# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e06170c5-3d14-5b91-9a81-7ab00f5ab9da
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.12.2008 C-6/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-6-2006_2008-12-16.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-6/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Richterin Franziska Schneider (Vorsitz), 
Richter Francesco Parrino, Richter Alberto Meuli, 
Richter Stefan Mesmer, Richter Michael Peterli,
Gerichtsschreiberin Susanne Genner.

Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Zürich Versicherungs-Gesellschaft, 
Beschwerdegegnerin,

Bundesamt für Gesundheit (BAG),
Vorinstanz.

Leistungsaufteilung in UVG-Schadenfall, 
Verfügung BSV vom 23. Mai 2003.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-6/2006

Sachverhalt:

A.
A._______ war seit dem 15. Oktober 1990 bei der E._______ AG in 
W._______ angestellt und bei der Vaudoise Allgemeine Versicherungs-
Gesellschaft  (nachfolgend:  Vaudoise)  gemäss Bundesgesetz  vom 
20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG, SR 832.20) gegen 
Unfälle und Berufskrankheiten versichert. Am 27. September 1991 zog 
er  sich bei  einem Motorradunfall  eine Claviculafraktur  rechts zu. Die 
Vaudoise  erbrachte  die  gesetzlichen  Leistungen,  indem sie  die  Hei-
lungskosten übernahm und Taggelder entrichtete. 

B.
Am 2. Februar 1995 erlitt A._______ einen Skiunfall, bei dem er sich 
eine  Rotatorenmanschettenläsion  links  zuzog. Die  "Zürich"-Versiche-
rungsgesellschaft  (nachfolgend: "Zürich")  als  neuer  Unfallversicherer 
der E._______ AG übernahm die Heilungskosten und entrichtete Tag-
gelder.

C.
Am 2. Juli 1999 wurde bei A._______ eine Rotatorenmanschettenläsi-
on rechts mit  partieller  Ruptur  diagnostiziert,  worauf  dieser  der "Zü-
rich" am 6. Juli  1999 einen Rückfall  meldete. Mit  Verfügung vom 11. 
November  1999  (act.  Z-44)  lehnte  die  "Zürich"  eine  Leistungspflicht 
bezüglich der Beschwerden in der rechten Schulter ab, da es an einem 
natürlichen  Kausalzusammenhang  zwischen  diesem  Gesundheits-
schaden und dem Unfall vom 2. Februar 1995 fehle. Die dagegen er-
hobene  Einsprache  vom  19.  November  1999  (act.  Z-53)  wies  die 
"Zürich" mit Einspracheentscheid vom 17. Mai 2001 (act. Z-89) ab.

D.
Auf A._______s Leistungsgesuch vom 27. Dezember 2000 (act. V-30) 
hin verneinte die Vaudoise ihre Leistungspflicht mit Verfügung vom 23. 
Januar 2001 ebenfalls mit der Begründung, der Kausalzusammenhang 
zwischen der  Gesundheitsschädigung  und  dem Unfall  vom 27. Sep-
tember 1991 sei von den Gutachtern als bloss möglich, jedoch nicht 
überwiegend wahrscheinlich bezeichnet worden. Die gegen ihre Verfü-
gung vom 23. Januar 2001 erhobene Einsprache vom 26. Januar 2001 
(act. V-31) wies die Vaudoise mit Einspracheentscheid vom 2. Februar 
2001 (act. V-32 bzw. act. Z-86) ab. Die Begutachtung habe ergeben, 
dass  die  Beschwerden  in  der  rechten  Schulter  nicht  mit  Sicherheit 

Seite 2

C-6/2006

oder überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das von der Vaudoise ver-
sicherte  Ereigneis  vom  27.  September  1991  zurückgeführt  werden 
könnten. Eine Aufteilung zwischen "möglichen Unfallversicheren" kom-
me nicht in Betracht, so dass die Leistungspflicht der Vaudoise zu ver-
neinen sei.

E.
A._______ erhob gegen die Einspracheentscheide der Vaudoise vom 
2. Februar 2001 und der "Zürich" vom 17. Mai 2001 mit Eingaben vom 
27. April 2001 bzw. vom 5. Juni 2001 Beschwerde beim Versicherungs-
gericht des Kantons Aargau. Das Gericht vereinigte die Verfahren und 
verpflichtete die "Zürich" mit Urteil vom 21. November 2001 in Guthei-
ssung der Beschwerde vom 5. Juni 2001,  die gesetzlichen Versiche-
rungsleistungen zu erbringen. Die Beschwerde vom 27. April 2001 ge-
gen den Einspracheentscheid der Vaudoise wies das Versicherungsge-
richt ab. Es erwog, der Rückfall vom 2. Juli 1999 habe nicht mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit einem der beiden Unfallereignisse zuge-
ordnet werden können. Hingegen stehe fest, dass die Beschwerden in 
der  rechten  Schulter  Spätfolgen  eines  Unfalls  darstellten  und  daher 
auf eines der beiden oder auf beide Unfallereignisse zurückzuführen 
seien (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 21. 
November 2001 E. 3d). Da das Gesetz für  diese Konstellation keine 
Bestimmung enthalte, sei Art. 99 Abs. 2  der Verordnung über die Un-
fallversicherung vom 20. Dezember  1982  (UVV, SR 832.202)  analog 
anzuwenden. In Fällen wie dem vorliegenden – wenn also die Unfall-
kausalität eines Rückfalls feststehe, eine eindeutige Zuordnung zu ei-
nem von mehreren Unfallereignissen jedoch nicht möglich sei – könne 
man die Regel  aufstellen,  dass stets  derjenige Unfallversicherer  voll 
leistungspflichtig  sei,  welcher  dem Rückfall  in  zeitlicher  Hinsicht  am 
nächsten stehe (a.a.O. E. 4a am Ende).

F.
Die "Zürich"  focht  das Urteil  des Versicherungsgerichts des Kantons 
Aargau vom 21. November 2001 mit Beschwerde vom 18. Dezember 
2001  beim Eidgenössischen  Versicherungsgericht  an  mit  den  Anträ-
gen, das angefochtene Urteil sei aufzuheben und der Einspracheent-
scheid der "Zürich" vom 17. Mai 2001 sei zu bestätigen. Eventualiter 
sei Art. 100 UVV analog anzuwenden und der "Zürich" eine Rückgriffs-
quote von 50% auf die Vaudoise zu gewähren. 

Seite 3

C-6/2006

G.
Mit Urteil vom 17. Juli 2002 (act. Z-105) wies das Eidgenössische Ver-
sicherungsgericht  die  Beschwerde  der  "Zürich"  vom  18.  Dezember 
2001 ab. Es bestätigte die Feststellung des Versicherungsgerichts des 
Kantons  Aargau,  wonach  eine  überwiegend  wahrscheinliche  Zuord-
nung  der  im  Oktober  1999  operierten  Rotatorenmanschettenruptur 
rechts zu einem der beiden Unfallereignisse nicht möglich sei. Dieser 
Umstand dürfe nicht dazu führen, dass eine Leistungspflicht des Un-
fallversicherers  entfalle  und  die  Kosten  vom  Versicherten  zu  tragen 
seien. Es rechtfertige sich nicht, den Versicherten die Folgen der Be-
weislosigkeit  tragen zu lassen,  wenn eine eindeutige Zuordnung der 
Gesundheitsschädigung zu mehreren versicherten Unfällen aus medi-
zinischer Sicht nicht möglich sei, die Unfallkausalität als solche jedoch 
feststehe. Das Eidgenössische Versicherungsgericht erwog, keine der 
in  Art. 99 und 100 UVV enthaltenen Bestimmungen seien direkt  auf 
den  zu  beurteilenden  Fall  übertragbar.  Dem  Norminhalt  nach  liege 
eine analoge Anwendung von Art. 100 UVV, insbesondere von Art. 100 
Abs. 2 UVV, wohl näher als diejenige von Art. 99 Abs. 2 UVV. Welche 
Bestimmung als analog anwendbar zu betrachten sei, könne indessen 
offen bleiben, da beide Normen auf dem Grundsatz beruhten, dass der 
zuletzt zuständige Unfallversicherer die vollen Leistungen zu erbringen 
habe.  Die  genannten  Verordnungsbestimmungen  unterschieden  sich 
zwar insofern, als Art. 99 Abs. 2 UVV eine Rückerstattungspflicht der 
anderen Versicherer nur für Unfälle vorsehe, die zu einer Rentenleis-
tung  oder  einer  Integritätsentschädigung  führten,  während  Art.  100 
Abs. 2 UVV eine solche Pflicht für sämtliche Leistungen statuiere. Im 
Rahmen dieser Bestimmungen sei es jedoch primär Sache der betei-
ligten Unfallversicherer, sich über die Aufteilung der Leistungspflicht zu 
einigen. Komme keine Einigung zustande, entscheide das Bundesamt 
für Sozialversicherung nach dem in Art. 78a UVG festgehaltenen Ver-
fahren. Demzufolge könne auch dem Eventualantrag der "Zürich", wo-
nach die Vaudoise zur Rückerstattung von 50% der von der "Zürich" zu 
erbringenden  Leistungen zu verpflichten sei,  nicht  entsprochen wer-
den. 

H.
Bezugnehmend auf  das  erwähnte  Urteil  des  Eidgenössischen  Versi-
cherungsgerichts  vom 17. Juli  2002 fragte  die "Zürich"  die Vaudoise 
mit Schreiben vom 5. August 2002 (act. Z-106) an, ob diese bereit sei, 
ihr 50% der Aufwendungen aus dem Rückfall vom 2. Juli 1999 gestützt 
auf Art. 100 Abs. 2 UVV zurückzuerstatten. Die Vaudoise lehnte eine 

Seite 4

C-6/2006

Kostenbeteiligung  mit  Antwortschreiben  vom  7.  August  2002  (act. 
Z-107) ab.

I.
Mit Gesuch vom 14. August 2002 (act. Z-108) beantragte die "Zürich" 
beim Bundesamt für Sozialversicherung (heute: Bundesamt für Sozial-
versicherungen; nachfolgend: BSV) den Erlass einer Verfügung nach 
Art. 78a UVG mit dem Begehren, die Vaudoise sei zu verpflichten, ihr 
in analoger Anwendung von Art. 100 Abs. 2 UVV 50% ihrer Aufwen-
dungen  für  die  UVG-Leistungen  bezüglich  der  rechten  Schulter  von 
A._______ zurückzuerstatten. 

J.
Mit  Brief  vom  26.  September  2002  (act.  Z-110)  lud  das  BSV  die 
Parteien  zu  einem  Vermittlungsgespräch  ein.  Während  die  "Zürich" 
ihre Teilnahme mit Schreiben vom 30. September 2002 (act. Z-111) zu-
sagte, erklärte die Vaudoise mit Schreiben vom 2. Oktober 2002 (act. 
Z-112 S. 2),  sie sehe keinen Anlass, an einem Vermittlungsgespräch 
teilzunehmen,  da  das  Gesetz  im  vorliegenden  Fall  keine  Leistungs-
aufteilung vorsehe und sie sich daher nicht an den Aufwendungen der 
"Zürich" zu beteiligen habe.

K.
Aufgrund dieser Rückmeldungen gelangte das BSV mit Brief vom 18. 
November 2002 (act. Z-114) erneut an die Parteien und hielt  an der 
Durchführung eines Einigungsgesprächs fest. Zur Begründung führte 
es an, das Eidgenössische Versicherungsgericht habe in seinem Urteil 
vom 17. Juli 2002 festgehalten, es sei primär Sache der beteiligten Un-
fallversicherer, sich bei negativen Kompetenzkonflikten über die Auftei-
lung der Leistungspflicht zu einigen. Eine Sitzung erscheine daher un-
umgänglich. 

L.
Die Vaudoise erklärte  mit  Schreiben vom 6. Dezember  2002 an das 
BSV,  bei  der  aufgeworfenen  Problematik  handle  es  sich  um  eine 
Grundsatzfrage,  welche  durch  einen  rechtskräftigen  Beschluss  ent-
schieden werden müsse. Das BSV habe eine beschwerdefähige Verfü-
gung zu erlassen.

M.
Mit  Brief  vom 19. Dezember 2002 (act. Z-118) an die "Zürich" sagte 
das BSV das anberaumte Vermittlungsgespäch ab und stellte dieser 

Seite 5

C-6/2006

ein Exemplar der Empfehlung Nr. 3/89 der Ad-hoc-Kommission Scha-
den UVG in der seit 1. Januar 2003 in Kraft stehenden, totalrevidierten 
Fassung vom 8. November 2002 zu mit der Aufforderung mitzuteilen, 
wie die "Zürich" die Situation in Anbetracht der neuen Empfehlung be-
urteile, und Beweise vorzulegen, aus denen sich eine Abweichung von 
der Aufteilung der Leistungspflicht gemäss der genannten Empfehlung 
herleiten liesse. 

N.
Die "Zürich" antwortete mit  Schreiben vom 27. Dezember 2002 (act. 
Z-119), sie habe die interne Teilungsregel, wie sie nun empfohlen wer-
de, schon vor der Totalrevision der Empfehlung Nr. 3/89 als angemes-
sen erachtet, und verwies auf ihr Gesuch vom 14. August 2002. Eine 
Abweichung vom Grundsatz der  Aufteilung zu gleichen Teilen werde 
von ihr nicht beantragt. 

O.
Die Vaudoise wurde ebenfalls mit  Brief  des BSV vom 19. Dezember 
2002 aufgefordert,  zur  revidierten  Fassung der  Empfehlung Nr. 3/89 
der Ad-hoc-Kommission Schaden UVG vom 8. November  2002 Stel-
lung zu nehmen.

P.
Mit Stellungnahme vom 29. Januar 2003 hielt die Vaudoise dafür, die 
genannte Empfehlung sei weder für die Versicherer noch für die Rich-
ter verbindlich. Eine Beteiligung an den Kosten aus dem Rückfall lehn-
te sie weiterhin ab mit der Begründung, es fehle an einer gesetzlichen 
Grundlage  für  eine  Leistungsaufteilung,  wenn kein  mit  dem Beweis-
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargelegter Leistungsan-
spruch bestehe. Vielmehr komme Art. 36 Abs. 1 UVG zu Anwendung, 
wonach der zuständige Versicherer die Kosten beim Zusammentreffen 
verschiedener Schadensursachen allein zu tragen habe.

Q.
Mit Verfügung vom 23. Mai 2003 (act. Z-123) verpflichtete das BSV die 
Vaudoise,  die  Hälfte  der  aus  dem Rückfall  entstandenen  Kosten  zu 
übernehmen und der "Zürich" die Hälfte der bereits entstandenen Kos-
ten zurückzuerstatten. Es begründete den Entscheid im Wesentlichen 
damit, dass das Gesetz in allen analogen Fällen eine Rückerstattungs-
pflicht vorsehe, wenn der Kausalzusammenhang feststehe. Eine inter-
ne Aufteilung der Leistungen sei daher auch dann gerechtfertigt, wenn 
nicht  bewiesen werden könne, welchem Unfall  der Rückfall  zuzuord-

Seite 6

C-6/2006

nen sei. Andernfalls müsse der zweite Unfallversicherer die Folgen der 
Beweislosigkeit tragen. Gemäss der Empfehlung Nr. 3/89 der Ad-hoc-
Kommission Schaden UVG vom 8. November 2002, in Kraft seit 1. Ja-
nuar 2003, gelte für die interne Aufteilung unter den Versicherern die 
Vermutung, dass alle Unfälle zu gleichen Teilen kausal seien, so dass 
die Leistungen gleich auf die betroffenen Versicherer aufzuteilen seien. 
Verlange ein Versicherer eine andere Aufteilung, so habe er klare Be-
weise  vorzulegen. Diese  Direktive  entspreche  den  Grundsätzen  des 
Art. 100 Abs. 2 UVV, welcher eine Leistungsaufteilung nach Massgabe 
der Verursachung und die Möglichkeit  einer abweichenden Vereinba-
rung vorsehe. Im vorliegenden Fall erscheine eine Aufteilung zu glei-
chen Teilen sinnvoll. 

Der Auffassung der Vaudoise, es handle sich um einen Anwendungs-
fall von Art. 36 Abs. 1 UVG, könne nicht gefolgt werden. Dieser Artikel 
regle die Beschränkung der Leistungskürzung beim Zusammentreffen 
verschiedener Schadensursachen, wobei es um das Zusammentreffen 
von Unfallfolgen mit unfallfremden Faktoren gehe, nicht um die Auftei-
lung der Leistungen zwischen Unfallversicherern. Art. 36 Abs. 1 UVG 
finde demnach keine Anwendung.

R.
Die  Vaudoise  focht  diese  Verfügung  mit  Beschwerde  vom  19.  Juni 
2003 beim Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) an mit den 
Anträgen, die Verfügung des BSV vom 23. Mai 2003 sei aufzuheben, 
und  die  Stellungnahme  der  Vaudoise,  wonach  keine  Aufteilung  der 
UVG-Leistungen vorzunehmen sei, sei zu bestätigen. 

S.
Mit Vernehmlassung vom 14. Juli 2003 hielt das BSV an seiner Verfü-
gung vom 23. Mai  2002 fest  und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.

T.
Die Vaudoise hielt mit Replik vom 15. August 2003 an ihrer Beschwer-
de fest.

U.
Das Verfahren wurde am 1. Januar 2007 vom Bundesverwaltungsge-
richt übernommen. Mit Verfügung vom 26. Februar 2007 wurde von der 
Beschwerdeführerin  ein  Kostenvorschuss  von Fr. 4000.-  einverlangt, 
welcher am 2. März 2007 einging.

Seite 7

C-6/2006

V.
Mit  Verfügung vom 21. Mai  2007 wurden der "Zürich" die Replik der 
Vaudoise vom 15. August 2003 und das verfahrensleitende Schreiben 
des GS EDI vom 21. Juni 2006 zugestellt. Die "Zürich" liess mit Be-
schwerdeantwort vom 24. Mai 2007 die vollumfängliche Abweisung der 
Beschwerde beantragen.

W.
Mit Triplik vom 19. Juli 2007 bestätigte die Vaudoise ihre Beschwerde-
anträge  unter  Verweis  auf  die  Beschwerdeschrift  vom 19. Juni  2003 
und die Replik vom 15. August 2003. 

X.
Der Schriftenwechsel wurde mit  Verfügung vom 10. August 2007 ge-
schlossen. Gegen die mit Verfügung vom 26. Februar 2007 bzw. vom 
3. Dezember 2008 bekannt gegebene Zusammensetzung des Spruch-
körpers sind keine Ausstandsbegehren eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  sofern  es  zuständig 
ist, die Beurteilung der beim Inkrafttreten des Verwaltungsgerichtsge-
setzes bei Eidgenössischen Rekurs- oder Schiedskommissionen oder 
bei  Beschwerdediensten  der  Departemente  hängigen  Rechtsmittel. 
Die  Beurteilung  erfolgt  nach  neuem Verfahrensrecht  (Art.  53  Abs. 2 
des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht un-
ter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Beim 
angefochtenen Entscheid des BSV handelt es sich um eine Verfügung 
im Sinn von Art. 5 VwVG; eine sachliche Ausnahme gemäss Art. 32 
VGG liegt  nicht  vor. Zulässig  sind  Beschwerden  gegen Verfügungen 
von Vorinstanzen gemäss Art. 33 VGG. Bis zum 31. Dezember 2003 
war das BSV zum Erlass von Verfügungen gemäss Art. 78a UVG zu-
ständig (vgl. Art. 78a UVG in der ab 1. Januar 1994 in Kraft stehenden 
Fassung gemäss Anhang Ziff. 21 der Verordnung vom 3. Februar 1993 
über Vorinstanzen des Bundesgerichts und des Eidgenössischen Ver-

Seite 8

C-6/2006

sicherungsgerichts,  in  Kraft  bis  31. Dezember  2006 [AS 1993 910]). 
Nachdem das bis anhin im BSV angesiedelte Geschäftsfeld Kranken- 
und  Unfallversicherung  am 1. Januar  2004  vom Bundesamt  für  Ge-
sundheit  (BAG) übernommen worden ist,  liegt  die  Zuständigkeit  seit 
dem 1. Januar 2004 beim Bundesamt für Gesundheit (vgl. redaktionell 
angepasste, in Kraft stehende Fassung von Art. 78a UVG). Sowohl das 
BSV als auch das BAG sind Vorinstanzen im Sinn von Art. 33 Bst. d 
VGG. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit für die Behandlung der 
vorliegenden Beschwerde zuständig. 

Im Folgenden wird der Begriff  "Vorinstanz" sowohl für  das BSV (zu-
ständig bis zum 31. Dezember 2003) als auch für das BAG (zuständig 
seit dem 1. Januar 2004) verwendet. 

1.3 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil-
genommen. Sie ist durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt und hat an deren Aufhebung oder Änderung ein schutzwürdiges 
Interesse im Sinn von Art. 48 Abs. 1 VwVG. Sie ist daher grundsätzlich 
zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist deshalb einzutreten. 

1.4 Die Beschwerdegegnerin hat als Gesuchsgegnerin am Verfahren 
vor  der  Vorinstanz teilgenommen. Die  Aufhebung der  angefochtenen 
Verfügung würde in den Bestand ihrer Rechte und Pflichten eingreifen; 
demnach besteht ihr Interesse darin, dass die Beschwerde abgewie-
sen und die  angefochtene Verfügung bestätigt  wird. Nach der  Lehre 
gelten  Verfahrensbeteiligte  in  diesem Sinn als  Gegenparteien,  wenn 
sie  sich  den  Anträgen  der  beschwerdeführenden  Partei  mit  eigenen 
Anträgen widersetzen (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, 
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.1; 
ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, Rz. 527 und 707). 
Diese Voraussetzung ist  vorliegend erfüllt,  so dass die Beschwerde-
gegnerin als Partei im Sinn von Art. 6 VwVG zu betrachten ist. 

2.
Mit  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  gerügt 
werden,  die  angefochtene  Verfügung  verletze  Bundesrecht  (ein-
schliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens), beruhe 
auf einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts oder sei unangemessen (Art. 49 VwVG).

Seite 9

C-6/2006

3.
Streitig und zu prüfen ist  im vorliegenden Fall,  ob die Vorinstanz die 
Beschwerdeführerin zu Recht dazu verpflichtet hat, sich zur Hälfte an 
den aus dem Rückfall vom 2. Juli 1999 entstandenen Kosten zu beteili-
gen bzw. der Beschwerdegegnerin 50% der von dieser übernommenen 
Kosten zurückzuerstatten.

4.
Vorab ist zu prüfen, welche Rechtsnormen im vorliegenden Verfahren 
zur Anwendung gelangen. 

4.1 Nach  den  allgemeinen  intertemporalrechtlichen  Regeln  sind  in 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  diejenigen  Rechtssätze  massgebend, 
welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 
130 V 1 E. 3.2). Gemäss Art. 1 Abs. 2 Bst. c UVG kommt im Verfahren 
um geldwerte Streitigkeiten zwischen Versicherern nicht das Bundes-
gesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialver-
sicherungsrechts (ATSG, SR 830.1), sondern das VwVG zur Anwen-
dung. 

4.2 In  materiellrechtlicher  Hinsicht  sind  grundsätzlich  diejenigen 
Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen 
führenden Sachverhalts Geltung haben (BGE 130 V 329 E. 2.3). Da 
die  Leistungskoordination  zwischen der  Beschwerdeführerin  und der 
Beschwerdegegnerin  in  Bezug  auf  die  Ansprüche  des  Versicherten 
aus dem Rückfall vom 2. Juli 1999 strittig ist, sind vorliegend die Be-
stimmungen des UVG und der UVV in der in diesem Zeitpunkt gültig 
gewesenen Fassung anwendbar. 

5.
5.1 Die  Beschwerdeführerin  begründet  ihre  Beschwerde  damit,  die 
vom Bundesrat gestützt auf Art. 77 Abs. 3 UVG erlassenen Art. 99 und 
100 UVV sähen eine Aufteilung der Leistungen dann vor, wenn gegen-
über mehreren Versicherern gleichzeitig ein Leistungsanspruch beste-
he. Hingegen fehle es an einer gesetzlichen Grundlage für eine Leis-
tungsaufteilung,  wenn  kein  mit  dem  erforderlichen  Beweisgrad  der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargelegter Leistungsanspruch be-
stehe. Folglich gelte die Regel, dass derjenige Unfallversicherer leis-
tungspflichtig sei, der dem Rückfall in zeitlicher Hinsicht am nächsten 
stehe. Ansonsten müsste in  allen anderen Fällen,  in denen mehrere 
Schadensursachen  vorkämen,  eine  solche  Aufteilung  vorgenommen 
werden. Dass dies nicht der Wille des Gesetzgebers gewesen sei, zei-

Seite 10

C-6/2006

ge Art. 36 UVG, der seit  dem Inkrafttreten des ATSG mit  der Sach-
überschrift  "Zusammentreffen  verschiedener  Schadensursachen"  er-
gänzt worden sei. Der Passus "teilweise Folge eines Unfalles" in Art. 
36 Abs. 1 UVG sei nicht restriktiv als "unfallfremd" zu verstehen. Viel-
mehr beziehe er sich auf den letzten Unfall und schliesse somit andere 
Unfälle  als  Schadensursachen  keineswegs  aus.  Dennoch  sei  keine 
Aufteilung  eingeführt  worden,  weil  der  Versicherte  über  einen  Leis-
tungsanspruch gegenüber dem letzten Versicherer verfüge und somit 
keine Nachteile erleide. Somit finde keine Rückvergütung statt, wenn 
ein einziger Versicherer leistungspflichtig sei. 

Die  Revisionen  der  Empfehlung  Nr.  3/89  der  Ad-hoc-Kommission 
Schaden UVG vom 8. November 2002 und vom 4. April 2003 stellten 
eine Kompetenzüberschreitung dar. Eine Ausweitung der Teilungsregel 
durch Analogieschlüsse rechtfertige sich in Ermangelung einer gesetz-
lichen Grundlage nicht.

Eine hälftige Aufteilung der Kosten sei überdies willkürlich. Art. 99 und 
100 UVV bestimmten,  dass eine Rückerstattung anteilsmässig,  d. h. 
nach Massgabe der  Verursachung zu erfolgen habe. Lasse sich  der 
Anteil der Verursachung nicht bestimmen, könne auch keine Aufteilung 
erfolgen.

5.2 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, es könne nicht angehen, 
dass sie bei Vorliegen einer alternativen Kausalität, also Beweislosig-
keit, im Innenverhältnis voll belastet bleibe. Das Eidgenössische Versi-
cherungsgericht lasse im Urteil  vom 17. Juli 2002 durchblicken, dass 
es geneigt wäre, Art. 100 Abs. 2 UVV auf die gesetzlich nicht geregelte 
Problematik anzuwenden und eine Rückerstattungspflicht von 50% der 
Beschwerdeführerin zu bejahen.

5.3 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid mit dem Argument, eine 
interne Aufteilung der Leistungspflicht sei in allen analogen Fällen vor-
gesehen. Gemäss Urteil  des Eidgenössischen Versicherungsgerichts 
vom 17. Juli 2002 liege eine analoge Anwendung von Art. 100 Abs. 2 
UVV dem Norminhalt nach näher als Art. 99 Abs. 2 UVV. Die Empfeh-
lung Nr. 3/89 der Ad-hoc-Kommission Schaden UVG, wonach eine Auf-
teilung  zu  erfolgen  habe,  entspreche  den  Grundsätzen  der  Art.  77 
UVG und Art. 99 und 100 UVV. Da die Beschwerdeführerin keine Be-
weise vorlegen könne, welche eine andere als die hälftige Aufteilung 
nahelegen würden,  habe sie der  Beschwerdegegnerin 50% der Auf-

Seite 11

C-6/2006

wendungen aus der im Oktober 1999 vorgenommenen Operation der 
rechten Schulter des Versicherten zurückzuerstatten.

6.
Vorliegend ist die Frage zu prüfen, welcher Versicherer für die Folgen 
des Rückfalls aufzukommen hat. 

Bei einem Rückfall handelt es sich um ein Wiederaufflackern einer ver-
meintlich  geheilten  Unfallfolge  mit  erneuter  Behandlungsbedürftigkeit 
und / oder Arbeitsunfähigkeit. Der Rückfall schliesst sich somit begriff-
lich an ein bestehendes Unfallereignis an. Er löst eine Leistungspflicht 
des  (damaligen)  Unfallversicherers  aus,  wenn  zwischen  den  erneut 
geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten 
Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater 
Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c; ALFRED MAURER, 
Sozialversicherungsrecht, Basel 1997, S. 277; THOMAS LOCHER, Grund-
riss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 220). Für 
Rückfälle  (wie  auch  für  Spätfolgen)  werden  Versicherungsleistungen 
gewährt,  unter Vorbehalt der hier nicht interessierenden, für Bezüger 
von Invalidenrenten geltenden Voraussetzungen (Art. 11 UVV).

6.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei derjenige Unfallver-
sicherer leistungspflichtig,  der  dem Rückfall  in  zeitlicher  Hinsicht  am 
nächsten  stehe.  Eine  Aufteilung  der  Leistungspflicht  bei  mehreren 
Schadensursachen sei nicht der Wille des Gesetzgebers gewesen, wie 
Art. 36 UVG zeige.

Massgeblich  im  vorliegenden  Fall  sei  Art.  36  UVG  in  der  bis  zum 
31. Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung (vgl. E. 4.2), angesie-
delt  im  Dritten  Titel:  "Versicherungsleistungen",  3.  Kapitel:  "Kürzung 
und Verweigerung von Versicherungsleistungen", 1. Abschnitt: "Zusam-
mentreffen verschiedener Schadensursachen". Art. 36 UVG regelt die 
Kürzung  von  Versicherungsleistungen,  wenn  die  Gesundheitsschädi-
gung nur teilweise Folge eines Unfalls ist. Thema dieser Bestimmung 
sowie des ganzen 3. Kapitels ist allein der (gekürzte oder verweigerte) 
Anspruch der versicherten Person, nicht die Kostenbeteiligung weite-
rer  Versicherer. Anders  als  die  Beschwerdeführerin  behauptet  ergibt 
die Auslegung der Formulierung "teilweise Folge eines Unfalls" in Art. 
36 Abs. 1 UVG klar, dass unfallfremde Ursachen, welche im Zusam-
menwirken mit einem Unfall  zu einer Gesundheitsschädigung geführt 
haben, gemeint sind. Eine andere Bedeutung kann dem Wortlaut von 
Art. 36 Abs. 1 UVG nicht entnommen werden. Der von der Beschwer-

Seite 12

C-6/2006

deführerin angesprochene Fall, dass mehrere, bei verschiedenen Ver-
sicherern versicherte Unfälle zu der gleichen Gesundheitsschädigung 
führen, ist zwar theoretisch denkbar, wäre jedoch kein Anlass für eine 
Leistungskürzung. In  Bezug auf  die  Leistungskoordination  unter  den 
Versicherern enthält Art. 36 UVG keine Regelung. 

6.2 Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, für eine Aufteilung der 
Leistungspflicht fehle es an einer gesetzlichen Grundlage. Deswegen 
dürfe die interne Teilungsregel  der Empfehlung Nr. 3/89 der Ad-hoc-
Kommission Schaden UVG vom 8. November 2002 nicht durch Analo-
gieschlüsse ausgeweitet werden.

Vom Bundesgericht mit  Urteil  vom 17. Juli  2002 bestätigt  und vorlie-
gend  nicht  zu  prüfen ist  die  Tatsache,  dass  die  Unfallkausalität  des 
Rückfalls vom 2. Juli 1999 erstellt  und eine Zuordnung zu einem der 
beiden Unfallereignisse nicht möglich ist. Der fehlende Nachweis der 
Kausalität im Sinn einer Festlegung auf eine (oder mehrere) bestimm-
te Ursache(n) betrifft  demnach beide Unfallversicherer. Die Verpflich-
tung des einen Versicherers zur Erbringung der gesamten Kosten ent-
behrt  in  der  vorliegenden  Konstellation  ebenso  einer  gesetzlichen 
Grundlage wie die Aufteilung der Leistungspflicht auf beide Versiche-
rer. Der Hinweis der Beschwerdeführerin auf das Fehlen einer gesetzli-
chen Grundlage für die Aufteilung der Leistungen greift daher zu kurz. 
Das Unfallversicherungsgesetz enthält für die Konstellation, dass eine 
Leistungspflicht besteht, jedoch infolge mehrerer möglicher Ursachen 
unklar ist, welcher Versicherer die Leistung zu erbringen hat, keine Be-
stimmung.  Deswegen  kann  nicht,  wie  von  der  Beschwerdeführerin 
sinngemäss  geltend  gemacht,  auf  ein  qualifiziertes  Schweigen  des 
Gesetzgebers geschlossen werden in dem Sinn, dass er die Frage der 
Leistungsaufteilung  negativ  geregelt  hätte.  Vielmehr  ist  bei  der  er-
wähnten Form der  Beweislosigkeit  in  Bezug auf  die Leistungsauftei-
lung von einer Gesetzeslücke auszugehen. Im Zentrum steht die Fra-
ge, welcher Versicherer das Risiko der Beweislosigkeit zu tragen hat. 

6.3 Eine Lücke des Gesetzes liegt vor, wenn sich eine gesetzliche Re-
gelung  als  unvollständig  erweist,  weil  sie  auf  eine  bestimmte  Frage 
keine  (befriedigende)  Antwort  gibt.  Bevor  eine  ausfüllungsbedürftige 
Lücke angenommen werden darf, ist durch Auslegung zu ermitteln, ob 
das Fehlen einer Anordnung nicht eine bewusst negative Antwort des 
Gesetzgebers, ein sogenannt qualifiziertes Schweigen darstellt  (BGE 
129 V 1  E. 4.1.1). Diese Frage wurde im vorliegenden Fall  verneint 

Seite 13

C-6/2006

(vgl. vorstehende E. 6.2). Das Gericht hat die Lücke nach jener Regel 
zu schliessen, die es als Gesetzgeber aufstellen würde (BGE 129 V 1 
E. 4.1.2 mit Hinweisen). Nach der Lehre spielt dabei der vergleichende 
Blick auf den gesetzlichen Kontext eine wichtige, allerdings nicht aus-
schliessliche Rolle. Die Feststellung von Lücken hat auch die Funktion, 
Inkonsequenzen in den Wertentscheidungen der Rechtsordnung auf-
zudecken und ihrer Beseitigung den Weg zu öffnen (REINHOLD ZIPPELIUS, 
Juristische  Methodenlehre,  10.  Auflage,  München  2006,  S.  65).  Die 
Schliessung der Lücke erfolgt durch extensive Auslegung einer Norm 
oder  durch  Analogieschluss,  wobei  umstritten  ist,  ob  der  Übergang 
zwischen Auslegung und analoger Anwendung des Gesetzes fliessend 
ist (so GUNTHER ARZT, Einführung in die Rechtswissenschaft, 2. Auflage, 
Basel/Frankfurt am Main 1996, S. 86) oder ob dazwischen eine klare 
Grenze liegt (so REINHOLD ZIPPELIUS, a.a.O., S. 72). In beiden Fällen sind 
der  zu  beurteilende  Sachverhalt  und  die  auszulegende  bzw. analog 
anzuwendende Norm einer Ähnlichkeitsprüfung zu unterziehen (GUN-
THER ARZT,  a.a.O.,  S.  86).  Die  Lückenfüllung  durch  Analogieschluss 
stellt eine wertende Generalisierung in dem Sinn dar, dass die Unter-
schiede zwischen den gesetzlich geregelten und den nicht geregelten 
Fällen nicht gewichtig genug sind, um eine unterschiedliche Behand-
lung zu rechtfertigen (REINHOLD ZIPPELIUS,  a.a.O., S. 68). Richtungswei-
send bei der Lückenfüllung soll ein nach der Meinung des Gerichts für 
die  betreffende  Rechtsgemeinschaft  repräsentatives  Werturteil  sein 
(GUNTHER ARZT, a.a.O., S. 87). 

7.
Für den Rückfall als Unfallfolge hat nach dem Gesagten in der Regel 
der Versicherer aufzukommen, der für den massgebenden Unfall leis-
tungspflichtig war. Für den Rückfall  vom 2. Juli  1999 kommen einer-
seits  mehrere  Ursachen  als  leistungsbegründende  Tatsachen,  ande-
rerseits  mehrere  Versicherer  als  Leistungserbringer  in  Frage. Es  gilt 
daher zu prüfen, ob das Gesetz eine Bestimmung enthält, welche auf 
diesen Sachverhalt – allenfalls analog – anwendbar ist. Dabei gelten 
wie erwähnt für  die Leistungspflicht  aus einem Rückfall  die  gleichen 
Voraussetzungen wie für diejenige aus einem Unfall, wobei vorliegend 
mit  Blick auf den Sachverhalt  – vorangegangen waren ein Motorrad- 
und ein Skiunfall  –  vorerst  der  Tatbestand des Nichtberufsunfalls  im 
Vordergrund steht. 

Weitere, bei der Suche nach vergleichbaren Tatbeständen im Gesetz 
zu berücksichtigende Sachverhaltselemente stellen die fehlende Kau-

Seite 14

C-6/2006

salität  in Bezug auf ein bestimmtes Unfallereignis (vgl. E. 6.2) sowie 
die Art der fraglichen Leistung (Heilungskosten) dar. 

7.1 Der Gesetzgeber hat die Leistungspflicht der Versicherer in Art. 77 
UVG geordnet. Art. 77 Abs. 1 UVG regelt die Leistungspflicht bei Be-
rufsunfällen und Berufskrankheiten, wenn nacheinander bei mehreren 
Versicherern  eine  Deckung  bestanden  hat.  Diese  Konstellation  liegt 
auch Art. 77  Abs. 2  UVG zugrunde,  wonach bei  Nichtberufsunfällen 
derjenige Versicherer die Leistungen erbringt, bei dem die verunfallte 
Person zuletzt auch gegen Berufsunfälle versichert war. Art. 77 Abs. 2 
UVG kann im vorliegenden Fall nicht herangezogen werden, weil der 
Kausalzusammenhang zwischen dem Rückfall und dem Grundereignis 
nicht erstellt ist. Da vorliegend nicht in Frage steht, bei welchem Versi-
cherer  der  Versicherte  zuletzt  auch  gegen  Berufsunfälle  versichert 
war, enthält diese Bestimmung für die Problematik, dass grundsätzlich 
beide  Versicherer  gleichermassen  als  Leistungspflichtige  in  Frage 
kommen, keine Lösung.

Art.  77  Abs.  3  UVG  delegiert  die  Befugnis  an  den  Bundesrat,  die 
Leistungspflicht und das Zusammenwirken der Versicherer in vier ab-
schliessend (vgl. dazu BGE 116 V 51 E. 1c) genannten Konstellationen 
zu ordnen: 

"a. für Versicherte, die von verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt  wer-
den;
b. bei  einem erneuten Unfall,  namentlich wenn er  zum Verlust  paariger 
Organe oder zu anderen Änderungen des Invaliditätsgrades führt;
c. beim Tode beider Elternteile;
d. bei  Berufskrankheiten,  die in mehreren, bei  verschiedenen  Versiche-
rern versicherten Betrieben verursacht wurden."

7.1.1 Gestützt auf Art. 77 Abs. 3 Bst. a UVG wurde Art. 99 UVV erlas-
sen. Entsprechend dem Wortlaut der Delegationsnorm ("von verschie-
denen Arbeitgebern beschäftigt") und der Sachüberschrift ("Leistungs-
pflicht bei Versicherten mit mehreren Arbeitgebern") regelt Art. 99 UVV 
das  Zusammenwirken  mehrerer  Versicherer,  bei  denen  gleichzeitig 
eine Deckung besteht. Obwohl  dieses Tatbestandselement im vorlie-
genden Fall nicht erfüllt ist, kann Art. 99 Abs. 2 UVV entnommen wer-
den,  dass  der  leistungspflichtige  Versicherer  bei  Nichtberufsunfällen, 
die  zu  einer  Rentenleistung  oder  zu  einer  Integritätsentschädigung 
führen,  von den anderen  Versicherern  die  Rückerstattung  der  Versi-
cherungsleistungen im Verhältnis des bei ihnen versicherten Verdiens-
tes  zum gesamten  versicherten  Verdienst  fordern  kann. Der  Verord-
nungsgeber hat somit in der Konstellation, dass bei mehreren Versi-

Seite 15

C-6/2006

cherern  gleichzeitig  eine Deckung besteht,  das  Kostentragungsrisiko 
für  einen  Nichtberufsunfall  demjenigen  Versicherer  überbunden,  bei 
dem die versicherte Person zuletzt tätig und für Nichtberufsunfälle ver-
sichert  war. Eine Rückerstattungspflicht  der  anderen Versicherer  be-
steht nur, wenn der Nichtberufsunfall zu einer Rentenleistung oder zu 
einer Integritätsentschädigung führt. 

7.1.2 Als Ausführungsvorschrift  von Art. 77 Abs. 3  Bst. b  UVG trägt 
Art.  100  UVV die  Überschrift  "Leistungspflicht  bei  erneutem Unfall". 
Wenn der Versicherte erneut verunfallt, während er wegen eines versi-
cherten Unfalls noch behandlungsbedürftig,  arbeitsunfähig und versi-
chert  ist,  so muss der bisher leistungspflichtige Versicherer auch die 
Leistungen für den neuen Unfall erbringen (Art. 100 Abs. 1 UVV). 

Verunfallt der Versicherte während der Heilungsdauer eines oder meh-
rerer Unfälle, aber nach der Wiederaufnahme einer versicherten Tätig-
keit, erneut und löst der neue Unfall Anspruch auf Taggeld aus, so er-
bringt der für den neuen Unfall leistungspflichtige Versicherer auch die 
Leistungen für die früheren Unfälle. Die anderen beteiligten Versiche-
rer  vergüten  ihm  diese  Leistungen,  ohne  Teuerungszulagen,  nach 
Massgabe der Verursachung; damit  ist  ihre Leistungspflicht  abgegol-
ten. Die beteiligten Versicherer können untereinander von dieser Re-
gelung  abweichende  Vereinbarungen  treffen,  namentlich  wenn  der 
neue Unfall wesentlich geringere Folgen hat als der frühere (Art. 100 
Abs. 2 UVV). 

Erleidet ein aus einem früheren Unfall Rentenberechtigter einen neuen 
Unfall  und führt  dieser  zu einer  Änderung des Invaliditätsgrades,  so 
muss der für den zweiten Unfall leistungspflichtige Versicherer sämtli-
che Leistungen ausrichten. Der für den ersten Unfall leistungspflichtige 
Versicherer  vergütet  dem anderen  Versicherer  den  Betrag,  der  dem 
Barwert  des Rentenanteils,  ohne Teuerungszulagen, aus dem ersten 
Unfall entspricht. Damit ist seine Leistungspflicht abgegolten (Art. 100 
Abs. 3 UVV). 

7.1.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung stehen Art. 100 
Abs. 1 und 2 UVV zueinander im Verhältnis von lex generalis und lex 
specialis  (BGE 120 V 65 E. 5c, vgl. auch  ALEXANDRA RUMO-JUNGO, Bun-
desgesetz über die Unfallversicherung, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 
2003, S. 320). Der Grundtatbestand des Art. 100 Abs. 1 UVV ist vorlie-
gend nicht erfüllt, da ein Rückfall zu beurteilen ist und der Versicherte 

Seite 16

C-6/2006

nicht etwa erneut verunfallt ist, während er wegen eines versicherten 
Unfalles noch behandlungsbedürftig und arbeitsunfähig gewesen wäre. 

Der Sachverhalt kann auch nicht unter Art. 100 Abs. 2 UVV subsumiert 
werden. Die differenzierenden Tatbestandsmerkmale in Art. 100 Abs. 2 
UVV lauten "aber nach der Wiederaufnahme einer versicherten Tätig-
keit" sowie "und löst der neue Unfall Anspruch auf Taggeld aus". Vorlie-
gend ist den Akten nicht zu entnehmen, dass der Rückfall zu Taggeld-
leistungen geführt hätte. Jedenfalls ist der Versicherte aber nicht wäh-
rend der Heilungsdauer einer der beiden fraglichen Unfälle und nach 
Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit erneut verunfallt.

Festzuhalten  bleibt  die  gesetzgeberische  Entscheidung,  im  Fall  der 
noch  andauernden  Behandlungsbedürftigkeit  und  Arbeitsunfähigkeit 
des Versicherten im Zeitpunkt des erneuten Unfalls den für den ersten 
Unfall leistungspflichtigen Versicherer die Kosten tragen zu lassen (Art. 
100 Abs. 1 UVV). Hingegen statuiert Art. 100 Abs. 2 UVV bei der glei-
chen Grundkonstellation, jedoch nach der Wiederaufnahme einer ver-
sicherten Tätigkeit und unter der Voraussetzung, dass der neue Unfall 
einen  Taggeldanspruch  auslöst,  die  Vorleistungspflicht  des  im  Zeit-
punkt  des  neuen Unfalls  zuständigen Versicherers  und gewährt  die-
sem ein Rückforderungsrecht gegenüber den anderen beteiligten Ver-
sicherern nach Massgabe der Verursachung. 

7.2 Als Zwischenergebnis kann festgehalten werden, dass die gestützt 
auf Art. 77 Abs. 3 Bst. a und b UVG erlassenen, vorstehend zitierten 
Verordnungsbestimmungen im Bereich der Berufs- und Nichtberufsun-
fälle  das  Zusammenwirken  mehrerer  Versicherer  ordnen,  nicht  aber 
deren Leistungspflicht bei mehreren möglichen Ursachen bzw. bei der 
hier interessierenden Beweisproblematik. Es ist keine eindeutige Ten-
denz des Gesetzgebers auszumachen, Kosten unter den Versicherern 
generell  aufzuteilen oder einem Versicherer allein zu überbinden. Al-
lenfalls könnte der Schluss gezogen werden, dass der Verordnungsge-
ber geneigt war, bei kleinen Beträgen die gesamten Kosten einem Ver-
sicherer zu überbinden (vgl. Art. 99 Abs. 2 erster Satz UVV und Art. 
100 Abs. 1 UVV), während er bei hohen Beträgen und bei Dauerleis-
tungen  die  Aufteilung  statuiert  hat  (vgl.  Art.  99  Abs. 2  zweiter  Satz 
UVV sowie Art. 100 Abs. 2 UVV). Diese Tendenz würde dafür  spre-
chen,  im vorliegenden Fall  der  Beschwerdegegnerin  die  Kosten aus 
dem Rückfall vom 2. Juli 1999 zu überbinden, da es sich lediglich um 
die  Heilungskosten  aus  der  Operation  der  rechten  Schulter  im Jahr 

Seite 17

C-6/2006

1999 handelt. Mit dieser Lösung, bei der die Beschwerdegegnerin zur 
Kostentragung  verpflichtet  würde,  ohne  dass  der  Kausalzusammen-
hang zwischen dem Rückfall vom 2. Juli 1999 und dem von ihr versi-
cherten Ereignis erstellt ist, würde jedoch das Risiko in Kauf genom-
men, dass in Wirklichkeit nicht die Beschwerdegegnerin, sondern die 
Beschwerdeführerin  leistungspflichtig  ist,  indem  die  Kausalität  zwi-
schen  dem  von  ihr  versicherten  Ereignis  und  dem  Rückfall  ebenso 
wahrscheinlich ist. Es fragt sich daher, ob das Gesetz oder die Materi-
alien Aussagen zu dem hier zu beurteilenden Risiko der Beweislosig-
keit enthalten. 

7.3 Die Problematik, dass möglicherweise zwei Versicherer für ein ver-
sichertes Ereignis einzustehen haben, jedoch infolge Zeitablaufs oder 
Art des Gesundheitsschadens nicht mehr festgestellt werden kann, zu 
welchen Anteilen  sie  leistungspflichtig  sind,  wird  im Zusammenhang 
mit  der  Versicherung von Berufskrankheiten thematisiert. In  der  Bot-
schaft vom 18. August 1976 zum  Bundesgesetz über die Unfallversi-
cherung (BBl 1976 III 141, hier 213) wird Art. 77 Abs. 3 des Entwurfs, 
welcher abgesehen von einer redaktionellen Änderung ("Versicherer" 
anstelle von "Versicherungsträger") wortgetreu als Art. 77 Abs. 3 UVG 
verabschiedet wurde, folgendermassen erläutert: 

"Über die Leistungspflicht und das Zusammenwirken der Versicherungs-
träger bei weiteren Tatbeständen, die zu einer Kumulation oder zum Ver-
lust  von  Versicherungsansprüchen führen  könnten,  wird  der  Bundesrat 
ergänzende Bestimmungen erlassen, so [...] über die Entschädigung von 
Berufskrankheiten,  bei  denen eine vorwiegende Verursachung in einem 
bestimmten Betrieb nicht festgestellt werden kann."

Mit diesem Passus ist  Art. 102 UVV angesprochen, welcher gestützt 
auf Art. 77 Abs. 3 Bst. d UVG erlassen wurde. Art. 102 Abs. 1 UVV re-
gelt als lex generalis die Leistungspflicht bei Berufskrankheiten, wenn 
nacheinander bei mehreren Versicherern eine Deckung bestanden hat. 
Die Leistungspflicht wird demjenigen Versicherer überbunden, bei dem 
die versicherte Person zur Zeit der letzten Gefährdung beschäftigt war. 
Art. 102 Abs. 1 UVV erklärt somit trotz Mehrfachkausalität denjenigen 
Versicherer als leistungspflichtig,  der dem versicherten Ereignis, hier 
dem Eintritt der Berufskrankheit, zeitlich am nächsten steht. Der Wort-
laut von Art. 102 Abs. 1 UVV sowie die zitierte Erläuterung in der Bot-
schaft zum UVG sprechen gegen die Annahme einer Vermutung, die 
zuletzt erlittene Gefährdung sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 
ursächlich für den Eintritt der Berufskrankheit. 

Seite 18

C-6/2006

Das differenzierende Merkmal im Tatbestand von Art. 102 Abs. 2 UVV 
lautet "Bezieht sich die Leistungspflicht auf eine Staublunge oder eine 
Lärmschwerhörigkeit". Für diesen Fall hat der Verordungsgeber abwei-
chend von Art. 102 Abs. 1 UVV die Aufteilung der Leistungspflicht un-
ter den Versicherern im Verhältnis der Dauer der gefährdenden Arbeit 
bei den jeweiligen Arbeitgebern zur Gesamtdauer der Gefährdung sta-
tuiert. Diese Lösung basiert  auf  der Überlegung,  dass in den Fällen 
der Staublunge und der Lärmschwerhörigkeit der Gesundheitsschaden 
typischerweise auf eine langfristige schädigende Einwirkung zurückzu-
führen ist  und der Grad der Verursachung jedes einzelnen Arbeitge-
bers  nicht  mehr  festgestellt  werden  kann  (vgl.  auch  ANDRÉ GHÉ-
LEW/OLIVIER RAMELET/JEAN-BAPTISTE RITTER, Commentaire de la loi sur l'as-
surance-accidents  [LAA],  Lausanne  1992,  S. 227-228). Dementspre-
chend wird der Anteil der Leistungspflicht (im Unterschied zu Art. 100 
Abs. 2 UVV) nicht nach Massgabe der Verursachung, sondern propor-
tional zur Dauer der gefährdenden Arbeit festgelegt. Der Verordnungs-
geber ist von der Vermutung ausgegangen, dass alle Gefährdungen zu 
dem  eingetretenen  Gesundheitsschaden  geführt  haben,  auch  wenn 
der Nachweis der Kausalität im Einzelfall nicht erbracht werden kann. 
Die Aufteilung der Kosten wurde nur für den Fall statuiert, in dem die 
Beweisnot am grössten ist. 

7.4 In die gleiche Richtung zielt die Empfehlung Nr. 3/89 der Ad-hoc-
Kommission Schaden UVG vom 8. November 2002. Die  Empfehlung 
stellt  keinen  Rechtserlass,  sondern  eine  standardisierte  Praxis  dar, 
welche von Vertretern  der  zugelassenen Unfallversicherer  vereinbart 
wurde. Weder die Versicherer selbst noch die übrigen Behörden sind 
daran gebunden. Die Empfehlungen der Ad-hoc-Kommission Schaden 
der UVG-Versicherer sind für  das Gericht zwar unverbindlich, jedoch 
unter  dem Gesichtspunkt  der  Rechtsgleichheit  von gewisser  Bedeu-
tung (BGE 126 V 353 E. 3, BGE 120 V 224 E. 4c, BGE 114 V 315 E. 
5c). Auch in zeitlicher Hinsicht spricht grundsätzlich nichts gegen die 
Berücksichtigung der Empfehlung Nr. 3/89 vom 8. November 2002, da 
eine neue Rechtspraxis auf alle im Zeitpunkt der richterlichen Beurtei-
lung noch nicht erledigten Fälle anwendbar ist. 

Ausgehend vom Grundsatz,  dass  derjenige Versicherer  vorleistungs-
pflichtig ist, dessen Versicherungsverhältnis dem Rückfall in zeitlicher 
Hinsicht am nächsten steht, empfiehlt die Richtlinie im gesetzlich nicht 
geregelten Fall,  dass bei  möglicher  Mehrfachkausalität  nicht  klar  ist, 
welches Ereignis als Grundfall zu betrachten ist, ebenfalls die Vorleis-

Seite 19

C-6/2006

tungspflicht desjenigen Versicherers, der dem Unfall zeitlich am nächs-
ten steht (vgl. Bst. a der Empfehlung am Ende). Zu beachten ist, dass 
die empfohlene Praxis bei nicht zuordnungsfähiger Kausalität explizit 
auf  das  Urteil  des  Eidgenössischen Versicherungsgerichts  U 417/01 
vom 17. Juli 2002 Bezug nimmt, welches im Verfahren zwischen dem 
Versicherten  und  den  Versicherern  (vgl.  Bst.  E. und  G.)  die  Vorleis-
tungspflicht der Beschwerdegegnerin auferlegt hat. Der genannte Pas-
sus  der  Empfehlung  betrifft  demnach  trotz  des  Wortlauts  "voll  leis-
tungspflichtig" lediglich die Vorleistungspflicht. Die Frage der Rücker-
stattung wird unter dem Titel "interne Teilungsregel" in Bst. b der Emp-
fehlung behandelt. Nach dieser Regel gilt  unter den Versicherern die 
Vermutung, dass alle Unfälle zu gleichen Teilen kausal sind, so dass 
die Leistungen gleich auf die betroffenen Versicherer aufzuteilen sind. 
Verlangt ein Versicherer eine andere Aufteilung, so hat er klare Bewei-
se vorzulegen. Da die Voraussetzungen der Anwendung der internen 
Teilungsregel nicht genannt werden, ist unklar, ob diese Regel nur auf 
den Fall der feststehenden Mehrfachkausalität oder auch auf den hier 
zu beurteilenden Fall der nicht bewiesenen, nur möglichen Mehrfach-
kausalität  zugeschnitten ist. Da in Bst. a der Empfehlung beide Kon-
stellationen erwähnt werden, lässt sich auch aus der systematischen 
Stellung der internen Teilungsregel  als  Bst. b der Empfehlung nichts 
ableiten. Immerhin erscheint  durch die Tatsache,  dass die Frage der 
Beweislosigkeit  in Bst. a behandelt  wird, die Annahme gerechtfertigt, 
dass Bst. b der Empfehlung auch für dieses Problem eine Lösung vor-
schlägt. Es ist daher davon auszugehen, dass die Vertreter der zuge-
lassenen Unfallversicherer mit der internen Teilungsregel nicht nur das 
Risiko schwer zu beweisender Teilkausalität, sondern auch dasjenige 
der  Beweislosigkeit  gleichmässig  auf  die  möglichen  Leistungsträger 
verteilen wollten.

8.
Die vorstehenden Erwägungen haben ergeben,  dass der zu beurtei-
lende Sachverhalt als Rückfall grundsätzlich unter Art. 11 UVV zu sub-
sumieren ist, dieser aber mangels Nachweises der Kausalität keinem 
der beiden in einem früheren Zeitpunkt erlittenen Unfälle zugeordnet 
werden kann. Art.  99  und 100 UVV sind  zwar  aufgrund von Art.  11 
UVG auch auf Rückfälle anwendbar, indem der Rückfall  nicht anders 
behandelt  werden soll  als  der  Unfall,  auf  den er  zurückzuführen ist; 
beide  Bestimmungen  führen  aber  bei  Beweislosigkeit  zu  keiner  Lö-
sung. Analoge Elemente zum vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt 
enthalten Art. 99 und 100 UVV insofern, als sie von einer Grundkons-

Seite 20

C-6/2006

tellation mit  mehreren Versicherern und mehreren Ursachen für  eine 
leistungsbegründende  Tatsache  ausgehen.  Eine  gesetzgeberische 
Leitlinie zu Gunsten oder zu Lasten einer Aufteilung der Kosten ist in 
Bezug auf die Beweisnot nicht  auszumachen. Einen Hinweis, wie im 
Fall  der  unsicheren  Beweislage  im  Innenverhältnis  trotz  erwiesenen 
Gesamtkausalzusammenhangs zu verfahren sei, enthält Art. 102 UVV 
betreffend  Berufskrankheiten. Indem diese  Bestimmung allerdings  in 
beiden  Varianten  von  einer  gesicherten  Mehrfachkausalität  ausgeht, 
bezieht sich die Unsicherheit  des Nachweises nicht  auf die Verursa-
chung überhaupt,  sondern nur auf deren Mass und Intensität. Daher 
enthält auch Art. 102 UVV keine Antwort auf die Frage, wer das Risiko 
der Beweislosigkeit zu tragen habe. 

Nichts deutet darauf hin, dass der Gesetzgeber das Risiko der Beweis-
losigkeit dem vorleistungspflichtigen Versicherer hätte überbinden wol-
len, zumal je nach Anwendbarkeit von Art. 99 Abs. 2 oder Art. 100 Abs. 
2  UVV  der  vorangehende  oder  der  nachfolgende  Versicherer  vor-
leistungspflichtig  ist.  Bei  dieser  Sach-  und  Rechtslage  erscheint  es 
durchaus angemessen, die Folgen der Beweislosigkeit beide involvier-
ten Unfallversicherer zu gleichen Teilen tragen zu lassen, wie das die 
Vorinstanz verfügt  und die Ad-hoc-Kommission Schaden UVG in der 
Empfehlung Nr. 3/98 vom 8. November 2002 festgelegt hat. 

Aus  diesen  Gründen  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum 
Schluss, dass der angefochtene Entscheid im Ergebnis zu bestätigen 
und die Kosten aus dem Rückfall vom 2. Juli 1999 hälftig auf die Be-
schwerdeführerin  und  die  Beschwerdegegnerin  aufzuteilen  sind. Die 
Beschwerde erweist  sich somit  als  unbegründet  und ist  daher abzu-
weisen.

9.
9.1 Das Verfahren ist grundsätzlich kostenpflichtig, wobei die Verfah-
renskosten in  der Regel  der unterliegenden Partei  auferlegt  werden. 
Unterliegt diese nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten ermäs-
sigt. Ausnahmsweise können sie ihr erlassen werden (Art. 63 Abs. 1 
VwVG). Da es sich vorliegend um eine Streitigkeit mit vermögensrecht-
lichen  Interessen  einer  juristischen  Person  handelt,  die  öffentlich-
rechtliche Aufgaben wahrnimmt, sind der unterliegenden Beschwerde-
führerin  die  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  2  zweiter 
Halbsatz VwVG). 

Seite 21

C-6/2006

9.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 und 2 des Regle-
ments  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) haben ob-
siegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ih-
nen erwachsenen notwendigen Kosten; obsiegt die Partei nur teilwei-
se, so ist die Parteientschädigung entsprechend zu kürzen. Keinen An-
spruch  auf  Parteientschädigung  haben  Bundesbehörden  und  in  der 
Regel  andere  Behörden,  die  als  Parteien  auftreten  (Art.  7  Abs.  3 
VGKE). Die  obsiegende  Vorinstanz  ist  eine  Bundesbehörde  im  Sinn 
von Art. 1 Abs. 2 Bst. a VwVG und hat gemäss Art. 7 Abs. 3 VGKE kei-
nen Anspruch auf Parteientschädigung. Nachfolgend ist zu prüfen, ob 
die  obsiegende  Beschwerdegegnerin  Anspruch  auf  eine  Parteient-
schädigung hat. 

Den  Bundesverwaltungsbehörden  gleichgestellt  sind  gemäss  Art.  1 
Abs. 2 Bst. e VwVG andere Instanzen und Organisationen ausserhalb 
der Bundesverwaltung, soweit sie in Erfüllung ihnen übertragener öf-
fentlich-rechtlicher Aufgaben des Bundes verfügen. Nach der bundes-
gerichtlichen  Rechtsprechung  sind  sowohl  die  Versicherungsgesell-
schaften als auch die Krankenkassen, welche gemäss Art. 68 UVG als 
Versicherer zugelassen sind,  Träger hoheitlicher Gewalt,  da das Ge-
setz  ihnen die  Befugnis  einräumt,  Verfügungen im Sinn des  Verwal-
tungsrechts zu erlassen (Urteil des Bundesgerichts 8C_324/2007 vom 
12. Februar 2008 E. 2.1). Im vorliegenden Fall  stehen Leistungen in 
Frage, welche die Beschwerdegegnerin als zugelassener Unfallversi-
cherer im Sinn von Art. 68 UVG in Durchführung der obligatorischen 
Unfallversicherung zu erbringen hat bzw. von einem mitbeteiligten Ver-
sicherer zurückfordern kann. Sie gilt somit als Trägerin hoheitlicher Ge-
walt  und damit als Behörde im Sinn von Art. 1 Abs. 2 Bst. e VwVG, 
welche gemäss Art. 7 Abs. 3 VGKE in der Regel keinen Anspruch auf 
Parteientschädigung hat. Das Bundesgericht hat gestützt auf Art. 159 
Abs. 2 OG privaten UVG-Versicherern sowie – von Sonderfällen abge-
sehen – den Krankenkassen keine Parteientschädigungen zugespro-
chen, weil sie hinsichtlich der Durchführung der obligatorischen Unfall-
versicherung als Organisationen mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben zu 
qualifizieren seien (vgl. BGE 127 V 176 E. 5b [nicht veröffentlicht, aber 
in U 329/99 vom 25. Juni 2001]; Urteil des Bundesgerichts U 416/99 
vom 18. Oktober  2000  i.S. SWICA gegen  O. und  Ersatzkasse  UVG 
E. 6; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-8/2006 vom 23. Septem-
ber  2008  E.  8.2.1;  HANSJÖRG SEILER,  in: Hansjörg Seiler/Nicolas  von 
Werdt/Andreas Güngerich [Hrsg.], Bundesgerichtsgesetz [BGG]: Bun-

Seite 22

C-6/2006

desgesetz  über  das  Bundesgericht,  Handkommentar,  Bern  2007, 
Art. 68 Rz. 25; MARCEL ALEXANDER NIGGLI/PETER ÜBERSAX/HANS WIPRÄCHTIGER 
[Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, Art. 66 
Rz. 28, Art. 68). Ausnahmen sind gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung gerechtfertigt, wenn das Verhalten der Gegenpartei leicht-
sinnig oder mutwillig ist oder wenn die besondere Art des Prozesses 
die Zusprechung von Parteikosten rechtfertigt (BGE 128 V 124 E. 5b). 
Eine derartige Ausnahmesituation ist vorliegend nicht gegeben.

Die Beschwerdegegnerin hat  folglich keinen Anspruch auf  Parteient-
schädigung. 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten  von Fr. 4000.-  werden der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  sind  durch  den  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 4000.- gedeckt. 

3.
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)
- das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben)
- die versicherte Person (Einschreiben)

Seite 23

C-6/2006

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Franziska Schneider Susanne Genner

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern,  Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. 
und 100 des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 
173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und 
hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und 
die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Be-
weismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen 
hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

Seite 24