# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3dff194c-ec4e-5bb8-bd8c-5d64473e1848
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2022 PVG 2022 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2022-6_2022-12-31.pdf

## Full Text

4/6  Sozialversicherung  PVG 2022

Sozialversicherung 4
Assicuranza sociala 
Assicurazioni sociali
Alters- und Hinterlassenenversicherung. Kostenpflicht 
und Kostenrahmen in einem sozialversicherungsrechtli- 
chen Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
bei Nicht-Leistungsstreitigkeiten (Praxisänderung).
– Mit dem per 1. Januar 2021 in Kraft gesetzten Art. 61 

lit. fbis ATSG ergibt sich für Leistungsstreitigkeiten 
eine Kostenpflicht nach Massgabe des jeweiligen 
Einzelge- setzes (E.4.1).

– In Abweichung von Art. 61 lit. fbis ATSG richten sich 
die Kostenpflicht und der Kostenrahmen des versiche- 
rungsgerichtlichen Verfahrens bei Verfahren betreffend 
Nicht-Leistungsstreitigkeiten mit Einleitung ab dem
1. Januar 2021 im Anwendungsbereich des ATSG nach 
dem kantonalen Recht (E.4.2).

Assicurazione per la vecchiaia e per i superstiti. Obbligo di 
sopportare le spese e margine di spese in un procedimen- to 
in materia di assicurazioni sociali dinanzi al Tribunale 
cantonale delle assicurazioni in caso di controversie non 
relative a prestazioni (modifica della prassi).
– Con l’entrata in vigore il 1° gennaio 2021 dell’art. 

61 lit. fbis LPGA, in caso di controversie relative a 
prestazioni, l’obbligo di sopportare le spese si determina ai 
sensi della rispettiva legge specifica (consid. 4.1).

– In deroga all’art. 61 lit. fbis LPGA, l’obbligo di sopportare 
le spese e il margine di spese dei procedimenti giudiziari in 
materia di assicurazioni avviati a partire dal 1° gennaio 
2021, riguardanti controversie non relative a prestazioni 
e ricadenti sotto il campo di applicazione della LPGA, 
sono disciplinati dal diritto cantonale (consid. 4.2).

Erwägungen:
4.1. Bis anhin galt vor kantonalen Gerichten bei Beschwer-

deverfahren im Bereich Sozialversicherungen der Grundsatz der 
Kostenlosigkeit (aArt. 61 lit. a ATSG). Mit der Änderung des ATSG 
vom 21. Juni 2019 wurde u.a. einer Motion nach einer (generellen) 
Kostenpflicht der Verfahren vor den kantonalen Versicherungs-

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gerichten Rechnung getragen (vgl. BBl 2018 1607 ff., 1624 f. und 
1639 sowie BBl 2019 4475 ff.). In Bezug auf die Kostenpflicht bei Be- 
schwerdeverfahren im Bereich des Sozialversicherungsrechts ha- 
ben sich der Bundesrat und die Parlamentsmehrheit indes für eine 
differenzierte Lösung anstelle einer generellen Kostenpflicht aus- 
gesprochen, um den Eigenheiten der einzelnen Sozialversicherun- 
gen Rechnung zu tragen. Bei Leistungsstreitigkeiten besteht nach 
der Revision des ATSG eine Kostenpflicht nur nach Massgabe des 
jeweiligen Einzelgesetzes (z.B. Art. 69 Abs. 1bis IVG; siehe Art. 61 
lit. fbis ATSG, in Kraft seit 1. Januar 2021). Da insoweit der Grundsatz 
des Vorrangs übergeordneten Rechts greift, besteht bei solchen 
Streitigkeiten kein Spielraum für die Auferlegung von Kosten durch 
das kantonale Versicherungsgericht. Ein solcher Spielraum be- 
steht hingegen bei Beitragsstreitigkeiten und anderen Nicht-Leis- 
tungsstreitigkeiten genauso wie bei mutwilliger oder fahrlässi- 
ger Beschwerdeführung. Streitigkeiten betreffend Schadenersatz 
nach Art. 52 AHVG stellen keine Leistungsstreitigkeiten im Sinne 
von Art. 61 lit. fbis dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_419/2021 
vom 4. Oktober 2021 und AB 2018 S. 667 f.), so dass aufgrund des 
revidierten Art. 61 ATSG nicht mehr von grundsätzlicher Kosten- 
losigkeit der Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
auszugehen ist.

4.2. Die Änderung einer Rechtsprechung kommt nur un- 
ter ganz bestimmten Voraussetzungen in Frage. Sie muss sich auf 
ernsthafte sachliche Gründe stützen, die – vor allem im Hinblick 
auf das Gebot der Rechtssicherheit – umso gewichtiger sein müs- 
sen, je länger die als falsch oder nicht mehr zeitgemäss erkannte 
Rechtsanwendung für zutreffend erachtet worden ist. Eine Praxis- 
änderung lässt sich grundsätzlich nur begründen, wenn die neue 
Lösung besserer Erkenntnis des Gesetzeszwecks, veränderten 
äusseren Verhältnissen oder gewandelten Rechtsanschauungen 
entspricht (vgl. BGE 146 I 105 E.5.2.2, 145 V 200 E.4.5.3, 145 V 50
E.4.3.1, 141 II 297 E.5.5.1, 140 V 538 E.4.5 mit Hinweisen; Urteil des 
Bundesgerichts 8C_773/2020 vom 9. November 2021 E.7.1.1).

In Änderung der bisherigen Praxis des Verwaltungsgerichts 
des Kantons Graubünden soll sich demnach bei Verfahren mit Ein- 
leitung ab dem 1. Januar 2021 (Art. 82a ATSG) im Anwendungsbe- 
reich des ATSG, die nicht als Leistungsstreitigkeiten im Sinne von 
Art. 61 lit. fbis ATSG gelten, wie insbesondere Beitragsstreitigkeiten 
oder andere Nicht-Leistungsstreitigkeiten, die Kostenpflicht und 
der Kostenrahmen des versicherungs-gerichtlichen Verfahrens 
gemäss Art. 61 ATSG grundsätzlich nach dem kantonalen Recht

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und somit nach den allgemeinen Kostenverlegungsgrundsätzen 
für Rechtsmittel- und Klageverfahren vor dem Verwaltungsgericht 
(Art. 72 ff. VRG) richten, wobei im Einzelfall auch auf eine Kostener- 
hebung verzichtet werden kann.
S 21 48 Urteil vom 8. Februar 2022

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