# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 080e2599-094e-5731-8546-7e91f4e2ec63
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-01-19
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 19.01.2011 SK2 2010 70
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2010-70_2011-01-19.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 19. Januar 2011 Schriftlich mitgeteilt am:
SK2 10 70 [nicht mündlich eröffnet]

Urteil
II. Strafkammer

Vorsitz Bochsler
Richter Hubert und Schlenker
Aktuarin ad hoc Bühler

In der verwaltungsstrafrechtlichen Berufung

des X., Berufungskläger, 

gegen

die Verfügung des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit vom 8. 
November 2010, mitgeteilt am 11. November 2010, in Sachen gegen den 
Berufungskläger,

betreffend Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung (Dahinfallen 
der Einsprache)

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Mit Strafmandat vom 31. Mai 2010 erkannte das Strassenverkehrsamt des 
Kantons Graubünden X. der Widerhandlung gegen Art. 27 Abs. 1 des 
Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) und Art. 4a Abs. 5 der 
Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 741.11) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG 
schuldig und auferlegte ihm eine Busse in Höhe von Fr. 370.--. Dieser Verurteilung 
lag der Sachverhalt zugrunde, dass X. am 31. Januar 2010, um 10.06 Uhr, als 
Lenker des Personenwagens mit dem Kontrollschild XX. auf der S.-Strasse, in 
Richtung B. bei einer signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h mit 101 
km/h (gemessene Höchstgeschwindigkeit nach Abzug der Sicherheitsmarge) 
unterwegs war.

B. Gegen dieses Strafmandat erhob X. am 15. Juni 2010 Einsprache beim 
Strassenverkehrsamt Graubünden, welches diese zuständigkeitshalber an das 
Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden (DJSG) zur 
Durchführung des ordentlichen Strafverfahrens überwies. X. machte geltend, er 
habe das obengenannte Fahrzeug zum fraglichen Zeitpunkt nicht selbst gelenkt.

C. Mit Schreiben vom 10. September 2010 lud das DJSG den in D-Y. 
wohnhaften X. gestützt auf Art. 80 des Gesetzes über die Strafrechtspflege (StPO; 
BR 350.000) zur weiteren Sachverhaltsabklärung auf den 3. November 2010 nach 
Chur ein.

D. X. teilte dem DJSG am 4. Oktober 2010 schriftlich mit, die Wahrnehmung 
des Vorladungstermins sei ihm nur unter der Voraussetzung möglich, dass die 
Reisekosten und Spesen übernommen würden. Zur Begründung brachte er vor, er 
sei Hartz IV-Empfänger, ohne Arbeit und Einkünfte. Seit 14 Jahren pflege er seine 
schwerbehinderte Mutter und er habe lediglich eine Betrag von € 359.– zur 
Verfügung. Ein Verfahren in der Schweiz wäre kostenaufwendig und für ihn 
wirtschaftlich nicht tragbar. Er weise zudem daraufhin, dass die (von der 
Kantonspolizei Graubünden rechtshilfeweise ersuchte) Polizei Y. keine relevante 
Übereinstimmung zwischen seiner Person und dem fraglichen Lenker auf dem 
Beweisfoto der Geschwindigkeitsüberschreitung festgestellt habe und dies auch 
(an die Kantonspolizei Graubünden) weitergegeben habe. In Anbetracht der 
genannten Umstände und der zu erwartenden Nichtverurteilung, beantrage er das 
Verfahren gegen ihn einzustellen.

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E. Auf diese Vorbringen des Berufungsklägers antwortete das DJSG am 14. 
Oktober 2010, ein Rechtmittelverfahren sei keine, eine Entschädigungspflicht des 
Staates auslösende, ungerechtfertigte Untersuchungsmassnahme im Sinne von 
Art. 161 Abs. 1 StPO. Zudem wies es ihn daraufhin, dass gemäss Art. 29 der 
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) und Art. 
6 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; 
SR 0.101) einem Angeschuldigten das rechtliche Gehör gewährt werden und er 
somit im Rahmen einer Strafuntersuchung mindestens einmal einvernommen 
werden müsse. Er könne nicht lediglich eine schriftliche Stellungnahme einreichen 
und auf eine Einvernahme verzichten. Diese diene nämlich nicht nur der 
Gewährung des rechtlichen Gehörs, sondern letztlich auch der Wahrheitsfindung. 
Zur weiteren Sachverhaltsabklärung sei das Departement deshalb verpflichtet, ihn 
als Angeschuldigten in der vorliegenden Sache mündlich einzuvernehmen, womit 
er dem Termin am 3. November 2010 Folge zu leisten habe. Sodann informierte 
es ihn darüber, dass bei einem unentschuldigten Fernbleiben das 
Einspracheverfahren unter Überbindung der Kosten abgeschrieben würde.

F. Der Berufungskläger nahm dieses Schreiben gemäss Empfangschein der 
Schweizerischen Post am 23. Oktober 2010 entgegen, reagierte in der Folge 
jedoch nicht mehr. Daraufhin verfügte das DJSG am 8. November 2010, mitgeteilt 
am 11. November 2010, das Einspracheverfahren werde infolge Dahinfallens der 
Einsprache unter Überbindung der Verfahrenskostens von Fr. 300.– 
abgeschrieben; das Strafmandat erwachse somit in Rechtskraft. Begründet wurde 
die Verfügung damit, dass X. der Vorladung zur Einvernahme auf den 3. 
November 2010 unentschuldigt keine Folge geleistet habe, weshalb seine 
Einsprache gestützt auf Art. 175 Abs. 3 StPO dahinfalle. 

G. Gegen diese Verfügung des DJSG erhob X. am 1. Dezember 2010 
fristgerecht Berufung an das Kantonsgericht. Er macht geltend, seine Eingaben 
und Einsprachen seien in keinster Weise gewürdigt worden. Die Verfügung vom 8. 
November 2010 entbehre jeglicher rechtsstaatlicher Vorgaben ohne Einbeziehung 
und Würdigung der Umstände. Er beziehe sich auf seine Eingaben bzw. sein 
Schreiben vom 25. Oktober 2010, auf welches keinerlei Bezug genommen werde. 
(Anmerkung: Ein Schreiben mit diesem Datum liegt nicht bei den Akten. Sollte ein 
solches unter dem erwähnten Datum tatsächlich dem DJSG zugestellt worden 
sein, dürfte es sich hierbei wohl um eine Antwort auf das Schreiben des DJSG 
vom 14. Oktober 2010 handeln).

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H. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2010 forderte der Vorsitzende der II. 
Strafkammer des Kantonsgerichts die Vorinstanz zur Vernehmlassung auf. Diese 
beantragt gemäss ihrem Antwortschreiben vom 21. Dezember 2010 die 
vollumfängliche Abweisung der Berufung unter Kostenfolge zu Lasten des 
Berufungsklägers. Sie macht geltend, sie habe X. daraufhingewiesen, dass die 
Reisekosten und Spesen für die einberaumte Einvernahme nicht übernommen 
würden, da diese keine unrechtmässige Untersuchungsmassnahme gemäss Art. 
161 Abs. 1 StPO darstelle. Weiter habe sie den Berufungskläger darüber 
aufgeklärt, dass sie von Rechts wegen dazu verpflichtet sei, ihn mündlich 
einzuvernehmen. Zudem habe sie X. über die Folgen eines unentschuldigten 
Fernbleibens informiert. Da er sich aber nicht entschuldigt habe und der Vorladung 
zur Einvernahme nicht nachgekommen sei, habe man das Verfahren, wie auch 
schon in anderen Fällen (Urteile des Kantonsgerichts VB 06 12 vom 13. 
November 2006 und SK2 10 58 vom 19. November 2010), gestützt auf Art. 175 
Abs. 3 StPO und unter Überbindung der Verfahrenskosten abgeschrieben.

I. Der Berufungskläger reichte am 23. Dezember 2010 ein weiteres Schreiben 
ein. Darin betont er erneut, er könne einer persönlichen Vorsprache nicht Folge 
leisten, da ihm dafür die nötigen Mittel fehlten. Er berufe sich im Übrigen auf seine 
vorangegangenen Schreiben und Eingaben; zudem trage er an der momentanen 
Situation keine Schuld.

Auf weitere Ausführungen in den Rechtsschriften sowie im angefochtenen 
Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen 
eingegangen.

II. Erwägungen

1. Nach Art. 180 Abs. 1 des auf den 1. Januar 2011 aufgehobenen kantonalen 
Gesetzes über die Strafrechtspflege (StPO; BR 350.000) kann der Betroffene 
gegen Strafverfügungen und Einspracheentscheide der Departemente beim 
Kantonsgericht Berufung gemäss Art. 141 ff. StPO einlegen. Aufgrund der 
Übergangsbestimmung gemäss Art. 453 Abs. 1 der zu Jahresbeginn neu in Kraft 
getretenen Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312) werden 
Rechtsmittel nach dem bisherigen Recht, von der bisher zuständigen Behörde 
beurteilt, wenn der angefochtene Entscheid vor Inkrafttreten dieses Gesetzes 
gefällt wurde. Der Entscheid des Departements für Justiz, Sicherheit und 
Gesundheit datiert vom 8. November 2010 (mitgeteilt am 11. November 2010); 

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daher gelten für dieses Rechtsmittelverfahren noch die Vorschriften gemäss Art. 
141 ff. der Bündner Strafprozessordnung. Danach ist die Berufung innert 20 
Tagen seit der schriftlichen Eröffnung beim Kantonsgericht in dreifacher 
Ausfertigung, unter Beilage des angefochtenen Entscheides, einzureichen. Sie ist 
zu begründen und hat darzutun, welche Mängel des vorinstanzlichen Entscheides 
oder Verfahrens gerügt werden und ob die ganze Verfügung oder lediglich Teile 
davon angefochten werden. Diesen Anforderungen vermag die am 1. Dezember 
2010 der Post aufgegebene Berufung zu genügen; auf sie ist daher einzutreten. 

2. Der Berufungskläger rügt zu Recht, in der angefochtenen 
Departementsverfügung vom 8. November 2010 würden seine Eingaben und 
Einsprüche in keinster Weise gewürdigt. So wird in der Verfügung bloss kurz und 
bündig festgehalten, X. habe der Vorladung zur Einvernahme auf den 3. 
November keine Folge geleistet, weshalb gestützt auf Art. 175 Abs. 3 StPO die 
Einsprache dahinfalle. Warum das DJSG das Fernbleiben des Berufungsklägers 
trotz seines Schreibens vom 4. Oktober 2010 als unentschuldigt qualifizierte, lässt 
sich der Verfügung nicht entnehmen. Insofern ist die Verfügung in einem 
wesentlichen Teil nicht begründet, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs 
darstellt. Daran ändert auch die mit Schreiben vom 14. Oktober 2010 dargelegte – 
allerdings nicht überzeugende – Rechtsauffassung des DJSG nichts. So hat die 
Begründung direkt aus einem Entscheid hervorzugehen, da nur dieser 
Anfechtungsgegenstand bildet und es nur so möglich ist, diesen sachgerecht 
anfechten zu können. Frühere Meinungsäusserungen vermögen daher eine 
fehlende Begründung im Entscheid nicht zu ersetzen.

Das Kantonsgericht hat als Berufungsinstanz volle Kognition, so dass eine 
Verletzung des rechtlichen Gehörs im Berufungsverfahren – von hier nicht 
zutreffenden Ausnahmen abgesehen – geheilt wird. Demzufolge führt die 
vorliegende Gehörsverweigerung nicht zu einer Rückweisung der Sache an die 
Vorinstanz; vielmehr hat (auch) hierüber das Kantonsgericht zu entscheiden.

3.a) Gemäss Art. 175 Abs. 3 StPO fällt eine gegen ein Strafmandat erhobene 
Einsprache dahin, wenn der Einsprecher im anschliessenden 
Untersuchungsverfahren einer Vorladung unentschuldigt keine Folge leistet. Die 
durch die Einsprache verursachten Kosten können dem Einsprecher überbunden 
werden. 

b) Die Vorinstanz weist in ihrer Vernehmlassung daraufhin, sie habe die hier 
angefochtene Verfügung auf die beiden Urteile des Kantonsgerichts VB 06 12 und 

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SK2 10 58 abgestützt. Dabei verkennt sie jedoch, dass sich diese beiden Fälle 
vom vorliegenden in einem wesentlichen Punkt unterscheiden. So haben dort die 
Angeschuldigten auf die Vorladung des Departements zur mündlichen 
Einvernahme überhaupt nicht geantwortet, so dass das Kantonsgericht die 
Abschreibung dieser Einspracheverfahren gemäss Art. 175 Abs. 3 StPO als 
rechtens befand. Im Gegensatz dazu hat der Berufungskläger im vorliegenden Fall 
sehr wohl auf die Vorladung des DJSG reagiert. In seinem Schreiben vom 4. 
Oktober 2010 hat er die Gründe dargelegt, weshalb er der Vorladung keine Folge 
leisten werde. Man kann sich mit Fug und Recht fragen, ob darin nicht auch 
zugleich eine Entschuldigung zu erblicken ist, zumal Art. 175 Abs. 3 StPO bloss 
eine Entschuldigung verlangt, ohne sich über den Inhalt einer solchen zu äussern. 
Damit ist gesagt, dass es nach dieser Gesetzesbestimmung nicht darauf 
ankommt, ob die Entschuldigung haltbar ist oder nicht; massgebend ist einzig, 
dass eine solche erfolgt. Dies ist vorliegend zu bejahen. Daran vermag sich auch 
dadurch nichts zu ändern, dass das DJSG dem Berufungskläger daraufhin die 
seiner Auffassung nach geltende Rechtslage aufzeigte und an der auf den 3. 
November 2010 anberaumten Einvernahme festhielt, noch dass X. – jedenfalls 
aufgrund der vorliegenden Akten – nicht mehr darauf reagierte.

4.a) Die entscheidende Frage ist vorliegend, ob ein ausländischer 
Angeschuldigter zu einer Einvernahme in der Schweiz auch dann verpflichtet 
werden kann, wenn er auf die Vorladung reagiert und darlegt, aus welchen 
Gründen er nicht erscheinen werde. Diese Frage betrifft nicht das kantonale 
Strafprozessrecht, sondern internationales Recht betreffend Rechtshilfe.

b) Zwischen Deutschland, dem Heimat- und Aufenthaltsstaat des 
Berufungsklägers, und der Schweiz gelangt in Fällen von Rechtshilfe in 
Strafsachen das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen 
vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1) zur Anwendung. Dieses wird ergänzt 
durch den Vertrag vom 13. November 1969 zwischen der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland (Zusatzvertrag zum 
EUeR; SR 0.351.913.61). Eine weitere Ergänzung erfolgte durch das Schengener 
Durchführungsübereinkommen vom 19. Juni 1990 (vgl. Art. 48 – 53 SDÜ). Auf 
eidgenössischer Ebene findet sich zudem das Bundesgesetz über internationale 
Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1), welches die internationale 
Rechtshilfe gesamthaft regelt. Es kommt in den Fällen zur Anwendung, in denen 
sich internationale Vereinbarungen weder explizit noch implizit als zuständig 
erklären (Art. 1 Abs. 1 IRSG).

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c) Gemäss Vorbehalt der Bundesrepublik Deutschland zu Art. 7 EUeR 
(Zustellung von Verfahrensurkunden und Gerichtsentscheidungen) müssen 
Vorladungen an einen Beschuldigten mindestens einen Monat vor dem für das 
Erscheinen festgesetzten Termin beim Empfänger eintreffen. Im vorliegenden Fall 
hat das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden den 
Berufungskläger zu einer Einvernahme auf den 3. November 2010 eingeladen. 
Der Empfang der Vorladung wurde von X. am 24. September 2010 mit Unterschrift 
bestätigt; somit wurde die Vorladung fristgerecht zugestellt. 

d) Beschuldigte trifft gemäss Art. 8 EUeR grundsätzlich keine Pflicht, einer 
Vorladung zur Einvernahme im Ausland Folge zu leisten (vgl. auch Art. 11 Ziff. 1 
lit. a EUeR und Art. 69 Abs. 1 IRSG). Vorgeladene Personen dürfen weder im 
ersuchenden noch im ersuchten Staat irgendwelchen rechtlichen oder 
tatsächlichen Nachteilen ausgesetzt werden, wenn sie der Vorladung fernbleiben. 
Wenn sich ein Vorgeladener weigert, der Aufforderung zur Einvernahme im 
Ausland nachzukommen, kann dessen Einvernahme auf dem Wege der 
Rechtshilfe veranlasst und durch die zuständige Behörde in dessen 
Aufenthaltsstaat vorgenommen werden (Bundesamt für Justiz, die internationale 
Rechtshilfe in Strafsachen, Wegleitung, 9. Aufl., Bern 2009 (Rechtsprechung 
Stand Mai 2010), S. 83). 

e) Indem das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit das 
Einspracheverfahren gegen das Strafmandat vom 31. Mai 2010 aufgrund 
Nichterscheinens des Berufungsklägers zur Einvernahme am 3. November 2010 
abschrieb, entstand X. ein Nachteil im obengenannten Sinne. Diese 
Vorgehensweise ist unzulässig. Eine beschuldigte Person ist, wie eben dargelegt, 
gerade nicht dazu verpflichtet, einer Vorladung zur Einvernahme im Ausland Folge 
zu leisten. Demzufolge hätte das DJSG im vorliegenden Fall versuchen müssen, 
eine rechtshilfeweise Einvernahme des Berufungsklägers zu bewirken, bevor es 
das Einspracheverfahren gemäss Art. 175 Abs. 3 StPO abschrieb. 

f) Gründe, die vorliegend eine rechtshilfeweise Einvernahme ausschliessen, 
sind nicht ersichtlich. Nach Art. 1 Ziff. 1 EUeR wird Rechtshilfe (nur) zur 
Unterstützung eines ausländischen Strafverfahrens gewährt, das Straftaten 
betrifft, zu deren Verfolgung in dem Zeitpunkt, in dem um Rechtshilfe ersucht wird, 
die Justizbehörden des ersuchenden Staates zuständig sind. Rechtshilfe zwischen 
der Schweiz und Deutschland wird gemäss Art. I lit. a des Zusatzvertrages zum 
EUeR auch geleistet in Verfahren wegen Handlungen, die nach dem Recht eines 
oder beider Staaten nur mit Geldbusse bedroht sind, soweit mindestens in einem 

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der beiden Staaten ein auch für Strafsachen zuständiges Gericht angerufen 
werden kann. Zudem besagt Art. XII Abs. 2 des Vertrages, dass die Verfolgung 
einer im Hoheitsgebiet des ersuchenden Staates im Strassenverkehr begangene 
Zuwiderhandlung auch dann zulässig ist, wenn diese nach dem Recht eines oder 
beider Staaten als Übertretung oder Ordnungswidrigkeit zu würdigen ist. Im 
vorliegenden Fall geht es um eine Verletzung von Verkehrsregeln, welche gestützt 
auf Art. 90 Ziff. 1 SVG nur mit Busse bestraft wird und demnach eine Übertretung 
darstellt. Verwaltungsbehörden, welchen nach dem kantonalen Recht die 
Verfolgung von Übertretungen übertragen ist, stehen den Justizbehörden im Sinne 
von Art. 1 EUeR gleich (Bemerkungen zum Zusatzvertrag zum EUeR zwischen 
der Schweiz und Deutschland, zu Art. 1 EUeR und Art. I dieses Vertrages, lit. b; 
vgl. auch Art. VIII Abs. 3 des Zusatzvertrages zum EUeR und Art. 49 lit. a SDÜ). 
Deshalb wäre das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit zur Stellung 
eines Rechtshilfeersuchens berechtigt gewesen. Das EUeR findet keine 
Anwendung auf Verhaftungen, auf die Vollstreckung verurteilender Erkenntnisse 
sowie auf militärische strafbare Handlungen, die nicht nach gemeinem Recht 
strafbar sind. (Art. 1 Ziff. 2 EUeR). Im vorliegenden Fall spricht somit nichts gegen 
die Anwendbarkeit des Übereinkommens. Nach Art. 2 EUeR kann die Rechtshilfe 
verweigert werden, wenn sich das Ersuchen auf strafbare Handlungen bezieht, die 
vom ersuchten Staat als politische, als mit solchen zusammenhängende oder als 
fiskalische strafbare Handlungen angesehen werden. Weiter wird gemäss dieser 
Bestimmung keine Rechtshilfe gewährt, wenn der ersuchte Staat die Ansicht 
vertritt, dass die Erledigung des Ersuchens geeignet ist, die Souveränität, die 
Sicherheit, die öffentliche Ordnung (ordre public) oder andere wesentliche 
Interessen seines Landes zu beeinträchtigen. Es liegen auch keine dieser 
Verweigerungsgründe vor. Im Übrigen bleibt darauf hinzuweisen, dass sich auch 
die Kantonspolizei Graubünden mit einem Rechtshilfeersuchen an die 
Staatsanwaltschaft beim Landgericht Y. gewandt hat, und zwar nicht nur zwecks 
Ermittlung des Fahrzeuglenkers, sondern auch um ihn zum Sachverhalt zu 
befragen.

g) Zusammenfassend ist festzustellen, dass gestützt auf die internationale 
Rechtshilfe in Strafsachen und die genannten Übereinkommen jedenfalls in Fällen 
der vorliegenden Art, wo der Angeschuldigte auf eine Vorladung reagiert und sein 
Nichterscheinen – aus welchen Gründen auch immer – mitgeteilt hat, keine 
Abschreibungsverfügung gestützt auf Art. 175 Abs. 3 StPO erlassen werden darf, 
sondern dass diesfalls vielmehr zwingend ein Rechtshilfeverfahren durchzuführen 
ist, und zwar unbesehen davon, ob der Angeschuldigte ein solches beantragt oder 

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nicht. Ob dasselbe in Abweichung von den beiden vom DJSG zitierten Urteilen VB 
06 12 und SK2 10 58 auch in Fällen gilt, wo ein Angeschuldigter auf eine 
Vorladung überhaupt nicht reagiert, braucht hier nicht entschieden zu werden.

5.a) Die Berufung ist somit gutzuheissen. Von einer ausseramtlichen 
Entschädigung ist abzusehen, da der Berufungskläger nicht anwaltlich vertreten ist 
und seine Berufungsschrift mit einem relativ geringen Aufwand verbunden war.

b) Es stellt sich die übergangsrechtliche Frage, ob die Sache zur Fortführung 
des Verfahrens an das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit 
zurückzuweisen ist, oder ob neu die Staatsanwaltschaft Graubünden dafür 
zuständig ist. Gemäss Art. 453 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
ist neues Recht anwendbar, wenn ein Verfahren von der Rechtsmittelinstanz zur 
neuen Beurteilung zurückgewiesen wird. Die neue Beurteilung erfolgt durch jene 
Behörde, die nach diesem Gesetz (gemeint ist die StPO-CH) für den 
aufgehobenen Entscheid zuständig gewesen wäre. Dies ist nach Art. 355 StPO-
CH die Staatsanwaltschaft. Folglich ist der Fall nicht an das DJSG 
zurückzuweisen, sondern der Staatsanwaltschaft zu überweisen.

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III. Demnach wird erkannt:

1. Die Berufung wird gutgeheissen, die angefochtene Departementsverfügung 
aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die 
Staatsanwaltschaft Graubünden überwiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2’000.– gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des 
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das 
Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die 
Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit 
Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss 
Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, 
die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das 
Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: