# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dad1b189-f70a-59a8-8a6e-18ac2985d41c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230222-O3
**Docket/Reference:** SB230222-O3
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230222-O3.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230222-O/U/bs

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, und lic. iur. 

M. Langmeier, Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Keller sowie 

die Gerichtsschreiberin MLaw T. Künzle

Urteil vom 18. Dezember 2024

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X1._____, 

gegen

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich,

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin

betreffend Menschenhandel etc. und Widerruf 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Jugendgericht, 

vom 7. Juli 2022 (DJ210004)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 9. Juni 2021 (Urk. 26) 

ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

(Urk. 354 S. 450 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Das Verfahren wird hinsichtlich folgender Vorwürfe definitiv eingestellt:



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



des Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder im Sinne von 

Art. 136 StGB (Sachverhalt 2);

der mehrfachen, teilweise versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Sachverhalte 3, 8, 11, 14, 15, 20, 21);

der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Sachverhalte 3, 

20, 21); 

der mehrfachen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Auf-

nahmegeräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB (Sachverhalte 10, 

18.1, 18.2, 22) sowie

der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Sachverhalt 17).

2.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig









des Menschenhandels im Sinne von Art. 182 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (Sach-

verhalt 20);

der mehrfachen, teilweise versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB, teilweise in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalte 5, 10, 15, 18.2, 20, 24);

der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 18.2);

der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 200 StGB (Sachverhalte 2, 6, 15, 18.2);

- 3 -

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

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB (Sachverhalte 2, 5, 6, 10, 15, 

18.1, 18.2, 20, 24);

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

Ziff. 1 StGB (Sachverhalte 3, 10, 18.2, 25, 30);

der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB in 

Verbindung mit Art. 200 StGB (Sachverhalte 10, 15, 18.1, 18.2);

der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB (Sach-

verhalte 10, 15, 22, 29);

der versuchten Anstiftung zur Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 

StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB und in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 

StGB (Sachverhalt 6);

der fortgesetzten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 2 StGB 

(Sachverhalte 7, 13, 20, 21);

der mehrfachen, teilweise versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 

Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Sachverhalte 14, 19, 24, 31);

des mehrfachen, teilweise versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 23 

Abs. 1 StGB (Sachverhalte 1, 27);

der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (Sachverhalt 4);

des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 10);

der mehrfachen, teilweise versuchten Anstiftung zum Diebstahl im Sinne von 

Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 und 2 StGB (Sachver-

halte 23, 26, 28);

der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 26);

der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 

Abs. 2 StGB (Sachverhalte 23, 26) sowie

der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 28).

- 4 -

3.

Der Beschuldigte A._____ wird freigesprochen von den Vorwürfen











der mehrfachen, teilweise versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB, teilweise in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalte 2, 18.1, 25);

der mehrfachen, teilweise versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 

Ziff. 1, Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Sachverhalte 3, 8, 9, 11, 12, 15, 20, 21, 23, 26, 30);

der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. a StGB (Sachver-

halt 20);

der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 23) sowie

der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 32).

4.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren und 9 Mona-

ten, wovon bis und mit heute 872 Tage (gerechnet vom 17. Februar 2020 bis und 

mit 7. Juli 2022) durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind, sowie 

einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 5'400.–).

5.

6.

Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen.

Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 

31. Juli 2019 ausgefällten persönlichen Leistung von 35 Tagen wird nicht wider-

rufen.

7.

a)

Auf die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von 

Art. 61 StGB wird verzichtet.

b)

Der Antrag auf Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von 

Art. 63 Abs. 1 StGB wird abgewiesen.

8.

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 16a Abs. 2 JStG für die Dauer von 

5 Jahren verboten, 

a)

b)

sich der Privatklägerin anzunähern und

mit der Privatklägerin direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzunehmen, 

namentlich auf telefonischem, schriftlichem oder elektronischem Weg.

- 5 -

9.

a)

Der mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 8. Dezember 2020 

beschlagnahmte und bei den Untersuchungsakten liegende Brief 

(act. 10/01/01) wird dem Beschuldigten oder einer von ihm bevollmächtigten 

Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen her-

ausgegeben.

b)

Das mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 2021 be-

schlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernde 

rote Notizheft (A013'527'054) wird der Privatklägerin oder einer von ihr bevoll-

mächtigten Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Ver-

langen herausgegeben.

c)

Die folgenden, mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 

2021 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

lagernden Gegenstände werden B._____ oder einer von ihm bevollmächtig-

ten Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen 

herausgegeben:









Matratze braun (A013'678'176)

Liegestuhlüberzug (A013'678'187)

Matratze schwarz (A013'678'198)

Golfschläger (A013'689'059)

d) Wird jeweils innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Urteils keine Herausgabe 

verlangt, wird die Lagerbehörde für berechtigt erklärt, die vorgenannten Ge-

genstände innert weiterer 30 Tage zu vernichten respektive gutscheinend zu 

verwenden.

10.

a)

Die folgenden, mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 

2021 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

lagernden Gegenstände werden dem jeweils Berechtigten oder einer von die-

sem bevollmächtigten Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf 

erstes Verlangen herausgegeben:





USB Memory Stick EMTEC (A013'538'982)

USB Memory Stick Sony (A013'538'993)

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











Externe Festplatte WD (A013'539'009)

USB Memory Stick Lizenz (A013'539'010)

USB Memory Stick Toshiba (A013'539'021)

Kreditkarte Cornercard (A013'539'032)

Sturmhaube schwarz (A013'539'098)

Apple iMac (A013'539'327)

b)

Die Publikation der vorgenannten Gegenstände zur Anmeldung von An-

sprüchen im Sinne von Art. 267 Abs. 6 StPO wird der Jugendanwaltschaft 

Winterthur übertragen.

11. Die folgenden, mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 2021 

beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernden 

Gegenstände werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils zur Vernichtung bzw. gutscheinenden Verwendung überlassen:











Apple iPhone 7 inkl. Unterasservat (A013'535'405)

DNA-Spur ab Golfschläger (A013'689'106)

Unterasservate zu A013'678'176

Unterasservate zu A013'678'187

Unterasservate zu A013'678'198

12. Die von der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 2021 über die Online-

Daten Instagram (A013'594'315) verfügte Beschlagnahme wird nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils aufgehoben.

13.

a)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz in der 

Höhe von Fr. 1'447.– zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 8. Mai 2022 zu be-

zahlen.

Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privat-

klägerin aus den Ereignissen gemäss Dispositiv-Ziffer 2, mit Ausnahme der 

Veruntreuung (Sachverhalt 4), dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig 

ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges wird die Privatklägerin auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

- 7 -

b)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 50'000.– zuzüglich 

Zins zu 5 % seit dem 1. Januar 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Übri-

gen wird das Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses ver-

wiesen.

14. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'500.00

; die weiteren Kosten betragen:

5'000.00

  Gebühr für das Vorverfahren; 

43'263.35

  Auslagen (Gutachten/Expertisen etc.);

80.00

  diverse Kosten (Auslagen Polizei);

2'000.00

  Beschwerde Obergericht (UB210133-O);

1'000.00

  Beschwerde Obergericht (UH200389-O);

1'039.50

  anteilsmässige Kosten Kinderpsychologin für 
  Befragung der Privatklägerin anlässlich der 
  Hauptverhandlung;

Fr.

19'935.15

  Kosten amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur.  
  X2._____ (inkl. Barauslagen und MwSt.), vom 17. Februar
  2020 bis 30. März 2020, bereits entschädigt;

Fr.

154'647.25

  Kosten amtliche Verteidigung, Rechtsanwältin lic. iur.
  X1._____ (inkl. Barauslagen und MwSt.), ab dem 22. Mai
  2020, abzüglich Akontozahlungen von Fr. 91'000.–;

Fr.

58'056.90

  Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklä-
  gerin, Rechtsanwältin Dr. iur Y._____ (inkl.
  Barauslagen und MwSt.);

Fr.

286'522.15

  Total

15. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 14 werden dem Beschuldigten im Umfang von 

Fr. 25'000.– auferlegt. Im Übrigen werden die Kosten definitiv auf die Gerichtskasse 

genommen.

16.

(Mitteilungen)

17.

(Rechtsmittel)"

- 8 -

Berufungsanträge:

(Prot. II S. 16 ff.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten A._____:

(Urk. 360)

1.

Ziff. 2 linea 1 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und 

durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:

Der  Beschuldigte  wird  vom  Vorwurf  des  Menschenhandels  freigesprochen 

(Sachverhalt 20).

2.

Ziff. 2 linea 2 und 3 des Dispositivs des angefochtenen Urteils seien aufzuhe-

ben und durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen, teilweise versuchten Ver-

gewaltigung freigesprochen (Sachverhalte 5, 10, 15, 18.2, 20 und 24).

3.

Ziff. 2 linea 4 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und 

durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Nötigung frei-

gesprochen (Sachverhalte 2, 6, 15 und 18.2).

4.

Ziff. 2 linea 5 und 6 des Dispositivs des angefochtenen Urteils seien teilweise 

aufzuheben und durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:

Der  Beschuldigte  ist  schuldig  der  mehrfachen  sexuellen  Handlungen  mit 

Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB gemäss den Sachverhalten 2, 6, 

10, 20 und 24.

Der  Beschuldigte  wird  vom  Vorwurf  der  mehrfachen  sexuellen  Handlungen 

mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 7 StGB gemäss den Sachverhalten 5, 

15, 18.1 und 18.2 freigesprochen.

- 9 -

5.

Ziff. 2 linea 7 und 8 des Dispositivs des angefochtenen Urteils seien in Abän-

derung im Sinne von Art. 200 StGB aufzuheben und durch folgenden Urteils-

spruch zu ersetzen:

Der  Beschuldigte  ist  schuldig  der  mehrfachen  Pornografie  im  Sinne  von 

Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB (Sachverhalte 10, 15, 18.1, 18.2, 22 und 29).

6.

Ziff. 2 linea 9 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei in Abänderung im 

Sinne von Art. 200 StGB aufzuheben und durch folgenden Urteilsspruch zu 

ersetzen:

Der  Beschuldigte  ist  schuldig  der  versuchten  Anstiftung  zur  Pornografie  im 

Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB (Sachverhalt 6).

7.

Ziff. 2 linea 10 und 1 1 des Dispositivs des angefochtenen Urteils seien teil-

weise aufzuheben und durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:

Der Beschuldigte ist schuldig des versuchten Betrugs gemäss den Sachver-

halten 7, 24 und 31, der versuchten Erpressung gemäss Sachverhalt 13 und 

des Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Sachverhalt 19.

Der Beschuldigte wird von den Vorwürfen der teilweise fortgesetzten Erpres-

sung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 2 StGB gemäss den Sachverhalten 

14, 20 und 21 freigesprochen.

8.

Ziff. 2 linea 12 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und 

durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:

Der  Beschuldigte  wird  vom  Vorwurf  des  mehrfachen,  teilweise  versuchten 

Raubes freigesprochen (Sachverhalte 1 und 27).

9.

Ziff. 2 linea 18 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und 

durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der versuchten Nötigung freigesprochen 

(Sachverhalt 28).

- 10 -

10. Der Beschuldigte sei in Abänderung der Ziff. 4 und 5 des Dispositivs des an-

gefochtenen Urteils schuldangemessen zu bestrafen.

11. Die Zivilforderungen seien in Abänderung der Ziff. 13 des Dispositivs des an-

gefochtenen Urteils abzuweisen bzw. auf den Zivilweg zu verweisen, sofern 

darauf einzutreten ist.

12. Dem Beschuldigten seien die Kosten in Abänderung der Ziff. 15 des Dispo-

sitivs des angefochtenen Urteils in geringerem Umfang als CHF 25'000 auf-

zuerlegen.

b)

Der Oberjugendanwaltschaft:

(Urk. 458)

1.

Dispositiv-Ziff. 3.2. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Der  Beschuldigte  sei  schuldig  zu  sprechen  der  mehrfachen,  teilweisen  ver-

suchten  Erpressung  im  Sinne  von  Art.  156  Ziff.  1,  Ziff.  2  und  Ziff.  3  StGB, 

teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalte 9, 15, 20).

2.

Dispositiv-Ziff. 4 (Urteil vom 7. Juli 2022):

Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren. 

3.

Dispositiv-Ziff. 7: lit. a und b (Urteil vom 7. Juli 2022):

Verzicht auf die Anordnung einer Massnahme i.S.v. Art. 61 und Verzicht auf 

die Anordnung einer Massnahme i.S.v. Art. 63 StGB bzw. die Notwendigkeit 

solcher Massnahmen seien durch das Gericht zu überprüfen. 

4.

Dispositiv-Ziff. 2, 1. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch betreffend Menschenhandel i.S.v. Art. 182 Abs. 1 und Abs. 2 

StGB (Sachverhalt 20); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 1.

5.

Dispositiv-Ziff. 2, 2. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

- 11 -

Schuldspruch  betreffend  mehrfache,  teilweise  versuchte  Vergewaltigung 

i. S.v. Art.190 Abs. 1 i.V.m. Art. 200 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Sachverhalte 5, 10, 15, 18.2, 20, 24); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 2.

6.

Dispositiv-Ziff. 2, 3. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch betreffend Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB 

(Sachverhalt 18.2); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 2.

7.

Dispositiv-Ziff. 2, 4. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch betreffend mehrfache sexuelle Nötigung i.S.v. Art. 189 Abs. 1 

StGB i.V.m. Art. 200 StGB (Sachverhalte 2, 6, 15, 18.2); vgl. Antrag der Ver-

teidigung Nr. 3.

8.

Dispositiv-Ziff. 2, 5. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch  betreffend  mehrfache  sexuelle  Handlungen  mit  Kindern  i.S.v. 

Art. 187 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 200 StGB (Sachverhalte 2, 5, 6, 10, 15, 18.1, 

18.2, 20, 24), vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 4.

9.

Dispositiv-Ziff. 2. 6. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch  betreffend  mehrfache  sexuelle  Handlungen  mit  Kindern  i.S.v. 

Art.  187  Ziff.  1  StGB  (Sachverhalte  3  [nicht  angefochten;  vgl.  Vorfrage  der 

Oberjugendanwaltschaft],  10,  18.2,25  [nicht  angefochten;  vgl.  Vorfrage  der 

Oberjugendanwaltschaft] und 30 [nicht angefochten; vgl. Vorfrage der Ober-

jugendanwaltschaft); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 4.

10. Dispositiv-Ziff. 2, 7. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch betreffend mehrfache Pornografie i.S.v. Art. 197 Abs. 4 Satz 2 

StGB i.V.m. Art. 200 StGB (Sachverhalte 10, 15, 18.1,18.2); vgl. Antrag der 

Verteidigung Nr. 5.

11. Dispositiv-Ziff. 2. 8. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

- 12 -

Schuldspruch betreffend mehrfache Pornografie i.S.v. Art. 197 Abs. 4 Satz 2 

StGB (Sachverhalte 10, 15, 22, 29); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 5.

12. Dispositiv-Ziff. 2. 9. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch  betreffend  versuchte  Anstiftung  zur  Pornografie  i.S.v.  von 

Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB i.V.m. Art. 200 und i.V.m. Art. 24 Abs. 2 StGB 

(Sachverhalt 6); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 6.

13. Dispositiv-Ziff. 2. 10. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch  betreffend  fortgesetzte  Erpressung  i.S.v.  Art.  156  Ziff.  1  und 

Ziff. 2 StGB (Sachverhalte 7, 13, 20, 21); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 7.

14. Dispositiv-Ziff. 2, 11. Spiegelstrich (urteilt vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch  betreffend  mehrfache,  teilweise  versuchte  Erpressung  i.S.v. 

Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Sach-

verhalte 14, 19, 24, 31); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 7.

15. Dispositiv-Ziff. 2. 12. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch  betreffend  mehrfachen,  teilweise  versuchten  Raubes  i.S.v. 

Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 23 

Abs. 1 StGB (Sachverhalte 1, 27); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 8.

16. Dispositiv-Ziff. 2. 18. Spiegelstrich (Urteil vom 7. Juli 2022):

Schuldspruch  betreffend  versuchte  Nötigung  i.S.v.  Art.  181  StGB  i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 28); vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 9.

17. Dispositiv-Ziff. 5 (Urteil vom 7. Juli 2022):

Der Beschuldigte sei unter Berücksichtigung von Dispositiv-Ziff. 4 (vgl. meinen 

Antrag zu Dispositiv-Ziff. 5) angemessen zu bestrafen, vgl. Antrag der Ver-

teidigung Nr. 10.

- 13 -

18. Dispositiv-Ziff. 13 (Urteil vom 7. Juli 2022):

Das Gericht möge über die Zivilforderungen der Privatklägerin zu entschei-

den; vgl. Antrag der Verteidigung Nr. 11.

19. Dispositiv-Ziff. 15 (Urteil vom 7. Juli 2022):

Das Gericht möge das Kosten in Abänderung der Ziff. 15 des Dispositivs des 

angefochtenen Urteils in höherem Umfang als CHF 25'000.00 auferlegen; vgl. 

Antrag der Verteidigung Nr. 12

c)

Der Privatklägerin:

(Urk. 459/3)

Die  Berufung  sei  abzuweisen;  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zu 

Lasten des Staates bzw. des Beschuldigten.

Erwägungen:

1.

Prozessgeschichte

1.1. Das  vorliegende  Verfahren  ist  Teil  eines  gesamten  Verfahrenskomplexes, 

welcher im Vorverfahren und vor Vorinstanz weitgehend gleichzeitig, formell jedoch 

in getrennten Verfahren (vgl. hierzu nachfolgend Ziff. 3.2), gegen sieben verschie-

dene Beschuldigte geführt wurde. Mit Datum vom 7. Juli 2022 fällten das Jugend-

gericht Winterthur hinsichtlich vier Beschuldigten sowie das Bezirksgericht Winter-

thur betreffend drei weitere Beschuldigte die Urteile, welche sodann am 8. Juli 2022 

mündlich eröffnet wurden (Prot. I S. 567 ff.).

1.2. Hiergegen  meldete  der  Beschuldigte  am  14. Juli  2022  Berufung  an 

(Urk. 240). Das begründete Urteil der Vorinstanz wurde ihm am 27. März 2023 zu-

gestellt (Urk. 348), worauf er fristgerecht am 17. April 2023 die Berufungserklärung 

einreichte, Beweisanträge stellte und den vollständigen Ausschluss der Öffentlich-

keit von der Berufungsverhandlung beantragte (Urk. 360). Mit gleichentags datie-

render Eingabe liess er auch seine Freilassung aus der Sicherheitshaft sowie eine 

Anhörung durch das Haftgericht beantragen (Urk. 358). 

- 14 -

1.3. Die Haftanhörung erfolgte am 20. April 2023 (Urk. 362 und Urk. 364/A). Mit 

Präsidialverfügung vom 25. April 2023 wurde der Beschuldigte sodann unter Auf-

lage eines Kontaktverbotes gegenüber der Privatklägerin aus der Sicherheitshaft 

entlassen (Urk. 368). Seit 26. April 2023 befindet sich der Beschuldigte auf freiem 

Fuss (Urk. 370). Die dagegen gerichtete Beschwerde der Oberjugendanwaltschaft 

des Kantons Zürich (fortan Oberjugendanwaltschaft) wies das Bundesgericht mit 

Entscheid vom 23. Mai 2023 ab, soweit es darauf eintrat (Urk. 389).

1.4. Mit  Schreiben  vom  2. Mai  2023  ersuchte  die  amtliche  Verteidigerin  um 

Leistung  einer  Akontozahlung  (Urk. 378),  worauf  ihr  mit  Präsidialverfügung  vom 

4. Mai 2023 aus der Gerichtskasse Fr. 10'000.– ausgerichtet wurden (Urk. 380). 

1.5.

Innert  angesetzter  Frist  gemäss  Art. 3  JStG  in  Verbindung  mit  Art. 400 

Abs. 3 lit. b StPO beantragte die Oberjugendanwaltschaft, es sei auf die Berufung 

infolge  Verspätung  nicht  einzutreten,  erhob  für  den  Fall  der  rechtzeitigen  Beru-

fungserhebung  Anschlussberufung,  nahm  Stellung  zu  den  Beweisanträgen  der 

amtlichen Verteidigung und stellte eigene Beweisanträge (Urk. 385). Die Privatklä-

gerin ihrerseits verzichtete auf Erhebung einer Anschlussberufung, äusserte sich 

zu den Beweisanträgen des Beschuldigten und beantragte die Besetzung des Be-

rufungsgerichts mit Personen beiderlei Geschlechts. Überdies sei eine allfällige Be-

fragung der Privatklägerin durch eine weibliche Person und im Beisein einer Spe-

zialistin gemäss Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO durchzuführen. Auf Gegenüberstellung 

mit dem Beschuldigten sei zu verzichten und eine Begegnung mit ihm zu vermei-

den. Die Öffentlichkeit sei vollständig von der Verhandlung auszuschliessen even-

tualiter, für den Fall, dass nicht in allen Verfahren die akkreditierten Gerichtsbericht-

erstatter ausgeschlossen würden, seien diese auch im vorliegenden Verfahren zu-

zulassen (Urk. 384).

1.6. Nachdem  der  Beschuldigte  und  die  Privatklägerin  mit  Präsidialverfügung 

vom 26. Mai 2023 aufgefordert worden waren, zum Nichteintretensantrag und den 

Beweisanträgen der Oberjugendanwaltschaft Stellung zu nehmen (Urk. 387), ver-

zichtete die Privatklägerin hierauf ausdrücklich (Urk. 391), während der Beschul-

digte  sich  nach  zweifach  erstreckter  Frist  am  30. Juni  2023  vernehmen  liess 

(Urk. 394). 

- 15 -

1.7. Mit Präsidialverfügung vom 4. Juli 2023 wurden die Beweisanträge des Be-

schuldigten und der Oberjugendanwaltschaft einstweilen abgewiesen (Urk. 397). 

1.8. Unter  dem  10. Juli  2023  reichte  die  amtliche  Verteidigung  das  Datener-

fassungsblatt  des  Beschuldigten  samt  Beilagen  ein  (Urk. 399  und  400/1-3).  Am 

13. Juli 2023 beantragte sie sodann die Befragung der Privatklägerin anlässlich der 

Berufungsverhandlung  (Urk. 402).  Die  Privatklägerin  zeigte  sich  hierzu  bereit 

(Urk. 407) und auch die Oberjugendanwaltschaft opponierte nicht, verwies jedoch 

auf die Opferschutzbestimmungen der Strafprozessordnung (Urk. 408). Mit Präsi-

dialverfügung  vom  15. September  2023  wurde  der  Antrag  auf  Einvernahme  der 

Privatklägerin bewilligt (Urk. 409). 

1.9. Mit  Eingabe  vom  9. November  2023  bekräftigte  die  amtliche  Verteidigung 

ihren Antrag um vollständigen Ausschluss der Öffentlichkeit (Urk. 411). 

1.10.

Insgesamt haben sechs der sieben Beschuldigten ihre erstinstanzliche Ver-

urteilung angefochten, wobei innert Frist zur Berufungserklärung ein Rückzug er-

folgte. Aufgrund des Sachzusammenhangs war sodann für die verbleibenden fünf 

Berufungsverfahren  koordiniert  vorzugehen.  Nachdem  die  ersten,  im  November 

2023 für die Monate April, Mai und Juni 2024 offerierten Verhandlungstermine bei 

den  verschiedenen  involvierten  Parteien  keine  Übereinstimmung  fanden,  konnte 

am 29. August 2024 auf den 2., 3., 5. und 6. Dezember 2024 zur Berufungsver-

handlung vorgeladen werden (Urk. 417), wobei bereits mit Präsidialverfügung vom 

30.  Mai  2024  die  Publikumsöffentlichkeit  von  der  Berufungsverhandlung  ausge-

schlossen  und  Medienberichterstatter  unter  Auflagen  zugelassen  wurden 

(Urk. 413).

1.11. Bereits am 13. April 2023 und erneut am 2. Dezember 2024 erfolgte je eine 

Personenabfrage  im  Schweizerischen  Strafregister  (Urk. 357  und  451).  Der  Be-

schuldigte ist darin nicht verzeichnet.

1.12. Am 2., 3. und 5. Dezember 2024 wurde die Berufungsverhandlung durchge-

führt,  zu  welcher  der  Beschuldigte  in  Begleitung  seiner  amtlichen  Verteidigerin, 

Rechtsanwältin  lic. iur.  X1._____,  Jugendanwalt  lic.  iur.  X3._____  sowie  die 

- 16 -

unentgeltliche  Rechtsbeiständin  der  Privatklägerin,  Rechtsanwältin  Dr. iur. 

Y._____, erschienen sind (Prot. II S. 16). 

1.13. Mit Eingabe vom 13. Dezember 2024 stellte der Beschuldigte ein Gesuch 

um Beweisergänzung (Urk. 464/1). 

1.14. Das  Urteil  wurde  am  18.  Dezember  2024  gefällt  und  den  Parteien  am 

29. Januar 2025 mündlich eröffnet und erläutert (Urk. 465, Prot. II S. 57 ff.). 

2.

Prozessuales

2.1. Gemäss noch geltendem Recht bleibt für Übergangstäter, welche, nachdem 

bereits ein Jugendstrafverfahren eröffnet wurde, auch als Erwachsene delinquiert 

haben oder diese späteren Taten erst nachträglich bekannt wurden, das Jugends-

trafprozessrecht anwendbar (Art. 3 Abs. 2 Satz 3 JStG). Dieses kommt somit auch 

im  vorliegenden  Berufungsverfahren  zur  Anwendung,  während  inskünftig  in  sol-

chen Fällen durch die Jugendanwaltschaft und die Staatsanwaltschaft je separate 

Verfahren zu führen sein werden (vgl. nArt. 3 Abs. 2 JStG, Datum der Inkraftset-

zung: 1. Juli 2025). Soweit die Jugendstrafprozessordnung allerdings ergänzend 

auf die Strafprozessordnung verweist (vgl. Art. 3 Abs. 1 JStPO), kommt diese in der 

geltenden Fassung zur Anwendung,  wirken sich prozessrechtliche Revisionen in 

der Regel doch sofort auch auf bereits laufende Verfahren aus (vgl. Art. 448 StPO). 

Ergänzend  ist  im  Sinne  einer  grundsätzlichen  Vorbemerkung  festzuhalten,  dass 

nachfolgende  Bezugnahmen  auf  Artikel  der  Strafprozessordnung  immer  im  Licht 

der  genannten  Verweisungsnorm  der  Jugendstrafprozessordnung  (Art. 3  Abs. 1 

JStPO) zu lesen sind.

2.2. Umfang der Berufung

2.2.1. Der Beschuldigte beschränkte in der Berufungserklärung seine Berufung auf 

gewisse Schuldsprüche (Dispositivziffer 2 teilweise), die Strafzumessung (Disposi-

tivziffern 4 und 5), die Zivilansprüche (Dispositivziffer 13) und die Kostenregelung 

(Dispositivziffer 15; Urk. 360 S. 2 ff.), während die Oberjugendanwaltschaft sich mit 

ihrer ebenfalls beschränkten Anschlussberufung gegen die erfolgten Freisprüche 

- 17 -

(Dispositivziffer  3),  die  Strafzumessung  (Dispositivziffer  4),  den  nicht  erfolgten 

Widerruf  einer  Vorstrafe  (Dispositivziffer  6)  und  den  Verzicht  auf  die  Anordnung 

einer  Massnahme  (Dispositivziffer  7)  richtete  (Urk. 385  S. 2 f.).  Mit  Eingabe  vom 

28. November 2024 zog die Oberjugendanwaltschaft ihre Anschlussberufung teil-

weise (betreffend Dispositivziffer 3 und 6) zurück (Urk. 447). Zudem hat das Gericht 

an der Berufungsverhandlung im Rahmen einer Vorfrage entschieden, dass Dispo-

sitivziffer 2 Spiegelstrich 6 betreffend Sachverhalt 30 entgegen der Auffassung der 

Oberjugendanwaltschaft ebenfalls als angefochten gilt (vgl. dazu Prot. II S. 22 ff.). 

2.2.2. Damit ist das Urteil der Vorinstanz in den folgenden Punkten unangefochten 

geblieben und in Rechtskraft erwachsen, was vorzumerken ist:













Verfahrenseinstellungen gemäss Dispositivziffer 1

Schuldsprüche  wegen  mehrfacher  sexueller  Handlungen  mit  Kindern 
gemäss Art. 187 Ziff. 1 (Anklagesachverhalte 3, 10, 25; Dispositivziffer 
2, 6. Spiegelstrich, teilweise), wegen mehrfacher Pornografie im Sinne 
von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB (Dispositivziffer 2, 8. Spiegelstrich), we-
gen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (Dispositivziffer 
2,  13.  Spiegelstrich),  wegen  versuchten  Diebstahls  gemäss  Art. 139 
Ziff. 1  StGB  (Dispositivziffer  2,  14. Spiegelstrich),  wegen  mehrfacher, 
teilweise  versuchter  Anstiftung  zu  Diebstahl  gemäss  Art. 139  Ziff. 1 
StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 und 2 StGB (Dispositivziffer 2, 15. 
Spiegelstrich), wegen Hehlerei gemäss Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dis-
positivziffer  2,  16. Spiegelstrich)  und  wegen  mehrfacher  Urkundenfäl-
schung  gemäss  Art. 251  Ziff.  1  Abs.  1  und  2  StGB  (Dispositivziffer  2, 
17. Spiegelstrich), 

Freisprüche gemäss Dispositivziffer 3 teilweise (2. Spiegelstrich betref-
fend Sachverhalte 8, 11, 12, 21, 23, 26 und 30),

Verzicht auf einen Widerruf gemäss Dispositivziffer 6

Anordnung  eines  Annäherungs-  und  Kontaktverbotes  gegenüber  der 
Privatklägerin gemäss Dispositivziffer 8

Anordnungen  betreffend  beschlagnahmte  Gegenstände  und  Online-
Daten gemäss Dispositivziffern 9 bis 12.

2.2.3. Unbestritten geblieben ist ferner die Auffassung der Vorinstanz, dass zufolge 

einer  Regelungslücke  bei  Übergangstätern,  die  ihre  Delikte  sowohl  vor  als  auch 

nach Eintreten der Mündigkeit begangen haben, auf alle Taten das Verjährungs-

recht nach Jugendstrafgesetz anwendbar sei (vgl. Urk. 354 S. 11 f. mit konkreter 

Auswirkung auf den Vorwurf der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch 

- 18 -

Aufnahmegeräte  gemäss  Art. 179quater  Abs. 3  StGB  in  Anklagesachverhalt 22). 

Überdies erwog die Vorinstanz, dass sich auch die Anordnung eines Tätigkeitsver-

botes  in  der  vorliegenden  Übergangstäter-Konstellation  ausschliesslich  nach 

jugendstrafrechtlichen Grundsätzen richte, selbst bezogen auf Taten, die der Be-

schuldigte erst als Erwachsener begangen habe (Urk. 354 S. 436 f.). Entsprechend 

kam  die  Vorinstanz  zum  Schluss,  dass  trotz  im  Rahmen  ihrer  Beweiswürdigung 

erstellter, als Erwachsener begangener Anlassdelikte gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. a, 

c und d Ziff. 2 StGB (vgl. die Anklagesachverhalte 22, 24, 25, 29 und 30) kein obli-

gatorisches Tätigkeitsverbot auszufällen sei, was allerdings im Dispositiv nicht aus-

drücklich so festgehalten wurde. 

Diese Rechtsauffassung vermag indessen nicht zu überzeugen, denn dadurch wird 

ein Straftäter, der im Alter von über 18 Jahren ein Delikt begeht, hinsichtlich der 

Fragen der Verjährung und des Tätigkeitsverbotes bevorzugt behandelt, nur bzw. 

gerade weil er zuvor als Jugendlicher bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten 

ist und deshalb (gleichzeitig) vor und nach Vollendung seines 18. Altersjahres be-

gangene Taten beurteilt werden. Dies lässt sich sachlich in keiner Hinsicht recht-

fertigen (vgl. zum Ganzen BGE 149 IV 342 vom 14. Juni 2023, E. 2 betreffend die 

analoge  Problemstellung  der  Landesverweisung;  vgl.  auch  den  Entscheid 

6B_1037/2021  vom  3. März  2022,  E.  6.3).  Nachdem  diese  Punkte  –  wie  bereits 

erwähnt – nicht angefochten wurden, kann hierauf im Berufungsverfahren jedoch 

nicht zurückgekommen werden (Art. 404 Abs. 2 StPO e contrario). 

2.3. Sodann ist festzuhalten, dass in der Zwischenzeit keine weiteren, insbeson-

dere vor dem 18. Geburtstag des Beschuldigten begangenen Delikte verjährt sind, 

da die Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils den Lauf der Verfolgungsverjährung 

beendete (vgl. für das Erwachsenenstrafrecht Art. 97 Abs. 3 StGB und betreffend 

das  Jugendstrafrecht  BGE  143  IV  49,  seit  1. Januar  2024  kodifiziert  in  Art. 36 

Abs. 1bis JStG). 

2.4. Anklageprinzip

2.4.1. Gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO kann eine Straftat nur dann gerichtlich beurteilt 

werden,  wenn  durch  die  Anklagebehörde  gegen  eine  bestimmte  Person  wegen 

- 19 -

eines genau umschriebenen Sachverhalts Anklage erhoben wird. Dabei sind in der 

Anklageschrift  möglichst  kurz,  aber  genau  die  der  beschuldigten  Person  vorge-

worfenen Taten zu bezeichnen (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Dies bedeutet insbe-

sondere, dass die Tatumschreibung dem vorgeworfenen gesetzlichen Tatbestand 

folgend  jedenfalls  alle  objektiven  Tatbestandsmerkmale  mit  Sachverhaltsbe-

hauptungen  zu  unterlegen  hat  (Urteil  6B_1454/2021  bzw.  6B_1465/2021  vom 

26. Mai 2023 E. 2.3.1; Zürcher Kommentar StPO-Landshut/Bosshard, 3. Auflage, 

Art. 325  N 10;  BSK  StPO-Heimgartner/Niggli,  2023,  Art. 325  N 19  und  28; 

Jositsch/Schmid,  StPO  Praxiskommentar,  4. Auflage,  Art. 325  N 8).  Ist  eine 

Anklage oder ein Anklagepunkt insofern ungenügend, ist das Verfahren bzw. sind 

die  einzelnen,  das  Anklageprinzip  verletzenden  Anklagevorwürfe  –  vorbehältlich 

eines Vorgehens gemäss Art. 329 Abs. 2 StPO – einzustellen.

2.4.2. Die Verteidigung macht geltend, dass Grooming, wie es in der Anklageschrift 

umschrieben sei, nicht erstellt werden könne. Dies habe auch die Vorinstanz ver-

worfen. Es stelle sich daher die Frage, wie es zu einer angeblichen Machtposition 

des  Beschuldigten  hätte  kommen  sollen.  Die  Schlussfolgerungen  der  Vorinstanz 

mit einem "nicht nachvollziehbaren Liebeswahn" der Privatklägerin und der jeweils 

erfolgten Demonstration der Machtposition des Beschuldigten stehe im diametralen 

Gegensatz zur Anklageschrift. Gemäss Anklageschrift sei die Willfährigkeit der Pri-

vatklägerin unabhängig von einer Unterstützung einer Handlung des Beschuldigten 

gegeben (Urk. 457 Rz. 25 ff.). Wie im Rahmen der Sachverhaltserstellung noch zu 

zeigen sein wird, bestand entgegen der Auffassung der Verteidigung ein Abhängig-

keitsverhältnis  der  Privatklägerin  gegenüber  dem  Beschuldigten,  welches  in  der 

Anklageschrift rechtsgenügend umschrieben wird. Der Beschuldigte hat dieses Ab-

hängigkeitsverhältnis  zwar  nicht  originär  geschaffen,  weshalb  –  mit  der  Verteidi-

gung und der Vorinstanz – kein Grooming vorliegt. Er hat das Abhängigkeitsver-

hältnis aber erkannt, verstärkt und es dann für seine Zwecke ausgenutzt. Zudem 

ist bei einem Vorsatzdelikt die genaue Umschreibung des subjektiven Tatbestan-

des bzw. inneren Sachverhaltes in der Anklageschrift entgegen den Ausführungen 

der Verteidigung (vgl. Urk. 457 Rz. 31 und Rz. 37) nicht zwingend erforderlich. Viel-

mehr  genügt  hinsichtlich  der  Vorsatzelemente  der  Hinweis  auf  den  gesetzlichen 

Tatbestand  im  Anschluss  an  den  Sachverhalt  als  zureichende  Umschreibung, 

- 20 -

wenn der betreffende Tatbestand ohnehin nur vorsätzlich begangen werden kann 

(vgl.  Urteil  des  Bundesgerichtes  6B_1404/2020  vom  17.  Januar  2022  E.  1.4.3.). 

Mithin  liegt  aus  den  seitens  der  Verteidigung  geltend  gemachten  Gründen  keine 

Verletzung des Anklagrundsatzes vor. 

2.4.3. Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung – nach vorab 

durchgeführter Sachverhaltserstellung – mehrfach (primär im Zusammenhang mit 

Erpressungsvorwürfen)  zum Schluss,  in der Anklageschrift seien zentrale  Tatbe-

standselemente nicht aufgeführt, womit dem Beschuldigten gar kein tatbestands-

mässiges  Verhalten  vorgeworfen  werde.  Da  sich  ein  entsprechendes  Verhalten 

überdies auch nicht habe erstellen lassen, sei der Beschuldigte in diesen Punkten 

freizusprechen  (Urk. 354  S. 374  bezüglich  den  Erpressungsvorwurf  in  Anklage-

sachverhalt 8, S. 374 f. ebenso betreffend Anklagesachverhalt 11, S. 376 betref-

fend  Anklagesachverhalt 15,  S. 381  betreffend  Anklagesachverhalte  26  und  30 

sowie S. 229 f. und S. 334 betreffend den Vorwurf der gemeinschaftlichen Verge-

waltigung in Anklagesachverhalt 18.1). Tatsächlich ergibt ein Blick in die Anklage-

schrift, dass die Darstellung der Vorinstanz zutrifft, wobei sich Erwägungen betref-

fend die Anklagesachverhalte 8, 11, 18.1, 26 und 30 nunmehr grundsätzlich erüb-

rigen, da dort die Anschlussberufung der Oberjugendanwaltschaft zurückgezogen 

wurde. Übrig bleibt Anklagesacherhalt 15 (Urk. 26 S. 35 ff.). Dort fehlt es an der 

Umschreibung einer konkreten Geldforderung, welche durch das Verhalten des Be-

schuldigten hätte durchgesetzt werden sollen. Dass er der Privatklägerin Schläge 

mit dem Golfschläger androhte für den Fall, dass sie inskünftigen Geldforderungen 

nicht nachkommt, erfüllt die Voraussetzungen nicht, sondern wären als Drohung im 

Sinne von Art. 180 StGB zu würdigen, sind aber verjährt.

Dass den konkreten Tatvorwürfen eine allgemeine Schilderung der zwischen dem 

Beschuldigten und der Privatklägerin herrschenden Beziehungsdynamik vorange-

stellt wurde (Urk. 26 S. 6 ff.), vermag die hinsichtlich der konkreten Vorwürfe feh-

lenden Tatbestandselemente nicht zu ersetzen, weshalb hinsichtlich all dieser Be-

lastungen eine Verurteilung über den Anklagesachverhalt hinausginge und das An-

klageprinzip verletzen würde. Dies hat zur Folge, dass auch das Verfahren hinsicht-

lich des Vorwurfs in Sachverhalt 15 einzustellen ist, zumal sich eine Rückweisung 

- 21 -

zur Verbesserung der Anklage gemäss Art. 329 Abs. 4 StPO angesichts der Tat-

sache, dass sich mit den vorliegenden Beweismitteln die bisher fehlenden Tatbe-

standselemente gar nicht erstellen liessen (vgl. hierzu die überzeugende Beweis-

würdigung der Vorinstanz [Urk. 354 S. 119 in Verbindung mit S. 374, S. 155 in Ver-

bindung mit S. 374 f., S. 186 ff. in Verbindung mit S. 376, S. 304 sowie S. 314 in 

Verbindung mit S. 381, S. 229 ff. in Verbindung mit S. 229 f. und S. 334), als nicht 

zweckdienlich erweist (BSK StPO-Heimgartner/Niggli, 2023, Art. 351 N 2). 

2.5. Obschon dies nicht zum Thema gemacht wurde, spielten sich die die An-

klagesachverhalte 24 und 25 gemäss Anklageschrift zur Hauptsache in C._____ 

(Kosovo) sowie einleitend teilweise in Montenegro und damit insgesamt im Ausland 

ab. Entsprechend ist die (internationale) örtliche Zuständigkeit zu prüfen. Diese er-

gibt sich hinsichtlich der Vorwürfe der sexuellen Handlungen mit Kindern (von unter 

14 Jahren) sowie der Vergewaltigung direkt aus Art. 5 Abs. 1 lit. a und b StGB. Was 

den in Anklagesachverhalt 24 zusätzlich erhobenen Vorwurf der qualifizierten Er-

pressung angeht, richtet sich die Zuständigkeit nach Art. 7 StGB. Der Beschuldigte 

ist Schweizer und als solcher vor Auslieferung geschützt (Art. 7 IRSG), auch wenn 

der Tatbestand eine Auslieferung grundsätzlich zulassen würde (Art. 35 IRSG). So-

dann  ist  Erpressung  auch  nach  dem  Recht  des  Kosovo  sowie  von  Montenegro 

strafbar (vgl. Art. 328 des kosovarischen Strafgesetzbuches [vgl. UNHCR, the UN 

Refugee Agency, www.refworld.org/docid/6012e70d4.html; zuletzt besucht am 18. 

Dezember  2024]  sowie  Art. 250  des  montenegrinischen  Strafgesetzbuches 

[https://track.unodc.org/uploads/documents/BRI-legal-resources/Montenegro/3_-

Criminal_Code_of_Montenegro_2018_English_version.pdf;  zuletzt  besucht  am 

18. Dezember 2024]), mithin sind die Voraussetzungen gemäss Art. 7 Abs. 1 StGB 

vorliegend erfüllt, womit die Zuständigkeit der Schweizer Strafbehörden auch hin-

sichtlich dieses Vorwurfs zu bejahen ist. Die national-örtliche Zuständigkeit wurde 

schliesslich zu Recht durch den Wohnsitz des Beschuldigten bei Verfahrenseröff-

nung bestimmt (Art. 10 Abs. 1 JStPO, vgl. auch Urk. 1/3/9 sowie Urk. 1/4/1).

2.6. Beweisanträge

2.6.1. Der  Beschuldigte  beantragte  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  die  Be-

fragung von D._____ zum Sachverhalt 3, die Befragung von E._____ zum Sach-

- 22 -

verhalt 24 und die Befragung von F._____, G._____ und H._____ zum Sachverhalt 

2 (Urk. 454). 

Wie noch im Rahmen der Sachverhaltserstellung zu zeigen sein wird, sind keine 

weiteren  Befragungen  von  Beteiligten  notwendig.  Aus  einer  Befragung  von 

E._____ ist im Übrigen von vornherein nichts zu erwarten. Er kennt die Privatklä-

gerin nicht. Die Verteidigung räumte denn auch selbst ein, dass die bisherige Be-

fragung von E._____ keine Informationen zutage gefördert habe (Urk. 454 S. 2).

2.6.2. Der Beschuldigte erneuerte anlässlich der Berufungsverhandlung auch sei-

nen bereits vorab gestellten (und präsidialiter abgewiesenen) Antrag um Einholung 

eines  aussagepsychologischen  Gutachtens  zu  den  Aussagen  der  Privatklägerin. 

Sodann beantragte der Beschuldigte auch erneut den Beizug von Arzt- und Thera-

pieberichten sowie von Akten der KESB Frauenfeld (inkl. Berichte der Durchgangs-

station I._____ und des Jugendheims J._____ sowie Berichte der Beiständin) über 

die Privatklägerin (Urk. 454). 

Wie im Rahmen der Beweiswürdigung noch vertieft zu zeigen sein wird, handelte 

es sich bei der Privatklägerin entgegen den Ausführungen der Verteidigung um ein 

normales,  womöglich  etwas  frühreifes  12-jähriges  Mädchen,  bevor  sie  den  Be-

schuldigten traf. Es gab eine positive Grundphase in der Beziehung zum Beschul-

digten. So gab auch der Beschuldigte vor Berufungsgericht an, dass er zu Beginn 

des Kennenlernens ab und zu Sex mit ihr wollte (Urk. 453 S. 22). Die Privatklägerin 

ist mittlerweile eine erwachsene Person. Es liegen zahlreiche Einvernahmeproto-

kolle  sowie  audiovisuelle  Einvernahmen  vor.  Ihre  Aussagen  sind  für  das  Gericht 

unmittelbar und frei interpretierbar. Es sind keine Auffälligkeiten im Aussageverhal-

ten erkennbar, welche die Aussagequalität in entscheidender Weise beeinträchti-

gen könnten (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichtes 7B_733/2023 vom 21. August 

2024 E. 2.3 f.). Es besteht demnach weder Bedarf nach Einholung eines aussage-

psychologischen Gutachtens noch nach Beizug von Therapieberichten oder KESB-

Akten. Im Übrigen kann diesbezüglich auf die bereits mit Präsidialverfügung vom 

4. Juli 2023 erfolgte Begründung (Urk. 397) und auf die nachfolgende Beweiswür-

digung (insb. Ziff. 3.5.1) verwiesen werden. 

- 23 -

2.6.3. Die  Beweisanträge  sind  nach  dem  Gesagten  allesamt  abzuweisen,  wobei 

zur Begründung (ergänzend) auf die nachfolgenden Erwägungen im Zusammen-

hang mit der jeweiligen Beweiswürdigung zu verweisen ist. Es ist hierzu überdies 

in Erinnerung zu rufen, dass die Beweiswürdigung die ureigene Aufgabe des Ge-

richtes ist. 

2.6.4. Die Oberjugendanwaltschaft hat ferner an ihrem Antrag um ergänzende Be-

gutachtung  des  Beschuldigten  im  Hinblick  auf  die  Anordnung  einer  Massnahme 

nicht mehr festgehalten, weshalb sich Weiterungen darüber erübrigen. 

3.

Sachverhalt

3.1. Die Vorinstanz hat die bei der Sachverhaltsermittlung zu berücksichtigenden 

Grundsätze  zutreffend  dargestellt  (Urk. 354  S. 14 ff.),  worauf  verwiesen  werden 

kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es am Staat 

liegt, dem Beschuldigten seine Schuld nachzuweisen, ohne dass daran vernünftige 

Zweifel  verbleiben.  Nebst  der  Würdigung  von  Sachbeweisen  kommt  dabei  auch 

den Aussagen der in das Geschehen involvierten Personen entscheidendes Ge-

wicht zu. Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen hängt davon ab, ob die 

Ausführungen  grundsätzlich  überprüfbar  sind  (formelle  Validität),  ob  sie  in  sich 

konsistent sind (innere Validität) und ob sie mit anderweitig im Verfahren erhobenen 

Fakten und Erkenntnissen übereinstimmen bzw. in Einklang gebracht werden kön-

nen  (äussere  Validität)  (vgl.  dazu  Haas,  Validitätsprüfung  von  Argumenten, 

Justice/Justiz/Giustizia 2019/1 S. 6 ff.). In diesem Zusammenhang vermag insbe-

sondere auch eine merkmalsorientierte Aussagenanalyse wertvolle Anhaltspunkte 

für die Einschätzung von deren Glaubhaftigkeit zu erbringen (vgl. dazu im Einzel-

nen  Bender/Häcker/Schwarz,  Tatsachenfeststellung  vor  Gericht,  5. Aufl.  2021, 

S. 77 ff.).

3.2. Auch hinsichtlich der Auflistung der vorliegenden Beweismittel kann auf das 

erstinstanzliche Urteil verwiesen werden (Urk. 354 S. 16 f.).

Im Verlauf der Untersuchung wurden – wie bereits unter Ziff. 1 erwähnt – insgesamt 

sieben (Mit-)Beschuldigte eruiert, wobei die Verfahren je separat geführt, dem Be-

- 24 -

schuldigten  hinsichtlich  der  anderen  Verfahren  jedoch  umfassende  Teilnahme- 

bzw. Einsichtsrechte eingeräumt wurden (vgl. Urk. 20/130, 141 und Urk. 434). Was 

dabei die vier bei Eröffnung der Verfahren noch minderjährigen Beschuldigten, dar-

unter auch A._____, angeht, sieht Art. 11 Abs. 1 JStPO eine solche, von den Ver-

fahren  erwachsener  Mitbeschuldigter  getrennte  Verfahrensführung,  ausdrücklich 

vor. Weiter statuiert das Jugendstrafprozessrecht die Zuständigkeit am gewöhnli-

chen Aufenthaltsort der Beschuldigten (Art. 10 Abs. 1 JStPO), was die Anwendung 

von Art. 29 StPO ausschliesst (Art. 3 Abs. 1 JStPO e contrario) und zur Folge hat, 

dass  auch  für  jugendliche  Mittäter  –  praxisgemäss  aufgrund  der  im  Jugendstraf-

recht herrschenden Individualisierung selbst bei gleichem Aufenthaltsort (vgl. BSK 

JStPO-Eberle/Hug/Schläfli/Valär,  2023,  Art. 11  N 2,  Jositsch/Riesen-Kupper, 

JStPO  Kommentar,  Art. 11  N 1)  –  je  getrennte  Verfahren  zu  führen  sind  (BSK 

JStPO-Eberle/Hug/Schläfli/Valär, 2023, Art. 10 N 4a). Dies wurde auch vorliegend 

so gehandhabt. Da dem Beschuldigten Gelegenheit eingeräumt wurde, die weite-

ren Beschuldigten zu konfrontieren und Ergänzungsfragen zu stellen, ergeben sich 

aus der (zumal gesetzlich vorgesehenen) getrennten Verfahrensführung hinsicht-

lich der Verwertbarkeit besagter Aussagen keine Hindernisse.

Ebenso wurde dem Beschuldigten anlässlich der parteiöffentlichen Videobefragun-

gen der Privatklägerin ein Teilnahme- und Fragerecht eingeräumt. Entsprechend 

sind auch hier keine Unverwertbarkeiten erkennbar. Die Videobefragungen wurden 

im Übrigen durch die Jugendanwaltschaft nachträglich wortgetreu transkribiert, was 

die Zitierung der massgebenden Stellen vereinfacht, wobei die originalen, mündli-

chen Aussagen selbstredend visioniert wurden. 

3.3. Was die allgemeine Glaubwürdigkeit der im Verfahren involvierten Aussage-

personen angeht, kann vollumfänglich auf die erstinstanzlichen Erwägungen ver-

wiesen werden (Urk. 354 S. 17 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Einzig zu korrigieren ist, 

dass  die  Privatklägerin  bei  ihren  Aussagen  zwar  der  Aussage-,  nicht  aber  einer 

eigentlichen  Wahrheitspflicht  unterlag  (BSK  StPO-Kerner,  2023,  Art. 180  N 6, 

Jositsch/Schmid, StPO Praxiskommentar, 4. Auflage, Art. 180 N 8). Dies tut ihrer 

allgemeinen Glaubwürdigkeit jedoch keinen Abbruch. 

- 25 -

3.4. Die massgebenden Aussagen der im Verfahren befragten Personen wurden 

durch  die  Vorinstanz  zutreffend  wiedergegeben  (Urk. 354  passim).  Hierauf  kann 

verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.5. Sodann sind in Anlehnung an die Vorgehensweise der Vorinstanz hinsicht-

lich des Aussageverhaltens und der Aussagenqualität der Privatklägerin und des 

Beschuldigten vorab einige Ausführungen zu machen (vgl. Urk. 354 S. 20 ff.). 

3.5.1. Die Privatklägerin sagte im vorliegenden Verfahren mehrfach (auch vor Vor-

instanz  und  dem  Berufungsgericht)  aus  (Urk. 12/1-8,  Urk. 13/1-9,  Urk. 14/1-7, 

Urk. 187,  Prot. I  passim,  Urk. 452).  Das  erste  Mal  wurde  sie  als  mutmassliches 

Opfer befragt, wobei sie alle gegen den Beschuldigten gerichteten Vorwürfe von 

sich wies, diesen schützte und anerkanntermassen auch (durchaus überzeugend) 

Lügen erzählte (Urk. 12/1). In der zweiten Einvernahme wurde sie als Beschuldigte 

befragt,  nachdem  ihre  Mutter  gegen  sie  Strafanzeige  wegen  Diebstahl  erhoben 

hatte. Sie gestand damals ein, das Feriengeld der Familie wie auch verschiedene 

Schmuckstücke der Eltern gestohlen zu haben und erklärte dies damit, vom Be-

schuldigten unter Druck gesetzt worden zu sein. Sodann kamen weitere Vorwürfe 

gegen  den  Beschuldigten  (insb.  zahlreiche  Sexualdelikte)  zur  Sprache,  worauf 

ein separater  Befragungstermin  zur  Tatbestandsaufnahme  vereinbart  wurde 

(Urk. 12/2).  Ab  dieser  dritten  Einvernahme  (Urk. 12/3)  wurde  sie  als  Opfer  bzw. 

Privatklägerin befragt und sagte sodann – im Rahmen eines eigentlichen "Einver-

nahmemarathons"  (vgl.  dazu  die  detaillierten  und  überzeugenden  Ausführungen 

der  Vorinstanz  in  Urk. 354  S. 20 ff.,  auf  welche  hiermit  explizit  verwiesen  wird; 

Art. 82 Abs. 4 StPO) – inhaltlich grundsätzlich konstant und widerspruchsfrei aus, 

wobei sie auf Nachfragen auch ihre ersten – falschen – Aussagen in einen Kontext 

setzen und erklären konnte. Über fast alle dieser Einvernahmen liegen Videoauf-

nahmen vor, zumal die Privatklägerin auch im Berufungsverfahren persönlich be-

fragt  wurde,  sodass  sich  das  Berufungsgericht  einen  umfassenden  persönlichen 

Eindruck über ihr verbales und nonverbales Aussageverhalten verschaffen konnte. 

Dabei entstand zu keinem Zeitpunkt der Eindruck, dass hier situationsbedingt für 

die Würdigung bzw. Analyse der getätigten Aussagen der Beizug einer Fachperson 

zwecks  Erstellung  eines  aussagepsychologischen  Gutachtens  vonnöten  sein 

- 26 -

könnte. Vielmehr sagte die im Zeitpunkt der Einvernahmen bei der Kantonspolizei 

Thurgau bzw. Zürich 14 und 15 Jahre alte Privatklägerin nachvollziehbar, kohärent 

und widerspruchsfrei aus und war jederzeit in der Lage, die einzelnen Vorfälle in 

einen  persönlichen,  zeitlichen  und  sachlichen  Kontext  zu  setzen,  ihre  eigenen 

Handlungen  zu  reflektieren,  ihre  Emotionen  offen  zu  legen  und  auf  Nachfragen 

weitergehende,  logisch  überzeugende  Erklärungen  abzugeben  (hinsichtlich  der 

ersten, den Beschuldigten schützenden und insofern falschen Aussage und deren 

Auswirkung auf die Gesamtwürdigung vgl. die Vorinstanz in Urk. 354 S. 22, deren 

Einschätzung überzeugt). Sie zeigte dabei ein auffallend gutes situatives Erinne-

rungsvermögen (Beschreibung von Tatorten, Personenbeschreibungen) und viele, 

selbst  nebensächliche  Details  konnten  im  Nachhinein  verifiziert  werden  (bspw. 

Wochentag,  an  welchem  der  Hotelaufenthalt  des  Beschuldigten  endete,  vgl. 

Urk. 13/8  S. 11).  Hinzu  kommt,  dass  die  Videobefragungen  durch  die  Kantons-

polizei Zürich im Vorverfahren, da die Privatklägerin damals noch minderjährig war, 

jeweils in Nachachtung von Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO durch Fachpersonen (Psy-

chologin lic. phil. K._____ und L._____) begleitet wurden. Auch diese sahen keinen 

Anlass für entsprechende Anmerkungen, vielmehr machte die Privatklägerin durch-

wegs einen altersentsprechenden bzw. für ihr Alter gar überdurchschnittlich reifen 

und  verständigen  Eindruck  (so  sinngemäss  Urk. 12/4/2,  Urk. 12/5/2,  Urk. 12/6/2, 

Urk. 12/82). Mit der Vorinstanz (Urk. 354 S. 20 ff.) – und sogar der amtlichen Ver-

teidigung  (Urk. 223  S. 30)  und  der  von  dieser  beigezogenen  Fachperson 

(Urk. 361/1 S. 10 und S. 19) – ist den Ausführungen der Privatklägerin eine insge-

samt hohe Qualität einzuräumen, zumal ihre Darstellung – wie im Einzelnen noch 

zu zeigen sein wird – im Nachhinein fast durchwegs extern validiert werden konnte, 

insbesondere auch aufgrund von späteren Zugeständnissen der zu Beginn durch-

wegs  leugnenden  (Mit-)Beschuldigten  (vgl.  dazu  auch  die  überzeugenden  Erwä-

gungen der Vorinstanz in Urk. 354 S. 21 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).

Daran ändert auch nichts, dass in den Akten vereinzelt auch nach dem bzw. gegen 

Ende des anklagegegenständlichen Zeitraums datierende Diagnosen (kPTSD, Stö-

rung des Sozialverhaltens; Urk. 189/4, Urk. 206/6) zu finden sind, denn dafür, dass 

die Privatklägerin bereits anlässlich des Kennenlernens des Beschuldigten Ende 

2017  an  massgeblichen  psychischen  Störungen  gelitten  hätte,  liegen  keinerlei 

- 27 -

Anhaltspunkte  vor.  Im  Gegenteil  führte  die  Mutter  der  Privatklägerin  aus,  diese 

habe  sich  verändert,  wie  Tag  und  Nacht.  Sie  sei  ein  anständiges  Mädchen  ge-

wesen, eine sehr gute Schülerin, sei nie rausgegangen ohne zu fragen, habe nie 

Geld genommen ohne zu fragen. Dann [gemeint mit dem Beschuldigten] seien die 

Schwierigkeiten  gekommen,  die  Schule  sei  runter  gegangen.  Die  Privatklägerin 

habe eine normale, schöne Kindheit gehabt, sie sei nie in psychologischer Behand-

lung  gewesen  (Urk. 15/1/1  S. 5  und  S. 7).  Auch  den  vorliegenden  KESB-Akten 

(Urk. 166/1-3)  sowie  dem  Bericht  ihres  Hausarztes  über  frühere  Konsultationen 

(Urk. 11/5/2)  lässt  sich  nichts  anderes  entnehmen.  Insbesondere  sahen  er  und 

seine Mitarbeiter anlässlich der Konsultationen ab 2015 offenbar keinen Anlass, die 

Privatklägerin an die hausinterne Psychologin zu überweisen oder auch nur eigene 

diesbezügliche Beobachtungen zu rapportieren. Dass das Sozialverhalten und die 

schulischen Leistungen der Privatklägerin erst im Laufe der anklagegegenständ-

lichen  Zeitspanne  deutlich  nachliessen,  kann  auch  daraus  geschlossen  werden, 

dass  sie  nach  der  Primarschule  im  Kanton  Thurgau  in  die  Sekundarstufe  mit 

erweiterten  Anforderungen  (E-Niveau,  entsprechend  der  Sekundarschule  A  im 

Kanton Zürich) eingestuft wurde (Urk. 12/4/5 S. 5), wofür notorischerweise nicht nur 

ein  entsprechender  Notenschnitt,  sondern  auch  eine  zufriedenstellende  Beur-

teilung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens vorausgesetzt wird. Erst aufgrund 

der  späteren  Schwierigkeiten,  die  im  Zusammenhang  mit  den  anklagegegen-

ständlichen  Vorfällen  zu  lesen  sind,  erfolgte  eine  Abstufung  ins  G-Niveau.  Vor 

diesem  Hintergrund  besteht  kein  Anlass,  zusätzliche  Arzt-  und  Therapieberichte 

aus der Zeit vor Ende 2017 bzw. Unterlagen über ihre Ende 2019 bzw. anfangs 

2020  erfolgten  Aufenthalte  in  der  Durchgangsstation  I._____  bzw.  Jugendheim 

J._____ und Berichte der Beiständin beizuziehen, um ihren psychischen Zustand 

einschätzen zu können. Soweit die amtliche Verteidigung dies unter Hinweis auf 

die von ihr bei dipl.-psych. M._____ eingeholte Stellungnahme (Urk. 361/1) erneut 

beantragt  (Urk. 454),  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Privatklägerin  zwar  Partei 

des Strafverfahrens ist, ihre psychische Befindlichkeit jedoch nur dann, wenn diese 

sich auf ihre Aussagen verfälschend auswirken könnte, Thema werden kann und 

darf,  andernfalls  eine  Verletzung  ihrer  Privatsphäre  und  schlimmstenfalls  eine 

sekundäre  Viktimisierung  erfolgt.  Für  eine  derartige  Verfälschung  gibt  es  jedoch 

- 28 -

keinerlei überzeugende Hinweise. Auch die vom Beschuldigten privat beigezogene 

dipl.-psych. M._____ belässt es bei spekulativen Äusserungen (bspw. a.a.O. S. 7 

"wahrscheinlich"),  zumal  den  Äusserungen  der  Privatklägerin  –  entgegen  der 

Ansicht von M._____ (a.a.O. S. 4) – durchaus eine von ihr als positiv empfundene 

erste Beziehungsphase zu entnehmen ist. So habe der Beschuldigte, nachdem er 

ihr Alter erfahren habe, zwar keine gegen aussen feststellbare Beziehung führen 

wollen,  sei 

jedoch  mit  einer  "Freundschaft  Plus"  einverstanden  gewesen 

(Urk. 12/3/3 S. 7, Urk. 13/2/6 S. 22; so auch der Beschuldigte in Prot. I S. 56). In 

dieser  Zeit  sei  der  Sex  zärtlich  und  leidenschaftlich  gewesen,  mit  Küssen  und 

Schmusen  und  Streicheln,  so  wie  sie  es  möge  (Urk. 12/3/3  S. 43;  vgl.  auch 

Urk. 14/6/6 S. 9 und 15; vom Beschuldigten bestätigt in Prot. I S. 57); passend dazu 

führte  der  Beschuldigte  vor  Vorinstanz  aus,  sich  in  den  ersten  Wochen  eher  auf 

den  Sex  fokussiert  zu  haben,  danach  sei  es  ums  Geld  gegangen  (Prot. I  S. 62). 

Ähnliches wiederholte er auch vor der Berufungsinstanz, indem er angab, am An-

fang habe er auch ab und zu Sex mit ihr gewollt (Urk. 453 S. 22). Dies war für die 

erstmals  in  ihrem  Leben  stark  verliebte  und  gemäss  eigenen  Aussagen  kulturell 

bedingten Ideen (dass als "Belohnung" für ihr Aushalten am Ende eine "richtige" 

Beziehung  mit  dem  Beschuldigten  winken  würde,  vgl.  Ziff.  3.7.3  nachfolgend) 

nachhängende Privatklägerin, eine ganz offensichtlich prägende Zeit. 

Dass sie zum Schutz des Beschuldigten zu Beginn der Untersuchung gelogen hat, 

hat  sie  später  freimütig  anerkannt  und  erklären  können.  Ebenso  versuchte  sie 

offenkundig zunächst, die jugendlichen Beschuldigten aus der Schusslinie zu hal-

ten (vgl. die Einvernahme vom 29. Oktober 2020 [Urk. 12/3/3] wo derartige Vorfälle 

nicht zur Sprache kommen), wozu sie von jener Seite offenbar auch motiviert wor-

den war (insb. seitens von N._____, vgl. Urk. 12/4/5 S. 9). Dass sie sodann auch 

Schulabsenzen und Abwesenheiten von Zuhause mit Lügen verdecken musste, um 

sich Freiraum zu schaffen, den Beschuldigten – oft seiner Aufforderung gemäss – 

untertags aufzusuchen, versteht sich von selbst und steht in direktem Zusammen-

hang mit den anklagegegenständlichen Vorfällen. Darüber hinaus lassen sich je-

doch keine für einen Teenager aussergewöhnlichen Lügen erstellen. Insbesondere 

mit dem Beschuldigten nicht im Zusammenhang stehende Lügen sind nicht ersicht-

lich,  sodass  jedenfalls  nicht  von  einer  notorischen  Lügerei  auszugehen  ist,  auch 

- 29 -

wenn durchaus einzuräumen ist, dass die Privatklägerin im Verfahren bzw. in ihrem 

Verhalten gegenüber den Eltern und der Polizei die grundsätzliche Fähigkeit und 

auch Bereitschaft, überzeugend zu lügen, demonstriert hat. Dies genügt für die Ein-

holung eines aussagepsychologischen Gutachtens aber jedenfalls nicht, ist doch 

bei der gerichtlichen Aussagenwürdigung immer damit zu rechnen, dass der bzw. 

die Befragte grundsätzlich zur Lüge fähig ist und diesem Aspekt sodann sachge-

recht Rechnung zu tragen, was somit zu den Kernaufgaben der gerichtlichen Tä-

tigkeit gehört (vgl. zu den Voraussetzungen der Einholung eines aussagepsycho-

logischen Gutachtens auch Urteil 6B_1054/2023 vom 19. Februar 2023 E.1.1.2). 

Mithin versteht sich von selbst, dass nachfolgend jeder Anklagesachverhalt anhand 

einer  sorgfältigen  Würdigung  sämtlicher  vorliegender  Beweismittel,  nicht  nur  der 

Aussagen der Privatklägerin, zu erstellen ist, wobei auch die Aussagen der Privat-

klägerin kritisch in ihrem Wahrheitsgehalt zu überprüfen sind, wobei – wie bereits 

erwähnt – an erster Stelle eine Validitätsprüfung zu erfolgen hat, bevor soweit nötig 

eine Aussagenanalyse im engeren Sinn vorzunehmen sein wird.

Auch aus dem jüngsten Verhalten der Privatklägerin (Kontaktversuche gegenüber 

dem  aus  der  Sicherheitshaft  entlassenen  Beschuldigten,  vgl.  Urk. 394  und 

Urk. 395/1-3) lässt sich im Übrigen kein Bedarf nach Einholung eines aussagepsy-

chologischen Gutachtens ableiten. Die Privatklägerin selbst erklärte anlässlich der 

Berufungsverhandlung hierzu, dass sie den Beschuldigten zufällig an der O._____-

strasse getroffen habe. Sie habe das Gespräch gesucht, um abschliessen zu kön-

nen. Der Beschuldigte habe nicht mit ihr gesprochen. Am nächsten Tag sei sie bei 

ihm vorbeigegangen und habe ihm eine Rose in den Briefkasten gelegt. Sie habe 

heute nicht mehr das Bedürfnis, ihn zu kontaktieren. Sie habe keine Gefühle mehr 

ihm gegenüber (Urk. 454 S. 5 ff.). Mit Eingabe vom 13. Dezember 2024 liess der 

Beschuldigte nach der Berufungsverhandlung einen Chatverlauf von Snapchat zwi-

schen ihm und mutmasslich der Privatklägerin über einen Fake-Account im Zeit-

raum von 11. Dezember 2024 bis 13. Dezember 2024 ins Recht reichen und zu-

gleich beantragen, dass die Privatklägerin hierzu zu befragen sei (Urk. 464/1+2). 

Entgegen der Argumentation der Verteidigung ergibt sich aus diesen Chatnachrich-

ten der Privatklägerin bzw. aus dem Verhalten der Privatklägerin nach ihrer Befra-

gung vor Berufungsgericht nichts Neues. Die Privatklägerin kommt offenbar nicht 

- 30 -

richtig  vom  Beschuldigten  los,  obschon  sie  dies  im  Rahmen  ihrer  Befragung  vor 

Berufungsgericht so zu Protokoll gab. Die Therapie konnte sie mangels Finanzier-

barkeit nicht (erfolgreich) beenden (vgl. Urk. 452 S. 14 f.). Aus diesem Umstand 

kann der Beschuldigte nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die inkriminierten Vor-

fälle liegen ferner mittlerweile mindestens 5 Jahre zurück. Aus einer nochmaligen 

Befragung der Privatklägerin zu den neusten Geschehnissen sind keine sachdien-

lichen Erkenntnisse für das vorliegende Verfahren zu erwarten, weswegen davon 

abzusehen ist.

3.5.2. Der Beschuldigte seinerseits leugnete zunächst konsequent jegliche (sexu-

elle) Beziehung zur Privatklägerin bzw. von ihm begangene strafbare Handlungen. 

Später wollte er einzig vor Erreichen seiner Volljährigkeit mit der Privatklägerin Ge-

schlechtsverkehr gehabt haben, während er Gewaltausübungen weiterhin von sich 

wies (Urk. 16/1-4). Im weiteren Verfahren machte er dann keine Aussagen mehr 

(Urk. 16/5-7, Urk. 17/1) bzw. beantwortete er nach einseitigen Ausführungen keine 

Fragen der Untersuchungsbehörden (Urk. 17/2-3). Erst nach Abschluss des Vor-

verfahrens reichte er dem erstinstanzlichen Gericht – in umfassender Kenntnis der 

Aktenlage – eine schriftliche Stellungnahme ein, worin er sich inhaltlich äusserte 

und nunmehr mehrfach die Darstellung der Privatklägerin, insb. betreffend den äus-

seren  Ablauf  gewisser  Vorfälle,  grundsätzlich  bestätigte  (Urk. 45/9),  woraus  sich 

ergibt, dass auch der Beschuldigte die grundsätzliche Fähigkeit und Bereitschaft, 

gegenüber den (Straf-)Behörden zu lügen, besitzt. Kritisches Nachhaken und Er-

gänzungsfragen  im  Rahmen  einer  konfrontativen  Befragungssituation  waren  bei 

der vom Beschuldigten gewählten Vorgehensweise von vornherein ausgeschlos-

sen. Mithin standen der Vorinstanz entgegen der Verteidigung (Urk. 457 Rz. 89) im 

Endeffekt nur ihre eigenen Befragungsprotokolle für eine weitergehende inhaltliche 

Aussagenanalyse zur Verfügung. Heute können überdies auch die im Berufungs-

verfahren getätigten Aussagen (Urk. 453) mitberücksichtigt werden. Beiden ist im-

manent, dass sie erst Jahre nach den betreffenden Ereignissen erfolgten, selektiv 

detailliert  erscheinen  und  der  Beschuldigte  die  Darstellungen  der  Privatklägerin, 

was den äusseren Ablauf der Ereignisse angeht, mehrheitlich bestätigte, was ein 

weiteres  Indiz  für  die  bereits  festgestellte  hohe  Qualität  ihrer  Aussagen  darstellt. 

Demgegenüber  kann  dem  Beschuldigten  –  wie  bereits  die  Vorinstanz  zutreffend 

- 31 -

festgehalten  hat  (Urk. 354  S. 23),  auf  deren  Ausführungen  ergänzend  verwiesen 

sei (Art. 82 Abs. 4 StPO) – vor diesem Hintergrund über alles gesehen keine grund-

sätzlich erhöhte Aussagequalität zugesprochen werden, im Gegenteil, auch wenn 

dies für den Einzelfall noch nichts bedeutet. 

3.6. Schliesslich lohnt es sich, bereits an dieser Stelle auch die Aussagen von 

N._____ einer ersten, generellen Einschätzung zu unterziehen, war er doch früher 

der beste Kollege des Beschuldigten, kennt die Privatklägerin sogar bereits länger 

als der Beschuldigte und war er in der massgebenden Zeit nicht nur allgemein oft 

mit beiden zusammen, sondern im Besonderen auch anlässlich mehrerer anklage-

gegenständlicher Vorfälle mit von der Partie. Seine allgemeine Glaubwürdigkeit er-

scheint zwar einerseits als dadurch belastet, dass er am 26. Februar 2020 aufgrund 

eines nicht mit der vorliegenden Anklage zusammenhängenden Vorfalls, wo er un-

ter anderem den auch in die vorliegenden Vorfälle involvierten P._____ vor einer 

Strafverfolgung schützen wollte, durch Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Winter-

thur der Begünstigung schuldig gesprochen und mit Fr. 200.– Busse bestraft wurde 

(Urk. 11/7/2), und anderseits verwies er zu Beginn der Untersuchung mehrfach auf 

seine nach wie vor bestehende Freundschaft mit der Privatklägerin. Jedoch ist da-

mit hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der im hiesigen Verfahren deponierten Aussa-

gen noch nicht viel gesagt, gilt es doch jeweils, die konkreten Aussagen kritisch zu 

würdigen. 

N._____  wurde  im  Vorverfahren  16  Mal  einvernommen  (Urk. 18/1-16,  die  hohe 

Zahl ist allerdings – genau wie bei den übrigen Befragten – primär der Tatsache 

geschuldet, dass die Jugendanwaltschaft jeden Vorwurf in einem gesonderten Ein-

vernahmeprotokoll behandelte, wobei in der Regel mehrere Einvernahmen am glei-

chen Tag durchgeführt wurden) und sagte auch vor Vorinstanz (Prot. I passim) und 

im Berufungsverfahren (vgl. Prot. II S. 25) aus. Bereits und insbesondere anlässlich 

der ersten Einvernahme machte er eigenständige und detaillierte Angaben betref-

fend die Beziehung des Beschuldigten mit der Privatklägerin, wobei ihm auch Tät-

lichkeiten erinnerlich waren (Urk. 18/1). Nachfolgend verweigerte er zwar kurz die 

Aussagen  (Urk. 18/2),  äusserte  sich  aber  bereits  ab  der  dritten  Einvernahme  je-

weils aus eigenem Antrieb wieder materiell, wobei er sehr freimütig aussagte, auch 

- 32 -

sich  selbst  belastete  und  seine  freie  Erzählung  detailreich  war  und  selbsterlebt 

wirkte. Auf Vorhalt der Aussagen der Privatklägerin bestätigte er diese jeweils nicht 

einfach pauschal, sondern wies auch darauf hin, wenn er etwas davon nicht oder 

anders erinnerte oder mitbekommen hatte. In den ersten Einvernahmen ist noch 

ein gewisses Durcheinander hinsichtlich der verschiedenen Vorfälle zu bemerken, 

was  der  Glaubhaftigkeit  der  frühen  Aussagen  von  N._____  indes  nicht  schadet, 

sondern  diese  gar  stützt.  Im  Rahmen  wiederholter  Einvernahmen  bestätigte  er 

seine Darstellung, wobei keine wesentlichen Widersprüche zu vermerken sind, zu-

mal seine Schilderung der (äusseren) Abläufe im weiteren Untersuchungsverfahren 

auch von anderen bestätigt wurde, was deren Glaubhaftigkeit bestärkt. Unverkenn-

bar wurde ihm später seine eigene Lage als Mitbeschuldigter bewusst, was dazu 

führte, dass er nun zunächst die Stellung des Beschuldigten als Rädelsführer be-

tonte und sich selbst eher in der Position eines fremdbestimmten – und reuigen – 

Mitläufers darstellte. Gleichwohl kann seinen bereits früh im Verfahren gemachten 

Aussagen und Zugeständnissen eine grundsätzlich hohe Glaubhaftigkeit attestiert 

werden (so auch die Vorinstanz in Urk. 354 S. 87). Dass er nur pauschal der Pri-

vatklägerin nach dem Mund geredet hätte, weil er auf sie "scharf" gewesen sei und 

auch unabhängig vom Beschuldigten mit ihr sexuelle Handlungen vorgenommen 

habe und zudem vor den Einvernahmen der Privatklägerin ihr "Bestie" gewesen sei 

und versucht habe, ihre Aussagen zu beeinflussen (so die Verteidigung, Urk. 223 

S. 36 ff.),  kann  demgegenüber  nicht  bestätigt  werden,  bleiben  seine  damaligen 

Schilderungen doch durchwegs eigenständig und authentisch. Daran tut auch kei-

nen Abbruch, dass er am Ende des Vorverfahrens (Urk. 18/15) und vor Vorinstanz 

die Privatklägerin als Lügnerin hinstellte bzw. seine bisherigen Aussagen deutlich 

zu relativieren versuchte (bspw. Prot. I S. 114 ff.), bezog sich sein diesbezügliches 

Bestreben doch primär auf die Frage, ob die Privatklägerin bei den sexuellen Inter-

aktionen jeweils freiwillig mitgetan hatte, oder nicht und geschah offensichtlich in 

der Absicht, sich selber – und allenfalls auch den Beschuldigten – aus der Verant-

wortung zu nehmen. Dass es aber tatsächlich zu solchen, auch von ihm geschil-

derten Vorfällen gekommen war, stellte er damit nicht in Frage. Mit der Vorinstanz 

überzeugen diese späten, mit klarer Relativierungstendenz und Erinnerungslücken 

(bspw.  Prot. I  S. 152 ff.)  behafteten  Aussagen  inhaltlich  kaum  und  wirken  damit 

- 33 -

auch nicht (mehr) besonders glaubhaft. Im Übrigen ist in den Akten zwar tatsächlich 

ein Anbandelungsversuch von N._____ zu finden, dieser datiert aber bereits von 

März 2018 und verlief im Sande bzw. wurde von der Privatklägerin schnell beendet 

(Urk. 4/2/3/1 S. 17 ff., insb. S. 21-28, 36, 69). Hieraus kann somit für oder wider die 

Glaubhaftigkeit  seiner  Aussagen  nichts  gewonnen  werden,  da  hieraus  jedenfalls 

nicht geschlossen werden kann, N._____ sei auch noch anlässlich seiner Befra-

gungen derart an der Privatklägerin interessiert gewesen, dass er für sie gelogen 

und sich sowie den Beschuldigten falsch belastet hätte. Aus obiger Darstellung sei-

nes Aussageverhaltens ergibt sich vielmehr, dass er – wenn überhaupt – gegen-

über dem Beschuldigten in einen Loyalitätskonflikt verstrickt war, der seine späte-

ren Aussagen zu dessen Gunsten beeinflusste. 

3.7.

Zu den Vorbemerkungen der Anklageschrift (Urk. 26 S. 6-10)

3.7.1. Alter der Privatklägerin

Die Privatklägerin war zum Zeitpunkt der eingeklagten (sexuellen) Handlungen zwi-

schen 12 ¼ und 14 ¼ Jahre alt, was dem Beschuldigten bekannt war. So erfuhr er 

ihr genaues Alter von der Mutter der Privatklägerin anerkanntermassen bereits kurz 

vor dem 23. Dezember 2017. Dass er sich auch danach ihres jungen Alters durch-

gehend bewusst war, zeigt exemplarisch seine Chat-Nachricht an die Privatklägerin 

vom 13. Juni 2019, worin er der Privatklägerin schreibt: "Lueg ich seg dir eis meitli 

13 bisch Du chasch mir eis blase dini familie chan mir eis blase bulle chönd mir 1 

blase  und  di  fründ  chan  mir  eis  blase  (…)"  (Urk. 17/26  S. 2,  vgl.  auch  Urk. 5/3/1 

S. 17 in Verbindung mit Urk. 5/3/4 S. 19 [WhatsApp-Chat vom 6. Dezember 2018] 

und  Urk. 5.3.7  [WhatsApp-Sprachnachricht  vom  6. Dezember  2018,  12.42.21 

Uhr]).  Zudem  wurde  er  im  Verlaufe  des  Jahres  2019  durch  verschiedene  Unter-

suchungshandlungen immer wieder an das Alter der Privatklägerin erinnert. Dass 

er es zwischenzeitlich "vergessen haben" will, ist – mit der Vorinstanz, auf deren 

ausführliche  Beweiswürdigung  ergänzend  verwiesen  wird  (Urk. 354  S. 65 ff.; 

Urk.  454 S. 12; Art. 82 Abs. 4 StPO) – somit eine blosse Schutzbehauptung. 

- 34 -

3.7.2. Beziehungsstruktur  zwischen  dem  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin 

(allgemein)

Die Jugendanwaltschaft stützt ihre Vorwürfe gegen den Beschuldigten auf das zwi-

schen  ihm  und  der  Privatklägerin  in  der  Zeit  von  Dezember  2017  bis  Dezember 

2019 bestehende Verhältnis. Zusammengefasst behauptet die Anklägerin, es habe 

eine gewalttätige und ausbeuterische Beziehung bestanden, welche der Beschul-

digte gezielt ausgenutzt habe, um sich einerseits finanziell besser zu stellen und 

sich andererseits vor seinen Cousins und Freunden als Playboy und Gangster in 

Szene zu setzen, in dem er die Privatklägerin gezielt zur Befriedigung seiner eige-

nen sexuellen Bedürfnisse und der sexuellen Befriedigung Dritter manipuliert, be-

herrscht, erniedrigt und als Ware benutzt habe (Urk. 354 S. 23 i.V.m. Urk. 26 S. 10).

Die Vorinstanz hat hierzu insbesondere die verschiedenen Aussagen der Privatklä-

gerin und des Beschuldigten, aber auch die weiteren sachdienlichen Beweismittel 

ausgewertet (Urk. 354 S. 24 ff.).

Sie  kam  dabei  zusammengefasst  zum  Schluss,  dass  sich  die  Privatklägerin  und 

der Beschuldigte im Herbst 2017 bei ihrem Cousin Q._____ zuhause zum ersten 

Mal getroffen und hernach über Social Media Kontakt gehabt hätten, worauf es am 

6. Dezember 2017 zu einem ersten Treffen, samt einvernehmlichem Geschlechts-

verkehr auf der Toilette des Schulhauses R._____ in S._____ T._____ gekommen 

sei. Die Privatklägerin sei von diesem Zeitpunkt an verliebt in den Beschuldigten 

gewesen und habe geglaubt, mit ihm eine Beziehung zu führen, wobei sie zumin-

dest rückblickend erkannt habe, dass der Beschuldigte dies anders gesehen habe 

(Urk. 354 S. 27).

Ab der ersten Begegnung bis zur fürsorgerischen Unterbringung der Privatklägerin 

am 27. Dezember 2019 seien der Beschuldigte und die Privatklägerin im fortwäh-

renden  Kontakt  gestanden,  auch  noch  während  bereits  laufender  Strafunter-

suchung, wobei beide in ihren ersten Befragungen zu ihrer Beziehung nicht wahr-

heitsgemäss ausgesagt hätten. Die Privatklägerin habe sich von Beginn weg in den 

Beschuldigten verliebt und sei ihm je länger die Beziehung gedauert habe, aufgrund 

ihres Liebeswahns geradezu verfallen gewesen. Es sei ihr zu glauben, wenn sie 

- 35 -

ausführe, sie habe ihn zu Tode geliebt und hätte alles für ihn gemacht bzw. er sei 

wie eine Droge gewesen, die man ihr weggenommen habe, als sie in einem Heim 

untergebracht worden sei. Gleichzeitig sei aber auch erwiesen, dass der Beschul-

digte die unbändigen Liebesgefühle der Privatklägerin nicht erwidert und ihr auch 

keine falsche Liebe vorgespielt habe. Er habe mit ihr in sexueller Hinsicht verkehrt, 

jedoch nicht, weil er sie als seine Freundin betrachtet habe, sondern weil sie die 

Sexualkontakte mit ihm eingefordert habe, um ihm nahe sein zu können und er so 

seine finanziellen Forderungen habe durchsetzen können. Dass der Beschuldigte 

ihre Gefühle nicht gleichermassen erwidert habe, habe auch die Privatklägerin er-

kannt. Dies zumindest bereits im Ansatz schon während ihrer Beziehung, erst recht 

im Dezember 2019 und in der Rückschau. Es könne dem Beschuldigten somit nicht 

unterstellt werden, er habe ein Liebeskonstrukt erschaffen, um die Privatklägerin 

gezielt auszunutzen. Hingegen sei aufgrund der vorstehenden Aussagen und der 

ausgewerteten  Kommunikationen  durchaus  erstellt,  dass  der  Beschuldigte  den 

Kontakt  zur  Privatklägerin  nie  abgebrochen,  sondern  sich  ihr  immer  dann  zuge-

wandt habe, wenn er Geld oder andere Dienste von ihr gewollt habe. Mit Fortdauer 

ihres  Verhältnisses  habe  sich  der  Beschuldigte  demnach  die  blinde  Liebe  der 

Privatklägerin zu Nutze gemacht, um von ihr insbesondere in finanzieller Hinsicht 

zu profitieren (Urk. 354 S. 33 f.). 

Der  Beschuldigte  und  die  Privatklägerin  hätten  ihre  Beziehung  unterschiedlich 

wahrgenommen. Die Privatklägerin sei von einer Liebesbeziehung ausgegangen, 

in welcher sie schlecht behandelt worden sei; der Beschuldigte von einer kollegia-

len  Beziehung,  bei  welcher  er  ihr  nie  einen  Grund  gegeben  habe,  sich  in  ihn  zu 

verlieben (Urk. 354 S. 35 f.).

Trotz  der  anfänglichen  Bestreitungen  des  Beschuldigten  sei  erstellt  und  letztlich 

auch eingestanden, dass er und die Privatklägerin während des gesamten ankla-

gegegenständlichen Zeitraums sexuell miteinander verkehrt hätten. Den Aussagen 

der Privatklägerin folgend sei erwiesen, dass die Sexualkontakte stets einvernehm-

lich und mehrheitlich explizit auf Initiative der Privatklägerin hin stattgefunden hät-

ten. Gleichzeitig zeige sich in den Aussagen der Privatklägerin auch, dass für sie 

die einvernehmlich erfolgten sexuellen Handlungen die nahezu einzige Möglichkeit 

- 36 -

gewesen seien, dem Beschuldigten nahe zu kommen bzw. das Gefühl zu haben, 

ihm nahe zu stehen oder von ihm geliebt zu werden. Auch wenn der Beschuldigte 

angegeben habe, Sexualkontakte seien ihm nicht wichtig gewesen, habe der Be-

schuldigte dennoch mit der Privatklägerin Sex haben wollen und sei es nur, um im 

Gegenzug die von ihr versprochenen Geldbeträge zu erhalten. Ausserdem habe 

der  Beschuldigte  den  Wunsch  der  Privatklägerin  nach  Zuneigung  und  Körper-

kontakt benutzt, um sie dazu zu bringen, seinen Forderungen nachzukommen, wie 

es sich nicht zuletzt aus WhatsApp-Chat-Auszügen ergebe (Urk. 354 S. 37 f.). 

Sowohl der Beschuldigte wie auch die Privatklägerin hätten in den Einvernahmen 

keine  konsistenten  Aussagen  zu  den  Geldforderungen  gemacht.  Beide  hätten 

diese zu Beginn der Untersuchung heruntergespielt oder geltend gemacht, es habe 

sich (zunächst) um freiwillige Zahlungen der Privatklägerin an den Beschuldigten 

gehandelt.  Aufgrund  des  schrittweisen  Geständnisses  des  Beschuldigten  sei  je-

doch erstellt, dass er im Verlaufe ihrer Beziehung von der Privatklägerin Geld ge-

fordert und Geld angenommen habe. Eindrücklich ergebe sich denn auch aus den 

WhatsApp-Chats, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin teilweise Tage und 

Nächte lang darüber geschrieben hätten, ob die Privatklägerin dem Beschuldigten 

nun Geld bringen könne oder nicht. Von freiwilligen Zuwendungen an den Beschul-

digten könne jedenfalls nicht mehr ausgegangen werden. Aufgrund der Aussagen 

der Privatklägerin selber habe als erwiesen zu gelten, dass sie dem Beschuldigten 

zunächst freiwillig Geldgeschenke gemacht oder bezahlt habe, wenn sie gemein-

sam unterwegs gewesen seien, dass mit Fortdauer der Beziehung die Zahlungen 

jedoch  nicht  mehr  freiwillig  gewesen  seien,  sondern  der  Beschuldigte  von  der 

Privatklägerin immer höhere Beträge gefordert habe. Weiter sei aufgrund der Aus-

sagen  der  Privatklägerin  und  des  Beschuldigten  davon  auszugehen,  dass  die 

Privatklägerin dem Beschuldigten zumindest zu Beginn Geld übergeben habe, in 

der Hoffnung, sie erhalte von ihm dafür etwas zurück und sei es nur, dass sie ihn 

für die Geldübergaben habe treffen und mit ihm etwas Zeit habe verbringen können. 

Es sei schliesslich gar davon auszugehen, dass sie die Geldforderungen des Be-

schuldigten  dazu  genutzt  habe,  den  Beschuldigten  dazu  zu  bringen,  mit  ihr  in 

Kontakt zu treten bzw. zu ihr Kontakt zu haben. Den Zugaben des Beschuldigten 

folgend, sei ohne Weiteres erstellt, dass er gewusst habe, dass die Privatklägerin 

- 37 -

nicht über das von ihm verlangte Geld verfügte und dieses stattdessen von ihrer 

Mutter bzw. ihren Eltern habe nehmen bzw. stehlen müssen, was er letztlich auch 

von ihr verlangt habe. Dass er von der Privatklägerin Geld gewollt habe, stehe zu-

dem ausser Frage. Seine Einwendungen, wonach er von ihr auf kollegialer Ebene 

Geld verlangt habe bzw. nie mehr verlangt habe, als nötig gewesen sei, vermöchten 

daran nichts zu ändern. Aufgrund der Schilderungen der Privatklägerin und unter 

Verweis  auf  nachfolgende  Erwägungen  betreffend  die  einzelnen  Vorwürfe  sei 

schliesslich erstellt, dass der Beschuldigte jeweils aggressiv reagiert habe, wenn 

die  Privatklägerin  ihm  trotz  eines  entsprechenden  Versprechens  kein  Geld  ge-

bracht habe und er die Privatklägerin in der Folge auch regelmässig geschlagen 

habe. Inwiefern somit ein Zusammenhang zwischen der Gewalt des Beschuldigten 

und seinen Geldforderungen bestanden habe, werde nachfolgend hinsichtlich der 

konkreten Einzelfälle zu überprüfen sein. Gleiches gelte für den Zusammenhang 

zwischen den Geldforderungen des Beschuldigten und sexuellen Handlungen der 

Privatklägerin  mit  diesem  bzw.  mit  Dritten.  Feststehe  aufgrund  der  zitierten  Aus-

sagen der Privatklägerin, dass diese den Beschuldigten dazu habe bringen wollen, 

mit ihr sexuelle Handlungen vorzunehmen, indem sie vorgegeben habe, ihm Geld 

geben zu wollen bzw. geben zu können (Urk. 354 S. 44 f.). 

Entgegen  den  anfänglichen  Aussagen  des  Beschuldigten  erweise  sich  aufgrund 

der  glaubhaften und konsistenten  Aussagen  der  Privatklägerin und von N._____ 

sowie U._____ als erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin während der 

Dauer ihrer Beziehung immer wieder geschlagen habe und ihr gegenüber aggres-

siv aufgetreten sei. Letztlich habe dies auch der Beschuldigte eingestanden. Ob die 

jeweiligen Schläge aus Frust über die nicht erfüllten Geldforderungen und sein er-

neutes  Nichteinhalten  des  von  ihm  angestrebten  Kontaktabbruchs  erfolgt  seien 

oder um die Privatklägerin systematisch gefügig zu machen, sei im Rahmen der 

einzelnen konkreten Vorfälle zu prüfen. Es könne aber zumindest als erstellt erach-

tet werden, dass die Schläge im Zusammenhang mit den nicht erfüllten Geldforde-

rungen des Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin gestanden seien bzw. der 

Beschuldigte körperliche Gewalt gegenüber der Privatklägerin angewendet habe, 

wenn sie seinen Forderungen nach finanzieller Unterstützung nicht aufforderungs-

gemäss  nachgekommen  sei,  sondern  ihm  leere  Versprechungen  gemacht  habe. 

- 38 -

Dies  habe  insbesondere  N._____  glaubhaft  bestätigt.  Feststehe  weiter  aufgrund 

der  Aussagen  der  Privatklägerin,  dass  die  Gewaltausbrüche  des  Beschuldigten 

eine  gewisse  Regelmässigkeit  gehabt  hätten  und  er  auch  nicht  davor  zurückge-

schreckt sei, die Privatklägerin vor seinen Kollegen und Verwandten zu schlagen. 

Die Aussage des Beschuldigten, wonach er mit der Beziehung zur Privatklägerin 

einfach  überfordert  gewesen  sei,  vermöge  vorstehende  Schlussfolgerung  in 

keinster Weise zu relativieren. Was Häufigkeit und Intensität betreffe, so sei auf die 

nachstehenden Ausführungen zu den einzelnen Vorfällen zu verweisen. Erstellt sei 

jedoch,  dass  es  für  die  Privatklägerin  im  Verlaufe  der  Beziehung  zur  Normalität 

geworden  sei,  dass  sie  vom  Beschuldigten  tätlich  angegangen  wurde,  wenn  sie 

seine Geldforderungen nicht erfüllte (Urk. 354 S. 48).

Im Sinne eines Gesamtfazits führte die Vorinstanz schliesslich aus, zur Beziehung 

des  Beschuldigten  mit  der  Privatklägerin  könne  zusammenfassend  festgehalten 

werden, dass diese von Dezember 2017 bis Dezember 2019 angedauert habe. Die 

Privatklägerin sei von Beginn weg über alle Massen in den Beschuldigten verliebt 

gewesen,  obschon  dieser  ihre  Liebe  nicht  erwidert  und  ihr  auch  regelmässig  zu 

verstehen  gegeben  habe,  dass  aus  ihnen  nichts  werde.  Glaubhaft  sei,  dass  der 

Beschuldigte  mehrfach  versucht  habe,  den  Kontakt  zur  Privatklägerin  abzu-

brechen,  er  aber  faktisch  eine  Beendigung  der  Beziehung  nicht  vorgenommen 

habe, weil er von den Gefühlen der Privatklägerin ihm gegenüber habe profitieren 

können, insbesondere indem er sie in finanzieller Hinsicht ausnutzte, indem er im-

mer wieder von ihr Geld gefordert und auch erhalten habe. Der Beschuldigte und 

die  Privatklägerin  hätten  während  des  gesamten  anklagegegenständlichen  Zeit-

raums einvernehmliche sexuelle Kontakte gepflegt, wobei dies für die Privatkläge-

rin  die  einzige  Möglichkeit  gewesen  sei,  sich  dem  Beschuldigten  nahe  zu  fühlen 

und  "Liebe"  und  Zuneigung  zu  erhalten.  Die  Privatklägerin  habe  denn  auch  teil-

weise die Geldforderungen des Beschuldigten ausgenützt, um ihn zu einem Treffen 

und zu sexuellen Handlungen mit ihr zu bewegen. Letztlich habe sie sich die Liebe 

und Zuneigung des Beschuldigten erkauft. Ohne Weiteres sei zudem erstellt, dass 

sich  der  Beschuldigte  der  Privatklägerin  gegenüber  im  Verlaufe  der  Beziehung 

aggressiv und drohend verhalten und sie mehrfach und auch in Anwesenheit von 

Drittpersonen geschlagen habe, wenn sie seinen Geldforderungen nicht nachge-

- 39 -

kommen  sei.  Schliesslich  sei  erwiesen,  dass  sich  die  Privatklägerin  trotz  all  der 

nachstehend zu erstellenden Vorfälle aufgrund ihrer unsterblichen Liebe nicht vom 

Beschuldigten habe loslösen können, so dass die Privatklägerin letztlich fürsorge-

risch  habe  untergebracht  werden  müssen,  um  vom  Beschuldigten  loszukommen 

(Urk. 354 S. 49).

All diese Ausführungen finden ihr Fundament in den Akten und können uneinge-

schränkt übernommen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.7.3. Abhängigkeitsverhältnis

Kern der vorliegenden Anklage ist der Vorwurf, der Beschuldigte habe die Privat-

klägerin durch sein Verhalten emotional gefügig und abhängig gemacht und habe 

gegenüber  der  Privatklägerin  eine  Machtposition  erlangt,  die  er  nachfolgend  zu 

seinem finanziellen Vorteil, aber auch um vor seinen Freunden und "Cousins" gut 

dazustehen, ausgenutzt habe.

So sei es dem Beschuldigten gelungen, die Privatklägerin immer mehr von ihrem 

engsten sozialen Umfeld und ihrer Familie zu isolieren und seine Kontrolle über die 

Privatklägerin immer weiter auszubauen. Die Privatklägerin habe während des ge-

samten tatrelevanten Zeitraums die Befürchtung gehabt, dass der Beschuldigte sie 

verlassen würde, wobei ein Kontaktabbruch für die völlig verfallene und unsterblich 

in den Beschuldigten verliebte Privatklägerin ein schweres seelisches Leid bedeu-

tet hätte. Die dem Beschuldigten alters- und entwicklungsmässig komplett unterle-

gene Privatklägerin sei ihm aufgrund  seiner Machtposition schutzlos ausgeliefert 

gewesen. Er habe sie in unbewältigbare emotionale Konfliktsituationen gebracht, 

welche von ihr eine unzumutbare Güterabwägung verlangt hätten, mit denen sie 

nicht habe umgehen können. Die Privatklägerin habe aufgrund der durch den Be-

schuldigten geschaffenen und über Jahre und Monate aufrechterhaltenen Zwangs-

situation mit unzumutbaren Nachteilen rechnen müssen, so dass im Einzelfall nicht 

mehr  von  einem  freiverantwortlichen  Entscheid  der  Privatklägerin  für  sexuelle 

Handlungen oder  Geldübergaben  die Rede habe sein können. Der  Beschuldigte 

sei sich seines bestimmenden Einflusses auf die Privatklägerin jederzeit bewusst 

gewesen,  zumal  diese  ihn  auch  bei  verschiedenen  Gelegenheiten  immer  wieder 

- 40 -

darauf hingewiesen habe, dass sie nicht anders könne, als ihm zu gehorchen, na-

mentlich aus Angst geschlagen oder von ihm verlassen zu werden. Der Beschul-

digte habe seine Machtposition gegenüber der Privatklägerin bewusst und gezielt 

ausgenutzt,  ihm  sei  klar  gewesen,  dass  sich  die  Privatklägerin  vor  einem  Kon-

taktabbruch, vor Liebesentzug oder vor körperlicher oder sexueller Gewalt enorm 

gefürchtet habe. Der Beschuldigte habe sich damit bewusst finanziell besser stellen 

und sich vor seinen Freunden und "Cousins" als Playboy und Gangster in Szene 

setzen wollen (Urk. 354 S. 53 ff. i.V.m. act. 26 S. 8). 

Die massgebenden Aussagen des Beschuldigten, der Privatklägerin und von Per-

sonen aus dem nahen Umfeld der beiden sind im angefochtenen Urteil zutreffend 

wiedergegeben (Urk. 354 S. 54 ff.). Hierauf kann vorab verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO).

Insbesondere den retrospektiv-beurteilenden Aussagen der Privatklägerin ist eine 

beeindruckend hellsichtige Analyse der – ungesunden – Beziehungsmechanismen 

inhärent. So führte sie beispielsweise aus, sie habe all das, die Sexualität und alles, 

erst durch ihn kennengelernt. Früher sei sie das schüchterne Mädchen gewesen, 

das das gemacht habe, was ein Mädchen mache: in die Schule gehen, Spielplatz. 

Sie habe sich einfach so verändert, als sie ihn kennengelernt habe. Sie habe so an 

ihm gehangen und habe das nicht verhindern können. Weil sie unbedingt weiter an 

ihm habe hängen wollen, habe sie all das Schlechte verdrängt, damit sie ihn wei-

terhin lieben könne (Urk. 12/4/5 S. 23). Er habe wohl einfach gewollt, dass sie [Sex] 

mit den anderen Typen habe, damit sie dreckig sei. Sie sei eine so tolle Frau ge-

wesen. Wer nehme schon keine Frau, die Geld bringe, die eine gute Schule habe, 

die keinen anderen Typen gehabt habe. Die müsste man sozusagen heiraten, und 

er  habe  sie  dreckig  machen  wollen,  damit  er  dagegen  Argumente  habe  (a.a.O. 

S. 26). Als er sie am Bahnhof S._____ [im Frühling 2018] das erste Mal geschlagen 

habe, das habe es wie kaputt gemacht, dann sei wie nicht mehr eine richtige Be-

ziehung gewesen, sondern es sei eine giftige Beziehung geworden. Aber sie habe 

sich damals nicht gross etwas gedacht, denn sie habe ihn geliebt (Urk. 14/6 S. 9). 

Sie habe sich [zur Zeit als der Beschuldigte im Hotel wohnte, mithin ca. März 2019] 

als seine Freundin gesehen. Denn er habe ihr auch seine Sorgen erzählt. Sie habe 

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schon  gewusst,  dass  es  ihn  nicht  interessiere,  was  mit  ihr  passiere,  ob  es  ihr 

schlecht gehe oder sie Drama habe zuhause. Er habe nie an sie gedacht, aber er 

habe sie wie eine Freundin gesehen. Er habe ihr seine Sorgen erzählt und sie sei 

halt  immer  wie  seine  Rettung  gewesen,  er  habe  sich  immer  auf  sie  verlassen 

können.  Sie  sei  eigentlich  wie  seine  Freundin  gewesen,  einfach  dass  er  blöde 

Sachen gemacht habe. Hätte er diese nicht gemacht, wäre es eine Beziehung ge-

wesen (Urk. 13/8/5 S.13). Demgegenüber gibt sich der Beschuldigte in der Rück-

schau ratlos-naiv, indem er betont, gar nie eine Beziehung gewollt und der Privat-

klägerin auch nicht Anlass gegeben zu haben, sich in ihn zu verlieben. Gleichwohl 

gestand er aber ein, dass er im Laufe der Zeit durchaus realisiert habe, dass sie in 

ihn verliebt gewesen sei (Prot. I S. 60).

Die Vorinstanz kam nach Würdigung der Beweismittel zum Schluss, dass zwischen 

dem  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin  nie  eine  echte  Liebesbeziehung  be-

standen habe, sondern von Beginn weg eine Diskrepanz zwischen den Wahrneh-

mungen und Emotionen des Beschuldigten und der Privatklägerin mit Blick auf ihr 

Verhältnis bestanden habe. Ab wann sich der Beschuldigte dieser Diskrepanz be-

wusst geworden war, sei letztlich im Zusammenhang mit den konkreten Einzelvor-

würfen zu beurteilen. Klar sei, dass beide Beteiligten sich im Verlaufe des Delikt-

zeitraums im Klaren darüber gewesen seien, dass die Privatklägerin aufgrund ihrer 

blinden und naiven Liebe zum Beschuldigten bereit gewesen sei, alles für diesen 

zu tun und der Beschuldigte diese blinde Bereitschaft der Privatklägerin in verschie-

denerlei Hinsicht auszunutzen begonnen habe. Nicht als erwiesen könne demge-

genüber gelten, dass der Beschuldigte von Beginn weg mit Absicht und planmässig 

ein Abhängigkeitsverhältnis aufgebaut habe, mit dem Ziel, die Privatklägerin finan-

ziell und sexuell ausbeuten zu können. Ein solches, geradezu planmässiges Vor-

gehen des Beschuldigten, die Privatklägerin im Sinne eines "Loverboy"-Szenarios 

in  seine  Abhängigkeit  zu  treiben,  indem  er  insbesondere  ihr  junges  Alter  auszu-

nutzen versucht habe, könne ihm nicht unterstellt werden. Dem Beschuldigten zu 

unterstellen  und  erwiesen  sei  hingegen,  dass  er  gegenüber  der  Privatklägerin 

– wenn  auch  ohne  sein  planmässiges  Zutun  –  eine  Machtposition  erlangt  habe, 

aufgrund welcher sie nicht mehr in der Lage gewesen sei, sich dem Beschuldigten 

und seinen Forderungen entgegenzusetzen oder sich von diesem wieder zu lösen. 

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Feststehe weiter, dass der Beschuldigte von der Privatklägerin während des De-

liktzeitraums immer wieder eindringlich Geld gefordert und dieses auch bekommen 

habe und er die Privatklägerin eingestandenermassen finanziell ausgenutzt habe. 

Ebenfalls sei nicht zuletzt aufgrund des Geständnisses des Beschuldigten erstellt, 

dass  er  sich  gegenüber  der  Privatklägerin  auch  regelmässig  gewalttätig  und 

drohend verhalten habe und auch nicht davor zurückgeschreckt sei, sie vor seinen 

Freunden und Cousins zu schlagen bzw. zu erniedrigen. Schliesslich habe der Be-

schuldigte  erwiesenermassen  immer  wieder  sexuelle  Handlungen  zwischen  der 

Privatklägerin  und  Drittpersonen  auf  Video aufgezeichnet  und  die  Videos  zumin-

dest teilweise auch verbreitet. Auch damit habe er seine Machtposition ihr gegen-

über klargemacht und zementiert. Dass der Beschuldigte sich in seinem Verhalten 

gegenüber  der  Privatklägerin  insofern  wechselhaft  verhalten  habe,  als  dass  er 

einerseits  Zuneigung  und  Interesse  gezeigt  und  mit  ihr  einvernehmlich  sexuelle 

Handlungen vorgenommen habe, sich bei ihr für seine Schläge entschuldigt und 

beteuert habe, dass es ihm leid tue, sie andererseits schlecht gemacht habe, ge-

walttätig geworden sei und von ihr Unterstützung verlangt habe, sei aufgrund der 

glaubhaften Aussagen erstellt. Dass die Privatklägerin dadurch in einen emotiona-

len Konflikt geraten sei, sei erstellt und nicht nur aufgrund ihres jungen Alters nach-

vollziehbar. Es könne ebenso als erstellt erachtet werden, dass der Beschuldigte 

der  Privatklägerin  fortwährend  damit  gedroht  habe,  den  Kontakt  zu  ihr  abzu-

brechen,  was  für  die  Privatklägerin  aufgrund  ihrer  unsterblichen  Liebe  äusserst 

schlimm gewesen wäre, als auch, dass er immer wieder zu ihr Kontakt aufgenom-

men habe, gerade, wenn es darum gegangen sei, von ihr Geld erhältlich zu ma-

chen. Dieses bewusste Verhalten des Beschuldigten und die nur schwer nachvoll-

ziehbare, jedoch bestehende Vorstellung der Privatklägerin von der grossen Liebe 

habe zu einer grossen Abhängigkeit der Privatklägerin vom Beschuldigten geführt, 

welche erwiesenermassen dazu geführt habe, dass die Privatklägerin nicht mehr in 

der Lage gewesen sei, sich gegenüber den immer grösser werdenden Forderungen 

des  Beschuldigten  zur  Wehr  zu  setzen  oder  sich  abzugrenzen.  Sie  sei  dem  Be-

schuldigten gewissermassen hörig gewesen, was nicht nur die Privatklägerin selber 

mehrfach und glaubhaft geschildert habe, sondern auch von den Mitbeschuldigten 

N._____ und U._____ beschrieben worden sei. Dies ergebe sich letztlich auch aus 

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dem Umstand, dass die Privatklägerin den Beschuldigten zu Beginn des Verfah-

rens in keinster Weise beschuldigt, sondern zu seinen Gunsten gelogen habe und 

sie zudem im Dezember 2019 fürsorgerisch habe untergebracht werden müssen, 

um vom Beschuldigten wegzukommen (Urk. 354 S. 61 ff.).

Der  Beschuldigte  habe  seine  ihm  ohne  sein  Zutun  zugekommene  Macht  durch 

seine Verhaltensweisen gestärkt und zementiert. Er habe dies getan, indem er, um 

seinen Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen, zunehmend aggressivere Geld-

forderungen, Beschimpfungen oder Gewaltausbrüche an den Tag gelegt oder sich 

auf die von der Privatklägerin geforderten sexuellen Handlungen eingelassen habe, 

ihr gar solche versprochen, dann aber auch wieder den Kontakt zu ihr reduziert und 

ihr einen vollständigen Kontaktabbruch angedroht habe. Nicht zutreffend sei also, 

wie dies die Verteidigung behauptet habe, dass die Schläge oder Drohungen immer 

nur  impulsiv  und  als  Ventil  für  seine  Überforderung  erfolgt  seien.  Selbst  der  als 

emotional unreif dargestellte Beschuldigte habe relativ bald erkannt, wie er sich der 

Privatklägerin gegenüber zu verhalten habe, damit sie seinen Wünschen und For-

derungen nachgekommen sei. In dem Sinne sei das Verhalten des Beschuldigten 

zwar  nicht  ursächlich  für  die  Entstehung  der  Abhängigkeit  der  Privatklägerin  ge-

wesen,  jedoch  für  den  Umstand,  dass  er  diese  Abhängigkeit  zu  seinen  Gunsten 

auszunutzen begonnen habe und habe ausnutzen können (Urk. 354 S. 64 f.).

Diese Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind gut begründet und überzeugen. Sie 

sind entsprechend zu übernehmen. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass sich 

den Akten Hinweise dafür entnehmen lassen, dass der Beschuldigte in der Vergan-

genheit auch in anderen Beziehungen manipulative Tendenzen gezeigt hat. So bei-

spielsweise in seinem Verhältnis zu F._____, den er offenbar subtil darin bestärkt 

hat, in seinem Lehrbetrieb Geld zu entwenden und grösstenteils dem Beschuldig-

ten zur freien Verfügung zu überlassen (vgl. Urk. 1/1/2-14). Schliesslich war auch 

N._____, damals ein sehr guter Kollegen des Beschuldigten, der Ansicht, dieser 

habe ihn finanziell ausgenützt (Urk. 18/9 S. 8) und er (N._____) habe sich jeweils 

für  den  Beschuldigten  verändert,  wenn  diesem  etwas  nicht  gepasst  habe 

(Urk. 18/12 S. 3). Mithin ist ihm das Ausnützen – selbst von engen Kollegen und 

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Freunden – nicht wesensfremd, was den Schluss, er habe die emotionale Abhän-

gigkeit der Privatklägerin für seine Zwecke instrumentalisiert, zusätzlich stützt. 

Hinsichtlich der Privatklägerin ist ergänzend festzuhalten, dass die Akten durchaus 

gewisse  Erklärungsansätze,  wie  es  zu  einer  solchen,  schwer  nachvollziehbaren, 

unbeirrbaren Vernarrtheit bzw. Fixierung auf den Beschuldigten kommen konnte, 

hergeben. Einerseits ist das sehr junge Alter von bloss rund zwölf Jahren zu erwäh-

nen, in welchem die Privatklägerin mit dem Beschuldigten zusammenkam. Gemäss 

ihren  –  glaubhaften  –  Worten,  war  er  der  Erste,  mit  welchem  sie  Geschlechts-

verkehr  hatte.  Dass  sie  in  ihrer  allerersten  Einvernahme  bei  der  Kantonspolizei 

Thurgau etwas anderes sagte, ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass sie damals 

den  Beschuldigten  umfassend  schützen  wollte  und  deshalb  bereits  aus  diesem 

Grund  keine  –  gesetzlich  verbotene  –  sexuelle  Beziehung  mit  ihm  eingestehen 

konnte. Gewisse naiv-romantische Vorstellungen über die eine grosse, lebenslang 

andauernde  Liebe,  gepaart  mit  einer  ersten  Phase,  in  welcher  der  Beschuldigte 

zwar (aufgrund ihres jungen Alters) nicht offen zur Privatklägerin stehen wollte, aber 

es gleichwohl regelmässig zu – nach den Worten der Privatklägerin damals noch 

zärtlichem und leidenschaftlichem – positiv erlebtem Geschlechtsverkehr kam (was 

der Beschuldigte gegenüber der Vorinstanz bestätigte, Prot. I S. 57), wird hierfür 

die Basis gelegt und in der Privatklägerin die Überzeugung geweckt haben, dass 

sie "bloss" die Zeit, bis sie alt genug sein würde, quasi "überbrücken" müsse (vgl. 

hierzu  ihre  Derartiges  immer  wieder  andeutenden  Chatnachrichten,  Urk. 45/9/1). 

Weiter verstärkend ist auf den kulturellen Hintergrund, den der Beschuldigte und 

die Privatklägerin teilen, zu verweisen. So gingen beide davon aus, dass ab einem 

gewissen Punkt in einer Beziehung eine gemeinsame Zukunft schon aufgrund kul-

tureller  Erwartungen  unausweichlich  wäre  (Urk. 12/4/5  S. 22 f.;  Urk. 17/2  S. 10; 

Prot. I S. 70 f.). Und schliesslich blitzen in den Akten auch mehrfach Aussagen auf, 

die nahe legen, dass bei der Privatklägerin bzw. in der Peergroup des Beschuldig-

ten und der Privatklägerin die Meinung herrschte, dass eine gewisse Leidensfähig-

keit, ein Erdauern-Können bzw. Durchstehen von Widerwärtigkeiten, gerade auch 

wenn diese in einer Beziehung vom eigenen Partner zugefügt werden (!), auf lange 

Sicht als lohnenswert in dem Sinne angeschaut wurde, als dass der Wert derjeni-

gen, die auch in schweren Zeiten zu ihrem Partner gehalten hat, irgendwann er-

- 45 -

kannt und mit einem "Happy Ever After" belohnt werden würde (Urk. 12/4/5 S. 22 f.: 

"Ehrlich gesagt zu dieser Zeit hatte ich nicht Angst vor Schlägen, weil irgendwie ist das, 

die  Schläge  wurden  irgendwie  Alltag,  sondern  eher  dass  er  meinen  Eltern  sagt  was  ich 

gemacht habe. Und dass er mich verlässt und dreckig lässt. Weil ich habe mega an ihm 

gehangen, ich habe gedacht nein der muss es jetzt werden. Nachdem ich das alles ge-

macht habe, der muss es jetzt werden" "Mein Zukünftiger. Weil ich habe so viel durchge-

macht. Ich so 'nachdem muss ich den behalten'"; Urk. 12/5/5 S. 22: "Ich glaube, das ist 

mein eigener Fehler, dass ich mir Hoffnungen gemacht hatte und dass ich mir eingeredet 

hatte dass er meine grosse Liebe ist. Und ich selber, ich habe den Fehler gemacht dass 

ich von selber irgendwie abhängig war. Ich hätte schon beim ersten Fehler direkt loslassen 

müssen. Aber durch diese Sachen, durch diese schlechten Sachen, indem ich immer wie-

der weiterhin gekämpft habe, ist die Abhängigkeit viel grösser geworden. Ich habe gedacht 

'ich hans scho gmacht, was isch das scho jetzt?'. Ich habe weitergekämpft. Weil ich wirklich 

daran glaubte es wird etwas. Ich habe so vieles für ihn gemacht, das kann nicht zu Ende 

gehen. Und ich glaube halt auch mega an das Schicksal, dass ich ihn nicht ohne Grund 

kennengelernt habe. Weil ich bin halt gläubig und ich denke halt, wieso sollte mir Gott so 

einen schlechten Menschen schicken? Ich war eine so gute Person, wieso sollte er mir so 

eine Person schicken wo ich… So blöde Sachen mache. Damit ich ihn zu einer guten Per-

son mache. Damit ich ihm helfe. Und er hatte keine Mutter, keinen Vater… und ich habe 

gedacht, er hat niemanden, er braucht mich die zu ihm steht, egal was er macht"; vgl. auch 

Urk. 45/9/1 Blatt 25/47, Nachricht des Beschuldigten an die Privatklägerin von Ende März 

2018 [vermutlich Zitat aus Facebook oder ähnlichem]: "Die Frau, die an deiner Seite bleibt, 

obwohl du ihr so viel angetan hast, dich wie am ersten Tag liebt und dich respektiert. Mein 

Freund, das ist die Frau fürs Leben." Und schliesslich auch die Aussage der Privatklä-

gerin,  sie  habe  ihn  geliebt  und  sie  habe  so  die  Meinung  gehabt,  dass  wenn  sie 

etwas falsch mache, dann erlaube sie es ihrem Mann sozusagen, sie zu schlagen 

[Urk. 14/6/6 S. 9]). In dem Sinne ist der von der Vorinstanz diagnostizierte "Liebes-

wahn" nicht als klinisch erfassbare, psychische Störung aufzufassen, sondern als 

extreme Ausprägung jugendlicher Schwärmerei, die sich hier statt auf einen fernen 

Popstar (wo Derartiges durchaus bekannt ist), auf einen ebenfalls schwer fassba-

ren Jungen gerichtet hat, zumal dieser ihre Unterstützung und Zuwendung gemäss 

ihrer  Einschätzung  auch  benötigte,  da  er  es  zuhause  schwer  hatte  (getrennte 

Eltern, im Heim und bei der Tante aufgewachsen, etc.). Auch wenn der Beschul-

digte für diese Vernarrtheit der Privatklägerin grundsätzlich wenig kann, so ist er 

- 46 -

doch, dafür verantwortlich, was er aus dieser Ausgangssituation machte bzw. ver-

mag diese Basis sein Folgeverhalten weder zu rechtfertigen noch zu entschuldigen. 

In diesem Zusammenhang ist auch auf das Argument der Verteidigung, zwischen 

dem Beschuldigten und der Privatklägerin habe – entgegen dem Anklagevorwurf – 

reifemässig kaum ein Unterschied bestanden, da der Beschuldigte damals im al-

tersmässigen Reifeprozess deutlich hinterhergehinkt sei, während bei der Privat-

klägerin von einer körperlich und physisch frühreifen Entwicklung auszugehen sei 

(Urk. 223 S. 7 f.), einzugehen. Mit der Vorinstanz (Urk. 354 S. 68) erscheint dieses 

Argument  als  insoweit  begründet,  als  selbst  die  Privatklägerin  ihrerseits  dem  Al-

tersunterschied hinsichtlich der Strukturen und Machtverhältnisse in ihrem Verhält-

nis zum Beschuldigten keine Bedeutung zumass. Insofern spielte dieser Altersun-

terschied für die – soeben erstellte – Entwicklung ihrer emotionalen Abhängigkeit 

auch nur insofern eine Rolle, als ihr noch sehr jugendliches Alter zu Beginn (von 

erst  gerade  rund  zwölf  Jahren),  gepaart  mit  dem  subjektiven  Erleben  der  ersten 

grossen Liebe und naiven Idealvorstellungen hierüber, die Entstehung des vorer-

wähnten  "Liebeswahns"  begünstigt  haben  dürfte.  Im  Übrigen  attestiert  auch  das 

Gutachten von Dr. med. V._____ dem Beschuldigten eine gewisse Reifeverzöge-

rung, während soweit ersichtlich alle befragten Personen, wie auch der ursprüng-

lich  mit  dem  Fall  befasste  Jugendanwalt  die  Privatklägerin  als  für  ihr  Alter  über-

durchschnittlich  reif  einschätzten  (Urk. 1/1/64  S. 2).  Ein  Eindruck,  der  sich  bei 

Visionierung der zahlreichen Videoeinvernahmen der damals 14-15 Jahre alten Pri-

vatklägerin durchaus bestätigt. Indes spielt die konkrete Ursache, wieso sich die 

Privatklägerin derart in ihre Vorstellung des Beschuldigten als quasi "Partner fürs 

Leben", für den es sich auch zu Leiden lohnt, hineinsteigerte, gar keine entschei-

dende Rolle bzw. kommt dies erst – wenn überhaupt – im Rahmen einer allfälligen 

Strafzumessung zum Tragen, bei der Beurteilung der gezeigten kriminellen Ener-

gie. Entscheidend ist vielmehr, worauf bereits die Vorinstanz zutreffend hingewie-

sen  hat,  ob  der  Beschuldigte  um  ihre  bedingungslose  Verliebtheit  und  Loyalität 

wusste und ob bzw. wie er diese für seine Zwecke instrumentalisierte. Auch aus 

diesem Grund erübrigt es sich, den psychischen Zustand der Privatklägerin näher 

abklären  zu  lassen,  wie  dies  von  der  Verteidigung  unter  Bezugnahme  auf  die 

Stellungnahme von dipl.-psych. M._____ beantragt wurde. 

- 47 -

Mit der Vorinstanz ist der Vorwurf der Jugendanwaltschaft, der Beschuldigte habe 

diesen Liebeswahn durch gezieltes Verhalten, insb. durch manipulative "Double-

Bind"-Techniken  hervorgerufen  (Urk. 220  S. 5 ff.),  jedenfalls  zu  verwerfen  bzw. 

kann der Anklagesachverhalt insoweit (und auch was ein gezieltes, über längere 

Zeit angestrebtes Entfremden von Familie und Freunden angeht) nicht erstellt wer-

den. Dies räumte die Oberjugendanwaltschaft auch anlässlich der Berufungsver-

handlung ein, indem geltend gemacht wurde, dass sich der Beschuldigte die Ver-

liebtheit der Privatklägerin zunutze gemacht habe, um sie vorwiegend in finanziel-

ler, aber auch sexueller Hinsicht auszubeuten (Urk. 48 S. 10). Nicht nur scheint der 

Beschuldigte zur Erschaffung eines Liebeskonstrukts kognitiv damals kaum in der 

Lage gewesen zu sein (vgl. hierzu auch das Gutachten, Urk. 23/3/15 S. 81: augen-

blicksgebundene  Alltagsplanung  als  Hinweis  auf  eine  Einschränkung  der  Hand-

lungsplanung infolge einer Reifeverzögerung), auch mutet sein gesamtes, aus den 

zahlreich  vorliegenden  Chats  hervorgehendes  Verhalten  impulsiv,  egoistisch  auf 

den Moment ausgerichtet und auf die aktuelle Bedürfnisbefriedigung bezogen an, 

während ein Vorgehen nach der sogenannten "Lover-Boy-Methode" eine langfristig 

angelegte, zielgerichtete und stufenweise umgesetzte Planung erfordert hätte. Ins-

besondere seine schon zu Beginn der fraglichen Zeitspanne zahlreich belegten Zu-

rückweisungen der Privatklägerin – auf die er allerdings jeweils schnell wieder zu-

rückkam, wenn die Privatklägerin mit ihm begehrenswert scheinenden Angeboten 

lockte – wären denn auch als völlig kontraproduktiv zu werten. Näher liegt bei Be-

trachtung insbesondere auch der Chatkommunikation der beiden, dass die Privat-

klägerin dem Beschuldigten lästig war, sie ihn teilweise auch nervte, worauf er sich 

immer abstossender und unflätiger gebärdete in der Hoffnung, dass sie von sich 

aus den Kontakt abbrechen würde, da er selbst offenbar hierzu nicht dauerhaft in 

der Lage war. Die Privatklägerin selbst führte hierzu in klarsichtiger Analyse sogar 

aus, jede normale Frau die normal denke "würde sich von ihm ablehnen", aber sie 

habe immer noch nicht richtig losgelassen, auch wenn sie das Schlimme alles er-

lebt  habe  (Urk. 12/4/5  S. 23)  bzw.  "eine  andere  Frau  hätte  ihn  sofort  verlassen, 

nachdem solche Sachen passiert wären. Bei mir waren es einfach die Kleinigkeiten, 

die mich zu ihm halten liessen. Ich konnte nicht loslassen, das stimmt schon. Auch 

wenn es nur Kleinigkeiten waren, auch nur eine Umarmung war oder ein Streicheln 

- 48 -

über die Backe" (Prot. I S. 86). Sie und der Beschuldigte blieben sich verhängnisvoll 

verstrickt. Insofern ebenso zutreffend ist auch ihr Schluss, dass sie beide sich ge-

genseitig nicht in Ruhe gelassen hätten (Urk. 13/8 S. 15). 

3.8. Chronologie

In der Anklageschrift sind verschiedene Vorwürfe zeitlich nur ungefähr definiert. Da 

sie  örtlich  jedoch  klar  zugeordnet  werden  können,  kann  an  dieser  Stelle  bereits 

angemerkt werden, dass sich die noch zu behandelnden Vorfälle in der Jugend-

wohngemeinschaft W._____ (JWG W._____) in der Zeit zwischen 7. Januar 2019 

und 1. März 2019 ereignet haben müssen, da der Beschuldigte (nur) in dieser Zeit 

dort wohnhaft war, nachdem er im November 2018 seine Lehrstelle im Detailhandel 

verloren hatte und sowohl bei seiner Tante und Pflegemutter AA._____ als auch bei 

seinem  Onkel  AB._____  nicht  mehr  wohnen  wollte  bzw.  durfte  (vgl.  Urk. 23/1/1 

S. 1 f., Urk. 24/10/38-39). 

Vom 2. bis 26. März 2019 befand sich der Beschuldigte sodann nach einem Konflikt 

mit einem Mitbewohner der JWG W._____ in einem Time-Out im Hotel AC._____ 

in S._____ (Urk. 25/6/11.005), womit sich Anklagesachverhalt 12 in diesem Zeit-

rahmen ereignet haben muss. 

Schliesslich  ist  bereits  an  dieser  Stelle  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  Anklage-

sachverhalt 15 erst nach den unter Anklagesachverhalt 18 geschilderten, auf den 

9. und 10. April 2019 datierbaren Ereignissen, und auch nach Anklagesachverhalt 

19 (17. April 2019) ereignet hat. Wenn die Verteidigung diesen aufgrund der Video-

aufnahme (Urk. 45/9/9) auf den 5. Mai 2019 und damit kurz vor die am 7. Mai 2019 

erfolgte erste polizeiliche Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 16/1) datiert, über-

zeugt dies und ist somit zu übernehmen.

3.9.

Zu den einzelnen Anklagesachverhalten (Urk. 26 S. 11-66)

3.9.1. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten hinsichtlich Anklagesachverhalt 1 

zusammengefasst vor, er habe im Frühling 2018 in der Wartehalle des Hauptbahn-

hofs S._____ die Privatklägerin mit Faustschlägen gegen das Gesicht und gegen 

den Bauch sowie mit Tritten gegen die Beine traktiert und ihr anschliessend Fr. 40.– 

- 49 -

gegen ihren Willen abgenommen, im Wissen darum, dass die Privatklägerin das 

genannte Bargeld nur aufgrund der Schläge hergegeben habe und mit dem Ziel, 

das Geld für sich zu gebrauchen. Aufgrund der Schläge und Tritte habe sich die 

Privatklägerin  blaue  Flecken  am  Bein  und  eine  aufgerissene  Lippe  zugezogen, 

welche  Verletzungen  der  Beschuldigte  im  Anschluss  dem  Mitbeschuldigten 

N._____ via Facetime gezeigt habe, während die Privatklägerin in die Kamera ge-

weint habe (Urk. 354 S. 70 f. in Verbindung mit Urk. 26 S. 11).

Die  Vorinstanz  sah  diesen  Vorwurf  aufgrund  der  detaillierten,  konsistenten  und 

letztlich  glaubhaften  Aussagen  der  Privatklägerin  als  erstellt  an,  zumal  auch  der 

Beschuldigte ihn nicht grundsätzlich bestritten hatte, sondern einfach zeitlich später 

einordnete (Urk. 354 S. 72 ff.). Dem ist beizupflichten. 

Betreffend den umstrittenen Zeitpunkt (vgl. die Verteidigung in Urk. 223 S. 47 und 

S. 61) ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin den Vorfall 

jeweils unter Bezugnahme auf den Geburtstag des Beschuldigten am tt.mm.2018 

schilderte. Damals habe sie ihm zum ersten Mal und freiwillig Geld geschenkt. Und 

zwar erzählte sie auf die offene Frage hin, wie es – nachdem ihre Mutter den Be-

schuldigten  im  Dezember  2017  abgemahnt  und  über  ihr  Alter  aufgeklärt  hatte  – 

weitergegangen sei, in einem offensichtlichen Schnelldurchlauf der folgenden Er-

eignisse, der Beschuldigte habe, nachdem sie ihm zum Geburtstag Geld geschenkt 

habe, dann immer öfter Geld verlangt und irgendwann hätten es die Eltern gecheckt 

und ihren Zugriff auf Bargeld eingeschränkt sowie die Bankkartencodes geändert, 

weshalb sie ihm nur noch selten Geld habe geben können und auch habe Schwa-

rzfahren müssen, da sie kein Geld für das Billett gehabt habe. Sodann erzählte sie 

– in einem offensichtlichen zeitlichen Sprung zurück – wann es das erste Mal zu 

Schlägen  gekommen  sei,  nämlich  am  Bahnhof  S._____,  wo  sie  ihm  nach  den 

Schlägen das für das Zugbillett gedachte Geld gegeben habe, damit er sie nicht 

weiter  schlage.  Zeitlich  engte  sie  den  mutmasslichen  Zeitraum  auf  Frühling  bis 

Herbst 2018 ein, sie denke Ende Frühling (Urk. 13/3/3 S. 10 ff.). Rund ein Jahr nach 

diesen Aussagen konnte sie sich dann zeitlich nicht mehr genau festlegen, setzte 

den Vorfall aber in die Nähe von Anklagesachverhalt 2, der unzweifelhaft im August 

2018 stattgefunden hatte (vgl. Urk. 14/6/6 S. 5 ff., S. 21 f.). Mithin ist der Vorfall auf 

- 50 -

spätestens Herbst 2018 festzusetzen. Dies überzeugt gerade auch in der Gesamt-

schau der nachfolgend zu beurteilenden Ereignisse. Wäre der Vorfall deutlich spä-

ter – mithin so wie von der Verteidigung geltend gemacht in der Zeit, als der Be-

schuldigte in der JWG W._____ wohnte (Urk. 223 S. 61 f., Urk. 445 S. 2) – passiert, 

so hätte die Gewaltausübung bei der Privatklägerin kein Erstaunen bzw. keine der-

artige  Erschütterung  hervorrufen  können,  wie  sie  sie  sehr  plastisch  und  authen-

tisch, unter Offenlegung ihrer Emotionen, schilderte. Kommt hinzu, dass sie in der 

offenen Erzählung kurz darauf von einem weiteren tätlichen Übergriff erzählte, wel-

chen sie dann klar auf die Zeit der JWG W._____ datierte (Urk. 12.3.3 S. 12), was 

im  Umkehrschluss  bedeutet,  dass  Anklagesachverhalt  1  früher  gewesen  sein 

muss. Solches erhellt im Übrigen auch bereits daraus, dass sie damals auch noch 

über Geld für das Ticket verfügte und nicht – wie von ihr für die Zeit, als ihre Eltern 

das  Vertrauen  in  sie  verloren  haben,  geltend  gemacht  –  Schwarzfahren  musste. 

Dass die Privatklägerin in ihren Aussagen über sein mögliches Motiv spekulierte 

(vgl. die Verteidigung in Urk. 223 S. 61 f.), ändert am hier geradezu offenkundigen 

Konnex zwischen den Schlägen und dem deshalb, damit diese aufhören, erstmals 

unfreiwilligen Geben von Geld nichts (vgl. Urk. 13/3/3 S. 11: Sie habe es ihm geben 

müssen; Urk. 14/6/6 S. 8 und S. 15: Sie glaube, er sei hässig gewesen, weil er Geld 

gewollt  habe.  Sie  habe  ihm  das  Geld  gegeben,  damit  er  aufhöre,  damit  er  nicht 

mehr hässig sei. Er habe danach auch aufgehört, weil er zufrieden gewesen sei, 

dass sie ihm gegeben habe. So habe er wenigstens die Haare schneiden können).

Für die rechtliche Würdigung ohne Belang und deshalb offen bleiben kann, ob der 

Beschuldigte  die  verschlagene  Privatklägerin  im  Anschluss  stolz  via  Face-Time 

N._____ präsentierte, wie diese konstant als originelles Detail schilderte. Immerhin 

kann in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass N._____ anlässlich seiner 

Einvernahme vom 27. Februar 2020 erwähnte, dass er glaublich einmal ein Bild der 

Privatklägerin  mit  offener  Unterlippe  gesehen  habe  (Urk. 18/1  S. 11),  was  ihre 

Darstellung stützt. 

Soweit rechtserheblich ist der objektive Anklagesachverhalt erstellt, wobei sich der 

Vorfall allenfalls nicht im Frühling, sondern bis spätestens Herbst 2018 ereignet hat. 

Diese leichte Anpassung des Anklagesachverhalts stellt keine wesentliche Ände-

- 51 -

rung der Anklage dar, zumal die Thematik vom Beschuldigten selbst aufgeworfen 

wurde, womit auch keine Gehörsverletzung vorliegt (Entscheid des Bundesgerichts 

6B_1239/2021 E. 1.2 und 1.3.2-3). Kommt hinzu, dass der Beschuldigte zu jeder 

Zeit wusste, was ihm vorgeworfen wird und den Vorwurf inhaltlich zweifellos ein-

ordnen konnte.

3.9.2. Gemäss  Anklagesachverhalt 2  soll  der  Beschuldigte  an  einem  Abend  ca. 

Anfang August 2018 in der Wohnung von AB._____, seinem Onkel, die damals 12-

jährige Privatklägerin – deren Alter ihm bekannt gewesen sei – aufgefordert haben, 

zwei normale Trink-Gläser unverdünnten roten Wodka schnell zu trinken. Als der 

Beschuldigte bemerkt habe, dass die Privatklägerin betrunken ist, habe er sie mit 

den  Worten:  "Chum  go  figge!"  aufgefordert,  mit  ihm  den  Geschlechtsverkehr  zu 

vollziehen.  Gleichzeitig  habe  er  sie  zudem  aufgefordert,  einen  der  anwesenden 

Kollegen zu bezeichnen, welcher sich am Geschlechtsverkehr beteiligen könne. Als 

die Privatklägerin mit "Nein" geantwortet habe, habe der Beschuldigte ihr gedroht, 

sie vor die Türe zu setzen, woraufhin sie widerwillig den Mitbeschuldigten N._____ 

bezeichnet habe. Dies habe sie getan, da es zu diesem Zeitpunkt bereits spät ge-

wesen sei, sie deshalb keine Möglichkeit mehr gehabt habe mit den öffentlichen 

Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen und da sie nur mit einem Sommerkleid 

bekleidet  gewesen  sei  und  somit  über  keine  wärmenden  Anziehsachen  verfügt 

habe,  um  die  Nacht  im  Freien  zu  verbringen.  Im  Schlafzimmer  habe  der 

Beschuldigte gegen deren erklärten Willen die sichtlich betrunkene und schläfrige 

Privatklägerin von hinten vaginal penetriert, währenddem diese N._____ oral hätte 

befriedigen sollen. Die Privatklägerin habe indes den erigierten Penis von N._____ 

nur  in  der  Hand  gehalten,  ohne  diesen  zu  manipulieren,  da  sie  sich  sonst  hätte 

übergeben  müssen  und  in  der  Hoffnung,  der  Beschuldigte  würde  es  nicht 

bemerken.  Beiden  Tatbeteiligten  sei  bewusst  gewesen,  dass  die  Privatklägerin 

keine  sexuellen  Handlungen  an  N._____  habe  vornehmen  wollen  und  sich 

schlussendlich  nur  deshalb  dem  Willen  des  Beschuldigten  gebeugt  habe,  weil 

dieser  im  Weigerungsfall  mit  einem  Rauswurf  aus  der  Wohnung  gedroht  habe 

sowie allgemein wegen dem Eindruck der neuerlich erlebten Machtdemonstration 

durch den Beschuldigten (Urk. 354 S. 74 f. in Verbindung mit Urk. 26 S. 12 f.).

- 52 -

Im Sinne einer Vorbemerkung sind die Ereignisse in der O._____-strasse zunächst 

chronologisch zu verorten: Der Beschuldigte war im Sommer 2018 aufgrund anhal-

tender Streitigkeiten mit seiner Pflegemutter und Tante AA._____ zu seinem Onkel 

AB._____ gezogen, wobei er für den Lehrbeginn als Detailhandelsfachmann EFZ 

bei AD._____ vorzeitig aus den Ferien in Kosovo zurückgekommen war und sich 

entsprechend  zunächst  alleine  in  der  Wohnung  in  S._____  aufgehalten  hatte 

(Urk. 24/10/30 und Urk. 15/16 S. 5). Die Privatklägerin ihrerseits hatte im Sommer 

erfolglos versucht, ohne Wissen und Einwilligung der Eltern dem Beschuldigten in 

den  Kosovo  in  die  Ferien  nachzureisen,  indem  sie  der  Familie  ihrer  Freundin 

AE._____  vorgelogen  hatte,  ihre  Eltern  seien  damit  einverstanden,  wenn  sie  mit 

ihnen  in  den  Kosovo  fahre  (Urk. 13/2/6  S. 36;  Urk. 15/9/2  S. 19;  Urk. 16/1  S. 2). 

Offenbar übernachtete sie während der Sommerferien auch nachdem ihr Plan auf-

geflogen war regelmässig bei Freundinnen. So war es auch an besagtem Abend 

geplant, wobei sie sich aber zu spät abends bei der Freundin meldete, und somit 

nicht  mehr  ins  Zimmer  gelangen,  sondern  sich  lediglich  in  der  Garage  aufhalten 

konnte. Am Nachmittag davor hatte sie auf Geheiss des Beschuldigten die Woh-

nung geputzt, sich hernach mit ihm zerstritten und den weiteren Abend mit Kollegen 

verbracht und auch bereits einigen Alkohol getrunken. Dass sie der Beschuldigte 

sodann  mitten  in  der  Nacht  wieder  zu  sich  rief,  bezeichnete  sie  in  einer  Einver-

nahme  als  "Jackpot",  da  es  nicht  so  toll  gewesen  wäre,  bis  zum  Morgen  "in  der 

Garage zu chillen" (Urk. 13/2/6 S. 10). 

Was  sodann  den  Ablauf  des  anklagegegenständlichen  Abends  an  der  O._____-

strasse 1 angeht, ist aufgrund der Aussagen der Privatklägerin, des anlässlich der 

erstinstanzlichen Haupteinvernahme erfolgten Zugeständnisses des Beschuldigten 

und der Aussagen von N._____ zweifelsfrei erstellt, dass der Beschuldigte, da er 

"sturmfrei" hatte, mehrere (ausschliesslich männliche) Kollegen zu sich eingeladen 

hatte und später in der Nacht auch die Privatklägerin zu sich rief, dass Alkohol ge-

trunken wurde und es später gleichzeitig zu sexuellen Handlungen zwischen dem 

Beschuldigten,  der  Privatklägerin  und  N._____  kam.  Weiter  ist  –  entgegen  dem 

Anklagevorwurf – aufgrund der diesbezüglich unmissverständlichen Aussagen der 

Privatklägerin davon auszugehen, dass der Geschlechtsverkehr zwischen ihr und 

- 53 -

dem Beschuldigten nicht abgenötigt, sondern einvernehmlich bzw. von ihr ausdrü-

cklich erwünscht war. 

Hinsichtlich der noch offenen Punkte (insbesondere, ob die Privatklägerin zu sexu-

ellen Handlungen mit N._____ gezwungen wurde) weicht die Schilderung des Be-

schuldigten stark von derjenigen der Privatklägerin und von N._____ ab. Eine ver-

tiefte inhaltliche Analyse ist sodann unmöglich, da er sich erst vor Vorinstanz über-

haupt materiell zu diesem Vorhalt äusserte, nachdem er früher sexuelle Kontakte 

abgestritten und zu den Vorwürfen geschwiegen hatte. Demgegenüber hat sich die 

Privatklägerin  mehrfach  gleichlautend,  äusserst  detailliert  und  genau  geäussert. 

Entgegen den Ausführungen der Verteidigung war die Aussagetüchtigkeit der Pri-

vatklägerin auch nicht stark beeinträchtigt (Urk. 457 Rz. 81 f.). Sie war nicht mehr 

betrunken,  als  sie  aussagte.  Die  von  ihr  geschilderte  Situation  in  der  Wohnung 

(bspw.  Zugang  zum  Schlafzimmer  über  Balkon  möglich,  Raumaufteilung  etc.) 

konnte  verifiziert  werden,  ebenso  die  zeitliche  Einordnung.  Sodann  hat  N._____ 

auch ihre Schilderung, wie es zu den sexuellen Handlungen gekommen ist, dass 

sie jemanden habe auswählen "müssen", dass sie dies bzw. sexuelle Handlungen 

mit ihm zunächst nicht gewollt und erst ja gesagt habe, nachdem der Beschuldigte 

"seinen Einfluss gegeben" habe, dass sie betrunken gewesen und vom Bett gefal-

len sei etc., klar bestätigt. Auch habe er danach gemerkt, dass es ihr recht schlecht 

gegangen und sie traurig gewesen sei. Zwar relativierte er seine Aussagen im spä-

teren Verfahren, insbesondere was seine eigene Perzeption und Rolle damals so-

wie  die  subjektiv  empfundene  Mitwirkungsbereitschaft  der  Privatklägerin  angeht, 

jedoch ist augenscheinlich, dass dies rein taktisch bedingt war, während seine frü-

heren Zugaben noch von Reue und Mitgefühl gekennzeichnet sind. Wo er sich eher 

zaghaft  der  vom  Beschuldigten  vor  Vorinstanz  erstmals  geäusserten  Version 

(N._____ habe ihn ausdrücklich gefragt, ob er beim Sex mitmachen dürfe, womit 

sich  auf  Frage  auch  die  Privatklägerin  einverstanden  erklärt  habe)  anschloss, 

setzte er sich damit derart mit seinen früheren Angaben in Widerspruch, dass dies 

nur mit seinem Bemühen, dem Beschuldigten zu gefallen, erklärt werden kann, je-

doch nicht als Beleg für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten ge-

eignet ist.

- 54 -

Angesichts  der  konstanten,  in  vielen  Punkten  objektiv  bestätigten  und  in  seinen 

ersten Aussagen auch von N._____ gestützten, insgesamt höchst glaubhaften Aus-

sagen der Privatklägerin ist der massgebende Sachverhalt rechtsgenügend erstellt 

(vgl. ergänzend auch die detaillierten und überzeugenden Ausführungen der Vor-

instanz in Urk. 354 S. 85 ff., auf welche in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO ver-

wiesen wird). Vor diesem Hintergrund sind die von der Verteidigung erst anlässlich 

der  Berufungsverhandlung  vorgebrachten  Beweisergänzungsanträge  (Befragung 

von F._____, G._____, H._____) (Urk. 454), wie bereits eingangs erwähnt, nicht 

notwendig und abzuweisen. 

3.9.3. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten unter Anklagesachverhalt 3 zu-

sammengefasst vor, er habe im Herbst 2018 die Privatklägerin zur Wohnung von 

D._____ bestellt. Vor besagter Wohnung habe der Beschuldigte versucht von ihr 

Geld  erhältlich  zu  machen,  da  er  gewusst  habe,  dass  die  Privatklägerin  zuvor 

Fr. 800.–  von  ihrer  Mutter  erhalten  habe,  um  Rechnungen  zu  bezahlen.  Da  die 

Privatklägerin kein Geld auf sich getragen habe, habe der Beschuldigte aggressiv 

reagiert und gedroht, sie zu schlagen und einen Abhang hinunterzustossen, wenn 

sie ihm kein Geld bringe. Danach habe er sie für einige Sekunden gewürgt und eine 

Zigarette  auf  ihrer  rechten  Gesichtshälfte  ausgedrückt.  In  der  Wohnung  von 

D._____ habe der Beschuldigte sodann erneut Geld von ihr gefordert, sie seitlich 

in die Hüftregion gekickt, ein Messer behändigt und angekündigt, ihr nun einen Fin-

ger oder Zeh abschneiden zu müssen. Dies habe der Beschuldigte gemacht, um 

die Privatklägerin einzuschüchtern, damit sie ihm das Geld übergebe. Anschlies-

send habe die Privatklägerin aus der Wohnung flüchten können, bevor der Beschul-

digte sie wieder einfangen und umgarnen habe können und anschliessend zurück 

in der Wohnung den Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen habe. Die Privatklägerin 

habe diesen nur aufgrund des zuvor gewonnen Eindruckes über sich ergehen las-

sen (Urk. 354 S. 88 f. in Verbindung mit Urk. 26 S. 14 f.).

Der Beschuldigte anerkannte vor Vorinstanz den Sachverhalt in den grossen Zügen 

(vgl.  die  Wiedergabe  seiner  Aussage  in  Urk. 354  S. 89 f.).  Zusätzlich  bestätigten 

auch D._____ und U._____ die Darstellung der Privatklägerin, was den Ablauf in 

der Wohnung von D._____ angeht (vgl. deren Aussagen in Urk. 354 S. 92 f.). Mithin 

- 55 -

konnten ihre inhaltlich detaillierten und in sich konsistenten Aussagen auch extern 

validiert werden, was ihre Glaubhaftigkeit untermauert. Mit der Vorinstanz ist ihren 

Aussagen jedoch nicht zu entnehmen, dass der Beschuldigte auch in der Wohnung 

erneut eine Geldforderung an sie gerichtet hätte. D._____ sagte dazu aus, der Be-

schuldigte  sei  hässig  (und  gewalttätig)  geworden,  weil  er  kein  Geld  bekommen 

habe (die Privatklägerin habe gesagt sie habe kein Geld und könne nichts besor-

gen; Urk. 15/12/3 S. 13). Auch U._____ schilderte die Gewaltausübung als Reak-

tion  auf  die  Aussage  der  Privatklägerin,  dass  sie  kein  Geld  habe  (Urk. 19/1/2 

S. 1 f.). Mithin kann nur erstellt werden, dass der Beschuldigte die Privatklägerin 

bedrohte und sie verletzte, nicht aber dass er dies tat, um von der Privatklägerin in 

jener Situation konkret Geld zu erhalten, war ihm doch bekannt, dass sie keines 

hatte.

Sodann bestritt die Verteidigung vor Vorinstanz und auch im Berufungsverfahren, 

dass sich dieser Vorfall bereits im Herbst 2018 zugetragen habe. Vielmehr sei der 

Abend erst im Frühling 2019, nach der Zeit des Beschuldigten in der JWG W._____ 

und im Hotel AC._____, passiert (Urk. 223 S. 47 f. und Urk. 440 Ziff. 14 ff.). 

Tatsächlich erklärte die Privatklägerin einmal, dies sei in der Zeit nachdem der Be-

schuldigte im Hotel gewesen sei, gewesen (Urk. 12/3/3 S. 15). Später in der glei-

chen Einvernahme stellte sie den Vorfall aber chronologisch nach den Sommerfe-

rien 2018 ein, nachdem der Beschuldigte aus den Sommerferien zurückgekommen 

sei, Herbst 2018 (Urk. 12/3/3 S. 17). In einer späteren Einvernahme erklärte sie, 

der Beschuldigte habe damals keinen Schlafplatz gehabt und habe im Hotel oder 

so schlafen wollen (Urk. 12/3/5 S. 4). Hierzu ist zu erwähnen, dass der Beschul-

digte gemäss eigener Darstellung bereits Ende November 2018, nachdem er seine 

Lehrstelle verloren hatte und daraufhin bei seinem Onkel AB._____ – wo er, da es 

bei seiner Tante AA._____ wegen häufiger Konflikte nicht mehr gegangen war, ca. 

ab August 2018 gewohnt hatte – rausgeflogen war, circa eine Woche auf der Gasse 

gelebt hatte (Urk. 23/1/1 S. 1). Diese zeitliche Einordnung (Herbst 2018) wird auch 

durch D._____ bestätigt. Zwar ist der Verteidigung darin zuzustimmen, dass er in 

seiner Aussage die beiden Besuche der Privatklägerin bei ihm teilweise zu vermi-

schen  scheint  bzw.  in  seiner  Erinnerung  zu  einem  Besuch  vermengt  (vgl.  hierzu 

- 56 -

auch die Aussage der Privatklägerin in Urk. 13/3/5 S. 16 f.), jedoch sagte er inso-

fern konstant aus, als dass er nur dann habe Kollegen zu sich nach Hause einladen 

können, wenn seine Eltern nicht da gewesen seien, was fast nie und nie am Abend 

der Fall gewesen sei. Einzig im Sommer 2019 sei er früher als seine Eltern aus den 

Sommerferien zurückgekommen und im Herbst 2018 sei sein Grossvater gestor-

ben,  weshalb  seine  Eltern  in  den  Kosovo  an  die  Beerdigung  gefahren  seien 

(Urk. 15/121  S. 4 f.  und  S. 9 f.,  Urk. 15/12/2  S. 2,  Urk. 15/12/3  S. 10).  Während 

Sommer  2019  grössenordnungsmässig  zur  Darstellung  der  Privatklägerin  passt, 

sie habe nach der Schmuckübergabe (Anklagesachverhalt 26, der sich im August 

2019 ereignete) bei D._____ übernachtet (Urk. 13/3/5 S. 16 f.), deckt sich der erste 

Zeitpunkt mit ihrer Einordnung der Ereignisse gemäss Anklagesachverhalt 3 und 

dem aktenkundigen Zeitpunkt der ersten, kurzen Obdachlosigkeit des Beschuldig-

ten. Hinzu kommt, dass der Streit und die Gewalttätigkeiten sich daran entzünde-

ten,  dass  die  Privatklägerin  mit  ihr  von  der  Mutter  hierfür  anvertrauten  Fr. 800.– 

Rechnungen für die Familie bezahlt hatte, anstatt das Geld (zumindest teilweise) 

dem Beschuldigten zu bringen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass die Mutter der 

Privatklägerin im Frühling 2019 in finanzieller Hinsicht kein Vertrauen mehr entge-

genbrachte und ihr keinesfalls Fr. 800.– in bar übergeben hätte, wusste sie damals 

doch bereits, dass die Privatklägerin Geld stiehlt, weshalb ihr auch der Zugriff auf 

das Bankkonto der Mutter entzogen wurde. So sagte die Privatklägerin bereits am 

26. Februar 2019 bei ihrer ersten Einvernahme durch die Kantonspolizei Thurgau, 

die Eltern würden nun kein Bargeld mehr im Portemonnaie aufbewahren und hätten 

auch den Code der Bankkarte geändert (Urk. 12/1/3 S. 26). Damit steht fest, dass 

sich  Anklagesachverhalt 3,  wie  in  der  Anklageschrift  geschildert,  im  Herbst  2018 

(mutmasslich Ende November 2018, nachdem  der Beschuldigte seine Lehrstelle 

verloren hatte) ereignet hat. Daran ändert auch nichts, dass U._____ – dessen Aus-

sagen im Übrigen entgegen der früheren Ansicht der Verteidigung (vgl. Urk. 223 

S. 64) vollumfänglich verwertbar sind, nachdem der Beschuldigte spätestens an-

lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung Gelegenheit hatte, (auch) zu die-

sem  Sachverhaltskomplex  Ergänzungsfragen  zu  stellen –  konstant  der  Ansicht 

war, der Vorfall habe sich einige Wochen nach dem Aufenthalt des Beschuldigten 

im Hotel AC._____ ereignet (Urk. 19/1/3 S. 7, Urk. 19/1/8 S. 5, Prot. I S. 169), da 

- 57 -

dies  –  wie  gerade  gezeigt  –  aufgrund  der  weiteren  Umstände  gar  nicht  der  Fall 

gewesen sein kann. Vor diesem Hintergrund erübrigt sich auch die von der Vertei-

digung beantragte Befragung von D._____. 

3.9.4. Hinsichtlich  Anklagesachverhalt  4  erübrigt  sich  die  Sachverhaltserstellung, 

da der Beschuldigte den erstinstanzlichen Schuldspruch betreffend Veruntreuung 

anerkennt.

3.9.5. Unter  Anklagesachverhalt  5  wird  dem  Beschuldigten  in  objektiver  Hinsicht 

vorgeworfen, er habe in seinem Zimmer in der Jugendwohngemeinschaft (JWG) 

W._____  der  bekanntermassen  13-jährigen  Privatklägerin  mit  den  Worten:  "Du 

figgsch jetzt mit em N._____!" die Duldung des Geschlechtsverkehrs mit dem eben-

falls  anwesenden  Mitbeschuldigten  N._____  befohlen,  ansonsten  er 

[der 

Beschuldigte] wütend oder sie schlagen werde. Als der Beschuldigte das Zimmer 

verlassen  habe,  habe  die  Privatklägerin  N._____  mitgeteilt,  dass  sie  sich  infolge 

der  Worte  und  angedrohten  Konsequenzen  gezwungen  fühle  mit  ihm  den 

Geschlechtsverkehr  zu  vollziehen.  Obwohl  N._____  erkannt  habe,  dass  sich  die 

Privatklägerin  zum  Geschlechtsverkehr  genötigt  sehe,  habe  er  die  sich  ihm 

bietende Gelegenheit genutzt und den Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin 

vollzogen, was der Beschuldigte gewusst und gewollt habe (Urk. 354 S. 97 in Ver-

bindung mit Urk. 26 S. 18 f.).

Anklagesachverhalt 5 hat sich ganz offensichtlich nach den Ereignissen vom 1. Fe-

bruar  2019  gemäss  Anklagesachverhalt  10  abgespielt.  Die  Verteidigung  datierte 

den Vorfall vor Vorinstanz auf den 3. Februar 2019 (Urk. 223 S. 49 unter Hinweis 

auf Urk. 45/9 S. 11 und Urk. 9/6/3 S. 4 f.) und damit vor denjenigen gemäss Ankla-

gesachverhalt  7.  Gegen  diese  zeitliche  Einordnung  spricht  nichts,  weshalb  sie 

übernommen werden kann.

Was die hierzu vorliegenden Beweismittel bzw. Aussagen angeht, kann auf deren 

Wiedergabe im erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 354 S. 97 ff.).

Aufgrund  der  diesbezüglich  übereinstimmenden  Aussagen  steht  zweifellos  fest, 

dass  es  an  jenem  Tag,  wenige  Tage  nachdem  die  Privatklägerin  durch  den  Be-

- 58 -

schuldigten zu Geschlechtsverkehr mit U._____ und P._____ gezwungen worden 

war (vgl. Ziff. 3.9.10 nachfolgend), im JWG-Zimmer des Beschuldigten auch zu Ge-

schlechtsverkehr zwischen N._____ und der Privatklägerin kam, wobei dieser Vor-

fall nicht durch die Privatklägerin aktenkundig wurde, sondern aufgrund der Aussa-

gen  von  N._____  selbst.  Die  Privatklägerin  konnte  sich  an  diesen  Vorfall  nur 

schwach erinnern und zeigte entsprechend – wie generell in diesem Verfahren – 

keinen verdächtigen Belastungseifer. N._____ machte demgegenüber die diesbe-

züglichen Aussagen früh im Verfahren, deponierte hierzu detaillierte Angaben und 

belastete  sich  dadurch  insbesondere  auch  selbst  in  schwerwiegendem  Masse. 

Dies alles spricht für deren Glaubhaftigkeit, zumal die Privatklägerin seine Darstel-

lung nachfolgend bestätigte, soweit sie sich erinnern konnte. Auch aus ihrer Sicht 

sei es nur deswegen zu sexuellen Handlungen mit N._____ gekommen, weil der 

Beschuldigte dies so verlangt habe und sie sich aus Angst vor seiner Reaktion nicht 

mehr habe widersetzen können, als einmal "Nein" zu sagen. Dass N._____ seine 

klaren und unmissverständlichen frühen Aussagen später zu relativieren versuchte 

(vgl. hierzu auch Ziff. 3.6 vorstehend), tut ihrer Glaubhaftigkeit keinen Abbruch, zu-

mal er zunächst weiterhin schilderte, dass die Privatklägerin ihm gegenüber offen 

gelegt  habe,  dass  und  wieso  sie  sich  zum  Geschlechtsverkehr  veranlasst  sah 

(Angst davor, dass der Beschuldigte wütend werden und sie schlagen könnte, was 

N._____ zudem bereits früher an der O._____-strasse anlässlich von Anklagesach-

verhalt 2 auch schon selbst erlebt hatte, vgl. Urk. 18/6 S. 6 und Urk. 18/7 S. 5), was 

jedenfalls nichts mit Lust und Freiwilligkeit zu tun hatte. Soweit er sich anlässlich 

der erstinstanzlichen Hauptverhandlung dann nicht mehr an diesen Vorfall erinnern 

wollte, einen solchen sogar gänzlich negierte, vermag dies seine ersten Aussagen 

nicht  in  Zweifel  zu  ziehen,  ist  der  Widerspruch  doch  offensichtlich  entgegen  den 

Ausführungen der Verteidigung (Urk. 457 S. 35) nur prozesstaktisch erklärbar.

Die verharmlosenden und eigentlich realitätsfernen Aussagen des Beschuldigten 

(die damals erst 13 Jahre alte, ihn vergötternde Privatklägerin habe kurz nach dem 

erzwungenen Sex mit U._____ und P._____ eigeninitiativ in seiner Gegenwart mit 

sexuellen Handlungen mit N._____ angefangen) vermögen die übereinstimmende 

Darstellung von N._____ und der Privatklägerin, insbesondere was den Umstand 

angeht, dass der Beschuldigte von der Privatklägerin verlangt habe, dass sie nun 

- 59 -

(auch) mit N._____ Geschlechtsverkehr habe (wie kurz zuvor schon mit U._____ 

und P._____), nicht zu erschüttern. Gemäss den klaren Belastungen von N._____ 

stand dazu die Drohung im Raum, dass er wütend werden und die Privatklägerin 

schlagen werde, sollte sie nicht gehorchen. Der äussere Sachverhalt ist rechtsge-

nügend erstellt. Zu diesem Schluss kam auch die Vorinstanz, auf deren Erwägun-

gen ergänzend verwiesen wird (Urk. 354 S. 102 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).

3.9.6. In  Anklagesachverhalt  6  wird  dem  Beschuldigten  vorgeworfen,  er  habe 

zwischen  dem  7. Januar  2019  und  dem  17. März  2019  in  seinem  Zimmer  in  der 

Jugendwohngemeinschaft W._____, weil er mit der bekanntermassen 13-jährigen 

Privatklägerin den Geschlechtsverkehr habe vollziehen wollen, den Mitbeschuldig-

ten N._____ aufgefordert, sich hinter dem Schrank zu verstecken, da sein Penis 

ansonsten nicht steif werde. N._____ habe sich danach hinter den Schrank bege-

ben,  währenddem  der  Beschuldigte  sich  von  der  Privatklägerin  zuerst  oral  habe 

befriedigen lassen und hernach vaginalen Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt habe. 

Während des Geschlechtsverkehrs habe der Beschuldigte N._____ dazu aufgefor-

dert, zuerst ein Video vom gerade stattfindenden Geschlechtsverkehr zu machen 

und danach sich an diesem zu beteiligen. Als die Privatklägerin dazu "Nein!" gesagt 

habe, habe der Beschuldigte wie folgt reagiert: "Was nei?! Du häsch scho mit em 

U._____ und em P._____. Mit ihm häsch au scho mal. Chum leg di ane!" Daraufhin 

habe die Privatklägerin keine weitere Gegenwehr aufzubringen vermocht. N._____ 

habe sich danach auf das Bett begeben, seine Hosen herunter gelassen und der 

Privatklägerin zu verstehen gegeben, dass sie ihn nun oral befriedigen solle. Dies 

habe sie gemacht, währenddem der Beschuldigte weiterhin von hinten ihre Vagina 

penetriert habe. Nachdem der Beschuldigte in sein Kondom ejakuliert habe, habe 

er einen Vibrator behändigt und an die Scheide der Privatklägerin gehalten. Ansch-

liessend habe er sich unter die Dusche begeben, woraufhin sich die Privatklägerin 

sicher genug gefühlt habe, den Oralverkehr mit N._____ zu beenden. N._____ sei 

bewusst gewesen, dass die Privatklägerin die sexuellen Handlungen nur deshalb 

über sich ergehen lassen habe, weil sie Angst davor gehabt habe, den Beschuldig-

ten  zu  verärgern  oder  von  ihm  geschlagen  zu  werden,  wenn  sie  sich  widersetzt 

(Urk. 354 S. 105 in Verbindung mit Urk. 26 S. 20 f.).

- 60 -

Auch Anklagesachverhalt 6 hat sich ganz offensichtlich nach den Ereignissen vom 

1. Februar 2019 gemäss Anklagesachverhalt 10 abgespielt. Die Verteidigung da-

tierte den Vorfall vor Vorinstanz nachvollziehbar auf den 9. Februar 2019 und somit 

auch  nach  den  Geschehnissen  aus  Anklagesachverhalt  5  und  7  (Urk. 223  S. 49 

unter Hinweis auf Urk. 9/6/3 S. 5 f.). Auch dies überzeugt und kann somit übernom-

men werden. Mithin steht unter Hinweis auf die Ausführungen unter Ziff. 3.9.5, 3.9.7 

und 3.9.10 (vor- bzw. nachstehend) fest, dass die Privatklägerin in den Tagen vor 

den nun zu beurteilenden Ereignissen durch den Beschuldigten bereits dazu ge-

bracht worden war, mit U._____ und P._____ (am 1. Februar 2019, Anklagesach-

verhalt  10)  und  mit  N._____  (am  3. Februar  2019,  Anklagesachverhalt  5)  Ge-

schlechtsverkehr zu vollziehen. Sodann hatte er sie am 6. Februar 2019 durch Dro-

hungen und insbesondere Lügen (dass er bald für Monate "ine" müsse und dadurch 

von ihr getrennt sei) dazu gebracht, für ihn einen Anzug zu bestellen und weitere 

(hohe) finanzielle Forderungen gestellt (Anklagesachverhalt 7).

Vom Beschuldigten vor Vorinstanz zugestanden wurde, dass er an jenem Tag mit 

der  Privatklägerin  im  JWG-Zimmer  Geschlechtsverkehr  hatte,  während  N._____ 

hinter dem Schrank gewartet habe, da der Beschuldigte in seiner Gegenwart keine 

Erektion 

erhalten 

konnte.  Auch 

habe 

er  N._____  während 

des 

Geschlechtsverkehrs mit der Privatklägerin aufgefordert, dies zu filmen und später 

habe N._____ sich am Geschlechtsverkehr beteiligt und auch ein Vibrator sei zum 

Einsatz gekommen, er habe jedoch nichts befohlen (Prot. I S. 125 f.).

Mithin  ist  die  Schilderung  der  Privatklägerin  (wiedergegeben  im  angefochtenen 

Urteil,  Urk. 354  S. 106  ff.)  als  grundsätzlich  zutreffend  anzusehen,  zumal  auch 

N._____  den  Vorfall  mit  diesem  ungefähren  Ablauf  bestätigt  hat  (vgl.  Urk. 354 

S. 109 ff.).  Was  die  Kernfrage  angeht,  wie  es  dazu  gekommen  ist,  dass  sich 

N._____ während des Geschlechtsverkehrs zwischen dem Beschuldigten und der 

Privatklägerin  dazugesetzt  hat  und  sich  von  der  Privatklägerin  oral  befriedigen 

liess, sagte auch dieser aus, der Beschuldigte habe ihn hierzu aufgefordert. Dass 

einer der beiden jungen Männer in irgendeiner Form vorab das Einverständnis der 

Privatklägerin eingeholt hätte, machte keiner je geltend. Vor dem Hintergrund der 

bisherigen  Vorfälle  überzeugt  demgegenüber  die  Darstellung  der  Privatklägerin, 

- 61 -

dass erneut über ihren Kopf hinweg über sie bestimmt und ihr verbaler Widerstand 

übergangen wurde, zumal mit dem Hinweis, sie habe ja auch bereits mit U._____ 

und  P._____  und  auch  schon  mit  N._____  Geschlechtsverkehr  gehabt  (vgl. 

Anklagesachverhalte  10  und  5),  als  ob  damit  alles  geklärt  wäre.  Auch  N._____ 

konnte eine derartige Aussage in seinen früheren Aussagen nicht mit Gewissheit 

ausschliessen,  vielmehr  schilderte  er,  eine  bedrückende,  bedrohliche  Stimmung 

wahrgenommen  zu  haben,  wobei  sich  die  sexuellen  Handlungen  nicht  richtig, 

sondern als vom Beschuldigten erzwungen angefühlt hätten. Später konnte oder 

wollte er sich an Details nicht mehr erinnern, was seine früheren Aussagen jedoch 

nicht  widerlegt.  Insgesamt  bestehen  keine  Zweifel  am  Wahrheitsgehalt  der 

Aussagen  der  Privatklägerin,  weshalb  der  Sachverhalt  rechtsgenügend  erstellt 

werden kann (so auch die Vorinstanz in Urk. 354 S. 111 ff., auf deren Ausführungen 

ergänzend verwiesen wird; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.9.7. Unter Anklagesachverhalt 7 wird dem Beschuldigten zusammengefasst vor-

geworfen, er habe am 6. Februar 2019 die Privatklägerin via iMessage aufgefordert 

mit  Geld  bzw.  mit  der  Kreditkarte  ihrer  Mutter  vorbeizukommen,  um  einen  ganz 

spezifischen Anzug und Schuhe für sich bestellen zu können. Gleichzeitig habe er 

ihr den Weltuntergang prophezeit, sollte sie bis sechs Uhr abends nicht damit auf-

tauchen bzw. habe damit gedroht, den Kontakt zu ihr zu beenden. Unter diesem 

Druck habe die Privatklägerin in der Folge die Bestellung mit der Kreditkarte ihrer 

Mutter selbst vorgenommen. Später habe der Beschuldigte sich bei der Privatklä-

gerin entschuldigt und gleichzeitig erneut Bargeld in der Höhe von Fr. 1'500.– im 

soeben umschriebenen Sinn gefordert, im Wissen darum, dass das Geld nicht ihm 

gehöre und um sich Kleidungsgegenstände finanzieren zu lassen und sich damit 

unrechtmässig  zu  bereichern.  In  der  Folge  habe  sich  die  Privatklägerin  mit  dem 

Beschuldigten  getroffen  und  für  ihn  mit  dem  Geld  ihrer  Mutter  ohne  Erlaubnis 

Schuhe  bei  Snipes  für  Fr. 229.90  gekauft  (Urk. 354  S. 113 f.  in  Verbindung  mit 

Urk. 26 S. 22).

Der  Beschuldigte  anerkannte  den  fraglichen  Chatverlauf  (Urk. 17/6  S. 1-71)  vor 

Vorinstanz, erklärte aber, sich nicht daran erinnern zu können, dass die Privatklä-

gerin ihm mit der Kreditkarte der Mutter im Snipes Schuhe gekauft hätte. Er habe 

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die  Privatklägerin  gefragt,  ob  sie  ihm  den  Anzug  bestellen  könne,  letztlich  aber 

nichts erhalten (Prot. I S. 277 f.). 

Die Vorinstanz hat den wesentlichen Inhalt des Chats zusammengefasst (Urk. 354 

S. 114 f.). Hierauf kann verwiesen werden. Ergänzend ist zu erwähnen, dass der 

Beschuldigte der Privatklägerin kurz nach Beginn der Konversation weis machte, 

er müsse am Folgetag für elf Monate "ine gah", ohne dies näher zu spezifizieren. 

Allerdings  ist  aktenkundig,  dass  er  kurz  zuvor  in  die  Strafuntersuchung  gegen 

F._____ involviert und polizeilich befragt worden war, wobei auch mehrere Hundert 

Franken Bargeld beim Beschuldigte beschlagnahmt worden waren (vgl. Urk. 1/1/1-

14),  was  der  Privatklägerin  bekannt  war  (vgl.  auch  Anklagesachverhalt  4).  Der 

Reaktion der Privatklägerin ist zu entnehmen, dass sie das sehr traf. Dies sei ein 

Weltuntergang und sie werde in dieser Zeit für ihn Geld sparen. Auch werde sie 

ihm den Anzug bestellen und mit der Karte zu ihm zu kommen (Urk. 17/6 S. 4 ff.). 

Aus einem Chat zwischen U._____ und dem Beschuldigten lässt sich sodann ab-

lesen – worauf die Verteidigung zutreffend hingewiesen hat (Urk. 223 S. 53) – dass 

die  Privatklägerin  am  7. Februar  2019  wie  gewünscht  nach  S._____  reiste,  dem 

Beschuldigten die Karte übergab und sich später kurz mit U._____ traf. Offenbar 

aber  war  die  Karte  für  den  Beschuldigten  nicht  brauchbar,  da  sie  gesperrt  (oder 

allenfalls  der  Code  gewechselt)  war 

(Urk. 5/5/3  Report  WhatsApp 

A.______U._____ Bro_41… U._____ S. 45 ff.). Ein weiteres Treffen mit dem Be-

schuldigten fand dann offenbar am 8. Februar 2019 statt, was wiederum aus dem 

Chat  zwischen  dem  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin  hervorgeht  (Urk. 17/6 

S. 61 ff.). Dass die Privatklägerin ihm dabei das geforderte Geld (Fr. 1'000.– bzw. 

Fr. 1'500.–) übergeben hätte, bleibt unbelegt. Zeitnah ist auch kein Schuhkauf im 

Snipes  über  die  Kreditkarte  der  Mutter  belegt,  sondern  erst  für  den  20.  Februar 

2019 (Urk. 11/1/9). Offenbar wurde auch der gemäss Polizeirapport auf Vorkasse 

bestellte  Anzug  (vgl.  Urk. 5/3  S. 8.  vgl.  auch  Urk. 5.3.3  Beilage 13  S. 55 

IMG_9265.jpeg) nicht bezahlt, was erklärt, weshalb der Beschuldigte gemäss sei-

nen Angaben schlussendlich nichts erhalten haben will. 

Mithin  ist  festzuhalten,  dass  die  Privatklägerin  am  6. Februar  2019  den  vom  Be-

schuldigten gewünschten Anzug online bestellte, weil der Beschuldigte Druck auf 

- 63 -

sie ausgeübt hatte, indem er ihr Ultimaten stellte, sie beschimpfte, ihr den Weltun-

tergang ankündigte und auch erklärte, er sei bald für elf Monate weg, da er "ine 

gah" müsse. Der Anzug wurde allerdings weder nachweislich bezahlt noch ausge-

liefert. Später, am 8. Februar 2019, forderte er, dass sie ihm mit der Kreditkarte der 

Mutter Bargeld abhebe und bringe. Dass dies dann effektiv erfolgt ist, kann jedoch 

mit der Verteidigung (Urk. 445 S. 3) nicht bewiesen werden, auch wenn aus dem 

Chat hervorgeht, dass sich die Parteien gleichentags trafen. Ebenso wenig kann 

erstellt werden, dass zeitlich nahe bzw. am Folgetag mit der Karte (oder abgeho-

benem  Bargeld)  Schuhe  im  Snipes  gekauft  wurden,  da  solches  erst  knapp  zwei 

Wochen später belegt ist, wobei aus dem Beleg nicht hervorgeht, wer hier für wen 

etwas eingekauft hat, auch wenn aufgrund der durch den Beschuldigten im Chat 

geäusserten Begehrlichkeiten durchaus nahe liegt, dass der Einkauf wohl ihm zu-

gutekam. 

3.9.8. Die  Anschlussberufung  der  Oberjugendanwaltschaft  wurde  hinsichtlich  der 

unter Anklagesachverhalt 8 erhobenen Vorwürfe zurückgezogen, womit sich eine 

Sachverhaltserstellung erübrigt.

3.9.9. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 9 wirft die Anklageschrift dem Beschuldigten 

im  Wesentlichen  vor,  er  habe  am  14. Februar  2019  von  der  Privatklägerin  Geld 

oder Schmuck gefordert, indem er ihr die folgende Nachricht geschickt habe: "Al-

terrr mannnnnnn ich schwör ich mach dich blind alter stress mini eier nöd ich chan 

ficke du hesch mit mehrere gfickt also vallah es interessiert mich nöd du nutte ihh 

hofs du bisch schwanger du nutte ich gib dir zit bis halbi 5!!!!! Wnen nöd da bisch 

hesch kei konntakt meh mit mir hesch mich verstande du nutte!!!!!!!!!!!!!!" Zugleich 

habe  der  Beschuldigte  die  Privatklägerin  aufgefordert,  ein  Bild  der  geforderten 

Wertsachen bzw. des Bargelds zu schicken. Dies habe der Beschuldigte im Wissen 

darum getan, dass die Androhung mindestens möglicherweise dazu führe, dass die 

Privatklägerin sich oder einen andern am Vermögen schädige, in der Absicht sich 

dadurch selbst unrechtmässig zu bereichern (Urk. 354 S. 119 f. in Verbindung mit 

Urk. 26 S. 25).

- 64 -

Der Inhalt der Nachricht wird vom Beschuldigten anerkannt und ist überdies belegt 

(Urk. 17/6 S. 72). Nicht erinnern konnte er sich, ob es damals um Geld gegangen 

sei. Er sei einfach wütend gewesen (Prot. I S. 281).

Mit der Vorinstanz und entgegen der Oberjugendanwaltschaft (Urk. 458 S. 7) lässt 

sich aus der Nachricht keine genügend Verbindung zu einer konkreten Forderung, 

seien es Wertsachen oder Bargeld, herstellen (Urk. 354 S. 121). Insbesondere die 

Aufforderung, ein Bild von Wertsachen oder Bargeld zu schicken, lässt sich nicht 

belegen, weshalb dieser Teil des Anklagevorwurfs nicht erstellt werden kann.

3.9.10. Unter  Anklagesachverhalt  10  wird  dem  Beschuldigten  vorgeworfen,  die 

Privatklägerin am Abend des 1. Februars 2019 in sein Zimmer in der JWG W._____ 

bestellt zu haben. Dort habe der Beschuldigte von der Privatklägerin erneut Geld 

verlangt, wobei sie geantwortet habe, dass sich das Geld "in" ihrem Handy befinde 

(gemeint seien die Kreditkartendaten gewesen, die im Mobiltelefon gespeichert ge-

wesen seien, welches die Privatklägerin auf sich getragen habe). Die Privatklägerin 

habe gegenüber dem Beschuldigten ausgeführt, dass sie ihm das Geld erst geben 

würde, wenn sie Geschlechtsverkehr miteinander gehabt hätten, woraufhin der Be-

schuldigte mit der Privatklägerin den Geschlechtsverkehr vollzogen habe. Danach 

sei der Mitbeschuldigte U._____ an besagter Örtlichkeit aufgetaucht. In der Folge 

habe der Beschuldigte mit U._____ in Anwesenheit der Privatklägerin ein Gespräch 

geführt, wobei es darum gegangen sei, das Geld von der Privatklägerin erhältlich 

zu machen. Konkret habe der Beschuldigte U._____ daneben gleichzeitig heimlich 

und ohne Wissen der Privatklägerin Kurznachrichten geschrieben, mit der Anwei-

sung, unauffällig das Mobiltelefon der Privatklägerin zu behändigen und nach Geld 

zu durchsuchen. Kurz danach sei U._____ auf Geheiss des Beschuldigten mit be-

sagtem  Mobiltelefon  auf  die  Toilette  gegangen,  wo  U._____  ebendieses  zerstört 

habe, indem er es mit dem Ziel aufgebrochen habe, für sich und den Beschuldigten 

Bargeld zu erlangen. Dabei habe sich U._____ in der irrigen Vorstellung befunden, 

dass sich das Geld physisch im Mobiltelefon befinde, weswegen er letztlich kein 

Bargeld habe finden können. Sowohl dem Beschuldigten als auch U._____ sei da-

bei bewusst gewesen, dass das auf dem Mobiltelefon gesuchte Geld nicht ihnen 

gehören würde und sie deswegen keinen Anspruch auf allfällig aufgefundenes Bar-

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geld gehabt hätten. Nachdem U._____ wieder aus der Toilette gekommen sei, habe 

der Beschuldigte die Privatklägerin aufgefordert, nun auch den Geschlechtsverkehr 

mit U._____ zu vollziehen. Sie habe zwar geäussert, dass sie keinen Geschlechts-

verkehr mit U._____ wolle, habe aber letztlich widerwillig dennoch gehorcht, da sie 

Angst gehabt habe, ansonsten vom Beschuldigten erneut geschlagen zu werden. 

In der Folge habe die Privatklägerin den Beschuldigten oral befriedigen müssen, 

während U._____ sie von hinten vaginal mit seinem Penis penetriert habe. Als der 

Beschuldigte dann zum Orgasmus gekommen sei, habe sich U._____ auf das Bett 

gelegt und erneut mit seinem Penis die Vagina der Privatklägerin penetriert, wäh-

rendem  diese  regungslos  auf  ihm  gesessen  sei.  Diese  Szene  habe  der 

Beschuldigte ohne Einverständnis der Privatklägerin mit seinem Mobiltelefon auf-

genommen  und  dabei  mit  den  Worten  "Schau  her,  der  Marokkaner"  (übersetzt) 

kommentiert, während U._____ lachend seinen Mittelfinger in die Kamera gestreckt 

habe. Letztlich habe U._____ in sein Kondom ejakuliert. Anschliessend habe der 

Beschuldigte  den  Mitbeschuldigten  P._____  angerufen  und  diesem  gesagt:  "Es 

isch alles gfiggt." P._____ habe dann geantwortet: "Ich chume nöd, wenn sie nöd 

figgt!",  was  der  Beschuldigte  mit  den  Worten  "Jaja,  sie  figgt"  erwidert  habe.  Die 

Privatklägerin habe dann die Örtlichkeit verlassen wollen, wobei der Beschuldigte 

ihr befohlen habe, auf P._____ zu warten. Kurz danach sei P._____, der damals 

infolge einer Verletzung an Krücken gegangen sei, mit drei Kebabs im besagten 

Zimmer aufgetaucht. Dort habe er sich ausgezogen und den Beschuldigten gefragt, 

worauf  die  Privatklägerin  warte,  woraufhin  der  Beschuldigte  diese  aufgefordert 

habe, sich auszuziehen. P._____ habe sich auf das Bett gelegt und die Privatklä-

gerin habe sich auf ihn setzen müssen, wobei dieser mit seinem Penis die Privat-

klägerin vaginal penetriert habe. Während des Geschlechtsverkehrs habe der Be-

schuldigte  gerappt  und  U._____  sei  daneben  gesessen,  habe  seinen  Kebab  ge-

gessen und durch seine Anwesenheit sowohl den Beschuldigten als auch P._____ 

in  ihrem  weiteren  Tun  bestärkt.  Als  der  Beschuldigte  später  bemerkt  habe,  dass 

sich die Privatklägerin nur zögerlich auf P._____ bewegt, habe er von ihr eine Er-

klärung  dafür  verlangt  und  sie  an  der  Hüfte  festgehalten  und  immer  wieder  auf 

P._____ gedrückt, sodass dieser mit seinem Penis tiefer in die Privatklägerin ein-

gedrungen sei. Die Privatklägerin habe dabei einzig zu sagen vermocht, dass es 

- 66 -

ihr weh tue, worauf man sie auf die Toilette habe gehen lassen. Da sie nicht genü-

gend schnell zurückgekommen sei, habe der Beschuldigte sie an der Toilettentür 

aufgefordert,  weiterzumachen,  was  die  Privatklägerin  auch  gemacht  habe,  bis 

P._____ in sein Kondom ejakuliert habe. Danach habe man die Privatklägerin wie-

der gehen lassen. Im Anschluss habe der Beschuldigte das Video des Geschlechts-

verkehrs zwischen der Privatklägerin und U._____ an Letztgenannten geschickt. 

Die Privatklägerin habe die sexuellen Handlungen nur über sich ergehen lassen, in 

der Befürchtung ansonsten vom Beschuldigten geschlagen zu werden, was allen 

drei Tatbeteiligten bewusst gewesen und von ihnen in Kauf genommen worden sei. 

U._____ und P._____ hätten somit bewusst die ihnen bekannte Machtposition, wel-

che der Beschuldigte über die Privatklägerin erlangt gehabt und gezielt eingesetzt 

habe, für ihr eigenes sexuelles Vergnügen ausgenützt (Urk. 354 S. 121 ff. in Ver-

bindung mit Urk. 26 S. 27 ff.).

Dieser Vorfall ist der erste einer ganzen Reihe, die sich Anfang Februar 2019 in der 

JWG W._____ ereignet haben. Hernach folgten die bereits abgehandelten Ankla-

gesachverhalte 5, 6 und 7.

Die  oben  erwähnte  Videoaufnahme  des  Geschlechtsverkehrs  zwischen  U._____ 

und  der  Privatklägerin  liegt  als  elektronische  Aufzeichnung  bei  den  Akten 

(Urk. 25/2;  vgl.  die  zutreffende  Beschreibung  des  Inhalts  in  Urk. 354  S. 145). 

Ebenso  ist  der  WhatsApp-Chat  mit  der  Aufforderung  des  Beschuldigten  an 

U._____,  die  Tasche  sowie  das  Mobiltelefon  der  Privatklägerin  nach  Geld  zu 

durchsuchen, belegt. Diesem ist auch zu entnehmen, dass der Beschuldigte plante, 

die Privatklägerin nach Hause zu schicken, sobald er das Geld behändigen konnte, 

wobei er weder Respekt vor dem Eigentum der Privatklägerin noch vor ihr selbst 

zeigte  (vgl.  die  zusammenfassende  Wiedergabe  des  Chatinhalts  in  Urk. 354 

S. 145 f.). 

Der  Beschuldigte  anerkennt,  seiner  Aussage  vor  Vorinstanz  (Prot. I  S. 163 ff.) 

entsprechend,  dass  er  mit  der  Privatklägerin  damals  Geschlechtsverkehr  hatte, 

dass  U._____  dazu  kam,  dass  dann  die  Privatklägerin  und  U._____ 

Geschlechtsverkehr hatten, dass er davon ein Video gemacht hatte, dass er sich 

dann von der Privatklägerin oral befriedigen liess, während U._____ vaginal mit ihr 

- 67 -

verkehrte, wobei er gleichzeitig (!) U._____ per Mobiltelefon geschrieben habe, er 

solle im Handy der Privatklägerin nach Geld suchen, und dass U._____ hernach 

mit dem Mobiltelefon der Privatklägerin auf die Toilette gegangen und dieses dort 

auf der Suche nach verstecktem Bargeld kaputt gemacht hatte. Ebenso sei später 

P._____  dazu  gekommen  und  auch  dieser  habe  mit  der  Privatklägerin 

Geschlechtsverkehr  gehabt,  wobei  die  Privatklägerin  dazwischen  einmal  auf  die 

Toilette gegangen sei. 

Folgerichtig hat der Beschuldigte die erstinstanzlichen Schuldsprüche wegen ver-

suchtem Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB, wegen (nicht gemeinschaftlicher) sexueller Handlungen mit Kindern gemäss 

Art. 187  Ziff. 1  StGB  und  wegen  (nicht  gemeinschaftlicher)  Pornografie  im  Sinne 

von  Art. 197  Abs. 4  Satz 2  StGB  im  Berufungsverfahren  nicht  angefochten  (vgl. 

Urk. 360 S. 3 sowie Ziff. 2.2.2 hiervor). Umstritten bleibt zur Hauptsache, inwiefern 

die Privatklägerin zu den sexuellen Handlungen mit U._____ und P._____ genötigt 

wurde (sowie wie dies mit Bezug auf die Rolle des Beschuldigten rechtlich zu qua-

lifizieren  ist).  Es  kann  jedoch  bereits  an  dieser  Stelle  festgehalten  werden,  dass 

seine  (spät  im  Verfahren  erfolgte)  eigene  Darstellung  des  doch  ereignisreichen 

Abends  mit  U._____  und  P._____  –  welche  beide  sexuelle  Handlungen  mit  der 

Privatklägerin ebenfalls zugestanden (vgl. die Wiedergabe ihrer Aussagen im an-

gefochtenen Urteil, Urk. 354 S. 134 ff.) – im äusseren Ablauf grundsätzlich mit der-

jenigen  der  Privatklägerin  (wiedergegeben  in  Urk. 354  S. 125 ff.)  übereinstimmt. 

Diese äussere Validation verleiht ihren per se bereits äusserst glaubhaften, da kon-

stanten,  detailreichen  und  authentischen  Aussagen  (vgl.  Ziff. 3.5.1  vorstehend) 

weitere Kredibilität. 

Mit der Vorinstanz kann sodann auf zahlreiche weitere Details in ihren Aussagen 

verwiesen werden, welche als Realitätskriterien zu werten sind und überdies einer 

externen  Überprüfung  standgehalten  haben  (vgl.  im  Einzelnen  dazu  Urk. 354 

S. 146 ff.). Im Gegensatz dazu erlauben die einmaligen mündlichen Ausführungen 

des Beschuldigten keine inhaltliche Analyse. Kommt hinzu, dass sie sich auch nicht 

mit den Aussagen von U._____ und P._____ in Übereinstimmung bringen lassen, 

worauf bereits die Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat (vgl. Urk. 354 S. 148 f.). 

- 68 -

Sie sind damit nicht geeignet, die glaubhaften Ausführungen der Privatklägerin in 

Zweifel zu ziehen. Gleiches gilt für die Ausführungen von U._____ und P._____. 

Mit der Vorinstanz, auf deren ausführlichere Würdigung ergänzend verwiesen wird 

(vgl. Urk. 354 S. 149 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO), ist darauf hinzuweisen, dass diese 

nicht nur in Detailfragen wenig Konstanz aufweisen. Insbesondere hinsichtlich der 

doch wesentlichen Frage, ob und wer die Privatklägerin um ihre Zustimmung zu 

sexuellen Handlungen mit Dritten gefragt hat, wurden alle möglichen Varianten zu 

Protokoll gegeben. Effektiv wird – wie dies die Privatklägerin mehrfach ausgeführt 

hat – keiner der beiden mit ihr über ihre Einwilligung gesprochen haben. Vielmehr 

wurde durch die anwesenden Jugendlichen über ihren Kopf hinweg über die Pri-

vatklägerin  verfügt,  wobei  sich  keiner  die  Mühe  machte,  das  Mädchen,  welches 

beide gemäss eigenen Aussagen an jenem Abend zum ersten Mal so richtig gese-

hen haben wollen, näher kennenzulernen. Dazu passt sowohl das von der Privat-

klägerin  wiedergegebene  (von  U._____  sinngemäss  bestätigte)  Telefongespräch 

mit P._____ ("Ich chume nöd, wenn sie nöd figgt" "Jaja, sie figgt"), als auch, dass 

U._____ gemäss eigener Einschätzung davon ausging, sie sei eine, bei der jeder 

einfach  ran  könne,  der  Sex  haben  möchte.  Diese  Geringschätzung,  gar  Ent-

menschlichung, zeigte sich sodann auch darin, dass er keine Skrupel zeigte, auf 

Geheiss des Beschuldigten ihr Eigentum zu zerstören.

Insgesamt ist auf die, in zahlreichen Details durch weitere Beweismittel gestützte, 

äusserst glaubhafte Darstellung der Privatklägerin abzustellen, womit der äussere 

Sachverhalt rechtsgenügend erstellt ist. 

3.9.11. Die Oberjugendanwaltschaft hat ihre Anschlussberufung hinsichtlich der un-

ter  Anklagesachverhalt  11  erhobenen  Vorwürfe  zurückgezogen,  womit  sich  eine 

Sachverhaltserstellung erübrigt.

3.9.12. Auch zu Anklagesachverhalt 12 erübrigen sich Ausführungen, da die An-

schlussberufung  der  Oberjugendanwaltschaft  gegen  den  Freispruch  zurückge-

zogen wurde und dieser damit rechtskräftig ist. 

3.9.13. Hinsichtlich  Anklagesachverhalt  13  wird  dem  Beschuldigten  im  Wesentli-

chen vorgeworfen, er habe am 30. März 2019 via WhatsApp von der Privatklägerin 

- 69 -

einen nicht eruierbaren Geldbetrag für seine persönliche Verwendung verlangt und 

ihr gleichzeitig angekündigt, sie abholen zu kommen. Als die Privatklägerin ihm mit-

geteilt habe, dass sie das Geld nicht sofort beschaffen könne, habe er geäussert, 

dass er ihre Mutter "ficken" und die Privatklägerin zwar nicht schlagen, dafür auf 

Social Media blockieren werde, im Wissen darum, dass er der Privatklägerin da-

durch emotionales Leid antun würde. Im weiteren Chatverlauf habe der Beschul-

digte die Privatklägerin als "Nuttetochter" und "verdammte Schlampe" beleidigt und 

von ihr verlangt, persönlich bei ihm vorstellig zu werden. Diesbezüglich habe er ihr 

das Folgende geschrieben: "O kuku wenn nöd am 9 da bisch", "Und ich dich irgend 

mal gsehn", "Irgendwo gsehn". Damit habe er ihr zu verstehen gegeben, dass ihr 

Nachteile drohen würden, wenn sie sich nicht füge. Der Beschuldigte habe im Wis-

sen darum gehandelt, dass die Androhung mindestens möglicherweise dazu führe, 

dass  die  Privatklägerin  sich  oder  einen  anderen  am  Vermögen  schädige,  in  der 

Absicht, sich dadurch selbst unrechtmässig zu bereichern (Urk. 354 S. 158 in Ver-

bindung mit Urk. 26 S. 32).

Der Beschuldigte hat diesen Sachverhalt bereits vor Vorinstanz anerkannt, zumal 

die ausgetauschten Nachrichten auch in den Akten belegt sind (Urk. 17/15 insb. ab 

S. 29 [Hinweis: Timestamp-Zeit + 1 Stunde = MEZ bzw. CH-Winterzeit]). Der äus-

sere Sachverhalt ist damit erstellt.

3.9.14. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 14 wirft die Anklageschrift dem Beschuldig-

ten vor, im Frühjahr 2019 zusammen mit N._____ nach AF._____ SG gefahren zu 

sein,  um  dort  die  Bankkarte  der  Privatklägerin  ausgehändigt  zu  bekommen,  um 

damit persönlich Bargeld- oder Warenbezüge zu tätigen. In der Nähe des Bahnhofs 

AF._____  habe  der  Beschuldigte  die  Privatklägerin  an  den  Haaren  gepackt  und 

ihren Kopf mit voller Wucht gegen einen Billett-Automaten geschlagen, wodurch sie 

eine  Beule  am  Kopf  davongetragen  habe,  was  er  zumindest  in  Kauf  genommen 

habe. Bevor der Beschuldigte an die Bankkarte bzw. eventualiter an Bargeld habe 

gelangen können, sei die Privatklägerin geflüchtet. Der Beschuldigte habe die Pri-

vatklägerin im umschriebenen Sinn geschlagen, um Geld bzw. die Bankkarte er-

hältlich zu machen, im Wissen darum, dass ihm dieses Geld bzw. Vermögen nicht 

zustehe (Urk. 354 S. 159 in Verbindung mit Urk. 26 S. 33).

- 70 -

Die Vorinstanz hat die massgebenden Aussagen der damals anwesenden Perso-

nen (der Beschuldigte, die Privatklägerin, N._____, AG._____ und AH._____) zu-

treffend  wiedergegeben  (Urk. 354  S. 160 ff.).  Hierauf  kann  verwiesen  werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO). Sodann hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, dass nicht 

zweifelsfrei erstellt werden kann, dass der Beschuldigte (und N._____) einzig des-

halb nach AF._____ gereist sind, um von der Privatklägerin die Kreditkarte von de-

ren Mutter erhältlich zu machen, da beide geltend gemacht haben, sie hätten auch 

AG._____ und AH._____ sehen wollen und alle ausführten, dass man noch zu viert 

beim AI._____-Schulhaus gewesen sei. Indessen sagten der Beschuldigte und die 

Privatklägerin übereinstimmend aus, dass er sie in AF._____ nach der Karte (und 

der Bezahlung des Rückfahrbilletts) gefragt habe, sie ihm diese aber – wohl entge-

gen vorgängig gemachten Versprechungen – nicht gegeben habe (und auch keine 

Tickets habe kaufen wollen), worauf es zur anklageseitig umschriebenen, von den 

AH._____AI._____-Schwestern bezeugten Gewaltausübung kam, bevor die Privat-

klägerin  und  die  AH._____AI._____s  flüchten  konnten.  Insoweit  ist  der  äussere 

Sachverhalt somit rechtsgenügend erstellt, wobei gemäss den weiteren Aussagen 

der Privatklägerin den Mädchen die Flucht deshalb gelang, weil der Beschuldigte 

glaublich noch irgendwas am Reden gewesen sei oder sie gerade nicht beachtet 

habe (Urk. 13/9/5 S. 12). Dies deckt sich mit der Darstellung von N._____, die Mäd-

chen seien plötzlich weggewesen, als er mit dem Beschuldigten geredet habe. 

3.9.15. Gemäss Anklagesachverhalt 15 habe die Privatklägerin im Frühling 2019, 

nach  dem  Vorfall  gemäss  Anklagesachverhalt  18  und  somit  nach  dem  10. April 

2019,  den  Beschuldigten  telefonisch  gefragt,  ob  sie  zusammen  einen  schönen 

Abend verbringen könnten, auch wenn sie ihm kein Geld verschaffen könne, was 

der Beschuldigte bejaht habe. Sie sei nach S._____ gegangen, habe dort den Be-

schuldigten darüber informiert, dass sie kalt habe, woraufhin dieser sie angewiesen 

habe, sich in das ihr bekannte Gartenhaus auf dem AJ._____-Revier AK._____ zu 

begeben. Die Privatklägerin sei dorthin gegangen und habe mehrere Stunden auf 

den Beschuldigten gewartet. Gegen Mitternacht sei der Beschuldigte schliesslich 

in Begleitung der Mitbeschuldigten N._____ und P._____ an besagter Örtlichkeit 

aufgetaucht, welche beiden Letztgenannten die Privatklägerin nicht erwartet habe. 

In der Folge habe der Beschuldigte sich auf eine dort vorhandene Liege gesetzt 

- 71 -

und die Privatklägerin aufgefordert, Oralverkehr an ihm vorzunehmen, was sie ge-

macht habe, währenddem die anderen beiden zugeschaut hätten. Plötzlich habe 

der Beschuldigte zu P._____ gesagt, dass er sich ausziehen soll, woraufhin sich 

dieser  wortlos  die  Hosen  ausgezogen  habe.  Zu  N._____  habe  der  Beschuldigte 

zudem gesagt, dass er sich auf die Liege hinsetzen solle. Der Privatklägerin habe 

er sodann ebenfalls befohlen, sich auszuziehen. Die Privatklägerin habe erwidert: 

"Vor däne?", was der Beschuldigte mit einem einfachen "Ja" quittiert habe. P._____ 

habe sich in der Folge ein Kondom übergezogen und die Privatklägerin von hinten 

mit seinem Penis vaginal penetriert, während sie auf Geheiss des Beschuldigten 

N._____  oral  habe  befriedigen  müssen.  Aufgrund  vergangener  ähnlicher  Ereig-

nisse habe die Privatklägerin keine Zweifel daran gehabt, das nun durchstehen zu 

müssen, damit sie nicht vom Beschuldigten geschlagen werde. Der Beschuldigte 

habe von der Szene mit seinem Mobiltelefon ein Bild gemacht und dieses N._____ 

geschickt. Irgendwann habe N._____ die Privatklägerin gefragt, ob es ihr gefalle, 

woraufhin  sie  für  alle  wahrnehmbar  den  Kopf  geschüttelt  habe.  Danach  habe 

N._____ seine Hosen angezogen. Der Beschuldigte habe ihn daraufhin gefragt, ob 

er "gekommen sei", was dieser verneint habe mit der Begründung, dass die Privat-

klägerin es nicht wolle. Der Beschuldigte habe erwidert, dass dies doch egal sei. 

P._____ habe dieses Gespräch mitbekommen und den Vaginalverkehr ebenfalls 

beendet und sein gebrauchtes Kondom N._____ übergeben, welcher ebendieses 

über seinen erigierten Penis gestreift und anschliessend die Privatklägerin von hin-

ten vaginal penetriert habe. P._____ habe sich auf die Liege gesetzt und sich von 

der Privatklägerin, gegen deren Willen und nachdem sie dazu gezwungen worden 

sei, oral befriedigen lassen. N._____ sei nach nur wenigen Stössen zum Orgasmus 

gekommen, woraufhin der Beschuldigte einen an der Wand hängenden Golfschlä-

ger behändigt und diesen gewaltsam in die Scheide der Privatklägerin eingeführt 

habe, was ihr heftige Schmerzen bereitet habe. Die Mitbeschuldigten N._____ und 

P._____ hätten zugeschaut und gelacht. Anschliessend habe der Beschuldigte der 

Privatklägerin angedroht, sie mit diesem Golfschläger zu schlagen, wenn sie ihm 

beim nächsten Mal das von ihm geforderte Geld nicht bringe. Zudem habe der Be-

schuldigte der Privatklägerin mitgeteilt, dass das Ganze nicht passiert wäre, wenn 

sie ihm Geld gebracht hätte. Am Ende hätten die drei jungen Männer das Garten-

- 72 -

haus verlassen, ein Uber bestellt und seien weggefahren. Die Privatklägerin hätten 

sie zurückgelassen, welche bis in die frühen Morgenstunden im Gartenhaus habe 

ausharren müssen und erst danach nach Hause habe gehen können. Die Privat-

klägerin habe sämtliche sexuellen Handlungen nur über sich ergehen lassen, weil 

sie  aufgrund  der  in  der  Vergangenheit  gemachten  Erfahrungen  habe  sicher  sein 

können, vom Beschuldigten geschlagen zu werden, wenn sie sich weigern würde, 

seinen  Forderungen  nachzukommen.  Dies  sei  sämtlichen  Anwesenden  bekannt 

gewesen.  Somit  hätten  die  beiden  Mitbeschuldigten  bewusst  den  Machtmiss-

brauch, den der Beschuldigte über die bekanntermassen 13-jährige Privatklägerin 

ausgelebt  habe,  für  ihr  eigenes  sexuelles  Vergnügen  ausgenützt  (Urk. 354 

S. 165 ff. in Verbindung mit Urk. 26 S. 35 ff.).

Wie  bereits  erwähnt  ist  dieser  Vorfall  zeitlich  nach  den  Ereignissen  vom  9. und 

10. April 2019 gemäss Anklagesachverhalt 18 einzuordnen (vgl. hierzu die nach-

folgenden Ausführungen unter Ziff. 3.9.18). Gemäss Verteidigung sei er am 5. Mai 

2019 passiert, was die als Urk. 49/9 bei den Akten liegende Videoaufnahme be-

stätigt. 

Die Vorinstanz hat die sachbezogenen Beweismittel zusammengefasst wiederge-

geben (Urk. 354 S. 167 ff.), worauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Dabei lohnt es sich, auch bereits die Aussagen der Privatklägerin zum ersten Vorfall 

von  April  2019  (Anklagesachverhalt  18)  in  die  Würdigung  miteinzubeziehen 

(Urk. 354 S. 197 ff.). Dann wird augenfällig, dass sie in den ersten Aussagen die 

drei  Ereignisse  im  Gartenhaus  (Anklagesachverhalt  15,  18.1  und  18.2)  teilweise 

vermischt,  insbesondere  was  den  jeweiligen  Beginn  der  Abende  angeht  (wo  sie 

sich getroffen haben, wie sie zum Gartenhaus gelangt sind, wer später dazu kam 

etc.)  und  überdies  zunächst  nichts  davon  erwähnte,  dass  es  –  nebst  dem  Ge-

schlechtsverkehr mit den erwachsenen Cousins des Beschuldigten und AL._____ 

– auch zu einem Vorfall mit N._____ und P._____ gekommen war. Auf Nachfrage 

machte sie in diesem Zusammenhang – durchaus nachvollziehbar – geltend, das 

Erlebte im Alltag möglichst zu verdrängen und erst, als ihr geraten worden sei, sich 

alles aufzuschreiben, bzw. bei der Tatortsuche mit dem Polizisten weitere Ereig-

nisse erinnert zu haben (Urk. 12/4/5 S. 8, vgl. auch S. 38). Auch habe sie bei der 

- 73 -

ersten  Befragung  alles  zusammen  erzählen  müssen  und  deshalb  Sachen  ver-

mischt (Urk. 12/8/6 S. 38 ff.). Ebenfalls mit hineingespielt haben dürfte allerdings, 

dass  sie  insbesondere  von  N._____  explizit  darum  gebeten  worden  war,  ihn  bei 

den Strafbehörden nicht zu erwähnen (Urk. 12/4/5 S. 9). 

Der Beschuldigte bestätigte vor Vorinstanz, dass es zu einem (weiteren) Vorfall im 

Gartenhaus von B._____, dieses Mal zusammen mit N._____ und P._____ gekom-

men war und dass diese beiden mit der Privatklägerin Sex gehabt hätten, wovon 

er eine Videoaufnahme gemacht habe. Er selbst habe damals keinen Geschlechts-

verkehr mit ihr gehabt und er könne sich auch nicht erinnert, die Privatklägerin auf-

gefordert zu haben, sich auszuziehen. Den Golfschläger habe er ihr bloss bei der 

Vagina hingehalten, während sie Sex mit P._____ gehabt habe, jedoch nicht ein-

geführt. Er habe an jenem Abend weder ein "Nein" noch ein Kopfschütteln der Pri-

vatklägerin  bemerkt  und  ihr  auch  nichts  befohlen.  Sie  hätten  einfach  alle  Spass 

gehabt (Prot. I S. 147 ff.). Auch N._____ und P._____ bestätigten in ihren frühen 

Einvernahmen den grundsätzlichen Ablauf, wie er von der Privatklägerin geschil-

dert  worden  war  (insbesondere,  dass  es  gleichzeitig  zu  dritt  zu  Oralverkehr  und 

vaginalem Geschlechtsverkehr gekommen sei, wobei die Männer auch die Positi-

onen getauscht hätten), wobei insbesondere N._____ die Darstellung der Privat-

klägerin (zu Beginn der Untersuchung) auch dort stützte, wo es ihn selbst und den 

Beschuldigten massiv belastete. 

Mithin  erweist  sich  erneut,  dass  die  Aussagen  der  Privatklägerin  grundsätzlich 

erlebnisbasiert und damit authentisch sind. Anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-

verhandlung reichte der Beschuldigte überdies die von ihm damals erstellte Video-

aufnahme  ein  (vgl.  zur  inhaltlichen  Beschreibung  Urk. 354  S. 186  und  S. 189), 

welche diesen Schluss ebenfalls bestätigt, zeigt sie doch in einer Momentaufnahme 

genau derartige sexuelle Handlungen, wie von der Privatklägerin schon zu Beginn 

geschildert  worden  waren.  Mit  der  Vorinstanz  ist  festzuhalten,  dass  die  Privat-

klägerin im Rahmen mehrfacher Befragungen stimmig und gleichbleibend ausge-

sagt und dabei auch ihre innere Befindlichkeit während und nach dem Vorfall nach-

vollziehbar thematisiert hat. Sie zeigte keinerlei Aggravationstendenzen, sondern 

schilderte den Vorfall gleichbleibend, solange und soweit es die Erinnerung zuliess. 

- 74 -

Der Beschuldigte, der auch hier erst anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung 

Aussagen zu Sache machte und auch erst in diesem Zeitpunkt das besagte Video 

einreichte,  vermag  demgegenüber  mit  seiner  Schilderung,  dort  wo  sie  von  der 

Darstellung der Privatklägerin abweicht, nicht zu überzeugen. So hat er spezifisch 

dann, wenn es selbstbelastend würde, keine Erinnerung, was als prozesstaktisch 

motiviert anzusehen ist. Seine Schilderung, dass es mitten in der Nacht, nachdem 

die Privatklägerin mehrere Stunden frierend und allein im Schrebergartenhaus auf 

ihn  gewartet  hatte,  kurz  nach  Ankunft  der  drei  jungen  Männer  zu  Geschlechts-

verkehr zwischen N._____, P._____ und der Privatklägerin, nicht aber mit ihm (was 

sie  grundsätzlich  immer  und  ausschliesslich  wollte),  gekommen  sein  soll,  ohne 

dass er dies veranlasst hätte, ist vor dem Hintergrund der vorgängigen Ereignisse 

(O._____-strasse, JWG W._____, Hotel AC._____, erster Gartenhausvorfall sowie 

Anklagesachverhalt  19 

[vgl.  hierzu  die  nachfolgenden  Ausführungen])  als 

realitätsfremd zu verwerfen. Zwar ist nicht zu leugnen, dass die Privatklägerin im 

eingereichten Video äusserlich kooperiert und sich über eine gefallene Bemerkung 

ebenfalls amüsiert zeigt. Jedoch ist aus dem Video – mit der Vorinstanz (Urk. 354 

S. 190) – primär abzulesen, dass der Beschuldigte damals im sozialen Gefüge eine 

bestimmende  Rolle  innehatte,  während  die  Privatklägerin  lediglich  als  (Sexual-

)Objekt behandelt wurde. So scheute er sich nicht, Nahaufnahmen der sexuellen 

Handlungen und despektierliche Bemerkungen über die Akteure zu machen sowie 

Anweisungen  zu  geben  (bspw.  N._____  solle  dasselbe  Kondom  wie  P._____ 

benützen, er erhalte kein Neues, zumal er – der Beschuldigte – die Privatklägerin 

gleich selber ficken werde). Gemäss P._____ sei es ihm schon auf dem Weg zum 

Gartenhaus klar gewesen, dass es Sex mit der Privatklägerin geben werde. Auch 

dies  passt  ins  bisher  erstellte  Muster,  dass  solches  jeweils  einzig  mit  dem 

Beschuldigten, nicht aber mit der Privatklägerin vereinbart wurde. Vielmehr wurde 

auch  hier  über  ihren  Kopf  hinweg  über  sie  bzw.  ihren  Körper  bestimmt.  Wenn 

N._____ in diesem Zusammenhang ausführt, er sei, nachdem sie seine Frage, ob 

ihr  der  Oralverkehr  an  ihm  gefalle,  zumindest  für  ihn,  wenn  auch  nicht  für  die 

übrigen  Anwesenden  (vgl.  hierzu  die  Vorinstanz,  Urk. 354  S. 191)  ersichtlich 

verneint  hatte,  davon  ausgegangen,  dass  dies  nur  den  Oralverkehr  betreffe, 

weshalb er sie nachher gleichwohl noch vaginal penetriert und gedacht habe, sie 

- 75 -

wolle dies auch, ist dies als klare Schutzbehauptung zu würdigen. Die Schilderung 

der  Privatklägerin,  dass  er,  nachdem  ihm  der  Beschuldigte  gesagt  habe,  es  sei 

doch  egal,  ob  sie  wolle  oder  nicht,  zurückgekommen  sei  und  sie  von  hinten 

penetriert, sie vorab aber nicht gefragt habe, ob sie das auch möchte, überzeugt 

demgegenüber. Nicht nur passt sie in die bei den Akten liegende Videosequenz, in 

welcher N._____ vom Beschuldigten ein Kondom verlangt, um sie nun zu ficken, 

worauf dieser eben entgegnet, er solle dasjenige von P._____ (wieder-)verwenden 

(wie  es  dann  gemäss  übereinstimmenden  Angaben  auch  gemacht  wurde).  Der 

generell abwertende Umgang aller mit der Privatklägerin zeigt sich auch darin, dass 

der Beschuldigte zum Schluss versuchte, die Privatklägerin mit einem Golfschläger 

zu penetrieren – was ihm allerdings nur unvollständig gelang (vgl. hierzu die Vor-

instanz, Urk. 354 S. 191) – und er dies vor Vorinstanz als Witz darzustellen ver-

suchte. Damit ist auch hier der äussere Sachverhalt – vorbehältlich der nicht für alle 

hörbaren  Ablehnung  gegenüber  N._____  –  entgegen  den  Ausführungen  der 

Verteidigung (Urk. 457 S. 40 ff.) erstellt (vgl. ergänzend auch die sorgfältige und 

zutreffende Würdigung im angefochtenen Urteil, Urk. 354 S. 186 ff.; Art. 82 Abs. 4 

StPO).

3.9.16. Anklagesachverhalt 16 entfällt (vgl. Urk. 26 S. 38).

3.9.17. Die Vorwürfe gemäss Anklagesachverhalt 17 wurden durch die Vorinstanz 

zufolge Verjährung rechtskräftig eingestellt, womit sich eine Sachverhaltserstellung 

erübrigt.

3.9.18. a) Gemäss Anklagesachverhalt 18.1 soll der Beschuldigten sich am späten 

Abend des 9. April 2019 gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten AM._____ und der 

Privatklägerin  getroffen  haben.  Sie  hätten  sich  zusammen  zum  Gartenhäuschen 

von  B._____  auf  dem  AJ._____-areal  AK._____  begeben,  wo  zunächst  der  Be-

schuldigte (während AM._____ vor dem Häuschen wartete) und hernach der Mit-

beschuldigte AM._____ mit der Privatklägerin den Geschlechtsverkehr vollzogen 

hätten. Der Geschlechtsverkehr zwischen der Privatklägerin und dem Mitbeschul-

digten sei auf vorgängige Abmachung zwischen dem Beschuldigten und AM._____ 

und gegen den Willen der Privatklägerin erfolgt, wobei diese von der Abmachung 

zwischen dem Beschuldigten und dem Mitbeschuldigten vorgängig nichts gewusst 

- 76 -

habe. Vom Geschlechtsverkehr zwischen AM._____ und der Privatklägerin habe 

der  Beschuldigte  mit  seinem  Mobiltelefon  ein  Video  erstellt  (Urk. 354  S. 191 f.  in 

Verbindung mit Urk. 26 S. 40). 

Wegen des (teilweisen) Rückzugs der Anschlussberufung der Oberjugendanwalt-

schaft  ist  der  Freispruch  betreffend  den  von  der  Jugendanwaltschaft  hierzu  er-

hobenen  Vorwurf  der  gemeinschaftlichen  Vergewaltigung  im  Sinne  von  Art. 190 

Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB rechtskräftig. Sodann hat bereits 

die Vorinstanz das Verfahren betreffend den Vorwurf der Verletzung des Geheim- 

und  Privatbereichs  durch  Aufnahmegeräte  eingestellt,  da  im  Zeitpunkt  der  erst-

instanzlichen Verhandlung die Verjährung bereits eingetreten war (Urk. 354 S. 11 f. 

und  Dispositivziffer 1).  Die  Privatklägerin  hatte  keine  Erinnerungen  an  dieses 

Ereignis und erhob entsprechend keine Vorwürfe (Prot. I S. 410 f.). Jedoch ist auf-

grund  der  Aussagen  des  Beschuldigten  (Prot. I  S. 358 f.)  und  insbesondere  von 

AM._____ (Urk. 19/4/3 S. 5, Urk. 17/1 S. 3 ff, Urk. 19/4/6 S. 3 ff., Prot. I S. 338 ff.), 

dessen Aussagen entgegen der Verteidigung (Urk. 457 Rz. 142) aufgrund der Kon-

frontationseinvernahme vom 9. März 2021 mit Ergänzungsfragen des Beschuldig-

ten (Urk. 17/1) ohne weiteres verwertbar sind, sowie der vorliegenden Chat-Proto-

kolle  (Urk. 5/1/3  S. 8-17,  Urk. 5/3/4  S. 111)  erstellt,  dass  beide  an  jenem  Abend, 

nacheinander – wobei sie nicht gleichzeitig im Gartenhäuschen anwesend waren, 

sondern sich jeweils einer der Männer draussen vor dem Häuschen befand – mit 

der Privatklägerin Geschlechtsverkehr hatten. Die Vorinstanz führte dazu aus, über 

die Gründe dafür, dass sich die Privatklägerin hieran nicht erinnere, könne nur spe-

kuliert  werden.  Denkbar  sei,  dass  am  9. April  2019  keine  sexuellen  Handlungen 

gegen ihren Willen erfolgt seien, möglich sei hingegen auch, dass sie einzelne Vor-

fälle und Ereignisse im Zuge einer Traumatisierung verdrängt oder Erinnerungen 

daran gelöscht habe. Aus den Chatnachrichten sei jedoch zu schliessen, dass die 

Privatklägerin damals den Beschuldigten habe sehen wollen und dafür zumindest 

in die Anwesenheit von AM._____, mutmasslich aber auch in sexuelle Handlungen 

mit  diesem,  eingewilligt  habe.  Von  diesem  Szenario  (einvernehmliche  sexuelle 

Handlungen sowohl mit dem Beschuldigten als auch mit AM._____) ist in Anwen-

dung von Art. 10 Abs. 3 StPO vorliegend denn auch auszugehen. Der Beschuldigte 

erstellte überdies vom Geschlechtsverkehr zwischen AM._____ und der Privatklä-

- 77 -

gerin ein Video, wie sich aus den Aussagen von AM._____ und des Beschuldigten, 

aber auch den Chatnachrichten zweifellos ergibt (vgl. zum Ganzen auch die Aus-

führungen der Vorinstanz in Urk. 354 S. 230 ff., auf welche ergänzend verwiesen 

wird; Art. 82 Abs. 4 StPO).

b)  Unter  Anklagesachverhalt 18.2  wird  dem  Beschuldigten  sodann  vorgeworfen, 

sich  am  10. April  2019,  mithin  einen  Tag  nach  obenstehenden  Ereignissen,  mit 

AN._____ und der Privatklägerin getroffen zu haben, wobei sie gemeinsam zu ei-

nem  Parkplatz  in  der  Nähe  der  AJ._____-anlage  AK._____  gefahren  seien,  wo 

AN._____ die beiden abgesetzt habe. Mit einem separaten Fahrzeug seien die Mit-

beschuldigten  AO._____  und  AL._____  dazu  gestossen.  Der  Beschuldigte  habe 

sich in der Folge mit der Privatklägerin und den beiden Mitbeschuldigten AO._____ 

und AL._____ erneut zum Gartenhäuschen von B._____ begeben, wo der weitere 

Mitbeschuldigte AM._____ aufgrund einer vorgängigen Abmachung zwischen dem 

Beschuldigten und ihm bereits auf sie gewartet habe. Die Privatklägerin habe be-

reits auf dem Weg zum Gartenhäuschen geahnt, was auf sie zukommen würde, 

habe aus Angst geschlagen zu werden aber nicht gewagt, sich dem Ansinnen des 

Beschuldigten zu widersetzen als dieser ihr gesagt habe, sie solle "es" für ihn ma-

chen und "es" geniessen, was allen Beteiligten bewusst gewesen sei. Im Garten-

häuschen sei es hernach auf Verlangen des Beschuldigten zunächst zu sexuellen 

Handlungen zwischen der Privatklägerin  und AO._____ gekommen. Diese seien 

gegen den Willen der Privatklägerin erfolgt. Die Privatklägerin habe AO._____ zu-

nächst oral und ohne Kondom befriedigen müssen, bevor er sie schliesslich von 

hinten vaginal und mit Kondom penetriert habe. Davon habe der Beschuldigte mit 

seinem Mobiltelefon ein Video erstellt. In der Folge sei AL._____ hinzugetreten und 

habe sich von der Privatklägerin ebenfalls oral befriedigen lassen, währenddessen 

AO._____ an der Privatklägerin weiterhin von hinten den vaginalen Geschlechts-

verkehr  vollzogen  habe.  AO._____  habe  sich  schliesslich  zurückgezogen,  damit 

AL._____ ebenfalls an der Privatklägerin habe den Geschlechtsverkehr vollziehen 

können. Dies habe jener von vorne mit Kondom und bis zum Samenerguss getan, 

nachdem er zunächst versucht habe, von hinten vaginal in die Privatklägerin ein-

zudringen,  was  ihm  jedoch  nicht  gelungen  sei.  Erneut  sei  schliesslich  AO._____ 

dazugekommen und habe die Privatklägerin wiederum und ebenfalls von vorne und 

- 78 -

mit Kondom bis zum Samenerguss penetriert. Das Ejakulat habe er anschliessend 

auf den Bauch und die Brüste sowie in den Mund der Privatklägerin fliessen lassen. 

Hernach  seien  sämtliche  Beteiligten  im  Gartenhäuschen  versammelt  gewesen. 

AO._____ habe in die Runde gesagt, er wisse, dass die Privatklägerin "es" nur für 

den Beschuldigten gemacht habe, worauf die Privatklägerin zu weinen begonnen 

und der Beschuldigte wütend und aggressiv reagiert, sie am Nacken gepackt und 

an den Haaren gerissen habe. AM._____ habe sich daraufhin zwischen den Be-

schuldigten  und  die  Privatklägerin  gesetzt,  um  weitere  Gewaltanwendung  zum 

Nachteil  der  Privatklägerin  zu  verhindern.  Der  Beschuldigte,  AO._____  und 

AL._____  hätten  sich  daraufhin  aus  dem  Gartenhäuschen  begeben,  damit  auch 

AM._____ mit der Privatklägerin habe den Geschlechtsverkehr vollziehen können, 

was jedoch nicht geschehen sei. Unter dem Vorwand Zigaretten kaufen zu wollen, 

hätten der Beschuldigte, AO._____ und AL._____ daraufhin die Örtlichkeit verlas-

sen. Nachdem die Privatklägerin zunächst mit diesen hätte mitgehen sollen, habe 

der Beschuldigte sie aufgefordert bei AM._____, welcher nicht alleine im Garten-

häuschen habe verbleiben wollen, zu bleiben und zu tun, was jener sage, da dieser 

betrunken  sei  und  man  nie  wisse,  wie  Betrunkene  reagieren.  Zurück  im  Garten-

häuschen habe AM._____ bei der Privatklägerin eindringlich um Sex gebettelt, wor-

auf diese ihn aus Angst vor seinen Reaktionen und den drohenden Konsequenzen 

von Seiten des Beschuldigten habe den Geschlechtsverkehr mit Kondom von hin-

ten vaginal bis zum Samenerguss vollziehen lassen. Danach sei AM._____ auf der 

Pritsche im Gartenhäuschen eingeschlafen und die Privatklägerin habe vergebens 

auf die Rückkehr des Beschuldigten gewartet, bis sie in den frühen Morgenstunden 

mit den öffentlichen Verkehrsmitteln habe nach Hause gehen können. Der Beschul-

digte habe gewusst, dass die Privatklägerin die sexuellen Handlungen mit den Mit-

beschuldigten nur seinetwegen habe über sich ergehen lassen. Ihm sei sein be-

stimmender Einfluss auf die Privatklägerin jederzeit bewusst gewesen und er habe 

diese Machtposition auch bewusst ausgenutzt. Er sei sich ausserdem während der 

gesamten Zeit bewusst gewesen, dass die Mitbeschuldigten seine Machtposition 

gegenüber der Privatklägerin ausgenutzt und zur Befriedigung ihrer eigenen sexu-

ellen Bedürfnisse missbraucht hätten und dass es der bekanntermassen erst 13 ½-

jährigen Privatklägerin in diesem Zusammenhang nicht möglich gewesen sei, sich 

- 79 -

den  Vorhaben  zu  widersetzen  (Urk. 354  S. 192 ff.  in  Verbindung  mit  Urk. 26 

S. 39 ff.). 

Die  Vorinstanz  hat  die  vorliegenden  Beweismittel  umfassend  wiedergegeben 

(Urk. 354 S. 194 ff.). Hierauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Hinsichtlich der Aussagen der Privatklägerin ist auch hier – wie bereits im Rahmen 

der  Beweiswürdigung  zu  Anklagesachverhalt  15  –  eine  anfängliche  Unsicherheit 

bzw. Vermischung der verschiedenen Vorfälle im Gartenhaus zu erwähnen. Trotz-

dem zeigt sich in der Gesamtschau ein weiteres Mal, dass die Privatklägerin keine 

haltlosen, jeglicher Grundlage entbehrenden Lügen erzählt hat. Denn nachdem zu-

nächst alle von der Privatklägerin als anwesend bezeichneten Personen jegliche 

Vorwürfe von sich gewiesen hatten, gestanden im Verlaufe der Strafuntersuchung 

ebenfalls alle ein, dass es am 10. April 2019 im Gartenhäuschen von B._____ zu 

sexuellen  Handlungen  bzw.  Geschlechtsverkehr  gekommen  ist.  Einzig  der  kon-

krete Ablauf blieb teilweise bestritten und ist somit insoweit zu erstellen, als dies 

zur rechtlichen Würdigung der Handlungen des Beschuldigten notwendig ist. Mithin 

ist zu prüfen, ob die Aussagen des Beschuldigten, von AO._____ und AM._____ 

und von AL._____ sowie die weiteren Beweismittel die wiederum inhaltlich höchst 

glaubhafte  Darstellung  der  Privatklägerin  (vgl.  hierzu  die  Vorinstanz  in  Urk. 354 

S. 233 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO) zu entkräften vermögen. 

Der Beschuldigte, welcher erst vor Vorinstanz zu diesem Vorwurf mündlich Stellung 

nahm, deponierte eine von der Schilderung der Privatklägerin stark abweichende 

Schilderung, die nicht zu überzeugen vermag. Atypisch und mit seinem früheren 

Verhalten nicht in Übereinstimmung zu bringen ist insbesondere seine Aussage, er 

habe  ihr  auf  dem  Hinweg  gesagt,  sie  könne  sagen,  wenn  sie  etwas  nicht  wolle. 

Diese Aussage ist auch vor dem Hintergrund, dass er sich betreffend vergangene 

Vorfälle nie in der Verantwortung sah, sondern konstant erklärte, die Privatklägerin 

habe alle sexuellen Kontakte immer aus eigenem Antrieb gesucht und initiiert, un-

verständlich. Sodann ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass die Wieder-

gabe  sehr  selektiv  ausgefallen  ist,  indem  er  wenige  Details  sehr  genau  erinnern 

will,  während  andere  –  potentiell  belastende  –  nicht  mehr  im  Gedächtnis  waren. 

Insgesamt vermag die Darstellung des Beschuldigten nicht derart zu überzeugen, 

- 80 -

dass damit der Anklagevorwurf bereits widerlegt wäre. Dies heisst für die Sachver-

haltserstellung allerdings noch nichts, schliesslich ist es nicht Sache des Beschul-

digten, den Anklagevorwurf zu widerlegen, sondern Aufgabe der Anklagebehörde, 

ihre Sicht rechtsgenügend zu beweisen.

Dass die Privatklägerin zusammen mit dem Beschuldigten durch AN._____ zu den 

Schrebergärten gefahren wurde und dort auf einem Parkplatz auf AO._____ und 

AL._____ traf, wurde mehrfach bestätigt und kann somit als erstellt angesehen wer-

den. Ebenso, dass AM._____ sich – entgegen seinen Angaben – bereits vor Ort 

befand, als die erwähnten Personen beim Gartenhaus von B._____ eintrafen (vgl. 

auch  die  dies  beweisenden  Chatnachrichten,  Urk. 5/1/3  S. 23 ff.).  Aufgrund  des 

vorgehenden  Chatverkehrs  zwischen  der  Privatklägerin,  dem  Beschuldigten  und 

AM._____  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Privatklägerin  wusste,  dass  Letzterer 

auch an diesem Abend – wie am Vortag – mit dabei sein würde und dass sie grund-

sätzlich  damit  einverstanden  war,  hatte  sie  den  Beschuldigten  doch  initial  ange-

fragt,  ob  sie  am  Abend  wieder  kommen  solle,  worauf  dieser  dies  von  AM._____ 

abhängig machte und die Privatklägerin deswegen dann offenbar direkten Kontakt 

mit  AM._____  hatte  (Urk. 5/3/4  S. 111 f.).  Überraschend  waren  dann  allerdings 

auch noch AO._____ und AL._____ ebenfalls beim Parkplatz und danach im Gar-

tenhaus dabei, welche der Privatklägerin bis dahin völlig unbekannt waren. 

Sodann  machte  die  Privatklägerin  konstant  geltend,  der  Beschuldigte  habe  ihr 

schon auf dem Fussweg vom Parkplatz zum Gartenhaus gesagt, sie solle "es" für 

ihn machen und es geniessen. Mit dem Türken (AL._____) solle/müsse sie es nicht 

machen. Da habe sie gewusst, was sie erwarte. Dass sie richtig vermutete, zeigt 

sich auch daran, dass AO._____ geltend machte, der Beschuldigte habe vorgängig 

am Telefon mit ihm schon von "ficken" geredet, es sei klar gewesen, dass es Sex 

geben werde. Er habe vom Beschuldigten gewusst, dass die Privatklägerin mit je-

dem  ficke,  sie  sei  dafür  bekannt  gewesen  in  S._____.  Es  könne  sein,  dass  er 

(AO._____)  auch  AL._____  gesagt  habe,  dass  es  "etwas  zum  ficken"  gebe 

(Urk. 19/5/5 S. 5). Damit korrespondierend ist auch die im Vorfeld von AO._____ 

an  den  Beschuldigten  geschickte  Frage  zu  lesen,  ob  es  "etwas  zu  ficken"  gebe 

(Urk. 5/2/3 S. 1, Nachricht von 21.03 [UTC+0] = 23.03 Uhr [MESZ]). Umgangston 

- 81 -

und Verhalten decken sich in ihrem abschätzigen Ton und fehlendem Respekt für 

das weibliche Gegenüber. 

Im weiteren Ablauf schilderte die Privatklägerin dann keinen ausdrücklichen Befehl 

oder  Gewaltanwendung  etc.  des  Beschuldigten,  aber  auch  keine  wahrnehmbare 

Ablehnung ihrerseits. Auch der Beschuldigte und die übrigen Anwesenden schil-

derten keine objektiv erkennbaren Nötigungshandlungen im Gartenhaus oder eine 

verbale Verneinung sexueller Handlungen durch die Privatklägerin, was angesichts 

der Vorgeschichte (insbesondere der Ereignisse in der JWG W._____ wenige Wo-

chen zuvor) auch nicht überrascht. In der Folge kam es zugestandenermassen zu-

nächst  zu  Oral-  und  Geschlechtsverkehr  mit  AO._____,  wobei  der  Beschuldigte 

hiervon (wie bereits am Vortag vom Geschlechtsverkehr zwischen AM._____ und 

der  Privatklägerin)  heimlich  eine  Videoaufnahme  machte.  Ein  Screenshot  dieser 

Aufnahme liegt bei den Akten (vgl. Urk. 5/2/6). Hernach hatte auch AL._____ (der 

Türke)  mit  der  Privatklägerin  oralen  und  vaginalen  Geschlechtsverkehr.  Gemäss 

der Privatklägerin kam es kurzzeitig sogar zu gleichzeitigen sexuellen Handlungen 

zwischen ihr, AO._____ und AL._____, was die beiden Letztgenannten jedoch be-

streiten. Diese hatten zunächst allerdings jegliche sexuelle Handlungen bestritten, 

wobei insbesondere AO._____ auch nicht davor zurückschreckte, die Privatkläge-

rin wiederholt massiv zu verunglimpfen und zu beschimpfen. Erst im Rahmen der 

Konfrontationseinvernahme vom 9. März 2021 und angesichts des bisherigen Un-

tersuchungsergebnisses (insbesondere des Geständnisses von AM._____ und des 

erwähnten Screenshots) konnte sich AO._____ zu einem Teilgeständnis durchrin-

gen.  Den  Namen  des  bisher  unbekannten  Täters  (AL._____)  offenbarte  er  dann 

aber noch nicht. Vielmehr erklärte er klar wahrheitswidrig, der Dritte habe gar nichts 

gemacht. Es sei ein Uber-Fahrer gewesen, der ihn nur dorthin gefahren und draus-

sen gewartet habe, in "200 bis 300 Metern Entfernung. Ich sage ihnen die Wahrheit. 

Ich habe keine Lust mehr auf die ganze Sache, deswegen sage ich hier die Wahr-

heit" (Urk. 17/1 S. 30). Erst in einer späteren Befragung nannte er dann den Namen 

des Mitbeschuldigten, "damit es schneller vorbei geht und es für uns besser aus-

sieht  und  sie  weniger  Arbeit  haben"  (Urk. 19/5/5  S. 2).  Dazu,  wieso  er  so  lange 

gelogen  habe,  führte  er  aus,  es  habe  halt  keine  Beweise  gegeben  und  er  habe 

gehofft, dass er als Unschuldiger rauskommen könne (Urk. 19/5/6 S. 9). Vor die-

- 82 -

sem Hintergrund genügt es nicht als Beweis, wenn er – nach anfänglichem Leug-

nen – zwar eingesteht, dass die Darstellung der Privatklägerin von sexuellen Hand-

lungen halt eben doch stimmt, dass sie aber hinsichtlich des Umstands der Gleich-

zeitigkeit, also dass ein sogenannter "Dreier" praktiziert wurde, gelogen haben soll. 

Dies spricht vielmehr dafür, dass AO._____ (und auch AL._____, der zunächst die 

Aussagen verweigerte und hernach einzig einvernehmlichen Geschlechtsverkehr 

anerkannte)  nach  wie  vor  bestrebt  waren,  den  Schaden  zu  minimieren  und  ihre 

eigenen  Handlungen  möglichst  zu  bagatellisieren.  In  die  gleiche  Richtung  zielt 

seine Behauptung, die Privatklägerin vorab (mehrfach) gefragt zu haben, ob sie mit 

ihm Sex haben möchte. Dies wollen nur die Erwachsenen, die damals mit der ihnen 

vorab  völlig  unbekannten,  erst  13 Jahre  alten  Privatklägerin  nacheinander  Ge-

schlechtsverkehr  haben,  gesagt  bzw.  gehört  haben.  Selbst  der  Beschuldigte  er-

wähnte solches in seinen Aussagen nicht. Mithin ist diesbezüglich auf die überzeu-

gende  Darstellung  der  Privatklägerin  abzustellen,  dass  niemand  sie  nach  ihrem 

Willen gefragt hat. Auch dass, nachdem AL._____ fertig gewesen sei, AO._____ 

nochmals ins Gartenhause gekommen ist für erneuten Geschlechtsverkehr, ist da-

mit erstellt. Irgendwann in diesem Verlauf schaute auch der Beschuldigte kurz ins 

Gartenhaus,  wobei  er  die  Anwesenden  zum  "Weitermachen"  aufforderte  (Prot.  I 

S. 415 und S. 496 f.). Weder AO._____ noch AL._____ klärten explizit mit der Pri-

vatklägerin, ob sie mit ihnen Geschlechtsverkehr haben bzw. sexuelle Handlungen 

vornehmen möchte. Vielmehr wurden die Handlungen einfach vorgenommen. 

Hernach passierte zunächst nichts weiter, als dass man gemeinsam im Gartenhaus 

zusammensass.  Gemäss  den  glaubhaften  Angaben  der  Privatklägerin  äusserte 

sich AO._____ dabei derart, dass er wisse, dass sie "es" nur für den Beschuldigten 

getan habe. Als sie darauf mit Tränen reagierte, wurde der Beschuldigte wütend 

und ging sie tätlich an, wogegen durch AO._____ und AM._____ interveniert wurde. 

Dass sich die Auseinandersetzung an einer Sprachnachricht der Mutter der Privat-

klägerin entzündete, wie vom Beschuldigten geltend gemacht, ist aufgrund der Aus-

sagen von AM._____ auszuschliessen, der diese auf den Vortag verortete, zumal 

weder AO._____ noch AL._____ derartiges erwähnten.

- 83 -

Später verliessen der Beschuldigte und AO._____ (nach heimlicher Absprache per 

WhatsApp-Chat, vgl. Urk. 5/2/3 S. 2 Nachricht von 23.08 Uhr [UTC+0] = 01.08 Uhr 

[MESZ]) zusammen mit AL._____ das Gartenhaus. Die Privatklägerin, die zunächst 

hätte mitfahren sollen, blieb auf Bitte von AM._____, der nicht allein zurückbleiben 

wollte, vor Ort. Offenbar gingen sie und AM._____ zunächst davon aus, dass die 

anderen  lediglich  Zigaretten  kaufen  und  danach  wieder  zurückkommen  würden. 

Das war aber nicht der Fall. Bis am Morgen kam keiner zurück.

Allein gelassen mit AM._____ im Gartenhaus kam es auch zwischen ihm und der 

Privatklägerin  zu  Geschlechtsverkehr.  Dabei 

ist  davon  auszugehen,  dass 

AM._____ in jener Phase merkbar angetrunken war, machte er doch verschiedene 

diesbezügliche Andeutungen (er habe vorab in einer Bar schon getrunken, er habe 

vor Ort Bier getrunken, er sei "nicht in der Lage gewesen, etwas zu machen", es 

sei ihm nicht gut gegangen, er sei angetrunken gewesen etc.), zumal die Privatklä-

gerin ihrerseits mehrfach betonte, wie stark betrunken er gewesen sei und dass er 

nach Alkohol gestunken habe und sie deshalb Angst gehabt habe, da man halt nie 

wisse, was ein Besoffener mache. Zur Glaubhaftigkeit der Aussagen von AM._____ 

ist anzumerken, dass er verhältnismässig früh im Verfahren, nämlich schon im Rah-

men seiner zweiten Einvernahme hinsichtlich der Frage, ob er mit der Privatklägerin 

Geschlechtsverkehr  gehabt  hat,  ein  Geständnis  ablegte  und  eine  eigenständige 

Schilderung, auch des von der Privatklägerin gar nie thematisierten Vorabends, de-

ponierte.  Mithin  machte  er  –  anders  als  die  anderen  (Mit-)Beschuldigten  –  nicht 

stückchenweise Zugeständnisse, basierend auf dem jeweiligen Verfahrensstand, 

was  für  ihn  spricht,  auch  wenn  er  dabei  auch  sichtlich  bemüht  war,  im  Rahmen 

seiner Zugaben keine Drittpersonen zu belasten. Allerdings ist der Vorinstanz bei-

zupflichten, wenn sie zum Schluss kommt, er bleibe zuweilen in seiner Darstellung 

anpasserisch, oberflächlich und detailarm (Urk. 354 S. 237). Allerdings kann eine 

gewisse Erinnerungsschwäche bei ihm zwanglos durch die erstellte Alkoholintoxi-

kation erklärt werden, zumal die erste materielle Aussage knapp zwei Jahre nach 

dem Ereignis datiert. 

Dass  der  Beschuldigte  oder  AM._____  sie  in  dieser  späten  Phase  zum  Sex  ge-

zwungen hätten, machte die Privatklägerin nie explizit geltend. Vielmehr nannte sie 

- 84 -

als Grund, warum sie schliesslich dem Bitten von AM._____ nachgegeben und den 

Geschlechtsverkehr  mit  ihm  vollzogen  habe,  verschiedene  Argumente:  Sie  habe 

gedacht,  der  Beschuldigte  komme  wieder  zurück  (Urk. 12/3/5  S. 21);  AM._____ 

habe  sie  angebettelt  (Urk. 12/8/6  S. 7,  Prot. I  S. 421);  sie  habe  zuerst  nein  und 

dann ja gesagt, sie habe "keine Ahnung wie es dazu gekommen ist" (Urk. 12/8/6 

S. 20); sie habe Schiss gehabt, weil er "mega besoffen" gewesen sei und "richtig 

gestunken" habe, "man weiss halt nie, was ein Besoffener macht" und darum habe 

sie es halt einfach gemacht (Urk. 12/3/5 S. 25, Urk. 12/8/6 S. 20, Prot. I S. 422). In 

all diesen Varianten spielt das Verhalten des Beschuldigten nach der Perzeption 

der Privatklägerin keine kausale Rolle dafür, dass sie schlussendlich auch noch mit 

AM._____ Geschlechtsverkehr hatte. Zwar sagte sie früh in der Untersuchung ein-

mal, er habe ihr, als sie wieder aus dem Fahrzeug von AL._____ ausstieg, gesagt, 

"lieber  machst  du  es,  weil  er  ist  besoffen,  wer  weiss,  was  er  dir  antut"  bzw.  "du 

muesch, wer weiss, was er suscht macht. Ich weiss, wie er isch, wenn er bsoffe 

isch" (Urk. 12/3/5 S. 21 und S. 47). Jedoch erwähnte sie dies später in den detail-

lierteren  Befragungen,  wie  gerade  dargestellt,  nicht  mehr,  sondern  nannte  eine 

Vielzahl  anderer  Gründe.  Vor  Vorinstanz  verneinte  sie  gar  explizit,  dass  der  Be-

schuldigte ihr hinsichtlich AM._____ irgendwelche Vorgaben gemacht oder Anwei-

sungen gegeben hätte, ausser dass sie bei ihm bleiben sollte, während die anderen 

Zigaretten holen würden (Prot. I S. 419). Mithin kann nicht erstellt werden, dass der 

Beschuldigte  die  Privatklägerin  deswegen  im  Gartenhaus  zurückgelassen  hätte, 

damit  nun  auch  AM._____  Sex  mit  ihr  haben  kann  bzw.  er  ihr  dies  sinngemäss 

sogar befohlen hätte. Dass sie nur aufgrund einer zumindest impliziten Erwartung 

des Beschuldigten mit AM._____ geschlafen hat, liesse sich auch vor dem Hinter-

grund,  dass  für  den  Vorabend  von  einvernehmlichem  Geschlechtsverkehr  zwi-

schen  den  beiden  auszugehen  ist  (vgl.  Ziff. 3.9.18  lit. a  vorstehend),  nur  schwer 

begründen.

Nach  dem  Geschlechtsverkehr  verbrachten  die  beiden  die  Stunden  bis  zum 

Morgengrauen  im  Gartenhaus,  wobei  die  Privatklägerin  das  Angebot  von 

AM._____,  mit  ihm  zusammen  auf  der  Pritsche  zu  schlafen,  ausgeschlagen  und 

sich auf dem Boden eingerichtet hatte. Vor dem Einschlafen hatte ihr AM._____ 

offenbar noch vertrauliche Details aus seinem Beziehungsleben anvertraut. Nach-

- 85 -

dem AM._____ eingeschlafen war, machte sich die Privatklägerin frühmorgens auf 

den Weg an den nächsten Bahnhof und fuhr mit dem Zug nach Hause, wobei sie 

wegen Schwarzfahrens gebüsst wurde (vgl. Urk. 25/84/11.059).

Mithin ist der äussere Sachverhalt grundsätzlich – vorbehältlich des Geschlechts-

verkehrs mit AM._____ bzw. der Motivation der Privatklägerin hierfür – entgegen 

den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 457 S. 38 ff.) erstellt. Inwiefern das grund-

sätzlich bestehende Abhängigkeits- bzw. Machtverhältnis zwischen dem Beschul-

digten und der Privatklägerin die sexuellen Kontakte mit den übrigen Männern be-

einflusste und ob die Mitbeschuldigten um dieses wussten, ist – soweit für die Be-

urteilung  der  Verantwortlichkeit  des  Beschuldigten  überhaupt  relevant  –  im  Rah-

men der rechtlichen Würdigung zu klären. 

3.9.19. Unter Anklagesachverhalt 19 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe 

am  17. April  2019,  mithin  zwischen  den  Vorfällen  18  und  15  im  Gartenhaus,  am 

Hauptbahnhof Zürich von der Privatklägerin erneut Geld für seine persönlichen Be-

dürfnisse verlangt. Da sie kein Geld dabei gehabt habe, habe er sich mit ihr auf die 

Toilette eines Restaurants begeben, wo er ihr mehrmals ins Gesicht geschlagen 

habe. Aus Angst bzw. in der Hoffnung, dass der Beschuldigte mit den Schlägen 

aufhören und sich wieder beruhigen würde, habe die Privatklägerin ihm angeboten, 

via Handy mit der Kreditkarte ihrer Mutter Einkäufe für ihn zu tätigen. Der Beschul-

digte habe von der Privatklägerin anschliessend wissen wollen, warum sie das nicht 

gleich gesagt habe, da er sie dann nicht hätte schlagen müssen. Der Beschuldigte 

habe in der Folge zunächst den Zahlungsvorgang mit der genannten Kreditkarte 

getestet, indem er mit dieser im nahegelegenen McDonalds einen Cheeseburger 

für Fr. 2.50 gekauft habe. Nach erfolgreicher Zahlung sei er mit der Privatklägerin 

in diverse Läden in der Stadt Zürich gegangen. Konkret habe er in einer Filiale der 

Modekette … ein blaues Hemd für Fr. 45.90 mit der fraglichen Kreditkarte gekauft, 

ohne dass die Karteninhaberin, AP._____, davon gewusst habe oder damit einver-

standen  gewesen  wäre.  Gleiches  habe  der  Beschuldigte  in  der  …-Filiale,  wo  er 

Schuhe und einen Anzug für insgesamt Fr. 559.40 erworben habe, und im … [Wa-

renhaus], wo er Sportschuhe für Fr. 269.95 gekauft habe, gemacht. Zudem habe 

der  Beschuldigte  damit  mehrere  Päckchen  Zigaretten  am  Kiosk  für  insgesamt 

- 86 -

Fr. 30.40 gekauft. Der Beschuldigte habe gewusst, dass er mit den genannten Ein-

käufen das Konto von AP._____ belaste, diese von den Einkäufen aber nichts ge-

wusst habe und damit auch nicht einverstanden gewesen sei. Er habe dies in der 

Absicht getan, sich unrechtmässig zu bereichern (Urk. 354 S. 253 f. in Verbindung 

mit Urk. 26 S. 44 f.).

Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen des Beschuldigten und der Privat-

klägerin  hierzu  zusammengefasst  wiedergegeben  (Urk. 354  S. 254 ff.)  und  auch 

auf die Kreditkartenabrechnung verwiesen, welche für den 17. April 2019 die ge-

nannten Käufe belegt (Urk. 11/1/3). 

Was den Umfang der Gewaltausübung (insb. Schläge ins Gesicht, dass dieses auf-

schwoll  und  auch  –  in  der  Anklageschrift  allerdings  nicht  erwähntes  –  derartiges 

Würgen, dass die Privatklägerin Todesangst hatte) angeht, ist auf die plastischen 

Schilderungen der Privatklägerin abzustellen (vgl. insb. Urk. 14/1/6 S. 7 ff.), welche 

von den pauschal gehaltenen Zugeständnissen des Beschuldigten nicht widerlegt 

werden. 

Die  Privatklägerin  hatte  damals  offenbar  das  Reserve-Mobiltelefon  der  Mutter 

(deren  eigentliches  Mobiltelefon  war  anlässlich  der  Ereignisse  gemäss  Anklage-

sachverhalt 10 von U._____ zerstört worden) mitgenommen, um erreichbar zu sein 

bzw.  den  Beschuldigten  erreichen  zu  können  (ihr  eigenes  Mobiltelefon  war  ihr 

bereits  aufgrund  früherer  Ereignisse  von  den  Eltern  entzogen  worden,  vgl.  auch 

Urk. 5/3/1 S. 16 und S. 21 sowie Urk. 14/2/5 S. 5). Auf diesem Gerät war die Kre-

ditkarte der Mutter hinterlegt, so dass sie nur den ihr bekannten Gerätecode, nicht 

jedoch den von der Mutter mittlerweile geänderten Kartencode kennen musste, um 

damit in den Läden Einkäufe tätigen zu können. Sie hatte diese Möglichkeit jedoch 

nicht zum Kauf ihres Zugbilletts benutzt, sondern war schwarzgefahren (Urk. 14/1/6 

S. 15  und  S. 21 ff.).  Dies  unterstützt  die  Version  des  Beschuldigten,  dass  er  die 

– grundsätzlich  unbestrittene  –  Gewaltanwendung  gegenüber  der  Privatklägerin 

nicht  ausübte,  um  von  ihr  in  der  konkreten  Situation  Geld  bzw.  die  Karte  zu  er-

pressen,  war  ihm  doch  gar  nicht  bekannt,  dass  sie  diese  dabei  hatte  und  für 

Einkäufe  benützen  konnte.  Dies  bestätigt  im  Übrigen  auch  die  Privatklägerin, 

welche den Beschuldigten mit der Aussage zitierte, wieso sie nicht früher gesagt 

- 87 -

habe,  dass  sie  die  Kreditkarte  auf  dem  Handy  habe,  dann  hätte  er  sie  nicht  ge-

schlagen (Urk. 14/1/6 S. 4 und S. 17). Auch auf konkrete Frage erklärte sie, er habe 

geschlagen, weil er das Geld nicht gehabt habe (ebenda S. 16). Sie sei dies bereits 

gewohnt gewesen, habe aber damals gewollt, dass es aufhört, zumal ihre Backe 

von den Schlägen dick geworden sei und geschmerzt habe. Deshalb habe sie ihm 

die  Kreditkarte  für  Einkäufe  angeboten  (Urk. 12/3/3  S. 40  und  Urk. 14/1/6  S. 4). 

Diese  Einkäufe  seien  dann  derart  abgelaufen,  dass  der  Beschuldigte,  wenn  er 

etwas Passendes gefunden hatte, bei ihr das Handy geholt habe, dessen Code sie 

ihm  entweder  gesagt  oder  er  bei  der  Verwendung  durch  sie  abgeschaut  habe. 

Sodann habe er die Einkäufe eigenhändig über das Mobiltelefon via die hinterlegte 

Kreditkarte bezahlt (Urk. 14/1/6 S. 29 ff.). 

Die nachfolgend getätigte Einkäufe sind – wie bereits erwähnt – belegt. Erst das 

Erreichen der Kreditkartenlimite (oder allenfalls eine Sperrung der Karte durch die 

auf  die  Einkäufe  aufmerksam  gewordene  Mutter  der  Privatklägerin)  konnte  den 

Kaufrausch  des  Beschuldigten  stoppen  (Urk. 12/3/3  S. 40  und  Urk. 14/1/6  S. 4). 

Zudem  wurden  die  für  den  Beschuldigten  getätigten  Einkäufe  offenbar  fast  zeit-

gleich  von  der  Mutter  und  dem  Bruder  der  Privatklägerin  (wohl  über  die  Kredit-

karten-App) bemerkt, welche die Privatklägerin daraufhin zu erreichen versuchten 

und sich sodann von AQ._____ auf den Weg nach Zürich machten, die Privatklä-

gerin dort aber nicht finden konnten. Erst als diese schon wieder auf dem Heimweg 

war, kam es in S._____ zum zufälligen Treffen, worauf die Mutter überdies bei der 

Polizei Anzeige erstattete, welche gemäss der Privatklägerin aber im Sand verlief, 

da sie bei der Polizei keine Aussagen machte, um so den Beschuldigten zu schüt-

zen (Urk. 14/1/6 S. 21 ff., Urk. 15/1/1 S. 11 und Urk. 15/1/2 S. 14). 

Von diesem von der Anklageschrift insbesondere hinsichtlich der Motivation für die 

Gewaltausübung  abweichenden  Sachverhalt  wird  mit  der  Verteidigung  (Urk. 445 

S. 5 f.) für die rechtliche Würdigung auszugehen sein. 

3.9.20. Gemäss  Anklagesachverhalt  20  habe  der  Beschuldigte  am  9.  Mai  2019 

von der  Privatklägerin  per  WhatsApp  sein  Geburtstagsgeschenk  und  zusätzlich 

Fr. 5'000.– gefordert. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin in diesem Zusam-

menhang aufgefordert, das Geld von ihrem Vater zu nehmen und ihm ein Foto des 

- 88 -

Geldes zu schicken, um Gewissheit zu haben, dass sie das Geld organisiert habe. 

Weiter habe der Beschuldigte der Privatklägerin gedroht, dass sie ansonsten ver-

loren habe und er sie nur sehen wolle, wenn sie das Geld mitbringe. Sodann habe 

er sich am tt.mm. 2019 und damit zwei Tage vor seinem 18. Geburtstag gemeinsam 

mit F._____ mit der Privatklägerin getroffen und von ihr das verlangte Geld einge-

fordert. Die Privatklägerin habe kein Geld auf sich getragen, weshalb keine Geld-

übergabe stattgefunden habe, was dem Beschuldigten nicht gefallen habe. Der Be-

schuldigte habe sich daraufhin gemeinsam mit F._____ und der Privatklägerin ins 

AR._____ [Solarium] an der AS._____-strasse … in S._____ begeben, wo er mit 

der Privatklägerin den vaginalen Geschlechtsverkehr von hinten vollzogen habe, 

währenddem  F._____  habe  zuschauen  dürfen,  obschon  die  Privatklägerin  damit 

nicht einverstanden gewesen sei. F._____, welcher dem Beschuldigten zuvor zu 

einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt Fr. 50.– übergeben und im Gegenzug 

vom Beschuldigten das Versprechen erhalten habe, dass er mit der Privatklägerin 

den Geschlechtsverkehr vollziehen könne, habe sich, nachdem der Beschuldigte 

zum Samenerguss gekommen sei, bereit gemacht und seine Hosen ausgezogen. 

Der  Beschuldigte  habe  der  Privatklägerin  in  der  Folge  befohlen,  sich  nun  von 

F._____ "ficken" zu lassen. Die Privatklägerin habe sich jedoch geweigert, weshalb 

der  Beschuldigte  zur  ihr  gesagt  habe,  dass  er  sie  nun  schlagen  müsse,  weil  sie 

seine Befehle verweigere. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin daraufhin mit 

der Faust in den Bauch geschlagen und gegen die Beine getreten, so dass diese 

zu Boden gegangen sei. Der Beschuldigte habe nunmehr den Kopf der Privatklä-

gerin zwischen seinen Beinen eingeklemmt und dieser mehrfach mit den Fäusten 

auf den Rücken geschlagen, sodass sie noch während zwei Wochen unter Rücken-

schmerzen  gelitten  habe.  F._____  habe  schliesslich  seine  Hose  unverrichteter 

Dinge wieder angezogen (Urk. 354 S. 358 f. in Verbindung mit Urk. 26 S. 47 f.). 

Der WhatsApp-Chat vom tt. und tt.mm.2019, welcher die hohe Geldforderung im 

Vorfeld des anstehenden 18. Geburtstages des Beschuldigten belegt, liegt bei den 

Akten (Urk. 5/3/4 S. 146-155). Was sodann das Treffen im Solarium am tt.mm.2019 

angeht, stimmen die Darstellungen der Privatklägerin, des Beschuldigten und von 

F._____ in weiten Zügen überein (vgl. deren zusammenfassende Wiedergabe im 

angefochtenen Urteil, Urk. 354 S. 259 ff.). Mithin ist das Treffen, dass die Privatklä-

- 89 -

gerin dabei kein Geld für den Beschuldigten dabei hatte, dass sie und der Beschul-

digte  im  Sonnenstudio  in  Anwesenheit  von  F._____  einvernehmlichen  Ge-

schlechtsverkehr  hatten,  dass  der  Beschuldigte  sie  hernach  aufforderte,  nun  mit 

F._____ Geschlechtsverkehr zu haben sowie ihre Weigerung, dies zu tun, erstellt. 

Ebenso,  dass  der  Beschuldigte  die  Privatklägerin  hernach  massiv  tätlich  anging 

(vgl. hierzu auch die Ausführungen der Vorinstanz in Urk. 354 S. 267 f., auf welche 

in  Anwendung  von  Art. 82  Abs. 4  StPO  ergänzend  verwiesen  wird).  Fraglich  er-

scheint damit nur noch, ob F._____ dem Beschuldigten im Vorfeld für die Möglich-

keit, mit der Privatklägerin Geschlechtsverkehr haben zu können, Fr. 50.– bezahlt 

hatte und ob die Schläge als Reaktion auf ihre Verweigerung des Geschlechtsver-

kehrs  mit  F._____  oder  als  Strafe  dafür,  dass  sie  dem  Beschuldigten  kein  Geld 

gebracht hat, zu verstehen sind. 

F._____,  der  sich  –  anders  als  die  übrigen  (Mit-)Beschuldigten  –  von  Beginn  an 

inhaltlich zu den Vorwürfen äusserte, stritt konsequent ab, dem Beschuldigten Geld 

für  Geschlechtsverkehr  mit  der  Privatklägerin  übergeben  zu  haben  (Urk. 19/2/1 

S. 2 f.  und  S. 9 f.,  Urk. 19/2/2  S. 2,  Urk. 19/2/3  S. 19,  Urk. 19/2/5  S. 2  und 5).  Er 

bestätigte  jedoch,  dass  der  Beschuldigte  gewollte  habe,  dass  er  [F._____]  auch 

Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin habe. Er [F._____] habe dem Beschul-

digten wohl leidgetan und jener habe ihm gesagt, er könne die Privatklägerin "auch 

ficken" (Urk. 19/2/1 S. 6). Es sei eine spontane Idee des Beschuldigten gewesen 

(Urk. 19/2/1  S. 10).  Er  denke,  der  Beschuldigte  habe  der  Privatklägerin  gesagt, 

F._____ habe ihm Geld gegeben, deshalb habe sie das angenommen. Er selbst 

denke, der Beschuldigte habe ihn umsonst Sex mit der Privatklägerin haben lassen 

wollen, weil er sein Kollege sei (Urk. 19/2/2 S. 3, Urk. 19/2/5 S. 4). Der Beschuldigte 

habe einfach gewollt, dass F._____ auch mal Sex mit ihr haben könne, so wie die 

meisten  Kollegen  auch  schon  Sex  mit  ihr  gehabt  hätten.  Er  habe  es  für  ihn  gut 

meinen wollen, dass er auch einmal könne, aus Freundschaft (Urk. 19/2/3 S. 4). Er 

denke, der Beschuldigte fände es lustig, wenn F._____ mit der Privatklägerin Sex 

hätte. Er sei nicht so erfahren gewesen und der Beschuldigte habe wohl gedacht, 

dass es dann ein Witz werden würde (Urk. 19/2/5 S. 6). 

Der Beschuldigte stritt ab, Geld von F._____ erhalten zu haben (Prot. I S. 288 f.). 

- 90 -

Die Privatklägerin hat die Geldübergabe nicht selbst gesehen (Urk. 14/4/6 S. 11). 

Anlässlich der Einvernahme vom 16. Oktober 2020 präzisierte sie hierzu, der Be-

schuldigte habe (erst) nach ihrer Weigerung, seine Aufforderung, nun mit F._____ 

Geschlechtsverkehr  zu  haben,  zu  befolgen,  gesagt,  sie  müsse,  jener  habe  ihm 

Fr. 50.–  gegeben  (Urk. 14/4/6  S. 7).  Weiter  erklärte  sie,  F._____  habe  wohl  ge-

dacht, sie würde "ja" sagen. Höchstwahrscheinlich habe er von den anderen erfah-

ren und so und habe dann gedacht, dass sie dann auch noch mit ihm [Sex] habe 

(ebenda S. 10). Sie habe die Geldübergabe nicht gesehen, es könne sein, dass sie 

vielleicht wegen dem die Strassenseite gewechselt hätten, um dies irgendwie zu 

planen. Sie wisse es nicht. Oder der Beschuldigte habe das nur einfach so gesagt. 

Weil er gedacht habe, dann mache sie es (ebenda S. 11). 

Letzteres kann bei vorliegender Sachlage nicht zweifelsfrei ausgeschlossen wer-

den,  wusste  der  Beschuldigte  doch  darum,  dass  die  Privatklägerin  stets  bemüht 

war, ihn vor Drittpersonen nicht schlecht dastehen zu lassen, weshalb eine derar-

tige Behauptung – wie die Privatklägerin selbst in Betracht gezogen hat – durchaus 

geeignet war, psychischen Druck aufzubauen und sie kooperieren zu lassen (vgl. 

die ähnliche Behauptung, sie müsse mit P._____ Geschlechtsverkehr haben, weil 

er  es  diesem  versprochen  habe  [Urk. 354  S. 127  betreffend  Anklagesachverhalt 

10]). Allerdings war hier (erstmals) ihre Angst vor sozialer Ächtung, wenn allgemein 

bekannt  werden  würde,  dass  sie  mit  F._____  Geschlechtsverkehr  hatte,  grösser 

als ihre Überwindungsfähigkeit und Opferbereitschaft. Kommt hinzu, dass es vor 

dem  Hintergrund  sämtlicher  übriger  –  bisher  erstellter  –  Vorwürfe  völlig  singulär 

erscheint, dass der Beschuldigte Geld genommen bzw. erhalten haben soll, nach-

dem dies weder vorher noch nachher – trotz chronischer Geldknappheit bzw. of-

fenkundiger Fixierung auf finanzielle Vorteile – je Thema war. Vielmehr überzeugt, 

dass es ihm auch hier primär darum gegangen ist, von seinem Kollegen Lob und 

Ansehen zu erfahren für die Vermittlung von Sex mit der Privatklägerin (so der pri-

vate  Therapeut  des  Beschuldigten  Dr. phil.  AT._____  im  zweiten  Therapie-

zwischenbericht,  Urk. 192/4  S. 4).  Mithin  ist  zugunsten  des  Beschuldigten  davon 

auszugehen, dass F._____ ihm vorab kein Geld dafür gegeben hat, dass der Be-

schuldigte  ihm  die  Möglichkeit  verschafft,  mit  der  Privatklägerin  Geschlechtsver-

kehr  zu  haben.  Mit  diesem  Schluss  in  Übereinstimmung  steht  im  Übrigen,  dass 

- 91 -

F._____ in dessen eigenem Strafverfahren schlussendlich nicht (mehr) vorgewor-

fen wurde, er habe dem Beschuldigten Geld dafür bezahlt, mit der Privatklägerin 

Geschlechtsverkehr haben zu können (vgl. den Schlussvorhalt, Urk. 19/2/6 S. 2 f.). 

Was hingegen die gegenüber der Privatklägerin im Anschluss ausgeübte Gewalt 

angeht, so ist davon auszugehen, dass hier der Beschuldigte zwar allenfalls auch 

seinen Frust darüber, dass ihm die Privatklägerin kein Geld gebracht hat, ausgelebt 

hat, dass er sie gleichzeitig und zur Hauptsache aber auch für ihren erstmaligen 

Widerstand, von ihm verlangten Geschlechtsverkehr mit einer Drittperson zu voll-

ziehen, bestrafen wollte. Gemäss seinen ersten Aussagen empfand auch F._____ 

dies  primär  als  Bestrafung  für  die  Verweigerung  (Urk. 19/2/6  und  8).  Erst  in  den 

späteren  Einvernahmen  stellte  er  dann  den  Aspekt,  dass  die  Privatklägerin  kein 

Geld  gebracht  habe,  in  den  Vordergrund  (Urk. 19/2/3  S. 9).  Demgegenüber  ver-

knüpfte die Privatklägerin die Schläge durchwegs mit ihrer Weigerung, was auch 

chronologisch überzeugt. Auf die Darstellung des Beschuldigten kann im Übrigen 

schon aus dem Grund nicht abgestellt werden, dass er die erstellte Tatsache, dass 

er die Privatklägerin aufforderte, nun Geschlechtsverkehr mit F._____ zu haben, 

bestreitet. 

3.9.21. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 21 hält die Jugendanwaltschaft Winterthur 

zusammengefasst das Folgende fest: Kurz nach dem Vorfall beim AR._____ [An-

klagesachverhalt 20] hätten sich die Privatklägerin, der Beschuldigte und F._____ 

in die Nähe der evangelisch-reformierten Kirche begeben. Dort habe der Beschul-

digte erneut Geld von der Privatklägerin gefordert und ihr in diesem Zusammen-

hang  gedroht,  acht  "Neger"  zu  holen,  die  sie  "ficken"  würden,  sodass  sie  nicht 

wisse, von wem sie schwanger sei. Zudem habe der Beschuldigte der Privatkläge-

rin  mit  der  flachen  Hand  mehrfach  heftig  in  das  Gesicht  geschlagen,  sodass  sie 

geblutet habe (Urk. 354 S. 270 in Verbindung mit Urk. 26 S. 49).

Während sich der Beschuldigte an einen solchen Satz nicht erinnern konnte, aber 

auch  nicht  ausschloss,  solches  tatsächlich  gesagt  zu  haben,  bestätigte  F._____ 

diese  im  Wortlaut  doch  sehr  aussergewöhnliche,  überaus  vulgäre  Drohung.  So-

dann schilderte er auch die Schläge sowie die Geldforderung (vgl. die Wiedergabe 

der massgebenden Aussagen im angefochtenen Urteil, Urk. 354 S. 270 ff.). Auch 

- 92 -

wenn sich die Privatklägerin selbst nicht daran erinnern kann, auch bei der Kirche 

wieder  geschlagen  worden  zu  sein  (dies  aber  auch  nicht  ausschliesst,  vgl. 

Urk. 14/4/6  S. 30),  ist  hierfür  auf  die  Darstellung  von  F._____  abzustellen.  Denn 

während  Ohrfeigen  für  die  Privatklägerin  damals  nichts  ungewohntes  und  damit 

spezifisch Erinnerungswürdiges waren, war die Situation für F._____ derart aus-

sergewöhnlich, dass sie ihm haften blieb. Im Übrigen sprach er die Ohrfeige auch 

bereits  schon  in  den  ersten  beiden  Einvernahmen  an  (Urk.  19/2/1  S. 12  und 

Urk. 19/2/2 S. 5), was die Vorinstanz unerwähnt liess (vgl. auch die Aussage der 

Privatklägerin  in  Urk. 14/4/6  S. 32  und  34,  worin  sie  selbst  von  Schlägen  in  der 

Nähe des Jugendtreffs spricht, die allenfalls an jenem Tag gewesen sein könnten, 

wobei F._____ später dazu gestossen sei). Der Sachverhalt ist damit rechtsgenü-

gend erstellt. 

3.9.22. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 22 erübrigt sich die Sachverhaltserstellung, 

da der Beschuldigte den Schuldspruch betreffend Besitz und Versand von Kinder-

pornografie anerkennt.

3.9.23. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 23 wurde die Anschlussberufung der Ober-

jugendanwaltschaft  betreffend  die  vorinstanzlichen  Freisprüche  zurückgezogen, 

weshalb sich Ausführungen zum Sachverhalt erübrigen. 

3.9.24. Hinsichtlich  Anklagesachverhalt 24  wird  dem  Beschuldigten  stark  zusam-

mengefasst vorgeworfen, dieser habe gemeinsam mit E._____ "E._____" im Juli 

2019 auf dem Gebiet der Republik Montenegro und der Republik Kosovo von der 

Privatklägerin  Geld  gefordert  und  erhalten  sowie  sexuelle  Handlungen 

vorgenommen. Konkret habe sich die Privatklägerin im Juli 2019 mit ihrer Familie 

zunächst in AU._____ [Stadt] in Montenegro befunden. In dieser Zeit habe E._____ 

"E._____"  in  Absprache  mit  dem  Beschuldigten  von  der  Privatklägerin  via 

WhatsApp Geld gefordert und ihr gleichzeitig gedroht, ihre ganze Familie mit einer 

Schusswaffe zu ermorden, sofern die Privatklägerin seiner Forderung nicht nach-

kommen würde. Der Beschuldigte und E._____ seien daraufhin vom Kosovo nach 

AU._____  [Stadt  im  Montenegro]  gereist,  um  der  Privatklägerin  das  Geld 

abzunehmen. Eine Geldübergabe sei jedoch nicht zustande gekommen. Nachdem 

die  Privatklägerin  gemeinsam  mit  ihrer  Familie  in  ihrem  Ferienhaus  in  C._____ 

- 93 -

[Stadt] im Kosovo angekommen sei, habe die Privatklägerin am Abend des 25. Juli 

2019  aus  dem  Portemonnaie  ihrer  Mutter  Bargeld  im  Wert  von  mindestens 

EUR 1'000.–  gestohlen.  Dabei  habe  es  sich  um  das  gesamte  Feriengeld  der 

Familie der Privatklägerin gehandelt. Am selben Abend habe sich die Privatklägerin 

mit dem Geld zum vereinbarten Treffpunkt bei einem Brunnen in der Stadt C._____ 

[Kosovo]  begeben,  wo  sie  den  Beschuldigten  und  E._____  getroffen  habe.  Die 

Privatklägerin habe aufgrund der vorausgegangenen Drohungen keinen anderen 

Ausweg gesehen, als das Geld zu übergeben. Nachdem sie aber dennoch gezögert 

habe,  seien  der  Beschuldigte  und  E._____  aggressiv  geworden  und  hätten  die 

Privatklägerin  derart  einge-schüchtert,  dass  sie  ihnen  schliesslich  das  gesamte 

Geld  übergeben  habe.  Hernach  seien  der  Beschuldigte  und  E._____  mit  der 

Privatklägerin 

in  ein  Stundenhotel  am  Stadtrand  gefahren. 

Im  Zimmer 

angekommen  habe  sich  der  Beschuldigte  zunächst  auf  die  Toilette  begeben, 

währenddem  habe  E._____  die  Privatklägerin  gewaltsam  angefasst  und 

angefangen, sie zu entkleiden. Die Privatklägerin habe sich gesträubt, zumal sie 

gewusst habe, was auf sie zukomme: Geschlechtsverkehr mit dem ihr unbekannten 

E._____. Dieser habe gedroht, seine Schusswaffe aus der Tasche hervorzuholen. 

Der  Beschuldigte,  welcher  in  der  Zwischenzeit  zurückgekehrt  sei,  habe  zur 

Privatklägerin gesagt, sie solle aufpassen, dass er nicht zu seiner Tasche gelange. 

Die  völlig  verängstigte  Privatklägerin  habe  daraufhin  gehorcht  und  sich 

ausgezogen,  worauf  E._____  mit  seinem  Penis  vaginal  in  sie  eingedrungen  sei. 

Der Beschuldigte sei damit einverstanden gewesen. Die Privatklägerin habe sich in 

Panik mit Händen und Füssen gewehrt, worauf E._____ ihr mehrfach gegen den 

Kopf  geschlagen  habe.  Der  Beschuldigte  habe  zugeschaut,  gefilmt  und  dazu 

gelacht.  Nachdem  die  Privatklägerin  den  Geschlechtsverkehr  mit  E._____  habe 

über  sich  ergehen  lassen,  sei  sie  duschen  gegangen.  Daraufhin  habe  der 

Beschuldigte  ebenfalls  den  Geschlechtsverkehr  an  ihr  vollzogen,  was  die 

Privatklägerin  über  sich  habe  ergehen  lassen.  Dem  Beschuldigten  und  auch 

E._____ sei dabei das Alter der Privatklägerin bekannt gewesen. Die Privatklägerin 

habe sich anschliessend alleine auf den Rückweg zu ihrer Familie begeben und 

dabei erhebliche Schmerzen in der Leistengegend gehabt. Der Beschuldigte und 

E._____ hätten bewusst die Angst der Privatklägerin, ihr Leben zu riskieren, sollte 

- 94 -

sie sich dem sexuellen Ansinnen von E._____ widersetzen, geschürt, mit dem Ziel, 

diese für die sexuellen Handlungen gefügig zu machen und gezielt und bewusst 

gedroht, ihre Familie umzubringen, um sich am Feriengeld der Familie der Privat-

klägerin  zu  bereichern.  Der  Beschuldigte  habe  zudem  gewusst,  dass  die  Privat-

klägerin  mit  E._____  keine  sexuellen  Handlungen  habe  vornehmen  wollen  und 

habe  seine  Machtposition  ausgenutzt,  um  ihm  dies  dennoch  zu  ermöglichen. 

Aufgrund  der  konkreten  Umstände  sei  dem  Beschuldigten  und  E._____  zudem 

bewusst gewesen, dass sie gemeinsam psychischen Druck auf die Privatklägerin 

ausgeübt und aufrecht erhalten hätten und sich die Privatklägerin daher nicht zur 

Wehr habe setzen können, was sie zumindest billigend in Kauf genommen hätten 

(Urk. 354 S. 277 ff. in Verbindung mit Urk. 26 S. 55 f.).

E._____ wurde im Kosovo zwar polizeilich kurz tangiert, stritt in seiner rechtshilfe-

weisen Einvernahme jedoch ab, die Privatklägerin zu kennen oder mit der Sache 

etwas zu tun gehabt zu haben (Urk. 9/7/7).

Die vom Beschuldigten, der Privatklägerin und ihrer Mutter AP._____ zu diesem 

Vorfall gemachten Aussagen sowie die sachbezogenen Chatprotokolle wurden im 

erstinstanzlichen  Urteil  wiedergegeben  (Urk. 354  S. 279. ff.).  Hierauf  kann 

verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

Der Beschuldigte gestand vor Vorinstanz erstmals ein, dass er sich das Geld habe 

geben lassen, schilderte den Vorfall ansonsten jedoch gänzlich anders, zumal über 

mehrere Tage verteilt. Auch gemäss seiner Darstellung kam es aber zu einem Auf-

enthalt in einem Motel, zusammen mit der Privatklägerin und E._____ und dort zu 

Geschlechtsverkehr zwischen ihm und der Privatklägerin sowie zwischen der Pri-

vatklägerin und E._____. Dies bestätigt ein weiteres Mal, dass die Privatklägerin 

keine frei erfundenen Geschichten erzählt, zumal der Beschuldigte auch mehrfach 

nebensächliche Details (bspw. Zugang direkt über Garage ins Zimmer etc.) bestä-

tigte,  was  die  generelle,  inhaltliche  Präzision  ihrer  Angaben  weiter  untermauert. 

Seine Darstellung einvernehmlicher, nicht durch ihn instigierter sexueller Handlun-

gen zwischen E._____ und der Privatklägerin vermag indessen nicht zu überzeu-

gen,  sondern  erscheint  im  Gegenteil  völlig  realitätsfremd  und  schönfärberisch. 

Dass die Privatklägerin, kurz nachdem sie ihm per WhatsApp-Chat ihre totale Loy-

- 95 -

alität versichert ("i wör au sterbe für dich", Urk. 5/3/4 S. 271, Nachricht von 15.59.30 

Uhr [UTC + 0] = 17.59.30 [MESZ]), das gesamte Feriengeld ihrer Eltern gestohlen, 

ihm übergeben und dafür – gemäss seiner Darstellung – gemeinsam verbrachte 

Zeit mit ihm gefordert hatte, nun – sobald der Beschuldigte das Zimmer verlassen 

habe – also bei der erst möglichen Gelegenheit, sexuelle Handlungen mit dem ihr 

unbekannten  Cousin  des  Beschuldigten,  E._____,  der  zudem  gemäss  dem  Be-

schuldigten "einen komischen Humor" habe und den Leuten ab und zu auf Alba-

nisch sage "ich bring dich um", "mit Sex" beginnt, ist undenkbar. Kommt hinzu, dass 

sie  in  der  Vergangenheit,  wie  die  bisherige  Sachverhaltserstellung  ergeben  hat, 

noch nie von sich aus sexuelle Handlungen mit Dritten initiiert hat, sondern zu sol-

chen  jeweils  zumindest  durch  Befehle  und  situativen  Druck  gezwungen  werden 

musste. Dass er vorab für E._____ dessen Chancen bei der Privatklägerin abge-

klärt habe "wegen Sex und ob das in Ordnung sei" fiel ihm auch erst auf Nachfrage 

ein. In seiner freien Darstellung der Ereignisse war davon noch keine Rede und es 

scheint auch nicht restlos klar, wann er das konkret gemacht haben will. Zur Sicher-

heit gibt er ein Sammelsurium an Möglichkeiten an (an diesem Tag [wohl gemeint 

mündlich], im Chat, per Telefon/Facetime und über Instagram; Prot. I S. 244), wo-

bei sich in den vorhandenen Chatprotokollen hierzu – im Widerspruch dazu – nichts 

nachweisen lässt. Die am Abend nach den hier interessierenden Ereignissen vom 

Beschuldigten an E._____ gesandte Nachricht, er habe sie ihm vorgestellt, um sie 

zu ficken (Urk. 6/4 S. 166, Nachrichten ab 21.52.18 Uhr [UTC+0] = 23.52.18 MESZ) 

belegt dies jedenfalls nicht, sondern spricht aus dem Kontext für die Darstellung 

der  Privatklägerin,  dass  sie  von  E._____  vor  der  Geldübergabe  bedroht  ("er-

schreckt",  vgl.  Urk. 6/4  S. 161,  Nachricht  von  21.51.18  Uhr  [UTC+0]  =  23.51.18 

[MESZ]) wurde. Insgesamt sind die Angaben des Beschuldigten als unglaubhafte 

Schutzbehauptungen zu werten, welche über seine Zugaben hinaus zur Ermittlung 

des massgebenden Sachverhaltes nichts beizutragen vermögen. 

Demgegenüber  kann  die  Darstellung  der  Privatklägerin  in  mehrfacher  Hinsicht 

verifiziert werden. Dass ein erstes Treffen mit Geldübergabe in AU._____ [Stadt im 

Montenegro]  geplant  war,  aber  scheiterte,  kann  implizit  dem  WhatsApp-Chat 

zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten entnommen werden. Der im 

Kosovo  folgende  Gelddiebstahl  ist  aufgrund  der  Aussagen  von  AP._____,  der 

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Zugaben des Beschuldigten und des Chatprotokolls belegt. Ebenso das Treffen am 

Brunnen.  Sodann  zeigt  der  Chat  einen  zweistündigen  Unterbruch  und  hernach 

äussert  sich  die  Privatklägerin  enttäuscht  vom  Beschuldigten.  Hieraus  ist 

abzuleiten,  dass  am  besagten  Abend  (und  nicht  an  einem  anderen  Tag)  ein 

längeres  persönliches  Treffen  der  Geldübergabe 

folgte,  welches 

für  die 

Privatklägerin mit negativen Gefühlen endete, wobei sie dies dem Beschuldigten 

anlastete. Auch das passt einzig zu ihrer Darstellung der Ereignisse. Ebenso wie 

der Gesprächsinhalt des Chats zwischen E._____ und dem Beschuldigten, wie dies 

oben  bereits  erwähnt  wurde.  Dass  die  Privatklägerin  den  weiteren  Verlauf  des 

Abends nach der Geldübergabe anlässlich der Einvernahme vom 14. Oktober 2019 

(Urk. 1/2/6) noch nicht erwähnte, kann zudem zwanglos damit erklärt werden, dass 

es damals um allfällig von ihr begangene Delikte ging, war sie doch von ihrer Mutter 

wegen  Diebstahl  angezeigt  und  als  Beschuldigte  verhört  worden.  Sobald  sie 

allerdings  zugestand,  dass  sie  vom  Beschuldigten  auch  geschlagen  worden  war 

und eine sexuelle Beziehung hatte, wurde dies nicht vertieft, sondern ein separater 

Einvernahmetermin  vereinbart.  An  jenem  –  und  in  folgenden  Befragungen  – 

schilderte  sie  die  Ereignisse  dann  so,  wie  sie  in  der  Anklageschrift  Eingang 

gefunden haben. Inhaltlich grundsätzlich konstant, auch wenn zwischen den lange 

auseinanderliegenden  Befragungen  gewisse  nebensächliche  Diskrepanzen 

vorliegen,  authentisch  und  insgesamt  überzeugend  und  glaubhaft.  Basierend 

darauf  ist  davon  auszugehen,  dass  sie  das  gesamte  Feriengeld  der  Familie  auf 

vorgängiges  Drängen  und  Bitten  des  Beschuldigten  per  WhatsApp-Chat, 

insbesondere  aber  auch,  weil  E._____  zuerst  telefonisch  und  auch  vor  Ort 

persönlich  und  in  Gegenwart  des  Beschuldigten  damit  drohte,  ihre  Familie 

umzubringen,  zumal  er  vorgab,  eine  Waffe  dabei  zu  haben,  dem  Beschuldigten 

übergab. Hernach fuhr man zu dritt mit einem Taxi in ein Motel, wo es gegen den 

erklärten  Willen  und  trotz  körperlicher  Gegenwehr  der  Privatklägerin,  worauf 

E._____  mit  Schlägen  reagierte,  kurz  zu  Geschlechtsverkehr  zwischen  der 

Privatklägerin  und  E._____  kam.  Sie  fügte  sich  dem  Ansinnen  von  E._____ 

schlussendlich  deshalb,  weil  er  ihr  mit  der  Waffe  drohte  und  dies  durch  den 

Beschuldigten,  welcher  sie  anwies,  E._____  nicht  an  die  im  Raum  vorhandene 

Gucci-Bauchtasche  gelangen  zu  lassen  und  so  implizierte,  dass  sich  darin  eine 

- 97 -

Waffe  befinde,  gestützt  wurde.  Dies  alles  geschah  in  Gegenwart  des  Beschul-

digten,  welcher  lachend  zusah  und  filmte.  In  der  Folge  kam  es  auch  zu  einver-

nehmlichem  Geschlechtsverkehr  zwischen  der  Privatklägerin  und  dem  Beschul-

digten. Zum Schluss, dass der Sachverhalt rechtsgenügend erstellt werden kann, 

kam  auch  bereits  die  Vorinstanz,  auf  deren  ausführliche  und  sorgfältige  Er-

wägungen  ergänzend  verwiesen  wird  (Urk. 354  S. 294 ff.;  Art. 82  Abs. 4  StPO). 

Daran ändert auch nichts, dass schlussendlich offenbleibt, ob die von E._____ und 

dem Beschuldigten angesprochene Waffe damals tatsächlich existierte oder nicht, 

da jedenfalls damit gedroht wurde.

3.9.25. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 25 wurde die Anschlussberufung der Ober-

jugendanwaltschaft  betreffend  den  Freispruch  vom  Vorwurf  der  versuchten  ge-

meinschaftlichen  Vergewaltigung  zurückgezogen.  Der  Schuldspruch  betreffend 

sexuelle  Handlungen  mit  Kindern  ist  anerkannt.  Mithin  erübrigen  sich  weitere 

Ausführungen zum Sachverhalt. 

3.9.26. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 26 erübrigt sich die Sachverhaltserstellung, 

da der Beschuldigte die Schuldsprüche betreffend Anstiftung zu Diebstahl, Hehlerei 

und  Urkundenfälschung  anerkennt,  und  der  Freispruch  hinsichtlich  des  Vorwurfs 

der fortgesetzten Erpressung aufgrund des (teilweisen) Rückzugs der Anschluss-

berufung der Oberjugendanwaltschaft rechtskräftig ist. 

3.9.27. Gemäss Anklagesachverhalt 27 habe der Beschuldigte im September 2019 

in  T._____  von  der  Privatklägerin  Geld  gefordert,  um  ein  Rap-Video  zu  drehen. 

Nachdem  die  Privatklägerin  entgegnet  habe,  dass  sie  kein  Geld  auf  sich  trage, 

habe  er  sie  unvermittelt  geschlagen  und  gewürgt  und  anschliessend  ihre  Hand-

tasche durchsucht. Dabei habe er Fr. 50.– gefunden, wobei es sich um das Ge-

burtstagsgeld  der  Privatklägerin  gehandelt  habe,  welches  Geld  er  habe  an  sich 

nehmen  wollen  und  deshalb  der  Privatklägerin  ein  bis  zwei  Ohrfeigen  verpasst 

habe,  um  allfälligen  Widerstand  antizipierend  zu  verhindern.  Die  ebenfalls  an-

wesenden AE._____ und N._____, welcher dem Beschuldigten sogar Fr. 200.– an-

geboten habe, hätten interveniert und die Privatklägerin habe dem Beschuldigten 

versprochen, ihm zu einer späteren Gelegenheit Geld zu bringen, weswegen er von 

seinem Vorhaben abgelassen habe. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin be-

- 98 -

wusst  und  gezielt  geschlagen,  um  von  ihr  gegen  ihren  Willen  Geld  erhältlich  zu 

machen, im Wissen darum, nur dadurch an die Fr. 50.– zu gelangen und mit dem 

Ziel, auf Kosten der Privatklägerin das Rap-Video zu finanzieren (Urk. 354 S. 305 

in Verbindung mit Urk. 26 S. 60).

Der  Anklagevorwurf  basiert  auf  den  detaillierten  Angaben  der  Privatklägerin, 

welche  im  erstinstanzlichen  Urteil  ausführlich  wiedergegeben  wurden  (Urk. 354 

S. 306 ff.).  Der  Beschuldigte  bestätigte  vor  Vorinstanz  die  Angaben  der  Privat-

klägerin, auch was nebensächliche Details angeht. Insbesondere aber gestand er 

ein, dass er ihre Tasche durchsucht und die Privatklägerin geschlagen habe, wobei 

die Schläge aus Enttäuschung, dass sie ihn angelogen und kein Geld dabei hatte, 

erfolgt seien. Daran, dass N._____ ihm nach den Schlägen Geld angeboten habe, 

könne er sich nicht erinnern (Prot. I S. 293). AE._____ und N._____ bestätigten die 

Darstellung der Privatklägerin ebenfalls, wobei betreffend ihre konkreten Aussagen 

auf deren Wiedergabe im angefochtenen Urteil verwiesen werden kann (Urk. 354 

S. 308 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Entgegen der Vorinstanz ist der äussere Sachver-

halt im Sinne der Verteidigung (Urk. 445 S. 9) zu erstellen und davon auszugehen, 

dass der Beschuldigte, nachdem er die Privatklägerin nach Geld gefragt und eine 

abschlägige Antwort erhalten hatte, ihre Tasche durchsuchte und ihre darin befind-

lichen Fr. 50.– Geburtstagsgeld behändigte, sie ohrfeigte, das Geld aber schliess-

lich auf Intervention von N._____ und da ihm die Privatklägerin für einen späteren 

Zeitpunkt eine grössere Geldsumme in Aussicht stellte, bei der Privatklägerin be-

liess (Urk. 354 S. 309 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).

3.9.28. Gemäss Anklagesachverhalt 28 habe der Beschuldigte am 19. September 

2019 von der Privatklägerin via WhatsApp mehrere tausend Franken Bargeld ver-

langt. Er habe sie dabei angewiesen, das Geld als Liebesbeweis von "irgendwo" zu 

klauen. Gleichzeitig habe er ihr gedroht, die Beziehung zu ihr zu beenden, sollte es 

ihr nicht gelingen, das Geld zu beschaffen, wobei er gewusst habe, dass sie selber 

über kein Geld verfügte. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin bewusst unter 

Druck gesetzt, ihr in Ausübung seiner Machtposition einen Kontaktabbruch in Aus-

sicht gestellt und mit dem Ziel gehandelt, die Privatklägerin bzw. deren Umfeld zu 

- 99 -

schädigen, um sich selbst finanziell besser zu stellen (Urk. 354 S. 310 in Verbin-

dung mit Urk. 26 S. 61).

Der Beschuldigte anerkennt, dass er die Privatklägerin dazu aufgefordert hat, für 

ihn Geld zu stehlen und hat den diesbezüglichen Schuldspruch wegen versuchter 

Anstiftung zu Diebstahl akzeptiert, welcher somit bereits rechtskräftig geworden ist 

(vgl. Ziff. 2.2.2 hiervor). Zu klären bleibt, ob er diese Aufforderung ernsthaft mit der 

Drohung von Beziehungsabbruch verbunden und so die Privatklägerin unter Druck 

gesetzt hat, was er bestreitet (Prot. I S. 295 f.).

Der massgebliche, insgesamt ca. 15 Minuten dauernde und von der Privatklägerin 

begonnene [Facebook-Messenger-]Chat-Verkehr liegt bei den Akten (vollständig in 

Urk. 7/11  S. 1-71).  So  schrieb  der  Beschuldigte  bspw.  um  22.28.16  Uhr  (jeweils 

UTC+0; + 2 Stunden = effektive Zeit [MESZ]): "Morm 1-2 K und wenss nöd hesch 

isch ganz aus letshti chance gibi dir vo mir us chaach go klaue dis das mir egal", 

oder um 22.29.07 Uhr: "Morn am 7 letshti chance mal luege wiie ich dir bedüte". 

Um 22.30.54 Uhr schrieb er dann sinngemäss, sie solle es einfach lassen, er lasse 

sie in Ruhe und sie lasse ihn, sie sei nicht seine Frau. Hierauf antwortete die Pri-

vatklägerin, die ihn davor aufgrund seiner hohen Geldforderung über Fr. 10'000.– 

noch ausgelacht und angemerkt hatte, ihm gehe es nur ums Geld, im Übrigen aber 

auf die Letzte-Chancen-Nachrichten nicht spezifisch reagiert hatte, sie könne nicht, 

sie könne nicht ohne ihn (Urk. 7/11 S. 39 ff.).

Die  Privatklägerin  erklärte  auf  die  Frage,  ob  sie  ab  dem  Vorfall  beim  Bahnhof 

T._____ im September 2019 [Anklagesachverhalt 27] bis Weihnachten 2019 noch 

Kontakt mit dem Beschuldigten gehabt habe, ja. Es sei noch um Geld gegangen, 

sie hätten sich aber auch getroffen. Das sei die Zeit mit den wirklich hohen Beträgen 

gewesen, da er Videos habe drehen wollen und so. Aber es sei nicht mehr vorge-

kommen  mit  Geschlechtsverkehr  mit  anderen  und  die  Schläge  seien  auch  nicht 

mehr so brutal gewesen. Sie hätten sich damals nicht so oft getroffen, aber oft te-

lefoniert, geschrieben und gemacht. Er vor allem, weil er das Geld unbedingt ge-

braucht habe. In dieser Zeit habe er viel geschrieben, da sie ihm nur selten habe 

Geld geben können. Früher, als sie ihm viel Geld gegeben habe, sei das nicht so 

gewesen.  Aber  dort  habe  er  eine  einigermassen  schlechte  Zeit  gehabt,  habe  in 

- 100 -

Studios  und  so  geschlafen.  Er  habe  es  dann  irgendwie  so  gebraucht.  Sie  habe 

mega Stress gehabt, habe kaum schlafen können. Sie habe sich schlecht gefühlt, 

habe unbedingt für ihn Geld besorgen wollen, weil sie gewusst habe, dass er nicht 

in einer guten Situation war. Und sie habe ihn auch beim Rappen unterstützen wol-

len, weil sie gesehen habe, dass es mit einer Lehre nicht klappt. Aber sie habe es 

halt einfach nicht besorgen können. Und sie habe sich halt einfach schlecht gefühlt, 

denn sie habe gewusst, dass es ihm nicht gut gehe. Früher sei halt die Zeit gewe-

sen,  als  sie  ihm  da  Geld  gegeben  habe,  sei  es  ihm  eigentlich  hauptsächlich  gut 

gegangen, und dann als es ihm nicht mehr gut gegangen sei, habe sie ihm nicht 

helfen können. Es sei also wirklich ziemlich schlecht gelaufen. Er habe sie haupt-

sächlich immer geschlagen, wenn sie kein Geld gebracht habe. Aber zu dieser Zeit 

nicht mehr so fest, nicht mehr so richtig verprügelt, hauptsächlich irgendwie so ein 

kurzer Schlag, aber nicht mehr so fest. Aber so die Hauptsache, wieso sie ihm Geld 

gegeben habe, sei gewesen, weil sie gewusst habe, dass es ihm schlecht geht. Er 

habe das Geld nötig gehabt. Zwar nicht so viel, der Rest sei für den Rap gewesen. 

Aber  ein  bisschen  halt,  damit  er  überhaupt  habe  essen  können  und  so.  Und  sie 

habe es nicht schön gefunden, wie er mit diesen Kollegen unterwegs gewesen sei 

und diese ihm Essen gegeben hätten. Die hätten einen richtig schlechten Einfluss 

auf ihn gehabt. Dann wäre es ihr lieber gewesen, sie hätte ihm Geld besorgt und 

er hätte selber einen Schlafplatz und Essen organisiert, statt mit diesen Kollegen. 

Also seine eigene Familie habe ihn nicht so unterstützt und sie habe sich verpflich-

tet gefühlt, für ihn zu sorgen (Urk. 14/5/5 S. 17 f. und S. 22 f.). Diese Einschätzung 

ist insofern zutreffend, als der Beschuldigte, nachdem er im Sommer 2019 seine 

im Sinne einer Eingliederungsmassnahme durch die IV vermittelte Logistiker-Lehr-

stelle  kurz  nach  deren  Antritt  wieder  verloren  hatte  und  aus  dem  Wohnheim 

AV._____ geflogen war (Urk. 24/9/2/27/48), auf der Strasse bzw. längere Zeit im 

Aufnahmestudio lebte und von Kollegen (u.a. auch AM._____, vgl. Urk. 19/4/1 S. 6) 

unterstützt wurde (Urk. 23/1/5 S. 5).

Der  Chatverkehr  selbst  stellt  einen  klaren  Konnex  zwischen  der  ursprünglichen 

Geldforderung  und  einem  angedrohten  Beziehungsaus  her,  wobei  allerdings  der 

Beschuldigte  nach  wenigen  Minuten  seine  Forderung  zurückzieht  und  –  wie  es 

beide als beziehungstypisch geschildert haben – verlangte, in Ruhe gelassen zu 

- 101 -

werden.  Die  Privatklägerin  erklärte  darauf,  das  gehe  nicht.  Weiterungen  oder 

Geldangebote etc. sind aber nicht belegt. Aus den vorliegend zitierten Aussagen 

der Privatklägerin lässt sich betreffend Anklagesachverhalt 28 sodann nur indirekt 

etwas ableiten, da sie diesen selbst mit keinem Wort erwähnt. Jedoch wird augen-

scheinlich,  dass  sie  damals  dem  Beschuldigten  primär  deshalb  helfen  und  Geld 

beschaffen wollte, weil er dies gemäss ihrer Einschätzung nötig hatte und um ihn 

bei seiner Rapkarriere zu unterstützen. Sie fühlte sich somit für ihn in einer gewis-

sen Form verantwortlich, was ihr – aufgrund ihres Unvermögens, weiter Geld zu 

beschaffen  –  Stress  verursachte.  Nicht  zu  erstellen  ist  demgegenüber,  dass  sie 

sich  aufgrund  des  angedrohten  Beziehungsendes  damals  konkret  zu  einem  be-

stimmten Verhalten veranlasst fühlte. Im Gegenteil erwähnte sie eine solche Be-

fürchtung – anders als die Tatsache, dass er sie bei Treffen, wenn sie kein Geld 

bringen konnte, nach wie vor geschlagen habe, wenn auch weniger und schwächer 

als früher – nicht einmal ansatzweise. Kommt hinzu, dass sich der Beschuldigte in 

jener Zeit zwischen September und Dezember 2019 – anders als früher – von sich 

aus  fast  täglich  bei  ihr  gemeldet  und  um  Geld  gefragt  habe.  Dies  lässt  darauf 

schliessen,  dass  sie  seinen  Wunsch  nach  einem  Kontaktabbruch  nicht  für  bare 

Münze  nahm,  zumal  dieser  im  fraglichen  Chatverkehr  zuletzt  gerade  nicht  be-

zweckte,  die  frühere  Geldforderung  zu  untermauern.  Mithin  kann  die  in  der  An-

klageschrift umschriebene Drucksituation nicht erstellt werden, auch wenn der Be-

schuldigte zumindest zu Beginn des Chats seinerseits zweifellos darauf abzielte, 

die  Privatklägerin  zu  weiteren  Geldlieferungen  zu  "motivieren",  wobei  ihm  offen-

sichtlich klar war, dass sie weder selbst über die gewünschten Summen verfügte, 

noch diese so einfach bei ihren Eltern etc. auftreiben konnte, weshalb er ihr explizit 

nahelegte, sie irgendwie zu beschaffen, zu stehlen.

3.9.29. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 29 erübrigt sich die Sachverhaltserstellung, 

da der Beschuldigte den Schuldspruch betreffend Kinderpornografie anerkennt. 

3.9.30. Unter  Anklagesachverhalt  30  wird  dem  Beschuldigten  zusammengefasst 

vorgeworfen, er habe ca. am 6. Dezember 2019 in den Räumlichkeiten einer Wohn-

gruppe der Stiftung für Ganzheitliche Betreuung Geschlechtsverkehr mit der Privat-

klägerin vollzogen. Bei dieser Gelegenheit habe die Privatklägerin dem Beschul-

- 102 -

digten  zudem  Fr. 300.–  übergeben,  aus  Angst,  von  ihm  geschlagen  zu  werden, 

wenn sie ihm kein Geld gebe, aber auch aus Mitleid, da ihr der Beschuldigte weis-

gemacht habe, dass er in finanzieller Not sei (Urk. 354 S. 312 f. in Verbindung mit 

Urk. 26 S. 63).

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der Freispruch betreffend den Vorwurf der Er-

pressung in Rechtskraft erwachsen ist, weshalb sich weitere Ausführungen dazu 

erübrigen. 

Die Privatklägerin sagte konstant und realitätsnah aus, dass es am 6. Dezember 

2019 in AV._____ zu Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten gekommen sei. 

Die Vorinstanz hielt diesbezüglich zu Recht fest, dass ihre Aussagen glaubhaft sind 

und für tatsächlich Erlebtes sprechen (Urk. 354 S. 314). Entgegen den Vorbringen 

der Verteidigung gibt es auch keine Hinweise für falsche Erinnerungen der Privat-

klägerin (Urk. 457 S. 47 f.). Entsprechend ist der Sachverhalt betreffend die vorge-

worfene sexuelle Handlung (Geschlechtsverkehr) im Sinne der Vorinstanz und ent-

gegen den Ausführungen der Verteidigung rechtsgenügend erstellt. 

3.9.31. Unter Anklagesachverhalt 31 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe 

zwischen  dem  18. und  26. Dezember  2019  via  WhatsApp  von  der  Privatklägerin 

über mehrere Tage hinweg verschiedene Bargeldbeträge zwischen Fr. 2'000.– bis 

Fr. 12'000.– gefordert, wobei er behauptet habe, in finanzieller Not zu sein und zu-

gleich der Privatklägerin aber auch Schläge in Aussicht gestellt habe, wenn sie kein 

Geld aufbringen könne. In der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 2019 sei er 

sodann mit AW._____ an den Wohnort der Privatklägerin in AQ._____ gefahren, 

um das geforderte Geld einzutreiben. Als der Beschuldigte bemerkt habe, dass die 

Privatklägerin  kein  Geld  habe  beschaffen  können,  habe  er  ihren  Kopf  gegen  die 

Fahrzeugtür geschlagen und ihr angekündigt, sie im Wald auszusetzen. AW._____ 

habe interveniert und die Privatklägerin zurückgebracht. Der Beschuldigte habe die 

Privatklägerin mit seinem Verhalten bewusst unter Druck gesetzt und in der Absicht 

gehandelt,  einen  unberechtigten  vier-  bis  fünfstelligen  Geldbetrag  zu  erbeuten 

(Urk. 354 S. 314 f. in Verbindung mit Urk. 26 S. 64 f.). 

- 103 -

Der  Beschuldigte  anerkannte  vor  Vorinstanz,  dass  er  im  Sinne  der  Anklage  per 

WhatsApp-Chat mit der Privatklägerin kommuniziert und derart hohe Geldforderun-

gen gestellt habe, obwohl ihm eigentlich klar gewesen sei, dass sie solche Beträge 

gar nicht auftreiben könne. Auch sei er mit AW._____ nach AQ._____ gefahren, 

um die Privatklägerin wegen des Geldes zu treffen, von welchem sie gesagt habe, 

dass sie es ihm geben werde. Als sie es dann nicht gehabt habe, sei er wütend 

geworden und habe sie weggeschubst. Es sei möglich, dass sie sich dabei an der 

Autoscheibe verletzt habe (Prot. I S. 248 f.). Mithin bestätigte er grundsätzlich die 

Angaben der Privatklägerin. Hinsichtlich des angeblich blossen Wegschubsens ist 

allerdings auf die präzise und authentische Schilderung der Privatklägerin, er habe 

sie nah am Kopf an den Haaren gepackt und so den Kopf mit fester Kraft gegen die 

Autotüre gedrückt bzw. geschlagen, sie habe danach ein bisschen Kopfschmerzen 

gehabt (Urk. 14/5/5 S. 19 und 24 ff.), abzustellen, erscheint die Darstellung des Be-

schuldigten hier doch deutlich verharmlosend, gerade auch im Kontext seiner sonst 

bereits erstellten Gewaltanwendungen.

Die erwähnten Chats sind in den Akten enthalten und belegen die hohen Geldfor-

derungen samt genauen Anweisungen, wie die Privatklägerin beim Stehlen vorge-

hen soll, mithin war dem Beschuldigten ganz offensichtlich klar, dass sie das Geld 

nicht legal erhalten und ihm schenken konnte. Aus dem Chat geht allerdings auch 

hervor,  dass  der  fordernde  Tonfall  keineswegs  einseitig  war.  So  verlangte  die 

Privatklägerin nachdrücklich, dass der Beschuldigte einem anderen Mädchen ent-

folgen und allgemein und beim Sex Liebe zeigen solle, damit er von ihr Geld erhalte 

bzw. sie für ihn Geld klaue. Der Beschuldigte seinerseits bediente sich nicht nur 

Drohungen, sondern auch Schmeicheleien, wobei aus seinen Nachrichten klar her-

vorgeht, dass er stark auf den Erhalt der in Aussicht gestellten, mehreren Tausend 

Franken fixiert war. Ein erstes Treffen am 25. Dezember 2019 klappte von Seiten 

der Privatklägerin nicht, am 26. Dezember 2019 wurde sie vom Beschuldigten ver-

setzt, worauf sie offensichtlich panisch reagierte, da sie befürchtete, ihn vor ihrem 

Heimeintritt  am  27. Dezember  2019  nicht  mehr  zu  sehen,  zumal  der  Aufenthalt 

mehrere Monate dauern würde (Urk. 17/6 S. 3 ff.). 

- 104 -

Sodann bestätigte AW._____ als Zeuge, dass er am 26. Dezember 2019 mit dem 

Beschuldigten nach AQ._____ gefahren ist, wo die Privatklägerin zugestiegen sei. 

Der Beschuldigte habe später verlangt, die Privatklägerin unterwegs aussteigen zu 

lassen,  damit  sie  heimlaufen  müsse.  Dies  habe  AW._____  aber  nicht  gemacht 

(Urk. 15/11/1 S. 14 ff. und Urk. 15/11/2 S. 5 f. und S. 12). 

Damit ist der Sachverhalt rechtsgenügend erstellt. 

3.9.32. Betreffend Anklagesachverhalt 32 ist der Freispruch infolge des (teilweisen) 

Anschlussberufungsrückzugs der Oberjugendanwaltschaft in Rechtskraft erwach-

sen, weshalb sich weitere Ausführungen zum Sachverhalt erübrigen. 

4.

Rechtliche Würdigung

4.1. Seit Erlass des vorinstanzlichen Urteils ist per 1. Juli 2024 die breit disku-

tierte Revision des Sexualstrafrechts in Kraft getreten. Diese hat die unter den Titel 

"Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität" gehörenden Straftatbestände 

neu gefasst und die Grenzen strafbaren Verhaltens erweitert. Im Ergebnis ermög-

licht die neue Gesetzeslage jedoch keine mildere Beurteilung des Beschuldigten, 

weshalb in Anwendung von Art. 2 Abs. 2 StGB von der Weitergeltung der bisheri-

gen Normen, im Folgenden bezeichnet als "Art. X aStGB", auszugehen ist. Eben-

falls fast ohne Einfluss auf die konkret in Frage kommenden Strafnormen blieb im 

Übrigen die bereits per 1. Juli 2023 in Kraft getretene Strafrahmenharmonisierung. 

Einzig  mit  Bezug  auf  den  Tatbestand  der  fortgesetzten  Erpressung  gemäss 

Art. 156 Ziff. 2 StGB ist der revidierte Artikel als milderes Recht anwendbar, nach-

dem hier im Rahmen der Revision die Strafrahmenuntergrenze von einem Jahr auf 

sechs Monate Freiheitsstrafe herabgesetzt wurde.

4.2. Nachfolgend werden die erstellten Vorfälle rechtlich zu würdigen sein. Die 

Vorinstanz hat die Voraussetzungen der Mittäterschaft und die in Frage kommen-

den  Tatbestände  umfassend  beschrieben  und  aufgezeigt,  welche  Tatbestands-

merkmale jeweils konkret zu erfüllen sind, damit ein Schuldspruch erfolgen kann 

(Urk. 354 passim). Auf diese theoretischen Ausführungen wird – um Wiederholun-

- 105 -

gen zu vermeiden – vorweg verwiesen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Entsprechend kann 

nachfolgend sogleich zur konkreten rechtlichen Subsumtion geschritten werden.

4.3. Rechtliche Würdigung im Einzelnen

4.3.1. Durch  seine  Tathandlungen  erfüllte  der  Beschuldigte  in  Anklagesach-

verhalt 1 alle objektiven Tatbestandsmerkmale eines Raubes im Sinne von Art. 140 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Der Beschuldigte übte gegen die Privatklägerin körperliche Ge-

walt (Faustschläge in Bauch und Gesicht, Tritte gegen die Beine) aus, die erst auf-

hörte, als sie ihm – um weitere Schläge zu verhindern – ihr gesamtes Bargeld in 

Höhe von Fr. 40.– übergab. Dass er dabei zumindest eventualvorsätzlich handelte, 

hat die Vorinstanz zutreffend dargelegt (Urk. 354 S. 386 f.), auf deren Ausführun-

gen ergänzend verwiesen wird (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

4.3.2. Hinsichtlich der Ereignisse an der O._____-strasse 1 in S._____ (Anklage-

sachverhalt 2), die sich kurz nach oder vor Anklagesachverhalt 1 abgespielt haben, 

wurde  der  Beschuldigte  vom  Vorwurf  der  gemeinschaftlichen  Vergewaltigung  im 

Sinne  von  Art. 190  Abs. 1  aStGB  in  Verbindung  mit  Art. 200  aStGB  rechtskräftig 

freigesprochen.

Hingegen hat er mit dem Geschlechtsverkehr und der Aufforderung, jemanden aus-

zusuchen und an diesem hernach sexuelle Handlungen vorzunehmen, mehrfach 

vorsätzlich gegen Art. 187 Ziff. 1 aStGB verstossen (Vornehmen von und Verleiten 

zu  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern,  worunter  das  länger  dauernde  Umfassen 

des Penis von N._____ zweifellos gehört). 

Die  sexuellen  Handlungen  zwischen  dem  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin 

waren aus ihrer Sicht ausdrücklich gewollt, was jedoch hinsichtlich der Tatbestand-

mässigkeit  unbeachtlich  ist  (vgl.  Urteil  6B_93/2022  vom  24. November  2022 

E.  1.4.4; BGE 120 IV 6 E. 2c/aa). Demgegenüber führte der Beschuldigte aus, der 

Privatklägerin nie einen Grund gegeben zu haben, sich in ihn zu verlieben, keine 

feste Beziehung mit ihr geführt zu haben und primär auf finanziellen Gewinn fixiert 

gewesen zu sein, weshalb er jeweils nur im Austausch gegen Geld mit ihr geschla-

fen habe (Prot. I S. 60 ff.). Nachdem mithin einzig von Seiten der Privatklägerin vom 

- 106 -

Vorhandensein einer eigentlichen, gefühlsmässig involvierten Beziehung auszuge-

hen ist, während der Beschuldigte die Privatklägerin bloss zu seinen Gunsten aus-

nutzte, fehlt es jedenfalls am Vorliegen "besonderer Umstände" gemäss Art. 187 

Ziff. 3 aStGB (vgl. BSK StGB-Maier, 2019, Art. 187 N 33). 

Nachdem er und N._____ gleichzeitig mit der Privatklägerin sexuelle Handlungen 

vornahmen, qualifiziert dies vorliegend gar als gemeinschaftliche Tatbegehung im 

Sinne von Art. 200 aStGB. 

Schliesslich ist das Umfassen des Glieds von N._____ mit der Hand durch die Pri-

vatklägerin  als  gemeinschaftlich  abgenötigt  im  Sinne  von  Art. 189  Abs. 1  aStGB 

(sexuelle Nötigung) in Verbindung mit Art. 200 aStGB zu qualifizieren. So festigte 

der Beschuldigte zunächst seine Machtposition, indem er die Privatklägerin anwies, 

eine  derartige  Menge  Alkohol  zu  trinken,  dass  sie  –  auch  für  Dritte  erkennbar  – 

offensichtlich betrunken war. Sodann befahl er ihr, einen der Anwesenden mit ins 

Schlafzimmer zu nehmen, womit ihr (und allen anderen Anwesenden) klar war, was 

er bezweckte, nachdem er bereits vorab klargestellt hatte, dass er nun mit ihr im 

Schlafzimmer seines Onkels Geschlechtsverkehr haben würde. Diesen Befehl un-

termauerte er nach ihrem verbalen Widerstand zusätzlich mit der Androhung, sie 

ansonsten sofort vor die Türe zu setzen. Aufgrund ihrer wegen des Alkohols einge-

schränkten geistigen Fähigkeiten (vgl. die lebensnahe Beschreibung dieses erst-

maligen Rausches in Urk. 13/2/6 S. 11) bzw. Widerstandskraft war die damals erst 

zwölf Jahre alte Privatklägerin nicht in der Lage, ihre Möglichkeiten realistisch ab-

zuschätzen.  Dadurch  wirkte  die  Drohung,  mitten  in  der  Nacht  aus  der  Wohnung 

geschmissen zu werden und somit gemäss ihrer Überlegung zuerst zum Bahnhof 

laufen  und  dort  alleine  auf  den  ersten  Zug  warten  zu  müssen  (ebenda  S. 13 f.), 

noch abschreckender, als dies im normalen Zustand der Fall gewesen wäre. Ent-

sprechend zielt auch der Hinweis der Verteidigung, die Privatklägerin hätte ja ein-

fach zurück in die Garage ihrer Freundin gehen können, wo sie ursprünglich geplant 

hatte die Nacht zu verbringen (Urk. 223 S. 74), ins Leere, da ihr diese Möglichkeit 

im damals – durch den Beschuldigten verursachten – stark berauschten und über-

müdeten Zustand gar nicht eingefallen ist. Kommt hinzu, dass die durch den Be-

schuldigten  herbeigeführte  Alkoholintoxikation  auch  (notorischerweise)  geeignet 

- 107 -

war, ihre Wehrfähigkeit generell herabzusetzen. In dieser für sie somit ausweglo-

sen Situation, zumal mitten in der Nacht alleine mit fünf ausschliesslich männlichen 

Kollegen des Beschuldigten, welche offenbar weder die Aufforderung, einen von 

ihnen  zwecks  sexueller  Handlungen  auszusuchen,  unangemessen  fanden,  noch 

ihr auf ihre verbale Ablehnung hin zu Hilfe gekommen wären, in einer fremden Woh-

nung, gab sie – nachvollziehbar – den Widerstand auf (vgl. ergänzend die ausführ-

lichen Erwägungen der Vorinstanz in Urk. 354 S. 345 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Es 

ist von zumindest eventualvorsätzlicher Tatbegehung auszugehen, mithin dass der 

Beschuldigte zumindest in Kauf genommen hat, dass die Privatklägerin die vorsätz-

lich ausgeübten sexuellen Handlungen einzig aufgrund des ebenfalls bewusst und 

gewollt ausgeübten Druckes sowie der bewusst ausgenützten Abhängigkeit zuge-

lassen hat.

4.3.3. Hinsichtlich  Anklagesachverhalt 3  ist  der  Schuldspruch  wegen  sexueller 

Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 aStGB bereits in Rechtskraft 

erwachsen. Zusätzlich ist der Beschuldigte, nachdem nicht erstellt werden konnte, 

dass die Gewalttätigkeiten auf eine konkrete Geldforderung gerichtet waren, vom 

Vorwurf der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1-3 StGB freizusprechen. Die 

für  das  erstellte  Verhalten  in  Frage  kommenden  Tatbestände  der  einfachen 

Körperverletzung sowie der Drohung waren anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-

verhandlung bereits verjährt, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. Immerhin 

ist  anzumerken,  dass  die  Privatklägerin  somit  bis  Ende  2018  bereits  mehrfach 

körperliche Gewalt durch den Beschuldigten erlitten hatte als Reaktion auf uner-

wünschtes Verhalten bzw. Nichterfüllen seiner Vorgaben ihrerseits. 

4.3.4. Vorfälle in der JWG W._____

a) In chronologisch akkurater Abfolge sind zunächst die Ereignisse vom 1. Februar 

2019 gemäss Anklagesachverhalt 10 rechtlich zu würden. Zwei Tage später kam 

es zum Vorfall gemäss Anklagesachverhalt 5, nach weiteren drei Tagen folgte An-

klagesachverhalt 7, am 9. Februar 2019 Anklagesachverhalt 6 und am 12. Februar 

2019 die Schläge ins Gesicht und gegen das linke Ohr gemäss Anklagesachver-

halt 8, welche Körperverletzungen aufgrund der im Jugendstrafrecht anwendbaren, 

kurzen Fristen allerdings bereits verjährt sind. Am 14. Februar 2019 sandte der Be-

- 108 -

schuldigte der Privatklägerin die unflätig beschimpfende und bedrohliche iMessage 

gemäss Anklagesachverhalt 9. Gleichentags datieren die Vorwürfe aus Anklage-

sachverhalt 11. Auch diesen wurde lediglich infolge bereits eingetretener Verjäh-

rung nicht weiter nachgegangen. Bereits an dieser Stelle ist augenfällig, wie sich 

mit der Fremdplatzierung des Beschuldigten in der JWG W._____ Kadenz und In-

tensität seiner negativen Interaktionen mit der Privatklägerin, und damit auch der 

latent auf sie ausgeübte Druck, stark erhöhten. 

b)  Nachdem  der  Beschuldigte  in  Anklagesachverhalt  10  einvernehmlichen  Ge-

schlechtsverkehr  mit  der  Privatklägerin  hatte  (was  als  sexuelle  Handlungen  mit 

Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB bereits rechtskräftig abgeurteilt 

wurde), liess er sich zusätzlich oral befriedigen, während U._____ vaginal mit ihr 

verkehrte.  Dies  ist  als  mehrfache  gemeinschaftliche  sexuelle  Handlungen  mit 

Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 aStGB in Verbindung mit 

Art. 200 aStGB zu würdigen. 

Sodann hat er in der Folge auch noch P._____ zu sexuellen Handlungen mit der 

Privatklägerin verleitet, und in diesen sogar aktiv eingegriffen (Umfassen bzw. Stos-

sen der Hüften der Privatklägerin, damit diese beim Sex aktiver wird) was einen 

weiteren  Schuldspruch  betreffend  gemeinschaftliche  sexuellen  Handlungen  mit 

Kindern  im  Sinne  von  Art. 187  Ziff. 1  Abs. 2  aStGB  in  Verbindung  mit  Art. 200 

aStGB nach sich zieht. Nicht gerechtfertigt scheint es allerdings, aufgrund der Toi-

lettenpause der Privatklägerin von zweifacher Tatbegehung auszugehen, nachdem 

der Beschuldigte gemäss ihrer Darstellung verlangte, sie solle weitermachen, so-

dass sie den Geschlechtsverkehr bis zum Orgasmus von P._____ fortgesetzt habe, 

was klar auf einen weiterbestehenden Tatentschluss des Beschuldigten (und auch 

P._____s)  hindeutet.  Subjektiv  handelte  der  Beschuldigte  jeweils  vorsätzlich, 

wusste er doch genau, dass die Privatklägerin erst 13 Jahre alt war und wäre es 

ohne seine Initiative zweifellos nicht zu sexuellen Handlungen zwischen U._____, 

P._____ und der Privatklägerin gekommen. 

Dieses Verleiten zu sexuellen Handlungen ist gleichzeitig auch als durch den Be-

schuldigten mittäterschaftlich begangene Vergewaltigungen im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB zu würdigen. Dem Beschuldigten 

- 109 -

war damals bereits hinlänglich bekannt, dass die erst rund 13 Jahre alte Privatklä-

gerin sich seinen Anordnungen nicht entgegenstellen würde bzw. konnte, sondern 

in ihrer Vernarrtheit und dadurch begründeten emotionalen Abhängigkeit leicht zu 

beeinflussen und zu für sie schädlichem Verhalten zu bestimmen war. Dieser Um-

stand  für  sich  würde  bereits  den  Tatbestand  des  Ausnützens  einer  Notlage  im 

Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB erfüllen, zumal ihre unabhängig von der emotio-

nalen Abhängigkeit bestehende Befürchtung, bei Widerstand geschlagen zu wer-

den, keinesfalls unbegründet war, wie die vorgehenden Ereignisse gemäss Ankla-

gesachverhalt  3,  aber  auch der  kurz  nachfolgende  Vorfall  gemäss Anklagesach-

verhalt  8  beweisen.  Zusätzlich  übte  der  Beschuldigte  zweifellos  weiteren  Druck 

aus, indem er ihren verbalen Widerstand überging und sie vor den anderen wie ein 

willenloses  (Sexual-)Objekt  behandelte.  Wenn  die  Verteidigung  geltend  macht, 

dass sich die Privatklägerin nicht konzis ausdrücke, indem sie an gewissen Stellen 

von "empfohlen" und dann wieder von "befohlen" spreche (vgl. Urk. 457 Ziff. 106), 

ist dem entgegenzuhalten, dass Deutsch nicht die Muttersprache der Privatklägerin 

ist  und  sie  sich  ihren  sprachlichen  Fähigkeiten  entsprechend  genügend  konkret 

ausgedrückt hat. Den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen an derartigen sprachlichen 

Finessen zu messen, ginge fehl. Kommt hinzu, dass der Beschuldigte durch seine 

Position beim Oralverkehr dafür sorgte, dass es ihr gar nicht möglich war, sich der 

vaginalen Penetration durch U._____ zu entziehen. Als es darum ging, nun auch 

noch mit P._____ Geschlechtsverkehr zu haben, war der zaghafte Widerstand der 

Privatklägerin bereits nachhaltig gebrochen. Die klare Erwartungshaltung des Be-

schuldigten, geäussert im hörbaren Telefongespräch mit P._____ und aktualisiert 

im Befehl, sich auszuziehen bzw. (nach der Toilettenpause) weiterzumachen, noch 

verstärkt durch eigenhändiges Vorgeben von Takt und Tiefe der Bewegungen, ge-

nügte, gepaart mit der Überzahl der jungen Männer im kleinen Wohngruppenzim-

mer (so auch bereits die Vorinstanz, auf deren Ausführungen ergänzend verwiesen 

wird [vgl. Urk. 354 S. 330 f. und S. 339 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO]). Wiederum ist zu-

mindest von Eventualvorsatz auszugehen. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass 

die Mittäter P._____ und U._____ für ihrer Tatbeitrag rechtskräftig der Vergewalti-

gung schuldig gesprochen wurden und diesen Schuldspruch jeweils akzeptiert ha-

ben (Urk. 460 Rz. 30; vgl. auch Urk. 63 in SB230218). 

- 110 -

Während  der  Beschuldigte  den  Schuldspruch  wegen  In-Verkehr-Bringens  von 

Kinderpornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 aStGB akzeptiert hat (vgl. 

Ziff. 2.2.2 hiervor), bestreitet er, dass die Herstellung der Videoaufnahme des Ge-

schlechtsverkehrs  zwischen  U._____  und  der  Privatklägerin  zusätzlich  unter 

Art. 200 aStGB zu subsumieren ist (Urk. 360 S. 3). U._____ hat die Aufnahme je-

doch  offensichtlich  bemerkt  und  sich  durch  sein  Verhalten  (Blick  in  die  Kamera, 

Lachen, Mittelfinger zeigen) zumindest konkludent damit einverstanden erklärt, wo-

mit  er  dem  Tatentschluss  zur  Herstellung  von  Kinderpornografie  beigetreten  ist, 

weshalb mit der Vorinstanz von gemeinsamer Tatbegehung im Sinne von Art. 200 

aStGB auszugehen ist.  

c) Zwei Tage nach den soeben beurteilten Vorfällen, kam es im JWG-Zimmer des 

Beschuldigten auf seinen Befehl hin zu Geschlechtsverkehr zwischen der Privat-

klägerin und N._____ (Anklagesachverhalt 5). Dies ist einerseits als Verleiten zu 

sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 2 aStGB zu 

würdigen, nachdem der Beschuldigte wusste, dass die Privatklägerin erst 13 Jahre 

alt  war.  Dabei  ist  von  einem  nicht  mittäterschaftlichem  Handeln  im  Sinne  von 

Art. 200 aStGB auszugehen, weil der Beschuldigte ausserhalb des Zimmers ver-

weilte.  

Anderseits erfüllte der Beschuldigte gleichzeitig (in Idealkonkurrenz) auch den Tat-

bestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB. Dem Beschuldig-

ten war damals – wie bereits unter lit. b hiervor ausgeführt – hinlänglich bekannt, 

dass die damals erst rund 13 Jahre alte Privatklägerin sich seinen Anordnungen 

kaum  entgegenstellen  würde  bzw.  konnte,  sondern  in  ihrer  Vernarrtheit  und  da-

durch begründeten emotionalen Abhängigkeit leicht zu beeinflussen und zu für sie 

schädlichem Verhalten zu bestimmen war. Anzeichen von Widerstand bzw. Nicht-

erfüllen seiner (finanziellen) Ansprüche hatte er zudem in der näheren Vergangen-

heit (Anklagesachverhalt 3) mit Gewalt beantwortet, was in ihr – völlig zu Recht, 

vgl. die kurz nachfolgenden Ereignisse gemäss Anklagesachverhalt 8 und das ge-

nerelle  Eingeständnis  des  Beschuldigten,  oft  seine  Wut  herausgelassen  und  sie 

geschlagen zu haben (Prot. I S. 59 f. und S. 63) – die begründete Furcht hervorrief, 

bei  mehr  als  verbalem  Widerspruch  erneut  geschlagen  zu  werden.  Zusätzlichen 

- 111 -

Druck übte er vorliegend zweifellos aus, indem er ihren verbalen Widerstand nicht 

nur überging, sondern ihr androhte, wütend zu werden oder sie zu schlagen, wenn 

sie nicht mit N._____ den Geschlechtsverkehr vollziehen würde. Verstärkt wurde 

dieser Druck sodann dadurch, dass N._____, der dieses mitangehört hatte, hierauf 

nicht  reagierte  und  dem  Beschuldigten  Einhalt  gebot,  wodurch die  Privatklägerin 

wusste,  dass  auch  er  –  wie  alle  übrigen  bisher  jeweils  involvierten  bzw.  vor  Ort 

anwesenden Jugendlichen (vgl. Anklagesachverhalte 3 und 10) – ihr nicht beiste-

hen würde. Dieser Eindruck bestätigte sich sodann, nachdem der Beschuldigte das 

Zimmer verlassen hatte. Auf ihre Information hin, sich gezwungen zu fühlen und 

den Befehl aus Angst vor der Reaktion des Beschuldigten befolgen (und nicht etwa 

dem Beschuldigten gegenüber lügen) zu wollen, reagierte N._____ derart, dass er 

den Geschlechtsverkehr vollzog und die Zwangslage der Privatklägerin ausnützte, 

anstatt seinerseits die Konfrontation mit dem Beschuldigten zu suchen und klarzu-

stellen,  dass  er  an  abgenötigtem  Geschlechtsverkehr  kein  Interesse  habe.  Dass 

die Privatklägerin in dieser ausweglosen Situation keinen physischen Widerstand 

leistete, ist nachvollziehbar und steht der Subsumtion als Vergewaltigung nicht ent-

gegen.  Auch  wenn  der  erzwungene  Geschlechtsverkehr  sodann  durch  N._____ 

und nicht durch den Beschuldigten vollzogen wurde, kann aufgrund des bisher Ge-

sagten kein Zweifel daran herrschen, dass der Tatbeitrag des Beschuldigten hierfür 

nicht nur kausal, sondern unabdingbar war, weshalb ihm eigene Tatherrschaft zu-

kam und nicht bloss von Anstiftung zu sprechen ist. Subjektiv ist seitens des Be-

schuldigten, der der Privatklägerin hier offen Nachteile androhte, von direktem Vor-

satz auszugehen. Ergänzend kann wiederum auf die überzeugenden Ausführun-

gen  der  Vorinstanz  verwiesen  werden  (Urk. 354  S. 328 ff.  und  S. 339 ff.;  Art. 82 

Abs. 4 StPO). Hier rechtfertigt sich die Anwendung von Art. 200 aStGB, nachdem 

der  Beschuldigte  durch  sein  Verbleiben  in  der  unmittelbaren  Nähe  sicherstellte, 

dass seiner Anordnung Folge geleistet wird. 

d) Betreffend Anklagesachverhalt 7 ist erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklä-

gerin durch Androhung von Kontaktabbruch und Weltuntergang, aber auch weil er 

ihr – gelogenermassen (vgl. Prot. I S. 57) – weis machte, er müsse schon bald für 

elf Monate "ine", was sie (dies ist ihrer Reaktion unzweifelhaft zu entnehmen), im 

Sinne der Anklage offensichtlich unter Druck setzte, dazu brachte, ihm online einen 

- 112 -

Anzug für EUR 99.– zu bestellen. Auch ist erstellt, dass der Beschuldigte am Fol-

getag  weitere  Geldforderungen  stellte.  Letztere  untermauerte  er  allerdings  nicht 

mehr mit zusätzlichen Drohungen, weshalb darauf mangels Tatbestandsmässigkeit 

nicht weiter einzugehen ist. Was den Anzug angeht, konnte sodann nicht erstellt 

werden,  dass  dieser  tatsächlich  bezahlt  und  ausgeliefert  wurde.  Ebenso  wenig 

konnte erstellt werden, dass die von der Anklage erwähnten Schuhe aus dem … 

von der Privatklägerin für den Beschuldigten aufgrund von dessen Verhalten am 

6. bis  8. Februar  2019  gekauft  wurden.  Mithin  kann  jedenfalls  keine  erfolgreiche 

deliktische Vermögenstransaktion nachgewiesen werden. Bleibt die Frage nach ei-

nem versuchten Delikt. Die Anklagebehörde sowie die Vorinstanz sahen einen Fall 

der Erpressung im Sinne von Art. 156 StGB erfüllt, während die Verteidigung auf 

versuchten  Betrug  im  Sinne  von  Art. 146  Abs. 1  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22 

Abs. 1 StGB plädierte (Urk. 223 S. 54, Urk. 360 S. 3 und Urk. 445 S. 3 f.).

Der Beschuldigte bediente sich im Laufe des Chats einerseits offener Drohungen, 

um seinen zeitlichen Ultimaten (bis wann die Privatklägerin sich samt Kreditkarte 

der Mutter bei ihm einzufinden habe) Nachdruck zu verleihen. Anderseits stellte er 

ihr Belohnungen in Aussicht (bspw. sie könne ihn dann "Schatz" nennen, Urk. 17/6 

S. 31). Dann wiederum zog er vordergründig seine Forderungen wieder zurück (er 

werde einen auf der Strasse schlagen und sich so Geld besorgen, Urk. 17/6 S. 23; 

er brauche nichts mehr, ebenda S. 42 f.). Gleichzeitig kündigte er der Privatklägerin 

aber auch an, sie werde ihn nun bald für lange Monate nicht sehen, da er für elf 

Monate "ine" müsse. Das war gelogen (Prot. I S. 57), erzeugte bei der Privatkläge-

rin aber erkennbare Sorge, ihn lange nicht mehr zu sehen. Durch diese ambivalente 

Kommunikation hielt er das Gespräch und auch den Druck auf die Privatklägerin 

aufrecht, welche ihm die Online-Bestellung fast aufdrängte (sie bestelle nun trotz-

dem, Urk. 17/6 S. 52). Mit der Verteidigung ist bei dieser Sachlage das Nötigungs-

element schwächer zu gewichten, als die Lüge, welche im damaligen Umfeld (der 

Beschuldigte war in die Strafuntersuchung betreffend die Diebstähle von F._____ 

verwickelt, was schliesslich für ihn in einen Strafbefehl wegen mehrfacher Hehlerei 

mündete und was die Privatklägerin zumindest aus den Vorfällen gemäss Anklage-

sachverhalt 4 wusste) durchaus glaubhaft erschien und für die Privatklägerin auch 

nicht  überprüfbar  war  (so  auch  die  Verteidigung,  vgl.  Urk. 223  S. 53 f.).  Kommt 

- 113 -

hinzu, dass er die angeblich bevorstehende Trennung nicht als durch die Privatklä-

gerin  durch  konformes  Verhalten  abwendbar  darstellte,  da  ihm  selbst  keine  Tat-

macht zukomme, was zeigt, dass er hier primär auf ihre Trennungsangst, ihr Mitleid 

und  ihre  Hilfsbereitschaft  zielte  und  nicht  darauf,  das  von  ihm  angestrebte  Ziel 

durch physische bzw. psychische Gewalt zu erzwingen. Subjektiv ist von Vorsatz 

auszugehen. Damit ist der Beschuldigte in Gutheissung des entsprechenden An-

trags der Verteidigung (Urk. 360 S. 3 und Urk. 445 S. 3) des versuchten Betrugs im 

Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu 

sprechen. Art. 172ter StGB kommt nicht zur Anwendung, nachdem sein Vorhaben 

klarerweise darauf ausgerichtet war, von dem Privatklägerin so hohe Geldbeträge 

wie möglich erhältlich zu machen. 

e) Gemäss erstelltem Anklagesachverhalt 6 hatte der Beschuldigte am 9. Februar 

2019 mit der Privatklägerin Geschlechtsverkehr, während sie gleichzeitig N._____ 

auf Geheiss des Beschuldigten oral befriedigte. Dies ist als gemeinschaftliche Vor-

nahme sowie gemeinschaftliches Verleiten zu sexuellen Handlungen mit Kindern 

im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB 

zu qualifizieren, nachdem der Beschuldigte genau wusste, dass die Privatklägerin 

damals erst 13 Jahre alt war. 

Der Geschlechtsverkehr zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten war 

gemäss ihren Aussagen einvernehmlich und erfüllte somit keinen weiteren Straftat-

bestand. Hingegen ist der befohlene Oralverkehr mit N._____ als sexuellen Nöti-

gung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 aStGB zu qualifizieren. Die Privatklägerin willigte 

nicht einvernehmlich in diese Aktivität ein. Vielmehr fügte sie sich der Anordnung 

des Beschuldigten, nachdem er ihren verbalen Widerspruch negiert und an der Auf-

forderung festgehalten hatte. Dieses Sich-Fügen ist vor dem Hintergrund der Er-

eignisse vom 1. und 3. Februar 2019 (Anklagesachverhalte 10 und 5) nachvollzieh-

bar, hatte die Privatklägerin doch dort bereits mehrfach erlebt, dass niemand auf 

ihre Wünsche Rücksicht nehmen würde, dass eine Weigerung vielmehr den Be-

schuldigten wütend macht und ihr Schläge einbringt, wie sie es in der Vergangen-

heit  im  Zusammenhang  mit  finanziellen  Forderungen  bereits  erlebt  hatte.  Auch 

N._____ erwies sich ein weiteres Mal nicht als Verbündeter, der ihren Widerspruch 

- 114 -

stützt, sondern nützte die ausweglose Situation, in der sich das Mädchen befand, 

zumal  gegenüber  den  beiden  jungen  Männern  in  Unterzahl,  skrupellos  aus.  Der 

Beschuldigte, der nicht nur darum wusste, dass die Privatklägerin ihm in ihrer Ver-

narrtheit  kaum  etwas  abschlagen  konnte,  sondern  auch  wusste,  dass  allenfalls 

trotzdem  bestehender  Widerstand  leicht  gebrochen  werden  kann  (teilweise  ge-

nügte nach Darstellung der Privatklägerin schon ein aggressiver Blick, gepaart mit 

Zähneknirschen, womit er ihr bedeuten konnte, dass er nun dann gleich sehr wü-

tend werden würde, damit sie wusste, was nun passieren werde [Urk. 12/3/3 S. 14]; 

vgl. auch die Aussagen seiner Kollegen U._____ und N._____, dass der Beschul-

digte schnell austicke bzw. dass der Beschuldigte Angst ausgelöst habe, wenn er 

hässig geworden sei, da man ihn dann weder kontrollieren noch beruhigen könne 

[Urk. 19/1/1 S. 7, Urk. 18/7 S. 9 f., Urk. 18/8 S. 8]), setzte seine Machtposition be-

wusst ein, um seinen Willen durchzusetzen. Damit nahm er zumindest in Kauf, dass 

allein sein Verhalten sie zu den sexuellen Handlungen mit N._____ veranlasste. Da 

er durch seine Anwesenheit bzw. sogar durch die gleichzeitige Ausübung des Ge-

schlechtsverkehrs von hinten (Doggy-Style), während die Privatklägerin sich vorne 

oral bei N._____ zu schaffen machen musste, die Befolgung seines Befehls Nach-

druck  verleihen  konnte,  ist  auch  hier  die  Qualifikation  als  gemeinschaftliche  im 

Sinne von Art. 200 aStGB angezeigt. 

Gemäss  erstelltem  Sachverhalt  forderte  der  Beschuldigte  N._____  - allerdings 

erfolglos - auf, vom Geschlechtsverkehr zwischen ihm und der Privatklägerin eine 

Videoaufnahme  zu  machen.  Aufgrund  seiner  Aufforderung  an  N._____  hat  der 

Beschuldigte sich der versuchten Anstiftung zur Herstellung von Kinderpornografie 

im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 aStGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 StGB 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 200 aStGB schuldig gemacht. 

f) Hinsichtlich Anklagesachverhalt 9 ist der Beschuldigte vom Vorwurf der (fortge-

setzten) Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 2 StGB freizusprechen, da 

kein Zusammenhang zwischen der unflätigen Chatnachricht und allfälligen finanzi-

ellen Forderungen hergestellt werden kann. Allfällige Ehrverletzungsdelikte waren 

im  Übrigen  im  Zeitpunkt  der  erstinstanzlichen  Verhandlung  bereits  verjährt, 

Drohungen ebenso, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.

- 115 -

4.3.5. Mit der Vorinstanz, auf deren Erwägungen hiermit verwiesen wird (Urk. 354 

S. 375), erfüllt das in Anklagesachverhalt 13 erstellte Verhalten des Beschuldigten 

den Tatbestand der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. Dies sieht im Übrigen auch die Verteidigung 

so  (Urk. 223  S. 56  und  Urk. 360  S. 3).  Ob  eine  zusätzliche  Qualifikation  gemäss 

Art. 156 Ziff. 2 StGB erfüllt ist, wird nachfolgend unter Ziff. 4.4 zu prüfen sein.

4.3.6. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 14 ist erstellt, dass der Beschuldigte von der 

Privatklägerin in AF._____/SG sowohl die Kreditkarte ihrer Mutter forderte als auch 

die  Rückfahrtickets  für  sich  und  N._____  bezahlt  haben  wollte.  Als  die 

Privatklägerin  beides  verweigerte,  schlug  er  ihren  Kopf  mit  Wucht  gegen  einen 

Billettautomaten.  Die  Privatklägerin  konnte  in  der  Folge  flüchten,  ohne  dass  der 

Beschuldigte  die  Karte  behändigen  konnte.  Allerdings  kann  aus  dem  erstellten 

Sachverhalt  nicht  darauf  geschlossen  werden,  dass  die  Gewaltausübung  darauf 

gerichtet war, die Karte gegen den Willen der Privatklägerin erhältlich zu machen 

bzw. selbst zu behändigen sowie den Kauf der Tickets zu erzwingen, denn dann 

hätte der Beschuldigte die Privatklägerin danach wohl nicht unbeachtet gelassen 

(so ihre eigenen Aussagen, dies habe ihr die Flucht ermöglicht), sondern sie aktiv 

nach der Karte durchsucht bzw. den Druck weiter aufrecht erhalten, wie er es bspw. 

in Anklagesachverhalt 27 gemacht hat (vgl. Ziff. 3.9.27 vorstehend). Vielmehr er-

scheint der brutale körperliche Übergriff gegen die Privatklägerin als völlig unange-

brachte Reaktion auf deren Verweigerung, ihm Karte und Rückfahrticket zu geben, 

wie  sie  es  ihm  vorab  wohl  in  Aussicht  gestellt  hatte.  Dieses  Verhalten  wäre  als 

Tätlichkeit, wenn nicht gar als einfache Körperverletzung strafbar, war aber im Zeit-

punkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bereits verjährt. Mithin bleibt einzig, 

den Beschuldigten in Übereinstimmung mit der Verteidigung (Urk. 445 Rz. 21 f.) 

vom Vorwurf der versuchten räuberischen Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 und 

3 StGB verbunden mit Art. 22 Abs. 1 StGB (so der Schuldspruch der Vorinstanz in 

Abweichung vom Anklagevorwurf des versuchten Raubes) freizusprechen.

4.3.7. Vorfälle im Gartenhaus von B._____

a) Wie bereits unter Ziff. 3.8 erwähnt, sind die Vorfälle gemäss Anklagesachverhalt 

18.1  auf  den  9. April  2019,  diejenigen  gemäss  Anklagesachverhalt  18.2  auf  den 

- 116 -

10. April 2019 und diejenigen gemäss Anklagesachverhalt 15 auf den 5. Mai 2019 

zu  datieren.  Die  rechtliche  Würdigung  folgt  dieser  Chronologie.  Zwischen  dem 

10. April 2019 und dem 5. Mai 2019 ereigneten sich überdies die Vorfälle gemäss 

den Anklagesachverhalten 14 und 19. 

b) Die Beweiswürdigung hat mit Bezug auf die Ereignisse vom 9. April 2019 (An-

klagesachverhalt 18.1) ergeben, dass der Beschuldigte im Gartenhäuschen mit der 

Privatklägerin 

(von  dieser  gewollten)  Geschlechtsverkehr  hatte,  während 

AM._____ vor dem Gartenhaus wartete. Hernach hatte AM._____ mit der Privat-

klägerin drinnen einvernehmlichen Geschlechtsverkehr, während der Beschuldigte 

sich ausserhalb befand und dies (durch das Fenster) von der Privatklägerin unbe-

merkt mit seinem Mobiltelefon filmte. 

Vor diesem Hintergrund scheint es – trotz der Privatklägerin bekannten, aber den-

noch ein Mindestmass an Privatsphäre wahrenden örtlichen Nähe von AM._____ 

– vorliegend nicht gerechtfertigt, den Beschuldigten der gemeinschaftlichen sexu-

ellen  Handlung  mit  Kindern  schuldig  zu  sprechen,  nachdem  sich  der  Strafschär-

fungsgrund  von  Art. 200  aStGB  darin  begründet,  dass  die  mittäterschaftliche 

Tatausführung hinsichtlich der Verletzung der sexuellen Integrität schwerer wiege 

und eine zusätzliche Erniedrigung darstelle, als das Grunddelikt, hier jedoch, indem 

AM._____  das  Gartenhäuschen  verlassen  hatte,  während  die  Privatklägerin  mit 

dem Beschuldigten verkehrte, nicht von einer durch die Nähe verstärkten Integri-

tätsverletzung bzw. einer im eigentlichen Sinne mittäterschaftlichen Handlung ge-

sprochen  werden  kann.  Somit  ist  er  diesbezüglich  (bloss)  der  vorsätzlichen 

sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  im  Sinne  von  Art.  187  Ziff.  1  alinea  1  aStGB 

schuldig  zu  sprechen,  nachdem  er  nachgewiesenermassen  um  das  Alter  der 

Privatklägerin wusste. 

Sodann  ist  der  Vorinstanz  darin  beizupflichten,  wenn  sie  mit  Bezug  auf  den  Ge-

schlechtsverkehr zwischen AM._____ und der Privatklägerin ausführt, zwar lasse 

sich aus dem in tatsächlicher Hinsicht festgestellten Tatgeschehen in keiner Art und 

Weise eine Aufforderung seitens des Beschuldigten an die Privatklägerin entneh-

men, wonach sie den Geschlechtsverkehr mit dem Mitbeschuldigten AM._____ zu 

vollziehen bzw. zu dulden habe. Allerdings gelte es an dieser Stelle festzuhalten, 

- 117 -

dass AM._____ bereits vorgängig mit dem Beschuldigten die Möglichkeit, mit der 

Privatklägerin  sexuelle  Handlungen  vorzunehmen,  besprochen  habe.  Sowohl 

AM._____ als auch dem Beschuldigten sei dabei klar gewesen, dass das Treffen 

mit der Privatklägerin und damit auch der Geschlechtsverkehr zwischen AM._____ 

und  der  Privatklägerin  massgeblich  vom  Beschuldigten  abhängig  war,  entspre-

chend  habe  AM._____  den  Beschuldigten  auch  angewiesen,  "es"  nicht  zu  ver-

sauen. Anzumerken bleibe zudem, dass sich der Beschuldigte schliesslich im Wis-

sen um seine Machtposition, welche er dannzumal über die Privatklägerin verfügt 

habe, mit ihr und dem Mitbeschuldigten AM._____ zusammen in das Gartenhäus-

chen  begeben  habe.  Angesichts  dieser  Konstellation  und  der  vorhandenen  Um-

stände ergebe sich ohne weiteres, dass der Beschuldigte für das Treffen und damit 

auch für den Geschlechtsverkehr zwischen AM._____ und der Privatklägerin die 

treibende  Kraft  dargestellt  und  somit  schliesslich  Letztgenannte  im  Sinne  von 

Art. 187  Ziff. 1  alinea  2  aStGB  auch  zu  sexuellen  Handlungen  verleitet  habe 

(Urk. 354 S. 361 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Wiederum ist jedoch von einer zusätzli-

chen Qualifikation gemäss Art. 200 aStGB abzusehen, nachdem der grundsätzlich 

einvernehmliche Geschlechtsverkehr unter Wahrung einer minimalen Privatsphäre 

erfolgte. 

Weiter erstellte der Beschuldigte – wie bereits erwähnt – vom Geschlechtsverkehr 

zwischen AM._____ und der minderjährigen Privatklägerin mit seinem Mobiltelefon 

eine Videoaufnahme. Auch wenn er diese nachfolgend auf Geheiss vom AM._____ 

wieder  löschte,  hat  er  sich  damit  auch  der  Herstellung  von  Kinderpornografie  im 

Sinne  von  Art. 197  Abs. 4  Satz 2  aStGB  schuldig  gemacht.  Nachdem  AM._____ 

dies vorab aber weder wusste, noch willentlich mitwirkte – was sich daran zeigt, 

dass er sofort die Löschung des Videos verlangte und am Folgetag dieser Forde-

rung  ein  weiteres  Mal  Nachdruck  verlieh  (vgl.  Chatnachricht  vom  10. April  2019, 

05.55.18 Uhr [UTC+0] = 07.55.18 [MESZ], Urk. 5/1/3 S. 18) – kann entgegen der 

Anklägerin und der Vorinstanz nicht von einer gemeinschaftlichen Tatbegehung ge-

sprochen werden. Ebenso wenig kann, nachdem der Beschuldigte derartige Auf-

nahmen regelmässig an Dritte weiterzuschicken pflegte, von einer Herstellung zum 

blossen  Eigenkonsum  gesprochen  werden.  Dies  wird  seitens  des  Beschuldigten 

allerdings auch gar nicht geltend gemacht.

- 118 -

c) Am Folgetag (Anklagesachverhalt 18.2) übte der Beschuldigte selbst keine se-

xuellen Aktivitäten aus. Indes filmte er die Privatklägerin und AO._____ heimlich 

beim  Geschlechtsverkehrs,  was  als  Herstellung  verbotener  Kinderpornografie  im 

Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 aStGB zu ahnden ist. Eine gemeinschaftliche Tat-

begehung im Sinne von Art. 200 aStGB liegt bei dieser Konstellation – wie bereits 

am Vorabend – nicht vor. Ebenso wenig diente die Aufnahme bloss dem Eigen-

konsum, ist doch erstellt, dass er diese später an Dritte versandte (vgl. Anklage-

sachverhalt 22).

Weiter ist seine Rolle bei den sexuellen Handlungen von AO._____ und AM._____ 

und AL._____ mit der Privatklägerin zu analysieren. 

Der  Beschuldigte  forderte  die  Privatklägerin  gemäss  erstelltem  Sachverhalt  auf 

dem Fussweg vom Parkplatz zum Schrebergarten verbal dazu auf "es" für ihn zu 

machen  und  es  zu  geniessen.  Dieser  Hinweis  genügte,  dass  die  Privatklägerin 

– welche vorab lediglich mit einem weiteren Treffen mit AM._____ gerechnet hatte 

– wusste, was von ihr erwartet wurde, woraufhin sie im späteren Verlauf hinsichtlich 

des Geschlechtsverkehrs mit AO._____ und AL._____ keinen Widerstand (weder 

verbal  noch  physisch)  zeigte.  Hinsichtlich  AL._____  ist  zusätzlich  zu  erwähnen, 

dass  gemäss  sinngemässen  Angaben  der  Privatklägerin  der  Beschuldigte  zwar 

vorab gesagt habe, dass sie mit dem Türken nicht müsse. Als dieser dann aber 

einfach in den Raum gekommen und sich (für orale Befriedigung), den Penis bereits 

entblösst,  "dazugesetzt"  habe,  habe  sie  dann  schon  gewusst,  was  er  wolle  und 

vermutet, er habe die Bestätigung des Beschuldigten gehabt (Prot. I S. 430). Dies 

überzeugt insofern, als der Beschuldigte, der währenddessen vor dem Gartenhaus 

verblieb, jedenfalls genau wusste, wer konkret gerade zusammen mit der Privatklä-

gerin  im  Gartenhaus  war  und  nicht  zu  ihren  Gunsten  eingriff,  als  sich  auch 

AL._____ zu ihr hinein begab. Vielmehr habe er kurz reingesehen und "Mach! Mach 

weiter!" gesagt (Prot. I S. 415; der Beschuldigte schliesst dies nicht aus, vgl. Prot. I 

S. 497). 

Dass  sich  die  Privatklägerin  der  blossen  Aufforderung  fügte,  vermag  vor  dem 

Hintergrund  ihrer  extremen  Vernarrtheit  und  des  dadurch  bestehenden,  bereits 

hinlänglich diskutierten Abhängigkeitsverhältnisses nicht zu überraschen. Daraus 

- 119 -

fliessende Handlungen des Beschuldigten, die bezweckten, die Privatklägerin zur 

Duldung sexueller Handlungen zu bewegen und die nicht über ein blosses Ausnüt-

zen dieser Abhängigkeit hinausgingen, wären unter den Tatbestand von Art. 193 

Abs. 1 aStGB zu subsumieren (Ausnützen einer in einer anderen Weise begründe-

ten  Abhängigkeit).  Vorliegend  wird  dies  jedoch  den  Gesamtumständen  nicht  ge-

recht.  So  darf  nicht  ausgeblendet  werden,  dass  die  Privatklägerin  nicht  bloss  im 

Rahmen eines singulären Vorfalls dem implizierten Wunsch des Beschuldigten ent-

sprach, sondern dass sie in der Vergangenheit bereits mehrfach die Erfahrung ge-

macht hatte, dass der Beschuldigte bei Nichterfüllen seiner Wünsche zur Gewalt-

anwendung greift und generell schnell reizbar ist, wie er es auch an diesem Abend 

noch zeigte, als er sie, weil sie nachträglich ihren Unwillen durchschimmern liess 

(Tränen und Zustimmung auf AO._____s Feststellung, sie habe es nur für den Be-

schuldigten  gemacht),  derart  körperlich  anging,  dass  AM._____  eingriff  und  sich 

dazwischen setzte und auch AO._____ verbal intervenierte. Ebenso war die Privat-

klägerin wenige Wochen zuvor in der JWG W._____ in ähnlichen Überzahlkonstel-

lationen zu sexuellen Handlungen genötigt worden, indem ihr damals noch hörbar 

geäusserter Widerspruch negiert und übergangen wurde, wobei keine der involvier-

ten Drittpersonen je zu ihren Gunsten interveniert hatte. Dem Beschuldigten war all 

dies am Abend des 10. April 2019 bekannt und bewusst. Genauso musste ihm be-

kannt  und  bewusst  sein,  dass  sein  implizierter  Wunsch,  dass  sie  nun  auch  mit 

AO._____, seinem entfernten Cousin – welchem er dies vorab ohne Absprache mit 

der Privatklägerin zudem bereits sinngemäss versprochen hatte, indem er auf des-

sen Frage, ob es etwas zu ficken gebe, seinen Standort geschickt hatte (Urk. 5/2/3 

S. 1) – sexuelle Handlungen vollziehe, wie in der näheren Vergangenheit bereits 

mit quasi sämtlichen seiner gleichaltrigen Freunde, vor dem Hintergrund der ver-

gangenen Gewalterlebnisse interpretiert und befolgt werden würde. Damit nützte 

er nicht bloss das vorbestehende Abhängigkeitsverhältnis aus, sondern übte dar-

über hinaus latent drohend psychischen Druck auf sie aus, zumal spät nachts in 

der  Abgeschiedenheit  des  Schrebergartens  und  bei  alters-  und  zahlenmässiger 

Übermacht der anwesenden Männer gegenüber dem bekanntermassen erst rund 

13 ½ Jahre alten Mädchen, sodass sie im Endeffekt gegen ihren Willen die sexuel-

len Handlungen samt Beischlaf mit AO._____ und AL._____ duldete.

- 120 -

Damit machte er sich einerseits des mehrfachen Verleitens zu sexuellen Handlun-

gen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 alinea 2 aStGB schuldig, wobei hier 

auch die Qualifikation der gemeinschaftlichen Tatbegehung im Sinne von Art. 200 

aStGB erfüllt ist. Nicht nur wechselten AO._____ und AL._____ sich ab bzw. fand 

sogar eine gewisse Zeit lang ein sogenannter "Dreier" statt, auch verblieb der Be-

schuldigte in unmittelbarer Nähe und schaute dabei sogar kurz ins Gartenhaus, bei 

welcher Gelegenheit er die Privatklägerin zum Weitermachen antrieb.

Anderseits ist sein Verhalten als mehrfache, als Mittäter (vgl. hierzu die überzeu-

genden theoretischen Ausführungen der Vorinstanz in Urk. 354 S. 323) begangene 

Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB zu würdigen. Dabei handelte 

der Beschuldigte in mittelbarer Täterschaft. Eine solche liegt vor, wenn die konkret 

handelnde  Person  (Tatmittler/Vordermann)  unter  bestimmendem  Einfluss  eines 

Hintermannes  (mittelbarer  Täter)  steht.  Während  der  mittelbare  Täter  das  Delikt 

vorsätzlich begeht, können beim Tatmittler vorliegende zusätzliche Umstände zu 

einer anderen Einschätzung führen, sodass er lediglich (a) als – nicht strafbares – 

handelndes  Werkzeug  erscheint,  (b)  den  zur  Diskussion  stehenden  Tatbestand 

bloss eventualvorsätzlich oder gar (c) einen anderen – milderen – Tatbestand als 

der Hintermann erfüllt (vgl. BSK StGB-Forster, a.a.O., Vor Art. 25 N 28 ff.). Denn 

nur aufgrund seines Verhaltens liess die Privatklägerin den Geschlechtsverkehr mit 

AO._____  (sogar  zweifach)  und  AL._____  (je  Tatmittler)  zu.  Bei  beiden  übte  die 

Privatklägerin  nebst  (vaginalem)  Beischlaf  auch  Oralverkehr  aus.  Aufgrund  des 

fliessenden Ablaufs scheint es jedoch – entgegen der Ansicht der Vorinstanz (vgl. 

Urk. 354 S. 350), aber in Einklang mit den Anträgen der Anklageschrift – nicht ge-

rechtfertigt,  diese  zusätzlichen  sexuellen  Handlungen  als  jeweils  gegeneinander 

abgegrenzte, unterscheidbare Delikte zu würdigen. Mithin ist nicht zusätzlich auf 

mittäterschaftlich  begangene  sexuelle  Nötigung  im  Sinne  von  Art. 189  Abs. 1 

aStGB zu erkennen. Da es sich hierbei lediglich um eine andere rechtliche Würdi-

gung eines erstellten Sachverhaltes handelt und der Unrechtsgehalt durch die Ver-

gewaltigung abgedeckt wird, hat indes kein formeller Freispruch zu erfolgen. An-

wendbar ist jedoch Art. 200 aStGB, nachdem von gleichzeitigen bzw. sich nachfol-

genden Vergewaltigungen auszugehen ist, zumal der Beschuldigte als Treiber des 

- 121 -

Ganzen in unmittelbarer Nähe verblieb und so den nötigen Druck aufrechterhielt. 

Auf der subjektiven Seite ist hier zumindest von Eventualvorsatz zu sprechen. 

Was schliesslich den Geschlechtsverkehr zwischen AM._____ und der Privatklä-

gerin angeht, so befand sich der Beschuldigte in diesem Zeitpunkt nicht mehr vor 

Ort, auch wenn die Privatklägerin darauf hoffte, dass er mit den Einkäufen zurück-

kehren würde, weshalb sie selbst bis zu den Morgenstunden im Gartenhaus ver-

blieb (vgl. ihre Nachrichten an den Beschuldigten, Urk. 5/3/1 S. 21). Gemäss ihren 

Aussagen auch in der Hoffnung, dass es noch zu Geschlechtsverkehr mit dem Be-

schuldigten kommen würde (Urk. 12/8/6 S. 17). Weiter ergab die Sachverhaltser-

stellung, dass die Privatklägerin nicht aufgrund einer expliziten oder impliziten Auf-

forderung des Beschuldigten zu sexuellen Handlungen mit AM._____ eingewilligt 

hatte,  sondern  weil  jener  wiederholt  gebettelt  hatte,  stark  betrunken  war  und  sie 

deshalb seine Reaktion bei einer Ablehnung nicht einschätzen konnte bzw. fürch-

tete. Kommt hinzu, dass sie – nachdem es gemäss Sachverhaltserstellung bereits 

am Vorabend in besagtem Gartenhaus zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr 

mit AM._____ gekommen war – in das Treffen vom 10. April 2019 eingewilligt hatte 

im Wissen, dass auch AM._____ erneut da sein würde. Insofern bestand aus Sicht 

des  Beschuldigten  kein  Anlass,  diesbezüglich  auf  sie  nun  Druck  auszuüben  und 

konnte ein Solcher auch nicht erstellt werden. Vor diesem Hintergrund kann dem 

Beschuldigten kein strafrechtlich relevantes Verhalten angelastet werden, weshalb 

er  mit  Bezug  auf  den  Geschlechtsverkehr  zwischen  der  Privatklägerin  und 

AM._____  vom  Vorwurf  der  gemeinschaftlich  begangenen  Vergewaltigung  im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB sowie des Ver-

leitens zu sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 alinea 2 

aStGB freizusprechen ist.

d)  Am  5. Mai  2019  (Anklagesachverhalt  15)  hatte  der  Beschuldigte  zunächst  mit 

der  Privatklägerin  Oralverkehr,  währenddessen  er  P._____  aufforderte,  die 

Privatklägerin  von  hinten  vaginal  zu  penetrieren.  Während  dieser  tat,  wie  ihm 

geheissen,  überliess  der  Beschuldigte  seinen  Platz  beim  Kopf  der  Privatklägerin 

N._____,  welche  nunmehr  diesen  oral  befriedigte.  Das  Verhalten  des 

Beschuldigten  ist  entsprechend  als  gemeinschaftliche  sexuelle  Handlung  mit 

- 122 -

Kindern  im  Sinne  von  Art. 187  Ziff. 1  alinea 1  aStGB  in  Verbindung  mit  Art. 200 

aStGB sowie als mehrfaches Verleiten zu gemeinschaftlichen sexuellen Handlun-

gen  mit  Kindern  im  Sinne  von  Art. 187  Ziff. 1  alinea 2  aStGB  in  Verbindung  mit 

Art. 200 aStGB zu würdigen, da der Beschuldigte genau wusste, dass sie damals 

erst  rund  13  ½  Jahre  alt  war.  Sodann  hat  er  den  schon  hinreichend  erwähnten 

Videofilm  aufgenommen,  von  welchem  später  ein  Screenshot  kursierte.  Damit 

machte er sich der Herstellung verbotener Kinderpornografie im Sinne von Art. 197 

Abs. 4 Satz 2 aStGB schuldig. Dies war mit N._____ und P._____ vorgängig nicht 

abgesprochen,  wurde  aber  von  beiden  offensichtlich  bemerkt.  Ihrem  weiteren 

Verhalten ist sodann zumindest konkludent Zustimmung zu entnehmen, machten 

sie doch ununterbrochen weiter mit den sexuellen Handlungen. Damit machten sie 

sich  den  Tatentschluss  des  Beschuldigten  zu  eigen,  weshalb  von  einer 

gemeinsamen Tatbegehung im Sinne von Art. 200 aStGB auszugehen ist.

Weiter ist zu prüfen, ob die sexuellen Handlungen zwischen N._____, P._____ und 

der Privatklägerin auch als Nötigungsdelikte (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung) 

qualifizieren, welches der Beschuldigte im Sinne eines Mittäters (vgl. hierzu die Vor-

instanz in Urk. 354 S. 323) oder zumindest mittelbaren Täters ermöglicht hätte. 

Vor dem Hintergrund ihrer extremen Vernarrtheit und des dadurch bestehenden, 

bereits hinlänglich diskutierten Abhängigkeitsverhältnisses vermag auch hier nicht 

zu  überraschen,  dass  sich  die  Privatklägerin  der  blossen  Aufforderung  des  Be-

schuldigten fügte, ohne erkennbar Widerstand zu zeigen. Einzig dieses Abhängig-

keitsverhältnis ausnützende Handlungen des Beschuldigten, die bezweckten, die 

Privatklägerin zur Duldung sexueller Handlungen zu veranlassen, wären – wie be-

reits vorstehend unter lit. c dargetan – unter den (allerdings im Zeitpunkt der erst-

instanzlichen Verhandlung aufgrund der altrechtlichen Strafandrohung bereits ver-

jährten) Tatbestand von Art. 193 Abs. 1 aStGB zu subsumieren (Ausnützen einer 

in einer anderen Weise begründeten Abhängigkeit; heute ist dieses Delikt als Ver-

brechen ausgestaltet und mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedroht). Auch hier 

vermag dieser Gesetzesartikel jedoch nicht alle konkret herrschenden Umstände 

hinreichend abzugelten. Denn ab dem Moment, als sich die Privatklägerin nicht wie 

erwartet alleine in Gegenwart des Beschuldigten wiederfand, sondern er abspra-

- 123 -

chewidrig mit N._____ und P._____ – zwei jungen Männern, mit welchen sie der 

Beschuldigte bereits in der jüngeren Vergangenheit zu sexuellen Handlungen ge-

zwungen hatte – beim Gartenhaus aufgetaucht war, befand sie sich in einer ver-

gleichbaren  Drucksituation  wie  bei  den  früheren  Vorfällen,  insbesondere  in  der 

JWG W._____, aber auch bereits kurz davor ebenfalls im Gartenhaus. Sie sah sich 

alleine einer Überzahl junger Männer gegenüber, die klarerweise alle von ihr sexu-

elle Handlungen erwarteten und die ihr in der Vergangenheit in analogen Situatio-

nen, als sie (noch) verbale Ablehnung geäussert hatte, nicht beigestanden waren. 

Weiter war ihr damals auch hinlänglich bewusst (gemacht worden), dass der Be-

schuldigte es jeweils mit Schlägen und der Androhung von Kontaktabbruch quittiert, 

wenn sie seinen Wünschen nicht Folge leistet (so bspw. wieder geschehen kurz 

zuvor in AF._____ [Anklagesacherhalt 14], als er unter anderem ihren Kopf gegen 

den  Billettautomaten  geschlagen  hatte  sowie  im  Hauptbahnhof  Zürich  [Anklage-

sachverhalt 19], als er sie mehrfach derart ins Gesicht schlug, dass dieses stark 

anschwoll). Angesichts dieser Umstände war die Situation für sie aussichtslos und 

weitergehender Widerstand, als die gegenüber N._____ zurückhaltend geäusserte 

Ablehnung, weder zumutbar noch aussichtsreich. Mithin sind die sexuellen Hand-

lungen  mit  N._____  und  P._____  (Beischlaf  sowie  separater  Oralverkehr,  vgl. 

hierzu die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in Urk. 354 S. 350 f., auf wel-

che diesbezüglich vollumfänglich verwiesen wird [Art. 82 Abs. 4 StPO]) als mehrfa-

che,  zumindest  eventualvorsätzliche  Vergewaltigungen  im  Sinne  von  Art. 190 

Abs. 1 aStGB sowie mehrfache sexuelle Nötigungen im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

aStGB, je in Verbindung mit Art. 200 aStGB, zu würdigen. Denn der Beschuldigte 

wusste um die Abhängigkeit der Privatklägerin und ebenso um seine gewalttätigen 

Ausbrüche,  wenn  sie  seine  Wünsche  nicht  erfüllte,  mithin  nahm  er  zumindest  in 

Kauf, dass sie nur aus Angst vor weiteren Schlägen seiner Forderung nach sexu-

eller Interaktion mit N._____ und P._____ nachkam (vgl. auch die Erwägungen der 

Vorinstanz  in  Urk. 354  S. 332 ff.,  auf  die  in  Anwendung  von  Art. 82  Abs. 4  StPO 

ergänzend verwiesen wird). 

Das überraschende, kurzzeitige Einführen des Golfschlägers in die Vagina der Pri-

vatklägerin wäre im Übrigen als sexuelle Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 1 

aStGB zu würdigen. Als Übertretungstatbestand, begangen als Minderjähriger, war 

- 124 -

dies  allerdings  im  Zeitpunkt  der  erstinstanzlichen  Verhandlung  bereits  verjährt, 

weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist (so bereits die Vorinstanz, vgl. Urk. 354 

S. 344).

Bereits  rechtskräftig  ist  im  Übrigen  der  Schuldspruch  wegen  Inverkehrsetzung 

verbotener Kinderpornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 aStGB.

4.3.8. Gemäss  in  Anklagesachverhalt  19  erstelltem,  vor  dem  soeben  beurteilten 

letzten  Vorfall  im  Gartenhaus  zu  datierendem  Ereignis  kann  dem  Beschuldigten 

nicht nachgewiesen werden, dass seine Gewaltausübung gegenüber der Privatklä-

gerin bezweckte, von ihr die Kreditkarte ihrer Mutter zu erpressen, um damit unbe-

rechtigt Einkäufe tätigen zu können. Vielmehr ist darin eine (weitere) unbeherrschte 

und grundsätzlich strafwürdige (aber verjährte) Reaktion darauf, dass die Privatklä-

gerin ihm kein Bargeld überbracht hatte, zu sehen. Daraufhin bot ihm die Privatklä-

gerin deshalb an, mit der auf dem Mobiltelefon hinterlegten Kreditkarte für ihn ein-

zukaufen, damit er aufhört, sie zu schlagen und zu würgen. Für einmal konnte sie 

dies nicht mehr stoisch ertragen, da ihr Gesicht sie stark schmerzte. Bis zu diesem 

Vorschlag war dem Beschuldigten nicht bekannt, dass sie über eine auf dem von 

ihr benützten Mobiltelefon hinterlegte Kreditkarte verfügen kann.

Mithin fehlt es – entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 354 S. 376 f.), aber mit der Ver-

teidigung (Urk. 223 S. 66 f. und Urk. 445 S. 5 f.) – an der für die Subsumtion unter 

den  Tatbestand  der  Erpressung  notwendigen  Kausalität  der  Nötigungshandlung 

zur nachfolgenden, unberechtigten Vermögensdisposition. Jedoch wusste der Be-

schuldigte, dass er nicht berechtigt war, unter Verwendung des Geheimcodes des 

Mobiltelefons über die Kreditkarte der Mutter der Privatklägerin Einkäufe zu tätigen. 

Damit  ist  er  –  der  Verteidigung  folgend  (vgl.  Urk. 223  S. 67,  Urk. 360  S. 3  und 

Urk. 445 S. 6) – des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage 

gemäss  Art. 147  Abs. 1  StGB  schuldig  zu  sprechen  (BSK  StGB-Fiolka,  2019, 

Art. 147 N 11 f.). Ein Freispruch vom Vorwurf der Erpressung hat sodann nicht zu 

erfolgen,  nachdem  der  vorliegende  Lebenssachverhalt  lediglich  einer  anderen 

rechtlichen Würdigung unterzogen wird. 

- 125 -

4.3.9. Die bezüglich Anklagesachverhalt 20 erstellten Handlungen des Beschuldig-

ten sind in rechtlicher Hinsicht wie folgt zu würdigen: 

-

wie  den  vorliegenden  WhatsApp-Nachrichten  vom  9.   Mai  2019  unmissver-

ständlich zu entnehmen ist, machte der Beschuldigte ein Treffen mit der Privatklä-

gerin davon abhängig, dass sie ihm das verlangte Geld (Fr. 5'000.–) besorgt und 

mitbringt, dies ist als versuchte Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB zu 

würdigen  (vgl.  ergänzend  die  Ausführungen  der  Vorinstanz  in  Urk. 354  S. 377 f.; 

Art. 82 Abs. 4 StPO; ob von fortgesetzter Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 2 

StGB auszugehen ist, wird nachfolgend unter Ziff. 4.4 zu prüfen sein);

-

der einvernehmliche Geschlechtsverkehr mit der damals, wie dem Beschul-

digten  bekannt  war,  erst  13  ½-jährigen  Privatklägerin  im  Solarium  erfüllt  den 

Tatbestand  der  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  im  Sinne  von  Art. 187  Ziff. 1 

alinea 1 StGB; F._____ war zwar im gleichen Raum anwesend, jedoch kann nicht 

im Sinne von Art. 200 StGB von einer mittäterschaftlichen Unterstützung gespro-

chen  werden,  womit  dieser  Qualifikationsgrund  vorliegend  nicht  zur  Anwendung 

kommt; 

-

nachdem  nicht  erstellt  werden  konnte,  dass  der  Beschuldigte  sich  von 

F._____ dafür hatte bezahlen lassen, dass er F._____ mit der Privatklägerin Sex 

haben lässt, fehlt einer Verurteilung wegen Menschenhandel im Sinne von Art. 182 

Abs. 1 und 2 StGB die Grundlage; der Beschuldigte ist von diesem Vorwurf freizu-

sprechen;

-

hingegen  ist  die  klare  Aufforderung  an  die  Privatklägerin,  nun  auch  mit 

F._____ im Solarium Geschlechtsverkehr zu haben, mit Blick auf das jugendliche 

Alter der Privatklägerin, die örtliche Situation (abgeschieden in der Solariumkabine 

mit zwei Männern), die gesamte Vorgeschichte (insbesondere der nur kurz davor 

geschehenen Ereignisse im Gartenhäuschen, Anklagesachverhalte 15 und 18.2) 

und die Beziehungsstruktur zwischen den beiden (vgl. Ziff. 3.7.2-3 hiervor), wobei 

der Beschuldigte um die ihm aufgrund der extremen Vernarrtheit der Privatklägerin 

zukommende Machtposition wusste, als Versuch, sie durch psychischen Druck zur 

Duldung des Geschlechtsverkehrs mit F._____ zu nötigen, zu würdigen, weshalb 

- 126 -

der  Beschuldigte  der  versuchten  Vergewaltigung  im  Sinne  von  Art. 190  Abs. 1 

aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB und Art. 22 Abs. 1 StGB zu verurteilen ist 

(betreffend  die  Würdigung  der  Schläge  vgl.  nachfolgende  Ausführungen);  auch 

wenn  F._____  selber  –  ausser  in  Erwartung  der  Kooperation  der  Privatklägerin 

schon einmal die Hosen runterzulassen – aktiv noch keinerlei unterstützende bzw. 

die  psychische  Bedrängnis  der  Privatklägerin  erhöhende  Handlungen  unternom-

men  hat,  war  der  Vorsatz  des  Beschuldigten  doch  auf  einen  gemeinschaftlichen 

Missbrauch gerichtet, was hier die Anwendung von Art. 200 aStGB materiell recht-

fertigt; 

-

ebenso  erfüllt  das  vorgenannte  Verhalten  (in  Idealkonkurrenz)  den  Tatbe-

stand  des  versuchten  Verleitens  zu  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  im  Sinne 

von Art. 187 Ziff. 1 alinea 2 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB und Art. 22 

Abs. 1 StGB; die Vorinstanz sah von einer derartige Verurteilung denn auch nur ab, 

weil sie den diesbezüglich vorgehenden Tatbestand des Menschenhandels erfüllt 

sah (vgl. Urk. 354 S. 364 f.);

-

die Schläge als Reaktion auf die Weigerung der Privatklägerin, mit F._____ 

im Solarium Geschlechtsverkehr zu haben (sowie weil die Privatklägerin dem Be-

schuldigten kein Geld gebracht hatte, was dem Beschuldigten in der Anklageschrift 

so aber gar nicht vorgeworfen wird), dienten gemäss Anklageschrift einzig der Be-

strafung; mithin kann darin weder mit Blick auf den vom Beschuldigten verlangten 

Geschlechtsverkehr  mit  F._____  noch  hinsichtlich  zukünftiger  Geldforderungen 

eine Nötigungshandlung gesehen werden, weshalb eine Verurteilung wegen ver-

suchter Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB ausser Betracht fällt; 

die  Schläge  sind  zweifellos  als  einfache  Körperverletzung  zu  qualifizieren,  diese 

waren jedoch, da sie gerade noch unter das Jugendstrafrecht fallen, im Zeitpunkt 

der erstinstanzlichen Verhandlung verjährt.

4.3.10. Mit Bezug auf den erstellten Anklagesachverhalt 21 qualifiziert die Ankün-

digung, acht Neger zu holen, die die Privatklägerin ficken würden, sodass sie nicht 

wisse,  von  wem  sie  schwanger  sei,  wenn  sie  ihm  kein  Geld  bringe,  klar  als  An-

drohung  eines  ernstlichen  Nachteils  im  Sinne  von  Art. 156  Ziff. 1  StGB.  Sodann 

können – in Abweichung von der Vorinstanz – auch die Ohrfeigen erstellt werden. 

- 127 -

Drohung und Gewaltzufügung bezweckten, das Verhalten der Privatklägerin dahin 

zu beeinflussen, dass sie dem Beschuldigten Geld bringt. Aufgrund der zeitlichen 

Nähe zu den Vorfällen in Anklagesacherhalt 20 ist sodann unzweifelhaft, dass der 

Beschuldigte konkret auf die Geldsumme abzielte, welche die Privatklägerin dort 

mitzubringen versprochen hatte. Dies erhellt auch daraus, dass hernach gemein-

sam besprochen wurde, wie sie das Geld am besten beschaffen kann (Urk. 14/4/6 

S. 28 f. und S. 31 f.). Dass dem Beschuldigten dieses Geld nicht zustand, ist offen-

sichtlich. Nachdem eine tatsächliche Geldübergabe jedoch weder behauptet wurde 

noch  erstellt  werden  könnte,  ist  der  Beschuldigte  der  versuchten  Erpressung  im 

Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu 

sprechen. Eine Qualifikation nach Art. 156 Ziff. 3 StGB verbietet sich infolge (teil-

weisen) Rückzugs der Anschlussberufung der Oberjugendanwaltschaft. Inwiefern 

zusätzlich  der  Qualifikationsgrund  der  fortgesetzten  Tatbegehung  nach  Art. 156 

Ziff. 2 StGB zu Anwendung kommt, ist nachfolgend unter Ziff. 4.4 zu prüfen.

4.3.11. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 23 sind die Schuldsprüche betreffend An-

stiftung  zu  Diebstahl  und  Urkundenfälschung  bereits  in  Rechtskraft  erwachsen. 

Dasselbe gilt für die erfolgten Freisprüche betreffend Hehlerei und Erpressung. 

4.3.12. Die Geldtransaktion in Anklagesachverhalt 24 ist mit der Vorinstanz als räu-

berische Erpressung (Todesdrohungen) im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB 

zu würdigen. Entsprechend kann vollumfänglich auf die Erwägungen im angefoch-

tenen Urteil verwiesen werden (Urk. 354 S. 379 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Kein Zwei-

fel kann insbesondere daran bestehen, dass der Beschuldigte um die von E._____ 

in seiner Gegenwart ausgestossenen Todesdrohungen wusste und diese billigte, 

da sie ihn seinem Ziel, von der Privatklägerin eine hohe Geldsumme zu erhalten, 

näher brachte. Mithin ist von mittäterschaftlichem Vorgehen auszugehen. Die von 

der  Verteidigung  ins  Spiel  gebrachte  Betrugsthese  (vgl.  Urk. 223  S. 68 f.,  und 

Urk. 360 S. 3) verfängt schon deshalb nicht, weil aus dem erstellten Sachverhalt 

klar hervorgeht, dass die Privatklägerin sich aus Angst vor den Folgen einer Wei-

gerung entschloss, das Geld zu übergeben, nicht um dem Beschuldigten den vor-

gelogenen Bedarf nach einer Finanzierung der Rückreise bzw. eines längeren Auf-

enthaltes  im  Kosovo  zu  erfüllen.  Inwiefern  auch  von  einer  Qualifikation  nach 

- 128 -

Art. 156 Ziff. 2 StGB (fortgesetzte Tatbegehung) auszugehen ist, wird nachfolgend 

unter Ziff. 4.4 zu klären sein.

Sodann gestand der Beschuldigte den einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit 

der Privatklägerin ein. Dadurch erfüllte er ein weiteres Mal vorsätzlich den Tatbe-

stand der sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 alinea 1 

aStGB. Da sich E._____ gemäss Angaben der Privatklägerin in diesem Zeitpunkt 

nicht im Zimmer befand und sie sich offenbar durch seine mittelbare Anwesenheit 

auch nicht gestört fühlte, liegt kein Anwendungsfall von Art. 200 aStGB vor. 

Was  schliesslich  den  Vorwurf  der  Vergewaltigung  im  Sinne  von  Art. 190  Abs. 1 

aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB angeht, so wurde die Privatklägerin hier 

nicht bloss unter Ausnützung ihrer emotionalen Abhängigkeit vom Beschuldigten 

psychisch unter Druck gesetzt, sondern sie wurde unter Androhung von Waffenge-

walt  und  mittels  Ohrfeigen  zur  Kooperation  gezwungen.  Indem  der  Beschuldigte 

die  durch  das  Verhalten  von  E._____  hervorgerufene  Angst  der  Privatklägerin 

durch den Hinweis verstärkte, sie solle jenen nicht an die sich im Zimmer befindli-

che Bauchtasche gelangen lassen, wodurch er implizierte, dass sich darin die von 

E._____ erwähnte Feuerwaffe befinde, überschritt er die Grenze vom Zuschauer 

zum aktiven Unterstützer und Mittäter der Vergewaltigung. Durch seine Intervention 

zeigte der Beschuldigte nicht nur auf, dass er mit dem Vorgehen von E._____ ein-

verstanden ist, was diesen in seinem Tun bestärkte, er machte der Privatklägerin 

auch klar, dass von seiner Seite  keine Hilfe kommen würde, sondern sie sich in 

dem abgeschiedenen Motel im Kosovo einer gewaltbereiten Überzahl gegenüber 

sah.  Am  Erfüllen  des  objektiven  Tatbestands  kann  damit  kein  Zweifel  bestehen. 

Subjektiv war dem Beschuldigten aufgrund der Situation, insbesondere der verbal 

und  physisch  geäusserten  Abwehr  bewusst,  dass  die  Privatklägerin  keinen  Ge-

schlechtsverkehr  mit  E._____  wollte  und  einzig  aufgrund  der  Drohungen  und 

Schläge schliesslich zu einem gewissen Grad kooperierte. Damit ist von direktvor-

sätzlicher Tatbegehung auszugehen. 

An  sich  würde  das  Filmen  des  erzwungenen  Geschlechtsverkehrs  zwischen 

E._____  und  der  Privatklägerin  auch  als  Herstellung  von  verbotener  Kinder-

pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 aStGB qualifizieren. Jedoch haben 

- 129 -

weder die (Ober-)Jugendanwaltschaft noch die Vorinstanz den Sachverhalt unter 

diesem  Aspekt  gewürdigt,  zumal  sich  hier  auch  noch  die  Frage  nach  der  inter-

national-beidseitigen  Strafbarkeit  gemäss  Art. 7  Abs.1  lit. a  StGB  stellen  würde. 

Diese braucht vorliegend jedoch nicht beantwortet zu werden, da ein zusätzlicher 

Schuldspruch  im  Berufungsverfahren  gegen  das  Verschlechterungsverbot  ver-

stossen würde. 

4.3.13. Die  in  Anklagesachverhalt  27  erstellten  Handlungen  (Frage  nach  Geld; 

Durchsuchen der Tasche der Privatklägerin; Behändigen der darin aufgefundenen 

Fr. 50.–; Ohrfeige der Privatklägerin; Rückgabe des Geldes, nachdem N._____ in-

terveniert  und  die  Privatklägerin  ihm  für  einen  späteren  Zeitpunkt  eine  grössere 

Geldsumme in Aussicht gestellt hatte) sind als versuchter Diebstahl im Sinne von 

Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zu würdigen. Da der 

Beschuldigte die Absicht hatte, einen möglichst hohen Geldbetrag von der Privat-

klägerin zu erlangen, scheidet die Anwendbarkeit von Art. 172ter StGB (geringfügi-

ges Vermögensdelikt) von vornherein aus. Zu erwähnen ist an dieser Stelle jedoch, 

dass  der  Beschuldigte  zumindest  teilweise  aus  eigenem  Antrieb  von  der  Vollen-

dung des Delikts im Sinne von Art. 23 Abs. 1 StGB abgesehen hat (vgl. Urk. 354 

S. 417). Die Ohrfeige ist zudem mit der Verteidigung (Urk. 445 Rz. 44 f.) als Tät-

lichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB zu würdigen. 

4.3.14. Wie vorab festgestellt, ist mit Bezug auf Anklagesachverhalt 28 der erstin-

stanzliche Schuldspruch wegen versuchter Anstiftung zu Diebstahl im Sinne von 

Art. 24 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 1 StGB in Rechtskraft erwach-

sen.  Da  der  Beschuldigte  seinen  Diebstahlsanstiftungsversuch  mit  einem  ange-

drohten Kontaktabbruch untermauerte, ist er zusätzlich – wie dies bereits die Vor-

instanz erwogen hat (Urk. 354 S. 381 f. und S. 399) – und entgegen der Verteidi-

gung  (Urk.  445  Rz.  46  f.)  der  versuchten  Nötigung  im  Sinne  von  Art. 181  StGB 

schuldig zu sprechen. Denn auch wenn die Androhung des Kontaktabbruches ge-

mäss erstelltem Sachverhalt bei der Privatklägerin nicht den gewünschten Erfolg 

erzielte, da sie sich damals aus anderen Gründen verpflichtet sah, den Beschuldig-

ten so gut wie möglich zu unterstützen und zudem konkret seinem Wunsch, Geld 

zu besorgen, notfalls zu stehlen, damals auch nicht nachkam, so war er aufgrund 

- 130 -

der bisherigen Beziehungsgeschichte doch klar im Bilde darüber, wie sehr die Pri-

vatklägerin emotional an ihm hing und wie schwer sein ablehnendes Verhalten sie 

treffen würde. Im Wissen um diese Umstände setzte er seiner – unberechtigten – 

Geldforderung bewusst die Drohung, wenn sie nicht liefere den Kontakt abzubre-

chen, hintan, womit er zumindest in Kauf nahm, dass erst diese sie zum gewünsch-

ten Verhalten verleiten würde. Mithin ist auch der subjektive Tatbestand klar erfüllt.

4.3.15. Hinsichtlich Anklagesachverhalt 30 steht in tatsächlicher Hinsicht fest, dass 

der Beschuldigte anfangs Dezember 2019 den Geschlechtsverkehr mit der Privat-

klägerin an seinem damaligen Wohnort in den Räumlichkeiten einer Wohngruppe 

der Stiftung für Ganzheitliche Betreuung in AV._____ vollzog, weshalb er mit direk-

tem Vorsatz sexuelle Handlungen mit ihr vorgenommen und damit den Tatbestand 

der sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 alinea 1 StGB 

erfüllt hat. 

4.3.16. In Anklagesachverhalt 31 konnte erstellt werden, dass der Beschuldigte die 

Privatklägerin  –  nachdem  er  vorgängig  während  mehrerer  Tage  via  WhatsApp-

Nachrichten hohe Geldbeträge von der Privatklägerin gefordert und sie ihm diese 

auch in Aussicht gestellt hatte – am 27. Dezember 2019 zusammen mit AW._____ 

in AQ._____ abholte und ihr, nachdem sie ihm gesagt hatte, dass sie kein Geld 

habe, ihren Kopf gewaltsam an die Autotüre geschlagen hatte. Dies geschah in der 

Nacht,  bevor  die  Privatklägerin  –  wie  beide  wussten  –  für  längere  Zeit  ins  Heim 

musste. 

Mit der Vorinstanz erfüllen die im Rahmen des Chatverkehrs ausgestossenen Dro-

hungen  (bspw.  Urk. 17/35  S. 53:  "Gahn  go  abhebe  oder  du  lebsch  nüm",  S. 93: 

"Wetsch kassiere", S. 95: "Ich schwöre wenn nöd paarat Bisch block ich dich unf 

denn isch gsi) in Verbindung mit den nachdrücklichen Geldforderungen den Tatbe-

stand der versuchten räuberischen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 3 

StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB.  Ebenso  beizupflichten  ist  ihr  darin, 

dass die Aussage der Privatklägerin, sie habe gewusst was sie erwartet, weil sie 

kein Geld gehabt habe, und es sei ihr egal gewesen, da sie ihn einfach noch einmal 

habe  sehen  wollen  (Urk. 14/5/5  S. 26),  weder  die  Drohungen  noch  das  nachfol-

gende Verhalten des Beschuldigten zu rechtfertigen oder zu entschuldigen vermö-

- 131 -

gen.  Denn  auch  ein  aufgrund  früherer  Gewalterfahrungen  abgestumpftes  Opfer 

verdient Schutz bzw. ändert dies an der Schwere der Drohungen nichts (vgl. hierzu 

auch die Ausführungen der Vorinstanz in Urk. 354 S. 382 f., auf die ergänzend ver-

wiesen wird). Ob auch der Tatbestand der fortgesetzten Erpressung im Sinne von 

Art. 156 Ziff. 2 StGB erfüllt ist, ist nachfolgend unter Ziff. 4.4 zu prüfen.

Der Gewaltausbruch im Fahrzeug, nachdem der Beschuldigte erfahren hatte, dass 

die Privatklägerin kein Geld hat, ist demgegenüber als blosse, unangemessene Re-

aktion auf diese Mitteilung zu verstehen und nicht als zusätzlichen Versuch, nun 

gewaltsam Geld von ihr zu erpressen. Schliesslich war beiden bekannt, dass die 

Privatklägerin am folgenden Morgen auf unbestimmte Zeit ins Heim eingewiesen 

werden würde und so gar keine Möglichkeit mehr hatte, bei den Eltern für den Be-

schuldigten Geld zu stehlen. Nachdem das Kopfanschlagen sodann gemäss den 

Ausführungen der Privatklägerin zu keinen weitergehenden Verletzungsfolgen als 

"ein bisschen Kopfweh" geführt hat und somit als blosse Tätlichkeiten zu qualifizie-

ren  ist,  ist  darauf  mangels  Strafantrags  nicht  weiter  einzugehen  (die  Konstituie-

rungserklärung vom 12. Dezember 2019 [Urk. 22/1/001] genügt hierfür schon aus 

zeitlichen Gründen nicht, liegt sie doch vor dem Tatzeitpunkt).  

4.4. Der  Beschuldigte  hat  am  30. März  2019  (Anklagesachverhalt  13),  am 

tt.mm.2019 (Anklagesachverhalte 20 und 21), am 25. Juli 2019 (Anklagesachver-

halt 24) sowie Ende Dezember 2019 (Anklagesachverhalt 31) fünfmal versucht, die 

Privatklägerin zu erpressen, wobei es ihm am 25. Juli 2019 einmal auch tatsächlich 

gelungen ist (vollendete Tatbegehung). Mindestens zweimal (Anklagesachverhalt 

24 und 31) griff er dabei zu Gewalthandlungen und erfüllte so den Qualifikations-

grund  gemäss  Art. 156  Ziff. 3  StGB  (räuberische  Erpressung).  Diese  Taten  mit 

Blick auf die Qualifikation nach Art. 156 Ziff. 2 StGB (fortgesetztes Delikt, vgl. zum 

Inhalt  die  zutreffende  Tatbestandsbeschreibung  der  Vorinstanz  in  Urk. 354 

S. 383 f.) ausser Acht zu lassen, wie dies die Vorinstanz gemacht hat, überzeugt 

nicht.  Auch  sie  richten  sich  gegen  dasselbe  Opfer  und  verstärken  damit  dessen 

durch die mehrfache Wiederholung vermitteltes Gefühl, "nie mehr frei zu sein" (vgl. 

PK StGB-Trechsel/Crameri 2021, Art. 156 N 14; BSK StGB-Weissenberger, 2019, 

Art. 156 N 40). Durch die zusätzliche Eskalation in Gestalt von Gewaltanwendun-

- 132 -

gen bzw. Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben wird dieses 

Gefühl vielmehr noch akuter. 

Kam die Vorinstanz bereits unter Ausklammerung der räuberisch (versuchten) De-

likte  mit  überzeugender  Begründung,  auf  welche  hiermit  verwiesen  wird  (Art. 82 

Abs. 4  StPO),  zum  Schluss,  dass  von  fortgesetzter  Tatbegehung  im  Sinne  von 

Art. 156 Ziff. 2 StGB auszugehen ist (vgl. Urk. 354 S. 384 f.), so trifft dies erst Recht 

zu, wenn man alle Erpressungsdelikte in die Beurteilung miteinbezieht. Begeht der 

Täter ferner vollendete und versuchte gleichartige Delikte und handelt er dabei ge-

werbsmässig, geht der Versuch im vollendeten gewerbsmässigen (Kollektiv-) Delikt 

auf (BSK StGB-Weissenberger, a.a.O., Art. 156 N 38). Dies hat auch für das fort-

gesetzte (Erpressungs-)Delikt zu gelten. Art. 22 Abs. 1 StGB ist daher entgegen 

der Auffassung der Verteidigung (Urk. 445 S. 5) nicht im Schuldspruch zu erwäh-

nen. Der Beschuldigte ist somit hinsichtlich der von ihm begangenen Erpressungs-

delikte  insgesamt  der  fortgesetzten,  teilweise  räuberischen  Erpressung  im  Sinne 

von Art. 156 Ziff. 1 und 2, teilweise in Verbindung mit Ziff. 3 StGB schuldig zu spre-

chen. Nachdem hier die per 1. Juli 2023 in Kraft getretene Strafrahmenharmonisie-

rung eine Herabsetzung der Strafuntergrenze von einem Jahr Freiheitsstrafe auf 

sechs Monate gebracht hat, erweist sich das neuere Recht als milder im Sinne von 

Art. 2 Abs. 2 StGB und ist somit zur Anwendung zu bringen. Da der Strafrahmen 

durch  die  doppelte  Qualifikation  nicht  zusätzlich  erweitert  wird,  wird  diesem 

Umstand im Rahmen der konkreten Strafzumessung straferhöhend Rechnung zu 

tragen sein.

Dass ein Teil der im Rahmen dieser Qualifikation zusammengefassten Delikte noch 

im  Jugendalter  begangen  wurde,  ändert  nichts  daran,  dass  sie  einer  Gesamt-

betrachtung zu unterziehen sind, deren Abschluss ins Erwachsenenalter fällt (vgl. 

zum  analogen  Fall  notwendiger  zeitlicher  Zuordnung  BGE  145  IV  377,  Urteile 

6B_759/2019  vom  11. März  2020,  6B_93/2021  vom  6. Oktober  2021  und 

6B_752/2021 vom 27. Januar 2022). 

- 133 -

4.5.

Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschuldigte  zusätzlich,  da 

Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe fehlen,



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

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

der  mehrfachen,  teilweise  versuchten  Vergewaltigung  im  Sinne  von 
Art. 190  Abs. 1  aStGB  in  Verbindung  mit  Art. 200  aStGB,  teilweise  in 
Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB  (Anklagesachverhalte  5,  10,  15, 
18.2, 20 und 24)

der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 aStGB 
in Verbindung mit Art. 200 aStGB (Anklagesachverhalte 2, 6 und 15)

des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklagesachver-
halt 1)

der  fortgesetzten,  teilweise  räuberischen  Erpressung  im  Sinne  von 
Art. 156 Ziff. 1 und 2, teilweise in Verbindung mit Ziff. 3 StGB (Anklage-
sachverhalt 13, 20, 21, 24 und 31)

des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 27)

der mehrfachen, teilweise versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern 
im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB, 
teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalt 2, 
6, 10, 15, 20 und 18.2)

der  mehrfachen  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  im  Sinne  von 
Art. 187 Ziff. 1 aStGB (Anklagesachverhalte 5, 18.1, 24 und 30)

der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 aStGB, 
teilweise in Verbindung mit Art. 200 aStGB (Anklagesachverhalte 10, 15, 
18.1, 18.2 und 24) 

der versuchten Anstiftung zu Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 
Satz 2 aStGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 StGB in Verbindung mit 
Art.  22  Abs.  1  StGB  in  Verbindung  mit  Art.  200  aStGB  (Anklagesach-
verhalt 6)

des versuchten Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalt 7)

des  betrügerischen  Missbrauchs  einer  Datenverarbeitungsanlage  im 
Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalt 19) 

der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Anklagesachver-
halt 28) sowie

der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklagesachver-
halt 27)

schuldig zu sprechen ist. 

- 134 -

Zudem ist er zusätzlich von den Vorwürfen 









des Menschenhandels gemäss Art. 182 StGB (Anklagesachverhalt 20), 

der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB in Verbindung 
mit Art. 200 aStGB (Anklagesachverhalt18.2 [betreffend AM._____]),

der  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  im  Sinne  von  Art. 187  Ziff. 1 
aStGB (Anklagesachverhalt 18.2 betreffend AM._____)

der mehrfachen, teilweise qualifizierten bzw. versuchten Erpressung im 
Sinne  von  Art. 156  Ziff.  1,  2  und  3  StGB,  teilweise  in  Verbindung  mit 
Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalte 3, 9, 14 und 20)

freizusprechen.

5.

Strafzumessung und Vollzug

5.1. Der Beschuldigte ist ein sogenannter  Übergangstäter, welcher sowohl vor 

Erreichen  der  Mündigkeit  (Anklagesachverhalte  1-7,  10,  13,  15,  18-21)  als  auch 

danach (Anklagesachverhalte 22-31) Delikte begangen hat, welche nun gleichzeitig 

zu bestrafen sind. Gemäss Art. 3 Abs. 2 JStG ist dabei hinsichtlich der Sanktion nur 

das  Strafgesetzbuch  anwendbar,  wobei  aber  im  Rahmen  der  Gesamtstrafen-

bildung die vor dem 18. Geburtstag begangenen Delikte nicht stärker ins Gewicht 

fallen dürfen, als wenn sie für sich alleine (nach den Regeln des Jugendstrafrechts) 

beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 3 StGB). Eine Ausnahme von der ausschliess-

lichen Anwendbarkeit des StGB greift Platz, wenn der Täter einer Massnahme be-

darf; in diesem Fall ist diejenige Massnahme nach dem StGB oder nach dem JStG 

anzuordnen,  die  nach  den  Umständen  erforderlich  und  erfolgversprechend  ist 

(Art. 3 Abs. 2 Satz 3 JStG).

5.2. Die Vorinstanz hat die somit anwendbaren Grundsätze der Strafzumessung 

nach Art. 47 StGB und der Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB zutref-

fend und überzeugend dargelegt (Urk. 354 S. 403 ff. Ziff. 2). Hierauf kann verwie-

sen werden. Die begangene Tätlichkeit stellt zudem eine Übertretung dar. Für die 

Übertretung ist von Gesetzes wegen eine Busse auszusprechen (Art. 103 StGB).

5.3. Der Beschuldigte hat einen grossen Teil seiner heute zu beurteilenden Taten 

vor Erlass des Strafbefehls der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 31. Juli 2019 

begangen, womit er wegen mehrfacher Hehlerei zu einer persönlichen Leistung im 

- 135 -

Sinne  von  Art. 23  JStG  von  35  Tagen  (wovon  21  Tage  bedingt  aufgeschoben 

wurden) verpflichtet worden war (Urk. 1/1/65). Nachdem heute die Bestrafung mit 

einer persönlichen Leistung ausser Betracht fällt, da nur Sanktionen nach Erwach-

senenstrafrecht zur Anwendung kommen (Art. 3 Abs. 2 JStG), und auch nicht ta-

tangemessen wäre (vgl. Ziff. 5.6.2 nachfolgend), stellt sich mangels Gleichartigkeit 

der  Strafen  die  Frage  einer  Zusatzstrafe  vorliegend  nicht  (vgl.  BGE  144  IV  217, 

BGE 142 IV 265; so auch bereits die Vorinstanz in Urk. 354 S. 430 f.). Jedoch stellt 

der ergangene Strafbefehl (auch: "Ersturteil") dennoch eine im Rahmen der Straf-

zumessung  zu  berücksichtigende  Zäsur  dar,  indem  zwischen  den  Straftaten,  die 

davor  und  denjenigen,  die  danach  begangen  wurden,  zu  unterscheiden  ist.  Ge-

mäss neuerer Praxis des Bundesgerichts sind für die beiden Phasen gesonderte 

Strafzumessungen vorzunehmen und die resultierenden Strafen sodann – selbst 

bei Gleichartigkeit – zu kumulieren, anstatt daraus in Anwendung des Asperations-

prinzips eine Gesamtstrafe zu bilden (vgl. BGE 145 IV 1 E. 1 = Pra 108 Nr. 137, 

BGE 145 IV 377 E. 2.3.2, Urteil 6B_759/2019 vom 11. März 2020 E. 2.3.2, Urteil 

6B_192/2020  vom  19. August  2020  E. 2.4;  Mathys,  Leitfaden  Strafzumessung, 

2. Auflage 2019, N 549 ff.). 

Damit wird im Folgenden zunächst für die vor dem 31. Juli 2019 begangenen De-

likte (betreffend die Anklagesachverhalte 1-7, 10, 13, 15, 18-25) sowie die danach 

begangenen Delikte (betreffend die Anklagesachverhalte 26-31) je eine gesonderte 

Strafzumessung vorzunehmen sein. 

5.4.

In Erinnerung zu rufen ist an dieser Stelle zudem, dass – mit Ausnahme des 

Tatbestands  der  fortgesetzten  Erpressung  im  Sinne  von  Art. 156  Ziff. 2  StGB, 

welcher in der seit 1. Juli 2023 geltenden Version als milderes Recht im Sinne von 

Art. 2 Abs. 2 StGB zu werten ist – für die Strafzumessung die im Zeitpunkt der Tat-

begehung geltenden Strafandrohungen Anwendung finden.

5.5. Über den Beschuldigten wurde bei Dr. med. V._____ ein psychologisches 

Gutachten eingeholt. Darin kommt der Gutachter hinsichtlich der Frage der Schuld-

fähigkeit zum Schluss, es ergäben sich keine Anhaltspunkte für Einschränkungen 

der  Einsichtsfähigkeit.  Die  Tatmerkmale  und  Tatabläufe  sprächen  gegen  Ein-

schränkungen  der  Steuerungsfähigkeit.  Hingegen  bestünden  anhand  der  Akten-

- 136 -

information  Hinweise  dafür,  dass  der  Beschuldigte  im  Deliktszeitraum  in  einigen 

Entwicklungsbereichen  eine  Reifeverzögerung  bzw.  eine  nicht  dem  Alter  ent-

sprechende sittliche Reife aufgewiesen habe. So insbesondere betreffend die Inte-

gration  von  Eros  und  Sexus,  die  Lebensplanung,  die  Alltagsbewältigung  und  die 

Stimmungslage,  während  die  moralische  Reife  als  altersentsprechend  beurteilt 

werde.  Er  sei  somit  nach  seiner  sittlichen  und  geistigen  Entwicklung  reif  genug 

gewesen, das Unrecht der ihm vorgeworfenen Taten einzusehen, jedoch lasse sich 

aus  dem  Gesagten  allenfalls  eine  leichtgradige  Verminderung  der  Steuerungs-

fähigkeit  ableiten.  Gesamthaft  werde  die  Schuldfähigkeit  des  Beschuldigten  in 

Abhängigkeit der Gewichtung des eventuell vorliegenden Reifedefizits als intakt bis 

allenfalls leichtgradig vermindert eingestuft (Urk. 23/3/15 S. 78 ff. und S. 92). Auch 

der  private  Therapeut  des  Beschuldigten,  Dr. phil.  AT._____,  sah  eine  Reife-

verzögerung  als  erwiesen  an  (Urk. 105  S. 15  und  Urk. 192/4  S. 7).  Angesichts 

dieser gutachterlichen Einschätzung scheint es angemessen, zugunsten des Be-

schuldigten im Folgenden bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere jeweils 

von  einer  leicht  verminderten  Schuldfähigkeit  auszugehen,  wie  dies  bereits  die 

Vorinstanz getan hat.

5.6. Strafzumessung für die vor dem Ersturteil begangenen Delikte

5.6.1. Delikte begangen nach Erreichen der Mündigkeit aber vor dem 31. Juli 2019 

(Anklagesachverhalte 22-25)

Vergewaltigung ist von Gesetzes wegen nur mit Freiheitsstrafe zu ahnden. Art. 190 

Abs. 1 aStGB legt die Strafobergrenze auf 10 Jahre. Aufgrund von Art. 200 aStGB 

wäre gar eine Ausdehnung auf bis zu fünfzehn Jahre Freiheitsstrafe möglich, kon-

kret besteht jedoch kein Anlass, den ordentlichen Strafrahmen zu überschreiten, 

weshalb diesem Aspekt straferhöhend Rechnung zu tragen sein wird. Für die wei-

teren in die massgebende Zeitspanne vom 13. Mai bis zum 31. Juli 2019 fallenden 

Delikte ist gemäss abstrakter Strafandrohung sowohl Geldstrafe als auch Freiheits-

strafe möglich, weshalb die Wahl der Strafart, sofern eine Freiheitsstrafe verhängt 

werden soll, im Rahmen der Einzelstrafzumessung näher zu begründen sein wird 

(Art. 41 Abs. 2 StGB; BGE 147 IV 241 = Pra 111 Nr. 17 E. 3; Urteil 6B_382/2021 

vom  25. Juli  2022  E. 3.2.1).  Im  vorliegenden  Fall  kommt  hinzu,  dass  es  nicht 

- 137 -

schuldangemessen sein kann, eine Gesamtgeldstrafe von über 500 Tagessätzen 

zu bemessen und im Ergebnis den Beschuldigten bloss mit einer Geldstrafe von 

180 Tagessätze sanktionieren zu können (vgl. dazu Urteil 6B_93/2022 vom 24. No-

vember 2022 E. 1.3.8). Daraus würde eine bei weitem nicht mehr schuldangemes-

sene  Strafe  resultieren.  Bei  Ausfällung  einer  Freiheitsstrafe  wird  sodann  zufolge 

Gleichartigkeit in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens der gemeinschaftlichen Vergewaltigung eine Gesamtstrafe zu bilden 

sein, da keine für eine Unter- bzw. Überschreitung notwendigen ausserordentlichen 

Umstände (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8) ersichtlich sind.

a) Gemeinschaftliche Vergewaltigung (Anklagesachverhalt 24)

aa) Tatkomponenten

Nachdem der Beschuldigte die Privatklägerin in der Vergangenheit (insb. Vorfälle 

JWG W._____ und Gartenhaus) bereits mehrfach in Ausnützung ihrer emotionalen 

Abhängigkeit und zusätzlicher Ausübung von psychischem Druck dazu gezwungen 

hatte, gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr mit seinen Kollegen zu vollziehen, 

wurden beim Vorfall mit seinem Cousin E._____ nun durch diesen offene Drohun-

gen  (Schusswaffe)  ausgestossen  und  auch  die  Grenze  zur  physischen  Gewalt 

überschritten, indem er sie mehrfach ohrfeigte um ihren Widerstand zu brechen. 

E._____ vollzog gegen den Willen der Privatklägerin den Geschlechtsverkehr mit 

Kondom, ohne zum Samenerguss zu kommen, während die Privatklägerin sich ver-

bal  und  physisch  zu  wehren  versuchte.  Für  den  bei  der  Tat  im  gleichen  Zimmer 

anwesenden  Beschuldigten  war  die  Situation  unmissverständlich  und  er  unter-

stützte E._____ in seinem Vorgehen, indem er die Angst der Privatklägerin vor ei-

ner mutmasslich griffbereiten Schusswaffe bestärkte und ihr so gleichzeitig auch 

klar vermittelte, dass er auf E._____s Seite stand und sie sich von ihm keine Un-

terstützung erhoffen konnte. Gleiches signalisierte er sodann auch, indem er den 

erzwungenen Geschlechtsverkehr auch noch filmte, was die Hilflosigkeit und Er-

niedrigung der Privatklägerin exponentiell verstärkte. Insgesamt stellte der durch 

den Mitbeschuldigten E._____ mit Zustimmung und Unterstützung des Beschuldig-

ten an der Privatklägerin vorgenommene, erzwungene Geschlechtsverkehr einen 

schweren Eingriff in ihre sexuelle Integrität und ihr sexuelles Selbstbestimmungs-

- 138 -

recht dar, auch wenn er den Angaben der Privatklägerin gemäss – insbesondere 

wegen ihrer anhaltenden Gegenwehr – nur relativ kurze Zeit andauerte. Auch wenn 

der Beschuldigte selbst keine sexuellen Handlungen vollzogen hat, ist sein Tatbei-

trag  nicht  zu  unterschätzen,  ist  es  doch  allein  ihm  zu  verdanken,  dass  E._____ 

überhaupt  Gelegenheit  zu  solch  intimem  Kontakt  zur  Privatklägerin  erhielt. 

Schliesslich war sie primär deshalb zum Treffpunkt gekommen, weil sie den Be-

schuldigten sehen wollte und weil sie überdies durch seine Geldforderungen und 

Drohungen (auch diejenigen von E._____) dazu veranlasst wurde. Weiter fuhr das 

noch nicht 14 Jahre alten Mädchen nur deshalb per Taxi mit den beiden Männern 

in ein abgelegenes Motel, weil es sich erhoffte, durch die Geldübergabe Zeit mit 

dem Beschuldigten "verdient" zu haben, was dem Beschuldigten aufgrund der ge-

samten bisherigen Beziehungsdynamik klar bekannt war. Die gemeinsame Tatbe-

gehung wirkt somit verschuldenserhöhend. Insgesamt ist das objektive Verschul-

den als jedenfalls nicht mehr leicht zu qualifizieren. 

Subjektiv ist – wie vorab erwähnt – eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit 

zu berücksichtigen. Im Übrigen ist jedoch von direktvorsätzlicher Tatbegehung aus-

zugehen, was die objektive Tatschwere nicht weiter relativiert, zumal von egoisti-

schen Beweggründen, insbesondere dem Streben nach Anerkennung durch seinen 

älteren Cousin, auszugehen ist. Verschuldenserhöhend ist sodann die nicht uner-

hebliche  kriminelle  Energie  zu  berücksichtigen,  welche  die  geplante  Vorgehens-

weise  offenbart  (vgl.  exemplarisch  die  Aussage  des  Beschuldigten  im  Chat  mit 

E._____,  er  habe  die  Privatklägerin  E._____  vorgestellt,  damit  dieser  sie  ficken 

könne, Urk. 6/4 S. 166), zumal dem Beschuldigten aufgrund der im Zusammenhang 

mit  der  Geldforderung  bereits  ausgesprochenen  Todesdrohungen  bekannt  war, 

dass  E._____  bei  der  Durchsetzung  seiner  Absichten  wenig  Skrupel  zeigt.  Dies 

offenbart gleichzeitig den fehlenden Respekt vor der Privatklägerin und die totale 

Geringachtung  ihrer  Persönlichkeit.  Nachdem  sich  die  verschuldenserhöhenden 

und -vermindernden Aspekte ungefähr die Waage halten, ist insgesamt von einem 

nicht mehr leichten Verschulden zu sprechen. Mit Blick auf den weiten Strafrahmen 

ist die Einsatzstrafe – mit der Vorinstanz – auf 48 Monate festzusetzen. 

- 139 -

bb) Täterkomponenten / weitere Strafzumessungsgründe

Der Beschuldigte wuchs mehrheitlich in S._____ auf, wo er auch geboren ist und 

das Bürgerrecht besitzt. Lediglich als Kleinkind lebte er kurze Zeit im Kosovo. Zu-

nächst zusammen mit beiden Eltern, nach deren Scheidung dann bei der Mutter. 

Als Dreijähriger erlitt er einen schweren Unfall. Behandlung und Rehabilitation er-

folgten in der Schweiz, wo er von da an bei seinem Vater lebte, bis dieser aufgrund 

von  Straffälligkeit  in  den  Kosovo  ausgeschafft  wurde.  Ab  2012  bestand  deshalb 

eine  Beistandschaft  und  wuchs  er  zunächst  in  einem  Jugendheim  auf,  bevor  ab 

2015  seine  Tante  AA._____  als  Pflegemutter  einsprang  und  er  bei  ihr  wohnen 

konnte, während er weiterhin die Tagesschule des Schulheims besuchte. Er verfügt 

über einen Sekundarschule B-Abschluss. In der Pubertät kam es zuhause zu Pro-

blemen,  worauf  er  kurzzeitig  –  zum  Lehrbeginn  im  Sommer  2018  –  bei  seinem 

Onkel  AB._____  wohnte.  Nachdem  er  die  Lehrstelle  als  Detailhandelsfachmann 

EFZ  bei  AD._____  wegen  zu  vieler  Absenzen  Ende  Herbst  2018  verloren  hatte, 

wurde  er  auch  von  seinem  Onkel  rausgeworfen,  lebte  dann  kurzzeitig  auf  der 

Strasse,  bevor  er  per  Anfang  Januar  2019  in  die  Jugendwohngemeinschaft 

W._____ eintreten konnte. Auch dort kam es allerdings bald zu Problemen, wes-

halb ihm der Platz per Ende März 2019 bereits wieder gekündigt wurde und er zu-

dem den März 2019 in einem Timeout im Hotel AC._____ in S._____ verbringen 

musste. Eine nachfolgende Platzierung im BA._____ scheiterte nach wenigen Ta-

gen. Mit Hilfe der IV fand der Beschuldigte über die Stiftung BB._____ im Sommer 

2019 neuerlich eine Lehrstelle, nun als Logistiker EBA, und einen Platz in einem 

Jugendwohnheim in AV._____ ZH. Allerdings verlor er auch diese Lehrstelle und 

damit auch seinen Platz im Jugendwohnheim schon nach kurzer Zeit wieder. In der 

Folge kam der Beschuldigte bis zu seiner Verhaftung vorübergehend bei Freunden 

und Kollegen unter bzw. lebte er in einem Musikstudio. Der Beschuldigte verfügt 

über keine abgeschlossene Berufsausbildung und lebte vor seiner Verhaftung von 

der Unterstützung seiner Tante, der IV sowie vom Sozialamt. Zur Mutter und den 

Halbgeschwistern  bestehe  kein  Kontakt,  zum  Vater  lediglich  ein  sporadischer 

(Urk. 23/1/1, Urk. 23/1/5, Urk. 23/2/2; Urk. 24/9/2, 4; Urk. 24/10/2; Prot. I S. 305 ff.). 

Strafzumessungsrelevant  ist  diese  Vorgeschichte  nicht,  zumal  der  Beschuldigte 

seit  Kinderjahren  umfassende  staatliche  Unterstützung  erhielt,  seine  Chancen 

- 140 -

(insb.  was  eine  geregelte  Berufsausbildung  angeht)  indessen  jedoch  –  allenfalls 

störungsbedingt, was aber bereits im Rahmen der Schuldfähigkeit berücksichtigt 

wurde – nie wahrgenommen hat. Seit der Entlassung aus der Sicherheitshaft per 

26. April  2023  wohnt  der  Beschuldigte  wieder  bei  seiner  Tante  und  macht  eine 

Lehre  als  Sanitärinstallateur.  Zudem  macht  er  eine  freiwillige  Therapie  bei 

PD Dr. phil. AT._____ (Urk. 453 S. 2 ff.; Urk. 439/1-5). 

Der Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 31. Juli 2019 (Urk. 1/1/65) 

war bei Tatbegehung noch nicht erlassen, indes lief die diesbezügliche Strafunter-

suchung bereits. Ebenso waren auch betreffend Delikte gegen die Privatklägerin 

bereits erste Untersuchungshandlungen, insbesondere am 7. Mai 2019 eine poli-

zeilich Einvernahme des Beschuldigten, erfolgt, indes das Verfahren mit Verfügung 

vom 12. Juli 2019 (vorläufig) eingestellt worden. Das Delinquieren während laufen-

der  Strafuntersuchung  (wenn  auch  in  anderer  Sache)  ist  leicht  straferhöhend  zu 

berücksichtigen. 

Hinsichtlich  dieses  Delikts  liegt  weder  ein  Geständnis  vor,  noch  sind  Reue  oder 

Einsicht zu verzeichnen. Hingegen ist aufgrund der bundesgerichtlich festgestellten 

Verletzung des besonderen Beschleunigungsgebotes in einer jugendstrafprozes-

sualen Haftsache durch die späte Ansetzung der erstinstanzlichen Hauptverhand-

lung (vgl. Urk. 137 Erw. 5.3) eine merkliche Strafreduktion vorzunehmen, womit die 

Einsatzstrafe  auf  40  Monate  Freiheitsstrafe  festzusetzen  ist.  Nachdem  das 

Bundesgericht diese Verletzung mit Entscheid vom 24. März 2022 bereits explizit 

im Dispositiv festgestellt hat (Urk. 137 Dispositivziffer 1), erübrigt sich eine zusätz-

liche Feststellung im vorliegenden Sachentscheid. 

b) Sexuelle Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 aStGB sind mit Frei-

heitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bedroht. 

Der Beschuldigte hatte nach Erreichen der Mündigkeit kurz nacheinander im Juli 

2019 zwei Mal mit der Privatklägerin Geschlechtsverkehr als sie noch 13 Jahre alt 

war (Anklagesachverhalte 24 und 25). Die Voraussetzungen einer Strafmilderung 

nach Art. 187 Ziff. 3 aStGB liegen nicht vor, nachdem der Beschuldigte explizit er-

klärte, jeweils nur im Austausch gegen Geld mit der Privatklägerin geschlafen zu 

- 141 -

haben (Prot. I S. 61). So hatte ihm die Privatklägerin kurz vor dem sexuellen Kon-

takt im Juli 2019 – erzwungenermassen – das gesamte Feriengeld der Familie im 

Betrag von ca. EUR 1'000 übergeben und im Dezember 2019 Fr. 300.–, die sie von 

ihrer Mutter für Nagelpflege erhalten hatte, geschenkt (Urk. 14/5/5 S. 19). Bei einer 

Gesamtbetrachtung der komplexen Interaktion zwischen dem Beschuldigten und 

der Privatklägerin erhellt, dass die sexuelle Entwicklung der bei Kennenlernen ge-

rade  erst  zwölf  Jahre  alten  Privatklägerin  durch  den  Kontakt  zum  Beschuldigten 

insgesamt massiv fehlgeleitet und verletzt wurde, weshalb sich auch nicht schuld-

reduzierend  auszuwirken  vermag,  dass  sie  mit  den  sexuellen  Kontakten  einver-

standen war. 

Dem Beschuldigte war das Alter der Privatklägerin und die Strafbarkeit seines Tuns 

klar bekannt, zumal er noch im Mai 2019 diesbezüglich durch die Kantonspolizei 

Thurgau einvernommen worden war (und jegliche sexuellen Kontakte abgestritten 

hatte,  vgl.  Urk. 16/1),  womit  von  direktvorsätzlichem  Handeln  auszugehen  ist. 

Gleichwohl ist einzuräumen, dass es sich bei der Privatklägerin um kein Kind mehr 

handelte, sondern um einen altersgerecht entwickelten Teenager, wenn auch noch 

Jahre weg von der Schutzaltersgrenze. Jedoch ist der (vaginale) Geschlechtsver-

kehr im Spektrum möglicher sexueller Handlungen mit Kindern zuoberst anzusie-

deln und somit als eine der schwerstmöglichen Tathandlungen einzustufen, woraus 

erhellt, dass eine Geldstrafe der Tatschwere von vornherein nicht adäquat Rech-

nung  tragen  kann.  Kommt  hinzu,  dass  konkret  von  mehrfacher,  kontinuierlich 

gleichgelagerter Tatbegehung auszugehen ist. Hierzu ist auch zu erwähnen, dass 

für  die  Zeit  vor  Erreichen  der  Mündigkeit  zahlreiche  weitere  gleichgelagerte  Ver-

stösse zu verzeichnen sind, wobei der Beschuldigte sich in jener Phase zusätzlich 

noch mehrfach des Verleitens zu sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig ge-

macht hat, was ihn diesbezüglich als Intensivtäter darstellt. Mithin kann vorliegend 

für jeden einzelnen Verstoss einzig eine Freiheitsstrafe in Frage kommen, zumal 

das  Bundesgericht  jüngst  explizit  festgehalten  hat,  dass  sexuelle  Handlungen 

mündiger  Personen  mit  Kindern  im  Schutzalter  grundsätzlich  zu  den  schwerwie-

gendsten Straftaten zählen, deren Unrechtsgehalt nicht bagatellisiert werden dürfe 

(Urteil 6B_93/2022 vom 24. November 2022 E. 1.3.8, vgl. auch E. 1.4.7). 

- 142 -

Bei isolierter Betrachtung wäre für jeden der beiden Übergriffe angesichts der trotz 

der schwerwiegenden Tathandlung noch moderaten Tatschwere und des – unter 

Berücksichtigung der leicht verminderten Schuldfähigkeit – eher leichten Verschul-

dens aufgrund der Tatkomponenten eine Freiheitsstrafe von jeweils acht Monaten 

angemessen, nachdem vorliegend – anders als nach Ansicht der Vorinstanz – in 

keinem Fall von gemeinschaftlicher Tatbegehung auszugehen ist. 

Hinsichtlich Vorleben und persönlichen Verhältnissen kann auf vorstehende Aus-

führungen verwiesen werden. Auswirkungen auf die Strafzumessung ergeben sich 

daraus nicht. Jedoch war der Beschuldigte hinsichtlich der Tathandlungen jeweils 

geständig,  sodass  eine  leichte  Strafreduktion  angezeigt  ist.  Leicht  bis  moderat 

straferhöhend wirkt sich die Delinquenz trotz laufender Strafuntersuchung (wenn 

auch in anderer Sache) aus. Sodann ist auch hier die Verletzung des besonderen 

Beschleunigungsgebots  in  jugendstrafprozessualen  Haftsachen  strafmildernd  zu 

berücksichtigen,  sodass  Einzelstrafen  von  je  sechs  Monaten  auszusprechen 

wären.

c)  Verbotene  Kinderpornografie  im  Sinne  von  Art. 197  Abs. 4  Satz 2  aStGB  wird 

mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe sanktioniert.

Der Beschuldigte hat als Erwachsener – nachdem er bereits als Unmündiger mehr-

fach kinderpornografische Aufnahmen von der Privatklägerin erstellt und teilweise 

weiterverbreitet hat – eine kinderpornografische Aufnahmen, die die Privatklägerin 

im Alter von 13 Jahren bei sexuellen Handlungen zeigt, weiterverbreitet, indem er 

einen Screenshot eines Videos, welches er heimlich am 10. April 2019 im Garten-

haus von B._____ vom Geschlechtsverkehr zwischen AO._____ und der Privatklä-

gerin aufgenommen hatte, per WhatsApp an deren Mutter sandte (wobei es offen-

bar zuerst vom Bruder der Privatklägerin angeschaut wurde; Anklagesachverhalt 

22). Die Weiterverbreitung (wie bereits auch die Herstellung) geschah ohne Wissen 

und Einwilligung der Privatklägerin, gar mit dem deutlich erkennbaren Zweck, ihr 

zu schaden bzw. sie bei ihrer Familie zu diskreditieren, was als besonders nieder-

trächtig erscheint. 

- 143 -

Objektiv zeigte die kinderpornografische Aufnahme sexuelle Handlungen massivs-

ter Ausprägung, wobei die Erkennbarkeit der Privatklägerin für den Adressatenkreis 

ohne Weiteres gegeben war. Mithin ist von einer deutlichen Verletzung ihrer sexu-

ellen Integrität und Selbstbestimmung zu sprechen, womit die objektive Tatschwere 

klarerweise  nicht  mehr  im  untersten  Bereich  des  Möglichen  anzusiedeln  ist.  Vor 

diesem Hintergrund erweist sich die von der Vorinstanz vorgenommene Wahl einer 

Geldstrafe als Strafart (Urk. 354 S. 419) als den Verhältnissen nicht angemessen 

und es ist stattdessen auf Freiheitsstrafe zu erkennen.  

Mit dem Versand der kinderpornografischen Aufnahme einher geht ein eklatanter 

Vertrauensmissbrauch, wobei der Beschuldigte direktvorsätzlich, ja geradezu in der 

bösartigen  Absicht,  der  Privatklägerin  sozial  zu  schaden,  handelte.  Immerhin  ist 

nicht von einer im Kern pädophilen Motivation auszugehen und wurde nur ein ein-

ziges  Standbild  versandt.  Dies  rechtfertigt  das  Verschulden  im  weitreichenden 

Strafrahmen – unter Berücksichtigung der leicht verminderten Schuldfähigkeit – als 

eher leicht zu taxieren, was eine Einsatzstrafe von vier Monaten nach sich zieht. 

Vorleben und persönliche Verhältnisse sind wiederum neutral zu werten, während 

das Geständnis leicht zugunsten des Beschuldigten ausfällt. Allerdings ist dieses 

vor dem Hintergrund einer komfortablen Beweislage zu sehen. Merklich zuunguns-

ten ist die Delinquenz während laufender Untersuchung zu werten. So verschickte 

der Beschuldigte den Screenshot nur knapp zwei Wochen, nachdem er durch die 

Kantonspolizei Thurgau ein erstes Mal betreffend Delikte gegen die Privatklägerin 

einvernommen  worden  war,  was  doch  von  einiger  Abgebrühtheit  und  Renitenz 

zeugt. Merklich strafmindernd ist schliesslich auch hier der Verstoss gegen das be-

sondere Beschleunigungsgebot in jugendstrafprozessualen Haftsachen zu werten, 

sodass  im Ergebnis die strafmindernden Komponenten leicht überwiegen, womit 

bei  isolierter  Bewertung  eine  Strafe  von  drei  Monaten  Freiheitsstrafe  auszuspre-

chen wäre. 

d) Art. 139 Ziff. 1 StGB bedroht Diebstahl mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren 

oder  Geldstrafe,  womit  das  Delikt  als  Verbrechen  ausgestaltet  ist  (vgl.  Art. 10 

Abs. 2 StGB). Diese Strafandrohung findet auch auf denjenigen Anwendung, der 

jemand  anderen  vorsätzlich  zu  einem  Diebstahl  angestiftet  hat  (Art. 24  Abs. 1 

- 144 -

StGB). Blieb die Anstiftung zu Diebstahl erfolglos, mithin im Versuchsstadium, gilt 

die Strafandrohung für versuchten Diebstahl (Art. 24 Abs. 2 StGB), womit die Strafe 

in Anwendung von Art. 22 Abs. 1 StGB zu mildern ist.

Dem Beschuldigten wird ein direktvorsätzlicher Anstiftungsversuch zur Last gelegt. 

So  forderte  er  die  Privatklägerin  vor  den  Sommerferien  2019  aus  egoistischer 

Motivation auf, Schmuck von ihren Eltern zu stehlen (Sachverhalt 23) und ihm an-

schliessend  zu  übergeben.  Die  Privatklägerin  kam  dieser  Aufforderung  indessen 

nicht nach.

Der Tatbeitrag des Beschuldigten beschränkte sich auf schriftliche Anweisungen 

via Chatnachrichten, mithin kann nicht von einem raffinierten, ausgeklügelten Vor-

gehen ausgegangen werden. Allerdings ist doch eine gewisse Intensität und damit 

Hartnäckigkeit zu verzeichnen, indem die Aufforderungen mehrfach erfolgten und 

durch Bitten, Versprechungen und/oder Drohungen untermauert wurden (vgl. die 

Wiedergabe  der  massgebenden  Chat-Sequenzen  in  Urk. 5/3/1  S. 22 ff.  und 

Urk. 7/11 S. 47 ff.). Sein Ansinnen ging auf möglichst hohe Beträge bzw. möglichst 

wertvollen Goldschmuck im Bereich von mehreren Tausend Franken. Dieser Um-

stand (Vorsatz auf möglichst hohen Deliktsertrag, wobei dem tatsächlichen Erfolg 

ein  aleatorisches  Element  innewohnte,  indem  er  die  konkrete  Auswahl  der 

Schmuckstücke der Privatklägerin überlassen musste, wobei er sie aufforderte, ihm 

Bilder zu schicken, damit er sie anweisen kann), aber auch die Tatsache, dass die 

versuchte  Diebstahlsanstiftung  lediglich  eine  weitere  Spielart  im  Rahmen  seiner 

systematischen  Ausnützung  der  emotionalen  Abhängigkeit  und  finanziellen  Aus-

beutung der Privatklägerin darstellte, belegt auch hier – selbst im allfälligen Schnitt-

stellenbereich  von  Geld-  und  Freiheitsstrafen  –  den  Bedarf  nach  einer  Freiheits-

strafe, erscheint eine Geldstrafe doch weder zweckmässig, eine spezialpräventive 

Wirkung zu erzielen, noch insgesamt verhaltensadäquat. 

In  Berücksichtigung  von  Vorgehensweise,  angepeiltem  Deliktsbetrag  und  leicht 

verminderter Schuldfähigkeit ist von eher leichtem Verschulden auszugehen. Hätte 

die  Privatklägerin  tatsächlich  Schmuckstücke  im  Betrag  von  mehreren  Tausend 

Franken beibringen können, wäre die Einsatzstrafe auf circa zehn Monate anzuset-

zen  gewesen.  Nachdem  die  Anstiftung  aber  erfolglos  blieb,  was  aber  nicht  dem 

- 145 -

Verhalten des Beschuldigten anzurechnen war, ist dieser Ansatz auf sieben Mo-

nate zu reduzieren. 

Das Delikt erfolgte während laufender Untersuchung in dieser Sache und wegen 

Hehlerei (Anklagesachverhalt 23), was sich merklich straferhöhend auswirkt. Leicht 

strafmindernd ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte – vor überzeugender 

Beweislage – geständig war. Weiter merklich strafmindernd ist die Verletzung des 

besonderen Beschleunigungsgebotes in jugendstrafprozessualen Haftsachen an-

zurechnen, womit die Einzelstrafe im Resultat mit der Vorinstanz auf fünf Monate 

festzusetzen ist. 

e) Schliesslich beging der Beschuldigte vor den Sommerferien auch noch eine mit 

der Privatklägerin in keinem Zusammenhang stehende Urkundenfälschung, indem 

er  unter  Falschangabe  der  Personalien  der  Firma  BC._____  in  S._____  für 

Fr. 650.– Wertsachen verkaufte (Anklagesachverhalt 23). 

Auch diesbezüglich ist auf eine Freiheitsstrafe zu erkennen. Der Beschuldigte war 

damals bei der Kantonspolizei Thurgau sowie der Jugendanwaltschaft Winterthur 

in  Strafuntersuchungen  involviert,  was  ihn  aber  nicht  davon  abhielt,  während-

dessen eine Vielzahl von Delikten zu begehen, womit er gegen zahlreiche Straftat-

bestände  und  Rechtsgüter  verstiess  und  so  insgesamt,  aber  auch  im  konkreten 

Fall, eine grosse Gleichgültigkeit gegenüber der hiesigen Rechtsordnung unter Be-

weis stellte. Vor diesem Hintergrund erscheint ausgeschlossen und damit im Er-

gebnis unzweckmässig, dass eine Geldstrafe eine genügende präventive Wirkung 

ausstrahlen und so den Beschuldigten vor weiteren Delikten abhalten könnte. 

Die Tat selbst lief nach simplem Muster ab (einfache schriftliche Falschangaben) 

und  verlangte  weder  Raffinesse  noch  grosse  kriminelle  Energie,  zumal  offenbar 

keinerlei  Identitätsüberprüfung  vorgesehen  war.  Mit  der  Vorinstanz  (Urk. 354 

S. 422) ist dem Beschuldigten in der Gesamtschau gar ein eigentlich dilettantisches 

Vorgehen zu attestieren, nachdem er nicht in der Lage war, sich die hier gemachten 

Falschangaben zu merken und beim nachfolgend zu beurteilenden, identisch ab-

laufenden Anklagesachverhalt 26 übereinstimmend zu reproduzieren. Der Beschul-

digte  handelte  direktvorsätzlich.  Über  das  Motiv  kann  nur  spekuliert  werden.  Die 

- 146 -

Verschleierung  krimineller  Vortaten  wäre  jedenfalls  bei  rechtmässig  verkauften 

Wertsachen nicht notwendig. Das Verschulden ist als recht leicht einzuschätzen, 

womit der leicht verminderten Schuldfähigkeit bereits Rechnung getragen ist. Eine 

Einsatzstrafe von drei Monaten ist verschuldensangemessen.

Im Rahmen der Täterkomponenten ist das Geständnis leicht strafmindernd anzu-

rechnen. Die Delinquenz während laufender Strafuntersuchung beeinflusste bereits 

die Strafwahl mit, weshalb sie unter diesem Titel nicht erneut zu berücksichtigen 

ist. Merklich strafmindernd ist schliesslich ein weiteres Mal die Verletzung des be-

sonderen Beschleunigungsgebotes in jugendstrafprozessualen Haftsachen zu be-

achten, sodass die Einzelstrafe im Ergebnis auf zwei Monate festzusetzen ist.

5.6.2. Delikte begangen als Unmündiger

Soweit der Beschuldigte heute einzig für die nach dem 15. aber vor dem 18. Ge-

burtstag verübten Delikte vor Gericht stehen würde (Anklagesachverhalte 1-7, 10, 

13, 15, 18-21), wäre fraglos gesamthaft ein Freiheitsentzug gemäss Art. 25 JStG 

auszusprechen, erscheinen doch die weiteren, gemäss Jugendstrafrecht zur Ver-

fügung stehenden Sanktionsarten (Verweis, persönliche Leistung, Busse; Art. 22 ff. 

JStG) weder den Taten – allesamt Verbrechen nach der Diktion des Strafgesetz-

buches – angemessen noch geeignet, zukünftige Delinquenz zu verhindern. Ent-

sprechend  kann  hierfür  auch  heute  einzig  eine  Freiheitsstrafe  die  angemessene 

Sanktion sein, erschiene es doch stossend, wenn der Beschuldigte gleichsam für 

das auch nach Erreichen der Mündigkeit fortgesetzte Delinquieren belohnt würde, 

zumal angesichts seiner Vorstrafe und der Tatsache, dass selbst die damit ausge-

sprochene, teilweise für vollziehbar erklärte persönliche Leistung von 35 Tagen ihn 

nicht  nachhaltig  beeindrucken  konnte.  Mithin  sprechen  auch  spezialpräventive 

Gründe für das Aussprechen einer Freiheitsstrafe für die als Jugendlicher began-

genen Delikte. 

Sodann kann bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass für die zahl-

reichen als Unmündiger (aber nach Vollendung des 15. Altersjahres) begangenen 

Verbrechen (vgl. Art. 10 Abs. 2 StGB) insgesamt maximal ein Jahr Freiheitsentzug 

- 147 -

verhängt werden kann (vgl. Art. 49 Abs. 3 StGB in Verbindung mit Art. 11, 25 und 

34 JStG). 

a)  Der  Beschuldigte  wurde  betreffend  die  Zeit  vor  Erreichen  der  Mündigkeit  in 

sieben  Fälle,  begangen  anlässlich  von  vier  zeitlich  unabhängigen  Lebens-

vorgängen, gemeinschaftliche Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB 

in Verbindung mit Art. 200 aStGB schuldig gesprochen (Anklagesachverhalt 5, 10 

[zweifach], 15 [zweifach] und 18.2 [zweifach]). Einmal wurde er des Versuchs dazu 

schuldig  gesprochen  (Anklagesachverhalt  20),  begangen  im  Rahmen  eines 

weiteren, zeitlich unabhängigen Vorfalles. 

Zwei der Ereignisse fanden in der JWG W._____ statt. So zwang der Beschuldigte 

die Privatklägerin am 1. Februar 2019 sowohl mit U._____ als auch mit P._____ 

vaginalen Geschlechtsverkehr zu haben. Am 3. Februar 2019 zwang er sie dann, 

auch  N._____  vaginalen  Geschlechtsverkehr  vollziehen  zu  lassen.  Verbale  Ein-

wände überging er dabei bedenkenlos. 

Die  Vorgänge  vom  1. Februar  2019  (Anklagesachverhalt  10)  kamen  zu  Beginn 

– als die damals erst 13 Jahre alte Privatklägerin, während sie einvernehmlich den 

Penis des Beschuldigten oral stimulierte, von U._____ auf Aufforderung des Be-

schuldigten von hinten vaginal penetrierte wurde – einem "Gangbang" gleich. Her-

nach  musste  die  Privatklägerin,  nachdem  U._____  zum  Höhepunkt  gekommen 

war, vor Ort bleiben, da der Beschuldigte auch P._____ telefonisch Sex mit ihr ver-

sprochen  hatte.  Wenn  die  Vorinstanz  dies  als  Kettenvergewaltigung  bezeichnet 

(Urk. 354 S. 428), ist dies durchaus zutreffend, auch wenn eine längere Pause da-

zwischen lag. Die vaginal eindringenden Täter benützten Kondome und kamen zur 

Ejakulation,  wobei  im  Rahmen  der  Vergewaltigungen  durch  sie  keine  physische 

Gewalt angewendet wurde. Für das ganze Setting war alleine der Beschuldigte zu-

ständig,  welcher  die  Gelegenheit  schuf,  für  die  Kooperation  der  Privatklägerin 

sorgte und den weiteren Tätern ihre jeweiligen Rollen zuwies. Hinsichtlich des Ver-

kehrs mit dem aufgrund einer Fussverletzung körperlich eingeschränkten P._____ 

griff er sogar hands-on in den Geschlechtsverkehr ein, indem er die Privatklägerin 

an den Hüften packte und ihr so Rhythmus und Stosstiefe vorgab. Danach brach 

er auch ihre WC-Pause ab und sorgte verbal dafür, dass weitergemacht wird. Sein 

- 148 -

Tatbeitrag ist damit als absolut wesentlich zu bezeichnen. Tatschwere und objekti-

ves Verschulden wiegen, gerade auch in Anbetracht des jugendlichen Alters des 

Opfers, erheblich. Subjektiv handelte der Beschuldigte zumindest eventualvorsätz-

lich, was das Verschulden aber kaum relativiert, zumal von egoistischer Motivation 

(Drang, die Peers zu beeindrucken und sich eine Vormachtstellung zu sichern) aus-

zugehen ist. Indes ist die leicht reduzierte Schuldfähigkeit zu berücksichtigen. Vor-

leben und persönliche Verhältnisse wirken sich strafzumessungsneutral aus. Ein 

Geständnis liegt nicht vor, jedoch erfolgte die Tat, als der Beschuldigte bereits an-

derweitig  in  eine  Strafuntersuchung  betreffend  Hehlerei  verwickelt  war,  was  sich 

leicht straferhöhend auswirkt. Merklich strafreduzierend ist der Verletzung des be-

sonderen Beschleunigungsgebotes in jugendstrafprozessualen Haftsachen Rech-

nung  zu  tragen,  so  dass  die  Einsatzstrafe  für  die  zweifache  Vergewaltigung  mit 

Blick auf die Jahresgrenze gemäss Jugendstrafgesetz schlussendlich auf neun Mo-

nate festzusetzen ist. 

Am 3. Februar 2019, also bereits zwei Tage später, erzwang der Beschuldigte so-

dann auch den Geschlechtsverkehr zwischen N._____ und der 13-jährigen Privat-

klägerin, wobei er hier sein Wütendwerden bzw. Schläge androhen musste, damit 

sie sich fügt (Anklagesachverhalt 5). Die Vergewaltigung selbst erfolgte dann wie-

der  ohne  physische  Gewaltanwendung.  Auch  war  hier  während  des  Aktes  keine 

weitere Person im Raum anwesend und in zusätzliche sexuelle Handlungen invol-

viert. Die Tatschwere ist im mittleren Bereich anzusiedeln. Der Beschuldigte han-

delte vorsätzlich, aber wohl spontan. Aufgrund des vorbestehenden Abhängigkeits-

verhältnisses  genügte  das  verbale  Androhen  von  Nachteilen,  eine  ausreichende 

Zwangssituation zu schaffen und aufrechtzuerhalten, mithin ist ihm zwar keine be-

sondere Hartnäckigkeit und Insistenz aber doch eine gewisse Skrupellosigkeit vor-

zuwerfen. Unter Einbezug der leicht verminderten Schuldfähigkeit ist von keines-

falls mehr leichtem Verschulden auszugehen. Betreffend straferhöhender und straf-

mindernder Faktoren (Täterkomponenten, Verletzung des besonderen Beschleuni-

gungsgebotes in jugendstrafprozessualen Haftsachen) kann auf Vorstehendes ver-

wiesen werden, schliesslich geschah der Vorfall nur zwei Tage nach der Vergewal-

tigung durch U._____ und P._____. Die resultierende Einzelstrafe wäre auf sechs 

Monate festzusetzen.

- 149 -

Im Gartenhaus von B._____ folgten im April und Mai 2019 zwei weitere Vergewal-

tigungsereignisse, welche der Beschuldigte in Ausnützung der emotionalen Abhän-

gigkeit der Privatklägerin und Ausübung zusätzlich nötigen verbalen und situativen 

Druckes  (Übermacht  der  Männer  gegenüber  dem  erst  13  Jahre  alten  Mädchen, 

abgelegener  Schrebergarten  mitten  in  der  Nacht)  seinen  erwachsenen  Kollegen 

bzw. Verwandten sowie später auch (wieder) seinen Peers ermöglichte. Die in den 

ersten Vorfall involvierten AO._____ (geb. 1991) und AL._____ (geb. 1998) waren 

der Privatklägerin vorher gänzlich unbekannt und auch deutlich älter als sie (näm-

lich zum Tatzeitpunkt 29 und 21 Jahre). Der Geschlechtsverkehr mit ihnen erfolgte 

jeweils  mit  Kondom,  meistens  bis  zum  Samenerguss.  AO._____  und  AL._____ 

wechselten sich fliessend ab, sodass mit der Vorinstanz (Urk. 354 S. 425) von einer 

Kettenvergewaltigung gesprochen werden muss, welche der Beschuldigte initiierte 

und zu verantworten hat. Auch wenn die Vergewaltigungen selbst nicht übermässig 

lange dauerten und dabei keine körperliche Gewalt im Spiel war, wiegt – mit Blick 

auf die Handlungen des Beschuldigten – die Tatschwere erheblich, wenn nicht gar 

schwer. Subjektiv handelte der Beschuldigte vorsätzlich und aus dem egoistischen 

Profilierungsdrang heraus, den erwachsenen Kollegen ein Sextreffen ermöglichen 

zu können und so in ihrem Ansehen zu steigen. Gefühle und Wünsche der Privat-

klägerin waren für ihn nicht existent, ihre (sexuelle wie persönliche) Integrität spielte 

keine Rolle. Ausser dass ihm auch hier eine leicht verminderte Schuldfähigkeit zu-

gute zu halten ist, vermag die subjektive Seite das objektive Verschulden nicht zu 

relativieren, sodass insgesamt von einem beträchtlichen Verschulden zu sprechen 

ist, welches als Einsatzstrafe rund 11 Monate Freiheitsstrafe rechtfertigt. Die Täter-

komponenten  sind  leicht  straferhöhend  zu  würdigen  (Tatbegehung  während  lau-

fender Strafuntersuchung in anderer Sache), die Verletzung des besonderen Be-

schleunigungsgebotes in jugendstrafprozessualen Haftsachen merklich strafredu-

zierend, womit die Einzelstrafe für die beiden tateinheitlich begangenen Vergewal-

tigungen auf 10 Monate festzusetzen ist. 

Kurze Zeit später kam es gleichenorts zu einem weiteren Vorfall. Nun zwang der 

Beschuldigte  die  Privatklägerin,  welche  nicht  mit  der  Anwesenheit  von  weiteren 

Personen gerechnet hatte, sondern sich auf eine schöne Zeit mit dem Beschuldig-

ten  alleine  gefreut  hatte,  zu  vaginalem  Geschlechtsverkehr  mit  N._____  und 

- 150 -

P._____, wobei sich diese in wechselnden Rollen gleichzeitig auch oral von ihr be-

dienen liessen, was mit der Vorinstanz als "Gangbang" zu bezeichnen ist (Urk. 354 

S. 428).  N._____  und  P._____  waren  ihr,  anders  als  zuvor  AO._____  und 

AL._____, aus dem Kollegenkreis und früheren Vorfällen bereits bekannt, weshalb 

es keines allzu grossen Druckes durch den Beschuldigten bedurfte, dass sich die 

Privatklägerin seinen Wünschen erneut fügte. N._____ und P._____ trugen wäh-

rend des Beischlafs jeweils ein Kondom, allerdings auf Geheiss des Beschuldigten 

dasselbe. Während N._____ nach kurzer Zeit zum Samenerguss kam, endete der 

Geschlechtsverkehr mit P._____ ohne solchen. Gewalt wurde ihrerseits keine an-

gewendet. Der Tatbeitrag des Beschuldigten war für die Vergewaltigungen unab-

dingbar, da sich die Privatklägerin sonst gar nicht mitten in der Nacht mit den beiden 

anderen im abgelegenen Gartenhaus getroffen hätte und selbst wenn, mit ihnen 

jedenfalls keinen Geschlechtsverkehr gehabt hätte. Nur seine Vormachtstellung im 

Rahmen des bekannten emotionalen Abhängigkeitsverhältnisses, gepaart mit den 

früheren Gewalterlebnissen, konnten letztlich die Kooperation der Privatklägerin er-

zwingen. Auch im Verhältnis zu seinen Kollegen behielt er eine Leaderfunktion, wie 

dies gut der damals verbotenerweise erstellten, pornografischen Aufnahme zu ent-

nehmen ist, indem er Anweisungen und Rügen erteilte und sich insgesamt als die 

Situation beherrschend zeigte. Hinsichtlich Tatschwere, subjektivem Verschulden, 

Täterkomponenten  und  weiteren  Strafzumessungsfaktoren  (insb.  Verletzung  des 

Beschleunigungsgebotes)  kann  auf  vorstehendes  zu  Anklagesachverhalt  10  ver-

wiesen werden. Auch hier wäre die isolierte Einzelstrafe auf neun Monate anzuset-

zen. 

b) Mit der Vorinstanz (Urk. 354 S. 430) ist unmissverständlich, dass bereits die Be-

rücksichtigung  der  soeben  behandelten,  vollendeten  Vergewaltigungsdelikte  im 

Rahmen der Gesamtstrafenbildung den zulässigen Rahmen von einem Jahr Frei-

heitsstrafe  ausschöpfen.  Denn  auch  wenn  von  der  Gleichheit  des  verletzten 

Rechtsguts der Privatklägerin auszugehen ist, relativiert dies den Gesamtschuld-

beitrag der einzelnen Ereignisse nur wenig, handelt es sich doch um vier zeitlich 

völlig unterschiedliche Vorfälle, wobei für jeden insgesamt zumindest noch vier bis 

sechs Monate in der Asperation zu berücksichtigen wären (so auch die Vorinstanz, 

vgl.  Urk. 354  S. 425 ff.).  Hinzu  käme  sodann  auch  noch  der  Vergewaltigungs-

- 151 -

versuch aus Anklagesachverhalt 20, der isoliert nicht unter vier Monaten zu sank-

tionieren  wäre,  mithin  in  der  Asperation  mit  zumindest  zwei  Monaten  zu  Buche 

schlagen würde. 

Gleichwohl soll nachfolgend die Einzelstrafzumessung für die zahlreichen weiteren, 

vom Beschuldigten zwischen seinem 15. und 18. Geburtstag begangenen Delikte 

zumindest kurz skizziert werden, um die Dimensionen des strafbaren Verhaltens 

des  Beschuldigten  bzw.  der  jeweils  (einzel-)schuldangemessenen  Sanktionen 

greifbar zu machen. 

c) Vier weitere, massive Sexualdelikte – gemeinschaftliche sexuelle Nötigungen im 

Sinne von Art. 189 Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB – sind in den 

Anklagesachverhalten 2, 6 und 15 (zwei separate Delikte) angefallen. Die Privat-

klägerin musste dabei dreimal N._____ oral oder mit der Hand am Penis stimulie-

ren. Zusätzlich musste sie auch einmal mit P._____ Oralverkehr ausüben. Was den 

dabei auf sie ausgeübten Druck angeht, kann auf die vorstehenden Ausführungen 

zu den Vergewaltigungen verwiesen werden. Oralverkehr ist als beischlafähnliche 

Handlung am oberen Rand des Spektrums anzusiedeln und auch die Manipulation 

des Penis mit der Hand ist eine sexuelle Handlung grosser Intensität, sodass die 

objektive Tatschwere nicht zu vernachlässigen ist, auch wenn die einzelnen Hand-

lungen jeweils nur kurze Zeit andauerten. Subjektiv handelte der Beschuldigte je-

weils zumindest eventualvorsätzlich und im Wissen, dass die Privatklägerin nur mit 

ihm eine sexuelle Interaktion wollte bzw. die Handlungen mit Dritten nur aufgrund 

seiner Einwirkung vollzog. Gleichwohl ist nicht von grosser krimineller Energie aus-

zugehen. Der Beschuldigte handelte in der Regel aus dem Moment heraus, um bei 

seinen Kollegen Eindruck zu machen und Respekt zu gewinnen, mithin aus egois-

tischer Motivation, aber ohne ausgeklügelten, weit im Voraus gefassten Plan.

Beim allerersten Vorfall (Anklagesachverhalt 2) stellte er das erst zwölf Jahre alte 

Mädchen,  mit  welchem  ihn  damals  zumindest  eine  "Freundschaft  plus"  verband, 

vor versammelter (männlicher) Gästeschar vor die Wahl, einen Kollegen zu wählen, 

der sich am Geschlechtsverkehr zwischen dem Beschuldigten und der Privatkläge-

rin beteilige, oder die Wohnung zu verlassen. Angesichts der näheren Umstände 

(alleine gegenüber sechs männlichen Jugendlichen; Alkoholintoxikation nach dem 

- 152 -

aufgedrängten  Wodkakonsum;  aufgrund  der  späten  Uhrzeit  fuhren  keine  Züge 

mehr, mithin hätte sie gemäss ihrer Überlegung lange alleine am Bahnhof warten 

müssen,  bis  sie  nach  Hause  konnte)  ist  diese  Aufforderung,  verknüpft  mit  der 

Drohung als perfid und die Privatklägerin klar überfordernd einzuschätzen. Es ist 

– auch unter Berücksichtigung der leichten Verminderung der Schuldfähigkeit – von 

mittlerem Verschulden auszugehen, womit die Einzelstrafe auf rund sechs Monate 

anzusetzen wäre. Eine merkliche Reduktion wäre sodann aufgrund der Verletzung 

des besonderen Beschleunigungsgebotes in jugendstrafprozessualen Haftsachen 

vorzunehmen,  während  die  weiteren  Täterkomponenten  nicht  strafzumessungs-

relevant ins Gewicht fallen.

Beim Vorfall aus Anklagesachverhalt 6 (Oralverkehr mit N._____) überging der Be-

schuldigte den verbalen Widerstand der Privatklägerin unter Hinweis auf die zeit-

nah früheren Vorfälle in der JWG W._____, was angesichts des vorbestehenden 

Abhängigkeitsverhältnisses und der bis dahin bereits mehrfach gemachten Gewalt-

erfahrungen  genügte.  Das  Verschulden  wiegt,  auch  unter  Berücksichtigung  der 

leicht eingeschränkten Schuldfähigkeit, zumindest nicht mehr leicht. Nach Berück-

sichtigung der Täterkomponenten (neutral) und der Verletzung des besonderen Be-

schleunigungsgebotes  in  jugendstrafprozessualen  Haftsachen  wäre  die  Einzel-

strafe bei ca. fünf Monaten anzusetzen. Gleiches kann hinsichtlich der beiden Vor-

fälle mit N._____ bzw. P._____ (je Oralverkehr) in Anklagesachverhalt 15 festge-

halten werden.

d) Sodann kam es zu elf vollendeten sowie einer versuchten gemeinschaftlichen 

sexuellen Handlung mit Kindern (Anklagesachverhalte 2 [zweifach], 6 [zweifach], 

10 [dreifach], 15 [zweifach], 18.2 [zweifach], 20 [Versuch]) und sechs nicht gemein-

schaftlichen sexuellen Handlung mit Kindern (Anklagesachverhalte 3, 5, 10, 18.1 

[zweifach] und 20). Betroffen sind jeweils Beischlaf, beischlafsähnliche Handlungen 

(von der Privatklägerin ausgeübter Oralverkehr) sowie einmal die Manipulation des 

Penis von N._____ mit der Hand, mithin überwiegend die schwerstmöglichen se-

xuellen Handlungen, die denkbar sind und welche der Beschuldigte selbst vorge-

nommen oder wozu er verleitet hat. Bereits aus diesem Grund wären die jeweiligen 

Strafen nicht am untersten Rand festzusetzen, zumal der Beschuldigte jeweils di-

- 153 -

rektvorsätzlich und in genauer Kenntnis des exakten Alters der Privatklägerin han-

delte  und  ihm  lediglich  eine  leicht  verminderte  Schuldfähigkeit  zuzugestehen  ist. 

Mithin ist hier von Einzelstrafen für die vollendeten Delikte von mindestens drei Mo-

naten auszugehen, selbst wenn die strafreduzierenden Aspekte der Täterkompo-

nenten  (insb.  Geständnisse,  welche  teilweise  allerdings  durch  die  Tatbegehung 

während laufender Untersuchung kompensiert werden) und die Verletzung des Be-

schleunigungsgebotes  mitberücksichtigt  werden.  Der  Versuch  wäre  mit  ca.  zwei 

Monaten abzugelten.

e) Nicht zu vergessen sind bei den Sexualdelikten schliesslich die zahlreichen Fälle 

verbotener  Kinderpornografie.  Konkret  hat  der  Beschuldigte  diesen  Tatbestand 

sechs Mal vollendet (Anklagesachverhalte 10 und 15 je zweifach und in gemein-

schaftlicher Tatbegehung, sowie Anklagesachverhalt 18.1 und 18.2) und einmal ist 

von einer versuchten Anstiftung dazu auszugehen (Anklagesachverhalt 6). Dabei 

hat er jeweils die minderjährige, gar noch deutlich im Schutzalter stehende Privat-

klägerin mehrheitlich ohne deren Wissen in pornografischen Situationen mit seinem 

Mobiltelefon  aufgenommen  und  diese  Aufnahmen  in  der  Folge  auch  in  einigen 

Fällen weiterverbreitet. Er machte dies vorsätzlich, ohne auf die Gefühle und Inter-

essen der Privatklägerin Rücksicht zu nehmen, aus rein egoistischen Motiven. Der 

Tatentschluss erfolgte jeweils spontan und planlos, sodass nicht von grosser krimi-

neller  Energie  auszugehen  ist.  Gleichwohl  handelt  es  sich  auch  hier  nicht  um 

Bagatellen, vielmehr liess es der Beschuldigte wiederum an jeglicher Empathie und 

Respekt  fehlen.  Durch  die  Weiterverbreitung  im  sozialen  Zirkel,  dem  auch  die 

Privatklägerin angehörte, perpetuierte er die ihr zugefügten Verletzungen und scha-

dete auch ihrem Ruf dauerhaft. Bei Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungs-

kriterien  wären  zweifellos  Einsatzstrafen  zwischen  ein  bis  zwei  Monaten  ange-

bracht.

f)  Als  Vermögensdelikte  sind  sodann  ein  Raub  (Anklagesachverhalt  1,  Deliktss-

umme Fr. 40.–), ein versuchter Betrug (Anklagesachverhalt 7), eine Veruntreuung 

(Anklagesachverhalt  4,  Deliktssumme  Fr. 1'000.–),  ein  versuchter  Diebstahl  (An-

klagesachverhalt  10)  sowie  ein  betrügerischer  Missbrauch  einer  Datenverarbei-

tungsanlage (Anklagesachverhalt 19, Deliktsbetrag rund Fr. 900.–) zu verzeichnen. 

- 154 -

Auch hier erfolgte die Tatbegehung jeweils recht spontan, wobei der Beschuldigte 

sich persönlich bereichern wollte, mithin aus egoistischer Motivation. Auch wenn 

die erzielten Deliktsbeträge objektiv gesehen noch nicht allzu hoch waren, ist aus-

gehend von den Verhältnissen der Privatklägerin (Schülerin, Putzjobs als Neben-

einkommen) bzw. ihrer Mutter (mitverantwortlich für die Deckung des familiären Be-

darfs der mehrköpfigen Familie) gleichwohl von verhältnismässig hohen Beträgen 

auszugehen,  welche  sich  der  Beschuldigte  –  der  selbst  keiner  Erwerbstätigkeit 

nachging  –  aus  eigener  Kraft  nicht  hätte  verschaffen  können.  In  allen  Fällen  ist 

– nach Berücksichtigung der leicht verminderten Schuldfähigkeit – das Verschul-

den  zumindest  im  oberen  Bereich  des  untersten  Drittels  (gerade  noch  bis  nicht 

mehr leicht) anzusiedeln, wobei bei den versuchten Delikten ein Abzug vorzuneh-

men wäre. Strafreduzierenden Geständnissen, wo sie vorliegen, steht für die 2019 

begangenen Taten die Delinquenz während laufender Strafuntersuchung (in ande-

rer, teilweise auch bereits in dieser Sache) gegenüber. Auch nach angemessener 

Reduktion infolge Verletzung des besonderen Beschleunigungsgebotes in jugend-

strafprozessualen Haftsachen wären Einzelstrafen von mindestens zwei bis ca. fünf 

Monaten zu verhängen.

5.6.3. Zwischenfazit

Nachdem  nun  feststeht,  dass  für  alle  vor  dem  Ersturteil  begangenen  Delikte  je 

einzeln Freiheitsstrafen angemessen wären, ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 

StGB  eine  Gesamtstrafe  zu  bilden.  Dabei  ist  die  Einsatzstrafe  der  (gemäss 

abstrakter Strafandrohung) schwersten Tat – vorliegend die gemeinschaftliche Ver-

gewaltigung  aus  Anklagesachverhalt  24  –  aufgrund  der  weiteren  Delikte  ange-

messen  zu  erhöhen.  Eine  Kumulation  der  für  die  einzelnen  Delikte  je  als  an-

gemessen  erachteten  Einzelstrafen  ist  damit  von  Gesetzes  wegen  ausge-

schlossen, weshalb die Gesamtstrafe die Summe der verwirkten Einzelstrafen nicht 

erreichen darf (BGE 144 IV 217 E. 3.5.2 m.H.). Bei der Bemessung der Gesamt-

strafe  sind  namentlich  das  Verhältnis  der  einzelnen  Taten  untereinander,  ihr 

Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbständigkeit sowie die Gleichheit 

oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungsweisen zu berück-

sichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts wird dabei geringer zu 

- 155 -

veranschlagen sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen 

Zusammenhang stehen (Urteil 6B_1176/2021 vom 26. April 2023 E. 4.5.2 m.w.H.). 

Auszugehen ist somit von 40 Monaten Freiheitsstrafe für Vergewaltigung im Sinne 

von Art. 190 Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB. Die sexuellen Hand-

lungen mit Kindern (Anklagesachverhalte 24 und 25) gefährdeten die ungehinderte 

sexuelle Entwicklung der Privatklägerin und stehen damit in einem gewissen Zu-

sammenhang mit der durch die gemeinschaftliche Vergewaltigung erlittenen gra-

vierenden Verletzung des sexuellen Selbstbestimmungsrechts. Dieses wurde so-

dann  auch  durch  das  In-Verkehr-Bringen  der  kinderpornografischen  Aufnahmen 

der  Privatklägerin  (Anklagesachverhalt  22)  verletzt,  wobei  hier  im  allgemeineren 

Sinn auch gegen den Jugendschutz an sich verstossen wurde. Zwischen all diesen 

Delikten  und  der  als  Ausgangspunkt  der  Strafzumessung  dienenden  Vergewalti-

gung besteht somit ein gewisser, jedoch nicht völlig deckungsgleicher sachlicher 

Konnex, zumal sie auch zeitlich nah aufeinander folgten. Dies vermag den jeweili-

gen Gesamtschuldanteil etwas zu relativieren, so dass die Einzelstrafen lediglich 

im Umfang eines ungefähren Drittels, total somit um fünf Monate, in die Gesamts-

trafe zu asperieren sind. 

Als  Vermögensdelikt  ist  die  versuchte  Anstiftung  zu  Diebstahl  gemäss  Anklage-

sachverhalt 23 zu verzeichnen, welche als Versuch des Beschuldigten, die Abhän-

gigkeit der Privatklägerin auch zu seinem finanziellen Interesse auszubeuten, zu 

lesen  ist  und  somit  ein  völlig  anders  geartetes  Rechtsgut  betrifft,  was  für  einen 

spürbaren,  eigenständigen  Gesamtschuldanteil  spricht.  Eine  Erhöhung  der  Ein-

satzstrafe um knapp die Hälfte der Einzelstrafe, somit um zwei Monate ist ange-

zeigt. Unabhängig von anderweitigen (Vermögens-)Delikten steht sodann auch die 

Urkundenfälschung  aus  Anklagesachverhalt  23  da,  in  welche  die  Privatklägerin 

nicht involviert ist. Es rechtfertigt sich, diese Strafe zur Hälfte aufzurechnen. Mithin 

ist die Einsatzstrafe um einen weiteren Monat auf 48 Monate zu erhöhen. 

Da die als Jugendlicher begangenen Delikte im Rahmen der Gesamtstrafenbildung 

– wie bereits mehrfach erwähnt – nicht stärker ins Gewicht fallen dürfen, als wenn 

sie für sich allein, mithin nach den Regeln des Jugendstrafgesetzes, beurteilt wor-

den wären (Art. 49 Abs. 3 StGB), darf die für die Erwachsenendelikte resultierende 

- 156 -

Gesamtstrafe  lediglich  um  insgesamt  zwölf  Monate  erhöht  werden  (vgl.  Art. 25 

Abs. 1 JStG und Art. 34 Abs. 2 JStG; gleicher Meinung waren vor Vorinstanz auch 

bereits die Jugendanwaltschaft [Urk. 220 S. 29] und zumindest implizit die Vertei-

digung [Prot. I S. 507]), auch wenn angesichts der oben festgesetzten Einzelstrafen 

ohne weiteres erhellt, dass dies keineswegs schuldangemessen ist. Mithin ergibt 

sich  für  die  vor  dem  Ersturteil  begangenen  Delikte  eine  Gesamtstrafe  von 

60 Monaten Freiheitsstrafe.

Den täterbezogenen Strafzumessungskriterien wurde jeweils bei der Einzelstrafzu-

messung Rechnung getragen. Mit Blick auf die nun resultierende Gesamtstrafe ist 

sodann abschliessend zu prüfen, ob weitere, bisher unberücksichtigte, täterbezo-

gene Elemente eine Straferhöhung oder Strafminderung bedingen. Dies ist zu ver-

neinen. Weder liegt seitens des Beschuldigten eine besondere Strafempfindlichkeit 

vor (vgl. Art. 47 Abs. 1 StGB), noch sind anderweitige Faktoren ersichtlich, die Ein-

fluss auf die Strafzumessung haben könnten und bisher unberücksichtigt geblieben 

sind. Insbesondere scheint die Zeit von achteinhalb Monaten für die erstinstanzli-

che  Ausfertigung  der  Urteilsbegründung aufgrund  des  zweijährigen,  teils  noch in 

die Unmündigkeit des Beschuldigten fallenden Deliktszeitraums mit einer Vielzahl 

von angeklagten Delikten, dem entsprechenden Aktenumfang (25 Bundesordner, 

diverse Aktentheke, 544 Seiten erstinstanzliches Verhandlungsprotokoll) und des 

Sachzusammenhangs mit sechs weiteren Verfahren betreffend die übrigen Täter, 

trotz deutlicher Überschreitung der (Ordnungs-)Frist gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO 

– entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 358 S. 9 f. und Urk. 448 Rz. 11) – 

ohne  Weiteres  als  diesen  sehr  komplexen  Verhältnissen  angemessen  und  nicht 

übermässig  lang,  zumal  die  Urteilsbegründung  entsprechend  detailliert  und  um-

fangreich ausgefallen ist (458 Seiten, exklusive 70 Seiten Anklageschrift). Es liegt 

sodann auf der Hand, dass gleichzeitige bzw. vorgelagerte Urteilsredaktionen be-

treffend die getrennten Verfahren der Mitbeschuldigten das Verfahren des Beschul-

digten nicht grundlos bzw. übermässig verlängerten, schliesslich waren darin die 

gleichen Lebenssachverhalte und damit konnexe Fragestellungen zu behandeln, 

was hinsichtlich der Urteilsbegründung des Beschuldigten eine entsprechende Zeit-

ersparnis mit sich brachte und somit das Verfahren im Ergebnis nicht wesentlich 

verzögerte.  Auch  die  gesamte  Verfahrensdauer  von  mittlerweile  knapp  5 Jahren 

- 157 -

kann  angesichts  der  umfangreichen  Vorwürfe  nicht  als  überlang  bezeichnet 

werden. 

5.7. Strafzumessung für die nach dem Ersturteil begangenen Delikte

Fortgesetzte  (teilweise  räuberische)  Erpressung  ist  von  Gesetzes  wegen  nur  mit 

einer Freiheitsstrafe zu bestrafen (vgl. Art. 156 Ziff. 2 und 3 StGB). Damit ist auch 

hier der theoretische Strafrahmen von zwischen sechs Monaten Freiheitsstrafe bis 

zu zehn Jahren Freiheitsstrafe (vgl. Art. Art. 156 Ziff. 2 StGB) abgesteckt (vgl. Ma-

thys, Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage 2019, N 494). 

Für die weiteren Delikte ist gemäss abstrakter Strafandrohung sowohl Geldstrafe 

als auch Freiheitsstrafe möglich, weshalb die Wahl der Strafart, sofern eine Frei-

heitsstrafe verhängt werden soll, im Rahmen der Einzelstrafzumessung näher zu 

begründen sein wird (Art. 41 Abs. 2 StGB; BGE 147 IV 241 = Pra 111 Nr. 17 E. 3; 

BGer 6B_382/2021 vom 25. Juli 2022 E. 3.2.1). 

5.7.1. Einzelstrafzumessung

a)  Im  Rahmen  der  konkreten  Einzelstrafzumessung  imponiert  die  fortgesetzte 

Erpressung als schwerstes Delikt, welche einem Strafrahmen von sechs Monaten 

bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe unterliegt und die einzelnen Erpressungsdelikte 

der Anklagesachverhalt 13, 20, 21, 24 und 31 umfasst. Nachdem die letzten der als 

fortgesetzt subsumierten Erpressungen bzw. Erpressungsversuche in die Zeit nach 

Erreichen der Volljährigkeit des Beschuldigten fallen und das letzte Delikt überdies 

nach dem Ersturteil datiert, ist dieses Delikt gesamthaft als nach dem Ersturteil be-

gangenes Erwachsenendelikt abzuhandeln (vgl. zu den analogen Fragestellungen 

der Strafzumessung bei gewerbsmässigen Vermögensdelikten oder qualifizierten 

Betäubungsmitteldelikten, deren Einzeltaten teilweise vor anderen Verurteilungen 

begangen wurden, die Urteile des Bundesgerichts 145 IV 377, 6B_759/2019 vom 

11. März  2020,  6B_93/2021  vom  6.  Oktober  2021  und  6B_752/2021  vom 

27. Januar 2022). Gleichwohl wird bei der Strafzumessung in analoger Anwendung 

von Art. 49 Abs. 3 StGB angemessen zu berücksichtigen sein, dass der Beschul-

digte drei der vier Erpressungsversuche beging, als er noch unmündig war.

- 158 -

aa) Tatkomponenten

Der  Beschuldigte  hat  über  einen  Zeitraum  von  neun  Monaten  die  damals  13  bis 

14 Jahre alte Privatklägerin fünffach um Geld angegangen, wobei er mit der Zeit 

von eher undefiniertem Androhen von "Konsequenzen" und Social-Media-Blocka-

den zu Todesdrohungen eskalierte. Auch hinsichtlich der geforderten Beträge ist 

mit fortlaufender Zeit eine deutliche Steigerung zu verzeichnen. Wollte er anfäng-

lich  einige  Hundert  Franken,  so  standen  bald  vier-  und  schliesslich  fünfstellige 

Forderungen  im  Raum,  die  die  Privatklägerin  zunehmend  verzweifelt  zu  erfüllen 

versuchte (vgl. bspw. ihre diesbezüglichen Anfragen bei Verwandten, Urk. 7/3, 4, 

6, 8). Ein einziges Mal war sein Vorhaben erfolgreich (Anklagesachverhalt 24), als 

er – mittlerweile volljährig geworden – durch Zwangsanwendung und Unterstützung 

seines Cousins E._____ des gesamten Feriengeldes der Familie der Privatklägerin 

im Betrag von rund EUR 1'000 habhaft werden konnte. Die weiteren Male konnte 

die Privatklägerin das Geforderte nicht liefern, weshalb es beim Versuch blieb. Ins-

gesamt ist – im Rahmen des qualifizierten Delikts und unter Miteinbezug der teil-

weise vorhandenen "doppelten" Qualifikation, aber auch des Umstandes, dass es 

mehrheitlich  bei  versuchten  Delikten  geblieben  ist  und  die  effektiv  erpresste 

Summe doch eher bescheiden blieb – von einem gerade noch leichten Verschulden 

zu sprechen. Subjektiv handelte der Beschuldigte vorsätzlich, ja gar äusserst rück-

sichtslos  und  perfide,  indem  er  die  ihn  anhimmelnde  Privatklägerin  stark  unter 

Druck setzte, um seine Ziele zu erreichen, obwohl ihm klar war, dass sie die gefor-

derten  Beträge  nicht  aus  eigenen  Quellen  würde  bereitstellen  können,  sondern 

dazu von den Eltern unerlaubt Geld würde nehmen und sich so weiteren Konflikten 

und  Bestrafungen  würde  aussetzen  müssen.  Gleichwohl  muten  die  einzelnen 

Handlungen  eher  spontan  und  impulsiv  an,  statt  wohlüberlegt  und  geplant.  Die 

leicht verminderte Schuldfähigkeit ist verschuldensreduzierend anzurechnen, wo-

mit insgesamt von einem leichten Verschulden auszugehen ist. Bei isolierter Be-

strafung wäre auf 24 Monate Freiheitsstrafe zu erkennen. 

bb) Hinsichtlich Vorleben und persönlichen Verhältnissen kann auf die vorstehen-

den Ausführungen verwiesen werden. Der Beschuldigte beging die ersten der unter 

diesem  Titel  erfassten  Delikte  als  bereits  das  zum  Strafbefehl  vom  31. Juli  2019 

- 159 -

führende Verfahren wegen Hehlerei gegen ihn lief und er hierzu auch bereits ein-

vernommen worden war. Weitere Tathandlungen kamen nach Ausfällung der Vor-

strafe dazu und auch die Eröffnung und vorläufige Einstellung des Verfahrens be-

treffend Delikte zum Nachteil der Privatklägerin konnte ihn nicht davon abhalten, 

weiterhin,  teilweise  in  eskalierender  Form,  Geld  von  ihr  zu  erpressen,  was  alles 

straferhöhend zu berücksichtigen ist (vgl. zur straferhöhenden Wirkung nicht ein-

getragener,  aber  noch  nicht  zehn  Jahre  zurückliegender,  jugendstrafrechtlicher 

Verurteilungen BGE 135 IV 87 E. 4+5). Allerdings war er bezüglich der Geldforde-

rungen  mehrheitlich  geständig  und  es  ist  ihm  eine  gewisse  Reue  und  Einsicht 

zuzugestehen,  zumal  er  sich  auch  grundsätzlich  willig  zeigte,  den  Schaden  der 

Familie  der  Privatklägerin  zu  ersetzen.  Vor  Berufungsgericht  führte  der  Beschul-

digte zudem aus, dass er der Privatklägerin bzw. ihrer Familie Fr. 7'000.– zurück-

gezahlt  habe  (Urk.  453  S.  8).  Ebenfalls  zu  berücksichtigen  ist  sodann  die  Ver-

letzung des besonderen Beschleunigungsgebotes in Haftsachen. Insgesamt über-

wiegen hier somit die strafreduzierenden Faktoren merklich, womit bei isolierter Be-

trachtung eine 18-monatige Freiheitsstrafe zu verhängen wäre.

Nachdem die Auslandtat gemäss Anklagesachverhalt 24 lediglich als Teilaspekt in 

das  Fortsetzungsdelikt  gefasst  wird,  ist  jedenfalls  davon  auszugehen,  dass  eine 

isolierte  Beurteilung  nach  kosovarischem  Strafgesetz,  welches  gemäss  dessen 

Art. 328 Ziff. 1 als Strafe eine Busse sowie eine Haftstrafe zwischen drei Monaten 

und fünf Jahren vorsieht, nicht milder wäre (vgl. zu dieser Bedingung Art. 7 Abs. 3 

StGB; das montenegrinische Strafgesetz sieht in dessen Art. 250 für nicht qualifi-

zierte Erpressung eine Gefängnisstrafe zwischen einem bis zu acht Jahren vor). 

b) Sexuelle Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 aStGB sind mit Frei-

heitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bedroht. 

Der Beschuldigte hatte nach dem 31. Juli 2019 noch einmal, im Dezember 2019, 

mit  der  Privatklägerin  Geschlechtsverkehr  (Anklagesachverhalte  30).  Hinsichtlich 

der Nichtanwendbarkeit von Art. 187 Ziff. 3 aStGB kann auf die vorstehenden Aus-

führungen gemäss Ziff. 5.6.1 lit. b verwiesen werden. Auch hinsichtlich der Tatkom-

ponenten kann auf die vorstehenden Ausführungen verwiesen werden. Dass die 

Privatklägerin mittlerweile 14 Jahre alt geworden war, ändert nichts an der Taxie-

- 160 -

rung des vaginalen Geschlechtsverkehrs als schwerstmögliche Tathandlung. Eine 

Geldstrafe wäre entsprechend auch hier der Tatschwere von vornherein nicht an-

gemessen, zumal angesichts der mehrfachen, seit circa zwei Jahren andauernden, 

gleichgelagerten Delinquenz. Bei isolierter Betrachtung wäre angesichts der trotz 

der schwerwiegenden Tathandlung noch moderaten Tatschwere und des – unter 

Berücksichtigung der leicht verminderten Schuldfähigkeit – noch leichten Verschul-

dens  aufgrund  der  Tatkomponenten  eine  Freiheitsstrafe  von  8 Monaten  ange-

messen. 

Hinsichtlich Vorleben und persönlichen Verhältnissen kann auf vorstehende Aus-

führungen verwiesen werden. Auswirkungen auf die Strafzumessung ergeben sich 

daraus nicht. Leicht bis moderat straferhöhend wirkt sich die Delinquenz während 

laufender Probezeit aus. Sodann ist auch hier die Verletzung des besonderen Be-

schleunigungsgebots in jugendstrafprozessualen Haftsachen strafmildernd zu be-

rücksichtigen, sodass die Einzelstrafe auf 6 Monaten anzusetzen wäre.

c)  Verbotene  Kinderpornografie  im  Sinne  von  Art. 197  Abs. 4  Satz 2  aStGB  wird 

mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe sanktioniert. 

Der Beschuldigte hat als Erwachsener – nachdem er bereits als Unmündiger mehr-

fach kinderpornografische Aufnahmen von der Privatklägerin erstellt und teilweise 

weiterverbreitet  hat  –  ein  weiteres  Mal  kinderpornografische  Aufnahmen,  die  die 

Privatklägerin im Alter von höchstens 14 Jahren bei sexuellen Handlungen zeigen, 

weiterverbreitet, indem er BD._____, mit welchem die Privatklägerin im Begriff war, 

allenfalls  eine  neue  Beziehung  anzubahnen,  ein  Video  zeigte,  welches  die 

Privatklägerin beim Oral- und Vaginalverkehr mit dem Beschuldigten und einer un-

bekannten Drittperson zeigte (Anklagesachverhalt 29). Dies geschah ohne Wissen 

und Einwilligung der Privatklägerin, gar mit dem deutlich erkennbaren Zweck, ihr 

zu schaden bzw. sie bei BD._____ maximal zu diskreditieren, was als besonders 

niederträchtig erscheint und auch gelungen ist. BD._____ war danach an näherem 

Kontakt zur Privatklägerin nicht mehr interessiert. 

Objektiv zeigen die kinderpornografischen Aufnahmen sexuelle Handlungen mas-

sivster Ausprägung, wobei die Erkennbarkeit der Privatklägerin ohne Weiteres ge-

- 161 -

geben war. Mithin ist von einer deutlichen Verletzung ihrer sexuellen Integrität und 

Selbstbestimmung zu sprechen, womit die objektive Tatschwere klarerweise nicht 

mehr im untersten Bereich des Möglichen anzusiedeln ist. Vor diesem Hintergrund 

erweist sich die von der Vorinstanz vorgenommene Wahl einer Geldstrafe als Straf-

art (Urk. 354 S. 419) als den Verhältnissen nicht angemessen und es ist auch für 

diesen Verstoss auf Freiheitsstrafe zu erkennen.  

Mit der Vorführung der kinderpornografischen Aufnahmen einher geht ein eklatan-

ter Vertrauensmissbrauch, wobei der Beschuldigte direktvorsätzlich, ja geradezu in 

der bösartigen Absicht, der Privatklägerin sozial zu schaden, handelte. Immerhin 

ist nicht von einer im Kern pädophilen Motivation auszugehen und wurde nur eine 

einzige  Videoaufnahme  vorgeführt.  Dies  rechtfertigt  das  Verschulden  im  weitrei-

chenden  Strafrahmen  –  unter  Berücksichtigung  der  leicht  verminderten  Schuld-

fähigkeit – als eher leicht zu taxieren, was eine Einsatzstrafen von vier Monaten 

nach sich zieht. 

Vorleben und persönliche Verhältnisse sind wiederum neutral zu werten, während 

das Geständnis zugunsten des Beschuldigten ausfällt. Merklich zuungunsten ist die 

Delinquenz  während  laufender  Probezeit  zu  werten.  Merklich  strafmindernd  ist 

schliesslich auch hier der Verstoss gegen das besondere Beschleunigungsgebot in 

jugendstrafprozessualen Haftsachen zu werten, sodass im Ergebnis die strafmin-

dernden Komponenten überwiegen, womit bei isolierter Bewertung eine Strafe von 

3 Monaten Freiheitsstrafe auszusprechen wäre. 

d) Art. 139 Ziff. 1 StGB bedroht Diebstahl mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren 

oder  Geldstrafe,  womit  das  Delikt  als  Verbrechen  ausgestaltet  ist  (vgl.  Art. 10 

Abs. 2 StGB). Diese Strafandrohung findet auch auf denjenigen Anwendung, der 

jemand  anderen  vorsätzlich  zu  einem  Diebstahl  angestiftet  hat  (Art. 24  Abs. 1 

StGB). Blieb die Anstiftung zu Diebstahl erfolglos, mithin im Versuchsstadium, gilt 

die Strafandrohung für versuchten Diebstahl (Art. 24 Abs. 2 StGB), womit die Strafe 

in Anwendung von Art. 22 Abs. 1 StGB zu mildern ist.

Dem Beschuldigten werden ein direktvorsätzlicher Anstiftungsversuch und eine er-

folgreiche Diebstahlsanstiftung zur Last gelegt. So forderte er die Privatklägerin je-

- 162 -

weils aus egoistischer Motivation auf, Schmuck von ihren Eltern (Sachverhalt 26) 

bzw. irgendwo Geld zu stehlen (Sachverhalt 28) und ihm anschliessend zu über-

geben,  wobei  die  Privatklägerin  gemäss  den  tatsächlichen  Erwägungen  ihren 

Eltern effektiv einmal Schmuck im Wert von Fr. 630.– entwendete (Sachverhalt 26). 

Der Tatbeitrag des Beschuldigten beschränkte sich auf schriftliche Anweisungen 

via Chatnachrichten, mithin kann nicht von einem raffinierten, ausgeklügelten Vor-

gehen ausgegangen werden. Allerdings ist doch eine gewisse Intensität und damit 

Hartnäckigkeit zu verzeichnen, indem die Aufforderungen mehrfach erfolgten und 

durch Bitten, Versprechungen und/oder Drohungen untermauert wurden. Sein An-

sinnen  ging  jeweils  auf  möglichst  hohe  Beträge  bzw.  möglichst  wertvollen  Gold-

schmuck im Bereich von mehreren Tausend Franken. Die Mutter der Privatklägerin 

veranschlagte denn auch einen deutlich höheren Wert (Fr. 3'200.–) für die gestoh-

lenen Schmuckstücke, als sich schliesslich bei deren Weiterverkauf erzielen liess 

(Urk. 15/2 S. 14 und 17). Vom affektiven Wert der Erinnerungsstücke nicht zu spre-

chen. Dieser Umstand (Vorsatz auf möglichst hohen Deliktsertrag, wobei dem tat-

sächlichen Erfolg ein aleatorisches Element innewohnte), aber auch die Tatsache, 

dass die Diebstahlsanstiftung bzw. der Versuch dazu lediglich eine weitere Spielart 

im Rahmen seiner systematischen Ausnützung der emotionalen Abhängigkeit und 

finanziellen Ausbeutung der Privatklägerin darstellen, belegt auch hier – selbst im 

allfälligen Schnittstellenbereich von Geld- und Freiheitsstrafen – für jeden einzelnen 

Fall  den  Bedarf  nach  einer  Freiheitsstrafe,  erscheinen  Geldstrafen  doch  weder 

zweckmässig,  eine  spezialpräventive  Wirkung  zu  erzielen,  noch  insgesamt  ver-

haltensadäquat. 

In  Berücksichtigung  von  Vorgehensweise,  angepeiltem  Deliktsbetrag  und  leicht 

verminderter Schuldfähigkeit ist von eher leichtem Verschulden auszugehen. Hätte 

die  Privatklägerin  tatsächlich  Schmuckstücke  im  Betrag  von  mehreren  Tausend 

Franken  beibringen  können,  wären  die  jeweiligen  Einsatzstrafen  auf  circa  zehn 

Monate  anzusetzen  gewesen.  Nachdem  aber  lediglich  ein  mittlerer  dreistelliger 

Erlös resultierte bzw. die Anstiftung einmal gänzlich erfolglos blieb, was aber nicht 

dem  Verhalten  des  Beschuldigten  anzurechnen  war,  ist  dieser  Ansatz  zu  redu-

- 163 -

zieren. So sind für die vollendete Anstiftung eine Einsatzstrafe von sechs Monaten 

und für den Anstiftungsversuch eine solche von fünf Monaten festzulegen. 

Die  Delikte  erfolgten  während  laufender  Probezeit  der  Vorstrafe  wegen  Hehlerei 

(Anklagesachverhalte  26  und  28),  was  sich  merklich  straferhöhend  auswirkt.  Je 

leicht strafmindernd ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte – vor überzeu-

gender Beweislage – geständig war und auch ein positives Nachtatverhalten ge-

zeigt hat, indem er sich den Eltern der Privatklägerin gegenüber zu Schadenersatz 

verpflichtet hat. Weiter merklich strafmindernd ist die Verletzung des besonderen 

Beschleunigungsgebotes  in  jugendstrafprozessualen  Haftsachen  anzurechnen, 

womit die Einzelstrafen schliesslich auf vier und drei Monate festzusetzen sind. 

e) Versuchter Diebstahl gemäss Anklagesachverhalt 27 ist mit Freiheitsstrafe von 

bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bedroht. Aufgrund des Versuchs ist die Strafe in 

Anwendung von Art. 22 Abs. 1 StGB zu mildern.

Was den Diebstahlsversuch angeht, kann der in Frage stehende Geldbetrag von 

Fr. 50.– nicht als hoch bezeichnet werden. Allerdings resultiert diese Beschränkung 

nicht  aus  einer  besonderen  Zurückhaltung  des  Beschuldigten,  sondern  hatte  die 

Privatklägerin schlicht nicht mehr Bares dabei. Dass das Augenmerk des Beschul-

digten auf höhere Beträge gerichtet war, zeigt sich denn auch unzweifelhaft daran, 

dass er schliesslich deshalb davon absah, die Fr. 50.– Geburtstagsgeld der Privat-

klägerin an sich zu nehmen, weil sie ihm versprach, ihm später einen höheren Be-

trag auszuhändigen (zumal auch N._____ und AE._____ intervenierten). Gleich-

wohl kann objektiv von recht leichter Tatschwere gesprochen werden, was bei ei-

nem vollendeten Delikt mit rund vier Monaten zu ahnden wäre. Reduzierend ist nun 

allerdings zu berücksichtigen, dass es beim Versuch blieb, zumal der Beschuldigte 

den Diebstahl aus eigenem Antrieb – wobei hierfür allerdings nebst dem Verspre-

chen der Privatklägerin die zusätzliche Intervention von N._____ und AE._____ von 

Nöten war – nicht zu Ende führte, sondern das Geld zurückgab, was sich ebenfalls 

leicht  strafmindernd  auswirkt  (Art. 23  Abs. 1  StGB).  Des  Weiteren  ist  die  leichte 

Verminderung der Schuldfähigkeit anzurechnen, sodass insgesamt ein sehr leich-

tes Verschulden resultiert.

- 164 -

Strafreduzierend sind sodann die Verletzung des besonderen Beschleunigungsge-

botes in jugendstrafprozessualen Haftsachen sowie das Geständnis samt der ge-

zeigten Reue und Einsicht zu werten, womit die Strafe im Ergebnis auf zwei Mona-

ten  festzusetzen  ist.  Bezüglich  der  Wahl  der  Strafart  kann  auf  das  soeben  unter 

lit. d Ausgeführte verwiesen werden. 

f) Hehlerei (Anklagesachverhalt 26)

Hehlerei gemäss Art. 160 Ziff. 1 StGB wird – entgegen den Ausführungen der Vor-

instanz, welche von einem Vergehen ausgegangen ist (vgl. Urk. 354 S. 421) – mit 

bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe sanktioniert.

Der Beschuldigte war kurz vor der hier interessierenden Tat durch die Jugendan-

waltschaft Winterthur mit Strafbefehl vom 31. Juli 2019 bereits wegen mehrfacher 

Hehlerei mit einer persönlichen, teilweise vollziehbaren Leistung von 35 Tagen be-

straft  und  in  diesem  Zusammenhang  vorab  auch  durch  die  Jugendanwaltschaft 

Winterthur  einvernommen  worden  (Urk. 1/1/35).  Nachdem  ihn  weder  die  dortige 

Untersuchung  und  die  resultierende,  einschlägige  Vorstrafe  noch  die  neu  gegen 

ihn laufende Strafuntersuchung derart beeindruckt hat, dass er von weiteren, zumal 

einschlägigen Delikten abgesehen hätte, ist auch hier – insbesondere aus spezial-

präventiven Gründen – auf eine Freiheits- statt eine Geldstrafe zu erkennen (Art. 41 

Abs. 1 lit. a StGB), wie dies bei einschlägigem Rückfall noch vor dem 18. Geburts-

tag  zweifellos  auch  der  Fall  gewesen  wäre.  Kommt  hinzu,  dass  dieses  Delikt  in 

konkretem Zusammenhang mit dem vorgehenden, vom Beschuldigten angestifte-

ten Diebstahl des elterlichen Schmuckes steht, wofür ebenfalls eine Freiheitsstrafe 

ausgefällt  wurde.  Eine  abweichende  Strafart  hinsichtlich  Vor-  bzw.  Nachtat  wäre 

somit auch unter dem Aspekt der Gesamtbetrachtung des umfassend kriminellen 

Verhaltens des Beschuldigten weder tatadäquat noch nachvollziehbar.

Der Beschuldigte nahm den von der Privatklägerin auf seine Initiative (und genauer 

Instruktion  dahingehend,  wie  sie  echten  Goldschmuck  erkennen  kann,  vgl. 

Urk. 5/3/1 S. 22 f.) den Eltern gestohlenen Schmuck entgegen und verkaufte ihn, 

wobei  er  den  Erlös  von  Fr. 630.–  für  sich  einbehielt.  Der  Beschuldigte  wich  auf 

dieses Vorgehen aus, nachdem die Eltern der Privatklägerin dieser den Zugriff auf 

- 165 -

die  Barmittel  bzw.  Kontoguthaben  der  Familie  gekappt  hatten.  Aufgrund  des 

Deliktserlöses ist von einer eher geringen Tatschwere auszugehen, allerdings geht 

aus dem vorangehenden Chatverkehr zweifellos hervor, dass der Beschuldigte an 

möglichst viele und wertvolle Schmuckstücke gelangen wollte, sein Vorhaben somit 

nicht  bereits  anfänglich  auf  einen  verhältnismässig  bescheidenen  Betrag  bzw. 

Schaden ausgerichtet war. Das Verschulden kann als eher leicht taxiert werden, 

zumal  auch  hier  zugunsten  des  Beschuldigten  von  einer  leicht  verminderten 

Schuldfähigkeit  auszugehen  ist.  Angesichts  des  weiten  Strafrahmens  sind  fünf 

Monate schuldangemessen.

Der Beschuldigte war geständig, allerdings bei erdrückender Beweislage, weshalb 

sich  dies  nur  leicht  strafmindernd  auswirkt.  Er  zeigte  bereits  vor  Vorinstanz  eine 

gewisse  Reue  und  verpflichtete  sich  gegenüber  den  Eltern  der  Privatklägerin  zu 

Schadenersatz,  was  als  positives  Nachtatverhalten  ebenfalls  zu  seinen  Gunsten 

gewertet werden kann. Negativ ins Gewicht fällt, dass er sich – wie bereits vorab 

erwähnt  –  in  der  Probezeit  einer  einschlägigen  Vorstrafe  befand.  Nachdem  dies 

jedoch bereits die Wahl der Strafart beeinflusst hat, ist auf eine erneute Berücksich-

tigung zu verzichten. Schliesslich wirkt sich auch die Verletzung des besonderen 

Beschleunigungsgebotes in jugendstrafprozessualen Haftsachen merklich zu sei-

nen Gunsten aus, sodass die Einzelstrafe schliesslich auf drei Monate festzusetzen 

ist.

g) Im Zusammenhang mit dem soeben diskutierten Verkauf gestohlenen Schmu-

ckes machte sich der Beschuldigte auch der Urkundenfälschung schuldig, welche 

gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe 

bestraft wird (Anklagesachverhalt 26). 

Aufgrund der Idealkonkurrenz mit der vorbesprochenen Hehlerei ist auch hier auf 

eine Freiheitsstrafe zu erkennen, da sich nur diese als insgesamt verhaltens- bzw. 

schuldadäquat erweist. 

Die Tat selbst lief wiederum nach simplem Muster ab, wozu auf vorstehende Aus-

führungen gemäss Ziff. 5.6.1 lit. d verwiesen werden kann. Das Verschulden ist als 

recht  leicht  einzuschätzen,  womit  der  leicht  verminderten  Schuldfähigkeit  bereits 

- 166 -

Rechnung getragen ist. Eine Einsatzstrafe von drei Monaten ist verschuldensange-

messen.

Im Rahmen der Täterkomponenten ist das Geständnis leicht strafmindernd anzu-

rechnen.  Die  Delinquenz  während  laufender  Probezeit  beeinflusste  bereits  die 

Strafwahl mit, weshalb dies unter diesem Titel nicht erneut zu berücksichtigen ist. 

Merklich strafmindernd ist schliesslich ein weiteres Mal die Verletzung des beson-

deren Beschleunigungsgebotes in jugendstrafprozessualen Haftsachen zu beach-

ten, sodass die Einsatzstrafe im Ergebnis auf zwei Monate festzusetzen ist.

h) In Anklagesachverhalt 28 beging der Beschuldigte schliesslich eine (versuchte) 

Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, welche durch das Gesetz mit Freiheitsstrafe 

von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bedroht ist. Hierzu ist vorweg darauf hinzu-

weisen, dass dieses Delikt einzig aufgrund des Umstandes, dass der Beschuldigte 

die Privatklägerin vage anwies, das Geld "irgendwo" zu klauen, anstatt wie sonst 

üblich  davon  auszugehen,  dass  sie  es  von  ihren  Eltern  (legal  oder  illegal)  be-

schaffen würde, juristisch nicht auch als (fortgesetzte) Erpressung qualifizierte (vgl. 

Ziff. 4.3.16 vorstehend sowie die Vorinstanz in Urk. 354 S. 381 f.). Ansonsten aber 

ging der Beschuldigte nach gewohnter Manier vor, indem er die ihm bekannte Ab-

hängigkeit der Privatklägerin ausnutzte und durch die Androhung eines Kontaktab-

bruches seiner Geldforderung zusätzlichen Nachdruck verlieh. Das Verhalten des 

Beschuldigten ist in diesem Kontext zu interpretieren und zu werten, woraus erhellt, 

dass  auch  hierfür  eine  Geldstrafe  weder  zweckmässig  erscheint,  noch  als  tat-

adäquat genügen kann, zumal eine Geldstrafe angesichts der über Monate anhal-

tenden, gleichgerichteten Delinquenz, welche erst durch seine Verhaftung gestoppt 

werden konnte, auch keine sozialpräventive Wirkung verspricht. 

Der  Beschuldigte  drohte  mit  dem  Kontaktabbruch  einen  für  die  Privatklägerin 

bekanntermassen schwerwiegenden Nachteil an, hatte sie in ihrer Vernarrtheit ihr 

Leben doch ganz massgeblich auf Kontakte zum Beschuldigten ausgerichtet. Auch 

verlangte  er  eine  für  die  erst  gerade  14  Jahre  alt  gewordene,  noch  die  Schule 

besuchende Privatklägerin aus eigenem Vermögen unerreichbar hohe, vierstellige 

Geldsumme,  was  ein  weiteres  Mal  aufzeigt,  wie  wenig  er  die  Persönlichkeit  der 

Privatklägerin  schätzte  und  wie  manipulativ  er  sich  ihr  gegenüber  ganz  generell 

- 167 -

benahm. Wäre sein Vorhaben von Erfolg gekrönt gewesen, wäre angesichts dieser 

Umstände  von  einem  nicht  mehr  leichten  objektiven  Verschulden  auszugehen 

gewesen.  Er  handelte  aus  Geldgier,  mithin  aus  egoistischen  Motiven.  Allerdings 

nahm  er  dabei  lediglich  in  Kauf,  dass  sein  Vorgehen  die  Privatklägerin  zum  ge-

wünschten  Verhalten  verleiten  würde,  was  leicht  relativierend  zu  würdigen  ist. 

Sodann ist auch hier der leicht verminderten Schuldfähigkeit Rechnung zu tragen, 

zumal  das  Delikt  im  Versuchsstadium  verblieben  ist,  da  die  Privatklägerin  keine 

Möglichkeit  fand,  die  Geldforderung  zu  erfüllen.  Insgesamt  ist  damit  noch  von 

einem  lediglich  leichten  Verschulden  auszugehen.  Als  Einsatzstrafe  sind  vier 

Monate festzusetzen. 

Hinsichtlich der Täterkomponenten sind – angesichts der Beweislage nur – leicht 

strafreduzierend  das  Geständnis  und,  ebenfalls  leicht  strafreduzierend,  die  ge-

zeigte  Einsicht  und  Reue  sowie  merklich  straferhöhend  die  Delinquenz  während 

laufender Probezeit der Jugendstrafe zu erwähnen. Sodann ist der Verletzung des 

besonderen  Beschleunigungsgebotes  in  jugendstrafprozessualen  Haftsachen 

merklich strafmindernd Rechnung zu tragen, womit die Einzelstrafe im Ergebnis auf 

drei Monate festzusetzen ist. 

5.7.2. Gesamtstrafenbildung / Asperation

Nachdem nun feststeht, dass für alle nach dem 31. Juli 2019 begangenen Delikte 

je einzeln Freiheitsstrafen angemessen wären, ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 

StGB ausgehend von der fortgesetzten Erpressung eine Gesamtstrafe zu bilden. 

Zur  konkreten  Vorgehensweise  kann  auf  vorstehende  Erwägungen  gemäss 

Ziff. 5.6.3 verwiesen werden. 

Auszugehen ist somit von 18 Monaten Freiheitsstrafe für die fortgesetzte Erpres-

sung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 2, teilweise in Verbindung mit Ziff. 3 StGB. 

Die  sexuelle  Handlung  mit  Kindern  (Anklagesachverhalt  30)  gefährdete  die  un-

gehinderte  sexuelle  Entwicklung  der  Privatklägerin.  Diese  wurde  sodann  auch 

durch das Zeigen der kinderpornografischen Aufnahmen der Privatklägerin (Ankla-

gesachverhalt  29)  verletzt,  wobei  hier  im  allgemeineren  Sinn  auch  gegen  den 

- 168 -

Jugendschutz an sich verstossen wurde. Zwischen diesen beiden Delikten besteht 

somit ein gewisser, jedoch nicht völlig deckungsgleicher sachlicher Konnex, zumal 

sie  auch  zeitlich  nah  aufeinander  folgten.  Dies  vermag  den  jeweiligen  Gesamt-

schuldanteil  etwas  zu  relativieren,  so  dass  die  Einzelstrafe  lediglich  um  einen 

Drittel, total somit um drei Monate, in die Gesamtstrafe zu asperieren sind. 

Als weitere Vermögensdelikte sind die (versuchte) Anstiftungen zu Diebstahl ge-

mäss den Anklagesachverhalten 26 und 28 sowie der Diebstahlsversuch gemäss 

Anklagesachverhalt 27 zu verzeichnen, welche zeitlich und sachlich in engem Zu-

sammenhang mit der qualifizierten Erpressung stehen und als verschiedene Spiel-

arten des Beschuldigten, die Abhängigkeit der Privatklägerin zu seinem (finanziel-

len) Interesse auszubeuten, zu lesen sind. Das Gleiche ist zur Nötigung gemäss 

Anklagesachverhalt 28 zu sagen, welche zudem in Tateinheit mit der versuchten 

Anstiftung zu Diebstahl begangen wurde. Eine Erhöhung der Einsatzstrafe um circa 

einen Viertel der jeweiligen Einzelstrafen (insgesamt somit um weitere drei Monate) 

ist  angezeigt.  Nur  ein  sehr  geringer,  eigenständiger  Tatschuldbeitrag  kommt 

schliesslich  noch  der  Hehlerei  und  der  damit  zusammenhängenden  Urkunden-

fälschung (beides Anklagesacherhalt 26) zu, sollte damit doch lediglich noch die 

angestiftete Diebstahlsbeute versilbert und so für den Beschuldigten effektiv ver-

fügbar gemacht werden, weshalb die Einsatzstrafe aufgrund dieser beiden Delikte 

lediglich um einen Monat auf total 25 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen. 

Wiederum  wurde  den  täterbezogenen  Strafzumessungskriterien  jeweils  bei  der 

Einzelstrafzumessung Rechnung getragen. Wie bereits erörtert, fehlt es an weite-

ren Strafzumessungsgründen, die abschliessend noch Berücksichtigung zu finden 

hätten.

5.7.3. Tätlichkeiten gemäss Anklagesachverhalt 27

Für die erstellte Ohrfeige gemäss Anklagesachverhalt 27 ist unter Berücksichtigung 

der  finanziellen  Verhältnisse  des  Beschuldigten  eine  Busse  in  der  Höhe  von 

Fr. 200.– dem leichten Verschulden angemessen. 

- 169 -

5.8.

Fazit

Wie eingangs erwähnt, sind die Strafe, die für die vor dem Ersturteil begangenen 

Taten angemessen erscheint, und diejenige für die späteren Taten zu kumulieren, 

womit der Beschuldigte insgesamt zu einer Freiheitsstrafe von 85 Monaten bzw. 

7 Jahren und einem Monat zu verurteilen ist.

Daran anzurechnen sind 1'165 Tage erstandene Untersuchungs- und Sicherheits-

haft (Art. 51 StGB).

5.9. Angesichts der Strafhöhe erübrigen sich vorliegend Erörterungen zur Voll-

zugsform. Die Freiheitsstrafe ist von Gesetzes wegen zu vollziehen (vgl. Art. 42 f. 

StGB).

5.10. Die Busse ist zudem von Gesetzes wegen unter Anordnung einer Ersatz-

freiheitsstrafe  von  zwei  Tagen  zu  bezahlen  (Art.  105  Abs.  2  StGB  und  Art. 106 

Abs. 2 StGB).

6. Massnahmen

6.1. Die Vorinstanz kam nach Darstellung der gesetzlichen Voraussetzungen für 

die Anordnung einer Massnahme zum Schluss, dass vorliegend trotz überzeugen-

der Empfehlung des Gutachters aufgrund der klar und deutlich geäusserten Mass-

nahmeunwilligkeit  des  Beschuldigten  auf  die  Anordnung  einer  stationären  Mass-

nahme zu verzichten sei. Ebenso wenig sei eine ambulante Massnahme anzuord-

nen, da der Gutachter eine Solche als nicht erfolgsversprechend eingestuft habe 

und  die  Verteidigung  auch  nicht  ausreichend  dargelegt  habe,  inwiefern  mit  einer 

ambulanten  Massnahme  der  Persönlichkeitsentwicklungs-  bzw.  Persönlichkeits-

störung des Beschuldigten in einer Art und Weise begegnet werden könnte, um die 

gutachterlich festgestellte mittelgradige bis hohe Rückfallgefahr erfolgreich zu re-

duzieren (Urk. 354 S. 432 ff.).

6.2. Die  Oberjugendanwaltschaft  hat  dagegen  Anschlussberufung  erhoben 

(Urk. 385), jedoch weder einen konkreten Antrag gestellt noch substantiierte Aus-

führungen  dazu  gemacht,  sondern  im  Ergebnis  lediglich  festgehalten,  dass  das 

- 170 -

Berufungsgericht  zu  entscheiden  habe,  ob  eine  Massnahme  angeordnet  werden 

soll oder nicht (Urk. 458 S. 9). Der Beschuldigte zeigt sich nach wie vor vehement 

massnahmeunwillig (Urk. 453 S. 5). Es hat sich daher an der Sach- und Rechtslage 

grundsätzlich  nichts  geändert.  Die  überzeugenden  Ausführungen  der  Vorinstanz 

haben  weiterhin  Gültigkeit.  Der  Beschuldigte  absolviert  zudem  nunmehr  seit 

Sommer 2023 eine Lehre als Sanitärinstallateur (Urk. 439). Angesichts dieser per-

sönlichen  Entwicklung  und  der  nach  wie  vor  bestehenden  kompletten  Massnah-

meunwilligkeit ist auf die Anordnung irgendeiner Massnahme zu verzichten. Anzu-

merken ist an dieser Stelle, dass der Beschuldigte zumindest gewillt ist, auf freiwil-

liger Basis eine Therapie bei Dr. phil. AT._____ zu machen. Die Therapie tue ihm 

sehr gut (Urk. 453 S. 6). 

7.

Zivilansprüche

7.1. Die  Privatklägerin  stellte  vor  Vorinstanz  Anträge  auf  Zusprechung  von 

konkretem  Schadenersatz  für  bisher  angefallenen  Therapiekosten  in  Höhe  von 

Fr. 1'447.– zuzüglich 5 % Zins seit 8. Mai 2022, um Verpflichtung des Beschuldig-

ten, gegen Vorlage entsprechender Belege die bis Ende 2022 anfallenden Thera-

piekosten zu bezahlen sowie um Feststellung, dass der Beschuldigte ihr gegenüber 

aus den Delikten grundsätzlich schadenersatzpflichtig sei, da derzeit eine absch-

liessende  Geltendmachung  noch  nicht  möglich  sei,  weil  vorher  geklärt  werden 

müsse, ob bzw. wie viel die Krankenkasse übernehme. Auch seien mit dem kanto-

nalen Schulamt noch Fragen offen hinsichtlich der Finanzierung der Beschulung im 

J._____-heim (Urk. 221 S. 1 und S. 16 f.). 

Weiter beantragte sie die Zusprechung von Fr. 50'000.– Genugtuung samt Zins seit 

1. Januar 2019. Ihre unentgeltliche Rechtsbeiständin führte dazu aus, die Privat-

klägerin sei in absolut unangemessener und nicht altersgerechter Weise in die se-

xuellen Erfahrungen eingeführt worden. Sie habe mehr und Schlimmeres erlebt als 

manche erwachsene Frau in ihrem ganzen Leben. Unter Verweis auf die einschlä-

gige  Bundesgerichtspraxis  hielt  sie  dafür,  allein  schon  für  die  Sexualdelikte  die 

Basisgenugtuung auf mindestens Fr. 30'000.– festzusetzen, wobei zusätzlich die 

erhebliche Verletzung der körperlichen und psychischen Integrität, die lange Dauer 

der  Verletzungen  und  die  andauernden  Nachwirkungen  der  Tat  eine  deutliche 

- 171 -

Erhöhung bedingen würden. Dies rechtfertige schon die unglaubliche Vielzahl der 

erlittenen  Gewalttaten  mit  massiven  Schlägen,  Raub,  Erpressung,  Anstiftung  zu 

Diebstahl,  Sexualdelikten  bis  hin  zum  Organisieren  und  Zurverfügungstellen  der 

Privatklägerin für Gruppensex mit Kollegen und Erwachsenen, mit zusätzlichen Er-

niedrigungen während dieser Sexorgien, dem Filmen und Johlen, dem Weiterver-

breiten dieser pornografischen Videos und Fotos im Kollegenkreis und sogar an die 

Mutter der Privatklägerin sowie der zusätzlichen Penetration mit einem Golfschlä-

ger. Auch die Belastungen, die sich im familiären Umfeld der Privatklägerin ergeben 

hätten, seien zu berücksichtigen. Auch schulisch hätten sich erhebliche Probleme 

ergeben und es habe schliesslich eine einjährige Ausbildungsverzögerung gege-

ben. Zudem seien ihre Ausbildungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt, da ihr 

letztes Schulzeugnis keine Noten, aber viele Absenzen enthalte. Traumatisierend 

sei  auch  die  Platzierung  in  einem  geschlossenen  Heim  gewesen,  welche  einzig 

deshalb erfolgt sei, weil man die Privatklägerin nicht mehr anders vor dem Beschul-

digten habe schützen können (Urk. 221 S. 8 und S. 12 ff. und ergänzend die mehr 

theoretischen Ausführungen in Urk. 188). 

7.2. Dem  Abschlussbericht  der  Psychiatrischen  Dienste  des  Spitals  Thurgau 

vom 15. April 2020 über die vom 1. Oktober 2019 bis 30. Januar 2020 – mithin wäh-

rend  andauerndem  Deliktszeitraum  –  durchgeführte  Multisystemischen  Therapie 

(MST) ist zu entnehmen, dass bei der stark traumatisierten Privatklägerin der Ver-

dacht  auf  eine  Posttraumatische  Belastungsstörung  vorliege,  weshalb  eine 

weiterführende  diagnostische  Abklärung  sowie  eine  enge  traumatherapeutische 

Begleitung zwingend notwendig erscheine (Urk. 206/6).

Gemäss dem Therapiebericht der in der Folge beigezogenen Psychotherapeutin 

vom 8. Mai 2022 zeige die Privatklägerin deutliche Zeichen einer komplexen post-

traumatischen Belastungsreaktion (ICD-11 6B41). Sie zeige eine tiefe Traurigkeit, 

ausserdem fielen im Kontakt mit ihr dissoziative Symptome auf. Zudem schildere 

sie  eindrücklich  Gefühle  tiefer  Hilflosigkeit  und  Ohnmacht.  Sie  befinde  sich  trau-

mabedingt  in  einer  ständigen  Übererregung  (zu  hoher  Stress  im  Körper/Gehirn), 

was  ihre  Belastbarkeit  einschränke  und  sich  u.a.  in  erhöhter  Schreckhaftigkeit, 

Konzentrationsstörungen  und  Schlafstörungen  zeige.  Ausserdem  werde  sie  von 

- 172 -

stetigen "Flashbacks" in Form von Affekten, Albträumen, Bildern und Körperemp-

findungen belastet. Die Privatklägerin sei durch die über viele Monate andauernden 

und zahlreichen traumatischen Ereignisse schwer belastet. In der Traumatherapie 

konzentriere man sich deshalb vorerst auf Krisenintervention, psychische Stabili-

sierung und die Festigung ihres Alltags. Die eigentliche Verarbeitung in Form einer 

Konfrontation  mit  den  traumatischen  Erlebnissen  werde  in  absehbarer  Zeit  nicht 

möglich bzw. nicht angebracht sein (Urk. 189/4).

7.3. Die  Vorinstanz  hat  die  Grundlagen  derartiger  Zivilansprüche  dargelegt 

(Urk. 354 S. 441 f.), worauf – um Wiederholungen zu vermeiden – verwiesen wer-

den kann. 

Sie kam sodann mit Bezug auf die Schadenersatzansprüche zum Schluss, dass 

der Begründung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin entspre-

chend  von  der  grundsätzlichen  Haftbarkeit  des  Beschuldigten  auszugehen  sei. 

Nachdem  der  Beschuldigte  der  mehrfachen  Vergewaltigung,  sexuellen  Nötigung 

und sexuellen Handlungen mit Kindern sowie noch weiterer Delikte zum Nachteil 

der  Privatklägerin  schuldig  zu  sprechen  sei,  indes  –  mit  Ausnahme  des  nachge-

nannten  –  noch  kein  damit  abschliessender  und  zusammenhängender  Schaden 

aus Arzt- und Therapiekosten substantiiert behauptet und belegt worden, ein sol-

cher in Zukunft aber nicht auszuschliessen sei, sei festzustellen, dass der Beschul-

digte  gegenüber  der  Privatklägerin  aus  den  genannten  Ereignissen  dem  Grund-

satze  nach  schadenersatzpflichtig  sei.  Zur  genauen  Feststellung  des  Umfanges 

des Schadenersatzanspruches wurde die Privatklägerin auf den Weg des ordentli-

chen  Zivilprozesses  verwiesen.  Zusätzlich  verpflichtete  die  Vorinstanz  den  Be-

schuldigten, die bereits konkret ausgewiesenen Therapiekosten zurückzubezahlen 

(Urk. 354 S. 444). Soweit heute noch kein bezifferbarer Schaden vorliege, sei der 

Beschuldigte zudem dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig zu erklären und 

die Privatklägerin zur konkreten Feststellung der Höhe des Schadenersatzes auf 

den  Zivilweg  zu  verweisen,  womit  dem  beantragten  Nachklagevorbehalt  hinrei-

chend Rechnung getragen sei.

Betreffend die geforderte Genugtuungsleistung führte die Vorinstanz unter Verweis 

auf die Ausführungen der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin aus, 

- 173 -

alleine schon aus dem in tatsächlicher Hinsicht festgestellten objektiven und sub-

jektiven Tatgeschehen bei beinahe allen Vorfällen ergebe sich zweifellos, dass der 

Beschuldigte wiederholt widerrechtlich und schuldhaft in die psychische und physi-

sche Integrität der Privatklägerin eingegriffen und sie dadurch in ihren Persönlich-

keitsrechten erheblich verletzt habe. Dass mitunter diese Eingriffe, zusammen mit 

der ohnehin speziellen Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklä-

gerin, zu schwerwiegenden und anhaltenden Problemen in Form eines Traumas 

bei der Privatklägerin geführt hätten – wie es im Abschlussbericht MST des Spitals 

Thurgau festgehalten werde –, könne damit auch nicht ernsthaft in Zweifel gezogen 

werden. Die Quantifizierung des Masses der Verletzung bzw. die objektive Beur-

teilung  solcher  Eingriffe  brächten  jedoch  –  wie  vorliegend  auch  –  regelmässig 

Schwierigkeiten  mit  sich.  Die  Vorinstanz  hielt  es  sodann  unter  Verweis  auf  das 

Standardwerk von Klaus Hütte (Hütte, Genugtuungsrecht – Grundlagen zur Bestim-

mung  der  Genugtuung,  Band  1,  2013,  S. 156  ff.;  vgl.  neu  auch  Landolt,  Genug-

tuungsrecht, 2. Auflage 2021, S. 202 ff.) für angezeigt, der Privatklägerin eine sog. 

Basisgenugtuung  in  der  geforderten  Höhe  zuzusprechen.  Dies  erweise  sich  im 

Lichte  der  diesbezüglichen  Praxis  ohne  weiteres  als  der  Intensität  der  erlittenen 

Unbill  und  dem  Verschulden  des  Beschuldigten  angemessen,  zumal  dabei  die 

zweifellos  vorhandenen  und  genugtuungserhöhenden  Faktoren  nicht  bzw.  nicht 

übermässig berücksichtigt worden seien. Einerseits werde so den Umständen der 

wiederholten und langandauernden Einwirkung sowie der teilweise vorgelegenen 

Mehrfachtäterschaft genügend Rechnung getragen. Andererseits gingen auch die 

zahl- und weitreichenden Auswirkungen auf die Privatklägerin, welche die vorlie-

gende  Geschichte  erwiesenermassen  mit  sich  gebracht  hätten,  in  der  Genug-

tuungsforderung  angemessen  auf.  Die  Zusprechung  einer  Genugtuung  von 

Fr. 50'000.–  erscheine  demnach  im  Lichte  des  gesamten  Verschuldens  des  Be-

schuldigten gerechtfertigt und werde im Übrigen von der Verteidigung auch nicht 

substantiiert bestritten. Der von der Rechtsvertretung der Privatklägerin beantragte 

Zins zu 5 % sei von Gesetzes wegen geschuldet. Das erste schädigende Ereignis 

habe im Frühling 2018 und das letzte am 27. Dezember 2019 stattgefunden, womit 

es angezeigt erscheint, antragsgemäss ab mittlerem Verfall (1. Januar 2019) Zins 

zuzusprechen, was im Übrigen unbestritten geblieben sei. Der Beschuldigte sei so-

- 174 -

mit zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 50'000.– zuzüglich 

5 % Zins ab 1. Januar 2019 zu bezahlen.

Hinsichtlich einer mit Bezug auf die Genugtuung allenfalls geforderten Vormerkung 

eines  Nachklagevorbehalts  zwecks  Erhalts  der  Möglichkeit,  in  einem  allfälligen 

späteren  Zivilprozess  eine  solidarische  Haftung  der  verschiedenen  Täter,  ins-

besondere  zwecks  Geltendmachung  eines  höheren  Beitrages,  durchzusetzen, 

führte  die  Vorinstanz  aus,  dass  ein  solcher  weder  hinsichtlich  einer  Inanspruch-

nahme  der  Solidarhaftung  noch  damit  zusammenhängender  Erweiterungen  der 

Genugtuungssummen eine rechtliche Wirkung zeitigen würde. Der Privatklägerin 

stehe es diesbezüglich ohne weiteres offen, zu einem späteren Zeitpunkt ein Zweit- 

bzw.  Zivilgericht  aufzurufen  und  die  Solidarhaftung  gegenüber  jedem  Beschul-

digten geltend zu machen bzw. sogar einen höheren Betrag einzuklagen. Das Urteil 

über die (echte) Teilklage entfalte lediglich Rechtskraftwirkung bezüglich des ein-

geklagten  Betrages,  sei  mithin  für  die  Einklagung  des  Restbetrages  in  keiner 

Hinsicht bindend. Ob eine "Teilklage" erhoben werde bzw. wie weit die Rechtskraft 

reiche, hänge damit von den gestellten Klagebegehren ab sowie vom Rechtsgrund 

und vom Sachverhalt, auf welche diese gestützt würden, und nicht davon, ob im 

Urteil  von  einem  Nachklagevorbehalt  Vormerk  genommen  werde.  Damit  sei  die 

Privatklägerin  mit  ihrem  Begehren,  welches  über  den  zugesprochenen  Betrag 

hinausgehe, auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 354 S. 446 f.).

7.4. Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren die Abweisung der Zivil-

forderungen bzw. deren Verweisung auf den Zivilweg (Urk. 360 S. 4). Dies begrün-

det die Verteidigung wie folgt: Es handle sich teilweise um versuchte Sexualstraf-

taten. Der Tatbeitrag des Beschuldigten habe sich auf die Rolle eines Mittäters be-

schränkt,  welche  teilweise  nur  in  der  Vermittlung  oder  blossen  Anwesenheit  be-

standen  habe.  Trotz  mehrfacher  Eingriffe  in  die  sexuelle  Integrität  würden  grau-

same Eingriffe fehlen. Eine angemessene Genugtuungssumme in diesen Fall wäre 

aus Sicht der Verteidigung daher zwischen Fr. 5'000.– bis Fr. 10'000.–. Der psychi-

sche  Zustand  der  Privatklägerin  sei  jedoch  auch  für  die  Bemessung  der  Genug-

tuungsforderung  unzureichend  abgeklärt  worden,  weshalb  heute  über  die  Frage 

der Genugtuung nicht abschliessend entschieden werden könne (Urk. 448 S. 10 f.).

- 175 -

7.5. Mit ihrer Kritik vermag die Verteidigung die Begründetheit des Anspruchs auf 

Ersatz der belegten Therapiekosten (Urk. 206/7-8) nicht zu widerlegen. Die Privat-

klägerin benötigte vor den verfahrensgegenständlichen Vorfällen keine therapeuti-

sche Unterstützung. Im Gegenteil handelte es sich bei ihr bis dahin um eine gute 

Schülerin,  die  auch  ihren  Eltern  keinerlei  Probleme  bereitete  (vgl.  Ziff. 3.5.1 

hiervor).  Auch  die  bei  den  Akten  liegenden  Therapieberichte  sehen  eine  klare 

Kausalität  zwischen  den  Delikten  des  Beschuldigten  und  der  Behandlungs-

bedürftigkeit  der  Privatklägerin.  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  führte  die 

Privatklägerin aktualisierend aus, dass sie mangels Finanzierbarkeit nicht mehr in 

psychologischer Behandlung sei (Urk. 452 S. 4 und S. 15). Folglich ist nicht nur der 

Schaden und die Widerrechtlichkeit erstellt, auch am adäquaten Kausalzusammen-

hang  zwischen  dem  widerrechtlichen  Verhalten  des  Beschuldigten  und  dem 

Schaden  verbleiben  keine  Zweifel,  womit  sich  die  Einholung  eines  amtlichen 

Gutachtens  über  den  Gesundheitszustand  der  Privatklägerin,  wie  durch  die 

Verteidigung  vor  Vorinstanz  und  im  Berufungsverfahren  beantragt  (vgl.  Urk. 223 

S. 101 und Urk. 448 S. 10) als unnötig erweist. 

Unter  Verweis  auf  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  (Urk.  354  S.  444  f.)  sind  der 

Privatklägerin  demnach  antragsgemäss  die  Kosten  der  Psychotherapie  bei 

BE._____ in der Höhe von Fr. 1'447.– als Schadenersatz zuzusprechen, weshalb 

der Beschuldigte zu verpflichten ist, der Privatklägerin Fr. 1'447.– nebst 5% Zins 

seit dem 8. Mai 2022 zu bezahlen. Überdies ist festzustellen, dass der Beschuldigte 

gegenüber der Privatklägerin hinsichtlich der sie betreffenden Delikte dem Grund-

satze nach vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des 

Schadenersatzanspruches ist die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses zu 

verweisen. 

7.6. Auch was den Anspruch auf eine Genugtuungsleistung für die erlittene im-

materielle  Unbill  angeht  sowie  die  Höhe  derselben  kann  auf  die  überzeugenden 

Ausführungen der Privatklägerin sowie der Vorinstanz verwiesen werden. Die Ver-

teidigung brachte zudem vor, dass die Genugtuung analog zum OHG Leitfaden des 

Bundesamts für Justiz zu bestimmen sei (Urk. 448 S. 7). Dem ist mit der Rechts-

vertreterin der Privatklägerin (Urk. 459/3 S. 9) entgegen zu halten, dass die Opfer-

- 176 -

hilfe-Genugtuung nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts tiefer an-

gesetzt werden darf als die – hier zu bemessende – zivilrechtliche (BGE 132 II 117 

E.  2.2.4),  was  entsprechend  bei  der  Höhe  der  angemessenen  Genugtuungs-

leistung  zu  berücksichtigen  ist.  Die  Privatklägerin  erlitt  über  den  Zeitraum  von 

ca. zwei  Jahren  eine  kaum  überschaubare  Vielzahl  an  Übergriffen  gegen  ihre 

sexuelle  und  körperliche  Integrität.  Sie  wurde  physisch  wie  psychisch  verletzt, 

finanziell ausgebeutet und ihre Persönlichkeit wurde auch dadurch missachtet, in-

dem zahlreiche kinderpornografische Werke von ihr hergestellt und in ihrem Kolle-

gen- und sogar Familienkreis verbreitet wurden. Die geforderte und erstinstanzlich 

auch zugesprochene Summe von Fr. 50'000.– erscheint angesichts dieses Marty-

riums jedenfalls nicht als zu hoch und ist somit zu bestätigen (vgl. zur Höhe der 

Summe auch Hütte, Genugtuungsrecht, 2. Auflage 2021, S. 208 Rz. 726).

Was  das  erstinstanzlich  im  Zusammenhang  mit  der  Genugtuung  thematisierte 

Nachklagerecht angeht, ist festzuhalten, dass die Privatklägerin gemäss ihren ab-

schliessenden  Anträgen  vor  Erstinstanz  ein  solches  gar  nicht  beantragt  hat 

(Urk. 221 S. 1 f.). Entsprechend erübrigen sich weitere Ausführungen dazu.

8.

Kosten- und Entschädigungsfolgen

8.1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird 

(Art. 44  Abs. JStPO  in  Verbindung  mit  Art. 426  Abs. 1  StPO).  Nach  der  Recht-

sprechung sind der beschuldigten Person, die bei mehreren angeklagten Straftaten 

nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber freigesprochen (oder das Ver-

fahren  eingestellt)  wird,  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  anteilsmässig  aufzu-

erlegen.

Die Kosten des Berufungsverfahrens sind den Parteien nach Massgabe ihres Ob-

siegens  und  Unterliegens  aufzuerlegen  (Art. 44  Abs. 2  JStPO  in  Verbindung  mit 

Art. 426 StPO bzw. Art. 428 Abs. 1 StPO).

Wie die Vorinstanz zu Recht bemerkt hat, wird in Verfahren gegen Jugendliche in 

der Regel nur ein dessen finanziellen Möglichkeiten Rechnung tragender Bruchteil 

- 177 -

der  Kosten  auferlegt,  womit  dem  Grundsatz  von  Art. 4  Abs. 1  JStPO  nachgelebt 

wird (vgl. auch Art. 3 Abs. 3 JStPO). 

8.2. Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigte von den Gesamtkosten in Höhe 

von  Fr. 286'522.15  lediglich  Fr. 25'000.–,  wozu  sie  sinngemäss  ausführte,  damit 

werde einerseits seinen finanziellen Verhältnissen und Zukunftsaussichten und an-

derseits der Tatsache, dass er einen nicht unwesentlichen Teil der Delikte als Er-

wachsener begangen habe, Rechnung getragen. Die restlichen Kosten nahm sie 

definitiv auf die Gerichtskasse (Urk. 354 S. 447). Zu berücksichtigen ist nun aller-

dings, dass der Grossteil der Gesamtkosten (Fr. 232'639.30) den Aufwand der amt-

lichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin betrifft, 

welche vom Beschuldigten ohnehin nur hätten eingefordert werden können, wäre 

er inskünftig in gute finanzielle Verhältnisse geraten (Art. 44 Abs. 2 JStPO in Ver-

bindung mit Art. 426 Abs. 1 und 4 StPO sowie Art. 135 Abs. 4 StPO). Insofern auf-

erlegte sie ihm von den restlichen Kosten rund die Hälfte, was angesichts des Ver-

fahrensausgangs zwar auch heute noch als gerechtfertigt erscheint, den Lebens-

verhältnissen  und  Zukunftsperspektiven  des  Beschuldigten  indes  nur  begrenzt 

Rechnung  trägt.  Vor  diesem  Hintergrund  und  da  mit  dem  Berufungsverfahren 

weitere Kostenpflichten anfallen, scheint es angemessen, seinen Kostenanteil auf 

Fr. 15'000.–  zu  begrenzen  und  die  übrigen  Kosten  der  Untersuchung  und  des 

erstinstanzlichen  Verfahrens  –  einschliesslich  diejenigen  der  amtlichen  Verteidi-

gung  und  der  unentgeltlichen  Vertretung  der  Privatklägerin  –  in  Anwendung  von 

Art. 425 StPO sofort definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Oberjugend-

anwaltschaft hat betreffend die Kostenauflage keine Anschlussberufung erhoben, 

weshalb auch nicht beantragt werden kann, dass die Kosten dem Beschuldigten im 

Umfang von Fr. 25'000.– auferlegen seien (vgl. Urk. 458 S. 6). Mit der Reduktion 

der Kostenauflage ist im Ergebnis zudem auch der pauschalen Kritik der Verteidi-

gung am Kostenblatt der Jugendanwaltschaft Rechnung getragen (Urk. 448 S. 11), 

obschon grundsätzlich praxisgemäss auf solche Kostenblätter abzustellen ist. 

8.3.

Für das Berufungsverfahren ist eine Gerichtsgebühr von Fr. 5'000.– zu er-

heben (§ 14 Abs. 1 lit. b GebV OG in Verbindung mit § 16 Abs. 1 GebV OG).

- 178 -

Der  Beschuldigte  unterliegt  mit  seiner  Berufung  mehrheitlich,  die  Oberjugend-

anwaltschaft mit ihrer Anschlussberufung vollständig. Mithin sind die Kosten – aus-

genommen  diejenigen  der  amtlichen  Verteidigung  und  der  unentgeltlichen  Ver-

tretung der Privatklägerin – ausgangsgemäss dem Beschuldigten zur Hälfte aufzu-

erlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche ausgehend von den eingereichten 

Honorarnoten sowie unter Berücksichtigung des Aufwandes für die Urteilseröffnung 

(inkl.  Weg),  des  Urteilsstudiums  und  einer  Nachbesprechung  insgesamt  auf 

Fr. 58'000.– festzusetzen sind (Urk. 378, Urk. 449, Urk. 462 und Urk. 466; § 23 in 

Verbindung  mit  § 17 f.  AnwGebV),  und  die  Kosten  der  unentgeltlichen  Rechts-

vertretung  der  Privatklägerin  von  antragsgemäss  Fr. 13'803.65  (vgl.  die  entspre-

chende  Honorarnote,  Urk. 463;  § 23  in  Verbindung  mit  § 17 f.  AnwGebV),  sind 

sodann in Nachachtung der vorstehend aufgezeigten jugendprozessualen Grund-

sätzen definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.

- 179 -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Jugend-

gericht, vom 7. Juli 2022 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

 1.

Das Verfahren wird hinsichtlich folgender Vorwürfe definitiv eingestellt:











des Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder im Sinne von 

Art. 136 StGB (Sachverhalt 2);

der mehrfachen, teilweise versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachver-

halte 3, 8, 11, 14, 15, 20, 21);

der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Sachverhalte 3, 

20, 21); 

der mehrfachen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahme-

geräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB (Sachverhalte 10, 18.1, 18.2, 22) 

sowie

der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Sachverhalt 17).

 2.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig





























(…)

(…)

(…)

(…)

(…)

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 
StGB (Sachverhalte 3, 10, …, 25, …);

(…)

der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB (Sach-
verhalte 10, 15, 22, 29);

(…)

(…)

(…)

(…)

der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (Sachverhalt 4);

des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit 
Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 10);

- 180 -









der mehrfachen, teilweise versuchten Anstiftung zum Diebstahl im Sinne von 
Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 und 2 StGB (Sachver-
halte 23, 26, 28);

der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 26);

der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 
Abs. 2 StGB (Sachverhalte 23, 26) sowie

(…)

 3.

Der Beschuldigte A._____ wird freigesprochen von den Vorwürfen

der mehrfachen, teilweise versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB, teilweise in Verbindung mit 
Art. 22 Abs. 1 StGB (Sachverhalte 2, 18.1, 25);

der mehrfachen, teilweise versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1, 
Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Sach-
verhalte …, 8, …, 11, 12, …, … , 21, 23, 26, 30);

der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. a StGB (Sachver-
halt 20);

der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 23) sowie

der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Sachverhalt 32).











(…)

(…)

Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 

31. Juli 2019 ausgefällten persönlichen Leistung von 35 Tagen wird nicht widerrufen.

(…)

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 16a Abs. 2 JStG für die Dauer von 5 Jahren 

verboten, 

a)

b)

sich der Privatklägerin anzunähern und

mit der Privatklägerin direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzunehmen, 

namentlich auf telefonischem, schriftlichem oder elektronischem Weg.

 4.

 5.

 6.

 7.

 8.

 9.

a)

Der mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 8. Dezember 2020 

beschlagnahmte und bei den Untersuchungsakten liegende Brief 

(act. 10/01/01) wird dem Beschuldigten oder einer von ihm bevollmächtigten 

Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen her-

ausgegeben.

b)

Das mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 2021 be-

schlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernde 

rote Notizheft (A013'527'054) wird der Privatklägerin oder einer von ihr be-

- 181 -

vollmächtigten Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes 

Verlangen herausgegeben.

c)

Die folgenden, mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 

2021 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

lagernden Gegenstände werden B._____ oder einer von ihm bevollmächtigten 

Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen her-

ausgegeben:









Matratze braun (A013'678'176)

Liegestuhlüberzug (A013'678'187)

Matratze schwarz (A013'678'198)

Golfschläger (A013'689'059)

d)

Wird jeweils innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Urteils keine Herausgabe 

verlangt, wird die Lagerbehörde für berechtigt erklärt, die vorgenannten Gegen-

stände innert weiterer 30 Tage zu vernichten respektive gutscheinend zu ver-

wenden.

10.

a)

Die folgenden, mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 

2021 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

lagernden Gegenstände werden dem jeweils Berechtigten oder einer von die-

sem bevollmächtigten Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf 

erstes Verlangen herausgegeben:

















USB Memory Stick EMTEC (A013'538'982)

USB Memory Stick Sony (A013'538'993)

Externe Festplatte WD (A013'539'009)

USB Memory Stick Lizenz (A013'539'010)

USB Memory Stick Toshiba (A013'539'021)

Kreditkarte Cornercard (A013'539'032)

Sturmhaube schwarz (A013'539'098)

Apple iMac (A013'539'327)

b)

Die Publikation der vorgenannten Gegenstände zur Anmeldung von An-

sprüchen im Sinne von Art. 267 Abs. 6 StPO wird der Jugendanwaltschaft 

Winterthur übertragen.

11.

Die folgenden, mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 2021 

beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernden 

- 182 -

Gegenstände werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils zur Vernichtung bzw. gutscheinenden Verwendung überlassen:











Apple iPhone 7 inkl. Unterasservat (A013'535'405)

DNA-Spur ab Golfschläger (A013'689'106)

Unterasservate zu A013'678'176

Unterasservate zu A013'678'187

Unterasservate zu A013'678'198

12.

Die von der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 10. Mai 2021 über die Online-Daten 

Instagram (A013'594'315) verfügte Beschlagnahme wird nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils aufgehoben.

13.

(…)

14.

(…)

15.

(…)

16.

(Schriftliche Mitteilung)

17.

(Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1.

Das Verfahren wird betreffend den Anklagesachverhalt 15 bezüglich des 

Vorwurfs der qualifizierten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 3 

StGB eingestellt.

2.

Der Beschuldigte A._____ ist ferner schuldig







der mehrfachen, teilweise versuchten Vergewaltigung im Sinne von 
Art. 190 Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB, teilweise in 
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalte 5, 10, 15, 
18.2, 20 und 24)

der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 
aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB (Anklagesachverhalte 2, 6 
und 15)

des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklagesach-
verhalt 1)

- 183 -

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der fortgesetzten, teilweise räuberischen Erpressung im Sinne von 
Art. 156 Ziff. 1 und 2, teilweise in Verbindung mit Ziff. 3 StGB (Anklage-
sachverhalte 13, 20, 21, 24 und 31)

des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalt 27)

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von 
Art. 187 Ziff. 1 aStGB, teilweise in Verbindung mit Art. 200 aStGB 
(Anklagesachverhalt 2, 6, 10, 15, 18.2 und 20)

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von 
Art. 187 Ziff. 1 aStGB (Anklagesachverhalte 5, 18.1 und 24)

der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 
aStGB, teilweise in Verbindung mit Art. 200 aStGB (Anklagesach-
verhalte 10, 15, 18.1, 18.2 und 24) 

der versuchten Anstiftung zu Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 
Satz 2 aStGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 StGB in Verbindung mit 
Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 200 aStGB (Anklagesachverhalt 6)

des versuchten Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalt 7)

des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage im 
Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalt 19) 

der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Anklagesach-
verhalt 28) sowie

der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklagesach-
verhalt 27). 

3.

Der Beschuldigte wird zudem freigesprochen von den Vorwürfen

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des Menschenhandels gemäss Art. 182 StGB (Anklagesachverhalt 20), 

der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB in Verbindung 
mit Art. 200 aStGB (Anklagesachverhalt 18.2 [betreffend AM._____]),

der  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  im  Sinne  von  Art. 187  Ziff. 1 
aStGB (Anklagesachverhalt 18.2 betreffend AM._____) und

der mehrfachen, teilweise qualifizierten bzw. versuchten Erpressung im 
Sinne  von  Art. 156  Ziff.  1,  2  und  3  StGB,  teilweise  in  Verbindung  mit 
Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhalte 3, 9, 14 und 20).

4.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 Jahren und 1 Monat Freiheitsstrafe 

(wovon 1'165 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden 

sind) sowie einer Busse von Fr. 200.–.

- 184 -

5.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.

6.

7.

Von der Anordnung einer Massnahme wird abgesehen.

a)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz in 

der Höhe von Fr. 1'447.– zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 8. Mai 2022 

zu bezahlen.

Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der 

Privatklägerin hinsichtlich der sie betreffenden Delikte dem Grundsatze 

nach vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststel-

lung des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

b)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung 

von Fr. 50'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 1. Januar 2019 zu be-

zahlen. 

8.

Die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfestsetzung (Ziff. 14) wird 

bestätigt.

9.

Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, einsch-

liesslich der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Ver-

tretung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten im Umfang von 

Fr. 15'000.– auferlegt und im Übrigen definitiv auf die Gerichtskasse ge-

nommen.

10. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

5'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

58'000.–   amtliche Verteidigung [akonto Fr. 10'000.– bezahlt]

13'803.65   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin.

11. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amt-

lichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, 

- 185 -

werden zur Hälfte dem Beschuldigten auferlegt und im Übrigen auf die Ge-

richtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der 

unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin werden definitiv auf die Ge-

richtskasse genommen. 

12. Mündliche Eröffnung (am 29. Januar 2025) und schriftliche Mitteilung im Dis-

positiv an

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die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Oberjugendanwaltschaft (übergeben)

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 
Privatklägerin (übergeben)

Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei, Guisanplatz 1A, 3003 
Bern (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

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die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Oberjugendanwaltschaft

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 
Privatklägerin

Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei, Guisanplatz 1A, 3003 
Bern

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

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die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A und Formular B 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG) betr. erstinstanzliche Dispo. Ziff. 1 und zweitinstanzliche 
Dispo. Ziff. 1 und 3

die Jugendanwaltschaft Winterthur (Geschäfts-Nr. 
STR/2019/20000685, Strafbefehl vom 31. Juli 2019). 

- 186 -

13. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 18. Dezember 2024

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. S. Volken

MLaw T. Künzle