# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b9812983-bdaa-5fd5-ad49-231db23ecbf3
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-19
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 19.06.2018 51/2018/10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_51-2018-10_2018-06-19.pdf

## Full Text

2018 

 

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Wechsel des amtlichen Verteidigers – Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK; Art. 5 und 

Art. 134 Abs. 2 StPO. 

Für den Wechsel der amtlichen Verteidigung genügt eine rein subjektiv geprägte 

Beurteilung der Sachlage nicht; vielmehr müssen konkrete (objektive) Anhalts-

punkte für die erhebliche Störung des Vertrauensverhältnisses glaubhaft gemacht 

werden (E. 2.1). 

Unterschiedliche Auffassungen über die Verteidigungsstrategie stellen als solche 

keine Störung des Vertrauensverhältnisses dar, die einen Wechsel des amtlichen 

Verteidigers geböte. Auch liegt keine als Unwirksamkeit der Verteidigung zu wer-

tende Ineffektivität vor, wenn die Verteidigung aus sachlichen Gründen nicht an 

allen Untersuchungshandlungen teilnimmt oder auf die Erhebung aussichtsloser 

Rechtsmittel entgegen dem Wunsch der Klientschaft verzichtet (E. 2.3). 

Eine amtliche Verteidigung ist allenfalls auch gegen den Willen des Beschuldigten 

zu bestellen, und auch wenn dieser die Zusammenarbeit mit dem amtlichen Ver-

teidiger verweigert. Das ist vor dem Hintergrund des Rechts auf Selbstverteidigung 

problematisch und kann zu Konstellationen führen, in denen eine gedeihliche Zu-

sammenarbeit zwischen Beschuldigtem und amtlichem Verteidiger nicht möglich 

ist. Ohne spezifische, triftige Gründe besteht auch in solchen Fällen kein Anlass 

für einen Wechsel des amtlichen Verteidigers. Dieser hat sich gegebenenfalls zu-

rückzuhalten, sobald es um Verfahrenshandlungen gegen den Willen eines hand-

lungsfähigen Beschuldigten geht (E. 2.4). 

Aufgrund des Beschleunigungsgebots ist bei umfangreichen oder komplexen Straf-

fällen und nach längerer Ausübung des Mandats ein Wechsel der amtlichen Ver-

teidigung nur mit Zurückhaltung zu bewilligen. Das gilt insbesondere dann, wenn 

bereits früher ein Verteidigerwechsel bewilligt worden ist (E. 2.4). 

OGE 51/2018/10 vom 19. Juni 2018 

(Eine Beschwerde in Strafsachen gegen diesen Entscheid wies das Bundesgericht 

mit Urteil 1B_397/2018 vom 16. Oktober 2018 ab.) 

Keine Veröffentlichung im Amtsbericht 

Sachverhalt 

Im Strafverfahren gegen A. wegen Verdachts insbesondere des Betrugs, des Dieb-

stahls, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs bestellte die Staats-

anwaltschaft am 6. Juli 2016 Rechtsanwalt B. zum amtlichen Verteidiger des Be-

schuldigten. Am 28. März 2017 hiess die Staatsanwaltschaft das Gesuch um 

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Wechsel der amtlichen Verteidigung gut; sie bestellte Rechtsanwalt C. als amt-

lichen Verteidiger des Beschuldigten. Am 5. Januar 2018 ersuchte Rechtsanwalt 

C. die Staatsanwaltschaft, ihn aus seinem Mandat als amtlicher Verteidiger zu ent-

lassen und A. Gelegenheit zu geben, einen Vorschlag für die neue amtliche Ver-

teidigung zu machen. Am 26. Januar 2018 ersuchte A. um Bestellung von Rechts-

anwalt D. als amtlichen Verteidiger. Am 30. Januar 2018 wies der zuständige 

Staatsanwalt die Gesuche ab. Am 6. Februar 2018 ersuchte Rechtsanwalt C. auch 

namens des Beschuldigten die Staatsanwaltschaft erneut, ihn aus dem amtlichen 

Mandat zu entlassen und Rechtsanwalt D. als neuen amtlichen Verteidiger zu 

bestellen. Am 23. Februar 2018 wies der zuständige Staatsanwalt das Gesuch ab. 

Am 11. Februar 2018 erhob A. Beschwerde ans Obergericht. Er beantragte in ers-

ter Linie, die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. Januar 2018 aufzuheben 

und ihm einen Rechtsbeistand seiner Wahl zuzuordnen bzw. die amtliche Verteidi-

gung an Rechtsanwalt D. zuzuweisen. Der zuständige Staatsanwalt beantragte am 

2. März 2018, die Beschwerde abzuweisen. Er verwies sodann auf das neue Ge-

such vom 6. Februar 2018 und seine Verfügung vom 23. Februar 2018. Rechts-

anwalt C. und der Beschuldigte A. beantragten in ihren weiteren Stellungnahmen, 

die Beschwerde von A. gutzuheissen. Das Obergericht wies die Beschwerde ab, 

soweit darauf einzutreten war. 

Aus den Erwägungen 

1. Gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft kann jede Partei, die ein recht-

lich geschütztes Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat, innert zehn 

Tagen seit deren Zustellung schriftlich und begründet Beschwerde ans Obergericht 

erheben (Art. 382 Abs. 1, Art. 384 lit. b, Art. 393 Abs. 1 lit. a und Art. 396 Abs. 1 

StPO i.V.m. Art. 43 Abs. 1 des Justizgesetzes vom 9. November 2009 [JG, SHR 

173.200]). Anfechtbar sind auch die Verfügungen, mit welchen der Wechsel der 

amtlichen Verteidigung abgelehnt wird.  

Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. Januar 2018 wurde fristgerecht er-

hoben. Mit dieser Verfügung wurden das Gesuch des amtlichen Verteidigers um 

Entlassung aus seinem Mandat und das Gesuch des Beschwerdeführers um Be-

stellung eines neuen amtlichen Verteidigers abgewiesen. Nur diese Punkte bilden 

nunmehr das Anfechtungsobjekt. […]  

Als verfahrensleitende Verfügung konnte die Verfügung vom 30. Januar 2018 

grundsätzlich in Wiedererwägung gezogen bzw. aufgrund der aktuellen, allenfalls 

geänderten Verhältnisse neu beurteilt werden. Am 23. Februar 2018 erliess denn 

auch die Staatsanwaltschaft auf erneutes Gesuch des amtlichen Verteidigers 

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"auch namens des Beschuldigten" (so ausdrücklich das Gesuch vom 6. Februar 

2018) eine neue Verfügung, die sowohl dem Beschwerdeführer persönlich als auch 

dem amtlichen Verteidiger zugestellt wurde. Nachdem die Staatsanwaltschaft in 

der ersten Verfügung erwogen hatte, der amtliche Verteidiger und der Beschuldigte 

hätten keine Gründe dargelegt, weshalb das Vertrauensverhältnis erheblich gestört 

sei, wurde im neuen Gesuch erklärt, der Beschuldigte habe den amtlichen Ver-

teidiger soweit vom Anwaltsgeheimnis entbunden, dass dieser offenlegen dürfe, 

weshalb eine weitere Zusammenarbeit unmöglich sei. In dieser Situation fragt sich, 

ob die zweite Verfügung – womit wieder materiell entschieden wurde – nicht die 

erste Verfügung ersetzt habe und ob das seinerzeitige Anfechtungsobjekt damit 

nicht dahingefallen sei. Die zweite Verfügung wurde jedenfalls nicht angefochten. 

Der Beschwerdeführer warf erst in seiner Replik – nach Ablauf der Beschwerdefrist 

– die Frage auf, ob das Obergericht auch die Verfügung vom 23. Februar 2018 

"zum Verfahrens- und Streitgegenstand machen" wolle. Es liegt jedoch nicht am 

Obergericht, einen mit einem bestimmten Entscheid geregelten Punkt ungeachtet 

der Anfechtung zum Verfahrensgegenstand zu "machen". 

Es kann offengelassen werden, ob auf die Beschwerde vom 11. Februar 2018 un-

ter den gegebenen Umständen noch einzutreten sei, erweist sich doch – wie sich 

zeigen wird – der Standpunkt des Beschwerdeführers bei materieller Prüfung oh-

nehin als unbegründet. […] 

2.1. Im vorliegenden Fall liegt unbestrittenermassen ein Fall notwendiger Ver-

teidigung vor (Art. 130 lit. a und lit. b StPO). Weil der Beschwerdeführer keinen 

Wahlverteidiger bestimmt hatte, hatte die Verfahrensleitung einen amtlichen Ver-

teidiger zu bestellen (Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 i.V.m. Art. 133 Abs. 1 StPO).  

Ist das Vertrauensverhältnis zwischen der beschuldigten Person und ihrer amt-

lichen Verteidigung erheblich gestört oder eine wirksame Verteidigung aus andern 

Gründen nicht mehr gewährleistet, so überträgt die Verfahrensleitung die amtliche 

Verteidigung einer anderen Person (Art. 134 Abs. 2 StPO). Bei der in diesem Sinn 

erheblichen Störung des Vertrauensverhältnisses geht es um Konstellationen, in 

denen auch eine privat verteidigte beschuldigte Person einen Verteidigerwechsel 

vornehmen würde. Dabei genügt aber eine rein subjektiv geprägte Beurteilung 

nicht; vielmehr müssen konkrete (objektive) Anhaltspunkte für die erhebliche Stö-

rung des Vertrauensverhältnisses glaubhaft gemacht werden (BGE 138 IV 161 

E. 2.4 S. 165; Viktor Lieber, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014, 

Art. 134 N. 19, S. 662; je mit Hinweisen). 

2.2. Im ersten Entlassungsgesuch vom 5. Januar 2018 erklärte der Verteidiger 

des Beschwerdeführers, das Vertrauensverhältnis sei "unheilbar zerrüttet", so dass 

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es ihm nicht mehr möglich sei, eine wirksame Verteidigung zu gewährleisten. Dem 

Beschwerdeführer wurde hierauf Frist eingeräumt, um unter anderem die Gründe 

der erwähnten Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses darzulegen. Mit Schreiben 

vom 26. Januar 2018 erklärte der Beschwerdeführer, das Vertrauensverhältnis sei 

tatsächlich zerrüttet; weil die Zerrüttung ohne Zweifel vorliege, sei es nicht not-

wendig, Einzelheiten der Verteidigung offenzulegen.  

Mit der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2018 wies der zuständige 

Staatsanwalt das Gesuch um Entlassung des bisherigen amtlichen Verteidigers 

und um Bestellung eines neuen amtlichen Verteidigers ab, weil keine Gründe an-

gegeben worden seien, weshalb das Vertrauensverhältnis erheblich gestört sei. Im 

Hinblick auf allfällige künftige diesbezügliche Darlegungen wies der Staatsanwalt 

sodann darauf hin, dass der amtliche Verteidiger bereits am 28. März 2017 ge-

wechselt worden sei, nachdem der Beschwerdeführer aus seiner Sicht massgebli-

che Gründe geltend gemacht und der damalige amtliche Verteidiger nicht opponiert 

habe. Der Beschwerdeführer werde durch den gegenwärtigen amtlichen Verteidi-

ger wirksam verteidigt. Es handle sich um ein ausserordentlich umfangreiches Ver-

fahren, in dessen Gegenstand sich der amtliche Verteidiger eingearbeitet habe. Es 

sei schwerlich ein Grund erkennbar, der die Kosten und den Zeitaufwand, die mit 

der Einarbeitung eines neuen Verteidigers verbunden wären, als vertretbar er-

scheinen liesse.  

Im zweiten Entlassungsgesuch vom 6. Februar 2018 erklärte der Verteidiger, er 

dürfe nunmehr offenlegen, dass eine weitere Zusammenarbeit unter anderem 

deshalb unmöglich sei, weil zwischen Klient und Anwalt diametral unterschiedliche 

und unvereinbare Vorstellungen über die zu wählende Verteidigungsstrategie be-

stünden. Der Vertrauensverlust verunmögliche insbesondere sachliche und sach-

bezogene Instruktionsgespräche, eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinn eines 

gemeinsamen Vorgehens und im Ergebnis eine dem Gesetz genügende, wirksame 

Verteidigung. Dem Beschwerdeführer wurde hierauf Frist eingeräumt, um das Ge-

such weiter zu begründen. Er liess sich jedoch nicht vernehmen. 

Mit der Verfügung vom 23. Februar 2018 wies der zuständige Staatsanwalt auch 

das zweite Gesuch um Entlassung des bisherigen amtlichen Verteidigers und um 

Bestellung eines neuen amtlichen Verteidigers ab. Er wies darauf hin, dass unter-

schiedliche Auffassungen über die Verteidigungsstrategie keinen Grund für einen 

Verteidigerwechsel bildeten. 

Im Beschwerdeverfahren erklärt der Beschwerdeführer unter anderem, der Ver-

teidiger habe ihn seit mehreren Monaten nicht mehr im Gefängnis besucht und seit 

mehreren Monaten keine eigenen Verteidigungsleistungen vorgenommen. Damit 

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sei es nicht einfach eine subjektive Behauptung des Verteidigers, dass In-

struktionsgespräche und eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinn eines gemein-

samen Vorgehens unmöglich seien. Zudem habe der Verteidiger ihm gegenüber 

als weiteren Grund Arbeitsüberlastung angegeben. Er sei nur noch als Postumlei-

tungsstelle tätig.  

Der Verteidiger des Beschwerdeführers erklärt, Beschuldigter und Verteidigung 

hätten kundgetan, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht in Frage komme, sie 

hätten erläutert, dass Instruktionsgespräche und jede andere Form konstruktiver 

Zusammenarbeit unmöglich geworden seien, und sie hätten klargemacht, dass 

nicht nur verschiedene Meinungen bestünden, sondern dass die Differenzen un-

terdessen so unüberwindlich seien, dass die Arbeit der Verteidigung komplett 

blockiert und verunmöglicht sei. Um zu veranschaulichen, dass es sich um objektiv 

feststellbare Probleme handle, habe der Beschwerdeführer auf die Tatsache hin-

gewiesen, dass der Verteidiger seit der Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses 

keine inhaltlichen Eingaben mehr gemacht habe. Es sei also auch gezeigt worden, 

dass die Zerrüttung objektiv an der Verteidigungsarbeit ablesbar sei, weil der Ver-

teidiger seit Anfang Januar 2018 aufgrund der beschriebenen Zerrüttung keine ma-

terielle Verteidigungsleistung mehr erbringen könne. Weitere Bemerkungen zum 

Innenverhältnis der Mandantenbeziehung seien ihm aus Gründen des Anwalts-

geheimnisses nicht erlaubt. Der Beschwerdeführer und die Verteidigung hätten 

ausführlich dargelegt, dass die unterschiedlichen Vorstellungen über die Verteidi-

gungsstrategie nur am Anfang der Probleme gestanden hätten. Zwingend not-

wendig machten den Verteidigerwechsel der komplette Vertrauensverlust und der 

Zusammenbruch der Kommunikation zwischen Beschuldigtem und Verteidiger. 

2.3. Der Beschwerdeführer und der amtliche Verteidiger haben demnach vor 

Erlass der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2018 den geltend gemachten 

Vertrauensverlust nicht konkretisiert. Im zweiten Entlassungsgesuch hat sich der 

Verteidiger mit dem allgemeinen Hinweis begnügt, es bestünden unterschiedliche 

und unvereinbare Vorstellungen über die Verteidigungsstrategie; sachliche In-

struktionsgespräche und eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinn eines gemein-

samen Vorgehens seien nicht mehr möglich. Im Beschwerdeverfahren wurde zu-

dem auf die fehlende Kommunikation (Gefängnisbesuche) und die fehlenden Ver-

teidigungsleistungen (Eingaben) hingewiesen. Es geht demnach im Wesentlichen 

um die Verteidigungsstrategie und die (Un-)Möglichkeit der Zusammenarbeit. Das 

vom Beschwerdeführer nachträglich noch vorgebrachte Argument der Arbeits-

überlastung des Verteidigers hat dieser nicht bestätigt.  

Unterschiedliche Auffassungen über die Verteidigungsstrategie stellen als solche 

keine Störung des Vertrauensverhältnisses dar, die einen Wechsel des amtlichen 

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Verteidigers geböte. Der amtliche Verteidiger ist nicht bloss das unkritische 

Sprachrohr seines Mandanten. Für einen Verteidigerwechsel genügt deshalb nicht, 

wenn die Verteidigung eine problematische, aber von der beschuldigten Person 

gewünschte und verlangte Verteidigungsstrategie nicht übernimmt, oder wenn sie 

nicht bedingungslos glaubt, was die beschuldigte Person zum Delikt sagt, und das 

nicht ungefiltert gegenüber den Behörden vertritt. Gleiches gilt für die Weigerung, 

aussichtslose Prozesshandlungen vorzunehmen (BGE 138 IV 161 E. 2.4 S. 166). 

Daher kann beispielsweise auch nicht von einer als Unwirksamkeit der Verteidi-

gung zu wertenden Ineffektivität gesprochen werden, wenn die Verteidigung aus 

sachlichen Gründen nicht an allen Untersuchungshandlungen teilnimmt oder auf 

die Erhebung aussichtsloser Rechtsmittel entgegen dem Wunsch der Klientschaft 

verzichtet (Niklaus Ruckstuhl, Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozess-

ordnung / Jugendstrafprozessordnung, Art. 1–195 StPO, 2. A., Basel 2014, 

Art. 134 N. 14, S. 990). Die Unterlassung entsprechender Verteidigungsleistungen 

erscheint daher nicht im hier massgeblichen Sinn als pflichtwidrig. 

Der Beschwerdeführer tut nicht ansatzweise dar, dass und inwieweit der Verteidi-

ger mit der behaupteten Unterlassung von Verteidigungsleistungen die anwaltliche 

Sorgfaltspflicht und das Gebot wirksamer Verteidigung verletzt haben könnte. Auch 

ist nicht ersichtlich, dass und warum Gefängnisbesuche bzw. Instruktionsgesprä-

che in den letzten Monaten wirklich angezeigt gewesen wären. Daher kann nicht 

gesagt werden, dieser allgemeine, bezüglich der Umstände nicht substantiierte 

Vorwurf indiziere unter den spezifischen Verhältnissen des Einzelfalls tatsächlich 

eine Gefährdung der wirksamen Verteidigung. Konkrete, objektive Anhaltspunkte 

für den geltend gemachten erheblichen Vertrauensverlust sind demnach nicht 

glaubhaft gemacht. 

2.4. Im vorliegenden Fall kommt dazu, dass der Beschwerdeführer – wie sich 

an verschiedener Stelle aus seinen Ausführungen ergibt – grossen Wert auf seinen 

Anspruch auf Selbstverteidigung legt. Er hat bei anderer Gelegenheit schon mehr-

fach persönlich Beschwerde erhoben oder sich im Verfahren persönlich geäussert. 

Der amtliche Verteidiger hat denn auch schon bei Gelegenheit Verfahrenshandlun-

gen dem Beschwerdeführer persönlich überlassen bzw. die jeweilige Verfahrens-

leitung darauf hingewiesen, dass sich der Beschwerdeführer selber äussern wolle 

und dies im jeweiligen Verfahren zu berücksichtigen sei. Das ist mit Blick auf das 

Recht des Beschuldigten auf Selbstverteidigung (Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK) grund-

sätzlich zulässig und bedeutet für sich gesehen keine Verletzung des Anspruchs 

auf wirksame Verteidigung.  

Nach der Konzeption des Instituts der notwendigen Verteidigung ist bei gegebenen 

Voraussetzungen zwingend eine amtliche Verteidigung zu bestellen, allenfalls 

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auch gegen den Willen des Beschuldigten, und auch wenn dieser die Zusammen-

arbeit mit dem amtlichen Verteidiger oder auch nur die Kommunikation verweigert. 

Das ist vor dem Hintergrund des Rechts auf Selbstverteidigung nicht unproblema-

tisch. Es kann zu Konstellationen führen, in denen eine gedeihliche Zusammen-

arbeit zwischen Beschuldigtem und amtlichem Verteidiger schlicht nicht möglich ist 

oder der Beschuldigte dem amtlichen Verteidiger generell misstraut. Auch in sol-

chen Fällen muss aber eine amtliche Verteidigung bestellt werden, welche die ihr 

als erforderlich bzw. zweckmässig erscheinenden Verteidigungsleistungen – aber 

grundsätzlich nur diese – erbringt. Der amtliche Verteidiger hat sich gegebenenfalls 

zurückzuhalten, sobald es um Verfahrenshandlungen gegen den Willen eines 

handlungsfähigen Beschuldigten geht, insbesondere bei Tätigkeiten, die der Ver-

teidigungskonzeption des Beschuldigten persönlich zuwiderlaufen (vgl. Lieber, 

Art. 130 N. 6 ff., S. 629 f.). Ohne spezifische, triftige Gründe besteht auch in sol-

chen Fällen kein Anlass für einen Wechsel des amtlichen Verteidigers. Fehlen ent-

sprechende Anhaltspunkte, kann daher in diesen Fällen nicht unbesehen auf die 

blosse Erklärung des Beschuldigten und des Verteidigers abgestellt werden, das 

Vertrauensverhältnis sei erheblich gestört. 

Demnach genügt auch die Weigerung des Beschuldigten, mit seinem amtlichen 

Verteidiger in kooperativer Weise zusammenzuarbeiten – etwa weil er diesem oder 

überhaupt einem Pflichtverteidiger misstraut und sich selber verteidigen will – nicht 

ohne weiteres für einen Wechsel der amtlichen Verteidigung. Andernfalls hätte es 

ein Beschuldigter in der Hand, durch unkooperatives Verhalten einen Verteidiger-

wechsel beliebig zu provozieren und damit das Strafverfahren in rechtsmiss-

bräuchlicher Weise zu komplizieren und zu verlängern (BGer 1B_398/2014 vom 

22. Januar 2014 E. 2.3). Das liefe auch dem Beschleunigungsgebot nach Art. 5 

StPO zuwider, welches eine Verfahrensverzögerung ohne Vorliegen von objektiv 

triftigen Gründen vermeiden will. Bei umfangreichen oder komplexen Straffällen 

und nach längerer Ausübung des Mandats ist daher ein Wechsel der amtlichen 

Verteidigung nur mit Zurückhaltung zu bewilligen (BStGer SN.2014.7 vom 23. Mai 

2014 E. 3.2 und 3.3, TPF 2014 43). Dies gilt insbesondere dann, wenn – wie hier 

– bereits früher ein Verteidigerwechsel bewilligt worden ist. Im Übrigen gilt es dem 

Umstand Rechnung zu tragen, dass der über Rechtskenntnisse verfügende und 

schriftgewandte Beschwerdeführer es wie dargelegt verschiedentlich vorzog, sich 

selber zu verteidigen und eigenständig Beschwerden zu erheben. Es ist offensicht-

lich, dass er sich selbst weitgehend in der Lage sieht, über die einzuschlagende 

Verteidigungsstrategie eigenständig zu entscheiden, so dass das Risiko eines er-

neuten Zerwürfnisses mit einem (dritten) amtlichen Verteidiger jedenfalls als er-

heblich erscheint.  

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Triftige, mit hinreichend konkreten Anhaltspunkten glaubhaft gemachte Gründe in 

diesem Sinn sind mit den allgemeinen Angaben des Beschwerdeführers und des 

Verteidigers nicht dargetan. 

2.5. Zusammenfassend ist aufgrund der Akten und der Angaben der Beteiligten 

kein (objektiver) Grund ersichtlich, der eine Pflichtverletzung des Verteidigers bzw. 

die geltend gemachte Störung des Vertrauensverhältnisses in einem Ausmass 

belegen könnte, dass mit dem derzeitigen amtlichen Verteidiger des Beschwerde-

führers dessen wirksame Verteidigung nicht mehr gewährleistet wäre. Daher ist 

nicht zu beanstanden, dass die Verfahrensleitung den beantragten (weiteren) Ver-

teidigerwechsel abgelehnt hat. […]  

[…] 

Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet; sie ist abzuweisen, soweit 

überhaupt darauf einzutreten ist (vgl. oben, E. 1).