiz  um  Asyl  nach.  Dabei  machten  sie  im 
Wesentlichen  geltend,  sie  seien  insofern  vom  Bürgerkrieg  betroffen 
gewesen,  als  sie  aus  ihrer  Heimat  (E._______  [serbische  Republik]) 
vertrieben  worden  seien.  Alle  männlichen  Verwandten  des 
Beschwerdeführers, mit Ausnahme seines Vaters, welcher am 20. Januar 
2002 verstorben sei, seien im Krieg ums Leben gekommen. Letzterem sei 
vorgeworfen  worden,  ein  Kriegsverbrecher  zu  sein.  Die 
Beschwerdeführenden  hätten  seit  1993  im  Haus  eines  Serben  in 
F._______  (Föderationsgebiet)  gelebt;  im  November  2003  seien  sie 
aufgrund  von  Feindseligkeiten  nach  G._______  ausgereist  und  nach 
abgewiesenem  Asylgesuch  am  23.  Juni  2005  in  ihr  Heimatland 
zurückgekehrt.  Dort  hätten  sie  in  einem  Flüchtlingsheim  in  F._______ 
Aufnahme gefunden, das Land jedoch am 30. Juni 2005 wieder verlassen 
müssen, nachdem ein Nachbar dem Beschwerdeführer davon abgeraten 
habe,  nach  E._______  zurückzukehren  beziehungsweise  an  einer 
Gedenkfeier  in  Srebrenica  teilzunehmen,  weil  die  Serben  nach  ihm 
fahnden würden. Mit Verfügung  vom 23. Februar  2006  lehnte das BFM 
die Asylgesuche ab, da die Asylvorbringen  in wesentlichen Punkten der 
allgemeinen  Erfahrung  oder  Logik  des  Handels  widersprächen  und 
widersprüchlich  sowie wirklichkeitsfremd ausgefallen  seien,  und  ordnete 
die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz sowie den 
Vollzug an. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 20. März 2006 wies 
die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission  (ARK) mit 
Urteil  vom  4.  Mai  2006  ab.  Ende  des  Jahres  2006  kehrten  die 
Beschwerdeführenden  mit  Hilfe  des  Rückkehrprogramms  des  BFM  in 
ihren Heimatstaat zurück.

Für den Inhalt des ersten Asylverfahrens wird weitergehend auf die Akten 
verwiesen.

B. 
B.a. Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin mit ihren 
beiden  Kindern  ihren  Heimatstaat  am  24.  Januar  2010  erneut  und 
gelangte  über  Kroatien  am  25.  Januar  2010  in  die  Schweiz,  wo  sie 
gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) H._______ für 
sich  und  ihre  minderjährigen  Kinder  ein  zweites  Asylgesuch  einreichte. 
Am 1. Februar 2010 fand im EVZ H._______ die Kurzbefragung zu ihrer 

E­2405/2011

Seite 3

Person  statt,  gleichentags  erfolgte  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen 
durch das BFM. 

Zur  Begründung  ihres  Asylgesuchs  machte  die  Beschwerdeführerin  im 
Wesentlichen geltend, sie und ihr Ehemann seien nach ihrer Rückkehr in 
Bosnien  und Herzegowina wegen  der  Probleme  ihres  Schwiegervaters, 
welcher  von  Serben  der  Kriegsverbrechen  verdächtigt  worden  sei,  von 
Unbekannten  wiederholt  beschuldigt  und  die  Familie  sei  mit  dem  Tod 
bedroht  worden.  Im  Jahr  2007  sei  ihr  Ehemann  wegen  ihres 
Schwiegervaters  fast  zu  Tode  geschlagen  worden.  Aufgrund  dieses 
Vorfalls  habe  er  eine  Nervenkrise  durchgemacht,  sie  und  die  Kinder 
geschlagen  und  dann  sei  er  verschwunden. Seither  hätten  sie  und  ihre 
Schwiegereltern  ihn  weder  gesehen  noch  Neuigkeiten  von  ihm 
vernommen. Aus Angst vor diesen Unbekannten habe sie  in F._______ 
immer wieder umziehen müssen und sei wiederholt  telefonisch mit dem 
Tod bedroht worden. Aus Furcht und mangels finanzieller Mittel habe sie 
nicht  in  eine  andere  Region  Bosniens  umziehen  und  dort  arbeiten 
können. Vor diesem Hintergrund und weil ihr Sohn an einer (…) leide, für 
deren  Behandlung  sie  die  Kosten  nicht  aufbringen  könne,  habe  sie 
zusammen mit ihren Kindern ihr Heimatland verlassen.

B.b. Am 11. April 2010 verliess auch der Beschwerdeführer erneut seinen 
Heimatstaat  und  gelangte  durch  ihm  unbekannte  Länder  im  Laderaum 
eines LKW am 13. April 2010 in die Schweiz, wo er gleichentags im EVZ 
I._______ ein zweites Asylgesuch einreichte. Seine Kurzbefragung  fand 
am  23.  April  2010  und  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  am  29.  April 
2010 statt.

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  legte  er  dar,  er  werde  seit  seiner 
Rückkehr  nach  Bosnien  und  Herzegowina  im  Jahr  2006  wegen  der 
Probleme  seines  Vaters  von  Mitgliedern  der  Ravnogorski  Pokret 
(westserbische  Widerstandsbewegung,  die  für  eine  neue  sozialistische 
Ordnung  im  Nachkriegs­Jugoslawien  eintrat;  Anmerkung 
Bundesverwaltungsgericht), sogenannte Tschetniks, bedroht, weshalb er 
bei  der  Polizei  mehrfach  vergebens  Anzeige  erstattet  habe.  Die  letzte 
dieser  20  oder  30 Drohungen  sei  im  Januar  2008 per SMS erfolgt.  Am 
Tag  darauf  sei  er  in  F._______  von  Unbekannten  angegriffen  und 
spitalreif  geschlagen  worden.  Da  dieser  Vorfall  von  einigen  Leuten 
beobachtet worden sei, hätten die Angreifer von ihm abgelassen und die 
Flucht  ergriffen.  Er  sei  ins  Spital  von  J._______  gebracht  worden,  wo 
man eine  (…) sowie eine  (…) diagnostiziert  habe. Auch seien  ihm  (…). 

http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus

E­2405/2011

Seite 4

Zwar sei die Polizei zu ihm gekommen und habe den Vorfall protokolliert, 
jedoch  nichts  Weiteres  unternommen.  Gemäss  Angaben  der  Polizei 
würde  es  sich  bei  seinen  Verfolgern  um  Mitglieder  der  Tschetniks 
handeln. Um der Sicherheit seiner Familie willen habe er sich schliesslich 
in  Absprache  mit  seiner  Frau  im  April/Mai  2008  von  seiner  Familie 
getrennt.  Er  habe  Kontakt  mit  einem  Freund  seines  Vaters 
aufgenommen, um sich nach dem Wohl seiner Familie zu erkundigen. Bis 
im Mai 2009 habe er mit einem Arbeitsvisum in K._______ gearbeitet. Da 
er  nach  seiner  Rückkehr  in  F._______  seine  Familie  nicht  mehr 
vorgefunden habe, habe er bis zu seiner Ausreise im April 2010 in einem 
Hotel in L._______ gelebt. 

Für  den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  wird  auf  die  Protokolle  bei  den 
Akten verwiesen. 

Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden ihre Identitätskarten, 
eine  Heirats­  und  Geburtsanzeige,  ein  Arztzeugnis  des 
Beschwerdeführers,  zwei  Todesbescheinigungen  (Eltern  des 
Beschwerdeführers)  sowie  eine  Mitgliederbestätigung  des  Vaters  des 
Beschwerdeführers bei der bosnischen Befreiungsarmee zu den Akten.

C. 
C.a. Mit  Fax­Eingabe  vom  25.  Mai  2010  liess  die  Beschwerdeführerin 
eine  Bestätigung  des  Gemeindegerichts  F._______  vom  7.  Mai  2010 
sowie  eine  Bestätigung  der  Universitätsklinik  J._______  vom  21.  Mai 
2010 ins Recht legen. 

C.b.  Einer  durch  das  BFM  veranlassten  amtsinternen 
Dokumentenanalyse  vom  8.  Februar  2010  zufolge  weise  die 
Gerichtsbestätigung  "ein  hohes  Mass  an  Gefälligkeit  auf  respektive 
könnte  zum  Zweck  der  Glaubhaftmachung  der  Vorbringen  gekauft 
worden sein."

D. 
Mit  Schreiben  vom  1.  Juni  2010  forderte  das  Bundesamt  die 
Beschwerdeführerin  auf,  im  Rahmen  ihrer  Mitwirkungspflicht  einen 
ärztlichen Bericht einzureichen. Dieser Aufforderung kam sie mit Eingabe 
vom 23. Juni 2010 nach. 

E. 
Mit Verfügung vom 24. März 2011 – eröffnet am 26. März 2011 – stellte 
die  Vorinstanz  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die 

E­2405/2011

Seite 5

Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig 
verfügte  es  die Wegweisung  aus  der Schweiz  und  ordnete  den Vollzug 
an.

Bezüglich  der  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

F. 
Mit  Schreiben  vom  6.  April  2011  zeigte  die  Rechtsvertreterin  ihre 
Mandatierung an.

G. 
Am  26.  April  2011  –  Datum  Poststempel  –  liessen  die 
Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde erheben 
und  beantragen,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  vollumfänglich 
aufzuheben,  die  Sache  sei  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen und diese sei anzuweisen, bei der Schweizer Vertretung 
in  Sarajewo  eine  Botschaftsabklärung  bezüglich  der  Familie  des 
Beschwerdeführers  und  der  gewalttätigen  Vorkommnisse  durch  die 
Tschetniks  in  Auftrag  zu  geben.  Eventualiter  sei  die 
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden festzustellen und ihnen 
sei Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug 
der  Wegweisung  unzulässig  oder  zumindest  unzumutbar  sei  und  sie 
seien  in  der  Folge  vorläufig  aufzunehmen.  In  verfahrensrechtlicher 
Hinsicht  liessen sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um 
Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ersuchen.  Mit  der 
Eingabe  liessen  sie  eine  Bestätigung  von  Dr. med.  B.,  Praxis  für 
Psychiatrie  und  Psychotherapie,  vom  14.  April  2011  den 
Beschwerdeführer  betreffend  sowie  einen  Bericht  der  Schweizerischen 
Flüchtlingshilfe  (SFH:  "Bosnien­Herzegowina:  Behandlung  von  PTBS; 
Gutachten  der  SFH­Länderanalyse"  vom  11.  Juni  2009)  zu  den  Akten 
reichen, 

H. 
Mit Instruktionsverfügung vom 2. Mai 2011 stellte die Instruktionsrichterin 
des Bundesverwaltungsgerichts  fest,  die Beschwerdeführenden  könnten 
den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  verwies  den 
Entscheid  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt, 

E­2405/2011

Seite 6

wies  das Gesuch  um  unentgeltliche Rechtsverbeiständung  gemäss  Art. 
65  Abs.  2  VwVG  ab  und  verzichtete  antragsgemäss  auf  die  Erhebung 
eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  forderte  sie  die  Vorinstanz  zur 
Stellungnahme auf.

I. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  10.  Mai  2011  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung der Beschwerde. Am 17. Mai 2011 wurde die Stellungnahme 
den Beschwerdeführenden zur Kenntnis gegeben.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Eine solche Ausnahme  im Sinne  von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  ist 
vorliegend  nicht  gegeben,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht 
endgültig entscheidet.

1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

E­2405/2011

Seite 7

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  Die  Vorinstanz  führte  in  der  angefochtenen  Verfügung  aus,  die 
letztmals am 3 Mai 2005 eingereichten Asylgesuche seien aufgrund der 
Unglaubhaftigkeit  der  Aussagen  abgelehnt  worden.  Auch  die  neuen 
Vorbringen der Beschwerdeführerin, welche  im Zusammenhang mit den 
bereits  im  ersten  Asylgesuch  erwähnten  stehen  würden,  seien 
unsubstanziiert  und  oberflächlich.  Die  Beschwerdeführerin  sei  weder  in 
der  Lage,  genaue  Daten  betreffend  ihre  Probleme  zu  nennen,  noch 
genauere Angaben zu ihren verschiedenen Aufenthaltsorten zu machen, 
wo sie sich nach der Rückkehr aufgehalten habe. Substanzlos seien auch 
die Ausführungen zu den Drohungen und ausweichend die Antworten  in 
Bezug  auf  die  unternommenen  Schritte  bei  der  Polizei.  Der 
Beschwerdeführer  stelle  seine  Probleme  in  einen  Zusammenhang  mit 
den  im ersten Asylverfahren geltend gemachten. Seit 2007 sei er 20 bis 
30  Mal  telefonisch  von  Tschetniks  bedroht  und  schliesslich  im  Januar 
2008  tätlich  angegriffen  worden.  Auch  die  neuen  Vorbringen  seien 

E­2405/2011

Seite 8

bezüglich die Tschetniks unsubstanziiert und vage ausgefallen. Er habe 
zu  Protokoll  gegeben,  erst  von  der  Polizei  erfahren  zu  haben,  dass  es 
sich  bei  seinen  Verfolgern  um  Tschetniks  handeln  würde,  habe  jedoch 
nicht  darlegen  können,  woher  die  Polizei  dies  gewusst  habe.  Auch 
betreffend Anzahl seiner Anzeigen habe er keine Antwort geben können. 
Des  Weiteren  habe  er  weder  seine  Verfolger  beschreiben  noch 
weitergehende Angaben zu diesen machen können, er habe sich in vage 
Aussagen geflüchtet, indem er behauptet habe, alle Bosnier seien gleich 
beziehungsweise man könne sie im Internet anschauen (vgl. Akten BFM 
C10/13 S. 6 f.). 

Ferner  seien  die  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  in  wesentlichen 
Punkten  widersprüchlich  ausgefallen.  So  habe  der  Beschwerdeführer 
ausgeführt,  nach  Absprache  mit  seiner  Frau  aus  dem  Familienhaus 
geflüchtet  zu  sein,  wogegen  die  Beschwerdeführerin  das  Gegenteil  zu 
Protokoll gegeben habe (vgl. C10/13 S. 6, B7/10 S. 5).

Schliesslich seien die ins Recht gelegten Dokumente nicht geeignet, ihre 
Vorbringen  zu  belegen.  So  handle  es  sich  bei  der  Bestätigung  der 
Universitätsklinik  J._______  um  ein  medizinisches  Zeugnis  ohne 
Beweiswert,  und  auch  die  zu  den  Akten  gereichte  Bestätigung  des 
Gemeindegerichts F._______ sei aufgrund deren Inhalts und der obigen 
Erwägungen als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren. 

4.2. 
4.2.1. Die Beschwerdeführenden  rügen  in  ihrer Eingabe, das BFM habe 
seine  Begründungspflicht  verletzt,  indem  es  viel  zu  wenig  auf  den 
Sachverhalt  eingegangen  sei  sowie  die  eingereichten  Beweismittel  in 
ihrem  Entscheid  nicht  berücksichtigt  habe.  Zudem  habe  es  den 
Sachverhalt nicht genügend abgeklärt.

Die  für  das  Verwaltungsverfahren  in  Art.  35  Abs.  1  VwVG  statuierte 
Begründungspflicht ist Ausfluss des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs 
(Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999, [BV, SR 101]). Die Behörden sind 
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung verpflichtet, die Vorbringen 
des Betroffenen  tatsächlich zu hören  (vgl. Art. 30 VwVG), sorgfältig und 
ernsthaft  zu  prüfen  (vgl.  Art.  32  Abs.  1  VwVG)  und  in  der 
Entscheidfindung  zu  berücksichtigen.  Sie  gewährleistet  den 
Verfügungsadressaten  die Möglichkeit,  wirksam  Beschwerde  zu  führen, 
und  verhindert,  dass  sich  die  Behörden  von  unsachgemässen  Motiven 

E­2405/2011

Seite 9

leiten lassen (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar zum VwVG, Auer/ 
Müller/Schindler [Hrsg.], Zürich 2008, N. 4 zu Art. 35 Abs. 1 VwVG). Der 
Untersuchungsgrundsatz  gehört  sodann  zu  den  allgemeinen 
Grundsätzen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 
Demnach  hat  die  Behörde  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und 
vollständige  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  zu  sorgen. 
Sie  muss  die  für  das  Verfahren  notwendigen  Sachverhaltsunterlagen 
beschaffen  und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  sowie 
ordnungsgemäss  darüber  Beweis  führen.  Dieser  Grundsatz  gilt  indes 
nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des 
Asylsuchenden  (vgl.  Art.  13  VwVG  und  Art.  8  AsylG).  Trotz 
Untersuchungsgrundsatz  kann  sich  nämlich  die  entscheidende Behörde 
in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen des Gesuchstellers zu 
würdigen  und  die  von  ihm  angebotenen  Beweise  abzunehmen,  ohne 
weitere  Abklärungen  vornehmen  zu  müssen.  Eine  ergänzende 
Untersuchung  kann  sich  jedoch  aufdrängen,  wenn  auf  Grund  dieser 
Vorbringen  und  Beweismittel  berechtigte  Zweifel  oder  Unsicherheiten 
bestehen,  die  voraussichtlich  nur  mit  Ermittlungen  von  Amtes  wegen 
beseitigt werden können (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 13 E. 4c S. 83 f., mit weiteren 
Hinweisen).

Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  zum  Schluss,  dass  die 
vorinstanzliche Begründung zwar nicht besonders ausführlich ausgefallen 
ist,  eine  Verletzung  der  Begründungspflicht  darin  jedoch  nicht  zu 
erblicken  ist.  So  hat  die  Vorinstanz  in  ihrer  Verfügung  die  Gründe 
aufgeführt,  welche  sie  zum  Schluss  der  fehlenden  Glaubhaftigkeit  der 
Vorbringen kommen liessen (vgl. angefochtene Verfügung S. 3 f.). Zudem 
hat sie sich auch mit den eingereichten Beweismitteln – wenn auch nur 
kurz  –  auseinandergesetzt.  Den  Beschwerdeführenden  war  es  darüber 
hinaus  auch  möglich,  ausführlich  zu  den  vorinstanzlichen  Erwägungen 
Stellung zu nehmen und diese gezielt anzufechten, mithin ihre Partei­ und 
Verfahrensrechte  wahrzunehmen.  Das  BFM  sah  sich  zu  Recht  nicht 
veranlasst,  weitere  Abklärungen  vorzunehmen.  Nach  dem  Gesagten 
besteht keine Veranlassung, die vorinstanzliche Verfügung vom 24. März 
2011 aus formellen Gründen aufzuheben und das BFM anzuweisen, eine 
Botschaftsabklärung durchzuführen. 

4.3.  Es  bleibt  im  Folgenden  zu  prüfen,  ob  die  vorgetragenen 
Fluchtumstände,  die  zum  erneuten  Entschluss  ihrer  Ausreise  aus  dem 

E­2405/2011

Seite 10

Heimatstaat  geführt  haben  sollen,  gesamthaft  als  glaubhaft  gemacht  zu 
erachten sind.

4.3.1. Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, 
in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen 
Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich 
sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen 
oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die 
asylsuchende  Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was 
insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf 
gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt  (vgl.  Art.  7  Abs.  3 
AsylG),  aber  auch  dann, wenn  sie wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder 
bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen 
auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am 
Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung 
bedeutet  ferner  –  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes 
Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 
an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits 
als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von  ihrer Wahrheit nicht völlig 
überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für  wahr  hält,  obwohl  nicht  alle 
Zweifel  beseitigt  sind.  Für  die  Glaubhaftmachung  reicht  es 
demgegenüber  nicht  aus, wenn  der  Inhalt  der Vorbringen  zwar möglich 
ist,  aber  in  Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und 
überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen.  Entscheidend  ist  im  Sinne  einer 
Gesamtwürdigung,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht;  dabei  ist  auf 
eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  die  weiterhin  gültige 
Rechtsprechung  der  ARK  in  EMARK  2005  Nr.  21  E.  6.1  S.  190  f.,  mit 
weiteren Hinweisen).

4.3.2. Vorab ist festzuhalten, dass die von den Beschwerdeführenden im 
zweiten  Asylverfahren  vorgebrachten  Gründe  für  das  Verlassen  ihres 
Heimatstaates  auf  denselben  Problemen  basieren  sollen,  welche  sie 
bereits  anlässlich  ihrer  ersten  Asylgesuche  vom  3.  Mai  2005  angeführt 
haben. Mit rechtskräftigem Urteil vom 4. Mai 2006 hat die ehemalige ARK 
die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden  aufgrund  der 
Unglaubhaftigkeit  ihrer Vorbringen verneint und die Gewährung von Asyl 
entsprechend  verweigert.  Infolge  der  materiellen  Rechtskraft  des 
genannten  Urteils  können  diese  Vorbringen  grundsätzlich  nicht 
Gegenstand  einer  erneuten  Beurteilung  im  Rahmen  des  vorliegenden 

E­2405/2011

Seite 11

Verfahrens  bilden  (res  iudicata;  FRITZ  GYGI, 
Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern  1983,  S.  322  f.;  ALFRED 
KÖLZ/  ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und 
Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  2.  Aufl.,  Zürich  1998,  Rz. 715), 
weshalb  vorab  vollumfänglich  auf  die  entsprechenden  Erwägungen  des 
BFM  und  auf  die  zutreffenden Ausführungen  im Urteil  der  ARK  vom  4. 
Mai 2006 verwiesen werden kann.

Was die geltend gemachten Verfolgungsgründe nach der Rückkehr nach 
Bosnien  und  Herzegowina  anbelangt,  ist  der  Vorinstanz  beizupflichten, 
dass  diese  oberflächlich,  vage,  widersprüchlich  und  damit  unglaubhaft 
ausgefallen sind. Die Entgegnungen in der Beschwerde vermögen daran 
nichts  zu ändern. So  fielen die Antworten der Beschwerdeführerin auch 
auf Nachfragen hin fast durchwegs kurz und wenig differenziert aus. Von 
einer  asylsuchenden  Person  kann  aber  erwartet  werden,  dass  sie 
imstande  ist,  ihre  konkret  erlebten  Verfolgungsgründe  in  zeitlich 
kohärenter  und  substanziierter  Weise  darzulegen.  Diesem  Anspruch 
genügen die Vorbringen der Beschwerdeführenden jedenfalls nicht. Auch 
wenn  es  beispielsweise  in  F._______  keine  Strassennamen  und 
Adressen geben sollte, wie die Beschwerdeführerin behauptet,  ist wenig 
nachvollziehbar, dass sie zwar die genaue Anzahl der Häuser,  in denen 
sie gewohnt habe, angeben konnte (nämlich 15), darüber hinaus  jedoch 
vage blieb und lediglich anführte, bei Freunden und der Familie gewohnt 
zu  haben,  diese  jedoch  nicht  einzeln  benannte.  In  diesem 
Zusammenhang  fällt  zudem auf, dass der Beschwerdeführer  seinerseits 
das Quartier F._______ als letzte offizielle Anschrift angab und nach dem 
Ort  des  Überfalls  (im  Januar  2008)  gefragt,  zu  Protokoll  gab,  er  wisse 
nicht,  wie  die  Strasse  heisse  (vgl.  C1/14  S.  2  und  8),  was  darauf 
hindeutet,  dass  entgegen  der  Angabe  der  Beschwerdeführerin 
Strassennamen oder mindestens Quartiere existieren. 

Sodann fielen auch die Aussagen zu den angeblichen Drohungen wenig 
substanziiert  und  untereinander  nicht  stimmig  aus,  gab  die 
Beschwerdeführerin  auf  entsprechende  Frage  doch  zuerst  an,  sie  sei 
telefonisch und über Familienmitglieder von Serben bedroht worden, ein 
unbekannter  Serbe  habe  die Drohung  an  ihre  Familie  gerichtet,  welche 
diese  an  sie  weitergeleitet  habe,  anfangs  2007  sei  sie  zum  ersten Mal 
telefonisch  bedroht  worden.  Kurz  darauf  aber  machte  sie  geltend,  das 
letzte  Mal  sei  sie  15  Tage  später  persönlich  in  einem  Laden  bedroht 
worden (vgl. B7/10 S. 4 f.). Des Weiteren gab sie zu Protokoll,  ihr Mann 
sei im Jahre 2007 fast zu Tode geschlagen worden (vgl. B7/10 S. 3). Der 

E­2405/2011

Seite 12

Beschwerdeführer seinerseits gab demgegenüber zu Protokoll, die erste 
Drohung habe er im Frühling 2007 erhalten, danach sei er 20 bis 30 Mal 
telefonisch  bedroht worden,  das  letzte Mal,  im  Januar  2008,  sei  er  von 
Tschetniks  angegriffen  worden,  wobei  er  eine  Gehirnerschütterung 
erlitten  habe  und  sich  für  zehn  Tage  im  Spital  habe  behandeln  lassen 
müssen.  Von  Drohungen  von  Serben,  die  er  durch  Familienmitglieder 
erhalten habe, sprach er indes nicht, und auch die Bedrohung seiner Frau 
im Geschäft erwähnte er nicht. Was die Personen anbelangt, welche die 
Drohungen  ausgesprochen  hätten,  äusserte  er  sich  sodann  insofern 
widersprüchlich,  als  er  zuerst  ausführte,  die  Leute  hätten  sich  als 
Zugehörige  der  Ravnogorski  Pokret  vorgestellt,  als  sie  ihn  überfielen 
respektive als sie ihn bedrohten (vgl. C10/13 F55 f.), kurz darauf aber im 
Widerspruch dazu angab, die Polizei habe ihm gesagt, diese Leute seien 
von der Organisation (vgl. C10/13 F60). Die mit Fax­Eingabe vom 25. Mai 
2010  zu  den  Akten  gereichte  Bestätigung  des  Gemeindegerichts 
F._______,  welches  seine  Aussagen  betreffend  seine  zahlreichen 
Meldungen  bekräftigen  sollte,  entspricht  sodann  nicht  der 
Charakterisierung  polizeilicher  Anzeigen.  Die  geltend  gemachten 
Übergriffe müss(t)en – wenn überhaupt – grundsätzlich der zuständigen 
lokalen  Polizei  gemeldet  werden,  welche  dann  zumindest  bestätigt,  ob 
eine Meldung erfolgt ist. Ein Gericht hingegen "bestätigt" keinesfalls, dass 
die  "Polizei(verwaltung)  weder  zuständig  noch  in  der  Lage  ist",  die 
Beschwerdeführenden  zu  schützen,  zumal  es  gegebenenfalls  erst  nach 
erfolgten  polizeilichen  Ermittlungen  tätig  werden  kann.  Das  BFM 
erachtete  dieses  Dokument  somit  zu  Recht  als  Gefälligkeitsschreiben, 
durch  welches  die  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  nicht  glaubhaft 
werden.  Dasselbe  ist  auch  in  Bezug  auf  die  Bestätigung  des 
Universitätsspitals  J._______  vom  21.  Mai  2010  festzuhalten.  Daraus 
geht  einzig  hervor,  dass  der  Patient  vom  11.  Januar  2008  bis  am  18. 
Januar 2008 mit schweren Körperverletzungen hospitalisiert gewesen sei, 
was  im  Übrigen  nicht  mit  der  Aussage  des  Beschwerdeführers 
übereinstimmt,  wonach  er  zehn  Tage  in  Spitalpflege  gewesen  sei.  Der 
Grund  der  Hospitalisierung  ist  daraus  indes  nicht  ersichtlich.  Es  gelingt 
mit  diesem  Dokument  mithin  nicht,  eine  asylrelevante  Verfolgung 
darzutun.  Insgesamt  ist  festzuhalten,  dass  aufgrund  der  vorliegenden 
Akten der Eindruck entsteht,  die Beschwerdeführenden hätten bei  ihren 
Schilderungen  nicht  auf  Erinnerungen  an  tatsächliche  Begebenheiten 
zurückgreifen können. Somit gelingt es den Beschwerdeführenden nicht, 
die  Erwägungen  der  Vorinstanz,  auf  die  hier  im  Übrigen  verwiesen 
werden kann, zu entkräften. 

E­2405/2011

Seite 13

4.4. Nach  Durchsicht  sämtlicher  Akten  und  aufgrund  der  vorstehenden 
Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der 
Beschwerde  einzugehen.  In  Übereinstimmung  mit  dem  BFM  ist 
festzustellen,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  den 
Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht 
standhalten.  Das  Bundesamt  hat  die  Asylgesuche  demnach  zu  Recht 
abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9).

E­2405/2011

Seite 14

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der 
vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen 
(vgl. WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem­
ber  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder 
erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 
Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutz  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand 
der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder 
Behandlung unterworfen werden. 

Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf 
hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt, 
welche  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  den 
Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 

E­2405/2011

Seite 15

AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im 
vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der 
Beschwerdeführerenden  nach  Bosnien  und  Herzegowina  ist  demnach 
unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich 
weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerenden  noch  aus  den 
Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in ihr 
Heimatland  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3 
EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt 
wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müssten  die  Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124­127,  mit  weiteren 
Hinweisen). Aufgrund der Akten sowie der vorstehenden Erwägungen im 
Asylpunkt ist indessen nicht davon auszugehen, dass ihnen im Falle einer 
Rückschiebung  in  ihr  Heimatland  eine  derartige  Gefahr  droht.  Die 
allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Bosnien  und  Herzegowina  lässt 
den  Wegweisungsvollzug  im  heutigen  Zeitpunkt  ebenfalls  nicht  als 
unzulässig erscheinen.

6.3. Gemäss Art.  83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung  für 
Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­ 
oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

6.3.1.  Nach  Einschätzung  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  zum 
heutigen Zeitpunkt nicht von einer allgemeinen Situation der Gewalt oder 
von  kriegerischen  oder  bürgerkriegsähnlichen  Verhältnissen  in  Bosnien 
und Herzegowina auszugehen, welche für die Beschwerdeführenden bei 
einer  Rückkehr  eine  konkrete  Gefährdung  darstellen  würden.  Seit  dem 
Abschluss des Friedensabkommens von Dayton am 14. Dezember 1995 
hat sich die allgemeine Lage  in Bosnien und Herzegowina kontinuierlich 
normalisiert  und  stabilisiert.  Die  Beibehaltung  dieser  Entwicklung 
bestätigte  sich  auch  nach  den  Wahlen  vom  5.  Oktober  2002.  Die 
Sicherheitslage  in  Bosnien  und  Herzegowina  hat  sich  in  den  letzten 

http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818
http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818
http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818
http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818
http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818

E­2405/2011

Seite 16

Jahren wesentlich verbessert, obgleich das Verhältnis der verschiedenen 
Ethnien  zueinander  weiterhin  von  Spannungen  geprägt  und  die 
wirtschaftliche Lage schwierig ist. Auf Grund der angelaufenen politischen 
und  juristischen  Reformen  und  der  langsamen,  aber  stetigen 
Verbesserung  der  Rückkehrbedingungen  erklärte  der  Schweizer 
Bundesrat  Bosnien  und Herzegowina mit  Beschluss  vom  25. Juni  2003 
zum  so  genannten  verfolgungssicheren  Herkunftsstaat.  In  Anbetracht 
dessen  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  einen 
Wegweisungsvollzug für die Beschwerdeführenden als zumutbar, was die 
politische  und  wirtschaftliche  Lage  anbelangt.  Zu  prüfen  bleibt,  ob 
persönliche  Gründe  der  Beschwerdeführerenden  den 
Wegweisungsvollzug als nicht zumutbar erscheinen lassen.

6.3.2.  Im  Zusammenhang mit  den  geltend  gemachten  gesundheitlichen 
Problemen  ist  vorab  darauf  hinzuweisen,  dass  Gründe  ausschliesslich 
medizinischer  Natur  den Wegweisungsvollzug  im  Allgemeinen  nicht  als 
unzumutbar erscheinen lassen, es sei denn, die erforderliche Behandlung 
sei  wesentlich  und  im  Heimatland  nicht  erhältlich.  Dabei  wird  als 
wesentlich  die  allgemeine  und  dringliche  medizinische  Behandlung 
erachtet,  welche  zur  Gewährleistung  einer menschenwürdigen  Existenz 
absolut  notwendig  ist.  Allein  aus  dem Umstand,  dass  der medizinische 
Standard  in  der  Schweiz  höher  ist  als  im  Heimat­  respektive 
Herkunftsland,  kann  nicht  bereits  auf  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs geschlossen werden (vgl. EMARK 2003 Nr. 24).

6.3.3.  Dem im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten Arztzeugnis von 
Dr. med.  (…), vom 22. Juni 2010 zufolge, steht die Beschwerdeführerin 
seit  dem  19.  Februar  2010  in  Behandlung.  Die  behandelnde  Ärztin 
diagnostizierte  eine  Tendenz  zu  depressiver  Verstimmung  und Ängsten 
mit  vegetativen  Beschwerden  bei  Problemen  in  Verbindung  mit  der 
sozialen  Umgebung  (ICD­10  Z60),  Zielscheibe  fremder  Diskriminierung 
und Verfolgung  (ICD­10 Z60.5), chronische  (…) zervikal sowie eine  (…) 
bedingt  durch  verstärkten  Androgeneinfluss)  und  verordnete  ihr 
Antidepressiva mit stützenden Gesprächen sowie eine Topische Therapie 
gegen (…). Gemäss Arztbericht ist ohne Behandlung mit einer spontanen 
Besserung  nicht  zu  rechnen,  mit  einer  Behandlung  ist  –  unter 
Berücksichtigung,  dass  die  soziale  Ursache  ihrer  Beschwerden 
ausserhalb der medizinisch­therapeutischen Einflussmöglichkeiten liegen 
würde – eine gewisse Besserung des Beschwerdebildes zu erwarten. Im 
Beschwerdeverfahren  wurde  kein  weiteres  Arztzeugnis  zu  den  Akten 
gereicht.

http://links.weblaw.ch/EMARK-2003/24
http://links.weblaw.ch/EMARK-2003/24
http://links.weblaw.ch/EMARK-2003/24
http://links.weblaw.ch/EMARK-2003/24
http://links.weblaw.ch/EMARK-2003/24
http://links.weblaw.ch/EMARK-2003/24
http://links.weblaw.ch/EMARK-2003/24
http://de.wikipedia.org/wiki/Androgen

E­2405/2011

Seite 17

6.3.4. Aus dem eingereichten ärztlichen Bericht von Dr. med. M._______ 
vom  14.  April  2011  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  seinerseits 
seit  dem  13.  Dezember  2010  wegen  einer  PTBS  in  ambulanter 
psychiatrischer  und  psychotherapeutischer  Behandlung  steht.  Aus  dem 
Bericht geht hervor, dass er aufgrund seiner einschneidenden Erlebnisse 
während der Kriegszeit  in Bosnien an  (…)  leidet und medikamentös mit 
Antidepressiva  versorgt  wird,  was  zu  keiner  Besserung  seines 
psychischen  Zustandes  geführt  hat,  zumal  ihn  die  Ungewissheit  seines 
Verbleibs in der Schweiz sehr beschäftige. Trotz dieses Krankheitsbildes 
wird  jedoch  eine  Suizidalität  glaubhaft  verneint.  Gemäss  Arztbericht  ist 
eine  Besserung  des  psychischen  Zustandes  des  Beschwerdeführers 
wegen  der  Ungewissheit  seines  Verbleibs  in  der  Schweiz  kaum  zu 
erwarten.

6.3.5.  In  Würdigung  dieser  Arztberichte  gelangt  das 
Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  die  attestierten 
gesundheitlichen  Probleme  der  Beschwerdeführenden  nicht  in  Frage 
gestellt werden, jedoch – entgegen ihrer Meinung – nicht dergestalt sind, 
dass die Behandlungen, welche zur Gewährung einer menschenwürdigen 
Existenz  notwendig  sind,  nicht  auch  in  Bosnien  und  Herzegowina 
erfolgen  können.  Insbesondere  ist  festzustellen,  dass  die  gemäss  den 
genannten  Arztzeugnissen  verordneten  Medikationen  und  allenfalls 
andere oder ähnliche Medikamente respektive eine psychotherapeutische 
Behandlung  im  Heimatland  verabreicht  beziehungsweise  erfolgen 
können.  Beispielsweise  verfügt  das  Spital  von  J._______,  welches 
ungefähr  (…)  Kilometer  von  F._______  entfernt  ist,  sowohl  über  die 
notwendige  medizinische  Infrastruktur  als  auch  über  einen 
psychiatrischen  Dienst.  Zudem  existieren  in  J._______  zwei 
Nichtregierungsorganisationen,  (…)  und  (….),  die  psychosoziale  und 
psychiatrische Hilfe  für Frauen und Männer anbieten. Bei diesen beiden 
Organisationen  ist  grundsätzlich  eine  kostenfreie  Behandlung  möglich. 
Da  die  Zahl  der  Nachfragen  nach  einer  Behandlung  hoch  sein  kann, 
könnten  die  Beschwerdeführenden  bereits  von  der  Schweiz  aus  mit 
diesen Zentren  in Kontakt  treten, damit sie bei  ihrer Ankunft  in Bosnien­
Herzegowina relativ schnell eine Therapie beginnen können; (…) verfügt 
über  eine  Kontaktstelle  in  der  Schweiz.  Zudem  steht  es  den 
Beschwerdeführenden  offen,  medizinische  Rückkehrhilfe  im  Sinne  von 
Art. 93 Abs. 1 Bst. c AsylG zu beantragen.

6.3.6. Die (…) Beschwerdeführerin und der (…) Beschwerdeführer lebten 
den  grössten  Teil  ihres  Lebens  in  Bosnien  und Herzegowina. Während 

E­2405/2011

Seite 18

sich die Beschwerdeführerin um den Haushalt und das gemeinsame Kind 
sorgte,  weist  der  Beschwerdeführer  mit  acht  Jahren  Grundschule,  vier 
Jahren  Berufsmittelschule  und  zwei  Jahren  Universitätsunterricht  in 
Fachrichtung  (…) eine gute Schulbildung aus. Zudem hat er mit seinem 
Beruf  als  (…)  und  während  seines  Aufenthalts  in  K._______ 
Berufserfahrung  sammeln  können  (vgl.  C2/1  S.  3).  Es  kann  sodann 
davon  ausgegangen  werden,  dass  sie  –  nebst  dem  (…)  der 
Beschwerdeführerin  und  anderen  Familienangehörigen  (vgl.  B7/10  S.  4 
Antwort  38)  –  in  F._______  über  ein  verwandtschaftliches  und  soziales 
Beziehungsnetz verfügen. Hinzu kommt, dass nebst dem Beziehungsnetz 
in  Bosnien  und  Herzegowina  mehrere  Familienangehörige  in  der 
Schweiz, in Frankreich und Dänemark leben (vgl. C1/14 S. 4; B4/8 S. 3), 
welche ihnen beim Aufbau einer neuen Existenzgrundlage im Heimatland 
­ falls notwendig ­ finanziell zur Seite stehen können. 

6.3.7.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung 
nach  Bosnien  und  Herzegowina  ­  nicht  zuletzt  auch  unter 
Berücksichtigung  des  Kindeswohls  (vgl.  insbes.  Art.  3  Abs.  1  des 
Übereinkommens  vom 20. November  1989 über  die Rechte des Kindes 
[SR 0.107]) ­ als zumutbar.

6.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7. 
Insgesamt  ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug zu 
bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar 
und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 

E­2405/2011

Seite 19

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.­ den 
Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG). 
Nachdem  die  Beschwerde  indessen  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet 
werden  konnte  und  zudem  von  der  Bedürftigkeit  der 
Beschwerdeführenden  auszugehen  ist  (gemäss  Datenbank  des 
"Zentralen  Migrationsinformationssystems"  des  BFM  [ZEMIS],  vgl. 
ZEMIS­Verordnung  vom  12.  April  2006  [SR  142.513],  sind  die 
Beschwerdeführenden nicht erwerbstätig), ist in Gutheissung des mit der 
Beschwerde  gestellten  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  von  der  Auferlegung  von 
Verfahrenskosten abzusehen.

(Dispositiv nächste Seite)

E­2405/2011

Seite 20

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutheissen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Gabriela Freihofer Chantal Schwizer

Versand: