# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64708de3-77f5-56ce-b6c1-3d4bc76c3c70
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-06
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 06.05.2024 SB230276
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230276_2024-05-06.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230276-O/U/bs

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw A. Blaser

Urteil vom 6. Mai 2024

in Sachen

A._____, 
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. R. Michel, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend sexuelle Nötigung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht, 
vom 14. Dezember 2022 (GG220083)

- 2 -

Anklage:

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 25. August 2022 (Urk. 20) 

ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 59 S. 58 ff.)

"Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.–.

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

4. Von der Abnahme einer DNA-Probe und der Erstellung eines DNA-Profils im Sinne von 

Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes wird abgesehen.

5. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin B._____ aus dem 

eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Fest-

stellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin B._____ auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % 

Zins ab tt. April 2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen.

7. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.00   Gebühr Vorverfahren

Fr. 12'765.00   Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und MwSt.)

Fr. 9'331.40   Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung Privatklägerin (inkl. MwSt. und Barauslagen)

Fr. 25'996.40   Total

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, ermässigt sich die Entscheid-

gebühr auf zwei Drittel.

- 3 -

8. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen 

der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, 

werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Rechtsvertetung der Privatklägerin werden indessen einstweilen auf die Gerichts-

kasse genommen. Eine Nachforderung dieser Kosten gemäss Art. 135 Abs. 4 sowie 

Art. 138 Abs. 1 StPO bleibt vorbehalten.

9. (Mitteilungen)

10. (Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 86 S. 2)

1. Ziff. 1.-3. des Urteils vom 14. Dezember 2022 seien aufzuheben und der Entscheid 

sei diesbezüglich wie folgt zu fassen:

"1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen."

2. Ziff. 5 des Urteils vom 14. Dezember 2022 sei aufzuheben und der Entscheid sei 

diesbezüglich wie folgt zu fassen:

"5. Die Schadenersatzklage sei abzuweisen."

3. Ziff. 6 des Urteils vom 14. Dezember 2022 sei aufzuheben und der Entscheid sei 

diesbezüglich wie folgt zu fassen:

"6. Die Genugtuungsklage sei abzuweisen."

4. Ziff. 8 des Urteils vom 14. Dezember 2022 sei aufzuheben und der Entscheid sei 

diesbezüglich wie folgt zu fassen:

"8. a) Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich derjenigen der Verteidigung bzw. der amtlichen Verteidigung und der unentgelt-

lichen Rechtsvertretung der Privatklägerin seien definitiv auf die Staatskasse zu 

nehmen.

b) Dem Beschuldigten sei gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO eine Genugtuung 

für die erlittene immaterielle Unbill in der Höhe von CHF 3'000 zuzusprechen."

- 4 -

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen, und es 

sei der beschuldigten Person aus der Staatskasse eine Parteientschädigung für die 

Aufwendungen im Berufungsverfahren zuzusprechen. 

b) Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 65 S. 1)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

c) Der Privatklägerschaft B._____:

(Urk. 87 S. 1)

1. Es seien Dispositiv Ziff. 1 (Schuldspruch), Dispositiv Ziff. 5 (Schaden) und 

Dispositiv Ziff. 6 (Genugtuung nebst Zins) des erstinstanzlichen Urteils 

(Bezirksgericht Winterthur, Einzelgericht in Strafsachen, Urteil vom 14. Dezember 

2022, Geschäfts-Nr. GG220083) zu bestätigen.

2. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin sei angemessen (vgl. eingereichte Honorar-

note) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

- 5 -

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte/Prozessuales

1. Verfahrensgang

1.1. Am 19. Dezember 2022 meldete der Beschuldigte fristgerecht Berufung 

gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Winterthur (nach-

folgend: Vorinstanz) vom 14. Dezember 2022 an (Urk. 54), welches ihm am selben 

Tag mündlich sowie schriftlich im Dispositiv eröffnet worden war (vgl. Prot. I S. 65 ff. 

i.V.m. Urk. 52). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 56 = Urk. 59) am 

25. April 2023 (Urk. 57 S. 2) reichte der Beschuldigte am 15. Mai 2023 fristgerecht 

seine Berufungserklärung ein (Urk. 62). 

1.2. Mit Präsidialverfügung vom 24. Mai 2023 wurde der Privatklägerin sowie der 

Staatsanwaltschaft eine Kopie der Berufungserklärung des Beschuldigten zuge-

stellt und Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichtein-

treten auf die Berufung zu beantragen. Sodann wurde der Privatklägerin Frist an-

gesetzt, um zu erklären, ob sie den Antrag stelle, dass dem urteilenden Gericht 

eine Person gleichen Geschlechts angehören solle und ob sie für den Fall einer 

Befragung verlange, von einer Person gleichen Geschlechts einvernommen zu 

werden, unter dem Hinweis, dass bei Stillschweigen die Auswahl der Mitglieder des 

Gerichts in das Ermessen der Verfahrensleitung gestellt werde (Urk. 63). Die 

Staatsanwaltschaft beantragte mit Eingabe vom 30. Mai 2023 die Bestätigung des 

vorinstanzlichen Urteils, verzichtete auf Anschlussberufung und ersuchte um 

Dispensation ihres Vertreters von der Berufungsverhandlung (Urk. 65). Die Privat-

klägerin liess sich nicht vernehmen. 

1.3. Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ wurde mit Telefonat vom 16. Februar 2024 

unter Hinweis auf Urk. 13/23 und Urk. 44 dazu aufgefordert, ein Gesuch um Wech-

sel der amtlichen Verteidigung zu stellen, wenn er den Beschuldigten im Berufungs-

verfahren vertrete (Urk. 67). Mit Eingabe vom 28. Februar 2024 beantragte dieser 

schliesslich einen Wechsel der amtlichen Verteidigung und seine Einsetzung als 

solcher (Urk. 73). Mit Präsidialverfügung vom 29. Februar 2024 wurde Dr. iur. 

- 6 -

X2._____ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten entlassen und neu Dr. iur. 

X._____ als solcher bestellt (Urk. 75). 

1.4. Die Parteien wurden am 16. Februar 2024 zur Berufungsverhandlung auf 

den 6. Mai 2024, 08.00 Uhr, vorgeladen, wobei der Staatsanwaltschaft das Erschei-

nen freigestellt und der Privatklägerin die Berufungsverhandlung lediglich ange-

zeigt wurde (Urk. 70). Mit Präsidialverfügung vom 16. Februar 2024 wurde sodann 

die Publikumsöffentlichkeit von der Berufungsverhandlung ausgeschlossen und die 

akkreditierten Gerichtsberichterstatter unter Auflagen zur Berufungsverhandlung 

zugelassen (Urk. 68).

1.5. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Beglei-

tung seiner amtlichen Verteidigung, Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ und MLaw 

X3._____ sowie Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ für die Privatklägerin (Prot. II S. 7). 

Es waren keine Vorfragen zu behandeln und keine Beweisanträge zu entscheiden 

(Prot. II S. 9). In der Sache selbst stellten die Parteien die eingangs wiedergegebe-

nen Anträge (Prot. II S. 7 f. i.V.m. Urk. 86 S. 2 und Urk. 87 S. 1). Das Verfahren 

erweist sich heute als spruchreif. 

2. Umfang der Berufung

2.1. Die Berufungserklärung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuld-

spruch (Dispositivziffer 1), die Strafe und deren Vollzug (Dispositivziffern 2-3), den 

Entscheid über die Zivilforderungen der Privatklägerin (Dispositivziffern 5-6) und 

die Kostenauflage (Dispositivziffer 8). Er liess einen Freispruch von Schuld und 

Strafe, die Abweisung der Schadenersatz- sowie Genugtuungsforderung, die 

Kostenauflage auf die Staatskasse sowie eine Genugtuung für die erlittene imma-

terielle Unbill in der Höhe von Fr. 3'000.– beantragen. Weiter beantragte er, die 

Kosten des Berufungsverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen und ihm aus der 

Staatskasse eine Parteientschädigung für die Aufwendungen im Berufungsver-

fahren zuzusprechen (Urk. 62 S. 3 f.). Bei diesen Anträgen blieb es auch im 

Rahmen der Berufungsbegründung (Urk. 86 S. 2). 

- 7 -

2.2. Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen sind somit die Dispositiv-

ziffern 4 (Absehen von der Abnahme einer DNA-Probe und der Erstellung eines 

DNA-Profils) und 7 (Kostenfestsetzung), was vorab mittels Beschluss festzustellen 

ist. 

3. Formelles

3.1. Die urteilende Instanz muss sich nicht mit allen Parteistandpunkten einläss-

lich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen 

(vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2; BGer. 6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015 E. 4). Die 

Berufungsinstanz kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-

schränken.

3.2. Soweit nachfolgend auf Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen Ent-

scheid verwiesen wird, erfolgt dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO (vgl. 

dazu etwa BGer. 6B_570/2019 vom 23. September 2019 E. 4.2, m.w.H., sowie 

NYDEGGER, Der Verweis auf die Entscheidbegründung der Vorinstanz gemäss 

Art. 82 Abs. 4 StPO, recht 2021, S. 15 ff.), auch ohne dass dies jeweils explizit 

Erwähnung findet.

3.3. Nachdem einzig der Beschuldigte Berufung führt, steht die Überprüfung des 

vorinstanzlichen Urteils sodann unter dem Vorbehalt des Verschlechterungs-

verbots (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

II. Schuldpunkt

A. Sachverhalt

1. Standpunkte der Privatklägerin und des Beschuldigten

1.1. Die Privatklägerin machte geltend, sie habe sich mit dem Beschuldigten in 

dessen Zimmer einer WG zu einem "Kuss-date" getroffen. Der Beschuldigte sei 

dann aber sexuell massiv zudringlich geworden. Er habe sie an den Brüsten aus-

gegriffen und sie genötigt, sein Glied anzufassen. Sie habe wiederholt "nein" und 

"stopp" gesagt, sich aber nicht wehren können, weil sie geschockt gewesen sei und 

- 8 -

weil er teilweise auf ihr gelegen und sie in die weiche Matratze gedrückt sowie mit 

seiner Hand am Hals gedrückt habe. 

1.2. Der Beschuldigte machte in der Untersuchung zunächst geltend, es sei 

bloss zu einem Kuss gekommen, zu mehr nicht. Im Gegensatz dazu schilderte er 

dann im Berufungsverfahren, dass die Privatklägerin mitgemacht habe, dass es 

teilweise spielerisch gewesen sei, dass es der Privatklägerin teilweise nicht gefallen 

habe, sie dann aber dann trotzdem beim Aufeinanderliegen zu einem Orgasmus 

gekommen sei und dass sie danach über Belangloses gesprochen hätten, bevor 

die Privatklägerin wieder gegangen sei. Stopp oder Halt habe sie nie gesagt. Nur 

beim Entblössen der Brüste haben sie gesagt, dass ihr das zu weit gehe, worauf er 

dies akzeptiert habe (Urk. 85). 

2. Instagram-Chatverlauf

Aus dem in den Akten liegenden Instagram-Chatverlauf ergibt sich, dass der Be-

schuldigte die Privatklägerin gefragt hat, ob sie mit ihm ins Bett gehen wolle (Urk. 4 

S. 2 Foto 3 i.V.m. S. 3 Foto 4). Die Privatklägerin schlug sodann einen Kusstest 

vor. Dies tat sie mit der Begründung, dass die Harmonie meistens stimme, wenn 

das Gegenüber gut küsse, worauf der Beschuldigte erklärte, dass dann wohl klar 

sei, dass sie sich bald küssen müssten (Urk. 4 S. 3 Foto 5 i.V.m. S. 4 Foto 6). Der 

Beschuldigte schlug in der Folge mehrere Treffpunkte vor (Urk. 4 S. 7 Foto 13 

i.V.m. S. 8 Foto 15 und S. 9 Foto 16). Schliesslich trafen sich die beiden beim Be-

schuldigten in der Wohnung, wobei aus dem Chatverlauf erhellt, dass die Privatklä-

gerin um 18.05 Uhr das Haus betrat. Um 18.48 Uhr meldete sich der Beschuldigte 

sodann erstmals wieder (Urk. 4 S. 14 Foto 27). Am späten Abend sprach der Be-

schuldigte die Privatklägerin dann darauf an, dass sie sich ihm gegenüber dahin-

gehend geäussert habe, dass sie sich wie vom Zug überfahren gefühlt habe, worauf 

die Privatklägerin antwortete, sie habe gesagt, dass sie durch den Wind sei. Der 

Beschuldigte fragte sie darauf hin, ob sich dies wieder etwas gelegt habe und die 

Privatklägerin erklärte, dass der Sport ihr geholfen habe (Urk. 4 S. 15 Foto 29). Auf 

die Frage, ob er den Kusstest bestanden habe, führte die Privatklägerin aus, sie sei 

überrumpelt gewesen, worauf der Beschuldigte sein Verständnis äusserte und 

meinte, sie habe irgendwie einfach eine crazy Wirkung auf ihn gehabt. Die Privat-

- 9 -

klägerin schilderte, dass sie ca. zehn Mal "Nein" gesagt habe. Es sei die Rede von 

einem Kuss gewesen und nicht mehr. Er habe sie zwei bis drei Mal am Hals ge-

halten und gedrückt. Das sei ihr recht eingefahren. Ihr sei das zu viel gewesen. Der 

Beschuldigte meinte hierauf, er könne dies gut verstehen. Er sei zu weit gegangen. 

Das merke man leider meistens im Moment selbst nicht. Er äusserte sodann mit 

einem Fragezeichen versehen die Hoffnung, dass trotzdem noch alles gut sei, 

worauf die Privatklägerin erwiderte, wenn eine Frau "nein" oder "stopp" sage, sei 

der Fall klar. Er solle dies nicht wieder tun. Darauf äusserte der Beschuldigte sein 

Bedauern und entschuldigte sich bei ihr. Es sei nicht seine Absicht gewesen, sie 

zu etwas zu drängen (Urk. 4 S. 16 Foto 30-31 i.V.m. S. 17 Foto 32). 

3. Aussagen des Zeugen C._____

Am 3. August 2022 fand die Einvernahme des Zeugen C._____, dem WG-Mitbe-

wohner des Beschuldigten, in Anwesenheit des Beschuldigten statt und hernach 

die Einvernahme des Beschuldigten selbst (Urk. 5/2 und Urk. 7). In dieser staats-

anwaltlichen Einvernahme meinte der Beschuldigte auf Vorhalt des sexuellen Über-

griffs zunächst, er wolle lediglich sagen, dass ihn sein Mitbewohner C._____ mit 

seiner Aussage vollumfänglich entlaste (Urk. 5/2 A 3). Allerdings sagte der Zeuge 

C._____ lediglich aus, dass er im Nebenzimmer nichts von einem sexuellen Über-

griff mitbekommen habe und ihm beim Kommen und Gehen der Privatklägerin und 

des Beschuldigten nichts Besonderes aufgefallen sei (Urk. 7). Eine klare Entlastung 

des Beschuldigten kann deshalb aus der Aussage C._____ nicht abgeleitet wer-

den, allerdings auch keine Belastung.

4. Aussagen des Beschuldigten 

4.1. In seiner ersten polizeilichen Befragung machte der Beschuldigte vollum-

fänglich von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 5/1).

4.2. Weiter gab der Beschuldigte in seiner staatsanwaltlichen Befragung vom 

3. August 2022 zu Protokoll, es sei in seinem Zimmer lediglich zu einem Kuss ge-

kommen, zu mehr nicht (Urk. 5/2 A 3). Diese Aussage kontrastiert sehr stark zu 

seiner späteren Aussage anlässlich der Berufungsverhandlung, wo er zugestand, 

- 10 -

dass es zu weit mehr als einem Kuss gekommen sei, bis hin zu einem angeblichen 

Orgasmus der Privatklägerin (Urk. 85 S. 2 ff.). Dieses Aussageverhalten des Be-

schuldigten beeinträchtigt seine Glaubwürdigkeit erheblich.

4.3. Anlässlich der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 3. August 2022 wurde 

dem Beschuldigten der ihn belastende Chat-Verkehr zwischen ihm und der Privat-

klägerin vorgehalten. Anstelle einer plausiblen Erklärung berief sich der Beschul-

digte auf sein Aussageverweigerungsrecht (Urk. 5/2 A 6 ff.). Auch an der vor-

instanzlichen Hauptverhandlung wollte der Beschuldigte keine Aussagen machen 

(Prot. I S. 36 ff.). 

4.4. Erst anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte Aus-

sagen zur Sache. Er brachte insbesondere vor, er habe die Ausführungen der 

Privatklägerin im Chat deshalb nicht bestritten, weil er nicht auf Konfrontation habe 

gehen wollen, weil er einfach die Wogen habe glätten wollen (Urk. 85 S. 9). Diese 

Rechtfertigung erscheint zwar nachvollziehbar. Dennoch erklärt sie nicht, weshalb 

die Privatklägerin derart heftig reagierte und dem Beschuldigten Vorwürfe machte, 

wenn der Beschuldigte nach seiner Darstellung gegenüber ihr sexuell gar nicht 

übergriffig geworden wäre. Die Privatklägerin wirft ihm im Chat vor, er habe sie 

überrumpelt, sie habe ca. zehn Mal "nein" gesagt und er habe sie am Hals gehalten 

und gedrückt. Er solle dies nie wieder tun. Dass sich der Beschuldigte bei derart 

gravierenden Vorwürfen und krassem Auseinanderklaffen von Behauptungen und 

Tatsachen bloss entschuldigt, wenn die Darstellung der Privatklägerin völlig frei 

erfunden gewesen wäre, ist nicht lebensnah. 

4.5. Nicht realitätsnah erscheint die Behauptung des Beschuldigten an der Be-

rufungsverhandlung, dass die Privatklägerin nach relativ kurzem Aneinanderreiben 

ihrer Körper direkt zum Orgasmus gekommen sei. Das kontrastiert jedenfalls zur 

Aussage des Beschuldigten, wonach er schon gemerkt habe, dass die Privat-

klägerin nicht gerade wie Butter geschmolzen sei und es ihr wahrscheinlich nicht 

so gefallen und sie sich gegen das Entblössen der Brüste gewehrt habe (Urk. 85 

S. 5). 

- 11 -

5. Das Wesen der Aussagenanalyse

Die Verteidigung wendet ein, dass die Aussagen der Privatklägerin unglaubhaft 

seien und Widersprüche enthielten. Dies kann nicht gänzlich in Abrede gestellt 

werden und darauf wird weiter unten noch eingegangen. Die Verteidigung verfolgt 

dann aber teilweise Argumentationen, die dem Wesen der Aussagenanalyse zu 

wenig Rechnung tragen (so die Tabelle der Verteidigung in ihrem vorinstanzlichen 

Plädoyer mit der sorgfältigen Gegenüberstellung von Aussagen der Privatklägerin 

in verschiedenen Verfahrensstadien, Urk. 47 S. 8 ff.). Bei der Aussagenwürdigung 

geht es nicht allein um die Ortung formaler Widersprüche in der Wortwahl oder in 

der Ausdrucksweise einer aussagenden Person. Bei der Aussagenwürdigung geht 

es in erster Linie um eine Validitätsprüfung nach empirischen Lebenserfahrungen. 

So sind in der Aussagenanalyse Widersprüche nicht automatisch Lügensignale, 

denn gewisse Widersprüche können psychologisch plausibel erklärbar sein. Ob ein 

Opfer eines Sexualdeliktes beispielsweise "Halt" oder "Stopp" gerufen hat, muss 

bei der Aussagenanalyse kein Widerspruch darstellen, weil auch zwanglos beide 

unterschiedlichen Worte gerufen worden sein können oder weil die Worte im frag-

lichen Kontext semantisch identisch sind. Regelmässig wird auch verkannt, dass 

Widersprüche in Nebenpunkten, aus denen die aussagende Person gar nichts zu 

ihren Gunsten ableiten könnte, für die Beweiswürdigung meist irrelevant sind. Allzu 

oft wird aufgrund von Widersprüchen in unwichtigen Details insinuiert, dass damit 

erwiesen sei, dass die aussagende Person unglaubwürdig und deshalb ihre ge-

samte Darstellung falsch sei. Eine Begründung, weshalb dieses Fazit zutreffen soll, 

wird nicht geliefert. Abweichungen in den Schilderungen unwesentlicher Details, 

auch in Bezug auf das Kerngeschehen, sind häufig kein Indiz für eine falsche 

Anschuldigung. Die menschliche Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Ausdrucks-

fähigkeit funktioniert nicht wie eine Videoaufzeichnungsmaschine. Niemand kann 

eine längere Sachdarstellung im Abstand von einigen Tagen, Wochen oder sogar 

Monaten hundertprozentig tatsachentreu und identisch schildern. Kommt hinzu, 

dass Details und Umstände, die aufgrund des Ausmasses des subjektiven emotio-

nalen Leidens für ein Opfer irrelevant sind, nicht oder nur schlecht memoriert und 

dann oft auch falsch wiedergegeben werden. So ist beispielsweise die Farbe der 

Bettwäsche für ein Opfer subjektiv völlig ohne Belang. Ein sexueller Missbrauch ist 

- 12 -

für ein Opfer nicht weniger schlimm, wenn die Bettwäsche grün statt blau war. 

Trotzdem wird regelmässig ein Opfer als unglaubwürdig diskreditiert, wenn es die 

Farbe in späteren Einvernahmen nicht mehr weiss. Differenzen ergeben sich ins-

besondere dann, wenn die aussagende Person auf eine geschlossene Frage zu 

einer Antwort aufgefordert wird. Es ist denn auch nicht so, dass eine wahr aussa-

gende Person nie einem Irrtum, einer Erinnerungsschwäche oder einer falschen 

Interpretation unterliegt; genauso wenig wie ein Lügner immer seine ganze 

Geschichte erfindet. Die fehlerfreie Aussage ist nicht die Ausnahme, sondern die 

Regel. Die Würdigung von Aussagen hat stets unter Berücksichtigung der Gesamt-

umstände, insbesondere von psychologischen Aspekten und empirischen Er-

fahrungen über das menschliche Verhalten zu erfolgen. Sie beinhaltet mehr als 

eine lineare, formallogische Deduktion von isolierten Feststellungen von "Aussage-

fehlern" hin zu allgemeingültigen Schlussfolgerungen. So kann beispielsweise 

Detailreichtum in einem Fall ein Realitätskriterium sein, im anderen Fall ein Lügen-

signal. Selbstverständlich muss eine Verteidigung die Beweislage stets zu Gunsten 

ihres Mandanten darstellen. Vorliegend ist der Vorwurf der Verteidigung an die 

Vorinstanz, sie lasse krass an der Neutralität zweifeln, wenn sie Widersprüche un-

terschiedlich beurteile, aber unbegründet (Urk. 86 S. 19 mit Verweis auf Urk. 59 

S. 30). Einzelne Elemente der Aussagenanalyse können im Kontext mit anderen 

Elementen und Umständen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, insbeson-

dere wenn es sich um "kleine" Widersprüche handelt, d.h. solche, die für das Kern-

geschehen irrelevant sind. Indem die Vorinstanz auf diese empirische Erkenntnis 

hinweist, verfällt sie entgegen der Verteidigung nicht in Willkür. Aussagenwürdi-

gung ist immer eine Würdigung eines gesamten Erscheinungsbildes im Kontext. 

Einzelne Elemente sind bloss Mosaiksteine. Wer nur einzelne Bäume herauspickt, 

sieht den Wald nie.

6. Aussagen der Privatklägerin

6.1. Die Privatklägerin gab in ihrer polizeilichen Befragung eine glaubhafte 

Schilderung zu Protokoll (Urk. 6/1). Zwar erfolgten diese Aussagen erst einen 

Monat nach dem fraglichen Vorfall und nachdem die Privatklägerin mit anderen 

Personen darüber gesprochen hatte (Urk. 6/1 S. 1). Vorgängige Gespräche mit 

- 13 -

nicht neutralen Drittpersonen korrumpieren das Gedächtnis, weil die aussagende 

Person später dazu tendiert, das wiederzugeben, was sie der Drittperson ge-

schildert hat und was von der Drittperson durch das Gespräch beeinflusst wurde. 

Solche Umstände überlagern das originär vom Vorfall Memorierte. Aussagen un-

mittelbar nach einem Vorfall haben zudem grundsätzlich eine höhere Aussagekraft, 

weil die aussagende Person gar keine Zeit hatte, eine ausgeklügelte falsche 

Anschuldigung einzustudieren. Der Umstand der zeitlich verzögerten Anzeige ist 

deshalb zu berücksichtigen, aber nicht in dem Sinne, dass dies alleine schon von 

vornherein eine Aussage unglaubhaft macht. 

6.2. Vorliegend sprechen die spontane Schilderung der Privatklägerin, der 

natürliche Redefluss ohne Strukturbrüche und der grosse Detailreichtum ohne 

stereotype Wortwahlen und Wiederholungen für die Wiedergabe von tatsächlich 

Erlebtem und nicht für eine Fiktion. Auf Nachfrage machte die Privatklägerin gute 

und logische Ergänzungen ohne hierbei zu zögern (z.B. Urk. 6/1 F/A 41 f. zum 

Schliessen der Zimmertüre, F/A 48 ff. zur Position der Füsse, F/A 72 f. zur restlichen 

Kleidung des Beschuldigten, F/A 76 ff. zur Beschreibung der Berührungen des Be-

schuldigten). Als Beispiel für ihre realitätsnahe Schilderung kann ihre Aussage, wie 

sie auf den Beschuldigten zu liegen gekommen sei, zitiert werden (Urk. 6/1 A 46-

48). Sie habe vor dem Bett gestanden und er habe sie zu sich gezogen, so dass 

sie ihren Stand verloren und auf ihn gekippt sei, so dass ihre Füsse nicht mehr am 

Boden gewesen seien. Nur als Kontrast, die etwas sprung- und lückenhafte 

Aussage des Beschuldigten an der Berufungsverhandlung: "Sie sass dann auf dem 

Bettrand. Sie stand dann noch. Ich habe sie dann an den Händen, so wie gesagt, 

komm doch zu mir, worauf sie neben mich auf das Bett sass. (…). Ich habe ihr 

signalisiert, sie solle doch auf mich raufsitzen, worauf sie auf mich sass" (Urk. 85 

S. 4). Bemerkenswert ist auch die Erklärung der Privatklägerin, weshalb sie sich 

nicht mehr gegen den behaupteten Übergriff des Beschuldigten habe wehren 

können: Weil die Matratze sehr weich gewesen sei, habe sie der über ihr liegende 

Beschuldigte mit seinem Körpergewicht fixieren können. Solche Details sind 

lebensnah und nachvollziehbar. In erfundenen Geschichten kommen solche 

"originellen" Details typischerweise nicht vor. 

- 14 -

6.3. Auch die Aussagen der Privatklägerin an der erstinstanzlichen Haupt-

verhandlung erwecken in weiten Teilen einen glaubhaften Eindruck. Sie schildert 

zunächst detailliert und nachvollziehbar, wie sie und der Beschuldigte ein Treffen 

vereinbart hätten, wie sie zur Wohnung des Beschuldigten und dann in sein Zimmer 

gekommen sei und was sie in der Folge gemeinsam gemacht und gesprochen 

hätten (Prot. I S. 21 ff.). Allerdings betrifft diese Vorgeschichte Nebenpunkte, die 

unabhängig davon, ob nun später sexuelle Übergriffe stattgefunden hätten oder 

nicht, gleich geschildert werden könnten. Immerhin stimmt die Darstellung im 

Wesentlichen aber überein mit jener des Beschuldigten (Urk. 85). Der Verteidigung 

kann nicht beigepflichtet werden, dass hier wesentliche Widersprüche zwischen 

den Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin zu orten seien (Urk. 86 

S. 7). Dass der Vorschlag für einen Kuss-test von der Privatklägerin ausgegangen 

ist, kann zwanglos angenommen werden. Das heisst aber noch lange nicht, dass 

sich der Beschuldigte nur widerwillig mit der Privatklägerin getroffen und gar kein 

Interesse an sexuellen Handlungen gehabt habe, weshalb auch gar nichts vorge-

fallen sei. Immerhin stellte er der Privatklägerin im Chat die Frage, ob sie mit ihm 

ins Bett gehen wolle (Urk. 4 S. 2 Foto 3). 

6.4. Insgesamt hat die Privatklägerin in all ihren Befragungen stets eine detail-

lierte und natürliche Schilderung zu Protokoll gegeben. Das kontrastiert sehr stark 

zum Aussageverhalten des Beschuldigten, der wie erwähnt, zuerst erzählte, es sei 

zu einem Kuss gekommen, zu mehr nicht. Es ist nicht zu verkennen, dass die Ver-

teidigung bei der Würdigung der Aussagen der Privatklägerin und bei jenen des 

Beschuldigten sehr unterschiedliche Massstäbe anlegt.

6.5. Aber auch bei der Schilderung der Privatklägerin zum Kerngeschehen an-

lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung fällt auf, dass typische Lügen-

signale wie Abgleiten in Unwesentliches, ein Ungleichgewicht zwischen dem Detail-

lierungsgrad bei Nebensächlichem und im Kernpunkt oder z.B. Inkonsistenzen 

zwischen Handlungen und emotionaler Befindlichkeit fehlen. Es finden sich auch 

keine typischen Lügensignale wie zurückhaltende Formulierungen, dort wo Gefahr 

von Widersprüchen drohte, Verzögerungstaktik in den Antworten zu kritischen 

- 15 -

Fragen, wie z.B. das Winden um eine Antwort oder unnötige Rückfragen zwecks 

Zeitgewinn.

6.6. Zutreffend ist der Einwand der Verteidigung, dass Aggravationstendenzen 

in den Aussagen der Privatklägerin ersichtlich sind, in dem Sinne, dass sie gewisse 

Dinge überzeichnet darstellte. So behauptete sie in ihrer polizeilichen Befragung, 

sie habe immer wieder "wart schnell, nei, stopp" gerufen (Urk. 6/1 A 62) und in ihrer 

staatsanwaltlichen Einvernahme, sie habe mehrfach "nein" und "stopp" gerufen 

(Urk. 6/2 A 82 und A 159). Dies obschon das Zimmer sehr ringhörig war und der 

Zimmernachbar keine Rufe gehört hat. Später musste sie diese Aussage dann 

heruntertempieren und erklärte, sie habe in "Zimmerlautstärke" gerufen bzw. 

gesprochen (Prot. I S. 30). Künstlich und deshalb unglaubhaft wirkt auch ihre Er-

klärung, sie habe nicht gerufen, weil sie nicht mehr gewusst habe, ob der Mitbe-

wohner Kopfhörer angehabt habe oder nicht (Prot. I S. 31). Das ist kein normales 

Opferverhalten. Ähnlich merkwürdig ihre Aussage, sie habe nicht schreien können, 

weil sie die Luft angehalten habe (Urk. 6/1 A 64). Es gab gar keinen vernünftigen 

Grund, die Luft anzuhalten, auch das angebliche Anfassen am Hals nicht, denn für 

gewöhnlich hält ein Opfer bei solchem Täterverhalten nicht freiwillig die Luft an, 

sondern schnappt im Gegenteil nach Luft. Dafür, dass die Privatklägerin nicht laut 

um Hilfe gerufen hat, gibt es einen anderen Grund: in einer solchen, letztlich auch 

peinlichen Situation, sucht man keine Hilfe ausgerechnet vom Kollegen "des 

Täters".

6.7. Ebenso übertrieben erscheinen die Aussagen der Privatklägerin zur Schock-

starre und der angeblichen Todesangst. Es ist daran zu erinnern, dass sie im Tat-

zeitpunkt 37 Jahre alt war, der Beschuldigte 29, und dass sie sich gegenseitig be-

reits kannten. Dies ist ein ganz anderer Fall als jener, bei welchem eine Frau von 

einem unbekannten Täter nachts in einem Park hinter die Büsche gerissen wird. 

Aufgrund der vorgängigen Chat-Konversation war auch der Zweck des Treffens 

klar, man sollte sich gegenseitig körperlich näher kommen und es war der Privat-

klägerin auch klar, dass der Beschuldigte mehr wollte, auch wenn sie ihm ihre 

Ablehnung klipp und klar schon vorgängig kommunizierte. Das ist keine Rechtferti-

gung für sein Handeln, aber völlig aus dem heiteren Himmel, wie beim vorerwähn-

- 16 -

ten Fall nachts mit einem Unbekannten, kam der Übergriff nicht. Weiter machte die 

Privatklägerin nie geltend, dass ihr der Beschuldigte in irgendeiner Art und Weise 

gedroht habe oder gewalttätig erschienen sei, sondern beschrieb ihn anfänglich als 

lockeren, anständigen Typen (Urk. 6/1 A 13). Aufgrund der Anwesenheit des WG-

Mitbewohners im ringhörigen Nebenzimmer lag die Annahme einer lebensbedroh-

lichen Gewaltanwendung durch den Beschuldigten auch fern. Hätte die Privat-

klägerin den Beschuldigten als gewalttätig eingeschätzt, wäre sie denn auch kaum 

in seine Wohnung bzw. Zimmer für ein Kuss-date gekommen. Bemerkenswert in 

diesem Zusammenhang ist denn auch die Aussage der Privatklägerin zum 

Moment, als sie es geschafft habe, die Position zu wechseln (Urk. 6/1 A 65: "Ich 

bin mit dem halben Körpergewicht bei ihm auf der Brust, sodass ich die Kontrolle 

hatte, ich habe mit meiner linken Hand seine rechte Hand gehalten. Und mit meiner 

rechten Hand bin ich symbolisch an seinen Hals, um zu zeigen, dass ich jetzt die-

jenige bin, die die Oberhand hat." So tönt jemand, der wütend über eine vorherge-

gangene körperliche Grenzüberschreitung ist, nicht jemand, der um sein Leben 

fürchtet. 

6.8. Soweit der Verteidiger Widersprüche zwischen dem Polizeirapport und den 

Befragungen der Privatklägerin erwähnt, ist dies ohne Grundlage (Urk. 86 S. 15). 

Diese summarischen indirekten Bemerkungen eines Polizisten sind mit Aussagen 

nicht gleichzusetzen und sie sind oftmals auch ungenau. Es handelt sich nicht um 

verwertbare Aussagen der befragten Person.

6.9. Zutreffend weist die Verteidigung darauf hin, dass die Aussagen der Privat-

klägerin in Bezug auf das unfreiwillige Stimulieren des Glieds des Beschuldigten 

etwas schwammig waren. So führte sie in ihrer polizeilichen Befragung aus, er habe 

ihre Hand genommen und diese zwischen seine Beine geführt und gesagt: "chum 

lang ihn a" (Urk. 6/1 A 63). Sie habe versucht ihre Hand wegzunehmen, worauf er 

seine Hand, mit welcher er ihre Hand zu seinem Glied geführt habe, an ihren Hals 

gelegt habe (Urk. 6/1 A 63). Obschon er also ihre Hand losliess, erwähnte die 

Privatklägerin etwas später, ihre rechte Hand sei noch immer zwischen seinen 

Beinen gewesen und sie habe dann "quasi" begonnen, ihn zu befriedigen (Urk. 6/1 

A 64). Am Ende habe er sich dann selbst befriedigt (Urk. 6/1 A 65). Weshalb die 

- 17 -

Privatklägerin ihre Hand, nachdem der Beschuldigte diese losgelassen hatte, zwi-

schen seinen Beinen liess, ist schlecht nachvollziehbar. In der staatsanwaltlichen 

Befragung gab die Privatklägerin dann lediglich an, er habe immer gewollt, dass sie 

ihn befriedige (Urk. 6/2 A 64 und 73). Er habe sich danach aber selbst befriedigt 

(Urk. 6/2 S. 15, A 93). Er habe zwar ihre Hand zwischen seine Beine an sein Glied 

geführt, aber es sei ihr gelungen, ihre Hand wieder wegzunehmen (Urk. 6/2 A 114). 

Erst auf Vorhalt ihrer polizeilichen Aussage ergänzte die Privatklägerin dann, sie 

habe das machen müssen, damit er sich entspanne (Urk. 6/2 A 134). Sie habe über 

das Glied gestrichen. Im Detail wisse sie es auch nicht mehr (Urk. 6/2 A 135). Die 

Verwendung des Wortes "quasi" in der Formulierung "quasi begonnen ihn zu 

befriedigen" ist ebenso ein Indiz, dass kein intensives oder längeres Frottieren er-

folgte. Auf das Thema an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung angesprochen, 

wurde der Privatklägerin eine Antwort in den Mund gelegt, anstatt eine offene Frage 

zu stellen, weshalb daraus wenig abgeleitet werden kann (Prot. I S. 29). Als Fazit 

kann festgehalten werden, dass die Privatklägerin inhaltlich stets konstant aus-

sagte, dass sie den Penis des Beschuldigten auf dessen Drängen hin angefasst 

habe, in der Hoffnung, dass sich seine aggressive Erregtheit etwas lege. Wenn der 

Verteidiger geltend macht, das Aussageverhalten der Privatklägerin sei wider-

sprüchlich gewesen und es sei unklar ob sie den Beschuldigten nun befriedigt habe 

oder nicht, so geht er damit fehl (Urk. 86 S. 16 Rz 35). Das Wort "befriedigen" kann 

alles umfassen, von einem kurzen Anfassen bis hin zu längerem Frottieren (Urk. 86 

S. 16 f.). Die Privatklägerin hat nie auch nur im Ansatz behauptet, dass sie den 

Beschuldigten bis zu einer Ejakulation habe befriedigen müssen.

6.10. Nicht ganz von der Hand zu weisen sind die Einwände des Verteidigers hin-

sichtlich der Aussagen der Privatklägerin zum Griff des Beschuldigten an den Hals. 

Auch hier muss zu Gunsten des Beschuldigten angenommen werden, dass die 

Privatklägerin dramatisierte, indem sie in ihren Aussagen das Wort "würgen" oder 

"Würgegriff" benützte, von Todesangst sprach sowie hinsichtlich der Dauer von 5 

Minuten (Urk. 6/1 A 63, 93 und Urk. 6/2 A 114). Auch hier pickt der Verteidiger aber 

einzelne Worte oder Aussagenpassagen der Privatklägerin heraus und analysiert 

diese isoliert, anstatt sie im Gesamtkontext nach der inhaltlichen Bedeutung zu wür-

digen. Die Zeitangabe machte die Privatklägerin nicht von sich aus, sondern auf 

- 18 -

Frage hin und sie fügte noch hinzu, dass sie es nicht mehr genau wisse, es aber 

eine gefühlte Ewigkeit gedauert habe (Urk. 6/1 A 93). Diese Ergänzungen sind 

wesentlich für die Interpretation der Zeitangabe. Es ist eine allgemeine Erkenntnis 

bei der Würdigung solcher Aussagen, dass zeitliche Schätzungen oft wenig objektiv 

sind. Die Privatklägerin wurde zudem auch nicht danach gefragt, wie lange das 

Würgen, sondern wie lange der Griff an den Hals gedauert habe (Urk. 6/1 F 93). 

Weiter ist nicht zu übersehen, dass die Privatklägerin inhaltlich in ihren Anschuldi-

gungen durchaus mässig blieb. So gab sie an, dass sie wegen dem Griff selbst die 

Luft angehalten habe (Urk. 6/2 A 120). Das mag etwas sonderbar tönen, es bleibt 

aber dabei, dass sie nicht geltend machte, die Luft sei ihr wegen dem Halsgriff des 

Beschuldigten abgeschnürt worden. Weiter gab sie auch zu Protokoll, dass er nicht 

so fest gedrückt habe, dass ihr übel geworden sei (Urk. 6/1 A 89). Er habe nur zwei 

oder drei Mal gedrückt (Urk. 6/1 A 63). Auch ihre Formulierung, wonach er "quasi" 

zugedrückt habe, ist dahingehend klar, dass sie ihr subjektives Empfinden in den 

Vordergrund stellte und der Griff und dessen Stärke nicht sehr intensiv waren. 

Ebenso führte sie aus, dass man keine Spuren am Hals gesehen (Urk. 6/1 A 108 f.) 

und dass sie später keine Schmerzen gehabt habe (Urk. 6/2 A 130). Schliesslich 

gab sie an, dass ihr Hals eine empfindliche Stelle sei und sie vor sechs Jahren 

schon einen ähnlichen Vorfall erlebt habe (Urk. 6/1 A 70, Urk. 6/2 A 131). Bei einer 

Gesamtbeurteilung ist deshalb ein "Würgen" nicht rechtsgenügend erstellt. Dem-

gegenüber aber ein zum Teil fester Griff des Beschuldigten an den Hals der Privat-

klägerin, der bei ihr eine gewisse Angst erweckte. Dabei verstand der Beschuldigte 

seinen Griff an den Hals aber nicht als Drohmittel, sondern als Teil der sexuellen 

Interaktion. Anderes kann jedenfalls nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden. 

Dass die Geschädigte eine solche Handlung nicht in geringster Weise als erregend 

empfand, ist nachvollziehbar und aufgrund ihrer Aussagen sehr glaubhaft. 

6.11. Weiter ortet die Verteidigung eine gewisse Widersprüchlichkeit der Privat-

klägerin bezüglich ihrer Aussage im Zusammenhang mit ihren Gefühlen gegenüber 

dem Beschuldigten. Richtig ist, dass die Privatklägerin zu Beginn durchaus 

Interesse am Beschuldigten zeigte, was dadurch dokumentiert ist, dass sie trotz 

dessen anzüglichen Bemerkungen und Bildern und seinen eindeutigen Avancen 

den Kontakt nicht abbrach, sondern darauf antwortete und ein Treffen zwecks 

- 19 -

Küssen vorschlug (Urk. 6/1 A 13, 14 und 18). Auch verwendete sie in ihrer Aussage 

das Wort "flirten" und dass der Beschuldigte ein attraktiver Mann sei (Urk. 6/1 A 13). 

Vor diesem Hintergrund war die Antwort der Privatklägerin auf die Frage, ob sie am 

Beschuldigten interessiert gewesen sei, welche sie mit den Worten "Nein. Das habe 

ich auch offen deklariert." (Urk. 6/2 A 20), höchst unglaubhaft bzw. falsch. Im Rah-

men der Aussagenwürdigung ist dieser Widerspruch jedoch kein Beleg dafür, dass 

die Privatklägerin all ihre Anschuldigungen frei erfunden hat. Solche Aussagen sind 

typisch für Opfer, welche im Nachhinein selbst nicht mehr nachvollziehen können 

oder aus Scham nicht wollen, dass sie für den Täter anfänglich noch Sympathien 

empfunden haben. Solche Aussagen haben letztlich aber keinen Zusammenhang 

mit vorgeworfenen Übergriffen, weil anfängliche Sympathien geradezu tattypisch 

sind. Schliesslich ist gut möglich, dass die Privatklägerin die Frage nach dem Inter-

esse auf das sexuelle Interesse bezog.

6.12. Aufgefallen ist der Verteidigung auch ein angeblich widersprüchliches 

Verhalten der Privatklägerin in der Wohnung und dem Zimmer des Beschuldigten 

(Urk. 86 S. 19-24). Auch hier ist es zutreffend, dass sich die Privatklägerin zum Teil 

uneinheitlich über ihr Sicherheitsgefühl geäussert hatte, von dessen Vorhanden-

sein (Urk. 6/2 A 22) bis hin zu einem komischen Bauchgefühl (Urk. 6/1 A 32). Aller-

dings ist eine gewisse ambivalente Gefühlslage in einer solchen Situation völlig 

lebensnah, weshalb die unterschiedlichen Äusserungen der Privatklägerin in der 

Untersuchung keinerlei Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen hin-

sichtlich der sexuellen Übergriffe erlauben. Die Privatklägerin und der Beschuldigte 

kannten sich nur oberflächlich, die Privatklägerin begab sich in eine fremde Umge-

bung, die WG des Beschuldigten, und es war offen, was sie bei diesem "Kuss-date" 

erwartete. Dass das Sicherheitsgefühl in solchen Situationen schwankend sein 

kann, ist völlig zwanglos erklärbar und lebensnah. 

6.13. Als verdächtig erachtet die Verteidigung dann das Verhalten der Privatklä-

gerin, als sich der Beschuldigte nach dem erfolglosen sexuellen Bedrängen der 

Privatklägerin selbst befriedigt habe. Die Privatklägerin gab dazu zu Protokoll, dass 

sie dem Beschuldigten gesagt habe, "lueg ich gang, ich gib dir no 60 Sekunde" 

(Urk. 86 S. 23). Das sei keine Aussage eines Opfers einer sexuellen Nötigung unter 

- 20 -

Todesangst, so die Verteidigung. Dem kann beigepflichtet werden. Würdigt man 

diese Aussage der Privatklägerin allerdings im Gesamtkontext, ergeben sich dar-

aus keine Lügensignale hinsichtlich der Schilderung zum vorgängigen Übergriff. 

Die Verteidigung suggeriert hier einen Vergleich mit Opfern schwerer Vergewalti-

gungen, wo tatsächlich Todesangst besteht und die Gedanken des Opfers nur noch 

auf Flucht fokussiert sind. Davon ist man vorliegend weit entfernt. Richtig ist, dass 

die Privatklägerin stark dramatisierte, als sie andernorts von Todesangst sprach. 

Davon ist aber, wie erwähnt, nicht auszugehen. Auch die obgenannte Äusserung 

zu den 60 Sekunden widerspricht einer solch massiven Furcht. Dass die Privatklä-

gerin aber das Verhalten des sexuell erregten Beschuldigten nicht abschätzen 

konnte und Angst davor hatte, dass er noch weiter gehe, ist natürlich und lebens-

nah. Es ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass ihr der Beschuldigte kräfte-

mässig weit überlegen war. Dass das Opfer zudem froh ist, wenn sich der Täter 

sexuell selbst erleichtert und wieder etwas "abkühlt", ist ebenso gut nachvoll-

ziehbar. Zudem darf auch die nachfolgende Aussage der Privatklägerin nicht aus-

geblendet werden. Sie fügte nämlich an, dass sie nach 10 Sekunden über den 

Beschuldigten hinweggestiegen und aufgestanden sei, worauf der Beschuldigte 

peinlich berührt auf dem Bett gelegen habe (Urk. 6/1 A 66). Ihr Verhalten ist als im 

Kontext und vor ihrem emotionalen Hintergrund als konsistent und lebensnah zu 

beurteilen. 

6.14. Ähnlich zu werten ist das Verhalten der Privatklägerin beim Verlassen der 

Wohnung. Sie verliess die Wohnung in der Tat nicht schreiend und weinend, aber 

doch relativ zügig und sie verabschiedete sich noch im Vorbeigehen vom WG-Mit-

bewohner des Beschuldigten mit den kurzen Worten "tschüss gäll" (Urk 6/1 A 66 f.). 

Wiederum ist der Verteidigung entgegen zu halten, dass der Privatklägerin keine 

Vergewaltigung oder schwere sexuelle Nötigung widerfuhr. Die Art und Weise des 

Verlassens der Wohnung passt durchaus kongruent zu ihrer gesamten Darstellung. 

Sie war es, die freiwillig in die Wohnung des Beschuldigten gekommen war und 

zwar für ein "Kuss-date", etwas das mehr zu Teenagern als zu einer 37-jährigen 

Frau passt. Und der Beschuldigte hatte ihr zuvor klar mitgeteilt, dass er Sex wolle, 

obschon die Privatklägerin dies im Vorfeld ebenso klar ablehnte. Dass man nach 

einer sexuellen Grenzüberschreitung in einem solchen Moment mit einem unbe-

- 21 -

kannten fremden WG-Mitbewohner über das sexuelle Geschehen spricht, das eben 

zuvor im Nebenzimmer stattgefunden hat, wäre wohl für die meisten Frauen pein-

lich. Wer Scham empfindet, handelt anders als jemand in höchster Not. Auch die 

Schilderung der Privatklägerin, wie sie Beschwichtigungsversuche des Beschuldig-

ten und seine Hilfe beim Suchen einer Busverbindung abwies und ihm noch gesagt 

habe "jetzt häsch mi voll überrumplet" und sich nicht mehr erinnern könne, was die 

Worte des Beschuldigten gewesen seien, fügt sich natürlich und zwanglos in ihre 

gesamte Geschichte ein. Einmal mehr ist ihre Schilderung konsistent.

6.15. Im Sinne der vom Bundesgericht geforderten hypothesengeleiteten Aussa-

genwürdigung ist schliesslich zu prüfen, ob Hinweise für ein Motiv für eine Falsch-

beschuldigung seitens der Privatklägerin bestehen. Aus der kurzen Bekanntschaft 

und persönlichen Beziehung zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten 

ist nichts herzuleiten, was den Verdacht auf ein solches Motiv nähren könnte. Die 

Privatklägerin hatte keinerlei Anlass wie z.B. Rache oder Enttäuschung für bzw. 

über ein früheres Verhalten des Beschuldigten. Sie war im Gegenteil bis kurz vor 

dem Übergriff positiv neutral gegenüber ihm eingestellt. Weiter sind psychische Er-

krankungen wie etwa eine Borderline-Störung oder eine Schizophrenie nicht akten-

kundig. Ungewöhnlich erscheint immerhin das Ausmass der von der Privatklägerin 

geschilderten Beeinträchtigungen aufgrund des sexuellen Übergriffes. Sie sprach 

von einem grösseren psychischen Schaden im Alltag und dass sie sensibel auf das 

Thema sei, weil sie zwei Vorfälle von missbrauchten 15-jährigen Mädchen "mitbe-

kommen" habe und als Medienschaffende "jeden Tag" damit konfrontiert sei 

(Urk. 6/1 A 129). Weiter berichtete sie von ihren Recherchen und kollegialen Ge-

sprächen über sexuellen Missbrauch von Frauen, was keinen erkennbaren sachli-

chen Zusammenhang mit dem Fall hat (Urk. 6/1 A 129). Dies sind leichte Indizien, 

dass die Aussagen der Privatklägerin teilweise auch von tatunabhängigen Motiven 

beeinflusst sein könnten. Immerhin ist vor Augen zu halten, dass sich die Privatklä-

gerin letztlich gegen die sexuellen Übergriffe des Beschuldigten erfolgreich zur 

Wehr setzen konnte und dessen Handlungen im unteren Spektrum von sexuellen 

Nötigungen liegen. Traumatische Folgen sind in solchen Fällen nur bei vulnerablen 

Kindern oder bei Personen ohne sexuelle Erfahrungen bzw. geringer Zivilcourage 

in sexuellen Dingen zu erwarten. Abgesehen von den erwähnten Dramatisierungs-

- 22 -

tendenzen der Privatklägerin, welche aber auch in einer überdurchschnittlichen 

Verletzungsempfindlichkeit begründet sein könnten, fehlt es in ihren Aussagen aber 

an entsprechenden Signalen einer Falschbelastung aus anderen Motiven. Ihre 

Aussagen zum Kernvorwurf enthalten wenig emotionale Einfärbungen wie z.B. ein 

allgemeines "Schlechtmachen" des Beschuldigten. Ein Belastungseifer fehlt. In 

Bezug auf die Schilderung des Tatablaufes blieb sie sachlich neutral und ihre 

Darstellung weist natürlich wirkende Erinnerungslücken auf, welche bei Falschbe-

lastungen tendenziell fehlen bzw. mit fiktiven Ergänzungen gefüllt würden. Sie äus-

serte sich ausserdem selbstkritisch. So führte sie aus, sie habe sich bereits im Bus 

auf dem Weg zurück Vorwürfe gemacht. Sie habe sich gefragt, warum sie dorthin 

gegangen sei. Sie sei älter und müsste es doch wissen (Urk. 6/1 F/A 67). Sie habe 

sich schuldig gefühlt, weil sie überhaupt dorthin gegangen sei, schuldig, weil sie 

involviert gewesen sei, schuldig, weil aus einem Flirt so etwas passieren könne 

trotz ihres unguten Gefühls, auf das sie nicht gehört habe (Urk. 6/1 F/A 100 f.). Da-

mit suchte sie die Verantwortung für das Vorgefallene nicht alleine beim Beschul-

digten, sondern hinterfragte auch ihr eigenes Verhalten, was gegen eine Falschbe-

schuldigung ihrerseits spricht. Es bleibt deshalb dabei, dass die Darstellung der 

Privatklägerin, wonach es zu den von ihr behaupteten sexuellen Übergriffen des 

Beschuldigten gekommen war, glaubhaft ist und rechtserhebliche Zweifel daran 

auszuschliessen sind.

6.16. Als Fazit kann festgehalten werden, dass die Vorinstanz bei der Würdigung 

der Aussagen der Parteien durchaus zum richtigen Ergebnis gelangt ist. Daran än-

dert nichts, dass sich die Vorinstanz an einzelnen Stellen ihrer Begründung teil-

weise etwas unkritisch oder nicht mit den Schwächen und Ungereimtheiten in den 

Aussagen der Privatklägerin auseinandergesetzt hat und die Dramatisierungsten-

denz der Privatklägerin bei einzelnen Aussagen unerwähnt liess. Wenn die 

Vorinstanz festhielt, dass die von der Verteidigung geltend gemachten Widersprü-

che und diametralen Abweichungen schlicht nicht erkennbar seien (Urk. 59 S. 33 

E. II.4.4.3.), kann dem nicht beigepflichtet werden. Im vorliegenden Fall ist eine 

Schwarz-weiss-Wertung nicht adäquat und hat nicht ganz überraschend bei der 

Verteidigung den Eindruck von einseitiger Beweiswürdigung erweckt (Urk. 86 

S. 19). Andernorts ist der Vorinstanz aber zuzustimmen, wenn sie erwähnt, dass 

- 23 -

die Verteidigung keine Widersprüche in den Aussagen der Privatklägerin aufzeigen 

konnte, welche als Lügensignale (für ihre Darstellung des sexuellen Übergriffs) ge-

wertet werden können (Urk. 59 S. 34 E. II.4.4.3). Insbesondere der spätere Chat-

Verkehr lässt keinen anderen Schluss zu, als dass es im Zimmer des Beschuldigten 

zu den in der Anklage aufgeführten Grenzüberschreitungen bzw. sexuellen Nöti-

gungen gekommen war. Lediglich das Ausmass der Angst der Privatklägerin und 

die Intensität des Griffes am Hals muss im Sinne der Erwägungen erheblich relati-

viert werden. 

B. Rechtliche Würdigung

1. Objektiver Tatbestand

1.1. Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum objektiven Tatbestand der 

sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB kann auf die Ausführungen der 

Vorinstanz hierzu verwiesen werden (Urk. 59 S. 41-44 E. III.2.). Zu ergänzen ist 

lediglich, dass der Tatbestand auch die Nötigung des Opfers zu einem aktiven Ver-

halten erfasst (BGE 127 IV 198 E. 3bb). 

1.2. Hinsichtlich der Ausführungen zur Erfüllung des objektiven Tatbestands der 

sexuellen Nötigung kann den Ausführungen der Vorinstanz grundsätzlich gefolgt 

und auf diese verwiesen werden (Urk. 59 S. 41-44 E. III.2.). Der Beschuldigte 

nötigte die Privatklägerin vorliegend zur Duldung diverser sexueller Handlungen. 

So zog der Beschuldigte ihre Kleider über die Brüste hoch, griff an ihre nackten 

Brüste und knetete diese, küsste sie, drückte intensiv seine Finger über den 

Kleidern in ihren Intimbereich, versuchte ihre Leggins auszuziehen und in diese 

hineinzugreifen, entblösste sein Glied vor ihr, führte die linke Hand der Privat-

klägerin an dieses und liess es von der Privatklägerin mittels deren Hand 

stimulieren. 

1.3. Die Privatklägerin äusserte sich zunächst dahingehend, dass es ihr zu 

schnell gehe und sagte von Anfang an und immer wieder während des Geschehens 

"nein" und "stopp". Sodann robbte sie als sich die Gelegenheit ergab rückwärts 

davon. Damit verbalisierte und zeigte sie ihren Widerwillen gegenüber dem 

- 24 -

Beschuldigten und brachte zum Ausdruck, dass sie mit dessen Handlungen nicht 

einverstanden war. 

1.4. Die obgenannten sexuellen Handlungen erduldete die Privatklägerin nur 

deshalb bzw. nahm diese nur darum vor, weil der Beschuldigte sie überrumpelte 

und während des Tatgeschehens zwischen seinen Knien mit seinem Körperge-

wicht fixierte und ihre Hände in die Matratze drückte – mithin weil er sich des Mittels 

der Gewalt bediente. Sodann fasste er mit seiner Hand an ihren Hals und drückte 

mindestens zwei Mal gegen diesen. Gemäss Anklage und erstelltem Sachverhalt 

forderte der Beschuldigte die Privatklägerin mit "chum lang ihn a" auf, sein Glied zu 

berühren, führte dann die Hand der Privatklägerin an sein erigiertes Glied. Aus 

Angst der Beschuldigte könnte weiter Gewalt anwenden entschloss sich die Privat-

klägerin sein Glied mit ihrer Hand zu stimulieren. Sie erhoffte sich hiervon, dass er 

sich entspanne und den Griff um ihren Hals löse. Damit besteht sehr wohl Kausa-

lität zwischen der nötigenden Handlung des Beschuldigten und dem Verhalten der 

Privatklägerin. 

2. Subjektiver Tatbestand

2.1. Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum subjektiven Tatbestand 

der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB kann auf die Ausführun-

gen der Vorinstanz hierzu verwiesen werden (Urk. 59 S. 44 f. E. III.3.1.). 

2.2. Der sexuelle Charakter der Handlungen des Beschuldigten ist unbestreitbar. 

Aufgrund der Äusserungen der Privatklägerin, es gehe ihr zu schnell, sowie der 

Widerworte "nein" und "stopp" als auch dem Wegrobben war ihm bewusst, dass 

die Privatklägerin mit den Handlungen nicht einverstanden war. Dennoch setzte er 

sich durch die obgenannten Nötigungshandlungen mit Wissen und Willen darüber 

hinweg und handelte damit direktvorsätzlich. 

2.3. Die Äusserung des Beschuldigten im Chatverlauf, dass man meistens leider 

im Moment nicht merke, dass man zu weit gehe (Urk. 4 S. 16 Foto 31) vermag am 

vorsätzlichen Handeln des Beschuldigten keine Zweifel zu erwecken und ist in 

- 25 -

Anbetracht der Geschehnisse und Abwehrhandlungen der Privatklägerin als 

Schutzbehauptung bzw. Entschuldigungsversuch zu werten. 

3. Tateinheit

Aufgrund des engen sachlichen und zeitlichen Ablaufs ist von einem einheitlichen 

Tatentschluss und von Tateinheit auszugehen.

4. Fazit

Es sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe ersichtlich. Der 

Beschuldigte hat sich damit der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB schuldig gemacht. 

III. Strafe

A. Strafzumessung

1. Strafrahmen

Wer sich der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 StGB schuldig macht, wird mit 

Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 189 Abs. 1 StGB). 

Damit liegt der Strafrahmen bei drei bis zu 180 Tagessätzen Geldstrafe bzw. bei 

drei Tagen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe (Art. 189 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 34 

Abs. 1 StGB und Art. 40 Abs. 1 StGB). 

2. Strafzumessungsregeln

Auf die Ausführungen der Vorinstanz zu den Strafzumessungsregeln kann – um 

unnötige Wiederholungen zu vermeiden – ohne Weiteres verwiesen werden. Diese 

bedürfen weder der Präzisierung noch der Ergänzung (Urk. 59 S. 46 E. IV. 2.).

- 26 -

3. Tatkomponente

3.1. Objektive Tatkomponente

3.1.1. Wenngleich die der Privatklägerin abgenötigten sexuellen Handlungen als 

Tateinheit zu betrachten sind, ist im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichti-

gen, dass sie zum Erdulden mehrere sexueller Handlungen sowie zusätzlich zur 

Vornahme einer solchen genötigt wurde. Der Übergriff erfolgte nicht aus heiterem 

Himmel, sondern nach erfolgten einvernehmlichen Küssen.

3.1.2. Die sexuellen Handlungen liegen hinsichtlich ihrer Eingriffstiefe in das Recht 

auf sexuelle Selbstbestimmung im Rahmen denkbarer Varianten innerhalb des Tat-

bestandes im unteren Bereich. 

3.1.3. Mit der Vorinstanz ist zu seinen Gunsten zu berücksichtigen, dass der Be-

schuldigte keine besondere Brutalität an den Tag legte, sondern hauptsächlich 

seine körperliche Überlegenheit ausnutzte. 

3.2. Subjektive Tatkomponente

Die Tat diente letztlich einem egoistischen Motiv, nämlich der sexuellen Befriedi-

gung des Beschuldigten. Weitere Motive sind nicht ersichtlich. So wollte der 

Beschuldigte die Privatklägerin mit seinen Handlungen wohl auch nicht etwa er-

niedrigen. Er handelte sodann direktvorsätzlich. Wie die Vorinstanz zutreffender-

weise ausführte, ist jedoch nicht von einem planmässigen Vorgehen auszugehen, 

sondern spricht einiges dafür, dass die Situation aufgrund seiner sexuellen 

Erregung eskalierte und er den Entschluss somit spontan fasste. So führte er denn 

auch in einer Chatnachricht aus, die Privatklägerin habe eine crazy Wirkung auf ihn 

gehabt (Urk. 4 S. 16 Foto 30). 

4. Täterkomponente und weitere Strafzumessungsgründe

Auf die Ausführungen der Vorinstanz zur Täterkomponente und den weiteren Straf-

zumessungsgründen kann verwiesen werden (Urk. 59 S. 48 E. IV.4.). 

- 27 -

5. Fazit

Aufgrund des noch leichten Tatverschuldens im Rahmen aller denkbaren mögli-

chen Tatvarianten von sexuellen Nötigungen ist der Beschuldigte mit einer Gelds-

trafe von 180 Tagessätzen zu bestrafen. 

6. Sanktionsart und Tagessatzhöhe

Bereits aufgrund des Verbots der reformatio in peius ist der Beschuldigte vorliegend 

mit einer Geldstrafe zu bestrafen. Auf die Ausführungen der Vorinstanz zur Tages-

satzhöhe kann sodann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 59 S. 48 E. IV.6.1.-

6.2.). Schliesslich machte der Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhand-

lung geltend, aufgrund seines Masterstudiums bei einem Pensum von 50% etwas 

mehr als Fr. 3'000.– zu verdienen (Urk. 85 S. 1 f.). Es rechtfertigt sich daher vorlie-

gend die Tagessatzhöhe auf Fr. 30.– festzusetzen. 

B. Vollzug

Auf die Ausführungen der Vorinstanz zum Vollzug der Strafe und zur Festsetzung 

der Probezeit kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 59 S. 49 f. E. V.). Damit 

ist dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug unter Ansetzung einer Probezeit 

von zwei Jahren zu gewähren.  

IV. Genugtuung

1. Der Beschuldigte beantragte – unter der Prämisse eines Freispruches – 

Fr. 3'000.– Genugtuung aufgrund der erlittenen immateriellen Unbill (Urk. 62 S. 3 

i.V.m. Urk. 86 S. 28 f. Rz. 65). Er liess hierzu ausführen, durch den erhobenen Vor-

wurf der sexuellen Nötigung sei er schwer in seiner Persönlichkeit getroffen worden 

(Urk. 47 S. 25 Rz. 47; Urk. 86 S. 28 Rz. 65). Dies treffe umso mehr zu, als er seine 

Sorgen und Ängste nicht einmal mit seinen Familienangehörigen und Freunden 

habe teilen können, da ein solcher Vorwurf das Verhältnis zu diesen erheblich 

trüben würde (Urk. 86 S. 28 Rz. 65). 

- 28 -

2. Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigesprochen, 

hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO Anspruch auf Genugtuung für besonders 

schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheits-

entzug. Da der Beschuldigte vorliegend der ihm vorgeworfenen sexuellen Nötigung 

schuldig zu sprechen ist, steht ihm keine Genugtuung zu. Folglich kann offen 

bleiben, ob überhaupt eine besonders schwere Verletzung der persönlichen Ver-

hältnisse vorgelegen hätte. Das Begehren ist daher abzuweisen. 

V. Zivilansprüche

1. Schadenersatz

Auf die Ausführungen der Vorinstanz zum Schadenersatz kann sodann – zur 

Vermeidung unnötiger Wiederholungen – vollumfänglich verwiesen werden 

(Urk. 59 S. 52 f. E. VII.2.). Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass der Beschul-

digte gegenüber der Privatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatz 

nach schadenersatzpflichtig ist und diese zur genauen Feststellung des Umfangs 

des Schadenersatzanspruches auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen ist.

2. Genugtuung

2.1. Auch auf die Ausführungen der Vorinstanz zur Genugtuung kann verwiesen 

werden (Urk. 59 S. 53-56 E. VII.3.). Zu ergänzen ist, dass auch aus dem 

Kurzbericht der Frauenberatung hervorgeht, dass die sexualisierte Gewalt-

erfahrung die Privatklägerin psychisch längerfristig beeinträchtigt. Diese be-

schreibe auch mehr als ein Jahr nach dem Vorfall typische Symptome nach einem 

traumatischen Erlebnis. So berichte sie von Albträumen, in denen sie den Vorfall in 

Form von Bildern und starken Gefühlen wiedererlebe. Verschiedene Trigger, die 

sie an die Tat oder den Beschuldigten erinnerten, würden immer wieder Flashbacks 

auslösen. Sie leide immer wieder unter Schlafstörungen und verspüre in An-

wesenheit anderer Männer eine grosse Unsicherheit und ein starkes Unwohlsein. 

Das Erlebte habe ihr Sicherheitsgefühl langfristig beeinflusst. Sie habe eine erhöhte 

Schreckhaftigkeit und Angst, sich alleine im öffentlichen Raum zu bewegen. Sie 

könne seither den von ihr geliebten Sport nicht mehr ausüben. Die Durchfahrt in 

- 29 -

Winterthur löse bei ihr grossen Stress aus, so dass sie diese vermeide. Sie habe 

sich sodann allgemein sozial stark zurückgezogen. Ihr Vertrauen in andere 

Menschen sei durch das Erlebte beeinträchtigt worden und dieses beeinflusse 

ausserdem die Sexualität mit ihrem neuen Partner. In intimen Momenten würden 

immer wieder Flashbacks ausgelöst. Gemäss der zuständigen Beraterin – einer 

Psychologin – seien diese Schilderungen der Privatklägerin sodann stets kongruent 

und die von ihr kommunizierten Entscheidungen sowie Handlungen nachvollzieh-

bar gewesen (Urk. 43 S. 2). Gemäss der Vertreterin der Privatklägerin leidet eben-

genannte auch derzeit noch. Sie fühle sich unwohl, wenn sie mit Männern, die sie 

nicht gut kenne, alleine auf engem Raum, wie etwa einem Lift, sein müsse. Seitdem 

der Gerichtstermin näher gerückt sei, schlafe sie sodann vermehrt wieder 

schlechter, da ihr der Vorfall durch den Kopf gehe (Urk. 87 S. 2). 

2.2. Bei diesen Einschätzungen ist allerdings relativierend zu berücksichtigen, 

dass sie weitgehend auf Angaben der Privatklägerin beruhen und wenig 

objektivierbar sind. 

2.3. Wie die Vorinstanz zu Recht erwog, stellt der vom Beschuldigten verübte 

Übergriff objektiv eine erhebliche Verletzung der Persönlichkeitsrechte sowie der 

physischen und psychischen Integrität der Privatklägerin dar. Dass solche 

Ereignisse Spuren hinterlassen ist nachvollziehbar.

2.4. In Berücksichtigung sämtlicher Umstände erscheint eine Genugtuung von 

Fr. 3'000.– als der Intensität der erlittenen Unbill und dem Verschulden des 

Beschuldigten angemessen. Diese ist seit dem tt. April 2021 mit 5 % Verzugszins 

zu verzinsen (Art. 104 Abs. 1 OR). Der Beschuldigte ist somit zu verpflichten, der 

Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab tt. April 2021 

zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen. 

- 30 -

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Erstinstanzliche Kostenauflage

Die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsauflage (Dispositivziffer 8) ist aus-

gangsgemäss und unter Hinweis auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägun-

gen hierzu zu bestätigen (Urk. 59 S. 58 E. VIII.4.). 

2. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen

2.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden nach Obsiegen und 

Unterliegen verteilt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der Beschuldigte mit seiner 

Berufung vollumfänglich unterliegt, sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens, 

mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der Kosten für die un-

entgeltliche Vertretung der Privatklägerin, welche einstweilen auf die Gerichtskasse 

zu nehmen sind, vollständig aufzuerlegen. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist 

praxisgemäss auf Fr. 3'600.– festzusetzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 lit. b 

GebV OG).

2.2. Die Entschädigung der Rechtsanwälte richtet sich nach der Verordnung über 

die Anwaltsgebühren (AnwGebV) vom 8. September 2010. Sie gilt auch für amt-

liche Verteidiger (§ 23 AnwGebV). Die Entschädigung wird festgesetzt, nachdem 

die Anwältin oder der Anwalt dem Gericht oder der Strafverfolgungsbehörde eine 

Aufstellung über den Zeitaufwand und die Auslagen vorgelegt hat (§ 23 Abs. 2 

AnwGebV). Mit dieser Aufstellung kann ein Antrag zur Höhe der beanspruchten 

Vergütung verbunden werden. Einen solchen hat Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ in 

Form der Leistungsaufstellung vom 6. Mai 2024 gestellt. Diese enthält eine Auflis-

tung mit verrechneten Aufwendungen im Umfang von Fr. 9'858.72 (inkl. 8.1% 

MwSt.) bei einem Stundenansatz von Fr. 320.– sowie Auslagen in Form einer Kle-

inspesenpauschale im Umfang von Fr. 98.59 (inkl. 8.1% MwSt.; Urk. 83). Die kon-

krete Bemessung der Entschädigung richtet sich nach § 16 ff. AnwGebV. Demnach 

ist lediglich das Honorar für das Vorverfahren ein Aufwandhonorar (§ 16 Anw-

GebV). Für den eigentlichen Strafprozess ist eine Pauschalgebühr vorgesehen, 

welche für einen Prozess vor Einzelgerichten Fr. 600.– bis Fr. 8'000.– beträgt (§ 17 

Abs. 1 lit. a AnwGebV). Im Berufungsverfahren wird die Gebühr grundsätzlich nach 

- 31 -

den für die Vorinstanz geltenden Regeln bemessen. Dabei wird auch berücksich-

tigt, ob das Urteil vollumfänglich oder nur teilweise angefochten worden ist (§ 18 

AnwGebV). Die Grundlage für die Festsetzung der Gebühr bilden im Strafprozess 

die Bedeutung des Falls, die Verantwortung der Anwältin oder des Anwalts, der 

notwendige Zeitaufwand der Anwältin oder des Anwalts sowie die Schwierigkeit 

des Falls (§ 2 AnwGebV). 

2.3. Der vorliegende Fall ist für den Beschuldigten von grosser Bedeutung, 

wurde er doch vor Vorinstanz wegen sexueller Nötigung und damit einem Sexual-

delikt verurteilt (Urk. 59 S. 58 ff.). Dabei handelt es sich um einen schweren Vor-

wurf. Dieser Aspekt und die damit einhergehende Verantwortung der amtlichen 

Verteidigung ist entsprechend zu gewichten. Daher ist die Entschädigung von vorn-

herein nicht an der untersten Grenze anzusiedeln. Ein gewisser zeitlicher Aufwand 

liegt dem Verfahren sicherlich zugrunde, jedoch im überschaubaren Rahmen, da 

sich insbesondere keine rechtlich schwierigen Fragen stellen. Es stellen sich ins-

besondere auch keine komplexen formellen oder prozessualen Fragen. Es geht im 

Wesentlichen um die Erstellung des Sachverhalts, wobei dies bereits vor Vorin-

stanz Thema war. Auslagen müssen sodann ausgewiesen werden (§ 23 Abs. 2 

AnwGebV). Eine Kleinkostenpauschale genügt nicht. Damit rechtfertigt sich – auch 

im Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen – eine pauschale Entschädigung der 

amtlichen Verteidigung mit Fr. 5'500.– (inkl. 8.1 % MwSt.).

2.4. Der vormalige amtliche Verteidiger Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____ wurde 

sodann bereits seiner Honorarnote entsprechend mit Fr. 2'143.75 aus der Gerichts-

kasse entschädigt (Urk. 77 i.V.m. Urk. 78 und Urk. 78A). Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung sowie der vormaligen amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die 

Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt ge-

mäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.

2.5. Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung der Privatklägerin, Rechtsanwältin 

lic. iur. Y._____, reichte anlässlich der Berufungsverhandlung ihre Honorarnote mit 

der Auflistung ihrer Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein 

(Urk. 82). Das geltend gemachte Honorar steht im Einklang mit den Ansätzen der 

Anwaltsgebührenverordnung und erweist sich als angemessen, weshalb Rechts-

- 32 -

anwältin lic. iur. Y._____ mit Fr. 3'500.– (inkl. Barauslagen und 8.1% MwSt.) aus 

der Gerichtskasse zu entschädigen ist. Eine Nachforderung gemäss Art. 138 

Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten. 

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzel-

gericht Strafsachen, vom 14. Dezember 2022 wie folgt in Rechtskraft er-

wachsen ist:

"Es wird erkannt:

1. […]

2. […]

3. […]

4. Von der Abnahme einer DNA-Probe und der Erstellung eines DNA-Profils im 

Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes wird abgesehen.

5. […]

6. […]

7. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.00   Gebühr Vorverfahren

Fr. 12'765.00   Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und MwSt.)

Fr. 9'331.40   Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung Privatklägerin (inkl. MwSt. und Barauslagen)

Fr. 25'996.40   Total

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, ermässigt sich 

die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.

8. […]

- 33 -

9. [Mitteilungen]

10. [Rechtsmittel]"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der sexuellen Nötigung im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 

Fr. 30.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

B._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Schadenersatzanspruches 

wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 3'000.– zu-

züglich 5 % Zins seit tt. April 2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

6. Die Genugtuungsforderung des Beschuldigten wird abgewiesen. 

7. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 8) wird 

bestätigt.

- 34 -

8. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 2'143.75 vormalige amtliche Verteidigung (inkl. 7.7% resp. 8.1%    
MwSt.; bereits entschädigt)

Fr. 5'500.–   amtliche Verteidigung (inkl. 7.7% resp. 8.1% MwSt.)

Fr. 3'500.– unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft (inkl. 7.7% resp. 8.1% MwSt.)

9. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

vormaligen und aktuellen amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen 

Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die 

Kosten der vormaligen und aktuellen amtlichen Verteidigung sowie der 

unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden einstweilen auf die 

Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt 

gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bzw. Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 

Abs. 4 StPO vorbehalten. 

10. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (versandt)
 die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 

Privatklägerschaft (übergeben) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
 die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 

Privatklägerschaft

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A. 

- 35 -

11. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 6. Mai 2024

Der Präsident:

lic. iur. B. Gut

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw A. Blaser

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vorerst nicht bezahlt werden. 

Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 

StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.