# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a4d1a83-a89b-573d-b900-08cdcee231ac
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-30
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 30.04.2024 SST.2023.229
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-229_2024-04-30.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2023.229 
(ST.2022.83; STA.2019.4186) 

 

 

Urteil vom 30. April 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Möckli  

Gerichtsschreiber i.V. Wildi 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

Privatkläger   A._____, 

[...] 

vertreten durch Rechtsanwältin Stefanie Maag,  

[...] 

 

    
    

Beschuldigter   C._____,  

geboren am tt.mm.1986, von Mazedonien, 

[...] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Thomas Stössel,  

[...] 

 

 

  

 
 

Gegenstand  Fahrlässige Körperverletzung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erliess am 28. September 2022 ge-

gen den Beschuldigten den folgenden Strafbefehl: 

 

"[...] 
 
Sachverhalt: 
 
Fahrlässige Körperverletzung 
 
Am Nachmittag des 26. Juni 2019 kam es am Y-weg 1, in  Z._____, Y-weg 1, zu einem 
Arbeitsunfall, bei welchem der Privatkläger eine Fersenbeinfraktur am rechten Fuss erlitt. 
Er war dort als Maler am Einfamilienhaus des Beschuldigten tätig. Für diese Arbeit stellte 
der Beschuldigte eine fahrbare Hebebühne (Kontrollschild VD [...], Fabrikat Snake 2010 
des Herstellers Oil & Steel) zur Verfügung und installierte diese auch selbst, wobei die 
Hebebühne im Verlaufe der Arbeiten mehrmals durch den Beschuldigten umplatziert 
wurde. Nach der letzten Umplatzierung versäumte es der Beschuldigte pflichtwidrig, die 
Hebebühne gehörig zu sichern, in vorgeschriebener Weise zu nivellieren und erst dann 
sicher in Betrieb zu nehmen bzw. er platzierte die Hebebühne in einer Steigung von ca. 9-
10°, in welcher die vorgeschriebene Nivellierung der Bühne nicht ohne weitere Sicherheits-
vorkehrungen möglich war. Der Beschuldigte unterliess es dabei insbesondere, die ab-
wärts liegenden Stützen beispielsweise mit einer zusätzlichen Unterlage aus einem Kreuz-
verbund aus Kanthölzern zu unterlegen und die hangaufwärts stehenden Räder mit zu-
sätzlichen Keilen zu sichern oder die Hebebühne entgegen der Fahrtrichtung bzw. rück-
wärts an der Steigung zu positionieren, um die Bremswirkung der mechanischen Hand-
bremse an den Hinterrädern zu nutzen. Durch das Pflichtversäumnis des Beschuldigten 
setzte sich die Hebebühne auf der abschüssigen Strasse in für den Beschuldigten vermeid-
barer und vorhersehbarer Weise selbständig in Bewegung. Der sich auf der Hebebühne 
befindende Privatkläger sprang in der Folge aus deren Korb auf die Strasse, wobei er eine 
dislozierte Fersenbeinfraktur rechts erlitt. Der Umstand, dass der Beschuldigte die Hebe-
bühne fahrlässig nicht vorschriftsgemäss gesichert in Betrieb genommen hat und den Pri-
vatkläger dennoch anwies, die Hebebühne zu betreten, war für die Verletzung des Privat-
klägers kausal. 
 
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: 
 
Art. 125 Abs. 1 StGB 
 
Der Beschuldigte wird verurteilt zu: 

 

1. 

Einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 80.00, bedingt aufgeschoben bei einer 

Probezeit von 2 Jahren. 

 

2. 

Einer Busse von CHF 1'500.00. 

Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 

19 Tagen. 

 

3. 

Den Kosten 

 - 3 - 

 

 

- Strafbefehlsgebühr CHF 1'000.00 

- Auslagen CHF 9'630.65 

Rechnungsbetrag CHF 12'130.65 

 

Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen, wird separat ver-

fügt. 

 

4. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

5. 

Dar Urteil wird im Strafregister eingetragen. 

 

6. 

Die Zivilforderung der Privatklägers A._____ wird auf den Zivilweg verwiesen." 

 

1.2. 

Gegen diesen Strafbefehl erhob der Beschuldigte am 5. Oktober 2022 Ein-

sprache. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm hielt an ihrem Strafbefehl 

fest und überwies die Akten mit Verfügung vom 24. Oktober 2022 an das 

Bezirksgericht Kulm zur Durchführung der Hauptverhandlung. 

 

2. 

2.1. 

Am 3. Mai 2023 fand die Hauptverhandlung vor der Präsidentin des Be-

zirksgerichts Kulm mit Befragung des Privatklägers und des Beschuldigten 

statt. 

 

2.2. 

Der Privatkläger stellte anlässlich der Hauptverhandlung folgende Anträge: 

 

"1. 

Es sei der Beschuldigte der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen. 

 

2. 

Er sei gemäss Strafbefehl vom 28. September 2022 zu bestrafen. Der Tagessatz sei an-

zupassen. 

 

3. 

Es sei die Zivilklage des Geschädigten dem Grundsatz nach vollumfänglich gutzuheissen 

und es sei der Beschuldigte für den Geschädigten aufgrund des Unfalls vom 26.06.2019 

entstandenen Schaden vollumfänglich haftpflichtig zu erklären. 

 

4. 

Die Schadenshöhe inklusive Genugtuung sei durch den Zivilrichter festzulegen. 

 

 - 4 - 

 

 

5. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten, eventuell zu 

Lasten des Staates." 

 

2.3. 

Der Beschuldigte stellte anlässlich der Hauptverhandlung folgende An-

träge: 

 

"1. 

Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen. 

 

2. 

Die Zivilforderungen des Privatklägers seien auf den Zivilweg zu verweisen. 

 

3. 

Es sei ein Unfallrekonstruktionsgutachten am Unfallort durchzuführen. 

 

4. 

Die Kosten des Verfahrens seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen und dem 

Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung (zzgl. 7.7 % MwSt.) zuzusprechen." 

 

2.4. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Kulm erkannte gleichentags: 

 

"1. 

Der Beschuldigte ist schuldig  

- der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 

auf Art. 34 und Art. 47 StGB zu 90 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. Der Tagessatz wird 

auf Fr. 90.00 festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich auf Fr. 8'100.00. 

 

2.2. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der bedingte Strafvoll-

zug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 

 

2.3. 

Erläuterung zur bedingten Strafe (Art. 44 Abs. 3 StGB): Wer zu einer bedingten Geldstrafe 

verurteilt wurde, muss diese einstweilen nicht bezahlen. Im Falle des Wohlverhaltens wäh-

rend der angesetzten Probezeit entfällt eine Verbüssung endgültig. Wer während der Pro-

bezeit erneut straffällig wird, muss damit rechnen, die Geldstrafe zusätzlich zur neuen 

Strafe bezahlen zu müssen. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 

auf Art. 106 und Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer Busse von Fr. 1'620.00 verurteilt. 

 

 - 5 - 

 

 

3.2. 

Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 18 Tagen 

vollzogen. 

 

4. 

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Zivil- und Strafkläger aus dem 

Unfallereignis vom 26. Juni 2019 dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur ge-

nauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Zivil- und Straf-

kläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

 

5. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger seine richterlich genehmigten 

Parteikosten von Fr. 11'470.25 (inkl. MwSt.) zu bezahlen.  

 

6. 

Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

a) der Gerichtsgebühr von    Fr. 1'000.00 

b) der Anklagegebühr von   Fr.  1'000.00 

c) den Kosten für die Beweisführung von   Fr.  9'642.65 

d) den anderen Auslagen von   Fr.       83.35 

 

Total    Fr.         11'726.00 

 

Die Gebühren (lit. a) und die Kosten gemäss lit. b) – d) im Gesamtbetrag von Fr. 11'726.00 

werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

7. 

Die Übersetzungskosten von Fr. 305.00 werden auf die Staatskasse genommen. 

 

8. 

Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber." 

 

2.5. 

Mit Eingabe vom 31. Mai 2023 meldete der Beschuldigte Berufung an. Das 

begründete Urteil wurde ihm in der Folge am 7. September 2023 zugestellt. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 27. September 2023 stellte der Beschuldigte 

folgende Anträge: 

 

"1. 

Es sei das Urteil der Vorinstanz vom 3. Mai 2023 vollumfänglich aufzuheben und der Be-

schuldigte sei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 1 StGB 

freizusprechen. 

 

2. 

Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien abzuweisen. 

 

 - 6 - 

 

 

3. 

Eventualiter sei das Urteil der Vorinstanz vom 3. Mai 2023 vollumfänglich aufzuheben und 

die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

 

4. 

Es sei ein Unfallrekonstruktionsgutachten am Unfallort durchzuführen. 

 

5. 

Es seien die gesamten Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen und es sei dem 

Beschuldigten eine angemessene Entschädigung (zzgl. 7.7 % MwSt.) zuzusprechen." 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 16. Oktober 2023 teilte der Privatkläger mit, am Beru-

fungsverfahren teilzunehmen. 

 

3.3. 

Mit Verfügung vom 16. Oktober 2023 teilte die Staatsanwaltschaft Zofin-

gen-Kulm mit, dass sie darauf verzichte, einen Nichteintretensantrag zu 

stellen oder die Anschlussberufung zu erklären. 

 

3.4. 

Mit Verfügung vom 16. November 2023 wurde im Einverständnis der Par-

teien die Durchführung des schriftlichen Berufungsverfahrens angeordnet. 

 

3.5. 

Mit Berufungsbegründung vom 6. Dezember 2023 stellte der Beschuldigte 

folgende Anträge: 

 

"1. 

Es sei das Urteil der Vorinstanz vom 3. Mai 2023 vollumfänglich aufzuheben und der Be-

schuldigte sei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 1 StGB 

freizusprechen. 

 

2. 

Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien abzuweisen. 

 

3. 

Eventualiter sei das Urteil der Vorinstanz vom 3. Mai 2023 vollumfänglich aufzuheben und 

die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

 

4. 

Subeventualiter sei der Beschuldigte im Falle eines Schuldspruchs mit einer bedingten 

Geldstrafe von 80 Tagessätzen à CHF 90.00 zu bestrafen. 

 

5. 

Es seien die gesamten Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen und es sei dem 

Beschuldigten darüber hinaus eine angemessene Entschädigung (zzgl. 7.7 % MwSt.) zu-

zusprechen." 

 

 - 7 - 

 

 

3.6. 

Mit begründeter Berufungsantwort vom 20. Dezember 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm die kostenfällige Abweisung der Beru-

fung. 

 

3.7. 

Der Privatkläger beantragte mit Berufungsantwort vom 27. Dezember 2023 

die Abweisung der Berufung, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu 

Lasten des Beschuldigten, eventualiter zu Lasten der Staatskasse. 

 

3.8. 

Mit Eingabe vom 5. Januar 2024 reichte der Beschuldigte eine Stellung-

nahme zu der von der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm und des Privat-

klägers eingereichten Berufungsantwort ein. 

 

3.9. 

Mit Eingabe vom 13. Februar 2024 teilte der ursprüngliche Rechtsvertreter 

des Privatklägers, Rechtsanwalt Werner Marti, seine Mandatsniederlegung 

mit. 

 

3.10. 

Mit Eingabe vom 14. Februar 2024 wies die Rechtsvertreterin des Privat-

klägers, Rechtsanwältin Stefanie Maag, auf das neue Vertretungsverhält-

nis hin und stellte gleichzeitig ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 

und Rechtsverbeiständung. 

 

3.11. 

Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 27. Februar 2024 wurde dem Pri-

vatkläger für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege be-

treffend die Befreiung von den obergerichtlichen Verfahrenskosten ge-

währt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung die Aufhebung des vorinstanzli-

chen Urteils. Eventualiter sei das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich auf-

zuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Falle eines Schuld-

spruchs sei der Beschuldigte subeventualiter mit einer bedingten Geld-

strafe von 80 Tagessätzen à Fr. 90.00 zu bestrafen. 

 

2. 

2.1. 

Zunächst macht der Beschuldigte in verfahrensrechtlicher Hinsicht eine 

Verletzung seiner Teilnahmerechte nach Art. 147 Abs. 1 StPO geltend, 

 - 8 - 

 

 

indem ihm sein Anwesenheitsrecht an der von der Kantonspolizei durchge-

führten (und von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen) Steigungs-

messung am Unfallort nicht gewährt worden sei, obwohl ihn die Staatsan-

waltschaft im Ermittlungsauftrag vom 10. Dezember 2020 noch ausdrück-

lich darauf hingewiesen habe. Indem die Vorinstanz anschliessend auf 

diese Steigungsmessung abgestellt habe, habe sie auch das rechtliche Ge-

hör des Beschuldigten verletzt (Berufungsbegründung Ziff. 12). 

 

2.2. 

2.2.1. 

Gemäss Art. 195 Abs. 1 StPO haben die Strafbehörden amtliche Berichte 

und Arztzeugnisse über Vorgänge einzuholen, die im Strafverfahren be-

deutsam sein können. Amtsberichte geben die Sichtweise und Auffassung 

einer Behörde zu einer Fachfrage wieder, wobei deren Erstellung in der 

Regel keine besonderen Fachkenntnisse erfordert bzw. solche müssen zur 

Erstellung des Berichts nur im geringen Umfang eingesetzt werden. Ist je-

doch ein Gutachten notwendig, darf kein Amtsbericht im Sinne von Art. 195 

Abs. 1 StPO eingeholt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_235/2020 

vom 1. Februar 2021 E. 2.5.2). 

 

2.2.2. 

Die Kantonspolizei Aargau wurde mit Ermittlungsauftrag der Staatsanwalt-

schaft Zofingen-Kulm vom 10. Dezember 2020 dazu aufgefordert, sowohl 

die Neigung der Strasse als auch die Beschaffenheit des Untergrunds am 

Aufstellort der Hebebühne zu ermitteln (UA act. 77). Dabei kommt den ein-

zelnen Messungen die Qualität eines Amtsberichts zu. Insbesondere be-

darf es hierfür kein besonderes Fachwissen der Polizei und es steht ihr 

naturgemäss kein Beurteilungsermessen zu. Die einfache Messung der 

Hangneigung sowie der Beschaffenheit des Untergrunds geht damit nicht 

über die reine Feststellung von Beamten hinaus, womit dem Beschuldigten 

– gleich, wie wenn die Gutachter die Polizei mit der Messung der Strasse 

gestützt auf Art. 185 Abs. 4 StPO betraut hätten – kein Teilnahmerecht zu-

stand. 

 

2.3. 

2.3.1. 

Gemäss Art. 193 Abs. 1 StPO besichtigen die Staatsanwaltschaft, die Ge-

richte und, in einfachen Fällen, die Polizei Gegenstände, Örtlichkeiten und 

Vorgänge, die für die Beurteilung eines Sachverhalts bedeutsam sind, aber 

nicht unmittelbar als Beweisgegenstände vorliegen, in einem Augenschein 

an Ort und Stelle. Zwar gelten diesbezüglich grundsätzlich die Teilnahme-

rechte der Parteien im Sinne von Art. 147 StPO (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 1B_522/2017 vom 4. Juli 2018 E. 3.3 und 3.8). Ein Augenschein kann 

jedoch dann ohne Gewährung der Teilnahmerechte durchgeführt werden, 

wenn die Polizei einfache, durch Bildaufnahmen dokumentierte Feststel-

lungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft vornimmt (SCHMID/JOSITSCH, 

 - 9 - 

 

 

Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, N. 2 und 4 zu 

Art. 193 StPO). 

 

2.3.2. 

Ginge man bei der Messung der Neigung und der Beschaffenheit des Un-

tergrunds von einem Augenschein im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StPO aus, 

wäre vorliegend von einem einfachen Fall auszugehen. Die Gewährung  

eines Teilnahmerechtes des Beschuldigten wäre demnach auch unter die-

sem Titel nicht notwendig gewesen, womit eine Verletzung des rechtlichen 

Gehörs des Beschuldigten zu verneinen wäre und sich die Prüfung einer 

möglichen Rückweisung an die Vorinstanz erübrigt. Daran ändert im Übri-

gen auch der im Ermittlungsauftrag enthaltene Hinweis auf die Gewährung 

der Teilnahmerechte nichts, da sich dieser klarerweise einzig auf die 

Durchführung delegierter Einvernahmen bezieht (UA act. 77). 

 

3. 

3.1. 

Als Sachbeweis liegen insbesondere das technische Gutachten vom 

31. Mai 2022 (UA act. 22 ff.) sowie das Ergänzungsgutachten vom 23. Juni 

2022 (UA act. 57 ff.) vor, welche im Auftrag der Staatsanwaltschaft Zofin-

gen-Kulm durch die G._____ von den Gutachtern H._____, Dipl. Automo-

bil-Ing HTL und Dr. sc. techn. I._____, Geschäftsleiter, Dipl.-Ing. [...], Do-

zent für [...], erstellt wurden. Der Beschuldigte bringt mit Berufung verschie-

dene Einwände gegen das Unfallrekonstruktionsgutachten resp. Ergän-

zungsgutachten vor. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Der Beschuldigte beanstandet zunächst die durchgeführte Unfallrekon-

struktion an einem alternativen Standort. Es sei nicht zutreffend, dass kei-

ner der Beteiligten diesbezüglich Einwände vorgebracht habe (Berufungs-

begründung Ziff. 8). Vielmehr habe der Beschuldigte gefordert, die Unfall-

rekonstruktion direkt am Unfallort vorzunehmen, zumal selbst das Oberge-

richt mit Entscheid vom 29. Oktober 2021 ausdrücklich gefordert habe, ein 

Gutachten im Sinne einer Rekonstruktion am Unfallort einzuholen. Indem 

die Vorinstanz dem Beschuldigten die angeblich fehlende Einwilligung an-

lässlich der Unfallrekonstruktion zum Nachteil angerechnet habe, habe sie 

das Legalitätsprinzip nach Art. 5 Abs. 1 BV sowie "verfahrensrechtliche 

Bestimmungen der StPO" verletzt (Berufungsbegründung Rz. 9). Zudem 

würden die Gegebenheiten am Unfallort offensichtlich vom alternativen 

Standort abweichen, weshalb das Gutachten initial von falschen Grundla-

gen ausgehe (Berufungsbegründung Ziff. 10). Ausserdem sei eine Vorein-

genommenheit der Gutachter festzustellen, da diese eine Unfallrekonstruk-

tion am Unfallort als zu gefährlich beurteilt hätten und damit von Anfang 

davon ausgegangen seien, dass am Unfallstandort keine Hebebühne auf-

gestellt werden könne (Berufungsbegründung Ziff. 13). 

 - 10 - 

 

 

3.2.2. 

Ein amtliches bzw. gerichtliches Gutachten wird von der Staatsanwaltschaft 

oder dem Gericht in Auftrag gegeben, wobei der Sachverständige als "Ge-

hilfe" des Gerichts verstanden wird und in dessen Diensten steht. Für die 

Begutachtung selbst besteht jedoch für den Sachverständigen in der Regel 

Methodenfreiheit (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1363/2019 

vom 19. November 2020 E. 1.2.3). Den Parteien steht lediglich ein Mitspra-

che- und Antragsrecht zu, d.h. sie haben keinen Anspruch auf eine be-

stimmte sachverständige Person (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1320/2020 vom 12. Januar 2022 E. 5.5.2). Allfällige Einwendungen ge-

gen die Person des Experten machen damit nur dort Sinn, wo gutachterli-

cher Erkenntnisse stark von Wertungen abhängen können (Art. 184 Abs. 3 

Satz 2 StPO; vgl. auch HEER, in: Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 

3. Aufl. 2023, N. 22 f. zu Art. 184 StPO). Sodann steht dem Betroffenen im 

Rahmen seines rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 188 StPO das Recht 

zu, die gutachterlichen Feststellungen persönlich zur Kenntnis zu nehmen. 

 

3.2.3. 

Aufgrund der vom Beschuldigten gemachten Handyaufnahmen unmittelbar 

nach dem Vorfall war es den Gutachtern möglich, sowohl den Standort der 

Hebebühne zum Zeitpunkt des Abrutschens sowie deren Unfallendstandort 

zu ermitteln (UA act. 26). Zudem diente den Gutachtern eine Luftaufnahme 

der fraglichen Strasse (Y-weg) (UA act. 25, 27). In Kombination mit den von 

der Polizei gemachten (drei) Steigungsmessungen an unterschiedlichen 

Strassenabschnitten ist davon auszugehen, dass die Rekonstruktion des 

Unfalls durch die Gutachter am alternativen Standort anhand der vorliegen-

den Angaben einfach validierbar und damit auch eine relativ genaue Re-

konstruktion des Unfalles möglich war. Auch wenn die Steigung am Rekon-

struktionsort im Vergleich zum Unfallort stellenweise etwas abwich (ge-

mäss Ergänzungsgutachten vom 23. Juni 2022 ein paar Zehntelgrade; UA 

act. 57), ist damit nicht von einer wesentlichen Abweichung der Gegeben-

heiten auszugehen. Insofern kann ohne Weiteres auf die gutachterlichen 

Erkenntnisse – zu welchen der Beschuldigte im Übrigen mit Eingabe vom 

10. Juni 2022 (UA act. 47 ff.) bzw. vom 27. Juli 2022 (UA act. 69 ff.) aus-

führlich Stellung nehmen konnte – abgestellt werden. Das vorliegend rein 

technische Gutachten war insbesondere auch nicht von allfälligen Wertun-

gen abhängig (vgl. E. 3.2.2 hiervor). 

 

3.3. 

Im Übrigen ist zutreffend, dass eine Rekonstruktion am Unfallort durch die 

Gutachter aufgrund der engen Platzverhältnisse als gefährlich eingestuft 

wurde (UA act. 28 Ziff. 6.1). Die Gutachter hatten jedoch ein Aufstellen der 

Hebebühne am Unfallort nicht als solches ausgeschlossen. Sie wiesen le-

diglich darauf hin, dass das Aufstellen der Hebebühne am Unfallort durch-

aus möglich gewesen wäre, aufgrund des möglichen Abrutschens jedoch 

weitere Sicherheitsmassnahmen notwendig gewesen wären (UA act. 36 

 - 11 - 

 

 

Ziff. 7). Hinzu kommt, dass die Gutachter im Ergänzungsgutachten vom 

23. Juni 2022 unter Angabe genauer Vorgehensschritte eine Rekonstruk-

tion am Unfallort explizit angeboten haben. Inwieweit den Gutachtern damit 

eine Voreingenommenheit unterstellt werden soll, erschliesst sich dem 

Obergericht nicht. 

 

3.4. 

Schliesslich geht auch die Ansicht des Beschuldigten fehl, der zuständige 

Polizist sei als technischer Laie für die Steigungsmessung ungeeignet ge-

wesen, indem er mit der gewählten Messmethode (Wasserwaage mit Li-

belle satt einer digitalen Wasserwaage) die Messunsicherheit zusätzlich er-

höht habe (Berufungsbegründung Ziff. 11). Die Aufgaben der Polizei um-

fassen nach Art. 306 Abs. 2 lit. a StPO unter anderem auch die Sicherstel-

lung und Auswertung von Beweisen. Davon erfasst wird auch die vorlie-

gende Steigungsmessung des Y-wegs, zumal diesbezüglich ein rechtmäs-

sig delegierter Ermittlungsauftrag an die Polizei im Sinne von Art. 312 Abs. 

1 StPO voranging (UA act. 77). Anhand der aktenkundigen Bilder (UA 

act. 306) wird denn auch nicht ersichtlich, weshalb der Polizist vorliegend 

eine falsche Messmethode gewählt haben soll. Zudem führt der Beschul-

digte nicht weiter aus, inwiefern mit einer digitalen Wasserwaage (statt ei-

ner Wasserwaage mit Libelle) wesentlich präzisere Steigungsmessungen 

am Unfallort möglich gewesen wären. Selbst wenn dem aber so sein sollte 

– wovon das Obergericht nicht ausgeht –, würden minimale Differenzen bei 

der Steigungsmessung nicht ins Gewicht fallen, da die maximal zulässige 

Arbeitsneigung der Hebebühne im vorliegenden Fall deutlich überschritten 

wurde (vgl. E. 4.2.2 nachfolgend). 

 

3.5. 

Zusammenfassend kann damit auf das vollständige, schlüssige und nach-

vollziehbare Gutachten vom 31. Mai 2022 bzw. Ergänzungsgutachten vom 

23. Juni 2022 abgestellt werden. Daran vermögen auch die Vorbringen des 

Beschuldigten nichts zu ändern, da sich insbesondere auch aufgrund der 

übrigen Beweismittel keine ernsthaften Zweifel an der Schlüssigkeit der 

gutachterlichen Darstellung aufdrängen. Aufgrund des Gesagten erübrigt 

sich damit die vom Beschuldigten beantrage Unfallrekonstruktion am Un-

fallort (Berufungsbegründung Ziff. 3). Der diesbezügliche Beweisantrag 

des Beschuldigten ist vor diesem Hintergrund abzuweisen. 

 

4. 

4.1. 

Folgender Sachverhalt ist erstellt und unbestritten: Am 26. Juni 2019 war 

der Privatkläger als Maler für Malerarbeiten an der Liegenschaft des Be-

schuldigten am Y-weg 1 in Z._____ tätig. Hierfür stellte der Beschuldigte 

dem Privatkläger ein Hebebühnenfahrzeug zur Verfügung (Kontrollschild 

VD [...]; Snake 2010 Compact RE des Herstellers Oil & Steel), welches er 

bei der K._____ SA mietete und welches – je nach Einsatzort an der 

 - 12 - 

 

 

Fassade der Liegenschaft des Beschuldigten – mehrmals vom Beschuldig-

ten umplatziert werden musste. Nachdem die Hebebühne für eine letzte 

Umplatzierung neu aufgestellt werden musste, stieg der Privatkläger erneut 

in den Arbeitskorb der Hebebühne, um seine Malerarbeiten fortzuführen. 

Dabei setzte sich das Hebebühnenfahrzeug selbständig bergabwärts in 

Richtung Hauptstrasse in Bewegung. In der Folge sprang der Privatkläger 

aus dem Korb der Hebebühne auf die Strasse, wobei er sich bei der Lan-

dung einen Trümmerbruch des Fersenbeins zuzog. 

 

4.2. 

4.2.1. 

Der Beschuldigte bestreitet in sachverhaltlicher Hinsicht, die Hebebühne 

an einer Stelle aufgestellt zu haben, an welcher die Steigung ca. 9-10 Grad 

betragen habe. Vielmehr sei von einer Steigung von zwei bis vier Grad aus-

zugehen. Auch habe der Beschuldigte den Privatkläger nicht dazu aufge-

fordert, sich in den Korb der Hebebühne zu begeben bzw. aus dem Korb 

zu springen. Schliesslich habe sich die Hebebühnenvorrichtung nicht in  

einem ausgefahrenen Zustand befunden, als diese ins Rollen geraten sei 

(Berufungsbegründung Ziff. 7, 15). 

 

4.2.2. 

Gemäss Gutachten vom 31. Mai 2022 wurde die Hebebühne eher am obe-

ren Ende des Y-wegs platziert, bevor diese abzurutschen begann (UA act. 

25 Ziff. 5.2). Dies zeigt auch der Standort der für die vorderen Stützen der 

Hebebühne genutzten Abstützplatten (UA act. 26 Bild 2). Auch der Privat-

kläger zeichnete die Hebebühne anlässlich der delegierten Einvernahme 

vom 17. Juni 2022 an gleicher Stelle auf (UA act. 122 Ziff. 22, act. 123 f.). 

Dass die Abstützplatten nach dem Unfall durch Dritte verschoben worden 

sein könnten, erscheint mit der Vorinstanz ausweislich der Akten als un-

wahrscheinlich (vgl. auch UA act. 58). Vielmehr ist davon auszugehen, 

dass die Hebebühne am oberen Abschnitt der Strasse aufgestellt wurde, 

bevor diese zu rutschen begann. Darüber hinaus würde es ohnehin nichts 

an den gemachten Schlussfolgerungen ändern, wenn zugunsten des Be-

schuldigten von einer Ausgangsposition der Hebebühne einige Meter wei-

ter unten ausgegangen würde (UA act. 58). Gemäss Gutachten weist der 

fragliche Strassenabschnitt eine Steigung von mindestens 8.06 Grad bzw. 

maximal 10.85 Grad auf (UA act. 25 Ziff. 5.1), wovon für den vorliegenden 

Fall folglich auszugehen ist. Im Übrigen lässt sich diese Steigungsmessung 

mithilfe des Aargauischen Geografischen Informationssystems (AGIS) 

auch ohne Weiteres überprüfen ([...]). 

 

4.2.3. 

Betreffend die Frage, ob der Beschuldigte den Privatkläger angewiesen 

habe, in den Korb zu steigen, kann sodann auf die Aussagen des Beschul-

digten anlässlich der delegierten Einvernahme vom 17. Juni 2020 abge-

stellt werden: Dannzumal gab er an, dem Privatkläger gesagt zu haben, er 

 - 13 - 

 

 

solle in den Korb steigen, um zu testen, ob der Korb funktioniere (UA 

act. 129 Ziff. 14). Dies bestätigte er auch schriftlich im Rahmen der von ihm 

unterzeichneten Schadensmeldung an die K._____ SA vom 26. Juni 2019 

(UA act. 158 f.). Auch der Privatkläger führte aus, dass es der Beschuldigte 

gewesen sei, welcher ihn dazu aufgefordert habe, in den Korb zu steigen 

(UA act. 115 Ziff. 13). Demzufolge ist es als erstellt zu erachten, dass die 

Aufforderung, in den Korb zu steigen, direkt vom Beschuldigten kam. 

Schliesslich ist zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass der 

Arbeitskorb der Hebebühne noch nicht ausgefahren war, als die Hebe-

bühne zu rutschen begann. Letztlich erweist sich dieser Umstand für die 

Frage nach der Vorhersehbarkeit des Erfolgs jedoch ohnehin als unerheb-

lich (vgl. E. 5.7.1 nachfolgend). 

 

5. 

5.1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm wirft dem Beschuldigten mit Ankla-

geschrift vor, die Hebebühne an einem Ort platziert zu haben, an welchem 

die vorgeschriebene Nivellierung der Hebebühne nicht ohne weitere Si-

cherheitsvorkehrungen möglich gewesen sei. Der Beschuldigte habe es 

pflichtwidrig unterlassen, die abwärts liegenden Stützen mit einer zusätzli-

chen Unterlage aus einem Kreuzverbund aus Kanthölzern zu unterlegen 

und die hangaufwärtsstehenden Räder mit zusätzlichen Keilen zu sichern 

oder die Hebebühne entgegen der Fahrtrichtung zu positionieren, um die 

Bremswirkung der mechanischen Handbremse an den Hinterrädern nutzen 

zu können. Durch dieses Pflichtversäumnis habe sich die Hebebühne in 

vorhersehbarer und vermeidbarer Weise selbständig in Bewegung gesetzt. 

Der sich im Korb befindende Privatkläger habe in der Folge abspringen 

müssen und dabei eine dislozierte Fersenbeinfraktur erlitten. Der Beschul-

digte habe die Hebebühne demnach fahrlässig bzw. nicht vorschriftsge-

mäss gesichert in Betrieb genommen und dennoch den Privatkläger dazu 

aufgefordert, in den Korb zu steigen, was für die Verletzung des Privatklä-

gers schlussendlich kausal gewesen sei. 

 

Dem Beschuldigten wird hierfür eine fahrlässige Körperverletzung gemäss 

Art. 125 Abs. 1 StGB vorgeworfen. 

 

5.2. 

5.2.1. 

Gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB wird auf Antrag bestraft, wer fahrlässig einen 

Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt. Der Privatkläger 

reichte mit Schreiben vom 26. August 2019 "Strafanzeige" und damit sinn-

gemäss auch einen Strafantrag gegen den Beschuldigten wegen fahrlässi-

ger Körperverletzung ein (UA act. 83 ff.). 

 

 - 14 - 

 

 

5.2.2. 

Zunächst ist mit Blick auf den Taterfolg festzuhalten, dass die vom Privat-

kläger erlittene und unbestritten gebliebene Verletzung (dislozierte Fersen-

beinfraktur rechts; UA act. 97 f.) ohne Weiteres als einfach im Sinne von 

Art 125 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 123 StGB zu qualifizieren ist. Eine fahrläs-

sige schwere Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB ist von der 

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm auch nicht angeklagt worden. 

 

5.3. 

5.3.1. 

Zu klären ist sodann, ob dem Beschuldigten ein Tun oder Unterlassen vor-

geworfen werden kann. Die Vorinstanz hat sich diesbezüglich nicht explizit 

geäussert. Sie ist – soweit erkennbar – von einem Unterlassen ausgegan-

gen. 

 

Die Abgrenzung zwischen Handlung und Unterlassung ist im Zweifel nach 

dem Subsidiaritätsprinzip vorzunehmen. Demnach ist zunächst zu prüfen, 

ob ein aktives Tun vorliegt, das tatbestandsmässig, rechtswidrig und 

schuldhaft ist. Dabei sind nur solche Handlungen zu berücksichtigen, wel-

che das Risiko, das in den tatbestandsmässigen Erfolg umschlug, herbei-

führten oder steigerten, mithin nicht auch solche Handlungen, welche die-

ses Risiko bloss nicht verhindert haben. Mangelnde Sorgfalt ist ein Tatbe-

standsmerkmal der Fahrlässigkeit und nicht ein Unterlassen im Sinne des 

unechten Unterlassungsdelikts. Wird eine gefährliche Unternehmung ohne 

genügende Sicherungsmassnahmen durchgeführt, so liegt in der Regel ein 

Begehungsdelikt vor. Massgebender Anknüpfungspunkt ist insoweit nicht 

die im Unterbleiben von Sicherungsmassnahmen liegende Unterlassung, 

sondern die in der Durchführung der Unternehmung bestehende Handlung 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_47/2021 vom 22. März 2023 E. 4.3 mit Hin-

weisen). 

 

5.3.2. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm geht in ihrer Anklageschrift von ei-

nem Unterlassungsdelikt aus, indem sie dem Beschuldigten vorwirft, es 

pflichtwidrig unterlassen zu haben, die Hebebühne bzw. deren hangab-

wärts liegenden Stützen mit weiteren Sicherheitsvorkehrungen genügend 

zu sichern. Grundsätzlich zielt der Vorwurf jedoch auf ein Aufstellen der 

Hebebühne ohne Sicherheitsvorkehrungen ab: Im in der Anklage passiv-

formulierten Arbeiten-Lassen des Privatklägers im Arbeitskorb der ungenü-

gend gesicherten Hebebühne handelt es sich um ein aktives Tun, dem im 

Sinne des Subsidiaritätsprinzips der Vorrang zu geben ist. Die dem Be-

schuldigten vorgeworfene Unterlassung weiterer Sicherheitsvorkehrungen 

stellt demgegenüber den Vorwurf mangelnder Sorgfalt dar. 

 

Letztlich erweist sich diese Unterscheidung, ob es sich um ein Begehung- 

oder Unterlassungsdelikt handelt, jedoch ohnehin nicht als entscheidend 

 - 15 - 

 

 

und ihr kommt höchstens eine dogmatische Bedeutung zu, da dem Be-

schuldigten im Falle eines Unterlassungsdelikts auch eine Garantenstel-

lung aus Ingerenz zukommt. Denn wie der Beschuldigte anlässlich der de-

legierten Einvernahme vom 17. Juni 2020 zu Protokoll gab, hat er die He-

bebühne bei der K._____ SA gemietet, um Malerarbeiten an seiner Liegen-

schaft durchführen zu können (UA act. 128 Ziff. 13, act. 133 Ziff. 49, 

act. 142). Anschliessend hat der Beschuldigte die Hebebühne installiert 

bzw. eingerichtet und den Privatkläger erstelltermassen angewiesen, für 

die (letzten) Malerarbeiten in den Arbeitskorb zu steigen (UA act. 129 

Ziff. 14; vgl. auch E. 4.2.3 hiervor). Damit hat der Beschuldigten einen Ge-

fahrenzustand geschaffen, der ihn dazu verpflichtet, alles Zumutbare vor-

zukehren, um zu verhindern, dass sich die (geschaffene) Gefahr realisieren 

kann (vgl. BGE 134 IV 25 E. 4.2.2 mit Hinweisen). 

 

5.4. 

Der Beschuldigte bringt mit Berufung vor, es sei nicht nachgewiesen, dass 

allfällige Sicherungsmassnahmen das Abrutschten der Hebebühne hätten 

verhindern können, weshalb ein natürlicher Kausalzusammenhang zu ver-

neinen sei (Berufungsbegründung Rz. 20). 

 

Dem Beschuldigten ist zwar insofern zuzustimmen, dass ein mögliches Ab-

rutschen der Hebebühne trotz Sicherungsmassnahmen durch die Gutach-

ter nicht geprüft wurde. Allerdings wird im Gutachten klar festgehalten, dass 

die Hebebühne zumindest mittels einer Sicherung der Vorderräder mit Kei-

len "mit hoher Wahrscheinlichkeit" nicht abgerutscht wäre (UA act. 36 Ziff. 

7). Da sich der natürliche Kausalverlauf nicht mit Gewissheit erstellen lässt, 

ist es ausreichend, wenn das Verhalten des Beschuldigten – wie vorliegend 

– mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolges 

bildete (vgl. BGE 125 IV 195 E. 2b). Die natürliche Kausalität ist demnach 

zu bejahen. 

 

5.5. 

5.5.1. 

In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschuldigte die gebotene 

Sorgfalt vermissen liess bzw. nicht alle ihm zumutbaren Vorkehrungen ge-

troffen hatte, indem er den Privatkläger im Arbeitskorb der Hebebühne ar-

beiten liess, ohne weitere Sicherheitsvorkehrungen gegen ein allfälliges 

Abrutschen der Hebebühne vorgenommen zu haben. 

 

5.5.2. 

Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Un-

vorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig 

ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der 

er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen ver-

pflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Das Mass der im Einzelfall zu beachten-

den Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der Unfallverhütung und der 

 - 16 - 

 

 

Sicherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, in erster 

Linie nach diesen Vorschriften (BGE 148 IV 39 E. 2.3.3; 145 IV 154 E. 2.1; 

143 IV 138 E. 2.1). Fehlen solche, kann sich der Vorwurf der Fahrlässigkeit 

auf allgemein anerkannte Verhaltensregeln privater oder halbprivater Ver-

einigungen (BGE 148 IV 39 E. 2.3.3; 127 IV 62 E. 2d mit Hinweis) oder auf 

allgemeine Rechtsgrundsätze wie den allgemeinen Gefahrensatz stützen. 

Denn einerseits begründet nicht jeder Verstoss gegen eine gesetzliche 

oder für bestimmte Tätigkeiten allgemein anerkannte Verhaltensnorm den 

Vorwurf der Fahrlässigkeit, und andererseits kann ein Verhalten sorgfalts-

widrig sein, auch wenn nicht gegen eine bestimmte Verhaltensnorm 

verstossen wurde. Die Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet ist, wird letzt-

lich durch die konkreten Umstände und seine persönlichen Verhältnisse 

bestimmt, weil naturgemäss nicht alle tatsächlichen Gegebenheiten in Vor-

schriften gefasst werden können (BGE 148 IV 39 E. 2.3.3; 145 IV 154 

E. 2.1; 135 IV 56 E. 2.1). 

 

Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und 

mithin für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Er-

folgs. Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den kon-

kreten Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar sein. 

Zunächst ist zu fragen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des 

Opfers hätte voraussehen bzw. erkennen können und müssen. Für die Be-

antwortung dieser Frage gilt der Massstab der Adäquanz. Danach muss 

das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und 

der allgemeinen Lebenserfahrung einen Erfolg wie den eingetretenen her-

beizuführen oder mindestens wesentlich zu begünstigen (BGE 142 IV 237 

E. 1.5.2; 138 IV 57 E. 4.1.3; 135 IV 56 E. 2.1 mit Hinweisen). Die Adäquanz 

ist zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mit-

verschulden des Opfers bzw. eines Dritten oder Material- oder Konstrukti-

onsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerech-

net werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrschein-

lichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle an-

deren mitverursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten der be-

schuldigten Person – in den Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1 

mit Hinweisen). Das Verhalten eines Dritten vermag den Kausalzusam-

menhang nur zu unterbrechen, wenn diese Zusatzursache derart aus-

serhalb des normalen Geschehens liegt, derart unsinnig ist, dass damit 

nicht zu rechnen war (BGE 142 IV 237 E. 1.5.2). Neben der Voraussehbar-

keit muss auch die Vermeidbarkeit des Erfolgs vorliegen, um eine Sorg-

faltspflichtverletzung des Beschuldigten zu bejahen. Dabei wird der hypo-

thetische Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtge-

mässem Verhalten ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs ge-

nügt, wenn das Verhalten des Beschuldigten mindestens mit einem hohen 

Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (BGE 140 II 7 

E. 3.4; 135 IV 56 E. 2.1 mit Hinweisen). 

 

 - 17 - 

 

 

5.6. 

5.6.1. 

Gesetzliche Bestimmungen betreffend den Umgang mit Hebebühnen sind 

mit der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV, SR.832.30) zwar vor-

handen, jedoch mangels Betriebseigenschaft des Beschuldigten nicht an-

wendbar (Art. 1 VUV). Stattdessen ist die Bedienungsanleitung der fahrba-

ren Arbeitsbühne "Snake 2010 Compact RE" zur Konkretisierung heranzu-

ziehen (UA act. 161 ff.), welche einzelne Verfahrensschritte enthält, die es 

zur Stabilisierung der Hebebühne bedarf. So sind vor Inbetriebnahme unter 

anderem die Stabilisatoren (d.h. die Stützfüsse) schrittweise zu senken, bis 

sich die Räder des Hebebühnenfahrzeugs vom Boden lösen, wobei gleich-

zeitig die Nivellierung auf der Wasserwaage mithilfe einer Kontrollleuchte 

zu prüfen ist (UA act. 31 Ziff. 6.3, act. 212). Die zulässige Arbeitsneigung 

der Hebebühne darf dabei gemäss Bedienungsanleitung in Längs- und Qu-

errichtung maximal zwischen 1.5 Grad und +/- 0.5 Grad betragen. Dies hat 

gemäss den Gutachtern zur Folge, dass die Hebebühne nur bis zu einer 

Hangneigung von maximal 4 bis 5 Grad mit den Stützen nivelliert werden 

kann (UA act. 184, act. 211, act. 35 Ziff. 6.6). Bei grösseren Hangneigun-

gen darf die Hebebühne nur in Betrieb genommen werden, wenn die hang-

abwärtsliegenden Stützfüsse durch einen Kreuzverband aus Kanthölzern 

oder durch stabile Bretter unterlegt sowie die bergwärts positionierten Rä-

der mit zusätzlichen Keilen gesichert werden. Gleichzeitig ist darauf zu ach-

ten, dass die Hebebühne entgegen der Fahrtrichtung in der Steigung zu 

positionieren ist, um die Bremswirkung der Hinterräder nutzen zu können 

(UA act. 35 Ziff. 6.6, act. 44 Bild 30 f.; Merkblatt M 820 betr. der Sicher-

heitsinformationen der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt zu fahrba-

ren Hubarbeitsbühnen [www.auva.at]). 

 

5.6.2. 

Gemäss Gutachten vom 31. Mai 2022 hatte der vordere linke Stützfuss der 

Hebebühne bei einer Ausfahrdistanz von 17.8 cm in der Ausgangsposition 

(d.h. vor dem Abrutschen) keinen Bodenkontakt. Der vordere rechte Stütz-

fuss war ca. 30 cm ausgefahren und hatte nur in Verbindung mit der Ab-

stützplatte leichten Bodenkontakt. Eine Entlastung der vorderen Achse der 

Hebebühne konnte mit diesen Stützeinstellungen also nicht erreicht werden 

(UA act. 29 Ziff. 6.2, act. 39 f.). Gemäss Gutachten waren lediglich die hin-

teren beiden Stützfüsse so weit ausgefahren, dass die Hinterachse der He-

bebühne komplett entlastet war, was zur Folge hatte, dass die Reibungs-

kräfte fast ausschliesslich an den hinteren Stützfüssen wirkten (UA act. 32 

Ziff. 6.4). Gleichzeitig überstieg die Längsneigung der Hebebühne mit den 

vorliegenden Stützeinstellungen die vom Hersteller gemäss Bedienungs-

anleitung maximal angegebene Arbeitsneigung (maximal 1.5 Grad bis +/- 

0.5 Grad) deutlich. Gemäss Gutachten war die Hebebühne zum Unfallzeit-

punkt in Längsrichtung um ca. 6.5 Grad nach hinten geneigt (UA act. 30 

Ziff. 6.2, act. 35 Ziff. 6.6, act. 36 Ziff. 8). 

 

 - 18 - 

 

 

5.6.3. 

Anlässlich der delegierten Einvernahme vom 17. Juni 2020 führte der Be-

schuldigte aus, die Hebebühne bei der letzten Umplatzierung "genau gleich 

wie bei den anderen beiden Malen" gemäss Bedienungsanleitung einge-

stellt zu haben. Er habe die Handbremse angezogen, sei ausgestiegen und 

habe die vier Füsse nach unten auf die Abstützplatten gesenkt, weil die 

Füsse nicht direkt auf den Boden gestellt werden dürften. Ferner habe er 

die Hebebühne "schön nach Wasserwaage" eingestellt, wobei "der Platz 

dort 2 bis 4 Grad schräg" gewesen sei. Daher seien auch die vorderen 

Füsse kürzer als die hinteren Füsse gewesen. Der Privatkläger sei bei ihm 

gewesen, als er die Hebebühne eingestellt habe (UA act. 129 Ziff. 14). Der 

Beschuldigte wiederholte diese Ausführungen vor Vorinstanz im Wesentli-

chen, wobei er insbesondere erneut zu Protokoll gab, dass sämtliche Räder 

der Hebebühne in der Luft gewesen seien, als der Privatkläger in den Ar-

beitskorb gestiegen sei. Das Gutachten sei in dieser Hinsicht also nicht kor-

rekt. Er habe die Stützfüsse einzufahren versucht, nachdem die Hebe-

bühne zu rutschen begonnen habe, damit die Räder der Hebebühne wieder 

Bodenkontakt hätten haben können (GA act. 38). Die Hebebühne habe so-

fort angefangen zu rutschen, nachdem der Privatkläger im Arbeitskorb ge-

wesen sei und bevor dieser noch irgendetwas bedient oder angefasst habe 

(UA act. 129 Ziff. 15). Weiter gab der Beschuldigte an, mit solchen Hebe-

bühnen schon seit 2009 regelmässig gearbeitet zu haben, wobei er immer 

das gleiche Modell der K._____ SA benutzt habe. Die Geräte von K._____ 

SA habe er mindestens schon 15 Mal benutzt (UA act. 131 Ziff. 29 f.). Er 

sei daher enttäuscht und überrascht gewesen, wie es zum Unfall habe 

kommen können. Er habe noch vor Ort die K._____ SA angerufen und 

diese über den Vorfall informiert. M._____ von der K._____ SA habe ihm 

dann mitgeteilt, dass die von ihm benutzten Kunststoffplatten wegen der 

Wärme des Belags und der Füsse zu rutschen begonnen habe, weil an 

diesem Tag eine Temperatur von 42 Grad geherrscht habe (UA act. 132 

Ziff. 39). 

 

5.6.4. 

Zugunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass die Stützfüsse 

kurz nach dem Abrutschen der Hebebühne durch den Beschuldigten zu-

mindest noch teilweise eingefahren wurden. Insofern ist nicht auf die gut-

achterlich festgestellten Stützeinstellungen abzustellen, was jedoch für die 

vorliegende Beurteilung ohnehin nicht ins Gewicht fällt (UA act. 64 Ziff. 3). 

Stattdessen ist vielmehr entscheidend, dass das Gutachten vom 31. Mai 

2022 festhält, dass die Hebebühne bei der vorliegenden Hangneigung 

(mindestens 8.06 Grad; vgl. E. 4.2.2 hiervor) mithilfe der integrierten Was-

serwaage nicht mehr angemessen und fachgerecht hätte nivelliert werden 

können und deshalb nicht hätte in Betrieb genommen werden dürfen 

(UA act. 36 Ziff. 8). Damit eine Nivellierung der Hebebühne mit den Stütz-

füssen überhaupt noch möglich gewesen wäre, hätte die Hangneigung 

nicht mehr als 4–5 Grad betragen dürfen, was vorliegend erstelltermassen 

 - 19 - 

 

 

nicht der Fall war. So war es gemäss Ergänzungsgutachten vom 23. Juni 

2022 technisch unmöglich, die Hebebühne bei einer Hangneigung von min-

destens 8.06 Grad so positioniert zu halten, dass sich die Blase in der ein-

gebauten Dosenlibelle in der Mitte und damit die Hebebühne in einer gesi-

cherten Position befindet (UA act. 60). Demzufolge überstieg der Arbeits-

winkel der Hebebühne auch den zulässigen, vom Hersteller vorgegebenen 

Wert von maximal 1.5 Grad bis +/- 0.5 Grad (UA act. 35 Ziff. 7, act. 36 

Ziff. 8). Unter Berücksichtigung dieser Umstände wären die abwärts liegen-

den Stützen mit einer zusätzlichen Unterlage aus einem Kreuzverbund aus 

Kanthölzern zu unterlegen und die hangabwärtsstehenden Räder mit zu-

sätzlichen Keilen zu sichern gewesen, um die Hebebühne rechtmässig und 

sicher in Betrieb zu nehmen. Diese Vorkehrungen hat der Beschuldigte je-

doch nicht getroffen. Auch wurde gemäss den aktenkundigen Bildern, die 

den Standort der Hebebühne nach dem Abrutschen zeigen (UA act. 93, 

95 f.), die (zusätzlich) sichernde Bremswirkung der Hinterräder nicht ge-

nutzt, indem der Beschuldigte die Hebebühne nicht entgegen der Fahrtrich-

tung in der Steigung positionierte. Insgesamt hat der Beschuldigte somit 

seine Sorgfaltspflicht verletzt bzw. nicht alle ihm zumutbaren Vorkehrungen 

getroffen, um ein Abrutschen der Hebebühne zu verhindern. 

 

5.7. 

5.7.1. 

Mit einer einfachen Sichtprüfung hätte der Beschuldigte erkennen können, 

dass sich die Blase in der in der Hebebühne eingebauten Dosenlibelle bei 

der vorliegenden Hangneigung nicht (mehr) in der Mitte befand. Entspre-

chend war es für den Beschuldigten auch ohne Weiteres vorhersehbar, 

dass die Hebebühne bei einer solchen Hangneigung ins Rutschen geraten 

könnte. Dass es bei einem Sprung aus einem Arbeitskorb einer hangab-

wärtsrutschenden Hebebühne wie beim Privatkläger zu einer Fersenbein-

fraktur kommen kann, erscheint dabei nicht ungewöhnlich, selbst wenn zu-

gunsten des Beschuldigten davon ausgegangen würde, dass sich der Ar-

beitskorb zum Zeitpunkt des Abrutschens nicht in einem ausgefahrenen 

Zustand befunden hat. Insbesondere ist entgegen den Ausführungen des 

Beschuldigten nicht von einem groben Selbstverschulden des Privatklä-

gers auszugehen (vgl. Berufungsbegründung Ziff. 28). Einerseits war es 

der Beschuldigte, welcher den Privatkläger (der Turnschuhe trug, was der 

Beschuldigte gesehen haben musste) anwies, nach dem Aufstellen bzw. 

Platzieren der Hebebühne in den Arbeitskorb zu steigen (vgl. E. 4.2.3 hier-

vor). Andererseits kann vom Privatkläger – auch bei rückblickender Be-

trachtung – nicht erwartet werden, dass er zum Zeitpunkt des Abrutschens 

der Hebebühne im Arbeitskorb ausgeharrt hätte, bis diese wieder zum Still-

stand gekommen wäre. Daran vermag auch die (langsame) Geschwindig-

keit des Abrutschens der Hebebühne nichts zu ändern, hat sich diese doch 

unbestrittenermassen in Richtung einer Hauptstrasse hangabwärts be-

wegt. Das Verhalten des Privatklägers erscheint insgesamt nicht als derart 

aussergewöhnlich, als dass es den Kausalzusammenhang zu 

 - 20 - 

 

 

unterbrechen vermag; dasselbe gilt hinsichtlich des Umstandes, dass der 

Privatkläger Turnschuhe und keine adäquaten Arbeitsschuhe trug. Die ein-

getretene Verletzung des Privatklägers war somit auch vorhersehbar. 

 

5.7.2. 

Wie bereits ausgeführt, wäre die Hebebühne mit grosser Wahrscheinlich-

keit nicht ins Rutschen geraten, wenn der Beschuldigte weitere Sicherheits-

massnahmen (Sicherung der abwärts liegenden Stützen mit einer zusätzli-

chen Unterlage aus einem Kreuzverbund aus Kanthölzern sowie die hang-

abwärtsstehenden Räder mit zusätzlichen Keilen zu sichern / Positionie-

rung der Hebebühne entgegen der Fahrtrichtung) vorgekehrt hätte (vgl. 

E. 5.4 und 5.6.4 hiervor). Entgegen den Ausführungen des Beschuldigten 

ist damit auch die Vermeidbarkeit ohne Weiteres zu bejahen. 

 

5.8. 

5.8.1. 

Mit Blick auf mögliche Rechtfertigungsgründe macht der Beschuldigte als-

dann geltend, der Privatkläger habe durch das Betreten des Arbeitskorbs 

das Risiko des Abrutschens sowie eine Verletzung stillschweigend in Kauf 

genommen, womit eine rechtfertigende Einwilligung seitens des Privatklä-

gers gegeben sei (Berufungsbegründung Rz. 33). 

 

5.8.2. 

Das Bundesgericht hat bisher die Frage, ob die Einwilligung des Verletzten 

bei Fahrlässigkeitsdelikten begrifflich überhaupt möglich ist, nicht ab-

schliessend geprüft. Ein unlängst ergangener Entscheid hat jedoch klar 

festgehalten, dass sich die Einwilligung bei einem vorsätzlichen Verlet-

zungsdelikt sowohl auf die Tathandlung als auch auf den Taterfolg zu be-

ziehen hat. Gleiches hat indes auch für das Fahrlässigkeitsdelikt zu gelten: 

Eine Einwilligung liegt nicht schon vor, wenn das um die Gefährdung wis-

sende Opfer lediglich in das Risiko einwilligt, sondern es müsste zugleich 

den Verletzungserfolg in Kauf nehmen, was nur ausnahmsweise vorkom-

men dürfte. Denn in der Regel wird der Betroffene mindestens ebenso wie 

der unvorsätzlich handelnde Täter gerade darauf vertrauen, dass die Ge-

fährdung für seine Rechtsgüter folgenlos bleiben wird (zum Ganzen BGE 

134 IV 149 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).  

 

Der Beschuldigte hat die Hebebühne jeweils auf Bitte des Privatklägers ein-

gestellt, weil dieser – im Gegensatz zum Beschuldigten, welcher dieses 

Hebebühnenfahrzeug schon rund 15 Mal genutzt hatte (vgl. E. 5.6.3 hier-

vor) – offensichtlich keine Erfahrungen mit solchen Hebebühnen aufwies 

und entsprechend Hilfe bedurfte (UA act. 129 Ziff. 14; GA act. 37). Er durfte 

insbesondere davon ausgehen, dass der Beschuldigte die Hebebühne (er-

neut) sicher aufstellen würde, zumal es ja der Beschuldigte war, welcher 

den Privatkläger anwies, in den Arbeitskorb der Hebebühne zu steigen. Un-

ter Berücksichtigung dieser Umstände ist nicht davon auszugehen, dass 

 - 21 - 

 

 

der Beschuldigte um das Risiko des Abrutschens der Hebebühne Bescheid 

wusste. Der Privatkläger hat zumindest darauf vertraut, dass er sich beim 

Einsatz mit der Hebebühne nicht verletzen würde. Eine Einwilligung des 

Privatklägers in den tatbestandsmässigen Erfolg der einfachen Körperver-

letzung liegt deshalb nicht vor. 

 

5.9. 

Zusammenfassend hat der Beschuldigte damit den Tatbestand der fahrläs-

sigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB erfüllt, nachdem 

mögliche Schuldausschlussgründe weder ersichtlich sind noch geltend ge-

macht wurden. Der Beschuldigte ist folglich der fahrlässigen Körperverlet-

zung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

 

6. 

6.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 

90 Tagessätzen à Fr. 90.00 mit einer Probezeit von zwei Jahren sowie  

einer Verbindungsbusse von Fr. 1'620.00 verurteilt. 

 

Der Beschuldigte verlangt einen Freispruch. Für den Fall eines Schuld-

spruchs verlangt er eine Reduktion der Geldstrafe um 10 Tagessätze auf 

gesamthaft 80 Tagessätze (Berufungsbegründung Rz. 37–39).  

 

6.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann ver-

wiesen werden. 

 

6.3. 

Der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung sieht eine Freiheits-

strafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor (Art. 125 Abs. 1 StGB). 

Die Vorinstanz erkannte auf eine Geldstrafe. Darauf ist aufgrund des gel-

tenden Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) nicht zurückzu-

kommen. 

 

6.4. 

6.4.1. 

Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu (Art. 47 

Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die Bestimmung des Verschuldens ist die 

Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts 

(Art. 47 Abs. 2 StGB). Durch den Tatbestand der fahrlässigen Körperver-

letzung wird die körperliche und gesundheitliche Integrität des Menschen 

als sein höchstes Gut neben dem Leben geschützt. Der Privatkläger erlitt 

durch den Sprung aus dem Arbeitskorb der Hebebühne eine dislozierte 

Calcaneusfraktur rechts, welche eine Hospitalisation vom 26. Juni 2019 bis 

 - 22 - 

 

 

zum 15. Juli 2019 sowie eine Arbeitsunfähigkeit zu 100 % vom 26. Juni 

2019 bis zum 15. August 2019 zur Folge hatte (UA act. 97 f.). Der Privat-

kläger war zwar gemäss den beiden im Berufungsverfahren eingereichten 

ärztlichen Zeugnissen vom 1. November 2023 bis am 31. Januar 2024 auf-

grund eines Unfalls (erneut) zu 100 % arbeitsunfähig (Beilagen 2 und 3 der 

Berufungsantwort). Aus den eingereichten Dokumenten lässt sich jedoch 

nicht eindeutig entnehmen, ob der hier fragliche Unfall vom 26. Juni 2019 

ursächlich für diese Arbeitsunfähigkeit war. Dessen ungeachtet wiegt seine 

erlittene Verletzung im Spektrum der vom Tatbestand erfassten Körperver-

letzungen als nicht mehr leicht. 

 

Es liegt in der Natur eines jeden Fahrlässigkeitsdelikts, dass der eingetre-

tene Erfolg vom Täter nicht beabsichtigt worden ist. Diesem Umstand wird 

bei der fahrlässigen Körperverletzung bereits durch den Strafrahmen Rech-

nung getragen. Zu berücksichtigen ist im Rahmen der Tatkomponente des-

halb vor allem, wie weit der Beschuldigte die von ihm begangene Sorgfalts-

pflichtverletzung nach den inneren und äusseren Umständen hätte vermei-

den können. Der Beschuldigte gab an, bereits mehrfach solche Hebebüh-

nen gemietet und eingesetzt zu haben. Insbesondere war es auch der Be-

schuldigte, welcher für den Privatkläger jeweils – je nach Einsatzort an der 

Liegenschaft des Beschuldigten – die Hebebühne verschieben und neu 

einstellen musste. Es wäre für ihn problemlos möglich gewesen, anhand 

der im Hebebühnenfahrzeug verbauten Wasserwaage zu erkennen, dass 

es für das Arbeiten mit der Hebebühne aufgrund der (zu grossen) Hangnei-

gung weiterer Sicherheitsvorkehrungen bedurft hätte. Immerhin hat der Be-

schuldigte noch versucht, mittels Einfahrens der Stützfüsse das Abrutsch-

ten der Hebebühne zu verhindern. Zugunsten des Beschuldigten ist zudem 

zu berücksichtigen, dass der Privatkläger – wie vom Beschuldigten mit Be-

rufung zutreffend vorgebracht (Berufungsbegründung Rz. 29) – während 

seiner Malerarbeiten lediglich leichtes Schuhwerk und damit ungeeignete 

Arbeitskleidung trug. Insgesamt ist noch von einer leichten Sorgfaltspflicht-

verletzung auszugehen.  

 

Gesamthaft ist von einem noch leichten Verschulden auszugehen, wofür 

mit der Vorinstanz eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen als angemessen 

erscheint. 

 

6.4.2. 

Der Beschuldigte verfügt über drei (nicht einschlägige) Vorstrafen, welche 

rund acht bis neun Jahre zurückliegen und sich leicht straferhöhend aus-

wirken. Strafmindernde Faktoren wie Einsicht oder Reue sind nicht zu er-

kennen. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten wirken sich 

ebenfalls neutral aus, ergeben sich doch daraus keine Anhaltspunkte für 

eine erhöhte Strafempfindlichkeit. Insgesamt fällt die Täterkomponente da-

mit leicht straferhöhend ins Gewicht, so dass eine Geldstrafe von gesamt-

haft 90 Tagessätzen, in Kombination mit einer Verbindungsbusse (vgl. 

 - 23 - 

 

 

E. 6.6 nachfolgend), als dem Tatverschulden und den persönlichen Ver-

hältnissen des Beschuldigten angemessen erscheint. 

 

6.4.3. 

Die Vorinstanz hat die Geldstrafe bedingt ausgesprochen und die Probezeit 

auf zwei Jahre festgesetzt, womit es sich um das gesetzliche Minimum han-

delt (Art. 44 Abs. 1 StGB). Darauf ist aufgrund des geltenden Verschlech-

terungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) nicht zurückzukommen. 

 

6.5. 

Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und wirtschaftli-

chen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 Abs. 2 

StGB). Die Vorinstanz hat einen Tagessatz von Fr. 90.00 festgesetzt (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. 3.2.3 S. 12 f.). Eine wesentliche Veränderung der 

finanziellen Verhältnisse ist im Berufungsverfahren weder geltend gemacht 

worden noch ist eine solche ersichtlich, weshalb es bei einem Tagessatz 

von Fr. 90.00 sein Bewenden hat. 

 

6.6. 

Vorliegend erscheint die Verbindung der bedingt ausgesprochenen Geld-

strafe mit einer Busse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB angezeigt, um dem 

Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen sei-

nes Handelns deutlich vor Augen zu führen. 

 

Unter Berücksichtigung der Denkzettelfunktion, der untergeordneten Be-

deutung der Verbindungsbusse, der wirtschaftlichen Verhältnisse und des 

Verschuldens des Beschuldigten sowie des Umstands, dass das Bundes-

gericht die Obergrenze der Verbindungsstrafe auf 20 % der schuldange-

messenen gesamten Strafe, d.h. der Geldstrafe und der Verbindungsbusse 

in ihrer Gesamtheit, festgelegt hat (BGE 149 IV 321 E. 1.3; 146 IV 145 

E. 2.2; 135 IV 188 E. 3.4.4), ist die Verbindungsbusse mit der Vorinstanz 

auf Fr. 1'620.00 festzusetzen. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem 

Nichtbezahlen der Busse ist, ausgehend vom als Umrechnungsschlüssel 

zu verwendenden Tagessatz von Fr. 90.00 (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3), auf 

18 Tage festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB). 

 

6.7. 

Zusammenfassend erscheint damit eine bedingte Geldstrafe von 90 Ta-

gessätzen à Fr. 90.00, d.h. Fr. 8'100.00, Probezeit 2 Jahre, und eine Ver-

bindungsbusse von Fr. 1'620.00 als schuldangemessen. 

 

7. 

Die Zivilforderung des Privatklägers wurde von der Vorinstanz dem 

Grundsatze nach gutgeheissen. Mit Berufung wird der Antrag auf Abwei-

sung der Zivilansprüche durch den Beschuldigten nicht näher begründet, 

weshalb es diesbezüglich beim vorliegenden Entscheid bleibt. 

 - 24 - 

 

 

8. 

8.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich. Es recht-

fertigt sich daher, die Kosten des Berufungsverfahrens dem Beschuldigten 

aufzuerlegen. Ausgangsgemäss ist dem Beschuldigten keine Parteient-

schädigung zuzusprechen, präjudiziert der Kostenentscheid doch die Ent-

schädigungsfrage (BGE 147 IV 47 E. 4.1; 137 IV 352 E. 2.4). 

 

8.2. 

Gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 436 StPO hat die Privatkläger-

schaft gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf angemessene 

Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie ob-

siegt oder die beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflich-

tig ist. Dabei hat die Privatklägerschaft gemäss Art. 433 Abs. 2 StPO ihre 

Entschädigungsforderung bei der Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern 

und zu belegen. Kommt sie dieser Pflicht nicht nach, so tritt die Strafbe-

hörde auf den Antrag nicht ein. Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 StPO) 

gilt hier nicht, d.h. die Privatklägerschaft muss sich aktiv um ihren Anspruch 

bemühen. Die Behörden müssen allerdings namentlich anwaltlich nicht ver-

tretene Dritte – soweit erforderlich – auf ihr Recht auf Entschädigung sowie 

ihre Pflicht zur Bezifferung und zum Beleg der Forderung hinweisen (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1331/2018 E.3.1.). 

 

Der Privatkläger war stets vertreten. Der ursprüngliche Rechtsvertreter des 

Privatklägers hat mit Eingabe vom 13. Februar 2024 sein Mandat nieder-

gelegt, für das obergerichtliche Verfahren jedoch keine Entschädigung gel-

tend gemacht. Gleiches gilt für die neue Rechtsvertreterin des Privatklä-

gers, welche telefonisch auf eine (weitere) Eingabe verzichtete. Damit ent-

fällt eine gerichtliche Zusprechung einer Parteientschädigung. Der Privat-

kläger hat demzufolge seine Parteikosten selbst zu tragen. 

 

9. 

Die vorinstanzliche Kostenverlegung erweist sich nach wie vor als korrekt 

und bedarf keiner Korrektur. Der Beschuldigte wird verurteilt und hat des-

halb die erstinstanzlichen Verfahrenskosten und seine Parteikosten selbst 

zu tragen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO; Art. 429 e contrario 

StPO). Im Übrigen wird der Beschuldigte dazu verpflichtet, die erstinstanz-

lichen Parteikosten des Privatklägers zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 lit. a 

StPO). 

 

10. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

 - 25 - 

 

 

Art. 81 StPO). Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung abgewiesen wird 

(BGE 141 IV 244 E. 1.3.3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 

17. Januar 2018 E. 4; je mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 

Abs. 1 StGB schuldig. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der in Ziff. 1 genannten Geset-

zesbestimmung sowie gestützt auf Art. 47 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 

Abs. 1 und 4 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 90.00, d.h. 

Fr. 8'100.00, Probezeit 2 Jahre, 

 

und zu einer Verbindungsbusse von Fr. 1'620.00, ersatzweise 18 Tage 

Freiheitsstrafe,  

 

verurteilt. 

 

3. 

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 

dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, wobei für die genaue 

Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruches auf den Zivilweg 

verwiesen wird. 

 

4. 

4.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'500.00 sowie den Auslagen von Fr. 196.00, gesamthaft 

Fr. 1'696.00, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

4.2. 

Der Privatkläger hat seine obergerichtlichen Parteikosten selbst zu tragen. 

 

5. 

5.1. 

Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten im Gesamtbetrag von Fr. 11'726.00 

werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

 - 26 - 

 

 

5.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 11'470.25 auszurichten. 

 

6. 

Der Beschuldigte trägt seine Parteikosten sowohl für das vorinstanzliche 

als auch für das Berufungsverfahren selbst. 

 

 

 Zustellung an: 

[...] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB). 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 - 27 - 

 

 

   

Aarau, 30. April 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Plüss     Wildi