# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 63876736-6e9c-5b9d-b495-c3f0b5fcdd06
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-02-07
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 07.02.2006 SF 2005 38
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2005-38_2006-02-07.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 6./7. Februar 2006 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 05 38 (mündlich eröffnet)

Urteil
Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Rehli, Sutter-Ambühl, Vital und Hubert
Aktuarin ad hoc Bäder Federspiel

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In der Strafsache

des X., Angeklagter, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Bieler, Pro-
menade 77, 7270 Davos Platz,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 23. November 2005,

wegen vorsätzlicher Tötung, mehrfacher Verletzung von Verkehrsregeln, mehrfa-
cher grober Verletzung von Verkehrsregeln, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem 
Zustand, pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall, Führens eines nichtbetriebssicheren 
Fahrzeugs, mehrfacher Entwendung zum Gebrauch, mehrfachen Fahrens ohne 
Führerausweis, Widerhandlung gegen die Verkehrsregelverordnung, mehrfachen 
Diebstahls, mehrfachen geringfügigen Diebstahls, Hausfriedensbruchs, Fälschung 
von Ausweisen sowie Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

2

A. X. wurde am S. in AA. geboren. Bis im Jahr 1994 lebte er bei seinen 
Eltern in BB., wo er auch den Kindergarten und die 1. Primarschulklasse besuchte. 
Danach wohnte der Angeklagte bis im Jahr 2001 zusammen mit seiner Mutter, sei-
ner Schwester (geboren 1983) und seinem Bruder (geboren 1994) in CC., wo er 
vier Jahre die Primar- und drei Jahre die Realschule besuchte. In der Folge zog die 
Familie wieder in die Schweiz, wo X. fortan in DD. bei den Eltern lebte. In EE. be-
suchte er noch ein Jahr die Realschul-Kleinklasse und absolvierte anschliessend in 
der Garage DDD. in FF. eine zweijährige Anlehre als Automonteur. Obwohl die Fa-
milie im Juni 2004 von DD. nach GG. zog, arbeitete der Angeklagte weiterhin im 
Lehrbetrieb, bis er im März 2005 der Arbeit grundlos fernblieb und der Arbeitsvertrag 
deshalb aufgelöst wurde. Fortan war X. ohne Arbeit. Aus einem früheren Strafver-
fahren hat er Schulden in unbekannter Höhe. Der Angeklagte ist ledig und ohne 
Unterhaltspflichten.

Im Schweizerischen Strafregister ist X. mit einer Eintragung verzeichnet. Am 
6. Juli 2004 sprach ihn der Bezirksgerichtsausschuss Hinterrhein als Jugendgericht 
des mehrfachen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen 
Hausfriedensbruchs, der Verletzung von Verkehrsregeln, des pflichtwidrigen Ver-
haltens bei Unfall, der mehrfachen Entwendung zum Gebrauch, des mehrfachen 
Fahrens ohne Führerausweis, des mehrfachen Fahrens ohne Haftpflichtversiche-
rung und der mehrfachen widerrechtlichen Aneignung von Kontrollschildern schul-
dig und verurteilte ihn zu einer Einschliessungsstrafe von vier Monaten. Der Vollzug 
der Strafe wurde unter Anordnung einer zweijährigen Probezeit aufgeschoben. Weil 
das Verhalten des Angeklagten zu wünschen übrig liess, wandte sich die Schutz-
aufsicht Graubünden mit Schreiben vom 5. April 2005 an die Jugendanwaltschaft 
Graubünden, mit dem Antrag, X. förmlich zu ermahnen, ihn an seine Pflichten zu 
erinnern sowie ihn vor dem Jugendanwalt Stellung nehmen zu lassen. Am 7. April 
2005 wurde X. auf den 14. April 2005 zu einem Gespräch betreffend Nichtkooperie-
ren mit der Schutzaufsicht aufgeboten. Zu diesem Gespräch kam es wegen den 
vorliegend zu beurteilenden Taten indes nicht mehr. 

Am 11. April 2005 wurde X. durch die Kantonspolizei Graubünden in OO. 
vorläufig festgenommen. Am 12. April 2005 beantragte die Staatsanwaltschaft 
Graubünden beim Haftrichter des Haftkreises 3 die Anordnung der Untersuchungs-
haft. Mit Entscheid des Haftrichters vom 13. April 2005 wurde X. in Untersuchungs-
haft versetzt. Auf Gesuch der Staatsanwaltschaft Graubünden bewilligte der Haft-
richter mit Entscheid vom 1. Juli 2005 die erstmalige und mit Entscheid vom 5. Ok-
tober 2005 eine weitere Verlängerung der Untersuchungshaft. Nach Überweisung 

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der Anklage an das Kantonsgericht ordnete der Kantonsgerichtsvizepräsident mit 
Verfügung vom 23. November 2005 die Sicherheitshaft bis zur Hauptverhandlung 
an.

B. Gemäss Auftrag des zuständigen Untersuchungsrichters vom 9. Mai 
2005 verfasste Dr. med. D., Psychiatrische Klinik Beverin, über den Angeklagten 
ein psychiatrisches Gutachten. In seiner Expertise vom 8. Juli 2005 gelangte der 
Sachverständige zum Schluss, dass die Zurechnungsfähigkeit von X. im Zeitpunkt 
der Taten aus psychiatrischer Sicht nicht beeinträchtigt war. Der Explorand sei 
vollständig in der Lage gewesen zur Einsicht in das Unrecht der Tat. Eine Massnah-
mebedürftigkeit im Sinne von Art. 43, 44 oder 100bis StGB liege nicht vor.

C. Mit Verfügung vom 11. April 2005 eröffnete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden gegen X. eine Strafuntersuchung wegen vorsätzlicher Tötung sowie 
weiteren Delikten und beauftragte das Untersuchungsrichteramt MM. mit deren 
Durchführung. Die Untersuchung wurde mit Verfügung vom 31. Oktober 2005 ge-
schlossen. Mit Anklageverfügung vom 23. November 2005 wurde X. wegen vorsätz-
licher Tötung gemäss Art. 111 StGB, mehrfacher Verletzung von Verkehrsregeln 
gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 90 Ziff. 1 SVG, 
mehrfacher grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 
32 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG sowie Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG i.V.m. Art. 90 
Ziff. 2 SVG, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 31 Abs. 2 
SVG i.V.m. Art. 91 Abs. 2 SVG, pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall gemäss Art. 92 
Abs. 2 StGB, Führens eines nichtbetriebssicheren Fahrzeuges gemäss Art. 29 SVG 
i.V.m. Art. 93 Ziff. 2 Abs. 1 SVG, mehrfacher Entwendung zum Gebrauch gemäss 
Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis gemäss Art. 
95 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 SVG, Widerhandlung gegen Art. 3b Abs. 1 VRV i.V.m. Art. 
96 VRV, mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, mehrfachen gering-
fügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter StGB, Hausfrie-
densbruchs gemäss Art. 186 StGB, Fälschung von Ausweisen gemäss Art. 252 
Abs. 2 und 3 StGB sowie mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG 
in Anklagezustand versetzt. Gemäss Anklageschrift vom 23. November 2005 wird 
der Anklage der folgende Sachverhalt zu Grunde gelegt:

„X. wird angeklagt

1. der vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB, des pflichtwidrigen 
Verhaltens bei Unfall gemäss Art. 92 Abs. 2 SVG, der Entwendung zum 
Gebrauch gemäss Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG, der mehrfachen groben 
Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 
1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG sowie Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG i.V.m. Art. 

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90 Ziff. 2 SVG, der mehrfachen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss 
Art. 27 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 90 Ziff. 1 SVG, des Führens eines nicht-
betriebssicheren Fahrzeuges gemäss Art. 29 SVG i.V.m. Art. 93 Ziff. 2 
Abs. 1 SVG und des mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis gemäss 
Art. 95 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 SVG

1.1 Entwendung zum Gebrauch gemäss Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG, mehrfa-
ches Fahren ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 
SVG 

Am 08. April 2005 behändigte X. in der elterlichen Wohnung in GG., 
EEE.-Strasse, um ca. 15.00 Uhr den Schlüssel des auf seinen Vater 
eingelösten Personenwagens Fiat Panda 1.1, 4x4, S.. Ohne im Besitze 
eines entsprechenden Führerausweises zu sein und ohne seine Eltern 
um Erlaubnis gefragt zu haben, setzte er sich ans Steuer des Autos und 
fuhr damit - begleitet von seinem Freund C. - nach AA.. Um ca. 19.00 
Uhr desselben Tages fuhren die beiden Männer mit dem erwähnten 
Fahrzeug nach HH., dann nach II./SG, wieder nach HH. und schliesslich 
via AA., BB. und DD. nach JJ.. Diesen Ort erreichten sie am Abend des 
09. April 2005. In der folgenden Nacht fuhren die Genannten mit dem 
erwähnten Personenwagen erneut via AA. nach HH. und am nächsten 
Mittag (10. April 2005) zurück nach BB.. Dort stieg C. aus, worauf der 
Angeklagte mit dem Fiat Panda nach KK. und anschliessend wieder 
nach BB. fuhr. Zusammen mit C. fuhr er in der Folge - via AA. und LL. - 
nach PP. und dann über LL. und MM. nach NN.. Dort trafen die beiden 
Männer am 11. April 2005 gegen 07.00 Uhr ein. Nach einem kurzen 
Aufenthalt fuhren sie mit dem erwähnten Fahrzeug zurück nach AA. und 
anschliessend wieder nach LL.. Von dort wollten der Angeklagte und 
sein Begleiter erneut nach NN. fahren, um "nach Frauen Ausschau zu 
halten". 

Bei den erwähnten Fahrten lenkte in der Regel X. das Auto. Auf den 
Streckenabschnitten TT. - HH. (zweite Fahrt nach HH. vom 9. April 
2005), BB. - DD. (am Abend des 9. April 2005) und LL. - MM. (früher 
Morgen des 11. April 2005) sass C. am Steuer des Wagens. Auch dieser 
hatte keinen entsprechenden Führerausweis, was dem Angeklagten be-
kannt war. 

Der fragliche Fiat Panda wurde am 8. November 2005 dem Geschädig-
tenvertreter erstattet. 

Akten: Dossier 8, act. 8.1 - 8.11
Dossier 17, act. 17.2, 17.3, 17.5 

1.2 Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 
90 Ziff. 1 SVG 

Als X. und C. am 11. April 2005 das zweite Mal von LL. in Richtung MM. 
bzw. NN. fuhren, wurde der vom Angeklagten gelenkte Personenwagen 
S. auf der Nationalstrasse A28 in QQ., Höhe Kantonales Tiefbauamt, 
um 10.49 Uhr von einem Radargerät mit einer Geschwindigkeit von 73 
km/h erfasst. Nach Abzug der Sicherheitsmarge ergibt dies eine zu ahn-
dende Geschwindigkeit von 68 km/h. Die signalisierte Höchstgeschwin-
digkeit beträgt im fraglichen Bereich 60 km/h. 

Akten: Dossier 10, act. 10.1 - 10.8 

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1.3 Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 
90 Ziff. 1 SVG 

Kurz nachdem das erwähnte Fahrzeug vom Radargerät erfasst worden 
war, gab ein am Strassenrand stehender Polizeifunktionär bei der Ört-
lichkeit UU. in QQ. dem Angeklagten mit der Hand frühzeitig ein deutli-
ches Haltezeichen. Auf Empfehlung seines Begleiters verlangsamte X. 
die Fahrt vorerst, beschleunigte dann aber wieder und fuhr an der Kon-
trollstelle vorbei. Gefährdet wurde dabei niemand. 

Akten: Dossier 11, act. 11.1 - 11.7
Dossier 17, act. 17.7 

1.4 Grobe Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1, Art. 34 
Abs. 2 sowie Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG i.V.m. Art. 90 Ziff. 2 SVG 

In der Folge setzte der Angeklagte auf der Nationalstrasse A28 vor der 
Abzweigung VV., QQ., in einer Linkskurve vor einer nicht einsehbaren 
Kuppe zum Überholen eines Personenwagens an. Diesen Überholvor-
gang konnte er erst auf der Kuppe und ca. 56 Meter nach einem signa-
lisierten Überholverbot beenden. Beim Wiedereinbiegen überfuhr X. zu-
dem die Sicherheitslinie. 

Akten: Dossier 12, act. 12.1 - 12.6 

1.5 Grobe Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 und Art. 
32 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 90 Ziff. 2 SVG 

Durch das nachfolgende Dorf RR. fuhr der Angeklagte mit einer Ge-
schwindigkeit von 90 - 100 km/h, obwohl die signalisierte Höchstge-
schwindigkeit in diesem Bereich 50 km/h beträgt. 

Akten: Dossier 13, act. 13.1 - 13.7 

1.6 Grobe Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1, Art. 34 
Abs. 2 sowie Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG i.V.m. Art. 90 Ziff. 2 SVG 

Um ca. 10.55 Uhr erreichte X. mit seinem Fahrzeug das Gemeindege-
biet SS.. Bei der Überführungsbrücke unterhalb der Deponie WW. über-
holte er auf der in diesem Abschnitt 4 - 6% ansteigenden National-
strasse vor einer teilweise unübersichtlichen Linkskurve in einem Mal 
einen Kleinlastwagen, einen Lastwagen und einen Anhängerzug. Dabei 
missachtete er das signalisierte Überholverbot, überfuhr die Sicher-
heitslinie sowie beim Wiedereinbiegen die Sperrfläche. Das Manöver 
konnte er erst zu Beginn der erwähnten Kurve beenden. 

Akten: Dossier 14, act. 14.1 - 14.8 

1.7 Grobe Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG i.V.m. 
Art. 90 Ziff. 2 SVG 

In der Folge fuhr der Angeklagte auf der Nationalstrasse durch das Dorf 
SS., wo beim Fussgängerstreifen im Bereich des Schulhauses mindes-

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tens ein Personenwagen vor dem auf rot stehenden Lichtsignal wartete. 
X. fuhr auf der Gegenfahrbahn an diesem Fahrzeug vorbei und trotz der 
auf rot stehenden Ampel über den Fussgängerstreifen in Richtung MM. 
weiter.

Akten: Dossier 15, act. 15.1 - 15.8 

1.8 Vorsätzliche Tötung gemäss Art. 111 StGB 

Noch im Dorf SS. schloss der Angeklagte gegen 10.56 Uhr auf den von 
E. gelenkten Personenwagen Golf, T., auf. Im Bereich einer Linkskurve 
vor dem XX.-tobel nahm er in einer Entfernung von rund 135 Meter zwei 
Polizeifunktionäre wahr. Die beiden Polizisten +A. und B. standen in 
Fahrtrichtung etwa 34 Meter nach der in einer Rechtskurve über den 
XX. führenden Brücke auf einem Ausstellplatz. Sie trugen orange be-
schriftete Polizei-Verkehrsjacken. 

In der Absicht, sich der polizeilichen Kontrolle zu entziehen, setzte der 
Angeklagte im Bereiche der Rechtskurve vor dem Ausstellplatz zum 
Überholen des mit einer Geschwindigkeit von 40-45 km/h fahrenden VW 
Golf an. Die Polizeibeamten +A. und B. hatten sich inzwischen auf die 
Fahrspur Richtung OO. begeben. Auf Zeichen von B. hin verlangsamte 
der Lenker des VW-Golfes die Fahrt und fuhr auf den Ausstellplatz aus, 
währenddem der Angeklagte sein Fahrzeug beschleunigte. Auf eine 
Entfernung von ca. 20 Metern nahm der Angeklagte die Haltezeichen 
des Polizeibeamten +A. wahr, welcher sich inzwischen in die Strassen-
mitte und etwas später einen Schritt weit darüber hinaus auf die Fahr-
spur Richtung RR. begeben hatte. Obwohl der Angeklagte feststellte, 
dass der Polizeibeamte auf der Überholspur stand und obwohl er die 
Möglichkeit gehabt hätte, nach links auszuweichen, fuhr er ungebremst 
geradeaus weiter. Er tat dies in der Annahme, ohne Ausweichmanöver 
zwischen den Polizeibeamten und dem linken Fahrbahnrand durchfah-
ren zu können. Kurz vor der Kollision hatte der Polizeibeamte +A. noch 
versucht, nach rechts auszuweichen. Der Angeklagte hoffte deshalb, 
der Polizeibeamte würde beiseite gehen. In der Folge wurde der Poli-
zeibeamte +A. vom Fahrzeug des Angeklagten, welches in diesem Zeit-
punkt eine Geschwindigkeit von ca. 60 km/h inne hatte, erfasst und erlitt 
so schwere Verletzungen, dass er noch auf der Unfallstelle verstarb. 

Akten: Dossier 2, act. 2.3
Dossier 16, act. 16.1 - 16.37
Dossier 17, act. 17.1 - 17.11 

1.9 Pflichtwidriges Verhalten bei Unfall gemäss Art. 92 Abs. 2 SVG, Führen 
eines nichtbetriebssicheren Fahrzeuges gemäss Art. 29 SVG i.V.m. Art. 
93 Ziff. 2 Abs. 1 SVG 

Ohne sich um den im Sterben liegenden Polizisten zu kümmern, setzte 
X. die Fahrt auf der Nationalstrasse A28 in Richtung OO. fort. Dies ob-
wohl der rechte vordere Scheinwerfer und die Frontschutzscheibe des 
Fahrzeuges eingeschlagen waren und der rechte Aussenspiegel fehlte. 

Bei der Örtlichkeit YY., SS., bog der Angeklagte von der Nationalstrasse 
nach links in eine Nebenstrasse ein und fuhr dann so weit als möglich 

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bergwärts. Im Gebiet ZZ. liessen er und sein Begleiter das Fahrzeug 
stehen und setzten die Flucht zu Fuss fort. Schliesslich konnten die bei-
den Männer um ca. 12.00 Uhr von der Polizei im Gebiet AAA. in SS. 
entdeckt und angehalten werden. 

Akten: Dossier 16, act. 16.1, 16.3, 16.4, 16.6
Dossier 17, act. 17.2, 17.5, 17.10 

1.10Grobe Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG i.V.m. 
Art. 90 Ziff 2 SVG 

Als X. nach der Kollision auf der Nationalstrasse A28 im Bereich BBB. - 
CCC., SS., in Richtung OO. fuhr, überholte er um ca. 10.58 Uhr trotz 
Gegenverkehrs einen Personenwagen. Eine Kollision mit dem entge-
genkommenden Fahrzeug konnte nur verhindert werden, weil der Len-
ker dieses Wagens soweit als möglich gegen den rechten Fahrbahn-
rand fuhr, um dem Angeklagten das Wiedereinbiegen zu ermöglichen. 

Akten: Dossier 18, act. 18.1 - 18.8 

2. des mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie des 
mehrfachen geringfügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB 
i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB 

2.1 Mehrfacher Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB 

Am Abend des 09. April 2005 waren X. und C. in JJ., FFF.-Strasse, auf 
einer privaten Party. Dort entwendete der Angeklagte aus einem Gar-
derobenschrank im Umkleideraum eine Taschenuhr im Wert von ca. 
CHF 300.00, welche F. gehörte. Zudem behändigten er und C. anläss-
lich des fraglichen Festes aus einem Topf in der Küche mindestens drei 
Noten a CHF 1'000.00, welche G. gehörten. Dieses Geld verwendeten 
die beiden Männer in den folgenden Tagen für ihren Lebensunterhalt. 
Die fragliche Uhr konnte am 11. April 2005 bei X. sichergestellt und dem 
Geschädigten erstattet werden. 

F. stellte am 14. April 2005 gegen Unbekannt Strafantrag wegen Dieb-
stahls. 

Akten: Dossier 9, act. 9.1 - 9.10 
Dossier 17, act. 17.4, 17.5 

2.2 Mehrfacher geringfügiger Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. 
Art. 172ter Abs. 1 StGB 

Am 05. April 2005 entwendete X. um ca. 13.50 Uhr im Kaufhaus H., 
Bijouterieabteilung, in AA., einen Fingerring im Wert von CHF 9.95. Das 
Deliktsgut wurde dem Geschädigtenvertreter gleichentags erstattet. 

I. stellte am 08. April 2005 als Vertreter von H., gegen den Angeklagten 
Strafantrag wegen Diebstahls. 

Akten: Dossier 7, act. 7.1 - 7.3, 7.7 

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Am 08. April 2005 entwendete X. um ca. 17.18 Uhr im selben Kaufhaus, 
Parfümerieabteilung, einen Haargel im Wert von CHF 9.20. Das Delikts-
gut wurde dem geschädigten Unternehmen am gleichen Tag erstattet. 

I. stellte als Vertreter des Kaufhauses am 8. April 2005 gegen den An-
geklagten Strafantrag wegen Diebstahls.

Akten: Dossier 7, act. 7.4 - 7.7 

3. des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, der Ent-
wendung zum Gebrauch gemäss Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG, des gering-
fügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 
StGB, der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG 
und Art. 32 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 90 Ziff. 1 SVG, des mehrfachen Fah-
rens ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Ziff. 1 Abs. 1 SVG sowie der 
Widerhandlung gegen Art. 3b Abs. 1 VRV i.V.m. Art. 96 VRV 

3.1 Entwendung zum Gebrauch gemäss Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG, gering-
fügiger Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 
StGB, mehrfaches Fahren ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Ziff. 1 
Abs. 1 SVG 

Am 22. März 2005, ca. 15.00 Uhr, brachen X. und C. in der Fahrzeu-
geinstellhalle der T., GGG.-Strasse, das Schloss des auf J. eingelösten 
Motorrades KTM U. auf. Sodann entwendete der Angeklagte ab einem 
Roller in derselben Garage den Motorradhelm von K. und zog diesen 
an. Nachdem sich auch C. einen Motorradhelm angeeignet hatte, fuhren 
die beiden Männer mit dem erwähnten Motorrad via BB. und JJ. nach 
DD.. Dabei wurde das Gefährt von X. gelenkt, der nicht im Besitze eines 
entsprechenden Führerausweises war. Am folgenden Tag fuhren der 
Angeklagte und C. zwischen ca. 16.00 Uhr und 18.00 Uhr mit dem frag-
lichen Motorrad im Raum DD. auf verschiedenen Haupt- und Neben-
strassen. Das Gefährt wurde teilweise vom Angeklagten und teilweise 
von seinem Begleiter gelenkt. Schliesslich fuhr X. ab ca. 20.00 Uhr des 
23. März 2005 alleine noch einmal mit dem Motorrad durch DD.. 

Am selben Abend konnte das Gefährt von der Polizei sichergestellt und 
am 24. März 2005 dem Geschädigten erstattet werden. 

Akten: Dossier 6, act. 6.1 - 6.9, 6.12 - 6.19 

L. stellte am 22. März 2005 als gesetzliche Vertreterin von K. gegen 
Unbekannt Strafantrag wegen Diebstahls. Der damals ca. 1½-jährige 
Motorradhelm hatte rund CHF 320.00 gekostet. 

Akten: Dossier 6, act. 6.6, 6.7 

3.2 Mehrfacher Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB 

Am Abend des 22. März 2005 fuhr X. mit dem gleichentags in Chur ent-
wendeten Motorrad U. zur privaten Sammelgarage HHH. in DD.. Dort 
wartete er vor dem Tor, bis dieses durch einen anderen Fahrzeuglenker 
geöffnet wurde. Sodann begab er sich - ohne dazu berechtigt gewesen 
zu sein - in die Garage und stellte das Gefährt dort ab. Am folgenden 
Tag nahm er das Motorrad um etwa 16.00 Uhr aus der erwähnten Ga-
rage und brachte es um ca. 18.00 Uhr wieder dorthin zurück. Gegen 

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20.00 Uhr des 23. März 2005 holte der Angeklagte das Gefährt wieder 
ab und stellte es anschliessend erneut in die Sammelgarage HHH.. 

Akten: Dossier 6, act. 6.1, 6.10, 6.11, 6.12, 6.15 - 6.18 

M. stellte als Vertreterin der fraglichen Liegenschaft gegen X. am 24. 
März 2005 Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs.

Akten: Dossier 6, act. 6.11 

3.3 Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 und Art. 32 Abs. 
1 SVG i.V.m. Art. 90 Ziff. 1 SVG, Widerhandlung gegen Art. 3b Abs. 1 
VRV i.V.m. Art. 96 VRV 

Als der Angeklagte das Motorrad von J. am 23. März 2005 um ca. 16.00 
Uhr aus der Sammelgarage HHH. in DD. holte, konnte er die am Vortag 
dort deponierten Motorradhelme nicht mehr finden. In der Folge trug er 
bei den weiteren Fahrten keinen Helm. Dabei fuhr er mit einer Ge-
schwindigkeit von 60 -70 km/h durch DD. obwohl die signalisierte 
Höchstgeschwindigkeit 50 km/h beträgt. 

Akten: Dossier 6, act. 6.1, 6.15, 6.16, 6.18 

4. der Fälschung von Ausweisen gemäss Art. 252 Abs. 2 und 3 StGB 

Im Juni 2002 fand X. auf der Strasse in AA. einen Lehrlingsausweis, 
herausgegeben von der Wirtschaftsfachschule KV AA.. Diesen las er in 
seinen Computer ein und füllte ihn mit seinen Personalien aus. Statt sei-
nem tatsächlichen Geburtsdatum (S.) gab er jedoch den 15. März 1984 
ein. In der Folge druckte er das Dokument aus, klebte sein Photo darauf, 
vervollständigte den Stempel auf dem Photo mit einem schwarzen 
Schreibstift und unterzeichnete es. 

Den so gefälschten Lehrlingsausweis benutzte der Angeklagte zwi-
schen ca. Juni 2002 und Sommer 2004 insgesamt rund fünf Mal, um 
sich als Minderjähriger Zutritt zu Nachtlokalen im Raum AA. zu verschaf-
fen. 

Akten: Dossier 4, act. 4.1 - 4.4 

5. des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 31 Abs. 
2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV i.V.m. Art. 91 Abs. 2 SVG 

Als X. am Mittag des 10. April 2005 den Personenwagen Fiat Panda S. 
von HH. nach BB. lenkte, konsumierte er während der Fahrt wiederholt 
etwas Kokain. Am gleichen Abend rauchte bzw. schnupfte er in AA. zwi-
schen etwa 19.00 Uhr und 19.30 Uhr eine weitere Linie Kokain und fuhr 
dann sogleich als Lenker des erwähnten Personenwagens nach LL.

Akten: Dossier 8, act. 8.1 - 8.10
Dossier 17, act. 17.5 

6. der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG 

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Von anfangs März 2004 bis am 08. April 2005 konsumierte der Ange-
klagte in der Schweiz insgesamt rund 3.6 Gramm Kokain. Weitere min-
destens 1.2 Gramm Kokain rauchte bzw. schnupfte er zwischen dem 
08. und dem 11. April 2005 an verschiedenen Orten in der Schweiz. 

Akten: Dossier 5, act. 5.1 - 5.9 

Anlässlich seiner Verhaftung am 11. April 2005 konnten beim Angeklag-
ten 0.3 Gramm Kokain sichergestellt und am 10. November 2005 be-
schlagnahmt werden. 

Akten: Dossier 2, act. 2.2 
Dossier 5, act. 5.3, 5.9“

D. Die Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht von Graubünden fand 
am 6./7. Februar 2006 in Anwesenheit des Angeklagten, X., und seines amtlichen 
Verteidigers, Rechtanwalt Dr. iur. Peter Bieler, statt. Die Anklage wurde durch 
Staatsanwalt Dr. Alex Zindel vertreten. Gegen die Zuständigkeit und die Zusam-
mensetzung des Gerichts wurden keine Einwände erhoben, so dass sich dieses als 
in der Sache legitimiert erklärte.

Im Rahmen des Beweisverfahrens zur Person bestätigte der Angeklagte auf 
richterliches Befragen die Angaben zu seinen persönlichen und beruflichen Verhält-
nissen gemäss Anklageschrift. Im Anschluss wurde das Beweisverfahren zur Sache 
durchgeführt. Der Angeklagte erwies sich im Hinblick auf den ihm in der Anklage-
schrift zur Last gelegten Sachverhalt als geständig.

Nach Abschluss des Beweisverfahrens zur Person und zur Sache stellte und 
begründete der Staatsanwalt in seinem Plädoyer folgende Anträge:

„1. X. sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei er mit 6 Jahren Zuchthaus unter Abzug der erstandenen Un-
tersuchungshaft zu bestrafen.

3. Der bedingte Vollzug für die 4 Monate Einschliessung gemäss Urteil des 
Jugendgerichtes Hinterrhein vom 06. Juli 2004 sei zu widerrufen.

4. Die sichergestellten und beschlagnahmten 0.3 gr Kokain seien richter-
lich einzuziehen und der Vernichtung zuzuführen.

5. Gesetzliche Kostenfolge.

6. Der Angeklagte sei in Sicherheitshaft zu nehmen.“

Der amtliche Verteidiger anerkannte in seinem Plädoyer die objektive Tatbe-
standsmässigkeit des dem Angeklagten vorgeworfenen Verhaltens und äusserte 
sich im Wesentlichen zur fahrlässigen Begangenschaft der Tötung sowie zur thera-
peutischen Massnahme in Form der Arbeitserziehungsanstalt für junge Erwach-

11

sene. Er führte in seinem Plädoyer aus, zur Beurteilung stehe heute die Tat eines 
jungen Erwachsenen, der zugegebenermassen „Mist gebaut“ habe. Der Angeklagte 
sei jedoch weder ein Krimineller noch ein Raser, wie er von der Presse unbedacht 
immer wieder genannt worden sei. Zwar habe jener zugestandenermassen vorsätz-
lich Verkehrsregeln missachtet. Die Folge dieses Verhaltens, nämlich der tödliche 
Verkehrsunfall, sei aber das Ergebnis einer fahrlässigen Tat, da der Angeschuldigte 
die Verkehrsregelverletzung zwar durchaus in Kauf genommen, die Tötung aber 
gerade nicht gewollt habe. Es liege ein bewusst fahrlässiges Handeln des Ange-
klagten und daher eine fahrlässige Tötung nach Art. 117 StGB vor. Was die Einwei-
sung in eine Arbeitserziehungsanstalt betreffe, so dränge sich diese beim Ange-
klagten aufgrund der konkreten Umstände geradezu auf. Abschliessend beantragte 
der amtliche Verteidiger:

„In Abänderung des Antrages der Staatsanwaltschaft sei bezüglich des 
Schuldspruchs statt auf vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB auf 
fahrlässige Tötung im Sinne von Art. 117 StGB zu erkennen und unter Ab-
lehnung der beantragten Ziffer 2 des Antrages der Staatsanwaltschaft X. in 
eine Arbeitserziehungsanstalt im Sinne von Art. 100bis StGB einzuweisen. 
Im übrigen sei der Antrag der Staatsanwaltschaft zum Urteil zu erheben.“

Darüber hinaus anerkannte der amtliche Verteidiger die eingereichte Adhä-
sionsklage. Der Ankläger und der Rechtsvertreter des Angeklagten gaben von ihren 
mündlichen Vorträgen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 lit. b OG eine schriftliche Aus-
führung zu den Akten. Sie erhielten das Recht auf Replik und Duplik, wobei sowohl 
der Staatsanwalt wie auch der amtliche Verteidiger an ihren Anträgen und deren 
Begründung festhielten.

In seinem Schlusswort entschuldigte sich X. für das Geschehene. Er habe 
nicht gewollt, dass so etwas passiere, und es tue ihm leid.

Auf die weiteren mündlichen Ausführungen des Staatsanwalts und des amt-
lichen Verteidigers sowie die richterliche Befragung des Angeklagten anlässlich der 
Hauptverhandlung wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen ein-
gegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. Die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts von Graubünden zur 
Beurteilung der vorliegenden Strafsache ergibt sich aus Art. 45 Abs. 1 lit. a StPO, 
nach welchem das Kantonsgericht alle Verbrechen beurteilt, die mit Zuchthaus über 

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fünf Jahren bedroht sind. X. wurde unter anderem der vorsätzlichen Tötung nach 
Art. 111 StGB angeklagt, ein Delikt, welches einer Strafdrohung von Zuchthaus 
nicht unter fünf Jahren unterliegt. Die örtliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 346 
StGB.

2.a.aa Nach Art. 111 StGB wird, wer vorsätzlich einen Menschen tötet, 
ohne dass eine der besonderen Voraussetzungen der nachfolgenden Artikel (Art. 
112 bis 116 StGB) zutrifft, mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft. Diese Be-
stimmung setzt objektiv voraus, dass der Tod eines anderen Menschen verursacht 
wird. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz, der sich auf die Herbeiführung des Todes 
beziehen muss, erforderlich. Als Vorsatz gilt bei Art. 111 StGB auch ein Eventual-
vorsatz (Christian Schwarzenegger, Basler Kommentar zum StGB, Band II, Basel 
2003, N 7 zu Art. 111 StGB).

Gemäss Art. 18 Abs. 2 StGB verübt ein Verbrechen oder Vergehen vorsätz-
lich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Der Vorsatz erfordert auf der Wis-
sensseite ein aktuelles Wissen um die Tatumstände (Guido Jenny, Basler Kommen-
tar zum StGB, Band I, Basel 2003, N 21 zu Art. 18 StGB). Bei Delikten, die den 
Eintritt eines Erfolges erfordern, gehört zur Wissensseite des Vorsatzes eine Vor-
stellung über den Zusammenhang zwischen dem eigenen Handeln und dem Erfolg. 
Der Vorsatz bezieht sich nicht nur auf Tatumstände, deren Vorhandensein oder Ein-
treten der Täter für sicher hält. Er kann sich auch auf solche erstrecken, deren Vor-
handensein oder Eintreten er nur für möglich hält (Jenny, a.a.O., N 22 zu Art. 18 
StGB). Das blosse Bewusstsein der Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung be-
gründet indes noch keinen Vorsatz. Neben dem Wissen um die reale Möglichkeit 
der Tatbestandserfüllung verlangt der Vorsatz auch den Willen, den Tatbestand zu 
verwirklichen. Der Täter muss sich gegen das rechtlich geschützte Gut entscheiden. 
Dieser Wille ist gegeben, wenn die Verwirklichung des Tatbestands das eigentliche 
Handlungsziel des Täters ist oder ihm als eine notwendige Voraussetzung zur Er-
reichung seines Ziels erscheint. Dasselbe gilt, wenn die Verwirklichung des Tatbe-
stands für den Täter eine notwendige Nebenfolge darstellt, mag sie ihm auch gleich-
gültig oder gar unerwünscht sein (BGE 130 IV 58 ff., 60 f., E. 8.1; Jenny, a.a.O., N 
39 ff. zu Art. 18 StGB). Neben diesem direkten Vorsatz erfasst Art. 18 Abs. 2 StGB 
auch den Eventualvorsatz. Hier strebt der Täter den Erfolg nicht an, sondern weiss 
lediglich, dass dieser möglicherweise mit der willentlich vollzogenen Handlung ver-
bunden ist. Die Rechtsprechung bejaht Eventualvorsatz, wenn der Täter den Eintritt 
des Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch han-
delt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfin-

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det, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 130 IV 58 ff., 60 f., E. 8.2; 125 IV 242 
ff., 251, E. 3c; 119 IV 1 ff., 2 f., E. 5a; Jenny, a.a.O., N 47 zu Art. 18 StGB).

bb. Gemäss Art. 117 StGB wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft, 
wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht. Fahrlässig begeht der Täter ein 
Verbrechen oder Vergehen, wenn die Tat darauf zurückzuführen ist, dass er die 
Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder dar-
auf nicht Rücksicht genommen hat. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der 
Täter die Vorsicht nicht beobachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen 
persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 18 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch 
wegen fahrlässiger Tötung setzt somit voraus, dass der Täter den Erfolg durch Ver-
letzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, 
wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kennt-
nisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers 
hätte erkennen können und müssen, und wenn er zugleich die Grenzen des erlaub-
ten Risikos überschritten hat. Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten ge-
bieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie 
nach diesen Vorschriften. Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfalts-
pflichtverletzung und mithin für die Fahrlässigkeitshaftung ist die Vorhersehbarkeit 
des Erfolges, wobei die zu ihm führenden Geschehensabläufe für den konkreten 
Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar sein müssen. Abge-
stellt wird auf den Massstab der Adäquanz, wonach das Verhalten des Täters ge-
eignet sein muss, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des 
Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu be-
günstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Um-
stände (das Mitverschulden eines Dritten etwa oder Material- bzw. Konstruktions-
fehler) als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden 
musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittel-
barste Ursache des Erfolges erscheinen und so alle anderen mitverursachenden 
Faktoren (namentlich das Verhalten des Angeschuldigten) in den Hintergrund drän-
gen (vgl. zum Ganzen BGE 129 IV 282 ff., 284 f.; 127 IV 34 ff., 38 f.; PKG 2004 Nr. 
18). Die blosse Vorhersehbarkeit des Erfolgseintritts erlaubt es freilich nicht ohne 
weiteres, ihn auf das pflichtwidrige Verhalten des Täters zurückzuführen. Vielmehr 
stellt sich die weitere Frage, ob der Erfolg überhaupt vermeidbar war. Dabei wird 
ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflicht-
gemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Da sich dies nicht mit Gewiss-
heit beweisen lässt, reicht es für die Zurechnung aus, wenn das Verhalten des 
Täters mindestens mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit oder mit an Si-

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cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolges bildete (vgl. BGE 
121 IV 286 ff., 289 f., E. 3).

cc. Schwierig kann im Einzelfall die Abgrenzung zwischen Eventualvor-
satz und einer besonderen Form der Fahrlässigkeit, der sog. bewussten Fahrläs-
sigkeit, sein. Sowohl der eventualvorsätzlich als auch der bewusst fahrlässig han-
delnde Täter weiss um die Möglichkeit oder das Risiko der Tatbestandsverwirkli-
chung. Hinsichtlich der Wissensseite stimmen somit beide Erscheinungsformen des 
subjektiven Tatbestandes überein. Unterschiede bestehen jedoch beim Willensmo-
ment. Der bewusst fahrlässig handelnde Täter vertraut (aus pflichtwidriger Unvor-
sichtigkeit) darauf, dass der von ihm als möglich vorausgesehene Erfolg nicht ein-
trete, sich das Risiko der Tatbestandserfüllung mithin nicht verwirklichen werde. Das 
gilt selbst für den Täter, der sich leichtfertig bzw. frivol über die Möglichkeit der Tat-
bestandserfüllung hinwegsetzt und mit der Einstellung handelt, es werde schon 
nichts passieren. Demgegenüber nimmt der eventualvorsätzlich handelnde Täter 
den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich 
mit ihm ab. Wer den Erfolg derart in Kauf nimmt, "will" ihn im Sinne von Art. 18 Abs. 
2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass der Täter den Erfolg "billigt" (BGE 130 IV 58 ff., 
61, E. 8.3, mit weiteren Hinweisen; Jenny, a.a.O., N 53 zu Art. 18 StGB).

Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht - soweit der Täter 
nicht geständig ist - regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf 
Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf 
die innere Einstellung des Täters erlauben. Nach der Rechtsprechung darf es vom 
Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter die Verwirkli-
chung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als 
Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolges ausgelegt 
werden kann (BGE 109 IV 137 ff., 140, E. 2b; Jenny, a.a.O., N 48 und N 53 zu Art. 
18 StGB). Zu den äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezogen werden 
kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, zählt die 
Rechtsprechung unter anderem auch die Grösse des dem Täter bekannten Risikos 
der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je 
grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer 
die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die tatsächliche Schlussfolge-
rung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, also ent-
gegen seiner Behauptung nicht (pflichtwidrig unvorsichtig) darauf vertraut, dass sich 
dieses Risiko nicht verwirklichen bzw. der tatbestandsmässige Erfolg nicht eintreten 
werde. Zu den relevanten Umständen können aber auch die Beweggründe des 

15

Täters und die Art der Tathandlung gehören (BGE 125 IV 242 ff., 251 f., E. 3c, mit 
Hinweisen). Der Schluss, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf ge-
nommen, darf aber jedenfalls nicht allein aus der Tatsache gezogen werden, dass 
sich dieser des Risikos der Tatbestandsverwirklichung bewusst war und dennoch 
handelte. Denn dieses Wissen um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung wird - 
wie ausgeführt - auch bei der bewussten Fahrlässigkeit vorausgesetzt (BGE 130 IV 
58 ff., 62, E. 8.4). 

b.aa. X. verursachte am 11. April 2005 als Führer des Personenwagens Fiat 
Panda 1.1, 4x4, S., auf dem Gebiet der Gemeinde SS. den Tod des Polizisten +A., 
indem er diesen mit dem genannten Fahrzeug erfasste und dabei so schwer ver-
letzte, dass der Polizeibeamte noch auf der Unfallstelle starb (Ziff. 1.8 der Anklage-
schrift). Während die Anklage der Staatsanwaltschaft auf vorsätzliche Tötung nach 
Art. 111 StGB lautet, plädierte der amtliche Verteidiger des Angeklagten anlässlich 
der Hauptverhandlung dafür, dessen Verhalten als fahrlässige Tötung im Sinne von 
Art. 117 StGB zu qualifizieren. Im Folgenden ist nun gestützt auf die Aussagen der 
Beteiligten und der Augenzeugen sowie gestützt auf verschiedene Tatrekonstrukti-
onen, den kriminaltechnischen Bericht und das unfallmedizinische Gutachten 
zunächst zu prüfen, wie sich das Unfallgeschehen am Tatort genau zugetragen hat, 
um danach beurteilen zu können, ob X. vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln 
vorzuwerfen ist.

Die Beweislast für eine dem Angeklagten zur Last gelegte Tat liegt 
grundsätzlich beim Staat (Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des 
Kantons Graubünden [StPO], 2. Aufl., Chur 1996, Ziff. 2 zu Art. 125 StPO, S. 306). 
Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht gemäss Art. 125 Abs. 
2 StPO nach freier, in der Hauptverhandlung gewonnener Überzeugung (vgl. Nik-
laus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., PP. 2004, N 286, S. 96). Der Grundsatz 
der freien Beweiswürdigung ergibt sich bereits aus Art. 249 BStP. Das Gericht hat 
von Bundesrechts wegen frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner 
persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Be-
weise darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht 
(vgl. BGE 115 IV 268 f.). Bei der Würdigung der Beweise stellt sich dem Gericht die 
Frage, wann es eine bestimmte Tatsache als erwiesen betrachten darf und wann 
nicht. Nach Lehre und Rechtsprechung darf blosse Wahrscheinlichkeit für eine Ver-
urteilung nicht genügen, absolute Sicherheit ist für eine solche aber auch nicht er-
forderlich und eine theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders 
sein könnte, rechtfertigt keinen Freispruch (vgl. Hauser/Schweri/Hartmann, 

16

Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2005, § 54 N 11, S. 247). Trotzdem 
sind an den Beweis der zur Last gelegten Tat hohe Anforderungen zu stellen. Ver-
langt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis 
der Täterschaft. Aufgabe des Gerichts ist es, ohne Bindung an Beweisregeln die an 
sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeugung für einen bestimm-
ten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der Überzeugung objektivier- 
und nachvollziehbar sein muss (vgl. PKG 1987 Nr. 12; Schmid, a.a.O., N 289, S. 
97). 

Was die verschiedenen Beweismittel betrifft, so verbietet der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung, was bedeutet, dass alle Beweismittel 
grundsätzlich gleichwertig sind. Insbesondere sind die Aussagen von Zeugen, Aus-
kunftspersonen, Angeschuldigten oder auch von Personen, die sich selbst strafbar 
gemacht haben, vollgültige Beweismittel mit derselben Beweiseignung. Wesentlich 
können auch sogenannte Indizien sein (vgl. Schmid, a.a.O., N 290, S. 97). Bei der 
Würdigung von Zeugenaussagen fällt in Betracht, dass nicht in erster Linie die per-
sönliche Glaubwürdigkeit eines Zeugen interessiert, sondern vielmehr die sachliche 
Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage (vgl. Hauser, Der Zeugenbeweis im Straf-
prozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, PP. 1974, S. 311 ff.). Als Kenn-
zeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit und 
Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehens sowie die konkrete und an-
schauliche Wiedergabe des Erlebten zu werten (vgl. im Detail: Friedrich Arnt-
zen/Else Michaelis-Arntzen, Psychologie der Zeugenaussage, System der Glaub-
würdigkeitsmerkmale, 3. Auflage, München 1993).

bb. Das Tötungsdelikt ereignete sich ausgangs einer starken Rechtskurve 
nach der Ortschaft SS.. X. als Fahrzeugführer und C. als Beifahrer schlossen mit 
ihrem Fahrzeug kurz zuvor auf den von E. gelenkten Personenwagen auf. Als der 
Angeklagte die zwei Polizeibeamten B. und +A. wahrnahm, die eine Verkehrskon-
trolle durchführten, beschleunigte er das Fahrzeug und begann den vor ihm fahren-
den Personenwagen zu überholen. Der Polizeibeamte +A. gab dem Angeklagten in 
der Folge ein Haltezeichen, welches dieser indes missachtete. Es kam zur Kollision 
zwischen dem vom Angeklagten geführten Personenwagen und dem Polizisten +A., 
bei welcher der Letztere getötet wurde. Insoweit erweist sich der Sachverhalt vom 
Angeklagten als zugestanden. Unbestritten und durch entsprechende DNA-Abglei-
che bestätigt ist ebenfalls, dass der Angeklagte X. im Tatzeitpunkt das Fahrzeug 
lenkte (vgl. act. 16.4; 16.9). Im Hinblick auf die rechtliche Würdigung des Sachver-
halts ist zum Unfallereignis in SS. im Folgenden indes genauer zu klären, auf wel-

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chem Teil der Strasse sich der getötete Polizeibeamte befand, als sich die Kollision 
ereignete, und aus welcher Entfernung der Angeklagte den ihm Haltezeichen ge-
benden Polizisten erstmals wahrnahm.

cc/1. Der Angeklagte X. sagte anlässlich der untersuchungsrichterlichen 
Einvernahme vom 11. April 2005 (act. 17.2), also unmittelbar nach dem Unfall, aus, 
er sei an diesem Morgen zusammen mit seinem Kollegen C. von LL. in Richtung 
NN. gefahren. An einem ihm nicht namentlich bekannten Ort sei er von einem Poli-
zisten aufgefordert worden, anzuhalten. Statt anzuhalten, habe er den Wagen aber 
beschleunigt und sei weitergefahren. In der Folge sei er so schnell wie möglich in 
Richtung MM. weitergefahren. Sein Ziel sei es gewesen, einfach abzuhauen. Als 
sie durch ein anderes Dorf gefahren seien, seien sie auf einen Personenwagen auf-
geschlossen. Unmittelbar vor einer starken Rechtskurve habe er zwei Polizeibe-
amte am Strassenrand stehen sehen. Um einer möglichen Kontrolle zu entgehen, 
habe er das Fahrzeug beschleunigt und begonnen, das Fahrzeug vor ihm zu über-
holen. In diesem Moment habe einer der Polizisten ihre Fahrbahn betreten und ih-
nen ein Haltezeichen gegeben. Dieses Haltezeichen habe der Polizist erst etwa 10-
15 Meter vor seinem Personenwagen gegeben. Erst zu diesem Zeitpunkt habe der 
Polizist auch ihre Fahrbahn betreten. Er habe gedacht, dass er zwischen dem Poli-
zeibeamten und dem linken Fahrbahnrand durchfahren könne und sei daher unge-
bremst weiter gefahren. Plötzlich habe es einen Knall gegeben. Offenbar sei er in 
den Polizisten gefahren. Auf Grund der Beschädigungen am Fahrzeug müsse er 
den Polizeibeamten frontal rechts erwischt haben. Nach dem Unfall habe er wieder 
Gas gegeben und sei so schnell wie möglich weiter gefahren.

Anlässlich der Hafteinvernahme vom 12. April 2005 (act. 2.3) gab X. an, er 
habe vorerst leicht abgebremst, als er den Polizisten auf seiner Fahrbahnhälfte 
(Überholspur) gesehen habe. In der Folge habe er gedacht, dass er links am Poli-
zeibeamten vorbeifahren könnte und sei dann ungebremst weiter gefahren. Der Po-
lizist habe ihm ein Haltezeichen gegeben. Er sei davon ausgegangen, dass der Po-
lizeibeamte noch zur Seite gehen würde, wenn er an ihm vorbeifahre. Dies habe er 
auch ein wenig getan, aber es habe nicht gereicht.

Am 13. April 2005 fand ein Konfrontverhör zwischen X. und C. statt (act. 
17.5). Bei dieser Gelegenheit bestätigte der Angeklagte die Angaben seines Mitfah-
rers, dass sie während des Überholens des vor ihnen fahrenden Fahrzeugs plötzlich 
festgestellt hätten, dass ein Polizeibeamter ihre Fahrbahn betreten hatte und ihnen 
ein Haltezeichen gab.

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Am 20. April 2005 wurde X. erneut untersuchungsrichterlich befragt (act. 
17.7). Dabei gab er an, dass sie ausgangs eines Dorfes zu Beginn einer Linkskurve 
auf einem nachfolgenden Ausstellplatz ein Polizeifahrzeug und einen Polizisten in 
oranger Jacke gesehen hätten. Er habe vermutet, dass die Polizisten von der frühe-
ren Kontrolle diesen Polizisten gerufen hätten und jener sie anhalten würde. In der 
Folge habe er im Bereich der nachfolgenden Rechtskurve das vor ihm fahrende 
Fahrzeug zu überholen begonnen. Als er auf der Überholspur gewesen sei, habe er 
dann gesehen, dass ein Polizeibeamter ebenfalls auf der Überholspur gewesen sei 
und ihnen ein Haltezeichen gegeben habe. Als er den Polizisten wahrgenommen 
habe, sei er bereits auf der Überholspur gestanden und habe ihnen das Zeichen 
gegeben. In der Folge habe er zuerst leicht abgebremst und einen Getriebegang 
zurückgeschaltet. Danach sei er vorsichtig weitergefahren. Der Polizist sei einen 
Schritt zur Seite gegangen, in Richtung der anderen Fahrspur, weshalb er ange-
nommen habe, dass jener beiseite gehen würde. Er sei deshalb weiter gefahren in 
der Meinung, dass er am Polizisten vorbeifahren könne. Dieser sei jedoch stehen 
geblieben, weshalb es zur Kollision gekommen sei. Zwischen dem Erkennen des 
Polizisten und der Kollision sei er ganz normal auf seiner Fahrspur weiter gefahren. 
Er habe geglaubt, am Polizisten vorbeifahren zu können. Deshalb sei er vor und 
nach der Kollision gradlinig gefahren. Auf der anschliessenden Flucht habe er dann 
natürlich wieder auf die rechte Fahrbahnhälfte gewechselt.

Am 20. April 2005 sagte X. vor dem Untersuchungsrichter aus (act. 17.9), er 
habe das Polizeifahrzeug und einen Polizisten vor der Linkskurve ausgangs SS. 
wahrnehmen können. Vor der nachfolgenden Rechtskurve habe er zum Überholen 
eines Fahrzeugs angesetzt. Nach der Rechtskurve sei er auf der linken Fahrbahn-
hälfte gefahren. Der Polizist habe ihm ein Haltezeichen gegeben und sich gleichzei-
tig über die Mittellinie auf die Überholspur begeben. Zuerst habe er leicht abge-
bremst und einen Getriebegang zurückgeschaltet, als er das Haltezeichen bzw. den 
Polizisten auf seiner Fahrbahn wahrgenommen habe. Anhalten habe er allerdings 
nicht gewollt. Er habe einfach links am Polizisten vorbeifahren wollen. Zwischen-
zeitlich sei das vor ihm fahrende Fahrzeug bereits auf dem Ausstellplatz gewesen, 
so dass er nicht mehr ganz links, sondern ungefähr in der Fahrbahnmitte gefahren 
sei. Kurz vor dem Zusammenstoss habe der Polizist noch ein bis zwei Schritte nach 
rechts gemacht. Trotzdem habe er ihn noch mit dem Wagen erfasst. Weshalb er 
nicht weiter links gefahren sei, wisse er nicht.

Aus diesen Aussagen von X. ergibt sich zusammenfassend, dass jener erst-
mals ausgangs des Dorfes SS. die von +A. und B. durchgeführte Polizeikontrolle 

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wahrnahm. In der Folge setzte er zum Überholen des vor ihm fahrenden Personen-
wagens an, wobei er während des Überholmanövers den Polizisten +A. auf der Ge-
genfahrbahn erblickte, und zwar aus einer Entfernung von 10-15 Metern. Der An-
geklagte fuhr zu diesem Zeitpunkt wie auch im Zeitpunkt der Kollision etwa in der 
Mitte der Gegenfahrbahn, während sich +A. wenig über der Mittellinie auf der Ge-
genfahrbahn befand.

cc/2. Untersuchungsrichterlich befragt wurde am 11. April 2005 auch C. 
(act. 17.3), der sich zusammen mit dem Angeklagten im Fahrzeug befunden hatte. 
Nach seinen Aussagen seien sie nach einem Dorf, eingangs einer Linkskurve auf 
einen Jeep aufgeschlossen. Als sie in der Folge die Linkskurve befahren hätten, 
hätten sie etwas weiter vorne zwei Polizeibeamte am Strassenrand festgestellt. 
Ausgangs der folgenden Rechtskurve habe der Angeklagte begonnen, den Jeep zu 
überholen und beschleunigt. Er habe ihn noch aufgefordert, langsam zu fahren. 
Plötzlich habe ein Polizist ihre Fahrbahn betreten und ihnen ein Haltezeichen gege-
ben. Sie seien nur noch wenige Meter vom Polizeibeamten entfernt gewesen. X. 
habe die Geschwindigkeit insoweit verringert, als er einen Gang zurückgeschaltet 
und leicht abgebremst habe. Unmittelbar danach sei es zur Kollision gekommen. 
Später auf der Flucht habe ihm der Angeklagte gesagt, dass er davon ausgegangen 
sei, dass der Polizeibeamte vor dem Wagen noch zur Seite ausweichen werde. 
Diese Aussagen bestätigte C. am 13. April 2005 im Konfrontverhör mit X. (act. 17.5).

Auch nach den Angaben von C. befand sich der getötete Polizeibeamte dem-
nach auf der Gegenfahrbahn, wo er von C. wenige Meter vor der Kollision wahrge-
nommen wurde. Die Rekonstruktion des Tatablaufs anlässlich eines Augenscheins 
mit C. (act. 16.9) ergab, dass sich der getötete Polizeibeamte vor der Kollision etwas 
über dem Mittelstreifen befand.

cc/3. Der Polizist B., der am 11. April 2005 zusammen mit +A. die fragliche 
Verkehrskontrolle durchgeführt hatte, wurde am 4. Mai 2005 durch den Untersu-
chungsrichter in einem Konfrontverhör mit dem Angeklagten befragt (act. 17.11). 
Dabei gab er an, dass er und sein Dienstkollege anlässlich einer Kontrolle an der 
Örtlichkeit XX. in SS. einen Funkspruch erhalten hätten, dass in QQ. ein Fiat Panda 
vom Radargerät erfasst worden und am Anhalteort vorbei gefahren sei. Sie seien 
gebeten worden, den Panda anzuhalten und dem Lenker die Busse abzunehmen. 
In der Folge hätten sie sich am Strassenrand aufgehalten und Ausschau nach dem 
gesuchten Fahrzeug gehalten. Nach einiger Zeit hätten sie einen grauen Golf fest-
gestellt und ca. 15 Meter weiter hinten den grünen Panda. Zu Beginn der Rechts-

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kurve hätten die Fahrzeuge eine Geschwindigkeit von ca. 40-45 km/h gehabt. Zwi-
schenzeitlich habe der Panda ganz auf den Golf aufgeschlossen gehabt. In dieser 
Phase habe er sich ca. einen halben Meter auf die Fahrbahn begeben. +A. habe 
etwa einen halben Meter hinter ihm gestanden und sich in den Bereich der Fahr-
bahnmitte auf der Fahrspur in Richtung OO. begeben. Als die Fahrzeuge bei der 
Sagabachbrücke gewesen seien, habe er begonnen, dem Lenker des Golfs ein Ver-
langsamungszeichen zu geben. Gleichzeitig habe der Panda am Ende der Brücke 
begonnen, den Golf zu überholen. Der Lenker des Golfs habe die Fahrt verlangsamt 
und sei in Richtung des Ausstellplatzes gefahren. +A. habe dem Lenker des Pandas 
ständig ein Stoppzeichen gegeben, von Beginn des Überholmanövers an bis zur 
Kollision, etwa über eine Distanz von 21.5 Metern. +A. habe einen Schritt auf die 
Gegenfahrbahn gemacht und zwar in den Bereich der Spurrinne. Spätestens 6.7 
Meter vor der Kollisionsstelle sei +A. auf der Gegenfahrbahn gestanden. Dem Len-
ker des Pandas wäre es sicher möglich gewesen, links am Polizisten vorbeizufah-
ren. Dieser habe aber in keiner Art und Weise versucht, auszuweichen. Er habe 
sein Fahrzeug sogar beschleunigt, und zwar ab Beginn des Überholmanövers bis 
zur Kollision. Er habe gesehen, dass +A. unmittelbar vor der Kollision noch versucht 
habe, sich nach rechts abzudrehen. Dies sei ihm aber nicht mehr gelungen. Der 
Angeklagte bestätigte anlässlich dieses Konfrontverhörs die Angaben des Polizis-
ten B. grundsätzlich. Er gab lediglich an, er habe vor der Kollision noch einen Gang 
zurückgeschaltet und zuvor leicht abgebremst. Er denke, dass er den Polizisten auf 
der aus seiner Sicht rechten Fahrbahnhälfte erwischt habe.

Auch aus den Aussagen von B. ergibt sich damit, dass sich +A. wenig über 
der Mittellinie auf der Gegenfahrbahn befand und vom Angeklagten dort spätestens 
6.7 Meter vor der Kollision wahrgenommen wurde. Dies entspricht der Darstellung 
auf dem Fotoblatt D (act. 16.8), eine Tatrekonstruktion, welche aufgrund der Anga-
ben von Polizist B. erstellt wurde.

cc/4. Der Zeuge E., der ausgangs der Ortschaft SS. mit seinem Personen-
wagen Golf, Kennzeichen U., vor dem Angeklagten fuhr, sagte anlässlich der poli-
zeilichen Einvernahme vom 11. April 2005 (act. 17.1) aus, er habe vor der Unfall-
stelle auf der Fahrbahn einen Polizisten bemerkt, welcher ihn mittels Haltezeichen 
habe anhalten wollen. Aufgrund dieses Zeichens habe er seinen Wagen auf den 
Kiesplatz hinaus gelenkt. Anschliessend sei der Polizist auf die Gegenfahrbahn ge-
langt und habe dem nachfolgenden Fahrzeuglenker ein unmissverständliches Hal-
tezeichen gegeben. Der andere Lenker habe diesem keinerlei Beachtung gegeben 
und sei geradewegs die Gegenfahrbahn tangierend auf den Polizeibeamten losge-

21

fahren. Anschliessend sei dieses Fahrzeug frontal mit dem Polizeibeamten kolli-
diert. Er sei der Ansicht, dass sich der andere Fahrzeuglenker bereits auf der Ge-
genfahrbahn befunden habe und gerade auf den Beamten losgefahren sei. Ein 
Bremsmanöver habe er nicht beobachtet. Der Lenker sei „voll durch“ gefahren, als 
ob der Beamte sich nicht in der Fahrbahn befunden hätte. Die Kollision sei inmitten 
der Gegenfahrbahn geschehen und der unfallbeteiligte Wagen sei mit der rechten 
Seite seiner Front mit dem Beamten kollidiert.

In der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 20. April 2005 (act. 
17.8) gab der Zeuge E. an, als er ausgangs SS. die beiden Polizisten erblickt habe, 
habe er verlangsamt und sei entsprechend den Anweisungen des vorderen Polizis-
ten auf den Parkplatz hinausgefahren. Der andere Polizist sei auf der von ihm aus 
gesehen rechten Fahrbahnhälfte gestanden und habe weiterhin Anhaltezeichen ge-
geben. Irgendwann habe er durch das Seitenfenster einen grauen Personenwagen 
registriert. Im gleichen Moment sei der Polizist noch etwa ein bis zwei Schritte weiter 
auf die Fahrbahn hinaus bzw. auf die Gegenfahrbahn gegangen. Gleichzeitig habe 
er weiterhin ein Haltezeichen gegeben. Wie viele Meter das Fahrzeug in diesem 
Moment vom Polizisten noch entfernt war, könne er fast nicht sagen, weil es sehr 
schnell gegangen sei. Es seien aber wenige Meter gewesen. Er habe gesehen, 
dass das Fahrzeug in Richtung Gegenfahrbahn fuhr ohne einen Schwenker zu ma-
chen. Schliesslich sei das Fahrzeug direkt auf den Polizisten zugefahren und es sei 
zur Kollision gekommen. Im letzten Moment habe der Polizeibeamte noch versucht 
irgendwie auszuweichen, was ihm aber nicht mehr gelungen sei.

Diese beiden Aussagen von E. deuten ebenfalls darauf hin, dass sich der 
Polizist +A. im Kollisionszeitpunkt auf der Gegenfahrbahn befand, wobei der Zeuge 
einmal davon spricht, dies sei inmitten der Gegenfahrbahn gewesen und ein ande-
res Mal davon, der Polizeibeamte habe ein bis zwei Schritte in die Gegenfahrbahn 
gemacht. Die Distanz, innerhalb welcher der Angeklagte den auf seiner Fahrbahn 
stehenden Polizisten hätte wahrnehmen müssen, bezeichnet der Zeuge als wenige 
Meter. Diese protokollarischen Aussagen decken sich allerdings nicht mit der an-
lässlich eines Augenscheins im Beisein des Zeugen erstellten Rekonstruktion des 
Tatablaufs (act. 16.10). Gemäss dieser befand sich der getötete Polizeibeamte 
zunächst auf dem Mittelstreifen und unmittelbar vor der Kollision auf der Fahrspur 
Richtung MM., also nicht auf der Gegenfahrbahn. Aufgrund dieser Divergenzen so-
wie des Umstand, dass der Zeuge damit beschäftigt war, sein Fahrzeug auf den 
Ausstellplatz zu lenken und das Unfallgeschehen daher erst im letzten Moment 
wahrnahm, sind seine Aussagen mit Zurückhaltung zu würdigen.

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cc/5. Zusammenfassend ergibt sich aus der Würdigung dieser Aussagen, 
dass X. die Polizeikontrolle erstmals ausgangs des Dorfes SS. wahrnahm. Während 
er in der Rechtskurve beim Sagabach den vor ihm fahrenden Personenwagen über-
holte, erblickte er den Polizisten +A. auf der von ihm benützten Gegenfahrbahn. Der 
Angeklagte fuhr im Zeitpunkt der Kollision etwa in der Mitte der Gegenfahrbahn, 
während sich +A. etwa ein bis zwei Schritte über der Mittellinie auf der Gegenfahr-
bahn befand. Die Aussagen der beteiligten Personen zur Distanz, aus welcher X. 
+A. vor der Kollision erstmals auf der Gegenfahrbahn wahrnahm, variieren. 
Während E. und C. von wenigen Metern sprechen, gehen der Angeklagte X. von 
einer Distanz von 10-15 Metern und der Polizist B. von mindestens 6.7 Metern aus. 
Allerdings fällt in Betracht, dass der Letztere davon sprach, spätestens 6.7 Meter 
vor der Kollision sei +A. auf der Gegenfahrbahn gestanden und damit zur Ausdruck 
brachte, dass die Distanz auch etwas grösser gewesen sein könnte. Hinzu kommt, 
dass B. mit dem Fahrzeug von E. beschäftigt war, er mit anderen Worten den Blick 
nicht ununterbrochen auf das Unfallereignis gerichtet haben konnte. Die Distanzan-
gabe von B. ist daher mit einer gewissen Zurückhaltung zu betrachten. Anderseits 
sind die diesbezüglichen Angaben von X. klar und unmissverständlich, auch wenn 
er mit seiner Distanzangabe von 10-15 Metern ebenfalls keine exakte Aussage 
macht. Die Distanz dürfte aus den erwähnten Gründen aber näher bei den Angaben 
des Angeklagten als bei jenen des Polizisten liegen. Wie gross diese Distanz exakt 
war, kann somit nicht ermittelt werden, ist letztlich aber auch nicht entscheidend. 
Entscheidend ist vielmehr, dass der Polizeibeamte +A. sicherlich nicht im letzten 
Moment einen Schritt auf die Gegenfahrbahn tat. Die Distanz war daher jedenfalls 
so gross, dass eine Bremsreaktion oder ein Ausweichen durch den Angeklagten 
ohne weiteres möglich gewesen wäre, hätte jener solches denn überhaupt gewollt.

dd. Im Hinblick auf die Klärung des Sachverhalts sind noch zwei weitere 
Punkte zu erwähnen:

Der erste Punkt betrifft die Frage, ob bzw. inwieweit der Angeklagte vor der 
Kollision mit dem Polizeibeamten abbremste. In der ersten untersuchungsrichterli-
chen Befragung vom 11. April 2005 (act. 17.2) gab der Angeklagte zu Protokoll, 
dass er gedacht habe, zwischen dem Polizeibeamten und dem linken Fahrbahnrand 
durchfahren zu können und daher ungebremst weitergefahren sei. In der Haftein-
vernahme am 12. April 2005 (act. 2.3) gab er dann an, vorerst leicht abgebremst zu 
haben, als er den Polizisten auf der Überholspur gesehen habe. In der Folge habe 
er gedacht, dass er links am Polizeibeamten vorbeifahren könne und sei dann un-
gebremst weitergefahren. In der untersuchungsrichterlichen Befragung vom 20. 

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April 2005 (act. 17.7) sagte er aus, er habe zuerst leicht abgebremst und einen 
Getriebegang zurückgeschaltet. Danach sei er vorsichtig weitergefahren. Die bei-
den letzten Aussagen stehen damit im Widerspruch zur ersten Aussage, in der der 
Angeklagte kein Abbremsen erwähnte. Es ist festzuhalten, dass die erste Aussage 
am Unfalltag selbst und damit noch unbeeinflusst erfolgte und daher grundsätzlich 
glaubhafter ist als die später zu Protokoll gegebenen Angaben. Zwar sagte auch C. 
aus, X. habe die Geschwindigkeit verringert, aber nur insoweit, als er einen Gang 
zurückgeschaltet und leicht abgebremst habe. Nicht auszuschliessen ist auch, dass 
der Angeklagte seine Geschwindigkeit kurz verringerte in der Absicht, dem Polizei-
beamten ein Anhalten bloss vorzutäuschen, wie er dies bereits bei der ersten Poli-
zeikontrolle in QQ. getan hatte (vgl. Erw. 3.d.dd), und dass gerade der Umstand des 
Zurückschaltens den getöteten Polizisten letztlich veranlasste, ein bis zwei Schritte 
auf die Gegenfahrbahn zu machen. Auf jeden Fall ist aber ein eigentliches Brems-
manöver auszuschliessen, insbesondere aufgrund der wiederholten klaren Aussa-
gen von X., er habe nie die Absicht gehabt, anzuhalten.

Der zweite Punkt betrifft die Drehbewegung, die der getötete Polizist vor der 
Kollision noch vornahm. In der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 20. 
April 2005 (act. 17.7) gab der Angeklagte im Unterschied zur ersten Einvernahme 
am 11. April 2005 (act. 17.2) an, der Polizist sei einen Schritt zur Seite gegangen, 
in Richtung der anderen Fahrspur, weshalb er angenommen habe, dass jener bei-
seite gehen würde. Er sei deshalb weiter gefahren in der Meinung, dass er am Po-
lizisten vorbeifahren könne. In der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 
20. April 2005 (act. 17.9) wiederholte er, dass der Polizist vor dem Zusammenstoss 
noch ein bis zwei Schritte nach rechts gemacht habe. Aus diesen Aussagen des 
Angeklagten, die auch in der Anklageschrift ihren Niederschlag finden, geht hervor, 
dass jener hoffte, der Polizeibeamte würde noch zur Seite gehen und er könne die-
sen dann passieren. In den Akten finden sich allerdings keine Anhaltspunkte dafür, 
dass +A. bereits vor der Kollision wieder von der Überhol- auf die Normalspur ge-
wechselt haben und der Angeklagte aufgrund dieses Verhaltens in der Annahme, 
den Polizisten passieren zu können, weitergefahren sein soll. Wohl trifft es zu, dass 
der Polizeibeamte von der Überholspur wich; dies aber erst im letzten Moment, als 
er die Gefahr einer unmittelbar bevorstehenden Kollision realisierte. Dabei drehte 
er sich nach rechts in Richtung der Normalspur ab. Fand dieser Versuch, nach 
rechts auszuweichen, aber unmittelbar vor der Kollision statt, konnte er für das Fahr-
verhalten von X. nicht bestimmend sein. Der Angabe des Angeklagten, er sei auf-
grund der Rechtsbewegung von +A. davon ausgegangen, dass er diesen passieren 
könne, kann das Gericht daher nicht folgen. Sie erscheint als nachträgliche Schutz-

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behauptung, zumal der Angeklagte in der ersten, noch am Tag des Unfalls stattfin-
denden Einvernahme nichts Derartiges angab.

ee. Die vorangegangenen Ausführen werden im Übrigen auch durch das 
unfallmedizinische Gutachten gestützt. Gemäss Obduktionsbericht vom 21. Okto-
ber 2005 (act. 16.37) wurde +A. vom rechten vorderen Teil des Fahrzeugs erfasst. 
Die Schädelanprallstelle an der Windschutzscheibe sei dadurch zu erklären, dass 
das Opfer offensichtlich mit einer Drehbewegung nach rechts noch versucht habe, 
die Kollision zu verhindern. Hinweise auf ein Ausweichmanöver des PW-Lenkers 
seien nicht vorhanden. Das Gutachten hielt zudem fest, dass das Verletzungsbild 
für eine Kollisionsgeschwindigkeit im sogenannten Innerortsbereich spricht.

c.aa. Geht man vom vorliegend festgestellten Sachverhalt aus, lässt sich 
ohne weiteres der Schluss ziehen, dass X. um die Möglichkeit bzw. das Risiko der 
Tatbestandsverwirklichung, d.h. eines tödlichen Ausgangs seines Vorhabens, 
wusste. Der Angeklagte sah die beiden Polizisten unbestrittenermassen schon aus-
gangs SS., also aus einer grossen Distanz, und war sich offenbar darüber im Klaren, 
dass diese nach seiner Flucht in QQ. versuchen würden, ihn anzuhalten (vgl. act. 
17.7). Dennoch hielt er nicht an, sondern setzte im Gegenteil zum Überholen des 
vor ihm fahrenden Fahrzeuges an. Auch als er während des Überholmanövers aus 
einer Entfernung von immerhin noch rund 10 -15 Metern bemerkte, dass sich der 
Polizist +A. ein bis zwei Schritte über der Mittellinie auf der Überholspur befand und 
ihm Anhaltezeichen gab, fuhr er in seinem Bestreben, sich der Polizeikontrolle zu 
entziehen, einfach weiter und zwar ohne ein eigentliches Bremsmanöver einzuleiten 
und ohne einen Versuch, nach links auszuweichen. Wie der amtliche Verteidiger in 
seinem Plädoyer geltend machte, äusserte sich der Angeklagte mehrmals dahinge-
hend, er habe in der Annahme gehandelt, zwischen dem Polizeibeamten und dem 
linken Fahrbahnrand ohne Ausweichen durchfahren zu können. Diese Aussage des 
Angeklagten findet auch in der Anklageschrift ihren Niederschlag. Aufgrund der Tat-
sache, dass sich +A. ein bis zwei Schritte über der Mittellinie auf der Gegenfahrbahn 
befand und X. in der Fahrbahnmitte und nicht etwa am linken Rand fuhr, erweist 
sich diese Annahme des Angeklagten allerdings klar als ungerechtfertigt. Vielmehr 
war unter diesen Umständen die Wahrscheinlichkeit, dass er den Polizisten an- 
bzw. umfahren und damit tödlich verletzen würde, derart hoch, dass der Angeklagte 
diese spätestens im Augenblick, als er das vor ihm fahrende Fahrzeug überholte 
und den Polizisten auf seiner Fahrspur erblickte, erkannt haben musste. Der amtli-
che Verteidiger brachte in diesem Zusammenhang überdies vor, beim Angeklagten 
habe ein Irrtum über den Kausalverlauf vorgelegen, da jener davon ausgegangen 

25

sei, der Polizist werde instinktmässig noch zurückweichen. Dem kann sich das Ge-
richt nicht anschliessen. Der Angeklagte musste einerseits davon ausgehen, dass 
die Polizisten ihn aufgrund des Vorfalls in QQ. unbedingt anhalten wollten und ihn 
dieses Mal nicht einfach vorbeifahren lassen würden. Anderseits ergibt sich gerade 
aus der Tatsache, dass sich eine Kollision nur durch ein Zurückweichen des Poli-
zisten hätte vermeiden lassen, dass das gerade und ungebremste Weiterfahren des 
Angeklagten unweigerlich zu einem Zusammenstoss führen musste. Das Wissens-
element des Vorsatzes ist demnach gegeben.

Nach Ansicht des Kantonsgerichts trifft dies auch für das Willenselement zu. 
Wer ungeachtet der Erkenntnis, dass sich ein Polizist auf der von ihm benutzten 
Fahrbahn befindet und über eine längere Distanz Anhaltezeichen gibt, und einzig 
im Bestreben, der Polizeikontrolle zu entkommen, einfach weiterfährt und weder ein 
Bremsmanöver einleitet noch versucht, dem Polizisten nach links auszuweichen, 
obwohl diese Möglichkeit bestanden hätte, kann gar nicht anders, als den Deliktser-
folg ernstlich in Rechnung zu stellen. Dieses Verhalten kann nicht anders ausgelegt 
werden, als dass der Angeklagte es offensichtlich auf eine Kollision mit dem Poli-
zisten ankommen liess. Er hat sich mit seiner Fahrweise für die mögliche Rechts-
güterverletzung entschieden. Die konkreten Umstände erlaubten dem Angeklagten 
nicht mehr, ernsthaft darauf zu vertrauen, er werde den als möglich erkannten Erfolg 
durch seine Fahrgeschicklichkeit vermeiden. Die Letztere bemühte er nicht einmal, 
indem er nämlich einfach geradeaus fuhr und gar nicht versuchte, dem vor ihm ste-
henden Polizisten auszuweichen. Zudem durfte der Angeklagte schon deshalb nicht 
auf seine Fahrgeschicklichkeit vertrauen, weil er über keinen Führerausweis ver-
fügte und es ihm daher sowohl an theoretischen, wie auch an praktischen Kennt-
nissen fehlte, was das Führen eines Fahrzeuges betrifft. Wie bereit erwähnt, konnte 
X. auch nicht ernsthaft darauf vertrauen, dass +A. von sich aus aus dem Weg gehen 
würde. Einerseits war sich der Angeklagte im Klaren, dass das Ziel des Polizisten 
war, ihn anzuhalten (vgl. die Aussage des Angeklagten in act. 17.7). Er musste an-
nehmen, dass die Polizisten in QQ. ihre Kollegen in SS. über den Umstand, dass er 
sich dort einer Verkehrskontrolle entzogen hatte, informiert hatten und ihn daher 
nun hier stoppen wollten. Anderseits wurde vorstehend festgestellt, dass der Polizist 
erst unmittelbar vor der Kollision noch eine Rechtsdrehung ausführte, so dass kein 
für das Fahrverhalten des Angeklagten bestimmendes Zurückweichen vorlag, auf-
grund dessen jener darauf vertrauen durfte, es werde nichts passieren. Die Wahr-
scheinlichkeit des Erfolgseintritts musste sich ihm unter all den genannten Umstän-
den vielmehr als so gross aufdrängen, dass er nicht darauf vertrauen, sondern nur 
noch hoffen konnte, er werde den Polizisten nicht anfahren und die Sache werde 

26

glimpflich ausgehen. Er musste es letztlich Glück oder Zufall überlassen, ob sich die 
Gefahr verwirklichen werde oder nicht. Die blosse Hoffnung auf das Ausbleiben des 
tatbestandsmässigen Erfolgs schliesst eine Inkaufnahme im Sinn eventualvorsätz-
licher Tatbegehung - anders als das auch bloss leichtsinnige Vertrauen - aber nicht 
aus. Es bedeutet lediglich, dass der Erfolgseintritt als solcher unerwünscht ist. Das 
Verhalten des Angeklagten kann nicht mehr als bloss verantwortungslose riskante 
Fahrweise bzw. als unverantwortlicher Leichtsinn gewürdigt werden. Aus dem gan-
zen Ablauf des Geschehens, insbesondere dem gesamten Verhalten von X. auf 
seiner Fahrt durch das Vorderprättigau bis nach SS., wie auch aus den eigenen 
Aussagen des Angeklagten ergibt sich, dass primäres Ziel des Angeklagten war, 
sich mit allen Mitteln einer Kontrolle durch die Polizei zu entziehen. Dieses Ziel hat 
er höher bewertet als die drohenden Folgen, mithin als den Tod des Opfers. Dass 
der Angeklagte den Tod des Polizisten nicht bewusst wollte - wie dies der amtliche 
Verteidiger in seinem Plädoyer mehrfach darlegte - mag zutreffen, ändert aber 
nichts. Auch bei Eventualvorsatz muss der Erfolgseintritt nicht erwünscht sein. Vor-
liegend wurde er aber in Kauf genommen, so dass eine eventualvorsätzliche Tötung 
vorliegt.

bb. An dieser Erkenntnis vermögen auch die vom amtlichen Verteidiger 
vorgebrachten Einwände nichts zu ändern.

Zunächst lässt sich das von ihm angeführte Schulbeispiel einer bewusst fahr-
lässigen Handlung eines Autofahrers, der an unübersichtlicher Stelle überholt und 
darauf vertraut, es werde kein anderes Fahrzeug entgegenkommen, nicht mit dem 
vorliegenden Fall vergleichen. Der Angeklagte sah sich nicht, wie im angeführten 
Beispiel, einer erhöhten abstrakten Gefahr gegenüber, sondern einer höchst kon-
kreten, indem er den Polizisten vor sich auf der Fahrbahn bemerkte und dennoch 
weder abbremste noch versuchte, irgendwie auszuweichen. Unter diesen Umstän-
den durfte er keinesfalls darauf vertrauen, es werde nichts passieren.

Der amtliche Verteidiger führte im Weiteren an, beim Angeklagten könnten 
nicht dieselben Sorgfaltspflichten vorausgesetzt werden, die von einem durch-
schnittlichen Strassenverkehrsteilnehmer erwartet werden dürfen, weil jener die 
Führerprüfung nie abgelegt habe. An seine persönlichen Fähigkeiten, die gefährli-
che Situation richtig einzuschätzen, dürften daher keine allzu hohen Anforderungen 
gestellt werden. Der Angeklagte habe zudem keine richtige Fahrpraxis besessen, 
mithin die erhöhte Betriebsgefahr eines Fahrzeuges nicht nur intellektuell, sondern 
auch praktisch nicht im Griff gehabt. Diesen Ausführungen kann sich das Gericht 

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nicht anschliessen. Primäre Sorgfaltspflicht einer Person ohne Führerausweis ist 
es, kein Fahrzeug zu führen. Entscheidet diese Person sich wider besseres Wissen 
gegen diese Pflicht, steht ihr nicht auch noch das Privileg zu, dass an ihre Sorgfalts-
pflicht beim Führen eines Fahrzeugs sowie beim Einschätzen von damit verbunde-
nen Situationen geringere Anforderungen gestellt werden. Selbst einem ungeübten 
oder unterdurchschnittlich begabten Fahrzeugführer muss sodann klar sein, dass 
einerseits die Weisungen eines Polizisten zu befolgen sind und anderseits bei ei-
nem Hindernis in der Fahrbahn die einzig richtige Reaktion in Bremsen oder min-
destens in einem Ausweichmanöver besteht und nicht darin, ungebremst gera-
deaus weiterzufahren. Dieselben Argumente können im Übrigen dem Einwand des 
amtlichen Verteidigers entgegengehalten werden, der Angeklagte sei derart in die 
Enge getrieben worden, dass ihm angesichts der extremen Stresssituation der kor-
rekte Ausweg nicht mehr sichtbar gewesen sei und die Umstände es nicht mehr 
zugelassen hätten, sich wie ein besonnener Bürger zu verhalten. Der Angeklagte 
brachte sich durch das unbefugte Benutzen eines Fahrzeugs sowie dessen Führen 
ohne Ausweis wie auch dadurch, dass er sich einer ersten Polizeikontrolle entzog, 
im Übrigen selbst in eine missliche Lage. Diese wurde auch nicht noch durch zu-
sätzliche äussere Umstände, bspw. eine unmittelbare Verfolgung durch die Polizei, 
verstärkt. Hinzu kommt, dass die Tatsache, dass der Angeklagte die erforderlichen 
theoretischen und praktischen Kenntnisse zum Führen eines Fahrzeuges nicht be-
sass, wie bereits erwähnt gerade dazu führte, dass er erst recht nicht darauf ver-
trauen durfte, die Situation ohne Schaden zu meistern.

Nichts zu Gunsten des Angeklagten lässt sich schliesslich entgegen der An-
sicht des amtlichen Verteidigers daraus ableiten, dass gegen C., den Mitfahrer des 
Angeklagten, kein Strafverfahren eingeleitet wurde. Selbst wenn Lehre und Recht-
sprechung davon ausgehen, fahrlässige Mittäterschaft sei nicht möglich, nur eine 
solche vorsätzlicher Art, lässt sich allein aus der Tatsache, dass C. fremdenpolizei-
lich ausgewiesen und in der Folge keine Strafuntersuchung gegen ihn eingeleitet 
wurde, nicht auf eine fahrlässige Tatbegehung schliessen, zumal die fragliche Aus-
weisung bereits am 13. April 2005, also kurz nach dem fraglichen Ereignis und damit 
vor Abschluss der Untersuchung, erfolgte (vgl. act. 16.1, S. 8). Im Übrigen wurde 
nicht nur in Bezug auf das Tötungsdelikt, sondern auch im Hinblick auf die weiteren 
klar vorsätzlich begangenen Strassenverkehrsdelikte des Angeklagten kein auf ei-
ner Mittäterschaft beruhendes Strafverfahren gegen C. eingeleitet.

cc. Abschliessend ist festzuhalten, dass die konkreten Umstände, na-
mentlich die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung und das hohe Risiko der Tatbe-

28

standsverwirklichung wie auch die Beweggründe von X. nur einen Schluss zulas-
sen, nämlich jenen, dass der Angeklagte durch seine Verhaltensweise die Tötung 
des vor ihm auf der Fahrbahn stehenden Polizisten in Kauf genommen und damit 
eventualvorsätzlich gehandelt hat. Da weder qualifizierende noch privilegierende 
Merkmale im Sinne von Art. 112 - 116 StGB vorliegen, ist der Grundtatbestand der 
vorsätzlichen Tötung nach Art. 111 StGB sowohl in objektiver als auch in subjektiver 
Hinsicht erfüllt. Die gleichzeitig begangenen Verkehrsregelverletzungen werden 
durch das vorsätzliche Tötungsdelikt konsumiert.

3.a. In den Ziffern 1 und 3 der Anklageschrift werden dem Angeklagten im 
Weiteren diverse Verletzungen von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 SVG vor-
geworfen. Bei diesen Delikten ist jeweils zu prüfen, ob es sich um eine einfache 
Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG handelt, oder ob Art. 90 
Ziff. 2 SVG zum Tragen kommt, der Verstoss somit als grobe Verkehrsregelverlet-
zung zu qualifizieren ist.

b. Nach Art. 90 Ziff. 2 SVG wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft, wer 
durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicher-
heit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Objektiv grob ist ein Verstoss gegen die 
Verkehrsregeln dann, wenn der Täter einerseits objektiv eine wichtige Verkehrsvor-
schrift - bspw. Vorschriften über die Geschwindigkeit, über das Überholen oder die 
Missachtung von Lichtsignalen (Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, MM. 
1999, S. 15, m.w.H.) - in gravierender Weise verletzt und anderseits subjektiv ein 
rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend regelwidriges Verhalten an den Tag legt, 
was schweres Verschulden, mindestens grobe Fahrlässigkeit voraussetzt. Grobe 
Fahrlässigkeit liegt immer dann vor, wenn sich der Täter der allgemeinen Gefähr-
lichkeit seiner krass verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist, unter Umständen aber 
auch, wenn er die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in 
Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen Fällen bedarf jedoch 
die Annahme grober Fahrlässigkeit einer sorgfältigen Prüfung. Im Weiteren fällt eine 
grobe Verletzung der Verkehrsregeln dann unter Art. 90 Ziff. 2 StGB, wenn der Täter 
dadurch entweder konkret eine ernstliche Gefahr hervorruft oder abstrakt die Mög-
lichkeit einer ernstlichen Gefahr schafft bzw. in Kauf nimmt (Hans Giger, Strassen-
verkehrsgesetz, Kommentar, PP. 2002, S. 249, mit weiteren Hinweisen). Nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit 
anderer im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG bereits beim Vorliegen einer erhöhten 
abstrakten Gefährdung gegeben. Ob eine konkrete, eine erhöhte abstrakte oder nur 
eine abstrakte Gefahr geschaffen wird, hängt nicht von der übertretenen Verkehrs-

29

regel, sondern von der Situation ab, in welcher die Übertretung geschieht. Wesent-
liches Kriterium für die Annahme einer ernstlichen oder erhöhten abstrakten Gefahr 
nach Art. 90 Ziff. 2 SVG ist die Nähe der Verwirklichung. Die erhöhte abstrakte Ge-
fahr setzt eine naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verlet-
zung voraus (BGE 123 IV 88 ff., 91 ff., E. 2a; 119 V 241 ff., 246 f., E. 3d; 118 IV 84 
ff., 86, E. 2a; PKG 2004 Nr. 13; Boll, a.a.O., 12 ff., m.w.H.).

Soweit nicht die beschriebenen qualifizierten Tatbestandsmerkmale von Art. 
90 Ziff. 2 SVG vorliegen, werden Verkehrsregelverstösse gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG 
mit Haft oder mit Busse bestraft. Bei Art. 90 Ziff. 1 SVG handelt es sich damit um 
einen Übertretungstatbestand im Sinne von Art. 101 StGB. Im Gegensatz dazu ist 
der mit Gefängnis oder Busse bedrohte, qualifizierte Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 
SVG als Vergehen zu qualifizieren (Art. 9 Abs. 2 StGB).

c. Nach Art. 27 Abs. 1 SVG sind Signale und Markierungen sowie die 
Weisungen der Polizei zu befolgen. Signale und Markierungen gehen dabei den 
allgemeinen Regeln und die Weisungen der Polizei den allgemeinen Regeln, Signa-
len und Markierungen vor.

Die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs ist gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG stets 
den Umständen anzupassen, namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und 
Ladung, sowie den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen.

Auf Strassen mit Sicherheitslinien ist immer rechts dieser Linien zu fahren 
(Art. 34 Abs. 2 SVG). Die Sicherheitslinien dürfen von Fahrzeugen weder überfah-
ren noch überquert werden (Art. 73 Abs. 6 lit. a SSV). Als Markierungen gehen diese 
Linien den allgemeinen Regeln vor (vgl. Art. 27 Abs. 1 Satz 2 SVG).

Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen ist nach Art. 35 Abs. 2 SVG nur 
gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr 
nicht behindert wird. Im Kolonnenverkehr darf nur überholen, wer die Gewissheit 
hat, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer Fahrzeuge wieder einbiegen zu kön-
nen. In unübersichtlichen Kurven, auf und unmittelbar vor Bahnübergängen ohne 
Schranken sowie vor Kuppen darf nicht überholt werden, auf Strassenverzweigun-
gen nur, wenn sie übersichtlich sind und das Vortrittsrecht anderer nicht beeinträch-
tigt wird (Art. 35 Abs. 4 SVG).

Nach Art. 3b Abs. 1 VRV müssen Führer und Mitfahrer von Motorrädern mit 
oder ohne Seitenwagen während der Fahrt Schutzhelme tragen. Art. 96 VRV be-

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stimmt, dass mit Haft oder mit Busse bestraft wird, wer Vorschriften dieser Verord-
nung verletzt, wenn keine andere Strafbestimmung anwendbar ist.

d. X. werden gemäss Anklageschrift verschiedene Verstösse gegen die 
genannten Verkehrsregeln vorgeworfen. Im Einzelnen handelt es sich um folgende 
Delikte:

aa. Als X. und C. am 11. April 2005 das zweite Mal von LL. in Richtung 
MM. bzw. NN. fuhren, wurde der vom Angeklagten gelenkte Personenwagen Fiat 
Panda, S., auf der Nationalstrasse A28 in QQ., Höhe Kantonales Tiefbauamt, um 
10.49 Uhr von einem Radargerät mit einer Geschwindigkeit von 73 km/h erfasst. 
Nach Abzug der Sicherheitsmarge von 5 km/h ergibt dies eine zu ahndende Ge-
schwindigkeit von 68 km/h. Die signalisierte Höchstgeschwindigkeit beträgt im frag-
lichen Bereich 60 km/h.

Dieses dem Angeklagten in Ziff. 1.2 der Anklageschrift vorgeworfene Verhal-
ten ist durch das entsprechende Radarfoto (act. 10.2) nachgewiesen und vom An-
geklagten zugestanden (act. 10.6, S. 3; 10.7; 10.8, S. 1).

Indem der Angeklagte am 11. April 2005 die Nationalstrasse A28 am Messort 
in QQ. erwiesenermassen mit 73 km/h befuhr, überschritt er die signalisierte 
Höchstgeschwindigkeit nach Abzug der Sicherheitsmarge von 5 km/h um 8 km/h 
und hat damit gegen Art. 27 Abs. 1 SVG verstossen. Hierbei handelt es sich um 
eine einfache Verletzung von Verkehrsregeln nach Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbin-
dung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG, da durch diese Geschwindigkeitsübertretung niemand 
gefährdet wurde.

bb. Kurz nachdem der von X. gelenkte Personenwagen am 11. April 2005 
vom Radargerät erfasst worden war, gab ein am Strassenrand stehender Polizei-
funktionär bei der Örtlichkeit UU. in QQ. dem Angeklagten mit der Hand frühzeitig 
ein deutliches Haltezeichen. Auf Empfehlung seines Begleiters verlangsamte X. die 
Fahrt vorerst, beschleunigte dann aber wieder und fuhr an der Kontrollstelle vorbei. 
Gefährdet wurde dabei niemand (vgl. Ziff. 1.3 der Anklageschrift).

Der Angeklagte ist geständig, das Haltezeichen des zuständigen Polizeifunk-
tionärs absichtlich missachtet zu haben. Er habe das Haltesignal klar und deutlich 
gesehen und verstanden, habe jedoch Angst vor der Polizei gehabt, da er keinen 
Führerausweis besitze und das Auto entwendet habe; daher habe er nicht angehal-
ten (act. 11.5, S. 3; 11.6; 11.7, S. 1; 17.7, S. 2).

31

Indem der Angeklagte am 11. April 2005 auf der Nationalstrasse A28 in QQ. 
die Weisung eines Polizeifunktionärs, das von ihm gelenkte Fahrzeug anzuhalten, 
vorsätzlich missachtete, hat er gegen Art. 27 Abs. 1 SVG verstossen. Da bei diesem 
Vorfall niemand gefährdet wurde, handelt es sich um eine einfache Verletzung von 
Verkehrsregeln nach Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

cc. In der Folge setzte der Angeklagte auf der Nationalstrasse A28 vor der 
Abzweigung VV., QQ., in einer Linkskurve vor einer nicht einsehbaren Kuppe zum 
Überholen eines Personenwagens an. Diesen Überholvorgang konnte er erst auf 
der Kuppe und ca. 56 Meter nach einem signalisierten Überholverbot beenden. 
Beim Wiedereinbiegen überfuhr X. zudem die Sicherheitslinie (vgl. Ziff. 1.4 der An-
klageschrift).

Der Angeklagte ist geständig, an der besagten Örtlichkeit ein Überholmanö-
ver durchgeführt, das signalisierte Überholverbot missachtet sowie die Sicherheits-
linie überfahren zu haben (act. 12.5; 12.6, S. 2).

Indem der Angeklagte am 11. April 2005 auf der Nationalstrasse A28 vor der 
Abzweigung VV., QQ., zum Überholen eines Personenwagens ansetzte und den 
Überholvorgang erst ca. 56 Meter nach einem signalisierten Überholverbot been-
dete, verstiess er gegen Art. 27 Abs. 1 SVG. Überdies überfuhr er bei seinem Über-
holmanöver die Sicherheitslinie, so dass auch ein Verstoss gegen Art. 34 Abs. 2 
SVG vorliegt. Da der Angeklagte das Überholmanöver in einer Linkskurve vor einer 
nicht einsehbaren Kuppe einleitete und dieses erst auf der Kuppe beendete, hat X. 
überdies Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG verletzt. 

Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG beinhalten wichtige Verkehrsregeln. Die Zahl der 
Verkehrsunfälle, die auf fahrlässige Überholvorgänge zurückzuführen sind, spricht 
eine deutliche Sprache für die Notwendigkeit einer strengen Anwendung der ge-
setzlichen Vorschriften. Wer sich über diese Normen hinwegsetzt, handelt den Ver-
kehrsvorschriften grundsätzlich in grober Weise zuwider. Das Überholen gehört zu 
den unfallträchtigsten Verhaltensweisen im Strassenverkehr und erfordert deshalb 
erhöhte Vorsicht und Rücksichtnahme. Der Überholende muss von Anfang an die 
Gewissheit haben, sein Überholmanöver sicher und ohne Gefährdung Dritter ab-
schliessen zu können. Er muss berücksichtigen, dass bis zum Abschluss seines 
Unternehmens – hier hinter der nicht einsehbaren Kuppe – ein Fahrzeug auftauchen 
und sich ihm nähern könnte. Nicht nur die für den Überholvorgang benötigte Strecke 
muss daher übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich auch jene, die ein entge-

32

genkommendes Fahrzeug bis zu jenem Punkt zurücklegt, wo der Überholende die 
linke Strassenseite freigegeben haben wird. Der Überholende muss sein Überhol-
manöver so rechtzeitig beendet haben, dass auch ein während des Überholvorgan-
ges auf der Gegenfahrbahn auftauchendes Fahrzeug seinen Weg fortsetzen kann, 
ohne gefährdet zu werden (vgl. BGE 121 IV 235 ff., 237 f.). Aufgrund der angestell-
ten Berechnungen handelte X. nicht nach diesen Grundsätzen. Er beendete sein 
Überholmanöver erst auf der nicht einsehbaren Kuppe. Hätte während des Über-
holmanövers Gegenverkehr geherrscht, wäre es mit grosser Wahrscheinlichkeit zu 
einer Kollision gekommen. An dieser Schlussfolgerung vermag auch die Tatsache 
nichts zu ändern, dass es im konkreten Fall nicht zu einem Unfall gekommen ist, da 
- wie bereits erwähnt - das Aussprechen einer Strafe nicht davon abhängt, ob kon-
kret ein Unfall geschehen ist. Die offensichtliche Gefährlichkeit des Tuns des Ange-
klagten ergibt sich aus den konkreten Umständen. Es bestand eine naheliegende 
Möglichkeit nicht nur einer konkreten Gefährdung, sondern sogar einer Verletzung. 
Der Angeklagte konnte bei Beginn seines Überholmanövers nicht in der Lage ge-
wesen sein, mit Gewissheit zu sagen, dass er das fragliche Überholmanöver ohne 
Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer hätte abschliessen können. X. hat dadurch 
eine erhöhte abstrakte Gefahr für die weiteren Verkehrsteilnehmer geschaffen. In-
dem er dennoch überholte, setzte er sich pflichtwidrig über eine ernst zu nehmende 
Verkehrsvorschrift hinweg. Dabei handelte er grobfahrlässig. Der Angeklagte ist da-
her der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 34 
Abs. 2 SVG und Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG 
schuldig zu sprechen.

dd. Durch das nachfolgende Dorf RR. fuhr der Angeklagte mit einer Ge-
schwindigkeit von 90 - 100 km/h, obwohl die signalisierte Höchstgeschwindigkeit in 
diesem Bereich 50 km/h beträgt (vgl. Ziff. 1.5 der Anklageschrift). Dieser Anklage-
punkt beruht auf den Aussagen der Auskunftsperson N. (act. 13.6) sowie den eige-
nen Aussagen des Angeklagten (act. 13.4, S. 3; 13.5; 13.7, S. 2).

Indem der Angeklagte am 11. April 2005 in Missachtung der signalisierten 
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h mit einer Geschwindigkeit von 90 - 100 km/h 
durch die Ortschaft RR. fuhr, verstiess er gegen Art. 27 Abs. 1 SVG. Mit seiner 
Fahrweise handelte er aber auch entgegen Art. 32 Abs. 1 SVG, denn eine Ge-
schwindigkeit, die sich dermassen ausserhalb der geltenden Höchstgeschwindig-
keit bewegt, ist von vornherein nicht den Umständen angepasst.

33

Bei den Vorschriften über die Geschwindigkeit handelt es sich um grundle-
gende Verkehrsregeln. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist objektiv 
eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG ungeachtet 
der konkreten Umstände gegeben, wenn der Lenker die zulässige Höchstgeschwin-
digkeit innerorts um 25 km/h überschreitet (BGE 123 II 37 ff.; Boll, a.a.O., S. 28 f. u. 
S. 33 f., m.w.H.). Da die zulässige Höchstgeschwindigkeit vorliegend innerorts um 
40 - 50 km/h überschritten wurde, liegt aufgrund der genannten Rechtsprechung 
des Bundesgerichts ungeachtet der konkreten Umstände eine grobe Verkehrsre-
gelverletzung nach Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit 
Art. 90 Ziff. 2 SVG vor.

ee. Um ca. 10.55 Uhr erreichte X. mit seinem Fahrzeug das Gemeindege-
biet SS.. Bei der Überführungsbrücke unterhalb der Deponie WW. überholte er auf 
der in diesem Abschnitt 4 - 6 % ansteigenden Nationalstrasse vor einer teilweise 
unübersichtlichen Linkskurve in einem Mal einen Kleinlastwagen, einen Lastwagen 
und einen Anhängerzug. Dabei missachtete er das signalisierte Überholverbot, 
überfuhr die Sicherheitslinie sowie beim Wiedereinbiegen die Sperrfläche. Das 
Überholmanöver konnte er erst zu Beginn der erwähnten Kurve beenden (vgl. Ziff. 
1.6 der Anklageschrift).

Der Angeklagte ist geständig, im Bereich der besagten Örtlichkeit die drei 
erwähnten Fahrzeuge in Missachtung des Überholverbots sowie durch Überfahren 
der Sicherheitslinie sowie der Sperrfläche überholt zu haben (act. 14.7; 14.8, S. 2). 
Seine Angaben werden von den Zeugen O. (act. 14.5) und P. (act. 14.6), Führer 
des vordersten bzw. des mittleren der drei überholten Fahrzeuge, bestätigt.

Indem der Angeklagte am 11. April 2005 vor der Ortschaft SS. ein Überhol-
manöver durchführte und dabei das signalisierte Überholverbot missachtete sowie 
beim Wiedereinbiegen die dort markierte Sperrfläche überfuhr, hat er mehrfach ge-
gen Art. 27 Abs. 1 SVG verstossen. Überdies verletzte er Art. 34 Abs. 2 SVG, indem 
er die Sicherheitslinie überfuhr. Schliesslich liegt auch ein Verstoss gegen Art. 35 
Abs. 2 und 4 SVG vor, da X. sein Überholmanöver vor einer teilweise unübersicht-
lichen Linkskurve durchführte.

Diese Verkehrsregelverletzungen sind als grob im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 
SVG zu qualifizieren. Wer sich über die wichtigen Normen von Art. 35 Abs. 2 und 4 
SVG hinwegsetzt, handelt, wie bereits erwähnt, den Verkehrsvorschriften 
grundsätzlich in grober Weise zuwider. Der Angeklagte konnte nicht die Gewissheit 

34

haben, dass er sein Überholmanöver sicher und ohne Gefährdung Dritter absch-
liessen konnte, da aus der unübersichtlichen Linkskurve jederzeit ein entgegenkom-
mendes Fahrzeug hätte auftauchen können. Es bestand damit eine naheliegende 
Möglichkeit nicht nur einer konkreten Gefährdung, sondern sogar einer Verletzung 
der weiteren Verkehrsteilnehmer, so dass X. eine erhöhte abstrakte Gefährdung 
verursachte. Dabei handelte er grobfahrlässig. Der Angeklagte ist somit der groben 
Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG und 
Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig zu 
sprechen.

ff. In der Folge fuhr der Angeklagte durch das Dorf SS., wo beim Fuss-
gängerstreifen im Bereich des Schulhauses mindestens ein Personenwagen vor 
dem auf rot stehenden Lichtsignal wartete. X. fuhr auf der Gegenfahrbahn an die-
sem Fahrzeug vorbei und trotz der auf rot stehenden Ampel über den Fussgänger-
streifen in Richtung MM. weiter (vgl. Ziff. 1.7 der Anklageschrift).

Dieser Anklagepunkt beruht auf den Aussagen der Zeugin Q. (act. 15.5), die 
angab, dass ein aus Richtung RR. herannahendes kleines Fahrzeug mit einem gel-
ben Frontbügel ohne das rote Lichtsignal zu beachten an der Ampel wartende Fahr-
zeuge überholt und seine Fahrt in Richtung OO. fortgesetzt habe. Der Angeklagte 
selbst konnte sich zunächst nicht an diesen Vorfall erinnern (act. 15.6, S. 4), ge-
stand später aber zu, ein vor einem Fussgängerstreifen stehendes Fahrzeug über-
holt zu haben. Ob das Lichtsignal dabei auf rot stand, konnte er nicht sagen, hielt 
dies aufgrund der Tatsache, dass der Wagen vor ihm angehalten hatte, aber für 
möglich (act. 15.7; 15.8, S. 2; 17.7, S. 3). Unter diesen Umständen, namentlich der 
klaren Aussage der Zeugin, erweist sich der in der Anklageschrift relevierte Sach-
verhalt als rechtsgenüglich nachgewiesen.

Indem der Angeklagte am 11. April 2005 in der Ortschaft SS. ein Lichtsignal 
missachtete, verstiess er gegen Art. 27 Abs. 1 SVG.

Zu den elementarsten Pflichten, die ein Fahrzeuglenker zu befolgen hat, 
gehört auch das Beachten von Lichtsignalen (BGE 123 IV 88 ff., 94). Es liegt eine 
erhöhte abstrakte Gefahr vor, wenn ein Fahrzeugführer ein Rot- oder ein Gelblicht 
überfährt und dabei die theoretische Möglichkeit bestand, dass ein Fahrzeug oder 
ein Fussgänger kommen und mit dem Rotfahrer kollidieren könnte. Eine bloss all-
gemeine, abstrakte Möglichkeit einer Gefährdung darf nur angenommen werden, 
wenn mit Sicherheit keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten 

35

betroffen werden können (Boll, a.a.O., S. 71 f.). Eine grobe Verkehrsregelverletzung 
liegt auch vor, wenn jemand absichtlich mit grosser Geschwindigkeit ein Rotlicht 
missachtet, z.B. bei der Flucht vor der Polizei, da damit ein Unfall mit Toten und 
Verletzten in Kauf genommen wird (Boll, a.a.O., S. 73). Auch wer auf grosse Distanz 
die Existenz einer Lichtsignalanlage gar nicht wahrnimmt, ist derart lange unauf-
merksam, dass grobe Fahrlässigkeit vorliegt (Boll, a.a.O., S. 76). Der Angeklagte 
überfuhr vorliegend das rote Lichtsignal, wobei er angab, er habe dies nicht absicht-
lich getan, sondern die Existenz einer Lichtsignalanlage gar nicht bewusst wahrge-
nommen. Dabei bestand die Möglichkeit, dass er mit einem Fussgänger kollidiert 
wäre, namentlich mit einem im letzten Moment bei oranger Ampel den Fussgänger-
streifen überquerenden Kind des nahegelegenen Schulhauses. Bei diesem Verhal-
ten des Angeklagten handelt es sich daher um eine weitere grobe Verkehrsregel-
verletzung nach Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG.

gg. Als X. am 11. April 2005 nach der tödlichen Kollision mit +A. auf der 
Nationalstrasse A28 im Bereich BBB. - CCC., SS., in Richtung OO. fuhr, überholte 
er um ca. 10.58 Uhr trotz Gegenverkehrs einen Personenwagen. Eine Kollision mit 
dem entgegenkommenden Fahrzeug konnte nur verhindert werden, weil der Lenker 
dieses Wagens soweit als möglich gegen den rechten Fahrbahnrand fuhr, um dem 
Angeklagten das Wiedereinbiegen zu ermöglichen (vgl. Ziff. 1.10 der Anklage-
schrift).

Dieser Anklagepunkt stützt sich auf die Aussagen des Zeugen R. (act. 18.5), 
Lenker eines des entgegenkommenden Fahrzeuge. Jener gab an, bei seiner Fahrt 
von MM. in Richtung AA. habe er bei der genannten Örtlichkeit plötzlich einen ent-
gegenkommenden Personenwagen gesehen, welcher ein Überholmanöver ausge-
führt habe. Er sei, soweit er gekonnt habe, nach rechts ausgewichen. Irgendwie sei 
es dem Lenker dann gelungen, wieder auf die rechte Fahrspur einzuschwenken. 
Vor ihm habe sich noch ein weiteres Fahrzeug befunden. Der Angeklagte ist ge-
ständig, im Bereich der besagten Örtlichkeit ein Überholmanöver durchgeführt zu 
haben, konnte sich indes nicht mehr genau daran erinnern, ob es dabei Gegenver-
kehr hatte, und ob dieser durch sein Überholmanöver gefährdet wurde (act. 18.6, 
S. 4; 18.7; 18.8, S. 3). Dies erweist sich aufgrund der klaren Aussage des Zeugen 
indes als ausgewiesen.

Da X. ein Überholmanöver durchführte, bei dem der Gegenverkehr behindert 
wurde, hat er gegen die wichtige Verkehrsregel von Art. 35 Abs. 2 SVG verstossen. 
Eine grobe Verletzung von Verkehrsregeln bei Überholvorgängen liegt dann vor, 

36

wenn bei einer oder mehreren Phasen des Überholmanövers die vorgeschriebenen 
Abstände krass unterschritten oder Geschwindigkeitslimiten erheblich überschritten 
werden (Boll, a.a.O., S. 84 ff.). Vorliegend kam es zu einer konkreten Gefährdung 
weiterer Verkehrsteilnehmer, weil eine Kollision mit den entgegenkommenden Fahr-
zeugen offenbar nur verhindert werden konnte, indem die Lenker dieser Wagen so-
weit als möglich gegen den rechten Fahrbahnrand fuhren, um dem Angeklagten das 
Wiedereinbiegen zu ermöglichen. Wenn ein korrekt entgegenkommendes Fahrzeug 
zur Vermeidung der Gefahr einer Frontalkollision bremsen musste, zeigt dies, dass 
sich der Überholende über die erforderliche Überholstrecke in einem schwerwie-
genden Ausmass getäuscht hat, was als grobfahrlässig zu qualifizieren ist (BGE 
121 IV 235 ff., 238 f.). Auch dieses Überholmanöver ist unter den konkreten Um-
ständen als grobe Verletzung von Verkehrsregeln nach Art. 35 Abs. 2 in Verbindung 
mit Art. 90 Ziff. 2 SVG zu qualifizieren.

hh. Am 22. März 2005 entwendeten X. und C. aus der Tiefgarage der R. 
in AA. das Motorrad KTM, U., von J. zum Gebrauch (vgl. Erw. 7.b.bb). Mit besagtem 
Motorrad fuhr der Angeklagte am 23. März 2005 mit einer Geschwindigkeit von 60 
- 70 km/h durch DD., obwohl die signalisierte Höchstgeschwindigkeit 50 km/h be-
trägt. Da er die am Vortag ebenfalls entwendeten Motorradhelme (vgl. Erw. 9.b.cc.) 
nicht mehr finden konnte, trug er bei diesen Fahrten keinen Helm (vgl. Ziff. 3.3 der 
Anklageschrift). Der Angeklagte erweist sich als geständig (vgl. act. 6.16; 6.18).

Indem der Angeklagte am 23. März 2005 in Missachtung der signalisierten 
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h mit einer Geschwindigkeit von 60 - 70 km/h 
durch die Ortschaft DD. fuhr, verstiess er gegen Art. 27 Abs. 1 SVG. Mit seiner 
Fahrweise handelte er aber auch entgegen Art. 32 Abs. 1 SVG, da diese Geschwin-
digkeit innerorts nicht als den Umständen angepasst bezeichnet werden kann. Es 
handelt sich bei den genannten Delikten um einfache Verletzungen von Verkehrs-
regeln gemäss art. 27 Abs. 1 und Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 
1 SVG. Da X. ohne Motorradhelm fuhr, liegt überdies ein Verstoss gegen Art. 3b 
Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 96 VRV vor.

4.a. Wer wegen Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss oder 
aus anderen Gründen nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leis-
tungsfähigkeit verfügt, gilt während dieser Zeit als fahrunfähig und darf nach Art. 31 
Abs. 2 SVG kein Fahrzeug führen. Ebenso bestimmt Art. 2 Abs. 1 VRV, dass kein 
Fahrzeug führen darf, wer wegen Übermüdung, Einwirkung von Alkohol, Medika-
menten oder Drogen oder aus einem anderen Grund nicht fahrfähig ist. Fahrun-

37

fähigkeit gilt unter anderem als erwiesen, wenn im Blut des Fahrzeuglenkers Kokain 
nachgewiesen wird (Art. 2 Abs. 2 lit. c VRV). Wer aus anderen Gründen als Ange-
trunkenheit fahrunfähig ist und ein Motorfahrzeug führt, wird nach Art. 91 Abs. 2 
SVG mit Gefängnis oder mit Busse bestraft.

b. Als X. am Mittag des 10. April 2005 den Personenwagen Fiat Panda, 
S., von HH. nach BB. lenkte, konsumierte er während der Fahrt wiederholt etwas 
Kokain. Am gleichen Abend rauchte bzw. schnupfte er in AA. zwischen etwa 19.00 
Uhr und 19.30 Uhr eine weitere Linie Kokain und fuhr dann sogleich als Lenker des 
erwähnten Personenwagens nach LL. (vgl. Ziff. 5 der Anklageschrift). Dieser Ankla-
gepunkt beruht auf den eigenen Aussagen des Angeklagten (act. 8.3, S. 2 f.; 8.4, 
S. 3; 8.5; 8.6).

Indem der Angeklagte am 10. April 2005 zweimal unter dem unmittelbaren 
Einfluss von Kokain und damit in fahrunfähigem Zustand ein Motorfahrzeug lenkte, 
hat er mehrfach gegen Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV in Verbindung mit 
Art. 91 Abs. 2 SVG verstossen.

5.a. Ergreift ein Fahrzeugführer, der bei einem Verkehrsunfall einen Men-
schen getötet oder verletzt hat, die Flucht, wird er mit Gefängnis bestraft (Art. 92 
Abs. 2 SVG). Das Tatbestandsmerkmal der Flucht wird grundsätzlich erfüllt, wenn 
der in den Unfall verwickelte Fahrzeugführer ohne Erlaubnis der Polizei mit oder 
ohne Auto den Unfallort verlässt (BGE 95 IV 150 ff.).

b. Nachdem es ausgangs des Dorfes SS. zur Kollision mit dem Polizei-
beamten +A. gekommen war, setzte X. die Fahrt auf der Nationalstrasse A28 in 
Richtung OO. fort, ohne sich um den im Sterben liegenden Polizisten zu kümmern. 
Bei der Örtlichkeit YY., SS., bog der Angeklagte von der Nationalstrasse nach links 
in eine Nebenstrasse ein und fuhr dann so weit als möglich bergwärts. Im Gebiet 
ZZ. liessen er und sein Begleiter das Fahrzeug stehen und setzten die Flucht zu 
Fuss fort. Schliesslich konnten die beiden Männer um ca. 12.00 Uhr von der Polizei 
im Gebiet AAA. in SS. entdeckt und angehalten werden (vgl. Ziff. 1.9 der Anklage-
schrift). 

Durch dieses Verhalten hat der Angeklagte objektiv gegen Art. 92 Abs. 2 
StGB verstossen. Dies trifft auch in subjektiver Hinsicht zu. X. war sich zweifellos 
bewusst, dass der Polizist durch die Kollision mindestens verletzt worden war. Dem-
nach hat sich X. des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall gemäss Art. 92 Abs. 2 
SVG schuldig gemacht.

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6.a. Nach Art. 29 SVG dürfen Fahrzeuge nur in betriebssicherem und vor-
schriftsgemässem Zustand verkehren. Sie müssen so beschaffen und unterhalten 
sein, dass die Verkehrsregeln befolgt werden können und dass Führer, Mitfahrende 
und andere Strassenbenützer nicht gefährdet und die Strassen nicht beschädigt 
werden. Nicht vorschriftsgemäss ist ein Fahrzeug, wenn dauernd, zeitweilig oder für 
bestimmte Fälle vorgeschriebene Teile fehlen oder den Vorschriften nicht entspre-
chen (Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS). Wer ein Fahrzeug führt, von dem er weiss oder bei 
pflichtbewusster Aufmerksamkeit wissen kann, dass es den Vorschriften nicht ent-
spricht, wird nach Art. 93 Ziff. 2 Abs. 1 SVG mit Haft oder mit Busse bestraft.

b. Nach der tödlichen Kollision mit dem Polizeibeamten +A. fuhr X. auf 
der Nationalstrasse A28 in Richtung OO. weiter, obwohl beim Unfall der rechte vor-
dere Scheinwerfer und die Frontschutzscheibe des Fahrzeuges eingeschlagen und 
der rechte Aussenspiegel abgetrennt worden waren (vgl. Ziff. 1.9 der Anklage-
schrift). Das Fahrzeug befand sich unter diesen Umständen nicht mehr in betriebs-
sicherem und vorschriftsgemässem Zustand. Indem der Angeklagte im Wissen um 
diese Fahrzeugmängel dennoch weiterfuhr, hat er sich des Führens eines nichtbe-
triebssicheren Fahrzeugs gemäss Art. 29 SVG in Verbindung mit Art. 93 Ziff. 2 Abs. 
1 SVG schuldig gemacht.

7.a. Wer ein Motorfah