# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ecd248eb-1d59-5277-868d-d8788ab19e63
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.10.2023 D-2853/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2853-2022_2023-10-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2853/2022, D-2854/2022, D-2856/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richter Walter Lang,    

Gerichtsschreiberin Sara Steiner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

alle vertreten durch Derya Özgül, AD Consultancy, (…),  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügungen des SEM vom 30. Mai 2022 / N (…),  

(…) und (…). 

 

 

 

D-2853/2022, D-2854/2022, D-2856/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

 

A.a Die Geschwister A._______ (N […]), B._______ (N […]) und 

C._______ (N […]) – drei noch minderjährige Staatsangehörige von Afgha-

nistan – reisten am 27. August 2021 auf dem Luftweg von D._______ über 

E._______ in die Schweiz ein. Anlässlich der Einreise wurden ihre Reise-

pässe erhoben.  

A.b Die Einreise der Kinder erfolgte gemäss Aktenlage mit Bewilligung des 

SEM und unter dem Titel "Resettlement Afghanistan", nachdem der ältere 

Bruder, F._______ (N […]), die Vorinstanz im Verlauf von mehreren Mona-

ten wiederholt um eine Erteilung von humanitären Visa für seine Geschwis-

ter ersucht hatte, worauf nachfolgend zurückzukommen ist (vgl. Bst. B.a).  

A.c Am 2. September 2021 ordnete die Kindes- und Erwachsenenschutz-

behörde (KESB) (…) für die Kinder eine Beistandschaft nach Art. 306 Abs. 

2 ZGB an, verbunden mit der Ernennung einer Beiständin (für A._______ 

und C._______) und eines Beistandes (für B._______). Die Beiständin und 

der Beistand wurden von der KESB mit der Aufgabe betraut, das jeweilige 

Kind bei der Wahrung seiner Interessen zu vertreten und insbesondere 

seine Interessen im Asylverfahren wahrzunehmen, wobei für den zweitge-

nannten Punkt Substitutionsbefugnis erteilt wurde. Die Beiständin und der 

Beistand gelangten am Tag darauf mit drei separaten Eingaben ans SEM, 

in welchen sie namens des jeweiligen Kindes um die Gewährung von Asyl 

in der Schweiz nachsuchten.  

A.d Die Kinder wurden am 23. September 2021 im Rahmen einer gemein-

samen Erstbefragung UMA im Beisein des Beistandes von B._______ so-

wie einer Mitarbeiterin der zugewiesenen Rechtsvertretung zu ihrer Person 

und summarisch zu ihren Gesuchsgründen befragt. An der gemeinsamen 

Befragung nahm gemäss Aktenlage ausserdem der volljährige Bruder teil.  

A.e Am 8. Oktober 2021 wurden die zwei älteren Kinder im Beisein der 

Beiständin beziehungsweise des Beistandes sowie einer Mitarbeiterin der 

zugewiesenen Rechtsvertretung angehört. Die Anhörungen wurden ge-

mäss Aktenlage einzeln und auch ohne Anwesenheit des volljährigen Bru-

ders geführt. Im Anschluss an die Anhörungen verwies das SEM die Be-

handlung der Gesuche der drei Kinder ins erweiterte Verfahren. Im Falle 

des jüngsten Kindes wurde aufgrund seines noch kindlichen Alters auf die 

Durchführung einer Anhörung verzichtet. Seine Beiständin reichte am 

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Seite 3 

22. Dezember 2021 eine Stellungnahme zu den Gesuchsgründen zu den 

Akten.  

B.  

B.a Aus den Akten geht hervor, dass F._______ das SEM ab dem 2. No-

vember 2020 und insbesondere ab dem 27. Juli 2021 – jeweils handelnd 

über eine Rechtsvertretung – um eine Vorprüfung und Abgabe einer zu-

stimmenden Erklärung zur Erteilung von humanitären Visa ersucht hatte, 

weil es seinen Geschwistern – welches Waisen seien – nicht zuzumuten 

sei, sich ohne entsprechende Zusicherung auf den Weg zu einer schwei-

zerischen Botschaft zu machen:  

In der Eingabe vom 2. November 2020 wurde zunächst angeführt, die Mut-

ter und Geschwister von F._______ seien nach dessen Ausreise vom Vater 

aus dem Haus geworfen worden, weil die Mutter ihn gegen den Willen sei-

nes Vaters bei seiner Flucht unterstützt habe. Die Mutter sei zwar in der 

Folge mit seinen Geschwistern bei ihrer Mutter untergekommen, also der 

gemeinsamen Grossmutter der Kinder. Die Mutter von F._______ sei je-

doch im Dezember 2019 überraschend verstorben, angeblich an einem 

Herzinfarkt. F._______ vermute allerdings eine Verwicklung seines Vaters 

in ihren Tod. Nach dem Tod der Mutter habe der Vater zwischenzeitlich be-

absichtigt, die Tochter A._______ mit einem älteren Mann zu verheiraten, 

und er habe sie oft geschlagen und beschimpft, weil diese sich geweigert 

habe. Der Vater sei dann aber im Juni 2020 bei einem bewaffneten Angriff 

getötet worden, jedenfalls liege auch ihn betreffend – wie schon betreffend 

die Mutter – eine Todesurkunde vor. Nach dem Tod des Vaters habe 

F._______ während einiger Zeit den Kontakt zu seinen Geschwistern ver-

loren, diese befänden sich jetzt aber wieder bei der Grossmutter. Diese sei 

aber selbst pflegebedürftig, sehr alt und dürfte sehr wahrscheinlich bald 

sterben. Die Kinder würden notdürftig von Nachbarn mit Essen versorgt.  

In der Eingabe vom 27. Juli 2021 wurde ergänzend ausgeführt, der Kontakt 

mit den Kindern sei zwischenzeitlich für fast zwei Monate abgebrochen. 

Die Situation im Norden Afghanistans habe sich zu dieser Zeit bereits so-

weit angespannt, dass sich niemand getraut habe, das Haus zu verlassen. 

Am 21. Juli 2021 habe F._______ die Kinder schliesslich wieder erreichen 

können. Sie hätten in der Obhut des Dorfältesten fliehen können und sich 

eine Weile lang ausserhalb von G._______ befunden. Momentan seien sie 

offenbar wieder in der Gegend. Aus dem Telefonat mit dem Dorfältesten 

sei hervorgegangen, dass dieser weder die finanzielle Möglichkeit noch 

den Willen besitze, sich weiter um die Kinder zu kümmern. Er glaube nicht 

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daran, dass für die Kinder effektiv eine Möglichkeit geschaffen werde, zu 

ihrem Bruder gelangen zu können. Er habe klargestellt, dass es ihm in die-

ser Situation und angesichts der verschärften Umstände (auch er sei ge-

fährdet, sein ganzes Hab und Gut zu verlieren) nicht mehr möglich sei, für 

die drei Kinder zu sorgen. Wenn diese in die Hände der Taliban fallen wür-

den, würden die Mädchen ohnehin verheiratet, mutmasslich mit Taliban-

kämpfern. Er werde sich keinesfalls (wohl ohnehin erfolglos) den Taliban in 

den Weg stellen. Daher sei es gar im lnteresse der Kinder, wenn er sich 

selbst nach Ehemännern umsehen würde. Zur Zukunft des knapp 11-jähri-

gen Bruders B._______ habe er sich nicht geäussert. Ihm drohe bei der 

vollständigen Machtübernahme die Zwangsrekrutierung durch die Taliban. 

B.b Anlässlich der Anhörung vom 8. Oktober 2021 machte A._______ gel-

tend, ihr Leben in Afghanistan sei in Gefahr gewesen. Es seien Leute ge-

kommen, um sie zu verheiraten. Zuerst seien die Frauen drei- oder viermal 

gekommen. Dann seien die Männer (bewaffnete Mullahs) fünf- oder sechs-

mal gekommen. Sie seien ja in den Händen ihres Onkels H._______ (das 

Oberhaupt der Strasse) gewesen. Diese Leute, die den Heiratsantrag ge-

macht hätten, hätten zu ihm gesagt: «Diese Kinder haben ja niemanden. 

Gib sie uns. Du brauchst ja nicht noch zusätzlichen Kummer. Das Mädchen 

ist schon fast erwachsen. Sie wird heiraten. Der andere Junge B._______ 

wird in einer Koranschule lernen. Wir nehmen das jüngste Mädchen 

C._______ auch mit. In zwei Jahren wird sie auch heiraten. Wir warten, bis 

sie ein bisschen älter wird.» Sie hätten gesagt, dass ihr Bruder in der Ko-

ranschule für die Selbstmordattentate vorbereitet werden würde. Ihr Onkel 

habe geantwortet, er gebe sie nicht und vielleicht komme bald der Bruder, 

um sie abzuholen. Wenn diese Mullahs gekommen seien, sei sie mit ihren 

Geschwistern im Hof gewesen. Nach diesen Besuchen habe sie sich jedes 

Mal umbringen wollen. Sie habe in das Wasserloch geschaut und vor ihren 

Augen seien ihre beiden Geschwister und auch ihre Mutter erschienen. 

Dann habe sie die Kraft verloren, sich umbringen zu wollen, und sich beru-

higt. Die Frau des Onkels habe diesem gesagt, dass er sie weggeben solle. 

Sie habe sich um ihre eigene Sicherheit gesorgt. Sie habe sie und ihre 

Geschwister auch mit dem Kabel auf den Kopf und mit dem Besen ge-

schlagen. Während den Markttagen habe sie sie nach draussen geschickt 

und gesagt, sie sollten ihr tägliches Brot selber verdienen. Sie (die Be-

schwerdeführerin) sei dann mit ihren Geschwistern betteln gegangen. Der 

Onkel habe zu seiner Frau gesagt, er könne die Kinder nicht weggeben 

und sie solle noch ein bisschen Geduld haben, vielleicht komme in ein paar 

Tagen der Bruder und hole sie ab. Eines Nachts, nachdem sie etwas ge-

gessen und sich schlafen gelegt hätten, sei sie um Mitternacht von Lärm 

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geweckt worden. Sie habe gehört, dass das Tor an die Wand geschlagen 

worden sei. Dann habe sie gehört, wie Onkel H._______ geschrien habe: 

«Oh, sie kommen! Oh, sie kommen!» Sie seien aufgeweckt worden und 

Onkel H._______ habe zu ihnen gesagt: «Jetzt schnell, steht auf! Schnell, 

kommt raus.» Sie seien rausgekommen und vor der Türe habe ein Auto 

gestanden. Sie seien nach I._______ gebracht worden. Die Kinder von On-

kel H._______ hätten ihnen gesagt, wenn sie noch fünf Minuten geblieben 

wären, wären sie erwischt worden. Das Haus des Onkels sei durchsucht 

und er sei verprügelt worden. Sie hätten nach den Waisenkindern gefragt. 

Ihr Onkel habe gesagt, sie seien von ihrem Bruder abgeholt worden. Sie 

seien lange in I._______ geblieben, noch einmal kurz nach G._______ ge-

gangen und dann über Kabul ausgereist. Auf Nachfrage durch die Sachbe-

arbeiterin gab A._______ an, sie könne sich nicht mehr an ihren Vater er-

innern. Sie wisse nicht, wann sie ihn das letzte Mal gesehen habe. Wegen 

der Schläge auf den Kopf habe sie Mühe, sich zu erinnern.  

B.c Der Bruder B._______ machte anlässlich der Anhörung geltend, er sei 

in die Schweiz geflüchtet, weil er keine Eltern mehr habe und sein Bruder 

hier in der Schweiz sei. Sie seien in den Händen von Onkel H._______ 

geblieben, dessen Frau sehr böse zu ihnen gewesen sei und sie mit einem 

Besen auf den Kopf geschlagen habe. Sie habe sie in ein dunkles Zimmer 

gesperrt und zum Betteln auf den Markt geschickt. Fünf oder sechs Mal 

seien die Mullahs gekommen. Sie hätten schrecklich ausgesehen und 

auch Waffen getragen. Diese Mullahs hätten zum Onkel gesagt: «Gib uns 

diese Waisenkinder. Die Schwester von B._______ wird mit einem Mullah 

verheiratet. Wir nehmen die jüngere Schwester auch mit und ihn schicken 

wir in eine Koranschule. Wir erziehen ihn für unsere Attentate...» Er habe 

später von den Nachbarn gehört, dass man in einer Koranschule für ein 

Selbstmordattentat erzogen werde. Als die Mullahs gegangen seien, hätten 

sich sein Onkel und dessen Frau heftig gestritten. Sie habe gefordert, dass 

er sie weggebe, aber er habe sich geweigert. Sie hätten dann etwas ge-

gessen und seien schlafen gegangen. In der Nacht seien sie aufgeweckt 

worden. Der Onkel habe gesagt: «Steht auf, schnell! Steht auf! Ihr sollt jetzt 

weggehen.» Er habe sie in ein Auto verfrachtet und sie seien weggefahren 

worden. Der Autofahrer habe sie irgendwo hingebracht und sie hätten dort-

bleiben müssen. Dann habe der Onkel sie am gleichen Tag zu sich geholt 

und sie mit dem Vater eines Jungen weggeschickt. So seien sie in die 

Schweiz gekommen. 

B.d In der Stellungnahme zu den Gesuchsgründen der jüngeren Schwes-

ter C._______ vom 22. Dezember 2021 wurde durch die Beiständin 

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ausgeführt, das Mädchen leide immer noch unter ihren Erlebnissen in Af-

ghanistan und sei sehr ängstlich, schüchtern und misstrauisch. Sie habe 

immer noch Mühe darüber zu berichten und werde, darauf angesprochen, 

von Weinkrämpfen richtiggehend geschüttelt. Sie habe die drohende 

Zwangsverheiratung kaum oder nur am Rande mitbekommen, weil weder 

der Mann, bei welchem sie gewohnt habe, noch der ältere Bruder sie über 

diese Gefahr informieren und damit zusätzlich habe belasten wollen. Den-

noch habe sie die beklemmende Angst ihrer älteren Schwester und ihres 

älteren Bruders in Afghanistan miterlebt und sich davor gefürchtet, den Ta-

liban oder den „Mullahs zum Heiraten“ übergeben zu werden, wie sie es 

sage. 

C.  

Das SEM lehnte die Asylgesuche von A._______, B._______ und 

C._______ am 30. Mai 2022 im Rahmen von drei separaten Verfügungen 

ab, nach jeweiliger Feststellung der Nichterfüllung der Flüchtlingseigen-

schaft und verbunden mit der Anordnung der Wegweisung. Vom SEM 

wurde jedoch für alle Kinder die vorläufige Aufnahme in der Schweiz ange-

ordnet. Auf die vorinstanzliche Entscheidbegründung wird, soweit wesent-

lich, nachfolgend eingegangen.  

Diese Verfügungen wurden den drei Kindern am 1. Juni 2022 über ihre 

amtliche Beiständin beziehungsweise ihren Beistand eröffnet.  

D.  

Die rubrizierte Rechtsvertreterin gelangte am 30. Juni 2022 (Poststempel) 

ans Bundesverwaltungsgericht, indem sie "namens und in Vollmacht von 

Familie J._______" gegen die drei vorgenannten Verfügungen Be-

schwerde erhob. In ihrer Eingabe beantragte sie zur Hauptsache, der Ent-

scheid des SEM vom 30. Mai 2022 betreffend Asyl sei aufzuheben und den 

Beschwerdeführenden sei unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 

Asyl in der Schweiz zu gewähren, eventualiter sei der Entscheid des SEM 

zu weiteren Sachverhaltsabklärungen zurückzuweisen. In prozessualer 

Hinsicht ersuchte sie darum, ihren Mandanten die unentgeltliche Prozess-

führung und einen unentgeltlichen Rechtsbeistand zu bewilligen. Auf die 

Beschwerdevorbringen und die mit der Beschwerde zur Sache vorgelegten 

Beweismittel – Kopie eines angeblichen Suchbefehls der Taliban und eine 

diesbezügliche Übersetzung – wird, soweit wesentlich, nachfolgend einge-

gangen.  

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Seite 7 

E.  

Da mit der Beschwerde noch keine rechtsgenügliche Vollmacht der Be-

schwerdeführenden vorgelegt worden war (vgl. dazu im Einzelnen die Ak-

ten), wurde die Rechtsvertreterin mit Zwischenverfügung des Bundesver-

waltungsgerichts vom 6. Juli 2022 zur Verbesserung aufgefordert. Dieser 

Aufforderung kam sie mit Eingabe vom 15. Juli 2022 und damit innert der 

ihr angesetzten Frist nach.  

Nach Eingang dieser Eingabe wurden mit Zwischenverfügung des Bundes-

verwaltungsgerichts vom 12. August 2022 die Verfahren betreffend die drei 

Beschwerdeführenden vereinigt, ihren Gesuchen um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und amtlichen Verbeiständung entsprochen 

und ihnen antragsgemäss die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche 

Rechtsbeiständin beigeordnet. Gleichzeitig wurde das SEM zur Vernehm-

lassung eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG).  

F.  

In seiner Vernehmlassung vom 29. August 2022 hielt das SEM an den an-

gefochtenen Verfügungen fest. Auf den Inhalt der vorinstanzlichen Ver-

nehmlassung wird, soweit wesentlich, nachfolgend eingegangen.  

G.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 19. September 2022 hielten die 

Beschwerdeführenden an ihrer Beschwerde und insbesondere an dem mit 

der Beschwerdeschrift in Kopie vorgelegten Beweismittel fest. Dabei stell-

ten sie die Nachreichung des Originals innert Monatsfrist in Aussicht.  

H.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 26. September 2022 reichten sie 

das in Aussicht gestellte Original des Suchbefehls der Taliban zu den Ak-

ten. 

I.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 5. Juni 2023 machten sie geltend, 

der Onkel H._______ sei in Afghanistan durch die Taliban hingerichtet wor-

den, weil er die Kinder versteckt habe. 

  

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Seite 8 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; (…) (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Seite 9 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung in Bezug auf 

A._______ im Wesentlichen aus, auch wenn die Situation von Mädchen 

und Frauen in Afghanistan unbestritten als schwierig zu bezeichnen sei 

(vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3501/2019 vom 

21. August 2019 E. 5.4.5), seien für die Annahme einer begründeten Furcht 

im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG beziehungsweise einer Verfolgungsgefahr 

der blosse Verweis auf hypothetische Zukunftsszenarien nicht ausrei-

chend. Es möge aus subjektiver Sicht zwar nachvollziehbar erscheinen, 

dass sich A._______ vor einer erzwungenen Verheiratung mit einer ihr un-

bekannten Person gefürchtet habe, nachdem diese fremden Personen On-

kel H._______ besucht und um ihre Hand angehalten hätten. Objektiv ge-

sehen sei jedoch zu beachten, dass der Onkel H._______, der damals 

nach dem Tod ihrer Eltern faktisch die elterliche Sorge respektive die Ver-

antwortung für sie übernommen, sich klarerweise gegen eine Vermählung 

gestellt habe. So habe sie zu Protokoll gegeben, dass er entgegen dem 

Willen seiner Frau sogar explizit gesagt habe, dass er sie nicht zur Verhei-

ratung hergebe.  

In der Verfügung in Bezug auf C._______ wurde ergänzend festgehalten, 

ihre Schwester A._______ habe anlässlich der Anhörung ausgeführt, dass 

bei ihr aufgrund des Alters zugewartet würde, bis sie verheiratet würde. 

Soweit sie geltend mache, dass der Onkel H._______ sie demnächst «zu 

ihrem Schutz» verheiratet hätte und sich diese Gefahr durch die Macht-

übernahme der Taliban akzentuiert hätte, bleibe festzuhalten, dass in die-

sem Zusammenhang die Anforderungen der Unmittelbarkeit der begründe-

ten Furcht im vorstehenden Sinn nicht erfüllt seien. So seien zahlreiche 

Details unbekannt, beispielsweise wen sie hätte heiraten müssen, das Hei-

ratsdatum oder die Mitgift. 

4.2 Soweit A._______ mit der erst anlässlich der Anhörung vorgebrachten 

Entführung, die im letzten Moment habe abgewendet werden können, die 

Unmittelbarkeit der drohenden Zwangsverheiratung geltend mache, bleibe 

anzumerken, dass an deren Glaubhaftigkeit grosse Zweifel bestünden. So 

falle zunächst auf, dass sie dieses Ereignis in der Erstbefragung mit kei-

nem Wort – auch nicht ansatzweise – erwähnt habe. Im Übrigen seien ihre 

Schilderungen wenig überzeugend ausgefallen. Es sei nicht 

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nachvollziehbar, weshalb der Onkel H._______ bei einem unerwarteten 

Angriff durch die Mullahs «Sie kommen» gerufen haben und zur gleichen 

Zeit mitten in der Nacht bereits ein Fluchtauto bereitgestanden haben solle. 

Die Wiedergabe beziehungsweise Protokollierung der direkten Rede («Wo 

sind diese Waisenkinder?»; «Der ältere Bruder hat sie abgeholt.») erwecke 

zwar den Anschein eines Realkennzeichens. Bei genauer Betrachtung sei 

jedoch erkennbar, dass es sich weder um die Wiedergabe eines Dialogs 

handle, noch dass A._______ diese Gespräche hätte persönlich miterlebt 

haben können. Darüber hinaus fehle es ihren Erzählungen an erlebnisge-

prägten Details. Vorliegend seien demnach keine Hinweise erkennbar, die 

darauf schliessen lassen würden, dass ihnen eine Zwangsverheiratung un-

mittelbar bevorgestanden habe.  

In der Verfügung in Bezug auf B._______ hielt die Vorinstanz fest, die Rek-

rutierungsversuche durch die Mullahs würden in seinem Fall auf keinem 

flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv beruhen. Das von ihm dargelegte Vor-

gehen der Mullahs verfolge nicht das Ziel, ihn aufgrund seiner Zugehörig-

keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe zu treffen beziehungsweise ihn 

deswegen zu verfolgen. Vielmehr habe er in jenem Zeitpunkt die von den 

Mullahs respektive Taliban gewünschten Eigenschaften erfüllt – männlich 

und in einem bestimmten Alter – weshalb er für ihre Zwecke geeignet 

schien. Den Akten seien keine Hinweise betreffend zusätzliche Risikofak-

toren zu entnehmen, wonach die Mullahs respektive Taliban ihn nicht als 

«normalen» Jugendlichen, sondern als Feind und Verräter betrachtet ihm 

mithin eine oppositionelle Gesinnung unterstellt hätten (vgl. hierzu Urteile 

des BVGer D-1257/2020 vom 16. März 2020, E. 5.5, E-1521/2018 vom 31. 

Mai 2019, E. 5.4 und D-7291/2017 vom 22. April 2019, E. 5.2). Für den 

Zeitpunkt der Ausreise sei eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung 

durch die Mullahs daher zu verneinen. Diese Einschätzung werde zudem 

dadurch bekräftigt, dass er angegeben habe, dass auch die Söhne von 

seinen Nachbarn mitgenommen worden seien.  

4.3 Die Gewalt, welche die Beschwerdeführenden durch Dritte, namentlich 

die Frau von Onkel H._______, erlitten hätten, sei zweifellos bedauerlich. 

Abgesehen von der fraglichen Intensität der Behelligungen, um als flücht-

lingsrechtlich relevant eingestuft zu werden, sei jedoch festzustellen, dass 

es am erforderlichen flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv mangle. So gehe 

aus ihren Schilderungen nicht hervor, dass die Frau von Onkel H._______ 

sie aufgrund eines in Art. 3 AsylG abschliessend aufgezählten Verfolgungs-

motivs geschlagen habe. Deshalb sei vorliegend eine flüchtlingsrechtliche 

Relevanz zu verneinen.  

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Seite 11 

Es sei dem SEM bewusst, dass die Sicherheitslage in Afghanistan als 

prekär einzustufen sei (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] 

D-4705/2016 vom 14. Juni 2021 E. 9.4.1 m.H. auf Referenzurteil des 

BVGer D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 7). Die von den 

Beschwerdeführenden geschilderten Nachteile lägen jedoch hauptsächlich 

in der schwierigen Sicherheitslage begründet, von welcher die gesamte 

Bevölkerung in der Region gleichermassen betroffen sei. 

Im Rahmen der Entscheidfindung seien die Akten des Visumsverfahrens 

konsultiert worden. Insbesondere bezüglich der im Visumsgesuch vom 

2. November 2020 geltend gemachten drohenden Zwangsverheiratung 

durch den Vater bleibe anzumerken, dass A._______ diese in den Gesprä-

chen mit dem SEM nicht (mehr) erwähnt habe. Vielmehr habe sie – ange-

sprochen auf ihren Vater – angegeben, sich nicht mehr an ihn erinnern zu 

können. Ferner würden die Ausführungen im Visumsgesuch vom 27. Juli 

2021, wonach der Onkel H._______ geäussert habe, dass es in ihrem In-

teresse sei, wenn er sich selbst nach Ehemännern für sie und ihre Schwes-

ter umsehe, nicht mit ihren Schilderungen übereinstimmen, wonach er 

gleichzeitig sich nicht nur gegen ihre Verheiratung mit den Mullahs einge-

setzt habe, sondern auch darauf hingearbeitet habe, dass sie zu ihrem äl-

teren Bruder in die Schweiz gehen könne. Ohne die schwierige Lage zu 

verkennen, in der Mädchen und insbesondere unverheiratete Frauen in Af-

ghanistan seien, sei jedoch festzustellen, dass diese Ungereimtheit inso-

weit unerheblich sei, als dass selbst die Annahme, Onkel H._______ hätte 

sie eines Tages angesichts der allgemeinen Lage «zu ihrem Schutz» ver-

heiratet, nicht den Anforderungen der Unmittelbarkeit der begründeten 

Furcht entspreche. Bezüglich der Ausführungen im Visumsgesuch vom 2. 

November 2020, wonach B._______ die Ausbeutung als sogenannter 

Bacha Bazi (Tanzjunge; Anm. des Gerichts) gedroht habe, bleibe anzumer-

ken, dass er dieses Vorbringen in den Gesprächen mit dem SEM nicht an-

satzweise erwähnt habe. Darüber hinaus seien seinen Schilderungen auch 

keine konkreten Hinweise für die Drohung einer solchen Ausbeutung zu 

entnehmen. 

Die Rechtsvertretung der Beschwerdeführenden habe sodann beantragt, 

bei Zweifeln und Unklarheiten ihren älteren Bruder F._______ ergänzend 

anzuhören. Eine ergänzende Anhörung dränge sich indes nicht auf, zumal 

ihr in der Schweiz wohnhafter Bruder während den vorgebrachten Ereig-

nissen gar nicht vor Ort anwesend gewesen sei und die Geschehnisse nur 

vom Hörensagen kenne. Im Übrigen werde vorliegend aufgrund der feh-

lenden Asylrelevanz darauf verzichtet auf weitere Unglaubhaftigkeitsele-

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Seite 12 

mente in ihren Vorbringen einzugehen. Diesbezüglich sei jedoch ein aus-

drücklicher Vorbehalt anzubringen.  

Zusammenfassend bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass 

die Beschwerdeführenden im Entscheidzeitpunkt bei einer Rückkehr nach 

Afghanistan mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein 

würden. 

4.4 In der Beschwerde wird ausgeführt, nach Erhalt der negativen Ent-

scheide der Vorinstanz habe F._______ in seinem Freundeskreis im afgha-

nische Wohnquartier nachgefragt, ob jemand etwas von Onkel H._______ 

gehört habe. Dieser scheine nicht mehr im Quartier zu leben, zumal er 

mehrmals unter Druck der Taliban gesetzt worden sei. Jedoch sei es einem 

Freund (K._______) möglich gewesen, bei den Behörden nachzufragen 

und dieser habe ein Dokument erhalten, woraus ersichtlich sei, dass die 

Taliban zielgerichtet nach den Kindern suchen würden, nachdem «Dorfbe-

wohner» im Januar 2022 sie als vermisst angezeigt hätten. Obwohl offiziell 

geschrieben werde, dass die Kinder gesucht würden, um sie den beunru-

higten Familien zurückzugeben, gehe es in Wirklichkeit darum, dass die 

Kinder nun als Verräter angesehen würden, weil sie vor den Taliban ge-

flüchtet seien. Es gebe in Afghanistan weder Familienangehörige, noch an-

dere Personen, die sich Sorgen um die Kinder machen würden. Deshalb 

sei die Begründung der Suche anzuzweifeln. Die Unterlagen seien über-

setzt worden, jedoch werde es wahrscheinlich Monate dauern, bis die Ori-

ginaldokumente in der Schweiz eintreffen würden. Es falle auf, dass die 

Vorinstanz Widersprüche aus den Aussagen der Kinder von damals drei-

zehn, elf und neun Jahren suche oder die Aussagen als wenig überzeu-

gend und detailliert einstufe. Es sei darauf hinzuweisen, dass die Kinder in 

dem jungen Alter den Krieg, den Verlust beider Eltern, Gewalt der betreu-

enden Frau und eine lange Reise in ein unbekanntes Land hätten erleben 

müssen und die Vorinstanz deshalb die Aussagen mit einer gewissen Vor-

sicht in Betracht ziehen müsse. Es sei den Kindern nicht vorzuwerfen, sie 

hätten bei der Anhörung nicht die gleichen Gründe wie beim Konsulat an-

gegeben. Die Vorinstanz habe zu hohe Anforderungen an das Glaubhaft-

machen des Sachverhalts gestellt und verletze ihr Ermessensrecht. Zudem 

seien die Kinder im Rahmen der Beurteilung der Glaubhaftigkeit nicht mit 

den in der Verfügung aufgeführten Ungereimtheiten konfrontiert worden 

und hätten keine Gelegenheit zur Klärung erhalten, weshalb der Anspruch 

auf rechtliches Gehör verletzt worden sei. Die Angst vor einem weiteren 

Verbleib in Afghanistan sei begründet und nachvollziehbar. Es sei an der 

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Seite 13 

Glaubwürdigkeit nicht zu zweifeln. Die Ausführungen seien realistisch, 

plausibel, glaubwürdig und asylrelevant. Es drohe den Beschwerdeführen-

den weiterer untragbarer psychischer Druck, weshalb ihnen Asyl zu ge-

währen sei. Es könne absolut nicht mehr ausgeschlossen werden, dass 

seitens der Taliban kein Interesse an den Personen bestehe. 

Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden das er-

wähnte Schreiben der Taliban in Kopie zu den Akten. 

4.5 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, in den angefochtenen 

Verfügungen seien hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten 

Vorbringen zwar Vorbehalte angebracht worden. Die Ablehnung der Asyl-

gesuche sei jedoch nicht auf die fehlende Glaubhaftigkeit, sondern unter 

anderem auf die fehlende begründete Furcht (bei den Beschwerdeführe-

rinnen) respektive auf das fehlende flüchtlingsrechtlich relevante Motiv 

(beim Beschwerdeführer) zurückzuführen. Soweit in der Beschwerde gel-

tend gemacht werde, dass das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden 

verletzt worden sei, indem diese nicht mit Unklarheiten und Ungereimthei-

ten konfrontiert worden seien und ihnen auch keine Gelegenheit zur Klä-

rung gegeben worden sei, bleibe auf die Anhörungsprotokolle vom 8. Ok-

tober 2022 zu verweisen. Wie aus diesen hervorgehe, sei die Durchführung 

einer kindesgerechten Anhörung erschwert gewesen durch den angeschla-

genen mentalen Gesundheitszustand von A._______ und B._______. 

A._______ habe davon berichtet, dass sie mehrere Male Suizidgedanken 

gehabt habe und sich bereits mehrmals habe umbringen wollen. Sie habe 

ferner angegeben, dass sie sich aufgrund der Erlebnisse nicht einmal mehr 

an ihren Vater erinnern könne. An verschiedenen Stellen des Protokolls 

habe sie ausserdem Tränen in den Augen gehabt. Auch B._______ habe 

mehrmals weinen müssen und über seine Vertrauensperson mitteilen las-

sen, dass es für ihn extrem schwierig sei, über das Erlebte zu sprechen. 

Unter diesen Umständen sei es im vorliegenden Fall aus Sicht des SEM 

nicht vertretbar gewesen, die Beschwerdeführenden mit allfälligen Unge-

reimtheiten zu konfrontieren und zusätzlich zu verunsichern, zumal die 

flüchtlingsrechtlich relevante Komponente ihres Erachtens offenkundig 

nicht gegeben sei. Dementsprechend sei die ablehnende Verfügung auch 

nicht mit der fehlenden Glaubhaftmachung begründet worden, sondern mit 

der mangelnden Asylrelevanz (keine objektiv begründete Furcht, dass sich 

die vorgebrachte Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-

sehbarer Zukunft verwirklichen würde beziehungsweise kein flüchtlings-

rechtlich relevantes Motiv). 

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Seite 14 

Das auf Beschwerdeebene nachgereichte Dokument, das von den Taliban 

ausgestellt worden sei, liege einerseits nur in Kopie vor. Andererseits frage 

sich, weshalb ein Dokument der Taliban aus dem Jahr 2022 noch das Emb-

lem der vorherigen islamischen Republik Afghanistans (2004 bis 2021) tra-

gen solle. Obwohl das Dokument zwar diverse Stempel, Fingerabdrücke 

und Registernummern aufweise, komme diesem mangels verifizierbarer 

Sicherheitsmerkmale demnach bloss der Beweiswert eines Gefälligkeits-

schreibens zu. 

4.6 In ihrer Replik führten die Beschwerdeführenden aus, zum Emblem auf 

dem Dokument könnten nur Vermutungen ausgesprochen werden. Es sei 

möglich, dass es weiterhin für offizielle Dokumente angewendet werde. Die 

Sicherheitsmerkmale könne die Vorinstanz nach Erhalt des Originals über-

prüfen lassen. In solchen Fällen seien die Beschwerdeführenden darauf 

angewiesen, dass das SEM von Amtes wegen aktiv werde, um die Aussa-

gen und Beweismittel der Kinder zu verifizieren. 

Im Nachgang zur Replik reichten die Beschwerdeführenden das Original 

des erwähnten Schreibens der Taliban zu den Akten und machten später 

geltend, der Onkel H._______ sei von den Taliban hingerichtet worden. 

5.  

5.1 In der Beschwerde wird beantragt, der Entscheid des SEM sei zu wei-

teren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Auch 

wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend gemacht, weil die Be-

schwerdeführenden nicht mit den in der Verfügung aufgeführten Unge-

reimtheiten konfrontiert worden seien und keine Gelegenheit zur Klärung 

erhalten hätten. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen.  

5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mit-

wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Unrichtig 

ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung 

ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt 

wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde 

trotz der geltenden Untersuchungsmaxime (Art. 12 ff. VwVG) den Sachver-

halt nicht von Amtes wegen abgeklärt, oder nicht alle für den Entscheid 

wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, 

in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29). 

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Seite 15 

5.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-

spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. 

VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der 

Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-

zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-

hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 

tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 

berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-

schlagen muss (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3). 

6.  

6.1 Nachfolgend ist zunächst auf die Fluchtgründe der beiden Mädchen 

einzugehen. Das SEM führt dazu aus, es sei nicht von der Unmittelbarkeit 

einer Zwangsverheiratung auszugehen, weshalb die Frage der Glaubhaf-

tigkeit offenbleiben könne. Dieser Argumentation vermag sich das Gericht 

jedoch nicht anzuschliessen.  

6.2 Vorauszuschicken ist, dass das SEM in seiner Argumentation nicht 

konsistent ist, wenn es auf der einen Seite ausführt, die Glaubhaftigkeit 

offen zu lassen, weil die Anhörung nicht korrekt abgeschlossen werden 

konnte, und auf der anderen Seite einzelne Sachverhaltselemente, wie die 

angebliche Flucht in der Nacht, dann doch einer Glaubhaftigkeitsprüfung 

unterzieht.  

6.3 Begründet ist die Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur 

Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus-

reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-

licht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr-

scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hin-

reichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die 

bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und da-

mit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurtei-

lung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfol-

gen und ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Er-

lebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu er-

gänzen. Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objek-

tive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2014/27 

E. 6.1 und 2010/57 E. 2).  

6.4 Zwar ist den Akten zu entnehmen, dass der Onkel H._______ die Ver-

antwortung für die Kinder übernommen und sich gegen eine Vermählung 

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Seite 16 

gestellt hat, dies aber angeblich nur unter der Voraussetzung, dass die Kin-

der bald zu ihrem Bruder in die Schweiz könnten. Gemäss den Angaben in 

den Visumsunterlagen habe er stets klar signalisiert, dass er die Kinder 

nicht langfristig beherbergen könne und sich nicht mehr lange für diese 

einsetzen könne, schon gar nicht, wenn die Taliban wieder die Macht über-

nommen hätten. Dem Bruder der Beschwerdeführerin habe er am Telefon 

zuletzt gesagt, er glaube nicht mehr an eine Übersiedlung und es wäre 

besser, er würde für die Mädchen selbst Ehemänner suchen, anstatt dass 

sie in die Hände der Taliban fallen würden. Dass er sich auch gegen den 

Willen seiner Frau für die Kinder eingesetzt habe, wäre für das Gericht eher 

als Hinweis darauf zu werten, dass er die Situation angesichts des zusätz-

lichen Drucks seiner Frau, welche offenbar eine klare Haltung zur Frage 

der Übergabe an die Taliban hatte, nicht mehr lange hätte aufrechterhalten 

können. Auch dass es sich bloss um hypothetische Zukunftsszenarien han-

delt, überzeugt angesichts der angeblich bereits erfolgten Besuche der 

Mullahs nicht. Die Unmittelbarkeit der drohenden Verfolgung muss auch 

vor dem Hintergrund der damals dramatischen Lage in Afghanistan gese-

hen werden, welches kurz vor der Machtübernahme durch die Taliban ge-

standen hat.  

6.5 Sollten die entsprechenden Vorbringen also als glaubhaft erachtet wer-

den, dürfte zumindest für A._______ zweifellos von einer objektiv begrün-

deten Furcht vor einer Zwangsehe im Kindesalter auszugehen sein. Auch 

das Schicksal von C._______ würde sich unter den geltend gemachten 

Umständen als äusserst prekär darstellen, erscheinen doch die angebli-

chen Zusicherungen der Taliban, mit der Verheiratung noch zwei Jahre zu-

zuwarten, alles andere als vertrauenswürdig.  

6.6 Eine Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdefüh-

renden fällt auf Beschwerdeebene jedoch ausser Betracht, zumal sich die 

Vorinstanz dazu noch nicht abschliessend geäussert hat. Eine Heilung ist 

auch deshalb ausgeschlossen, weil für eine entsprechende Prüfung der 

Sachverhalt vorliegend nicht genügen erstellt wurde. Das SEM führt dazu 

im Rahmen der Vernehmlassung auf den Vorwurf der Verletzung des recht-

lichen Gehörs selber aus, eine kindergerechte Anhörung sei durch die 

schlechte gesundheitliche Situation der Beschwerdeführenden erschwert 

gewesen, weshalb eine Konfrontation mit Ungereimtheiten und Widersprü-

chen insbesondere auch zu den Aussagen in den Visumsunterlagen nicht 

möglich gewesen sei. Eine weitere Klärung des Sachverhalts scheint unter 

den gegebenen Umständen unabdingbar, zumal mit dem SEM einig zu ge-

hen ist, dass gewichtige Ungereimtheiten bestehen. So gab A._______ an, 

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Seite 17 

sie könne sich nicht an ihren Vater erinnern (vgl. Akte 1107127-16/9, F30 

ff.). Ganz im Gegensatz dazu, wurde im Visumsgesuch angegeben, der 

Vater habe sie ebenfalls zwangsverheiraten wollen und weil sie sich gewei-

gert habe, habe er sie geschlagen und beschimpft (vgl. Akte 1107127-

17/29). Sodann sagte A._______ an der Erstbefragung auch, ihre Eltern 

seien verstorben. Gleichzeitig sagte sie aber, «sie wisse ehrlich gesagt 

nicht, was mit ihnen sei» (vgl. Akte 1107127-11/8, S. 4). Damit bleibt die 

Situation der Eltern ebenfalls im Unklaren. Solche Ungereimtheiten bedürf-

ten zweifellos der Klärung. 

6.7 Zwar erscheint die Verneinung der Asylrelevanz im Zusammenhang mit 

einer drohenden Zwangsrekrutierung von B._______ im Ergebnis grund-

sätzlich überzeugend, insbesondere mit Blick auf die veränderten Um-

stände vor Ort. Auch in Bezug auf B._______ hat sich das SEM jedoch zur 

Glaubhaftigkeit einzelner Sachverhaltselemente geäussert, insbesondere 

bezüglich der Gefahr der sexuellen Ausbeutung durch die Taliban, was auf-

grund des nur teilweise geklärten Sachverhalts als äusserst problematisch 

erscheint. Vor allem aber rechtfertigt es sich aufgrund des sachlichen Zu-

sammenhangs der Asylgründe der drei Geschwister – auch mit Blick auf 

die Möglichkeiten der Erstellung des Sachverhalts – die Verfahren weiter-

hin koordiniert zu behandeln. 

6.8 Nach dem Gesagten verletzen die angefochtenen Verfügungen den 

Anspruch auf eine rechtsgenügliche Feststellung des Sachverhaltes und 

auf Gewährung des rechtlichen Gehörs.  

7.  

Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht 

in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. 

Im vorliegenden Fall erscheint es wie erwähnt nicht angebracht, die feh-

lende Entscheidungsreife durch die Beschwerdeinstanz herzustellen. Es 

ist nicht Aufgabe des Bundesverwaltungsgerichts – welches in Asylsachen 

die einzige Beschwerdeinstanz ist – für eine vollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Somit erscheint es vorliegend 

als angezeigt, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur 

richtigen und vollständigen Feststellung des Sachverhalts mittels Durch-

führung einer erneuten Anhörung der Beschwerdeführenden unter Um-

ständen mit Hilfe von geschulten Personen an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. Nachdem die Kinder heute zwei Jahre älter geworden sind und sich 

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Seite 18 

während den zwei Jahren, in denen sie sich nun in der Schweiz befinden, 

haben stabilisieren können, geht das Gericht davon aus, dass die Erstel-

lung des Sachverhalts nunmehr möglich sein sollte. Nötigenfalls kann auch 

der Bruder der Beschwerdeführenden in die Sachverhaltsermittlung einbe-

zogen werden. Zwar ist dem SEM darin beizupflichten, dass er den Sach-

verhalt nur vom Hörensagen kennt. Offenbar hat er den ganzen Prozess 

aber intensiv mitbegleitet und auch die Gesuche um humanitäre Visa, wel-

che die widersprüchlichen Aussagen enthalten, mitverfasst. 

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Die Verfügungen vom 

30. Mai 2022 sind aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.  

Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Die bei den Akten liegende Kostennote erscheint den Verfahrensumstän-

den als angemessen. Im Nachgang zur Replik wurden weitere Prozess-

handlungen nötig. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädi-

gung ist auf insgesamt Fr. 1400.– (inkl. Auslagen; in der Honorarnote wird 

kein Mehrwertsteuerzuschlag geltend gemacht) festzusetzen.  

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügungen beantragt wird. 

2.  

Die Verfügungen des SEM vom 30. Mai 2022 werden aufgehoben und die 

Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das SEM zurück-

gewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insge-

samt Fr. 1400.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner 

 

 

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