# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cbae081c-8ebb-589e-9032-f0cfb97430d2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-03-24
**Language:** de
**Title:** Anhaltende Schmerzstörung überwindbar (BGE 8C_282/2015)
**Docket/Reference:** IV.2014.00065
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00065.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00065
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Kreyenbühl
Urteil
vom
24. März 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1961,
Mutter von fünf Kindern, war
zuletzt vom 1.
August 2010 bis
zum
3
1.
Januar 2013
in einem
55%-Pensum
als
Kioskver
käuferin
bei der
Firma Y.___
in
Z.___
angestellt
(
Urk.
6/19/1
-
2
). Am
2.
November 2012
(Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf
Rückenbeschwerden bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug
(Rente)
an (
Urk.
6/9). Die IV
Stelle lud die Ver
si
cherte zu einem Standortgespräch ein, das
am
12.
November 2012
stattfand (
Bericht vom 1
5.
November 2012,
Urk.
6/12). In der Folge liess die IV-Stelle einen Auszug aus dem individuellen Konto erstellen (IK-Auszug
vom 1
5.
November 2012
,
Urk.
6/13)
und holte
den Bericht von Dr.
med.
A.___
, FMH Psychiat
rie und Psychotherapie, vom 14.
Dezember 2012 (
Urk.
6/17), den Beri
cht von
Dr.
med.
B.___
, FMH
Allgemeinmedizin, vom 3
1.
Dezember 2012 (
Urk.
6/18) und den Arbeitgeberbericht der
Firma Y.___
vom 1
4.
Januar 2013 (
Urk.
6/19)
ein
. Daraufhin nahm sie die
Ver
laufsberichte
von
Dr.
B.___
vom 3
0.
März 2013 (
Urk.
6/22) und von
Dr.
A.___
vom 2
4.
April 2013
(
Urk.
6/23) zu den Akten und gab bei
Dr.
med.
C.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gut
achten in Auf
trag, das
dieser am
8.
Oktober 2013 (Urk.
6/31) erstattete. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
5.
November 2013,
Urk.
6/33, und Ein
wand vom
2.
Dezember 2013, Urk.
6/39) verneinte die IV
Stelle mit Verfü
gung vom
9.
Januar 2014 einen A
nspruch der Versicherten auf
Leistungen
der Invalidenversicherung
und begründete dies damit, dass kein IV-relevanter Gesundheitssc
haden ausgewiesen sei (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
1
6.
Januar 2014 Beschwerde und beantragte
mit der Bemerkung, dass sie sich nicht mehr in einen anderen Beruf eingliedern könne,
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache
von IV
Leistungen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Februar 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführeri
n am 2
1.
Februar 201
4 angezeigt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist
insbesondere
der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
eine
Invalidenrente.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Ein
schränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer
Gesundheits
schaden
führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der ver
sicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Eine fach
ärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendi
gen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich
im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Fest
stellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiter
krankungen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unverän
derter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konflikt
bewältigung
(primärer Krankheitsgewinn; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behand
lungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der ver
sicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vor
aus
setzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art.
29
Abs.
1 ATSG.
1.6
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8 ZGB) hat die versicherte Person die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen
Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte
Gesund
heits
schaden
nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Validität, nicht Invali
dität. An diesem Nachweis kann es unter mehreren Aspekten mangeln: Die Einschränkung ist nicht gesundheitlich, sondern sozial/soziokulturell bedingt (1); die gesundheitliche Einschränkung ist nicht evident, wiegt nicht schwer, sodass sie überwindbar und der versicherten Person die Verrichtung einer adaptierten Tätigkeit dennoch zumutbar ist (2); die Einschränkung ist medizi
nisch angeh- oder gar heilbar (3); die Einschränkung ist nur vorübergehender Natur, sei es, weil sie von selbst oder nach einer medizi
nischen Behandlung abklingt (4). Die entsprechenden Elemente (gesund
heitlicher Charakter, Evidenz und Erheblichkeit, Unheilbarkeit und Dauer
haftigkeit der Beeinträchtigung) sind stets - auch
ausserhalb
der unklaren Beschwerdebilder - nachzuweisen, damit ein Anspruch auf eine Dauerleistung der Invalidenversicherung geltend gemach
t werden kann (BGE 139 V 547 E.
8.1).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit
w
eiteren Hinweisen)
.
2.
2.1
PD
Dr.
med.
D.___
vom Institut
E.___
führte in seinem Bericht vom 2
1.
Mai 2012 zuhanden von
Dr.
B.___
aus, dass das durchgeführte MRI
der
LWS und
des
thorako
lumbalen
Übergang
s
eine
Degeneration in
de
n unteren drei lumbalen Segmenten mit
Osteochondrosen
(vor allem L5/S1) und
breitb
asigen
Diskusv
o
rwölbungen sowie zentraler
Protrusion
auf Niv
eau L5/S1 zeigen würde
. Insgesamt
liessen sich keine
Dis
kushernien
und auch keine Nervenwurzelirritation nachweisen, insbesondere auch keine Reizung oder Kompression auf Höhe L5/S
1.
Tieflumbal seien betonte Facettengelenksarthrosen festzustellen (
Urk.
6/18/10).
2.2
Dr.
A.___
diagnostizierte
in ihrem Bericht vom 1
4.
Dezember 2012 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig mittelschwere bis schwere depressi
ve Episode mit soma
ti
schen Sympt
omen (ICD-10 F33.11/F33.2), bestehend seit Jahren bzw. Sommer 2012, (2) eine akzentuierte Pers
ö
nlichkeit, (3) ein
lumboradikuläres
Syndrom L5/S1, bestehend seit April 2012
,
und (4) eine Eisenmangelanämie. Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nann
te
Dr.
A.___
nicht.
Sie
erklärte
,
dass die Beschwerdeführerin seit dem
2.
November 2012 bei ihr in Behandlung sei. Die psychiatrischen Sitzun
gen würden zwei bis vier Mal pro
Monat stattfinden. Die Depression sei bis jetzt medikamentös und psycho
thera
peutisch kaum beeinflussbar gewesen. Aufgrund der
Schmerz
medikation
und
der
vielen Nebenwirkungen könne die antidepressive Medikation nur schwer eingestellt werden. Die Prognose sei schlecht. Wegen
der
k
örperlichen Erkran
kungen und der
Persönlich
keitsanteile
(
Selbstver
unsicherung
, Angepasst
heit, Leistungsbezogenheit, hoh
es Verantwortungs
bewusstsein) wü
rde die Depression immer wieder aufgeschaukelt werden.
I
n der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kioskverkäuferin
sei die Beschwerdeführerin
seit dem 2
5.
April
2012 zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
6/17/1-6).
2.3
Dr.
B.___
gab
in seine
m Bericht vom 3
1.
Dezember 2012
an
, dass
die Beschwer
deführerin bei ihm seit
September
2009 in der Schmerztherapie sei. Als
Kiosk
mitarbeiterin
(S
tehen, wenig Bewegen) sei
sie
seit dem 2
4.
April 2012 zu 50
%
bis
100
%
arbeitsunfähig (
vgl.
ärztliche Zeugnisse
vom
1.
Januar 2013,
Urk.
6/18/1
-9
).
2.4
Im Verlaufsberic
ht vom 3
0.
März 2013
erklärte
Dr.
B.___
,
dass die Beschwerde
führerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kioskangestellte nach wie vor zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Bei
sitzender Arbeit
sei ein 50%
Pensum
denkbar
(
Urk.
6/22/1).
2.
5
Dr.
A.___
legte
im Verla
ufsbericht vom 2
4.
April 2013 dar
, dass die Beschwerdeführerin regelmässig zur Behandlung komme und ihre Medik
amente zuverlässig einnehme. Der psychische
Gesundheitszustand habe sich aber nur minimal gebessert und sei schwer beeinfl
u
ssbar. Dies zum einen, weil sie
auf die Medikamente mit Nebenwirkungen reagiere, welche sich wieder negativ auf das psychische Befinden auswirken würden. Zum anderen
,
weil die Arbeits
un
fähigkeit wegen des
lumboradikulären
Syndroms, der fehlenden beruflichen Aussichten und der finanziellen Sorgen
die Selbstverunsicherung und damit die De
pression aufrechterhalten würde
.
Wegen der Sprachbarrieren sei die Psycho
therapie erschwert.
Die Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf betrage nach wie vor 100
%
. Auch in einer angepassten Tätigkeit sei bis auf
Weiteres
keine Arbeitsfähigkeit gegeben (
Urk.
6/23).
2.
6
Dr.
C.___
stellte in seinem Gutachten vom
8.
Oktober 2013 als psychiatri
sche Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende
Schmerz
störung
(ICD-10 F45.4). Al
s psychiatrische Diagnose ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0).
Dr.
C.___
erklärte, dass die Beschwerde
führerin
in ihrer bisherigen Tätigkeit
als Verkäuferin
aus rein psychiatrischer Sicht nicht mehr als
10
%
- dies vor allem aufgrund der Beschäftigung mit dem Schmerz - eingeschränkt sei
.
Bei einer deutlicheren Ausprägung der rezidi
vierenden depressiven Störung als aktuell
könne
die
Arbeitsfähigkeit
vorüber
gehend möglicherweise stärker beeinträchtigt sein
.
Dies nicht zuletzt deshalb, weil Schmerzen und deren Empfindung
durch eine
depressive
Störung grund
sätzlich verstärkt werden könnten. Aktuell sei dieser Einfluss aber zu vernach
l
ässigen. Bei einer
angepassten Tätigkeit
sei ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 90
%
zu erwarten (
Urk.
6/31/9-13).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der
angefochtenen Verfügung vom 9.
Januar 2014 in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das psychiatri
sche Gutachten von
Dr.
C.___
vom
8.
Oktober 2013 (
Urk.
6/31).
3.2
Dr.
C.___
legte in
seiner Expertise dar, dass es
vorliegend
Hinweise auf diverse zum Teil sehr starke psychosoziale Belastungen und schwerwiegende Lebensereignisse
der Beschwerdeführerin
gebe. Zu diesen so genannten Life-Change-Units, die Stress auslösen und die psychische Gesundheit beeinträchti
gen könnten, würden unter anderem der frühe Tod des Vaters, die verschiede
nen Schwangerschaften, die Fehlgeburten, der behinderte Sohn, die Migration, der Autounfall
(im Jahr 2001)
, die Invalidisierung des Ehemannes und die letzte Kündigung zählen. Mit diesen Ereignissen und den Hinweisen auf eine famili
äre Belastung von depressive
n
Erkrankungen (Schwestern) sei eine erhöhte Vulnerabilität, eine individuelle Prädisposition der Beschwerdeführerin für das Au
ftreten depressiver Syndrome und
rezidivierende
r
depressive
r
Störungen gegeben
. Trotz dieser
„
Anfälligkeit
“
lasse sich anhand der Angaben zur schuli
schen und beruflichen Karriere
aber
bis zum Jahr 2012
eine unauffällige Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin festst
ellen. Beispielsweise habe sie
nach der Migration in die
Schweiz und
auch
noch nach dem Unfall
von
2001 gearbei
tet und -
nach dem beruflichen Ausfall des Ehemannes
ca. 2001 -
die Familie zum Teil alleine finanziert. Wenngleich es Hinweise auf depressive Symptome seit der Kindheit gebe, habe die depressive Entwicklung offensicht
lich erst im
April 2012
Krankheitswert
erreicht
(v
gl. Angaben der behandelnde
n
Ps
ychiateri
n
Dr.
A.___
im Bericht vom
1
4.
Dezember 2012
)
, was zur Kündigung der letzten Arbeitsstelle Ende 2012 geführt habe
(
Urk.
6/31/10)
.
Weiter erklärte
Dr.
C.___
, dass die Beschwerdeführerin i
n der gutachterli
chen Untersuchung ein klinisch leicht depressives Zustandsbild mit vor allem einer verlangsamten Psychomotorik, undeutlicher Aussprache und klagend und
bedrück
t
wirkender Stimmung
präsentiere
. Dabei sei eine auffällige, dramati
sierend wirkende Darstellung ihres körperlichen Zustandes beobachtbar. Die Beschwerdeführerin berichte ein eingeschränkt anmutendes soziales
Aktivitäts
niveau
.
Einige
der von der Psychiaterin
Dr.
A.___
erwähnten
depressiven Symptome, die sich auf die sozialen Aktivitäten auswirken könnten,
seien allerdings
nicht mit den aktuellen Befunden in Überein
stimmung zu bringen, zum Beispiel die Aufmerksamkeitsprobleme pathologi
schen Ausmasses.
Das aktuell
leichtgradige
depressive Zustandsbild
sei
in Anbetracht der Schwankungen und des Verlaufs und
unter Berücksichtigung
der Vorberichte als rezidivierend
zu qualifizieren
. Neben der rezidivier
en
den depressiven Störung würden somatische Beschwerden bestehen, welche die Beschwerdeführerin offenkundig in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigen würden. Diese seien in den Akten ausführlich dargestellt und objektiviert. Die
Angaben der Beschwerdeführerin
, seit wann diese Beeinträchtigungen vorherr
schen würden
, seien widersprüchlich
. Zum einen
habe sie im Rahmen
der Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin das Jahr 2012 angegeben. Im Rahmen der vorliegenden Begutachtung habe sie nun den Zeitpunkt des Unfall
s
im Jahr 2001 genannt.
Gesamthaft würden die Befunde auf eine anhaltende
Schmerz
störung
(ICD-10 F45.4) hinweisen. Die gestellten somatischen Diagnosen wür
den das Vorliegen der physiologischen bzw. körperlichen Komponente dieser Störung belegen. Mit dieser könnten jedoch nicht alle Schmer
z
sensationen
und Beschwerden erklärt werden
.
Im Rahmen der
Prüfung der sogenannten Foerster-Kriterien
sei beim
Kriterium der
ps
ychischen
Komorbid
ität
das
depressive Syndrom
zu erwähnen. Als (chronische) körperliche Erkrankungen lägen unter anderem ein
lumboradikuläres
Syndrom, eine Eisenmangelanämie und eine chronische Veneninsuffizienz vor.
Weiter habe die Beschwerdeführerin
ihre
n
Arbeitsplatz verloren
(Kündigung).
Belegt sei
sodann
ein Verlauf bei weitgehend unveränderter Symptomatik
, dies jedoch erst seit anderthalb Jahren
. Die Behandlungsergebnisse der Psycho- und Schmerztherapie seien unbefriedigend
. Diesbezüglich
sei aber erstens anzumerken, dass die Beschwer
deführerin in nur sehr begrenztem Rahmen Deutsch spreche, was die Durch
füh
rung einer
Gesprächs-Psychotherapie
auf Deutsch
erheblich ersch
were. Zweitens erscheine vor ihrem
subjektiven Leidensdruck die Frequenz (der The
rapie
n
) ausbaubar. Und drittens sei anscheinend noch kein Versuch unternom
men worden, eine stationäre Behandlung durchzuführen, um eine intensivere Therapie anzu
wenden
und die Medikation anzupassen. Insofern seien die Behandlungsergebnisse zwar unbefriedigend, würden aber noch nicht auf ei
nem
ausgeschöpften Behandlungsspektrum fussen.
Im Weiteren seien offen
bar auch noch keine
Rehabilitationsmassnahmen
eingeleitet
worden. Ein sozi
aler Krankheitsgewinn könne schliesslich nicht festgestellt werden.
Die Foerster-Kriterien seien vorliegend somit zum Teil er
füllt, zum grösseren
Teil indes
nicht
. Dies liege an der kurzen Dauer der objektivierbaren Befunde und vor allem an den noch nicht ausreichend und konsequent
durchgeführten
Behandlungsoptionen
(
Urk.
6/31/11-15
).
Dr.
C.___
kam daher zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin aus rein psychiatrischer Sicht nicht mehr als 10
%
- dies vor allem aufgrund der Beschäftigung mit dem Schmerz
-
ein
geschränkt sei. Bei einer deutlicheren Ausprägung der rezidivierenden depressi
ven Störung als aktuell könne die Arbeitsfähigkeit vorübergehend möglicher
weise stärker beeinträchtigt sein. Dies nicht zuletzt deshalb, weil Schmerzen und deren Empfindung durch eine depressive Störung grundsätzlich verstärkt werden könnten. Aktuell sei dieser Einfluss aber zu vernachlässigen. B
ei einer angepassten Tätigkeit
sei ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 90
%
zu erwarten (
Urk.
6/31/13).
3.3
Diese Beurteilung von
Dr.
C.___
, die er in Kenntnis und Ause
inander
setzung mit den
Vorakten
abgab, erscheint angesichts der genannten Befunde und der Erläuterungen dazu ohne
Weiteres
einleuchtend.
Dr.
C.___
legte
dabei
-
unter Prüfung der Foerster-Kriterien (vgl. E. 1.4) -
auch nachvollziehbar
dar
,
weshalb
vorliegend davon auszugehen ist, dass
d
ie
bei der
Beschwerde
führerin diagnostizierte anhaltende Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), die zu den
somotaformen
S
törungen zu zählen ist
(
vgl.
ICD-10 F.45)
,
mit einer zumut
baren Willensanstrengung überwindbar
ist
.
Auf die
Einschätzung
von
Dr.
C.___
kann daher abgestellt werden.
3.4
Aufgrund des Gesagten
ist
somit nicht ausgewiesen
, dass die Beschwerde
führe
rin aus psychischen Gründen
-
oder auch aus somatischen Gründen
(vgl. dazu
die
eher
unauffälligen Befunde
im Bericht von Dr.
D.___
vom 2
1.
Mai 2012
,
E. 2.1) -
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40
%
invalid (
Art.
8
ATSG) gewesen wäre.
Dass die Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung
zum Schluss kam, es liege kein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesundheitsscha
den
v
or und einen
Anspruch der Beschwerde
führerin auf IV
Leistungen (Rente und berufliche Massnahmen, vgl.
zu letzteren
Art.
15 ff. IVG)
vernei
nt
e, ist
demzufolge
nicht zu beanstanden.
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
4
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstKreyenbühl