# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b3ff5d7-7b1a-5bac-a5bc-4e04ba0be342
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 A-1344/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1344-2011_2011-09-26.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung I
A­1344/2011 und A­3285/2011

U r t e i l   v om   2 6 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Markus Metz (Vorsitz),
Richter Daniel Riedo, Richter Michael Beusch,
Gerichtsschreiber Jürg Steiger.

Parteien A._______,
Beschwerdeführerin, 

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung 
Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Mehrwertsteuer (Schlussabrechnung per 31. Dezember 
2008; Einlageentsteuerung).

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Sachverhalt:

A. 
Die  A._______  bezweckt  insbesondere  den  Vertrieb  sowie  die 
Herstellung  elektronischer Medien,  v.a.  Fernsehprogramme  im  (…).  Sie 
war  vom  1. Januar  bis  31.  Dezember  2008  im  Register  der 
Mehrwertsteuerpflichtigen  bei  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung 
(ESTV)  eingetragen.  Diese  bewilligte  ihr  am  5.  November  2007  die 
Abrechnung der Mehrwertsteuer nach vereinnahmten Entgelten.

B. 
Mit Schreiben vom 30. Oktober 2009  teilte die A._______ mit,  sie habe 
ihren  Betrieb  seit  längerem  eingestellt.  Im  Fragebogen  der  ESTV 
betreffend  die  Abklärung  für  eine  Löschung,  datiert  vom  6.  November 
2009,  bestätigte  die  A._______,  sie  habe  ihren  Geschäftsbetrieb  per 
31. Dezember 2008 aufgegeben. Am 12. Januar 2010 teilte ihr die ESTV 
mit,  sie  habe  sie  per  31.  Dezember  2008  aus  dem  Register  der 
Mehrwertsteuerpflichtigen gelöscht. Im Weiteren führte die ESTV aus, die 
beiliegende  Schlussabrechnung  müsse  zwingend  ausgefüllt  werden. 
Angaben über das Ausfüllen könnten der Anleitung entnommen werden.

C. 
Mit Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. 564920 vom 22. Juni 2010 stellte die 
ESTV der A._______ eine provisorische Steuerforderung von Fr. 15'000.­
­  Mehrwertsteuer  in  Rechnung.  Es  handelte  sich  um  eine 
ermessensweise  Schätzung,  da  die  Schlussabrechnung  trotz  Mahnung 
nicht eingereicht worden sei.

D. 
Mit  E­Mail  vom  27.  Juli  2010  reichte  die  A._______  das 
Abrechnungsformular  für das 4. Quartal 2009 ein, wobei  sie darauf u.a. 
den  Vermerk  "Schlussabrechnung"  anbrachte.  Sie  deklarierte  Fr.  0.­­ 
Steuern und Fr. 0.­­ Vorsteuern.  Im Weiteren  reichte die A._______ am 
gleichen Tag die Bilanz per 31. Dezember 2008 ein.

E. 
Mit  E­Mail  vom  27.  August  2010  sandte  die  A._______  der  ESTV  die 
Erfolgsrechnung per 31. Dezember 2008 zu. Im Weiteren reichte sie eine 
eingescannte  und  nicht  unterzeichnete  Schlussabrechnung  per 
31. Dezember  2008  ein.  Im  E­Mail  bat  sie  die  ESTV  um  Hilfe  bei  der 
korrekten Ausfüllung. Bei den Positionen "Betriebsmittel/Investitionsgüter" 
und "Dienstleistungen" setzte sie Fragezeichen.

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F. 
Mit E­Mail vom 10. September 2010  teilte die A._______ der ESTV mit, 
ein Vorsteuerjournal habe sie nicht. Es seien aber sämtliche Rechnungen 
alphabetisch geordnet. Die eingescannten Rechnungen mit den grössten 
Beträgen befänden sich  im Anhang des E­Mails.  Im Weiteren  führte sie 
aus,  sie  könne  sämtliche  Rechnungen  so  zustellen  und  bat  die  ESTV 
mitzuteilen, welche benötigt würden.

G. 
Am 21. September 2010 erliess die ESTV einen anfechtbaren Entscheid. 
Darin  bestätigte  sie  für  die Schlussabrechnung per  31. Dezember  2008 
die Steuerforderung in der Höhe von Fr. 15'000.­­ zuzüglich Verzugszins 
gemäss  der  EA  Nr.  564920.  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  die 
A._______ am 23. Oktober  2010 Einsprache. Sie machte  insbesondere 
geltend, sie weise ein Mehrwertsteuerguthaben von Fr. 98.63 auf.

H. 
Mit  Einspracheentscheid  vom  27.  Januar  2011  hiess  die  ESTV  die 
Einsprache teilweise gut. Sie erkannte, die A._______ schulde ihr für die 
Schlussabrechnung per 31. Dezember 2008 Fr. 1'358.80 Mehrwertsteuer 
zuzüglich Verzugszins. Zur Begründung  führte sie  im Wesentlichen aus, 
sie  habe  erst  mit  dem  in  der  Einsprache  enthaltenen  Buchungsjournal 
eine  Korrektur  ihrer  Ermessenseinschätzung  vornehmen  können.  Der 
Abgleich der in den eingereichten Abrechnungen (1. bis 4. Quartal 2008) 
deklarierten Umsätze und Vorsteuern mit dem Buchhaltungsjournal habe 
ergeben,  dass  die  A._______  für  die  Schlussabrechnung  per 
31. Dezember  2008  noch  Fr. 1'358.80  schulde.  In  der  Folge  stellte  die 
ESTV  die  Gutschriftsanzeige  (GS)  Nr.  680341  vom  27. Januar  2011  in 
der Höhe des Differenzbetrags von Fr. 13'641.20 aus.

I. 
Mit  Eingabe  vom  25.  Februar  2011  führte  die  A._______ 
(Beschwerdeführerin)  Beschwerde  gegen  den  Einspracheentscheid  der 
ESTV  vom  27.  Januar  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  mit  den 
folgenden Anträgen: "(1) Der Entscheid ist partiell, soweit er zum Nachteil 
der  Einsprecherin  gereicht,  aufzuheben.  (2)  Die  Betreibung  ist 
zurückzuziehen  und  im  Betreibungsregister  zu  löschen.  (3)  Es  ist 
festzustellen,  dass  die  Einsprecherin  keine  Mehrwertsteuer  mehr 
schuldet. (4) Alles ist unter Kosten­ und Entschädigungsfolgen zu Lasten 
der  ESTV  zu  beurteilen".  Zur  Begründung  brachte  die 
Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  vor,  ihr  Ziel  sei  es  gewesen,  die 

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ausgeschriebene  Konzession  für  ein  Regionalfernsehen  im  (…)  zu 
erlangen. Der Sendebeginn sei am 1. Januar 2008 gewesen. Dies habe 
zur  Folge  gehabt,  dass  sie  bereits  vor  diesem  Datum  Leistungen  von 
ihren Vertragspartnern bezogen habe. Im Jahr 2007 habe sie Fr. 1'358.95 
Vorsteuern auf solchen Leistungen bezahlt. Bestritten sei im vorliegenden 
Verfahren nur noch dieser Betrag. Sie habe bereits bei  ihrer Anmeldung 
vom  18.  Juni  2007  angeführt,  sie  werde  im  Jahr  2007  diverse 
Investitionen vornehmen. Vorliegend seien die Voraussetzungen für eine 
Einlageentsteuerung betreffend die  im Jahr 2007 bezogenen Leistungen 
erfüllt. Ohne diese Vorleistungen wäre es ihr nicht möglich gewesen, den 
Betrieb  am  1.  Januar  2008  aufzunehmen.  Zu  berücksichtigen  seien 
Rechnungen  des Notars  in  der Höhe  von  Fr. 2'023.75  (inkl. MWST)  für 
die Gründung,  der X._______  von  insgesamt Fr. 12'912.­­  (inkl. MWST) 
für  Beratungsleistungen  sowie  der  Y._______  von  Fr. 4'304.­­  (inkl. 
MWST) für die Erstellung von Unterlagen und Koordinationsaufgaben.

J. 
Am 12. Mai 2011 erliess die ESTV wiedererwägungsweise einen neuen 
Einspracheentscheid.  Sie  hiess  die  Einsprache  teilweise  gut  und 
erkannte, die Beschwerdeführerin schulde ihr für die Schlussabrechnung 
per 31. Dezember 2008 keine Mehrwertsteuer. Zur Begründung brachte 
sie  insbesondere  vor,  aufgrund  der  im  vorliegenden 
Beschwerdeverfahren  eingereichten  Rechnungen  für  die  im  Jahr  2007 
bezogenen  Dienstleistungen  könnten  die  betreffenden  Vorsteuern 
gewährt werden. Die ESTV habe  in  ihrem Einspracheentscheid vom 27. 
Januar  2011  die  in  der  Einsprache  aufgeführten  Leistungsbezüge  2007 
(Advokaturleistungen,  Treuhandleistungen  sowie  Werbung)  mangels 
weiterer Angaben praxisgemäss als Dienstleistungen qualifiziert, die beim 
Bezug als verbraucht gelten und deswegen nicht zur Einlageentsteuerung 
zugelassen.  Erst  mit  den  von  der  Beschwerdeführerin  im 
Beschwerdeverfahren  neu  eigereichten  mehrwertsteuerkonformen 
Rechnungen  sei  es  für  die ESTV ersichtlich  gewesen,  dass es  sich  bei 
diesen  im  Jahr  2007  bezogenen Dienstleistungen  um  solche  gehandelt 
habe,  die  für  die Aufnahme  der Geschäftstätigkeit  erforderlich  gewesen 
seien.

K. 
Am  9.  Juni  2011  führte  die  Beschwerdeführerin  –  eine  zusätzliche – 
Beschwerde  gegen  den  wiedererwägungsweise  erlassenen 
Einspracheentscheid  vom  12. Mai  2011  an  das 
Bundesverwaltungsgericht.  Darin  stellte  sie  folgende  Anträge:  "(1)  Der 

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Entscheid ist, was den Sachverhalt bzw. deren Darstellung anbelangt, zu 
berichtigen.  (2)  Die  Betreibung  ist  zurückzuziehen  und  im 
Betreibungsregister  zu  löschen.  (3)  Es  ist  festzustellen,  dass  die 
Einsprecherin  keine  Mehrwertsteuer  mehr  schuldet.  (4)  Alles  ist  unter 
Kosten­ und Entschädigungsfolge zu Lasten der ESTV zu beurteilen." Zur 
Begründung  legte  die  Beschwerdeführerin  insbesondere  dar,  die  ESTV 
habe  den Sachverhalt  nicht  korrekt wiedergegeben. Mit  E­Mail  vom 27. 
Juli 2010 habe sie die Schlussdeklaration eingereicht mit der Bemerkung, 
sie  erwarte  eine  Rückantwort.  Eine  solche  sei  aber  nicht  erfolgt.  Die 
ESTV  habe  sie  also  im  Glauben  gelassen,  alles  sei  in  Ordnung.  Im 
Weiteren  habe  sie  der  ESTV  mit  E­Mail  vom  10.  September  2010 
sämtliche  Rechnungen  und  nicht  –  wie  von  dieser  dargelegt  –  bloss 
diverse  Rechnungen  eingereicht.  Entgegen  der  Behauptung  der  ESTV 
habe  sie  keine  Schlussabrechnung  erhalten,  vielmehr  sei  gleich  die 
Betreibung  eingeleitet  worden.  Die  ESTV  habe  die  Zustellung  der 
Schlussabrechnung zu beweisen.

Das Bundesverwaltungsgericht führte diese (neue) Beschwerde unter der 
Aktennummer A­3285/2011. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Juni 2011 
schloss  die  ESTV  auf  Nichteintreten,  da  es  sich  um  die  gleiche 
Streitsache  handle  wie  bei  der  Beschwerde  vom  25.  Februar  2011 
(Beschwerdeverfahren A­1344/2011) und diese rechtshängig sei.

L. 
Im  Beschwerdeverfahren  A­1344/2011  reichte  die  Beschwerdeführerin 
am 15. Juni 2011 auf Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts eine 
Stellungnahme  zum  wiedererwägungsweise  erlassenen 
Einspracheentscheid  vom  12.  Mai  2011  ein.  Diese  Stellungnahme  war 
inhaltlich  identisch mit  ihrer Beschwerde vom 9. Juni 2011  im Verfahren 
A­3285/2011.

Auf  die  Eingaben  der  Parteien  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  im 
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art.  31  des Bundesgesetzes  vom 17.  Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) 
beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen 

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Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine 
Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor und 
die  ESTV  ist  eine  Behörde  im  Sinn  von  Art.  33  VGG.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist daher  für die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerden  zuständig.  Soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG.

1.2.  Grundsätzlich  bildet  jeder  vorinstanzliche  Entscheid  ein 
selbständiges Anfechtungsobjekt und ist deshalb einzeln anzufechten. Es 
ist gerechtfertigt, von diesem Grundsatz abzuweichen und die Anfechtung 
in einem gemeinsamen Verfahren mit einem einzigen Urteil  zuzulassen, 
wenn  die  einzelnen  Sachverhalte  in  einem  engen  inhaltlichen 
Zusammenhang  stehen  und  sich  in  allen  Fällen  gleiche  oder  ähnliche 
Rechtsfragen stellen  (vgl. BGE 131 V 222 E. 1, 127 V 156 E. 1, 123 V 
214  E.  1;  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_188/2010  und  2C_194/2010 
vom  24.  Januar  2011  E.  1.1,  2C_872/2008  und  2C_873/2008  vom  7. 
Dezember 2009 E. 1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­8794/2007 
und  A­8755/2007  vom  18.  Oktober  2010  E.  1.2).  Unter  den  gleichen 
Voraussetzungen  können  auch  getrennt  eingereichte  Beschwerden  in 
einem  Verfahren  vereinigt  werden.  Ein  solches  Vorgehen  dient  der 
Verfahrensökonomie  und  liegt  im  Interesse  aller  Beteiligten  (Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­6834/2007 und A­6835/2007 vom 14. Juni 
2010  E. 1.3;  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER, 
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.17). 
Diese  Voraussetzungen  sind  im  vorliegenden  Fall  erfüllt,  ist  doch  in 
beiden  Fällen  dasselbe  Steuersubjekt  betroffen,  entsprechen  sich  die 
Sachverhalte und stellen sich gleiche Rechtsfragen (vgl. zur vorliegenden 
Konstellation  AUGUST  MÄCHLER,  in  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.], 
Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren, 
Zürich/St. Gallen 2008, Art. 58 N. 20 mit Hinweis). Daher  rechtfertigt es 
sich,  die  zwei  Beschwerdeverfahren  A­1344/2011  und  A­3285/2011  zu 
vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen.

1.3.  Als  Prozessvoraussetzungen  –  auch  Sachurteilsvoraussetzungen 
genannt  –  werden  die  Vorbedingungen  bezeichnet,  die  erfüllt  sein 
müssen, damit die Behörde eine Beschwerde zu behandeln und darüber 
materiell  zu  befinden  hat  (ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER, 
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., 
Zürich  1998,  N. 410).  Zu  den  Prozessvoraussetzungen  gehören  unter 
anderem  die  Beschwerdebefugnis  der  ein  Rechtsmittel  einlegenden 

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Person  (Art.  48  VwVG),  ein  form­  und  fristgerecht  eingereichtes 
Rechtsmittel  (Art.  50  und  51  ff.  VwVG)  und  das  Fehlen  anderweitiger 
Rechtshängigkeit  oder  eines  rechtskräftigen  Entscheids  in  der  gleichen 
Sache  (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­4166/2010 vom 17. Mai 
2011 E. 1.2; KÖLZ/HÄNER,  a.a.O., N 414). Damit  die Rechtsmittelinstanz 
auf  eine Beschwerde  eintritt  und  diese materiell  behandelt, müssen  die 
Prozessvoraussetzungen  nachgewiesen  sein.  Die  angerufene  Behörde 
prüft  sie  von  Amtes  wegen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­
1276/2008 vom 1. September 2009 E. 2.1).

Im vorliegenden Fall hat die ESTV ihren Einspracheentscheid im Rahmen 
von Art. 58 Abs. 1 VwVG in Wiedererwägung gezogen. Gemäss Art. 58 
Abs.  3  VwVG  setzt  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Behandlung  der 
Beschwerde  vom  25.  Februar  2011  fort,  soweit  diese  durch  den  neuen 
Einspracheentscheid vom 12. Mai 2011 nicht gegenstandslos geworden 
ist.  Da  bezüglich  der  noch  streitigen  Punkte  also  weiterhin 
Rechtshängigkeit  besteht,  ist  auf  die  Beschwerde  vom  9. Juni  2011 
gegen den wiedererwägungsweise erlassenen Einspracheentscheid vom 
12. Mai 2011 nicht einzutreten (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., 
Rz. 3.46).

1.4. 
1.4.1.  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  kann  nur  sein,  was 
Gegenstand  des  Einspracheentscheids  war  oder  nach  richtiger 
Gesetzesauslegung hätte sein sollen (Anfechtungsobjekt). Gegenstände, 
über welche die Vorinstanz nicht entschieden hat, und über die sie nicht 
zu  entscheiden  hatte,  sind  aus Gründen  der  funktionellen  Zuständigkeit 
durch die zweite  Instanz nicht zu beurteilen  (Urteile des Bundesgerichts 
2A.121/2004 vom 16. März 2005 E. 2.1, 2C_642/2007 vom 3. März 2008 
E.  2.2;  statt  vieler:  BVGE  2010/12  E. 1.2.1).  Der  Streitgegenstand  wird 
zudem  durch  die  Parteianträge  definiert  und  braucht  mit  dem 
Anfechtungsobjekt  nicht  übereinzustimmen.  Er  darf  sich  im  Laufe  des 
Beschwerdeverfahrens  nur  verengen,  er  kann  nicht  erweitert  oder 
qualitativ verändert werden (Urteil des Bundesgerichts 2A.121/2004 vom 
16. März 2005 E. 2.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­1626/2010 
vom 28. Januar 2011 E. 1.2.1). Was Streitgegenstand  ist, bestimmt sich 
nach dem angefochtenen Entscheid und den Parteibegehren (BGE 133 II 
35 E. 2).

Die  Beschwerdeführerin  beantragt  den  Rückzug  der  Betreibung  und 
deren  Löschung  im  Betreibungsregister  (vgl.  Antrag  Nr.  2  ihrer 

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Beschwerde  vom  25.  Februar  2011).  Über  diesen  Punkt  hat  die  ESTV 
nicht  entschieden.  Da  sich  der  Streitgegenstand  im  Laufe  des 
Beschwerdeverfahrens  nicht  erweitern  darf,  ist  auf  diesen  Antrag  nicht 
einzutreten.

1.4.2.  Der  Erlass  einer  Feststellungsverfügung  bedingt,  dass  das 
schutzwürdige  Interesse  nicht  durch  eine  rechtsgestaltende  Verfügung 
(bzw.  eine  Leistungsverfügung)  gewahrt  werden  kann  (Urteil  des 
Bundesgerichts  2C_726/2009  vom  20.  Januar  2010 E.  1.3;  BGE  126  II 
300  E.  2c;  BVGE  2010/12  E. 2.3,  2007/24  E.  1.3;  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­4695/2008 vom 24. März 2011 E. 1.4). Der 
Beschwerdeführerin  fehlt hinsichtlich  ihres Feststellungsbegehrens, dass 
sie  keine  Mehrwertsteuer  schulde,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an 
dessen  Behandlung,  weil  anhand  des  negativen  Leistungsbegehrens, 
dem  Antrag  auf  Aufhebung  der  angefochtenen  Nachbelastung  (durch 
Aufhebung  des  Einspracheentscheids,  soweit  er  zum  Nachteil  der 
Beschwerdeführerin  sei),  entschieden  werden  kann,  ob  die  fragliche 
Steuernachbelastung  zu  Recht  besteht.  Auf  das  Feststellungsbegehren 
(Rechtsbegehren Nr. 3 der Beschwerde vom 25. Februar 2011) ist somit 
nicht einzutreten.

1.4.3.  Unter  diesen  Vorbehalten  ist  auf  die  ansonsten  form­  und 
fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 25. Februar 2011 einzutreten.

1.5. 
1.5.1. Die Prozesserledigung zufolge Gegenstandslosigkeit setzt voraus, 
dass  das  Rechtsschutzinteresse  an  der  materiellen  Beurteilung  nicht 
mehr anerkannt werden kann. Diesem Erfordernis  ist dann bzw.  in dem 
Umfang  Genüge  getan,  als  ein  im  Rahmen  von  Art.  58  Abs.  1  VwVG 
pendente  lite  erlassener  Wiedererwägungsentscheid  den  Anträgen  der 
beschwerdeführenden  Person  entspricht  oder  gar  darüber  hinausgeht 
(statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­6995/2010 vom 29. 
Juli  2011,  A­457/2010  vom  30. Juni  2010; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, 
a.a.O., Rz. 3.46).

1.5.2.  Vorliegend  entsprach  die  ESTV  in  ihrem  wiedererwägungsweise 
erlassenen  Einspracheentscheid  vom  12.  Mai  2011  den  Anträgen  der 
Beschwerdeführerin  insoweit,  als  sie  erkannte,  diese  habe  ihr  für  die 
Schlussabrechnung  per  31.  Dezember  2008  keine  Mehrwertsteuer  zu 
bezahlen  (Ziff. 2 des Dispositivs).  Insoweit  ist das Beschwerdeverfahren 
als gegenstandslos abzuschreiben.

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In  der  Folge  beschränkt  sich  der  vorliegende  Streitgegenstand  auf  die 
Verteilung der Kosten des Beschwerdeverfahrens.

1.6. 
1.6.1. Die ESTV beantragt, die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien 
der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen,  da  diese  das  Verfahren 
unnötigerweise  verursacht  habe.  Die  Beschwerdeführerin  verneint  dies 
und  beantragt  die  Auferlegung  der  Kosten  an  die  ESTV.  In  diesem 
Zusammenhang  verlangt  sie  in  ihrer  Stellungnahme  vom  15. Juni  2011 
eine Berichtigung der Sachverhaltsdarstellung der Vorinstanz (Antrag Nr. 
1  der  Stellungnahme).  Materiell  bildet  dieses  Begehren  Teil  der 
Begründung ihres Antrags auf Auferlegung der Kosten an die Vorinstanz. 
Zur  Bemessung  ihrer  geltend  gemachten  Parteientschädigung  hat  die 
Beschwerdeführerin eine Kostennote eingereicht.

1.6.2. Nach  Art.  63  Abs.  1  VwVG  werden  die  Verfahrenskosten  in  der 
Regel  der  unterliegenden  Partei  auferlegt.  Bei  gegenstandslos 
gewordenen Verfahren werden die Kosten gemäss Art. 5 des Reglements 
vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  in  der  Regel  jener 
Partei  auferlegt,  deren  Verhalten  die  Gegenstandslosigkeit  bewirkt  hat. 
Die Bestimmung dieser Partei erfolgt nach materiellen Kriterien. Zieht die 
Vorinstanz  ihren  Entscheid  in  Wiedererwägung,  gilt  deshalb  die 
Vorinstanz nur dann als im Sinn von Art. 5 VGKE unterliegend, wenn sie 
ihren  Entscheid  aus  besserer  eigener  Erkenntnis  abgeändert  hat  und 
nicht  dann, wenn  sie  dies  tut, weil  der Beschwerdeführer  den Umstand 
beseitigt  hat,  der  Anlass  zum  Einschreiten  gegeben  hat 
(MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz. 4.56).  Hat  der 
Beschwerdeführer  das  Wiedererwägungsverfahren  unnötigerweise  und 
aus  eigenem  Verschulden  verursacht,  etwa  weil  er  seinen 
Mitwirkungspflichten  nicht  nachgekommen  ist  und  Beweismittel  zu  spät 
eingereicht  hat,  sind  die  Kosten  demnach  ihm  aufzuerlegen  (ANDREA 
PFLEIDERER,  in  Praxiskommentar,  a.a.O.,  Art. 58  N.  50;  Entscheid  der 
Eidgenössischen  Steuerrekurskommission  [SRK]  vom  13. November 
1998,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB] 
63.79 E. 4; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­4417/2007 
vom 10. März 2010 E. 4.2.2).

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Seite 10

Im  Weiteren  kann  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Art.  64  Abs.  1 
VwVG  der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Partei  von  Amtes  wegen 
oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  ihr  erwachsene  notwendige 
und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zusprechen.  Wird  ein  Verfahren 
gegenstandslos,  so  prüft  das  Gericht,  ob  eine  Parteientschädigung 
zuzusprechen ist. Für die Festsetzung der Parteientschädigung gilt Art. 5 
VGKE sinngemäss (Art. 15 VGKE).

1.6.3. Vorliegend gilt die Beschwerdeführerin hinsichtlich der Beschwerde 
vom  9.  Juni  2011  und  betreffend  die  Beschwerdeanträge  vom 
25. Februar  2011,  auf  die das Bundesverwaltungsgericht  ebenfalls nicht 
eingetreten  ist,  als  unterliegende  Partei.  Sie  hat  demnach  insoweit 
gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten zu tragen. Mit Bezug 
auf  die  Gegenstandslosigkeit  des  Beschwerdeverfahrens  ist  zu 
bestimmen,  wer  diese  verursacht  hat.  Die  Gegenstandslosigkeit  trat 
formell  aufgrund  des  von  der  ESTV  wiedererwägungsweise  erlassenen 
Einspracheentscheids  ein,  in  dem  diese  die  Einlageentsteuerung 
betreffend  die  von  der  Beschwerdeführerin  im  Jahr  2007  bezogenen 
Leistungen  –  im  Unterschied  zu  ihrem  ursprünglichen 
Einspracheentscheid vom 27. Januar 2011 – akzeptiert hat.

In  der  Folge  ist  abzuklären,  ob  die  ESTV  bereits  in  ihrem 
Einspracheentscheid vom 27. Januar 2011 die Einlageentsteuerung hätte 
zulassen  müssen  und  dies  nun  (bloss)  aus  besserer  Erkenntnis  getan 
hat.  In  diesem  Fall  hätte  die  ESTV  die  Gegenstandslosigkeit  dieses 
Beschwerdeverfahrens  auch  materiell  verursacht  und  würde  als 
unterliegende  Partei  gelten,  mit  dem  Ergebnis,  dass  der 
Beschwerdeführerin  diesbezüglich  keine  Kosten  aufzuerlegen  und  ihr 
eine  Parteientschädigung  auszurichten  wäre.  Hat  dagegen  die  ESTV 
ihren  Einspracheentscheid  aus  Gründen  in  Wiedererwägung  gezogen, 
die der Beschwerdeführerin anzulasten sind – insbesondere aufgrund der 
Verletzung  von Mitwirkungspflichten  vor  der Vorinstanz  –  und hat  diese 
das  Beschwerdeverfahren  damit  unnötigerweise  und  schuldhaft 
verursacht, würde sie als unterliegende Partei gelten. In diesem Fall hätte 
die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu  tragen und es wäre  ihr 
keine Parteientschädigung zuzusprechen.

Im  Folgenden  ist  demnach  zu  prüfen,  ob  die  ESTV  in  ihrem 
Einspracheentscheid vom 27. Januar 2011 die Einlageentsteuerung hätte 
zulässen  müssen.  Dazu  sind  zunächst  die  diesbezüglich  relevanten 
materiell­rechtlichen Grundlagen aufzuzeigen.

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Seite 11

2. 
2.1.  Der  Bund  erhebt  eine  allgemeine  Verbrauchssteuer  nach  dem 
System der Netto­Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug  (Mehrwertsteuer; 
Art. 130  der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
vom  18. April  1999  [BV,  SR  101]).  Am  1.  Januar  2010  ist  das 
Mehrwertsteuergesetz vom 12. Juni 2009 (MWSTG, SR 641.20)  in Kraft 
getreten.  Die  bisherigen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf 
gestützt  erlassenen Vorschriften  bleiben grundsätzlich weiterhin  auf  alle 
während ihrer Geltungsdauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen 
Rechtsverhältnisse  anwendbar  (Art. 112  Abs.  1  MWSTG).  Das 
vorliegende Verfahren betrifft  die Schlussabrechnung per 31. Dezember 
2008  und  untersteht  deshalb  in materieller  Hinsicht  dem  Bundesgesetz 
vom  2.  September  1999  über  die Mehrwertsteuer  (aMWSTG,  AS  2000 
1300). Demgegenüber ist das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht 
im  Sinn  von  Art.  113  Abs.  3  MWSTG  auf  sämtliche  im  Zeitpunkt  des 
Inkrafttretens hängige Verfahren anwendbar. Allerdings ist Art. 113 Abs. 3 
MWSTG  insofern  restriktiv  auszulegen,  als  gemäss  höchstrichterlicher 
Rechtsprechung  nur  eigentliche  Verfahrensnormen  sofort  auf  hängige 
Verfahren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung von 
neuem  materiellen  Recht  auf  altrechtliche  Sachverhalte  kommen  darf 
(ausführlich: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­1113/2009 vom 23. 
Februar  2010  E.  1.3;  vgl.  des  Weiteren  etwa  auch  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­6299/2009 vom 21. April 2011 E. 2.2). Kein 
Verfahrensrecht in diesem engen Sinn stellen im vorliegenden Urteil etwa 
die  nachfolgend  abgehandelten  Themen  wie  das 
Selbstveranlagungsprinzip  oder  die  Buchführungspflicht  dar,  so  dass 
vorliegend  diesbezüglich  noch  altes  Recht  anwendbar  ist.  Keine 
Anwendung  finden deshalb beispielsweise Art. 70, 71 oder 72 MWSTG, 
obwohl  sie  unter  dem  Titel  "Verfahrensrecht  für  die  Inland­  und  die 
Bezugsteuer"  stehen  (statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 1.2).

Mehrwertsteuerpflichtig  wird  gemäss  dem  hier  anwendbaren  aMWSTG, 
wer eine mit der Erzielung von Einnahmen verbundene gewerbliche oder 
berufliche  Tätigkeit  selbständig  ausübt  –  auch wenn  die Gewinnabsicht 
fehlt  –,  sofern  seine  Lieferungen,  seine  Dienstleistungen  und  sein 
Eigenverbrauch  im  Inland  jährlich  gesamthaft  Fr.  75'000.­­  übersteigen 
(Art. 21 Abs. 1 aMWSTG).

2.2.  Der  Vorsteuerabzug  stellt  ein  zentrales  Element  des  Mehrwert­
steuersystems dar. Er kann geltend gemacht werden, wenn die in Art. 38 

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ff. aMWSTG genannten Bedingungen eingehalten sind. Er bewirkt, dass 
der  Unternehmer  per  Saldo  nur  seinen  Nettoumsatz,  d.h.  den  Umsatz 
abzüglich  der  Vorsteuern,  versteuern  muss,  obgleich  die 
Bemessungsgrundlage  das  Gesamtentgelt  ohne  Umsatzsteuer  ist  (vgl. 
Urteil  des  Bundesgerichts  2C_653/2008  vom  24.  Februar  2009  E.  6.3; 
ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER, Handbuch zum 
Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  Bern  2003,  2.  Aufl.,  Rz.  1360).  Der 
gesetzliche Normalfall ist dabei die Abrechnung der steuerbaren Umsätze 
unter  Berücksichtigung  der  zulässigen  Vorsteuerabzüge.  Der 
Vorsteuerabzug  ist  prinzipiell  nichts  anderes  als  das  Gegenstück  zur 
Ausgangsumsatzsteuer.  Infolge  der  Trennung  zwischen 
Ausgangsumsatzsteuer  und  Vorsteuer  sind  beim  steuerpflichtigen 
Unternehmer die beiden Bereiche grundsätzlich unabhängig voneinander 
zu  ermitteln  (sog.  effektive  Methode;  vgl.  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­6602/2010 vom 11. Januar 2011 E. 3.1, A­
6198/2009  vom  22.  Juli  2010  E.  2.2,  A­5620/2008  vom  11.  November 
2009 E. 2.2; CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1362).

2.3.  Nach  konstanter  Lehre  und  Rechtsprechung  müssen,  damit  der 
Vorsteuerabzug  beansprucht  werden  kann,  folgende  Voraussetzungen 
erfüllt  sein  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_45/2008  vom  16. 
Dezember  2008  E.  3.2,  2A.650/2005  vom  15.  August  2006  E.  3.2  mit 
Verweis  auf  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.348/2004  vom  1.  Dezember 
2004 E. 3.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­6198/2009 vom 22. 
Juli 2010 E. 2.4):

a) Die Berechtigung zum Vorsteuerabzug besteht nur für Steuerpflichtige 
(Art. 38 Abs. 1 aMWSTG);

b)  Der  Vorsteuerabzug  ist  nur  für  solche  Leistungen  möglich,  die  von 
einem  anderen  Unternehmer  mit  der  Mehrwertsteuer  belastet  erbracht 
wurden (Art. 38 Abs. 1 und 2 aMWSTG);

c)  Die  Leistungen  müssen  zudem  für  einen  geschäftlich  begründeten 
Zweck oder  für  den Export  erbracht werden  (Art.  38 Abs.  2  aMWSTG), 
wobei  die  zulässigen  Zwecke  in  Art.  38  Abs.  2  und  3  aMWSTG 
abschliessend umschrieben sind;

d) Der Abzug darf nicht ausdrücklich ausgeschlossen sein (Art. 38 Abs. 5 
und  39  aMWSTG)  oder  zur  Erzielung  eines  von  der  Besteuerung 
ausgenommenen  Umsatzes  (Art.  18  aMWSTG)  bzw.  eines 

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Seite 13

Nichtumsatzes  (Art. 38  Abs.  4  aMWSTG;  ebenso  Urteil  des 
Bundesgerichts  2A.650/2005  vom  15.  August  2006  E.  3.5)  eingesetzt 
werden;

e) Es muss ein genügender Nachweis in Form einer Rechnung bestehen 
(Art. 38 Abs. 1 Bst. a in Verbindung mit Art. 37 aMWSTG).

2.4. Waren die Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs  im Zeitpunkt des 
Empfangs  der  Lieferung,  der  Dienstleistung  oder  bei  der  Einfuhr  nicht 
gegeben, treten sie aber später noch ein, kann der Vorsteuerabzug unter 
Vorbehalt  von  Art.  42  Abs.  2  und  3  aMWSTG  in  der  Abrechnung  über 
diejenige  Steuerperiode  vorgenommen  werden,  in  welcher  die 
Voraussetzungen hierfür eingetreten sind (Art. 42 Abs. 1 aMWSTG; sog. 
Einlageentsteuerung;  zum  Begriff  vgl.  TOBIAS  FELIX  ROHNER,  Der 
nachträgliche Vorsteuerabzug  [Einlageentsteuerung]  im schweizerischen 
MWSTG und nach der 6. MwSt.­Richtlinie der EU, Bern 2007, S. 3 ff. mit 
Hinweisen).  Gemäss  Art.  42  Abs.  2  aMWSTG  kann  bei  einer 
Veränderung  der  Verhältnisse  im  erwähnten  Sinne  die  früher  bezahlte 
Steuer  u.a.  auf  im  Inland  gegen  Entgelt  erbrachten  Lieferungen  von 
Gegenständen und  im Inland gegen Entgelt erbrachten Dienstleistungen 
als Vorsteuer in Abzug gebracht werden, sofern diese im Zusammenhang 
mit  einem künftigen steuerbaren Zweck stehen. Wurde der Gegenstand 
in  der  Zeit  zwischen  dem Empfang  der  Lieferung  oder  der  Einfuhr  und 
dem  Eintritt  der  Voraussetzungen  für  den  Vorsteuerabzug  in  Gebrauch 
genommen,  so  vermindert  sich  die  abziehbare  Vorsteuer  für  jedes  in 
dieser  Zeitspanne  abgelaufene  Jahr  bei  beweglichen  Gegenständen 
linear  um  einen  Fünftel,  bei  unbeweglichen  Gegenständen  linear  um 
einen  Zwanzigstel.  Bei  Dienstleistungen,  die  vor  dem  Eintritt  der 
Voraussetzungen  für  den  Vorsteuerabzug  teilweise  genutzt  wurden, 
berechnet  sich  die  abziehbare  Vorsteuer  vom  Wert  des  noch  nicht 
genutzten  Teils  (Art.  42  Abs.  3  aMWSTG;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­7712/2009 vom 21. Februar 2011 E. 9, A­
5885/2009 vom 27. September 2010 E. 3.1).

3. 
3.1. Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt  nach 
dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art.  46  f.  aMWSTG;  ERNST 
BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 
6. Aufl., Zürich 2002, S. 421 ff.). Der Leistungserbringer ist bereits für die 
Feststellung  seiner  Mehrwertsteuerpflicht  selbst  verantwortlich  und  hat 
sich  gegebenenfalls  unaufgefordert  anzumelden  (Art.  56  Abs.  1 

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aMWSTG;  vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_356/2008  vom  21. 
November  2008  E.  3.2,  2A.109/2005  vom  10.  März  2006  E.  2.1, 
2A.304/2003  vom  14.  November  2003  E.  3.5;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 4, 
A­7083/2008  und  A­7084/2008  vom  29.  November  2010  E.  3.1  je  mit 
zahlreichen Hinweisen).

3.2. Bei festgestellter Steuerpflicht hat der Steuerpflichtige sodann selbst 
und  unaufgefordert  über  seine  Umsätze  und  Vorsteuern  abzurechnen 
und  innerhalb  von  60  Tagen  nach  Ablauf  der  Abrechnungsperiode  den 
geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrag  (Steuer  vom  Umsatz  abzüglich 
Vorsteuern)  an  die  ESTV  abzuliefern  (Art.  46  aMWSTG).  Die  ESTV 
ermittelt die Höhe des geschuldeten Mehrwertsteuerbetrags nur dann an 
Stelle  des  Steuerpflichtigen,  wenn  dieser  seinen  Pflichten  nicht 
nachkommt  (BGE  137  II  136  E.  6.3;  vgl.  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 2.4, 
A­7083/2008  und  A­7084/2008  vom  29.  November  2010  E.  3.1).  Der 
Steuerpflichtige  hat  seine  Mehrwertsteuerschuld  selbst  festzustellen;  er 
ist allein für die vollständige und richtige Versteuerung seiner steuerbaren 
Umsätze  und  für  die  korrekte  Ermittlung  der  Vorsteuer  verantwortlich 
(BGE 137  II 136 E. 6.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_486/2009 vom 1. 
Februar  2010  E. 2.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­
6602/2010  vom 11. Januar  2011 E.  2.1,  A­7083/2008  und A­7084/2008 
vom 29. November 2010 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).

3.2.1.  Die  Verwendung  des  offiziellen  Formulars  der  ESTV  ist  für  die 
Erfüllung  der  Abrechnungspflicht  nicht  zwingend  erforderlich.  Die 
Einreichung der Abrechnung  "in der vorgeschriebenen Form" durch den 
Steuerpflichtigen gemäss Art. 46 aMWSTG ist grundsätzlich in dem Sinn 
zu  verstehen,  als  dieser  der  ESTV  die  geforderten  Informationen 
(materiell)  zur  Verfügung  zu  stellen  hat,  wobei  dies  ebenfalls  eine 
Aufschlüsselung  der  Informationen  nach  bestimmten  Kriterien 
miteinschliesst.  Wenn  der  Steuerpflichtige  das  offizielle  Formular  der 
Verwaltung jedoch nicht verwendet, muss er dennoch seine Abrechnung 
gemäss Aufbau und Gliederung entsprechend diesem offiziellen Formular 
gestalten (vgl. Entscheid der SRK vom 25. August 1998, veröffentlicht in 
VPB 63.27 E. 5c/bb).

3.3. Vom Steuerpflichtigen wird verlangt, dass er über die erforderlichen 
Kenntnisse betreffend seinen gesetzlichen Pflichten verfügt und sich über 
die  geltende  Praxis  zum  Mehrwertsteuergesetz  hinreichend  informiert 

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(Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts  A­6642/2008  vom  8. November 
2010 E. 2, A­1618/2006 vom 27. August 2008 E. 4.3). Bei Zweifeln hat er 
die Möglichkeit,  sich  bei  den Steuerbehörden  zu  erkundigen. Unterlässt 
er dies, kann er sich im Folgenden nicht auf die mangelnden Kenntnisse 
oder  auf  eine  Verletzung  des  Grundsatzes  von  Treu  und  Glauben 
berufen,  um  sich  gegen  einen  rückwirkenden  Steuerbezug  zu  wehren 
(vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5312/2008  und  A­
5321/2008 vom 19. Mai 2010 E. 2, A­1634/2006 vom 31. März 2009 E. 
3.1, A­1544/2006 vom 11. September 2008 E. 3.1, A­1618/2006 vom 27. 
August 2008 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 2A.191/2002 vom 21. Mai 
2003 E. 3.1 zur Warenumsatzsteuer).

3.4.  Die  ESTV  ist  nicht  verpflichtet,  die  Steuerpflichtigen  von  sich  aus 
über ihre Pflichten zu informieren (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A­1618/2006 vom 27. August 2008 E. 4.3). Die Verwaltung unterliegt  im 
Bereich  der  Mehrwertsteuer  also  keiner  allgemeinen  Informations­, 
Aufklärungs­  oder  gar  Beratungspflicht  gegenüber  dem 
Mehrwertsteuerpflichtigen.  Ebenso  wenig  besteht  eine  absolute  Pflicht 
der  ESTV,  bei  Auskünften  den  Sachverhalt  nach  Eventualitäten  zu 
durchforschen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­4896/2007 vom 
10. Januar 2008 E. 2.1, A­5449/2007 vom 10. Januar 2008 E. 2.1) oder 
zu überprüfen, ob die vom Steuerpflichtigen gemachten Angaben korrekt 
und  vollständig  sind  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_382/2007  vom 
23.  November  2007  E.  4.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­5751/2009 vom 17. März 2011 E. 2.4.3).

3.5. Gemäss  Art.  58  Abs.  1  aMWSTG  hat  der Mehrwertsteuerpflichtige 
seine Geschäftsbücher ordnungsgemäss zu  führen und so einzurichten, 
dass  sich  aus  ihnen  die  für  die  Feststellung  der  Mehrwertsteuerpflicht 
sowie  für  die  Berechnung  der  Steuer  und  der  abziehbaren  Vorsteuern 
massgebenden  Tatsachen  leicht  und  zuverlässig  ermitteln  lassen.  Die 
ESTV  kann  über  die  Buchführungspflicht  nähere  Bestimmungen 
aufstellen.  Von  dieser  Befugnis  hat  sie  mit  dem  Erlass  der  vorliegend 
einschlägigen "Wegleitung 2001 zur Mehrwertsteuer" (Wegleitung 2001), 
gültig  ab  1.  Januar  2001,  Gebrauch  gemacht.  Dort  sind  genauere 
Angaben enthalten, wie eine Buchhaltung auszugestalten ist (Rz. 878 ff.). 
Alle  Geschäftsfälle  müssen  fortlaufend,  chronologisch  und  lückenlos 
aufgezeichnet  werden  (Rz.  884)  und  alle  Eintragungen  haben  sich  auf 
entsprechende  Belege  zu  stützen,  so  dass  die  einzelnen 
Geschäftsvorfälle  von  der  Eintragung  in  die Hilfs­  und Grundbücher  bis 
zur  Steuerabrechnung  und  bis  zum  Jahresabschluss  sowie  umgekehrt 

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leicht  und  genau  verfolgt  werden  können  ("Prüfspur";  vgl.  Rz.  890  und 
893 ff. der Wegleitung 2001; vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_356/2008 
vom 21. November 2008 E. 3.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A­2998/2009  vom 11. November  2010 E.  2.5.1  und  2.5.3,  A­7083/2008 
und A­7084/2008 vom 29. November 2010 E. 3.2, A­5460/2008 vom 12. 
Mai 2010 E. 2.5.2).

4. 
Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob 
eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der 
Beweis  ist  geleistet,  wenn  das  Gericht  gestützt  auf  die  freie 
Beweiswürdigung  zur  Überzeugung  gelangt  ist,  dass  sich  der 
rechtserhebliche Sachumstand  verwirklicht  hat  (BGE 130  III  321 E.  3.2; 
Urteil  des  Bundesgerichts  2A.110/2000  vom  26.  Januar  2001  E.  3c). 
Gelangt  das  Gericht  nicht  zu  diesem  Ergebnis,  so  fragt  sich,  ob  zum 
Nachteil der Steuerbehörde oder des Steuerpflichtigen zu entscheiden ist, 
wer  also  die  Folgen  der  Beweislosigkeit  zu  tragen  hat.  Nach  der 
objektiven  Beweislastregel  ist  bei  Beweislosigkeit  zu  Ungunsten 
desjenigen  zu  urteilen,  der  die  Beweislast  trägt  (statt  vieler:  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­1479/2006  vom  10.  September  2008  E. 
1.3, A­1469/2006 vom 7. Mai 2008 E. 1.4, je mit weiteren Hinweisen). Die 
Steuerbehörde  trägt  die  Beweislast  für  Tatsachen,  welche  die 
Steuerpflicht  als  solche  begründen  oder  die  Steuerforderung  erhöhen, 
das  heisst  für  die  steuerbegründenden  und  ­erhöhenden  Tatsachen. 
Demgegenüber  ist  der Steuerpflichtige  für  die  steueraufhebenden  und  ­
mindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst  für solche Tatsachen, 
welche  Steuerbefreiung  oder  Steuerbegünstigung  bewirken  (statt  vieler: 
Urteil  des Bundesgerichts  vom 14.  Juli  2005,  veröffentlicht  in Archiv  für 
Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 75 S. 495 ff. E. 5.4; BVGE 2009/60 
E. 2.1.3;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3409/2010  vom  4. 
April  2011  E. 4.3,  A­8017/2009  vom  2.  September  2010  E. 2.8, 
A­1418/2006 vom 14. Mai 2008 E. 5.1).

5. 
5.1.  Im  vorliegenden  Fall  wurde  die  Beschwerdeführerin  per  1. Januar 
2008  steuerpflichtig.  Um  die  Vorsteuern  der  im  Jahr  2007  bezogenen 
Leistungen geltend zu machen, hat sie deshalb insbesondere zu belegen, 
dass diese Bezüge nach dem 1. Januar 2008 einem steuerbaren Zweck 
gedient  haben  (E. 2.4).  Dies  hat  die  Beschwerdeführerin  bis  im 
Beschwerdeverfahren  nicht  getan.  In  der  Einsprache  vom  23.  Oktober 
2010  machte  sie  zwar  ebenfalls  die  Vorsteuern  für  die  betreffenden 

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Leistungsbezüge  im Jahr 2007 geltend und  führte diese  in dem  in  ihrer 
Eingabe  enthaltenen  Journal  auf.  Dort  vermerkte  sie  jedoch  bloss,  sie 
habe  im  Jahr  2007  Leistungen  von  den  Auftragnehmern  "Z._______", 
"X._______"  und  "Y._______"  erhalten.  Unklar  blieb,  um  was  für 
Leistungen  es  sich  gehandelt  hat.  Sie  erbrachte  auch  sonst  keinen 
Nachweis, dass sie diese Bezüge – ab dem Zeitpunkt  ihrer Steuerpflicht 
per 1. Januar 2008 – für steuerbare Zwecke verwendet hat. Insbesondere 
reichte sie die entsprechenden Rechnungsbelege nicht ein. Erst mit der 
Beschwerde vom 25. Februar 2011 legte die Beschwerdeführerin dar, um 
was für Leistungen es sich gehandelt habe und dass und wie diese dem 
Geschäftsbetrieb ab dem Jahr 2008 gedient hätten (vgl. Beschwerde vom 
25. Februar 2011 Rz. 41 bis 44). Zudem reichte sie zum Nachweis  ihrer 
Ausführungen  die  entsprechenden  Rechnungen  ein.  Die 
Beschwerdeführerin  hat  demnach  das  Wiedererwägungsverfahren  vor 
der  Vorinstanz  und  damit  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren 
unnötigerweise und aus eigenem Verschulden verursacht. Sie hätte den 
Nachweis  für  die  Berechtigung  zur  Einlageentsteuerung  bereits  im 
Einspracheverfahren  bzw.  zu  einem  noch  früheren  Zeitpunkt  erbringen 
können,  indem  sie  den  Zusammenhang  mit  dem  späteren  steuerbaren 
Zweck  aufgezeigt  und  die  Rechnungsbelege  eingereicht  hätte.  Daran 
ändern auch die nachfolgenden Ausführungen nichts.

5.2.  Die  Beschwerdeführerin  wendet  zwar  ein,  sie  habe  die 
Einlageentsteuerung bereits vor dem ersten Entscheid der ESTV geltend 
gemacht.  Sie  nimmt  damit  Bezug  auf  ihre  elektronisch  übermittelte 
Anmeldung vom 18. Juni 2007, in der sie der ESTV sinngemäss mitteilte, 
es  würden  bereits  diverse  Investitionen  getätigt.  Sie  wolle  sich  sofort 
anmelden,  um  bereits  im  Jahr  2007  Vorsteuerabzüge  vornehmen  zu 
können. Dieser Einwand ist aber nicht stichhaltig. Er ändert nichts daran, 
dass  die  Beschwerdeführerin  die  Voraussetzungen  für  die 
Einlageentsteuerung  erst  im  Beschwerdeverfahren  nachgewiesen  hat. 
Erst hier zeigte sie auf, welche Leistungsbezüge im Jahr 2007 (späteren) 
steuerbaren Zwecken gedient haben und belegte dies mit Rechnungen. 
Im  Übrigen  trifft  die  ESTV  nach  der  Rechtsprechung  keine 
Beratungspflicht  (E.  3.4).  Sie musste  der  Beschwerdeführerin  demnach 
im Zeitpunkt der Anmeldung nicht aufzeigen, ob und gegebenenfalls wie 
sie später allenfalls eine Einlageentsteuerung vornehmen kann.

5.3. Die Beschwerdeführerin  legt zudem dar, sie habe bereits mit E­Mail 
vom  27.  Juli  2010  eine  Schlussdeklaration  eingereicht  mit  der 
Bemerkung,  dass  sie  eine Rückmeldung  erwarte.  Eine  solche  habe  sie 

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aber nicht erhalten. Die ESTV habe sie im Glauben gelassen, es sei alles 
in Ordnung.  Hier  ist  zu  beachten,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  27. 
Juli  2010  keine  offizielle  Schlussabrechnung  eingereicht  hat,  sondern 
eine Quartalsabrechnung für das 4. Quartal 2009, die sie handschriftlich 
in eine "Schlussabrechnung" abgeändert und mit Fr. 0.­­ Steuern und Fr. 
0.­­  Vorsteuern  ausfüllt  hat  (amtl.  Akten  Nr.  11).  Zwar  muss  nicht 
zwingend  das  offizielle  Formular  verwendet  werden,  doch  sind  die 
geforderten  Informationen der ESTV (materiell) zur Verfügung zu stellen 
und der Aufbau sowie die Gliederung ist einzuhalten (E. 3.2.1). Dies war 
bei  dieser  Eingabe  nicht  der  Fall,  da  sich  eine  Quartalsabrechnung 
grundsätzlich  von  einer  Schlussabrechnung  unterscheidet.  Bei  letzterer 
sind  nicht  die  im  betreffenden  Quartal  getätigten  Umsätze  und 
Leistungsbezüge  massgebend,  sondern  insbesondere  die  Höhe  der 
ausgeführten  aber  noch  nicht  fakturierten  Arbeiten,  der  Debitoren,  der 
Vorräte  und  der  Betriebsmittel  bzw.  Investitionsgüter  sowie  der 
Immobilien  bei  Ende  der  Steuerpflicht.  Aufgrund  dieser  Eingabe  konnte 
die  ESTV  deshalb  von  vornherein  keine  Korrektur  ihrer  Schätzung 
vornehmen.  Im  Übrigen  ist  zwar  störend,  dass  die  ESTV  die 
Beschwerdeführerin  offenbar  nicht  umgehend  über  die  fehlerhafte 
Schlussdeklaration  informiert  hat.  Aufgrund  des 
Selbstveranlagungsprinzips  liegt  jedoch  die  Verantwortung  zur  richtigen 
und  rechtzeitigen  Abrechnung  bei  der  Beschwerdeführerin  (E.  3.1  und 
3.2).  Aus  diesem  Grund  kann  die  Beschwerdeführerin  auch  aus  dem 
Umstand, dass die ESTV ihren Ersuchen um Rückruf am 24. August und 
3. September 2010 – gemäss Angaben der Beschwerdeführerin  – nicht 
umgehend Folge gegeleistet hat, nichts zu  ihren Gunsten ableiten. Eine 
Auskunftsverweigerung  auf  Seiten  der  ESTV  war  im  Übrigen  nicht 
gegeben.  Gemäss  den  Akten  fanden  zumindest  zwei  telefonische 
Kontakte statt. Einerseits Ende August 2010, bei dem die ESTV gemäss 
ihren  unwidersprochen  gebliebenen  Ausführungen  im 
Einspracheentscheid  vom  12.  Mai  2011  die  Einreichung  der 
Schlussabrechnung  und  des  Vorsteuerjournals  verlangt  hat  und 
andererseits  anfangs September  2010. Auch  damals  forderte  die ESTV 
die Beschwerdeführerin wiederum zur Einreichung des Vorsteuerjournals 
auf (vgl. E. 5.5).

5.4.  Im  Weiteren  macht  die  Beschwerdeführerin  geltend,  sie  habe  nie 
eine  Schlussabrechnung  erhalten.  Vielmehr  habe  die  ESTV  gleich  die 
Betreibung  eingeleitet.  Die  ESTV  sei  anzuweisen,  die  Zustellung  der 
Schlussabrechnung  zu  beweisen.  Entgegen  der  Ansicht  der 
Beschwerdeführerin  kann  offenbleiben,  ob  bzw.  wann  sie  eine 

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Schlussabrechnung  erhalten  hat.  Der  Nichterhalt  des  entsprechenden 
Abrechnungsformulars  hätte  ohnehin  nicht  zur  Folge  gehabt,  dass  die 
Beschwerdeführerin  von  der  Abrechnungspflicht  entbunden  gewesen 
wäre.  Die  Beschwerdeführerin  ist  wiederum  auf  das 
Selbstveranlagungsprinzip  hinzuweisen,  wonach  sie  für  die  rechtzeitige 
Abrechnung selber verantwortlich ist (E. 3.1 und 3.2). Bei Nichterhalt des 
Formulars  hätte  sie  dieses  deshalb  bei  der  ESTV  rechtzeitig  verlangen 
müssen.  Da  die  Beschwerdeführerin  mit  E­Mail  vom  27.  August  2010 
eine  eingescannte  Schlussabrechnung  –  wenn  auch  unvollständig 
ausgefüllt – eingereicht hat (vgl. E. E), verfügte sie im Übrigen zumindest 
ab diesem Zeitpunkt über eine solche.

5.5. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin  versuchte die 
ESTV  noch  vor  dem  Einspracheverfahren  ihre  ermessensweise 
Schätzung  zu  korrigieren,  indem  sie  von  der  Beschwerdeführerin 
insbesondere  das  Vorsteuerjournal  einverlangt  hat  (vgl.  E.  5.3).  Die 
Einforderung  des  Vorsteuerjournals  war  zweckmässig,  um  die  teilweise 
mit Fragezeichen ausgefüllte Schlussabrechnung (vgl. amtl. Akten Nr. 15) 
zu  überprüfen  bzw.  zu  korrigieren.  Die  Beschwerdeführerin  ist  darauf 
hinzuweisen, dass sie gemäss Art. 58 Abs. 1 aMWSTG gehalten ist, ihre 
Geschäftsbücher  so  einzurichten,  dass  sich  aus  ihnen  die  für  die 
Berechnung der Steuer und der abziehbaren Vorsteuern massgebenden 
Tatsachen  leicht  und  zuverlässig  ermitteln  lassen  (E. 3.5).  Zum 
damaligen  Zeitpunkt  hat  die  Beschwerdeführerin  nicht  über  ein 
Vorsteuerjournal  verfügt  und  auch  sonst  die  von  ihr  geltend  gemachten 
Vorsteuern nicht in einer Weise dokumentiert, die eine solche leichte und 
zuverlässige  Ermittlung  zuliess.  Sie  beschränkte  sich  darauf,  der  ESTV 
am 27.  Juli  bzw.  27. August  2010  die Bilanz  bzw. Erfolgsrechnung  des 
Jahres  2008  (inkl.  Abschlussbuchungen)  und  am  10. September  2010 
diverse  Eingangsrechnungen  einzureichen.  Sie  ist  damit  ihren 
Buchführungspflichten  nicht  genügend  nachgekommen  bzw.  hat  ihre 
Mitwirkungspflichten  verletzt.  Aufgrund  der  mangelhaften  Unterlagen 
konnte  die  ESTV  zu  diesem  Zeitpunkt  keine  Korrektur  der  Schätzung 
vornehmen.  Insbesondere  ging  aus  den  eingereichten  Unterlagen  nicht 
hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Voraussetzungen  zur 
Einlageentsteuerung erfüllt hätte.

5.6.  Schliesslich  hat  die  Beschwerdeführerin  –  entgegen  ihren 
Behauptungen  in der Beschwerde – gemäss  ihrem eigenen E­Mail  vom 
10.  September  2010  der  ESTV  nicht  sämtliche  Rechnungsbelege 
eingereicht, sondern nur diejenigen mit den "grössten Beträgen"  (vgl. E. 

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F).  Ob  die  ESTV  damals  die  vorliegend  relevanten  Rechnungen 
hinsichtlich  der  Leistungsbezüge  des  Jahres  2007  erhalten  hat,  bleibt 
offen. Da die Beschwerdeführerin die Beweislast für die Voraussetzungen 
zur  Vornahme  der  Einlageentsteuerung  als  steuermindernde  Tatsachen 
trägt  (E. 4), hat das Bundesverwaltungsgericht nicht davon auszugehen. 
Im  Übrigen  war  die  ESTV  nicht  verpflichtet,  diese  Rechnungen 
einzufordern,  da  sie  den Sachverhalt  nicht  nach Eventualitäten,  d.h.  ob 
vorliegend allenfalls eine Einlageentsteuerung möglich  ist,  nachzugehen 
hat  (E.  3.4).  Dies  muss  vorliegend  umso  mehr  gelten,  da  die 
Beschwerdeführerin ihre Buchhaltungspflichten verletzt hat.

6. 
Nach  dem  Gesagten  hat  die  Beschwerdeführerin  das 
Wiedererwägungsverfahren vor der Vorinstanz und damit das vorliegende 
Beschwerdeverfahren  unnötigerweise  und  aus  eigenem  Verschulden 
verursacht.  Sie  gilt  deshalb  auch  mit  Bezug  auf  das  gegenstandslos 
gewordene Verfahren als unterliegende Partei (vgl. oben E. 1.6). Ihr sind 
somit  sämtliche  Verfahrenskosten,  die  auf  insgesamt  Fr. 3'000.­­ 
festgesetzt werden, aufzuerlegen und mit den in insgesamt gleicher Höhe 
geleisteten Kostenvorschüssen zu verrechnen. Aus dem gleichen Grund 
ist ihr keine Parteientschädigung zuzusprechen.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Verfahren A­1344/2011 und A­3285/2011 werden vereinigt.

2. 
Auf die Beschwerde vom 9. Juni 2011 wird nicht eingetreten.

3. 
Das  Beschwerdeverfahren  betreffend  die  Beschwerde  vom  25.  Februar 
2011 wird als gegenstandslos abgeschrieben,  soweit  darauf eingetreten 
wird.

4. 
Die  Gerichtskosten  von  insgesamt  Fr.  3'000.­­  werden  der 
Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  den  in  insgesamt  gleicher  Höhe 
geleisteten Kostenvorschüssen verrechnet.

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5. 
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

6. 
Dieses Urteil geht an:

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref­Nr. ..; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus Metz Jürg Steiger

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 
Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 
deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu 
enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit 
sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

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