# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 219f40cf-afe0-55ad-a64a-a566655ab8e7
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-19
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 19.08.2014 IV 2012/98
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-98_2014-08-19.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/98

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 05.06.2020

Entscheiddatum: 19.08.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 19.08.2014
Bejahung der Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit 
einer im Verfügungszeitpunkt 61-jährigen Versicherten, deren 
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit leicht vermindert ist und die 
lange Jahre im Restaurationsbereich gearbeitet hat. Der Versicherten, die im 
Restaurantbetrieb ihres Ehemannes mithilft bzw. mitgeholfen hat, ist ein 
Berufswechsel zumutbar. Invaliditätsbemessung mittels Prozentvergleich. 
Abweisung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 19. August 2014, IV 2012/98).

Entscheid Versicherungsgericht, 19.08.2014

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und

Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Lea Locher

Entscheid vom 19. August 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Studer Anwälte AG, Haupt-

strasse 11a, 8280 Kreuzlingen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 30. September 2010 aufgrund von Rückenbeschwerden 

(degenerative Abnützung) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der 

IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 4).

A.b  Aus dem Bericht von Dr. med. B.___, Rheumatologie FMH, vom 23. Juni 2008 

geht hervor, dass die Beschwerdeführerin an einer Arthralgie MCP I rechts 

(Differentialdiagnose: symptomatische MCP I Arthrose, Tenovaginitis [stenosans] MCP 

I rechts) nach einer Carpaltunnelsyndromoperation rechts (Januar 2008) sowie an 

einem Carpaltunnelsyndrom links leide (IV-act. 39 S. 6 f.).

A.c  Am 28. Oktober 2010 reichte der Ehemann der Versicherten den Fragebogen für 

Arbeitgebende ein (IV-act. 11). Er hatte darin angegeben, dass die Versicherte seit dem 

1. Februar 2005 für die C.___ GmbH (kleines Speiserestaurant) arbeite. Vor Eintritt des 

Gesundheitsschadens habe die Versicherte im Service, als Küchenhilfe und in der 

Wäscherei gearbeitet sowie die Betriebsführung gemacht. Seit Eintritt des 

Gesundheitsschadens, d.h. seit dem 2. Februar 2009, könne sie nur noch die letzteren 

beiden Arbeiten erledigen. Vor Eintritt des Gesundheitsschadens habe sie 45 Stunden 

pro Woche gearbeitet. Seit Eintritt des Gesundheitsschadens arbeite sie noch 10-15 

Stunden pro Woche. Sie verdiene aber immer noch gleich viel wie vor Eintritt der 

Invalidität, nämlich Fr. 36'000.--. Seit Eintritt der Invalidität sei ihre Arbeitsleistung aber 

nur noch Fr. 12'000.-- pro Jahr wert. Der Ehemann der Versicherten hielt im 

Fragebogen zudem fest, dass die von der Versicherten vor ihrer Erkrankung erbrachten 

Leistungen höher hätten entlöhnt werden müssen. Dies sei vom Betriebsergebnis her 

jedoch nicht möglich gewesen. Ohne Gesundheitsschaden müsste die Versicherte 

heute Fr. 48'000.-- verdienen. Schliesslich ist dem Fragebogen noch zu entnehmen, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

dass die Versicherte vom 6. Januar bis am 1. Februar 2009, vom 13. April bis am 20. 

Juni 2010 sowie vom 12. Juli bis am 31. Oktober 2010 zu 100 % arbeitsunfähig 

gewesen sei.

A.d  Am 29. Oktober 2010 führte der RAD-Arzt D.___ ein Gespräch mit dem Hausarzt 

der Versicherten, Dr. med. E.___ (IV-act. 9). Dem von Dr. E.___ am 16. November 2010 

unterzeichneten Gesprächsprotokoll ist zu entnehmen, dass die Versicherte aufgrund 

einer Osteoporose mit Frakturen des BWK 8 und des LWK 1, Status nach der 

Operation einer Spinalkanalstenose am 14. April 2010, in ihrer Arbeitsfähigkeit 

beeinträchtigt sei. Die Versicherte sei seit dem 1. November 2010 50 % arbeitsunfähig 

(IV-act. 12).

A.e  Am 7. Januar 2011 reichte die Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen einen 

Bericht vom 20. Dezember 2010 ein (IV-act. 17). Darin hatte sie folgende Diagnosen 

angegeben: Therapieresistente Lumboischialgie rechts, Status nach positiver 

Facettengelenksinfiltration L4/5 beidseits am 23. September 2010, Osteochondrose 

L4/5 (Modic Typ II), Status nach transpedikulärer Verschraubung L2/3 und 

Laminotomie L2 am 14. April 2010 und Status nach Deckenplattenimpressionsfraktur 

L1 und Th9 bei bekannter Osteoporose. Weiter wurde in diesem Bericht ausgeführt, die 

Versicherte habe vom Eingriff am 14. April 2010 nur kurzfristig profitiert. Die Infiltration 

der Facettengelenke am 23. September 2010 habe einen guten Erfolg hinsichtlich der 

Bein- und Rückenschmerzsymptomatik gebracht. Die Versicherte leide dennoch an 

einer funktionellen Leistungsminderung aufgrund der degenerativen Veränderungen der 

LWS sowie der Deckplattenimpressionsfraktur L1 und Th9. Sie sei vom 31. Mai bis zum 

11. Oktober 2010 im angestammten Beruf 100 % arbeitsunfähig gewesen. 

Insbesondere langes Stehen und das Heben von Lasten über 5 kg bereiteten der 

Versicherten grösste Probleme. Die bisherige Tätigkeit sei ihr aus medizinischer Sicht 

nicht mehr zumutbar. Die Einschränkungen liessen sich durch medizinische 

Massnahmen nicht vermindern. Schliesslich merkten die behandelnden Ärzte noch an, 

dass eine objektive Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) der 

Versicherten angezeigt sei.

A.f   Am 7. Juni 2011 wurde die Versicherte von Dr. B.___ konsiliarisch im Auftrag der 

SWICA untersucht (IV-.act. 39). Er diagnostizierte ein chronisches rechtsbetontes 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

lumbospondylogenes Syndrom, ein Carpaltunnelsyndrom, eine Ringbandspaltung A1 

rechts im Januar 2009 wegen einer Tendovaginitis stenosans sowie einen Status nach 

einer Hallux Operation beidseits. Dr. B.___ fand anlässlich der Untersuchung keine 

Hinweise für eine lumboradikuläre Reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptomatik. Er 

führte weiter aus, dass die ausgeprägte muskuläre Dysbalance im Vordergrund stehe. 

Die körperliche Leistungsfähigkeit sei bei rückenbelastenden Arbeiten beeinträchtigt. 

Das Heben und Tragen von Lasten über 7.5 bis 10 kg, längere Arbeiten in ergonomisch 

ungünstigen Wirbelsäulenpositionen sowie Tätigkeiten mit repetitiven 

Wirbelsäulenflexionen und -extensionen müssten vermieden werden.

A.g  Am 12. Juli 2011 wurde die Versicherte vom RAD-Gutachter Dr. med. G.___, 

Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, 

rheumatologisch untersucht (Bericht vom 1. September 2011, IV-act. 44). Als Diagnose 

mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab er ein chronisches lumbo-spondylogenes 

Syndrom (rechts mehr als links) an. Er führte zudem aus, die Rhizarthrose, die STT-

Arthrose und die Arthrose des MCP I (Hand rechts mehr als links), die Osteoporose, die 

Hallux-valgus-Operation beidseits, der Status nach Karpaltunnelsyndrom-Operation 

rechts (Januar 2008) und die Ringbandspaltung Dig. I der rechten Hand hätten keine 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Anlässlich der Untersuchung berichtete die 

Versicherte, von 1966 bis 1968 eine Ausbildung als kaufmännische Angestellte 

absolviert, diese jedoch nicht abgeschlossen zu haben. Von 1996 bis 2001 habe sie ein 

Hotel-Restaurant in H.___ geführt. Seit Februar 2005 arbeite sie für die C.___ GmbH. 

Vor Eintritt des Gesundheitsschadens habe sie in den Bereichen Service, Küche, 

Wäscherei und Betriebsführung gearbeitet. Seit Februar 2009 könne sie nur noch die 

Betriebsführung (20 %) und die Wäscherei-Aufgaben (5 %) erledigen. Die Versicherte 

führte weiter aus, dass sie heute noch eine Gehstrecke von ein bis zwei Stunden 

bewältigen könne. Sitzende Tätigkeiten (wie Büroarbeit) könne sie vier Stunden täglich 

ausüben, wobei sie danach ziehende Schmerzen im rechten Bein verspüre. Stehen 

könne sie nicht mehr gut, nur noch ca. zwei Stunden am Stück. Sie könne nur noch 

leichte Lasten (bis 5 kg) tragen, dies jedoch nicht mehr repetitiv. Dr. G.___ erklärte, im 

Brennpunkt stünden zwei gesundheitliche Hauptprobleme, nämlich der 

Gesundheitsschaden an der Lendenwirbelsäule und die Arthrosen an der Hand im 

Bereich des ersten Strahls (rechts mehr als links). Das Hauptproblem sei die 

eingeschränkte Fähigkeit zu stehen und die verminderte Belastbarkeit durch Gewichte. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die Beschwerden seien belastungsabhängig. Die aktuell erhobenen Befunde könnten 

die persistierende Symptomatik erklären. Insgesamt resultiere eine verminderte 

Belastbarkeit im Bereich der Lendenwirbelsäule für statische und dynamische 

Belastungen. Die beschriebenen arthrotischen Veränderungen des ersten Strahles der 

Hände (rechts mehr als links) hätten eine verminderte Belastbarkeit zur Folge, 

beispielsweise beim kraftvollen Zupacken im Küchenbereich, bei Belastungen bei der 

Service-Tätigkeit oder beim Öffnen von Flaschen. Von solchen Tätigkeiten müsse 

abgeraten werden. Durch die verminderte Belastbarkeit und die eingeschränkte 

Funktionsfähigkeit sei die angestammte Tätigkeit in der Gastronomie nicht mehr 

zumutbar. Für eine Reduktion der Leistungsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit 

sprächen die mässigen degenerativen Veränderungen L4 bis S1, die vorhandene 

Fehlstatik und der nur partielle Operationserfolg. Für eine nur leichte Reduktion der 

Leistungsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit spreche die Tatsache, dass die 

Versicherte anlässlich der RAD-Untersuchung in den Alltagsfunktionen kaum 

eingeschränkt gewesen sei: Sie habe problemlos verschiedene Gangarten ausgeführt, 

die Socken im Stehen ausgezogen und gute Funktionen beim Bücken gezeigt. Zudem 

nehme sie das Analgetikum Dafalgan nur in ganz geringer Menge ein. Daraus lasse sich 

schliessen, dass die Leistungsfähigkeit der Versicherten in adapatierten Tätigkeiten um 

25 % reduziert sei. Die reduzierte Arbeitsfähigkeit gelte spätestens ab April 2010 

(Rückenoperation). Die Arthrose der Hände wirke sich bei adaptierten Tätigkeiten und 

adäquater, nur leichter Kraftanwendung nicht reduzierend auf die Arbeitsfähigkeit aus. 

Zu empfehlen sei eine leichte Wechselbelastung bis 5 kg, ohne Stehen, ohne 

Zwangspositionen, ohne Rotationen und ohne repetitive Tätigkeiten im Bereich des 

Achsenskelettes. Kraftanwendungen der Hände und Kälte- und Nässeexpositionen 

seien zu vermeiden. Die attestierte Arbeitsfähigkeit könne ca. während 6 Stunden mit 

voller Leistung erbracht werden.

A.h  Bereits am 6. Juli 2011 hatte die IV-Stelle eine Abklärung an Ort und Stelle 

durchgeführt (IV-act. 48). Bei der Abklärung gab die Versicherte an, dass sie vor Eintritt 

der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 65 Stunden pro Woche gearbeitet und Fr. 

39'240.-- pro Jahr verdient habe. Ihr Ehemann habe ebenfalls 65 Stunden pro Woche 

gearbeitet und sich einen Lohn von Fr. 27'070.-- ausbezahlt. Ihre Tochter habe 45 

Stunden pro Woche gearbeitet und einen Jahreslohn von Fr. 54'600.-- erzielt. Heute 

arbeite sie noch 8 Stunden pro Woche, beziehe aber denselben Lohn wie früher. Ihr 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Ehemann arbeite heute 35 Stunden pro Woche und beziehe einen Lohn von Fr. 

12'000.--. Der Betrieb habe zudem zwei Angestellte: Eine Angestellte arbeite 60 % (27 

Stunden pro Woche) und verdiene jährlich Fr. 33'120.--. Die zweite Angestellte arbeite 

50 % (22.5 Stunden pro Woche) und verdiene Fr. 27'600.--. Der Ehemann habe seine 

Tätigkeit im Betrieb im Jahr 2009 aus gesundheitlichen Gründen reduzieren müssen 

(Herzoperation). Früher sei das Restaurant jeweils dienstags bis samstags von 10 bis 

23 Uhr geöffnet gewesen. Heute sei es jeweils von 14:30 bis 17:30 Uhr geschlossen. 

Dem Betätigungsvergleich ist zu entnehmen, dass die Betriebsführung 20 %, die 

Tätigkeit als Küchenhilfe 45 %, der Service 30 % und die Tätigkeit in der Wäscherei 5 

% der angestammten Tätigkeit ausmache. Neben der Betriebsführung und der 

Küchenwäsche könne die Versicherte noch die Gästebetreuung und -beratung selber 

erledigen. Der Betätigungsvergleich ergab einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 28 %. Die 

Versicherte bestätigte die Angaben im Abklärungsprotokoll am 17. Juli 2011. Dabei 

merkte sie noch an, dass die Tochter den Betrieb erst im Februar 2011 verlassen habe. 

Seit Februar 2005 habe sie während den Zeiten, während denen die Tochter nicht 

anwesend gewesen sei, den Service gemacht. Sie habe also von Februar 2005 bis April 

2008 20 Stunden pro Woche im Service gearbeitet. Ab Mai 2008 habe eine Angestellte 

im Stundenlohn die Arbeit der Versicherten übernommen. Seit Anfang 2011 arbeite 

diese Angestellte zu 60 % im Betrieb. Die zuständige Abklärungsperson nahm wie folgt 

Stellung: Er sei von der Versicherten und ihrem Ehemann freundlich empfangen und es 

sei ein offenes und gutes Gespräch geführt worden. Die Versicherte habe ihre 

Einschränkungen glaubwürdig geschildert. Die Familie habe sich mit dem Restaurant 

einen sehr guten Ruf erarbeitet und bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Das 

Restaurant lebe allerdings eindeutig von der Anwesenheit des Ehemannes und von 

seinen Kochkünsten. Der Ehemann sei bereits im Pensionsalter. Sobald er sich 

zurückziehe oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr erwerbstätig sein könne, 

müsse sich die Versicherte beruflich neu orientieren.

A.i   Am 7. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Abweisung 

des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 49). Als Begründung führte sie an, dass die 

Versicherte ohne Behinderung in ihrer angestammten Tätigkeit als selbständig 

Erwerbende ein Jahreseinkommen von Fr. 39'240.-- hätte erzielen können. Mit 

Behinderung sei ihr eine adaptierte Tätigkeit von 75 % zumutbar. Weiter sei es ihr aus 

IV-rechtlicher Sicht zumutbar, in eine Angestelltentätigkeit zu wechseln, die den 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Kriterien einer adaptierten Tätigkeit entspreche. Gemäss der Lohnstrukturerhebung des 

Bundesamtes für Statistik (LSE) könnte sie ein Jahreseinkommen von Fr. 34'673.-- 

erzielen; in diesem Betrag sei bereits ein Tabellenlohnabzug von 10 % berücksichtigt. 

Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von 12 %, weshalb die Versicherte keinen 

Rentenanspruch habe.

A.j   Dagegen liess die Versicherte am 24. November 2011 einen Einwand erheben (IV-

act. 55). Ihr Vertreter beantragte, es sei der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. April 

2011 eine Rente zuzusprechen. Eventualiter sei im Sinne ergänzender Abklärungen 

eine EFL durchzuführen. Zusammenfassend brachte der Vertreter vor, als 

Valideneinkommen müsse mindestens das Einkommen der Tochter, d.h. Fr. 54'600.--, 

herangezogen werden. Die Versicherte sei aufgrund des wirtschaftlichen Drucks 

unterbezahlt worden und habe deshalb nur ein Jahreseinkommen von Fr. 39'240.-- 

erzielt. Ausserdem schreibe die Rechtsprechung grundsätzlich eine Parallelisierung der 

Vergleichseinkommen vor. Weiter gehe aus dem Fragebogen des Arbeitgebers hervor, 

dass die Versicherte auch im Sitzen nicht voll arbeitsfähig sei. Dies sei aufgrund der 

deutlichen funktionellen Einschränkungen der lumbalen Wirbelsäule nachvollziehbar. 

Dr. G.___ habe in seinem Gutachten ausgeführt, dass die arthrotischen Veränderungen 

der Hände eine verminderte Belastbarkeit zur Folge hätten. Es sei deshalb davon 

auszugehen, dass die Versicherte auch in einer adaptierten Tätigkeit, namentlich bei 

repetitiven Tätigkeiten und Tätigkeiten vorwiegend manueller Art, zusätzlich 

eingeschränkt sei. Solche Arbeiten seien in vielen Hilfsarbeiterinnen-Tätigkeiten nicht 

zu vermeiden. Weiter sei aktenkundig, dass die gesundheitlichen Einschränkungen 

belastungsabhängig seien. Es sei deshalb nicht aussergewöhnlich, dass die 

Versicherte anlässlich der RAD-Untersuchung eine bessere Funktionsfähigkeit gezeigt 

habe, als dies unter der täglichen beruflichen Belastung der Fall sei. Zur schlüssigen 

Ermittlung der zumutbaren Arbeitstätigkeit sei die Durchführung einer EFL 

unverzichtbar. Dr. G.___ habe seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht genügend 

begründet. Die Versicherte sei auch in adaptierten Tätigkeiten im Sitzen und in der 

Handarbeit eingeschränkt. Die Arbeitsfähigkeit dürfte somit deutlich unter 75 % liegen. 

Weiter habe die Versicherte im Betrieb 45 Stunden pro Woche gearbeitet. Gemäss 

Dr. G.___ sei sie ca. 6 Stunden pro Tag voll leistungsfähig. Die Arbeitsfähigkeit betrage 

somit nicht 75%, sondern lediglich 66.7 % (6 x 5 = 30 Stunden). Angesichts der 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen, des fortgeschrittenen Alters und der langen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Ausübung einer selbständigen Tätigkeit sei ein Tabellenlohnabzug von 20 % 

vorzunehmen. Der Rechtsvertreter brachte schliesslich noch vor, dass die Versicherte 

aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen auch in einer adaptierten Tätigkeit 

keine Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt habe. Sie komme ihrer 

Schadenminderungspflicht mit ihrer verbleibenden Teilzeittätigkeit im Betrieb daher 

hinreichend nach. Da der Betätigungsvergleich einen Invaliditätsgrad von 72 % 

ergeben habe, bestehe ein Rentenanspruch.

A.k  Am 19. Dezember 2011 nahm Dr. G.___ auf eine interne Anfrage Stellung zu den 

Einwänden (IV-act. 57). Er erklärte, dass die Versicherte die Sitzfähigkeit selber mit vier 

Stunden angegeben habe und er diese Angabe habe verifizieren können. Die 

Sitzfunktion sei bei einer leichten Wechselbelastung kein limitierendes 

Gesundheitsproblem. Die Durchführung einer EFL sei nicht indiziert gewesen. Im 

Übrigen liege die Wahl der Abklärungsmethode gemäss Art. 49 IVV beim Gutachter.

A.l   Mit Verfügung vom 9. Februar 2012 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren aus 

den im Vorbescheid genannten Gründen ab (IV-act. 58). Zu den Einwänden führte sie 

aus, dass die Versicherte weiterhin den gleichen Lohn beziehe, obwohl sie ihre 

Tätigkeit im Betrieb stark reduziert habe. Sie erleide somit keinen realen 

Einkommensverlust. Weiter sei es ihr zumutbar, in eine unselbständige Tätigkeit zu 

wechseln, da der Erfolg des Restaurants durch ihre Abwesenheit nicht beeinflusst 

werde. Der Erfolg des Restaurants werde ausschliesslich durch ihren Ehemann 

beeinflusst. Sobald dieser nicht mehr im Restaurant tätig sein könne, müsse die 

Versicherte einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Im Rahmen der 

Schadenminderungspflicht sei es ihr deshalb zumutbar, bereits früher eine solche 

Arbeitsstelle anzutreten. Schliesslich verwies die IV-Stelle noch auf die Stellungnahme 

von Dr. G.___ vom 19. Dezember 2011.

B.    

B.a  Am 12. März 2012 liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

Beschwerde gegen diese Verfügung erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte, 

die Verfügung sei aufzuheben und der Versicherten sei mit Wirkung ab dem 1. April 

2011 eine Rente zuzusprechen. Eventualiter seien ergänzende Abklärungen zu 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

veranlassen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der IV-Stelle 

(nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Der Rechtsvertreter argumentierte, die 

Beschwerdegegnerin habe es versäumt, das Valideneinkommen anhand der konkreten 

Gegebenheiten rechtsgenügend zu ermitteln. Der Wert der Leistung der 

Beschwerdeführerin als Gesunde betrage mindestens Fr. 54'600.-- pro Jahr. Der Wert 

ihrer Arbeitsleistung als Invalide betrage Fr. 12'000.-- pro Jahr. Ausserdem gehe aus 

dem Abklärungsbericht hervor, dass die Öffnungszeiten des Betriebs aufgrund der 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin reduziert worden seien; 

dies habe sich empfindlich auf die Erfolgsrechnung ausgewirkt. Die 

Beschwerdegegnerin habe nicht begründet, weshalb sie keine Parallelisierung der 

Einkommen vorgenommen habe. Auch die Anmerkung, der Erfolg des Restaurants 

werde ausschliesslich durch die Präsenz des Ehemannes aufrecht erhalten, sei nicht 

nachvollziehbar. Gerade seit der Pensionierung des Ehemannes per 1. Oktober 2009 

sei die Präsenz der Beschwerdeführerin im Familienbetrieb noch notwendiger 

gewesen. Ein Berufswechsel sei ihr nicht zumutbar. Der Familienbetrieb habe sich über 

lange Jahre eine Stammkundschaft und einen guten Ruf erworben. Durch eine 

vorzeitige Aufgabe des Betriebs würden unnötige Folgekosten entstehen und die 

Beschwerdeführerin würde arbeitslos werden, da sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 

keine Chance habe. Schliesslich machte der Rechtsvertreter noch geltend, die 

Beschwerdegegnerin habe das rechtliche Gehör verletzt, indem sie sich mit den in der 

Stellungnahme zum Einwand vorgebrachten Argumenten betreffend die Verwertbarkeit 

der Restarbeitsfähigkeit und die Festsetzung des Valideneinkommens nicht 

auseinandergesetzt habe.

B.b  In der Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2012 (act. G 4) hielt die 

Beschwerdegegnerin fest, dass dahingestellt bleiben könne, ob sie das 

Valideneinkommen korrekt ermittelt habe. Denn bei korrekter Betrachtung resultiere 

selbst ausgehend von einem Valideneinkommen von Fr. 54'600.-- und einem 

Invalideneinkommen von Fr. 35'633.-- ein rentenausschliessender IV-Grad von 35 %. 

Sie halte daran fest, dass der Beschwerdeführerin ein Berufswechsel zumutbar sei. Es 

könne nicht sein, dass sämtlichen Selbständigerwerbenden, denen das Geschäft 

bisher einigermassen gut gelaufen sei, die Aufgabe der Tätigkeit nicht zugemutet 

werden könne. Das Ehepaar habe in den Jahren 2005 bis 2010 gesamthaft einen 

betriebswirtschaftlichen Verlust erzielt. Da ihr ‒ gesundheitlich angeschlagener ‒

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Ehemann allem Anschein nach pensioniert sei, sei ohnehin nicht einzusehen, weshalb 

der Restaurantionsbetrieb noch aufrechterhalten werde. Die Einschränkungen der 

Beschwerdeführerin seien nicht derart gravierend, dass von Anfang an davon 

ausgegangen werden müsste, dass sie ihre Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten 

könnte.

B.c  In der Replik vom 28. Juni 2012 (act. G 7) wandte der Rechtsvertreter ein, dass die 

Beschwerdeführerin neben ihrer bisherigen Aufgabe auch die Tätigkeit der Tochter 

übernommen habe. Es sei also auf der Basis des Einkommens der Tochter zu 

ermitteln, wie hoch die übrigen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin zu gewichten seien. 

Weiter sei erstellt, dass der Betrieb nicht auf die Tätigkeit der Beschwerdeführerin habe 

verzichten können, ohne massive Verluste hinzunehmen. Durch die ‒ wenn auch 

gesundheitlich bedingt stark reduzierte ‒ Präsenz und Tätigkeit der 

Beschwerdeführerin habe das Restaurant bis heute fortgeführt werden können. 

Aufgrund des fortgeschrittenen Alters und ihrer langjährigen Tätigkeit im 

Restaurationsbereich könne sie ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt nicht mehr verwerten. Es liege daher eine vollständige Erwerbsunfähigkeit 

vor. Weiter sei Dr. G.___ in seiner Stellungnahme nicht auf die Einwände und 

Beschwerdeargumente eingegangen. Er habe sich nicht mit den Vorakten, 

insbesondere nicht mit der Empfehlung des Kantonsspitals St. Gallen, eine EFL 

durchzuführen, auseinandergesetzt. Dr. G.___ habe bei seiner 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung nicht berücksichtigt, dass sich die Beschwerdeführerin 

massiv schone und bei Belastung sofort mit massiver Beschwerdezunahme reagiere. 

Ausserdem merkte der Rechtsvertreter an, dass die Beschwerdeführerin bereits 

anlässlich der Begutachtung als Hauptsymptome Schmerzen im Kreuz sowie im 

Bereich der alten Fraktur in der Brustwirbelsäule angegeben habe. In der Folge habe 

Dr. G.___ nur noch von der LWS und den Händen gesprochen. Dr. G.___ habe den 

Befund der Brustwirbelsäule nicht hinreichend gewichtet. Die Degeneration der BWS 

schreite fort. Der Rechtsvertreter verwies hierzu auf einen Bericht des Instituts für 

Radiologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 30. März 2012 (act. G 7.1). Dem Bericht 

ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin an einer Hyperkyphose der BWS mit 

keilförmiger Deformation der BWK 7 und BWK 9 leide.

B.d  Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen:

1.     

1.1   Die Beschwerdeführerin liess geltend machen, die Beschwerdegegnerin habe ihre 

Begründungspflicht verletzt, indem sie sich nicht mit den in der Stellungnahme zum 

Einwand vorgebrachten Argumenten betreffend die Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit und die Festsetzung des Valideneinkommens auseinandergesetzt 

habe. Vorab ist somit zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das rechtliche Gehör der 

Beschwerdeführerin verletzt hat.

1.2   Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll 

entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die Begründungspflicht ist ein 

wesentlicher Bestandteil des in Art. 29 Abs. 2 BV verfassungsrechtlich verankerten 

Anspruchs auf rechtliches Gehör. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

soll die Begründungspflicht zum einen verhindern, dass sich die Verwaltungsbehörde 

von unsachlichen Motiven leiten lässt. Zum anderen soll sie es der betroffenen Person 

ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. In der 

Entscheidbegründung müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von 

denen sich die Verwaltungsbehörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre 

Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder 

tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen 

muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte 

beschränken (BGE 124 V 180, E. 1a, mit Hinweisen).

1.3   Der angefochtenen Verfügung vom 9. Februar 2012 ist zu entnehmen, dass sich 

die Beschwerdegegnerin bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung vollumfänglich auf das 

RAD-Gutachten gestützt hat, wie sich das Invaliden- und Valideneinkommen 

zusammensetzt und weshalb die Beschwerdegegnerin die Aufgabe der 

unselbständigen Erwerbstätigkeit als zumutbar erachtet. Nicht begründet hat die 

Beschwerdegegnerin dagegen, weshalb sie von der Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit ausgeht. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine 

Schlüsselfrage dieses Entscheides und die sachgerechte Anfechtung der Verfügung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

wird dadurch nicht gefährdet. Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör in der Form einer ausreichenden 

Verfügungsbegründung daher nicht verletzt.

2.     

2.1   Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung einen Anspruch 

der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint. Streitgegenstand des 

vorliegenden Verfahrens ist somit, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine 

Invalidenrente hat oder nicht.

2.2   Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist 

gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.3   Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad 

grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu 

erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst 

genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 119). 

Wird eine Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer 

ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch 

eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE 

114 V 310 E. 3a)

2.4   Der Beschwerdeführerin ist vom 6. Januar bis am 1. Februar 2009, vom 13. April 

bis am 20. Juni 2010 sowie vom 12. Juli bis am 31. Oktober 2010 in der angestammten 

Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert worden. Ab 1. November 2010 ist 

sie in der angestammten Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig geschrieben worden. Der 

RAD-Gutachter hat angegeben, die Beschwerdeführerin sei spätestens seit April 2010 

in den nicht-adaptierten Arbeiten ihrer angestammten Tätigkeit arbeitsunfähig. Gemäss 

Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG i.V.m. Art. 29  IVV wird das Wartejahr unterbrochen, sobald die 

versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig ist. 

Die Beschwerdeführerin ist Anfang 2009 für rund einen Monat arbeitsunfähig 

geschrieben worden. Danach ist ihr erst wieder ab dem 13. April 2010, das heisst über 

ein Jahr später, eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Aufgrund dieses langen 

Unterbruchs könnte das Wartejahr daher erst am 1. April 2010 zu laufen begonnen 

haben. Der potentielle Rentenbeginn ist somit, wie der Rechtsvertreter richtig erkannt 

hat, auf den 1. April 2011 festzulegen.

3.     

3.1   Der RAD-Gutachter hat bei der Beschwerdeführerin ein chronisches lumbo-

spondylogenes Syndrom, Arthrose in beiden Händen und eine Osteoporose mit Status 

nach Fraktur von BWK 9 und LWK1 diagnostiziert. Seine Diagnosen decken sich im 

Wesentlichen mit den Diagnosen von Dr. B.___ und der Neurochirurgie des 

Kantonsspitals St. Gallen. Es kann daher auf diese, von der Beschwerdeführerin nicht 

bestrittenen Diagnosen abgestellt werden. Umstritten und zu prüfen ist, ob der RAD-

Gutachter die Auswirkungen dieser gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die 

Arbeitsfähigkeit richtig eingeschätzt hat.

3.2   Als Erstes hat der Rechtsvertreter vorgebracht, der RAD-Gutachter habe die 

arthrotischen Veränderungen der Hände zu Unrecht als nicht-arbeitsfähigkeitsrelevant 

ter

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

qualifiziert. Der RAD-Gutachter hat in seinem Gutachten ausgeführt, dass die 

arthrotischen Veränderungen eine verminderte Belastbarkeit zur Folge hätten. Die 

Beschwerdeführerin müsse beispielsweise kraftvolles Zupacken mit den Händen und 

das Öffnen von Flaschen vermeiden. Bei leichter Kraftanwendung wirkten sich die 

Arthrosen in den Händen nicht reduzierend auf die Arbeitsfähigkeit aus, weshalb sie in 

einer adaptierten Tätigkeit keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Diese 

Ausführungen des RAD-Gutachters sind stringent und nachvollziehbar. Wie 

nachfolgend unter den Ziffern 4.3 und 6 dargelegt wird, ist bei der Validenkarriere von 

einer Tätigkeit im kaufmännischen Bereich auszugehen. Bei solchen Bürotätigkeiten 

werden keine grossen Kraftanwendungen der Hände gefordert. Die arthrotischen 

Veränderungen haben somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten 

Tätigkeit.

3.3   Der Rechtsvertreter hat als Zweites geltend gemacht, dass der RAD-Gutachter 

dem Befund der Brustwirbelsäule (Osteoporose mit Status nach Fraktur von BWK 9) 

bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung kein hinreichendes Gewicht beigemessen habe. Der 

Gutachter hat bei der Beschwerdeführerin eine fixierte Hyperkyphose festgestellt (IV-

act. 44 S. 4). Er ist jedoch zum Schluss gekommen, dass die Osteoporose mit 

Wirbelfrakturen keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten 

Tätigkeit habe. Unter einer adaptierten Tätigkeit hat er eine leichte, wechselbelastende 

Tätigkeit ohne Stehen, ohne Zwangspositionen, ohne Rotationen und ohne repetitive 

Tätigkeiten im Bereich des Achsenskeletts verstanden. Dr. B.___ hat die 

Beschwerdeführerin rund einen Monat vor der RAD-Begutachtung untersucht. Er ist 

zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin rückenbelastende Tätigkeiten 

vermeiden sollte. Dr. B.___ hat die Wirbelfrakturen bzw. die Hyperkyphose der BWS 

somit ebenfalls nicht als leistungsvermindernd beurteilt. Die Neurochirurgie des 

Kantonsspitals St. Gallen hat in ihrem Bericht vom Januar 2011 angegeben, dass die 

Wirbelfrakturen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigten. Diese 

Arbeitsfähigkeitsschätzung bezieht sich allerdings auf die zuletzt ausgeübte und nicht 

auf eine adaptierte Tätigkeit. Hinzu kommt, dass es sich beim RAD-Gutachter und Dr. 

B.___ um Rheumatologen handelt, welche ‒ im Gegensatz zu Neurologen, die sich mit 

Erkrankungen des Nervensystems beschäftigen ‒ auf Erkrankungen und 

Funktionsstörungen des Bewegungsapparates wie osteoporotische Veränderungen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

spezialisiert sind. Es ist somit davon auszugehen, dass die Hyperkyphose der BWS 

bzw. die Osteoporose mit Status nach Fraktur von BWK 9 ‒ neben der durch die 

Rückenschmerzen bedingte Leistungsverminderung ‒ mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit keine zusätzliche Verminderung der Leistungsfähigkeit in einer 

adaptierten Tätigkeit hat. Daran vermag auch der mit der Replik eingereichte neue 

bildgebende Befund des Instituts für Radiologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 

30. März 2012 nichts zu ändern. Zwar ist neu ‒ neben der Fraktur von BWK9 - auch 

eine keilförmige Deformation von BWK 7 nachweisbar. Dem Bericht des Kantonsspitals 

St. Gallen ist jedoch zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin am 3. März 2012 ein 

Trauma erlitten hat und Schmerzen im Bereich der BWK 7 bis 9 hat (act. G 7.1). Die 

zusätzlichen Beschwerden sind somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch das 

Trauma, welches die Beschwerdeführerin nach dem 9. Februar 2012, d.h. erst nach 

Verfügungserlass erlitten hat, ausgelöst worden und nicht durch die Deformation von 

BWK 7. Hinzu kommt, dass der RAD-Gutachter seine Arbeitsfähigkeitsschätzung in 

Kenntnis der Hyperkyphose der BWS, und damit in Kenntnis der Deformation von 

Brustwirbelkörpern, abgegeben hat.

3.4   Drittens hat der Rechtsvertreter kritisiert, der RAD-Gutachter habe sich bei der 

Erstellung seines Gutachtens nicht genügend mit den Vorakten auseinandergesetzt. Er 

habe insbesondere nicht dargelegt, weshalb er ‒ trotz der Empfehlung der Neurologie 

des Kantonsspitals St. Gallen ‒ auf die Durchführung einer EFL verzichtet habe. Diese 

Kritik ist nicht stichhaltig. Unter der Ziffer 2 (Ergebnisse aus Aktenstudium) des 

Gutachtens ist nämlich ersichtlich, dass sich der Sachverständige mit dem Bericht der 

Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 20. Dezember 2010, welcher die 

Empfehlung zur Durchführung einer EFL beinhaltet, auseinandergesetzt und die 

Empfehlung somit zur Kenntnis genommen hat. Dass er sich im Gutachten nicht 

explizit zur Indikation einer EFL geäussert hat, schmälert die Beweiskraft des 

Gutachtens nicht. Denn es kann von einem Sachverständigen nicht erwartet werden, 

dass er zu jedem Standpunkt bzw. zu jeder divergierenden, medizinischen 

Einschätzung in den Vorakten ausdrücklich Stellung nimmt. Aus der Tatsache, dass er 

keine EFL angeordnet hat, kann der Schluss gezogen werden, dass er eine EFL als 

nicht indiziert erachtet hat. Dies hat der Sachverständige denn auch auf Anfrage der 

Beschwerdegegnerin am 19. Dezember 2011 geantwortet. Er hat dabei zutreffend auch 

auf Art. 49 Abs. 1 IVV verwiesen, wonach der RAD die geeigneten Prüfmethoden im 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Rahmen seiner medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen 

Weisungen des Bundesamts frei wählen kann. Der Sachverständige hat detailliert 

umschrieben, welche adaptierten Tätigkeiten die Beschwerdeführerin noch ausüben 

kann und welche nicht. Angesichts der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der 

Beschwerdeführerin erscheint die Umschreibung der adaptierten Tätigkeit 

nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass das Kantonsspital St. Gallen die Durchführung 

einer EFL empfohlen hat, bevor die Beschwerdeführerin vom RAD untersucht worden 

ist. Es kann daher nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass das 

Kantonsspital St. Gallen eine EFL noch als indiziert betrachtet hätte, wenn ihm das 

RAD-Gutachten vorgelegen hätte. Möglicherweise hat es mit der Empfehlung einer EFL 

einfach darauf hinweisen wollen, dass die medizinisch-theoretische 

Arbeitsfähigkeitsschätzung durch eine Fachperson erfolgen muss. Es ist daher davon 

auszugehen, dass der RAD-Gutachter die Arbeitsfähigkeit gestützt auf die Vorakten 

und seine Untersuchungsergebnisse rechtsgenüglich hat feststellen können.

3.5   Der Rechtsvertreter hat viertens vorgebracht, dass der RAD-Gutachter bei seiner 

Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht berücksichtigt habe, dass die Beschwerdeführerin 

auch im Sitzen nicht voll arbeitsfähig sei. Die Beschwerdegegnerin hat den Gutachter 

mit diesem Vorwurf konfrontiert. Dieser hat erklärt, dass die Beschwerdeführerin selbst 

angegeben habe, vier Stunden am Stück sitzend tätig sein zu können. Er habe diese 

Angaben verifizieren können. Die Sitzfunktion sei bei einer leichten Wechselbelastung 

kein limitierendes Gesundheitsproblem. Auch diese Ausführungen des Gutachters sind 

schlüssig. So hat er angegeben, die Beschwerdeführerin sei täglich während ca. 6 

Stunden voll leistungsfähig. Bei einer wechselbelastenden Tätigkeit sitzt die 

Beschwerdeführerin nicht vier Stunden am Stück, sondern übt zwischendurch gehende 

Tätigkeiten aus. Insofern hat die eingeschränkte Sitzfunktion der Beschwerdeführerin 

bei der Ausübung einer adaptierten Tätigkeit somit keine Relevanz.

3.6   Fünftens hat der Rechtsvertreter geltend gemacht, dass der RAD-Gutachter 

erklärt habe, die Beschwerdeführerin sei ca. 6 Stunden pro Tag voll leistungsfähig. Ihre 

Arbeitsfähigkeit betrage deshalb nicht 75 %, sondern 66.7 %, da sie 45 Stunden pro 

Woche gearbeitet habe. Gemäss dem Gutachten hat der Sachverständige die 

Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf 75 % geschätzt. Er hat zudem 

angegeben, dass sie somit ca. 6 Stunden pro Tag voll leistungsfähig sei. Der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Sachverständige ist daher offensichtlich davon ausgegangen, dass ein Arbeitstag in 

einer adaptierten Tätigkeit 8 Stunden dauere (0.75 x 8 Stunden = 6 Stunden). Wie viele 

Stunden die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit gearbeitet hat, spielt 

deshalb keine Rolle. Der vom Sachverständigen geschätzte Arbeitsfähigkeitsgrad liegt 

somit bei 75 %.

3.7   Sechstens hat der Rechtsvertreter noch eingewendet, der RAD-Gutachter habe 

die Arbeitsunfähigkeit zu tief eingeschätzt, da er der Belastungsabhängigkeit der 

Beschwerden nicht Rechnung getragen habe. Der Gutachter habe nicht berücksichtigt, 

dass sich die Beschwerdeführerin massiv schone und bei Belastung sofort mit 

massiver Beschwerdezunahme reagiere. Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass der 

Sachverständige die Beschwerden als belastungsabhängig qualifiziert hat. Der 

Sachverständige hat auch erklärt, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr im Service 

und als Küchenhilfe arbeiten könne. Gerade weil die Beschwerden belastungsabhängig 

sind, hat er als adaptierte Tätigkeit eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit 

empfohlen. Es ist daher nicht ersichtlich, inwieweit er die Belastungsabhängigkeit der 

Beschwerden bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht genügend berücksichtigt haben 

sollte. Im Übrigen ist unklar, was der Rechtsvertreter unter "massiver Schonung" 

versteht. Sollte er darunter verstehen, dass die Beschwerdeführerin im Betrieb nur 

noch die adaptierten Tätigkeiten ausübt, geht diese Argumentation ohnehin an der 

Sache vorbei.

4.     

4.1   Der Rechtsvertreter hat weiter vorgebracht, dass die Restarbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen, ihrer 

langjährigen selbständigen Tätigkeit im Restaurationsbereich sowie aufgrund ihres 

fortgeschrittenen Alters nicht verwertbar sei.

4.2   Referenzpunkt für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit ist der hypothetische 

ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es 

sich dabei um einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den 

Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der 

Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits ein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach 

Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen 

Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar sowohl bezüglich der dafür 

verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des 

körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob 

die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten 

und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 

110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Daraus folgt, dass für die 

Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Person unter den 

konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob 

sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die 

verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 

1998 S. 291).

4.3   Die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit ist mit 

25 % nur leicht reduziert. Die Argumentation, die Restarbeitsfähigkeit sei nicht 

verwertbar, ist somit nicht stichhaltig. Bezüglich der langjährigen Tätigkeit im 

Restaurationsbereich ist folgendes festzuhalten: Die Beschwerdeführerin hat die 

Sekundarschule besucht und eine (nicht abgeschlossene) kaufmännische 

Grundausbildung absolviert. Von 1971-1987 und 1993-1995 hat sie diverse 

unselbständige Tätigkeiten, u.a. auch im kaufmännischen Bereich, ausgeübt (vgl. IK-

Auszug; act. G 10). Zudem hat die Beschwerdeführerin im Anmeldeformular 

angegeben, über spezielle Kenntnisse in der Liegenschaftsverwaltung zu verfügen. Und 

schliesslich hat sie im Betrieb die Buchhaltung gemacht. Die Beschwerdeführerin 

bringt somit die Qualifikationen und intellektuellen Fähigkeiten für eine Anstellung als 

kaufmännische Angestellte mit. Da eine Tätigkeit im kaufmännischen Bereich zudem 

die vom Gutachter festgelegten Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit erfüllt, kann 

der Argumentation des Rechtsvertreters, die Restarbeitsfähigkeit sei wegen der 

langjährigen Tätigkeit im Restaurationsbereich nicht verwertbar, nicht gefolgt werden. 

Mit Bezug auf das Alter ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin zum 

Zeitpunkt des (unbestrittenen) hypothetischen Rentenbeginns am 1. April 2011 61-

jährig gewesen ist. Ihre Rückenbeschwerden sind erstmals im Sommer 2008 und somit 

rund drei Jahre vor dem hypothetischen Rentenbeginn eingetreten. Bereits im 

September 2008 ist bei ihr ein rezidivierendes lumbalbetontes Schmerzsyndrom und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eine LWK-1-Fraktur diagnostiziert und die Differentialdiagnose osteoporotische 

Kompressionsfraktur angegeben worden. Aufgrund dieser Diagnose muss der 

Beschwerdeführerin schon im Jahr 2008, d.h. als 58-Jährige, bewusst gewesen sein, 

dass sie nicht mehr vollständig genesen würde. Gestützt auf die 

Schadenminderungspflicht hätte sich die Beschwerdeführerin daher bereits zu diesem 

Zeitpunkt, d.h. sechs Jahre vor Erreichen des Pensionsalters, nach einer 

unselbständigen, weniger rückenbelastenden Tätigkeit umsehen müssen. Ihr 

fortgeschrittenes Alter hätte die Stellensuche sicherlich erschwert, jedoch nicht 

verunmöglicht.

5.     

5.1   Der Rechtsvertreter hat weiter geltend gemacht, dass der Beschwerdeführerin ein 

Berufswechsel nicht zugemutet werden könne. Gerade seit der Pensionierung ihres 

Ehemannes sei ihre Präsenz im Familienbetrieb umso notwendiger. Der Betrieb habe 

über lange Jahre eine Stammkundschaft und einen guten Ruf erworben. Zudem 

würden durch eine vorzeitige Aufgabe des Betriebs unnötige Folgekosten entstehen.

5.2   Nach dem auf dem Gebiet der Invalidenversicherung allgemein geltenden 

Grundsatz der Schadenminderungspflicht hat eine versicherte Person alles ihr 

Zumutbare selber vorzukehren, um die Folgen der Invalidität bestmöglich zu mindern. 

Ein Rentenanspruch ist zu verneinen, wenn die versicherte Person ‒ nötigenfalls mit 

einem Berufswechsel ‒ zumutbarerweise in der Lage ist, ein rentenausschliessendes 

bzw. rentenreduzierendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Für die Auslegung des 

unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit sind die gesamten subjektiven 

und objektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zu berücksichtigen. Im Vordergrund 

stehen bei den subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die 

weiteren persönlichen Verhältnisse wie Alter, berufliche Stellung, Verwurzelung am 

Wohnort etc. Bei den objektiven Umständen sind insbesondere der ausgeglichene 

Arbeitsmarkt und die noch zu erwartende Aktivitätsdauer massgeblich (Urteil des 

Bundesgerichts vom 21. Februar 2013, 8C_654/2012).

5.3   Die Beschwerdeführerin hat im Betrieb die Betriebsführung gemacht, als Küchen­

hilfe und im Service gearbeitet und die Tätigkeiten in der Wäscherei erledigt. Der Ruf 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eines Restaurantbetriebs hängt im Wesentlichen von der Küche und damit von den 

Kochkünsten des Kochs ab. Diese Aufgabe hat im vorliegenden Fall der Ehemann der 

Beschwerdeführerin übernommen. Die Tätigkeiten, die die Beschwerdeführerin im 

Betrieb ausgeübt hat, setzen ‒ bis auf die Betriebsführung ‒ keine besonderen 

Qualifikationen voraus. Es müsste damit ohne grössere Umstände möglich gewesen 

sein, einen gleichwertigen Ersatz für sie zu finden, ohne den guten Ruf des Betriebs zu 

gefährden oder Stammkundschaft zu verlieren. Zudem ist, wie unter Ziffer 5.2 erläutert, 

die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auch auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt verwertbar. Unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten ist 

ihr ein Berufswechsel somit zumutbar.

6.     

Schliesslich ist noch der Invaliditätsgrad zu ermitteln. Wie in Ziffer 4.3 erläutert, hat die 

Beschwerdeführerin eine kaufmännische Grundausbildung absolviert und scheinbar 

auch mehrere Jahre lang auf diesem Beruf gearbeitet. Da es sich bei dieser Tätigkeit 

um eine vom Gutachter umschriebene adaptierte Tätigkeit handelt, entspricht die 

Invalidenkarriere der Validenkarriere. Der Invaliditätsgrad kann vorliegend somit anhand 

eines Prozentvergleichs berechnet werden. Die Beschwerdeführerin ist in einer 

adaptierten Tätigkeit 25 % arbeitsunfähig. Des Weiteren erscheint ein Abzug von 10 % 

wegen der Einkommenseinbusse aufgrund der verlorenen Dienstjahre als angemessen. 

Der Invaliditätsgrad beträgt somit 32.5 %.

7.     

7.1   Damit steht fest, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine 

Invalidenrente hat. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.

7.2   Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der 

unterliegenden Beschwerdeführerin ist die Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 600.-- 

aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird angerechnet. Bei 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

diesem Verfahrensausgang hat die unterliegende Beschwerdeführerin keinen Anspruch 

auf eine Parteientschädigung.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.      Die Beschwerdeführerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; der

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird angerechnet.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 19.08.2014
	Bejahung der Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit einer im Verfügungszeitpunkt 61-jährigen Versicherten, deren Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit leicht vermindert ist und die lange Jahre im Restaurationsbereich gearbeitet hat. Der Versicherten, die im Restaurantbetrieb ihres Ehemannes mithilft bzw. mitgeholfen hat, ist ein Berufswechsel zumutbar. Invaliditätsbemessung mittels Prozentvergleich. Abweisung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. August 2014, IV 2012/98).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T09:42:27+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen