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**Case Identifier:** 9e18d8b3-2ea0-565b-8573-fdb5baf494aa
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-01
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 01.12.2022 ZOR.2022.44
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_ZOR-2022-44_2022-12-01.pdf

## Full Text

Obergericht 

Zivilgericht, 2. Kammer 

 

 

ZOR.2022.44 
(OZ.2021.5)  

 

 

Urteil vom 1. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichterin Vasvary  

Oberrichter Egloff 

Gerichtsschreiber Sulser 

 

 
   

Klägerin   A._____ AG, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Guido Seitz, 

[…] 

  

 
   

Beklagte   B._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Mathias Ammann, 

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Forderung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Klägerin erbringt Finanzdienstleistungen […]. Die Beklagte betrieb in 

Q. und in R. zwei Arztpraxen. Gegenstand der Klage ist eine (Kontokor-

rent-) Forderung aus dem Vertragsverhältnis zwischen den Parteien (Clea-

ring Verträge Nr. 6043 vom 12. März/28. April 2008 und Nr. 6047 vom 

24./28. April 2008). 

 

2. 

2.1. 

Mit Klage vom 16. April 2021 beantragte die Klägerin beim Bezirksgericht 

Zofingen, die Beklagte sei zu verpflichten, ihr den Betrag von Fr. 65'596.07 

nebst Zins zu 6 % p.a. seit dem 1. April 2020 zu bezahlen; alles unter Kos-

ten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7 % MWST) zu Lasten der Be-

klagten. 

 

2.2. 

Mit Klageantwort vom 30. August 2021 beantragte die Beklagte, die Klage 

vom 16. April 2021 sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutre-

ten sei; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. Mehrwertsteuer. 

 

Zudem stellte die Beklagte den Verfahrensantrag, das Verfahren sei auf die 

Frage der Aktivlegitimation der Klägerin zu beschränken. Sie machte gel-

tend, die (bestrittenen) Forderungen seien mit Globalzession vom 30. De-

zember 2005 von der Klägerin an die Bank C. abgetreten worden. 

 

2.3. 

Mit Verfügung des Präsidenten des Bezirksgerichts Zofingen vom 21. Sep-

tember 2021 wurde das Verfahren, nach Gewährung des rechtlichen Ge-

hörs der Klägerin, auf die Frage der Aktivlegitimation beschränkt. 

 

2.4. 

Mit Replik vom 13. Dezember 2021 und Duplik vom 16. März 2022 nahmen 

die Parteien zur Frage der Aktivlegitimation Stellung. 

 

2.5. 

Mit Urteil vom 8. August 2022 erkannte das Bezirksgericht Zofingen: 

 

1. 
Die Klage wird abgewiesen.  
 
2. 
Die Entscheidgebühr von Fr. 3'780.00 wird der Klägerin auferlegt und mit ihrem Vorschuss 
verrechnet.  
 

 - 3 - 

 

 

 

3. 
Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung in Höhe der richter-
lich festgesetzten Anwaltskosten von Fr. 7'573.00 (inkl. Fr. 541.45 MWSt.) zu bezahlen. 

 

3. 

3.1. 

Die Klägerin erhob gegen den ihr am 15. August 2022 zugestellten Ent-

scheid am 13. September 2021 fristgerecht Berufung mit folgenden Anträ-

gen: 

 

1. 
Der Entscheid des Bezirksgerichts Zofingen vom 8. August 2022, Geschäfts-Nr. OZ.2021.5 
sei vollumfänglich aufzuheben. 
 
2. 
Es sei die Aktivlegitimation der Klägerin und Berufungsklägerin an der Forderung im Betrag 
von CHF 65'596.07, nebst Zins zu 5% p.a. seit dem 1. April 2020, gemäss Klage vom 16. 
April 2021 zu bejahen und die Sache zur Fortsetzung des Prozesses und zur Beurteilung 
des klägerischen Rechtsbegehrens an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. 7.7 % MWST) zu Lasten der Be-
klagten. 

 

3.2. 

Die Beklagte erstattete am 14. November 2022 ihre Berufungsantwort und 

beantragte die Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten sei, un-

ter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. Mehrwertsteuer. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Erstinstanzliche End- und Zwischenentscheide sind mit Berufung anfecht-

bar. In vermögensrechtlichen Angelegenheiten ist die Berufung zulässig, 

wenn der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren min-

destens Fr. 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Dies ist vorliegend der 

Fall. Die Berufung erfolgte überdies frist- und formgerecht (Art. 311 ZPO), 

sodass darauf einzutreten ist. 

 

1.2. 

Mit der Berufung können sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch 

die unrichtige Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz geltend 

gemacht werden (Art. 310 ZPO). Das Obergericht kann ohne Verhandlung 

aufgrund der Akten entscheiden (Art. 316 Abs. 2 ZPO). Neue Tatsachen 

und Beweismittel können im Berufungsverfahren nur noch berücksichtigt 

werden, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer 

Sorgfalt nicht schon vor Vorinstanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 

Abs. 1 ZPO). 

 - 4 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Die Klägerin verlangte vor Vorinstanz die Bezahlung von Fr. 65'596.07, 

nebst Verzugszins aus dem Vertragsverhältnis zwischen den Parteien 

(«Clearing Verträge» vom 12. März/28. April 2008 und 24./28. April 2008 

für die zwei Arztpraxen der Beklagten; KB 2 und 3). Gemäss den Clearing-

verträgen verpflichtete sich die Klägerin gegen Leistung eines Honorars zur 

Erbringung von […]-Dienstleistungen. Die Klägerin führte vor Vorinstanz 

aus, die eingeklagte Forderung von Fr. 65'596.07 sei mit der Saldoziehung 

per 31. Dezember 2019 entstanden und fällig geworden (Novation; Art. 117 

OR). Weiter hat die Klägerin mit der Bank C. am 30. Dezember 2005 einen 

Kreditvertrag abgeschlossen und diesen mit Globalzession vom gleichen 

Tag sichergestellt. Darin zedierte die Klägerin «zur Sicherstellung des Kre-

dits sämtliche gegenwärtigen und zukünftigen Forderungen aus dem Ge-

schäftsbetrieb an ihre Debitoren der Bank C. zu Vollrecht (Sicherungszes-

sion zahlungshalber)» und verpflichte sich, «den Schuldner auf Verlangen 

der Bank von dieser Abtretung Kenntnis zu geben» (KAB 2). Die Beklagte 

hat überdies am 28. Januar 2020 mit der Bank C. anlässlich der Hauptver-

handlung vor dem Kantonsgericht S. einen Vergleich geschlossen, der eine 

Saldoerklärung enthielt (KAB 5).  

 

2.2. 

Die Vorinstanz, die das Verfahren mit Verfügung vom 7. April 2022 vorerst 

auf die Frage der Aktivlegitimation beschränkt hat, begründete ihren abwei-

senden Entscheid vom 8. August 2022 zusammengefasst wie folgt: Die 

Globalzession der Klägerin an die Bank C. vom 30. Dezember 2005 sei 

gültig erfolgt. Sie erfasse daher grundsätzlich auch die vorliegend strittige 

Forderung aus den beiden Clearingverträgen. Die Forderung von 

Fr. 65'596.07 sei mit der Saldoziehung per 31. Dezember 2019 entstanden 

und fällig geworden. In jenem Zeitpunkt sei sie auf die Bank C. übergegan-

gen. Daran ändere die Tatsache, dass die Bank C. den Rahmenkreditver-

trag mit der Klägerin, zu dessen Sicherung die Globalzession gedient hat, 

am 22. Oktober 2010 beendet habe, nichts. Eine Kündigung des Kreditver-

trags führe nicht automatisch zu einem Rückfall der Forderung. Eine gültige 

Zession lasse sich nur durch eine Rückzession rückgängig machen. Die 

Rückzession sei durch die Beklagte bestritten worden und der Beweis der 

Klägerin gescheitert, namentlich, weil die schriftliche Rückzession nicht 

habe vorgelegt werden können (angefochtener Entscheid E. 5.1.2). Die 

Klägerin habe eine weitere Rückzession per 10. Dezember 2021 behaup-

tet. Die strittige Forderung sei demgegenüber mit der im Rahmen des Ver-

gleichs zwischen der Beklagten und der Bank C. vom 28. Januar 2020 ab-

gegebenen Saldoerklärung bereits untergegangen, weshalb die Bank C. 

am 10. Dezember 2021 die Forderung gar nicht mehr auf die Klägerin habe 

rückübertragen können (angefochtener Entscheid E. 5.3; ausführlich zur 

Saldoerklärung angefochtener Entscheid E. 5.2). 

 

 - 5 - 

 

 

 

2.3. 

Die Klägerin rügt mit Berufung einerseits eine unrichtige Feststellung von 

Tatsachen und willkürliche Beweiswürdigung hinsichtlich des gemäss Vor-

instanz gescheiterten Beweises der Rückzession, sowie eine Verletzung 

des Persönlichkeitsrechts der Klägerin (Art. 27 ff. ZGB, Art. 19 Abs. 2 und 

Art. 20 OR). Bezüglich letzterem führt die Klägerin aus, dass eine Global-

zession dann unzulässig sei, wenn sie eine zu starke Beeinträchtigung des 

Rechts der Persönlichkeit sowie der wirtschaftlichen Freiheit des Zedenten 

zur Folge habe. Das Persönlichkeitsrecht sei dann nicht verletzt, wenn die 

Globalzession in sachlicher und zeitlicher Hinsicht Beschränkungen unter-

liege. Eine in zeitlicher und gegenständlicher Hinsicht unbeschränkte Zes-

sion aller gegenwärtigen und künftigen Forderungen stelle demgegenüber 

eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts dar. Entsprechend werde eine 

Globalzession, die unabhängig von etwaigen Geschäftsbeziehungen zwi-

schen dem Zedenten und der Bank unbefristet bestehen soll, als unzuläs-

sig erachtet (Berufung Rz. 35, m.H. auf Lehre und Rechtsprechung). Folgte 

man der Auffassung der Vorinstanz, würde die Globalzession vorliegend 

trotz Beendigung und Abwicklung des Kreditverhältnisses nichtsdestotrotz 

aufgrund der angeblich unbewiesenen Rückzession durch die Bank C. wei-

terhin zeitlich unbeschränkt Bestand haben. Dies, ohne dass sich der Ze-

dent und die Bank überhaupt darüber bewusst gewesen seien oder es be-

absichtigt hätten. Ein solches Resultat sei im Lichte der vorstehenden un-

veräusserlichen Rechte der Klägerin unhaltbar (Berufung Rz. 36). 

 

Die Beklagte bringt vor, der Einwand der Persönlichkeitsverletzung sei neu 

und deshalb nicht zu hören (Berufungsantwort Rz. 17). Indes rügt die Klä-

gerin damit nicht eine fehlerhafte oder unvollständige Feststellung des 

Sachverhalts, sondern eine unrichtige Rechtsanwendung, namentlich hin-

sichtlich Umfang und Wirkungen der Globalzession, weshalb darauf im 

obergerichtlichen Verfahren grundsätzlich einzugehen ist, auch wenn sich 

die Klägerin vor Vorinstanz nicht explizit auf Art. 27 ff. ZGB berufen haben 

sollte. 

 

2.4. 

In der Tat ist die vorab interessierende Frage nicht, ob die strittige Forde-

rung, welche nach Auffassung der Vorinstanz im Rahmen der Kontokor-

rentbeziehung der Parteien im Dezember 2019 entstanden ist – mithin 

Jahre nach der behaupteten Beendigung der Geschäftsbeziehung zwi-

schen der Klägerin und der Bank C. –, tatsächlich zurückzediert wurde. 

Vielmehr ist bereits zu fragen, ob die strittige Forderung im Rahmen der 

Globalzession überhaupt gültig abgetreten wurde. 

 

Übereinstimmend mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass auch 

Forderungen, die erst nach ihrer Abtretung entstehen, zediert werden kön-

nen. Ebenfalls zulässig ist die Globalzession, bei welcher eine Partei eine 

Vielzahl gegenwärtiger oder künftiger Forderungen durch ein einziges 

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Rechtsgeschäft abtritt. Dabei ist die Abtretung gültig, wenn die abgetrete-

nen Forderungen zumindest bestimmbar sind, wobei massgebender Zeit-

punkt für die Bestimmbarkeit der (zukünftige) Zeitpunkt der Entstehung der 

jeweiligen Forderungen und nicht derjenige der Abtretungserklärung ist 

(angefochtener Entscheid E. 5.1.1, m.w.H.). Nicht vorbehaltslos zuge-

stimmt werden kann der Vorinstanz darin, dass der Umstand, dass die 

Bank C. den Rahmenkreditvertrag mit der Klägerin, zu dessen Sicherung 

die Globalzession gedient hat, am 22. Oktober 2010 beendet hat, unerheb-

lich sei. 

 

Eine ausdrückliche zeitliche Beschränkung der Globalzession kommt in der 

Praxis selten vor. Häufiger ist eine konkludente Limitierung, z.B. für die 

Dauer der Geschäftsbeziehungen (GIRSBERGER/HUBER/MAISSEN/SPRE-

CHER, Vertragsgestaltung und Vertragsdurchsetzung, 2. Aufl. Zürich 2017, 

Rz. 856). Mit anderen Worten impliziert die sachliche Beschränkung zu-

gleich die zeitliche. Dient eine generelle Forderungsabtretung der Sicher-

stellung eines bestimmten Kredites, so verliert sie ihre Berechtigung in dem 

Zeitpunkt, in dem das entsprechende Kreditverhältnis beendigt ist. Eine 

Globalzession, die unabhängig von etwaigen Geschäftsbeziehungen zwi-

schen dem Zedenten und der Bank unbefristet bestehen soll, wäre dage-

gen als unzulässig zu erachten. Sie wird daher vielmehr mit Beendigung 

der Kreditbeziehung beendet (ZOBL, in: Berner Kommentar, Systemati-

scher Teil und Art. 884-887 ZGB, 2010, N. 1682 ff.; vgl. auch REETZ, Die 

Sicherungszession von Forderungen, unter besonderer Berücksichtigung 

vollstreckungsrechtlicher Probleme, Zürich 2006, S. 251; FÄSSLER, Der 

Factoringvertrag im Schweizer Recht, Diss. Zürich 2010, Rz. 349; WALTER, 

Die Sicherungszession im schweizerischen Recht, in: Mobiliarsicherheiten, 

Berner Bankrechtstag, Bd. 5, 1998, S. 43 ff., S. 60; WEHRLI, Die vertragliche 

Abtretung von Forderungen, insbesondere Voraus- und Globalzession und 

deren Behandlung bei Konkurs des Zedenten, Diss. Bern 1993, S. 57; HÄN-

SELER, Die Globalzession, Zürich 1991, S. 109; KLEYLING, Zession – unter 

besonderer Berücksichtigung der Globalzession – und Forderungsverpfän-

dung als Mittel zur Sicherung von Krediten, Diss. Zürich 1980, S. 81). Die 

zeitlich zulässige Schranke steckt damit auch den zeitlichen Umfang der 

Abtretung ab: Dieser wird zweckmässigerweise nicht weiter zu ziehen sein, 

als es die Geschäftsbeziehung bedingt. Beschränkt man die Globalzession 

in diesem Sinne auf die gegenwärtigen und zukünftigen Forderungen des 

Zedenten aus einer bestimmten Tätigkeit für den Zeitraum, in dem er Be-

ziehungen zur Bank unterhält, wird grundsätzlich auch ein Ungleichgewicht 

zwischen der Leistung der Bank und der Gegenleistung ihres Kunden ver-

mieden (DE GOTTRAU, Transfert de propriété et cession à fin de garantie: 

principes, et applications dans le domaine bancaire, in: Sûretés et garanties 

bancaires, Lausanne 1997, S. 221 ff., 240 ff.). Dies steht auch insofern mit 

dem Zessionsrecht in Einklang, als die Wirkungen der Zession künftiger 

Forderungen erst im Zeitpunkt der Entstehung der Forderungen eintreten. 

Die Situation ist damit vergleichbar mit einem Abtretungsverbot, das zwar 

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nach der Abtretung künftiger Forderungen vereinbart wird, aber vor Entste-

hung der entsprechenden Forderungen – und damit vor dem Übergang ins 

Vermögens des Zessionars. Auch in diesem Fall nimmt die Lehre und 

Rechtsprechung an, dass das Abtretungsverbot für die nach dessen Be-

gründung entstehenden Forderungen Wirkung entfaltet, mithin diese nicht 

mehr von der zuvor vereinbarten Zession erfasst sind (vgl. BGE 112 II 241 

E. 2.a; OGer ZH, ZR 1980 Nr. 143 S. 314 f. E. 6; KOLLER, OR AT, Schwei-

zerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, 4. Aufl. Bern 2017, § 84 Rn 

84.210 f.). 

 

Insofern geht es nicht um die Gültigkeit der Abtretung an sich, sondern um 

deren Umfang, weshalb sich eine Auseinandersetzung mit der in Literatur 

und Rechtsprechung strittigen Frage, ob die Zession abstrakter oder kau-

saler Natur ist, grundsätzlich erübrigt. Diese dogmatische Auseinanderset-

zung betrifft die Frage, ob eine Abtretung (als Verfügungsgeschäft) auch 

dann gültig ist, wenn das zugrundeliegende Verpflichtungsgeschäft (pac-

tum de cedendo) mangelhaft ist. Die Diskussion wird vor allem vor dem 

Hintergrund des Schuldner- und Verkehrsschutzes geführt (vgl. für eine 

Übersicht zum Meinungsstand BÄRTSCHI, Verabsolutierte Abstraktheit oder 

relativierte Kausalität? – Zur Rechtsnatur der Forderungsabtretung, in: Ak-

tuelle Herausforderungen des Gesellschafts- und Finanzmarktrechts, Fest-

schrift für Hans Caspar von der Crone zum 60. Geburtstag, Zürich 2017, S. 

807 ff.). Indes ist ohnehin nicht ersichtlich, inwiefern in einer Konstellation 

wie der vorliegenden ein entsprechender Schutz notwendig wäre. Kommt 

der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nach, so wird eine eigenmächtige 

Verwertung noch nicht entstandener Forderungen obsolet. Tut er dies 

nicht, so entfaltet die Globalzession weiterhin Wirkung. Auch der Schuldner 

bedarf vorliegend keines besonderen Schutzes (hierzu nachfolgend, 

E. 2.6). Wie erwähnt kann die Frage aber letztlich offengelassen werden. 

 

2.5. 

Die Klägerin bringt vor, dass weder sie noch die Bank C. davon ausgingen, 

dass die Bank C. an Forderungen, die nach Beendigung der Kreditbezie-

hung entstanden sind, berechtigt gewesen wäre. Für die Bank C. ergibt sich 

dies aus ihrem Schreiben vom 10. Dezember 2021 (vgl. Berufung S. 12; 

KB 20). Mithin scheint bereits ein subjektiver übereinstimmender Parteiwille 

auf eine auf die Dauer der Geschäftsbeziehung beschränkte Wirkung vor-

zuliegen. Zu diesem Ergebnis würde man nach dem Gesagten und vor dem 

Hintergrund, dass nicht anzunehmen ist, dass die Parteien eine unange-

messene Lösung gewollt haben (Urteil des Bundesgerichts 5A_907/2019 

vom 27. August 2021 E. 4.2.1.2), auch mittels objektiver Vertragsauslegung 

nach dem Vertrauensprinzip gelangen müssen. Denn es ist kein legitimes 

Geschäftsinteresse daran ersichtlich, dass Forderungen, die erst nach Be-

endigung bzw. Abwicklung einer Geschäftsbeziehung entstehen, die die 

Globalzession gerade absichern und damit ermöglichen soll, abgetreten 

werden (zur Frage des Praktikabilitätsinteresses etwa auch BGE 113 II 163 

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E. 2c). Im Gegenteil wäre bei einem weitergehenden Umfang der Global-

zession fraglich, ob diese überhaupt gültig wäre. Die herrschende Lehre 

und Rechtsprechung lehnt denn auch die Möglichkeit der geltungserhalten-

den Reduktion von Globalzessionen grundsätzlich ab, da andernfalls die 

verlangte Bestimmbarkeit der abgetretenen Forderungen im Zeitpunkt der 

Abtretung nicht mehr garantiert wäre (HUGUENIN, Obligationenrecht, Allge-

meiner und Besonderer Teil, 3. Aufl. Zürich 2019, Rz. 1376; vgl. BGE 112 

II 433 E. 3). Diese Frage muss hier allerdings nicht abschliessend erörtert 

werden. Festzuhalten ist, dass die Wirkung der Globalzession, falls sie 

denn gültig vereinbart wurde, was an sich nicht in Abrede gestellt wird, auf 

die Dauer der Kreditbeziehung der Klägerin und der Bank C. beschränkt 

war. Mithin waren jedenfalls Forderungen, die erst nach vollständiger Be-

friedigung der Bank C. entstanden sind, nicht mehr von der Globalzession 

erfasst. 

 

Offenkundig wurde der Kreditvertrag bereits am 22. Oktober 2010 gekün-

digt. Im Kündigungsschreibern der Bank C. wurde für die Rückzahlung eine 

Frist von einer Woche angesetzt (KB 19). Man habe sich gemäss dem 

Schreiben der Bank C. aber anlässlich einer Vereinbarung vom 15. Novem-

ber 2010 auf bestimmte Erfüllungsmodalitäten geeinigt, wozu namentlich 

die Abtretung einer Forderung aus einem Kreditvertrag zwischen der Klä-

gerin und der Beklagten vom 27. Mai 2010 in Höhe von Fr. 509'436.19 ge-

hörte, und die Klägerin sei sämtlichen Pflichten bis spätestens am 20. De-

zember 2012 nachgekommen (KB 20). Dass die diesbezüglichen Ausfüh-

rungen im Schreiben der Bank C. tatsachenwidrig sein sollten, wird weder 

behauptet noch ist dies ersichtlich. Folglich ist davon auszugehen, dass die 

Kreditbeziehung der Klägerin zur Bank C. spätestens am 20. Dezember 

2012 beendet war und danach entstandene Forderungen nicht mehr wirk-

sam auf die Bank C. übergegangen sind. Ob die Verpflichtungen der Klä-

gerin aus dem mittels Globalzession gesicherten Kreditvertrag mit der Bank 

C. tatsächlich sogar bereits früher untergegangen sind, kann offenbleiben. 

Soweit die hier strittige Forderung erst im Jahre 2019 entstanden ist, wie 

dies die Vorinstanz anzunehmen scheint und was im Wesentlichen auch 

die Parteien im Berufungsverfahren nicht in Frage stellen, wurde sie jeden-

falls nicht mehr von der Klägerin an die Bank C. abgetreten. 

 

2.6. 

Die Beklagte bringt vor, sie habe davon ausgehen dürfen, dass sämtliche 

von der Globalzession erfassten Forderungen Gegenstand des Prozesses 

mit der Bank C. vor dem Kantonsgericht S. bildeten (Berufungsantwort Rz. 

24 und 33). Vor diesem Hintergrund fragt sich, ob die Beklagte sich auf die 

Schuldnerschutzbestimmung von Art. 167 OR berufen kann. Danach ist der 

Schuldner gültig befreit, wenn er, bevor ihm der Abtretende oder der Er-

werber die Abtretung angezeigt hat, in gutem Glauben an den früheren 

Gläubiger oder, im Falle mehrfacher Abtretung, an einen im Rechte nach-

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gehenden Erwerber Zahlung leistet. In der Lehre wird die Auffassung ver-

treten, dass diese Bestimmung über ihren Wortlaut hinaus auch auf andere 

Konstellationen entsprechend angewandt werden kann, so etwa jene, dass 

dem Schuldner eine Abtretung angezeigt wird, die überhaupt nicht erfolgt 

oder unwirksam geblieben ist (GAUCH/SCHLUEP/EMMENEGGER, OR AT, 

Schweizerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, Bd. II, 11. Aufl. Zürich 

2020, Rz. 3495; SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, Schweizerisches Obligatio-

nenrecht Allgemeiner Teil, 8. Aufl., Bern 2020, Rz. 90.41). Vorausgesetzt 

wird natürlich auch in diesen Fällen, dass der Schuldner in gutem Glauben 

geleistet hat.  

 

Selbst wenn man die vergleichsweise erfolgte Leistung der Beklagten an 

die Bank C. als «Zahlung» i.S.v. Art. 167 OR auffasst, so kann vorliegend 

nicht von gutem Glauben seitens der Beklagten ausgegangen werden. Die 

Globalzession erfolgte bereits im Jahre 2005. Der Beklagten wurde mit No-

tifikation vom 22. November 2010 durch die Bank C. lediglich angezeigt, 

dass die Klägerin der Bank C. die Forderung aus dem Kreditvertrag vom 

27. Mai 2010 (zwischen der Klägerin und der Beklagten, vgl. vorstehende 

Erwägung) abgetreten hat und diese nur noch durch Überweisung auf das 

bezeichnete Konto geleistet werden könne, nicht aber durch Überweisung 

direkt an die Klägerin (KAB 3). Anderweitige Forderungen werden in der 

Notifikation nicht genannt. Insofern hätten hinsichtlich einer Forderung, die 

erst neun Jahre nach der Notifikation entstanden ist, zusätzliche Nachfor-

schungen angestellt werden müssen (Art. 3 Abs. 2 ZGB). Dies geschah 

soweit vorgebracht nicht. Mit dem Vergleich vom 28. Januar 2020 konnte 

sich die Beklagte demnach von ihrer Pflicht gegenüber der Klägerin nicht 

befreien, sondern ist die Forderung, sofern sie tatsächlich bestehen sollte, 

grundsätzlich weiterhin der Klägerin geschuldet. 

 

3. 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung der Klägerin als begründet. 

Da die Vorinstanz das Verfahren auf die Frage der Aktivlegitimation be-

schränkt hat, ist der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die Sache 

zwecks Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen (Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 und 2 ZPO). Darin wird 

namentlich abzuklären sein, ob und in welcher Höhe tatsächlich eine For-

derung besteht. 

 

4. 

Bei der Rückweisung einer Sache an die Vorinstanz werden praxisgemäss 

die zweitinstanzlichen Gerichtskosten (Art. 95 Abs. 2 ZPO) festgesetzt, ver-

bunden mit der Anweisung an die Vorinstanz, diese Gerichtskosten sowie 

die im Rechtsmittelverfahren angefallenen Parteikosten im neuen Ent-

scheid zu verteilen. Im vorliegenden Fall ist kein Grund für ein Abweichen 

von dieser Praxis ersichtlich. Die obergerichtliche Entscheidgebühr ist auf 

Fr. 5'362.00 festzusetzen (§ 7 Abs. 1 VKD i.V.m. § 11 VKD) und ist mit dem 

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vom Kläger in derselben Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen 

(Art. 111 Abs. 1 ZPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Berufung wird das Urteil des Bezirksgerichts Zofingen 

vom 8. August 2022 aufgehoben und die Sache zur Fortsetzung des Ver-

fahrens im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

 

2. 

Die obergerichtliche Entscheidgebühr wird auf Fr. 5'362.00 festgesetzt und 

mit dem von der Klägerin in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss 

verrechnet. 

 

3. 

Über die Verteilung der Entscheidgebühr gemäss vorstehender Ziffer 2 so-

wie der zweitinstanzlichen Parteikosten hat die Vorinstanz im neuen Ent-

scheid zu befinden. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

[…] 

  

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. In vermögensrechtlichen 

Angelegenheiten ist die Beschwerde nur zulässig, wenn der Streitwert in arbeits- und miet-

rechtlichen Fällen mindestens Fr. 15'000.00 bzw. in allen übrigen Fällen mindestens Fr. 

30'000.00 beträgt, es sei denn, es stelle sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeu-

tung oder es handle sich um einen Entscheid des Konkurs- und Nachlassrichters (Art. 44 

Abs. 1, Art. 72, Art. 74, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Ist eine Beschwerde 

nur unter der Voraussetzung zulässig, dass sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-

deutung stellt, ist auszuführen, warum diese Voraussetzung erfüllt ist. Die Urkunden, auf die 

sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in den Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

 - 11 - 

 

 

 

Der Streitwert des kantonalen Verfahrens beträgt mehr als Fr. 30'000.00. 

 

 
   

Aarau, 1. Dezember 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Zivilgericht, 2. Kammer 

Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Six     Sulser