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**Case Identifier:** b240a9f7-df01-5a0b-9903-12ae8f35f7ff
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-02-21
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 21.02.2025 SK.2024.39
**Docket/Reference:** SK.2024.39
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2024-39_2025-02-21

## Full Text

Sich bestechen lassen (Art. 322quater StGB), ungetreue Amtsführung (Art. 314 StGB) und Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB);;Sich bestechen lassen (Art. 322quater StGB), ungetreue Amtsführung (Art. 314 StGB) und Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB);;Sich bestechen lassen (Art. 322quater StGB), ungetreue Amtsführung (Art. 314 StGB) und Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB);;Sich bestechen lassen (Art. 322quater StGB), ungetreue Amtsführung (Art. 314 StGB) und Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB)

Urteil vom 21. Februar 2025 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Alberto Fabbri, Einzelrichter 

Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács 

 

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staatsan-

walt des Bundes Johannes Rinnerthaler,  

 

und 

 

als Privatklägerschaft: 

 

SBB AG, vertreten durch Rechtsanwältin Sarah 

Schläppi,  

 

 
gegen 

  
A., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Rolf Liniger 

Gegenstand  
Sich bestechen lassen, ungetreue Amtsführung und Ver-

letzung des Amtsgeheimnisses 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2024.39 

- 2 - 

SK.2024.39 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. A. sei schuldig zu sprechen: 

– des mehrfachen Sich bestechen lassens (Art. 322quater StGB); 

– der mehrfachen Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB). 

 

2. A. sei mit einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten zu bestrafen.  

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit 

von 2 Jahren. 

 

3. Von den Verfahrenskosten (Kosten des Vorverfahrens von Fr. 10'000.--) seien A. 

Fr. 6'000.-- (Gebühren) zuzüglich der gerichtlich zu bestimmenden Kosten des 

Hauptverfahrens aufzuerlegen. 

 

4. Der Kanton Solothurn sei als Vollzugskanton zu bestimmen. 

 

5. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen. 

Anträge der Privatklägerschaft: 

1. A. sei schuldig zu sprechen: 

– des Sich bestechen lassens (Art. 322quater StGB), mehrfach begangen; 

– der ungetreuen Amtsführung (Art. 314 StGB), mehrfach begangen; 

– der Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB). 

 

2. A. sei zu verurteilen zu einer gerichtlich zu bestimmenden Sanktion.  

 

3. A. sei zu verurteilen zu einer Schadenersatzzahlung an die Privatklägerschaft im 

Umfang von: 

– Fr. 997.92 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 31. März 2015, unter solidarischer 

Haftung mit B.; 

– Fr. 12'972.25 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 19. März 2013, unter solidarischer 

Haftung mit B. 

 

4. A. sei zu verurteilen zum anteilsmässigen Ersatz der Parteikosten der Privatkläger-

schaft gemäss eingereichter Honorarnote, unter solidarischer Haftung mit B. 

 

5. A. sei zu verurteilen zur anteilsmässigen Bezahlung der Verfahrenskosten. 

 

6. Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen. 

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SK.2024.39 

Anträge der Verteidigung: 

1. A. sei vom Vorwurf der ungetreuen Amtsführung nach Art. 314 StGB, vom Vorwurf 

des Sich bestechen lassens nach Art. 322quater StGB und vom Vorwurf der Verlet-

zung des Amtsgeheimnisses nach Art. 320 StGB frei zu sprechen. 

 

2. Die Zivilforderung sei abzuweisen; eventualiter sei die Zivilforderung auf den Zivil-

weg zu verweisen. 

 

3. Die gesamten Verfahrenskosten seien dem Staat respektive dem Bund, eventuell 

der Zivilklägerin, aufzuerlegen. 

 

4. A. sei eine Parteientschädigung für die Anwaltskosten in der Höhe der eingereichten 

Kostennoten, auf der Basis des angemessenen vereinbarten Stundenansatzes und 

unter Berücksichtigung des Aufwands für die Hauptverhandlung, zuzüglich Mehr-

wertsteuer, auszurichten. 

 

5. Eventualiter seien im Falle eines teilweisen Schuldspruchs die Kosten gemäss 

Ziff. 3 und 5 (recte: 3 und 4) der Anträge im Verhältnis des Schuldspruchs und unter 

Berücksichtigung des unnötigen Aufwands infolge der Verletzung der Parteirechte 

und der Zusatzkosten infolge der Zweiteilung der Hauptverhandlung zu verlegen. 

  

- 4 - 

SK.2024.39 

Prozessgeschichte: 

A. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend: ESTV) erstattete am 5. No-

vember 2021 bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige im Zusammenhang mit 

einem verwaltungsstrafrechtlichen Verfahren gegen B. und dessen Ehefrau C. 

(verstorben am […] 2022; BA 16-01-0013 ff.). Die ESTV führte darin aus, eine 

Kontrolle der Mehrwertsteuerabrechnungen der D. AG habe ergeben, dass die 

D. AG total Fr. 18’282.60 an A. bezahlt habe, wobei in der Buchhaltung der Ver-

merk «Bauleiter» bei der Schweizerischen Bundesbahnen AG (nachfolgend 

SBB AG bzw. SBB) angegeben worden sei. Die Zahlungen seien am 

25. Juli 2013 sowie am 15. Januar, 18. Februar und 29. April 2015 erfolgt. Abklä-

rungen bei der Steuerverwaltung des Kantons U. hätten ergeben, dass das Konto 

von A. bei der Bank E., auf welches die Zahlungen der D. AG überwiesen worden 

seien, nicht in der Steuererklärung von A. angegeben worden sei; letzterer habe 

die SBB als einzige Arbeitgeberin angegeben. Die Buchhaltung der D. AG ent-

halte für die Zeit von November 2011 bis März 2015 Rechnungen der D. AG an 

die SBB für insgesamt 14 Dienstleistungen und Zahlungen der SBB im Betrag 

von total Fr. 60’238.70, sowie eine weitere Zahlung des Tochterunternehmens 

Schweizerische Bundesbahnen SBB Cargo AG an die D. AG in der Höhe von 

Fr. 5’227.20. In der Buchhaltung der D. AG sei A. als Ansprechperson bei der 

SBB angegeben worden. Die ESTV hielt fest, dass die Strafanzeige, welche mit 

mehreren Beilagen versehen wurde, gestützt auf Art. 22a Abs. 1 des Bundesper-

sonalgesetzes vom 24. März 2000 (BPG; SR 172.220.1) erfolge (BA  

05-00-0002 f.).  

B.  

 Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 30. November 2021 eine Strafuntersu-

chung gegen A. wegen ungetreuer Amtsführung (Art. 314 StGB) und Sich beste-

chen lassens (Art. 322quater StGB) und gegen B. wegen Gehilfenschaft zu unge-

treuer Amtsführung (Art. 314 i.V.m. Art. 25 StGB) und Bestechens (Art. 322ter 

StGB) (BA 01-01-0001). Am 7. März 2023 dehnte die Bundesanwaltschaft die 

Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten A. auf den Tatbestand der Verlet-

zung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB) aus (BA 01-01-0002).  

 Die SBB AG erklärte sich mit Eingabe vom 16. Dezember 2021 als Privatklägerin 

im Straf- und Zivilpunkt (BA 15-01-0001 f., 07-01-0026 f.). 

 Am 7. Juni 2022 erfolgte – auf Vorladung vom 18. Mai 2022 hin – eine delegierte 

Einvernahme des Beschuldigten A. durch die Bundeskriminalpolizei (nachfol-

gend: BKP) (BA 13-01-0003 ff.) und am 9. Juni 2023 – auf Vorladung vom 

10. März 2023 hin – die Schlusseinvernahme des Beschuldigten A. (BA 13-01-

0071 ff.). Am 23. Juni 2023 übermittelte die Bundesanwaltschaft den Parteien 

mittels USB-Stick die Verfahrensakten in elektronischer Form (BA 20-00-0021 f.). 

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SK.2024.39 

 Am 30. Juni 2023 zeigte Rechtsanwalt Liniger der Bundesanwaltschaft an, dass 

er mit der Rechtsvertretung des (bis anhin nicht anwaltlich vertretenen) Beschul-

digten A. betraut worden sei (BA 16-02-0002 f.). Am 3. Juli 2023 gab die Bun-

desanwaltschaft dem Verteidiger, wie von diesem am 30. Juni 2023 beantragt, 

Auskunft über den aktuellen Verfahrensstand (BA 16-02-0005 f.).  

Mit Eingabe vom 9. August 2023 monierte Rechtsanwalt Liniger, «dass es sich 

vorliegend um einen Fall einer notwendigen Verteidigung handelt und meinem 

Mandanten kein Strafverteidiger zur Seite gestellt worden ist». Im Weiteren 

machte er geltend, dass dem Beschuldigten weder seine Verteidigungs- noch 

seine Teilnahmerechte gewährt worden seien, weshalb sämtliche auf der Tatsa-

che der ungenügenden Verteidigung und der Missachtung der Teilnahmerechte 

basierenden Beweiserhebungen nicht verwertbar seien, soweit diese nicht wie-

derholt würden (BA 16-02-0007 ff.). Die Bundesanwaltschaft führte am 18. Au-

gust 2023 aus, dass weder zu Beginn noch im Verlauf der Strafuntersuchung 

noch aktuell die Voraussetzungen für eine notwendige Verteidigung i.S.v. 

Art. 130 lit. b StPO gegeben (gewesen) seien; sie habe überdies bis vor kurzem 

beabsichtigt, auf einen persönlichen Auftritt vor Gericht zu verzichten und eine 

Strafe von unter einem Jahr zu beantragen. Sie wies darauf hin, dass mitzuteilen 

sei, bezüglich welcher Beweiserhebungen konkret eine Wiederholung verlangt 

werde; da gesetzliche Gründe für eine Beschränkung der Teilnahmerechte vor-

gelegen hätten, bestehe keine absolute Unverwertbarkeit (BA 16-02-0011 ff.).  

Mit Eingabe vom 6. September 2023 beantragte Rechtsanwalt Liniger, dem Be-

schuldigten A. sei ab Verfahrensbeginn im Sinne einer notwendigen Verteidigung 

eine amtliche Verteidigung in Form seiner Person zu bestellen. Sodann bean-

tragte er Ansetzung einer angemessenen Frist, um mitzuteilen, bei welchen Be-

weisen auf eine Wiederholung verzichtet werde, und Verlängerung der Frist, um 

zu beantragen, bei welchen Beweisen eine Wiederholung verlangt werde (BA  

16-02-0015 ff.). Mit Schreiben vom 14. September 2023 wies die Bundesanwalt-

schaft den Antrag auf Bestellung einer amtlichen Verteidigung im Sinne einer 

notwendigen Verteidigung ab Verfahrensbeginn ab und verlängerte die Frist zur 

konkreten Benennung der zu wiederholenden Beweisehebungen zwecks Ge-

währung der Teilnahme- und Konfrontationsrechte (BA 16-02-0018 ff.); sie ver-

längerte die Frist bis 24. November 2023 (BA 16-02-0025 f.). Am 1. Novem-

ber 2023 liess die Bundesanwaltschaft dem Verteidiger die schriftliche 

Schlusseinvernahme des Beschuldigten B. (s. lit. B.5) «zwecks Gewährung der 

Teilnahmerechte (Ergänzungsfragen)» zukommen (BA 16-02-0027). Mit Eingabe 

vom 24. November 2023 verzichtete der Verteidiger auf Ergänzungsfragen und 

hielt fest, der bereits gestellte Antrag auf Wiederholung sämtlicher in Missach-

tung der Teilnahme- und Verfahrensrechte erfolgten Beweiserhebungen sei im 

rechtlichen Sinne genügend konkret formuliert, da dem Beschuldigten die Ver-

fahrensrechte durchgehend nicht gewährt worden seien; dieser verzichte nicht 

auf eine Wiederholung und habe bisher nicht verzichtet (BA 16-02-0029 f.).  

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 Der Beschuldigte B. war in der Strafuntersuchung ab dem 25. Mai 2022 anwalt-

lich vertreten (BA 16-01-0001, 13-02-0005). Am 12. Juli 2022 erfolgte eine dele-

gierte Einvernahme des Beschuldigten B. durch die BKP in Anwesenheit des 

Verteidigers (BA 13-02-0006 ff.). Am 10. März 2023 erfolgte die Vorladung zur 

Schlusseinvernahme des Beschuldigten B. vom 9. Juni 2023 (BA 13-02-0050 f.). 

Ab dem 6. April 2023 wurde die Interessenwahrung durch Advokat F. wahrge-

nommen (BA 16-01-0006 f., 16-01-0010). Mit Schreiben vom 27. Mai 2023 hielt 

Advokat F. fest, dass offenbar nicht von einem komplexen oder schwerwiegen-

den Fall die Rede sein könne und «kein Fall einer notwendigen Verteidigung» 

vorliege, da der Mitbeschuldigte A. nicht anwaltlich vertreten sei bzw. nicht an-

waltlich vertreten sein müsse. Er trug an, von einer Schlusseinvernahme des Be-

schuldigten B. sei abzusehen; stattdessen sei dem Beschuldigten B. im Sinne 

von Art. 145 StPO die Möglichkeit zu geben, schriftlich zu den Vorhalten Stellung 

zu nehmen, oder es sei ihm lediglich eine Schlussmitteilung unter Zustellung der 

Akten zu machen (BA 16-01-0013 f.). Die Bundesanwaltschaft teilte am 

1. Juni 2023 mit, dass an der Schlusseinvernahme des Beschuldigten B. festge-

halten werde (BA 16-01-0017 f.). Anlässlich der Schlusseinvernahme des Be-

schuldigten A. vom 9. Juni 2023 erklärte sie auf Ersuchen der Verteidigung und 

unter Hinweis auf den aktuellen Gesundheitszustand des Beschuldigten B., dass 

auf eine mündliche Schlusseinvernahme verzichtet und stattdessen eine schrift-

liche Schlusseinvernahme durchgeführt werde (BA 13-02-0052 f., 16-01-0019). 

Mit Schreiben vom 23. Juni 2023 (BA 16-01-0020) übermittelte die Bundesan-

waltschaft dem Verteidiger einen Fragenkatalog mitsamt Rechtsbelehrung zur 

schriftlichen Beantwortung durch B. als beschuldigte Person (BA 13-02-0057 ff.) 

sowie einen Fragenkatalog mitsamt Rechtsbelehrung zur schriftlichen Beantwor-

tung durch B. als Auskunftsperson betreffend die Vorwürfe der Verletzung des 

Amtsgeheimnisses gegenüber dem Beschuldigten A. (BA 13-02-0054 ff.). Nach 

mehrfach erstreckter Frist reichte Advokat F. am 31. Oktober 2023 die schriftli-

chen Antworten von B. zu den beiden Fragenkatalogen ein (BA 16-01-0029,  

13-02-0071 ff.).  

 Der Privatklägerin wurde die schriftliche Schlusseinvernahme von B. vom 31. Ok-

tober 2023 zwecks Gewährung ihrer Teilnahmerechte zum Einreichen von Er-

gänzungsfragen am 30. November 2023 zugestellt (BA 15-01-0009). Die Privat-

klägerin verzichtete auf das Stellen von Ergänzungsfragen (BA 15-01-0011).  

 Mit Schreiben vom 12. Dezember 2023 hielt die Bundesanwaltschaft fest, dass 

im Sinne der Anträge von Rechtsanwalt Liniger festgestellt werde, dass folgende 

Befragungen bisher ohne Gewährung der Teilnahmerechte erfolgt seien: Einver-

nahme von G. vom 21. März 2022; schriftlicher Bericht der Privatklägerin vom 

29. März 2022; schriftlicher Bericht der Privatklägerin im Rahmen der Nachedi-

tion der BKP vom 19. Januar 2023. Die Bundesanwaltschaft verfügte, dass die 

Einvernahme von G. in Anwesenheit der Parteien wiederholt würde; die schriftli-

chen Befragungen der Privatklägerin vom 29. März 2022 und 19. Januar 2023 

würden in geeigneter Form wiederholt, wozu die Beschuldigten innert Frist 

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Ergänzungsfragen einreichen könnten. Sie hielt ausserdem fest, dass die Ein-

vernahmen der Beschuldigten A. vom 7. Juni 2022 und B. vom 12. Juli 2022 ver-

wertbar seien und nicht wiederholt würden (BA 16-01-0031 ff.). Am 

14. März 2024 teilte die Bundesanwaltschaft mit, dass die Wiederholung der 

(schriftlichen) Befragungen der Privatklägerin vom 29. März 2022 und 19. Ja-

nuar 2023 in Form einer parteiöffentlichen mündlichen Einvernahme von H. er-

folgen werde (BA 15-01-0018 ff.). Am 26. März 2024 teilte sie den Parteien mit, 

dass diesbezüglich der Leiter Rechtsdienst Immobilien bei der SBB AG (anstelle 

von H.) befragt werde (BA 15-01-0026 f.).  

Die Bundesanwaltschaft befragte in Anwesenheit der Parteien am 12. März 2024 

G., Angestellter bei der SBB AG und ehemals Vorgesetzter von A. (BA  

12-01-0137 ff.), und am 15. April 2024 I., Leiter Recht & Compliance Immobilien 

bei der SBB AG, je als Zeuge (BA 12-02-0007 ff.).  

 Am 18. April 2024 zeigte die Bundesanwaltschaft den Parteien den bevorstehen-

den Abschluss der Strafuntersuchung nach Art. 318 StPO an und erklärte, dass 

sie beabsichtige, gegen A. und B. wegen der nachstehend genannten Tatbe-

stände (s. lit. C) Anklage zu erheben, und setzte Frist für Beweisanträge an. Den 

Parteien wurden die Verfahrensakten SV.21.1582-RIN und ein Aktenverzeichnis 

(Stand 18. April 2024) elektronisch übermittelt (BA 03-01-0001 f.).  

Der Beschuldigte B. stellte keine Beweisanträge, jedoch verschiedene prozessu-

ale Anträge, welche die Bundesanwaltschaft am 25. Juni 2024 abwies (BA  

16-01-0062 ff.). Den vom Beschuldigten A. gestellten Beweisantrag auf Beizug 

der vollständigen Verfahrensakten des gegen den Beschuldigten B. gerichteten 

Verwaltungsstrafrechtsverfahrens, wie auch dessen prozessuale Anträge, wies 

die Bundesanwaltschaft am 25. Juni 2024 ab (BA 16-02-0046 ff.).  

C. Mit Anklageschrift vom 4. Juli 2024 (Eingang: 8. Juli 2024) erhob die Bundesan-

waltschaft bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend: Strafkam-

mer) Anklage gegen A. wegen Sich bestechen lassens (Art. 322quater StGB), un-

getreuer Amtsführung (Art. 314 StGB) und Verletzung des Amtsgeheimnisses 

(Art. 320 StGB) und gegen B. wegen Bestechens (Art. 322ter StGB) und Gehil-

fenschaft zu ungetreuer Amtsführung (Art. 314 i.V.m. Art. 25 StGB). 

D.  

 Mit Verfügung vom 11. November 2024 wurde der Beginn der Hauptverhandlung 

auf den 5. Februar 2025, 08:30 Uhr, mit Fortsetzung am 7. Februar 2025, fest-

gesetzt, was den Parteien gleichentags mitgeteilt wurde (SK 6.310.039 f.). Die 

Vorladungen an die Parteien erfolgten am 8. Januar 2025, wobei die Privatklä-

gerschaft vom persönlichen Erscheinen dispensiert wurde (SK 6.320.001 f.).  

 Mit Eingabe per E-Mail vom 3. Februar 2025, 21:50 Uhr, teilte Advokat F. unter 

Beilage einer ärztlichen Bescheinigung vom 14. Januar 2025 mit, dass der 

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Beschuldigte B. aus medizinischen Gründen nicht an der Verhandlung (vom 

5. / 7. Februar 2025) teilnehmen könne, und ersuchte um Abnahme und Ver-

schiebung der Hauptverhandlung (SK 6.522.010 ff.). Die Parteien wurden am 

4. Februar 2025 zur Einreichung einer Stellungnahme bis 14:00 Uhr des gleichen 

Tages zum Verschiebungsgesuch eingeladen (SK 6.400.013 f.). Die Bundesan-

waltschaft führte aus, das Arztzeugnis vom 14. Januar 2025 sei weitgehend de-

ckungsgleich mit einem vom gleichen Arzt im Rahmen des Vorverfahrens aus-

gestellten Arztzeugnis vom 8. Juni 2023, weshalb nicht von einer raschen (posi-

tiven) Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschuldigten auszugehen 

sei. Sie erachte indes die Voraussetzungen für eine Dispensation des Beschul-

digten (auf dessen allfälliges Gesuch hin) gemäss Art. 336 Abs. 3 StPO als erfüllt; 

allenfalls sei aufgrund der drohenden Verjährung des Vorwurfs der Verletzung 

des Amtsgeheimnisses gegenüber dem Beschuldigten A. eine Verfahrenstren-

nung gemäss Art. 30 StPO zu prüfen (SK 6.510.010 ff.). Die Privatklägerin bean-

tragte Abweisung des Gesuchs, da eine mangelnde Verhandlungsfähigkeit mit 

dem eingereichten ärztlichen Zeugnis nicht dargetan sei (SK 6.551.030 ff.). 

Rechtsanwalt Liniger beantragte Gutheissung des Verschiebungsgesuchs. Er 

führte im Weitern aus, der Beschuldigte A. habe bisher nie die Möglichkeit ge-

habt, mit dem Beschuldigten B. direkt konfrontiert zu werden. Im Falle eines Fern-

bleibens des Beschuldigten B. werde der Beschuldigte A. daher um Absetzung 

und Verschiebung der Verhandlung ersuchen (SK 6.521.014). 

 Mit prozessleitender Verfügung vom 4. Februar 2025 wurde das Gesuch des Be-

schuldigten B. vorläufig abgewiesen und verfügt, der Beschuldigte B. habe sich 

zur Abklärung der Verhandlungsfähigkeit durch den Amtsarzt des Kantons V. am 

5. und 6. Februar 2025 bereit zu halten. Der Beginn der Hauptverhandlung wurde 

neu auf Freitag, 7. Februar 2025, 8:30 Uhr, festgesetzt und der erste Verhand-

lungstag vom 5. Februar 2025 abgesetzt (SK 6.255.001 f.). Mit prozessleitenden 

Verfügungen vom 5. Februar 2025 wurde die prozessleitende Verfügung vom 

4. Februar 2025 angepasst und die Klinik MM. mit der Abklärung der Verhand-

lungsfähigkeit beauftragt; der Beschuldigte wurde aufgefordert, sich zur Vor-

nahme der erforderlichen Abklärungen bei der Klinik MM. am 6. Februar 2025 

um 9:00 Uhr einzufinden (SK 6.255.006 ff., 6.255.009 ff.). Mit prozessleitender 

Verfügung vom 6. Februar 2025 wurde das Gesuch des Beschuldigten um Ver-

schiebung der Hauptverhandlung abgewiesen, nachdem der Beschuldigte sich 

unentschuldigt nicht zur Abklärung der Verhandlungsfähigkeit bei der Klinik MM. 

eingefunden hatte, und verfügt, dass der Beschuldigte am Freitag, 7. Feb-

ruar 2025, um 8:30 Uhr zur Hauptverhandlung persönlich zu erscheinen habe 

(SK 6.255.012 f.).  

E.  

 An der Hauptverhandlung vom 7. Februar 2025 erschienen die Bundesanwalt-

schaft, die Rechtsvertreterin der Privatklägerschaft, Rechtsanwältin Schläppi, der 

Beschuldigte A. und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Liniger, sowie Advokat F., 

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Verteidiger des Beschuldigten B. Der Beschuldigte B. erschien nicht. Advokat F. 

erklärte, sein Klient erscheine nicht zur Verhandlung und verweise auf das ein-

gereichte Arztzeugnis; sein Gesundheitszustand sei darin umschrieben (SK 

6.720.001 ff.).  

In der Folge beantragte Advokat F. die Ansetzung einer zweiten Hauptverhand-

lung und erklärte, der Beschuldigte B. wolle sich nicht dispensieren lassen. Der 

Verteidiger des Beschuldigten A. äusserte sich zu seinem Antrag vom 4. Feb-

ruar 2025 auf Verschiebung der Hauptverhandlung (SK 6.720.003). 

Der Einzelrichter gab den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme zu den jewei-

ligen Anträgen der Verteidigungen der Beschuldigten A. und B. 

Die Bundesanwaltschaft beantragte eine Verfahrenstrennung gemäss Art. 30 

StPO hinsichtlich aller Anklagepunkte, insbesondere wegen drohender Verjäh-

rung des Vorwurfs der Amtsgeheimnisverletzung gegenüber dem Beschuldigten 

A., und die Durchführung der Hauptverhandlung gegen den Beschuldigten A. (SK 

6.720.003 f.). 

Die Privatklägerin beantragte Abweisung der Anträge beider Verteidigungen und 

stellte Antrag auf Durchführung des Abwesenheitsverfahrens, eventuell auf poli-

zeiliche Vorführung des Beschuldigten B., subeventuell auf Abtrennung des Ver-

fahrens im Sinne des Antrags der Bundesanwaltschaft (SK 6.720.003). 

Die Verteidigungen der Beschuldigten A. und B. widersetzten sich dem Antrag 

auf Verfahrenstrennung und verlangten eine gemeinsame Beurteilung der Vor-

würfe gegen beide Beschuldigte. Rechtsanwalt Liniger machte geltend, bei Nicht-

erscheinen sehe die Strafprozessordnung eine zweite Vorladung vor, weshalb 

die Parteien neu vorzuladen seien. Advokat F. widersetzte sich dem Antrag auf 

polizeiliche Vorführung des Beschuldigten B. (SK 6.720.004 ff.). 

Der Einzelrichter wies mit prozessleitender, mündlich begründeter Verfügung die 

Anträge von Rechtsanwalt Liniger und von Advokat F. auf Verschiebung der 

Hauptverhandlung ab, ebenso den Antrag der Privatklägerschaft auf Durchfüh-

rung des Abwesenheitsverfahrens gegen den Beschuldigten B.; er hielt fest, dass 

über eine polizeiliche Vorführung von B. derzeit nicht zu befinden sei. Der Antrag 

der Bundesanwaltschaft und der Subeventualantrag der Privatklägerschaft auf 

Verfahrenstrennung – Abtrennung des Verfahrens gegen den Beschuldigten B. 

– wurde gutgeheissen (SK 6.720.006 ff.). Zur Begründung dieser Verfügung wird 

auf das Verhandlungsprotokoll verwiesen (SK 6.720.006 ff.).  

Der Einzelrichter gab bekannt, dass als Folge der Verfahrenstrennung die Haupt-

verhandlung mit dem Beschuldigten A. weitergeführt und die Verteidigung des 

Beschuldigten B., Advokat F., aus der Hauptverhandlung entlassen werde. Er 

teilte mit, dass über die Fortsetzung des abgetrennten Verfahrens gegen den 

Beschuldigten B. später entschieden werde (SK 6.720.008).  

 Der Beschuldigte B. erhob am 17. Februar 2025 gegen die am 7. Februar 2025 

verfügte Verfahrenstrennung Beschwerde bei der Beschwerdekammer des 

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SK.2024.39 

Bundesstrafgerichts (Geschäftsnummer Beschwerdekammer: BB.2025.15). Mit 

Beschluss der Beschwerdekammer vom 20. Mai 2025 wurde diese abgewiesen. 

 In der Hauptverhandlung vom 7. Februar 2025 (nach erfolgter Verfahrenstren-

nung) wurde der Beschuldigte A. zur Person und zur Sache befragt (SK 

6.731.001 ff., 6.731.004 ff.).  

 Am 21. Februar 2025 wurde das Urteil des Einzelrichters in Anwesenheit der 

Bundesanwaltschaft, der Privatklägerschaft, des Beschuldigten A. und dessen 

Verteidigers eröffnet und mündlich begründet (SK 6.720.025 f.). 

F. Der Beschuldigte und die Privatklägerschaft meldeten innert Frist Berufung an. 

Der Einzelrichter erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Bundesgerichtsbarkeit 

Der Bundesgerichtsbarkeit unterstehen u.a. die Straftaten des achtzehnten und 

neunzehnten Titels des Strafgesetzbuches, sofern sie von einem Behördenmit-

glied oder Angestellten des Bundes oder gegen den Bund verübt wurden (Art. 23 

Abs. 1 lit. j StPO). Diese Bestimmungen umfassen u.a. strafbare Handlungen 

gegen die Amts- und Berufspflicht (Art. 312 – 322bis StGB) und die Bestechung 

(Art. 322ter – 322octies StGB). Die sachliche Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts 

für die Taten, welche Gegenstand der Anklage bilden, ist gegeben, soweit eine 

Bundesbeamteneigenschaft vorliegt bzw. Delikte gegen den Bund verübt wur-

den. In Bezug auf den Beschuldigten A. besteht Bundesbeamteneigenschaft 

(hinten E. 1.2). Die sachliche Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts ist gegeben. 

1.2 Bundesbeamteneigenschaft 

1.2.1 Die Tatbestände der ungetreuen Amtsführung (Art. 314 StGB), der sogenannten 

aktiven und passiven Bestechung (Art. 322ter und Art. 322quater StGB) und der 

Vorteilsgewährung respektive -annahme (Art. 322quinquies und 322sexies StGB) set-

zen das Vorliegen von Beamteneigenschaft voraus. Den Begriff des Beamten 

verwendet das Gesetz mithin zur Umschreibung einer qualifizierten Tätergruppe 

im 18. Titel (Art. 312 – 317, 319, 320, 321ter StGB) sowie im 19. Titel (Art. 322quater 

und 322sexies StGB) des Zweiten Buches. Angriffsobjekt bzw. Täter ist ein Amts-

träger, wobei im Falle der aktiven Bestechung dieses Tatbestandselement 

(Amtsträger) geschütztes Angriffsobjekt ist und jedermann sich als Täter schuldig 

machen kann (TRECHSEL/VEST, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021 [nachfolgend: Praxiskommentar], 

Art. 110 StGB N. 11; TRECHSEL/JEAN-RICHARD, Praxiskommentar, vor Art. 322ter 

- 11 - 

SK.2024.39 

StGB N. 3). Bei den Bestechungsdelikten den Amtsträgern ausdrücklich gleich-

gestellt sind Private, die öffentliche Aufgaben erfüllen (Art. 322octies Ziff. 3 StGB). 

1.2.2 Als Beamte gelten die Beamten und Angestellten einer öffentlichen Verwaltung 

und der Rechtspflege sowie die Personen, die provisorisch ein Amt bekleiden 

oder provisorisch bei einer öffentlichen Verwaltung oder der Rechtspflege ange-

stellt sind oder vorübergehend amtliche Funktionen ausüben (Art. 110 Abs. 3 

StGB). Der strafrechtliche Beamtenbegriff im Sinne dieser Bestimmung erfasst 

sowohl institutionelle als auch funktionelle Beamte. Erstere sind die Beamten im 

öffentlich-rechtlichen Sinn (worunter Angestellte der SBB AG nicht fallen; s. nach-

stehend E. 1.3) sowie Angestellte im öffentlichen Dienst. Bei Letzteren ist nicht 

von Bedeutung, in welcher Rechtsform diese für das Gemeinwesen tätig sind. 

Das Verhältnis kann öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich sein. Entscheidend 

ist vielmehr die Funktion der Verrichtungen. Bestehen diese in der Erfüllung öf-

fentlicher Aufgaben, so sind die Tätigkeiten amtlich und die sie verrichtenden 

Personen Beamte im Sinne des Strafrechts. Entscheidend ist, dass der funktio-

nale Beamte Staatsaufgaben wahrnimmt (BGE 135 IV 198 E. 3.3; 141 IV 329 

E. 1.3; Botschaft über die Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches 

und des Militärstrafgesetzes [Revision des Korruptionsstrafrechts] sowie über 

den Beitritt der Schweiz zum Übereinkommen über die Bekämpfung der Beste-

chung ausländischer Amtsträger im internationalen Geschäftsverkehr vom 

19. April 1999 [nachfolgend: Botschaft Korruptionsstrafrecht], BBl 1999 5497 ff., 

5525 Ziff. 212.12; vgl. zum deutschen Recht: BERND HEINRICH, Die Entwicklung 

des Begriffs des Amtsträgers, in: wistra 2016 S. 471 ff., insbes. S. 472 f.). 

1.2.3 Mit dem Erlass des Bundesgesetzes vom 20. März 1998 über die Schweizeri-

schen Bundesbahnen (SBBG; SR 742.31; in Kraft seit 1. Januar 1999) wurde der 

Betrieb der Bundesbahn aus der Bundesverwaltung herausgenommen. Die SBB 

ist eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft (Art. 2 SBBG). Die SBB ist eine mit 

öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes betraute Organisation. Sie erbringt 

als Kernaufgabe Dienstleistungen im öffentlichen Verkehr, namentlich in der Be-

reitstellung der Infrastruktur, im Personenfernverkehr, im regionalen Personen-

verkehr und im Güterverkehr sowie in den damit zusammenhängenden Berei-

chen (Art. 3 Abs. 1 SBBG). Die SBB ist als Konzern mit Stammhaus und organi-

satorisch getrennten – aber nicht rechtlich verselbständigten – Divisionen (Infra-

struktur, Personenverkehr und Immobilien) strukturiert. In eine Tochtergesell-

schaft ausgelagert ist der Güterverkehrsbereich SBB Cargo (KERN/KÖNIG, in: Bi-

aggini/Häner/Saxer/Schott [Hrsg.], Fachhandbuch Verwaltungsrecht, Zürich/Ba-

sel/Genf 2015, N. 9.17). Als eine Kernaufgabe wird im Gesetz die Bereitstellung 

der Infrastruktur genannt. Damit geht auch der ordentliche Unterhalt der Infra-

struktur und das Funktionieren des Bahnverkehrs einher. Um diese Aufgabe zu 

erfüllen, erwirbt die SBB AG bei Privaten gegen Entgelt Güter oder Dienstleis-

tungen, die sie zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben benötigt (HÄNNI/STÖCKLI, 

Schweizerisches Wirtschaftsverwaltungsrecht, Bern 2013, N. 704, 706). Dies ge-

schieht im Rahmen von spezialgesetzlich geregelten Beschaffungsverfahren. 

- 12 - 

SK.2024.39 

Das öffentliche Vergabewesen ist bis ins Detail Gegenstand eines ausgeklügel-

ten Regelungssystems, das der Rechtsgleichheit unter Bewerbern und auch dem 

Schutz des staatlichen Budgets dient. Die Vergabe von öffentlichen Aufträgen ist 

zweifelsfrei Staatstätigkeit (Botschaft Korruptionsstrafrecht, S. 5526 Ziff. 212.13).  

1.2.4 Die von der D. AG bei der SBB eingereichten Offerten und von dieser an die 

D. AG vergebenen bzw. potenziell zu vergebenden Aufträge betrafen Gebäude-

aufnahmen und Planherstellungen mittels «CAD-Technik» für Bau- und Umbau-

projekte im Zusammenhang mit der Bereitstellung der Bahninfrastruktur (BA  

12-01-0006 ff.; BA 13-02-0008 ff.). Die SBB erteilte der D. AG in Wahrnehmung 

einer öffentlichen Aufgabe des Bundes Aufträge. Es handelt sich um eine öffent-

liche Aufgabe.  

1.2.5 Der Beschuldigte war im anklagerelevanten Zeitraum Mitarbeiter der SBB im Be-

reich Immobilien. Mit öffentlich-rechtlichem Arbeitsvertrag vom 31. März / 10. Ap-

ril 2010 wurde er ab 1. Juli 2010 in der Funktion als «Bauherrenvertreter» ange-

stellt. Per 1. Januar 2021 wurde dieser Vertrag durch einen neuen Arbeitsvertrag 

ersetzt, mit welchem der Beschuldigte in der Funktion als «Projektleiter Baupro-

jekte Professional» angestellt wurde (BA 07-01-0039 ff., Beilagen 4 und 8 [elekt-

ronische Akten]). Der Beschuldigte war im Rahmen von Beschaffungen der SBB 

bei der Vergabe von Aufträgen an Unternehmen involviert (hinten E. 1.8). Der 

Beschuldigte war demnach funktioneller Beamter i.S.v. Art. 110 Abs. 3 StGB. 

1.3 Ermächtigung 

1.3.1 Die Strafverfolgung von Beamten wegen strafbarer Handlungen, die sich auf ihre 

amtliche Tätigkeit oder Stellung beziehen, ausgenommen wegen Widerhandlun-

gen im Strassenverkehr, bedarf grundsätzlich einer Ermächtigung des Eidgenös-

sischen Justiz- und Polizeidepartements (nachfolgend: EJPD) (Art. 15 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes vom 14. März 1958 über die Verantwortlichkeit des Bundes so-

wie seiner Behördenmitglieder und Beamten [Verantwortlichkeitsgesetz, VG; 

SR 170.32]). Den Bestimmungen des Verantwortlichkeitsgesetzes unterstehen 

alle Personen, denen die Ausübung eines öffentlichen Amtes des Bundes über-

tragen ist (Art. 1 Abs. 1 VG), namentlich die Beamten und übrigen Arbeitskräfte 

des Bundes (Art. 1 Abs. 1 lit. e VG) sowie alle anderen Personen, insoweit sie 

unmittelbar mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes betraut sind (Art. 1 

Abs. 1 lit. f VG). Für die Angestellten der SBB AG gilt zwar das Bundespersonal-

gesetz vom 24. März 2000 (Art. 2 Abs. 1 lit. d BPG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 SBBG); 

sie erfüllen aber den institutionellen Beamtenbegriff nicht, da mit Erlass des 

SBBG der Betrieb der Bundesbahn aus der Bundesverwaltung herausgelöst 

wurde. Die Verantwortlichkeit der SBB AG und ihrer Angestellten richtet sich 

nach Art. 19 VG. Gemäss Art. 19 Abs. 2 Satz 1 VG finden auf die strafrechtliche 

Verantwortlichkeit des Personals der mit Aufgaben des Bundes betrauten beson-

deren Organisationen grundsätzlich die Art. 13 ff. und damit auch Art. 15 VG 

(Ermächtigungsvoraussetzung) entsprechend Anwendung. Gemäss Art. 19 

- 13 - 

SK.2024.39 

Abs. 2 Satz 2 VG (in Kraft seit 1. Januar 2010) gilt dies nicht für Angestellte und 

Beauftragte konzessionierter Transportunternehmen und damit nicht für die An-

gestellten der SBB AG (vgl. zum Ganzen auch: TPF 2014 150 E. 2.2).  

1.3.2 Nach dem vorstehend Gesagten ist bezüglich des Beschuldigten keine Ermäch-

tigung des EJPD zur Strafverfolgung erforderlich. Die Prozessvoraussetzung für 

eine Strafverfolgung gegen den Beschuldigten ist damit selbstredend erfüllt.  

1.4 Anklageprinzip 

1.4.1 Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a 

und b EMRK abgeleiteten und in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklage-

grundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens 

(Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last 

gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vor-

würfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich 

bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschul-

digten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informations-

funktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1). Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO bezeichnet die 

Anklageschrift möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorge-

worfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tat-

ausführung (lit. f) und die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erfüllten Straf-

tatbestände unter Angabe der anwendbaren Gesetzesbestimmungen (lit. g) 

(BGE 143 IV 63 E. 2.2 S. 65; 141 IV 132 E. 3.4.1 S. 142 f.; Urteile des Bundes-

gerichts 6B_424/2021 vom 26. Januar 2023 E. 1.2.1; 6B_44/2022 vom 20. De-

zember 2022 E. 5.1; je mit Hinweisen; Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur 

Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085 ff., 1276; LANDS-

HUT/BOSSHARD, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 

3. Aufl. 2020, Art. 325 StPO N. 8, 15). Werden besondere Formen der strafrecht-

lichen Verantwortlichkeit wie Versuch, Mittäterschaft oder Teilnahme angeklagt 

oder wird mehrfache Tatbegehung behauptet, ist in der Anklageschrift darzustel-

len, durch welche Verhaltensweisen welche Beschuldigten diese erfüllt haben 

sollen. Bei Gehilfenschaft und Anstiftung ist aufgrund der Akzessorietät der Teil-

nahme auch die Haupttat selbst zu umschreiben (LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., 

Art. 325 StPO N. 15). Die Festlegung des Sachverhalts ist zentral, weil dadurch 

der Prozessgegenstand fixiert und der Beschuldigte davor geschützt wird, von 

einem Vorhalt überrascht zu werden. Auf diese Weise wird in diesem Verfahrens-

abschnitt ein faires Verfahren i.S.v. Art. 6 Ziff. 1 EMRK gewährleistet (LANDS-

HUT/BOSSHARD, a.a.O, Art. 325 StPO N. 8). Entscheidend ist, dass der Beschul-

digte genau weiss, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein 

Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Verteidigung richtig 

vorbereiten kann. Solange klar ist, welcher Sachverhalt ihm vorgeworfen wird, 

kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu 

keinem Schuldspruch kommen darf. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt 

an Schranken; es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich 

- 14 - 

SK.2024.39 

festzustellen. Dieses ist an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt, nicht 

aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung gebunden (Art. 350 

Abs. 1 StPO; BGE 143 IV 63 E. 2.2 S. 65; 133 IV 235 E. 6.2 f.; 120 IV 348 E. 2b). 

1.4.2 Der Beschuldigte machte mit Eingabe vom 15. Oktober 2024 (SK 6.521.009 ff.) 

sowie in der Hauptverhandlung (SK 6.720.010 ff.) geltend, die Anklageschrift ent-

spreche nicht den gesetzlichen Vorgaben. Das Verfahren sei zu sistieren und die 

Anklageschrift zur Verbesserung an die Bundesanwaltschaft zurückzuweisen.  

In der Hauptverhandlung brachte der Beschuldigte folgende Rügen vor: Eine An-

klageschrift sei nicht eine Parteischrift. Sie habe nur den Sachverhalt kurz wie-

derzugeben. Sie solle insbesondere in einem Fall der angeblich fehlenden not-

wendigen Verteidigung an einen Laien gerichtet sein und diesem die Möglichkeit 

geben, sich ein Bild vom relevanten Sachverhalt und den ihm zur Last gelegten 

Anschuldigungen zu geben. Dadurch solle der Beschuldigte als Laie in die Lage 

versetzt werden, sich selber zu verteidigen oder seinen Verteidiger gehörig zu 

instruieren. Die Anklageschrift umfasse 39 Seiten und erstrecke sich bei einzel-

nen Sätzen über bis zu 10 Seiten (z.B. Anklageschrift S. 2 – 11). Diese Endlos-

Sätze seien verschachtelt und in zahlreichen Absätzen werde der Satzbau gram-

matikalisch mit «wobei» und «indem» umgestellt, was die Lesbarkeit und Ver-

ständlichkeit zusätzlich erschwere. Die Anklageschrift enthalte in 151 Fussnoten 

umfangreiche Aktenverweise. Der Beschuldigte, an den die Anklageschrift ge-

richtet sei, könne sich aufgrund der Fülle der in sich übergreifenden Informatio-

nen nicht mehr ein Bild über die ihm vorgeworfenen Tathandlungen verschaffen. 

In der Kombination von grammatikalischer Unzulänglichkeit, den Verschachte-

lungen und den zahlreichen Aktenverweisen erschwere sich die Verständlichkeit 

der Anklageschrift. Es komme hinzu, dass sich die Anklageschrift gegen zwei 

Beschuldigte richte und die Ausführungen gegen die beiden Beschuldigten nicht 

sauber getrennt seien. Die Ausführungen gegen den Beschuldigten A. enthielten 

auch Anschuldigungen gegen den Beschuldigten B. und umgekehrt. Es könne 

nicht sauber auseinandergehalten werden, welche Tatvorwürfe sich gegen den 

einen oder anderen Beschuldigten richten würden. Es handle sich um komplexe 

Tatvorwürfe. Umso wichtiger sei es deshalb, dass diese so dargestellt würden, 

dass ein juristischer Laie in der Lage sei, die Vorwürfe nachvollziehen zu können. 

Das Bundesgericht habe im Zusammenhang mit dem rechtlichen Gehör schon 

festgehalten, dass mehrseitige Dass-Entscheide die Lesbarkeit und Nachvoll-

ziehbarkeit erheblich erschweren würden, und es habe vorinstanzliche Ent-

scheide entsprechend aufgehoben. Das Anklageprinzip werde ausgehöhlt, wenn 

für die Umschreibung des Sachverhalts zu einem wesentlichen Teil auf Akten-

verweise zurückgegriffen werde. Laut Bundesgerichtsurteil 6B_424/2021 vom 

26. Januar 2023 E. 1.2.2 gehörten weder die Nennung von Beweisen noch Ak-

tenverweise in die Anklageschrift. Die wesentliche Frage sei, ob die Anklage-

schrift für den juristisch ungeschulten Beschuldigten verständlich sei. In der vor-

liegenden Form der Anklageschrift sei das nicht gegeben. Der Beschuldigte A. 

sei nicht in der Lage, die Anklageschrift zu verstehen und seinen Verteidiger 

- 15 - 

SK.2024.39 

entsprechend zu instruieren. Entsprechend sei das rechtliche Gehör verletzt. Die 

Anklageschrift genüge nicht den Anforderungen von Art. 325 StPO. Damit liege 

eine Verletzung des Anklageprinzips vor und die Anklageschrift ist zur Verbes-

serung an die Bundesanwaltschaft zurückzuweisen (SK 6.720.011 f.). 

1.4.3 Die Bundesanwaltschaft und die Privatklägerschaft beantragten Abweisung des 

Antrags (SK 6.720.014 ff., 6.720.16). 

1.4.4 Mit den in der Eingabe vom 15. Oktober 2024 geltend gemachten Rügen gegen 

die Anklageschrift hat sich das Gericht bereits in der prozessleitenden Verfügung 

vom 19. November 2024 befasst und diese als unbegründet erklärt (SK 

6.232.4.001 ff. Ziff. I.1). Die in der Hauptverhandlung vorgebrachten Rügen über-

schneiden sich mit jenen in der Eingabe vom 15. Oktober 2024; neue Einwände, 

welche auf eine Verletzung des Anklageprinzips hinweisen würden, wurden von 

der Verteidigung nicht vorgebracht. Der Umstand, dass das Verfahren gegen den 

Beschuldigten B. in der Hauptverhandlung vom Verfahren gegen den Beschul-

digten A. abgetrennt wurde, ändert hinsichtlich der Verständlichkeit der Anklage-

schrift für den Beschuldigten A. und den an die Anklageschrift zu stellenden Vo-

raussetzungen nichts. Es kann deshalb auf die prozessleitende Verfügung vom 

19. November 2024 verwiesen werden. Der Antrag auf Rückweisung der Ankla-

geschrift an die Bundesanwaltschaft zur Verbesserung ist abzuweisen. 

1.5 Parteirechte 

1.5.1 Der Beschuldigte A. beantragte, die wegen Verletzung von Parteirechten un-

rechtmässig erlangten Ermittlungsergebnisse seien aus den Akten zu weisen. 

Dies betreffe das Einvernahmeprotokoll des Beschuldigten A. vom 7. Juni 2022, 

das Einvernahmeprotokoll des Beschuldigten B. vom 12. Juli 2022, das Einver-

nahmeprotokoll von G. vom 21. März 2022 sowie die Eingaben der SBB AG vom 

16. und 21. Dezember 2021, 16. und 24. Februar 2022, 29. März 2022, 

10. Mai 2022 und 17. Februar 2023, ausserdem alle aus diesen Beweismitteln 

folgenden Ermittlungserkenntnisse. Im Eventualstandpunkt beantragte er, es sei 

festzustellen, dass die genannten Akten und Ermittlungserkenntnisse nicht zu 

seinen Lasten verwendet werden könnten (SK 6.720.010). 

Zur Begründung brachte der Beschuldigte im Wesentlichen vor, es sei ihm keine 

amtliche Verteidigung beigegeben worden, obwohl die Voraussetzungen für eine 

amtliche (bzw. notwendige) Verteidigung gemäss Art. 130 lit. c StPO vorgelegen 

hätten. Sowohl in der ersten Einvernahme vom 7. Juni 2022 als auch in der 

Schlusseinvernahme vom 9. März 2023 sei ihm sogar vom Beizug eines Anwalts 

abgeraten worden. Erst nach Abschluss der Schlusseinvernahme sei ihm zum 

Beizug eines Anwalts geraten worden. Bis zum Beizug eines privaten Verteidi-

gers seien ihm sämtliche Teilnahmerechte vorenthalten worden. Er habe weder 

Gelegenheit zur Anwesenheit bei der Einvernahme des Beschuldigten B. noch 

bei der Einvernahme von G. gehabt, und die schriftliche Befragung von H. sei 

ihm nicht einmal zur Kenntnis zugestellt worden. Obwohl den Strafbehörden 

- 16 - 

SK.2024.39 

bekannt gewesen sei, dass er keine Ahnung vom Verfahrensrecht gehabt habe, 

sei ihm nicht einmal empfohlen worden, die Akten anzuschauen. Vor der 

Schlusseinvernahme vom 9. März 2023 sei ihm der Schlussbericht der BKP vom 

20. Februar 2023 weder zugestellt noch wenigstens vorgelegt worden. Er habe 

zweimal um Akteneinsicht ersucht, doch seien seine Begehren abgewiesen wor-

den. Es sei offenkundig, dass seine Parteirechte einschliesslich des Rechts auf 

amtliche Verteidigung verletzt worden seien. Sämtliche vor dem Beizug eines 

Verteidigers am 30. Juni 2023 erhobenen Beweise und Einvernahmen und die 

daraus hervorgegangenen Folgebeweise seien daher nicht zu seinen Lasten ver-

wertbar (SK 6.720.012, 6.720.16 f., 6.721.058). 

1.5.2 Die Bundesanwaltschaft und die Privatklägerschaft beantragten Abweisung des 

Antrags (SK 6.720.014 ff., 6.720.16). 

1.5.3 Notwendige bzw. amtliche Verteidigung 

1.5.3.1 Gemäss Art. 130 lit. b StPO muss die beschuldigte Person verteidigt werden, 

wenn ihr eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheitsentzie-

hende Massnahme droht. Ausschlaggebend für die Frage der notwendigen Ver-

teidigung ist nicht das abstrakt höchstmögliche, sondern das konkret zu erwar-

tende Strafmass (BGE 143 I 164 E. 2.4.3 S. 170; Urteil des Bundesgerichts 

6B_783/2018 vom 6. März 2019 E. 2.4.2). Mitzuberücksichtigen ist dabei ein dro-

hender Widerruf bedingt ausgefällter Freiheitsstrafen (BGE 129 I 281 E. 4.1 

S. 285 f.; Urteil des Bundesgerichts 1B_444/2013 vom 31. Januar 2014 E. 2.1). 

Eine drohende Geldstrafe bzw. deren Widerruf führen nicht dazu, dass ein Fall 

notwendiger Verteidigung vorliegt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1B_444/2013 

vom 31. Januar 2014 E. 2; 6B_783/2018 vom 6. März 2019 E. 2.4.2).  

1.5.3.2 Gemäss Art. 130 lit. c StPO muss die beschuldigte Person verteidigt werden, 

wenn sie wegen ihres körperlichen oder geistigen Zustandes oder aus anderen 

Gründen ihre Verfahrensinteressen nicht ausreichend wahren kann und die ge-

setzliche Vertretung dazu nicht in der Lage ist. Unter einem eingeschränkten kör-

perlichen Zustand sind dauerhafte körperliche Gebrechen wie Blindheit, Gehör-

losigkeit oder Taubstummheit zu verstehen. Auch vorübergehende körperliche 

Einschränkungen – bspw. wegen Unfalls oder Krankheit – können die Bestellung 

einer notwendigen Verteidigung erheischen, wenn Verfahrensschritte anstehen, 

an denen die beschuldigte Person teilnehmen kann oder muss (RUCKSTUHL, Bas-

ler Kommentar, 3. Aufl. 2023, Art. 130 StPO N. 28). Als Einschränkungen des 

geistigen Zustandes gelten jegliche Formen von geistiger Behinderung, auch 

leichteste; es genügt, wenn Zweifel daran bestehen, ob die beschuldigte Person 

das Wesen des Strafverfahrens überhaupt versteht, woran es bereits fehlen 

kann, wenn wegen einer Abhängigkeitserkrankung eine relevante geistige Be-

einträchtigung vorliegt. Auch bei vorübergehenden Einschränkungen, insbeson-

dere bei Menschen in psychischen Krisensituationen oder unter starker medika-

mentöser Behandlung, kann das Erfordernis erfüllt sein (RUCKSTUHL, a.a.O., 

- 17 - 

SK.2024.39 

Art. 130 StPO N. 30). Als andere Gründe für eine notwendige Verteidigung kön-

nen solche in Frage kommen, welche die Verteidigungsfähigkeit in gleichem 

Masse einschränken wie körperliche oder geistige Defizite, wobei ein solcher 

Grund nur mit Zurückhaltung anzunehmen ist, solange kein Zweifelsfall vorliegt 

(vgl. BGE 143 I 164 E. 2.4.4), und objektiv gewichtig genug erscheinen muss, 

sodass bereits vorgenommene Beweiserhebungen wiederholt werden müssen. 

Ist die Beeinträchtigung nicht schwer genug, kann die beschuldigte Person im-

mer noch eine amtliche Verteidigung im Sinne von Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO 

beantragen (RUCKSTUHL, a.a.O., Art. 130 StPO N. 32).  

1.5.3.3 Liegt ein Fall notwendiger Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung da-

rauf, dass unverzüglich eine Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). 

Sind die Voraussetzungen notwendiger Verteidigung bei Einleitung des Vorver-

fahrens erfüllt, so ist die Verteidigung nach der ersten Einvernahme durch die 

Staatsanwaltschaft, jedenfalls aber vor Eröffnung der Untersuchung, sicherzu-

stellen (Art. 131 Abs. 2 StPO). Gegebenenfalls ist im Fall notwendiger Verteidi-

gung eine amtliche Verteidigung zu bestellen (Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO). Sodann 

sieht Art. 158 Abs. 1 StPO vor, dass die Polizei oder Staatsanwaltschaft die be-

schuldigte Person zu Beginn der ersten Einvernahme in einer ihr verständlichen 

Sprache darauf hinweisen, dass gegen sie ein Vorverfahren eingeleitet worden 

ist und welche Straftaten Gegenstand des Verfahrens bilden (lit. a), sie die Aus-

sage und die Mitwirkung verweigern kann (lit. b), sie berechtigt ist, eine Verteidi-

gung zu bestellen oder gegebenenfalls eine amtliche Verteidigung zu beantragen 

(lit. c) und sie eine Übersetzerin oder einen Übersetzer verlangen kann (lit. d).  

1.5.3.4 Wurden in Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, 

Beweise erhoben, bevor eine Verteidigerin oder ein Verteidiger bestellt worden 

ist, so ist die Beweiserhebung nur gültig, wenn die beschuldigte Person auf ihre 

Wiederholung verzichtet (Art. 131 Abs. 3 aStPO in der bis 31. Dezember 2023 

geltenden Fassung [bzw. Wurden in Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar 

notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben, bevor eine Verteidigerin oder ein 

Verteidiger bestellt worden ist, so sind diese Beweise nur verwertbar, wenn die 

beschuldigte Person auf die Wiederholung der Beweiserhebung verzichtet; 

Art. 131 Abs. 3 StPO in der seit 1. Januar 2024 geltenden Fassung]; vgl. dazu 

BGE 141 IV 289 E. 2.3 f.; Urteile des Bundesgerichts 6B_1262/2020 vom 2. Au-

gust 2022 E. 1.3; 6B_338/2020 vom 3. Februar 2021 E. 2.3.1; 1B_210/2020 vom 

3. Juli 2020 E. 1.3). Das Übergangsrecht bestimmt zum anwendbaren Recht: 

Verfahrenshandlungen, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes angeordnet oder 

durchgeführt worden sind, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 StPO). 

1.5.3.5 Eine amtliche Verteidigung wird von der Verfahrensleitung überdies angeordnet, 

wenn die beschuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die 

Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist (Art. 132 Abs. 1 lit. b 

StPO). Die Verteidigung ist namentlich dann geboten, wenn es sich nicht um ei-

nen Bagatellfall handelt und der Straffall in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht 

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- 18 - 

SK.2024.39 

Schwierigkeiten bietet, denen der Beschuldigte allein nicht gewachsen wäre 

(Art. 132 Abs. 2 StPO), wobei Art. 132 Abs. 3 StPO den Bagatellfall umschreibt. 

1.5.4 Zur Anwendung von Art. 130 lit. c StPO  

1.5.4.1 Der Beschuldigte machte nicht geltend, dass er wegen einer vor dem Beizug 

seines Wahlverteidigers am 30. Juni 2023 bestehenden körperlichen oder geis-

tigen Einschränkung nicht in der Lage gewesen sei, seine Verfahrensinteressen 

ausreichend wahren zu können. Es finden sich auch keinerlei Hinweise in den 

Akten, die darauf schliessen würden, dass sein körperlicher oder geistiger Zu-

stand in irgendeiner Weise dauernd oder vorübergehend eingeschränkt gewesen 

wäre und er aus diesem Grund nicht in der Lage gewesen sei, sich selbst vertei-

digen zu können. Demnach kann sich nur die Frage stellen, ob «aus anderen 

Gründen» eine notwendige Verteidigung für den Beschuldigten erforderlich war.  

1.5.4.2 Der Beschuldigte räumte ein, dass er zu Beginn der delegierten Einvernahme 

durch die BKP vom 7. Juni 2022 (BA 13-01-0004) und zu Beginn der Schlussein-

vernahme vom 9. Juni 2023 (BA 13-01-0071 ff.) auf die Möglichkeit des Beizugs 

eines Verteidigers hingewiesen wurde und er diese Rechtsbelehrung verstanden 

hat. Er brachte vor, im Protokoll der ersten Einvernahme sei anschliessend fest-

gehalten, dass er für diese Einvernahme auf den Beizug eines Anwalts verzichtet 

habe. Anschliessend stehe im Protokoll, wenn sich herausstelle, dass es sich 

nicht mehr um einen Bagatellfall handle und eine Verteidigung zur Wahrung der 

Interessen des Beschuldigten geboten erscheine und der Beschuldigte nicht über 

die erforderlichen Mittel zur Bezahlung einer Verteidigung verfüge, werde ihm 

eine amtliche Verteidigung bestellt. Aus der Befragung ohne Verteidigung sei zu 

folgern, dass die Belehrung betreffend den Beizug einer Verteidigung unter Hin-

weis darauf erfolgt sei, dass es sich um einen Bagatellfall handle, und dass er 

durch den Hinweis auf einen Bagatellfall vom Beizug eines Anwalts abgehalten 

worden sei. Ein Fall notwendiger Verteidigung liege im Übrigen auch dann vor, 

wenn der Beschuldigte überfordert sei, seine Rechte selbst wahrzunehmen, un-

abhängig von anderen Kriterien. Er sei zwar auch in der zweiten Einvernahme 

darauf hingewiesen worden, dass er jederzeit eine Verteidigung nach freier Wahl 

und auf seine Kosten beiziehen oder eine amtliche Verteidigung beantragen 

könne. Weiter sei festgehalten worden, dass ihm die Voraussetzungen der amt-

lichen Verteidigung erläutert worden seien. Er habe erklärt, dass er auf den Bei-

zug eines Anwalts verzichtet habe, «weil die Facts ja da sind» – womit er die 

Zahlungen gemeint habe. Diese Antwort zeige auf, dass er gar nicht verstanden 

habe, was Sinn und Zweck der notwendigen Verteidigung seien. Er sei davon 

ausgegangen, wenn die Unterlagen da seien, benötige er keinen Anwalt. Das 

zeige auf, dass er in dieser Frage überfordert gewesen sei (SK 6.720.016 f.).  

1.5.4.3 Der Beschuldigte verkennt offenbar, dass eine beschuldigte Person nicht den 

Sinn und Zweck einer notwendigen Verteidigung verstehen muss, denn insoweit 

greift eine richterliche Fürsorgepflicht (Art. 131 Abs. 1 StPO), sondern vielmehr, 

- 19 - 

SK.2024.39 

was Gegenstand des Verfahrens ist, d.h., was ihr im Rahmen der Einvernahme 

oder in anderen Verfahrenshandlungen konkret vorgeworfen wird, damit sie sich 

wirksam selbst verteidigen kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_223/2024 

vom 3. September 2024 E. 12). Die Einvernahmeprotokolle vom 7. Juni 2022 und 

9. Juni 2023 zeigen auf, dass der Beschuldigte der Befragung folgen konnte, den 

ihm vorgehaltenen Sachverhalt wie auch den damit im Zusammenhang stehen-

den strafrechtlichen Vorwurf verstand und auf die Fragen sachgerecht antworten 

konnte. Aus seinen Antworten wie auch aus dem Ablauf der Befragung geht in 

keiner Weise hervor, dass er unter einem vorübergehend oder dauernd einge-

schränkten geistigen Zustand gelitten hätte und er deshalb die gegen ihn erho-

benen Vorwürfe nicht verstanden hätte. Es ist auch nicht ersichtlich, dass der 

Beschuldigte überfordert gewesen wäre, die ihm vorgehaltenen Sachverhalte zu 

verstehen und den damit verbundenen strafrechtlichen Vorwurf zu begreifen. Mit 

dem Hinweis, dass die «Facts ja da sind», womit der Beschuldigte die Zahlungen 

von B. bzw. der D. AG an ihn gemeint hat (BA 13-01-0073), gab er zum Ausdruck, 

dass er den an ihn gerichteten Vorwurf verstanden hatte. Er führte klar aus, wes-

halb diese Zahlungen rein privater Natur seien und keinen Zusammenhang mit 

seiner amtlichen Tätigkeit hätten (BA 13-01-0075 ff.). Der Beschuldigte konnte in 

der Einvernahme erfassen, dass es sich um die Vergabe von öffentlichen Aufträ-

gen der SBB AG an (u.a.) die D. AG sowie um Zahlungen handelte, die er von 

diesem Unternehmen erhalten haben soll. Als Beamter war ihm zudem der Be-

griff der Bestechung bekannt und er war in dieser Hinsicht im Rahmen seiner 

beruflichen Tätigkeit sensibilisiert. Sodann ging es um überhöhte Projektkosten 

aufgrund erhöhter Arbeitsstunden in Offerten und Nachtragsrechnungen, die von 

ihm genehmigt worden seien, sowie um Geheimnisse der SBB, die er der D. AG 

offenbart haben soll. Auch diesbezüglich geht aus den Antworten hervor, dass 

der Beschuldigte die ihm vorgehaltenen Sachverhalte verstand. Der Beschul-

digte äusserte sich überdies zu Beginn der Schlusseinvernahme dahingehend, 

dass er in der Lage sei, der Befragung zu folgen, nachdem er zunächst summa-

risch über die Vorwürfe orientiert worden war (BA 13-01-0071 f.). Von einem 

«Überfordertsein» in Bezug auf das Verstehen der ihm vorgehaltenen Vorwürfe 

kann somit keine Rede sein. Die Möglichkeiten zur Wahrnehmung seiner pro-

zessualen Rechte – namentlich Einsichtnahme in die Akten sowie Beizug eines 

Wahlverteidigers bzw. Beantragung einer amtlichen Verteidigung – waren dem 

Beschuldigten überdies hinlänglich bekannt. Er verstand auch deren Bedeutung 

und war geistig in der Lage zu entscheiden, ob und in welcher Form er diese 

Rechte wahrnehmen wollte.  

1.5.4.4 Fehlte es nach dem Gesagten nicht an der Prozessfähigkeit bzw. der Einvernah-

mefähigkeit des Beschuldigten oder an dessen Fähigkeit, die Entwicklungen im 

laufenden Strafverfahren adäquat erfassen zu können, lag kein Fall notwendiger 

Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. c StPO («aus anderen Gründen») vor.  

  

- 20 - 

SK.2024.39 

1.5.5 Zur Anwendung von Art. 130 lit. b StPO  

1.5.5.1 Der Beschuldigte machte nicht explizit geltend, dass die Voraussetzungen von 

Art. 130 lit. b StPO – drohende Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr – für die 

Anordnung einer notwendigen Verteidigung vorgelegen hätten. Dies zu Recht.  

1.5.5.2 Im Zusammenhang mit der Untersuchung wegen Sich bestechen lassens wur-

den dem Beschuldigten in der ersten Einvernahme drei von der D. AG auf sein 

Konto bei der Bank E. erfolgte Zahlungen in der Höhe von Fr. 6’282.60 vom 

15. Januar 2015, von Fr. 4’000.-- vom 18. Februar 2015 und Fr. 6’000.-- (recte: 

Fr. 4’000.--) vom 29. April 2015, gesamthaft Fr. 16’282.60 (recte: Fr. 14’282.60; 

BA 13-01-0063, 13-01-0067), vorgehalten (BA 13-01-0024). In der Schlussein-

vernahme wurde ihm zusätzlich die Entgegennahme eines Geldbetrags von 

Fr. 4’000.-- von der D. AG am 25. Juli 2013, total Fr. 18’282.60, vorgehalten, wo-

bei ihm vorgeworfen wurde, die Zahlungen seien als Gegenleistung für das 

pflichtwidrige Erteilen bzw. Vermitteln von bestimmten Aufträgen der SBB AG an 

das genannte Unternehmen erfolgt.  

Die in Frage stehenden Auftragsvolumina bezifferte die Bundesanwaltschaft auf-

grund der von der D. AG eingereichten Offerten mit Fr. 80’784.-- (drei Offerten 

im Betrag von Fr. 5'227.20, Fr. 9’504.-- und Fr. 66’052.80 bei der ersten Zahlung 

von Fr. 4’000.--; siehe Anklage Ziff. 1.1.1a), Fr. 66’052.80 (bei der zweiten Zah-

lung von Fr. 6’282.60; siehe Anklage Ziff. 1.1.1b), Fr. 9’979.20 (bei der dritten 

Zahlung von Fr. 4’000.--; siehe Anklage Ziff. 1.1.1c) und Fr. 45’320.-- (bei der 

vierten Zahlung von Fr. 4’000.--; siehe Anklage Ziff. 1.1.1d; BA 13-01-0071 ff.). 

Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die Anklage die Offerte vom 24. Juli 2013 im 

Betrag von Fr. 66’052.80 für das Projekt J. CAD-Planerfassung doppelt erfasste, 

nämlich in Anklage Ziff. 1.1.1a und Ziff. 1.1.1b, womit der tatsächliche Wert des 

Auftragsvolumens hinsichtlich aller untersuchten (und angeklagten) Vorwürfe 

Fr. 136'083.20 betrug; im Zeitpunkt der ersten Einvernahme betrug der Wert des 

Auftragsvolumens gesamthaft Fr. 121'352.--.  

Im Zusammenhang mit dem Vorwurf der ungetreuen Amtsführung wurde dem 

Beschuldigten in der Schlusseinvernahme vorgeworfen, er habe durch seine 

Amtshandlungen bewirkt, dass sich die Kosten der SBB bei den Bauprojekten 

K. CAD-Planerfassung und L. CAD-Planerfassung durch Erhöhung der Arbeits-

stunden von 64 auf 82 bzw. von 36 auf 61 Stunden sowie durch zwei Nachtrags-

rechnungen von Fr. 1’923.85 bzw. Fr. 5’940.-- erhöht hätten (BA 13-01-0088 ff.). 

Weiter wurde dem Beschuldigten vorgeworfen, beim Projekt J. CAD-Planerfas-

sung habe er sich für die finanziellen Interessen der D. AG gegenüber einem 

weiteren Unternehmen (M. AG), welches von der SBB in diesem Projekt einen 

Auftrag erhalten habe, eingesetzt (BA 13-01-0092); bei der Erteilung eines Auf-

trags an die D. AG von knapp Fr. 10’000.-- im Projekt N. CAD-Planerfassung 

habe er pflichtwidrig einen Rabatt von 10 % nicht eingefordert bzw. diesen durch 

eine höhere Anzahl Arbeitsstunden kompensieren lassen (BA 13-01-0092 ff.); 

beim Projekt O. Gebäudeaufnahmen habe er sich dafür eingesetzt, dass die 

- 21 - 

SK.2024.39 

D. AG als ortsfremde Anbieterin ein Angebot habe einreichen dürfen, und er habe 

diesem Unternehmen bereits vor der Absage einen Auszug aus dem vertrauli-

chen Vergabeantrag zukommen lassen (BA 13-01-0094 f.). In der ersten Einver-

nahme wurden dem Beschuldigten in dieser Hinsicht noch keine konkreten Vor-

halte gemacht (BA 13-01-0016 ff.). In der Schlusseinvernahme wurde dem Be-

schuldigten sodann neu eine Verletzung des Amtsgeheimnisses vorgeworfen, 

indem er der D. AG in zwei E-Mails vertrauliche Informationen habe zukommen 

lassen (BA 13-01-0097 ff.).  

In Bezug auf den Vorhalt in der ersten Einvernahme betreffend fünf jährliche Zah-

lungen der P. AG an den Beschuldigten in den Jahren 2012 bis 2016 von ge-

samthaft rund Fr. 53’000.--, zu welchen entsprechende Rechnungen des Be-

schuldigten an die P. AG vorlagen (BA 13-01-0010 ff.; vgl. dazu Zwischenbericht 

der BKP vom 27. Januar 2022, BA 10-01-0015 f.), erklärte der Beschuldigte, es 

habe sich um die Bezahlung von Kosten für die Organisation privater Skievents, 

welche er als Ski-Instruktor jährlich für dieses Unternehmen durchgeführt habe, 

gehandelt (BA 13-01-0013). Die Ermittlungen der BKP bestätigten diese Sach-

darstellung des Beschuldigten (Schlussbericht der BKP vom 20. Februar 2023, 

BA 10-01-0043 f.), worauf die Bundesanwaltschaft die Sache nicht weiter unter-

suchte und dem Beschuldigten nicht mehr vorhielt. Dieser Umstand wird vom 

Beschuldigten anerkannt (SK 6.721.057). Es handelt sich somit nicht um einen 

eigentlichen Tatvorwurf gegenüber dem Beschuldigten, sondern um polizeiliche 

Abklärungen zu einem Sachverhalt, welcher nicht Gegenstand der Strafanzeige 

gegen den Beschuldigten bildete (s. Prozessgeschichte lit. A). 

Aufgrund dieser Ausführungen steht fest, dass es sich – entgegen der Auffas-

sung des Beschuldigten – im Zeitpunkt der ersten Einvernahme nicht um einen 

«viel grösseren Verdacht» handelte als in der späteren Anklage (SK 6.721.057). 

Auch handelte es sich bei diesen Vorhalten nicht um «einigermassen kompli-

zierte und keinesfalls alltägliche Straftatbestände» (SK 6.721.057), sondern um 

Abläufe im Rahmen der amtlichen Tätigkeit des Beschuldigten, deren allfällige 

strafrechtliche Relevanz der Beschuldigte ohne weiteres verstehen konnte, wie 

dies aus den vorstehenden Erwägungen (E. 1.5.4) hervorgeht. In der ersten Ein-

vernahme ging es im Wesentlichen um die Frage, aus welchen Gründen der Be-

schuldigte von der D. AG im Jahr 2015 Fr. 14’282.60 und von der P. AG von 2012 

bis 2016 rund Fr. 53’000.-- erhalten hatte und um die Frage, ob diese Zahlungen 

in einem Zusammenhang mit seiner Arbeit bei der SBB bzw. mit Vergaben der 

SBB an diese Unternehmen stünden – ein Vorhalt, welcher sich in Bezug auf die 

P. AG praktisch umgehend zerstreute. In der Schlusseinvernahme – wie auch in 

der Anklage – ging es um einen von der D. AG erhaltenen Betrag von 

Fr. 18’282.60 sowie die vorstehend umschriebenen Sachverhalte der ungetreuen 

Amtsführung und der Amtsgeheimnisverletzung. Von einem «viel grösseren Ver-

dacht» in der ersten Einvernahme kann gesamthaft betrachtet nicht die Rede 

sein, zumal dem Beschuldigten hinsichtlich der Zahlungen der P. AG von rund 

Fr. 53’000.-- keinerlei konkrete Handlungen im Rahmen von Vergaben der SBB 

- 22 - 

SK.2024.39 

an dieses Unternehmen vorgehalten wurden; der Vorhalt ist daher zu relativieren. 

Auch eine Betrachtung der Vorwürfe nach Einvernahmezeitpunkten zeigt auf, 

dass die Voraussetzungen für eine notwendige Verteidigung nicht vorlagen. Vor 

der ersten Einvernahme hatte der Beschuldigte keine Kenntnis vom Verfahren. 

1.5.5.3 Im Lichte der Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zur passiven Bestechung 

(vgl. etwa Urteile der Strafkammer SK.2009.18 vom 3. November 2009 i.V.m. 

SK.2007.6 vom 30. Januar 2008 sowie i.V.m. Urteil des Bundesgerichts 

6B_916/2008 vom 21. August 2009, 10 Monate Freiheitsstrafe und 30 Tages-

sätze Geldstrafe [Handlungen im Rahmen von zwei Liegenschaftstransaktionen; 

Verurteilung wegen Sich bestechen lassens zufolge Annahme von Fr. 15’000.-- 

und einer IWC-Uhr, wegen Vorteilsannahme zufolge Sich versprechen lassens 

von Fr. 45’000.-- und einer Rolex-Uhr, wegen ungetreuer Amtsführung und Ur-

kundenfälschung im Amt]; Urteil der Strafkammer SK.2009.15 vom 12. Mai 2010 

E. 5.4.6, 150 Tagessätze Geldstrafe bzw. unter Berücksichtigung der Verletzung 

des Beschleunigungsgebots 120 Tagessätze Geldstrafe [mehrfaches Sich be-

stechen lassen zufolge Annahme von total USD 6’000.-- für vier Visumerteilun-

gen und mehrfache Urkundenfälschung im Amt]; im Vergleich dazu: Urteil der 

Strafkammer SK.2007.6 vom 30. Januar 2008 i.V.m. Urteil des Bundesgerichts 

6B_921/2008 vom 21. August 2009, 3 ½ Jahre Freiheitsstrafe und 90 Tages-

sätze Geldstrafe [Handlungen im Rahmen von mehreren Liegenschaftstransak-

tionen; mehrfaches Sich bestechen lassen zufolge Annahme von mindestens 

Fr. 1’000’000.--, mehrfache ungetreue Amtsführung und Urkundenfälschung im 

Amt]; Urteil der Strafkammer SK.2016.5 vom 6. Dezember 2016 [E. VII.2.2-2.3] 

i.V.m. Urteil des Bundesgerichts 6B_986/2017 vom 26. Februar 2018, 3 Jahre 

Freiheitsstrafe und 30 Tagessätze Geldstrafe [Beschuldigter 1; deliktisches Han-

deln über mehr als drei Jahre hinweg; Einsatzstrafe 14 Monate Freiheitsstrafe 

und 20 Tagessätze Geldstrafe wegen ungetreuer Amtsführung; Asperation um 

22 Monate Freiheitsstrafe und 10 Tagessätze Geldstrafe wegen mehrfachen 

Sich bestechen lassens in sechs Fällen zufolge erhaltenen Vorteilen von total 

Fr. 118’945.-- bei Auftragsvergaben im Wert von total Fr. 1,45 Mio., mehrfachen 

Bestechens in drei Fällen zufolge gewährten Vorteilen von total Fr. 48’342.80 ge-

gen Aufträge im Wert von total Fr. 1,15 Mio. sowie einfacher ungetreuer Amts-

führung und Urkundenfälschung]; Urteil der Strafkammer SK.2016.5 vom 6. De-

zember 2016 [E. VII.3.2-3.3] i.V.m. Urteil des Bundesgerichts 6B_988/2017 vom 

26. Februar 2018, 30 Monate Freiheitsstrafe und – als Zusatzstrafe zu zwei Straf-

befehlen – 21 Tagessätze Geldstrafe [Beschuldigter 2; deliktisches Handeln über 

mehr als drei Jahre hinweg; Einsatzstrafe 10 Monate Freiheitsstrafe und 20 Ta-

gessätze Geldstrafe wegen ungetreuer Amtsführung; Asperation um 20 Monate 

Freiheitsstrafe und 20 Tagessätze Geldstrafe wegen zweier weiterer Fälle unge-

treuer Amtsführung und mehrfachen Sich bestechen lassens in drei Fällen zu-

folge erhaltenen Vorteilen von total Fr. 48’342.80 gegen Aufträge im Wert von 

total Fr. 1,15 Mio.]; Urteil der Berufungskammer CA.2022.16 vom 21. Dezem-

ber 2023 E. 5.2.3, 4 Jahre Freiheitsstrafe als Einsatzstrafe wegen mehrfachen 

- 23 - 

SK.2024.39 

Sich bestechen lassens über einen Zeitraum von sieben Jahren und drei Mona-

ten, Vielzahl von Zuwendungen von total Fr. 1,43 Mio. als Gegenleistung für die 

Vergabe von Aufträgen im Gesamtvolumen von Fr. 85 Mio.]) hätte dem Beschul-

digten für die schwerste(n) Tat(en) – Annahme von Bestechungsgeldern von ge-

samthaft Fr. 18’282.60 in vier Fällen als Gegenleistung für die Vermittlung bzw. 

Erteilung von öffentlichen Aufträgen im Wert zwischen Fr. 5'227.20 und 

Fr. 66’052.80 bzw. von total Fr. 136'083.20 – eine Freiheitsstrafe von erheblich 

weniger als einem Jahr gedroht. Diese Feststellung gilt auch unter Mitberück-

sichtigung der Vorhalte im Zusammenhang mit den fünf Zahlungen der P. AG an 

den Beschuldigten, wobei anzumerken ist, dass diesbezüglich kein Zusammen-

hang mit irgendwelchen Auftragsvergaben der SBB ersichtlich war und ein sol-

cher auch nicht vorgehalten wurde.  

Die weiteren untersuchten Vorwürfe der ungetreuen Amtsführung – sofern nicht 

durch die Bestechung konsumiert – und der Verletzung des Amtsgeheimnisses 

hätten im Rahmen der Asperation (Art. 49 Abs. 1 StGB) nur zu einer relativ ge-

ringen Erhöhung der Freiheitsstrafe geführt bzw. zur Ausfällung einer separaten 

Geldstrafe führen müssen. Aufgrund des Verhältnismässigkeitsprinzips wäre ins-

gesamt zu prüfen gewesen, ob anstelle einer Freiheitsstrafe eine Geldstrafe (de-

ren Höchstmass im Zeitpunkt der mutmasslichen Taten 360 Tagessätze betrug; 

Art. 34 Abs. 1 aStGB in der bis 31. Dezember 2017 geltenden Fassung) drohte. 

Drohte nur eine Geldstrafe, fiel eine notwendige Verteidigung ausser Betracht. 

1.5.5.4 Aufgrund der im Vorverfahren untersuchten Vorwürfe drohte dem Beschuldigten 

weder zu Beginn noch im Zeitpunkt der ersten Einvernahme noch in jenem der 

Schlusseinvernahme eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr, weshalb kein 

Fall einer notwendigen Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. b StPO vorlag.  

1.5.6 Zusammenfassend lag in keiner Hinsicht ein Fall einer notwendigen Verteidigung 

vor. Somit sind die vom Beschuldigten genannten Beweismittel sowie alle weite-

ren, daraus hervorgegangenen Ermittlungserkenntnisse vorbehaltlos verwertbar. 

1.5.7 Nicht gefolgt werden kann dem Einwand des Beschuldigten, er sei in der ersten 

Einvernahme aufgrund des Hinweises, dass es sich um einen Bagatellfall handle 

– bzw. dass ihm eine amtliche Verteidigung i.S.v. Art. 132 Abs. 1 lit. b i.V.m. 

Abs. 2 und 3 StPO bestellt werde, wenn sich herausstellen sollte, dass es sich 

nicht mehr um einen Bagatellfall handle und eine Verteidigung zur Wahrung sei-

ner Interessen geboten erscheine (BA 13-01-004) –, vom Beizug eines Verteidi-

gers abgehalten worden. Der Beschuldigte wurde mehrfach – in den Einvernah-

men vom 7. Juni 2022 (BA 13-01-0004) und 9. Juni 2023 (BA 13-01-0071 ff.) – 

auf die Möglichkeit des Beizugs eines Wahlverteidigers hingewiesen wie auch 

auf die Möglichkeit, eine amtliche Verteidigung zu beantragen. Ausserdem wurde 

er in der Vorladung vom 18. Mai 2022 zur Einvernahme vom 7. Juni 2022 auf die 

Möglichkeit hingewiesen, einen Rechtsbeistand zu bestellen (BA 13-01-0001). 

Im Protokoll wurde vermerkt, dass er freiwillig auf den Beizug eines 

- 24 - 

SK.2024.39 

Rechtsanwalts verzichte (BA 13-01-0003). Von einem «Abhalten» vom Beizug 

eines Verteidigers durch die Strafverfolgungsbehörden kann somit nicht die Rede 

sein, ebenso wenig von einer «Empfehlung», keinen Anwalt beizuziehen. Über-

dies erfolgte im Zusammenhang mit dem Hinweis auf eine allfällige Bestellung 

einer amtlichen Verteidigung i.S.v. Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO die Belehrung, dass 

dies fehlende Mittel des Beschuldigten voraussetzen würde. Der Beschuldigte 

wusste somit, dass eine amtliche Verteidigung, sollte kein Bagatellfall (mehr) vor-

liegen, vom Nachweis fehlender finanzieller Mittel abhängig sein würde – was bei 

Vorhandensein solcher Mittel faktisch dem freiwilligen Beizug eines Wahlvertei-

digers gleichgekommen wäre. Der Beschuldigte verfügte demnach über die ge-

setzlich vorgeschriebenen Informationen in Bezug auf seine Verteidigungsmög-

lichkeiten. Ein Verhalten gegen Treu und Glauben (Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO), wie 

er dies offenbar den Strafverfolgungsbehörden unterstellen will, liegt nicht vor. 

1.5.8 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör, namentlich das Recht, die 

Akten einzusehen (Art. 107 Abs. 1 lit. a StPO). Sie können spätestens nach der 

ersten Einvernahme der beschuldigten Person und der Erhebung der übrigen 

wichtigsten Beweise durch die Staatsanwaltschaft die Akten des Strafverfahrens 

einsehen, wobei Art. 108 StPO vorbehalten bleibt (Art. 101 Abs. 1 StPO).  

Das Gesetz sieht demnach vor, dass das Akteneinsichtsrecht (vorläufig) einge-

schränkt werden kann. Es sieht indes nicht vor, dass bei allenfalls verspäteter – 

jedoch erfolgter – Akteneinsicht Beweiserhebungen und Ermittlungsergebnisse 

unverwertbar wären. Soweit der Beschuldigte moniert, die Akteneinsicht sei ihm 

mehrfach verweigert worden und bestimmte Aktenstücke, wie der BKP-Schluss-

bericht, seien ihm vor bzw. in der Schlusseinvernahme nicht vorgelegt worden, 

ist darauf hinzuweisen, dass er am 23. Juni 2023 vollumfänglich Akteneinsicht 

erhielt. Sodann wurde ihm nochmals am 18. April 2024 Akteneinsicht gewährt 

(Prozessgeschichte lit. B.3 und B.8). Der BKP-Schlussbericht ist im Übrigen kein 

eigentliches Beweismittel, sondern eine Übersicht über die getroffenen Massnah-

men und eine Zusammenfassung der Ermittlungsergebnisse (vgl. Art. 307 Abs. 3 

StPO). Die relevanten Ergebnisse wurden dem Beschuldigten im Rahmen der 

Schlusseinvernahme vorgehalten. Ausserdem wurde dem Beschuldigten in der 

Schlusseinvernahme eröffnet, welche weiteren Beweismittel – Einvernahmepro-

tokoll des Beschuldigten B. vom 12. Juli 2022, Unterlagen aus der Nachedition 

bei der SBB AG vom 17. Februar 2023, Schlussbericht der BKP vom 20. Feb-

ruar 2023 – seit seiner Einvernahme vom 7. Juni 2022 zu den Akten genommen 

wurden. Der Beschuldigte hatte demnach Gelegenheit, Einsicht in diese Akten 

zu verlangen (vgl. BA 13-01-0074). Mithin liegt keine Verletzung der Parteirechte 

vor, die eine Unverwertbarkeit der erhobenen Beweise zur Folge hätte.  

1.5.9 Teilnahmerechte 

1.5.9.1 Eine beschuldigte Person hat in einem Strafverfahren das Recht, bei Beweiser-

hebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte, insbesondere bei der 

- 25 - 

SK.2024.39 

Befragung von Belastungszeugen – worunter auch Mitbeschuldigte und Aus-

kunftspersonen zu verstehen sind –, anwesend zu sein und einvernommenen 

Personen Fragen zu stellen (Art. 147 StPO, Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK; BGE 131 

I 476 E. 2.2; 125 I 127 E. 6c/ee). Art. 147 Abs. 1 StPO sieht somit ein Teilnahme- 

und Fragerecht der Parteien, namentlich für die beschuldigte Person, vor 

(Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO). Kein solches Teilnahmerecht besteht demgegen-

über im polizeilichen Ermittlungsverfahren, soweit es sich um selbstständige Er-

mittlungen gemäss Art. 306 StPO handelt (Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario; 

BGE 143 IV 397 E. 3.3.2). Ein Teilnahmerecht der Parteien besteht lediglich bei 

polizeilichen Einvernahmen, welche von der Staatsanwaltschaft an die Polizei 

delegiert wurden. Beweise, die in Verletzung von Art. 147 StPO erhoben wurden, 

dürfen nicht zulasten der Partei verwertet werden, die nicht anwesend war 

(Art. 147 Abs. 4 StPO; BGE 143 IV 397 E. 3.3.1; 139 IV 25 E. 4.2 und 5.4.1; Ur-

teile des Bundesgerichts 6B_1092/2022 vom 9. Januar 2023 E. 2.3.1; 

6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.1). 

Eine belastende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn die be-

schuldigte Person wenigstens einmal während des Verfahrens angemessen und 

hinreichend Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an 

den Belastungszeugen zu stellen (BGE 133 I 33 E. 3.1; 131 I 476 E. 2.2; je mit 

Hinweisen). Dies gilt auch für die Einvernahme von Auskunftspersonen (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1092/2022 vom 9. Januar 2023 E. 2.3.3; 6B_14/2021 

vom 28. Juli 2021 E. 1.3.4; je mit Hinweisen).  

Damit die Verteidigungsrechte gewahrt sind, muss die beschuldigte Person na-

mentlich in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer Aussage zu prüfen und den 

Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe und infrage zu stellen 

(BGE 133 I 33 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts 6B_426/2023 vom 16. Au-

gust 2023 E. 2.1.2; 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.4; 6B_383/2019, 

6B_394/2019 vom 8. November 2019 E. 8.1.2, nicht publ. in: BGE 145 IV 470; je 

mit Hinweisen). Dies setzt in aller Regel voraus, dass sich die einvernommene 

Person in Anwesenheit der beschuldigten Person (nochmals) zur Sache äussert 

(BGE 140 IV 172 E. 1.5; Urteile des Bundesgerichts 6B_426/2023 vom 16. Au-

gust 2023 E. 2.1.2; 6B_1092/2022 vom 9. Januar 2023 E. 2.3.3; je mit Hinweis). 

Dabei ist keineswegs erforderlich, dass die befragte Person ihre Angaben wort-

wörtlich wiederholt. Sofern sie Angaben zur Sache macht, darf im Rahmen einer 

Gesamtwürdigung auch auf die Ergebnisse der früheren Beweiserhebung ergän-

zend zurückgegriffen werden. Denn die Frage, ob bei widersprüchlichen Aussa-

gen oder späteren Erinnerungslücken auf die ersten, in Abwesenheit des Be-

schuldigten erfolgten Aussagen abgestellt werden kann, betrifft nicht die Verwert-

barkeit, sondern die Würdigung der Beweise. Beschränkt sich die neuerliche Ein-

vernahme im Wesentlichen auf eine formale Bestätigung der früheren Aussagen, 

wird es der beschuldigten Person hingegen verunmöglicht, ihre Verteidigungs-

rechte wirksam wahrzunehmen (BGE 143 IV 457 E. 1.6.1 ff.; Urteile des Bundes-

gerichts 6B_426/2023 vom 16. August 2023 E. 2.1.2; 6B_1092/2022 vom 

- 26 - 

SK.2024.39 

9. Januar 2023 E. 2.3.3; 6B_986/2022 vom 24. November 2022 E. 1.1; 

6B_315/2020 vom 18. Mai 2022 E. 3.3; 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.4; 

je mit Hinweis). 

Der Anspruch, einem Belastungszeugen Fragen zu stellen, gilt allerdings nur 

dann absolut, wenn das betreffende Zeugnis den einzigen oder einen wesentli-

chen Beweis darstellt. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist da-

bei zu prüfen, wie weit die anderen Beweismittel für sich einen Schuldspruch zu 

tragen vermöchten. Würden diese allein für einen Schuldspruch zwar nicht aus-

reichen, aber immerhin einen schweren Tatverdacht begründen, so kann die Be-

rücksichtigung der Aussagen auch ohne Möglichkeit zu einer wirksamen Aus-

übung des Fragerechts als zusätzlicher Mosaikstein zum Schuldspruch führen, 

ohne dass dadurch die Verteidigungsrechte verletzt werden (BGE 133 I 33 

E. 4.4.1; siehe dazu auch Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2019.55 vom 

28. Juli 2020 E. 1.7.2). 

1.5.9.2 Einvernahme von B. als beschuldigte Person 

Der Beschuldigte A. machte geltend, dass er keine Gelegenheit zu einer direkten 

Konfrontation mit dem Beschuldigten B. gehabt habe und diesem direkt keine 

Fragen habe stellen können. Dieser Einwand trifft zu: Dem Beschuldigten A. 

wurde keine Gelegenheit zur Teilnahme an der delegierten Einvernahme des Be-

schuldigten B. durch die BKP vom 12. Juli 2022 gegeben. Anlässlich der auf Er-

suchen des Beschuldigten B. aus gesundheitlichen Gründen schriftlich durchge-

führten Schlusseinvernahme, welche in Form einer schriftlichen Beantwortung 

vom 31. Oktober 2023 eines der Verteidigung zugestellten Fragenkatalogs er-

folgte, konnte der Beschuldigte selbstredend nicht anwesend sein. Die Bundes-

anwaltschaft gab ihm nachträglich Gelegenheit zu schriftlichen Ergänzungsfra-

gen, auf welche Möglichkeit der Beschuldigte verzichtete; dieser beharrte auf ei-

ner direkten Konfrontation mit dem Beschuldigten B. (siehe Prozessgeschichte 

lit. B.4). Eine allfällige Verletzung seines Teilnahmerechts ist darin vorliegend 

aufgrund der konkreten Umstände jedoch nicht zu erblicken. 

Der Beschuldigte B. tätigte keine mündlichen oder schriftlichen Aussagen, die 

den Beschuldigten A. direkt oder indirekt belasten würden. Im Gegenteil:  

Der Beschuldigte B. erklärte in der ersten Einvernahme zur Verbuchung einer 

Barzahlung von Fr. 4’000.-- an A. vom 25. Juli 2013, nur er habe bei der D. AG 

die Möglichkeit gehabt, diese Zahlung vorzunehmen. Es sei sicher keine Beste-

chung gewesen. Er müsste dem nachgehen; es könnte eine Falschbuchung sein. 

Auf Vorhalt, es bestehe der Verdacht, dass diese Zahlung für diverse Aufträge 

der SBB in den Jahren 2012 und 2013 erfolgt sei, erklärte B., wenn es eine Be-

stechungszahlung gewesen wäre, hätte er sie nicht in der Buchhaltung aufgeführt 

(BA 13-02-0014 f.). Auch hinsichtlich der drei Banküberweisungen an A. vom 

15. Januar, 18. Februar und 29. April 2015 von total Fr. 14’282.60 erklärte B., 

wenn es Bestechungszahlungen gewesen wären, hätte er sie sicher nicht in der 

Buchhaltung aufgeführt. Er müsste nachschauen, weshalb diese Beträge 

- 27 - 

SK.2024.39 

überwiesen worden seien; das sei sicher falsch verbucht worden. Es seien sicher 

keine Provisionen gewesen. B. führte weiter aus, der zeitliche Zusammenhang 

mit den Offerten der D. AG an die SBB müsse bei allen drei Zahlungen ein Zufall 

sein. Die zwei runden Beträge von Fr. 4’000.-- hätten etwas mit der Bank E. und 

nicht mit der SBB zu tun. Der andere, ungerade Betrag müsse eine Unterneh-

merrechnung gewesen sein. B. erklärte auf Frage hin, falls er Belege dafür habe, 

dass diese Zahlungen nicht mit der Tätigkeit von A. bei der SBB in Zusammen-

hang stünden, würde er diese der Strafverfolgungsbehörde zur Verfügung stellen 

(BA 13-02-0015 bis -0017). In der schriftlichen Schlusseinvernahme stellte B. den 

Vorhalt nicht in Abrede, dass die D. AG die in Frage stehenden vier Zahlungen 

an A. im Betrag von total Fr. 18’262.60 vorgenommen hatte, erklärte jedoch, dass 

diese Überweisungen auf einer mündlichen Provisionsvereinbarung mit A. 

ca. aus den Jahren 1998 / 1999 basieren würden, als A. noch bei der Bank E. 

angestellt gewesen sei. Die Provisionen hätten sich aus den Bemühungen von 

A. ergeben, die Dienstleistungen seiner früheren Unternehmen Q. AG bzw. 

R. AG bei anderen Unternehmen – u.a. bei der Bank S. – zu empfehlen, und auf 

deren Webseiten ein «Testimonial» zu schreiben. Die Provisionen seien um meh-

rere Jahre verspätet über seine neue Firma D. AG ausgerichtet und verbucht 

worden. Es seien keine Bestechungszahlungen (BA 13-02-0071 ff.).  

Aufgrund dieser Aussagen des Beschuldigten B. steht fest, dass hinsichtlich des 

Bestechungsvorwurfs keine den Beschuldigten A. belastende Aussagen vorlie-

gen. Soweit es um den Empfang der Zahlungen als solchen geht, wurde dieser 

vom Beschuldigten A. gar ausdrücklich anerkannt (BA 13-01-0075 ff.).  

Der Beschuldigte B. bestritt sodann die weiteren Vorwürfe, welche in der Anklage 

als ungetreue Amtsführung von A. bzw. als Gehilfenschaft zur ungetreuen Amts-

führung von B. umschrieben sind. B. erklärte zusammenfassend, dass sämtliche 

Offerten und Rechnungen der D. AG gegenüber der SBB korrekt gestellt worden 

seien (BA 13-02-0075 ff.). Den Beschuldigten A. belastende Aussagen liegen 

auch in diesem Zusammenhang nicht vor. 

Im Zusammenhang mit dem Vorwurf der mehrfachen Amtsgeheimnisverletzung 

tätigte B. weder als beschuldigte Person in der ersten Einvernahme vom 

12. Juli 2022 betreffend den Auszug aus einem Vergabeantrag (BA 13-02-0012) 

noch als Auskunftsperson in der schriftlichen Einvernahme vom 31. Okto-

ber 2023 (BA 13-02-0081) Aussagen, welche den Beschuldigten A. belasten.  

Den Beschuldigten A. belastende Aussagen von B. liegen nach dem Gesagten 

in keiner Hinsicht vor. Somit besteht keine Verletzung von dessen Teilnahme-

recht, die eine Konfrontationseinvernahme mit B. gebieten würde.  

1.5.9.3 Einvernahme von B. als Auskunftsperson 

In der Hauptverhandlung machte der Beschuldigte geltend, B. habe in der 

Schlusseinvernahme z.B. zu Frage Ziff. 30 – Vorhalt im Zusammenhang mit einer 

Rabattgewährung von 10 % auf einer Rechnung vom 16. März 2015  

- 28 - 

SK.2024.39 

(BA 13-02-0077 f.) – den Vorbehalt angebracht, dass er die Details nach so vie-

len Jahren nicht mehr rekonstruieren könne und sich weitere Ausführungen nach 

Vornahme vertiefter Abklärungen dazu vorbehalte. Es sei deshalb davon auszu-

gehen, dass B. nach dieser Einvernahme weitere Abklärungen gemacht habe; 

diese seien aber nicht Gegenstand der schriftlichen Befragung gewesen. Das 

Ergebnis dieser zusätzlichen Abklärungen durch B. sei nicht bekannt. Er habe 

das Recht, über diese zusätzlichen Abklärungen von B. Kenntnis zu erhalten. 

Zudem habe er selber (A.) in der Einvernahme in der Hauptverhandlung zu ver-

schiedenen Fragen keine Auskunft geben können; zu diesen könne nur B. etwas 

sagen, so zur Höhe der (inkriminierten) Zahlungen, zu deren Stückelung, zum 

zeitlichen Zusammenhang mit den in der Anklage genannten Projekten, zum an-

geblichen Konnex mit den Projekten laut Anklage und zu den Verbuchungstexten 

in der Buchhaltung der D. AG (SK 6.720.020).  

Vorab ist festzuhalten, dass der Beschuldigte diese Fragen ohne weiteres in 

Form schriftlicher Ergänzungsfragen hätte stellen können. Darauf hat er aus-

drücklich verzichtet. Es ist nicht ersichtlich, weshalb diesbezüglich eine direkte 

Konfrontation mit B. – bzw. nunmehr dessen Einvernahme als Auskunftsperson 

– erforderlich sein sollte, zumal es sich nicht um belastende Elemente handelt, 

welche der Beschuldigte in direkter Konfrontation hinterfragen können müsste. 

Der Beschuldigte B. hatte zudem in der ersten Einvernahme zu Protokoll gege-

ben, dass er entlastende Unterlagen zu den Akten geben würde (E. 1.5.9.2). Da 

solche Unterlagen nicht nur A., sondern auch B. selbst – aufgrund der Spiegel-

bildlichkeit des Bestechungsvorwurfs – entlasten würden, kann davon ausgegan-

gen werden, dass B. keine weiteren entlastenden Indizien ausfindig machen 

konnte. Eine weitere Einvernahme ist daher entbehrlich.  

Soweit der Beschuldigte geltend machte, das Gericht habe auch entlastenden 

Umständen und Indizien nachzugehen, ist in antizipierter Beweiswürdigung 

(s. E. 2.3) festzuhalten, dass allfällige Detailangaben von B. zum Hintergrund der 

Zahlungen an A. den von diesem vorgebrachten entlastenden Argument kein zu-

sätzliches Gewicht zu verleihen vermöchten. Demnach kann von einer weiteren 

Befragung von B. abgesehen werden (Art. 139 Abs. 2 StPO). 

1.5.9.4 Einvernahme von G. 

G. wurde in der delegierten Einvernahme durch die BKP vom 21. März 2022 als 

Zeuge befragt. Diese Einvernahme erfolgte nicht parteiöffentlich (BA 12-01-0003 

ff.). G. bestätigte anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 12. März 2024 

in Anwesenheit des Beschuldigten und dessen Verteidiger grundsätzlich seine 

früheren Aussagen, wobei der Beschuldigte sein Fragerecht wirksam ausüben 

konnte (BA 12-01-0137 ff.). Somit ist auch die delegierte Einvernahme vom 

21. März 2022 vorbehaltlos verwertbar.  

- 29 - 

SK.2024.39 

1.5.9.5 Einvernahme von H. 

Die Privatklägerschaft wird als Auskunftsperson einvernommen (Art. 178 lit. a 

StPO). Als solche ist sie zur Aussage verpflichtet (Art. 180 Abs. 2 StPO). 

Im Vorverfahren wurden mit der Privatklägerschaft (SBB AG) zwei schriftliche 

Befragungen durchgeführt (schriftlicher Bericht der Privatklägerin vom 

29. März 2022 und schriftlicher Bericht der Privatklägerin im Rahmen der Nach-

edition der BKP vom 19. Januar 2023). Den Fragenkatalog beantwortete H. Zur 

Wahrung der Teilnahmerechte der Parteien führte die Bundesanwaltschaft in der 

Folge eine mündliche Einvernahme durch, wofür eine Befragung mit H. vorgese-

hen war. Da diese erklärte, sie habe sich für die Beantwortung des Fragenkata-

logs auf Auskünfte von Mitarbeitern der SBB abstützen müssen und müsste dies 

auch in einer mündlichen Einvernahme tun – bzw. könnte auf die gestellten Fra-

gen keine Angaben zur Sache machen –, wurde an deren Stelle I. parteiöffent-

lich, in Anwesenheit des Beschuldigten und seines Verteidigers, einvernommen 

(Prozessgeschichte lit. B.7; BA 12-01-0007 ff.). Die Verteidigung konnte das Fra-

gerecht wirksam ausüben (BA 12-01-0016 ff.). Somit sind auch die – unter ent-

sprechender Rechtsbelehrung – erfolgten schriftlichen Aussagen der Privatklä-

gerschaft vorbehaltlos verwertbar. 

1.5.9.6 Schriftliche Eingaben der SBB AG 

Bei den von der Verteidigung genannten Eingaben der SBB AG (vorne E. 1.5.1) 

handelt es sich – soweit es nicht um die vorgenannten schriftlichen Befragungen 

geht (E. 1.5.9.5) – um Unterlagen, welche diese der Bundesanwaltschaft bzw. 

der BKP auf entsprechende Aufforderung hin einreichte. Bei Akteneditionen be-

steht kein Teilnahmerecht. Die Parteien haben die Möglichkeit, im Rahmen der 

Akteneinsicht Beweisgegenstände einzusehen (Art. 192 Abs. 3 StPO). Der Be-

schuldigte erhielt im Vorverfahren vollumfänglich Akteneinsicht (Prozessge-

schichte lit. B.3 und B.8). Eine Verletzung von Parteirechten liegt nicht vor. 

1.5.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Verletzung von Parteirechten 

vorliegt und die vom Beschuldigten genannten Beweismittel, wie auch sämtliche 

aus diesen hervorgegangenen weiteren Ermittlungsergebnisse, verwertbar sind. 

1.6 Aktenedition und Zufallsfund 

1.6.1 Der Beschuldigte beantragte, dass aufgrund unzulässiger Aktenedition folgende 

unrechtmässig erlangten Ermittlungsergebnisse des Vorverfahrens aus den Ak-

ten zu weisen seien: Beilagen zur Strafanzeige gemäss Ziff. 5 des Aktenverzeich-

nisses der Untersuchungsakten; Akten gemäss Ziff. 7 des Aktenverzeichnisses; 

Ermittlungsergebnisse gemäss Ziff. 10 des Aktenverzeichnisses; Einvernahmen 

gemäss Ziff. 12 und 13 des Aktenverzeichnisses; Rechtshilfeakten der ESTV ge-

mäss Ziff. 18 des Aktenverzeichnisses. Im Eventualstandpunkt beantragte der 

Beschuldigte, es sei festzustellen, dass die vorgenannten Akten und Ermittlungs-

erkenntnisse nicht zu seinen Lasten verwendet werden könnten (SK 6.720.011). 

- 30 - 

SK.2024.39 

Zur Begründung brachte der Beschuldigte im Wesentlichen vor, Ursprung des 

Strafverfahrens gegen ihn sei die Strafanzeige der ESTV vom 5. November 2021. 

Dieser sei zu entnehmen, dass die Anzeige auf eine Untersuchung der ESTV, 

Abteilung Mehrwertsteuer, gegen B. und C. sel. im Zusammenhang mit der 

D. AG zurückgehe. Es gehe in jenem Verwaltungsstrafverfahren um Mehrwert-

steuerfragen. Es seien im Rahmen einer Durchsuchung Dokumente behändigt 

worden, die unter anderem ihn betreffen würden. Diese ihn betreffenden Unter-

lagen seien durch die ESTV zwar anlässlich einer Hausdurchsuchung bei B. be-

händigt worden, doch seien sie, insbesondere der gesamte E-Mail-Verkehr, spä-

ter an B. zurückgegeben worden und würden daher nicht länger Gegenstand des 

Verwaltungsstrafverfahrens bzw. der Akten der ESTV bilden. Eine formelle Be-

schlagnahme sei nie erfolgt. Die Durchführung einer Durchsuchung und die Be-

händigung von Unterlagen bedürften einer klaren rechtlichen Grundlage. Die 

rechtlichen Grundlagen dieses Vorgehens, insbesondere der Behändigung der 

ihn betreffenden Unterlagen, seien den Akten nicht zu entnehmen. Die Recht-

mässigkeit werde bestritten. Ohne genügende rechtliche Grundlage seien diese 

Unterlagen im vorliegenden Verfahren nicht verwertbar. Da diese Unterlagen 

aber gar nicht Gegenstand der von der ESTV beschlagnahmten Akten bilden 

würden, sondern an B. zurückgegeben worden seien, hätten sie von der ESTV 

auch nicht im Rahmen eines Editionsbegehrens der Bundesanwaltschaft an 

diese herausgegeben werden können. Die Akten seien auch unter diesem As-

pekt nicht gegen ihn verwertbar. Aufgrund dieses unkorrekten Vorgehens seien 

in der Folge ihn betreffende Unterlagen bei der Steuerverwaltung des Kantons 

U. eingeholt worden. Die Behändigung der Unterlagen, welche ihn betreffen wür-

den, sei im Rahmen des gegen B. und C. sel. gerichteten Verwaltungsstrafver-

fahrens erfolgt, und die Edition der B. und dessen Ehefrau betreffenden Steuer-

unterlagen sei in einem Zeitpunkt erfolgt, in welchem gegen ihn (den Beschuldig-

ten) gar kein Verdacht bestanden habe, geschweige denn ein Verfahren gegen 

ihn eröffnet gewesen sei. Auch die Edition von Akten bei anderen Behörden, ins-

besondere von Akten von Personen, die in dem betreffenden Verfahren oder in 

einem anderen Verfahren nicht beteiligt seien, bedürfe einer genügenden recht-

lichen Grundlage. Eine auf das Bundesgesetz über das Verwaltungsstrafrecht 

gestützte abstrakte Amtshilfe allein genüge für die Herausgabe von persönlichen 

Unterlagen eines Unbeteiligten nicht. Vorliegend fehle es an einer gesetzlichen 

Grundlage für eine entsprechende Aktenedition. Das Vorliegen eines vollständi-

gen, begründeten Rechtshilfegesuchs sei in jedem Fall zwingende Grundlage für 

eine derartige Aktenedition; ein solches liege jedoch nicht vor. In einem Rechts-

hilfeersuchen müsse dargelegt werden, in welche Akten konkret Einsicht verlangt 

werde, und inwiefern diese im Strafverfahren, vorliegend im Verwaltungsstrafver-

fahren gegen B., von Nutzen sein könnten. Es sei nicht dargelegt worden, in wel-

chem Verfahren und ob überhaupt im Rahmen eines Verfahrens diese Unterla-

gen benötigt würden. Es sei auch nicht dargelegt worden, inwiefern die verlang-

ten Akten für das laufende Verfahren von Belang sein könnten. Es sei nicht dar-

gelegt worden, welcher Sachverhalt Grundlage für den Verdacht gegen die 

- 31 - 

SK.2024.39 

beschuldigte Person – d.h. gegen A. – sei. Die Unterlagen seien bloss abstrakt 

«im Rahmen einer Abklärung» verlangt worden. Es handle sich bei der Aktene-

dition bei der Steuerverwaltung des Kantons U. um eine unzulässige «fishing ex-

pedition». Voraussetzung für die Verwertbarkeit eines Zufallsfundes sei, dass die 

Zwangsmassnahme, anlässlich derer der Zufallsfund gemacht worden sei, zu-

lässig gewesen sei. Der Zufallsfund beruhe auf einer unkorrekten Aktenedition, 

somit auf einer unzulässigen Zwangsmassnahme. Daraus folge, dass auch alle 

gestützt auf diese unverwertbaren Akten edierten Unterlagen und erlangten Er-

kenntnisse und die gestützt darauf angeordneten Untersuchungshandlungen und 

erzielten Untersuchungsergebnisse nach Art. 141 Abs. 4 StPO unverwertbar 

seien. Ausser den bei der ESTV edierten Akten seien auch alle bei der SBB AG 

und bei der Bank E. edierten Akten und die gestützt auf diese Akten erfolgten 

Einvernahmen unverwertbar oder zumindest nicht zulasten des Beschuldigten 

verwertbar (SK 6.720.012 f., 6.721.059 ff.). 

1.6.2 Die Bundesanwaltschaft und die Privatklägerschaft beantragten Abweisung des 

Antrags (SK 6.720.014 ff., 6.720.16). 

1.6.3 Die Erfüllung der Pflicht zur Anmeldung als steuerpflichtige Person sowie die 

Steuerabrechnungen und -ablieferungen werden von der ESTV überprüft (Art. 77 

des Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer vom 12. Juni 2009; Mehrwertsteu-

ergesetz, MWSTG, SR 641.20). Die ESTV kann bei steuerpflichtigen Personen 

Kontrollen durchführen, soweit dies zur Abklärung des Sachverhalts erforderlich 

ist. Zu diesem Zweck haben diese Personen der ESTV den Zugang zu ihrer 

Buchhaltung sowie zu den dazugehörigen Belegen zu gewähren. Dasselbe gilt 

für auskunftspflichtige Drittpersonen nach Art. 73 Abs. 2 MWSTG (Art. 78 Abs. 1 

MWSTG). Als Kontrolle gilt auch das Einfordern und die Überprüfung von umfas-

senden Unterlagen durch die ESTV (Art. 78 Abs. 2 MWSTG).  

Als auskunftspflichtige Person gilt gemäss Art. 73 Abs. 2 MWSTG u.a., wer als 

steuerpflichtige Person in Betracht fällt (lit. a) oder wer Leistungen erhält oder 

erbracht hat (lit. c). Auskunftspflichtige Drittpersonen haben der ESTV auf Ver-

langen kostenlos alle Auskünfte zu erteilen, die für die Feststellung der Steuer-

pflicht oder für die Berechnung der Steuerforderung gegenüber einer steuer-

pflichtigen Person erforderlich sind (Art. 73 Abs. 1 lit. a MWSTG).  

Gemäss Art. 75 Abs. 1 MWSTG unterstützen sich die Steuerbehörden des Bun-

des, der Kantone, Bezirke, Kreise und Gemeinden gegenseitig in der Erfüllung 

ihrer Aufgaben; sie haben sich kostenlos die zweckdienlichen Meldungen zu er-

statten, die benötigten Auskünfte zu erteilen und Akteneinsicht zu gewähren.  

Gemäss Art. 96 MWSTG (Steuerhinterziehung) und Art. 98 MWSTG (Verletzung 

von Verfahrenspflichten) sind entsprechende Verfehlungen strafbar. Die Straf-

verfolgung obliegt bei der Inlandsteuer und der Bezugsteuer der ESTV (Art. 103 

Abs. 2 MWSTG). Diese richtet sich nach dem Bundesgesetz über das Verwal-

tungsstrafrecht vom 22. März 1974 (VStrR, SR 313.0; Art. 103 Abs. 1 MWSTG).  

- 32 - 

SK.2024.39 

Gemäss Art. 30 Abs. 1 VStrR haben die Verwaltungsbehörden des Bundes, der 

Kantone und der Gemeinden den mit der Verfolgung und Beurteilung von Ver-

waltungsstrafsachen betrauten Behörden in der Erfüllung ihrer Aufgabe Rechts-

hilfe zu leisten; sie haben ihnen insbesondere die benötigten Auskünfte zu ertei-

len und Einsicht zu gewähren in amtliche Akten, die für die Strafverfolgung von 

Bedeutung sein können. 

1.6.4 Aufgrund einer Strafanzeige der ESTV vom 5. November 2021 eröffnete die Bun-

desanwaltschaft am 30. November 2021 gegen A. und B. eine Strafuntersuchung 

und ersuchte die ESTV am 30. November 2021 und 18. Januar 2022 um Gewäh-

rung von Rechtshilfe, d.h. Einsichtnahme in Strafakten im Zusammenhang mit 

der erwähnten Strafanzeige (BA 18-01-0001 ff., 18-01-0040 ff.). Diesen Rechts-

hilfeersuchen kam die ESTV am 17. Dezember 2021 und 28. Januar 2022 nach 

(BA 18-01-0004 ff., 18-01-0043). Weitere Auskünfte zum Verwaltungsstrafver-

fahren erteilte die ESTV gestützt auf ein ergänzendes Rechtshilfeersuchen der 

Bundesanwaltschaft vom 10. Juni 2024 (BA 18-01-0047 ff., 18-01-0050 ff.).  

Aus den rechtshilfeweise beigezogenen Akten der ESTV ergibt sich Folgendes: 

1.6.4.1 Die ESTV eröffnete am 9. November 2017 eine Strafuntersuchung gegen B. und 

dessen Ehefrau C. sel. wegen Abgabebetrugs (Art. 14 VStrR), Steuerhinterzie-

hung (Art. 96 MWSTG) und Verletzung der Verfahrenspflichten (Art. 98 

MWSTG). Anlässlich von Durchsuchungen vom 13. Dezember 2017 am Sitz der 

D. AG, der T. AG, der AA. Holding AG und der BB. AG sowie am Wohnsitz der 

beschuldigten Personen (d.h. des Ehepaars B. und C.) wurden Unterlagen und 

Gegenstände sichergestellt, welche von der ESTV mit Verfügung vom 

21. Juli 2021 als Beweismittel gemäss Art. 46 Abs. 1 lit. a VStrR beschlagnahmt 

wurden. Gemäss Verzeichnis der beschlagnahmten Unterlagen und Gegen-

stände handelt es sich dabei um eine forensische Kopie der sichergestellten 

elektronischen Datenträger (BA 18-01-0036 f.). Die ESTV führte zur Begründung 

an, der Tatverdacht – zusammengefasst eine teilweise erhebliche Verkürzung 

der Steuerforderungen zulasten des Staates durch eine nicht korrekte und voll-

ständige Abrechnung der Mehrwertsteuer durch B., teilweise auch durch dessen 

Ehefrau C. sel., bei den vorgenannten Gesellschaften im Zeitraum von 2012 bis 

2017 sowie eine erhebliche Verkürzung der Steuerforderung zulasten des Staa-

tes, eventuell durch arglistiges Verhalten, durch B. bei der einfachen Gesellschaft 

D. AG / CC. AG im Zeitraum 2010 bis 2011 – liege aufgrund der Ergebnisse der 

Mehrwertsteuerkontrollen der D. AG von 2012 und 2014 und der buchhalteri-

schen Auswertung der Unterlagen und Gegenstände, welche bei dieser Gesell-

schaft und bei den übrigen Steuerpflichtigen am 13. Dezember 2017 sicherge-

stellt worden seien, vor. Die mutmassliche Korrektur der Steuerforderung wurde 

mit insgesamt Fr. 302’173.-- beziffert (BA 18-01-0032 ff.).  

Die Durchsuchungsbefehle betreffend die Geschäftsräumlichkeiten der D. AG 

und der weiteren Gesellschaften sowie die Durchsuchungsbefehle betreffend die 

Wohnräumlichkeiten von B. und C. sel. wurden vom Direktor ESTV am 

- 33 - 

SK.2024.39 

8. Dezember 2017 gestützt auf Art. 48 Abs. 3 VStrR ordnungsgemäss unter-

zeichnet (BA 18-01-0072 f., 18-01-0074 f.). Wie sich dem Antrag des Strafdiens-

tes der Hauptabteilung Mehrwertsteuer der ESTV (nachfolgend: Strafdienst) an 

den Direktor ESTV auf Unterzeichnung von Hausdurchsuchungsbefehlen ge-

mäss Art. 48 VStrR vom 8. Dezember 2017 (BA 18-01-0061 ff.) entnehmen lässt, 

ergab eine am 2. Juli 2012 und 27. Januar 2014 durchgeführte Kontrolle der Ge-

schäftsjahre 2007 bis 2011 der D. AG eine Steuernachbelastung für die Mehr-

wertsteuer von rund Fr. 55’000.--; diese Steuerschuld wurde nach Abweisung 

von Einsprachen beglichen. Nachforschungen bei der Steuerverwaltung des 

Kantons V. – welche sich auf Art. 75 Abs. 1 MWSTG stützen konnten – ergaben, 

dass diese u.a. betreffend die D. AG eine Revision durchgeführt und bezüglich 

der von ihr festgestellten Sachverhalte betreffend die D. AG und weitere Gesell-

schaften (T. AG, BB. AG, AA. Holding AG) Anzeige wegen Schwindelgründung 

und Steuerbetrug eingereicht hatte. Der Strafdienst ermittelte aus den edierten 

Bankunterlagen und namentlich den Steuerakten der Steuerverwaltung des Kan-

tons V. provisorisch die mehrwertsteuerlichen Faktoren. Ein Vergleich der bei der 

ESTV eingereichten Abrechnungen mit den Angaben der Steuerverwaltung des 

Kantons V. (Steuerrevision der Jahre 2012 bis 2015) ergab in Bezug auf die D. 

AG eine Nachbelastung von mutmasslich Fr. 100’000.--. Die Abklärungen erga-

ben demnach einen begründeten Verdacht auf ein in verwaltungsstrafrechtlicher 

Hinsicht relevantes Verhalten durch Nichtverbuchen und Nichtdeklarieren mehr-

wertsteuerpflichtiger Einnahmen bzw. unvollständige Buchhaltung in Bezug auf 

die D. AG.  

Aus den Akten der ESTV ergeben sich keine Hinweise darauf, dass die Überprü-

fung der Steuerabrechnungen und die Kontrollen bei der D. AG (und weiteren 

Gesellschaften) durch die ESTV nicht rechtmässig erfolgt wären.  

Die fraglichen Durchsuchungen und Beschlagnahmen beruhen somit auf einer 

gesetzlichen Grundlage, und es lag hierfür ein hinreichender Tatverdacht vor.  

1.6.4.2 Ins Leere stösst die Einwendung des Beschuldigten, die ESTV habe die behän-

digten Unterlagen, namentlich den gesamten E-Mail-Verkehr, gar nicht formell 

beschlagnahmt, sondern an B. zurückgegeben, weshalb diese nicht länger Teil 

des Aktenbestandes der ESTV bzw. des Verwaltungsstrafverfahrens gegen B. 

bilden würden und daher nicht an die Bundesanwaltschaft hätten herausgegeben 

werden dürfen, und dass diese Unterlagen bzw. die entsprechenden Erkennt-

nisse im vorliegenden Strafverfahren gegen ihn nicht verwertbar seien.  

Durchsuchungen von Wohnungen und anderen Räumen können angeordnet 

werden, wenn es wahrscheinlich ist, dass sich Gegenstände oder Vermögens-

werte, die der Beschlagnahme unterliegen, oder Spuren der Widerhandlung da-

rin befinden (Art. 48 Abs. 1 VStrR). Vom untersuchenden Beamten sind nament-

lich Gegenstände mit Beschlag zu belegen, die als Beweismittel von Bedeutung 

sein können (Art. 46 Abs. 1 lit. a VStrR). Als Vollzugsformen fallen sämtliche nach 

der StPO zulässigen Beschlagnahmeformen in Betracht, wie physische 

- 34 - 

SK.2024.39 

Sicherstellung, Spiegelung von Datenträgern, Grundbuch- und Kontosperre etc. 

(HEIMGARTNER, in: Frank/Eicker/Markwalder/Achermann [Hrsg.] Basler Kom-

mentar, Verwaltungsstrafrecht, 2020, Art. 46 VStrR N. 29). Handelt es sich um 

Unterlagen, die (nur) in elektronischer Form vorhanden sind, erfolgt die Be-

schlagnahme mithin in Form einer Spiegelung des Datenträgers. Physische Un-

terlagen