# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aab9739e-6f0d-5891-bd56-1dd753fa74d1
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 2000 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-2000-22_0000-00-00.pdf

## Full Text

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und 2 KJG erfüllt hat. Dass J. den unweidgerecht zu qualifizierenden Schuss 
vorsätzlich im Sinne von Art. 47 Abs. 1 KJG abgegeben hat, kann ausge- 
schlossen werden, da hiefür keine Indizien vorliegen. Gemäss Art. 47 Abs. 2 
KJG ist auch die fahrlässige Widerhandlung gegen eine Bestimmung des 
Jagdgesetzes strafbar. Ist die Tat darauf zurückzuführen, dass der Täter die 
Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht 
oder darauf nicht Rücksicht genommen hat, so begeht er  das Verbrechen 
oder Vergehen fahrlässig. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der 
Täter die Vorsicht nicht beobachtet, zu der er nach den Umständen und nach 
seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 18 Abs. 3 StGB).Vor- 
liegend gilt es zu berücksichtigen, dass sich das Tier in Bewegung befand. 
Aufgrund der glaubhaften Sachverhaltsschilderung des Berufungsklägers 
kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Hirschkuh im Zeitpunkt der 
Schussabgabe unerwartet gedreht hat, so dass der weidgerecht angesetzte 
Schuss unverhofft und unvermeidbar zu einem nicht weidgerechten Resul- 
tat geführt hat. Kann dem Berufungskläger nicht nachgewiesen werden, dass 
er pflichtwidrig gehandelt und damit den subjektiven Tatbestand des Art. 15 
Abs. 1 und 2 KJG erfüllt hat, so ist er von der Anklage der Verletzung von 
Art. 15 Abs. 1 und 2 KJG in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 KJG freizuspre- 
chen. Die Berufung ist mithin auch in diesem Punkt gutzuheissen.
SB 00 17 Urteil vom 17. Mai 2000

– Jagdrecht; weidgerechte Jagdausübung (Art. 15 Abs. 1 
KJG). Das Liegenlassen eines erlegten Murmeltierkätz- 
chens vor dem Bau ist nicht weidgerecht.

Erwägungen:
Der  Kreisgerichtsausschuss  Bergün  hat  M.  derVerletzung  von

Art. 15 Abs. 1 KJG für schuldig befunden. Nach dieser Bestimmung hat sich 
der Jäger bei der Ausübung der Jagd weidgerecht zu verhalten. Gemäss Aus- 
führungen der Vorinstanz hätte sich M. nach der Schussabgabe persönlich 
zum erlegten Tier begeben und es angemessen entsorgen müssen. Indem M. 
das Murmeltierkätzchen in unmittelbarer Nähe des Baues liegen gelassen 
habe, habe er keine Achtung gegenüber dem erlegten Tier gezeigt. Sein Ver- 
halten sei deshalb als unweidmännisch im Sinne von Art. 15 Abs. 1 KJG zu 
qualifizieren. Der Berufungskläger macht in diesem Zusammenhang gel- 
tend, es entspreche der gängigen Übung im Kanton Graubünden, den Auf- 
bruch eines Tieres sowie allfällige Fleischstücke, welche zum Beispiel infol- 
ge eines schlecht sitzenden Schusses nicht verwertet werden könnten, an Ort 
und Stelle liegen zu lassen. Es könne davon ausgegangen werden, dass die 
Verhaltensweisen, welche seit altersher auf der Jagd praktiziert würden, als

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weidgerecht bezeichnet werden müssten. Die Aasfresser würden im Übrigen 
sehr schnell die herumliegenden Aufbrüche aufräumen.

Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Gemäss Leitfaden 
für Bündner Jäger (Jagd- und Fischereiinspektorat, Dr. Peider Ratti, Disen- 
tis 1986; III, S. 1) bedeutet weidgerecht jagen, die Jagd nach bestem Wissen 
und Gewissen, nach Gesetz und Vorschriften sowie nach überliefertem 
Brauchtum auszuüben. Der Ausdruck «weidmännisch» und «weidgerecht» 
bedeute immer, dass der Jäger bei der Jagdausübung die Achtung gegenüber 
dem Wilde zu wahren habe. Der Kantonsgerichtsausschuss geht in Überein- 
stimmung mit dem Berufungskläger davon aus, dass das Liegenlassen von 
Aufbruch für sich allein nicht als unweidmännisches Verhalten bezeichnet 
werden kann. Tatsächlich entspricht es überliefertem Brauchtum auf der 
Bündner Hochjagd, den Aufbruch zurückzulassen, damit Füchse und Aas- 
fresser diese Reste verzehren können. Als unweidmännisch im Sinne des 
Gesetzes muss hingegen die Tatsache qualifiziert werden, dass M. das Mur- 
meltierkätzchen vor dem Bau liegen gelassen hat. Solches Verhalten zeugt 
von einer geringen Achtung gegenüber dem erlegten Tier. Im Weiteren gilt 
es zu berücksichtigen, dass die Murmeltiere familienweise in streng abge- 
grenzten Wohngebieten leben.Wenn nun ein totes Familienmitglied vor dem 
Bau liegen gelassen wird, stört dies die Kolonie und die soziale Struktur wird 
durcheinander gebracht. Es wäre mit wenig Aufwand verbunden gewesen, 
das erlegte Tier aufzuheben und an einem anderen Ort zugedeckt liegen zu 
lassen, so dass auch Unbeteiligte daran keinen Anstoss nehmen können. Die 
Vorinstanz hat demnach zu Recht M. der Verletzung von Art. 15 Abs. 1 KJG 
für schuldig befunden.
SB 00 76 Urteil vom 22. November 2000

– Jagdrecht; (eventual-)vorsätzliche und fahrlässige Wider- 
handlung gegen das Jagdgesetz (Art. 47 Abs. 1 und 2 KJG; 
Art. 18 StGB). Eventualvorsatz in casu bejaht bei einem 
Jäger, der – weil er das Tier lediglich von vorne und leicht 
nach unten angesprochen hat – einen Gämsbock statt der 
erlaubten Gämsgeiss erlegt hat.

Erwägungen:
a) Bei der Ausübung der Jagd hat sich der Jäger weidgerecht zu ver-

halten. Insbesondere hat er sich vor der Schussabgabe zu vergewissern, dass 
das Wild jagdbar ist (vgl. Art. 15 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über die Jagd und 
den Wildschutz im Kanton Graubünden; KJG; BR 740.000). Gemäss den 
Jagdbetriebsvorschriften 1999 (I/ B, Kontingente Ziff. 1) darf der Gämsbock 
erst nach Abschuss einer erlaubten Gämsgeiss erlegt werden.

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