# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 26146bf6-faae-5234-b8e8-d347de60dc29
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-09-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.09.2017 E-3033/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3033-2017_2017-09-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3033/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  S e p t e m b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Einzelrichterin Esther Marti, 

mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;    

Gerichtsschreiberin Tu-Binh Tschan. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), dessen Tochter 

B._______, geboren (…),  

zur Zeit in Äthiopien,  

beide Eritrea,  

vertreten durch MLaw Angela Stettler,  

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl);  

Verfügung des SEM vom 26. April 2017 / N (…). 

 

 

 

E-3033/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat am 30. März 2007 und 

reiste am 8. Oktober 2007 in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Asyl-

gesuch stellte. Am 26. August 2009 wurde er in der Schweiz als Flüchtling 

anerkannt, und es wurde ihm Asyl gewährt.  

Am 3. März 2010 reiste die Ehefrau des Beschwerdeführers zusammen mit 

dem gemeinsamen Kind (geboren […]) in die Schweiz ein, nachdem das 

auf Art. 51 AsylG (SR 142.31) gestützte Gesuch des Beschwerdeführers 

vom 28. Oktober 2009 gutgeheissen worden war.   

B.  

B.a Am 25. November 2016 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um 

Familienzusammenführung mit seiner aus einer früheren Beziehung stam-

menden Tochter B._______, die sich zu jenem Zeitpunkt noch in Eritrea 

aufhielt.  

B.b Mit Eingabe vom 27. Dezember 2016 kam der Beschwerdeführer einer 

Aufforderung des SEM vom 23. Dezember 2016 nach und äusserte sich 

ausführlich zu den gestellten Fragen.  

B.c Mit Schreiben des Sozialdienstes des Kantons (…) vom 3. Feb-

ruar 2017 liess er dem SEM die Kopie eines Schulzeugnisses sowie ein 

Foto und zwei Passfotos seiner Tochter einreichen und mitteilen, gemein-

same Fotos von ihm und seiner Tochter existierten leider nicht. 

B.d Am 24. Februar 2017 liess er auf demselben Weg mitteilen, die Be-

schwerdeführerin sei inzwischen von Eritrea nach Äthiopien geflüchtet und 

lebe derzeit in einem Camp namens (…). 

C.  

Mit Verfügung vom 26. April 2017 – eröffnet am 27. April 2017 – bewilligte 

das SEM die Einreise der Beschwerdeführerin nicht und lehnte das Gesuch 

um Familiennachzug ab.  

D.  

Mit Eingabe vom 29. Mai 2017 liessen die Beschwerdeführenden beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragten die Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung und die Zurückweisung der Sache 

an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur 

E-3033/2017 

Seite 3 

neuen Entscheidung. Eventualiter sei das Gesuch der Beschwerdeführerin 

um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl des Beschwerde-

führers gutzuheissen und ihr sei die Einreise in die Schweiz zu bewilligen.  

In prozessrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

und um Bestellung der rubrizierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Bei-

ständin ersucht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

E-3033/2017 

Seite 4 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 

Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um 

eine solche. 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung vorab fest, den Akten 

lasse sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin aus einer unehelichen 

Beziehung des Beschwerdeführers hervorgegangen sei. Er habe mit ihr 

und der Kindsmutter bis 2005 in C._______ in einem gemeinsamen Haus-

halt gewohnt. Danach sei es zur Trennung und zum Auszug des Vaters 

gekommen, weil er seine derzeitige Ehefrau geheiratet habe. Die Be-

schwerdeführerin und die Kindsmutter hätten bis 2013 weiterhin in 

C._______ gelebt. Nach dem Unfalltod der Kindsmutter im Jahr 2013 sei 

die Beschwerdeführerin zu ihrer Tante gezogen. Seit 2014 habe sie dann 

in C._______ alleine gelebt, da die Tante in den Sudan geflohen sei. Im 

Februar 2017 sei die Beschwerdeführerin sodann selbständig nach Äthio-

pien ausgereist.  

Die Vorinstanz stellte sich dann auf den Standpunkt, dass bei dieser Sach-

lage nicht von einer erzwungenen Trennung durch die Flucht gesprochen 

werden könne, sondern es sei eine freiwillige Trennung erfolgt, nämlich 

durch die Trennung des Vaters von der Kindsmutter im Jahr 2005. Zudem 

habe bereits vor der Ausreise des Vaters im Jahr 2007 keine gelebte Fa-

miliengemeinschaft mehr bestanden. Schliesslich sei festzustellen, dass 

der Vater und die Beschwerdeführerin nach seiner Ausreise – und nota 

bene nach der Regulierung seines Aufenthaltes in der Schweiz – keinen 

Willen hätten erkennen lassen, als Familie zusammenleben zu wollen. 

Dem Vater sei bereits im August 2009 in der Schweiz Asyl gewährt worden, 

er habe es dann allerdings während über sieben Jahren unterlassen, ein 

Einreisegesuch für die Beschwerdeführerin zu stellen. Er habe dies damit 

begründet, dass die Beschwerdeführerin in Eritrea ihr Umfeld gehabt und 

bis vor kurzem mit ihrer Mutter respektive Tante zusammengelebt habe. 

Nachdem sich diese familiäre Situation verändert habe, habe sie seit Juni 

2016 die Ausreise angestrebt und Eritrea im Februar 2017 schliesslich ver-

lassen. Diese Darstellung lasse erkennen, dass auch von Seiten der Be-

schwerdeführerin während mehreren Jahren keinerlei Bedürfnis bestanden 

habe, mit ihrem Vater zusammen zu leben. Andernfalls wären derlei Be-

mühungen zu einem früheren Zeitpunkt unternommen worden. Viel eher 

E-3033/2017 

Seite 5 

lasse dieser Ablauf darauf schliessen, dass sowohl für die Beschwerdefüh-

rerin als auch für den Vater die Familienvereinigung zum jetzigen Zeitpunkt 

opportun erscheine. Der im Gesuch geäusserte Wille sei also in erster Linie 

auf die veränderten Umstände zurückzuführen und weniger auf das kon-

stante, seit der Ausreise des Vaters andauernde Bedürfnis der beiden, zu-

sammenzuleben. Damit widerspreche die vorliegende Sachlage dem 

Grundgedanken der in Art. 51 AsylG geregelten Familienvereinigung und 

es lägen folglich „besondere Umstände“ vor, die zur Ablehnung des Ge-

suchs führten (m.H. auf BVGE 2012/32 E. 5.4.2).  

Unter diesen Umständen könne auf weitere Instruktionsmassnahmen, wie 

beispielsweise das Einfordern von Identitätspapieren oder dem Nachweis 

der genetischen Abstammung, verzichtet werden. 

5.  

5.1 Dem wird in der Beschwerdeschrift entgegengehalten, dass vorliegend 

das Kindeswohl im Vordergrund stehe, welches die Vorinstanz zu würdigen 

unterlassen habe. Unter Hinweis auf die Artikel 3, 9 und 10 des Überein-

kommens über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 (KRK, SR 

0.107) wird moniert, dass – obwohl diese Bestimmungen gemäss Recht-

sprechung des Bundesgerichts keinen unmittelbaren Anspruch auf die Er-

teilung einer ausländerrechtlichen Bewilligung gewährten – deren mittel-

bare Berücksichtigung im Rahmen der Auslegung ausländerrechtlicher 

Normen angezeigt sei. Unter Hinweis auf aktuelle Urteile des Europäischen 

Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) wird sodann argumentiert, 

dass die Kindesinteressen bei der Interessenabwägung im Zusammen-

hang mit Art. 8 EMRK hinsichtlich eines Aufenthaltsrechtes vorrangig zu 

berücksichtigen seien. Die Vorinstanz habe das Kindesinteresse mit kei-

nem Wort erwähnt, und es auch unterlassen, die urteilsfähige Beschwer-

deführerin anzuhören. Sie habe, ohne jegliche Abklärungen zu treffen, fest-

gestellt, die Tochter habe kein Interesse am Zusammenleben mit dem Be-

schwerdeführer gezeigt. Damit habe sie das rechtliche Gehör der Be-

schwerdeführerin verletzt. Die Sache sei zwecks Durchführung einer An-

hörung der Beschwerdeführerin sowie rechtsgenüglicher Sachverhaltsfest-

stellung und erneuter Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

5.2 Für den Fall, dass das Gericht zum Schluss gelangen sollte, dass eine 

Rückweisung nicht angezeigt erscheine, habe es die Voraussetzungen von 

Art. 51 AsylG als erfüllt zu erachten: 

E-3033/2017 

Seite 6 

So sei ein Kind, das aus einer Ehe oder eheähnlichen Gemeinschaft 

stamme, gemäss Rechtsprechung des EGMR ipso iure Teil des Familien-

lebens. Ab Geburt bestehe also ein geschütztes Familienleben zwischen 

dem Kind und seinen Eltern, welches nur unter aussergewöhnlichen Um-

ständen erlöschen könne. Der Vater der Beschwerdeführerin habe im Zeit-

punkt ihrer Geburt in einer festen Beziehung mit der Kindsmutter gelebt. 

Nach der Geburt hätten sie weitere fünf Jahre zusammengelebt, bevor es 

Ende 2005 zur Trennung von der Kindsmutter gekommen sei. Auch nach 

der Trennung habe der Vater die Beschwerdeführerin aber besucht und  

finanziell unterstützt. Sie habe den Vater ihrerseits im Gefängnis besucht. 

Folglich bestehe ein gemäss Art. 8 EMRK geschütztes Familienleben zwi-

schen dem Vater und der Beschwerdeführerin, welches nicht durch aus-

sergewöhnliche Umstände, wie beispielsweise eine Adoption oder einen 

vollständigen Abbruch der Beziehung, erloschen sei. Gemäss der Recht-

sprechung des EGMR sei selbst dann eine Verletzung von Art. 8 EMRK 

anzunehmen, wenn die Vater-Kind Beziehung seit mehreren Jahren unter-

brochen sei. Auch laut der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts sei bei Eltern-Kind-Beziehungen das Kriterium der beendeten Bezie-

hung nur modifiziert anwendbar, zumal solche Beziehungen auch durch 

räumliche Distanz nicht ohne weiteres enden würden (m.H. auf Urteil des 

BVGer E-730/2017 vom 4. Mai 2017). Massgeblich sei, ob vor der Flucht 

ein Familienverbund bestanden habe, und ob dieser freiwillig aufgegeben 

worden sei; nur bei freiwilliger Aufgabe könnten besondere Umstände im 

Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG vorliegen (m.H. auf Urteil des BVGer E-

5649/2016 vom 9. November 2016). Auch der Zeitpunkt des Nachzugsge-

suchs spiele keine Rolle. Ein Zusammenleben sei von beiden Seiten immer 

gewünscht worden, aber bis anhin am Wunsch der Beschwerdeführerin, 

auch mit der Mutter zusammen zu leben, gescheitert. Nach dem Tod der 

Mutter hätten die Beschwerdeführenden sich beide gewünscht, so schnell 

wie möglich vereint zu werden. Schliesslich wäre bis zum Tod der Mutter 

das Familienasyl ohnehin nicht gewährt worden, da dies zu einer Trennung 

von der Kindsmutter geführt hätte, welche als ehemalige Partnerin des ver-

heirateten Beschwerdeführers nicht hätte nachgezogen werden können. 

Zudem habe die Beschwerdeführerin auch unter der Verhaftung und Inhaf-

tierung des Vaters gelitten, und nach dessen Flucht habe für sie und die 

Kindsmutter die Gefahr bestanden, selbst von den Behörden gesucht zu 

werden, da die uneheliche Beziehung dem Vorgesetzten des Vaters be-

kannt gewesen sei. Damit treffe die Vermutung, die dem Familienasyl zu-

grunde liege, nämlich dass die engsten Familienangehörigen unter der 

Verfolgung des Ehegatten/Vaters im Heimatsstaat mitlitten oder selbst Ge-

fahr liefen, verfolgt zu werden, auf die Beschwerdeführerin zu. Schliesslich 

E-3033/2017 

Seite 7 

müsse auch im vorliegenden Verfahren das Kindeswohl nach Art. 3 KRK 

vorrangig berücksichtigt werden. Die minderjährige Beschwerdeführerin 

halte sich alleine, ohne familiäre Bezugspersonen, in einem Flüchtlingsla-

ger auf, wo sie besonders gefährdet sei, Opfer einer Entführung oder (se-

xueller) Misshandlung zu werden. Sie erhalte dort keine angemessene Be-

treuung und Erziehung, habe keinen Zugang zu Gesundheitsdienstleistun-

gen oder zu Bildung. Sie befinde sich somit wegen ihrer besonderen Ver-

letzlichkeit und der individuellen Umstände in einer besonderen Notlage. 

Das Kindeswohl spreche eindeutig für den Nachzug der Beschwerdefüh-

rerin. Zudem seien die besonderen Umstände, die den Anspruch auf Ein-

bezug in die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 51 Abs. 1 AsylG ausschlies-

sen würden, restriktiv zu handhaben. So seien entgegenstehende beson-

dere Umstände zwar anzunehmen, wenn das Familienleben während einer 

längeren Zeit nicht gelebt worden und erkennbar sei, dass die Familienmit-

glieder nicht den Willen hätten, als Familie zusammenzuleben. Indes sei 

hier ausführlich dargelegt worden, dass es nicht zu einem Unterbruch oder 

einer Beendigung der Beziehung zwischen Vater und Tochter gekommen 

sei. Die Beschwerdeführenden hätten klar den Willen zum Ausdruck ge-

bracht, als Familie zusammenleben zu wollen.  

Was ihre Trennung angehe, sei auch zu berücksichtigen, dass diese weni-

ger durch die Heirat des Vaters als durch seine Verhaftung beziehungs-

weise die darauf folgende Flucht erfolgt sei. Die Inhaftierung und Flucht 

seien als verknüpfte Geschehnisse und somit als Einheit zu betrachten. 

Der Familiennachzug dürfe nicht verweigert werden, wenn die Verfolgung 

und anschliessende Flucht zur Trennung von Familienangehörigen geführt 

habe.  

Schliesslich bestehe ein Anspruch auf Familienvereinigung gestützt auf 

Art. 8 EMKR, da der ausländerrechtliche Familiennachzug aufgrund der 

Sozialhilfeabhängigkeit des Beschwerdeführers nicht möglich sei. Die Ab-

lehnung des Gesuchs um Erteilung einer Einreisebewilligung würde so be-

deuten, dass die Beschwerdeführenden definitiv getrennt blieben, was ei-

nen unzulässigen Eingriff in ihr Familienleben wäre. Ausserdem würde eine 

Ablehnung des Gesuchs einzig aus dem Grund, dass der Beschwerdefüh-

rer nach der Eheschliessung nicht mehr mit seiner Tochter zusammen ge-

lebt habe, eine Verletzung des Diskriminierungsverbotes gemäss Art. 14 

EMRK darstellen. Gemäss dieser Auslegung würden Kinder von getrennt 

lebenden Eltern ohne sachlichen Grund allgemein schlechter gestellt als 

solche verheirateter Eltern.  

E-3033/2017 

Seite 8 

  

E-3033/2017 

Seite 9 

6.  

6.1 Gemäss Art. 51 AsylG, mit der Marginalie "Familienasyl", werden Ehe-

gatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge an-

erkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegen 

sprechen (Abs. 1). Wurden die anspruchsberechtigten Personen nach Ab-

satz 1 durch die Flucht getrennt und befinden sie sich im Ausland, so ist 

ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Abs. 4).  

Eine „conditio sine qua non" der Konzeption des Familienasyls, jedenfalls 

wenn die anspruchsberechtigte Person sich noch im Ausland befindet, ist, 

dass zum Zeitpunkt der Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden ha-

ben muss. Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 

AsylG für anspruchsberechtigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG setzt 

entsprechend eine vorbestandene Familiengemeinschaft, die Trennung 

der Familie durch die Flucht sowie die fest beabsichtigte Familienvereini-

gung in der Schweiz voraus (vgl. BVGE 2012/32 E.5). 

6.2 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zum Zweck des Fami-

lienasyls ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen 

zur Familiengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Fa-

miliengemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die fest 

beabsichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzu-

weisen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG).  

7.  

Hinsichtlich der formellen Rüge – die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör 

der Beschwerdeführerin verletzt, indem sie die Beschwerdeführerin nicht 

angehört und in der Verfügung die Kindesinteressen nicht ausdrücklich ge-

würdigt habe – ist zunächst auf die einschlägige Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts zu Art. 3 und 12 KRK, namentlich zum Anhörungs-

recht von Kindern im Asylverfahren, zu verweisen (BVGE 2012/31). Daraus 

geht hervor, dass die sich im Ausland aufhaltende minderjährige Be-

schwerdeführerin nur dann zwingend hätte persönlich befragt werden müs-

sen, wenn persönlichkeitsrechtliche Interessen betroffen wären, die sich 

nicht mit den Interessen der Eltern beziehungsweise des einen Elternteils 

decken würden. Sofern sich die Interessen aber decken – was vorliegend 

offensichtlich der Fall ist –, ist eine Vertretung durch die Eltern zureichend, 

und auf eine persönliche Anhörung der Kinder kann, wenn deren Stand-

punkt in den schriftlichen Eingaben genügend zum Ausdruck kommt, ver-

zichtet werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/31 E. 5.1–5.3). Vorliegend 

hat das SEM den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 23. Dezember 

E-3033/2017 

Seite 10 

2016 aufgefordert, die aufgelisteten Fragen zu beantworten. Diese Frage-

stellungen decken sämtliche für die Beurteilung des Familiennachzugsge-

suchs der Beschwerdeführenden notwendigen Aspekte ab, und das Inte-

resse der Beschwerdeführerin an einem Zusammenleben mit ihrem Vater 

in der Schweiz konnte in Vertretung durch ihn hinreichend in das Verfahren 

eingebracht werden. Damit konnte auch der Sachverhalt mit dem Antwort-

schreiben des Beschwerdeführers vom 26. Dezember 2016 als hinrei-

chend erstellt gelten.  

Auch der Rüge der implizit monierten Verletzung der Begründungspflicht – 

keine Würdigung des Kindeswohls – ist nicht stattzugeben. So sind die an-

gerufenen Artikel 3, 9 und 11 KRK allesamt nicht unmittelbar anwendbar 

und die beiden letzteren vorliegend ohnehin nicht einschlägig. Zur vorran-

gigen Berücksichtigung des Kindeswohls gemäss Art. 3 KRK im Kontext 

von Art. 51 AsylG besteht zudem keine Praxis, inwiefern die Kindesinteres-

sen berücksichtig werden könnten oder müssten. Unbehilflich erweist sich 

vorliegend die angerufene Rechtsprechung des EGMR zu Art. 8 EMRK, 

zumal für die Beurteilung eines Anspruches auf Familienvereinigung ge-

stützt auf Art. 8 EMRK nicht die Asyl- sondern die Migrationsbehörden zu-

ständig sind (vgl. auch E. 8 in fine).  

Der Antrag auf Rückweisung der Angelegenheit an das SEM zwecks An-

hörung der Beschwerdeführerin und der rechtsgenüglichen Sachverhalts-

feststellung und erneuter Entscheidung an die Vorinstanz ist abzuweisen. 

8.  

Betreffend die materielle Rüge steht insbesondere die Frage im Vorder-

grund, ob das gesetzliche Erfordernis der Trennung der vorbestehenden 

Familieneinheit durch die Flucht glaubhaft gemacht ist. Das Erfordernis 

wurde durch die Rechtsprechung dahingehend konkretisiert, dass die 

Trennung unfreiwillig erfolgt sein muss (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2). An 

der in der Beschwerdeschrift unter Hinweis auf das Urteil des BVGer E-

730/2017 vom 4. Mai 2017 angeführten Aussage, auf Eltern-Kind-Bezie-

hungen sei das Kriterium der beendeten Beziehung nur modifiziert an-

wendbar, zumal solche Beziehungen auch durch räumliche Distanz nicht 

ohne weiteres endeten, kann durchaus festgehalten werden. In Würdigung 

der gesamten Umstände des Einzelfalles gelangt das Gericht aber trotz-

dem zum selben Schluss wie die Vorinstanz, nämlich dass die Familien-

einheit zwischen den Beschwerdeführenden vorliegend vor der Flucht be-

reits freiwillig beendet worden ist. 

E-3033/2017 

Seite 11 

Die Beschwerdeführenden haben vor der Flucht des Beschwerdeführers 

nicht (zumindest nicht mehr) in einem gemeinsamen Haushalt gelebt. Dies 

geht aus dem Schreiben des Beschwerdeführers vom 27. Dezember 2016 

(vgl. oben Sachverhalt Bst. B.b) hervor, wonach die Beziehung zur Mutter 

der Beschwerdeführerin von 1999 bis 2005 gedauert habe und er während 

dieser Zeit im Militärdienst gewesen sei. Unabhängig davon, ob der Um-

stand, dass er nur während den Ferien mit den beiden zusammen gewohnt 

habe als „gemeinsamer Haushalt“ (davon geht das SEM zu Gunsten der 

Beschwerdeführenden in der Verfügung für die Dauer dieser Beziehung, 

bis 2005 also) zu betrachten ist oder nicht – anlässlich der Befragung zur 

Person vom 24. Oktober 2007 hatte der Beschwerdeführer nämlich auch 

angegeben, er habe von seiner Geburt an bis am 20. März 2007 in 

D._______ bei seinem Vater gewohnt – ist jedenfalls die Aufgabe jenes 

Familienverbundes als freiwillig erfolgt zu werten. Denn der Grund für die 

Trennung Ende 2005, rund 1¼ Jahr vor der Flucht des Beschwerdeführers, 

war seine Heirat mit seiner derzeitigen Ehefrau gewesen. An dieser Tatsa-

che vermögen die geltend gemachten angeblichen Besuche des Be-

schwerdeführers bei seiner Tochter nach der Trennung im Jahr 2005, die 

angeblich weiter geführte finanzielle Unterstützung oder der geltend ge-

machte einmalige Besuch der Beschwerdeführerin bei ihrem Vater im Ge-

fängnis im Jahr 2006 nichts zu ändern, zumal keinerlei Belege zu den Ak-

ten gereicht worden sind. Auch auf Aufforderung hin war der Beschwerde-

führer beispielsweise nicht in der Lage, gemeinsame Bilder von sich und 

seiner Tochter beizubringen, während er bereits anlässlich der Anhörung 

zu seinem Asylgesuch am 28. August 2008 ein Foto seiner Ehefrau und 

des gemeinsamen Kindes abgeben konnte.  

Weiter spielt der Zeitpunkt der Einreichung des Nachzugsgesuches, ent-

gegen der Ausführungen in der Beschwerdeschrift, in der vorliegenden 

Konstellation sehr wohl eine entscheidende Rolle, spricht er doch deutlich 

gegen eine noch gelebte Beziehung mit der Tochter nach der vollendeten 

Flucht – und ist damit zumindest auch Indiz dafür, dass die Beziehung im 

Zeitpunkt der Flucht nicht mehr gelebt worden ist – aber auch gegen den 

Willen, eine solche weiterzuführen. Der Hinweis auf das Urteil des BVGer 

E-730/2017 vom 4. Mai 2017 hilft nicht. Denn das Nachzugsgesuch war 

dort eben gerade unmittelbar nach der Asylgewährung an das in der 

Schweiz befindliche Familienmitglied gestellt und die Trennung durch die 

Flucht war anerkannt worden. Die Konstellation war eine andere, zumal es 

um den Widerruf der bereits bewilligten Einreisebewilligung ging. Das Bun-

desverwaltungsgericht stellte dann fest, dass alleine der Umstand, dass 

seit Erteilung der Einreisebewilligung mehr als acht Jahre verstrichen 

E-3033/2017 

Seite 12 

seien, nicht zum Schluss führe, der Familienverband sei inzwischen frei-

willig aufgegeben worden. Vorliegend lässt die Dauer bis zur Einreichung 

des Nachzugsgesuches durchaus auf die Freiwilligkeit der Aufgabe der Be-

ziehung, und gleichzeitig auch auf den nicht hinreichenden Willen, diese 

weiterzuführen, schliessen. Bezeichnenderweise hatte der Beschwerde-

führer für seine Ehefrau und das gemeinsame Kind (Jahrgang […]) unmit-

telbar nach der Gutheissung seines Asylgesuches ein Gesuch um Fami-

lienasyl gestützt auf Art. 51 AsylG gestellt (vgl. Sachverhalt Bst. A; N (…), 

Akten Schweizerische Reisedokumente). Demgegenüber bestehen keiner-

lei Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Ein-

reise in die Schweiz oder nach der Gewährung des Asyls die Absicht hatte, 

die damals bei ihrer Mutter lebende Beschwerdeführerin zu sich zu holen. 

Der Einwand, solches hätte eine Trennung der Tochter von der Mutter zur 

Folge gehabt, verfängt schon deshalb nicht, weil nach dem Tod der Mutter 

wiederum drei Jahre bis zur Gesuchseinreichung verstrichen sind und auch 

nach der Flucht der Tante, bei der die Beschwerdeführerin dann gelebt 

habe, erneut gut zwei Jahre, in denen die Beschwerdeführerin alleine ge-

lebt habe. In der Eingabe vom 26. Dezember 2016 konnte, zumal vor die-

sem Hintergrund, nicht glaubhaft dargelegt werden, dass der Beschwerde-

führer den Kontakt zu seiner Tochter seit seiner Ausreise in einer Weise 

aufrechterhalten hat, woraus hätte geschlossen werden können, der Wille 

zur Wiedervereinigung sei über die letzten zehn Jahre ununterbrochen da 

gewesen. Vielmehr akzentuieren die gemachten Aussagen gerade die Tat-

sache, dass das mit der Geburt begründete Vater-Tochter-Verhältnis nach 

der freiwilligen Trennung von der Kindsmutter in den letzten über zehn Jah-

ren nicht mehr gelebt worden und entsprechend auch kein hinreichender 

Wunsch, diese Beziehung weiterzuführen anzunehmen ist. Daran ändern 

weder die auf Beschwerdeebene gegenteiligen nachträglichen Beteuerun-

gen der Beschwerdeführenden noch die Hinweise auf eine vorrangige Be-

rücksichtigung des Kindeswohls im Sinne von Art. 3 KRK etwas. 

Schliesslich ist betreffend den auf Beschwerdeebene geltend gemachten 

Anspruch auf Familienvereinigung gestützt auf Art. 8 EMRK (allenfalls 

i.V.m. Art. 14 EMRK) erneut darauf hingewiesen, dass für die Prüfung all-

fälliger konkreter Rechtsansprüche aus Art. 8 EMRK vorliegend nicht die 

Asyl- sondern die Migrationsbehörden zuständig wären (vgl. EMARK 2006 

Nr. 8 E. 3.2 S. 95). Mit dem Argument, der Beschwerdeführer erfülle die 

Voraussetzungen des ausländerrechtlichen Familiennachzuges aufgrund 

seiner Sozialhilfeabhängigkeit nicht, weshalb der Familiennachzug auf 

asylrechtlichem Weg zu erfolgen habe, kann er offensichtlich nicht durch-

E-3033/2017 

Seite 13 

dringen. Dies würde nämlich eine klare Umgehung der gemäss Praxis vor-

gesehenen Zuständigkeiten beziehungsweise eine Abweichung der ge-

setzlichen Voraussetzungen des jeweiligen Familiennachzuges darstellen. 

Zusammenfassend ist die Einschätzung des SEM, die Voraussetzungen 

von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG seien vorliegend nicht gegeben zu bestäti-

gen.  

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuwei-

sen. 

10.  

10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

wird mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos. 

Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde, unabhän-

gig von der belegten Bedürftigkeit, als aussichtslos erwiesen hat. Bereits 

bei Eingang der Beschwerde und summarischen Prüfung der Akten fiel die 

klare Beweislage hinsichtlich der Tatsachen, dass der Familienverbund be-

reits vor der Flucht – zumindest von Seiten des Beschwerdeführers – frei-

willig aufgegeben worden war und die Beschwerdeführenden auch seit 

über zehn Jahren, insbesondere aber auch nach dem Tod der Mutter der 

Beschwerdeführerin, keinen Willen bekundeten, als Familie zusammenzu-

leben, auf. 

Die Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 750.– sind nach dem Gesagten 

den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

10.2 Das Gesuch um Beigabe einer amtlichen Rechtsvertretung beurteilt 

sich vorliegend nach Art. 65 Abs. 2 VwVG und nicht nach Art. 110a Abs. 1 

Bst. a AsylG (Art. 110a Abs. 2 AsylG). Es ist aufgrund der Aussichtslosigkeit 

der Beschwerde ebenfalls abzuweisen.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3033/2017 

Seite 14 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Das Gesuch um Beigabe einer amtlichen Rechtsvertretung wird abgewie-

sen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Tu-Binh Tschan 

 

 

Versand: