# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ea6f6c2c-8d3b-583c-a653-5dd5a66b35ad
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-22
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung. Medizinischer Sachverhalt (Verschlechterung des Gesundheitszustandes) ungenügend abgeklärt. Rückweisung
**Docket/Reference:** IV.2017.00505
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00505.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00505
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Gerichtsschreiberin Meier
Urteil
vom
22. Juni 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Y.___
Sozialberatung,
Z.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1962 geborene
X.___
meldete sich am 23
. Januar 2014 unter Hinweis auf zunehmende belastungsabhängige Beschwerden bei Thalidomid-
Phokomelie
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/2). Die IV-Stelle tätigte medizinische Abklärungen (Urk. 7/7, Urk. 7/9), holte einen Auszug aus dem individuellen Konto ein (Urk. 7/6) und veranlass
te eine Untersuchung durch den regionalen ärztlichen Dienst (R
AD
;
Untersuchungsbericht vom 1
0.
November 2014 Urk. 7/10) sowie eine Abklärung im Haushalt (Abklärungsbericht vom
7.
April 2015, Urk. 7/12).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/16) erkannte die IV-Stell
e
in ihrer Verfügung vom
2.
Ju
l
i 2015 auf einen Invaliditätsgrad von 62 % ab Juli 2014 bis Oktober 2014 und einen Invaliditätsgrad von 11 % ab November 2014, weshalb sie befristet bis Ende Januar 2015
eine
Dreiviertelsrente
der Invaliden
versicherung zusprach
(Urk. 7/19
i.V.m
. Urk. 7/23
)
.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am
5.
September 2016 meldete sich die Versicherte wiederum unter Hinweis auf die
Missbildung der Hände und eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
, insbesondere starke
Schmerzen
geltend machend,
erneut bei der IV
Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 7/26). Dazu liess sie die Arztberichte vom
3.
Juli 2016 (Urk. 7/24/2-3) und 2
6.
August 2016 (Urk. 7/24/1) auflegen. Die IV-Stelle holte weitere Arztberichte (Bericht vom 1
6.
September 2016, [Urk. 7/29/1-8] inklusive weiterer Berichte [Urk. 7/29/9 ff.] sowie Bericht vom 1
2.
Oktober 2016 [Urk. 7/31])
und eine Stellungnahme des RAD
(
Stellungnahme vom
3.
November 2016
, Urk. 7/32/3
) ein. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/33, Urk. 7/34 und Urk. 7/40) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
7.
März 2017 (Urk. 7/43) ab.
2
.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am
8.
Mai 2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, diese sei aufzuheben und ihr sei eine
Dreiviertelsrente
der
Inva
lidenversicherung zuzusprechen, eventualiter sei eine ergänzende Abklärung zur Arbeitsfähigkeit vorzunehmen.
Zudem legte sie weitere Akten ins Recht (Urk. 3/1-6). Mit Beschwerdeantwort vom
2.
Juni 2017 (Urk. 6
, unter Beilage von Urk. 7/1-44
) schloss die Beschwerdegegneri
n auf Abweisung der Beschwerde
.
Dies wurde der Beschwerdeführerin am
7.
Juni 2017 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
3
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus
objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rent
e
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117
V
198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht
eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog
in der a
ngefochtenen Verfügung (Urk. 2)
, die Prü
fung des Leistungsantrages
habe
ergeben, dass sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom
2.
Juli 2015 nicht verändert habe. Demgemäss sei die Beschwerdeführerin seit November 2014 zu 50 % arbeitsfähig. Im Haushalt bestehe eine Einschränkung von 19 %. Der Invaliditäts
grad betrage somit nach wie vor 11 % und es bestehe folglich kein Rentenan
spruch.
Die einge
reichte ärztliche Stellungnahme
würde keine neuen medizini
schen Tatsachen nennen und sei überdies aus subjektiver Sicht erstellt. Die Ein
schränkung im Haushalt sei nicht erheblich und im Rahmen der Mitwirkungs
pflicht seien der Ehemann und die Kinder beizuziehen.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin zusammengefasst auf den Standpunkt
(Urk. 1)
, trotz Handoperation im Jahr 2016 habe sich eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes ergeben.
Sie sei nicht (mehr) in der Lage
,
ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen, weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit. Laut der behandelnden Ärzte habe sich
ihre
Belastbarkeit verschlechtert, diese würden sie als erwerbsunfähig beurteilen. Ent
gegen den Ausführungen des RAD habe mit der durchgeführten Handoperation der Vorzustand ni
cht mehr erreicht werden können
. Eine Tätigkeit gemäss dem Belastungsprofil des RAD sei ausserdem im 1. Arbeitsmarkt nicht
mehr
umsetz
bar. Die rechte Hand, welche nun nicht mehr wie gewohnt belastet werden k
önne
, sei zentral gewesen für
ihre
Restarbeitsfähigkeit.
Zudem sei die Qualifikation falsch
erfolgt
; die Beschwerdeführerin
habe angegeben, im Gesundheitsfall einer 50%
igen
Erwerbstätigkeit nachzugehen, der Erwerbsteil sei jedoch lediglich mit 40 % gewichtet worden. Dies sei zu korrigieren.
Zwar verfüge sie über keine ver
wertbare Arbeitsfähigkeit mehr,
dennoch sei darauf hinzuweisen, dass ein erheb
licher leidensbedingter Abzug vorzunehmen wäre.
Insgesamt ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 68.70 %.
3.
3.1
Z
eitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine relevante Veränderung des Sach
verhaltes
eingetreten
ist, bildet die letzte materielle Beurteilung des Rente
nan
spruches mit Verfügung vom
2.
Ju
li 2015 (Urk. 7/23
).
Im Verfügung
szeitpunkt stellte sich die medizinische Aktenlage wie
folgt dar.
3.1
.1
Dr.
med.
A.___
, Oberarzt, Rheumaklinik,
B.___
,
führte
in seinem Bericht vom
8.
Juli 2013 (Urk. 7/1)
i
m Wesentlichen
aus, die Beschwerdeführerin leide unter einem kombinierten Schmerzsyndrom betont im rechten oberen Quadranten
-
e
inerseits im Rahmen eines
zervikospondylogenen
und
thorakospondylogenen
Schmerzsyndroms bei insuffizienter Hals
wirbelsäu
len
stabilisierungs
fähigkeit und Brustwirbelsäulen
abflachungen mit mehrseg
men
talen
costovertebralen
Dysfunktionen im
zervikothorakalen
Übergang, anderer
seits im Rahmen eines primär funktionell bedingten
subakromialen
Impingement
vom
Supraspinatus-Typ bei muskulärer Dysbalance des Schultergürtels mit wahr
scheinlich chronischer Bursitis
subacromialis
rechts. Im Oktober 2012 sei zudem sonographisch der Nachweis einer Aplasie der langen Bizepssehne beidseits erfolgt.
Lumbal sei die Beschwerdeführerin aktuell beschwerdearm.
Es finde sich eine Reizung der Handgelenkextensoren am rechten Ellbogen im Sinne einer
Epicondylitis
humeri
radialis
rechts sowie betont am linken Kniegelenk ein
ret
ropatelläres
Reiben, was mit einer Retropat
e
l
lararthrose gut vereinbar sei.
3.1.2
In seinem Bericht vom
4.
April 2014 (Urk. 7/7/1-4)
erklärte
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für Al
lgemeine Medizin
, die Beschwerdeführerin leide von Geburt an
unter Missbildungen der Hände, d
ie sich auf die Funktion des ganzen Bewegungsapparates auswirkten. Die Beschwerden seien progredient. Durch die Behinderung sei eine körperliche Belastung der Patientin zunehmend unzumut
bar. Sie habe Schmerzen in den Händen, Armen und Schultern.
3.1.3
Dr.
med.
D.___
, leitende Ärztin Handchirurgie,
E.___
,
berichtete am 1
4.
Oktober 2014 (Urk. 7/9) über folgende Diagnosen:
-
Thalidomid-
Phokomelie
mit
-
Daumenaplasie links
-
Daumenhypoplasie rechts und fehlendem
Thenar
-
Status nach Korrekturosteotomie Vorderarm links (in der Jugend)
-
Parästhesien im rechten Mittelfinger (Differentialdiagnose leichtes Karpal
tunnelsyndrom
)
Bei der Beschwerdeführerin seien offensichtlich vor mehr als einem Jahr Kribbel
parästhesien im Medianus-Verso
rgungsgebiet der rechten Hand, insbesondere am Mittelfinger aufgetreten; ein wesentlicher Kraftverlust werde nicht beschrieben. An der rechten Hand bestehe ein hypoplastischer Daumen und es fehle die
Thenarmuskulatur
. Aktuell bestünden keine Sen
s
ibilitätsstörungen.
Insgesamt komme die Beschwerdeführerin mit ihren Händen sehr gut zurecht. Von weiteren chirurgischen Korrekturmassnahmen müsse dringend abgeraten werden.
3.1.4
Am
6.
November 2014 fand eine Untersuchung durch den RAD-Arzt
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie statt, über welche dieser mit Bericht vom 10. November 2014 (Urk. 7/10)
informierte
.
Er führt
e
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
Thalidomid-
Phokomelie
mit
-
Daumenaplasie links
-
Daumenhypoplasie rechts,
Thenaraplasie
rechts
-
Status nach Korrekturosteotomien linker Unterarm und
Arthrodese
lin
kes Handgelenk (in der Jugend).
-
Periarthropathia
humeroscapularis
tendinopathica
rechts
-
Funktionelles subacromiales
Impingement
mit Status nach Bursitis
sub
deltoidea
rechts bei ausgeprägter muskulärer Dysbalance
-
Zervicospondylogenes
Syndrom rechts
-
mit Bewegungseinschränkung der
Halswirbelsäule
-
mehrsegmentale Dysfunktion
-
Th
o
r
acospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts
-
bei
Entkyp
h
osierung
der Brustwirbelsäule
multisegmentalen Funkti
onsstörungen und muskulärer Dysbalance
-
Status nach
lumboradiculärem
Reizsyndrom links 2010
-
Discusprotrusion
L5/S1 mit Kontakt zur Nervenwurzel L5 links,
Dis
cusprotrusion
L3/4 mit
Kontakt zur Nerv
enwurzel L3 links
-
Beginnende Gonarthrose beidseits
-
Epicondylitis
humeri
radialis
rechts
Dr.
F.___
hielt in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung fest, bei der Beschwerdeführerin sei ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. In der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsmitar
beiterin sowie als
Gemüserüsterin
bestehe
seit Juli 2013
eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. In einer angepassten, körperlich sehr leichten
,
wechselbelastenden Tätigkeit ohne Hebe- und Tragebelastungen über 1 kg rechts und 0 kg links, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne häufige wirbelsäu
lenbelastende
,
kniegelenksbelastende
oder
schultergelenkesbelastende
Zwangs
haltungen und
ohne Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeiten, Arbeiten in Arm
vorhalte sowie unter Beachtung, dass die linke Hand allenfalls als Hilfshand ein
setzbar
sei
und mit der rechten Hand keine repetitiven Arbeiten und keine Arbei
ten
durchgeführt würden
, die eine Greiffunktion erforder
te
n
,
sei aufgrund des extendierten Pausenbedarfs eine Arbeitsfähigkeit von 50 % gegeben
(Urk. 7/10/7
, vgl. auch Belastungsprofil in der RAD-Stellungnahme vom
3.
Februar 2015 [Urk. 7/14/3 f.]
).
3.2
Im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldungsverfahrens lagen
die nach
folgende
n
neuen medizinischen Berichte auf
.
3.2.1
Am
3.
Juli 2016 (Urk. 7/24/2-3)
informierte
Dr.
med.
G.___
, leitender Arzt, Institut für medizinische Radiologie und Nuklearmedizin,
E.___
, über ein MRI des rechten Handgelenks vom
1.
Juli 201
6.
Dabei habe sich ein
Handgelenksganglion
auf Höhe des
piso-triquetralen
Gelenks bis 1.5 cm gross
gezeigt
. B
ei bereits bekannter Fehlbildung
bestehe
eine massive Volumenminde
rung des Os
scaphoideum
, wobei diese
s noch zusätzlich gespalten und massiv
sklerotisch verändert
sei. Ausserdem
präsentier
ten
sich
ein
dysplastischer
Dau
men
mit Hypoplasie der Metacarpale
digitus
manus
I und Fehlbildung des Os
trapezium
/
trapezoideum
sowie eine
Ulnaplusvariante
und mehrere intraossäre
Ganglione
an den Handgelenkswurzel
knochen
.
3.2.2
Im Bericht vom 2
6.
August 2016 (Urk. 7/24/1) zu Händen der Beschwerdeführerin berichtete
Dr.
C.___
über eine Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit. Er schil
derte, im Verlauf der
letzten Jahre sei die Belastbarkeit der Hände und in der Folge auch der Arme zunehmend schlechter geworden, sodass aus allgemeinme
dizinischer Sicht eine IV
Berentung gerechtfertigt erscheine. Im Februar sei auf
grund störender Nervenschmerzen eine offene Spaltung des
K
arpalkanals der rechten Hand durchgeführt worden.
Die Operation habe die Beschwerden der Beschwerdeführerin nicht gebessert; im Gegenteil habe sich die körperliche Belastbarkeit derselben im Verlauf der letzten Monate derart verschlechtert, dass eine körperliche Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei. Es sei sogar fraglich, ob sie noch in der Lage sei
,
die Tätigkeiten im eigenen Haushalt durchzuführen.
3.2.3
Dr.
D.___
erklärte
am
1
6.
September 2016 (Urk. 7/29/1-8)
,
postoperativ habe bei der Beschwerdeführerin vom 29. Februar 2016 bis 1
0.
April 2016 eine Arbeitsun
fähigkeit von 100 % bestanden. Seither habe diese berichtet, dass sie die Haus
haltsarbeit nur unzureichend verrichten könne. Bei der Beschwerdeführerin bestünden belastungs- und bewegungsabhängige Beschwerden an der rechten Hand, weshalb die Haushaltsarbeiten nur noch stark eingeschränkt möglich seien.
Den beiliegenden Berichten kann entnommen werden, dass
am 29. Februar 2016 eine Operation
im Rahmen
eines
Karpaltunnelsyndroms
(vgl. Berichte Urk. 7/29/9-12)
erfolgte
, sechs Wochen postoperativ eine Besserung der Sens
ibi
litätsstörungen an
de
r rechten Hand
jedoch
noch nicht
eingetreten sei.
Dr.
D.___
hielt hierzu fest, w
ahrscheinlich sei die Beschwerdeführerin gezwungen
,
die rechte Hand mehr als allgemein üblich zu belasten, was zu einem Reizzustand im Bereich des Operationsgebietes geführt habe (Bericht
Dr.
D.___
vom 8. April 2016 [Urk. 7/29/13-14]). Auch im Juni
2016
beklag
t
e die Beschwerdeführerin deutliche Beschwerden über der
Hypothenarregion
und im Bereich der Ringbänder A1 am Ring- und Kleinfinger proximal ausstrahlend bis zur Halswirbelsäule.
Die Ärztin notierte, e
s sei aufgrund der Klinik von einer soweit erfolgreichen Spaltung des
Retinaculum
flexorum
auszugehen und die aktuell angegebenen Beschwerden würden am ehesten zu einer aktivierten Piso-
Triquetralarthrose
passen (Bericht
Dr.
D.___
vom 28. Juni 2016 [Urk. 7/29/15-16]). Nachdem eine M
agnetresonanz
-Untersuchung
durchgeführt worden war
, erklärte
Dr.
D.___
im Juli 2016, dass neben einer deutlichen Piso-
Triquetralarthrose
mit Zystenbildung auch eine völ
lige Sklerosierung des proximalen Poles eines zweigeteilten
Scaphoides
habe fest
gestellt werden können.
Dadurch
seien
die Beschwerden der Beschwerdeführerin erklärt. Obwohl die Situation offensichtlich sei, rate sie von weiteren chirurgi
schen Eingriffen ab. Dringend zu raten sei hingegen zu einer Wiederanmeldung bei der Invalidenversicherung, insbesondere zur Organisation einer Haushalts
hilfe, da die Beschwerdeführerin jegliche vermeidbaren Belastungen sollte meiden können (Bericht
Dr.
D.___
vom 22. Juli 2016 [Urk. 7/29/17-18]).
3.2.4
RAD-Arzt
Dr.
F.___
hielt in seiner Stellungnahme vom
3.
November 2016
(Urk. 7/32/3)
fest, im Februar 2016 sei bei der
Beschwerdeführerin eine offene K
arpaltunnelspaltung der rechten Hand durchgeführt
worden, wobei sich eine Besserung der Beschwerden wohl nicht eingestellt habe. Eine weitergehende Ein
schränkung des Belastungsprofil
s
, wie es in der RAD-Stellungnahme vom 3.
Feb
ruar 2015
(vgl. E. 3.1.4)
angeben worden sei, sei nicht ausgewiesen.
Die Diagno
seliste sei um die Diagnosen «Status nach Karpaltunne
l
syndrom-Operation
re
chts am 2
9.
Februar 2016; Handwurzelarthrose rechts» zu ergänzen. Einen länger dau
ernden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe diese Operation nicht. Die Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit und das Belastungsprofil ge
mäss der RAD-Stellungnahme vom
3.
Februar 2016 seien weiterhin gültig. Medizinisch bestün
den keine Unklarheiten, insofern seien weitere medizinische Abklärungen nicht angezeigt.
3.2.5
Am 20. Februar 2017 erklärte
Dr.
C.___
in seinem Schreiben zu Händen der Beschwerdeführerin
(Urk. 7/39/2)
,
dass sich die Belastbarkeit der
selben
merklich verschlechtert habe. Sie sei durch die beschriebenen Beschwerden im Alltag zunehmend invalidisiert und eine Erwerbstätigkeit sei in dieser Situation aus medizinischer Sicht nicht realistisch. Er sehe keine Möglichkeit
,
wie die körperlich behinderte Beschwerdeführerin einer Erwerbstätigkeit
(auch in einer angepassten Tätigkeit)
nachkommen könn
t
e; lediglich eine rein
kommunikative
Tätigkeit
wäre denkbar, mit Blick auf die Ressourcen der Beschwerdeführerin jedoch ausge
schlossen.
Im telefonischen Austausch mit der Vertreterin der Beschwerdeführerin vom 28. Februar 2017 (Urk. 7/39/1) bestätigte
Dr.
C.___
die Verschlechterung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin
seit der Untersuchung im Jahr 201
4.
Diese habe nun mehr Schmerzen und Mühe bei der Verrichtung alltäglicher Arbeiten. Sie ermüde früher und es bestünden Auswirkungen auf
ihre Gesamtbe
lastung
. Leider habe auch die Operation der rechten Hand keine Verbesserung der Beschwerden gebracht. Die rechte Hand sei zentral für die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gewesen und habe massgeblich dazu gedient, die körper
lichen Einschränkungen zu kompensieren.
Aufgrund der Einschränkungen sei dies nun nicht mehr i
n demselben
Mass
e
möglich. Die Verschlechterung wirke sich beim labilen gesundheitlichen Gleichgewicht der Beschwerdeführerin erheb
lich einschränkender auf die Arbeitsfähigkeit aus, als bei einer ansonsten gesun
den Person mit denselben Handbeschwerden. Sie müsse sich aufgrund der Ver
schlechterung viel mehr als früher anstrengen, um den Alltag zu bewältigen. Alle vermeidbaren Belastungen seien zu vermeiden. Die Beschwerdeführerin sei 100 % erwerbsunfähig und benötige mehr Unterstützung im Haushalt.
4.
4.1
Zu prüfen i
st, ob seit der Verfügung vom
2.
Jul
i 2015 (Urk. 7/
23
)
eine invalidi
tätsrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführe
rin eingetreten ist
.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Auffassung, wonach keine Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen sei, auf die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
F.___
vom
3.
November 2016 (E. 3.2.4).
Dass
Dr.
F.___
der Problematik aufgrund des Karpaltunnelsyndroms und insbesondere der hierzu durchgeführten Operation keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bei
mass, ist nachvollziehbar. Nicht auseinandergesetzt hat er sich hingegen mit dem neuen Befund
einer Piso-
Triquetralarthrose
(vgl. E. 3.2.1 und E. 3.2.3)
respektive würdigte er diesen – wenn überhaupt -
lediglich mit einer Ergänzung der Diag
noseliste um die Diagnose «Handwurzelarthrose»
.
Insbesondere fehlen Feststel
lungen zur Frage, ob die – wie
Dr.
D.___
ausdrücklich ausführte (E. 3.2.2) - im Rahmen der Piso-
Triquetralarthrose
erklärten Beschwerden eine revisionsrele
vante Veränderung des Gesundheitszustandes zu begründen vermögen. Nachdem zur Beurteilung der Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht die Diag
nose sondern in erster Linie der Befund und der Schweregrad der Symptomatik massgebend sind und eine revisionsbegründende Änderung nach der Rechtspre
chung des Bundesgerichts auch gegeben sein kann, wenn sich ein Leiden bei gleicher Diagnose in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_339/2015 vom 2
5.
August 2015 E. 3.
1.
mit Hinweisen), ist eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Ausführungen der behandelnden Ärzten unerlässlich. Dies umso mehr als sich die seit der Geburt bestehenden Einschränkungen der Beschwerdeführerin
an den Händen auf ihre ganze körperliche Leistungsfähigkeit auszuwirken scheinen.
4.3
Dr.
C.___
wie auch
Dr.
D.___
führten
zur Verschlechterung des Gesundheitszustan
des
aus, dass
die Beschwerdeführerin
weder in der Lage
sei
eine (körperliche) Erwerbstätigkeit auszuüben, noch sei es ihr zwischenzeitlich möglich, den Haus
halt zu führen; jegliche Belastung der Hän
de müsse vermieden werden (vgl.
E.
3.2.2, E. 3.2.3, E. 3.2.5)
.
E
ine
n genauen Grad
der Arbeitsfähigkeit – allenfalls in einer angepassten Tätigkeit
–
nannten sie jedoch nicht
. Mit den neu aufgelegten Berichten (E. 3.2.1 – E. 3.2.3 und E. 3.2.5) liegt
daher
keine schlüssige Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor
, auf welche abgestützt wer
den könnte
.
Ebensowenig
kann
dazu
–
aus den oben (E.4.2) genannten Gründen - auf den Bericht von
Dr.
F.___
abgestellt werden.
Entgegen der Annahme des RAD besteht mithin weiterer Abklärungsbedarf.
4.
4
Damit bestehen objektive Hinweise, dass eine Verschlechterung des Gesundheits
zustands eingetreten
ist
.
Ob dies zutrifft und bejahendenfalls in
welchem Ausmass ist anhand der aktenkundigen Berichte allerdings nicht abschliessend beurteilbar. Der medizinische Sachverhalt erweist sich somit als ungenügend abgeklärt, wes
halb die Beschwerdegegnerin ergänzende Abklärungen vorzunehmen hat.
Her
nach ist über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden.
5.
Die Beschwerde ist demnach in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 27. März 2017 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen ist, damit diese, nach Abklärungen im Sinne der Erwägun
gen, über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
6.
6.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und
unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
6.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht hat die obsie
gende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mit Beschwerde vom
8.
Mai 2017 (Urk. 2) beantragte die Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, womit die Ent
schädigung nach Ermessen festzusetzen ist. Unter Berücksichtigung der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses ist eine Entschädigung in Höhe von Fr.
1’000
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barlauslagen) angemes
sen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
27
.
März
2017 aufgeho
ben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägun
gen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
1'000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstMeier