# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93297bcd-753c-59ab-b0ff-04244f316aa8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.11.2010 D-8130/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8130-2010_2010-11-30.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8130/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard;
Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann.

A._______, geboren (...), Togo,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Wegweisung Dublin (Art. 107a AsylG);
Verfügung des BFM vom 12. November 2010 / 
N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8130/2010

Das Bundesverwaltungsgericht,

in Anwendung 

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht (VGG, SR 173.32),

des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht 
(BGG, SR 173.110),

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländer (AuG, SR 142.20),

der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, 
EMRK, SR 0.101),

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30),

des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kri-
terien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 
Prüfung eines in  einem Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz gestellten 
Asylantrags  (Dublin-Assoziierungsabkommen  [DAA,  SR 
0.142.392.68]),

der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar  2003 
zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehöri-
gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-
II-VO),

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der  Verordnung  (EG)  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom 
2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin-II-VO 
(DVO Dublin),

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2),

stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 27. Juli 2010 in der Schweiz ein Asyl-
gesuch stellte, 

dass das BFM mit  – am 17. November  2010 eröffneter – Verfügung 
vom 11. November 2010 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. d AsylG 
auf das  Asylgesuch nicht eintrat und in Anwendung der Dublin-II-Ver-
ordnung  den  Beschwerdeführer  nach  Frankreich  wegwies,  wobei  es 
festhielt, einer Beschwerde gegen diese Verfügung komme keine auf-
schiebende Wirkung zu, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  eigenhändiger,  auf  französisch  ab-
gefasster Eingabe vom 22. November 2010 gegen diesen Entscheid 
sinngemäss  Beschwerde  erhob  und  dabei  in  verfahrensrechtlicher 
Hinsicht sinngemäss darum ersuchte, es sei der Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom 
23. November 2010 per Telefax  den Vollzug der Wegweisung proviso-
risch aussetzte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde, der Be-
schwerdeführer durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-

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se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG),

dass der angefochtene Entscheid in korrekter Anwendung von Art. 16 
Abs. 2 AsylG in deutscher Sprache ergangen ist  und daher  das Be-
schwerdeverfahren  gemäss  Art.  33a  Abs.  2  VwVG  ebenfalls  auf 
Deutsch geführt wird,

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichter li-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich, wie nachfolgend aufge-
zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

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dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  vom 
13. August 2010  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (...)  unter 
anderem angab, er sei am 25. Juli 2010 von B._______ (Togo) mit der 
C._______  nach  D._______  abgeflogen,  wo  er  am  darauffolgenden 
Tag im Flughafen E._______ angekommen und angeblich mit  einem 
nicht  auf  seinen eigenen  Namen lautenden  französischen Pass ein-
gereist sei,

dass er unmittelbar danach von jemandem abgeholt  worden sei,  der 
ihn  noch  gleichentags  mit  dem Auto  in  die  Schweiz  verbracht  habe 
(vgl. BFM-Protokoll A2, S. 7 f.), 

dass der Beschwerdeführer im Rahmen des ihm an der selben Befra-
gung gewährten rechtlichen Gehörs  zu einer  allfälligen Wegweisung 
nach Frankreich vorbrachte, er kenne sich in Europa nicht aus und er 
sei von jener Person in die Schweiz gebracht worden (vgl. A1, S. 8),

dass das BFM aufgrund dieser Angaben am 27. September 2010 an 
Frankreich ein Ersuchen um Übernahme des Beschwerdeführers stell-
te,  welchem  die  französischen  Behörden  am  5.  Oktober  2010  zu-
stimmten, 

dass die  Vorinstanz in  der  angefochtenen Verfügung zutreffend aus-
führte,  weshalb  Frankreich  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens 
zuständig ist,

dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 22. November 2010 
vorbringt, er werde in seiner Heimat Togo von seiner Familie und von 
den Gendarmen bedroht,  er  befinde  sich  dort  in  Lebensgefahr,  und 
wenn er in Frankreich um Asyl ersuche, werde er von diesem Land in 
seinen  Heimatstaat  zurückgeschickt,  weil  Frankreich  und  Togo  zu-
sammenarbeiten würden, 

dass diese Einwände gegen den vorinstanzlichen Entscheid indessen 
unbehelflich sind, da es gemäss den Zuständigkeitsregeln der Dublin-
II-VO nunmehr in der Verantwortung von Frankreich liegt, das Asylver-
fahren betreffend den Beschwerdeführer nach den geltenden völker-
rechtlichen Regeln und Standards durchzuführen und dabei eine all -
fällige für die Flüchtlingseigenschaft relevante oder unter dem Aspekt 
des  Schutzes  der  Menschenrechte  zu  beachtende  Gefährdung  des 
Beschwerdeführers zu prüfen,

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dass  Frankreich  sowohl  Signatarstaat  der  Flüchtlingskonvention  als 
auch der Europäischen Menschenrechtskonvention ist,

dass keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen, wonach sich Frankreich 
nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen 
hält, 

dass zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung verwiesen wer-
den kann, 

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 
Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  ge-
setzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 
AuG,

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Dublin-Verfahrens stattfinden muss (vgl. vorgehende 
Erwägungen),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach  Frankreich  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  er-
achtete,

dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserhebli-
chen Sachverhalt  unrichtig oder unvollständig feststellt  oder unange-
messen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,

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dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 2 und 3 VGKE) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 
Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Stadelmann

Versand: 

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