# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 08eb4131-9caa-54b8-8aef-a88bba07337f
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 07.09.2023 SST.2022.221
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-221_2023-09-07.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.221 
(ST.2021.47; StA.2021.592) 

 

 

Urteil vom 7. September 2023 
 
 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Gilgen 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG  

 

Privatkläger 1  A._____, 

[…] 

 

Privatkläger 2  B._____, 

[…] 

 

Privatkläger 1 und 2 vertreten durch Rechtsanwältin S._____,  

[…] 

 

Privatkläger 3  C.C._____, 

[…] 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Marino Di Rocco,  

[…] 

 

Privatkläger 4  D.C._____, 

[…] 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Abdullah Karakök,  

[…] 

 

Privatkläger 5  E.C._____, 

[…] 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Q._____,  

[…] 

 

 

 
    

 - 2 - 

 

 

Beschuldigter   F._____,  

geboren am tt.mm.1996, von Rumänien, 

[…] 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Adrian Dumitrescu,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Schwere Körperverletzung, Angriff, Raufhandel usw. 
 

 

  

 - 3 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 5. August 2021 erhob die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach gegen 

den Beschuldigten Anklage wegen mehrfachen Angriffs, mehrfacher, 

teilweise versuchter, schwerer Körperverletzung, eventualiter mehrfacher 

qualifizierter einfacher Körperverletzung und Raufhandels (GA act. 1 ff.). 

 

1.2. 

Das Bezirksgericht Zurzach fällte am 8. April 2022 folgendes Urteil:  

 

1. 
Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen. 
 
2. 
2.1. 
Die Zivilforderungen des Privatklägers 1 [A._____] werden auf den Zivilweg verwiesen. 
 
2.2. 
Die Zivilforderungen des Privatklägers 2 [B._____] werden auf den Zivilweg verwiesen. 
 
2.3. 
Die Zivilforderungen des Privatklägers 3 [C.C._____] werden auf den Zivilweg verwiesen. 
 
2.4. 
Die Zivilforderungen des Privatklägers 4 [D.C._____] werden auf den Zivilweg verwiesen. 
 
2.5. 
Die Zivilforderungen des Privatklägers 5 [E.C._____] werden auf den Zivilweg verwiesen. 
 
3. 
3.1. 
Folgende Gegenstände werden gestützt auf Art. 69 StGB eingezogen und vernichtet: 
- 1 IKEA Messer ganz 
- 1 IKEA Messer mit separater abgebrochener Klinge  
 
3.2. 
Folgende Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Rechtskraft sämtlicher 
Parallelverfahren (ST.2021.47/48/49/50) während zwei Monaten auf dessen erstes 
Verlangen hin ausgehändigt und nach unbenutztem Ablauf dieser Frist vernichtet: 
- 1 Mobiltelefon Samsung Galaxy A10, IMEI aaa (Nr. 18) 
- 1 T-Shirt Würth, schwarz (Nr. 19) 
- 1 Jeanshose Always, blau (Nr. 20) 
- 1 Jacke Adidas, schwarz (Nr. 21) 
- 1 Paar Schuhe Nike, schwarz-weiss (Nr. 22) 
- 1 Paar Socken, grau (Nr. 23) 
 
3.3. 
Folgende Gegenstände werden dem Privatkläger 1 [A._____] nach Rechtskraft sämtlicher 
Parallelverfahren (ST.2021.47/48/49/50) während zwei Monaten auf dessen erstes 
Verlangen hin ausgehändigt und nach unbenutztem Ablauf dieser Frist vernichtet: 
- 1 Jacke Reserved Basic, grau (Nr. 14) 
- 1 Trainerhose All Out, grau (Nr. 15) 

 - 4 - 

 

 

- 1 T-Shirt Guess, blau (Nr. 16) 
- 1 Paar Socken, weiss (Nr. 17) 
 
3.4. 
Folgende Gegenstände werden dem Privatkläger 2 [B._____] nach Rechtskraft sämtlicher 
Parallelverfahren (ST.2021.47/48/49/50) während zwei Monaten auf dessen erstes 
Verlangen hin ausgehändigt und nach unbenutztem Ablauf dieser Frist vernichtet: 
- 1 Pullover Tommy Jeans, blau (Nr. 10) 
- 1 T-Shirt Tommy Jeans, grau (Nr. 11)  
- 1 Trainerhose Tommy Jeans, dunkelblau (Nr. 12) 
- 1 Paar Adiletten, schwarz (Nr. 13) 
 
3.5. 
Folgende Gegenstände werden dem Privatkläger 3 [C.C._____] nach Rechtskraft 
sämtlicher Parallelverfahren (ST.2021.47/48/49/50) während zwei Monaten auf dessen 
erstes Verlangen hin ausgehändigt und nach unbenutztem Ablauf dieser Frist vernichtet: 
- 1 Trainerhose Adidas, blau (Nr. 8) 
- 1 Paar Adiletten, blau (Nr. 9) 
 
3.6. 
Folgende Gegenstände werden dem Privatkläger 4 [D.C._____] nach Rechtskraft 
sämtlicher Parallelverfahren (ST.2021.47/48/49/50) während zwei Monaten auf dessen 
erstes Verlangen hin ausgehändigt und nach unbenutztem Ablauf dieser Frist vernichtet: 
- 1 Paar weisse Socken (Nr. 1) 
- 1 Jeanshose Yes or No, hellblau (Nr. 2) 
- 1 Paar Turnschuhe Lanetti, blau (Nr. 3) 
 
3.7. 
Folgende Gegenstände werden dem Privatkläger 5 [E.C._____] nach Rechtskraft 
sämtlicher Parallelverfahren (ST.2021.47/48/49/50) während zwei Monaten auf dessen 
erstes Verlangen hin ausgehändigt und nach unbenutztem Ablauf dieser Frist vernichtet: 
- 1 T-Shirt beige (Nr. 4) 
- 1 Pullover Swarm, blau-weiss-schwarz (Nr. 5) 
- 1 Trainerhose Audi, schwarz (Nr. 6) 
- 1 Paar Turnschuhe Nike (Nr. 7) 
 
3.8. 
Folgende Gegenstände werden nach Rechtskraft sämtlicher Parallelverfahren 
(ST.2021.47/48/49/50) freigegeben und gemäss Art. 267 Abs. 6 StPO zur Anmeldung von 
Ansprüchen öffentlich ausgeschrieben: 
- 1 T-Shirt grün, zerrissen (Nr. 35) 
- 1 T-Shirt Jack and Jones, rot, zerrissen (Nr. 36) 
- 1 Jacke Livergy, schwarz, zerrissen (Nr. 37) 
- 1 Shirt, dunkelblau, grau und hellblau gestreift, zerrissen (Nr. 38) 
- 1 Armbanduhr Paterson, Armband defekt (Nr. 39) 
 
4. 
4.1. 
Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten der Staatskasse. 
 
4.2. 
Die Gerichtskasse Zurzach wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des 
Beschuldigten deren richterlich festgesetztes Honorar von CHF 40'357.40 (inkl. Auslagen 
und MwSt.) zu entrichten. Auf eine Rückforderung dieser Entschädigung ist gestützt auf 
Art. 135 Abs. 4 StPO e contrario zu verzichten. 
 
4.3 

 - 5 - 

 

 

Die Gerichtskasse Zurzach wird angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin der 
Privatkläger 1 und 2 [A._____ und B._____] deren richterlich festgesetztes Honorar für die 
Vertretung in den Parallelverfahren ST.2021.47/48/49/50 in der Höhe von CHF 14'840.25 
(inkl. Auslagen und MwSt.) auszubezahlen. 
 
Die Privatkläger 1 und 2 [A._____ und B._____] sind verpflichtet, dem Kanton Aargau je 
die Hälfte der Kosten für die unentgeltliche Vertretung zurückzuzahlen, sobald es ihre 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. 
Art. 426 Abs. 1 StPO). 
 
4.4. 
Die Gerichtskasse Zurzach wird angewiesen, dem unentgeltlichen Vertreter des 
Privatklägers 3 [C.C._____] dessen richterlich genehmigtes Honorar für die Vertretung in 
den Parallelverfahren ST.2021.47/48/49/50 in der Höhe von CHF 7'890.50 (inkl. Auslagen 
und MwSt.) auszubezahlen. 
 
Der Privatkläger 3 [C.C._____] ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 
unentgeltliche Vertretung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 
 
4.5. 
Die Gerichtskasse Zurzach wird angewiesen, dem unentgeltlichen Vertreter des 
Privatklägers 4 [D.C._____] für die Vertretung in den Parallelverfahren 
ST.2021.47/48/49/50 dessen richterlich festgesetztes Honorar in der Höhe von 
CHF 15'666.90 (inkl. Auslagen und MwSt.) auszubezahlen. 
 
Der Privatkläger 4 [D.C._____] ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 
unentgeltliche Vertretung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 
 
4.6. 
Die Gerichtskasse Zurzach wird angewiesen, dem unentgeltlichen Vertreter des 
Privatklägers 5 [E.C._____] für die Vertretung in den Parallelverfahren 
ST.2021.47/48/49/50 dessen richterlich genehmigtes Honorar in der Höhe von 
CHF 16'567.75 (inkl. Auslagen und MwSt.) auszubezahlen. 
 
Der Privatkläger 5 [E.C._____] ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 
unentgeltliche Vertretung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 
 
5. 
5.1. 
Dem Beschuldigten wird in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO für die 
ausgestandene Haft von insgesamt 427 Tagen (9. Februar 2021 bis zur Urteilseröffnung 
am 11. April 2022) eine Genugtuung im Betrag von CHF 64'050.00 zuzüglich Zins von 5 % 
ab mittlerem Verfalltag (11. September 2021) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen. 
 
5.2. 
Weitergehende Forderungen werden abgewiesen. 
 

 
2. 

2.1. 

Mit Berufungserklärung vom 7. September 2022 hat die Staatsanwaltschaft 

das Urteil vollumfänglich angefochten und Schuldsprüche für sämtliche 

Vorwürfe gemäss Anklageschrift beantragt, wofür eine unbedingte 

 - 6 - 

 

 

Freiheitsstrafe von 5 Jahren sowie eine Landesverweisung von 10 Jahren 

auszusprechen sei. 

 

2.2. 

Mit Berufungserklärung vom 15. September 2022 beantragte C.C._____ 

die vollumfängliche Verurteilung des Beschuldigten gemäss der Anklage, 

eine Genugtuung von Fr. 5'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 9. Februar 

2021, zu bezahlen solidarisch mit den weiteren Beschuldigten, sowie die 

grundsätzliche Verpflichtung, für einen allfälligen künftigen Schaden im 

Zusammenhang mit dem Ereignis Schadenersatz zu leisten. Die Kosten 

seines Rechtsvertreters für das vorliegende Verfahren seien dem 

Beschuldigten aufzuerlegen, eventualiter auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

2.3. 

Mit Berufungserklärung vom 21. September 2022 beantragten A._____ 

und B._____ die Verurteilung des Beschuldigten gemäss der Anklage und 

die Entscheidung über die sie betreffenden Zivilforderungen, zudem sei 

ihnen für das Rechtsmittelverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu 

gewähren. 

 

2.4. 

Mit Berufungserklärung vom 21. September 2022 beantragte E.C._____ 

einen Schuldspruch des Beschuldigten in allen Punkten, eine Entschä-

digung von Fr. 1'508.45 unter solidarischer Haftung der Beschuldigten, die 

Feststellung, dass der Beschuldigte für künftige Folgen seiner erlittenen 

Verletzungen aus dem Vorfall schadenersatzpflichtig werde, eine 

Genugtuung von Fr. 7'500.00 zuzüglich 5% Zins ab dem 9. Februar 2021, 

unter solidarischer Haftung der Beschuldigten, sowie, dass die Kosten 

seines Rechtsvertreters für das vorliegende Verfahren den Beschuldigten 

unter solidarischer Haftung aufzuerlegen, eventualiter auf die Staatskasse 

zu nehmen seien.  

 

2.5. 

Mit Berufungserklärung vom 23. September 2022 beantragte D.C._____ 

einen Schuldspruch des Beschuldigten im Sinne der Anklage, die 

Bezahlung von Fr. 42'922.80 Schadenersatz unter solidarischer Haftung 

mit den Mitbeschuldigten und unter Vorbehalt weiterer Schadenersatz-

forderungen und Mehrforderungen, sowie die Bezahlung einer Genugtuung 

von Fr. 15'000.00 zuzüglich 5% Zins ab dem 9. Februar 2021, unter 

solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldigten. Zudem sei ihm für das 

Rechtsmittelverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. 

 

2.6. 

Mit Verfügung vom 6. Dezember 2022 wurde die amtliche Verteidigung des 

Beschuldigten von Rechtsanwältin Isabella Schibli auf Rechtsanwalt Adrian 

Dumitrescu übertragen. 

 - 7 - 

 

 

 

2.7. 

Mit Verfügung vom 2. Mai 2023 wurden die Gesuche sämtlicher Privat-

kläger um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen. 

 

2.8. 

Mit der Vorladung und Verfügung vom 7. Juni 2023 wurde den Parteien 

mitgeteilt, dass sich das Obergericht vorbehalte, den als Angriff bzw. als 

Anstiftung zum Angriff angeklagten Sachverhalt auch als Raufhandel bzw. 

Anstiftung zum Raufhandel zu würdigen. 

 

2.9. 

Mit Eingabe vom 9. Juni 2023 gab C.C._____ bekannt, dass sein Vertreter 

nicht an der Berufungsverhandlung teilnehmen werde und dass auf die 

Anträge vor erster Instanz verwiesen werde. 

 

2.10. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 12. Juni 2023 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

2.11. 

Mit Eingabe vom 29. Juni 2023 teilte D.C._____ mit, dass er an der 

Berufungsverhandlung nicht anwaltlich vertreten werde. Er halte an den 

Berufungsanträgen fest und verweise betreffend Zivilforderungen auf die 

Plädoyernotizen und Ausführungen anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-

verhandlung und die beigelegten Urkunden. 

 

2.12. 

Mit Eingabe vom 30. Juni 2023 stellte A._____ ein Dispensationsgesuch 

für die Berufungsverhandlung, zudem würden er und B._____ an der 

Berufungsverhandlung nicht anwaltlich vertreten werden. Weiter 

bezifferten und begründeten A._____ und B._____ ihre Zivilforderungen. 

 

2.13. 

Das Dispensationsgesuch von A._____ wurde mit Verfügung vom 5. Juli 

2023 abgewiesen. 

 

2.14. 

Der Beschuldigte reichte am 27. Juli 2023 eine vorgängige Berufungs-

antwort ein, und beantragte, dass die Berufung [der Staatsanwaltschaft] 

vollumfänglich abzuweisen sei und auf die Anträge der Privatkläger nicht 

einzutreten sei, subeventualiter seien diese auf den Zivilweg zu verweisen. 

Zudem wurden zwei Beweisergänzungsanträge gestellt. 

 

 - 8 - 

 

 

Mit Verfügung vom 28. Juli 2023 wurde bekanntgegeben, dass über den 

Beweisantrag betreffend DNA-Auswertung anlässlich der Berufungs-

verhandlung entschieden werde. 

 

2.15. 

Der Beschuldigte reichte am 4. August 2023 ein Gesuch um Zusicherung 

des freien Geleits ein. 

 

Dieser Antrag wurde mit Verfügung vom 7. August 2023 abgewiesen. 

 

3. 

Die Berufungsverhandlung fand am 14. August 2023 zusammen mit den 

Berufungsverfahren i.S. G._____ (SST.2022.223), H._____ 

(SST.2022.224) und I._____ (SST.2022.225) statt.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Aufgrund der Berufungsanträge der Staatsanwaltschaft und der Privat-

kläger ist das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich zu überprüfen (Art. 404 

Abs. 1 StPO). Das vorliegende Verfahren ist eines von vier parallel 

geführten Verfahren. 

 

2. 

2.1. 

Der dem Beschuldigten in der Anklage vorgeworfene Sachverhalt habe 

sich in der Liegenschaft an der Z-Strasse._____ in Gemeinde T._____ 

ereignet. In der Unterkunft würden Zimmer und Wohnungen vermietet. 

Sämtliche Privatkläger seien zur Tatzeit Mieter an dieser Adresse 

gewesen. Von B._____ sei am 9. Februar 2021 um ca. 19:07 Uhr ein 

Wasserschaden bzw. aufsteigendes Wasser aus dem Lavabo an I._____, 

welcher als Hauswart bzw. Verwalter der Liegenschaft fungiert habe, 

gemeldet worden. Dieser habe daraufhin H._____, der im Stundenlohn bei 

ihm angestellt gewesen sei, kontaktiert und ihn beauftragt, an die Adresse 

zu fahren. Es seien diverse Sprachnachrichten ausgetauscht worden, 

aufgrund derer H._____, F._____, G._____ sowie J._____ sich mit 

Holzstöcken bewaffnet hätten und an die Örtlichkeit gefahren seien, um 

B._____ zu schlagen. Beim Eintreffen um ca. 20:30 Uhr hätten sie in der 

Küche A._____ sowie D.C._____ angetroffen und sich nach dem 

Aufenthaltsort von B._____ erkundigt. Dieser habe sich bereits in seinem 

Zimmer zum Schlafen hingelegt gehabt. Daraufhin hätten sich H._____, 

J._____ und F._____ in dessen Zimmer begeben, woraufhin J._____ 

B._____ mit einem kantigen holzfarbigen Holzstock gegen den Rücken 

geschlagen habe. Dieser habe sich sodann aufgesetzt, woraufhin F._____ 

ihn mit einem kantigen holzfarbigen Holzstock gegen den Kopf geschlagen 

 - 9 - 

 

 

und ihm mit einem unbekannten Gegenstand eine Schnittwunde im Gesicht 

zugefügt habe. H._____ habe währenddessen den Ausgang aus dem 

Zimmer versperrt und G._____ vor der Tür dafür gesorgt, dass niemand 

zur Hilfe kommen könne. B._____ habe dadurch eine geradlinige Quetsch-

Risswunde am hohen Scheitel ohne wesentliche Schürfanteile, eine 

Hautdurchtrennung an der rechten Wange, eine oberflächliche 

Schleimhautläsion rechtsseitig an der Unterlippeninnenseite und eine 

Hautabschürfung an der rechten Unterarmkleinfingerkante erlitten. Die 

Hautdurchtrennung werde eine mehrere Zentimeter lange Narbe 

hinterlassen. Hierdurch habe sich der Beschuldigte des Angriffs sowie 

jeweils in Mittäterschaft der schweren Körperverletzung, der versuchten 

schweren Körperverletzung, eventualiter der qualifizierten einfachen 

Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand schuldig gemacht. 

 

In der Folge seien nacheinander A._____ und D.C._____ herbeigeeilt und 

hätten versucht, die Beschuldigten von B._____ wegzuholen. Die 

Beschuldigten hätten sodann den Entschluss gefasst, auch gegen sie 

gewaltsam vorzugehen. Sämtliche Beschuldigten hätten in der Folge mit 

kantigen Holzstöcken mehrfach auf sie eingeschlagen. A._____ sei auf den 

Boden gefallen und F._____ habe ihn sodann mit dem beschuhten Fuss 

ins Gesicht getreten. A._____ habe drei längliche Quetsch-Risswunden der 

Kopfschwarte, am Scheitel links und am Hinterkopf; einen länglichen 

Bluterguss oberhalb des linken Ohres mit feinstreifigem Anteil und 

stellenweise oberflächlicher Hautdurchtrennung, mehrere Blutergüsse am 

Scheitel links, eine oberflächliche Blutdurchtrennung an der Ohrkrempe 

des linken Ohres, fleckenförmige Schleimhautläsionen an der Oberlippen- 

und der Unterlippeninnenseite, eine Schwellung des rechten Handrückens 

mit mehreren Hautabschürfungen bzw. einer oberflächlichen Hautdurch-

trennung am Handrücken, dem Mittel- und dem Ringfingergrundgelenk und 

dem Ringfingergrundglied, eine grossflächige Hautabschürfung am rechten 

Schienbein und kleinfleckige Hautabschürfungen an der linken Armstreck-

seite, am rechten Oberschenkel und am linken Schienbein davongetragen. 

D.C._____ habe sich durch die Schläge eine längliche Quetsch-Risswunde 

am Scheitel-Hinterkopf-Übergang links; eine Quetsch-Risswunde an der 

Stirn links mit umgebender, geformter Schürfung; eine Hautabschürfung an 

der Stirn mittig-links mit sichtbarer Schürfrichtung von oben nach unten; 

eine Schwellung, einen Bluterguss, eine Quetsch-Risswunde und kleine 

Hautrisse am linken Auge; eine Quetsch-Risswunde, Schwellung und einen 

Bluterguss am Nasenrücken; einen Bruch des Augenhöhlendachs; 

Kontusionsblutungen im Kortex des Frontallappen links anterior; eine 

Unterblutung der Kopfschwarte links frontal; einen Bruch des Unterkiefers; 

einzelne Blutergüsse an der Rumpfvorderseite; Blutergüsse an beiden 

Handrücken; mehrere Hautabschürfungen an der linken Unterarm-

fingerkante; und eine Schwellung und einen Bluterguss mit Haut-

abschürfung kleinfingerseitig am linken Handgelenk zugezogen. Hierdurch 

hätte sich der Beschuldigte jeweils des Angriffs sowie in Mittäterschaft der 

 - 10 - 

 

 

versuchten schweren Körperverletzung, eventualiter der qualifizierten 

einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand schuldig 

gemacht. 

 

Es sei sodann zu einer weiteren Auseinandersetzung gekommen, als 

E.C._____ mit einem oder zwei Messern in den Händen sowie C.C._____ 

mit einem Stuhl in den Händen vom oberen Stock heruntergekommen 

seien, um ihren Freunden bzw. ihrem Bruder zu helfen. Die Beschuldigten 

hätten mit den Holzstöcken auf die Köpfe und Oberkörper von E.C._____ 

und C.C._____ eingeschlagen, wobei sie diverse Verletzungen erlitten 

hätten. E.C._____ habe eine langstreckige, winklige Quetsch-Risswunde 

am hohen Scheitel; eine Quetsch-Risswunde an der linken Kopfseite; eine 

oberflächliche Quetsch-Risswunde, Hautabschürfungen und Blutergüsse 

an der Stirn rechts; kratzerartige Hautabschürfungen und kleine, 

oberflächliche Quetsch-Risswunden an der linken Wange; eine klein-

fleckige Hautabschürfung und fleckenförmige Blutergüsse am rechten 

Ellenbogen; einen runden Bluterguss mit Schürfkomponente an der rechten 

Unterarmkleinfingerkante; eine feinstreifige Hautabschürfung am rechten 

Handrücken; eine Hautabschürfung streckseitig am rechten Kleinfinger-

grundgelenk; einen Bluterguss am linken Schulterdach; mehrere, teils 

streifenförmige Hautabschürfungen sowie fleck- und streifenförmige Blut-

ergüsse an der linken Unterarmkleinfingerkante; fleckenförmige Haut-

abschürfungen an der linken Unterarmstreckseite; einen Bluterguss und 

feinstreifige Hautabschürfungen am linken Handrücken; mehrere Haut-

abschürfungen an den Schienbeinen; eine oberflächliche, tangentiale 

Schnittverletzung an der linken Daumenbeere erlitten. C.C._____ habe drei 

längliche Quetsch-Risswunden am hohen Scheitel links; eine Schwellung 

mit zentralem Bluterguss und feinstreifiger Hautabschürfung am Hinterkopf 

links; eine Schwellung an der linken Schläfe; mehrere Hautabschürfungen 

an der Stirn, teils mit umgebenden, geformten Blutergüssen; eine 

feinstreifige Hautabschürfung über dem rechten Jochbogen; mehrere 

fleckenförmige Schleimhautläsionen an der Unterlippeninnenseite; einen 

bandförmiger Bluterguss an der rechten Flanke, teils mit oberflächlicher 

Hautabschürfung; einen Bluterguss an der linken Schulter mit zentraler, 

feinstreifiger Hautabschürfung; eine Hautabschürfung am Rücken rechts; 

kleinfleckige Hautabschürfungen am rechten Ellenbogen und an der 

rechten Unterarmkleinfingerkante; und einen Bluterguss an der linken 

Oberarmaussenseite erlitten. Auch F._____ habe sich eine kleine 

Verletzung zugezogen. Es habe sich um eine tätliche Auseinandersetzung 

gehandelt, die eine Körperverletzung zur Folge haben könnte, was die 

Beschuldigten gewusst und in Kauf genommen hätten. Der Beschuldigte 

habe sich damit des Raufhandels und in Mittäterschaft der mehrfachen 

versuchten schweren Körperverletzung, eventualiter der mehrfachen 

qualifizierten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen 

Gegenstand schuldig gemacht. 

 

 - 11 - 

 

 

2.2. 

Die Vorinstanz ging im Wesentlichen davon aus, dass die Beschuldigten 

unbewaffnet und ohne die Absicht, die Privatkläger anzugreifen oder zu 

verletzten nach Gemeinde T._____ gefahren seien. Sie ging davon aus, 

dass stattdessen die Beschuldigten angegriffen worden seien und sich in 

der Folge zur Wehr gesetzt hätten, wobei sie die Oberhand gewonnen und 

die Privatkläger verletzt hätten. Sie ging zwar grundsätzlich davon aus, 

dass ein Raufhandel vorgelegen habe, hierbei verzichtete sie jedoch auf 

einen Schuldspruch, da ein solcher betreffend B._____, A._____ und 

D.C._____ nicht angeklagt sei und sich der Sachverhalt ihres Erachtens 

anders als hinsichtlich E.C._____ und C.C._____ angeklagt, abgespielt 

habe. Sie hat sämtliche Beschuldigten vollumfänglich freigesprochen. 

 

Die Staatsanwaltschaft hielt mit der Berufung am angeklagten Sachverhalt 

fest und beantragte, der Beschuldigte sei entsprechend schuldig zu 

sprechen (Berufungsbegründung Staatsanwaltschaft S. 1 ff.). Der 

Beschuldigte beantragte, die Berufungen der Staatsanwaltschaft sowie 

sämtlicher Privatkläger seien abzuweisen (Berufungsantwort S. 1 ff. und 

Plädoyer Berufungsverhandlung S. 1 ff.). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Gemäss Art. 133 StGB wird bestraft, wer sich an einem Raufhandel 

beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines Menschen zur Folge 

hat (Abs. 1). Ein Raufhandel ist nach der Rechtsprechung eine wechsel-

seitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen. 

Strafbar ist, wer sich beteiligt, d.h. wer aktiv in einer Weise am Raufhandel 

teilnimmt, die geeignet ist, die Auseinandersetzung zu fördern bzw. deren 

Intensität zu steigern (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2). Tätliche Auseinander-

setzungen zwischen mehr als zwei Personen sind oft derart unüber-

sichtlich, dass sich nicht nachweisen lässt, wer die Körperverletzung oder 

den Tod einer Person verursacht hat. Sinn und Zweck von Art. 133 StGB 

ist, in solchen Situationen zu verhindern, dass die Verantwortlichen straflos 

bleiben. Aufgrund der Beweisschwierigkeiten ist bereits die Beteiligung am 

Raufhandel unter Strafe gestellt. Es handelt sich beim Raufhandel mithin 

um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, obschon ein Erfolg eintreten muss 

(BGE 137 IV 1 E. 4.2.2 und Urteil des Bundesgerichts 6B_1163/2020 vom 

25. Februar 2021 E. 3.1.1, beide mit Hinweisen). Wer ausschliesslich 

abwehrt oder die Streitenden scheidet, macht sich indessen nicht strafbar 

(Art. 133 Abs. 2 StGB). Dies ist der Fall, wenn eine Person sich zwar aktiv 

am Raufhandel beteiligt, dies jedoch ausschliesslich abwehrend oder 

trennend, d.h. ausschliesslich Schläge austeilt, um sich zu schützen, 

andere zu verteidigen oder Streitende zu scheiden (BGE 131 IV 150 E. 

2.1). Im subjektiven Tatbestand ist Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz 

genügt. Der Vorsatz muss sich nur auf die objektiven Tatbestands-

merkmale beziehen, nicht aber auf die Todes- oder Körperverletzungsfolge 

 - 12 - 

 

 

(BGE 141 IV 454 E. 2.3.2; BGE 139 IV 168 E. 1.1.1). Der Täter muss 

insbesondere erkennen und in Kauf nehmen, dass sich mehr als zwei 

Personen an der tätlichen Auseinandersetzung beteiligen (BGE 137 IV 1 

E. 4.2.2; BGE 106 IV 246 E. 3b). 

 

Gegenüber dem Raufhandel versteht man unter einem Angriff im Sinne von 

Art. 134 StGB eine einseitige, von feindseligen Absichten getragene, 

gewaltsame Einwirkung auf den Körper eines oder mehrerer Menschen. 

Der körperliche Angriff muss von mehreren, mindestens zwei Personen 

ausgehen, wobei es genügt, wenn sich eine Person dem bereits 

gestarteten Angriff eines anderen anschliesst. Die Beteiligung kann auf 

jede Art erfolgen, solange die Beteiligten an Ort und Stelle in das 

Geschehen eingreifen. Als objektive Strafbarkeitsbestimmung muss der 

Angriff den Tod oder eine Körperverletzung eines Angegriffenen zur Folge 

haben. Der Angegriffene verhält sich dabei passiv oder beschränkt sich auf 

den Schutz vor dem Angriff (Urteil des Bundesgerichts 6B_454 vom 29. 

Juni 2022 E. 2 und 3.2 mit Hinweisen). In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz 

erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt. Der Vorsatz richtet sich auf die 

Beteiligung am Angriff, nicht auf die Todes- oder Verletzungsfolge. Der 

Tatbestand des Art. 134 StGB erfasst nur die im Angriff liegende abstrakte 

Gefährdung. Er gelangt insbesondere dann zur Anwendung, wenn 

aufgrund von Beweisschwierigkeiten nicht mehr festgestellt werden kann, 

wer welchen Beitrag geleistet respektive welchen Erfolg bewirkt hat (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_79/2016 vom 16. Dezember 2016 E. 2.3.2).  

 

2.3.2. 

Gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB macht sich der einfachen Körperverletzung 

schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen am Körper oder an der Gesund-

heit schädigt.  

 

Nach Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, 

wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer 

vorsätzlich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen 

verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, 

einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank 

macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), 

oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des Körpers oder 

der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht 

(Abs. 3). 

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Ver-

gehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der 

zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten 

 - 13 - 

 

 

kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven Tatbestands-

merkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150 E. 3.4). 

 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der 

Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB; Eventualvor-

satz). Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn 

der Täter den Eintritt des Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für 

möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines 

Eintritts in Kauf nimmt und sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch 

unerwünscht sein. Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf 

genommen hat, muss das Gericht bei Fehlen eines Geständnisses des 

Beschuldigten aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die 

Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, 

die Schwere einer allfälligen Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe 

des Täters und die Art der Tathandlung (BGE 147 IV 439 E. 7.3.1; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1424/2020 vom 31. Januar 2022 E. 1.3.3, je mit 

Hinweisen). 

 

2.4. 

2.4.1. 

Wie im Folgenden aufzuzeigen sein wird, geht das Obergericht in 

tatsächlicher Hinsicht betreffend B._____ gestützt auf die vorliegenden 

Beweismittel, davon aus, dass der Beschuldigte mit H._____ und einer 

weiteren Person in das Zimmer von B._____ eingedrungen ist, als dieser 

auf dem Bett lag. Sodann hat die weitere Person – mutmasslich J._____ – 

B._____ mit einem kantigen, länglichen Holzstück zunächst auf den 

Rücken und sodann auf den Kopf geschlagen, woraufhin der Beschuldigte 

B._____ mit einem unbekannten scharfen Gegenstand an der rechten 

Wange geschnitten hat. Weiter geht das Obergericht davon aus, dass es 

in der Folge zu einer wechselseitigen Auseinandersetzung zwischen dem 

Beschuldigten, H._____, G._____ sowie A._____, D.C._____, C.C._____ 

und E.C._____ gekommen ist, bei welcher sämtliche Personen aktiv 

mitgewirkt haben und die dokumentierten Verletzungen entstanden sind. 

Hingegen lassen sich die genauen Tatbeiträge sowie der Verlauf der 

Auseinandersetzung nicht weiter rekonstruieren, womit der übrige 

angeklagte Sachverhalt nicht erstellt ist. 

 

2.4.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass die 

Beschuldigten F._____, H._____ und G._____ sowie die Privatkläger am 

Abend des 9. Februars 2021 an der Z-Strasse._____ in Gemeinde T._____ 

in eine tätliche Auseinandersetzung mit den Privatklägern B._____, 

A._____, D.C._____, E.C._____ und C.C._____ verwickelt waren. Zur 

Ausgangslage der Auseinandersetzung ist unbestritten geblieben, dass 

 - 14 - 

 

 

B._____, der als Mieter ein Zimmer in dieser Liegenschaft gemietet hatte, 

an diesem Abend den Hauswart I._____ kontaktiert hat. Er teilte ihm mit, 

dass das Wasser im Spülbecken in der Küche überlaufe bzw. ein 

Wasserschaden vorliege. I._____ kontaktierte hierauf den Installateur 

«K._____» (ST.2021.592. Ordner III UA act. 2032 Sprachnachricht), dieser 

gab jedoch an, an diesem Abend keine Zeit mehr zu haben und 

voraussichtlich am nächsten Morgen vorbeischauen zu können. Daraufhin 

hat I._____ H._____, der als Aushilfshausmeister im Stundenlohn tätig war 

(ST.2021.592 act. 1560 Ordner II, UA act. 1005), nach Gemeinde T._____ 

geschickt, wobei dieser (mindestens) seinen «Schwager» [nicht 

verheiratet, aber Partnerschaft mit gemeinsamen Kindern] F._____ und 

seinen Cousin G._____ mitgenommen hat. Bereits zuvor hatte es in der 

Liegenschaft diverse Probleme mit dem Wasser und der Heizung gegeben. 

Unbestritten ist auch, dass B._____ seit mindestens zwei Monaten die 

Miete nicht mehr bezahlen konnte und den Vermieter über I._____ um 

einen Mietaufschub gebeten hatte. Da er auch innert dieser Frist nicht 

bezahlt hat, war vereinbart gewesen, dass er sein Zimmer am 10. Februar 

2021 verlässt (namentlich B._____: UA act. 1701 ff., 1717 ff.; Protokoll HV 

S. 47 ff.; I._____ UA act. 1551 ff., 21 ff., Protokoll HV S. 56 ff.; H._____ UA 

act. 1577 ff., 1647 ff., Protokoll HV S. 67 ff.; L._____: UA act. 1866 ff.). 

Ebenfalls unbestritten ist, dass auch in der Wohnung des Zeugen L._____, 

die gemäss Grundriss (siehe Beilage Protokoll HV) direkt unter der 

Gemeinschaftsküche liegt, Wasser durch einen Lampenschirm von der 

Decke tropfte, weshalb auch er I._____ kontaktiert hat. Es ist damit erstellt, 

dass das Wasser in der Gemeinschaftsküche überlief (vgl. 

Videoaufnahmen UA act. 2032), was die Beschuldigten dazu bewegt hat, 

sich an den Tatort zu begeben. Durch Fotografien belegt und von keiner 

Partei bestritten ist weiter, dass beim Eintreffen der Polizei kein Wasser 

mehr am Boden der Küche oder im Spülbecken war (UA act. 1217 ff.).  

 

Unterschiedlich beantwortet wird die Frage, ob der Abfluss verstopft bzw. 

beschädigt war oder ob B._____ diesen absichtlich verstopft hat bzw. von 

welchem Sachverhalt die Beschuldigten ausgegangen sind, als sie nach 

Gemeinde T._____ gefahren sind. Grundlegend bestritten ist zudem der 

Verlauf des Besuchs bzw. der Auseinandersetzung und die Tatbeiträge 

sowie die Verwendung von Messern und von Gegenständen zum 

Schlagen. 

 

2.4.3. 

Zu den Aussagen kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die 

Gruppe der Beschuldigten sowie diejenige der Privatkläger sehr unter-

schiedliche Aussagen zum Tathergang gemacht haben, innerhalb der 

Gruppe der Beschuldigten bzw. der Privatkläger sind die Aussagen jeweils 

relativ ähnlich. Die Gruppe der Mitbeschuldigten gibt grob zusammen-

gefasst an, sie seien nach dem Anruf von I._____ zu dritt nach Gemeinde 

T._____ gefahren, um aufgrund des Wassers nach dem Rechten zu sehen. 

 - 15 - 

 

 

In der Gemeinschaftsküche hätten sie B._____, A._____ und D.C._____ 

(Angaben hierzu nicht konstant) angetroffen und es hätte eine kurze 

Diskussion gegeben. D.C._____ sei nach wenigen Augenblicken 

rausgegangen und habe im oberen Stock seine beiden Brüder C.C._____ 

und E.C._____ geholt. Die Brüder hätten sich bewaffnet, wobei 

überwiegend angegeben worden ist, dass E.C._____ ein oder mehrere 

Messer, C.C._____ einen Stuhl und D.C._____ ein Holzstück, das einem 

Tischbein gleiche, in den Händen gehabt hätten. Die Privatkläger seien 

sodann sofort auf die Beschuldigten losgegangen. In der Folge habe es 

eine Schlägerei gegeben, wobei sich die Beschuldigten lediglich gewehrt 

hätten. Einzig H._____ gab an, auch mit einem Bein eines zerbrochenen 

Stuhls zurückgeschlagen zu haben, die anderen wollen sich mit leeren 

Händen gewehrt haben, bis sie alle geflüchtet seien. 

 

Die Privatkläger gaben demgegenüber grob zusammengefasst an, dass 

sich B._____ nach seiner Kontaktaufnahme mit I._____ bereits ins Bett 

gelegt habe; A._____ und D.C._____ seien noch in der Küche gewesen. 

Es seien sodann 4-8 Personen (mehrheitlich wurden mindestens 6 

Personen genannt) in die Küche gekommen und hätten nach B._____ 

gefragt, dabei hätten sämtliche Personen ein längliches Stück Holz, ähnlich 

einem Tischbein in der Hand gehabt. Sie seien dann zum Zimmer von 

B._____ und hätten auf den schlafenden B._____ mit den Holzstücken 

eingeschlagen und ihn im Gesicht geschnitten. In der Folge seien zuerst 

A._____ und dann D.C._____ zur Hilfe geeilt und seien ebenfalls mit den 

Holzstücken geschlagen worden und zu Boden gegangen. Durch den Lärm 

seien E.C._____ und C.C._____ von oben herabgeeilt und seien ebenfalls 

von den Beschuldigten geschlagen worden, wobei sie unbewaffnet 

gewesen seien. 

 

2.5. 

2.5.1. 

Für den Sachverhalt zum Nachteil von B._____ stützt sich das Obergericht 

einerseits auf seine schlüssigen und über das gesamte Verfahren 

konstanten Aussagen. So führte er stets aus, dass er sich, nachdem er mit 

I._____ Kontakt hatte und mit A._____ und D.C._____ in der Küche sowie 

bei L._____ in der Wohnung gewesen sei, ins Bett gelegt habe und 

bäuchlings geschlafen habe. Plötzlich sei er durch einen Schlag am 

Rücken im Bereich des rechten Schulterblatts erwacht. Er habe nicht 

gesehen, wer den ersten Schlag ausgeführt habe. Er habe sich dann 

aufgesetzt und gedreht bzw. sei aufgestanden und sei von J._____ mit 

einem viereckigen, hellen Holzstück, das wie ein Tischbein ausgesehen 

habe und ca. einen Meter lang gewesen sei, am Kopf geschlagen worden. 

Dieses Teil sei später im Gang am Boden gefunden worden. Aufgrund der 

Positionen nehme er an, dass er von J._____ geschlagen worden sei. 

Danach sei er von F._____ im Gesicht geschnitten worden, wobei er kein 

Messer gesehen habe bzw. sei ihm unklar womit geschnitten worden sei, 

 - 16 - 

 

 

jedoch sei er nicht ins Gesicht geschlagen worden. Er habe nicht gesehen, 

ob F._____ etwas in der Hand gehabt habe. Er habe versucht, sich mit den 

Händen und Armen zu schützen. Im Zimmer seien F._____, J._____ und 

vom Bett aus gesehen links H._____ gewesen, wobei Letzterer ihn nicht 

geschlagen habe; im Gang oder in der Tür seien noch mehr Leute 

gewesen, er habe aber nicht gesehen, wer dies gewesen sei. Die Leute 

seien dann aus dem Zimmer gegangen. Er wisse nicht, was sonst noch 

passiert sei, er sei im Zimmer geblieben und habe die anderen Schläge 

nicht gesehen. Erst als die Polizei gekommen sei, habe er D.C._____ 

neben der Tür und A._____ weiter hinten im Gang gesehen. Er habe sich 

auf den Bettrand gesetzt und das Blut sei ihm runtergetropft (UA act. 1701 

ff.; 1717 ff., 1837 ff., Protokoll HV S. 47 ff., Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 8 ff.). Dass er kein Messer gesehen hat, erweckt keine Zweifel an der 

Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Es wäre ein leichtes gewesen, zu 

behaupten, er habe ein Messer in der Hand von F._____ gesehen. 

Vielmehr spricht diese Lücke für die Glaubhaftigkeit seiner Aussage. 

B._____ wurde gemäss den Ausführungen der Polizei nicht in seinem 

Zimmer, sondern im Gang festgestellt. Entgegen der Vorinstanz ist jedoch 

nicht davon auszugehen, dass dies gegen die Glaubhaftigkeit seiner 

Aussagen spricht, weil er angegeben hatte, das Zimmer nicht verlassen zu 

haben (UA act. 1702). Es ist nachvollziehbar, dass man der Polizei 

entgegeneilt, wenn dies noch möglich ist, zudem hat man die Polizei beim 

Eintreffen gut gehört, sie hat sich lautstark angekündigt (vgl. UA act. 1449). 

Er hatte gemäss seinen glaubhaften Aussagen nicht mit einem Angriff 

gerechnet, andernfalls hätte er ohne Weiteres die Zimmertüre abschliessen 

können.  

 

2.5.2. 

Am Tatabend wurden diverse Sprachnachrichten zwischen I._____ und 

H._____ ausgetauscht, wobei auch weitere Personen zu hören sind. Diese 

Sprachnachrichten liegen in den Akten vor und bestätigen als zentrales 

Beweismittel die Ausführungen von B._____. Gegen 19:12 Uhr haben 

I._____ und H._____ noch Sprachnachrichten über die Erledigung der 

Abfallprobleme in Gemeinde T._____ ausgetauscht. Es ist davon 

auszugehen, dass es sodann zwischen ihnen ein Telefonat gegeben hat, 

in dem über den Wasserschaden gesprochen worden ist und H._____ 

gebeten worden ist, nach Gemeinde T._____ zu fahren. Der genaue 

Gesprächsinhalt ist jedoch nicht bekannt. Die (ab 19:40 Uhr erfolgte) 

Konversation zwischen I._____ und H._____, teilweise mit Einwürfen 

weiterer im Auto befindlicher Personen, lautet wie folgt («MS» für 

Männerstimme) (ST.2021.47 act. 90 ff./ST.2021.49 act. 24f ff.; vgl. die 

weiteren Übersetzungen in UA act. 1533 ff. sowie 1537 ff.). 

  

 - 17 - 

 

 

MS1 Ja I._____, mach dir keine Sorgen… 

MS2 Ja, wir gehen jetzt und ich schlage ihn dir (Anm. d. Dolm.: 

Umgangssprache «ich schlage ihn für dich») bis ihn der Teufel 

holt. Ich bringe ihn dir nach Hause. 

MS3 Zum Teufel… Wir gehen jetzt über ihn… (Anm. d. Dolm.: 

vermutlich/Umgangssprache «Wir schauen jetzt unangekündigt, 

bei ihm vorbei») 

MS1 Wir gehen einfach so dorthin und nicht… verstehst du? Wir 

springen nichts an… Mal schauen was los ist… nur 

  

? Was hat er dir gesagt? Hat er dich gestört? Hat er dich 

beschimpft? Hat er hässlich mit dir gesprochen? (Anm. d. Dolm.: 

vermutlich/Umgangssprache: War er gemein zu dir? 

Unanständig?") 

  

? Ja I._____… (Anm. d. Dolm.: unverständlich) 

  

? Pass auf, dass du ihn nicht umbringst… Zu den Ahnen seiner 

Mutter mit ihm (Anm. d. Dolm.: vermutlich/Fluchwort «Zum Teufel 

mit ihm») 

? Wenn man ihm eine Ohrfeige gibt, drehst du ihn mit dem 

Schwanz nach oben… Er fällt wie eine Maus… Mein Schwanz… 

Pass auf jetzt, denn ich habe solche gravierenden Sachen 

gesehen… Du wirfst ihn zu Boden… Gott bewahre… und er 

stirbt… der Tote 

(Anm. d. Dolm.: vermutlich/Umgangssprache «o mierleste» «er 

stirbt» «Mierla-Amsel») Es ist nicht bekannt, ob es Wahrheit oder 

Legende ist, aber es heisst: «Wenn ein Mann stirbt oder dem Tod 

nahe steht, singt die Amsel.») 

  

MS1 Ja, I._____, sei beruhigt, denn wir wissen wie… wie wir ihn 

nehmen sollen… sei beruhigt… wir sind nicht solche, welche 

springen und ihn umbringen und nicht mehr wissen, wo uns der 

Kopf steht… 

MS2 Jetzt, was wird, das wird… Steck ihn in seine Mutter (Anm. d. 

Dolm.: vermutlich/Fluchwort) 

MS1 Komm wir rufen dich dort… Wir reden dort, I._____ (Anm. d. 

Dolm.: vermutlich «Wir rufen dich von dort an… Wir reden, wenn 

wir dort sind»). Wir reden nachdem… wir es dort regeln… 

? Ja, mit ihm hat er dir gegeben (Anm. d. Dolm.: unverständlich)… 

schau… die vorletzte Nachricht oder ich weiss nicht… er hat dir 

gegeben… verstehst du?... Ich habe ihn auch genommen… 

  

 - 18 - 

 

 

? Er hat gesagt, jemand sei… sei verletzt… mein Schwanz… wenn 

der Helikopter gekommen ist… ich habe ihm eine Nachricht 

geschickt, ob der Helikopter gekommen sei und er hat ja gesagt 

 

Die Auswertung der Sprachnachrichten hat ergeben, dass die Männer-

stimme MS2 – entgegen der Anklage – nicht H._____, sondern einem 

anderen Insassen des Autos gehört, was von der Übersetzerin M._____ 

bestätigt wurde. Die Nachricht von einer unbekannten Person «Ja, wir 

gehen jetzt und ich schlage ihn dir, bis ihn der Teufel holt. Ich bringe ihn dir 

nach Hause» ist so zu interpretieren, dass jemand – nämlich B._____ – 

geschlagen bzw. gar heftig geschlagen werden sollte. Ob diese Aussage 

die Bestätigung eines entsprechend formulierten Auftrags des 

Beschuldigten I._____ oder die spontane Eingebung des Sprechenden 

war, lässt sich aus der Sprachnachricht nicht ableiten. Dass das Thema 

des Schlagens aufgebracht worden ist, weist jedoch auf eine aggressive 

Stimmung – zumindest bei einigen der Beschuldigten – hin und kann als 

starkes Indiz für einen Angriff bzw. die bestehende Absicht eines solchen 

auf B._____ gewertet werden. 

 

2.5.3. 

Bestätigt wird der Sachverhalt auch von den im Zimmer von B._____ 

festgestellten Spuren. Die Kantonspolizei hat die Räumlichkeiten an der Z-

Strasse._____ in Gemeinde T._____ bzw. den Tatort mit Fotoaufnahmen 

dokumentiert (UA act. 1195 ff.). Auf den Aufnahmen des Zimmers von 

B._____ (UA act. 1211 f.) ist zu erkennen, dass sich auf seiner Matratze 

wenige Bluttropfen befinden, auf dem Bettgestell in Richtung Zimmertüre 

unten im Fussbereich einige Bluttropfen, eine grössere Menge Blut jedoch 

vor dem Bett auf dem Fussboden. Weiter ist auffallend, dass die 

(grossflächigen) Bluttropfen bzw. die Blutlache auf dem Fussboden nicht 

zertreten oder verschmiert sind (anders im Rest des ersten 

Obergeschosses, vgl. UA act. 1207, 1215 f., 1222). Es führen keine 

Bluttropfen in das Zimmer hinein oder aus dem Zimmer heraus, B._____ 

muss somit im Zimmer verletzt worden sein. Entgegen der Vorinstanz passt 

das Spurenbild mit den nicht-zertretenen Blutspuren zu den Aussagen von 

B._____. Er hat das Geschehene so geschildert, dass er «lediglich» zwei 

Schläge und den Schnitt erhalten hat, und die Beschuldigten sodann aus 

dem Zimmer gegangen seien. Es ist gerade zu erwarten, dass die 

Bluttropfen erst in der Folge entstanden sind, als er auf der Bettkante sass. 

Eine solche Menge Blut entweicht bei den entsprechenden Verletzungen 

nicht innert Sekunden. Somit konnte gemäss dem geschilderten Tatablauf 

von B._____ auch niemand mehr in die Blutspur treten. 

 

Weiter ist auf den Fotoaufnahmen ersichtlich, dass das Bett von B._____ 

nicht bezogen ist und keine Bettwäsche darauf liegt. Auf dem Bett liegt 

einzig ein grosses rotes Handtuch. Entgegen der Vorinstanz und dem 

Beschuldigten spricht es jedoch nicht gegen die Glaubhaftigkeit seiner 

 - 19 - 

 

 

Aussagen, dass er ohne Bettwäsche geschlafen hat, obwohl die Heizung 

nicht funktioniert habe und es im Gebäude somit kühl gewesen sei. 

B._____ hat hierzu erklärt, dass er am nächsten Tag ins Zimmer seines 

Bruders habe umziehen wollen, da er sein Zimmer aufgrund des Miet-

rückstands habe verlassen müssen. Er habe sein Zimmer geputzt und 

seine Sachen gepackt und bereits ins Zimmer seines Bruders gebracht. Er 

habe aber in dieser Nacht noch nicht dort schlafen können, da sein Bruder 

noch einen gemeinsamen Bekannten (N._____) zu Besuch gehabt habe, 

welcher dort geschlafen habe. Es sei noch sein Recht gewesen, in seinem 

Zimmer zu schlafen (UA act. 1838, Protokoll Berufungsverhandlung S. 9). 

Er habe in einem Trainingsanzug (UA act. 1120) geschlafen, da es kalt 

gewesen sei. Er wies an diesem Abend eine Blutalkoholkonzentration von 

2.06‰ (Vertrauensbereich 1.95 – 2.17‰) (UA act. 1364) auf. Damit ist 

nachvollziehbar, dass er sich entsprechend alkoholisiert zurückgezogen 

und zum Schlafen hingelegt hat. Ob er mit dem Handtuch geschlafen hat, 

konnte er anlässlich der Berufungsverhandlung nicht beantworten. Auch 

wenn draussen kalte Temperaturen herrschten, dürfte es in der Liegen-

schaft aufgrund der Isolierung dennoch nicht so kalt gewesen sein, dass 

man sich ohne Decke nicht hätte aufhalten können. So musste sich auch 

L._____ gemäss seinen Angaben noch einen Pullover anziehen, als die 

Beschuldigten kamen, er war somit zuvor nur mit einem T-Shirt bekleidet 

in seiner Wohnung, die einen Stock tiefer liegt, weshalb es dort 

erfahrungsgemäss noch kühler war. Keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit 

seiner Aussagen vermag schliesslich auch die Tatsache zu erwecken, dass 

er sich zum Schlafen hingelegt hat, obwohl er damit habe rechnen müssen, 

dass ein Sanitärinstallateur komme, um den Wasserschaden anzusehen. 

Einerseits hatte er zwar angegeben, dass I._____ ihm zugesichert habe, 

einen Installateur zu schicken (UA act. 1701, 1716 und 1820), hingegen 

bekam er von ihm keine Zeitangabe. So gab B._____ schlüssig an, dass 

I._____ ihm gesagt habe, dass man um 20:30 Uhr keinen Installateur mehr 

finde (UA act. 1719). Zudem befand sich die Küche im 

Gemeinschaftsbereich, wo sich noch andere Personen aufhielten, womit 

es nachvollziehbar scheint, dass er nicht aufgeblieben ist (UA act. 1724).  

 

2.5.4. 

Weiter passen die vom AC._____ festgestellten Verletzungen von B._____ 

zu seinen Schilderungen. Es wurde bei ihm eine geradlinige Quetsch-

Risswunde am hohen Scheitel ohne wesentliche Schürfanteile; eine 

Hautdurchtrennung an der rechten Wange; eine oberflächliche 

Schleimhautläsion rechtsseitig an der Unterlippeninnenseite; und eine 

Hautabschürfung an der rechten Unterarmkleinfingerkante festgestellt (UA 

act. 1354). Die Verletzungen könnten zeitlich zwanglos dem gegen-

ständlichen Ereignis zugeordnet werden. Die Quetsch-Risswunde sei 

durch stumpfe Gewalt mit einem länglichen, harten, scharfkantigen 

Gegenstand entstanden, ein Stück Holz sei damit vereinbar. Aufgrund der 

Lage stehe ein Schlag im Vordergrund. Hinsichtlich der Verletzung an der 

 - 20 - 

 

 

rechten Wange komme sowohl ein Schlag mit einem scharfkantigen 

Gegenstand als auch halbscharfe oder scharfe Gewalt mit einem Messer 

in Frage. Die Hautabschürfungen insbesondere an der rechten Unterarm-

kleinfingerkante könnten durch das Abwehren von Schlägen (sog. Parier-

verletzung) erklärt werden (UA act. 1354). Es ist anzumerken, dass 

anlässlich der Berufungsverhandlung noch immer eine Narbe an der 

Wange von B._____ erkennbar war (Protokoll Berufungsverhandlung S. 

13, vgl. auch Protokoll HV S. 49).  

 

2.5.5. 

Schliesslich passt auch die gefundene Blutspur von B._____ an der Hose 

von H._____ zu seinen Schilderungen, auch wenn er angegeben hat, nicht 

von H._____ geschlagen worden zu sein. Dennoch befand H._____ sich 

gemäss seinen Schilderungen in der Nähe als er verletzt worden ist, 

sodass es nicht erstaunt, dass dessen Kleidung sein Blut enthält. 

 

2.5.6. 

Offenbleiben muss, mit welchem Gegenstand B._____ geschnitten worden 

ist. Am Tatort wurden zwei Messer (bzw. drei Teile davon) aufgefunden und 

sichergestellt, deren Auswertung liegt in Form eines Spuren-

sicherungsberichts vor (UA act. 1168 ff.). Die Messer passen jedoch nicht 

vollständig zum Sachverhalt, wonach F._____ B._____ im Gesicht 

geschnitten haben soll, da auf dem Griff des Messers nicht die DNA von 

F._____ gefunden worden ist. Ab der Messerklinge von Spur 8 wurde ein 

DNA-Mischprofil von mindestens vier Spurengebern erstellt, welche mit 

den DNA-Merkmalen von B._____ und C.C._____ erklärt werden könnten 

(UA act. 1193). Ab dem Messergriff (Spur 8) konnte ein Mischprofil von 

mindestens vier Spurengebern erstellt werden, wobei das Hauptprofil mit 

dem DNA-Profil von E.C._____ übereinstimme (UA act. 1194). Das Messer 

wurde vor dem Zimmer von B._____ gefunden (vgl. UA act. 1210 f.). Zur 

Würdigung der DNA-Spur ist darauf hinzuweisen, dass am Tatort viel Blut 

vorhanden gewesen ist, namentlich auf dem Boden, auf Gegenständen, an 

den Wänden etc. Somit ist es durchaus möglich, dass Blut von B._____ auf 

das am Boden liegende Messer getropft ist, namentlich bei seinem 

Verlassen des Zimmers. Es ist somit denkbar, dass er von F._____ mit 

einem anderen, nicht aufgefundenen Messer geschnitten worden ist. Es ist 

zudem möglich, dass F._____ das Messer in den Händen hatte, ohne eine 

DNA-Spuren hinterlassen zu haben.  

 

2.5.7. 

Demgegenüber vermögen die Aussagen des Beschuldigten sowie der 

Mitbeschuldigten keine Zweifel an den von B._____ geschilderten 

Handlungen zu erwecken. 

 

Einerseits vermögen ihre Schilderungen keine Erklärung für die Sprach-

nachrichten zwischen I._____ und H._____ sowie den Mitfahrern zu liefern, 

 - 21 - 

 

 

in denen davon gesprochen worden ist, B._____ zu schlagen. H._____ gab 

hierzu an, dass es sich um einen Witz bzw. Wörter oder Redewendungen 

handle, es sei aber nicht die Idee gewesen, die Aggressivität von B._____ 

mit einem aggressiven Verhalten zu beantworten (UA act. 1661). Dies 

passt nicht zum Wortlaut der Nachrichten, da eine davon lautet: «Ja, wir 

gehen jetzt und ich schlage ihn dir (Anm. d. Dolm.: Umgangssprache «ich 

schlage ihn für dich») bis ihn der Teufel holt. Ich bringe ihn dir nach Hause». 

I._____ gab zu den Sprachnachrichten an, dass er H._____ gesagt habe, 

er solle aufpassen, da B._____ sicher eine Schlägerei anfange, da er 

besoffen sei. Es habe dort auch schon andere Schlägereien gegeben. Er 

habe H._____ auch gesagt, er solle ihn nicht schlagen, da B._____ sonst 

umfalle wie eine Ratte. H._____ habe ihn dann aber beruhigt und ihm 

versichert, dass man nur schaue (UA act. 1640 f.). Diese Schilderungen 

belegen eine gewisse Sorge von I._____, dass es zu einer Schlägerei 

kommen könnte. Dies hat er anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 44). Seine Sprachnachrichten 

enthalten keine eindeutigen Aussagen in denen er die Anwendung von 

Gewalt wünscht oder gutheisst. 

 

Die Beschuldigten gingen gemäss ihren überwiegenden Aussagen davon 

aus, dass der Wasserschaden von B._____ absichtlich verursacht worden 

ist und H._____ sollte nach dem Rechten sehen, wobei es nicht primär um 

ein Reparieren ging. Da beim Eintreffen der Polizei kein Wasser mehr auf 

dem Küchenboden bzw. im Spülbecken war, erscheint es wahrscheinlich, 

dass B._____ das Wasser absichtlich hat überlaufen lassen, dies kann 

jedoch offenbleiben.  

 

Die Aussagen der Beschuldigten weichen zudem neben Unstimmigkeiten 

in den einzelnen Aussagen auch voneinander ab. Insbesondere die 

Aussagen dazu, wer in Gemeinde T._____ zunächst angetroffen worden 

ist, gehen auseinander. H._____ machte hierzu unterschiedliche Angaben 

(erste Einvernahmen D.C._____ und A._____; dann D.C._____, A._____ 

und zwei Personen; ab der staatsanwaltlichen Schlusseinvernahme: 

B._____, A._____ und D.C._____), G._____ gab an, dass sie als sie 

angekommen seien, A._____, D.C._____ und B._____ in der Küche 

angetroffen hätten, F._____ gab an, man habe fünf aggressive Rumänen 

angetroffen; dass D.C._____ die Küche verlassen habe und mit C.C._____ 

und E.C._____ zurückgekommen sei, erwähnte er im Übrigen erst 

anlässlich der Schlusseinvernahme. Hierin ist eine deutliche Anpassungs-

tendenz der Aussagen an den aktuellen Untersuchungsstand bzw. die 

Aussagen der Mitbeschuldigten erkennbar. Die ersten Aussagen von 

H._____ stimmen mit der Version der Privatkläger überein, dass sich 

B._____ nicht in der Küche aufgehalten hat. Es ist davon auszugehen, dass 

er seine Aussagen den Ausführungen der Mitbeschuldigten angepasst hat.  

 

 - 22 - 

 

 

Die Schilderungen der Beschuldigten bieten schliesslich auch keine 

Erklärung dafür, weshalb im Zimmer von B._____ Blutspuren gefunden 

worden sind. Weiter fällt auf, dass in den Schilderungen der Beschuldigten 

Ausführungen über Tathandlungen von B._____ vollkommen fehlen, dies 

spricht ebenfalls dafür, dass dieser beim Beginn der wechselseitigen 

Auseinandersetzung bereits verletzt war. 

 

2.5.8. 

Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen der Privatkläger ist davon 

auszugehen, dass J._____ bei der Tat anwesend war. Dies wird 

insbesondere auch von den Aussagen von I._____ gestützt, wonach 

J._____ am Morgen nach der Auseinandersetzung zu ihm gekommen sei, 

was belegt, dass J._____ im fraglichen Zeitpunkt in der Schweiz und auf 

dem Laufenden über die Geschehnisse in Gemeinde T._____ war. So 

vermutete auch I._____, dass J._____ wohl dabei gewesen sei (UA act. 

1558, 1568 ff.). Es ist kein Grund ersichtlich, warum die Privatkläger ihn zu 

Unrecht belasten sollten. Da es sich bei ihm um den Vater bzw. 

(inoffiziellen) Schwiegervater bzw. Onkel handelt, und er damit eine Art 

Familienoberhaupt ist, ist bei den Beschuldigten demgegenüber durchaus 

ein Grund ersichtlich, aus welchem sie ihn decken könnten. Die 

Beschuldigten können J._____ nach dem Vorfall irgendwo abgesetzt 

haben. Sie hatten dafür über eine Stunde Zeit, seit sie um kurz vor 21:00 

Uhr vom Tatort geflohen sind. Um 21:57 Uhr rief H._____ bei der Polizei 

an und um 22:05 Uhr kehrten die Beschuldigten an den Tatort zurück und 

wurden verhaftet (UA act. 1102). Da J._____ nach wie vor flüchtig und zur 

Verhaftung ausgeschrieben ist und noch nie zum Sachverhalt 

einvernommen werden konnte, muss seine genaue Beteiligung an der Tat 

jedoch offenbleiben. Ebenfalls offenbleiben muss die Frage, ob ansonsten 

noch weitere Personen an der Tat beteiligt gewesen sind. Die 

Beschuldigten stritten dies ab. Die Aussagen der Privatkläger waren hierzu 

nicht nachvollziehbar. Es fällt in ihren Aussagen auf, dass sie zwar 

zahlreiche Personen – ihre Aussagen variierten zwischen 5-8 Personen – 

genannt haben, die an den Tatort gekommen seien, sie jedoch neben den 

drei Beschuldigten sowie J._____ kaum Beschreibungen für diese 

Personen liefern konnten (A._____ UA act. 1859, 1747 f.; B._____: UA act. 

1722, 1842; D.C._____ Protokoll HV S. 39; E.C._____: UA 1790, 1803, 

Protokoll HV S. 7, C.C._____: UA act. 1778). Es wäre jedoch zu erwarten, 

dass die beteiligten Personen zumindest ansatzweise beschrieben werden 

könnten. Für das Obergericht steht immerhin fest, dass neben dem 

Beschuldigten, H._____ und G._____ mindestens eine weitere Person 

dabei war, die auf B._____ mit einem kantigen Holzstück eingeschlagen 

hat, dies einmal auf den Rücken und einmal auf den Kopf. 

 

2.5.9.  

Es ist damit erstellt, dass F._____ und eine weitere Person, mutmasslich 

J._____, sowie H._____ in das Zimmer des auf dem Bett liegenden 

 - 23 - 

 

 

B._____ eingetreten sind, ihm die weitere Person mit einem länglichen 

Holzstück auf den Rücken und sodann auf den Kopf geschlagen hat, sowie 

F._____ ihn im Gesicht mit einem scharfen Gegenstand geschnitten hat. 

B._____ hat hierbei die in der Anklage genannten Verletzungen erlitten. Es 

ist fotografisch dokumentiert, dass von dieser eine mehrere Zentimeter 

lange Narbe zurückgeblieben ist (Protokoll HV S. 49, vgl. auch UA 

act. 1849.1 f., Protokoll Berufungsverhandlung S. 13).  

 

Mit diesem Verhalten, insbesondere dem Schneiden im Gesicht, hat der 

Beschuldigte zweifelsohne den Körper von B._____ im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 StGB geschädigt. Es hat jedoch dadurch weder eine Lebensgefahr 

vorgelegen, noch hat eine andere schwere Schädigung des Körpers im 

Sinne von Art. 122 StGB vorgelegen, sodass der objektive Tatbestand der 

schweren Körperverletzung nicht erfüllt ist. Insbesondere ist bei der 

zurückgebliebenen Narbe nicht von einer bleibenden Entstellung im Sinne 

von Art. 122 Abs. 2 StGB auszugehen. Von einer argen und bleibenden 

Entstellung des Gesichtes ist auszugehen, wenn diese nach Abschluss des 

Heilungsprozesses fortbesteht. Das trifft nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung namentlich zu bei einer zwar gut verheilten, jedoch 

weiterhin deutlich sichtbaren Narbe infolge einer Schnittwunde vom 

Mundwinkel bis zum Ohransatz mit geringfügiger Beeinträchtigung der 

Mimik namentlich beim Lachen (Urteil des Bundesgerichts 6B_71/2012 

vom 21. Juni 2012 E. 3.2 und BGE 115 IV 19). B._____ hat vom Schnitt im 

Gesicht zwar eine mehrere Zentimeter lange Narbe auf der rechten Wange 

davongetragen, welche auch über zweieinhalb Jahre nach der Tat noch 

sichtbar ist, jedoch ist diese nicht besonders auffällig und seine Mimik kaum 

beeinträchtigt. B._____ hat ausgeführt, ein Taubheitsgefühl unter dem 

linken Auge zu haben, zudem leide er darunter, dass er die Narbe nicht 

verstecken könne (Protokoll HV S. 49, vgl. auch UA act. 1849.1 f., Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 7). Das subjektive Empfinden begründet jedoch 

unter den konkreten Umständen kein Vorliegen einer Entstellung.  

 

Demgegenüber hat der Beschuldigte ohne Weiteres den subjektiven 

Tatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 2 StGB 

erfüllt. Es entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass bei einem 

Schnitt im Gesicht mit einem scharfen Gegenstand die Gefahr einer 

bleibenden Entstellung besteht, dies insbesondere, wenn sich das Opfer 

wie vorliegend B._____ bewegt und seine Reaktion nicht vorhersehbar ist. 

Neben der Wange hätten zudem insbesondere auch die Augen geschädigt 

werden können. Das Verhalten des Beschuldigten kann nicht anders 

gedeutet werden, als dass er B._____ direktvorsätzlich geschnitten hat und 

dabei zumindest in Kauf genommen hat, ihn zu entstellen. Der Vorsatz zum 

Schnitt wird auch durch die Sprachnachrichten, wonach B._____ eine 

Abreibung verpasst werden sollte, und das vorgängige Bewaffnen mit 

einem scharfen Gegenstand belegt. Er hat damit den Versuchstatbestand 

von Art. 122 Abs. 2 StGB i.V.m. Art 22 Abs. 1 StGB erfüllt. 

 - 24 - 

 

 

Es sind keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich. 

Dementsprechend ist der Beschuldigte wegen versuchter schwerer 

Körperverletzung zu verurteilen. Die Berufungen der Staatsanwaltschaft 

sowie des Privatklägers B._____ sind diesbezüglich gutzuheissen. 

 

2.5.10. 

Der Beschuldigte hat durch das geschilderte Verhalten auch den 

Tatbestand des Angriffs gemäss Art. 134 StGB erfüllt. Er hat gemeinsam 

mit einer weiteren Person, mutmasslich J._____, – also zu zweit – den 

schlafenden B._____ einseitig und mit feindseliger Absicht gewaltsam 

angegriffen. Der Vorsatz hierzu wurde bereits auf der Fahrt gefasst. Für 

den Angriff gab es keinerlei Notwendigkeit. Da B._____ schlafend auf dem 

Bett lag, war er dem Angriff wehrlos ausgesetzt und versuchte sodann, sich 

die Arme über den Kopf zu halten. Er hat vom Angriff die genannten 

Verletzungen davongetragen (siehe zuvor), womit die objektive 

Strafbarkeitsbedingung von Art. 134 StGB erfüllt ist. Es sind keine 

Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich. 

 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist echte Konkurrenz 

zwischen Art. 134 StGB und den Art. 111 ff. StGB bzw. Art. 122 ff. StGB 

nur anzunehmen, wenn eine andere als die beim Angriff getötete oder 

verletzte Person in Gefahr gebracht wurde oder wenn die Person, die 

während des Angriffs verletzt wurde, lediglich einfache Körperverletzungen 

erlitt, sie aber durch den Angriff einer weitergehenden Gefährdung 

ausgesetzt war (BGE 135 IV 152, E. 2.1; BGE 118 IV 227, E. 5b). Zwar hat 

sich der Angriff lediglich gegen B._____ gerichtet, jedoch hätte dieser 

schwerer verletzt werden können und war einer grösseren Gefährdung 

ausgesetzt, als derjenigen, die sich in ihren einfachen Körperverletzungen 

tatsächlich verwirklicht hat. Mithin tritt der Schuldspruch wegen Angriffs 

zum Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung hinzu. 

Die Berufung der Staatsanwaltschaft sowie B._____ erweisen sich in 

diesem Punkt somit als begründet.  

 

2.6. 

2.6.1. 

Hinsichtlich der übrigen Privatkläger lässt sich der angeklagte Sachverhalt 

aufgrund der divergierenden Aussagen der Beteiligten nicht vollständig 

erstellen. Zu ihren Kernaussagen kann auf die Ausführungen unter E. 2.4.3. 

verwiesen werden. Es ist zu beachten, dass beiden Gruppen eine gewisse 

Absprache der Aussagen möglich gewesen ist. Die Beschuldigten sind 

nach dem Vorfall gemeinsam vom Tatort weggefahren und waren über eine 

Stunde unterwegs, bevor sie sich bei der Polizei gemeldet haben und 

schliesslich an den Tatort zurückgekehrt sind. Auch die Privatkläger 

können sich entweder noch am Tatort oder im Spital teilweise abge-

sprochen haben, auch wenn sie hierfür nicht allzu viel Zeit gehabt haben 

dürften. Sie haben bereits bei den rechtsmedizinischen Untersuchungen 

 - 25 - 

 

 

erste Angaben zum Tatablauf und der Herkunft der festgestellten 

Verletzungen gemacht, ihre dortigen Aussagen deckten sich im Wesen-

tlichen mit den Angaben, die sie einen Tag später bei der Polizei gemacht 

haben. In den Aussagen beider Gruppen ist zudem eine Beschönigungs-

tendenz zu erkennen, so gaben alle Privatkläger an, dass sie sich nicht 

hätten wehren können, jedoch haben auch die Beschuldigten diverse 

Verletzungen davongetragen, welche eine Abwehr bzw. Gegenwehr von 

zumindest einigen Privatklägern bezeugen. Zudem haben die Privatkläger 

teilweise Gegenstände als Waffen eingesetzt. Auch die Beschuldigten 

machten allesamt sehr wenige und bagatellisierende Aussagen zum 

Verlauf der Schlägerei und ganz besonders zu eigenen Tathandlungen, 

was im Widerspruch zu den Verletzungen der Privatkläger steht. Insgesamt 

kann den Aussagen keiner der beiden Gruppen eine überwiegende 

Glaubhaftigkeit zugeschrieben werden. Erstellen lässt sich jedoch ohne 

Weiteres, dass es zu einer wechselseitigen gegenseitigen Auseinander-

setzung zwischen den Beschuldigten F._____, H._____ und G._____ 

sowie den Privatklägern A._____, D.C._____, C.C._____ und E.C._____ 

gekommen ist.  

 

2.6.2. 

Dass es zwischen den genannten Personen zu einer physischen 

Auseinandersetzung gekommen ist, wird insbesondere durch die auf den 

sichergestellten Kleidungsstücken der Beschuldigten gefundenen Blut-

spuren belegt (UA act. 1269 ff. und 1275 ff., vgl. UA act. 1168 ff.). Auf dem 

T-Shirt von F._____ wurde Blut von D.C._____ und E.C._____ gefunden, 

auf seiner Jeanshose Blut von A._____, an seiner Jacke Blut von 

D.C._____ und an seinem Schuh Blut von C.C._____ (jeweils 

Blutanhaftungen, nicht -spritzer, UA act. 1270 ff.). An der Hose von 

H._____ wurde Blut von B._____, an seiner Jacke Blut von D.C._____ und 

an seinem Schuh Blut von C.C._____ gefunden (Blutanhaftungen bei Hose 

und Jacke, Blutspritzer beim Schuh, UA act. 1272 f.). Am Schuh von 

G._____ wurde Blut von E.C._____ gefunden (Blutspritzer, UA 

act. 1273 f.). Es sind somit Blutspuren sämtlicher Geschädigter gefunden 

worden. Insbesondere Blutspritzer können nur in einem dynamischen 

Geschehen entstehen. Sie belegen also, dass die Personen in der 

unmittelbaren Nähe standen, als die genannten Personen verletzt worden 

sind. Auch die Blutanhaftungen können nur an die Kleidung der 

Beschuldigten gelangt sein, wenn bei ihrer Anwesenheit in Gemeinde 

T._____ bereits Blut am Tatort vorhanden war. Die Beschuldigten müssen 

gestützt auf diese Blutspuren somit anwesend gewesen sein, als – 

zumindest erste – blutende Verletzungen der Privatkläger entstanden sind, 

sie sind somit ein starkes Indiz für Verletzungen durch die Beschuldigten. 

Die Kleidungsstücke der Privatkläger wurden nicht auf Blutspuren 

untersucht, dies erweist sich in Anbetracht des Beweisergebnisses im 

Übrigen als nicht notwendig, womit die entsprechenden Beweisanträge von 

G._____ und des Beschuldigten abzuweisen sind (Art. 139 Abs. 2 StPO).  

 - 26 - 

 

 

Bereits die an der Kleidung gefundenen Blutspuren machen deutlich, dass 

es sich bei den Ausführungen der Beschuldigten, dass die Privatkläger 

noch eine weitere Schlägerei untereinander oder mit Drittpersonen gehabt 

haben könnten, um eine Schutzbehauptung handelt. Dass es, nachdem es 

zu einer Auseinandersetzung mit blutenden Verletzungen zwischen den 

Beschuldigten und den Privatklägern gekommen ist, noch zu einer anderen 

Schlägerei mit weiteren Beteiligten gekommen sein soll, ist lebensfremd. 

Dies wird auch durch die zeitlichen Verhältnisse widerlegt. Die Meldung des 

Schadens wurde gemäss I._____ um 19:07 Uhr von B._____ gemacht, um 

19:08 Uhr von L._____, um 19:35 Uhr hatte I._____ Kontakt zum Sanitär 

«K._____». Erst um 19:40 Uhr (vgl. ST.2021.47 GA act. 182) wurde 

H._____ erstmals aufgefordert, nach Gemeinde T._____ zu fahren. Von 

Gemeinde U._____ aus, wo die Beschuldigten gemäss ihren Aussagen 

unterwegs waren, benötigten sie rund 45 Minuten, um nach Gemeinde 

T._____ zu fahren. Es ist somit davon auszugehen, dass die Beschuldigten 

die Liegenschaft nicht vor 20:30 Uhr betreten haben, gemäss den 

Sprachnachrichten war es noch später, nämlich gegen 20:39 Uhr. Um 

20:57 / 20:58 Uhr benachrichtigten sodann zwei Nachbarn jeweils 

unabhängig den Notruf (vgl. UA act. 1449), am 21:01 Uhr D.C._____. 

Gemäss Polizeirapport traf die erste Patrouille um 21:05 Uhr am Tatort ein 

(UA act. 1102), wobei die Beschuldigten nicht mehr dort waren. Es ist nicht 

denkbar, dass in dieser kurzen Zeit noch eine weitere Schlägerei 

stattgefunden hat. So hat die Zeugin O._____, welche als Nachbarin die 

Polizei angerufen hat, an der Berufungsverhandlung auch ausgesagt, dass 

es eine ganze Weile lang laut gewesen sei und dann die Polizei gekommen 

sei (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5 f.). Ansonsten konnte O._____ 

keine relevanten Angaben zum Vorfall machen, da sie diesen nicht 

gesehen hat. 

 

Der Beschuldigte selbst führte aus, er habe um sein Leben gekämpft und 

sich verteidigt. Er könne nicht sagen, wer ihn gestochen oder geschlagen 

habe oder wen er geschlagen habe, da er schockiert gewesen sei und es 

ein Durcheinander gewesen sei. Sie seien mit leeren Händen nach 

Gemeinde T._____ gekommen und hätten sich mit leeren Händen 

verteidigt, er habe jedoch auch zurückgeschlagen. Verletzt habe er 

allerdings niemanden (Protokoll Berufungsverhandlung S. 73, UA act. 1597 

ff., 77 ff.). Dass der Beschuldigte geschlagen hat kann damit als erstellt 

gelten. Dies passt zu den Blutspuren auf seiner Kleidung. Hingegen kann 

gestützt auf die Aussagen nicht zugeordnet werden, welche Verletzungen 

er verursacht hat oder wie genau und wohin er wen geschlagen hat. 

 

Kein stichhaltiges Argument für den angeklagten Sachverhalt ist, dass die 

Gruppe der Privatkläger in der Auseinandersetzung wesentlich stärker 

verletzt worden ist. Die Beschuldigten haben – bis auf die Stichverletzung 

an der Hand des Beschuldigten – insgesamt eher unspezifische und leichte 

Verletzungen davongetragen (vgl. UA 1304 f., 1322 f., 1341 f.), wovon 

 - 27 - 

 

 

einige möglicherweise durch Abwehrhandlungen, jedoch auch durch selbst 

ausgeführte Schläge entstanden seien könnten. Hierfür kann es zahlreiche 

Gründe geben. So waren die Privatkläger teilweise in einem stark 

alkoholisierten Zustand (B._____: 2.06‰, UA act. 1364). Zudem haben die 

Beschuldigten relativ dicke Jacken getragen, was einen gewissen 

abdämpfenden Einfluss gehabt haben dürfte (Fotos UA act. 1710-1712 und 

1228, 1251; vgl. UA act. 1324). Dennoch belegen die Verletzungen der 

Privatkläger in Verbindung mit den Blutspuren und den zeitlichen 

Verhältnissen ein aktives Handeln des Beschuldigten, welches seinen 

Aussagen zuwiderläuft, sich lediglich gewehrt zu haben, jedoch kaum 

zugeschlagen zu haben. 

 

Nach dem Gesagten kann als erstellt gelten, dass der Beschuldigten sich 

an der körperlichen Auseinandersetzung – unabhängig davon von wem 

diese ausgegangen ist – aktiv durch Schläge beteiligt hat.  

 

2.6.3. 

Demgegenüber sprechen diverse Beweismittel gegen den Ablauf gemäss 

dem angeklagten Sachverhalt und somit gegen die Annahme eines Angriffs 

der Beschuldigten. Gemäss den Aussagen des Zeugen L._____ waren es 

die Privatkläger, die die Auseinandersetzung mit H._____, F._____ und 

G._____ initiiert hätten. Zunächst hätten die drei Letzteren bei ihm geklopft 

und gefragt, wo das Wasser überlaufe. Er habe gesagt, er werde es ihnen 

zeigen, er müsse nur noch die Kappe und den Pullover anziehen, dann sei 

er ihnen in den ersten Stock gefolgt, wobei sie schon vorgegangen bzw. 

hochgerannt seien. Es seien mehrere Leute in der Küche gewesen. Er 

wisse nicht genau wer. Er habe sich im Vorraum befunden, die Tür sei 

etwas angelehnt gewesen. Er habe dann ein mulmiges Gefühl gehabt. Es 

habe eine angespannte Stimmung geherrscht. Sie hätten auf Rumänisch 

gesprochen. Er selbst verstehe diese Sprache nicht. Entsprechend den 

Aussagen der Beschuldigten gab er an, D.C._____, sei dann in den oberen 

Stock gegangen und mit zwei Personen runtergekommen. Einmal gab er 

hierzu an, eine Person habe einen Stuhl und eine zwei Messer gehabt, 

D.C._____ habe nichts in den Händen gehabt. Der mit dem Stuhl habe auf 

ihn losgehen wollen und sei wie ein «Rambo» durch den Raum gegangen 

(UA act. 1866 ff.). In der zweiten Einvernahme gab er an, es seien zwei 

Stühle gebracht worden, D.C._____ habe zwei Messer in den Händen 

gehabt. D.C._____ habe ihn angeschaut, aber sei nicht auf ihn 

losgegangen (Protokoll HV S. 26 ff.). Auch wenn seine Aussagen nicht in 

allen Punkten schlüssig und konstant sind, sind sie doch ein Indiz dafür, 

dass es die Beschuldigten waren, die angegriffen worden sind und dass die 

Brüder C._____ sich mit Gegenständen bewaffnet haben. Dies schrieb er 

im WhatsApp-Chat an I._____ zudem bereits um 21:55 Uhr deckungsgleich 

(SST.2021.221 GA act. 205 «Er ist Dan rauf gegangen und sind noch 

andere gekommen mit Stühle und Messer»), was für die Glaubhaftigkeit 

seiner Aussagen zu dieser Frage spricht. Die Frage, ob die Beschuldigten 

 - 28 - 

 

 

bewaffnet waren, verneinte L._____. Zum Tatgeschehen der tätlichen 

Auseinandersetzung machte er keine weiteren Angaben, da er diese nicht 

gesehen habe. Er selbst sei dann runter in seine Wohnung gegangen, da 

er Angst bekommen habe. Es ist zudem nicht klar, ab wann L._____ den 

Vorfall gesehen hat, da er mit einer Verzögerung in das obere Stockwerk 

gekommen ist. Er kann damit auch nicht genau beschreiben, wie sich das 

Zusammentreffen der Beschuldigten und der Geschädigten gestaltet hat. 

Die Beschuldigten befanden sich in der Küche, in die er nicht vollständig 

hineinsah, da er im Flur stehen blieb. L._____ ist zur Berufungs-

verhandlung unentschuldigt nicht erschienen, womit sich das Gericht 

keinen unmittelbaren Eindruck von seinen Aussagen und seinem Aussage-

verhalten machen konnte. Die bisherigen Aussagen sind jedoch ausführlich 

und seine Aussagen sind lediglich eines von mehreren relevanten Beweis-

mitteln, weshalb sich eine erneute Vorladung in Anbetracht des Ausland-

aufenthalts erübrigt. Auf seine bisherigen Aussagen ist im Wesentlichen 

abzustellen. Es ist nicht davon auszugehen, dass er zugunsten der 

Beschuldigten falsch ausgesagt hat. Er hat zwar ein gewisses persönliches 

Verhältnis zu I._____ gepflegt (vgl. UA act. 1877, Protokoll HV S. 26 und 

34 f.), sie kannten sich aus Österreich und ihre Familien hätten sich auch 

schon privat besucht und sie standen am Tatabend in einem regen Kontakt 

per WhatsApp (SST.2021.221 GA act. 203 ff.). Diese Verbindung hat er 

jedoch offengelegt. I._____ gab hierzu nachvollziehbar an, dass sie sich 

lediglich oberflächlich kennen würden und nicht befreundet seien (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 46). Zudem ist nicht davon auszugehen, dass 

L._____ nur deshalb als unbeteiligte Person unter Strafandrohung ein 

falsches Zeugnis ablegen würde. 

 

Die Schilderungen von L._____ widersprechen den Ausführungen der 

Privatkläger, sie seien nach und nach von den Beschuldigten mit länglichen 

hellen Holzstücken angegriffen worden, als sie B._____ zur Hilfe geeilt 

seien. Es ist nicht erstellt, dass sich die Beschuldigten mit diesen Teilen 

bewaffnet haben, bevor sie nach Gemeinde T._____ gekommen sind und 

sie diese verwendet haben. Die Kantonspolizei hat die Räumlichkeiten an 

der Z-Strasse._____ in Gemeinde T._____ bzw. den Tatort mit 

Fotoaufnahmen dokumentiert (UA act. 1195 ff.). Auf den Fotoaufnahmen 

sind mindestens zwei oder drei längliche, helle Holzstücke ersichtlich, die 

jeweils einem Tischbein gleichen. Es muss jedoch offenbleiben, woher 

diese stammen und wie diese eingesetzt worden sind. Die Beschuldigten 

haben teilweise und nicht konstant angegeben, dass D.C._____ ein 

solches in der Hand gehabt hätte. Die Aussagen der Beteiligten 

widersprechen sich in diesem Punkt somit diametral. Zudem können sich 

diese Holzteile bereits am Tatort befunden haben. Eine Analyse der DNA-

Spuren und Fingerabdrücke auf den Holzstücken, auf denen erhebliche 

Blutspuren sichtbar sind, wäre somit unerlässlich gewesen. Die 

Staatsanwaltschaft hat diese zentrale Untersuchungshandlung versäumt. 

 - 29 - 

 

 

Stattdessen hat I._____ die Holzstücke am Tag nach der Tat auftrags-

gemäss entsorgt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 44, UA act. 2032). 

 

Gegen einen einseitigen Angriff durch die Gruppe der Beschuldigten spricht 

weiter, dass auf den Sprachnachrichten zwischen I._____ und H._____ 

sowie den weiteren Beschuldigten lediglich vom Schlagen einer Person – 

nämlich B._____ – die Rede ist. Es kann somit nicht davon ausgegangen 

werden, dass ein Vorsatz der Beschuldigten bestand, sämtliche in der 

Liegenschaft anwesenden Personen körperlich anzugreifen. Es war im 

Übrigen auch nicht klar, wen sie am Tatort überhaupt antreffen würden, da 

in der Liegenschaft zahlreiche Personen leben, welche sich teilweise 

Gemeinschaftsräume teilen. Im Übrigen ist kein klares Motiv dafür 

ersichtlich, wieso die Gruppe der Beschuldigten die Gruppe der 

Privatkläger hätte angreifen sollen. 

 

Die Beschuldigten haben den Beginn der Auseinandersetzung so 

geschildert, dass sie angegriffen worden seien. Das Hinzukommen der 

Brüder C._____ wurde von ihnen als eigentlicher Beginn der Auseinander-

setzung geschildert. F._____ gab teilweise an, dass er zunächst von 

E.C._____ mit einem Messer angegriffen worden sei, teilweise gab er an, 

zuerst von C.C._____ mit einem Stuhl in die Rippengegend geschlagen 

worden zu sein, wobei dieser zerbrochen sei, wonach der Angriff mit dem 

Messer gefolgt sei. H._____ gab demgegenüber an, dass der 

Messerangriff ihm gegolten habe, F._____ diesen jedoch mit seinem Arm 

abgewehrt habe. G._____ führte aus, dass F._____ – und nicht H._____ – 

mit dem Messer angegriffen worden sei (UA act. 1619 ff., 330 ff., Protokoll 

HV S. 79 ff.). Bei F._____ wurde eine Stich- oder Schnittwunde zwischen 

Ring- und Kleinfinger der linken Hand festgestellt. Dieser sei gemäss 

Gutachten des AC._____ Folge scharfer Gewalt. Er sei durch einen Stich 

oder einen Schnitt erklärbar, passe jedoch grundsätzlich zur Darstellung 

von F._____, wonach er in ein Messer hineingegriffen habe. Dies bestätigt 

seine Aussage eines Stichs gegen seine Hand mit dem Messer. Die 

Widersprüche dazu, wem der Angriff von E.C._____ mit dem Messer 

gegolten habe, sind als nicht entscheidend zu betrachten, da nachvoll-

ziehbar ist, dass man einen Angriff in erster Linie auf sich bezieht. Dass 

sich der Beginn der Auseinandersetzung so abgespielt hat, erscheint damit 

nicht weniger wahrscheinlich, als, dass die Beschuldigten die Privatkläger 

einzeln geschlagen hätten, als diese nach und nach zur Hilfe geeilt seien. 

Die Schilderungen der Privatkläger erscheinen im Übrigen nicht nach-

vollziehbar. Die Brüder C._____ sowie A._____ haben sinngemäss 

angegeben, jeweils von (fast) allen Beschuldigten gleichzeitig angegriffen 

worden zu sein. Dass einer nach dem anderen abwartet und dann 

geschlagen wird, erscheint lebensfremd. Insbesondere waren die 

Privatkläger den Beschuldigten körperlich auch nicht unterlegen, sondern 

es handelt sich – gemäss dem vom Obergericht anlässlich der Berufungs-

verhandlung gewonnenen Eindruck – um Personen mit kräftiger Statur. Die 

 - 30 - 

 

 

räumlichen Verhältnisse im Flur sind eher eng. Es ist damit bereits faktisch 

nicht möglich, dass mehrere Personen gleichzeitig auf eine Person 

einschlagen.  

 

Offenbleiben kann die Frage, ob E.C._____ und C.C._____ von selbst in 

die untere Etage gekommen oder ob sie von D.C._____ geholt worden sind 

und in welchem Moment sie genau dazugekommen sind. Gemäss den 

Aussagen der Beschuldigten und von L._____ begann die Auseinander-

setzung in der Küche als die drei Brüder von oben nach unten kamen, 

nachdem D.C._____ sie geholt hat. Da sich die Wohnung von E.C._____ 

und C.C._____ ein Stockwerk höher und an der anderen Seite des 

Treppenhauses befindet (siehe Grundrisspläne), ist zumindest fraglich, ob 

sie so schnell gehört haben, dass eine Auseinandersetzung stattfindet, sie 

von selbst nach unten gekommen und sich auch direkt bewaffnet haben. 

H._____ hatte angegeben, dass man von deren Wohnung aus nichts hören 

könne (UA act. 1654). Falls doch Geräusche wahrgenommen worden sein 

sollten, wäre zu erwarten gewesen, dass sie zuerst nachgesehen und sich 

erst dann bewaffnet hätten.  

 

2.6.4. 

Anhand der Fotoaufnahmen (UA act. 1195 ff.) ist ersichtlich, dass sich die 

Auseinandersetzung im Flur, dem Badezimmer und der Küche im ersten 

Obergeschoss abgespielt hat. Auf den Fotoaufnahmen sind neben anderen 

Gegenständen zahlreiche dunkel umrandete Holzstücke bzw. Splitter zu 

erkennen, welche insgesamt einen Stuhl ergeben dürften, da die Einzelteile 

erkennbar sind. Nachdem auch solche Stuhlteile, welche zum Schlagen 

nicht geeignet erscheinen, wie die Sitzfläche, sowie kleine Splitter vor Ort 

aufgefunden worden sind, scheint dieser auch erst dort zertrümmert 

worden zu sein. Gemäss den Aussagen von L._____ waren die 

Beschuldigten unbewaffnet. Es wäre auch nicht nachvollziehbar, dass sie 

einen oder mehrere Stühle an den Tatort mitbringen sollten. Vielmehr ist 

davon auszugehen, dass der Stuhl von den Privatklägern gebracht worden 

ist. Dasselbe gilt für die gefundenen zwei Messer. Eines davon wurde 

bereits erwähnt (siehe E.2.5.6. zu Spur 8, UA act. 1193 f.). Dieses enthält 

am Griff DNA-Spuren von E.C._____. Beim anderen Messer ist die Klinge 

ca. in der Mitte abgebrochen. Auf der abgebrochenen Messerklinge bzw. 

der Messerspitze (Spur 5) wurde DNA von mindestens drei Spurengebern 

gefunden, welche jedoch keinem der Beteiligten zugeordnet werden konnte 

(UA act. 1190). Am dazugehörigen Griff des Messers inkl. des hinteren 

Teils der Klinge wurde an der Messerklinge (ohne Spitze) (Spur 4) 

ebenfalls DNA von mindestens drei Spurengebern gefunden, wobei die 

Spur F._____ zugeordnet werden konnte (UA act. 1191). Auf dem 

eigentlichen Messergriff (Spur 4) konnte ein DNA-Mischprofil von 

mindestens drei Spurengebern gefunden werden, wobei diese mit dem 

DNA-Profil von E.C._____ und C.C._____ erklärbar seien (UA act. 1192). 

Dass dies der Fall sei, weil C.C._____ und E.C._____ ab und zu bei 

 - 31 - 

 

 

B._____ essen würden (Protokoll Berufungsverhandlung S. 17 und 30), ist 

nicht plausibel. Sämtliche Privatkläger bestritten, dass E.C._____ oder 

C.C._____ Stühle und Messer an den Tatort gebracht hätten. Bezüglich der 

Messer ist auffallend, dass die Privatkläger (bis auf D.C._____) keine 

solchen gesehen haben wollen. Sie lieferten keine Erklärung, wie diese 

Gegenstände anderweitig an den Tatort gekommen seien könnten. Dem 

angeklagten Sachverhalt entsprechend geht das Obergericht gestützt auf 

die gefundenen Gegenstände davon aus, dass die Privatkläger zwei 

Messer und einen Stuhl an den Tatort gebracht, sich damit aktiv an der 

Auseinandersetzung beteiligt und sich nicht lediglich gewehrt haben. 

Hingegen lässt sich nicht erstellen, wie diese Gegenstände genau 

eingesetzt worden sind, da sich die Aussagen der Beschuldigten und der 

Privatkläger hierzu diametral widersprechen. 

 

2.6.5. 

Zusammengefasst ist es vorliegend nicht möglich, die genauen 

Handlungen der Beschuldigten oder der Privatkläger zu ermitteln bzw. den 

genauen Ablauf der Auseinandersetzung beweismässig zu rekonstruieren. 

Damit ist nicht erstellt, dass der Beschuldigte oder die Mitbeschuldigten 

einen oder mehrere Privatkläger einseitig angegriffen haben. Weiter ist 

nicht klar, welche Verletzungen der Beschuldigte durch welche Handlungen 

verursacht hat. Offenbleiben muss auch, in welchem zeitlichen Verhältnis 

die Auseinandersetzung zwischen den restlichen Beteiligten zum Angriff 

zum Nachteil von B._____ stand. Damit entfallen Schuldsprüche des 

Angriffs sowie der jeweils versuchten schweren Körperverletzung. In Frage 

kommt jedoch die Würdigung des angeklagten Sachverhalts hinsichtlich 

der Privatkläger A._____, D.C._____, C.C._____ und E.C._____ als Rauf-

handel.  

 

Mit der Verfügung vom 7. Juni 2023 hat sich das Obergericht vorbehalten, 

den als Angriff angeklagten Sachverhalt auch als Raufhandel zu würdigen. 

Der Beschuldigte lässt hierzu sinngemäss vorbringen, dass das Gericht an 

den angeklagten Sachverhalt gebunden sei. Weiter lasse der vorliegend 

angeklagte Sachverhalt für einen Schuldspruch des Raufhandels das 

Erfordernis der Wechselseitigkeit der Auseinandersetzung betreffend 

A._____ und D.C._____ (und auch B._____) vermissen (Plädoyer 

Berufungsverhandlung S. 6 f.). In der Tat ist das Hauptabgrenzungs-

kriterium der Tatbestandsvoraussetzungen des Raufhandels (Art. 133 

StGB) und des Angriffs (Art. 134 StGB) die Wechselseitigkeit bzw. 

Einseitigkeit. Vorliegend sind im angeklagten Sachverhalt die notwendigen 

Elemente für den Tatbestand des Raufhandels jedoch enthalten. 

 

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und 325 StPO; Art. 

29 Abs. 2 sowie Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). 

Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in 

 - 32 - 

 

 

ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in 

objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich 

bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der 

beschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör 

(Informationsfunktion). Solange klar ist, welcher Sachverhalt der 

beschuldigten Person vorgeworfen wird, kann auch eine fehlerhafte und 

unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem Schuldspruch 

kommen darf. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt an Schranken; 

es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich festzustellen. 

Dieses ist an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt, nicht aber 

an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 

1 StPO; BGE 149 IV 128 E. 1.2 je mit Hinweisen). Der Anklagegrundsatz 

ist verletzt, wenn die beschuldigte Person für Taten verurteilt wird, 

bezüglich welcher die Anklageschrift den inhaltlichen Anforderungen nicht 

genügt, bzw. wenn das Gericht mit seinem Schuldspruch über den 

angeklagten Sachverhalt hinausgeht (Urteil B_1262/2021 23. März 2022 E. 

3.1 mit Hinweisen).  

 

Zwar wird ein Aktives zur Wehr setzten der Privatkläger A._____ und 

D.C._____ im angeklagten Sachverhalt nicht geschildert, jedoch ein 

solches von C.C._____ und E.C._____. Es ist beim die Privatkläger 

A._____, D.C._____, C.C._____ und E.C._____ betreffenden Sachverhalt 

von einem einheitlichen ganzen Tatgeschehen auszugehen. Es hat damit 

eine ganzheitliche Würdigung stattzufinden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_745/2017 vom 12. März 2018 E. 2.2). Es sind somit die Ziffern 1.2, 1.3, 

3. und 4 der Anklage gemeinsam zu betrachten. Beim Entscheid über die 

einheitliche Betrachtung handelt es sich um eine Rechtsfrage, deren 

Beurteilung in der Zuständigkeit des Gerichts liegt (Art. 350 Abs. 1 StPO). 

Es ist auch nicht erkennbar, dass, respektive weshalb es dem 

Beschuldigten unmöglich gewesen sein soll, sich gegen die ihm 

vorgeworfenen Anschuldigungen angemessen zu verteidigen (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1163/2020 vom 25. Februar 2021 E. 1.3). Der 

Anklagegrundsatz verfolgt im Übrigen keinen Selbstzweck, sondern dient 

der Sicherstellung einer wirksamen Verteidigung (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 

141 IV 437]), die vorliegend gewährleistet war.  

 

In der Gesamtbetrachtung enthält der Sachverhalt ohne Weiteres auch das 

Erfordernis der Wechselseitigkeit der tätlichen Handlungen, nämlich durch 

die aktiven Handlungen von C.C._____ und E.C._____. Eine Verletzung 

des Anklagegrundsatzes ist damit bei einem Schuldspruch des Rauf-

handels nicht ersichtlich. 

 

2.6.6. 

Es ist erstellt, dass es zu einer gegenseitigen, wechselseitigen Aus-

einandersetzung gekommen ist, bei der der Beschuldigte aktiv mitgewirkt 

 - 33 - 

 

 

hat, indem er die Privatkläger geschlagen hat. Welche Verletzungen er 

dabei verursacht hat, ist nicht erstellt, was jedoch für den Tatbestand des 

Raufhandels gerade nicht entscheidend ist. Es ist erstellt, dass er – sowie 

auch H._____ und G._____ – mit seinem Verhalten die Auseinander-

setzung gefördert hat. Die Privatkläger haben an dieser tatkräftig mitgewirkt 

und nicht nur einen Angriff abgewehrt, dies gilt insbesondere für E.C._____ 

und C.C._____. Zudem hat der Beschuldigte den Entschluss gefasst bzw. 

in Kauf genommen, an einer tätlichen Auseinandersetzung mit mehr als 

zwei Personen teilzunehmen. 

 

Die Privatkläger und die Beschuldigten wurden unmittelbar nach der 

Auseinandersetzung durch med. pract. P._____ vom AC._____ im 

Spital._____ untersucht und ihre Verletzungen wurden in den jeweiligen 

Gutachten vom 12. März 2021 dokumentiert. Die Verletzungen der Privat-

kläger gemäss Anklage können gestützt auf die Gutachten des AC._____ 

damit als erstellt gelten (A._____ UA act. 1370 ff.; C.C._____ UA act. 1390 

ff.; D.C._____ UA act. 1428 ff. E.C._____ UA act. 1411). Diese sind beim 

Raufhandel entstanden. Bei den Verletzungen handelt es sich zweifels-

ohne um eine Schädigung des Körpers im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB.  

 

Entsprechend ist der Beschuldigte des Raufhandels gemäss Art. 133 

Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und die Berufungen der Staats-

anwaltschaft sowie von A._____, D.C._____, E.C._____ bzw. C.C._____ 

sind diesbezüglich teilweise gutzuheissen. Aus der Tatsache, dass 

A._____, D.C._____, E.C._____ und C.C._____ nicht des Raufhandels 

angeklagt worden sind, kann der Beschuldigte im Übrigen nichts zu seinen 

Gunsten ableiten. 

 

3.  

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich der versuchten schweren Körperverletzung und 

des Angriffs zum Nachteil von B._____ sowie des Raufhandels schuldig 

gemacht und ist hierfür angemessen zu bestrafen. Die Staatsanwaltschaft 

beantragt für sämtliche Schuldsprüche eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren. 

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden.  

 

3.3. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter 

Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre 

 - 34 - 

 

 

Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).  

 

Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, ist aufgrund der Tatschwere für 

jede vom Beschuldigten begangene Straftat nicht eine Geldstrafe, sondern 

eine Freiheitsstrafe als angemessene und zweckmässige Sanktion aus-

zusprechen, da jeweils eine Strafe von über 6 Monaten festzusetzen wäre 

(Art. 34 Abs. 1 StGB). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die versuchte schwere Körperverletzung zum 

Nachteil von B._____ festzusetzen, da es sich hierbei gemäss dem 

abstrakten Strafrahmen – für die vollendete schwere Körperverletzung von 

sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe (Art. 122 StGB) – um 

das schwerste Delikt handelt. Bleibt es bei einem Versuch, so kann das 

Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB).  

 

Ausgangsganspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der 

Tatbestand der schweren Körperverletzung schützt die körperliche und 

gesundheitliche Integrität des Menschen als sein höchstes Gut neben dem 

Leben. Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das 

vollendete Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe 

in der Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungs-

grundes von Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

B._____ hat von der Einwirkung des Beschuldigten eine mehrere 

Zentimeter lange Hautdurchtrennung an der rechten Wange davon-

getragen, von dieser ist eine deutlich sichtbare Narbe zurückgeblieben, 

wobei wie ausgeführt nicht von einer Entstellung im Sinne von Art. 122 Abs. 

2 StGB ausgegangen werden kann. Eine Entstellung wäre jedoch beim 

Vorgehen des Beschuldigten, nämlich dem gezielten Schneiden mit einem 

unbekannten scharfen Gegenstand im Gesicht, ohne Weiteres zu erwarten. 

Entsprechend schwer wiegt beim vollendeten Delikt der schweren 

Körperverletzung der hypothetische Taterfolg, zumal eine Entstellung des 

Gesichts für den Betroffenen äusserst belastend sein kann, es handelt sich 

dabei innerhalb der Formen, die vom Tatbestand der schweren Körper-

verletzung erfasst sind, um eine mittelschwere Variante.  

 

Die Vorgehensweise des Beschuldigten und die Verwerflichkeit seines 

Handelns sind verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. Er hat B._____ 

mit einem unbekannten scharfen Gegenstand an der rechten Wange 

geschnitten, als dieser stark alkoholisiert in seinem Zimmer schlief und 

nachdem eine andere Person ihn mit einem kantigen Holzstück auf den 

http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_449%2F2011&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-IV-97%3Ade&number_of_ranks=0#page97
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_449%2F2011&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-IV-82%3Ade&number_of_ranks=0#page82

 - 35 - 

 

 

Rücken und den Kopf geschlagen hatte. Er hat dabei die wehrlose Situation 

von B._____ ausgenutzt, nachdem er und die Mitbeschuldigten unbefugt in 

dessen Schlafzimmer eingedrungen sind, was als heimtückisch zu 

bezeichnen ist. Die Körperverletzung war zwar nicht von langer Hand 

geplant und wurde durch Reklamationen von B._____ über einen 

angeblichen Wasserschaden am gleichen Abend ausgelöst, dennoch fuhr 

der Beschuldigte zum Tatort und suchte B._____ gezielt auf, um ihn 

sodann mit einem behändigten Gegenstand eine Schnittverletzung im 

Gesicht zuzufügen, was auf eine erhebliche kriminelle Energie schliessen 

lässt.  

 

Die tatsächlichen Beweggründe des Beschuldigten sind im Dunkeln 

geblieben. Der Vorfall ist aufgrund von Beschwerden über den Wasser-

schaden ausgelöst worden, dies obwohl der Beschuldigte mit der 

Liegenschaft in Gemeinde T._____ in keiner nennenswerten Verbindung 

stand und für ihn keine Veranlassung zu einem Handeln bestanden hat. Er 

hat denn auch über ein sehr hohes Mass an Entscheidungsfreiheit verfügt. 

Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, die körperliche Integrität von 

B._____ zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen 

(BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 

18. Januar 2023 E. 3.4.3). Es ist nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte 

unter dem Druck der Mitbeschuldigten oder aus einer subjektiv aussichtlos 

empfundenen Lage heraus gehandelt hätte. 

 

Insgesamt ist von einem vergleichsweise mittelschweren hypothetischen 

Tatverschulden für das vollendete Delikt und einer dafür angemessenen 

Strafe von 5 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen. Da es vorliegend bei einer 

versuchten schweren Körperverletzung geblieben ist, ist die Strafe 

angemessen zu reduzieren. Dabei hat die Strafminderung umso geringer 

auszufallen, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die 

tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b).  

 

Durch das Verhalten des Beschuldigten ist auf der rechten Wange von 

B._____ eine einzelne, relativ dünne und geradlinige Narbe entstanden, die 

seine Mimik nur ganz beschränkt beeinträchtigt. Dennoch ist sie nicht zu 

bagatellisieren, da B._____ unter Taubheitsgefühlen unter dem Auge und 

insbesondere der optischen Beeinträchtigung seines Erscheinungsbilds 

leidet. Obwohl es sich nur um einen einzigen Schnitt des Beschuldigten 

gehandelt hat, war seine Einwirkung auf B._____ relativ brutal und es kann 

vorliegend nur von Zufall gesprochen werden, dass dieser keine 

schwerwiegendere Verletzung bzw. Entstellung erlitten hat. Es musste dem 

Beschuldigten bewusst sein, dass mit einem solchen Schnitt eine 

Entstellung oder auch andere schwerwiegende Verletzungen wie der 

Verlust des Augenlichts verursacht werden können, dies insbesondere 

auch, da sich B._____ durch die anderen Einwirkungen hastig aufgesetzt 

hat und Abwehrreaktionen zu erwarten waren. Auch wenn es nur dem 

 - 36 - 

 

 

Zufall zu verdanken ist, dass er nicht entstellt worden ist, ist zugunsten des 

Beschuldigten zu berücksichtigen, dass die tatsächlich eingetretenen 

Verletzungsfolgen deutlich davon entfernt sind, was der Beschuldigte 

zumindest eventualvorsätzlich in Kauf genommen hat, weshalb eine 

Strafminderung im Umfang von 2 Jahren auf 3 Jahre gerechtfertigt 

erscheint.  

 

3.4.2. 

Diese Einsatzstrafe ist für die weiteren Straftaten in Anwendung des 

Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen.  

 

3.4.2.1. 

Hinsichtlich der Beteiligung des Beschuldigten am Angriff auf B._____ 

ergibt sich das Folgende: 

 

Da es sich beim Angriff um ein abstraktes Gefährdungsdelikt handelt und 

die Körperverletzungs- oder Todesfolge blosse Strafbarkeitsbedingung ist, 

die nicht dem Handeln eines einzelnen Täters zugerechnet werden kann, 

ist die Schwere der Verletzung bei der Strafzumessung nicht zu berück-

sichtigen. Berücksichtigt werden kann allerdings die konkrete Tathandlung 

des Täters – also in welcher Weise er sich am Angriff beteiligte (EGE, in: 

Annotierter Kommentar StGB, 2020, N. 6 zu Art. 134 StGB mit Hinweisen). 

 

Der Beschuldigte ist gemeinsam mit einer weiteren Person gegen den 

schlafenden B._____ vorgegangen. Die weitere Person hat B._____ mit 

einem länglichen, kantigen Holzstück auf Rücken und Kopf geschlagen und 

der Beschuldigte hat ihn mit einem scharfen Gegenstand im Gesicht 

geschnitten. Der Beschuldigte hat sich damit tatkräftig am Angriff beteiligt 

und eine aktive Rolle eingenommen. Vorliegend wurde durch den Angriff 

auf den Geschädigten die Gefahr für noch gewichtigere Verletzungen – als 

die tatsächlich entstandenen – geschaffen, da B._____ erschrocken auf 

den Angriff reagiert hat und es sich um ein dynamisches Geschehen 

gehandelt hat. Unter Berücksichtigung des breiten Spektrums der vom 

Tatbestand des Angriffs erfassten Attacken ist von einer nicht mehr leichten 

bis mittelschweren abstrakten Gefährdung auszugehen.  

 

Verschuldenserhöhend wirkt sich das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit 

aus, über welches der Beschuldigte verfügte. Der Angriff erfolgte aus 

unbekannten Beweggründen und ohne äussere Notwendigkeit bzw. 

aufgrund einer Auseinandersetzung wegen des überlaufenden Wassers 

(siehe dazu oben). Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände ist das 

Verschulden als mittelschwer zu bezeichnen und würde sich hierfür unter 

Berücksichtigung des Strafrahmens von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe 

eine Einzelstrafe von 2 ½ Jahren als angemessen erweisen.  

 

 - 37 - 

 

 

Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass der Angriff in einem 

sehr engen sachlichen, zeitlichen und örtlichen Zusammenhang zur 

versuchten schweren Körperverletzung steht und ein Teil des Unrechts-

gehalts bereits durch den dafür ergangenen Schuldspruch abgegolten wird. 

Entsprechend geringer ist der Gesamtschuldbeitrag des Angriffs zu 

veranschlagen. Andererseits ist es nicht einerlei, ob es nur bei der 

versuchten schweren Körperverletzung geblieben ist oder das Opfer durch 

den Angriff zusätzlich verletzt und gefährdet worden ist. Es rechtfertigt sich 

deshalb, die Einsatzstrafe im Umfang von 1 Jahr auf 4 Jahre Freiheitsstrafe 

zu erhöhen.  

 

3.4.2.2. 

Hinsichtlich der Teilnahme des Beschuldigten am Raufhandel ergibt sich 

das Folgende: 

 

Der Tatbestand des Raufhandels schützt in erster Linie das öffentliche 

Interesse, Schlägereien zu verhindern, und in zweiter Linie das Individual-

interesse der Opfer von Schlägereien (BGE 141 IV 454 E. 2.3.2; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1326/2018 vom 16. Oktober 2019 E. 2.3.2). Da es sich 

auch hier um ein abstraktes Gefährdungsdelikt handelt, gilt das zum Angriff 

Ausgeführte, d.h. die Schwere der Verletzung ist bei der Strafzumessung 

nicht zu berücksichtigen (EGE, in: Annotierter Kommentar StGB, 2020, N. 

11 zu Art. 133 StGB mit Hinweisen). 

 

Der Beschuldigte, H._____ und G._____, sowie A._____, D.C._____, 

C.C._____ und E.C._____ waren an einer wechselseitigen körperlichen 

Auseinandersetzung beteiligt, wobei die genauen Tathandlungen nicht 

erstellt werden können. Erstellt ist für den Beschuldigten, dass er hierbei 

auch geschlagen hat, über seine Rolle innerhalb des Tatgeschehens kann 

jedoch nichts Weiteres gesagt werden, was sich neutral auswirkt. Das 

Tatgeschehen war dynamisch und damit unberechenbar. Es haben sich 

zahlreiche Personen am Raufhandel beteiligt und dieser war nicht nur von 

kurzer Dauer, sondern dauerte einige Minuten an. Zudem sind 

Gegenstände zum Schlagen und Messer zum Einsatz gekommen und 

herumgeflogen. Damit hat es sich um keine leichte Form einer Schlägerei 

gehandelt. Unbestrittenermassen haben sich beim Raufhandel beide 

Seiten nicht unerheblich verletzt. 

 

Auch hinsichtlich der Beteiligung am Raufhandel verfügte der Beschuldigte 

über eine grosse Entscheidungsfreiheit, da keine äussere Notwendigkeit 

für die Auseinandersetzung bestand und er soweit ersichtlich nicht unter 

dem Druck von anderen Personen gehandelt hat. Unter Berücksichtigung 

sämtlicher Umstände ist das Verschulden als mittelschwer zu bezeichnen 

und wäre die Einzelstrafe, unter Berücksichtigung des Strafrahmen