# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 49b7fe0d-16cb-5950-ae17-8af5de409934
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.03.2010 A-2744/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-2744-2008_2010-03-23.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-2744/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 3 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Daniel Riedo (Vorsitz), 
Richterin Salome Zimmermann, Richter Markus Metz,
Richter Michael Beusch, Richter Thomas Stadelmann,
Gerichtsschreiber Urban Broger.

X._______ GmbH, Österreich,
vertreten durch R._______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, 
Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, 3003 Bern,
Vorinstanz.

VST; Doppelbesteuerungsabkommen.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-2744/2008

Sachverhalt:

A.
Die  börsenkotierte  österreichische  A._______ AG  war  Muttergesell-
schaft  der österreichischen X._______ GmbH, welche ihrerseits eine 
50-%-Beteiligung an der ebenfalls österreichischen B._______ GmbH 
hielt. Die andere Hälfte der B._______ stand im Eigentum der schwei-
zerischen C._______ AG. Diese war bis am  29. Dezember 2003 eine 
100%-ige  Tochtergesellschaft  der  niederländischen  D._______ B.V., 
welche ihrerseits von der E._______ N.V. mit Sitz in Curaçao und die-
se wiederum von der F._______ Privatstiftung in Wien gehalten wurde. 
Erstbegünstigter  der  genannten  Stiftung  war  F._______,  Österreich. 
Die Verhältnisse werden nachfolgend grafisch dargestellt:

B.
Am 29. Dezember 2003 verkaufte die D._______ die C._______ an die 
liechtensteinische G._______, welche diese am darauffolgenden Tag, 
dem  30. Dezember  2003,  an  die  X._______ GmbH  weiterverkaufte. 
Der Kaufpreis für die C._______ basierte auf deren Bilanz per 31. De-
zember 2002 und betrug EUR 20'256'280.-- zuzüglich des Saldos aus 

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A._______AG
(börsenkotiert)

Österreich D._______ B.V.
Niederlande

F._______
Österreich

F._______ Privatstiftung
Österreich

E._______ N.V.
Curaçao

X._______ GmbH
Österreich

C._______ AG
Schweiz

B._______ GmbH
Österreich

100%
100%

50% 50%

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den  übrigen  Aktiven  und  Passiven  per  Übergabestichtag,  wobei  die 
Beteiligung an der B._______ ausgenommen war. Der so errechnete 
Saldo belief sich auf CHF 5'356'335.13. Der Kaufvertrag sah vor, dass 
die C._______ per Übergabestichtag ihre Wertpapiere veräussern, alle 
Forderungen  eintreiben  und  die  Verbindlichkeiten  begleichen  würde. 
Die Dividenden für die Geschäftsjahre 2002 und 2003 standen gemäss 
Vertrag der G._______ (Käuferin) zu.

Der am Folgetag zwischen der G._______ und der X._______ zustan-
de gekommene Kaufvertrag war mit dem zwischen der D._______ und 
der  G._______ geschlossenen identisch. Es  war  wiederum vorgese-
hen,  dass die Dividenden für  die  Jahre 2002 und 2003 gänzlich der 
Käuferin, diesmal der österreichischen X._______, zustünden.

Nach dem Verkauf gewährte die C._______ ihrer neuen Muttergesell-
schaft X._______ ein Darlehen in der Höhe von CHF 6'249'676.95. Die 
Situation präsentierte sich damit wie folgt:

C.
Am 4. August 2004 und am 23. Mai 2005 ersuchte die X._______ um 
vollständige Rückerstattung der schweizerischen Verrechnungssteuer 
für am 2. April  2004 und am 11. Juni 2004 fällig gewordene Dividen-
den  der  C._______.  Nach  diversen  Korrespondenzen  verfügte  die 
ESTV mit Entscheid vom 17. Juli 2006, es bestehe kein Anspruch auf 
Rückerstattung.  Sie  korrigierte  dies  jedoch  mit  Einspracheentscheid 

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D._______ B.V.
Niederlande

F._______
Österreich

F._______ Privatstiftung
Österreich

E._______ N.V.
Curaçao

A._______ AG
(börsenkotiert)

Österreich

X._______ GmbH
Österreich

B._______ GmbH
Österreich

100%

100%

50%

G._______ AG
Vaduz, FL

50%

C._______ AG
Schweiz

C._______ AG
Schweiz

C._______ AG
Schweiz

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vom 12. März 2008 dahingehend, dass eine Rückerstattung von 20% 
gewährt  werde.  Die  X._______  habe  bei  der  Übernahme  der 
C._______ auch nicht betriebsnotwendige, flüssige und bereits vor der 
Handänderung ausschüttbare Mittel übernommen. Da sie sich hierfür 
habe verschulden müssen, sei ein den wirtschaftlichen Gegebenheiten 
völlig unangemessenes Verhalten an den Tag gelegt worden, das sich 
als Steuerumgehung erweise. Aus diesem Grund seien die Altreserven 
der  niederländischen  D._______  (Verkäuferin)  zuzurechnen.  Diese 
hätte  im  Falle  einer  Ausschüttung  eine  Sockelsteuerbelastung  von 
15% hinnehmen müssen. Diesem Sockelsatz  blieben die Dividenden 
der C._______ verhaftet; die Rückerstattung der  Verrechnungssteuer 
sei  deshalb  im  Umfang  von 15% zu  verweigern. Mit  Einspracheent-
scheid vom 12. März 2008 verfügte die ESTV sinngemäss, dass der 
Antrag auf Rückerstattung der Verrechnungssteuer

• in der Höhe von CHF 118'168.75 (35%) auf der Dividende für das 
Geschäftsjahr  2002  von  CHF 337'625.--  im  Umfang  von 
CHF 50'643.75 (15%) abgewiesen, im Umfang von CHF 67'525.-- 
(20%) gutgeheissen werde;

• in der Höhe von CHF 92'400.-- (35%) auf der Dividende für das 
Geschäftsjahr  2003  von  CHF  264'000.--  im  Umfang  von 
CHF 39'600.-- (15%) abgewiesen, im Umfang von CHF 52'800.-- 
(20%) gutgeheissen werde.

D.
Gegen den Einspracheentscheid der ESTV vom 12. März 2008 erhob 
die  X._______  (nachfolgend:  Beschwerdeführerin)  mit  Eingabe  vom 
28. April  2008 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.  Sie  ver-
langte sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheides und die 
vollständige Rückerstattung der Verrechnungssteuer unter Kosten- und 
Entschädigungsfolgen zulasten des Bundes.

E.
Die  ESTV  nahm  mit  Vernehmlassung  vom  25. Juni  2008  zur  Be-
schwerde Stellung. Sie verlangte deren Abweisung unter Kostenfolgen.

F.
Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird,  soweit  entscheidwe-
sentlich, in den Erwägungen eingegangen.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Ver-
fügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968 
über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021; vgl.  Art. 31  des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni  2005 über  das  Bundesverwaltungsge-
richt  [Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG,  SR 173.32]).  Aufgrund  von 
Art. 31 und Art. 32 (e contrario) VGG wäre das Bundesverwaltungsge-
richt  zur  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  zuständig.  Aller-
dings bestimmt Art. 11 Abs. 4 der  Vereinbarung vom 5./6. Dezember 
1974 zwischen der Schweiz und Österreich über die Durchführung der 
Entlastung bei  Dividenden,  Zinsen und Lizenzgebühren (DBA-A-Ver-
einbarung, SR 0.672.916.311), dass gegen Einspracheentscheide, die 
im  Anwendungsbereich  der  DBA-A-Vereinbarung  ergangen  sind, 
«beim  Schweizerischen  Bundesgericht  in  Lausanne  Verwaltungsge-
richtsbeschwerde» erhoben  werden  kann.  Die  DBA-A-Vereinbarung 
stützt sich auf Art. 28 des Abkommens vom 30. Januar 1974 zwischen 
der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Österreich 
zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern 
vom Einkommen und vom Vermögen (DBA-A, SR 0.672.916.31).

1.2 Die ESTV und die Beschwerdeführerin halten hierzu übereinstim-
mend fest, dass  der in Art. 11 Abs. 4 DBA-A-Vereinbarung genannte 
Instanzenzug,  welcher  von  der  ESTV  direkt  an  das  Bundesgericht 
führte, nicht mehr gelte und zuerst das Bundesverwaltungsgericht an-
gerufen werden könne. Bereits die  Eidgenössische Steuerrekurskom-
mission (SRK) als  Vorgängerorganisation  des  Bundesverwaltungsge-
richts hat festgehalten, dass in Fällen, in denen eine Verordnung zu ei-
nem DBA nach wie vor die Beschwerde ans Bundesgericht vorsehe, 
ohne  Weiteres  angenommen  werden  könne,  dass  ein  gesetzgeberi-
sches Versehen vorliege, da im Zuge der Schaffung der SRK teils ver-
gessen gegangen sei, auch die bundesrätlichen Verordnungen zu den 
DBA  anzupassen.  Insofern  liege  eine  echte  Lücke  vor,  welche  vom 
Richter  im Rahmen der  Rechtsanwendung  zu  schliessen  sei.  Damit 
seien Einspracheentscheide der ESTV zuerst bei der SRK anzufech-
ten,  auch  wenn  die  Verordnung  zum fraglichen  DBA etwas  anderes 
vorsehe (Entscheide der SRK 2003-159 vom 3. März 2005 E. 1a, be-
stätigt mit Urteil des Bundesgerichts 2A.239/2005 vom 28. November 
2005; SRK 2002-032 vom 7. Juni 2004, veröffentlicht in  Verwaltungs-
praxis der Bundesbehörden [VPB] 68.162 E. 3d).

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1.3 Im vorliegenden Fall ist der direkte Weg ans Bundesgericht anders 
als in den erwähnten und von der SRK behandelten Fällen nicht in ei-
ner  (landesrechtlichen)  Verordnung,  sondern  in  Art. 11  Abs. 4  der 
DBA-A-Vereinbarung und damit  in  einem Staatsvertrag festgehalten. 
Damit  besteht  ein  Widerspruch  zwischen  einer  älteren  völkerrechtli-
chen Vereinbarung (DBA-A-Vereinbarung),  die trotz  sekundärem Re-
gelungsgehalt Völkerrecht darstellt, und einem jüngeren Bundesgesetz 
(VGG).  Wegen seiner zweifelhaften Zuständigkeit  eröffnete das Bun-
desverwaltungsgericht  am  14. Juli  2009  gestützt  auf  Art. 8  Abs. 2 
VwVG einen Meinungsaustausch mit dem Bundesgericht. Dieses ant-
wortete  mit  Schreiben  vom 21. Juli  2009  dahingehend,  dass  es  die 
Auffassung der Beschwerdeführerin  und der ESTV teile,  wonach ab-
weichend vom Wortlaut der Vereinbarungsbestimmung Einspracheent-
scheide der ESTV betreffend Verrechnungssteuer gestützt auf Art. 31 
(bzw. Art. 32 e contrario) VGG zuerst beim Bundesverwaltungsgericht 
angefochten werden müssen und erst anschliessend, mit Beschwerde 
in  öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten,  ans  Bundesgericht  gelangt 
werden könne. Damit werde den Vorgaben von Art. 86 Abs. 1 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110), welcher 
ein zentrales Anliegen der Bundesrechtspflegereform umsetze, Genü-
ge  getan.  Mit  Art. 11  Abs. 4  der  DBA-A-Vereinbarung  sei  sichtlich 
bloss die Rechtsmittelregelung gemäss Art. 42 und 43 des Bundesge-
setzes  vom  13. Oktober  1965  über  die  Verrechnungssteuer  (VStG, 
SR 642.21)  in  der  Fassung übernommen worden,  wie  sie  zum Zeit-
punkt, da die Vereinbarung abgeschlossen wurde, gegolten hatte. Es 
erscheine naheliegend, daraus abzuleiten, dass die jeweilen aktuelle 
Rechtsmittelregelung auf die unter die Vereinbarung fallenden Streitig-
keiten  zur  Anwendung  kommen  soll.  Ohnehin  gebe  es  die  Verwal-
tungsgerichtsbeschwerde heute nicht mehr, sodass in jedem Fall eine 
sich an der aktuellen, innerstaatlichen Rechtslage orientierende sinn-
gemässe Auslegung der Vereinbarungsbestimmung erforderlich sei.

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kommt bezüglich seiner Zuständig-
keit aus folgenden Gründen zum gleichen Schluss: Die Eidgenossen-
schaft kann sich einer völkerrechtlichen Verpflichtung nicht unter Beru-
fung auf inländisches Recht entziehen (vgl. Art. 27 der Wiener Konven-
tion über das Recht der Verträge vom 23. Mai 1969 [VRK, SR 0.111]); 
die Staaten sind verpflichtet, ungeachtet ihres innerstaatlichen Rechts 
völkerrechtliche Verpflichtungen einzuhalten (Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-7789/2009 vom 21. Januar 2010 E. 3.3.3 mit Hinwei-
sen).  Die VRK ist für die Schweiz zwar erst am 6. Juni 1990 in Kraft 

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getreten; sie findet auf die vorliegend zur Diskussion stehende, bereits 
1974 abgeschlossene Vereinbarung denn auch keine direkte Anwen-
dung  (Art. 4  VRK). Dem steht  jedoch  nicht  entgegen,  dass  sich  die 
Vertragsauslegung  an  den  in  der  VRK  festgehaltenen  allgemeinen 
Grundsätzen orientiert, zumal diese in ihrem wesentlichen Gehalt Völ-
kergewohnheitsrecht kodifizieren (BGE 122 II 234 E. 4c mit Hinweisen; 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-7789/2009  vom  21. Januar 
2010 E. 3.3.1 mit Hinweisen; ERNST HÖHN, in Ernst Höhn [Hrsg.], Hand-
buch  des  Internationalen  Steuerrechts  der  Schweiz,  2. Aufl.,  Bern/ 
Stuttgart/Wien 1993,  S. 73). Besteht,  wie  hier,  ein  Widerspruch  zwi-
schen einem älteren Staatsvertrag und einem jüngeren Bundesgesetz, 
so ist das Gericht nach der sogenannten Schubert-Praxis des Bundes-
gerichts  dennoch  ausnahmsweise  an  das  Bundesgesetz  gebunden, 
wenn der Gesetzgeber beim Erlass des Bundesgesetzes bewusst  in 
Kauf  genommen hat,  dass das von ihm erlassene Landesrecht  dem 
Völkerrecht  widerspricht  (statt  aller: BGE 99 Ib 39 E. 3-4; bestätigt  in 
BGE 111 V 201 E. 2/b). Dies ist vorliegend der Fall.

1.5 Das Bundesverwaltungsgericht ist aufgrund des Gesagten und in 
Übereinstimmung mit der Auffassung des Bundesgerichts und der Par-
teien zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die 
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.

2.
2.1 Auf den 1. Juli 2005 ist das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen 
Gemeinschaft  (EG)  über  Regelungen,  die  den  in  der  Richtlinie 
2003/48/EG des Rates im Bereich der Besteuerung von Zinserträgen 
festgelegten Regelungen gleichwertig  sind  (Zinsbesteuerungsabkom-
men,  ZBstA,  SR 0.641.926.81),  in  Kraft  getreten.  Gemäss  Art. 15 
ZBstA  werden  Dividendenzahlungen  im  Quellenstaat  grundsätzlich 
nicht  besteuert,  wenn  die  Muttergesellschaft  mindestens  zwei  Jahre 
lang eine direkte Beteiligung von mindestens 25% am Gesellschafts-
kapital der Tochtergesellschaft gehalten hat (zum Ganzen:  PIERRE-OLI-
VIER GEHRIGER/NILS HARBEKE,  Art.  15  des  Zinsbesteuerungsabkommens 
Schweiz-EU: Was hat seit dem 1. Juli 2005 geändert; was nicht? / Eini-
ge praktische Erfahrungen im Zusammenhang mit offenen Fragen,  in 
Zeitschrift  für  Schweizerisches und Internationales Steuerrecht  [zsis] 
vom 29. Januar 2010, Zürich 2010).

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2.2 Art. 15 ZBstA kommt allerdings keine Rückwirkung zu; die Bestim-
mung ist  nur auf  Sachverhalte anzuwenden, die sich nach deren In-
krafttreten am 1. Juli  2005 verwirklicht  haben. Abzustellen ist  hierfür 
auf den Zeitpunkt, an dem die Tatbestandsmerkmale verwirklicht wor-
den sind, welche den zu beurteilenden Steueranspruch ausgelöst ha-
ben (STEFAN OESTERHELT/MAURUS WINZAP, Quellensteuerbefreiung von Di-
videnden, Zinsen und Lizenzen durch Art. 15 Zinsbesteuerungsabkom-
men  [ZBstA],  in  Archiv  für  Schweizerisches  Abgaberecht 
[ASA] 74 S. 456 f.; vgl. auch KLAUS VOGEL, in Klaus Vogel/Moris Lehner, 
Doppelbesteuerungsabkommen  der  Bundesrepublik  Deutschland  auf 
dem  Gebiet  der  Steuern  vom  Einkommen  und  Vermögen,  5. Aufl., 
München 2008 [hiernach: DBA-Kommentar], N. 8 Vor Art. 6-22). Im Be-
reich der Verrechnungssteuer ist damit auf den Zeitpunkt der Fälligkeit 
der Dividende abzustellen; in diesem Zeitpunkt wurde der zu beurtei-
lende Steueranspruch ausgelöst und damit das relevante Tatbestands-
merkmal  verwirklicht  (Art. 12  Abs. 1  Satz  1  VStG;  OESTERHELT/WINZAP, 
a.a.O., S. 457; PETER RIEDWEG/RETO HEUBERGER, Die Quellensteuerbefrei-
ung von Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren nach Art. 15 Zinsbe-
steuerungsabkommen,  in  IFF  Forum  für  Steuerrecht  [FStR]  2006 
S. 35). Als Fälligkeitsdatum von Dividendenausschüttungen und damit 
als  für  die  Sachverhaltsverwirklichung  relevanten  Zeitpunkt  wird  im 
Schweizerischen Recht das Datum des Beschlusses über die Festset-
zung der Dividende herangezogen (MICHAEL BEUSCH,  in Martin Zweifel/ 
Peter  Athanas/Maja Bauer-Balmelli  [Hrsg.],  Kommentar  zum Schwei-
zerischen Steuerrecht  II/2,  Basel  2005 [hiernach: Kommentar  VStG], 
N. 33 zu Art. 12 VStG; RIEDWEG/HEUBERGER, a.a.O., S. 35).

2.3 Im vorliegenden Fall entschied die C._______ vor dem 1. Juli 2005 
über  die  Festsetzung  bzw. Ausschüttung  der  fraglichen  Dividenden. 
Deren Fälligkeitsdaten liegen somit vor dem 1. Juli 2005, weshalb die 
Bestimmungen von Art. 15 ZBstA hier nicht zur Anwendung kommen.

3.
3.1 Der Bund erhebt eine Verrechnungssteuer auf dem Ertrag bewegli-
chen  Kapitalvermögens  (Art. 132  Abs. 2  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101] 
und Art. 1 Abs. 1 VStG). Die Verrechnungssteuer wird nach Massgabe 
des Verrechnungssteuergesetzes zurückerstattet (Art. 1 Abs. 2 VStG) 
und stellt  dem Grundsatz nach nur  für inländische Defraudanten und 
für Ausländer, die sich nicht auf ein entsprechendes DBA berufen kön-
nen,  eine endgültige Belastung dar (Botschaft  des  Bundesrates vom 

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18. Oktober 1963 betreffend den Entwurf zu einem Bundesgesetz über 
die  Verrechnungssteuer,  BBl  1963 II 953,  954).  Gegenstand der  Ver-
rechnungssteuer sind u.a. die Erträge der von einem Inländer ausge-
gebenen  Aktien  (Art. 4  Abs. 1  Bst. b  VStG).  Steuerpflichtig  ist  der 
Schuldner der steuerbaren Leistung (Art. 10 Abs. 1 VStG) und damit 
im  Falle  von  Aktienerträgen  die  Dividenden  ausschüttende  Gesell-
schaft. Die steuerbare Leistung ist bei der Auszahlung, Überweisung, 
Gutschrift oder Verrechnung ohne Rücksicht auf die Person des Gläu-
bigers um den Steuerbetrag zu kürzen,  bei  Kapitalerträgen um 35% 
(Art. 13 Abs. 1 Bst. a in Verbindung mit Art. 14 Abs. 1 VStG).

3.2 Nach Art. 24  Abs. 2  VStG haben  juristische  Personen  Anspruch 
auf Rückererstattung der Verrechnungssteuer, wenn sie bei Fälligkeit 
der steuerbaren Leistung ihren Sitz im Inland hatten. Gemäss Art. 21 
Abs. 1 Bst. a VStG hat ein nach Art. 22 bis 28 VStG Berechtigter An-
spruch auf Rückerstattung der ihm vom Schuldner abgezogenen Ver-
rechnungssteuer,  wenn er bei Fälligkeit der steuerbaren Leistung das 
Recht zur Nutzung des den steuerbaren Ertrag  abwerfenden Vermö-
genswertes besass. Nach Art. 21 Abs. 2 VStG ist die Rückerstattung in 
allen Fällen unzulässig, in denen sie zu einer Steuerumgehung führen 
würde.

3.3 Während eine Person mit Sitz im Inland die auf Erträgen aus be-
weglichem Kapitalvermögen erhobene Verrechnungssteuer zurückfor-
dern kann, wenn sie bei deren Fälligkeit das Recht zur Nutzung hatte 
und die Rückerstattung nicht  zu einer Steuerumgehung führt,  gelten 
für ausländische Leistungsempfänger andere Voraussetzungen. Einen 
Anspruch auf Entlastung haben sie nur dann, wenn dies ein zwischen 
der Schweiz und dem entsprechenden Ansässigkeitsstaat abgeschlos-
senes  Doppelbesteuerungsabkommen  vorsieht  (BAUER-BALMELLI,  Kom-
mentar VStG, N. 55 zu Art. 21 VStG mit Hinweisen; MAJA BAUER-BALMEL-
LI, Der Sicherungszweck der Verrechnungssteuer – Unter besonderer 
Berücksichtigung  der  Erträge  aus  Beteiligungen,  Zürich  2001  [hier-
nach: Sicherungszweck], S. 167 ff.; für die Bestimmungen des Zinsbe-
steuerungsabkommens  vgl.  E. 2  hievor).  Der  Grund  für  die  unter-
schiedliche Behandlung liegt darin, dass die Verrechnungssteuer be-
züglich  ausländischen  Empfängern  nicht  einen  Sicherungszweck, 
sondern  einen Fiskal-  oder  Belastungszweck hat  (BAUER-BALMELLI,  Si-
cherungszweck, S. 107). Im internationalen Verhältnis keine bzw. keine 
direkte Anwendung findet  denn auch Art. 21 Abs. 2 VStG (Vorbehalt 
der Steuerumgehung). Bei ausländischen Leistungsempfängern kann 

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es sich nämlich – aus den eben dargelegten Gründen – nie um eine 
Frage der Rückerstattung der Verrechnungssteuer im originären Sinne 
handeln; vielmehr geht es um die quantitative Abgrenzung der Besteu-
erungsbefugnisse  zweier  Staaten  (vgl.  MAJA BAUER-BALMELLI,  Altreser-
venpraxis  – ein rechtliches  Argumentarium,  in  FStR 2004 [hiernach: 
Altreservenpraxis], S. 204 und 208). Weil Art. 21 Abs. 2 VStG aber für 
die Rückerstattung an Personen mit  Sitz  im Inland Geltung hat  (vgl. 
E. 3.2  hievor),  sich  also  auf  die  Rückerstattung  der  Verrechnungs-
steuer im originären Sinne bezieht, bleibt ein direkter Rückgriff auf die-
se  Steuerumgehungsklausel  zur  Verweigerung  eines  in  einem DBA-
statuierten Rückerstattungsanspruchs ausgeschlossen. Hinzu kommt, 
dass das DBA – als Teil des Völkerrechts – grundsätzlich dem VStG 
vorgeht (vgl. E. 1.4 hievor; Entscheid der SRK 2003-159 vom 3. März 
2005  E. 3e.bb;  BAUER-BALMELLI,  Kommentar  VStG,  N. 58  zu  Art. 21 
VStG; BAUER-BALMELLI, Sicherungszweck, S. 281; GEORG LUTZ, Die Mass-
nahmen gegen die missbräuchliche Inanspruchnahme von Doppelbe-
steuerungsabkommen,  Zürich  2000  [hiernach:  Massnahmen  2000], 
S. 159;  GEORG LUTZ,  Abkommensmissbrauch  –  Massnahmen  zur  Be-
kämpfung des Missbrauchs von Doppelbesteuerungsabkommen,  Zü-
rich  2005,  S. 98; die Frage,  ob der  Steuerumgehungsvorbehalt  nach 
Art. 21 Abs. 2 VStG auch im internationalen Rahmen anzuwenden sei, 
offenlassend: Urteil des Bundesgerichts 2A.239/2005 vom 28. Novem-
ber 2005 E. 3.3.3).

3.4 Die Schweiz als Kapitalexportstaat verfolgt die Politik, die Besteu-
erungsbefugnis  des  Quellenstaates  möglichst  einzuschränken  (RENÉ 
MATTEOTTI,  «Treaty  Shopping»  und  seine  Grenzen  in  der  schweizer-
ischen  Rechtsprechung,  in  zsis  vom 24. Oktober  2008,  Zürich  2008 
[hiernach: Treaty Shopping 2008],  Ziff. 1 [Einleitung]). Entsprechende 
Verträge kommen zustande, weil sich die Vertragsstaaten gegenseitig 
bereit  erklären,  auf  einen Teil  des nach internem Recht  steuerbaren 
Einkommens und Vermögens zugunsten der anderen Vertragspartei zu 
verzichten (MATTEOTTI,  Treaty Shopping 2008,  Ziff. 4.2;  RENÉ MATTEOTTI, 
Die Verweigerung der Entlastung von der Verrechnungssteuer wegen 
Treaty  Shoppings,  in  ASA 75  S. 767 ff.,  S. 794;  GERHARD KRAFT,  Die 
missbräuchliche  Inanspruchnahme  von  Doppelbesteuerungsabkom-
men, Heidelberg 1991, S. 3).

3.5 Eine gegenseitige, zwischen zwei Staaten vereinbarte Steuerbe-
schränkung enthält auch das DBA Schweiz – Österreich. Gemäss des-
sen Art. 10 Abs. 2 dürfen Dividenden im Vertragsstaat, in dem die Divi-

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denden ausschüttende Gesellschaft ihren Sitz oder ihre Geschäftslei-
tung hat, nach dem Recht dieses Staates besteuert, in der Schweiz al-
so mit  35% Verrechnungssteuern belegt,  werden. Die Steuer darf  je-
doch 15% des Bruttobetrages der Dividenden nicht  übersteigen. Die 
Dividenden sind im Quellenstaat sodann gänzlich von der Steuer be-
freit, wenn der Empfänger eine Gesellschaft (jedoch keine Personen-
gesellschaft)  ist,  die  unmittelbar  über  mindestens  20% des  Kapitals 
der Dividenden zahlenden Gesellschaft verfügt. Im Verhältnis Schweiz-
Österreich  entfällt  damit  für  qualifizierende Beteiligungen auch  ohne 
Zinsbesteuerungsabkommen die 15%-ige Sockelbelastung.

3.6 Genau wie das DBA-A, das die Sockelbelastung für qualifizieren-
de Beteiligungen vollumfänglich beseitigt,  sieht auch das Abkommen 
vom 12. November 1951 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft und dem Königreich der Niederlande zur Vermeidung der Dop-
pelbesteuerung  auf  dem Gebiete  der  Steuern  vom Einkommen  und 
Vermögen  (DBA-NL,  SR 0.672.963.61)  für  den  Empfänger  von  Divi-
denden einen Nullsatz vor, sofern der Empfänger eine Kapitalgesell-
schaft ist, die mindestens 25% des Gesellschaftskapitals der Dividen-
den  zahlenden  Gesellschaft  besitzt.  Allerdings  wird  dabei  vorausge-
setzt, dass die Verbindung zwischen den beiden Gesellschaften nicht 
in erster Linie in der Absicht  hergestellt  worden ist  oder beibehalten 
wird,  sich die volle Rückerstattung zu sichern («arranged-or-maintai-
ned»; Art. 9 Abs. 2 Bst. a [i] DBA-NL). Andernfalls kann nur der Betrag, 
der  15%  der  Dividenden  übersteigt,  zurückgefordert  werden  (Art. 9 
Abs. 2  Bst. a  [ii]  DBA-NL; BGE 110 Ib 287 E. 3c  und  5;  GEORG LUTZ, 
Massnahmen 2000, S. 213 f.).

3.7 Selbstredend können unterschiedliche Sockelsätze in verschiede-
nen DBA dazu führen, dass grundsätzlich nicht abkommensberechtig-
te  Personen  versuchen,  sich  in  ein  für  sie  günstigeres  Abkommen 
«einzukaufen» (sogenanntes Treaty Shopping). Was das DBA-A anbe-
langt,  kann sich ein Empfänger schweizerischer Dividenden aber nur 
dann auf dessen Vorteile berufen, wenn er in Österreich ansässig ist 
(vgl.  Art. 1  DBA-A),  ihm  im  entscheidenden  Moment  das  Recht  zur 
Nutzung der den besteuerten Ertrag abwerfenden Kapitalanlagen oder 
Rechte zustand (Art. 28 DBA-A i.V.m. Art. 2 DBA-A-Vereinbarung) und 
– worauf nachfolgend noch näher einzugehen ist – kein Abkommens-
missbrauch  vorliegt  (nach  diesem Prüfungsschema auch:  Urteil  des 
Bundesgerichts 2A.239/2005 vom 28. November 2005; Entscheid der 
SRK 2003-159 vom 3. März  2005 [Dänemarkfall]  E. 3e; zum  DBA-D: 

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Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-2163/2007  vom 30. Oktober 
2008 E. 7; vgl. auch  GERNOT ZITTER/DANIEL GENTSCH, Substanz von Em-
pfängergesellschaften bei Outbound-Dividenden,  Analyse und Würdi-
gung der Schweizer Praxis [2. Teil], in FStR 2009, S. 263).

3.8 Das DBA zwischen der Schweiz und Österreich enthält zwar keine 
geschriebenen  Missbrauchsbestimmungen wie  etwa eine «arranged-
or-maintained»-Klausel (so aber Art. 9 Abs. 2 Bst. a  [i]  DBA-NL). Das 
Bundesgericht  anerkennt  jedoch  einen  den  Doppelbesteuerungsab-
kommen  inhärenten,  ungeschriebenen  Missbrauchsvorbehalt  (Urteil 
des  Bundesgerichts  2A.239/2005  vom 28. November  2005 E. 3.4.3). 
Für die Frage, in welchen Fällen ein solcher anzunehmen sei, hat es 
Kommentierungen  der  OECD-Musterabkommen  bzw.  entsprechende 
Formulierungsvorschläge  beigezogen  (Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.239/2005 vom 28. November 2005 E. 3.4 und 3.6). Dieses Vorge-
hen  wurde  in  der  Lehre  kritisiert  (MARKUS REICH/ROBERT WALDBURGER, 
Rechtsprechung im Jahr 2005 [1. Teil],  in FStR 2006, S. 232 ff.;  RENÉ 
MATTEOTTI, Treaty Shopping 2008, Ziff. 2.3 und 4.1 mit Hinweisen;  STE-
FAN OESTERHELT/MAURUS WINZAP,  Abkommensmissbrauch  –  Dänemark-
Entscheid  zum  Treaty-Shopping,  in  Der  Schweizer  Treuhänder  [ST] 
2006, S. 774 ff.).

3.9 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  im  Urteil  A-7789/2009 
vom 21. Januar 2010, insbesondere in E. 3.5, ausführlich mit der Aus-
legung  völkerrechtlicher  Verträge auseinandergesetzt  und dabei  u.a. 
auf die überragende Bedeutung des Wortlautes hingewiesen. Während 
im  Landesrecht  in  Fällen,  da  sich  Normsinn  und  Wortsinn  nicht 
decken, nicht der Wort-, sondern der Normsinn die Schranke der Aus-
legung bildet  (vgl.  PETER LOCHER,  Rechtsmissbrauchsüberlegungen im 
Recht  der  direkten  Steuern  der  Schweiz,  in  ASA 75  S. 683 f.),  vom 
Wortsinn also im Rahmen der Auslegung ohne Weiteres abgewichen 
werden  darf,  ist  dies  bei  völkerrechtlichen  Verträgen  nur  sehr  be-
schränkt  zulässig.  Die  völkerrechtlichen  Auslegungsregeln  stellen 
nämlich nur insoweit auf den Vertragswillen der Parteien ab, als dieser 
seinen Niederschlag im Abkommen gefunden hat. Denn immerhin eini-
gen  sich  bei  völkerrechtlichen  Verträgen  wesensgemäss  zwei  oder 
mehr Parteien ausdrücklich auf einen Wortlaut (vgl. Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts A-7789/2009 vom 21. Januar 2010 E. 3.5, insbe-
sondere E. 3.5.2, mit Hinweisen; a.M. wohl  MATTEOTTI,  Treaty Shopping 
2008, Ziff. 4, der für eine Präzisierung der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung dahin plädiert,  dass eine vom gewöhnlichen Wortsinn ab-

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weichende, am Vertragszweck orientierte Auslegung dann zulässig sei, 
wenn eine mit  dem gewöhnlichen Wortsinn konforme Auslegung des 
Vertragstextes zu einem offensichtlich sinnlosen oder  unvernünftigen 
Ergebnis  führt,  welches die Parteien unmöglich  gewollt  haben konn-
ten).

3.10 Aus dem Wortlaut  des  DBA-A ergibt  sich  ohne  Weiteres,  dass 
Österreich  und  die  Schweiz,  als  Vertragsstaaten  des  DBA-A,  gewillt 
sind,  die  Beseitigung oder  Minderung der  Doppelbesteuerung einzig 
bei ihnen, nicht aber in Drittstaaten ansässigen Personen zukommen 
zu lassen. So heisst es in Art. 1 DBA-A, das Abkommen gelte für Per-
sonen, die in einem Vertragsstaat oder in beiden Vertragsstaaten an-
sässig seien. Die Parteien versprachen sich mithin nicht, auch Perso-
nen zu begünstigen, die in einem Drittstaat ansässig sind. Wenn die 
Abkommensvorteile  Personen zugute  kämen,  denen die  beiden  Ver-
tragsstaaten diese nicht  haben  gewähren  wollen,  würde  das DBA-A 
missbräuchlich angerufen. Dieser Parteiwille ist vom Wortlaut gedeckt. 
Der Vorwurf des Missbrauchs setzt nun wesensgemäss stets ein sub-
jektives Element voraus, geht es dabei doch um die zweckwidrige Ver-
wendung eines Rechtsinstituts zur Verwirklichung von Interessen, die 
dieses Rechtsinstitut nicht schützen soll und damit um ein aktives, vor-
sätzliches Tun (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2A.239/2005 vom 
28. November 2005 E. 3.4.3 mit Hinweisen). Ein Missbrauch kann folg-
lich nur vorliegen,  wenn die Gestaltung einzig und allein für  Zwecke 
der Steuerersparnis gewählt worden ist. Ist dies der Fall, wird von der 
formellen Gestaltung Abstand genommen und von einem Sachverhalt 
ausgegangen, der der Sache angemessen schiene. Hat die gewählte 
Gestaltung jedoch (auch) einen andern Grund als die Steuerersparnis, 
kann  die  Berufung  auf  das  nämliche  Rechtsinstitut  nicht  verweigert 
werden.

Nicht entscheidend ist, ob die Steuerersparnis bei der Person, die sich 
(zu Unrecht) auf die Abkommensvorteile beruft, direkt oder nur indirekt 
eintritt. Bei der Verrechnungssteuer verhält  es sich ohnehin so, dass 
nicht der (ausländische) Leistungsempfänger, sondern der Leistungs-
schuldner  Steuersubjekt  ist  (ERNST HÖHN/ROBERT WALDBURGER,  Steuer-
recht, Bd. I, 9. Aufl., Bern 2001, § 21 Rz. 1 f.). Entscheidend ist, dass 
der Leistungsempfänger, der sich auf  die Abkommensvorteile beruft, 
bei der missbräuchlichen Transaktion bewusst mitwirkt und vom Vorge-
hen profitiert. Es ist nur folgerichtig, dass die Korrektur dort erfolgt, wo 
sie erfolgen kann, nämlich bei ihm.

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Diese Betrachtungsweise wurde in der Literatur – im Zusammenhang 
mit der Besprechung des Bundesgerichtsurteil 2A.660/2006 vom 8. Ju-
ni 2007 – teilweise kritisiert (vgl. etwa URS R. BEHNISCH/ANDREA OPEL, Die 
steuerrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts im Jahre 2008, 
in  Zeitschrift  des  Bernischen  Juristenvereins  [ZBJV]  145/2009, 
S. 565 ff.;  PETER GURTNER,  Stempelabgaben  und  Verrechnungssteuer, 
ASA 78 S. 41 ff.): Eine Steuerumgehung wäre danach ausschliesslich 
auf Stufe Steuererhebung (hier bei der Veräusserin) und nicht zusätz-
lich auch noch auf jener der Rückerstattung (hier bei der Käuferin) zu 
bejahen. Andernfalls werde neu die Rechtsfigur der Mitwirkung bei ei-
ner Steuerumgehung geschaffen und damit steuerlich nicht jener Steu-
erpflichtige gestraft,  der eine Steuerumgehung begangen habe, son-
dern der Mitwirkende. Diese Kritik übersieht nach Auffassung des Bun-
desverwaltungsgerichts, dass das System der Verrechnungssteuer aus 
Steuererhebung und Steuerrückerstattung besteht und dass Steuerträ-
ger und Steuerpflichtiger – soweit die Steuer nicht vollumfänglich zu-
rückerstattet werden kann – nicht identisch sind. Konsequenz dieses 
Systems  ist,  dass  es  auf  Stufe  des  Steuerpflichtigen  gar  nichts  zu 
korrigieren gibt: Dieser liefert die Steuer nämlich ab und zwar zulasten 
des  Steuerträgers.  Wenn  der  Steuerträger  bei  einer  beanstandeten 
Transaktion mitwirkt, erscheint es daher als folgerichtig, die steuerliche 
Korrektur dort vorzunehmen, wo sie effektiv erfolgen kann, das heisst 
im Rahmen der Rückerstattung und beim Steuerträger. Nicht zu prüfen 
ist  in diesem Kontext,  ob und gegebenenfalls  in  welcher Weise sich 
der so belastete Steuerträger allenfalls beim Steuerpflichtigen schad-
los halten kann. 

Nicht  entscheidend ist  weiter,  ob mit  der  Verhaltensweise gegen die 
fiskalischen  Interessen  nur  eines  Vertragsstaates  verstossen  wird 
(a.M.  BAUER-BALMELLI,  Altreservenpraxis,  S. 209,  wonach  der  Verstoss 
gegen  fiskalische  Interessen  bloss  eines  Vertragsstaates  die  Inan-
spruchnahme des Missbrauchsvorwurfs in keiner Weise zu rechtferti-
gen vermöge). Weil der Missbrauch – wie dargestellt – darin liegt, dass 
ein Rechtsinstitut für etwas angerufen wird, für das es die Vertragspar-
teien nicht vereinbart haben, genügt es bereits, dass die zwischen den 
Staaten  ausgehandelte  Abgrenzung  der  Besteuerungsbefugnisse  zu 
Lasten des einen oder anderen Staates gestört wird.

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4.
Im  vorliegenden  Fall  ist  die  Ansässigkeit  der  Beschwerdeführerin  in 
Österreich und damit die Anwendbarkeit des DBA-A nicht umstritten. 
Ebenso  ist  nicht  umstritten,  dass  der  Beschwerdeführerin  das  Nut-
zungsrecht an den fraglichen Dividenden bzw. an den diese abwerfen-
den Aktien lautend auf die schweizerische C._______ zustand. Frag-
lich ist demgegenüber, ob ein Abkommensmissbrauch vorliegt:

4.1 Gemäss Vertrag vom 29. respektive 30. Dezember 2003 verpflich-
teten sich die D._______  und einen Tag später die G._______, den 
Kaufgegenstand, die schweizerische C._______, in einen liquiden Zu-
stand zu versetzen, deren Wertpapiere zu veräussern und deren For-
derungen  einzutreiben.  Aus  den  im  Recht  liegenden  Bilanzen  der 
C._______ per 31. Dezember 2002 und 31. Dezember 2003 ist  ohne 
Weiteres ersichtlich, dass dies tatsächlich geschah. So bestanden die 
Aktiven der C._______  von Total CHF 8'834'110.17 per 31. Dezember 
2003 im Umfang von CHF 6'773'110.17 aus Umlaufvermögen, welches 
seinerseits  vorwiegend  aus  einem  Darlehen  in  der  Höhe  von 
CHF 6'249'676.95 an die neue Muttergesellschaft, die beschwerdefüh-
rende X._______, bestand. In der Bilanz per 31. Dezember 2002 war 
das  Darlehen  noch  nicht  aufgeführt,  dafür  verfügte  die  Gesellschaft 
damals  über  Festgelder  (CHF 2'284'587.60),  Wertschriften  (CHF 
2'030'847.63)  und  kurzfristige  Forderungen  (CHF  530'000.--).  Per 
31. Dezember  2003 waren diese drei  Positionen mit  CHF 0.--  einge-
bucht; das Bankguthaben der C._______ wurde zu diesem Zeitpunkt 
um gut eine halbe Million Franken tiefer ausgewiesen als im Vorjahr 
2002. Verglichen mit der Bilanz per 31. Dezember 2002 verblieb in der 
Bilanz  per  31. Dezember  2003  als  einziges  wesentliches  Aktivum – 
nebst dem Darlehen an die neue Muttergesellschaft – die Beteiligung 
an  der  österreichischen  B._______.  Diese  war  zum  Betrag  von 
CHF 2'061'000.-- eingebucht, wobei sich die einbezahlte und von der 
C._______ gehaltene Stammeinlage auf  EUR 1'000'000.--  belief. Die 
Passiven der C._______ umfassten per 31. Dezember 2003 vor allem 
freie Reserven (CHF 1'000'000.--) und den Gewinnvortrag des Vorjah-
res  (CHF 5'879'710.13)  sowie  den  Reingewinn  des  Berichtsjahres 
(CHF 1'466'149.99).

4.2 Der überaus grösste Teil der Aktiven der C._______ bestand damit 
bis zum Moment, in dem sie der Muttergesellschaft ein Darlehen ge-
währte, aus liquiden Mitteln,  denen auf  der Passivseite überwiegend 
Reserven  bzw.  Gewinnvorträge  gegenüberstanden.  Dieser  Zustand 

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hatte es der Beschwerdeführerin erlaubt, den Kauf der C._______ mit 
Mitteln  zu  finanzieren,  die  in  dieser  selbst  enthalten  waren.  Hinzu 
kommt, dass in den Kaufverträgen vorgesehen war, die Dividenden für 
die  Geschäftsjahre  2002  und  2003  stünden  der  Käuferin  zu.  Die 
X._______ (Käuferin) liess sich die Dividenden sodann kaum ein hal-
bes Jahr nach erfolgtem Kauf ausschütten (Kaufdatum: 30. Dezember 
2003;  Fälligkeitsdaten  der  Dividenden:  2. April  2004  und  11. Juni 
2004). Sie finanzierte den Kauf  der C._______ offensichtlich mit  der 
Entleerung  dieser  selbst.  Da  im  Verhältnis  Schweiz – Österreich  die 
schweizerische Verrechnungssteuer stärker zurückgedrängt wird als im 
Verhältnis  Schweiz – Niederlande,  wurden  nicht  ausgeschüttete  Ge-
winnvorträge der C._______ , welche während der Haltezeit durch die 
niederländische Gesellschaft thesauriert worden waren, unter ein gün-
stigeres Abkommen gezogen.  Damit wurde versucht, die Vorteile des 
DBA-A für eine niederländische Person zu gewinnen und damit für je-
manden, für den diese Vorteile nicht vereinbart worden sind. Einen an-
deren Sinn, als den der Steuerersparnis, kann diesem Vorgehen – wie 
von der ESTV zu Recht festgestellt – nicht entnommen werden. Zwar 
war  es  die  niederländische  D._______,  die  den  Gewinn  aus  der 
C._______ als Kaufpreis statt als sockelsteuerbelastete Dividende er-
zielte.  Bei  ihr  trat  denn  auch  die  direkte  Steuerersparnis  ein. Diese 
Steuerersparnis  konnte  sie  jedoch  über  den  Kaufpreis  an  die  Be-
schwerdeführerin weitergeben.

4.3 Was  die  Beschwerdeführerin  dagegen  vorbringt,  dringt  nicht 
durch: Das Argument, sie habe mit dem Kauf der C._______ beabsich-
tigt, direkt oder indirekt die Kontrollmehrheit über die B._______ zu er-
langen, steht im Widerspruch zur Tatsache, dass bei dieser im Dezem-
ber  2003 und damit  noch vor  deren (indirekten)  Verkauf  an die  Be-
schwerdeführerin eine Kapitalerhöhung durchgeführt worden war. Da-
bei hat die Beschwerdeführerin – wie von der ESTV korrekt festgestellt 
– eine dritte, nicht zum gleichen Konzern gehörende Gesellschaft, als 
Aktionärin zugelassen. Mit ihrem bereits zuvor an der B._______ ge-
haltenen 50%-Anteil hätte sie dies verhindern können und – hätte sie 
tatsächlich  die  Kontrollmehrheit  angestrebt  –  verhindern  müssen. Im 
Übrigen hätte es, um die Kontrollmehrheit an der B._______ zu erlan-
gen, auch genügt, der C._______ deren Beteiligung an der B._______ 
abzukaufen. Ein Erwerb der  C._______ wäre hierzu nicht  notwendig 
gewesen.  Einen anderen Grund als den der Steuerersparnis kann im 
Vorgehen der Beschwerdeführerin nicht erblickt werden.
Sodann spricht die zeitliche Nähe zwischen dem Kauf der C._______ 

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und der Ausschüttung der Dividenden für einen Missbrauch. Die von 
der Beschwerdeführerin angerufene, offenbar gegenteilige Ansicht der 
österreichischen Behörden zu Art. 10 DBA-A ist  schon deshalb nicht 
einschlägig,  weil  sie  sich  ausdrücklich  auf  die  Altreservenpraxis  bei 
Umgründungen bezieht; eine solche liegt hier nicht vor. Im Übrigen ist 
es  den  österreichischen  Behörden  unbenommen,  zu  einer  anderen 
Ansicht zu gelangen.

4.4 Aufgrund des Gesagten ist vorliegend von jenem Sachverhalt aus-
zugehen, der wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre: Das wäre eine vor-
gängige  Ausschüttung  der  Dividenden  an  die  niederländische 
D._______, also an die Verkäuferin, gewesen. In diesem Verhältnis wä-
re  unbestrittenermassen  eine  Sockelbelastung  von  15%  verblieben. 
Entsprechend hat die ESTV rechtmässig gehandelt, indem sie der Be-
schwerdeführerin die Rückerstattung der Verrechnungssteuer zwar im 
Umfang von 15% verweigerte, im Umfang von 20% aber zugestand.

5.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerde abzuweisen. Die Verfahrenskos-
ten in  der  Höhe von CHF 5'000.--  sind bei  diesem Ausgang der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem ge-
leisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Eine Partei-
entschädigung  an  die  Beschwerdeführerin  ist  nicht  zuzusprechen 
(Art. 64 Abs. 1 VwVG a contrario).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von CHF 5'000.-- werden der Beschwerdeführe-
rin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
CHF 5'000.-- verrechnet.

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Riedo Urban Broger

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff.,  90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die  Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand am 24. März 2010

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