# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4989653b-a96a-5526-8865-bbd70c3879a1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-27
**Language:** de
**Title:** kein Zweifel an Kreisarztbericht, Ruptur der distalen Bicepssehne auf überwiegend vorbestehende degenerative Veränderungen zurückzuführen, keine Leistungspflicht gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG
**Docket/Reference:** UV.2021.00051
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2021.00051.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2021.00051
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Lanzicher
Urteil
vom
2
7.
Mai 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1967 geborene
X.___
ist seit dem 6. März 1989 als Werkstattmitar
beiter bei der
Y.___
AG angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom
2
0.
August 2020
liess er der
Suva
mitteilen, dass
ihm
gleichentags
beim
Aufheben einer Montageplatte am rechten Arm
die
Bänder gerissen seien
(Urk
.
7/1
). Anlässlich der am
selben T
ag erfolgten ambulanten Erstbehandlung in der Notfallpraxis der
Spital Z.___
wurde die Diagnose einer distalen
Bi
c
epssehnenruptur
rechts gestellt (Bericht vom 2
0.
August 2020,
Urk.
7/20).
Mit Verfügung vom
2
3.
November 2020 verneinte die Suva das Vorliegen eines Unfalls oder einer unfallähnlichen Körperschädigung und
entsprechend einen
Anspruch auf
Versicherungsleistungen
(Urk.
7/48
).
Die vo
n der Helsana Versiche
rungen AG
als Krankentaggeldversicherung
gegen diesen Entscheid erhobene
Einsprache vom
2
7.
November 2020
(Urk.
7/52/1
)
, ergänzt am 28.
Dezember 20
20
(
Urk.
7/57
)
,
wies die
Suva
mit
Einspracheentscheid
vom
3.
Februar
2021 ab (Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
5.
Februar 2021 (Datum Poststempel) bei der Suva
Beschwerde (
Urk.
1)
, welche diese zuständigkeitshalber an das hiesige Ge
richt überwies (
Urk.
3). Der Versicherte b
eantragte
sinngemäss, die Suva habe die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
Am
1
6.
März 2021
beantragte die
Be
schwer
degegnerin
, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk.
6
)
. Mit Eingabe vom 1
6.
März 2021 reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein (
Urk.
8 und
Urk.
9/1-4 sowie Urk. 12 und
Urk.
13/1-4), zu welchen die
Beschwerdegegnerin
mit Eingabe vom 1
8.
März 2021 Stellung nahm (
Urk.
11). Am
8.
April 2021 äusserte sich der Beschwerdeführer erneut zum Verfahren (
Urk.
15), was der Beschwerdegegnerin
am 1
4.
April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar
2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am
9. No
vem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes
über die
Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
siche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Das
hier zu beurteilende
Ereignis
hat sich am
2
0.
August 2020
ereignet, weshalb die ab dem 1. Januar 2017 gültigen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper
, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umweltein
wirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom 17. September 2020 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.4
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussen
welt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 130 V 117 E. 2.1).
1.5
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von Ge
lenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 146 V 51 E. 7.1 sowie BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.6
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen UVV per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernom
men werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zu
letzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Ver
sicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versi
cherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder ledig
lich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallver
siche
rers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beur
tei
len
den Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche Einschät
zungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
–
nachzu
weisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurück
zuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnüt
zung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlas
tungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (E. 8.6).
1
.
7
Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der ver
sicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die not
wendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereig
nisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b).
1.8
Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfall
her
gang ist auf die Beweismaxime hinzuweisen, wonach die sogenannten spon
ta
nen
«Aussagen der ersten Stunde»
in der Regel unbefangener und zuver
lässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nach
träglichen
Über
legungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können.
Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens
grösseres
Ge
wicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfü
gung des Versicherers.
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.10
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit
schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
inter
nen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
das Heben und Tragen von Lasten bei einem Handwerker grundsätzlich als üblich zu betrachten sei. Dies gelte auf jeden Fall auch beim vorliegenden Ge
wicht der angehobenen Montageplatte von 26 kg. Im Übrigen
stelle
auch eine «falsche» oder reflexartige Bewegung für sich allein noch keinen ungewöhnlichen äusseren Faktor
dar
. Somit bestehe kein Anspruch auf Versicherungsleistungen aufgrund eines Unfalls (S. 5).
Die Ruptur der distalen
Bicepssehne
sei - aus näher dargelegten Gründen - vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu
führen.
Eine Alltagsbelastung sei nicht geeignet, eine Ruptur einer weitgehend gesunden
Bicepssehne
zu verursachen. Auch die starke Stumpfretraktion mit fehlender Mobilisationsmöglichkeit operativ spreche für eine bereits vorbe
ste
hende degenerative Teilruptur, da diese Veränderungen nicht innerhalb von 5 Tagen zu erwarten seien. In Zusammenschau aller Fakten (Pathomechanismus, Alter des Beschwerdeführers, Raucher, Lokalisation der
Rupturstelle
und intra
operative Befunde) handle es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um eine
grossteils
bereits vorbestehende degenerative Ruptur, wobei es anlässlich des geltend gemachten Ereignisses dann zu einer Ruptur der Restfasern und
damit
Komplettruptur der
Bicepssehne
gekommen sei. Auf die Einschätzung des Kreis
arztes sei abzustellen und es bestehe auch kein Leistungsanspruch gestützt auf eine Diagnose gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG (S. 5-9).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
6
) hielt sie ergänzend fest,
es sei nie behauptet worden, dass der Beschwerdeführer vor dem Ereignis vom 2
0.
August 2020 be
reit
s Beschwerden betreffend die
Bic
epssehne
gehabt habe. Insofern seien auch keine ergänzenden Abklärungen bei seinem Hausarzt notwendig (S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
krankhafte, degenerative Vorschäden seien lediglich behauptet, nicht aber nach
vollziehbar begründet worden. Er habe sich während der Arbeit den Unfall zu
ge
zogen, sei anschliessend ins Spital gebracht und 5 Tage später operiert worden. Bis zu diesem Zeitpunkt habe er keine Probleme mit der Sehne gehabt und auch keine
Vorerkrankungen. Es seien daher alle Unterlagen
seiner
Hausärzte
beizu
ziehen, damit eine Auseinandersetzung mit diesen möglich sei.
Im Laufe des Verfahrens führte er ergänzend aus (
Urk.
8), er arbeite seit ungefähr 30 Jahren für dieselbe Arbeitgeberin, bislang habe er noch nie solche Unfälle oder Verletzungen gehabt. Am 2
0.
August 2020 sei er im Geschäft am
Arbeiten
gewesen, habe eine Arbeit fertigstellen müssen, habe sich bei dieser abgedreht und so einen heftigen Schmerz im Arm festgestellt, dass er die Arbeit habe nieder
legen und ins Spital gebracht werden müssen. Dort sei der Sehnenriss festgestellt und behandelt worden.
3.
3.1
Die erstbehandel
nden Ärzte der Notfallpraxis des
Spitals Z.___
hielten in ihrem Bericht zur ambulanten Behandlung vom 2
0.
August 2020 (
Urk.
7/20) folgende Diagnose fest:
-
distale
Bic
epssehnenruptur
rechts
Dazu führten sie aus, der Beschwerdeführer habe bei der Arbeit eine Monta
ge
platte angehoben, als er einen Knall gehört und einen eins
chiessenden Schmerz über dem
Bic
epssehnenansatz
rechts verspürt habe. Seither beständen lokale Schmerzen. Der Beschwerdeführer arbeite als Monteur und rauche 1-2 Päckchen Zigaretten pro Tag. Der Lokalbefund Arm rechts lautete wie folgt: «Verlagerung des Muskelbauches des M.
biceps
brachii nach proximal, distaler Sehnenanteil nicht mehr tastbar. Flexion im Ellenbogengelenk leicht abgeschwächt rechts.
pDMS
[periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität]
normal.»
3.2
Dr.
med.
A.___, Facharzt Radiologie, von des Spitals Z.___
führte zum Röntgen
bild
des rechten Ellbogen
s
anterior-
posterior
/lat
eral vom 20.
August 2020
(
Urk.
7/15)
f
olgendes aus:
«
Unauffälliger knöcherner Befund. Kein Nachweis eines knöchernen Ausrisses
bei anamnestisch angegebener
Bi
z
epssehnenruptur
. Keine intraartikuläre Ergussbildung.»
3.3
PD
Dr.
med.
B.___
, Chefarzt, und
Dr.
med.
C.___,
Stv
. Oberarzt, von des Spitals Z.___
stellten im Operationsbericht vom 25. August 2020
(Urk.
7/14/2-3
) folgende Diagnose:
-
distale
Bi
c
epssehnenruptur
rechts
-
Status nach
Verhebetrauma
vom 2
0.
August 2020
Dazu führten sie aus, der Beschwerdeführer habe sich im Rahmen eines Arbeits
unfalls
beim Heben einer Montagepla
tte eine distale
Bic
epssehnenruptur
zugezo
gen. Bei bestehenden Restbeschwerden sowie su
b
jektivem Kraftverlust habe er den
Wunsch nach einem operativen Vorgehen geäussert.
Anlässlich der Operation habe sich der Sehnenstumpf im Bereich des distalen Oberarmes retrahiert gezeigt und nicht mobili
s
iert werden können.
Daher
sei ein
zweiter Zugang proximal
erforderlich gewesen
.
3.4
Kreisarzt
Dr.
med. univ.
D.___
, Arzt für Allgemeinmedizin (A)
,
führte in seiner ärztlichen Beurteilung vom
5.
November
2020 (
Urk.
7/44) aus, bei der Ruptur der
Bicepssehnen
distal
handle
es sich um einen degenerativen Befund mit retra
hier
tem, nicht mehr mobilisierbarem Stumpf
.
Dieser Befund anlässl
i
ch bereits 5 Tage nach geltend gemachtem Ereignis durchgeführter Operation mit nicht mehr mob
i
lisierbarem distalem Stumpf be
stätig
e
eine vorbestehende degenerative Ruptur der langen
Bicepssehne
(S. 1).
Aus der Fachliteratur zitierte
Dr.
D.___
Folgendes:
«(…) Ä
tiologisch werden Prä
dis
positionsfaktoren beschrieben, vergleichbar mit denen an anderen Sehnen. So zeigt sich eine bevorzugte Schädigung der distalen
Bicepssehne
beim Raucher, bei Sportkletterern sowie beim Einsatz von Anabolika und bei Verwendung von Kortison. Komplettrupturen erleiden Frauen seltener als Männer. Unfälle, Verlet
zungs
mechanisme
n werden als Ursache disku
tiert, im Trend steht jedoch die Spontanruptur auf dem Boden der degenerativen Vorschädigung der Sehne.
(…) Nachdem die
Bicepssehne
nicht nur die Beugesehne im Ellbogen h
erbeiführt, son
dern auch die Su
pination im Unterarm, kann eine tatsächliche Ruptur nur bei exzentr
ischer Kraftkontraktion in
Supi
nationsstellung
und Beugung im Ellbo
gen
gelenk erklärt werden, traumatischer Art allerdings lediglich dann, wenn auch der
Lacertus
fibrosus als Begleitschaden mitverletzt ist. (…)»
Für eine «frische» Läsion/Teilläsion
sprächen
die Angabe des
Beschwerdeführers
, dass er einen Knall gehört und einen einschiessenden Schmerz über dem
Biceps
sehnenansatz
rechts verspürt habe. Gegen eine frische Ruptur
beziehungsweise
für eine Ruptur bei überwiegend vorbestehenden degenerativen Veränderungen mit weitgehend bereits vorbestehender Ruptur
spreche
Folgendes
:
-
Anamnese eines Nikotinabusus
-
f
ehlendes Hämatom
-
Retraktion des distalen Stumpfes mit der Unmöglichkeit, diesen 5 Tage nach dem geltend gemachten Ereignis zu mobi
l
isieren, da bereits entsprechende Ver
narbungen vorhanden
gewesen seien
-
k
eine dokumentierte Verletzung des
Lacertus
fibrosus
(S. 2).
In Zusammenschau aller Befunde
handle
es sich mit überwiegender Wahrschein
lichkeit um eine zumindest
grossteils
vorbestehende degenerative Ruptur des
Musculus
biceps
brachii distal. Anlässlich des geltend gemachten Ereignisses
sei
es
zu einer Zugbelastung mit Schmerzauslösung im Bereich des vernarbten Stumpfes
oder gegebenenfalls Ruptur von noch bestehenden, degenerativ verän
derten Restfasern gekommen. Eine Alltagsbelastung
sei
nicht geeignet
,
eine Rup
tu
r einer gesunden
beziehungsweise
weitgehend gesunden
Bicepssehne
zu verur
sachen (S. 2-3).
3.
5
Dr.
med.
E.___
,
beratende Ärztin der Krankentaggeldversicherung und
Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
appa
rates FMH, hielt in ihrer Beurteilung vom 22. Dezember 2020 (
Urk.
7/57/3-4)
fest
, der Beschwerdeführer habe am 2
0.
August 2020 eine distale
Bicepssehnenruptur
rechts erlitten. Es liege somit eine Listenverletzung f Sehnenriss vor. Für eine frische traumatische Ruptur der Sehne spreche
:
1.
D
er Beschwerdeführer
habe
beim Ereignis einen Knall im Ellbogen verspürt
und
sofort Schmerzen gehabt
.
2.
E
r habe s
ofo
rt die Notfallstation aufgesucht.
3.
K
linisch sei am 2
0.
August 2020 zweifelsfrei die Diagnose einer di
stalen
Biceps
sehnenruptur
gestellt
worden
(kein Ultraschall, kein MRI, nur konven
tionelles Rönt
ge
nbild). Der Muskelbauch
sei
proxima
l
isiert
gewesen und es habe
eine
Druckdo
lenz
über d
em proximalen Radius vor
gelegen
. Die Sehne
sei
nicht palpabel
und die
Kraft reduziert
gewesen. Ei
n Hämatom
sei nicht doku
mentiert worden.
4.
B
ei persistierender Kraftverminderung sei die Operationsindikation gestellt worden.
5.
Die sofortige weite Retraktion der distalen
Bicepssehne
sei pathognomonisch
(
sichtbar auch durch die sofortig
e
Proximalisierun
g
des Biceps Bauches). Dies
sei
der Grund, dass eine Operation
möglichst zügig durchgeführt werden solle. Ans
onsten besteh
e
das Risiko, dass die Sehne nicht me
hr mobili
siert werde
n könne.
6.
Die Sehne
sei
intratendinös
gerissen, was für eine
traumatische Ruptur spreche
(Sehnenstumpf 2.5cm) und das Fehlen eines
Hämatoms erkläre.
7.
Die Mobilisation der Sehne
sei
meist aufwändi
g
, was die Operation auch technisch schwieri
g mache.
8.
Die Mobilisation
sei gelungen
und die Sehne
habe
nach Entfernun
g
des distalen
Sehnenstumpfes v
on 2.5
cm an die
Tuberositas radii reponiert und
refixiert
werden können.
9.
Bei der überwie
g
enden Mehrheit der distalen
Bice
p
ssehnenru
p
tur
en
bleib
e
der
Lacert
u
s
fibrosus unverletzt.
Somit bleibe einzig das Rauchen als Argument für eine krankhafte Vor
schä
di
g
ung der Sehne. Damit eine Schädigung von über 50
%
bei all den oben auf
geführten Gegenargumenten zu postulieren, sei nicht nachvollziehbar. Die Ruptur der distalen
Bicepssehne
sei nicht mehr als 50
%
krankhaft oder dege
nerativ verursacht.
3.
6
Dr.
B.___
und
Dr.
C.___ vom Spital Z___
berichteten am 16.
Dezember 2020 (
Urk.
7/59/2-3),
v
onseiten der
Bicepssehne
sei der Verlauf
hervorragend
. Jene schein
e
nun gut inseriert zu sein. Ein weiterer Belastungs
aufbau
könne
nun stattfinden. Der
Beschwerdeführer
wünsch
e
keine Physio
thera
pieverordnung aus Angst, jene selber zahlen zu müssen, wenn die
Beschwerde
gegnerin
nicht für die Leistung aufkomm
e
. Das
sei
vertretbar bei guter Funktion derzeit.
Sie hätten den Beschwerdeführer informiert,
dass
sie
die Ruptur als klare Unfallfolge
sähen und die Einschätzung der Beschwerdegegnerin
nicht teilen würden. Letztere begründe
die Ablehnung auf die Retraktion des Sehnenstumpfes. Jene
könne
jedoch erfahrungsgemäss auch schon bei kurzzeitigen Intervallen nach Ruptur umgeschlagen und retrahiert sein. Die Ruptur der distalen
Biceps
sehne
sei
somit zu überwiegender Wahrscheinlichkeit durch den Arbeitsunfall vom 2
0.
August
2020 erklärt. Bei gutem Verlauf
seien
keine weite
ren Kontrollen mehr vorgesehen.
3.
7
Kreisarzt
Dr.
D.___
führte in seiner ärztlichen Beurteilung vom 1
3.
Januar 2021 (
Urk.
7/62) aus,
dass es sich beim vorliegenden operierten Befund einer Ruptur der distalen
Bicepssehne
um krankhafte Veränderungen beziehungsweise vorbe
stehende degenerative Veränderungen handle und somit keine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin
aufgrund einer Listendiagnose gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG vorliege.
Die Argu
mente von
Dr.
E.___
ständen
mehrheitlich im Widersp
ruch zur einschlägigen Fachlite
ratur
(S. 1)
.
Dr.
D.___
hielt zu diesen Folgendes fest:
1.
Dies begründe in keiner Weise, dass nicht ausgeprägte degenerative Vorzu
stände mit vorbestehender chronischer Teilruptur bestanden
hätten
. Diese An
gaben
würden
lediglich darauf hin
deuten
, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit noch bestehende Restfasern anlässlich des Ereignisses und somit die Sehne zu diesem Zeitpunkt komplett gerissen sei
(S. 1)
.
2.
Das sofortige Aufsuchen des Notfalls
sei
aus der nunmehr kompletten Ruptur der distalen
Bicepssehne
anlässlich einer inadäquaten Belastung
resultiert
und begründe in keiner Weise die Ruptur einer gesunden Sehne
(S. 2)
.
3.
Diese Argumentation beweis
e
lediglich, dass die distale
Bicepssehne
nunmehr komplett gerissen
sei,
zugleich aber auch, dass es sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit um eine Komplettruptur aufgrund ausgeprägter vorbeste
hender degenerativer Veränderungen handl
e
. Dies insbesondere da sich weder eine
Druckdolenz
am Ansatz der distalen
Bicepssehne
noch ein Hämatom
gefunden habe
(S. 2)
.
4.
Diese Argumentation
sei
Folge der nunmehrigen Komplettruptur
, begründe
jedoch in keiner Weise eine Komplettruptur einer vorbestehenden gesunden distal
en
Bicepssehne
(S. 2)
.
5.
Auch diese Argumentation begründe in keiner Weise eine Ruptur einer gesunden
Bicepssehne
, sondern
spreche
insbesondere auch in Zusammen
schau mit der Lok
alisation der Ruptur und dem in
traoperativen Befund eines bereits 5 Tage nach dem Ereignis nicht mehr mobilisierbaren Stumpfes für eine mehrheitliche vorbestehende, degenerative Ruptur. Eine fehlende Mobili
sation infolge Verklebungen
lasse
sich durch ein Ereignis 5 Tage zuvor nicht erklären. Eine derart starke Retraktion und Verklebung
sei
einige Wochen nach dem Ereignis zu erw
arte
n nicht jedoch nach 5 Tagen (S.
2)
.
6.
Diese Argumentation steh
e
im Widerspruch zur einschlägigen Fachliteratur und insbesondere auch zur Pathophysiolog
i
e der Sehne. Die Ruptur
sei
intra
tendinös
erfolgt
in einem Bereich wo eine Blut
v
ersorgung der Sehne weit
gehend fehl
e
. Es
handle
sich somit um den Bereich der Sehne, welcher den grössten degenerativen Texturstörungen unterworfen
sei
, da mangels Durch
blu
tung adäquate Reparationsprozesse nicht gegeben
seien.
Es
handle
sich analog zur Achillessehne um den Bereich/typische Lokalisation für degene
rative Veränderungen und somit
eine
chronische Ruptur.
G
erade diese Lokali
sation der Läsion
spreche
gegen eine Ruptur einer gesunden Sehne, sondern für eine chronisch degenerative Ruptur mit am 2
0.
August
2020 erfolgter Ruptur noch vorhandener Restf
aser
n bei inadäquater Belastung (S.
2)
.
7.
Diese Argumentation begründe
ebenfalls keine Ruptur einer gesunden Sehne. Zudem
sei die Mobi
lisation einer Sehne meist aufwändig, wenn die Ruptur längere Zeit zurücklieg
e
und bereits Regenerations-/Vernarbungsprozesse erfolgt
sei
en wie im vorliegenden Fall (S. 3).
8.
Auch diese Ausführungen
würden
keine gesunde Sehnenstruktur
begründen
, sondern lediglich darauf
hin
weisen
, dass eine
Refixation
am distalen Sehnen
stumpf aufgrund fehlender Durchblutung im Bereich der Ruptur nicht möglich
gewesen sei
(S. 3).
9.
Diese Aussage widerspr
e
ch
e
der einschlägigen Fachliteratur und au
ch Physiologie/P
athophysiologie. Der
Lacertus
fi
brosus
resultiere
aus 2 Sehnen, die aus 2 Muskelbäuchen stammen und in 2 Ansatzgebieten enden
würden
. Die beiden
Bicepsansätze
würden durch lockeres Bindegewebe mit dem
Lacertus
fibrosus zus
ammengehalten. Komme
es nun zu einer Unterarm
mus
kelkontraktion
, so verbreitere
sich die
Flexorenmuskelgruppe
und wander
e
nach proximal. Die Folge
sei
ein Anspannen des
Lacertus
fibrosus mit Zug der distalen
Bicepssehne
vor deren Ansatz nach medial ulnar.
Daraus resultiere
eine zusätzliche Krafteinwirkung auf die
Bicepssehne
, die zur Entstehung einer distalen
Bicepssehne
-Diskontinuität mit beitragen
könne
. Nachdem die
Bicepssehne
nicht nur die Beugung im Ellbogengelenk herbei
führe
, sondern auch die Supination im Unterarm,
könne
eine tatsächliche Ruptur nur be
i exzentri
scher Kraftkontraktion in
Supinationsstellung
und Beugung im Ellbo
gengelenk erklärt werden, traumatische
r
Art allerdings lediglich dann, wenn auch der
Lacertus
fibrosus als Begleitschaden mitver
letzt sei (S. 3-4).
Zusammenfassend
sei Folgendes festzuhalten:
Keines der von
Dr.
E.___
vorgebrachten Argumente
würde
da
s Vorhandensein einer gesunden i
ntakten distalen
Bicepssehne
beziehungsweise
das Fehlen ausgeprägter degenerativer Veränderungen von weniger als 50
%
begründen
. In der gesamten einschlägigen Fachliteratur (Anatomie, Pathophysiologie, Traumatologie)
werde
festgehalten, dass es sich in der Zone 2 (hypo-
beziehungsweise
avaskuläre
Zone) um einen kritischen Bereich mit daraus resultierender sekundärer Degeneration aufgrund der hypoxischen Situation handl
e
. In dieser Zone
kämen
auch die meisten Rupturen
vor. Mit steigendem Alter komme
es zudem zu einer zunehmenden Ab
nahme der Perfusion/Elastizität und Hydration und Verlangsamung der Repara
turprozesse. Dies führ
e
zu degenerativen Rupturen. Verstärkt
werde
diese Proble
matik durch den Tabakkonsum
. Die starke Stumpfretrakti
on mit fehlender Mobi
lisationsmöglichkeit operativ, welche einen zweiten Zugang mit Freipräparation des Sehnenstumpfes notwendig
gemacht habe
,
spreche
ebenfalls für eine bereits vorbestehende degenerative Teilruptur, da diese Veränderungen nicht innerhalb von 5 Tagen zu erwarten
seien
. Zudem fehl
e
ein geeigneter Pathomechanismus mit massiver Krafteinwirkung auf die
Bicepssehne
. Vom
Beschwerdeführer
werde
diesbezüglich angegeben, dass er beim Heben einer Montageplatte eine falsche Bewegung gemacht habe und die
se
aus seinen Händen gerutscht und zu Bo
d
en gefallen sei. Beim aus den Händen rutschen einer Montageplatte komm
e
es zu keiner vermehrten Gewichtsbelastung, sondern
zu einer Entlastung.
Aufgrund der vorliegenden Dokumentation
sei
ausgewiesen, dass es sich in Zusammenschau aller Fakten (Pathomechanismus, Alter des
Beschwerdeführers
, Raucher, Lokali
sation
der
Rupturstelle
und int
raoperative
Befunde) mit überwiegender Wah
r
scheinlichkeit um eine
grosstei
ls
bereits vorbestehende degenerative Ruptur der distalen
Bicepssehne
gehandelt habe
,
wobei es anlässlich des gelten
d
ge
machten Ereignisses dann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Ruptur der Restfasern und somit Komplettrupt
ur der
Bicepssehne
gekommen sei (S. 4).
4.
4.1
Der
Schaden
meldung
UVG
vom 2
0.
August 2020 (
Urk.
7/1) ist zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer während de
s
Aufheben
s
der Montageplatte am rechten Arm die Bänder gerissen seien. Der Notfallpraxis berichtete er am
Tag des Ereignisses
gemäss ärztlicher Aufzeichnung
, dass er bei der Arbeit eine Montage
platte angehoben habe, als er einen Knall gehört und einen einschiessenden Schmerz über dem
Bicepssehnenansatz
rechts verspürt habe (
Urk.
7/20/1). Im
«
Fragebogen Unfallhergang
» (
Urk.
7/7
) präzisierte der Beschwerdeführer am 2
7.
August 2020,
beim Heben einer Montageplatte habe er eine falsche Bewegung gemacht. Die Montageplatte sei aus seinen Händen gerutscht und auf den Boden gefallen. Die Arbeitgeberin teilte der Beschwerdegegnerin au
f entsprechende Nachfrage
hin
am 1.
Februar 2021 mit, dass die Montag
e
platte 26 kg gewogen habe (
Urk.
7/67/1).
In einem Schreiben vom 15.
März 2021 an den Beschwerde
führer (
Urk.
9/3) hielt die Arbeitgeberin fest, beim Hantiere
n
mit einer Montage
platte sei ihm diese unglücklicherweise aus den Händen gerutscht. Eventuell sei er kurz abgelenkt gewesen. Dies sei unbeabsichtigt und plötzlich geschehen und stelle ein
e
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dar, welcher ihm Schaden zugefügt habe. Diese Bewegung beim Hantieren mit Montageplatten führe er seit Jahren schmerzfrei, fachmännisch und vielfach durch.
Die Montage
platte sei ihm aus unbekannten Gründen (Ablenkung, Fehlgriff) plötzlich aus den Händen geglitten. In dieser Körperschädigung erkenne sie keine degenerative Ursache, vielmehr stelle dies ein
en
Unfall dar, welcher von der Beschwerde
geg
nerin zu tragen sei. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens führte der Beschwer
deführer aus (
Urk.
8), er sei am 20. August 2020 im Geschäft am Arbeiten gewesen, habe eine Arbeit fertigstellen müssen, sich bei dieser abgedreht und einen so heftigen Schmerz im Arm festgestellt, dass er die Arbeit niederlegen und ins Spital nach
F.___
habe gebracht werden müssen.
4.2
Das Ereignis vom 2
0.
August 2020 wird in den genannten Unterlagen unter
schiedlich geschildert. Ob der Beschwerdeführer nun aber beim Aufheben der Montageplatte eine falsche Bewegung gemacht oder sich abgedreht hat
oder
ob ihm diese aus der Hand gerutscht ist,
ändert nichts daran, dass er
diese Bewegung
seit Jahren vielfach
ausgeführt
hat
. Der Beschwerdeführer ist ein geübter Hand
werker
. F
ür das Anheben der 26 kg schweren Montageplatte war für ihn kein ausserordentlicher Kraftaufwand erforderlich
, auch ist eine solche
Bewegung für ihn nicht ungewohnt. Ein sinnfälliger Umstand wie beispielsweise ein Sturz oder Schlag, Ausgleiten oder Stolpern wurde vo
n ihm
nicht geltend gemacht.
Eine falsche Bewegung für sich alleine stellt noch keinen ungewöhnlichen äusseren Faktor dar,
zude
m kommt es
- worauf
Kreisarzt Dr.
D.___
hinwies -
b
eim aus den Händen
R
utschen einer Montageplatte zu keiner vermehrten Gewichtsbelastung, sondern
zu einer Entlastung (E. 3.7 hiervor).
Allein daraus, dass bei oder nach einer Körperbewegung Schmerzen auftreten, kann nicht auf eine ungewöhnliche Ursache im Sinne eines programmwidrig gestörten Ab
laufs geschlossen werden (Urteil des
Bundes
gerichts U 258/04 vom 23. November 2006 E. 3.2 mit Hin
weisen).
Dem vorliegend zu beurteilenden Ereignis fehlt es
folglich
an einem – für die Qualifikation als Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erforderlichen – unge
wöhnlichen äusseren Faktor
und es besteht kein Anspruch auf Versicherungs
leis
tungen aufgrund eines Unfalls
. Davon schien im Übrigen auch die
Einspre
cherin
ausgegangen zu sein
(vgl.
Urk.
7/57
)
.
5.
5.1
Beim Ereignis vom 2
0.
August 2020 zog sich der Beschwerdeführer eine Ruptur der distalen
Bicepssehne
und damit eine Schädigung gemäss
Art.
6
Abs.
2
lit
. f UVG zu. Zu prüfen ist, ob diese Listenverletzung zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist.
5.2
Kreisarzt
Dr.
D.___
hielt dazu in seinen ausführlichen Stellungnahmen
(E. 3.4 und E.
3.7 hiervor)
mit Hinweis auf die einschlägige Fachliteratur
verschiedene
Argu
mente
fest,
welche für eine Ruptur bei überwiegend vorbestehenden degene
rativen Veränderungen mit weitgehend bereits vorbestehender Ruptur der Sehne sprechen. So zeigt sich
einerseits
eine bevorzugte Schädigung der distalen
Biceps
sehne
bei Raucher
n wie dem Beschwerdeführer
und es kommt mit steigendem Alter zunehmend zu degenerativen Rupturen
. Andererseits reisst
die distale
Biceps
sehne
gemäss der zitierten Fachliteratur
in der Regel aufgrund von
dege
nerativen Vorschädigungen. Auf ein Trauma kann lediglich
dann
geschlossen werden, wenn der
Lacertus
fibrosus als Begleitschaden mitverletzt ist. Eine solche Verletzung wurde beim Beschwerdeführer aber gerade nicht dokumentiert. Anlässlich der bereits
5
Tage nach dem Ereignis durchgeführten Operation wurde festgestellt, dass der distale Stumpf bereits
so stark retrahiert war und Vernar
bungen vorlagen
, dass es unmöglich war, diesen zu mobilisieren.
Eine derart starke Retraktion und Verklebung kann nach Angaben des Kreisarztes einige Wochen nach dem Ereignis
erwartet werden, nicht jedoch
bereits
nach 5 Tagen
.
Die
Ruptur erfolgte zudem
intratendinös
, also in einem Bereich, wo eine Blutver
sorgung der Sehne weitgehend fehlt und entsprechend adäquate Reparations
pro
zesse nicht gegeben sind. Es handelt sich
demnach
dabei um eine typische Loka
lisation für degenerative Veränderungen und eine chronische Ruptur der Sehne.
Beim aus den Händen
R
utschen einer Montageplatte kommt es zudem zu keiner vermehrten Gewichtsbelastung, sondern zu einer Entlastung, eine massive Kraft
ein
wirkung auf die
Bicepssehne
anlässlich des Ereignisses ist damit nicht ersicht
lich.
Eine Alltagsbelastung erachtete
d
er
Kreisarzt
als nicht geeignet,
um
eine Ruptur einer weitgehend gesunden
Bicepssehne
zu verursachen.
Gestützt auf diese widerspruchsfreien, nachvollziehbar begründeten und schlüssigen Ausfüh
rungen ist davon auszugehen, dass die Ruptur der distalen
Bicepssehne
zu mehr als 50
%
degenerativ verursacht wurde.
5.3
Daran
vermag
auch
die Stellungnahme von
Dr.
E.___
zu Händen der Krankentaggeldversicherung (E. 3.5 hiervor) nichts zu ändern.
Denn d
ieser ist
zusammenfassend
zu entnehmen, dass die Sehne a
ufgrund des Ereignisses vom 20.
August 2020 komplett gerissen ist. Dies ist jedoch unbestritten und wider
spricht der
Einschätzung
von
Dr.
D.___
nicht, gemäss welchem die Sehne bereits vorgeschädigt war und
anlässlich des Ereignisses
die noch bestehenden
, dege
nerativ veränderten
Restfasern
rissen.
Dr.
D.___
setzte sich zudem ausführlich mit allen Vorbringen der beratenden Ärztin der Krankentaggeldversicherung ausein
ander und wies insbesondere darauf hin, dass ihre
Argu
mente
im Widersp
ruch zur einschlägigen, in seinen Stellungnahmen zitierten Fachlite
ratur
stehen.
Weder
Dr.
E.___
noch die
Einsprecherin
widersprachen in der Folge seinen Ausführungen.
5.4
Auch
das Vorbringen
der behandelnden Ärzte des Spitals Z.___
(E.
3.6 hie
r
vor), wonach die
Retraktion des Sehnenstumpfes
auch
schon bei kurzzeitigen Intervallen nach Ruptur umgeschlagen und retrahiert sein
könne,
vermag keine Zweifel
an den Stellungnahmen des Kreisarztes aufsteigen zu lassen, bestehen doch zahlreiche weitere Gründe, welche für eine degenerative Vorschädigung der Sehne sprechen und mit welchen sich die behandelnden Fachärzte nicht aus
einandergesetzt haben.
Insbesondere wurde
vorliegend intraoperativ nicht nur eine Retraktion, sondern auch eine Immobilisation festgestellt (
Urk.
7/14).
5.5
Soweit der Beschwerdeführer geltend machte, er habe vor dem 2
0.
August 2020 nie
P
robleme
mit der Sehne gehabt und auch keine Vorerkrankungen, Unfälle oder andere solche Verletzungen gehabt
, ist darauf hinzuweisen, dass
die
Argu
mentation nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch
ein Ereignis
verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, beweisrechtlich nicht zulässig ist und zum Nachweis der
K
ausalität nicht zu genügen vermag (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1). Ärztliche Aus
künfte, die allein auf dieser Argumentation beruhen, sind beweisrechtlich nicht zu verwerten (Urteil des Bundesgerichts 8C_241/2020 vom 29. Mai 2020 E. 3)
. Damit erübrigt es sich auch, die Unterlagen der Hausärzte des Beschwerdeführers beizuziehen, welche belegen sollten, dass er vor dem Ereignis an keinen dies
bezüglichen Beschwerden gelitten hat. Auf den Beizug wird deshalb
in antizipier
ter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
ver
zichtet.
5.6
Z
usammenfassend
bestehen keine Zweifel an der Zuverlässigkeit der Stellung
nahmen von
Dr.
D.___
. Gestützt auf seine beweiskräftigen Ausführungen ist
ausgewiesen, dass die Ruptur der distalen
Bicepssehne
des Beschwerdeführers im
gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 % auf Abnützung zurückzuführen
ist, womit eine Leistungspflicht der Beschwerdege
gnerin für das Ereignis vom 20.
August 2020 entfällt.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Das
Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht
werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
G
räubLanzicher