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**Case Identifier:** ad669e09-4629-51bd-adc6-e529cd6cfbfc
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-09
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 09.12.2022 VBE.2022.251
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-251_2022-12-09.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.251 / lf / ce       
Art. 128 

 

 

Urteil vom 9. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichterin Merkofer 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führer 

 A._____   

vertreten durch Dr. iur. Peter F. Siegen, Rechtsanwalt,  

Stadtturmstrasse 10, Postfach, 5401 Baden 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin 

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 31. Mai 2022) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1986 geborene Beschwerdeführer war bei der Beschwerdegegnerin 

gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er gemäss Schadenmeldung 

am 3. Juli 2017 auf einer Bockleiter ausrutschte und sich den rechten Un-

terarm an einem Armierungseisen aufspiesste. Die Beschwerdegegnerin 

anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen dieses Ereignisses und er-

brachte Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen. Sie führte Abklärungen 

in medizinischer und beruflicher Hinsicht durch und liess den Beschwerde-

führer kreisärztlich untersuchen. Mit Schreiben vom 17. Januar 2019 stellte 

sie die vorübergehenden Versicherungsleistungen per 30. April 2019 ein. 

Mit Verfügung vom 27. Juli 2020 sprach die Beschwerdegegnerin dem Be-

schwerdeführer eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse 

von 15 % zu. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Mit 

Verfügung vom 13. November 2020 verneinte die Beschwerdegegnerin ei-

nen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente. Die dage-

gen erhobene Einsprache wies die Beschwerdegegnerin mit Einsprache-

entscheid vom 31. Mai 2022 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 31. Mai 2022 erhob der Beschwer-

deführer mit Eingabe vom 4. Juli 2022 fristgerecht Beschwerde und stellte 

folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. "Es sei der Einspracheentscheid der Suva vom 31. Mai 2022 (und die 
diesem Entscheid zugrunde liegende Verfügung der Suva vom 13. No-
vember 2020) aufzuheben; 

 
2. Es sei dem Versicherten, eventuell nach Vornahme weiterer Abklärun-

gen, eine angemessene Rente von mindestens 10 % ab dem 01. Mai 
2019 zuzusprechen; 

 
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 
zu Lasten der Beschwerdegegnerin;" 

 

In prozessualer Hinsicht stellte er folgenden Antrag: 

 

"Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen;" 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 6. September 2022 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass nach Art. 52 Abs. 1 ATSG gegen Ver-

fügungen innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache 

erhoben werden kann, soweit es sich nicht um prozess- und verfahrenslei-

tende Verfügungen handelt (vgl. hierzu LOCHER/GÄCHTER, Grundriss des 

Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 71 Rz. 51 ff.). Das Einsprache-

verfahren wird durch Erlass eines Einspracheentscheids abgeschlossen. 

Dieser Einspracheentscheid tritt im sozialversicherungsrechtlichen Verwal-

tungsverfahren an die Stelle der einspracheweise angefochtenen Verfü-

gung (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 74 zu Art. 52 

ATSG). Die Verfügung, soweit angefochten, hat mit Erlass des Einsprache-

entscheides jede rechtliche Bedeutung verloren (vgl. etwa Urteil des Bun-

desgerichts 8C_42/2016 vom 10. Juni 2016 E. 2.1 mit Hinweisen). Soweit 

vorliegend verlangt wird, die Verfügung vom 13. November 2020 (Ver-

nehmlassungsbeilage [VB] 148) sei aufzuheben (vgl. Rechtsbegehren 

Ziff. 1; Beschwerde S. 3), ist auf die Beschwerde daher nicht einzutreten. 

 

1.2. 

1.2.1. 

Des Weiteren ist auf die Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, wo-

nach die Beschwerdegegnerin das rechtliche Gehör verletzt habe, indem 

sie sich nicht rechtsgenüglich mit den einspracheweise vorgebrachten Rü-

gen auseinandergesetzt habe (vgl. Beschwerde S. 10). 

 

1.2.2. 

Einspracheentscheide sind gemäss Art. 52 Abs. 2 ATSG zu begründen, 

was sich auch aus dem allgemeinen Anspruch auf rechtliches Gehör 

(Art. 29 Abs. 2 BV) ergibt. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt von 

der Behörde, dass sie die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, 

ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt. 

Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-

ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-

lich widerlegt (BGE 142 II 49 S. 65 E. 9.2 mit Hinweisen; vgl. auch UELI  

KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 64 zu Art. 52 ATSG). 

 

1.2.3. 

Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers ist die Beschwerdegeg-

nerin ihrer Begründungspflicht genügend nachgekommen. So war es dem 

Beschwerdeführer aufgrund der Ausführungen im angefochtenen Ein-

spracheentscheid (VB 182) möglich, sich über die Gründe der Beschwer-

degegnerin, welche zum Entscheid geführt haben, ein Bild zu machen. Im 

konkreten Fall konnte der Entscheid der Beschwerdegegnerin denn auch 

fraglos sachgerecht angefochten werden (vgl. BGE 138 V 32 E. 2.2 S. 35 

 - 4 - 

 

 

 

mit Hinweisen). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerde-

führers ist damit nicht ersichtlich.  

 

1.3. 

Der Beschwerdeführer beantragte sodann die Durchführung eines zweiten 

Schriftenwechsels (vgl. prozessualer Antrag; Beschwerde S. 5). Diesbe-

züglich ist festzuhalten, dass Art. 61 lit. a ATSG ein rasches Verfahren vor-

sieht, woraus sich kein Anspruch auf einen zweiten Schriftenwechsel 

ergibt. Auch vor dem Hintergrund des Replikrechts (BGE 137 I 195 E. 2.3.1 

S. 197; 133 I 100 E. 4.5 S. 103 f.) ist die Durchführung eines zweiten Schrif-

tenwechsels nicht zwingend. Das Gericht kann Eingaben auch lediglich zur 

Kenntnisnahme zustellen, wenn von den Parteien erwartet werden kann, 

dass sie unaufgefordert dazu Stellung nehmen (BGE 138 I 484 E. 2.1 und 

2.2 S. 485 f.; 133 I 98 E. 2.2 S. 99). Dies trifft vor allem bei rechtskundig 

vertretenen Personen wie dem Beschwerdeführer zu (Urteil des Bundes-

gerichts 9C_641/2014 vom 16. Januar 2015 E. 2 mit Hinweisen). Das Ver-

sicherungsgericht stellte dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung der 

Beschwerdegegnerin vom 6. September 2022 mit Verfügung vom 9. Sep-

tember 2022 zu. Bis zum vorliegenden Entscheid liess sich der Beschwer-

deführer nicht mehr vernehmen, weshalb von einem Verzicht auf das Rep-

likrecht auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_641/2014 vom 

16. Januar 2015 E. 2). 

 

2. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des 

Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente mit Einspracheentscheid vom 

31. Mai 2022 (VB 182) zu Recht verneint hat.  

 

3. 

In ihrem Einspracheentscheid vom 31. Mai 2022 (VB 182) stützte sich die 

Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf den 

Austrittsbericht der Rehaklinik B. vom 21. Dezember 2018 (VB 115) und 

das von der Invalidenversicherung eingeholte neurologische Gutachten 

des C., Q. (C.), vom 10. September 2019 (VB 174). 

 

3.1. 

Im Austrittsbericht der Rehaklinik B. vom 21. Dezember 2018 wurde nach-

folgende Diagnose gestellt (VB 115 S. 1): 

 

"Unfall vom 03.07.2017: Bei einem Sturz von einer Bockleiter sich mit dem 
rechten Arm an einem Armierungseisen verletzt 
A1 Pfählungsverletzung Unterarm rechts mit hochgradiger, traumati-

scher, nicht kompletter, sensomotorischer Medianusläsion mit schwe-
rer Hyperästhesie Dig I und Dig II, mässig Dig III sowie Plegie der 
lateralen Thenarmuskulatur; Serombildung am Übergang des mittle-
ren/proximalen Drittels Unterarm rechts 
(…)" 
 

 - 5 - 

 

 

 

Gesamthaft betrachtet könne man aufgrund der Diagnosen und der klini-

schen und radiologischen Befunde die vom Beschwerdeführer geltend ge-

machten Beschwerden und Funktionseinschränkungen der rechten Hand 

zwar in ihrer Lokalisation, jedoch nicht in ihrer Intensität erklären. Das Aus-

mass der gezeigten Behinderung erscheine angesichts der bekannten kli-

nischen und neurologischen Befunde nur wenig plausibel. Die Schmerz-

problematik dürfte im Rahmen einer erheblichen Symptomausweitung 

deutlich überlagert sein (VB 115 S. 3). In der angestammten Tätigkeit als 

Schaler bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer leichten bis mit-

telschweren Tätigkeit ohne Krafteinsatz der rechten Hand, ohne Exposition 

derselben gegenüber Schlägen und Vibrationen sowie Kälte und ohne er-

höhte Anforderungen an die Feinmotorik der rechten Hand bestehe eine 

ganztägige Arbeitsfähigkeit (VB 115 S. 2). 

 

3.2. 

Der C.-Gutachter Dr. med. D., Facharzt für Neurologie, stellte im (hier mas-

sgebenden) neurologischen Teilgutachten vom 10. September 2019 die 

nachfolgende Diagnose (VB 174 S. 32): 

 

"Inkomplette Medianusläsion rechts, mit einem residuellen, leichten sen-
somotorischen Defizit, im Anschluss an eine Pfählungsverletzung des 
rechten Unterarmes am 03.07.2017 mit zweifacher operativer Versor-
gung" 

 

In der angestammten Tätigkeit als Schaler sei die Arbeitsfähigkeit seit dem 

3. Juli 2017 vollständig eingeschränkt. In einer optimal leidensangepassten 

Tätigkeit, das heisse in einer leichten, gelegentlich auch mittelschweren, 

körperlichen Tätigkeit, ohne Heben und Tragen schwerer Lasten, ohne 

dauerhaft anhaltende, erhebliche Einwirkungen von Zug, Druck, Vibration 

oder Kälte am rechten Arm, insbesondere am rechten Handgelenk, und 

ohne besondere Anforderungen an die Feinmotorik der rechten Hand, sei 

der Beschwerdeführer voll arbeitsfähig. Diese Einschätzung gelte retro-

spektiv seit der Beurteilung durch den Kreisarzt der Beschwerdegegnerin 

im Oktober 2018 (VB 104), spätestens seit der Beurteilung durch die 

Rehaklinik B. vom 21. Dezember 2018 (vgl. E. 3.1. hiervor; VB 174 

S. 37 f.). 

 

4. 

4.1. 

Der Vollständigkeit halber ist vorab festzuhalten, dass der Unfallversicherer 

im Rahmen seiner Abklärungen Akten, insbesondere Gutachten, die in ei-

nem andern Verfahren erstellt worden sind, beiziehen kann (vgl. BGE 125 

V 332 E. 4a S. 336). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich 

weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge-

reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut-

achten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; 122 V 157 E. 1c S. 160 f.). 

 

 - 6 - 

 

 

 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

4.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

 

5. 

5.1. 

Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen gestützt auf die Beurteilung 

seines behandelnden Arztes sowie die Tatsachen, dass er in den Genuss 

von IV-Massnahmen komme und dass ihm ein Abzug vom Tabellenlohn 

von 5 % gewährt worden sei, vor, es bestünden Zweifel an den medizini-

schen Einschätzungen, auf die die Beschwerdegegnerin abgestellt habe 

(vgl. Beschwerde S. 8 ff.). 

 

5.2. 

Soweit der Beschwerdeführer dem neurologischen Gutachten von 

Dr. med. D. vom 10. September 2019 die abweichende Beurteilung seines 

behandelnden Arztes Dr. med. E., Facharzt für Neurologie, R., gegenüber-

stellen lässt, ist darauf hinzuweisen, dass es die unterschiedliche Natur von 

Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-) Arztes einerseits 

und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Ex-

perten andererseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) nicht zulässt, ein Admi-

nistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass 

weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anders-

lautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen 

sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte 

wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt 

oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

9C_425/2019 vom 10. September 2019 E. 3.4 mit Hinweisen). Dies ist vor-

liegend nicht der Fall. 

 

Dr. med. D. befasste sich bereits im Rahmen seines neurologischen Gut-

achtens umfassend mit den bis dahin erstellten Berichten von Dr. med. E. 

(VB 174 S. 33 ff.) und kam nachvollziehbar begründet zum Schluss, der 

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Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des behandelnden Neurologen Dr. med. E. 

vom 29. Januar 2019 (VB 121 S. 2 f.) könne nicht gefolgt werden, da sie 

medizinisch nicht plausibel begründet sei und nicht durch neue, relevante 

Befunde gestützt werde (VB 174 S. 38). In seiner ergänzenden Stellung-

nahme vom 23. Juli 2020 hielt der neurologische Gutachter Dr. med. D. 

zum Bericht von Dr. med. E. vom 17. Dezember 2019 (VB 170) zusam-

menfassend fest, dass zwischen seiner und der nun von Dr. med. E. im 

Bericht vom 17. Dezember 2019 gemachten Beurteilung der Arbeitsfähig-

keit keine wesentliche Diskrepanz zu erkennen sei (VB 171 S. 4). An der 

medizinischen und versicherungsmedizinischen Beurteilung in seinem Gut-

achten könne daher festgehalten werden (VB 171 S. 5). Das Versiche-

rungsgericht, das im Urteil VBE.2020.509 vom 4. Februar 2021 im Rahmen 

des invalidenversicherungsrechtlichen Verfahrens bereits den Beweiswert 

des C.-Gutachtens zu beurteilen hatte, kam sodann unter anderem nach 

Auseinandersetzung mit dem Bericht von Dr. med. E. vom 17. Dezember 

2019 (VB 170) zum Schluss, dass bezüglich der Arbeitsfähigkeit des Be-

schwerdeführers auf die Beurteilung des beweiskräftigen C.-Gutachtens 

abzustellen ist (vgl. VBE.2020.509 vom 4. Februar 2021 E. 6.3.; VB 172 

S. 9). 

 

In dem im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens eingereichten 

Bericht vom 29. Juni 2022 führte Dr. med. E. aus, die Situation habe sich 

für den Beschwerdeführer überhaupt nicht verbessert. Aktuell mache die-

ser einen Arbeitsversuch als Chauffeur. Das Problem sei, dass er die Arbeit 

nur mit einem Kollegen zu zweit verrichten könne, da er ansonsten zu 

starke Schmerzen im Arm bekommen würde. Alle bisherigen Arbeitsversu-

che seien aufgrund der Schmerzen abgebrochen worden (vgl. Beschwer-

debeilage [BB] 5 S. 1). Die klinischen Befunde seien absolut unverändert 

zum Vorbefund vom Januar 2021. Die neuropathischen Schmerzen, die 

schwere Beeinträchtigung im Alltag auch für leichte bis mittelschwere kör-

perliche Arbeiten seien gut nachvollziehbar und aus seiner Sicht vollum-

fänglich auf die Unfallfolgen des Traumas vom Juli 2017 zurückzuführen. 

Er empfehle eine Umschulung zu einer Bürotätigkeit (BB 5 S. 2). In seinem 

Bericht vom 13. Januar 2021 hatte Dr. med. E. festgehalten, die Beschwer-

den seien seit dem 9. April 2019 unverändert, aktuell bei kälterer Jahreszeit 

würden vermehrt Schmerzen im Bereich des Unterarms ausstrahlend bis 

auf Höhe des Handgelenks zum Daumen und in den Zeigefinger bestehen 

(VB 156 S. 1). Leichtere körperliche Arbeiten seien dem Beschwerdeführer 

zumutbar, wobei aufgrund der neuropathischen Schmerzen von einer ver-

minderten Belastbarkeit auszugehen sei. Ein Pensum von ca. 70 % für eine 

leichte körperliche Arbeit wäre bei den aktuellen Beschwerden und Befun-

den zumutbar. Seit dem Unfall habe sich zwar eine gewisse Verbesserung 

vor allem der Sensibilität und auch in der elektrophysiologischen Untersu-

chung gezeigt, allerdings seien die neuropathischen Schmerzen nicht bes-

ser geworden (VB 156 S. 2). 

 

 - 8 - 

 

 

 

Soweit Dr. med. E. damit in seinem Bericht vom 13. Januar 2021 – auf den 

er in seinem Bericht vom 29. Juni 2022 verweist – die verminderte Belast-

barkeit in einer angepassten Tätigkeit bei unveränderten klinischen Befun-

den lediglich mit den neuropathischen Schmerzen des Beschwerdeführers 

begründet, ist darauf hinzuweisen, dass die subjektiven Beschwerdeanga-

ben der versicherten Person für die Begründung einer Arbeitsunfähigkeit 

allein nicht genügen. Vielmehr muss im Rahmen der sozialversicherungs-

rechtlichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass die Beschwerdeanga-

ben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde 

hinreichend erklärbar sind. Dabei müssen die Beschwerdeangaben zuver-

lässiger medizinischer Feststellung und Überprüfung zugänglich sein 

(BGE 143 V 124 E. 2.2.2, mit Hinweis auf BGE 130 V 396 E. 5.3.2 S. 398; 

vgl. auch BGE 139 V 547 E. 5.4 S. 556). Das subjektive Empfinden der 

versicherten Person, insbesondere wenn es sich nicht mit der Auffassung 

der medizinischen Fachleute deckt, kann für sich allein nicht massgebend 

sein. Es ist Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesundheitszustand 

zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-

züglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist 

(BGE 125 V 261 E. 4 S. 261). Es ist aber eine wichtige Aufgabe des ärztli-

chen Sachverständigen, sich mit den geklagten subjektiven Beschwerden 

des Exploranden auseinanderzusetzen (MEYER/REICHMUTH, Rechtspre-

chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, IVG, 3. Aufl. 

2014, N. 243 zu Art. 28a IVG mit Hinweis auf das Urteil des Eidgenössi-

schen Versicherungsgerichts I 677/03 vom 28. Mai 2004 E. 2.3.1). Dies 

wurde von Dr. med. D. getan (VB 174 S. 35 ff.). Bei der differierenden Ein-

schätzung von Dr. med. E. ist damit lediglich von einer unterschiedlichen 

Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhaltes auszugehen (Urteil 

des Bundesgerichts 8C_618/2014 vom 19. Dezember 2014 E. 2.1 mit Hin-

weisen), was angesichts der umfassenden gutachterlichen Abklärungen 

kein Abweichen vom Gutachten von Dr. med. D. rechtfertigt. Zudem ist der 

Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter 

im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall e-

her zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 

mit weiteren Hinweisen). Insgesamt wird eine gesundheitliche Beeinträch-

tigung des Beschwerdeführers damit nicht in Abrede gestellt, weshalb auch 

die Tatsachen, dass dem Beschwerdeführer berufliche Massnahmen von 

der Invalidenversicherung zugesprochen wurden oder ihm von der Be-

schwerdegegnerin ein Abzug vom Tabellenlohn von 5 % gewährt wurde, 

keine Zweifel zu begründen vermögen. Dies ist jedoch – wie dargelegt – 

nicht ausreichend für die Begründung einer eingeschränkten Arbeitsfähig-

keit in angepasster Tätigkeit. 

 

5.3. 

Zusammenfassend sind weder den Ausführungen des Beschwerdeführers 

noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche am neurologi-

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schen Gutachten von Dr. med. D. vom 10. September 2019 Zweifel zu be-

gründen vermöchten (Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; 

BGE 134 V 109 E. 9.5, mit Hinweis). Der medizinische Sachverhalt erweist 

sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb auf weitere 

Abklärungen (vgl. Beschwerde S. 9, 11 f.) in antizipierter Beweiswürdigung 

zu verzichten ist, da von diesen keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten 

sind (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368 mit Hinweisen). Gestützt auf das 

neurologische Gutachten von Dr. med. D. ist demnach davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit spätestens seit 

dem 21. Dezember 2018 zu 100 % arbeitsfähig ist (vgl. E. 3.2. hiervor). 

 

6. 

6.1. 

Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens 

bringt der Beschwerdeführer vor, aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs, 

seiner mangelnden Berufserfahrung und seines Aufenthaltsstatus und da 

sein rechter Unterarm und seine (dominante) rechte Hand bleibend verletzt 

seien, sei ein Abzug von 15 % vom Tabellenlohn vorzunehmen (Be-

schwerde S. 12 ff.). 

 

Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin entgegen dem Be-

schwerdeführer (vgl. Beschwerde S. 14 f.) zu Recht auf die Medianwerte 

der LSE abgestellt hat, denn der im Bereich der Invalidenversicherung er-

gangene BGE 148 V 174 gilt infolge des Grundsatzes der Einheitlichkeit 

des Invaliditätsbegriffs auch für den Bereich der Unfallversicherung (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 8C_112/2022 vom 31. Mai 2022 E. 5.1). 

 

6.2. 

Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von lohnstatistischen An-

gaben ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. 

Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, 

hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des kon-

kreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, 

Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach 

pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Ein Abzug soll 

aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall An-

haltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder 

mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfä-

higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem 

Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges 

ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalidenein-

kommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schät-

zen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen 

(BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 134 V 322 E. 5.2 S. 327 f.; 129 V 472 

E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbesondere E. 5 S. 78 ff.]).  

 

 - 10 - 

 

 

 

6.3. 

Da gemäss Belastungsprofil eine angepasste Tätigkeit eine leichte, gele-

gentlich auch mittelschwere, körperliche Tätigkeit, ohne Heben und Tragen 

schwerer Lasten, ohne dauerhaft anhaltende, erhebliche Einwirkungen von 

Zug, Druck, Vibration oder Kälte am rechten Arm, insbesondere am rechten 

Handgelenk und ohne besondere Anforderungen an die Feinmotorik der 

rechten Hand, ist (vgl. E. 3.2. hiervor), ist keineswegs von einer faktischen 

Einarmigkeit oder -händigkeit auszugehen (vgl. Beschwerde S. 13, 15). 

Den vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen wurde zudem be-

reits bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung und der Definition des Zumut-

barkeitsprofils Rechnung getragen, womit diese nicht noch zu einem zu-

sätzlichen leidensbedingten Abzug führen können (vgl. BGE 148 V 174 

E. 6.3 S. 182 mit Hinweisen). Der angewandte Tabellenlohn basiert aus-

serdem auf einer Vielzahl von geeigneten leichten Tätigkeiten. Diesbezüg-

lich gilt insbesondere auch, dass die gesundheitlich bedingte Unmöglich-

keit, körperlich schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einem 

leidensbedingten Abzug führt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_799/2021 

vom 3. März 2022 E. 4.3.2). Einfache und repetitive Tätigkeiten des ange-

wandten Kompetenzniveaus 1 erfordern des Weiteren weder gute Sprach-

kenntnisse noch ein besonderes Bildungsniveau (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7) oder Berufserfahrung 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E. 4.2.3.3 

mit Hinweisen). Entgegen dem Beschwerdeführer (vgl. Beschwerde S. 13, 

15) vermag die ihm mit Verfügung vom 27. Juli 2020 zugesprochene Integ-

ritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 15 % (VB 137) so-

dann keinen Anspruch auf einen Abzug vom Tabellenlohn zu begründen. 

Der Beschwerdeführer verfügt schliesslich über die Aufenthaltsbewilli-

gung B (VB 115 S. 6), was statistisch gesehen eine lohnmindernde Auswir-

kung zeitigen kann (BfS, LSE 2018, Tabelle T12_b, monatlicher Bruttolohn, 

Schweizer/innen und Ausländer/innen, nach beruflicher Stellung und Ge-

schlecht, ohne Kaderfunktion, Männer, Median, Total und Aufenthalter/in-

nen [Kat. B]). Im Übrigen sind weder den Akten weitere einen Abzug vom 

Tabellenlohn begründende Aspekte zu entnehmen, noch werden solche 

geltend gemacht. Insgesamt ist der von der Beschwerdegegnerin vorge-

nommene Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 5 % (VB 182 S. 12) 

somit nicht zu beanstanden. 

 

Der Beschwerdeführer vermag daher nichts zu seinen Gunsten von dem 

von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug vom Tabellenlohn abzuleiten 

(vgl. Beschwerde S. 13 f.). Denn die IV-Stellen und die Unfallversicherer 

haben die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vor-

zunehmen. Keinesfalls dürfen sie sich ohne weitere eigene Prüfung mit der 

blossen Übernahme des Invaliditätsgrades des Unfallversicherers oder der 

IV-Stelle begnügen (BGE 133 V 549 E. 6.1 S. 553 mit Hinweis auf 

BGE 126 V 28 E. 2d S. 293). 

 

 - 11 - 

 

 

 

6.4. 

Im Übrigen wird die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invalidi-

tätsgradberechnung vom rechtskundig vertretenen Beschwerdeführer – 

nach Lage der Akten zu Recht – nicht beanstandet. Der angefochtene Ein-

spracheentscheid vom 31. Mai 2022 (VB 182) ist damit zu bestätigen. 

 

7. 

7.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen 

 

7.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

7.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

  

 - 12 - 

 

 

 

 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Gesundheit 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 9. Dezember 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Fricker