# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4f2665f3-6d38-5f09-a057-88aba203d449
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.04.2010 A-705/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-705-2008_2010-04-12.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-705/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  A p r i l  2 0 1 0

Richter Michael Beusch (Vorsitz), 
Richter Markus Metz, Richter Pascal Mollard, 
Gerichtsschreiber Lino Etter.

A.A._______ und B.A._______, ...,
vertreten durch R._______, ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer 
(1. Quartal 2001 bis 4. Quartal 2005; Umsatzschätzung).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-705/2008

Sachverhalt:

A.
A.A._______ und B.A._______ betreiben unter gleichlautender Firma 
eine im Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen der  Eidgenössischen 
Steuerverwaltung (ESTV) eingetragene Kollektivgesellschaft mit Sitz in 
Q.. Die ESTV führte vom 27. Februar bis am 3. März 2006 eine Über-
prüfung  der  Steuerabrechnungen  hinsichtlich  der  Steuerperiode 
zwischen dem 1. Januar 2001 und dem 31. Dezember 2005 durch. Auf 
Wunsch  des  ESTV-Revisors  wurden  in  der  Folge  weitere  Belege 
nachgeliefert.

B.
Am  20. April  2006  liess  die  ESTV  der  Kollektivgesellschaft 
A.A._______ und  B.A._______ (im  Folgenden:  Steuerpflichtige)  die 
Ergänzungsabrechnung  Nr.  ...  zukommen,  wobei  regelmässige 
Minusstände  des  Kassakontos  und  unklare  Angaben  beanstandet 
wurden.  Dies  führte  die  ESTV  zum  Schluss,  dass  Geld  aus 
unversteuerten  Umsätzen  eingesetzt  worden  sei,  weshalb  sie  eine 
Mehrwertsteuer  in  der  Höhe  von  Fr. 69'254.-  (plus  Zinsen)  in 
Rechnung stellte.

C.
Gegen den am 4. Mai 2006 förmlich eröffneten Entscheid in gleicher 
Sache  erhob  die  Steuerpflichtige  am  6. Juni  2006  Einsprache.  Mit 
Entscheid vom 19. Dezember 2007 hiess die ESTV diese teilweise gut 
und  setzte  die  nachzuentrichtende  Mehrwertsteuer  neu  auf 
Fr. 37'434.95 (zuzüglich 5% Verzugszins ab dem 30. April 2004) fest. 
Vor dessen Erlass war die Steuerpflichtige am 20. Juni 2006 informiert 
worden, dass ein durch "Einsprache" anfechtbarer Entscheid zugestellt 
würde.

D.
Mit Beschwerde vom 1. Februar 2008 beantragte die Steuerpflichtige 
(im  Folgenden  auch:  Beschwerdeführerin)  die  Aufhebung  des  Ein-
spracheentscheids,  eventualiter  die  Rückweisung  zur  ergänzenden 
Beweisaufnahme, dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge. In Er-
gänzung zur  Beschwerde wurden am 19. März 2008 diverse Belege 
mit  Erläuterung nachgereicht. Die ESTV beantragte mit  Vernehmlas-
sung vom 30. Mai 2008 die vollumfängliche Abweisung der Beschwer-
de unter Kostenfolge. 

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E.
Am 20. Juni  2008  replizierte  die  Beschwerdeführerin,  indem sie  ein 
Schreiben  von  C.A._______ und  D.A_______ (an  die  Steuer-
verwaltung  des  Kantons  L.)  ins  Recht  legte, mit  welchem  diese 
erklärten,  dass  Barvermögen  in  der  Vergangenheit  nicht  deklariert, 
sondern  den  Söhnen  A.A._______ und  B.A._______ als  Darlehen 
überlassen worden sei. Mit  Duplik  vom 25. Juli  2008 hielt  die ESTV 
vollumfänglich  an  den  am  30. Mai  2008  gestellten  Rechtsbegehren 
fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungs-
verfahren  (VwVG,  SR 172.021);  als  anfechtbare  Verfügungen  gelten 
auch  Einspracheentscheide  der  Departemente  und  der  ihnen  unter-
stellten  oder  administrativ  zugeordneten  Dienststellen  der  Bundes-
verwaltung  (Art. 5  Abs. 2  VwVG  i.V.m.  Art. 33  Bst. d  VGG).  Der 
angefochtene Entscheid der ESTV vom 19. Dezember 2007 ist damit 
als eine beim Bundesverwaltungsgericht anzufechtende Verfügung zu 
qualifizieren.  Auf  die  im  Übrigen  form-  und  fristgerecht  eingereichte 
Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Am 1.  Januar  2010  ist  das  Mehrwertsteuergesetz  vom 12.  Juni 
2009 (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Die bisherigen gesetzli-
chen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vorschriften 
bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltungsdauer 
eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen  Rechtsverhältnisse  an-
wendbar  (Art.  112  Abs.  1  MWSTG).  Das  vorliegende  Verfahren 
untersteht  deshalb  in  materieller  Hinsicht  dem  Bundesgesetz  vom 
2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer  (aMWSTG,  AS  2000 
1300). 

Demgegenüber ist  das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht  im 
Sinne von Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des In -
krafttretens hängige Verfahren anwendbar. Allerdings  ist  diese Norm 
insofern  restriktiv  auszulegen,  als  gemäss höchstrichterlicher  Recht-

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sprechung  nur  eigentliche  Verfahrensnormen  sofort  auf  hängige 
Verfahren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung 
von neuem materiellen Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen 
darf  (ausführlich: Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1113/2009 
vom 23. Februar 2010 E. 1.3.3.2; bestätigt u.a. mit Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-4360/2008  vom  4.  März  2010  E.  1.2).  Kein 
Verfahrensrecht  in  diesem  engen  Sinn  stellen  im  vorliegenden  Fall 
etwa die nachfolgend abgehandelten Themen wie die Buchführungs-
pflicht,  das  Selbstveranlagungsprinzip,  die  Ermessensveranlagung 
oder  gar  der  Verzugszins  etc. dar,  so  dass vorliegend diesbezüglich 
noch altes Recht anwendbar ist. Keine Anwendung finden deshalb bei-
spielsweise Art. 70, 71 72 oder 79 MWSTG, obwohl sie unter dem Titel  
„Verfahrensrecht  für  die  Inland-  und  die  Bezugsteuer“  stehen  (vgl. 
auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1379/2007  vom  18. 
März 2010 E. 1.2.2).

1.3 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Ein-
spracheentscheid  grundsätzlich  im  vollen  Umfang  überprüfen.  Die 
Beschwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht und 
der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheb-
lichen  Sachverhalts  auch  die  Rüge  der  Unangemessenheit  erheben 
(Art. 49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  auferlegt  sich  aller-
dings bei der Überprüfung von zulässigerweise erfolgten Ermessens-
veranlagungen  eine  gewisse  Zurückhaltung  und  führt  so  die 
höchstrichterlich bestätigte Rechtsprechung der Steuerrekurskommis-
sion (SRK) weiter  (vgl. Urteil  des Bundesgerichts  2C_426/2007 vom 
22. November 2007 E. 4.3). Ob indessen die Voraussetzungen für die 
Vornahme einer Ermessensveranlagung gegeben sind, überprüft  das 
Bundesverwaltungsgericht uneingeschränkt (statt vieler zum Ganzen: 
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-4360/2007 vom 3. Juli 2009 
E. 5.1 und A-1532/2006 vom 10. Januar 2008 E. 2.1 mit Hinweisen).

2.
2.1 Die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer erfolgt nach 
dem Selbstveranlagungsprinzip (Art. 46 aMWSTG; vgl. ERNST BLUMEN-
STEIN/PETER LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., 
Zürich 2002, S. 421 ff.). Dies bedeutet, dass der Steuerpflichtige selbst 
und unaufgefordert über seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen 
und innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode den 
geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag an die ESTV abzuliefern hat. Die 
ESTV  ermittelt  die  Höhe  des  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrages 

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nur dann an Stelle des Steuerpflichtigen, wenn dieser seinen Pflichten 
nicht  nachkommt  (ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER, 
Handbuch zum Mehrwertsteuergesetz, 2. Aufl., Bern 2003, Rz. 1680). 
Der Steuerpflichtige hat seine Mehrwertsteuerforderung selbst festzu-
stellen;  er  ist  allein  für  die  vollständige  und  richtige  Versteuerung 
seiner steuerbaren Umsätze und für  die korrekte Ermittlung der Vor-
steuer  verantwortlich  (anstelle  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts A-140/2008 vom 30. Oktober 2009 E. 2.1). Ein Verstoss des 
Steuerpflichtigen  gegen  diesen  Grundsatz  ist  als  schwerwiegend 
anzusehen,  da  der  Steuerpflichtige  durch  das  Missachten  dieser 
Vorschrift die ordnungsgemässe Erhebung der ihn betreffenden Mehr-
wertsteuer  gefährdet  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-4360/2007 vom 3. Juli 2009 E. 2.1, A-1634/2006 vom 31. März 2009 
E. 3.4, A-1527/2006 vom 6. März 2008 E. 2.1).

2.2 Gemäss Art. 58 Abs. 1 aMWSTG hat der Mehrwertsteuerpflichtige 
seine  Geschäftsbücher  ordnungsgemäss  zu  führen  und  so  einzu-
richten,  dass  sich  aus  ihnen  die  für  die  Feststellung  der  Mehrwert -
steuerpflicht  sowie  für  die  Berechnung  der  Steuer  und  der  abzieh-
baren Vorsteuern massgebenden Tatsachen leicht und zuverlässig er-
mitteln  lassen.  Die  ESTV kann  hierüber  nähere  Bestimmungen auf-
stellen. Von dieser  Befugnis  hat  sie  mit  dem Erlass der "Wegleitung 
2001 zur Mehrwertsteuer" vom Sommer 2000 (Wegleitung 2001), gül -
tig ab 1. Januar 2001, Gebrauch gemacht. Darin sind genauere Anga-
ben enthalten, wie eine Buchhaltung auszugestalten ist  (Rz. 878 ff.). 
Alle  Geschäftsfälle  müssen  fortlaufend,  chronologisch  und  lückenlos 
aufgezeichnet werden (Rz. 884) und alle Eintragungen haben sich auf 
entsprechende Belege zu stützen,  so dass die einzelnen Geschäfts-
vorfälle  von  der  Eintragung  in  die  Hilfs-  und  Grundbücher  bis  zur 
Steuerabrechnung  und  bis  zum  Jahresabschluss  sowie  umgekehrt 
leicht und genau verfolgt werden können ("Prüfspur"; vgl. Rz. 890 der 
Wegleitung 2001). Nach der  Rechtsprechung ist  der  Steuerpflichtige 
selbst  bei  geringem  Barverkehr  zur  Führung  zumindest  eines  ein-
fachen  ordentlichen  Kassabuchs  verpflichtet.  Er  ist  zwar  mehrwert-
steuerrechtlich  nicht  gehalten,  kaufmännische  Bücher  im  Sinne  des 
Handelsrechts zu führen; die Bücher müssen die erzielten Umsätze je-
doch lückenlos erfassen und die entsprechenden Belege sind aufzu-
heben  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.693/2006  vom  26. Juli  2007 
E. 3.1  und  2A.569/2006  vom  28. Februar  2007  E. 3.1).  Die  "Weg-
leitung 2008 zur Mehrwertsteuer", gültig ab 1. Januar 2008, bestätigt 
diese Grundsätze und empfiehlt Barumsätze täglich zu verbuchen und 

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mit  dem  effektiven  Bargeldbestand  abzustimmen  (Rz. 884a).  Nach 
neuer  Regelung  (Art. 70  Abs. 1  MWSTG)  hat  der  Steuerpflichtige 
seine Geschäftsbücher  gar  nach handelsrechtlichen Grundsätzen zu 
führen.

2.3 Die  detaillierte  und  chronologische  Führung  eines  Kassabuchs 
muss  besonders  hohen  Anforderungen  genügen  (vgl.  dazu  bereits 
MARTIN ZWEIFEL, Die Sachverhaltsermittlung im Steuerveranlagungsver-
fahren, Zürich 1989, S. 36). Soll also ein Kassabuch für die Richtigkeit 
des  erfassten  Bargeldverkehrs  Beweis  erbringen,  ist  zu  verlangen, 
dass in diesem die Bareinnahmen und -ausgaben fortlaufend, lücken-
los und zeitnah aufgezeichnet und durch Kassenstürze regelmässig – 
in  bargeldintensiven  Betrieben  täglich  –  kontrolliert  werden. Nur  auf 
diese  Weise  ist  gewährleistet,  dass  die  erfassten  Bareinnahmen 
vollständig sind, das heisst den effektiven Bareinnahmen entsprechen 
(statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 2C_302/2009 vom 15. Oktober 
2009 E. 4.2;  Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts A-1379/2007 vom 
18. März 2010 E. 2.2, mit weiteren Hinweisen). Wiederholte Minussaldi 
im  Kassenkonto  deuten  darauf  hin,  dass  nicht  sämtliche  Entgelte 
verbucht  wurden, was einen gravierenden Verstoss gegen die Buch-
haltungsvorschriften darstellt (vgl. etwa schon den Entscheid der SRK 
vom 11. April 2005, veröffentlicht in Steuerrevue 2005 S. 892). Auch im 
Hinblick  auf  andere  Steuern  (vgl.  z.B.  Art. 18  Abs. 2  des  Bundes-
gesetzes  vom  14. Dezember  1990  über  die  direkte  Bundessteuer 
[DBG,  SR  642.11])  ist  zu  betonen,  dass  die  Unterscheidung  von 
Privat-  und Geschäftsvermögen von grosser  Bedeutung ist,  weshalb 
einer Vermischung entgegenzuwirken ist.

2.4 Liegen  keine  oder  nur  unvollständige  Aufzeichnungen  vor  oder 
stimmen die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachver-
halt  offensichtlich  nicht  überein,  so  nimmt  die  ESTV  nach  Art.  60 
aMWSTG eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Eine 
Ermessenstaxation  ist  somit  immer  dann  nötig,  wenn  eine  steuer-
pflichtige Person ihren Obliegenheiten zur Mitwirkung nicht ordnungs-
gemäss nachkommt und entweder überhaupt keine oder aber unvoll-
ständige  oder  ungenügende  Aufzeichnungen  führt.  Eine  Schätzung 
muss  insbesondere  einerseits  dann  erfolgen,  wenn  die  Verstösse 
gegen die formellen Buchhaltungsregeln derart  gravierend sind, dass 
sie  die  materielle  Richtigkeit  der  Buchhaltungsergebnisse  in  Frage 
stellen  (Urteile  des  Bundesgerichts  2C_429/2009  vom  9. November 
2009  E. 3  und  2A.437/2005  vom  3. Mai  2006  E. 3.1;  BVGE 

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A-5754/2008 vom 5. November  2009 E. 2.6). Anderseits  kann selbst 
eine  formell  einwandfreie  Buchführung  die  Durchführung  einer 
Schätzung  erfordern,  wenn  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem 
wirklichen  Sachverhalt  offensichtlich  nicht  übereinstimmen.  Dies  ist 
nach der Rechtsprechung der Fall,  wenn die in den Büchern enthal-
tenen Geschäftsergebnisse von den von der Steuerverwaltung erho-
benen branchenspezifischen Erfahrungszahlen wesentlich abweichen, 
vorausgesetzt  der  Steuerpflichtige  ist  nicht  in  der  Lage,  allfällige 
besondere  Umstände,  auf  Grund  welcher  diese  Abweichung  erklärt 
werden  kann,  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen 
(statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-1379/2007  vom  18.  März  2010  E.  3.2;  A-
1634/2006 vom 31. März 2009 E. 3.6 mit Hinweisen). 

2.5 Für  das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  zur  Vornahme einer  Er-
messenseinschätzung  ist  nach  den  allgemeinen  Regeln  die  ESTV 
beweisbelastet  (statt  vieler: Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  A-
4360/2007 vom 3. Juli 2009 E. 3.1; BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 454). 
Sind die  Voraussetzungen  für  eine Ermessenstaxation  erfüllt,  ist  die 
ESTV  nicht  nur  berechtigt,  sondern  verpflichtet,  eine  solche  nach 
pflichtgemässem  Ermessen  vorzunehmen.  Die  Fälle,  in  denen  die 
Steuerpflichtigen ihre Mitwirkungspflichten nicht wahrnehmen und kei-
ne, unvollständige oder ungenügende Aufzeichnungen über ihre Um-
sätze führen, dürfen keine Steuerausfälle zur Folge haben (Urteil des 
Bundesgerichts  2A.552/2006  vom 1. Februar  2007 E. 3.2; Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1636/2006  vom  2. Juli  2008  E. 2.3.2; 
vgl.  auch  bereits  Kommentar  des  Eidgenössischen  Finanzdepar-
tements  zur Mehrwertsteuerverordnung vom 22. Juni 1994 zu Art. 48 
MWSTV).

2.6
2.6.1 Sind die Voraussetzungen für  die Vornahme einer  Ermessens-
einschätzung gegeben, so hat  die Verwaltung diejenige Schätzungs-
methode zu wählen, die den individuellen Verhältnissen im Betrieb des 
Steuerpflichtigen  soweit  als  möglich  Rechnung  trägt,  auf  plausiblen 
Angaben beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situation möglichst 
nahe kommt (Urteil des Bundesgerichts 2C_426/2007 vom 22. Novem-
ber 2007 E. 3.2; BVGE A-5754/2008 vom 5. November 2009 E. 2.7.2). 
Die  Ermessensveranlagung  hat  somit  zum  Ziel,  den  tatsächlichen 
Gegebenheiten möglichst gerecht zu werden. Es haftet ihr dabei eine 
gewisse  Unsicherheit  an,  die  der  Steuerpflichtige  aufgrund  seiner 

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Pflichtverletzung selber zu vertreten hat (statt  vieler: Urteil  des Bun-
desgerichts  2A.437/2005  vom 3. Mai  2006  E. 3.2;  vgl.  ferner  PASCAL 
MOLLARD,  TVA et  taxation  par  estimation,  veröffentlicht  in  Archiv  für 
Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 69 S. 520). 

2.6.2 In Betracht fallen einerseits Schätzungsmethoden, die auf eine 
Ergänzung oder Rekonstruktion der ungenügenden Buchhaltung hin-
auslaufen,  andererseits  Umsatzschätzungen  aufgrund  unbestrittener 
Teil-Rechnungsergebnisse  in  Verbindung  mit  Erfahrungssätzen  ([an-
stelle vieler] Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1379/2007 vom 
18. März  2010  E.  4.2; A-1549/2006  vom  16. Mai  2008  E. 4.2; 
A-1454/2006  vom  26. September  2007  E. 2.6.1).  Die  brauchbaren 
Teile  der  Buchhaltung  und allenfalls  vorhandene  Belege  sind  soweit 
als  möglich  bei  der  Schätzung  mitzuberücksichtigen.  Sie  können 
durchaus als Basiswerte der Ermessenstaxation fungieren (Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1634/2006  vom  31.  März  2009  E. 3.7 
und A-1527/2006 vom 6. März 2008 E. 2.3; MOLLARD, a.a.O., S. 550 ff.). 
Im Rahmen einer Ermessenstaxation ist es nach der Rechtsprechung 
des  Bundesgerichts  zulässig,  dass  die  ESTV  eine  Prüfung  der 
Verhältnisse während eines Teils der Kontrollperiode vornimmt und in 
der  Folge  das  Ergebnis  auf  den  gesamten  kontrollierten  Zeitraum 
umlegt  bzw. hochrechnet,  vorausgesetzt  die  massgebenden  Verhält-
nisse im eingehend kontrollierten Zeitabschnitt sind ähnlich wie in der 
gesamten  Kontrollperiode  (Urteile  des  Bundesgerichts  2C_309/2009 
vom  1. Februar  2010  E.  2.2  und  2A.437/2005  vom  3. Mai  2006 
E. 4.3.2;  [anstelle  vieler]  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
4146/2009 vom 9. März 2010 E. 3.4 und A-746/2007 vom 6. November 
2009 E. 4.3; sog. Umlageverfahren). Da die Schätzung möglichst der 
Realität  nahe kommen sollte,  hat  sie auch die den Steuerpflichtigen 
begünstigenden  Momente  zu  enthalten.  Insbesondere  sind  belegte 
Vorsteuerabzüge  einzubeziehen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsge-
richts A-1636/2006 vom 2. Juli 2008 E. 2.4.2).

2.7 Sind die Voraussetzungen einer Ermessenstaxation erfüllt und ist 
die ESTV damit zu Recht zu einer Ermessensveranlagung geschritten, 
obliegt es dem Steuerpflichtigen, den Beweis für die Unrichtigkeit der 
Schätzung im Detail nachzuweisen und zu belegen (Urteile des Bun-
desgerichts 2C_582/2007 vom 1. September 2008 E. 3, 2C_171/2008 
vom 30. Juli  2008 E. 4.3 und 2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.3). 
Aufgrund der Zurückhaltung bei der Überprüfung der zulässigerweise 
erfolgten  Ermessensveranlagung  nimmt  das  Bundesverwaltungs-

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gericht erst dann eine Korrektur der erstinstanzlichen Schätzung vor, 
wenn der Mehrwertsteuerpflichtige den Nachweis dafür erbringt, dass 
der  Vorinstanz  bei  der  Schätzung  erhebliche  und  offensichtliche 
Ermessensfehler unterlaufen sind (statt vieler  Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts  A-1379/2007  vom 18. März  2010  E. 5;  A-140/2008 
vom 30. Oktober 2009 E. 4.3 und A-1425/2006 vom 6. November 2008 
E. 2). Der Steuerpflichtige hat klar nachzuweisen, dass die Schätzung 
offensichtlich nicht der Wirklichkeit entspricht (UELI MANSER, mwst.com, 
Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel 2000, 
Rz. 5 zu Art. 60).

3.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie Beweisanträge im 
Beschwerdeverfahren zu behandeln sind. Entgegen dem alten Recht 
sind  gemäss  Art. 81  Abs. 1  MWSTG,  der  Art. 2  Abs. 1  VwVG  aus-
schliesst, die Vorschriften (Art. 12-19 und 30-33 VwVG) betreffend die 
Anhörung von Parteien, Zeugen oder Drittpersonen sowie die Durch-
führung eines Augenscheins für das Mehrwertsteuerrecht anwendbar. 
Insofern  hat  die  Behörde nunmehr  nicht  nur  aufgrund der  Vorgaben 
von  Art. 29  Abs. 2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), sondern in Nach-
achtung von Art. 33 VwVG die ihr angebotenen Beweise abzunehmen, 
wenn  diese  zur  Abklärung  des  Sachverhalts  tauglich  erscheinen. 
Abgesehen  davon,  dass  die  Tragweite  der  Regelungen  von  Art.  81 
MWSTG bei bereits hängigen Fällen ohnehin von beschränkter Trag-
weite ist (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1379/2007 vom 18. 
März 2010 E. 1.2.3), rechtfertigt sich eine solche Beweismassnahme 
also nach wie vor nur, wenn sie als geeignet erscheint, Tatsachen, die 
sich aus den vorgelegten Unterlagen ergeben, zu bestätigen, zu präzi-
sieren  oder  zu  ergänzen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
1392/2006 vom 29. Oktober 2007 E. 2 mit Hinweisen). Von vornherein 
keine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  und  des  Grundsatzes  der 
freien Beweiswürdigung (Art. 81 Abs. 3 MWSTG) liegt  vor, wenn die 
Behörde  auf  die  Abnahme  beantragter  Beweismittel  verzichtet,  weil 
diese  eine  nicht  erhebliche  Tatsache  betreffen  oder  offensichtlich 
untauglich sind oder  wenn sie auf Grund der bereits abgenommenen 
Beweise ihre  Überzeugung gebildet  hat,  wenn die Tatsachen bereits 
aus  den  Akten  genügend  ersichtlich  sind  und  die  Behörde  in 
vorweggenommener,  antizipierter  Beweiswürdigung  annehmen kann, 
dass  ihre  Überzeugung  durch  weitere  Beweiserhebungen  nicht 
geändert  würde (BGE 131 I  153 E. 3,  BGE 124 I  208 E. 4a,  je  mit 

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Hinweisen;  statt  vieler:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1379/2007  vom  18. März  2010  E. 1.2.3  und  A-2206/2007  vom 
24. November  2008  E. 4.1.2.2;  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ 
KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel 
2008, Rz. 3.144 ff.).

4.
Die  Beschwerdeführerin  macht  eine  unrichtige  Sachverhaltsfeststel-
lung geltend.

4.1 Im vorliegenden Fall wurden im Kassakonto über Jahre hinweg am 
Monatsende negative Saldi  ausgewiesen; nur am Jahresende wurde 
jeweils ein positiver Saldo dokumentiert. Unstrittig ist dies der einzige 
von der ESTV explizit beanstande Mangel an der Buchführung, der zur 
nunmehr beanstandeten Verfügung führte. Logisch sind Minussaldi in 
der Kasse freilich schlechterdings nicht möglich, da es nicht sein kann, 
dass aus einer leeren Bargeldkasse weitere Zahlungen in bar getätigt 
werden.  Somit  besteht  ein  grober  Mangel  in  der  Buchführung,  der 
lediglich mit  einer sofortigen,  besonders plausiblen und gut  belegten 
Erklärung bereinigt werden könnte. Ansonsten muss der ESTV zuge-
stimmt und der Buchhaltung die Beweiskraft abgesprochen werden. 

4.2 Die Beschwerdeführerin verweist bei ihrer Rüge erstmals vor dem 
Bundesverwaltungsgericht auf eine Bestätigung der scheinbaren Dar-
lehensgeber an die Steuerbehörden, wonach sie diese Darlehen nicht 
versteuert  hätten (vgl. oben E). Für die behaupteten familieninternen 
Darlehen bestehen jedoch keine weiteren Belege, obgleich ansonsten 
dem ehemaligen Betriebsinhaber (und Vater)  jeweils gegen Quittung 
Amortisation geleistet worden sei. Dazu kommt, dass auf erstes Nach-
fragen  der  ESTV  hin  zumindest  missverständlich  Auskunft  gegeben 
wurde  (es  handle  sich  um eigenes  Geld  aus  einem Banksafe).  Die 
behaupteten  Darlehen  wurden  weder  in  der  Buchhaltung  der  Be-
schwerdeführerin  noch  in  der  Steuererklärung der  scheinbaren  Dar-
lehensgeber dokumentiert. 

4.3 Obgleich das nachgereichte Schreiben des ehemaligen Betriebs-
inhabers  an  die  kantonalen  Steuerbehörden  für  diesen  steuerrecht-
liche Folgen haben dürfte,  vermag es  eine chronologische,  zeitnahe 
und  periodisch  saldierte  Kassabuchführung  nicht  im  Ansatz  zu  er-
setzen.  Dazu  kommt,  dass  die  nachgereichte  Bestätigung  lediglich 
Schätzungen  der  angeblichen  Darlehenssummen  beinhaltet,  wobei 

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diesbezügliche (im gesamtfamiliären Kontext  wahrscheinliche)  Darle-
henszinszahlungen nicht erwähnt werden. Auch dass sich die schein-
baren Darlehensgeber, die in verschiedenen Steuererklärungen einen 
auf den Franken genauen ungeraden Barbetrag deklarierten, bloss mit 
Schätzungen begnügen, mindert  den Beweiswert  dieses  Schreibens. 
Insofern ist der Hinweis, dass in der Steuererklärung 2001 der schein-
baren Darlehensgeber ein geleisteter Amortisationszins der Beschwer-
deführerin  gleichzeitig  als  Guthaben  angeben  wurde,  was  auf  ein 
"Stehenlassen"  (also  ein  Darlehen)  schliessen  lässt,  unbehelflich. 
Denn  abgesehen  davon,  ist  es  sogar  in  Bezug  auf  die  Fahrzeug-
handelsbranche und bei sehr guten finanziellen Verhältnissen unglaub-
haft, dass öfters Barbeträge von rund einer halben Million Schweizer 
Franken  in  einem  (fremden)  Autohandelssafe  aufbewahrt  werden. 
Zusammenfassend mag es sehr wohl sein, dass "lediglich" ein buch-
halterischer Mangel festgestellt wurde. Da dieser jedoch gravierend ist 
und  aufzeigt,  dass  eine  sehr  grosse  Anzahl  Buchungen  unbelegt 
geblieben sind, war die ESTV verpflichtet zu einer Ermessenstaxation 
zu schreiten (vgl. oben E. 2.4).  Aufgrund fehlenden Nachweises einer 
anderen Quelle ist zudem davon auszugehen, dass diese Minussaldi 
mit unversteuerten Umsätzen ausgeglichen wurden.  

5.
Methodisch  ist  die  ESTV  davon  ausgegangen,  dass  der  (einmalig)  
höchste  Minussaldo  den  unversteuerten  Gesamteinahmen  über  die 
ganze Kontrolldauer entspreche. Da diese Gewinne aus Vermittlungs-
provision  bzw.  margenbesteuerten  Occasionswagenverkäufen  stam-
men  würden,  sei  dieser  Betrag  mit  dem  "Umsatz  brutto"  gleichzu-
setzen und darauf der enthaltene Steuerbetrag zu berechnen.

5.1 Die  Beschwerdeführerin  rügt  die  Methode  der  Ermessensein-
schätzung,  insbesondere,  dass  nicht  von  Erfahrungszahlen  anderer 
Betriebe ausgegangen worden sei. Des Weiteren erläutert  sie, wieso 
nicht  über  Kommissionsgeschäfte  Mehreinnahmen  erzielt  worden 
seien und behauptet, dass die von Mehrwertsteuerpflichtigen gekauf-
ten Occasionswagen (und die entsprechenden Bruttogewinnquoten) zu 
ihren Ungunsten unberücksichtigt geblieben seien. Es sei zynisch, im 
Nachhinein  Nachweise  zu  fordern,  die  nicht  erbringbar  seien.  Mit 
Beschwerdeergänzung vom 19. März 2008 ersuchte die Beschwerde-
führerin um Korrektur  des maximalen Minussaldos aufgrund diverser 
missverstandener Buchungen in der Gesamthöhe von Fr. 140'694.20.

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5.2 Die Beanstandungen der Beschwerdeführerin gehen fehl. In erster 
Linie ist darauf hinzuweisen, dass die Steuerpflichtige den Beweis für 
die  Unrichtigkeit  der  Schätzung  im  Detail  nachzuweisen  und  zu 
belegen hat (vgl. oben E. 2.7). Vorliegend führt die Beschwerdeführerin 
lediglich  für  etwas  mehr  als  einen  Viertel  des  Minussaldos  zum 
Zeitpunkt  der maximalen Höhe aus, inwiefern unkorrekte Buchungen 
vorliegen  würden. Wenn schon  müssten für  sämtliche Buchungsvor-
gänge,  die  zu  diesem  (besser:  allen)  Minussaldi  geführt  haben,  im 
Minimum plausible Belege vorgelegt werden können, die ein Missver-
ständnis  (und  jede  Zahlung)  im  Detail  erkennen  lassen  und  damit 
letztlich  einen  positiven  Saldo  dokumentieren.  Insofern  ist  auf  die 
einzelnen  Fehlbuchungen  nicht  weiter  einzugehen,  denn  es  handelt 
sich – wie die ESTV richtig ausführt – lediglich um eine pflichtgemässe 
Schätzung,  wobei  gewisse  Ungenauigkeiten  in  der  Natur  der  Sache 
liegen. Es ist zu betonen, dass die Beschwerdeführerin der Aufbewah-
rungspflicht hinsichtlich ihrer Bücher unterliegt und (auch) diesbezüg-
liche Pflichtverletzungen selber zu vertreten hat (vgl. oben E. 2.6.1).

5.3 Eine Schätzungsmethode,  die  eine Ergänzung oder  Rekonstruk-
tion der ungenügenden Buchhaltung beinhaltet, ohne dass auf Erfah-
rungszahlen abgestützt wird, ist zulässig  (vgl. oben E. 2.6.2) und vor-
liegend sachgerecht. Es wurde bloss eine Ergänzung des Umsatzes 
vorgenommen, indem der maximale Fehlbetrag in der Kasse als (über 
die gesamte Kontrollperiode) einmaliger Gewinn betrachtet wurde. Ob 
dieser  aus  Kommissionsgeschäften  stammte,  ist  unbedeutend,  da 
diese gleich wie die margenbesteuerten Tätigkeiten der Beschwerde-
führerin zu besteuern sind. 

5.4 Auch die Ausführungen hinsichtlich der angeblich von Mehrwert-
steuerpflichtigen gekauften Occasionswagen sind unbeachtlich. Denn 
aufgrund fehlender ausgewiesener Vorsteuerabzugsmöglichkeit müss-
te gar eine höhere Steuer angenommen werden, wenn die Beschwer-
deführerin  in  Bezug  auf  die  Autoverkäufe  nicht  margenbesteuert 
würde. In  Anbetracht  der  Umstände  hat  die  ESTV jedoch  zu  Recht 
keinen  strengen  Formalismus  angewandt  und  im  Sinne  einer  Aus-
nahme die Annahme getroffen, es seien mehrheitlich Occasionsautos 
von nicht mehrwertsteuerpflichtigen Verkäufern gekauft worden.

5.5 Dass  durch  diese  Berechnung  der  Steuerpflichtigen  insgesamt 
eine  höhere  Wertschöpfung  unterstellt  wird,  ist  korrekt,  jedoch  über 
den gesamten  Untersuchungszeitraum besehen nicht  erheblich  oder 

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gar ermessenswidrig.  Denn aus den Akten ergibt sich, dass über die 
fragliche  Steuerperiode  jährlich  zehnmal  grössere  Umsätze  erzielt 
wurden. Im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit der Minussaldi wäre es im 
Übrigen nicht  abwegig, davon auszugehen, dass gewisse Zahlungen 
nicht  aus  demselben  unversteuerten  "Grundstock"  getätigt  wurden, 
d.h.  durchaus  von  einem  grösseren  Umsatz  ausgegangen  werden 
könnte. Im Hinblick auf die unklaren Verhältnisse ist von einem derarti-
gen "Umlegen" von einem auf verschiedene Steuerjahre jedoch abzu-
sehen und die Bemessung der ESTV als sachgerecht einzustufen. 

5.6 Zusammenfassend hat die ESTV den brauchbaren Teil der Buch-
haltung soweit  als  möglich  genutzt,  indem sie  den  höchsten  Minus-
saldo als unversteuerten Umsatzteil erkannte und damit den fehlenden 
Teil  der  Buchhaltung  in  Anwendung  pflichtgemässen  Ermessens 
schätzte. Die Beschwerdeführerin vermag nicht aufzuzeigen, inwiefern 
die  Schätzungsmethode  bzw. die  Schätzung  erheblich  unrichtig  und 
der  Vorinstanz  ein  offensichtlicher  Ermessensfehler  unterlaufen  sein 
soll. 

5.7 Aufgrund des Ausgeführten kann in antizipierter Beweiswürdigung 
von  vornherein  auf  die  beantragten  Zeugeneinvernahmen  verzichtet 
werden. Der ESTV-Revisor kann keine präzisierenden Ergänzungen zu 
(diesbezüglich unstrittigen) Sachverhaltselementen beitragen. Aus den 
Akten,  insbesondere  aufgrund  des  Schreibens  an  die  kantonalen 
Steuerbehörden, sind die Vorbringen der scheinbaren Darlehensgeber 
genügend  ersichtlich,  weshalb  auch  von  einer  Einvernahme  abge-
sehen werden kann. Hinsichtlich der zum Zeugnis beantragten Finanz-
experten, welche aussagen könnten, dass die Beschwerdeführerin be-
reits gemäss behaupteten Zahlen ausserordentliche Umsätze erzielen 
würde, ist festzuhalten, dass auch diese Beweiserhebungen kaum zur 
Präzisierung  beitragen  könnten,  denn  die  vorliegende  Schätzung 
basiert  nicht  auf  einer  vergleichenden  Methode,  sondern  trägt  den 
individuellen Verhältnissen im Betrieb der Steuerpflichtigen soweit als 
möglich Rechnung ohne auf externe Zahlen zuzugreifen. Im Übrigen 
lässt der geschätzte, über die gesamte Kontrolldauer besehen wenig 
erhebliche  Mehrumsatz,  kaum  Raum  für  taugliche  Auskünfte.  Die 
beantragten  Einvernahmen  sind  damit  allesamt  untaugliche  Beweis-
anerbieten.

5.8 In  diesem  Zusammenhang  ist  schliesslich  auch  die  behauptete 
Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die "krass falsche und irre-

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führende Information" der ESTV und ihr "eigenartiges Vorgehen" wäh-
rend und nach der  Kontrolle  aufzunehmen. Offenbar  wurden seitens 
der  Steuerverwaltung  mehrfach  neue  Belege  gefordert,  wobei  auf 
Rückfragen nach dem Zweck angeblich nicht geantwortet worden sei. 
Dies wäre bei Zutreffen zwar als unfreundlich zu werten, stellt jedoch 
keine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  dar. Ähnliches  gilt  für  das 
standardmässige Schreiben der ESTV vom 20. Juni 2006, womit die 
Steuerpflichtige auf die Möglichkeit der vorsorglichen Bezahlung (zur 
Minderung  des  Zinsrisikos)  aufmerksam  gemacht  wurde.  Dass  ein 
durch Einsprache (statt  Beschwerde) anfechtbarer Entscheid in Aus-
sicht  gestellt  wurde,  kann  kein  Grund  sein,  zur  "Herstellung  eines 
fairen Verfahrens" die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Mithin 
ist die Beschwerde auch diesbezüglich abzuweisen.

6.
Nach dem Gesagten ist  die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. 
Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.- sind der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem geleiste-
ten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Eine Parteient-
schädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 3'000.- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss in gleicher  
Höhe verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

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Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Michael Beusch Lino Etter

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 
Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die 
Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die 
Beweismittel  sind,  soweit  sie  die  beschwerdeführende  Partei  in 
Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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