# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6575b282-8b00-5c26-98e1-4e5e8609505b
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-10
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Appellationsgericht 10.11.2022 VD.2022.117 (AG.2022.700)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_APG_001_VD-2022-117_2022-11-10.html

## Full Text

Appellationsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

  als Verwaltungsgericht

  Dreiergericht

  

 

VD.2022.117

 

URTEIL

 

vom 10. November 2022

 

 

Mitwirkende

 

Dr. Stephan Wullschleger, Prof. Dr. Daniela Thurnherr,

lic. iur. Mia Fuchs und Gerichtsschreiberin MLaw Marion Wüthrich

 

 

 

Beteiligte

 

A____                                                                                       Rekurrentin

[...]

 

B____                                                                                          Rekurrent

[...]

 

beide vertreten durch [...], Advokat,

[...]

 

gegen

 

Migrationsamt Basel-Stadt

Spiegelgasse 12, 4051 Basel

 

 

Gegenstand

 

Rekurs gegen einen Entscheid
des Justiz- und Sicherheitsdepartements

vom 28. Februar 2022

 

betreffend Familiennachzug und
Wegweisung

 

Sachverhalt

 

B____ von Simbabwe (geboren am [...] 1978; nachfolgend: Rekurrent) reiste am
1. November 2007 in die Schweiz ein. Nach seinem Umzug in den Kanton
Basel-Stadt stellte der Rekurrent ein Gesuch um Familiennachzug für seine
Ehefrau C____ (geboren am [...] 1982), mit welcher er seit dem 11. April
2003 verheiratet ist, und die beiden Kinder A____ (geboren am [...] 2002) und D____
(geboren am [...] 2008). Nach erfolgter Bewilligung reisten die Ehefrau und die
beiden Kinder am 20. November 2008 in die Schweiz ein und erhielten gleichentags
eine Aufenthaltsbewilligung. Am [...] 2010 beziehungsweise [...] 2018 wurden
der Rekurrent und seine Ehefrau Eltern ihrer weiteren gemeinsamen Kinder E____
und F____. Die Tochter A____ wurde am 1. März 2016 aus der Schweiz abgemeldet
und als neue Wohnadresse die G____ High School in Simbabwe angegeben. Der
Rekurrent, seine Ehefrau und die drei in der Schweiz verbliebenen Kinder
erhielten am 13. September 2018 die Niederlassungsbewilligung.

 

Am 9. Oktober 2019 stellten der Rekurrent und
seine Ehefrau ein erneutes Gesuch um Familiennachzug für ihre Tochter A____
beim Migrationsamt des Bereichs Bevölkerungsdienste und Migration (nachfolgend:
Bereich BdM). In der Folge reiste die Tochter am 23. November 2019 nach Basel.
Nach weiteren Abklärungen und der Gewährung des rechtlichen Gehörs lehnte der
Bereich BdM das Gesuch um Familiennachzug für die Tochter A____ (nachfolgend:
Rekurrentin) mit Verfügung vom 22. Oktober 2021 ab und wies die Tochter mit
einer Ausreisefrist bis zum 12. November 2021 aus der Schweiz weg. Den gegen
die Abweisung des Familiennachzugsbegehrens erhobenen Rekurs wies das Justiz-
und Sicherheitsdepartement mit Entscheid vom 28. Februar 2022 kostenfällig
ab.

 

Gegen diesen Entscheid richtet sich der am 11. März 2022
erhobene und am 17. Mai 2022 begründete Rekurs der Rekurrierenden an den Regierungsrat.
Mit ihrem Rekurs beantragen die Rekurrierenden die vollumfängliche, kosten- und
entschädigungsfällige Aufhebung des Entscheids des Justiz- und
Sicherheitsdepartements des Kantons Basel-Stadt vom 28. Februar 2022 und die
Feststellung, dass der Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung der Rekurrentin
nie erloschen beziehungsweise ihr eine Aufenthaltsbewilligung auszustellen sei.
Eventualiter beantragen sie, es sei dem Rekurrenten der Familiennachzug zu
Gunsten der Rekurrentin aufgrund des Vorliegens wichtiger familiärer Gründe zu
bewilligen und ihr eine Aufenthaltsbewilligung auszustellen. Subeventualiter beantragen
sie die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an das Justiz- und
Sicherheitsdepartement. Diesen Rekurs überwies der Regierungspräsident mit
Schreiben vom 2. Juni 2022 dem Verwaltungsgericht zum Entscheid. Das Justiz-
und Sicherheitsdepartement verzichtet mit Eingabe vom 9. August 2022 auf
eine Vernehmlassung und beantragt unter Verweis auf den angefochtenen Entscheid
die kostenfällige Abweisung des Rekurses. Zudem edierte es die Vorakten. Die weiteren
Tatsachen und Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben sich, soweit sie für
das Urteil von Bedeutung sind, aus dem angefochtenen Entscheid und den
nachfolgenden Erwägungen. Das Urteil erging auf dem Zirkulationsweg.

 

 

Erwägungen

 

1.

1.1      Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur
Beurteilung des vorliegenden Rekurses ergibt sich aus dem Überweisungsschreiben
des Regierungspräsidenten vom 2. Juni 2022 sowie aus § 42 des Organisationsgesetzes
(OG, SG 153.100) in Verbindung mit § 12 des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRPG, SG 270.100). Zuständig ist das
Dreiergericht (§ 92 Abs. 1 Ziff. 11 [GOG, SG 154.100]). Die Rekurrierenden sind
als Adressaten des Entscheides von diesem unmittelbar berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Abänderung. Sie sind deshalb
gemäss § 13 Abs. 1 VRPG zum Rekurs legitimiert. Auf
ihren frist- und formgerecht erhobenen Rekurs ist einzutreten.

 

1.2

1.2.1   Für
das Verfahren gelten die Bestimmungen des VRPG. Die Kognition des
Verwaltungsgerichts richtet sich nach der allgemeinen Bestimmung von § 8 VRPG.
Demnach prüft das Gericht insbesondere, ob die Vorinstanz das öffentliche Recht
nicht oder nicht richtig angewandt, den Sachverhalt unrichtig festgestellt,
wesentliche Form- oder Verfahrensvorschriften verletzt oder von dem ihr
zustehenden Ermessen einen unzulässigen Gebrauch gemacht hat. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung und in Anwendung von Art. 110 des Bundesgerichtsgesetzes
(BGG, SR 173.110) sind bei der Prüfung der
materiellen Rechtmässigkeit eines ausländerrechtlichen Entscheids durch das
kantonale Gericht die tatsächlichen Verhältnisse massgebend, wie sie im
Zeitpunkt des Gerichtsentscheids vorherrschen (vgl. BGE 127 II 60 E. 1b S. 63;
BGer 2C_42/2011 vom 23. August 2012 E. 5.3; VGE VD.2019.75 vom 26. Juni 2019 E.
1.3, VD.2015.240 vom 19. September 2016 E. 1.2).
Noven sind deshalb in diesem Fall zulässig, obwohl das Verwaltungsgericht nach
kantonalem Recht grundsätzlich bloss eine nachträgliche Verwaltungskontrolle
ausübt (VGE VD.2017.168 vom 9. Februar 2018 E. 1.2, VD.2016.52 vom 5. Februar 2017 E. 1.2, VD.2015.241
vom 21. September 2016 E. 1).

 

1.2.2   Dabei
gilt im verwaltungsgerichtlichen Rekursverfahren das Rügeprinzip. Das Gericht
prüft einen angefochtenen Entscheid gestützt auf die Begründungsobliegenheit
gemäss § 16 Abs. 2 Satz 1 VRPG nicht von sich aus unter allen in Frage
kommenden Aspekten, sondern untersucht nur die rechtzeitig vorgebrachten
konkreten Beanstandungen. Die rekurrierende Partei hat ihren Standpunkt
substantiiert vorzutragen und sich mit den Erwägungen im angefochtenen
Entscheid auseinanderzusetzen (Wullschleger/Schröder, Praktische Fragen des
Verwaltungsprozesses im Kanton Basel-Stadt, in: BJM 2005 S. 277 ff., 305; Stamm,
Die Verwaltungsgerichtsbarkeit, in: Buser [Hrsg.], Neues Handbuch des Staats-
und Verwaltungsrechts des Kantons Basel-Stadt, 2008, S. 477 ff., 504; VGE VD.2016.66
vom 20. Juni 2016 E. 1.3; zum Ganzen VGE VD.2019.239 vom 28. Januar 2020).

 

1.3      Das
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) wurde am
16. Dezember 2016 revidiert. Dabei wurde das Gesetz in Bundesgesetz über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) umbenannt. Nachdem einige
geänderte Bestimmungen bereits am 1. Januar 2018 in Kraft getreten waren,
traten die übrigen geänderten Bestimmungen einschliesslich des geänderten
Titels am 1. Januar 2019 in Kraft. Das vorliegend zu beurteilende
Familiennachzugsgesuch datiert vom 2. Oktober 2019 (Eingangsstempel vom 9.
Oktober 2019; act. 10 S. 119 ff.). Es ist daher mit den Vorinstanzen nach dem neuen
Recht zu beurteilen (vgl. VGE VD.2020.2 vom 8. April 2020,
mit Hinweis auf BGer 2C_478/2010 vom 17. November
2010 E. 1, 2C_837/2009 vom 27. Mai 2010 E. 1, 2C_663/2009 vom 23. Februar
2010 E. 1, 2C_745/2008 vom 24. Februar 2009 E. 1.2.4).

 

2.

Mit ihrem
Hauptstandpunkt halten die Rekurrierenden daran fest, dass die Rekurrentin
während ihres Auslandsaufenthalts vom 1. März 2016 bis zum 23.
November 2019 zum Besuch der G____ High School in Simbabwe
ihre Aufenthaltsbewilligung nicht verloren hat. 

 

2.1      Wie die
Vorinstanz diesbezüglich in rechtlicher Hinsicht erwogen hat, erlöscht die
Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 61 AIG durch Abmeldung ins Ausland (Art. 61
Abs. 1 lit. a AIG), mit Ablauf der Gültigkeitsdauer der Bewilligung (Art. 61
Abs. 1 lit. c AIG) oder wenn die Ausländerin oder der Ausländer, ohne sich
abzumelden, die Schweiz für mehr als sechs Monate verlassen hat (Art. 61 Abs. 2
AIG). Art. 79 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE, SR 142.201) präzisiere
diesbezüglich, dass die Frist von sechs Monaten Auslandaufenthalt im Sinne von
Art. 61 Abs. 2 AIG durch vorübergehende Tourismus-, Besuchs- oder Geschäftsaufenthalte
nicht unterbrochen werde. Es sei grundsätzlich unerheblich, auf welchen Gründen
der Auslandaufenthalt beruhe. Die Bewilligung erlösche praxisgemäss unabhängig
von den Ursachen, Motiven oder Absichten der betroffenen Person im Zusammenhang
mit ihrer Landesabwesenheit (BGer 2C_691/2017 vom 18. Januar 2018 E. 3.1, 2C_609/2011
vom 3. April 2012 E. 3.2). Die Vorinstanz schloss daraus, bei Ablauf der
sechsmonatigen Frist liege ein zwingender Untergangsgrund vor. Es spiele dabei
keine Rolle, ob die rechtzeitige Rückkehr in die Schweiz freiwillig oder
unfreiwillig unterblieben sei, ob die ausländische Person ihren Lebensmittelpunkt
verlegt habe beziehungsweise habe verlegen wollen oder von Beginn an vorgesehen
habe, in die Schweiz zurückzukehren (BGer 2C_691/2017 vom 18. Januar 2018 E.
3.1, mit weiteren Hinweisen). Auch Kinder, die wegen Schulbesuchs im Ausland
weilten und damit den zivilrechtlichen Wohnsitz der Eltern als
Lebensmittelpunkt in der Schweiz beibehielten, verlören grundsätzlich ihre
Bewilligung, wenn sie sich länger als sechs Monate ununterbrochen im Ausland
aufgehalten hätten (Urteil des Verwaltungsgerichts St. Gallen B 2018/86 vom 24.
Januar 2019 E. 5.1). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung könne die Niederlassungsbewilligung
bei ausländischen Kindern jedoch fortbestehen, wenn sie in der Heimat eine
Ausbildung abschliessen, jeweils vor Ablauf der Frist von sechs Monaten in die
Schweiz zurückkehrten und ihre ganzen Schulferien hier bei den Eltern verbringen
würden. Dies gelte jedenfalls dann, soweit die Ausbildung nicht unsachgemäss
lange dauere (BGer 2C_691/2017 vom 18. Januar 2018 E. 3.2). Es könne offenbleiben,
ob diese Rechtsprechung auch auf Kinder mit Aufenthaltsbewilligung übertragen
werden könne, da die Rekurrentin die genannten Voraussetzungen nicht erfülle.
Sie habe sich am 1. März 2016 von der Schweiz abgemeldet, womit ihre
Aufenthaltsbewilligung grundsätzlich erloschen sei. Auch ohne Abmeldung wäre
ihre Aufenthaltsbewilligung erloschen, da sie nach ihrer Ausreise nach Simbabwe
erst am 9. Dezember 2016 nach einem neunmonatigen Auslandsaufenthalt für fünf
Wochen in die Schweiz zurückgekehrt sei. Zudem habe sie nach ihrem
Ferienaufenthalt in der Schweiz vom 9. Dezember 2016 bis zum 13. Januar 2017
auch nicht sämtliche Schulferien in der Schweiz verbracht. Gemäss den
unbelegten Angaben der Rekurrierenden sei sie erst ein Jahr später am 11.
Dezember 2017 erneut in die Schweiz eingereist und hier bis zum 4. Januar 2018 verblieben.
Sie hätten zudem bestätigt, dass die Rekurrentin ihre Schulferien nicht nur in
der Schweiz, sondern auch in Simbabwe verbracht habe.

 

2.2      Dem halten
die Rekurrierenden entgegen, dass nach der zu Art. 9 Abs. 3 lit. c des früheren
Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG)
entwickelten Rechtsprechung junge Ausländerinnen und Ausländer, die sich zwecks
Ausbildung während einiger Jahre im Ausland befunden hätten, ihre
Aufenthaltsbewilligung behalten hätten, sofern sich ihr Lebensmittelpunkt
weiterhin in der Schweiz befunden habe. Diese Rechtsprechung sei auch unter dem
neuen Ausländergesetz fortzuführen (Rekursbegründung E. 13, mit Hinweis auf
BGer 2C_1224/2012, E. 2.1; Weisung Migrationsamt Kanton Zürich, Erlöschen der
Bewilligung, 25. Januar 2019, Ziff. 4.4 S. 5). Minderjährige und unter
elterlicher Sorge stehende Kinder hätten ihren zivilrechtlichen Wohnsitz regelmässig
bei den Eltern. Dies gelte erst recht, wenn die Eltern auch während des
Auslandsaufenthalts die erzieherische Gewalt ausübten, insbesondere die
Betreuung und Obhut des Kindes regelten und überwachten sowie für ihren
Lebensunterhalt aufkommen würden (Rekursbegründung E. 14, mit Hinweis auf BGer
2A.66/2000 vom 26. Juli 2000; Weisung Migrationsamt Kanton Zürich Erlöschen der
Bewilligung, 25. Januar 2019, Ziff. 4.4 S. 5). Für den Weiterbestand der
Aufenthaltsbewilligung der minderjährigen Jugendlichen müssten die
Voraussetzungen des Schulbesuchs im Ausland, des Beginns der Ausbildung mit
spätestens 18 Jahren, einer Ausbildungsdauer von maximal vier Jahren sowie fristgerechter
periodischer Aufenthalte bei den Eltern in der Schweiz während der Schulferien
kumulativ erfüllt sein (vgl. Weisung Migrationsamt Kanton Zürich, Erlöschen der
Bewilligung, 15. Dezember 2021, Ziff. 4.4 S. 6). Vorliegend habe die Rekurrentin
nach Gewährung des Familiennachzugs am 20. November 2008 eine
Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz erhalten. Von März 2016 bis November 2019
habe sie die G____ High School in Simbabwe besucht. Bei Beginn dieser
dreieinhalbjährigen Ausbildung sei sie 14 Jahre und bei Austritt 17 Jahre alt
gewesen. Sie sei während ihrer Schulferien beziehungsweise vom 9. Dezember 2016
bis 13. Januar 2017 und vom 11. Dezember 2017 bis 4. Januar 2018 nach Basel
gereist. Zudem sei sie vom 23. Oktober bis 26. November 2018 von ihrer
Mutter und vom 19. April bis 5. Mai 2019 vom Rekurrenten in Simbabwe
besucht worden. Sie habe während ihrem Auslandsaufenthalt mehrmals wöchentlich
Kontakt mit ihren Eltern und Geschwistern gehabt und diese jedes Jahr während
mehrerer Wochen gesehen. Die Kommunikation innerhalb der Familie habe mehrheitlich
auf Deutsch stattgefunden. Am 23. November 2019 sei sie nach Absolvierung der
Highschool zurück in die Schweiz gereist und lebe seither wieder in Basel bei
ihrer Familie. Die Voraussetzungen für einen Weiterbestand der
Aufenthaltsbewilligung seien daher offensichtlich erfüllt, weshalb diese
richtigerweise jährlich hätte verlängert werden müssen. Auch mit Blick auf die
entsprechende Rechtsauskunft des Migrationsamts, zu der sie persönlich zu
befragen sei, habe die Rekurrentin darauf vertrauen dürfen, dass ihr
Auslandsaufenthalt nicht zu einem Verlust der Aufenthaltsbewilligung führe. Da
die Rekurrentin bereits in der Schweiz integriert gewesen sei, sei die
Voraussetzung des Ferienaufenthalts in der Schweiz bei der Prüfung des
Weiterbestehens der Aufenthaltsbewilligung weniger stark zu gewichten.
Häufigere Aufenthalte in der Schweiz seien auch aus finanziellen Gründen nicht
möglich gewesen. Ihr Ferienaufenthalt vom 11. Dezember 2017 bis zum 4. Januar
2018 sei entgegen der Behauptung der Vorinstanz mit den entsprechenden
Flugtickets ([...], Simbabwe – Frankfurt) in den Akten belegt (Rekursbegründung
E. 18).

 

2.3      Vorliegend haben die Eltern die
Rekurrentin bei ihrer Ausreise zum Eintritt in das Internat der G____ High
School in Simbabwe per 1. März 2016 abgemeldet. Mit dieser Abmeldung der
Rekurrentin erlosch ihre Aufenthaltsbewilligung. Darüber hinaus ist auch unbestritten,
dass sich die Rekurrentin vom 1. März 2016 bis zum 23. November 2019 mehrfach
während einer Dauer von über sechs Monaten ununterbrochen im Ausland
aufgehalten hat, sodass vor diesem Hintergrund offenbleiben kann, ob ihre
vorübergehenden Besuchsaufenthalte in der Schweiz den Aufenthalt im Ausland
haben unterbrechen können. Die Rekurrentin hat daher beide formalen Kriterien
für das Erlöschen ihrer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 61 Abs. 1
lit. a und Abs. 2 AIG erfüllt (BGE 145 II 322 E. 2.3 S. 325 f.). Soweit sich
die Rekurrierenden auf einen in der Schweiz verbliebenen Wohnsitz der
Rekurrentin beziehen, ist darauf für die Frage des Fortbestehens ihrer
Aufenthaltsbewilligung nicht abzustellen. Für die Beurteilung, ob die
Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines Auslandaufenthalts erloschen ist, kann
der Wohnsitz nur in Verbindung mit der physischen Anwesenheit in der Schweiz bedeutsam
sein (vgl. BGE 145 II 322 E. 2.4 S. 326).

 

Entgegen der Auffassung der Rekurrierenden
ergibt sich auch aus Literatur und Rechtsprechung zu ausbildungsbezogenen
Auslandaufenthalten von Kindern und Jugendlichen nichts anderes. In der
Literatur wird unter Bezugnahme auf die «bisherige Praxis» von dieser Ausgangslage eine Ausnahme für Jugendliche und junge
Erwachsene, die im Ausland eine Ausbildung absolvieren, postuliert (Spescha in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de
Weck [Hrsg.] Kommentar Migrationsrecht, 5. Auflage, Zürich 2019, Art. 61 AIG N 6).
Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass sich diese nur auf die
Niederlassungsbewilligung bezogen haben konnte, während die
Aufenthaltsbewilligung mit der Aufgabe des Aufenthalts in der Schweiz sofort
erlosch (Art. 9 Abs. 1 lit. c ANAG; Hunziker,
in: Caroni/Gächter/Thurnherr, Stämpflis Handkommentar AuG, Bern 2010, Art. 61 N
18). Die Stellungnahme erscheint jedoch auch darüber hinaus zu pauschal. Kinder
mit Niederlassungsbewilligung, die sich zu Ausbildungszwecken in ihr Heimatland
begeben, verloren nach der Praxis zum alten Recht ihre Bewilligung dann nicht,
wenn sie «wenigstens die Schulferien in der Schweiz» verbracht haben und «sich nie länger als sechs Monate
ununterbrochen im Ausland» aufgehalten haben (Zünd/Arquint Hill, in:
Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, § 8.9; Hunziker, a.a.O., Art. 61 N 23, Caroni/Scheibler/Preisig/Zoeteweji,
Migrationsrecht, 4. Auflage, Bern 2018, S. 240). Die Niederlassungsbewilligung
von Kindern, welche nach vorgängigem Aufenthalt in der Schweiz in ihrer Heimat
eingeschult werden, dort während sieben bis knapp elf Jahren die Schule
besuchen und zweimal im Jahr die Ferien bei ihren Eltern verbrachten, ist erloschen
(BGer 2C_609/2011 vom 3. April 2012 E. 3.6; vgl. auch 2C_853/2010 E. 5.2).
Ebenfalls erloschen ist die Niederlassungsbewilligung trotz regelmässiger
Ferienaufenthalte in der Schweiz bei Kindern, die nach dem Besuch des Kindergartens
und der Primarschule ab dem 12. Lebensjahr während fünf bzw. acht Jahren die
Mittelschule und das Gymnasium im Heimatland absolviert haben (BGer 2A.311/1999
gemäss BGer 2C_609/2011 vom 3. April 2012 E. 3.5). Nicht erloschen ist dagegen
die Bewilligung eines Jugendlichen, der im Alter von 14 ½ Jahren in die
Niederlassungsbewilligung seiner Eltern einbezogen worden ist, danach noch
während zwei Jahren die Schule im Ausland abgeschlossen, aber jeweils seine
Ferien beziehungsweise die grössere Zeit des Jahres bei den Eltern verbracht
hat (BGer 2A.533/2006 vom 22. November 2006 E. 2.6; vgl. auch BGer 2C_609/2011
vom 3. April 2012 E. 3.5, mit Hinweis auf BGer 2A.377/1998). Trotz zweijähriger
Absolvierung der schulischen Ausbildung im Ausland erfüllte daher ein
minderjähriges Kind das Erfordernis des Zusammenwohnens mit den in der Schweiz
lebenden Eltern, welches «jeweils seine Ferien bzw. die
grössere Zeit des Jahres bei den Eltern verbrachte»,
weshalb die Niederlassungsbewilligung ebenfalls fortbestand (BGer 2A.533/2006
vom 22. November 2006 E. 2.6). Als Grenzfall behandelte das Bundesgericht einen
Jugendlichen, welcher mit seiner Mutter im Alter von 9 ½ Jahren in die Niederlassungsbewilligung
seines Vaters einbezogen worden ist, dann aber noch während fünf weiteren
Jahren die Grundschule im Ausland besuchte, dabei die Ferien jeweils in der
Schweiz verbracht und sich nie sechs Monate ununterbrochen im Ausland
aufgehalten hat und erst als knapp 15-Jähriger in der Schweiz in der
Sekundarstufe eingeschult worden ist. Aufgrund der duldenden Kenntnis der
Behörden wurde vom Erlöschen der Bewilligung abgesehen (BGer 2A.66/2000 vom
26. Juli 2000 E. 4). Mit Bezug auf diese Fälle des Fortbestands hob das
Bundesgericht den Umstand hervor, dass nicht eine neue Ausbildung im Ausland
begonnen, sondern die schon vor Bewilligung des Familiennachzugs begonnene
Schule und damit der laufende Ausbildungsabschnitt am gleichen Ort im Ausland
abgeschlossen worden ist (BGer 2C_609/2011 vom 3. April 2012 E. 3.6). Diese
Praxis setzte das Bundesgericht unter der Geltung des Ausländergesetzes vom 16.
Dezember 2005 (AuG) fort (BGer 2C_1224/2012 vom 26. August 2013 E. 2.1). Für
die Anwendung dieser Ausnahme im Rahmen von Art. 61 Abs. 2 AuG für
niederlassungsberechtigte ausländische Kinder, die in der Heimat eine
Ausbildung abschliessen, wurde weiterhin vorausgesetzt, dass sie jeweils vor
Ablauf der Frist von sechs Monaten in die Schweiz zurückkehren und ihre ganzen
Schulferien hier bei den Eltern verbringen (BGer 2C_691/2017 vom 18. Januar
2018 E. 3.2). Deshalb erlosch die Niederlassungsbewilligung eines jungen
Ausländers, der sich zum Studium während 11 Monaten im Ausland aufgehalten
hatte (BGer 2C_691/2017 vom 18. Januar 2018 E. 4.1).

 

Vorliegend hat die Rekurrentin eine neue
Ausbildung im Ausland begonnen, bloss einen Teil ihrer Ferien in der Schweiz
verbracht und ist während ihrer Ausbildung mehr als sechs Monate ohne
Unterbruch im Ausland verblieben. Damit hat sie die von der Praxis
herausgebildeten Voraussetzungen für einen ausnahmsweisen Fortbestand der
Bewilligung von minderjährigen Ausländerinnen und Ausländern während ihrer
Ausbildung nicht erfüllt. Die Aufenthaltsbewilligung der Rekurrentin wäre daher
auch ohne Abmeldung und ohne weitere Prüfung der Verhältnismässigkeit von
Gesetzes wegen erloschen (BGer 2C_691/2017 vom 18. Januar 2018 E. 3.1
i.f., mit Hinweis auf Jeannerat/Mahon,
in: Nguyen/Amarelle, Code annoté de droit des migrations, Vol. II:
Loi sur les étrangers [LEtr], N. 16 zu Art. 61 LEtr; Urteil 2C_19/2017 vom 21. September
2017 E. 5).

 

2.4      Schliesslich
kann die Rekurrentin entgegen der Auffassung der Rekurrierenden auch nicht aus
dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der
Bundesverfassung [BV, SR 101]) einen Fortbestand ihrer Aufenthaltsbewilligung
ableiten. Da die Rekurrentin die Voraussetzungen für das ausnahmsweise
Fortbestehen nach dem Gesagten gerade nicht erfüllt, konnte sie weder auf die
entsprechende Praxis noch die diese konkretisierenden Weisungen des
Staatsekretariats für Migration (SEM) vertrauen. Die von ihnen behauptete Auskunft
des Migrationsamts, dass die Rekurrentin jederzeit wieder in die Schweiz
einreisen und verbleiben könnte, ist nicht belegt und könnte auch durch die von
ihnen beantragte Anhörung, mit der allein eine Parteibehauptung wiederholt
würde, nicht nachgewiesen werden. Die Vorinstanz ist daher diesem Beweisantrag
zu Recht nicht gefolgt.

 

3.

Ist die früher erteilte Aufenthaltsbewilligung
der Rekurrentin erloschen, so hat die Vorinstanz zu Recht
geprüft, ob ihr ein neuer Aufenthalt im Familiennachzug bewilligt werden kann.

 

3.1      Gemäss
Art. 43 AIG kann ledigen Kindern unter 18 Jahren von Personen mit Niederlassungsbewilligung
eine Aufenthaltsbewilligung erteilt oder verlängert werden, wenn sie mit diesen
zusammenwohnen, eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist, sie nicht auf
Sozialhilfe angewiesen sind, sie sich in der am Wohnort gesprochenen Landessprache
verständigen können und die nachziehende Person keine jährlichen
Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters‑, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELG, SR 831.30) bezieht oder wegen des Familiennachzugs
beziehen könnte.

 

3.1.1   Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen
hat (angefochtener Entscheid, E. 5), müssen Familiennachzugsgesuche gemäss
Art. 47 AIG innerhalb von fünf Jahren eingereicht werden. Gesuche für den
Nachzug von Kindern über zwölf Jahren müssen innerhalb von zwölf Monaten
eingereicht werden. Diese Fristen beginnen mit der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung
oder mit der Entstehung des Familienverhältnisses zu laufen (BGE 137 II 393 E.
3.3 S. 395 f.). Ein nachträglicher Familiennachzug kann nur bewilligt werden,
wenn wichtige familiäre Gründe geltend gemacht werden. Mit dieser Regelung soll
die Integration durch einen möglichst frühen Nachzug der Familienmitglieder
gefördert werden (BGE 146 I 185 E. 7.1.1 S. 192). Mit dem möglichst
frühzeitigen Nachzug soll den nachzuziehenden Kindern eine umfassende
Schulbildung in der Schweiz ermöglicht und Gesuchen entgegengewirkt werden, die
rechtsmissbräuchlich kurz vor Erreichen des erwerbstätigen Alters für einen
erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt und nicht (mehr) für die Bildung einer
echten Familiengemeinschaft gestellt werden (BGer 2C_870/2019 vom 3. März 2020
E. 5.2.1, 2C_591/2017 vom 16. April 2018 E. 2.2.1, 2C_515/2015 vom 10. Februar
2016 E. 2.1, mit Hinweis auf Botschaft vom 8. März
2002 zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, BBl 2002 3754 f.).

 

3.1.2   Vorliegend ist unbestritten, dass die
Frist für die Ausübung des Familiennachzugs mit dem Erhalt der
Aufenthaltsbewilligung des Rekurrenten begonnen hatte und der Rekurrent damals
auch ein entsprechendes Gesuch für seine Ehefrau, die Rekurrentin und deren
Bruder gestellt hat, welches bewilligt worden ist. Nachdem diese
Aufenthaltsbewilligung der Rekurrentin erloschen ist, kann das am 9. Oktober
2019 gestellte Gesuch um Nachzug der Rekurrentin nur unter den Voraussetzungen
des nachträglichen Familiennachzugs bewilligt werden.

 

3.2      Die
Vorinstanzen haben daher das Vorliegen von wichtigen familiären Gründen für
einen nachträglichen Familiennachzug geprüft, gewichtige Gründe jedoch
verneint.

 

3.2.1   Wichtige familiäre Gründe nach Art. 47
Abs. 4 AIG und Art. 73 Abs. 3 VZAE liegen vor, wenn das Kindswohl nur
durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann (Art. 75 VZAE). Hat eine
nachzugswillige Person die Einhaltung von Fristen, die ihr die Zusammenführung
der Familie ermöglicht hätte, versäumt, so bedarf es gewichtiger Gründe, um
erst später einen derartigen Nachzug bewilligen zu können. Namentlich dort, wo
die Familie selber die Trennung freiwillig herbeigeführt hat, bedarf es
stichhaltiger Gründe, die zum Wohle der Familie eine andere Lösung erforderlich
machen (BGer 2C_634/2017 vom 14. August 2018 E. 3.4.4 und 2C_914/2014 vom 18.
Mai 2015 E. 3.1, mit weiteren Hinweisen). Die Bewilligung des Nachzugs nach
Ablauf der Fristen hat nach dem Willen des Gesetzgebers deshalb die Ausnahme zu
bleiben und ist nur mit Zurückhaltung zu gewähren (BGE 146 I 185 E. 7.1.1 S. 192, BGer 2C_634/2017 vom 14. August 2018 E. 3.4.3).
Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AIG bzw. Art. 73 Abs. 3 VZAE sind aber dennoch so zu
handhaben, dass die Ansprüche auf Schutz des Familienlebens nach Art. 8 der
Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK, SR 0.101) bzw. Art. 13 BV nicht
verletzt werden (BGE 146 I 185 E. 7.1.1 S. 192, 139 I 315 E. 2.4 S.
321, BGer 2C_767/2015 vom 19. Februar 2016 E. 5.1.1 und
2C_485/2013 vom 6. Januar 2014 E. 2.3). Dabei verschaffen Art. 8 EMRK und Art.
13 BV praxisgemäss keinen vorbehaltlosen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt
beziehungsweise auf Wahl des von den Betroffenen gewünschten Wohnorts für die
Familie. Praxisgemäss geht das Bundesgericht davon aus, dass eine Familie, die
freiwillig jahrelang getrennt gelebt hat, dadurch ihr beschränktes Interesse an
einem ortsgebundenen (gemeinsamen) Familienleben zum Ausdruck bringt. In einer
solchen Konstellation, in der die familiären Beziehungen während Jahren über
die Grenzen hinweg besuchsweise und über die modernen Kommunikationsmittel gelebt
werden, überwiegt regelmässig das der ratio legis von Art. 47 Abs. 4 AIG
zugrundeliegende legitime Interesse an der Einwanderungsbeschränkung, solange
nicht objektive, nachvollziehbare Gründe, welche von den Betroffenen zu
bezeichnen und zu rechtfertigen sind, etwas anderes nahelegen (BGE 146 I 185 E.
7.1.1 S. 192, BGer 2C_692/2021 vom 23. Mai 2022 E. 5.1, 2C_323/2018 vom
21. September 2018 E. 8.2.2). Demnach setzt die Anerkennung eines Rechts
auf nachträglichen Familiennachzug voraus, dass sich die Umstände erheblich
verändert haben (BGer 2C_1198/2012 vom 26. März 2013 E. 4.2 und
2C_709/2010 vom 25. Februar 2011 E. 5.1.1; Staatssekretariat für
Migration [SEM], Weisungen und Erläuterungen Ausländerbereich [Weisungen AIG],
Bern, Oktober 2013, Stand 1. Oktober 2022, Ziff. 6.10.2 S. 131). Nicht
erforderlich ist aber der Eintritt eines unvorhersehbaren Ereignisses (BGer
2C_323/2018 vom 21. September 2018 E. 8.2.2; VGE VD.2021.181 vom
29. Juni 2022 E. 2.2.1, VD.2020.125 vom 17. Dezember 2020
E. 2.3). Wichtige Gründe zur Wahrung des Kindswohls sind insbesondere dann
gegeben, wenn die weiterhin notwendige Betreuung eines Kinders im Herkunftsland
etwa wegen des Todes oder der Krankheit der betreuenden Person nicht mehr
gewährleistet ist (BGer 2C_767/2015 vom 19. Februar
2016 E. 5.1.2, 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015 E. 6.1, 2C_485/2013 vom 6.
Januar 2014 E. 2.3, 2C_1224/2012 vom 26. August 2013 E. 3.2; VGE VD.2018.51 vom
8. August 2018 E. 2.2.3, VD.2017.15 vom 3. Juni 2017 E. 4.1, VD.2016.223 vom
13. April 2017 E. 3.4). Dabei werden an den Nachweis fehlender
Betreuungsmöglichkeiten im Heimatland umso höhere Anforderungen gestellt, je
älter ein nachzuziehendes Kind ist, je grösser die Integrationsschwierigkeiten
erscheinen, die ihm hier drohen, und je geringer die Enge der Beziehung zu dem
nachziehenden Elternteil in der Schweiz erscheint (BGE 137 I 284 E. 2.2 S. 289,
133 II 6 E. 3.1.2 S. 11 f.; BGer 2C_970/2021 vom 14.
April 2022 E. 4.2, 2C_493/2020 vom 22. Februar 2021 E. 2.5.2, 2C_909/2019 vom
7. April 2020 E. 4.4, 2C_767/2015 vom 19. Februar 2016 E. 5.1.2, VGE VD.2020.125
vom 17. Dezember 2020 E. 3.3.2). Es obliegt im Rahmen ihrer
Mitwirkungspflichten der nachzugswilligen Person, die entsprechenden Umstände
nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen (BGE 137 I 284 E. 2.3.1 und
2.2; BGer 2C_970/2021 vom 14. April 2022 E. 4.2, 2C_493/2020 vom 22. Februar
2021 E. 2.5.2, 2C_347/2020 vom 5. August 2020 E. 3.4, 2C_555/2019 vom 12.
November 2019 E. 6.1).

 

3.2.2   Bezogen auf den vorliegenden Sachverhalt und unter
Hinweis auf die genannte rechtliche Ausgangslage erwog die Vorinstanz, dass die
Rekurrentin in der besuchten G____ High School in Simbabwe einen Teil ihrer obligatorischen
Schulzeit absolviert habe. Der Rekurrent und seine Ehefrau hätten dabei
freiwillig die Trennung zu ihrer Tochter in Kauf genommen und entschieden, dass
sie in Simbabwe das Internat besuche. Es sei nicht ersichtlich, weshalb sie
nicht versucht hätten, in der Schweiz eine Schullösung zu finden, wie zum
Beispiel die [...] in Zürich oder andere, neben den öffentlichen Schulen bestehende
Möglichkeiten von Privatschulen oder Internaten. Der Rekurrent und seine
Ehefrau hätten sich freiwillig dazu entschlossen, ihre Tochter für mehrere
Jahre zurück nach Simbabwe zu schicken. Auch wenn sie damit gerechnet hätten,
dass die Rekurrentin nach ihrem Auslandsaufenthalt ohne weiteres wieder in die
Schweiz zurückkehren könne, hätten sie sich frühzeitig beziehungsweise bei
ihrer Abmeldung über die Voraussetzungen einer Rückkehr umfassend informieren
müssen. Werde eine Trennung freiwillig herbeigeführt, müssten nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung besonders stichhaltige Gründe für einen verspäteten Nachzug
bestehen (angefochtener Entscheid E. 12, mit Hinweis auf BGer 2C_634/2017 vom
14. August 2018 E. 3.4.4). Die Vorinstanz bestritt
den Bestand einer engen gelebten Beziehung zwischen der Rekurrentin und ihrer
Familie in der Schweiz nicht und anerkannte, dass es für die Rekurrentin
emotional belastend sei, von ihren Geschwistern und ihren Eltern getrennt zu
leben. Diese Situation sei von den Rekurrierenden aber bewusst in Kauf genommen
worden. Bei der Gesucheinreichung sei die Rekurrentin 17 Jahre und rund
sechs Monate alt und damit nicht mehr in erhöhtem Masse auf Betreuung
angewiesen gewesen. Gemäss den Angaben des Rekurrenten vom 3. Dezember
2019 lebten zudem alle Verwandten der Rekurrentin, insbesondere auch die
Grosseltern mütterlicherseits und die Grossmutter väterlicherseits, in
Simbabwe. Auch wenn die Grosseltern mit rund 89, 69 und 65 Jahren bereits ein
fortgeschrittenes Alter erreicht hätten, so bedeute dies keineswegs, dass es
ihnen nicht möglich wäre, die Rekurrentin für eine gewisse Zeit noch ergänzend
zu unterstützen. Die Rekurrierenden hätten denn auch nicht belegt, dass die
Grosseltern nicht in der Lage gewesen wären beziehungsweise sein würden, die
Rekurrentin entsprechend zu unterstützen. Zudem werde in der Regel angenommen,
dass junge Erwachsene ab Volljährigkeit in der Lage seien, ein unabhängiges
Leben zu führen, sofern keine besonderen Umstände wie eine körperliche oder
mentale Behinderung oder eine schwere Krankheit vorlägen (BGer 2C_394/2017 vom
28. September 2017 E. 5.2). Wie die Rekurrentin im Schreiben vom 30. März 2020
bestätigt habe, pflege sie mit ihren nahen Verwandten per WhatsApp und
mindestens einmal im Monat telefonischen Kontakt. Es scheine daher eine gute
Beziehung zwischen der Rekurrentin und den Grosseltern vorhanden zu sein. Es
habe daher eine alternative Pflegemöglichkeit der Rekurrentin durch ihre
Grosseltern in Simbabwe bestanden. Zudem könnten der Rekurrent und seine
Ehefrau die Rekurrentin auch von der Schweiz aus finanziell unterstützen, wie
sie dies während dem Aufenthalt im Internat bereits getan hätten. Der Rekurrent
scheine gemäss seinen Angaben im Familiennachzugsgesuch auch Wohneigentum im
Ausland zu besitzen und könne der Rekurrentin daher in Simbabwe eine Wohnung
zur Verfügung stellen (angefochtener Entscheid E. 13).

 

Weiter erwog die Vorinstanz, die Rekurrentin habe bis im
Alter von sechs Jahren und sieben Monaten mit ihrer Familie in Simbabwe gelebt,
sei im Alter von 13 Jahren und elf Monaten dorthin zurückgekehrt und habe sich
dort bis im Alter von 17 Jahren und sieben Monaten aufgehalten. Es könne daher
nicht gesagt werden, dass es ihr an einer gesellschaftlichen Integration in
Simbabwe fehle. Es sei davon auszugehen, dass sie mit den dortigen
sprachlichen, kulturellen und sozialen Gepflogenheiten vertraut sei. Sie
spreche die Amtssprache Shona und es sei anzunehmen, dass sie während ihrer
Schulzeit in Simbabwe an der Highschool mit ungefähr 380 Studierenden diverse
Freundschaften geschlossen habe. Auch wenn sie gemäss ihren Angaben an den
Wochenenden oft in der Schule gewesen sei oder ab und zu Camps mit der Schule
besucht habe, sei sie wohl auch als Internatsschülerin in ihrer Freizeit mit
dem Leben ausserhalb des Internats in Berührung gekommen. Sie habe auch Teile
ihrer Schulferien in Simbabwe verbracht und sei dabei gemäss Angaben ihrer
Mutter nicht nur an ihrer Schule verblieben (angefochtener Entscheid E. 14, mit
Hinweis auf die E-Mail von C____ vom 2. August 2019, act. 10 S. 225). Weshalb
die Rekurrentin nicht auch eine weiterführende Schule in Simbabwe besuchen könne,
wie dies in der Schweiz geplant sei, sei nicht ersichtlich (angefochtener
Entscheid E. 14).

 

Die Integration in der Schweiz werde der Rekurrentin nicht
abgesprochen. Es sei nicht davon auszugehen, dass Integrationsschwierigkeiten
in der Schweiz bestünden. Eine durchwegs gute Integrationsprognose reiche aber
alleine für die Bewilligung eines nachträglichen Familiennachzugs nicht aus. Ausschlaggebend
sei vielmehr, ob das Kindeswohl nur durch eine Übersiedlung in die Schweiz beziehungsweise
einen Verbleib in der Schweiz gewahrt werden könne. Alles in allem hätten die
Rekurrierenden nicht rechtsgenüglich bewiesen, dass nach ihrer freiwilligen
Trennung keine angemessene Betreuungsmöglichkeit in Simbabwe für die im
Zeitpunkt der Gesuchseinreichung bereits über siebzehnjährige Rekurrentin mehr
bestanden habe. Sie sei damals nicht mehr in erhöhtem Masse betreuungsbedürftig
gewesen und hätte zumindest von ihren Grosseltern in Simbabwe und durch die
Eltern von der Schweiz aus finanziell und organisatorisch unterstützt werden
können. Die Rekurrierenden könnten wie bereits früher mittels WhatsApp,
Telefonaten und E-Mails oder auch mittels anderer Social Media den Kontakt
pflegen und sich im Rahmen von gegenseitigen Ferienreisen in Simbabwe und in
der Schweiz besuchen. Das Kindeswohl habe folglich zum Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung nicht nur durch einen Nachzug in die Schweiz sachgerecht
gewahrt werden können. Für einen nachträglichen Familiennachzug lägen daher
keine wichtigen und insbesondere keine besonders stichhaltigen Gründe vor
(angefochtener Entscheid E. 17).

 

3.2.3   Die
Rekurrierenden bringen dagegen vor, dass die Rekurrentin 2008 mit sechs Jahren
mit ihrer Familie in die Schweiz eingereist sei und hier während sechs Jahren
die obligatorische Schule besucht habe. Verschiedene Umstände hätten zur
gemeinsamen Entscheidung geführt, dass die zuvor in der Schweiz lebende Rekurrentin
im Alter von 13 Jahren die G____ School in Simbabwe besuchte, wobei sie davon
ausgegangen seien, dass sie nach Beendigung der Highschool wieder zu ihrer Familie
in Basel zurückkehren könne. Sie sei an der G____ High School in Simbabwe in
einem Internat untergebracht gewesen. Während dieses Aufenthalts habe sie
zweimal mehrere Wochen in der Schweiz verbracht. Nach Beendigung ihres Studiums
im November 2019 sei sie in die Schweiz zurückgekehrt, ohne je die Absicht
gehabt zu haben, weiterhin in Simbabwe zu leben. Dementsprechend habe sie dazu auch
keinerlei Vorkehrungen getroffen. Sie habe keine Verwandten in Simbabwe, die
sich um sie kümmern könnten, und sei nicht in der Lage, alleine in Simbabwe
unter den derzeit im Land herrschenden Bedingungen zu arbeiten. Obschon die
Rekurrentin mit ihrer Familie wöchentlich mehrmals Kontakt gehabt und alle
langen Ferien mit ihrer Familie in Basel oder Simbabwe verbracht habe, habe die
Trennung alle Familienmitglieder sehr geprägt. Es sei für die Rekurrentin wie
auch die Eltern und Geschwister emotional extrem belastend gewesen, voneinander
getrennt zu sein. Mit Freunden in der Schweiz habe die Rekurrentin während des
Auslandsaufenthalts mittels E-Mail und Videoanrufen Kontakt gehalten.
Schliesslich sei Deutsch nach wie vor ihre Muttersprache, welche sie im
Kindergarten gelernt habe. Die Rekurrierenden erfüllten die Voraussetzungen für
einen Familiennachzug gemäss Art. 43 Abs. 1 AIG. Die Rekurrentin sei zusammen
mit ihren drei Geschwistern als ältestes Kind der Familie bei ihren Eltern
aufgewachsen. Sie pflege eine enge und intensive Beziehung zu ihrer Familie. In
diesem religiös geprägten Umfeld stehe die Familie im Mittelpunkt. Sie sei
insbesondere aufgrund ihres Teenager-Alters auf mentale und finanzielle
Unterstützung ihrer Familie angewiesen und habe den Kontakt auch während dem
vorübergehenden Auslandsaufenthalt aufrechterhalten. Seit ihrer Rückkehr aus
Simbabwe im Jahr 2019 sei ihr Verhältnis zu ihren jüngeren Geschwistern noch
enger geworden, da die Brüder grösser geworden seien und sie gleiche Interessen
teilten. Ihre jüngste Schwester werde von ihr täglich in die Kita gebracht und
abends wieder abgeholt. Es bestehe daher ein tatsächlich gelebtes, intaktes
Familienleben. Sie habe im Ausland keine näheren Bezugspersonen und pflege zu
ihren Grosseltern in Simbabwe fast keinen Kontakt. Beim Besuch der G____ High
School habe es sich um einen vorübergehenden Aufenthalt in einem isolierten
Setting gehandelt und es habe keine Integration in der simbabwischen
Gesellschaft stattgefunden. Sie habe nach ihrer Ankunft in Simbabwe im Highschool-Internat
gewohnt und sei nach Abschluss der Highschool zu ihrer Familie in die Schweiz
zurückgekehrt. Im Internat habe sie isoliert vom Alltag gewohnt und auch ihre
Freizeit meist dort verbracht. Während des Internataufenthalts sei sie daher
mit dem Leben ausserhalb des Internats nicht gross vertraut geworden. Sie habe
in Simbabwe nie selbständig gelebt und gearbeitet. Die Grosseltern könnten ihr
bei der Integration in Simbabwe nicht behilflich sein, habe sie zu ihnen
während ihres Aufenthalts doch kaum Kontakt gehabt. Zudem hätten diese im Alter
von über 60 beziehungsweis 80 Jahren die Lebenserwartung in Simbabwe längst
überschritten, weshalb nicht nachvollziehbar sei, wie sie die Rekurrentin
unterstützen könnten. Sie sei auch von keinen anderen Verwandten betreut
worden. Auch wenn die Rekurrentin bei der Gesuchseinreichung bereits 17 Jahre
alt gewesen sei, könne daraus nicht automatisch geschlossen werden, dass eine
Betreuung in Simbabwe nicht mehr in umfassender Weise sichergestellt werden
müsse. Ihre prägende Kindheit habe sie in der Schweiz verbracht, wo sie auch die
obligatorische Schule besucht habe und wo ihre Freunde und Familie lebten.
Aufgrund ihrer von der Schweiz geprägten Kindheit und der nie unterbrochenen
Beziehung zur Schweiz, wo auch ihre Kernfamilie lebe, sei sie mit den hiesigen
Gewohnheiten sowie der deutschen Sprache bestens vertraut und spreche
Baseldeutsch. Demgegenüber sei sie in Simbabwe überhaupt nicht integriert. Dort
habe sie die ersten sechs Lebensjahre verbracht, in einem Alter, in dem sie mit
den dortigen Verhältnissen nicht gross vertraut geworden sei. Der Integrationsgrad
in der Schweiz sei daher klarerweise höher als jener in Simbabwe. Vor diesem
Hintergrund handle es sich nicht um einen typischen Fall eines Nachzugs kurz
vor der Volljährigkeit. Der Besuch einer […] Schule oder eines Internats in der
Schweiz sei aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen. Ihr Kindswohl könne
nur durch den Nachzug gewahrt werden.

 

3.3

3.3.1   Die Kriterien zur Bestimmung von wichtigen
familiären Gründen gemäss Art. 47 Abs. 4 AIG in Verbindung mit Art. 73
Abs. 3 sowie Art. 75 VZAE zielen primär auf den erstmaligen Nachzug von Kindern
und Jugendlichen aus dem Ausland. Gleichwohl sind sie grundsätzlich auch auf
den Nachzug von Kindern und Jugendlichen anwendbar, welche zu einem früheren
Zeitpunkt bereits in der Schweiz gelebt haben und zu Ausbildungszwecken in die
Heimat zurückgekehrt sind, sodass ihre frühere Aufenthaltsbewilligung erloschen
ist (BGer 2C_1224/2012 vom 26. August 2013 E. 3, 2C_765/2011 vom 28. November
2011 E. 2). Bei der Konkretisierung der Anforderungen an das Vorliegen
wichtiger Gründe für einen erneuten Nachzug von Kindern und Jugendlichen ist
dieser besonderen Konstellation aber angemessen Rechnung zu tragen.

 

3.3.2   Aufgrund der Akten steht fest, dass die Eltern
der Rekurrentin ihre Tochter nach eigenem Entscheid im Anschluss an den Besuch
der Primarschule in der Schweiz an der G____ High School in
Simbabwe ausbilden liessen und damit freiwillig
eine Trennung der Familie während über drei Jahren vorgenommen haben. Die
Gründe hierfür werden von den Rekurrierenden nicht klar benannt und bleiben
vage («Herausforderungen» […] «in ihrer Grundschule», Schreiben Rekurrent vom
3. Dezember 2019 [act. 10 S. 215]; «einige Umstände», rechtliches Gehör
vom 28. Januar 2020 [act. 10 S. 219] sowie Schreiben vom 22. November 2020
[act. 10 S. 280]). Dass dieser Schulbesuch zu einem zeitlich begrenzten
Auslandaufenthalt geführt hat, ist nicht bestritten. Es erscheint aber
glaubhaft, dass die Familie von einem nur vorübergehenden Auslandaufenthalt und
einer Rückkehr der Tochter vor Erreichen ihrer Volljährigkeit in die Schweiz
ausgegangen ist.

 

3.3.3   Nicht bestritten wird von der Vorinstanz, dass
sich die Rekurrentin während ihrem rund siebeneinhalbjährigen Aufenthalt vom
20. November 2008 bis zum 1. März 2016 im Alter von sechseinhalb bis knapp
vierzehn Jahren gut in der Schweiz integriert hat. Sodann ist unbestritten,
dass sie die deutsche Sprache und auch den hiesigen Dialekt beherrscht, auch
wenn aufgrund ihrer Geburt in Simbabwe und den dort mit ihrer Familie
verbrachten ersten Lebensjahren fraglich erscheint, dass Deutsch ihre
Muttersprache bilden soll. Daraus folgt, dass der Zweck der Befristung der
Wahrnehmung des Rechts auf Familiennachzug, wonach mit dem frühzeitigen Nachzug
die Integration erleichtert werden soll (vgl. oben E. 3.1.1), hier nur
teilweise spielen kann. Vorliegend konnte die Integration der Rekurrentin
bereits vor ihrem neuerlichen Aufenthalt in ihrer Heimat gefördert werden. Die
Rekurrentin besuchte in der Schweiz den Kindergarten und die Primarschule. Zwar
wurde mit dem Auslandaufenthalt verhindert, dass die Rekurrentin in den Genuss
einer für ihre Integration förderlichen umfassenden Schulbildung in der Schweiz
hat kommen können. Tatsächlich erfolgt auch in den Jahren der Sekundarschule
eine wichtige Vertiefung der Integration der hier lebenden Kinder in die
schweizerische Gesellschaft, welche die Rekurrentin nicht genossen hat. Gleichwohl
ist aber hervorzuheben und gilt es bei der Beurteilung des vorliegenden Falles
zu berücksichtigen, dass die Rekurrentin mit den hiesigen Verhältnissen
vertraut ist und sie in der Schweiz keine Integrationsschwierigkeiten erwarten.
Dies mildert das öffentliche Interesse an der Verweigerung ihres erneuten
Nachzugs.

 

3.3.4   Erstellt erscheint weiter, dass das bestehende
Betreuungssetting im Internat der G____ High School in Simbabwe
mit dem Ende der Schulzeit der Rekurrentin weggefallen ist. Strittig ist, ob
die Rekurrentin daneben auf ein alternatives Betreuungsnetz in ihrer Heimat hat
zurückgreifen können. Die Rekurrentin macht geltend, mit ihren dort lebenden
Grosseltern kaum Kontakt gehabt zu haben. Diese Behauptung steht in einem
gewissen Widerspruch zur eigenen Beteuerung der Rekurrierenden, dass in
ihrem religiös geprägten Umfeld die Familie im Mittelpunkt stehe. Vor diesem
Hintergrund muss erstaunen, wenn die von ihrer Kernfamilie während rund
dreieinhalb Jahren getrennte Rekurrentin während ihrem Aufenthalt den Kontakt
mit ihren Grosseltern vermieden haben will. Glaubhaft scheint aber, dass die
Gross­eltern während diesem Aufenthalt im Internat nicht in die Betreuung ihrer
Enkelin involviert waren. Sie leben gemäss den Angaben der Rekurrierenden in […]
beziehungsweise […] (Schreiben Rekurrent vom 3. Dezember 2019 [act. 10 S. 215];
Schreiben vom 30. März 2020 [act. 10 S. 269]) und damit rund 160 beziehungsweise
über 550 Kilometer von der G____ High School in der Nähe von […] entfernt.
Nachvollziehbar erscheint auch, dass eine Internatsschülerin in dieser offenbar
eher provinziell gelegenen Schule nur begrenzt am gesellschaftlichen Alltag
ausserhalb der Schule teilnimmt. Den Akten kann aber immerhin entnommen werden,
dass die Rekurrentin ihre Ferien offenbar teilweise auch in [...]
und wohl auch in […] verbracht hat (vgl. Mailverkehr Rekurrentin mit C____
vom 2. August 2019 [act. 10 S. 224 f.]). Mit der Vorinstanz muss daher
festgestellt werden, dass sie kurzzeitig auch ausserhalb des Internats den
Lebensalltag in ihrer Heimat erlebt hat. Nicht bestritten wird von den
Rekurrierenden schliesslich auch die Behauptung der Vorinstanz, dass der
Rekurrent Wohneigentum in seiner Heimat besitzt, das er seiner Tochter zur
Verfügung stellen könne. Davon ist daher auszugehen (vgl. § 18 i.f. VRPG).
Allerdings erscheint unklar, wo sich dieses Wohneigentum befindet und welche
Möglichkeiten sich daraus gerade auch in Kombination mit einer allfälligen Nähe
zu Verwandten für die Rekurrentin ergeben können. Immerhin haben es die
Rekurrierenden aber in Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht gemäss Art. 90 AIG
unterlassen, hierzu nähere Angaben zu machen.

 

Wie die Vorinstanz unter Hinweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung richtig erkannt hat, ist zwar zutreffend, dass an die Betreuung
von im Ausland lebenden Jugendlichen, welche kurz vor der Volljährigkeit
stehen, praxisgemäss geringere Anforderungen gestellt werden. Dies muss aber
vor allem dann gelten, wenn diese trotz Wegfall von Betreuungspersonen in einer
ihnen vertrauten Umgebung verbleiben können. Dies war bei der Rekurrentin nach
Beendigung ihrer Internatszeit jedoch nicht der Fall. Die in der Heimat
lebenden Grosseltern mögen zwar eine Unterstützung bei der Aufnahme eines
selbständigen Existenzaufbaus sein, auch wenn sie gemessen an der Lebenserwartung
in Simbabwe schon betagt sind. Diesbezüglich ist aber auch der spezifischen
Situation in Simbabwe Rechnung zu tragen. Obwohl sich die Reisehinweise des
Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) primär an
Reisende wenden und auf Personen, die im Land leben, wohl eine differenzierte
Einschätzung erfolgen muss, erscheint notorisch, dass die dortige politische
und wirtschaftliche Lage gespannt ist, es immer wieder zu gewaltsamen
Auseinandersetzungen kommt und die Kriminalität im ganzen Land relativ hoch ist
(https://www.eda.admin.ch/countries/zimbabwe/de/home/reisehinweise/vor-ort.html).
Auch mit der Hilfe ihrer Grosseltern oder anderer Verwandter stellt daher der
Aufbau einer wirtschaftlich selbständigen Existenz für eine junge Frau an der
Schwelle zur Volljährigkeit – insbesondere, wenn sie aus dem geschützten Rahmen
eines Internats kommt – in Simbabwe offensichtlich hohe Anforderungen. Insgesamt
steht damit fest, dass die bisherige Betreuung durch das Internat im Heimatland
weggefallen ist und sich dadurch die Umstände wesentlich verändert haben. Alternative
Betreuungsmöglichkeiten im Sinne des Aufbaus einer selbständigen Existenz
fehlen zwar nicht gänzlich, erscheinen aber mit hohen Risiken und erheblichen
Schwierigkeiten verbunden. Anzumerken bleibt, dass wenn Kinder die Beschulung
im Ausland bei Familienmitgliedern verbringen, eine andere Abwägung vorzunehmen
wäre.

 

3.3.5   Schliesslich ist unbestritten, dass die
Rekurrentin ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und den Geschwistern in der
Schweiz hat und sie dieses auch während der Dauer ihrer Trennung über die
modernen Kommunikationsmittel und besuchsweise pflegte.

 

3.4      Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass
wichtige familiäre Gründe für einen ausnahmsweisen nachträglichen
Familiennachzug gemäss Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen. Neben der
unbestrittenermassen vorbestandenen Integration der Rekurrentin in die
schweizerischen Verhältnisse ist der vorliegend besonderen Konstellation
Rechnung zu tragen. Von Bedeutung sind dabei insbesondere die nur vorübergehend
angedachte Trennung der Familie, die fehlende Integration in Simbabwe der für
begrenzte Zeit in einem Internat lebenden Rekurrentin und der Wegfall des
bisherigen Betreuungssettings nach Beendigung ihrer Internatszeit sowie die
spezifische politische und wirtschaftliche Situation in Simbabwe. Angesichts
dieser Ausgangslage konnte das Kindeswohl der Rekurrentin zum Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung nur durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden und es
besteht kein überwiegendes öffentliches Interesse an einer
Einwanderungsbeschränkung. Da sodann nicht bestritten ist, dass die materiellen
Voraussetzungen für einen Nachzug gemäss Art. 43 AIG erfüllt sind, ist der
Rekurs gutzuheissen. Der angefochtene Entscheid des Justiz- und
Sicherheitsdepartements vom 28. Februar 2022 wie auch die Verfügung des
Bereichs BdM vom 22. Oktober 2021 sind deshalb aufzuheben und der Bereich BdM
anzuweisen, der Rekurrentin eine Aufenthaltsbewilligung auszustellen. Vor diesem
Hintergrund braucht weder auf die Rüge der unterbliebenen Anhörung (vgl. oben
E. 2.4. i.f.) der Rekurrentin noch auf die weiteren rechtlichen Erwägungen der
Rekurrierenden zur Begründung eines Aufenthaltsanspruchs der Rekurrentin
eingegangen werden.

 

4.

Diesem Ausgang
des Verfahrens entsprechend sind keine Kosten für das verwaltungsgerichtliche
Rekursverfahren zu erheben und das Justiz- und Sicherheitsdepartement ist zu
verpflichten, den Rekurrierenden eine Parteientschädigung auszurichten. Die
Rekurrierenden haben darauf verzichtet, dem Gericht eine Honorarnote ihres
Vertreters einzureichen und darum ersucht, ihnen hierfür eine Frist anzusetzen.
Den anwaltschaftlich vertretenen Rekurrierenden ist die Stellungnahme der
Vorinstanz mit Verfügung vom 12. August 2022 zur Kenntnis zugestellt worden.
Damit war klar, dass sie sich innert kurzer Frist zu äussern und allenfalls
auch eine Honorarnote nachzureichen hatten, wenn sie die Akten noch ergänzen
wollten (vgl. BGer 1C_338/2020 vom 19. Januar 2021 E. 2.3). Das
Verwaltungsgericht setzt keine Fristen zur Einreichung von Honorarnoten. Deren
Einreichung obliegt vielmehr den Parteien, ansonsten das Gericht die
angemessene Entschädigung aufgrund von § 15 des Honorarreglements (HoR, SG
291.400) nach eigenem Ermessen festsetzt (vgl. auch Art. 105 Abs. 2 der
Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272]). Vorliegend haben die Rekurrierenden durch
ihren Vertreter die Rekursanmeldung und eine neunzehnseitige Rekursbegründung
einreichen lassen. Schliesslich hat die Vertretung um Erstreckung der Frist zur
Leistung des verfügten Kostenvorschusses ersucht. Die Rekursbegründung
übernimmt über weite Strecken wörtlich die Begründung des Rekurses im
vorinstanzlichen Verfahren und geht nur punktuell auf die Erwägungen der
Vorinstanz ein. Insgesamt erscheint daher ein massgebender Aufwand von
insgesamt acht Stunden zum anrechenbaren Überwälzungstarif von CHF 250.–
angemessen. Hinzu kommen die Auslagenpauschale gemäss § 23 Abs. 1 HoR von 3 %
auf das Honorar von CHF 2'000.– sowie die Mehrwertsteuer auf Honorar und
Auslagen. Die Vorinstanz wird die Parteientschädigung für das
verwaltungsinterne Verfahren festzulegen haben.

 

 

Demgemäss
erkennt das Verwaltungsgericht (Dreiergericht):

 

://:        Der
Rekurs wird gutgeheissen und der Entscheid des Justiz- und
Sicherheitsdepartements vom 28. Februar 2022 sowie die Verfügung des Bereichs
BdM vom 22. Oktober 2021 werden aufgehoben.

 

Der Bereich BdM wird angewiesen, der Rekurrentin eine
Aufenthaltsbewilligung auszustellen.

 

Für das verwaltungsgerichtliche Rekursverfahren werden
keine Gerichtskosten erhoben.

 

Das Justiz- und Sicherheitsdepartement hat den
Rekurrierenden für das verwaltungsgerichtliche Rekursverfahren eine
Parteientschädigung von CHF 2'000.–, zuzüglich 3 % Auslagenpauschale
von CHF 60.–, sowie 7,7 % MWST von CHF 154.–, zu bezahlen.

 

Das Justiz- und Sicherheitsdepartement wird die
Parteientschädigung für das verwaltungsinterne Verfahren festzulegen haben.

 

Mitteilung an:

-      
Rekurrentin

-      
Rekurrent

-      
Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt

-      
Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt

-      
Staatssekretariat für Migration (SEM)

 

APPELLATIONSGERICHT BASEL-STADT

 

Die Gerichtsschreiberin

 

 

MLaw Marion Wüthrich

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

 

Gegen diesen
Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes
(BGG) innert 30 Tagen seit schriftlicher Eröffnung Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. Die
Beschwerdeschrift ist fristgerecht dem Bundesgericht (1000 Lausanne 14)
einzureichen. Für die Anforderungen an deren Inhalt wird auf Art. 42 BGG
verwiesen. Über die Zulässigkeit des Rechtsmittels entscheidet das
Bundesgericht.

 

Ob an Stelle der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten ein anderes Rechtsmittel in Frage kommt (z.B. die subsidiäre
Verfassungsbeschwerde an das Bundesgericht gemäss Art. 113 BGG), ergibt sich
aus den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen. Wird sowohl Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten als auch Verfassungsbeschwerde erhoben,
sind beide Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift einzureichen.