# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b09c5a2b-7cd3-5a2f-875d-800baff22a63
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-09
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 09.12.2022 SST.2022.159
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-159_2022-12-09.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2022.159 
(ST.2021.201; StA.2021.3533) 

 

 

Urteil vom 9. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Cotti 

Gerichtsschreiber Gasser 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1966, von Zürich, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Christoph Henzen,  

[…]   

 

 

 
 

Gegenstand  Exhibitionismus 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 17. September 2021 erliess die Staatsanwaltschaft Baden gegen den 

Beschuldigten einen Strafbefehl (ST.2021.3533) mit folgendem 

Sachverhalt: 

 

"Sachverhalt 
 
Exhibitionismus (Art. 194 Abs. 1 StGB) 
 
Der Beschuldigte hat eine exhibitionistische Handlung vorgenommen. 
 
Am 10.04.2021, ca. 17:22 Uhr, fuhr der Beschuldigte als Lenker des 
Elektrofahrrads […] auf dem [Weg], Bereich zwischen [Strasse] und 
[Strasse] in S., an der rechten Seite der Strafklägerin C., […], vorbei, die 
zu Fuss unterwegs war. Der Beschuldigte war in Richtung der 
Geschädigten gedreht, hatte das rechte Bein gestreckt und das linke Bein 
angewinkelt. Die linke Hand hatte der Beschuldigte am Fahrradlenker und 
mit der rechten Hand manipulierte er an seinem entblössten Penis, wobei 
er nicht erigiert war. 
 
Der Beschuldigte handelte wissentlich und willentlich.  
 
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: 
Art. 194 Abs. 1 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 4 
StGB i.V.m. Art. 106 StGB, Art. 44 StGB, Art. 47 StGB" 

 

Der Beschuldigte wurde für diesen Sachverhalt in Anwendung der obigen 

Bestimmungen zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 160.00, 

bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse 

von Fr. 900.00 verurteilt. 

 

1.2. 

Gegen den Strafbefehl erhob dieser mit Eingabe vom 23. September 2021 

Einsprache. Die Staatsanwaltschaft hielt am Strafbefehl fest und überwies 

diesen am 14. Oktober 2021 als Anklage dem Bezirksgericht Baden. 

 

2. 

Am 6. Januar 2021 fand die Hauptverhandlung vor dem Präsidenten des 

Bezirksgerichts Baden statt. Dieser erkannte gleichentags: 

 

"1. 
Der Beschuldigte ist schuldig des Exhibitionismus i.S.v. Art. 194 Abs. 1 
StGB. 
 
2. 
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der vorgenannten 
Gesetzesbestimmung sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 47 
StGB und Art. 106 StGB mit 24 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 160.00, d.h. 
total Fr. 3'840.00, und einer Busse von Fr. 960.00 bestraft. 

 - 3 - 

 

 

 
Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine 
Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen auszusprechen. 
 
3. 
Der Vollzug der ausgefällten Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB 
aufgeschoben. Die Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre 
festgesetzt. 
 
4. 
4.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
 
a) der Gerichtsgebühr Fr. 2'000.00 
b) der Anklagegebühr Fr. 800.00 
c) den Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 22.00 
d) den Spesen Fr. 180.00 
e) den Kosten für die Urteilsbegründung Fr. 200.00 

 

Total Fr. 3'202.00 
 
4.2. 
Dem Beschuldigten werden die Verfahrenskosten im Gesamtbetrag von 
Fr. 3'202.00 auferlegt.  
 
5. 
Der Beschuldigte hat seine Parteikosten selber zu tragen." 

 

 

3. 

3.1. 

Gegen dieses dem Beschuldigten am 12. Januar 2022 zugestellte Urteil 

meldete dieser mit Eingabe vom 17. Januar 2022 Berufung an. Das 

begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 27. Juni 2022 zugestellt. 

Am 14. Juli 2022 erklärte er die Berufung und stellte dabei folgende 

Anträge: 

 

"1. 
Das Urteil des Präsidiums des Strafgerichts des Bezirksgerichts Baden 
vom 6. Januar 2022 sei vollumfänglich aufzuheben. 
 
2. 
A. sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 
 
 

3.2. 

Die Staatsanwaltschaft Baden verzichtete mit Eingabe vom 20. Juli 2022 

auf das Stellen eines Nichteintretensantrags oder die Erklärung der 

Anschlussberufung. 

 

 - 4 - 

 

 

3.3. 

Mit Verfügung vom 12. August 2022 stellte der Verfahrensleiter fest, dass 

die Privatklägerin im Berufungsverfahren nicht mehr aktiv teilnimmt und das 

mündliche Berufungsverfahren durchgeführt wird. 

 

3.4. 

Mit Eingabe vom 2. September 2022 reichte der Beschuldigte eine 

vorgängige Berufungsbegründung ein, wobei er sich weitere Ausführungen 

für die Berufungsverhandlung vorbehielt. Mit vorgängiger 

Berufungsantwort vom 9. September 2022 verwies die Staatsanwaltschaft 

Baden auf die vorinstanzlichen Erwägungen. 

 

3.5. 

Die Berufungsverhandlung mit Befragung der Strafklägerin als 

Auskunftsperson und des Beschuldigten fand am 9. Dezember 2022 statt. 

 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung einen Freispruch von Schuld und 

Strafe. Das vorinstanzliche Urteil ist damit vollständig angefochten und 

umfassend zu prüfen (Art. 404 StPO). 

 

2. 

Die Vorinstanz erachtete es als erstellt, dass der Beschuldigte am 10. April 

2021 um ca. 17:22 Uhr als Lenker eines Elektrofahrrads (Kontrollschild: 

[…]) auf dem [Weg] in S. auf der rechten Seite an der Strafklägerin 

vorbeigefahren sei. Dabei habe er sich in Richtung der Strafklägerin 

gedreht, habe das rechte Bein gestreckt, das linke Bein angewinkelt und 

habe mit der rechten Hand an seinem entblössten Penis manipuliert (vgl. 

vorinstanzliches Urteil, E. II. 3.).  

 

3. 

Der Beschuldigte bringt mit Berufung vor, dass die Aussagen der 

Strafklägerin nicht glaubhafter seien als die seinen. In sachverhaltlicher 

Hinsicht sei nicht nachgewiesen, dass der Beschuldigte sein 

Geschlechtsteil im Sinne der Anklage präsentiert habe. Wenn der 

Beschuldigte sein "Gemächt gerichtet" haben sollte, so sei nicht erstellt, 

dass die Geschlechtsorgane sichtbar gewesen seien (vgl. vorgängige 

Berufungsbegründung vom 2. September 2022, S. 2 und S. 3; Plädoyer 

Beschuldigter Berufungsverhandlung, S. 4). Sollte das Gericht den 

angeklagten Sachverhalt trotzdem als erstellt erachten, so wäre in 

rechtlicher Hinsicht der subjektive Tatbestand nicht erfüllt. Sollten also 

seine Geschlechtsorgane unbeabsichtigt sichtbar gewesen sein, so wäre 

 - 5 - 

 

 

eine bewusste Zurschaustellung seines Penis zu verneinen. Wenn der 

Beschuldigte sein "Gemächt gerichtet" habe und seine Geschlechtsorgane 

unbeabsichtigt zu sehen gewesen wären, bedeute dies noch nicht, dass 

eine bewusste Zurschaustellung seines Glieds und seiner Hoden erfolgt sei 

(vgl. vorgängige Berufungsbegründung vom 2. September 2022, S. 3; 

Plädoyer Beschuldigter Berufungsverhandlung, S. 5).  

 

4. 

4.1. 

Im Folgenden gilt es die Aussagen der Strafklägerin und des Beschuldigten 

zu würdigen. Andere Beweismittel liegen nicht vor.  

 

4.2. 

Vorweg ist festzustellen, dass sich die Strafklägerin und der Beschuldigte 

vor dem Vorfall nicht kannten (GA act. 22; GA act. 29; Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 3 und S. 6). Die Strafklägerin rief am Samstag, 

10. April 2021, 17.23 Uhr, die Kantonale Notrufzentrale des 

Polizeikommandos Aargau an und meldete, dass sie soeben (17.22 Uhr) 

von einem Mann auf einem E-Bike sexuell belästigt worden sei. In der Folge 

machte sie auf polizeiliche telefonische Nachfrage Aussagen zum Vorfall 

und konnte insbesondere das von ihr notierte Kennzeichen ([…]) nennen 

(UA act. 08 f.). Zwei Tage später stellte sie auf dem Polizeiposten 

Strafantrag gegen den nunmehr eruierten Beschuldigten (UA act. 14). Am 

29. Juli 2021 wurde sie staatsanwaltlich einvernommen. Nachdem der 

Beschuldigte in der Untersuchung auf eine Konfrontationseinvernahme 

verzichtet hatte (UA act. 29), erfolgte diese anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung am 6. Januar 2022. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Anlässlich ihrer Einvernahme vom 29. Juli 2021 durch die 

Staatsanwaltschaft Baden schilderte die Strafklägerin, dass der 

Beschuldigte ihr auf seinem E-Bike entgegengekommen und rechts an ihr 

vorbeigefahren sei. Während der Vorbeifahrt habe er sein Geschlechtsteil 

präsentiert und an diesem hantiert. Das linke Bein sei "oben" und das 

rechte Bein gestreckt gewesen. Der Gummizug sei offensichtlich unter die 

Hoden und den Penis gestülpt gewesen. Der Beschuldigte habe mit seinem 

– nicht erigierten und nicht beschnittenen – Penis wedelnde Bewegungen 

gemacht. Die Bewegung habe er mit der rechten Hand gemacht, während 

die linke Hand am Lenker gewesen sei. Als ihn die Strafklägerin darauf 

angesprochen habe ("Geht es noch? Das ist nicht ihr ernst?", "Hey") habe 

sie keine Antwort erhalten (UA act. 25, Frage 10).  

 

4.3.2. 

Anlässlich ihrer erstinstanzlichen Befragung vom 6. Januar 2022 bestätigte 

die Strafklägerin ihre bei der Staatsanwaltschaft Baden gemachten 

 - 6 - 

 

 

Aussagen. Ergänzend hielt sie fest, dass es kein lockeres Fahren gewesen 

sei, sondern mit Spannung (GA act. 24). Der Beschuldigte habe keine 

klassische Masturbationsbewegung gemacht (GA act. 25). Sie habe den 

Beschuldigten zur Rede stellen wollen. Als sie ihn angesprochen habe, 

habe dieser Gas gegeben. Sie habe versucht, sich die Nummer des Velos 

zu merken. Sie habe die Nummer so lange vor sich hergesagt, bis sie diese 

in ihr Handy habe eintippen können. Diese Notiz existiere noch. Sie habe 

den Notruf gewählt, wobei ihr der Polizist mitgeteilt habe, dass keine 

Patrouille vorbeikommen könne und ferner erklärte, welche Optionen sie 

habe. Die Strafklägerin habe nicht gewollt, dass dieser Vorfall – 

möglicherweise gegenüber einem jüngeren Mädchen – nochmals passiere 

und habe daher gesagt, sie wolle Strafanzeige einreichen (GA act. 23).  

 

4.3.3. 

Vor Obergericht gab die Strafklägerin ergänzend an, dass sie nicht 

gesehen habe, wie der Beschuldigte sein Geschlechtsteil aus der Hose 

genommen habe, es sei bereits draussen gewesen (Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 3). Während des Vorgangs habe der 

Beschuldigte Blickkontakt zu ihr gehabt (Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 4). Im Übrigen bestätigte sie ihre vor der Staatsanwaltschaft Baden und 

der Vorinstanz gemachten Aussagen.  

 

4.4. 

4.4.1. 

Anlässlich seiner Einvernahme vom 26. April 2021 bei der 

Staatsanwaltschaft Baden gab der Beschuldigte an, dass er am 10. April 

2021 von seinem Wohnort mit dem E-Bike zum […] gefahren sei um dort 

[…] zu holen (UA act. 19, Frage 12). Der Beschuldigte bestätigte, den [Weg] 

entlang gefahren zu sein (UA act. 21, Frage 26). An die genaue Uhrzeit 

könne er sich nicht mehr erinnern. Da es noch hell gewesen sei, könne eine 

Uhrzeit zwischen 17:00 Uhr und 18:00 Uhr stimmen (UA act. 19, Frage 12). 

Er könne sich den Vorwurf nur so erklären, als dass er sein Gemächt zu 

einem sehr ungünstigen Zeitpunkt gerichtet habe (UA act. 20, Frage 23; 

UA act. 21, Frage 27), wobei er sich ziemlich sicher sei, dass sein 

Geschlechtsteil nicht sichtbar gewesen sei (UA act. 20, Frage 24). Er habe 

es aber keinesfalls bewusst präsentiert (UA act. 21, Frage 27). Er habe 

niemanden sexuell belästigt und er sei kein Exhibitionist (UA act. 21, Frage 

27).  

 

4.4.2. 

Anlässlich seiner erstinstanzlichen Befragung vom 6. Januar 2022 

bestätigte der Beschuldigte seine Aussagen vor der Staatsanwaltschaft 

Baden. Ergänzend hielt er fest, dass niemand anderes mit seinem E-Bike 

fahre (GA act. 33). Wenn er tatsächlich sein Gemächt gerichtet habe, dann 

sei er einhändig gefahren, andernfalls zweihändig. Zum Gas geben müsse 

 - 7 - 

 

 

er die Hand am Lenker haben und trampen, andernfalls es bei seinem Velo 

kein Gas gebe (GA act. 34).  

 

4.4.3. 

Vor Obergericht gab der Beschuldigte an, dass er den ganzen Weg 

nachgefahren sei, sich aber nicht erinnern könne, dass es zu einer 

Begegnung gekommen sei oder ihm jemand nachgerufen habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 6). Im Übrigen bestätigte der Beschuldigte seine 

vor der Staatsanwaltschaft Baden und der Vorinstanz gemachten 

Aussagen. 

 

5. 

5.1. 

Für das Obergericht bestehen keine unüberwindbaren Zweifel daran, dass 

sich der Vorfall wie angeklagt zugespielt hat. Die mehrfachen Aussagen 

der Strafklägerin vor der Staatsanwaltschaft, der Vorinstanz und dem 

Obergericht sind präzis, detailreich, stimmig und konstant. Sie hielt 

anlässlich aller Einvernahmen fest, dass der Beschuldigte auf seinem E-

Bike rechts an ihr vorbeigefahren sei, das rechte Bein gestreckt, das linke 

Bein angewinkelt und die linke Hand am Fahrradlenker gehabt habe und 

währenddessen mit der rechten Hand an seinem entblössten Penis 

manipuliert habe ("Schüttel-/Wedelbewegung"), wobei der Penis nicht 

erigiert gewesen sei. Sowohl der Penis wie auch die Hoden seien über den 

Hosenbund gestülpt gewesen. Insbesondere ist festzustellen, dass die 

Strafklägerin den Beschuldigten nicht übermässig belastet, was für eine 

Falschbeschuldigung sprechen würde. So gab sie an, dass der Penis nicht 

erigiert gewesen sei und der Beschuldigte keine 

Masturbationsbewegungen gemacht habe, wobei in diesem 

Zusammenhang weitaus schwerwiegendere Schilderungen denkbar 

gewesen wären. Die Strafklägerin und der Beschuldigte kannten sich nicht, 

womit kein Grund ersichtlich ist, dass sie den Beschuldigten 

fälschlicherweise belastet, zumal die Strafklägerin durch das 

Strafverfahren selbst eine nicht unerhebliche Belastung auf sich nimmt. 

 

5.2. 

Daran vermögen die Aussagen und Vorbringen des Beschuldigten nichts 

zu ändern. Unstreitig war er zum fraglichen Zeitpunkt am fraglichen Ort mit 

dem von der Strafklägerin beschriebenen Fahrzeug, wobei auch das von 

der Strafklägerin genannte Kontrollschild auf den Beschuldigten 

zugelassen ist. Er schliesst selber nicht komplett aus, dass er im Bereich 

des Geschlechtsteils manipuliert habe. Nach Überzeugung des 

Obergerichts stellt die Aussage des möglicherweise "Richtens des 

Gemächts" und das nicht absichtliche Zurschaustellen des 

Geschlechtsteils eine Schutzbehauptung dar. Nicht ersichtlich ist, weshalb 

dafür das Entblössen der Geschlechtsteile nötig gewesen sein soll, 

insbesondere so, dass das Glied und die Hoden über den Hosenbund 

 - 8 - 

 

 

gestülpt waren. Nach Überzeugung des Obergerichts hat er sein 

Geschlechtsteil der Strafklägerin bewusst präsentiert. 

 

6. 

6.1. 

Gemäss Art. 194 StGB wird auf Antrag mit Geldstrafe bestraft, wer eine 

exhibitionistische Handlung vornimmt. Objektiv wird das bewusste 

Zurschaustellen der Sexualorgane aus sexuellen Beweggründen verlangt 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1037/2016 vom 19. April 2017, E. 1.1). 

Vollendet ist das Delikt mit der Wahrnehmung der Handlung durch 

dasjenige Opfer, auf welches der Täter es abgesehen hat. Erforderlich ist 

dabei auch die Wahrnehmung des Vorgangs in seiner sexuellen Bedeutung 

(ISENRING, in: Basler Kommentar Strafrecht II, N. 12 zu Art. 194 StGB). 

 

Der Beschuldigte präsentierte der Strafklägerin sein Glied, indem er auf 

seinem E-Bike sitzend eine bestimmte Körperhaltung (rechtes Bein 

gestreckt, linkes Bein angewinkelt, linke Hand am Fahrradlenker, rechte 

Hand am Glied) in Richtung der Strafklägerin einnahm, an dieser vorbeifuhr 

und dabei die Hoden und seinen Penis über den Hosenbund gestülpt hatte. 

Während des Vorbeifahrens manipulierte der Beschuldigte an seinem 

Glied, was durch die Strafklägerin wahrgenommen wurde. Der Tathergang, 

insbesondere die offensichtliche Zurschaustellung des Glieds, lässt keinen 

anderen Schluss zu, als dass die Tathandlung aus rein sexueller Motivation 

erfolgte. Der Beschuldigte hat mit seiner Handlung den objektiven 

Tatbestand erfüllt. 

 

6.2.  

In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz verlangt. Der Täter muss darum wissen, 

dass er seine exhibitionistische Handlung im Sinne des Entblössens seines 

Geschlechtsorgans vor einer bestimmen Zielperson vornimmt. Er muss 

dies auch wollen. Das Gesehenwerden durch die Zielperson muss das 

eigentliche Handlungsziel des Exhibitionisten sein (ISENRING, a.a.O., N. 24 

zu Art. 194 StGB).  

 

Bei einer realistischen Betrachtungsweise des erstellten Sachverhalts kann 

der Beschuldigte die Tathandlung nur bewusst und damit gewollt 

vorgenommen haben. Der Beschuldigte zielte mit seiner Handlung einzig 

auf eine Zurschaustellung seines Penis vor der Strafklägerin ab. Die 

fehlenden Hinweise auf sonstige exhibitionistische Verhaltensweisen oder 

das Nichtvorhandensein einschlägiger Vorstrafen schliessen ein 

vorsätzliches Handeln nicht aus (vgl. vorgängige Berufungsbegründung 

vom 2. September 2022, S.  3; Plädoyer Beschuldigter 

Berufungsverhandlung, S. 5). Der subjektive Tatbestand ist erfüllt. 

 

 - 9 - 

 

 

6.3. 

Nachdem keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich 

sind, hat sich der Beschuldigte des Exhibitionismus gemäss Art. 194 Abs. 1 

StGB strafbar gemacht. 

 

7. 

7.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze zur Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 144 IV 217; 141 IV 61; 136 IV 55), worauf 

verwiesen werden kann. Der Strafrahmen von Art. 194 StGB beträgt 3 bis 

180 Tagessätze Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaft beantragte 30 

Tagessätze Geldstrafe zu Fr. 160.00, bedingt vollziehbar bei einer 

Probezeit von 2 Jahren, sowie eine Verbindungsbusse von Fr. 900.00. Die 

Vorinstanz sprach eine Geldstrafe von 24 Tagessätzen zu Fr. 160.00 

(bedingt, Probezeit 2 Jahre) und eine Verbindungsbusse von Fr. 960.00 

aus. Sie nahm dabei ein Verschulden an, das eine Strafe im unteren Viertel 

des Strafrahmens ergab. Der Beschuldigte äussert sich nicht zur 

Strafzumessung. 

 

7.2. 

Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist leicht zu Gunsten des 

Beschuldigten zu berücksichtigen, dass die Tat einen sehr kurzen Moment 

dauerte, er währenddessen auf seinem E-Bike an der Strafklägerin 

vorbeifuhr und sich somit noch während der Tat wieder von ihr entfernte. 

Die spazierende Strafklägerin wählte er als reines Zufallsopfer aus. 

Hinsichtlich der Täterkomponente kann auf die ausführlichen und 

zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(vgl. vorinstanzliches Urteil, E. III. 1.6.), zumal sich an den Ausführungen 

der Vorinstanz nichts geändert hat (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 8 f.). Im Ergebnis ist noch von einem leichten Verschulden auszugehen 

und erweist sich eine Geldstrafe von 24 Tagessätzen, in Verbindung mit 

einer Busse von Fr. 960.00 (vgl. E. 7.4. hiernach) als angemessen. 

 

7.3. 

Die Höhe des Tagessatzes ist gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB nach den 

persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen zum Zeitpunkt des Urteils 

(hier Berufungsurteil) zu bemessen, insbesondere nach dem Einkommen, 

dem Lebensaufwand, den Unterstützungspflichten und dem 

Existenzminimum.  

 

An dem von der Vorinstanz errechneten monatlichen Nettoverdienst hat 

sich nichts geändert (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 8). Die von der 

Vorinstanz gemachten Abzüge für die Krankenkasse und Steuern sowie 

die Unterstützungsabzüge für die beiden Kinder sind korrekt 

(vorinstanzliches Urteil, E. III. 2.2.). Entsprechend bleibt es beim Tagessatz 

in der Höhe von Fr. 160.00. 

 - 10 - 

 

 

 

7.4. 

Die Vorinstanz hat eine Verbindungsbusse von Fr. 960.00 ausgesprochen. 

Die Verbindung der bedingt ausgesprochenen Geldstrafe mit einer Busse 

ist angezeigt, um dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und 

die Konsequenzen seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Unter 

Berücksichtigung der untergeordneten Bedeutung der Verbindungsbusse 

sowie der wirtschaftlichen Verhältnisse und dem Verschulden des 

Beschuldigten ist die von der Vorinstanz festgesetzte Höhe wie auch die 

angeordnete Ersatzfreiheitstrafe von 6 Tagen nicht zu beanstanden.  

 

7.5. 

Der bedingte Strafvollzug und die Probezeit sind nicht zu beanstanden und 

zu gewähren. 

 

8. 

Die Berufung des Beschuldigten ist vollumfänglich abzuweisen. Bei diesem 

Verfahrensausgang sind ihm die obergerichtlichen Verfahrenskosten 

vollständig aufzuerlegen (Art. 428 StPO) und es ist ihm keine 

Parteientschädigung auszurichten. Die vorinstanzliche Kostenregelung ist 

nicht zu beanstanden. 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig des Exhibitionismus i.S.v. Art. 194 Abs. 1 

StGB. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der vorgenannten 

Gesetzesbestimmung sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 47 

StGB und Art. 106 StGB mit einer Geldstrafe von 24 Tagessätzen zu 

Fr. 160.00, d.h. total Fr. 3'840.00, und einer Busse von Fr. 960.00 bestraft. 

 

Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen auszusprechen. 

 

3. 

Der Vollzug der ausgefällten Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB 

aufgeschoben. Die Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

 

 - 11 - 

 

 

4. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer 

Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00 und den Auslagen von Fr. 134.00, 

insgesamt Fr. 2'134.00 werden dem Beschuldigten vollumfänglich 

auferlegt. 

 

5. 

Dem Beschuldigten werden die erstinstanzlichen Verfahrenskosten im 

Gesamtbetrag von Fr. 3'202.00 auferlegt. 

 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 
   

Aarau, 9. Dezember 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:     Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Plüss      Gasser