# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7b09a51d-36b1-5acf-b6f4-37c05fae8168
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-05-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.05.2008 E-3147/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3147-2008_2008-05-30.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3147/2008/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  M a i  2 0 0 8

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 
Richter Fulvio Haefeli,
Richter Walter Stöckli , 
Gerichtsschreiberin Contessina Theis.

A_______, geboren (...),
Sri Lanka, zur Zeit im Transitbereich Flughafen Zürich,
vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
9. Mai 2008 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3147/2008

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, ein Tamile aus Jaffna/Sri Lanka, stellte am 23. 
April  2008,  nach  Ankunft  am  Flughafen  Zürich,  ein  Asylgesuch. 
Gleichentags  wurde  ihm,  mit  Zwischenverfügung  des  BFM,  die 
Einreise  in  die  Schweiz  vorläufig  verweigert  und  für  die  Dauer  des 
weiteren Asylverfahrens bis  maximal  60 Tage der  Transitbereich des 
Flughafens Zürich als Aufenthaltsort zugewiesen.

B.
Am  25.  April  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  durch  die 
Flughafenpolizei summarisch zu seinem Reiseweg, seinen Personalien 
und seinen Asylgründen befragt (A6). Gemäss eigenen Angaben flog 
er am 17. oder 18. Dezember 2007 von Colombo nach Indien, am 10. 
April 2008 von Madras nach Singapur, zwei Tage später von Singapur 
nach Bangkok und von dort wieder nach Singapur. Am 22. April 2008 
sei er sodann via Bangkok in die Schweiz geflogen. Zur Begründung 
seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen 
geltend,  er  stamme  aus  Jaffna,  wo  er  bis  ca.  1995  gelebt  habe. 
Aufgrund  der  unsicheren  Situation  im Norden  Sri  Lankas  sei  er  mit 
seiner  Mutter  nach  Vavuniya  und  später  nach  Batticaloa  gezogen. 
1997 habe ihn seine Mutter dann zu ihrer Schwester  nach Colombo 
geschickt, wo er bis zum Dezember 2007 gelebt habe. Er habe in den 
letzten zehn Jahren kaum die Wohnung der Tante verlassen. Einmal im 
Monat sei er von seinem Onkel oder seiner Tante im Auto zur Kirche 
zum Beten  gefahren  worden,  und  hin-  und  wieder  hätten  sie  einen 
Ausflug zur Strandpromenade gemacht. Er sei von seiner Tante wie ein 
Knecht behandelt  worden und habe dies nicht mehr ausgehalten. Er 
habe sich in Colombo nicht frei bewegen können, da er keine ID-Karte 
besessen habe. 

Eine  Überprüfung  des  vom Beschwerdeführer  eingereichten  Passes 
durch  den  Fachdienst  Grenzkontrolle/Ausweisprüfung  der 
Kantonspolizei  Zürich  konnte  keine  objektiven  Fälschungsmerkmale 
feststellen (A4).

Am  30.  April  2008  wurde der  Beschwerdeführer  durch  den  Dienst 
Flughafenverfahren des BFM zu seinen Asylgründen angehört  (A10). 
Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus,  dass er in 
Colombo  bei  seiner  Tante  gewohnt  habe  und  das  Haus  nicht  habe 

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verlassen dürfen, da er sonst von der Armee gefragt worden wäre, ob 
er bei den "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) sei. Er sei immer 
in  diesem Haus gewesen und habe von morgens um sechs Uhr  bis 
abends um sechs Uhr den Haushalt  gemacht. Es sei  unmöglich, als 
Tamile in Colombo zu leben. Er sei nicht politisch aktiv gewesen und 
habe nie Probleme mit den Behörden gehabt.

Am  3.  Mai  2008  gingen  bei  der  Flughafenpolizei  Zürich-Kloten 
(unleserliche) Telefaxkopien der Geburtsurkunde sowie eines weiteren 
Identitätspapiers des Beschwerdeführers ein (A11).

C.
Mit Verfügung vom 9. Mai 2008 – eröffnet am folgenden Tag – stellte 
das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die 
Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Auf die 
Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  nachfolgend 
eingegangen.

D.
Gegen  diesen  Entscheid  erhob  der  Beschwerdeführer  durch  seinen 
Rechtsvertreter  am  14.  Mai  2008  Beschwerde  beim 
Bundesverwaltungsgericht  und  beantragte  die  Aufhebung  des 
Entscheides  in  den  Dispositivpunkten  4  und  5,  die  Feststellung  der 
Unzumutbarkeit und Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs und die 
Anordnung der  vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers  in  der 
Schweiz.  Es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu 
verzichten  und  dem  Beschwerdeführer  die  unentgeltliche 
Prozessführung  zu  gewähren.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, im Folgenden eingegangen.

E.
Mit Telefax vom 15. Mai 2008 wies die zuständige Instruktionsrichterin 
die  kantonalen  Behörden  an,  von  Vollzugsmassnahmen  einstweilen 
abzusehen.

F.
Gemäss  Art.  111a  Abs. 1  AsylG  verzichtete  die  Instruktionsrichterin 
auf einen Schriftenwechsel.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach 
Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  Bundesamt  für 
Migration  (BFM)  gehört  zu  den  Behörden nach  Art. 33  VGG und ist 
daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist durch die angefochtene Verfügung berührt  und 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur 
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 und 108 Abs. 2 AsylG 
i.V.m. Art. 48 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Die  vorliegende  Beschwerde  richtet  sich  nur  gegen  die  von  der 
Vorinstanz verfügte Wegweisung beziehungsweise deren Vollzug. Da-
mit ist die Verfügung des BFM vom 9. Mai 2008, soweit sie die Vernei-
nung der  Flüchtlingseigenschaft  und Verweigerung des Asyls  betrifft 
(Ziff. 1 und 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung), in Rechts-
kraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet damit 
lediglich die Frage, ob die vom BFM angeordnete Wegweisung zu voll-
ziehen ist oder ob an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme an-
zuordnen ist.

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3.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

3.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch 
auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu 
Recht  angeordnet  (Art.  44  Abs.  1  AsylG;  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2001 Nr. 21). 

4.
Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt das  Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige  Aufnahme 
von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

4.1 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin  oder 
des  Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder 
unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung 
unterworfen werden.

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Da  vorliegend  die  Ablehnung  des  Asylgesuchs  nicht  angefochten 
worden und demnach in Rechtskraft erwachsen ist, kann das in Art. 5 
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements 
im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr 
des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem 
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des 
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er 
für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK oder  Art.  1 
FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss 
Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) 
sowie  jener  des  UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der 
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder 
unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 
122, mit weiteren Hinweisen; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, 
Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 
327 ff.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat 
lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als 
unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne 
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

4.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat-  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist unter Vorbehalt von Art. 
83 Abs. 7 AuG die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. 
März 2002, BBl 2002 3818).

4.2.1 Das  BFM  führt  in  seiner  Verfügung  zur  Zumutbarkeit  des 
Vollzugs  der  Wegweisung  aus,  dass  der  Konflikt  zwischen  der 
srilankischen Regierung und der LTTE erneut politisch und militärisch 
eskaliert  sei  und,  obwohl  das  im  Februar  2002  zwischen  der 
srilankischen Regierung und der  LTTE unter  Vermittlung Norwegens 
ausgehandelte  Waffenstillstandsabkommen  noch  in  Kraft  sei,  im 

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Norden  wie  auch  im  Osten  Sri  Lankas  schwere  Gefechte  zwischen 
Kämpfern  der  LTTE  und  Regierungstruppen  entbrannt  seien.  Eine 
Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Norden  und  Osten  Sri 
Lankas sei "stark  erschwert". Zwar habe sich im Süden und Westen 
des  Landes  die  humanitäre  und  politische  Situation  aufgrund  der 
jüngsten  militärischen  Eskalation  und  der  Polarisierung  der  Politik 
verschärft; von einer generellen Unzumutbarkeit einer Wohnsitznahme 
in diesem Gebiet könne jedoch nicht gesprochen werden. Gestützt auf 
die mit seiner Staatsangehörigkeit verbundene Niederlassungsfreiheit 
könne sich der Beschwerdeführer somit in einem anderen Teil seines 
Heimatlandes  beispielsweise  im  Grossraum  Colombo  ansiedeln. 
Zudem  gebe  es  keine  individuellen  Gründe,  welche  gegen  die 
Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  sprechen  würden. 
Namentlich habe der Beschwerdeführer während Jahren im Haus von 
Onkel  und  Tante  in  Colombo  gelebt.  Die  Lebensbedingungen  dort 
könnten nicht als unmenschlich bezeichnet werden. Zum einen dürfe 
es  als  normal  gelten,  dass  von  einem  jungen  Mann,  welcher  nicht 
arbeite und auch sonst keiner geregelten Tätigkeit nachgehe, verlangt 
werde,  dass  er  im  Gegenzug  für  Unterbringung  und  Nahrung  im 
Haushalt  mithelfe.  Zum  anderen  handle  es  sich  beim 
Beschwerdeführer  um einen gesunden (...)  Mann,  von dem erwartet 
werden könne, dass er sich nicht willenlos den Wünschen seiner Tante 
unterwerfe. Schliesslich hätten die Tante und ihr  Mann,  gemäss den 
Aussagen  des  Beschwerdeführers,  die  gesamte  Reise  sowie  die 
Schlepperdienste  bezahlt  und der  Onkel  habe den Pass organisiert. 
Dies passe nicht zum Bild eines Herrin-Sklaven-Verhältnisses, wie es 
der Beschwerdeführer darstelle. Zusammengefasst könne festgehalten 
werden,  dass  der  Beschwerdeführer  über  ein  tragfähiges  familiäres 
Beziehungsnetz im Süden Sri Lankas verfüge und die wirtschaftlichen 
Grundlagen gegeben seien, da der Beschwerdeführer rund acht Jahre 
im Hause seiner Verwandten zugebracht habe. Er verfüge zudem über 
die  nötigen  Identitätspapiere,  um  sich  in  Colombo  gegenüber  der 
srilankischen Behörde ausweisen zu können, womit er sich, entgegen 
seinen Aussagen, in Colombo frei bewegen könne.

4.2.2 Demgegenüber  führt  der  Beschwerdeführer in  seiner 
Beschwerdeeingabe  mittels  seines  Rechtsvertreters  aus,  dass  die 
Vorinstanz sich offensichtlich weder  mit  der  allgemeinen Lage in  Sri 
Lanka  noch  mit  der  neueren  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts 
auseinandergesetzt habe. Der Entscheid stütze sich im Wesentlich auf 
das Waffenstillstandsabkommen zwischen der srilankischen Regierung 

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und  der  LTTE  von  2002  ab.  Das  Abkommen  sei  Anfangs  2008 
aufgekündigt  worden.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gehe  gemäss 
Urteil  vom  14.  Februar  2008  (Grundsatzurteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  Februar  2008,  E-2775/2007) 
davon aus,  dass Tamilen,  die aus dem Norden und Osten stammen 
würden,  in  Colombo  einem  Generalverdacht  ausgesetzt  seien.  Die 
Argumentation des BFM, wonach der Beschwerdeführer aufgrund der 
in Sri Lanka gewährten Niederlassungsfreiheit im Grossraum Colombo 
Wohnsitz  nehmen  könne,  sei  veraltet  und  zum  heutigen  Zeitpunkt 
falsch. 

Nach  einer  kurzen  Zusammenfassung  des  Urteils  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  Februar  2008  kommt  der 
Rechtsvertreter zum Schluss, dass es sich beim Beschwerdeführer um 
einen  zugezogenen  Tamilen  handle,  welcher  demnach  -  um  den 
Voraussetzungen für die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs in 
der  zusammengefassten  neuen  Rechtsprechung  zu  genügen  -  in 
Colombo  über  ein  tragfähiges  Familien-  oder  sonstiges 
Beziehungsnetz  zurückgreifen  und  mit  einer  konkreten 
Unterkunftsmöglichkeit  rechnen  können  müsse,  sodass  ihm  ein 
wirtschaftliches  Fortkommen  gelingen  würde.  Dies  sei  beim 
Beschwerdeführer  jedoch  nicht  der  Fall,  da  dessen  soziales 
Beziehungsnetz sich auf die Familie der Tante beschränke, bei welcher 
er seit 1999 gewohnt habe. Er habe keinen Beruf gelernt und sei nie 
einer geregelten Arbeit  nachgegangen. Er habe lediglich gegen Kost 
und Logis  den Haushalt  besorgt. Dies habe er  nicht  freiwillig  getan. 
Seine Tante habe ihm verboten, das Haus zu verlassen. Die Aussagen 
des  Beschwerdeführers  seien  von  der  Vorinstanz  nicht  in  Zweifel 
gezogen worden, sie halte lediglich die vom Beschwerdeführer geltend 
gemachten Lebensumstände nicht für unmenschlich und bezeichne es 
als  normal,  dass  einem  (...)  Mann  verboten  werde,  das  Haus  zu 
verlassen, und er im Gegenzug als Gegenleistung für Unterbringung 
und Nahrung dazu angehalten werde, im Haushalt mitzuhelfen. Auch 
wenn es dem Beschwerdeführer möglich gewesen sei, längere Zeit in 
Colombo  zu  leben,  so  könne  nicht  von  einem  tragfähigen 
Beziehungsnetz  und  schon  gar  nicht  von  der  Möglichkeit  eines 
wirtschaftlichen Fortkommens die Rede sein, weshalb die Wegweisung 
des Beschwerdeführers unzumutbar sei.

4.2.3 Der Rechtsvertreter führte zu Recht aus, dass sich das BFM auf 
veraltete  Tatsachen  abstütze,  wenn  es  davon  ausgehe,  dass  das 

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Waffenstillstandsabkommen  zwischen  der  srilankischen  Regierung 
und  der  LTTE  nach  wie  vor  in  Kraft  sei.  Gemäss  Praxis  des 
Bundesverwaltungsgerichts ist  des Weiteren ein Wegweisungsvollzug 
in  den  Norden  und  Osten  Sri  Lankas  nicht  bloss  "stark  erschwert", 
sondern  unzumutbar.  Dennoch  ist  der  Vorinstanz  im  Ergebnis 
zuzustimmen,  wenn  sie  von  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs für den Beschwerdeführer ausgeht: 

Mit  Urteil  vom  14.  Februar  2008  (E-2775/2007)  nahm  das 
Bundesverwaltungsgericht  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender tamilischer Ethnie 
eine  aktuelle  Lageanalyse  vor.  Gemäss  der  diesbezüglich  neu 
festgelegten  Praxis  setzt  die  Anerkennung  einer  innerstaatlichen 
Aufenthaltsalternative  im  Süden  des  Landes  und  damit  die 
Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  den  Grossraum Colombo 
für  srilankische  Asylsuchende  tamilischer  Ethnie,  welche  aus  der 
Nord-  oder  Ostprovinz  stammen,  das  Vorliegen  besonders 
begünstigender Faktoren wie die Existenz eines tragfähigen familiären 
oder  sozialen  Beziehungsnetzes  sowie  die  Aussicht  auf  eine 
gesicherte Einkommens- und Wohnsituation voraus (a.a.O.,  E 7.6.2). 
Für  sri-lankische  Asylsuchende  tamilischer  Ethnie,  welche  aus  dem 
Grossraum Colombo oder dessen Umgebung stammen und dort über 
ein tragfähiges Familien- oder Beziehungsnetz verfügen und mit einer 
konkreten  Unterkunftsmöglichkeit  rechnen  können,  ist  grundsätzlich 
von  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diese  Gebiete 
auszugehen,  wobei  die  Dauer  der  Landesabwesenheit 
mitzuberücksichtigen ist; je kürzer der Aufenthalt in Colombo dauerte 
und je weiter er zeitlich zurückliegt, desto höhere Anforderungen sind 
an  das  Vorliegen  eines  tatsächlichen  familiären  oder  sozialen 
Beziehungsnetzes zu stellen (a.a.O. E 7.6.1).

Der  Beschwerdeführer  verbrachte  die  letzten  zehn  Jahre  bei  seiner 
Tante und seinem Onkel an der (...), Colombo (A6, S. 2 und 11) und ist 
deshalb - auch wenn er ursprünglich aus Jaffna stammt und damals 
nach  Colombo  zugezogen  ist  -  entgegen  der  Annahme  des 
Rechtsvertreters im Sinne der zitierten Rechtsprechung als Tamile, der 
aus Colombo stammt, anzusehen. Sofern der Beschwerdeführer also 
auf ein tragfähiges Familien- oder Beziehungsnetz mit einer konkreten 
Unterkunft  zurückgreifen  kann,  ist  eine  Rückkehr  in  den  Grossraum 
Colombo und damit der Vollzug der Wegweisung in seine Heimat für 
ihn zumutbar.

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Zu  prüfen  bleibt  die  Frage,  ob  das  Familiennetz,  über  das  der 
Beschwerdeführer in Colombo verfügt, tragfähig ist und ob er dorthin 
zurückkehren kann.

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde zog die Vorinstanz die 
Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zu  seinen  schlechten 
Lebensbedingungen  durchaus  in  Zweifel  (A12,  S.  3).  Dieser 
Einschätzung  schliesst  sich  das  Gericht  vorliegend  an.  Die 
Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach er all die Jahre immer 
eingesperrt  gewesen  und  von  seiner  Tante  als  Knecht  behandelt 
worden  sein  soll,  sind  auch  für  das  Gericht  nicht  glaubhaft:  Der 
Beschwerdeführer  spricht  von  Ausflügen  an  den  Strand  mit  seiner 
Tante  und  dem  Onkel  und  davon,  dass  er  regelmässig  zur  Kirche 
gefahren worden sei, um zu beten (A6, S. 3 und 12). Dies widerspricht 
der  Darstellung  eines  jahrelangen,  erzwungenen  Eingesperrtseins. 
Zudem ist  der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie ausführt,  dass der 
Beschwerdeführer  ein  gesunder  junger  Mann  sei,  der  sich  kaum 
willenlos  seiner  Tante  unterworfen  habe.  Der  Beschwerdeführer 
widerspricht  sich  sodann  bezüglich  seiner  Identitätspapiere  und  der 
angeblich eingeschränkten Bewegungsfreiheit in Colombo, wenn er bei 
der ersten Befragung aussagt, dass er sich in Colombo nicht habe frei 
bewegen können, da er keine ID gehabt habe (A6, S. 2, 9ff), während 
demgegenüber  anhand  seines  eingereichten  Passes  ersichtlich  ist, 
dass er, mindestens seit Ausstellungsdatum des Passes im  (...), eine 
ID besass (ID-Nummer (...)). Dies räumte er bei der zweiten Anhörung 
denn auch ein  (A10,  S. 4). Ob der  Beschwerdeführer  allenfalls  eine 
weitere ID besitzt, kann offen gelassen werden (bei den Telefaxkopien 
der  Geburtsurkunde  befindet  sich  in  Telefaxkopie  ein  weiteres 
Identitätsdokument  mit  der  Nr.  (...),  welches  möglicherweise  eine 
weitere  Identitätskarte,  jedoch  ebenfalls  unleserlich  ist  [A11]); 
jedenfalls  steht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  mittels  der 
erstgenannten  ID  einen  Pass  erlangt  hat,  mit  welchem  er  sich 
ausweisen  konnte. Er  kann sich  demnach  grundsätzlich  in  Colombo 
frei bewegen und muss sich nicht permanent im Versteckten aufhalten, 
was  weiter  gegen  seine  Darstellung  spricht,  dass  er  jahrelang 
eingesperrt  gewesen sei. Er sagte zudem verschiedentlich aus, dass 
seine Tante und sein Onkel ihn geschützt hätten (A6, S. 2 und 11; A10 
S.  3),  was  ebenfalls  der  geltend  gemachten  Ausbeutungssituation 
widerspricht. Es erscheint weiter auch nicht glaubhaft, dass die Tante 
und  der  Onkel  ihm,  hätten  sie  den  Beschwerdeführer  als  Knecht 

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ausgenutzt  und  misshandelt,  finanziell  wie  organisatorisch  geholfen 
hätten  auszureisen.  Daran  vermag  auch  der  Einwand  des 
Beschwerdeführers,  seine  Mutter  habe  ihren  Grundstücksanteil  der 
Tante verschenkt, um die Reise zu finanzieren (A10, S. 6), nichts zu 
ändern. 

Der  Beschwerdeführer  hat  demnach  mit  seiner  Tante  und  seinem 
Onkel  ein  familiäres  Beziehungsnetz  in  Colombo. Er  hat  bereits  die 
letzten zehn Jahre dort gelebt und kann fürs Erste dahin zurückkehren. 
Nebst einer festen Adresse in Colombo hat er zudem Identitätspapiere 
und kann sich demnach in Colombo frei bewegen. Diese Einschätzung 
wird durch die Aussagen des Beschwerdeführers, dass er nie mit den 
Behörden  Probleme  gehabt  habe  (A6,  S.  11  und  A10,  S.  7),  nur 
gestützt.  Angesichts  des  langjährigen  Aufenthaltes  des 
Beschwerdeführers  bei  seiner  Familie  vermag  sein  familiäres 
Beziehungsnetz in Colombo auch den an der zeitlichen Abwesenheit 
gemessenen  Anforderungen  vollauf  zu  genügen,  beträgt  die  Dauer 
seiner Landesabwesenheit doch nur fünf Monate.

Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  demnach  der  Vollzug  der 
Wegweisung des Beschwerdeführers in den Grossraum Colombo als 
zumutbar.

4.3 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer mit  seinem Pass über 
gültige  Reisepapiere  und  damit  über  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen Reisedokumente,  weshalb der Vollzug der  Wegweisung 
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

5.
Insgesamt ist demnach die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung 
zu bestätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, 
zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine 
Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 
AuG).

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

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7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 
dem Beschwerdeführer  aufzuerlegen. Vorliegend rechtfertigt  es  sich, 
auf deren Auferlegung ausnahmsweise zu verzichten (Art. 63 Abs. 1 in 
fine  VwVG). Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Art.  65 
Abs. 1 VwVG) wird damit gegenstandslos.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr_______ (per Kurier; in Kopie)
- das BFM, Dienst Flughafenverfahren
- (...)

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Contessina Theis

Versand: 

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