# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04baabb1-94ea-5340-968c-5acfc536d407
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-01-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.01.2019 D-7086/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7086-2017_2019-01-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-7086/2017 
lan 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  J a n u a r  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner,  

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,    

Gerichtsschreiberin Sara Steiner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (.), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw Vanessa Koenig,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 16. November 2017 / N (…). 

 

 

 

D-7086/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess Eritrea eigenen Angaben zufolge am 5. De-

zember 2014 und gelangte über den Sudan, Libyen und Italien am 25. Juni 

2015 in die Schweiz, wo er am nächsten Tag ein Asylgesuch stellte. Am 

1. Juli 2015 wurde er summarisch befragt und am 31. Oktober 2016 ein-

lässlich angehört. 

Zur Begründung seines Gesuches hielt er im Wesentlichen fest, er habe in 

den Jahren 2009/2010 das zwölfte Schuljahr in Sawa besucht und an-

schliessend im Jahr 2011 einen sechsmonatigen (…) absolvieren können. 

Danach habe er ein Jahr und acht Monate als (…) Nationaldienst geleistet. 

Aufgrund des geringen Verdienstes habe er nebenbei mit Kleidern gehan-

delt. Im (…) 2013 sei er bei einer Razzia verhaftet worden. Weil er zum 

Kleiderverkaufen die erlaubte Zone verlassen habe, hätten sie ihm zu Un-

recht vorgeworfen, er habe ausreisen wollen. In der Folge sei er in einem 

Gefängnis bei B._______ inhaftiert worden. Dort habe er insgesamt (…) 

Monate in Haft verbracht, wovon er zirka die ersten (…) Monate unter 

schlimmsten Bedingungen in einem unterirdischen Raum festgehalten 

worden sei. Im (…) 2014 sei es beim abendlichen Toilettengang zu einem 

spontanen Massenfluchtversuch von rund (…) Gefangenen gekommen, 

welchem er sich angeschlossen habe. Danach habe er sich zuerst einige 

Tage bei einem Freund in C._______ und dann einen Monat im Wald beim 

Dorf seiner Eltern versteckt. Die Soldaten hätten jedoch seinen Vater an 

seiner Stelle verhaftet. Gegen Bürgschaft seines Cousins sei dieser nach 

ein paar Tagen wieder freigekommen. Da der Cousin jedoch jeden Tag 100 

Nakfa hätte bezahlen müssen und sie ihm gedroht hätten, seine Firma zu 

schliessen, habe er (der Beschwerdeführer) sich gestellt. Zu dieser Zeit sei 

seine Einheit nach D._______ verlegt worden. Er sei dort in einem Raum 

aus Blech eingesperrt worden. Nach ein bis zwei Monaten hätten sie be-

gonnen, sie zur Arbeit nach draussen zu schicken. Nach (…) Monaten sei 

er wiederum beim Toilettengang geflohen. Sie hätten die Gelegenheit ge-

nutzt, als nur zwei bis drei Wächter anwesend gewesen seien, die ihrer 

Einheit angehört hätten, sodass sie von ihnen keine grosse Gefahr be-

fürchtet hätten. Im Dezember 2014 habe er das Land verlassen. 

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er eine Fotografie von sich im Na-

tionaldienst vom (…) 2010 zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 16. November 2017 – eröffnet am 18. November 2017 

D-7086/2017 

Seite 3 

– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung 

der Wegweisung aus der Schweiz und des Wegweisungsvollzuges nach 

Eritrea.  

C.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 14. Dezember 

2017 – handelnd durch seine damalige Rechtsvertreterin – Beschwerde. 

In seiner Eingabe beantragte er zur Hauptsache die Aufhebung der ange-

fochten Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Ge-

währung von Asyl, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit oder 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung einer vor-

läufigen Aufnahme in der Schweiz, subeventualiter die Rückweisung der 

Sache an die Vorinstanz für weitere Abklärungen, subsubeventualiter den 

Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung seiner reli-

giös angetrauten Ehefrau. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

i.V.m. Art. 110a AsylG [SR 142.31] und um Befreiung von der Kostenvor-

schusspflicht. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. Dezember 2017 wurde dem Beschwerde-

führer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-

warten könne. Den Gesuchen um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um Befreiung von der Kos-

tenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) wurde gleichzeitig ent-

sprochen. Für den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der amtli-

chen Verbeiständung (nach Art. 110a AsylG) wurde auf einen späteren 

Zeitpunkt verwiesen, verbunden mit der Aufforderung an den Beschwerde-

führer, innert Frist eine Person zu bezeichnen, welche in persönlicher Hin-

sicht die Anforderungen für eine Beiordnung (nach Art. 110a Abs. 1 i.V.m. 

Art. 110a Abs. 3 AsylG) erfüllt.  

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 29. Dezember 2017 hielt das SEM an der 

angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. 

F.  

Am 4. Januar 2018 gab der Beschwerdeführer bekannt, dass er sich von 

der rubrizierten Rechtsvertreterin vertreten lasse. 

D-7086/2017 

Seite 4 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. Januar 2018 wurde dem Gesuch um Ge-

währung der amtlichen Verbeiständung entsprochen und dem Beschwer-

deführer die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin 

beigeordnet.  

H.  

Mit Replik vom 12. Februar 2018 nahm der Beschwerdeführer zur Ver-

nehmlassung des SEM Stellung. 

I.  

Am 21. März 2018 teilte der Beschwerdeführer unter Vorlage entsprechen-

der Beweismittel mit, er habe am (…) zivilstandesamtlich geheiratet, womit 

die Bedingungen für einen Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner 

Ehefrau erfüllt sein dürften. 

J.  

Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt das SEM am 6. April 

2018 im Wesentlichen fest, im Falle des Beschwerdeführers seien die Vor-

aussetzungen gegeben, um ihn als Ehegatte eines Flüchtlings aufgrund 

der Einheit der Familie ebenfalls als Flüchtling anzuerkennen und ihm in 

der Schweiz Asyl zu gewähren (nach Art. 51 Abs. 1 AsylG). Im Übrigen hielt 

das SEM unter Verweis auf seine bisherigen Erwägungen an der angefoch-

tenen Verfügung fest. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

D-7086/2017 

Seite 5 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

1.4 Die zweite Vernehmlassung der Vorinstanz vom 6. April 2018 wurde 

dem Beschwerdeführer aus Gründen der Prozessökonomie nicht zur Stel-

lungnahme unterbreitet, weil die angefochtene Verfügung aufgrund der 

nachstehenden Erwägungen aufzuheben ist. Das Doppel der Vernehmlas-

sung wird jedoch im Sinne der Verfahrenstransparenz diesem Urteil beige-

legt.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

D-7086/2017 

Seite 6 

4.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen fest, 

die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. Er habe sich 

bezüglich der Hintergründe seiner Inhaftierung in einen grundlegenden Wi-

derspruch verwickelt, indem er an der Befragung gesagt habe, er sei inhaf-

tiert worden, weil er nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurückgekehrt sei, 

während er an der Anhörung angegeben habe, er sei beim Kleiderverkau-

fen in eine Razzia geraten und unter dem Vorwurf der geplanten illegalen 

Ausreise verhaftet worden. Diesen Widerspruch habe er mit der Angabe, 

er sei bei der Befragung unter Stress gestanden und es sei früher auch 

vorgekommen, dass er seine Einheit unerlaubt verlassen habe, um zu ar-

beiten, nicht überzeugend zu erklären vermocht. Ausserdem habe er sich 

bezüglich der Haftdauer widersprochen, indem er an der Befragung von 

genau (…) Monaten und (…) Wochen an der Anhörung aber von (…) Mo-

naten berichtet habe. Im Weiteren seien seine Schilderungen zu den Haft-

bedingungen in B._______ unsubtanziiert und vage ausgefallen. Sein Be-

richt beschränke sich auf Allgemeinwissen, das ohnehin jedem Eritreer be-

kannt sei. Nach mehrmonatiger Haft wäre von ihm zu erwarten gewesen, 

dass er anschaulich und detailliert über die zweifellos schwierige und ein-

prägsame Erfahrung berichten könnte. Im gleichen oberflächlichen Erzähl-

muster habe er über die Flucht aus dem Gefängnis berichtet. Während er 

Nebensächlichkeiten wie die Reise nach C._______ und Asmara ausführ-

lich zu schildern vermocht habe, habe er zur Flucht aus dem Gefängnis 

pauschale und stereotype Angaben gemacht. Hätten wirklich (…) Gefan-

gene gleichzeitig versucht zu flüchten, wären vom Beschwerdeführer de-

tailliertere Angaben zu diesem Ereignis zu erwarten gewesen. Danach ge-

fragt, wie ihm die Flucht habe gelingen können, habe er nur geschildert, 

dass er Glück gehabt habe und alle geschrien hätten und weggelaufen 

seien. Auf erneute Nachfrage habe er erklärt, dass er von einem Auto ver-

folgt worden sei und sich neben dem Fluss versteckt habe. Vor dem Hin-

tergrund, dass ihm eine schwere Strafe gedroht habe, wenn er erwischt 

worden wäre, wäre zu erwarten gewesen, dass er diese risikoreiche Situ-

ation auch verbunden mit Gedankengängen und Emotionen zu schildern 

wüsste. Zudem habe er sich diesbezüglich in einen Widerspruch verstrickt, 

indem er zunächst angegeben habe, die Gefangenen seien auf dem Gang 

zur Toilette geflüchtet, während er später angegeben habe, dies sei auf 

dem Rückweg gewesen. Auch in Bezug auf die zweite Verhaftung habe er 

widersprüchliche Angaben gemacht, indem er an der Befragung angege-

ben habe, sein Vater hätte 100 Nakfa bezahlen müssen, wenn er sich nicht 

gemeldet hätte, während er an der Anhörung gesagt habe, sein Cousin 

hätte die 100 Nakfa bezahlen müssen und ihm sei gedroht worden, sein 

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Geschäft werde geschlossen. Die angebliche Stresssituation an der Befra-

gung vermöge diesen Widerspruch wiederum nicht zu erklären. Auch zu 

den Haftbedingungen in D._______ habe er nur allgemeine Angaben ge-

macht und keinen erlebnisgeprägten und detaillierten Bericht liefern kön-

nen. Ebenso oberflächlich und stereotyp habe er die Flucht aus dem Ge-

fängnis geschildert. Nach der Planung der Flucht gefragt, habe er auswei-

chend angegeben, es habe abends nur zwei bis drei Wächter gegeben und 

ihm sei bewusst gewesen, dass man auf ihn schiessen könnte. Vielmehr 

wäre aber zu erwarten gewesen, dass er die Planung detailliert wiederge-

geben hätte und von ihm abgewogene Alternativen aufgezeigt hätte. Zum 

Ablauf der Flucht habe er lediglich schemenhaft geschildert, dass er die 

Wächter gekannt und erwartet habe, dass diese ihm nichts tun würden. 

Unter der Vorgabe, zur Toilette gehen zu müssen, habe er sich zunächst 

an einer tieferen Stelle hingesetzt, sei dann weitergelaufen und habe 

Schüsse gehört. Es wäre aber zu erwarten gewesen, dass er nachvollzieh-

bar schildere und ausführlich darüber berichten würde, welche Handlungs-

möglichkeiten er sich überlegt habe und welche Emotionen er empfunden 

habe.  

Zur geltend gemachten illegalen Ausreise gelte es festzuhalten, dass ge-

mäss Koordinationsurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 

vom 30. Januar 2017 bei illegaler Ausreise nicht mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit davon auszugehen sei, dass einer Person einzig aufgrund 

dessen eine asylrelevante Verfolgung drohe. Vielmehr bedürfe es weiterer 

Faktoren, welche die Person in den Augen der eritreischen Behörden als 

missliebige Person erscheinen liessen. Vorliegend seien keine solchen 

Faktoren auszumachen. Die geltend gemachte Inhaftierung und die Deser-

tion seien, wie obenstehend ausgeführt, nicht glaubhaft. Somit habe er we-

der den Nationaldienst verweigert noch sei er daraus desertiert. Folglich 

bleibe festzuhalten, dass die geltend gemachte illegale Ausreise, unabhän-

gig von deren Glaubhaftigkeit, allein keine Furcht vor asylrelevanter Verfol-

gung zu begründen vermöge. 

4.2 Den Ausführungen des SEM hielt der Beschwerdeführer in Bezug auf 

den Widerspruch zum Grund der ersten Verhaftung entgegen, er habe sich 

an der BzP extrem kurz gefasst und nur das Folgende ausgesagt: „Ich hatte 

zu tun und sie haben mich nicht in Ruhe gelassen, ich konnte nicht in Ruhe 

arbeiten. Ich habe meinen Urlaub überzogen. Deswegen haben sich (sic!) 

mich dann (…) Monate und (…) Wochen lang inhaftiert.“ Auf was sich die 

Aussage „Ich habe meinen Urlaub überzogen“ genau beziehe, sei nicht 

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Seite 8 

herauszulesen. Zum Widerspruch bezüglich der Haftdauer sei festzuhal-

ten, dass gemäss dem Bundesverwaltungsgericht marginale Fehler bezüg-

lich Zeitangaben und nicht diametrale Widersprüche in unwesentlichen 

Punkten zwischen der Befragung und der Anhörung nicht dazu führen dürf-

ten, dass einzelne Vorbringen als Ganzes als unglaubhaft eingestuft wür-

den. Entgegen den Schilderungen der Vorinstanz habe er die Zeit im Ge-

fängnis durchaus lebhaft und detailliert erzählt. Er habe geschildert, wie 

das Gefängnis ausgesehen habe, welche Krankheiten ausgebrochen 

seien, wann er verlegt worden sei, wie viele Leute dort gewesen seien und 

schliesslich hätten fliehen können. Als er weiter zur Flucht habe erzählen 

wollen, sei er unterbrochen worden und der Befrager habe ihm vorgewor-

fen, zu detailliert zu erzählen. Da sei es nicht verwunderlich, dass er im 

Anschluss nicht mehr detailreich erzählt habe. Später habe er weiter er-

zählt, wie er ins Gefängnis gebracht worden sei, wo sie das Geschäft ver-

richtet hätten und dass seine Familie ihn nicht hätte besuchen können, wo-

rüber er eigentlich froh gewesen sei. Der von der Vorinstanz geltend ge-

machte Widerspruch zum genauen Fluchzeitpunkt (auf dem Gang zur Toi-

lette oder auf dem Rückweg) sei nicht auszumachen. Aus seinen ursprüng-

lichen Aussagen gehe nämlich nicht genau hervor, wann sie beim Toilet-

tengang weggerannt seien (vgl. A19 F43). Erst auf Nachfrage der Hilfs-

werksvertreterin habe er dies spezifiziert. Der Widerspruch bezüglich der 

Zahlung der 100 Nakfa lasse sich einfach auflösen, weil die Soldaten dem 

Vater und dem Cousin gedroht hätten, die Familie müsse den Betrag be-

zahlen, er aber davon ausgegangen sei, dass wohl der Cousin, welcher ein 

Geschäft habe, hätte zahlen müssen. Zu seiner Haftzeit in D._______ habe 

er zunächst nur eine Zusammenfassung der Ereignisse machen wollen 

(vgl. A19 F47), weil er ja zuvor aufgefordert worden sei, nicht zu detailliert 

zu erzählen. Später habe er die Namen der drei Baufirmen genannt, wel-

che in D._______ gewesen seien, und den Namen und den Ort des Ge-

fängnisses. Danach habe er erzählt, wie er zunächst immer eingesperrt 

gewesen sei und nachher zur Arbeit gezwungen worden sei, dass es heiss 

gewesen sei, sie nur wenig Essen bekommen hätten, schweren Zement 

hätten schleppen müssen, nicht hätten duschen können und immer in die-

sem Raum aus Blech gewesen seien. Er habe ebenfalls vergleichend fest-

gehalten, dass es in B._______ schlimmer gewesen sei (vgl. A19 F65 ff.). 

Auch Nachfragen habe er korrekt und ausführlich beantwortet. Das allei-

nige Argument, eine Aussage sei stereotyp, weil sie von vielen Asylsuchen-

den vorgebracht werde, reiche nicht aus, um die Glaubhaftigkeit seiner 

Aussagen als Ganzes in Frage zu stellen. Dadurch dass viele Eritreer 

wüssten, wie die Gefängnisse in Eritrea aussähen und wie dort mit Häftlin-

D-7086/2017 

Seite 9 

gen umgegangen werde, müsse seine Glaubhaftigkeit nicht in Frage ge-

stellt werden. Hinzuzufügen gelte es, dass die Anhörung sehr kurz (3 Stun-

den und 50 Minuten) und teilweise unstrukturiert gewesen sei. Er sei mehr-

mals unterbrochen worden. Danach habe er keine Chance mehr bekom-

men, frei zu erzählen, sondern es seien nur noch spezifische Fragen ge-

stellt worden. Abschliessend sei zu bemerken, dass er zwei Brüder in der 

Schweiz habe, deren Akten er noch nicht habe einsehen können. Er be-

halte sich deshalb diesbezügliche Ergänzungen vor. Nach dem Gesagten 

habe es die Vorinstanz unterlassen, seine Aussagen im Sinne einer Ge-

samtbetrachtung zu würdigen. In weiten Teilen habe sie sich darauf be-

schränkt gewisse Aussagen als stereotyp zu bezeichnen, ohne den Grund 

dafür aufzuzeigen. 

In Bezug auf die illegale Ausreise gelte es festzuhalten, dass bei ihm durch 

die Flucht aus der Haft und damit aus dem Militärdienst zusätzliche Fakto-

ren gemäss der Rechtsprechung hinzuträten. Im Anschluss der Be-

schwerde wurden allgemeine Ausführungen zu Art. 3 und 4 EMRK im Zu-

sammenhang mit dem eritreischen Nationaldienst gemacht. Schliesslich 

wurde festgehalten, der Beschwerdeführer habe vor kurzem religiös gehei-

ratet und sei in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau miteinzubezie-

hen. 

4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, angesichts der Tatsache, 

dass der Beschwerdeführer seine Vorbringen nicht habe glaubhaft machen 

können, werde die Prüfung der Frage, ob er ordentlich aus dem National-

dienst entlassen worden sei, verunmöglicht. Es sei jedoch immerhin fest-

zuhalten, dass er Eritrea im Alter von (…) Jahren verlassen habe, sodass 

es grundsätzlich möglich sei, dass er nach fünf bis zehn Dienstjahren ent-

lassen worden sei. Aufgrund seiner unglaubhaften Vorbringen sei nicht da-

mit zu rechnen, dass er wegen Missachtung der Dienstpflicht inhaftiert oder 

wieder eingezogen würde (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-

richts vom 17. August 2017 D-2311/2016, E. 13.3). Im Anschluss machte 

das SEM Ausführungen zum Einbezug des Beschwerdeführers in die 

Flüchtlingseigenschaft seiner religiös angetrauten Ehefrau. 

4.4  In der Replik wurde der Vollständigkeit halber angemerkt, dass sein 

Bruder an seiner Befragung zur Person im Jahr 2014 angegeben habe, der 

Beschwerdeführer befinde sich im Militärdienst (vgl. Akten des Bruders 

N […]). Bezüglich des Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehe-

frau sei anzumerken, dass die Vorbereitungen zur zivilen Eheschliessung 

in Gang seien und sie ein gemeinsames Kind erwarteten. 

D-7086/2017 

Seite 10 

Nachträglich wurde geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer am (…) 

zivilstandesamtlich geheiratet habe. 

4.5 In seiner zweiten Vernehmlassung hielt das SEM fest, nachdem der 

Beschwerdeführer nun zivilstandesamtlich geheiratet habe, seien die Vo-

raussetzungen für einen Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner 

Ehefrau und die Asylgewährung gegeben. 

5.   

5.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit 

der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen  

oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Ge-

samtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentli-

chen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, per-

sönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller spre-

chen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Ele-

mente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht 

aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung 

der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen 

die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. zum Ganzen 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.2 Zwar kann der Argumentation in der Beschwerde nicht gefolgt werden, 

wenn darin ausgeführt wird, eine Anhörung welche 3 Stunden und 50 Mi-

nuten gedauert hat, sei zu kurz. Auch kann dem Protokoll nicht entnommen 

werden, dass die Anhörung unstrukturiert war. Hingegen fällt, wie in der 

Beschwerde vermerkt, dezidiert ins Gewicht, dass der Sachbearbeiter den 

Beschwerdeführer bei der Erzählung zur Flucht aus der ersten Haft mehr-

mals unterbrach und explizit monierte, er erzähle zu detailliert (vgl. A19 F44 

und F47). Solche Unterbrechungen mögen bei einer Anhörung zuweilen 

Sinn machen, wenn sich Asylsuchende bereits bei der Befragung zu den 

Personalien zu den Asylgründen äussern oder zu weitschweifig werden. 

Der Beschwerdeführer wurde hier aber während der Anhörung zur Sache 

unterbrochen und aufgefordert, die Flucht aus der ersten Haft – und somit 

ein zentrales Element seiner Fluchtgeschichte – lediglich kurz zu schildern. 

Vor diesem Hintergrund ist schwer nachvollziehbar, wenn im Anschluss in 

der Verfügung argumentiert wird, der Beschwerdeführer habe nicht detail-

liert erzählt. 

D-7086/2017 

Seite 11 

5.3 Der Beschwerdeführer legte seine Vorbringen denn im Grossen und 

Ganzen auch übereinstimmend dar. Dies einerseits zwischen der Befra-

gung und der Anhörung, aber auch innerhalb seiner Geschichte selber. So 

brachte er zwei verschiedene Verhaftungen mit unterschiedlichen Gründen 

vor, beschrieb die jeweiligen Haftumstände und sprang in der Chronologie 

hin und her. Die vom SEM aufgezählten Widersprüche betreffen zwar zum 

Teil zentrale Elemente der Fluchtgeschichte des Beschwerdeführers, so 

insbesondere die Länge der Haft, sind aber nicht derart diametral, dass sie 

die ansonsten übereinstimmenden Vorbringen des Beschwerdeführers als 

Gesamtes in Frage zu stellen vermöchten und lassen sich zuweilen für das 

Gericht überzeugend auflösen (Grund für die Verhaftung, Flucht von oder 

zur Toilette, Umstände der Kautionszahlung). Schliesslich gilt es darauf 

hinzuweisen, dass die Befragung zur Person in stark verkürzter Weise 

durchgeführt wurde (vgl. Aktennotiz A6) und der Beschwerdeführer auch 

angab, wegen der vorgängigen Erlebnissen auf der Flucht unter Stress ge-

standen zu haben (vgl. etwa A19 F88 und F90.). Seine Aussagen an der 

Anhörung waren denn in sich auch vollständig übereinstimmend.  

5.4 Der vorinstanzlichen Beurteilung der fehlenden Substantiierung der 

Vorbringen des Beschwerdeführers kann denn ebenfalls nicht gefolgt wer-

den. Das Gericht hält die Aussagen des Beschwerdeführers in Bezug auf 

die zentralen Teile seiner Aussagen vielmehr für ausreichend substanziiert. 

Das beginnt schon bei seinem schulischen Werdegang und der Beschrei-

bung seiner Nationaldienstlaufbahn, wo er auch ein erstes Mal auf seine 

Haft zu sprechen kam, sowie der privaten Arbeit, die er nebenbei verrichtet 

habe (vgl. A19 F4 ff.). Auch die erste Verhaftung beschrieb er substanziiert 

(vgl. A19 F43 ff.). In Bezug auf den Widerspruch zum Grund für die erste 

Verhaftung gilt es der Argumentation in der Beschwerde beizupflichten, wo-

nach aus den Aussagen an der Befragung nicht klar hervorgehe, dass er 

wegen überzogenem Urlaub verhaftet worden sei und aus der Aussage 

„Ich konnte nicht in Ruhe arbeiten“ durchaus auch auf die an der Anhörung 

erwähnte Razzia geschlossen werden könnte (vgl. A7 S.6 f.), zumal er an 

der Anhörung erklärend angab, er habe wegen der Privatarbeit manchmal 

auch den Urlaub überzogen (vgl. A19 F88). Es macht denn auch durchaus 

Sinn, dass der Beschwerdeführer, der sich zum Kleiderverkaufen aus-

serhalb der berechtigten Zone bewegt hat, deshalb der versuchten illega-

len Ausreise verdächtigt wurde (vgl. A19 F49). Weiter beschrieb er die erste 

Haft substanziiert, indem er etwa die hygienischen Umstände in der Haft 

erwähnte (vgl. A19 F43 und F47), auf Krankheiten verwies (vgl. A19 F54) 

oder die Besuchsmöglichkeiten beschrieb (vgl. A19 F52). Bei der Frage 

nach Verhören merkte er nachdenklich an, dass es gut gewesen wäre, 

D-7086/2017 

Seite 12 

wenn es Verhöre gegeben hätte, solche seien aber nicht durchgeführt wor-

den (vgl. A19 F53). Auch zur Flucht aus dieser ersten Haft machte er kon-

krete Angaben zu den Abläufen (vgl. A19 F55 f.). Wenn auch die behaup-

tete Massenflucht von (…) Personen beim Toilettengang, wobei ausge-

rechnet ihm und vier weiteren Personen diese gelungen sein soll, etwas 

fragwürdig scheint, zumal ähnliche Fluchtgeschichten von vielen Asylsu-

chenden immer wieder vorgebracht werden,  kann dies nicht für sich allein 

gegen die Glaubhaftigkeit dieser Ereignisse sprechen. Insbesondere gilt es 

aber, wie bereits erwähnt, hervorzuheben, dass der Sachbearbeiter den 

Beschwerdeführer hier in seinem Erzählfluss mehrmals unterbrach und ex-

plizit monierte, er erzähle zu detailliert (vgl. A19 F44 und F47). Im Weiteren 

machte der Beschwerdeführer sehr detaillierte Angaben zur Zeit nach der 

ersten Haft (vgl. A19 F47). Er führte aus, dass für ihn klar gewesen sei, 

dass sie ihn irgendwann erwischen würden, aber er entschieden habe, dort 

zu bleiben, bis es soweit sei, weil er die Hoffnung gehabt habe, dass es 

irgendwann besser würde (vgl. A19 F58 f.). Er beschrieb, wie er sich ge-

stellt habe, nachdem er an seiner statt sein Vater verhaftet worden sei (vgl. 

A19 F47) und er keine andere Möglichkeit gesehen habe, damit sein 

Cousin sein Eigentum nicht verlöre (vgl. A19 F64). Den Widerspruch zu 

den Umständen der Kautionszahlung vermag der Beschwerdeführer nach 

Meinung des Gerichts mit seiner Erklärung in der Beschwerde aufzulösen 

und scheint auch weder diametral noch ein zentrales Element betreffend. 

Gleiches gilt für den Widerspruch zum Haftort des Vaters, zumal der Be-

schwerdeführer an der Anhörung zunächst diesbezüglich lediglich Vermu-

tungen äusserte (vgl. A19 F60). Weiter merkte der Beschwerdeführer an, 

dass seine Einheit, nachdem er sich gestellt habe, nach D._______ verlegt 

und er dort im Gefängnis E._______ inhaftiert worden sei. Er beschrieb die 

dortigen Haftumstände und unter Nennung der drei dort tätigen Baufirmen, 

die Arbeit, die er habe verrichten und müssen. Er erwähnte, dass sie nicht 

hätten duschen können, was bei der Hitze sehr unangenehm gewesen sei 

und dass es auch dort keine Befragungen gegeben habe (vgl. A19 F47 und 

F65-F68). Zudem machte er auch vergleichende Anmerkungen zur Haft in 

B._______ und D._______, indem der ausführte, die Haft in D._______ sei 

weniger schlimm gewesen, weil sie dort wenigstens hätten an der frischen 

Luft arbeiten können (vgl. A19 F69). Auch die Flucht von D._______ 

scheint dem Gericht nachvollziehbar erzählt, wenn der Beschwerdeführer 

ausführte, es seien zu diesem Zeitpunkt nur zwei bis drei Wächter anwe-

send gewesen und diese seien von ihrer Einheit gewesen, sodass sie er-

wartet hätten, dass diese ihnen nichts tun würden (vgl. A19 F70 f.). Die 

weitere Reise erzählte er realistisch und detailliert, indem er angab, sein 

Begleiter habe zwei Passierscheine gehabt, sodass sie keine Probleme an 

D-7086/2017 

Seite 13 

den Checkpoints bekommen hätten, er habe aber Wasser im Fuss gehabt, 

wie schon im Gefängnis, und deshalb nicht gut gehen können (vgl. A19 

F78 ff.). Weiter gab der Beschwerdeführer auch realistisch an, dass seine 

Eltern kein Geld gehabt hätten, um ihn freizukaufen und er deswegen lang 

hätte in Haft bleiben müssen (vgl. A7 S. 7). Nach dem Gesagten beschrieb 

der Beschwerdeführer immer wieder auch Gedankengänge und Emotio-

nen. Wenn dies nicht bei all seinen Erzählungen der Fall war, kann ihm 

dies nicht zum Vorwurf gemacht werden. Wie in der Beschwerde schliess-

lich auch bemerkt wird, hat der Beschwerdeführer auch Nachfragen korrekt 

und nicht ausweichend beantwortet, ohne die Dinge durcheinander zu brin-

gen. 

5.5 Nach Abwägung der Argumente, die für die Glaubhaftigkeit, und denje-

nigen, die dagegen sprechen, kommt das Bundesverwaltungsgericht ins-

gesamt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Ver-

folgungsgeschichte entspreche in den wesentlichen Punkten den Tatsa-

chen, höher ist, als die – wenn auch nicht restlos auszuschliessende – 

Möglichkeit, sie sei vom Beschwerdeführer bloss erfunden worden. Bei ei-

ner Gesamtbeurteilung aller massgeblichen Aspekte überwiegen die für die 

Richtigkeit der Asylvorbringen der Beschwerdeführenden sprechenden 

Elemente gegenüber den Unglaubhaftigkeitsindizien. Dem Beschwerde-

führer ist es demnach gelungen, den zur Begründung seines Asylgesuches 

vorgetragenen Sachverhalt in den wesentlichen Punkten glaubhaft zu ma-

chen.  

6.  

6.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer auf-

grund des von ihm glaubhaft dargelegten Sachverhalts die Flüchtlingsei-

genschaft erfüllt, ihm mithin Asyl zu gewähren ist. 

6.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung 

der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine 

Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die 

Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. 

D-7086/2017 

Seite 14 

Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen dem 

Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind deshalb zu-

gunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. dazu 

BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.).  

6.3 Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermögen für sich allein die 

Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen, sondern nur dann, wenn damit 

eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mit ande-

ren Worten wenn die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten 

Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten 

sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienst-

verweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die 

ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. Im spezi-

fisch eritreischen Kontext können Wehrdienstverweigerung oder Desertion 

– unter bestimmten Umständen – zur Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft führen (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/3 E. 5.9). 

6.4 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismäs-

sig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweige-

rung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in ei-

nem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt 

ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven 

Dienst stand und desertierte. In diesen Fällen droht nicht nur eine Haft-

strafe, sondern eine Inhaftierung unter unmenschlichen Bedingungen und 

Folter, wobei Deserteure regelmässig der Willkür ihrer Vorgesetzten aus-

gesetzt sind. Die Desertion wird von den eritreischen Behörden als Aus-

druck der Regimefeindlichkeit aufgefasst. Es ist daher davon auszugehen, 

dass die einem Deserteur drohende Strafe nicht allein der Sicherstellung 

der Wehrpflicht dienen würde, was nach zu bestätigender Praxis ‒ immer 

unter der Voraussetzung rechtsstaatlicher und völkerrechtskonformer Rah-

menbedingungen ‒ grundsätzlich als legitim zu erachten wäre; vielmehr 

wäre damit zu rechnen, dass die betroffene Person aufgrund ihrer Deser-

tion als politischer Gegner qualifiziert und als solcher unverhältnismässig 

schwer bestraft würde. Mit anderen Worten hätte ein Deserteur, sollte das 

staatliche Regime seiner habhaft werden, eine politisch motivierte Bestra-

fung und eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich rele-

vanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt (vgl. dazu bei-

spielsweise das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2058/2016 vom 

11. Juli 2018 E. 7.3 m.H. auf den diesbezüglich immer noch einschlägigen 

Leitentscheid der vormaligen Asylrekurskommission: Entscheidungen und 

D-7086/2017 

Seite 15 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 

Nr. 3).  

6.5 Im vorliegenden Fall ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-

rer während seines Nationaldienstes zweimal in Haft war und schliesslich 

daraus desertierte und illegal ausreiste. Vor diesem Hintergrund ist eine 

objektiv begründete Furcht des Beschwerdeführers, im Falle einer Rück-

kehr nach Eritrea ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausge-

setzt zu sein, zu bejahen. Der Beschwerdeführer erfüllt mithin die Flücht-

lingseigenschaft. Asylausschlussgründe im Sinne von Art. 53 AsylG sind 

sodann nicht ersichtlich. 

7.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Aufgrund dessen 

ist auf das Vorbringen der illegalen Ausreise nicht weiter einzugehen. Auch 

die Frage des Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl der 

Ehefrau kann damit offen bleiben. Die angefochtene Verfügung des SEM 

vom 16. November 2017 ist aufzuheben. Der Beschwerdeführer ist als 

Flüchtling anzuerkennen und das SEM anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist eine Parteientschädi-

gung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 21. Febru-

ar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin des Beschwer-

deführers hat im Verfahren keine Kostennote eingereicht. Auf entspre-

chende Nachforderung kann jedoch verzichtet werden, da der notwendige 

Vertretungsaufwand aufgrund der Akten zuverlässig abgeschätzt werden 

kann. Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren 

(Art. 8–11 VGKE) ist die Parteientschädigung auf Fr. 1250.– (inkl. Auslagen 

und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Der Anspruch auf das Honorar für die 

amtliche Verbeiständung ist damit als gegenstandslos zu erachten. 

 (Dispositiv nächste Seite) 

  

D-7086/2017 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt. Das SEM wird ange-

wiesen, ihm Asyl zu erteilen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, eine Parteientschädigung im Betrag von 

Fr. 1250.– an den Beschwerdeführer zu entrichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner 

 

 

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