# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 51d4707f-e3f1-5397-8571-1e73b474dd58
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 11.03.2024 SST.2023.142
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-142_2024-03-11.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.142 
(ST.2022.129; StA.2021.1397) 

 

 

Urteil vom 11. März 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Sprenger 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

Privatkläger 1  A._____, 

[…]  

 

Privatklägerin 2  B._____, 

[…] 

 

beide Privatkläger vertreten durch Rechtsanwalt Martin Basler,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   C._____,  

geboren am tt.mm.1990, von Venezuela, 

[…] 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Michael Hunziker,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Qualifizierter Raub, Hausfriedensbruch 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 21. September 2022 Anklage gegen den 

Beschuldigten und drei Mitbeschuldigte (D._____ [SST.2023.140], 

E._____ [SST.2023.141] und F._____) wegen Raubs, Nötigung und 

Hausfriedensbruch. 

 

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, sich als Mittäter in einem weissen 

Nissan (Kontrollschild) am 20. Februar 2021 um ca. 08:50 Uhr zum 

Einfamilienhaus von A._____ und B._____ am Q-weg in R._____ begeben 

zu haben. Er habe sich als Jogger verkleidet, Gummihandschuhe getragen 

und sei mit einer Hygienemaske vermummt gewesen. Einer der 

Beschuldigten – vermutlich der Mitbeschuldigte E._____ – habe als 

Postbote verkleidet und mit einem Paket in der Hand an der Haustüre 

geklingelt. Nach dem Öffnen habe er A._____ zur Unterschrift aufgefordert 

und ihn am Handgelenk gepackt, woraufhin es zu einem Gerangel 

gekommen sei. Die Beschuldigten hätten versucht, dem sich wehrenden 

A._____ die Handgelenke zusammenzubinden und ihm Augen und Mund 

zugehalten. Zwei Täter seien sogleich in den oberen Stock gerannt, wo sich 

B._____ aufgehalten habe. Nach mehreren Versuchen, A._____ die Arme 

und Hände mit breiten Bändern und Kabelbindern zu fesseln, sei es diesen 

erst gelungen, als ein Dritter Beschuldigter dazugekommen sei und 

geholfen habe. Schliesslich sei A._____ um den ganzen Körper herum 

gefesselt worden. Die Beschuldigten hätten A._____ den Mund 

zugehalten, sodass dieser nicht habe schreien können. Sie hätten ihn über 

eine Toilettenschüssel im Erdgeschoss gedrückt, wodurch dieser eine 

Rippenquetschung sowie eine Prellung des Beckenknochens erlitten habe. 

Zwei Beschuldigte hätten A._____ ein Messer mit jeweils 5-15 cm langer 

Klinge in drohender Haltung gezeigt, als dieser sich gewehrt habe. 

Schliesslich sei A._____ in den Heizungsraum gebracht worden, wo ihm 

die Fussgelenke mit Klebeband verklebt, wobei ein Fuss an das 

Heizungsrohr gefesselt worden sei, die Handgelenke wiederum mit 

Kabelbindern zusammengebunden und A._____ Klebeband um den Kopf 

insbesondere über Mund und Nase gebunden worden sei, sodass dieser 

an Atemnot gelitten habe. Der auf der Seite liegende A._____ habe sich 

nur noch leicht wenden und ansonsten kaum bewegen, geschweige denn 

aufstehen können. Schlussendlich sei es A._____ gelungen, das 

Klebeband im Gesicht etwas zu lockern, um besser atmen zu können, 

wobei er nach wie vor Luftnot verspürt habe. Seine diesbezüglichen 

Äusserungen, dass er fast verrecke, sei von den Beschuldigten ignoriert 

worden. Er habe bei geschlossener Tür mindestens zwanzig Minuten im 

dunklen Heizungsraum gelegen. Zu einem späteren Zeitpunkt habe einer 

der Beschuldigten A._____ nach Geld gefragt und ihm mindestens zwei 

Mal gedroht, dass er seine beiden Söhne töten werde, wenn er die Polizei 

anrufe. Er wisse, wo die beiden wohnen würden. A._____ habe diese 

 - 3 - 

 

 

Äusserungen sehr ernst genommen und sei dadurch derart in Angst und 

Schrecken versetzt worden, dass er die Polizei nicht verständigt habe. Dies 

habe schliesslich ein Nachbar gemacht. Einer der Beschuldigten habe 

A._____ die Fingerkuppen gewaschen und ihm erklärt, dass seine Frau in 

ca. zehn Minuten kommen und ihn befreien würde. 

 

B._____ sei im oberen Stockwerk von zwei Beschuldigten an den 

Handgelenken gepackt und durch einen Schlag auf den Rücken zu Boden 

gedrückt worden. Ihr seien Mund und Augen zugehalten worden, wobei 

zwei Beschuldigten in drohender Weise ein Messer in den Händen 

gehalten hätten. B._____ seien die Augen verbunden, die Handgelenke 

gefesselt und sie sei mit Klebeband verklebt worden. Sodann sei ihr 

Klebeband straff über Nase und Mund geklebt worden, wodurch sie an 

Atemnot litt und dies gegenüber den Beschuldigten kundtat. Schliesslich 

sei sie in das Nähzimmer gezogen und mit einem die Luftzufuhr weiter 

einschränkenden Kissenbezug überstülpt und am Boden platziert worden. 

Sodann seien ihr die Beine mit einem weissen Tuch zusammengebunden 

worden. Die Beschuldigten seien mehrmals wiedergekehrt und hätten ihr 

versichert, dass ihr nichts passieren werde und sich ca. fünf Mal in 

gebrochenem Deutsch nach Geld erkundigt. B._____ habe nach 

mehrmaligem Verneinen ein Versteck preisgegeben, in dem sich 

Fr. 4'000.00 befunden hätten, das aber von den Beschuldigten nicht 

gefunden worden sei. Sie nahmen ihr sodann gewaltsam den Ring vom 

linken Ringfinger, wobei sie diesen mehrfach gebrochen und die 

Fingerkuppen des Mittelfingers verletzt hätten. Die Beschuldigten hätten 

B._____ zudem gesagt, dass sie um ihre beiden Söhne im Alter von 40-50 

Jahren wüssten. Nach einer Weile habe ein Beschuldigter B._____ Hände 

und Nägel gewaschen, ihre rechte Hand befreit und sie aufgefordert, in 

zehn Minuten ihren Mann zu befreien. 

 

Die Mitbeschuldigten hätten insgesamt mindestens Fr. 500.00 erbeutet und 

den Tatort um ca. 09:25 Uhr wieder verlassen. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Zofingen erkannte mit Urteil vom 16. März 2023: 

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- des qualifizierten Raubes (besondere Gefährlichkeit) gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB;  
- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB.  
 
2.  
2.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 10 
Monaten verurteilt. 
 
2.2. 

 - 4 - 

 

 

Die Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 624 Tagen (6. Mai 2021 - 2. September 2021 
und 29. Oktober 2021 - 16. März 2023) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe 
angerechnet. 
 
3. 
Auf den Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 
26. November 2020 für 60 Tagessätze Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 100.00 
gewährten bedingten Vollzugs wird gestützt auf Art. 46 Abs. 2 StGB verzichtet.  
 
4.  
4.1. 
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB für 10 Jahre des Landes und 
aus dem Schengen Raum verwiesen. Die Landesverweisung wird im Schengener 
Informationssystem SIS eingetragen. 
 
4.2.  
Der Vollzug der Verweisung des Beschuldigten aus der Schweiz und aus dem 
Schengenraum hat nach Venezuela zu erfolgen.  
 
5. 
Folgende Gegenstände werden dem Beschuldigten zurückgegeben: 
- 1 Jacke Adidas mit Aufschrift "G._____" 
- 1 Mütze "Core" 
- 3 Jetons "Snow Jet"  
- 1 Paar Turnschuhe Adidas 
- 1 Apple Watch 
 
6.  
6.1.  
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 unter solidarischer 
Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und E._____ eine Genugtuung von Fr. 6'500.00 
zuzüglich Zins zu 5 % ab 20. Februar 2021 zu bezahlen.  
 
6.2.  
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 unter solidarischer 
Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und E._____ Schadenersatz in Höhe von Fr. 
1'865.95 zuzüglich Zins zu 5 % ab 20. Februar 2021 zu bezahlen.  
 
6.3. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 2 unter solidarischer 
Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und E._____ eine Genugtuung von Fr. 6'000.00 
zuzüglich Zins zu 5 % ab 20. Februar 2021 zu bezahlen.  
 
6.4. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 2 unter solidarischer 
Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und E._____ Schadenersatz in Höhe von Fr. 
598.20 zuzüglich Zins zu 5 % ab 20. Februar 2021 zu bezahlen.  
 
6.5.  
Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Zivil- und Strafklägern 1 und 2 unter solidarischer 
Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und E._____ gestützt auf Art. 433 StPO eine 
Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 17'593.10 (inkl. Fr. 1'257.80 MwSt.) zu bezahlen.  
  
6.6.  
Die Anklagegebühr wird auf Fr. 1'450.00 festgesetzt und dem Beschuldigten auferlegt.  
 
6.7. 

 - 5 - 

 

 

Die weiteren Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  44'861.85 
c) den Kosten für Übersetzungen von Fr.  505.95 
d) den Kosten für Gutachten von Fr.  8'415.70 
e) den anrechenbaren Polizeikostenrapporten von Fr. 600.00 
 (IT-Forensik) 
f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr.  5'288.70 
 (EJPD) 
g) den Spesen von Fr.  132.00 
h) den anderen Auslagen von Fr.  317.20 
Total Fr.  61'621.40 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr sowie die Kosten gemäss lit. d-h im 
Gesamtbetrag von Fr. 16'253.60 auferlegt. Der Restbetrag geht zu Lasten des Staates. 
 
6.8.  
6.8.1.  
Die Kosten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt Mauro Gisi in Höhe von 
Fr. 6'245.80 (inkl. MwSt.) gehen einstweilen zu Lasten des Kantons Aargau. Diese Kosten 
wurden mit Verfügung vom 20. Dezember 2021 bereits ausbezahlt. Der Beschuldigte ist 
verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, 
sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
6.8.2. 
Die Kosten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt Michael Hunziker in Höhe 
von Fr. 38'616.05 (inkl. Fr. 2'760.85 MwSt.) gehen einstweilen zu Lasten des Kantons 
Aargau. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
7. 
Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 16. Juni 2023 beantragte die Staats-

anwaltschaft die Verurteilung des Beschuldigten wegen qualifizierten 

Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB statt Art. 140 Ziff. 3 StGB sowie eine 

Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 9 Jahre und 8 Monate und der 

Landesverweisung auf 15 Jahre. 

 

3.2. 

Mit Berufungserklärung vom 26. Juni 2023 beantragte der Beschuldigte 

einen vollumfänglichen Freispruch, das Absehen von einer Landes-

verweisung sowie die Abweisung der Zivilforderungen. 

 

3.3. 

Mit Anschlussberufungserklärungen vom 18. Juli 2023 beantragten die 

Privatkläger A._____ und B._____ eine Erhöhung der Genugtuung. 

 

 - 6 - 

 

 

3.4. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 14. August 2023 und der Beschuldigte 

am 18. September 2023 vorgängig zur Berufungsverhandlung eine 

schriftliche Berufungsbegründung bzw. die Privatkläger am 24. August 

2023 eine schriftliche Anschlussberufungsbegründung ein. 

 

3.5. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 28. September 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft bzw. vom 9. Oktober 2023 beantragten die Privatkläger 

die Abweisung der Berufung des Beschuldigten. Mit Berufungsantwort vom 

9. Oktober 2023 beantragte der Beschuldigte sinngemäss die Abweisung 

der Berufung der Staatsanwaltschaft und mit gleichtagiger (separater) 

Anschlussberufungsantwort sinngemäss die Abweisung der 

Anschlussberufung der Privatkläger.  

 

3.6. 

Die Berufungsverhandlung fand am 11. März 2024 zusammen mit den 

Berufungsverfahren i.S. D._____ [SST.2023.140] und E._____ 

[SST.2023.141] statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Schuldsprüche, die 

Strafzumessung, die Landesverweisung und den Zivilpunkt. Die Berufung 

der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen die Qualifikation des Raubs, die 

Strafzumessung und die Dauer der Landesverweisung. Die Anschluss-

berufung der Privatkläger richtet sich gegen die Höhe der Genugtuungs-

summe. In den übrigen Punkten (Herausgabe beschlagnahmter 

Gegenstände, Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung) ist das 

vorinstanzliche Urteil unangefochten geblieben und deshalb nicht zu 

überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des qualifizierten Raubs mit 

besonderer Gefährlichkeit nach Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB in 

Mittäterschaft sowie des Hausfriedensbruchs nach Art. 186 StGB verurteilt. 

Sie erwog nach einer Würdigung der Beweise (Videoaufnahmen Q-weg, 

Auswertung der Apple Watch, Kontrollschilderkennung, Auswertung von 

RTI-Daten, Spurensicherungsbericht, forensisch-klinischen 

Untersuchungen von A._____ und B._____, Aussagen von A._____ und 

B._____, Aussagen des Mitbeschuldigten E._____ und Aussagen des 

Beschuldigten), dass der Beschuldigte mit seinem Fahrzeug nach R._____ 

gefahren sei, das Fahrzeug parkiert habe und als Jogger verkleidet – etwas 

 - 7 - 

 

 

später als die drei Mittäter – in das Haus von A._____ und B._____ 

eingedrungen sei. Dort seien A._____ und B._____ unter unnötig heftiger 

Gewaltanwendung übermässig stark gefesselt und geknebelt worden, 

indem ihnen insbesondere Klebeband über Nase und Mund geklebt worden 

sei, was ihre Atmung erschwert habe. Der 83-jährige A._____ sei 

schliesslich im dunklen Heizungsraum mit einem Fuss am Heizungsrohr 

angebunden und während mindestens zwanzig Minuten alleine gelassen 

worden. Die 77-jährige B._____ sei im oberen Stockwerk überwältigt 

worden. Der Beschuldigte habe zusammen mit den Mitbeschuldigten 

E._____ und D._____ A._____ und B._____ mit Gewalt 

widerstandsunfähig gemacht, um einen Diebstahl zu begehen, wobei 

insgesamt Fr. 500.00 Bargeld gestohlen worden sei. Dabei habe der 

Beschuldigte eine führende Rolle eingenommen (vorinstanzliches Urteil 

E. 3.1.3, 3.2.3, 3.3 und 4.2.2). 

 

Der Beschuldigte bestreitet seine Täterschaft. Er bestreitet in erster Linie 

die Verwertbarkeit der Videoaufnahmen Q-weg bzw. daraus bearbeiteter 

Standbilder eines Kontrollschildes, der AFV-Kontrollschilderkennung und 

der unkonfrontierten Einvernahmen des Mitbeschuldigten E._____. Ferner 

würden bei den Videoaufnahme vom Q-weg die Zeitangaben nicht mit dem 

Ablauf des Raubüberfalls bzw. der Echtzeit übereinstimmen, handle es sich 

beim dabei aufgezeichneten Fahrzeug nicht um sein Fahrzeug, seien keine 

Mitfahrer auf der Videoaufnahme erkennbar und sei er auf den Aufnahmen 

nicht als Jogger identifizierbar. Weiter würden auch die Auswertungen 

seiner Apple Watch nicht mit dem Ablauf des Raubüberfalles 

übereinstimmen. Der Beschuldigte bestreitet zudem, dass sein Fahrzeug 

im Rahmen der AFV-Kontrollschilderkennung von Verkehrsüberwachungs-

kameras fotografiert worden sei, nachdem keine diesbezüglichen 

Beweisfotos vorliegen würden, sondern lediglich ein Polizeirapport mit 

einer Auflistung, an der herummanipuliert worden sei. Weiter sei nicht 

erstellt, dass er sich am Vortag der Tat in R._____ aufgehalten habe 

(Berufungsbegründung des Beschuldigten, Ziff. 1.2. ff.). 

 

Die Staatsanwaltschaft wendet sich gegen die rechtliche Würdigung der 

Vorinstanz und geht davon aus, dass ein qualifizierter Raubüberfall nach 

Art. 140 Ziff. 4 StGB vorliege, nachdem der Beschuldigte insbesondere 

zusammen mit den Mitbeschuldigten A._____ und B._____ in 

Lebensgefahr gebracht und deren Tod in Kauf genommen habe 

(Berufungsbegründung der Staatsanwaltschaft, Ziff. B.2). 

 

2.2. 

2.2.1. 

Des qualifizierten Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 4 StGB macht 

sich strafbar, wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung 

gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder nachdem er den 

Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht 

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und dabei das Opfer u.a. in Lebensgefahr bringt. Bei der 

Tatbestandsvariante, bei welcher der Täter das Opfer in Lebensgefahr 

bringt, ist eine naheliegende, konkrete, unmittelbare, akute und 

hochgradige Lebensgefahr erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 

6B_789/2020 vom 31. Januar 2022 E. 2.3.4 mit Hinweisen). Die 

Lebensgefahr herbeiführen kann insbesondere die Art der Bedrohung oder 

Gewaltanwendung, zum Beispiel durch eine Fesselung oder Knebelung, an 

der das Opfer zu ersticken droht (vgl. BGE 117 IV 427 E. 3.b.bb; Urteil des 

Appellationsgerichts Basel-Stadt vom 7. Februar 2003 in: SJZ 2004 

S. 472). In subjektiver Hinsicht muss der Täter erkennen, dass er das Opfer 

mit seinem Vorgehen in Lebensgefahr bringt. Sein Vorsatz muss sich also 

auf die Verwirklichung der Todesgefahr richten. Dabei genügt 

Eventualvorsatz (Urteil des Bundesgerichts 6B_789/2020 vom 31. Januar 

2022 E. 2.3.4 mit Hinweisen).  

 

2.2.2. 

Gemäss Art. 186 StGB macht sich des Hausfriedensbruchs u.a. schuldig, 

wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus unrechtmässig 

eindringt oder, trotz der Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, 

darin verweilt. Er wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft.  

 

2.2.3. 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der 

Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in 

massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als 

Hauptbeteiligter dasteht. Nach den Umständen des konkreten Falls muss 

der Tatbeitrag des Mittäters als für die Ausführung des Delikts wesentlich 

erscheinen. Die Mittäterschaft setzt einen gemeinsamen Tatentschluss 

voraus, der indessen nicht notwendigerweise ausdrücklich sein muss, 

sondern sich auch im konkludenten Handeln äussern kann, wobei 

Eventualvorsatz bezüglich des Erfolgs genügt. Es ist nicht erforderlich, 

dass der Mittäter an der Planung des Delikts beteiligt ist; er kann später 

dazu stossen. Es ist auch nicht notwendig, dass von Beginn an ein Vorsatz 

besteht; der Mittäter kann sich den Vorsatz während der Ausführung zu 

eigen machen. Massgeblich ist, dass der Mittäter am Entschluss, ein Delikt 

zu begehen, oder an seiner Ausführung unter Umständen oder in einem 

Mass beteiligt ist, die ihn nicht als weiteren Beteiligten, sondern als 

Hauptbeteiligten erscheinen lassen (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1). Erscheint 

die Tat demnach als Ausdruck eines gemeinsamen Willens und Handelns, 

ist jeder der Mittäter für die Tat als Ganzes verantwortlich (BGE 120 IV 17 

E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 6B_648/2019 vom 28. August 2019 E. 

1.2.2). 

 

 - 9 - 

 

 

2.3. 

In tatsächlicher Hinsicht ist grösstenteils unbestritten (Berufungs-

begründung des Beschuldigten, Ziff. 1.8 und 1.10; Berufungsbegründung 

des Mitbeschuldigten D._____, Ziff. 3.2.1; Eingabe des Mitbeschuldigten 

E._____ vom 22. Januar 2024) und im Übrigen gestützt auf die Ergebnisse 

der Spurensicherung am Tatort (UA act. 218 ff.), auf die schlüssigen, 

konstanten, widerspruchsfreien und verwertbaren (vgl. unten) Aussagen 

von A._____ und B._____ zum Kerngeschehen (Einvernahmen von 

A._____ vom 20. Februar 2021 [UA act. 851 ff.], vom 7. Juni 2021 [UA 

act. 873 ff.], vom 26. April 2021 [UA act. 900 ff.], vom 9. Januar 2023 [GA 

act. 227 ff.] und vom 11. März 2024 [Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 3 ff.]; Einvernahmen von B._____ vom 23. Februar 2021 [UA 

act. 798 ff.], vom 7. Juni 2021 [UA act. 818 ff.], vom 26. April 2022 [UA 

act. 839 ff.], vom 9. Januar 2023 [GA act. 233 ff.] und vom 11. März 2024 

[Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7 ff.]), die forensisch-klinische 

Untersuchungen von A._____ und B._____ (Gutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin vom 1. März 2021, UA act. 279 ff. und UA act. 291 ff.) und 

die schlüssigen und konfrontierten Aussagen des Mitbeschuldigten 

E._____ (Einvernahme vom 13. Dezember 2021 [UA act. 602 ff.], vom 

9. Januar 2023 [GA act. 239 ff.] und vom 11. März 2024 [Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 11 ff.]) erstellt, dass am Vormittag des 

20. Februar 2021 ein Raubüberfall durch vier Täter – darunter der 

Mitbeschuldigte E._____ (UA act. 606; GA act. 243; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 11) – bei A._____ und B._____ am Q-weg in 

R._____ stattfand. Der zum Tatzeitpunkt 83-jährige A._____ öffnete die 

Haustüre, nachdem der als Postbote verkleidete und eine Hygienemaske 

tragende Mitbeschuldigte E._____ an der Haustüre geklingelt hat. Als er für 

den Erhalt eines Pakets unterzeichnen wollte, wurde er am Handgelenk 

gepackt und es kam zu einem Gerangel. Dabei sind weitere Täter, die 

Hygienemasken und Handschuhe getragen haben, hinzugekommen (UA 

act. 854-856, 877 f., 902 und 906; GA act. 229 und 233; vgl. Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 3 f.). Die damals 77-jährige B._____ befand sich 

zu diesem Zeitpunkt im Obergeschoss. Zwei Täter stürmten hoch, packten 

sie an den Händen und hielten ihr den Mund zu. Beide Täter hatten ein 

Rüstmesser in den Händen. Die Täter fesselten die Hände von B._____ mit 

Kabelbindern – wobei an einem die DNA des Mitbeschuldigten E._____ 

festgestellt wurde (UA act. 264 f.) – und Klebeband und verbanden ihr die 

Augen. Sie zogen sie ins Nähzimmer und banden ihre Beine zusammen 

und verklebten ihr zumindest teilweise den Mund, sodass sie nur schwer 

atmen konnte. Dabei wollten die Täter immer wieder von ihr wissen, wo das 

Geld sei. Ein Täter hat versucht, ihr den Ring abzustreifen, wobei der Finger 

von B._____ brach. Nach einer Weile wurden ihr die Hände und Nägel mit 

Seife gewaschen und ein Täter schnitt einen Kabelbinder an der rechten 

Hand auf, gab ihr eine Schere und sagte ihr, sie solle in zehn Minuten die 

Fesselung lösen und anschliessend ihren Mann befreien (UA act. 802, 

821 f. und 841-843; GA act. 235 und 237 f.; Protokoll der Berufungs-

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verhandlung S. 7 f.; vgl. UA act. 242 f.; UA act. 291 ff.). Insgesamt wurde 

B._____ während einer Weile alleine gelassen (UA act. 822 und 841; GA 

act. 237 [eine halbe oder dreiviertel Stunde]; Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 7 [lange Zeit]). Währenddessen wurde A._____ 

auf der Toilette gegen die Toilettenschüssel gedrückt. Anschliessend sind 

ihm die Hände mit Bändern zusammengebunden worden. Nachdem er die 

Bänder die ersten zwei Mal zerrissen hat, halfen weitere Täter bei der 

Fesselung. Zwei der Täter trugen ein Rüstmesser bei sich. A._____ wurden 

im Anschluss auch die Füsse zusammengebunden und Klebeband um 

seinen Kopf insbesondere über Mund, Nase und Augen geklebt, so dass 

er fast nicht mehr atmen konnte. Er habe mit einem Finger das Klebeband 

im Gesicht noch etwas lockern können. Schliesslich ist er gefesselt und 

verklebt ca. 15-30 Minuten im Heizungsraum auf dem Boden gelegen und 

konnte sich fast nicht mehr bewegen. Ein Fuss war dabei am Heizungsrohr 

angemacht. Danach kam erneut ein Täter in den Heizungsraum und sagte 

ihm, dass seine beiden Söhne tot seien, wenn er die Polizei rufen würde. 

A._____ wurde schliesslich durch seine Frau befreit, wobei seine Hände 

und sein Kopf derart verklebt waren, dass der Nachbar diese lösen musste. 

Dieser hat schliesslich auch die Polizei gerufen, weil A._____ aufgrund der 

Drohung zu grosse Angst gehabt hat (UA act. 855 f. und 902-904; GA 

act. 229 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 ff.; vgl. UA act. 240). 

Die Täter haben die Portemonnaies von A._____ und B._____ geleert und 

insgesamt ca. Fr. 500.00 erbeutet (UA act. 805 f., 823, 857, 880 und 905; 

GA act. 233 und 238). A._____ erlitt infolge Fesselung, Verkleben des 

Kopfes und Gerangel diverse Hautrötungen, Hämatome, 

Hautabschürfungen und Druckstellen infolge stumpfer Gewalteinwirkung 

(UA act. 279 ff.). B._____ erlitt durch die Fesselung, das Klebeband, die 

stumpfe Gewalteinwirkung und den Versuch, ihr den Ring vom Finger zu 

ziehen diverse Hautrötungen, Hämatome, Hautabschürfungen, Stauungs-

syndrom, einen Bluterguss sowie einen Trümmerbruch des linken 

Ringfingers (UA act. 291 ff.). 

 

Entgegen dem Beschuldigten (Berufungsbegründung des Beschuldigten, 

Ziff. 1.1.4) sind die ersten Einvernahmen von A._____ und B._____ 

verwertbar (Einvernahme vom 20. Februar 2021 von A._____, UA 

act. 851 ff. und Einvernahme vom 23. Februar 2021 von B._____, UA 

act. 798 ff.). A._____ und B._____ haben ihre belastenden Aussagen  in 

den auf die erste Einvernahme folgenden Einvernahmen (Einvernahmen 

von A._____ vom 7. Juni 2021 [UA act. 873 ff.], vom 26. April 2021 [UA 

act. 900 ff.], vom 9. Januar 2023 [GA act. 227 ff.] und vom 11. März 2024 

[Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 ff.]; Einvernahmen von B._____ 

vom 7. Juni 2021 [UA act. 818 ff.], vom 26. April 2022 [UA act. 839 ff.], vom 

9. Januar 2023 [GA act. 233 ff.] und vom 11. März 2024 [Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 7 ff.]) schlüssig, konstant und widerspruchsfrei 

wiederholt. Dabei hatte der Beschuldigte ausreichend Möglichkeit, die 

Aussagen durch Ergänzungsfragen in Zweifel zu ziehen.  

 - 11 - 

 

 

 

Weiter ist erstellt, dass der Beschuldigte den Tatort kannte, nachdem er im 

Jahr 2018 einen zu verkaufenden Grill bei A._____ und B._____ zuhause 

anschaute (UA act. 447; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8). Zudem 

kannte er A._____ und B._____, zumal die Frau des einen Sohnes von 

A._____ und B._____ seine Tante ist (UA act. 394; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 8). Bei diesem – wie A._____ und B._____ als 

Schausteller tätigen – Sohn hat der Beschuldigte zu einem früheren 

Zeitpunkt gearbeitet (UA act. 875; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 3). Später arbeitete der Beschuldigte bei der Post (UA act. 442). Im 

Tatzeitpunkt arbeitete der Beschuldigte zusammen mit dem 

Mitbeschuldigten E._____ bei der H._____ AG in Bremgarten (UA act. 613; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 15) und wohnte zusammen mit dem 

Mitbeschuldigten D._____ in S._____ (UA act. 444 f.). 

 

Umstritten ist die Tatbeteiligung des Beschuldigten. 

 

2.4. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 

Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein 

indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten 

Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind 

(Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache 

geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet 

nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache 

oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, können in 

ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen 

rechtsgenüglichen Beweis von Tat und Täter erlauben (statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3 mit 

Hinweisen).  

 

 - 12 - 

 

 

2.5. 

Es gibt keine direkten Beweise für eine Täterschaft des Beschuldigten. Es 

liegen jedoch zahlreiche Indizien und Umstände vor, die es erlauben, die 

Geschehnisse, die einen zuverlässigen Rückschluss auf die Täterschaft 

des Beschuldigten ermöglichen, zu rekonstruieren: 

 

2.5.1. 

Der geständige Mitbeschuldigte E._____ äusserte sich im Rahmen der 

Einvernahme an der Berufungsverhandlung schlüssig und detailliert zur 

Tatvorbereitung und dem Ablauf des Tattages insbesondere vor dem 

eigentlichen Kerngeschehen und bestätigte bzw. ergänzte damit seine 

bisherigen konfrontierten und schlüssigen Aussagen. Obwohl er es 

unterliess, die Identität seiner Mittäter offenzulegen, sind seine Aussagen 

– unter Einbezug weiterer Indizien (vgl. unten) – geeignet, Rückschlüsse 

auf die Identitäten des Beschuldigten zu ermöglichen. 

 

Eine Person, die er gut kenne und mit der er zusammengearbeitet habe 

(später betitelt als «sein Kollege»), habe ihn angefragt, ob er beim 

Raubüberfall mitmachen wolle (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11 

und 15). Insgesamt seien sie vier Mittäter gewesen (UA act. 608, vgl. GA 

act. 240 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12: sein Kollege sowie 

die Personen «B und C»). Die anderen – neben seinem Kollegen –, d.h. 

Personen «B und C» habe er nicht gut gekannt (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 18). Der Kollege habe ihm erklärt, dass es sich bei den 

Opfern um seine Tante und seinen Onkel handle (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 13 f., wobei sich der Mitbeschuldigte E._____ zu 

einem späteren Zeitpunkt an der Berufungsverhandlung nicht mehr dazu 

äussern wollte, dass es sich bei A._____ und B._____ um die Tante und 

den Onkel seines Kollegen gehandelt habe, vgl. Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 14) und man dort Geld im Millionenbereich stehlen könne 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14). Am Tattag sei er von einem 

Mittäter mit einem blauen oder grauen Fahrzeug (UA act. 608; an der 

Berufungsverhandlung äusserte er sich nicht mehr zur Farbe des 

Fahrzeugs, das ihn abgeholt habe) an seinem Wohnort in T._____ abgeholt 

worden (UA act. 608; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). Man sei 

mit zwei Autos unterwegs gewesen, wobei pro Auto jeweils zwei Mittäter 

mitgefahren seien (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). Man habe 

einen Zwischenstopp in T._____ bei der Tankstelle gemacht, um zu tanken. 

Auf Nachfrage bestätigte er, dass einer der Mittäter hineingegangen sei, 

um zu bezahlen und auf den Videoaufzeichnungen der Tankstelle zu sehen 

sein müsse (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 15). Man sei auf 

Nebenstrassen unterwegs gewesen, habe bei einem Wald geparkt und sei 

danach zu viert in einem weissen Auto weitergefahren (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 13). In diesem weissen Auto sei er auch schon 

auf dem Weg zur Arbeit mitgefahren (UA act. 608; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 13). Vom Kollegen habe er eine Postbotenuniform und ein 

 - 13 - 

 

 

Paket erhalten (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11 f.; vgl. UA 

act. 606). Als Postbote verkleidet, habe er an der Haustüre geklingelt. Als 

die Haustüre geöffnet worden sei, seien zwei weitere Personen «B und C» 

dazugekommen und dann seien sie im Haus drin gewesen (UA act. 606 

und 610 f.; vgl. GA act. 242 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 11 f.). Die zwei Personen «B und C» seien die Treppe hochgestürmt und 

hätten B._____ gefesselt. Er habe A._____ in der Toilette festgehalten. 

Später habe er Hilfe von «B und C» beim Fesseln von A._____ erhalten. 

Danach sei er auf Geldsuche gegangen, wobei alle Mittäter immer wieder 

gefragt hätten, wo das Geld sei. Man habe nichts gefunden und sei dann 

wieder gegangen. Zudem habe man Messer dabeigehabt (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 12-14 und 16).  

 

Nachdem sich die schlüssigen Aussagen des Mitbeschuldigten E._____ 

grösstenteils mit dem durch A._____ und B._____ geschilderten 

Tatgeschehen und den Erkenntnissen der Spurensicherung decken, ist auf 

seine Aussagen abzustellen. Daran ändert nichts, dass der Mitbeschuldigte 

E._____ erst in der Berufungsverhandlung detailliert zum Ablauf des 

Tatmorgens Stellung bezogen hat und seine Aussage – insbesondere in 

Bezug auf die Absicht, Geld im Millionenbereich stehlen zu wollen, auf den 

Zwischenstopp bei der Tankstelle, das Parkieren am Waldrand, die 

teilweise Fahrt in zwei verschiedenen Autos sowie den 

verwandtschaftlichen Bezug zwischen seinem Kollegen und A._____ und 

B._____ (Onkel und Tante; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13 f. 

und 20) – ergänzte, zumal seine vorangegangenen und konfrontierten 

Aussagen auf seiner Strategie beruhten, von einem als «Prank» 

bezeichneten Streich auszugehen und deshalb nur wenige, ihn belastende 

Angaben zu machen. Nach vorgängiger Ankündigung hat er schliesslich an 

der Berufungsverhandlung ein umfassendes Geständnis abgelegt (vgl. 

Eingabe vom 22. Januar 2024 S. 2). Die ausgebliebene Wiederholung an 

der Berufungsverhandlung zur Farbe des Autos, mit dem er von zuhause 

abgeholt wurde (UA act. 608: blau oder grau) erklärt sich schlüssig mit der 

konstanten Weigerung des Mitbeschuldigten E._____, die Identität der 

Mittäter preisgeben zu wollen. Diese sollen selber entscheiden, ob sie 

aussagen oder nicht (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). Dass der 

Mitbeschuldigte E._____ an der Berufungsverhandlung einen möglichen 

Zwischenstopp bei einem Mittäter zuhause nicht mehr erwähnte (GA 

act. 240; vgl. UA act. 608.), wobei er auch nicht explizit danach gefragt 

wurde, ist nicht von entscheidender Bedeutung. 

 

Nach den Aussagen des Mitbeschuldigten E._____, dass er schon im 

weissen Auto des als «Kollegen» bezeichneten Mittäters zur Arbeit 

mitgefahren sei und A._____ und B._____, Onkel und Tante des Kollegen 

seien, liegt eine Täterschaft des Beschuldigten auf der Hand. Er arbeitete 

zusammen mit dem Mitbeschuldigten E._____ bei der H._____ AG in 

Bremgarten, hatte einen ähnlichen Arbeitsweg wie der Mitbeschuldigte 

 - 14 - 

 

 

E._____, kannte A._____ und B._____ bzw. war im entferntesten Sinne mit 

ihnen verwandt (angeheiratet), zumal die Frau des einen Sohnes von 

A._____ und B._____ – bei dem er zeitweise gearbeitet hat – seine Tante 

ist (vgl. oben) und war zu einem früheren Zeitpunkt bei der Besichtigung 

eines zu verkaufenden Grills bei A._____ und B._____ zuhause und damit 

am Tatort (vgl. oben). Zudem fuhr er im Tatzeitpunkt einen weissen Nissan 

Qashqai und war denn auch zu einem früheren Zeitpunkt für die Post tätig, 

weshalb es naheliegt, dass er diesbezügliche Arbeitskleider besitzt. 

 

2.5.2. 

Die Erkenntnisse aus den Aussagen des Mitbeschuldigten E._____ werden 

durch die sich in unmittelbarer Tatortnähe befindende 

Überwachungskamera am Q-weg bestätigt (UA act. 217; Polizeirapport 

vom 2. März 2021, UA act. 271 ff.): Diese zeichnete am Tattag einen 

weissen Nissan Qashqai auf, der um ca. 08:51 Uhr (Anzeigezeit Kamera 

ca. 08:47 Uhr) in Richtung Tatort (Q-weg) und kurz darauf wieder 

zurückfährt (UA act. 189, 191). Einige Minuten später um ca. 09:03 Uhr 

(Anzeigezeit Kamera ca. 08:58 Uhr) joggt eine Person aus der Richtung, in 

die der weisse Nissan gefahren ist, in Richtung Tatort (UA act. 193), kehrt 

kurz um (UA act. 195) und joggt schliesslich wieder in Richtung Tatort (UA 

act. 199). Um ca. 09:32 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 09:27 Uhr) joggt die 

Person erneuet – dieses Mal mit einer grossen Tasche auf dem Rücken – 

aus Richtung Tatort in Richtung weisser Nissan (UA act. 203), wobei das 

Fahrzeug kurz darauf um 09:34 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 09:30 Uhr; 

UA act. 207) in Richtung Tatort fährt bzw. anschliessend um ca. 09:37 Uhr 

(Anzeigezeit Kamera ca. 09:32 Uhr) wegfährt. Nachdem der «Jogger» 

jeweils einige Minuten versetzt zum Bewegen des Fahrzeugs aus 

Fahrzeugrichtung kommt bzw. sich in Fahrzeugrichtung bewegt und 

zwischenzeitlich kurz umkehrt – wohl, weil er etwas im Fahrzeug vergessen 

hat –, ist erstellt, dass der «Jogger» und der weisse Nissan 

zusammengehören. Das Fahrzeug bewegt sich zudem entsprechend dem 

Tatablauf. A._____ und B._____ sagten übereinstimmend aus, dass sich 

der Raubüberfall nach dem Frühstück ereignet habe und – 

übereinstimmend mit der Tatdauer gemäss Videoaufzeichnung von ca. 45 

Minuten –, ca. 45-60 Minuten gedauert habe (UA act. 802, 804, 854 und 

859). Dass die Anzeigezeit auf den Videoaufzeichnungen nicht auf die 

Minute genau mit der Echtzeit übereinstimmt, sondern um wenige Minuten 

verschoben ist, ist unbedeutend, nachdem dieses Phänomen allgemein 

bekannt ist. Hinzukommen die Auffälligkeiten des für Joggingaktivitäten 

lebensfremd grossen Rucksacks, den der «Jogger» auf der letzten von ihm 

gemachten Bildsequenz bei sich trägt, sowie das Fahrverhalten des 

weissen Nissans, der nicht einfach durch den Q-weg hin und schliesslich 

wieder zurückfährt, sondern jeweils einen doppelten Weg zurücklegt, der 

ins Bild des Ein- und Aussteigens von Personen am Tatort und 

anschliessendem Parkieren des Fahrzeugs passt.  

 

 - 15 - 

 

 

Aufgrund der Übereinstimmung mit dem Tatzeitpunkt, der zum Tatablauf 

passenden Auffälligkeiten und Bewegung des Fahrzeugs sowie des 

Verhaltens des «Joggers» sowie der Aussage des Mitbeschuldigten 

E._____, wonach er auf den Videoaufnahmen gesehen habe, dass ein 

Mittäter als «Jogger» verkleidet gewesen sei (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14), ist davon auszugehen, dass die Täterschaft 

mit dem weissen Nissan zum Tatort fuhr, wo die Täter am Q-weg 

ausstiegen. Anschliessend wurde das Fahrzeug durch einen Mittäter 

parkiert, der sich joggend ebenfalls zum Tatort begab, wobei er etwas 

vergessen zu haben schien und deshalb nochmals umkehren musste. Im 

Anschluss an den Raubüberfall joggte die gleiche Person mit einem 

grossen Rucksack wieder zum Fahrzeug, fuhr in Richtung Q-weg, um die 

Mittäter einsteigen zu lassen und fuhr anschliessend weg. 

 

Gemäss dem Polizeirapport vom 2. März 2021 konnte durch 

Bildbearbeitung der Videosequenz das Kontrollschild des Beschuldigten 

AG […] sichtbar gemacht werden (UA act. 271 ff.). Nichts zu seinen 

Gunsten ableiten kann der Beschuldigte, wenn er vorbringt, auf den 

bearbeiteten Bildern sei das Kontrollschild nicht lesbar 

(Berufungsbegründung des Beschuldigten, Ziff. 1.2). Vielmehr ist auf die 

Erkenntnisse und Einschätzungen der Kriminaltechnik abzustellen, 

nachdem gemäss Polizeirapport vom 2. März 2021 nicht ausschliesslich 

auf das bearbeitete Bild abgestellt wurde, sondern zur Kontrolle eine 

Recherche nach weissen Nissan Qashqai im Kanton Aargau durchgeführt 

wurde, die die Richtigkeit des für das Obergericht zumindest teilweise 

durchaus lesbar gemachten Kontrollschildes bestätigte (UA act. 271). Dass 

nicht dokumentiert wurde, wie die Bildbearbeitung technisch durchgeführt 

wurde (vgl. Berufungsbegründung Beschuldigter, Ziff. 1.2 S. 7 f.), ist nicht 

von Belang. Es wird nicht auf den Report abgestellt, sondern auf das 

bearbeitete Bild. Welche Farbveränderungen, Auflösung, Filter, Schärfe-

einstellungen, Speicherorte, Parameter und weitere Tools verwendet 

wurden, um das Kontrollschild sichtbar zu machen, ist nicht von 

entscheidender Bedeutung, weshalb eine diesbezügliche Dokumentation 

nicht notwendig erscheint. Dass der Beschuldigte mit seinem weissen 

Nissan auf den Videoaufzeichnungen abgebildet ist, wird durch die 

Auswertung der Apple Watch des Beschuldigten sowie die Bekleidung des 

Joggers untermauert. Just in der Zeitspanne des Raubüberfalls war der 

Puls des Beschuldigten verhältnismässig hoch und wurden verhältnis-

mässig viele Schritte zurückgelegt (UA act. 482 f.), genauso wie es zu 

erwarten wäre beim vorgenannten Tatablauf. Zudem weisen die 

Trainerjacke und die Mütze des Beschuldigten eine hohe optische 

Übereinstimmung mit derjenigen des «Joggers» auf (UA act. 270 und 

416 f.). Insbesondere sticht das Logo des FC G._____ ins Auge.  

 

Insgesamt ist für das Obergericht gestützt auf diese Indizien zweifelsfrei 

erstellt, dass es sich beim «Jogger» um den Beschuldigten handelte. Nichts 

 - 16 - 

 

 

daran zu ändern vermag der Umstand, dass auf der Überwachungskamera 

lediglich ein weisser Streifen auf der Schulter der Trainerjacke sichtbar 

scheint und nicht drei voneinander getrennte Streifen (vgl. 

Berufungsbegründung des Beschuldigten, Ziff. 1.2), ist dies doch allein auf 

die Qualität der Videoaufnahme zurückzuführen. Ein ähnliches Phänomen 

lässt sich denn auch auf einem Bild der Überwachung des Beschuldigten 

vom Dienstag, 13. April 2021 erkennen, auf dem er ebendiese Kleidung 

trägt (UA act. 1869). 

 

2.5.3. 

Entgegen dem Beschuldigten (Berufungsbegründung des Beschuldigten, 

Ziff. 1.1.1) ist es nicht so, dass auf die Videoaufnahmen vom Q-weg nicht 

abgestellt werden dürfte. 

 

Durch Private autonom erhobene Beweise sind verwertbar, wenn sie 

rechtmässig erlangt worden sind. Von Privaten rechtswidrig erlangte 

Beweismittel sind nur verwertbar, wenn sie von den Strafverfolgungs-

behörden rechtmässig hätten erlangt werden können (hypothetische 

Erreichbarkeit) und kumulativ dazu eine Interessenabwägung für deren 

Verwertung spricht. Bei der Interessenabwägung ist derselbe Massstab wie 

bei staatlich erhobenen Beweisen anzuwenden. Die Verwertung 

rechtswidrig erlangter Beweismittel ist damit nur zulässig, wenn dies zur 

Aufklärung einer schweren Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO 

unerlässlich ist (BGE 147 IV 9 E. 1.4.1; BGE 146 IV 226). 

 

Es kann offenbleiben, ob die Videoaufnahmen der Liegenschaft Q-weg 

rechtmässig erstellt worden sind. Denn selbst wenn dies nicht der Fall sein 

sollte, sind sie unter dem Gesichtspunkt von Art. 141 Abs. 2 StPO 

verwertbar: Dem Beschuldigten wird die Begehung eines qualifizierten 

Raubüberfalls in Mittäterschaft und damit ein Verbrechen zum Vorwurf 

gemacht. Je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher überwiegt 

das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse des 

Beschuldigten daran, dass der fragliche Beweis unverwertet bleibt (BGE 

147 IV 9 E. 1.3.1). Im Raum steht ein durch mehrere Personen ausgeübter 

Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar, das über eine nicht unerhebliche Zeit 

gefesselt und geknebelt worden ist. Mithin handelt es sich um eine sehr 

schwere Straftat. Mitzuberücksichtigen ist sodann, dass die 

Videoaufnahmen der Liegenschaft Q-weg in erster Linie den Parkplatz 

eines Wohnhauses gefilmt haben und nur damit einhergehend ein kleiner 

Abschnitt der Quartierstrasse miteinsehbar war. Wenn überhaupt, dann lag 

hinsichtlich des Mitfilmens dieses allgemein zugänglichen und für die 

Öffentlichkeit einsehbaren Ortes ein nur leichter Eingriff in die Privatsphäre 

des Beschuldigten vor. In Abwägung aller Aspekte ergibt sich ein deutlich 

überwiegendes öffentliches Interesse an der Wahrheitsfindung gegenüber 

dem Interesse des Beschuldigten an der Privatsphäre. 

 

 - 17 - 

 

 

Weiter hätten die fraglichen Beweismittel für die Strafverfolgungsbehörde 

entgegen dem Beschuldigten (Berufungsbegründung des Beschuldigten, 

Ziff. 1.1.1) auch hypothetisch erlangt werden können. Relevant sind die 

Aufzeichnungen kurz vor, während und nach dem Eindringen der 

Täterschaft in das Haus von A._____ und B._____ und somit von ca. 

08:51 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 08:47 Uhr) bis ca. 09:38 Uhr 

(Anzeigezeit Kamera ca. 09:33 Uhr). Dabei kommt es nicht darauf an, ob 

vor den Videoaufzeichnungen ein konkreter Tatverdacht bestanden hat. 

Entscheidend ist vielmehr, ob die Beschaffung zulässig gewesen wäre, 

wenn der Tatverdacht bekannt gewesen wäre (Urteil des Bundesgerichts 

6B_68/2023 vom 9. Oktober 2023 E. 2.3 mit Hinweis). Dazu ist vorab 

festzuhalten, dass das in tatsächlicher Hinsicht belastendste Bildmaterial 

der Videoaufzeichnung, das schliesslich zur Identifikation des Fahrzeugs 

des Beschuldigten geführt hat, nach dem eigentlichen Kerngeschehen des 

Raubs bzw. im Zeitpunkt des Wegfahrens des Fahrzeugs aufgenommen 

wurde. Die Annahme, dass der Raubüberfall auf A._____ und B._____ 

keinen ausreichend konkreten Anhaltspunkt bieten soll, um von einem 

Verbrechen auszugehen, ist abwegig. Es sind aber auch die 

Videoaufzeichnungen vor und während des Raubüberfalls verwertbar, 

nachdem sich die Täterschaft vor der Videoaufzeichnung an einem 

unbekannten Ort versammelt, Informationen über die Söhne von A._____ 

und B._____ eingeholt, ein Täter sich als Postbote verkleidet und sich 

schliesslich mit dem Fahrzeug in Tatortnähe begeben hat. Damit hat die 

Täterschaft im Zeitpunkt der Videoaufnahme kurz vor und während dem 

Tatzeitpunkt bereits vorsätzlich planmässige, konkrete, organisatorische 

Vorkehrungen deren Art und Umfang den Willen zur Begehung eines 

Raubüberfalles aufzeigen, getroffen. Folglich ist es auch nicht so, dass 

vorab, d.h. vor dem Eindringen in die Liegenschaft, keine Anhaltspunkte für 

den Raubüberfall bestanden hätten. Vielmehr lagen bereits zahlreiche 

Anhaltspunkte vor, bei deren Kenntnis der Staatsanwaltschaft – entgegen 

dem Beschuldigten – ausreichend Zeit geblieben wäre, die verdeckten Bild- 

und Tonaufzeichnungen von Personen und Fahrzeugen am allgemein 

zugänglichen Ort der Strasse um den Q-weg herum, rechtmässig 

aufzunehmen, zumal die Ermittlungen andernfalls unverhältnismässig 

erschwert worden wären (vgl. Art. 282 Abs. 1 StPO). 

 

2.5.4. 

Schliesslich fügen sich auch die Auswertungen der rückwirkenden 

Teilnehmeridentifikationsdaten (RTI) des Beschuldigten und des 

Mitbeschuldigten D._____ nahtlos in das Bild einer Täterschaft des 

Beschuldigten im Sinne einer vorgängigen Auskundschaftung des Tatorts 

und gemeinsamen Absprachen ein. Mithin zeigte die Auswertung der 

Rufnummer des Beschuldigten vom Vortag der Tat zwischen 19:03 und 

19:29 Uhr mehrfache Verbindungen mit der Antenne «…» (UA act. 1925) 

und damit in Tatortnähe. Zudem bestanden diverse Anrufe bzw. 

Anrufversuche via Mobilfunknetz sowie via WhatsApp zwischen dem 

 - 18 - 

 

 

Beschuldigten und dem Mitbeschuldigten D._____ zwischen 13:40 Uhr und 

19:47 Uhr (UA act. 1926 und 683), was mit Blick auf die kurz 

darauffolgende Auskundschaftung des Tatorts, den Schluss von 

Absprachen nahelegt. Augenfällig ist weiter, dass das Mobiltelefon des 

Beschuldigten am Tattag zwischen 07:34 Uhr und 11:21 Uhr keine 

Standorte generiert hat (UA act. 3403). 

 

2.6. 

Zusammengefasst ist gestützt auf die Gesamtheit der vorgenannten 

Indizien und Umstände die Tatbeteiligung des Beschuldigten erstellt. Der 

Beschuldigte kannte A._____ und B._____ und wusste, wo sie wohnten, 

nachdem seine Tante die Frau des Sohnes von A._____ und B._____ war, 

er eine Zeit lang bei diesem Sohn gearbeitet hat und bei A._____ und 

B._____ im Jahr 2018 einen Grill besichtigte. Am Vortag der Tat hielt sich 

der Beschuldigte basierend auf seinen RTI-Daten in der Nähe des Tatorts 

auf und kundschaftete diesen aus, wobei er vorher und nachher in regem 

telefonischem Austausch mit dem Mitbeschuldigten D._____ stand. Am 

Tatmorgen vor dem Raubüberfall fuhr der Beschuldigte mit seinem weissen 

Nissan zusammen mit seinem Mitbewohner – dem Mitbeschuldigten 

D._____, der mit seinem blauen Ford unterwegs war – nach T._____. Nach 

einem Zwischenstopp an einem Waldrand fuhren gemäss den Aussagen 

des Mitbeschuldigten E._____ alle vier Mittäter im weissen Nissan Qashqai 

(des Beschuldigten) weiter nach R._____. Dies wird untermauert durch die 

den zeitlichen Ablauf bestätigenden Videoaufzeichnungen vom Q-weg, 

wonach sich der weisse Nissan Qashqai von ca. 08:51 Uhr bis ca. 

09:37 Uhr in Tatnähe befand. In R._____ angekommen, stiegen die 

Mitbeschuldigten bei der Liegenschaft von A._____ und B._____ aus. Aus 

den Videoaufzeichnungen des Q-wegs 2 und den damit einhergehenden 

Bewegungen des Fahrzeugs sowie Kleidung und Gepäck des «Joggers» 

ergibt sich, dass der mit seiner Trainerjacke des FC G._____ und einer 

Mütze bekleidete Beschuldigte das Fahrzeug parkierte und schliesslich, 

nachdem er kurzzeitig nochmals zum Fahrzeug umkehrte, zum wenige 

Meter entfernten Tatort joggte, was insbesondere durch die mit seiner 

Apple Watch gemessenen zurückgelegten Schritte und erhöhten 

Herzfrequenz bestätigt wird. Währenddessen klingelte der Mitbeschuldigte 

E._____ als Postbote verkleidet und mit einem Paket in der Hand an der 

Haustüre. Die Postbotenuniform hat er zuvor vom Beschuldigten erhalten, 

der zeitweise bei der Post gearbeitet hat. Nach dem Öffnen der Haustür 

drangen gemäss Aussagen des Mitbeschuldigte E._____, er selbst sowie 

die Personen «B und C» in das Haus ein, wobei es sich bei den Personen 

B und C nach dem Ausschlussprinzip um den Mitbeschuldigten D._____ 

und den vierten Mittäter handeln muss, zumal der Beschuldigte im 

Zeitpunkt des Eindringens in das Haus von A._____ und B._____ noch 

seinen weissen Nissan parkierte. Der Mitbeschuldigte D._____ und der 

vierte Mittäter fesselten und knebelten B._____. Gemeinsam mit dem 

Mitbeschuldigten E._____ fesselten und knebelten sie auch A._____. Alle 

 - 19 - 

 

 

vier Mittäter suchten schliesslich nach dem Geld bzw. fragten A._____ und 

B._____, wo das Geld versteckt sei. Im Anschluss ist der Beschuldigte 

erneut auf der Videoaufzeichnung Q-weg zu sehen, wie er mit einem 

grossen Rucksack auf dem Rücken in die Richtung seines weissen Nissans 

joggte, damit zum Tatort fuhr, die Mitbeschuldigten und eine weitere Person 

einsteigen liess und sie sich auf gleichem Weg von der Liegenschaft 

entfernten.  

 

2.7. 

Die Aussagen des Beschuldigten vermögen das Beweisergebnis nicht zu 

erschüttern. Er bestreitet zwar konstant, den Raubüberfall begangen zu 

haben. Ansonsten weisen seine Aussagen jedoch wenig Konstanz und in 

Bezug auf sein Alibi vielmehr deutliche Widersprüche auf. In seiner 

Einvernahme vom 6. Mai 2021 ging er davon aus, nach der Arbeit nach 

Hause gefahren zu sein, gefrühstückt und geduscht und anschliessend 

geschlafen zu haben. Danach sei er zu seiner Freundin gefahren (UA 

act. 397). In seiner Einvernahme 7. Mai 2021 ging er davon aus, nach der 

Arbeit einen Kollegen in Bremgarten nach Hause gebracht zu haben, 

danach nach Hause gefahren zu sein, geschlafen zu haben und dann zu 

seiner Freundin nach Hause gefahren zu sein (UA act. 433). In selbiger 

Einvernahme änderte der Beschuldigte seine Aussage und sagte, dass es 

möglich sei, dass er einen Arbeitskollegen nach Hause gebracht habe (UA 

act. 434). Später sagte er, dass er manchmal zusammen mit dem 

Mitbeschuldigten D._____ zu Kollegen fahre und sie diese in den Autos 

mitnehmen würden (UA act. 435). Dabei handelt es sich offensichtlich um 

Schutzbehauptungen. 

 

2.8. 

2.8.1. 

Indem der Beschuldigte in gemeinsamer Planung und Tatausführung 

insbesondere zusammen mit den Mitbeschuldigten D._____ und E._____ 

mit der Absicht, Geld und Wertgegenstände mitzunehmen, in das Haus am 

Q-weg eindrang, A._____ und B._____ überwältigte und fesselte und 

Fr. 500.00 an sich nahm, hat er den Grundtatbestand des Raubs gemäss 

Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Mittäterschaft erfüllt.  

 

Mit der Staatsanwaltschaft haben die Mittäter mindestens A._____ darüber 

hinaus in Lebensgefahr im Sinne der Qualifikation gemäss Art. 140 Ziff. 4 

StGB gebracht: Dem 83 Jährigen wurden die Hände – nachdem er sich in 

einem Gerangel derart gewehrt hatte, dass sich seine Handfesseln zwei 

Mal öffneten und ihn drei Personen in Schach halten mussten – und Füsse 

gefesselt (wobei ein Fuss schliesslich am Heizungsrohr befestigt wurde) 

und Klebeband über Mund, Nase und Augen geklebt bzw. um den Kopf 

gewickelt, sodass er fast nicht mehr atmen konnte. A._____ wurde in 

gefesseltem, verklebtem und nahezu bewegungsunfähigem Zustand 

während ca. 15-30 Minuten im Heizungsraum auf dem Boden liegend 

 - 20 - 

 

 

alleingelassen (UA act. 855 und 902 f.; GA act. 229-231; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 4 f.). Dabei hatte er insbesondere Angst zu 

ersticken (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). Glücklicherweise 

konnte A._____ das Klebeband leicht lockern bzw. etwas verschieben. Ob 

es A._____ vor oder nachdem er im Heizungsraum auf sich allein gestellt 

war, gelang, das Klebeband zu lockern bzw. etwas zu verschieben, ist – 

entgegen dem Vorbringen des Mitbeschuldigten E._____ (Plädoyer der 

Verteidigung des Mitbeschuldigten E._____ an der Berufungsverhandlung 

S. 5) – nicht von entscheidender Bedeutung. A._____ ordnet das Lockern 

bzw. Verschieben des Klebebandes in seinen Einvernahmen jeweils nicht 

in zeitlicher Hinsicht ein, sondern erwähnt es jeweils sachlogisch in 

Zusammenhang mit der Verklebung der Atemöffnung bzw. seiner 

eingeschränkten Atemfähigkeit. Fest steht jedenfalls, dass sich vor seinem 

Mund und seiner Nase ein Klebeband befand. Nichts zu seinen Gunsten 

ableiten kann der Mitbeschuldigte E._____, insofern er vorbringt, die Nase 

von A._____ sei nicht verklebt gewesen, weil dieser in seiner Einvernahme 

vom 7. Juni 2021 (die zweite von insgesamt fünf Einvernahmen) die 

zugeklebte Nase nicht erwähnt habe (UA act. 878: «Diese drei haben 

mitgefesselt, die Hände zusammengebunden, den Mund und die Augen 

sowie die Beine»). Zwar erwähnte er in seiner freien Erzählung die 

zugeklebte Nase nicht. Hingegen wurden auch keine diesbezüglichen 

Rückfragen der befragenden Person gestellt, nachdem das Ziel dieser 

zweiten Einvernahme vielmehr war, die Identität der Täter festzustellen. So 

ist in dieser Einvernahme keine einzige Frage zum Thema Fesseln oder 

Verklebung zu lesen. Entsprechend kann aus der Nichterwähnung der 

Nase in seiner Einvernahme nicht darauf geschlossen werden, dass diese 

nicht verklebt war. Vielmehr äusserte er sich in den folgenden 

Einvernahmen konstant dazu, dass neben Mund auch die Nase verklebt 

war (UA act. 902 f.; GA act. 229-231; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 4 f.). Seine Atemöffnungen waren folglich auch nach dem Lockern bzw. 

Verschieben weiterhin verklebt und er sagte schlüssig, konstant und 

widerspruchsfrei aus, dass er fast nicht mehr atmen konnte (vgl. oben). 

Weiter ist erstellt, dass A._____ zuerst die Hände gefesselt wurden, wobei 

er sich zwei Mal von den Fesseln befreien konnte und erst nachher die 

Füsse gefesselt bzw. er mit dem Klebeband am Kopf umwickelt wurde (UA 

act. 855 und 902; GA act. 229; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). 

Dabei kann von Glück gesprochen werden, dass der durch Fesseln und 

Klebebandumwickelungen grösstenteils bewegungsunfähig gemachte 83-

jährige A._____ überhaupt die Möglichkeit fand, das Klebeband etwas zu 

verrücken, um dem Erstickungstod zu entgehen, insbesondere vor dem 

Hintergrund, dass nicht einmal B._____ ihn mit der Schere komplett vom 

Klebeband befreien konnte (UA act. 903). Nachdem A._____ insbesondere 

Nase und Mund verklebt waren, wobei das Klebeband über dem Mund 

etwas gelockert bzw. etwas verschoben war, er fast nicht mehr atmen 

konnte, Angst zu ersticken verspürte und er während des Raubüberfalles 

für ca. 15-30 Minuten grösstenteils bewegungsunfähig allein auf dem 

 - 21 - 

 

 

Boden liegen gelassen wurde, lag unter Berücksichtigung seines hohen 

Alters, des erhöhten Sauerstoffbedarfs infolge der Stressreaktion 

insbesondere nach dem Gerangel mit drei jungen Männern und des 

Schockzustands eine naheliegende, konkrete, unmittelbare, akute und 

hochgradige Lebensgefahr vor. Dass diese Lebensgefahr in der 

geschilderten Art und Weise aus medizinischer Sicht in tatsächlicher 

Hinsicht möglich war, wird durch die gutachterliche Ausführung bestätigt, 

wonach bereits das Zukleben des Mundes alleine ohne Weiteres zu einer 

relevanten Behinderung der Luftzufuhr und damit zu einem tödlichen 

Ersticken von A._____ hat führen können, insbesondere aufgrund des 

erhöhten Sauerstoffbedarfs des Körpers infolge der Stresssituation durch 

den Überfall (Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 1. März 2021, 

UA act. 281).  

 

Die Mittäter haben mindestens in Kauf genommen, durch die Fesselungen 

und Verklebungen eine lebensgefährliche Situation mindestens für 

A._____ herbeizuführen, indem sie ihn mit verklebten Atemöffnungen 

während des Raubüberfalles über einen beachtlichen Zeitraum von 

mindestens 15 Minuten alleine liessen. Selbst in der Annahme, dass nicht 

alle Mittäter um die – neben dem Mund – weitere Verklebung der Nase 

wussten, haben sie die lebensgefährliche Situation in Kauf genommen. Es 

ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass bei ungenügender Luftzufuhr 

bereits wenige Minuten ausreichen, um eine lebensbedrohliche Situation 

zu schaffen. Bei einem Verkleben mindestens des Mundes eines alten 

Menschen, der unerwartet zuhause überfallen wird und sich deshalb in 

einer immensen Stresssituation befindet und zudem den Kraftakt eines 

Gerangels hinter sich hatte, wobei mindestens drei junge Männer 

notwendig waren, um ihn zu fesseln, und der somit offensichtlich einen 

hohen Sauerstoffbedarf hat, drängt sich eine Inkaufnahme einer 

lebensgefährlichen Situation geradezu auf, nachdem die Person nahezu 

bewegungsunfähig und unbeaufsichtigt auf sich selbst gestellt während 

mindestens 15 Minuten zurückgelassen wird. Mindestens das Verkleben 

des Mundes war denn auch von Beginn weg Teil des Tatplans der Mittäter. 

Mithin nahmen sie eigens dafür Klebeband mit. Der Mund wurde A._____ 

und B._____ bewusst verklebt, um sie von allfälligen Schreien abzuhalten 

(vgl. UA act. 855). Bevor das Klebeband bei A._____ angebracht werden 

konnte, wurde ihm deshalb vorerst der Mund zugehalten (UA act. 855, 885 

und 902; GA act. 235). Ferner sollten A._____ und B._____ auch mürbe 

gemacht werden (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12: «Wir haben 

nicht aufgegeben, weil wir die Hoffnung hatten, dass sie uns sagen, wo das 

Geld sei, weil sie genug hatten»). An der Tatausführung selbst im Sinne 

des Fesselns und Verklebens von A._____ sowie am Boden liegen lassen, 

waren denn auch mindestens drei der vier Mittäter beteiligt (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 15 f.). Der Mitbeschuldigte E._____ gab an, 

selbst einer davon gewesen zu sein und gesehen zu haben, wie A._____ 

der Mund verklebt wurde (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16). Dass 

 - 22 - 

 

 

er nicht gesehen haben will, wie A._____ die Nase verklebt wurde, ist mit 

Blick auf das Dargelegte, nicht von Relevanz.  

 

2.8.2. 

In Ergänzung zum Raub ist auch eine Nötigung angeklagt. Der 

Beschuldigte soll insbesondere zusammen mit den Mitbeschuldigten 

A._____ während des Raubüberfalles gedroht haben, dass seine beiden 

Söhne tot seien, sollte er die Polizei rufen. A._____ soll durch diese 

Äusserungen derart in Angst und Schrecken versetzt worden sein, dass er 

gezögert habe, die Polizei zu verständigen und er dies schliesslich auch 

nicht selbst getan haben soll (vgl. Anklageschrift, S. 3).  

 

In tatsächlicher Hinsicht besteht kein Zweifel daran, dass diese Nötigung 

gegenüber A._____ erfolgt ist. Dies um den Tätern genügend Zeit für die 

Flucht zu ermöglichen, mussten diese doch davon ausgehen, dass 

A._____ und B._____ die Polizei benachrichtigen würden. Der Tatbestand 

der Nötigung ist damit erfüllt. Die Nötigung gemäss Art. 181 StGB wird 

vorliegend jedoch durch den Raub gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB 

konsumiert, ist die Nötigung doch nicht losgelöst vom Raub erfolgt. Es kann 

somit kein zusätzlicher Schuldspruch wegen Nötigung ergehen. Nachdem 

es sich einzig um eine andere rechtliche Würdigung ein und desselben 

Lebenssachverhalts handelt, hat aber auch kein Freispruch vom Vorwurf 

der Nötigung zu erfolgen (vgl. BGE 142 IV 378 E. 1.3).  

 

2.8.3. 

Indem der Beschuldigte wissentlich unrechtmässig und gegen den Willen 

von A._____ und B._____ in deren Haus in R._____ eindrang, hat er sich 

sodann des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. 

 

2.9. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte des qualifizierten Raubs 

gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB und des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 

StGB schuldig gemacht hat. 

 

Damit erweist sich die Berufung des Beschuldigten in diesem Punkt als 

unbegründet und jene der Staatsanwaltschaft als begründet. 

 

3. 

3.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1, BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff., je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden.  

 

 - 23 - 

 

 

3.2. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter 

Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre 

Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).  

 

Während der Tatbestand des qualifizierten Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 4 

StGB lediglich eine Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren vorsieht, wäre für 

den Tatbestand des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB auch eine 

Geldstrafe denkbar. Wie zu zeigen sein wird, kommt für den 

Hausfriedensbruch aufgrund der Schwere des Verschuldens ebenfalls nur 

eine Freiheitsstrafe infrage. 

 

3.3. 

Die Einsatzstrafe ist für das schwerste Delikt, den qualifizierten Raub 

gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB mit einem Strafrahmen von 5 bis 20 Jahren 

festzusetzen: 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen Straf-

rahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-

guts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand des Raubs schützt nicht nur das 

Vermögen, sondern auch die (persönliche) Freiheit, die wiederum die 

körperliche und geistige Unversehrtheit mitumfasst (vgl. BGE 133 IV 207 

E. 4.2). 

 

Beim Raubüberfall auf A._____ und B._____ wurde Bargeld im Betrag von 

Fr. 500.00 erbeutet. Im Vergleich zum breiten Spektrum von 

Deliktsbeträgen, wie sie bei einem Raubüberfall denkbar sind, handelt es 

sich um einen vergleichsweise geringen Betrag. Massgeblich ist jedoch, 

dass sich der Raub auf einen deutlich höheren Deliktsbetrag gerichtet 

hatte. Dieser soll sich «im Millionenbereich» befunden haben (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14). Mithin ist der geringe monetäre Taterfolg nur 

darauf zurückzuführen, dass die Beschuldigten das versteckte Geld nicht 

haben finden können. Hätten die Täter hingegen – wie von ihnen 

angestrebt – das von ihnen erhoffte Geld von mehreren Hunderttausend 

Franken tatsächlich erbeuten können, so wäre von einem sehr hohen 

hypothetischen Taterfolg auszugehen gewesen, zumal effektiv einiges an 

Bargeld im Haus vorhanden gewesen sein soll (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 6 und 10). Dieser sehr hohe angestrebte Delikts-

betrag fällt – wie beim versuchten Diebstahl, bei welchem im Rahmen der 

Strafzumessung in einem ersten Schritt die schuldangemessene Strafe für 

das vollendete Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische 

Strafe in der Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilde-

rungsgrunds von Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren ist (Urteil des Bundes-

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http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_449%2F2011&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-IV-82%3Ade&number_of_ranks=0#page82

 - 24 - 

 

 

gerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1) – bei der Bestimmung 

des Verschuldens auch beim Raub als qualifizierte Form der Nötigung, um 

einen Diebstahl zu begehen, erheblich ins Gewicht. 

 

Die Beschuldigten fesselten und verklebten A._____ und B._____ 

gewaltsam, um sie zur Preisgabe der Bargeldverstecke zu bewegen, sich 

des Bargelds zu behändigen und die Beute im Anschluss zu sichern. In 

Bezug auf A._____ ist dabei die mit den Fesselungen und Verklebungen 

der Atemöffnungen über eine nicht unerhebliche Dauer einhergehende 

Lebensgefahr aufgrund ihrer Tatbestandsimmanenz bereits durch die 

Strafrahmenuntergrenze von mindestens fünf Jahren erfasst. Die 

persönliche Freiheit insbesondere die körperliche Integrität von A._____ 

und B._____ wurde hingegen darüber hinaus beeinträchtigt. Beim Versuch, 

B._____ den Ring abzunehmen, brachen sie ihr den Finger. Neben dem 

operationsbedürftigen gebrochenen Finger wies B._____ Hautrötungen, 

Hämatome und kleine Hautabschürfungen an beiden Handgelenken, 

Stauungssyndrom beider Hände, Hautrötungen um Mund und Nase, Blut-

erguss neben der Brustwirbelsäule und Hautabschürfungen an der linken 

Schulter und am linken Kleinfinger auf (Gutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin vom 1. März 2021, UA act. 293; vgl. GA act. 238). Seit dem 

Überfall hat B._____ Mühe, sich fortzubewegen (Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 9) und leidet zudem an Schlafstörungen und verspürt ein 

durchgehendes Gefühl der Angst (GA act. 234). A._____ seinerseits wies 

Hautrötungen, Hämatome und kleine Hautabschürfungen im Bereich 

beider Handgelenke, kleine Hämatome an der Unterlippe, Hautrötungen 

und Hautabschürfungen an der Wange, Druckstellen an beiden Sprung-

gelenken, Hautrötungen am Rücken, Hautabschürfung und Hautrötung am 

Ellenbogen auf (Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 1. März 

2021, UA act. 280 f.). Weiter litt er an einer verstauchten Rippe (Protokoll 

der Berufungsverhandlung, S. 4; vgl. Untersuchungsprotokoll vom 1. März 

2021, UA act. 285). Seit dem Überfall leidet er an Schlafstörungen und 

Angstzuständen (GA act. 228; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung, 

S. 6). Der bis zum heutigen Tag Auswirkungen zeitigende Raubüberfall 

ging mit erheblichen Beeinträchtigungen der persönlichen Freiheit und der 

körperlichen und geistigen Unversehrtheit zweier Personen einher. 

Entsprechend schwer wiegt der nicht monetäre Taterfolg und das damit 

einhergehende Verschulden. 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung und damit einhergehend die 

Verwerflichkeit des Handelns ist verschuldenserhöhend zu berück-

sichtigen. Die Beschuldigten gingen gezielt und geplant vor. Mit 

Fesselmaterialien und Rüstmessern ausgestattet, drangen die Mittäter 

tagsüber in das Wohnhaus von A._____ und B._____ ein. Durch das 

Mitführen der Messer führten sie gefährliche Waffen im Sinne von Art. 140 

Ziff. 2 StGB mit sich – unabhängig von der Qualifikation des Umstands, 

dass sie zumindest A._____ in Lebensgefahr im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 

 - 25 - 

 

 

StGB gebracht haben –, was bei der Strafzumessung zu berücksichtigen 

ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_219/2009 vom 18. Juni 2009 E. 1.4). Die 

mitgeführten Messer fielen A._____ und B._____ denn auch auf (UA 

act. 802 f. und 8565 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 4 f. und 7). 

A._____ drohten die Beschuldigten damit, seine beiden Söhne 

umzubringen, sollte er die Polizei rufen, wodurch er schliesslich derart 

eingeschüchtert war, dass er sich im Anschluss nicht traute, die Polizei zu 

rufen (UA act. 855, 879 und 903; Protokoll der Berufungsverhandlung, 

S. 4). Auch wenn diesbezüglich kein zusätzlicher Schuldspruch wegen 

Nötigung erfolgt, da diese Nötigung vom qualifizierten Raub mitumfasst 

wird, so wirkt sie sich im Rahmen der Strafzumessung doch zusätzlich 

verschuldenserhöhend aus, handelt es sich dabei doch um einen Umstand, 

der erheblich über die blosse Erfüllung des qualifizierten Tatbestands 

hinausgegangen ist. B._____ versuchten die Beschuldigten den Ring vom 

Finger zu ziehen, wobei sich die Brutalität im gebrochenen Finger 

widerspiegelt. Nur leicht zu Gunsten der Beschuldigten ist zu 

berücksichtigen, dass sie B._____ schliesslich eine Schere in die Hand 

drückten, um sich und A._____ befreien zu können, zumal B._____ eine 

Wartefrist auferlegt worden ist und damit der von den Beschuldigten in Kauf 

genommene Erstickungstod von A._____ gerade nicht hätte verhindert 

werden können. 

 

Der Tatbeitrag des Beschuldigten war im Verhältnis zu den Mittätern gross. 

Zwar stiess er – aufgrund des Parkierens seines Autos – erst etwas später 

zu den Mittätern dazu, konnte zumindest bei den anfänglichen 

Fesselungen keine entscheidende ausführende Rolle einnehmen und 

schien – zumindest im Voraus – mit einem Beuteanteil von ¼ 

einverstanden gewesen zu sein (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 14). Hingegen ist festzuhalten, dass er als Anführer der Gruppe 

fungierte. Er plante und organisierte den Raubüberfall. Er war das 

Bindeglied zwischen den Mittätern und fragte diese an, ob sie mitmachen 

möchten. Er wählte die 83- bzw. 77-jährigen A._____ und B._____ aus 

seinem Bekanntenkreis als Opfer aus. Weiter kundschaftete er den Tatort 

aus, organisierte eine Postbotenuniform und ein Paket, um den Schein 

einer Paketzustellung vorzutäuschen und fuhr die Mittäter an den Tatort 

und wieder zurück. Zu seinem Tatbeitrag innerhalb des Hauses von 

A._____ und B._____ ist wenig bekannt. Fest steht, dass er mit den 

anderen nach Geld suchte bzw. fragte, wo das Geld versteckt sei. 

 

Leicht verschuldensmindernd ist hingegen zu berücksichtigen, dass dem 

Beschuldigten hinsichtlich der qualifizierten Tatbegehung bzw. der Lebens-

gefahr lediglich eventualvorsätzliches Handeln anzulasten ist, was 

verschuldensmässig weniger schwer wiegt als direkt vorsätzliches Handeln 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_190/2012 vom 25. Mai 2012 E. 5.4).  

 

 - 26 - 

 

 

Die Beschuldigten handelten aus rein finanziellen und damit letztlich egois-

tischen Gründen. Rein monetäre Gründe sind jedem Vermögensdelikt 

immanent und werden beim Raub als qualifizierte Form der Nötigung, um 

einen Diebstahl zu begehen, bereits durch das Tatbestandsmerkmal der 

unrechtmässigen Bereicherungsabsicht beim Diebstahl erfasst. Sie dürfen 

deshalb bei den Tatkomponenten nicht nochmals verschuldenserhöhend 

berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1327/2015 vom 

16. März 2016 E. 4.2). Hingegen ist das grosse Mass an Entscheidungs-

freiheit, über das der Beschuldigte verfügt hat, verschuldenserhöhend zu 

berücksichtigen. Der Beschuldigte war in finanzieller Hinsicht unabhängig, 

verfügte er doch über ein reguläres monatliches Einkommen (UA act. 8: 

Fr. 3'800.00 – Fr. 4'000.00). Auch ist nicht ersichtlich, dass er unter starkem 

Druck, dem starken Einfluss oder der Erwartungshaltung Dritter oder einer 

subjektiv als aussichtlos empfundenen Lage gehandelt hat. Vielmehr war 

er es, der den Raubüberfall initiierte, organisierte und mindestens seinen 

Arbeitskollegen und seinen Mitbewohner einspannte. Je leichter es aber für 

ihn gewesen wäre, das Vermögen und die persönliche Freiheit sowie 

körperliche Integrität von A._____ und B._____ zu respektieren, desto 

schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit sein Verschulden 

(vgl. BGE 127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3, je mit 

Hinweisen). 

 

Insgesamt ist innerhalb des qualifizierten Strafrahmens von mindestens 5 

bis 20 Jahren Freiheitsstrafe und unter Berücksichtigung des breiten 

Spektrums der vom Tatbestand des qualifizierten Raubs erfassten 

Tathandlungen und Deliktssummen von einem nicht mehr leichten bis 

mittelschweren Verschulden und einer dafür angemessenen Einsatzstrafe 

von 9 Jahren auszugehen. 

 

3.4. 

Diese Einsatzstrafe ist für den Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB 

angemessen zu erhöhen. 

 

Der Täter, der u.a. gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus eindringt, 

wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe 

bestraft. Durch Art. 186 StGB wird das Hausrecht bzw. die Unverletzlichkeit 

der vom Hausfriedensbruch geschützten Räumlichkeiten geschützt. Der 

Beschuldigte ist in das Wohnhaus von A._____ und B._____ eingedrungen 

und hat ihre Privatsphäre aufs Gröbste verletzt, was einen erheblichen 

Schuldvorwurf zu begründen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3). Insofern A._____ und B._____ 

hingegen bereits durch den Raub in ihrem Sicherheitsgefühl verletzt 

worden sind, kann dies beim Hausfriedensbruch nicht nochmals 

berücksichtigt werden.  

 

 - 27 - 

 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung ist nicht über die blosse Erfüllung des 

Tatbestandes hinausgegangen und ist folglich neutral zu werten. 

Verschuldenserhöhend ist demgegenüber das hohe Mass an Entschei-

dungsfreiheit zu berücksichtigen, über das der Beschuldigte auch 

hinsichtlich des Hausfriedensbruchs verfügt hat.  

 

Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten bis mittelschweren 

Tatverschulden und einer dafür angemessenen Einzelstrafe von 1 Jahr 

auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist der enge Zusammenhang des 

Hausfriedensbruchs zum Raub zu beachten. Entsprechend geringer ist der 

Gesamtschuldbeitrag des Hausfriedensbruchs zu veranschlagen. 

Angemessen erscheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe von 9 Jahren um 

6 Monate auf 9 ½ Jahre. 

 

3.5. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

ist wegen nicht einschlägigen Strassenverkehrsdelikten vorbestraft, wobei 

er mit Strafbefehl vom 26. November 2020 wegen Fahrens in fahr-

unfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. a sowie lit. b zu einer 

bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 100.00, Probezeit 2 Jahre 

sowie einer Busse von Fr. 1'500.00 verurteilt wurde. Ansonsten weist er 

keine Vorstrafen auf, wobei er erst im Jahr 2018 in die Schweiz einreiste, 

und befand sich in stabilen Verhältnissen, was allerdings den Normalfall 

darstellt und deshalb neutral zu beurteilen ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4).  

 

Der Beschuldigte hat sich weder geständig noch kooperativ gezeigt, was 

sich hingegen nicht zu seinen Lasten auswirkt, da sich eine beschuldigte 

Person nicht selbst belasten muss und namentlich das Recht hat, die 

Aussage und Mitwirkung im Strafverfahren zu verweigern (vgl. Art. 113 

Abs. 1 StPO). Damit steht aber auch fest, dass eine Strafminderung, wie 

sie bei einem von Anfang an geständigen, nachhaltig einsichtigen und 

aufrichtig reuigen Täter möglich ist, vorliegend ausscheidet. Weitere 

relevante, sich auf die Strafhöhe auswirkende Täterkomponenten sind nicht 

ersichtlich. Insbesondere sind keine aussergewöhnlichen Umstände für die 

Annahme einer erhöhten Strafempfindlichkeit auszumachen (vgl. statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 

mit Hinweisen). 

 

Nach dem Gesagten wirkt sich die Täterkomponente neutral aus.  

 

3.6. 

Der Beschuldigte rügt eine Verletzung des Beschleunigungsgebots und 

begründet dies mit der in der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts 

vom 4. August 2022 (UA act. 1718 ff.) festgehaltenen Verletzung des 

Beschleunigungsgebots (GA act. 268).  

 

 - 28 - 

 

 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 

vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen 

werden. 

 

Nach der (zweiten) vorläufigen Festnahme des Beschuldigten und 

Mitbeschuldigten D._____ am 29. Oktober 2021 erfolgte am 13. Dezember 

2021 die Konfrontationseinvernahme mit dem Mitbeschuldigten E._____. 

Am 10. Januar 2022 wurde der Polizeirapport zum Abschluss der 

polizeilichen Ermittlungen erstellt (UA act. 110). Erst knapp vier Monate 

später und zwar am 26. April 2022 erfolgte die Konfrontationseinvernahme 

mit A._____ und B._____. Nachdem dem Beschuldigten bereits am 

14. Juni 2022 der Verfahrensabschluss in Aussicht gestellt (UA act. 3958) 

wurde, erhob die Staatsanwaltschaft erst rund drei Monate später am 

21. September 2022 Anklage. Zwischenzeitlich erfolgten vor allem Haft-

verlängerungsanträge bzw. damit einhergehende Beschwerdeverfahren, 

Ausstellung von Besuchserlaubnissen, Aktenausleihen und Verfügungen 

betr. amtliche Verteidigung (Verfahrensprotokoll vom 3. Oktober 2022, GA 

act. 60 ff.). Von Behörden und Gerichten kann zwar nicht verlangt werden, 

dass sie sich ausschliesslich einem einzigen Fall widmen, weshalb Zeiten, 

in denen das Verfahren stillsteht, unumgänglich sind (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.3). Der 

Beschuldigte befand sich hingegen nach seiner zweiten Festnahme knapp 

elf Monate in Untersuchungshaft und in dieser Zeit fanden bis auf die 

genannten Konfrontationseinvernahme mit dem Mitbeschuldigten E._____ 

vom 13. Dezember 2021 und mit A._____ und B._____ vom 26. April 2022 

keine nennenswerten neuen Spurenauswertungen oder sonstige 

Verfahrenshandlungen statt. Insbesondere wirkt der Verfahrensunterbruch 

zwischen der Konfrontationseinvernahme von A._____ und B._____ vom 

26. April 2022 und der fünfmonatigen Wartezeit bis zur Anklageerhebung 

am 21. September 2022 als stossend, nachdem dem Beschuldigten bereits 

am 14. Juni 2022 der Verfahrensabschluss in Aussicht gestellt wurde und 

die Staatsanwaltschaft bei Haftfällen gehalten ist, das Verfahren 

vordringlich durchzuführen (vgl. Art. 5 Abs. 2 StPO). Der 

Staatsanwaltschaft wurde denn auch bereits am 4. August 2022 mit 

Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts dringendst empfohlen, 

Anklage zu erheben. Die langen und grösstenteils ohne eigentliche 

Verfahrenshandlungen verlaufenden wiederholten Pausen, insbesondere 

im Zeitraum von Februar bis September 2022, die teilweise bereits durch 

das Zwangsmassnahmengericht festgestellt wurden, erscheinen selbst 

unter Berücksichtigung des von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten 

grösseren Aufwands durch die vier Beschuldigten insbesondere in Bezug 

auf die Terminfixierung sowie die Verfassung der Anklageschrift (Beru-

fungsbegründung der Staatsanwaltschaft, Ziff. 6) als unverhältnismässig. 

Unter diesen Umständen ist von einer Verletzung des Beschleunigungs-

gebots, die im Dispositiv festzuhalten ist, auszugehen. Der Verletzung des 

 - 29 - 

 

 

Beschleunigungsgebots ist mit einer Strafminderung im Umfang von 3 

Monaten angemessen Rechnung zu tragen.  

 

3.7. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte für den qualifizierten Raub und den 

Hausfriedensbruch zu einer Freiheitsstrafe von 9 ¼ Jahren zu verurteilen. 

 

3.8. 

Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder 

Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben 

wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil 

der Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). 

 

Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Limmattal/Albis vom 26. Oktober 2020 wegen Fahrens in fahrunfähigem 

Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. a sowie lit. b am 3. Oktober 2020 ins-

besondere zu einer bedingten Geldstrafe von insgesamt 60 Tagessätzen à 

Fr. 100.00, Probezeit 2 Jahre, verurteilt. Das Verbrechen des qualifizierten 

Raubs sowie das Vergehen des Hausfriedensbruchs hat der Beschuldigte 

nicht einmal ein halbes Jahr später und damit innerhalb der Probezeit 

verübt. Selbst wenn es sich dabei nicht um einschlägige Delikte handelt, ist 

doch festzustellen, dass der Beschuldigte von seiner bedingten Strafe 

unbeeindruckt blieb und seine kriminelle Energie bis aufs Äusserste 

steigerte, indem er nur wenige Monate später einen Raubüberfall plante 

und durchführte, bei dem er die Opfer in Lebensgefahr brachte. 

Diesbezüglich zeigt er sich denn auch einsichtslos und streitet eine 

Tatbeteiligung trotz klarer Beweislage ab. Positiv zu bewertende Faktoren 

sind hingegen keine ersichtlich. Nachdem bei der Beurteilung der 

Legalbewährung auch die Art und Schwere der neuen Delinquenz Eingang 

findet (BGE 134 IV 140 E. 4.5 S. 145) und der Beschuldigte zu einer 

mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wird, wobei das Tatverschulden für 

den Hausfriedensbruch sowie den qualifizierten Raub – selbst innerhalb 

eines Strafrahmens von 5 bis 20 Jahren – nicht mehr leicht bis mittelschwer 

wiegt, ist vorliegend von einer negativen Legalprognose auszugehen. Nach 

dem Dargelegten rechtfertigt es sich, den mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 26. Oktober 2020 für die 

Geldstrafe von 60 Tagessätzen gewährten bedingten Strafvollzug zu 

widerrufen. 

 

3.9. 

Der Beschuldigte ist insgesamt zu einer Freiheitsstrafe von 9 ¼ Jahren zu 

verurteilen. 

 

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 

26. Oktober 2020 für die Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 100.00 

 - 30 - 

 

 

gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen, d.h. die Geldstrafe von 

Fr. 6'000.00 ist zu bezahlen. 

 

3.10. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft und der vorzeitige Strafvollzug von 

insgesamt 985 Tagen (6. Mai 2021 bis 2. September 2021 und 29. Oktober 

2021 bis 11. März 2024) sind auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 

Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; Art. 236 Abs. 4 StPO). 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von 10 Jahren des 

Landes verwiesen und deren Ausschreibung im Schengener 

Informationssystem (SIS) angeordnet (vorinstanzliches Urteil E. 6). 

 

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Landesverweisung für die Dauer von 

15 Jahren (Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft, S. 2). 

 

Der Beschuldigte wendet sich in Zusammenhang mit dem beantragten 

Freispruch gegen die Landesverweisung (Berufungsbegründung des 

Beschuldigten, Ziff. 3; vorinstanzliches Plädoyer des Beschuldigten, GA 

act. 315). 

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV 

161; BGE 144 IV 332). Darauf kann verwiesen werden.  

 

4.3. 

Der Beschuldigte ist venezolanischer Staatsangehöriger. Er hat mit dem 

Raub eine Katalogtat i.S.v. Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB begangen und ist 

somit für bis zu 15 Jahre aus der Schweiz wegzuweisen. 

 

Von der Landesverweisung kann nur ausnahmsweise unter den 

kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, wenn sie (1.) einen 

schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung die privaten Interessen des 

Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a Abs. 2 

StGB). Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt, da weder ein 

persönlicher Härtefall vorliegt noch die öffentlichen Interessen an der 

Landesverweisung überwiegen.  

 

 - 31 - 

 

 

4.4. 

Der heute 34-jährige Beschuldigte, der über die venezolanische 

Staatsbürgerschaft verfügt, wuchs in Venezuela auf und besuchte dort 

während elf Jahren die Schule. Eine Berufsausbildung hat er nicht 

gemacht, dafür eine Weiterbildung zum Staplerfahrer. Die prägenden 

Kindheits- und Jugendjahre hat er demnach in Venezuela verbracht.  

 

Im Jahr 2016 kam der Beschuldigte mit ca. 26 Jahren in die Schweiz. Er ist 

jedoch weder sprachlich noch gesellschaftlich oder persönlich in der 

Schweiz integriert. Trotz seiner knapp achtjährigen Anwesenheit in der 

Schweiz spricht er nur gebrochen Deutsch, was sich an der Berufungs-

verhandlung bestätigte, nachdem er bereits für die Mitteilung, die Aussage 

zu verweigern, eine Übersetzung beanspruchte. Vor seiner Festnahme 

wohnte er in S._____ zusammen mit dem Mitbeschuldigten D._____. Der 

Beschuldigte war zwar zwischenzeitlich in der Schweiz verheiratet (2016-

2019), Kontakt zu seiner Exfrau pflegt er hingegen nicht mehr (UA act. 5). 

Auch die während des Raubüberfalls bestandene Beziehung hat nicht 

gehalten (UA act. 5). Der Beschuldigte hat zwei Tanten in der Schweiz, 

wovon eine die Ehefrau des Sohnes von A._____ und B._____ ist (UA 

act. 6, 394 f.). Eine echte, tatsächliche und nahe Beziehung ist jedoch nicht 

ersichtlich und wird auch nicht vorgebracht (vgl. UA act. 395 f.). Enge, 

gelebte und echte Freund- oder Bekanntschaften oder eine aktive Teilhabe 

an gesellschaftlichen Strukturen wie Vereinen, kirchlichen oder kulturellen 

Institutionen pflegt der Beschuldigte nicht (UA act. 394). Er verfügt damit 

weder über einen Freundeskreis in der Schweiz, noch bekundet er am 

gesellschaftlichen Leben Interesse. Als ungenügend erscheint seine 

wirtschaftliche und berufliche Integration: Der Beschuldigte verfügt über 

keine abgeschlossene Berufslehre. Einer festen, geregelten Arbeit geht er 

ebenfalls nicht nach. Erstellt ist vielmehr, dass er seit seiner Einreise in die 

Schweiz regelmässig den Arbeitsplatz wechselt. Zuerst fand er während 

einem Jahr keine Arbeit, danach arbeitete er zunächst während den 

Sommermonaten für den Sohn von A._____ und B._____, anschliessend 

fand er eine temporäre Stelle bei der Post, danach in einem Lager eines 

Supermarkts, in einer Baumschule, bei einem Arbeitgeber in Sins und 

schliesslich bei der H._____ AG in Bremgarten, wo er ein Nettoeinkommen 

von ca. Fr. 3'800.00 – Fr. 4'000.00 erzielte (UA act. 7 f.). Zudem weist er 

Schulden im Betrag von ca. Fr. 7'750.00 aus (UA act. 11). Stark negativ auf 

eine nachhaltige Integration wirkt sich seine Strafffälligkeit aus. Trotz 

Vorstrafe hat er insbesondere einen durch ihn geplanten qualifizierten 

Raub in Mittäterschaft, für welchen er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe 

verurteilt wird, begangen. Im Hinblick auf die gesellschaftliche, persönliche, 

wirtschaftliche und berufliche Integration sowie die Beachtung der schwei-

zerischen Rechts- und Werteordnung erweist sich seine Integration 

durchwegs als mindestens mangelhaft. 

 

 - 32 - 

 

 

Insgesamt ist keine Verwurzelung des Beschuldigten in der Schweiz zu 

erkennen. Hingegen erweisen sich seine Integrationschancen in seinem 

Heimatland Venezuela für den Beschuldigten als sehr gut. Seine Mutter, zu 

der er ein «perfektes» Verhältnis pflegt, sein Vater, seine vier Geschwister 

sowie sein mittlerweile 14-jähriger Sohn leben in Venezuela (UA act. 4 f.). 

Zudem spricht er spanisch als Muttersprache. Seine Chancen auf eine 

erfolgreiche Reintegration in Venezuela stehen um einiges besser, als es 

in der Schweiz der Fall wäre. Im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage 

in Venezuela hat das Bundesverwaltungsgericht zudem in konstanter 

Praxis festgehalten, dass trotz der angespannten Situation in Venezuela 

weder Bürgerkrieg noch eine Situation von allgemeiner Gewalt herrsche 

(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-6536/2023 vom 14. Dezember 

2023 E. 8.3.1). 

 

4.5. 

Hinsichtlich der nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zumindest 

teilweise bereits bei der Frage des Härtefalles vorzunehmenden 

Interessenabwägung ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte hat mit dem von ihm begangenen qualifizierten Raub 

hochstehende Rechtsgüter, insbesondere die körperliche und geistige 

Unversehrtheit von A._____ und B._____, verletzt. Er wird zu einer 

Freiheitsstrafe von mehr als 9 Jahren verurteilt und ihm ist eine negative 

Legalprognose zu stellen. Mithin liegt eine erhebliche Gefährdung der 

öffentlichen Sicherheit und Ordnung und damit einhergehend ein sehr 

hohes Interesse an seiner Wegweisung, welches das vergleichsweise 

geringe private Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der 

Schweiz deutlich überwiegt, vor. Insgesamt vermag die Situation des 

Beschuldigten keinen Härtefall gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB zu 

rechtfertigen. Es ist somit eine obligatorische Landesverweisung gemäss 

Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB auszusprechen. 

 

4.6. 

Nach der festgestellten erheblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit 

und dem damit grossen öffentlichen Interesse an der Wegweisung des 

Beschuldigten rechtfertigt es sich, den Beschuldigten für die maximale 

Dauer von 15 Jahren des Landes zu verweisen und diese im Schengener 

Informationssystem (SIS) auszuschreiben.  

 

5. 

5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten unter solidarischer Haftbarkeit mit 

den Mitbeschuldigten D._____ und E._____ verpflichtet, den Privatklägern 

A._____ und B._____ Schadenersatz in der Höhe von Fr. 2’464.15 

(Fr. 1'865.95 auf die Privatklägerin B._____ und Fr. 589.20 auf den 

Privatkläger A._____ entfallend) sowie Genugtuungen in der Höhe von 

 - 33 - 

 

 

Fr. 12'500.00 (Fr. 6'500.00 auf die Privatklägerin B._____ und Fr. 6'000.00 

auf den Privatkläger A._____ entfallend) zu bezahlen jeweils zuzüglich Zins 

zu 5 % seit 20. Februar 2021 (vorinstanzliches Urteil E. 8). 

 

Der Beschuldigte beantragt die Abweisung der Zivilklage der Privatkläger 

(Berufungsbegründung des Beschuldigten, Antragsziffer 1./2.). 

 

Mit Anschlussberufung fordern die Privatkläger A._____ und B._____ eine 

Erhöhung der Genugtuungsforderungen auf Fr. 29'500.00 (Fr. 15'000.00 

auf die Privatklägerin B._____ und Fr. 14'500.00 auf den Privatkläger 

A._____ entfallend) zuzüglich Zins zu 5 % seit 20. Februar 2021 

(Anschlussberufungsbegründungen der Privatkläger). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Aufgrund des Ausgangs des Berufungsverfahrens besteht kein Grund, auf 

die von der Vorinstanz zugesprochenen Schadenersatzforderungen 

zurückzukommen, nachdem der Beschuldigte für den Fall eines Schuld-

spruchs keine substanzierten Einwendungen dagegen erhoben hat 

(Berufungsbegründung des Beschuldigten) und hinsichtlich der Zivil-

forderungen im Adhäsionsverfahren die Dispositionsmaxime gilt. 

 

5.2.2. 

In Bezug auf die Genugtuungsforderungen ergibt sich Folgendes: Wer in 

seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat Anspruch auf Leistung 

einer Geldsumme, sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und 

diese nicht anders wiedergutgemacht werden kann (Art. 49 Abs. 1 OR). Die 

Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene immaterielle Unbill bzw. 

erlittenes Unrecht. Die Bemessung der Genugtuung richtet sich vor allem 

nach der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der 

Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, dem Grad des 

Verschuldens des Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbstverschulden des 

Geschädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die 

Zahlung eines Geldbetrags. Dabei beruht die Festlegung der Höhe der 

Genugtuung auf richterlichem Ermessen. Sie darf nicht nach schema-

tischen Massstäben oder nach festen Tarifen festgesetzt werden, sondern 

muss dem Einzelfall angepasst werden. Dem Sachgericht steht bei der 

Festsetzung der Höhe der Genugtuung ein weiter Ermessensspielraum zu 

(BGE 132 II 117 E. 2.2.2-2.2.5).  

 

A._____ und B._____ wurden kurz nach dem Vorfall im Kantonsspital 

Aarau untersucht und behandelt. Sie wiesen diverse Hautrötungen, 

Hämatome, und Hautabschürfungen auf. B._____ erlitt zudem ein 

Stauungssyndrom beider Hände sowie einen mehrfach gebrochenen und 

operationsbedürftigen linken Ringfinger und hat nach eigenen Aussagen 

Mühe, sich fortzubewegen (vgl. oben). A._____ und B._____ wurden in 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=str&query_words=%22Art.+49+Abs.+1+OR%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-II-117%3Ade&number_of_ranks=0#page117

 - 34 - 

 

 

ihren eigenen vier Wänden vollkommen unerwartet kurz nach dem 

Frühstück von vier sich unberechtigt Zutritt verschaffenden Personen 

überfallen. Der Raubüberfall dauerte insgesamt über einen längeren 

Zeitraum von ca. 45 Minuten, wobei die älteren A._____ und B._____ (83- 

bzw. 77-jährig im Tatzeitpunkt) von den Tätern durch die Fesselungen und 

Kneblungen wehrlos gemacht wurden. Sowohl A._____ als auch B._____ 

gerieten in Atemnot und befürchteten zeitweise das Schlimmste. Beim 

Versuch, B._____ den Ring vom Finger zu ziehen, haben die Täter ihr den 

Finger gebrochen. Zudem haben die Täter mit dem Tod der Söhne von 

A._____ und B._____ gedroht und Messer mitgeführt. A._____ und 

B._____ haben dabei grosse Angst verspürt. Einer der Täter ist derweil 

noch nicht gefasst. Umso verständlicher erscheinen die Auswirkungen der 

Tat auf A._____ und B._____, insbesondere mit Blick auf ihr hohes Alter, 

wonach sie bis heute – und damit rund 3 Jahre nach dem Raubüberfall – 

an Schlafstörungen leiden und durchgehende Angstgefühle aufweisen (vgl. 

oben). Das Verschulden des Beschuldigten ist dabei erheblich, was zu 

einer mehrjährigen Freiheitsstrafe geführt hat. Nach dem Gesagten ist den 

Privatklägern A._____ und B._____ für die von ihnen erlittene Unbill mit der 

Vorinstanz eine Genugtuung von Fr. 6'000.00 für den Privatkläger A._____ 

und von Fr. 6'500.00 für die Privatklägerin B._____ jeweils zuzüglich Zins 

zu 5 % seit dem 20. Februar 2021 zuzusprechen. Insofern die Privatkläger 

eine höhere Genugtuung gefordert haben, ist ihre Anschlussberufung 

abzuweisen.  

 

6. 

6.1. 

6.1.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_997/2020 vom 

18. November 2021 E. 2.2).  

 

Die Kosten der drei Berufungsverfahren von Fr. 9'000.00 (§ 18 VKD) sind 

je zu einem Drittel mit Fr. 3'000.00 auf die drei gemeinsam verhandelten 

und beurteilten Berufungsverfahren zu verteilen (Art. 418 Abs. 1 StPO). 

 

Die Berufung des Beschuldigten erweist sich als unbegründet und ist 

abzuweisen, die Berufung der Staatsanwaltschaft ist vollumfänglich 

gutzuheissen. Die Privatkläger obsiegen im Berufungsverfahren, insoweit 

sie die Abweisung der Berufung des Beschuldigten und eine Verurteilung 

wegen qualifizierten Raubs beantragt haben. Ihre Anschlussberufung zum 

Zivilpunkt ist abzuweisen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich bei 

der Höhe der Genugtuung um einen Ermessensentscheid handelt. Der 

darauf entfallende Aufwand war im Berufungsverfahren gering und ist im 

 - 35 - 

 

 

Rahmen der Kostenfestlegung vernachlässigbar. Unter diesen Umständen 

rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die gesamten auf ihn entfallenden 

Kosten für das Berufungsverfahren von Fr. 3'000.00 aufzuerlegen. 

 

6.1.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren angemessen aus 

der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 

und 3bis AnwT; § 13 AnwT).  

 

Entschädigungspflichtig sind im Rahmen der amtlichen Verteidigung nur 

jene Bemühungen, die in einem kausalen Zusammenhang mit der 

Wahrung der Rechte im Strafverfahren stehen und die notwendig und 

verhältnismässig sind (BGE 141 I 124 E. 3.1). Als Massstab für die 

Beantwortung der Frage, welcher Aufwand für eine angemessene 

Verteidigung im Strafverfahren nötig ist, hat der erfahrene Anwalt zu gelten, 

der im Bereich des materiellen Strafrechts und des Strafprozessrechts über 

fundierte Kenntnisse verfügt und deshalb seine Leistung von Anfang an 

zielgerichtet und effizient erbringen kann (Urteil des Bundesgerichts 

6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 18.3.1 mit Hinweisen). 

 

Der amtliche Verteidiger hat anlässlich der Berufungsverhandlung eine 

Kostennote mit einem Aufwand von 30.93 Stunden zu einem Stunden-

ansatz von Fr. 220.00 sowie Auslagen von Fr. 174.70 und die gesetzliche 

Mehrwertsteuer – aufgeteilt nach dem bis zum 31. Dezember 2023 gelten-

den Mehrwertsteuersatz von 7.7 % und seit 1. Januar 2024 geltendem 

Mehrwertsteuersatz von 8.1 % –, gesamthaft somit Fr. 7'530.20, geltend 

gemacht. Dieser Aufwand steht zum Umfang und zur Schwierigkeit der sich 

im Berufungsverfahren in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht stellenden 

Fragen in einem offensichtlichen Missverhältnis, weshalb nicht unbesehen 

auf die Kostennote abgestellt werden kann. 

 

Für die 14-seitige Berufungsbegründung inklusive Aktenstudium macht der 

Verteidiger einen Aufwand von insgesamt 9.16 Stunden geltend 

(Positionen vom 7., 8., 21., 24. und 25. August 2023 sowie 14., 15. und 

18. September 2023). In Anbetracht der Tatsache, dass er mit dem 

Sachverhalt und den sich in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht 

stellenden Fragen bereits aus dem erstinstanzlichen Verfahren, für das er 

mit Fr. 38'616.05 entschädigt wurde, bestens vertraut war, erweisen sich 

diese Aufwände als deutlich zu hoch. Seine vorgängige Berufungsbegrün-

dung beschränkte sich über die genannten 14 Seiten hinweg denn auch 

grösstenteils auf die Frage der Verwertbarkeit diverser Beweismittel, was 

bereits vor Vorinstanz in umfassender Weise Thema des Verfahrens war. 

Entsprechend geringer ist der dafür angemessene Aufwand im Berufungs-

verfahren zu veranschlagen. Dem Obergericht erscheint ein Aufwand von 

4 Stunden für die vorgängige Berufungsbegründung als angemessen. Die 

genannten Positionen sind somit um gerundet 5 Stunden zu kürzen.  

 - 36 - 

 

 

 

Der Aufwand für die Vorbereitung der Berufungsverhandlung insbesondere 

durch Aktenstudium und dem Verfassen des knapp 4-seitigen Plädoyers 

von 5.75 Stunden ist um 4.25 auf angemessene 1.5 Stunden zu kürzen 

(Positionen vom 22., 23. und 26. Januar 2024, vom 22. Februar 2024 und 

vom 7. März 2024). Es erfolgten im Wesentlichen keine neuen 

Ausführungen, sondern es wurde ein prägnantes Schlussplädoyer 

hauptsächlich mit einer Zusammenfassung der Frage der Verwertbarkeit 

einzelner Beweismittel und deren Würdigung gehalten. 

 

Bei den «Briefen an Klient» bzw. «BB an Klient» – da im Zusammenhang 

mit (eingereichten sowie erhaltenen) Eingaben erfolgt – ist anzunehmen, 

dass es sich um Weiterleitungen an den Beschuldigten zur Kenntnis und 

damit um Orientierungskopien, mithin um Sekretariatsarbeiten handelt, die 

nicht separat zu entschädigen sind, da sie bereits im Stundenansatz des 

Verteidigers enthalten sind. Selbiges gilt für die «BB an Gefängnis betr. 

Anwaltspost», die mehrheitlich zeitgleich mit Schreiben an den 

Beschuldigten erfolgten. Da die Aufwände teilweise nicht separat ausge-

wiesen wurden, ist der Aufwand um ermessensweise 1.25 Stunden (1 

Stunde auf das Jahr 2023 und 0.25 Stunden auf das Jahr 2024 entfallend) 

zu kürzen (Positionen 26. und 29. Juni 2023, 11. und 25. August 2023, 

19. September 2023, 9. Oktober 2023, 7. November 2023, 22. Januar 

2024, 1. und 22. Februar 2024). 

 

Dies ergibt gesamthaft einen für erbrachte Leistungen bis zum 

31. Dezember 2023 um 6 Stunden reduzierten Aufwand von gerundet 

10 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 200.00 und einen für 

erbrachte Leistungen ab dem 1. Januar 2024 um 4.5 Stunden zu redu-

zierenden Aufwand von gerundet 10.5 Stunden bei einem Stundenansatz 

von Fr. 220.00 (vgl. § 9 Abs. 3bis AnwT; zur Anwendbarkeit des per 

1. Januar 2024 revidierten Anwaltstarifs: als Leitentscheid publiziertes 

Urteil des Obergerichts SST.2023.55 vom 26. Januar 2024 E. 4.2). Hinzu 

kommen die Auslagen von Fr. 174.70 und die gesetzliche Mehrwertsteuer 

(7.7 % für erbrachte Leistungen von 10 Stunden plus Auslagen von 

Fr. 108.30 bis zum 31. Dezember 2023 und 8.1 % für erbrachte Leistungen 

von 10.5 Stunden plus Auslagen von Fr. 66.40 ab dem 1. Januar 2024), 

woraus eine Entschädigung für das Berufungsverfahren von gerundet 

Fr. 4'850.00 resultiert. 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

6.1.3. 

Die Privatk