# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f381b8c6-2c38-5f11-a40b-d96d3605f213
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-04-23
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 23.04.2013 R 2012 165
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2012-165_2013-04-23.pdf

## Full Text

R 12 165
5. Kammer 

URTEIL
vom 23. April 2013

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baugesuch/Wiederherstellung des ursprünglichen 

Zustandes

1. Am 25. August 2012 übergab … dem Mitglied des Gemeindevorstandes … eine 

Bauskizze (act. Bf./Nr. 7) und ersuchte die Gemeinde um Erteilung einer 

Baubewilligung für die Anpassung des Vorplatzes, Erhöhung der Mauer und 

Einfriedung derselben auf Parzelle 422 in ... In der Folge leitete die Gemeinde 

gestützt auf diese Unterlagen ein ordentliches Bewilligungsverfahren ein, wobei 

im Sinne von Art. 93 BG auf eine Profilierung und Publikation verzichtet wurde. 

Nach bestrittener Darstellung des Bauherrn teilte Gemeindevorstandsmitglied 

…, nachdem in der Vorstandssitzung vom 27. August 2012 das Bauvorhaben 

besprochen worden war, am 1. September 2012 mündlich mit, der Vorstand 

habe das Baugesuch behandelt und die Baufreigabe erteilt. Da die Bewilligung 

bei kleinen Bauarbeiten auch zuvor mündlich erteilt worden seien und sich 

Nachbarn über die lange Bauzeit bei der Gemeinde beklagt hätten, habe er die 

Bauarbeiten darauf sogleich in Auftrag gegeben. Die Arbeiten seien vom 14. bis 

21. September 2012 erledigt worden. … habe die Arbeiten als Mitglied des 

Gemeindevorstandes aktiv begleitet. Es habe keine Beanstandungen gegeben. 

Trotzdem habe die Gemeinde über einen Monat später entschieden, das 

Bauvorhaben nicht zu genehmigen. Nachdem die Baukommission am 11. 

Oktober 2012 das Bauvorhaben behandelt und der Baubehörde Antrag auf 

Nichtgenehmigung respektive Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes 

gestellt hatte, entschied der Gemeindevorstand als Baubehörde am 22. Oktober 

2012, antragsgemäss, das Bauvorhaben abzulehnen und die Wiederherstellung 

des ursprünglichen Zustandes zu erwirken.

2. Dagegen erhob … (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 25. November 2012 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht Graubünden und beantragte die 

Aufhebung des angefochtenen Entscheides sowie den Erlass der 

Baugenehmigung. Eventualiter sei der Entscheid aufzuheben und das 

Baugesuch an die Gemeinde zurückzuweisen, mit der Auflage, dem 

Beschwerdeführer umfassende Akteneinsicht zu gewähren. Subeventualiter 

beantragte der Beschwerdeführer, die Gemeinde habe für den entstandenen 

Schaden einzustehen. Ferner sei der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu 

erteilen (vom Instruktionsrichter am 10. Dezember 2012 gewährt). Begründend 

führte der Beschwerdeführer an, die zuerst mündlich gewährte Baufreigabe sei 

im Nachhinein verweigert worden, weil ein Nachbar mündliche Einsprache 

erhoben habe. Der Gemeindevorstand sei nicht darauf eingegangen, dass Art. 

23 Abs. 5 BG, auf den sich offenbar der Einsprecher berufen habe, vorsehe, 

dass höhere Mauerwerke entsprechend dieser Mehrhöhe zurückzusetzen 

seien. Auch übersehe die Gemeinde, dass es sich um eine bestehende 

Stützmauer handle, welche dieser Bestimmung nicht unterliege. Die ganze 

Mauer mit Aufbau sei im kritischen Bereich bis 50 cm hinter der Grenzlinie, was 

bereits eine Einfriedung bis zu 2 m zulasse. Die Gemeinde habe die Einsicht in 

die Protokolle betreffend dieser mündlichen Einsprache verweigert, weil es sich 

dabei um Interna handle. Die Mauer widerspreche dem Baugesetz nicht. Weiter 

sehe Art. 92 BG lediglich eine schriftliche Einsprache vor. Die Gemeinde sei 

folglich fälschlicherweise darauf eingetreten. Er sei hier auf das abgekürzte 

Verfahren nach Art. 93 BG verwiesen worden. Die Gemeinde habe ihm grünes 

Licht für die Bauarbeiten ohne Auflagen erteilt. Auch seien die Bauarbeiten 

durch die Gemeinde begleitet worden. Von einer Einsprache jedoch sei nie die 

Rede gewesen. Die Verweigerung der Einsicht in die Sitzungsprotokolle 

verletze das rechtliche Gehör. Er hätte über die mündliche Einsprache 

informiert werden müssen, sobald diese eingegangen sei. Er habe die Arbeiten 

in guten Treuen ausgeführt, ohne dass die Gemeinde interveniert habe, 

weswegen die Gemeinde bezüglich ihrer falsch erweckten Erwartungen in die 

Pflicht zu nehmen sei.

3. Am 22. Januar 2013 beantragte die Gemeinde die Abweisung der Beschwerde. 

Einer informellen Auskunft eines einzelnen Vorstandsangehörigen komme 

keine Verbindlichkeit zu. Aus dem Stillschweigen einer Behörde könne keine 

Zustimmung zu einem unerlaubten Vorgehen abgeleitet werden. Der 

Gemeindepräsident habe am 22. September 2012 den Bauherrn auf der 

Baustelle aufgesucht und ihn aufgefordert, die betreffenden Arbeiten an der 

Stützmauer sofort einzustellen. Es sei belanglos, ob die Baubehörde eine 

mündliche Einsprache aus der Nachbarschaft beachtet habe oder nicht, da sie 

das Gesetz von Amtes wegen anzuwenden habe. Der Beschwerdeführer habe 

im Rahmen der Sanierung die Stützmauer um 30 cm erhöht und mit einem 

neuen, vorgelagerten Zaun versehen (act. Bf./Nr. 6). Sie sei jetzt 2 m statt der 

ursprünglichen 1.7m hoch und im besten Fall 30cm von der Grundstücksgrenze 

entfernt. Die Vorsprünge für die Verankerung des Zauns und die Einfriedung 

selbst rage teilweise in den Grenzbereich hinein und überrage die Grenze 

teilweise (act. Bf./Nr. 10). Dies verletze das BG und das KRG. Gemäss Art. 22 

Abs. 4 BG sei entlang von öffentlichen Strassen ein Abstand von mindestens 

30cm einzuhalten. Art. 22 Abs. 5 BG und Art. 76 Abs. 4 KRG schrieben vor, 

dass Einfriedungen bis zu einer Höhe von 1.5m ab gewachsenem Boden an die 

Grenze gestellt werden dürften, während höhere Einfriedungen um das Mass 

der Mehrhöhe zurückzuversetzen seien. Die Mauer hätte im Bereich der 

angrenzenden Gemeindestrasse in jedem Fall um mindestens 30cm 

zurückversetzt werden müssen und im Abschnitt mit einer maximalen Höhe 

dieser Anlage von 2.4m sogar um 90cm. Das Bauvorhaben könne somit nicht 

bewilligt werden. Nach Art. 22 Abs. 3 BG müssten Stütz- und Wandmauern auf 

das Unerlässliche beschränkt werden. Einfriedungen seien nur in traditionell 

ortsüblichem Ausmass und Ausführung zugelassen. Die mächtige Anlage vor 

dem Haus passe jedoch nicht in die Umgebung und könne nicht bewilligt 

werden. Der Gemeindevorstand habe zu Recht verfügt, die nicht 

bewilligungsfähigen Bauarbeiten seien in den ursprünglichen Zustand zu 

versetzen. Einen allfälligen Schaden habe er aufgrund seines Verhaltens selber 

zu tragen.

4. Am 4. Februar 2013 replizierte der Beschwerdeführer. … als Bauvorstand der 

Gemeinde habe auf Anfrage des Beschwerdeführers darauf hingewiesen, es 

komme das Prozedere gemäss Art. 93 BG zur Anwendung. Dies zeige, dass es 

sich nicht um umfangreiche Bauarbeiten handle. Er hätte mit dem Bau der 

Mauer nicht begonnen, wenn er dafür nicht die Erlaubnis gehabt hätte. Diese 

sei nach der Vorstandssitzung vom 27. August 2012 mündlich erteilt worden. Im 

Übrigen sei dies auch früher so abgelaufen und er habe keinen Anlass gehabt, 

an der Baufreigabe zu zweifeln. Das könne durch die beantragte Offenlegung 

der Protokolle und Zeugenaussagen belegt werden. Der Verlauf der Mauer sei 

mit den Bauarbeiten nicht tangiert worden. Er habe nur den Zement 

abgetragen. Die Mauer verlaufe zur Strasse heute faktisch mehrere Zentimeter 

hinter der früheren Linie. Im unteren Mauerbereich betrage der Abstand der 

Kante zum Nachbargrundstück minimal 30cm oder mehr. Damit entspreche das 

2m hohe Bauwerk der kommunalen Bauordnung. Am 21. September 2012 

seien die Bauarbeiten abgeschlossen worden. Ein Baustopp sei nie verfügt 

worden. Dies hätte ohnehin schriftlich geschehen müssen. Die 

Wiederherstellung sei unpräzise verfügt worden. Die Gemeinde müsste 

gegebenenfalls klar verfügen, welche Masse des Mauerwerkes in ihren Augen 

bewilligungsfähig wären. 

5. Mit Schreiben vom 7. Februar 2013 wies die Gemeinde darauf hin, die 

Kostennote des Rechtsvertreters enthalte einen mit Fr. 300.-- zu hohen 

Stundenansatz. Zudem sei der in Rechnung gestellte Aufwand übertrieben. 

Allenfalls sei die Entschädigung erheblich zu reduzieren. Gleichzeitig 

verzichtete die Gemeinde auf die Einreichung einer Duplik. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die 

Verfügung vom 31. Oktober, mitgeteilt am 5. November 2012, worin die 

Baubehörde die Baubewilligung verweigerte und die Wiederherstellung des 

ursprünglichen Zustandes anordnete. Streitig und zu prüfen ist, ob die 

Beschwerdegegnerin zu Recht die Baubewilligung zur Anpassung des 

Vorplatzes, Erhöhung der Mauer und Einfriedung derselben auf Parzelle 422 

nicht erteilte und die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes verfügte.

2. a) Nach Art. 107 Abs. 2 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden 

(KRG; 801.100) gehen unmittelbar anwendbare Bestimmungen dieses 

Gesetzes abweichenden – und somit selbstverständlich auch gleichlautenden - 

kommunalen Vorschriften vor. Als unmittelbar anwendbar gelten u.a. nach Art. 

107 Abs. 2 Ziff. 5 die kantonalen Bauvorschriften (Art. 72-84 KRG) und Ziff. 6 

derselben Bestimmung auch das formelle Baurecht (Art. 85-96 KRG). Lediglich 

dort, wo kommunale Vorschriften nach dem KRG zulässig sind, findet das 

bestehende kommunale Recht weiterhin Anwendung. Vorbehalten bleiben 

ferner allgemein strengere Vorschriften der Gemeinden. 

Gemäss Art. 86 KRG dürfen Bauten und Anlagen (Bauvorhaben) nur mit 

schriftlicher Baubewilligung der kommunalen Baubehörde errichtet, geändert, 

abgebrochen oder in ihrem Zweck geändert werden. Der Baubewilligungspflicht 

unterliegen auch Zweckänderungen von Grundstücken, sofern erhebliche 

Auswirkungen auf die Nutzungsordnung zu erwarten sind (Abs. 1). Zeitlich 

begrenzte Bauvorhaben sowie solche, die weder öffentliche noch private 

Interessen berühren, unterliegen nicht der Baubewilligungspflicht. Die 

Regierung bestimmt durch Verordnung, welche Bauvorhaben keiner 

Baubewilligung bedürfen. Sie trifft für Bauten und Anlagen innerhalb und 

ausserhalb der Bauzonen die gleiche Regelung, soweit das Bundesrecht dies 

zulässt (Abs. 2). Die Gemeinden können im Baugesetz nicht 

baubewilligungspflichtige Bauvorhaben dem Meldeverfahren unterstellen (Abs. 

3). Vorbehalten bleiben abweichende eidgenössische oder kantonale 

Bestimmungen für Bauvorhaben, die nicht der kommunalen 

Baubewilligungshoheit unterliegen (Abs. 4).

Die Befugnis der Gemeinden gemäss Artikel 86 Abs. 3 KRG, nicht baube-

willigungspflichtige Bauvorhaben dem Meldeverfahren zu unterstellen, kann 

vorübergehend bis zur Anpassung des Baugesetzes von den 

Gemeindevorständen wahrgenommen werden. Entsprechende Bestimmungen 

sind in einer Verordnung festzulegen und öffentlich bekannt zu geben (vgl. Art. 

107 Abs. 3 KRG). 

b) Vorweg ist die Frage zu klären, ob die Gemeinde in zulässiger Weise 

kommunales Recht angewendet hat. Sie stützt ihren Entscheid, die 

Baubewilligung für das vorliegende Bauvorhaben zu verweigern, vorwiegend 

auf Art. 22 Ziff. 3-5 des Baugesetzes der Gemeinde. Gemäss Art. 107 Abs. 2 

Ziff. 6 KRG jedoch ist das kantonale formelle Baurecht unmittelbar anwendbar 

und geht abweichenden kommunalen Bestimmungen vor. Die Gemeinde hat für 

das formelle Baurecht fälschlicherweise auf ihre kommunalen Vorschriften 

anstelle der anwendbaren kantonalen Bestimmungen abgestellt. Vorliegend 

sind die zitierten einschlägigen Bestimmungen des KRG respektive Art. 40 ff. 

der Raumplanungsverordnung des Kantons Graubünden (KRVO; 801.110) 

massgebend.

3. a) Vorliegend geht es um die Erhöhung einer Stützmauer oder einer Einfriedung, 

welche in der endgültigen Ausführung unbestritten 2m hoch ist. Unbestritten ist 

weiter, dass eine Rückenlehne abgebracht wird, welche die 2m hohe Mauer 

noch einmal um 40cm überragt (vgl. act. Bf./Nr. 6 und act. Bf./Nr. 10). Es stellt 

sich die Frage, ob für die Erweiterung der Mauer mit Blick auf Art. 40 Abs. 1 

KRVO, wonach gewisse Bauvorhaben keiner Baubewilligung bedürfen, 

überhaupt eine Baubewilligung benötigt wird. So heisst es in Art. 40 Abs. 1 Ziff. 

18 KRVO: Einfriedungen bis zu 1.0m Höhe sowie Stütz- und Futtermauern bis 

zu 1.0m Höhe, ausgenommen ausserhalb der Bauzonen, bedürfen keiner 

Baubewilligung. Da strittiges Mauerwerk die in Art. 40 Abs. 1 Ziff. 18 KRVO 

festgelegte Höhe - wie oben erwähnt - überragt, fällt die Anwendung benannter 

Bestimmung ausser Betracht. Demnach ist vorliegendes Bauprojekt 

bewilligungspflichtig (Art. 40 Abs. 1 Ziff. 18 KRVO e contrario).

b) Weiter stellt sich die Frage, ob hier das Meldeverfahren gemäss Art. 50 KRVO 

anzuwenden ist. Das Meldeverfahren ist gemäss Art. 50 Abs. 1 KRVO ein 

vereinfachtes Baubewilligungsverfahren. Es findet Anwendung auf 

untergeordnete Bauvorhaben, bei welchen mit keinen Einsprachen zu rechnen 

ist, wie insbesondere geringfügige Projektänderungen bereits bewilligter 

Bauvorhaben (Ziff. 1); bauliche Massnahmen, die nach aussen nicht in 

Erscheinung treten, zonenkonform sind und zu keinen Veränderungen 

bezüglich Verkehrsbelastung oder Ausnützung führen (Ziff. 2). Das 

Meldeverfahren findet überdies Anwendung auf Bauvorhaben, die gemäss 

Artikel 40 von der Baubewilligungspflicht ausgenommen, jedoch gemäss 

kommunalem Baugesetz dem Meldeverfahren unterstellt sind (Art. 50 Abs. 2 

KRVO). Mit Blick auf Abs. 2 benannter Vorschrift wird klar, dass das 

Meldeverfahren im vorliegenden Fall keine Anwendung finden kann. Das 

vereinfachte Bewilligungsverfahren findet nur Anwendung auf Bauvorhaben, die 

gemäss Art. 40 KRVO von der Baubewilligungspflicht ausgenommen sind. Dies 

ist vorliegend gerade nicht der Fall. Auch ist weder behauptet noch 

nachgewiesen, dass der Gemeindevorstand mittels Verordnung die 

Bauvorhaben, welche gemäss Art. 40 KRVO von der Bewilligungspflicht 

ausgenommen sind, dem Meldeverfahren unterstellt hat. Im Baugesetz der 

Gemeinde findet sich diesbezüglich nichts. Das Bauvorhaben des 

Beschwerdeführers zur Anpassung des Vorplatzes, der Erhöhung der Mauer 

und Einfriedung, tritt nach aussen in Erscheinung. Mit anderen Worten ist eine 

wahrnehmbare Veränderung der Umgebung ersichtlich, weshalb das 

Meldeverfahren vorliegend auch nicht gestützt auf Art. 50 Abs. 1 KRVO 

Anwendung findet.

c) In Anbetracht der in vorstehender Erwägung 3a und b gemachten 

Feststellungen ist das Gericht zur Überzeugung gelangt, dass die Gemeinde 

ein ordentliches Baubewilligungsverfahren hätte durchführen müssen. Dies hat 

sie nicht getan. Vorliegendes Bauvorhaben ist aber bewilligungspflichtig und 

das Meldeverfahren findet keine Anwendung. Daher ist die Angelegenheit unter 

teilweiser Gutheissung des Eventualantrags der Beschwerde an die Gemeinde 

zurückzuweisen, dies mit der Anweisung, ein ordentliches 

Baubewilligungsverfahren nach den einschlägigen kantonalen Normen 

durchzuführen. Es handelt sich dabei nicht um einen prozessualen Leerlauf, da 

die Gemeinde im Bewilligungsverfahren auch das unmittelbare anwendbare 

(materielle) kantonale Baurecht fälschlicherweise nicht oder nur zum Teil 

angewendet hat. So regelt das kommunale Recht zwar die Strassenabstände 

(Art. 77 Abs. 3), für Bauabstände von Mauern und Einfriedungen enthält Art. 76 

KRG indessen strengere, unmittelbar anwendbare Bestimmungen (vgl. Art. 107 

Abs. 2 Ziff. 5 KRG), welche die Gemeinde im Bewilligungsverfahren nicht 

angewendet hat. Nicht zur Anwendung gebracht hat die Gemeinde auch Art. 73 

Abs. 1 KRG. Insbesondere hat sie das Verhältnis dieser unmittelbar 

anwendbaren Vorschrift zu Art. 22 Abs. 3 BG nicht geklärt. Weiter stellen sich 

Fragen bezüglich Besitzstand, nachdem unbestrittenermassen die 

vorbestandene Mauer mindestens teilweise lediglich erhöht wurde. Dies 

bedeutet, dass die Gemeinde, falls diese zum Schluss käme, dass das 

nachgesuchte Bauprojekt nicht bewilligt werden könne, die 

Wiederherstellungsverfügung entsprechend präziser zu fassen hätte.

d) Dem Antrag des Beschwerdeführers, ihm sei anlässlich der Neubeurteilung 

durch die Gemeinde umfassende Akteneinsicht zu gewähren, kann vorliegend 

nicht stattgeben werden. Es spielt nämlich keine Rolle, ob dem 

Beschwerdeführer seitens eines Gemeindevorstandmitglieds eine mündliche 

als „Baueingabe“ bezeichnete Baubewilligung erteilt wurde oder nicht. Nach Art. 

86 Abs. 1 KRG dürfen Bauten und Anlagen nur mit schriftlicher Baubewilligung 

der kommunalen Baubehörde errichtet, geändert, abgebrochen oder in ihrem 

Zweck geändert werden. Die Ausnahmen gemäss Art. 86 Abs. 2 und 3 finden 

im vorliegenden Verfahren nach dem vorstehend Gesagten keine Anwendung. 

Der Beschwerdeführer hätte demnach gestützt auf eine bloss mündliche 

Baubewilligung - selbst wenn diese erteilt worden wäre - keinesfalls mit den 

Bauarbeiten beginnen dürfen. Eine allfällige entgegenstehende Praxis der 

Baubehörde jedenfalls wäre gesetzeswidrig und somit unzulässig. Damit ist für 

den Ausgang des vorliegenden Verfahrens nicht massgebend, ob der 

Gemeindevorstand über das Bauvorhaben am 27. August 2012 oder erst am 

22. Oktober 2012 entschieden hat. Damit steht auch fest, dass die Gemeinde 

keinesfalls für den allenfalls entstandenen Schaden einzustehen hat. 

Abgesehen davon könnte ein solcher Schadenersatzanspruch ohnehin nicht im 

vorliegenden Verfahren geltend gemacht werden.

4. Zusammenfassend ergibt sich, dass in teilweiser Gutheissung der Beschwerde 

die angefochtene Verfügung vom 31. Oktober, mitgeteilt am 5. November 2012 

aufgehoben und die Angelegenheit der Gemeinde zur Durchführung des 

ordentlichen Baubewilligungsverfahrens zurückgewiesen wird. In Bezug auf die 

Anträge des Beschwerdeführers, die Baubewilligung sei zu erteilen und die 

Gemeinde habe für entstandenen Schaden einzustehen, ist die Beschwerde 

abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird. 

5. a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Gerichtskosten gestützt auf 

Art. 73 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; 370.100) 

zu einem Viertel dem Beschwerdeführer und zu drei Vierteln der Gemeinde 

auferlegt.

b) Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG hat die obsiegende Partei Anspruch auf den Ersatz 

der durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten durch die 

unterliegende Partei. Vom anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer liegt die 

Honorarnote des Vertreters vom 4. Februar 2012 bei den Akten. Geltend 

gemacht wird ein anwaltlicher Aufwand von insgesamt Fr. 4‘577.05 (inkl. 

Spesenpauschale von 4%, inkl. MWST) zu einem Stundenansatz von Fr. 300.--. 

Gemäss Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der 

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (HV; BR 310.250) gilt ein 

Stundenansatz zwischen Fr. 210.-- und Fr. 270.-- als üblich. Entsprechend ist 

die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eingereichte Honorarnote zu 

kürzen. Gestützt auf das Ausgeführte und unter Berücksichtigung des lediglich 

teilweisen Obsiegens des Beschwerdeführers erachtet das Gericht eine 

reduzierte aussergerichtliche Entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘500.-- als 

angemessen. Die Gemeinde hat entsprechend dem Beschwerdeführer gemäss 

Art. 78 Abs. 1 VRG die notwendigen Parteikosten im Umfang Fr. 2‘500.-- (inkl. 

MWST) zu ersetzen. Gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG ist der Gemeinde keine 

Parteientschädigung zuzusprechen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen teilweise gutgeheissen, die 

angefochtene Verfügung vom 31. Oktober, mitgeteilt am 5. November 2012 

aufgehoben und die Angelegenheit an die Gemeinde zur Durchführung des 

ordentlichen Baubewilligungsverfahrens zurückgewiesen. Im Übrigen wird die 

Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 2‘000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 266.--

zusammen Fr. 2‘266.--

gehen zu einem Viertel zulasten von Christoph Osterwalder sowie zu drei 

Vierteln zulasten der Gemeinde und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. Die Gemeinde entschädigt den Beschwerdeführer aussergerichtlich mit Fr. 

2‘500.-- (inkl. MWST).