# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a4b67dd-7cfa-5886-b970-0d477451e4a1
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-08
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 08.02.2021 (publiziert) 60/2005/2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_60-2005-2_2021-02-08.pdf

## Full Text

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Art. 95 Ziff. 2 SVG; aArt. 32 Abs. 1 VZV; Art. 192 und Art. 196 StPO; 
Art. 9 Abs. 1 BÜPF. Verwertbarkeit von Zufallsfunden im Verwaltungs-
verfahren (OGE 60/2005/2 vom 27. Oktober 2006)1 

 

Veröffentlichung im Amtsbericht 

 

 Fehlt eine Sachverhaltsfeststellung des Strafrichters, woran die Ver-
waltungsbehörde allenfalls gebunden wäre, so dürfen Zufallsfunde im Ver-

waltungsverfahren unbeschränkt verwendet werden, wenn sie auch durch or-

dentliche Sachverhaltsermittlung hätten beschafft werden können. Wäre das 

ausgeschlossen gewesen, so ist das Interesse des Privaten an einem ord-

nungsgemässen Verfahren gegen das öffentliche Interesse an der Wahrheits-

findung autonom abzuwägen. Letzteres ist dabei anhand abstrakter Be-

wertung des zufällig aufgedeckten Regelverstosses zu bestimmen.  

 

Aus den Erwägungen: 

 

 2.–  ... 

 a)  Wer ein Motorfahrzeug führt, bedarf des Führerausweises (Art. 10 
Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 [SVG, 
SR 741.01]). Der Führerausweis ist zu entziehen, wenn der Führer ein Motor-
fahrzeug während der Dauer eines rechtmässigen Ausweisentzugs geführt hat 
(aArt. 32 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahr-
zeugen zum Strassenverkehr vom 27. Oktober 1976 [VZV, SR 741.51]). 

 Der Regierungsrat hält es für erstellt, dass der Beschwerdeführer am 
19. November 1999, mithin in einem Zeitpunkt, da diesem der Führerausweis 
entzogen war, ein Fahrzeug gelenkt habe. Er stützt sich dabei auf ein abgehör-
tes Telefongespräch des Beschwerdeführers von diesem Tag sowie auf dessen 
Aussagen in den polizeilichen Einvernahmen vom 14. Dezember 1999 und 
vom 2. Dezember 2000. Der Beschwerdeführer bestreitet, dass diese Be-
weismittel verwertbar seien. 

 b)  aa)  Die fraglichen Aussagen des Beschwerdeführers wurden aus ei-
ner im Rahmen eines Strafverfahrens durchgeführten Telefonüberwachung 

                                              
1 Eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen diesen Entscheid hiess das Bundesgericht am 30. 

April 2007 gut (Verfahren 6A.113/2006). Das Obergericht hob hierauf den Führerausweisent-
zug mit neuem Entscheid vom 18. Januar 2008 auf. 

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gewonnen. Es stellt sich die Frage, ob im vorliegenden Verwaltungsverfahren 
auf das Ergebnis der Überwachung abzustellen ist, ob also die Verwaltungs-
behörde im Strafverfahren gewonnene Beweismittel verwenden kann oder 
muss. 

 Nach bundesgerichtlicher Praxis gilt es im Interesse von Rechtseinheit 
und Rechtssicherheit zu vermeiden, dass derselbe Lebensvorgang zu von-
einander abweichenden Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und 
Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und 
rechtlich beurteilt werden. Das Strafverfahren bietet durch die verstärkten 
Mitwirkungsrechte des Beschuldigten sowie die weiterreichenden prozessua-
len Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis der Sachverhalts-
ermittlung näher bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht durchwegs 
derselben Formstrenge unterliegenden Verwaltungsverfahren. Die Ver-
waltungsbehörde hat daher mit ihrem Entscheid über einen Führerausweis-
entzug grundsätzlich zuzuwarten, bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt, 
soweit der Sachverhalt oder die rechtliche Qualifikation des in Frage stehen-
den Verhaltens für das Verwaltungsverfahren von Bedeutung sind (BGE 119 
Ib 161 f. E. 2c bb). 

 Das Untersuchungsrichteramt des Kantons Schaffhausen stellte das 
Strafverfahren betreffend SVG-Widerhandlungen gegen den Beschwerde-
führer am 30. April 2004 zufolge Eintritts der absoluten Verfolgungsverjäh-
rung ein. Für das Administrativverfahren äussert sich das Strassenverkehrs-
gesetz nicht über die Folgen eines verhältnismässig langen Zeitablaufs, ins-
besondere sieht es keine Verjährung vor (vgl. dazu BGE 120 Ib 509 f. E. 4d 
und e). Das Administrativverfahren war und ist somit unabhängig von der 
Einstellung des Strafverfahrens gegen den Beschwerdeführer durchzuführen, 
und die längere Verfahrensdauer ist gegebenenfalls auf andere Weise zu be-
rücksichtigen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wirkt sich die 
Einstellung des Strafverfahrens nicht dergestalt aus, dass ein Ad-
ministrativverfahren zum vornherein nicht mehr durchgeführt werden könnte. 
Ob sich der Beschwerdeführer am 19. November 1999 strafbar gemacht hat, 
ist im Strafverfahren nicht beurteilt worden. Er gilt zwar als nicht schuldig 
(Art. 38 Abs. 1 der Strafprozessordnung für den Kanton Schaffhausen vom 
15. Dezember 1986 [StPO, SHR 320.100]), wurde aber auch nicht freigespro-
chen und hätte wegen des Verjährungseintritts auch keinen Freispruch er-
wirken können (Art. 61 Abs. 2 StPO; OGE vom 5. Mai 2000 i.S. P., E. 3c, 
Amtsbericht 2000, S. 166 f.). Liegt aber kein freisprechendes Strafurteil bzw. 
ein diesem gleichgestellter Entscheid vor (vgl. Art. 230 Abs. 2 StPO), so exis-
tiert auch keine Sachverhaltsfeststellung, Beweiswürdigung oder rechtliche 
Beurteilung, an welche die Verwaltungsbehörde allenfalls gebunden sein 
könnte. Die Entzugsbehörde muss folglich den Sachverhalt selbst feststellen 

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und insbesondere selbst darüber befinden, ob der Zufallsfund aus der Tele-
fonüberwachung im Verwaltungsverfahren verwertbar ist oder nicht. 

 bb)  Das Verwaltungsrechtspflegegesetz regelt nicht, ob und gegebenen-
falls unter welchen Voraussetzungen Zufallsfunde, also in anderem Zu-
sammenhang als mit der konkreten Sachverhaltsermittlung entdeckte Be-
weismittel, verwertbar sind. Es liegt eine echte Lücke vor, die von den rechts-
anwendenden Behörden zu füllen ist. Nach der Lehre dürfen im Verwaltungs-
verfahren Zufallsfunde ohne Einschränkungen verwendet werden, wenn sie 
auch auf dem ordentlichen Weg der Sachverhaltsermittlung hätten beschafft 
werden können. Wäre das rechtmässige Beibringen dieser Beweise nicht 
möglich gewesen, ist eine Güterabwägung zwischen dem Interesse des Priva-
ten an einem ordnungsgemässen Verfahren und dem öffentlichen Interesse an 
der Wahrheitsfindung vorzunehmen (Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar zum 
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 7 
N. 53, S. 141; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Gesetz über die 
Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 19 N. 10, S. 167). 

 Die Telefonüberwachung als Massnahme zur Beweiserhebung ist im 
Verwaltungsrechtspflegegesetz nicht vorgesehen, und sie hätte jedenfalls 
nicht angeordnet werden können, bloss um zu ermitteln, ob der Beschwerde-
führer während der Dauer des Führerausweisentzugs ein Motorfahrzeug führ-
te. Sein Telefongespräch vom 19. November 1999 hätte somit im Ver-
waltungsverfahren nicht auf zulässigem Weg aufgezeichnet werden können. 
Folglich ist zwischen dem Interesse des Beschwerdeführers an einem ord-
nungsgemässen Verfahren und dem öffentlichen Interesse an der Wahrheits-
findung abzuwägen. Es stellt sich die Frage, ob und wie sich die vom Be-
schwerdeführer genannten strafprozessualen Normen auf diese Interessen-
abwägung auswirken. 

 cc)  Der Beschwerdeführer bestreitet, dass die Protokolle des abgehörten 
Telefongesprächs sowie der polizeilichen Einvernahmen verwertbar seien. 
Das Protokoll des Telefongesprächs sei als Zufallsfund deshalb als Beweis-
mittel unzulässig, weil die zur Diskussion stehende Widerhandlung gegen das 
SVG (Fahren ohne Führerausweis) geringfügig sei. Die in Art. 196 i.V.m. 
Art. 192 StPO genannten Voraussetzungen für die Verwertbarkeit von Zu-
fallsfunden aus einer Telefonüberwachung seien daher nicht erfüllt. Ent-
sprechend seien auch die Aussagen des Beschwerdeführers in den polizei-
lichen Einvernahmen vom 14. Dezember 1999 und vom 2. Dezember 2000 
nicht verwertbar, weil sie lediglich gestützt auf die unzulässigerweise ver-
wertete Telefonabhörung zustande gekommen seien. 

 Der Regierungsrat hält dagegen, dass kein absolutes Verwertungsverbot 
für Zufallsfunde bestehe. Zudem stütze sich die Beweisführung in erster Linie 

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auf die Aussagen des Beschwerdeführers in den polizeilichen Einvernahmen 
und nicht auf das Abhörprotokoll. 

 dd)  Der Beschwerdeführer macht grundsätzlich zu Recht geltend, dass 
das Ergebnis der Telefonüberwachung vom 19. November 1999 nach straf-
prozessualen Gesichtspunkten im (inzwischen eingestellten) Strafverfahren 
wohl nicht hätte verwertet werden können: Beweismittel, die durch Eingriffe 
in Freiheitsrechte gewonnen wurden, sind im Strafprozess tendenziell nur 
verwertbar, wenn der prozessuale Eingriff sowohl im Zeitpunkt des Eingriffs 
wie auch der prozessualen Verwertung zulässig war (Niklaus Schmid, Straf-
prozessrecht, 4. A., Zürich/Basel/Genf 2004, S. 22). Zum Zeitpunkt der Tele-
fonüberwachung waren die vom Beschwerdeführer genannten Art. 192 ff. 
StPO materiell noch in Kraft. Gemäss Art. 196 StPO dürfen Zufallsfunde, die 
auf die Begehung einer anderen Straftat hindeuten, nur dann verwertet wer-
den, wenn auch bezüglich dieser Tat die Voraussetzungen der Überwachung 
gegeben sind. Diese Voraussetzungen wären jedoch nicht erfüllt gewesen, 
denn Art. 192 Abs. 1 lit. a StPO gestattete die Telefonüberwachung nur, wenn 
ein Verbrechen, ein Vergehen oder ein mit Hilfe des Telefons begangene 
Straftat verfolgt wurde, und Fahren trotz Führerausweisentzugs war in der 
damals geltenden Fassung von aArt. 95 Ziff. 2 SVG lediglich als Übertretung 
ausgestaltet. Der Beschwerdeführer geht aber fehl, soweit er daraus sinn-
gemäss ableitet, das Ergebnis der Telefonüberwachung sei wegen seiner Un-
verwertbarkeit im Strafverfahren vorbehaltlos auch im Administrativverfah-
ren nicht verwertbar. Denn die Administrativbehörde ist unter anderem des-
halb an die Sachverhaltsermittlung des Strafrichters gebunden, weil diese – 
aufgrund der verstärkten Mitwirkungsrechte und der prozessualen Befugnisse 
des Beschuldigten – die materielle Wahrheit eher zu ergründen vermag (BGE 
119 Ib 161 f. E. 2c bb). Ein Beweisverwertungsverbot dient aber gerade nicht 
der Feststellung der materiellen Wahrheit, sondern beschränkt sie im Gegen-
teil zu Gunsten eines entgegenstehenden, als gewichtiger betrachteten Inter-
esses. Nach dem Sinn der bundesgerichtlichen Praxis besteht folglich für die 
Verwaltungsbehörde – wenn sie nicht an die Sachverhaltsfeststellung eines 
rechtskräftigen materiellen Straferkenntnisses gebunden ist – gerade im Inter-
esse der Wahrheitsfindung kein Grund, für die Verwertbarkeit von Zufalls-
funden auf eine autonome Interessenabwägung zu verzichten. Ebensowenig 
besteht in der vorliegenden Situation die Gefahr, dass die Sachverhalts-
feststellungen des Entzugs- und des Strafverfahrens auseinanderfallen könn-
ten, nachdem das Strafverfahren eingestellt worden ist. 

 ee)  Sodann ist zu prüfen, ob sich die Regeln über die Verwertbarkeit von 
Zufallsfunden des am 1. Januar 2002 in Kraft getreten Bundesgesetzes be-
treffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs vom 6. Oktober 
2000 (BÜPF, SR 780.1) für eine analoge Anwendung eignen; diese Regeln 

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haben die Art. 192 ff. StPO materiell aufgehoben, soweit sie die Telefon-
überwachung betreffen (vgl. Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches 
Strafprozessrecht, 6. A., Basel/Genf/München 2005, § 71 N. 12, S. 360; Nik-
laus Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 2. A., Bern 2005, 
N. 1267, S. 544). Nach Art. 9 Abs. 1 BÜPF sind Zufallsfunde aus einer Tele-
fonüberwachung verwertbar, wenn die durch die Überwachung bekannt ge-
wordenen strafbaren Handlungen zusätzlich zur vermuteten Straftat begangen 
werden (lit. a) oder wenn die bekannt gewordenen strafbaren Handlungen 
selbst die Voraussetzungen für eine Überwachung erfüllen (lit. b). Im Fall von 
Art. 9 Abs. 1 lit. a BÜPF können Zufallsfunde selbst dann verwertet werden, 
wenn diese zusätzlichen strafbaren Handlungen bloss Übertretungen sind 
(Thomas Hansjakob, Kommentar zum Bundesgesetz und zur Verordnung  
über die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs, St. Gallen 2002, 
Art. 9 N. 11, S. 205 f.; Niklaus Schmid, Verwertung von Zufallsfunden sowie 
Verwertungsverbote nach dem neuen Bundesgesetz über die Überwachung 
des Post- und Fernmeldeverkehrs [BÜPF], ZStrR 2002, S. 290). 

 Weil wegen Verdachts einer Widerhandlung gegen das Strassen-
verkehrsgesetz nach dem BÜPF keine Telefonüberwachung angeordnet wer-
den kann (vgl. die in Art. 3 Abs. 2 und 3 BÜPF abschliessend aufgeführten 
Katalogtaten), wäre das Ergebnis der Telefonüberwachung unter dem Gel-
tungsbereich des BÜPF lediglich aufgrund Art. 9 Abs. 1 lit. a BÜPF in einem 
Strafverfahren verwertbar, also nur, wenn die vermutete Straftat (sogenannte 
"Verdachtstat"), welche die Telefonkontrolle auslöste, tatsächlich begangen 
worden ist. 

 Ob der Beschwerdeführer die Verdachtstat tatsächlich begangen hat – 
was noch nicht rechtskräftig entschieden worden ist –, braucht hier nicht nä-
her geprüft zu werden, denn das Obergericht ist der Ansicht, dass sich Art. 9 
Abs. 1 lit. a BÜPF ohnehin nicht für eine analoge Anwendung eignet. Für den 
Strafprozess mögen Gründe bestehen, dass auch leichte Delikte mitbeurteilt 
werden können, wenn der Beschuldigte die Verdachtstat begangen hat; für 
das Verwaltungsverfahren überzeugt die Regelung des BÜPF als Konkretisie-
rung der Interessenabwägung im Administrativverfahren jedoch nicht. Es ist 
nämlich nicht einzusehen, weshalb auch kleinste strafbare, zufällig ermittelte 
Regelverstösse ohne weiteres eine verwaltungsrechtliche Sanktion auslösen 
können sollten, ohne dass das entgegenstehende Interesse des Betroffenen am 
ordnungsgemässen Verfahrensablauf noch näher beachtet werden müsste. 
Ferner hält auch die Strafrechtsliteratur diese Norm aus mehreren Gründen 
für nicht unbedenklich; insbesondere bemängelt sie, dass damit das Gebot, 
dass Untersuchungshandlungen der Verdachtssteuerung unterliegen sollen, 
prinzipiell ausser Kraft gesetzt werde (Judith Natterer, Die Verwertbarkeit 
von Zufallsfunden aus der Telefonüberwachung im Strafverfahren, Diss. Bern 

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2001, S. 129 f.; Hansjakob, Art. 9 N. 12, S. 206). Soweit diese Bestimmung 
von der Lehre selbst für das Strafverfahren als zu weitgehend bemängelt wird, 
sollte sie daher nicht im Verwaltungsverfahren angewandt werden. 

 ff)  Aus diesen Gründen ist es angezeigt, über die Verwertbarkeit von Zu-
fallsfunden im Verwaltungsverfahren autonom und nicht analog nach den dar-
gelegten strafprozessualen Lösungen zu entscheiden. Somit ist abzuwägen 
zwischen dem öffentlichen Interesse an der Wahrheitsfindung und der 
Rechtsdurchsetzung einerseits und dem privaten Interesse am ordnungsge-
mässen Verfahren – bzw. der Nichtverwertbarkeit von nicht auf ordentlichem 
Weg beschaffte bzw. zu beschaffende Beweisen – anderseits (vgl. Kölz/Boss-
hart/Röhl, § 7 N. 53, S. 141). 

 Das private Interesse des Beschwerdeführers besteht darin, dass sein ver-
fassungsmässig garantiertes Fernmeldegeheimnis (Art. 13 Abs. 1 der Bundes-
verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, 
SR 101]; vgl. auch Art. 8 der europäischen Konvention zum Schutze der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 [EMRK, 
SR 0.101]) nicht tangiert werde, bzw. in Verletzung des Fernmeldegeheim-
nisses erlangte Beweismittel nicht verwertet werden. Weitere Interessen auf 
Seiten des Beschwerdeführers sind nicht auszumachen oder geltend gemacht. 

 Um das öffentliche Interesse der Wahrheitsfindung zu bestimmen, ist der 
in Frage stehende, zufällig aufgedeckte Regelverstoss nach einhelliger Auf-
fassung des Gerichts grundsätzlich abstrakt zu bewerten, auch wenn die kon-
kreten Umstände nicht vernachlässigt werden sollen; massgebend ist also 
hauptsächlich die Art und (abstrakte) Schwere des Fehlverhaltens. Nicht zu 
berücksichtigen sind die konkreten Verschuldensumstände wie etwa die Vor-
geschichte oder der Leumund des Betroffenen. 

 Der Beschwerdeführer hat am 19. November 1999 trotz Ausweisentzugs 
ein Fahrzeug geführt. Die Gerichtsmehrheit erachtet dies als schwerwiegen-
des und nicht zu bagatellisierendes Verhalten. Sowohl ein Sicherungsentzug 
wie auch ein Warnungsentzug – wie der vorliegend missachtete – dient letzt-
lich dem Schutz anderer Verkehrsteilnehmer. Während der Sicherungsentzug 
unmittelbare Gefährdungen im Strassenverkehr verhindern soll, bezweckt der 
Warnungsentzug, dass die Einhaltung der Verkehrsregeln durchgesetzt wird, 
indem der Fehlbare sein gefährliches oder gefahrenträchtiges Verhalten ein-
sieht und es künftig unterlässt (vgl. René Schaffhauser, Grundriss des schwei-
zerischen Strassenverkehrsrechts, Bd. III, Bern 1995, N. 2232 f., S. 155 f., 
und N. 2236, S. 156 f.). Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass die 
Verletzung von Verkehrsregeln höchst fatale Folgen haben kann, wie bereits 
ein Blick in die Statistiken belegt: gemäss dem SINUS-Report 2006 waren im 
Jahr 2005 auf Schweizer Strassen 409 Tote, 5'059 Schwerverletzte und 

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21'695 Leichtverletzte zu beklagen (Schweizerische Beratungsstelle für Un-
fallverhütung, SINUS-Report 2006, Sicherheitsniveau und Unfallgeschehen 
im Strassenverkehr 2005, Bern 2006, S. 9). Deshalb besteht ein gewichtiges 
öffentliches Interesse daran, dass die Verletzung der Sanktion, die für die 
Missachtung eines Warnungsentzugs ausgesprochen wurde, geahndet wird. 
Es geht nicht etwa bloss darum, die für eine Verkehrsregelverletzung aus-
gefällte Sanktion um der Rechtsdurchsetzung selbst willen durchzusetzen. 
Vielmehr sind zum Schutz der Verkehrssicherheit gerade diejenigen Ver-
kehrsteilnehmer zur Einhaltung der Verkehrsregeln nachdrücklich anzuhalten, 
die sich zuvor nicht nur um die Verkehrsregeln, sondern auch um die staat-
liche Sanktion bei ihrer Missachtung foutierten. Zu beachten ist ebenfalls, 
dass der Gesetzgeber den Straftatbestand des Fahrens ohne Führerausweis 
trotz Entzugs (Art. 95 Ziff. 2 SVG) neu mit einer schärferen Strafandrohung 
ausgestaltet hat, um ihm mehr Nachachtung zu verschaffen (Amtliches Bulle-
tin, AB 2000, S. 221, und AB 2001, S. 928; Botschaft des Bundesrats zur Än-
derung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, BBl 1999 V 4497). 
Der revidierte Artikel trat zwar erst am 1. Januar 2005 in Kraft, mithin nach-
dem der Beschwerdeführer am 19. November 1999 trotz entzogenen Führer-
ausweises ein Motorfahrzeug lenkte; das Obergericht bewertet aber die Hand-
lung des Beschwerdeführers auch für diesen Zeitpunkt als gravierende Ver-
fehlung. Das Interesse an der Wahrheitsfindung und damit an der Ver-
wertbarkeit des Zufallsfunds aus dem abgehörten Telefongespräch vom 
19. November 1999 ist somit höher zu werten als dasjenige des Beschwerde-
führers, dass der Zufallsfund nicht verwertet werde. 

 Nach Auffassung der Gerichtsminderheit ist die durch die Telefon-
überwachung ermittelte Verfehlung des Beschwerdeführers zwar nicht leicht 
zu nehmen, hat der Beschwerdeführer doch eine wichtige behördliche Sank-
tion im Bereich des Strassenverkehrsrechts verletzt. Es handelt sich jedoch 
nicht um ein schwerwiegendes Delikt. Zum hier massgeblichen Zeitpunkt, da 
der Beschwerdeführer den Warnungsentzug missachtete, qualifizierte das Ge-
setz diese Verfehlung denn auch lediglich als Übertretung. Davon ist für die 
hier vorzunehmende Interessenabwägung grundsätzlich auszugehen. Überdies 
missachtete der Beschwerdeführer nicht einen Sicherungsentzug, sondern ei-
nen Warnungsentzug, was die Verkehrssicherheit bloss mittelbar tangieren 
konnte. Unter diesen Umständen überwiegt nach Auffassung der Gerichts-
minderheit das Interesse an der Einhaltung der prozessualen Formen die öf-
fentlichen Interessen an der Wahrheitsfindung und an der Rechtsdurchset-
zung, und der Zufallsfund aus der Telefonüberwachung ist folglich nicht ver-
wertbar. 

 gg)  Aus der Ansicht der Gerichtsmehrheit folgt, dass das Protokoll des 
abgehörten Telefongesprächs vom 19. November 1999 im vorliegenden Ad-

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ministrativverfahren verwertbar ist. Somit sind auch die Ergebnisse der da-
durch ausgelösten polizeilichen Einvernahmen vom 14. Dezember 1999 und 
vom 2. Dezember 2000 als Beweismittel zuzulassen.