# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a54e21b0-e81a-5497-a30c-373996d292c5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-10-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.10.2009 E-6328/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6328-2009_2009-10-15.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6328/2009/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 5 .  O k t o b e r  2 0 0 9

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._______, Kamerun,
vertreten durch Jörg Wilhelm,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 8. September 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6328/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge Kamerun am 
(...) verliess und über (...) am (...) in die Schweiz gelangte, wo sie am 
gleichen Tag um Asyl nachsuchte,

dass sie am 29. Juni 2009 im B._______ summarisch befragt und am 
20.  Juli  2009  zu  ihren  Asylgründen  und  am  28.  August  2009  (...) 
gestützt  auf  Art.  41  Abs.  1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 
(AsylG, SR 142.31) ergänzend angehört wurde,

dass die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Asylgesuches gel-
tend machte, sie sei kamerunische Staatsangehörige, (...)  und ethni-
sche (...) mit letztem Wohnsitz in C._______,

dass  sie  seit  (...)  zusammen mit  ihren  im Heimatstaat  zurückgeblie-
benen (...)  Kindern in C._______ (Kamerun) in der Nähe (...)  gelebt 
und sich in den (...) Jahren vor der Ausreise ihren Lebensunterhalt als 
(...) verdient habe,

dass sie seit (...) Mitglied der D._______ (...) sei und am (...) an einer 
Kundgebung  gegen  die  vom  Staatspräsidenten  von  Kamerun 
beabsichtigte Verfassungsänderung teilgenommen habe,

dass sie zusammen mit  anderen Demonstrationsteilnehmenden fest-
genommen, von einem Polizisten vergewaltigt und ohne Anklageerhe-
bung, Einvernahme oder Verurteilung mehr als ein Jahr unter schlim-
men hygienischen Bedingungen mit anderen Frauen in einem Gefäng-
nissaal festgehalten worden sei,

dass sie krank geworden und mit Hilfe ihres Onkels und seines Kolle-
gen in ein Spital überführt worden sei, wo sie geflüchtet und zu einer 
Bekannten gegangen sei, die sie gesund gepflegt habe,

dass sie in der Folge vom Onkel zum Flughafen von Yaounde gebracht 
worden  und  in  Begleitung  eines  Bekannten  ihres  Onkels  ausgereist 
sei,

dass für  den Inhalt  der  weiteren Aussagen auf  die  Akten verwiesen 
wird,

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dass die Beschwerdeführerin  im erstinstanzlichen Verfahren eine ka-
merunische Identitätskarte im Original zu den Akten reichte,

dass das BFM mit  Verfügung vom 8. September  2009 -  eröffnet  am 
15. September  2009  -  feststellte,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, ihr Asylgesuch vom (...) ablehnte und die 
Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug anordnete,

dass für die Begründung der angefochtenen Verfügung auf die Akten 
und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwä-
gungen verwiesen wird,

dass die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter mit Rechts-
mitteleingabe vom 6. Oktober 2009 (Poststempel) die Aufhebung der 
vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  an  das 
BFM  zur  richtigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts, 
sinngemäss  eventualiter  unter  Gewährung  von Asyl  die  Feststellung 
der  Flüchtlingseigenschaft  und  subeventualiter  unter  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme den Verzicht auf den Wegweisungsvollzug bean-
tragt,

dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren,  soweit  für  den  Ent-
scheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen 
wird,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufge-
zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass  der  Untersuchungsgrundsatz  zu  den  allgemeinen  Grundsätzen 
des Asylverfahrens gehört (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und die 
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung 
des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat,

dass die Behörde die für das Verfahren notwendigen Sachverhaltsun-
terlagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und 
ordnungsgemäss darüber Beweis führen muss,

dass  dieser  Grundsatz  indessen nicht  uneingeschränkt  gilt,  sondern 
sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person fin-
det (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG),

dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2  der Bun-
desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 
1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass 
die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  der  betroffenen  Person  tat-
sächlich hört,  prüft  und bei der Entscheidfindung berücksichtigt,  was 
sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat 
(Art. 35  Abs.  1  VwVG,  vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3),

dass die Entscheidbegründung es der betroffenen Person ermöglichen 
soll, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur 
möglich  ist,  wenn  sich  sowohl  die  betroffene  Person  als  auch  die 

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Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild ma-
chen können (BGE 129 I 232 E. 3.2),

dass sich die verfügende Behörde nicht explizit mit jeder tatbeständli-
chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinanderzuset-
zen hat, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-
ken darf (BGE 126 I 97 E. 2b),

dass das BFM dadurch, dass es die gesuchsbegründenden Vorbringen 
der Beschwerdeführerin zu ihrem Heimatstaat Kamerun nicht geprüft 
hat, sondern in seiner Verfügung in aktenwidriger Weise davon ausge-
gangen  ist,  es  handle  sich  bei  ihr  um  eine  nigerianische  Staats-
angehörige, den Sachverhalt  unrichtig  festgestellt  und das rechtliche 
Gehör der Beschwerdeführerin verletzt hat,

dass  zwar  eine  Missachtung  von  Verfahrensvorschriften  durch  das 
BFM aufgrund der umfassenden Kognition des Bundesverwaltungsge-
richts (Art. 106 AsylG) in bestimmten Schranken geheilt werden kann,

dass indessen vorliegend das BFM den Anspruch der Beschwerdefüh-
rerin auf rechtliches Gehör in schwerwiegender Weise verletzt hat und 
es nicht Sinn des Beschwerdeverfahrens sein kann, für eine richtige 
und vollständige Feststellung des  rechtserheblichen Sachverhalts  zu 
sorgen,  wenn im vorinstanzlichen Verfahren die  erforderlichen Sach-
verhaltsabklärungen unterblieben sind,

dass deshalb eine Heilung nicht in Betracht kommt und die angefoch-
tene Verfügung zu kassieren ist,

dass die Beschwerde demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung vom 8. September 2009 aufzuheben und die Sache zur richtigen 
und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts so-
wie zur anschliessenden Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen 
ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG),

dass der vertretenen Beschwerdeführerin zulasten der Vorinstanz eine 
Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhält-
nismässig hohen Kosten zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. 
Art.  7  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 

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Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]),

dass  keine Kostennote  eingereicht  worden ist  und sich  der  zeitliche 
Vertretungsaufwand für das Rechtsmittelverfahren aufgrund der Akten 
zuverlässig abschätzen lässt,

dass der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der massgeben-
den Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) und der Entschädigungs-
praxis in Vergleichsfällen  eine insgesamt auf Fr. 400.− (inkl. Auslagen 
und allfällige Mehrwertsteuer)  festzusetzende,  von der  Vorinstanz zu 
entrichtende  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (Art. 10  und 
Art. 14 Abs. 2 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des BFM vom 
8. September 2009 wird aufgehoben.

2.
Die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur Feststellung des rechts-
herblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurück-
gewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Das BFM hat der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 400.− zu ent-
richten.

5.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin, 
das BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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