# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2833fe8-d178-5645-8d4c-c4750dede874
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-27
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 27.01.2022 100 2020 318
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2020-318_2022-01-27.pdf

## Full Text

100.2020.318U
HER/BDE/SPR

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 27. Januar 2022

Verwaltungsrichter Häberli, Abteilungspräsident
Verwaltungsrichterin Arn De Rosa, Verwaltungsrichterin Herzog
Gerichtsschreiberin Baerfuss Klossner

A.________
vertreten durch Advokatin …
Beschwerdeführerin

gegen

Kanton Bern
handelnd durch die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion, 
Rechtsamt, Rathausgasse 1, Postfach, 3000 Bern 8
Beschwerdegegner

betreffend Opferhilfe; Gesuch um längerfristige Hilfe (Verfügung der 
Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern vom 
15. Juli 2020; 2020-14193)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.01.2022, Nr. 100.2020.318U, 
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Sachverhalt:

A.

A.________ leidet gemäss dem sie behandelnden Therapeutenteam an 
einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sowie einer 
dissoziativen Identitätsstörung (DIS). Letztere ist dadurch gekennzeichnet, 
dass verschiedene Persönlichkeitszustände bzw. -anteile mit je eigenem Be-
wusstsein (dissoziative Identitäten) abwechselnd die Kontrolle über das Den-
ken, Fühlen und Handeln von A.________ übernehmen. Sie befindet sich 
deswegen bereits seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung. 
A.________ lebt in eingetragener Partnerschaft mit B.________.

Am 5. Dezember 2019 erhielt A.________ von der Fachstelle Opferhilfe bei 
sexualisierter Gewalt (Lantana) im Rahmen der Soforthilfe eine Kosten-
gutsprache für eine vierstündige Rechtsberatung.

B.

Am 8./13. Mai 2020 stellte A.________ bei der Gesundheits-, Sozial- und 
Integrationsdirektion des Kantons Bern (GSI) ein Gesuch um längerfristige 
Hilfe Dritter (ambulante Schutzmassnahmen) samt Gutsprache für 
10 Stunden Anwaltskosten. Mit Verfügung vom 15. Juli 2020 wies der Kan-
ton Bern, handelnd durch die GSI, das Gesuch ab.

C.

Gegen diese Verfügung hat A.________ am 13. August 2020 Verwal-
tungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragt, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und ihrem Gesuch um längerfristige Hilfe Dritter zu ent-
sprechen. Dementsprechend sei ihr eine Kostengutsprache für ein ambulan-
tes Schutzkonzept in Form einer Betreuung zuhause mit einer Obergrenze 
von Fr. 300.-- pro Tag für die Dauer von vorerst drei Monaten sowie eine 
Kostengutsprache für 10 Stunden weitergehende Anwaltskosten zuzuspre-

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chen. Der Kanton Bern sei zu verpflichten, ein nach diesen Vorgaben kon-
kretisiertes Schutzkonzept nach dessen Eingang zu prüfen und darüber zu 
verfügen. Eventuell sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen.

Der Kanton Bern (GSI) hat mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2020 
die Abweisung der Beschwerde beantragt.

Am 21. Mai 2021 hat die Rechtsvertreterin dem Verwaltungsgericht mitge-
teilt, dass in der Zwischenzeit eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf 
(Sexual-)Delikte zum Nachteil von A.________ bei der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Oberland eingereicht worden sei. Auf Nachfrage der In-
struktionsrichterin hat die Rechtsvertreterin eine Kopie der Meldung des be-
handelnden Therapeutenteams vom 18. Januar 2021 eingereicht (Meldung 
gemäss Art. 28 Abs. 2 des Gesundheitsgesetzes vom 2. Dezember 1984 
[GesG; BSG 811.01]) und mitgeteilt, dass sie nichts Weiteres zum Stand der 
Strafuntersuchung wisse; sie hat zudem implizit zum Ausdruck gebracht, 
dass das verwaltungsgerichtliche Verfahren nicht zu sistieren, sondern 
weiterzuführen sei (Eingabe vom 16.6.2021). In der Folge hat die 
Instruktionsrichterin die Ermittlungsakten bei der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Oberland ediert, diese zu den Akten erkannt und den 
Parteien Akteneinsicht gewährt (Verfügungen vom 21.6. und 29.7.2020). 
Von der Gelegenheit, sich im Licht der ergänzten Akten zu äussern (Verfü-
gung vom 23.8.2021), haben der Kanton Bern mit Eingabe vom 9. Septem-
ber 2021 und A.________ mit Eingabe vom 30. September 2021 Gebrauch 
gemacht; sie halten an ihren Anträgen fest. Mit Schlussbemerkungen vom 
22. Oktober 2021 verweist A.________ auf ihre bisherigen Ausführungen. 

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte 
kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes 

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vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 
zuständig (ebenso Art. 15 des Einführungsgesetzes vom 2. September 2009 
zum Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten [EG OHG; 
BSG 326.1]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren 
teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung 
(Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind einge-
halten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). 

1.2 Die Beschwerdeführerin stellt unter anderem den Antrag, der Kanton 
Bern sei zu verpflichten, «ein nach diesen Vorgaben konkretisiertes Schutz-
konzept nach dessen Eingang zu prüfen und darüber zu verfügen» (vorne 
Bst. C). Ein solches Gesuch wird indessen Gegenstand eines separaten, 
nachfolgenden Verwaltungsverfahrens bilden, wobei keine Anhaltspunkte 
zur Annahme bestehen, dass der Kanton Bern (GSI) dieses nicht behandeln 
und alsdann darüber (rechtsgestaltend) verfügen würde. Unter diesem Vor-
behalt ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Rechtsverletzungen und Unangemessenheit hin (Art. 80 VRPG i.V.m. 
Art. 29 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 23. März 2007 über die Hilfe an Op-
fer von Straftaten [Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5]).

2.

Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Opferhilfeleistungen hat. 
Aus den Akten ergibt sich folgender Sachverhalt:

2.1 Opferhilfegesuch vom 8./13. Mai 2020: Die Rechtsvertreterin der Be-
schwerdeführerin führt mit Schreiben vom 13. Mai 2020 unter Beilage des 
Gesuchsformulars vom 8. Mai 2021 aus, aufgrund von Informationen, wel-
che das behandelnde Therapeutenteam (Psychiater und Psychotherapeutin) 
während der Behandlung von der Beschwerdeführerin sowie deren Partnerin 
erhalten hätten, müsse davon ausgegangen werden, dass die Beschwerde-
führerin in der Vergangenheit Opfer sexueller Gewalt geworden sei und auch 
heute noch regelmässig Übergriffe stattfinden würden (Akten GSI 3A2 

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pag. 2). Konkrete Informationen zu den Übergriffen bestünden aktuell auf-
grund des Krankheitsbilds der Beschwerdeführerin nicht. Im Raum stünden 
vermutlich diverse sexuelle Handlungen bis hin zum Geschlechtsverkehr ge-
gen den Willen der Beschwerdeführerin und unter Androhung von Gewalt 
und anderer Nachteile sowie unter Verabreichung von Medikamenten. An-
zeichen hierfür würde insbesondere auch eine im Jahr 2018 entnommene 
Blutprobe liefern, die Hinweise auf Stoffe (Rohypnol) enthalten habe, über 
welche die Beschwerdeführerin nicht verfüge. Ob tatsächlich auch körperli-
che Gewalt ausgeübt werde, lasse sich aktuell nicht beurteilen. Das Einrei-
chen einer Strafanzeige sei aufgrund der gesundheitlichen und psychischen 
Verfassung der Beschwerdeführerin nicht möglich und sie sei aufgrund einer 
schweren Traumafolgestörung aktuell nicht in der Lage, bei der Polizei aus-
zusagen. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass sie nicht nur infolge 
vergangener Ereignisse schwer traumatisiert sei, sondern aufgrund andau-
ernder Übergriffe auch ständig wieder neu psychisch verletzt werde (Akten 
GSI 3A2 pag. 3 f.). Ihr Schutz werde aktuell vollumfänglich durch ihre Part-
nerin und das private Umfeld abgedeckt. Die involvierten Personen stiessen 
jedoch an ihre Grenzen und könnten den Schutz nicht mehr länger aufrecht-
erhalten. Zudem sei es am 17. März 2020 zu einem erneuten Übergriff ge-
kommen und es würden ständig weitere Kontaktaufnahmen durch die Täter 
stattfinden, die jede Gelegenheit, in denen die Beschwerdeführerin unbeauf-
sichtigt sei, nutzen würden, um sie zu einem Treffpunkt zu lotsen. Es werde 
daher die Kostenübernahme für ein Schutzkonzept im Sinn eines «ambulan-
ten Frauenhauses» beantragt (Akten GSI 3A2 pag. 5).

2.2 Bericht vom 17. April 2020: Mit dem Opferhilfegesuch wurde ein «Be-
gleitschreiben zum Gesuch um finanzielle Leistungen Opferhilfe» vom 
17. April 2020 eingereicht, verfasst vom behandelnden Therapeutenteam, 
Dr. med. C.________, Psychiater und Psychotherapeut, und lic. phil. 
D.________, Psychologin und Psychotherapeutin (Akten GSI 3A3 
pag. 53 ff.). Sie führen zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin 
Folgendes aus: Die Beschwerdeführerin befinde sich seit September 2014 
bei ihnen in ambulanter Behandlung. Bei ihr seien mehrere 
Persönlichkeitszustände beobachtbar, die sich unterschiedlich alt fühlten. In 
ihrem «Alltags-Persönlichkeitszustand» bestreite die Beschwerdeführerin 
ihren Alltag und nehme alle damit zusammenhängenden Aufgaben wahr. In 

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diesem Zustand sei sie grösstenteils unwissend bezüglich vergangener 
Traumatisierung oder aktueller Gewaltereignisse und könne dazu nur 
bruchstückhaft und unzusammenhängend Auskunft geben. Daneben 
würden immer wieder andere Persönlichkeitszustände der 
Beschwerdeführerin in den Vordergrund treten bzw. die Kontrolle über die 
Gesamtperson übernehmen. Dabei zeige die Beschwerdeführerin 
unterschiedliche Zustände, von Sprachlosigkeit bis zu Erstarrung und verbal 
aggressiven, fordernden und beleidigenden Handlungsweisen (pag. 55). In 
der ambulanten Psychotherapie (Arbeit an der Realisation der vergangenen 
und möglicherweise aktuellen traumatisierenden Situationen) würden diese 
Persönlichkeitsanteile der Beschwerdeführerin teilweise von kürzlich 
stattgefundener und früherer sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt 
berichten oder per E-Mail einen Treffpunkt mitteilen. Die therapeutische 
Arbeit führe immer wieder zu grosser psychischer Überforderung und gehe 
mit vermehrten Flashbacks und Intrusionen, verstärkter Suizidalität und 
Drang nach Selbstverletzung einher, die auch nach Sitzungsende anhielten. 
Diese akuten Selbstgefährdungssituationen könnten nur mit zusätzlichem 
Betreuungsaufwand aufgefangen werden. Aufgrund von Informationen, die 
sie in der Therapie von verschiedenen Persönlichkeitsanteilen erhielten, 
sowie aufgrund von Hinweisen anderer Ärztinnen und der Partnerin der 
Beschwerdeführerin, müssten sie davon ausgehen, dass die 
Beschwerdeführerin bis heute Opfer von Gewalt werde durch Täter, welche 
über Spezialwissen zu dissoziativen Störungen verfügten, dies zu ihren 
Gunsten zu nutzen wüssten und gezielt und bewusst mit Anteilen «arbeiten» 
würden (pag. 56).

2.3 Stellungnahme vom 17. Juli 2020: Als Beilage zur Verwaltungsge-
richtsbeschwerde wurde ein Schreiben von Dr. med. C.________ und 
lic. phil. D.________ eingereicht, mit dem diese zur angefochtenen 
Verfügung Stellung nehmen und dabei Folgendes festhalten 
(Beschwerdebeilage [BB] 3): Die psychiatrische Gesamtsymptomatik und 
speziell die Diagnose der dissoziativen Identitätsstörung und der komplexen 
posttraumatischen Belastungsstörung seien als Beweismittel für vergangene 
und aktuelle Gewalt zu interpretieren (S. 1). Dieses psychiatrische 
Störungsbild sei Anhaltspunkt genug für eine mögliche Straftat. Die 
dissoziative Identitätsstörung sei nur auf schwere Gewalt zurückzuführen 

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und spezifische Symptome der dissoziativen Identitätsstörung seien nur bei 
anhaltender Gewalt möglich. Die Schwierigkeiten von Betroffenen, 
Täternamen, Tatorte und Straftatbestandsmerkmale zu benennen, seien 
gerade typische Probleme von Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung 
und bei anhaltender schwerer Gewalt (S. 2). Die geforderte 
Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen von Straftaten sei entsprechend aus 
wissenschaftlicher und fachärztlicher Sicht eindeutig gegeben (S. 3).

2.4 Berichte aus dem Umfeld der Beschwerdeführerin: Mit Verwaltungs-
gerichtsbeschwerde hat die Beschwerdeführerin weiter mehrere Berichte 
von Personen aus ihrem nächsten Umfeld eingereicht: 

2.4.1 Die Partnerin der Beschwerdeführerin führt aus, es gebe verschie-
dene Anzeichen für Gewalttaten. So würden mögliche Treffen [mit der Täter-
schaft] jeweils von einem Persönlichkeitsanteil per E-Mail an die Therapeu-
ten bekanntgegeben. Wie der jeweilige Anteil von diesen Treffen erfährt, hät-
ten sie noch nicht herausgefunden. Kurz vor dem möglichen Treffen er-
scheine dann jeweils ein Anteil namens «E.________» (vierjährig) und sage, 
sie müsse zu dem Treffpunkt gehen, sonst würde etwas passieren. Teilweise 
würden die Treffen auch ohne vorherige Bekanntgabe stattfinden. Könnten 
solche Treffen nicht verhindert werden, könne stundenlang kein Kontakt zur 
Beschwerdeführerin hergestellt werden und auch eine Ortung sei nicht mög-
lich, da ihr Mobiltelefon jeweils ausgeschaltet sei. Nach dem Treffen würde 
die Beschwerdeführerin dann mit ihr [der Partnerin] Kontakt aufnehmen und 
sich von ihr abholen lassen. Sie sei jeweils sehr zurückgezogen, ängstlich 
und desorientiert; von den vergangenen Stunden wisse sie nichts mehr oder 
nur Bruchstücke. Nach einem Treffen sei die Beschwerdeführerin in der 
Frauenklinik gewesen für Abstriche. Zudem sei an ihrem Arm nach einem 
Treffen einmal ein Einstich festgestellt worden und der Anteil «E.________» 
erzähle von einem blauen Zaubersirup, den sie habe trinken müssen (vgl. 
BB 4 S. 1). 

2.4.2 Ein befreundetes Ehepaar berichtet, dass sie vermehrt Nachrichten 
von Persönlichkeitsanteilen der Beschwerdeführerin erhielten, welche sie 
aufforderten, die Beschwerdeführerin in Ruhe zu lassen und sich von ihr zu 
distanzieren, ansonsten passiere etwas (vgl. BB 5 S. 2 und BB 6 S. 1 f.). Sie 
seien zudem über einen gemeinsamen Chat [Chat des betreuenden Um-

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felds] darüber informiert worden, dass die Beschwerdeführerin in einem kur-
zen unbeobachteten Moment die Wohnung verlassen habe und danach trotz 
sofortiger Suche nicht mehr habe aufgefunden werden können. Erst nach 
ca. fünf bis sechs Stunden habe sie selbst ihre Partnerin wieder anrufen kön-
nen. Die Partnerin vermute, dass die Beschwerdeführerin bzw. ein Anteil von 
ihr von aussen kontaktiert, nach ihrem Verschwinden von einem Fahrzeug 
abgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht worden sei. Nach ihrem 
Auffinden habe es die Beschwerdeführerin – vermutlich aus Angst – abge-
lehnt, sich einer ärztlichen Untersuchung oder einem Medikamentenscree-
ning zu unterziehen oder zur Polizei zu gehen. Schliesslich hätten Anteile 
der Beschwerdeführerin auch ihnen gegenüber früher stattgefundene Miss-
bräuche angesprochen (vgl. BB 5 S. 2 und BB 6 S. 3). 

2.4.3 Eine ehemalige Arbeitskollegin der Beschwerdeführerin erklärt, sie 
erhalte bis heute regelmässig Nachrichten von verschiedenen Persönlich-
keitsanteilen der Beschwerdeführerin mit Inhalten wie «sie tun ihr weh», «sie 
wird leiden», «ich warne das letzte Mal» usw. Die Beschwerdeführerin habe 
immer noch Kontakt zu den Tätern, die sie bzw. ihre Anteile dermassen unter 
Druck setzen würden, dass sie von zu Hause weggehe und ihnen in die 
Hände laufe. Sie habe persönlich eine solche Situation erlebt, als sie bei der 
Beschwerdeführerin zu Besuch gewesen sei: Die Beschwerdeführerin habe 
unruhig und unkonzentriert gewirkt. Plötzlich habe es einen Wechsel zu der 
vierjährigen «E.________» gegeben. Diese habe gesagt, sie müsse gehen, 
sonst tue man ihr und Frau X. [Beschwerdeführerin] weh. «E.________» sei 
sehr verzweifelt gewesen, weil sie sie nicht habe gehen lassen. Dasselbe sei 
Anfang 2020 geschehen, als sie die Beschwerdeführerin von einer 
Therapiesitzung abholen wollte: Auch dort sei das vierjährige Mädchen 
erschienen und habe zu einem Treffen gehen wollen (vgl. BB 7 S. 1). Die 
verschiedenen Anteile der Beschwerdeführerin hätten grosse Angst und 
handelten nach dem Willen der Täter, weil sie Angst vor Bestrafung hätten. 
Die Täter würden starken Druck «aufsetzen» und hätten Macht über die 
Anteile (vgl. BB 7 S. 2). 

2.5 Polizeiliche Ermittlungen: Die Polizei und die Staatsanwaltschaft nah-
men bereits in den Jahren 2018 und 2019 diverse Abklärungen bezüglich 
der Beschwerdeführerin vor, nachdem die Partnerin den Verdacht gegen un-

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bekannte Täterschaft wegen Vergewaltigung ev. Schändung zum Nachteil 
der Beschwerdeführerin gemeldet hatte. In diesem Zusammenhang hatte die 
Partnerin zudem angegeben, dass die Beschwerdeführerin als Kind von ih-
rem Grossvater und ihrem Onkel sexuell missbraucht worden sei (vgl. Be-
richtsrapport vom 12.4.2021 S. 4, Berichtsrapport vom 6.7.2021 S. 5, beide 
in act. 9A Reg. 6). Die damaligen Abklärungen ergaben einerseits, dass die 
sexuellen Handlungen mit Kind bereits verjährt sind. Andererseits ergaben 
Ermittlungen, dass sich die Beschwerdeführerin bzw. Anteile ihrer Persön-
lichkeit selbst per E-Mail zu Treffen aufgeboten haben musste, wobei keine 
Hinweise auf Übergriffe festgestellt werden konnten (vgl. Berichtsrapport 
vom 6.7.2021 S. 5, in act. 9A Reg. 6). Anlässlich einer interdisziplinären Ar-
beitsgruppensitzung zur Thematisierung der Situation von Opfern mit disso-
ziativen Identitätsstörungen im Bereich von organisierter Gewaltkriminalität 
berichtete lic. phil. D.________ am 28. August 2020 vom Fall der Be-
schwerdeführerin. In der Folge entschied die Kantonspolizei Bern, Vorermitt-
lungen zu tätigen (vgl. Berichtsrapport vom 6.7.2021 S. 4, in act. 9A Reg. 6). 
Im Rahmen dieser Vorermittlungen wurde die Beschwerdeführerin vom 
19. September 2020 bis zum 3. Dezember 2020 ohne deren Wissen an den 
gemäss Angaben ihres Umfelds kritischen Tagen (Ausbildung der Be-
schwerdeführerin in …) regelmässig von der Polizei überwacht. Dies ergab 
jedoch keine speziellen Erkenntnisse zu Vorkommnissen zum Nachteil der 
Beschwerdeführerin, obwohl sie ihren Therapeuten direkt oder indirekt von 
sexuellen Übergriffen während dieses Zeitraums berichtete (vgl. 
Berichtsrapport vom 6.7.2021 S. 4 und 15, Berichtsrapport vom 12.4.2021 
S. 4-8, beide in act. 9A Reg. 6). Es konnte jedoch festgestellt werden, dass 
die Telefonnummer, von welcher die Beschwerdeführerin eine «Drohnach-
richt» erhalten hatte, auf sie selbst registriert ist (vgl. Berichtsrapport vom 
12.4.2021 S. 3 f. und Beilagen 1 und 4, in act. 9A Reg. 6). 

2.6 Meldung vom 18. Januar 2021: Mit Schreiben vom 18. Januar 2021 
haben Dr. med. C.________ und lic. phil. D.________ bei der 
Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern eine Meldung im Sinn von 
Art. 28 Abs. 2 GesG gegen unbekannte Täterschaft wegen Verdachts auf 
sexuelle Gewalt zum Nachteil der Beschwerdeführerin eingereicht (act. 7A). 
Die Meldung bezieht sich vorab auf einen mutmasslichen sexuellen Übergriff 
vom 12. Januar 2021 (act. 7A S. 3). Die Beschwerdeführerin sei an diesem 

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Tag von einer Begleitperson von Bern nach … gefahren worden, wo sie von 
13.00 Uhr bis 17.00 Uhr – vermeintlich – am Unterricht in einer …schule 
hätte teilnehmen sollen (vgl. hierzu E. 2.7 hiernach). Auf dem Parkplatz vor 
dem Schulgebäude sei es um 12.45 Uhr zu einem Persönlichkeitswechsel 
gekommen, woraufhin die Beschwerdeführerin das Auto verlassen habe und 
in das angrenzende Einkaufszentrum gelaufen sei. Die Begleitperson habe 
ihr nicht folgen können und in der Folge die Therapeutin sowie die Partnerin 
der Beschwerdeführerin informiert. Eine Kontaktaufnahme mit der Be-
schwerdeführerin sei danach nicht gelungen, bis diese sich um 16.00 Uhr 
selber bei ihrer Partnerin gemeldet habe. In der Therapiesitzung vom 15. Ja-
nuar 2021 habe die Beschwerdeführerin in ihrem Alltagszustand berichtet, 
sie habe sich während des Vorfalls wie von aussen zugeschaut, wie ihr Kör-
per in einem weissen Raum auf einem Bett (140-160 cm) mit einem Kopfkis-
sen mit gelbem Überzug und einer Matratze mit weissem Leintuch gelegen 
und sexueller und physischer Gewalt ausgesetzt gewesen sei. Sie habe ge-
sehen, dass man sie an den Händen und Armen festgehalten habe. Sie habe 
in dieser Beobachterposition keine Möglichkeit zur Handlung gehabt. Sie 
habe keine Erinnerung, wie sie in diesen Raum gekommen und wieder von 
da weggekommen sei. Ein anderer Persönlichkeitszustand der Beschwerde-
führerin habe in der Therapiesitzung vom 13. Januar 2021 berichtet, sie sei 
einige Tage vorher via eine unterdrückte Nummer auf dem Mobiltelefon an-
gerufen worden mit der Anweisung, am 12. Januar 2021 um 13.00 Uhr beim 
Bahnhof … zu warten. Sie sei via Einkaufszentrum zum Bahnhof gegangen 
und habe dort einen ihr bekannten Mann namens «…» getroffen. Dieser sei 
mit ihr an einen anderen Ort gefahren, wo ein ihr bisher unbekannter Mann 
gewartet habe. An diesem Ort sei es zu schweren sexuellen Übergriffen 
gekommen (act. 7A S. 4-6). Die Beschwerdeführerin sei von ihrer Partnerin 
noch am selben Tag zu einer gynäkologischen Untersuchung in der 
Frauenklinik im Inselspital Bern gebracht worden (act. 7A S. 6 f.). Dr. med. 
C.________ und lic. phil. D.________ halten fest, dass die 
Psychopathologie nach dem 12. Januar 2021 auf tatsächlich erfahrene 
Gewalt hinweise und die Glaubhaftigkeitsabklärung für reale, am 12. Januar 
2021 erlebte Gewalt spreche (act. 7A S. 3 f.).

2.7 Strafuntersuchung: Am 2. März 2021 hat die Staatsanwaltschaft Re-
gion Oberland aufgrund der Meldung vom 18. Januar 2021 eine Untersu-

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chung wegen Schändung, eventuell Vergewaltigung und eventuell sexueller 
Nötigung gegen unbekannte Täterschaft eröffnet (vgl. act. 9A Reg. 1). Im 
Rahmen der Untersuchung wurden diverse Ermittlungsmassnahmen durch-
geführt: Auswertung der Mobiltelefone inkl. rückwirkender Teilnehmeridenti-
fikation, rechtsmedizinisches Gutachten, Abklärungen zu den «Headerda-
ten» der E-Mails von «…» sowie die Einvernahme einer Auskunftsperson 
(vgl. Berichtsrapport vom 6.7.2021, in act. 9A Reg. 6). Trotz diesen 
umfangreichen Ermittlungen konnten keine Hinweise auf eine Straftat oder 
zur Identität der Täterschaft gefunden werden. Die Beschwerdeführerin 
selber wurde wegen ihrer von der Rechtsvertreterin wiederholt geschilderten 
Suizidalität und allgemein schlechten psychischen Verfassung nicht 
einvernommen (Berichtsrapport vom 6.7.2021 S. 14, in act. 9A Reg. 6). 

Wo sich die Beschwerdeführerin am Nachmittag des 12. Januar 2021 genau 
aufhielt und was sich damals abspielte, konnte nicht abschliessend geklärt 
werden. Fest steht nur, dass ihre Ausbildungslektion an der Schule für … an 
diesem Nachmittag abgesagt worden war und die Beschwerdeführerin oder 
jemand mit ihrer Identitätskarte kurz nach 13.00 Uhr zwei SIM-Karten im 
Swisscom-Shop im … kaufte. Ihr Mobiltelefon lieferte um 13.32 Uhr einen 
Standort in der Umgebung des Bahnhofs … und kurz vor 16.00 Uhr wieder 
beim Bahnhof … (vgl. Berichtsrapport vom 6.7.2021 S. 14, in act. 9A Reg. 6). 
Auch aus dem rechtsmedizinischen Gutachten vom 10. Mai 2021 zur 
körperlichen und gynäkologischen Untersuchung am Abend des Vorfalls 
lässt sich nicht schliessen, was sich am Nachmittag des 12. Januar 2021 
abgespielt hat. Spermien wurden nicht nachgewiesen. Die 
Untersuchungsergebnisse schliessen eine stattgefundene gewollte oder un-
gewollte sexuelle Handlung mit oder ohne Samenerguss nicht aus. Aufgrund 
des Erscheinungsbilds der Verletzungen und der Lage sowie Zugänglichkeit 
des Wundgebiets wäre eine Selbstbeibringung möglich (vgl. act. 9A Reg. 11 
S. 5). Es konnten trotz aufwändiger Arbeiten keine Spuren gesichert und 
ausgewertet werden, die zur geltend gemachten männlichen Täterschaft 
führten; ein fremdes, insbesondere männliches DNA-Profil konnte nicht er-
stellt werden (vgl. Rapport Forensik vom 28.6.2021, in act. 9A Reg. 6). Die 
Abklärungen zu der E-Mail-Adresse, von welcher vor dem 12. Januar 2021 
mehrfach Anweisungen und Aufgebote der Täterschaft an die Beschwerde-
führerin gelangten, ergaben schliesslich Folgendes: Der E-Mail-Account ist 

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auf den Namen der Beschwerdeführerin eingetragen; darauf zugegriffen 
wurde von der IP-Adresse, welche auf die Partnerin der Beschwerdeführerin 
eingetragen war. Unklar blieb in diesem Zusammenhang einzig, wie die Si-
cherheitsadresse einer Drittperson zu dem Account gelangte. Eine Verbin-
dung zwischen dieser Drittperson und der Beschwerdeführerin wurde auch 
nach umfassenden Abklärungen und Einvernahme der Drittperson nicht ge-
funden (vgl. Berichtsrapport vom 6.7.2021 S. 13 f., in act. 9A Reg. 6). Insge-
samt konnte trotz aufwändiger Ermittlungen nicht geklärt werden, ob die von 
Dr. med. C.________ und lic. phil. D.________ in der Meldung vom 18. Ja-
nuar 2021 vorgebrachten möglichen Straftaten zum Nachteil der Beschwer-
deführerin am 12. Januar 2021 und eventuell zuvor stattgefunden haben 
oder nicht; Hinweise auf eine mögliche Täterschaft wurden nicht gefunden. 
Aus Sicht der Polizei ist denkbar, dass es sich bei den geschilderten Vorfäl-
len um eine Wahrnehmung der Beschwerdeführerin ohne Realitätsbezug mit 
Selbstverletzungen und ohne den Beitrag von Dritten handelt (vgl. Berichts-
rapport vom 6.7.2021 S. 15, in act. 9A Reg. 6). 

3.

3.1 Nach Art. 1 Abs. 1 OHG hat jede Person, die durch eine Straftat in 
ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beein-
trächtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach diesem Ge-
setz (Opferhilfe). Der Anspruch besteht nach Art. 1 Abs. 3 OHG unabhängig 
davon, ob die Täterschaft ermittelt worden ist (Bst. a), sich schuldhaft ver-
halten hat (Bst. b) und vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Bst. c). Das 
Vorliegen einer Straftat ist aber unabdingbare Voraussetzung für die Aner-
kennung der Opferqualität einer durch ein Ereignis geschädigten Person 
(BGer 1C_9/2019 vom 4.4.2017 E. 2). Unter einer Straftat ist ein tatbe-
standsmässiges, rechtswidriges Verhalten im Sinn des Strafgesetzbuchs zu 
verstehen, was neben der Verwirklichung des objektiven Straftatbestands 
auch vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln voraussetzt (vgl. 
BGE 134 II 308 E. 5.5, 134 II 33 E. 5.4 f.; BGer 1C_9/2017 vom 4.4.2017 
E. 2; BVR 2007 S. 226 E. 4.3; VGE 2020/92 vom 8.4.2021 E. 4.1). Die An-
forderungen an den Nachweis der Opfereigenschaft sind je nach dem Zeit-
punkt sowie nach Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unterschiedlich 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.01.2022, Nr. 100.2020.318U, 
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hoch (vgl. BGE 125 II 265 E. 2c/aa; BGer 1C_348/2012 vom 8.5.2013 
E. 2.4; BVR 2007 S. 226 E. 4.3; Dominik Zehntner, in Handkommentar Op-
ferhilferecht, 4. Aufl. 2020, Art. 1 N. 43 ff.; zuletzt für die Entschädigung BGE 
144 II 406 E. 3.1 f. [Pra 108/2019 Nr. 54]). Werden – wie hier – Kostenbei-
träge für längerfristige Hilfe Dritter im Sinn von Art. 13 Abs. 2 und 3 OHG 
anbegehrt, muss die Opferstellung nach der Fachempfehlung wahrschein-
lich sein. Die für die Anspruchsprüfung zuständige Stelle muss davon über-
zeugt sein, dass das Vorliegen einer opferrechtlich relevanten Straftat wahr-
scheinlicher ist als das Nichtvorliegen einer solchen bzw. es müssen mehr 
Argumente für das Vorliegen einer die Opferstellung begründenden Straftat 
sprechen als dagegen (vgl. Empfehlungen der Schweizerischen Verbin-
dungsstellen-Konferenz Opferhilfegesetz [SVK-OHG] vom 21.1.2010 
Ziff. 2.8.1; Dominik Zehntner, a.a.O., Art. 1 N. 43; ebenso VGE 2020/92 vom 
8.4.2021 E. 4.1, 2014/224 vom 17.3.2015 E. 4.2; angefochtene Verfügung 
E. 1.2.1 S. 3). Allerdings hat das Bundesgericht bis heute nicht geklärt und 
lässt es in einem jüngsten Entscheid (weiterhin) offen, ob es nicht bereits 
genügt, dass eine opferhilferechtlich relevante Straftat lediglich in Betracht 
fällt, d.h. glaubhaft gemacht ist (BGer 1C_521/2020 vom 4.10.2021 E. 4.2, 
4.4 und 4.5). Die Frage muss, wie sich aus dem Folgenden ergibt, auch hier 
nicht beantwortet werden.

3.2 Die Opferhilfebehörde des Kantons Bern (GSI) erwog in der ange-
fochtenen Verfügung, dass (im Verfügungszeitpunkt) kein Strafverfahren im 
Gang und die Täterschaft unbekannt sei. Da somit nicht auf die Ergebnisse 
eines Strafverfahrens abgestellt werden könne, müssten andere handfeste 
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat vorhanden sein, was jedoch 
nicht der Fall sei. Im Gesuch würden einzig Vermutungen geäussert, die sich 
als wenig substanziiert erwiesen und mit keinerlei Beweismitteln untermauert 
seien. Auch die Vermutungen der Partnerin und des behandelnden Psychia-
ters seien insgesamt zu wenig konkret, als dass sie den Schluss zulassen 
würden, die Beschwerdeführerin werde aktuell mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit Opfer von Straftaten. Es könne somit aufgrund der eingereich-
ten Unterlagen nicht gesagt werden, dass mehr Argumente für das Vorliegen 
einer Straftat sprechen als dagegen. Damit fehle es an einer unabdingbaren 
Voraussetzung für die Leistung von Opferhilfe (angefochtene Verfügung 
E. 1.2.3. f.). An dieser Einschätzung hält die Vorinstanz nach durchgeführ-

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tem Beweisverfahren fest (Stellungnahme vom 9.9.2021, act. 16): Die in der 
Zwischenzeit getätigten umfassenden Ermittlungen und Überwachungen 
hätten ebenfalls keine Hinweise auf allfällige Straftaten oder eine mögliche 
Täterschaft geliefert, weshalb das Vorliegen einer Straftat nach wie vor nicht 
als wahrscheinlich beurteilt werden könne. 

3.3 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, der Kanton verneine 
ihre Opfereigenschaft zu Unrecht; dass sie Opfer von Straftaten geworden 
sei und die Gewalt nach wie vor andauere, werde nicht einfach nur behaup-
tet, sondern ergebe sich aus den Berichten des behandelnden Arztes und 
der behandelnden Therapeutin, hochqualifiziertem medizinischem Fachper-
sonal, welches die Beschwerdeführerin seit Jahren mehrmals die Woche be-
treue und regen Kontakt zu ihr und ihrem Umfeld pflege (Beschwerde S. 5). 
Zudem zeigten die neu eingereichten Berichte, dass auch die Personen aus 
ihrem Umfeld deutliche Anzeichen dafür erkennen würden, dass sie in der 
Vergangenheit Opfer von Straftaten geworden sei und noch immer Gewalt 
erfahre (Beschwerde S. 6). Die getätigten Ermittlungen machten deutlich, 
dass die Staatsanwaltschaft die Vorfälle ernst nehme und nicht davon aus-
gehe, ihre Rechtsbegehren seien «von vornherein als aussichtlos» zu be-
zeichnen. Ermittelt werde nicht bloss zu Vorfällen ab Januar 2021, sondern 
auch zu früheren Ereignissen. Bereits im Jahr 2020 habe sich der deutliche 
Verdacht abgezeichnet, dass sie wiederholt Opfer von Übergriffen geworden 
sei. Es könne nicht sein, dass die Opferhilfebehörde einen strengeren Mass-
stab anlege als die Strafverfolgungsbehörde (vgl. act. 18).

3.4 Mit der Opferhilfebehörde stellt das Verwaltungsgericht nicht in Ab-
rede, dass die Beschwerdeführerin an einer komplexen posttraumatischen 
Belastungsstörung (PTBS) und einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) 
leidet und aufgrund ihres Krankheitsbildes davon auszugehen ist, dass sie 
in früherer Vergangenheit Opfer physischer, psychischer oder sexueller Ge-
walt durch Dritte wurde (vgl. Beschwerdeantwort Ziff. 1.1). Die Vorinstanz 
hält jedoch zu Recht fest, dass für die vorliegend beantragten Leistungen 
nach Opferhilfegesetz (ambulantes Schutzkonzept zur Verhütung weiterer 
Übergriffe) massgebend ist, ob die Beschwerdeführerin auch gegenwärtig 
Opfer derartiger Gewalt wird. Folglich hat die Beschwerdeführerin nur dann 
Anspruch auf die beantragten Leistungen nach Art. 13 Abs. 2 und 3 OHG, 

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wenn mit hinreichender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass sie 
nach wie vor Opfer von physischer, psychischer oder sexueller Gewalt wird 
oder jedenfalls derartige Gewalt Dritter in Betracht fällt bzw. glaubhaft ge-
macht ist (vorne E. 3.1).

3.5 Es entspricht einem allgemeinen Grundsatz, dass die Verwal-
tungs(justiz)behörde von der Sachverhaltsfeststellung der Strafbehörde – 
soweit sie auch für ihr Verfahren massgeblich ist – im Interesse der Rechts-
einheit und Rechtssicherheit nicht ohne Grund abweicht (BVR 2016 S. 247 
E. 5.5 mit Hinweisen; VGE 2020/92 vom 8.4.2021 E. 4.3). Im vorliegenden 
Fall hat die Staatsanwaltschaft trotz umfangreicher Ermittlungen bislang 
keine Hinweise auf eine Straftat oder eine allfällige Täterschaft gefunden. 
Vielmehr bestehen Anzeichen dafür, dass die Beschwerdeführerin bzw. An-
teile ihrer Persönlichkeit sich selbst drohende E-Mails und Aufforderungen 
zu Treffen geschickt hat. Nicht auszuschliessen ist, dass es sich bei den vor-
gebrachten Vorfällen um eine Wahrnehmung der Beschwerdeführerin ohne 
Realitätsbezug und ohne den Beitrag von Dritten handelt. Soweit bei der 
rechtsmedizinischen Untersuchung vom 12. Januar 2021 Verletzungen fest-
gestellt werden konnten, weist nichts darauf hin, dass diese Befunde von 
Misshandlungen durch Dritte herrühren (vgl. vorne E. 2.7). Die Beschwerde-
führerin zeigt zeitweise zudem verstärkte Suizidalität und einen Drang nach 
Selbstverletzung (vgl. Akten GSI 3A3 pag. 56). Die festgestellten Verletzun-
gen erscheinen mit Blick darauf nicht ohne weiteres als objektive Hinweise 
auf eine Straftat. Auch die Schilderung der Beschwerdeführerin, sie habe 
während des Vorfalls vom 12. Januar 2021 von aussen gesehen, wie sie auf 
einem Bett gelegen habe und dort misshandelt worden sei (vorne E. 2.6), 
spricht eher dafür, dass es sich dabei um eine Erinnerung an eine frühere 
Misshandlung (sog. Flashback) gehandelt hat. Bei dieser Sachlage besteht 
für das Verwaltungsgericht kein Grund, von den Feststellungen der Staats-
anwaltschaft abzuweichen oder weitere, eigene Abklärungen zu veranlas-
sen; solches wird von der Beschwerdeführerin auch nicht verlangt. Dass die 
Strafuntersuchung weiterhin hängig ist, ändert daran nichts. Was die fach-
ärztlichen Einschätzungen zu den Angaben der Beschwerdeführerin (vorne 
E. 2.2 und 2.3) angeht, kommt ihnen als Privatgutachten grundsätzlich kein 
über blosse Parteibehauptungen hinausgehender Beweiswert zu. Es ist da-
bei dem Umstand Rechnung zu tragen, dass sie im Auftrag der Beschwer-

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deführerin erstellt wurden und der behandelnde Arzt im Hinblick auf seine 
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher im Sinn der Dar-
stellung seiner langjährigen Patientin aussagen dürfte (vgl. BVR 2012 S. 252 
E. 3.4.4; VGE 2020/92 vom 8.4.2021 E. 4.3, 2018/318 vom 12.8.2019 
E. 4.5.2 f. mit weiteren Hinweisen). Nicht in Zweifel zu ziehen ist, dass Thera-
peut und Therapeutin das erzählte subjektive Erleben der Beschwerdefüh-
rerin zutreffend wiedergeben. Zurückhaltung ist hingegen hinsichtlich der 
Interpretation dieses Erlebens angebracht. Die Berichte des Therapeuten-
teams äussern sich zwar ausführlich zum Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführerin. Bezüglich der vorgebrachten Straftaten enthalten sie 
jedoch lediglich Vermutungen und Mutmassungen, die sich auf keine kon-
kreten Beweise stützen (vgl. z.B. Formulierungen wie «In der ambulanten 
Psychotherapie arbeiten wir […] an der Realisation der vergangenen und 
möglicherweise aktuellen traumatisierenden Situationen», «müssen wir da-
von ausgehen, dass [die Beschwerdeführerin] bis heute Opfer von Gewalt 
wird», «durch die mutmasslichen wiederholten Gewalterfahrungen», im Be-
richt vom 17.4.2020, Akten GSI 3A3 pag. 56). Vergleichbares gilt für die Be-
richte aus dem nächsten Umfeld der Beschwerdeführerin (vgl. vorne E. 2.4). 
Allein aus den Einschätzungen aus der Therapie, die hauptsächlich auf den 
Darstellungen der Beschwerdeführerin basieren, sowie aus den Berichten 
aus ihrem Umfeld ergeben sich mit Blick auf das bisher Gesagte keine An-
haltspunkte, die für reale Straftaten sprechen. Die Behauptung, wonach bei 
einem im Jahr 2018 durchgeführten Bluttest Hinweise auf Rohypnol festge-
stellt worden seien (Beschwerde S. 7; Akten GSI 3A2 pag. 3; vorne E. 2.1), 
belegt die Beschwerdeführerin auch im verwaltungsgerichtlichen Verfahren 
nicht. Zusammenfassend muss somit festgehalten werden, dass die Schil-
derungen der Beschwerdeführerin auch nach den umfangreichen Ermittlun-
gen durch die Staatsanwaltschaft nicht objektiv dahin erhärtet werden konn-
ten, dass insgesamt mehr Argumente für das Vorliegen einer die Opferstel-
lung begründenden Straftat sprechen als dagegen oder dass eine opferhil-
ferechtlich relevante Straftat zumindest glaubhaft gemacht ist.

3.6 Die Opferhilfebehörde hat die Opfereigenschaft folglich im Ergebnis 
zu Recht verneint. Die Beschwerdeführerin hat damit (zum jetzigen Zeit-
punkt) keinen Anspruch auf die ersuchten Opferhilfeleistungen. Sollten sich 
in der weiterhin hängigen Strafuntersuchung neue Erkenntnisse ergeben, die 

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eine Straftat zum Nachteil der Beschwerdeführerin wahrscheinlich erschei-
nen lassen, ist ein erneutes Gesuch um Opferhilfeleistungen nicht ausge-
schlossen (so auch angefochtene Verfügung E. 1.2.4).

3.7 Anzumerken bleibt Folgendes: Selbst wenn die Opfereigenschaft der 
Beschwerdeführerin zu bejahen wären, würde sich überdies – wie die Opfer-
hilfebehörde in der angefochtenen Verfügung zu Recht festhält (E. 1.3) – die 
Frage nach der tatsächlichen und rechtlichen Umsetzbarkeit sowie der Ver-
hältnismässigkeit der beantragten Leistungen stellen, da lediglich ein An-
spruch auf infolge einer Straftat notwendige, angemessene und verhältnis-
mässige Massnahmen besteht (vgl. Art. 14 Abs. 1 OHG). Nachzuvollziehen 
ist, dass der vorliegenden Problematik nicht mit einer Unterbringung in einem 
Frauenhaus begegnet werden kann (Beschwerde S. 9). Hingegen ist nicht 
ersichtlich, weshalb der geforderte umfassende Schutz im Sinn einer Betreu-
ung durch medizinisches Fachpersonal rund um die Uhr nicht auch im Rah-
men eines stationären Aufenthalts möglich, zur Behandlung ihres Krank-
heitsbildes vielleicht vorteilhafter, der Entlastung ihres Umfelds dienlicher 
und der Situation insgesamt angemessener wäre. Institutionen für stationäre 
Behandlungen bestehen und sie verfügen über medizinisches Fachpersonal, 
wären also sofort verfügbar. Damit würde auch der Aufwand für die vorgän-
gige Ausarbeitung eines Schutzkonzepts entfallen. Hinzu kommt, dass me-
dizinisch indizierte stationäre (und auch ambulante) Behandlungen in der 
Regel von der obligatorischen Krankenversicherung finanziert werden, was 
unter dem Aspekt der Subsidiarität von Opferhilfeleistungen beachtlich ist 
(vgl. Art. 4 Abs. 1 und 2 OHG). Zu all dem äussert sich die Beschwerdefüh-
rerin nicht, auch nicht im weiteren Verlauf des verwaltungsgerichtlichen Ver-
fahrens, in dem die Opferhilfebehörde nochmals auf diese Aspekte hinge-
wiesen hat (vgl. Beschwerdeantwort Ziff. III./1.3 [act. 3] und Eingaben der 
Beschwerdeführerin vom 30.9.2021 [act. 18] und vom 22.10.2021 [act. 20]).

4.

Nach dem Erwogenen hält die angefochtene Verfügung der Überprüfung 
stand. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen, 
soweit darauf einzutreten ist (vgl. vorne E. 1.2). Bei diesem Verfahrensaus-

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gang erübrigt sich die eventuell beantragte Rückweisung der Sache (vorne 
Bst. C). Verfahrenskosten sind nicht zu erheben, da die Beschwerde nicht 
als mutwillig zu bezeichnen ist (Art. 102 VRPG i.V.m. Art. 30 Abs. 1 und 2 
OHG). Ersatzfähige Parteikosten sind im verwaltungsgerichtlichen Verfahren 
keine angefallen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 und 3 VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch Parteikosten gespro-
chen.

3. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführerin
- Beschwerdegegner
- Bundesamt für Justiz

Der Abteilungspräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.