# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c0ee8373-92c8-58c6-adbc-359691fb2dd2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.06.2018 D-5931/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5931-2017_2018-06-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5931/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter Jürg Tiefenthal,    

Gerichtsschreiberin Teresia Gordzielik. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Christian Jungen,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 21. September 2017 / N (…). 

 

 

 

D-5931/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger und ethni-

scher Hazara – verliess Afghanistan nach eigenen Angaben im Jahr 2010 

und lebte fünf Jahre im Iran. Im Jahr 2015 sei er über die Türkei, Griechen-

land, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Österreich und Deutschland in die 

Schweiz eingereist, wo er am 22. Oktober 2015 um Asyl nachsuchte. 

B.  

Auf dem Personalienblatt des Empfangs- und Verfahrenszentrum gab er 

als Geburtsdatum den 10. Juli 2000 an. Zugleich reichte er seine Tazkara 

ein, welche ein Alter von sieben Jahren im Jahr 2001, mithin 1994 als Ge-

burtsjahr auswies. Das SEM veranlasste daraufhin beim Spital Thurgau 

eine Handknochenanalyse, welche mit Befund vom 26. Oktober 2015 ein 

Skelettalter von 19 Jahren ergab. 

Am 28. Oktober 2015 wurde der Beschwerdeführer summarisch befragt 

und zum Befund der Handknochenanalyse sowie zu den Angaben in der 

Tazkara angehört. In der Folge wurde als Geburtsdatum der 1. Januar 1996 

festgehalten. 

Zu seinem persönlichen Hintergrund führte er in der Befragung zur Person 

(BzP) aus, er sei in der Region B._______, Distrikt Malistan, Provinz 

Ghazni, geboren. Zwischen 2001 und 2010 bis zu seiner Ausreise in den 

Iran habe er in Kabul gelebt. Sein Vater, der noch in Kabul lebe, sei zwi-

schen 65 und 70 Jahre alt und bestreite seinen Lebensunterhalt von Ein-

künften aus der Verpachtung des familieneigenen Landstückes in Malistan. 

Seine Mutter sei vor 16 Jahren verstorben. Ein Onkel mütterlicherseits 

halte sich noch in Kabul auf. 

C.  

Am 15. Januar 2016 teilte die Vorinstanz mit, dass das Dublin-Verfahren 

beendet worden sei und das nationale Verfahren durchgeführt werde. Am 

3. Juni 2016 wurde der Beschwerdeführer einlässlich angehört. 

Zu seinem persönlichen Hintergrund gab er dabei an, bis zum Jahr 2010 

in der Region B._______ in Malistan gelebt zu haben. Er habe manchmal 

Kontakt mit seinem Vater, der seit zwei Jahren in Kabul lebe.  

Zur Begründung seines Gesuchs machte er im Wesentlichen geltend, die 

Taliban hätten jedes Frühjahr und auch zu anderen Zeiten sein Heimatdorf 

D-5931/2017 

Seite 3 

angegriffen. Dabei sei es regelmässig zu tätlichen Übergriffen gekommen. 

Beim letzten Angriff im Jahr 1388 (2009/2010) hätten die Taliban die Dorf-

bewohner aufgefordert, mit ihnen zusammenzuarbeiten und zu kämpfen. 

Ihnen sei ein dreitägiges Ultimatum für ihre Entscheidung gestellt worden. 

Sein Vater habe ihn daraufhin zur Flucht gedrängt. Auch seien sie durch 

weitere, mit den Taliban kooperierende Gruppen gefährdet gewesen. Im 

Übrigen hätten Angehörige der Hazara in Afghanistan keine Rechte. 

D.  

Mit Verfügung vom 21. September 2017 stellte das SEM fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-

such ab und verfügte die Wegweisung sowie den Vollzug aus der Schweiz. 

E.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 19. Oktober 2017 erhob der Be-

schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den 

Entscheid und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, 

die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers sei festzustellen und es 

sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. 

Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung und vertieften Abklärung 

an das SEM zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchte er um Befrei-

ung von der Kostenvorschusspflicht und Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege.  

Im Rahmen der Eingabe machte er geltend, sein in Kabul lebender Vater 

sei in der Zwischenzeit – Anfang 2017 – verstorben (zu den weiteren Be-

schwerdegründen vgl. E. 4.2) und reichte eine Todesanzeige samt Über-

setzung ein. Des Weiteren legte er ein Foto seiner Wohnsitzbestätigung im 

Distrikt Malistan samt Übersetzung, eine E-Mail des Übersetzers an den 

Rechtsvertreter, fünf Referenzschreiben zu seiner Person sowie eine Un-

terstützungsbestätigung ins Recht. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 26. Oktober 2017 stellte die Instruktionsrich-

terin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung 

im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut, verzichtete auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz ein, innert Frist eine Vernehm-

lassung einzureichen, wobei sie insbesondere auf das Referenzurteil 

D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 hinwies. 

D-5931/2017 

Seite 4 

G.  

Das SEM reichte mit Eingabe vom 7. November 2017 eine Vernehmlas-

sung zu den Akten, worin es zum Beschwerdeinhalt Stellung nahm, im Üb-

rigen aber auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwies 

und vollumfänglich daran festhielt. 

H.  

In seiner Replik vom 21. November 2017 nahm der Beschwerdeführer zur 

Vernehmlassung des SEM Stellung und äusserte sich ebenfalls zum Refe-

renzurteil D-5800/2016. 

I.  

Mit Schreiben vom 8. Januar 2017 reichte der Beschwerdeführer das Ori-

ginal der Wohnsitzbestätigung zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-

handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei-

det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht 

zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-

chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 ff. AsylG).  

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und seine 

Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 

Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 

2.  

Der Beschwerdeführer beantragt im Sinne eines Eventualantrages die Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz zwecks weiterer Sachverhaltsabklärungen, weil vom SEM der 

D-5931/2017 

Seite 5 

rechtserhebliche Sachverhalt nicht vollständig erfasst worden sei. In sei-

nen diesbezüglichen Vorbringen vermengt er allerdings ganz überwiegend 

die Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der 

Frage der rechtlichen Würdigung der Sache. Nachdem sich der Beschwer-

deführer im Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens zu allen Aspekten sei-

ner Gesuchsgründe umfassend äussern konnte und die Vorinstanz diese 

im Wesentlichen aufgenommen hat (vgl. nachfolgend E. 4), ist kein Bedarf 

an zusätzlichen Sachverhaltsabklärungen ersichtlich. Der rechtserhebliche 

Sachverhalts erscheint als hinreichend erstellt, womit das Gericht in der 

Sache zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken.  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz führte in ihrem ablehnenden Entscheid zunächst aus, 

die Begründung des Beschwerdeführers zu den unterschiedlichen Anga-

ben betreffend sein Alter im Personalienblatt und nach dem Vorhalt des 

Befundes der Knochenhandanalyse, jemand anderes habe für ihn das Blatt 

ausgefüllt und offenbar falsche Angaben gemacht, sei nicht nachvollzieh-

bar. Auch erweise sich die Aussage, er könne nicht Englisch und deshalb 

habe eine andere Person das Blatt ausgefüllt, als reine Schutzbehauptung, 

zumal auf der in Dari beschriebenen Rückseite ebenfalls das Jahr 2000 

stehe. Er habe somit von Anfang an versucht, die Schweizer Behörden 

D-5931/2017 

Seite 6 

über seine wahre Identität zu täuschen, weshalb erhebliche Zweifel an sei-

ner persönlichen Glaubwürdigkeit bestünden.  

Auch widerspreche er sich in seinen Kernvorbringen zum Teil erheblich. So 

habe er in der BzP erwähnt, die letzten zehn Jahre bis zu seiner Ausreise 

aus Afghanistan in Kabul gelebt zu haben, wo sein Vater heute noch lebe, 

während er in der Anhörung behauptet habe, nie an einem anderen Ort als 

in Malistan, Ghazni, gewohnt zu haben. Auf Vorhalt habe er bloss darauf 

hingewiesen, dass er in der BzP die aktuelle Adresse seines Vaters in Ka-

bul angegeben habe. Damit habe er die Widersprüche aber nicht entkräf-

ten können. Seine Darlegungen dazu seien reine Schutzbehauptungen, 

die er im Wissen um die gängige Asylpraxis, welche er sich zwischen der 

BzP und der Anhörung angeeignet habe, gemacht habe. Der Widerspruch 

sei so zentral, weil sich seine Vorbringen zur Verfolgung durch die Taliban 

auf die Region von Malistan bezögen, dies zu einer Zeit, als er sich dort 

gemäss den Angaben in der BzP längst nicht mehr aufgehalten haben 

wolle. Seine Asylvorbringen könnten danach nicht geglaubt werden. Abge-

sehen davon wiesen sie weitere Ungereimtheiten auf. Namentlich entbehr-

ten seine Schilderungen der hinreichenden Substantiierung. Er habe öfter 

wortkarg und ohne Angaben von Details geantwortet, etwa zum letzten An-

griff der Taliban auf das Dorf und auf ihn selber. Stattdessen habe er darauf 

hingewiesen, im Schockzustand gewesen zu sein. Auf die Bitte, viele Ein-

zelheiten des Vorfalls zu schildern, habe er lediglich wiederholt, dass es 

solche Vorfälle jeden Frühlingsanfang und auch zu anderen Zeiten gege-

ben habe. Auch in den Schilderungen zu der Zeit unmittelbar nach dem 

Vorfall und zu seiner Flucht aus dem Dorf sei er auf keine oder nur wenige 

Einzelheiten eingegangen. Zudem habe er nicht nachvollziehbar begrün-

den können, warum er gerade bei jenem Angriff geflohen sei. Seinen Vor-

bringen fehlte ferner weitgehend die emotionale Anteilnahme, weshalb in 

keinem Moment seiner Erzählung der Eindruck entstanden sei, er habe 

diese persönlich erlebt. Es sei deshalb davon auszugehen, dass seine 

Ausführungen zur Verfolgung durch die Taliban frei erfunden seien.  

Die übrigen Vorbringen seien nicht asylrelevant. Vereinzelte Benachteili-

gungen und Schikanen aufgrund seiner ethnischen und religiösen Herkunft 

könnten zwar nicht restlos ausgeschlossen werden. Hazara würden in Af-

ghanistan allerdings nicht systematisch vertrieben oder verfolgt und es 

herrsche auch keine allgemeine Gewalt. Ausserdem sei er keinen geziel-

ten Übergriffen auf seine Person ausgesetzt gewesen und es sei auch nicht 

davon auszugehen, dass er solche in Zukunft zu gewärtigen habe. 

D-5931/2017 

Seite 7 

4.2 Der Beschwerdeführer hielt der Vorinstanz in seiner Beschwerde ent-

gegen, er habe insgesamt dreimal Auskunft über seinen ehemaligen 

Wohnort gegeben. Bereits auf dem Personalienblatt im Empfangszentrum, 

mithin unmittelbar nach seiner Ankunft in der Schweiz, habe er als letzten 

Wohnort in englischer wie auch in persischer Sprache Malistan Distrikt in 

der Provinz Ghazni angegeben. Vor diesem Hintergrund gehe das Argu-

ment der Vorinstanz fehl, er habe im Wissen um die gängige Asylpraxis in 

der Schweiz zu Kabul bezüglich seines Wohnortes in der BA die Unwahr-

heit erzählt und Malistan angegeben. Mit der nun eingereichten Wohnsitz-

bestätigung könne Malistan zudem als letzter Wohnort bestätigt werden. 

Die Angabe von Kabul als letztem Wohnort in der BzP beruhe auf einem 

Missverständnis. Es sei gemäss der E-Mail des Übersetzers unter jungen 

Leuten in Afghanistan üblich, den Wohnort des Vaters anzugeben, wenn 

sie über keinen eigenen verfügten. In der BA habe er dann auch erklärt, 

dass es sich bei der konkret angegebenen Adresse in Kabul um jene sei-

nes Vaters gehandelt habe. Eine Nachfrage der Hilfswerksvertretung zu 

den Gründen für den Umzug des Vaters nach Kabul sei nicht zugelassen 

worden. Sie hätte aber hervorgebracht, dass der Vater sich aus medizini-

schen Gründen nach Kabul begeben habe, weil die Behandlungsmöglich-

keiten in der Hauptstadt besser als im Distrikt Malistan gewesen seien. 

Während der BA sei sein Gesundheitszustand stabil gewesen, Anfang 

2017 sei er jedoch verstorben. Nach allem seien seine Angaben zu Malis-

tan als letztem Wohnort als glaubhaft zu erachten.  

Die Vorbringen zu seiner Verfolgung seien auch im Hinblick auf seine Län-

derkenntnisse zu Malistan glaubhaft (unter anderem Ausführungen zum 

Weizenanbau, einem der hauptsächlich angebauten Getreidearten im Dis-

trikt Malistan; Ausführungen zur Qualität seiner Schulbildung und zu einem 

Angriff der Taliban auf die Schule mit Hinweis auf einen Bericht über Ge-

walttätigkeiten durch Taliban gegen Lehrpersonen in der Provinz Gazhni). 

Aktivitäten der Taliban seien an der strategisch bedeutsamen Strasse zwi-

schen Kandahar und Kabul an der Tagesordnung. Dies gelte ebenso für 

Zwangsrekrutierungen, von denen auch Hazara betroffen seien. Er habe 

konkret befürchtet und befürchte weiter, von den Taliban als Selbstmordat-

tentäter oder für den Kriegsdienst eingesetzt zu werden. Als junger Mann 

im wehrpflichtigen Alter gehöre er zudem einer sozialen Gruppe an, welche 

das Risiko aufweise, von den Taliban zwangsrekrutiert zu werden oder die 

Nachteile einer Weigerung tragen zu müssen. Seine Zugehörigkeit zu den 

Hazara mache ihn zusätzlich zur Zielscheibe der Taliban.  

D-5931/2017 

Seite 8 

4.3 In ihrer Vernehmlassung brachte die Vorinstanz vor, es sei auch nach 

den Ausführungen in der Beschwerde nicht nachvollziehbar, weshalb der 

Beschwerdeführer während der verschiedenen Aufnahmen seiner Perso-

nalien einmal den letzten Wohnort in Malistan und einmal den Wohnsitz in 

Kabul angegeben habe. Ausserdem sei er in der BzP unmissverständlich 

gefragt worden, von wann bis wann er in Kabul gelebt habe, woraufhin er 

1380 (2001) bis 1389 (2010) als Antwort gegeben habe. Der letzte Wohn-

sitz lasse sich somit nicht abschliessend klären. Zumindest sei aber davon 

auszugehen, dass der Vater in Kabul gelebt habe. Die Ausführungen in der 

Beschwerdevorschrift bezüglich des Wohnsitzes des Vaters seien aller-

dings auch nicht klar, soll dieser doch erst nach dem Wegzug des Be-

schwerdeführers nach Kabul gezogen sein, mithin nach 1389 (2010). Sinn-

gemäss stehe dann in Frage, ob sich die erwähnte Aufenthaltsdauer in Ka-

bul (1380 bis 1389) auf den Vater beziehe. Nach den widersprüchlichen 

Angaben des Beschwerdeführers zum früheren Aufenthalt und seinem Al-

ter seien seine Aussagen zu der von ihm geltend gemachten Herkunft un-

glaubhaft. Die mit der Beschwerdeschrift eingereichten Dokumente seien 

nicht geeignet, eine asylrelevante Verfolgung des Beschwerdeführers in 

Afghanistan nachzuweisen. Dies betreffe namentlich die Referenzschrei-

ben, welche lediglich zu den Integrationsbemühungen des Beschwerde-

führers in der Schweiz Auskunft gäben, nicht aber seine asylrelevanten 

Aussagen untermauerten. Dasselbe gelte für die Todesanzeige, bei der es 

sich ausserdem um kein amtliches Dokument handle. Auch die Wohnsitz-

bestätigung erweise sich nicht als Beleg für die asylbeachtlichen Vorbrin-

gen. Ohnehin sei der Beweiswert selbst von amtlichen Dokumenten aus 

der fraglichen Region sehr tief anzusetzen, da sie relativ einfach käuflich 

erworben werden könnten. Sodann könne es sich bei der E-Mail des Über-

setzers um ein reines Gefälligkeitsschreiben handeln.  

4.4 In seiner Replik wiederholte der Beschwerdeführer teilweise seine Vor-

bringen. Zusätzlich bemerkte er, es sei unter aussagepsychologischen Ge-

sichtspunkten sehr wahrscheinlich, dass er kurz nach seiner Ankunft in der 

Schweiz und in Unkenntnis des schweizerischen Rechtssystems sowie der 

Rückführungspraxis der Schweiz zu Kabul spontan seinen richtigen Woh-

nort Malistan angegeben habe. Dementsprechend hoch hätte der Beweis-

wert dieser Aussage für die Vorinstanz sein müssen. Bei Durchsicht des 

Protokolls der BA falle zudem auf, dass die Vernehmungstechnik des Be-

fragers zu den Asylgründen mangelhaft sei. 

 

D-5931/2017 

Seite 9 

5.  

Nach Prüfung der Akten gelangt das Gericht zum Schluss, dass es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrelevante Verfolgung glaub-

haft zu machen.  

5.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der 

gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder 

nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent-

liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick-

sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent-

lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor-

kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte-

nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei-

chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine 

Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch-

lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei-

lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele-

mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub-

stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit 

usw.), die für oder gegen die Gesuchstellenden sprechen. Glaubhaft ist 

eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. 

Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt 

der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte 

wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach-

verhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.3). 

5.2 Der Beschwerdeführer beruft sich zur Hauptsache darauf, er sei an sei-

nem Heimatort in der Region B._______, Distrikt Malistan, Provinz Ghazni, 

konkret von einer Zwangsrekrutierung durch die Taliban bedroht gewesen, 

und wäre dies auch heute noch.  

5.2.1 Die Vorinstanz erachtet seine diesbezüglichen Vorbringen bereits an-

gesichts der widersprüchlichen Angaben zum Alter sowie zum letzten 

Wohnort als unglaubhaft. Dazu ist festzuhalten, dass der Beschwerdefüh-

rer gleich nach seiner Einreise in die Schweiz den Distrikt Malistan in der 

Provinz Ghazni im Personalienblatt als letzten Wohnort angab, und auch 

in der BA erwähnte, bis zu seiner Ausreise in Malistan gelebt zu haben. Es 

scheint vor diesem Hintergrund fragwürdig, dass er in der BzP bemerkte, 

D-5931/2017 

Seite 10 

vor der Ausreise aus Afghanistan zuletzt in Kabul gelebt zu haben, wobei 

er eine konkrete offizielle Adresse und einen konkreten Zeitraum – von 

1380 bis 1389 (2001 bis 2010) – angeben konnte. Zwar ist nicht von vorn-

herein davon auszugehen, er habe im Wissen um die gängige Asylpraxis 

in der Schweiz zu Kabul bezüglich seines Wohnortes in der BA die Unwahr-

heit erzählt und Malistan angegeben, zumal er diesen Distrikt in der Provinz 

Ghazni bereits vor der BzP angegeben hatte. Jedoch erschliessen sich die 

unterschiedlichen Angaben zum Aufenthalt in Kabul nicht aus den Be-

schwerdevorbringen und den dazu eingereichten Dokumenten. Diese sind 

auch nicht auf die Befragungstechnik der Vorinstanz zurückzuführen. Die 

Angabe über den Umzug des Vaters nach Kabul sowie den Gründen dafür 

vermag insbesondere nicht die konkrete Zeitangabe zum Aufenthalt des 

Beschwerdeführers in Kabul zu erklären, sondern wirft vielmehr weitere 

Fragen auf. Der E-Mail des Übersetzers kann – ungeachtet der Frage sei-

ner Beweiskraft – nur eine allgemeine Aussage zur Angabe des Eltern-

wohnsitzes durch junge Menschen entnommen werden, ohne dass ein Be-

zug zum konkreten Fall klar wird. Die Schilderungen des Beschwerdefüh-

rers zum Leben in der Region Malistan deuten allenfalls darauf hin, dass 

er beziehungsweise seine Familie längere Zeit in der Gegend gelebt ha-

ben. Dies dürfte auch für die Erwähnung von Ländereien des Vaters in Ma-

listan gelten, von denen Letzterer nach seinem Wegzug nach Kabul gelebt 

haben soll. Des Weiteren ist die mit der Beschwerde eingereichte Wohn-

sitzbestätigung mit Malistan als Wohnort ungeeignet, einen durchgehen-

den Aufenthalt in der Region bis zur Ausreise zu belegen. Im Kontext von 

Afghanistan scheint es nicht ausgeschlossen, dass amtliche Dokumente 

leicht unrechtmässig erworben werden können, sodass der Bestätigung 

nur ein geringerer Beweiswert zukommen dürfte. Zudem geht aus dem Do-

kument hervor, dass der Beschwerdeführer bis heute als wohnhaft in Ma-

listan gilt, gleichwohl er seit Längerem in der Schweiz lebt. Nach allem ist 

davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in Malistan geboren und 

dort registriert wurde, sich aber längere Zeit vor der Ausreise in Kabul auf-

gehalten hat. Seine Vorbringen zur drohenden Zwangsrekrutierung durch 

die Taliban in Malistan vor seiner Ausreise sind bereits vor diesem Hinter-

grund unglaubhaft. Auf die mangelnde Glaubwürdigkeit wegen unter-

schiedlicher Altersangaben braucht danach nicht mehr eingegangen zu 

werden, zumal der Beschwerdeführer in der BzP und auch in der BA letzt-

lich bestätigt hat, dass er bei Gesuchstellung bereits volljährig war. 

5.2.2 Sodann vermögen auch seine weiteren Ausführungen zur drohenden 

Zwangsrekrutierung durch die Taliban in Malistan unter Beachtung der tat-

sächlich herrschenden Umstände und Gegebenheiten am Herkunftsort 

D-5931/2017 

Seite 11 

nicht zu überzeugen. Der Distrikt Malistan gehört – zusammen mit den 

Nachbardistrikten Jaghuri und Nawur – zum klassischen Siedlungsgebiet 

der Hazara. Dort stellen sie mit nahezu 100% die klare Bevölkerungsmehr-

heit. Insoweit dominieren sie die Distrikte faktisch und verfügen über die 

klare militärische Hoheit (vgl. ausführlich dazu Urteil des BVGer  

D-1484/2017 vom 29. Mai 2018 E. 4.2 m.w.H.). Bei einer solchen Aus-

gangslage sind die Taliban oder andere Gruppen zwar auch noch zur Aus-

führung gezielter Anschläge in der Lage. Aufgrund der klaren militärischen 

Übermacht der Hazara war jedoch in diesem Gebiet zu keinem Zeitpunkt 

eine Machtübernahme durch eine dieser Gruppen zu befürchten. Daran 

hat sich bis heute nichts geändert. Bei dieser Sachlage besteht kein Anlass 

zur Annahme, die Taliban wären tatsächlich jemals ernsthaft in der Lage 

gewesen, im Distrikt Malistan Zwangsrekrutierungen durchzuführen. Zu-

dem stellt sich die Sicherheitslage in den vorerwähnten Hazara-Distrikten 

einschliesslich Malistan auch gemäss jüngsten Berichten deutlich besser 

dar, als in den 15 anderen Distrikten der Provinz Ghazni (vgl. a.a.O. E. 4.2 

m.w.H.).  

5.2.3 Überdies blieben die Schilderungen des Beschwerdeführers zu den 

Angriffen durch die Taliban, vor allem zum letzten Angriff auf die Dorfge-

meinschaft und auf ihn selber sowie zur Flucht auch auf Nachfrage – im 

Gegensatz zu den Schilderungen des Lebens im Dorf – vage und detail-

arm. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf die zutreffenden Aus-

führungen der Vorinstanz verwiesen (vgl. E. 4.1). Schliesslich konnte er 

nicht hinreichend substantiieren, dass er ungeachtet der erwähnten Sicher-

heitslage konkret von den Taliban verfolgt und zur Zwangsrekrutierung auf-

gefordert wurde. 

5.2.4 Nach dem Gesagten ist das Kernvorbringen – die Behauptung einer 

angeblich am Heimatort in Malistan konkret bestehenden Gefahr einer 

Zwangsrekrutierung durch die Taliban – nicht glaubhaft gemacht. 

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Rahmen des jüngsten Länder-

urteils zu Afghanistan nach einer umfassenden Prüfung der Quellenlage 

bestätigt, dass die Sicherheitslage in Afghanistan aufgrund des herrschen-

den Krieges landesweit extrem prekär ist (vgl. Referenzurteil D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017 E. 6 und 7). Auch können mit der Vorinstanz Be-

nachteiligungen und Schikanen aufgrund der ethnischen und religiösen 

Herkunft in Afghanistan nicht restlos ausgeschlossen werden. Im Falle der 

Hazara in Afghanistan ist aktuell jedoch nicht vom Vorliegen der strengen 

D-5931/2017 

Seite 12 

Voraussetzungen auszugehen, welche die Rechtsprechung für die An-

nahme einer Kollektivverfolgung aufgestellt hat (vgl. BVGE 2014/32 E. 6.1; 

2013/12 E. 6; Urteil des BVGer D-4885/2016 vom 25. August 2016 E. 3.2.2 

und spezifisch für die Provinz Ghazni E-5136/2016 vom 11. Januar 2017 

E. 6.3.2), weshalb auch vor diesem Hintergrund keine asylrelevante Ver-

folgung des Beschwerdeführers gegeben ist.  

Demnach genügt es nicht, wenn der Beschwerdeführer auf eine generelle 

Gefährdung als Hazara verweist, zumal eine solche angesichts der Aus-

führungen in E. 5.1 in Bezug auf seinen Heimatort in Malistan, wo die Ha-

zara die Bevölkerungsmehrheit stellen, fragwürdig erscheint. Darüber hin-

aus führte er in seiner Beschwerdeschrift zwar an, als Hazara mache er 

sich zusätzlich zur Zielscheibe der Taliban. Den Akten können indes keine 

Angaben entnommen werden, dass die Taliban, sonstige Gruppen oder 

Personen jemals ein ernsthaftes Interesse konkret an seiner Person, auch 

nicht im Hinblick auf seine Zugehörigkeit zur Minderheit der Hazara, ge-

zeigt hätten. Schliesslich spricht auch nichts dafür, dass er zukünftig ge-

zielten Übergriffen ausgesetzt würde. 

5.4 Aus diesen Erwägungen folgt, dass im Falle des Beschwerdeführers 

keine Sachverhaltsumstände bewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht 

sind, welche zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft führen könnten. 

Die Abweisung des Asylgesuches ist demnach zu bestätigen. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

D-5931/2017 

Seite 13 

7.2 Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung 

(Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur: 

Ist eine von ihnen erfüllt, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführ-

bar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den 

Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. Gegen eine allfäl-

lige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht dem weggewiesenen Asyl-

suchenden wiederum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht 

offen (Art. 112 AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 2 AuG), wobei in jenem Verfahren die 

Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach Massgabe der dannzumal 

herrschenden Verhältnisse von Neuem zu prüfen sind (vgl. BVGE 2009/51 

E. 5.4 m.w.H.). Im Sinne der nachfolgenden Erwägungen erübrigen sich 

daher Erwägungen zur Unzulässigkeit respektive Unmöglichkeit des Weg-

weisungsvollzugs.  

7.3 Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt 

gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstan-

dard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu 

beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.  

8.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.2 Im bereits erwähnten jüngsten Länderurteil zu Afghanistan kam das 

Gericht nach einer ausführlichen Lageanalyse zur Situation in Afghanistan 

zu dem Schluss, dass in weiten Teilen des Landes unverändert eine derart 

schlechte Sicherheitslage und derart schwierige humanitäre Bedingungen 

bestehen, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 

Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist und somit der Wegweisungsvollzug nach 

wie vor als unzumutbar zu beurteilen ist (vgl. Referenzurteil D-5800/2016 

E. 6.3 ff., insbesondere E. 7.6).  

Auch die Sicherheitslage in Kabul, welche als volatil und von zahlreichen 

Anschlägen geprägt zu bezeichnen ist, sowie die humanitäre Situation in 

der Hauptstadt stellen sich nach jüngster Lagebeurteilung im Vergleich zu 

der in BVGE 2011/7 beschriebenen Situation klar verschlechtert dar (vgl. 

D-5931/2017 

Seite 14 

a.a.O. E. 8). Die Lage in Kabul ist daher grundsätzlich ebenso als existenz-

bedrohend und somit unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qua-

lifizieren. Von dieser Regel kann abgewichen werden, falls besonders be-

günstigende Faktoren vorliegen, aufgrund derer ausnahmsweise von der 

Zumutbarkeit des Vollzugs ausgegangen werden kann. Dazu zählen na-

mentlich der Umstand, dass es sich bei der betroffenen Person um einen 

alleinstehenden, gesunden Mann handelt, ein tragfähiges Beziehungsnetz, 

eine Möglichkeit zur Sicherung des Existenzminimums und eine gesicherte 

Wohnsituation. 

8.3  

8.3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, in Malistan, Provinz Ghazni, 

aufgewachsen und registriert zu sein. Nach der aktuellen Rechtsprechung 

erweist sich der Wegweisungsvollzug nach Malistan als generell unzumut-

bar. 

8.3.2 Des Weiteren erachtet das Gericht die Voraussetzungen für das Vor-

liegen besonders begünstigender Faktoren für den Vollzug der Wegwei-

sung nach Kabul – wie nachfolgend ausgeführt – nicht als erfüllt. 

Dabei kann der Vorinstanz nicht darin gefolgt, Angaben zu einem tragfähi-

gen Beziehungsnetzwerk und zu den Lebensgrundlagen hätten mangels 

Mitwirkung des Beschwerdeführers – vor allem angesichts unglaubhafter 

Angaben zum Zeitraum, in dem er in Malistan oder in Kabul gelebt haben 

will, und zum Alter – nicht abschliessend erhoben werden können. Den Ak-

ten sind jedenfalls hinreichende Schilderungen zu entnehmen, auf die sich 

die Vorinstanz bei der Beurteilung der Voraussetzungen von Art. 83 Abs. 4 

AuG in Bezug auf Kabul selber auch stützt. Sie bezieht allerdings – selbst 

nach Hinweis des Gerichts im Rahmen der Einladung zur Vernehmlassung 

– nicht die jüngste Lageanalyse zu Kabul ein.  

Der Beschwerdeführer hat nach Einschätzung des Gerichts und auch der 

Vorinstanz längere Zeit in Kabul gewohnt (siehe oben E. 5.2.1). Seine Mut-

ter ist nach eigenen Angaben vor 16 Jahren verstorben. Weiter ist davon 

auszugehen, dass sein Vater in Kabul gelebt und sich aus dem Einkommen 

verpachteter Ländereien in Malistan unterhalten hat. Aus der im Beschwer-

deverfahren im Original vorgelegten und übersetzten Todesanzeige geht 

hervor, dass Letzterer zwischenzeitlich verstorben ist. Zwar handelt es sich 

dabei nicht um ein amtliches Dokument und dürfte ihm auch nur ein gerin-

ger Beweiswert zukommen. Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass der 

Beschwerdeführer bereits in der BzP angab, sein Vater sei etwa 65, 70 

D-5931/2017 

Seite 15 

Jahre alt. Im Kontext von Afghanistan erscheint ein Ableben im Alter von 

67 bis 72 Jahren – der Vater verstarb nach Angaben des Beschwerdefüh-

rers im Jahr 2017 – nicht unwahrscheinlich, zumal die durchschnittliche 

Lebenserwartung der afghanischen Bevölkerung deutlich tiefer liegen soll 

(vgl. zum Ganzen Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Afghanistan: Up-

date, Die aktuelle Sicherheitslage, Bern, 5. Oktober 2014, S. 19 m.w.H.). 

Schliesslich erwähnte er noch einen Onkel, mit dem er jedoch nicht in Ver-

bindung stehe. Davon abgesehen ist nicht ersichtlich, wie dieser ihm bei 

seiner wirtschaftlichen und sozialen Reintegration behilflich sein könnte. 

Weitere soziale Kontakte zu in Kabul lebenden Personen bestehen dem-

nach nicht. Vorliegend ist daher bereits das Bestehen eines tragfähigen 

sozialen Netzes zu verneinen. Auch seine geringe Schulbildung und be-

schränkte Berufserfahrung in der Landwirtschaft vermögen – selbst unter 

Berücksichtigung der allfällig noch vorhandenen Ländereien des Vaters – 

den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in der Gesamtabwä-

gung nicht als zumutbar erscheinen zu lassen. Andere individuelle beson-

ders günstige Voraussetzungen sind nicht ersichtlich. 

8.3.3 In der Gesamtabwägung folgt daraus, dass der Beschwerdeführer 

bei einer Rückkehr nach Kabul aufgrund des ungenügenden sozialen Net-

zes in Kabul, welches ihm bei der wirtschaftlichen und sozialen Reintegra-

tion behilflich sein könnte, sowie des Fehlens von anderen besonders 

günstigen Voraussetzungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in eine 

existenzbedrohende Lage geraten würde. Der Wegweisungsvollzug auch 

nach Kabul ist demnach als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG 

zu qualifizieren. Somit erübrigen sich weitere Ausführungen zu den ins 

Recht gelegten Referenzschreiben. 

8.4 Den Akten lassen sich schliesslich keinerlei Hinweise entnehmen, wo-

nach der Beschwerdeführer einen der Tatbestände von Art. 83 Abs. 7 AuG 

(Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme) erfüllen würde.  

9.  

Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen, die Dispositivziffern 

4 und 5 der Verfügung vom 21. September 2017 sind aufzuheben und das 

SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzuges in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Im Übrigen 

ist die Beschwerde abzuweisen. 

D-5931/2017 

Seite 16 

10.  

10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind grundsätzlich nach dem 

Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen dem Beschwerdeführer aufzuer-

legen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 

VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüglich seiner Anträge auf Feststel-

lung der Flüchtlingseigenschaft, der Asylgewährung und der Aufhebung 

der Wegweisung unterlegen. Bezüglich der Anordnung des Wegweisungs-

vollzugs hat er obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein hälftiges Obsie-

gen. 

Nach dem Gesagten wären die Verfahrenskosten zur Hälfte dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch auf 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Verfügung vom 26. Ok-

tober 2017 gutgeheissen wurde und weiterhin von der Bedürftigkeit des 

Beschwerdeführers auszugehen ist, hat er vorliegend keine Verfahrens-

kosten zu tragen. 

10.2 Dem Beschwerdeführer ist im Umfang seines Obsiegens – hier also 

hälftig – in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der 

Rechtsvertreter hat keine Kostennote vorgelegt. Der entstandene Aufwand 

lässt sich jedoch aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen (vgl. 

Art. 14 Abs. 2 in fine VKGE) und auf etwa 7 Stunden zuzüglich Auslagen 

festsetzen. Unter Berücksichtigung des Stundenansatzes für einen nicht-

anwaltlichen Vertreter (Art. 10 Abs. 2 VGKE) ist das SEM demnach anzu-

weisen, dem Beschwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung in der 

Höhe von Fr. 600.– auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-5931/2017 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die Dispositivziffern 4 und 5 

der Verfügung vom 21. September 2017 werden aufgehoben und das SEM 

wird angewiesen, den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzuges in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Im Übrigen wird 

die Beschwerde abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 600.– 

auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mia Fuchs Teresia Gordzielik 

 

 

Versand: