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**Case Identifier:** 67b37e40-b82c-5297-adda-2c029c04386f
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-13
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 13.05.2016 200 2015 747
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2015-747_2016-05-13.pdf

## Full Text

200 15 747 UV
LOU/SAW/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 13. Mai 2016

Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichterin Fuhrer
Gerichtsschreiberin Winiger

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführer

gegen

SUVA 
Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern
vertreten durch Rechtsanwalt C.________
Beschwerdegegnerin

betreffend Einspracheentscheid vom 30. Juni 2015 (E 1086/15)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Mai 2016, UV/15/747, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1957 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherter bzw. Be-
schwerdeführer) war ab dem 1. März 2007 bei der D.________ als … tätig 
und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfol-
gend: SUVA bzw. Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen 
von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert 
(Akten der SUVA [act. II] 1). Am 31. Juli 2012 geriet er mit seinen Nachbarn 
E.________ und F.________ in eine Auseinandersetzung (vgl. Anzeige-
rapport vom 8. August 2012, act. II 38 S. 3), in deren Verlauf er eine mehr-
fragmentäre dislozierte Claviculafraktur rechts, eine Commotio cerebri, eine 
Thoraxkontusion rechts sowie eine Rippenfraktur (act. II 12 S. 3; 46) erlitt. 
Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht, erbrachte die gesetzlichen Ver-
sicherungsleistungen und richtete vorerst – bis zum Abschluss der Fallab-
klärungen – ein Teil-Taggeld aus (act. II 2; 4; 6).

Mit Strafbefehl vom 5. Mai 2014 (act. II 82) wurde der Versicherte von der 
Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region G.________, wegen Be-
schimpfung zum Nachteil von E.________ und F.________ schuldig er-
klärt. Nach erhobener Einsprache zog F.________ den Strafantrag zurück, 
weshalb das Verfahren am 30. Oktober 2014 eingestellt wurde (Strafakten 
Regionalgericht G.________ [act. IIIA] Register 18). F.________ wurde mit 
Urteil des Regionalgerichts G.________, Strafabteilung, vom 15. Dezember 
2014 (act. II 87 S. 2) der versuchten schweren Körperverletzung, begangen 
gegenüber dem Versicherten, schuldig gesprochen.

B.

Am 5. März 2015 (act. II 91) verfügte die SUVA die definitive Kürzung der 
Taggeldleistungen um 20% mit der Begründung, der Versicherte habe den 
fraglichen Nichtberufsunfall bei Ausübung eines Verbrechens oder Verge-
hens gemäss Art. 37 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Unfallversiche-
rung vom 20. März 1981 (UVG; SR 832.20) herbeigeführt. Den Anspruch 

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auf ein gekürztes Taggeld mit Beginn am 3. August 2012 setzte sie auf 
Fr. 136.-- fest. Damit zeigte sich der Versicherte nicht einverstanden und 
erhob am 2. April 2015 (act. II 94) Einsprache. Er machte insbesondere 
geltend, er habe sich im Einspracheverfahren gegen den Strafbefehl vom 
5. Mai 2014 (act. II 82) bei E.________ für die Beschimpfung entschuldigt. 
Daraufhin habe eine Einigung erzielt werden können, bei welcher 
E.________ wie auch F.________ den Strafantrag wegen Beschimpfung 
zurückgezogen hätten (vgl. Vereinbarung vom 30. Oktober 2014, act. II 94 
S. 11). Infolgedessen sei das Verfahren gegen ihn eingestellt worden 
(vgl. Verfügung des Regionalgerichts G.________, Strafabteilung, vom 30. 
Oktober 2014, act. II 94 S. 9).

Mit Schreiben vom 29. April 2015 (act. II 97) drohte die SUVA dem Versi-
cherten eine Schlechterstellung (reformatio in peius) an und wies ihn auf 
die Möglichkeit eines Einspracherückzuges hin. Zur Begründung legte sie 
dar, der Tatbestand von Art. 37 Abs. 3 UVG sei zwar mit der Vereinbarung 
resp. mit dem Rückzug der Strafanträge wegen Beschimpfung nicht mehr 
gegeben, der vorliegende Sachverhalt könne jedoch auch den Kürzungs-
tatbestand der aussergewöhnlichen Gefahren im Sinne von Art. 39 UVG 
i.V.m. Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung vom 
20. Dezember 1982 (UVV; SR 832.202) erfüllen. Der Versicherte reichte 
am 25. Juni 2015 (act. II 102) eine Stellungnahme ein und hielt an seiner 
Einsprache fest.

Die SUVA änderte mit Entscheid vom 30. Juni 2015 (act. II 103) die ange-
fochtene Verfügung entsprechend der angedrohten Schlechterstellung in-
soweit ab, als die Geldleistungen statt um 20% neu um 50% gekürzt wur-
den. Dabei stützte sie sich insbesondere auf den Tatbestand der ausser-
gewöhnlichen Gefahr durch starke Provokation gemäss Art. 39 UVG i.V.m. 
Art. 49 Abs. 2 lit. b UVV. Im Weiteren wies sie die Einsprache ab und ent-
zog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.

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C.

Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, 
mit Eingabe vom 27. August 2015 Beschwerde und beantragte die Aufhe-
bung des angefochtenen Entscheides vom 30. Juni 2015 (act. II 103). Die 
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ab dem 3. August 2012 und für 
die Dauer der Arbeitsunfähigkeit die ungekürzten Unfallversicherungsleis-
tungen zu erbringen.

Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 13. Oktober 
2015 auf Abweisung der Beschwerde und führte aus, nicht nur der Tatbe-
stand der starken Provokation sondern auch derjenige der Beteiligung an 
Raufereien und Schlägereien im Sinne von Art. 39 UVG i.V.m Art. 49 
Abs. 2 lit. a UVV sei vorliegend gegeben. Zudem wies sie darauf hin, dass 
entgegen den Ausführungen im Einspracheentscheid (act. II 103) auch die 
Voraussetzungen einer Kürzung gemäss Art. 37 Abs. 3 UVG zu bejahen 
wären.

Mit prozessleitender Verfügung vom 22. Dezember 2015 edierte der In-
struktionsrichter die Strafakten in Sachen F.________ betreffend versuchte 
schwere Körperverletzung (Strafakten Regionalgericht G.________ [act. III] 
1 ff.) und diejenigen des Beschwerdeführers wegen Beschimpfung (act. IIIA 
1 ff.).

Am 3. Mai 2016 fand eine nichtöffentliche Urteilsberatung gemäss Art. 56 
Abs. 5 bzw. 6 des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Ge-
richtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; 
BSG 161.1) i.V.m. Art. 37 Abs. 1 lit. b des kantonalen Gesetzes über die 
Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (VRPG; BSG 155.21) statt.

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Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 
ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des 
kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 
[VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 30. Juni 
2015 (act. II 103), mit welchem die Beschwerdegegnerin die Verfügung 
vom 5. März 2015 (act. II 91) abgeändert und die Geldleistungen statt um 
20% neu um 50% gekürzt hat. Streitig und zu prüfen ist die Leistungskür-
zung.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

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2.

2.1 Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi-
cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines 
Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). 
Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines 
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine 
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit 
oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG).

2.2 Hat die versicherte Person den Versicherungsfall vorsätzlich oder 
bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeige-
führt oder verschlimmert, so können ihr die Geldleistungen vorübergehend 
oder dauernd gekürzt oder in schweren Fällen verweigert werden (Art. 21 
Abs. 1 ATSG). Hat die versicherte Person den Unfall bei nicht vorsätzlicher 
Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführt, so können ihr 
in Abweichung von Art. 21 Abs. 1 ATSG die Geldleistungen gekürzt oder in 
besonders schweren Fällen verweigert werden (Art. 37 Abs. 3 UVG).

2.3 Der Bundesrat kann gemäss Art. 39 UVG aussergewöhnliche 
Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der 
Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen oder zur 
Kürzung der Geldleistungen führen. Die Verweigerung oder Kürzung kann 
er in Abweichung von Art. 21 Abs. 1 bis 3 ATSG ordnen. Von dieser 
Kompetenzdelegation hat der Bundesrat in Art. 49 (betreffend 
aussergewöhnliche Gefahren) und 50 UVV (betreffend Wagnisse) 
Gebrauch gemacht. 

2.4 Gemäss Art. 49 Abs. 2 UVV werden die Geldleistungen mindestens 
um die Hälfte gekürzt für Nichtberufsunfälle, die sich ereignen u.a. bei: a. 
Beteiligung an Raufereien und Schlägereien, es sei denn, der Versicherte 
sei als Unbeteiligter oder bei Hilfeleistung für einen Wehrlosen durch die 
Streitenden verletzt worden; b. Gefahren, denen sich der Versicherte 
dadurch aussetzt, dass er andere stark provoziert.

2.4.1 Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien im 
Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV ist grundsätzlich 
verschuldensunabhängig konzipiert und weiter gefasst als der 

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Straftatbestand der Beteiligung an einem Raufhandel gemäss Art. 133 des 
Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 
311.0). Es genügt, dass das zu sanktionierende Verhalten objektiv gesehen 
die Gefahr einschliesst, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich 
zu ziehen, und die versicherte Person dies erkannt hat oder erkennen 
musste (BGE 134 V 315 E. 4.5.1.2 S. 320). Der Tatbestand des Art. 49 
Abs. 2 lit. a UVV ist daher nicht nur bei der Teilnahme an einer eigentlichen 
tätlichen Auseinandersetzung gegeben. Es ist auch nicht notwendig, dass 
der Versicherte selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist zudem, aus 
welchen Motiven er sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder 
Tätlichkeiten begonnen hat und welche Wendung die Ereignisse in der 
Folge genommen haben. Entscheidend ist allein, ob die versicherte Person 
die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt hat oder erkennen 
musste (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 10. März 2011, 
8C_579/2010, E. 2.2.1; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, 
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S. 216). Eine 
Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV setzt sodann voraus, dass 
zwischen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu 
qualifizierenden Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adäquater 
Kausalzusammenhang besteht. Die Beurteilung der Adäquanz im 
Besonderen hat retrospektiv zu erfolgen. Es ist zu fragen, ob und inwiefern 
die objektiv unter Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV fallende Handlung als eine 
wesentliche Ursache des Unfalles erscheint. Dies ist dann zu bejahen, 
wenn die spezifischen Gefahren des allenfalls zu sanktionierenden 
Verhaltens des Versicherten sich beim Unfallereignis konkret ausgewirkt 
haben und nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen 
Lauf der Dinge geeignet sind, einen Unfall von der Art des eingetretenen 
herbeizuführen. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher Konnex notwendig 
(Entscheid des BGer vom 22. März 2013, 8C_932/2012, E. 2.2).

2.4.2 Nach der Rechtsprechung kann der Begriff der starken Provokation 
im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. b UVV nicht abstrakt definiert werden. Es gilt 
vielmehr in jedem Einzelfall unter Berücksichtigung der konkret gegebenen 
Verhältnisse zu prüfen, ob das beanstandete Verhalten ernsthaft geeignet 
erscheint, eine gewaltsame Reaktion anderer hervorzurufen. Eine solche 
Provokation kann in Worten, Gebärden oder Tätlichkeiten bestehen. Es 

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kommt dabei nicht darauf an, ob die Reaktion unverhältnismässig ist. Die 
Provokation muss aber natürlich und adäquat kausal für diese sein. Die 
Annahme einer starken Provokation setzt zudem eine gewisse 
Unmittelbarkeit der Reaktion des Provozierten voraus (BGer 8C_579/2010, 
E. 2.2.2; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, a.a.O., S. 219).

3.

3.1 Das Ereignis vom 31. Juli 2012 (act. II 38 S. 3) ist unstreitig als 
Nichtberufsunfall zu qualifizieren und begründet als solcher grundsätzlich 
einen Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung 
(vgl. E. 2.1 hiervor). Streitig und zu prüfen ist, ob die Geldleistungen zu 
Recht um die Hälfte gekürzt wurden.

3.2 Den edierten Strafakten betreffend die Beschimpfung (act. IIIA 1 ff.) 
lässt sich entnehmen und gilt als erstellt, dass der Beschwerdeführer am 
31. Juli 2012 in seinem Garten war und in einer ersten Phase mit seiner 
Nachbarin E.________, die sich auf einem Balkon aufhielt, wegen spielen-
der Kinder in eine verbale Auseinandersetzung geriet. In den Einvernah-
men gab der Beschwerdeführer zu, seine Nachbarin als „Schlampe“ be-
zeichnet zu haben (act. IIIA 74; 79 Ziff. 110), was denn auch von weiteren 
Zeugen gehört und bestätigt wurde (act. IIIA 63; 68 Ziff. 21). Hingegen ist 
eine gröbere Beschimpfung wie „du huere dräcks Schlampe“ oder „du hue-
re verdammti Dräck-Schlampe“ gemäss den Aussagen von E.________ 
und F.________ (act. IIIA 55; 84) nicht ausgewiesen. Diese Betitelungen 
wurden von den weiteren Zeugen nicht gehört. Zudem waren die Aussagen 
von F.________ diesbezüglich nicht beständig, so sprach er anlässlich der 
Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 7. Februar 2013 nicht mehr 
davon, dass der Beschwerdeführer seine Partnerin als „huere verdammti 
Dräck-Schlampe“ bezeichnete, sondern verwendete nur noch den Aus-
druck „Dreckschlampe“ (act. IIIA 92 Ziff. 214).

In einer daran anschliessenden zweiten Phase betrat der bisher nicht in 
Erscheinung getretene F.________ den Rasenplatz des Beschwerdefüh-
rers. Ob dabei – wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht (vgl. act. IIIA 
79 Ziff. 121 ff.) – F.________ etwas „geschwafelt“ habe von Entschuldigen 

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und er ihm lediglich geantwortet habe, er müsse sich nicht bei ihm ent-
schuldigen oder ob – wie von F.________ behauptet (vgl. act. IIIA 84; 89 
Ziff. 100 ff.) – der Beschwerdeführer ihn auch noch als „du blöde Aff“ be-
schimpft habe, blieb im Strafverfahren – entgegen den Ausführungen der 
Beschwerdegegnerin (vgl. act. II 103 S. 7) – unbewiesen und braucht mit 
Blick auf das Nachstehende (vgl. E. 3.3.2 hiernach) auch nicht geklärt zu 
werden. 

Anhand der Akten steht zudem fest und ist unbestritten, dass F.________ 
kurz nach seinem Erscheinen auf dem Rasenplatz den Beschwerdeführer – 
überwiegend wahrscheinlich mit einem Gegenstand in Form eines Holzsto-
ckes – angriff (vgl. act. III 63; 74) und erheblich verletzte (vgl. Sachverhalt 
lit. A hiervor). 

3.3

3.3.1 Die Beschwerdegegnerin erwog zunächst, indem der Beschwerde-
führer seine Nachbarin E.________ beschimpft und F.________ provoziert 
habe, sei der Kürzungstatbestand der starken Provokation gemäss Art. 39 
UVG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. b UVV erfüllt (vgl. Einspracheentscheid vom 
30. Juni 2015, act. II 103 S. 6 f.). In der Beschwerdeantwort (vgl. S. 5) legte 
sie dar, es sei unbestritten, dass es zwischen dem Beschwerdeführer und 
F.________ sodann zu einer Schlägerei gekommen sei, weshalb auch der 
Tatbestand der Beteiligung an Raufereien und Schlägereien gemäss Art. 
49 Abs. 2 lit. a UVV erfüllt sei. Ferner wies sie explizit darauf hin, dass die 
Voraussetzungen für eine Kürzung nach Art. 37 Abs. 3 UVG (Her-
beiführung des Unfalls bei nicht vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens 
oder Vergehens) ebenfalls gegeben wäre.

Der Beschwerdeführer macht hingegen geltend, vorliegend handle es sich 
nicht um eine unmittelbare und starke Provokation von F.________. Einer-
seits hätten sich die Äusserungen des Beschwerdeführers ausschliesslich 
gegen E.________ gerichtet und andererseits sei ihm nicht bewusst gewe-
sen, dass sich F.________ ebenfalls in der Wohnung aufhalte. Zwischen 
der Meinungsverschiedenheit mit E.________ und dem tätlichen Angriff 
bestehe damit kein sachlicher Zusammenhang. Im Weiteren könne auch 
der Kürzungstatbestand gemäss Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV nicht bejaht wer-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Mai 2016, UV/15/747, Seite 10

den. Sein Verhalten gegenüber E.________ habe die Gefahr, in Tätlichkei-
ten zu münden, weder mit eingeschlossen, noch hätte er unter den gege-
benen Umständen eine derartige Gefahr erkennen müssen. Der Angriff von 
F.________ sei als neues Ereignis zu qualifizieren, welches weder zu er-
kennen noch zu erwarten gewesen sei (Beschwerde S. 11 ff.).

3.3.2 Ob der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien und Schlägereien 
(Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV) oder derjenige der starken Provokation (Art. 49 
Abs. 2 lit. b UVV) – wie von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht (vgl. 
Beschwerdeantwort S. 4 ff. Ziff. 11.4 und 14 f.) – erfüllt ist, kann vorliegend 
offen gelassen werden, da der adäquate Kausalzusammenhang so oder 
anders zu verneinen ist:

Für eine Kürzung der Geldleistungen nach Art. 49 Abs. 2 lit. a und b UVV 
ist ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang vorausgesetzt (vgl. 
E. 2.4.1 f. hiervor). Das Verhalten des Beschwerdeführers kann nicht hin-
weggedacht werden, ohne dass auch der eingetretene Schaden entfiele, 
womit der natürliche Kausalzusammenhang gegeben ist. Hinsichtlich des 
adäquaten Kausalzusammenhanges stellt sich die Frage, ob das Verhalten 
des Beschwerdeführers nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der 
allgemeinen Lebenserfahrung dazu geeignet war, zu der konkret erfolgten 
Reaktion von F.________ und den dadurch konkret verursachten schweren 
Verletzungen zu führen.

Der Beschwerdeführer erlitt am 31. Juli 2012 eine mehrfragmentäre dislo-
zierte Claviculafraktur rechts, eine Commotio cerebri, eine Thoraxkontusion 
rechts sowie eine Rippenfraktur (act. II 12 S. 3; 46). Diese Verletzungen 
wurden ihm zugeführt, nachdem er von seinem Rasenplatz aus mit seiner 
Nachbarin E.________, die sich auf ihrem Balkon aufhielt, in ein Wortge-
fecht geraten war und sie dabei als „Schlampe“ bezeichnet hatte (vgl. E. 
3.2 hiervor). Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen 
Lebenserfahrung ist das (unziemliche) Verhalten des Beschwerdeführers 
und damit das Bezeichnen der Nachbarin als „Schlampe“ nicht geeignet, 
die vom Partner der Nachbarin gezeigte gewalttätige Reaktion in deren 
ganzen Härte und Brutalität hervorzurufen und damit einen Unfall von der 
Art des eingetretenen und den dabei erlittenen schweren Verletzungen 
herbeizuführen. Zwar musste der Beschwerdeführer durchaus mit einer 

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verbalen Intervention seiner Nachbarin oder allenfalls von deren Lebens-
partner rechnen und sogar eine Pöbelei oder ein leichtes Handgemenge in 
Kauf nehmen, jedoch musste er am Nachmittag in einem Wohnquartier 
nicht von dem von F.________ erfolgten gewalttätigen Angriff unter Beizug 
eines waffenähnlichen und entsprechend gefährlichen Schlaginstrumentes 
ausgehen; ein solcher liegt ausserhalb der allgemeinen Lebenserfahrung 
und entspricht nicht dem gewöhnlichen Lauf der Dinge. 

Nach dem Dargelegten rechtfertigt sich keine Kürzung der Taggeldleistun-
gen gestützt auf Art. 39 UVG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a oder b UVV. 

3.3.3 Im Weiteren ist zu prüfen, ob der Kürzungstatbestand nach Art. 37 
Abs. 3 UVG Anwendung findet, weil ein Unfall bei nicht vorsätzlicher Ausü-
bung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführt worden ist (vgl. 
E. 2.2 hiervor).

Es kann offen bleiben, ob eine Kürzung im Sinne des Art. 37 Abs. 3 UVG 
noch möglich ist, nachdem F.________ seinen Strafantrag zurückgezogen 
hat (act. IIIA Register 18) und die Beschimpfung gemäss Art. 177 StGB ein 
Antragsdelikt ist. Denn gestützt auf die Strafakten ist erstellt, dass der Un-
fall erst in einem Zeitpunkt erfolgte, in dem das unziemliche Verhalten des 
Beschwerdeführers – Titulierung der Nachbarin als „Schlampe“ – bereits 
abgeschlossen war. Damit trat der Unfall nicht „bei“ nicht vorsätzlicher 
Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens ein, sondern erst später.

3.4 Nach dem Ausgeführten erweist sich die Kürzung des Taggeldes 
als nicht rechtmässig. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 30. Juni 
2015 (act. II 103) ist dementsprechend in Gutheissung der Beschwerde 
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin ist anzuweisen, ab dem 3. Au-
gust 2012 ein ungekürztes Taggeld auszurichten.

4.

4.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG wer-
den keine Verfahrenskosten erhoben.

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4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der obsiegende, durch 
Rechtsanwalt B.________ vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf Er-
satz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert 
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Pro-
zesses bemessen (vgl. Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

Entsprechend der angemessenen Kostennote von Rechtsanwalt 
B.________ vom 12. Januar 2016 wird die Parteientschädigung inklusive 
Auslagen und Mehrwertsteuer auf Fr. 2'076.40 (Honorar: Fr. 1'750.--, Aus-
lagen: Fr. 172.60, Mehrwertsteuer 8%: Fr. 153.80) festgesetzt.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspra-
cheentscheid der SUVA vom 30. Juni 2015 aufgehoben. Die Be-
schwerdegegnerin wird angewiesen, dem Beschwerdeführer im Sinne 
der Erwägungen ab dem 3. August 2012 ein ungekürztes Taggeld 
auszurichten.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 2'076.40 (inkl. Auslagen und MWSt.), zu 
ersetzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- Rechtsanwalt C.________ z.H. der Beschwerdegegnerin
- Bundesamt für Gesundheit 

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

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Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.