# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f0788984-1e83-51ae-ae9a-30dd99af4350
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-07-06
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 06.07.2017 IV 2014/332
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-332_2017-07-06.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/332

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 05.05.2020

Entscheiddatum: 06.07.2017

Entscheid Versicherungsgericht, 06.07.2017
Art. 8 ATSG und Art. 4 IVG, Art. 28 und 29 IVG. Gutachterliche Beurteilung 
der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in ideal 
adaptierten Tätigkeiten, die nur unter sehr einschränkenden Bedingungen 
(sehr hohes Mass an Autonomie) anzunehmen ist. Verwertbarkeit der 
Restarbeitsfähigkeit. Hinweis auf Mitwirkungspflicht bei zumutbaren 
Eingliederungsmassnahmen im Hinblick auf allenfalls dadurch ermöglichte 
Senkung des Invaliditätsgrads (mit entsprechender späterer Anpassung) 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St Gallen vom 6. Juli 
2017, IV 2014/332).

Entscheid Versicherungsgericht, 06.07.2017

Entscheid vom 6. Juli 2017

Besetzung                                                                      

Versicherungsrichterin Karin Huber-Studerus (Vorsitz), Versicherungsrichterinnen 

Monika Gehrer-Hug und Michaela Machleidt Lehmann;

Gerichtsschreiberin Fides Hautle            

Geschäftsnr.                                                                                                                  

IV 2014/332             

Parteien

A.___,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser,

c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand                                                                   

Rente

Sachverhalt

A.   

A.a  A.___ meldete sich am 1./8. Juni 2011 wegen seit November 2010 bestehender 

Depressionen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Eine 

Ausbildung hat sie nach ihren Angaben nicht absolviert (vgl. IV-act. 8). - Gemäss dem 

IK-Auszug (IV-act. 10) war sie zunächst (mit kurzen Ausnahmen anderer 

Beschäftigungen) in Unternehmungen des Heimtierbedarfs tätig und arbeitslos 

gewesen, bevor sie von 2002 bis 2008 bei der Stiftung [...] gearbeitet hatte.

A.b  Das Psychiatrische Zentrum B.___ ([...] Tagesklinik, Dr. med. C.___, Fachärztin für 

Psychiatrie und Psychotherapie) gab dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der 

Invalidenversicherung gemäss dem Gesprächsprotokoll am 15./28. Juni 2011 (IV-act. 6 

und 9) an, die Versicherte habe in den letzten Jahren nur in einem Pensum von 50 % 

gearbeitet. Unklar sei, ob dies aus psychischen Gründen der Fall gewesen sei. Bei ihr 

seien eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradige Episode, und eine 

Persönlichkeitsstörung bzw. akzentuierte Züge (abhängig, unselbständig) zu 

diagnostizieren. Die Leiden beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit seit mindestens 

Februar 2009; die Versicherte sei damals schon einmal im Ambulatorium in Behandlung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gewesen und vom Hausarzt bereits davor medikamentös antidepressiv behandelt 

worden. Im November 2010 sei sie (ins Ambulatorium) zugewiesen worden. Nach der 

Entlassung aus der Tagesklinik - voraussichtlich Ende Juli 2011 - werde die Versicherte 

an vier Stunden pro Tag für alle einfachen körperlich leichten bis vorübergehend 

mittelschweren Tätigkeiten arbeitsfähig sein. Als Bemerkung wurde auf dem 

Gesprächsprotokoll festgehalten, es liege seit November 2010 eine volle 

Arbeitsunfähigkeit vor.

A.c  In einem Triage-Protokoll vom 7. Juli 2011 (vgl. IV-act. 12-2 f.) wurde festgehalten, 

die Versicherte werde über das Sozialamt seit fünf Jahren im D.___ mit einem Pensum 

von 50 bis 60 % beschäftigt (IV-act. 12-3).

A.d  Der Fachbereich Psychosomatik, Departement Innere Medizin, am Kantonsspital 

St. Gallen (Dr. med. E.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH) gab im 

IV-Arztbericht vom 14. Juli 2011 (IV-act. 19; aufgrund einer letzten Kontrolle vom 17. 

März 2011) bekannt, es lägen ein Vd. a. Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und 

ängstlich-vermeidenden Zügen und eine rezidivierende depressive Störung, derzeit 

mittelschwere bis schwere depressive Episode, vor. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit 

als Verkäuferin sei die Versicherte seit dem 7. Dezember 2010 voll arbeitsunfähig. Nach 

Wiedereingliederungsaktivitäten werde sie wahrscheinlich zu ca. 50 % arbeitsfähig 

sein. Das Ausmass der Leistungsfähigkeit würde sich eventuell durch ein 

Arbeitstraining oder eine berufliche Rehabilitation, eventuell einen BFK (wohl: 

Berufsförderungskurs), in der Institution G.___ zeigen. - Gemäss dem beigelegten 

Bericht des Fachbereichs Psychosomatik vom 15. Dezember 2010 hatte die 

Versicherte damals angegeben, zu 80 % [...] (offenbar bei D.___) zu arbeiten und vom 

Sozialamt Unterstützung zu bekommen, was aber insgesamt nicht ausreiche, um 

selbständig leben zu können.

A.e  Das Psychiatrische Zentrum gab im Austrittsbericht vom 20. September 2011 (IV-

act. 28, nach Behandlung vom 14. März bis 29. Juli 2011) an, es lägen eine 

mittelgradige depressive Episode und eine "ängstliche Persönlichkeitsstörung" vor. Die 

Versicherte nehme nun das Angebot des Tageszentrums in der Institution G.___ wahr 

und sei im geschützten Rahmen zu 50 % arbeitsfähig. Sie wünsche keine erneute 

psychopharmakologische Medikation. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.f  Im Assessmentprotokoll vom 28. Juli 2011 (IV-act. 35) war unter anderem 

festgehalten worden, die Versicherte habe erklärt, eine Ausbildung zur Tierpflegerin 

abgebrochen zu haben. Von Juli 2001 bis März 2011 sei sie über das Sozialamt im 

D.___ tätig gewesen, nie in einem Pensum von mehr als 50 %. Sie hätte die 

Möglichkeit gehabt, dort zu 80 bis 100 % angestellt zu werden, aber mit einem kleinen 

Lohn, mit welchem sie nicht leben könne. Ausserdem vermöchte sie das erhöhte 

Pensum nicht zu verkraften. Der IV-Eingliederungsbeauftragte hatte dafürgehalten, eine 

Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt scheine zurzeit kaum realistisch. - Am 5. 

Dezember 2011 (IV-act. 34) wurde eine Eingliederungs-Zielvereinbarung getroffen, 

wonach eine berufliche Abklärung in der Institution G.___ für rund drei Monate 

(Massnahmen der Frühintegration, Arbeitsvermittlung) stattfinden solle. Am 14. 

Dezember 2011 (IV-act. 38) wurde festgehalten, es seien die Voraussetzungen eines 

Anspruchs auf erstmalige berufliche Ausbildung zu prüfen (medizinische 

Anforderungen, Nachweis des ehemaligen Lehrbeginns, Bereitschaft zum Mitwirken). 

Die Versicherte gab am 16. Dezember 2011 (IV-act. 39) bekannt, es sei ihr nicht an der 

Ausbildung, sondern an der beruflichen Integration gelegen. - Die 

Sozialversicherungsanstalt/ IV-Stelle des Kantons St. Gallen sprach der Versicherten 

mit Mitteilungen vom 16. Dezember 2011 (IV-act. 40) eine berufliche Abklärung für die 

Zeit vom 9. Januar 2012 bis 6. April 2012 und Unterstützung in Form von 

Arbeitsvermittlung (IV-act. 43) zu. - In einem Triage-Protokoll vom 28. Februar 2012 (IV-

act. 47) wurde festgehalten, seit dem 23. Februar 2012 erreiche sie ein Pensum von 

knapp 60 %. Eine weitere Steigerung auf zumindest 70 % sollte erfolgen.

A.g  Im IV-Arztbericht vom 29. März 2012 (IV-act. 49) teilte der Fachbereich 

Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen mit, von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

sei die mittelgradige depressive Episode, die "ängstliche Persönlichkeitsstörung" 

hingegen nicht. Als Verkäuferin sei die Versicherte seit Jahren und bis auf 

voraussichtlich unbestimmte Zeit zu 80 % arbeitsunfähig. Eine 

behinderungsangepasste Tätigkeit sei an einer geschützten Arbeitsstelle mit 

Arbeitstraining im Umfang von 50 bis 60 % (an vier bis fünf Stunden pro Tag) 

zumutbar.

A.h  Am 17. April 2012 (IV-act. 53) wurde die berufliche Abklärung bis zum 6. Juli 2012 

verlängert. - Über ein Standortgespräch vom 3. Mai 2012 wurde berichtet (IV-act. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

54-6), die Versicherte habe angegeben, ihr Problem seien die zwischenmenschlichen 

Konflikte. Die Arbeit gehe gut, sie müsse aber allein arbeiten können. Eine Erhöhung 

des Pensums auf mehr als 60 % sei ihr nicht möglich. Es wurde vorgesehen, die 

Abklärung weiterzuführen und die Eingliederung bei Ablauf abzuschliessen.

A.i   Hausarzt Dr. med. H.___, FMH Allgemeine Medizin, gab am 25. Juni 2012 an, er 

könne keine aktuellen Angaben machen. Er habe die Versicherte am 3. Dezember 2010 

an den Fachbereich Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen überwiesen. Es 

bestünden (sc. nach seiner eigenen Beurteilung) keine psychiatrischen Gründe für 

etwaige Leistungen der Sozialversicherungsanstalt.

A.j   In einem Verlaufsbericht vom 29. Juni 2012 (IV-act. 57) gab der Fachbereich 

Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen an, seit dem letzten Bericht habe sich 

(medizinisch) nichts geändert. Die Versicherte sei seit dem 25. Juni 2012 in einem 

Arbeitstraining und Arbeitsversuch an geschütztem Arbeitsplatz in einem I.___.

A.k  Am 17. Juli 2012 (IV-act. 58) erstattete die Institution G.___ den Schlussbericht 

über die Abklärung. Die zuverlässige Versicherte sei psychisch nur wenig belastbar und 

habe mit terminlichem Druck und schwierigem Umfeld kaum umgehen können. Der 

Aufbau von Vertrauen habe sehr langsam und sorgfältig erfolgen müssen. Während des 

Volontariats vom 25. Juni bis 6. Juli 2012 im I.___ habe sie ein volles Pensum (von acht 

Stunden) geleistet. Sie sei hierzu hoch motiviert und könne dort ab 6. August 2012 ein 

Praktikum beginnen. Es sei ein Leistungsgrad von 50 % erreichbar. Die 

Rahmenbedingungen sollten den Druck auf sie reduzieren.

A.l   Mit Mitteilung vom 7. September 2012 (IV-act. 62) schloss die 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab.

A.m Die Institution G.___ gab am 8. November 2012 (IV-act. 66) auf Anfrage hin 

bekannt, das Praktikum sei am 5. November 2012 abgebrochen worden. Zunächst 

habe die Versicherte zu 100 % gearbeitet, nach kurzer Zeit noch zu 70 % und dann 

noch zu 50 %. Sie habe sich anderen Personen gegenüber nicht abgrenzen können 

und habe Probleme anderer Mitarbeiter zu eigenen gemacht. Da die Zusammenarbeit 

auf der kommunikativen Ebene und wegen des emotionalen Verhaltens sehr schwierig 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gewesen sei, sei die Versicherte zu Routinearbeiten eingeteilt worden. Sie habe sich 

dadurch schlecht behandelt gefühlt und habe so zu einem schlechten Betriebsklima 

beigetragen, weshalb die anderen Mitarbeiter sich von ihr ferngehalten hätten. Dadurch 

habe sie sich wiederum ausgegrenzt gefühlt. Sie habe nicht zuverlässig gearbeitet und 

für Fehler nicht geradegestanden, sondern alles in langen Diskussionen gerechtfertigt. 

Die Vorgesetzte habe die Leistung wegen des hohen erforderlichen 

Betreuungsaufwands auf höchstens 20 % eingeschätzt. Bei einem Arbeitspensum von 

50 % würde sie ihr unter diesen Umständen nur Fr. 200.-- Lohn zahlen. Eine Anstellung 

komme aber nicht in Frage. Bei der Begleitung im Job-Coaching habe sich ebenfalls 

gezeigt, dass die Versicherte emotional sehr instabil sei, alles auf sich beziehe und ihr 

Verhalten nicht reflektieren könne. Es bestehe der Eindruck, sie leide unter einer 

tiefgreifenden psychischen Störung. Zu empfehlen sei ein geschützter Arbeitsplatz.

A.n  Der Fachbereich Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen erklärte am 14. 

November 2012 (IV-act. 67), die Versicherte habe mit einer erneuten depressiven 

Verstimmung reagiert. Sie sei grundsätzlich arbeitswillig, aber in ihrer 

Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit hochgradig eingeschränkt. Der 

Wiedereingliederungsarbeitsplatz sei den Qualitätsansprüchen zur Förderung und 

Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Behinderungen nicht gewachsen 

gewesen.

A.o  Dr. med. J.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, 

gab in einem daraufhin veranlassten psychiatrischen Gutachten vom 8. April 2013 (IV-

act. 71) unter anderem an, bei der Versicherten liege eine passiv-aggressive 

(negativistische) Persönlichkeitsstörung vor. Als ungelernte Arbeiterin in einer 

Zoohandlung oder in einer ähnlichen Tätigkeit sei sie seit Anfang 2012 zu 40 % 

arbeitsunfähig, in einer dem Leiden ideal angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Ideal 

angepasst sei eine Tätigkeit, in der sie ein sehr hohes Mass an Autonomie darüber 

habe, wann sie welche Arbeiten wie ausführe, so etwa eine Tätigkeit im geschützten 

Bereich.

A.p  Der RAD hielt am 16. April 2013 (IV-act. 72) fest, in geschütztem Rahmen sei die 

Versicherte zu 100 % arbeitsfähig, in der freien Wirtschaft (sofort) zu 60 %. - Am 24. 

Mai (recte wohl: April) 2013 (IV-act. 73) gab der RAD auf ergänzende Anfrage hin an, er 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

habe soeben am 24. April 2013 nochmals mit dem Gutachter telefoniert. Die 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit sei so, wie sie in der RAD-

Stellungnahme vom 16. April 2013 dargelegt worden sei. Das Problem sei, dass 

aufgrund der Persönlichkeitsstruktur eine passiv-aggressive Leistungsabwehr bestehe, 

die dem tatsächlichen Leistungsvermögen nicht entspreche. Es bestehe eine 

erhebliche voluntativ-motivationale Komponente, was einerseits objektiv möglich sei 

und was anderseits subjektiv gewollt oder nicht gewollt werde. Die angegebene 

Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit beziehe sich auf die Arbeitsfähigkeit in 

einer der letzten Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt, die der versicherten Person 

besonders gut gelegen hätten. Es sei durchaus möglich, dass die beschriebene 

Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit in den Bedingungen des ersten 

Arbeitsmarktes an einem Nischenplatz realisiert werden könne, vorausgesetzt, die 

versicherte Person sei entsprechend willens. Der ihren Idealvorstellungen 

entsprechende Arbeitsplatz wäre im geschützten Bereich. Für eine Tätigkeit in einer 

Zoohandlung oder einem Tierheim (angestammte Tätigkeiten) bestehe eine 

Arbeitsfähigkeit von 60 %, in einer adaptierten - d.h. der Beschreibung entsprechenden 

- Tätigkeit eine solche von 100 %, und zwar auch auf dem ersten Arbeitsmarkt.

A.q  In der Folge wurde am 24. Mai 2013 eine weitere Unterstützung der Versicherten 

bei der beruflichen Wiedereingliederung vorgesehen (IV-act. 75).

A.r  In Berichten vom 13. Dezember 2013 (IV-act. 80) gab die IV-Eingliederungsverant-

wortliche an, die Institution G.___ habe sich um eine Weiterbeschäftigung der 

Versicherten gekümmert und diese habe vom 4. bis 15. Februar 2013 in einem anderen 

I.___ [IVSE-Einrichtung] eine Schnupperzeit machen können. Seither sei sie mit einem 

Pensum von 100 % dort angestellt. Im ersten Arbeitsmarkt sei ein Arbeitsplatz, der die 

gesetzten Anforderungen (viel Freiraum; praktisch keine Anweisungen; keine Kritik; 

keine Vorgesetzten, welche die Versicherte nicht akzeptieren könne; kein Druck; 

möglichst kein Kontakt mit Menschen; keine zeitlichen Vorgaben) erfülle, nicht zu 

finden. Selbst im geschützten Rahmen seien Probleme am Arbeitsplatz entstanden. Die 

Versicherte wünsche keine Unterstützung bei der Stellensuche. Sie habe gewünscht, 

im I.___ bleiben zu können; da gehe es ihr zum ersten Mal im Leben (wohl: an einem 

Arbeitsplatz) gut (IV-act. 80). - Das Amt für Soziales hatte für die Zeit ab 1. Februar 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2013 eine Kostenübernahmegarantie IVSE für die geschützte Arbeit abgegeben (IV-act. 

77).  

A.s  Am 20. Januar 2014 (IV-act. 83) wurde der Versicherten mitgeteilt, es bestehe kein 

Anspruch auf berufliche Massnahmen (mehr). Solche seien aufgrund des 

Gesundheitszustands zurzeit nicht möglich. - Der RAD hielt am 13. Februar 2014 (IV-

act. 86) dafür, weitere medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt.

A.t   Mit Vorbescheid vom 28. März 2014 (IV-act. 88 f.) stellte die 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten eine Abweisung des 

Leistungsgesuchs um eine Rente in Aussicht. Ein Invaliditätsgrad bestehe nicht 

(Validen- und Invalideneinkommen gleich Fr. 53'255.--). - Mit Einwand vom 13. Mai 

2014 (IV-act. 93) liess die Versicherte die Ausrichtung mindestens einer Viertelsrente 

beantragen. Dass ihr nicht einmal eine solche Rente zugesprochen worden sei, könne 

nicht nachvollzogen werden. Sie arbeite aus gesundheitlichen Gründen - und nicht 

freiwillig - am geschützten Arbeitsplatz. In der freien Wirtschaft sei sie nach dem 

Gutachten zu 40 % arbeitsunfähig und im geschützten Rahmen gemäss 

nachvollziehbarer gutachterlicher Beschreibung in einem höheren Mass arbeitsfähig, 

höchstens (d.h. bis) zu 100 %. Während der elfmonatigen beruflichen Abklärung habe 

keine 50 % übersteigende Arbeitsfähigkeit erreicht werden können.

A.u  Mit Verfügung vom 2. Juni 2014 (IV-act. 95) wies die Sozialversicherungsanstalt/

IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch der Versicherten ab. Die von ihr 

gestellten hohen Anforderungen gründeten nicht in einem Krankheitswert. Die Tätigkeit 

im geschützten Bereich entspreche vielmehr dem Wunsch der Versicherten. Es werde 

im Gutachten nicht erwähnt, die Arbeitsfähigkeit von 100 % könne ausschliesslich im 

geschützten Bereich umgesetzt werden. 

B.   

Gegen diese Verfügung richtet sich die von Advokat lic. iur. M. Boltshauser, Procap 

Schweiz, für die Betroffene am 2. Juli 2014 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter 

der Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 

der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

Ausserdem sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung zu gewähren. Abzustellen sei auf eine Arbeitsfähigkeit von 60 % 

im ersten Arbeitsmarkt und von 100 % im geschützten Bereich. Es treffe zu, dass im 

Gutachten nicht ausgeführt worden sei, die Arbeitsfähigkeit von 100 % könne 

ausschliesslich im geschützten Rahmen umgesetzt werden. Dabei handle es sich 

allerdings auch nicht um eine medizinische Frage. Im Gutachten seien jedoch die 

Voraussetzungen an eine adaptierte Tätigkeit umschrieben worden. Sowohl der 

Gutachter wie der RAD und die Fachfrau für Eingliederung seien davon ausgegangen, 

dass es im freien Markt wohl keine adaptierte Stelle geben werde. Die berufliche 

Eingliederung habe keine entsprechende Stelle ausfindig machen können. Die 

Behauptung, es gebe solche Stellen, irritiere. Die Begründung der Verfügung sei 

angesichts der Akten, insbesondere der RAD-Stellungnahme vom 24. Mai 2013 und 

des Abschlussberichts der Eingliederungsberatung vom 13. Dezember 2014, nicht 

nachvollziehbar. Es sei mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen. Im Übrigen 

scheine aufgrund der langjährigen Problematik ein Leidensabzug von 15 % 

gerechtfertigt. 

C.  

In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. September 2014 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der Gutachter und der RAD 

würden prinzipiell von einer Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt 

ausgehen, wenn die Beschwerdeführerin den nötigen Willen mitbringe, eine Arbeit zu 

leisten. Die Eingliederungsberatung habe auf Anfrage hin (am 18. September 2014) 

erklärt, für ungelernte Personen gebe es Arbeitsstellen, die eine gewisse Autonomie 

zulassen würden, etwa Reinigungsarbeiten (Haushalt), Hauswartaufgaben, 

Zeitungsvertrage-Tätigkeit oder Betreuung von Tieren, sei es vor Ort (Haustiere) oder in 

entsprechenden Einrichtungen (I.___). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasse auch 

Nischenarbeitsplätze, also Stellen, bei welchen Behinderte mit einem sozialen 

Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen könnten. Wenn sie es wollte, 

stünden der Beschwerdeführerin auf einem solchen Arbeitsmarkt Stellen offen. Wie 

dem Gutachten zu entnehmen sei, gehöre es indessen zu ihrer Strategie, sich nicht 

kooperativ zu verhalten, wenn andere Forderungen stellten. Sie denke, Anstrengungen, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

die sie nicht aufzubringen gewillt sei, seien ihr nicht zumutbar. Es sei jedoch nicht 

durch Krankheitssymptome oder -defizite begründet, dass sie all das nicht zu leisten 

vermöge, was sie nicht tun wolle. Die unangenehmen Gefühle, die sie bei ihr nicht 

entsprechenden Anforderungen erlebe, seien für sie auch nicht schädlich oder das 

Krankheitsbild verschlimmernd. Zu einer Fixierung des passiv-aggressiven 

Verhaltensmusters und Verschlimmerung der Persönlichkeitsstörung würde 

wahrscheinlich vielmehr führen, alle Anforderungen von ihr fernzuhalten und auf ihre 

Bedürfnisse nach Autonomie und (eigener) Zweckbestimmung vollständig einzugehen. 

Durch die Zusprache einer Rente würden das asoziale Verhalten und die nicht 

gesellschaftskompatible Verhaltensstrategie bestärkt. Die Beschwerdeführerin habe 

stattdessen zu lernen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und ihre 

Denkweise zu ändern. Sie müsse selber den Willen zur Arbeitsaufnahme aufbringen; 

ihn könne ihr die Beschwerdegegnerin nicht vorschreiben. 

D.  

Am 24. September 2014 hat die Gerichtsleitung dem Gesuch um Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen.

E.   

Mit Replik vom 21. Oktober 2014 entgegnet der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin, die von der Beschwerdegegnerin aufgezählten Tätigkeiten 

könnten nur stundenweise ausgeübt werden. Heutzutage werde gerade für 

Tierbetreuungstätigkeiten zudem stark auf eine vorhandene Ausbildung geachtet. Die 

Tätigkeit im I.___ sei nicht ausführbar; die Beschwerdeführerin habe diese Arbeit 

zwischenzeitlich krankheitsbedingt unterbrechen müssen. Hauswarte würden ferner 

ebenfalls eine Ausbildung besitzen. Was die Beschwerdegegnerin unter 

Hauswartsaufgaben verstehe, sei ausserdem unklar. Das Verhalten der 

Beschwerdeführerin - namentlich nicht kooperativ zu sein, wenn andere Forderungen 

stellten - sei Teil der Krankheit. Es treffe nicht zu, dass die Unfähigkeit nicht 

medizinisch begründet werden könne. Das Krankheitsbild sei zudem bereits so 

ausgeprägt, dass die Einschränkung auch ohne weitere Verschlimmerung vorliege. Ob 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eine Tätigkeit schädlich sei oder nicht, könne die Beschwerdeführerin in ihrem Zustand 

gar nicht mehr abstrahieren. Aus der Begründung der Beschwerdeantwort werde 

ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin das asoziale Verhalten und die nicht 

gesellschaftskompatible Verhaltensstrategie bzw. das entsprechende Verhalten der 

Beschwerdeführerin, verursacht durch eine Persönlichkeitsstörung, anerkenne. Über 

den Krankheitswert der Persönlichkeitsstörung schweige sie sich wohlweislich aus.

F.   

Die Beschwerdegegnerin hat auf die Erstattung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen

1.   

Mit der angefochtenen Verfügung vom 2. Juni 2014 hat die Beschwerdegegnerin das 

Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin vom Juni 2011, namentlich einen 

Rentenanspruch, abgelehnt. Die Beschwerdeführerin lässt im Hauptstandpunkt die 

Zusprache einer Rente, eventualiter ergänzende Abklärungen, beantragen. 

Streitgegenstand bildet daher der allfällige Rentenanspruch. Ergäbe sich allerdings, 

dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein solcher Anspruch in Frage stünde, so 

gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung 

den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der 

Beschwerdeführerin zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.

2.   

2.1  Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die 

versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % 

besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 

40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.

2.2  Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte 

versicherte Personen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im 

Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. 

a), und soweit die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen 

erfüllt sind (lit. b). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem in 

Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Art. 8 Abs. 

3 lit. abis IVG) und in den Massnahmen beruflicher Art selber (Berufsberatung, 

erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; Art. 8 

Abs. 3 lit. b IVG).

2.3  Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche 

Eingliederung (gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur 

sozialberuflichen Rehabilitation und Beschäftigungsmassnahmen) haben Versicherte, 

die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) 

sind, nach Art. 14a IVG unter anderem, sofern dadurch die Voraussetzungen für die 

Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können. - 

Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilitation sind Gewöhnung an den 

Arbeitsprozess, Förderung der Arbeitsmotivation, Stabilisierung der Persönlichkeit, 

Einüben sozialer Grundfähigkeiten (vgl. Art. 14a Abs. 2 lit. a IVG; Art. 4quinquies IVV).

3.   

3.1  Art. 8 Abs. 1 ATSG umschreibt Invalidität als die voraussichtlich bleibende oder 

längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist 

der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit 

(als Folge unter anderem von Krankheit, vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG) verursachte und nach 

zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 

der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer 

Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 

Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, 

wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Eine 

Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann entsprechend nur relevant sein, wenn sie 

Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist 

(vgl. Bundesgerichtsentscheid 9C_125/2015 E. 5.3, BGE 130 V 396). Eine (so bedingte) 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit muss in jedem Einzelfall unabhängig von der 

Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem 

Ausmass bestimmt sein (vgl. BGE 127 V 294, BGE 99 V 28). Beeinträchtigungen der 

Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, 

Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden in der Lage wäre, sind 

nach der Rechtsprechung nicht als Auswirkungen einer krankhaften (dort: seelischen) 

Verfassung zu betrachten (vgl. BGE 102 V 165).

3.2  Zunächst ist somit entscheidend, ob bei der Beschwerdeführerin ein 

Gesundheitsschaden mit Krankheitswert vorliegt.

3.2.1      Im psychiatrischen Gutachten wurde die Diagnose einer 

Persönlichkeitsstörung bekannt gegeben, und zwar einer solchen mit passiv-

aggressiver (negativistischer) Persönlichkeit. Zu dieser fachärztlich-gutachterlichen 

Diagnosestellung gibt es in den Akten insofern eine Abweichung, als es nach 

Auffassung von Dr. H.___ vom 25. Juni 2012 keine psychiatrischen Gründe für einen 

Anspruch der Beschwerdeführerin gegen die Beschwerdegegnerin gibt. Es handelt sich 

dabei um die Beurteilung des Hausarztes der Beschwerdeführerin (IV-act. 1-5), die in 

Kenntnis des Berichts des Fachbereichs Psychosomatik vom 15. Dezember 2010 

(namentlich über Diagnosen, Befunde, Beurteilung; IV-act. 19-11) abgegeben worden 

ist. Aktuelle Angaben konnte der Arzt allerdings nicht machen. In den Arztberichten der 

psychiatrisch behandelnden beiden Stellen ist das Vorliegen einer 

Persönlichkeitsstörung (im Sinn des Oberbegriffs) jedoch in Erwägung gezogen oder 

(grundsätzlich wie im Gutachten) ebenfalls angenommen worden: Das Psychiatrische 

Zentrum hat am 15./28. Juni 2011 erwähnt, es liege eine solche Störung "bzw." es 

lägen (lediglich) akzentuierte Persönlichkeitszüge vor, und zwar solche mit abhängiger 

Persönlichkeit. Im Austrittsbericht vom 20. September 2011 hat das Zentrum dann eine 

Persönlichkeitsstörung mit (neu) ängstlicher Persönlichkeit beschrieben. Der 

Fachbereich Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen hat am 14. Juli 2011 

einstweilen eine Verdachtsdiagnose geäussert, und zwar auf eine 

Persönlichkeitsstörung bei Persönlichkeit mit schizoiden und ängstlich-vermeidenden 

Zügen. Gemäss Bericht vom 29. März 2012 ist in der Folge dort eine 

Persönlichkeitsstörung (ängstliche Persönlichkeit) bestätigt worden.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.2.2      Im Weiteren haben sowohl der Fachbereich Psychosomatik als auch das 

Psychiatrische Zentrum im Unterschied zum Gutachten rezidivierende depressive 

Störungen diagnostiziert.

3.2.3      Der Gutachter setzte sich mit den genannten - betreffend die verschiedenen 

Typen der Persönlichkeitsstörung und betreffend das Vorhandensein einer 

rezidivierenden depressiven Störung - abweichenden Diagnosen der psychiatrisch 

behandelnden Stellen auseinander und begründete einleuchtend, weshalb er diese 

verwarf. Namentlich wurde zum Zeitpunkt der Begutachtung keine depressive 

Stimmung gefunden, es bestand nach fachärztlich-gutachterlicher Beurteilung kein 

depressives Syndrom. Der Gutachter legte dar, es seien keine entsprechende mehrere 

abgrenzbare Episoden ausreichend langer Dauer aufgetreten und die Symptome 

würden eher Krisen im Rahmen der Persönlichkeitsstörung bedeuten. Das erscheint 

plausibel. Die Auffassung von Dr. H.___ erwähnte der Gutachter nicht; sie ist allerdings 

auch nicht näher erläutert worden und es handelt sich nicht um eine fachärztliche 

Beurteilung.

3.2.4      Da ihre Basis vollständig und die (als einzige zu stellende) Diagnose begründet 

erscheint, kann der Beurteilung durch den Gutachter diesbezüglich (was die Diagnose 

betrifft) gefolgt werden. Es ist daher vom Vorliegen einer passiv-aggressiven 

(negativistischen) Persönlichkeitsstörung auszugehen.

4.   

4.1  Für die Invaliditätsbemessung massgeblich sind die durch den 

Gesundheitsschaden bewirkten Beeinträchtigungen. - Der Arzt sagt, inwiefern die 

versicherte Person in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden 

eingeschränkt ist (vgl. BGE 107 V 17 = ZAK 1982 S. 34). Die ärztlichen Auskünfte sind 

eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der 

versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 99 f. E. 4, BGE 

141 V 281 E. 5.2.1).

4.2  Was die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin betrifft, 

erachtete das Psychiatrische Zentrum sie aufgrund der von ihm diagnostizierten Leiden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

seit mindestens Februar 2009 als - in nicht benanntem Ausmass - arbeitsunfähig und 

erwartete ab Juli 2011 eine Arbeitsfähigkeit für alle einfachen körperlich leichten bis 

vorübergehend mittelschweren Tätigkeiten von 50 %. Später benannte sie eine solche 

Arbeitsfähigkeit für die Tätigkeit im geschütztem Rahmen. Der Fachbereich 

Psychosomatik beurteilte die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als Verkäuferin 

als seit Jahren zu 80 % eingeschränkt, attestierte ihr ab dem 7. Dezember 2010 eine 

volle Arbeitsunfähigkeit und hielt am 14. Juli 2011 dafür, die Leistungsfähigkeit sei 

anhand von Massnahmen noch zu bestimmen, sie werde wahrscheinlich 50 % 

betragen. Am 29. März 2012 wurde vom Fachbereich festgehalten, eine Arbeit im 

Umfang von 50 bis 60 % sei im geschützten Bereich mit Arbeitstraining zumutbar.

4.3  Auch nach der gutachterlichen Beurteilung ist die zu diagnostizierende 

Persönlichkeitsstörung (passiv-aggressiv) eine solche von Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Deren Verhaltensmuster seien, dass sie 

Arbeiten aufschiebe, mürrisch reagiere, wenn ihr etwas abverlangt werde, langsam 

arbeite, wenn sie eine Arbeit nicht tun wolle, sich ohne Grund beschwere, behaupte, 

Aufgaben vergessen zu haben, Anregungen zur Verbesserung ablehne, und dass sie 

Autoritätspersonen nicht die gebührende Achtung entgegenbringen könne.

4.4  Zur Frage, inwiefern sich bei objektivierter Zumutbarkeitsbeurteilung aus den 

funktionellen Ausfällen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt, kann dem 

Gutachten im Einzelnen Folgendes entnommen werden: Es lasse sich nicht 

medizinisch mit Krankheitssymptomen oder krankheitsbedingten Defiziten begründen, 

dass die Beschwerdeführerin all das nicht zu leisten vermöge, was sie nicht tun wolle. 

Die unangenehmen Gefühle, die sie bei ihrem Wunsch nicht entsprechenden 

Anforderungen erlebe, seien für sie auch nicht schädlich oder das Krankheitsbild 

verschlimmernd. Vielmehr würde wahrscheinlich, alle Anforderungen von ihr 

fernzuhalten und auf ihre Bedürfnisse nach Autonomie und (eigener) 

Zweckbestimmung vollständig einzugehen, zu einer Fixierung des passiv-aggressiven 

Verhaltensmusters und einer Verschlimmerung der Persönlichkeitsstörung führen. 

Bezogen auf die Arbeit sei wesentliches Merkmal von Personen mit der 

diagnostizierten Persönlichkeitsstörung (passiv-aggressiv), dass sie sich den dortigen 

Anforderungen widersetzten. Aus dem Widersetzen könne medizinisch aber keinesfalls 

direkt geschlossen werden, dass, wogegen Widerstände bestünden, aus 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gesundheitlichen Gründen nicht möglich sei (IV-act. 71-26 Punkt 4.2.4). Der Gutachter 

führt in seiner Beurteilung weiter aus, die Beschwerdeführerin selber halte sich für nur 

an einem geschützten Arbeitsplatz leistungsfähig. Das sei bei ihren Denk-, Erlebens- 

und Verhaltensmustern verständlich. Das von ihr angenommene Ausmass der 

Beeinträchtigungen entspreche aber nicht dem medizinisch Begründbaren (IV-act. 

71-27 Punkt 4.4).

4.5  Als Schlussfolgerung bescheinigt der Gutachter der Psychiatrie der 

Beschwerdeführerin für die Zeit ab Anfang 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % in 

der angestammten Tätigkeit als ungelernte Angestellte in einer Zoohandlung oder in 

einer ähnlichen Tätigkeit. Nach gutachterlicher Auffassung ist es ihr - entgegen ihrer 

Annahme - zumutbar, sich in einen Betrieb ein- und entsprechend unterzuordnen, 

allerdings nur in beschränktem Umfang. Für Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt mit einer 

Arbeitsautonomie, wie sie für die frühere Arbeit als ungelernte Angestellte in einer 

Zoohandlung oder eine ähnliche Tätigkeit anzunehmen ist, ist sie gemäss dem 

überzeugenden Ergebnis des Gutachtens zumutbarerweise lediglich zu 60 % 

arbeitsfähig.

4.6  Im Weiteren wird im Gutachten dargelegt, für eine ideal leidensangepasste 

Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig. Eine (ideal) adaptierte Tätigkeit 

umschreibt der Gutachter als eine solche, in welcher die Beschwerdeführerin ein sehr 

hohes Mass an Autonomie darüber habe, wann sie welche Arbeiten wie ausführe. Eine 

solche Arbeit wäre "z.B." eine Tätigkeit im geschützten Bereich (IV-act. 71-27 Punkt 

4.3.3). Sie zeichne sich durch ein so hohes Mass an Autonomie aus, wie sie "nur" an 

einem geschützten Arbeitsplatz gewährleistet wäre (IV-act. 71-27 Punkt 4.3.5). Es ist 

jedenfalls davon auszugehen, dass der Gutachter eine adaptierte Tätigkeit nur unter 

äusserst restriktiven Bedingungen annimmt.

4.7  Der RAD-Arzt hielt am 24. April 2013 (IV-act. 73) Rücksprache mit dem Gutachter 

und hielt daraufhin fest, in der angestammten Tätigkeit in einer zoologischen Handlung 

oder einer vergleichbaren Tätigkeit (wie einer Arbeit in einem Tierheim) betrage die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 60 %, in einer adaptierten Tätigkeit, die der 

(gutachterlichen) Beschreibung entspreche, betrage sie 100 %.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.8  Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachters ist angesichts des 

beweiskräftigen Gutachtens abzustellen. Den Beurteilungen der die 

Beschwerdeführerin behandelnden ärztlichen Stellen kann dagegen insofern nicht 

gefolgt werden, als sie von dessen Ergebnis abweichen. Das gilt namentlich für die 

hauptsächlich im Ausmass der attestierten Arbeitsunfähigkeit vom Gutachten 

abweichende Beurteilung des Fachbereichs Psychosomatik am Kantonsspital St. 

Gallen vom 29. März 2012, in welcher dafürgehalten worden war, als Verkäuferin sei 

die Beschwerdeführerin seit Jahren und bis auf voraussichtlich unbestimmte Zeit zu 20 

% arbeitsfähig und in einer behinderungsangepassten Tätigkeit an einer geschützten 

Arbeitsstelle mit Arbeitstraining zu 40 bis 50 %. Dass eine höhere Arbeitsfähigkeit unter 

ideal adaptierten Voraussetzungen besteht als unter den Bedingungen des 

Arbeitsmarktes, und dass dort lediglich eine Teilarbeitsfähigkeit erreichbar ist, erscheint 

nachvollziehbar, weil aufgrund des Gutachtens anzunehmen ist, dass auch bei 

Aufbringen des ihr als zumutbar erachteten Willens eine reduzierte Arbeitsfähigkeit, ein 

vermindertes Durchhaltevermögen, der Beschwerdeführerin vorliegt. 

5.   

Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss entscheidend, 

was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach 

dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich 

verdienen würde (vgl. etwa Bundesgerichtsentscheid 9C_422/2015 vom 7. Dezember 

2015). Angesichts ihrer gemäss dem IK-Auszug wechselnden Beschäftigungen kann 

eine konkrete Anstellung der Beschwerdeführerin, in welcher der Verdienst für das 

Valideneinkommen repräsentativ wäre, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

erhoben werden. Indessen ist danach davon auszugehen, dass sie in einer Arbeit im 

Bereich der Beschäftigung mit Tieren tätig wäre. Nach ihren Angaben hat sie ehemals 

eine Ausbildung zur Tierpflegerin (IV-act. 35-2) bzw. eine Ausbildung in einer 

Zoohandlung (IV-act. 71-6) begonnen. Nach der Aktenlage ist allerdings nicht davon 

auszugehen, dass eine Ausbildung invaliditätsbedingt abgebrochen worden wäre. Es 

ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, die Beschwerdeführerin 

hätte als Gesunde einen statistischen Durchschnittslohn in entsprechenden 

Hilfstätigkeiten erzielt. Eine Festsetzung des als Gesunde erreichbaren 

Valideneinkommens in absoluten Zahlen erübrigt sich allerdings, weil bei der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Bemessung des Invalideneinkommens vom selben Wert auszugehen ist (vgl. unten E. 

6.6).

6.   

6.1  Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-

erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Da 

die Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeitraum keine Erwerbstätigkeit ausgeübt 

hat, welche zur Bemessung des Invalideneinkommens aus einer zumutbaren 

Erwerbstätigkeit taugen würde, sind grundsätzlich auch diesbezüglich statistische 

Werte (Tabellenlöhne) beizuziehen.

6.2  Der grundsätzlichen Zumutbarkeit einer Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin 

(für sie und einen potenziellen Arbeitgeber) auf dem (ersten) Arbeitsmarkt - als 

Voraussetzung für die Anrechnung eines solchen statistischen Einkommens - steht 

nach der Aktenlage medizinisch nichts entgegen.

6.3  Was die Frage der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit aus erwerblicher Sicht 

betrifft, wird bei der Invaliditätsbemessung von einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage 

ausgegangen (vgl. Art. 16 ATSG). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer 

und abstrakter Begriff (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). Er hat rein 

hypothetischen Charakter und dient dazu, die Risiken Arbeitslosigkeit und Invalidität 

voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts 

i/S C. vom 16. Juli 2003, I 758/02; BGE 110 V 276 E. 4b). Es ist darauf abzustellen, ob 

eine invalide Person und in welchem Rahmen sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch 

wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an 

Arbeitskräften entsprächen (AHI 1998 S. 291 E. 3b). Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt 

beinhaltet von seiner Struktur her sowohl bezüglich der beruflichen und intellektuellen 

Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes einen Fächer 

verschiedenartiger Stellen (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 8. März 2010, 

8C_791/2009). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts umfasst er auch 

sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen 

Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen 

können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015, 8C_582/2015, vom 28. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

November 2014, 9C_485/2014, und vom 29. August 2013, 8C_514/2013). Allerdings 

dürfen keine realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten berücksichtigt werden. 

Insbesondere kann von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG dort nicht 

gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der 

allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht 

realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre 

und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als 

ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile 8C_582/2015, und vom 28. April 

2010, 8C_1050/2009; ZAK 1991 S. 318 E. 3b).  

6.4  Im IV-Schlussbericht der Institution G.___ vom 17. Juli 2012 wurden zunächst 

Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Integration der Beschwerdeführerin in den 

Arbeitsmarkt umschrieben, nämlich ein unterstützendes Umfeld und Bezugspersonen, 

zu denen sie Vertrauen finden könne, und es wurde festgehalten, das grösste Potenzial 

für eine Umsetzung der Leistung im (freien) Arbeitsmarkt sei bei einer Arbeit mit Tieren 

zu erkennen (vgl. IV-act. 58-5). Am 13. Dezember 2013 dann wurde dafürgehalten, 

Arbeitsplätze, welche den Anforderungen der Beschwerdeführerin entsprächen, seien 

im Arbeitsmarkt nicht zu finden. Gemäss der am 18. September 2014 geäusserten 

Auffassung der IV-Eingliederungsberatung schliesslich lassen verschiedene Tätigkeiten 

im Arbeitsmarkt eine gewisse Autonomie zu, etwa Reinigungsarbeiten (in einem 

Haushalt), Hauswartaufgaben oder Arbeiten in der Tierbetreuung (unter anderem in 

einem I.___). 

6.5  Berücksichtigt werden können, wie sich aus den medizinischen Grundlagen ergibt, 

(nur, aber immerhin) die Anforderungen an einen Arbeitsplatz bzw. einen potenziellen 

Arbeitgeber, welche die Beschwerdeführerin unter der Voraussetzung stellen muss, 

dass sie die Arbeit in einem Ausmass und in einer Weise leistet, wie sie ihr medizinisch 

gesehen zumutbar ist. Es handelt sich um das Erfordernis einer möglichst hohen 

Autonomie bei Ausübung der Erwerbstätigkeit (vgl. dazu etwa die - aus anderem 

gesundheitlichem Grund - erforderlichen ähnlichen Voraussetzungen der versicherten 

Person im Sachverhalt gemäss Bundesgerichtsentscheid 8C_582/2015). Es rechtfertigt 

sich nach der Aktenlage die Annahme, dass es auf einem als ausgeglichen fingierten 

Arbeitsmarkt gewisse Arbeitsmöglichkeiten - namentlich in der Tierbetreuung - gibt, an 

welchen sie diesfalls ihre Restarbeitsfähigkeit von 60 % verwerten könnte. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.6  Mit Stellen, an welchen die Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsfähigkeit 

erreichen könnte, ist dagegen selbst auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht in 

genügender Zahl zu rechnen. Die Anforderungen hierfür sind vom Gutachter als zu 

einschränkend beschrieben worden (sehr hohes Mass an Autonomie), als dass davon 

auszugehen wäre, sie würden ausserhalb eines geschützten Rahmens geboten werden 

können. - Da wie erwähnt ein ausreichender Arbeitsmarkt anzunehmen ist für 

Tätigkeiten, in denen die Beschwerdeführerin bei Aufwendung der zumutbaren 

Anstrengung eine Arbeitsfähigkeit von 60 % erreicht, nämlich in Tätigkeiten, die eine 

gewisse Autonomie der Arbeitnehmer zulassen, und da es sich um den Bereich der 

Tätigkeiten handelt, welche die Beschwerdeführerin bereits gewählt hatte, rechtfertigt 

es sich, für das Invalideneinkommen auf einen statistischen Durchschnitt der Löhne für 

solche Tätigkeiten abzustellen. 

6.7  Sind somit sowohl Validen- wie Invalideneinkommen ausgehend vom selben 

Tabellenlohn zu bestimmen, so entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der 

Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn 

gemäss BGE 126 V 75 (vgl. Bundesgerichtsentscheide vom 9. Mai 2016, 8C_934/2015, 

und vom 20. April 2010, 9C_215/2010 E. 5.2).

6.8  Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre 

gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur 

mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist ein Abzug von den 

Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss 

aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der 

Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % 

des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). Die 

gesundheitlich bedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin sind in der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung vollumfänglich zum Ausdruck gekommen. Ein Abzug vom 

Tabellenlohn erscheint nicht gerechtfertigt. Für das Validen- und das 

Invalideneinkommen vom selben Lohn auszugehen, ist den Verhältnissen angemessen 

(und ausreichend, vgl. zur Frage von Parallelisierung und Abzug den 

Bundesgerichtsentscheid vom 8. Mai 2009, 8C_652/2008). Es ergibt sich daher ein 

Invaliditätsgrad von 40 %. Selbst wenn wegen der längeren Abwesenheit der 

Beschwerdeführerin vom Arbeitsmarkt oder eingeschränkter Auswahl an Stellen ein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Abzug von 10 % vorzunehmen wäre, was als Maximum zu betrachten ist, ergäbe sich 

hinsichtlich des Rentenanspruchs kein anderes Ergebnis, beliefe sich der 

Invaliditätsgrad diesfalls doch auf 46 % (1- [0.6 x 0.9]).

7.  

7.1  Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die (nebst den 

Anforderungen nach lit. a) während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) 

und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). 

Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 

20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit 

liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen 

voll arbeitsfähig war (Art. 29ter IVV; Entscheid des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004, I 19/04). - Der Gutachter setzt den 

Beginn der attestierten Arbeitsunfähigkeit auf Anfang 2012, ohne dass dies allerdings 

näher begründet worden wäre. Nach der Aktenlage (vgl. E. 4.2) wurde eine gewisse (im 

Ausmass nicht bezeichnete) Arbeitsunfähigkeit allerdings bereits ab Februar 2009 

angegeben, vom Fachbereich Psychosomatik wurde eine (volle) Arbeitsunfähigkeit ab 

dem (dortigen Behandlungsbeginn vom) 7. Dezember 2010 attestiert. Ein Wartejahr ist 

daher spätestens im Dezember 2011 abgelaufen.

7.2  Im Juli 2011 hatte die IV-Eingliederungsberatung eine Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin auf dem (ersten) Arbeitsmarkt als kaum realistisch betrachtet. In 

der Folge wurde am 16. Dezember 2011 (IV-act. 40) eine berufliche Abklärung für die 

Zeit ab 9. Januar 2012 vorgesehen. Es kann daher angenommen werden, dass die 

Beschwerdeführerin im Dezember 2011 noch nicht eingliederungsfähig war, weshalb 

die Voraussetzungen für den Versicherungsfall Rente auch unter diesem Gesichtspunkt 

erfüllt waren.

7.3  Nach dem oben erwähnten Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch 

frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des 

Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, das heisst vorliegend bei Anmeldung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

am 1./8. Juni 2011 frühestens im Dezember 2011. Die Beschwerdeführerin hat 

demnach Anspruch auf eine Viertelsrente frühestens ab 1. Dezember 2011.

8.   

Da eine ambulante Psychotherapie, die auf die Besonderheiten der passiv-aggressiven 

Verhaltensmuster Bezug zu nehmen und auf möglicherweise auftretende, zurzeit noch 

nicht stark fixierte antisoziale Muster zu reagieren habe, nach gutachterlicher 

Beurteilung die Arbeits- und Leistungsfähigkeit langfristig begünstigen und durch 

Vorbeugen von Verschlechterungen und Krisen zu deren Erhaltung beitragen kann, ist 

angezeigt, dass die Beschwerdeführerin im Hinblick auf eine (durch Ausdehnung der 

medizinischen Arbeitsfähigkeit für eine Tätigkeit - auch - auf dem Arbeitsmarkt) künftig 

möglicherweise zu erreichende Senkung des Invaliditätsgrads (mit entsprechender 

Anpassung bzw. Aufhebung des Rentenanspruchs) eine zumutbare, zielführende 

entsprechende Therapie durchführen wird. Die Beschwerdeführerin wird auch 

diesbezüglich das ihr Zumutbare zu einer geeigneten Eingliederung beizutragen haben 

(vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG, Art. 7 IVG), ansonsten die Beschwerdegegnerin ein Mahn- 

und Bedenkzeitverfahren durchführen kann.

9.   

9.1  Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 2. Juni 2014 gutzuheissen und der Beschwerdeführerin 

ab 1. Dezember 2011 eine Viertelsrente zuzusprechen.

9.2  Angesichts des vollen Obsiegens der Beschwerdeführerin, weswegen sie die 

Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege vom 24. September 20014 nicht in 

Anspruch zu nehmen braucht, rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin die 

Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert 

festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1bis IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 

VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen.

9.3  Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung 

der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 23/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung der Streitsache 

und dem Aufwand angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).  

Entscheid

1.   

In Gutheissung der Beschwerde im Sinn der Erwägungen wird die angefochtene 

Verfügung vom 2. Juni 2014 aufgehoben und der Beschwerdeführerin wird ab 1. 

Dezember 2011 eine Viertelsrente zugesprochen.

2.   

Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.   

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 

3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 06.07.2017
	Art. 8 ATSG und Art. 4 IVG, Art. 28 und 29 IVG. Gutachterliche Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in ideal adaptierten Tätigkeiten, die nur unter sehr einschränkenden Bedingungen (sehr hohes Mass an Autonomie) anzunehmen ist. Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit. Hinweis auf Mitwirkungspflicht bei zumutbaren Eingliederungsmassnahmen im Hinblick auf allenfalls dadurch ermöglichte Senkung des Invaliditätsgrads (mit entsprechender späterer Anpassung) (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St Gallen vom 6. Juli 2017, IV 2014/332).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T07:10:38+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen