# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 41c39eef-8445-545e-b04c-69983fd80114
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 E-5425/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5425-2010_2011-11-15.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­5425/2010

U r t e i l   v om   1 5 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz),
Richter Gérard Scherrer, Richter Bruno Huber,   
Gerichtsschreiber Christoph Berger.

Parteien A._______, geboren am (…),
Beschwerdeführer 1, dessen Ehefrau und deren Kinder,
B._______, geboren am (…),
C._______, geboren am (…),
D._______, geboren am (…),
E._______, geboren am (…),
Beschwerdeführende 2­5,
Eritrea,
vertreten durch Martina Culic, Rechtsanwältin,
Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, 
(…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung,
Gesuch um Familienzusammenführung;
Verfügung des BFM vom 7. Juli 2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  1  (Ehemann  beziehungsweise  Vater  der 
Beschwerdeführenden 2­5) ersuchte die Schweiz am 20. August 2008 um 
Asyl.  Mit  Verfügung  vom  2.  Dezember 2009  lehnte  das  BFM  sein 
Asylgesuch  ab,  anerkannte  ihn  indessen  aufgrund  subjektiver 
Nachfluchtgründe als Flüchtling und gewährte ihm wegen Unzulässigkeit 
des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme in der Schweiz.

B. 
Mit  Eingabe  vom  22. Februar 2010  stellte  er  ein  Gesuch  um 
Familienzusammenführung zugunsten der Beschwerdeführenden 2­5.

C. 
Mit Schreiben vom 16. März 2010 lud das BFM den Beschwerdeführer 1 
zwecks  Vervollständigung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und 
hinsichtlich  der  Prüfung  einer  allfälligen  originären  Erfüllung  der 
Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden  2­5  zu  einer 
Stellungnahme  zu  ausgewählten  Fragen  die  persönlichen  Verhältnisse 
und allfällige Asylgründe in Eritrea betreffend ein.

D. 
Mit Eingabe vom 11. Mai 2010 reichte ein Mitarbeiter der Caritas Bern im 
Namen  des  Beschwerdeführers  1  zum  Fragenkatalog  des  BFM  eine 
Stellungnahme  ein  und  stellte  sinngemäss  Asylantrag  für  die 
Beschwerdeführenden  2­5.  Zur  Begründung  brachte  der 
Beschwerdeführer 1 im Wesentlichen vor, seine Ehefrau habe seit seiner 
Flucht  grosse  Probleme  mit  den  eritreischen  Behörden.  Am  25. 
September  2008  sei  sie  für  vier  Tage  inhaftiert  und  zu  seiner  Flucht 
verhört  worden.  In  der  Folge  sei  ihr  eine  sehr  hohe  Busse  auferlegt 
worden. Auch dürfe sie seither  ihren Tearoom nicht mehr betreiben und 
nicht  mehr  als  Bäuerin  arbeiten,  so  dass  ihr  jegliche  Grundlagen  für 
Verdienstmöglichkeiten entzogen seien. Da sie die Busse nicht bezahlen 
könne, werde sie rund alle vier Monate von den Behörden vorgeladen.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  26.  Mai  2010  ersuchte  das  BFM  den 
Beschwerdeführer 1, ein allfälliges Vertretungsverhältnis zur Caritas Bern 
auszuweisen  und  den  Inhalt  der  Stellungnahme  vom  11.  Mai  2010 
schriftlich zu bestätigen. Das BFM teilte dem Beschwerdeführer 1 zudem 
mit, es beabsichtige, das Gesuch um Einreisebewilligung  in die Schweiz 

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für die Beschwerdeführenden 2­5 abzuweisen, und führte aus, im Gesuch 
um Familienzusammenführung vom 22. Februar 2010 habe er gebeten, 
die Einreisebewilligung an die Schweizer Botschaft in Khartum, Sudan, zu 
übermitteln.  Damit  könne  davon  ausgegangen  werden,  dass  die 
Beschwerdeführenden 2­5 beabsichtigen würden, Eritrea Richtung Sudan 
zu  verlassen.  Es  sei  ihnen  denn  auch  freigestellt,  sich  im  Sudan  um 
Aufnahme  zu  bemühen,  und  es  sei  davon  auszugehen,  dass  sie  den 
zusätzlichen  subsidiären  Schutz  der  Schweiz  nicht  benötigen  würden, 
weshalb  erwogen werde,  ihr Asylgesuch  aus  dem Ausland  abzulehnen. 
Der  Beschwerdeführer  1  erhielt  Gelegenheit,  sich  schriftlich  zu  äussern 
und  insbesondere  dazu  Stellung  zu  nehmen,  weshalb  es  für  die 
Beschwerdeführenden 2­5 nicht zumutbar wäre, im benachbarten Sudan 
um Schutz zu ersuchen.

F. 
Mit  Stellungnahme  der  Rechtsvertreterin  vom  22.  Juni  2010  wurde  im 
Wesentlichen vorgebracht, für die Beschwerdeführenden 2­5 sei es nicht 
zumutbar, den Sudan um Schutz vor Verfolgung  in Eritrea zu ersuchen. 
Die  Gefahr,  als  alleinstehende  Frau  überfallen  und  vergewaltigt  zu 
werden,  sei  für  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  1  gross.  Die 
Beschwerdeführenden  2­5  müssten  im  Sudan  in  einem  der 
Flüchtlingscamps  Zuflucht  suchen,  in  denen  die  hygienischen  Zustände 
katastrophal  seien.  Zudem würden  diese  Flüchtlingslager  immer  wieder 
von Rebellen überfallen und dabei würden eritreische Flüchtlinge entführt. 
Die existenziellen Grundbedürfnisse der grossen Zahl von Flüchtlingen zu 
decken  sowie  diesen  gleichzeitig  Schutz  vor  Verfolgung  vor  den 
eritreischen  Behörden  zu  bieten,  gelinge  dem  sudanesischen  Staat 
offensichtlich nicht. Die Gefahr, dass Eritreer in ihr Heimatland deportiert 
würden,  sei  gross. Zudem müssten  im Rahmen von Art.  52 Abs.  2  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  alle  im 
Zusammenhang  mit  dem  Kindswohl  massgeblichen  Elemente 
berücksichtigt  und  geprüft  werden.  Schliesslich  könne  die 
Beziehungsnähe  zwischen  den  Beschwerdeführenden  2­5  und  dem 
Beschwerdeführer 1 als Ehemann beziehungsweise Vater nicht intensiver 
sein. Auch sei es dem Beschwerdeführer 1 nicht zumutbar, seinerseits im 
Sudan um Schutz zu ersuchen und dort sein Recht, mit der Kernfamilie 
zusammenzuleben, auszuüben. Demnach sei den Beschwerdeführenden 
2­5 die Einreise in die Schweiz zu gewähren.

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G. 
Mit Verfügung vom 7. Juli 2010 – eröffnet am 8. Juli 2010 – bewilligte das 
BFM die Einreise der Beschwerdeführenden 2­5 in die Schweiz nicht und 
lehnte ihre Asylgesuche ab.

H. 
Mit Eingabe vom 28. Juli 2010 erhoben die Beschwerdeführenden gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und 
beantragten  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung. Die Vorinstanz sei anzuweisen, den Beschwerdeführenden 2­
5  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft zu bewilligen und sie als Flüchtlinge anzuerkennen 
sowie  ihnen  in der Schweiz Asyl  zu gewähren.  In prozessualer Hinsicht 
ersuchten  sie  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  und  um 
Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsvertreterin im Sinne 
von Art. 65  Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Von der Erhebung 
eines Kostenvorschusses sei abzusehen.

I. 
Mit  Eingabe  vom  29.  Juli  2010  wurde  die  Fürsorgebestätigung  den 
Beschwerdeführer 1 betreffend nachgereicht.

J. 
Mit  Verfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  2.  August  2010 
wurde der Eingang der Beschwerde bestätigt.

K. 
Mit  Verfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  19.  August  2010 
wurde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
nach  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  verzichtet.  Die  Vorinstanz  wurde  zur  Einreichung 
einer Vernehmlassung eingeladen.

L. 
Mit  Vernehmlassung  vom  23.  August  2010  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung der Beschwerde.

M. 
Mit  Verfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  25.  August  2010 
wurde  den  Beschwerdeführenden  die  Vernehmlassung  des  BFM  zur 
Kenntnis  gebracht.  Im Weiteren wurde das Gesuch um Gewährung der 

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unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  2  VwVG  gutgeheissen 
und den Beschwerdeführenden  ihre Rechtsvertreterin als unentgeltlicher 
Rechtsbeistand beigeordnet.

N. 
Mit  Schreiben  vom  2.  Mai  2011  erkundigten  sich  die 
Beschwerdeführenden nach dem Verfahrensstand. Das Schreiben wurde 
am 9. Mai 2011 vom Bundesverwaltungsgericht telefonisch beantwortet.

O. 
Im  Zuge  gerichtsinterner  Geschäftslastumverteilung  wurde  das 
vorliegende  Verfahren  im  Oktober  2011  dem  vorsitzenden  Richter 
zugeteilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im  Sinne  von       Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  im  Bereich  des  Asyls  in  der 
Regel  −  so  auch  vorliegend  −  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  sowie 
Art. 105 und Art. 6 AsylG).

1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG  und  Art. 52  VwVG).  Die  Beschwerdeführenden  haben  am 
vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene 
Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an 
deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur 
Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde wurde zu Recht eingetreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn 
die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können 
oder  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann  
(vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG 
bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des 
Sachverhaltes, wenn  ihnen nicht  zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­ 
oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen.

3.2. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer 
Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  handhaben,  wobei  den 
Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die 
Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung 
durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die 
praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen 
Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und 
Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  21, 
EMARK 1997 Nr. 15,  insbesondere S. 131  ff., welcher angesichts bloss 
redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes 
nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der 
Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen 
Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der 
Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft 
gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der 
Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

4. 
4.1.  Zur  Begründung  ihrer  Verfügung  vom  7.  Juli  2010  führte  die 
Vorinstanz  aus,  die  Anwesenheit  der  Beschwerdeführenden  2­5  in  der 
Schweiz  sei  für  die  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes 
vorliegend  nicht  erforderlich.  Aufgrund  des  vollständig  festgestellten 
Sachverhaltes  könne  davon  ausgegangen  werden,  dass  aufgrund  der 
Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  keine  unmittelbare 
Gefährdung vorliege, die eine sofortige Einreise in die Schweiz notwendig 

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erscheinen  lasse.  Die  Schilderungen  der  Beschwerdeführenden  liessen 
zwar  darauf  schliessen,  dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  1 
ernstzunehmende  Schwierigkeiten mit  den  eritreischen  Behörden  habe. 
Indessen liege ein Ausschlussgrund gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG vor. Es 
bestünden keine konkreten Anhaltspunkte  für die Annahme, dass es  für 
die Beschwerdeführenden 2­5 schlechterdings nicht zumutbar oder nicht 
möglich wäre, sich im Sudan um Aufnahme zu bemühen und dort Schutz 
zu  suchen.  Die  Befürchtungen,  die  Beschwerdeführenden  2­5  könnten 
nach der Einreise  in den Sudan von den sudanesischen Behörden nach 
Eritrea  zurückgeschafft werden,  erachte  das BFM als  klar  unbegründet. 
Nach  gesicherten  Kenntnissen  sei  das  Risiko  von  Deportationen  sehr 
gering,  und  in  jüngster  Vergangenheit  seien  keine  solchen  bekannt 
geworden. Es  sei  den Beschwerdeführenden  2­5  zuzumuten,  sich  beim 
UNHCR registrieren zu lassen und sich danach in dem ihnen zugeteilten 
Flüchtlingslager  aufzuhalten,  wo  sie  die  nötige  Versorgung  erhalten 
würden. 

4.2. Die Beschwerdeführenden halten den Erwägungen der Vorinstanz in 
vorliegend  entscheidwesentlicher  Hinsicht  entgegen,  in  der 
angefochtenen  Verfügung  werde  unterlassen,  auf  die  Frage  der 
Beziehungsnähe  der  Familie  des  Beschwerdeführers  1  zur  Schweiz 
einzugehen. Mit  ihrem Vorgehen verstosse die Vorinstanz gegen Art. 52 
Abs.  2  AsylG  sowie  die  zu  dieser  Bestimmung  ergangene 
Rechtsprechung.  Darüber  hinaus  sei  dadurch  das  rechtliche Gehör  der 
Beschwerdeführenden  verletzt  worden.  Bei  einer  Prüfung  der 
Beziehungsnähe  der  Beschwerdeführenden  2­5  hätte  die  Vorinstanz 
erkannt,  dass  diese  zu  keinem  der  Nachbarländer  von  Eritrea  eine 
Beziehung hätten. Sie würden über keinen Bezugspunkt zu irgendeinem 
anderen  Land  ausserhalb  ihrem  Heimatland,  ausser  der  Schweiz, 
verfügen.

5. 
5.1. Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG  ist die Einreise  in die Schweiz zu 
bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr  für  Leib,  Leben oder Freiheit 
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird, das 
heisst  im  Hinblick  auf  die  Anerkennung  als  Flüchtling  und  die 
Asylgewährung,  oder  aber  wenn  für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung 
des  Sachverhalts  ein  weiterer  Aufenthalt  im  Wohnsitz­  oder 
Aufenthaltsstaat  oder  die  Ausreise  in  einen  Drittstaat  nicht  zumutbar 
erscheint.

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5.2. Gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland 
befindet,  das  Asyl  verweigert  werden,  wenn  es  ihr  zugemutet  werden 
kann,  sich  in  einem  andern  Staat  um  Aufnahme  zu  bemühen.  Diese 
Bestimmung trifft keine Unterscheidung zwischen Asylgesuchen aus dem 
Herkunftsland  der  asylsuchenden  Person  und  solchen,  die  aus  einem 
Drittstaat  gestellt  werden. Hält  sich  die Person,  die  ein Asylgesuch  aus 
dem Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer 
Vermutung  davon  auszugehen,  die  betreffende  Person  habe  in  diesem 
Drittstaat  bereits  Schutz  vor  Verfolgung  gefunden  oder  könne  ihn  dort 
erlangen, weshalb  auch  anzunehmen  ist,  es  sei  ihr  zuzumuten,  dort  zu 
verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese 
Vermutung kann sich  jedoch sowohl  in Bezug auf die Schutzgewährung 
durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch 
die  Zumutbarkeit  der  Inanspruchnahme  des  Schutzes  im  Drittstaat  als 
unzutreffend  erweisen.  Es  ist  deshalb  zu  prüfen,  ob  die  asylsuchende 
Person  im Drittstaat Schutz  vor Verfolgung gefunden hat  oder  erlangen 
kann, und ­  falls dies zu bejahen  ist  ­ ob der asylsuchenden Person die 
Inanspruchnahme des Schutzes des Drittstaates und somit der Verbleib 
in diesem Staat  objektiv  zugemutet werden kann. Bei  dieser Abwägung 
bildet  die  besondere  Beziehungsnähe  der  asylsuchenden  Person  zur 
Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE 
E­8127/2008  vom  12. Mai  2011  E. 5.1,  EMARK  2004  Nr. 21  E. 4b.aa 
S. 139 f.).

5.3. Die Vorinstanz geht  im angefochtenen Entscheid offensichtlich vom 
Bestehen  einer  Gefährdungssituation  der  Beschwerdeführenden  2­5  im 
Heimatstaat aus, wird doch ausgeführt, die Schilderungen liessen darauf 
schliessen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers 1 ernstzunehmende 
Schwierigkeiten  mit  den  eritreischen  Behörden  habe.  Allerdings 
verweigert die Vorinstanz die Einreise und schliesst die Gewährung von 
Asyl aufgrund von Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG i.V.m. Art. 52 Abs. 2 AsylG 
aus.  Im  Folgenden  ist  damit  zunächst  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  zu 
Recht vom Vorliegen des Asylausschlussgrundes gemäss Art. 52   Abs. 2 
AsyG ausgegangen ist. 

5.4. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung vorerst zu Recht 
ausführt, sind im Rahmen des Asylausschlussgrundes von Art. 52 Abs. 2 
AsylG  "namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  und  zu  anderen 
Staaten …" in Betracht zu ziehen.

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5.5. Die Vorinstanz  legt  sodann  zunächst  ausführlich  dar, weshalb  trotz 
schwierigen Bedingungen  für eritreische Flüchtlinge  im Sudan nicht  von 
der Unzumutbarkeit  der  Schutzsuche  in  diesem Drittstaat  ausgegangen 
werden könne. Hingegen unterbleibt eine Abwägung mit einer allfälligen 
Beziehungsnähe  zur  Schweiz  entgegen  der  zuvor  dargelegten  Pflicht 
eben  dieser  Abwägung  vollständig.  Die  Vorinstanz  hat  es  damit 
unterlassen, seine Verfügung hinreichend zu begründen. 

5.6.  Im Weiteren  hat  die  Vorinstanz  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
nicht  vollständig  abgeklärt.  In  der  Praxis  erachtet  das 
Bundesverwaltungsgericht  bei  Sachverhalten,  in  welchen  Frauen  sich  ­ 
mit  oder  ohne  Kinder  ­  in  einem  Drittstaat  (meist  in  einem 
Flüchtlingslager)  ohne  erwachsene  nahe  Familienangehörige  oder 
weitere  volljährige  Verwandte  aufhalten,  und  die  deswegen  nicht  nur  in 
ökonomischer Hinsicht, sondern auch unter dem Aspekt der persönlichen 
Sicherheit  unter prekären Bedingungen  leben, den weiteren Verbleib  im 
Aufenthaltsstaat in der Regel als unzumutbar und weist das BFM an, die 
Einreisebewilligung zu erteilen, wenn diese ­  in der Regel  in der Person 
des  Ehemannes,  welcher  als  Flüchtling  anerkannt  ist  ­  über  eine 
besondere  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  verfügen  und  zu  keinem 
anderen  Staat  stärkere  Bezugspunkte  bestehen  als  zur  Schweiz  (vgl. 
etwa  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­4548/2009  vom 
18. Februar  2010  E. 6).  Im  Rahmen  seines  Asylverfahrens  hat  der 
Beschwerdeführer  1  vorgebracht,  er  sei  in  Khartum  von  einem  Cousin 
aufgenommen worden. Sein Cousin sei wohlhabend und habe ihm für die 
Weiterreise 1000 Dollar gegeben (vgl. Akten BFM A9/18 F 156 – F159). 
Im  vorliegenden  Verfahren wurde  dieser  persönliche  Anknüpfungspunkt 
auch nicht nur ansatzweise berücksichtigt.  Im Hinblick auf eine allfällige 
Beziehungsnähe  im  Drittstaat  Sudan  sind  aber  diesbezüglich  weitere 
Sachverhaltsabklärungen  und  die  Gewährung  des  entsprechenden 
rechtlichen  Gehörs  an  die  Beschwerdeführenden  von 
entscheidwesentlicher  Bedeutung.  Ein  reformatorischer  Entscheid  unter 
allfälliger  Heilung  der  mangelhaften  Sachverhaltsabklärung  und  nicht 
hinreichenden  Begründung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  bleibt  bei 
dieser  Sachlage  ausgeschlossen  Der  angefochtene  Entscheid  ist  zu 
kassieren  und  zur  Neubeurteilung  im  Sinne  dieser  Erwägungen  an  die 
Vorinstanz zurückzuweisen.

6. 
Im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG stellt sich sodann die Frage, ob den 
Beschwerdeführenden  2­5  für  das weitere Verfahren  die Einreise  in  die 

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Schweiz  zu  bewilligen  ist.  Die  von  den  Beschwerdeführenden  2­5 
vorgebrachte  Reflexverfolgung  kann  aufgrund  der  Aktenlage  nicht 
abschliessend beurteilt werden. Es ist  in diesem Zusammenhang jedoch 
in  Erwägung  zu  ziehen,  dass  sie  sich  seit  der  Ausreise  des 
Beschwerdeführers  1  aus  seinem Heimatland  im Mai  2008 weiterhin  in 
Eritrea  aufhalten.  Auch  wurden  seit  der  Einreichung  der  vorliegenden 
Beschwerde  vom 28.  Juli  2010  keine  hinreichenden Hinweise  gemacht, 
wonach sie sich weiterhin in unmittelbarer Gefahr, ernsthaften Nachteilen 
durch  die  eritreischen  Behörden  ausgesetzt  zu  sein,  befänden.  Im 
Schreiben  der  Beschwerdeführenden  vom  2. Mai  2011,  in welchem  sie 
sich nach dem Verfahrensstand erkundigten, wurde  lediglich angemerkt, 
der  Beschwerdeführer  1  mache  sich  grosse  Sorgen  um  seine  Familie. 
Auch wäre zu erwarten gewesen, dass sich die Beschwerdeführenden 2­
5 zumindest um eine Ausreise in einen Nachbarstaat Eritreas bemüht und 
dies aktenkundig gemacht hätten,  sollten  sie aktuell  einer unmittelbaren 
flüchtlingsrechtlich  relevanten  Gefahr  in  ihrem  Heimatstaat  ausgesetzt 
sein. Es scheint  ihnen unter Berücksichtigung der gesamten Umständen 
und  der  aktuellen  Aktenlage  demnach  zumutbar,  den  Entscheid  der 
Vorinstanz  in  Eritrea  abzuwarten,  zumal  sie  sich  dort  auf  das  Umfeld 
eines breiten familiären Beziehungsnetzes stützen können.

7. 
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 28. Juli 2010 im Sinne der 
vorstehenden  Erwägungen  gutzuheissen,  die  Verfügung  des  BFM  vom   
7. Juli 2010 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM 
zu überweisen.

8. 
8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 
(vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

8.2. Sodann  ist  den  vertretenen Beschwerdeführenden angesichts  ihres 
Obsiegens in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  eine 
Entschädigung  für  die  ihnen  notwendigerweise  erwachsenen 
Parteikosten  zuzusprechen.  Seitens  der  Rechtsvertretung  wurde  keine 
Kostennote  eingereicht.  Auf  die  Nachforderung  einer  solchen  wird 
indessen verzichtet   (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil der für den Ausgang 
des  vorliegenden  Verfahrens  (nur  teilweises  Obsiegen  durch  Kassation 
und  nicht  reformatorischer  Entscheid)  notwendige  Aufwand  zuverlässig 

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abgeschätzt  werden  kann  und  insofern  die  Beiordnung  eines 
unentgeltlichen  Rechtsbeistandes  nichts  zu  ändern  vermag.  Demnach 
wird die Parteientschädigung zu Lasten des BFM auf Grund der Akten auf 
pauschal Fr. 600.– (inklusive Auslagen) festgesetzt.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2. 
Die Verfügung des BFM vom 7. Juli 2010 wird aufgehoben und die Sache 
zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM überwiesen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  in  Höhe 
von Fr. 600.– (inklusive aller Auslagen) zu entrichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Christoph Berger

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