# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1fae22e3-c08e-50ac-8b02-506743a168c0
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-11
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 11.06.2020 SB190332
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB190332_2020-06-11.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB190332-O/U/cwo 
 
Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

R. Affolter und Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Keller sowie die  

Gerichtsschreiberin MLaw T. Künzle 

Urteil vom 11. Juni 2020 
 

in Sachen 

 
A._____,  
Beschuldigte und I. Berufungsklägerin 

verteidigt durch Rechtsanwältin MLaw, LL.M. X._____ 

 
gegen 

 
B._____,  
Privatkläger und II. Berufungskläger 

vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Y._____ 

 
sowie 

 
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. D. Kloiber,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 
betreffend Beschimpfung etc.  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,  
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 28. März 2019 (GG180247) 
  

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. November 2018 

(Urk. 36) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 69 S. 42 f.) 

"Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte ist schuldig  

− der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB sowie 

− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 

Fr. 100.– (entsprechend Fr. 3'000.–) sowie mit einer Busse von Fr. 600.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-

gesetzt. Die Busse ist zu bezahlen. 

4. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Er-

satzfreiheitsstrafe von 6 Tagen. 

5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'110.–   Gebühr Anklagebehörde. 
  

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Be-

schuldigten auferlegt. 

7. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerschaft für das gesamte Verfahren 

eine Prozessentschädigung von Fr. 15'000.– zu bezahlen. 

8. [Mitteilungen] 

9. [Rechtsmittel] 

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Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 7 f.) 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten A._____: 

 (Urk. 102 S. 2) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 28. März 2019 

(Geschäfts-Nr. GG180247-L) sei vollumfänglich abzuheben. 

2. Die Berufungsklägerin sei vollumfänglich freizusprechen. 

3. Die Verfahrenskosten für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren sowie für 

das Vorverfahren seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

4. Der Berufungsklägerin sei eine angemessene Entschädigung (zzgl. MwSt.) 

für ihre Anwaltskosten zuzusprechen.  

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 81; schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

c) Der Privatklägerschaft B._____: 

(Urk. 104 S. 1) 

1. Die vorinstanzliche Verurteilung der Beschuldigten wegen Beschimpfung 

und mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Dispositiv Ziff. 1 sei aufzuheben mit 

der Weisung, die Anklage beförderlich zur Ergänzung wegen mehrfach ver-

suchter einfacher Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers sowie 

zur Prüfung eines Deliktes zum Nachteil des Kindes wie Gefährdung der 

Gesundheit an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen; 

Eventuell sei die Beschuldigte wegen der angeklagten reinen Tätlichkeiten 

sowie wegen Beschimpfung schuldig zu sprechen und angemessen zu be-

strafen: mit Bezug auf den nicht angeklagten Teil des Lebensvorgangs seien 

die Akten zurückzuweisen zwecks Prüfung einer Anklageerhebung wegen 

mehrfach versuchter einfacher Körperverletzung zum Nachteil des Privat-

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klägers sowie Prüfung eines Delikts wie Gefährdung der Gesundheit zum 

Nachteil des Kindes C._____. 

2. Die dem Privatkläger gemäss Dispositiv Ziff. 7 für anwaltliche Bemüh-

ungen erstinstanzlich zugesprochene Prozessentschädigung in Höhe von 

CHF 15'000 sei zu bestätigen. 

Für anwaltliche Bemühungen im Berufungsverfahren sei ihm eine Prozessent-

schädigung nach richterlichem Ermessen zuzusprechen, alles unter den gesetz-

lichen Kostenfolgen.  

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung 

1. Die Beschuldigte und der Privatkläger lernten sich Ende Mai 2014 über die 

Datingplattform D._____ kennen. Ab August 2014 führten sie für rund ein Jahr ei-

ne Lebensgemeinschaft. Am tt.mm.2015 gebar die Beschuldigte den gemeinsa-

men Sohn C._____. Im August 2015 verliess der Privatkläger die gemeinsame 

Wohnung in Zürich und bezog im Herbst 2015 die nunmehr fertiggestellte, ur-

sprünglich für die Familie gekaufte Eigentumswohnung in E._____.  

Hintergrund des vorliegenden Verfahrens ist eine angeblich vorgefallene verbale 

und körperliche Auseinandersetzung zwischen der Beschuldigten und dem Pri-

vatkläger vom 10. Mai 2017, ca. 18.15 Uhr anlässlich der Übergabe des damals 

zweijährigen Sohnes vom Privatkläger an die Beschuldigte nach Ausübung des 

Besuchsrechts. Die Beschuldigte und der Privatkläger erhoben am 11. Mai 2017 

und am 23. Mai 2017 je gegeneinander Strafanzeige (Urk. D1/1 und D2/1). Diese 

mündeten am 6. November 2018 je in Anklagen, einerseits wegen einfacher Kör-

perverletzung und Sachbeschädigung (vgl. Urk. 35, vorinstanzliches Verfahren 

GG180245 sowie Parallelverfahren SB190331 gegen den Privatkläger B._____ 

und anderseits wegen Beschimpfung und Tätlichkeiten (vgl. Urk. 36, vor-

instanzliches Verfahren GG180247 sowie vorliegendes Verfahren SB190332 ge-

gen die Beschuldigte A._____).  

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Die zwei Gerichtsverfahren werden mit umgekehrten Parteirollen geführt. Auch 

wenn die Parteien sowohl als Privatklägerschaft wie auch als beschuldigte Perso-

nen auftreten, werden sie im jeweiligen Verfahren aufgrund ihrer Rolle bezeich-

net. Dasselbe gilt für ihre Rechtvertreter, die sich sowohl als Rechtsbeistände wie 

auch als Verteidigerinnen betätigen.  

2. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die Aus-

führungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 69 S. 4-6). Wie schon 

in erster Instanz, werden die beiden Verfahren infolge Sachzusammenhangs 

(thematisch und personell) gleichzeitig verhandelt und beurteilt.  

3.1 Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 

10. Abteilung, Einzelgericht vom 28. März 2019 liessen die Beschuldigte durch ih-

ren damaligen Verteidiger am 29. März 2019 und der Privatkläger durch seine 

Vertreterin am 1. April 2019 fristgerecht je die Berufung anmelden (Urk. 53 und 

55). Mit Eingabe vom 25. Juni 2019 liess die Beschuldige durch ihre neue Vertei-

digerin in der Frist die Berufungserklärung übermitteln (Urk. 70 und 72; Urk. 67/2). 

Die Berufungserklärung des Privatklägers erfolgte ebenfalls rechtzeitig durch des-

sen Vertreterin mit Schreiben vom 27. Juni 2019 (Urk. 73; Urk. 67/3). Beweis-

anträge wurden keine gestellt. Die dem Privatkläger mit Präsidialverfügung vom 

23. Juli 2019 auferlegte Prozesskaution ging rechtzeitig ein (Urk. 76-78).  

3.2 Mit Präsidialverfügung vom 6. August 2019 wurde der Beschuldigten, dem 

Privatkläger sowie der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um schriftlich zu erklä-

ren, ob Anschlussberufung (bezüglich Berufung der Gegenseite) erhoben werde 

oder begründet ein Nichteintreten zu beantragen. Weiter wurde der Beschuldigten 

Frist angesetzt, Unterlagen betreffend ihrer finanziellen Verhältnisse einzureichen 

(Urk. 79). Die Staatsanwaltschaft verzichtete ausdrücklich auf Anschlussberufung 

(Urk. 81), die Beschuldigte und der Privatkläger liessen sich diesbezüglich nicht 

vernehmen. Innert erstreckter Frist reichte die Beschuldigte das Datener-

fassungsblatt samt Beilagen ein (Urk. 86 und 90).  

3.3 Die Beschuldigte beantragt auch in zweiter Gerichtsinstanz Freisprechung 

von Schuld und Strafe. Entsprechend ficht sie das Urteil vollumfänglich an 

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(Urk. 70; Urk. 102 S. 2), weshalb keine Dispositivziffer in Rechtskraft erwachsen 

ist (vgl. Prot. II S. 9).   

Der Privatkläger verlangt im Hauptantrag die Aufhebung des vorinstanzlichen Ur-

teils und Rückweisung zur Ergänzung der Anklage wegen mehrfacher versuchter 

einfacher Körperverletzung zu seinem Nachteil sowie zur Prüfung einer Gefähr-

dung der Gesundheit zum Nachteil des Kindes C._____. Eventuell wird beantragt, 

die Beschuldigte wegen der angeklagten reinen Tätlichkeiten sowie wegen der 

Beschimpfung schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen; mit Bezug 

auf den nicht angeklagten Teil des Lebensvorgangs seien die Akten zurückzuwei-

sen zwecks Prüfung einer Anklageerhebung wegen mehrfacher versuchter ein-

facher Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers sowie zur Prüfung einer 

Gefährdung der Gesundheit zum Nachteil des Kindes C._____ (Urk. 73 S. 2 f.; 

Urk. 104 S. 1).  

4. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_46/2018 vom 14. Februar 2018 E. 4 mit Hinweisen). 

Das Berufungsgericht kann sich somit auf die für seinen Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken. 

II. Prozessuales 

1. Strafantrag und Konstituierung Privatklägerschaft 

Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass in den beiden Verfahren die erfor-

derlichen Strafanträge der Parteien vorliegen und dass sich die Parteien recht-

zeitig als Privatklägerin bzw. Privatkläger konstituierten (Urk. 69 S. 6 f.).  

2. Beweisanträge 

2.1. Vor Vorinstanz wurden von der Vertreterin des Privatklägers verschiedene 

Beweisanträge gestellt und gleichzeitig dem Gericht weitere Unterlagen unterbrei-

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tet. Die Anträge auf Zeugeneinvernahmen wurden abgewiesen. Die eingereichten 

Unterlagen wurden als Urk. 42/1-8 zu den Akten genommen.  

2.2. An der Berufungsverhandlung reichte die Vertreterin des Privatklägers fünf 

Erklärungen von Personen ins Recht (Urk. 101; vgl. Urk. 126/1/1-5 im Parallelver-

fahren SB190332). Zudem wurde im Rahmen des Beweisverfahrens die Nichtan-

handenahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vom 20. Februar 2020 betreffend 

Gefährdung der Gesundheit von der Rechtsvertreterin des Privatklägers bean-

standet (Urk. 101; siehe dazu hernach).  

3. Hauptantrag des Privatklägers auf Aufhebung und Rückweisung  

3.1 Der Privatkläger macht im Hauptstandpunkt geltend, das vorinstanzliche   

Urteil weise wesentliche Verfahrensmängel auf, die im Berufungsverfahren nicht 

geheilt werden könnten und beantragt daher gemäss Art. 409 StPO die Auf-

hebung und Rückweisung des Entscheids wegen Rechtswidrigkeit einer Teilver-

urteilung der Beschuldigten im Sinne der Dispositivziffern 1 bis 4. Der gestellte 

Hauptantrag (Urk. 73 S. 2; auch vorne Erw. I. 3.3) entspricht sinngemäss seinem 

schon anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung eingebrachten Antrag 

auf Rückweisung der Anklage an die Staatsanwaltschaft zur Ergänzung/Erweite-

rung bzw. Prüfung einer Ergänzung/Erweiterung (Urk. 45 S. 1).  

3.2 Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen, unter denen eine Anklageerweite-

rung im Gerichtsverfahren ausnahmsweise zulässig ist, korrekt dargelegt und ist 

zum Schluss gekommen, dass die Voraussetzungen einer Anklageerweiterung 

i.S.v. Art. 333 StPO nicht gegeben sind. Sodann hat die Vorinstanz auch keinen 

Anlass gesehen für eine Rückweisung der Anklage infolge eines weiteren, nicht 

(in allen Teilen) bereits in der Anklageschrift genannten strafbaren Verhaltens 

aufgrund der erhobenen Beweise gemäss Art. 329 Abs. 2 StPO (Urk. 69 S. 10). 

Diesen Ausführungen ist beizupflichten. Entgegen der Auffassung der Vertreterin 

des Privatklägers (Urk. 104 S. 2) sind auch die Tritte gegen den Privatkläger von 

der Anklage umfasst. Ob es sich dabei um eine mehrfache versuchte einfache 

Körperverletzung oder Tätlichkeiten handelt ist eine Frage der rechtlichen Wür-

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digung. Bekanntermassen ist das Gericht dabei nicht an die Würdigung der An-

klagebehörde gebunden.  

3.3 Überdies ist mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 69 S. 10 f.) darauf hinzuweisen, 

dass sich die Staatsanwaltschaft bereits zu einer allfälligen Rückweisung gemäss 

Antrag des Privatklägers (vgl. Urk. 39 im Parallelverfahren SB190331) geäussert 

und hierzu ausgeführt hat, dass für sie keine Veranlassung bestehe für eine Aus-

weitung der Anklage. Die Strafanzeige vom 28. November 2018 (Urk. 40 im Paral-

lelverfahren SB190331) sei nach Anklageerhebung vom 6. November 2018 ein-

gegangen. Der zuständige Staatsanwalt stellte am 7. Januar 2019 zudem in Aus-

sicht, dass er betreffend die Strafanzeige des Privatklägers vom 28. November 

2018 hinsichtlich einer mutmasslichen Gefährdung der Gesundheit zum Nachteil 

des Sohnes C._____ eine Nichtanhandnahme plane (Urk. 43 im Parallelverfahren 

SB190331). Der Privatkläger könnte demnach die Nichtanhandnahme der Staats-

anwaltschaft erwirken bzw. abwarten und gegen diese ein Rechtsmittel einlegen. 

Es müssten ferner weitere Untersuchungshandlungen, namentlich Beweisab-

nahmen, durchgeführt werden.  

Zwischenzeitlich ist am 20. Februar 2020 gestützt auf Art. 310 StPO die ange-

kündigte Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft betreffend die 

Strafanzeige des Privatklägers vom 28. November 2018 hinsichtlich einer mut-

masslichen Gefährdung der Gesundheit zum Nachteil des Sohnes C._____ er-

gangen (vgl. Urk. 96). Die Staatsanwaltschaft begründete ihren Entscheid im We-

sentlichen dahin, es bestehe weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht ein 

Anfangsverdacht, die Voraussetzungen für die Eröffnung einer Untersuchung sei-

en nicht gegeben. Der Privatkläger habe erst in der staatsanwaltschaftlichen Ein-

vernahme ein Jahr nach dem Vorfall erstmals erwähnt, dass er aufgrund der An-

griffe durch die Beschuldigte auch um das Wohl seines Kindes gefürchtet habe, 

namentlich, dass sie den Sohn treffen würde, dieser herunterfallen und sich 

schwer verletzen könnte. Die Befürchtung erweise sich als spekulativ. Selbst 

wenn der Privatkläger sein auf dem Arm getragenes Kind hätte fallen lassen, wä-

re beim damals knapp 26 Monate alten Sohn nach dem gewöhnlichen Lauf der 

Dinge davon auszugehen gewesen, dass dieser auf seinen Füssen gelandet wä-

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re, weshalb eine schwere Verletzung als abwegig erscheine. Damit entfalle auch 

der Nachweis eines Vorsatzes seitens der Beschuldigten. Die Verfügung der 

Staatsanwaltschaft ist rechtkräftig (Urk. 95 und 96). Schon aus diesem Grund, 

aber ebenso im Lichte der bisher erhobenen Beweise drängt sich auch aus Sicht 

der Berufungsinstanz der Schluss nicht auf, dass ein weiteres strafbares Verhal-

ten (der Beschuldigten) vorliegt. Es besteht somit auch im Berufungsstadium kein 

Anlass für eine Erweiterung der Anklage und damit auch nicht für eine Aufhebung 

und Rückweisung im Sinne von Art. 409 StPO. Der Hauptantrag des Privatklägers 

ist abzuweisen. Mit der gleichen Argumentation abzuweisen ist der Eventual-

antrag, soweit darin der Antrag auf Rückweisung wiederholt wird (Urk. 73 S. 2 f.).  

III. Schuldpunkt – Eingeklagte Sachverhalte 

Vorab ist festzuhalten, dass der Beschuldigten im vorliegenden Verfahren und 

dem Privatkläger im Parallelverfahren SB190331 verschiedene, gegeneinander 

verübte Delikte zur Last gelegt werden. Da diese im Rahmen desselben Lebens-

sachverhaltes begangen worden sein sollen, drängt es sich mit der Vorinstanz 

auf, bei der Sachverhaltserstellung sämtliche Erkenntnisse beider Verfahren zu 

berücksichtigen (vgl. Urk. 69 S. 24).  

1.  Anklagevorwürfe gegenüber dem Privatkläger im Parallelverfahren 

1.1 Dem Privatkläger wird im Parallelverfahren SB190331 von der Staatsan-

waltschaft zusammengefasst die Begehung einer einfachen Körperverletzung 

(Art. 123 Ziff. 1 StGB; Anklagesachverhalt 1) sowie einer Sachbeschädigung 

(Art. 144 Abs. 1 StGB; Anklagesachverhalt 2) jeweils zum Nachteil der Beschul-

digten vorgeworfen (Urk. 35 S. 2 f.). 

Konkret wird ihm vorgeworfen, am 10. Mai 2017 um ca. 18.15 Uhr anlässlich ei-

nes verbalen Streits mehrere Male mit der linken Hand der Beschuldigten gegen 

den linken Kopf- bzw. Schläfenbereich geschlagen zu haben. Anschliessend habe 

er ihr einen Stoss gegen den Oberkörper versetzt, wodurch sie zu Boden gefallen 

sei. Durch das Verhalten des Privatklägers habe die Beschuldigte zwei Quetsch-

Risswunden erlitten, eine an der linken Stirn und eine am Hinterkopf, sowie 

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Schürfungen an der linken Augenbraue, am rechten Ellbogen und am linken 

Oberarm. Durch den Sturz sei die Beschuldigte zudem kurz bewusstlos gewesen. 

Diese Verletzungen habe der Privatkläger durch sein Tun zumindest billigend in 

Kauf genommen (Urk. 35 S. 2).  

Weiter wird dem Privatkläger vorgeworfen, dass die Sonnenbrille der Beschuldig-

ten zu Boden gefallen und beschädigt worden sei, als er sie ins Gesicht geschla-

gen habe. Den Sachschaden von ca. Fr. 400.– habe der Privatkläger durch sein 

Tun zumindest in Kauf genommen (Urk. 35 S. 3). 

1.2 Der Privatkläger machte von Beginn weg im Wesentlichen geltend, er sei 

das Opfer von verbalen und physischen Übergriffen der Beschuldigten gewesen 

und nicht der Täter. Er habe ausschliesslich versucht, in rechtfertigender Notwehr 

für sich und in Notwehrhilfe für den sich auf seinem Arm befindlichen 2-jährigen 

Sohn mit der linken Hand die Schläge und Fusstritte der Beschuldigten abzuweh-

ren. Aus Furcht, dass er wegen eines Treffers stürzen und das Kind fallen lassen 

könnte, sei er vor der Beschuldigten rückwärts die Aussentreppe hinauf zurück-

gegangen. Die Beschuldigte habe aber erst von ihren Trittversuchen abgelassen, 

als sie selber hingefallen sei. Zur Sachbeschädigung an der Sonnenbrille stellt 

sich der Privatkläger auf den Standpunkt, es sei nicht feststellbar, wann im Zuge 

der Auseinandersetzung diese zu Boden gefallen sei. Die Beschuldigte habe sich 

diesen Sachschaden aufgrund ihrer Faust- und Fussattacken gegen ihn primär 

selber zuzurechnen (Prot. I S. 17 f.; Urk. 93 S. 4 f.; im Parallelverfahren 

SB190331 Urk. 124 und Urk. 131). Der Privatkläger bestreitet somit, sich der ein-

fachen Körperverletzung und der Sachbeschädigung schuldig gemacht zu haben.   

2. Anklagevorwürfe gegenüber der Beschuldigten  

2.1 Der Beschuldigten wird vorliegend von der Staatsanwaltschaft zusammen-

gefasst eine Beschimpfung (Art. 177 StGB; Anklagesachverhalt 1) sowie Tät-

lichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB; Anklagesachverhalt 2) jeweils zum Nachteil des 

Privatklägers vorgeworfen (Urk. 36 S. 2 f.).  

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Die Vorwürfe lauten konkret dahin, dass sie dem Privatkläger anlässlich der Aus-

einandersetzung vom 10. Mai 2017 folgende Fragen gestellt habe: "Hast du dich 

wieder in den Arsch ficken lassen?" sowie "Wie viele Schwänze hast du ge-

lutscht?". Sie sei sich dabei bewusst gewesen, dass diese Worte geeignet gewe-

sen seien, den Privatkläger in seiner Ehre zu verletzen (Urk. 36 S. 2). 

Zudem habe die Beschuldigte den Privatkläger anlässlich der erwähnten Ausei-

nandersetzung ca. 10 bis 20 Mal geschlagen bzw. getreten und ihm dadurch eine 

Schürfung am Unterarm zugefügt (Urk. 36 S. 2 f.). 

2.2 Die Beschuldigte bestritt durchwegs, die in der Anklageschrift genannten 

Äusserungen gemacht zu haben. Zudem verneinte sie, den Privatkläger 10 bis 

20 Mal geschlagen bzw. getreten zu haben. Sie beruft sich in diesem Zusammen-

hang auf den Rechtfertigungsgrund der Notwehr. Sie habe lediglich auf den durch 

den Privatkläger gegen ihren Kopf ausgeführten Schlag resp. die Schläge rea-

giert. In rechtlicher Hinsicht lässt sie bestreiten, die Tatbestände der Beschim-

pfung und der Tätlichkeiten erfüllt zu haben (Urk. 100). 

3. Unstrittige Sachverhalte 

3.1 Gemäss den übereinstimmenden Aussagen des Privatklägers und der Be-

schuldigten kam es am 10. Mai 2017 um ca. 18.15 Uhr zu einer Auseinanderset-

zung, nachdem die Beschuldigte 15 Minuten zu spät zur Übergabe von C._____ 

erschienen war.  

3.2 Der Privatkläger räumte ein, dass es beim Aufeinandertreffen zu einer tät-

lichen Auseinandersetzung gekommen sei, ferner, dass er die Beschuldigte ges-

tossen habe, so dass sie zu Boden gestürzt sei und sich durch den Sturz den Hin-

terkopf aufgeschlagen habe. Die Verletzungen der Beschuldigten sind durch das 

Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin der 

Universität Zürich vom 18. Mai 2017 (Urk. D1/6/3) sowie durch die Fotos der Ver-

letzungen unmittelbar nach dem Vorfall (Urk. D1/3/1) aktenkundig. Gemäss dem 

genannten Gutachten lagen folgende Verletzungen vor: Je eine Quetsch-

Risswunde am Hinterkopf und an der Stirn, Schürfungen an der linken Augen-

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braue, dem rechten Ellbogen sowie am linken Oberarm und ein Bluterguss an der 

rechten Wange. Abschliessend erklärte der Privatkläger, dass die damals durch 

die Beschuldigte getragene Sonnenbrille während der Auseinandersetzung auf 

den Boden gefallen sei. 

3.3 Die Beschuldigte bestreitet nicht, an einer zunächst verbalen und im An-

schluss körperlichen Auseinandersetzung mit dem Privatkläger beteiligt gewesen 

zu sein, wobei sie sich gegenseitig verbal provoziert hätten. Sie räumte ferner ein, 

während dieser Auseinandersetzung den Privatkläger insgesamt vier bis sechs 

Mal mit den Füssen getreten bzw. geschlagen zu haben (Prot. I S. 28; Urk. 100 

S. 3 f.). 

4. Beweismittel  

Die Staatsanwaltschaft stützt sich hinsichtlich der angeklagten Delikte hauptsäch-

lich auf die Aussagen der Parteien in ihrer Rolle als Privatkläger resp. Privatkläge-

rin. Als weitere Beweismittel liegen der Polizeirapport vom 11. Mai 2017, eine 

Strafanzeige des Beschuldigten, das IRM-Gutachten zur körperlichen Unter-

suchung der Beschuldigten, verschiedene Fotodokumentationen resp. Fotos,    

diverse persönliche Unterlagen der Beschuldigten sowie medizinische Unterlagen 

der Beschuldigten in den Akten (Urk. D1/1, Urk. D1/3/1-5, Urk. D1/6/3, 

Urk. D1/8/1-6, Urk. D1/11/1-10, Urk. D1/17, Urk. 49/1-2 im Parallelverfahren 

SB190331, Urk. 53 und 55 im Parallelverfahren SB190331, Urk. 63/1-8 im Paral-

lelverfahren SB190331 = Urk. 42/1-8, Urk. D2/1 und D2/3). Sodann bestehen 

Einwände der Beschuldigten, welche im Laufe der Untersuchung und anlässlich 

der Hauptverhandlung vorgebracht wurden. Anhand dieser Beweismittel ist nach-

folgend zu prüfen, ob die bestrittenen Vorwürfe rechtsgenügend nachgewiesen 

werden können. 

5. Grundsätze der Beweiswürdigung 

Zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung, namentlich zu den Kriterien der Beur-

teilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen, ist auf die korrekten und vollständigen 

Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 69 S. 12 f.). 

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Was die Erwägungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der beteiligten Perso-

nen betrifft (vgl. Urk. 69 S. 13 und 15), ist relativierend festzuhalten, dass der all-

gemeinen Glaubwürdigkeit einer einvernommenen Person im Sinne einer dauer-

haften personalen Eigenschaft gegenüber der Glaubhaftigkeit der konkreten Aus-

sage für die Wahrheitsfindung nur untergeordnete Bedeutung zukommt (BGE 133 

I 33 E. 4.3 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_1051/2019 vom 9. April 

2020 E. 4.2 und 6B_1094/2017 vom 11. Juni 2019 E. 3.1). Entscheidend ist letzt-

lich die Glaubhaftigkeit der Aussage zum Tathergang bzw. die Überzeugung des 

Gerichts betreffend deren Wahrheitsgehalt (Urteil des Bundesgerichts 

6B_382/2019 vom 8. August 2019 E. 1.1 mit Hinweisen). 

6. Aussagen des Privatklägers  

6.1 In der polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017 (Urk. D1/5) führte der 

Privatkläger betreffend den eingeklagten Vorfall vom 10. Mai 2017 zusammenge-

fasst aus, nach Eintreffen der Beschuldigten um ca. 18.15 Uhr seien sie zu dritt 

vom Parkplatz, wo er mit dem gemeinsamen Sohn gewartet habe, zum Haus-

eingang gegangen. Als er seinen Sohn habe verabschieden wollen, habe ihn die 

Beschuldigte wie schon oftmals früher aus dem Nichts heraus aufs Übelste zu 

beschimpfen begonnen, ihn als "Schwanzlutscher" und "Arschficker" betitelt. Die-

se seit zwei Jahren vorkommenden Behauptungen, dass er sich mit Männern tref-

fen würde, entsprächen absolut nicht der Tatsache. C._____ habe Papa gerufen 

und offensichtlich noch bei ihm bleiben wollen. Dies habe die Beschuldigte be-

merkt und versucht, ihm C._____ zu entreissen und ihn (Privatkläger) dabei am 

linken Unterarm gekratzt. Das sei der Auslöser einer tätlichen Auseinander-

setzung gewesen. Er habe versucht, sie mit der linken Hand abzuwehren. Die 

Beschuldigte habe weiter mit den Füssen Tritte ausgeteilt und versucht, ihn zwi-

schen den Beinen zu treffen, während er C._____ noch immer im Arm gehalten 

habe. C._____ habe in der Folge zu weinen begonnen. Er sei vom Hauseingang 

zurückgewichen und habe C._____ und sich verteidigen und vor ihren Schlägen 

schützen wollen, indem er die Beschuldigte weggeschubst habe, wodurch sie ge-

stolpert und rückwärts zu Fall gekommen sei. Dabei habe sie den Hinterkopf an 

der Mauer an- bzw. auf dem Boden aufgeschlagen, so dass sie zu bluten begon-

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nen habe. Er habe sich sofort nach ihrem Wohlbefinden erkundigt. C._____ auf 

seinem Arm habe laut geschrien. Nach ca. dreissig Sekunden sei die Beschuldig-

te aufgestanden und wortlos ins Haus gegangen. Er habe versucht, seinen Sohn 

zu beruhigen und sei mit ihm zum Auto zurück gegangen. Etwa drei bis fünf Minu-

ten später sei sie wieder gekommen und habe ihn in der gleichen Art und Weise 

lautstark weiter beschimpft. Er habe ihr den Sohn übergeben. Sie habe gefasst 

gewirkt. Auch seien keine weiteren Blutungen sichtbar gewesen. Sie sei mit  

C._____ ins Haus gegangen und er nach Hause gefahren (vgl. Urk. D1/5 Frage 7 

ff.). 

Auf entsprechende Nachfrage verneinte der Privatkläger, dass seine Eifersucht 

der Auslöser der Auseinandersetzung gewesen sei. Er habe sie wegen ihrer Ver-

spätung gefragt und sie ihm erklärt, am Flughafen Tickets für die Ferien abgeholt 

zu haben. Auch stellte er entschieden in Abrede, der Beschuldigten gedroht zu 

haben. Lediglich wegen der bevorstehenden Badeferien habe er gesagt, sie solle 

gut auf C._____ aufpassen. Dass er ihr plötzlich gegen den Kopf geschlagen ha-

be, stimme so nicht. Sie habe begonnen, ihn tätlich anzugreifen, als C._____ sig-

nalisiert habe, noch bei ihm bleiben zu wollen. Er räumte jedoch ein, dass er sie 

möglicherweise bei der Abwehr ihrer Angriffe mit der linken Hand am Kopf ge-

troffen habe und dass ihre Sonnenbrille während des Gerangels zu Boden ge-

fallen sei. Sodann bestätigte er die umschriebenen Fusstritte der Beschuldigten 

gegen ihn und dass er während des Rückwärtsgehens mit der linken Hand ihre 

Fusstritte und Schläge abgewehrt und sie und letztlich weggestossen habe, wo-

rauf sie rücklings gestürzt sei (Urk. D1/5 Frage 12 ff.). Ferner hielt er die im 

F._____ bei der Beschuldigten diagnostizierten Verletzungen an der linken Schlä-

fe und am Hinterkopf aufgrund seines Treffers mit der linken Hand und ihres Stur-

zes für möglich. Den geltend gemachten Schaden von Fr. 400.– wegen der be-

schädigten Sonnenbrille nahm er zur Kenntnis (Urk. D1/5 Frage 18 f., 23). 

Konfrontiert mit der Behauptung der Beschuldigten, fortwährende Diffamierungen 

und Kritik seinerseits wegen ihres äusseren Aussehens hätten zum Bruch der Be-

ziehung geführt, reagierte der Privatkläger empört und nannte als wahren Tren-

nungsgrund ihre im Oktober 2014 aus heiterem Himmel begonnenen Unter-

-   15   - 

stellungen seiner angeblichen Homosexualität, was er als unhaltbar und unwahr 

bezeichnete. Deshalb sei für ihn das weitere Zusammenleben mit ihr dann unzu-

mutbar geworden (Urk. D1/5 Frage 20; Urk. D1/7 S. 7 f.). Zudem erwähnte er 

psychische Labilität und sehr starke Stimmungsschwankungen bei der Beschul-

digten, was ihn während des Zusammenlebens zweimal veranlasst habe, den 

Notfallpsychiater aufzubieten, die Beschuldigte aber keine Behandlung zugelas-

sen habe. Nicht er habe die Beschuldigte während des Zusammenlebens ge-

schubst, sondern sie immer wieder ihn angegriffen und auch einmal eine Tasse 

nach ihm geworfen. Er hoffe, sie begebe sich in psychotherapeutische Be-

handlung, er sorge sich um das Wohl des gemeinsamen Sohnes. Es sei ihm 

ein grosses Anliegen zu erläutern, dass nie Aggressionen seinerseits gegen die 

Beschuldigte erfolgt seien, sondern dass es sich stets um seine Abwehr auf ihre 

Attacken gehandelt habe (Urk. D1/5 Fragen 20 ff. und 8). 

6.2 Wie eingangs erwähnt, erstattete der Privatkläger am 23. Mai 2017 wegen 

des Vorfalls vom 10. Mai 2017 seinerseits Strafanzeige gegen die Beschuldigte 

(Urk. D2/1) und äusserte sich darin im Wesentlichen wie bereits anlässlich 

der polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017. Abweichend schilderte er, die 

Beschuldigte habe ihn neben "Schwanzlutscher" mit den Worten "Hast du dich 

wieder von Männern in den Arsch ficken lassen" beschimpft und beleidigt. Diese 

Worte benütze sie schon seit 1 ½ Jahren regelmässig bei der Kindesübergabe. 

Beim Versuch, ihm C._____ aus den Händen zu entreissen, habe sie begonnen 

auf ihn einzuschlagen. Er betonte erneut, dass er sich sehr um C._____ gesorgt 

habe und deshalb reflexartig die linke Hand gehoben und sich und C._____ zu 

schützen versucht habe. Da die Beschuldigte die "Attacke" trotz seines Zurück-

weichens nicht eingestellt habe, habe er sich gezwungen gesehen, sie wegzu-

stossen. In der Folge sei sie nach hinten gefallen und habe sich dabei am Kopf 

verletzt (Urk. D2/1 S. 3 f.). 

6.3 In der Konfrontationseinvernahme vom 15. Mai 2018 (Urk. D1/7) gab der 

Privatkläger den Vorfall vom 10. Mai 2017 erneut detailliert zu Protokoll. Er schil-

derte wiederum, wie die Beschuldigte ihn die ca. 50 Meter vom Parkplatz zum 

Hauseingang mit den Worten "Hast du dich wieder in den Arsch ficken lassen?" 

-   16   - 

oder "Wie viele Schwänze hast du gelutscht?" beschimpft habe, wie schätzungs-

weise 100 Mal zuvor. Er habe keine Erklärung für diese Beschimpfungen, da er 

früher wie auch aktuell in Beziehungen mit Frauen gewesen sei. Bei der Über-

gabe des Sohnes habe dieser gezögert und sich geweigert, zur Beschuldigten zu 

gehen, worauf diese versucht habe, ihm den Sohn zu entreissen. Er (Privatkläger) 

habe sich gewehrt und dabei die Beschuldigte mit der Hand am Kopf getroffen. Es 

habe sich um eine Abwehrhaltung gegen die Aggressionen gegen seinen Sohn 

und sich gehandelt. Zehn bis zwanzig Mal habe die Beschuldigte mit den Händen 

und Füssen auf ihn eingeschlagen und versucht, ihn zwischen den Beinen zu tref-

fen. Auch seine ausweichende Rückwärtsbewegung habe sie nicht dazu veran-

lasst, ihre Angriffe einzustellen. Daher sei er gezwungen gewesen, die Attacken 

mit der linken Hand abzuwehren. Die Beschuldigte sei zu Boden gestürzt und an-

schliessend in die Wohnung gegangen, er zum Auto zurückgekehrt um zu warten, 

bis die Beschuldigte nach drei bis fünf Minuten erschienen sei, um den Sohn ent-

gegenzunehmen (Urk. D1/7 S. 5 f.).  

6.4 Im Rahmen der Hauptverhandlung vor Vorinstanz vom 21. März 2019 schil-

derte der Privatkläger zusammengefasst erneut zunächst in freiem Bericht und 

ergänzend auf diverse Nachfragen (vgl. Prot. I  S. 15 ff.), wie er am 10. Mai 2017 

gegen 18.00 Uhr bei der Beschuldigten zu Hause gewesen und sie – wie vorgän-

gig telefonisch angekündigt – erst um 18.15 Uhr erschienen sei. Im Zusammen-

hang mit ihren anstehenden Ferien habe er ihr gesagt, sie solle gut auf C._____ 

aufpassen, worauf sie mit Beschimpfungen begonnen habe. Als er mit C._____ 

auf dem Arm und ihr vom Parkplatz zum Hauseingang gelaufen sei, habe sie ihn 

– wie schon hundert Mal bei vorherigen Übergaben – mit "Schwanzlutscher" und 

"Arschficker" beschimpft. Er bestritt jedoch, dass er auch sie beschimpft oder be-

droht habe. Aufgrund ihrer Beschimpfungen sei C._____ eingeschüchtert gewe-

sen und habe sich an ihn geklammert. Daraufhin habe sie versucht, ihm C._____ 

aus den Armen zu entreissen, worauf er mit seiner linken Hand eine Abwehrhal-

tung eingenommen habe, um sie fernzuhalten. Er habe grosse Angst um C._____ 

gehabt und ihn stets auf dem rechten Arm getragen. Er bezeichnete es als mög-

lich, die Beschuldigte bei dieser Abwehr am Kopf und an ihrer Sonnenbrille getrof-

fen zu haben. Das habe sie in Rage versetzt und sie habe versucht, ihn mit Tritten 

-   17   - 

zwischen den Beinen zu treffen. Um seinen Sohn vor den Schlägen und Tritten 

der Beschuldigten zu schützen, sei er reflexartig zurückgewichen, denn er habe 

befürchtet, C._____ bei einem Treffer zwischen seine Beine fallen zu lassen. Er 

sei überzeugt, dass sie nicht C._____ habe treffen wollen, das würde er 

nie behaupten. Da die Beschuldigte weiterhin geschlagen habe, habe er sie mit 

der linken Hand von sich ferngehalten, worauf sie rückwärts zu Fall gekommen 

sei. Nach dem Sturz sei sie zwar benommen, aber sicher nicht bewusstlos gewe-

sen, sondern nach ein paar Sekunden wieder aufgestanden und dann wortlos für 

mehrere Minuten in ihrer Wohnung verschwunden. Anschliessend sei sie zu ihm 

und C._____ zurückgekehrt und habe ihn weiter beschimpft (Prot. I S. 15 ff., 24). 

Auf entsprechende Nachfragen erklärte er, seine "Abwehrreaktion" resp. die Zu-

fügung der Verletzungen der Beschuldigten seien verhältnismässig gewesen. Er 

begründete dies damit, dass er während des ganzen Vorfalls seinen Sohn auf 

dem Arm getragen und befürchtet habe, diesen bei einem Tritt zwischen seine 

Beine fallen zu lassen. Er habe sie von sich und C._____ fernhalten müssen und 

dabei auf ihren Oberkörper gewirkt, was zum Sturz geführt habe. Er habe ihren 

Sturz nicht gesucht, sie nicht zu Fall bringen, sondern sie lediglich fernhalten wol-

len. Sie sei in Rage gewesen, habe mit ihrer Attacke nicht aufgehört und er habe 

keinen anderen Ausweg gesehen. Der Privatkläger bekräftigte abschliessend, 

Angst um sich und seinen Sohn gehabt zu haben (Prot. I S. 20 ff.). Zu den Um-

ständen der Beschädigung der Sonnenbrille konnte er keine Angaben mehr ma-

chen (Prot. I S. 21 f.). Ein Motiv, weshalb die Beschuldigte ihn zu Unrecht be-

lasten sollte, sah der Privatkläger in den laufenden Verfahren bei der KESB be-

treffend das Sorge- und Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn C._____. Er 

könne sich gut vorstellen, dass sie ihn im Hinblick auf die genannten Verfahren in 

ein schlechtes Licht rücken wolle. Im Oktober 2018 habe sie das alleinige Sorge-

recht für den gemeinsamen Sohn beantragt (Prot. I S. 22 f.).  

6.5 An der Berufungsverhandlung sagte der Privatkläger – einvernommen als 

Beschuldigter im Parallelverfahren SB190331 (Urk. 124) – zusammengefasst aus, 

er habe während des ganzen Vorfalls den Sohn C._____ auf dem Arm gehabt. 

Die Beschuldigte habe ihn aufs Übelste – als "Schwanzlutscher" und "in den 

-   18   - 

Arsch ficken" – beschimpft. Dies habe er während den Übergaben und der Bezie-

hung immer wieder gehört. C._____ habe gezögert zu ihr zu gehen. Sie sei dann 

total ausgerastet, in Rage gewesen und habe auf ihn eingeschlagen. Er habe sich 

wehren müssen und eine Abwehrhaltung mit der Hand vorgenommen. Sie habe 

weiter auf ihn eingeschlagen. Er sei zurückgewichen. Sie habe ihn getroffen und 

gekratzt. Dann hätten die Fusstritte begonnen. Er habe Angst gehabt, zu Fall zu 

kommen und habe sich nochmals gewehrt. Sie sei dann zu Fall gekommen. Er 

habe grosse Sorge um sich und C._____ gehabt. Sie dann wieder aufgestanden, 

in die Wohnung gegangen, wieder rausgekommen und habe ihn nochmals be-

schimpft. Er habe ihr C._____ gegeben und sei dann ins Auto gegangen. 

7. Aussagen der Beschuldigten  

7.1 In der polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017 (Urk. D1/4) führte die 

Beschuldigte allgemein zur Beziehung zwischen den Parteien aus, diese habe gut 

angefangen, sie sei in den gemeinsamen Ferien schwanger geworden. Es sei je-

doch bald zu Streitigkeiten über die jeweiligen Eigenschaften des andern ge-

kommen. Der Privatkläger habe sie bereits in der Schwangerschaft über ihr Aus-

sehen, ihre Herkunft und ihren Charakter beleidigt und sie zum Beispiel eine 

Missgeburt genannt. Nach 9 Monaten ständiger Beleidigungen und nachdem sie 

ihn unzählige Male angefleht habe, damit aufzuhören, habe sie im April 2015 

ebenfalls begonnen, ihn zu beleidigen. Das Ganze habe sich in der Folge ge-

steigert. Es sei zunächst zu verbalen und dann auch mehrmals zu körperlichen 

Übergriffen des Privatklägers durch Schubsen gekommen. Verletzungen habe sie 

dabei keine erlitten. Die Belastung sei zu gross geworden und habe im Auszug 

des Privatklägers im August 2015 gegipfelt. Es habe sich eine gewisse Tren-

nungsroutine eingestellt. Der Privatkläger habe gewünscht, dass C._____, der 

damals Trennungsängste gehabt habe, auch bei ihm übernachten könne und dies 

gegen ihren Willen mittels Beschwerde beim Bezirksrat per April 2017 durch-

gesetzt. Das habe sich natürlich nicht förderlich auf die Beziehung ausgewirkt 

(Urk. D1/4 S. 2 f. Fragen 8 ff.). 

In Bezug auf den angeklagten Vorfall führte die Beschuldigte aus, dass der Pri-

vatkläger den Sohn um 16.30 Uhr in der Kindertagesstätte abgeholt habe und ihn 

-   19   - 

ihr um 18.00 Uhr wieder habe zurückbringen müssen. Da sie etwas verspätet ge-

wesen sei, habe sie den Privatkläger kurz vor dem vereinbarten Zeitpunkt telefo-

nisch darüber informiert. Bei ihrer Ankunft zu Hause um ca. 18.15 Uhr habe der 

Privatkläger mit dem Sohn auf dem rechten Arm bei seinem parkierten Auto ge-

wartet. Er sei wütend gewesen und habe wissen wollen, wo sie gewesen sei, was 

zu einem verbalen Streit geführt habe. Da sie am Tag darauf mit dem gemeinsa-

men Sohn in die Ferien habe reisen wollen, habe der Privatkläger ihr gesagt: 

"Pass gut auf C._____ auf, sonst schneide ich dir den Hals ab." Dann habe er be-

gonnen sie zu beleidigen, worauf sie sich gegenseitig beleidigt hätten. Plötzlich 

habe er ihr, C._____ auf dem rechten Arm haltend, mit der linken Hand, vermut-

lich der Handkante, einmal gegen den Kopf, den linken Stirn- bzw. Schläfenbe-

reich geschlagen. Von dem Schlag sei ihre Sonnenbrille verbogen worden und 

das linke Glas herausgefallen. Zudem habe sie oberhalb der linken Augenbraue 

eine Platzwunde sowie, möglicherweise von der Brille, einen kleinen Schnitt erlit-

ten. Um sich zu wehren, habe sie ihm mit der Oberseite beider Füsse zwei oder 

drei Tritte gegen die Beine versetzt und auch versucht, ihn zwischen den Beinen 

zu treffen. Daraufhin habe er sie heftig gegen den Oberkörper geschubst, so dass 

sie zu Boden gefallen sei. Schmerzen habe sie in diesem Moment keine gespürt, 

weil sie voller Adrenalin gewesen sei. Sie sei aufgestanden, auf ihn zugegangen 

und habe das noch immer auf seinem Arm befindliche Kind nehmen wollen. Er 

habe C._____ auf den Boden gestellt, worauf sie das Kind genommen habe und 

in die Wohnung gegangen sei (Urk. D1/4 S. 3 f. Frage 22).  

Auf Nachfrage verneinte sie weitere Schlägen durch den Privatkläger (Urk. D1/4 

S. 4 Frage 23). Sodann führte sie aus, mit seinem Hinweis, sie solle gut 

auf C._____ aufpassen, habe der Privatkläger zum Beispiel gemeint, dass 

C._____ gut esse, gut schlafe, einen ausgeglichenen und gesunden Rhythmus 

habe. Sie vermute, es sei für ihn eine Möglichkeit gewesen, sie auf einer persönli-

chen Ebene anzugreifen (Urk. D1/4 S. 4 f. Frage 28 f.). Ferner gab sie an zu ver-

muten, dass sie als Folge des Sturzes kurz ohnmächtig gewesen sei oder zumin-
dest in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt (Urk. D1/4 S. 5 Frage 30).  

-   20   - 

7.2 Anlässlich der Konfrontationseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 

15. Mai 2018 (Urk. D1/7) schilderte die Beschuldigte, der Privatkläger habe 

sie aufgrund ihrer Verspätung gefragt, wo sie gewesen sei und mit wem sie was 

gemacht habe. Als sie ihm geantwortet habe, dass sie jemanden Neues kennen-

gelernt habe, habe er gesagt, er wisse, dass bei ihr alte und junge Männer nach 

Hause kommen würden. Daraufhin habe sie ihm geantwortet, dies sei so wie bei 

ihm. Nach einer kurzen Pause habe der Privatkläger ihr den aus der Beziehung 

bereits bekannten Satz gesagt: "Pass gut auf mein Kind auf, sonst schneide ich 

dir den Hals ab!". Auf dem Weg zur Eingangstüre hätten sie sich gegenseitig be-

leidigt. Der Privatkläger habe ihr unter anderem unterstellt, eine Hure zu sein und 

sich für Geld zu verkaufen und sie ihn im Gegenzug gefragt, ob er seine Männer 

auch bezahlen müsse. Vor der Eingangstüre habe sie ihn gefragt, weshalb er sie 

so beleidige und ihm erklärt, sie habe nun jemanden gefunden, der sie auf allen 

Ebenen unterstütze, so dass sie sich finanziell alles, auch Ferien leisten könne. 

Dass sie keine gemeinsame Familie mehr seien sei seine Schuld. Er solle 

sein Leben anschauen, jeden Morgen um 6 Uhr aufstehen und eine Stunde nach 

Winterthur fahren und wieder zurück. Sie denke, diese Aussage habe den Privat-

kläger gekränkt. Die ganze Zeit über habe sie ihre Umhängetasche, eine Wind-

jacke, eine Einkaufstasche, einen Schal und den Rucksack von C._____ in den 

Händen gehabt, bis zur Ankunft in der Wohnung (Urk. D1/7 S. 3 f., 15). Sie habe 

die Haustüre arretiert und – ihre Arme soweit wie möglich nach oben ausstre-

ckend und eine entsprechende Geste machend – gewartet, dass der Privatkläger 

ihr das Kind gebe. Keine halbe Sekunde danach habe sie unvermittelt Schläge 

gegen den Kopf verspürt, wodurch auch ihre Sonnenbrille, welche sie zu diesem 

Zeitpunkt getragen habe, auf den Boden gefallen sei. Nach mehreren Schlägen 

des Privatklägers habe sie eine Abwehrhaltung eingenommen. Sie habe ihren 

noch in den Armen des Privatklägers befindlichen Sohn nicht in Gefahr sehen 

können und deshalb begonnen, mit dem Fuss Tritte gegen den Privatkläger aus-

zuführen. Damit habe sie ihn zu Fall bringen wollen (Urk. D1/7 S. 4 und 9). Nach 

ein paar Tretversuchen habe sie einen Filmriss erlitten, da sie aufgrund der 

Schläge des Privatklägers zu Boden gefallen sei und durch den Aufprall kurzzeitig 

das Bewusstsein verloren habe. Was danach passiert sei wisse sie nicht, habe 

-   21   - 

aber eine Szene im Kopf, wo sie sich ohne ihr Kind entweder im Treppenhaus 

oder in der Wohnung befunden habe. Danach sei es erneut zu einem Filmriss ge-

kommen und sie könne sich erst wieder erinnern, wie sie mit C._____ die Treppe 

hochgestiegen sei. Im Spiegel in der Wohnung habe sie festgestellt, dass sie ge-

blutet habe und daraufhin ihren Lebenspartner kontaktiert (Urk. D1/7 S. 4). 

Auf Vorhalt einiger ihrer Aussagen in der polizeilichen Befragung vom 11. Mai 

2017 erklärte sie, jenen Aussagen mehrfach zu widersprechen. Als sie nach 

Rückkehr aus den Ferien die Eingabe des Privatklägers gegen das Kontaktverbot 

an das Bezirksgericht im Gewaltschutzverfahren gelesen habe, seien ihr die Film-

risse bewusst geworden und nachträglich zusätzliche Erinnerungen in den Sinn 

gekommen (Urk. D1/7 S. 8 ff.).  

Auf die Diskrepanz in ihren Aussagen hinsichtlich der Anzahl erlittener Schläge 

angesprochen – dass bei der Polizei nur von einem einzigen Schlag des Privat-

klägers die Rede gewesen sei – gab die Beschuldigte zu Protokoll, dass sie   

mehrere Schläge vom Privatkläger erhalten habe, entnehme sie dem Bericht des 

Universitätsspitals Zürich. Aufgrund ihrer darin dokumentierten Verletzungen 

müsse es sich um mehrere Schläge durch ihn gehandelt haben. Es sei so gewe-

sen, er habe geschlagen, sie habe getreten, er habe geschlagen, geschlagen, 

geschlagen und dann sei ihr Sturz erfolgt (Urk. D1/7 S. 9). Auch betonte sie er-

neut den Verlust des Bewusstseins und wendete abschliessend ein, sich nach 

dem Vorfall in einem schlechten Gemütszustand befunden zu haben. Zwar habe 

sie der Einvernahme bei der Polizei folgen können, aber richtige Aussagen ma-

chen und Erinnerungen hervorrufen habe sie nicht gekonnt. Sie habe damals 

nicht präsent gehabt, was sie nun beim Staatsanwalt beschrieben habe 

(Urk. D1/7 S. 8 ff.).  

7.3 Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 21. März 2019 

(Prot. I S. 24 ff.) schilderte die Beschuldigte zusammengefasst und auf entspre-

chende Fragen den Vorfall vom 10. Mai 2017 weitestgehend wie schon in der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Mai 2018. Sie hielt fest an einer 

Mehrzahl von Schlägen seitens des Privatklägers gegen und auf ihren Kopf, an 

Bewusstseinsschwund und erst später auftauchenden Erinnerungen (Prot. I S. 25, 

-   22   - 

27 ff. und 33 f.). An den (verbalen) Streit mit den Beleidigungen könne sie sich 

noch genau erinnern. Sie bestritt, den Privatkläger anklagegemäss gefragt zu ha-

ben, ob er sich wieder in den Arsch habe ficken lassen und wie viele Schwänze er 

gelutscht habe (vgl. Urk. 36 S. 2), denn an jenem Tag habe sie sich auf die be-

vorstehenden Ferien in Fuerteventura mit einer Freundin und deren gleichaltrigem 

Jungen gefreut. Mit diesen Worten habe sie es nicht gesagt, sondern den Privat-

kläger bei der Auseinandersetzung lediglich gefragt, ob er seine Männer auch be-

zahlen müsse. Dies sei eine Reaktion auf seine Unterstellung gewesen, dass sie 

sich für Geld verkaufe. Die Beschuldigte räumte aber ein, dass sie während der 

Beziehung sehr viel Streit in Bezug auf seine von ihr vermutete Homosexualität 

gehabt hätten. Sie habe ihn aufgrund von Indizien immer wieder darauf aufmerk-

sam gemacht und diesbezüglich beschimpft (Prot. I S. 28). Zudem legte die Be-

schuldigte auf Frage nochmals dar, was sie kurz vor Beginn der körperlichen 

Auseinandersetzung vor der Haustüre geäussert hatte: nämlich, dass sie dem 

Privatkläger die Schuld am Bruch der Familie zugewiesen und ihm mitgeteilt ha-

be, dass sie nun jemanden habe, der sie unterstütze und er nun wisse, woher das 

Geld für ein Auto, die Reisen, neue Kleider etc. stamme. Sie habe sich noch ein-

mal hin und her bewegt und die Arme nach oben genommen. Sie habe endlich 

das Kind entgegennehmen, packen und in die Ferien gehen wollen. Deshalb habe 

sie die Gestik mit den Händen gemacht (Prot. I S. 31 ff.).   

Dass sie den Privatkläger 10 bis 20 Mal geschlagen bzw. getreten habe, wie dies 

in der Anklageschrift stehe (Urk. 36 S. 2 f.), dementierte sie. Sie habe ihn zwei bis 

drei Mal getreten, Schläge von ihm gegen/auf den Kopf bekommen, ihn wieder 

zwei bis drei Mal getreten und sei dann "weg" gewesen. Ihre Tritte mit der Schuh-

spitze habe sie dem Privatkläger zwischen seinem Knie und der Hälfte des Ober-

schenkels zugefügt, so hoch, wie es ihr möglich gewesen sei. Sie habe lange 

Beine und sei sehr schlank. Es seien jedoch nur kurze Schläge, ganz leichte  

"Stiche" gewesen. Sie habe so versucht, sich gegen die Schläge des Privat-

klägers zu wehren (Prot. I S. 28 ff., 34). Woher seine Schürfung am Unterarm 

stamme, wisse sie nicht (Prot. I S. 29). 

-   23   - 

Die Frage, warum sie nicht davon gelaufen sei, habe sie sich auch gestellt. Viel-

leicht habe sie aus Angst oder im Affekt zugeschlagen oder gedacht, dadurch 

würde er sich beruhigen. Zudem habe sie gedacht, dass er sie wegen der Anwe-

senheit des Kindes nicht verprügeln könne. Nach den ersten zwei Tritten sei die 

Dynamik da gewesen (Prot. I S. 30). Er hätte jederzeit das Kind ablegen können 

(Prot. I S. 34). Die von ihm getätigte Aussage, wonach sie versucht habe, ihm 

C._____ zu entreissen, entspreche nicht der Wahrheit. Als mögliches Motiv seiner 

Schläge nannte die Beschuldigte Eifersucht. Der Privatkläger sei auf die Situation, 

dass sie sich Ferien mit dem Sohn leisten könne, eifersüchtig gewesen. Seine 

aus ihrer Sicht falschen Belastungen gegen sie erklärte sie sich damit, dass es für 

ihn als angesehene Person eine Niederlage wäre, wenn herauskäme, dass er sie 

geschlagen habe (Prot. I S. 36). Zuletzt bestätigte sie, dass derzeit drei Verfahren 

bei der KESB betreffend das Kind hängig seien und sie den Antrag auf das allei-

nige Sorgerecht gestellt habe (Prot. I  S. 37). 

7.4 An der Berufungsverhandlung sagte die Beschuldigte zusammengefasst 

aus, der Privatkläger habe sie nach ihrer Ankunft gefragt, mit wem sie unterwegs 

gewesen sei. Sie habe ihm mitgeteilt, dass sie jemanden Neues kennengelernt 

habe. Daraufhin habe er gesagt, er wisse, dass alte und junge Männer bei ihr ins 

Haus kämen. Woraufhin sie gesagt habe, wie bei ihm auch. Er habe gesagt, sie 

sei eine Hure und verkaufe sich fürs Geld. Er habe das Kind im rechten Arm ge-

halten und gesagt, sie soll gut auf den Sohn aufpassen, ansonsten werde er ihr 

den Hals abschneiden. Sie habe ihn gefragt, ob er die Männer auch bezahle, 

wenn sie bei ihm zuhause seien. Sie sei weiter zum Eingang gegangen und habe 

gewartet, bis er ihr das Kind gebe. Sie habe die Arme vollgepackt gehabt, mit ei-

nem Rucksack, einer Windjacke, einer Einkaufstasche und einem Schal und die 

Arme seien angezogen gewesen. Sie habe die Hände nach vorne gestreckt. Etwa 

eine halbe Sekunde danach habe er ihr eins gegen den Kopf geschlagen. Sie ha-

be Angst bekommen und habe sich aufgrund der vollgepackten Arme nur mit den 

Beinen schützen können. Sie habe sich mit den Füssen wehren müssen. Die Ab-

wehr sei leicht gewesen. Sie sei wie benommen gewesen und wisse, dass sie 

umgefallen sei (Urk. 100).  

-   24   - 

8. Beweiswürdigung 

8.1 Mit der Vorinstanz steht aufgrund des Untersuchungsergebnisses zunächst 

fest, dass es zwischen der Beschuldigten und dem Privatkläger am 10. Mai 2017 

zu einer erst verbalen und im Anschluss tätlichen Auseinandersetzung gekommen 

ist. Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen der Involvierten ist sodann er-

stellt, dass die Beschuldigte den Privatkläger im weiteren Verlauf mehrmals mit 

den Füssen getreten und der Privatkläger sie schliesslich weggestossen hat, so 

dass sie rücklings auf den Boden stürzte und sich dabei am Kopf verletzte. Zu-

dem steht fest, dass die Beschuldigte während des Vorfalls eine Sonnenbrille 

trug, welche im Zuge der Auseinandersetzung zu Boden fiel. Bezüglich der ver-

balen Äusserungen sowie zur Frage, von wem die tätliche Auseinandersetzung 

ausging, divergieren die Angaben. Das ist nachfolgend zu prüfen. 

8.2 Anklagesachverhalt 1 betreffend Beschimpfung (Urk. 36 S. 2) 

Aufgrund der Schilderungen des Privatklägers, der teilweisen Zugeständnisse der 

Beschuldigten und ergänzend der aktenkundigen Chat-Korrespondenz zwischen 

den zwei Beteiligten ist in Übereinstimmung mit dem Bezirksgericht vorerst als 

erwiesen anzusehen, dass der Privatkläger von der Beschuldigten in der ange-

klagten Art und Weise beschimpft wurde (Urk. 36 S. 2).   

8.2.1  Wie sich aus seinen vorne dargelegten Aussagen ergibt, hat der Privat-

kläger während des gesamten Verfahrens authentisch, konstant, im Ausdruck 

sehr ähnlich und im Ergebnis überaus glaubhaft ausgeführt, dass die Beschuldig-

te ihn nach ihrem Eintreffen am 10. Mai 2017 im Zusammenhang mit seiner von 

ihr vermuteten Homosexualität massiv beschimpfte, ihn konkret als "Schwanz-

lutscher" und "Arschficker" betitelt und ihn gefragt hat, "wie viele Schwänze" er 

gelutscht und ob er sich "wieder in den Arsch hat ficken lassen". Nachvollziehbar 

hat der Privatkläger umschrieben, dass die Unterstellung einer angeblichen  

Homosexualität aus heiterem Himmel begonnen hat und Beschimpfungen durch 

die Beschuldigte wie die hier zu beurteilende im Anschluss an die Trennung ab 

August 2015 in grosser Zahl und regelmässig bei der Kindesübergabe vorkamen.  

-   25   - 

Die Mutmassung einer angeblichen Homosexualität des Privatklägers durch die 

Beschuldigte lässt sich zusätzlich den eigenen Aussagen der Beschuldigten und 

ihren Chat-Nachrichten an den Privatkläger entnehmen. Dieser Thematik kam of-

fensichtlich sogar ein zentraler Stellenwert in der Beziehung der Beteiligten sowie 

betreffend deren Scheitern zu (vgl. nachstehende Erw. 8.2.2 und 8.2.3).  

8.2.2  Auch die Beschuldigte räumte ein, dass es an besagtem Vorfall zu (gegen-

seitigen) Beschimpfungen gekommen sei. Im Verlaufe der Untersuchung und an-

lässlich der Hauptverhandlung konkretisierte sie ihre Beschimpfungen und be-

stätigte, dass diese im Zusammenhang mit der mutmasslichen Homosexualität 

des Privatklägers geäussert worden waren. Ihre Mutmassung der Homosexualität 

begründete sie mit ihrem Gespür, dass er fremdgehe. Weil sie keine Anzeichen 

dafür gehabt habe, dass es um Frauen ging, habe sie ihn mit der Homosexualität 

konfrontiert. Auf die Frage, ob sie dies konkretisieren könne, führte die Beschul-

digte aus, einerseits wisse sie aus der Intimität ihr gegenüber, dass er eine grosse 

Erregung im Analbereich verspürt habe, dies die einzige Möglichkeit gewesen sei 

für ein funktionierendes Sexualleben. Überdies, wenn er am Abend von der Arbeit 

nach Hause gekommen sei, habe er jeweils Flecken gleicher Art auf den Unter-

leibchen gehabt, die trotz zweimaligem Waschen mit 90 Grad nicht ausgegangen 

seien. Zudem habe er sich komisch verhalten. Das habe sie misstrauisch ge-

macht (Urk. D1/7 S. 12 f.). Die Beschuldigte erklärte sodann, sie hätten während 

der Beziehung sehr viel Streit in Bezug auf seine von ihr vermutete Homosexuali-

tät gehabt. Immer wieder habe sie ihn aufgrund von Indizien darauf aufmerksam 

gemacht und ihn in diesem Zusammenhang schon beschimpft. Sie anerkannte 

sogar, den Privatkläger auch schon früher im Sinne der ihr vorgehaltenen An-

klage, aber nicht mit diesen Worten, beschimpft zu haben (Prot. I S. 27 f.). Diese 

Zugeständnisse stützen die Sachdarstellung des Privatklägers, auch wenn die 

Beschuldigte bis zuletzt pauschal bestritt, am 10. Mai 2017 die in der Anklage-

schrift genannten Wörter resp. Formulierungen benutzt zu haben.  

8.2.3  Aus den zahl- und umfangreichen Chat-Verläufen (vgl. Urk. D1/11/2) geht 

hervor, dass die Beschuldigte geradezu besessen war von der Vorstellung, dass 

der Privatkläger homosexuelle Beziehungen unterhalte. Während es dem Privat-

-   26   - 

kläger in sachlichen und knappen Mitteilungen des Chats jeweils um die elterliche 

Koordination betreffend Besuchsrecht ging, warf die Beschuldigte ihm zu jeder 

erdenklichen Tages- und Nachtzeit immer wieder eine "Sucht" vor und machte ihn 

resp. diese Sucht für ihre Trennung verantwortlich. Sie verlangte wiederholt von 

ihm, mit dieser "Sache" (die es laut dem Privatkläger nicht gibt, vgl. u.a. 

Urk. D1/11/2/10), aufzuhören oder dann halt die Folgen tragen zu müssen.  

Zur Veranschaulichung einige Beispiele: Am 12. August 2015 schrieb die Be-

schuldigte dem Privatkläger, sie spüre und denke etwas über ihn mit dem  

sie nicht zurechtkomme, sie könne so nicht leben, das mache sie kaputt 

(Urk. D1/11/2/1). Am 9. Oktober 2015 schrieb sie dem Privatkläger, ihr Gefühl ha-

be sie noch nie getäuscht, es sei ihre sehr grosse Hoffnung, dass er sich für die 

Familie entscheide und mit dieser Sache aufhöre. Sie werde die Sache von ihrer 

Seite aus begraben, sobald er damit aufhöre. Sie sehe dies als ganz wich-

tige Voraussetzung für ihr (gemeinsames) Vorhaben als vereinte Familie 

(Urk. D1/11/2/2). Weiter teilte die Beschuldigte am 14. November 2015 dem Pri-

vatkläger unter anderem mit, es gehe ihr so schlecht, er wisse, dass wenn er sie 

kaputt mache, er seinem Sohn sehr schade und das werde er sich später nicht 

verzeihen können. Die Sache, die er mache sei vergänglich, aber die Narben in 

der Seele würden bleiben. Diese Sucht zerstöre nicht nur C._____, sondern auch 

sie, die Familie und nicht zuletzt auch ihn selber. Viel Vergnügen und Ausdauer 

wünsche sie ihm. Sie werde ihren eigenen Weg gehen (Urk. D1/11/2/3). Aufgrund 

der Sache, die er mache – so ihre Worte vom 4. Dezember 2015 –, könne sie mit 

ihm nie leben. Wenn er nie aufhöre mit der Sache, dann werde diese Situation auf 

ewig so bleiben. Er habe es nur seiner Sucht (zuzuschreiben), dass er C._____ 

nicht immer bei sich habe (Urk. D1/11/2/4). In ihrer Nachricht vom 18. Dezember 

2015 bezeichnete die Beschuldigte den Privatkläger als aussichtslosen Fall, der 

vor Unglück in seiner Sucht versinken werde. Er solle gehen und diese Sache 

machen, aber sie in Ruhe lassen. Sie sei sehr enttäuscht von ihm und das töte al-

le Gefühle ab. Schwarze Weihnachten alleine in den Bergen werde er haben, das 

sei, was er erreicht habe. Dazu wünschte sie ihm viel Spass (Urk. D1/11/2/5). Am 

19. Dezember 2015 betonte die Beschuldigte mehrfach, obwohl sie wolle, könne 

sie nicht mit ihm leben, solange er diese Sache mache. Während fast einer hal-

-   27   - 

ben Stunde bis kurz vor Mitternacht fügte sie kurze Botschaften an den Privat-

kläger aneinander, des Inhalts, es müsse echt hart für ihn sein, so viele Opfer zu 

erbringen, nur weil er diese Sache mache. Sie ertrage es wirklich nicht zu sehen, 

wie er immer ins Bad gehe und sich da abwische. Die ganzen Hinweise würden 

ihr keine Ruhe lassen. Wie arm er dran sein müsse so was zu tun. Wenn sie sich 

vorstelle was er alles in den Mund nehme wenn er diese Sache mache, wie eklig 

und erniedrigend das für ihn sein müsse, und trotzdem sei er verrückt danach. Sie 

warf ihm vor, C._____ deswegen keine vereinte Familie bieten zu können, was 

fast verantwortungslos sei. Er habe mit seiner Sucht zu leben und die ganzen 

Konsequenzen zu tragen. Sie habe es bereits öffentlich gemacht, weil sie die 

Wahrheit gerne mit den Leuten teile. Alle würden sich ihren Teil denken. So viel 

Schmutz auf einem Menschen habe sie noch nie gesehen. Zuletzt folgten die 

Worte: "lebe wohl mit deiner traurigkeit und muntere dich dann wieder auf mit der 

Sache" (Urk. D1/11/2/6). Noch in derselben Nacht in den frühen Morgenstunden 

des 20. Dezember 2015 machte die Beschuldigte den Privatkläger verantwortlich 

dafür, dass C._____ kein Geschwisterchen bekomme, dass er selber leide, seine 

Familie leide und sie leide. Dass C._____ leiden werde sei das Schlimmste. Ihr 

Familientraum gehe nicht in Erfüllung und sein (des Privatklägers) Alptraum be-

ginne. Das alles, weil er nicht mit der Sache aufhöre. Und sie bezeichnete den 

Beschuldigten als armseligen süchtigen Menschen, nur noch zum Bedauern 

(Urk. D1/11/2/7). Analog äusserte sie sich in ihren Chat-Nachrichten vom 

21. Dezember 2015: Sein Sohn werde erfahren was er mache und am meisten 

darunter leiden. Sie wünsche sich von tiefstem Herzen, dass diese Sache ver-

schwinde, er sich für die Familie entscheide und sie glücklich als Familie zusam-

men leben würden. Sie möge auch seine kleinen Macken und würde versuchen 

gut zu machen, was ihn an ihr störe (Urk. D1/11/2/8).  

Auch die folgenden zahlreichen Chat-Nachrichten aus dem Jahr 2016 – hervor-

zuheben ist etwa Urk. D1/11/2/10 – sind einerseits von analogen, ständig wieder-

kehrenden Schuldzuweisungen der Beschuldigten an den Privatkläger geprägt, 

ergänzt durch die mehrfache Aufforderung an ihn, seine Sucht zu beenden, er sei 

krank, solle sich behandeln lassen. Anderseits enthalten sie wiederholte, teilweise 

mit Fotos unterlegte Zukunftsvisionen der Beschuldigten betreffend eine vereinte 

-   28   - 

und glückliche (sowie durch ein zweites Kind erweiterte) Familie, deren Verwirk-

lichung aber zwingend eine Abkehr des Privatklägers von seiner Sucht bedinge 

(Urk. D1/11/2/9-20).  

Diese WhatsApp-Auszüge belegen, dass die Beschuldigte der fixen Idee verfallen 

war, dass sich der Privatkläger in promiskuitiver Weise homosexuell betätige, und 

ebenso, dass sie ihn deswegen laufend diffamierte. Sie bestärken die Aussagen 

des Privatklägers. Auch ergeben sich daraus wiederholt abrupte Stimmungs-

wechsel der Beschuldigten zwischen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit einer-

seits, aus ihrer Sicht verursacht durch den Privatkläger, und geradezu leiden-

schaftlichen Beziehungs- und Familienwünschen anderseits. Die Beschuldigte 

sprach selber einmal von einer Achterbahn der Emotionen (Urk. D1/11/2/9).  

8.2.4  Der vormalige Verteidiger der Beschuldigten wendete ein, dass der Privat-

kläger die mutmasslichen Beschimpfungen in der polizeilichen und staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme unterschiedlich wiedergegeben habe. An der Beru-

fungsverhandlung wurde dies erneut vorgebracht und behauptet, der Privatkläger 

hätte sich die Beschimpfungen der Beschuldigten nur ausgedacht (Urk. 102 

N 25 ff.). Dies trifft insoweit zu, als dass der Wortlaut nicht völlig kongruent ist. 

Dem ist jedoch mit der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass zwischen diesen Ein-

vernahmen des Privatklägers ein Jahr liegt. Zudem erhellt aufgrund seiner an-

sonsten durchwegs plausiblen Sachdarstellung und der eben zitierten Chat-

Verläufe, dass ihm entsprechende Vorwürfe bereits seit dem Jahr 2015 wiederholt 

und in hoher Frequenz gemacht wurden. Es ist deshalb davon auszugehen, dass 

der Privatkläger – wie er auch stimmig und von Beginn weg ausführte – sehr häu-

fig, er sprach mehrfach von schätzungsweise 100 Mal, im Zusammenhang mit der 

angeblichen Homosexualität von der Beschuldigten beschimpft worden war. Aus 

dem Umstand, dass er die hier angeklagten Beschimpfungen anlässlich seiner 

Befragungen nicht im exakt gleichen Wortlaut wiedergegeben hat, ist daher nichts 

zu seinen Ungunsten abzuleiten. Im Kerngehalt sind seine diesbezüglichen Aus-

sagen jedenfalls übereinstimmend und glaubhaft. Die Erklärung der Vertreterin 

des Privatklägers, der Privatkläger habe sich auch geschämt, zu sagen, dass sol-

che Äusserungen gefallen seien, ist zudem ebenfalls nachvollziehbar (Prot. II 

-   29   - 

S. 13). Die pauschale Bestreitung der Beschuldigten und der von ihrer früheren 

Verteidigung vorgebrachte Einwand vermögen die überzeugenden Schilderungen 

des Privatklägers nicht zu erschüttern.  

8.2.5  Es steht somit fest, dass sich die Beschuldigte auf dem Weg vom Parkplatz 

zum Hauseingang gegenüber dem Privatkläger in der von der Anklageschrift    

genannten Art und Weise geäussert hat. Der Anklagesachverhalt 1 betreffend 

Beschimpfung (vgl. Urk. 36 S. 2) ist erstellt.  

Nur der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass der Privatkläger der Beschul-

digten keinerlei ersichtlichen Grund für diese Beschimpfungen gegeben hatte. 

Wie sich den Aussagen des Privatklägers entnehmen lässt – und was durch die 

zitierten Chat-Nachrichten untermauert wird –, waren Beschimpfungen solcher Art 

vielmehr eine regelmässige Begleiterscheinung bei den Kindesübergaben. Der 

damalige Hinweis des Privatklägers, sie solle gut auf C._____ aufpassen, bezog 

sich nach seinen plausiblen Angaben auf die bevorstehenden Ferien der Be-

schuldigten mit dem Kind am Meer, was bei einem fürsorglichen Vater verständ-

lich ist. Auch die Beschuldigte führte auf diesbezügliche Nachfrage konkreti-

sierend aus, der Privatkläger habe zum Beispiel damit gemeint, dass C._____ gut 

esse, gut schlafe sowie einen ausgeglichenen und gesunden Rhythmus habe 

(Erw. III. 6.1 a.E.). Dafür, dass der Privatkläger der Beschuldigten im gleichen 

Atemzug mit "Halsabschneiden" gedroht haben soll, wie die Beschuldigte geltend 

machte, fehlt es an jeglichem nachvollziehbaren Anlass. Solches ist im Übrigen 

nicht angeklagt und folglich auch nicht Verfahrensgegenstand.  

8.3 Anklagesachverhalt 2 betreffend Tätlichkeiten (Urk. 36 S. 2 f) 

Diesbezüglich ergibt sich übereinstimmend mit der Vorinstanz (Urk. 69 S. 25 f.) 

und teilweise in Ergänzung dazu das Nachstehende:  

Gemäss den widerspruchsfreien und konstanten Aussagen des Privatklägers ha-

ben die erwiesenen Beschimpfungen durch die Beschuldigte auf dem Weg zur 

Haustüre stattgefunden. Dort hätte es zur Übergabe des Sohnes kommen sollen. 

Es ist davon auszugehen, dass der gemeinsame Sohn C._____, der sich damals 

-   30   - 

auf dem Arm des Privatklägers befunden hat, aufgrund der verbalen Auseinan-

dersetzung eingeschüchtert war und sich deshalb an den Privatkläger klammerte. 

Die Ausführungen des Privatklägers sind lebensnah. Gleichermassen leuchtet 

ein, dass C._____ vor dem Hintergrund der verbalen Angriffe der Beschuldigten 

zögerte, zu ihr zu gehen. Dafür spricht überdies sein bald darauf einsetzendes 

Weinen. Namentlich die Tonalität des Gesprochenen dürfte dazu geführt haben, 

dass C._____ Geborgenheit beim Privatkläger suchte. Das ist beim damals erst   

2-jährigen Knaben auch nicht verwunderlich, konnte er doch das Geschehen nicht 

begreifen. Schon kleine Kinder verfügen aber über ein feines Gespür betreffend 

angespannter Atmosphäre in ihrem unmittelbaren Umfeld, und sie reagieren ent-

sprechend mit Angst. Das Vorbringen der Verteidigerin der Beschuldigten, der 

Privatkläger habe C._____ unnötig lange auf dem Arm gehalten, um Macht 

bzw. physische Überlegenheit zu demonstrieren, ist demnach nicht nachvollzieh-

bar (im Parallelverfahren SB190331 Urk. 129 N 27). Die Beschuldigte hat laut der 

ebenfalls schlüssigen Sachdarstellung des Privatklägers dann versucht, C._____ 

aus dem Arm des Privatklägers zu entreissen. Das stellte die Beschuldigte zwar 

entschieden in Abrede und führte aus, lediglich die Arme ausgestreckt zu haben, 

um C._____ in Empfang nehmen zu können. Ihre Darstellung lässt sich jedoch 

nicht mit dem übrigen Untersuchungsergebnis in Einklang bringen. Aufgrund der 

in den Akten liegenden Fotos besteht kein Zweifel darüber, dass der Privatkläger 

am linken Unterarm gekratzt wurde (vgl. Urk. D1/3/5; Urk. 63/1 im Parallelverfah-

ren SB190331 = Urk. 42/1). Dies deckt sich mit seinen diesbezüglichen Aussagen 

und widerspricht denjenigen der Beschuldigten, welche ihn lediglich leicht mit den 

Füssen im unteren Körperbereich traktiert haben will. Die Behauptung der Be-

schuldigten, der Privatkläger habe sich den Kratzer an ihrer spitzen Haarspange 

selber zugefügt, indem er ihr mit seiner linken Hand gegen den Kopf geschlagen 

habe, ist sehr abenteuerlich, als abwegig und nicht überzeugend zu erachten 

(Urk. 102 N 68 ff.). Die Schilderung der Beschuldigten ist demnach angesichts 

des übrigen Beweisergebnisses als Schutzbehauptung zu werten. Somit steht 

zweifelsfrei fest, dass die Beschuldigte den Privatkläger am linken Arm kratzte 

und ihm eine Schürfung zufügte, als sie versuchte, ihm den auf dem Arm befind-

lichen Sohn C._____ zu entreissen. Ihr Vorgehen kommt einer physischen Atta-

-   31   - 

cke auf den Privatkläger gleich. Der Einwand der Rechtsvertreterin der Privatklä-

gerin, dass die Anklage von einem Kratzer am Unterarm ausgehe, wogegen die 

Untersuchungsakten und die Vorinstanz von einer Schürfung sprechen, ist nicht 

weiter von Belang (Urk. 102 N 63 ff.). Handelt es sich dabei doch entgegen der 

Auffassung der Privatklägerin um Synonyme.  

Wie vorne dargelegt (vgl. Erw. III. 3.3 und III. 8.1), anerkennt die Beschuldigte zu-

dem, dass sie den Privatkläger in der Folge mehrere Male, jedenfalls vier bis 

sechs Mal – wovon auszugehen ist –, mit den Füssen getreten hat, was wiederum 

physischen Angriffen entspricht. Aufgrund der Ausgangslage vor der Haustüre 

war sie fraglos negativ tangiert und geriet in Rage, wie es der Privatkläger treffend 

umschrieb. Auch die Beschuldigte selber sprach davon, voller Adrenalin gewesen 

zu sein und dass nach den ersten zwei Tritten die Dynamik dagewesen sei 

(vgl. Erw. III. 7.1 und 7.3). Betreffend diese Fusstritte ist gemäss ihrer eigenen 

Darstellung in der Erstaussage davon auszugehen, dass sie dabei versuchte, 

den Privatkläger zwischen den Beinen zu treffen (vorne Erw. III. 7.), was auch der 

Privatkläger so berichtete. Das steht ebenso im Einklang mit ihrer Aussage vor 

Vorinstanz, sie habe so hoch getreten, wie es ihr möglich sei. Sie habe lange Bei-

ne und sei sehr schlank. Ihre Behauptung, es seien nur ganz leichte Stiche vom 

Knie bis Mitte des Oberschenkels gewesen, um zu zeigen, dass er aufhören solle 

(Prot. I S. 30, 34) bzw. abwehrende leichte "Tritte" oder "Schläge" mit den Füssen 

gewesen (im Parallelverfahren Urk. 129 N 32), steht in frappantem Widerspruch 

dazu. Der Behauptung der Verteidigerin der Beschuldigten an der Berufungsver-

handlung, dass in der rumänischen Sprache "mit den Füssen treten" bedeute, 

dass man ausschliesslich mit der Unterfläche des Fusses getreten werde, alles 

andere bedeute "mit den Füssen schlagen", weswegen vorliegend "mit den Füs-

sen schlagen" gemeint sei, dass die Beschuldigte mit der Oberseite des Fusses 

leicht gegen die Beine des Privatklägers getreten habe (vgl. dazu Urk. 102 

N 52 f.), ist die Aussage der Beschuldigten entgegenzuhalten, wonach sie den 

Privatkläger [mit den Tritten] habe zu Fall bringen wollen (vgl. hiervor Erw. III 6). 

Diese Verharmlosungen der Tritte der Privatklägerin überzeugen mithin nicht. 

-   32   - 

Es ist somit auch erstellt, dass die physischen Angriffe von der Beschuldigten 

ausgingen. Neben der Schürfung erwiesen sind jedenfalls vier bis sechs Tritte. 

8.4 Anklagesachverhalt 1 betreffend einfache Körperverletzung (Urk. 35 S. 2) 

8.4.1  Schlag gegen den Kopf 

Der Privatkläger führte gleichbleibend aus, er habe die Angriffe der Beschuldigten 

mit seiner linken Hand abzuwehren versucht, wobei er sie bei seiner Abwehr-

haltung am Kopf getroffen habe.  

Sowohl das IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung als auch die in den 

Akten befindlichen Fotos sprechen hingegen eine andere Sprache. Es ist hinläng-

lich nachgewiesen, dass die Beschuldigte im Rahmen der Auseinandersetzung an 

der linken Stirnseite eine Quetsch-Risswunde und an der linken Augenbraue, na-

he dem Aussenrand, eine 1.5 cm lange, strichförmige, nicht wegdrückbare Haut-

verfärbung mit darin befindlicher, ca. 0.5 cm langer, strichförmiger Hautabtragung 

erlitt (Urk. D1/6/3 S. 3). Die Quetsch-Risswunde dürfte gemäss dem Gutachten in-

folge stumpfer Gewalteinwirkung entstanden sein, wobei als nicht entscheidend 

taxiert wird, ob die stumpfe Gewalteinwirkung erfolgte, indem sich, wie bei einem 

Schlag, ein Gegenstand auf den Kopf zu bewegte oder indem sich der Kopf, wie 

bei einem Sturz, auf einen Gegenstand/Untergrund zu bewegte. Die an der linken 

Augenbraue festgestellten Schürfungen dürften durch eine tangential-schürfende 

Gewalteinwirkung entstanden sein (Urk. D1/6/3 S. 4). Die Entstehung der doku-

mentierten Verletzungen an der Stirn und an der linken Augenbraue durch stump-

fe Gewalteinwirkung – konkret Schlag mit der Hand ins Gesicht, wobei auch die 

Sonnenbrille verbogen wurde und dann das linke Glas herausfiel, wie die Privat-

klägerin in der Untersuchung wiederholt geltend machte – ist plausibel. Entschei-

dend ist überdies der Umstand, dass diese Verletzungen auch auf den unmittel-

bar nach dem Vorfall durch Funktionäre der Stadtpolizei Zürich erstellten Fotos 

sichtbar sind (vgl. Urk. D1/3/1). Es kann deshalb auch offen gelassen werden, ob 

die mit Eingabe vom 30. Oktober 2018 eingereichten Fotos (vgl. Urk. D1/16-17) 

unmittelbar nach dem Vorfall und ohne Hilfe von Make-up oder Ähnlichem aufge-

nommen wurden. Vielmehr drängt sich aufgrund der Fotodokumentation der 

-   33   - 

Stadtpolizei Zürich sowie des IRM-Gutachtens zur körperlichen Untersuchung 

der Schluss auf, dass der Privatkläger die Beschuldigte mit der flachen Hand und 

einer gewissen Intensität geschlagen hat. Der Standpunkt des Privatklägers, wo-

nach der Kontakt zwischen der Hand und dem Kopf bei blossen Abwehrhaltungen 

seinerseits entstanden sein soll, ist vor dem Hintergrund des übrigen Beweis-

ergebnisses und in Übereinstimmung mit dem angefochtenen Urteil als Schutz-

behauptung zu qualifizieren.  

Angeklagt ist, dass der Privatkläger der Beschuldigten mehrere Male gegen den 

Kopf geschlagen habe (Urk. 35 S. 2). Völlig zu Recht ist die Vorinstanz von einem 

einzigen Schlag ausgegangen (Urk. 69 S. 27). Die Beschuldigte verstrickte sich 

bei der Frage nach der Anzahl Schläge nämlich in erhebliche Widersprüche. Bei 

der Polizei sagte sie unmissverständlich aus, der Privatkläger habe einmal gegen 

ihren Kopf, den linken Stirn- bzw. Schläfenbereich geschlagen, und von dem 

Schlag sei ihre Sonnenbrille verbogen worden. Auch auf Nachfrage verneinte sie 

ausdrücklich weitere Schläge durch den Privatkläger (vgl. vorne Erw. III. 7.1). In 

der Konfrontationseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft und vor Vorinstanz 

sprach sie dann durchwegs von mehreren Schlägen gegen den Kopf (vgl. vorne 

Erw. III. 7.2 und 7.3). Diese Aggravierung erscheint bewusst und gezielt; die Be-

hauptung einer Mehrzahl von Schlägen ist unglaubhaft. Auch wenn den Fotos 

zweifelsfrei zu entnehmen ist, dass die Beschuldigte eine stumpfe Gewalteinwir-

kung gegen den Kopf mit gewisser Intensität erlitten hat, liegen keine Anzeichen 

vor, dass dies mehrfach der Fall gewesen wäre. Nicht ausser Acht zu lassen ist in 

diesem Zusammenhang auch, dass die Beschuldigte selber ausführte, lediglich 

aufgrund der ärztlichen Berichte auf eine Mehrzahl von Schlägen zu schliessen 

(Urk. D1/7 S. 8 f.). Dieser Auffassung ist jedoch nicht zu folgen. Träfen die Aus-

führungen resp. Annahmen der Beschuldigten zu, müssten aufgrund der dy-

namischen Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten mehrere Stellen ihres 

Körpers, namentlich ihres Gesichts, solche Verletzungen aufweisen. Dies kann 

aufgrund des Gutachtens und der Fotos jedoch ausgeschlossen werden 

(Urk. D1/3/1 und D1/6/3).  

-   34   - 

Als der Beschuldigten hinsichtlich der Diskrepanz zur Anzahl erlittener Schläge 

die Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt wurde, machte sie geltend, einen 

Filmriss erlitten und deshalb bei der Polizei nicht korrekt resp. vollständig ausge-

sagt zu haben (Urk. D1/7 S. 8 ff.). Dieser Einwand wird jedoch von den Akten 

nicht im Ansatz bestätigt. Zu Beginn der polizeilichen Befragung, welche 

nur wenige Stunden nach dem inkriminierten Vorfall bei noch frischer Erinnerung 

stattfand, erklärte die Beschuldigte auf entsprechende Fragen, zwar müde zu sein 

und aufgrund des Geschehens Schmerzen zu haben, sich aber dennoch ein-

vernahmefähig zu fühlen und auch Aussagen machen zu wollen (Urk. D1/4 S. 1 

Fragen 3, 5 f.). In der Folge äusserte sie sich während rund drei Stunden präzis 

und relativ detailliert, ohne Anzeichen irgendwelcher Schwierigkeiten, zu ihrer 

Sicht des Ereignisses. Ihre Schilderungen erfolgten über grössere Strecken auch 

in freier Rede. Am Ende der Einvernahme und auf entsprechende Frage sah sie 

sich nicht veranlasst, Ergänzungen und/oder Korrekturen zum Einvernahme-

protokoll anzubringen. Überdies bejahte sie, dass sie ihre Aussagen wenn nötig 

vor der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht wiederholen würde (Urk. D1/4 S. 5 

Fragen 34 und 38). Das Verhalten der Beschuldigten während der polizeilichen 

Befragung ist unauffällig und in jeder Hinsicht als adäquat zu bezeichnen. Auf-

grund der gesamten Umstände gibt es keinen Grund, die volle Einvernahmefähig-

keit der Beschuldigten bei der Polizei anzuzweifeln. Dass sie sich damals nach 

dem Ereignis in einem schlechten Gemütszustand befunden haben soll (Urk. D1/7 

S. 9), was durchaus nachvollziehbar ist, ändert nach all dem Gesagten aber 

nichts daran, dass von uneingeschränkter Einvernahmefähigkeit auszugehen ist.    

Auch die ärztlichen Unterlagen vermögen einen möglichen Filmriss oder eine gel-

tend gemachte Bewusstlosigkeit (aufgrund des nachfolgenden Sturzes; siehe 

Erw. III. 8.4.2 hiernach) nicht zu stützen. Laut dem IRM-Gutachten präsentierte 

sich den Expertinnen 2 ½ bis 3 ½ Stunden nach dem Vorfall eine zwar sehr auf-

geregte und psychisch erregte Frau, die aber vollumfänglich orientiert wirkte 

(Urk. D1 /6/3 S. 3). Von einer erlittenen Ohnmacht ist nirgends die Rede. Das 

deckt sich auch mit der Angabe der behandelnden Ärztin im F._____, med. pract. 

G._____, die eine Bewusstlosigkeit verneinte (Urk. D1/1 S. 2) und schliesslich 

ebenso mit der Beobachtung des am Vorfall beteiligten Privatklägers und seiner 

-   35   - 

dezidierten Aussage, dass die Beschuldigte sicher nicht bewusstlos gewesen sei, 

sondern (nur) benommen (Prot. I S. 17). Die Diskrepanz in den Aussagen des 

Privatklägers, nach wie vielen Sekunden sie wieder aufgestanden sei, ist nicht 

weiter relevant. Die Beschuldigte erwähnte in der polizeilichen Einvernahme von 

sich aus nichts von Ohnmacht; erst auf Nachfrage äusserte sie die Vermutung, 

kurz ohnmächtig oder zumindest in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt gewesen 

zu sein. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft 

und ebenso vor Vorinstanz und vor Berufungsgericht statuierte sie dann, kurzzei-

tig das Bewusstsein verloren zu haben mit erst später auftauchenden Erinnerun-

gen (vgl. vorne Erw. III. 7.1 - 7.3). Die Berufung der Beschuldigten auf Bewusstlo-

sigkeit und (vorübergehenden) Erinnerungsverlust erscheint daher ebenfalls kon-

struiert und nachgeschoben. Es liegt mit der Vorinstanz der Schluss nahe, dass 

sie versucht, den Privatkläger übermässig zu belasten und in einem schlechten 

Licht darzustellen. Dies wird auch durch die Akten gestützt. Die Beschuldigte zielt 

offensichtlich darauf ab, den Privatkläger in allgemeiner Hinsicht zu diffamieren 

(z.B. Urk. 54 f. und 60 f. im Parallelverfahren SB190331). Das ist als blosse 

Stimmungsmache gegen den Privatkläger zu qualifizieren. Demgegenüber be-

schränken sich die Eingaben des Privatklägers darauf, ein mögliches Motiv für 

Übertreibungen der Beschuldigten zu liefern. Die Aussagen der Beschuldigten er-

scheinen auch vor dem Hintergrund ihres übrigen Verhaltens im Verfahren als 

übertrieben und nicht glaubhaft.  

Zusammengefasst ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz erwiesen, dass 

der Privatkläger mit der linken flachen Hand gegen den Kopf der Beschuldigten 

geschlagen hat (Urk. 69 S. 27). Dabei bestehen aber keine Zweifel, dass es bei 

diesem einen Schlag blieb. Die dadurch erlittenen und angeklagten Verletzungen 

der Beschuldigten sind erstellt (Urk. 35 S. 2).  

8.4.2  Stoss gegen den Oberkörper 

Wie eingangs erwähnt, ist der angeklagte Stoss gegen den Oberkörper der Be-

schuldigten mit deren anschliessendem Sturz samt den daraus resultierenden 

Verletzungen durch den Privatkläger anerkannt (vorne Erw. III. 3.2). Wie in der 

vorstehenden Erw. III. 8.4.1 aufgezeigt, ist aber weder eine Bewusstlosigkeit der 

-   36   - 

Beschuldigten noch ein Filmriss erwiesen. Es gilt analog das dort Gesagte. Die 

gemäss Anklage durch den Sturz bewirkten Verletzungen sind ebenfalls erstellt. 

8.5 Anklagesachverhalt 2 betreffend Sachbeschädigung (Urk. 35 S. 3) 

Der Anklagesachverhalt ist aufgrund der Akten ebenfalls erstellt. Gemäss Aussa-

ge der Beschuldigten wurde die Sonnenbrille durch den Schlag des Privatklägers 

in ihr Gesicht in Mitleidenschaft gezogen und fiel in der Folge auch zu Boden. Das 

leuchtet ein. Diese Darstellung wird vom Privatkläger nicht substanziert bestritten. 

Er lässt zwar vortragen, es sei aus den Akten nicht feststellbar, ob die Sonnen-

brille beim Schlag an den Kopf der Beschuldigten, beim Stoss gegen ihren Ober-

körper oder bei ihrem Sturz zu Boden heruntergefallen und ein Glas aus der   

Fassung gesprungen sei (Urk. 93 S. 5 im Parallelverfahren SB190331). Die Be-

schuldigte habe erst bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass der Schlag ihre 

Brille getroffen hätte und diese zu Boden gefallen sei. Es sei daher anzunehmen, 

dass der Schaden an der Brille beim Sturz der Beschuldigten entstanden sei und 

damit sei der Sachschaden Folge der gerechtfertigten Abwehr des Angriffs der 

Beschuldigten (Urk. 131 S. 5 im Parallelverfahren SB190331). Dieser Argumen-

tation ist entgegenzuhalten, dass der Anklagesachverhalt sowohl bezüglich des 

Schlages als auch des Stosses zu Lasten des Privatklägers erwiesen ist und dass 

die Sonnenbrille bereits durch den Schlag tangiert wurde. Die Beschuldigte sagte 

schon in der polizeilichen Einvernahme aus, dass die Sonnenbrille durch den 

Schlag verbogen und das linke Glas herausgefallen sei (vgl. Erw. III S. 6), so dass 

sie in der Folge – wann genau kann offen bleiben – zu Boden fiel. Den geltend 

gemachten Sachschaden bzw. den Wert der Sonnenbrille in der Höhe von 

Fr. 432.–, der im Übrigen belegt ist (Urk. 69/1), hat der Privatkläger ohne Wider-

spruch zur Kenntnis genommen (Urk. D1/5 Frage 18 f.; Prot. I S. 21 f.).  

8.6 Fazit Sachverhaltserstellung 

Somit steht aufgrund der Beweiswürdigung fest, dass die Beschuldigte nach ih-

rem Eintreffen gemeinsam mit dem Privatkläger vom Parkplatz zum Hauseingang 

lief und ihn währenddessen fragte, ob er sich wieder in den Arsch habe ficken 

lassen und wie viele Schwänze er wieder gelutscht habe. Sodann ist erwiesen, 

-   37   - 

dass die Beschuldigte vor dem Hauseingang den Privatkläger auch physisch zu 

attackieren begann und versuchte, dem Privatkläger den gemeinsamen Sohn aus 

dem rechten Arm zu entreissen und ihn dabei kratzte. Der Privatkläger seinerseits 

hat in der Folge mit der linken flachen Hand gegen die linke Seite des Kopfes der 

Beschuldigten geschlagen, wodurch sie eine Quetsch-Risswunde und eine Schür-

fung erlitt. Im Anschluss daran trat die Beschuldigte mehrfach gegen den Privat-

kläger, dies zumindest vier bis sechs Mal. Schliesslich stiess der Privatkläger die 

Beschuldigte mit der flachen Hand von sich weg, wodurch diese rückwärts stürzte 

und mit dem Kopf auf der sich dort befindlichen Mauer resp. dem Boden auf-

schlug, was am Hinterkopf zu einer zweiten Quetsch-Risswunde sowie Schürfun-

gen an Ellbogen und Oberarm führte. Die Sonnenbrille, welche die Beschuldigte 

während des Vorfalles getragen hatte, fiel infolge der Auseinandersetzung zu  

Boden, wobei ein Glas aus der Fassung sprang. 

IV. Schuldpunkt – Rechtliche Würdigung 

1. Beschimpfung (Anklagesachverhalt 1, Urk. 36 S. 2)  

1.1 Objektiver Tatbestand 

Die Vorinstanz hat die Tatbestandselemente der Gesetzesbestimmung von 

Art. 177 Abs. 1 StGB korrekt dargelegt (Art. 69 S. 29). Gestützt auf den erstellten 

Sachverhalt (vgl. vorne Erw. III. 8.2) und mit zutreffender Begründung ist sie zum 

Ergebnis gelangt, dass die von der Beschuldigten getätigten Äusserungen "Hast 

du dich wieder in den Arsch ficken lassen?" sowie "Wie viele Schwänze hast du 

gelutscht?" in einem engen Zusammenhang mit der von der Beschuldigten ver-

muteten Homosexualität des Privatklägers stehen. Diese Fragen sind als Wert-

urteil einzustufen und ohne Weiteres als ehrverletzend im Sinne von Art. 177 

Abs. 1 StGB zu qualifizieren. Die Beschuldigte griff mit ihren Äusserungen 

den Privatkläger in seiner Ehre an. Es ist vorliegend offensichtlich, dass sie dem 

Privatkläger diese Fragen nicht im Zusammenhang mit ihrem Interesse an seinen 

(angeblichen) Sexualpartnern stellte. Ihr ging es lediglich darum, ihrer Miss-

achtung und Geringschätzung gegenüber dem Privatkläger (und seiner von ihr 

-   38   - 

vermuteten Homosexualität) Ausdruck zu verleihen. Somit ist der objektive Tat-

bestand der Beschimpfung erfüllt. 

1.2 Subjektiver Tatbestand 

Bei einer Beschimpfung durch ein Werturteil muss sich der Vorsatz nur darauf 

richten, dass die Äusserung ehrenrührig ist, nicht auch darauf, dass sie nicht ver-

tretbar ist (BSK StGB II-Riklin, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 177 N 14 mit Hinweisen). 

Die Beschuldigte wusste ganz genau, wie diese Worte beim Privatkläger an-

kommen und dass sie ihn dadurch in seiner Ehre angreift. Sie wollte ihn auch mit 

ihren Äusserungen in seiner Ehre verletzen, weshalb der subjektive Tatbestand 

der Beschimpfung ebenfalls erfüllt ist (vgl. u.a. Urk. D1/7 S. 6 ff., und 12 f., 

Urk. D1/11/2/9 f. und 16 ff.).   

1.3 Strafbefreiungsgründe 

Gemäss Art. 177 Abs. 2 StGB kann der Richter den Täter von der Strafe befreien, 

sofern der Beschimpfte durch sein ungebührliches Verhalten zu der Beschimp-

fung unmittelbar Anlass gegeben hat. Ist die Beschimpfung unmittelbar mit einer 

Beschimpfung oder Tätlichkeit erwidert worden, so kann der Richter einen oder 

beide Täter von Strafe befreien (Art. 177 Abs. 3 StGB). 

Die Beschuldigte stellte dem Privatkläger die zitierten Fragen ohne vorgängige 

Provokationen von dessen Seite. Weiter steht fest, dass die physische Einwirkung 

des Privatklägers gegen die Beschuldigte erst später und als Reaktion auf ihre 

physischen Attacken gegen ihn erfolgte. Daher ist vorliegend weder der fakulta-

tive Strafbefreiungsgrund der Provokation (Art. 177 Abs. 2 StGB) noch jener der 

Retorsion (Art. 177 Abs. 3 StGB) gegeben.  

2. Tätlichkeiten (Anklagesachverhalt 2, Urk. 36 S. 2 f.) 

2.1 Objektiver Tatbestand 

Wiederum in zutreffender Würdigung des erstellten Sachverhalts hat die Vor-

instanz den Tatbestand der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB be-

jaht (Urk. 69 S. 30 ff.). 

-   39   - 

Eine Tätlichkeit wird bei physischen Einwirkungen auf einen Menschen an-

genommen, die das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass über-

schreiten und keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge ha-

ben. Dazu zählen unter anderem Kratzer und Schürfungen sowie – wenn weder 

der Körper noch die Gesundheit geschädigt werden, mithin bei eher geringfügigen 

Einwirkungen – auch Schläge und Fusstritte (BSK StGB II-Roth/Keshelava, 

4. Aufl., Basel 2019, Art. 126 N 5 mit Hinweisen). Die Verursachung von Schmer-

zen stellt kein erforderliches Tatbestandsmerkmal dar (BGE 134 IV 191, 119 

IV 27). 

Die Beschuldigte versuchte, dem Privatkläger das Kind zu entreissen und schlug 

ihn mehrmals mit den Händen respektive trat ihn mit den Füssen. Dadurch erlitt er 

eine leichte Schürfung am linken Unterarm. Die Schürfung ist als geringfügig zu 

betrachten, weshalb eine einfache Körperverletzung von vorherein ausgeschlos-

sen werden kann. Auch die Schläge bzw. Tritte sind als noch von eher geringer 

Intensität einzustufen, zumal die Beschuldigte dabei auf nur einem Bein stand, 

weshalb auch der Einwand der Vertreterin des Privatklägers, es sei von einer ver-

suchten einfachen Körperverletzung auszugehen, nicht stichhaltig ist. Dass 

dadurch irgendeine Schädigung hervorgerufen worden wäre, wurde weder gel-

tend gemacht noch ist es aktenkundig. Dennoch wirkte die Beschuldigte durch ihr 

Verhalten auf die physische Integrität des Privatklägers in einer Art und Weise 

ein, die das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass klarerweise 

überschreitet. Der objektive Tatbestand der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 

StGB ist daher erfüllt, wobei mehrfache Tatbegehung vorliegt. 

2.2 Subjektiver Tatbestand 

In subjektiver Hinsicht muss sich der Vorsatz auf die Tathandlung und den Erfolg 

der Tätlichkeiten beziehen. Wird eine Verletzung angestrebt, hat die Tat aber nur 

den Erfolg einer Tätlichkeit, liegt versuchte Körperverletzung vor, womit die Tät-

lichkeit konsumiert ist (BSK StGB II-Roth/Keshelava, a.a.O., Art. 126 N 13).  

Die Beschuldigte kratzte den Privatkläger beim Versuch, ihm den gemeinsamen 

Sohn C._____ aus den Armen zu entreissen. Auch wenn die physische Einwir-

-   40   - 

kung auf den Privatkläger nicht ihre primäre Absicht war, nahm sie durch ihr Ver-

halten eine physische Einwirkung auf ihn, wie etwa das Zufügen der besagten 

Schramme, zumindest in Kauf. Eventualvorsatz ist jedenfalls gegeben.  

Bezüglich ihrer Schläge bzw. Tritte gegen die Beine resp. Oberschenkel des Pri-

vatklägers wollte sie die physische Einwirkung auf dessen Körper, handelte somit 

mit direktem Vorsatz. Sie strebte gemäss ihren Aussagen sogar danach, den Pri-

vatkläger zu Fall zu bringen. Eine Absicht, den Privatkläger dadurch ernsthaft zu 

verletzen bzw. zu schädigen, lässt sich jedoch nicht erkennen. Denn die Beschul-

digte reagierte mit ihren Tritten auf den durch den Privatkläger erhaltenen Schlag 

gegen ihren Kopf resp. ihre Stirn und sie wusste nicht, ob weitere Schläge des 

Privatklägers folgen würden. Eine versuchte einfache Körperverletzung lässt sich 

aus ihrem Verhalten daher nicht ableiten. Der subjektive Tatbestand der Tätlich-

keiten ist indes ohne Weiteres erfüllt. 

2.3 Rechtfertigungsgründe 

2.3.1  Die Beschuldigte beruft sich in Bezug auf die Tätlichkeiten auf rechtfer-

tigende Notwehr und gibt an, sich lediglich gegen den angreifenden Privatkläger 

verteidigt zu haben (vgl. Urk. D1/4 S. 3 ff., Urk. D1/7 S. 4, Prot. I S. 25 ff.; 

Urk. 100). 

2.3.2  Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB bezeichnet die rechtmässige Abwehr 

gegen einen rechtswidrigen Angriff. Das Recht auf Notwehr setzt das Vorliegen 

einer Notwehrlage voraus. Eine solche liegt vor bei einem gegenwärtigen oder 

unmittelbar drohenden Angriff, worunter ein auf die Verletzung eines Individual-

rechtsguts gerichtetes menschliches Verhalten zu verstehen ist. Der Angriff muss 

rechtswidrig sein; der Angreifer darf sich bei seinem Handeln nicht auf einen 

Rechtfertigungsgrund berufen können. Ist die Notwehrlage durch absichtliche 

Provokation verschuldet, entfällt das Abwehrrecht (TRECHSEL/GETH, in: Trechsel/ 

Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/ 

St. Gallen 2018, Art. 15 N 4 ff.). Die Abwehr muss sodann bestimmten Anforde-

rungen genügen, um rechtmässig zu sein. 

-   41   - 

2.3.3  Hinsichtlich ihrer physischen Einwirkungen auf den Körper des Privat-

klägers beim Versuch, ihm den gemeinsamen Sohn aus den Armen zu entreis-

sen, lag keinerlei Angriff des Privatklägers vor. Vielmehr ging die Initiative der – in 

der Folge dann – gegenseitigen, physischen Übergriffe von der Beschuldigten 

aus. Die Aggression lag klarerweise auf ihrer Seite.  

In Bezug auf die Tritte gegen die Beine und Oberschenkel des Privatklägers ist es 

zutreffend, dass diesen ein Schlag des Privatklägers gegen den Kopf der Be-

schuldigten vorausging. Allerdings befand sich der Privatkläger im Zeitpunkt des 

Schlages selbst in einer Notwehrsituation, verursacht durch die tätlichen Attacken 

der Beschuldigten. Er musste aufgrund der gesamten Umstände davon ausge-

hen, dass die Beschuldigte ihren Angriff solange fortführt, bis sie ihr Ziel, nämlich 

den gemeinsamen Sohn C._____ zu sich zu holen, erreicht. Dieser Angriff seitens 

der Beschuldigten gegen die physische Integrität des Privatklägers erfolgte daher 

offensichtlich rechtswidrig. Aufgrund seiner erwiesenen Notwehrlage stand dem 

Privatkläger das Recht auf Notwehr zu. Der Schlag gegen den Kopf der Beschul-

digten war somit nicht rechtswidrig, vielmehr konnte sich der Privatkläger dies-

bezüglich auf einen Rechtsfertigungsgrund berufen. Bei der Beschuldigten hinge-

gen fällt die Berufung auf einen Rechtfertigungsgrund mangels rechtswidrigem 

Angriff durch den Privatkläger von Vornherein ausser Betracht. 

3. Fazit 

Die Beschuldigte hat sich der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB 

und der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig ge-

macht. Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind nicht gegeben. 

V. Strafzumessung und Vollzug 

1. Anwendbares Recht, Strafrahmen, Strafzumessungskriterien 

Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz das alte, vor dem 1. Januar 2018 

geltende Sanktionenrecht für anwendbar erklärt, die Methodik der Strafzu-

messung umschrieben und die weiteren massgebenden Strafzumessungskriterien 

-   42   - 

genannt. Auf diese Ausführungen kann zur Vermeidung von Wiederholungen 

verwiesen werden (Art. 69 S. 33 ff.). Was die Strafrahmen betrifft, sieht das Ge-

setz für die Beschimpfung als Vergehen eine Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen 

vor. Für die mehrfachen Tätlichkeiten, bei denen es sich um Übertretungen han-

delt, ist eine Busse auszusprechen, wobei die Obergrenze bei Fr. 10'000.– liegt. 

Infolge der unterschiedlichen Strafarten ist keine Gesamtstrafe möglich, vielmehr 

sind die zwei Delikte mit eigenständigen Sanktionen zu ahnden.  

2. Beschimpfung 

2.1 Tatkomponente 

2.1.1  In objektiver Hinsicht ist übereinstimmend mit der Vorinstanz festzuhalten, 

dass die Beschuldigte den Privatkläger am 10. Mai 2017 mit den Sätzen "Hast du 

dich wieder in den Arsch ficken lassen?" sowie "Wie viele Schwänze hast du ge-

lutscht?" beschimpft hat. Sie tat dies einzig und allein, um den Privatkläger bloss-

zustellen resp. diesen (verbal) in seiner Ehre anzugreifen. Verschuldenserhöhend 

kommt hinzu, dass sie dies grundlos in der Öffentlichkeit und in Gegenwart des 

gemeinsamen Sohnes tat. C._____ dürfte aufgrund seines Alters diese Be-

schimpfungen inhaltlich wohl nicht verstanden haben, doch verspürte er ange-

sichts der dadurch von der Beschuldigten ausgehenden aggressiven Stimmung 

fraglos, dass es keine freundlichen Worte waren, ansonsten er nicht eingeschüch-

tert gewesen wäre, Papa gerufen und sich an den Privatkläger geklammert hätte. 

Beim Inhalt der Beschimpfungen handelt es sich im möglichen Spektrum des Vor-

stellbaren um noch nicht allzu gravierende, jedoch auch keineswegs um belang-

lose Äusserungen. Etwas relativierend fällt ins Gewicht, dass das Verhältnis der 

Beschuldigten und des Privatklägers seit längerer Zeit angespannt und geprägt 

von Streitereien war. Da der Privatkläger überdies solche Beschimpfungen schon 

"schätzungsweise 100 Mal zuvor" über sich ergehen lassen musste (Urk. D1/7 

S. 6), dürfte er dadurch nicht allzu betroffen gewesen sein. Das Verschulden der 

Beschuldigten erweist sich in objektiver Hinsicht insgesamt als nicht mehr leicht. 

2.1.2  Bei der subjektiven Tatschwere ist ebenfalls im Einklang mit der Vorinstanz 

festzustellen, dass die Beschuldigte mit direktem Vorsatz handelte und genau 

-   43   - 

wusste, wie diese Worte beim Privatkläger ankommen. Da sie ein deliktisches 

Verhalten stets in Abrede stellte, können über ihre Beweggründe nur Mutmassun-

gen angestellt werden. Sie tätigte diese Äusserungen jedoch – soweit ersichtlich – 

aus nichtigem Anlass und völlig grundlos. Dennoch lassen ihre Verhaltensweisen 

nicht den Schluss auf eine erhebliche kriminelle Energie zu. Vielmehr handelte die 

Beschuldigte aus einer emotionalen Gefühlslage heraus, welche im Zusammen-

hang mit der schwierigen Situation der beiden Beteiligten nach der erfolgten 

Trennung stand. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive aber insgesamt 

nicht zu abzumildern. 

2.1.3  Das Tatverschulden für die Beschimpfung wiegt innerhalb des engen Straf-

rahmens nicht mehr leicht. Die Einsatzstrafe für die Tatkomponente ist in Wür-

digung aller Umstände im Grenzbereich zwischen dem unteren und mittleren Drit-

tel des Strafrahmens anzusiedeln, mithin bei 30 Tagessätzen Geldstrafe.   

3. Tätlichkeiten  

3.1 Tatkomponente 

3.1.1  Zutreffend hat die Vorinstanz zum objektiven Tatverschulden erwogen, 

dass die Beschuldigte den Privatkläger mehrere Male geschlagen bzw. getreten 

und ihm eine Schürfwunde am Unterarm zugefügt hat. Die mehrfache Tatbe-

gehung wirkt sich verschuldenserhöhend aus. Aufgrund der Höhe der Tritte im 

Bereich des mittleren Oberschenkels sind diese – trotz rechtlicher Einordnung als 

Tätlichkeit (vgl. vorne Erw. IV. 2.) – als nicht sehr weit von einer versuchten einfa-

chen Körperverletzung entfernt einzustufen. Insgesamt erweist sich die objektive 

Tatschwere als nicht unerheblich. 

3.1.2  Bei der subjektiven Tatschwere ergibt sich, dass die Beschuldigte direkt-

vorsätzlich handelte. Allerdings ist ihr zugute zu halten, dass sie in Bezug auf die 

Fusstritte auch auf den vorgängig durch das Handeln des Privatklägers erlittenen 

Schlag reagierte. Da die Beschuldigte im Rahmen eines emotionalen Streits han-

delte, ist dies leicht verschuldensvermindernd zu berücksichtigen. Anderseits 

muss als erschwerend gewichtet werden, dass die Beschuldigte die besagten 

-   44   - 

Fusstritte ausführte, obwohl der Privatkläger den gemeinsamen Sohn C._____ 

auf dem Arm hielt, und dass sie gemäss ihren eigenen Aussagen sogar darauf 

bedacht war, den Privatkläger zu Fall zu bringen. Weitere Gründe, die für eine Er-

höhung oder Verminderung des Tatverschuldens sprechen, sind nicht ersichtlich. 

Das Verschulden erfährt durch die Beurteilung der subjektiven Tatkomponente  

– leicht abweichend zur Vorinstanz – im Ergebnis keine Relativierung. Das Tat-

verschulden ist nach wie vor als nicht unerheblich einzustufen. 

3.1.3  Insgesamt wiegt das Tatverschulden der Beschuldigten für die Tätlichkeiten 

nicht unerheblich. Wenn die Vorinstanz als Strafe für die Tatkomponente eine 

Busse von Fr. 600.– festsetzte, ist dies ohne Weiteres gerechtfertigt. 

4. Täterkomponente 

4.1 Zu ihren persönlichen Verhältnissen befragt, gab die Beschuldigte vor Vor-

instanz zusammengefasst an, dass sie in einem 60%-Pensum als Architektin ar-

beite und dabei monatlich netto Fr. 3'240.– verdiene. Sie erhalte zudem einen 

13. Monatslohn und vom Privatkläger monatlich Fr. 2'500.– Kindesunterhalt. Wei-

ter erhalte sie die Individuelle Prämienverbilligung der Stadt Zürich für die Kran-

kenversicherung, so dass sie für C._____ und sich noch Fr. 460.– im Monat be-

zahle. Für die Miete bezahle sie pro Monat Fr. 2'250.–. Zudem verfüge sie über 

ein Vermögen von ca. Fr. 20'000.– und über keine Schulden. Finanzielle oder an-

derweitige Unterstützungspflichten habe sie keine. Im In- und Ausland verfüge sie 

über keine Vorstrafen und Strafverfahren seien auch keine hängig (Prot. I 

S. 12 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab die Beschuldigte aktualisie-

rend an, sie sei Hausfrau und zurzeit nicht erwerbstätig. Sie erhalte Unterhalt 

für den Sohn, eine Kinderzulage, habe Erspartes und erhalte Unterstützung von 

ihrem Partner (Urk. 100 S. 1 f.).  

Aus dieser Biografie ergeben sich keine strafzumessungsrelevante Faktoren. 

4.2 Die Beschuldigte ist nicht vorbestraft. Das wirkt sich praxisgemäss neutral 

auf die Strafzumessung aus. 

-   45   - 

4.3 Die Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe gemäss Anklagesachverhalt und 

zeigt sich weder einsichtig noch reuig. Aus dem Nachtatverhalten lassen sich kei-

ne strafmindernden Umstände ableiten. 

4.4 Es ist keine besondere Strafempfindlichkeit ersichtlich, die zu Gunsten der 

Beschuldigten zu berücksichtigen wäre. 

5. Gesamtwürdigung 

5.1 Da die Täterkomponente weder straferhöhende noch strafmindernde Um-

stände enthält, bleibt es bei 30 Tagessätzen Geldstrafe und Fr. 600.– Busse.  

5.2 Mit der Vorinstanz erweist sich eine Tagessatzhöhe von Fr. 100.– als den 

Verhältnissen der Beschuldigten angemessen (Urk. 69 S. 42). In Würdigung aller 

massgeblichen Strafzumessungsgründe ist die Beschuldigte in Bestätigung 

des angefochtenen Urteils zusammenfassend mit einer Geldstrafe von 

30 Tagessätzen zu Fr. 100.– und mit einer Busse von Fr. 600.– zu bestrafen. Die 

Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse ist auf 6 Tage 

festzusetzen (Urk. 69 S. 39). 

6. Vollzug 

6.1 Mit zutreffender Begründung, auf die zu verweisen ist, hat die Vorinstanz der 

Beschuldigten bezüglich der Geldstrafe den bedingten Strafvollzug gewährt und 

die Probezeit auf das gesetzliche Minimum von 2 Jahren festgesetzt. Das ist zu 

bestätigen (Urk. 69 S. 39 f.). 

6.2 Die Busse ist in Anwendung von Art. 105 Abs. 1 StGB zu bezahlen.  

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Die Kostenregelung der Vorinstanz (vgl. Urk. 69 S. 40 und 42; Dispositiv-

ziffer 6) ist ausgangsgemäss zu bestätigen. Ebenfalls zu bestätigen ist die dem 

Privatkläger zugesprochene Prozessentschädigung für die anwaltliche Vertei-

digung (vgl. Urk. 69 S. 40 ff.; Dispositivziffer 7).   

-   46   - 

2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Im Berufungsverfahren 

unterliegt die Beschuldigte mit ihren Anträgen vollumfänglich. Der Privatkläger 

dringt mit seinem Hauptantrag auf Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und 

Rückweisung zur Anklageergänzung nicht durch. Mit dem Eventualantrag obsiegt 

er im Wesentlichen. A