# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** da97098f-c83c-5c12-9e83-427dadfb374e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.09.2021 D-4513/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4513-2020_2021-09-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4513/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

Richter Gérald Bovier, 

Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka, 

vertreten durch MLaw Cora Dubach, 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 11. August 2020 / N (…). 

 

 

 

D-4513/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer reiste am 11. Juni 2018 illegal in die Schweiz 

ein, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

B._______ um Asyl nachsuchte. In der Folge wurde er per Zufallsprinzip 

dem Testbetrieb im Verfahrenszentrum C._______ zugewiesen. 

A.b Am 15. Juni 2018 fand eine Personalienaufnahme und am 

26. Juni 2018 ein Dublingespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 statt, bei welchen er summarisch zu seiner Person, seinem 

Reiseweg und seinem Gesundheitszustand befragt wurde. Am 16. Au-

gust 2018 wurde die Erstbefragung nach Art. 16 Abs. 3 der Verordnung 

über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnah-

men im Asylbereich (Testphasenverordnung [TestV]; SR 142.318.1) und 

am 6. September 2018 die Anhörung nach Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV 

durchgeführt. 

In Bezug auf seinen persönlichen Hintergrund machte der tamilische Be-

schwerdeführer geltend, er sei in D._______ (Distrikt E._______, Nordpro-

vinz) geboren und in F._______ (ebenfalls Distrikt E._______, Nordpro-

vinz) aufgewachsen. Im Jahr 1990 sei er zusammen mit seiner Familie auf-

grund der Beziehungen seines Vaters zu den Liberation Tigers of Tamil 

Eelam (LTTE) nach Indien geflohen, wo sie fortan als anerkannte Flücht-

linge in Refugee-Camps gelebt hätten. Er habe die Schule bis zur 

(…) Klasse besucht und anschliessend unter anderem als (…) gearbeitet. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor, er sei 

im (…) 2014 alleine nach Sri Lanka zurückgekehrt. Bei seiner Wiederein-

reise habe er sich durch die Bezahlung von Bestechungsgeldern einer ver-

tieften Abklärung wegen seiner illegalen Ausreise im Jahr 1990 durch das 

Criminal Investigation Departement (CID) entziehen können. Anschlies-

send habe er bei seiner Tante und deren Familie in F._______ gelebt und 

– wie sein Onkel – als (…) gearbeitet. Am (…) 2017 habe ihn sein Kind-

heitsfreund G._______ angerufen und gebeten, drei Ex-LTTE-Mitglieder 

mit seinem Boot nach Indien zu transportieren. Zunächst habe er abge-

lehnt, sich schliesslich aber einverstanden erklärt, sich mit ihnen in 

E._______ zu treffen. Einige Tage später habe er die Personen persönlich 

kennengelernt und sich entschieden, sie aus humanitären Gründen und 

unentgeltlich einen Teil des Weges zu befördern. In der Nacht vom (…) auf 

den (…) 2017 habe er sie mit seinem (…)-Boot aufs offene Meer gebracht, 

wo sie für die Weiterreise auf ein anderes Schiff umgestiegen seien. Am 

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(…) 2017 habe G._______ ihn erneut kontaktiert und gebeten, vier weite-

ren Ex-LTTE-Mitgliedern zu helfen, das Land zu verlassen. Er habe erneut 

eingewilligt und die Schlepperfahrt am (…) 2017 durchgeführt. In der Folge 

hätten sich am Vormittag des (…) 2017 zwei Angehörige der Sri Lankan 

Navy (SLN) in seiner Abwesenheit bei seiner Tante nach ihm erkundigt. 

Tags darauf hätten die Marinesoldaten ihn persönlich bei seiner Arbeit auf-

gesucht und gefragt, ob er mit seinem Boot Personentransporte durchge-

führt habe. Als er die Frage verneint habe, seien sie wortlos wieder gegan-

gen. Am (…) 2017 sei er von vier SLN-Mitglieder festgenommen und mit 

verbundenen Augen mit seinem eigenen Boot ins H._______ Camp ge-

bracht worden. Dort sei er mehrere Tage lang festgehalten und befragt wor-

den. Aufgrund seiner Narbe, welche von einem Velounfall stamme, seien 

sie davon ausgegangen, dass er ein ehemaliges Mitglied der LTTE sei, 

weshalb er in der Folge gefoltert und sexuell missbraucht worden sei. Am 

(…) oder am (…) 2017 sei er der Polizei übergeben worden. In der Folge 

sei er auf die Polizeistation in D._______ gebracht worden, wo er inhaftiert 

worden sei. Ein tamilischer Polizeibeamter habe ihn schliesslich freigelas-

sen. Er sei dann zu Fuss und mit dem Bus zu seiner Tante nach I._______ 

gelangt, wo er sich versteckt habe. G._______ habe ihn darüber informiert, 

dass seine Tante aus F._______ eine Woche lang inhaftiert gewesen sei. 

Weiter habe ihm dieser seinen Reisepass und seine Identitätskarte, welche 

sich noch in F._______ befunden hätten, besorgt. Bis zu seiner Ausreise 

habe er sich in J._______ und in K._______ versteckt. Am (…) 2017 

beziehungsweise am (…) 2018 sei er mit Hilfe eines Schleppers, welcher 

mittels Bestechung für eine reibungslose Ausreise gesorgt habe, mit sei-

nen eigenen Identitätspapieren per Flugzeug aus Sri Lanka nach 

L._______ gereist. Von dort aus sei er auf dem Luftweg in die Türkei und 

anschliessend an Bord eines Container-Lastwagens in die Schweiz ge-

langt. 

A.c Mit Verfügung vom 13. September 2018 teilte das SEM dem Be-

schwerdeführer mit, dass weitere Abklärungen nötig seien und sein Asyl-

gesuch gemäss Art. 19 TestV im erweiterten Verfahren behandelt werde. 

In der Folge wurde er am 18. September 2018 dem Kanton M._______ zu-

gewiesen. 

A.d Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh-

rer eine beglaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde, seine sri-lankische 

Identitätskarte im Original, eine Kopie seiner Identitätskarte als sri-lanki-

scher Flüchtling, ausgestellt vom Government of Tamil Nadu ("Sri Lanka 

Refugees Identity Card"), eine Kopie einer Bestätigung des indischen 

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Flüchtlingslagers N._______ vom (…) 2014 (in Kopie), eine Kopie einer in-

dischen Ausreisebescheinigung, Kopien der Identitätskarten seiner Eltern, 

medizinische Informationen der (…) vom 12. September 2018 sowie einen 

ärztlichen Bericht von Dr. med. O._______ der (…) vom 27. Juli 2020 mit-

samt ärztlichen Berichten vom 27. Dezember 2018 und 7. Juni 2019 zu 

den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 11. August 2020 – eröffnet am folgenden Tag – ver-

neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, 

lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnete den Wegweisungsvollzug an. 

C.  

Mit Beschwerde vom 11. September 2020 (Datum Poststempel) reichte 

der Beschwerdeführer – handelnd durch die rubrizierte Rechtsvertreterin – 

gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgereicht ein 

und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung unter Gewäh-

rung des Asyls. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und er sei vorläufig in der 

Schweiz aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung seiner Rechts-

vertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. 

Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine An-

waltsvollmacht vom 13. August 2020, das Themenpapier der Schweizeri-

schen Flüchtlingshilfe (SFH) Sri Lanka: Psychiatrische Behandlung und 

Psychotherapie im Norden vom 3. September 2020, eine Unterstützungs-

bedürftigkeitserklärung des (…), vom 8. September 2020 sowie eine Kos-

tennote bei. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. September 2020 hiess die Instruktions-

richterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte die 

Rechtsvertreterin, MLaw Cora Dubach, antragsgemäss als amtliche 

Rechtsbeiständin ein. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung 

einer Vernehmlassung eingeladen. 

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Seite 5 

E.  

Mit Eingabe vom 6. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer ein ärztli-

ches Zeugnis vom 7. September 2020 nach, welches mit Verfügung vom 

8. Oktober 2020 in Kopie an das SEM übermittelt wurde. 

F.  

Innert erstreckter Frist äusserte sich die Vorinstanz mit Vernehmlassung 

vom 14. Oktober 2020 zur Beschwerdeschrift. 

G.  

Mit Replik vom 19. November 2020 nahm der Beschwerdeführer innert er-

streckter Frist zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung. 

Mit der Eingabe wurden eine Kopie der Todesurkunde der Mutter des Be-

schwerdeführers, ein Foto ihrer Beerdigung vom (…) 2019, ein Foto von 

der Narbe auf seinem (…), ein Foto von der Narbe auf seinem (…), ein 

Foto von Narben von Schnittwunden auf seinem (…), ein Foto seiner (…), 

ein Bericht der (…) vom 1. Juli 2020 sowie ein Schreiben der (…) vom 

19. Oktober 2020 ins Recht gelegt. 

H.  

Mit Eingabe vom 20. November 2020 wurde als Ergänzung zur Replik der 

vollständige Bericht der (…) vom 1. Juli 2020 zu den Akten gereicht. 

I.  

Mit Eingabe vom 15. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer einen 

Brief seiner Tante und seines Onkels vom 3. November 2020 samt deut-

scher Übersetzung sowie eine aktualisierte Honorarnote ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

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ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG; SR 142.31]; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgül-

tig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz stellte fest, dass die vom Beschwerdeführer vorge-

brachten Asylgründe nicht glaubhaft seien. Der Beschwerdeführer sei bis 

zu seiner Rückkehr nach Sri Lanka im (…) 2014 keiner asylrelevanten Ver-

folgung ausgesetzt gewesen. Zwar würden Personen, die illegal ausgereist 

seien, über keine gültigen Identitätsdokumente verfügen, behördlich ge-

sucht werden oder im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten, nach 

ihrer Rückkehr nach Sri Lanka, am Flughaften zu ihrem Hintergrund befragt 

werden, jedoch würden weder die Befragungen noch die Eröffnung eines 

Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise ein asylrelevantes Ausmass an-

nehmen. Die Umstände der Einreise des Beschwerdeführers würden nicht 

darauf schliessen lassen, dass er durch die sri-lankischen Sicherheitsbe-

hörden in einer "Stop List" eingetragen worden sei. Die Tatsache, dass er 

sowohl vor als auch nach seiner Wiedereinreise sri-lankische Identitätspa-

piere habe beantragen können und bis im (…) 2017 nicht von den sri-lan-

kischen Behörden gesucht worden sei, spreche gegen ein in diesem Zeit-

punkt bestehendes Verfolgungsinteresse an seiner Person. Hinsichtlich 

der Hilfeleistungen, welche er seinem Freund G._______ zuliebe im (…) 

2017 erbracht habe, sei nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund er sich 

– obwohl er die erste Anfrage wegen der damit verbundenen Gefahren ab-

gelehnt habe – dennoch damit einverstanden erklärt habe, die drei ehema-

ligen LTTE-Mitglieder in E._______ zu treffen und schliesslich ein derarti-

ges Risiko für ihm unbekannte Menschen eingegangen sei. Dies sei umso 

unverständlicher, da weder er noch G._______ Verbindungen zu den LTTE 

gehabt hätten. Als sein Freund ihn um einen zweiten Personentransport 

gebeten habe, habe er ihm nur Fotos von Kriegsverletzungen zeigen müs-

sen und er habe sofort wieder zugestimmt. Ferner spreche die Tatsache, 

dass er die Umstände der beiden Bootsfahrten nicht nur summarisch, son-

dern exakt gleich und ohne Anzeichen von Selbsterlebtem umschrieben 

habe, gegen deren Glaubhaftigkeit. Des Weiteren erscheine das geschil-

derte Vorgehen der Marinesoldaten unlogisch, da sie ihn – vor seiner Fest-

nahme am (…) 2017 – zunächst am (…) 2017 bei seiner Tante gesucht 

sowie am (…) 2017 an seinem Arbeitsplatz auf allfällige Personentrans-

porte angesprochen und so das Risiko in Kauf genommen hätten, ihn vor-

zuwarnen. Auch dass ihm die Augen bei der Festnahme erst kurz vor der 

Ankunft im H._______ Camp verbunden worden seien, erscheine nicht 

plausibel. Zwar habe er die sexuellen Misshandlungen, welche er während 

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seiner Inhaftierung erlitten habe, sehr genau schildern und teilweise exakte 

Zeitangaben machen können, demgegenüber habe er nur wenig zum All-

tag in Gefangenschaft erzählen können. Zudem habe er in den Befragun-

gen hinsichtlich seiner Verpflegung und der Identifizierung von zwei Ex-

LTTE-Mitgliedern, welche er mit seinem Boot transportiert habe, voneinan-

der abweichende Angaben gemacht. Schliesslich habe er die Umstände 

seiner Freilassung durch die Marinesoldaten nur vage und widersprüchlich 

geschildert. Infolgedessen qualifizierte die Vorinstanz die Vorbringen des 

Beschwerdeführers betreffend seine Verhaftung und der anschliessenden 

Inhaftierung durch die sri-lankische Marine als unplausibel. Alsdann seien 

seine Ausführungen zur angeblichen Inhaftierung seiner Tante und der Su-

che nach ihm substanzlos ausgefallen, weshalb die geltend gemachten 

Probleme mit den sri-lankischen Behörden unwahrscheinlich seien. 

Schliesslich habe er mit seinem eigenen Pass und einem gültigen Visum 

für L._______ ausreisen können, was ebenfalls gegen die Behauptung 

spreche, dass er zu diesem Zeitpunkt von den Behörden gesucht worden 

sei. Diese Schlussfolgerung könne nicht durch seine Angaben, dass er den 

Flughafen nur deshalb habe verlassen können, weil sein Schlepper einen 

Mitarbeiter des Flughafens bestochen habe, entkräftet werden. Im Übrigen 

habe er während des Asylverfahrens zwei verschiedene Ausreisedaten 

geltend gemacht. 

4.2 In der Beschwerde wurde ausgeführt, es sei dem Beschwerdeführer 

– entgegen der vorinstanzlichen Ansicht – gelungen, seine Verfolgung 

glaubhaft darzulegen. So sei es zunächst nicht legitim, widersprüchliche 

Aussagen zwischen der BzP und den Anhörungen derart stark zu gewich-

ten. Zudem wurde auf die häufigen Korrekturen des ersten Protokolls und 

den expliziten Hinweis des Dolmetschers, wonach der Beschwerdeführer 

auf tiefen Niveau (…) spreche, hingewiesen. Damit werde belegt, dass es 

anlässlich den beiden Anhörungen zu Missverständnissen beziehungs-

weise ungenauen Ausdrucksweisen gekommen sei, was bei der Evaluie-

rung der von der Vorinstanz beanstandeten Widersprüche entsprechend 

berücksichtigt werden müsse. Für die Glaubhaftigkeit und die Stichhaltig-

keit seiner Schilderungen würden sodann die vielen Hintergrundinformati-

onen, welche ein stimmiges Gesamtbild ergeben würden, und die in den 

Anhörungen gemachten Zeitangaben sprechen. Hinsichtlich den von der 

Vorinstanz vorgebrachten Zweifel zu den Beweggründen des Beschwerde-

führers ehemaligen LTTE-Mitglieder zu helfen, wurde entgegengehalten, 

dass sein Entschluss vor dem Hintergrund seines stark ausgeprägten 

christlichen Glaubens, der fehlenden Kenntnis über das aggressive Vorge-

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hen der sri-lankischen Behörden infolge seiner langjährigen Landesabwe-

senheit und seines Vertrauens in seinen Freund G._______ durchaus 

nachvollziehbar sei. Aus denselben Gründen und aufgrund seiner Erfah-

rungen aus der ersten Überfahrt, welche ereignislos abgelaufen sei, habe 

er dann auch dem zweiten Transport zugestimmt, wobei er bereits ange-

kündigt habe, dass er keine weiteren Fahrten mehr machen werde. Soweit 

das SEM in diesem Zusammenhang behaupte, er sei lediglich durch das 

Zeigen von Kriegsfotos umgestimmt worden, liege wohl ein sprachliches 

Missverständnis vor, da er in der zitierten Protokollstelle nicht von Fotos, 

sondern einer persönlichen Gegenüberstellung gesprochen habe. Dass 

sich die Schilderungen der beiden Schlepperfahrten gleichen würden, 

spreche nicht gegen deren Glaubhaftigkeit, denn von einer vierstündigen 

Fahrt auf dem offenen Meer mitten in der Nacht gebe es ausser den er-

wähnten Lichtsignalen und der Übergabe logischerweise nur wenige bis 

keine herausstechenden Details zu berichten. Weiter sei das Verhalten der 

Navy durchaus nachvollziehbar und nicht anzuzweifeln. Der Beschwerde-

führer habe sich zwar gefürchtet und mit dem Gedanken gespielt, zu flie-

hen, sich jedoch aus Angst, dass seine Tante und sein Onkel deshalb sei-

netwegen Probleme bekommen würden, dagegen entschieden. Ausser-

dem sei er in jenem Zeitpunkt der Überzeugung gewesen, lediglich unter-

geordnete Hilfeleistungen erbracht zu haben, weshalb er nicht mit einer 

hohen Strafe gerechnet habe. Soweit die Vorinstanz den Moment des Au-

genverbindens als unlogisch qualifiziere, vergesse sie, dass er mit seinem 

eigenen Boot zum Camp gefahren sei und sie ihm erst auf offener See die 

Augen verbunden hätten, damit er sich keinen Überblick über das gesamte 

Camp machen konnte. Die Widersprüche bezüglich seinen Freilassungen 

aus dem Marine Camp und dem Polizeiposten in D._______ sowie dem 

Telefonat seiner Tante könnten vollends aufgeklärt werden. Die Abwei-

chung von zwei Tagen bezüglich seiner Freilassung und betreffend die Ge-

genüberstellung der beiden LTTE-Mitglieder könne mit den Umständen an-

lässlich der Erstbefragung (falsche Protokollierungen beziehungsweise un-

genaue Übersetzungen) erklärt werden. Nach seiner Freilassung habe er 

sich bis zu seiner Ausreise an verschiedenen Orten versteckt. Die Fest-

nahme seiner Tante aus F._______ sei als eine direkte Repression auf sein 

Untertauchen zu deuten. Mit Hilfe eines Schleppers, welcher einen Beam-

ten am Schalter des Flughafens bestochen habe, habe er zwar mit eige-

nem Pass – jedoch ohne das Ausreiseformular ausfüllen zu müssen – 

schliesslich illegal ausreisen können. Zusammenfassend sei festzustellen, 

dass es dem Beschwerdeführer gelungen sei, seine Verfolgung im Sinne 

von Art. 7 AsylG glaubhaft darzulegen. 

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Dadurch, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Schleppertätigkeiten 

durch die Navy verhaftet und massiv gefoltert worden sei, erfülle er sowohl 

aus objektiver als auch aus subjektiver Sicht die geforderte Intensität ernst-

hafter Nachteile. Damit werde eine aktuelle und künftige asylrelevante Ver-

folgung begründet, welche kausal für seine Ausreise gewesen sei. Der Be-

schwerdeführer erfülle sodann mehrere gewichtige Risikofaktoren gemäss 

dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Ju-

li 2016, die eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bei einer allfälli-

gen Rückschaffung als sehr wahrscheinlich erscheinen liessen. Durch 

seine Schlepperfahrten weise er eine Verbindung zu den LTTE auf. Die 

sichtbaren Narben seien ein weiterer Faktor, aufgrund dessen ihm Verfol-

gung drohen könnte. Diese Annahme werde durch den aktuellen Regie-

rungswechsel und die damit einhergehende Zunahme der Repressionen 

unterstützt. Die Lage spitze sich in Sri Lanka zu und politische Gegner des 

Rajapaksa-Clans würden sich zunehmend in Gefahr fühlen. Am 25. No-

vember 2019 sei sogar eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft 

in Colombo von einem weissen Van irregulär verhaftet und zu sri-lanki-

schen Spitzenpolitikern befragt worden. Das dreiste und rechtswidrige Vor-

gehen des Rajapaksa-Clans gegen jegliche Gegner lasse vermuten, dass 

dieses Regime auch gegenüber zurückgeschafften, abgewiesenen Asylsu-

chenden aus der Schweiz vermehrt vorgehen werde. Es könne zum jetzi-

gen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass ihm Folter, Inhaftierung 

oder andere unmenschliche Behandlungen drohen würde. Erschwerend 

komme hinzu, dass er bereits vor seiner Ausreise inhaftiert worden sei. Die 

Verhaftung seiner Tante nach seinem Untertauchen sei ein weiteres Indiz 

eines aktuellen Interesses an seiner Person. Die Verfolgung fusse dabei 

auf seiner ethnischen Zugehörigkeit und seiner politischen Gesinnung. An-

gesichts der erlittenen Verfolgung und der aktuellen Lage in Sri Lanka sei 

von einem fehlenden Schutzwillen des Staats auszugehen. 

4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM an seinen Erwägungen im 

angefochtenen Entscheid fest. Ergänzend merkte es an, dass der in der 

Beschwerdeschrift vorgebrachte Sachverhalt zusätzliche Präzisierungen 

wie beispielsweise zu den Haftbedingungen enthalte, wobei unverständlich 

sei, weshalb der Beschwerdeführer diese Details nicht bereits in den An-

hörungen vorgebracht habe, obwohl er auf die Wichtigkeit substantiierter 

Antworten hingewiesen worden sei. Ferner erscheine es insbesondere vor 

dem Hintergrund, dass er unbestrittenermassen bis im (…) 2017 über kein 

Risikoprofil verfügt und insbesondere keine Verbindungen zu den LTTE ge-

pflegt habe, nach den Beweggründen zu fragen, weshalb er das Risiko auf 

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sich genommen habe, um sich für LTTE-Mitglieder einzusetzen. Seine re-

ligiösen Überzeugungen vermöchten sein Verhalten nicht nachvollziehbar 

zu erklären. Alsdann werde die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen nicht 

nur mit der mangelnden Substanz seiner Ausführungen und den Unstim-

migkeiten in Bezug auf seine Inhaftierung sowie die Umstände seiner Frei-

lassung begründet, sondern auch damit, dass er keinerlei Beweisdoku-

mente hierfür eingereicht habe. Weiter sei der Beschwerdeführer nicht in 

der Lage gewesen, konkrete Angaben über die angebliche Inhaftierung sei-

ner Tante zu machen oder nähere Informationen zur behördlichen Suche 

nach ihm zu geben, welche ab seiner Entlassung aus dem Gefängnis bis 

zu seiner Ausreise, die erst einige Monate später erfolgt sei, angedauert 

habe. Hinsichtlich der Fotos der Kriegsverletzungen der Ex-LTTE-Mitglie-

der sei es tatsächlich zu einer fehlerhaften Übersetzung durch die 

Vorinstanz gekommen. Dieses Missverständnis führe jedoch nicht dazu, 

dass die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung in Frage gestellt 

würden. Zum ärztlichen Zeugnis vom 7. September 2020 hielt das SEM 

fest, dass es sich dabei nicht um einen ärztlichen Bericht im eigentlichen 

Sinne handle und dieses weder Angaben zu Nachuntersuchung noch mög-

liche medizinische Behandlungen enthalte. 

4.4 In der Replik entgegnete der Beschwerdeführer, es sei nicht ersichtlich, 

welche Details in der Beschwerde zum Sachverhalt hinzugefügt worden 

seien, vielmehr handle es sich um eine Zusammenstellung seiner Aussa-

gen. Wenn sein Entscheid, sich aus christlichen Beweggründen für Ex-

LTTE-Mitglieder einzusetzen, aus Sicht der Vorinstanz nicht nachvollzieh-

bar sei, sei auch unabhängig davon ein Anflug von Solidarität für Menschen 

in Not durchaus menschlich und plausibel. Das Nichtvorhandensein von 

Dokumenten, welche seine Verfolgung belegen könnten, entspreche ge-

rade dem Vorgehen des sri-lankischen Staates, da die Verfolgungshand-

lungen inoffiziell und ohne rechtsstaatliches Verfahren durchgeführt wer-

den würden. Das Fehlen von entsprechenden Beweismittel sei notorisch 

und weise keinesfalls auf eine frei erfundene Geschichte hin. Soweit sich 

das SEM darüber irritiert gezeigt habe, dass er nichts über den Angriff auf 

seine Tante gewusst habe, unterschlage sie die Gegebenheiten in Sri 

Lanka. Die Tatsache, dass durch ihn und seine Familie Sicherheitsmass-

nahmen getroffen worden seien, müsse als Indiz für die Ernsthaftigkeit der 

Situation verstanden werden. Im Zusammenhang mit dem Vorbringen der 

Vorinstanz, wonach der medizinische Bericht unvollständig sei, da die Be-

handlungsmethoden nicht erwähnt worden seien, wies der Beschwerde-

führer daraufhin, dass es im Sinne des Untersuchungsgrundsatzes die 

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Pflicht des SEM gewesen wäre, weitere medizinische Abklärungen anzu-

regen. Weiter habe es sich zur fehlenden Infrastruktur zur Behandlung von 

Patienten wie den Beschwerdeführer nicht geäussert. Angesichts des ein-

gereichten Berichts der SFH müsse bei ihm konkreter als mit einem gene-

rellen Verweis überprüft werden, bei welchem Arzt oder welcher Ärztin er 

eine Behandlung aufnehmen könnte. 

5.  

5.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer seine Vorbringen 

glaubhaft machen konnte. 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Urteilen 

dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. ausführ-

lich BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 

23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 

5.3 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer unbestrittenermas-

sen von 1990 bis im (…) 2014 als anerkannter Flüchtling in Indien lebte 

und nach seiner Rückkehr nach Sri Lanka keiner asylrelevanten Verfol-

gung ausgesetzt war. Hierbei spricht insbesondere der Umstand, dass er 

sowohl vor als auch nach seiner Wiedereinreise ohne Probleme sri-lanki-

sche Reisepässe beantragen konnte (vgl. SEM-Akten A23, F48 sowie die 

entsprechenden Anmerkungen hierzu anlässlich der Rückübersetzung 

S. 13 und A25, F16), gegen ein bestehendes Verfolgungsinteresse der sri-

lankischen Behörden in diesem Zeitraum. Zudem bestätigte der Beschwer-

deführer – abgesehen von den geschilderten Problemen mit der SLN – nie 

konkrete persönliche Probleme oder Konflikte mit den Behörden, anderen 

Organisationen oder Privatpersonen gehabt zu haben (vgl. SEM-Akte A25, 

F142–146). 

5.4 Der Beschwerdeführer brachte vor, sein Kindheitsfreund G._______ 

habe ihn überredet, zwei Mal insgesamt sieben ehemalige LTTE-Mitglieder 

mit seinem (…)-Boot den halben Weg nach Indien zu transportieren, um 

ihnen die Flucht aus Sri Lanka zu ermöglichen (vgl. hierzu SEM-Akten A/23 

F63 und A25, F37–58 sowie F148–151). 

5.4.1 Hierbei ist festzustellen, dass die Ausführungen des Beschwerdefüh-

rers betreffend die Anfrage von seinem langjährigen Bekannten beim 

Transport von ehemaligen LTTE-Mitgliedern aus Sri Lanka zu helfen, als 

insgesamt glaubhaft einzustufen sind. In der freien Schilderung seiner 

D-4513/2020 

Seite 13 

Asylvorbringen in der Erstbefragung legte er anschaulich dar, wie 

G._______ mit ihm in Kontakt trat und ihn schliesslich von seinem Vorha-

ben überzeugte. Auf die ergänzenden Fragen in der Anhörung konnte er 

zudem schlüssige Antworten geben. Dabei vermochte er die Ereignisse 

nicht nur zeitlich einzuordnen, sondern gab die Gespräche in der direkten 

Rede wieder und teilte auch seine persönlichen Überlegungen mit 

(vgl. SEM-Akten A23, F63 und A25, F37–58 sowie F148–151). 

5.4.2 Für die Vorinstanz ist nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen 

der Beschwerdeführer den Anfragen von G._______ betreffend Schlepper-

fahrten zugesagt hat und ein derart hohes Risiko für ihm fremde Menschen 

eingegangen ist, zumal er selber davor keine Verbindung zu den LTTE ge-

habt habe. Auf die ihm in der Anhörung gestellte Frage, weshalb ausge-

rechnet er von G._______ darum gebeten worden sei, ehemalige LTTE-

Mitglieder ausser Landes zu schaffen, führte der Beschwerdeführer aus, 

sein Freund habe ihn am (…) 2017 kontaktiert und um Hilfe gebeten, weil 

er als (…) gearbeitet habe (vgl. SEM-Akte A25, F39). Dies erscheint ange-

sichts der über den Seeweg geplanten Flucht durchaus naheliegend. Des 

Weiteren kannten sich die beiden gemäss Angaben des Beschwerdefüh-

rers bereits seit sie Kinder waren, wuchsen gemeinsam in Indien auf und 

vertrauten einander (vgl. SEM-Akte A 25, F37 ff.). Der Beschwerdeführer, 

welcher Bedenken gegen das Vorhaben hatte, lehnte die Anfrage zunächst 

ab. Er habe sich dann aber von G._______ überzeugen lassen, die drei 

Personen wenigstens persönlich kennen zu lernen. Infolgedessen habe er 

sich mit ihnen in einem Coffee-Shop in E._______ getroffen, wobei sie ihm 

ihre bewegte Vergangenheit erzählt hätten. Er habe sich schliesslich ent-

schieden, ihnen aus menschlichen Gründen zu helfen, und willigte ein, sie 

einen Teil des Weges zu transportierten (vgl. hierzu SEM-Akten A23, F63 

und A25, F43–48 und F54). Dass er – wie in der Beschwerdeschrift darge-

legt wurde (vgl. dort E. II, Ziff. 53) – davon ausging, lediglich untergeord-

nete Hilfeleistungen zu erbringen, da er selber am Grenzübertritt seiner 

Passagiere nicht beteiligt war, erscheint überzeugend. Ferner spricht auch 

der Umstand, dass er auf eine finanzielle Entschädigung verzichtete, für 

seine Glaubwürdigkeit (vgl. SEM-Akten A23, F63 sowie A25, F49 und 

F147). Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer nach Ansicht des Gerichts 

gelungen, seine persönlichen Beweggründe für den Entscheid zur Schlep-

pertätigkeit nachvollziehbar zu benennen. Im Übrigen kann auf die über-

zeugenden Entgegnungen in der Beschwerde verwiesen werden (vgl. dort 

E. II, Ziff. 53–57). 

D-4513/2020 

Seite 14 

5.4.3 Angesichts der problemlosen Durchführung des ersten Personen-

transports erscheint es denn auch nachvollziehbar, dass der Beschwerde-

führer einwilligte, eine zweite Überfahrt zu machen. Diesbezüglich schil-

derte er wiederum anschaulich seinen inneren Entscheidungsprozess. So 

habe er, als G._______ ihn am (…) 2017 erneut gefragt habe, geantwortet, 

dass er dies nicht tun könne, da es zu gefährlich sei. Dieser habe ihm dann 

jedoch die Vergangenheit der Ex-LTTE-Mitglieder geschildert, welche ihn 

berührt habe. Er habe daraufhin eingewilligt ein letztes Mal Leute den hal-

ben Weg nach Indien zu transportieren (vgl. SEM-Akten A23, F63 und A25, 

F55). 

5.5 Weiter machte der Beschwerdeführer geltend, er habe die beiden 

Schlepperfahrten am (…) 2017 sowie am (…) 2017 in der Nacht durchge-

führt. Bei der ersten Überfahrt habe er die drei Passagiere gegen Mitter-

nacht in sein Boot geladen und sei dann mit ihnen aufs Meer herausgefah-

ren. Sie seien dabei ständig mit einer Person telefonisch in Kontakt gewe-

sen, wobei er nicht gewusst habe mit wem. Sie hätten dann mit einer Ta-

schenlampe durch dreimaliges Blinken einem Fischtrawler ein Signal ge-

geben. Die Fischer hätten das Lichtsignal erwidert und in der Folge habe 

der Beschwerdeführer sie diesen übergeben. Bei der zweiten Fahrt hätten 

die vier Reisenden dasselbe Erkennungssignal gegeben, woraufhin er sie 

ebenfalls Fischern übergeben habe (vgl. hierzu SEM-Akte A23, F63). 

Das SEM ist der Ansicht, dass sich die Schilderungen der Überfahrten nicht 

unterscheiden würden und lebensfremd seien. Dem ist entgegenzuhalten, 

dass es während den nächtlichen Schifffahrten auf offenem Meer, welche 

nur einige Stunden andauerten, offenbar zu keinen weiteren Vorkommnis-

sen kam, weshalb es nicht abwegig erscheint, dass der Beschwerdeführer 

deren Ablauf entsprechend übereinstimmend und ereignislos darlegte. Im-

merhin war er imstande einige Details zur Übergabe der ehemaligen LTTE-

Mitglieder anzugeben. Im Übrigen wurden in den Befragungen auch keine 

Ergänzungsfragen zum Ablauf der beiden Transportfahrten gestellt. 

5.6 Alsdann brachte der Beschwerdeführer vor, am Vormittag des (…) 

2017 hätten sich zwei Marinesoldaten während seiner Abwesenheit bei sei-

ner Tante nach ihm erkundigt. Tags darauf sei er am Abend ebenfalls von 

zwei Soldaten bei der Arbeit aufgesucht worden. Sie hätten ihn gefragt, ob 

er mit seinem (…)-Boot Personentransporte durchgeführt habe. Als er dies 

verneint habe, seien sie wortlos wieder gegangen. Schliesslich hätten ihn 

vier Sicherheitskräfte am (…) 2017 um circa (…) Uhr (…) bei sich zu Hause 

D-4513/2020 

Seite 15 

festgenommen und mit seinem eigenen Boot ins H._______ Camp ge-

bracht (vgl. hierzu SEM-Akten A23, F63 und A25, F152–154). 

Soweit die Vorinstanz das mutmassliche Vorgehen der Marinesoldaten bei 

der Festnahme des Beschwerdeführers als inkohärent erachtet, stützt sie 

sich auf das Glaubhaftigkeitskriterium der Plausibilität. Dem Beschwerde-

führer ist in diesem Zusammenhang insoweit zuzustimmen, als ihm ge-

mäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung ein allfällig unlogi-

sches oder inkohärentes Verhalten seiner Verfolger nur mit grosser Zurück-

haltung angelastet werden kann (vgl. zur Zurückhaltung beim Kriterium der 

Plausibilität von Verfolgungshandlungen Urteil des BVGer D-7912/2016 

vom 12. Februar 2015 E. 5.1 m.w.H.). Die Argumentation der Vorinstanz 

bezüglich der Festnahmetaktik bleibt damit ohne entscheidendes Gewicht, 

weil sich über die übliche Vorgehensweise der sri-lankischen Sicherheits-

behörden in solchen Fällen nur mutmassen lässt. Es ist darüber hinaus 

festzustellen, dass seine diesbezüglichen Ausführungen in der freien Rede 

anlässlich der Erstbefragung chronologisch und schlüssig ausfielen. Über-

dies gab er nicht nur in beiden Befragungen präzise zeitliche Angaben und 

Nebensächlichkeiten (wie beispielsweise, dass die SLN-Angehörigen am 

[…] 2017 mit dem Fahrrad zu ihm in den Hafen gekommen seien, als er 

gerade […]) an, sondern gab auch in direkter Rede wieder, was dabei ge-

sprochen wurde und wie er und seine Tante auf die Begegnungen reagier-

ten (vgl. SEM-Akten A23, F63 und A25, F152 f. sowie die Anmerkung zu 

F154 anlässlich der Rückübersetzung, S. 22). In Berücksichtigung dieser 

Faktoren erscheint die Festnahme damit als glaubhaft geschildert. 

5.7 Sodann machte der Beschwerdeführer geltend, er sei während seiner 

Inhaftierung im Camp befragt und dabei bedroht, schwer gefoltert und se-

xuell misshandelt worden, wobei er sichtbare Narben davongetragen und 

bis heute unter den psychischen Folgen zu leiden habe (vgl. hierzu SEM-

Akten A23, F63 sowie F65 und A25, F67–81). 

5.7.1 Dazu ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die erlittenen Misshand-

lungen offenbar nicht grundsätzlich in Zweifel zog. In der angefochtenen 

Verfügung räumte sie ein, dass der Beschwerdeführer die während seiner 

Inhaftierung erlittenen Misshandlungen und sexuellen Übergriffe ausführ-

lich geschildert und hierzu auch genaue zeitliche Angaben gemacht habe 

(vgl. dort E. III, S. 5). Das Gericht schliesst sich dieser Auffassung an. Die 

diesbezüglichen Schilderungen des Beschwerdeführers – namentlich zu 

seinen Peinigern, seinen Reaktionen auf die wiederholten Übergriffe und 

D-4513/2020 

Seite 16 

seinen dadurch verursachten Verletzungen – sind sehr detailliert, lebens-

nah und von zahlreichen Realkennzeichen geprägt, wie insbesondere der 

Beschreibung eigener Gefühle und Gedanken (vgl. SEM-Akten A23, F63 

sowie F65 und A25, F68–81). Demnach ist es als überwiegend wahr-

scheinlich zu erachten, dass er während seiner Gefangenschaft von zwei 

Marinesoldaten wiederholt gefoltert und sexuell misshandelt wurde. Zu be-

rücksichtigen ist ferner, dass beim Beschwerdeführer fachärztlich eine (…) 

diagnostiziert wurde (vgl. insbesondere BVGer-Akte 12 [Beilage 7] respek-

tive 13). Diese Diagnose bildet zwar für sich allein naturgemäss noch kei-

nen Beweis für die attestierten, zugrunde gelegten Gewalterfahrungen, die 

auf einer klinischen Beobachtung beruhende Einschätzung einer Fachärz-

tin beziehungsweise eines Facharztes kann aber als Indiz für die Glaub-

haftigkeit der Vorbringen beigezogen werden (vgl. BVGE 2015/11 

E. 7.2.1 f.). Überdies lassen sich auch die gut sichtbaren Narben am (…), 

am (…) sowie am (…) und an der (…) ohne Weiteres mit den beschriebe-

nen Ereignissen in Einklang bringen. 

5.7.2 Entgegen der Ansicht der Vorinstanz war der Beschwerdeführer so-

dann auch in der Lage, substantiierte und von diversen Realkennzeichen 

geprägte Angaben zum Tagesablauf während seiner Inhaftierung und den 

Räumlichkeiten, in welchen er sich aufhielt, zu geben (vgl. SEM-Akte A25, 

F86–93). Die Beschreibungen der Haftbedingungen lassen den Eindruck 

entstehen, dass der Beschwerdeführer die Ereignisse tatsächlich durch-

lebte. Die vermeintlichen Widersprüche betreffend die Aussagen zur Ver-

pflegung während der Gefangenschaft, vermochten in der Beschwerde-

schrift überzeugend aufgelöst werden. Demnach erhielt der Beschwerde-

führer während seines viertägigen Aufenthalts weder Essen noch Trinken. 

Notgedrungen trank er jedoch das Meereswasser, welches sich in einem 

Eimer in seinem Zimmer befunden habe (vgl. hierzu auch seine Erklärung 

in der Anhörung [SEM-Akte A25, F168]). Demgegenüber hat das SEM zu 

Recht im Zusammenhang mit der Identifizierung von zwei Ex-LTTE-Mitglie-

dern während den Befragungen auf Unstimmigkeiten hingewiesen 

(vgl. SEM-Akten A23, F63 und A25, F61). Die Erklärung des Beschwerde-

führers, wonach dieser Fehler in der Erstbefragung bei der Rücküberset-

zung wohl nicht korrigiert worden sei, weil nur der zweite der beiden Per-

sonentransporte mit ehemaligen LTTE-Mitgliedern schiefgelaufen sei und 

man ihm von dieser Überfahrt zwei der vier ehemaligen Passagiere vorge-

führt habe, erscheint jedoch durchaus plausibel (vgl. SEM-Akte A25, 

F164 f.). Das Gericht kommt angesichts der überwiegenden Realkennzei-

chen indes zum Schluss, dass dieser Widerspruch ohnehin nicht derart ge-

D-4513/2020 

Seite 17 

wichtig ist, dass er zur Unglaubhaftigkeit der gesamten Vorbringen im Zu-

sammenhang mit seinem Aufenthalt im Camp der SLN zu führen ver-

möchte. 

5.8 Des Weiteren ist der Vorinstanz zwar zuzustimmen, dass die Angaben 

des Beschwerdeführers betreffend seine Freilassung nicht in sich stimmig 

ausgefallen sind. In der Erstbefragung machte er hierzu geltend, am 

(…) 2017 von der Marine-Basis in P._______ auf die Polizeistation in 

D._______ gebracht worden zu sein, wobei die Übergabe auf einer Brücke 

stattgefunden habe. Nachdem seine Tante nach seiner Freilassung am 

(…) 2017 der tamilischen Polizei Bestechungsgelder bezahlt habe, sei er 

am Morgen des (…) 2017 schliesslich durch die Polizei freigelassen wor-

den (vgl. SEM-Akte A23, F65). Anlässlich der Rückübersetzung korrigierte 

er dann seine diesbezüglichen Aussagen und gab an, erst am (…) 2017 

auf die Brücke gebracht worden zu sein, wo er auf einen tamilischen Poli-

zisten gestossen sei (vgl. SEM-Akte A23, Anmerkung anlässlich der Rück-

übersetzung, S. 13). Dadurch, dass der Dolmetscher bei der Übersetzung 

dieser Antwort anmerkte, dass der Beschwerdeführer nur auf sehr tiefem 

Niveau (…) spreche, weshalb er die Fragen einfacher formulieren müsse, 

damit dieser die Fragen verstehe (vgl. SEM-Akte A23, F65), besteht je-

doch ein Hinweis auf eine mögliche Verständigungsschwierigkeit, womit 

diese Ungereimtheiten erklärt werden könnten. Zudem vermischte der Be-

schwerdeführer offenbar seine Freilassung aus P._______ mit derjenigen 

aus der Polizeihaft in D._______. Die vorinstanzlichen Vorbehalte sind je-

denfalls dahingehend zu relativieren, als dass er in den Befragungen je-

weils übereinstimmend angab, zunächst in P._______ inhaftiert gewesen 

zu sein, anschliessend der Polizei von D._______ übergeben und schliess-

lich gegen Bezahlung am (…) 2017 freigelassen worden zu sein. Damit 

fielen seine Vorbringen im Kern konsistent aus. 

5.9 Vor dem Hintergrund der vorstehenden Erwägungen überzeugen auch 

die Angaben des Beschwerdeführers zu den Ereignissen bis zur Ausreise. 

Der Beschwerdeführer trug übereinstimmend vor, dass er sich nach der 

Entlassung aus dem Polizeigewahrsam eine Woche lang bei seiner Tante 

in I._______ versteckt hielt, sich anschliessend sechs bis sieben Tage lang 

in J._______ aufhielt, dann ab dem (…) 2017 circa 20 bis 30 Tage in einem 

Hotel in K._______ geblieben und schliesslich bis zur Ausreise bei seinem 

Schlepper untergekommen sei (vgl. SEM-Akte A23, F65). Wie in der Be-

schwerdeschrift aufgezeigt wurde (vgl. dort E. II, Ziff. 52), können seine 

verschiedenen Aufenthalte vor seiner Ausreise chronologisch richtig einge-

ordnet werden und sind in sich stimmig. Sodann erscheint es durchaus 

D-4513/2020 

Seite 18 

wahrscheinlich, dass er nach seiner inoffiziellen Freilassung durch einen 

tamilischen Polizisten sowohl vor als auch nach seiner Ausreise an seinem 

früheren Wohnort bei seiner Tante gesucht wurde und diese in der Folge 

auch seinetwegen inhaftiert wurde. Hinsichtlich des mit Eingabe vom 

15. Dezember 2020 zu den Akten gereichten Schreibens der Tante des Be-

schwerdeführers aus F._______ vom 3. November 2020, in welchem die 

schwierige Situation, in welche ihre Familie nach der Ausreise des Be-

schwerdeführers geraten sei, bestätigt wird, ist festzuhalten, dass der Be-

weiswert solcher Dokumente für sri-lankische Asylverfahren praxisgemäss 

grundsätzlich tief eingeschätzt wird. Im Kontext des vorliegenden Verfah-

rens stellt es demnach nur ein schwaches, aber immerhin ein Indiz für die 

Richtigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers dar. 

5.10 Die offenbar legal erfolgte Ausreise via den Flughafen K._______, 

welche gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers nur durch die 

Bestechung eines Beamten möglich gewesen ist (vgl. SEM-Akte A23, 

F66), vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, da allein dadurch 

nicht auf eine fehlende Verfolgung geschlossen werden kann (vgl. Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts D-6864/2014 vom 19. Mai 2016 E. 6.2 mit 

Verweis auf E-5274/2008 vom 31. Oktober 20212 E. 3.3.2). Zwar gab der 

Beschwerdeführer, wie von der Vorinstanz richtigerweise festgestellt 

wurde, zwei verschiedene Ausreisedaten an: Bei der Personalienauf-

nahme machte er geltend, Sri Lanka am (…) 2018 verlassen zu haben 

(vgl. SEM-Akte A11, Ziff. 5.01), wohingegen er in der Erstbefragung aus-

führte, am (…) 2017 ausgereist zu sein (vgl. SEM-Akte A23, F50). Als er 

mit diesem Widerspruch konfrontiert wurde, gab er zu, gelogen zu haben 

und erklärte nachvollziehbar, sein Schlepper habe ihm geraten ein neueres 

Datum anzugeben. Da er nervös gewesen sei und einfach sein Leben habe 

retten wollen, habe er ein falsches Datum angegeben und beschrieb seine 

Ausreise daraufhin detaillierter (vgl. SEM-Akte A23, F54 f.). 

5.11 Nach Abwägung der Argumente, die für die Glaubhaftigkeit und den-

jenigen, die dagegen sprechen, kommt das Bundesverwaltungsgericht ins-

gesamt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die vorgebrachten be-

hördlichen Behelligungen und die Suche nach dem Beschwerdeführer we-

gen des Vorwurfs, ehemaligen LTTE-Mitglieder zur Flucht ausser Landes 

verholfen zu haben, würden in den wesentlichen Punkten den Tatsachen 

entsprechen, höher ist, als die – wenn auch nicht restlos auszuschlies-

sende – Möglichkeit, diese Sachverhaltselemente seien vom Beschwerde-

führer bloss erfunden worden. 

D-4513/2020 

Seite 19 

6.  

6.1 Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob die als überwiegend glaubhaft befun-

denen Vorbringen des Beschwerdeführers die Voraussetzungen für die An-

erkennung als Flüchtling gemäss Art. 3 AsylG zu erfüllen vermögen, ihm 

mithin Asyl zu gewähren ist. 

6.2 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die 

Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 

begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asyl-

entscheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Ver-

folgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situa-

tion im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zu-

gunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berück-

sichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6 oder 2011/50 E. 3.1.1 f., 

m.w.H.). 

6.3 Der Beschwerdeführer hat glaubhaft dargelegt, dass er vor seiner Aus-

reise von den sri-lankischen Sicherheitskräften respektive der SLN befragt, 

misshandelt und wiederholt gesucht wurde, weil er ehemaligen LTTE-Mit-

gliedern zur Flucht ins Ausland verholfen hat (vgl. hierzu die vorhergehen-

den Ausführungen in E. 5). Diese ihm gezielt zugefügten Verfolgungsmass-

nahmen erfüllen hinsichtlich des Motivs, der Intensität sowie der betroffe-

nen Rechtsgüter die Anforderungen, um als ernsthafte Nachteile im Sinne 

von Art. 3 AsylG qualifiziert zu werden. Demnach ist davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise begründete 

Furcht vor asylrelevanter Verfolgung hatte. 

6.4 Praxisgemäss ist von erlittener, mit der Ausreise in Kausalzusammen-

hang stehender Vorverfolgung ohne weiteres auf das Bestehen einer be-

gründeten Furcht vor weiterer, zukünftiger Verfolgung zu schliessen 

(vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.). Dabei ist auch zu beachten, dass 

eine Person, die bereits einmal staatlicher Verfolgung ausgesetzt war, ob-

jektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht hat als jemand, 

der erstmals in Kontakt mit staatlichen Sicherheitskräften kommt 

(vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 m.w.H.). Vorliegend besteht kein Grund, von 

dieser Regelvermutung abzuweichen, zumal die Verfolgungsfurcht als im 

heutigen Zeitpunkt noch immer aktuell zu erachten ist. 

Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri 

Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der 

D-4513/2020 

Seite 20 

Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer 

ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien 

(vgl. dort E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos 

von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung 

und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es 

sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktu-

ellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teilnahme an 

exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und um das Vorliegen frühe-

rer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zu-

sammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den 

LTTE (sogenannte stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–

8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, 

unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspa-

piere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise zurückgeführt wer-

den, oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach 

Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (soge-

nannte schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 

8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach-

ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen-

den Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene 

Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im 

Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden 

zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatis-

mus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 

Vorliegend gelang es dem Beschwerdeführer – wie vorstehend ausgeführt 

(vgl. E. 5) – glaubhaft zu machen, dass er vor seiner Ausreise aus Sri 

Lanka ins Visier der heimatlichen Sicherheitskräfte geriet, kurzzeitig fest-

genommen, inhaftiert und dabei misshandelt wurde. Nachdem die Sicher-

heitskräfte ihn nach seiner Freilassung an seinem letzten Wohnsitz bei sei-

ner Tante gesucht haben, ist die vom Beschwerdeführer für den Zeitpunkt 

der Ausreise geäusserte subjektive Furcht vor Nachstellungen der heimat-

lichen Sicherheitsbehörden beziehungsweise vor einer menschenrechts-

widrigen Behandlung bei einer erneuten Festnahme objektiv nachvollzieh-

bar. Festzuhalten ist sodann, dass der Beschwerdeführer nicht zufällig in 

den Fokus der Behörden geraten ist, sondern deshalb, weil er ehemaligen 

LTTE-Mitgliedern die Flucht ins Ausland ermöglichte. Er erfüllt damit das 

im Referenzurteil skizzierte Risikoprofil einer Person, welche im Verdacht 

steht, ernstzunehmende Verbindungen zu den LTTE zu haben und deshalb 

auch aktuell einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt ist. Sollte er nach Sri 

Lanka zurückkehren, ist absehbar, dass mittels durch die Behörden bei der 

D-4513/2020 

Seite 21 

Einreise am Flughafen veranlasster Abklärungen zu seiner Person sein 

ehemaliges Engagement für Ex-LTTE-Mitglieder offengelegt wird, und er 

mit erheblicher Wahrscheinlichkeit damit rechnen müsste, erneut Opfer 

ernsthafter Übergriffe zu werden. Die diesbezüglich bestehende subjektive 

Furcht des Beschwerdeführers ist deshalb – insbesondere aufgrund der 

bereits in der Vergangenheit erlittenen Verfolgung (vgl. BVGE 2010/9 

E. 5.2) – auch objektiv wiederum nachvollziehbar. Des Weiteren liegen mit 

der Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, der Herkunft aus dem Norden 

des Landes, der mehrjährigen Landesabwesenheit sowie seiner Verwandt-

schaft zu einem seit vielen Jahren aus Sri Lanka ausgereisten LTTE-Un-

terstützer schwach risikobegründende Faktoren vor. Ferner weist er auch 

verschiedene Narben auf, welche bei einer Kontrolle am Flughafen dazu 

führen würden, dass die Behörden auf die vergangenen Übergriffe auf-

merksam werden würden und auch dies in einen Zusammenhang mit ver-

meintlichen LTTE-Tätigkeiten des Beschwerdeführers bringen könnten. 

Angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer von Mitgliedern 

staatlicher Behörden festgehalten und misshandelt würde, ist aufgrund der 

tatsächlichen Gegebenheiten in seinem Heimatland auch nicht davon aus-

zugehen, er könne den Schutz von anderen Behörden in Anspruch neh-

men. Vom Vorhandensein einer innerstaatlichen Schutzalternative ist dem-

nach nicht auszugehen. 

7.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Vorausset-

zungen der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllt. Den Akten sind 

sodann keine Anhaltspunkte für ein Vorliegen von Ausschlussgründen im 

Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen. Die Beschwerde ist demnach gut-

zuheissen, die angefochtene Verfügung vom 11. August 2020 aufzuheben 

und das SEM anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuer-

kennen und ihm Asyl zu gewähren. Angesichts der Gutheissung des 

Hauptantrags wird der Eventualantrag gegenstandslos. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu 

erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird die mit Zwischenverfü-

gung vom 18. September 2020 gewährte unentgeltliche Prozessführung 

gegenstandslos. 

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG eine Entschä-

digung für die ihm erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen 

D-4513/2020 

Seite 22 

Kosten zuzusprechen (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Partei-

entschädigung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Die mit Instruktionsverfügung vom 18. Septem-

ber 2020 gewährte unentgeltliche Rechtsverbeiständung erweist sich da-

mit ebenfalls als gegenstandslos, weil eine öffentlich-rechtliche Entschädi-

gung eines amtlichen Rechtsbeistandes oder einer amtlichen Rechtsbei-

ständin lediglich subsidiär zum Tragen kommt. 

Die Rechtsvertreterin reichte mit Eingabe vom 15. Dezember 2020 eine 

aktualisierte Kostennote zu den Akten. Darin bezifferte sie ihren zeitlichen 

Arbeitsaufwand mit 19.5 Stunden und beantragte einen Stundenansatz 

von Fr. 150.–. Zudem machte sie Dolmetscherkosten von Fr. 240.– und 

Portospesen von Fr. 18.– geltend. Der veranschlagte Stundenansatz be-

wegt sich im gemäss Art. 10 Abs. 2 VGKE vorgesehenen Rahmen. Der 

ausgewiesene zeitliche Aufwand erscheint auch in Anbetracht der Mehr-

sprachigkeit des Dossiers als überhöht. Hierbei ist nicht ersichtlich, inwie-

fern vorliegend ein Aktenstudium und weitere juristische und länderspezifi-

sche Abklärungen im Umfang von drei Stunden notwendig gewesen wären. 

Der Aufwand ist daher entsprechend um drei Stunden zu kürzen. Die Dol-

metscherkosten und die Spesen erscheinen demgegenüber angemessen. 

Die Eingaben vom 6. Oktober 2020 (vgl. Sachverhalt Bst. F.a), 3. Novem-

ber 2020 (Fristerstreckungsgesuch; vgl. Sachverhalt Bst. H) und 20. No-

vember 2020 (Nachreichung des vollständigen Berichts der (…) vom 

1. Juli 2020; vgl. Sachverhalt Bst. I) wurden in der Honorarnote nicht be-

rücksichtigt. Der diesbezügliche Aufwand ist deshalb von Amtes wegen zu 

schätzen und wird auf insgesamt eine Stunde veranschlagt. Des Weiteren 

sind hierfür zusätzlich Portospesen in der Höhe von Fr. 18.– zu berücksich-

tigen. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist dem-

nach auf Fr. 2'901.– (einschliesslich Auslagen und ohne Mehrwertsteuer-

zuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-4513/2020 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung des SEM vom 11. August 2020 wird aufgeho-

ben, der Beschwerdeführer als Flüchtling anerkannt und das SEM ange-

wiesen, ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insge-

samt Fr. 2'901.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Kathrin Rohrer 

 

 

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