# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b59c1250-624c-526f-b139-427e19260e2a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.05.2020 E-6637/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6637-2018_2020-05-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6637/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Hans Schürch,  

Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiber Nicholas Swain. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

amtlich verbeiständet durch MLaw Cora Dubach,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 17. Oktober 2018. 

 

 

 

E-6637/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer − ein aus B._______, Bezirk Jaffna stammender 

Tamile − reiste am (…). Dezember 2015 in die Schweiz ein und stellte glei-

chentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein 

Asylgesuch. Am 28. Dezember 2015 fand seine summarische Befragung 

zur Person (BzP) statt. 

B.  

B.a Mit Verfügung vom 20. Januar 2016 trat das SEM gestützt auf Art. 31 

Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) und die Regeln des Dubliner-Zuständig-

keitsabkommens auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und 

ordnete seine Überstellung nach Ungarn an. 

B.b Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 29. Januar 

2016 schrieb das Bundesverwaltungsgericht mit Abschreibungsentscheid 

E-605/2016 vom 30. Juni 2016 als gegenstandslos geworden ab, nachdem 

das SEM mit Verfügung vom 28. Juni 2016 den Nichteintretensentscheid 

vom 20. Januar 2016 im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens wieder-

erwägungsweise aufgehoben und festgestellt hatte, das Asylverfahren des 

Beschwerdeführers werde wieder aufgenommen und in der Schweiz 

durchgeführt.  

C.  

Am 17. Mai 2016 fand eine Anhörung des Beschwerdeführers zu den Asyl-

gründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG statt. 

D.  

D.a Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer 

vor, er habe ab 2010 zusammen mit seinem Vater Flüchtlinge mit Sach-

spenden unterstützt. Zudem habe er auch wiederholt an Demonstrationen 

und anderen Anlässen teilgenommen, namentlich im Jahr 2011 an einer 

Kundgebung von Studenten gegen Belästigungen durch Armeeangehö-

rige. Im (…) 2012 sei er zusammen mit seinem Freund D._______, dessen  

Familie mit den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) verbunden sei, an 

einem Meeting in E._______ gewesen. Deswegen sei er (Beschwerde- 

führer) am (…) 2012 vom CID (Criminal Investigation Department) zu 

Hause festgenommen und im (…)-Camp befragt worden. Am nächsten 

Morgen sei er wieder freigelassen worden, nachdem der Dorfvorsteher und 

der Schulleiter sich für ihn eingesetzt hätten. Danach hätten er und 

D._______ bis etwa am (…) 2013 weiterhin an diversen Kundgebungen 

E-6637/2018 

Seite 3 

teilgenommen, bei welchen ein Rückzug der Armee und die Rückgabe be-

schlagnahmten Grundeigentums an die Bevölkerung gefordert worden 

seien. Zudem habe er Informationen an die UNO-Mitarbeiterin F._______ 

weitergeleitet, die Kriegsverbrechen in Sri Lanka untersucht habe.  

Bei den Wahlen vom (…) 2013 habe er die TNA (Tamil National Alliance) 

unterstützt, indem er für sie (…) sei sowie Poster aufgeklebt und Flyer ver-

teilt habe. Wegen dieser Tätigkeiten sei er von Beamten des CID verwarnt 

worden. Nach der Wahl, am (…) 2013, seien er und D._______ vom CID 

in einem weissen Van entführt und ins (…)-Camp mitgenommen worden. 

Dort sei er zu seinem Engagement für die TNA und zu seinen Bezugsper-

sonen befragt worden, und man habe von ihm verlangt Personen auf Fotos 

zu identifizieren. Einer der Befrager habe ihn ins Gesicht geschlagen, wo-

von die Narbe (…) stamme. Danach hätten ihn mehrere Personen gequält, 

in dem sie ihm eine Art Tabak auf seinen Anus gestrichen und ihm einen 

mit Benzin gefüllten Sack über den Kopf gestülpt hätten. Er sei dadurch 

ohnmächtig geworden. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er Sper-

maspuren auf seinem Körper entdeckt, und habe deshalb einen sexuellen 

Missbrauch vermutet. Man habe ihm gesagt, dass er hiervon niemandem 

erzählen dürfe, und er sei einen Tag nach der Festnahme wieder freigelas-

sen worden. In der Folge habe er sich durch eine ihm vertraute Ärztin un-

tersuchen lassen. Etwa zwei Wochen nach diesem Vorfall habe er wieder 

zu seinem Alltag zurückkehren können. Im (…) 2014 habe er zusammen 

mit seinem Freund D._______ wieder an einer Demonstration in 

E._______ teilgenommen und habe dort ein ehemaliges LTTE-Mitglied na-

mens G._______ kennengelernt. Am (…) 2014 sei D._______ in einem 

weissen Van entführt worden und sei seither verschollen. Weil sein Vater 

Angst um ihn bekommen habe, habe er sich in der Folge einige Zeit bei 

einer Verwandten in H._______ aufgehalten.  

Am (…) 2014 sei er auf der Strasse ein drittes Mal vom CID festgenommen, 

befragt und gequält worden, indem ihm Elektroschocks (…) zugefügt wor-

den seien. Es seien ihm Fragen zu G._______ gestellt und er sei gewarnt 

worden, dass ihm dasselbe wie D._______ geschehen könnte. Am (…) 

2014 sei er wieder freigelassen worden, verbunden mit der Aufforderung, 

sich jederzeit zur Verfügung zu halten und seine Umgebung nicht zu ver-

lassen. Er habe sich wegen der erlittenen Verletzungen vier Tage lang im 

Spital behandeln lassen müssen und sich danach wieder in H._______ 

aufgehalten. Im (…) 2014 habe ihm der Vater gesagt, dass er seine Aus-

reise organisiert habe und er das Land demnächst verlassen könne. Als er 

sich danach einige Tage zu Hause aufgehalten habe, seien Leute des CID 

E-6637/2018 

Seite 4 

zu ihm nach Hause gekommen und hätten seinen Vater befragt und be-

droht. Er selber habe sich rechtzeitig unter dem Dach verstecken können. 

Am (…) 2014 habe er von einem Kollegen erfahren, dass G._______ am 

Tag zuvor getötet worden sei. Weil einer seiner Kollegen getötet und der 

andere entführt worden sei, habe er Angst um sein Leben bekommen und 

habe sich deswegen bis zu seiner Ausreise bei einem Cousin aufgehalten. 

Am (…) 2015 sei er mit einem ihm nicht zustehenden Reisepass illegal 

nach I._______ ausgereist. Von dort sei er im (…) 2015 auf dem Luftweg 

nach Iran und von dort via die Türkei, Griechenland und die sogenannte 

Balkanroute nach Ungarn gelangt. Von dort aus sei er versteckt in einem 

Lastwagen in die Schweiz weitergereist. 

D.b In der Schweiz habe er an mehreren exilpolitischen Anlässen teil- 

genommen. Einmal habe er seinem Bruder Bilder einer Veranstaltung vom 

(…) 2016 zugeschickt. Bei einer Auseinandersetzung in seinem Herkunfts-

dorf am (…) 2017, in welcher sein Bruder und sein Vater involviert gewesen 

seien, sei das Mobiltelefon seines Bruders zerstört und von anderen Per-

sonen gefunden worden. Diese hätten die Bilder und anderen Inhalt an den 

CID weitergeleitet. Am (…) 2017 hätten sich deshalb die Behörden bei sei-

ner Familie nach dem Aufenthaltsort von ihm und seinem Bruder erkundigt.  

D.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine 

ärztliche Bestätigung, einen Zeitungsartikel, zwei Bestätigungsschreiben 

von Friedensrichtern vom (…) 2017 beziehungsweise (…) 2018 sowie 

mehrere Fotos einer Kundgebung in der Schweiz zu den Akten. 

E.  

Mit Verfügung vom 17. Oktober 2018 (eröffnet am 23. Oktober 2018) stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Vollzug an. 

F.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung an das Bundesverwaltungsgericht 

vom 22. November 2018 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen 

die Verfügung der Vorinstanz und beantragte, diese sei vollumfänglich auf-

zuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sie die Unzulässig-

keit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen 

und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher 

Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, 

E-6637/2018 

Seite 5 

um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiord-

nung seiner Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin. Zur 

Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer mehrere Fotos 

von Narben an seinem Körper sowie einen Internetartikel betreffend den 

Tod von G._______ ein. 

Mit Schreiben vom 23. November 2018 erläuterte und präzisierte die 

Rechtsvertretung ihr Rechtsmittel in einigen Punkten. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. Dezember 2018 forderte der Instruktions-

richter den Beschwerdeführer auf, die geltend gemachte Mittellosigkeit zu 

belegen, stellte fest, dass über die Gesuche um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu einem späteren Zeit-

punkt befunden werde, und verzichtete vorderhand auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses; zudem wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer 

Vernehmlassung eingeladen. 

H.  

Mit Eingabe vom 5. Dezember 2018 reichte der Beschwerdeführer eine 

Fürsorgebestätigung der (…) vom 28. November 2018 zu den Akten. 

I.  

In ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2018 hielt die Vorinstanz an 

ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

J.  

Der Instruktionsrichter hiess mit Instruktionsverfügung vom 28. Dezember 

2018 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im 

Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um unentgeltliche Verbeiständung 

im Sinne von aArt. 110a AsylG gut, setzte MLaw Cora Dubach als amtliche 

Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers ein und verzichtete definitiv auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner wurde dem Beschwerde-

führer das Recht zur Einreichung einer Replik zur Vernehmlassung sowie 

entsprechender Beweismittel eingeräumt. 

K.  

Mit Eingabe seiner Rechtsbeiständin vom 9. Januar 2019 reichte der Be-

schwerdeführer eine Stellungnahme zur Vernehmlassung der Vorinstanz 

ein. 

 

E-6637/2018 

Seite 6 

L.  

L.a Mit Eingabe vom 18. Juni 2019 teilte die amtliche Rechtsbeiständin mit, 

sie habe seit längerem keinen Kontakt mehr zu ihrem Mandanten, und er-

suche deshalb um Befreiung vom Amt der unentgeltlichen Rechtsbeistand-

schaft. 

L.b Mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2019 forderte der Instruktions-

richter den Beschwerdeführer auf, innert Frist zur Sachverhaltsdarstellung 

seiner Rechtsbeiständin sowie zur Frage seines Rechtsschutzinteresses 

Stellung zu nehmen. 

L.c Mit Eingabe vom 28. Juni 2019 erklärte die unentgeltliche Rechtsbei-

ständin, der Kontakt zu ihrem Mandanten habe inzwischen wiederherge-

stellt werden können und dieser habe sein Interesse an der Weiterführung 

des Beschwerdeverfahrens bekundet. Demnach werde das Gesuch um 

Befreiung vom Amt als unentgeltliche Rechtsbeiständin zurückgezogen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

E-6637/2018 

Seite 7 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung Folgendes aus: 

3.1.1 Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsmass-

nahmen durch den CID seien als unglaubhaft zu qualifizieren. Der von ihm 

im Rahmen der Anhörung vorgebrachte sexuelle Missbrauch müsse als 

nachgeschoben taxiert werden, da er bei der BzP ausdrücklich verneint 

habe, dass ihm in Haft etwas zugestossen sei, wovon er eher in Anwesen-

heit gleichgeschlechtlicher Personen berichten würde. Die Erklärungen 

des Beschwerdeführers dafür, wieso er dieses Sachverhaltselement bei 

der ersten Befragung nicht erwähnt habe, seien nicht überzeugend. Zudem 

seien seine Schilderungen des sexuellen Missbrauchs und von dessen 

Folgen für ihn stereotyp und oberflächlich. Seine Aussagen zu seiner Ver-

fassung und seinem Verhalten nach diesem Ereignis seien widersprüchlich 

und nicht nachvollziehbar. Namentlich verwundere es, dass er angeblich 

nach nur zwei Wochen zu seinem Alltag zurückgekehrt sei und schon we-

nige Monate später wieder an Versammlungen teilgenommen habe.  

Widersprüche seien in den Vorbringen des Beschwerdeführers auch inso-

fern zu finden, als er bei der BzP angegeben habe, nach der dritten Fest-

nahme gefoltert worden zu sein, hingegen in der Anhörung zu Protokoll 

gegeben habe, bei seiner zweiten Festnahme Misshandlungen erlitten zu 

haben und bei der dritten Festnahme nur geschlagen worden zu sein.  

Er habe ferner nicht zu erklären vermocht, weshalb er wegen seiner Unter-

stützung der TNA bei den Wahlen verfolgt worden sei, nicht aber die Expo-

nenten dieser Partei. Ein Widerspruch sei auch darin zu erblicken, dass 

der Beschwerdeführer ausgesagt habe, sich von 2013 bis zu seiner Aus-

reise im Jahr 2015 um das Geschäft seines Vaters gekümmert zu haben, 

E-6637/2018 

Seite 8 

andererseits aber behauptet habe, sich ab dem Jahr 2014 versteckt zu  

haben. Schliesslich habe er divergierende Angaben zum Verbleib seines 

Reisepasses gemacht; es sei demnach davon auszugehen, dass er seinen 

Heimatstaat legal verlassen habe. Die vom Beschwerdeführer eingereich-

ten Beweismittel seien nicht beweiskräftig. In der ärztlichen Bestätigung 

des Spitals (…) werde nichts über die Ursache der festgestellten Handver-

letzung ausgesagt und weitere Angaben in diesem Dokument würden den 

Aussagen des Beschwerdeführers widersprechen. Auch die Ausführungen 

in den beiden Bestätigungen von Friedensrichtern seien teilweise mit den 

diesbezüglichen Angaben des Beschwerdeführers nicht vereinbar. Diese 

Dokumente müssten als Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiskraft bewertet 

werden.  

3.1.2 Der Beschwerdeführer vermöge nicht glaubhaft zu machen, dass er 

vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt 

gewesen sei, und er habe nach dem Kriegsende, bei welchem er erst  

(…)-jährig gewesen sei, noch fast sechs Jahre lang im Heimatstaat gelebt. 

Allfällige im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten 

demnach kein Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden auszu- 

lösen vermocht. Es sei nicht ersichtlich, wieso der Beschwerdeführer nun-

mehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise ver-

folgt werden sollte. Eine Gefährdung ergebe sich auch nicht aus dem im 

Internet publizierten Fotos seiner Teilnahme an einer Kundgebung in  

J._______, da er nur als einfacher Teilnehmer ohne erhebliche Exponie-

rung erkennbar sei. Der Beschwerdeführer verfüge kaum über ein politi-

sches Profil, welches das Interesse der sri-lankischen Behörden zu wecken 

vermöchte. Es bestehe kein Grund zur Annahme, dass er bei einer Rück-

kehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer  

Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. 

Damit erfülle er die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlings-

eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG oder eines subjektiven Nachfluchtgrun-

des gemäss Art. 54 AsylG nicht.  

3.1.3 Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe 

mehrfach festgestellt, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen 

sei, dass zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen in Sri Lanka eine un-

menschliche Behandlung drohe; zudem würden sich weder aus den Aus-

sagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür 

ergeben, dass ihm eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behand-

lung drohe. Der Wegweisungsvollzug in die Ost- sowie in die Nordprovinz 

Sri Lankas sei gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

E-6637/2018 

Seite 9 

zumutbar, wenn individuelle Zumutbarkeitskriterien vorliegen würden. Der 

Beschwerdeführer sei jung, gesund und verfüge dank seines familiären 

Hintergrundes über eine solide existenzielle Grundlage. Zudem habe er 

eine gute Ausbildung und verfüge über Arbeitserfahrung. Der Weg- 

weisungsvollzug erweise sich somit auch als zumutbar. 

3.2  

3.2.1 Zur Begründung seiner Beschwerde argumentierte der Beschwerde-

führer, die Zweifel der Vorinstanz an seinen Vorbringen seien bei näherer 

Betrachtung unberechtigt. Er habe aufgrund seiner Schamgefühle selbst 

seiner engsten Familie nicht von dem erlebten sexuellen Missbrauch be-

richten können und auch bei der Anhörung nicht unbedingt darüber spre-

chen wollen. Es sei daher nachvollziehbar und nicht erstaunlich, dass er 

dieses Vorkommnis bei der BzP verschwiegen habe. Dieses Vorbringen 

könne nicht als nachgeschoben und damit unglaubhaft qualifiziert werden. 

Sexuelle Gewalt gegen Männer werde aufgrund der sozialen Stigmatisie-

rung in Sri Lanka oft nicht gemeldet, was zu einer Kultur der Straflosigkeit 

für die Täter führe. Trotz seiner Scham habe er diesen Vorfall im Rahmen 

der Anhörung sehr detailliert und schlüssig geschildert. Seine Darlegungen 

seien keineswegs stereotyp. Die Wiederaufnahme der Arbeit auf dem 

Landwirtschaftsbetrieb seiner Familie – etwa zwei Wochen nach dem Miss-

brauch – sei für ihn eine willkommene Ablenkung von den schlimmen Erin-

nerungen gewesen. Sie könne ebenso wenig als Indiz für die Überwindung 

seines Traumas bewertet werden, wie der Umstand, dass er trotz der  

grossen Ängste, welche dieses Ereignis bei ihm ausgelöst habe, einige 

Monate später wieder an einer Kundgebung teilgenommen habe. Er habe 

dies getan, weil er vor seinem Kollegen D._______ nicht habe schwach 

wirken wollen, und weil er sich verpflichtet gefühlt habe, sich für sein Volk 

einzusetzen. Eine nähere Prüfung seiner protokollierten Aussagen betref-

fend die erlittenen körperlichen Misshandlungen ergebe, dass er sich dies- 

bezüglich nicht widersprochen habe. Es sei kein Widerspruch erkennbar 

zwischen der von ihm bei der BzP erwähnten Folter bei der dritten Fest-

nahme und seiner Aussage bei der Anhörung, wonach ihm bei dieser Ge-

legenheit Elektroschocks zugefügt und er geschlagen worden sei. Er habe 

ausführlich und schlüssig dargelegt, welches die Gründe für die Verfolgung 

durch den CID gewesen seien und wie es zu den Festnahmen gekommen 

sei. Mit der Aussage, er habe von 2013 bis 2015 auf der Farm seines  

Vaters gearbeitet, habe er gemeint, dass er in diesem Zeitraum nur diese 

Erwerbstätigkeit ausgeübt habe, nicht aber, dass er bis zu seiner Ausreise 

gearbeitet habe.  

E-6637/2018 

Seite 10 

3.2.2 Seine Aussagen zum Verbleib seines Reisepasses seien durchaus 

nachvollziehbar. Während seiner Flucht habe er keinen Kontakt zu seiner 

Familie gehabt und sei deshalb im Zeitpunkt der BzP davon ausgegangen, 

dass der Schlepper den Pass an seine Eltern übermittelt habe; erst bei 

einem späteren telefonischen Kontakt habe erfahren, dass dies nicht der 

Fall gewesen sei. Ohnehin sei es nicht rechtmässig, Widersprüche zwi-

schen Aussagen bei der BzP und der vertieften Anhörung derart stark zu 

gewichten. 

3.2.3 Durch die drei Festnahmen in den Jahren 2012 bis 2014 seien asyl-

relevante Rechtsgüter in mehrfacher Hinsicht verletzt worden, und die An-

forderungen an die Intensität im Sinne von Art. 3 AsylG seien erfüllt. Er sei 

Opfer von gezielt gegen ihn gerichteter Verfolgung geworden wegen seiner 

politischen Aktivitäten sowie wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit.  

Sri Lanka sei nicht willens oder in der Lage, Vorkehrungen zum Schutz der 

Tamilen zu treffen. Es existiere kein unabhängiges Justiz- und Polizei- 

wesen, und es herrsche eine durch die Willkür der Sicherheitsbehörden 

begünstigte Straflosigkeit bei Vergehen gegen Tamilen. Die Angst davor, 

die Behörden um Schutz zu ersuchen, sei durchaus nachvollziehbar.  

3.2.4 Er müsse im Weiteren auch mit zukünftiger Verfolgung rechnen.  

Es liege eine Vorverfolgung vor und es gebe keine Anzeichen dafür, dass 

sich die Situation soweit verbessert habe, dass er im Falle einer Rückkehr 

nicht mehr in Gefahr wäre. Im Übrigen müsse die Lage in Sri Lanka unter 

Berücksichtigung der neusten politischen Geschehnisse neu evaluiert wer-

den, insbesondere in Bezug auf die Sicherheit zurückkehrender Personen.  

3.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM namentlich aus, die mit der 

Beschwerde eingereichten Fotos würden keinen Aufschluss geben dar-

über, dass die sichtbaren Narben des Beschwerdeführers von Schlägen 

herrühren würden; es sei davon auszugehen, dass sie eine andere Ursa-

che hätten. Der Zeitungartikel betreffend den Tod von G._______ sei nicht 

beweiskräftig, weil der Beschwerdeführer darin nicht namentlich erwähnt 

werde. Die Behauptung, er sei am (…) 2014 im Zusammenhang mit 

G._______ festgenommen und gefoltert worden, sei ohnehin nicht glaub-

haft, weil jener sich zu diesem Zeitpunkt gar nicht versteckt, sondern zu 

Hause aufgehalten habe. Im Übrigen sei die politische Krise in Sri Lanka 

durch den Entscheid des Obersten Gerichtshofs, mit welchem die Abset-

zung des Premierministers für ungültig erklärt worden sei, beigelegt wor-

den. 

E-6637/2018 

Seite 11 

3.4 Der Beschwerdeführer brachte in seiner Replikeingabe vor, Narben 

seien gemäss dem Referenzurteil E-1866/2015 des Bundesverwaltungs-

gerichts ein Risikofaktor, der bei der Prüfung einer begründeten Furcht vor 

zukünftiger Verfolgung zu berücksichtigen sei. Seine Narben würden die 

Glaubhaftigkeit seiner Aussagen untermauern, und seien ein beträchtlicher 

Risikofaktor. Seine detaillierten Aussagen würden keinen Zweifel darüber 

offenlassen, wie diese entstanden seien. Obwohl der Aufenthaltsort von 

G._______ den sri-lankischen Behörden bekannt gewesen sei, sei dieser 

ihnen weiterhin ein Dorn im Auge und in ihrem Fokus gewesen. Da 

G._______ während des Bürgerkriegs in einer hohen Position für die LTTE 

tätig gewesen sei, sei es logisch, dass die Behörden ihn weiterhin überwa-

chen würden. Durch seine Bekanntschaft mit dieser Person sei er (Be-

schwerdeführer) ebenfalls erneut ins Visier der Behörden geraten.  

Der Zeitungsartikel mache deutlich, dass ehemaligen Mitgliedern oder 

Sympathisanten der LTTE in Sri Lanka nach wie vor Verfolgung drohe.  

Die politische Krise sei keineswegs definitiv beigelegt worden. Aufgrund 

der politischen Instabilität sowie der systematischen Unterdrückung der  

tamilischen Bevölkerung in Sri Lanka sei ein Wegweisungsvollzug für ihn 

weiterhin nicht zumutbar. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

 

E-6637/2018 

Seite 12 

5.  

5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-

nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich 

nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht 

widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen  

oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substan-

ziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen 

stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhö-

rung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine 

Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-

che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in 

die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung 

für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die 

gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was ins- 

besondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt 

oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-

wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-

kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuch-

stellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Rich-

tigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht.  

Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 

E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 

S. 190 f.; ANNE KNEER / LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im 

Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesver-

waltungsgerichts, in: ASYL 2/2015 S. 4 ff). 

5.2 Nach Auffassung des Gerichts vermögen die Vorbringen des Be-

schwerdeführers zu den Geschehnissen vor seiner Ausreise aus Sri Lanka 

diesen Anforderungen zu genügen:  

5.2.1 Die protokollierten Ausführungen zu seinem oppositionellen Engage-

ment sowie den behördlichen Repressalien sind im Wesentlichen wider-

spruchsfrei, insbesondere hinsichtlich der zeitlichen Einordnung, und von 

zu erwartender Substanziiertheit. Namentlich sind entgegen der Auffas-

sung der Vorinstanz keine wesentlichen Divergenzen in seinen Angaben 

zu den Misshandlungen, die er im Zusammenhang mit den drei Festnah-

men in den Jahren 2012 bis 2014 erlitt, erkennbar.  

E-6637/2018 

Seite 13 

5.2.2 Der Auffassung der Vorinstanz, dass es sich bei der vom Beschwer-

deführer vorgebrachten Folter und dem sexuellen Übergriff bei der zweiten 

Festnahme im Oktober 2013 aufgrund des Zeitpunkts der Geltendma-

chung um einen unglaubhaften Nachschub handle, kann nicht beigepflich-

tet werden. Gemäss konstanter Rechtsprechung des Gerichts kann das 

verspätete Vorbringen sexueller Gewalterfahrungen durch kulturell be-

dingte Schuld- und Schamgefühle beziehungsweise einen Selbstschutz-

mechanismus erklärbar sein (vgl. BVGE 2013/22 E. 5.5, 2009/51 E. 4.2.3 

mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 17). Die Erklärung des Beschwerdefüh-

rers, diese Sachverhaltselemente aufgrund von Schamgefühlen (nament-

lich wegen der Anwesenheit der Dolmetscherin) und Verunsicherung bei 

der BzP nicht erwähnt zu haben (vgl. Protokoll Anhörung A29 S. 8 F51), ist 

vorliegend plausibel und nachvollziehbar. Auch dass er ausdrücklich Erleb-

nisse verneinte, über die er nicht sprechen könne, kann ihm unter diesen 

Umständen nicht vorgeworfen werden. Darüber hinaus sind die Ausführun-

gen des Beschwerdeführers zu diesem Vorfall sowie zu seinem Verhalten 

nach diesen Misshandlungen im Rahmen der Anhörung sehr detailliert,  

wirken authentisch und enthalten auch weitere Realkennzeichen, wie 

Schilderungen seiner eigenen Gefühle und Gedanken (vgl. a.a.O. S. 8 

F46, F47, F49). Insbesondere beschrieb er seine Gemütsverfassung in den 

Wochen nach der Freilassung anschaulich.  

5.2.3 Dass er nach verhältnismässig kurzer Zeit die Arbeit auf dem Land-

wirtschaftsbetrieb seiner Familie wiederaufnahm und nach einigen Mona-

ten auch wieder an regierungskritischen Anlässen teilnahm, mag zwar 

überraschend wirken, erscheint aber nicht derart realitätsfern, dass es sich 

rechtfertigen würde, diese Darstellung als unglaubhaft zu bezeichnen. Es 

besteht auch kein Widerspruch zur Aussage des Beschwerdeführers, er 

habe sich nicht getraut, mit der TNA wieder in Kontakt zu treten, hätte er 

sich durch ein erneutes Engagement für diese Partei doch mutmasslich 

erheblich mehr exponiert als durch die Kundgebungsteilnahmen.  

5.2.4 In den Schilderungen des Beschwerdeführers betreffend seine dritte 

Festnahme vom 6. Juni 2014 sind ebenfalls keine wesentlichen Ungereimt-

heiten erkennbar. In der BzP gab er an, er sei gefoltert worden (vgl. Proto-

koll BzP, A7 S. 9). Diese Darstellung lässt sich mit seiner Aussage anläss-

lich der Anhörung, er sei bei dieser Gelegenheit geschlagen und mit  

Elektroschocks gequält worden (vgl. Protokoll Anhörung A29 S. 6 F42, 

S. 13 F98) ohne weiteres vereinbaren. Zudem ist auf den mit der Be-

schwerde eingereichten Fotografien ersichtlich, dass der Beschwerdefüh-

E-6637/2018 

Seite 14 

rer an (…) Narben hat, die sich mit den geschilderten Misshandlungen ver-

einbaren lassen. Ferner machte der Beschwerdeführer klare, detaillierte 

und widerspruchsfreie Angaben zum Zeitpunkt sowie zum Grund der drei 

Festnahmen durch den CID. Es erscheint als plausibel, dass er aufgrund 

seiner Beziehung zu seinen Freunden D._______ und G._______ und ih-

ren gemeinsamen Aktivitäten sowie seiner Tätigkeit für die TNA in den Fo-

kus der sri-lankischen Sicherheitskräfte geriet.  

5.3 Im Übrigen sind auch die in der angefochtenen Verfügung festgestell-

ten Ungereimtheiten in den Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner 

Arbeitstätigkeit vor seiner Ausreise sowie zum Verbleib seines Reisepas-

ses zu relativieren. Es ist nicht abwegig, dass er die Frage nach seiner 

beruflichen Tätigkeit vor der Ausreise (vgl. Protokoll Anhörung A29 S. 4 

F25) so verstand und beantwortete, wie er dies auf Vorhalt der wahrge-

nommenen Diskrepanz im Rahmen der Anhörung erklärte (vgl. a.a.O. S. 11 

F72). Angesichts der Aussage des Beschwerdeführers im Rahmen der  

Anhörung, erst seit zwei Jahren – also seit 2016 – in regelmässigem tele-

fonischem Kontakt zu seiner Familie zu stehen (vgl. a.a.O. S. 3 F9), er-

scheint es nicht unplausibel, dass er im Zeitpunkt der BzP noch davon aus-

ging, sein Reisepass sei vom Schlepper an seine Eltern zurückgegeben 

worden und erst zu einem späteren Zeitpunkt erfuhr, dass dies nicht der 

Fall war. Ohnehin ist diesen Sachverhaltselementen keine ausschlagge-

bende Bedeutung beizmessen.  

5.4 Aufgrund einer Gesamtwürdigung gelangt das Gericht demnach zum 

Schluss, dass die vom Beschwerdeführer geschilderten Übergriffe durch 

die sri-lankischen Behörden vor seiner Ausreise als glaubhaft zu qualifizie-

ren sind. Demnach ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich 

in Sri Lanka für die TNA engagierte und an mehreren regierungskritischen 

Kundgebungen teilnahm, sowie dass er aufgrund dieses Engagements in 

den Jahren 2012 bis 2014 dreimal vom CID kurzzeitig festgenommen, be-

fragt und dabei körperlich misshandelt wurde. 

6.  

6.1 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die 

Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 

begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asyl-

entscheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Ver-

folgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situa-

tion im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zu-

E-6637/2018 

Seite 15 

gunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berück-

sichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6 S. 1016 f., 2011/50 

E. 3.1.1 und 3.1.2 S. 996 ff., 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., 

2008/12 E. 5.2 S. 154 f. und 2008/4 E. 5.2 S. 37, jeweils m.w.H.; WALTER 

STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax / Rudin / Hugi Yar / Geiser [Hrsg.], Ausländer-

recht, 2. Aufl., 2009, Rz. 11.17 und 11.18).  

6.2 Der Beschwerdeführer hat glaubhaft dargelegt, dass er vor seiner Aus-

reise mehrmals von den sri-lankischen Sicherheitskräften vor dem Hinter-

grund seiner Bekanntschaft mit zwei den LTTE nahestehenden Personen, 

seiner Teilnahme an regimekritischen Kundgebungen sowie seines Enga-

gements für die TNA festgenommen, verhört und gefoltert wurde. Diese 

ihm gezielt zugefügten Verfolgungsmassnahmen erfüllen hinsichtlich des 

Motivs, der Intensität sowie der betroffenen Rechtsgüter die Anforderun-

gen, um als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG qualifiziert zu 

werden. Demnach ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im 

Zeitpunkt seiner Ausreise begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung 

hatte.  

6.3  

6.3.1 Praxisgemäss besteht die Regelvermutung, dass von erlittener, mit 

der Ausreise in Kausalzusammenhang stehender Vorverfolgung ohne wei-

teres auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor weiterer, zukünftiger 

Verfolgung zu schliessen ist (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.; WALTER 

KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, 

S. 126 ff.). Dabei ist auch zu beachten, dass eine Person, die bereits ein-

mal staatlicher Verfolgung ausgesetzt war, objektive Gründe für eine aus-

geprägtere (subjektive) Furcht hat als jemand, der erstmals in Kontakt mit 

staatlichen Sicherheitskräften kommt (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2, 2011/50 

E. 3.1.1 und 2010/57 E. 2, jeweils m.w.H.).  

6.3.2 Vorliegend besteht kein Grund, von dieser Regelvermutung abzuwei-

chen. Beim Heimatland des Beschwerdeführers ist offensichtlich nicht da-

von auszugehen, dass sich die Verfolgungssituation, wie sie sich im Zeit-

punkt seiner Ausreise präsentierte, ernsthaft und dauerhaft in dem Sinne 

verbessert hat, dass dieser im heutigen Zeitpunkt nicht mehr mit Verfol-

gungsmassnahmen zu rechnen hat. 

  

E-6637/2018 

Seite 16 

6.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Referenzurteil E-1866/2015 

vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden 

nach Sri Lanka vor (vgl. dort E. 8) und stellte fest, dass aus Europa res-

pektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht gene-

rell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt 

sind (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des 

Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Ver-

haftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei 

handelt es sich um tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergan-

gene Verbindungen zu den LTTE, um die Teilnahme an exilpolitischen  

regimekritischen Handlungen und um das Vorliegen früherer Verhaftungen 

durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit 

einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark 

risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteiger-

ten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem 

Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka ein-

reisen wollen, die zwangsweise zurückgeführt werden oder die über die 

Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkeh-

ren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobe-

gründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im 

Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asyl-

rechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei 

zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begrün-

dete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, 

denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie 

bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen 

(vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 

6.3.4 Im Falle des Beschwerdeführers sind mehrere der vorgenannten Ri-

sikofaktoren gegeben. Die glaubhaft gemachten Festnahmen vor seiner 

Ausreise lassen darauf schliessen, dass ihm von den sri-lankischen Behör-

den eine oppositionelle Gesinnung sowie eine Nähe zu den LTTE unter-

stellt wurde. Dazu kommt, dass er gut erkennbare Narben (im Gesicht und 

an […]) hat, und über keine Identitätspapiere verfügt. Der Beschwerdefüh-

rer verfügt demnach über ein Profil, aufgrund dessen gemäss Referenzur-

teil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 für ihn ein erhöhtes Risiko besteht, im 

Falle einer Rückkehr in die Heimat erneut ins Visier der sri-lankischen Be-

hörden zu geraten und zum Opfer asylrechtlich relevanter Verfolgung 

durch diese zu werden. Schliesslich steht ihm keine innerstaatliche Flucht-

alternative offen, da er vom sri-lankischen Staat verfolgt wird, welcher seit 

Ende des Krieges Zugriff auf das gesamte Staatsgebiet hat. Vor diesem 

E-6637/2018 

Seite 17 

Hintergrund ist die begründete subjektive Furcht des Beschwerdeführers 

im vorliegenden Einzelfall auch objektiv als nachvollziehbar zu bezeichnen.  

6.3.5 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer 

auch im heutigen Zeitpunkt die Voraussetzungen für die Zuerkennung der 

originären Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt.  

6.4 Aus den Akten sind sodann auch keine Hinweise ersichtlich, die auf 

das Bestehen von Asylausschlussgründen hindeuten würden. Insbeson-

dere liegen keinerlei Anhaltspunkte für die Annahme vor, der Beschwerde-

führer habe Taten begangen, die unter dem Gesichtspunkt der Asylunwür-

digkeit im Sinne von Art. 53 AsylG zu beurteilen wären. 

6.5 Bei diesem Verfahrensausgang kann die Frage der flüchtlingsrechtli-

chen Relevanz der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Nachteile 

aufgrund exilpolitischer Aktivitäten offengelassen werden. 

7.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die Verfügung des 

SEM ist aufzuheben und die Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerde-

führer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.  

Dem Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung 

von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

(VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise 

erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde keine Kostennote zu 

den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der 

Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die von der Vor-

instanz auszurichtende Parteientschädigung wird in Anwendung der ge-

nannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung der massgeblichen 

Bemessungsfaktoren demnach von Amtes wegen auf insgesamt 

Fr. 2000.– (inkl. Auslagen) festgelegt.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-6637/2018 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 17. Oktober 2018 wird aufgehoben. Das SEM 

wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewäh-

ren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Markus König Nicholas Swain