# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a45398d0-8342-5116-846a-6df046a8b4d7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-06
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 06.10.2020 SK 2019 449
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-449_2020-10-06.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 19 449+450

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 6. Oktober 2020 

Besetzung Oberrichter Gerber (Präsident i.V.), Oberrichter Guéra, 
Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiber Jaeger

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

 

Gegenstand Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz sowie Wider-
rufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Einzel-
gericht) vom 16. Oktober 2019 (PEN 19 206/207)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil des Regionalgerichts Oberland (nachfolgend: Vorinstanz) vom 16. Okto-
ber 2019 wurde A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) freigesprochen von der 
Anschuldigung der groben Verletzung der Verkehrsregeln, angeblich begangen am 
6. Oktober 2018 auf der Autostrasse A8 L Interlaken, Abschnitt Interlaken West – 
Därligen, durch zweimaliges unbegründetes starkes Abbremsen (Schikane-Stopp), 
unter Ausrichtung einer Entschädigung an den Beschuldigten und Auferlegung der 
anteilsmässigen Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf CHF 1'300.00, an den 
Kanton Bern. Gleichzeitig wurde der Beschuldigte schuldig erklärt wegen grober Ver-
letzung der Verkehrsregeln durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes 
beim Hintereinanderfahren (unter 0.5 s), begangen am 6. Oktober 2018 auf der Au-
tostrasse A8 L Interlaken, Abschnitt Interlaken West – Därligen und verurteilt zu einer 
Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu CHF 110.00, ausmachend total CHF 1'320.00, 
und zu den auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten, insgesamt be-
stimmt auf CHF 1'425.00. Der mit Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 
5. April 2018 für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 100.00 gewährte be-
dingte Vollzug wurde nicht widerrufen, der Beschuldigte im Widerrufsverfahren ver-
warnt, die Probezeit um ein Jahr verlängert sowie ihm die Verfahrenskosten von 
CHF 300.00 auferlegt und auf die Ausrichtung einer Entschädigung verzichtet 
(pag. 140 ff.).

2. Berufung

Am 28. Oktober 2019 meldete Rechtsanwalt B.________ namens und im Auftrag 
des Beschuldigten form- und fristgerecht Berufung gegen das besagte Urteil an 
(pag. 147). Die schriftliche Urteilsbegründung wurde den Parteien mit Verfügung 
vom 27. November 2019 zugestellt (pag. 186 f.; pag. 191 f.). Rechtsanwalt 
B.________ erklärte im Namen des Beschuldigten am 18. Dezember 2019 form- und 
fristgerecht die Berufung, beschränkt auf den Schuldspruch betreffend das angebli-
che Nichtwahren eines ausreichenden Abstands. Gleichzeitig beantragte er die 
Durchführung des schriftlichen Verfahrens (pag. 194 ff.).

Mit Verfügung vom 19. Dezember 2019 stellte die Verfahrensleitung die Berufungs-
erklärung der Generalstaatsanwaltschaft zu, und es wurde die Durchführung eines 
schriftlichen Verfahrens in Aussicht genommen (pag. 198 f.). Die Generalstaatsan-
waltschaft, vertreten durch C.________, teilte mit Schreiben vom 30. Dezember 
2019 mit, dass sie auf die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren verzichte 
(pag. 201 f.). 

Daraufhin ordnete die Verfahrensleitung mit Verfügung vom 3. Januar 2020 die 
Durchführung eines schriftlichen Verfahrens an (pag. 203 f). 

Mit Eingabe vom 28. Februar 2020 reichte der Beschuldigte innert erstreckter Frist 
form- und fristgerecht eine schriftliche Berufungsbegründung ein (pag. 253 ff.). Mit 

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Verfügung vom 3. März 2020 nahm die Verfahrensleitung Kenntnis vom Eingang der 
schriftlichen Begründung der Berufung, erachtete den Schriftenwechsel als abge-
schlossen und forderte Rechtsanwalt B.________ auf, seine Honorarnote einzurei-
chen (pag. 248 f.). Diese wurde mit Eingabe vom 12. März 2020 zu den Akten ge-
reicht (pag. 251).

3. Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden in oberer Instanz über den Beschuldigten ein aktueller 
Strafregisterauszug (datierend vom 9. Januar 2020, pag. 219 f.), ein aktueller 
Auszug über die Administrativmassnahmen ADMAS (datierend vom 9. Januar 2020, 
pag. 221) sowie ein aktueller Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse 
(datierend vom 6. Januar 2020, pag. 211 ff.) eingeholt. Weiter wurden mit Verfügung 
vom 3. Januar 2020 die Akten ak.________ der Staatsanwaltschaft des Kantons Ob-
walden, X.________ der Staatsanwaltschaft Abteilung 2 Emmen sowie SK 17 195 
beim Obergericht des Kantons Bern ediert (pag. 203 f.).

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte namens und im Auftrag des Beschuldigten in der 
Berufungsbegründung folgende Anträge (pag. 233 ff.):

1. A.________ sei freizusprechen der groben Verletzung der Verkehrsregeln, angeblich begangen 

am 06. Oktober 2018 auf der Autobahn A8 L Interlaken, Abschnitt Interlaken West - Därligen, 

durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim Hintereinanderfahren (unter 0,5 Sekun-

den);

2. Bezüglich des Widerrufsverfahrens sei keine Verwarnung auszusprechen und die Probezeit sei 

nicht zu verlängern;

3. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten und die Entschädigung seien neu zu regeln;

4. Soweit weitergehend sei die Rechtskraft des erstinstanzlichen Urteils festzustellen;

unter Kosten und Entschädigungsfolge inkl. 7,7% MWST im 

erst- und oberinstanzlichen Verfahren.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Kammer überprüft das Urteil nur in den angefochtenen Punkten 
(Art. 404 Abs. 1 StPO). Mangels Anfechtung ist der Freispruch gemäss Ziff. I des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs (pag. 140 f.) betreffend das angeblich zweimalige 
unbegründete starke Abbremsen (Schikane-Stopp) inklusive Ausrichtung einer Teil-
entschädigung und unter Ausscheidung der anteilsmässigen Verfahrenskosten zu 
Lasten des Kantons Bern in Rechtskraft erwachsen. 

Von der Kammer zu überprüfen bleibt somit der Schuldspruch wegen grober Verlet-
zung der Verkehrsregeln durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim 
Hintereinanderfahren (unter 0.5 s; Ziff. II des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 141), das Widerrufsverfahren (Ziff. III des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 141 f.) sowie die damit einhergehenden Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die 
Kammer verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO) und ist aufgrund 

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der alleinigen Berufung durch den Beschuldigten an das Verschlechterungsverbot 
(auch «Verbot der reformatio in peius» genannt) nach Art. 391 Abs. 2 StPO gebun-
den.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf gemäss Strafbefehl und vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung

Dem Beschuldigten wird gemäss Strafbefehl vom 29. Januar 2019, der vorliegend 
als Anklage dient (Art. 356 Abs. 1 StPO), vorgeworfen, am 6. Oktober 2018, 
ca. 16.40 Uhr auf der Autostrasse A8 L Interlaken, Abschnitt Interlaken West - Där-
ligen, als Lenker eines Personenwagens einen ungenügenden Nachfahrabstand von 
unter 0.5 s zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten und dadurch andere Ver-
kehrsteilnehmer gefährdet oder deren Gefährdung in Kauf genommen zu haben 
(pag. 26 ff.). 

Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer Beweiswürdigung zum Schluss, der Beschul-
digte sei nach dem Rugentunnel auf der einspurigen Autostrasse bei dichtem Ver-
kehr 50 km/h gefahren, wobei sich das Fahrzeug der Familie D.________ vor ihm 
und das Fahrzeug der Familie E.________ hinter ihm befunden hätten. Nach dem 
Rugentunnel seien bereits erste technische Probleme in dem Sinne aufgetreten, 
dass das Auto des Beschuldigten «anfing, sich zu bewegen», dies aber wieder auf-
gehört und das Auto zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgebremst oder blockiert habe. 
Danach sei der Beschuldigte gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen dem 
Fahrzeug von H.D.________ während mindestens 30 s und rund 416 m sehr nahe, 
d.h. mit einem Nachfahrabstand von 5 m bzw. 0.36 s, nachgefahren. Dies entspreche 
bei einer Geschwindigkeit des Beschuldigten von 50 km/h einer Strecke von rund 
416m (50 km/h = 13.88 m/s; 13.88 m x 30 s = 416.4 m). Gestützt auf die Aussagen 
von F.E.________ und H.E.________ sei davon auszugehen, dass der Abstand des 
Beschuldigten zum Fahrzeug von H.D.________ eine Wagenlänge bzw. knapp 5 m 
betragen habe. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h entspreche dies einem zeit-
lichen Abstand von 0.36 s (50 km/h = 13.88 m/s; 5m / 13.88 m/s = 0.36 s; pag. 169 f.). 

7. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Das Rahmengeschehen stellt sich wie folgt dar: Der Beschuldigte war unbestritte-
nermassen am 6. Oktober 2018 mit seinem roten BMW Y.________ (mit Autokenn-
zeichen BE.________) auf der Autostrasse A8 von Interlaken in Richtung Thun un-
terwegs (pag. 4, Z. 24 ff.; pag. 49, Z. 40; pag. 122 und pag. 158). Zwischen dem 
Rugentunnel und der Ausfahrt Leissigen kam der Beschuldigte mit seinem Fahrzeug 
mindestens einmal zum Stillstand (pag. 5, Z. 71 ff.; pag. 49, Z. 45 f.; pag. 52, Z. 151 
ff.; pag. 114, Z. 3; pag. 158). Bei der Ausfahrt Leissigen verliess der Beschuldigte 
die Autostrasse (pag. 4, Z. 33 ff.; pag. 51, Z. 131 ff.; pag. 158) und liess sein Auto 
von der Garage F.________ in Z.________ abschleppen (pag. 4, Z. 23 ff.; pag. 56; 
pag. 158).

Bestritten werden die vorinstanzlichen Feststellungen des Abstands des Fahrzeugs 
des Beschuldigten zum vorausfahrenden Fahrzeug der Familie D.________ von ei-
ner Wagenlänge sowie dass der Beschuldigte mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h 

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dem Fahrzeug der Familie D.________ während mindestens 30 s bzw. mindestens 
416 m nachgefahren sei (pag. 233 ff.). 

Nachfolgend ist daher zu prüfen, mit welcher Geschwindigkeit und welchem Abstand 
der Beschuldigte während welcher Dauer hinter dem Fahrzeug von H.D.________ 
nachgefahren ist.

8. Beweismittel

Es ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die von der Vorinstanz aufgeführten Be-
weismittel von dieser korrekt ins Verfahren eingebracht und zutreffend wiedergege-
ben wurden. Darauf kann einfachheitshalber verwiesen werden (pag. 158 ff., S. 7 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Auf eine erneute Wiedergabe wird verzich-
tet bzw. es wird auf die einzelnen objektiven und subjektiven Beweismittel – soweit 
erforderlich – direkt im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung eingegangen. 
Auf die oberinstanzlichen Beweisergänzungen wird ebenfalls – soweit erforderlich – 
direkt in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen (vgl. Ziff. I.3 oben). 

9. Beweiswürdigung

9.1 Vorbemerkungen

Für die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung kann auf die zutreffenden 
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 155 ff., S. 4 ff. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung). Zu den Grundlagen der Aussagenwürdigung ist Folgen-
des zu ergänzen:

Bei der Abklärung des Wahrheitsgehaltes von Aussagen hat sich die sogenannte 
Aussageanalyse weitgehend durchgesetzt (BGE 129 I 49 E. 5 mit Hinweisen; LU-
DEWIG/BAUMER/TAVOR, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern 
und Staatsanwälten helfen?, in: Ludewig/Baumer/Tavor [Hrsg.] Aussagepsychologie 
für die Rechtspraxis, 2017, S. 42). Nach dem empirischen Ausgangspunkt der Aus-
sageanalyse erfordern wahre und absichtlich falsche Schilderungen unterschiedli-
che geistige Leistungen. Eine Aussage zu erfinden stellt höhere geistige und intel-
lektuelle Anforderungen an einen Zeugen als einfach zu erzählen, was er erlebt hat. 
Eine Person berichtet daher in der Tendenz mit einer inhaltlich höheren Qualität über 
tatsächlich Erlebtes als wenn sie ein Ereignis wiedergibt, das sie rein geistig konstru-
ieren musste. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Qua-
lität einer Aussage nicht abstrakt beurteilt werden kann, sondern immer in Relation 
zu der Aussagekompetenz der befragten Person zu setzen ist. Bei der Aussagen-
analyse wird deshalb in erster Linie die Frage überprüft, ob die aussagende Person 
unter Berücksichtigung der konkreten Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähig-
keit und der Motivlage ihre Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund hätte ma-
chen können. Von dieser «Unwahrhypothese» (Nullhypothese) ist zunächst auszu-
gehen und es ist den Möglichkeiten nachzugehen, wie die Aussage auch ohne Er-
lebnishintergrund hätte zustande kommen können. Zu denken ist nebst der bewuss-
ten Falschaussage auch an die Möglichkeit, dass die befragte Person aufgrund von 
Fehlern in der Wahrnehmung oder suggestiven Einflüssen subjektiv wahre, aber ob-
jektiv nicht zutreffende Angaben macht (BERLINGER, Glaubhaftigkeitsbegutachtung 

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im Strafprozess, Beweiseignung und Beweiswert, Zürich 2014, S. 17 ff.). Methodisch 
wird die Prüfung in der Weise vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothe-
sengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerk-
male, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der 
Aussage sowie des Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehler-
quellen überprüft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analy-
siert werden. Ergibt die Prüfung, dass diese «Unwahrhypothese» (Nullhypothese) 
mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie 
verworfen. Es gilt dann die Alternativhypothese, dass die Aussage wahr sei 
(BGE 129 I 49 E. 5; BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 
4. Auflage 2014, N 313 ff.; LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, a.a.O., S. 43 ff.).

Weiter schliesst sich die Kammer, was die allgemeine Würdigung der objektiven Be-
weismittel und der Aussagen des Beschuldigten und der vier Zeugen betrifft, 
grundsätzlich der Einschätzung der Vorinstanz an, worauf an dieser Stelle ebenfalls 
verwiesen wird (vgl. pag. 166 ff., S. 15 ff.). Soweit ergänzend oder abweichend wird 
in den nachfolgenden Erwägungen näher darauf eingegangen. 

9.2 Zu den Aussagen des Zeugen H.D.________

Der Zeuge H.D.________ wurde am 7. November 2018, also einen Monat nach dem 
Vorfall vom 6. Oktober 2018, zum ersten Mal einvernommen. Das Einvernahmepro-
tokoll entspricht dabei inhaltlich dem von ihm aufgeschriebenen Wahrnehmungsbe-
richt vom 7. Oktober 2018, also vom Tag nach dem Vorfall (pag. 10) und ist damit 
die unmittelbarste Schilderung des Vorfalls. Der Zeuge sagte an der Einvernahme 
am 7. November 2018 aus, der Beschuldigte sei ihm zu nah aufgefahren und er habe 
teilweise nur einen Teil der Motorhaube und die Hände am Lenkrad gesehen. Er 
blieb auch anlässlich der Hauptverhandlung bei dieser Aussage (pag. 116, Z. 27 ff.). 
Dabei konnte er anders als die beiden anderen Zeugen anlässlich der Hauptver-
handlung keine genauen Angaben machen, wie gross der Abstand des Fahrzeugs 
des Beschuldigten zu seinem gewesen war (pag. 116 Z. 25 ff.). Diese konstanten 
Aussagen sprechen gegen eine Absprache und für eine glaubhafte Aussage in Be-
zug auf den Abstand. Dass er anlässlich der Hauptverhandlung grob schätzte, wo-
nach während rund 30-40 Sekunden bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h sie eine 
Distanz von ca. 100 m zurückgelegt hätten und dies rechnerisch nicht sein kann, da 
bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h innert 30 Sekunden über 400 m zurückgelegt 
werden, spricht nicht für die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen. Dies, da bei näherer 
Überlegung einfach bemerkt werden kann, dass es rechnerisch nicht möglich ist und 
er es nicht so gesagt hätte, wenn er es nicht so empfunden hätte (vgl. nachfolgend 
Ziff. 9.7.3). Der Zeuge D.________ schildert wirklichkeitsnah, wie es für ihn in Anbe-
tracht seiner ganzen Familie im Fahrzeug schon fast beängstigend gewesen sei. 
Sodann macht er auch detailreiche Schilderungen, wie er z.B. den Warnblinker 
betätigt haben will, um dem Beschuldigten zu zeigen, dass er sein Bedrängen be-
merkt habe und seine Frau nach einem Blick zurück bemerkt habe, dass der Be-
schuldigte den Mittelfinger zeige (pag. 8, Z. 41 f.). Mit diesen Aussagen weicht er 
von den Aussagen der beiden weiteren Zeugen E.________ ab, was auch gegen 
eine Absprache und für die Glaubhaftigkeit von deren Aussagen spricht. In Anbe-
tracht des Vorfalls erscheint es konsequent, dass der Zeuge in dieser Situation Gas 

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gegeben hat, um einen Abstand zum Fahrzeug des Beschuldigten aufzubauen (pag. 
116, Z. 32-34) und die Fahrweise des Beschuldigten resp. die Verhinderung eines 
Unfalls aus seiner Sicht eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderte (pag. 8, Z. 43 f.). 
Ebenfalls realitätsnah und glaubhaft ist, dass dem Zeugen D.________ die Situation 
ziemlich gefährlich erschien und er bei der Ausfahrt Leissigen, wo der Beschuldigte 
die Ausfahrt nahm, diesen durch Hupen auf sein unmögliches Verhalten aufmerksam 
machen wollte (pag. 8, Z. 57 f.). Weiter gesteht er sich selbst Erinnerungslücken ein, 
indem er etwa aussagte, sich an den Abstand in Metern oder Sekunden nicht mehr 
erinnern zu können, was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht. 
Sodann ist auch seine Aussage in Bezug auf die Geschwindigkeit glaubhaft, ent-
spricht diese, wie nachfolgend ausgeführt, nämlich den Aussagen der beiden weite-
ren Zeugen E.________ und dem Grundsatze nach auch denjenigen des Beschul-
digten (vgl. Ziff. 9.6). Wie bereits die Vorinstanz ausführte, sind seine Aussagen wei-
ter insofern glaubhaft, als er Gedankengänge und ausgefallene nebensächliche Ein-
zelheiten schildert und diese konstant sind (pag. 167). 

9.3 Zu den Aussagen der Zeugin F.E.________

Die Zeugin E.________ wurde über einen Monat nach dem Vorfall, am 15. Novem-
ber 2018, erstmals einvernommen (pag. 11 ff.). Sie konnte sich dennoch sehr gut 
erinnern und schilderte Beobachtungen, die die anderen Zeugen nicht oder anders 
schilderten, was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen und gegen eine 
Absprache spricht. Sie konnte genau schildern, was sich ihrer Ansicht nach vor dem 
Rugentunnel abgespielt hatte. Gemäss ihrer Darstellung habe sie nämlich zu einem 
Überholmanöver angesetzt und sei mit dem linken Rad schon über der Mittellinie 
gewesen, als sie das Fahrzeug des Beschuldigten, welches ihrem Fahrzeug sehr 
nahe aufgefahren sei, im Rückspiegel bemerkt habe und sie trotz Blicks in den Sei-
ten- und Rückspiegel den BMW vorher nicht wahrgenommen habe. Sie habe dann 
ihr Fahrzeug sofort wieder auf die rechte Spur gezogen und gedacht, dass der Be-
schuldigte sehr schnell unterwegs sei und sie ihn wohl deshalb im Rückspiegel nicht 
gesehen habe (pag. 12 Z. 24 ff.). Dies sind sehr detaillierte Angaben, welche sie 
nicht so schildern würde, hätte sie es nicht so erlebt. Dass sie einen Monat später 
noch entsprechende Details zu Protokoll geben konnte, lässt darauf schliessen, dass 
der Vorfall sie offenbar geprägt hat. Weiter gab sie auch als Einzige an, nach der 
Vollbremsung habe der Beschuldigte so fest beschleunigt, dass das Heck des BMWs 
nach links und rechts geschleudert sei und am Boden schwarze Streifen zu sehen 
gewesen seien (pag. 12 Z. 47 ff.). Unter Berücksichtigung, dass der Beschuldigte 
einen der BMW Y.________ mit Heckradantrieb (pag. 133 ff.) – und damit einer der 
zumindest leistungsstärkeren BMWs der damaligen 6er-Reihe – fuhr, erscheint das 
von ihr geschilderte Schleudern bei der Beschleunigung geradezu typisch. In Bezug 
auf das nahe Auffahren sagte sie aus, dass wenn der Vordere hätte bremsen müs-
sen, der Beschuldigte nicht mehr hätte bremsen können (pag. 118 Z. 18 f.). Dies 
unterscheidet sich dem genauen Wortlaut nach von den Aussagen des Zeugen 
E.________, wonach er sich im vorderen Fahrzeug bedrängt gefühlt hätte, und wenn 
das Fahrzeug vor dem Beschuldigten eine Notbremsung eingeleitet hätte, es nicht 
mehr gereicht hätte (pag. 120), was auch gegen eine Absprache und für die Glaub-

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haftigkeit ihrer Aussage spricht. Im Kerngehalt sind die beiden Aussagen der Ehe-
gatten E.________ allerdings gleich. Auch in Bezug auf die Geschwindigkeit sind die 
Aussagen glaubhaft. Die Zeugin E.________ fuhr das nachfolgende Fahrzeug und 
konnte sich als Fahrerin ganz genau an die Geschwindigkeit im Moment der Voll-
bremsung und insbesondere derjenigen danach erinnern (pag. 12, Z. 40 ff.). Letzt-
endlich hatte sie keinen Anlass, eine solche Geschichte in dieser Genauigkeit und in 
den Grundzügen mit den anderen Zeugen übereinstimmend vorzubringen, wenn sie 
dies nicht so erlebt hätte. 

9.4 Zu den Aussagen des Zeugen H.E.________

Auch der Zeuge H.E.________ wurde erst einen Monat nach dem Vorfall vom 
6. Oktober 2018, nämlich am 7. November 2018, einvernommen (pag. 14 ff.). Wie 
seine Frau konnte jedoch auch er detailgenaue Angaben machen und schilderte den 
Verlauf einigermassen konstant. Als Einziger sagte er aus, dass sich im stockenden 
Verkehr nach dem Rugentunnel noch ein schwarzer unbekannter Kleinwagen 
zwischen dem Fahrzeug des Beschuldigten und demjenigen der Familie 
D.________ befunden habe (pag. 15, Z. 31 f.). Anlässlich der Einvernahme an der 
Hauptverhandlung am 16. Oktober 2019 war dieses Fahrzeug dann weiss 
(pag. 120). Wie die Vorinstanz richtigerweise ausführte, ist dieser Unterschied auf 
die Zeitspanne zwischen den Aussagen bzw. auf das mit der Zeit abnehmende 
Erinnerungsvermögen zurückzuführen und schadet der Glaubhaftigkeit seiner 
Aussagen nicht. Dies insbesondere, da erfahrungsgemäss der Farbe eines 
Fahrzeuges weniger Beachtung geschenkt wird als der Tatsache, dass ein anderes 
Fahrzeug diesem sehr nah auffährt. Sodann handelt es sich bei weissen bzw. 
schwarzen Fahrzeugen um üblichere Farben als z.B. Rot oder Gelb. Weiter zeigt 
auch dieser Unterschied auf, dass sich die Zeugen E.________ und D.________ 
nicht untereinander abgesprochen haben. Die Aussage, wonach dieses schwarze 
oder weisse Fahrzeug vor der Ausfahrt Därligen ausgewichen sei, kann auf die 
Strassensituation zurückgeführt werden (vgl. nachfolgend Ziff. 9.7.3). Sodann 
beobachtete der Zeuge E.________ als Einziger, dass der Beschuldigte dem 
weissen/schwarzen Fahrzeug schon im Rugentunnel relativ lange nahe auffuhr 
(Einvernahme anlässlich der Hauptverhandlung; pag. 120). Bereits anlässlich der 
ersten Einvernahme am 7. November 2018 sagte der Zeuge H.E.________ aus, 
dass schon zum Zeitpunkt nach dem Rugentunnel der Beschuldigte dem 
weissen/schwarzen Fahrzeug nahe aufgefahren sei (pag. 15, Z. 30 ff.). Diese 
Aussage anlässlich der ersten Einvernahme widerspricht also nicht derjenigen 
anlässlich der Hauptverhandlung, sondern ist mit verändertem Wortlaut 
deckungsgleich, was für deren Glaubhaftigkeit spricht. Der Zeuge E.________ gab 
sodann eine gefahrene Geschwindigkeit von 60 km/h an (pag. 8, Z. 70). Dass er 
diese nicht genau beziffern konnte, liegt wohl daran, dass er als Einziger nicht selber 
am Steuer sass und spricht damit nicht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussage. 
Überdies stimmt sie mit der von den anderen Zeugen geschilderten Geschwindigkeit 
grössenordnungsmässig überein und ist damit glaubhaft (vgl. nachfolgend Ziff. 9.6). 
Auch der von ihm genannte Abstand von einer Wagenlänge (pag. 120) ist glaubhaft 
(vgl. die nachfolgenden Erwägungen Ziff. 9.7.3). Sodann hatte auch er kein Motiv, 
den Vorfall in dieser Weise zu schildern, wenn er diesen nicht aus seiner Sicht so 

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erlebt hätte. Offenbar war der Vorfall für ihn so prägend, dass er sich gezwungen 
sah, den Vorfall der Polizei zu melden (pag. 8, Z. 60 ff.). 

9.5 Zu den Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte wurde erstmals knapp zwei Monate nach dem Vorfall vom 6. Ok-
tober 2018 am 29. November 2018 einvernommen (pag. 3 ff.). Erst sagte er aus, es 
sei «möglich», dass er am 6. Oktober 2018 um ca. 16:40 Uhr von Interlaken in Rich-
tung Leissigen unterwegs gewesen sei, wogegen er sich dann (nur eine Frage 
später) auf einmal ganz genau an den Vorfall mit dem Lenkrad erinnern konnte (pag. 
4, Z. 26 ff.). Seine Aussagen in Bezug auf das Auffahren sind sodann teilweise wi-
dersprüchlich, sagte er anlässlich seiner ersten Einvernahme noch aus, es könne 
nicht sein, dass er das Fahrzeug der Familie D.________ bedrängt habe (pag. 4, Z. 
50), wogegen er dann bei der Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft aussagte, er 
sei nicht bewusst nahe aufgefahren, resp. es wäre ihm nicht aufgefallen, dass er zu 
nahe aufgefahren sei (pag. 51, Z. 101). Anlässlich der Hauptverhandlung stritt er das 
Auffahren sodann wiederum ab und brachte vor, er wolle weder sich selbst noch 
jemand anderen gefährden (pag. 113, Z. 29 ff.). Im Kontext seiner Aussagen im Ver-
fahren erscheint die Aussage, er sei nicht zu nahe aufgefahren, unglaubhaft. Sie ist 
nicht konstant und erst nachdem er den Strafbefehl vom 29. Januar 2019 erhielt 
(pag. 26 ff.) brachte er vor, er habe niemanden gefährden wollen. Dabei handelt es 
sich um eine Schutzbehauptung in Bezug auf das nahe Auffahren (vgl. nachfolgend 
Ziff. 9.7.3), zumal ihm das zur Last gelegte Delikt aufgrund seines negativen auto-
mobilistischen Leumunds nicht fremd sein dürfte (vgl. Strafregisterauszug 
[pag. 2019 f.]; Auszug aus dem Administrativmassnahmenregister ADMAS 
[pag. 221 f.]) und er mit einer empfindlichen Administrativmassnahme zu rechnen 
hat (vgl. pag. 24). Zudem sind die Aussagen des Beschuldigten sehr karg, was nicht 
auf die zeitliche Distanz zwischen dem Vorfall und der ersten Einvernahme zurück-
zuführen ist, da er sich in Bezug auf den verklemmten Kolben noch sehr gut erinnern 
konnte (pag. 5, Z. 76 ff.). Ebenfalls widersprüchlich sind die Ausführungen in Bezug 
auf die Geschwindigkeit. So gab er als Ortskundiger an, er sei «normal» bei einer 
Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h gefahren (pag. 5, Z. 86 ff.), wogegen er durch 
die Verteidigung ausführen lässt, es sei unmöglich, dass er während der ganzen 
Strecke mit konstant 50 km/h unterwegs gewesen sei (pag. 238; vgl. auch nachfol-
gend Ziff. 9.6). Auch stimmen seine Aussagen auf die Frage, wieso er nicht die Aus-
fahrt Därligen genommen habe, nicht überein. Er sagte anlässlich der ersten Einver-
nahme aus, er sei so durcheinander gewesen, dass es ihm nicht in den Sinn gekom-
men sei, diese zu nehmen. Er habe so Angst gehabt, weil es so geschlagen habe 
(pag. 5, Z. 107 f.). Anlässlich der Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft sagte er 
dann aus, nach dem Tunnel habe es angefangen zu bewegen und habe dann auf-
gehört. Deswegen habe er gedacht, es sei nicht so schlimm. Das Blockieren sei dann 
bei der nächsten Ausfahrt in Leissigen gewesen. Er sei in so einem «Zeug» gewesen 
und habe einfach ab der Strasse runter gewollt (pag. 51, Z. 129 ff.). An der ersten 
Einvernahme versuchte der Beschuldigte, zielgerichtet alle Vorfälle auf den ver-
klemmten Kolben zurückzuführen. Die zweite Aussage zeigt jedoch, dass zwischen 
den einzelnen Vorfällen zu differenzieren ist und nicht – wie der Beschuldigte zielge-

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richtet und karg behauptet – alles nur auf das Klemmen des Bremskolbens zurück-
zuführen ist. Soweit weitergehend ist in den nachfolgenden Erwägungen auf die 
Frage der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten noch näher einzugehen. 

9.6 Zur Geschwindigkeit

Die Vorinstanz machte aussagewürdigend folgende Ausführungen zur gefahrenen 
Geschwindigkeit (pag. 166, S. 15 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Gestützt auf die Aussagen von H.D.________ (pag. 8 Z. 70: „[…] es war viel Verkehr. Vielleicht fuhren 
wir 60 km/h.“; pag. 117 Z. 10: „80 sind wird nicht gefahren, sonst hätte es keine Kolonne gegeben“), 
von F.E.________ (pag. 12 Z. 40 f.: „wir fuhren mit ca. 50 – 60 km/h […], da sehr viele Fahrzeuge und 
wir im Kolonnenverkehr fuhren.“; pag. 118 Z. 23 f.: „Wir fuhren ca. 50-60 km/h“), von H.E.________ 
(pag. 15 Z. 30 f.: „Nach dem Rugentunnel fuhren wir in stockendem Verkehr, ca. 10 Fahrzeuge. Wir 
fuhren mit ca. 60 km/h.“) und des Beschuldigten (pag. 113 Z. 12: „Ich fuhr in der Kolonne ganz normal.“; 
pag. 113 Z. 15: „Ziemlich viel [Verkehr], der Verkehr hat gestockt.“) ist davon auszugehen, dass die 
Beteiligten nach dem Rugentunnel mit 50-60 km/h auf der einspurigen Autostrasse in Richtung Thun 
fuhren. Zugunsten des Beschuldigten wird von einer Geschwindigkeit von 50 km/h ausgegangen. Es 
herrschte zudem dichter Verkehr.

Der Beschuldigte führte demgegenüber aus, dass die Annahme einer konstanten 
Geschwindigkeit von 50 km/h nicht stimmen könne. Die Strecke zwischen dem Ru-
gentunnel und Därligen sei ca. 2 km lang. Ausserdem sei zu diesem Zeitpunkt 
gemäss Zeuge H.E.________ auf dieser Strecke eine Fahrzeugkolonne von min-
destens zehn Autos unterwegs gewesen. Eine solche Kolonne könne keineswegs 
über eine Strecke von 2 km eine konstante Geschwindigkeit halten. Dies werde auch 
vom Zeugen H.E.________ bestätigt, indem er gesagt habe: «bei der Abzweigung 
Därligen kam die Fahrzeugkolonne wieder ins Stocken». Dies bedeute, dass die Ko-
lonne bereits vorher, insbesondere auch an der Stelle, wo das nahe Auffahren hätte 
stattfinden sollen, stockend und somit nicht mit konstanter Geschwindigkeit unter-
wegs gewesen sei. Hinzu komme, dass sich an besagter Stelle eine Kurve befinde, 
zusätzlich mit beginnender Mittelleitplanke sowie nur wenig Abstand zur rechten, 
äusseren Leitplanke. Eine solche Konstellation verlange vom Verkehrsteilnehmer 
eine erhöhte Konzentration, was denselben automatisch langsamer fahren lasse. 
Dass der Beschuldigte Angst vor der beginnenden Mittelleitplanke gehabt habe, 
habe er bereits anlässlich der ersten Einvernahme angegeben. Auch der Zeuge 
H.D.________ habe bestätigt, dass die Verkehrssituation eine erhöhte Konzentra-
tion seinerseits erfordert habe. Daher sei davon auszugehen, dass die Geschwindig-
keit entsprechend angepasst worden sei. Es sei damit nicht erstellt, mit welcher Ge-
schwindigkeit der Beschuldigte nun exakt unterwegs gewesen sei, als er angeblich 
zu nahe aufgefahren sei (pag. 238 f.).

Den Ausführungen der Verteidigung kann nur bedingt gefolgt werden. Der Beschul-
digte gab selbst zu Protokoll, er sei mit normalem Tempo gefahren und die dortige 
Maximalgeschwindigkeit sei auf diesem Streckenabschnitt 80 km/h (pag. 5, Z. 86 ff.). 
Anlässlich der Hauptverhandlung konnte er nicht mehr sagen, wie schnell er nach 
dem Rugentunnel gefahren sei (pag. 113, Z. 12). Die Zeugen H.D.________, 
F.E.________ und H.E.________ sagten demgegenüber übereinstimmend aus, 
dass es eine Kolonne und stockender Verkehr mit ca. zehn Fahrzeugen gegeben 

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habe, die Fahrzeuge aber trotzdem mit einer Geschwindigkeit von 50-60 km/h ge-
fahren seien (pag. 8, Z. 70; pag. 12, Z. 40 f.; pag. 15, Z. 30 f.; pag. 117, Z. 10; pag. 
118, Z. 23 f.). Erstens ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte als Ortskundiger 
nicht von einem normalen Tempo gesprochen hätte (pag. 239), wenn er weniger als 
50 km/h bei der (ihm bekannten) zulässigen Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h 
gefahren wäre. Zweitens geben die Zeugen die Geschwindigkeit unabhängig von-
einander übereinstimmend an. Drittens ist bei einer zulässigen Höchstgeschwindig-
keit von 80 km/h (Aussage Beschuldigter, pag. 5, Z. 92) nicht davon auszugehen, 
dass bei einem Kolonnenverkehr in diesem Strassenabschnitt eine angepasste Ge-
schwindigkeit von 50 km/h auch bei diesen Gegebenheiten (Mittelleit- und Seiten-
planken) nicht möglich wäre, ansonsten die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht bei 
80 km/h liegen würde. Viertens haben die Zeugen den Kolonnenverkehr mit ihren 
Aussagen über die gefahrene Geschwindigkeit von 50-60 km/h bei zulässigen 80 
km/h offensichtlich berücksichtigt, hätten sie sonst nicht ausgesagt, in der Kolonne 
sei mit einer Geschwindigkeit von 50-60 km/h gefahren worden. Und Fünftens wäre 
den Zeugen notorischerweise ein naher Abstand bei einer geringeren Geschwindig-
keit weniger aufgefallen resp. hätte nicht zum Hupen geführt (pag. 5, Z. 77; pag. 8, 
Z. 38 ff.; pag. 12, Z. 37 ff.; pag. 5, Z. 44). Es ist daher davon auszugehen, dass die 
von den Zeugen unabhängig voneinander bezifferten Stundenkilometer der tatsäch-
lich gefahrenen Geschwindigkeit entsprachen, was sich grundsätzlich auch mit den 
Aussagen des Beschuldigten deckt. Entgegen der Ansicht des Beschuldigten ist da-
bei nicht von einer konstanten Geschwindigkeit auszugehen, sondern die Zeugen 
haben unabhängig voneinander ausgesagt, die Fahrzeuge hätten wegen des Ver-
kehrs mit einer Geschwindigkeit von 50-60 km/h fahren können (pag. 8, Z. 70; 
pag. 12, Z. 40 f.; pag. 15, Z. 30 f.; pag. 117, Z. 10; pag. 118, Z. 23 f.). Eine tiefere 
Geschwindigkeit als die 50 km/h ist nicht anzunehmen, was auch mit den Aussagen 
der Zeugin F.E.________ übereinstimmt, wonach sie im Moment der Vollbremsung 
ihrerseits ca. 50-60 km/h gefahren sei und der Beschuldigte nach der Vollbremsung 
wieder auf ca. 50-60 km/h beschleunigt habe (pag. 12, Z. 40 ff.). Auf die in Bezug 
auf die Geschwindigkeit im Vergleich zur gefahrenen Strecke widersprüchliche Aus-
sage des Zeugen H.D.________, wonach der Beschuldigte ihm während 30 – 40 s 
resp. ca. 100 m (pag. 116, Z. 34 f.) bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h (pag. 8, 
Z. 69 f.) nah aufgefahren sei, ist im Sinne der übereinstimmenden Aussagen bei der 
Beweiswürdigung über die Geschwindigkeit nicht weiter einzugehen (vgl. Ausführun-
gen Beschuldigter pag. 236 und nachfolgend Ziff. 9.7.3). Den Aussagen aller zufolge 
wird angenommen, dass die Geschwindigkeit im Rahmen von 50-60 km/h variiert 
hat, jedoch nicht unter 50 km/h (mit Ausnahme der mutmasslichen Stillstände [an-
gebliche Schikanestopps]) gefallen ist. Richtigerweise hat die Vorinstanz dabei zu-
gunsten des Beschuldigten die niedrigste Geschwindigkeit von 50 km/h angenom-
men (pag. 166). Auch die Kammer geht damit von einer Geschwindigkeit von 50 
km/h aus.

12

9.7 Zum Abstand

9.7.1 Vorinstanzliche Ausführungen

Zum Vorwurf des zu nahen Auffahrens führte die Vorinstanz Folgendes aus (S. 16 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 167 ff.):
H.D.________ gab an, dass der Beschuldigte ihm zu nahe aufgefahren sei, so dass er dessen Motor-
haube kaum noch bzw. nur noch einen Teil der Motorhaube gesehen habe (pag. 8 Z. 33-35; pag. 116, 
Z. 20 f.). Der Beschuldigte sei ihm während rund 30-40 Sekunden nahe aufgefahren (pag. 116 Z. 34). 
Seine Aussagen sind insofern glaubhaft, als er Gedankengänge schildert wie „Beim nächsten Blick in 
den Innenspiegel erschrak ich, da das Fahrzeug uns dermassen nahe auffuhr […]“ (pag. 8 Z. 33 f.), 
„[…] da die Situation für mich unter Anbetracht meiner ganzen Familie im Fahrzeug schon fast beängs-
tigend war“ (pag. 8 Z. 39 f.) und „Die aggressive und bedrängende Fahrweise des nachfahrenden Len-
kers in Verbindung mit dem stockenden Verkehr erforderte meinerseits eine erhöhte Konzentration, um 
der Situation gerecht zu werden.“ (pag. 8 Z. 42-44). Er schildert auch Spezielles wie beispielsweise, 
dass er die Motorhaube des BMW aufgrund des dermassen nahen Auffahrens zeitweise kaum noch 
habe sehen können (pag. 8 Z. 34 f.) oder dass er durch den Spiegel einen Teil der Motorhaube und die 
Hände am Lenkrad gesehen habe (pag. 116 Z. 20 f.). Ebenfalls für seine Glaubwürdigkeit sprechen, 
dass er infolge des nahen Auffahrens den Warnblinker betätigt haben will, um den Beschuldigten zu 
warnen (pag. 8 Z. 35-37; pag. 116 Z. 36 f.), und die von ihm erwähnte Nebensächlichkeit, wonach seine 
Frau nach einem Blick zurück bemerkt habe, dass der Beschuldigte den Mittelfinger gezeigt habe 
(pag. 8 Z. 41 f.). H.D.________ weist auch darauf hin, wenn er sich nicht sicher ist. So gab er an, nach-
dem er den Warnblinker gesetzt habe, die Hupe eines Fahrzeugs gehört zu haben, wobei er sich nicht 
sicher sei, ob es die Hupe des Beschuldigten gewesen sei (pag. 8 Z. 36-39). Seine Aussagen sind denn 
auch konstant. Illustrativ hierzu sind die Aussagen zum nahen Auffahren (pag. 8 Z. 33-35; pag. 116 
Z. 20 f.) und betreffend den Warnblinker (pag. 8 Z. 35-37; pag. 116 Z. 36 f.). Schliesslich spricht für 
H.D.________, dass nicht er, sondern H.E.________ die Anzeige gemacht hat (pag. 8 Z. 60 f.).
F.E.________ bestätigt die Aussage von H.D.________, dass der Beschuldigte nach dem Rugentunnel 
bei der Auffahrt auf die Autostrasse das Auto der Familie D.________ extrem bedrängt habe (pag. 12 
Z. 34 f.). Sie gibt dazu spezielle Nebensächlichkeiten wieder wie etwa „Er [der Beschuldigte] fuhr nach 
links und rechts. Er fuhr sogar rechts die [sic!] Auffahrtspur und drängelte weiter.“ (pag. 12 Z. 35-36; 
vgl. pag. 118 Z. 27), „Ich habe dann auch gehupt, um zu zeigen, dass es nun reichen würde.“ (pag. 12 
Z. 38 f.; vgl. pag. 118 Z. 32) und „Man hat sich dann gegenseitig den Mittelfinger gezeigt.“ (pag. 12 
Z. 40). Auch sie weist darauf hin, wenn sie sich nicht sicher ist: Sie habe ein Hupen gehört, könne aber 
nicht sagen, ob es vom Beschuldigten oder von H.D.________ gekommen sei (pag. 12 Z. 36 f.). Ihre 
Aussagen können als konstant bezeichnet werden, was beispielsweise die Angaben zum Drängeln 
(pag. 12 Z. 38 f.; pag. 118 Z. 32) und zum Hupen (pag. 12 Z. 38 f.; pag. 118 Z. 32) beweisen. Anlässlich 
der Hauptverhandlung hat sie ihre Angaben zum vom Beschuldigten eingehaltenen Abstand dahinge-
hend präzisiert, dass der Beschuldigte nicht mehr hätte bremsen können, wenn der Vordere hätte brem-
sen müssen (pag. 118 Z. 18 f.) und der Beschuldigte H.D.________ näher als eine Wagenlänge auf-
gefahren sei (pag. 118 Z. 23).
Auch H.E.________ bestätigt die Aussagen von H.D.________ bezüglich des zu nahe Auffahrens 
(pag. 15 Z. 39-42: „Dann fuhr der rote BMW sehr stark dem vorderen Fahrzeug der Familie D.________ 
auf […]. Er fuhr dem Fahrzeug der Familie D.________ fast in den Kofferraum, so stark bedrängte er 
diese.“). Für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechen die ausgefallenen Nebensächlichkeiten, 
welche H.E.________ schildert. Beispielsweise sagt er aus, dass der schwarze Kleinwagen, der 

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zunächst vor dem Beschuldigten gefahren sei, nach dem Rugentunnel auf eine Ausweichstelle gefah-
ren sei, weil er sich wohl durch den Beschuldigten bedrängt gefühlt habe (pag. 15 Z. 35-37) und dass 
der Beschuldigte dem Fahrzeug der Familie D.________ beinahe in den Kofferraum gefahren sei 
(pag. 15 Z. 41 f.). Die Schilderung betreffend den schwarzen Kleinwagen ist insofern zu relativieren, als 
es auf dem fraglichen Streckenabschnitt gemäss Google Street View und wie von der Verteidigung 
ausgeführt (pag. 125) gar keine Ausweichstelle gibt. Die unterschiedliche Aussage von H.E.________ 
betreffend die Farbe des Fahrzeugs, das auf eine Ausweichstelle gefahren sei, nämlich schwarz bei 
der Polizei (pag. 15 Z. 35-37) und weiss an der Hauptverhandlung (pag. 120), ist auf die Zeitspanne 
zwischen diesen Aussagen bzw. das mit der Zeit abnehmende Erinnerungsvermögen zurückzuführen 
und ändert nichts an der grundsätzlichen Glaubwürdigkeit von E.________. An der Hauptverhandlung 
hat H.E.________ die Schilderung von F.E.________, wonach der Beschuldigte nicht mehr hätte brem-
sen können, wenn der Vordere (plötzlich und stark) hätte bremsen müssen (pag. 120), bestätigt. Er hat 
zudem präzisiert, dass der Abstand des Beschuldigten zu H.D.________ ca. eine Wagenlänge betra-
gen habe und er diesem ca. eine halbe Minute oder eine Minute nahe aufgefahren sei (pag. 120). Eine 
Aggravation bzw. so von den anderen Beteiligten nicht geschildert, ist seine Aussage, wonach der Be-
schuldigte mehrmals die Lichthupe betätigt und gehupt haben soll (pag. 15 Z. 40 f.). Diese Aussage hat 
er an der Hauptverhandlung auch nicht wiederholt. 
Der Beschuldigte verneinte ein zu nahes Auffahren bei der Polizei (pag. 4 Z. 53-60), bei der Staatsan-
waltschaft (pag. 51 Z. 96-101: Er glaube, dass man gar nicht so nahe heranfahren könne, dass man 
die Motorhaube nicht sehen könne. Er sei nicht lebensmüde. Er sei sicher nicht so nahe aufgefahren. 
Er sei nicht bewusst nahe aufgefahren oder es wäre ihm nicht aufgefallen, dass es zu nahe gewesen 
wäre) und auch an der Hauptverhandlung (pag. 113 Z. 29 f.: „Ich bin nicht zu nahe aufgefahren. Ich will 
weder mich selbst noch jemand anderen gefährden und so etwas tun.“).
Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen der Zeugen H.D.________, F.E.________ und 
H.E.________ ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte dem Fahrzeug von H.D.________ 
während mindestens 30 Sekunden sehr nahe aufgefahren ist. Dies entspricht bei einer Geschwindigkeit 
des Beschuldigten von 50 km/h einer Strecke von rund 416m (50 km/h = 13.88 m/s; 13.88 m x 30 s 
= 416.4 m). Vorab ist festzuhalten, dass das Schätzen von Abständen im rollenden Verkehr per se 
schwierig und deshalb mit Ungenauigkeiten behaftet ist. Im vorliegenden Fall haben nur die Zeugen 
F.E.________ und H.E.________ eine objektive Hilfsgrösse betreffend den eingehaltenen Abstand 
durch den Beschuldigten verwendet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie sich im Fahrzeug hinter 
dem Beschuldigten befanden und ihnen eine Schätzung des Abstands mit einer objektiven Hilfsgrösse 
folglich leichter fiel als H.D.________, der das Fahrzeug des Beschuldigten nur in den Spiegeln sah. 
Der Ansicht der Verteidigung, wonach H.D.________ aufgrund des Feriengepäcks wohl nur beschränkt 
bzw. gar nicht nach aussen gesehen haben könne (pag. 123), kann nicht gefolgt werden. Auch bei 
einem beladenen Auto kann ein nahes Auffahren mithilfe der Spiegel, insbesondere der Aussenspiegel 
(pag. 116 Z. 35), festgestellt werden. Dass der Zeuge H.D.________ eine gute Sicht nach aussen und 
in den Wagen des Beschuldigten hatte, zeigt denn auch seine Beschreibung zum Verhalten des Be-
schuldigten betreffend Schikanestopp (Der Beschuldigte war angespannt, hielt seine Hand vor den 
Mund und sah nach unten, so als ob er im Innenraum etwas suchen würde: pag. 8 Z. 51-55), welche 
vom Beschuldigten bestätigt wird (Er habe nachgeschaut, ob ein Pedal eingeklemmt sei: pag. 113 Z. 
36).
F.E.________ und H.E.________ geben an, dass der Abstand des Beschuldigten zum vorderen Fahr-
zeug weniger als eine Wagenlänge bzw. ca. eine Wagenlänge betragen habe. Diese Schätzungen sind 
sehr ähnlich und die kleine Abweichung in der Distanzangabe auf die erwähnte Schwierigkeit, Distan-

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zen im rollenden Verkehr zu schätzen, zurückzuführen. Die Verteidigung rügt die Angabe der Hilfs-
grösse von F.E.________ anlässlich der Hauptverhandlung. Es sei unklar, wie sie so konkret aussagen 
könne, obwohl sie vorher noch nie eine Distanzangabe gemacht habe (pag. 124). Diesbezüglich kann 
festgehalten werden, dass F.E.________ bis zur Hauptverhandlung nur einmal bei der Polizei einver-
nommen wurde und bei dieser Befragung nicht nach einer konkreten Distanzangabe gefragt wurde. 
Dass sie und auch H.E.________ bei der polizeilichen Einvernahme keine Hilfsgrössen verwendet ha-
ben, ändert nichts an der Glaubhaftigkeit der beiden Aussagen betreffend die Distanzangabe. Das Fahr-
zeug des Beschuldigten, ein BMW Y.________ (1. Inverkehrssetzung am 01.09.19.________; vgl. 
pag 133-138) ist laut Wikipedia zwischen 4,75m und 4,81m lang (<https://de.wikipe-
dia.org/wiki/BMW_Y.>, abgerufen am 19.11.2019). Es ist davon auszugehen, dass F.E.________ und 
H.E.________ sich für die Bestimmung der Hilfsgrösse daran orientiert haben. In dubio für den Be-
schuldigten kommt das Gericht zum Schluss, dass der Abstand eine Wagenlänge betragen hat, also 
knapp 5 Meter. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h entspricht dies einem zeitlichen Abstand von 
0.36 Sekunden (50 km/h = 13.88 m/s; 5 m / 13.88 m/s = 0.36 s). E maiore minus ist dies auch vom 
Strafbefehl erfasst. Die Verteidigung führt aus, dass das Fahrzeug des Beschuldigten keine Fahrhilfen 
(ESP oder ABS) und auch keine Airbags habe, weshalb sich der Beschuldigte nur selbst in Gefahr 
gebracht hätte, wenn er so nahe aufgefahren wäre. Zudem sei der Beschuldigte nicht in Eile gewesen, 
weshalb er keine Motivation gehabt hätte, andere Fahrzeuge zu bedrängen (Plädoyer RA B.________: 
pag. 123; pag. 125 unten und pag. 126 oben). Diese Ausführungen ändern jedoch nichts am Beweiser-
gebnis, da mehrere Zeugen glaubhaft und übereinstimmend ein nahes Auffahren bestätigt haben. Auch 
wenn sich die Familien D.________ und E.________ kennen, erscheint dem Gericht eine Absprache 
aufgrund der dargelegten Besonderheiten der einzelnen Aussagen als unwahrscheinlich. Von der Ver-
teidigung wird weiter gerügt, dass die Zeugen an der Hauptverhandlung weniger detailreich ausgesagt 
hätten als bei der Polizei (pag. 124 f.). Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Gerichtsprä-
sidentin die Zeugen nur noch zu den wesentlichen Punkten befragt hat und andererseits darauf, dass 
das Ereignis im Zeitpunkt der Hauptverhandlung bereits ein Jahr zurücklag, womit an den Detaillie-
rungsgrad der Aussagen niedrigere Anforderungen zu stellen sind.

Somit ist von folgendem Sachverhalt auszugehen: Der Beschuldigte fuhr nach dem Rugentunnel auf 
der einspurigen Autostrasse bei dichtem Verkehr 50 km/h, wobei sich das Fahrzeug der Familie 
D.________ vor ihm und das Fahrzeug der Familie E.________ hinter ihm befand. Nach dem Rugen-
tunnel traten gemäss den Aussagen des Beschuldigten bereits erste technische Probleme auf in dem 
Sinne, dass das Auto des Beschuldigten „anfing, sich zu bewegen“, dies aber wieder aufhörte und das 
Auto zu dem Zeitpunkt noch nicht abbremste oder blockierte (EV StA: pag. 51 Z. 129 ff.). Danach fuhr 
der Beschuldigte dem Fahrzeug von H.D.________ während mindestens 30 Sekunden und rund 416 
m sehr nahe, d.h. mit einem Nachfahrabstand von 5 Metern bzw. 0.36 Sekunden, auf. Auf dieser Stre-
cke hat es auf der einspurigen Autostrasse eine Leitplanke (siehe Aussagen F.E.________: pag. 118 
Z. 35 ff.; Plädoyer RA B.________: pag. 126 unten und pag. 127 oben).

9.7.2 Ausführungen des Beschuldigten (pag. 233 ff.)

Der Beschuldigte macht zusammenfassend geltend, die Vorinstanz stütze sich bei 
der Feststellung des Fahrzeugabstandes einzig auf die Aussagen beider Zeugen 
E.________. Diese hätten die Abstandsgrösse erst an der Hauptverhandlung vorge-
bracht, was komisch anmute, vor allem, wenn dann beide noch genau die gleiche 
Vergleichsgrösse angeben würden. Zudem gebe die Vorinstanz an, dass sich das 
Fahrzeug der Zeugen E.________ hinter dem Fahrzeug des Beschuldigten befun-
den habe und ihnen eine Schätzung des Abstandes mit einer objektiven Hilfsgrösse 

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folglich leichter gefallen sei als dem Zeugen D.________, welcher vor dem Auto des 
Beschuldigten gefahren sei. Wenn zwei Autos im stockenden Kolonnenverkehr hin-
tereinanderfahren würden, müsse das hintere Auto extrem viel höher und grösser 
sein, um über das vorangehende Auto hinausschauen zu können und so den Ab-
stand zum vordersten Auto wahrnehmen zu können. 

Weiter führt der Beschuldigte aus, ein so nahes Auffahren, dass die Motorhaube 
nicht mehr sichtbar sei, sei gar nicht möglich. Selbst bei einer stehenden Fahrzeug-
kolonne sei zu jeder Zeit die Motorhaube eines nachfahrenden Fahrzeuges zu se-
hen. Das Fahrzeug des Beschuldigten sei zwar älter, doch es sei weder tiefergelegt 
noch habe es eine unübliche Karosserieform. Es sei somit zu jeder Zeit in einem 
korrekt eingestellten Rückspiegel wahrnehmbar gewesen. Wie viel der Fahrer des 
vorderen Fahrzeuges denn schlussendlich wahrnehme, hänge von verschiedenen 
Faktoren ab. Um somit genau herausfinden zu können, was H.D.________ wirklich 
gesehen habe, müssten die beiden Fahrzeuge in exakt gleicher Konstellation nach-
gestellt werden. 

Hinzu komme, dass der Abstand zum Auto des Beschuldigten für beide Zeugen auch 
dadurch schlecht einschätzbar gewesen sei, da das Fahrzeug bedingt durch den 
technischen Defekt links und rechts ausgeschert sei. Diese Unregelmässigkeiten 
würden das Bild im Rückspiegel sehr schnell verändern, was ein genaues Abschät-
zen schwierig mache. Auch für die Zeugen E.________ im nachfolgenden Fahrzeug 
müsse dies eine Schätzung erschwert haben. 

Sodann führt der Beschuldigte aus, die Aussage des Zeugen H.D.________ sei wi-
dersprüchlich. Er habe ausgesagt, dass der Beschuldigte ihm während 30 – 40 s 
resp. ca. 100 m grob geschätzt nah aufgefahren sei. Diese Aussage sei in sich wi-
dersprüchlich. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h, wie von der Vorinstanz ange-
nommen, würden 100 m einer Zeit von 7,2 s entsprechen, was also massiv unter der 
geschätzten Zeit vom Zeugen H.D.________ liege. Würde jedoch die Zeitangabe 
von ca. 35 s stimmen, entspräche dies einer Strecke von 483 m. Das heisse, dass 
sich der Zeuge H.D.________ entweder bezüglich der Zeit oder der Distanz grob 
verschätzt habe oder aber, dass die gefahrene Geschwindigkeit von 50 km/h nicht 
stimme. Aus den Aussagen der beiden Zeugen E.________ lasse sich diesbezüglich 
nichts ableiten.

Schlussendlich bringt der Beschuldigte vor, gemäss Zeuge H.D.________ habe sich 
bis zur Abzweigung Dorfstrasse Därligen ein schwarzer/weisser Kleinwagen zwi-
schen dem Auto des Beschuldigten und demjenigen von H.D.________ befunden. 
Dieser habe die Autobahn bei dieser Abzweigung verlassen. Zuvor habe es mangels 
Abzweigung gar keine Möglichkeit gegeben. Zudem sei die Strecke einspurig mit 
Sicherheitslinie geführt und es gebe keine Ausweichstelle. Das angeblich zu nahe 
Auffahren des Beschuldigten zum Fahrzeug der Familie D.________ habe sich also 
erst nach der Abzweigung Därligen abspielen können. Dies werde zudem durch die 
Aussage des Zeugen E.________ bestätigt. Die Stelle, wo die Mittelleitplanke be-
ginne, liege nur gerade 65 m von der Abzweigung Dorfstrasse Därligen entfernt. An 
dieser Stelle sei auch die Bremsung des Beschuldigten bis zum Stillstand erfolgt 
(angeblicher Schikane-Stopp). Folglich sei erstellt, dass das angebliche Drängeln 

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zwischen der Abzweigung Därligen und dem Beginn der Mittelleitplanke hätte pas-
sieren müssen. Diese Strecke messe aber nur 65 m. Um dem Fahrzeug von Zeuge 
D.________ näher als 5 m und mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h auffahren zu 
können, hätte der Beschuldigte auf dieser kurzen Strecke zuerst noch die Lücke 
schliessen müssen, die durch den erwähnten Kleinwagen bei dessen Abbiegen ent-
standen sei. Nach dem Schliessen der Lücke hätte er direkt dem Zeugen 
D.________ auffahren müssen. Dazu hätte der Beschuldigte nach der Abzweigung 
Dorfstrasse Därligen massiv beschleunigen müssen, dies unmittelbar und schnell. 
Doch dafür habe der Oldtimer, wie derjenige des Beschuldigten aus dem Jahr 
19.________, gar nicht genügend Leistung. Zudem habe sich der technische Defekt 
bereits zu diesem Zeitpunkt bemerkbar gemacht und das Fahrzeug sei nach links 
und rechts ausgeschert. Folglich könne ein unmittelbares und abruptes Beschleuni-
gen ausgeschlossen werden. Ein zu nahes Auffahren sei daher aus diesen Gründen 
nicht möglich gewesen. 

9.7.3 Würdigung durch die Kammer

Anders als der Beschuldigte sieht die Kammer in der gleichen Nennung des Ab-
stands von einer Fahrzeuglänge der Zeugen anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung keine Gründe, die die Glaubhaftigkeit der diesbezüglichen Aussagen in 
Frage stellen würden. Bereits anlässlich der ersten Einvernahme des Zeugen 
H.D.________ sagte dieser aus, er sei erschrocken, da das Auto des Beschuldigten 
ihnen dermassen nah aufgefahren sei, dieses sie offensichtlich bedrängt habe und 
er dessen Motorhaube infolge des dermassen nahen Auffahrens zeitweise kaum 
noch gesehen habe (pag. 8, Z. 33 ff.). Diese Aussage bestätigte er an der Hauptver-
handlung (pag. 116, Z. 20 ff.). Auch die Zeugin F.E.________ bestätigte ein extre-
mes Bedrängen anlässlich der ersten Einvernahme und gab dann in der Hauptver-
handlung auf die konkrete Frage betreffend den Abstand in Metern an, der Beschul-
digte sei näher als eine Wagenlänge aufgefahren (pag. 12, Z. 35; pag. 118, Z 23). 
Der Zeuge H.E.________ gab anlässlich der ersten Einvernahme zu Protokoll, der 
Beschuldigte sei der Familie D.________ fast in den Kofferraum gefahren, so stark 
habe er diese bedrängt (pag. 15, Z. 41 f.). Auf die konkrete Frage betreffend eine 
metrische Angabe des Abstands antwortete er in der Hauptverhandlung mit einer 
Wagenlänge (pag. 120). Bei Betrachtung dieser Aussagen fällt auf, dass offenbar 
anlässlich der ersten Einvernahme genaue metrische Angaben nicht erfragt wurden. 
Sodann weichen die Aussagen etwas voneinander ab. Während der Zeuge 
H.D.________ anlässlich der Hauptverhandlung keine genauen Aussagen über den 
Abstand machen konnte (pag. 116, Z. 27 ff.), gab die Zeugin F.E.________ an, die-
ser sei kleiner als eine Wagenlänge gewesen (pag. 118, Z. 23) und der Zeuge 
H.E.________ sprach von einer Wagenlänge (pag. 120). Dass beim Auffahren Hilfs-
grössen hinzugezogen werden und dabei der Abstand mit Autolängen verglichen 
wird, erscheint der Kammer durchwegs naheliegend und logisch. Die kleinen Abwei-
chungen der Aussagen zeigen dabei auf, dass sich die Zeugen nicht untereinander 
abgesprochen resp. nicht genauer darüber gesprochen haben. Auch bei einem sto-
ckenden Kolonnenverkehr mit einer gefahrenen Geschwindigkeit von mindes-
tens 50 km/h sind die Fahrzeuglenker verpflichtet, den entsprechenden Abstand ein-
zuhalten. Dieser Abstand erlaubt es, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug 

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insbesondere auch auf Fahrstrecken mit leichten Strassenwindungen wahrzuneh-
men. Entgegen der Ansicht des Beschuldigten konnten die Zeugen E.________ mit 
der Einhaltung des gebotenen Abstands zum Fahrzeug des Beschuldigten damit 
durchaus glaubhafte Aussagen über den Abstand des Beschuldigten zum Fahrzeug 
der Familie D.________ machen. Dabei kann offengelassen werden, ob bei stocken-
dem Kolonnenverkehr die Motorhaube immer zu sehen ist oder nicht, wollte der 
Zeuge H.D.________ mit seiner Aussage doch letztlich ausdrücken, dass der Be-
schuldigte sehr nahe aufgefahren sei. Sodann könnte zwar das abwechselnde 
Schwenken nach links und rechts – wie vom Beschuldigten angenommen und mit 
«Ausscheren» bezeichnet (pag. 236) – zu leichten optischen Täuschungen führen, 
jedoch führt dieses Schwenken einmal zu einem grösseren und einmal zu einem 
kleineren getäuschten Abstand und die Sichtweise der Zeugen E.________ auf 
diese Abstände dürfte aufgrund ihrer Sitzpositionen im Fahrzeug jeweils gegenteilig 
gewesen sein und damit keine grosse Rolle gespielt haben. Überdies ist eine Ein-
schätzung bei gerader Fahrt hintereinander notorisch schwieriger als wenn das vor-
angehende Fahrzeug seitlich ausschwenkt und das davorliegende Fahrzeug gese-
hen werden kann. Die Zeugen (namentlich F.E.________ sowie H.D.________ als 
Fahrzeuglenker) hatten als weitere Verkehrsteilnehmer auch auf den Verkehr zu 
achten und unterschiedliche Blickwinkel auf das Fahrzeug des Beschuldigten. Klei-
nere Abweichungen sind daher ohne Weiteres nachvollziehbar und sprechen nicht 
gegen die Glaubhaftigkeit von deren Aussagen. Sodann waren sich die Zeugen 
E.________ in den Grundzügen über den Abstand mit rund einer Wagenlänge einig, 
wobei die Vorinstanz diese grosszügigerweise von 4.81 m auf 5 m aufgerundet hat 
(pag. 178 f.). Letztendlich müsste der mindestens genügende Abstand bei einer Ge-
schwindigkeit von 50 km/h (13.88 m/s) ausgehend von einem für die Abgrenzung der 
groben von der einfachen Verkehrsverletzung als Richtschnur massgebenden Ab-
standszeit von 0.6 s (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2.2; Urteil des Bundesgerichts 
6B_848/2016 vom 13. Februar 2017 E. 1.3.3, vgl. auch die nachfolgenden rechtli-
chen Ausführungen Ziff. III.11.2) mehr als 8 m betragen haben. Weshalb die Anga-
ben der beiden Zeugen E.________ mit deren Beschreibung von einer Wagenlänge 
resp. sogar davon, dass der Beschuldigte näher als eine Wagenlänge aufgefahren 
sei (pag. 118, Z. 23), völlig danebenliegen sollten, ist nicht einzusehen, zumal eine 
um 60 % grössere Länge von mehr als 8 m deutlich von einer einfachen Länge von 
5 m unterschieden werden kann.

Der Beschuldigte selbst verneinte das nahe Auffahren anlässlich der ersten Einver-
nahme (pag. 4, Z. 53-60). Anlässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft 
gab er sodann zu Protokoll, man könne gar nicht so nahe ranfahren, dass man die 
Motorhaube nicht sehen könne. Er sei nicht lebensmüde, habe keinen Airbag und 
kein ABS. Er sei sicher nicht so nahe aufgefahren. Auf die explizite Frage, ob er nahe 
aufgefahren sei, antwortete er: «nicht bewusst. Es wäre mir nicht aufgefallen, dass 
es zu nahe wäre» (pag. 51, Z. 96-101). An der Hauptverhandlung sagte er schliess-
lich aus, er sei nicht zu nahe aufgefahren. Er wolle weder sich selbst noch jemand 
anderes gefährden (pag. 113, Z. 29 f.). Die Aussagen des Beschuldigten dazu, dass 
er nicht lebensmüde sei und keinen Airbag und kein ABS habe, sprechen vorder-
gründig für deren Glaubhaftigkeit. Bei näherer Betrachtung erscheinen diese Aussa-
gen aber – wie oben dargestellt – als blosse Schutzbehauptungen. Ein fehlendes 

18

ABS führt bekanntermassen nicht unbedingt zu einem längeren Bremsweg. Mit der 
Aussage vor der Staatsanwaltschaft, er sei «nicht bewusst» nahe aufgefahren, 
schloss der Beschuldigte zudem selbst nicht aus, dass er doch zu nahe aufgefahren 
sei (pag. 51, Z. 101). Weiter nannten zwei Zeugen unabhängig voneinander den Ab-
stand von einer Wagenlänge, und die Inkaufnahme eines Auffahrunfalls bei zu na-
hem Abstand ist inhärent. Typisch für ein Drängeln ist weiter das abwechselnde Aus-
schwenken nach links und nach rechts (pag. 12, Z. 35 f.; pag. 15, Z. 34; pag. 118, 
Z. 27), was von der Verteidigung als «Ausscheren» bezeichnet wurde (pag. 236). 
Dass dieses Ausschwenken nicht im Zusammenhang mit dem «Schlagen des Lenk-
rades» gestanden hat, wird im nachfolgenden Abschnitt erörtert. Sodann hätte der 
Beschuldigte, insbesondere nach dem ersten Bewegen des Lenkrades nach dem 
Rugentunnel (pag. 49, Z. 40; pag. 51 Z. 129 ff.), den Abstand wegen sicherheitstech-
nischer Bedenken gar vergrössern (vgl. GIGER, Kommentar zum Strassenverkehrs-
gesetz, 8. Auflage 2014, N 24 zu Art. 34 SVG) oder aber den Pannenstreifen benut-
zen sollen, was er indessen weder je ausgesagt noch getan hat. Er selbst sagte 
dazu, er habe gedacht, es sei nicht so schlimm und er sei normal weitergefahren 
(pag. 51, Z. 130). Dies hätte er nicht gesagt, wenn er tatsächlich in Panik geraten 
wäre (pag. 4, Z. 30; pag. 49, Z. 45). Diese Aussage erscheint in der von ihm be-
schriebenen Situation weder logisch noch sinnvoll. Es ist vielmehr davon auszuge-
hen, dass er gedacht hat, es sei nicht so schlimm und er zumindest aus seiner Sicht 
«normal» weitergefahren ist, bis das Lenkrad angefangen hat zu schlagen. Wann 
dies genau war, ist nachfolgend zu würdigen.

Den Aussagen des Beschuldigten zufolge fing das Lenkrad nach dem Rugentunnel 
an sich zu bewegen (pag. 51, Z. 129 ff.). Danach hörte es auf, bis es nach seinen 
eigenen Aussagen bei der nächsten Ausfahrt, welche er als Leissigen bezeichnete, 
blockierte (pag. 51, Z. 131). Es habe angefangen zu schlagen, und dort sei eine 
Kurve nach der Ausfahrt gewesen, wo es ihn abgebremst habe (pag. 52, Z. 140 ff.). 
Der Beschuldigte ist in der Gegend um den Brienzersee aufgewachsen (pag. 239), 
in G.________ in die Schule gegangen (pag. 112, Z. 16) und wollte – gemäss seinen 
eigenen Angaben – von seinen Eltern von G.________ aus eine Rundfahrt nach 
Thun machen, wobei er nach Interlaken und über die alte Strasse über Brienz nach 
Interlaken wieder nach G.________ fahren wollte (pag. 113, Z. 3 f.; pag. 113, Z. 7 f.; 
pag. 115, Z. 1 ff.). Die Verteidigung bezeichnet den Beschuldigten als ortskundig und 
führt aus, er kenne den entsprechenden Strassenabschnitt (pag. 239). Der Beschul-
digte gab selbst an, das Blockieren sei in der Kurve nach der Ausfahrt gewesen, 
wobei mit der Ausfahrt die Ausfahrt Därligen gemeint sein muss (pag. 52, Z. 140 ff.). 
Entgegen der Behauptung der Verteidigung kann aus der Aussage der Zeugin 
F.E.________ nicht gefolgt werden, dass das angebliche Drängeln zwischen der 
Ausfahrt Därligen und dem Beginn der Mittelleitplanke, mithin innert einer Strecke 
von 65 m hätte sein müssen. Folgt man der Aussage der Zeugin F.E.________, so 
war das nahe Auffahren auch dort, wo es «in der Mitte wieder eine Leitplanke hat» 
(pag. 118, Z. 35 f.). Dies stimmt auch mit den Aussagen der beiden anderen Zeugen 
überein, wonach bis zur Ausfahrt Därligen zwischen dem Fahrzeug des Zeugen 
H.D.________ und demjenigen des Beschuldigten noch ein Fahrzeug gefahren ist 
(wobei der Zeuge H.D.________ vor der Ausfahrt bemerkt haben soll, dass sich der 
Beschuldigte nun direkt hinter ihm befinde [pag. 8, Z. 32], und auch gemäss dem 

19

Zeugen H.E.________ das zwischen dem Zeugen H.D.________ und dem Beschul-
digten befindliche Fahrzeug vor der Ausfahrt Därligen ausgewichen und den Be-
schuldigten durchgelassen haben soll [pag. 15, Z. 32; pag. 120]). Die Kammer stellt 
dabei fest, dass das angeklagte nahe Auffahren ab der Ausfahrt Därligen Richtung 
Leissigen – mithin dem Streckenabschnitt der Umfahrung von Därligen zwischen der 
Ausfahrt und der Einfahrt Därligen in Fahrtrichtung Spiez – hat stattfinden müssen. 
Dies auch in Übereinstimmung mit der Aussage des Beschuldigten, wonach das 
Schlagen in der Kurve nach der Ausfahrt angefangen habe (pag. 52, Z. 140 ff.). Auch 
bei dieser Ausfahrt ist diejenige von Därligen gemeint. Bei genauer Betrachtung der 
Situation und der Aussagen des Beschuldigten muss es sich bei der von ihm ge-
nannten Kurve, bei welcher das Fahrzeug zu schlagen begonnen hat, um die S-
Kurve rund einen Kilometer nach der Ausfahrt Därligen handeln. Der Beschuldigte 
sagte nämlich aus, das Blockieren sei bei der Ausfahrt Leissigen gewesen (pag. 51, 
Z. 130 f.), was er als Ortskundiger nicht gesagt hätte, wenn das Blockieren unmittel-
bar bei der Ausfahrt Därligen gewesen wäre. Weiter hat es nach der Ausfahrt Därli-
gen in Fahrtrichtung Leissigen – wie auf der ganzen Strecke nach dem Rugentunnel 
bis zur besagten S-Kurve – nur kleine Strassenwindungen. Von einer eigentlichen 
Kurve, bei welcher der Beschuldigte unter den gegebenen Umständen bei einer 
Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h wegen der Kurve selbst allenfalls hat bremsen 
müssen (pag. 52, Z. 141 f.), ist erst rund einen Kilometer nach der Ausfahrt Därligen, 
d.h. kurz vor der Einfahrt Därligen zu sprechen. Dies stimmt sodann auch mit den 
Aussagen der Zeugen überein, wonach der Beschuldigte nach der Ausfahrt Därligen, 
dort wo sich die Mittelleitplanke befinde, während rund 30-40 s bei einem Tempo von 
50 km/h zu nahe aufgefahren sei. Anders als von der Verteidigung ausgeführt, hätte 
der Beschuldigte bei einem Tempo von 50 km/h (13.89 m/s) nämlich in diesem Stre-
ckenabschnitt während rund 70 s näher auffahren können, bis die Kurve einen Kilo-
meter nach der Ausfahrt und vor der Einfahrt Därligen kam. Wie die Vorinstanz geht 
aber auch die Kammer im Zweifel für den Beschuldigten von 30 s aus. Zwar sind die 
Aussagen des Zeugen H.D.________ – wie vom Beschuldigten vorgebracht – nicht 
stimmig, wonach der Beschuldigte während 30-40 s 100 m zu nahe aufgefahren sei, 
da bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h und einer Zeit von 30 s 416 m (30x13.89) 
und nicht nur 100 m zurückgelegt werden. Diese Unstimmigkeit kommt aber daher, 
dass metrische Schätzungen während der Fahrt für Laien oftmals schwierig vorzu-
nehmen sind und sich der Zeuge H.D.________ zu diesem Zeitpunkt nicht primär 
auf die zurückgelegten Meter, sondern auf die Fahrweise des Beschuldigten kon-
zentriert haben dürfte (vgl. pag. 8, Z. 43 f.). Sodann spricht diese abweichende Aus-
sage deutlich für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Zeugen H.D.________, da 
er direkt schilderte, wie er es empfunden hat und dabei das Auffahren auf eine kurze 
Distanz herunterspielt. Bei einfacher Berechnung des Tempos und der Zeit hätte der 
Zeuge H.D.________ aber schnell bemerken müssen, dass die zurückgelegte Di-
stanz weder mit der Zeit noch mit dem Tempo übereinstimmen kann. Dass er dies 
nicht hinterfragt hat, zeigt jedoch, dass er die Tatsachen so wiedergegeben hat, wie 
er sie subjektiv wahrgenommen hat. Sodann stimmt die zeitliche Angabe mit derje-
nigen vom Zeugen E.________ überein, hat dieser auch von einer halben Minute 
oder einer Minute gesprochen (pag. 120). Aussagen des Beschuldigten hierzu gibt 

20

es konsequenterweise nicht. In dubio pro reo ist nach dem Gesagten von ca. einer 
halben Minute auszugehen. 

Es ist festzuhalten, dass grundsätzlich alle gemachten Aussagen der Zeugen glaub-
haft sind und übereinstimmen. Die Aussagen über das Hupen, den Warnblinker und 
das Zeigen des Mittelfingers stellen dabei unbeachtliche Nebensächlichkeiten dar, 
welche die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Befragten eher stärkt. Für die Kammer 
ist damit in Ergänzung zum unbestrittenen Sachverhalt erstellt, dass der Beschul-
digte am 6. Oktober 2018 mit seinem Fahrzeug BMW mit dem Kennzeichen 
BE.________ dem Fahrzeug der Familie D.________ mindestens mit Tempo 50 
km/h vom Rugentunnel in Fahrtrichtung Spiez folgte. Kurz nach dem Rugentunnel 
bewegte sich das Lenkrad des Beschuldigten, worauf es wieder aufhörte. Bis zur 
Ausfahrt Därligen befand sich ein Fahrzeug zwischen demjenigen des Beschuldigten 
und demjenigen der Familie D.________. Nach der Ausfahrt Därligen während rund 
30 s und einigen hundert Metern (rund 400 m) fuhr der Beschuldigte der Familie 
D.________ mit einem Abstand von einer Wagenlänge (5 m) und einer Geschwin-
digkeit von 50 km/h, was rechnerisch einen Abstand von 0.36 s ergibt, nach. In der 
Kurve rund einen Kilometer nach der Ausfahrt Därligen in der Umfahrung von Därli-
gen und vor der Einfahrt von Därligen in Fahrtrichtung Spiez fing das Lenkrad an zu 
schlagen. Der Beschuldigte bremste wegen der Kurve und danach bremste das 
Fahrzeug selbständig, weil der Kolben verklemmt war. Der Beschuldigte konnte aber 
wieder losfahren und verliess bei Leissigen die Autostrasse, woraufhin sein Fahr-
zeug durch den Pannendienst abgeschleppt wurde.

III. Rechtliche Würdigung

10. Vorbemerkungen

Vorab ist festzuhalten, dass der erstinstanzliche Freispruch von der Anschuldigung 
der groben Verletzung der Verkehrsregeln, angeblich begangen durch zweimaliges 
unbegründetes starkes Abbremsen (Schikane-Stopp), in Rechtskraft erwachsen ist.

Bezüglich der rechtlichen Ausführungen dazu ist auf die erstinstanzlichen Erwägun-
gen zu verweisen (pag. 178 ff., S. 27 ff. der Urteilsbegründung). 

11. Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtwahren eines ausreichenden Ab-
standes beim Hintereinanderfahren

11.1 Vorbringen des Beschuldigten (pag. 242 ff.)

Die Verteidigung bringt namens des Beschuldigten insbesondere vor, die Annah-
men, dieser habe während mindestens 30 s bzw. einer Strecke von mindestens 
416 m zum Zeugen H.D.________ lediglich einen Nachfahrabstand von 5 m bzw. 
0,36 s eingehalten, beruhten auf ungenauen und unbewiesenen Angaben. Aufgrund 
der gesamten Umstände sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte in besagtem 
Moment langsamer unterwegs gewesen sei und zudem einen Abstand von mehr als 
einer Wagenlänge eingehalten habe, folglich der objektive Tatbestand nicht erfüllt 
sei. 

21

Zum subjektiven Tatbestand führt die Verteidigung zusammengefasst aus, gemäss 
Bundesgericht dürfe nicht unbesehen von der objektiven auf die subjektive Verkehrs-
regelverletzung geschlossen werden, was die Vorinstanz jedoch getan habe. Das 
angeblich zu nahe Auffahren sei zusammen mit dem Defekt passiert. Der Beschul-
digte sei somit hauptsächlich damit beschäftigt gewesen, Herr über sein defektes 
Fahrzeug zu werden und dieses in der Spur resp. Kolonne zu halten, ohne sich oder 
die anderen Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Der Beschuldigte sei nicht zu nahe 
aufgefahren und selbst wenn dem so gewesen wäre, dann sicherlich nicht bewusst. 
Der Beschuldigte sei nicht aggressiv oder gefährlich gefahren, sondern habe eben 
gerade alles unternommen, um dies möglichst zu unterlassen resp. eine Gefahr ab-
zuwenden. Daher sei auch der subjektive Tatbestand nicht erfüllt (pag. 243 f.). 

11.2 Theoretische Ausführungen

Gemäss Art. 34 Abs. 4 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) ist gegenü-
ber allen Strassenbenützern ein ausreichender Abstand einzuhalten, namentlich 
beim Hintereinanderfahren. Was unter einem «ausreichenden Abstand» im Sinne 
von Art. 34 Abs. 4 SVG zu verstehen ist, hängt von den gesamten Umständen ab. 
Dazu gehören unter anderem die Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse sowie 
die Beschaffenheit der beteiligten Fahrzeuge (BGE 131 IV 133 E. 3.1 mit Hinweisen). 

Nach Art. 90 Abs. 1 SVG wird bestraft, wer die Verkehrsregeln dieses Gesetzes oder 
der Vollziehungsvorschriften des Bundesrats verletzt. Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt, wer 
durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit 
anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. In objektiver Hinsicht setzt die Annahme einer 
einfachen Widerhandlung die Verletzung einer Verkehrsregel oder Vollziehungsvor-
schrift des Bundesrats und diejenige einer schweren Widerhandlung bzw. einer gro-
ben Verkehrsregelverletzung voraus, dass dabei die Verkehrssicherheit ernsthaft ge-
fährdet wurde. Dabei genügt eine erhöhte abstrakte Gefährdung (statt vieler vgl. Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_1139/2019 vom 3. April 2020, E. 2.2.).

Die Vorinstanz stellte die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der groben Ver-
letzung der Verkehrsregeln durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes 
beim Hintereinanderfahren (Art. 90 Abs. 2 i.V.m. 34 Abs. 4 SVG) grundsätzlich kor-
rekt dar; es kann darauf verwiesen werden (pag. 174 ff, S. 23 ff. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). Ergänzend bzw. hervorhebend ist diesbezüglich (nochmals) 
Folgendes festzuhalten:

Die Rechtsprechung hat keine allgemeinen Grundsätze zur Frage entwickelt, bei 
welchem Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei günstigen Verhältnissen, eine einfache 
Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist. Im Sinne von Faustregeln wird für Perso-
nenwagen auf die Regel «halber Tacho» (entsprechend 1,8 s) und die «Zwei-
Sekunden»-Regel abgestellt (zum Ganzen BGE 131 IV 133 E. 3.1 mit Hinweisen). 
Für die Beurteilung, ob eine grobe Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist, wird 
auf Autobahnen als Richtschnur die Regel «1/6-Tacho» bzw. ein Abstand von 0,6 s 
herangezogen (statt vieler vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1139/2019 vom 3. April 
2020, E. 2.2.).

https://www.swisslex.ch/doc/aol/db8a747d-9ced-486e-8bbd-2d2315445e4e/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/db8a747d-9ced-486e-8bbd-2d2315445e4e/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/687e548b-1f29-4276-9d8d-10a67e4e1278/citeddoc/f260ad41-e903-4fab-aade-39478128ae45/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/30b154f1-de04-4ff2-9856-88eef2163663/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/687e548b-1f29-4276-9d8d-10a67e4e1278/citeddoc/f260ad41-e903-4fab-aade-39478128ae45/source/document-link

22

Wie die Vorinstanz ausführte, anerkannte das Bundesgericht zwar, dass im dichten 
Stadtverkehr nicht strikte auf die «Zwei-Sekunden»- oder «halber Tacho»-Regel ab-
gestellt werde könne, pflichtete jedoch bei, dass diese Regel auf Autobahnen unver-
zichtbar sei, selbst wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht ausgefahren 
werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_502/2016 vom 13. September 2016 
E. 2 f.). 

Weiter kann auch bei Unterschreitung des Mindestabstandes auf einer verhältnis-
mässig kurzen Strecke eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer Verkehrs-
teilnehmer und damit eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln angenommen wer-
den (Urteil des Bundesgerichts 6B_534/2008 vom 13. Januar 2009 E. 3.5.: ungenü-
gender Abstand während einer Strecke von mindestens 300 m auf der Autobahn).

Der Tatbestand von Art. 90 Abs. 1 SVG kann sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig 
begangen werden (Art. 100 Ziff. 1 SVG). Subjektiv erfordert der Tatbestand von 
Art. 90 Abs. 2 SVG nach der Rechtsprechung ein rücksichtsloses oder sonst schwer-
wiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrlässi-
gem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit (BGE 142 IV 93 E. 3.1; 131 IV 133 
E. 3.2; 130 IV 32 E. 5.1.; 126 IV 192 E. 3.; 123 IV 88 E. 2a und 4a; 118 IV 285 E. 4.). 
Der Täter muss sowohl die grobe Verkehrsregelverletzung als auch die Schaffung 
der Gefahr zumindest in Kauf nehmen, wobei Inkaufnehmen nicht Eventualvorsatz 
meint, sondern bloss grobe Fahrlässigkeit (FIOLKA, in: Niggli/Probst/Waldmann 
[Hrsg.], Basler Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, 2. Auflage 2014, N 93 zu 
Art. 90 SVG). Diese ist zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlich-
keit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kann aber 
auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflicht-
widrig gar nicht in Betracht gezogen, also unbewusst fahrlässig gehandelt hat 
(BGE 130 IV 32 E. 5.1. mit Hinweis). In solchen Fällen ist grobe Fahrlässigkeit zu 
bejahen, wenn das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf 
Rücksichtslosigkeit beruht (BGE 118 IV 285 E. 4. mit Hinweisen). Rücksichtslos ist 
unter anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Die-
ses kann auch in einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung 
fremder Interessen bestehen (BGE 131 IV 133 E. 3.2.; Urteil des Bundesgerichts 
6B_1139/2019 vom 3. April 2020, E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_112/2016 
vom 6. Juni 2016 E. 1.3.1.). 

Ergänzend zu den vorinstanzlichen Erwägungen ist – wie dies vom Beschuldigten 
zu Recht vorgebracht wurde – darauf hinzuweisen, dass die Annahme von Rück-
sichtslosigkeit restriktiv zu handhaben ist. Das Bundesgericht hat in BGE 142 IV 93 
E. 3.1 erläutert, es dürfe nicht unbesehen von einer objektiven auf eine subjektiv 
schwere Verkehrsverletzung geschlossen werden, denn nicht jede Unaufmerksam-
keit, die wegen der Schwere des Erfolgs objektiv als gravierende Verletzung der Vor-
sichtsplicht zu betrachten ist, wiege auch subjektiv schwer. In diesem Entscheid ging 
es um das Rechtsüberholen, wobei das Bundesgericht in concreto keine abstrakt 
gesteigerte Gefährdungs- oder Unfallgefahr infolge des (passiven) Rechtsvorfahrens 
aufgrund der konkreten Verkehrssituation sah. Der Beschuldigte sei mit (annähernd) 
identischer Geschwindigkeit unmittelbar hinter respektive teilweise neben den Fahr-
zeugen der ersten Überholspur gefahren und habe nicht zu diesen aufgeschlossen. 

23

Der aus dem Verbot des Rechtsüberholens fliessende Vertrauensgrundsatz greife 
demnach nicht und die Fahrzeuglenker auf der ersten Überholspur hätten nicht dar-
auf vertrauen können, dass sich auf der Normalspur hinter ihnen kein Fahrzeug be-
finde oder sich nähere (BGE 142 IV 93 E. 5.3).

11.3 Subsumtion

Bei der Abstandsregel von Art. 34 Abs. 4 SVG handelt es sich um eine wichtige 
Verkehrsregel von grundlegender Bedeutung. Sie soll gewährleisten, dass das nach-
folgende Fahrzeug bei überrraschendem Bremsen des vorderen Fahrzeugs recht-
zeitig zum Stillstand gebracht werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_502/2016 vom 13. September 2016 E. 3). Mit dem Auffahren während rund 30 s 
resp. einigen hundert Metern, einem Abstand von einer Wagenlänge (5 m) und der 
Geschwindigkeit von 50 km/h bzw. einem zeitlichen Nachfahrabstand von 0.36 s ist 
klar, dass der Beschuldigte das Fahrzeug bei überraschendem Bremsen des vorde-
ren Fahrzeugs nicht mehr rechtzeitig hätte zum Stillstand bringen können. Er vers-
tiess daher offensichtlich gegen Art. 34 Abs. 3 SVG; der objektive Tatbestand der 
einfachen Verkehrsregelverletzung von Art. 90 Abs. 1 SVG ist erfüllt. 

Es ist nachfolgend zu prüfen, ob es sich dabei um eine grobe Verkehrsregelverlet-
zung nach Art. 90 Abs. 2 SVG handelt. In Bezug auf diese kann auf die zutreffenden 
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 176, S. 25 f. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung). 

Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass die vom Beschuldigten gefahrene Ge-
schwindigkeit mit 50 km/h immer noch erheblich war. Wie die erste Instanz richtiger-
weise ausführte, herrschte zwar dichter Verkehr, dieser liess bei einer Fahrge-
schwindigkeit von 50 km/h aber keine verkürzten Abstände zu, wie dies gemäss Bun-
desgericht im dichten Stadtverkehr vorkommen kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_502/206 vom 13. September 2016 E. 3.). Im Rahmen der Berücksichtigung der 
gesamten Umstände ist weiter zu beachten, dass das Lenkrad bereits nach dem 
Rugentunnel anfing und wieder aufhörte, sich zu bewegen und der Beschuldigte 
nach diesem Vorfall zum vorausfahrenden Fahrzeug einen noch grösseren Abstand 
hätte halten müssen. Der Beschuldigte wahrte aber gegenüber dem vorausfahren-
den Fahrzeug der Familie D.________ den ausreichenden Abstand während min-
destens 30 s bzw. auf einer Strecke von gut 400 m mit einem Nachfahrabstand von 
5 m bzw. 0.36 s offensichtlich nicht und gefährdete damit die Verkehrssicherheit so-
wohl von sich selbst, der Familie D.________ sowie weiterer Verkehrsteilnehmer zu-
mindest erhöht abstrakt. Der objektive Tatbestand der groben Verkehrsregelverlet-
zung ist erfüllt. 

Auch in Bezug auf den subjektiven Tatbestand kann auf die einschlägigen Erwägun-
gen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 177, S. 26 der erstinstanzlichen Urteils-
begründung). Anders als vom Beschuldigten ausgeführt, schliesst die erste Instanz 
nicht unbesehen von der objektiven auf die subjektive Verkehrsregelverletzung. Ins-
besondere führte die Vorinstanz richtigerweise aus, dass es nicht nachvollziehbar 
ist, wie ein technisches Problem, dass die Verzögerung des Fahrzeugs bewirkt, zu 
einem unzureichenden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug führen könne. Das 
Gegenteil ist der Fall. Ein verantwortungsvoller Lenker hätte nach der Bewegung des 

24

Lenkrads nach dem Rugentunnel mindestens den Mindestabstand versucht zu hal-
ten, was der Beschuldigte offensichtlich nicht getan hat. Der Beschuldigte wusste 
um die Bewegung des Lenkrades und fuhr dem vorausfahrenden Fahrzeug trotzdem 
während mindestens 30 s bzw. gut 400 m mit einem Abstand von lediglich 5 m auf. 
Anders als im vom Bundesgericht beurteilten Fall beim passiven Rechtsvorfahren 
(vgl. BGE 142 IV 93 E. 5.3) schuf der Beschuldigte damit wissentlich und willentlich 
mit seinem Fahrzeug, bei welchem kurz vorher das Lenkrad geschlagen hat, eine 
deutlich erhöhte abstrakte Gefahr für sich und die unmittelbaren Verkehrsteilnehmer. 
Sein Verhalten ist damit als deutlich verantwortungs- bzw. rücksichtslos zu qualifi-
zieren und erfüllt den subjektiven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung 
im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV. 

11.4 Rechtswidrigkeit und Schuld

Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe liegen keine vor.

11.5 Fazit

Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten der groben Verkehrsregelverletzung i.S.v. 
Art. 90 Abs. 2 i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG sowie Art. 12 Abs. 1 VRV durch Nichtwahren 
eines ausreichenden Abstandes beim Hintereinanderfahren (unter 0.5 s) schuldig zu 
sprechen. 

IV. Strafzumessung

12. Grundlagen der Strafzumessung

Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung sind zutreffend. 
Darauf kann verwiesen werden (pag. 180, S. 29 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung) 

Die 1. Strafkammer des Obergerichts verfügt als Berufungsgericht über umfassende 
Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). Das 
gilt auch für die Strafzumessung. Jedoch ist sie aufgrund der alleinigen Berufung 
durch den Beschuldigten an das Verschlechterungsverbot («Verbot der reformatio in 
peius» genannt) nach Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden.

13. Schuldangemessene Strafe / Strafart / Vollzug / Tagessatzhöhe

Der Strafrahmen für die grobe Verletzung der Verkehrsregeln beträgt Freiheitsstrafe 
bis zu drei Jahren oder Geldstrafe (Art. 90 Abs. 2 SVG). 

Das von der Vorinstanz ermittelte Strafmass von 12 Strafeinheiten wurde vom Be-
schuldigten nicht beanstandet. Wie die Vorinstanz ausführte, unterschritt der Be-
schuldigte den geforderten Abstand massiv und schuf ein erhebliches Gefährdungs-
potential (pag. 181). Die Schwere der Verletzung des Rechtsguts ist dabei erheblich, 
auch wenn der erhöhten Gefährdung mit Annahme der groben Verkehrsregelverlet-
zung nach Art. 90 Abs. 2 SVG Rechnung getragen wurde. Jedoch ist die Dauer bzw. 
Strecke, während welcher der Beschuldigte den genügenden Abstand nicht einge-
halten hat, nicht allzu lang und die während des ungenügenden Abstands gefahrene 
Geschwindigkeit von 50 km/h – wie von der Vorinstanz ausgeführt – verglichen mit 

https://www.swisslex.ch/doc/aol/30b154f1-de04-4ff2-9856-88eef2163663/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/db8a747d-9ced-486e-8bbd-2d2315445e4e/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/d873c934-d212-46a5-a905-aae314be868c/06033c52-4709-4cd6-bd8b-bd096a47378b/source/document-link

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Geschwindigkeiten auf der Autobahn von 100 km/h und/oder 120 km/h, noch eher 
moderat (pag. 181). Es wäre dem Beschuldigten aber durchaus möglich gewesen, 
den notwendigen Abstand einzuhalten. Die Vorinstanz ging von einer neutralen Aus-
wirkung der Tatkomponenten aus (pag. 181). Das Verschulden des Beschuldigten 
wiegt in Relation zum Strafrahmen noch leicht. Im Einklang mit den VBRS-Richtlinien 
hätte die Vorinstanz auch von einer Strafe im Bereich von über 12 Strafeinheiten 
ausgehen können. Weiter ist der Beschuldigte dreifach vorbestraft (pag. 181), davon 
zweimal einschlägig wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln (pag. 219 f.). Zu-
dem wurde dem Beschuldigten der Ausweis bereits dreimal entzogen, einmal im Jahr 
2010 für einen Monat wegen Geschwindigkeitsüberschreitung, einmal im Jahr 2012 
für sechs Monate wegen Rechtsüberholens auf der Autobahn und von 2015 bis 2016 
für zwölf Monate wegen Missachtens des Vortritts mit Unfall (pag. 221), was sich 
grundsätzlich negativ auf die Täterkomponenten auswirkt. Der Beschuldigte geht ei-
ner geregelten Arbeit nach und ist verlobt (pag. 112, Z. 21 ff.), was sich neutral aus-
wirkt. Er war nicht geständig und zeigte sich auch nicht reuig. Da er sich aber nicht 
selber belasten muss, ist dies nicht negativ zu werten. Eine besondere Strafempfind-
lichkeit liegt – wie auch von der Vorinstanz ausgeführt – nicht vor. Die Vorinstanz 
ging von einer Sanktion von 12 Strafeinheiten aus. Da die Kammer vorliegend an 
das Verschlechterungsverbot gebunden ist, hat sie ungeachtet der eigenen (auf-
grund der Täterkomponenten etwas höheren) Wertung des Verschuldens ebenfalls 
von einer Strafe von 12 Strafeinheiten auszugehen. 

Vorliegend erscheint einzig die Ausfällung einer Geldstrafe als verhältnismässig 
(Art. 41 StGB). 

Der Beschuldigte wurde in den Jahren 2011 sowie 2014 je einmal wegen grober 
Verletzung der Verkehrsregeln verurteilt und ihm wurde schon dreimal der Führer-
ausweis entzogen (vgl. oben). Der automobilistische Leumund des Beschuldigten ist 
daher recht stark getrübt. Insoweit erscheint auch der vorliegende Tatvorwurf nicht 
persönlichkeitsfremd. Daher teilt die Kammer die Ansicht der Vorinstanz, wonach die 
hier auszusprechende Strafe unbedingt auszusprechen ist; dem Beschuldigten muss 
nachgerade eine Schlechtprognose für zukünftiges Wohlverhalten gestellt werden 
(bei gleichzeitigem Nichtwiderruf des bedingten Strafvollzuges [Verbot der reformatio 
in peius; vgl. nachfolgend V.15] im Sinne der sog. Mischrechnungspraxis). 

Der Beschuldigte erzielt ein monatliches Nettoeinkommen von rund CHF 4'540.00 
(pag. 130; pag. 139). Damit resultiert unter Berücksichtigung des Pauschalabzuges 
von CHF 1'135.00 (25 % von CHF 4'540.00), wie von der Vorinstanz angenommen, 
ein abgerundeter Tagessatz von CHF 110.00 (pag. 182, S. 31 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung; pag. 130 und 139). 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte zu verurteilen zu einer unbedingten Gelds-
trafe von 12 Tagessätzen zu CHF 110.00, ausmachend CHF 1'320.00.

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V. Widerruf

14. Vorbringen des Beschuldigten (pag. 245)

Die Verteidigung beantragt namens des Beschuldigten, es sei keine Verwarnung 
auszusprechen und die Probezeit sei nicht zu verlängern. Zur Begründung führte sie 
im Wesentlichen aus, da der Beschuldigte freizusprechen sei, sei weder ein Widerruf 
noch eine Ersatzmassnahme im Sinne einer Verwarnung und/oder einer Verlänge-
rung der Probezeit auszusprechen. Auch bei einem allfälligen Schuldspruch sei dem 
Beschuldigten eine gute Legalprognose auszustellen. Er habe sich nebst der vorlie-
gend zu beurteilenden Tat nichts weiter zu Schulden kommen lassen und lebe in 
stabilen Verhältnissen. Das vorliegend zu beurteilende Delikt habe zudem keinerlei 
Beziehungspunkte zum Delikt, das Gegenstand des Widerrufsverfahren sei. Daten-
veränderung und Strassenverkehrsdelikte würden zwei verschiedene Rechtsgüter 
schützen. Es handle sich damit um komplett verschiedene Deliktskategorien. Folg-
lich bestehe kein Raum, den Beschuldigten zu verwarnen und die Probezeit zu ver-
längern. 

15. Rechtliche Ausführungen

Die erste Instanz widerrief den mit Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 
5. April 2018 gewährten bedingten Strafvollzug nicht.

Massgebendes Kriterium für oder gegen einen Widerruf eines bedingten Vollzugs ist 
die Prognose. Grund für einen Widerruf ist nicht die neue Straftat als solche, sondern 
nur der (sich daraus ergebende) Rückschluss auf wesentlich geringere als die ur-
sprünglich angenommenen Bewährungsaussichten (vgl. SCHNEIDER/GARRÉ in: Nig-
gli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar StGB I, 4. Auflage 2019, N 2 zu Art. 46 
StGB). Besonders günstige Umstände, wie sie Art. 42 Abs. 2 StGB für den bedingten 
Strafvollzug voraussetzt, sind für den Verzicht auf einen Widerruf nicht erforderlich. 
Gleichwohl sind aber die Art und Schwere der erneuten Delinquenz für den Ent-
scheid über den Widerruf zu berücksichtigen (SCHNEIDER/GARRÉ, a.a.O., N 3 zu 
Art. 46 StGB). Sind die Voraussetzungen für den Widerruf nicht gegeben, gibt das 
Gesetz insbesondere die Möglichkeit, den Beschuldigten zu verwarnen oder die im 
Urteil bestimmte Probezeit um höchstens die Hälfte zu verlängern. Die verschiede-
nen Ersatzmassnahmen können nicht nur alternativ, sondern auch kumulativ ange-
ordnet werden, indem die zuständige Behörde wahlweise, wie es die Umstände er-
fordern, eine, zwei oder alle drei Sanktionen verfügt. Auch ist es möglich andere 
Weisungen zu erteilen als die ursprünglich auferlegten (vgl. SCHNEIDER/GARRÉ 
a.a.O., N 46 zu Art. 46 StGB). Selbst wenn das bereits rechtskräftige Delikt keinen 
Sachzusammenhang zum während der Probezeit begangenen Delikt aufweist, kann 
dieses widerrufen werden (vgl. zum Ganzen: Botschaft zur Änderung des Schweize-
rischen Strafgesetzbuches [Allgemeine Bestimmungen, Einführung und Anwendung 
des Gesetzes] und des Militärstrafgesetzes sowie zu einem Bundesgesetz über das 
Jugendstrafrecht vom 21. September 1998, S. 2057 und BGE 100 IV 197, E. 4.). 
Nichts Anderes muss demnach auch für die Ersatzmassnahmen gelten. Das Gericht 
kann im Falle eines Verzichts auf den Widerruf – entgegen der Ansicht des Beschul-
digten – vorliegend Ersatzmassnahmen anordnen. 

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Die Vorinstanz stellte dem Beschuldigten eine gute Prognose und sah gestützt dar-
auf von einem Widerruf ab. Sie sprach aber eine Verwarnung aus und verlängerte 
die Probezeit um ein Jahr (pag. 184, S. 33 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 
Wie bereits im Zusammenhang mit der Strafzumessung festgestellt, ist die Kammer 
auch im Bereich des Widerrufsverfahrens an das Verbot der reformatio in peius ge-
bunden, weshalb ein oberinstanzlicher Widerruf ausser Betracht fällt. Mit der erneu-
ten Delinquenz innerhalb der Probezeit der mit Urteil des Obergerichts vom Kanton 
Bern vom 5. April 2018 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe legte der Beschuldigte 
jedoch eine gewisse Unbelehrbarkeit an den Tag. Um trotz der Verweigerung des 
bedingten Straffvollzugs für die neue Strafe den verbleibenden Bedenken zu entgeg-
nen, ist im Sinne der Ausführungen der Vorinstanz eine Verwarnung und kumulative 
Verlängerung der Probezeit um ein Jahr auszusprechen. Ein Sachzusammenhang 
zwischen dem rechtskräftig verurteilten Delikt und dem vorliegend zu beurteilenden 
ist entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht notwendig, um Ersatzmassnahmen 
auszusprechen. Das erstinstanzliche Urteil ist daher auch in diesem Punkt zu bestäti-
gen.

VI. Kosten und Entschädigung

16. Allgemein

Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über 
die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Die be-
schuldigte Person trägt die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, soweit sie verurteilt 
wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Par-
teien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob 
bzw. inwieweit eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt 
davon ab, in welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gut-
geheissen werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_601/2019 vom 31. Oktober 2019, 
E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).

17. Erstinstanzliche Verfahrenskosten (inkl. Widerrufsverfahren)

Der Beschuldigte wird nunmehr – wie bereits von der Vorinstanz – wegen grober 
Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes 
beim Hintereinanderfahren (unter 0.5 s) schuldig erklärt (Art. 90 Abs. 2 SVG). Bei 
diesem Ausgang des Verfahrens werden die auf den Schuldspruch entfallenen erst-
instanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1'425.00 gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO 
dem Beschuldigten auferlegt. Hinzu kommen die erstinstanzlichen Verfahrenskosten 
von CHF 300.00 für das Widerrufsverfahren (pag. 142), welche ebenfalls dem Be-
schuldigten zur Bezahlung auferlegt werden. Die verbleibenden (auf den rechtskräf-
tigen Freispruch entfallenden) erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1'300.00 
wurden dem Kanton Bern rechtskräftig auferlegt.

18. Oberinstanzliche Verfahrenskosten

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Angesichts des Ausgangs des Verfahrens trägt der im oberinstanzlichen Verfahren 
unterliegende Beschuldigte die Verfahrenskosten vollumfänglich. Die oberinstanzli-
chen Verfahrenskosten werden für das Rechtsmittelverfahren auf eine Pauschalge-
bühr von CHF 2‘000.00 und CHF 300.00 für das Widerrufsverfahren festgesetzt 
(Art. 24 Bst. a des Verfahrenskostendekrets [VKD; BSG 161.12]; Richtlinien für die 
Bemessung der Gerichtsgebühren gemäss Beschluss der Strafabteilungskonferenz 
vom 23. April 2018) und dem Beschuldigten zur Bezahlung auferlegt. 

19. Entschädigung

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist bis auf die rechtskräftige, auf den erstin-
stanzlichen Freispruch entfallende Entschädigung von CHF 2'692.50, keine Ent-
schädigung gemäss Art. 429 StPO geschuldet.

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VII. Dispositiv

Die 1. Strafkammer erkennt:

I.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Oberland vom 16. Oktober 2019 
insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als A.________: 

freigesprochen wurde von der Anschuldigung der groben Verletzung der Verkehrsre-
geln, angeblich begangen am 6. Oktober 2018 auf der Autostrasse A8 L Interlaken, Ab-
schnitt Interlaken West – Därligen, durch zweimaliges unbegründetes starkes Abbremsen 
(Schikane-Stopp); unter Ausrichtung einer Entschädigung von CHF 2'695.50 für die ange-
messene Ausübung seiner Verfahrensrechte; 

und unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf 
CHF 1'300.00 (Gebühren Staatsanwaltschaft von CHF 300.00, Gebühren des Gerichts von 
CHF 1'000.00) an den Kanton Bern; 

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

der groben Verletzung der Verkehrsregeln, begangen am 6. Oktober 2018 auf der Auto-
strasse A8 L Interlaken, Abschnitt Interlaken West – Därligen, durch Nichtwahren eines aus-
reichenden Abstandes beim Hintereinanderfahren (unter 0.5 Sekunden)

und in Anwendung der Artikel

34 Abs. 4, Art. 90 Abs. 2 SVG
12 Abs. 1 VRV
34, 47 StGB
426 Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3 StPO

verurteilt:

1. zu einer Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu CHF 110.00, ausmachend total 
CHF 1'320.00;

2. zu den auf den Schuldspruch entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten 
von CHF 1'425.00; 

3. zu den oberinstanzlichen Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf 
CHF 2'000.00.

30

III.

1. Der A.________ mit Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 5. April 2018 für 
eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 100.00 gewährte bedingte Vollzug wird 
nicht widerrufen (Art. 46 Abs. 2 StGB).

2. A.________ wird verwarnt (Art. 46 Abs. 2 StGB). 

4. Die Probezeit von zwei Jahren wird um 1 Jahr verlängert (Art. 46 Abs. 2 StGB).

5. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von 
CHF 300.00 werden A.________ auferlegt.

6. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren, bestimmt auf 
CHF 300.00, werden A.________ auferlegt.

IV.

Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, v.d. Rechtsanwalt B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der Koordinationsstelle Strafregister (nur Dispositiv; nach Eintritt der Rechtskraft bzw. 

nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)
- dem Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Administrativmassnahmen, Les-

singstrasse 33, 8090 Zürich (nach Eintritt der Rechtskraft)

Bern, 6. Oktober 2020 Im Namen der 1. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Gerber

Der Gerichtsschreiber:

Jaeger

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesgericht, 
Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. 
des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen 
von Art. 42 BGG entsprechen.