# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e7d82b86-a133-5fab-965c-09c5cb866e8a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 24.01.2022 SST.2021.62
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-62_2022-01-24.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2021.62 

(ST.2020.35; StA.2018.3259) 

 

 

Urteil vom 24. Januar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichterin Vasvary 

Ersatzrichterin Jacober 

Gerichtsschreiber Fehlmann 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

Privatkläger   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwältin Kathrin Albrecht,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1992, von Schmitten GR, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Peter Fäs,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Sexuelle Handlungen mit Kindern, Schändung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 12. Februar 2020 Anklage gegen 

den Beschuldigten wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem 

Kind sowie mehrfacher Schändung. 

 

2. 

Mit Urteil vom 25. August 2020 erkannte das Bezirksgericht Baden: 

 

1. 
Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 
- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 
 StGB zum Nachteil von C. (Anklagevorwurf Ziff. 1.2); 
- der mehrfach sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 

Abs. 1StGB zum Nachteil von C. (Anklagevorwurf Ziff. 1.3); 
- der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB zum Nachteil von C. 

(Anklagevorwurf Ziff. 2). 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

zum Nachteil von A. (Anklagevorwurf Zif.1.1.); 
- der mehrfachen Schändung i.S.v. Art. 191 StGB zum Nachteil von A. (Anklagevorwurf 

Ziff. 2); 
- der sexuellen Handlung mit einem Kind i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil 

von D. (Anklagevorwurf Zif.1.4); 
- der Schändung i.S.v. Art. 191 StGB zum Nachteil von D. (Anklagevorwurf Ziff. 2). 
 
3. 
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie 
Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 106 StGB mit 
einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten und einer Busse von Fr. 1'000.00 bestraft. 
 
Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 
10 Tagen auszusprechen. 
 
4. 
Die vorläufige Festnahme von einem Tag (9. Mai 2018) wird dem Beschuldigten gemäss 
Art. 51 StGB an die Freiheitsstrafe angerechnet. 
 
5. 
Der Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe wird gestützt auf Art. 42 i.V.m. Art. 43 StGB im 
Umfang von 20 Monaten aufgeschoben. Die Probezeit für den bedingten Teil der Strafe 
wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre festgesetzt. 
 
6. 
Gestützt auf Art. 44 Abs. 2 i.Vm. Art. 94 StGB wird dem Beschuldigten für die Dauer der 
Probezeit die Weisung erteilt, sich im «F.» der G. einer ambulanten persönlichkeits- und 
sexualitätsorientierten Psychotherapie mit dem Ziel einer Nachreifung, insbesondere im 
Bereich Sexualität, zu unterziehen. 

  

 - 3 - 

 

 

 

Der Beschuldigte wird angewiesen, sich halbjährlich, d.h. jeweils Ende Juni und Ende 
Dezember, beginnend Dezember 2020, bei der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons 
Aargau, Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau, über den Verlauf der Behandlung unter 
Beilage einer Bestätigung des ausführenden Arztes oder Therapeuten auszuweisen. 
 
Bei Nichteinhaltung der Weisung kann ein Widerruf des bedingten Strafvollzugs gemäss 
Art. 95 Abs. 3 und Abs. 5 StGB erfolgen. 
 
7. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf aArt. 67 Abs. 3 StGB jede berufliche und jede 
organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regemässigen Kontakt zu Minderjährigen 
umfasst, für zehn Jahre verboten. 
 
8. 
8.1. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 1, D., Schadenersatz in der 
Höhe von Fr. 312.15 nebst Zins zu 5 % seit 8. Mai 2018 sowie eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 6'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 8. Mai 2018 zu bezahlen. 
 
8.2. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 3, A., Schadenersatz in der 
Höhe von Fr. 350.00 nebst Zins zu 5 % seit 21. Juli 2017 sowie eine Genugtuung von 
Fr. 15'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 21. Juli 2017 zu bezahlen. 
 
8.3. 
Im Übrigen werden die Schadenersatzansprüche des Zivil- und Strafklägers 3, A., auf den 
Zivilweg verwiesen. 
 
9.  
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 3, A., die gerichtlich auf 
Fr. 14'829.20 (inkl. 7.7 % MwSt. von Fr. 1'060.20) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen 
(Art. 433 Abs. 1 StPO). 
 
10. 
10.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus:  
 
a) der Gerichtsgebühr  Fr. 6'000.00 
b) der Anklagegebühr  Fr. 2'150.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung Fr.  13'639.15 
d) den Kosten für Übersetzungen Fr.  282.00 
e) den Kosten für die das Gutachten Fr.  14'685.35 
f)  den Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 334.70 
g) den Spesen (inkl. Raummiete) Fr.  850.00 
h) den Spesen für die schriftliche Begründung Fr.  75.00 
Total Fr.  38'016.20 
 
10.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a und b) sowie die Kosten gemäss 
lit. e-h) zu 5/6 mithin im Umfang von Fr. 20'079.20 auferlegt. Im Übrigen werden die Kosten 
auf die Staatskasse genommen. 
 
10.3. 
Die Kosten für die Übersetzung gemäss lit. d) gehen zu Lasten des Staates (Art. 426 Abs. 3 
lit. b StPO). 

  

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11. 
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, lic.iur. Peter Fäs, Rechtsanwalt, Q., wird 
eine Entschädigung von Fr. 13'639.15 (inkl. 7.7 % MwSt. von Fr. 975.15) zu Lasten der 
Staatskasse zugesprochen (Kosten gemäss lit. c) und die Gerichtskasse wird angewiesen, 
die Auszahlung nach Rechtskraft vorzunehmen.  
 
Die Entschädigung wird einstweilen auf der Gerichtskasse Baden vorgemerkt. Der Betrag 
von Fr. 13'639.15 wird vom Beschuldigten zu 5/6, mithin im Umfang von Fr. 11'365.95, 
zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 
i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 2. März 2021 beantragte der Beschuldigte, er 

sei vom Vorwurf der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB sowie 

der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB zum Nachteil von A. freizusprechen. Er sei wegen sexueller 

Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil 

von D. (Anklagevorwurf Ziff. 1.4) schuldig zu sprechen und mit einer 

bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätzen à Fr. 50.00, Probezeit 2 Jahre, 

sowie einer Busse von Fr. 350.00 zu bestrafen. Ihm sei gestützt auf Art. 44 

Abs. 2 i.V.m. Art. 94 StGB für die Dauer der Probezeit die Weisung zu 

erteilen, sich bei einer Fachperson einer ambulanten persönlichkeits- und 

sexualitätsorientierten Psychotherapie zu unterzeihen. Auf ein 

Tätigkeitsverbot sei zu verzichten. Weiter sei die von ihm zu bezahlende 

Genugtuung an den Privatkläger D. auf Fr. 2'000.00 zu reduzieren und die 

Zivilklage des Privatklägers A. sei abzuweisen. 

 

3.2. 

Der Beschuldigte reichte am 30. April 2021 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 26. Mai 2021 beantragte die 

Staatsanwaltschaft Baden die Abweisung der Berufung. 

 

3.4. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 7. Juni 2021 beantragte der 

Privatkläger A. die Abweisung der Berufung. 

 

4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 24. Januar 2022 statt. 

 

  

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Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die erstinstanzlichen Freisprüche wurden nicht angefochten. Dasselbe gilt 

bezüglich des Schuldspruchs wegen sexueller Handlung mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil von D. 

(Anklageziffer 1.4). Ebenfalls unangefochten blieben die Schadenersatz-

pflicht des Beschuldigten in Bezug auf D. im Umfang von Fr. 312.15 sowie 

die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers. Eine Überprüfung 

dieser Punkte findet somit – unter Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO – 

nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). Da nur der Beschuldigte die Berufung 

erklärt hat und keine Anschlussberufung erhoben worden ist, ist das 

Obergericht an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in 

peius, Art. 391 Abs. 2 StPO) gebunden. 

 

2. Schändung zum Nachteil von D. (Anklageziffer 2) 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf den Anklagesachverhalt 

Ziff. 2 der (mehrfachen) Schändung schuldig gesprochen. Sie stützte sich 

dabei auf das Geständnis des Beschuldigten, welcher die ihm 

vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum Nachteil von D. anerkannt 

hatte. Aufgrund der Tatsache, dass D. zum Tatzeitpunkt erst ca. 4 ½ Jahre 

alt war und zudem während der sexuellen Übergriffe schlief, sah die 

Vorinstanz den Tatbestand von Art. 191 StGB als erfüllt an. 

 

2.2. 

Der Beschuldigte hat die sexuellen Handlungen zum Nachteil von D. 

gemäss der Anklageziffer 1.4 – ausser der ihm in der Anklage 

vorgeworfenen Dauer des Saugens – anerkannt. Somit ist erstellt, dass der 

Beschuldigte am 8. Mai 2018, ca. 12:30 Uhr, den Penis des damals ca. 

4 ½ jährigen D. in den Mund genommen, diesen mit seinen Lippen 

umschlossen und daran während zwei bis drei Sekunden gesaugt hat. 

Unbestritten ist auch, dass D. zuerst schlief und erst wach geworden ist, 

als der Beschuldigte an ihm manipulierte. 

 

Der Beschuldigte beanstandet die rechtliche Würdigung und macht 

geltend, eine parallele Bestrafung gemäss Art. 191 StGB komme nicht in 

Frage. Der Tatbestand der Schändung sei in jenem von Art. 187 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB enthalten, da die Urteilsunfähigkeit von D. ausschliesslich auf 

dessen Kindesalter zurückzuführen sei. Er sei deshalb einzig wegen 

Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu verurteilen. 

 

2.3. 

Nach Art. 191 StGB macht sich der Schändung strafbar, wer eine 

urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis 

ihres Zustands zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer 

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anderen sexuellen Handlung missbraucht. Nach Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB macht sich strafbar, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle 

Handlung vornimmt. Zwischen Art. 187 und Art. 191 StGB besteht echte 

Konkurrenz (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2 mit Hinweisen). 

 

Bei kindlichen Opfern ist der Tatbestand der Schändung (Art. 191 StGB) 

auf den Fall, in dem ein Kind seinen freien Willen betreffend sexuelle 

Handlungen noch nicht bilden kann, zugeschnitten (BGE 146 IV 153 

E. 3.5.3 mit Verweis auf BGE 120 IV 194 E. 2 mit Hinweisen). Solange das 

Kind mangels Einsichtsfähigkeit noch gar keinen eigenen Willen betreffend 

sexuelle Handlungen entwickeln kann, ist von der Urteilsunfähigkeit des 

Kindes auszugehen. Für Fälle, in denen ein «Nein» des Kindes zu den 

sexuellen Handlungen nicht zu erwarten ist, weil das Kind die 

vorgenommenen Handlungen noch gar nicht einordnen kann, ist deshalb 

der Tatbestand der Schändung einschlägig (BGE 146 IV 153 E. 3.5.3). 

 

D. war zum Tatzeitpunkt 4 ½ Jahre alt. Grundsätzlich ist in diesem Alter 

von Urteilsunfähigkeit betreffend sexuelle Handlungen auszugehen (vgl. 

bei einem 7-jährigem Kind: Urteil des Bundesgerichts 6B_1194/2015 vom 

3. Juni 2016 E. 1.3.2; bei einem 5-jährigen Kind: Urteil des Bundesgerichts 

6B_1310/2016 vom 13. Dezember 2017 E. 11.2). Seine Aussagen zeigen 

denn auch offenkundig, dass er nicht in der Lage war, die sexuellen 

Handlungen einzuordnen (vgl. Videobefragung vom 21. Mai 2018 [UA act. 

166 ff.]). Mit seiner Argumentation verkennt der Beschuldigte, dass gerade 

in solchen Fällen der Tatbestand von Art. 191 StGB greift. Abgesehen 

davon wäre auch von Widerstandsunfähigkeit von D. auszugehen, 

nachdem unbestritten ist, dass dieser schlief, als der Beschuldigte mit den 

sexuellen Handlungen an ihm angefangen hat (vgl. Protokoll der 

Hauptverhandlung vom 21. Juli 2020, S. 58 [GA act. 143]; Protokoll der 

Berufungsverhandlung [Protokoll], S. 9). 

 

Die Berufung erweist sich als unbegründet und ist in diesem Punkt 

abzuweisen.  

 

3. Sexuelle Handlungen zum Nachteil von A. (Anklageziffer 1.1) 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf den Sachverhalt der 

Anklageziffer 1.1 der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind zum 

Nachteil von A. schuldig gesprochen. Sie hat es gestützt auf die Aussagen 

von A. als erstellt erachtet, dass der Beschuldigte in einem Zeitraum von 

Oktober 2016 bis Ende Juli 2017 dem schlafenden A. die Hosen und 

Unterhosen herunterzog und seinen Penis jeweils in dessen Mund führte. 

A. sei aufgrund dieser Handlungen jeweils erwacht. 

  

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Der Beschuldigte wendet sich mit seiner Berufung gegen die Schuld-

sprüche gemäss Anlageziffer 1.1 und verlangt einen Freispruch. Er 

bestreitet den Vorwurf vollumfänglich, indem er ausführt, nie irgendwelche 

sexuellen Handlungen an A. vorgenommen zu haben. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Dem Beschuldigten wird in der Anklageziffer 1.1 vorgeworfen, in der Zeit 

von ca. Oktober 2016 bis ca. Ende Juli 2017, längstens aber bis am 8. Mai 

2018, dem damals 2-jährigen A., während dieser den Mittagsschlaf hielt, 

die Hosen und Unterhosen heruntergezogen zu haben und seinen Penis 

jeweils in den Mund von A. eingeführt zu haben. Aufgrund der erwähnten 

Handlungen sei A. jeweils erwacht (Anklageziffer 1.1). 

 

3.2.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StGB). Bestehen 

unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach der objektiven 

Sachlage aufdrängen, geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; Grundsatz «in dubio pro 

reo»). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, 

weil solche immer möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt 

indes nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf 

den für den Beschuldigten günstigeren Beweis abzustellen wäre. Die 

Entscheidregel «in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus 

der Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und 

ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem 

relevante Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich 

erheblicher Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu 

begründen vermag (BGE 144 IV 354 E. 2.2.3.2 ff.; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1). 

 

Bei Sexualdelikten sind die Aussagen von Opfer und Täter für das 

Beweisergebnis von entscheidender Bedeutung. Bei der Würdigung ihrer 

Aussagen sind zwei Aspekte zu unterscheiden: Die personenbezogene 

Glaubwürdigkeit und die aussagebezogene Glaubhaftigkeit. Die 

allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person lässt sich an ihrer Persönlichkeit, 

ihren möglichen Motiven und der Aussagesituation abschätzen. Sie bildet 

aber lediglich den Randbereich der Aussagenanalyse und darf deshalb nie 

alleiniges oder überwiegendes Kriterium für die Überprüfung des 

Realitätsgehalts einer Aussage sein. Im Vordergrund steht deshalb die 

Glaubhaftigkeit einer konkreten Aussage, die sich nach ihrem Inhalt 

bestimmt (BGE 129 I 49 E. 5; BGE 128 I 81 E. 2). 

 

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3.2.3. 

Die behaupteten Übergriffe liegen relativ weit zurück (2016 bis 2018) und 

betreffen einen Zeitraum, in welchem A. mit ca. zwei Jahren noch ein 

Kleinkind war. Die Verlässlichkeit von Aussagen von Kindern im Vor- und 

Grundschulalter ist beschränkt (Urteil des Bundesgericht 6B_655/2020 

vom 7. Oktober 2020 E. 2.4.4 mit Verweis auf 6P.99/2005 vom 10. Januar 

2006 E. 4.1.3). Diese können zwar durchaus glaubhafte und 

strafprozessual verwertbare Beweisaussagen machen (vgl. Urteil des 

Bundesgericht 6B_655/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 2.4.4 mit Verweis auf 

Urteil 1P.38/2007 vom 22. Mai 2007 E. 7.1.1 mit Hinweisen; ADRIAN 

BERLINGER, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Strafprozess, Beweis-

eignung und Beweiswert, 2014, S. 26). Es ist jedoch davon auszugehen, 

dass verlässliche Darstellungen kaum vor Abschluss des vierten Lebens-

jahrs zu erhalten sind (BERLINGER, a.a.O., S. 26; SUSANNA NIEHAUS, Begut-

achtung der Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen, in: Die Praxis des 

Familienrechts, FamPra.ch, 2010, S. 319). Soweit es um die Beurteilung 

der Aussagezuverlässigkeit geht, ist der Gefahr von suggerierten 

Aussagen Rechnung zu tragen; insbesondere jüngere Kinder sind unter 

bestimmten Bedingungen (z.B. gegenüber Autoritätspersonen) ausge-

sprochen empfänglich für suggestive Beeinflussung (NIEHAUS, a.a.O., S. 

319). Aussagen von Kindern, selbst Aussagen über persönlich bedeut-

same, körperliche Beeinträchtigungen umfassende Ereignisse, können so 

sehr beeinflusst sein, dass es sich nicht um tatsächliche Erinnerungen 

handelt, sondern um bare Erfindungen (BERLINGER, a.a.O., S. 68 ff.; 

NIEHAUS, a.a.O, S. 333 ff.; Urteil des Bundesgericht 6B_655/2020 vom 7. 

Oktober 2020 E. 2.4.4 und zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 

6B_1109/2019 vom 23. September 2020 E. 2.5.3). Dies ist insofern prob-

lematisch, als dass sich suggestionsbedingte Falschaussagen, deren feh-

lender Realitätsgehalt der aussagenden Person nicht bewusst ist, von er-

lebnisbasierten Schilderungen nicht mehr hinreichend unterscheiden las-

sen. In Fällen mit hohem Suggestionspotential in der Entstehungsgeschich-

te der Aussage besteht damit keine Möglichkeit mehr, die Suggestions-

hypothese mit hinreichender Zuverlässigkeit zu verwerfen. Die Glaub-

haftigkeit der Aussage lässt sich hier nicht mehr überprüfen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_655/2020 E. 2.4.4 und Urteil 6B_1109/2019 E. 2.5.3 

mit Verweis auf BERLINGER, a.a.O., S. 68 ff., NIEHAUS, a.a.O.; S. 333 ff.). 

 

3.2.4. 

Die erste verwertbare Einvernahme vom A. fand am 14. Januar 2019 statt 

(UA act. 325 ff.) und damit mehr als zwei Jahre nach dem ersten 

behaupteten Übergriff. Aufgrund des langen Zeitablaufs sind die Aussagen 

von A. praktisch keiner inhaltlichen Analyse zugänglich. Nicht 

auszuschliessen ist, dass seine Erinnerungen durch Befragungen, 

Gespräche und Therapien beeinflusst und möglicherweise auch verfälscht 

wurden. Anlässlich dieser Einvernahme (UA act. 327 ff.) war A. nicht in der 

Lage, irgendwelche Details zu den angeklagten Handlungen zu 

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beschreiben. Seine Schilderungen sind denn auch sehr sprunghaft und 

äusserst knapp. An Vieles vermag er sich nicht mehr zu erinnern, kann 

weder Namen noch Aussehen der Person angeben, welche ihn angefasst 

haben soll (UA act. 330 f.); einzig, was geschehen sein soll («Kiki in den 

Mund gelegt»), wiederholt er an mehreren Stellen. Mit «Kiki» scheint er das 

männliche Geschlechtsteil zu meinen (vgl. UA act. 333 sowie Video in UA 

act. 342). Dass er damit das männliche Geschlechtsteil bezeichnet, wird 

lediglich von seiner Mutter bestätigt (UA act. 278); dagegen verneint die 

Betreuerin E., dass A. diesen Ausdruck gebraucht (UA act. 314). Genauere 

Angaben kann er nicht mehr machen, was aufgrund des Zeitablaufs nicht 

erstaunt und überdies mit seinem Kindesalter ohne Weiteres erklärbar ist. 

Schliesslich ist auch der Umstand zu berücksichtigen, dass er von seinen 

Eltern über den Zweck der Einvernahme informiert und dass darüber 

gesprochen wurde (UA act. 330, 335). Inwiefern hier eine (ungewollte) 

Suggestion stattgefunden hat, kann nicht mehr beurteilt werden. Auffallend 

ist jedoch, dass er gleich zu Beginn, noch bevor ihm die Polizistin den 

Zweck der Einvernahme sowie die Rechtsbelehrungen erläutern konnte, 

sagte, jemand habe den «Kiki» in den Mund gelegt (UA act. 327). 

 

Nicht zum Vergleich herangezogen werden darf die (undatierte) Audio-

aufnahme, welche das Gespräch zwischen A. und seiner Mutter wiedergibt 

(UA act. 296). Zum einen handelt es sich dabei nicht um eine verwertbare 

Einvernahme im Sinne von Art. 147 StPO, zum anderen sind die 

Umstände, unter welchen das Gespräch stattfand, nicht bekannt. Aus dem 

Transkriptionsprotokoll (UA act. 296 ff.) ergibt sich, dass viele Aussagen 

von A. nur bruchstückhaft wiedergegeben werden konnten, da seine 

Aussagen oft unverständlich sind. A. erwähnte die angeblichen Übergriffe 

gegenüber seiner Mutter nicht spontan, sondern nur auf gezielte Fragen 

dieser Autoritätsperson. Das Risiko einer möglichen (ungewollten) 

Suggestion kann daher nicht ausgeschlossen werden. 

 

Ob es sich bei den Schilderungen von A. um tatsächlich Erlebtes handeln 

könnte, lässt sich damit selbst mittels einer aussagepsychologischen 

Begutachtung nicht mehr eruieren, zumal sich – wie dargelegt – 

erlebnisbasierte Aussagen nicht hinreichend von suggerierten Aussagen, 

welche auf diese Weise verinnerlicht worden sind, abgrenzen lassen. Auch 

eine erneute Befragung von A. erscheint folglich zwecklos. Seine 

persönliche Befragung würde nicht zur Klärung des Sachverhalts 

beitragen. 

 

3.2.5. 

Auch die von den Eltern – übereinstimmend – geschilderten Verhaltens-

auffälligkeiten von A. vermögen daran nichts zu ändern. Zwar können sie 

ein Indiz für Erlebtes sein, genügen aber für sich allein noch nicht, um den 

angeklagten Sachverhalt als erstellt zu betrachten. Die Schilderungen 

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diesbezüglich sind zu unspezifisch; ungeklärt ist auch, wann diese 

Auffälligkeiten begonnen haben. 

 

3.2.6. 

Als verzichtbar erweist sich auch die von der Vertreterin von A. verlangte 

erneute Einvernahme von den Kindseltern I. und H.. Vorliegend wurden 

beide im Verlaufe der Strafuntersuchung mehrfach, zuletzt anlässlich der 

erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 25. August 2020, befragt. Ihre 

Aussagen wurden protokolliert und bilden Aktenbestandteil. Von einer 

erneuten Befragung sind keine weiterführenden Erkenntnisse zu erwarten, 

zumal sie keine direkten Aussagen zu den vorgeworfenen sexuellen 

Handlungen machen können. 

 

3.3. 

Zusammenfassend besteht keine Möglichkeit mehr, die Suggestions-

hypothese mit hinreichender Zuverlässigkeit zu verwerfen. Die Glaubhaftig-

keit der Aussagen von A. lässt sich nicht mehr überprüfen. Insgesamt 

bestehen für das Obergericht mangels objektiver Beweise und 

verwertbarer Aussagen von A. nicht nur theoretische Zweifel daran, ob sich 

der Anklagesachverhalt, so wie er dem Beschuldigten in Anklageziffer 1.1 

vorgeworfen wird, zugetragen hat. Infolgedessen ist der Beschuldigte 

gestützt auf den Grundsatz «in dubio pro reo» hinsichtlich der 

Anklageziffern 1.1 freizusprechen. Die Berufung des Beschuldigten erweist 

sich in diesem Punkt als begründet und ist gutzuheissen. 

 

4. Schändung zum Nachteil von A. (Anklageziffer 2) 

Dem Beschuldigten wird unter Anklageziffer 2 vorgeworfen, sich der 

mehrfachen Schändung zum Nachteil von A. schuldig gemacht zu haben. 

 

Nachdem dem Beschuldigten keine sexuellen Handlungen zum Nachteil 

von A. nachgewiesen werden können, ist er auch hinsichtlich des Vorwurfs 

der Schändung in Anklageziffer 2 freizusprechen. Die Berufung erweist sich 

in diesem Punkt als begründet und ist gutzuheissen. 

 

5. Strafzumessung 

5.1. 

Der Beschuldigte hat sich der Schändung gemäss Art. 191 StGB und der 

sexuellen Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB zum 

Nachteil von D. schuldig gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist. 

 

5.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

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https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6b_1233%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-55%3Ade&number_of_ranks=0#page55

 - 11 - 

 

 

 

5.3. 

5.3.1. 

Wie zu zeigen sein wird, kommt aufgrund der jeweiligen Schwere des 

Verschuldens sowohl für die Schändung als auch die sexuelle Handlung 

mit einem Kind nur eine Freiheitsstrafe infrage. In einem ersten Schritt ist 

somit die Einsatzstrafe für die schwerste Tat, vorliegend die Schändung, 

festzusetzen. Diese Einsatzstrafe ist um die weitere Straftat, die sexuelle 

Handlung mit einem Kind, angemessen zu erhöhen. Schliesslich ist die 

Täterkomponente zu berücksichtigen. 

 

5.3.2. 

In Bezug auf die Schändung gemäss Art. 191 StGB ergibt sich Folgendes: 

 

Der Tatbestand der Schändung gemäss Art. 191 StGB sieht eine 

Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder eine Geldstrafe vor. Das 

Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach dem 

Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die Straf-

zumessung bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der Schändung gemäss 

Art. 191 StGB schützt – sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern – 

die sexuelle Freiheit von Personen, die nicht in der Lage sind, sich gegen 

sexuelle Zumutungen zu wehren (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2). 

 

Der Beschuldigte zog dem zum Tatzeitpunkt ca. 4 ½ jährigen D., als dieser 

den Mittagsschlaf abhielt, die Hosen und Unterhosen herunter, umschloss 

dessen Penis mit seinem Mund und sog während mindestens zwei bis drei 

Sekunden daran. Der durch den Oralverkehr bewirkte Eingriff in die 

sexuelle Integrität von D. ist nicht zu bagatellisieren, selbst wenn der 

eigentliche Akt nur sehr kurz dauerte und es sich insgesamt im Vergleich 

zu den denkbaren Formen unfreiwilligen Oralverkehrs nicht um die 

schwerste Form (z.B. Penetration des Mundes des Opfers mit dem Penis) 

handelte. Im breiten Spektrum der bei einer Schändung möglichen und 

denkbaren Handlungen handelt es sich um einen vergleichsweise 

mittelschweren Eingriff. Entsprechend schwer wiegt der damit 

einhergehende Taterfolg. 

 

Verschuldenserhöhend ist die Art und Weise bzw. die Verwerflichkeit der 

Tatbegehung zu berücksichtigen. Der Beschuldigte hat seine Funktion als 

Betreuer, dem es oblag, die psychische und physische Integrität der ihm 

anvertrauten Kinder zu wahren, bewusst ausgenutzt, indem er für den 

sexuellen Übergriff gezielt die Mittagspause gewählt hatte, im Wissen 

darum, während dieser Zeit weitgehend unbeobachtet zu sein. 

 

Der Schändung ist eine (rein) sexuelle sowie egoistische Motivation 

immanent, was für sich allein nicht verschuldenserhöhend zu berück-

sichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 3. Dezember 

 - 12 - 

 

 

 

2002 E. 7.4.2). Der Beschuldigte verfügte jedoch über ein sehr hohes Mass 

an Entscheidungsfreiheit. Er war weder in seiner Einsichts- noch in seiner 

Steuerungsfähigkeit eingeschränkt (vgl. Gutachten, S. 52 [UA act. 426]). Je 

leichter es aber für den Beschuldigten gewesen wäre, die sexuelle 

Selbstbestimmung von D. zu respektieren, desto schwerer wiegt die 

Entscheidung dagegen und damit einhergehend das Verschulden (vgl. 

BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114 mit Hinweisen). 

 

Im breiten Spektrum der vom Tatbestand der Schändung erfassten 

Sachverhalte ist insgesamt von einem nicht mehr leichten Verschulden und 

einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von 18 Monaten sowie einer 

Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00 (siehe dazu unten) als in ihrer Summe 

angemessene Sanktion auszugehen. 

 

5.3.3. 

Diese Einsatzstrafe ist für die vom Beschuldigten begangene sexuelle 

Handlung mit einem Kind, für welche bei isolierter Betrachtung auf eine 

Freiheitsstrafe als Einzelstrafe zu erkennen ist, in Anwendung des 

Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen. 

Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

Art. 187 Ziff. 1 StGB schützt die seelische bzw. ungestörte sexuelle 

Entwicklung des Kindes, bis es die notwendige Reife erreicht hat, die es 

zur verantwortlichen Einwilligung in sexuelle Handlungen befähigt (BGE 

146 IV 153 E. 3.5.2). 

 

Der Beschuldigte hat den Penis von D. in den Mund genommen. Es handelt 

sich um einen erheblichen Eingriff, wozu auf die obigen Erwägungen zur 

Schändung verwiesen werden kann. D. ist dabei wach geworden und hat 

in der Folge seinem Vater von diesem Vorfall erzählt hat, auch wenn er den 

sexuellen Übergriff aufgrund seines Alters nicht eindeutig als solchen hat 

einordnen können. Es wird sich weisen müssen, wie schwer und nachhaltig 

dieser Vorfall zu einer Beeinträchtigung der ungestörten sexuellen 

Entwicklung von D. führen wird. Es ist denn auch zu berücksichtigen, dass 

D. keine nachhaltigen resp. bleibenden Schäden aus dem Erlebten 

davontrug. Er benötigt bis heute keine Therapie oder eine ähnliche 

Unterstützung (GA act. 114). Verschuldenserhöhend ist zu 

berücksichtigen, dass der Beschuldigte als Betreuer von D. seine 

Vertrauensstellung bewusst ausnützte und über ein sehr grosses Mass an 

Entscheidungsfreiheit verfügte, während sich die sexuellen Beweggründe 

als dem Tatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind immanenter 

Umstand nicht verschuldenserhöhend auswirken können (siehe dazu 

oben). 

  

 - 13 - 

 

 

 

Vor dem Hintergrund des im Vergleich zur Schändung geringeren 

Strafrahmens (Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe) und eines 

wiederum nicht mehr leichten Verschuldens erscheint isoliert betrachtet 

eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten als Einzelstrafe angemessen. Im 

Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass ein enger, sachlicher 

und zeitlicher Zusammenhang zwischen den zum Nachteil desselben 

Opfers begangenen Delikten besteht. Entsprechend geringer erscheint im 

Rahmen der Asperation der Gesamtschuldbeitrag der sexuellen Handlung 

mit einem Kind, sodass sich gestützt auf Art. 49 StGB eine Erhöhung der 

Einsatzstrafe um 6 Monate auf insgesamt 24 Monate rechtfertigt. 

 

5.3.4. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

weist keine Vorstrafen auf, was jedoch den Normalfall darstellt und sich bei 

der Strafzumessung deshalb grundsätzlich neutral auswirkt (BGE 

136 IV 2.6.4). Seine persönlichen Verhältnisse sind stabil. Er arbeitet 

aktuell als Logistiker im K. und lebt alleine (Protokoll, S. 3). 

 

Der Beschuldigte zeigte sich hinsichtlich der ihm zum Nachteil von D. 

gemachten Vorwürfe in tatsächlicher Hinsicht grundsätzlich geständig und 

bezeichnete dieses von sich aus als inakzeptabel (GA act. 141 und 144). 

Auch wenn der Beschuldigte den Vorfall nicht von sich aus zur Anzeige 

gebracht hatte, erfolgte sein Geständnis bereits anlässlich der zweiten 

Einvernahme und damit zu einem frühen Zeitpunkt, was die Strafverfolgung 

und Wahrheitsfindung in Bezug auf die Straftaten zum Nachteil von D. 

zweifellos erleichterte. Entgegen der Vorinstanz wirkt sich dieser Umstand 

erheblich strafmindernd aus, hängt eine Verurteilung bei Sexualdelikten mit 

kindlichen Opfern doch zumindest dann, wenn keine objektiven 

Beweismittel vorliegen, im Wesentlichen auch von den Aussagen bzw. dem 

Geständnis des Täters ab. Der Beschuldigte hat sich noch während des 

laufenden Strafverfahrens bei den Eltern von D. mit einem Brief 

entschuldigt und hat diese Entschuldigung in ihrer Anwesenheit im Rahmen 

der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wiederholt (GA act. 141). Er hat 

die Schadenersatzforderung im Umfang von Fr. 312.15 anerkannt und ist 

weiterhin bereit, D. eine Genugtuung im Betrag von Fr. 2'000.00 zu 

bezahlen. Positiv zu berücksichtigen ist sodann, dass er aus eigenem 

Antrieb eine ambulante Psychotherapie organisiert hat und diese seit 

September 2020 bis heute regelmässig besucht (vgl. Therapiebestätigung 

vom 17. Dezember 2021; Schreiben von Dr. med. J., Forensische Praxis 

vom 28. Oktober 2020 und 12. März 2021). Zusammenfassend ergibt sich, 

dass der Beschuldigte die volle Verantwortung für sein Handeln übernimmt, 

sich reuig und einsichtig zeigt. Dass er die Erfüllung des Tatbestands der 

Schändung aus rechtlichen Gründen bestritten hat, ändert daran nichts. 

Nachdem er von den weiteren ihm vorgeworfenen Straftaten 

freigesprochen wird, kann ihm auch nicht zum Nachteil gereichen, dass er 

diese stets bestritten hat. 

 - 14 - 

 

 

 

 

Insgesamt rechtfertigt es sich, die Täterkomponente im Umfang von 

8 Monaten strafmindernd zu berücksichtigen. 

 

5.3.5. 

Zusammengefasst erscheint dem Obergericht eine (bedingte) Freiheits-

strafe von 16 Monaten zuzüglich einer Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00 

(siehe dazu unten) in ihrer Summe als dem nicht mehr leichten 

Verschulden und den persönlichen Verhältnissen angemessen. 

 

5.4. 

5.4.1. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe 

von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe 

nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer 

Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Der 

Strafaufschub ist die Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger 

Prognose abgewichen werden darf. Er hat im breiten Mittelfeld der 

Ungewissheit den Vorrang (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2). 

 

Die Prüfung, ob der Beschuldigte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr 

bietet, setzt eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände voraus. 

In die Beurteilung mit einzubeziehen sind neben den Tatumständen auch 

das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige 

Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten auf eine 

Bewährung zulassen. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum 

Zeitpunkt des Entscheids miteinzubeziehen. 

 

5.4.2. 

Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf. Er lebt alleine in stabilen 

Verhältnissen und geht einer geregelten Arbeit nach. Nach der vorläufigen 

Festnahme und nach Verlust seiner damaligen Arbeitsstelle in der Kita 

bemühte er sich um eine neue Anstellung. Er zeigte sich, wenn auch nicht 

von Beginn an, geständig sowie einsichtig und reuig und entschuldigte sich 

bei den Betroffenen. Er organisierte aus eigenem Antrieb eine wie vom 

Gutachter Dr. med. L. empfohlene Psychotherapie und besucht diese seit 

September 2020 regelmässig. 

 

Das über den Beschuldigten eingeholte Gutachten vom 1. Oktober 2019 

(UA act. 375 ff.) attestiert ihm eine insgesamt moderate Rückfallgefahr (UA 

act. 427). Der Gutachter Dr. med. L. führt bezüglich des Rückfallrisikos aus, 

dieses bestehe aufgrund der Persönlichkeitsakzentuierung mit Unreife und 

Unsicherheit, insbesondere hinsichtlich der psychosexuellen Entwicklung 

bzw. Orientierung. Diese Persönlichkeitsakzentuierung, welche keine 

psychische Störung im engeren Sinne sei, bestehe zwar fort, könne jedoch 

mittels einer persönlichkeits- und sexualitätsorientierten Psychotherapie 

 - 15 - 

 

 

 

behandelt werden. Dadurch liesse sich die Gefahr neuerlicher Straftaten 

erfolgversprechend begegnen (Gutachten, S. 53 und 54 [UA act. 427 und 

428]). Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung führte der 

Gutachter aus, der Beschuldigte zeige sich sehr motiviert und interessiert 

an einer solchen, von ihm empfohlenen Psychotherapie. Er habe keine 

Hinweise darauf, dass der Beschuldigte eine diesbezügliche Weisung nicht 

einhalten werde (GA act. 108). 

 

Nach dem Gesagten ist dem Beschuldigte keine Schlechtprognose zu 

stellen. Er bedarf im Hinblick auf die Verbesserung seiner Prognose jedoch 

einer therapeutischen Unterstützung. Ihm ist deshalb – da die Anordnung 

einer (ambulanten) Massnahme aufgrund des Verschlechterungsverbots 

nicht infrage kommt – mit der Vorinstanz eine entsprechende Weisung zu 

erteilen (siehe dazu unten). Gestützt auf das Gutachten vom 1. Oktober 

2019, die ergänzenden Ausführungen des Gutachters im Rahmen der 

erstinstanzlichen Hauptverhandlung sowie unter Berücksichtigung der 

gesamten Umstände ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte 

unter Berücksichtigung der psychologischen Betreuung in Zukunft wohl 

verhalten wird. Die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten 

Strafvollzugs sind entsprechend erfüllt. 

 

Den noch bestehenden Bedenken an seiner Legalbewährung ist – nebst 

der Erteilung einer Weisung – mit einer erhöhten Probezeit von drei Jahren 

Rechnung zu tragen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

5.5. 

5.5.1. 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten für die Dauer der Probezeit die 

Weisung erteilt, sich im «F.» der G. einer ambulanten persönlichkeits- und 

sexualitätsorientierten Psychotherapie zu unterziehen. 

 

Diese Weisung wird vom Beschuldigten inhaltlich nicht bestritten. Er 

anerkennt ausdrücklich, eine solche persönlichkeits- und sexualitäts-

orientierte Psychotherapie absolvieren zu wollen. Er wendet sich einzig 

gegen den durch die Vorinstanz fixierten Behandlungsort in der G. und will 

stattdessen die bei Dr. med. J., R., begonnene Therapie fortführen. Dieser 

Facharzt sei vom Gutachter, Dr. med. L., empfohlen worden 

(Berufungserklärung, S. 30 ff.). 

 

5.5.2. 

Gemäss Art. 44 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 94 StGB können dem 

Beschuldigten für die Dauer der Probezeit Weisungen erteilt werden. 

  

 - 16 - 

 

 

 

Es erscheint zweifelhaft, ob die Erteilung einer blossen Weisung zur 

Absolvierung einer persönlichkeits- und sexualitätsorientierten 

Psychotherapie vorliegend der richtige Weg ist. Denn eine Weisung, sich 

einer Therapie zu unterziehen, kommt nur in Betracht, wenn keine 

Massnahmenbedürftigkeit besteht (Urteil des Bundesgerichts 

6B_652/2016 vom 28. März 2017 E. 3.3.1 f.). Die Frage kann schliesslich 

jedoch offen bleiben, da aufgrund des Verschlechterungsverbots die 

Anordnung einer (ambulanten) Massnahme nicht infrage kommt. Es bleibt 

deshalb mit der Vorinstanz und dem Beschuldigten bei einer Weisung. 

 

Weisungen haben einem spezialpräventiven Zweck zu dienen und sollen 

mithelfen, die Bewährungschancen des Verurteilten zu erhöhen (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_370/2019 vom 27. Mai 2019 E. 1.3.3). Der 

Gutachter Dr. med. L. hat eine persönlichkeits- und sexualitätsorientierte 

Psychotherapie mit dem Ziel einer Nachreifung, insbesondere im Bereich 

der Sexualität, empfohlen. Diese Behandlung sollte bei einem 

Psychotherapeuten erfolgen, welcher über eine Expertise im Bereich 

Persönlichkeit und Sexualität verfüge (Gutachten vom 1. Oktober 2019 [UA 

act. 375 ff., 428 und 429]). Er hat Dr. med. J., Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie, Schwerpunkt Forensische Psychiatrie, in R. (GA act. 106) 

empfohlen. 

 

Der Beschuldigte befindet sich seit September 2020 in Behandlung bei Dr. 

med. J. (vgl. Bestätigungsschreiben Dr. med. J. vom 12. März 2021, 

Beilage 4 zur Berufungsbegründung). Es besteht keine Veranlassung, 

diese laufende Therapie zu unterbrechen und damit einen allfälligen 

positiven Verlauf zu gefährden. Im Übrigen erscheint es wenig sinnvoll, 

einen fixen Behandlungsort vorzuschreiben, ohne dass abgeklärt wurde, 

ob diese Institution überhaupt freie Kapazitäten hat und wann mit einer 

Behandlung begonnen werden könnte. Zweckmässiger erscheint es, dass 

dem Beschuldigten mittels Weisung die Verpflichtung auferlegt wird, sich 

einer geeigneten Behandlung, wie sie im Gutachten vom 1. Oktober 2019 

von Dr. med. L. beschrieben wurde, zu unterziehen. Diese Behandlung hat 

bei einer ausgewiesenen Fachperson zu erfolgen. Die Weisung ist somit 

entsprechend anzupassen. 

 

Für die Überwachung der Einhaltung der Weisung ist gemäss § 2 Abs. 2 

lit. g Strafvollzugsverordnung (SMV, SAR.253.112) seit 1. Januar 2021 das 

Amt für Justizvollzug zuständig und nicht mehr die Oberstaatsanwaltschaft 

des Kantons Aargau. Der Beschuldigte ist entsprechend anzuweisen, sich 

halbjährlich beim Amt für Justizvollzug über den Verlauf der Behandlung 

unter Beilage einer Bestätigung des ausführenden Arztes oder 

Therapeuten auszuweisen. Hält sich der Beschuldigte nicht an die 

Weisung, kann ein Widerruf des bedingten Strafvollzugs erfolgen (Art. 95 

Abs. 3 und 5 StGB). 

 

 - 17 - 

 

 

 

5.6. 

Eine bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe kann mit einer Busse 

verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der 

bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe mit einer Busse angezeigt, um 

dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Um dem akzessorischen 

Charakter der Verbindungsstrafe gerecht zu werden, erscheint unter 

Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse und des Verschuldens 

des Beschuldigten eine Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00 sachgerecht 

(BGE 135 IV 188 E. 3.4.4). 

 

Die im Falle einer schuldhaften Nichtbezahlung zu vollziehende Ersatz-

freiheitsstrafe ist – ausgehend von einem Umwandlungssatz von Fr. 100.00 

– auf 30 Tage festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB). 

 

5.7. 

Die vorläufige Festnahme von einem Tag (9. Mai 2018) ist gemäss Art. 51 

StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB auf die Freiheitstrafe von 16 Monaten 

anzurechnen. 

 

6. 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten gestützt auf Art. 67 Abs. 3 StGB [in 

der im Tatzeitpunkt geltenden Fassung] für die Dauer von 10 Jahren jede 

berufliche und organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen 

regelmässigen Kontakt mit Minderjährigen umfasst, verboten. 

 

Der Beschuldigte wendet sich mit seiner Berufung gegen das Berufs- und 

Tätigkeitsverbot einzig im Zusammenhang mit der Strafzumessung. Er geht 

von einer wesentlich tieferen Strafe aus und erachtet deswegen die 

gesetzlichen Voraussetzungen als nicht erfüllt (Berufungsbegründung, 

S. 33). Nachdem der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten 

verurteilt wird, erübrigen sich weitere Ausführungen zum durch die 

Vorinstanz zu Recht ausgefällten Berufs- und Tätigkeitsverbot. Ein solches 

wurde vom Beschuldigten im Übrigen auch anerkannt (GA act. 140). 

 

7. Zivilforderungen 

7.1. 

Die Vorinstanz hat die Zivilklage des Privatklägers A. teilweise 

gutgeheissen und ihm Schadenersatz in der Höhe von Fr. 350.00 sowie 

eine Genugtuung von Fr. 15'000.00, beides nebst Zins zu 5 % ab 21. Juli 

2017, zugesprochen. 

 

In tatsächlicher Hinsicht ist nicht erstellt, dass der Beschuldigte die 

angeklagten Handlungen zum Nachteil von A. begangen hat, weshalb er 

diesbezüglich von Schuld und Strafe freizusprechen ist. Der Sachverhalt ist 

gestützt auf das Beweisergebnis auch hinsichtlich der zivilrechtlich 

 - 18 - 

 

 

 

bedeutsamen Frage des widerrechtlich und kausal verursachten Schadens 

als Grundlage für eine adhäsionsweise Zivilklage spruchreif. Nachdem es 

bei fehlender Täterschaft des Beschuldigten an diesen Grundlagen fehlt, 

ist die Zivilklage des Privatklägers A. abzuweisen (Art. 126 Abs. 1 lit. b 

StPO). 

 

7.2. 

7.2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, dem Privatkläger D. 

Schadenersatz in der Höhe von Fr. 312.15 sowie eine Genugtuung in der 

Höhe von Fr. 6'000.00, beides nebst Zins zu 5 % seit 8. Mai 2018 zu 

bezahlen. 

 

7.2.2. 

Der Beschuldigte anerkennt seine Schadenersatzpflicht in der von der 

Vorinstanz festgestellten Höhe von Fr. 312.15 zzgl. Zins zu 5 % seit dem 

8. Mai 2018. Auch den Genugtuungsanspruch von D. bestreitet er nicht, 

wendet sich jedoch gegen die Höhe der zugesprochenen Genugtuung von 

Fr. 6'000.00 und verlangt eine Reduktion auf Fr. 2'000.00 

(Berufungsbegründung, S. 13 f.). 

 

7.2.3. 

Gemäss Art. 49 Abs. 1 OR hat derjenige, der in seiner Persönlichkeit 

widerrechtlich verletzt wird, Anspruch auf Leistung einer Geldsumme, 

sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders 

wiedergutgemacht worden ist. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für 

erlittene Unbill, indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die 

Beeinträchtigung erträglicher gemacht wird. Bemessungskriterien sind vor 

allem die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der 

Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, der Grad des 

Verschuldens des Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbstverschulden des 

Geschädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die 

Zahlung eines Geldbetrags. Die Höhe der Summe, die als Abgeltung 

erlittener Unbill in Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht errechnen, 

sondern nur schätzen (BGE 132 II 117 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Die 

Festsetzung der Höhe der Genugtuung ist eine Entscheidung nach 

Billigkeit. Das Bundesgericht hat es daher abgelehnt, dass sich die 

Bemessung der Genugtuung nach schematischen Massstäben richten soll. 

Die Genugtuungssumme darf nicht nach festen Tarifen festgesetzt, 

sondern muss dem Einzelfall angepasst werden (BGE 132 II 117 E. 2.2.3 

mit Hinweisen). 

 

Vorliegend ist der Beschuldigte wegen einer sexueller Handlung mit einem 

Kind und wegen Schändung schuldig zu sprechen. Er griff mit seinen 

Handlungen in die psychische und physische Integrität des Privatklägers 

D. ein und verletzte ihn dadurch in seinen Persönlichkeitsrechten. Aufgrund 

 - 19 - 

 

 

 

seines Alters konnte D. noch nicht verstehen, welche Handlungen ihm 

widerfuhren, er nahm diese jedoch als irritierend wahr (GA act. 114). 

Körperliche Verletzungen wurden ihm nicht zugefügt und auch seine 

psychische Verfassung scheint stabil zu sein (GA act. 114). Das 

Verschulden des Beschuldigten wurde als nicht mehr leicht taxiert. Er 

missbrauchte seine Vertrauensstellung als Betreuer in der Kita, um seine 

sexuellen Fantasien befriedigen zu können. Es ist nicht zu bagatellisieren, 

dass der Beschuldigte dabei den Penis von D. (kurz) in den Mund nahm. 

Es handelt sich dabei aber auch nicht um eine besonders schwere oder 

eingriffsintensive Form des sexuellen Missbrauchs (wie dies z.B. bei einer 

oralen oder analen Penetration der Fall wäre). Es ist sodann auch zu 

berücksichtigen, dass D. keine nachhaltigen resp. bleibenden Schäden aus 

dem Erlebten davontrug. Er benötigt bis heute keine Therapie oder eine 

ähnliche Unterstützung (GA act. 114). Insgesamt rechtfertigt es sich, dem 

Privatkläger D. eine Genugtuung von Fr. 2'000.00, wie sie vom 

Beschuldigten anerkannt worden ist, zuzusprechen. Diese ist ab dem 

schädigenden Ereignis, d.h. ab 8. Mai 2018 mit 5 % zu verzinsen. 

 

8. Kosten- und Entschädigungsfolgen  

8.1. 

8.1.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen worden sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3).  

 

In teilweiser Gutheissung der Berufung ist der Beschuldigte – zusätzlich zu 

den vor Vorinstanz ergangenen Freisprüchen – vom Vorwurf der sexuellen 

Handlungen mit einem Kind gemäss Anklageziffer 1.1 und der mehrfachen 

Schändung gemäss Anklageziffer 2 (je zum Nachteil von A.) 

freizusprechen. Er erwirkt ein gegenüber der vorinstanzlich teilbedingten 

Freiheitsstrafe von 32 Monaten günstigeres Ergebnis, indem eine bedingte 

Freiheitsstrafe von 16 Monaten auszusprechen ist. Zufolge des 

zusätzlichen Freispruchs von den Vorwürfen zum Nachteil von A. ist er 

diesem gegenüber weder schadenersatz- noch genugtuungspflichtig. Die 

D. zugesprochene Genugtuung ist auf Fr. 2'000.00 zu reduzieren. Im 

Übrigen ist die Berufung abzuweisen. 

 

Der Privatkläger A., welcher die Abweisung der Berufung des 

Beschuldigten und Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids beantragt 

hat, unterliegt mit seinem Antrag vollumfänglich. Dasselbe gilt bezüglich 

der Staatsanwaltschaft. Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es 

sich, die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'000.00 (§ 18 VKD) 

dem Beschuldigten zu ¼ mit Fr. 1'500.00 und dem Privatkläger A. zu 1/8 

 - 20 - 

 

 

 

mit Fr. 750.00 aufzuerlegen. Der Rest ist auf die Staatkasse zu nehmen. 

Dem Privatkläger D., der sich nicht mehr aktiv mit eigenen Anträgen am 

Berufungsverfahren beteiligt hat, sind keine Verfahrenskosten 

aufzuerlegen. 

 

8.1.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren aus der 

Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 

Abs. 3bis AnwT). Auf die eingereichte Kostennote kann jedoch nur teilweise 

abgestellt werden. 

 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist im Rahmen der 

amtlichen Verteidigung nicht jeder Aufwand zu entschädigen, der im 

Strafverfahren entstanden ist, sondern nur die Aufwendungen für eine 

angemessene Ausübung der Verfahrensrechte (BGE 138 IV 197 E. 2.3.4 

mit Hinweisen). Entschädigungspflichtig sind mithin nur jene Bemühungen, 

die in einem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im 

Strafverfahren stehen und die notwendig und verhältnismässig sind (BGE 

141 I 124 E. 3.1). Als Massstab für die Beantwortung der Frage, welcher 

Aufwand für eine angemessene Verteidigung notwendig ist, hat der 

erfahrene Anwalt zu gelten, der im Bereich des materiellen Strafrechts und 

des Strafprozessrechts über fundierte Kenntnisse verfügt und seine 

Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effizient erbringen kann (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_74/2014 vom 7. Juli 2014 E. 1.4.2). Den Kantonen 

steht bei der Bemessung des Honorars des amtlichen Anwalts ein weites 

Ermessen zu (BGE 141 I 124 E. 3.2). 

 

Der amtliche Verteidiger war mit dem Sachverhalt und den sich in 

tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht stellenden Fragen bereits aus dem 

erstinstanzlichen Verfahren, für das er mit Fr. 13'639.15 entschädigt wurde, 

bestens vertraut. Das Berufungsverfahren hat sich auf die Rechtsfrage der 

Konkurrenz zwischen Schändung und sexueller Handlung mit einem Kind, 

die Schuldsprüche wegen beider Delikte zum Nachteil von A. (in erster 

Linie hinsichtlich der Frage, ob überhaupt verwertbare Aussagen 

vorliegen), damit einhergehend die Strafzumessung, die Zivilklage des 

Privatklägers A. sowie das Tätigkeitsverbot, und weiter (separat) die Höhe 

der an den Privatkläger D. zu bezahlenden Genugtuung und hinsichtlich 

der Fixierung des Behandlungsorts bei der ausgesprochenen Weisung 

beschränkt. Es stellten sich dabei weder in tatsächlicher noch rechtlicher 

Hinsicht besonders schwierige Fragen und die zu studierenden Akten 

waren weitgehend bekannt. Entsprechend geringer ist der dafür 

angemessene Aufwand im Berufungsverfahren zu veranschlagen. 

 

Der geltend gemachte Aufwand von gesamthaft 20 Minuten betreffend E-

Mail mit Dr. J. vom 28. Oktober 2020, Studium Posteingang vom 

2. November 2020 sowie nochmals vom 17. Februar 2021 [gemeint 

 - 21 - 

 

 

 

Zustellung des begründeten erstinstanzlichen Urteils], aber auch eine 

(erste) Durchsicht des begründeten erstinstanzlichen Urteils samt einer 

ersten Einschätzung gehören zum vorinstanzlichen Verfahren und wird 

grundsätzlich mit der Entschädigung für das erstinstanzliche Verfahren 

abgegolten. Ein solcher Aufwand wurde denn auch bereits vorinstanzlich 

geltend gemacht und mit 2 Stunden 15 Minuten für «Aufwendungen nach 

Hauptverhandlung (geschätzt, Studium Urteil, Instruktion Klient (schriftlich 

und mündlich, Abschlussarbeiten und diverses» entschädigt. Dass der 

Aufwand teilweise nur geschätzt werden kann, ändert daran nichts. 

 

Der geltend gemachte Aufwand von 2 Stunden 45 Minuten für die 

Berufungserklärung, wozu eine (nochmalige) kurze Auseinandersetzung 

mit dem vorinstanzlichen Entscheid notwendig ist, ist überhöht. Der 

Beschuldigte hat im Wesentlichen an seiner Verteidigungsstrategie 

festgehalten und weitgehend vergleichbare Anträge wie vor Vorinstanz 

gestellt. Für die Berufungserklärung ist vorliegend gesamthaft ein um 

1 Stunde 15 Minuten reduzierter Aufwand von 1 ½ Stunden angemessen. 

 

Ein Gesuch um Fristerstreckung – vorliegend geltend gemacht am 

25. März 2021 mit einem Aufwand von 5 Minuten – ist eine einfache, 

regelmässig vorkommende sowie weitgehend standardisierte Eingabe. 

Fristerstreckungsgesuche und der diesbezügliche Aufwand sind 

grundsätzlich nicht entschädigungspflichtig, da diese regelmässig von der 

Rechtsvertretung selbst verursacht sind (vgl. Beschluss des Bundes-

strafgerichts BB.2017.125 vom 15. März 2018 E. 7.7). Eine Kenntnis-

nahme einer gewährten Fristerstreckung – vorliegend geltend gemacht am 

29. März 2021 mit einem Aufwand von 10 Minuten (samt «Versand an 

Klient», siehe hierzu nachstehend) – gilt als anwaltlicher Kürzestaufwand 

und ist grundsätzlich nicht entschädigungspflichtig (vgl. Entscheid des 

Kantonsgerichts Basel-Landschaft 470 16 83 vom 5. Juli 2016 E. 2.5.5; 

LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), 

3. Aufl. Zürich 2020, N. 4 zu Art. 135 StPO; Leitfaden für amtliche Mandate 

der Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, Ziff. E. 1.2). 

 

Bei «Versand an Klient» dürfte es sich – da regelmässig im 

Zusammenhang mit (eingereichten sowie erhaltenen) Eingaben erfolgt –

um Weiterleitungen an den Beschuldigten zur Kenntnis und damit um 

Orientierungskopien, mithin um Sekretariatsarbeit, handeln. Ebenfalls um 

Sekretariatsarbeit handelt es sich bei dem geltend gemachten Aufwand von 

25 Minuten betreffend die versehentliche Zustellung einer Verfügung eines 

anderen Strafverfahrens aufgrund eines Kanzleiversehens («Irrläufer»). 

Sekretariatsarbeit ist grundsätzlich nicht separat zu entschädigen, da sie 

bereits im Stundenansatz des Verteidigers enthalten ist, ausgenommen die 

hierfür notwendigen Auslagen (vgl. Urteil SK.2017.58 des Bundes-

strafgerichts vom 4. Dezember 2018 E. 5.4.2.3 i.V.m. E. 3.1.3). Da der 

Aufwand «Versand an Klient» nicht separat ausgewiesen wurde, ist der 

 - 22 - 

 

 

 

Aufwand ermessensweise um 15 Minuten zu kürzen. Ein Aufwand für 

«Abschlussarbeiten» von 15 Minuten wird grundsätzlich nicht entschädigt. 

 

Der Aufwand für die Kontakte mit Dr. J. sowie Dritten von gesamthaft 

50 Minuten ist um 35 Minuten auf 15 Minuten zu kürzen. Der geltend 

gemachte Umfang ist nicht mehr als notwendig im Zusammenhang mit dem 

vorliegenden Strafverfahren zu qualifizieren. 

 

Der geltend gemachte Aufwand von 14 Stunden 45 Minuten für die 39-

seitige Berufungsbegründung ist überhöht und um 6 Stunden 45 Minuten 

auf angemessene 8 Stunden zu kürzen. Es wurde an der 

Verteidigungsstrategie weitgehend festgehalten, so dass grundsätzlich auf 

den Ausführungen vor Vorinstanz hätte aufgebaut werden können. Es ging 

im Wesentlichen noch um den Sachverhalt zum Nachteil des Privatklägers 

A. und dort die Frage, ob dessen Aussagen überhaupt verwertbar sind. 

Entsprechend geringer fällt der notwendige und verhältnismässige 

Aufwand aus. 

 

Der Aufwand für Vorbereitung Verhandlung und das Plädoyer von gesamt-

haft 2 Stunden 15 Minuten ist um 45 Minuten auf 1 Stunde 30 Minuten zu 

kürzen. Es erfolgte im Wesentlichen neu ein Hinweis auf ein Urteil des 

Bundesgerichts. Es wurde ein prägnantes Schlussplädoyer mit einer 

Zusammenfassung bzw. einer Rekapitulation gehalten. Entsprechend 

geringer fällt der notwendige und verhältnismässige Aufwand aus, zumal 

auf die Einvernahme des Beschuldigten nur ad hoc reagiert werden und 

dies nicht vorbereitet werden konnte. 

 

Der geschätzte Aufwand von 3 Stunden für die Berufungsverhandlung ist 

aufgrund der effektiven Verhandlungsdauer von rund 1 Stunde 45 Minuten 

um 1 Stunde 15 Minuten zu reduzieren. 

 

Der geltend gemachte Aufwand für Reisezeit von 1 Stunde 50 Minuten ist 

überhöht und um 50 Minuten auf 1 Stunde (rund 30 Minuten pro Weg mit 

dem öffentlichen Verkehr) zu reduzieren (vgl. auch Urteil des Bundes-

gerichts 1B_385/2021 vom 25. Oktober 2021 E. 4.8). Es ist weiter zu 

berücksichtigen, dass dieser Aufwand nicht zu einem reduzierten 

Stundenansatz entschädigt wird. 

 

Der geltend gemachte Aufwand für notwendige Besprechungen und 

Kontakte mit dem Beschuldigten (ab Berufungserklärung samt 35 Minuten 

bei der Berufungsverhandlung) von 3 Stunden 40 Minuten ist überhöht und 

– angesichts der weitgehend beibehaltenen Verteidigungsstrategie – um 

1 Stunde 40 Minuten auf angemessene 2 Stunden zu reduzieren. Es ist 

allein der notwendige Zeitaufwand für das konkrete Strafverfahren zu 

vergüten, nicht hingegen z.B. Aufwand für bloss soziale Betreuung (Urteil 

 - 23 - 

 

 

 

des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 18.4.3, nicht publ. 

in: BGE 143 IV 214). 

 

Der geltend gemachte Aufwand für eine Kenntnisnahme des Berufungs-

urteils sowie eine (kurze) Urteilsbesprechung mit Klienten von 2 Stunden 

15 Minuten ist überhöht und um 1 Stunde 15 Minuten auf angemessene 

1 Stunde zu reduzieren. Es kann nach der Durchsicht des (kurzen) Urteils 

nur noch um eine kurze Nachbesprechung gehen. 

 

In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen sowie unter Berück-

sichtigung angemessener Honorarnoten in vergleichbaren Fällen – das 

Obergericht verfügt bei rund 300 Berufungen pro Jahr über einen grossen 

Erfahrungswert – ergibt dies gesamthaft einen um 15 Stunden 50 Minuten 

reduzierten Aufwand von 19 Stunden 30 Minuten. Hinzu kommen die 

Auslagen von Fr. 578.65 und die gesetzliche Mehrwertsteuer, woraus eine 

Entschädigung für das Berufungsverfahren von gerundet Fr. 4'825.00 

resultiert. 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zu ¼ mit Fr. 1'206.25 zurück-

zufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 lit. a StPO). Der Beschuldigte hat zudem dem amtlichen Verteidiger 

auf dem von ihm zu tragenden Anteil von ¼ die Differenz zwischen der 

amtlichen Entschädigung (Stundenansatz Fr. 200.00) und dem vollen 

Honorar (Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf berechnete Mehrwert-

steuer) zu erstatten, d.h. gerundet insgesamt Fr. 105.00, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO). 

 

8.1.3. 

Der Privatkläger A. hat seine Parteikosten ausgangsgemäss selber zu 

tragen (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO).  

 

8.2. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie teilweise freigesprochen, so 

sind ihr die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. Unter Berück-

sichtigung der zusätzlich ergangenen Freisprüche sind dem Beschuldigten 

die erstinstanzlichen Verfahrenskosten zu 1/3 aufzuerlegen und im Übrigen 

auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

Was die Höhe der erstinstanzlichen Verfahrenskosten betrifft, so können 

dem Beschuldigten mangels einer gesetzlichen Grundlage weder zusätz-

liche Spesen für die schriftliche Urteilsbegründung noch Infrastrukturkosten 

für die Miete von Räumlichkeiten auferlegt werden: 

 

 - 24 - 

 

 

 

Die Verfahrenskosten sind abschliessend in Art. 422 StPO geregelt. 

Infrastrukturkosten fallen klarerweise nicht darunter. Der Staat hat die 

geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Erfordern es 

besondere Umstände, dass ein externer Saal gemietet werden muss, 

können diese Kosten nicht dem Beschuldigten überwälzt werden. In 

diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass überhaupt 

keine Notwendigkeit für die Miete externer Räume bestanden hat. Vielmehr 

ist es zulässig, die Allgemeinheit (wegen der Corona-Pandemie) teilweise 

auszuschliessen (Art. 70 StPO; BGE 147 IV 297). Da sich aus dem 

erstinstanzlichen Urteil nicht ergibt, wie hoch die auszuscheidenden Kosten 

für die (unnötige) Miete sind, sind die vom Beschuldigten zu tragenden 

Spesen pauschal auf Fr. 40.00 zu reduzieren. 

 

Gemäss Art. 424 Abs. 1 StPO regeln Bund und Kantone die Berechnung 

der Verfahrenskosten und legen die Gebühren fest. Massgebend ist 

vorliegend das Dekret über die Verfahrenskosten des Kantons Aargau 

(Verfahrenskostendekret, VKD). Die Kosten für Strafverfahren vor 

Bezirksgericht sind in § 17 Abs. 1 VKD geregelt und betragen Fr. 300.00 

bis Fr. 20'000.00. Abgedeckt sind damit auch die Aufwendungen, welche 

im Rahmen der Urteilsbegründung anfallen. Ein Vorbehalt analog 

zivilrechtlicher Streitigkeiten (vgl. § 13 Abs. 3 VKD) ist für Strafverfahren 

nicht vorgesehen. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz, nachdem sie eine 

Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren ausgesprochen hat, den 

Entscheid ohnehin hätte begründen müssen (Art. 82 Abs. 1 lit. b StPO). 

 

Unklar ist, wofür die Kosten für die Übersetzung angefallen sind. 

Ausgeschlossen ist, dass diese hinsichtlich Anklagepunkte, in denen der 

Beschuldigte schuldig gesprochen wird, angefallen sind. Sie können dem 

Beschuldigten deshalb nicht auferlegt werden. Unklar ist sodann, was es 

mit den «Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden» auf sich hat und wie 

sich diese zusammensetzen. Diese können dem Beschuldigten deshalb 

auch nicht auferlegt werden. 

 

Nach dem Gesagten belaufen sich die vorinstanzlichen Verfahrenskosten 

(inkl. Anklagegebühr von Fr. 2'150.00, ohne Kosten für die amtliche 

Verteidigung und Kosten für die Übersetzung) auf insgesamt Fr. 22'875.35. 

Davon sind 1/3, d.h. Fr. 7'625.10, dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

8.3. 

Die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers für das erst-

instanzliche Verfahren von Fr. 13'639.15 ist im Berufungsverfahren 

unangefochten geblieben und somit keiner Überprüfung zugänglich (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2). 

  

 - 25 - 

 

 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von 1/3 mit 

Fr. 4'546.40 zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte hat zudem dem 

amtlichen Verteidiger auf dem von ihm zu tragenden Anteil von 1/3 die 

Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung (Stundenansatz 

Fr. 200.00) und dem vollen Honorar (Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf 

berechnete Mehrwertsteuer) zu erstatten, d.h. gerundet insgesamt 

Fr. 455.00 sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 

Abs. 4 lit. b StPO). 

 

9. 

Tritt das Obergericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es ein 

neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind (Anklagevorwurf 

Ziff. 1.1, 1.2 und 1.3); 

- der mehrfachen Schändung (Anklagevorwurf Ziff. 2 zum Nachteil von A. 

sowie C.). 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

-  der sexuellen Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB (Anklagevorwurf Ziff. 1.4); 

-  der Schändung gemäss Art. 191 StGB (Anklagevorwurf Ziff. 2 zum 

Nachteil von D.). 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten, Probezeit 3 Jahre, und 

einer Busse von Fr. 3'000.00, ersatzweise 30 Tage Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

3.2. 

Die vorläufige Festnahme von einem Tag (9. Mai 2018) wird dem 

Beschuldigten gemäss Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 - 26 - 

 

 

 

 

3.3. 

Gestützt auf Art. 44 Abs. 2 i.V.m. Art. 94 StGB wird dem Beschuldigten für 

die Dauer der Probezeit die Weisung erteilt, sich einer ambulanten 

persönlichkeits- und sexualitätsorientierten Psychotherapie mit dem Ziel 

einer Nachreifung, insbesondere im Bereich der Sexualität, zu unterziehen. 

 

Der Beschuldigte wird angewiesen, sich halbjährlich, d.h. jeweils Ende Juni 

und Ende Dezember, beginnend Ende Juni 2022, beim Amt für 

Justizvollzug, Aarau, über den Verlauf der Behandlung unter Beilage einer 

Bestätigung des ausführenden Arztes oder Therapeuten auszuweisen. 

 

4. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf aArt. 67 Abs. 3 StGB jede berufliche 

und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen 

Kontakt zu Minderjährigen umfasst, für zehn Jahre verboten. 

 

5. 

5.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D. Schadenersatz in 

der Höhe von Fr. 312.15 nebst Zins zu 5 % seit 8. Mai 2018 sowie eine 

Genugtuung von Fr. 2'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 8. Mai 2018 zu 

bezahlen. 

 

5.2. 

Die Zivilklage des Privatklägers A. wird abgewiesen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu ¼ mit Fr. 1'500.00 und dem Privatkläger A. zu 1/8 mit 

Fr. 750.00 auferlegt. Im Übrigen werden sie auf die Staatskasse 

genommen. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 4'825.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von ¼ mit 

Fr. 1'206.25 zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben. 

 

Der Beschuldigte hat dem amtlichen Verteidiger auf dem von ihm zu 

tragenden Anteil von ¼ die Differenz zwischen der amtlichen 

 - 27 - 

 

 

 

Entschädigung und dem vollen Honorar in der Höhe von Fr. 105.00 zu 

erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen. 

 

6.3. 

Der Privatkläger A. hat seine Parteikosten für das Berufungsverfahren 

selber zu tragen. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 22'875.35 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 2'150.00) werden dem Beschuldigten zu 1/3 mit 

Fr. 7'625.10 auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 13'639.15 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von 1/3 mit 

Fr. 4'546.40 zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben. 

 

Der Beschuldigte hat dem amtlichen Verteidiger die Differenz der amtlichen 

Entschädigung und dem vollen Honorar in der Höhe von Fr. 455.00 zu 

erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen. 

 

7.3. 

Der Privatkläger A. hat seine Parteikosten für das erstinstanzliche 

Verfahren selber zu tragen. 

 

  

 - 28 - 

 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt oder teilbedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ganz oder teilweise ausgefällten bedingten Freiheitsstrafe wird der Vollzug 

aufgeschoben. Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren 

angesetzt. Hat sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die 

aufgeschobene Strafe nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die 

Freiheitsstrafe dann nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit aber 

ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

  

 - 29 - 

 

 

 

   

Aarau, 24. Januar 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Six     Fehlmann