# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 77a70040-e35a-5d6b-82e2-4705a94c20c3
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 24.10.2023 SST.2022.306
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-306_2023-10-24.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.306 
(ST.2022.11; StA.2021.1677) 

 

 

Urteil vom 24. Oktober 2023 
 
 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Gilgen 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG 

 

Privatklägerin   A.K._____, 

[…]  

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Urs Oswald,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1948, von Mettmenstetten, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Reto Wildeisen,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Handlungen mit Kindern 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 7. März 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach gegen den 

Beschuldigten Anklage wegen mehrfacher Vergewaltigung, mehrfacher 

sexueller Nötigung und mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern (GA 

act. 1 ff.). 

 

1.2. 

Das Bezirksgericht Zurzach sprach den Beschuldigten mit Urteil vom 

1. Juni 2022 von Schuld und Strafe frei und wies die Zivilklagen der Privat-

kläger A.K._____ und C.K._____ ab. Die Verfahrenskosten wurden auf die 

Staatskasse genommen und der amtliche Verteidiger aus der Staatskasse 

entschädigt. 

 

1.3. 

Mit Berufungserklärung vom 13. Dezember 2022 beantragten die Privat-

kläger A.K._____ und C.K._____ die Verurteilung des Beschuldigten 

gemäss Anklage sowie eine angemessene Bestrafung. Der Beschuldigte 

sei zudem zu verpflichten, A.K._____ eine Genugtuung von Fr. 30'000.00 

zuzüglich Zins zu 5% seit dem 1. Januar 2007 zu bezahlen. Dem 

Grundsatze nach sei der Beschuldigte weiter zu verpflichten, ihr 

Schadenersatz zu leisten, dieser Anspruch sei jedoch auf den Zivilweg zu 

verweisen. Weiter sei der Beschuldigte zu verpflichten, C.K._____ eine 

Genugtuung von Fr. 5'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 16. März 2005 

zu bezahlen. Bei der Höhe der Genugtuungsforderungen sei richterliches 

Ermessen ausdrücklich vorbehalten. 

 

1.4. 

Mit Verfügung vom 15. Dezember 2022 wurden die Privatkläger A.K._____ 

und C.K._____ aufgefordert, jeweils eine Sicherheitsleistung von Fr. 

5'000.00 zu leisten. 

 

1.5.  

Mit Eingabe vom 21. Dezember 2022 beantragte A.K._____ die 

unentgeltliche Rechtspflege, wobei Rechtsanwalt Dr. Urs Oswald als 

unentgeltlicher Rechtsvertreter einzusetzen sei. 

 

Dieses Gesuch wurde mit Verfügung vom 4. Januar 2023 abgewiesen. 

 

1.6. 

Mit Eingabe vom 9. Januar 2023 erklärte C.K._____ den Rückzug seiner 

Berufung. 

 

 - 3 - 

 

 

1.7. 

Am 14. Februar 2023 bezahlte A.K._____ die von ihr einverlangte 

Sicherheitsleistung von Fr. 5'000.00. 

 

1.8. 

Mit Eingabe vom 27. Februar 2023 beantragte der Beschuldigte, dass auf 

die gemeinsame Berufungserklärung von A.K._____ und C.K._____ nicht 

einzutreten sei, eventualiter sei die Berufungserklärung von A.K._____ zur 

Klärung zurückzuweisen. 

 

A.K._____ nahm hierzu mit Eingabe vom 13. März 2023 Stellung.  

 

1.9. 

A.K._____ reichte am 13. März 2023 vorgängig zur Berufungsverhandlung 

eine schriftliche Berufungsbegründung ein und präzisierte ihre Berufungs-

anträge nach dem Rückzug der Berufung von C.K._____ insofern, dass 

lediglich die sie betreffenden Anträge weiterhin Geltung hätten. 

 

1.10. 

Die Staatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 17. März 2023 mit, dass sie 

auf eine Berufung verzichtet habe, A.K._____ jedoch in ihren Anträgen und 

Darlegungen unterstütze. 

 

1.11. 

Am 22. Mai 2023 reichte der Beschuldigte eine vorgängige Berufungs-

antwort ein und beantragte, dass die Berufung von A.K._____ voll-

umfänglich abzuweisen sei, soweit darauf einzutreten sei. Zudem 

begründete er seinen Antrag auf Nichteintreten mit separater Eingabe vom 

selben Datum. 

 

1.12. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahmen der Auskunftspersonen 

A.K._____ und C.K._____ sowie des Beschuldigten fand am 24. Oktober 

2023 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1. 

Infolge des Rückzugs der Berufung von C.K._____ vom 9. Januar 2023 ist 

auf seine Berufung nicht einzutreten. Damit entfällt eine Prüfung der 

gemäss Anklage zulasten von C.K._____ begangenen Straftaten, die 

entsprechenden Freisprüche des Beschuldigten sowie die Abweisung 

seiner Zivilforderung erwachsen in Rechtskraft.  

 

 - 4 - 

 

 

1.2. 

Entgegen dem Beschuldigten ist hingegen auf die Berufung von A.K._____ 

einzutreten. Auch wenn die Berufungserklärungen von A.K._____ und 

C.K._____ in einer Rechtsschrift eingereicht worden sind, sind diese als 

eigenständige Berufungen zu behandeln. A.K._____ hat die geforderte 

Sicherheitsleistung fristgerecht bezahlt (Art. 383 Abs. 1 und 2 StPO). 

Aufgrund der Berufungsanträge von A.K._____ sind die Vorwürfe der 

mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Nötigung und der 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind zu ihren Lasten sowie 

ihre Zivilforderung zu prüfen. 

 

2.  

2.1. 

Dem Beschuldigten wurde mit der Anklage vorgeworfen, sich in den Jahren 

2004 bis 2006 und somit im Alter von rund 56 bis 58 Jahren hauptsächlich 

auf bzw. um den Campingplatz R._____ in Gemeinde S._____ 

(Deutschland) herum sowie einmal im Thermalbad in Gemeinde U._____ 

(Schweiz) bei zahlreichen Gelegenheiten an der damals 7 bis 9 Jahre alten 

A.K._____ sexuell vergriffen zu haben. Zum einen habe er A.K._____ dabei 

in seinem Wohnwagen mindestens vier Mal aufgefordert, aus der Hose und 

Unterhose zu steigen und sich auf das Bett zu legen und die Beine in die 

Luft zu halten. Daraufhin habe er mit seinem erigierten Penis in ihre Vagina 

einzudringen versucht, was ihm aufgrund ihrer grosser Schmerzen nicht 

vollständig gelungen sei, weshalb er jeweils «lediglich» in ihren Scheiden-

vorhof eingedrungen sei (Ziff. 1). Weiter habe er A.K._____ bei mindestens 

zehn Gelegenheiten während zwei bis drei Sekunden an ihrer Scheide 

sowie ihrem Gesäss gestreichelt (Ziff. 2.1); mindestens drei Mal habe er sie 

jeweils mindestens fünf Minuten unter der Kleidung an Scheide und Gesäss 

gestreichelt, wobei er mindestens einmal ihre Brustwarzen in den Mund 

genommen habe und sich selbst befriedigt habe und zum Samenerguss 

gelangt sei (Ziff. 2.2); mindestens einmal sei er mit dem Finger in ihre 

Scheide eingedrungen und habe zwei bis drei Stossbewegungen 

ausgeführt (Ziff. 2.3); mindestens 30 Mal habe er ihre Scheide während 

zwei bis drei Minuten geleckt (Ziff. 2.4); beim Schwimmen im Rhein habe 

er ihr mindestens zwei Mal Luftblasen zwischen die Beine gepustet (Ziff. 

2.5); mindestens zweimal habe er sich vor ihr befriedigt, wobei sie ihm habe 

zusehen müssen (Ziff. 2.6); er habe sie in einer Duschkabine im 

Thermalbad Gemeinde U._____ aufgefordert, ihn oral zu befriedigen, 

woraufhin sie seinen Penis ca. zehn Sekunden in den Mund genommen 

habe (Ziff. 2.7); er habe sie aufgefordert, seinen Penis anzufassen und in 

den Mund zu nehmen, was sie beides getan habe und den Penis ca. zehn 

Sekunden in den Mund genommen habe (Ziff. 2.8); er habe sie mindestens 

zwei Mal während zwei bis drei Sekunden mit der Zunge auf den Mund 

geküsst (Ziff. 2.9); schliesslich habe er mindestens zweimal seinen Penis 

frottiert und A.K._____ dabei aufgefordert, diesen mit den Händen 

anzufassen und zu reiben, was sie getan habe, wobei er mindestens einmal 

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zum Samenerguss gelangt sei (Ziff. 2.10). Bei sämtlichen Handlungen 

habe er zumindest damit gerechnet, dass A.K._____ aufgrund ihres Alters 

nicht in der Lage gewesen sei, sich zu wehren und mit den Handlungen 

nicht einverstanden gewesen sei. Er habe sie mit Aussagen 

eingeschüchtert, wonach sie Ärger bekommen würde, wenn sie jemandem 

etwas erzählen würde und sie dann nichts mehr gemeinsam unternehmen 

dürften und habe sie damit durch psychischen Druck zum Widerstand 

unfähig gemacht (vgl. GA act. 1 ff.). 

 

2.2. 

2.2.1. 

Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass es zweifelhaft und unklar bleibe, ob 

es zu den dem Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen gekommen sei 

oder nicht. Sie stellte sich auf den Standpunkt, dass eine inhaltliche 

Analyse der Aussagen von A.K._____ und C.K._____ aufgrund des 

kindlichen Alters bei den angeblichen Geschehnissen und der langen 

Dauer bis zu den Aussagen nicht möglich sei. Sie hat den Beschuldigten in 

Anwendung des Grundsatzes «in dubio pro reo» gemäss Art. 10 Abs. 3 

StPO von sämtlichen Vorwürfen freigesprochen.  

 

A.K._____ stellt sich auf den Standpunkt, dass auf ihre Aussagen 

abzustellen sei. Diese seien glaubhaft und detailreich und würden keine 

Widersprüche enthalten (Plädoyer Berufungsverhandlung S. 1 ff.).  

 

Der Beschuldigte bestreitet sämtliche ihm vorgeworfenen Handlungen. 

 

2.2.2. 

Unbestritten geblieben ist, dass der Beschuldigte von 2004 bis 2006 einen 

Jahresstellplatz auf dem Campingplatz R._____ in Gemeinde S._____ 

gemietet hatte. In dieser Zeit führten die Eltern von A.K._____ und 

C.K._____ den Campingplatz und der Beschuldigte hatte – als Freund der 

Familie – zusammen mit seiner Ehefrau mehrfach auf die beiden Kinder 

aufgepasst und Zeit mit ihnen verbracht, währenddem die Eltern auf dem 

Campingplatz gearbeitet haben. Seit der Beschuldigte und seine Ehefrau 

den Campingplatz im Jahr 2006 verlassen haben, gab es zwischen den 

Personen keinerlei Kontakt mehr. 

 

2.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

 - 6 - 

 

 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; 144 IV 345 

E. 2.2.3). 

 

Bei Sexualdelikten sind die Aussagen von Opfer und Täter für das 

Beweisergebnis von entscheidender Bedeutung. Bei der Würdigung ihrer 

Aussagen sind zwei Aspekte zu unterscheiden: Die personenbezogene 

Glaubwürdigkeit und die aussagebezogene Glaubhaftigkeit. Die all-

gemeine Glaubwürdigkeit einer Person lässt sich an ihrer Persönlichkeit, 

ihren möglichen Motiven und der Aussagesituation abschätzen. Sie bildet 

aber lediglich den Randbereich der Aussagenanalyse und darf deshalb nie 

alleiniges oder überwiegendes Kriterium für die Überprüfung des Realitäts-

gehalts einer Aussage sein. Im Vordergrund steht deshalb die Glaub-

haftigkeit einer konkreten Aussage, die durch methodische Analyse ihres 

Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen 

bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben der aussagenden 

Person entspringen. Dabei wird zunächst davon ausgegangen, dass die 

Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist, und erst wenn sich diese 

Annahme (Nullhypothese) aufgrund der festgestellten Realitätskriterien 

nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem 

wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 E. 4.3 S. 45 

f.; 129 I 49 E. 5 S. 58 f.; 128 I 81 E. 2 S. 85 f.; Urteil des Bundesgerichts 

6B_793/2010 vom 14. April 2011 E. 1.3.1; je mit Hinweisen). Voraus-

setzung einer Aussageanalyse ist jedoch stets, dass Aussagen vorliegen, 

die einer inhaltlichen Analyse zugänglich sind. 

 

2.4. 

A.K._____ ist am tt.mm.1997 geboren und heute 26 Jahre alt. Die dem 

Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen sollen sich gemäss Anklage in 

den Jahren 2004 bis 2006, also in einem Zeitpunkt, als sie 7 bis 9 Jahre alt 

war, zugetragen haben. Anzeige hat sie am 24. Oktober 2019, also im Alter 

von 22 Jahren erstattet (UA act. 227 ff.). 

 

Die behaupteten Übergriffe liegen relativ weit zurück und betreffen einen 

Zeitraum, in welchem A.K._____ noch ein Kind und bezüglich der dem 

Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen Handlungen urteilsunfähig war. Es 

liegen keine Aussagen von ihr im Kindes- oder Vorpubertätsalter vor. Sie 

soll von den sexuellen Übergriffen erstmals im Sommer 2019, d.h. im Alter 

von 21 Jahren, ihrem Partner D._____ erzählt haben. Mit ihm sei sie seit 

dem Jahr 2013 zusammen. Einige Monate später habe sie sich ihrem Vater 

und sodann wenig später Rechtsanwalt Dr. Urs Oswald und danach dem 

Psychiater Dr. med. E._____ offenbart (UA act. 349, 374 f., GA act. 58, 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 11 ff.). Im Strafverfahren protokollierte 

Aussagen hat A.K._____ am 11. November 2019 und 6. März 2020, beides 

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im Alter von 22 Jahren, an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 

1. Juni 2022 im Alter von 24 Jahren und schliesslich anlässlich der 

Berufungsverhandlung vom 24. Oktober 2023 im Alter von 26 Jahren 

gemacht. Der Umstand, dass die erste verwertbare Aussage erst rund 13 

bis 15 Jahre nach den zur Anklage gebrachten Vorfällen erfolgt ist, 

erschwert die aussagepsychologische Analyse erheblich, mithin ist bereits 

die erste Aussage von einer starken Verblassungstendenz betroffen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6P.165/2004 vom 27. April 2005 E. 2.4.2 mit 

weiteren Hinweisen). Zu berücksichtigen ist auch, dass bei einer – wie 

vorliegend – langen verstrichenen Zeit, zahlreiche Sekundäreinflüsse in 

Form von Gesprächen, Beratungen und Therapien möglich sind. Weiter 

besteht die Möglichkeit von autosuggestiven Prozessen, die teilweise auch 

von aussen angestossen werden und ihren Ausgangspunkt häufig in einem 

schlechten psychischen Befinden haben (vgl. VOLBERT, in: Handbuch der 

Rechtspsychologie, 2008, S. 333). Dies ist insofern problematisch, als dass 

sich suggestionsbedingte Falschaussagen, deren fehlender Realitäts-

gehalt der aussagenden Person nicht bewusst ist, von erlebnisbasierten 

Schilderungen nicht mehr hinreichend unterscheiden lassen. Schil-

derungen die auf voll ausgebildeten Pseudoerinnerungen beruhen, können 

eine ähnlich hohe Qualität erreichen wie erlebnisbasierte Schilderungen. In 

Fällen mit hohem Suggestionspotential in der Entstehungsgeschichte der 

Aussage besteht damit keine Möglichkeit mehr, die Suggestionshypothese 

mit hinreichender Zuverlässigkeit zu verwerfen. Die Glaubhaftigkeit der 

Aussage lässt sich hier nicht mehr überprüfen (Urteile des Bundesgerichts 

6B_301/2022 vom 26. August 2022 E. 3.4.3, 6B_655/2020 vom 7. Oktober 

2020 E. 2.4.4 und 6B_1109/2019 vom 23. September 2020 E. 2.5.3 mit 

Hinweisen; SCHILLING/HAUCH, Wahrheit oder Lüge – Unterscheidbar?, in: 

Wahrheit. Täuschung und Lüge, Schweizerische Arbeitsgruppe für 

Kriminologie (SAK), 2016, Band 33, S. 33). Vor diesem Hintergrund wäre 

die sachgerechte Durchführung der primären Einvernahme des Opfers im 

Kindesalter und ihre Dokumentation von entscheidender Bedeutung. Was 

in dieser Phase versäumt wird, ist später auch mit noch so ausgefeilter psy-

chologisch-psychiatrischer Methodik nicht mehr aufzuholen (DITTMANN, Zur 

Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, in: Plädoyer 2/1997, S. 35; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_760/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.4.1). 

 

Ebenfalls keine Aussagen aus dem Kindes- bzw. Vorpubertätsalter von 

A.K._____ sind in den diversen Berichten zu ihren psychiatrischen bzw. 

psychologischen Behandlungen enthalten, da diese von Juni 2020 sowie 

März 2021 datieren und lediglich ihre Aussagen aus dem Erwachsenen-

alter wiedergeben (Austrittsbericht der V._____ vom 4. Juni 2020, 

Kurzaustrittsbericht der W._____ vom 3. März 2021, drei Berichte des 

X._____ vom 1. März 2021, 10. März 2021 und 23. März 2021).  

 

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2.5. 

Mit der Vorinstanz kann nicht unbesehen auf die erst im Erwachsenenalter 

von A.K._____ erfolgten Aussagen abgestellt werden. Vielmehr bestehen 

Hinweise auf Sekundäreinflüsse bzw. auto- und/oder fremdsuggestive 

Prozesse bei A.K._____ bzw. ein hohes Suggestionspotential. 

 

2.5.1. 

Das psychische Befinden von A.K._____ ist und war gemäss ihren 

Angaben bereits im Zeitraum der Anzeigeerstattung und zuvor schlecht. 

Sie habe seit ihrem 14. oder 15. Lebensjahr psychische Probleme und es 

habe auch mehrere Suizidversuche gegeben (UA act. 349, 376 f., Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 11). Sie habe sich immer sehr schwach, schlapp 

und nicht leistungsfähig gefühlt und ihre Emotionen hätten jeweils schnell 

gewechselt. Aufgrund dieser Probleme habe sie sich erstmals am 30. 

August 2019 in eine psychiatrische Behandlung bei Dr. med. E._____ 

begeben, um Alltagssituationen besser meistern zu können (GA act. 58 ff.). 

Dieser hat bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung, eine emotional 

instabile Persönlichkeitsstörung mit starken Stimmungsschwankungen, 

selbstverletzendem Verhalten, Impulsivität, starker Selbstunsicherheit und 

wiederkehrenden suizidalen Gedanken sowie Putzzwänge und eine 

depressive Störung festgestellt (UA act. 268). 

 

Den zeitlichen Ablauf der Anzeigeerstattung hat A.K._____ so geschildert, 

dass sie sich zunächst ihrem Partner D._____, dann ihrem Vater F.K._____ 

und anschliessend Rechtsanwalt Dr. Urs Oswald und erst danach Dr. med. 

E._____ gegenüber geöffnet habe. Dies haben D._____, F.K._____ sowie 

Dr. Urs Oswald bestätigt. Dieser Ablauf erschliesst sich auch aus ihrer E-

Mail vom 1. November 2019 an Dr. med. E._____ mit dem Wortlaut: «Ich 

denke ich weiss, was die Ursachen meiner psychischen Probleme sind. Als 

Kind (zwischen dem ca. 6. bis 9. Lebensjahr) wurde ich von einer eigentlich 

vertrauten Person aus dem Freundeskreis meiner Eltern sexuell 

missbraucht und dies mehrfach und über ca. zwei bis drei Jahre. Am 

Dienstag, dem 15. Oktober 2019 habe ich mich endlich meinem Vater 

anvertraut und am Donnerstag 17. Oktober 2019, bin ich bereits bei einem 

Anwalt gewesen.» (siehe Beilage 1 Berufungsbegründung).  

 

Aus diesem Ablauf erhellt, dass es nicht etwa Dr. med. E._____ war, der 

A.K._____ zu ihrer Anzeigeerstattung vom 24. Oktober 2019 gebracht hat. 

Sie hatte die Anzeigeerstattung bereits in die Wege geleitet, bevor sie den 

sexuellen Missbrauch mit ihm besprochen hat. Zudem kam das Thema des 

sexuellen Missbrauchs nicht erst in der Therapie zur Sprache, sondern 

bereits zuvor im Gespräch mit D._____ im Sommer 2019. Dennoch dürften 

ihre psychischen Probleme und die Gespräche hierüber mit Dr. med. 

E._____ eine entscheidende Rolle bei der Anzeigeerstattung gespielt 

haben. A.K._____ hat angegeben, nach vielen (Therapie-)Gesprächen 

entschieden zu haben, Anzeige zu erstatten (GA act. 58), auch wenn die 

 - 9 - 

 

 

konkreten Vorwürfe in der Therapie erst danach besprochen worden sind. 

Aus der zitierten E-Mail wird ersichtlich, dass in der Therapie jedenfalls 

nach einer Ursache der psychischen Probleme gesucht worden ist, also ein 

derartiges Bestreben vorhanden war und A.K._____ aufgefordert worden 

war, nach dieser Ursache zu suchen. Gemäss A.K._____ habe Dr. med. 

E._____ zu Beginn der Therapie gefragt, wer Bezugspersonen in der 

Kindheit gewesen seien. Sie habe sehr schnell gemerkt, «in welche 

Richtung» er mit dieser Frage wolle. Er habe ihr erklärt, dass psychische 

Erkrankungen immer einen Ursprung hätten und wenn man diese 

herausfinde, die Erkrankungen besser therapiert werden könnten (GA act. 

57 f.). Aus ihren Deutungen der Fragen des Psychiaters lässt sich ebenfalls 

schliessen, dass ihre Suche nach der Ursache der psychischen Probleme 

bereits länger angedauert haben dürfte. So kam A.K._____ für sich zur 

festen Überzeugung, dass ihre psychischen Leiden vom Missbrauch durch 

den Beschuldigten stammen würden (GA act. 64).  

 

Weiter wurde die Ursache der psychischen Probleme im Zeitraum der 

Anzeigeerstattung auch innerhalb der Familie und der Partnerschaft von 

A.K._____ besprochen, als ihr psychischer Zustand im Sommer 2019 akut 

schlecht war. D._____, der Partner von A.K._____, hatte angegeben, es 

sei ihr immer schlechter gegangen. Als sie über die Ursache der 

psychischen Probleme gesprochen hätten, hätte sie ihm plötzlich von den 

Missbräuchen erzählt, da sei der Zustand für ihn auch endlich verständlich 

geworden. Dem Vater F.K._____ gegenüber habe sie sich geöffnet, als die 

psychischen Probleme einige Tage vor der Anzeigeerstattung wiederum 

sehr akut geworden seien (UA act. 442 ff.). 

 

Die psychischen Probleme an sich sowie die Suche nach der Ursache 

dieser Probleme und die in diesem Zusammenhang geführten Gespräche 

und der möglicherweise empfundene Erklärungsdruck sprechen zumindest 

für die Möglichkeit von auto- und/oder fremdsuggestiven Prozessen oder 

Sekundäreinflüssen. 

 

2.5.2. 

Weiter ist insbesondere auf die Schilderungen des Kontaktabbruchs zum 

Beschuldigten hinzuweisen. Gemäss den Aussagen aller Familien-

mitglieder K._____ – also den beiden Elternteilen sowie A.K._____ und 

C.K._____ – habe der Beschuldigte den Campingplatz im Jahr 2006 eines 

Tages sofort verlassen müssen, nachdem er ein anderes Mädchen – 

nämlich H._____, die damals enge Freundin von A.K._____ – auf den 

Schoss genommen und mit der Zunge geküsst habe. Dies habe I._____ 

gesehen und F.K._____ mitgeteilt (G.K._____: UA act. 458, F.K._____: UA 

act. 428, C.K._____: Protokoll Berufungsverhandlung S. 3). A.K._____ gab 

hierzu an, dass sie damals, also im Alter von ca. 9 Jahren, gewusst habe, 

dass das Verlassen etwas mit einem Mädchen zu tun gehabt habe, das 

dem Beschuldigten auf den Schoss habe sitzen müssen. Später habe sie 

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vernommen, dass es sich bei dem Mädchen um H._____ gehandelt habe. 

Sie sei schon der Meinung, dass es H._____ gewesen sei, auch wenn sie 

es nicht sicher wisse. Dies sei aber «sehr plausibel», da es auf dem 

Campingplatz nicht viele Mädchen gehabt habe. Ihre Eltern hätten danach 

mehrfach mit ihr und ihrem Bruder gesprochen und gefragt, ob «Spitzname 

B._____» etwas mit ihnen gemacht habe. Sie hätten das immer 

abgestritten, wobei sie sogar gelacht habe, um dies ins Lächerliche zu 

ziehen (UA act. 335, 378 ff., GA act. 65, Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 13 ff.). 

 

Im vorliegenden Strafverfahren wurden unter anderem H._____, deren 

Mutter J._____ und die angebliche Augenzeugin I._____ als Zeuginnen 

befragt. Alle verneinten klar, dass es zu einem derartigen Vorfall mit dem 

Beschuldigten gekommen sei (J._____: UA act. 488; I._____: UA act. 531). 

H._____ war bei ihrer Befragung offensichtlich schockiert von den Fragen 

zum angeblichen Vorfall und gab an, dass sie sich daran ganz sicher 

erinnern würde, es einen solchen Vorfall jedoch nicht gegeben habe. Sie 

bestätigte hingegen, damals gut mit A.K._____ befreundet gewesen zu 

sein (UA act. 472 und 478 f.). Auch die Ehefrau des Beschuldigten sowie 

der Beschuldigte selbst bestritten den Vorfall und nannten andere Gründe 

für das Verlassen des Campingplatzes (UA act. 506, Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 23 f.). 

 

Dass es den Vorfall mit H._____ gegeben hat, kann bei dieser Aussage-

situation zumindest nicht als erstellt gelten. Dass sich die unbeteiligten 

Zeuginnen eines falschen Zeugnisses schuldig machen sollten, ist nicht 

nachvollziehbar. Es ist jedoch bemerkenswert, dass A.K._____ und 

C.K._____ mehrfach eindringlich gefragt worden sind, ob der Beschuldigte 

auch mit ihnen «etwas» gemacht habe. So sind sie – zumindest bis zu den 

Einvernahmen der Zeuginnen im vorliegenden Strafverfahren, also 

während der gesamten verbleibenden Kindheit, Pubertät und dem jungen 

Erwachsenenalter – davon ausgegangen, dass es diesen Vorfall mit 

H._____ gegeben hat. Erstaunlich ist auch, dass A.K._____ H._____ nach 

dem angeblichen Vorfall nur einmal kurz gefragt habe, ob sie den 

Beschuldigten kenne, was diese verneint habe und woraufhin nicht mehr 

über die Angelegenheit gesprochen worden sei. Dies obwohl sie zu dieser 

Zeit sehr enge Freundinnen waren (Protokoll Berufungsverhandlung S. 13). 

 

2.5.3. 

Zudem ist darauf hinzuweisen, dass es am 17. März 2012 – unabhängig 

vom Beschuldigten – einen Vorfall gab, bei dem H._____ und A.K._____ 

im Zusammenhang mit einem möglichen sexuellen Missbrauch Kontakt mit 

der Polizei hatten, wobei jedoch H._____ im Fokus stand. A.K._____ war 

damals 14 Jahre und H._____ 15 Jahre alt. Sie sollen in einem Chatroom 

einen 24-jährigen Mann kennengelernt haben, der sodann auf den 

Campingplatz gekommen sei und sich mit den beiden Minderjährigen in 

 - 11 - 

 

 

einen Wohnwagen begeben habe. Dort habe es Annäherungen gegeben 

bzw. habe der damalige Beschuldigte A.K._____ gepackt und geküsst, 

worauf diese den Wohnwagen verlassen habe. H._____ sei geblieben und 

habe ihn mit der Hand befriedigt bis dieser sich selbst noch bis zur 

Ejakulation auf ihren Bauch befriedigt habe. Der damals Beschuldigte hatte 

den Vorfall weitestgehend eingeräumt, jedoch angegeben, nicht gewusst 

zu haben, wie alt die Mädchen gewesen seien. Diese hätten sich als 18-

jährige ausgegeben und sich sexuell auch reifer dargestellt. F.K._____ 

hatte den Vorfall damals noch am gleichen Abend der Polizei gemeldet. 

Das damalige Strafverfahren wegen sexuellen Handlungen mit Kindern 

wurde am 16. Juli 2012 aus formellen Gründen eingestellt.  

 

A.K._____ hatte auch in diesem Verfahren Aussagen bei der Polizei 

gemacht. Sie hatte dabei unter anderem angegeben, dass der 

Beschuldigte sie und H._____ um Oralverkehr gebeten habe. Weiter habe 

er sie am Gurt gepackt und ihr ans Gesäss gefasst. Er habe sie dann aufs 

Bett gestossen, sodass sie auf dem Rücken gelegen habe. Er habe sich 

dann auf sie gelegt und sie ca. drei Sekunden auf den Mund geküsst 

(Einvernahme vom 18. März 2012 S. 6). Diese Aussagen ähneln örtlich als 

auch von der Stellung her den Vorwürfen der Vergewaltigung gegenüber 

dem Beschuldigten im vorliegenden Verfahren. Anlässlich der 

Berufungsverhandlung äusserte sich A.K._____ in Abweichung zu den 

damaligen Aussagen zwar so, dass der Vorfall sie nicht betroffen habe und 

deshalb keinen Einfluss auf sie gehabt habe (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 20). Dies steht jedoch in einem gewissen Widerspruch zu 

den damaligen Aussagen und dem geschilderten Vorfall, der hinsichtlich 

der Intensität nicht zu bagatellisieren ist. Auch hierbei kann ein Einfluss auf 

die Aussagen somit nicht ausgeschlossen werden.  

 

2.5.4. 

Zusammenfassend ist damit folgendes festzuhalten: Auch wenn einzelnen 

Schilderungen von A.K._____ der Eindruck einer Erlebnisbasiertheit nicht 

per se abgesprochen werden kann, können anhand der aufgezeigten 

Umstände weder Sekundäreinflüsse noch auto- und/oder fremdsuggestive 

Prozesse nicht nur nicht ausgeschlossen werden, sondern drängen sich als 

sehr wahrscheinlich geradezu auf. Damit sind die Aussagen von A.K._____ 

einer inhaltlichen Analyse anhand von Realkennzeichen und somit einer 

Überprüfung des Wahrheitsgehalts schlicht nicht mehr bzw. nur derart 

beschränkt zugänglich, sodass ausgehend von der Nullhypothese keine 

Verurteilung erfolgen kann. Die Inhaltsanalyse stellt im vorliegend zu 

beurteilen Fall demnach kein valides Mittel zur Verifizierung der Aussagen 

dar. Offensichtlich sind auch eine Konstanzanalyse und ein Qualitäts-

strukturvergleich nicht zielführend, könnten sich doch auch diese nur auf 

die protokollierten und einer inhaltlichen Analyse nicht zugänglichen 

Aussagen im Erwachsenenalter, nicht aber auf die entscheidenden 

Aussagen im Kindes- bzw. Vorpubertätsalter beziehen. 

 - 12 - 

 

 

Nichts anderes ergibt sich hinsichtlich der personenbezogenen Glaub-

würdigkeit von A.K._____. Dem Gericht ist es zwar möglich, ihre 

allgemeine Glaubwürdigkeit anhand ihrer heutigen Persönlichkeit, ihren 

möglichen Motiven und der Aussagesituation abzuschätzen. In Bezug auf 

ihr Kindes- bzw. Vorpubertätsalter ist dies aber nicht mit der nötigen 

Zuverlässigkeit möglich. 

 

2.5.5. 

Nebst dem Umstand, dass eine inhaltliche Analyse der entscheidenden 

Aussagen von A.K._____ im Kindesalter vorliegend nicht möglich ist, ist zu 

beachten, dass sie sowohl gemäss Anklage als auch ihren eigenen 

Aussagen in Bezug auf die dem Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen 

Handlungen nicht urteilsfähig war. So sagte sie aus, dass sie in der 

Zeitspanne, in welcher es zu den angeblichen Vorfällen gekommen sei, 

nicht wirklich gewusst oder verstanden habe, was passiere. Sie haben erst 

in der Pubertät gemerkt, dass dies nicht gut gewesen sei (UA act. 335, 377, 

GA act. 57, Protokoll Berufungsverhandlung S. 16 ff.).  

 

Es ist zudem zwar so, dass A.K._____ subjektiv offenbar stark unter den 

angeblichen Vorfällen leidet. So gibt sie namentlich an, dass ihre 

Beziehung bzw. ihr Sexualleben beeinträchtigt seien und sie auch unter – 

in der Intensität schwankenden – psychischen Beeinträchtigungen, die sie 

den Vorfällen zuordnet, leide (Protokoll Berufungsverhandlung S. 11 ff.). Es 

ist grundsätzlich nicht ersichtlich, weshalb sie den Beschuldigten, den sie 

13 Jahre nicht gesehen hat und dessen Wohnort erst ermittelt werden 

musste, zu Unrecht beschuldigen sollte, wobei sie sich selbst einem 

belastenden Strafverfahren aussetzt und sich der falschen Anschuldigung 

schuldig machen würde. Da aus den genannten Gründen jedoch nicht 

auszuschliessen ist, dass ihre Aussagen auf voll ausgebildeten Pseudo-

erinnerungen beruhen, können diese Umstände und Auswirkungen für sich 

alleine im Rahmen der Beweiswürdigung lediglich ein mögliches Indiz für 

das Vorliegen eines sexuellen Missbrauchs darstellen. Der für einen 

Schuldspruch notwendige Nachweis ist damit – entgegen der Privatklägerin 

A.K._____ – vorliegend aber nicht zu erbringen.  

 

2.6. 

2.6.1. 

Als Beweismittel liegen weiter die Aussagen von C.K._____, dem Bruder 

von A.K._____, vor. Er will neben den eigenen Anschuldigungen 

gegenüber dem Beschuldigten, die jedoch nicht als erstellt angesehen 

werden dürfen, nachdem der Beschuldigte hinsichtlich dieser Vorwürfe 

erstinstanzlich freigesprochen und eine dagegen erhobene Berufung von 

C.K._____ zurückgezogen worden ist, zwei der Vorfälle zum Nachteil von 

A.K._____ gesehen bzw. mitbekommen haben. Einmal habe er in einem 

Thermalbad draussen warten müssen, als der Beschuldigte und A.K._____ 

in einer Dusche oder Umkleidekabine gewesen seien. Er wisse nicht, was 

 - 13 - 

 

 

da drinnen passiert sei (UA act. 393 ff., 416, GA 48 f., Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 4 ff.). Zudem habe er einmal im Wohnwagen des 

Beschuldigten gesehen, wie A.K._____ nackt auf dem Bett gewesen sei 

und der Beschuldigte dort gestanden sei und sich selbst befriedigt habe, 

der Beschuldigte habe A.K._____ dabei auch im Intimbereich berührt (UA 

act. 394 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte er dies, 

konnte sich jedoch nicht mehr an die Berührungen des Beschuldigten im 

Intimbereich von A.K._____ erinnern (Protokoll Berufungsverhandlung S. 

4). A.K._____ hatte ebenfalls angegeben, dass ihr Bruder mal einen der 

Vorfälle gesehen hätte, er wisse aber nicht mehr was genau und sie selbst 

auch nicht (UA act. 338). 

 

2.6.2. 

Auch betreffend die Aussagen von C.K._____ können weder Sekundär-

einflüsse noch auto- und/oder fremdsuggestive Prozesse nicht nur nicht 

ausgeschlossen werden, sondern drängen sich als sehr wahrscheinlich 

geradezu auf, weshalb seine Aussagen einer inhaltlichen Analyse anhand 

von Realkennzeichen und somit einer Überprüfung des Wahrheitsgehalts 

ebenfalls nicht mehr bzw. nur derart beschränkt zugänglich sind, sodass 

ausgehend von der Nullhypothese keine Verurteilung erfolgen kann. 

 

Einerseits hat auch er seine Aussagen erst relativ lange Zeit – nämlich 14 

bis 16 Jahre – nach den angeblichen Vorfällen zum Nachteil von A.K._____ 

gemacht. Er ist am tt.mm.1995 geboren und heute 28 Jahre alt. Die dem 

Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum Nachteil von 

A.K._____ sollen sich gemäss Anklage zugetragen haben, als C.K._____ 

9 bis 11 Jahre alt war. Auch er war damals noch ein Kind und stand noch 

vor Beginn der Pubertät bzw. am Anfang der Pubertät. Es liegen von ihm 

keine Aussagen aus dem Kindes- oder Pubertätsalter vor. Erst als er im 

Strafverfahren betreffend A.K._____ am 27. Mai 2020 im Alter von 24 

Jahren als Zeuge befragt worden war, gab er gegen Ende der Befragung 

zu Protokoll, früher ebenfalls vom Beschuldigten missbraucht worden zu 

sein und erstattete daraufhin Strafanzeige (UA act. 355 ff.). Er wurde 

anschliessend am 10. Juli 2020 noch immer im Alter von 24 Jahren (UA 

act. 406 ff.), anlässlich der Hauptverhandlung vom 1. Juni 2022 im Alter 

von 26 Jahren und anlässlich der Berufungsverhandlung vom 24. Oktober 

2023 im Alter von 28 Jahren befragt (GA act. 47 ff., Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 2 ff.). Somit sind sämtliche seiner Aussagen 

zwangsläufig von einer erheblichen Verblassungstendenz betroffen. 

 

C.K._____ hat seinen Aussagen zufolge bis zu seinem Aufenthalt in einer 

Schlafklinik im Jahr 2018 nie einer Drittperson von den sexuellen 

Übergriffen – gegenüber ihm selbst oder seiner Schwester – berichtet und 

sich diesbezüglich nie jemandem anvertraut. Als er wegen seiner Schlaf-

probleme in psychologischer Behandlung gewesen sei, habe es sich 

ergeben und er habe seiner Psychologin erzählt, dass es in der Kindheit 

 - 14 - 

 

 

ein Problem mit sexuellen Handlungen gegeben habe. Er habe ihr aber 

auch gesagt, dass er nicht weiter darauf eingehen möchte (GA act. 50 f.). 

Somit hat er gemäss eigenen Angaben das erste Mal im Alter von ca. 21 

Jahren über die Geschehnisse gesprochen, wobei seine Angaben äusserst 

vage geblieben sind. Es liegen zwei Berichte der Y._____ vom 22. März 

2021 und 29. Oktober 2018 vor. Aus diesen ergeben sich denn auch keine 

Hinweise auf die angeklagten sexuellen Handlungen.  

 

Zudem sind weitere Faktoren zu berücksichtigen. Es kann dazu grund-

sätzlich auf die obigen Ausführungen verwiesen werden, da sich die 

Situation ähnlich gestaltet wie bei A.K._____. Auch C.K._____ litt 

zumindest zeitweise unter psychischen Problemen. Aufgrund dieser habe 

er auch Schlafprobleme gehabt und sich in psychologische Behandlung 

und schliesslich die Schlafklinik begeben. Er nannte für die psychischen 

Beschwerden zwar andere Gründe, wie Stress bei der Arbeit und gab an, 

die Schlafprobleme seien schliesslich auf eine Schlafapnoe zurückgeführt 

worden, die physische Ursachen habe. Seine Schilderungen und die 

Tatsache, dass er die sexuellen Übergriffe überhaupt erwähnt hat, zeigen 

jedoch, dass er ebenfalls nach einer Ursache für sein schlechtes 

psychisches Befinden gesucht hat, auch wenn er angab, die Probleme 

nicht wegen der Vorfälle mit dem Beschuldigten gehabt zu haben (UA act. 

415, Protokoll Berufungsverhandlung S. 3). Weiter hatte er bereits vor 

seinen ersten Aussagen im Strafverfahren von A.K._____ von ihren 

Vorwürfen erfahren, was seine Aussagen beeinflusst haben könnte. Die 

Vorwürfe wurden zudem innerfamiliär – insbesondere mit dem Vater – 

besprochen. Zudem ging auch er seit der Kindheit davon aus, dass der 

Beschuldigte den Campingplatz aufgrund des Vorfalls mit einem Mädchen 

habe verlassen müssen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3). Ob er im 

Kindesalter ebenfalls von den Eltern ausgefragt worden sei, ob der 

Beschuldigte etwas mit ihm gemacht habe, konnte er zwar nicht mehr 

sagen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3), allerdings hatte dies 

A.K._____ so angegeben. Auch hatte C.K._____ Kenntnis von dem Vorfall 

von A.K._____ und H._____ vom 17. März 2012 (GA act. 50).  

 

2.6.3. 

Daneben, dass seine Aussagen einer inhaltlichen Analyse nicht zugänglich 

sind, wirft auch die Entstehung der Aussagen von C.K._____ Fragen auf. 

So wurde er als Zeuge im Strafverfahren von A.K._____ einvernommen. Er 

gab hierbei erst ganz zum Ende der Befragung an, ebenfalls vom 

Beschuldigten missbraucht worden zu sein (UA act. 401). Er führte aus, 

dass ihm alles wieder raufgekommen sei, als seine Schwester ihn darauf 

angesprochen habe. Er hatte jedoch zum Zeitpunkt seiner Einvernahme 

bereits seit 4 Monaten Kenntnis von den Vorwürfen von A.K._____ und es 

ist fraglich, weshalb er nicht vorher Anzeige erstattet hat. Ebenfalls ist nicht 

nachvollziehbar, wieso er danach angab, erst durch den Anruf der 

deutschen Polizei von den Vorwürfen erfahren zu haben und nicht gewusst 

 - 15 - 

 

 

zu haben, dass es seine Schwester so fest belaste, obwohl es schon sein 

könne, dass sie zuvor etwas gesagt habe (UA act. 400, Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 5). Bei derart gravierenden Vorwürfen wäre zu 

erwarten, dass man sich daran erinnert, ob diese erwähnt worden sind. 

Weiter gab er selbst an, im Allgemeinen nicht gross an die Vorfälle gedacht 

zu haben, sie seien erst hochgekommen, als seine Schwester diese 

angesprochen habe (GA act. 53). Schliesslich schilderte er anlässlich der 

Berufungsverhandlung, dass er die Aussagen zwar für sich, aber auch für 

seine Schwester habe machen wollen, er habe auch eine Entlastung für sie 

sein wollen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5). Auch aufgrund der 

Unklarheiten in der Entstehungsgeschichte kann auf seine Aussagen nur 

begrenzt abgestellt werden. 

 

2.7.  

Die Anklage beruht einzig auf den Aussagen von A.K._____ und 

C.K._____, welche sie erstmals viele Jahre nach den angeblichen Vorfällen 

im Erwachsenenalter gemacht haben und die vorliegend für eine 

Verurteilung nicht ausreichend sind. Objektive Beweismittel wie Arzt-

berichte, Spuren oder ähnliches, die zur Beweiswürdigung beigezogen 

werden könnten, liegen nicht vor. Auch konnten die Eltern, sowie die 

weiteren befragten Zeugen, die damals auf dem Campingplatz häufig 

zugegen waren, die behaupteten sexuellen Missbräuche aus eigener 

Wahrnehmung nicht bestätigen. Schliesslich liegen auch keine Aussagen 

vor, dass sich A.K._____ oder C.K._____ im zur Anklage gelangten 

Zeitraum jemandem anvertraut und über das Erlebte berichtet hätte. Nicht 

nachvollziehbar ist in den Aussagen beider Personen, dass sie von den 

Vorfällen niemandem berichtet hätten, da sie sich unter anderem geschämt 

hätten (A.K._____ Protokoll Berufungsverhandlung S. 11 ff.; C.K._____ 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 5 ff.). So gaben nämlich beide auch an, 

damals nicht gewusst zu haben, dass die Handlungen sexuell konnotiert 

gewesen seien und dass sie diese aufgrund der Aussagen des 

Beschuldigten gar als normal hingenommen hätten. Die angebliche Scham 

ist daher nicht ohne Weiteres ein nachvollziehbarer Grund für ihr 

Schweigen. Dass keine Schilderungen an Drittpersonen erfolgt sind, 

erstaunt – wie erwähnt – einerseits hinsichtlich der besten Freundin von 

A.K._____, H._____, soll doch auch sie einen Vorfall mit dem 

Beschuldigten erlebt haben. Andererseits gab A.K._____ anlässlich der 

Berufungsverhandlung an, sich im Alter von 9 Jahren unmittelbar an ihre 

Mutter gewendet zu haben, als sie ihre erste Periode bekommen habe 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 18). Dies macht deutlich, dass sie im 

Kindesalter im Stande war, sich Gehör zu verschaffen und ein Vertrauens-

verhältnis zu ihrer Mutter bestanden hatte. Ihr Schweigen erstaunt somit, 

auch wenn der Beschuldigte den Geschwistern jeweils gesagt haben solle, 

sie dürften niemandem etwas sagen. Zusammenfassend ist festzuhalten, 

dass niemand aus dem Umfeld von A.K._____ oder C.K._____ eine 

Feststellung zu einem sexuellen Missbrauch gemacht hat. Bereits aufgrund 

 - 16 - 

 

 

der hohen Anzahl von angeblichen Vorfällen ist aufgrund der allgemeinen 

Lebenserfahrung wahrscheinlich, dass diese nicht unbemerkt geblieben 

wären. A.K._____ schilderte, dass es zu 50-200 Vorfällen gekommen sei 

(UA act. 338), gemäss Anklage handelte es sich um mindestens 54 Vorfälle 

zum Nachteil von A.K._____. Die Platzverhältnisse auf dem Campingplatz 

sind eher eng, die Wohnwagen stehen nahe beieinander (siehe 

Fotoaufnahmen UA act. 294 ff., 351 f., 387 f.). Die Zeugin I._____ hatte 

namentlich angegeben, dem Beschuldigten direkt auf den Vorplatz und das 

Vorzelt gesehen zu haben (UA act. 532). Der Beschuldigte hielt sich auf 

dem Campingplatz auch grösstenteils mit seiner Ehefrau auf. A.K._____ 

bestätigte, dass diese während den von ihr geschilderten Vorfällen 

grundsätzlich jederzeit hätte hereinkommen können, dies jedoch nie 

geschehen sei (Protokoll Berufungsverhandlung S. 17 ff.). Es wäre daher 

zu erwarten, dass bei einer derart hohen Anzahl von Vorfällen irgendetwas 

bemerkt worden wäre oder zumindest ein Verdacht entstanden wäre. So 

gab jedoch auch F.K._____ an, nie etwas Derartiges gedacht zu haben (UA 

act. 423). Weiter ist davon auszugehen, dass namentlich der Versuch eines 

erwachsenen Mannes mit seinem erigierten Penis in die Vagina eines 7 bis 

9 Jahre alten Mädchens einzudringen sowie das Eindringen mit den 

Fingern in die Vagina erhebliche Schmerzen verursacht hätte. Auch wenn 

A.K._____ angab, dass der Beschuldigte jeweils aufgehört habe, als sie 

starke Schmerzen gehabt habe, wären vorliegend Schmerzensschreie 

oder ein starkes Weinen von einem 7 bis 9 Jahre alten Mädchen zu 

erwarten gewesen. Es erstaunt daher umso mehr, dass niemand etwas von 

den Vorfällen mitbekommen hat. Es wäre zudem zu erwarten gewesen, 

dass die physischen und/oder psychischen Folgen derartiger Vorfälle 

zumindest den nächsten Angehörigen aufgefallen wären, was vorliegend 

nicht der Fall war. A.K._____ konnte sich nicht an Verletzungen oder 

Reizungen im Intimbereich, die insbesondere bei den angeklagten 

Vergewaltigungen zu erwarten gewesen wären, erinnern. Solche 

Verletzungen sind auch sonst niemandem aufgefallen (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 19 ff.). Das Ausgeführte führt auch losgelöst von 

der Nullhypothese zu erheblichen Zweifeln, dass es zu den in der Anklage 

geschilderten sexuellen Handlungen gekommen ist. 

 

2.8. 

Der Beschuldigte bestritt konstant, A.K._____ – sowie auch C.K._____ – 

sexuell missbraucht zu haben und gab wiederholt an, dies sei «absoluter 

Irrsinn» (UA act. 555 ff., 587 ff. und 605 ff., 611 ff., GA act. 63, Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 21 ff.). Er machte namentlich geltend, dass die 

Geschwister K._____ von den Eltern vernachlässig worden seien, damals 

bereits wüst bzw. nicht kindgerecht gesprochen hätten und auf dem 

Campingplatz mit Pornografie in Kontakt gekommen seien. Weiter sagte er 

zu den Vorwürfen «Das Meitli muss etwas erlebt haben auf diesem 

Campingplatz» (UA act. 557) und äusserte den Verdacht, dass die 

 - 17 - 

 

 

Vorwürfe etwas mit F.K._____ zu tun hätten (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 23). Er führte zudem aus, dass er aufgrund einer Krebs-

erkrankung bzw. der Behandlung derselben seit dem fraglichen Zeitraum 

keine Erektion mehr habe bekommen können (UA act. 579, Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 23). 

 

Aus den Aussagen des Beschuldigten und seinem Aussageverhalten kann 

damit weder für sich alleine noch zusammen mit den Aussagen von 

A.K._____ und C.K._____ darauf geschlossen werden, dass es zu den in 

der Anklage geschilderten Vorfällen gekommen ist. 

 

Anzufügen ist, dass beim Beschuldigten keine Hinweise auf eine 

Pädophilie vorliegen, obwohl solche Hinweise aufgrund der ihm in der 

Anklage vorgeworfenen sehr hohen Intensität der sexuellen Handlungen 

mit A.K._____ und weiteren sexuellen Handlungen mit C.K._____ zu 

erwarten gewesen wären. Es wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt 

und unter anderem das Mobiltelefon sowie das Notebook des 

Beschuldigten ausgewertet, wobei keinerlei Hinweise auf (kinder-)porno-

grafisches Material festgestellt worden sind (UA act. 190 ff.). Zudem sind – 

neben den angeblichen Vorfällen von vor 13-15 Jahren – keine ander-

weitigen derartigen Vorwürfe gegen den Beschuldigten bekannt geworden. 

Er hat keine einschlägigen Vorstrafen (GA act. 1 ff.). 

 

2.9. 

Nach dem Gesagten ist für das Obergericht zweifelhaft, ob sich die dem 

Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen Missbräuche wirklich zugetragen 

haben. Es handelt sich dabei nicht bloss um abstrakte oder theoretische 

Bedenken, sondern um nicht zu unterdrückende Zweifel. Mit den erst 

zahlreiche Jahre später im Strafverfahren protokollierten Aussagen von 

A.K._____ und C.K._____ lässt sich – aus den genannten Gründen – ein 

Schuldspruch nicht begründen. Die Berufung von A.K._____ ist 

abzuweisen und der Beschuldigte ist in Nachachtung des Grundsatzes «in 

dubio pro reo» von den Vorwürfen der mehrfachen Vergewaltigung nach 

Art. 190 StGB, der mehrfachen sexuellen Nötigung nach Art. 189 StGB 

sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind nach Art. 187 

StGB freizusprechen.  

 

3. 

Der Beschuldigte befand sich vom 26. November 2019 um 09:15 Uhr bis 

27. November 2019 um 13:15 Uhr und somit während zwei angebrochenen 

Tagen in Untersuchungshaft (UA act. 152). 

 

Wird ein Beschuldigter ganz oder teilweise freigesprochen, so hat er 

Anspruch auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen seiner 

persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 

Abs. 1 lit. c StPO). Der Beschuldigte hat keinen entsprechenden Antrag 

 - 18 - 

 

 

gestellt, die Strafbehörde prüft den Anspruch jedoch von Amtes wegen 

(Art. 429 Abs. 2 StPO). Das Bundesgericht erachtet bei ungerechtfertigten 

Inhaftierungen eine Genugtuung von Fr. 200.00 pro Tag als angemessen, 

sofern nicht aussergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine höhere oder 

eine geringere Entschädigung rechtfertigen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_491/2020 vom 13. Juli 2020 E. 2.3.2.). Aussergewöhnliche Umstände 

liegen nicht vor, auch wenn der Beschuldigte die Haftbedingungen 

beanstandet hat. Es ist ihm eine Genugtuung von Fr. 400.00 zuzu-

sprechen. 

 

4. 

Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es 

die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist 

(Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO). 

 

Vorliegend kann die Täterschaft des Beschuldigten nicht erstellt werden, 

was zu einem vollumfänglichen Freispruch führt. Damit entfällt die 

Grundlage für die Zusprechung einer Genugtuung oder von Schaden-

ersatz, weshalb die Zivilforderung von A.K._____ abzuweisen ist. Ihre 

Berufung erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet. 

 

5.  

5.1. 

5.1.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Privat-

klägerin A.K._____ unterliegt mit ihrer Berufung vollumfänglich. Der 

ehemalige Privatkläger C.K._____ hat seine Berufung zurückgezogen, 

womit er ebenfalls als unterliegend gilt. Er hat seine Berufung jedoch zu 

einem frühen Zeitpunkt des Berufungsverfahrens bzw. nach der Ein-

forderung einer Sicherheitsleistung zurückgezogen. Bei diesem Ausgang 

des Verfahrens rechtfertigt es sich, die obergerichtlichen Verfahrenskosten 

von Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD) vollumfänglich A.K._____ aufzuerlegen. Die in 

Art. 30 Abs. 1 OHG statuierte Kostenfreiheit gilt im Berufungsverfahren 

nicht, weshalb auch die Privatklägerin entsprechend dem Ausgang 

kostenpflichtig wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_370/2016 vom 16. März 

2017 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 141 IV 262 E. 2.2). Die Verfahrenskosten 

werden mit der von ihr geleisteten Sicherheitsleistung verrechnet. 

 

5.1.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das obergerichtliche 

Verfahren gestützt auf die anlässlich der Berufungsverhandlung einge-

reichte Kostennote zu entschädigen. Jedoch ist der geltend gemachte 

Aufwand von 2.65 Stunden eines anderen Anwalts zu streichen. Das Amt 

des amtlichen Verteidigers ist höchstpersönlich und der Beizug von 

kanzleiinternen Mitarbeitern ist im Stundenansatz von Fr. 200.00 bereits 

 - 19 - 

 

 

abgegolten. Der amtliche Verteidiger ist mit gerundet Fr. 9'470.00 (inkl. 

Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 

135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). 

 

Ausgangsgemäss ist der im Berufungsverfahren obsiegende Beschuldigte 

nicht dazu verpflichtet, die dem amtlichen Verteidiger auszurichtende 

Entschädigung zurückzuzahlen (Art. 135 Abs. 4 StPO e contrario). Die 

StPO enthält sodann keine gesetzliche Grundlage, die es erlauben würde, 

der unterliegenden Privatklägerschaft die Kosten der amtlichen Vertei-

digung aufzuerlegen (BGE 145 IV 90). 

 

5.1.3. 

Die Privatklägerin A.K._____ unterliegt mit ihrer Berufung vollumfänglich, 

der ehemalige Privatkläger C.K._____ hat seine Berufung zurückgezogen 

und gilt damit ebenfalls als unterliegend. Es ist ihnen deshalb keine 

Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 433 Abs. 1 

StPO e contrario). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die vorinstanzlichen Kostenfolgen (Art. 428 Abs. 1 StPO).  

 

Der Beschuldigte wird mit dem vorliegenden Urteil von Schuld und Strafe 

freigesprochen, es bleibt damit bei der vorinstanzlichen Verlegung der 

Verfahrenskosten (Art. 428 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 StPO). Die auf den 

Beschuldigten entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten sind auf die 

Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2.2. 

Die Höhe der dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung ist mit Berufung nicht angefochten worden, 

weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr zurückzukommen ist 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019). 

 

5.2.3. 

Die Privatkläger A.K._____ und C.K._____ haben ausgangsgemäss 

keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung im erstinstanzlichen 

Verfahren (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO e contrario). 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). Dies ist auch der Fall, wenn eine Berufung vollumfänglich 

abgewiesen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 

2018 E. 4 mit Hinweisen).  

 - 20 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen.  

 

2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten für die 

ausgestandene Untersuchungshaft von 2 Tagen eine Genugtuung von 

Fr. 400.00 auszurichten. 

 

3. 

3.1. 

Die Zivilklage der Privatklägerin A.K._____ wird abgewiesen. 

 

3.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Zivilklage des Privatklägers C.K._____ wird abgewiesen. 

 

4. 

4.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden der 

Privatklägerin A.K._____ auferlegt und mit der von ihr geleisteten 

Sicherheitsleistung verrechnet. 

 

4.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 9'470.00 auszurichten. 

 

4.3. 

Die Privatkläger A.K._____ und C.K._____ haben ihre Parteikosten für das 

Berufungsverfahren selbst zu tragen. 

 

5. 

5.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse 

genommen. 

 

5.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 14'969.35 

auszurichten.  

 

5.3. 

Die Privatkläger A.K._____ und C.K._____ haben ihre erstinstanzlichen 

Parteikosten selbst zu tragen. 

 - 21 - 

 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 24. Oktober 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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