# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f882d96a-c690-50a0-b982-27b17dd7f421
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-08-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.08.2021 D-2632/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2632-2021_2021-08-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2632/2021  

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  A u g u s t  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Muriel Beck Kadima,  

Richterin Daniela Brüschweiler, 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…) 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Dimitri Witzig,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren); Verfügung des SEM vom 26. Mai 2021 / N (…). 

 

 

 

D-2632/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 7. April 2021 zusammen mit seinem min-

derjährigen Bruder B._______ (N […]) in der Schweiz um Asyl nach. Dabei 

gab er im Personalienblatt an, er sei am (…) beziehungsweise am (…) ge-

boren. 

B.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der europäi-

schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass der 

Beschwerdeführer am 7. März 2020 in Österreich um Asyl ersucht hatte. 

C.  

Am 9. April 2021 ersuchte das SEM die österreichischen Behörden um In-

formationen im Sinne von Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des 

Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-

gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der 

für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen 

in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-

ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).  

D.  

Die österreichischen Behörden teilten am 14. April 2021 mit, der Beschwer-

deführer sei in Österreich unter den Personalien C._______, geboren am 

(…), registriert, wobei seine Volljährigkeit medizinisch festgestellt worden 

sei. Der Beschwerdeführer und B._______ hätten in Österreich angege-

ben, Brüder zu sein. Ihre Asylanträge seien erstinstanzlich abgelehnt wor-

den, wobei Beschwerdeverfahren beim österreichischen Bundesverwal-

tungsgericht hängig seien. Das in Österreich erstellte Altersgutachten vom 

25. Mai 2020 wurde dem SEM vollständig übermittelt. 

E.  

E.a Nachdem der Beschwerdeführer am 14. April 2021 die Mitarbeitenden 

des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum Region 

D._______ für seine Rechtsvertretung im Rahmen des Asylverfahrens 

mandatiert hatte, fand am 16. April 2021 die Erstbefragung UMA (EB) statt, 

bei welcher der Beschwerdeführer unter anderem zu seinem Alter befragt 

wurde. Ausserdem wurde ihm das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Ös-

terreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, ei-

ner allfälligen Rückkehr in dieses Land sowie zum medizinischen Sachver-

halt gewährt. 

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Seite 3 

E.b Dabei führte der Beschwerdeführer aus, er sei gemäss seiner Tazkara 

im (…) geboren. Er und sein Bruder B._______ seien im Jahre 2018 ge-

meinsam aus Afghanistan ausgereist und im Jahre 2020 in Österreich an-

gekommen. Dort seien sie an verschiedenen Orten untergebracht worden, 

die acht Stunden Zugfahrt voneinander entfernt gelegen hätten. Er, sein 

Bruder und seine Betreuer hätten sich ohne Erfolg über die Trennung be-

schwert. Sein Bruder habe sich deswegen zwei Mal umzubringen versucht. 

Dieser habe psychische Probleme, seit die Mutter angeschossen worden 

sei. Zudem habe er (der Beschwerdeführer) in Österreich keine Möglichkeit 

gehabt, sich auszubilden. Gesundheitlich gehe es ihm gut, wobei er Medi-

kamente gegen (…) benötige. 

E.c Zum Beleg seiner Identität reichte der Beschwerdeführer ein Foto sei-

ner Tazkara ein (vgl. SEM-act. 33/7), gemäss welcher er im Jahr (…) fünf 

Jahre alt gewesen sei. 

F.  

Nach einem ergänzenden Ersuchen um Auskunft des SEM vom 16. April 

2021 teilten die österreichischen Behörden am 21. April 2021 mit, dass der 

Beschwerdeführer und sein Bruder in der Periode unmittelbar nach der An-

tragstellung in der Erstaufnahmestelle untergebracht gewesen seien. Bei 

der üblichen späteren, landesweiten Verteilung auf Unterbringungsquar-

tiere sei durch die zuständigen Behörden bewusst von einer gemeinsamen 

Unterbringung abgesehen worden, da eine solche als dem Kindeswohl 

nicht zuträglich eingeschätzt worden sei. 

G.  

Das österreichische Altersgutachten wurde zur Einholung einer Zweitmei-

nung ans Institut für Rechtsmedizin (IRM) des (…) übermittelt. Dieses kam 

basierend auf den im österreichischen Gutachten dokumentierten Untersu-

chungsbefunden mit Gutachten vom 21. April 2021 zum Ergebnis, der Be-

schwerdeführer habe zum Zeitpunkt der Untersuchungen in Österreich am 

(…) 2020 sowie am (…) 2020 das (…) Lebensjahr sicher vollendet. Das 

angegebene Geburtsdatum vom (…) könne nicht zutreffen. 

H.  

Am 11. Mai 2021 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das 

rechtliche Gehör zu ihrer Absicht, dessen Geburtsdatum im Zentralen Mig-

rationsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…) anzupassen. Gleichzeitig 

wurde er darüber informiert, dass sie die österreichischen Behörden nach 

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Seite 4 

erfolgter Altersanpassung um dessen Übernahme ersuchen werde und er-

wäge, ihn nach Vorliegen der Zustimmung nach Österreich wegzuweisen. 

Das SEM ersuchte ihn mitzuteilen, ob er einer gemeinsamen Rückkehr 

nach Österreich zusammen mit seinem minderjährigen Bruder zustimme. 

Andernfalls beabsichtige das SEM, ihn alleine nach Österreich wegzuwei-

sen. 

I.  

In seiner Stellungnahme vom 18. Mai 2021 liess der Beschwerdeführer mit-

teilen, er sei mit der Anpassung des Alters nicht einverstanden. Das IRM 

habe die medizinischen Unterlagen nicht beurteilt, sondern stütze sich le-

diglich auf die Schlussfolgerungen des österreichischen Gutachtens. Vor 

der Durchführung der Altersanpassung sei die Begutachtung der medizini-

schen Untersuchungen durch das IRM vorzunehmen. Im Weiteren habe 

B._______ unter der in Österreich durch die Behörden verfügten Trennung 

von seinem Bruder stark gelitten und gar einen Suizidversuch unternom-

men. Diese Trennung sei mitunter ausschlaggebend für die Weiterreise in 

die Schweiz gewesen. Ein Selbsteintritt aus humanitären Gründen sei drin-

gend angezeigt. 

J.  

In der Folge ersuchte das SEM die österreichischen Behörden am 25. Mai 

2021 um Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 

Bst. b der Dublin-III-VO. Die österreichischen Behörden stimmten dem 

Übernahmeersuchen gleichentags zu. 

K.  

Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens wurden beim Beschwerdeführer 

(…) sowie sonstige, nicht näher bezeichnete (…) diagnostiziert (vgl. ärztli-

che Kurzberichte des (…) vom 14. April 2021, 26. April 2021 und 12. Mai 

2021). Eine am 3. Mai 2021 durchgeführte (…) Untersuchung ergab keine 

Auffälligkeiten (vgl. Bericht der Klinik (…) vom 6. Mai 2021). Gemäss Be-

richt des Instituts für Pathologie des (…) vom 4. Mai 2021 seien die histo-

logischen Befunde vereinbar mit einer (…). 

L.  

Mit Verfügung vom 26. Mai 2021 – eröffnet am 27. Mai 2021 – trat das SEM 

gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte dessen Wegweisung aus 

der Schweiz in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Österreich). Gleich-

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Seite 5 

zeitig setzte es eine Ausreisefrist auf den Tag nach Ablauf der Beschwer-

defrist an, beauftragte den Kanton E._______ mit dem Vollzug der Weg-

weisung, händigte die editionspflichtigen Akten aus und hielt fest, dass ei-

ner Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. 

M.  

Der Beschwerdeführer liess in der Folge mittels Eingabe seines Rechts-

vertreters vom 3. Juni 2021 beim Bundesverwaltungsgericht gegen die 

Verfügung des SEM Beschwerde erheben und beantragen, die angefoch-

tene Verfügung sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf das 

Asylgesuch einzutreten, eventualiter sei die angefochtene Verfügung auf-

zuheben und die Sache zwecks vollständiger Abklärung des Sachverhalts 

und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrecht-

licher Hinsicht wurde beantragt, die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden 

seien im Rahmen von superprovisorischen beziehungsweise vorsorglichen 

Massnahmen unverzüglich anzuweisen, bis zum Beschwerdeentscheid 

von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen, und der Beschwerde sei die 

aufschiebende Wirkung zu erteilen. Sodann sei ihm (dem Beschwerdefüh-

rer) die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, insbesondere sei von 

der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen. 

Der Beschwerde lagen – neben der angefochtenen Verfügung und einer 

Vollmacht – ein Bericht des (…) vom 28. April 2021 den Bruder B._______ 

betreffend bei. 

N.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 8. Juni 2021 setzte der Instrukti-

onsrichter den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.  

O.  

Am 9. Juni 2021 teilte das SEM den österreichischen Behörden mit, dass 

eine Beschwerde mit aufschiebender Wirkung hängig sei, und ersuchte um 

eine Verlängerung der Überstellungsfrist. 

P.  

Mit Verfügung vom 9. Juni 2021 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung – unter Vorbehalt einer 

nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwer-

deführers – gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, 

erteilte der Beschwerde die aufschiebende Wirkung und stellte fest, der 

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Seite 6 

Beschwerdeführer könne des Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-

warten. Gleichzeitig wurde das SEM zur Einreichung einer Vernehmlas-

sung eingeladen. Nachdem diese Verfügung aufgrund eines internen Ver-

sehens nicht an das SEM versandt wurde, erging am 23. Juni 2021 eine 

neuerliche Instruktionsverfügung des gleichen Inhalts. 

Q.  

Mit Verfügung vom 28. Juni 2021 stellte das SEM fest, der Bruder 

B._______ erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch 

ab und wies ihn aus der Schweiz weg, schob den Wegweisungsvollzug 

jedoch infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

R.  

Das SEM liess sich mit Eingabe vom 1. Juli 2021 zur Beschwerde verneh-

men und reichte gleichzeitig eine Aktennotiz ein, wonach der Beschwerde-

führer am 8. Juni 2021 im Bundesasylzentrum versucht habe, alkoholisiert 

in das Zimmer einer Gesuchstellerin einzudringen, worauf diese völlig auf-

gelöst gewesen sei. 

S.  

Mit Verfügung vom 6. Juli 2021 wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit 

erteilt, eine Replik einzureichen.  

T.  

Dieser Aufforderung kam er innert erstreckter Frist mit Eingabe seiner 

Rechtsvertretung vom 22. Juli 2021 nach. 

U.  

Mit Eingabe vom 20. August 2021 liess der Beschwerdeführer einen Kurz-

bericht MNA-Betreuung Bundesasylzentrum D._______ vom 2. August 

2021 und ein Schreiben des Amts für (…) des Kantons E._______ vom 

19. August 2021, beide den Bruder B._______ betreffend, nachreichen. 

B._______ habe grosse Angst, von seinem Bruder getrennt zu werden, 

und sein grösster Wunsch sei, mit seinem Bruder zusammenbleiben zu 

können. Er leide an massiven Schlafstörungen und einer posttraumati-

schen Belastungsstörung und habe bereits einen Suizidversuch unternom-

men. Eine Trennung von seinem Bruder würde seine psychische Gesund-

heit stark destabilisieren. Es bestehe eine Abhängigkeit zwischen den Brü-

dern und die Wegweisung des Beschwerdeführers nach Österreich stehe 

klar dem Kindswohl entgegen. 

 

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Seite 7 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).  

1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 

Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

3.1 Die Vorinstanz hält zur Begründung ihres Nichteintretensentscheids 

fest, der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Erstbefragung zwar di-

verse widerspruchslose Angaben zu seinem Alter und zur Schulbildung ge-

macht, jedoch würden einige Aussagen darauf hinweisen, dass er mit sei-

nem angegebenen Geburtsdatum beziehungsweise Alter nicht besonders 

vertraut sei. Insgesamt sei ihm nicht gelungen, die geltend gemachte Min-

derjährigkeit glaubhaft zu machen, und er habe sie auch nicht mittels 

rechtsgenüglicher Ausweise belegen können. Weiter liege mit dem Alters-

gutachten des IRM ein starkes Indiz für die Volljährigkeit vor und auch die 

österreichischen Behörden würden ihn als volljährig erachten.  

Im Asyl- und Aufnahmesystem Österreichs würden keine systemischen 

Mängel vorliegen. Sodann bezweifle das SEM nicht, dass zwischen dem 

minderjährigen Bruder und dem Beschwerdeführer ein enges Verhältnis 

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Seite 8 

bestehe. Jedoch vermöge die Beziehung, auch unter Berücksichtigung der 

dokumentierten gesundheitlichen Probleme des Bruders, kein Abhängig-

keitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zu begründen. Die 

diagnostizierten Beschwerden des Bruders seien nicht von einer solchen 

Schwere, dass dieser deswegen unweigerlich und dauernd auf die persön-

liche Pflege und Betreuung des Beschwerdeführers angewiesen wäre. Zu-

dem verfüge der Bruder über kein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der 

Schweiz. Die Möglichkeit eines gemeinsamen Dublin-Verfahrens mit Ös-

terreich habe er klar abgelehnt. Im Weiteren hätten die österreichischen 

Behörden dem SEM mitgeteilt, dass die in Österreich erfolgte Trennung 

bewusst und im Interesse des Kindeswohls erfolgt sei. Sodann würden 

keine begründeten Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass er nach einer 

Rückkehr nach Österreich in eine existenzielle Notlage geraten könnte. 

Auch die bei ihm festgestellten gesundheitlichen Probleme würden sich bei 

Bedarf in Österreich weiterbehandeln lassen. Es würden sich demnach 

auch keine Gründe ergeben, welche die Anwendung der Souveränitäts-

klausel im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (SR 142.311) i.V.m. Art. 17 

Abs. 1 Dublin-III-VO anzeigen würden. 

3.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, der Beschwerdeführer 

und sein Bruder seien sehr besorgt über die drohende Wegweisung des 

Beschwerdeführers nach Österreich. Nach der Zustellung des Asylent-

scheides habe am 31. Mai 2021 aufgrund einer suizidalen Krise von 

B._______ der Notarzt aufgeboten werden müssen. Die Betreuungsperso-

nen und Lehrpersonen von B._______ seien besorgt, was im Fall einer 

Wegweisung des Beschwerdeführers mit der psychischen Gesundheit von 

B._______ passieren würde. Die Brüder hätten in Afghanistan über meh-

rere Jahre häusliche Gewalt durch den Stiefvater sowie dessen Bruder er-

lebt, worunter sie stark gelitten hätten und welche sie bis heute beschäf-

tige. Bei B._______ sei als Folge davon eine posttraumatische Belastungs-

störung diagnostiziert worden. Diese Gewalterlebnisse hätten die Brüder 

bereits während der Kindheit stark zusammengeschweisst. Auf der Flucht 

hätten sie weitere Schwierigkeiten erlebt, welche sie gemeinsam hätten 

überwinden können. Der Beschwerdeführer sei während der gesamten 

Reise die wichtigste Bezugsperson für B._______ gewesen. Nach der 

Trennung in Österreich habe Letzterer einen Suizidversuch unternommen, 

da er sich hilflos und allein gefühlt habe. Durch die lange Flucht und die 

lange, gemeinsame Leidensgeschichte in Afghanistan ergebe sich eine 

äusserst starke Bindung zwischen den Brüdern, welche als schutzwürdi-

ges Familienverhältnis einzustufen sei. Die aus der Wegweisung des Be-

schwerdeführers resultierende erneute Trennung der Geschwister hätte 

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eine ernsthafte Kindeswohlgefährdung zur Folge. Die Rechtsvertretung 

habe mit den zuständigen Rechtsvertretern (F._______, […]) und Betreu-

ungspersonen (G._______, […]) in Österreich Kontakt aufgenommen. 

Frau G._______ habe auf Rückfrage ausgeführt, die Trennung der Brüder 

habe aus ihrer Sicht nicht nachvollzogen werden können und sei mehrfach 

kritisiert worden. Weiter habe sie erklärt, dass die Sorge um die vermisste 

Mutter und die Trennung vom Bruder B._______ schwer zugesetzt hätten. 

Die Trennung der Brüder habe erhebliche Konsequenzen für die psychi-

sche Gesundheit von B._______ gehabt. Es sei in Österreich mehrfach mit 

den zuständigen Asylbehörden Kontakt aufgenommen worden, um die 

Trennung rückgängig zu machen, was von den österreichischen Behörden 

jeweils abgelehnt worden sei. Die Trennung sei von den stark involvierten 

Betreuungspersonen und juristischen Begleitpersonen als dem Kindes-

wohl widersprechend wahrgenommen worden. Die Information der öster-

reichischen Behörden, dass die beiden Brüder bewusst getrennt worden 

seien, erstaune die Rechtsvertretung daher sehr. Die sehr knappe und un-

begründete Information des österreichischen Dublin-Units zur Trennung er-

scheine dem Kindeswohl schädlich und entspreche nicht den Realitäten, 

welche durch die Betreuungs- und Begleitpersonen der Brüder wiederge-

geben werde. Im Weiteren sei durchaus wahrscheinlich, dass der Be-

schwerdeführer nach der Überstellung nach Österreich in naher Zukunft 

zwangsweise nach Afghanistan zurückgeführt werden könnte. Dies würde 

die Möglichkeit des Rechts auf Familienleben endgültig beenden. Eine 

Trennung der Brüder würde demzufolge ein Verstoss gegen Art. 8 EMRK 

und Art. 3 Abs. 1 und Art. 10 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. Novem-

ber 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, SR 0.107) be-

deuten. Es sei deshalb zwingend ein Selbsteintritt gemäss Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO vorzunehmen. Sodann sei nicht ersichtlich, wie das SEM zum 

Schluss gelangt sei, es würden keine humanitären Gründe im Sinne von 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vorliegen, zumal das Vorliegen eines Familienver-

hältnisses geltend gemacht worden sei und das Kindeswohl bei allen Ver-

fahren und Massnahmen vorrangig zu berücksichtigen sei. Das SEM habe 

es verpasst, sich zum Kindeswohl und der Trennung der Brüder eingehen-

der zu äussern. Daher sei weder der rechtserhebliche Sachverhalt ausrei-

chend erstellt noch sei die Begründungspflicht in Bezug auf die Ermes-

sensausübung gewahrt. 

3.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seiner Verfügung fest und 

führt ergänzend aus, auch eine über die Kernfamilie hinausgehende ver-

wandtschaftliche Bande – namentlich auch diejenige zwischen Geschwis-

tern – könne unter den Schutz der Einheit der Familie fallen, sofern eine 

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Seite 10 

nahe und tatsächliche Beziehung zwischen den Antragstellern bestehe. 

Die Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit im Verhältnis zwi-

schen diesen Verwandten ausserhalb der Kernfamilie setze jedoch nicht 

nur eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung voraus, sondern 

ein darüberhinausgehendes besonderes Abhängigkeitsverhältnis. Die Be-

ziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seinem minderjährigen Bru-

der habe im Heimatland naturgemäss bereits bestanden, da sie beide in 

einem gemeinsamen Haushalt gelebt hätten. Während ihres Aufenthalts im 

Bundesasylzentrum sei das Zusammenleben ebenfalls als real und effektiv 

anzusehen. So hätten die beiden bis zur Altersanpassung des Beschwer-

deführers beispielsweise im selben Zimmer gelebt. Jedoch müsse zur fa-

miliären Beziehung auch ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis beste-

hen. Dieses sei vorliegend mit Verweis auf die angefochtene Verfügung 

nicht gegeben. Weiter hätten sowohl der Beschwerdeführer als auch sein 

minderjähriger Bruder eine gemeinsame Rückkehr nach Österreich abge-

lehnt und durch dieses Verhalten eine Trennung bewusst in Kauf genom-

men. Deshalb könne sich der Beschwerdeführer vorliegend nicht auf eine 

Verletzung von Art. 8 EMRK berufen. Das SEM verneine zudem, dass die 

Trennung der beiden Brüder zu einer Gefährdung des Kindeswohls führen 

würde. So hätten die österreichischen Behörden mitgeteilt, dass die Tren-

nung der beiden Brüder in Österreich bewusst und im Sinne des Kindes-

wohls erfolgt sei. Auch wenn keine weiteren Ausführungen hierzu vorliegen 

würden, so könne davon ausgegangen werden, dass in Österreich eine 

Interessenabwägung vorgenommen und der Entscheid nicht unbedacht 

gefällt worden sei. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass das Verhalten des 

Beschwerdeführers während seines Aufenthalts im Bundesasylzentrum zu 

Klagen Anlass gegeben habe. So habe er am späten Abend des 8. Juni 

2021 versucht, alkoholisiert in das Zimmer einer Gesuchstellerin einzudrin-

gen, woraufhin diese völlig aufgelöst gewesen sei. Unter diesem Gesichts-

punkt sei grundsätzlich fraglich, ob sein Verhalten dem Wohl des jüngeren 

Bruders tatsächlich zuträglich sei. Der Beschwerdeführer habe zudem an-

gegeben, dass die Trennung der beiden Brüder in Österreich ein Grund für 

die Weiterreise in die Schweiz gewesen sei. Es sei jedoch nicht aktenkun-

dig, dass der Beschwerdeführer versucht habe, eine Zusammenführung 

auf dem Rechtsweg zu erwirken. Insgesamt gehe mit der Wegweisung 

nach Österreich weder eine Verletzung von Art. 8 EMRK noch eine Gefähr-

dung des Kindeswohls einher. Ein Einlenken auf die gemachten Vorbringen 

beim vorliegenden Sachverhalt würde zudem Sinn und Zweck der Dublin-

III-VO und des "One Chance Only"-Prinzips ad absurdum führen. Es wäre 

stossend, wenn ein erwachsener Asylsuchender, welcher sich mit seinem 

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Seite 11 

minderjährigen Bruder im selben Staat aufgehalten habe, ebendiesen ver-

lasse und schliesslich über den minderjährigen Bruder ein Bleiberecht im 

einem anderen Staat erwirken könnte. In der angefochtenen Verfügung sei 

schliesslich angemessen ausgeführt worden, weshalb die Anwendung der 

Souveränitätsklausel im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 i.V.m. Art. 17 

Abs. 1 Dublin-III-VO nicht angezeigt sei. 

3.4 Der Beschwerdeführer lässt in der Replik vorbringen, eine Rückkehr 

nach Österreich und eine erneute Trennung sei für die beiden Brüder ver-

ständlicherweise nicht in Betracht gekommen. Sie hätten deshalb bei ihrem 

Entscheid, nicht zusammen nach Österreich zurückzukehren, gerade nicht 

eine Trennung bewusst in Kauf genommen, sondern vielmehr aus ihrer 

Sicht das einzige Mittel gewählt, das eine solche erneute Trennung verhin-

dere. Die von den österreichischen Behörden erzwungene Trennung habe 

nicht das Kindeswohl gewahrt, sondern den Beschwerdeführer und seinen 

Bruder in eine tiefe Verzweiflung gestürzt. Es hätte die Vorinstanz stutzig 

machen müssen, dass die österreichischen Behörden mit keinem Wort da-

rauf eingegangen seien, aus welchen Gründen eine Trennung des Be-

schwerdeführers von seinem einzigen hier lebenden Mitglied der Kernfa-

milie dem Kindeswohl dienlich gewesen sein soll. Das SEM folgere aus 

dem Fehlen von weiteren Ausführungen völlig spekulativ, es könne davon 

ausgegangen werden, dass in Österreich eine Interessenabwägung vorge-

nommen und der Entscheid nicht unbedacht gefällt worden sei. Damit 

komme es seiner Pflicht zur Sachverhaltsabklärung und seiner Pflicht, das 

Kindeswohl des Bruders zu schützen, nicht ausreichend nach. Die Tren-

nung habe von der zuständigen Rechtsvertreterin und den Betreuungsper-

sonen von B._______ in Österreich nicht nachvollzogen werden können 

und sei mehrfach kritisiert worden. Eine endgültige Trennung vom Be-

schwerdeführer könnte bei B._______ – mit Verweis auf die psychiatri-

schen Konsilien – eine Verschlechterung der psychischen Situation bis hin 

zu einer Exazerbation der Suizidalität im Sinne einer finalen bilanzierenden 

emotionalen Bankrotterklärung herbeiführen. Eine Trennung der beiden 

Brüder stehe dem Kindeswohl von B._______ diametral entgegen. Der 

emotionale und psychische Zustand des Beschwerdeführers habe sich seit 

dem Erhalt des Nichteintretensentscheids merklich verschlechtert. Der 

vom SEM angeführte Vorfall zeuge tatsächlich von schwierigem Verhalten, 

welches jedoch aus der bestehenden Drucksituation heraus entstanden 

sei. Der Beschwerdeführer habe sich seither bei der asylsuchenden Frau 

entschuldigt und sie würden weiterhin freundschaftlich zueinanderstehen. 

Zuletzt hätten die beiden schwatzend nebeneinander auf dem Sofa im 

Warteraum der Rechtsvertretung gesessen.  

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Seite 12 

4.  

4.1 Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden grundsätzlich kein 

Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch 

BVGE 2010/45 E. 8.3). Die österreichischen Behörden haben dem Wieder-

aufnahmegesuch des SEM zugestimmt (vgl. Bst. J). Demzufolge wäre Ös-

terreich für die Durchführung des Asylverfahrens des Beschwerdeführers 

zuständig (vgl. Art. 3 Abs. 1 und Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO), sofern kein 

anderes Zuständigkeitskriterium zu beachten ist. 

4.2 Im vorliegenden Fall verneinte das SEM in seiner Verfügung das Vor-

liegen eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischen dem Beschwerdeführer 

und seinem Bruder im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO. Ungeachtet 

der Frage, ob diese Bestimmung aufgrund von Art. 7 Abs. 3 Dublin-III-VO 

angesichts des Umstandes, dass die Asylanträge der beiden Brüder in Ös-

terreich in erster Instanz abgelehnt wurden (vgl. SEM-act. 13/2), überhaupt 

zur Anwendung gelangen kann, stellt sich die Frage nach dem Selbsteintritt 

der Schweiz, da jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-

III-VO beschliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen 

oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, 

auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht 

für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses 

sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 

AsylV 1 konkretisiert und das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser 

Bestimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen indivi-

duelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt 

zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 

4.3 Zur Begründung seines Standpunkts verweist das SEM auf die Mittei-

lung der österreichischen Behörden, die in Österreich erfolgte Trennung 

der beiden Brüder sei bewusst und im Interesse des Kindeswohls erfolgt. 

Dabei versäumte es das SEM abzuklären, aufgrund welcher konkreter 

Überlegungen diese Trennung vorgenommen wurde. Insbesondere durfte 

es nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass in Österreich eine Interes-

senabwägung vorgenommen und der Entscheid nicht unbedacht gefällt 

worden sei. Dabei erstaunt, dass sich das SEM nicht einmal dann veran-

lasst sah, weitere Abklärungen vorzunehmen, nachdem auf Beschwerde-

ebene darauf hingewiesen wurde, die Trennung habe von der zuständigen 

Rechtsvertreterin und den Betreuungspersonen von B._______ in Öster-

reich nicht nachvollzogen werden können und sei mehrfach kritisiert wor-

den. Vor dem Hintergrund einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls 

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durch eine erneute Trennung der Brüder und der psychischen Problematik 

des minderjährigen B._______ erscheint unabdingbar, dass sich das SEM 

Klarheit verschafft über die Gründe der in Österreich erfolgten Trennung.  

4.4 Der rechtserhebliche Sachverhalt erweist sich nach dem Gesagten als 

nicht vollständig erstellt. Es erweist sich insbesondere als notwendig, bei 

den österreichischen Behörden beziehungsweise den in Österreich mit der 

Betreuung und Rechtsvertretung des minderjährigen Bruders befassten 

Personen entsprechende Auskünfte einzuholen und dem Beschwerdefüh-

rer zu den Abklärungsergebnissen das rechtliche Gehör zu gewähren. Im 

Anschluss daran wird neu darüber zu befinden sein, welches Land – die 

Schweiz oder Österreich – für die Behandlung des Asylgesuchs des Be-

schwerdeführers zuständig ist. 

4.5 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Vorliegend kommt nur eine Rückwei-

sung an die Vorinstanz in Frage, zumal dem Bundesverwaltungsgericht bei 

Dublin-Verfahren nur beschränkte Kognition zukommt (Art. 106 Abs. 1 

AsylG). Es ist notwendig, dass sich die Partei vor einer Instanz äussern 

kann, die sowohl Tat- als auch Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft 

(vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4).  

4.6 Im Rahmen des wiederaufgenommenen Verfahrens wird das SEM – 

unter anderem (vgl. E. 4.2) – zu prüfen haben, ob humanitäre Gründe vor-

liegen, welche einen Selbsteintritt der Schweiz rechtfertigen (Art. 29a 

Abs. 3 AsylV 1). Diesbezüglich verfügt das SEM über einen Ermessens-

spielraum. Verzichtet die Vorinstanz auf einen Selbsteintritt, muss sie dies 

in ihrer Verfügung begründen, ansonsten eine Ermessensunterschreitung 

vorliegt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 und 8). Bei der Prüfung der humanitären 

Gründe ist eine Gesamtschau der Gründe, die einer Überstellung unter 

diesem Aspekt entgegenstehen könnten, vorzunehmen. Zur Annahme sol-

cher humanitären Gründe können medizinische Probleme, die spezifische 

Situation im Land, in das die Überstellung erfolgen soll, die besondere Ver-

letzlichkeit der zu überstellenden Person, das überwiegende Kindesinte-

resse, traumatisierende Erlebnisse im Heimatland oder im Staat, in den 

überstellt werden soll, Überlegungen unter dem Gesichtspunkt der Einheit 

der Familie und die Dauer des Zuständigkeitsverfahrens beziehungsweise 

des Aufenthalts in der Schweiz führen. Bei der Würdigung der im Einzelfall 

vorliegenden humanitären Gründe, die einer Überstellung entgegenstehen 

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Seite 14 

können, ist sodann das Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten (vgl. bei-

spielsweise die Urteile des BVGer E-2056/2020 vom 31. August 2020 

E. 5.3, D-4375/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 5.3 f. und E-3260/2014 vom 

26. September 2017 E. 7.3.1). 

4.7 Angesichts der Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinan-

dersetzung mit den im Rahmen des Beschwerdeverfahrens geltend ge-

machten weiteren Vorbringen. Diese bilden indessen ebenfalls Bestandteil 

des wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens, weshalb das 

SEM sich mit diesen ebenfalls zu befassen haben wird. 

4.8 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Auf-

hebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt wird. Die Verfügung des 

SEM vom 26. Mai 2021 ist aufzuheben und die Sache ist zur vollständigen 

Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. 

5.  

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu 

erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird die mit Instruktionsverfü-

gungen vom 9. beziehungsweise 23. Juni 2021 gewährte unentgeltliche 

Prozessführung nachträglich gegenstandslos.  

5.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung aus-

zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen 

vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. 

auch Art. 111ater AsylG). 

  

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Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanz-

lichen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 26. Mai 2021 wird aufgehoben und die Sache 

im Sinne der Erwägungen und zur Neubeurteilung an das SEM zurückge-

wiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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