# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b9f128bc-adfa-5561-b35a-9f9e05d882fe
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-11-15
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 15.11.2011 U 2011 51
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2011-51_2011-11-15.pdf

## Full Text

U 11 51
1. Kammer 

URTEIL
vom 15. November 2011

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Verkehrsbeschränkung

1. a) Die … GmbH ist Eigentümerin der Liegenschaft … 8 in ... In dieser 

Liegenschaft betreibt sie das Bed & Breakfast „…“ (6 Gästezimmer). Im 

Erdgeschoss befinden sich zudem die Büroräumlichkeiten der Tourismus- 

und Eventmarketing Organisation …, welche 8 Mitarbeiter beschäftigt. Die … 

AG ist Eigentümerin der angrenzenden Liegenschaft … 10, in der das 

Restaurant … mit Gartenterrasse betrieben wird. Nach Angaben der … 

bestand seit Jahren das Problem, dass die Touristikbusse die zahlreichen 

…besucher mangels anderer Gelegenheit mitten in der Altstadt ein- und 

aussteigen liessen, was wegen der schmalen Strassenverhältnisse 

regelmässig zu Verkehrsblockaden geführt habe. Zudem seien die meist 

ausländischen – oft japanischen – Touristen teilweise orientierungslos durch 

die Altstadtstrassen gepilgert, weil ihnen ein Touristeninformationspunkt 

gefehlt habe. Aus diesem Grunde habe die Gemeindeversammlung vom 8. 

Dezember 2009 beschlossen, den Alten Werkhof umzugestalten und im 

Erdgeschoss eine Anlaufstelle für den Tourismus und öffentliche Toiletten zu 

schaffen. Inzwischen bestehe im Alten Werkhof eine touristische 

Informations- und Auskunftsstelle für die Region … (inkl. „…laden“) sowie ein 

„…-Museum“. In diesem Zusammenhang sei in unmittelbarer Nähe zum alten 

Werkhof an der …strasse und zwar auf der Höhe der beiden eingangs 

erwähnten Liegenschaften ein Ein- und Aussteigeplatz für einen Bus 

vorgesehen.

b) Am 17. Mai 2010 beschloss der … von …, versuchsweise bis zum 31. März 

2011 eine Verkehrsbeschränkung „Parkieren mit Parkscheibe, Signal 4.18, für 

Gesellschaftswagen (nur Ein- und Ausstieg maximal 10 Minuten) auf der 

…strasse einzuführen (Länge des Busparkplatzes 15 Meter). Die heutigen 

Beschwerdeführerinnen (… GmbH und … AG) erhoben schon damals 

Einsprache gegen dieses Vorhaben, das Einspracheverfahren wurde in der 

Folge aber für die Dauer des Probebetriebes sistiert. Nach Ablauf des 

Probebetriebes erneuerten die beiden Liegenschaftseigentümerinnen ihre 

Einsprache.

c) Am 18. April beschloss der … von …, die bereits versuchsweise eingeführte 

Verkehrsbeschränkung nun definitiv anzuordnen. Diese Anordnung wurde in 

der Folge im Kantonsamtsblatt publiziert. Mit Schreiben vom 26. April 2011 

teilte der … den Einsprecherinnen die Abweisung ihrer Einsprache mit.

2. Mit Eingabe vom 3. Juni 2011 erhoben die … GmbH und die … AG dagegen 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit dem 

Antrag um kostenfällige Aufhebung des angefochtenen …beschlusses. Der 

für das Ein- und Aussteigenlassen der Fahrgäste vorgesehene Parkplatz 

befinde sich entlang der …strasse ausgerechnet vor den einzigen 

ebenerdigen Geschäftsräumen (Büros) der … GmbH und dem 

Gartenrestaurant des ... Bis zum Bahnhof befinde sich kein anderer Betrieb, 

der durch die Gesellschaftswagen auch nur annähernd gleich gestört würde. 

Infolge der zeitlichen Beschränkung hielten sich die auf den Bus wartenden 

Fahrgäste unmittelbar vor den Büros und dem Gartenrestaurant auf, was mit 

Lärm verbunden sei. Sie besuchten auch nicht das Restaurant, allenfalls 

dessen Toiletten und sie versperrten ihren Kunden den Zugang. Die 

Chauffeure liessen den Motor regelmässig laufen, sei dies aus 

Bequemlichkeit oder um die Klimaanlage oder die Heizung in Gang zu halten. 

Die Mitarbeiter der … GmbH würden durch den Lärm des Motors und das 

Geschnatter der ein- und aussteigenden Touristen erheblich gestört. Ein 

normaler Telefonverkehr sei kaum mehr möglich. Die Mitarbeiter würden 

wegen der laufenden Motoren durch hohen Schadstoffausstoss und Lärm 

unnötig belästigt. Bei warmen Temperaturen im Sommer müssten die 

Bürofenster offen gehalten werden, da diese älteren Liegenschaften nicht 

klimatisiert seien. Schliesslich versperrten die abgestellten Cars den 

Einlenkern aus den Hofzufahrten die Einsicht in die Bahnhofstrasse. Die … 

habe sich nicht mit ihrer Einsprache auseinandergesetzt. Die Ablehnung der 

Einsprache sei im Schreiben der … vom 26. April 2011 auch nicht begründet 

worden. Es werde dort lediglich auf die Aussagen des Polizeiamtes 

verwiesen, wonach beim Versuchsbetrieb keine negativen Erfahrungen 

gemacht worden seien. Das möge aus verkehrspolizeilicher Sicht zutreffen, 

aber es sei falsch daraus abzuleiten, dass das öffentliche Interesse an der 

definitiven Einführung der Verkehrsbeschränkung überwiege. Es gebe 

mehrere Alternativstandorte, an denen der Busparkplatz angelegt werden 

könnte, ohne dass die Beschwerdeführerinnen übermässig belastet würden, 

nämlich auf dem grossen öffentlichen Parkplatz vor dem Alten Werkhof oder 

in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof oder an anderer Stelle entlang der 

Bahnhofstrasse. Gemäss Art. 3 Abs. 4 des eidgenössischen 

Strassenverkehrsgesetzes (SVG) könnten Beschränkungen oder 

Verkehrsanordnungen erlassen werden, soweit der Schutz der Bewohner 

oder gleichermassen Betroffener vor Lärm und Luftverschmutzung, die 

Sicherheit usw. dies erforderten. Es gehe aber nicht an, solche Anordnungen 

gegen die Interessen der vom Schutzweck Betroffenen zu richten. Hier sei 

auch klar der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzt. Nach Möglichkeit 

müssten solche Anordnungen so gewählt werden, dass die Beeinträchtigung 

für die Betroffenen möglichst gering sei. Diese Überlegung hätte vorliegend 

dazu führen müssen, den Busparkplatz an einen anderen Ort zu verlegen.

3. In ihrer Vernehmlassung beantragte die … kostenfällige Abweisung der 

Beschwerde. Die gesetzliche Grundlage für die getroffene Anordnung finde 

sich in Art. 3 Abs. 4 SVG, welcher auch die öffentlichen Interessen aufzähle, 

die eine Verkehrsbeschränkung rechtfertigten. Die Aufzählung sei im Übrigen 

nicht abschliessend, es werde vielmehr auch auf andere in den örtlichen 

Verhältnissen liegende Gründe verwiesen. Zu Unrecht bestritten die 

Beschwerdeführerinnen ein hinreichendes Interesse für den Car-Parkplatz für 

das Ein- und Aussteigenlassen der Besucher. Bis anhin hätten die Bus-

Chauffeure ihre Gäste jeweils mitten in der Altstadt ein- und aussteigen 

lassen, wodurch es immer wieder zu Verkehrsblockaden gekommen sei. Mit 

der Signalisation eines solchen Parkplatzes in der Nähe der Altstadt und der 

touristischen Informations- und Auskunftsstelle könnten solche 

Verkehrsprobleme vermieden werden, ebenfalls der unnötige Suchverkehr 

der Busse. Das Verhältnismässigkeitsprinzip sei nicht verletzt. In Frage sei 

nur ein Car-Parkplatz gekommen, der inklusive Zu- und Wegfahrtsradius rund 

35 Meter Platz biete (15 m für den eigentlichen Parkplatz plus je 10 m Ein- 

bzw. Ausfahrtsfläche). Wie aus Planbeilage 5 hervorgehe, bestünden an der 

Bahnhofstrasse insgesamt 4 Hofein- und -ausfahrten, so dass nur an der 

gewählten Stelle eine Fläche von 35 Metern frei sei. Es treffe auch nicht zu, 

dass sich an der Bahnhofstrasse keine anderen Betriebe befänden, die 

annähernd gleich gestört werden könnten. An der Bahnhofstrasse 16 befinde 

sich das Hotel/Restaurant Hirschen und an der Bahnhofstrasse 18 das 

Medizinische Zentrum Maienfeld. Der Vorplatz des Bahnhofes stehe nicht zur 

Verfügung, weil es der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) gehöre. Dort 

wäre zudem kein Platz, weil die vier der SBB gehörenden Parkplätze und der 

Postauto-Halteplatz vor dem Bahnhof sinnvoll seien. Eine Nutzung des 

Geländes des Alten Werkhofes als Ein- und Ausstiegsplatz sei vom 

kommunalen Gesetzgeber nicht gewollt. Die Umgestaltung des Alten 

Werkhofes sei im Jahre 2009 gemeindeintern eingehend diskutiert worden. 

Mehrheitlich habe sich dabei die Idee durchgesetzt, den Alten Werkhof vom 

Verkehr zu entlasten. Man habe den um den Brunnen bereits bestehenden 

gepflasterten Bereich ausweiten wollen, um dadurch eine Art Insel entstehen 

zu lassen, auf welcher das historisch bedeutsame, architektonisch sehr 

schöne und geschützte Gebäude noch mehr zur Geltung komme. Ein 

zusätzliches verkehrstechnisches Argument spreche gegen die Verwendung 

des Alten Werkhofes als Car-Parkplatz. Die Cars müssten nämlich zuerst auf 

der relativ engen Bahnhofstrasse in den Alten Werkhof und später in die noch 

engere Marktgasse einbiegen. Die Ein- und Ausfahrt beim Alten Werkhof 

seien je nur 6 Meter breit, so dass Cars mit ihrem grossen Wendekreis diese 

Stellen nur sehr langsam befahren könnten oder sogar jeweils zurücksetzen 

müssten. Das Verkehrskonzept beim Bahnhof sei so angelegt, dass der 

Verkehr auf der Bahnhofstrasse südwärts und auf der Marktgasse nordwärts 

zirkuliere. Das beschriebene mühsame und langsame Abzweigen und 

Einbiegen der Reisecars würde daher den Bahnhofverkehr behindern. Es 

treffe auch nicht zu, dass die Mitarbeiter der Beschwerdeführerinnen 

unzumutbaren Belästigungen ausgesetzt würden. Die Cars sowie die 

Touristen verblieben nur wenige Minuten beim Ein- und Ausstiegsplatz. Wer 

an einer belebten Strasse arbeite oder dort ein Restaurant betreibe, müsse 

mit etwas Lärm- und Abgasemissionen leben.

4. In ihrer Replik hielten die Beschwerdeführerinnen fest, dass die … direkt 

unterhalb des … über einen öffentlichen Parkplatz verfüge, der noch näher 

bei der Altstadt liege. Im Bereich des Bahnhofes an der Marktgasse weise 

sogar ein Verkehrsschild auf einen Busparkplatz entlang der Bahnlinie hin. 

Beim Zentrum „Lust“ befinde sich ebenfalls eine Parkierungsanlage. Es sei 

eine Frage der Gestaltung des Ein- und Ausfahrtsbereiches, ob auch die 

langen Cars beim Alten Werkhof von der Bahnhofstrasse her einfahren und 

bei der Marktgasse ausfahren könnten. Es gehe natürlich nicht an, diesen 

Bereich so zu umfrieden, dass tatsächlich zu wenig Platz für eine Ein- bzw. 

Ausfahrt bestehe. Die Bahnhofstrasse, der Vorplatz wie auch die Marktgasse 

seien genügend gross dimensioniert, um auf dem Vorplatz ein Einstiegs- und 

Ausstiegsplatz anzulegen. Auch Sicherheitsgründe sprächen für diese 

Lösung.

5. In ihrer Duplik brächten die Beschwerdeführerinnen neu den Parkplatz „…“ 

und einen Busparkplatz entlang der Bahnlinie ins Gespräch. Der Parkplatz 

„…“ liege ausserhalb der im Tourismus üblichen Fussdistanz zur Altstadt und 

sei zudem durch den für Cars viel zu schmalen …weg erschlossen. Die 

Planbeilage 8 zeige, dass nicht nur der …weg selber, sondern auch die 

Einfahrt in denselben am Bahnhofplatz viel zu eng sei. Deshalb sei dieser 

Weg auch mit einem Fahrverbot für Motorfahrzeuge und Motorräder belegt. 

Die … trage sich mit dem Gedanken, östlich der SBB-eigenen Autoparkplätze 

einen Car-Parkplatz einzurichten. Dieser Platz liege aber zu weit von der 

Altstadt entfernt. Zudem gelte es klar zu unterscheiden zwischen einem 

eigentlichen Car-Parkplatz und einem Ein- und Ausstiegsplatz wie der 

vorliegend zur Diskussion stehe.

6. Am 2. November 2011 führte das Verwaltungsgericht (1. Kammer) einen 

Augenschein durch, an welchem seitens der Vorinstanz deren 

Polizeifachchefin und deren Gemeindepolizist in Begleitung ihres 

Rechtsvertreters (RA …) sowie von Seiten der Beschwerdeführerinnen ihr 

gemeinsamer Rechtsvertreter (RA …) teilnahmen. Allen Anwesenden wurde 

dabei an insgesamt sieben verschiedenen Standorten in der näheren 

Bahnhofsumgebung zum touristen- und besucherträchtigen Informations- und 

Verkaufszentrum „…“ die Gelegenheit geboten, sich auch noch mündlich zur 

Sache bzw. zu möglichen Alternativstandorten für einen zeitlich beschränkten 

Busabstellplatz (Verweildauer max. 10 Minuten) zu äussern. Am Ende des 

Augenscheins bzw. der Ortsbegehung reichte RA … dem Gericht noch seine 

Honorarnote (Zwischenabrechnung) zu den Akten.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt ist der Entscheid des … vom 26. April 2011, worin dieser 

die versuchsweise eingeführte Verkehrsbeschränkung auf der 

Bahnhofstrasse zwecks Bereitstellung eines Kurzzeitabstellplatzes für 

Reisecars (maximal 10 Minuten Abstellzeit für Ein- und Aussteigenlassen der 

Fahrgäste/Bustouristen) für definitiv erklärte und die dagegen erhobene 

Einsprache der beiden Eigentümer der Liegenschaften an der Bahnhofstrasse 

8 und 10 (aktuell Beschwerdeführerinnen) abwies. Zu prüfen und zu 

entscheiden werden dabei hauptsächlich das Vorliegen eines hinreichenden 

öffentlichen Interesses an einem solchen Passagierumschlag-platz im Sinne 

von Art. 3 Abs. 4 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) sowie die 

Verhältnismässigkeit der angefochtenen Verkehrsanordnung für die 

unmittelbar davon betroffenen Strassenanlieger sein.  

2. a) In Art. 3 SVG sind die Befugnisse der Kantone und Gemeinden im Einzelnen 

wie folgt geregelt:

1Die kantonale Strassenhoheit bleibt im Rahmen des Bundesrechts gewahrt. 
2Die Kantone sind befugt, für bestimmte Strassen Fahrverbote, 
Verkehrsbeschränkungen und Anordnungen zur Regelung des Verkehrs zu 
erlassen. Sie können diese Befugnis den Gemeinden übertragen unter 
Vorbehalt der Beschwerde an eine kantonale Behörde.  
3Der Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr kann auf Strassen, die nicht dem 
allgemeinen Durchgangsverkehr geöffnet sind, vollständig untersagt oder 

zeitlich beschränkt werden; Fahrten im Dienste des Bundes bleiben jedoch 
gestattet. 
4Andere Beschränkungen oder Anordnungen können erlassen werden, soweit 
der Schutz der Bewohner oder gleichermassen Betroffener vor Lärm und 
Luftverschmutzung, die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen 
mit Behinderungen, die Sicherheit, die Erleichterung oder die Regelung des 
Verkehrs, der Schutz der Strasse oder andere in den örtlichen Verhältnissen 
liegende Gründe dies erfordern. Aus solchen Gründen können insbesondere 
in Wohnquartieren der Verkehr beschränkt und das Parkieren besonders 
geregelt werden. Die Gemeinden sind zur Beschwerde berechtigt, wenn 
Verkehrsmassnahmen auf ihrem Gebiet angeordnet werden. 

Bei den gestützt auf Art. 3 Abs. 4 SVG erlassenen Anordnungen handelt es 

sich um sog. „funktionelle Verkehrsbeschränkungen“. Die zuständigen 

Behörden besitzen bei ihrer Anwendung einen erheblichen 

Gestaltungsspielraum. Zur Frage, ob eine konkrete Massnahme im 

öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist, auferlegt sich das 

Bundesgericht mit Blick auf die örtlichen Verhältnisse und in Anbetracht 

komplexer Interessensabwägungen grosse Zurückhaltung (BGer 

1C_323/2010 vom 4. November 2010 Erw. 4.2; 1C_261/2008 vom 29. Januar 

2009 Erw. 5 und 2A.70/2007 vom 9. November 2007 Erw. 3.2; vgl. Philipp 

Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 

2011, zu Art. 3 SVG Rz. 11 S. 14). Massnahmen nach Art. 3 Abs. 4 SVG 

können sowohl den Fahrverkehr als auch den ruhenden Verkehr betreffen (so 

speziell auch die Regelung des Parkierens auf öffentlichen Strassen; BGE 98 

IV 264 Erw. 4 m.H.; BGer 2A.194/2006 vom 3. November 2006 Erw. 1.1).

b) Was das öffentliche Interesse an einem Passierumschlagsplatz in der 

betreffenden … betrifft, so kann ein solches - bei objektiver 

Betrachtungsweise – wohl nicht ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Die 

besagte Gemeinde ist wegen der …geschichte ein weltweit bekannter 

Anziehungspunkt für Touristen, so dass es sicherlich zutrifft, dass immer 

Reisecars dorthin fahren und dort ihre Passagiere für eine Besichtigung der 

… und den Besuch der touristischen Einrichtungen ausladen. Aus diesem 

Grunde wurde der „Alte Werkhof“ im unteren Dorfteil in der Nähe des 

ebenerdigen Bahnhofareals im Jahre 2009 auch eigens umgestaltet und einer 

neuen Zweckverwendung im Interesse der Touristen und Gäste aus aller Welt 

(Errichtung und Betrieb eines Informations- und Verkaufsladens im 

Zusammenhang mit den „…“ von … […]) zugeführt. Die Strassen- und 

Parkierungsverhältnisse innerhalb der Altstadt (mit Zentrum: …; … usw.) sind 

bekanntermassen äusserst eng und spärlich, so dass das wilde bzw. 

unkontrollierte Aus- und Einsteigenlassen der Buspassagiere im räumlich 

dicht besiedelten Altstadtkern häufig unweigerlich zu gravierenden und für alle 

Beteiligten immer mehr zu sehr lästigen und auch gefährlichen 

Verkehrsproblemen führte. Das grundsätzliche Bedürfnis für einen 

verkehrstechnisch sichereren Aus- und Einsteigplatz für die sich zeitlich 

jeweils (meistens) nur sehr kurz in der … aufhaltenden Buspassagiere in der 

Nähe der Altstadt sowie insbesondere der neu geschaffenen, 

besucherträchtigen Informations- und Auskunftsstelle im Gebäude „Alter 

Werkhof“ mit …verkaufsladen und einem „…-Museum„ ist demnach klar 

ausgewiesen. Die angeordnete, funktionelle Verkehrsbeschränkung ist daher 

hier auch von Art. 3 Abs. 4 SVG gedeckt und angesichts des eindeutig 

ausgewiesenen öffentlichen Interesses rechtmässig.   

3. a) Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit eines staatlichen Eingriffs in die 

Rechtsstellung seiner Bürger verlangt, dass die Verwaltungsmassnahmen zur 

Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und 

notwendig sind. Ausserdem muss der angestrebte Zweck mit einem 

vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die den Privaten auferlegt 

werden (vgl. BGE 136 I 26 ff.; 135 I 215 und 246; 132 I 191; 130 I 19 ff.; 130 

II 438 ff.; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., 

Zürich/St.Gallen 2010, § 10 Rz. 581 S. 133; Häfelin/Haller/ Keller, 

Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2008, § 9 Rz. 

320-323 S. 97-99). Die Frage der Verhältnismässigkeit (mit den Teilgehalten: 

Eignung [Geeignetheit], Erforderlichkeit [geringstmöglicher Eingriff] und 

Verhältnismässigkeit von Eingriffszweck und Eingriffswirkung [Abwägung von 

öffentlichen und betroffenen privaten Interessen]) einer Verkehrsmassnahme 

stellt sich aber nur, wenn an ihr überhaupt ein zulässiges öffentliches 

Interesse – wie oben unter Erw. 2b) schon bejaht – besteht. Erst dann ist zu 

prüfen, ob sie das geeignete und erforderliche Mittel ist, um dieses Interesse 

zu verwirklichen, und ob die dadurch bewirkte Freiheits- respektive 

Eigentumsbeschränkung nicht in einem Missverhältnis zum angestrebten 

Zweck steht.

b) Zur Beurteilung der strittigen Frage, ob der gewählte Abstellstandort (blau 

markiertes Car-Parkfeld auf Bahnhofstrasse; Parkplatzlänge 15 m; Parkzeit 

höchstens 10 Minuten) einer Verhältnismässigkeitsprüfung standhält, führte 

das Gericht am 2. November 2011 eigens einen Augenschein vor Ort (Höhe 

Liegenschaften der Beschwerdeführerinnen) mit einer kurzen Begehung rund 

um das nahe Bahnhofareal (zur Besichtigung möglicher Alternativstandorte; 

vgl. Protokoll) durch. In Würdigung der angetroffenen Verkehrssituation, der 

verschiedenen Argumente der Parteien anlässlich der Begehung sowie der 

bestehenden Zu- und Ausfahrten im Bereich des „Alten Werkhofes“ samt 

Vorplatz mit Baum und Personenwagen-Parkplätzen ist das Gericht zur 

Überzeugung gelangt, dass hier das Verhältnismässigkeitsprinzip durch die 

Vorinstanz bei deren Standortwahl entlang der Bahnhofstrasse nicht 

missachtet oder gar verletzt wurde. Zunächst gilt es dazu festzuhalten, dass 

es hier nicht um die Anlegung eines eigentlichen Car-Parkplatzes geht, 

sondern um einen Kurzzeitabstellplatz für Reisecars mit dem Zweck, die 

Passagiere dort ein- und aussteigen zu lassen. Die zeitliche Belastung darf 

angesichts der Parkfeldnutzung in der Grössenordnung von 1-3 Reisecars pro 

Tag also noch als überschaubar und angesichts der daraus zu erwartenden 

Lärm- und Luftemissionen für die umliegenden Liegenschaften als noch 

zumutbar eingestuft werden. Dem ist umso mehr zuzustimmen, als die An- 

und Wegfahrten zu den üblichen Büro- und Geschäftszeiten während des 

Tages und nicht zur Unzeit in der Nacht erfolgen, zumal das Informations- und 

Verkaufszentrums im „Alten Werkhof“ lediglich zu den gängigen 

Betriebszeiten geöffnet hat. Hinzu kommt, dass die einzige Parkfeldreihe auf 

dem Vorplatz zum „Alten Werkhof“ nur für Personenwagen reserviert ist, die 

nachweislich bedeutend weniger Platz zum Parkieren und Manövrieren 

benötigen als die grossen, modernen Reisecars (nach Euronormen) der 

ausländischen …besucher. Die verfügbaren PW-Parkplätze auf dem Vorplatz 

werden zudem heute nicht zuletzt auch von den Gästen und Klienten der 

Beschwerdeführerinnen genutzt, weshalb sich deren Aufhebung (nebst der 

verschärften Verkehrsprobleme beim Einfahrtsbereich zum Vorplatz ab 

Bahnhofstrasse bzw. beim Ausfahrtsbereich in die schmale Marktgasse) wohl 

auch nachteilig auf die Beschwerdeführerinnen auswirken würde. Unter 

diesen Gesichtspunkten erscheint die bloss kurzfristige Duldung eines 

einzigen Reisecars auf einmal auf der blau markierten Strassenfläche vor dem 

Trottoir zu den Liegenschaften der Beschwerdeführerin jedoch die 

Geeignetste und die mit dem geringstmöglichen Eingriff verbundene 

Verkehrsmassnahme zu sein, um eine möglichst vernünftige und einfache 

Besucherlösung für alle übrigen Dorfeinwohner sicherzustellen. Daran 

vermögen die im Zuge der Ortsbegehung rund um das nahe Bahnhofareal 

vorgeschlagenen Alternativstandorte der Beschwerdeführerinnen nichts zu 

ändern, da diese Alternativen entweder klar schlechtere Zu- und 

Ausfahrtsverhältnisse entlang der Bahnhofstrasse bzw. zum Zentrum „Lust“ 

aufweisen, beim SBB-Bahnhof bereits eigene Betriebsanlagen (Kiosk; 

Bahngüterschuppen; Veloständer usw.) vorhanden sind und sonst die der 

Gemeinde gehörenden Parkplätze entlang der Bahngeleise viel zu weit 

entfernt (ca. 150 Meter in östlicher Richtung ab Bahnhof) vom 

Informationszentrum „Alter Werkhof“ liegen. Die vom Bahnhof zum „Alten 

Werkhof“ (zurück-)führende Marktgasse ist sodann viel zu schmal, als dass 

auf ihr ein solcher „Kurzabstellplatz“ für die bis zu 3.20 Meter breiten 

Eurobusse errichtet und gefahrlos betrieben werden könnte. Die vom Gericht 

vorgenommene Güterabwägung zwischen Eingriffszweck und 

Eingriffswirkung der angeordneten Verkehrseinschränkung hat deshalb 

zweifelsfrei ergeben, dass die öffentlichen Interessen am ausgeschiedenen 

Standort auf der breiten Bahnhofstrasse in unmittelbarer Nähe zum 

Informationszentrum und Verkaufsladen „…“ (Distanz ca. 50 Meter) deutlich 

höher zu gewichten sind als die rein privaten Interessen der erwähnten 

Liegenschaftsbesitzer am Erhalt ihrer bisherigen Verkehrssituation mit 

ausschliesslich vorbeifahrenden Motorfahrzeugen, ohne ruhenden und damit 

an sich „störungsfreien“ Reisecarverkehr auf der räumlich angrenzenden 

Bahnhofstrasse.   

4. a) Der angefochtene [definitive] Entscheid der Vorinstanz vom 26. April 2011 

erweist sich damit in jeder Beziehung als rechtens und verhältnismässig, was 

im Resultat zur Abweisung der Beschwerde vom 3. Juni 2011 führt.  

b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf Art. 

73 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG) – unter solidarischer 

Haftung auf das Ganze – je zur Hälfte den beiden Beschwerdeführerinnen 

aufzuerlegen. Eine aussergerichtliche Entschädigung steht der anwaltlich 

vertretenen Beschwerdegegnerin (Vorinstanz) laut Art. 78 Abs. 2 VRG nicht 

zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegte.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 2'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 284.--

zusammen Fr. 2'284.--

gehen solidarisch je zur Hälfte zulasten der … GmbH sowie der … AG und 

sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die 

Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.