# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 75881660-9d42-5874-b0da-003c9a39b47d
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-08
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 08.06.2021 SK 2020 320
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-320_2021-06-08.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 20 320

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 8. Juni 2021 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin i.V.), 
Oberrichter Aebi, Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiber Stähli

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________

Strafklägerin 1

und

D.________

Strafklägerin 2

und

E.________

Strafklägerin 3

und

2

F.________

Straf- und Zivilklägerin 4

Gegenstand Raub, mehrfach und bandenmässig qualifiziert begangen, und 
Freiheitsberaubung, mehrfach begangen

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Kolle-
gialgericht) vom 20. Mai 2020 (PEN 19 497)

3

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Oberland (Kollegialgericht in Fünferbesetzung; nachfolgend 
Vorinstanz) fällte über A.________ (nachfolgend Beschuldigter) am 20. Mai 2020 
das folgende Urteil (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 708; Hervorhebungen 
im Original):

A.________ wird schuldig erklärt:

1. des Raubs, mehrfach und bandenmässig qualifiziert begangen

1.1. am 8. März 2007 in Interlaken, gemeinsam mit G.________, H.________ und 
I.________, zNd J.________ (AG), von K.________, L.________, M.________ und 
N.________;

1.2. am 9. Mai 2007 in Montreux, gemeinsam mit O.________ und I.________, zNd. 
C.________ (Sàrl);

1.3. am 5. Dezember 2007 in Interlaken, gemeinsam mit P.________, Q.________, 
R.________ und S.________, zNd J.________(AG), der T.________ (SA) und der 
U.________ (SA);

2. der Freiheitsberaubung, mehrfach begangen

2.1. am 8. März 2007 in Interlaken, gemeinsam mit G.________, H.________ und 
I.________, zNv V.________;

2.2. am 9. Mai 2007 in Montreux, gemeinsam mit O.________ und I.________, zNv 
F.________;

und in Anwendung der 
Art. 47, 49 Abs. 1, 51, 140 Ziff. 3 Abs. 1, 183 Ziff. 1 StGB, 
Art. 426 StPO.

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 6 Monaten.

Die Untersuchungshaft und Sicherheitshaft von 555 Tagen werden im Umfang von 555 Tagen 
auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

2. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren und Auslagen der Staatsan-
waltschaft von CHF 22'594.70 (Gebühren CHF 15'000.00, Auslagen CHF 7'594.70), Auftritt 
Staatsanwaltschaft von CHF 1’000.00 und Gebühren des Gerichts von CHF 5’000, insgesamt 
bestimmt auf CHF 28'594.70.

Im Weiteren bestimmte die Vorinstanz die Entschädigung und das volle Honorar 
des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten, Fürsprecher B.________ (Ziff. II. 
des erstinstanzlichen Urteils; pag. 709). Im Zivilpunkt verwies sie die Zivilklage der 

4

Straf- und Zivilklägerin F.________ (nachfolgend Straf- und Zivilklägerin 4) auf den 
Zivilweg; ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten (Ziff. III. des erstinstanzlichen 
Urteils; pag. 709). 

Weiter verfügte die Vorinstanz, dass der Beschuldigte in Sicherheitshaft verbleibt 
und begründete diesen Entscheid kurz (Ziff. IV.1. des erstinstanzlichen Urteils; 
pag. 710). Sie verfügte, dass die Zustimmung zur Löschung des vom Beschuldig-
ten erstellten DNA-Profils (W.________ (PCN)) sowie der vom Beschuldigten er-
hobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten durch die zuständigen Stel-
len nach Ablauf der gesetzlichen Fristen einzuholen sei (Ziff. IV.2. des erstinstanz-
lichen Urteils; pag. 710). Letztlich verfügte die Vorinstanz die Rückgabe der Vorak-
ten X.________ (Akten-Nr.) an die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region 
Oberland, nach Eintritt der Rechtskraft. 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die Verteidigung des Beschuldigten am 27. Mai 2020 
fristgerecht Berufung an (pag. 719). Dem folgte am 3. August 2020 die frist- und 
formgerechte Berufungserklärung (pag. 801 ff.). 

Innert angesetzter Frist erklärte die Generalstaatsanwaltschaft Anschlussberufung 
(pag. 882). Die Strafklägerinnen 1-3 und die Straf- und Zivilklägerin 4 liessen sich 
hierzu innert Frist nicht vernehmen. 

3. Vorfragen

Die Berufungserklärung vom 3. August 2020 beinhaltete bereits eine eingehende 
Begründung. Der Verteidigung des Beschuldigten wurde zur Kenntnis gebracht, 
dass eine Begründung der Berufung im Gesetz nicht vorgesehen ist und diese in 
der Praxis regelmässig aus den Akten gewiesen wird (pag. 882 f.). Da jedoch in der 
Begründung der Berufungserklärung auch strafprozessuale Vorfragen aufgeworfen 
werden, erkannte die Verfahrensleitung diese zu den Akten und gewährte den Par-
teien Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Generalstaatsanwaltschaft reichte innert 
Frist ihre Stellungnahme zu den Vorfragen ein (pag. 890). Die Strafklägerinnen 1-3 
und die Straf- und Zivilklägerin 4 liessen sich hierzu innert Frist nicht vernehmen. 

3.1 Vorliegen eines Verfahrenshindernisses

3.1.1 Anträge der Verteidigung und Stellungnahme der Generalstaatsanwaltschaft

Die Verteidigung des Beschuldigten stellte zusammengefasst den Antrag, das Ver-
fahren sei aufgrund eines Verfahrenshindernisses einzustellen (pag. 804 ff.). Zur 
Begründung führte sie an, der Beschuldigte sei wegen der gleichen Straftaten be-
reits in Russland verurteilt worden. Eventualiter sei die in Russland verbüsste Frei-
heitsstrafe an die vorliegende anzurechnen. 

Die Generalstaatsanwaltschaft führte hierzu aus, es seien keine Anhaltspunkte für 
ein Strafverfahren in Russland gleichen Gegenstands ersichtlich. Daher seien die 
Anträge der Verteidigung abzuweisen (pag. 890 f.).

5

An der oberinstanzlichen Verhandlung vom 8. Juni 2021 bestätigten die Verteidi-
gung und die Generalstaatsanwaltschaft ihre bisherigen Standpunkte (pag. 1029 f.; 
pag. 1033 f.).

3.1.2 Beschluss der Kammer

Das Vorliegen eines Prozesshindernisses verneinte die Kammer und wies den An-
trag der Verteidigung des Beschuldigten auf Einstellung des Verfahrens bereits mit 
Beschluss vom 19. April 2021 ab (pag. 971, Ziff. 2). Zur Begründung wird auf den 
Beschluss verwiesen. Aufgrund der neuerlichen Vorbringen an der oberinstanzli-
chen Verhandlung wird ergänzend das Folgende festgehalten:

Gemäss dem in Art. 11 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 
5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0) festgehaltenen Verbot doppelter Strafverfolgung 
(ne bis in idem) darf, wer in der Schweiz rechtskräftig freigesprochen oder verurteilt 
worden ist, wegen der gleichen Straftat nicht erneut verfolgt werden. Das Verbot 
doppelter Strafverfolgung kommt nur bei inländischen Urteilen zum Zuge, wie sich 
schon aus dem Gesetzeswortlaut ergibt. Ausländische Urteile über eine Straftat 
können die Strafverfolgung in der Schweiz nur dann hindern, wenn der Täter auf 
Ersuchen der Schweizerischen Behörden im Ausland verfolgt worden ist (Art. 3 
Abs. 3 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 [StGB; 
SR 311.0]). Ein solches Gesuch erging im vorliegenden Verfahren nicht. Eine Ein-
stellung des Verfahrens kommt daher von vornherein nicht infrage. Vielmehr lehnte 
die zuständige bernische Staatsanwaltschaft ein Ersuchen der Strafverfolgungs-
behörden der Russischen Föderation um stellvertretende Strafverfolgung vom 2. 
Juli 2009 mit Verfügung vom 5. Januar 2012 ab (pag. 571 ff.). 

Eine Verurteilung in Russland wegen derselben Straftaten wäre nur insoweit zu 
berücksichtigen, als dass die dort vollzogene Strafe an die vorliegend auszuspre-
chende Strafe anzurechnen wäre (Art. 3 Abs. 2 StGB). Es bestehen jedoch keiner-
lei Anhaltspunkte dafür, dass ein Strafverfahren in Russland im Zusammenhang 
mit den hier zu beurteilenden Vorwürfen durchgeführt und zum Abschluss gebracht 
worden ist. Weiter ist nicht einzusehen, wie die russischen Strafverfolgungsbehör-
den nach Ablehnung ihres Gesuchs um stellvertretende Strafverfolgung überhaupt 
über die erforderlichen Akten hätten verfügen können. Dem Gesuch der russischen 
Behörden ist zu entnehmen, dass das Strafverfahren in Russland gegen den Be-
schuldigten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, nicht jedoch die 
vorliegend interessierenden Sachverhalte, zum Gegenstand hatte (pag. 533 ff.). 
Dahingehend äusserte sich der Beschuldigte mehrmals, auch dass der zwischen-
zeitlich ergangene Schuldspruch in Russland ausschliesslich die Betäubungsmit-
teldelikte betraf (pag. 633, Z. 26 ff; pag.; 664, Z. 23f.; pag. 1017, Z. 31; pag. 1031). 
Nur am Rande zu erwähnen ist, dass die Raubüberfälle in der Schweiz bei den 
russischen Behörden auch deshalb kein Thema sein konnten, weil sieben Uhren, 
wovon sechs den Raubüberfällen vom 8. März 2007 und 5. Dezember 2007 zuge-
ordnet werden konnten, der Freundin des Beschuldigten herausgegeben wurden.

3.2 Beweisverwertbarkeit

Die Verteidigung stellte weiter den Antrag, die Aussagen von acht am Verfahren 
beteiligten Personen (P.________, R.________, Q.________ [vormals 

6

Q.________ (Pseudonym)], S.________ [neu S.________ (Pseudonym)], 
O.________, I.________, G.________ und H.________) seien infolge Verletzung 
des Konfrontationsanspruchs des Beschuldigten als unverwertbar zu qualifizieren 
und aus den Akten zu weisen. 

Die Kammer beschloss am 19. April 2021, über die aufgeworfene Frage der Be-
weisverwertbarkeit mit dem Endentscheid zu befinden (pag. 971, Ziff. 1; dazu so-
gleich E. 11. unten).

4. Ansetzen der oberinstanzlichen Verhandlung und Antrag auf Verschiebung

Mit Verfügung vom 17. Februar 2021 wurde die oberinstanzliche Verhandlung auf 
den 8. Juni 2021 angesetzt (pag. 941 ff.). Mit Eingabe vom 3. Juni 2021 (Eingang: 
4. Juni 2021) beantragte die Verteidigung des Beschuldigten die Verhandlung vom 
8. Juni 2021 ab- und an einem späteren Termin neu anzusetzen (pag. 1000 f.). In 
der Begründung wurde angeführt, der Beschuldigte habe ein Urteil aus Russland in 
der gleichen Sache ausfindig machen und anfordern können. Dessen Eintreffen 
könne nicht vor dem veranschlagten Verhandlungstermin erwartet werden, es habe 
aber potenziellen Einfluss auf das vorliegende Berufungsverfahren. 

Mit Verfügung vom 4. Juni 2021 wurde der Antrag abgewiesen (pag. 1003). Zur 
Begründung wurde auf die Ausführungen im bereits erwähnten Beschluss der 
Kammer vom 19. April 2021 (pag. 970 ff.) verwiesen (dazu E. 3.1 oben). 

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen holte die Kammer betreffend den Beschuldigten einen 
Führungsbericht des Regionalgefängnisses Thun (datierend vom 20. Mai 2021; 
pag. 993 f.) und einen Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister (datierend 
vom 21. Mai 2021; pag. 996) ein. Den Parteien wurden Kopien zugestellt. Die 
Kammer beantragte in Russland mittels Auslandanfrage einen aktuellen Strafregis-
terauszug über den Beschuldigten (pag. 966). Dieser konnte trotz rechtzeitiger An-
frage am 1. April 2021 nicht bis zur oberinstanzlichen Verhandlung erhältlich ge-
macht werden (pag. 992). 

Weiter richtete der Beschuldigte am 6., 8. und 14. April 2021 mehrere Briefe an die 
Verfahrensleiterin. Diese wurden übersetzt und der Verteidigung des Beschuldigten 
zur Kenntnis gebracht, jedoch gemäss Verfügung vom 26. April 2021 nicht zu den 
Akten erkannt (pag. 978 f.). 

Der Beschuldigte wurde an der Berufungsverhandlung vom 8. Juni 2021 erneut zur 
Person und zur Sache einvernommen (pag. 1016 ff.).

6. Anträge der Parteien

6.1 Anträge des Beschuldigten

In der Berufungserklärung stellte die Verteidigung des Beschuldigten die folgenden 
Anträge (pag. 803 f.):

1. Der Beschuldigte sei freizusprechen vom Vorwurf des Raubes, mehrfach und bandenmässig 
begangen,

7

1.1 am 8. März 2007 in Interlaken zNd J.________(AG), von K.________, L.________, 
M.________ und N.________ gemeinsam mit G.________, H.________ und I.________

1.2 am 9. Mai 2007 in Montreux zNd C.________ (Sàrl) und gemeinsam mit O.________ und 
I.________

1.3 am 5. Dezember 2007 in Interlaken zNd J.________(AG), der Fa. T.________ und der 
U.________(SA) gemeinsam mit P.________, Q.________, R.________ und 
S.________.

2. Der Beschuldigte sei freizusprechen vom Vorwurf der Freiheitsberaubung, mehrfach begangen,

2.1 am 8. März 2007 in Interlaken zNv V.________ gemeinsam mit G.________, 
H.________ und I.________

2.2 am 9. Mai 2007 in Montreux zNv F.________ gemeinsam mit O.________ und 
I.________

3. Das DNA-Profil des Beschuldigten sei zu löschen.

4. Dem Beschuldigten seien gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO die Kosten für die angemesse-
ne Ausübung ihrer [recte: seiner] Verfahrensrechte zu entschädigen, d.h. der Staat hat die Ver-
teidigungskosten des Beschuldigten zu tragen. 

5. Dem Beschuldigten sei gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO eine Entschädigung in Höhe von 
CHF 52'050.00 auszurichten.

6. Dem Beschuldigten sei gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO eine Genugtuung in Höhe von 
CHF 90'800.00 auszurichten.

7. Die Kosten für die Übersetzung seien dem Beschuldigten gestützt auf Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO 
zu ersetzen. 

8. Die Kosten des Verfahrens seien vom Staat zu tragen.

9. Eventualiter:

9.1 Im Falle einer Verurteilung sei das Verfahren gestützt auf die in Russland durchgeführten 
oder noch hängigen Verfahren gestützt auf das Opportunitätsprinzip einzustellen

9.2 Im Falle einer Verurteilung sei, sofern in Russland ein abgeschlossenes Verfahren vor-
liegt in derselben Sache, auf die Ausfällung einer Strafe zu verzichten um das Verbot ei-
ner doppelten Strafverfolgung nicht zu verletzen oder gestützt auf Art. 3 Abs. 2 StGB die 
bereits vollzogene Haft auf die auszusprechende Strafe wegen der gleichen Tat anzu-
rechnen.

9.3 Im Falle eines noch hängigen Verfahrens in Russland sei gestützt auf Art. 8 Abs. 2 lit. c 
und Abs. 3 StPO das Verfahren zu sistieren bis zum Abschluss des Verfahrens vor den 
russischen Behörden

9.4 Der Beklagte [recte: Beschuldigte] sei unverzüglich aus der Sicherheitshaft zu entlassen 
und es sei keine neue Untersuchungshaft anzuordnen. 

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung wiederholte die Verteidigung 
des Beschuldigten die gestellten Anträge (pag. 1045 f.). 

6.2 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung stellte die Generalstaatsan-
waltschaft die folgenden Anträge (pag. 1043 f.): 

8

I.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. des Raubes, mehrfach und bandenmässig qualifiziert begangen

1.1 am 8. März 2007 in Interlaken, gemeinsam mit G.________, H.________ und 
I.________, z.N. J.________(AG), K.________, L.________, M.________ und 
N.________

1.2 am 9. Mai 2007 in Montreux, gemeinsam mit O.________ und I.________, z.N. Fa. 
C.________;

1.3 am 5. Dezember 2007 in Interlaken, gemeinsam mit P.________, Q.________, 
R.________ und S.________, z.N. J.________(AG), FA T.________ und 
U.________(SA);

2. der Freiheitsberaubung, mehrfach begangen

2.1 am 8. März 2007 in Interlaken, gemeinsam mit G.________, H.________ und 
I.________, z.N. V.________;

2.2 am 9. März 2007 in Montreux, gemeinsam mit O.________ und I.________, z.N. 
F.________.

II.

A.________ sei in Anwendung von Art. 47, 49 Abs. 1, 51, 140 Ziff. 3 Abs. 1, 183 Ziff. 1 StGB; Art. 426 
ff. StPO

zu verurteilen

1. zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- 
und Sicherheitshaft von 918 Tagen und mit vorzeitigem Strafantritt am 19. Mai 2021;

2. Zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

III.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. A.________ sei in Sicherheitshaft zu belassen (Art. 231 Abs. 1 Bst. a StPO).

2. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

3. Dem zuständigen Bundesamt sei vorzeitig die Zustimmung zur Löschung des von A.________ 
erstellten DNA-Profils (W.________ (PCN)) nach Ablauf der gesetzlichen Frist zu erteilen (Art. 
16 Abs. 4 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 DNA-ProfilG)

4. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst sei vorzeitig die Zustimmung zur Löschung 
der über A.________ erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der 
gesetzlichen Frist zu erteilen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbei-
tung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 

5. Die Vorakten X.________ seien der Staatsanwaltschaft Oberland nach Eintritt der Rechtskraft 
dieses Urteils zurückzugeben. 

6.3 Anträge der übrigen Parteien

Den Strafklägerinnen 1-3 und der Straf- und Zivilklägerin 4 wurde das Erscheinen 
an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung freigestellt. Sie sind ferngeblieben und 
haben vorgängig keine schriftlichen Anträge gestellt.

9

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte ficht das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich an. Zu überprüfen 
sind somit die Ziff. I.1. (Schuldspruch wegen mehrfachen, bandenmässig qualifi-
zierten Raubs) sowie die Ziff. I.2. des erstinstanzlichen Urteils (Schuldspruch we-
gen mehrfacher Freiheitsberaubung). Gestützt darauf ist die Strafzumessung zu 
überprüfen. Konsequenterweise ist auch die erstinstanzliche Verlegung der Verfah-
renskosten Gegenstand des oberinstanzlichen Verfahrens (Art. 428 Abs. 3 StPO). 
Ausserdem muss die Entschädigung der amtlichen Verteidigung für das gesamte 
Verfahren festgesetzt werden (Art. 135 Abs. 2 StPO). Der Rechtskraft nicht 
zugänglich und daher ebenso neu zu beurteilen sind die Verfügungen betreffend 
das vom Beschuldigten erstellte DNA-Profil und die vom Beschuldigten erhobenen 
biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. IV.2. des erstinstanzlichen Ur-
teils). 

Infolge vollumfänglicher Berufung ist auch der Entscheid der Vorinstanz im Zivil-
punkt Gegenstand des oberinstanzlichen Verfahrens (Ziff. III.1. des erstinstanzli-
chen Urteils). Davon erfasst ist auch der Verzicht auf Kostenausscheidung für die 
Zivilklage (Ziff. III.2. des erstinstanzlichen Urteils). 

Bei den zu überprüfenden Punkten verfügt die Kammer über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). Es gilt das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 
Abs. 2 StPO; die Kammer darf das Urteil nicht zum Nachteil des Beschuldigten 
abändern. Das gilt auch für den Entscheid im Zivilpunkt (SCHMID/JOSITSCH, StPO 
Praxiskommentar, 3. Auflage, Art. 392 N 8). Davon ausgenommen ist jedoch infol-
ge der Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft die Strafzumessung. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorbemerkung

Für die allgemeinen Grundlagen zur Beweiswürdigung wird auf die korrekten Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen (Ziff. III.1. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; 
pag. 735 f.). 

9. Aktenordnung

Die Akten des vorliegenden Verfahrens beinhalten Akten der getrennt gegen die 
Tatbeteiligten der Raubüberfälle geführten Verfahren. Die Paginierung der Akten ist 
daher nicht fortlaufend. Die Aktenordnung gestaltet sich wie folgt: 

Hauptakten:

- PEN 19 497, Ordner 1a: Akten der Vorinstanz des Verfahrens gegen den Be-
schuldigten;

- PEN 19 497, Ordner 1b: Akten der Vorinstanz des Verfahrens gegen den Be-
schuldigten;

- PEN 19 497, Ordner 1c: Motiv der Vorinstanz betreffend den Beschuldigten;

- SK 20 320, Band ab Eingang Obergericht.

10

Die Hauptakten sind fortlaufend paginiert und werden unter Angabe der Fundstelle 
als «pag. XXXX» zitiert. 

Nebenakten:

- PEN 19 497, Ordner 2: Akten des gegen G.________, O.________ und 
I.________ wegen der Raubüberfälle am 8. März 2007 in Interlaken und am 9. 
Mai 2007 in Montreux geführten Verfahrens;

- PEN 19 497, Ordner 3: Akten des unter anderem gegen P.________ geführten 
Verfahrens wegen des Raubüberfalles am 5. Dezember 2007 in Interlaken;

- PEN 19 497, Ordner 4, Akten des unter anderem gegen S.________ und 
R.________ geführten Verfahrens wegen des Raubüberfalles am 5. Dezember 
2007 in Interlaken.

Die Nebenakten sind separat fortlaufend paginiert, wobei jeweils die vierstellige ro-
te Paginierung zu beachten ist. Sie werden mit einem Hinweis auf die Nebenakten 
zitiert («Nebenakten pag. XXXX»). 

Weitere Akten:

- PEN 19 497, Ordner 1;

- SK 20 321, Haftverfahren des Beschuldigten vor Obergericht.

Diese weiteren Akten sind grösstenteils nicht paginiert. Allfällige Fundstellen wer-
den individuell zitiert. 

10. Rahmengeschehen

Im Jahr 2007 ereigneten sich drei (nachfolgend aufgelistete) Raubüberfälle auf Ju-
weliergeschäfte und Bijouterien in Interlaken und Montreux. Es konnten mehrere 
(ebenfalls nachfolgend aufgelistete) Tatbeteiligte, allesamt russischer Staatsbür-
gerschaft, ermittelt werden:

- Am 8. März 2007 bei der J.________ (AG), Interlaken; Tatbeteiligte: 
G.________, H.________ und I.________; Ziff. I.1.1. und I.2.1. der Anklage-
schrift zum Nachteil von V.________ (pag; 489 ff.; vgl. dazu Urteil des Kreisge-
richts XI Interlaken-Oberhasli vom 22. August 2008 in Sachen G.________ und 
I.________, Nebenakten pag. 153 ff.; und Urteil des Regionalgerichts Oberland 
unter anderem in Sachen H.________ vom 31. Januar 2014, Nebenakten pag. 
259 ff.);

- Am 9. Mai 2007 bei der Bijouterie C.________, Montreux; Tatbeteiligte: 
O.________ und I.________; Ziff. I.1.2. und I.2.2. der Anklageschrift zum Nach-
teil der Straf- und Zivilklägerin 4 (pag. 490 ff.; vgl. dazu Urteil des Kreisgerichts 
XI Interlaken-Oberhasli vom 22. August 2008 unter anderem in Sachen 
I.________, Nebenakten pag. 153 ff.);

- Am 5. Dezember 2007 bei der J.________(AG), Interlaken; Tatbeteiligte: 
P.________, Q.________(Pseudonym) bzw. Q.________, R.________ und 
S.________ bzw. S.________(Pseudonym); Ziff. I.1.3. der Anklageschrift (pag. 
491 ff.; vgl. dazu Urteil des Regionalgerichts Oberland unter anderem in Sa-

11

chen S.________ vom 20. Januar 2012, Nebenakten pag. 0857 ff.; und Urteil 
des Kreisgerichts XI Interlaken-Oberhasli in Sachen R.________ vom 29. Mai 
2008, Nebenakten pag. 697 ff.; ferner Urteil des Kreisgerichts XI Interlaken-
Oberhasli unter anderem in Sachen P.________ vom 16. April 2009, Nebenak-
ten pag. 617 ff.).

Die acht vorgenannten als Täter ermittelte Personen wurden in der Schweiz 
rechtskräftig verurteilt und nach Verbüssung ihrer Freiheitsstrafen nach Russland 
zurückgeführt (pag. 602 ff.). Im Zuge dieser Verfahren benannten mehrere Täter 
den Beschuldigten als «Chef» bzw. «Meister», der bei den Raubüberfällen jeweils 
im Hintergrund gewirkt habe. Der Beschuldigte wurde international zur Verhaftung 
ausgeschrieben (pag. 21 ff.). Am 13. November 2018 konnte er in Finnland ange-
halten werden (pag. 48 ff.). Er wurde am 20. Februar 2019 an die Schweizerischen 
Strafverfolgungsbehörden ausgeliefert (pag. 135). 

Den Aussagen des Beschuldigten zufolge habe er als administrativer Organisator 
fungiert. Im Zuge dessen habe er u.a. Pässe und Visa für die vorgenannten Tatbe-
teiligten beschafft sowie Hotelübernachtungen, Verpflegung und Transportmittel 
organisiert. Der Beschuldigte bestritt, an den Raubüberfällen beteiligt gewesen zu 
sein oder überhaupt davon gewusst zu haben. 

11. Beweisverwertbarkeit

11.1 Anträge des Beschuldigten und Stellungnahme der Generalstaatsanwalt-
schaft

Vorab ist auf den in E. 3.2 oben wiedergegebenen Antrag der Verteidigung einzu-
gehen. Zur Begründung wird angeführt, der Konfrontationsanspruch habe 
grundsätzlich absoluten Charakter. Unkonfrontiert ergangene Aussagen dürften nur 
dann verwertet werden, wenn ihnen als Beweismittel keine alleinige oder aus-
schlaggebende Bedeutung zukomme («sole-or-decisive»-Prüfung). Den Aussagen 
komme jedoch vorliegend alleinige bzw. ausschlaggebende Bedeutung zu. 

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte in ihrer Stellungnahme vom 14. August 
2020, der Antrag der Verteidigung sei abzuweisen (pag. 890). Angesichts der Aus-
sagen des Beschuldigten und der weiteren Indizien, etwa die in der Wohnung der 
Freundin des Beschuldigten gefundenen Uhren, sowie die unterschiedlichen Rei-
sedokumente, komme den Aussagen der Belastungszeugen keine alleinige oder 
ausschlaggebende Bedeutung zu. 

An der oberinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigten die Parteien im Wesentli-
chen ihre bisherigen Standpunkte (pag. 1029 f.; pag. 1033). 

11.2 Würdigung der Kammer

Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO hat die beschuldigte Person das Recht, bei Be-
weisabnahmen anwesend zu sein und der einvernommenen Person Fragen zu 
stellen. Das Konfrontationsrecht bildet nach Art. 6 Abs. 3 lit. d der Konvention zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; 
SR 0.101) einen zentralen Aspekt des Prinzips des fairen Verfahrens. Dem Kon-
frontationsanspruch kommt grundsätzlich absoluter Charakter zu (BGE 131 I 476 

12

E. 2.2). Eine Verletzung des Anspruchs führt denn auch dem Grundsatze nach da-
zu, dass die unkonfrontiert ergangenen Aussagen nicht zulasten der beschuldigten 
Person verwertet werden dürfen (Art. 147 Abs. 4 StPO). 

Aussagen unkonfrontierter Belastungszeugen dürfen ausnahmsweise zulasten der 
beschuldigten Person verwertet werden, wenn die Beschränkung des Konfrontati-
onsanspruchs sachliche Gründe hat, sie nicht über das Notwendige hinausgeht 
und den fraglichen Aussagen keine alleinige oder ausschlaggebende Bedeutung 
zukommt (BSK StPO-SCHLEIMINGER, 2. Auflage, Art. 147 N 33c ff.). Sachlich be-
gründet ist die Beschränkung des Konfrontationsanspruchs insbesondere dann, 
wenn die Belastungszeugen für die Strafbehörden trotz angemessener Bemühun-
gen nicht mehr greifbar sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_1219/2019 vom 24. 
April 2020 E. 2.1; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 
[EGMR] vom 2. April 2013, No. 4380/09, Garofolo gegen Schweiz, Ziff. 47, 54; BSK 
StPO-VEST/HORBER, Art. 107 N 34a). In diesem Fall beurteilt sich die Verwertbar-
keit unkonfrontierter Aussagen anhand der Frage, ob diesen alleinige oder aus-
schlaggebende Bedeutung zukommt (sog. «sole-or-decisive-Prüfung»; BSK StPO-
SCHLEIMINGER STETTLER, Art. 147 N 34 ff.).

Die Kammer verweist zunächst auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz 
(Ziff. III.2. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs (pag. 736 ff.). Sie hält wiederholend 
zum Beschluss vom 19. April 2021 sowie den vorinstanzlichen Ausführungen und 
ergänzend was folgt fest: 

Die Verletzung des Konfrontationsanspruchs des Beschuldigten mit den Belas-
tungszeugen ist vorliegend sachlich gerechtfertigt und nicht von den Schweizeri-
schen Strafverfolgungsbehörden zu verantworten. Die Belastungszeugen sind in 
der Schweiz rechtskräftig verurteilt worden und wurden nach Verbüssung ihrer 
Strafe nach Russland zurückgeführt (pag. 602 ff.), wo sie sich vermutungsweise 
aufhalten. Die Tatbeteiligten befinden sich seit teilweise sehr langer Zeit nicht mehr 
in der Schweiz und haben alle ein gültiges Einreiseverbot. Die Rückführungen lie-
gen allesamt mehrere Jahre zurück und wurden grösstenteils in den Jahren 2010 
und 2011 vollzogen (pag. 602 f.). Aus den Akten ist ersichtlich, dass auch die Vor-
instanz Abklärungen für eine rechtshilfeweise Einvernahme der rechtskräftig verur-
teilten Tatbeteiligten tätigte und eine Anfrage betreffend aktueller Aufenthalt sowie 
eine Anfrage betreffend Möglichkeit rechtshilfeweiser Zeugeneinvernahme durch 
das Bundesamt für Justiz in Auftrag gegeben hat. Diese Anfragen blieben durch die 
Russische Förderation allesamt unbeantwortet (pag. 509.1-509.2; pag. 612-614). 
Aus Russland konnte nicht einmal der von der Vorinstanz am 12. September 2019 
angeforderte Strafregisterauszug erhältlich gemacht werden (pag. 608; pag. 660). 
Auch der von der Kammer am 1. April 2021 angeforderte Strafregisterauszug ging 
bis zur Verhandlung nicht ein (pag. 966). Das Bundesamt für Justiz teilte Mitte Mai 
2021 mit, dass bisher keine Antwort eingetroffen sei und dass man erfahrungs-
gemäss mit ca. 7 Monaten rechnen müsse (pag. 992). Für die Kammer steht fest, 
dass die Abklärungen der Vorinstanz weiterhin Gültigkeit haben, wenn schon eine 
einfache Anfrage für die Zusendung eines Strafregisterauszuges solche Schwierig-
keiten bereitet. Die Aufenthaltsorte der betreffenden Personen konnten somit nicht 
ermittelt, geschweige denn deren Anwesenheit zu einer Einvernahme sichergestellt 

13

werden. Darüber hinaus haben zumindest einige der Belastungszeugen in der Ver-
gangenheit bereits ihren Namen in Russland geändert, wie es auch der Beschul-
digte mehrmals getan hat. Seinen Ausführungen zufolge sei ein solcher Schritt kos-
tengünstig, unkompliziert und biete sich nach Verbüssung einer Freiheitsstrafe an 
(pag. 1017, Z. 40 f.). Es ist wahrscheinlich, dass die nunmehr vor Jahren nach 
Russland zurückgeführten Belastungszeugen zwischenzeitlich nicht mehr unter 
demselben Namen auffindbar wären, selbst wenn mit einer Bereitschaft der russi-
schen Strafverfolgungsbehörden zur rechtshilfeweisen Einvernahme gerechnet 
werden könnte. Und selbst wenn diese Einvernahmen überhaupt hätten durchge-
führt werden können, könnte dies Monate, sogar Jahre dauern. Weiter wäre stark 
zu bezweifeln, dass die Tatbeteiligten sich nach gut 14 Jahren noch an Details er-
innern bzw. den Beschuldigten - beispielsweise aus Angst vor Repressalien - 
tatsächlich belasten würden. Trotz angemessener Bemühungen konnte der Kon-
frontationsanspruch des Beschuldigten somit nicht ermöglicht werden. Die Verlet-
zung des Konfrontationsanspruchs ist aufgrund dieser Umstände sachlich begrün-
det und nicht durch die Schweizerischen Behörden zu vertreten. Vielmehr ist dieser 
Umstand auf das mehrjährige Untertauchen des Beschuldigten zurückzuführen, 
musste das Verfahren gegen ihn von den anderen Verfahren abgetrennt und sis-
tiert werden. Als er im Februar 2019 in die Schweiz ausgeliefert wurde, waren alle 
rechtskräftig verurteilten Tatbeteiligten zurück nach Russland geführt worden. 

Zusammenfassend ist somit festzuhalten: Die Belastungszeugen/rechtskräftig ver-
urteilten Täter halten sich seit Jahren nicht mehr in der Schweiz auf und der jewei-
lige aktuelle Wohnort ist mit grosser Wahrscheinlichkeit unbekannt. Selbst wenn 
die letzte bekannte Adresse die aktuelle Adresse wäre, wäre eine rechtshilfeweise 
Einvernahme in Russland mehr als schwierig durchzuführen. Zusätzlich erschwert 
wird dies durch die mögliche Namensänderung in Russland. 

Dem Beschuldigten wurden sämtliche relevanten objektiven und subjektiven Be-
weismittel vorgehalten und er hatte die Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Be-
schränkung des Konfrontationsanspruchs wurde dadurch gebührend kompensiert. 

Betreffend die «sole-or-decisive»-Prüfung liegen letztendlich zahlreiche Beweismit-
tel vor, neben welchen den Aussagen der Belastungszeugen keine alleinige oder 
ausschlaggebende Bedeutung zukommt und den Tatverdacht der Beteiligung des 
Beschuldigten objektivierbar machen. So nahm der Beschuldigte offensichtlich zu-
mindest Teile des Deliktsguts entgegen. Anlässlich einer Hausdurchsuchung in 
Russland wurden in der Wohnung der Freundin des Beschuldigten mehrere Uhren 
entdeckt, die eindeutig den Raubüberfällen vom 8. März 2007 und 5. Dezember 
2007 zugewiesen werden konnten (pag. 254 ff.). Dazu sagte der Beschuldigte 
selbst aus, die Uhren stammten aus diesen Geschäften (pag. 145 f., Z. 354 ff.). 
Auch den Handlungen des Beschuldigten lässt sich Relevantes entnehmen. So be-
sorgte er bei seinen Aufenthalten in der Schweiz jeweils auf niemanden zugelasse-
ne Telefonkarten für die Kommunikation (pag, 238, Z. 462 f.) und mietete in allen 
drei Fällen jeweils zwei Autos, obwohl dies gestützt auf die Anzahl der Personen 
unnötig war. Weiter informierte jemand nach dem Raubüberfall vom 9. Mai 2007 in 
Montreux, nachdem O.________ und I.________ verhaftet wurden, den Autover-
mieter Hertz darüber, dass das gemietete Auto von der Polizei beschlagnahmt 

14

worden sei und nicht rechtzeitig zurückgebracht werden könne (Nebenakten pag. 
48).  

Letztlich sind es somit auch die eigenen Aussagen des Beschuldigten, die ihn be-
lasten und in welchen er indirekt seine Beteiligung an diesen drei Raubüberfällen 
eingesteht, sogar noch weitergeht und ausführt, es seien mehr Überfälle gewesen 
(pag. 7 f.) oder wenn er ausführt, was er alles gemacht hat (teilweise wiederholend 
zu oben wie z.B. Besorgung der Reisepässe und Visas für den Schengener Raum; 
Abholen am Zielflughafen oder «Flugbegleitung»; Besorgung von Mietautos; Aus-
suchen von Hotels; Besorgen von Flugtickets; Besorgung von Telefonkarten; Be-
zahlung bzw. Gelderhalt für Auslagen vor Ort (Hotels, Verpflegung) an die anwe-
senden Männer; Ortschaften zeigen wie Interlaken oder Montreux; Besorgung von 
Essen etc.). Wie seine Aussage, er habe dabei als Organisator dieser legalen 
Tätigkeiten gehandelt, zu werten ist, ist nicht bei der Frage der Verwertbarkeit, 
sondern bei der Beweiswürdigung zu prüfen. Dasselbe gilt grundsätzlich bei seiner 
Aussage, wonach er davon habe ausgehen müssen, dass die Personen, für welche 
er die Pässe organisiert hatte, zu deliktischen Zwecken in die Schweiz einreisen 
wollten.

Diese Ausführungen zeigen auf, dass den Aussagen der Belastungszeugen keine 
alleinige oder ausschlaggebende Bedeutung zukommt. Sie stellen lediglich einzel-
ne in einer Reihe von zahlreichen Beweismitteln dar, auf die sich das Beweiser-
gebnis stützen kann. Aus diesen Gründen wird der Antrag der Verteidigung abge-
wiesen; die Aussagen der Belastungszeugen sind verwertbar. 

12. Allgemeines zur Stellung des Beschuldigten 

12.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Zur Stellung des Beschuldigten wird in der Anklageschrift das Folgende ausgeführt 
(Ziff. I.1. der Anklageschrift; pag. 488):

1. Raub, mehrfach und bandenmässig qualifiziert begangen

- da er in all den nachfolgend beschriebenen Fällen in Absprache mit beziehungsweise im Auf-
trag ua. einer unbenannt gebliebenen Person – angeblich ein Verwandter von I.________ – 
handelte;

- für die wechselnden operativen Kräfte/Tätergruppen die Logistik in Russland sowie vor Ort, 
sprich in Frankreich und der Schweiz, sicherstellte/organisierte, so indem er die für die tatbe-
zogene Einreise in den Schengen Raum nötigen Papiere (Pass, Visum, Flugtickets) sorgte, die 
Mittäter jeweilen am Zielflughafen abholte oder sie bereits schon auf dem Flug nach Westeur-
opa begleitete, Mietautos besorgte, Hotelübernachtungen buchte und bezahlte, für die Ver-
pflegung der Mittäter verantwortlich zeichnete, sie auch auf den Anfahrtswegen nach Montreux 
und Interlaken einwies/begleitete und nach erfolgter Tat das erbeutete Deliktsgut übernahm;

- mit anderen Worten: indem er sich mit weiteren Tätern zusammenfand im Willen, inskünftig zur 
Verübung mehrerer selbstständiger, im Einzelnen noch unbestimmter Raubtaten in wechseln-
der Zusammensetzung zusammenzuwirken, und sich dabei für seine deliktische Tätigkeit auch 
entschädigen liess. 

15

12.2 Beweiswürdigung

Vorab kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden 
(Ziff. III.3.1. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 740 ff.). Nachfolgend wird die 
Stellung des Beschuldigten unter stellenweiser Wiederholung der vorinstanzlichen 
Erwägungen und punktueller Präzisierungen und Ergänzungen dargestellt. 

Für die Kammer ist erstellt, dass der Beschuldigte eine übergeordnete hierarchi-
sche Stellung gegenüber den anderen Tätern in der Schweiz innehatte und wei-
sungsbefugt war. Die meisten der anderen Täter waren nicht dauerhafte «Mitglie-
der» der Hintergrundorganisation, sondern wurden für einen oder zwei Raubüber-
fälle rekrutiert, dies im Gegensatz zum Beschuldigten. Dem Beschuldigten kann 
nicht geglaubt werden kann, wenn er behauptet, er habe bei allen drei Raubüber-
fällen einzig rein organisatorische Aufgaben wahrgenommen und keine Kenntnisse 
über die Pläne der jeweiligen Tatbeteiligten gehabt. Zu diesem Ergebnis muss 
schon nur führen, dass der Beschuldigte – seinen Aussagen zufolge (pag. 143, 
Z. 256) – schon im Jahre 2006 mit einer Gruppe Russen nach Westeuropa gereist 
ist, die später in Genf einen Raubüberfall verübt haben (pag. 210, Z. 42 ff.; vgl. 
auch pag. 89). Es erscheint in höchstem Masse unwahrscheinlich, dass er im Jahre 
2007 erneut unbewusst und in ähnlicher Weise in Raubüberfälle auf Geschäfte in 
Westeuropa involviert war, sogar dreimal innert eines Jahres. Daran lassen auch 
die Aussagen des Beschuldigten zweifeln. So sagte er gegenüber der Staatsan-
waltschaft in Zusammenhang mit dem dritten Raubüberfall aus: «Es ist ein Worts-
piel – habe ich gewusst, habe ich nicht gewusst, habe ich vermutet, habe ich nicht 
vermutet, dass die Leute [für die Überfälle] angeheuert wurden. Es war nicht in 
meinem Interesse, davon etwas zu wissen» (pag. 228, Z. 83 ff.). Der Beschuldigte 
reiste in allen drei Fällen unter anderem zu dem Zweck in die Schweiz ein, seinen 
jeweiligen «Reisegefährten» die Geschäfte zum Ausrauben zu zeigen und ihnen 
Anweisungen zu geben (vgl. dazu E. 13.5, E. 14.5 und E. 15.5 unten). Die dahin-
gehenden Aussagen der jeweiligen Tatbeteiligten sind glaubhaft; die Angaben des 
Beschuldigten hingegen zu seiner Funktion als unwissender Reisebegleiter sind le-
bensfremd. Es ist nicht einzusehen, weshalb es ihn in dieser Funktion überhaupt 
gebraucht hätte. Der Beschuldigte sagte zwar aus, die anderen Beteiligten seien so 
unbeholfen und in ihrem Umgang mit Geld so unzuverlässig, dass der «Organisa-
tor» in Russland ihnen einen Reisebegleiter zur Seite habe stellen wollen, der für 
die gesamte Gruppe das Geld verwaltete (pag. 213, Z. 30; pag. 217, Z. 175 f.; 
pag. 224, Z. 491; pag. 231, Z. 197 f.; pag. 670, Z. 19; pag. 665, Z. 3; pag. 665, 
Z. 29 f.; pag. 665, Z. 45 ff. pag. 666, Z. 1 f.). Wenn dem jedoch so wäre, ist nicht 
einzusehen, wie die Täter jeweils selbständig und ohne Hilfe des Beschuldigten die 
Geschäfte zum Ausrauben fanden und anschliessend zum Beschuldigten zurück-
fahren konnten, ohne sich zu verirren. Wenn die Täter in allen drei Fällen hierzu 
imstande gewesen wären, dann können sie nicht so unbeholfen und so hilflos ge-
wesen sein, als dass sie einen Reisebegleiter gebraucht hätten. Und wenn die 
Täter in Russland Navigationsgeräte mit sämtlichen erforderlichen Adressen von 
Hotels und Geschäften erhalten hätten, wie der Beschuldigte im späteren Verlauf 
des Verfahrens auszusagen begann (pag. 679 Z. 17 ff.), dann wäre die Begleitung 
des Beschuldigten nicht notwendig gewesen. 

16

Es ist gestützt auf die Handlungen des Beschuldigten, seiner Kenntnis der 
Schweiz, der überlegten Wahl des Standorthotels in Gex/F, dem Zeigen der mögli-
chen Juweliergeschäfte und den Aussagen der anderen Tatbeteiligten absolut un-
glaubhaft, wenn der Beschuldigte am 7. Mai 2019 sagte, diese Menschen sollten 
selber entscheiden, welche der Adressen (die, die Person aus Russland ihnen für 
die Raubüberfälle übergab) für sie am Günstigsten wären, um dort Raubüberfälle 
zu begehen (pag. 214 Z. 75 ff.). Dass er als hierarchisch Übergeordneter die Beute 
übernahm und ein Auge auf die Tatbeteiligten hatte, versteht sich von selber. Dazu 
passt im Weiteren die Aussage von G.________: «Ja der Meister hat das gesagt. 
Er war auch in Wien.» (pag. 218 Z. 214). Mit «Meister» hat er klar den Beschuldig-
ten gemeint. Auch die anderen Tatbeteiligten bezeichneten den Beschuldigten u.a. 
als Chef. Es gab somit eine klare Belastung durch die anderen Tatbeteiligten (z.B. 
I.________ an seiner Hauptverhandlung vor der ersten Instanz am 21. August 
2008: «Wir drei und noch eine Person, die nicht teilgenommen hat, sind hierher ge-
fahren. Die vierte Person hat uns das Geschäft gezeigt.» (Nebenakten pag. 741). 
Auch eine klare Belastung durch den Umstand, dass z.B. H.________ partout den 
Beschuldigten zuerst nicht auf einer Foto (diejenige von Wien, Nebenakten pag. 
236) erkennen will, obwohl sie zusammen in Wien in der Nähe eines Juwelierge-
schäfts angehalten wurden (Nebenakten pag. 219 Z. 127 ff.), zeugt von der Stel-
lung des Beschuldigten, denn bei einer späteren Einvernahme vor der Staatsan-
waltschaft antwortete H.________ auf Frage, ob es eine Chefposition (Hierarchie) 
gab, es sei dieser vierte, A.________, gewesen und dass dieser A.________ das 
Tatobjekt zeigte (Nebenakten pag. 246 Z. 148 ff.).

Der Beschuldigte gab weiter an, in den Jahren 2006 und 2008 an mindestens zwei 
weiteren Raubüberfällen in der Schweiz, davon einer vor den vorliegend interessie-
renden Sachverhalten, beteiligt gewesen zu sein. Ungefragt erklärte er während 
der Untersuchung, er sei an insgesamt fünf Raubüberfällen beteiligt gewesen 
(pag. 142, Z. 242; pag. 143, Z. 257 ff.). Vor der Kammer gab er sogar an, er sei für 
fünf Raubüberfälle «verantwortlich» (pag. 1019, Z. 5 ff.), bevor er auf Nachfrage 
seine Aussage relativierte und sagte, er sei wegen fünf Raubüberfällen «beschul-
digt» worden (pag. 1019, Z. 11). Der Beschuldigte vermochte die Raubüberfälle 
mehr als zehn Jahre später ohne entsprechende Vorhalte zeitlich und örtlich relativ 
genau einzuordnen (pag. 143, Z. 257 ff., Z. 261 und Z. 264 f.). Einzig beim Raub in 
Montreux, den er auf Juni 2007 datierte, wich der Beschuldigte mit seinen Angaben 
minim vom Tatzeitpunkt ab. Dies lässt jedoch keinen Zweifel betreffend Tatwissen 
aufkommen, antwortete er auf entsprechende Frage anlässlich der Hafteröffnungs-
einvernahme vom 21. Februar 2019, ob er noch wisse, wo und wann die (anderen) 
Raubüberfälle stattfanden (pag. 143, Z. 263 f.): «Im März 2007 in Interlaken, im 
Dezember 2007 auch in Interlaken und ich denke Juni 2007 in Montreux.». Für die 
Kammer ist erstellt, dass es ohne Tatbeteiligung/Tatwissen keinen Grund gäbe, 
sich im Jahre 2019 noch so genau an diese Daten zu erinnern. Der Beschuldigte 
gab im Vorverfahren weiter zu Protokoll, er sei bereits ca. 10 Mal in der Schweiz 
gewesen (pag. 141 f., Z. 202 ff.). Ob er dabei kriminellen Aktivitäten nachging, sei 
schwierig zu sagen (pag. 195 f., Z. 204 ff.). Er konnte die Beteiligten auf Fotos 
identifizieren und sie den jeweiligen Raubüberfällen zuordnen (pag. 144 f.). Auf die 
nachfolgende Frage der Staatsanwaltschaft, ob er mit diesen Raubüberfällen etwas 

17

zu tun habe, sagte der Beschuldigte: «Es sieht so aus» (pag. 143, Z. 268). Diese 
für den Beschuldigten belastende Antwort kann dabei nicht auf etwaige Missver-
ständnisse mit der Übersetzung zurückgeführt werden, da die entsprechenden 
Fragen und Antworten kurz und unmissverständlich waren. Probleme mit der Über-
setzung sind in den jeweiligen Einvernahmeprotokollen nicht vermerkt. Die anläss-
lich in der oberinstanzlichen Hauptverhandlung auf Frage der Verteidigung neu gel-
tend gemachten Verständigungsschwierigkeiten mit der übersetzenden Person 
werden denn auch als hilfloser Versuch gewertet (pag. 1026 f.). 

Der Beschuldigte gab auf Frage, wie er seit dem Jahre 2014 seinen Lebensunter-
halt bestritt, an, er habe von Gelegenheitsjobs gelebt. Um zu überleben brauche es 
mind. 100'000 Rubel pro Monat, dies seien mind. 1'500 Euro. Diesen Betrag be-
zahle niemand. Daher sollte man kriminelle Aktivitäten entwickeln, etwas kaufen, 
etwas stehlen (pag. 140 Z. 162 ff.). Seit seiner letzten Haftentlassung in Russland 
im Jahre 2014 (pag. 141, Z. 174) sei er kriminell aktiv gewesen, aber nur in Russ-
land (pag. 140, Z. 168). Dort habe er mit Drogen gehandelt (pag. 141, Z. 171). Er 
habe von 2014 bis zu seiner Verhaftung im Jahre 2018 von Unterschiedlichem ge-
lebt. Er habe irgendwelche Ersparnisse aus dem Drogenhandel gehabt. Das habe 
für vier Jahre gereicht und davon sei auch noch was übrig geblieben (pag. 662, 
Z. 27 ff.). Der Beschuldigte gab unumwunden zu, dass er zur Bestreitung seines 
Lebensunterhalts kriminell aktiv gewesen ist. Die Selbstverständlichkeit, mit wel-
cher der Beschuldigte dies vortrug, erstaunt. 

Wie auch einige der Beteiligten änderte der Beschuldigte im Lauf seines Lebens 
mehrmals seinen Namen. Bis ins Jahre 2000 habe er A.________ (Pseudonym) 
geheissen, ab 2001 A.________ (Pseudonym), ab 2005 A.________, ab 2007 
A.________ (Pseudonym) und seit 2017 heisse er A.________ (Pseudonym) 
(pag. 139, Z. 95 ff.). Hierzu erklärte der Beschuldigte, ein Namenswechsel sei in 
Russland offiziell möglich und koste 8 Euro (pag. 139, Z. 100 f.). Auf die Frage, 
was denn die zahlreichen Namenswechsel veranlasst habe, sagte der Beschuldigte 
an der oberinstanzlichen Einvernahme aus, in Russland sei es schwierig, nach 
dem Verbüssen einer Freiheitsstrafe eine Anstellung zu finden, weshalb ein Na-
menswechsel sich geradezu aufdränge (pag. 1017, Z. 40 f.). Die Glaubhaftigkeit 
seiner Aussagen muss schon deshalb bezweifelt werden, weil der Beschuldigte 
vorwiegend im Ausland zu Freiheitsstrafen verurteilt wurde. Gemäss seinen Aus-
sagen war er im Jahre 2000 in Deutschland, von 2003 bis 2005 in Finnland und 
erst ab dem Jahre 2008, soweit ersichtlich erstmalig, in Russland im Gefängnis 
(pag. 1017, Z. 35 f.; pag. 1018, Z. 2; pag. 1024, Z. 21 ff.). Es scheint mehr als 
fragwürdig, ob ein potenzieller russischer Arbeitgeber von Verurteilungen im Aus-
land Kenntnis erlangen würde. Ob das im Weiteren auch bei kriminellen Aufträgen 
ein Hindernis darstellt, kann dahingestellt bleiben. Der Grund für seine Namens-
wechsel lag offensichtlich darin, dass der Beschuldigte für die Justiz nicht mehr 
identifizierbar sein wollte. Darauf lässt schon nur schliessen, dass er im Jahr 2007, 
also im Zeitraum der hier zur Last gelegten Handlungen, seinen Namen erneut 
wechselte, ohne zwischenzeitlich eine Freiheitsstrafe verbüsst zu haben. Darauf 
angesprochen vermochte der Beschuldigte jedenfalls keine einleuchtende Begrün-
dung anzugeben, warum er im Jahre 2007 seinen Namen änderte. Es kann ausge-
schlossen werden, dass dieser Namenswechsel der blossen Tatsache geschuldet 

18

war, dass der Name A.________ der Freundin des Beschuldigten nicht gefiel, wie 
er der Kammer weismachen wollte (pag. 1024, Z. 37 f. und Z. 42). Mit seinen zahl-
reichen Namenswechseln verfolgte der Beschuldigte das Ziel, den Behörden den 
Zugriff auf ihn zu erschweren. Es kann somit als gesichert erachtet werden, dass 
der Beschuldigte seinen Lebensunterhalt zu einem grossen Teil, wenn nicht sogar 
ausschliesslich, auf deliktische Weise erwirtschaftete. Die häufigen Namenswech-
sel zeugen weiter davon, dass er in vorausschauender Weise Massnahmen ergriff, 
die das Risiko strafrechtlicher Verfolgung bzw. Konsequenzen minimieren sollten. 
Dies zeigt auch sein Vorgehen bei den vorliegend zu beurteilenden Vorfällen. 

Der Beschuldigte zeigte generell ein absolut unglaubhaftes Aussageverhalten. Bei-
spielhaft dafür ist etwa, dass er während der Voruntersuchung aussagte, er sei ca. 
zehn Mal in der Schweiz gewesen (pag. 195, Z. 202). An der oberinstanzlichen 
Einvernahme behauptete er neuerdings, er sei lediglich einmal im März 2007 in die 
Schweiz eingereist, sonst jedoch nie hier gewesen (pag. 1019, Z. 28 f. und Z. 34). 
Gleichermassen sagte der Beschuldigte während der Untersuchung aus, er sei mit 
keiner dieser Personen – I.________, G.________ und H.________ – persönlich 
bekannt; keine dieser Personen kenne seine Adresse oder seine Telefonnummer 
(pag.  213, Z. 19 ff.). In derselben Einvernahme korrigierte er diese Aussage so-
gleich wieder: H.________ habe er im Rahmen der Beschaffung eines Reisepas-
ses seine Telefonnummer gegeben (pag. 215, Z. 105 ff.). An der oberinstanzlichen 
Einvernahme beharrte der Beschuldigte wiederum darauf, dass keiner der Beteilig-
ten über seine Adresse oder Telefonnummer verfügte (pag. 1021, Z. 10 ff.). Weiter 
sagte der Beschuldigte im Zusammenhang mit dem Raubüberfall vom 5. Dezember 
2007 aus, er habe diesen gar nicht organisieren können, weil er nicht einmal über 
die Telefonnummern der Anderen verfügte (pag. 230, Z. 142 f.). Noch in derselben 
Einvernahme erklärte der Beschuldigte sodann, die Anderen hätten ihn in Gex an-
gerufen (pag. 238, Z. 459). Auf diese Unstimmigkeit angesprochen führte der Be-
schuldigte aus, er habe bei seinen Aufenthalten in der Schweiz jeweils eine auf 
niemanden zugelassene SIM-Karte besorgt und diese Telefonnummer den Ande-
ren gegeben (pag, 238, Z. 462 f.). Anlässlich der Beweiswürdigung zu den drei 
Raubüberfällen im Einzelnen wird auf weitere eklatante Widersprüche in den Aus-
sagen des Beschuldigten einzugehen sein. Gestützt auf die oberwähnten Beispiele 
kann jedoch vorweggenommen werden, dass seine Erklärungsversuche unglaub-
haft sind. 

Unglaubhaft sind weiter die Ausführungen des Beschuldigten, wonach alle mit ihm 
in die Schweiz eingereisten Täter so unzuverlässig gewesen seien, dass man ih-
nen kein Geld habe anvertrauen können und er deshalb zur Verwaltung des Gel-
des der Gruppe mitgeschickt worden sei (so unter anderem in pag. 231, Z. 197 f.). 
In der Version des Beschuldigten müsste der «Organisator» in Russland die Auf-
wendungen für den Raub bevorschusst und darauf vertraut haben, dass die Grup-
pe die behändigte Beute wie vereinbart abliefern würde. Dadurch brachte dieser 
«Organisator» der Gruppe erhebliches Vertrauen entgegen. Dass es sich bei die-
sen Männern gemäss den Ausführungen des Beschuldigten um mittellose, im Um-
gang mit Geld sehr unzuverlässige Personen gehandelt haben soll, lässt sich damit 
nicht in Einklang bringen. Entweder können die für die Raubüberfälle angeheuerten 
Personen nicht dermassen unzuverlässig gewesen sein, wie der Beschuldigte sie 

19

beschrieb, was aber erneut die Frage aufwirft, weshalb es ihn überhaupt gebraucht 
hätte. Oder der Beschuldigte war unter anderem zu dem Zweck in der Schweiz, die 
Täter zu beaufsichtigen, die Beute entgegenzunehmen und eine Kontrollfunktion 
auszuüben. So oder anders ist ausgeschlossen, dass der Beschuldigte als blosser 
Reisebegleiter fungiert hat. Der Aussage, wonach den mit dem Beschuldigten ein-
gereisten Tatbeteiligten kein Geld anvertraut werden könne, widersprach sich der 
Beschuldigte selbst. Er sagte vor der Vorinstanz aus, jeder der Beteiligten habe ei-
nen geringen Barbetrag von ca. 50 Euro für Notfälle erhalten (pag. 675, Z. 9 ff.). 
Bei diesem Betrag schien der Beschuldigte nicht zu befürchten, dass die Beteilig-
ten das Geld für Alkohol oder Drogen ausgeben könnten (pag. 665, Z. 29 f.). Auch 
dies lässt sich mit den übrigen Schilderungen des Beschuldigten nicht in Einklang 
bringen. Es handelt sich bei dieser Aussagen um offensichtliche Schutzbehauptun-
gen, die der Frage entsprang, wie die Beteiligten – angeblich ohne Zutun des Be-
schuldigten – ohne Geld die bei den Überfällen verwendeten Utensilien hätten er-
werben können (dazu E. 15.5 unten). 

Ein weiteres Element stellt der Umstand dar, dass dem Beschuldigten bei denjeni-
gen Raubüberfällen, bei denen Beute anfiel, zumindest Teile davon zukamen (dazu 
E. 13.5 und E. 15.5 unten). Davon zeugen die in der Wohnung der Freundin des 
Beschuldigten in Russland gefundenen Uhren, die eindeutig aus der zweimal über-
fallenen Bijouterie J.________ (AG) in Interlaken stammten (pag. 254 ff.). Seine 
Erklärungen hierzu sind geradezu abenteuerlich. Seine Freundin erhielt die Uhren 
sicherlich nicht geschenkt und hat sie auch nicht gekauft (pag. 223, Z. 444). Der 
Beschuldigte wohnte im Zeitraum von 2000 bis 2008 in der Wohnung seiner 
Freundin (pag. 193, Z. 125; pag. 669, Z. 29). Es ist offensichtlich, dass die Uhren 
im Einflussbereich des Beschuldigten gefunden wurden, weil er sie nach den Über-
fällen nach Russland brachte. 

Weiter zu erwähnen ist der Umstand, dass der Beschuldigte mit G.________, 
I.________ und H.________ am 6. März 2007 in Wien kontrolliert wurde; dies in-
folge auffälligen Verhaltens in der Nähe eines Juweliergeschäftes und eines Hin-
weises, wonach eine Tätergruppe von Frankreich nach Wien unterwegs sein soll. 
Die Wiener Polizei musste sie wieder entlassen (Nebenakten pag. 1 f.). Notabene 
geschah dies zwei Tage vor dem Vorfall in Interlaken am 8. März 2007, bei wel-
chem genau diese drei bzw. mit dem Beschuldigten vier, Personen den Raubüber-
fall verübten. Untermauert wird dies durch die Aussagen von G.________ vom 1. 
Oktober 2007 (pag. 2, Z. 53 f. Ordner 2), wonach der Pass nicht direkt für die 
Schweiz ausgestellt worden sei, sondern für das Ausland. Sie hätten zuerst in Wien 
ein Geschäft ausrauben wollen. Selbst wenn er die Aussage betreffend den Be-
schuldigten später widerruft, ist auch hier auf die tatnäheren Aussagen und auf die 
vorhandenen Beweismittel abzustellen. Es wird denn auch durch den Beschuldig-
ten eingestanden, dass er dabei war, als sie in Wien die Pistolenattrappe kauften 
und er das Geld dafür gab (pag. 665 ff.). 

Der Beschuldigte wusste, dass seine Vorbereitungshandlungen und die Reisen 
nach Westeuropa der Verübung von Raubüberfällen dienten. Er schloss sich die-
sem Vorhaben an, soweit es nicht von ihm initiiert wurde. Der Beschuldigte sagte, 
er habe «wie ein Mitarbeiter» gearbeitet (pag. 211, Z. 76 ff.). Er übernahm bei den 

20

Vorhaben die Aufgaben, die erforderlichen Reisedokumente und Flugtickets zu be-
sorgen; Verpflegung, Unterkunft und Transport in Westeuropa zu organisieren; die 
in Russland rekrutierten Täter einen Raubüberfall verüben zu lassen und letztlich 
die Beute entgegenzunehmen. Mit diesen Beiträgen konnte er das Risiko einer 
Verhaftung für sich selbst minimieren. Zu diesem Zweck veranlasste der Beschul-
digte jeweils die Miete zweier Autos, um nicht mit den Beteiligten unterwegs erwi-
scht zu werden, auch wenn ein Auto für alle Beteiligten ausgereicht hätte. Glei-
chermassen hielt er sich deshalb während der Raubüberfälle jeweils abseits des 
Tatorts auf, um nicht in flagranti erwischt zu werden. Daraus entwickelte sich der in 
den Vorwürfen erkennbare modus operandi, bei dem der Beschuldigte – pointiert 
formuliert – im Hintergrund die Fäden zog, während seine Begleiter sich die Hände 
schmutzig machen mussten. Schon dieser standardisierte Ablauf der Überfälle ver-
bunden mit der Tatsache, dass dem Beschuldigten zumindest Teile der Beute zu-
fielen, verdeutlicht, dass er gegenüber seinen Begleitern in wechselnder Besetzung 
übergeordnet und weisungsbefugt war. Weiter verfügte der Beschuldigte in allen 
drei Fällen als einziges Mitglied der Gruppe über kleine Deutschkenntnisse und 
über Bargeld, sodass die übrigen Gruppenmitglieder vollumfänglich von ihm ab-
hängig waren. Schon in der Vorbereitungsphase wurde ihnen lediglich das al-
lernötigste Geld zu Verfügung gestellt (pag. 216, Z. 154 ff.). Übereinstimmend sag-
ten nahezu alle in wechselnder Besetzung agierenden Beteiligten unabhängig von-
einander aus, sie würden in Russland unter Druck gesetzt (Nebenakten pag. 65, 
Z. 35 und Z. 50 ff.; Nebenakten pag. 207, Z. 589; Nebenakten pag. 218, Z. 80 ff.; 
Nebenakten pag. 247, Z. 169; Nebenakten pag. 563, Z. 15 ff.; Nebenakten pag. 
567, Z. 44 ff.; Nebenakten pag. 847, Z. 13 ff.; Nebenakten pag. 852, Z. 178 f.). 
Mehrmals gaben sie zu Protokoll, sie hätten Angst um ihre Familien in Russland 
und sie seien zum Abarbeiten von Schulden angeheuert worden. Offensichtlich 
wurden die Beteiligten aus einer Abhängigkeit heraus rekrutiert, damit der Beschul-
digte über gefügige Handlanger zur Verübung des Vorhabens verfügen konnte. 
Seiner übergeordneten Stellung entsprechend war es der Beschuldigte, der nach 
einer Polizeikontrolle im März 2007 in Wien anordnete, die Gruppe werde abreisen 
(pag. 218, Z. 202). Auch im Dezember 2007 entschied der Beschuldigte nach einer 
Polizeikontrolle zweier Gruppenmitglieder selbständig, er werde abreisen 
(pag. 231, Z. 190 ff.). Weiter war der Beschuldigte das einzige ständige Mitglied der 
wechselnden Besetzung. Im Gegensatz zum Beschuldigten waren die anderen Be-
teiligten somit austausch- und ersetzbar. Insoweit war der Beschuldigte eben nicht 
«genauso ein Mitarbeiter wie diese» (pag. 211, Z. 76 ff.). 

Bezeichnenderweise brachte der Beschuldigte schon sehr früh das in Russland 
gegen ihn geführte Strafverfahren angeblich gleichen Gegenstands und das dies-
bezüglich gefällte Urteil als Reaktion auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ins 
Spiel (pag. 142, Z. 229 ff.). Diese Ausführungen leitete der Beschuldigte ursprüng-
lich mit den Worten ein: «Machen wir’s halt anders» (pag. 142, Z. 227). Scheinbar 
beabsichtigte der Beschuldigte, seine Handlungen im Wesentlichen nicht zu be-
streiten und darauf zu vertrauen, dass ein Verfahrenshindernis eine Verurteilung in 
dieser Sache verhindern würde. So lässt sich auch die Vehemenz erklären, mit 
welcher der Beschuldigte das angebliche Verfahren in Russland zu seiner Verteidi-
gung anführte (pag. 663, Z. 26 ff.; pag. 664, Z. 4 f.). Dabei wäre es ihm während 

21

des gesamten Verfahrens freigestanden, ein entsprechendes Urteil aus Russland 
zu den Akten zu geben. Ein solches allenfalls auf elektronischem Weg anzufordern, 
erscheint keine derart komplizierte Angelegenheit zu sein, als dass sie ein Ver-
schieben der oberinstanzlichen Hauptverhandlung rechtfertigen würde (dazu E. 4 
oben).  

Gestützt auf das vorerwähnt Festgehaltene, das widersprüchliche unglaubhafte 
Aussageverhalten des Beschuldigten und den dementsprechenden Aussagen der 
in wechselnder Besetzung agierenden Beteiligten ist der in E. 12.1. dem Beschul-
digten vorgeworfene Sachverhalt erstellt.   

13. Überfall vom 8. März 2007 in Interlaken (Ziff. I.1.1. und I.2.1. der Anklage-
schrift)

13.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird – in Ergänzung zu Ziff. I.1. der Anklageschrift (vgl. E. 12.1 
oben) – der folgende Vorwurf gemacht (Ziff. I.1.1. und Ziff. I.2.1. der Anklageschrift; 
pag. 488 ff.):

1.1 am 8. März 2007 in Interlaken zNd J.________(AG), von K.________, L.________, 
M.________ und N.________ sowie gemeinsam mit G.________, H.________ und 
I.________, indem 

- er H.________ noch in der Region St. Petersburg/RU bei dessen Gängen zu ver-
schiedenen Ämtern begleitet hatte, so dass bestätigt werden konnte, dass 
H.________ aus dem Gefängnis entlassen worden war, und diesem letztlich somit ein 
Reisepass ausgestellt werden konnte;

- er auch dafür gesorgt hatte, dass die übrigen Mittäter zu Reisepässen kamen;
- die für diese Tat beziehungsweise zur Einreise in den Schengen Raum nötigen Visa 

für G.________, H.________ und I.________ beschafft hatte;
- er für Hotelübernachtungen gesorgt und die Verpflegung/Mahlzeiten sichergestellt 

hatte beziehungsweise hierfür die nötigen Zahlungen geleistet hatte, wofür er über 
ausreichend Bargeld und eine Kreditkarte verfügte;

- ein Auto auf seinen Namen angemietet und mit seiner Kreditkarte bezahlt hatte;
- sie in Wien/A eine Pistolenattrappe, einer echten Waffe sehr ähnlich sehend, käuflich 

erwarben, um diese beim geplanten Raubüberfall einsetzen zu können;
- sie ein erstes Hotel im Raum Interlaken bezogen, wobei A.________ für die Über-

nachtungskosten aufkam;
- er danach G.________, H.________ und I.________ zum Tatobjekt führte/dirigierte;
- sie in der Folge am 7. März 2007 das Tatobjekt auskundschafteten;
- danach in Gex/F in einem dortigen Hotel Standort bezogen wurde, wobei erneut 

A.________ für die Übernachtungskosten aufkam, worauf einen Tag später

■ die vorgenannten Mittäter das Verkaufslokal der J.________(AG) am …-weg be-
traten;

■ G.________ K.________ an den Haaren packte und sie mit einer nicht echten, 
aber echt und funktionsfähig aussehenden Pistole bedrohte, indem er die Pistole 
aus kurzer Distanz gegen den Kopf der Verkäuferin richtete;

■ sie das übrige Verkaufspersonal zwangen, sich auf den Boden zu legen;

22

■ sie L.________, M.________ und N.________ an Armen und Bei nen mit mitge-
brachtem Klebeband an Hand- und Fussgelenken fesselten;

■ sie K.________ befahlen, die Vitrinen zu öffnen, worauf sie Uhren und Schmuck 
im Ankaufswert von insgesamt CHF 1'650'912.00 (Verkaufswert ca. CHF 3,3 Mio.) 
behändigten;

■ sie K.________ anwiesen, die zufällig im Geschäft erschienene Floristin 
V.________ beim Haupteingang einzulassen;

■ sie hierauf V.________ und anschliessend auch K.________ ebenfalls mit mitge-
brachtem Klebeband an Hand- und Fussgelenken fesselten;

■ sie mit der behändigten Ware das Verkaufsgeschäft durch die Hintertüre verlies-
sen und zu Fuss die Flucht ergriffen, wobei sie Verkaufspersonal und Floristin ge-
fesselt mit der Anweisung zurückliessen, mit der Befreiung und Alarmierung eine 
halbe Stunde zuzuwarten;

- währenddem A.________ abseits des Tatobjektes auf seine Mittäter wartete und sich 
mit ihnen nach erfolgreicher Tat traf, worauf sie sich in zwei Fahrzeugen nach Paris/F 
verschoben;

- und der Beschuldigte anschliessend die Beute zur weiteren Verwertung übernahm.

[…]

2. Freiheitsberaubung, mehrfach begangen
2.1 am 8. März 2007 in Interlaken zNv V.________ und gemeinsam mit G.________, 

H.________ und I.________, indem [er sich] zusammen mit diesen für den Raubüberfall 
vom 8. März 2007 in Interlaken verantwortlich zeichnete, wobei

- G.________, H.________ und I.________ das Verkaufslokal der J.________(AG) am 
…-weg betraten, um den geplanten Raub in die Tat umzusetzen;

- die zufällig im Geschäft erschienene Floristin V.________ unter Einsatz einer nicht 
echten, aber echt und funktionsfähig aussehenden Pistole bedrohten und in der Folge 
mit mitgebrachtem Klebeband an Hand- und Fussgelenken fesselten;

- sie mit der geraubten Beute das Verkaufsgeschäft verliessen und zu Fuss die Flucht 
ergriffen, wobei sie Verkaufspersonal und Floristin gefesselt mit der Anweisung 
zurückliessen, mit der Befreiung und Alarmierung eine halbe Stunde zuzuwarten;

- währenddem A.________ abseits des Tatobjektes auf seine Mittäter wartete und sich 
mit ihnen nach erfolgreicher Tat traf, worauf sie sich in zwei Fahrzeugen nach Paris/F 
verschoben.

13.2 Vorbemerkung
Um Wiederholungen weitestgehend zu vermeiden, wird vorab auf die Ausführun-
gen in E. 12. oben und auf die Ausführungen der Vorinstanz (Ziff. III.3.2 und III.3.3 
des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 745 ff.) verwiesen. Nachfolgend wird unter 
punktueller Präzisierungen sowie Ergänzungen der dem Beschuldigten vorgewor-
fene Sachverhalt dargestellt und gewürdigt.

13.3 Der Ablauf des Raubüberfalls

Der Raubüberfall war Gegenstand des Strafverfahrens gegen G.________ und 
I.________, in welchem am 22. August 2008 das Kreisgericht XI Interlaken-
Oberhasli ein Urteil fällte (Nebenakten pag. 153 ff.) sowie des Strafverfahrens unter 
anderem gegen H.________, in welchem am 31. Januar 2014 das Regionalgericht 

23

Oberland ein Urteil fällte (Nebenakten pag. 261 ff.). Der Ablauf des Raubüberfalls 
war nicht strittig; er wurde von Überwachungskameras festgehalten, deren Auf-
zeichnungen die Polizei auswertete (Nebenakten pag. 0036). Der Beschuldigte be-
streitet die Abläufe des Überfalls nicht. Für die konkrete Tatausführung kann daher 
vorbehaltlos auf die rechtskräftigen Urteile gegen die obenerwähnten Täter verwie-
sen werden (Nebenakten pag. 162 ff.; Nebenakten pag. 276 ff.).

Am 8. März 2007 betraten I.________, G.________ und H.________ um ca. 10:15 
Uhr unmaskiert die J.________(AG) in Interlaken und gaben sich als Kunden aus. 
G.________ forderte die Verkäuferin K.________ auf, ihm eine Uhr zu zeigen. In 
der Folge packte G.________ K.________ an den Haaren und richtete aus kurzer 
Distanz eine täuschend echt aussehende Pistolenattrappe an den Kopf. Die ande-
ren drei Personen des Verkaufspersonals wurden angewiesen, sich auf den Boden 
zu legen und wurden an Händen und Füssen gefesselt. K.________ wurde ge-
zwungen, den Haupteingang abzuschliessen und die Vitrinen zu öffnen. Daraus 
entnahmen die drei Täter sämtliche Uhren und Schmuckstücke im Ankaufswert von 
gesamthaft CHF 1.6 Millionen und steckten diese in die mitgebrachten Plastikta-
schen. 

Als die Täter K.________ ebenfalls im Büro gefesselt hatten, läutete die Floristin 
V.________ an der Hintertür des Geschäfts. I.________, G.________ und 
H.________ lösten die Fesseln von K.________ und zwangen sie, die Floristin ein-
zulassen. Nachdem diese das Geschäft betreten hatte, wurde sie von den drei 
Tätern empfangen und ebenso wie die Angestellten im Büro gefesselt. 

Um 10:39 Uhr flohen I.________, G.________ und H.________ mit der Beute 
durch den Hinterausgang der Bijouterie. Die Angestellten liessen sie mit der An-
weisung zurück, ca. 30 Minuten zu warten, bis sie mit dem Versuch, sich zu befrei-
en, beginnen sollten. Die Polizei wurde durch das Verkaufspersonal kurz nach der 
Flucht der Täter alarmiert. 

13.4 Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

13.4.1 Unbestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte besorgte sich die Pässe von I.________ und G.________ 
(pag. 217, Z. 169 ff.). Er half H.________ bei der Organisation seines Passes, in-
dem er ihn zu diversen Ämtern begleitete (pag. 215, Z. 106 ff.). Er reichte die Päs-
se anschliessend für die Ausstellung russischer Reisepässe für die Drei an die rus-
sischen Behörden ein (pag. 217, Z. 169 ff.). Die Reisepässe, welche die Adressa-
ten zunächst persönlich hatten abholen müssen, benutzte der Beschuldigte, um Vi-
sa zu besorgen (pag. 217, Z. 172). 

Anschliessend reiste der Beschuldigte mit I.________, G.________ und 
H.________ nach Wien. Dort mietete er in eigenem Namen und mit seiner Kredit-
karte ein Fahrzeug und fuhr damit in die Schweiz (pag. 217, Z. 191; pag. 218, 
Z. 223 ff.; pag. 664, Z. 42 f.; pag. 1019, Z. 27 f.). Der Beschuldigte bezahlte ferner 
die zur Übernachtung gebuchten Hotels, unter anderem im Raum Interlaken sowie 
in Gex, und das Essen auf der Reise (pag. 218, Z. 208 f.; pag. 218, Z. 219; 
pag. 664, Z. 46 f.; pag. 1019, Z. 27 ff.). Ebenso gab der Beschuldigte in Wien das 

24

Geld zum Kauf einer Pistolenattrappe, die einer echten Waffe sehr ähnlich sah, und 
war beim Kauf anwesend (pag. 666, Z. 6 und Z. 11 f.). 

13.4.2 Bestrittener Sachverhalt und Beweisthemen
Der Beschuldigte bestreitet seinen ihm vorgeworfenen Anteil, insbesondere das 
Wissen um den Raubüberfall bei der Organisation der Pässe bzw. den Raub als 
Zweck zur Besorgung der Pässe; das Wissen, dass die einer echten Waffe sehr 
ähnlich sehende Pistolenattrappe für den Raubüberfall gekauft wurde. Weiter be-
stritten ist das Zeigen der Bijouterie samt vorgängigem Auskundschaften, das War-
ten auf die Tatausführenden abseits der Bijouterie, die Übernahme der Beute und 
das Verschieben mit zwei Autos nach Paris. Weiter zu untersuchen ist, inwiefern 
der Beschuldigte für die konkrete Tatausführung verantwortlich zeichnete.

13.5 Beweiswürdigung

Die Vorinstanz wies zu Recht daraufhin, dass die abstreitenden Aussagen des Be-
schuldigten nicht überzeugen. Auch an der oberinstanzlichen Einvernahme war das 
Aussageverhalten des Beschuldigten absolut unglaubhaft. Beispielsweise mit sei-
ner bereits angesprochenen Aussage (E. 12.2 oben), er sei nur ein einziges Mal in 
der Schweiz gewesen (pag. 1019, Z. 29 f. und Z. 34), setzte er sich zu zahlreichen 
seiner Schilderungen zu diesem Vorwurf in Widerspruch. Weiter erwähnenswert ist, 
dass der Beschuldigte bereits im Jahr 2006 eine Gruppe Russen begleitete, die in 
Genf einen Raubüberfall begingen (pag. 210, Z. 42 ff.; E. 12.2 oben). Vor diesem 
Hintergrund und unter Berücksichtigung seiner eingestandenen kriminellen Ver-
gangenheit ist es abwegig, dass der Beschuldigte nicht gewusst haben will, wel-
chem Zweck die Reise diente. In seinen Aussagen finden sich denn auch zahlrei-
che Widersprüche und offensichtliche Schutzbehauptungen. So äusserte sich der 
Beschuldigte widersprüchlich zu seinem Aufenthaltsort am Tag des Raubüberfalls 
und zu seiner Ausreise aus der Schweiz. Während der Untersuchung behauptete 
er zunächst, er sei am Tattag nicht in Interlaken gewesen, sondern in Gex (pag. 
219, Z. 243 ff.). Er sei am Morgen vor dem Raubüberfall alleine nach Gex gefahren 
und habe dort auf I.________, G.________ und H.________ gewartet. Später in 
derselben Einvernahme erklärte er, er habe sich nach dem Überfall mit den ande-
ren Dreien in Interlaken getroffen, von wo aus sie gemeinsam mit zwei Autos nach 
Paris gefahren seien (pag. 221, Z. 333 f.). Bei Verlesen des Protokolls erklärte der 
Beschuldigte in Widerspruch zu der vorangegangenen Aussage, er sei während 
des Überfalls in Gex gewesen und habe dort auf die Anderen gewartet (pag. 225, 
Z. 516 ff.). Vor der Vorinstanz erklärte der Beschuldigte, er sei während des 
Raubüberfalls vermutlich in Gex gewesen (pag. 667, Z. 25). Er sei nicht mit den 
Anderen nach Paris gefahren, sondern nach Wien (pag. 668, Z. 6 f.). Diese Wider-
sprüche wurden an der oberinstanzlichen Einvernahme noch grösser: So sagte der 
Beschuldigte vor der Kammer aus, er sei von der Schweiz aus nicht nach Frank-
reich gefahren, sondern direkt nach Österreich, von wo aus er die Rückreise nach 
Russland angetreten habe (pag. 1021 f., Z. 44 ff.). Wenn in den Akten stehe, dass 
er von der Schweiz aus zunächst nach Frankreich gefahren sei, dann stimme das 
nicht (pag. 1021, Z. 2 f.). Diese widersprüchlichen Angaben über seine Ausreise 
aus der Schweiz lassen sich nicht mit Missverständnissen bei der Übersetzung er-
klären, wie die Verteidigung geltend macht (pag. 1030). Der Beschuldigte sagte 

25

mehrmals aus, er sei während des Überfalls in Gex gewesen und anschliessend 
nach Paris gefahren (pag. 223, Z. 516; pag. 219, Z. 243 ff.; pag. 667, Z. 25; pag. 
220, Z. 306; pag. 221, Z. 335; pag. 221, Z. 365). Darüber hinaus erhielt der Be-
schuldigte die Einvernahmeprotokolle – mit Ausnahme der oberinstanzlichen Ein-
vernahme, von welcher eine Audioaufnahme bei den Akten ist – jeweils rücküber-
setzt und unterzeichnete diese. Auf Frage seines Verteidigers erwähnte der Be-
schuldigte zudem vor der Kammer nur einen einzigen Vorfall, bei dem es während 
einer Einvernahme zu einem Missverständnis mit der Übersetzung gekommen sei 
(pag. 1026, Z. 17 ff.). Dieses habe bereinigt werden können (pag. 1026, Z. 24 ff.). 

Der Beschuldigte gestand weiter ein, das Geld zum Kauf der beim Überfall ver-
wendeten Pistolenattrappe gegeben zu haben (pag. 666, Z. 11 ff.). Dass er diese 
für ein Souvenir gehalten habe, ist eine offensichtliche Schutzbehauptung. Die Pis-
tolenattrappe wurde später in den Bergen in Frankreich entsorgt (pag. 223, 
Z. 508 ff.), worüber der Beschuldigte sich weder entrüstet noch fragend zeigte. Er 
wusste, dass die Pistolenattrappe für den Raubüberfall gekauft worden war bzw. 
gab den diesbezüglichen Auftrag und war folglich nicht überrascht, als sie nach 
verübter Tat entsorgt wurde. Desgleichen sagte er aus, er sei am Vortag der Tat in 
Interlaken gewesen, während G.________ das Geschäft ausgekundschaftet habe 
(pag. 219, Z. 258 ff.). Hinzu kommt die erwiesene übergeordnete Stellung des Be-
schuldigten gegenüber I.________, G.________ und H.________. In Verbindung 
damit ist erstellt, dass der Beschuldigte die Anweisungen zum Auskundschaften 
des Geschäfts gab. Der Beschuldigte wusste im Voraus, was geplant war, und war 
in der Absicht zur Verübung eines Raubüberfalls in die Schweiz eingereist. Zudem 
hat er die Bijouterie gezielt angesteuert und den anderen Mittätern gezeigt.

An der oberinstanzlichen Einvernahme widersprach der Beschuldigte seinen eige-
nen Aussagen in Bezug auf den Aufenthalt in Wien. In der Untersuchung führte er 
aus, dass seine Mitreisenden nach einer Polizeikontrolle beschlossen hätten, die 
ganze Gruppe solle Wien verlassen und zur Verübung eines Überfalls auf ein Ge-
schäft in die Schweiz weiterreisen (pag. 218, Z. 202 f.). Vor der Kammer sagte er 
neu aus, er habe nach der Polizeikontrolle einen Anruf des Organisators in Russ-
land erhalten, der ihm gesagt habe, er solle mit der Gruppe in die Schweiz weiter-
reisen (pag. 1021, Z. 24 f.). Besonders bezeichnend ist dabei die Wortwahl des 
Beschuldigten. Die telefonische Anweisung habe gelautet, er solle die Männer 
«zum Ziel» bringen (pag. 1021, Z. 24 f.). Auf Nachfrage hin relativierte der Be-
schuldigte und sagte, er habe die Anweisung erhalten, die Männer «in die 
Schweiz» zu bringen (pag. 1021, Z. 29). Auch hier verstrickt sich der Beschuldigte 
in Widersprüche bzw. wurde durch ihn auch nicht aufgezeigt, aus welchem Grund 
und durch wen der «Organisator» Kenntnis der Polizeikontrolle erhalten hatte.

Die Generalstaatsanwaltschaft wies in ihrem Parteivortrag korrekterweise darauf-
hin, dass der Beschuldigte Details über den Raubüberfall wusste, die er nur durch 
eine Tatbeteiligung erlangt haben konnte (pag. 1034). So wusste der Beschuldigte 
u.a., wieviel jeder Beteiligte ungefähr für seinen Beitrag erhalten sollte (pag. 216, 
Z. 139). Er wusste über die Überwachungskameras in der Bijouterie 
J.________(AG) Bescheid (pag. 221, Z. 358 f.) und dass eine russischsprachige 
Verkäuferin, der H.________ eine Pistolenattrappe an den Kopf hielt (pag. 222, Z. 

26

402 ff.), in der Bijouterie tätig sei, obwohl er selbst nie einen Fuss in das Lokal ge-
setzt habe (pag. 219, Z. 267). Die Erklärungen des Beschuldigten, woher er dieses 
Wissen habe, sind offensichtlich falsch. Es bedarf keiner weiteren Worte, dass Auf-
nahmen der Videoüberwachung nicht im russischen Fernsehen gezeigt worden 
sind (pag. 220, Z. 308). Auch sind dem «Dokument von Interpol», das der Beschul-
digte mehrmals als Quelle seines Wissens über den Raubüberfall nannte (z.B. pag. 
1019, Z. 19 f.), keine detaillierten Angaben zu entnehmen. Dass der Beschuldigte 
seine Kenntnisse aus Verfahrensakten der russischen Behörden hat, ist überaus 
unwahrscheinlich. Die Schweizer Behörden übermittelten im Zuge des Rechtshilfe-
verfahrens keine Akten (pag. 206; pag. 571 ff.). 

Ferner untermauern die Aussagen von G.________ und H.________ das unglaub-
hafte Aussageverhalten des Beschuldigten. So sagte G.________ aus, er sei in 
Russland dazu angeheuert worden, in der Schweiz einen Raubüberfall zu begehen 
(Nebenakten pag. 65, Z. 50 ff.). Sie seien zu viert in Wien gewesen; er kenne den 
Namen der vierten Person nicht, diese sei aber wie ein Chef für die Gruppe gewe-
sen (Nebenakten pag. 66, Z. 61 ff.). Aus den Akten der Bundespolizeidirektion 
Wien geht unmissverständlich hervor, dass mit der vierten Person nur der Beschul-
digte gemeint sein kann (Nebenakten pag. 1 ff.); der Beschuldigte streitet seine 
Anwesenheit in Wien denn auch nicht ab. Weiter sagte G.________, der «Meister» 
habe das Hotel in der Nähe von Interlaken bezahlt und habe ihnen das Geschäft 
zum Ausrauben gezeigt (Nebenakten pag. 66, Z. 85 und Z. 88). Er habe ihnen ge-
sagt, sie sollten Uhren rauben, diese an ihn übergeben und anschliessend von Pa-
ris aus wieder nach Russland fliegen (Nebenakten pag. 67, Z. 110 ff.). Nachdem 
sie zu Dritt die Bijouterie ausgeraubt hätten, habe der «Meister» sie über Bern und 
Genf nach Frankreich gefahren (Nebenakten pag. 68, Z. 154 ff.). Er habe sie in die 
Schweiz gebracht und während des Raubs im Auto auf sie gewartet (Nebenakten 
pag. 70, Z. 211 f.). Anschliessend hätten sie via Paris nach Russland fliegen sollen, 
während der «Meister» in Paris geblieben sei (Nebenakten pag. 67, Z. 110 ff.). An 
der darauffolgenden Einvernahme führte G.________ aus, der Beschuldigte habe 
beim Raubüberfall keine Rolle gespielt (Nebenakten pag. 75, Z. 84 f.). Er habe ih-
nen aber schon in Wien ein Geschäft zum Ausrauben gezeigt (Nebenakten 
pag. 75, Z. 83). Entgegen der vorinstanzlichen Erwägungen versuchte G.________ 
nicht, die Tätigkeiten des Beschuldigten jemandem unterzuschieben; der Beschul-
digte wird zuweilen «A.________ (Pseudonym)» genannt (pag. 1018, Z. 29). 
G.________ erklärte weiter, er wolle zum Verhältnis zwischen dem Beschuldigten 
und «Y.________» nichts aussagen, sonst sei er ein toter Mann, wenn er nach 
Russland zurückkehre (Nebenakten pag. 83, Z. 362 ff.). 

Vor der Vorinstanz sagte G.________ ferner aus, der «Meister» habe ihnen keinen 
konkreten Tatplan vorgeschlagen und ihnen nur das Geschäft zum Ausrauben ge-
zeigt (Nebenakten pag. 150, Z. 13 ff.). Die verwendete Pistolenattrappe habe er 
zusammen mit H.________ und dem «Meister» in Wien gekauft (Nebenakten 
pag. 751, Z. 21 ff.). Die Beute habe der Beschuldigte in Paris entgegengenommen 
und ihnen Flugtickets für die Rückreise gegeben (Nebenakten pag. 751, Z. 27 f.). 
Die Schilderungen G.________ sind schlüssig und werden durch die Aussagen 
H's.________ (Nebenakten pag. 244, Z. 87 ff.) sowie insbesondere durch den Um-
stand, dass Teile der Beute in der Wohnung der Freundin des Beschuldigten in 

27

Russland gefunden wurden, gestützt (pag. 254 ff.). Die Erklärungen des Beschul-
digten zur Übergabe der Beute an eine weitere Person (pag. 215, Z. 87 ff.; 
pag. 221, Z. 330 ff.) sind hingegen widersprüchlich und nicht überzeugend. 
Zunächst behauptete er, eine weitere Person habe in Frankreich gewartet, um die 
Beute an sich zu nehmen (pag. 215, Z. 87 ff.). Diese Person sei immer alleine un-
terwegs gewesen, der Beschuldigte habe sie aber einmal kurz gesehen (pag. 215, 
Z. 97 ff.). Noch in derselben Einvernahme sagte er, ihm sei in Paris lediglich berich-
tet worden, dass die Beute einer weiteren Person übergeben worden sei (pag. 221, 
Z. 335 ff.).  Und gemäss seinen Aussagen an der oberinstanzlichen Einvernahme 
sei der Beschuldigte, wie bereits erwähnt, gar nicht nach Frankreich gefahren, son-
dern direkt nach Wien (pag. 1021 f., Z. 44 ff.). Weiter verfügte der Beschuldigte 
einziger der Gruppe über Sprach- und Ortskenntnisse und über die erforderlichen 
finanziellen Mittel. Auf diese Weise übte er Kontrolle über die mittellosen Anderen 
aus. Er händigte die Rückflugtickets erst aus, als er im Besitz der Beute war. 

Das Aussageverhalten von G.________ und H.________ deckt sich mit dem Be-
weisergebnis zur hierarchisch übergeordneten Stellung des Beschuldigten (E. 12.2 
oben) und belegen den zur Anklage gebrachten Sachverhalt. Beide zögerten, den 
Beschuldigten zu belasten, weil sie Repressionen in ihrer Heimat befürchteten; sie 
wurden offensichtlich wegen bestehender Schulden unter Druck gesetzt und zur 
Teilnahme am Überfall bewogen (Nebenakten pag. 65, Z. 35 und Z. 50 ff.; Neben-
akten pag. 207, Z. 589; Nebenakten pag. 218, Z. 80 ff.; Nebenakten pag. 247, 
Z. 169). Gestützt auf die hierarchisch übergeordnete Stellung des Beschuldigten, 
seine Aussagen sowie die Aussagen von I.________, G.________ und 
H.________ ist erstellt, dass er wusste, zu welchem Zweck er für I.________, 
G.________ und H.________ Pässe und Visa besorgte und gemeinsam mit ihnen 
nach Wien und anschliessend in die Schweiz reiste. Er gab das Geld für die Pisto-
lenattrappe und war beim Kauf anwesend. Es war vorgesehen, diese beim Überfall 
zu verwenden. Der Beschuldigte zeigte I.________, G.________ und H.________ 
die Bijouterie J.________(AG) als Tatobjekt und wies sie an, diese zu überfallen. 
Während der Tat wartete er abseits des Tatorts im zweiten Fahrzeug und fuhr an-
schliessend mit I.________, G.________ und H.________ nach Paris, wobei diese 
ein separates Mietauto benutzten (pag. 221, Z. 333 f.). In Paris liess er sich die 
Beute aushändigen und übergab die Rückflugtickets. Der Beschuldigte organisierte 
den Transport der Beute nach Russland, sodass zumindest ein Teil davon in die 
Wohnung seiner Freundin gelangte, wo er in dieser Zeit wohnte (pag. 193, Z. 125; 
pag. 669, Z. 29). Der Beschuldigte besorgte bzw. liess die für den Raubüberfall 
verwendeten Utensilien besorgen. Zudem war er – wie die Vorinstanz korrekt an-
merkte – der einzige der Gruppe, der über Geld verfügte. Daher wusste der Be-
schuldigte auch, dass I.________, G.________ und H.________ zur Verübung des 
Raubüberfalles Fesselungsmaterial (drei Rollen Klebeband und Kabelbinder) mit-
führten und es ist evident, dass sie dieses, falls nötig, auch einsetzen würden. Es 
bedurfte aus diesem Grund keine Absprachen betreffend konkrete Tatausführung.

Somit ist der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt erstellt. 

28

14. Überfall vom 9. Mai 2007 in Montreux (Ziff. I.1.2. und I.2.2. der Anklageschrift)

14.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird – in Ergänzung zu Ziff. I.1. der Anklageschrift (vgl. E. 12.1 
oben) – das Folgende vorgeworfen (Ziff. I.1.2 und Ziff. I.2.2 der Anklageschrift; pag. 
490 ff.):

1. Raub, mehrfach und bandenmässig qualifiziert begangen

1.2 am 9. Mai 2007 in Montreux zNd Fa. C.________ und gemeinsam mit O.________ und 
I.________, indem er

- für O.________ und I.________ die Flugtickets St. Petersburg/Paris retour organisiert 
hatte;

- die Beiden dann auch am 6. Mai 2007 auf dem Flug nach Paris/F begleitet hatte;
- für Hotelübernachtungen gesorgt und die Verpflegung/Mahlzeiten sichergestellt hatte 

beziehungsweise hierfür die nötigen Zahlungen geleistet hatte, wofür er über Bargeld 
von insgesamt ca. € 5'000.00 bis € 6'000.00 verfügte;

- am 6. Mai 2007 ein Auto in Paris Roissy/F und am 8. Mai 2007 ein weiteres in Lyon 
Aeroport St. Exupéry/F auf seinen Namen angemietet und mit seiner Kreditkarte be-
zahlt hatte;

- O.________ und I.________ zuerst nach Gex/F lotste, gemeinsam mit ihnen in einem 
dortigen Hotel Standort bezog und dieses auch bezahlte;

- danach O.________ und I.________ zum Tatobjekt führte/dirigierte, worauf

■ die vorgenannten Mittäter das Verkaufslokal der Fa. C.________ an der …-Rue 
betraten;

■ die in der Bijouterie anwesenden D.________, E.________ und F.________ 
überwältigten;

■ O.________ E.________ und F.________ mit mitgebrachtem Klebeband fesselte;
■ O.________ ein zuvor beschafftes Messer, Klingenlänge 11,5cm, in Händen hielt, 

auch um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen;
■ O.________ und I.________ diversen Schmuck und Uhren behändigten;
■ I.________ vor dem Verlassen des Geschäftes D.________ gegen ein Mö-

belstück stiess, worauf diese stürzte und sich verletzte;
■ O.________/I.________ versuchten, gegen den von aussen die Türe haltenden 

Z.________ die Türe zu öffnen, wobei O.________ das Messer immer noch in der 
Hand hielt;

■ Z.________ die Türe schliesslich losliess, den Weg freigab, worauf 
O.________/I.________ das Lokal verliessen;

■ einer der Beiden dabei noch versuchte, Z.________ ins Gesicht zu schlagen;
■ O.________/I.________ das Geschäft letztlich mit behändigtem Schmuck und Uh-

ren im Wert von insgesamt mindestens ca. CHF 420'000.00 (Gesamtdeliktsbe-
trag) verliessen, sich zu Fuss zu ihrem PW begaben und damit die Flucht ergrif-
fen;

- währenddem sich A.________ selbst zum Standort Gex/F zurückbegeben hatte, wo 
er auf seine Mittäter wartete, um anschliessend am 13. Mai 2007 mit diesen und der 
Beute nach St. Petersburg zurückkehren zu können, dies allerdings vergeblich, da 

29

O.________/I.________ nach einer Verfolgungsjagd in Clarens/VD durch die KAPO 
VD auf ihrer Flucht gestoppt werden konnten.

[…]

2. Freiheitsberaubung, mehrfach begangen 
[…]
2.2 am 9. Mai 2007 in Montreux zNv F.________ und gemeinsam mit O.________ und 

I.________, indem er [sich] zusammen mit diesen für den Raubüberfall vom 9. Mai 2007 
zNd Fa. C.________ verantwortlich zeichnete, wobei

- O.________ und I.________ das Verkaufslokal der Fa. C.________ an der …-Rue 
betraten, um den geplanten Raub in die Tat umzusetzen;

- O.________ die ebenfalls anwesende Raumpflegerin F.________ mit Klebeband die 
Beine und die Hände auf den Rücken fesselte.

- währenddem sich A.________ selbst zum Standort Gex/F zurückbegeben hatte, wo 
er auf seine Mittäter wartete, um anschliessend am 13. Mai 2007 mit diesen und der 
Beute nach St. Petersburg/RU zurückkehren zu können, dies allerdings vergeblich, da 
O.________/I.________ nach einer Verfolgungsjagd in Clarens/VD durch die KAPO 
VD auf ihrer Flucht gestoppt werden konnten.

14.2 Vorbemerkung
Auch bei diesem Vorwurf wird vorab auf die Ausführungen in E. 12. oben und auf 
die Ausführungen der Vorinstanz (Ziff. III.3.4. und III.3.5. des erstinstanzlichen Ur-
teilsmotivs; pag. 751 ff.) verwiesen. Nachfolgend wird unter punktueller Präzisie-
rungen sowie Ergänzungen der dem Beschuldigten vorgeworfene Sachverhalt dar-
gestellt und gewürdigt.

14.3 Der Ablauf des Raubüberfalls

Auch dieser Raubüberfall war Gegenstand des gegen I.________ geführten Straf-
verfahrens, in welchem am 22. August 2008 das Kreisgericht XI Interlaken-
Oberhasli ein Urteil fällte (Nebenakten pag. 153 ff.). Der Ablauf des Raubüberfalls 
konnte anhand von Aussagen der anwesenden Zeuginnen rekonstruiert werden 
und wird vom Beschuldigten nicht bestritten. Für die den Ablauf des Raubüberfalls 
bzw. die konkrete Tatausführung wird daher auf Ziff. II.C. der Begründung des Ur-
teils des Kreisgerichts XI Interlaken-Oberhasli vom 22. August 2008 abgestellt 
(zum Ganzen Nebenakten pag. 172 ff.).

Am 9. Mai 2007 begaben sich O.________ und I.________ um ca. 10:00 Uhr zur 
Filiale der Bijouterie C.________ in Montreux, wo ihnen eine Verkäuferin elektro-
nisch die Tür öffnete. Die beiden Täter gaben in gebrochenem Deutsch vor, eine 
Uhr kaufen zu wollen. Anschliessend fesselten die Täter die drei anwesenden Ver-
käuferinnen sowie die zufällig anwesende mit der Raumpflege befasste Straf- und 
Zivilklägerin 4 unter Bedrohung eines mitgebrachten Messers aneinander. Die 
Straf- und Zivilklägerin 4 wurde zu Boden geworfen und schrie, woraufhin 
O.________ ihr die Hand vor den Mund hielt. Als es an der elektronisch verschlos-
senen Tür läutete, versuchte eine Verkäuferin die Tür per Knopfdruck zu öffnen. 
Jedoch stiess I.________ sie gegen die Theke, woraufhin sie hinfiel. Die Ge-
schäftsführerin der Bijouterie, die in der Zwischenzeit von aussen die Türe öffnen 
wollte, alarmierte die Polizei. Daraufhin behändigten sich die beiden Täter hastig 

30

einiger Wertgegenstände im Wert von ca. CHF 420'000.00 und wollten aus der Bi-
jouterie fliehen. Passanten versuchten, die Eingangstür verschlossen zu halten, 
liessen I.________ und O.________ aber beim Anblick des Messers passieren. Ei-
ner der beiden versuchte, einen der Passanten zu schlagen. I.________ und 
O.________ hinterliessen einen Rucksack und Klebeband im Geschäft. Auf der 
Flucht in einem Mietauto mit französischen Kennzeichen konnten die beiden Täter 
gestoppt und in Gewahrsam genommen werden. Im Fahrzeug fand die Polizei die 
Reisepässe von I.________ und O.________, Flugtickets, eine Tragtasche mit 
dem Deliktsgut, eine Jacke mit einem Messer in der Jackentasche sowie einen auf 
den Beschuldigten lautenden Automietvertrag. 

14.4 Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

14.4.1 Unbestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte besorgte Flugtickets für die Reise von St. Petersburg nach Paris 
und zurück (pag. 248, Z. 143 f.; pag. 249, Z. 164). Die Tickets bezahlte ein Ver-
wandter von I.________ (pag. 248, Z. 143 f.). Der Beschuldigte begleitete 
O.________ und I.________ nach Paris sowie organisierte und bezahlte Verpfle-
gung/Unterkunft (pag. 245, Z. 43; pag. 248, Z. 148 f.). Auf seinen Namen mietete 
der Beschuldigte je ein Auto in Paris und in Lyon und bezahlte mit seiner Kreditkar-
te (pag. 248, Z. 125 ff.). Er fuhr mit O.________ und I.________ von Paris nach 
Gex, wo sie in einem Hotel übernachteten (pag. 245, Z. 42; pag. 248, Z. 134). Am 
Tattag wartete der Beschuldigte in Gex auf O.________ und I.________, um mit 
ihnen am 13. Mai 2007 zurück nach St. Petersburg zu fliegen (pag. 252, Z. 317 ff.). 

14.4.2 Bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet seinen ihm vorgeworfenen Anteil an der Tat. Zu unter-
suchen ist, ob er vom Raubüberfall wusste, ob er O.________ und I.________ zum 
Tatobjekt führte/dirigierte und ihnen das Tatobjekt zeigte, ihnen Anweisungen gab 
und ob er mit der Absicht zur Übernahme der Beute abseits auf sie wartete. Weiter 
ist zu untersuchen, ob der Beschuldigte wusste, dass O.________ und I.________ 
Kabelbinder, Klebeband und ein Messer mit sich führten, und inwiefern der Be-
schuldigte für die konkrete Tatausführung verantwortlich zeichnete.

14.5 Beweiswürdigung

Der Beschuldigte äusserte sich zu diesem Vorwurf nahezu identisch wie zu demje-
nigen in Interlaken vom 8. März 2007. Er gestand nur ein, was er selbst als straflos 
einstufte, und bestritt insbesondere, vom Raubüberfall gewusst, O.________ und 
I.________ das Geschäft gezeigt und ihnen Anweisungen gegeben zu haben. Die 
Vorinstanz wies zu Recht darauf hin, dass diese Schilderungen fragwürdig sind. So 
sagte der Beschuldigte an der Hafteinvernahme vom 21. Februar 2019 von sich 
aus und ohne entsprechenden Vorhalt aus, er denke im Juni 2007 in einen Raubü-
berfall in Montreux verwickelt gewesen zu sein (pag. 143, Z. 256 ff.). Dass er als 
Tatzeitpunkt Juni, anstatt Mai angab, stellt – wie bereits erwähnt (E. 12.2 oben) – 
eine minimale Abweichung dar und ist nicht entscheidend. 

Der Beschuldigte mietete wie schon beim Raubüberfall vom 8. März 2007 in Inter-
laken zwei Autos. Das erste mietete er am 8. Mai 2007 in Paris Rossy und er 

31

brachte es am 10. Mai 2007 wieder zurück. Im zweiten Fahrzeug, das am Flugha-
fen in Lyon gemietet worden war, wurden O.________ und I.________ nach dem 
verübten Raubüberfall angehalten. Darin befand sich unter anderem das Delikts-
gut, ein Messer und der auf den Beschuldigten lautende Automietvertrag (Neben-
akten pag. 41). Dieses Mietauto konnte infolge der Anhaltung nicht rechtzeitig zum 
Autovermieter zurückgebracht werden. Die Filiale des Autovermieters Hertz in Lyon 
wurde am 10. Mai 2007 telefonisch darüber informiert (Nebenakten pag. 48). 
Gemäss Polizeirapport habe der nicht namentlich genannte Anrufer als Grund an-
gegeben, dass «einer seiner Bekannten» von der Schweizerischen Polizei vorläufig 
festgenommen worden sei (Nebenakten pag. 48). I.________ und O.________ 
wurden am 9. Mai 2007 festgenommen (Nebenakten pag. 41). Ab diesem Zeitpunkt 
hatten sie als Inhaftierte keine Möglichkeit mehr, den Autovermieter, den Beschul-
digten oder etwaige Dritte über ihre Verhaftung zu informieren. Als möglicher Anru-
fer verbleibt nur der Beschuldigte: Wer sonst hätte die Autovermietung Hertz über 
die Verhaftung von I.________ und O.________ informieren können und wer sonst 
hätte gewusst haben können, wohin das Auto zu retournieren gewesen wäre. Der 
Beschuldigte bestreitet zwar, diesen Anruf getätigt zu haben, konnte aber nicht 
schlüssig erklären, wer den Anruf gemacht haben soll (pag. 251, Z. 255 f.). Der Be-
schuldigte war demnach über den Raubüberfall auf die Bijouterie bestens im Bild. 
Andernfalls hätte er nicht wissen können, dass O.________ und I.________ ver-
haftet worden waren, um dies der Autovermietung Hertz mitzuteilen. 

Dazu passt, dass der Beschuldigte erneut Hintergrundwissen über den Raubüber-
fall zu Protokoll geben konnte, so etwa, welchen Erlös O.________ und I.________ 
für den Raubüberfall hätten erhalten sollen (pag. 247, Z. 112 ff.). Ebenso, dass der 
Plan gewesen wäre, «danach» via Paris nach St. Petersburg zurückzukehren 
(pag. 252, Z. 317 f.). Die von der Verteidigung angeführte Erklärung, dass der Be-
schuldigte durch ein russisches Strafverfahren an diese Informationen gelangt sei 
(pag. 1030), überzeugt nicht. Es wird u.a. auf E. Error! Reference source not 
found. und E. 12.2 oben verwiesen.

Aufgrund des Gesagten besteht für die Kammer kein Zweifel, dass der Beschuldig-
te am Raubüberfall in Montreux in gleichem Masse wie am Raubüberfall in Interla-
ken beteiligt war. Er zeigte O.________ und I.________ das Tatobjekt und wies sie 
zum Raubüberfall an. O.________ und I.________ zielten derweil mit ihren Aussa-
gen offenkundig darauf ab, den Beschuldigten zu decken. O.________ gab an der 
Einvernahme vom 9. Mai 2007 zu Protokoll, der Raubüberfall in Montreux habe 
sich aus reiner Gelegenheit ergeben (Nebenakten pag. 87 ff.). Er sei mit einem Kol-
legen nach Frankreich gereist, habe diesen verloren und sei dann auf einen rus-
sischsprechenden Litauer namens «AA.________» gestossen; mit diesem sei er in 
die Schweiz eingereist, wo er mit einem weiteren, zufällig angetroffenen Litauer das 
Lokal ausgeraubt habe (Nebenakten pag. 88). Das stimmt offensichtlich nicht. Der 
Beschuldigte sagte selbst aus, dass er für O.________ und I.________ Flugtickets 
besorgt und als Begleitung mit ihnen nach Frankreich geflogen war. Für die Kam-
mer ist erstellt, dass auch für den Beschuldigten der Zweck der Einreise in die 
Schweiz die Verübung eines Raubüberfalls war. 

32

O.________ beharrte zwar darauf, dass der Name des Beschuldigten ihm nichts 
sage und er nicht wisse, weshalb er ein auf den Namen des Beschuldigten gemie-
tetes Auto gefahren sei (Nebenakten pag. 94). I.________ äusserte sich zunächst 
ähnlich. Ihren Aussagen ist jedoch gemeinsam, dass eine dritte Person in den 
Raubüberfall involviert war. Angesichts des bereits Gesagten steht ausser Frage, 
dass der Beschuldigte O.________ und I.________ nach Montreux lotste, ihnen 
das Lokal zeigte und sie zum Raubüberfall anwies. I.________ erklärte vor Gericht, 
er könne keine Namen zu Protokoll geben (Nebenakten pag. 145, Z. 29 ff.). 
O.________ wollte den Beschuldigten selbst auf Fotos nicht erkennen, obwohl sie 
unbestrittenermassen gemeinsam nach Frankreich geflogen waren. Es ist augen-
scheinlich, dass O.________ und I.________ den Beschuldigten aus Angst vor 
Repressalien decken wollten – wie schon G.________ und H.________ in Bezug 
auf den Raubüberfall vom 8. März 2007 in Interlaken (E. 13.5 oben). Der Vorin-
stanz ist zuzustimmen, dass gerade I.________ aufgrund der Beziehung zwischen 
seinem Onkel und dem Beschuldigten ein besonderes Interesse daran gehabt ha-
ben musste, letzteren zu decken. Der Beschuldigte kennt den Onkel I's.________ 
sehr gut (pag. 246, Z. 52 ff.). In diesem Zusammenhang ist auch die hierarchisch 
übergeordnete Stellung des Beschuldigten gegenüber I.________ und das Wissen 
letzteren darüber nicht ausser Acht zu lassen. 

Wo sich der Beschuldigte während des Raubüberfalls in Montreux aufhielt, konnte 
nicht abschliessend ermittelt werden, spielt jedoch für die Beweiswürdigung als 
auch die rechtliche Würdigung keine Rolle. Nach dem Gesagten ist erstellt, dass 
der Beschuldigte wusste, zu welchem Zweck O.________, I.________ und er das 
Flugzeug in St. Petersburg bestiegen und zu welchem Zweck O.________ und 
I.________ mit dem zweiten Auto in die Schweiz eingereist waren. Das zweite Auto 
hatte der Beschuldigte vorgängig gemietet, damit er sich – auch im Hinblick auf ei-
ne mögliche Verhaftung der Beiden – unabhängig fortbewegen konnte. Als hierar-
chisch Übergeordneter begab er sich gemeinsam mit O.________ und I.________ 
nach Frankreich und die Schweiz, mit der Absicht die beiden zu einem geeigneten 
Lokal zu führen und sie einen Raubüberfall ausüben zu lassen.

Im Ergebnis ging die Vorinstanz Recht darin, dass der Beschuldigte beim Raub in 
Montreux dieselbe Rolle einnahm wie beim Raub in Interlaken zwei Monate zuvor. 
Das Stellungbeziehen im Hotel in Gex entspricht derselben Vorgehensweise wie 
beim vorangegangenen Raub. Zudem war mit I.________ auch derselbe Beteiligte 
wieder dabei. Der modus operandi war im Wesentlichen identisch. Der Beschuldig-
te lotste seine beiden Handlanger in die Schweiz, stattete sie mit einem Auto aus, 
wies sie an, die Bijouterie auszurauben, und wartete währenddessen abseits. Dar-
aufhin führten O.________ und I.________ den Raubüberfall wie in E. 14.3 oben 
beschrieben aus. Die im Mietauto vorgefundenen Flugtickets beweisen, dass die 
Absicht bestand, anschliessend gemeinsam nach St. Petersburg zu fliegen. Auf-
grund seiner hierarchisch übergeordneten Stellung hätte ihm ein Teil der Beute zu-
kommen sollen, wenn diese hätte gesichert werden können. 

Darüber hinaus ist zweifelsfrei erwiesen, dass der Beschuldigte als hierarchisch 
Übergeordneter die beim Raubüberfall verwendeten Utensilien besorgte bzw. be-
sorgen liess. O.________ und I.________ verfügten über kein Geld, um die Utensi-

33

lien selbst zu beschaffen. Der Beschuldigte wusste durch den Raubüberfall vom 
8. März 2007 von der Vorgehensweise I's.________. Daher ist evident, dass das 
Fesselungsmaterial beim zweiten Raub im Wissen und auf Anweisung des Be-
schuldigten mitgeführt wurde. Es ist auch naheliegend, dass, nach dem für die 
Täterschaft erfolgreich verlaufenen Raubüberfall vom 8. März 2007, wieder gleich 
vorgegangen werden sollte. Dem Beschuldigten muss dabei klar gewesen sein, 
dass zur Tatzeit auch Dritte im Geschäft anwesend sein können. 

Somit ist der zur Anklage gebrachte Sachverhalt erstellt. Abschliessend ist beson-
ders hervorzuheben, dass der Überfall vom 9. Mai 2007 sich in einem wesentlichen 
Aspekt zu den Raubüberfällen vom 8. März 2007 und 5. Dezember 2007 unter-
scheidet. Anstatt einer echt aussehenden Pistolenattrappe nutzten O.________ 
und I.________ ein echtes Messer zur Drohung, welches durchaus hätte einge-
setzt werden können. 

15. Überfall vom 5. Dezember 2007 in Interlaken (Ziff. I.1.3. der Anklageschrift)

15.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird – in Ergänzung zu Ziff. I.1. der Anklageschrift (vgl. E. 12.1 
oben) – das Folgende vorgeworfen (Ziff. I.1.3. der Anklageschrift; pag. 491 f.):

1.3 am 5. Dezember 2007 in Interlaken zNd J.________(AG), der Fa. T.________(SA) und 
der U.________(SA) sowie gemeinsam mit P.________, Q.________, R.________ und 
S.________, indem

- er die für diese Tat beziehungsweise zur Einreise in den Schengen Raum für 
P.________, Q.________, R.________ und S.________ nötigen Visa beschafft hatte;

- er für diese Personen auch die Flugtickets St. Petersburg/Paris retour organisiert hat-
te;

- er sich selbst bereits vorgängig nach Paris/F begeben hatte;
- er dort mindestens ein Fahrzeug auf seinen Namen angemietet und bezahlt hatte;
- er seine Mittäter am 2. Dezember 2007 am Flughafen in Paris/F in Empfang genom-

men, diese zuerst nach Gex/F gelotst, gemeinsam mit ihnen in einem dortigen Hotel 
Standort bezogen und dieses auch bezahlt hatte;

- er für Hotelübernachtungen gesorgt und die Verpflegung/Mahlzeiten sichergestellt 
beziehungsweise hierfür die nötigen Zahlungen geleistet hatte, wofür er über ausrei-
chend Bargeld und eine Kreditkarte verfügte;

- sie in Vevey Fesselungsmaterial besorgten;
- sie in der Folge am 4. Dezember 2007 das Tatobjekt auskundschafteten, worauf sei-

ne Mittäter am darauffolgenden Tag das Verkaufslokal der J.________(AG) am …-
weg betraten;

■ S.________ das anwesende Verkaufspersonal mit einer nicht echten, aber echt 
und funktionsfähig aussehenden Pistole bedrohte;

■ sie das Verkaufspersonal zwangen, sich auf den Boden zu legen, worauf sie 
AB.________, AC.________, AD.________ und AE.________ mit dem mitge-
brachten Kabelbinder und Klebeband fesselten;

■ sie K.________ befahlen, die Vitrinen zu öffnen, worauf sie Uhren der 
J.________(AG), der T.________(SA) und der U.________ (SA) im Wert von ins-
gesamt ca. CHF 1'800'000.00 behändigten;

34

■ sie AF.________, nachdem diese das Verkaufsgeschäft betreten hatte, ebenfalls 
mit Kabelbinder und Klebeband fesselten;

■ sie schliesslich auch K.________ mit Kabelbinder und Klebeband fesselten;
■ sie mit der behändigten Ware das Verkaufsgeschäft durch den Haupteingang ver-

liessen und zu Fuss die Flucht ergriffen, wobei sie das Verkaufspersonal gefesselt 
mit der Anweisung zurückliessen, mit der Befreiung und Alarmierung eine Viertel-
stunde zuzuwarten;

- währenddem A.________ abseits des Tatobjektes auf seine Mittäter wartete, um 
nach erfolgreicher Tat die Beute zu übernehmen und anschliessend nach St. Peters-
burg/RU zurückzukehren;

evtl. sich zum Standort Gex/F zurückbegeben hatte, wo er auf seine Mittäter wartete, 
um die Beute zu übernehmen und anschliessend nach St. Petersburg/RU zurückzu-
kehren.

15.2 Vorbemerkung
Auch bei diesem letzten zu prüfenden Vorwurf wird vorab auf die Ausführungen in 
E. 12. oben und auf die Ausführungen der Vorinstanz (Ziff. III.3.6. des erstinstanzli-
chen Urteilsmotivs; pag. 757 ff.) verwiesen. Nachfolgend wird unter punktueller 
Präzisierungen sowie Ergänzungen der dem Beschuldigten vorgeworfene Sach-
verhalt dargestellt und gewürdigt.

15.3 Der Ablauf des Raubüberfalls

Der Raubüberfall war Gegenstand des Strafverfahrens gegen R.________, in wel-
chem am 29. Mai 2008 das Kreisgericht XI Interlaken-Oberhasli ein Urteil fällte 
(Nebenakten pag. 697 ff.) sowie des Strafverfahrens gegen P.________, in wel-
chem das Kreisgericht