# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8287f936-3651-5efe-acc9-a7e03147876d
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-02
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 02.06.2021 200 2020 769
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-769_2021-06-02.pdf

## Full Text

200 20 769 IV
LOU/BOC/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 2. Juni 2021

Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichter Schwegler
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 9. September 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, IV/20/769, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1994 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) wurde im Geburtsjahr unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen 
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet. Mit Verfü-
gung vom 20. Januar 1995 verneinte die IV-Stelle Bern (nachfolgend: IVB 
bzw. Beschwerdegegnerin) den Anspruch auf medizinische Massnahmen 
aufgrund des Fehlens eines von der Invalidenversicherung anerkannten 
Geburtsgebrechens (Akten der IVB [act. II] 6). Diese Verfügung blieb unan-
gefochten.

B.

Am 10. Mai 2010 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf ein Asper-
ger-Syndrom erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an 
(act. II 2). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren verneinte die IVB 
mit Verfügung vom 31. Januar 2011 den Anspruch auf medizinische Mass-
nahmen im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 405 der Ver-
ordnung vom 9. Dezember 1985 über Geburtsgebrechen (GgV; SR 
831.232.21; Autismus-Spektrum-Störungen), da vor dem fünften vollende-
ten Lebensjahr noch keine eindeutigen Symptome erkennbar gewesen 
seien (act. II 21 - 25). Hingegen gewährte die IVB verschiedene berufliche 
Massnahmen (Ausbildungscoach während dem Gymnasium bzw. der 
erstmaligen beruflichen Ausbildung, Nachhilfeunterricht während der erst-
maligen beruflichen Ausbildung, Berufsberatung, erstmalige berufliche 
Ausbildung in Form der … und … sowie begleitendes Coaching, Praktikum 
als Vorbereitung auf ein Studium im Rahmen einer erstmaligen Ausbildung 
mit Coaching [act. II 17, 28, 40, 51, 56, 63, 66, 72, 75, 78, 82, 87]).

Sodann erteilte die IVB am 6. Oktober 2016 Kostengutsprache für ein Stu-
dium … Teilzeit im Rahmen einer erstmaligen beruflichen Ausbildung mit 
Weiterführung des Coachings vom 19. September 2016 bis 5. Juli 2020 
(act. II 91). Das Studium musste aus gesundheitlichen Gründen abgebro-

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chen werden, was zum Abbruch der beruflichen Massnahmen per 16. Juni 
2017 führte (act. II 99). In der Folge gewährte die IVB ein weiteres Coa-
ching durch die Stiftung C.________ im Rahmen der Berufsfindung und 
Praktikumsbegleitung vom 17. Juni 2017 bis 30. Juni 2018 (act. II 100), 
welches jedoch per 28. Januar 2018 frühzeitig infolge mangelnder Ziel-
führung abgebrochen wurde (act. II 115). Stattdessen erteilte die IVB am 
5. Februar 2018 Kostengutsprache für ein Coaching durch die D.________ 
im Rahmen der Berufsfindung und Praktikumsbegleitung vom 5. Februar 
bis 30. Juni 2018 (act. II 118). Am 17. Mai 2018 gewährte die IVB eine be-
rufliche Abklärung ebenfalls bei der D.________ für die Zeit vom 4. Juni bis 
31. Juli 2018 (act. II 127). 

Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren schloss die IVB die berufliche 
Eingliederung ab, da gemäss der erfolgten beruflichen Abklärung infolge 
krankheitsbedingter Absenzen keine Ausbildungs- und Eingliederungs-
fähigkeit im ersten Arbeitsmarkt gegeben seien; zudem habe sich die Ver-
sicherte an der Universität … für das … immatrikuliert (act. II 135, 141). 
Dieses Studium brach die Versicherte nach einem Monat ab (act. II 
180/11).

Im weiteren Verlauf liess die IVB die Versicherte durch Dr. med. 
E.________, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -
psychotherapie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten (Ex-
pertise vom 4. März 2020 [act. II 180]). 

Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren und der Einholung einer Stel-
lungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) verneinte die IVB 
mit Verfügung vom 9. September 2020 den Anspruch auf Leistungen der 
Invalidenversicherung, da kein Gesundheitsschaden mit invalidisierender 
Wirkung im Rechtssinne gegeben sei (act. II 182, 186 - 193, 195, 198).  

C.

Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin 
B.________, am 12. Oktober 2020 Beschwerde. Sie beantragt, unter Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung sei ihr eine ganze Rente der Invali-

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denversicherung, seit wann rechtens, auszurichten. Eventualiter sei unter 
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und unter Vornahme weiterer 
Abklärungen, unter Wahrung der Partizipationsrechte der Parteien, neu 
über den Leistungsanspruch zu befinden, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen. 

Ankündigungsgemäss reichte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 
22. Oktober 2020 einen Verlaufsbericht der psychiatrischen Dienste 
F.________ (Akten der Beschwerdeführerin [act. I] 3) ein und machte er-
gänzende Ausführungen.

Mit Beschwerdeantwort vom 30. November 2020 beantragt die Beschwer-
degegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

Am 7. Mai 2021 fand eine nichtöffentliche Urteilsberatung gemäss Art. 56 
Abs. 5 bzw. 6 des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Orga-
nisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 
161.1) i.V.m. Art. 37 Abs. 1 lit. b des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 
1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) statt.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a GSOG Beschwerden gegen 
solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfah-
ren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen 
Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhe-
bung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche 
Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 

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19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch 
die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b 
ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 9. September 2020 (act. II 198). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder 
bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs-
unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vor-
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun-
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind-
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

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2.2 Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie 
Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befund-
lage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann an-
spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung 
ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 
5.1 S. 221).

Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass 
dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich 
gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesund-
heitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, 
ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zu-
mutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).  

3.

Den Akten ist in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das Folgende zu 
entnehmen:

3.1 Dr. med. E.________ gab im psychiatrischen Gutachten vom 
4. März 2020 an (act. II 180/24 ff.), bei der zum Zeitpunkt der Exploration 
25-jährigen Explorandin bestehe ein komplexer psychischer Gesundheits-
schaden mit multiplen Komorbiditäten, der massive Beeinträchtigungen der 
mentalen Funktionen und persönlichen Fähigkeiten verursache und mit den 
Diagnosen

 ICD-10: F50.4 Essattacken bei anderen psychischen Störungen (Binge-Eating-
Störung)

 ICD-10: F45.40 Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
 ICD-10: F63.8 Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impuls-

kontrolle
 ICD-10: F40.2 soziale Phobie
 ICD-10: F33.0 rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige 

Episode
 ICD-10: E66.2 Adipositas Grad III

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klassifiziert werde. Die Ausbildung dieser komplexen Komorbidität sei mit 
der hereditären Belastung und den in der Lebensgeschichte ausgewiese-
nen psychosozialen Bedingungen vereinbar. Die Dokumente über die Ab-
klärungen und Behandlungen zu Beginn der manifesten Funktionsbeein-
trächtigungen (2008/2010) wiesen mehrere und unabhängige Befunde auf, 
die auf eine erworbene, auf psychosozialen Belastungen beruhende Form 
dieses Gesundheitsschadens und die von ihm verursachten sozialen und 
psychischen Funktionsstörungen hinwiesen. Bezüglich psychischem Ge-
sundheitszustand und Funktionsniveau zeige sich im Verlauf eine stetige 
Verschlechterung, die sich in der Verschlechterung der Ess- und Gewichts-
problematik (kontinuierliche Zunahme des BMI), in der Chronifizierung der 
Schmerz- und sozialphobischen Problematik und in der deutlich verzöger-
ten persönlichen Reife (die Beschwerdeführerin sei in Bezug auf die Le-
bensführung und -gestaltung unselbstständig und von den Eltern abhängig) 
manifestiere. Mit dieser Krankheitsentwicklung sei das Scheitern der beruf-
lichen und Integrationsmassnahmen und das Ergebnis der beruflichen Leis-
tungsabklärung von 2018 erklärbar. Seit 2018 hätten sich weitere 
Verschlechterungen des Gesundheitszustandes eingestellt (geringere Be-
lastbarkeit). Der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zei-
ge eine sehr geringe emotionale Belastbarkeit, durch die ihre 
Leistungsfähigkeit massiv beeinträchtigt sei. Schon geringe (soziale, Leis-
tungs-, persönliche) Anforderungen führten zur Verstärkung von Schmerz-
beschwerden und/oder depressiven Symptomen und Verstärkung 
dysfunktionaler Verhaltensweisen. Die Beschwerdeführerin könne nicht aus 
eigener Kraft ihren Alltag angemessen strukturieren oder sich beschäftigen, 
die berufliche Leistungsabklärung zeige, dass sie üblichen Arbeitsanforde-
rungen nicht gewachsen sei, sie habe sehr wenige soziale Kontakte und 
Aktivitäten und in der alltäglichen Lebensführung sei sie auf die Unterstüt-
zung ihrer Eltern angewiesen. Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätig-
keit gab der Gutachter an, die Beschwerdeführerin habe keine 
Berufsausbildung. Letztmals sei sie als Hilfskraft im Rahmen der berufli-
chen Leistungsabklärung arbeitstätig im Tätigkeitsbereich … und … gewe-
sen. In dieser Tätigkeit könne sie 5 Stunden pro Tag anwesend sein, dabei 
bestehe eine Einschränkung der Leistung von 20 % aufgrund der tiefen 
emotionalen Belastbarkeit und der schwankenden Leistungsfähigkeit. Dies 
gelte seit dem 1. Juli 2018 mit Ausnahme der Zeit vom 18. März bis 11. 

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April 2019, in dieser Zeit habe eine 0 %-ige Arbeitsfähigkeit bestanden. 
Eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit dürfe körperlich nicht 
belastend sein, es brauche klare Abläufe und Vorgaben, einzel- und mehr-
schrittige Routinetätigkeiten ohne Zeitdruck und mit geringen bis mittleren 
intellektuellen und Qualitätsanforderungen, wohlwollende regelmässige 
Anleitung und Kontrollen, Toleranz für ungeplante Unterbrüche der Tätig-
keit, Möglichkeit zu spontanen Unterbrüchen und Pausen, Möglichkeit zu 
längeren Pausen, Einzelarbeitsplatz mit wenigen sozialen Interaktionen, 
Schutz vor Reizen (Lautstärke, Aktivitäten von Anderen, evtl. Licht). Eine 
solche Tätigkeit sei 5 Stunden pro Tag möglich, wobei eine Einschränkung 
der Leistung von 20 % bestehe aufgrund der tiefen emotionalen Belastbar-
keit und der schwankenden Leistungsfähigkeit. Die Arbeitsfähigkeit in einer 
solchen Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt bezogen auf ein 100 %-Pensum 
betrage 0 %. Die gesundheitlichen Einschränkungen seien so ausgeprägt, 
dass die Beschwerdeführerin auch in einer angepassten Tätigkeit den so-
zialen und Leistungsanforderungen des ersten Arbeitsmarktes nicht ge-
wachsen sei. Dies gelte seit dem 1. Juli 2018 mit Ausnahme der Zeit vom 
18. März bis 11. April 2019, in dieser Zeit habe eine 0 %-ige Arbeitsfähig-
keit bestanden. 

3.2 Dr. med. G.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera-
pie, führte in der Stellungnahme vom 9. Juni 2020 (act. II 192/3 - 6) aus, 
der Entscheid, IV-Leistungen abzulehnen, sei im vorliegenden Fall neu 
aufzurollen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Einschätzung der Ar-
beitsunfähigkeit durch den Gutachter und die Beschwerdegegnerin 
vollständig divergierten. Die seit 2010 bestehende Diagnose Asperger-
Syndrom sei im IV-Entscheid ohne ausreichende Begründung (Gutachten 
Dr. med. E.________) ausgelassen worden. Diese Diagnose sei nicht wi-
derlegt und müsse in die Beurteilung der IV einbezogen werden. Es liege 
daher ein neuer medizinischer Sachverhalt vor. Die Standardindikatoren 
seien in der Begründung des IV-Entscheides in grober Weise oberflächlich 
und unrichtig beurteilt worden.

3.3 Der RAD-Arzt med. prakt. H.________, Facharzt für Psychiatrie und 
Psychotherapie, hielt in der Stellungnahme vom 17. Juli 2020 (act. II 195) 
fest, bereits RAD-seits hätten anhand des Eingliederungsverlaufs bzw. auf-

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grund des dort geschilderten Verhaltens der Beschwerdeführerin bei der 
Gutachtensbeauftragung erhebliche Zweifel am Vorliegen einer Erkrankung 
aus dem Autismusspektrum bestanden. Deshalb sei ausdrücklich ein Dop-
pelfacharzt für Kinder- und Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie und
-psychotherapie mit der Begutachtung beauftragt worden, da diese Erkran-
kung i.A. typischerweise im Kindes- und Jugendalter beginne und oft auch 
dort schon festgestellt werde bzw. in diesem Alter ihren Ausgang genom-
men haben müsse. Der Gutachter Dr. med. E.________ würdige in seinen 
Ausführungen den im Dossier dokumentierten Verlauf und lege die von ihm 
erhobenen Befunde dar. Anhand dieser erhobenen Befunde dokumentiere 
sich eine umfangreiche Psychopathologie, die sich allerdings nachvollzieh-
bar nicht unter der Diagnose eines Asperger-Syndroms subsumieren lasse. 
Die von Dr. med. E.________ getätigte Diagnosenwahl sei für den RAD 
auch ohne den Gebrauch der Diagnose Asperger-Syndrom ohne weiteres 
nachvollziehbar und dies betreffe auch die von ihm beschriebenen Funkti-
onsbeeinträchtigungen. Weiter führte der RAD-Arzt aus, gemäss der gel-
tenden schweizerischen "Qualitätsleitleitlinien für versicherungspsychiat-
rische Gutachten" vom 16. Juni 2016 liege der Gebrauch von Tests, 
Fragebögen, Selbst- oder Fremdratingbögen ausschliesslich im Ermessen 
des Gutachters und die Wertigkeit bzw. Beweiskraft eines Gutachtens be-
stimme sich auch nach höchstrichterlicher Rechtsprechung nicht danach, 
ob solche Tests angewandt worden seien oder nicht. Die geschilderten 
Befunde und Diagnosen seien lege artis in einer insgesamt dreistündigen 
Untersuchung erhoben bzw. festgestellt worden und lieferten keinen An-
haltspunkt dafür, dass hinsichtlich einer evtl. Autismusspektrumstörung 
noch eine Spezialdiagnostik anzuwenden gewesen wäre. Die Tatsache, 
dass Dr. med. E.________ auf Seiten der Behandler kritisiere, dass von 
diesen von ihm genannte "strukturierte Diagnoseinstrumente" nicht ange-
wandt worden seien, beweise zum einen, dass er die bestehenden Instru-
mente kenne, zum anderen weise er aber auch darauf hin, dass auch die 
auswärts erhobenen klinischen Befunde aus seiner Sicht nicht wegleitend 
für eine Asperger-Diagnosestellung gewesen seien. Dass in dem Kontext 
ein auch nur evtl. (da immer auch vor dem klinischen Hintergrund zu würdi-
gen) beweiskräftiges Instrument nicht angewandt worden sei, werde von 
Dr. med. E.________ kritisiert. Daraus könne nicht im Umkehrschluss ge-
folgert werden, dass Dr. med. E.________ diesen Test selber hätte an-

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wenden müssen. Die Indikationsstellung für die Anwendung von Tests er-
gebe sich immer aus einer klinischen Fragestellung heraus, z.B. zur verfei-
nernden Analyse eines schon bestehenden Verdachtes. Ein solcher Ver-
dacht bestehe hier klinisch nicht bzw. ergebe sich nicht aus Dr. med. 
E.________ Befunden und ein solcher müsse von daher auch weder näher 
bewiesen noch falsifiziert werden. Für den RAD sei der Sachverhalt mit 
dem vorliegenden Gutachten umfassend und tadellos abgeklärt, ein zwei-
tes brauche es nicht. 

3.4 Im Verlaufsbericht der psychiatrischen Dienste F.________ vom 
19. Oktober 2020 (act. I 3) wurden die folgenden Diagnosen nach ICD-10 
aufgeführt:

 F33.11 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
 F84.5 Asperger-Syndrom
 Chronische Spannungsschmerzen

Die behandelnden Ärzte gaben an, da nach Compendium die Medikation 
von Ritalin individuell, den Bedürfnissen bzw. dem Ansprechen des einzel-
nen Patienten entsprechend, erfolgen solle, sei die vorbestehende Medika-
tion mit 10mg Ritalin bei guter Wirkung und Verträglichkeit unverändert 
belassen worden. Wirkspiegelkontrollen dieser Medikation seien mangels 
Aussagekraft nicht durchgeführt worden. Die Beschwerdeführerin habe bei 
Eintritt ein depressives Zustandsbild präsentiert, welches sich im Rahmen 
der Grunddiagnose aus dem Autismusspektrum vordergründig körperlich in 
Form von Spannungskopfschmerzen geäussert habe. Zusätzlich sprächen 
die Antriebsstörung, Freudlosigkeit, Schlafstörungen mit verkürzter Schlaf-
dauer, Affektlabilität, Konzentrationsstörungen, die pessimistische Zu-
kunftsperspektive und Essattacken insgesamt für ein mittelgradig 
depressives Syndrom. Die Entstehung der depressiven Reaktion sei eng 
an die äusseren Umstände geknüpft, insbesondere an die fehlende Zu-
kunftsperspektive respektive Orientierung/Kontrolle als psychologisches 
Grundbedürfnis nach K. Grawe. Seitdem das Autismus-spezialisierte Hel-
fersystem plötzlich weggefallen sei, nachdem die IV die weitere Zahlung 
eingestellt habe, sei es zu einer stetigen Verschlechterung der sozialen 
Leistungsfähigkeit gekommen und schliesslich durch mehrere Misserfolge 
zur Ausbildung eines depressiven Syndroms. Anamnestisch sei zu erfahren 

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gewesen, dass die Beschwerdeführerin mit Unterstützung durch den Au-
tismus-Coach eine gute Adaptation an die neurotypische Umgebung ge-
lungen sei, was ihr Erfolg in der Vergangenheit gezeigt habe (Gymnasi-
ums-Abschluss). Die Beschwerdeführerin nehme motiviert am 
Therapieangebot der Tagesklinik teil und könne durch ihre guten sprachli-
chen Ressourcen die interaktionellen Schwierigkeiten innerhalb des thera-
peutischen Milieus gut kompensieren, was bei weiblichen Patienten mit 
Asperger-Syndrom häufig zu beobachten sei.

4.

4.1

4.1.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

4.1.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

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4.1.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

4.2 Der Gutachter Dr. med. E.________ hat in seinem Gutachten vom 
4. März 2020 (act. II 180) hinsichtlich der von den behandelnden Ärzten 
bisher (wie auch nach der Begutachtung) in den Vordergrund gestellten 
Diagnose eines Aspergers-Syndroms bzw. einer autistischen Störung 
nachvollziehbar Zweifel angemeldet. Er hat dabei schlüssig dargelegt (act. 
II 180/22 f.), dass die aktuellen Untersuchungsergebnisse in Bezug auf die 
Kommunikations- und Interaktionsfähigkeiten der Beschwerdeführerin zeig-
ten, dass sie sowohl verbale und nonverbale Kommunikations- und Interak-
tionsfähigkeiten und -kompetenzen besitze und sie auch über Fähigkeiten 
zur sozial-emotionalen Gegenseitigkeit verfüge. Die in den Akten vorhan-
denen Beschreibungen der Sozialkompetenzen entsprächen diesen Beob-
achtungen wie auch die Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe schon 
wiederholte Male Rückmeldungen erhalten, dass sie gute kommunikative 
Fähigkeiten besitze. Der Gutachter schloss deshalb, dies könne nicht mit 
der von den bisherigen Behandlern mit Spezialgebiet Psychiatrie langjährig 
gestellten Diagnose in Übereinstimmung gebracht werden. Die Hauptkrite-
rien für eine autistische Störung seien Defizite in diesen Fähigkeitsberei-
chen. Unbesehen dessen haben jedoch die behandelnden Ärzte der 
psychiatrischen Dienste F.________ mit dem im vorliegenden Verfahren 
aufgelegten neuen Bericht vom 19. Oktober 2020 nach Austausch mit der 
Autismussprechstunde nochmals ausdrücklich ihre Diagnose des Asper-
ger-Syndroms bestätigt und ausgeführt, diese sei klar nachvollziehbar. 
Weitere entsprechenden Abklärungen erachteten sie als kontraindiziert 
(act. I 3). Mit Blick auf diese je für sich nachvollziehbaren, jedoch konträren 
Ausführungen bestehen zwar gewichtige Zweifel an der der Behandlung 
zugrunde gelegten Diagnose, ohne dass hierüber jedoch bereits hinrei-

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chende Klarheit besteht und das Gericht die eine oder andere medizinische 
Einschätzung als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zutreffend erach-
ten kann.

Unabhängig von der Verneinung der Diagnose des Asperger-Syndroms 
geht der Gutachter von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus, wobei er 
ausführte, die Beschwerden seien besser vereinbar mit sozial phobisch-
vermeidenden und selbstunsicheren Störungsformen der Persönlichkeits-
entwicklung. Daher sei festzustellen, dass die aktuelle Untersuchung die 
Diagnose einer autistischen Störung nach ICD-10 nicht bestätige. In Bezug 
auf die gutachterlich alternativ gestellten Diagnosen (act. II 180/24) gilt es 
zunächst festzuhalten, dass Dr. med. E.________ diese zwar entlang den 
Vorgaben gemäss ICD-10 abhandelt (act. II 180/19 - 23), eine überzeu-
gende Diskussion und Abgrenzung, insbesondere hinsichtlich der sich auf 
mehrere der Diagnosen beziehenden und insoweit mehrfach verwendeten 
Symptome, hingegen weitgehend fehlt. Der Gutachter stellt seine Diagno-
sen gleichwertig nebeneinander und spricht von einem komplexen psychi-
schen Gesundheitsschaden mit multiplen Komorbiditäten (act. II 180/24), 
ohne eine Grunderkrankung oder eine leitende Hauptdiagnose zu stellen. 
Die Diagnostik des Gutachters erscheint denn auch basierend auf den 
Symptomen rein beschreibend. Eine hinreichende Diskussion der Frage, 
ob die Symptomatik einer Persönlichkeitsstörung zuzuordnen ist, wofür 
durchaus Anzeichen bestehen, erfolgte nicht. Daran ändert auch die gut-
achterlich gestellte Diagnose der sonstigen abnormen Gewohnheiten und 
Störungen der Impulskontrolle, ICD-10 F63.8, nichts, bezeichnet er diese 
doch weder als führend noch klärte er vor dem Hintergrund der Entwick-
lungsbiographie, ob die präsentierten Symptome integral Ausdruck einer 
Persönlichkeits- und Verhaltensstörung nach dem Kapitel ICD-10 F6 sind. 
Mit der Bezeichnung des gesamten Verhaltens mit all seinen Auffälligkeiten 
auf gleicher Stufe mit allen anderen Diagnosen als "Sonstige abnorme Ge-
wohnheiten und Störungen der Impuls-kontrolle" (ICD-10: F63.8; act. II 
180/22) bleibt deshalb die Frage ungeklärt, ob die besonderen Verhaltens-
weisen, wenn nicht einem Asperger-Syndrom geschuldet, nicht doch die 
Präsentation einer Persönlichkeitsstörung oder akzentuierter Persönlich-
keitszüge sind. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, IV/20/769, Seite 14

Vor diesem Hintergrund entbehrt die Festlegung des Leistungsprofils einer 
hinreichenden medizinischen Einschätzung des Gesundheitsschadens. 
Dazu ist schliesslich auch nicht nachvollziehbar, wie der psychiatrische 
Gutachter Einschränkungen in der körperlichen Belastungsfähigkeit an-
nehmen konnte ("körperlich nicht belastende Tätigkeit"), obwohl er vorgän-
gig ausdrücklich festgehalten hat, zur körperlichen Einschränkung könne er 
nicht Stellung nehmen (act. II 180/27). Wenn er davon ausgehen sollte, die 
körperliche Leistungsfähigkeit sei aus psychischen Gründen eingeschränkt, 
so wäre dafür keine Grundlage ersichtlich. Tatsächlich ist neben der psy-
chischen Seite auch der somatische Gesundheitszustand nicht hinreichend 
geklärt, wurden doch immerhin chronischen Kopfschmerzen (vgl. act. II 
158/11), eine Adipositas Grad III (act. II 180/23) und ein Lumbovertebral-
syndrom (act. II 158/11) diagnostiziert.

Zufolge der derzeit ungenügenden Abklärungen ist die Sache zur polydis-
ziplinären Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die-
se wird dabei – nebst der Einholung aktueller Berichte der behandelnden 
Ärzte – vorab zu klären haben, ob und in welcher Weise (vor der Begutach-
tung) Anpassungen in therapeutischer Hinsicht sowie IV-unterstützte kondi-
tionierende Massnahmen möglich und notwendig sind. Dies ist nicht zuletzt 
mit Blick auf das junge Alter der Beschwerdeführerin und die früheren 
Schulerfolge von besonderer Wichtigkeit. 

4.3 Nach dem Dargelegten ist in Gutheissung der Beschwerde die an-
gefochtene Verfügung vom 9. September 2020 (act. II 198) aufzuheben 
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie – 
nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

5.

5.1 Gemäss aArt. 69 Abs. 1bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig 
gewesenen und hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) ist das 
Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitig-
keiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kosten-
pflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig 
vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, IV/20/769, Seite 15

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.-- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechts-
kraft des Urteils zurückzuerstatten.

5.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge-
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g 
ATSG).

Rechtsanwältin B.________ macht mit Kostennote vom 8. Dezember 2020 
ein Honorar von Fr. 3'577.50 (13.25 Std. à Fr. 270.--) zuzüglich Auslagen 
von Fr. 146.-- und Mehrwertsteuer von Fr. 286.70 (7.7 % von Fr. 3'723.50), 
total Fr. 4'010.20, geltend, was nicht zu beanstanden ist. Die Parteien-
tschädigung wird demnach für das vorliegende Verfahren auf Fr. 4'010.20 
(inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt; diesen Betrag hat die Beschwer-
degegnerin der Beschwerdeführerin zu ersetzen.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 9. September 2020 aufgehoben und die Sache an 
die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach dem Vor-
gehen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete 
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird ihr nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, IV/20/769, Seite 16

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 4'010.20 (inkl. Auslagen und MWST), zu 
ersetzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, IV/20/769, Seite 17

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.