# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5a7d128e-7c76-5af3-ba8b-c4f63b08fadf
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-19
**Language:** de
**Title:** Für Beiträge auf ausgerichteten Löhnen, die vor der Konkurseröffnung in den Jahreslohndeklarationen hätten angegeben werden müssen und erst bei der Arbeitgeberkontrolle festgestellt wurden, haftet ein Organ nach Art. 52 AHVG. Keine substantiiert begründeten Einwendungen des Beschwerdeführers gegen den Bericht zur Arbeitgeberkontrolle. (BGE 9C_467/2020)
**Docket/Reference:** AK.2019.00028
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AK.2019.00028.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AK.2019.00028
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
19. Mai 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
war einzige
r
Gesellschafter und Geschäftsführer der
seit
1
4.
Februa
r 2013 im
Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen gewesene
n
Y.___
(
Urk.
5
/171/7
)
. Die Gesellschaft war der Sozial
ver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitrags
pflichtige Arbeitgeberin ange
schlossen
(
Urk.
5/5)
.
Mit Urteil vom
22. Mai 2017
eröffnete d
ie
Konkurs
richter
in
des Bezirksge
richts
Z.___
den Konkurs über die
Y.___
(
Urk.
5
/171/7
).
1.2
In der Folge
forderte
die Ausgleichskasse
von
X.___
mit Verfü
gung vom 27.
November
2018
Schadenersatz für ihr entgangene Lohnbeiträge, Ver
zugs
zinsen, Verwaltungskosten und Gebühren in der Höhe von total Fr.
51'002.5
0.
Sie verpflichtete sich,
ihm
eine allfällige Konkursdividende abzutreten respektive auszuzahlen
(Urk.
5
/
171/2-3
).
Die Ausgleichskasse kam im Konkursverfahren
betreffend
Y.___
jedoch
vollständig zu Verlust (vgl.
Urk.
5/154,
Urk.
5
/174
/12
). Das Konkurs
ver
fahren wurde mit Urteil der Konkursrichterin des
Bezirks
gerichts
Z.___
vom 1
1.
Dezember 2018 als geschlossen erklärt (
Urk.
5
/179).
1.3
Alsdann erhob
X.___
am 1
8.
Dezember 2018 Einsprache gegen die Schaden
ersatz
verfügung vom 2
7.
November 2018 und ersuchte die Ausgleichs
kasse um Zustellung des Abschluss-Protokolls zur AHV-Revision vom Herbst 2017 (
Urk.
5/177). Mit Schreiben vom 2
2.
Januar 2019 stellte
ihm
die Aus
gleichs
kasse die Akten betreffend Arbeitgeberkontrolle zu und setzte
ihm
Frist an, um
seine Einsprache mit einem Rechtsbegehren und einer Begründung zu ergänzen (
Urk.
5/182). In der Folge beantragte
X.___
mit einer am 2
2.
Februar 2019 zur Post gegebenen Eingabe, dass die Schadenersatzforderung zu reduzieren sei (
Urk.
5/183,
Urk.
5/185). Mit
Einspracheentscheid
vom
2
8.
Mai 2019
hiess die Ausgleichskasse
d
ie Einsprache
von
X.___
vom 1
8.
Dezember 2018
teil
weise gut und reduzierte ihre Schadenersatzforderung auf
Fr.
47'865.05 (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
mit einer am 2
8.
Juni 2019 zur Post gegeben
en
Eingabe Beschwerde (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
2.
September 2019 be
an
tragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4, unter Bei
lage der Kassenakten,
Urk.
5/1-189),
was dem Beschwerdeführer am 1
0.
Septem
ber 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
6
)
.
In der Folge wurde
dem
Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben, um die Prozess
akten am von ihm vorgeschlagenen Tag, dem 20. Dezember 2019, am Sitz des
Gerichts
einzusehen.
Zum
vereinbarten Termin ist er
unentschuldigt nicht erschi
e
nen (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
In seiner Beschwerde bringt der Beschwerdeführer zunächst vor, dass er das «Abschlussprotokoll der Revision» nicht habe einsehen dürfen (
Urk.
1). Dazu ist festzuhalten, dass
d
er Anspruch auf
rechtliches
Gehör
(
Art.
29
Abs.
2 der Bundes
verfassung)
auch das Recht
umfasst
,
Einsicht
i
n sämtliche verfahrens
bezogenen
Akten
zu nehmen, das heisst
in solche, die geeignet sind, Grundlage des späteren Entscheids zu bilden
(BGE 132 II 485 E. 3
;
129 V 472 E. 4.2.2
;
Urteil des Bundesgerichts
9C_906/2013
vom 2
2.
Oktober 2014 E.
3.1.1 mit Hinweisen
).
Dies trifft
auf den
vom Beschwerdeführer genannten
Bericht
des Revisors
der Beschwer
degegnerin
über die Arbeitgeberkon
trolle vom 21. November 2017 so
wie die diesem Bericht bei
liegenden Dokumente (Urk. 5/161
)
zweifellos
zu
, denn die Beschwerde
gegnerin begründet ihre Schadenersatzforderung
unter anderem
mit
diesen
Feststellungen ihres Revisors
(vgl.
E.
3.2.1 f.
nachstehend
)
.
Den Kassenakten ist aber zu entnehmen, dass
die Beschwerdegegnerin vor Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids
vom 28. Mai 2019 (
Urk.
2)
dem Beschwer
deführer
m
it Schreiben vom 22.
Januar 2019
die Akten bet
reffend Arbeit
geber
kontrolle
zugestellt hat
(Urk. 5/182). Daraufhin nahm der Beschwer
de
führer in seiner
am 22. Februar 2
019 zur Post gegebenen Eingabe zum Revisionsbericht vom 2
1.
November 2017 Stellung
(Urk. 5/183, Urk. 5/185).
Weil der Beschwerde
führer die gewünschten Akten einsehen und sich
vor dem
Einspracheentscheid
dazu äussern konnte, ist sein
Anspruch
auf rechtliches Gehör nicht verletzt.
Anzufügen ist, dass
der Beschwerdeführer von der Möglichkeit, am 2
0.
Dezember 2019
die vollständigen Prozessakten
am Sitz des Gerichts einzusehen,
keinen Gebrauch machte
(
Urk.
9).
2.
2
.1
Nach Art. 52 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Alters- und
Hinterlas
senen
ver
siche
rung
(AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrläs
sige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, die
sen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
2
.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestim
mungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutter
schaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung) so
wie auf jene an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (Art. 25
lit
. c).
3
.
3
.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
3
.2
3
.2.1
Mit Schadenersatzverfügung vom
27
.
November
201
8
machte die Beschwerde
gegnerin gegenüber dem Beschwerdeführer eine Schadenersatzforderung im B
etrag von Fr. 51‘002.50 geltend (Urk. 5/171/1-2).
Im angefochtenen
Einsprache
entscheid
vom 28. Mai 2019
reduzierte
sie
ihre
F
orderung
sodann
um weitere Positionen, die erst nach der Konkurseröffnung in Rech
nung gestellt wurden (vgl. dazu die detaillierte Aufstellung in Urk.
2 S. 3
f.
E. 5f), auf
Fr.
47'865.05
(
Urk.
2 S. 4).
Zum geltend gemachten Schaden gehören unter anderem auch die
nachzu
zahlenden Lohnbeiträge
für die Jahre 2015 bis 2017
(
vgl.
Pos.
«…»
des Konto-Auszugs vom
2
7. November 2018,
Urk.
5/171/
16)
. Dazu
führ
te die Be
schwerde
gegnerin
aus, dass diese
Forderung
auf
den Ergebnissen
der Arbeit
ge
ber
kontrolle vom
2
1.
November 2017
beruhen würden. Die von der
Y.___
ausgerichteten Löhne seien
erst nach der Konkurs
eröffnung über die
se Gesellschaft
vom 22. Mai 2017 (Urk. 5/171/7)
vollständig erfasst worden
.
Der Beschwerdeführer
hafte
für diese Lohnbeiträge jedoch ebenfalls
.
S
ie hätte
die Beiträge
vor der Konkurseröffnung in Rechnung stellen können, wenn die
Y.___
über die ausgerichteten Löhne rechtzeitig, das heisst bis spätes
tens Ende Januar 2016
(Beitragsjahr 2015) beziehungsweise Ende Januar 2017 (Beitragsjahr 2016) abgerechnet
hätte
(
Urk.
2 S. 3).
3.2.2
Für Beiträge auf ausgerichteten Löhnen, die vor der Konkurseröffnung
mit den Jahreslohndeklarationen gemäss
Art.
36
Abs.
2 der Verordnung über die Alters-
und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV)
hätt
en gemeldet
werden müssen und er
st bei der Arbeitgeberkontrolle festgestellt wurden, haftet ein Organ nach Art. 52 AHVG
(vgl. Urteil des Bundesgerichts H 20/00 vom
2
1.
Dezember 200
0 E.
4b)
.
Die Beschwerdegegnerin
bringt vor
, dass die nachgeforderten Bei
träge durch
rechtskräftige
Nachzahlungsverfügungen festgesetzt worden seien (
Urk.
4 S. 2). Die von der Beschwerdegegnerin
erwähnten
Nachzahlungs
verfügungen wurden am
5.
Dezember 2017
, mithin nach der Konkurseröffnung vom 2
2.
Mai 2017 (Urk. 5/171/7)
,
verfasst und soweit ersichtlich nicht versendet
(
Urk.
5/163-
164). Diese Dokumente würden
eine
r
Überprüfung der den Beitrags
nach
forderungen zugrunde
liegende
n Lohnsummen somit
nicht ent
gegen
stehen
(vgl. Urteil
des Bundesgerichts 9C_456/2010 vom
3.
August 2010 E. 4.1 mit weiteren Hinweis
en
)
.
Der Beschwerdeführer stellt sich
auf den Stand
punkt, dass die Lohnsumme vom Revisor der Beschwerdegegnerin «um einiges zu hoch angesetzt» worden sei.
Er
bringt
dazu
vor, dass er Lohn
vorschüsse durch Bar
bezüge vom Geschäftskonto der
Y.___
abgehoben habe, um seinen Mitarbeitern über finanzielle Engpässe hinweg
zu
helfen. Er vermute, dass die deklarierte Lohnsumme (Monats
löhne) plus die Barbezüge zu
einer doppelten Lohnsummenb
erechnung geführt h
ätt
en
.
Er führt sodann
aus
, dass diverse Ausgaben für Kleinmaterial, Reinigungs
mittel sowie den Erwerb von Second
hand-Geräten
ebenfalls
über diese Barab
hebungen finanziert worden seien (
Urk.
1).
Dazu ist zunächst festzuhalten, dass d
er Revisor der Beschwerdegegnerin auf die
Geschäftsab
schlüsse der
Y.___
abgestützt
hat
, welche
ihm die
A.___
in
B.___
zur Ver
fügung gestellt hat
(
Urk.
5/161/1)
.
Bei der
Konkur
s
ein
ver
nahme vom 1
2.
Juni 2017
führte der Beschwerdeführer aus, dass seine erste Buchhalterin die Buchhal
tung der
Y.___
nicht abge
schlossen habe, weil er sie nicht mehr bezahlen konnte. Daraufhin habe er die Übersicht verloren
. Zu Beginn
des Jahres 2017
habe
er
die Buchhaltung
der
A.___
übergeben.
Sein neuer Treu
händer arbeite nun
an der Buchhaltung
und habe bislang das Geschäftsjahr 2014/2015 abgeschlossen (
Urk.
5/161/9).
Den Kassenakten kann weiter entnom
men werden, dass
die
A.___
die Abschlüsse für die Arbeitgeberkontrolle durch den
Revisor
der Beschwerde
gegnerin
anhand der vorhandenen Unterlagen aufbereitet
hat
(
Urk.
5/161/1).
Der Revisor
stellte daraufhin
auf die i
h
m zur Verfügung gestellten Kontoblätter und Nettolohnblätter (
Urk.
5/161/1,
Urk.
5/161/16-21)
ab, was er im
Einsprache
verfahren
noch einmal bestätigte (
Urk.
5/186).
Es besteht
kein
Anlass
,
an diesen Feststellungen des Revi
sors der Beschwerdegegnerin zu z
weifel
n
, zumal der Beschwerdeführer für die vo
n ihm bloss vermuteten
Doppel- beziehungsweise Falsch
buchungen
weder
detaillierte Angaben machen noch
Belege einreichen konnte.
3.2.3
Im Übrigen wurde
der Schaden vom Beschwerdeführer nicht bestritten.
Der Schaden ergibt sich
aus der Gegenüberstellung der gemäss
Beitragsübersicht (
Urk. 5/171/5-6
) und
Konto
-A
uszug (Urk.
5
/
171/11-16
) geschuldete
n Sozial
ver
siche
rungsbeiträge und Nebenkosten
-
abzüglich der
im
Einsprache
entscheid
vom
28. Mai 2019 (
Urk.
2)
genannten, nach Konkurseröffnung in
Rechnung gestellten Positionen
- und der von der
Y.___
geleisteten Zahlungen. Zu den nach Konkurseröffnung vom 22. Mai 2017 (Urk. 5/171/7) in Rechnung gestellten Positionen im Betrag von total
Fr. 3'215.55
gehören die Betreibungskosten vom 1
6.
Juni 2017 in der Höhe von
Fr.
78.10
(S. 2 der Beitragsübersicht,
Urk.
5/171/6, sowie Pos.
«…»
des Konto-Auszugs,
Urk. 5/171/
14
)
, die
Akontobeiträge
für das
2.
Quartal 2017 im Betrag von
Fr.
1'938.50
(Pos.
«…»
des Konto-Aus
zugs, Urk. 5/171/15) sowie am
5.
Dezember 2017
im Konto-Auszug
erfasste Ver
zugszinsen in der Höhe von
Fr.
887.80 und
Fr.
311.15 (Pos.
«…»
des Konto-Auszugs, Urk. 5/171/16). Es resultiert
ein Saldo von
Fr.
47'865.05
zu Gunsten der Beschwerdegegnerin (Fr.
51'080.60
gemäss Beitragsübersicht und Kontoauszug abzüglich
total
Fr. 3'
2
15.5
5
, die erst nach der Konkurseröffnung in Rechnung gestellt
wurden).
Mangels offenkundiger Anhaltspunkte für Berechnungs
fehler ist die Schadensbe
rechnung der
Beschwerdegegnerin
zu bestätigen. Es ist somit von einem vorliegend relevanten Schaden in der Höhe von
Fr.
47'865.05
auszugehen.
4
.
4
.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff.
AHVV
schreiben vor, dass der Arbeit
geber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber
haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungs
unterlagen über die von ih
nen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzu
stellen, damit die entspre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
tragszahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetz
lich vor
geschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlich
rechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4
.2
Aufgrund der Beitragsübersicht
(Urk. 5/171/5-6)
und des
Konto-Auszug
s
(Urk. 5/171/11-16)
sowie d
e
r
übrigen Kassenakten ist erstellt, dass die
Y.___
zwar beitragspflichtige Löhne ausrichtete, ihren damit ein
her
gehenden Abrechnungs- und Zahlungspflichten aber grösstenteils nicht nach
gekommen ist.
Dadurch hat sie
öffentlichrecht
l
iche
Vorschriften verletzt.
5
.
5
.1
5
.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem W
ortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vor
satz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, wel
che das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass
ein Arbeitgeber zwar in vorsätz
licher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zu
fügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuld
haft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
5
.1.2
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langen
den Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kauf
männischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
5
.1.3
Nicht jedes einer Firma als solcher anzulastende Ver
schulden muss auch ein sol
ches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwie
weit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verant
wortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertra
gen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b).
5
.2
Der Beschwerdeführer war
der einzige
Gesellschafter und Geschäftsführer der
Y.___
(Urk. 5/171/7)
. Er
war
formelles Organ dieser Gesellschaft (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_347/2013
vom
3.
Juli 2013
E.
3
).
Er
muss sich vorhalten lassen, dass er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seines Unter
neh
mens Löhne ausgerichtet hat, ohne sicherzustellen, dass die darauf geschul
deten Sozialver
sicherungs
beiträge und Nebenkosten bezahlt werden können. Damit handelte er zumindest grobfahrlässig (Urteil des Bundesgerichts H 213/03 vom 9. Februar 2004 E. 5.1).
Der Beschwerdeführer
macht keine
Entlastungs
gründe geltend (vgl.
Urk.
1).
6
.
6
.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzu
sammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
6
.2
Das vorwerfbare Verhalten
des Beschwerdeführers
führte zum Schaden der Be
schwerdegegnerin.
Hätte er dafür gesorgt, dass die Sozialversicherungsbeiträge und Nebenkosten - insbesondere die auf den laufenden Lohnzahlungen geschuldeten Beiträge - bezahlt werden,
wäre der Schaden nicht eingetreten.
7
.
Demnach ist die
Beschwerde
abzuweisen
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Da der Streitwert Fr. 30'000.-- übersteigt, kann gegen diesen Entscheid innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff., ins
besondere Art. 85, in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundes
gericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher