# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9de5ac8f-a934-59b1-adb0-bd164fbc94a5
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-07-03
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 03.07.2013 SB120527
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB120527_2013-07-03.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB120527-O/U/hb 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Burger, Präsident, die Ersatzoberrichterinnen 

lic. iur. Affolter und lic. iur. Mathieu sowie der Gerichtsschreiber  

liuc. iur. Höfliger 

 

Urteil vom 3. Juli 2013 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ 

substituiert durch Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ 

 

 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend Gefährdung des Lebens etc.   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 
7. September 2012 (DG120066) 

-   2   - 

 
Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 1. März 

2012 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21). 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, 

− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 

lit. b StGB sowie 

− der mehrfachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 180 

Tage durch Haft erstanden sind. 

3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von 

Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.  

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus 

dem eingeklagten Ereignis vom 24. April 2011 dem Grundsatze nach scha-

denersatzpflichtig ist.  

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 361.35 als Scha-

denersatz zu bezahlen.  

6. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches 

wird die Privatklägerin im Übrigen auf den Weg des Zivilprozesses verwie-

sen. 

-   3   - 

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 2'000.– als Genug-

tuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abge-

wiesen. 

8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 7'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr.     Kosten der Kantonspolizei  

Fr. 3'000.00   Gebühr Anklagebehörde  

Fr. 17'111.60   Auslagen Untersuchung  

Fr. 2'289.60   amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr. 27'698.00   amtliche Verteidigung  

Fr. 360.00   Gutachten/Expertise 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten 

auferlegt. 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Geschä-

digtenvertretung werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.  

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 88 S. 1 f.) 

 Hauptanträge: 

1. Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils in Gutheissung der Berufung 

des Beschuldigten in Abweisung der Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft 

2. Freispruch in allen Anklagepunkten 

-   4   - 

3. Nichteintreten auf die Zivilforderung des Geschädigten 

4. Angemessene Entschädigung für erstandene Haft und angemessene 

Genugtuung 

5. Ausgangsgemässe Regelung der Kostenfolgen für das erst- und 

zweitinstanzliche Verfahren 

Eventualanträge  (für den Fall der vollen oder teilweisen Bestätigung des 

erstinstanzlichen Schuldpsruchs) 

 1. Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft in Bezug auf 

die Heraufsetzung der Strafe 

 2. Bei Bestätigung des gesamten Schuldspruchs in Aufhebung von Ziff. 2 

des angefochtenen Urteils bedingte Strafe von höchstens 18 Monaten. 

Im Fall von Teilfreisprüchen angemessen tiefere Strafe 

 3. Probezeit nach Ermessen des Gerichts 

  Allenfalls Weisung, sich bei einem Facharzt der Psychiatrie in 

Behandlung zu begeben 

 4. Gutheissung der ehemals übereinstimmenden Anträge von Anklage 

und Verteidigung betreffend ersatzlose Aufhebung von Ziff. 3 des 

Urteils / stationäre Massnahme 

 5. Aufschub des Vollzugs einer allfälligen unbedingten Freiheitsstrafe 

zugunsten einer ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB 

 6. Ausgangsgemässe Regelung der Verfahrenskosten unter sofortiger 

und definitiver Abschreibung der dem Beschuldigten auferlegten 

Kosten wegen klarer und dauerhafter Unerhältlichkeit 

-   5   - 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:  

(Urk. 89 S. 1) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 7. September 

2012 sei grundsätzlich zu bestätigen, mit folgender wesentlicher Aus-

nahme: 

 2. Der Beschuldigte sei mit 30 Monaten zu bestrafen, unter Anrechnung 

der erstandenen Untersuchungshaft von 180 Tagen 

 3. Es sei – im Gegensatz zu meiner Anschluss-Berufungserklärung vom 

18. Januar 2013 – eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne 

von Art. 59 StGB anzuordnen und der Strafvollzug zugunsten dieser 

Massnahme aufzuschieben 

 

_____________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung 

1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil des Bezirksgerichts 

Zürich, 10. Abteilung, vom 7. September 2012 wurde der Beschuldigte der Ge-

fährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, der Drohung im Sinne von Art. 

180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. b StGB sowie der mehrfachen versuchten 

Nötigung im Sinne von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig 

gesprochen und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten bestraft, 

unter Anrechnung von 180 Tagen Haft. Das Gericht ordnete eine stationäre the-

rapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Stö-

-   6   - 

rungen) an und schob den Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der Massnahme 

auf. Weiter stellte das Gericht fest, dass der Beschuldigte gegenüber der Privat-

klägerin aus dem eingeklagten Ereignis vom 24. April 2011 dem Grundsatz nach 

schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges der Schaden-

ersatzpflicht wurde die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.  

Sodann verpflichtete das Gericht den Beschuldigten, der Privatklägerin Fr. 361.35 

als Schadenersatz und Fr. 2'000.-- als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen. Die Kosten der Untersuchung und 

des gerichtlichen Verfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt, diejenigen der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung definitiv 

auf die Gerichtskasse genommen (Urk. 63 S. 61 f.).  

2. Gegen dieses Urteil meldete der amtliche Verteidiger mit Eingabe vom 

10. September 2012 rechtzeitig Berufung an (Urk. 53; Art. 399 Abs. 1 StPO). Die 

Berufungserklärung des Verteidigers vom 20. Dezember 2012 ging ebenfalls in-

nerhalb der gesetzlichen Frist bei der Berufungsinstanz ein (Urk. 62/2; Urk. 64; 

Art. 399 Abs. 3 StPO). Fristgerecht mit Schreiben vom 18. Januar 2013 erhob die 

Staatsanwaltschaft IV Anschlussberufung (Urk. 68; Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO). 

Seitens der Privatklägerin wurde auf Anschlussberufung verzichtet (Urk. 67).  

Beweisanträge wurden von keiner Partei gestellt.  

3. Die Verteidigung ficht das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich an und ver-

langt in allen Anklagepunkten einen Freispruch. Zudem wird Nichteintreten auf die 

Zivilforderungen der Geschädigten beantragt sowie eine Entschädigung und an-

gemessene Genugtuung für den Beschuldigten infolge der erstandenen Haft, un-

ter ausgangsgemässer Regelung der Kostenfolgen für beide Gerichtsinstanzen 

(Urk. 64 S. 1 f.). Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft bezieht sich ei-

nerseits auf die Bemessung der Strafe und anderseits auf die Anordnung einer 

Massnahme nach Art. 59 StGB: Die ausgesprochene Strafe von 24 Monaten wird 

als klar zu mild angesehen (Urk. 68 S. 1 f.). Nachdem die Staatsanwaltschaft mit 

Erklärung der Anschlussberufung noch den Antrag stellte, auf die Anordnung ei-

ner Massnahme sei zu verzichten (Urk. 68 S. 2), beantragt sie anlässlich der Be-

-   7   - 

rufungsverhandlung die Anordnung einer solchen unter Aufschub der Strafe 

(Urk. 88 S. 1; Prot. II S. 27 f.; vgl. auch Urk. 86).  

Unangefochten sind einzig die Dispositiv Ziffern 8 (Kostenfestsetzung) und 10 

(Regelung der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Ge-

schädigtenvertretung). Die Rechtskraft dieser Regelungen ist vorab mit Beschluss 

festzustellen.  

4. Die ursprünglich auf den 30. April 2013 angesetzte Berufungsverhandlung 

musste, nachdem sich der Beschuldigte offenbar aufgrund eines psychischen Zu-

sammenbruchs selber Verletzungen zugefügt hatte, auf den 3. Juli 2013 verscho-

ben werden (vgl. Urk. 71, Urk. 78/1-3).  

5. Auf die Argumente der Verteidigung ist im Rahmen der nachstehenden Er-

wägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder 

tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; 

vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichts-

punkte beschränken (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.62/2006 E. 4.2.2 vom 

14.11.2006 mit Hinweis auf BGE 126 I 97 E. 2b, BGE 125 II 369 E. 2c, BGE 124 

V 180 und BGE 112 Ia 107 E. 2b). 

II. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt 

1. Anklagesachverhalt 

1.1 Der eingeklagte Sachverhalt, der sich im Wesentlichen auf die Aussagen der 

Privatklägerin stützt, ergibt sich aus der Anklageschrift vom 1. März 2012 (Urk. 21 

S. 2 ff.).  

1.2 Der Beschuldigte bestritt den Anklagesachverhalt sowohl in der Untersu-

chung als auch in beiden Gerichtsinstanzen (Urk. 63 S. 6; Prot. II S. 17 ff.). Es ist 

daher aufgrund der vorhandenen Beweismittel zu prüfen, ob der Sachverhalt er-

stellt werden kann.  

-   8   - 

1.3 Als Beweismittel liegen neben den Aussagen der Privatklägerin (Urk. 4/1 

und 4/2; Urk. 8/5 S. 4 ff.; Urk. 47) sowie jenen des Beschuldigten (Urk. 3/1-3, 3/5, 

3/7-10; Urk. 8/5 S. 11 ff. und Urk. 39) die Aussagen der Zeugen C._____, 

D._____, E._____, F._____, G._____, H._____, I._____, J._____, K._____, 

L._____ und M._____ bei den Akten (Urk. 5/1-11), ferner die schriftlichen Aus-

künfte von N._____ (Urk. 6/5 und 6/7), das ärztliche Gutachten zur körperlichen 

Untersuchung der Privatklägerin von med. pract. O._____ und Dr. med. P._____ 

(Urk. 10/5), der ärztliche Befund über die Privatklägerin des Sachverständigen Dr. 

med. Q._____ (Urk. 10/7), das psychiatrische Gutachten über den Beschuldigten 

von med. pract. R._____ (Urk. 11/19), der Therapiebericht betreffend den Be-

schuldigten von Dr. med. S._____ (Urk. 32 bzw. Urk. 34/3) sowie die Sunrise Ab-

rechnung des Monats April 2011 (Urk. 34/1 bzw. 34/2) und diverse Foto- und Vi-

deoaufnahmen (Urk. 31; Urk. 46/1-11). Auf diese Beweismittel ist im Folgenden – 

soweit für die Urteilsfindung relevant – einzugehen.  

1.4 Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung 

von Aussagen, hat sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, so dass 

darauf zu verweisen ist (Urk. 63 S. 6 und 24; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

1.5 Sodann hat die Vorinstanz die allgemeine Glaubwürdigkeit der involvierten 

Personen beleuchtet und zutreffend festgehalten, dass bei der Glaubwürdigkeit  

der Zeugen deren Beziehung zum Beschuldigten und zur Privatklägerin zu be-

rücksichtigen ist, während die Aussagen des Beschuldigten, der nicht zur wahr-

heitsgemässen Aussage verpflichtet ist, besonders sorgfältig zu prüfen sind und 

auch die Angaben der Privatklägerin mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdi-

gen sind, zumal im Zusammenhang mit sexuellen Handlungen in der Beziehung 

auch Gewalt bzw. Sadomaso-Praktiken angewendet wurden, denen die Privatklä-

gerin in Anbetracht des aktenkundigen Film- und Fotomaterials (Urk. 31; Urk. 

46/1-11) nicht gänzlich abgeneigt gewesen zu sein scheint (Urk. 63 S. 24-26; Art. 

82 Abs. 4 StPO).  

 

 

-   9   - 

2. Aussagen der Privatklägerin und Würdigung 

2.1 Die Aussagen der Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Befragung vom 

4. Mai 2011, als Auskunftsperson in der Befragung gegenüber der Staatsanwalt-

schaft vom 26. Juli 2011 sowie jene in der Einvernahme als Auskunftsperson vor 

dem Bezirksgericht (vgl. Urk. 4/1 und 4/2; Urk. 47) sind im angefochtenen Urteil 

sehr umfassend und korrekt dargestellt. Darauf kann vollumfänglich verwiesen 

werden (Urk. 63 S. 7-13; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

2.2 Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 88 S. 20 f.) hat die Vo-

rinstanz sodann die Aussagen der Privatklägerin eingehend und sorgfältig gewür-

digt und auf ihre Glaubhaftigkeit geprüft. Sie ist zum Ergebnis gelangt, dass die 

Sachdarstellung der Privatklägerin insgesamt als überzeugend erscheint und da-

rauf abgestellt werden kann (Urk. 63 S. 26-28; Art. 82 Abs. 4 StPO). Diese An-

sicht ist zu teilen. Die Privatklägerin hat sowohl bei der Polizei wie auch als Aus-

kunftsperson bei der Staatsanwaltschaft und vor Bezirksgericht weitgehend kon-

stant, detailreich, lebendig und bildhaft, zugleich auch sachlich und zurückhaltend 

ausgesagt, so dass nicht zweifelhaft ist, dass sie das Geschilderte auch tatsäch-

lich erlebt hat. Die nachfolgenden Ausführungen verstehen sich als Zusammen-

fassung und teilweise Ergänzung zu den vorinstanzlichen Erwägungen.  

2.2.1  Bei den Aussagen der Privatklägerin fällt zunächst auf, dass sie in den di-

versen Einvernahmen weitgehend übereinstimmend und widerspruchsfrei ge-

schildert hat, wie und weshalb sie am 23. April 2011 den Beschuldigten traf, dass 

sie ihm zu verstehen geben wollte, die Beziehung sei beendet, er es aber nicht 

verstehen wollte, dass er sehr nett war, heulte und wollte, dass sie wieder zu ihm 

komme, dass sie ihn getröstet hat, dass sie in der Wohnung des Beschuldigten 

gemeinsam zu Abend assen, sie ihm ihren Trennungswunsch zu erklären ver-

suchte, er ihr sagte, er werde sich umbringen, sie auf sein Bitten und weil es viel 

zu spät wurde einwilligte, dort zu übernachten, dass er sie heulend in der Nacht 

weckte und ihr mitteilte, er wolle nicht mehr sein ohne sie und sich eine Spritze in 

den Arm steckte so dass es blutete, um sie von einer Trennung abzuhalten, dass 

sie zwei bis drei Stunden immer über dasselbe sprachen, dass sie dann am Mor-

gen um ca. 6 Uhr duschen und nachher gehen wollte, er ihr ins Bad nachfolgte 

-   10   - 

und von ihr den Code fürs Mobiltelefon verlangte, welchen sie ihm nicht gab, dass 

es zu Streit kam, sie aus dem Badezimmer rannte und er sie zu packen versuch-

te, er ihr ins Schlafzimmer nachfolgte und sie aufs Bett warf, dass und wie er sie 

daraufhin würgte, nämlich indem er ihr je mit starkem Druck eine Hand auf den 

Mund drückte und mit der andern Hand an ihren Hals griff, dass sie nicht mehr 

richtig atmen konnte und kurz, ein paar Sekunden, weg war. Auch ihre Darlegun-

gen zu den Folgen – blaue Flecken am Hals und Schluckbeschwerden – fielen 

gleichbleibend aus und bilden mögliche und plausible Folgen des berichteten Ge-

schehens (Urk. 4/1 S. 3 ff.; Urk. 4/2 S. 6 ff.; Urk. 47 S. 6 f.).  

Auch mit ihrer Darstellung zu den Vorfällen vom 30. April und 1. Mai 2011 zeich-

nete die Privatklägerin ein einheitliches und überaus realistisches Bild der Ereig-

nisse (Urk. 4/1 S. 5; Urk. 4/2 S. 11 f.), welches dann in die Anklage floss (Urk. 21 

S. 3 f.). Daraus ist das mehrstufige Vorgehen eines Beschuldigten erkennbar, der 

die Beendigung einer Beziehung nicht wahrhaben will (vgl. Urk. 4/2 S. 4) bzw. 

nicht akzeptieren kann und die frühere Partnerin mit unzähligen Telefonanrufen 

sowie persönlichem Erscheinen am frühen Morgen an deren Wohnort beharrlich 

bedrängt. Gemäss den Aussagen der Privatklägerin tat der Beschuldigte dies mit 

Steinewerfen gegen die Fensterläden, Herumschreien vor und Poltern gegen die 

Wohnungstüre sowie dem Versuch, die Türe gewaltsam aufzubrechen – alles 

Handlungen, die mit der fraglichen Ausgangslage im Einklang stehen.    

2.2.2  Überdies fällt das äusserst zurückhaltende Aussageverhalten der Privatklä-

gerin auf. 

So machte sie nur eine kurze Bewusstlosigkeit geltend und fügte an, dass sie re-

lativ rasch ohnmächtig werde, wenn sie zu lange die Luft anhalte. Vermutlich ha-

be der Beschuldigte dann von ihr abgelassen und sie sei wieder zu sich gekom-

men. Der Umstand, dass die Privatklägerin die Frage, wie lange sie bewusstlos 

gewesen sei, nicht eindeutig beantworten konnte, sondern dies umschrieb mit 

"ganz kurz" bzw. "Ein paar Sekunden, vielleicht 10 Sekunden" (Urk. 4/2 S. 9), 

spricht nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Es ist ohne Weiteres ver-

ständlich, dass eine bewusstlos gewordene Person keine genauen Angaben zur 

entsprechenden Dauer machen kann. Vielmehr zeigt dies, dass sie nicht einfach 

-   11   - 

etwas erfinden und eine Behauptung aufstellen wollte, sondern offensichtlich be-

strebt war, aus der Erinnerung zu berichten. Zudem verneinte die Privatklägerin 

ausdrücklich, wegen des Würgens Urin- oder Stuhlabgang gehabt zu haben 

(Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/2 S. 9), ebenso Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten 

in jener Nacht (Urk. 4/2 S. 8; Urk. 47 S. 7). Namentlich erklärte sie, nicht zu glau-

ben, dass der Beschuldigte sie durch Würgen habe bewusstlos machen oder gar 

umbringen wollen, dies, weil er sie so geliebt habe, wie er sage (Urk. 4/2 S. 9 f.). 

Da der Beschuldigte nach dem Vorfall am Boden war und weinte, konnte sie denn 

auch die Wohnung ungehindert verlassen (Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/2 S. 11). Sodann 

führte sie aus, dass sie nach der Attacke – vor allem beim Trinken und Essen – 

Schluckbeschwerden gehabt habe, welche aber auch von einer Erkältung herrüh-

ren könnten (Urk. 4/1 S. 4). Sie sei dann beim Arzt gewesen und der habe gesagt, 

sie sei eigentlich topfit. Die blauen Flecken am Hals seien etwa eine Woche lang 

sichtbar gewesen. All diese vorsichtigen Aussagen deuten darauf hin, dass die 

Privatklägerin den Beschuldigten offensichtlich nicht unnötig belasten wollte, was 

ein weiteres Indiz für die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung ist. Hätte sie den Be-

schuldigten zu Unrecht an den Pranger bringen wollen, wären viel gravierendere 

Anschuldigungen zu erwarten gewesen. Dies namentlich, nachdem ihr bekannt 

war, dass der Beschuldigte eine mehrjährige Freiheitsstrafe u.a. wegen Vergewal-

tigung hatte verbüssen müssen. Die Ergänzungsfrage der Verteidigung, ob sie 

glaube, dass der Beschuldigte damals jemanden vergewaltigt habe, beantwortete 

sie denn auch völlig neutral dahin, dies nicht zu wissen; sie wisse nur, was sie er-

lebt habe (Urk. 4/2 S. 15).  

2.2.3  Selbst Zeitpunkt und Umstände der Anzeigeerstattung deuten auf Zurück-

haltung seitens der Privatklägerin. 

Nach der Würgeattacke vom 23./24. April 2011 schämte sich die Privatklägerin, 

trug einen Schal und vertraute sich niemandem an. Sie hatte Angst und wusste 

nicht, wem sie es erzählen solle. Auch begab sie sich damals nicht zum Arzt und 

schaltete auch nicht die Polizei ein (Urk. 4/2 S. 10 f.). Erst der Vorfall vom 1. Mai 

2011, welchen ihr Bruder sowie ihre Mutter und ihre Tante teilweise unmittelbar 

miterlebten, führte aufgrund des entsprechenden Telefonanrufes der Tante zum 

-   12   - 

Beizug der Polizei. Trotz Empfehlung der Polizei an die Privatklägerin, Anzeige zu 

erstatten (auch Urk. 5/2 S. 6), dauerte es dann nochmals 3 Tage, bis sich die Pri-

vatklägerin dazu entschliessen konnte (Urk. 1; Urk. 4/2 S. 12). Sie tat sich offen-

sichtlich schwer damit. Es bedurfte dazu vorerst einer Steigerung und offensichtli-

cher Hartnäckigkeit im Handeln des Beschuldigten, sodann einer familiären Inter-

vention sowie eines polizeilichen Ratschlages und zuletzt weiterer Bedenkzeit und 

persönlicher Überwindung. Die Privatklägerin unternahm den Schritt letztlich aus 

der nachvollziehbaren Befürchtung, dass der Beschuldigte wieder vorbeikomme 

und etwas mache (Urk. 4/2 S. 14). Im Übrigen stellte die Privatklägerin auf Vorhalt 

von Art. 179septies StGB zu keinem Zeitpunkt einen Strafantrag wegen Miss-

brauchs einer Fernmeldeanlage (Urk. 4/2 S. 13). Anhaltspunkte dafür, dass der 

Anzeige Rachegedanken zugrunde liegen, wie der Beschuldigte wiederholt mut-

masste, sind nirgends ersichtlich. Das überaus zaghafte Vorgehen der Privatklä-

gerin spricht viel eher dafür, dass sie den Beschuldigten schonen wollte, wenn er 

sie nur in Ruhe lassen würde. Eine Abrechnung ist in der Anzeige jedenfalls nicht 

zu erblicken. Darüber hinaus äusserte die Privatklägerin glaubhaft ein gewisses 

Mitleid mit dem Beschuldigten (Urk. 47 S. 6), was sich auch darin zeigt, dass sie 

in der Trennungszeit und vor allem an Ostern 2011 mittels Gespräch an den Be-

schuldigten appellierte und versuchte, ihn zu einer einvernehmlichen definitiven 

Auflösung der Beziehung zu bewegen (vgl. dazu auch die nachfolgende Erwä-

gung 2.2.5). Bemerkenswert ist ferner der Umstand, dass die Privatklägerin am 

Abend des 23. April 2011 zunächst noch von einem "schönen Abschluss" der Be-

ziehung ausging und dass sie nun beide ihre Wege gehen könnten, nachdem der 

Beschuldigte gekocht und sie zusammen gegessen hatten (Urk. 47 S. 7). Es ging 

ihr unzweifelhaft um eine friedfertige Beendigung der Beziehung. 

2.2.4  Weitere Hinweise auf wahrheitsgetreue Aussagen der Privatklägerin finden 

sich in ihrer Wiedergabe von zahlreichen Wortwechseln unter den Beteiligten, Ge-

fühlsbekundungen des Beschuldigten und situationsadäquaten eigenen Empfin-

dungen, die im Wesentlichen in der Anklageschrift erwähnt sind (Urk. 21 S. 2 ff.). 

Zusätzlich lassen sich die folgenden Beispiele anführen:  

-   13   - 

Der Beschuldigte habe weinend mit Suizid gedroht und gesagt, dass sie zusam-

mengehören würden und Gott dies gewollt habe. Als der Beschuldigte die Spritze 

mit Luft darin genommen und sich die Nadel in den Arm gesteckt habe, habe sie 

zu ihm gesagt, er solle damit aufhören und sie würden besser in die PUK gehen 

bzw. sie habe ihn aufgefordert, er solle sich Hilfe suchen, sie könne ihm da nicht 

helfen (Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/2 S. 6). Auf ihre Weigerung, ihm den Code für das 

Mobiltelefon zu geben, habe er ihr unterstellt, sie würde ihn extra provozieren, sie 

habe etwas zu verheimlichen (Urk. 4/2 S. 7). Sie sei sich extrem hilflos vorge-

kommen, weshalb sie dann ihre Mutter und ihre Tante angerufen habe (Urk. 4/2 

S. 12).  

2.2.5  Der Umstand, dass die Privatklägerin gemäss ihren eigenen Angaben sich 

bereits vor dem 23. bzw. 24. April 2011 vom Beschuldigten habe trennen wollen, 

gemäss Sunrise Abrechnung des Monats April 2011 (Urk. 34/2 S. 3 ff.) jedoch 

weiterhin in stetigem Kontakt mit dem Beschuldigten blieb, stellt – entgegen der 

Ansicht der amtlichen Verteidigung (Urk. 49 S. 37; Urk. 88 S. 21) – keinen Wider-

spruch dar. Vielmehr lässt dies darauf schliessen, dass die Beziehung noch nicht 

offiziell und noch nicht endgültig beendet worden war, was überdies auch den 

konstanten und nachvollziehbaren Schilderungen der Privatklägerin entnommen 

werden kann. Danach war sie ca. Anfang März 2011 aus der gemeinsam mit dem 

Beschuldigten bewohnten Wohnung aus- und vorläufig bei ihrem Bruder eingezo-

gen, weil sie nach wiederholten Streitigkeiten Ruhe und Freiraum brauchte und 

über die Beziehung zum Beschuldigten nachdenken wollte, was sie ihm entspre-

chend kommunizierte (Urk. 4/1 S. 3; Urk. 4/2 S. 4; Urk. 47 S. 3).  

Die vorerst provisorische Trennung (die Privatklägerin sprach treffend von "Pau-

se"; vgl. Urk. 47 S. 3) ergibt auch eine logische Erklärung dafür, weshalb die Pri-

vatklägerin gemäss eigenen Angaben am Ostersamstag, 23. April 2011, mit dem 

Beschuldigten reden und ihm erläutern wollte, dass sie nicht mehr mit ihm zu-

sammen sein bzw. sich definitiv von ihm trennen wolle. Dieser Entschluss war of-

fensichtlich in ihr gereift, nachdem der Beschuldigte ihr nach ihrem Auszug um 

Anfang März 2011 immer wieder angerufen und sie zur Rückkehr aufgefordert 

hatte – was sie jedoch ablehnte –, und auch an ihrem neuen Wohnort oder Ar-

-   14   - 

beitsplatz aufgetaucht war, wodurch sie sich kontrolliert und eingeengt fühlte. Das 

ist begreiflich, nachdem die Privatklägerin das gemeinsame Domizil verlassen 

hatte, um namentlich Streitigkeiten auszuweichen und Ruhe zu finden. Zwar hatte 

sie seine Anrufe entgegen genommen und ihm Einlass am neuen Wohnort ge-

währt, doch hatte er auch zweimal ohne Klingeln die Wohnung betreten und sich 

allgemein so verhalten, als wäre er noch mit der Privatklägerin zusammen, was 

ihre Entscheidung, sich definitiv vom Beschuldigten zu trennen, förderte. Sexual-

kontakte hatten seit dem Auszug der Privatklägerin aus der gemeinsamen Woh-

nung laut ihrer glaubhaften Darstellung zudem keine mehr stattgefunden (Urk. 4/1 

S. 3 f.; Urk. 4/2 S. 6; Urk. 47 S. 3 f. und 7, 10 f.). Die Privatklägerin konnte somit 

einleuchtend erklären, weshalb sie zunächst weiterhin in Kontakt mit dem Be-

schuldigten blieb. Die Auffassung der Verteidigung, die Privatklägerin habe unter 

Erklärungsdruck gestanden, wenn es um ihre "eigenen Beiträge zum Nichtvonei-

nanderloskommen" gegangen sei (Urk. 88 S. 21), kann deshalb nicht geteilt wer-

den. Ausschlaggebend für die definitive Trennung vom Beschuldigten war dann 

das Geschehen am Ostersonntag (Urk. 4/2 S. 4). 

Wie schon die Vorinstanz erläuterte, trifft auch der Einwand der Verteidigung, die 

Privatklägerin habe nicht angeben können, ob der Beschuldigte eine volle oder 

leere Spritze verwendet habe (Urk. 49 S. 27), nicht zu, hat die Privatklägerin doch 

bei der Polizei ausgesagt, diese sei mit Luft gefüllt gewesen. Der Umstand, dass 

der Beschuldigte tatsächlich Spritzen besass, weil er sich regelmässig Testoste-

ronprodukte injizierte (Urk. 49 S. 27), stützt vielmehr die Aussage der Privatkläge-

rin. Ob sich mit der Spritze ein Selbstmord begehen lässt, kann dahin gestellt 

bleiben. Vielmehr ist entscheidend, dass die Privatklägerin überzeugend geschil-

dert hat, dass sich der Beschuldigte die Nadel in den Arm steckte, er daraufhin 

blutete, sie erschrak und in Angst geriet. 

2.2.6  Schliesslich werden manche Aussagen der Privatklägerin durch jene von 

Zeugen gestützt.  

2.2.6.1  Das gilt insbesondere für die Aussagen von C._____ den Bruder der Pri-

vatklägerin, mit welchem diese damals zusammenwohnte, zum Ereignis vom frü-

hen Morgen zwischen 07.00 und 08.00 Uhr des 1. Mai 2011 (vgl. Urk. 5/1). Bild-

-   15   - 

haft und authentisch legte er dar, dass der völlig aufgewühlte und etwas aggressi-

ve Beschuldigte ins Treppenhaus eingedrungen war, gegen die Wohnungstür pol-

terte, in die Wohnung einzudringen versuchte und ihnen zurief, irgendwann müss-

ten sie die Wohnung ohnehin verlassen, dass er aufstand und seine Schwester 

zusammengekauert unter einer Decke auf dem Sofa vorfand, dass er das 

Schlimmste befürchtete, etwa, dass der Beschuldigte es schaffen würde, die Tür 

– welche heute noch Risse davon trage – aufzutreten, dass er selber auch sehr 

aufgewühlt war und deshalb seine Mutter anrief und um Rat fragte, dass erst die 

Ankunft von Mutter, Tante und einem Bekannten sowie deren Hinweis, sie würden 

die Polizei alarmieren, den Beschuldigten schliesslich in die Flucht schlug. Der 

Zeuge unterschied jeweils präzis zwischen eigenen (optischen und akustischen) 

Wahrnehmungen und Erzählungen der Privatklägerin, deklarierte Nichtwissen, 

räumte auch freimütig ein, mit der damaligen Situation überfordert gewesen und 

auch sonst mit dem Beschuldigten überhaupt nicht gut ausgekommen zu sein, 

diesen lediglich als Freund seiner Schwester akzeptiert zu haben, dies, obwohl 

ihm der Beschuldigte Hilfe bei der Stellensuche angeboten und ihm zum Geburts-

tag ein T-Shirt geschenkt habe, womit der Zeuge auch Gutes über den Beschul-

digten erwähnte. Die Privatklägerin habe die Beziehung zum Beschuldigen been-

digen wollen bzw. beendigt, wobei es erst am 1. Mai zur offiziellen Trennung ge-

kommen sei, denn vorher habe die Privatklägerin immer noch Kontakt mit dem 

Beschuldigten gehabt. Der Beschuldigte habe die Trennung nicht akzeptieren 

wollen. Diese klaren und differenzierten Äusserungen sprechen für sich und las-

sen nirgends Beeinflussung erkennen.  

2.2.6.2  Die Schilderungen der Privatklägerin werden weiter auch durch die Aus-

führungen der Zeugin D._____, Mutter der Privatklägerin, bekräftigt (Urk. 5/2). 

Auch sie verstand sich zwar gar nicht gut mit dem Beschuldigten, obwohl auch sie 

einmal vom Beschuldigten beschenkt worden war. Ebenso war ihr Verhältnis zur 

Privatklägerin teilweise problembeladen und sie bejahte, dass diese aufbrausend 

sein könne (Schreien, "Türschletzen"; vgl. Urk. 5/2 S. 7). Von ihrer Tochter wurde 

sie keineswegs mit Berichten aus deren Beziehung mit dem Beschuldigten auf 

dem Laufenden gehalten (Urk. 5/2 S. 8 f.). Dennoch erfuhr sie von ihr, dass sie 

die Beziehung zum Beschuldigten beenden wollte, er sie jedoch nicht in Ruhe 

-   16   - 

liess. Auch fiel der Zeugin auf, dass die Privatklägerin vor und nach der Trennung 

sehr angespannt war und sie spürte, dass etwas nicht stimme, doch habe die Pri-

vatklägerin dies geleugnet. Erst nach der Arztkontrolle habe die Privatklägerin ihr 

die Rötungen am Hals gezeigt. Wie schon der Zeuge C._____ deklarierte die 

Zeugin D._____, vieles vom Hörensagen erfahren zu haben. Zur definitiven Be-

endigung der Beziehung am 1. Mai 2011 konnte die Zeugin aber einige unmittel-

bare Wahrnehmungen zu Protokoll geben, die sich vollumfänglich mit den Aussa-

gen der Privatklägerin und jenen des Zeugen C._____ decken und den damaligen 

Schauplatz sowie das Verhalten des Hauptakteurs anschaulich umschreiben. So 

erhielt sie – völlig unüblich – um ca. 07.30 Uhr ein Telefon der weinenden Toch-

ter, die Angst vor dem Beschuldigten bekundete, welcher Steine ans Fenster wer-

fe, im Treppenhaus sei und gegen die Tür poltere. Bei ihrem Rückruf erfuhr sie 

gleiches von ihrem Sohn, dem Zeugen C._____ der sie ermahnte, keinesfalls nur 

zu zweit (sie und ihre Schwester) zu erscheinen. Daher hätten sie einen Kollegen 

mitgenommen. Zu dritt hätten sie sich dann in das obere Stockwerk des Treppen-

hauses begeben, wo sich der Beschuldigte aufgehalten habe. Der Beschuldigte 

habe völlig nervös gewirkt. Sie hätten ihm gesagt, dass er die Privatklägerin in 

Ruhe lassen und verreisen solle, ansonsten sie die Polizei holen würden. Danach 

sei er kurz raus gegangen und sie zur Privatklägerin in die Wohnung. Kurz darauf 

sei der Beschuldigte jedoch erneut aufgetaucht, habe an die Tür gepoltert und 

geschrien, dass die Polizei doch kommen und ihn mitnehmen solle, worauf sie so-

fort die Polizei verständigt hätten (Urk. 5/2 S. 6). Zur Zeugenaussage von 

D._____ gilt wie schon beim Zeugen C._____ dass weder unnötige Übertreibun-

gen noch andere Lügensignale auffallen und keine Anhaltspunkte für eine Ab-

sprache mit der Privatklägerin bestehen.  

2.2.6.3  Die vom Beschuldigten angerufene Zeugin H._____, Freundin des Be-

schuldigten von 2004 bis 2007 – wobei der Beschuldigte ihr auch heute noch sehr 

viel bedeute –, konnte das vom Beschuldigten geltend gemachte Alibi für die Tat-

nacht vom 23. auf den 24. April 2011, wonach er zu dieser Zeit bei ihr gewesen 

sei, nicht bestätigen. Vielmehr gab sie glaubhaft an, dass der Beschuldigte erst 

am Ostermontag zu ihr gekommen sei (Urk. 5/6 S. 5), wovon auszugehen ist. 

Ebenso wenig konnte sie sachdienliche Angaben zu den Anklagevorwürfen lie-

-   17   - 

fern. Immerhin ergibt sich aus ihren Aussagen, dass auch sie während der Bezie-

hung den Beschuldigten aggressiv erlebte und er zu ihr auch schon mal gewalttä-

tig geworden sei, indem er sie vor allem am Anfang der Beziehung geschlagen 

(geboxt, nicht verprügelt) habe, wenn ihm etwas nicht gepasst habe. Er habe 

auch immer gesagt, es liege an ihr, sie brauche das. Weiter erwähnte sie sehr 

häufige Stimmungsschwankungen beim Beschuldigten. Bei Auseinandersetzun-

gen habe sich der Beschuldigte nicht so gut verhalten. Sie habe dann zwar nicht 

Angst vor ihm gehabt, doch nicht in seiner Nähe sein wollen, da er stärker sei als 

sie (Urk. 5/6 S. 3 ff.).  

Selbst wenn die Zeugin H._____, welche dem Beschuldigten auch gute Eigen-

schaften attestierte, konkret nichts zur Erhellung des Sachverhalts beitragen 

konnte, ergibt sich doch ergänzend aus ihren zurückhaltenden, klaren und über-

zeugenden Schilderungen, dass eine gewisse Gewalttätigkeit und Dominanz der 

Persönlichkeit des Beschuldigten nicht fremd ist. Ähnliches lässt sich der Zeu-

genaussage von C._____ entnehmen. 

2.2.7  Insgesamt kommt den auch durch Drittangaben gestützten Aussagen der 

Privatklägerin hohe Glaubhaftigkeit zu.   

3. Weitere Beweismittel und Würdigung 

3.1 Das angefochtene Urteil enthält eine Übersicht über die wesentlichen Aus-

sagen der Zeugen C._____ D._____ und H._____, welche auch stichhaltig ge-

würdigt wurden (Urk. 63 S. 17 ff. und 30 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Weitere Ausfüh-

rungen dazu können unterbleiben, zumal bereits unter der vorstehenden Erwä-

gung 2.2.6 das Wichtigste gesagt wurde.  

3.2 In den übrigen Zeugenaussagen (vgl. Urk. 5/3-5; Urk. 5/7-11) hat schon das 

Bezirksgericht richtigerweise keine der Sache dienlichen Hinweise gefunden, so 

dass diese bei der Sachverhaltserstellung unberücksichtigt bleiben können 

(Urk. 63 S. 21 f.). 

3.3 Hinsichtlich der ärztlichen Akten der Privatklägerin, der psychiatrischen Ak-

ten des Beschuldigten, der Sunrise Abrechnung sowie der Foto- und Videoauf-

-   18   - 

nahmen rechtfertigt sich betreffend die Sachverhaltserstellung, ebenfalls auf den 

korrekten Überblick im vorinstanzlichen Urteil zu verweisen (Urk. 63 S. 22 ff.).  

In geraffter Form ist festzuhalten, dass die Experten des Instituts für Rechtsmedi-

zin der Universität Zürich im auf den Angaben der Privatklägerin basierenden 

ärztlichen Gutachten zur körperlichen Untersuchung vom 25. Mai 2011 gestützt 

auf die durchgeführten Kontrollen rund 11 Tage nach dem geltend gemachten Er-

eignis keine eindeutigen objektivierbaren Verletzungen feststellen konnten. Je-

doch schliesse das Fehlen von eindeutig auf das geltend gemachte Ereignis zu-

rückzuführenden Befunden zum Untersuchungszeitpunkt den von der Privatkläge-

rin geschilderten Würgevorgang keineswegs aus. Bei einer stumpfen Gewalt ge-

gen den Hals – und insbesondere gegen die sensiblen seitlichen Halspartien – sei 

in jedem Fall von einer zumindest potenziellen Lebensgefahr auszugehen, da 

dies in seltenen, nicht vorhersehbaren Fällen zu einem reflektorischen Herzstill-

stand führen könne. Somit müsse aufgrund der Angaben der Privatklägerin, wo-

nach während des Würgevorgangs gar eine Bewusstlosigkeit aufgetreten sei und 

sie unmittelbar nach dem Vorfall zwei blaue Flecken im Sinne von Hautunterblu-

tungen entlang der Gefässnervenloge links – passend zu Fingerabdrücken infolge 

Würgens von vorne möglicherweise mit der rechten Hand – festgestellt habe 

(welche Flecken auch die Experten trotz der zeitlichen Distanz noch als zwei rötli-

che Hautverfärbungen von je ca. einem Zentimeter Durchmesser erkennen konn-

ten), aus rechtsmedizinischer Sicht eine konkrete, unmittelbare Lebensgefahr im 

Ereigniszeitpunkt für die Privatklägerin bejaht werden (Urk. 10/5, S. 3 und 4; vgl. 

hinten Erwägung II./5.1).  

3.4 Weiter ergibt sich aus den vor dem fraglichen Vorfall vom 23./24. April 2011 

erstellten Foto- und Videoaufnahmen (Urk. 31; Urk. 46/1-11), dass die Parteien in 

sexueller Hinsicht die Neigung hatten, ein bestimmtes Rollenverhalten anzuneh-

men, wobei Macht und Gewalt dazugehörten. Aus dem vom Beschuldigten erstell-

ten Bildmaterial – die Privatklägerin lehnte nach ihrer Darstellung sowohl solche 

Sexualpraktiken als auch das Aufzeichnen eigentlich ab (Urk. 47 S. 4 f. und 12 f.) 

– ist zudem ersichtlich, dass die Privatklägerin im seitlichen Halsbereich rote Fle-

cken aufweist. Auch wenn diese aus zeitlichen Gründen nicht eine Folge der hier 

-   19   - 

eingeklagten Handlungen sein können, deuten sie doch auf Gewaltausübung hin, 

dies augenfällig zum Nachteil der Privatklägerin. Wie auch immer die angetönten 

Sexualpraktiken sich im Detail abgespielt haben mögen: es kann jedenfalls ohne 

weiteres nachvollzogen werden, dass eine Frau nicht damit einverstanden ist, 

durch zu festes Küssen bzw. Beissen häufig Flecken am Hals zugefügt zu erhal-

ten, die dann bis zum Abklingen durch Tücher abgedeckt werden müssen 

(Urk. 47 S. 4 ff.).   

4. Aussagen des Beschuldigten und Würdigung 

4.1 Die Aussagen des Beschuldigten (insbesondere jene in Urk. 3/1, 3/3, 3/10 

und Urk. 39) sind im angefochtenen Urteil ausführlich wiedergegeben. Darauf ist 

vorab zu verweisen (Urk. 63 S. 13-17; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

4.2 Einlässlich und sorgfältig hat die Vorinstanz sowohl das Aussageverhalten 

wie auch die konkreten Darlegungen des Beschuldigten, der zunächst sämtliche 

Anklagevorhalte pauschal abstritt oder ausweichende Aussagen machte, teilweise 

ganz schwieg und schliesslich Vorwürfe der Privatklägerin mit Gegenbeschuldi-

gungen konterte, gewürdigt und deren Glaubhaftigkeit beurteilt. Sie ist zum 

Schluss gelangt, dass die Aussagen des Beschuldigten insgesamt betrachtet 

nicht überzeugen und als unglaubhaft zu qualifizieren sind, weshalb darauf nicht 

abgestellt werden könne.  

Die Vorinstanz begründete ihre Einschätzung im Wesentlichen damit, der Be-

schuldigte sei auffallend bemüht gewesen, die ihn belastende Privatklägerin in ein 

schlechtes Licht zu rücken und vor allem in sexueller Hinsicht als eine resolute 

Persönlichkeit darzustellen. Damit versuche er plausibel zu machen, dass ihre 

Vorwürfe gegen ihn als Bestrafungsaktion im Rahmen einer Sadomaso-

Beziehung angesehen werden müssten, wodurch freilich ihre Glaubwürdigkeit in 

Frage gestellt wäre. Die sexuellen Praktiken zwischen den Parteien seien insofern 

unerheblich, als sich der Beschuldigte ja nicht darauf berufe, dass es in jener 

Nacht zwischen ihnen zu sexuellen Kontakten mit Sadomaso-Praktiken oder 

Würgen gekommen sei, sondern abstreite, dass die Privatklägerin sich zu diesem 

Zeitpunkt überhaupt bei ihm aufgehalten habe. Allfälliges Würgen habe somit 

-   20   - 

auch gemäss seiner Darstellung in jener Nacht nicht im Zusammenhang mit se-

xuellen Praktiken stattgefunden. Eine plausible Erklärung für eine Falschbelas-

tung bzw. einen Racheakt durch die Privatklägerin habe der Beschuldigte sodann 

nicht abgegeben. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, weshalb eine allfällig 

dominante Seite der Privatklägerin oder ihre sexuellen Vorlieben sie zu ihren be-

lastenden Aussagen geführt haben sollten. Schliesslich neige der Beschuldigte 

dazu, die gegen ihn gerichteten Vorwürfe zu verharmlosen oder sie der Privatklä-

gerin anzulasten. Betreffend die Ereignisse vom 1. Mai 2011 habe er den auslö-

senden Telefonanruf der Privatklägerin zugeschoben. Er habe gar nichts ge-

macht, sei auf Wunsch der Privatklägerin vor ihrer Wohnung aufgekreuzt und ha-

be ihr gesagt, dass er sich freue, sie wiederzusehen. Eher sie habe ihm an jenem 

Tag hinter der Tür gedroht, ihn wegen Vergewaltigung anzuzeigen. Anhaltspunk-

te, welche diese Behauptungen stützen würden, konnte die Vorinstanz indessen 

keine erkennen (Urk. 63 S. 28-30; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

4.3 Diesen Erwägungen kann vorbehaltlos zugestimmt werden. Zur Veran-

schaulichung sind die folgenden Aspekte (nochmals) hervorzuheben:  

4.3.1  Der Beschuldigte neigte ausgeprägt zu Gegenangriffen, indem er ihm ge-

machte Vorhalte kurzerhand der Privatklägerin anlastete oder – rechtfertigend – 

sie als Initiantin seines Handelns hinstellte. 

So machte er geltend, Fotos zu besitzen, die ein anderes Bild der Privatklägerin 

zeigen würden und behauptete beispielsweise, sie [Hervorhebung jeweils nicht im 

Original] habe ihn geschlagen, sie habe ihm (mit Anzeigeerstattung wegen Ver-

gewaltigung) gedroht; sie habe ihn am Sonntag Morgen, 1. Mai 2011 um 06.00 

Uhr angerufen und ihn gebeten, sofort zu kommen, sie habe ihm sogar gedroht; 

sie habe gemocht, wenn er sie beim Sex gewürgt, geschlagen oder fest auf die 

Seite geküsst habe; am liebsten habe sie es gehabt, wenn er sie während des 

Eindringens beim Akt so lange gewürgt habe, bis sie ohnmächtig geworden sei 

(Urk. 39 S. 8), das erste Mal sei so extrem gewesen, dass danach sein Handab-

druck am Hals der Privatklägerin blau sichtbar gewesen sei, welche Abdrücke sie 

auch stolz gezeigt habe; die Spuren auf ihrem Gesäss und Hals seien auf ihre 

Bestellung hin erfolgt; sie habe beim Sexualverkehr Gewalt verlangt, dies sicher-

-   21   - 

lich einmal in der Woche; sie habe dasselbe auch von ihrem Exfreund gegen des-

sen Willen verlangt, worauf die Beziehung beendet worden sei; sie sei mit den 

Schuhen auf ihn draufgestanden; sie habe viel Druck auf ihn (Beschuldigten) 

ausgeübt, eine dominante Seite und Macht über ihn gehabt, da er ein devoter 

Mensch sei; sie sei auch in sexueller Hinsicht dominant gewesen; sie habe ihn als 

Schwächling und Nichtsnutz bezeichnet, wenn sie beim Geschlechtsverkehr nicht 

bekommen habe, was sie wollte (Urk. 39 S. 16); nicht sie, sondern er habe die 

Beziehung beendet und die Privatklägerin über Monate hinweg mehrfach aufge-

fordert zu gehen. Solche Schilderungen sind gleichermassen herabwürdigend wie 

auch teilweise widersinnig. Letzteres gilt etwa für seinen Hinweis, wenn er (was er 

bestritt) gedroht hätte, ihren Bruder umzubringen, dann nicht ihr gegenüber, son-

dern er hätte den Bruder direkt bedroht; oder (auf Vorhalt seines erst späten Er-

wähnens, dass das Würgen zur Praxis ihres Sexualverkehrs gehört habe) seine 

offenkundige Ausflucht, auch das Ins-Gefängnis-Bringen gehöre zu diesem Spiel 

(Urk. 39 S. 14 f.); ferner betreffend seine Erklärung, die Privatklägerin habe am 

1. Mai 2011 sicherlich keine Angst vor ihm gehabt, sondern vielmehr Angst vor 

sich selbst, weil sie lüge und nicht mehr in ihr eigenes Gesicht schauen könne. 

Nicht minder konfus erscheint seine Darstellung, er habe am 1. Mai 2011 Durch-

fall gehabt und sich sicher nicht so lange im Haus der Privatklägerin bzw. vor de-

ren verschlossener Wohnungstür aufgehalten, er habe gar nicht zu ihr gehen wol-

len und zu ihr gesagt, dass sie die Polizei alarmieren solle. Anwürfe und Ausflüch-

te dieser Art sind mit offensichtlichen Übertreibungsmerkmalen gespickt, spren-

gen deutlich jedes Mass an Plausibilität und erweisen sich klar als Lügensignale.  

4.3.2  Zum Foto- und Videomaterial (Urk. 31 und 46/1-11) ist übereinstimmend mit 

der Vorinstanz der Verteidigung beizupflichten, dass im Rahmen des von Macht 

und Gewalt mitbestimmten Rollenverhaltens der Parteien bei sexuellen Handlun-

gen die Privatklägerin durchaus als energisch und sexueller Gewalt gegenüber 

nicht abgeneigt erscheint. So greift sie dem Beschuldigten zum Beispiel einmal 

rabiat ans Geschlechtsteil. In diesem Zusammenhang gilt es aber zu berücksich-

tigen, dass die Privatklägerin nicht verneinte, dass beim Geschlechtsverkehr Ge-

walt angewendet worden sei. Sie bestritt jedoch, dies gemocht oder gar gewollt zu 

haben und konnte auch einleuchtend erklären, weshalb sie trotzdem mitmachte 

-   22   - 

bzw. dem Ansinnen des Beschuldigten nicht opponierte ("Er setzte mich durch die 

Art, wie er sprach, unter Druck. Er war ja auch älter als ich und ich dachte, er sei 

erfahren und wisse, wie das geht."; Urk. 47 S. 4 f.). Der Umstand allein, dass die 

Privatklägerin und der Beschuldigte während ihrer Beziehung in sexueller Hinsicht 

offenbar auch Gewalt bzw. Sadomaso-Praktiken angewendet haben, schmälert 

entgegen der an der Berufungsverhandlung erneut dargelegten Auffassung des 

Verteidigers (Urk. 88 S. 21) weder die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin noch 

vermag dies den eingeklagten Würgevorfall zu relativieren oder gar auszuschlies-

sen, zumal nach der klaren und überzeugenden Darstellung der Privatklägerin der 

Beschuldigte sie nur einmal (nicht regelmässig und auf ihren Wunsch, wie er mo-

nierte) bis zur Ohnmacht würgte, und dies ausserhalb von Geschlechtsverkehr 

(Urk. 47 S. 4). Wie schon erwähnt, ist auch verständlich, dass die Privatklägerin 

diese auf den Fotos an ihrem Hals sichtbaren Knutsch- und Beissspuren ablehn-

te. Es kann ihr geglaubt werden, dass sie generell nichts gegen Küsse am Hals 

hatte, vorausgesetzt, diese seien nicht so fest oder gar Bisse, und dass sie den 

Beschuldigten vergeblich bat aufzuhören, er aber einfach weitermachte (Urk. 47 

S. 4 f.). 

4.3.3  Entsprechend fehlt es an Anhaltspunkten, dass gewaltsames Handeln – 

das auch der Beschuldigte mit seinen Darlegungen einräumt – durch die Privat-

klägerin verlangt worden wäre. In Würdigung aller massgeblichen Umstände, ins-

besondere der Aussagen der Privatklägerin und jener der Zeugen sowie ergän-

zend der durch den psychiatrischen Gutachter festgestellten Verhaltensauffällig-

keiten beim Beschuldigten (Urk. 11/19), worauf noch einzugehen sein wird, deutet 

alles auf den Beschuldigten als Initianten und treibende Kraft.  

4.3.4  Erwähnenswert ist schliesslich, dass unzweifelhaft der Beschuldigte, der im 

Tatzeitpunkt annähernd doppelt so alt war wie die Privatklägerin (35 ¼ Jahre im 

Vergleich zu 19 Jahren), seine Partnerin auch allgemein dominiert sowie kontrol-

liert hat, mithin die Privatklägerin ihm bis zu einem gewissen Grad hörig war. Das 

ergibt sich nicht nur aus ihren Schilderungen, der Beschuldigte habe sie viel unter 

Druck gesetzt, sei eifersüchtig geworden, wenn sie bei Arbeitsschluss um 15.00 

Uhr das Telefon nicht abgenommen habe und habe die Frage aufgeworfen, ob sie 

-   23   - 

mit dem Bäcker geflirtet habe (Urk. 47 S. 11), habe auch Druck auf sie ausgeübt 

im Zusammenhang mit der Lehre und ihren Noten, habe gewollt, dass sie 6er 

mache (Urk. 47 S. 10 f. und 13 f.), sondern auch aus den Darlegungen des Zeu-

gen C._____ wonach der Beschuldigte der Privatklägerin einiges verboten (z.B. 

Facebook-Kontakt oder Verabredung mit Freunden) und sie eingegrenzt habe 

sowie ergänzend aus den Befunden des Gutachters (Urk. 11/19). An dieser Kons-

tellation ändert das Faktum nichts, dass die Privatklägerin vor dem Beschuldigten 

schon einmal eine intime Beziehung hatte (Urk. 47 S. 11). Im Ergebnis ist auch 

der Standpunkt des Beschuldigten widerlegt, er sei ein devoter Mensch, was zu-

mindest gegenüber der Privatklägerin nicht zutraf.  

4.3.5  Ob es in den Tagen vor dem 1. Mai 2011 zwischen den Parteien auch Tele-

fonate wegen der Übergabe eines Laptops und einer Festplatte gegeben hat, wie 

der Beschuldigte ins Feld führte (Urk. 49 S. 36), kann offenbleiben. Es ist nicht 

einzusehen, inwiefern dies gegebenenfalls gegen den eingeklagten Vorfall vom 

1. Mai 2011 sprechen sollte.  

5. Würdigung der übrigen Beweismittel 

5.1 Es ist die Ansicht der Vorinstanz zu teilen, dass sich die Ausführungen im 

ärztlichen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 

25. Mai 2011 (Urk. 10/5) wie auch im ärztlichen Bericht der Klinik für Ohren-, Na-

sen-, Hals- und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 16. Juni 

2011 (Urk. 10/7) mühelos mit dem von der Privatklägerin geschilderten Ereignis-

ablauf in Einklang bringen lassen, die Feststellungen im Gutachten demnach die 

Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin stützen.  

Insbesondere ist davon auszugehen, dass die bei der körperlichen Untersuchung 

rund 11 Tage nach dem Ereignis feststellbaren je circa 1 cm durchmessenden, 

benachbarten, rötlichen Hautverfärbungen an der linken Halsseite entlang der Ge-

fässnervenscheide vom eingeklagten Vorfall mit dem Beschuldigten herrührten. 

Namentlich die Lage an der linken Halsseite – der Beschuldigte ist Rechtshänder 

– sowie die Anordnung der zwei benachbarten Hautveränderungen/Flecken – 

passend zu Fingerabdrücken infolge Würgens von vorne – sprechen dafür, auch 

-   24   - 

weil die zwei rötlichen Hautverfärbungen gemäss den Experten als Folge einer 

stumpfen Gewalteinwirkung, wozu Würgen bzw. ein Würgevorgang zählen, inter-

pretiert werden können (Urk. 10/5 S. 3 und 4). Zudem ist keine andere Ursache 

ersichtlich. Entgegen der anlässlich der Berufungsverhandlung erneut vorge-

brachten Ansicht der Verteidigung (Urk. 88 S. 21) ist es nämlich höchst unwahr-

scheinlich, dass diese Folge von Sadomaso-Praktiken stammte, zumal beide Par-

teien verneinten, am 23. bzw. 24. April 2011 Geschlechtsverkehr miteinander ge-

habt zu haben (Urk. 4/2 S. 8; Urk. 39 S. 9 f.; Urk. 47 S. 4; vorne Erwägung II./3.3). 

In Anbetracht all dieser Faktoren liegt daher die Annahme nahe, dass die von der 

Privatklägerin unmittelbar nach dem eingeklagten Vorfall festgestellten und später 

den Gutachtern rapportierten 'zwei blauen Flecken' im Sinne von Hautunterblu-

tungen im Untersuchungszeitpunkt noch als die zwei diskreten rötlichen Hautver-

färbungen sichtbar waren (Urk. 10/5 S. 3 und 4). Daran ändert der Umstand 

nichts, dass die Mediziner diese Hautverfärbungen weder hinsichtlich des Zeit-

punktes ihrer Entstehung noch ihrer Genese eindeutig zuordnen konnten (Urk. 

10/5 S. 3).  

5.2 Zum aktenkundigen Bildmaterial (Urk. 31 und Urk. 46/1-11) führte die Vor-

instanz einerseits zu Recht aus, dass dieses nicht ein derartiges Unschuldslamm 

zeige, als welches sich die Privatklägerin – die kiffe, Alkohol trinke und auch eine 

gewisse aggressive Art offenbare – selber darstelle.  Ebenso zutreffend sah die 

Vorinstanz die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin aufgrund der daraus ersichtli-

chen Persönlichkeit jedoch kaum merklich tangiert, zumal die Aufnahmen nicht 

geeignet sind, den eingeklagten nächtlichen Vorfall vom 23./24. April 2011 zu re-

lativieren oder gar auszuschliessen.  

5.3 Ebenso korrekt erachtete die Vorinstanz die Behauptung des Beschuldigten 

als widerlegt, wonach die Privatklägerin ihn am 1. Mai 2011 um 06.00 Uhr angeru-

fen habe. Die Prüfung der Telefonabrechnung der Privatklägerin (Urk. 34/2) ergab 

nämlich, dass sie den Beschuldigten am 1. Mai 2011 nicht vor 07.38 Uhr mit ih-

rem Mobiltelefon der Nummer … kontaktiert hat. Vor dieser Uhrzeit hat sie nur ei-

nen einzigen Anruf auf die Nummer ihrer Mutter (…) getätigt. Vielmehr ist es so, 

-   25   - 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin bereits um 06.43 Uhr per Mobiltelefon 

der Nummer … das erste von rund 29 Mal angerufen hat. 

5.4 Bezüglich der Verteidigereinwände, zu welchen teilweise bereits Stellung 

genommen wurde, kann im Übrigen ohne Ergänzung auf das angefochtene Urteil 

verwiesen werden (Urk. 63 S. 32 f.).   

6. Gesamtwürdigung 

Wenn die Vorinstanz in gesamthafter Würdigung sämtlicher genannter Beweismit-

tel die Darstellung der Privatklägerin hinsichtlich der strittigen Geschehnisse als 

widerspruchsfrei, konstant, nachvollziehbar, äusserst zurückhaltend sowie zahl-

reiche Realitätskennzeichen enthaltend bezeichnete und im Ergebnis als aufrich-

tig einstufte, wogegen sie den Schilderungen Beschuldigten und seinem Aussa-

geverhalten (pauschales Abstreiten, übersteigerte Gegenattacken auf die Privat-

klägerin, ausschweifende Erklärungsversuche) die Überzeugungskraft absprach, 

so kann dem unschwer gefolgt werden. Seine rechtfertigenden Ausführungen 

wurden weder von Zeugen noch von der Abrechnung der Sunrise gestützt und 

sein angebliches Alibi für die Tatnacht gerade nicht von der Zeugin H._____ be-

stätigt (Urk. 63 S. 33 f.).  

Folglich ist mit der Vorinstanz als erwiesen anzusehen, dass sich die Gescheh-

nisse vom 23. bzw. 24. April 2011, 30. April 2011 und 1. Mai 2011, wie in der An-

klageschrift umschrieben, zugetragen haben. Die Aussagen des Beschuldigten 

vermögen keine relevanten Zweifel an diesen Sachverhaltsdarstellungen zu be-

gründen. Der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt ist daher erstellt. 

III. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung 

1. Gefährdung des Lebens  

1.1 Der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB macht sich schul-

dig, wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr 

bringt. Die Bestimmung hat die Funktion eines Auffangtatbestands für Fälle, bei 

-   26   - 

denen sich ein Tötungsvorsatz nicht nachweisen lässt und eine Verurteilung we-

gen eines versuchten oder vollendeten Tötungsdelikts deshalb nicht in Frage 

kommt (BSK StGB II - Peter Aebersold, 2. Auflage, Basel 2007, Art. 129 N 1). 

1.2 Objektiver Tatbestand 

1.2.1  In objektiver Hinsicht ist eine Lebensgefahr erforderlich, mithin dass der Tä-

ter jemanden durch beliebiges Handeln in einen Zustand bringt, aufgrund dessen 

nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit des Todeseintrit-

tes besteht (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, 18. Aufl., Zürich 2010, N 1 zu Art. 129). Der Begriff der Lebens-

gefahr ist weniger restriktiv auszulegen als beim qualifizierten Tatbestandes des 

Raubes von Art. 140 Ziff. 4 StGB und erfordert keine "sehr naheliegende" Gefahr 

(BGE 121 IV 70). Die Lebensgefahr muss jedoch unmittelbar sein; eine vage 

Wahrscheinlichkeit oder eine blosse Möglichkeit genügen nicht. Aus dem Verhal-

ten des Täters muss sich direkt die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der 

Todesfolge ergeben (BGE 133 IV 8). Es ist dabei nicht bloss auf äussere Um-

stände abzustellen. Vielmehr sind auch die besondere Situation des Täters und 

seine Fähigkeiten zu berücksichtigen sowie die Möglichkeit des Opfers, einer ge-

fährlichen Situation zu begegnen (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 16).  

Eine unmittelbare Lebensgefahr wurde in der Praxis insbesondere in folgenden 

Fällen angenommen: Ellenbeuge-Halsgriff (BSK StGB II - Peter Aebersold, 

Art. 129 N 18 mit Hinweis auf OGer SO, 15.10.1998, RS 2000, Nr. 776), heftiges 

Würgen (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 18 mit Hinweisen auf OGer 

BE, 19.12.1997, RS 1999, Nr. 642 und OGer SO, 15.10.1998, SOG 1998, Nr. 20; 

BGE 124 IV 53, 54), Opfer mit einem Seil um den Hals mehrmals während bis zu 

sieben Sekunden stranguliert, bis es in Atemnot geriet, nach Luft schnappte, den 

Stand verlor und zu Boden ging bzw. dem Opfer während der gleichen Zeitdauer 

einen engen Plastiksack über den Kopf gestülpt, so dass es in Atemnot und Panik 

geriet (Urteil des Bundesgerichts 6B_445/2009 vom 6. Oktober 2009 E. 7.2). Eine 

unmittelbare Lebensgefahr bejahte das Bundesgericht sodann im Entscheid 

6B_352/2011 vom 20. Oktober 2011 E. 2.5, wo der Täter das Opfer im Bereich 

des Kehlkopfes am Hals gepackt und während 20-30 Sekunden mit den Daumen 

https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=a7738721-b56f-4049-83c3-d7eb0f531cf3

-   27   - 

kräftig zugedrückt hatte, bis es würgebedingt nur noch röcheln konnte, unkontrol-

liert urinierte, ihm kurzfristig schwindlig und schwarz vor den Augen wurde und 

was überdies zu einer Hautunterblutung, Hautabschürfungen an beiden Halssei-

ten und Schluckbeschwerden führte. Beim Vorhandensein von Stauungsblutun-

gen infolge Würgehandlungen ist gemäss dem Solothurner Obergericht immer 

von einer unmittelbaren Lebensgefahr auszugehen (BSK StGB II - Peter Aeber-

sold, Art. 129 N 25 mit Hinweis auf Cornelia Meier, Gefährdung des Lebens, Diss. 

Basel 2006, S. 79 f.).  

In der Lehre führt Max Willfratt (Die Gefährdung des Lebens nach Art. 129 StGB, 

ZStrR 1968, S. 225 ff.) im Rahmen einer Untersuchung in Bezug auf das Tatbe-

standsmerkmal der unmittelbaren Lebensgefahr namentlich nachfolgenden un-

veröffentlichten Entscheid an, in welchem eine solche bejaht wurde: Der Täter 

packte, würgte und forderte eine Prostituierte auf, sich ruhig zu verhalten. Diese 

schrie jedes Mal weiter, wenn er den Würgegriff lockerte, weshalb der Täter das 

Würgen fortsetzte. Dadurch erlitt das Opfer Würgspuren unmittelbar neben der 

Halsschlagader, weshalb die Gefahr eines plötzlichen Todeseintritts nahe gelegen 

sei (a.a.O., S. 314 f. Nr. 40).  

Die rechtsmedizinische Praxis wendet eine symptomorientierte Abgrenzung bei 

den Folgen des Würgens an. Bei Kompressionen des Halses bestehe die Gefahr, 

dass die Venen abgeklemmt werden, wodurch ein Stau in der Blutzufuhr des 

Hirns entstehe. Damit in diesem Zusammenhang eine unmittelbare Lebensgefahr 

angenommen werden könne, müssten handfeste Befunde für eine kritische Hirn-

Durchblutungsstörung vorliegen. Diese könnten sich in Form von punktförmigen 

Stauungsblutungen, insbesondere an den Augenbindehäuten, oder als Symptome 

einer Asphyxie (Atemstillstand mit Bewusstseinsstörung) manifestieren, z.B. in 

Form von Ohnmacht, Einnässen, Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder anderen 

vegetativen Symptomen (BSK Strafrecht II - Peter Aebersold, Art. 129 N 14a un-

ter Berufung auf eine Mitteilung von Prof. Dr. med. Volker Dittmann, Leiter des In-

stituts für Rechtsmedizin der Universität Basel).  

Die Rechtsprechung zum Würgen hat sich mit einigen Schwankungen entwickelt 

(Nachweise, auch zur kantonalen Praxis, in Cornelia Meier, Gefährdung des Le-

-   28   - 

bens, Diss. Basel 2006, S. 77-84). In der kantonalen Gerichtspraxis haben sich 

die eben genannten medizinischen Kriterien, vor allem die Stauungsblutungen, 

als justiziable Abgrenzung weitgehend durchgesetzt (BSK Strafrecht II - Peter 

Aebersold, Art. 129 N 14c).    

1.2.2  Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte eine Hand auf den 

Mund der Privatklägerin gedrückt und ihr gleichzeitig mit der anderen Hand an 

den Hals gegriffen, wobei er stark zudrückte, was er während der Dauer von min-

destens einer Minute tat. Dadurch geriet die Privatklägerin in Atemschwierigkeiten 

und wurde für einige Sekunden – die Vorinstanz sprach versehentlich von einigen 

Minuten (Urk. 63 S. 36), was zu korrigieren ist – bewusstlos. Der Beschuldigte 

liess daraufhin von ihr ab. Dieser Angriff bewirkte am Hals der Privatklägerin (auf 

der linken Seite entlang der Gefässnervenscheide) Abdrücke seiner Finger, und 

die Privatklägerin litt nach dem Vorfall noch nahezu zwei Wochen an Schluckbe-

schwerden (Urk. 21 S. 3).  

1.2.3  Bezüglich Vorliegens einer Lebensgefahr kommt das Gutachten des Insti-

tuts für Rechtsmedizin Zürich vom 25. Mai 2011 zum Ergebnis, dass bei einer 

stumpfen Gewalt gegen den Hals – und insbesondere gegen die sensiblen seitli-

chen Halspartien – in jedem Fall von einer zumindest potentiellen Lebensgefahr 

auszugehen sei. Gestützt auf die Angaben der Privatklägerin, wonach während 

des Würgevorgangs gar eine Bewusstlosigkeit aufgetreten sei und sie unmittelbar 

nach dem fraglichen Vorfall 'zwei blauen Flecken' im Sinne von Hautunterblutun-

gen entlang der Gefässnervenloge links – passend zu Fingerabdrücken infolge 

Würgens von vorne möglicherweise mit der rechten Hand – festgestellt habe, 

müsse aus rechtsmedizinischer Sicht eine konkrete, unmittelbare Lebensge-
fahr im Ereigniszeitpunkt bejaht werden (Urk. 10/5 S. 4). 

Die Auffassung der Vorinstanz, wonach das Gutachten, welches sich auf die 

glaubhaften Angaben der Privatklägerin und mithin den erstellten Sachverhalt 

stützt, nachvollziehbar und schlüssig ist und kein Grund besteht, an dessen 

Schlussfolgerung zu zweifeln, ist rundweg zu teilen. Die Schlussfolgerung steht 

auch – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 88 S. 23 f.) – im Einklang 

mit der oben darlegten Gerichtspraxis. So hat die Privatklägerin manche der  

-   29   - 

massgeblichen Kriterien für die Bejahung einer unmittelbaren Lebensgefahr ver-

spürt bzw. erlitten: namentlich bekam sie akute Atemnot, wurde kurz bewusstlos, 

trug Fingerabdrücke im Sinne von Hautunterblutungen am Hals davon und war 

nach dem Vorfall während annähernd zwei Wochen durch Schluckbeschwerden 

geplagt.  

1.2.4  Der gutachterlichen Beurteilung sowie der Vorinstanz folgend ist das Be-

stehen einer unmittelbaren Lebensgefahr im Sinne von Art. 129 StGB bei der Pri-

vatklägerin – verursacht durch das Würgen und Zuhalten des Mundes durch den 

Beschuldigten – als gegeben zu betrachten und der objektive Tatbestand damit 

erfüllt. 

1.3 Subjektiver Tatbestand 

1.3.1  Der subjektive Tatbestand verlangt direkten Gefährdungsvorsatz. Der Täter 

muss sich bewusst sein, dass er durch sein Verhalten die unmittelbare Lebensge-

fahr direkt herbeiführt. Er muss die Möglichkeit des Erfolgseintritts kennen. Even-

tualvorsatz genügt nach der Lehre und Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht 

(vgl. statt vieler: BGE 133 IV 1 E. 5.1). Dass ein eventualvorsätzliches Verhalten 

den Tatbestand nicht erfüllen kann, ergibt sich bereits daraus, dass der Täter eine 

"unmittelbare" Lebensgefahr schaffen muss (Botschaft, BBl 1985 II 1037; AB 

1989 N 685). Direkter Vorsatz ist nach der Rechtsprechung gegeben, wenn der 

Täter den deliktischen Erfolg, mag ihm dieser auch gleichgültig oder sogar uner-

wünscht sein, als notwendige Folge oder als Mittel zur Erreichung des verfolgten 

Zwecks in seinen Entschluss miteinbezogen hat. Der Erfolg braucht nicht das vom 

Täter erstrebte Ziel zu sein. Es genügt, dass er mitgewollt ist (BGE 119 IV 193 

E. 2b, cc; Urteil des Bundesgerichts 6B_352/2011 E. 3.2). Rechnet der Täter mit 

dem Eintritt des Erfolgs, liegt Tötungsvorsatz vor und die Art. 111 ff. StGB kom-

men zur Anwendung (BGE 107 IV 165; (BSK Strafrecht II - Peter Aebersold, 

Art. 129 N 27). Der Gefährdungsvorsatz gemäss Art. 129 StGB unterscheidet sich 

dadurch vom dolus eventualis auf Tötung, dass der Täter darauf vertraut, der Tod 

des Opfers werde nicht eintreten (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 28).  

-   30   - 

1.3.2  Wie bereits ausgeführt, warf der Beschuldigte die Privatklägerin auf das 

Bett, drückte ihr eine Hand auf den Mund und griff ihr gleichzeitig mit der anderen 

Hand an den Hals, wobei er stark zudrückte. Dies tat er während mindestens ei-

ner Minute, wodurch die Privatklägerin in Atemschwierigkeiten geriet und für eini-

ge Sekunden bewusstlos wurde. Aufgrund der durch diese Attacke verursachten 

Bewusstlosigkeit und der auf dem Hals der Privatklägerin hinterlassenen Finger-

abdrücke sowie der anschliessenden Schluckbeschwerden ist laut der Vorinstanz 

von einer erheblichen Krafteinwirkung seitens des Beschuldigten auszugehen. 

Ferner – so die Vorinstanz weiter – müsse als allgemein bekannt vorausgesetzt 

werden, dass Würgen und gleichzeitiges Zuhalten des Mundes ohne Weiteres ei-

ne unmittelbare Lebensgefahr verursachen müsse. Dies umso mehr, wenn – wie 

im vorliegenden Fall – die Gewalteinwirkung von erheblichem Kraftausmass sei. 

Werde im Rahmen von Würgehandlungen solch eine kraftvolle Gewalteinwirkung 

vorgenommen, könne im Ansinnen des Täters nichts anderes als die Bewirkung 

einer Lebensgefährdung seines Opfers liegen. Dieser Umstand müsse dem Be-

schuldigten zugerechnet werden, zumal es sich bei ihm um einen der Privatkläge-

rin körperlich überlegenen, kräftigen Mann handle. Somit müsse ihm die unmittel-

bare Lebensgefahr bewusst gewesen sein. Da er im Wissen um die lebensgefähr-

liche Situation trotzdem so gehandelt habe, könne daraus einzig geschlossen 

werden, dass er eine Lebensgefährdung der Privatklägerin auch gewollt habe 

(Urk. 63 S. 37).  

1.3.3  Dieser Argumentation ist zuzustimmen. Die nachstehenden Ausführungen 

verstehen sich als Ergänzungen dazu.  

Das grosse Ausmass der Kraftauswirkung ergibt sich (gerade entgegen der Ar-

gumentation der Verteidigung, Urk. 88 S. 25 f.) selbst aus den eigenen Darlegun-

gen des Beschuldigten, der – wenn auch unter Bestreitung des konkreten Ankla-

gevorfalls – zum angeblich wöchentlich praktizierten Würgen einräumte, das erste 

Mal sei "so krass" gewesen, dass seine Handabdrücke am Hals der Privatklägerin 

blau sichtbar gewesen seien, worauf ihr Turnlehrer sie gefragt habe, wer sie so 

malträtiert hätte, sie solle aufpassen (Urk. 39 S. 13). Diese Kräfteumschreibung 

sowie das Resultat decken sich mit der Bezeichnung des eingeklagten Würgens 

-   31   - 

durch die Privatklägerin als "sehr stark" und mit den erstellten optischen Spuren 

daraus (Urk. 47 S. 8).  

Dass Würgen und gleichzeitiges Mundzuhalten während mindestens einer Minute 

zu direkter Lebensbedrohung führt, ist nicht nur als Teil des Allgemeinwissens 

anzusehen, sondern darüber hinaus dem Beschuldigten umso mehr entgegen zu 

halten, als er seit zwei Jahrzehnten intensiv Kampfsport und Krafttraining ausübt 

und dies sogar unterrichtet (Urk. 39 S. 5; Urk. 49 S. 18 f.; Urk. 11/19 S. 25, 34, 

42). So führt sein Verteidiger aus, im Kampfsport gelte Gewalt gegen den seitli-

chen Halsbereich des Gegners grundsätzlich als gefährlich und man sei lieber zu 

vorsichtig als zu unvorsichtig (Urk. 49 S. 5). Es ist daher davon auszugehen, dass 

der Beschuldigte als sehr erfahrener Kampfsportler in diesen Belangen besonders 

sensibilisiert war bzw. sein musste, und dieses Wissen um die Gefährlichkeit bei 

starken (seitlichen) Krafteinwirkungen auf den Hals(bereich), wie vorliegend zu 

beurteilen, ist dem Beschuldigten anzurechnen. Abgesehen davon wird das Risi-

ko von ernsthaften Gefährdungen und Verletzungen sowohl durch das Verhalten 

der Kampfsportler, die bei Wettkämpfen Würgegriffe nie unter Aufwendung 

grösstmöglicher Kraft ansetzen, als auch durch das Regelwerk minimiert (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_352/2011 vom 20. Oktober 2011 E. 2.2 und 3.3). Auch 

diese Usanzen und Normen mussten dem Beschuldigten als Kenner seines Meti-

ers / Hobbys bekannt und bewusst gewesen sein, als er gegenüber der Privatklä-

gerin jegliche Vorsicht und Zurückhaltung gerade vermissen liess und ihr vielmehr 

während mindestens einer Minute (nebst zugehaltenem Mund) gezielt mit der an-

dern Hand den Hals stark zudrückte. Selbstredend konnten dem Beschuldigten 

auch die daraus resultierenden Atemschwierigkeiten der Privatklägerin nicht ent-

gangen sein, die zur anschliessend kurzen Bewusstlosigkeit führten.  

Lediglich zur Abrundung ist endlich anzufügen, dass sich der Beschuldigte in ei-

ner Ecke des Zimmers befand und weinte, als die Privatklägerin nach der kurzen 

Ohnmacht wieder zu sich kam. Diese Szenerie ist gut vereinbar mit einem Schre-

cken des Beschuldigten über die – wohl unerwünschte – Folge seines Tuns und 

einer entsprechenden emotionalen Reaktion. Daraufhin konnte sich die Privatklä-

gerin ungehindert ankleiden und die Wohnung verlassen.  

-   32   - 

1.3.4   Schliesslich muss der Täter zur Erfüllung des Tatbestandes der Lebensge-

fährdung skrupellos gehandelt haben. Dies ist dann der Fall, wenn sein Verhalten 

angesichts des Tatmittels und des Tatmotivs unter Berücksichtigung der Tatsitua-

tion den allgemein anerkannten Grundsätzen von Sitte und Moral zuwiderläuft 

(BGE 114 IV 103 E. 2). Gemeint ist ein qualifizierter Grad der Vorwerfbarkeit, das 

heisst eine besondere Hemmungs- oder Rücksichtslosigkeit in der Situation (Ent-

scheid des Bundesgerichtes 6S.702/2001 vom 7. November 2002 mit Hinweisen; 

Trechsel/Fingerhuth, Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, Zü-

rich/St. Gallen 2008, Art. 129 N 5; Stratenwerth/Jenny, Schweizerisches Straf-

recht, BT I, 6. Aufl., Bern 2003, § 4 N 13). Grundsätzlich erfüllt jeder, der einen 

anderen vorsätzlich in unmittelbare Lebensgefahr bringt, das Tatbestandsmerk-

mal der Skrupellosigkeit, ausser es würden besondere Umstände, namentlich 

Provokation durch das Opfer, Notwehrüberschreitung oder eine entschuldbare 

Gemütsbewegung, vorliegen (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Art. 129 N 3). 

Im Entscheid des Bundesgerichts 6S.454/2004 vom 21. März 2006 wurde die 

Skrupellosigkeit darin gesehen, dass der Täter, welcher der Ehefrau und der ei-

genen Tochter ein gezacktes Brotmesser an den Hals setzte, seine Eifersucht 

rücksichtslos auslebte und keine Rücksicht auf das Alter seines 8-jährigen Kindes 

nahm. In einem Würgefall wurde das Verhalten eines brutalen Ehemannes als 

skrupellos beurteilt, weil er weder eine Notwehrsituation noch eine Affekthandlung 

habe geltend machen können. Ausgehend von BGE 107 IV 163 f. ist anzuneh-

men, dass Skrupellosigkeit umso näher liegt, je grösser die Gefahr ist, die der Tä-

ter herbeiführt und je weniger seine Beweggründe zu billigen oder auch nur zu 

verstehen sind (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 33 mit Hinweisen). 

Übereinstimmend mit der Ansicht im angefochtenen Urteil ist festzuhalten, dass 

gemäss erstelltem Sachverhalt der Würgehandlung ein Streit vorausging, anläss-

lich welchem der Beschuldigte den PIN-Code des Mobiltelefons der Privatklägerin 

herausverlangte, wobei sie dies verweigerte. Es ist davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte aus Eifersucht, Kränkung und einem Gefühl der Machtlosigkeit han-

delte. Anhaltspunkte für eine Provokation der Privatklägerin, einen Angriff durch 

sie oder eine entschuldbare Gemütsbewegung des Beschuldigten bestehen nicht. 

Der Beschuldigte war nicht unvermittelt mit einem Trennungswunsch der Partne-

-   33   - 

rin konfrontiert, sondern diese hatte die gemeinsame Wohnung bereits ca. zwei 

Monate zuvor verlassen und sich von ihm – aus ihm damals eröffneten Gründen – 

distanziert. Der Beschuldigte handelte somit aus egoistischen Motiven. Er wollte 

sich mit Hilfe von Gewalt über die Rückweisung der Privatklägerin hinwegsetzen 

und sie zu einer Fortführung bzw. Wiederaufnahme der Beziehung zwingen. Das 

Verhalten des Beschuldigten und insbesondere sein Tatmotiv erscheinen als un-

verständlich und jenseits von Sitte und Moral. Sein Handeln ist entsprechend als 

skrupellos zu qualifizieren. Damit ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt. 

1.4 Es liegen weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor. Der 

Beschuldigte ist daher in Bestätigung des angefochtenen Urteils der Gefährdung 

des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB schuldig zu sprechen. 

2. Mehrfache versuchte Nötigung 

2.1 Der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer jeman-

den durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Be-

schränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu 

dulden.  

Eine Androhung ernstlicher Nachteile liegt vor, wenn nach der Darstellung des 

Täters der Eintritt des Nachteils als von seinem Willen abhängig erscheint und 

wenn die Androhung geeignet ist, den Betroffenen in seiner Entscheidungsfreiheit 

einzuschränken (BSK StGB II - Delnon/Rüdy, 2. Aufl. Basel 2007, Art. 181 N 25). 

Nicht erforderlich ist die Absicht, die Drohung wahr zu machen, doch muss das 

Opfer sie ernst nehmen. Massgebend für die Ernstlichkeit des angedrohten Nach-

teils sind grundsätzlich objektive, absolute Kriterien – es ist zu fragen, ob die An-

drohung geeignet ist, auch eine verständige Person in der Lage des Betroffenen 

gefügig zu machen (Trechsel/Fingerhuth, Schweizerisches Strafgesetzbuch Pra-

xiskommentar, Zürich/St.Gallen 2008, Art. 181 N 4 f.). Weiter muss der Täter 

beim Opfer ein bestimmtes Verhalten bewirken, wobei zwischen dem Nötigungs-

mittel und dem Nötigungserfolg ein Kausalzusammenhang bestehen muss (BSK 

StGB II - Delnon/Rüdy, Art. 181 N 45). Das heisst, das Opfer muss gerade durch 

die erwähnten Mittel zu dem vom Täter gewollten Verhalten gebracht werden. 

-   34   - 

Geht es dabei um eine Handlung, so wird die Nötigung wohl damit vollendet, dass 

der Geschädigte sie vorzunehmen beginnt (Donatsch, Strafrecht III, Delikte gegen 

den Einzelnen, 9. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2008, § 53 1.2). Verhält sich das 

Opfer nicht so, wie der Täter es will, so liegt nur Nötigungsversuch vor (BSK StGB 

II - Delnon/Rüdy, Art. 181 N 57). Um den Tatbestand der Nötigung gemäss 

Art. 181 StGB zu erfüllen, muss die Rechtswidrigkeit weiter positiv begründet 

werden. Diese liegt vor, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn 

das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die 

Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten 

Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BSK StGB II - Delnon/Rüdy, 

Art. 181 N 50). 

Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, der sich auf die Beeinflussung und auf das ab-

genötigte Verhalten beziehen muss; dabei genügt Eventualvorsatz. Eine weiter-

gehende Absicht ist nicht erforderlich (Trechsel/Fingerhuth, Art. 181 N 14 mit 

Hinweisen). 

2.2 Der Vorinstanz ist ohne weiteres beizupflichten, wenn sie die durch den Be-

schuldigten in der Nacht vom 23. auf den 24. April 2011 ausgesprochenen Dro-

hungen – mehrmaliges Drohen mit Suizid, falls sie sich von ihm trennen würde, 

Spritze in seinen Arm stecken dass es blutete mit der wiederholten Erklärung, oh-

ne sie nicht mehr hier sein zu wollen bzw. sie solle dabei sein, wenn er von hier 

gehen werde – als Nötigungen im Sinne von Art. 181 StGB würdigte (Urk. 63 

S. 39 f.). Das Tatmittel bestand in der Androhung ernstlicher Nachteile, nämlich, 

dass sich der Beschuldigte das Leben nehmen werde. Diese Androhung stellt für 

sich allein betrachtet zwar kein unerlaubtes Mittel dar. Doch der damit verfolgte 

Zweck, die Privatklägerin von einer definitiven Trennung abzuhalten, ist als 

rechtswidrigen Eingriff in ihre persönliche Freiheit bzw. in ihr Selbstbestimmungs-

recht zu qualifizieren. Durch sein Verhalten setzte der Beschuldigte die Privatklä-

gerin unter starken psychischen Druck und beeinträchtigte ihre Entscheidungs-

freiheit. Diese Suiziddrohungen waren objektiv geeignet, eine verständige Person 

in der Lage der Privatklägerin gefügig zu machen, da sie ernsthaft damit rechnen 

musste, dass das Leben des Beschuldigten auf dem Spiel stand bzw. sich der 

-   35   - 

Beschuldigte mit der Spritze zumindest verletzen würde, zumal er ernstlich und 

konkret – unter Behändigung besagter Spritze – mit Selbstmord gedroht hatte. 

Die Privatklägerin nahm die Drohungen ernst und wurde dadurch in Angst ver-

setzt. Dass die Drohungen auch ernst gemeint waren, ist wie gesagt nicht erfor-

derlich. Trotz dieser Worte entschied sich die Privatklägerin, sich definitiv vom 

Beschuldigten zu trennen. Dadurch verhielt sie sich nicht nach dem Willen des 

Beschuldigten, liess sich nicht gefügig machen, weshalb ein objektives Tatbe-

standsmerkmal fehlt und lediglich versuchte Tatbegehung vorliegt.   

Der Beschuldigte wollte mit seinen erkennbar rechtswidrigen Drohungen auf das 

Verhalten der Privatklägerin einwirken und erreichen, dass sie zu ihm zurückkehrt 

bzw. bei ihm bleibt. Dadurch setzte er seinen Tatentschluss um und handelte zu-

mindest eventualvorsätzlich, womit auch der subjektive Tatbestand gegeben ist.  

Es liegt versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB vor.   

2.3 Auch bezüglich des Vorfalles vom 1. Mai 2011 ist, der Vorinstanz folgend, 

von versuchter Nötigung gemäss Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

auszugehen. 

2.3.1  Es steht fest, dass der Beschuldigte am Sonntag, 1. Mai 2011, ab 6.43 Uhr, 

die Privatklägerin mehrmals anrief, ihr mitteilte, sie könne zwar ihr Mobiltelefon 

ausschalten, er werde sie aber überall finden, er gegen 07.15 Uhr am Wohnort 

der Privatklägerin auftauchte, Steine gegen die Fenster der Wohnung warf, das 

Treppenhaus betrat, mehrmals gegen die Wohnungstüre schlug und ihr zurief, er 

freue sich, wenn sie – die Privatklägerin und ihr Bruder – die Wohnung irgend-

wann verlassen würden. Der Beschuldigte stellte durch dieses Verhalten der Pri-

vatklägerin und ihrem Bruder implizit Nachteile in Aussicht, sofern sie ihm keinen 

Eintritt zur Wohnung gewährten und sie dann irgendwann einmal die Wohnung 

würden verlassen müssen.  

2.3.2  Dieses Verhalten des Beschuldigten ist als Androhung ernstlicher Nachteile 

gegenüber der Privatklägerin und ihrem Bruder zu qualifizieren. Überdies ist das 

-   36   - 

gesamte Auftreten des Beschuldigten, namentlich das mehrmalige Anrufen der 

Privatklägerin und der Hinweis, sie überall zu finden sowie das nachfolgende Auf-

tauchen am Wohnort der Privatklägerin verbunden mit Randalieren, als äusserst 

bedrohlich einzustufen. Damit untermauerte der Beschuldigte die konkrete Andro-

hung eines Nachteils noch deutlich. Der Beschuldigte terrorisierte die Privatkläge-

rin massiv und übte erheblichen psychischen Druck auf sie aus mit dem einzigen 

Ziel, sie dazu zu bewegen, ihn in die Wohnung zu lassen bzw. mit ihm zu reden. 

Dadurch wollte der Beschuldigte die Handlungsfreiheit der Privatklägerin und ih-

res Bruders, die ob seinem Gebaren Angst bekamen, einschränken, wobei sich 

zumindest seine Tatmittel als rechtwidrig erweisen. Da sich die Privatklägerin dem 

Willen des Beschuldigten nicht beugte und ihm keinen Einlass bzw. kein Ge-

spräch gewährte, erreichte er sein Ziel nicht. Es fehlt an einem objektiven Tatbe-

standsmerkmal und es blieb wiederum bei versuchter Tatbegehung.  

2.3.3  Der Beschuldigte handelte vorsätzlich, indem er auf vielfältige Weise gezielt 

versuchte, die Privatklägerin mittels Drohung und Terrorisierung zum Öffnen der 

Wohnungstüre und zu einem Gespräch zu bewegen, was diese offensichtlich ab-

lehnte. Es ist auch hier versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gegeben.  

2.4 Anlässlich beider Vorfälle sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldaus-

schlussgründe ersichtlich. Der Beschuldigte ist somit der mehrfachen versuchten 

Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. 

3. Drohung 

3.1 Die theoretischen Grundlagen finden sich im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 63 

S. 41 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

3.2 Indem der Beschuldigte gemäss erwiesenem Sachverhalt zu einem nicht 

mehr exakt bestimmbaren Zeitpunkt um den 30. April 2011 herum der Privatklä-

gerin telefonisch erklärte, dass er ihren Bruder C._____ umbringen werde, wenn 

er diesen sehe, stellte er der Privatklägerin ein schweres Übel – ein Delikt gegen 

-   37   - 

Leib und Leben eines nahen Familienangehörigen – in Aussicht, dessen Eintritt er 

als von seinem Willen abhängig darstellte. Durch diese Worte des Beschuldigten 

wurde die Privatklägerin in Angst und Schrecken versetzt. Es bedarf keiner weite-

ren Erörterung, dass der Beschuldigte dabei vorsätzlich handelte, wusste er doch 

fraglos um die Eignung seiner Äusserungen, die Privatklägerin in Angst und 

Schrecken zu versetzen und wollte er dies auch erreichen. Dass er seine Äusse-

rung allenfalls nicht ernst meinte und nicht gedachte, die Drohung in die Tat um-

zusetzen, ist – wie erwähnt (vgl. Urk. 63 S. 41 f.) – für die Tatbestandserfüllung 

der Drohung unerheblich. 

3.3 Der Beschuldigte hat sich demnach der Drohung im Sinne von Art. 180 

Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StGB schuldig gemacht. 

4. Fazit 

Somit ist der Beschuldigte in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils der Ge-

fährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, der Drohung im Sinne von 

Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. b StGB sowie der mehrfachen ver-

suchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen.  

IV. Sanktion 

1. Anträge 

Die Staatsanwaltschaft stellte vor Vorinstanz den Antrag, den Beschuldigten mit 

einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten zu bestrafen, unter Anrechnung der erstan-

denen Haft (Urk. 48 S. 1 und 6). Die Verteidigung, die einen Freispruch in allen 

Anklagepunkten verlangte, stellte keinen Eventualantrag (Urk. 49 S. 1 f. und 40 

f.). Die Vorinstanz belegte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 24 Mo-

naten, unter Anrechnung von 180 Tagen, die durch Haft erstanden sind. Die Ver-

teidigung erachtet diese Strafe als viel zu hoch und stellt eventualiter den Antrag, 

bei Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs sei der Beschuldigte mit ei-

ner bedingten Strafe von höchstens 18 Monaten zu bestrafen (Urk. 88 S. 2 und 27 

-   38   - 

f.). Für die Staatsanwaltschaft ist die vorinstanzlich ausgesprochene Strafe klar zu 

mild. Sie beantragt, das Strafmass auf 30 Monate zu erhöhen (Urk. 68 S. 1 f.; 

Urk. 89 S. 1 und 2 ff.).  

2. Strafrahmen und Sanktionsart 

2.1 Wie bereits im angefochtenen Urteil erwogen, liegen keine ausserordentli-

chen Umstände vor, die eine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens der 

schwersten anzuwendenden Strafbestimmung nach oben oder unten rechtfertigen 

würden (BGE 136 IV 55 ff.). Die Strafschärfungsgründe der mehrfachen Tatbege-

hung und der Deliktsmehrheit sowie die Strafmilderungsgründe des Versuchs und 

der verminderten Schuldfähigkeit sind daher bei der Verschuldensbewertung 

straferhöhend bzw. strafmindernd zu berücksichtigen.  

Die aufgrund des schwersten Delikts festgelegte Einsatzstrafe ist sodann unter 

Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips ange-

messen zu erhöhen und allenfalls wegen wesentlicher Täterkomponenten zu ver-

ändern (BGE 136 IV 55; Urteile des Bundesgerichts 6B_611/2010 vom 26. April 

2011, 6B_524/2010 vom 8. Dezember 2011 sowie 6B_475/2011 vom 30. Januar 

2012). 

2.2. Das schwerste vom Beschuldigten begangene Delikt – die Gefährdung des 

Lebens im Sinne von Art. 129 StGB – wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren 

oder Geldstrafe bestraft. Übereinstimmend mit der Vorinstanz erweist sich vorlie-

gend eine Freiheitsstrafe von über 12 Monaten als angezeigt, so dass eine Geld-

strafe oder gemeinnützige Arbeit als Sanktion zum vorneherein wegfallen (Urk. 63 

S. 43 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO; Art. 34 und 37 StGB).  

Entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 88 S. 27) kommt nicht nur für 

die Gefährdung des Lebens, sondern für sämtliche Delikte, für die der Beschuldig-

te heute zu verurteilen ist, nur mehr eine Freiheitsstrafe im Sinne einer Gesamt-

strafe in Frage, nachdem sich vor dem Hintergrund der Vorstrafen des Beschul-

digten deutlich zeigt, dass weder in der Vergangenheit ausgesprochene alternati-

ve Strafformen noch Freiheitsstrafen ihn vor erneuter Delinquenz zurückzuhalten 

vermochten.  

-   39   - 

3. Grundsätze der Strafzumessung 

3.1 Zu den theoretischen Grundsätzen der Strafzumessung kann vorab auf die 

Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 63 S. 44 f.) sowie auf die Urteile des Bundesge-

richts 6B_390/2009 vom 14. Januar 2010 E. 2.3.1 (mit Hinweisen auf die weitere 

bundesgerichtliche Praxis) und 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.2.2 verwie-

sen werden. 

Mit Strafbefehl vom 6. April 2013 der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl wurde der 

Beschuldigte wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc. mit 

einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 20.– sowie mit einer Busse von 

Fr. 300.– bestraft (Urk. 87). Aufgrund der Ungleichartigkeit der Strafen kann die 

heute zwingend auszusprechende Freiheitsstrafe nicht als Zusatzstrafe im Sinne 

von Art. 49 Abs. 2 StGB zu dieser Geldstrafe ausgesprochen werden und ist des-

halb als selbständige Strafe auszufällen. 

3.2 Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Verschul-

densbewertung festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark das 

strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Darunter 

fallen etwa das Ausmass des Erfolges (Deliktsbetrag, Gefährdung, Risiko, Sach-

schaden etc.) sowie die Art und Weise des Vorgehens. Von Bedeutung ist auch 

die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat und die Tatausführung offenbart wird 

(Wiprächtiger, BSK StGB I, 2. Auflage, Basel 2007, Art. 47 N 69 ff.; Trechsel /  

Affolter-Eijsten, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zü-

rich/St.Gallen 2008, Art. 47 N 19 ff.). 

Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt sich die Frage, wie dem 

Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Der Richter hat im Ur-

teil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche verschuldenserhöhen-

den Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung 

des Tatverschuldens zu gelangen. Dazu gehören etwa die Frage der Schuldfä-

higkeit (Art. 19 StGB) sowie das Motiv. Auch ist in diesem Zusammenhang ent-

scheidend, über welches Mass an Entscheidungsfreiheit der Täter verfügte. Unter 

anderem trifft denjenigen ein geringerer Schuldvorwurf, dem lediglich eventual-

-   40   - 

vorsätzliches Handeln anzulasten ist (Art. 12 Abs. 2 StGB) oder der die Tat durch 

Unterlassung begeht (Art. 11 Abs. 4 StGB). 

3.3 Gefährdung des Lebens 

3.3.1  Objektive Tatschwere 

Hierzu führte die Vorinstanz aus, das Vorgehen des älteren und viel stärkeren 

Beschuldigten gegenüber seiner Ex-Freundin, mit welcher er die Beziehung fort-

führen wollte, sei verwerflich. Indem der Beschuldigte ohne Vorwarnung und unter 

Ausnützung seiner körperlichen Überlegenheit gehandelt habe, habe er eine ge-

radezu erschreckende Gewaltbereitschaft offenbart. Zwar habe er nach einer Mi-

nute von der Privatklägerin abgelassen. Sein deliktisches Verhalten habe bei der 

Privatklägerin jedoch einschneidende Folgen gezeitigt: Würgemale und während 

mehrerer Tage Schluckbeschwerden. Nach diesem Vorfall habe sie zudem gros-

se Angst vor dem Beschuldigten verspürt, an Schlafstörungen gelitten und in ih-

rem Leben keinen Sinn mehr gesehen (Urk. 35 S. 8; Urk. 36/1; Urk. 63 S. 45). 

Diese Erwägungen überzeugen und sind zu teilen.   

Anzufügen ist, dass der Beschuldigte in der Tat und der Tatausführung einige 

kriminelle Energie offenbarte: Der Würgevorfall vom 23./24. April 2011 bildete 

gewissermassen den Kulminationspunkt nach mehrwöchiger Trennung einerseits 

und ausgedehnten Gesprächen am Tag und in den Stunden zuvor anderseits. 

Der Beschuldigte wollte schon im Monat März und bis zum Tatgeschehen nicht 

wahrhaben und akzeptieren, dass die Privatklägerin sich von ihm gelöst hatte und 

die Beziehung zu beenden gedachte. Er wurde nicht müde, sie mit Telefonaten 

und sms zu drangsalieren, sie auch persönlich aufzusuchen und so zu tun, als 

bestehe die Beziehung unvermindert. Dass die Privatklägerin – durchaus diplo-

matisch – teilweise auf ihn einging, ändert nichts an der offensichtlichen Hartnä-

ckigkeit des Beschuldigten. Die Bemühungen der Privatklägerin, dem Beschuldi-

gen im Vorfeld der Tatnacht ihre definitive Trennungsabsicht mit Worten zu erläu-

tern, um einen kultivierten Abschluss auf Vernunftsbasis zu suchen, torpedierte er 

mit einer Steigerung seines Widerstandes, d.h. von Suiziddrohungen und diese 

-   41   - 

unterstreichenden Handlungen bis hin zu dem für die Privatklägerin lebensbe-

drohlichen Vorgehen.   

Wenn die Vorinstanz die objektive Tatschwere als keineswegs mehr leicht einstuf-

te, ist das eher zu mild. Das objektive Tatverschulden erscheint vielmehr als doch 

erheblich.  

3.3.2  Subjektive Tatschwere 

Bezüglich der subjektiven Tatschwere gilt es mit der Vorinstanz zu beachten, 

dass der Beschuldigte für sein Verhalten kein eigentliches Motiv angab, weshalb 

über die Beweggründe lediglich Mutmassungen angestellt werden können. Auf-

grund der Gesamtsituation muss aber davon ausgegangen werden, dass der Be-

schuldigte aufgewühlt war, weil sich die Privatklägerin endgültig von ihm trennen 

wollte und seine Rückeroberungsversuche trotz seinem dramatisierenden Geba-

ren fehlgeschlagen waren. Darüber hinaus geriet er zusätzlich in Rage, weil die 

Privatklägerin sich weigerte, den PIN-Code ihres Mobiltelefons bekannt zu geben, 

was offensichtlich das verhängnisvolle Handeln auslöste. Das Handeln des Be-

schuldigten war demnach von stark egoistischen Motiven getrieben, namentlich 

Eifersucht, Kränkung, Macht- und Kontrollverlust über die Privatklägerin sowie 

fehlende Akzeptanz der Rückweisung. Mit seinem Verhalten offenbarte er eine 

bedenkliche Gleichgültigkeit und Geringschätzung gegenüber Leib und Leben an-

derer, konkret seiner früheren Partnerin. Das wirkt sich erheblich erschwerend 

aus.  

Dem Beschuldigten ist andererseits minim entlastend anzurechnen, dass die Tat 

nicht geplant war, sondern vielmehr spontan, gleichsam als „Kurzschlussreakti-

on“, erfolgte.  

Schliesslich ist die gemäss psychiatrischem Gutachten dem Beschuldigen für den 

Deliktszeitraum attestierte mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit im Sinne 
von Art. 19 Abs. 2 StGB zu berücksichtigen. Diese basiert laut dem Experten 

med. pract. R._____, Oberarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich 

und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, auf einer schwer ausgepräg-

-   42   - 

ten kombinierten Persönlichkeitsstörung mit den vorherrschenden Merkmalen 
erhöhter Kränkbarkeit, Impulsivität und mangelnder Impulskontrolle, Affektlabilität, 

emotionaler Instabilität, geringer Frustrationstoleranz, erhöhter Reizbarkeit und 

Selbstbezogenheit (Urk. 11/19 S. 39, 43, 47 f.). Die schwerwiegende Persönlich-

keitsstörung umfasst die charakterliche Konstitution und das Verhalten, wobei 

sich der Beginn tief verwurzelter, weitestgehend konstanter Verhaltensmuster bis 

in die Kindheit des Beschuldigten zurückverfolgen lässt. Eine Störung des Sozial-

verhaltens bei fehlenden sozialen Bindungen in der Kindheit und Jugend bildete 

gewissermassen den Auftakt bzw. die Vorstufe dieser Persönlichkeitsstörung 

(Urk. 11/19 S. 42 f.). Zur kombinierten Persönlichkeitsstörung gesellt sich eine 

Anpassungsstörung (Urk. 11/19 S. 39 und 45). Eine Verminderung der Einsichts-

fähigkeit in das Unrecht seines Handelns ist aus gutachterlicher Sicht nicht zu be-

legen. Jedoch scheint gemäss med. pract. R._____ dem Beschuldigten die Fä-

higkeit, ein solches Wissen um die Bedeutung und die Auswirkung seines Tuns in 

handlungsbestimmender Art sowie seine innerseelische Verfassung selbstkritisch 

zu gewichten, nicht in dem Mass zur Verfügung gestanden zu haben, über die ein 

durchschnittlicher vergleichbarer Täter verfügt. Dies führt den Experten zur An-

nahme einer verminderten Steuerungsfähigkeit, die zu mittelgradiger Einbusse 

der Schuldfähigkeit geführt habe (Urk. 11/19 S. 50, 56). Diese Schlussfolgerung 

ist aufgrund der sorgfältigen und fundierten Erläuterungen des Gutachters ohne 

weiteres nachvollziehbar und es ist darauf abzustellen. Es ist somit im Einklang 

mit dem Bezirksgericht von einer Verminderung der Schuldfähigkeit in mittlerem 

Grade auszugehen.  

Für sich allein betrachtet ist die subjektive Tatschwere als noch leicht einzustufen.  

3.3.3  Hypothetische Einsatzstrafe 

Das doch relativ erhebliche objektive Tatverschulden wird durch die subjektive 

Tatkomponente abgeschwächt. Insgesamt resultiert für den Tatbestand der Ge-

fährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB ein nicht mehr leichtes Tatver-

schulden, weshalb die Vorinstanz für diese schwerste Tat die hypothetische Ein-

satzstrafe zu Recht bei 18 Monaten Freiheitsstrafe angesetzt hat.  

-   43   - 

3.4 Versuchte Nötigungen 

3.4.1  Objektive Tatschwere 

Hinsichtlich des Tatgeschehens vom 23./24. April 2011 ist festzuhalten, dass der 

Beschuldigte der Privatklägerin in äusserst aggressiver und gewaltbereiter Weise, 

zugleich aber auch jammernd und insistierend, begegnet ist, indem er wiederholt 

während derselben Nacht Suiziddrohungen ausstiess. Das liess die Privatklägerin 

ernsthaft um seine körperliche Gesundheit und Unversehrtheit fürchten. Nachdem 

er die mittlerweile schlafende Privatklägerin wieder geweckt hatte, erklärte er er-

neut, sich umbringen zu wollen, wobei er diesen Worten durch die Verwendung 

einer Spritze bis es blutete noch Nachdruck verlieh. Dadurch setzte er die Privat-

klägerin einem enormen psychischen Druck aus, appellierte offenkundig an ihr 

Einfühlungsvermögen und ihr Verantwortungsbewusstsein. Sie bat ihn aufzuhö-

ren, fühlte sich hilflos und wusste nicht was machen. Immerhin gefährdete der 

Beschuldigte durch dieses Verhalten – wenn überhaupt – nur sich selbst.   

Bezüglich des Vorfalls vom 1. Mai 2011 gilt zu bemerken, dass der Beschuldigte 

die Privatklägerin und ihren Bruder während knapp zwei Stunden sowohl telefo-

nisch wie auch vor Ort regelrecht terrorisierte, weswegen sich die Privatklägerin 

sogar gezwungen fühlte, ihre Mutter und ihre Tante zu verständigen, welche dann 

– verstärkt durch einen Bekannten – zur Liegenschaft kommen mussten. Der Be-

schuldigte legte ein stark aggressives und rücksichtsloses Verhalten an den Tag, 

wodurch die Privatklägerin und ihr Bruder in Angst und Schrecken versetzt wur-

den. Augenfällig ist wiederum die Beharrlichkeit des Beschuldigten, mit welcher er 

zur Privatklägerin vordringen wollte. Erst die Benachrichtigung der Polizei durch 

die Verwandten vermochte ihn schliesslich in die Flucht zu schlagen.  

Zulasten des Beschuldigten wirkt sich die mehrfache Tatbegehung aus. Zu be-

rücksichtigen ist umgekehrt, dass es in allen Nötigungsvorfällen bei bloss ver-

suchter Tatbegehung blieb. Dieser Umstand ist aber lediglich leicht strafreduzie-

rend zu werten, ist doch von vollendetem Versuch auszugehen, welcher das Ver-

schulden des Täters an sich unberührt lässt. Das Ausbleiben des Erfolges war 

nicht auf sein eigenes Verhalten, sondern auf die Standfestigkeit der Privatkläge-

-   44   - 

rin sowie die Intervention Dritter zurückzuführen. Gleichwohl hat sich dieser Um-

stand etwas strafmindernd auszuwirken. 

Das objektive Verschulden für diese Taten ist als keineswegs mehr leicht einzu-

stufen.  

3.4.2  Subjektive Tatschwere 

Auch bei diesen Taten wirkt sich zum Nachteil des Beschuldigen aus, dass er von 

egoistischen Motiven und einem Exklusivitätsanspruch auf die Privatklägerin ge-

trieben wurde. So wollte er um jeden Preis die Privatklägerin dazu bringen, die 

Beziehung mit ihm weiterzuführen bzw. mit ihm Kontakt zu haben. Jedes Mittel 

war ihm recht, um seine Ziele zu erreichen. Dafür appellierte er auch an ihre Em-

pathie und setzte sie psychisch unter Druck. Zu beachten ist hierbei auch das mit 

damals gerade 19 Jahren sehr jugendliche Alter der Privatklägerin, ihre geringe 

Lebenserfahrung, ihre Labilität sowie die (körperliche) Überlegenheit des 16 Jahre 

älteren Beschuldigten. Schliesslich ist auch bei diesen Taten die mittelgradig ver-

minderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten in mittlerem Masse strafmindernd zu 

berücksichtigen. So war der Beschuldigte aufgrund seiner diagnostizierten kombi-

nierten Persönlichkeitsstörung nur eingeschränkt fähig, sich in der stark emotional 

geprägten Situation korrekt zu verhalten. Im Übrigen kann dazu auf die entspre-

chenden Darlegungen in der vorstehenden Erwägung IV. 3.3.2 verwiesen werden. 

In subjektiver Hinsicht ist daher von einer noch leichten Tatschwere auszugehen, 

was die objektive Tatschwere etwas relativiert. 

3.4.3  Insgesamt ist von nicht mehr leichtem Tatverschulden auszugehen.  

3.5 Drohung 

3.5.1  Objektive Tatschwere 

Es gilt, was schon die Vorinstanz erwog: Die Drohung gegenüber der Privatkläge-

rin, ihren Bruder umzubringen, welcher als nahe Bezugsperson einen wichtigen 

Stellenwert im Leben der Privatklägerin einnahm, erweist sich als sehr verwerf-

lich. Die Benützung ihres Bruders – welcher fast 14 Jahre jünger ist als der Be-

-   45   - 

schuldigte und diesem ebenfalls deutlich unterlegen – als Tatmittel musste die 

Privatklägerin auch deshalb besonders treffen, weil ihr die Aggressivität des Be-

schuldigten und seine Fähigkeiten im Bereich des Kampfsportes bekannt waren. 

Die objektive Tatschwere ist keinesfalls mehr als leicht anzusehen.  

3.5.2  Subjektive Tatschwere 

Die egoistischen Beweggründe und die mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit 

im Zeitpunkt der Tatbegehung kommen auch hier zum Tragen und bewirken eine 

Relativierung der objektiven Tatschwere.  

3.5.3  Insgesamt erweist sich das Tatverschulden bei der Drohung als nicht mehr 

leicht. 

3.6 Fazit Tatkomponente 

Ausgehend von einer hypothetischen Einsatzstrafe von 18 Monaten Freiheitsent-

zug für das schwerste Delikt der Gefährdung des Lebens und im Rahmen einer 

Gesamtbetrachtung, einschliesslich der Beachtung des Asperationsprinzips, 

rechtfertigt es sich, die genannte Einsatzstrafe unter Einbezug der mehrfachen 

Nötigungsversuche und der Drohung (je bedroht mit Freiheitsstrafe bis zu drei 

Jahren; vgl. Art. 180 und 181 StGB) um 6 Monate auf 24 Monate Freiheitsstrafe 

zu erhöhen.  

3.7 Täterkomponente 

Die Täterkomponente (vgl. Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) umfasst das Vorleben, die 

persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafver-

fahren. Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits früheres Wohlver-

halten, andererseits Zahl, Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht.  

Unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse ist etwa zu berück-

sichtigen, ob sich der Täter im Strafverfahren kooperativ verhielt, ob er Reue und 

Einsicht zeigte, ob er mehr oder weniger strafempfindlich ist.  

-   46   - 

3.7.1  Werdegang und persönliche Verhältnisse 

Zur Biografie des Beschuldigten kann auf die Personalakten (Urk. 17/1-9), die 

staatsanwaltschaftliche Einvernahme zur Person vom 15. Februar 2012 

(Urk. 17/9), die Gutachten vom 13. Dezember 1999 (Urk. 11/1) und 19. Dezember 

2011 (Urk. 11/19) sowie die Befragung zur Person anlässlich der erstinstanzlichen 

Hauptverhandlung (Urk. 39 S. 1 ff.), das Plädoyer der Verteidigung vor Vorinstanz 

(Urk. 49 S. 12 ff.), die Ausführungen im angefochtenen Urteil (Urk. 63 S. 47 f.), die 

Befragung zur Person im Rahmen der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 8 ff.) und 

das zweitinstanzliche Plädoyer des Verteidigers (Urk. 88 S. 11 f.) verwiesen wer-

den.  

Im Wesentlichen ergibt sich daraus: Der Beschuldigte verbrachte das erste Le-

bensjahr bei seiner Mutter, die bei seiner Geburt ca. 16 Jahre jung war, in 

T._____. Danach wohnte er bis zum dritten Lebensjahr in U._____, zeitweise bei 

seiner Grossmutter, zeitweise in einem Kinderheim in V._____, und bis zu seinem 

siebten Lebensjahr in W._____ bei einer Tagesmutter. Im Alter von fünf bis 

sechseinhalb Jahren besuchte er den Kindergarten, wobei er bereits zu diesem 

Zeitpunkt Verhaltensprobleme und eine Legasthenie aufwies. Anschliessend ver-

brachte er die ersten zwei Schuljahre in einer Einführungsklasse (Sonderschule 

B). Der Beschuldigte litt unter Leseschwäche, Lernschwierigkeiten und Migräne-

anfällen. Überdies fiel er aufgrund seines aggressiven Verhaltens und ständiger 

Schlägereien auf. In der Folge wurde er von Dr. AA._____ behandelt, zu welchem 

bis heute ein therapeutischer Kontakt besteht. Der Beschuldigte wurde im Kin-

desalter und während seiner Jugend in diversen Heimen untergebracht, wo er 

auch jeweils zur Schule ging. Er besuchte verschiedene Heilpädagogische Schu-

len und erhielt streckenweise Privatunterricht. Weitere Stationen waren 1991 ein 

Oberstufeninternat, das Schlupfhus und eine Jugendherberge, von welcher aus er 

Anfang 1992 zwei Raubversuche unternahm, indem er zwei Frauen mit einem 

Messer bedrohte. Dies führte zu einer Unterbringung in der geschlossenen Abtei-

lung des Jugendheims der AB._____ in AC._____. Für die Zeit von Januar 1991 

bis Februar 1992 wurde ihm täglicher Haschischkonsum, gelegentlicher Heroin-, 

Kokain- und LSD-Konsum vorgeworfen. Im Rahmen einer Auseinandersetzung 

-   47   - 

mit seiner Mutter ging er auch auf diese mit einem Messer los, wobei ihn sein 

Stiefvater zurückhalten konnte. Nachdem er im Januar 1992 in einem Kleinheim 

in Südfrankreich untergebracht worden war und dieser Aufenthalt im Juni 1992 

aufgrund sich häufender Schwierigkeiten abgebrochen werden musste, wurde er 

erneut in die geschlossene Abteilung der AB._____ eingewiesen. Nach mehreren 

Aufenthalten in Heimen und bei Pflegefamilien sowie nach Durchlaufen von psy-

chotherapeutischen Behandlungen (weiterhin auch bei Dr. med. AA._____) wohn-

te der Beschuldigte zeitweise bei seiner Mutte