# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2a4f96aa-2076-5cc3-a855-ae3301dc7aaf
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240327-O1
**Docket/Reference:** SB240327-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240327-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240327-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. M. Langmeier, Präsident, und lic. iur. R. Faga, 

Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Laufer sowie Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Maurer

Urteil vom 12. Juni 2025

in Sachen

A._____,

Beschuldigte und Berufungsklägerin

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Widerruf 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, 

vom 20. März 2024 (DG230131)

- 2 -

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. August 2023 

(Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk.  61 S. 57 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz 

i.S.v. Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.

2.

Die Beschuldigte wird bestraft mit 48 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute 

107 Tage durch Haft erstanden sind.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Der bedingte Vollzug der Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.– gemäss Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft Baden vom 10. Oktober 2022 wird widerrufen.

Die Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB für 8 Jahre des Landes verwiesen.

Auf eine Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird 

verzichtet.

3.

4.

5.

6.

7.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. April 2023 

beschlagnahmten und bei der Kasse der Staatsanwaltschaft Zürich, Stauffacherstrasse 55, 

Postfach 8036 Zürich, lagernden Barschaften werden eingezogen:





Bargeld Fr. 340.– (A017'260'945),

Bargeld Fr. 19'250.– (A017'261'346).

8.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 19. Juli 2023 be-

schlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich unter der BM-Lagernummer B00699-2023 

und B00764-2023 lagernden Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien werden ein-

gezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung 

überlassen:









Crystal Meth Probe (A017'240'641),

vier Pakete Crystal Meth (A017'261'039),

weisser Plastiksack mit BM-Zubehör (A017'261'040),

schwarzer Stoffbeutel (A017'261'051),

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

















2 Latexhandschuhe (A017'2611073),

Löffel mit BM-Rückständen (A017'261'095),

Nagelschere (A017'261'119), 

Kugelschreiber (A017'261'120),

Haargummi (A01 7'261'142),

2 Feinwaagen (A017'261'153),

div. Minigrips (A017'261'164),

Vakuumbeutel (A017'261'233),

Minigrip mit Crystal Meth (A017'261'277).

9.

Die folgenden beim Forensischen Institut Zürich unter der Geschäftsnummer 84837321 

lagernden DNA-Spuren bzw. Spurenträger werden der Lagerbehörde nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen:















DNA Tape (A017'260'489),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'374),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'421),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'432),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'465),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'476),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'545).

10.

Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'500.–

; die weiteren Kosten betragen:

3'100.–

  Gebühr für das Vorverfahren

772.–

  Auslagen Untersuchung

70.–

  Gutachten

3'050.–

  Gutachten IRM

1'000.–

  Gerichtskosten III. SK Obergericht (UB230052-O)

16'000.–

  amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

11.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine 

Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

12.

(Mitteilungen)

13.

(Rechtsmittel)"

- 4 -

Berufungsanträge:
(Prot. II S. 4 f.)

a)

Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 82 S. 10)

1.

Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 20. März 2024 sei mit Ausnahme 

der heute besprochenen Ziffern vollumfänglich aufzuheben. 

2.

Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen qualifizierten Widerhand-

lung gegen das Betäubungsmittelgesetz freizusprechen. 

3.

Die Beschuldigte sei für die unschuldig erlittene Untersuchungshaft angemes-

sen zu entschädigen. 

4.

Es sei vom Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 

10. Oktober 2022 für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 50.– unter 

Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren gewährten bedingten Strafvollzuges 

abzusehen. 

5.

6.

Es sei in jedem Fall von einer Landesverweisung abzusehen. 

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 19. Juli 2023 

beschlagnahmten  Betäubungsmittel  und  Betäubungsmittelutensilien  seien 

definitiv einzuziehen. 

7.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. April 2023 

beschlagnahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 340.– sei der Beschuldigten 

herauszugeben. 

8.

Die  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  seien  für  das  erstinstanzliche  Ver-

fahren  ausgangsgemäss  zu  verlegen,  diejenigen  für  das  obergerichtliche 

Verfahren,  einschliesslich  der  Kosten 

für  die  amtliche  Verteidigung 

(inkl. MwSt.) seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen. 

b)

Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 67; Urk. 84 S. 2 sinngemäss)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung

1.

Verfahrensgang

1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, vom 20. März 2024 wurde 

die  Beschuldigte  des  Verbrechens  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  schuldig 

gesprochen und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 48 Monaten bestraft. Die 

Vorinstanz widerrief den bedingten Vollzug einer von der Staatsanwaltschaft Baden 

am 10. Oktober 2022 ausgesprochenen Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.– 

und sprach eine Landesverweisung von 8 Jahren aus. Weiter entschied sie über 

die  beschlagnahmten  Barschaften  und  Gegenstände  (Betäubungsmittel  und 

Betäubungsmittelutensilien) sowie DNA-Spuren bzw. Spurenträger und regelte die 

Kosten des Vorverfahrens und erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens (Urk. 61 S. 57 

ff.). 

1.2. Gegen dieses Urteil meldete die Beschuldigte noch vor Schranken Berufung 

an (Prot. I S. 27; vgl. auch Urk. 55). Das begründete Urteil wurde der Verteidigung 

am  17. Juni  2024  zugestellt  (Urk. 60/2).  Mit  Eingabe  vom  19. Juni  2024  reichte 

diese innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklä-

rung ein (Urk. 62). Mit Eingabe vom 6. August 2024 verzichtete die Staatsanwalt-

schaft auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen 

Urteils  (Urk. 67  S. 1).  Mit  Präsidialverfügung  vom  9. August  2024  wurde  der 

Beweisantrag  der  Beschuldigten  auf  Beizug  sämtlicher  im  Verfahren  erstellten 

Video- und Fotoaufnahmen gutgeheissen und die Kantonspolizei Zürich ersucht, 

dem Obergericht sämtliche im Ermittlungsverfahren erhobenen Video- und Fotoda-

teien zuzustellen. Die weiteren Beweisanträge auf Spezifizierung der Art der sicher-

gestellten Betäubungsmittel sowie auf Durchführung eines Augenscheins wurden 

abgewiesen (Urk. 68). Die von der Kantonspolizei Zürich in der Folge eingereichten 

Akten  wurden  der  Verteidigung  am  3. September  2024  zur  Einsicht  zugestellt 

(Urk. 72).  Am  28. März  2025  wurde  zur  Berufungsverhandlung  auf  den  12. Juni 

2025  vorgeladen  (Urk. 74).  Am  30. Mai  2025  ging  dem  Gericht  ein  von  B._____ 

unterzeichnetes  Schreiben  zu,  das  den  Parteien  zur  Kenntnisnahme  zugestellt 

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wurde  (Urk. 77;  Urk. 78).  Die  Berufungsverhandlung  fand  am  12. Juni  2025  statt 

(Prot. II  S. 4  ff.).  Nach  der  Durchführung  der  Berufungsverhandlung  verzichteten 

die Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung und -erläuterung (Art. 84 Abs. 3 

StPO;  Prot. II  S. 10).  Die  geheime  Beratung  fand  gleichentags  statt,  das  Urteil 

wurde am 12. Juni 2025 gefällt (Prot. II S. 11 ff.; Urk. 85) und den Parteien schrift-

lich im Dispositiv eröffnet (Urk. 86).

2.

Umfang der Berufung

Gemäss der  Berufungserklärung ficht die Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil 

vollumfänglich an (Urk. 62 S. 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte 

die Verteidigung, dass Dispositivziffer 7 in Bezug auf die Einziehung der beschlag-

nahmten Barschaft von Fr. 19'250.– sowie die Dispositivziffern 8 (Vernichtung der 

beschlagnahmten  Betäubungsmittel  und  Betäubungsmittelutensilien),  9  (Vernich-

tung der DNA-Spuren bzw. Spurenträger) und 10 (Kostenfestsetzung) nicht ange-

fochten sind (Prot. II S. 6 und S. 7). In diesem Umfang ist das vorinstanzliche Urteil 

demnach in Rechtskraft erwachsen, was vorab festzustellen ist.

II. Prozessuales

1.

Anklagegrundsatz

1.1. Vor  Vorinstanz  rügte  die  Verteidigung  eine  Verletzung  des  Anklagegrund-

satzes. Die Anklageschrift enthalte zwei Sachverhalte, wobei sich der erste Sach-

verhalt  in  einem  Tatzeitraum  von  ca.  dem  25. Dezember  2022  bis  kurz  vor  dem 

4. April 2023 ereignet und der zweite seinen Anfang an einem nicht näher bekann-

ten Zeitpunkt, spätestens aber am 21. März 2023, genommen haben solle. Gemäss 

Anklageschrift seien die einzelnen Delikte teilweise ebenfalls an nicht bekannten 

Zeitpunkten begangen worden, wobei auch nach mehrfachem Lesen der Anklage-

schrift nicht wirklich klar werde, wer jetzt wann genau was gemacht haben solle. 

Zudem  könnten  die  örtlichen  Angaben  nicht  stimmen,  zumal  es  in  der  Anklage-

schrift um eine Tiefgarage an der C._____-strasse 1 in D._____ gehe, im Haup-

trapport  der  Kantonspolizei  jedoch  um  eine  Tiefgarage  an  der  C._____strasse 2 

(Urk. 52  S. 5).  Heute  erwähnt  die  Verteidigung  das  Anklageprinzip  nur  noch  am 

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Rande und spricht lediglich pauschal von "offensichtlichen Verletzungen des An-

klageprinzips", welche von der Vorinstanz übergangen würden (Urk. 82 S. 11). 

1.2. Die  Vorinstanz  hat  die  rechtlichen  Grundlagen  und  bundesgerichtliche 

Rechtsprechung zum Anklagegrundsatz zutreffend dargelegt. Darauf kann verwie-

sen werden (Urk. 61 S. 4 f.).

1.3. Die  Anklageschrift  vom  11. August  2023  enthält  zwei  Sachverhaltskom-

plexe. In Anklageziffer 1 wird der Beschuldigten vorgeworfen, B._____ insgesamt 

mindestens 60.8 Gramm Crystal Meth übergeben bzw. verschafft zu haben, wobei 

B._____ dieses jeweils E._____ bzw. einmal einem nicht näher bekannten F._____ 

weitergegeben habe. Die Anklage grenzt die Tat zeitlich auf die Periode zwischen 

ca. dem 25. Dezember 2022 und kurz vor dem 4. April 2023 ein und nennt mit der 

C._____-strasse 1 in D._____ auch den mutmasslichen Übergabeort. Weiter wer-

den  die  Übergaben,  aus  welchen  sich  die  angeklagte  Gesamtmenge  von  60.8 

Gramm Crystal Meth ergibt, einzeln aufgeführt (Urk. 28 S. 2 f.). Damit ist das der 

Beschuldigten  vorgeworfene  Verhalten  in  sachlicher,  örtlicher  und  zeitlicher  Hin-

sicht hinreichend konkretisiert. Der Verteidigung kann nicht gefolgt werden, wenn 

sie geltend machte, es sei nicht wirklich klar, wer jetzt wann genau was gemacht 

haben solle. Entgegen der erstinstanzlich geäusserten Ansicht der Verteidigung ist 

auch nicht ersichtlich, inwiefern der Umstand, dass im Polizeirapport vom 5. April 

2023 teilweise auch die C._____-strasse 2 in D._____ erwähnt wird, mit Blick auf 

den Anklagegrundsatz von Belang sein soll. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend 

festhielt, wird in der Anklageschrift stets die C._____-strasse 1 als massgebende 

Örtlichkeit erwähnt, weshalb der Ort der Tathandlungen eindeutig bestimmt ist. Ob 

sich  die  der  Beschuldigten  vorgeworfenen  Tathandlungen  tatsächlich  dort  abge-

spielt haben, wird eine Frage der Beweiswürdigung sein (vgl. dazu auch die Vorin-

stanz, Urk. 61 S. 5 f.). In Anklageziffer 2 wird der Beschuldigten vorgeworfen, im 

Helmfach des Rollers Honda SH125 in der Tiefgarage an der C._____-strasse 1 in 

D._____ mindestens seit dem 21. März 2023 bis 4. April 2023 Crystal Meth gelagert 

zu haben, wobei auch die am 30. März bzw. 4. April 2023 festgestellten Drogen-

mengen genannt werden (Urk. 28 S. 3 f.). Damit sind die Vorwürfe nicht nur in sach-

licher  und  örtlicher  Hinsicht,  sondern  auch  in  zeitlicher  Hinsicht  genügend  um-

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schrieben. Dass der Beginn der deliktischen Tätigkeit nicht näher bestimmt ist, än-

dert nichts daran, sondern führt letztlich nur dazu, dass die Zeitperiode auf spätes-

tens ab 21. März 2023 eingeschränkt wird. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Be-

schuldigte  dadurch  in  ihren  Verteidigungsrechten  eingeschränkt  sein  soll,  zumal 

eine  fortdauernde  Handlung  angeklagt  und  die  genannte  Deliktzeitspanne  sehr 

kurz ist. In der Anklageschrift werden neben der Lagerung der Betäubungsmittel 

weitere  Tathandlungen  umschrieben.  So  wird  ausgeführt,  die  Beschuldigte  habe 

sich im Zeitraum zwischen dem 21. und 28. März 2023 täglich, teilweise mehrmals 

täglich, zum Roller begeben und daraus Crystal Meth entnommen, portioniert und 

teilweise wieder zurückgelegt. Am 31. März 2023 und 3. April 2023 habe sich die 

Beschuldigte zum Roller begeben und Crystal Meth von einem Sack in den anderen 

Sack umgefüllt bzw. zwei Säcke, unter anderen mit Crystal Meth, herausgenom-

men (Urk. 28 S. 3 f.). Diese Umschreibungen basieren auf Erkenntnissen aus der 

Videoüberwachung  in  der  Tiefgarage  der  Liegenschaft  C._____-strasse 1  in 

D._____ und sind eher allgemein gehalten. Dies ändert nichts daran, dass für die 

Beschuldigte ohne Weiteres klar war, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird. Wie 

die in der Anklage umschriebenen Handlungen rechtlich zu würdigen sind bzw. ob 

daraus auf ein strafbares Verhalten zu schliessen ist, wird eine vom Gericht zu be-

urteilende  Rechtsfrage  sein.  Der  Anklagegrundsatz  ist  davon  nicht  tangiert.  Eine 

Verletzung des Anklagegrundsatzes ist daher mit der Vorinstanz zu verneinen.

2.

Beweisanträge

2.1. Wie bereits erwähnt, wurde der Beweisantrag der Beschuldigten auf Beizug 

sämtlicher  im  Verfahren  erstellten  Video-  und  Fotoaufnahmen  gutgeheissen  und 

die Kantonspolizei  Zürich  ersucht,  dem Obergericht sämtliche  im Ermittlungsver-

fahren erhobenen Video- und Fotodateien zuzustellen. Die weiteren Beweisanträge 

der Beschuldigten auf Spezifizierung der Art der sichergestellten Betäubungsmittel 

sowie auf Durchführung eines Augenscheins wurden abgewiesen (Urk. 68). 

2.2. Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  wiederholte  die  Verteidigung  diese 

Beweisanträge  (Urk. 82  S. 1).  Hinsichtlich  des  Antrages  auf  Spezifizierung  des 

sichergestellten  Methamphetamins  und  des  Augenscheins  bei  der  Einfahrt  zur 

Tiefgarage der Liegenschaft C._____-strasse 1 in D._____ ergibt sich nachfolgend 

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im Rahmen der Beweiswürdigung und rechtlichen Würdigung, dass diese Beweis-

massnahmen  nicht  als  notwendig  erscheinen,  weshalb  die  diesbezüglichen  An-

träge  abzuweisen  sind.  Zum  Beweisantrag  auf  Herausgabe  der  vollständigen 

Videoaufzeichnungen  und  vollständigen  Fotodokumentationen  ist  darauf  hinzu-

weisen,  dass  mit  der  entsprechenden  Präsidialverfügung  vom  9. August  2024 

sämtliche im vorliegenden Verfahren erhobenen Video- und Fotoaufnahmen bzw. 

-dateien eingefordert worden waren (Urk. 68). Auf eine entsprechende Nachfrage 

seitens  der  Kantonspolizei  Zürich  wurde  in  der  Folge  seitens  der  (damaligen) 

Verfahrensleitung bestätigt, dass "sämtliche im vorliegenden Verfahren erstellten 

Video-  und  Fotoaufnahmen"  aktenkundig  zu  machen  seien  (Urk. 70).  Nachdem 

keine Hinweise bestehen, dass die von der Kantonspolizei Zürich eingereichten Da-

teien nicht vollständig sind, steht fest, dass keine weiteren Foto- und Videodateien 

bestehen. Die Verteidigung bringt zwar vor, es handle sich auch bei den im Nach-

gang an die obenerwähnte Präsidialverfügung eingereichten Videoaufnahmen nur 

um rund einminütige Ausschnitte bzw. um 25-Sekunden-Sequenzen, weshalb die 

Originalaufnahmen dementsprechend technisch bearbeitet respektive geschnitten 

worden sein müssten (Urk. 82 S. 2). Zwar trifft zu, dass (erneut) rund einminütige 

bzw. 25-Sekunden-Sequenzen eingereicht wurden. Es ist indes aufgrund der For-

mulierung im Polizeirapport vom 12. Juni 2023, in welchem jeweils der exakte Zeit-

punkt  festgehalten  ist,  wann  die  Videoaufzeichnung  beginnt  (Urk. 2  S. 5),  davon 

auszugehen, dass die Videoinstallation bloss aufzeichnete, wenn sie eine Bewe-

gung im Umfeld des Rollers registrierte – und nicht während 24 Stunden an sieben 

Tagen pro Woche, was notabene riesige Datenmengen und extrem viel Videoma-

terial generiert hätte, welches (im Anschluss) auch hätte gesichtet werden müssen. 

Nachdem am 23. Februar 2023 die Videoüberwachung noch nicht genehmigt und 

installiert  gewesen  war,  sind  –  entgegen  der  Verteidigung  (Urk. 82  S. 3)  –  auch 

keine Videoaufnahmen von diesem Datum vorhanden. Bei der Installation der Ka-

mera werden sodann auch noch keine Aufnahmen (der installierenden Polizisten) 

erstellt  (vgl.  aber  Urk. 82  S. 3).  Schliesslich  erscheint  ein  gewisser  G._____,  der 

auf der Fotodokumentation vom 5. April 2023 auf den Fotos 5-8 zu sehen ist (vgl. 

Urk. 6/1  S. 3  f.;  entsprechendes  Vorbringen  der  Verteidigung  in  Urk. 82  S. 2  f.), 

auch  auf  den  Videodateien  (Urk. 71  [Dateien  Rec1_20230321_124644  und 

- 10 -

Rec1_20230321_130155]). Auf den Beweisantrag auf Herausgabe der vollständi-

gen Videoaufzeichnungen und vollständigen Fotodokumentationen ist daher nicht 

weiter einzugehen. 

3.

Verwertbarkeit der Beweismittel

3.1. Anfangstatverdacht

3.1.1. Die Verteidigung machte bereits vor Vorinstanz und auch heute geltend, dass 

die  Beweismittel  im  vorliegenden  Verfahren  allesamt  nicht  verwertbar  seien 

(Urk. 50;  Urk. 52  S. 5  ff.;  Urk. 82  S. 11  ff.).  Dies  begründete  sie  zunächst  damit, 

dass gegen die Beschuldigte kein Anfangstatverdacht vorgelegen habe. Jedenfalls 

ergebe sich ein solcher nicht aus den Akten. Ein Anfangstatverdacht sei bekanntlich 

Voraussetzung für die Eröffnung eines Strafverfahrens. Sei diese Voraussetzung 

nicht erfüllt, dürften auch keine Beweiserhebungen durchgeführt werden. Polizeili-

che Ermittlungen dürften nicht eingesetzt werden, um einen nicht bestehenden Ver-

dacht zu begründen. Tue es die Polizei trotzdem, so handle es sich um eine unzu-

lässige Beweisausforschung, was die Unverwertbarkeit aller Beweismittel zu Folge 

habe (Urk. 52 S. 5 ff. und 23). Ergänzend führt sie heute an, man tappe völlig im 

Dunkeln, welche konkreten Anhaltspunkte einen Anfangstatverdacht geliefert hät-

ten. Es wäre zu umschreiben gewesen, welcher Verdacht Ausgangspunkt der Er-

mittlungen  gewesen  sei  und  worauf  der  Verdacht  beruht  habe,  und  welcher 

Sachverhalt und welche mutmasslichen Straftatbestände dadurch hätten aufgeklärt 

werden  sollen.  Aus  den  Akten  ergebe  sich  kein  konkreter  Anfangstatverdacht 

(Urk. 82 S. 14 f.).

3.1.2. Die Vorinstanz hat in Bezug auf diese Vorbringen zutreffend auf den Unter-

schied  zwischen  polizeirechtlicher  und  strafprozessualer  Tätigkeit  hingewiesen. 

Übt  die  Polizei  im  Rahmen  ihrer  vom  Gesetzgeber  zugewiesenen  Kernaufgaben 

zur  Wahrung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  vor  dem  Vorliegen  eines 

konkreten Tatverdachts und ohne Auftrag seitens der Staatsanwaltschaft oder des 

Gerichts Tätigkeiten im Bereich der Deliktsverhütung aus, handelt es sich dabei um 

polizeiliche  Vorermittlungen.  Vorermittlungen  sind  unterhalb  der  Schwelle  des 

strafprozessualen Tatverdachts zulässig. Sie werden nicht von den Bestimmungen 

der  StPO  zum  Vorverfahren  nach  Art. 299  ff.  StPO  erfasst,  sondern  unterstehen 

- 11 -

kantonalem Polizeirecht (Urteil des Bundesgerichts 6B_499/2024 vom 20. Novem-

ber  2024  E. 3.2.2  mit  Hinweisen;  LENTJES  MEILI/RHYNER,  in:  Donatsch/Jaag/ 

Zimmerlin, Kommentar zum Polizeigesetz des Kantons Zürich, 2018, N 2 zu § 4). 

Im Kanton Zürich sind Vorermittlungen im kantonalen Polizeigesetz vom 23. April 

2007 (PolG/ZH) geregelt. Gemäss § 4 Abs. 1 PolG/ZH tätigt die Polizei ausgehend 

von Hinweisen oder eigenen Wahrnehmungen Vorermittlungen, um festzustellen, 

ob strafbare Handlungen zu verhindern oder aufzuklären sind. Zur Verhinderung 

und Erkennung von Verbrechen und Vergehen oder zur Gefahrenabwehr kann die 

Polizei  Personen  und  Sachen  ausserhalb  des  Geheim-  oder  Privatbereichs  im 

Sinne  von  Art. 179quater  StGB  offen  oder  verdeckt  beobachten  (§ 32  Abs. 1 

PolG/ZH). Die polizeiliche Observation ist auch zur Verdachtsgewinnung und -be-

gründung  erlaubt.  Sie  ist  (tat-)verdachtsunabhängig.  An  die  Stelle  des  Tatver-

dachtes  der  StPO  tritt  der  polizeirechtliche  Anlass  (RHYNER,  in:  Donatsch/Jaag/ 

Zimmerlin,  Kommentar  zum  Polizeigesetz  des  Kantons  Zürich,  a.a.O.,  N 13  zu 

§ 32).  Verdachtsbegründende  Erkenntnisse  aus  Vorermittlungen  können  die 

Einleitung des strafprozessualen Vorverfahrens auslösen, sei es, dass die Polizei 

gestützt darauf weitere Ermittlungen im Rahmen der StPO vornimmt, sei es, dass 

sie  der  Staatsanwaltschaft  unmittelbar  die  Anordnung  von  Zwangsmassnahmen 

und  damit  die  Eröffnung  einer  Strafuntersuchung  beantragt  (LENTJES  MEILI/ 

RHYNER,  a.a.O.,  N 20  zu  § 4;  RHYNER,  a.a.O.,  N 13  zu  § 32).  Polizeirechtlich 

zulässig und korrekt erhobene Erkenntnisse aus Vorermittlungen oder sicherheits-

polizeilichen Handlungen können ohne Weiteres unmittelbar in das strafprozessu-

ale  Verfahren  eingeführt  und  verwertet  werden.  Unabhängig  davon  muss  die 

polizeirechtliche  Massnahme,  sobald  sie  einen  Tatverdacht  gegen  bestimmte 

Personen  oder  einen  Personenkreis  bzw.  zumindest  wegen  einer  bestimmten 

Straftat begründet hat, beendet und notwendigenfalls in eine analoge Massnahme 

der StPO unter Beachtung der entsprechenden Formvorschriften überführt werden. 

Damit stellen die Polizeikräfte sicher, dass die strafprozessualen Parteirechte aller 

Beteiligten,  insbesondere  von  Beschuldigten,  gewahrt  und  die  weiteren  Erkennt-

nisse  im  Strafverfahren  verwertbar  bleiben  (BSK  StPO-GALELLA/RHYNER,  3. Aufl. 

2023, N 7a, 8 und 23 f. zu Art. 306; LENTJES MEILI/RHYNER, a.a.O., N 19 zu § 4).

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3.1.3. Im  Sinne  der  vorstehenden  Erwägungen  ist  der  Verteidigung  insoweit  bei-

zupflichten, dass die bloss vage Vermutung, es sei eine strafbare Handlung began-

gen worden (vgl. Urk. 52 S. 7; Urk. 82 S. 13), für die Einleitung eines polizeilichen 

Ermittlungsverfahrens gemäss Art. 306 StPO nicht genügt. Lässt die Informations-

lage noch keinen Tatverdacht zu, schliesst dies jedoch nicht jegliche Handlungs-

kompetenz der Polizeibehörden aus. Vielmehr ist zu prüfen, ob Anlass für polizei-

rechtliches  Handeln  gestützt  auf  die  kantonale  Polizeigesetzgebung  besteht. 

Gemäss Polizeirapport vom 8. März 2023, welcher auch ein Beweismittel darstellt, 

bestanden polizeiliche Hinweise, wonach eine grössere Menge Methamphetamin 

in der Umgebung des Hotels H._____ an der C._____-strasse 2 in D._____ gela-

gert und durch eine Bulgarin im Raum Zürich verkauft werde. Aufgrund dieser Hin-

weise sei die Umgebung ab dem 23. Februar 2023 polizeilich beobachtet worden 

(Urk. 11/1/1  S. 1).  Dieselben  Feststellungen  finden  sich  im  Polizeirapport  vom 

5. April 2023 (Urk. 1 S. 4). Der Verteidigung kann daher nicht gefolgt werden, wenn 

sie  geltend  macht,  die  Akten  würden  in  Bezug  auf  den  Anlass  der  polizeilichen 

Ermittlungen unterschiedliche Versionen enthalten. Vielmehr geht aus den Akten 

widerspruchsfrei hervor, dass polizeiliche Massnahmen vorgenommen wurden, da 

Hinweise  auf  strafbare  Handlungen  im  Bereich  der  Betäubungsmittelkriminalität 

bestanden, wobei diese unter anderem an der C._____-strasse in D._____ verortet 

wurden. Wie bereits dargelegt, sind polizeiliche Vorermittlungen bereits unterhalb 

der Schwelle des strafprozessualen Tatverdachts möglich. Im Rahmen von Vorer-

mittlungen erfolgen Erhebungen im Hinblick auf einen erst noch hinreichend zu kon-

kretisierenden Anfangsverdacht auf strafbare Handlungen. Dies stellt keine unzu-

lässige  Beweisausforschung  dar.  Es  ist  denn  auch  nicht  ersichtlich,  weshalb  die 

Polizeibehörden die Umgebung an der C._____-strasse in D._____ hätten beob-

achten sollen, wenn nicht Hinweise für Betäubungsmitteldelikte an dieser Örtlich-

keit bestanden hätten. In Bezug auf den Einwand der Verteidigung, den Akten lies-

sen sich keine näheren Ausführungen zu diesen polizeilichen Hinweisen entneh-

men (Urk. 52 S. 6; Urk. 82 S. 14), ist festzuhalten dass die polizeirechtliche Doku-

mentationspflicht nicht dazu führt, dass sämtliche polizeilich erstellten Unterlagen 

später Eingang in strafprozessuale Untersuchungsakten finden müssen. Dies gilt 

insbesondere für polizeitaktische Informationen wie Erkenntnisse aus polizeilichen 

- 13 -

Vorermittlungen, Berichte von Informanten und andere vertrauliche Quellen und Er-

eignisjournale. Für den Entscheid, ob polizeirechtlich erhobene Informationen als 

solche unmittelbar in die strafprozessualen Akten eingeführt werden, ist eine Inter-

essenabwägung vorzunehmen und zu prüfen, ob den fraglichen Erkenntnissen un-

mittelbare Beweis- und Entscheidrelevanz zukommt. Ist dies nicht der Fall, d.h. bil-

den die Informationen demnach lediglich Ausgangspunkt für strafprozessuale Er-

mittlungen, die ihrerseits zu Beweismitteln führen, die für sich allein den strafrecht-

lich relevanten Sachverhalt offensichtlich ausreichend belegen, so werden polizei-

rechtlich  erhobene  Ersterkenntnisse  nicht  in  die  Untersuchungsakten  integriert 

(BSK  StPO-GALELLA/RHYNER,  a.a.O.,  N 25a  zu  Art. 306;  LENTJES  MEILI/RHYNER, 

a.a.O., N 17 zu § 4; vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 7B_1059/2023 vom 

26. März 2025 E. 2.3.2 mit Hinweisen). Beginn und Umfang der polizeirechtlichen 

Tätigkeit sind vorliegend in den Akten umfassend dokumentiert. Nicht näher erläu-

tert werden einzig die polizeiinternen Informationen. Der Beschuldigten wird indes 

kein Vorwurf gemacht, der sich auf diese Hinweise stützt. Eingang in die Anklage 

fanden die Ergebnisse der nachfolgenden Ermittlungen, die in den Akten im Einzel-

nen  umschrieben  und  dokumentiert  sind.  Mit  der  Vorinstanz  durften  die  gemäss 

Polizeigesetzgebung  rechtmässig  erlangten  Erkenntnisse  somit  als  Ausgangs-

punkt  für  das  Ermittlungsverfahren  gegen  die  Beschuldigte  genommen  werden. 

Dies  gilt  umso  mehr,  als  die  polizeirechtlichen  Massnahmen  beendet  und  die 

Staatsanwaltschaft  benachrichtigt  wurde,  sobald  sich  die  Informationslage  zu  ei-

nem Tatverdacht zu verdichten begann. Die Staatsanwaltschaft wurde ersucht, ge-

gen die Beschuldigte und B._____ ein Strafverfahren wegen Handels mit Metham-

phetamin zu eröffnen. Weiter wurde die Staatsanwaltschaft ersucht, eine Observa-

tion sowie im Hinblick auf eine womöglich zukünftige Videoinstallation und die be-

absichtigte  Bunkeridentifikation  einen  Hausdurchsuchungsbefehl  auszustellen 

(Urk. 11/1/1 S. 1 f.). Schliesslich wies die Staatsanwaltschaft zurecht auf BGE 142 

IV 289 hin, wonach Feststellungen der Polizei in ihren Berichten auch ohne weitere 

Unterlagen  grundsätzlich  ausreichen,  um  die  Eröffnung  einer  formellen  Untersu-

chung zu rechtfertigen (E. 1). 

- 14 -

3.2.

Zulässigkeit der polizeilichen Ermittlungen

3.2.1. Die Verteidigung stellte sich weiter bereits vor Vorinstanz und im Berufungs-

verfahren auf den Standpunkt, dass die Beweise im vorliegenden Verfahren rechts-

widrig  erlangt  worden  wären.  Zur  Begründung  brachte  sie  vor,  dass  die  Polizei-

behörden  am  23. Februar  2023  in  die  Tiefgarage  an  der  C._____-strasse 1  in 

D._____ eingedrungen seien und den dort abgestellten Roller durchsucht und dar-

aus Säcke mit angeblichen Drogeninhalt herausgenommen und fotografiert hätten. 

Dafür  befinde  sich  in  den  Akten  kein  Hausdurchsuchungsbefehl,  weshalb  davon 

auszugehen sei, dass die Polizei sich diese Informationen illegal beschafft habe. 

Es sei zudem fraglich, wie die Polizei die im Antrag auf Anordnung einer Observa-

tion  vom  8. März  2023  enthaltenen  Beobachtungen  habe  machen  können,  ohne 

den nicht öffentlich zugänglichen Garagenbereich an der C._____-strasse 1 zu be-

treten. Befinde man sich im öffentlichen Bereich, sei jedenfalls nicht erkennbar, was 

sich im Innern der Garage abspiele. Die Garage sei dunkel und ein weiter Blick in 

den hinteren Teil der Garage nicht möglich. Die im Antrag vom 8. März 2023 ent-

haltenen Informationen in Bezug auf die relevanten Parkfelder und den abgestellten 

Roller seien äusserst detailliert, weshalb sie nicht vom öffentlichen Bereich heraus 

hätten  gemacht  werden  können.  Es  bestünden  auch  aus  diesem  Grund  Zweifel 

daran,  dass  die  polizeilichen  Beweiserhebungen  rechtmässig  erfolgt  seien.  Auf-

grund der Fernwirkung von Beweisverwertungsverboten seien nicht nur die illegal 

gesammelten Erstbeweise, sondern auch die Folgebeweise unverwertbar, zumal 

die durch das illegale Eindringen in den abgeschlossenen Tiefgaragenteil erhobe-

nen Beweismittel conditio sine qua non für alle weiteren Beweismittel seien (Urk. 52 

S. 8 ff.; Urk. 82 S. 15 ff.; vgl. auch Urk. 62 S. 7 f.).

3.2.2. Wie bereits von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt wurde, kann den Akten 

nicht  entnommen  werden,  dass  am  23. Februar  2023  eine  Hausdurchsuchung 

durchgeführt und die Tiefgarage an der C._____-strasse 1 in D._____ und der dort 

abgestellte Roller einer Überprüfung unterzogen worden wäre. Entgegen der An-

sicht der Verteidigung (Urk. 82 S. 16 f.) kann dies auch nicht aus der Fotodokumen-

tation über die aus dem Roller getätigten Sicherstellungen (Urk. 6/3) abgeleitet wer-

den, da die dort eingangs erwähnten zeitlichen Angaben (23.02.2023, 16.35 Uhr - 

23.02.2023, 16.35 Uhr) nicht mit dem tatsächlichen Zeitpunkt der Vornahme dieser 

- 15 -

Handlung übereinstimmen. Vielmehr beziehen sich diese Informationen standard-

gemäss auf den Ort/Zeit-Baustein des betreffenden POLIS-Geschäfts. Es handelt 

sich dabei um das Datum und den Zeitpunkt, an dem E._____ von der Polizei kon-

trolliert wurde (Urk. 15/2; vgl. dazu auch Urk. 10/3 S. 2; Urk. 14/1 S. 11). Dement-

sprechend findet sich dieses Datum auch in weiteren polizeilichen Akten, inklusive 

Fotodokumentationen, wieder (u.a. Urk. 1; Urk. 2; Urk. 6/1; Urk. 6/2; Urk. 6/4). Die 

von der Verteidigung erwähnten Fotos beziehen sich tatsächlich auf die am 4. April 

2023  durchgeführte  Durchsuchung  und  Sicherstellung  (vgl.  dazu  das  Protokoll, 

Urk. 22/2/3),  für  welche  die  Staatsanwaltschaft  vorgängig  einen  Hausdurchsu-

chungs- und Durchsuchungsbefehl ausgestellt hatte (Urk. 22/1/5). Dies ergibt sich 

ebenfalls aus der polizeilichen Sicherstellungsliste (Urk. 14/1 S. 8). Auch für die von 

der  Verteidigung  weiter  aufgestellte  Hypothese,  die  Strafbehörden  könnten  den 

nicht öffentlich zugänglichen Bereich bereits im Rahmen der polizeilichen Obser-

vation unrechtmässig betreten haben, bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Die Ver-

teidigung gibt die Akten auch in diesem Punkt nicht richtig wieder. Die von ihr vor 

Vorinstanz zitierten Wahrnehmungen stammen nicht aus dem Polizeirapport vom 

8. März  2023  betreffend  Antrag  auf  Anordnung  einer  Observation,  sondern  aus 

dem zeitlich späteren Rapport vom 14. März 2023 betreffend Antrag auf Anordnung 

von technischen Überwachungsmassnahmen. Im Polizeirapport vom 8. März 2023 

werden  an  keiner  Stelle  irgendwelche  Parkfelder  oder  Roller  erwähnt.  Vielmehr 

wird in diesem Rapport noch in sehr allgemeiner Form ausgeführt, dass sich die 

beobachteten Personen in den abgeschlossenen Garagenbereich begeben hätten. 

Es werde angenommen, dass sich der vermutete Drogenbunker dort befinde, ohne 

dass  dies  näher  spezifiziert  wird.  Weiter  wird  lediglich  ein  Autokennzeichen  er-

wähnt, nämlich AG 3, welcher Personenwagen auf die Beschuldigte eingelöst ist 

(Urk. 11/1/1 S. 1 ff.). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die im Rapport vom 8. März 

2023 erwähnten Beobachtungen nicht – wie auch im Rapport festgehalten – vom 

öffentlich zugänglichen Bereich hätten gemacht werden können. Dass die Tiefga-

rage dunkel war, als sich die Verteidigung für einen Augenschein dorthin begab, ist 

möglich, wird aber ihren Grund darin gehabt haben, dass sich – anders als bei den 

polizeilichen Beobachtungen – keine Personen dort aufhielten. Anders sieht es bei 

aktiviertem Licht infolge eines Bewegungssensors aus.

- 16 -

3.2.3. Aufgrund  der  polizeilichen  Beobachtungen  ordnete  die  Staatsanwaltschaft 

am 9. März 2023 eine Observation im Sinne von Art. 282 StPO an (Urk. 11/1/2). 

Gleichzeitig  wurde  ein  Hausdurchsuchungs-  und  Durchsuchungsbefehl  in  Bezug 

auf die Tiefgarage der C._____-strasse 1 in D._____ im Bereich des Parkplatzes, 

auf dem der auf die Beschuldigte eingelöste Personenwagen stand, erlassen. Die 

Polizei wurde ermächtigt, die Garage zu betreten, um den Betäubungsmittelbunker 

vor  Ort  zu  eruieren  und  die  Installation  einer  Videoüberwachung  zu  prüfen 

(Urk. 22/1/1).  Vor  diesem  Hintergrund  ist  nicht  nachvollziehbar,  wie  die  Verteidi-

gung  geltend  machen  kann,  die  Polizeibehörden  hätten  die  Tiefgarage  an  der 

C._____-strasse 1 in D._____ ohne Hausdurchsuchungsbefehl betreten. Die von 

der Verteidigung vor Vorinstanz zitierten, im Polizeirapport vom 14. März 2023 fest-

gehaltenen Schilderungen stützen sich daher auf eine rechtmässig durchgeführte 

Durchsuchungsmassnahme. Nachdem die Polizeibehörden berechtigt waren, den 

nicht  öffentlich  zugänglichen  Bereich  der  Tiefgarage  der  Liegenschaft  C._____-

strasse 1 zu betreten, erübrigt es sich, an dieser Örtlichkeit einen Augenschein vor-

zunehmen, um abzuklären, inwiefern der Bereich der Parkplatzes, wo der Roller 

stand, vom öffentlichen Bereich einsehbar ist, wie die Verteidigung im Berufungs-

verfahren beantragte.

3.3.

Zulässigkeit der (Haus-) Durchsuchungen

3.3.1. Wie schon vor Vorinstanz brachte die Verteidigung auch heute wieder vor, 

dass auch der weitere Verlauf der Untersuchung nicht im Einklang mit den straf-

prozessualen  Bestimmungen  stehe.  Zwangsmassnahmen  seien  in  der  StPO 

abschliessend  in  den  Art. 196  ff.  StPO  geregelt.  Die  Durchsuchungen  gemäss 

StPO hätten offen zu erfolgen. Geheime Zwangsmassnahmen seien explizit und 

abschliessend  in  den  Art. 269-298d  StPO  geregelt.  Im  Verfahren  gegen  die 

Beschuldigte seien alle Hausdurchsuchungen verdeckt durchgeführt worden. Dies 

verstosse gegen den Grundsatz des Numerus Clausus der Zwangsmassnahmen. 

An den Hausdurchsuchungen und der Durchsuchung des Rollers sei auch nie eine 

Urkundsperson dabei gewesen. Die Erkenntnisse aus den Hausdurchsuchungen 

und der Durchsuchung des Rollers seien daher nicht verwertbar (Urk. 52 S. 13 ff.; 

Urk. 82 S. 20).

- 17 -

3.3.2. Gemäss  Art. 244  Abs. 1  StPO  dürfen  Wohnungen  und  andere  nicht  allge-

mein zugängliche Räume nur mit der Einwilligung der berechtigten Person durch-

sucht  werden.  Die  Einwilligung  ist  dann  nicht  nötig,  wenn  zu  vermuten  ist,  dass 

Tatspuren  oder  zu  beschlagnahmende  Gegenstände  oder  Vermögenswerte  vor-

handen sind (Art. 244 Abs. 2 StPO). Nach Art. 245 Abs. 2 StPO haben anwesende 

Inhaberinnen  und  Inhaber  der  zu  durchsuchenden  Räume  der  Durchsuchung 

beizuwohnen.  Sind  diese  abwesend,  so  ist  nach  Möglichkeit  ein  volljähriges 

Familienmitglied  oder  eine  andere  geeignete  Person  beizuziehen.  Die  Durchfüh-

rungsmodalitäten der Hausdurchsuchung sind gemäss Lehre und Rechtsprechung 

grundsätzlich als Ordnungsvorschriften zu verstehen. Dies gilt namentlich für das 

Teilnahmerecht der betroffenen Person und die Anwesenheit einer Ersatzperson 

für den abwesenden Inhaber (BSK StPO-THORMANN/BRECHBÜHL, a.a.O., N 11 und 

15 zu Art. 245 mit Hinweisen). In der ersten Phase einer Untersuchung kann das 

praktische Bedürfnis nach einer geheimen Durchsuchung (allenfalls auch bloss in 

Form  eines  geheimen  Augenscheins)  bestehen.  Zu  denken  ist  etwa  an  Fälle,  in 

denen  abgeklärt  werden  soll,  ob  eine  Person,  gegen  die  noch  verdeckt  ermittelt 

wird, in ihrer Wohnung oder in ihrer Garage Diebesgut aufbewahrt hat. Das Gesetz 

erwähnt geheime Hausdurchsuchungen nicht explizit, schliesst solche aber auch 

nicht aus. In der Lehre werden geheime Hausdurchsuchungen als zulässig einge-

stuft, was daraus abgeleitet wird, dass eine Hausdurchsuchung unter Umständen 

auch ohne Beteiligung der betroffenen Person oder ihrer Vertretung durchgeführt 

werden  kann.  Die  gesetzliche  Grundlage  für  die  Durchführung  von  Hausdurch-

suchungen ohne Gewährung von Parteirechten ist daher vorhanden. Trotz spezifi-

scher Besonderheiten handelt es sich dabei um eine Hausdurchsuchung im eigent-

lichen Sinne. In der Lehre wird teilweise gefordert, dass für eine geheime Haus-

durchsuchung wie für die übrigen geheimen Zwangsmassnahmen vorgängig eine 

Genehmigung  durch  das  Zwangsmassnahmengericht  einzuholen  ist  (KELLER,  in: 

Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers  [Hrsg.],  Kommentar  zur  StPO,  3. Aufl.  2020, 

N 6a  zu  Art. 245;  BSK  StPO-THORMANN/BRECHBÜHL,  a.a.O.,  N 11a  zu  Art. 245; 

HANSJAKOB,  Geheime  Erhebung  von  Beweisen  nach  StPO,  in:  forumpoenale 

5/2011, S. 299, 303).

- 18 -

3.3.3. Im  Laufe  des  Strafverfahrens  gegen  die  Beschuldigte  wurden  neben  ihrer 

Wohnung im I._____ [Strasse] 4 in D._____ auch die Wohnung an der C._____-

strasse 1 in D._____ sowie die dortige Tiefgarage und der darin abgestellte Roller 

Honda SH125 durchsucht. Für sämtliche Durchsuchungen stellte die Staatsanwalt-

schaft vorgängig schriftliche Hausdurchsuchungsbefehle aus (Urk. 22/1/1 ff.). Die 

Durchsuchungen vom 4. April 2023 erfolgten im Anschluss an die Verhaftung der 

Beschuldigten in der öffentlichen Tiefgarage an ihrem Wohnort sowie diejenige wei-

terer Personen (Urk. 1 S. 4; Urk. 24/1 S. 1 f.). Der Verteidigung kann daher nicht 

gefolgt werden, wenn sie geltend macht, alle Hausdurchsuchungen seien verdeckt 

durchgeführt worden. Dem widersprechen denn auch die Durchsuchungsprotokolle 

(Urk. 22/2/3; Urk. 22/2/5). Zutreffend ist, dass schon vor dem 4. April 2023 Durch-

suchungen in Abwesenheit der Beschuldigten erfolgten. Diese wurden in der ge-

heimen Phase der Untersuchung zur weiteren Ermittlung des Sachverhalts durch-

geführt, bevor die beschuldigten Personen konfrontiert wurden. Die erste Durchsu-

chung hatte den Zweck, die Tiefgarage an der C._____-strasse 1 zu besichtigen, 

um den Betäubungsmittelbunker der Beschuldigten vor Ort zu eruieren und die In-

stallation einer Videoüberwachung zu prüfen (Urk. 22/1/1). Im weiteren Verlauf der 

Untersuchung  sollten  zudem  einzelne  Fahrzeuge,  darunter  der  Roller  Honda 

SH125, nach Betäubungsmitteln und Betäubungsmittelutensilien durchsucht wer-

den (Urk. 22/1/2 ff.). Dass die Beschuldigte nicht über diese Durchsuchungen in-

formiert  wurde  und  daran  nicht  teilnehmen  konnte,  erfolgte  nicht,  um  sie  an  der 

Ausübung  ihrer  Rechte  zu  hindern.  Vielmehr  hätte  ihre  Anwesenheit  den  Zweck 

dieser Ermittlungsmassnahmen vereitelt. Es war unter anderem zu untersuchen, 

wann der Drogenbunker mit Betäubungsmitteln gefüllt ist und durch wen er gefüllt 

wird. Die Durchsuchungen konnten ihre Zielsetzung überhaupt nur dann erfüllen, 

wenn  sie  im  Geheimen  durchgeführt  wurden.  Es  bestanden  daher  zulässige 

Gründe  für  das  Vorgehen  der  Strafverfolgungsbehörden.  Wie  bereits  dargelegt, 

wird die Rechtmässigkeit von geheimen Durchsuchungen bejaht. Auch wenn die 

Durchsuchungen "verdeckt" durchgeführt werden, handelt es sich immer noch um 

Hausdurchsuchungen im eigentlichen Sinne. Eine gerichtliche Genehmigung hier-

für ist in der Strafprozessordnung nicht vorgesehen. Die Abwesenheit der Beschul-

digten wurde vorliegend zudem anderweitig kompensiert. Zu verweisen ist diesbe-

- 19 -

züglich  zunächst  darauf,  dass  im  Zusammenhang  mit  der  von  der  Staatsanwalt-

schaft angeordneten Überwachung der Tiefgarage der C._____-strasse 1 ein rich-

terliches Genehmigungsverfahren stattfand, in dessen Rahmen die Interessenlage 

der betroffenen Personen und die Verhältnismässigkeit des staatlichen Vorgehens 

überprüft wurden. Das Zwangsmassnahmengericht kam in seinem Entscheid vom 

15. März 2023 zum Schluss, dass die Ermittlungen ohne die angeordnete Mass-

nahme  aussichtslos  wären  oder  unverhältnismässig  erschwert  würden 

(Urk. 11/2/4). Die Durchsuchungen erfolgten vorliegend mit einer Ausnahme erst 

nach Ergehen der Genehmigung durch das Zwangsmassnahmengericht. Weiter ist 

festzuhalten, dass die Anwesenheit der berechtigten Person an der Hausdurchsu-

chung vorgesehen ist, um die Korrektheit der Durchführung zu gewährleisten. Einer 

Drittperson, die bei Abwesenheit der berechtigten Person beigezogen wird, kommt 

lediglich Kontrollfunktion hinsichtlich des geordneten Ablaufs der Massnahme zu. 

Es  ist  ihr  nicht  zuzumuten,  die  Interessen  des  Inhabers  zu  wahren  (BSK  StPO-

THORMANN/BRECHBÜHL, a.a.O., N 11 zu Art. 245). Diesen Zweck können auch ge-

eignete  Sicherheitsvorkehren,  wie  etwa  die  Videoaufzeichnung  der  Massnahme, 

erfüllen. Eine solche fand auch vorliegend statt, soweit mit dem Öffnen des Sitz-

bank  der  Rollers  eine  Durchsuchung  im  engeren  Sinne  stattfand  (Urk. 12/1;  vgl. 

auch  Urk. 6/6).  Es  wurden  somit  Vorkehren  getroffen,  um  der  Beschuldigten  die 

nachträgliche Überprüfung der korrekten Durchführung der Zwangsmassnahme zu 

ermöglichen.  Der  erste  Hausdurchsuchungsbefehl  wurde  von  der  Staatsanwalt-

schaft ausgestellt, bevor das Zwangsmassnahmengericht die Genehmigung für die 

Überwachungsmassnahmen  erteilte.  Dies  erfolgte,  da  vermutet  wurde,  die  Be-

schuldigte bunkere die Betäubungsmittel in der Tiefgarage im Bereich des Park-

platzes,  auf  dem  der  auf  sie  eingelöste  Personenwagen  stand  (Urk. 22/1/1;  vgl. 

dazu  auch  Urk. 11/1/1  S. 2).  Nachdem  es  sich  bei  der  Tiefgarage  nicht  um  eine 

allgemein zugängliche Räumlichkeit handelte, waren die Vorschriften für die Haus-

durchsuchung  zu  beachten.  Aus  den  Akten  ergeben  sich  keine  Hinweise  dafür, 

dass es in diesem Zeitpunkt der Untersuchung zu einer eigentlichen Durchsuchung 

von Räumlichkeiten oder Behältnissen gekommen wäre. Vielmehr handelt es sich 

um eine Art geheimer Augenschein vor Ort, um Grundlagen für eine Videoüberwa-

chung zu beschaffen. Der mit der Massnahme verbundene Eingriff in die Persön-

- 20 -

lichkeitsreche der Beschuldigten war damit gering. Mit der Vorinstanz sind die Er-

kenntnisse aus den Hausdurchsuchungen verwertbar.

3.4. Sichergestellte Betäubungsmittel

3.4.1. Schliesslich hält die Verteidigung auch heute daran fest, dass in Bezug auf 

die  sichergestellten  und  untersuchten  Betäubungsmittel  Unklarheiten  bestünden. 

Dies gelte sowohl für die Menge als auch für die Daten der Substanzuntersuchun-

gen.  Gemäss  Anklage  seien  am  30. März  2023  insgesamt  942  Gramm  und  am 

4. April  2023  insgesamt  930  Gramm  sichergestellt  worden,  was  nicht  mit  den 

Angaben  gemäss  Kurzbericht  des  Forensischen  Instituts  Zürich  (FOR)  vom 

30. März 2023 übereinstimme. Es stelle sich die Frage, ob die untersuchten Betäu-

bungsmittel  nicht  bei  einer  anderen  Gelegenheit,  namentlich  beim  erwähnten 

unrechtmässigen Betreten der Garage, sichergestellt worden seien oder sogar aus 

einem ganz anderem Verfahren stammten. Zudem würden auch die jeweils ange-

gebenen  Mengen  nicht  übereinstimmen,  zumal  in  der  Sicherstellungsliste  von 

962 Gramm und nicht wie in der Anklage von 930 Gramm die Rede sei. Es stelle 

sich daher die Frage, was mit den fehlenden 32 Gramm passiert sei. Schliesslich 

beanstandete die Verteidigung, dass in den Akten Informationen zur Variante des 

sichergestellten Methamphetamins fehlen würden, zumal es unterschiedliche Arten 

gebe, die sich in der Wirkung stark unterscheiden würden. Es könne daher auch 

nicht abschliessend beurteilt werden, ob ein schwerer Fall vorliege (Urk. 52 S. 19 

ff.; Urk. 82 S. 5 ff. und 21).

3.4.2. Im Laufe des vorliegenden Verfahrens wurden mehrfach Betäubungsmittel 

sichergestellt und forensisch untersucht. Entgegen der Verteidigung ergibt sich aus 

den  Akten  zweifelsfrei,  wann  und  in  welchem  Zusammenhang  die  untersuchten 

Substanzen sichergestellt wurden. Die erste Sicherstellung erfolgte am 23. Februar 

2023 anlässlich der polizeilichen Kontrolle von E._____. Das damals sichergestellte 

Material  ist  unter  der  Asservat  Nr. A017'261'277  gelagert  (Urk. 1  S. 4  und  6; 

Urk. 14/1 S. 11; Urk. 14/7 S. 2). Gemäss Gutachten des FOR zur Identifikation/Ge-

haltsbestimmung von Betäubungsmitteln vom 24. April 2023 handelt es sich dabei 

um  18.8 Gramm  Methamphetamin  (Nettogewicht)  mit  einem  Reinheitsgehalt  von 

96.1 %,  was  18.1 Gramm  reinem  Methamphetamin  entspricht  (Urk. 15/5  S. 2). 

- 21 -

Diese Angaben stimmen mit denjenigen in der Anklage überein (Urk. 28 S. 2). Am 

30. März 2023, 04.00 Uhr, wurden die sich im Roller Honda SH125 in der Tiefga-

rage der C._____-strasse 1 befindlichen vier Minigrips gewogen, wobei diese da-

nach  wieder  im  Roller  verstaut  wurden.  Ab  einem  Minigrip  wurde  eine  Probe 

genommen (Urk. 22/1/6; Asservat Nr. A017'240'641), die in der Folge untersucht 

wurde (Urk. 1 S. 5 und 7 f.; Urk. 2 S. 5; Urk. 14/1 S. 1; Urk. 14/7 S. 1). Die forensi-

sche Untersuchung ergab, dass es sich dabei um 0.54 Gramm Methamphetamin 

(Nettogewicht) handelt (Urk. 15/1; vgl. auch Urk. 15/2). Entgegen der Ansicht der 

Verteidigung  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  die  Untersuchung  dieser  Probe  nicht 

gleichentags hätte durchgeführt werden können, zumal es sich – anders als bei den 

übrigen sichergestellten Betäubungsmitteln – nur um eine Mengenbestimmung und 

Vorprüfung  auf  Betäubungsmittel  im  Rahmen  eines  Kurzberichts  (Betäubungs-

mittel-Voruntersuchung) und nicht um ein Gutachten handelte. Damit übereinstim-

mend wird in der Anklage in Bezug auf die Betäubungsmittel, die am 30. März 2023 

aus dem Roller genommen und gewogen wurden, nur das Bruttogewicht erwähnt, 

ohne  dass  Angaben  zum  Nettogewicht  oder  Reinheitsgehalt  gemacht  werden 

(Urk. 28 S. 3). Auch hier bestehen keine Unklarheiten oder Widersprüche zwischen 

Akten  und  Anklage.  Schliesslich  wurde  anlässlich  der  Hausdurchsuchung  vom 

4. April  2023  aus  dem  Roller  in  Vakuumbeutel  verpackte  Kristalle  sichergestellt. 

Diese Betäubungsmittel sind unter der Asservat Nr. A017'261'039 gelagert (Urk. 1 

S. 5 und 7; Urk. 2 S. 5 f.; Urk. 14/1 S. 8; Urk. 14/7 S. 1; Urk. 22/2/3). Gemäss dem 

vorerwähnten  Gutachten  des  FOR  vom  24. April  2023  handelt  es  sich  dabei  um 

insgesamt 930 Gramm Methamphetamin (Nettogewicht) mit einem Reinheitsgehalt 

von  99.3 %,  was  insgesamt  923 Gramm  reinem  Methamphetamin  entspricht 

(Urk. 15/5 S. 2). Diese Werte wurden in die Anklage übernommen (Urk. 28 S. 3), 

so dass auch in diesem Punkt keine Unklarheiten oder Widersprüche bestehen. Es 

trifft  zu,  dass  in  Bezug  auf  die  Sicherstellung  vom  4. April  2023  in  den  Akten 

teilweise  auch  von  einer  Menge  von  962 Gramm  die  Rede  ist.  Dabei  handelt  es 

sich indes um die Bruttomenge (Urk. 14/1 S. 8; Urk. 15/3). Aus dieser Diskrepanz 

ergeben sich daher keine Zweifel daran, dass das FOR die im Rahmen der drei 

Sicherstellungen erhältlich gemachten Substanzen untersucht hat. In die Anklage 

- 22 -

aufgenommen  wurde  zudem  zu  Recht  die  Nettomenge  gemäss  forensischem 

Gutachten vom 24. April 2023.

3.4.3. Auf die Einwände der Verteidigung im Zusammenhang mit dem Grenzwert 

für die Annahme eines mengenmässig qualifizierten Falls nach Art. 19 Abs. 2 lit. a 

BetmG ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung einzugehen (Ziff. IV.2.3.).

III. Sachverhalt

A.

1.

Anklageziffer 1: Übergabe von 60.8 Gramm Crystal Meth

Ausgangslage

1.1. Der  Beschuldigten  wird  in  der  ersten  Anklageziffer  kurz  zusammengefasst 

vorgeworfen, zwischen ca. dem 25. Dezember 2022 und kurz vor dem 4. April 2023 

B._____  insgesamt  mindestens  60.8 Gramm  Crystal  Meth  übergeben  bzw.  ver-

schafft zu haben, wobei B._____ dieses jeweils E._____ bzw. einmal einem nicht 

näher  bekannten  F._____  weitergegeben  habe.  Die  Beschuldigte  habe  B._____ 

am  23. Februar  2023  18.8 Gramm  Crystal  Meth  (Nettogewicht),  am  28. Februar 

2023 rund 20 Gramm Crystal Meth, zwischen dem 25. Dezember 2022 und kurz 

vor dem 4. April 2023 zweimal je mindestens 10 Gramm Crystal Meth und einmal 

ca. 1 Gramm Crystal Meth als Muster sowie ca. zwischen Anfang Januar 2023 und 

kurz vor dem 4. April 2023 ca. ein Gramm Crystal Meth als Muster übergeben. Der 

Verkaufspreis sei der Beschuldigten teilweise von B._____ in bar übergeben und 

teilweise direkt per Twint überwiesen worden (Urk. 28 S. 2 f.).

1.2. Die Beschuldigte bestreitet die Anklagevorwürfe. Es sei nicht richtig, dass 

sie Methamphetamin verkauft habe. Sie habe lediglich einmal B._____ 20 Gramm 

Crystal Meth organisiert (Urk. 7/1 S. 4; Urk. 7/2 S. 2; Urk. 7/3 S. 7 und 8; Urk. 7/4 

S. 14 ff.; Urk. 7/5 S. 4; Urk. 83 S. 13 f.). Auf die einzelnen Aussagen der Beschul-

digten wird nachfolgend bei der Beweiswürdigung näher eingegangen.

1.3. Die  Anforderungen  an  einen  rechtsgenügenden  Schuldbeweis  und  die 

allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung wurden von der Vorinstanz bereits 

zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 61 S. 19 f.). Als Beweis-

- 23 -

mittel zur Erstellung des Sachverhalts liegen insbesondere die Ergebnisse der ge-

heimen  Überwachungsmassnahmen,  einschliesslich  Video-  und  Fotodokumenta-

tion, bei den Akten (Urk. 6/1-7; Urk. 11; Urk. 12), wobei im Berufungsverfahren auf 

Antrag  der  Verteidigung  zusätzlich  sämtliche  im  Ermittlungsverfahren  erhobenen 

Video-  und  Fotodateien  beigezogen  wurden  (Urk. 68;  Urk. 71).  Im  Vorverfahren 

wurden sodann Akten bei Twint ediert (Urk. 13/3) und im Rahmen von mehreren 

Hausdurchsuchungen  Sicherstellungen  getätigt,  wobei  die  sichergestellten  Sub-

stanzen in der Folge forensisch untersucht wurden (Urk. 14; Urk. 15). Schliesslich 

befinden  sich  als  Beweismittel  die  Aussagen  der  Beschuldigten  (Urk. 7/1-5)  und 

diejenigen von B._____ (Urk. 9/1-3) bei den Akten. Im Vorverfahren fand eine Kon-

frontationseinvernahme statt, weshalb die Aussagen von B._____ auch zu Lasten 

der  Beschuldigten  verwertbar  sind.  Mit  den  weiteren 

im  Vorverfahren 

einvernommenen Personen (J._____ [Urk. 8/1-4], K._____, L._____ und E._____ 

[Urk. 10/1-3]) wurde die Beschuldigte nicht konfrontiert. Wie nachfolgend dargelegt 

wird, lassen sich aus ihren Einvernahmen keine für die Erstellung des Sachverhalts 

relevanten  Erkenntnisse  gewinnen,  weshalb  die  Frage  der  Verwertbarkeit  dieser 

Einvernahmen offen gelassen werden kann. Davon abgesehen sind sämtliche im 

Vorverfahren erlangten Beweismittel verwertbar, wie bereits dargelegt wurde.

2.

Aussagen von B._____

2.1.

Zur  Erstellung  des  Sachverhalts  kann  zunächst  auf  die  Aussagen  von 

B._____ abgestellt werden. Die von ihm in den einzelnen Einvernahmen getätigten 

Aussagen  wurden  von  der  Vorinstanz  korrekt  zusammengefasst.  Darauf  kann 

verwiesen werden (Urk. 61 S. 21 ff.). B._____ gab an, selbst keine Drogen verkauft, 

sondern lediglich als Vermittler fungiert zu haben. Er habe einzig den Kontakt zwi-

schen der Beschuldigten und E._____ hergestellt. Seine Rolle habe darin bestan-

den, mit der Beschuldigten Kontakt aufzunehmen, wenn E._____ Methamphetamin 

gebraucht habe. Er habe der Beschuldigten mitgeteilt, was sie gebraucht hätten, 

worauf sie sich darum gekümmert und mitgeteilt habe, wo sie die Drogen hingelegt 

habe. In der Regel seien diese im Milchkasten des Briefkastens gewesen, der mit 

J._____ angeschrieben gewesen sei. Teilweise habe die Beschuldigte ihm die Dro-

gen auch gegeben, damit er sie E._____ habe übergeben können (Urk. 7/4 S. 10 

- 24 -

ff.; Urk. 9/1 S. 3 ff. und 8 ff.; Urk. 9/2 S. 2 ff.; Urk. 9/3 S. 4). Er habe die Vermittlung 

übernommen, um bei E._____ gratis übernachten zu können, da er damals mit sei-

ner Freundin Probleme gehabt habe. Die Abmachung sei gewesen, dass er einen 

Raum gratis habe nutzen können (Urk. 7/4 S. 10; Urk. 9/1 S. 3 f.). B._____ nahm 

in seinen Einvernahmen auf einzelne Geschäfte Bezug. Er gab an, dass E._____ 

am 23. Februar 2023 Methamphetamin bei der Beschuldigten gekauft habe, wobei 

er ihm geholfen habe. Es sei abgemacht gewesen, dass man sich in D._____ treffe. 

E._____ habe ihm kein Geld dafür gegeben, da er kein Vertrauen zu ihm gehabt 

habe. Er habe die Fr. 1'300.– für das Methamphetamin per Twint bezahlt. Es habe 

sich dabei um 18 Gramm gehandelt (Urk. 9/1 S. 6 ff.; vgl. auch Urk. 7/4 S. 6 f.). Am 

28. Februar 2023 habe E._____ erneut Methamphetamin gekauft, da ihm die eine 

Woche  vorher  gekauften  Drogen  weggenommen  worden  seien.  Er  wisse  nicht 

mehr,  ob  es  sich  um  10 oder  20 Gramm  gehandelt  habe  (Urk. 9/1  S. 9;  Urk. 9/2 

S. 7; vgl. auch Urk. 7/4 S. 9). Er gehe davon aus, dass die Drogenübergaben seit 

dem 25. Dezember 2022 (bis zur Festnahme der Beschuldigten) stattgefunden hät-

ten,  da  er  ab  diesem  Zeitpunkt  bei  E._____  übernachtet  habe  (Urk. 7/4  S. 10; 

Urk. 9/1  S. 8).  B._____  gab  weiter  an,  in  diesem  Zeitraum  insgesamt  fünf-  bis 

sechsmal Drogen an E._____ übergeben zu haben, wobei er diese immer von der 

Beschuldigten erhalten habe. Es habe sich grundsätzlich um 20 Gramm gehandelt, 

ein-  oder  zweimal  seien  es  10 Gramm  gewesen.  Er  glaube,  10 Gramm  seien  es 

einmal gewesen (Urk. 7/4 S. 7 und 10; Urk. 9/2 S. 4 und 8; Urk. 9/3 S. 3 f.). Er habe 

nur E._____ Drogen übergeben. Dieser habe die Beschuldigte per Twint bezahlt, 

einmal sei es bar gewesen (Urk. 9/1 S. 5 und 7 ff.; Urk. 9/2 S. 5). Einmal habe er 

einem F._____ ein Gramm übergeben. Dies müsse in diesem Jahr [2023] gewesen 

sei, den genauen Zeitpunkt wisse er nicht mehr (Urk. 7/4 S. 12 f.; vgl. auch Urk. 9/1 

S. 8 f.; Urk. 9/3 S. 3 f.). Auch E._____ habe er einmal eine kleine Drogenmenge als 

Muster übergeben. Dies sei nach dem 23. Februar 2023 gewesen (Urk. 7/4 S. 11; 

Urk. 9/2 S. 7; Urk. 9/3 S. 3).

2.2. B._____ hat sich in seinen Einvernahmen konstant und widerspruchsfrei zu 

den  einzelnen  Drogenübergaben  und  seiner  Beteiligung  daran  geäussert.  Seine 

Darstellung  bestätigte  er  anlässlich  der  Konfrontationseinvernahme  mit  der 

Beschuldigten. Nicht übereinstimmend fielen seine Aussagen in Bezug auf den für 

- 25 -

das Methamphetamin verlangten Preis aus. In der polizeilichen Einvernahme gab 

er diesbezüglich an, es seien einmal Fr. 45.–, einmal Fr. 65.– und einmal Fr. 85.– 

pro Gramm gewesen (Urk. 9/1 S. 8). In der nächsten Einvernahme erklärte er, der 

Preis  habe  Fr. 65.–  pro  Gramm  betragen,  wobei  er  sich  vermutlich  auf  eine 

bestimmte Übergabe bezog, zumal er anfügte, es seien Fr. 1'300.– für 20 Gramm 

gewesen (Urk. 9/2 S. 5). In der Konfrontationseinvernahme erklärte er schliesslich, 

sich nicht daran erinnern zu können, in der polizeilichen Einvernahme einen Preis 

von Fr. 85.– genannt zu haben. Es seien Fr. 45.– oder Fr. 65.– gewesen, je nach-

dem ob er die Drogen selbst geholt habe oder nicht (Urk. 7/4 S. 8 f.). Diese Unstim-

migkeit vermag die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nicht in Frage zu stellen, da 

nicht  ersichtlich  ist,  weshalb  er  in  diesem  Punkt  bewusst  falsche  Angaben  hätte 

machen  sollen.  Es  ergeben  sich  daraus  auch  keine  grundsätzlichen  Zweifel  an 

seinem Erinnerungsvermögen, nachdem es in der polizeilichen Einvernahme dies-

bezüglich  auch  zu  einem  Missverständnis  gekommen  sein  kann.  Eingang  in  die 

Anklage  fand  sodann  zu  Recht  der  Preis  von  Fr. 45.–  bzw.  Fr. 65.–  pro  Gramm 

(Urk. 28 S. 2). Soweit die Vorinstanz in den Aussagen von B._____ in Bezug auf 

die Art und den Ort der Drogenübergabe Widersprüche zu erkennen glaubt, kann 

ihr nicht gefolgt werden, zumal dies nicht näher begründet wird (Urk. 61 S. 26). Zu-

treffend ist, dass bei seinen Angaben zu den Übergabemodalitäten (Deponierung 

der  Drogen  im  Milchkasten  oder  persönliche  Übergabe)  nicht  immer  klar  ist,  auf 

welchen konkreten Vorfall er sich bezog. Dabei handelt es sich indes um Details, 

die für die Erstellung des Anklagesachverhalts nicht von Bedeutung sind, und keine 

Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Darstellung zu wecken vermögen. B._____ 

gab zudem konstant an, es sei einmal zu einer persönlichen Übergabe gekommen, 

bei den übrigen Fällen seien die Drogen deponiert worden (Urk. 7/4 S. 11; Urk. 9/1 

S. 7; Urk. 9/2 S. 4). Soweit in der Anklage ausgeführt wird, die Beschuldigte habe 

das Crystal Meth B._____ übergeben bzw. verschafft (Urk. 28 S. 2), ist dies damit 

nicht zu beanstanden.

2.3. Die  Verteidigung  machte  vor  Vorinstanz  geltend,  dass  die  Aussagen  von 

B._____ als reine Schutzbehauptungen zu qualifizieren seien. Er würde es genau 

wie E._____ mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen und probieren, sich selbst 

aus dem Schussfeld zu nehmen (Urk. 52 S. 18). Dem kann nicht gefolgt werden. 

- 26 -

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich B._____ mit seinen Aussagen in we-

sentlichen Punkten selbst belastet. Dies gilt insbesondere für seine Angaben zu der 

Anzahl  Drogengeschäfte  und  den  von  ihm  übergebenen  Drogenmengen.  Es  ist 

nicht ersichtlich, weshalb er ein Interesse daran haben sollte, zu viele Geschäfte 

und zu hohe Mengen anzugeben, da er sich damit immer auch selbst belastete. 

Etwas anderes gilt für seine Darstellung in Bezug auf die Beteiligung an den fragli-

chen Drogengeschäften. Hier kann ein Interesse, die eigene Rolle zu relativieren 

und  geringer  erscheinen  zu  lassen,  selbstredend  nicht  ausgeschlossen  werden. 

Daraus allein kann indes nicht abgeleitet werden, dass seine Angaben nicht zutref-

fen können. Ein Motiv, gerade die Beschuldigte fälschlicherweise zu belasten, ist 

jedenfalls nicht ersichtlich. So geht aus den Aussagen von B._____ hervor, dass er 

ein gutes Verhältnis zur Beschuldigten hatte. Sie habe ihm geholfen, als er in die 

Schweiz eingereist sei. Dank ihr habe er alle nötigen Dokumente erhalten. Sie habe 

ihm auch dabei geholfen, eine Arbeit zu finden (Urk. 7/4 S. 4; Urk. 9/1 S. 4). Die 

Beschuldigte gab ebenfalls an, bei B._____ handle es sich um einen sehr guten 

Freund (Urk. 7/1 S. 10). Dies erklärt auch seine Aussage in der polizeilichen Ein-

vernahme, er fühle sich "beschissen", dass er jetzt wie ein Verräter dastehe für eine 

Person, dank welcher er ein Visum für die Schweiz erhalten habe (Urk. 9/1 S. 5). 

B._____ stellte keine Mutmassungen oder Spekulationen über die Beschuldigte an. 

Vielmehr erklärte er, nicht zu wissen, ob diese grundsätzlich mit Drogen handle. Er 

habe nur mitbekommen, dass sie an E._____ Drogen verkauft habe (Urk. 9/1 S. 5). 

Eine Tendenz, die Beschuldigte übermässig zu belasten, ist nicht zu erkennen. Im 

Übrigen wird die Darstellung von B._____, auch soweit sie seine eigene Beteiligung 

an den Drogengeschäften bzw. diejenige der Beschuldigten betreffen, von den ob-

jektiven Beweismitteln gestützt, wie nachfolgend dargelegt wird. Die anlässlich der 

polizeilichen Einvernahme von B._____ gezeigte Empörung über den Verdacht, er 

selbst habe die Drogen verkauft (Urk. 9/1 S. 3 f.), dürfte daher nicht gespielt sein. 

Dies gilt auch für den von ihm geäusserten Wunsch nach Konfrontation mit weiteren 

Beteiligten, damit jeder aussagen kann, "wer gedealt hat und wer nicht" (Urk. 9/1 

S. 3). Vor Vorinstanz machte die Verteidigung weiter geltend, der von B._____ ge-

schilderte  Ablauf  der  Drogengeschäfte  sei  unrealistisch,  zumal  E._____  bei  den 

Übergaben  jeweils  selbst  dabei  gewesen  sein  soll  (Urk. 52  S. 18  f.).  Nachdem 

- 27 -

E._____ die Beschuldigte selbst nicht kannte (vgl. auch Urk. 7/3 S. 8; Urk. 7/4 S. 15 

f.), B._____ hingegen mit beiden weiteren Beteiligten persönlich bekannt war, ist 

nicht ersichtlich, weshalb B._____ nicht als Vermittler hätte dazwischen geschaltet 

werden sollen. Das von ihm geschilderte Vorgehen war für die Beschuldigte zudem 

mit deutlich weniger Risiko verbunden, als wenn sie selbst im Kontakt mit E._____ 

gestanden wäre und die Drogen persönlich übergeben hätte. Sie hatte daher durch-

aus ein Interesse an einer Drittperson als Vermittler, insbesondere wenn sie diese 

wie vorliegend nicht am Erlös beteiligen musste. Arbeitsteiliges Zusammenwirken 

ist im Betäubungsmittelhandel denn auch häufig anzutreffen. Gerade in diesem Be-

reich kann ein Interesse, risikobehaftete Tätigkeiten Personen auf tieferen Hierar-

chiestufen zu überlassen, nicht von der Hand gewiesen werden.

2.4. Kurz vor der Berufungsverhandlung ging ein auf den 13. Mai 2025 datiertes, 

in  Bulgarien  versandtes  Schreiben  B._____s  hierorts  ein.  Mit  diesem  möchte  er 

eine  "freiwillige  Berichtigung"  seiner  Aussagen  in  der  Hafteinvernahme  im  Juni 

2023  und  bei  der  Konfrontationseinvernahme  im  Juli  2023  machen.  Er  hält  fest, 

dass die Beschuldigte ihm niemals irgendwelche Betäubungsmittel ge- oder über-

geben  und  nichts  mit  der  Abmachung  zwischen  E._____  und  ihm  zu  tun  gehabt 

habe. Sie kenne E._____ nicht. Nach seiner Festnahme sei er in Panik geraten, er 

habe sich verraten gefühlt und sei wütend gewesen, was sein Urteilsvermögen be-

einflusst und ihn zu Aussagen getrieben habe, die er heute bereue. Da die Beschul-

digte ihn regelmässig wegen seiner Schulden unter Druck gesetzt habe, habe er 

sie unterbewusst für das Geschehene verantwortlich gemacht. In einem Moment 

der Wut und des Versuchs, sich selbst zu schützen, habe er Aussagen gemacht, 

die  nicht  der  Wahrheit  entsprochen  hätten.  Er  habe  die  Fakten  verdreht  und  die 

Beschuldigte in eine Situation hineingezogen, mit der sie nichts zu tun gehabt habe. 

Da er heute erkenne, dass er mit diesen Lügen einem anderen Menschen gescha-

det habe, möchte er sein Fehlverhalten wieder gut machen. Bei Bedarf sei er bereit, 

weitere schriftliche Erklärungen abzugeben, wenn dies das Gericht für notwendig 

halte (Urk. 77). 

2.4.1. Ein  Widerruf  führt  nicht  zur  Unverwertbarkeit  der  früheren  belastenden 

Aussagen,  zumal  diese  vorliegend  im  Rahmen  einer  Konfrontationseinvernahme 

- 28 -

bestätigt  worden  waren.  Welche  Bedeutung  den  ursprünglichen  Aussagen  zu-

kommt, ist eine Frage der freien richterlichen Beweiswürdigung. Sind die (früheren) 

Angaben  glaubhaft,  kann  die  Verurteilung  auf  diese  nämlich  auch  dann  gestützt 

werden, wenn die Person ihr Aussageverhalten im Verlaufe des Prozesses geän-

dert hat (z.B. widerrufenes Geständnis; widerrufene belastende Aussage; Zürcher 

Kommentar StPO-WOHLERS, 3. Aufl. 2020, Art. 10 StPO N 27). Wie ein Geständnis 

ist auch ein Widerruf frei zu würdigen (Zürcher Kommentar StPO-GODENZI, a.a.O., 

Art. 160  StPO  N 5).  Dies  gilt  umso  mehr,  wenn  der  Widerruf  wie  hier  in  einem 

Schreiben  erfolgt,  dessen  Urheberschaft  und  Zustandekommen  völlig  unklar  ist. 

Diese Umstände können aber offen bleiben, da – unabhängig davon – erhebliche 

Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  im  Schreiben  getätigten  Aussagen  bestehen. 

Wie bereits dargelegt, fielen die Aussagen von B._____ im Vorverfahren konstant 

und inhaltlich überzeugend aus. Er hat ferner, wie bereits dargelegt, seine Belas-

tungen im Rahmen der Konfrontationseinvernahme mit der Beschuldigten wieder-

holt. Im Übrigen ist festzuhalten, dass der "Aussage der ersten Stunde" allfälliger 

Zeugen vor der Polizei besondere Aufmerksamkeit gebührt, erfolgt sie doch zeitnah 

zum Geschehen und ist sie weniger mit Erinnerungslücken und allfälligen Abspra-

chen behaftet als eine Aussage, welche Jahre später erfolgt (vgl. dazu im Bereich 

des Sozialversicherungsrechts: BGE 121 V 47, wonach die spontanen "Aussagen 

der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als die spä-

teren Darstellungen). Bis zum Zeitpunkt der Konfrontationseinvernahme befanden 

sich zudem sowohl die Beschuldigte als auch B._____ in Untersuchungshaft. Ab-

sprachen  oder  Beeinflussungsversuche  waren  daher  nicht  möglich.  Mittlerweile 

sind sowohl die Beschuldigte als auch B._____ nicht mehr in Haft. Absprachen oder 

Beeinflussungsversuche  sind  daher  grundsätzlich  möglich,  selbst  wenn  die  Be-

schuldigte heute abstritt, seit der Schlusseinvernahme Kontakt mit B._____ gehabt 

zu haben (Urk. 83 S. 7 und 17). B._____ gibt in seinem Schreiben ferner an, wie 

nahe er sich der Beschuldigten fühlt und wie wichtig diese für ihn ist ("für mich ein 

sehr wichtiger Mensch, der mir immer geholfen hat. Ich kann sogar sagen, dass ich 

in sie verliebt war"). Vor diesem Hintergrund war es für die Beschuldigte seit ihrer 

Entlassung nicht nur faktisch möglich, mit B._____ zu kolludieren. Aufgrund ihres 

engen  Verhältnisses  kann  ebenfalls  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  er  auf 

- 29 -

mögliche Beeinflussungen ihrerseits auch reagiert hätte. Vor dem Hintergrund die-

ses  Näheverhältnisses  sowie  aufgrund  der  mittlerweile  zeitlichen  Distanz  zu  den 

früheren Aussagen vermögen die neuen Angaben die im Vorverfahren gemachten 

Angaben nicht ohne Weiteres in Zweifel zu ziehen. 

2.4.2. Die neu gemachten Aussagen B._____s vermögen sodann auch inhaltlich 

nicht zu überzeugen. Zum einen fällt auf, wie häufig im Schreiben erwähnt wird, 

dass der Widerruf freiwillig, ohne äusseren Druck oder Anregung, ohne irgendeinen 

Vorteil  erfolge  bzw.  er  keinerlei  finanzielle  oder  materielle  Vorteile  erhalten  habe 

und von niemanden unter Druck gesetzt sei und alles aufgrund seiner persönlichen 

Initiative und aus seinem moralischen Pflichtgefühl erfolgt sei. Dies kollidiert nicht 

nur mit dem von B._____ offensichtlich gezeigten Desinteresse am Strafverfahren, 

sondern erscheint auch reichlich aufgesetzt respektive überdeutlich betont, so dass 

es unglaubhaft wirkt. Weiter überzeugt auch der Grund für den Widerruf der frühe-

ren Aussagen nicht. Einerseits macht B._____ geltend, er habe damals nicht klar 

denken können und habe viele Fehler gemacht, was auch Grund für seinen häufi-

gen Drogenkonsum gewesen sei. Gleichzeitig bringt er vor, er habe sich damals 

verraten gefühlt und sei wütend auf die Beschuldigte gewesen, da sie ihn wegen 

der Schulden unter Druck gesetzt habe. Er habe sie für das Geschehen verantwort-

lich gemacht. Seine Aussagen seien das Ergebnis der Spannungen zwischen ihnen 

gewesen. Insofern bleibt unklar, ob er aus Wut auf die Beschuldigte bewusst fal-

sche  Angaben  gemacht  haben  will  oder  aufgrund  seines  Drogenkonsums  nicht 

mehr klar habe denken können und daher versehentlich falsche Angaben gemacht 

habe. Der erste Grund (Wut auf die Beschuldigte) überzeugt nicht. Die Schulden 

bei der Beschuldigten waren schon im Vorverfahren Thema. Es handelt sich dabei 

nicht um neue Umstände, die nicht schon damals auf dem Tisch lagen. Weiter ist 

in den Einvernahmen von B._____ keinerlei Wut auf die Beschuldigte spürbar. Dies 

gilt insbesondere für die polizeiliche Einvernahme, in der sich B._____ geradezu 

windet,  die  Beschuldigte  zu  belasten.  Gemäss  Protokollnotiz  atmete  er  damals 

durch und gab an, er fühle sich verschissen, dass er jetzt wie ein Verräter dastehe 

für eine Person, dank dieser er ein Visum erhalten habe (Urk. 9/1 S. 5). Auch in 

weiteren  Einvernahmen  erwähnte  er  mehrfach,  wie  dankbar  er  für  ihre  Hilfe  ist. 

Wäre  er  wütend  auf  die  Beschuldigte  gewesen  und  hätte  sie  aus  diesem  Grund 

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belastet, wären andere Aussagen zu erwarten. Es kommt hinzu, dass die Beschul-

digte heute zu Protokoll gab, es habe keinen Grund gegeben, dass B._____ auf sie 

wütend gewesen sei (Urk. 83 S. 16). Auch in weiteren Einvernahmen kommt spür-

bar zum Ausdruck, dass B._____ die Beschuldigte nicht unnötig belasten wollte. 

Insofern vermag nicht zu überzeugen, wenn er nun plötzlich geltend macht, er sei 

wütend auf die Beschuldigte gewesen und habe sie aus diesem Grund falsch be-

lastet. Im Übrigen passt es auch nicht zu seinen Ausführungen, wonach er "nach 

sorgfältiger Überlegung der Fakten und Umstände" erkannt habe, dass seine frü-

heren Aussagen die Wahrheit nicht wiederspiegeln würden. Im Schreiben nimmt 

B._____ lediglich seine Belastungen in Bezug auf die Beteiligung der Beschuldig-

ten zurück. Er korrigiert sie nicht, soweit es um die Anzahl Drogengeschäfte und 

Menge  der  übergebenen  Drogen  handelt.  Angaben  dazu,  woher  er  die  Drogen 

sonst hatte, macht er nicht. Insofern bleibt seine neue Darstellung unvollständig. Im 

Übrigen steht sie auch in Widerspruch zu den Aussagen der Beschuldigten selbst, 

die in der Konfrontationseinvernahme und auch heute einräumte, einmal Metham-

phetamin für B._____ besorgt zu haben. 

2.4.3. Die Aussagen von B._____ sind – wie noch zu zeigen sein wird (vgl. sogleich 

Ziff. 3 ff.) – sodann nicht das alleinige Beweismittel, welches die Beschuldigte be-

lastet.  Seine  neue  Darstellung  steht  mit  diesen  anderen  Beweismitteln  in  Wider-

spruch. Dies gilt zum einen für die Twint-Überweisungen, aus denen sich ergibt, 

dass  E._____  nach  zwei  Drogenübergaben  Geld  an  die  Beschuldigte  überwies. 

Weiter liegt eine Chatkommunikation zwischen B._____ und E._____ im Recht, aus 

der ebenfalls auf die Beteiligung der Beschuldigten geschlossen werden muss (so 

wird  insbesondere  ihre  Handynummer  erwähnt).  Zu  verweisen  ist  weiter  darauf, 

dass am 23. Februar 2023 Drogen bei E._____ sichergestellt wurden, nachdem er 

sich nach D._____ an die Wohnadresse der Beschuldigten begeben hatte. Insofern 

deuten alle objektiven Beweismittel auf die Beteiligung der Beschuldigten hin. Die 

Beschuldigte wurde auch mehrfach dabei beobachtet, wie sie mit Methamphetamin 

zu tun hatte, und im Roller in der Tiefgarage an ihrem Wohnort wurde Methamphet-

amin  in  der  Grössenordnung  von  fast  einem  Kilo  sichergestellt.  Demgegenüber 

wurden am Wohnort von B._____ keinerlei Drogen sichergestellt. 

- 31 -

2.4.4. Davon abgesehen bestehen auch grundsätzliche Zweifel an der Authentizität 

und dem Zustandekommen des Schreibens vom 13. Mai 2025. Zunächst ist darauf 

hinzuweisen, dass das Schreiben auf Deutsch per Computer geschrieben ist und 

lediglich die handschriftliche Unterschrift von B._____ trägt. Aus den Einvernahmen 

von B._____ ergibt sich, dass er ca. im Jahr 2019 in die Schweiz kam. Er spricht 

lediglich gebrochen Deutsch und war bei seinen Einvernahmen im Strafverfahren 

auf eine Bulgarisch-Verdolmetschung angewiesen (Urk. 7/1 ff.). Das Schreiben ist 

indessen in einem sprachlich sehr guten, fast etwas "geschwollenem" Deutsch ge-

halten. Dass B._____ dieses selbst verfasst hat, ist daher nahezu ausgeschlossen. 

In  jedem  Fall  ist  zweifelhaft,  ob  er  wirklich  verstanden  hat,  was  er  unterzeichnet 

(sofern es sich denn um seine Unterschrift handelt). Dies gilt selbst dann, wenn er 

das Schreiben mit einem Hilfsmittel übersetzt hätte (was im Schreiben aber nicht 

erwähnt  wird).  Geht  man  davon  aus,  dass  das  Schreiben  tatsächlich  von  ihm 

stammt, stellt sich die Frage, ob er von einer Person dazu angeregt worden sein 

könnte. In diesem Zusammenhang ist auffällig, dass das Schreiben als Titel nicht 

nur die Geschäftsnummer des Verfahrens der Beschuldigten trägt, sondern zusätz-

lich die Bezeichnung der Vorladung der Beschuldigten (V9). Diese Vorladung ("V9") 

ging nur an die Beschuldigte persönlich; die Vorladungen an die anderen Parteien 

tragen andere Bezeichnungen. Nur der Beschuldigten persönlich war die Bezeich-

nung ihrer eigenen Vorladung bekannt (auch der Verteidigung nicht, da deren Vor-

ladung eine leicht andere Bezeichnung trägt). B._____ kann die präzise Geschäfts-

bezeichnung der Vorladung für die Beschuldigte auch nicht aus seiner eigenen Vor-

ladung hergeleitet haben, da er selbst nicht vorgeladen werden konnte und das ihn 

betreffende  Verfahren  ohnehin  eine  andere  Geschäftsnummer  trägt.  Auf  die  ge-

naue Bezeichnung der Vorladung für die Beschuldigte kann sodann auch nicht aus 

weiteren Umständen geschlossen werden. Insofern führt die Spur eindeutig zur Be-

schuldigten bzw. muss die Beschuldigte in irgendeiner Form mit dem Schreiben zu 

tun  haben,  selbst  wenn  sie  dies  heute  bestritt  (Urk. 83  S. 17  f.).  Auffallend  ist 

schliesslich, dass B._____ nach der Entlassung aus der Haft nicht mehr greifbar 

war  respektive  ist.  Er  erschien  im  gegen  ihn  geführten  Verfahren  vor  Vorinstanz 

nicht zur Verhandlung und zeigte auch keinerlei Interesse am Berufungsverfahren, 

welches er seinen Verteidiger zwar anstrengen liess, dann aber infolge Rückzugs 

- 32 -

abgeschrieben wurde, weil B._____ nicht vorgeladen werden konnte. Insofern ist 

bemerkenswert, dass der Widerruf seiner Aussagen exakt zum jetzigen Zeitpunkt 

– gerade kurz vor der Berufungsverhandlung der Beschuldigten – erfolgt, nachdem 

sein Verfahren rechtskräftig abgeschlossen worden ist. Auffällig ist weiter, dass im 

Schreiben ausgeführt wird, er sei bereit, weitere schriftliche Erklärungen abzuge-

ben, und er so eine persönliche Einvernahme bereits von sich aus und zum Vorn-

herein ausschliesst. Der Grund dafür bleibt offen. Dies erscheint insbesondere vor 

dem Hintergrund, dass er mehrfach betont, wie wichtig ihm die Beschuldigte und 

wie wichtig es ihm sei, das Ganze zu berichtigen, bemerkenswert und beschlägt 

die Überzeugungskraft der neuen Erklärungen.

2.4.5. Der Widerruf im Schreiben vom 13. Mai 2025 vermag daher nicht zu über-

zeugen und die Glaubhaftigkeit der bisherigen Aussagen B._____s nicht in Frage 

zu stellen.

3. Objektive Beweismittel

3.1. Bei  den  Akten  befindet  sich  die  Fotodokumentation  eines  Chatverlaufs 

zwischen B._____ und E._____ in der Zeit vom 20. bis 23. Februar 2023 (Urk. 9/1 

S. 6 f.; Anhang zu Urk. 9/1). In Bezug auf die einzelnen Nachrichten kann auf die 

Zusammenfassung im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 61 S. 24). In 

den  Chatnachrichten  wird  eine  Handynummer  erwähnt  und  darauf  hingewiesen, 

dass das Geld auf diese Nummer getwintet werden könne, wobei eine Diskussion 

darüber entsteht, ob das Geld vor oder nach der Übergabe gesendet werden soll. 

Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, aus dem Chatverlauf gehe insgesamt eine 

Dynamik hervor, bei der B._____ versuche, zwischen einer Frau und E._____ eine 

korrekte Abwicklung eines Kaufs sicherzustellen. Dabei sei klar, dass E._____ als 

Käufer und die Frau als Verkäuferin fungiere (Urk. 61 S. 25). Bei der Rufnummer, 

die für die Bezahlung per Twint angegeben ist, handelt es sich um diejenige der 

Beschuldigten (5 [Handynummer]; Urk. 7/1 S. 3 und 9 f.). Der Chatverlauf spricht 

daher für die Darstellung von B._____, wonach das Methamphetamin von der Be-

schuldigten verkauft wurde. Dies wird auch durch die Unterlagen zu den Twint-Ac-

counts der Beschuldigten und von E._____ gestützt (Urk. 13/2). Daraus geht her-

vor,  dass  E._____  am  23. und  28. Februar  2023  je  Fr. 1'300.–  per  Twint  an  die 

- 33 -

Rufnummer der Beschuldigten geschickt hat (Urk. 13/3). Auch dies stimmt mit der 

Darstellung von B._____ überein, wonach E._____ am 23. und 28. Februar 2023 

für den Betrag von Fr. 1'300.– Methamphetamin bei der Beschuldigten gekauft hat. 

Aus den Akten ergibt sich zudem, dass E._____ am 23. Februar 2023 polizeilich 

kontrolliert wurde, nachdem er sich an die C._____-strasse nach D._____ begeben 

hatte, wobei er 18.8 Gramm Crystal Meth auf sich trug (Urk. 1 S. 4 und 6; Urk. 14/1 

S. 11; Urk. 14/7 S. 2; Urk. 15/5 S. 2), was mit den Aussagen von B._____, den be-

reits  erwähnten  Chatnachrichten  und  Auszügen  aus  den  Twint  Account  der  Be-

schuldigten bzw. von E._____ übereinstimmt.

3.2. Die Darstellung von B._____, wonach ihm das Methamphetamin von der Be-

schuldigten übergeben wurde, findet seine Stütze auch in den weiteren Akten. Wie 

bereits  dargelegt,  fand  Ende  Februar  2023  eine  polizeiliche  Observation  an  der 

C._____-strasse 1 in D._____ statt. Die Vorinstanz hat die Ergebnisse aus dieser 

Observation  zutreffend  wiedergegeben.  Darauf  kann  verwiesen  werden  (Urk. 61 

S. 24 f.). Angesichts der vor Ort gemachten Feststellungen wurde vermutet, dass 

sich in der Tiefgarage der C._____-strasse 1 in D._____ ein Betäubungsmitteldepot 

befindet, weshalb die Staatsanwaltschaft eine Observation und geheime Überwa-

chungsmassnahmen anordnete (Urk. 11/1/1 ff.). Im Verlauf der weiteren Ermittlun-

gen ergab sich, dass sich in der Tiefgarage im Helmfach eines Rollers ein Betäu-

bungsmitteldepot  befindet.  Anlässlich  der  am  30. März  2023  erfolgten  Durchsu-

chung wurde im Helmfach des Rollers in einem weissen Papiersack, abgepackt in 

vier Vakuumbeuteln, Methamphetamin in der Grössenordnung von fast einem Ki-

logramm festgestellt. Im Roller befand sich sodann ein weisser Plastiksack mit Ver-

packungs- und Portionierungsutensilien. Dieselbe Situation zeigte sich anlässlich 

der am 4. April 2023 erfolgten Durchsuchung des Rollers (vgl. dazu Ziff. III.B.). Die 

offizielle Wohnadresse der Beschuldigten befand sich im anklagerelevanten Zeit-

raum zwar am I._____ [Strasse] 4 in D._____, sie wohnte indes damals gemeinsam 

mit  J._____  an  der  C._____-strasse  1  in  D._____,  während  ihre  Wohnung  am 

I._____  [Strasse] 4  untervermietet  war  (Urk. 7/1  S. 3  und  7;  Urk. 7/4  S. 5;  Prot. I 

S. 9; Prot. II S. 6). Der besagte Roller befand sich im Bereich zwischen zwei Park-

plätzen, neben dem vom Mieter der Wohnung J._____ angemieteten Parkplatz, auf 

dem der auf die Beschuldigte eingelöste Personenwagen parkiert war (Urk. 1 S. 4; 

- 34 -

Urk. 11/1/1 S. 2; Urk. 11/2/1 S. 2). Damit deuten nicht nur die Geldflüsse und der 

Chatverlauf zwischen B._____ und E._____, sondern auch der Standort des Be-

täubungsmitteldepots auf die von B._____ geschilderte Beteiligung der Beschuldig-

ten  an  den  Drogengeschäften  hin.  Demgegenüber  wurden  am  Wohnort  von 

B._____  weder  Methamphetamin  noch  Betäubungsmittelutensilien  festgestellt 

(Urk. 3 S. 4 f.; vgl. dazu auch Urk. 9/3 S. 7). Wie nachfolgend dargelegt wird, zeigen 

die Aufnahmen der geheimen Überwachung, dass sich die Beschuldigte im rele-

vanten Zeitraum regelmässig, teilweise mehrmals täglich, zum Roller mit dem Be-

täubungsmitteldepot  begab,  und  daraus  einen  oder  beide  Säcke,  die  wie  bereits 

dargelegt Methamphetamin und Verpackungs- und Portionierungsmaterial enthiel-

ten, herausnahm oder etwas den Säcken entnahm (Ziff. III.B.). Daraus ergibt sich, 

dass die Beschuldigte nicht nur von dem im Roller aufbewahrten Methamphetamin 

wusste  und  Zugang  dazu  hatte,  sondern  sich  auch  selbst  daran  zu  schaffen 

machte. Die Darstellung von B._____, wonach ihm die Beschuldigte das Metham-

phetamin jeweils an ihrem Logisort an der C._____-strasse 1 in D._____ übergeben 

bzw.  verschafft  habe,  wird  auch  dadurch  bestätigt.  Nachdem  die  Beschuldigte 

während der Zeit der Überwachung etliche Male dabei beobachtet wurde, wie sie 

sich zum Roller begab, erscheinen auch die von ihm genannten Anzahl Geschäfte 

ohne Weiteres plausibel.

4.

Aussagen der Beschuldigten

4.1. Die  Beschuldigte  wurde  im  Verfahren  mehrfach  zu  den  Anklagevorwürfen 

befragt. Die Vorinstanz hat ihre Aussagen zutreffend wiedergegeben, darauf kann 

verwiesen werden (Urk. 61 S. 26 ff. und 32 f.).

4.2. Die Beschuldigte anerkannte in der Konfrontationseinvernahme, für B._____ 

einmal 20 Gramm Crystal Meth organisiert zu haben. Im Übrigen wurden die An-

klagevorwürfe von ihr sowohl im Vorverfahren als auch vor Vorinstanz und in der 

Berufungsverhandlung bestritten. Die Beschuldigte stellt sich auf den Standpunkt, 

dass es sich bei der aus dem Roller in der Tiefgarage sichergestellten Substanz 

nicht um Methamphetamin, sondern um Koffeinkristalle gehandelt habe (Urk. 7/1 

S. 5 und 12; Urk. 7/2 S. 2; Urk. 7/3 S. 4 und 6; Urk. 83 S. 9 f.). Wem der Roller oder 

das darin befindliche Material gehört habe, wisse sie nicht. Es sei richtig, dass sie 

- 35 -

zum Roller gegangen und Material aus dem Helmfach an sich genommen habe. 

Der dazu gehörige Schlüssel sei beim Reifenstapel gewesen, sie wisse nicht, wem 

diese gehörten. Sie habe das Material für sich zum konsumieren herausgenommen 

(Urk. 7/1 S. 5 und 12 f.; Urk. 7/2 S. 6; Urk. 7/3 S. 4 ff.; Urk. 7/4 S. 17; Urk. 7/5 S. 4; 

Prot. I S. 16 ff.; Urk. 83 S. 10). Die Aussagen der Beschuldigten vermögen nicht zu 

überzeugen,  zumal  sie  widersprüchlich  ausfielen.  In  der  Einvernahme  vor  dem 

Zwangsmassnahmengericht  hatte  sie  noch  ausgesagt,  sie  habe  die  im  Roller 

aufbewahrte Substanz verkauft, wobei sie angab, es habe sich um Naturkristalle 

gehandelt, die Koffein enthalten hätten. Sie habe damit Geld verdienen wollen. Die 

Substanz sei im Roller aufbewahrt gewesen, damit sie nicht in der Wohnung sei. 

Dies  habe  sie  nicht  gewollt,  da  sich  oben  viele  Menschen  aufgehalten  hätten 

(Urk. 24/6  S. 3).  In  der  Berufungsverhandlung  bestritt  sie  dagegen  dezidiert, 

verkauft zu haben; das habe sie nicht gesagt (Urk. 83 S. 11). Die Darstellung der 

Beschuldigten wirkt zudem reichlich konstruiert und realitätsfremd. Weder erscheint 

es glaubhaft, dass sie das Methamphetamin fälschlicherweise für Koffeinkristalle 

gehalten haben könnte, noch vermag ihre Erklärung, weshalb sie sich regelmässig 

zum Roller in der Tiefgarage begab, um sich am dort gelagerten Material zu bedie-

nen,  zu  überzeugen.  Zunächst  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  Koffeinkristalle  im 

Helmfach  eines  Rollers  ausserhalb  der  eigenen  vier  Wände  aufbewahrt  werden 

sollten.  Bei  illegalen  Substanzen  erscheint  dies  demgegenüber  plausibel,  insbe-

sondere wenn der dazugehörige Schlüssel ebenfalls ausserhalb der eigenen Bleibe 

aufbewahrt  wird  und  daher  keine  Verbindung  zu  einer  bestimmten  Person  oder 

Wohnung  hergestellt  werden  kann.  Bei  der  im  Roller  aufbewahrten  Substanz 

handelt es sich denn auch nicht um Koffeinkristalle, sondern um Methamphetamin 

in der Grössenordnung von fast einem Kilogramm, wie sich aus der forensischen 

Untersuchung zweifelsfrei ergibt. Mit der Vorinstanz erscheint es äusserst unwahr-

scheinlich, dass eine Person unbeschränkten Zugang zu derart grossen Mengen 

Methamphetamin hat, die ihr nicht gehören (Urk. 61 S. 35), auch wenn die Beschul-

digte  in  der  Berufungsverhandlung  dazu  sagte,  sie  habe  es  "geklaut"  (Urk. 83 

S. 11). Weiter bleibt unklar, weshalb die Beschuldigte wissen sollte, dass sich im 

Helmfach  eines  in  der  Tiefgarage  abgestellten  Rollers  eine  wie  auch  immer 

geartete  Substanz  zum  Konsumieren  befindet  und  der  Schlüssel  dazu  in  einem 

- 36 -

Reifenstapel versteckt ist. Es handelt sich dabei weder um eine Begebenheit, die 

man  rein  zufällig  entdeckt,  noch  um  eine  Sache,  die  man  an  dieser  Örtlichkeit 

vermutet.  Kenntnis  vom  Aufbewahrungsort  der  im  Roller  gelagerten  Substanz 

konnte  vernünftigerweise  nur  jemand  haben,  der  selbst  damit  zu  tun  hatte.  Die 

Beschuldigte vermochte denn auch nicht schlüssig zu erklären, weshalb sie vom 

Methamphetamin  (bzw.  von  den  Koffeinkristallen)  im  Roller  und  dem  Aufbewah-

rungsort des dazugehörigen Schlüssels wusste. In der polizeilichen Einvernahme 

vom  5. April  2023  gab  sie  an,  sie  wolle  dies  nicht  weiter  kommentieren.  Sie  sei 

müde (Urk. 7/1 S. 12). Auch in der Einvernahme vom 5. Juni 2023 wollte sie hierzu 

keine weiteren Angaben machen (Urk. 7/3 S. 4 und 7; vgl. auch Prot. I S. 18). Nicht 

einsichtig  ist  sodann,  weshalb  die  Beschuldigte  Koffeinkristalle  durch  die  Nase 

hätte konsumieren sollen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, wäre es deutlich 

einfacher und praktischer, Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke zu konsu-

mieren (Urk. 61 S. 34). Es erscheint äusserst lebensfremd, dass die Beschuldigte 

regelmässig  eine  Substanz  wie  Methamphetamin  konsumiert  und  sich  dafür  an 

fremdem Eigentum bedient haben will, ohne eine leiseste Ahnung zu haben, wobei 

es sich dabei handelt. Auf die Frage, ob es nicht gefährlich sei, etwas zu schnupfen, 

von dem man nicht wisse, was es sei, gab die Beschuldigte vor Vorinstanz an, die 

Substanz habe keinen Effekt gehabt. Auf die Anschlussfrage, weshalb sie es dann 

geschnupft habe, gab sie an, sie habe gedacht, dass sie sich so erfrischen könne 

(Prot. I S. 16). Heute führte die Beschuldigte auf die Frage, ob es ihr weniger gut 

gegangen  wäre,  wenn  sie  die  Koffeinkristalle  nicht  genommen  hätte,  aus,  das 

könne sie nicht sagen. Wenn sie das genommen habe, sei sie manchmal einfach 

fit gewesen (Urk. 83 S. 12). Diese Aussagen sind auch vor dem Hintergrund, dass 

sich die Beschuldigte im relevanten Zeitraum nachweislich täglich zum Roller be-

gab  und  sich  an  der  Substanz  bediente,  wenig  überzeugend.  Die  Aussagen  der 

Beschuldigten vermögen auch in Bezug auf die Überweisungen per Twint, einem 

weiteren  wesentlichen  Punkt,  nicht  zu  überzeugen,  zumal  sie  auch  hier  wider-

sprüchlich ausfielen. Zunächst gab sie an, nicht zu wissen, weshalb ihr E._____ 

Fr. 1'300.–  per  Twint  überwiesen  habe.  Die  Frage,  ob  das  Geld 

für 

Methamphetamin  überwiesen  worden  sei,  verneinte  sie  (Urk. 7/3  S. 9).  In  der 

nächsten Einvernahme gab sie an, dass es sich bei den Fr. 1'300.– um die Bezah-

- 37 -

lung von Schulden gehandelt habe. Mit Drogen habe es nichts zu tun. Die Schulden 

stammten aus dem letzten Sommer. Sie habe B._____ gebeten, auf ihre Wohnung 

in D._____ ein Auge zu werfen. Er habe ihr versprochen, die Miete zu zahlen und 

das Geld zu überweisen, was aber nicht geschehen sei (Urk. 7/4 S. 4 f.). Nicht er-

sichtlich ist indes in diesem Fall, weshalb die Überweisung dann von E._____ ge-

tätigt wurden, mit dem die Beschuldigte gemäss eigenen Angaben nicht bekannt 

ist. In derselben Einvernahme gab die Beschuldigte zudem ein weiteres Mal abwei-

chend von ihrer bisherigen Darstellung an, sie habe B._____ am 23. [Februar 2023] 

dabei geholfen, ein Paket mit 20 Gramm Material zu erhalten, was Fr. 1'300.– ge-

kostet habe. B._____ habe sie eine Woche später nochmals um denselben Gefal-

len gebeten und sie darüber informiert, dass er bereits das Geld dafür überwiesen 

habe.  Sie  habe  es  aber  nicht  noch  einmal  getan.  Das  Geld  habe  sie  behalten 

(Urk. 7/4 S. 14 ff.). Die Geldüberweisung erfolgte indes auch in diesem Fall nicht 

von B._____, sondern von E._____. Heute gab die Beschuldigte sodann eine wei-

tere Version zu Protokoll, indem sie erklärte, sie habe für B._____ garantiert, als 

dieser das Crystal Meth erhalten habe. Die Fr. 1'300.– seien der Kaufpreis gewe-

sen (Urk. 83 S. 13 f.). 

4.3.

In  Anbetracht  der  zahlreich  vorhandenen  Ungereimtheiten  und  Wider-

sprüche sind die Aussagen der Beschuldigten mit der Vorinstanz als unglaubhaft 

einzustufen. Sie vermögen keine Zweifel an der Darstellung von B._____ zu we-

cken.

5. Weitere Beweismittel

5.1. E._____ wurde am 16. Juni 2023 polizeilich als Auskunftsperson einvernom-

men.  Aus  seiner  Darstellung  ergibt  sich  entgegen  der  Ansicht  der  Verteidigung 

nichts zu Gunsten des Beschuldigten, zumal er widersprüchlich und inkonsistent 

aussagte.  E._____  gab  in  der  Einvernahme  vom  16. Juni  2023  zunächst  an,  die 

Beschuldigte  nicht  zu  kennen  und  nicht  über  ihre  Telefonnummer  zu  verfügen 

(Urk. 10/3  S. 1  und  2).  Auf  Vorhalt,  dass  er  am  23. und  28. Februar  2023  je 

Fr. 1'300.– auf die Rufnummer der Beschuldigten getwintet habe, erklärte er, sich 

nicht daran zu erinnern, der Beschuldigten Geld geschickt zu haben. Das Geld sei 

für B._____ gedacht gewesen (Urk. 10/3 S. 2). Auf die Frage, wofür das Geld ge-

- 38 -

wesen sei, führte er zunächst aus, er könne sich nicht erinnern, so viel Geld über-

wiesen zu haben (Urk. 10/3 S. 3). Als er gefragt wurde, ob das Geld für Metham-

phetamin gedacht gewesen sei, gab er an, er nehme es an (Urk. 10/3 S. 3). Kurze 

Zeit später führte er davon abweichend aus, er erinnere sich wieder, wofür die je 

Fr. 1'300.– gewesen seien. Er habe B._____ Geld ausgeliehen, da ihm dieser ge-

sagt habe, er habe Schulden. Es treffe zu, dass es speziell sei, einer Person, deren 

Nachnamen er nicht kenne, Geld auszuleihen. Aber er habe es gemacht (Urk. 10/3 

S. 3). Wären die überwiesenen Geldbeträge für B._____ gedacht gewesen, ist in-

des nicht ersichtlich, weshalb er  dies  nicht  gleich von Anfang an so zu Protokoll 

gab, sondern zunächst bestätigte, das Geld sei für Drogen gewesen. Dass er dies 

nicht tat, erweckt den Eindruck, dass es sich um eine nachgeschobene Erklärung 

für  die  beiden  Geldüberweisungen  handelte.  Hätte  E._____  B._____  tatsächlich 

zweimal Fr. 1'300.– für dessen Schulden zur Verfügung gestellt, hätte er das Geld 

zudem wohl auch direkt diesem übergeben und nicht per Twint an die Rufnummer 

der ihm unbekannten Beschuldigten geschickt, zumal es sich um nicht unerhebli-

che Geldbeträge handelt. Der Vorinstanz kann darin gefolgt werden, dass die Aus-

sagen von E._____ inhaltlich nicht zu überzeugen vermögen, weshalb sie nichts 

zur Entlastung der Beschuldigten beizutragen vermögen.

5.2. Neben den Angaben von E._____ liegen als Beweismittel die Aussagen von 

J._____ (Urk. 8/1-4), K._____ (Urk. 10/1) und L._____ (Urk. 10/2) vor, die im Vor-

verfahren als beschuldigte Personen befragt wurden. L._____ machte anlässlich 

der Einvernahme vom 5. April 2023 von seinem Aussageverweigerungsrecht Ge-

brauch (Urk. 10/2 S. 2 ff.). J._____ und K._____ stellten sich in ihren Einvernahmen 

–  ebenso  wie  die  Beschuldigte  –  auf  den  Standpunkt,  nicht  mit  Crystal  Meth  zu 

handeln  und  nicht  zu  wissen,  wem  das  sichergestellte  Material  gehöre  (Urk. 8/1 

S. 9 f.; Urk. 8/2 S. 2 f. und 5; Urk. 8/3 S. 7 ff.; Urk. 10/1 S. 5 und 8). Ihre Aussagen 

belasten die Beschuldigten nicht, vermögen aber umgekehrt auch nichts zu ihrer 

Entlastung beizutragen, zumal die Sachverhaltsdarstellung in der Anklage dadurch 

nicht ausgeschlossen wird.

- 39 -

6.

Fazit

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die in der Untersuchung deponierten Aus-

sagen von B._____ mit der Vorinstanz als glaubhaft einzustufen sind, weshalb dar-

auf abgestellt werden kann. Seine damalige Darstellung steht in Übereinstimmung 

mit den Erkenntnissen aus der geheimen Überwachung, welche die Beschuldigte 

mit  dem  im  Roller  in  der  Tiefgarage  sichergestellten  Methamphetamin  in 

Verbindung bringen. Gemäss dem forensischen Gutachten vom 24. April 2023 han-

delt es sich auch bei den Substanzen, die bei E._____ sichergestellt wurden, um 

Methamphetamin (Urk. 15/5). Die Aussagen von B._____ werden schliesslich auch 

durch die weiteren objektiven Beweismittel, wie die zwei Geldüberweisungen per 

Twint an die Rufnummer der Beschuldigten und den Chatverlauf zwischen B._____ 

und E._____ gestützt. Die Sachverhaltsdarstellung in der Anklage, wonach die Be-

schuldigte  B._____  mehrfach  Methamphetamin  übergab  bzw.  verschaffte,  das 

B._____ in der Folge E._____ bzw. einem nicht näher bekannten F._____ weiter-

gab, ist damit erstellt. Die anderslautenden Darstellungen der Beschuldigten und 

B._____s in seinem Schreiben vom 13. Mai 2025 vermögen daran keine Zweifel zu 

wecken, sondern sind vielmehr als Schutzbehauptungen zugunsten der Beschul-

digten zu werten. Gemäss den Aussagen von B._____ kam es zu insgesamt fünf 

bis sechs Übergaben an E._____ und einer Übergabe an F._____. Geht man zu 

Gunsten der Beschuldigten von fünf (und nicht sechs) Übergaben an E._____ und 

davon aus, dass es zweimal (und nicht nur einmal) zu einer Übergabe von lediglich 

10 Gramm kam, ergibt sich mit den beiden Mustern von je einem Gramm, der bei 

E._____ am 23. Februar 2023 sichergestellten 18.8 Gramm sowie der am 28. Fe-

bruar  2023  übergebenen  rund  20 Gramm  (entsprechend  der  Überweisung  von 

Fr. 1'300.–) eine Gesamtmenge von 60.8 Gramm. Die Sachverhaltsdarstellung in 

der Anklage erweist sich daher mit der Vorinstanz als erstellt.

B.

1.

Anklageziffer 2: Besitz und Aufbewahrung von Crystal Meth

Ausgangslage

1.1. Der  Beschuldigten  wird  im  zweiten  Anklagesachverhalt  kurz  zusammenge-

fasst vorgeworfen, in der Tiefgarage an der C._____-strasse 1 in D._____ im Roller 

Honda SH125 im Helmfach Crystal Meth aufbewahrt zu haben. Am 4. April 2023 

- 40 -

seien aus dem Roller 930 Gramm Crystal Meth (Nettogewicht) und neun Tabletten 

mit  Methamphetamin  (0.82 Gramm  netto)  sichergestellt  worden,  welche  Betäu-

bungsmittel die Beschuldigte mindestens seit dem 21. März 2023 zwecks Weiter-

gabe an Drittpersonen dort gelagert habe. Anlässlich der am 30. März 2023 erfolg-

ten Durchsuchung des Rollers seien 942 Gramm Crystal Meth festgestellt worden. 

Die  Beschuldigte  habe  sich  im  Zeitraum  zwischen  dem  21. März  2023  und  dem 

28. März 2023 täglich, teilweise mehrmals täglich, zum vorgenannten Roller bege-

ben und daraus Crystal Meth entnommen, portioniert und teilweise wieder zurück-

gelegt. Am 31. März 2023 und am 3. April 2023 habe sich die Beschuldigte zum 

Roller begeben und daraus von einem Sack in den anderen Crystal Meth umgefüllt 

bzw. zwei Säcke, u.a. mit Crystal Meth, herausgenommen, wobei sie nach ca. 8 Mi-

nuten zurückgekehrt sei und die Säcke wieder in den Roller gelegt habe (Urk. 28 

S. 3 f.).

1.2. Die Beschuldigte bestreitet die Anklagevorwürfe. Wie bereits erwähnt, macht 

sie geltend, mit dem im Roller sichergestellten Crystal Meth nichts zu tun zu haben. 

Das Material gehöre ihr nicht. Sie sei davon ausgegangen, dass es sich dabei um 

Koffeinkristalle gehandelt habe. Davon habe sie regelmässig konsumiert (Urk. 7/1 

S. 5 und 12; Urk. 7/2 S. 2; Urk. 7/3 S. 4 ff.; Urk. 7/4 S. 17; Urk. 7/5 S. 5; Prot. I S. 16 

ff.; Urk. 83 S. 10 ff.). Der Anklagesachverhalt ist daher zu erstellen. In Bezug auf 

die Anforderungen an einen rechtsgenügenden Schuldbeweis und die allgemeinen 

Grundsätze der Beweiswürdigung  sowie  die vorhandenen Beweismittel kann auf 

obige Erwägungen verwiesen werden (Ziff. III.A.1.3.).

2. Würdigung

2.1. Anlässlich der am 4. April 2023 an der C._____-strasse 1 in D._____ durch-

geführten Hausdurchsuchung wurde aus dem in der Tiefgarage abgestellten Helm-

fach  des  Rollers  Honda  SH125  ein  Papiersack  sichergestellt,  in  dem  sich 

abgepackt  in  vier  Pakete  farblose/weisse  Kristalle  befanden  (Urk. 1  S. 5  und  7; 

Urk. 2  S. 5  f.;  Urk. 14/1  S. 8;  Urk. 14/7  S. 1;  Urk. 15/4  S. 2;  Urk. 15/5  S. 2; 

Urk. 22/2/3).  Gemäss  dem  Gutachten  des  FOR  zur  Identifikation/Gehaltsbe-

stimmung  von  Betäubungsmitteln  vom  24. April  2023  handelte  es  sich  dabei  um 

930 Gramm  Methamphetamin  (Nettogewicht)  mit  einem  Reinheitsgehalt  von 

- 41 -

99.3 %, was 923 Gramm reinem Methamphetamin entspricht (Urk. 15/5 S. 2). Im 

Helmfach  der  Rollers  befanden  sich  in  einem  Minigrip  zudem  neun  pinkfarbene, 

runde Tabletten, wobei es sich gemäss Kurzbericht des FOR vom 13. April 2023 

um 0.82 Gramm Methamphetamin (Nettogewicht) handelte (Urk. 2 S. 5 f.; Urk. 15/4 

S. 3). Der Roller war bereits am 30. März 2023 durchsucht worden. Aus den Akten 

ergibt  sich,  dass  sich  an  diesem  Datum  in  einem  Papiersack  vier  Portionen  zu 

304 Gramm, 164 Gramm, 222 Gramm und 252 Gramm im Helmfach befanden. Ab 

einem  Vakuumbeutel  wurde  eine  Probe  genommen  (Urk. 1  S. 5  und  7  f.;  Urk. 2 

S. 5;  Urk. 6/6;  Urk. 12/1;  Urk. 14/1  S. 1;  Urk. 14/7  S. 1;  Urk. 22/1/6).  Die  forensi-

sche Untersuchung ergab, dass es sich dabei um 0.54 Gramm Methamphetamin 

handelt (Urk. 15/1; vgl. auch Urk. 15/2). Dazu machte die Verteidigung wie erwähnt 

geltend,  dass  sich  aus  den  Akten  nicht  ergebe,  wann  welche  Betäubungsmittel 

sichergestellt worden seien, was nicht zutrifft, wie bereits dargelegt wurde. Darüber 

hinaus wurden die Ergebnisse der am 30. März 2023 und 4. April 2023 erfolgten 

Durchsuchungen des Rollers zu Recht nicht in Frage gestellt. Der Anklagesachver-

halt  erweist  sich  daher  in  Bezug  auf  die  am  30. März  2023  und  4. April  2023  im 

Helmfach des Rollers festgestellten Betäubungsmittel als erstellt.

2.2.

Im Roller wurden sowohl anlässlich der Durchsuchung vom 30. März 2023 als 

auch anlässlich derjenigen vom 4. April 2023 – neben dem bereits erwähnten Sack 

mit Methamphetamin – Verpackungsmaterial und Portionierungsutensilien in einem 

weissen Plastiksack festgestellt (Urk. 1 S. 5 und 7 f.; Urk. 14/1 S. 8 ff.). Am 4. April 

2023 befanden sich in dem aus dem Roller sichergestellten weissen Plastiksack 

unter anderem zwei Feinwaagen, diverse neuwertige Minigrips und ein Vakuum-

beutel  mit  Betäubungsmittelrückständen.  Zudem  wurde  im  Roller  ein  Löffel  mit 

Betäubungsmittelrückständen sichergestellt (Urk. 14/1 S. 8 ff.; Urk. 22/2/3). Die auf 

Portionierung und Verpackung ausgerichteten Utensilien deuten mit der Vorinstanz 

darauf hin, dass die im Roller aufbewahrte Substanz für den Verkauf bestimmt war. 

Am  15. März  2023  genehmigte  das  Zwangsmassnahmengericht  die  von  der 

Staatsanwaltschaft angeordneten technischen Überwachungsmassnahmen in der 

Tiefgarage der Liegenschaft C._____-strasse 1 in D._____ bis zum 14. Juni 2023 

(Urk. 11/2/3; Urk. 11/2/4). Die Observationen mit Bild- und Tonaufzeichnung dau-

erten  vom  14. März  2023  bis  11. April  2023  (Urk. 11/3;  Urk. 11/4).  Die  durch  die 

- 42 -

Überwachung  erhobenen  Aufzeichnungen  befinden  sich  elektronisch  abgespei-

chert  bei  den  Akten  (Urk. 4  S. 7;  Urk. 12/2-3).  Ebenso  wurden  Screenshots  der 

Videosequenzen  erstellt  (Urk. 4  S. 7;  Urk. 6/2;  Urk. 6/7).  Im  Berufungsverfahren 

wurden sodann sämtliche im Ermittlungsverfahren erhobenen Video- und Fotoda-

teien  beigezogen  und  der  Verteidigung  zur  Einsichtnahme  zugestellt  (Urk. 68; 

Urk. 71;  Urk. 72).  Die  im  Rahmen  der  Überwachung  aufgezeichneten  Vorgänge 

werden  in  den  Polizeirapporten  korrekt  wiedergegeben.  Darauf  kann  verwiesen 

werden (Urk. 2 S. 5; Urk. 4 S. 3 ff.). Zusammengefasst ist auf den Videosequenzen 

aus dem Zeitraum vom 21. bis 28. März 2023 zu sehen, wie sich die Beschuldigte 

täglich,  teilweise  mehrfach  täglich,  zum  Roller  begibt,  die  Sitzfläche  des  Rollers 

öffnet, dem Helmfach einen oder zwei der darin enthaltenen Säcke entnimmt und 

sich damit entfernt. Nach einigen Minuten kehrt die Beschuldigte mit dem Sack bzw. 

den  Säcken  zum  Roller  zurück,  öffnet  das  Helmfach  und  deponiert  die  Sachen 

wieder im Helmfach und entfernt sich (Urk. 6/7; Urk. 12/2-3). Auf der Videosequenz 

vom 31. März 2023, 14.25 Uhr, ist die Beschuldigte dabei zu sehen, wie sie sich 

zum Roller begibt und mit einem Sack hantiert, wobei sie Material von einem in den 

anderen Sack umzuverteilen scheint (Urk. 6/7 S. 11; Urk. 12/3). Schliesslich ist auf 

den Videoaufzeichnungen zu sehen, wie die Beschuldigte am 3. April 2023, ab ca. 

14.17 Uhr, zwei Säcke aus Papier bzw. Plastik aus dem Roller nimmt und damit 

weggeht.  Um  14.26  Uhr  kommt  sie  mit  beiden  Säcken  zurück  und  deponiert  sie 

wieder im Helmfach der Rollers (Urk. 6/2; Urk. 6/7 S. 11; Urk. 12/3). Der Anklage-

sachverhalt erweist sich daher auch diesbezüglich als erstellt.

2.3. Gemäss den Erkenntnissen aus den geheimen Überwachungsmassnahmen 

begab sich die Beschuldigte im Zeitraum vom 21. März bis Anfangs April 2023 re-

gelmässig zum Roller, um daraus Material zu entnehmen, wobei sie allein handelte. 

Aus  den  Aufzeichnungen ergeben  sich fast  40 Vorgänge  im  Zusammenhang  mit 

dem Roller bzw. dem darin gelagerten Material. Damit ist erstellt, dass die Beschul-

digte nicht nur den Aufbewahrungsort des Methamphetamins kannte, sondern auch 

eigenen und freien Zugang dazu hatte. Nachdem sie sich regelmässig an dem im 

Roller aufbewahrten Material zu schaffen machte, ist weiter erstellt, dass sie auch 

tatsächlich  darüber  verfügen  wollte.  Die  von  der  Beschuldigten  im  Laufe  des 

Verfahrens  getätigten  Aussagen  wurden  bereits  bei  der  Erstellung  des  Sachver-

- 43 -

halts gemäss Anklageziffer 1 wiedergegeben und gewürdigt. Darauf kann an dieser 

Stelle verwiesen werden (Ziff. III.A.4.) Wie bereits dargelegt, erweist sich die von 

ihr vorgebrachte Erklärung, weshalb sie sich regelmässig zum Betäubungsmittel-

depot in der Tiefgarage begab und Material daraus entnahm, als äusserst realitäts-

fremd und unglaubhaft. Ihre Darstellung vermag nicht zu überzeugen und ist als 

blosse  Schutzbehauptung  einzustufen.  Es  kommt  hinzu,  dass  das  vorliegend  zu 

beurteilende Vorgehen der Beschuldigten gemäss Anklageziffer 2 ohne Weiteres 

zum gemäss Anklageziffer 1 erstellten Sachverhalt passt, wonach die Beschuldigte 

mehrfach Methamphetamin an E._____ und an einen unbekannten F._____ wei-

tergab. Nachdem sich im Roller neben Methamphetamin diverse Utensilien zur Por-

tionierung und Verpackung von Betäubungsmitteln befanden, erscheint es mit der 

Vorinstanz naheliegend, dass die Beschuldigte das Methamphetamin zwecks Wei-

tergabe an Drittpersonen im Roller lagerte. Dies wird gestützt durch die Aussagen 

von  B._____  im  Vorverfahren,  wonach  er  mehrfach  Crystal  Meth  weitergab,  das 

ihm von der Beschuldigten übergeben bzw. verschafft worden war. Dass das Me-

thamphetamin ausschliesslich für den Eigenkonsum aufbewahrt worden wäre, wird 

von  der  Beschuldigten  auch  nicht  im  Sinne  eines  Eventualstandpunktes  geltend 

gemacht. Vielmehr brachte sie im Vorverfahren vor, erst einmal Methamphetamin 

genommen zu haben. Dies sei schon lange her (Urk. 7/1 S. 11). Heute relativierte 

sie dies zwar leicht (Urk. 83 S. 11), gleichwohl machte sie auch im Berufungsver-

fahren nicht geltend, das Methamphetamin ausschliesslich zwecks Eigenkonsums 

aufbewahrt  zu  haben  (Urk. 83  S. 9  ff.).  Angesichts  der  sichergestellten  Betäu-

bungsmittelmenge  von  fast  einem  Kilogramm  Methamphetamin  wäre  ein  Besitz 

zum Eigenkonsum auch vollkommen unglaubhaft. Bei normalen Dosen ergibt ein 

Gramm  Crystal  Meth  etwa  40 Konsumeinheiten  (SCHLEGEL/  JUCKER,  Kommentar 

zum Betäubungsmittelgesetz, 4. Aufl. 2022, N 158 zu Art. 2 BetmG). Mit der Vorin-

stanz erweist sich daher auch als erstellt, dass das Methamphetamin zur Weiter-

gabe an Drittpersonen bestimmt war (vgl. dazu auch nachfolgend Ziff. IV.3.2.).

- 44 -

IV. Rechtliche Würdigung

1.

Ausgangslage

Die  Beschuldigte  wurde  von  der  Vorinstanz  des  Verbrechens  gegen  das  Betäu-

bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG in Verbindung mit 

Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gesprochen (Urk. 61 S. 57). Die Staatsanwalt-

schaft  beantragt  im  Berufungsverfahren  die  Bestätigung  des  vorinstanzlichen 

Urteils (Urk. 67 S. 1). Die Verteidigung äusserte sich mit Ausnahme von Einwänden 

zur Wirkungsweise und -intensität der verschiedenen Methamphetaminarten nicht 

zur rechtlichen Würdigung (Urk. 82).

2.

Rechtliche Grundlagen

2.1. Gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG wird unter anderem bestraft, wer 

Betäubungsmittel  unbefugt  veräussert  oder  auf  andere  Weise  einem  anderen 

verschafft oder unbefugt besitzt. Für die rechtlichen Grundlagen zu den Tathand-

lungen  nach  Art. 19  Abs. 1  BetmG  kann  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 61 S. 36 f.). Ergänzend ist auszuführen, dass 

den in Art. 19 Abs. 1 BetmG geregelten Tatbestandsvarianten zwar die Bedeutung 

von  selbständigen  Tathandlungen  zukommt,  sie  indes  das  gleiche  Rechtsgut 

schützen. Der Betäubungsmittelverkäufer muss vor dem Verkauf die betreffenden 

Betäubungsmittel erwerben, die er dann bis zur Weitergabe besitzt. Sämtliche in 

einem  bestimmte  Handlungsrahmen  vorgenommenen  Einzeltätigkeiten  sind 

Teilakte  ein  und  desselben  Drogengeschäfts  und  damit  derselben  deliktischen 

Tätigkeit  (SCHLEGEL/JUCKER,  a.a.O.,  N 155  ff.  zu  Art. 19  BetmG;  HUG-BEELI, 

Kommentar Betäubungsmittelgesetz, 2016, N 162 ff. zu Art. 19 BetmG).

2.2. Ein schwerer Fall nach Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG liegt vor, wenn der Täter 

weiss  oder  annehmen  muss,  dass  die  Widerhandlung  mittelbar  oder  unmittelbar 

die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann. Die reine Betäubungsmit-

telmenge bildet trotz des im Gesetzestext nicht mehr explizit enthaltenen Mengen-

bezugs  weiterhin  ein  zentrales  Kriterium  zur  Konkretisierung  des  unbestimmten 

Rechtsbegriffs der Gesundheitsgefahr für viele Menschen (BGE 150 IV 213 E. 1.4 

mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung sind 20 Personen oder mehr «viele Men-

- 45 -

schen» im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N 176 

zu Art. 19 BetmG; HUG-BEELI, a.a.O., N 1003 zu Art. 19 BetmG mit Hinweisen). Ein 

mengenmässig schwerer Fall gestützt auf Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG liegt nicht nur 

dann vor, wenn eine einzelne Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

oder mehrere solche Widerhandlungen, die ein zusammengehörendes Geschehen 

und damit eine natürliche Handlungseinheit bilden, eine qualifizierte Betäubungs-

mittelmenge betreffen, sondern auch dann, wenn eine entsprechende Menge nur 

unter  gesamthafter  Betrachtung  mehrerer,  rechtlich  selbständiger  Widerhand-

lungen erreicht wird. Ob mehrere Widerhandlungen als ein zusammengehörendes 

Geschehen  erscheinen  oder  ob  sie  voneinander  unabhängige  Einzelhandlungen 

darstellen, bleibt für die Frage des Vorliegens eines mengenmässig schweren Falls 

folglich ohne Belang. In der einen wie der anderen Konstellation sind die Gegen-

stand der einzelnen Handlungen bildenden Betäubungsmittelmengen zu addieren, 

um das Vorliegen eines mengenmässig schweren Falls zu bestimmen (BGE 150 

IV  213  E. 1.6.3).  Gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  gelangt  Art. 19 

Abs. 2  lit. a  BetmG  auch  zur  Anwendung,  wenn  die  Drogen  noch  nicht  an  Dritte 

abgegeben wurden, aber zur Abgabe an Dritte bestimmt waren. Bereits der Besitz 

einer qualifizierten Drogenmenge kann daher eine Gefährdung im Sinne von Art. 19 

Abs. 2 lit. a BetmG begründen. Solches kann etwa dann der Fall sein, wenn der 

Täter bereits Anstalten getroffen hat, um die bei der Hausdurchsuchung sicherge-

stellten Betäubungsmittel zu veräussern, oder wenn anderweitig feststeht, dass die 

Drogen  für  die  Abgabe  an  Dritte  bestimmt  waren  (Urteile  des  Bundesgerichts 

7B_763/2023  vom  25. Oktober  2024  E. 3.3;  7B_689/2023  vom  26. August  2024 

E. 6.3.3; 6B_134/2021 vom 20. Juni 2022 E. 1.3.5; je mit Hinweisen). In subjektiver 

Hinsicht verlangt das Gesetz, dass der Täter um die objektiven Umstände weiss 

oder darauf schliessen muss. Nicht notwendig ist die exakte Kenntnis der für Art. 19 

Abs. 2 lit. a BetmG massgebenden Grenzmengen. Das Bewusstsein des Täters, 

dass die von ihm verkaufte Drogenmenge quantitativ erheblich ist, reicht aus. Auch 

eine genaue Kenntnis des Reinheitsgrads ist nicht erforderlich, wird der Täter doch 

regelmässig  von  einer  milieugemässen,  handelsüblichen  Qualität  ausgehen 

(SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N 201 f. zu Art. 19 BetmG; HUG-BEELI, a.a.O., N 1008 

zu Art. 19 BetmG).

- 46 -

2.3. Gemäss  Bundesgericht  verstösst  die  Annahme  eines  mengenmässig 

schweren Falles im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG bei einer Menge reinen 

Methamphetamin-Hydrochlorids  von  12 Gramm  nicht  gegen  Bundesrecht.  Das 

Bundesgericht  nahm  bei  seinem  Entscheid  auf  eine  von  der  Schweizerischen 

Gesellschaft  für  Rechtsmedizin  (SGRM)  im  Juni  2010  erstellte  Studie  Bezug 

(BGE 145  IV  312  E. 2.2  ff.  =  Pra 109  [2020]  Nr. 42).  Darin  wird  empfohlen,  die 

Substanzmenge für Methamphetamin, welche die Gesundheit vieler Menschen in 

Gefahr  bringen  kann,  nicht  tiefer  als  der  Grenzwert  für  Heroin,  der  12 Gramm 

beträgt, anzusetzen (vgl. dazu auch HUG-BEELI, a.a.O., N 930 zu Art. 19 BetmG). 

An  dieser  Rechtsprechung  hat  das  Bundesgericht  in  zwei  jüngeren  Entscheiden 

festgehalten  (Urteile  des  Bundesgerichts  6B_333/2024  vom  30. August  2024 

E. 1.2.1  und  E. 1.3.3;  7B_689/2023  vom  26. August  2024  E. 6.3.1).  Gemäss 

Gutachten des FOR vom 24. April 2023 wurde in den sichergestellten Substanzen 

Methamphetamin  nachgewiesen,  wobei  der  Wirkstoffgehalt  als  Hydrochlorid 

berechnet  wurde  (Urk. 15/5),  was  mit  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung 

übereinstimmt. Soweit die Verteidigung die vom deutschen Bundesgerichtshof für 

Methamphetaminracemat  und  Levomethamphetamin 

festgesetzten  höheren 

Grenzwerte anwenden möchte (Urk. 82 S. 5), ist darauf daher nicht näher einzu-

gehen. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass ein mengenmässig schwerer Fall 

angesichts der vorliegend relevanten Menge von insgesamt fast einem Kilogramm 

Methamphetamin  (vgl.  dazu  nachfolgend)  auch  unter  Zugrundelegung  der  vom 

deutschen  Bundesgerichtshof  festgelegten  Grenzwerte  angenommen  werden 

müsste.  Gemäss  dem  deutschen  Bundesgerichtshof  beginnen  die  Grenzwerte 

der qualifizierenden  "nicht  geringen  Menge"  für  Methamphetaminracemat  bei 

10 Gramm und für Levomethamphetamin bei 50 Gramm der wirkungsbestimmen-

den Base. Dies gegenüber 5 Gramm für Methamphetamin-Base (BGH, Urteile vom 

17. November 2011, 3 StR 315/10, und vom 10. August 2023, 3 StR 462/22). Die 

Grenzwerte wären daher auch unter Zugrundelegung dieser Rechtsprechung mehr 

als deutlich überschritten. Im Übrigen ist die nach deutschem Recht qualifizierende 

«nicht geringe Menge» bereits vom Wortlaut, aber auch vom gesetzessystemati-

schen Zusammenhang her nicht gleichzusetzen mit der im Schweizerischen Recht 

relevanten Menge, die geeignet ist, viele Menschen zu gefährden. Die erwähnten 

- 47 -

Mengenangaben können daher nicht unbesehen übertragen bzw. einfach umge-

rechnet werden (SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N 183 zu Art. 19 BetmG). Vor diesem 

Hintergrund erübrigen sich in diesem Punkt auch weitere Abklärungen, wie sie von 

der Verteidigung beantragt wurden (Urk. 62 S. 3; Urk. 82 S. 5 ff.).

3. Würdigung

3.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt übergab bzw. verschaffte die Beschuldigte 

B._____  zwischen  dem  25. Dezember  2022  und  4. April  2023  insgesamt 

60.8 Gramm  Methamphetamin,  das  dieser  E._____  bzw.  einem  nicht  näher  be-

kannten F._____ weitergab, wobei der Verkaufspreis teilweise per Twint überwie-

sen teilweise in bar übergaben wurde. Weiter ist erstellt, dass die Beschuldigte am 

31. März  2023  und  am  4. April  2023  in  einem  Roller  in  der  Tiefgarage  an  der 

C._____-strasse 1 in D._____ 930 Gramm bzw. 942 Gramm Methamphetamin la-

gerte. Weiter befanden sich am 4. April 2023 neun Tabletten mit Methamphetamin 

im  Roller.  Ab  dem  21. März  2023  begab  sich  die  Beschuldigte  täglich,  teilweise 

mehrmals täglich, zum Roller, um Methamphetamin daraus zu entnehmen. Die Tat-

handlungen  der  Beschuldigten  wurden  von  der  Vorinstanz  als  Widerhandlungen 

gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG 

eingestuft. Diese rechtliche Würdigung ist korrekt und wurde auch von der Vertei-

digung nicht in Frage gestellt. Es kann an dieser Stelle auf die zutreffenden vorin-

stanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 61 S. 36 ff.).

3.2. Auch hinsichtlich der mengenmässigen Qualifikation kann den vorinstanz-

lichen  Erwägungen  gefolgt  werden.  Gemäss  erstelltem  Sachverhalt  hat  die 

Beschuldigte  B._____  insgesamt  60.8 Gramm  Methamphetamin  übergeben.  Die 

forensische Untersuchung des am 23. Februar 2023 sichergestellten Substanz er-

gab einen Reinheitsgrad von 96.1 %, was 18.1 Gramm reinem Methamphetamin 

entspricht  (Urk. 15/5  S. 2).  In  Bezug  auf  die  restliche  Menge  von  42 Gramm 

Methamphetamin ging die Vorinstanz zu Gunsten der Beschuldigten und gestützt 

auf die Statistik der SGRM von einem deutlich tieferen Reinheitsgrad von 76.3 % 

aus (Urk. 61 S. 40), was rund 32 Gramm reinem Methamphetamin entspricht. Wie 

erwähnt,  liegt  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  ein  mengenmässig 

schwerer Fall auch dann vor, wenn die für den schweren Fall massgebende Menge 

- 48 -

nur unter gesamthafter Betrachtung erreicht wird. Ob die Widerhandlungen als ein 

zusammengehörendes Geschehen erscheinen oder ob sie voneinander unabhän-

gige Einzelhandlungen darstellen, bleibt dabei ohne Belang. Die von der Beschul-

digten in mehreren Einzelhandlungen übergegebenen Drogenmengen sind daher 

gesamthaft zu betrachten und zusammenzurechnen, was mindestens 50 Gramm 

reines  Methamphetamin  ergibt.  Damit  hat  die  Beschuldigte  die  Grenze  für  die 

Annahme eines mengenmässig schweren Falls von 12 Gramm klar überschritten. 

Anlässlich der am 4. April 2023 erfolgten Hausdurchsuchung wurden im Roller in 

der  Tiefgarage  weitere  930 Gramm  Methamphetamin  mit  einem  Reinheitsgehalt 

von  99.3 %  sichergestellt,  was  gemäss  forensischer  Untersuchung  923 Gramm 

reinem Methamphetamin entspricht (Urk. 15/5 S. 2). Die massgebende Grenze von 

12 Gramm  reinem  Methamphetamin  für  die  Anwendung  der  mengenmässigen 

Qualifikation nach Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG ist damit deutlich überschritten. Der 

Vorinstanz ist beizupflichten, dass die konkreten Umstände nicht anders gedeutet 

werden  können,  als  dass  die  Betäubungsmittel  zur  Weitergabe  an  Drittpersonen 

bestimmt  waren.  Wie  erwähnt,  macht  die  Beschuldigte  geltend,  sie  habe  die 

Substanz für Koffeinkristalle gehalten und als solche konsumiert, was als Schutz-

behauptung zu qualifizieren ist. Dass sie das Methamphetamin ausschliesslich für 

den  Eigenkonsum  besessen  hätte,  wurde  von  ihr  demgegenüber  nicht  geltend 

gemacht. Vielmehr machte sie im Vorverfahren geltend, erst einmal Methamphet-

amin genommen zu haben. Dies sei schon lange her (Urk. 7/1 S. 11). Auch wenn 

sie das in der Berufungsverhandlung leicht relativierte (Urk. 83 S. 11 f.), spricht die 

erhebliche Menge von fast einem Kilogramm reinem Methamphetamin dafür, dass 

das  sichergestellte  Methamphetamin  zur  Weitergabe  an  Dritte  und  nicht  für  den 

Eigenkonsum  bestimmt  war.  Um  die  mengenmässige  Qualifizierung  entfallen  zu 

lassen,  müsste  der  Eigenbedarf  eine  äusserst  beachtliche  Intensität  erreichen, 

wofür auch aus den Akten keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich sind. Anlässlich der 

Hausdurchsuchung vom 4. April 2023 wurden neben dem Methamphetamin auch 

Utensilien  zur  Portierung  und  Verpackung  von  Betäubungsmitteln  sichergestellt 

(u.a.  Feinwaagen  und  Verpackungsmaterial).  Gemäss  den  Ergebnissen  aus  der 

geheimen  Überwachung  begab  sich  die  Beschuldigte  in  der  massgebenden  Zeit 

täglich,  teilweise  mehrfach  täglich,  zum  Roller  und  nahm  den  Sack  mit  dem 

- 49 -

Methamphetamin bzw. denjenigen mit den Betäubungsmittelutensilien an sich, was 

mit der Vorinstanz darauf hindeutet, dass sie das Methamphetamin für die Weiter-

gabe an Drittpersonen portionierte (Urk. 61 S. 41). Schliesslich ist erstellt, dass die 

Beschuldigte  im  Zeitraum  von  Ende  Dezember  2022  bis  anfangs  April  2023 

B._____ mehrfach Methamphetamin zur Weitergabe bzw. Verkauf an Drittperso-

nen übergab bzw. verschaffte. Für die Annahme eines qualifizierten Falls ist nicht 

der  Nachweis  erforderlich,  dass  die  Drogen  konkret  an  mindestens  20  verschie-

dene Personen abgegeben worden wären. Vielmehr lässt die Rechtsprechung den 

Besitz  zwecks  Weitergabe  an  einen  "unbestimmten  Abnehmerkreis"  genügen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_134/2021 vom 20. Juni 2022 E. 1.5). Dass neben 

den bekannten Personen keine weiteren konkreten Abnehmer ausfindig gemacht 

wurden,  ändert  mit  der  Vorinstanz  in  Anbetracht  der  dargestellten  Belastungs-

momente  daher  nichts  an  der  Beurteilung,  dass  eine  qualifizierte  Menge 

Methamphetamin für die Weitergabe an Dritte vorgesehen war.

3.3. Angesichts des Vorgehens der Beschuldigten ist mit der Vorinstanz vorsätz-

liches Handeln anzunehmen. Ob ihr die exakte Menge und der genaue Reinheits-

grad des Methamphetamins bekannt waren, steht nicht fest, ist für die Erfüllung des 

subjektiven  Tatbestands  indes  nicht  erforderlich,  wie  bereits  dargelegt  wurde. 

Gemäss erstelltem Sachverhalt machte sich die Beschuldigte regelmässig an dem 

im Roller in der Tiefgarage gelagerten Methamphetamin zu schaffen, weshalb sie 

mindestens um die Grössenordnung der dort gelagerten Betäubungsmittel wusste. 

Die von B._____ weitergegebenen Betäubungsmittel waren vorgängig bei der Be-

schuldigten  bestellt  worden,  weshalb  sie  von  der  durch  ihn  umgesetzten  Menge 

Methamphetamin ebenfalls Kenntnis hatte. Sie wusste daher, dass sich ihre Hand-

lungen  quantitativ  auf  eine  erhebliche  Drogenmenge  bezogen.  Es  ergeben  sich 

sodann keine Anhaltspunkte dafür noch macht dies die Beschuldigte geltend, dass 

sie  von  einer  schlechten  oder  unterdurchschnittlichen  Qualität  des  Methamphet-

amins ausgegangen wäre. In Anbetracht der Menge an Methamphetamin, welche 

die Beschuldigte während des Deliktzeitraums in Umlauf brachte bzw. weitergeben 

wollte,  war  ihr  zweifelsohne  auch  bewusst,  die  Gesundheit  vieler  Menschen  zu 

gefährden. Entsprechend ist auch der subjektive Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 lit. c 

und d BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG erfüllt. Die Beschuldigte 

- 50 -

ist daher der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im 

Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d in Verbindung mit Art. 19 aAbs. 2 lit. a BetmG 

schuldig zu sprechen (vgl. nachfolgend zum Übergangsrecht Ziff. V.2.1.).

V. Strafzumessung

1.

Ausgangslage

Die Vorinstanz bestrafte die Beschuldigte mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 

48 Monaten. Die Staatsanwaltschaft beantragte im Berufungsverfahren die Bestä-

tigung  des  vorinstanzlichen  Urteils  (Urk. 67  S. 1).  Die  Verteidigung  stellte,  wie 

bereits  vor  Vorinstanz,  keine  Eventualanträge  für  den  Fall  eines  Schuldspruchs 

(Urk. 52  S. 24;  Urk. 62  S. 2;  Urk. 82).  Aufgrund  der  alleinigen  Berufung  der 

Beschuldigten ist das Berufungsgericht an das Verschlechterungsverbot gebunden 

(Art. 391 Abs. 2 StPO).

2.

Strafrahmen und Strafzumessungsregeln

2.1. Die  Beschuldigte  beging  die  zu  beurteilenden  Straftaten  zwischen  Ende 

Dezember 2022 bis 4. April 2023. Per 1. Juli 2023 ist das Bundesgesetz über die 

Harmonierung  der  Strafrahmen  in  Kraft  getreten.  Nach  heutigem  Recht  werden 

qualifizierte  Widerhandlungen  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  im  Sinne  von 

Art. 19  Abs. 2  BetmG  ausschliesslich  mit  Freiheitsstrafe  (nicht  unter  einem  Jahr) 

bestraft,  während  nach  dem  zur  Tatzeit  geltenden  Recht  mit  der  Freiheitsstrafe 

(nicht unter einem Jahr) eine Geldstrafe verbunden werden konnte. Der Wegfall der 

Möglichkeit  einer  Verbindungsgeldstrafe  ist  als  Verschärfung  zu  qualifizieren,  da 

eine allfällige Strafenkombination nach dem im Tatzeitpunkt geltenden Recht nicht 

zu einer Straferhöhung führen soll, sondern eine Verbindungsgeldstrafe an die Frei-

heitsstrafe anzurechnen wäre. Es ist deshalb das zur Tatzeit geltende Recht anzu-

wenden.

2.2. Zu  den  Grundsätzen  der  Strafzumessung  finden  sich  im  vorinstanzlichen 

Urteil  bereits  zutreffende  Ausführungen  (Urk. 61  S. 42).  Darauf  kann  verwiesen 

werden.

- 51 -

3.

Tatkomponente

3.1. Das Betäubungsmittelstrafrecht dient dem Schutz der öffentlichen Gesund-

heit  (SCHLEGEL/JUCKER,  a.a.O.,  N 1  zu  Art. 19  BetmG  mit  Hinweisen).  Bei  der 

Beurteilung  der  objektiven  Tatschwere  ist  die  Drogenmenge  in  der  Regel  ein 

wesentliches  Strafzumessungskriterium,  weil  sie  das  Gefährdungspotential  und 

damit das Ausmass der Rechtsgutverletzung widerspiegelt. Auch der Gesetzgeber 

definiert den schweren Fall in Art. 19 Abs. 2 BetmG unter anderem anhand der Dro-

genmenge.  Diesem  Kriterium  kommt  bei  der  Strafzumessung  aber  keine  vorran-

gige Bedeutung zu. Die Strafe ist demnach nicht allein nach der Menge und Ge-

fährlichkeit einer Droge, sondern auch und in erster Linie nach dem Verschulden 

des Täters zu bemessen, das sich auf dem gesamten Unrechts- und Schuldgehalt 

der  Straftat  bezieht  und  damit  das  wesentliche  Strafzumessungskriterium  bildet 

(Urteile  des  Bundesgerichts  6B_662/2015  vom  12. Januar  2016  E. 2.4.4; 

6S.59/2005  vom  2. Oktober  2006  E. 7.4,  nicht  publ.  in:  BGE  132  IV  132;  je  mit 

Hinweisen). Die genaue Betäubungsmittelmenge und gegebenenfalls ihr Reinheits-

grad verlieren an Bedeutung, wenn mehrere Qualifikationsgründe gemäss Art. 19 

Abs. 2 BetmG gegeben sind, und sie werden umso weniger wichtig, je deutlicher 

der Grenzwert im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG überschritten ist (BGE 121 

IV 193 E. 2b/aa; Urteil des Bundesgerichts 6B_980/2017 vom 20. Dezember 2018 

E. 3.2 mit Hinweisen). Massgebend ist das Verschulden, und dieses hängt wesent-

lich  auch  davon  ab,  in  welcher  Funktion  der  Täter  am  Betäubungsmittelhandel 

mitwirkte. So trifft den Transporteur grundsätzlich ein geringeres Verschulden als 

denjenigen, der diese Betäubungsmittel verkauft oder zum Zwecke der Weiterver-

äusserung erwirbt (BSK Strafrecht-WIPRÄCHTIGER/KELLER, 4. Aufl. 2019, N 100 zu 

Art. 47 StGB). Mit Blick auf das geschützte Rechtsgut des Volksgesundheit ist jede 

Weitergabehandlung am gefährlichsten und verwerflichsten, da das Inverkehrset-

zen gerade bewirkt, dass Betäubungsmittel unter die Bevölkerung gelangen (Hug-

BEELI,  a.a.O.,  N 18  zu  Art. 19  BetmG).  Wesentlich  ist  auch  die  Stellung  des  Be-

schuldigten  in  der  Hierarchie  des  Drogenhandels  (Urteile  des  Bundesgerichts 

6B_687/2016  vom  12. Juli  2017  E. 1.4.3  mit  Hinweisen;  6B_286/2011  vom 

29. August  2011  E. 3.4.1).  Jedoch  kann  auch  derjenige,  der  nur  Anweisungen 

ausführt, innerhalb eines Verteilungsnetzes eine wichtige und unabdingbare Rolle 

- 52 -

spielen,  was  einen  erheblichen  strafrechtlichen  Vorwurf  zu  begründen  vermag 

(BGE 135 IV 191 E. 3.4). Liegt die angelastete Betäubungsmittelmenge ein Viel-

faches über dem Grenzwert für die Annahme eines schweren Falls, darf die Menge 

der  umgesetzten  Drogen  unter  Berücksichtigung  der  damit  einhergehenden 

Gesundheitsgefährdung vieler Menschen bei der Strafzumessung zusätzlich straf-

erhöhend berücksichtigt werden. Eine Verletzung des Doppelverwertungsverbots 

liegt nicht vor (SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N 14 zu Art. 47 StGB).

3.2. Die Beschuldigte war im Zeitpunkt ihrer Verhaftung am 4. April 2023 unter 

anderem  im  Besitz  von  930 Gramm  Methamphetamin.  Gemäss  dem  Gutachten 

des FOR vom 24. April 2023 wiesen die Betäubungsmittel einen hohen Reinheits-

gehalt von 99.3 % auf, was insgesamt 923 Gramm reines Methamphetamin ergibt. 

Zusätzlich  übergab  bzw.  verschaffte  die  Beschuldigte  B._____  60.8 Gramm 

Methamphetamin. Die nach einer dieser Übergaben sichergestellten Betäubungs-

mittel wiesen ebenfalls einen hohen Reinheitsgrad von 96.1 % auf. Insgesamt gab 

die  Beschuldigte  rund  50 Gramm  reines  Methamphetamin  in  Form  von  Crystal 

Meth weiter. Crystal Meth gilt als sehr gefährliche Droge mit hohem Abhängigkeits-

potenzial und sehr grossen Gesundheitsrisiken (vgl. dazu HUG-BEELI, a.a.O., N 928 

ff. zu Art. 2 BetmG; SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N 153 ff. zu Art. 2 BetmG). Mit einer 

Gesamtmenge von fast einem Kilogramm reinem Methamphetamin überschritt die 

Beschuldigte die Grenze von 12 Gramm, die für einen schweren Fall gilt, um ein 

Zigfaches,  was  straferhöhend  zu  berücksichtigen  ist.  Die  Widerhandlungen  der 

Beschuldigten erfolgten während einer Zeitspanne von mehreren Monaten, die nur 

durch ihre Verhaftung beendet wurde. In dieser Zeit fanden mit sechs Transaktio-

nen eine nicht unerhebliche Anzahl an Drogenschäften statt. Neben Besitz sind der 

Beschuldigten in Bezug auf einen Teil des Methamphetamins damit auch Weiter-

gabehandlungen  anzulasten,  die  zu  einer  unmittelbaren  Gefahr  durch  Konsum 

bzw. Weiterverbreitung führten, was sich verschuldenserhöhend auswirkt. In Bezug 

auf die konkrete Rolle der Beschuldigten im Rahmen der gesamten Organisation 

ist wenig bekannt. Der Vorinstanz ist indes darin zu folgen, dass das Verhalten der 

Beschuldigten von Planung und Professionalität zeugt (Urk. 61 S. 43). Zu verwei-

sen ist an dieser Stelle auch auf die besonderen Vorkehrungen im Zusammenhang 

mit dem Aufbewahren der Drogen, die darauf ausgerichtet waren, keinen Bezug zu 

- 53 -

bestimmten Personen zu ermöglichen. Anhaltspunkte dafür, dass die Beschuldigte 

in eine streng hierarchische Struktur eingebunden gewesen wäre oder über keine 

Handlungsfreiheit  verfügt  hätte,  finden  sich  keine.  Vielmehr  deutet  der  Umstand, 

dass  sie  einen  gewissen  Spielraum  in  Bezug  auf  den  Verkaufspreis  des  Crystal 

Meth hatte, mit der Vorinstanz auf eine gewisse Autonomie und eine nicht unbe-

deutende Rolle in der Handelshierarchie hin. Dies zeigt sich auch darin, dass die 

Beschuldigte  selbständigen  Zugriff  auf  eine  grosse  Menge  Methamphetamin  mit 

einem hohen Reinheitsgrad hatte. Im Ergebnis erweist sich die von der Vorinstanz 

festgesetzte Einsatzstrafe von 42 Monaten sicherlich nicht zu hoch angesetzt.

3.3.

In subjektiver Hinsicht ging die Vorinstanz zu Recht von direktem Vorsatz 

aus. Die Beschuldigte kannte die Menge der gelagerten bzw. übergebenen Betäu-

bungsmittel. Den hohen Reinheitsgrad und die Gefährdung der Gesundheit vieler 

Menschen  nahm  sie  zumindest  in  Kauf.  Eine  finanzielle  Notlage,  die  auf  eine 

erheblich  reduzierte  Entscheidungsfreiheit  schliessen  liesse,  kann  nicht  ausge-

macht werden, zumal die Beschuldigte im Tatzeitpunkt in geordneten finanziellen 

Verhältnissen lebte. Wohl liegt es nahe, dass sie aus finanziellen Motiven gehandelt 

hat, nachweisen lässt sich dies indes nicht. Umgekehrt bestehen auch keine Hin-

weise auf Beschaffungskriminalität als strafminderndes Moment, nachdem sie ge-

mäss  eigenen  Angaben  in  der  Untersuchung  bloss  einmal  Methamphetamin 

konsumierte  (Urk. 7/1  S. 11)  und  heute  zwar  einräumt,  nicht  nur  einmal 

Methamphetamin  genommen  zu  haben,  aber  keine  weiteren  Ausführungen  zur 

Intensität des Konsums machte (Urk. 83 S. 11). Bei einer Gesamtbetrachtung wird 

die objektive Tatschwere durch die Elemente der subjektiven Tatkomponente nicht 

relativiert. Es bleibt damit bei einer Einsatzstrafe von 42 Monaten.

4.

Täterkomponente

4.1. Die Vorinstanz hat den Werdegang und die persönlichen Verhältnisse der 

Beschuldigten zutreffend wiedergegeben. Auf ihre Erwägungen kann vollumfäng-

lich verwiesen werden (Urk. 61 S. 49 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab 

die Beschuldigte ergänzend an, sie arbeite immer noch bei der M._____ GmbH, 

jedoch nicht mehr in einem 100 %-Pensum, sondern in einem reduzierten Pensum 

von 70 % oder 80 %. Das Massagestudio betreibe sie seit Januar 2025 nicht mehr, 

- 54 -

da  das  Gebäude  verkauft  worden  sei.  Die  Ausbildung  an  der  Handelsschule 

schliesse sie im Januar 2026 ab. Anschliessend plane sie eine einjährige Ausbil-

dung als Sachbearbeiterin im Rechnungswesen zu machen (Urk. 83 S. 3 ff.).

Aus der Biographie und den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten lassen 

sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten.

4.2. Die  Beschuldigte  ist  mehrfach,  teilweise  einschlägig,  vorbestraft  (Urk. 76). 

Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 10. August 2017 wurde 

sie  wegen  Vergehens  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  mit  einer  bedingten 

Geldstrafe  von  40 Tagessätzen  zu  Fr. 40.–  und  Fr. 300.–  Busse  bestraft.  Der 

Beschuldigten  wurde  im  damaligen  Verfahren  vorgeworfen,  ein  Minigrip  mit 

1.13 Gramm  Kokain  entgegen  genommen  und  per  DHL  an  einen  Kollegen  nach 

Bulgarien  verschickt  zu  haben  (Urk. 25/5;  Urk. 34).  Mit  Strafbefehl  der  Staatsan-

waltschaft Baden vom 10. Oktober 2022 wurde die Beschuldigte wegen Diebstahls 

mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.– und Fr. 500.– Busse bestraft. 

Die Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf drei Jahre festgesetzt 

(Urk. 33F). Durch die bisher ergangenen Verurteilungen liess sich die Beschuldig-

ten nicht von weiterer Delinquenz abhalten. Sie wurde lediglich rund zwei Monate 

nach  der  Verurteilung  vom  10. Oktober  2022  wieder  straffällig,  als  sie  am 

4. Dezember 2022 unter Methamphetamin-, Kokain- und Alkoholeinfluss ein Auto 

lenkte.  Mit  der  erneuten  Straffälligkeit  während  laufender  Probezeit  offenbart  die 

Beschuldigte  eine  beachtliche  Renitenz  und  Gleichgültigkeit  gegenüber  der 

hiesigen Rechtsordnung. Dies gilt umso mehr, als die Delinquenz gegenüber den 

früheren Straftaten in ihrer Intensität sogar noch zunahm. Die dritte im Strafregister 

eingetragene Verurteilung erging zeitlich nach den vorliegenden Delikten, weshalb 

sie  entgegen  der  Vorinstanz  nicht  als  Vorstrafe  zu  berücksichtigen  ist.  Aus  den 

Akten ergibt sich indes, dass das damalige Verfahren bereits anfangs Dezember 

2022 eröffnet worden war, was auch der Beschuldigten bekannt war (Urk. 43). Die 

vorliegenden  Delikte  wurden  damit  nicht  nur  während  laufender  Probezeit  einer 

Vorstrafe,  sondern  auch  während  laufender  Strafuntersuchung  begangen,  was 

straferhöhend zu gewichten ist. Die von der Vorinstanz angesichts des strafrecht-

lichen  Vorlebens  vorgenommene  Straferhöhung  von  sechs  Monaten  erscheint 

- 55 -

angesichts der vergleichsweise geringfügigen Vorstrafen insgesamt als eher hoch, 

in  Anbetracht  der  Einschlägigkeit  der  Vorstrafe  aus  dem  Jahr  2017  sowie  der 

Delinquenz  während  laufender  Probezeit  und  laufender  Strafuntersuchung  aber 

noch angemessen.

4.3. Die  Beschuldigte  ist  nicht  geständig.  Dementsprechend  sind  auch  weder 

Reue  noch  Einsicht  in  das  Unrecht  ihrer  Tat  ersichtlich.  Das  Nachtatverhalten 

schliesst somit eine Strafminderung aus, wirkt sich aber auch nicht zu Ungunsten 

der Beschuldigten aus.

5.

Fazit

Während sich die persönlichen Verhältnisse und der Werdegang der Beschuldigten 

strafzumessungsneutral  verhalten,  sind  ihre  Vorstrafen  straferhöhend  zu  veran-

schlagen. Unter Berücksichtigung der dargelegten Umstände erweist sich die von 

der Vorinstanz festgesetzte Freiheitsstrafe von 48 Monaten als angemessen. Der 

Anrechnung  der  im  Verfahren  erstandenen  Haft  von  107 Tagen  (Urk. 24/1; 

Urk. 24/22) an die Strafe steht nichts entgegen (Art. 51 StGB). Bei der auszuspre-

chenden  Strafe  fällt  ein  bedingter  oder  teilbedingter  Vollzug  ausser  Betracht 

(Art. 42 f. StGB). Die Freiheitsstrafe ist daher zu vollziehen.

VI. Widerruf

1.

Ausgangslage

Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und 

ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so widerruft das 

Gericht  die  bedingte  Strafe.  Ist  nicht  zu  erwarten,  dass  der  Verurteilte  weitere 

Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht auf einen Widerruf. Es kann den 

Verurteilten  verwarnen  oder  die  Probezeit  um  höchstens  die  Hälfte  der  im  Urteil 

festgesetzten  Dauer  verlängern  (Art. 46  Abs. 1  und  2  StGB).  Die  Prüfung  der 

Bewährungsaussichten  des  Täters  ist  anhand  einer  Gesamtwürdigung  aller 

wesentlichen  Umstände  vorzunehmen.  In  die  Beurteilung  miteinzubeziehen  sind 

neben den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren 

Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten 

- 56 -

seiner  Bewährung  zulassen.  Für  die  Einschätzung  des  Rückfallrisikos  ist  ein 

Gesamtbild  der  Täterpersönlichkeit  unerlässlich.  Relevante  Faktoren  sind  etwa 

strafrechtliche  Vorbelastung,  Sozialisationsbiographie  und  Arbeitsverhalten,  das 

Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdungen usw. Dabei sind 

die  persönlichen  Verhältnisse  bis  zum  Zeitpunkt  des  Entscheides  miteinzubezie-

hen. Besonders günstige Umstände, wie sie Art. 42 Abs. 2 StGB für den bedingten 

Strafaufschub bei entsprechender Vorverurteilung verlangt, sind für den Widerrufs-

verzicht nicht erforderlich, auch wenn die neue Strafe über sechs Monate Freiheits-

strafe beträgt. Das heisst allerdings nicht, dass es im Rahmen von Art. 46 StGB auf 

die neue Tat und die daraus resultierende Strafe überhaupt nicht ankommen würde. 

Art und Schwere der erneuten Delinquenz sind für den Entscheid über den Widerruf 

ebenfalls von Bedeutung, insoweit nämlich, als das im Strafmass für die neue Tat 

zum Ausdruck kommende Verschulden Rückschlüsse auf die Legalbewährung des 

Verurteilten erlaubt. Insoweit lässt sich sagen, dass die Prognose für den Entscheid 

über den Widerruf umso eher negativ ausfallen kann, je schwerer die während der 

Probezeit begangenen Delikte wiegen (BGE 134 IV 140 E. 4.4 f.).

2. Würdigung

Die  Vorinstanz  hat  zutreffend  erkannt,  dass  die  Beschuldigte  die  vorliegend  zu 

beurteilenden  Delikte  während  der  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Baden 

vom  10. Oktober  2022  angesetzten  Probezeit  begangen  hat.  Die  Beschuldigte 

bestätigte, vom Lauf dieser Probezeit Kenntnis gehabt zu haben (Urk. 7/5 S. 6). Es 

ist daher über den Widerruf der mit diesem Strafbefehl ausgefällten Geldstrafe zu 

befinden. Eine Verlängerung der Probezeit kommt nicht mehr in Betracht, nachdem 

die  Probezeit  bereits  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Baden  vom  22. Mai 

2023 um die Hälfte der ursprünglich festgesetzten Dauer verlängert wurde (Urk. 43; 

Urk. 76; Art. 46 Abs. 2 StGB). Mit der Vorinstanz ist angesichts des strafrechtlichen 

Vorlebens der Beschuldigten in Bezug auf mögliche künftige Delinquenz von einer 

schlechten Prognose auszugehen. Wie erwähnt, war die Beschuldigte im Zeitpunkt 

der vorliegenden Straftaten bereits mehrfach – teilweise auch einschlägig – vorbe-

straft. Von den in der Vergangenheit ergangenen Verurteilungen und ausgespro-

chenen Strafen wäre grundsätzlich ein nachhaltiger Warneffekt zu erwarten gewe-

- 57 -

sen. Die Beschuldigte liess sich davon aber nicht weiter beeindrucken und wurde 

mehrfach  rückfällig.  Sie  delinquierte  nicht  nur  während  laufender  Probezeit, 

sondern auch während laufender Strafuntersuchung. Die vorliegend zu beurteilen-

den  Delikte  beging  sie  nur  rund  zwei  Monate  nach  der  Verurteilung  durch  die 

Staatsanwaltschaft  Baden  im  Oktober  2022.  Das  Verhalten  der  Beschuldigten 

zeugt von bedenklicher Unbelehrbarkeit  und Uneinsichtigkeit. Wie bereits darge-

legt,  ist  in  Anbetracht  der  neuen  Delinquenz  sogar  eine  Aggravierung  in  ihrem 

deliktischen  Verhalten  zu  erkennen.  In  den  persönlichen  und  wirtschaftlichen 

Verhältnissen der Beschuldigten sind seit der Tatbegehung keine Änderungen ein-

getreten, die eine andere Beurteilung nahelegen würden. Vielmehr war sie bereits 

im Tatzeitpunkt erwerbstätig und als alleinige Sorgeberechtigte für ihren minderjäh-

rigen  Sohn  verantwortlich.  Dessen  ungeachtet  ging  sie  mit  der  schweren  Betäu-

bungsmitteldelinquenz  das  Risiko  einer  mehrjährigen  Freiheitsstrafe  ein.  Damit 

stellen die familiären und beruflichen Umstände auch in Zukunft keine verlässliche 

Grundlage  dar,  gestützt  auf  welche  mit  ausreichender  Sicherheit  angenommen 

werden  könnte,  die  Beschuldigte  werde  sich  wohlverhalten.  Vor  diesem  Hinter-

grund und in Anbetracht der vorliegend zu beurteilenden Straftaten erweist es sich 

nicht als sachgerecht, nochmals auf den Widerruf zu verzichten, selbst wenn heute 

eine  mehrjährige  Freiheitsstrafe  auszufällen  ist.  Der  bedingte  Vollzug  der  mit 

Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Baden  vom  10. Oktober  2022  ausgefällten 

Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.– ist daher zu widerrufen. 

VII. Landesverweisung

1.

Ausgangslage

1.1. Die  Vorinstanz  sprach  eine  Landesverweisung  von  8 Jahren  aus  (Urk. 61 

S. 57).  Die  Staatsanwaltschaft  beantragt  im  Berufungsverfahren  die  Bestätigung 

des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 67 S. 1). Die Verteidigung beantragt, wie bereits 

vor  Vorinstanz,  es  sei  in  jedem  Fall  von  einer  Landesverweisung  abzusehen 

(Urk. 52 S. 2; Urk. 62 S. 2; Urk. 82 S. 10 und 23 ff.).

1.2. Die Beschuldigte ist bulgarische Staatsangehörige und wird wegen qualifi-

zierter  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  im  Sinne  von  Art. 19 

- 58 -

Abs. 1 lit. c und d in Verbindung mit Art. 19 aAbs. 2 lit. a BetmG schuldig gespro-

chen. Damit hat sie eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB began-

gen  und  ist  daher  grundsätzlich  obligatorisch  für  5  bis  15 Jahres  des  Landes  zu 

verweisen.  Das  Gericht  kann  ausnahmsweise  von  einer  Landesverweisung 

absehen,  wenn  diese  für  den  Ausländer  einen  schweren  persönlichen  Härtefall 

bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegen-

über  den  privaten  Interessen  des  Ausländers  am  Verbleib  in  der  Schweiz  nicht 

überwiegen.  Dabei  ist  der  besonderen  Situation  von  Ausländern  Rechnung  zu 

tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB).

1.3. Die Vorinstanz hat die gesetzlichen Grundlagen und Voraussetzungen für 

die Anordnung einer Landesverweisung zutreffend dargelegt. Auf ihre Erwägungen 

kann  verwiesen  werden  (Urk. 61  S. 47  ff.).  Ergänzend  ist  auszuführen,  dass  es 

gemäss  der  aus  dem  Ausländerrecht  stammenden  "Zweijahresregel"  bei  einer 

Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr ausserordentlicher 

Umstände bedarf, damit das private Interesse des Betroffenen an einem Verbleib 

in  der  Schweiz  das  öffentliche  Interesse  an  einer  Landesverweisung  überwiegt. 

Dies gilt sogar bei bestehender Ehe mit einer Schweizerin oder einem Schweizer 

und  gemeinsamen  Kindern  (Urteile  des  Bundesgerichts  6B_527/2024  und 

6B_552/2024 vom 20. Februar 2025 E. 6.1.8; 6B_1069/2023 vom 21. Januar 2025 

E. 2.2.5;  6B_716/2024  vom  4. Dezember  2024  E. 4.1.4;  je  mit  Hinweisen).  Bei 

Straftaten  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  zeigt  sich  das  Bundesgericht 

hinsichtlich  der  Landesverweisung  zwecks  Verhinderung  neuer  Straftaten  zur 

Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit stets streng (vgl. Urteile des Bundesge-

richts  6B_1234/2023  vom  11. Juli  2024  E. 3.8.6;  7B_236/2022  vom  27. Oktober 

2023 E. 2.5.3; 7B_181/2022 vom 27. September 2023 E. 5.4.2; je mit Hinweisen). 

Grundsätzlich ist bereits der einmaligen Begehung einer qualifizierten Widerhand-

lung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  eine  derart  hohe  Tatschwere  inhärent, 

dass  sie  eine  obligatorische  Landesverweisung  nach  sich  zieht  (Urteile  des 

Bundesgerichts 7B_236/2022 vom 27. Oktober 2023 E. 2.5.3; 7B_181/2022 vom 

27. September 2023 E. 5.4.2).

- 59 -

2.

Härtefallprüfung

2.1.

In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten kann auf die 

zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 61 S. 49 f.). Die 

Beschuldigte  ist  in  Bulgarien  geboren  und  aufgewachsen.  Sie  besuchte  dort  die 

Schulen und schloss nach dem Gymnasium ein Studium an der …-Universität in 

N._____ ab. In die Schweiz kam die Beschuldigte ca. im Jahr 2010, nachdem sie 

zuvor in Italien gelebt und gearbeitet hatte. Anfänglich arbeitete sie als Bardame, 

seither ist sie als Sachbearbeiterin bei der Firma M._____ GmbH angestellt. Die 

Firma ist im Bereich Zimmervermietungen tätig und gehört J._____, dem Ex-Part-

ner der Beschuldigten und Vater ihres Kindes. Gemäss den Angaben der Beschul-

digten anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung arbeitet sie nunmehr bloss 

noch zu 70 % oder 80 % bei der M._____ GmbH. Das Massagestudio, deren Inha-

berin sie war und welches ebenfalls über diese Firma gelaufen sei, wurde verkauft. 

Als Sachbearbeiterin verdient die Beschuldigte monatlich nunmehr noch ungefähr 

Fr. 4'000.–. Die Beschuldigte ist geschieden und hat mit J._____ einen 11jährigen 

Sohn, der bei ihr lebt. Als sich die Beschuldigte in Untersuchungshaft befand, er-

folgte die Betreuung des Kindes durch ihre Mutter, da sich auch J._____ in Unter-

suchungshaft befand (Urk. 24/19/2). In der Schweiz verfügt die Beschuldigte über 

den Aufenthaltsstatus B. Neben ihrem Sohn halten sich keine weiteren Familienan-

gehörigen der Beschuldigten in der Schweiz auf. Ihre Mutter und ihr Bruder sowie 

J._____ (der Vater ihres Sohnes) leben in Bulgarien, ihr Vater ist verstorben. Die 

Beschuldigte reist einmal pro Jahr nach Bulgarien, wobei sie jeweils in der ehema-

ligen Wohnung ihrer Eltern lebt, die sie zusammen mit ihrem Bruder geerbt hat. Im 

Vorverfahren gab die Beschuldigte an, sie könne sich ein Leben in Bulgarien vor-

stellen. Dies aber erst, wenn ihr Sohn volljährig sei. Ihr Sohn komme regelmässig 

mit nach Bulgarien und spreche auch Bulgarisch. Er wolle aber in der Schweiz blei-

ben. Vor Vorinstanz gab die Beschuldigte an, sie sehe ihre Zukunft in der Schweiz. 

Sie besuche derzeit die Handelsschule und wolle anschliessend eine Ausbildung 

als Sachbearbeiterin im Bereich Rechnungswesen machen (Urk. 7/5 S. 6 ff.; Prot. I 

S. 7 ff.). Dies bestätigte sie auch heute (Urk. 83 S. 1 ff.).

- 60 -

2.2. Mit der Vorinstanz kann nicht von einer starken Verwurzelung in der Schweiz 

ausgegangen werden. Zwar lebt die Beschuldigte mittlerweile schon seit 15 Jahren 

hier. Ihre prägenden Kindheits- und Jugendjahre verbrachte sie indes in Bulgarien, 

wo sie auch eine Ausbildung abschloss. Die Beschuldigte weist nach wie vor enge 

Kontakte zu Bulgarien auf. Nicht nur leben ihre Mutter und ihr Bruder in Bulgarien, 

die Beschuldigte reist auch regelmässig für Ferien in ihr Heimatland. Ferner stammt 

auch der Vater ihres Kindes, J._____, aus Bulgarien, welcher nunmehr sogar wie-

der in Bulgarien lebt. J._____ spricht zudem besser Bulgarisch als Deutsch, war er 

in dem gegen ihn geführten Strafverfahren doch auf einen Bulgarisch-Dolmetscher 

angewiesen. Die Beschuldigte unterhält sich mit ihrem Sohn – neben Deutsch – 

auch auf Bulgarisch. Schliesslich verfügt sie in Bulgarien über eine Wohnung, die 

ihr bei ihren dortigen Aufenthalten jeweils zur Verfügung steht. Damit kommt zum 

Ausdruck, dass die Beschuldigte den Kontakt und den Bezug zu Bulgarien bewusst 

erhalten hat, was ihr Interesse an einem Bleiberecht in der Schweiz relativiert. Die 

Verbundenheit mit ihrem Heimatland zeigt sich auch in ihren Aussagen, wonach 

sie sich ein Leben in Bulgarien durchaus vorstellen könnte, sobald ihr Sohn volljäh-

rig geworden sei. Gemäss ihren Angaben war die Beschuldigte in der Schweiz stets 

erwerbstätig, was positiv zu vermerken ist. In Bezug auf ihre Arbeit für die M._____ 

GmbH bestehen indes gewisse Fragezeichen, nachdem sie im Vorverfahren Fra-

gen, die im engen Zusammenhang mit der Tätigkeit dieser Firma stehen, nicht be-

antworten konnte (vgl. Urk. 7/1 S. 6 und 8) und sie auch heute genauere Angaben 

schuldig blieb (Urk. 83 S. 3 f.). In jedem Fall liegt keine berufliche Tätigkeit im freien 

Arbeitsmarkt  vor,  was  stärker  für  eine  erfolgreiche  berufliche  Integration  gespro-

chen hätte. Von einer "überdurchschnittlichen" Eingebundenheit in wirtschaftlicher 

Hinsicht kann entgegen der Verteidigung (Urk. 82 S. 24) nicht ausgegangen wer-

den. Aus den Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Baden betreffend Diebstahl er-

gibt sich zudem, dass die Beschuldigte teilweise auch arbeitslos war. Sie hatte in 

diesem  Verfahren  anlässlich  der  polizeilichen  Einvernahme  vom  22. September 

2022 angegeben, dass sie seit Ende Juni arbeitslos sei und den Ladendiebstahl 

begangen habe, weil sie nicht genug Geld gehabt habe (Urk. 33F). Hinweise auf 

über die gewöhnliche Integration hinausgehende soziale Beziehungen im ausser-

familiären Bereich in der Schweiz ergeben sich weder aus den Aussagen der Be-

- 61 -

schuldigten noch aus den Akten. Eine gelungene soziale Integration ist ebenfalls 

zu verneinen. Die Beschuldigte weist in der Schweiz bereits drei, teilweise einschlä-

gige, Vorstrafen auf (Urk. 76). Zwar handelt es sich mit Ausnahme der vorliegend 

zu beurteilenden Straftat um zumindest vergleichsweise geringe Delikte. Wie be-

reits  dargelegt,  delinquierte  die  Beschuldigte  indes  mehrfach  während  laufender 

Probezeit, wobei die Straftaten jeweils nur wenige Monate nach Ansetzen der Pro-

bezeit begangen wurden. Die Betäubungsmitteldelikte beging sie darüber hinaus 

während laufender Strafuntersuchung, was ebenfalls auf erhebliche Unbelehrbar-

keit und Gleichgültigkeit gegenüber der Schweizerischen Rechtsordnung schlies-

sen lässt. Im Strafverfahren zeigte sich die Beschuldigte zudem weder kooperativ 

noch einsichtig. Insgesamt ist festzuhalten, dass der Beschuldigten eine Rückkehr 

in ihr Heimatland sowohl in sprachlicher als auch in sozialer und beruflicher Hinsicht 

zumutbar ist. Ihre persönliche Situation rechtfertigt für sich allein keine Annahme 

eines  schweren  persönlichen  Härtefalls.  Zu  berücksichtigen  sind  indes  auch  die 

Interesse ihres Kindes. Der Sohn der Beschuldigten ist in der Schweiz geboren. Er 

ist  11 Jahre  alt  und  befindet  sich  damit  nicht  mehr  in  einem  anpassungsfähigen 

Alter im engeren Sinn (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_783/2021 vom 12. April 

2023  E. 1.4.3;  2C_1053/2022  vom  9. März  2023  E. 3.5.3;  2C_538/2021  vom 

24. Juni 2022 E. 3.4; 2C_709/2019 vom 17. Januar 2020 E. 6.2.2; je mit Hinwei-

sen). Eine Rückkehr in das Heimatland der Beschuldigten ist ihm aufgrund seines 

Alters nur zumutbar, wenn er durch Sprachkenntnisse, gelegentliche Ferienaufent-

halte und eine entsprechende Kulturvermittlung im familiären Rahmen mit den Ver-

hältnissen im Heimatland vertraut wäre (vgl. dazu BGE 143 I 21 E. 5.4; Urteile des 

Bundesgerichts  6B_783/2021  vom  12. April  2023  E. 1.4.3;  2C_834/2021  vom 

24. Februar 2022 E. 5.2; 2C_709/2019 vom 17. Januar 2020 E. 6.2.2; je mit Hin-

weisen). Dies ist zu bejahen, auch wenn mit einem Umzug nach Bulgarien sicher-

lich eine gewisse Härte verbunden wäre. Der Sohn der Beschuldigten ist ebenfalls 

bulgarischer Staatsangehöriger und spricht Bulgarisch. Ferner lebt sein Vater und 

seine Grossmutter in Bulgarien. Ausserdem ist ihm die Kultur und das Land aus 

seinen alljährlichen Ferienaufenthalten bekannt. Als sich seine Eltern in Haft befan-

den, reiste seine Grossmutter mütterlicherseits in die Schweiz, um ihn hier zu be-

treuen (vgl. dazu auch Urk. 24/19/2). Es ist daher von einem hinreichenden Ver-

- 62 -

trautsein mit dem Heimatland auszugehen. Im Übrigen ist festzuhalten, dass der 

Sohn der Beschuldigten angesichts seines Alters auch noch keine weiterführende 

Schule bzw. Berufungsausbildung begonnen hat, deren erzwungener Abbruch zur 

Unzumutbarkeit der Ausreise führen könne. Diesbezüglich darf zwar nicht ausser 

Acht  gelassen  werden,  dass  mit  heutigem  Urteil  eine  mehrjährige  Freiheitsstrafe 

gegen die Beschuldigte ausgesprochen wird, die dem Vollzug der Landesverwei-

sung  vorausgeht  (Art. 66c  Abs. 2  StGB).  Bei  Entlassung  der  Beschuldigten  aus 

dem Strafvollzug könnte sich der Sohn der Beschuldigten daher allenfalls in einer 

weiterführenden Ausbildung befinden. Dies wird indes durch den Umstand relati-

viert, dass angesichts der von der Beschuldigten zu verbüssenden Freiheitsstrafe 

in diesem Zeitpunkt zwangsläufig bereits eine anderweitige Betreuung gewährleis-

tet sein wird (vgl. dazu auch die Vorinstanz, Urk. 61 S. 50).

2.3. Die  Vorinstanz  hat  im  Sinne  einer  Eventualbegründung  erwogen,  dass 

selbst wenn aufgrund der familiären Situation ein schwerer persönlicher Härtefall 

bejaht würde, die Interessenabwägung zu Ungunsten der Beschuldigten ausfallen 

würde (Urk. 61 S. 51). Dem kann gefolgt werden. Als Anlasstat liegt eine qualifi-

zierte  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  vor.  Qualifizierter 

Drogenhandel gilt als schwere Straftat, von welcher eine schwerwiegende Gefahr 

für die öffentliche Ordnung ausgeht. Auch der EGMR akzeptiert ausdrücklich, dass 

bei Betäubungsmitteldelinquenz von einer gewissen Schwere angesichts der damit 

einhergehenden  schweren  Beeinträchtigung  der  öffentlichen  Ordnung  und  des 

Schutzes der Gesundheit anderer ein strenger Massstab angelegt wird (Urteil des 

Bundesgerichts  7B_1059/2023  vom  26. März  2025  E. 4.4.3).  Die  Tathandlungen 

der  Beschuldigten  bezogen  sich  auf  insgesamt  fast  ein  Kilogramm  reines 

Methamphetamin. Die Grenze von 12 Gramm für die Annahme eines mengenmäs-

sig qualifizierten Falls bei Methamphetamin wurde um ein Vielfaches überschritten. 

Die  Beschuldigte  war  nicht  nur  im  Besitz  der  Drogen,  sondern  gab  auch  rund 

50 Gramm  reines  Methamphetamin  weiter.  Wie  bereits  im  Rahmen  der  Strafzu-

messung  dargelegt,  erscheint  der  Unrechtsgehalt  einer  Weitergabehandlung  mit 

Blick auf das von Art. 19 BetmG geschützte Rechtsgut der öffentlichen Gesundheit 

am gefährlichsten, da das Inverkehrsetzen gerade bewirkt, dass Betäubungsmittel 

unter  die  Bevölkerung  gelangen.  Der  Beschuldigten  ist  nicht  nur  eine  einmalige 

- 63 -

Widerhandlung  anzulasten.  Vielmehr  gab  sie  während  einer  Zeitspanne  von 

mehreren  Monaten  mehrfach  Methamphetamin  weiter.  Dass  sie  in  einer  finan-

ziellen  Notlage  oder  anderweitigen  Ausnahmesituation  gehandelt  hätte,  ist  nicht 

ersichtlich. Von der schweren Betäubungsmitteldelinquenz vermochte sie auch ihre 

Rolle  als  Mutter  eines  damals  erst  achtjährigen  Kindes  nicht  abzuhalten.  Die 

Schwere der Anlasstat kommt auch in der aufgrund des Tatverschuldens festge-

setzten Einsatzstrafe von 3 ½ Jahren zum Ausdruck. Bereits daraus folgt auch in 

Anbetracht der "Zweijahresregel" ein beträchtliches öffentliches Interesse an einer 

Wegweisung  der  Beschuldigten.  Die  öffentlichen  Sicherheitsinteressen  werden 

durch das strafrechtlich relevante Vorleben der Beschuldigten bestärkt. Wie bereits 

dargelegt,  ist  sie  bereits  mehrfach,  teilweise  auch  einschlägig,  vorbestraft  und 

delinquierte  mehrfach  während  laufender  Probezeit  sowie  während  laufender 

Strafuntersuchung. Eine gute Prognose kann ihr nicht gestellt werden, zumal die 

von  ihr  begangenen  Straftaten  an  Schwere  gewonnen  haben.  Selbst  wenn 

angesichts der familiären Situation der Beschuldigten ein gewichtiges persönliches 

Interesse  an  einem  Verzicht  auf  die  Landesverweisung  angenommen  würde, 

würden die öffentlichen Interessen an deren Anordnung daher überwiegen.

3.

Freizügigkeitsabkommen

3.1. Angesichts der bulgarischen Staatsangehörigkeit der Beschuldigten und der 

Mitgliedschaft von Bulgarien in der EU stellt sich die Frage, ob das Freizügigkeits-

abkommen vom 21. Juni 1999 (FZA) einer Landesverweisung entgegensteht. Ob 

eine Landesverweisung anzuordnen ist, bestimmt sich zunächst nach dem Schwei-

zer Recht. Ist nach dem massgebenden Recht eine Landesverweisung anzuord-

nen, stellt sich gegebenenfalls die weitere Frage, ob ein völkerrechtlicher Vertrag 

wie  das  Freizügigkeitsabkommen  einen  Hinderungsgrund  für  die  Landesverwei-

sung  bildet  (Urteile  des  Bundesgerichts  6B_527/2024  vom  20. Februar  2025 

E. 6.1.9;  6B_64/2024  vom  19. November  2024  E. 1.9.2;  6B_285/2024  vom 

10. September 2024 E. 1.6.2; je mit Hinweisen). Nach Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA 

dürfen die im Abkommen eingeräumten Rechte nur durch Massnahmen, die aus 

Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind, 

eingeschränkt werden. Die Landesverweisung nach Art. 66a ff. StGB ist als Institut 

- 64 -

des  Strafrechts  und  nach  der  Intention  des  Verfassungs-  und  des  Gesetzgebers 

primär als sichernde strafrechtliche Massnahme zu verstehen (vgl. Art. 121 Abs. 2 

und 5 BV; Urteile des Bundesgerichts 6B_882/2024 vom 20. Februar 2025 E. 4.4.1; 

6B_527/2024  vom  20. Februar  2025  E. 6.1.9;  6B_64/2024  vom  19. November 

2024 E. 1.9.2). Ob die öffentliche Ordnung und Sicherheit (weiterhin) gefährdet ist, 

folgt  aus  einer  Prognose  des  künftigen  Wohlverhaltens.  Es  ist  nach  Art  und 

Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzieren: Je schwerer die 

Gefährdung, desto niedriger die Anforderungen an die in Kauf zu nehmende Rück-

fallgefahr. Ein geringes, aber tatsächlich vorhandenes Rückfallrisiko kann für eine 

aufenthaltsbeendende  Massnahme  im  Sinne  von  Art. 5  Abs. 1  Anhang I  FZA 

genügen,  sofern  dieses  Risiko  eine  schwere  Verletzung  hoher  Rechtsgüter  wie 

beispielsweise die körperliche Unversehrtheit beschlägt (BGE 145 IV 364 E. 3.5.2; 

Urteile  des  Bundesgerichts  6B_882/2024  vom  20. Februar  2025  E. 4.4.1; 

6B_527/2024  vom  20. Februar  2025  E. 6.1.9;  je  mit  Hinweisen).  Ausgangspunkt 

und Massstab für die ausländerrechtliche Interessenabwägung ist die Schwere des 

Verschuldens,  die  sich  in  der  Dauer  der  verfahrensauslösenden  Freiheitsstrafe 

niederschlägt;  auch  eine  einmalige  Straftat  kann  eine  aufenthaltsbeendende 

Massnahme rechtfertigen, wenn die Rechtsgutverletzung schwer wiegt (BGE 145 

IV 364 E. 3.5.2 mit Hinweisen).

3.2. Die Beschuldigte wird wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d in Verbindung mit Art. 19 

aAbs. 2  lit. a  BetmG  schuldig  gesprochen.  Dabei  handelt  es  sich  um  eine  sehr 

schwere Straftat, was sich auch im Strafrahmen von mindestens einem bis 20 Jah-

ren Freiheitsstrafe wiederspiegelt. Die Widerhandlungen der Beschuldigten bezo-

gen sich wie erwähnt auf insgesamt fast ein Kilogramm reines Methamphetamin. 

Sie hat die Betäubungsmittel nicht nur besessen, sondern auch weitergegeben. Mit 

ihrem Verhalten hat sie in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Ordnung 

und Sicherheit verstossen und die Gesundheit anderer und somit besonders hoch-

wertige Rechtsgüter schwer gefährdet. An der Verhinderung solcher Taten besteht 

ein grosses öffentliches Interesse. Wie erwähnt, ist die bundesgerichtliche Recht-

sprechung in Bezug auf aufenthaltsbeendende Massnahmen bei Betäubungsmit-

teldelikten sehr streng. An die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Straffälligkeit sind 

- 65 -

daher keine allzu hohen Anforderungen zu stellen. Wie bereits dargelegt, kann der 

Beschuldigten angesichts ihres strafrechtlich relevanten Vorlebens keine günstige 

Prognose mehr gestellt werden. Sie liess sich weder durch die bisher gegen sie 

ergangenen  Verurteilungen  noch  durch  die  ihr  mit  Strafbefehl  vom  10. Oktober 

2022  angesetzte  Probezeit  beeindrucken,  sondern  wurde  bereits  zwei  Monate 

danach  wieder  massiv  straffällig.  Sie  liess  sich  auch  durch  ihre  Rolle  als  Mutter 

eines  achtjährigen  Kindes  nicht  von  weiteren  Straftaten  abhalten.  Dass  sich  das 

Lebensumfeld  der  Beschuldigten  seit  der  Tatbegehung  geändert  hätte,  ist  nicht 

ersichtlich. Reue oder Einsicht kann ihr nicht attestiert werden. Insgesamt ist von 

einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass die Beschuldigte auch 

künftig die öffentliche Ordnung und Sicherheit stören wird. Der Vorinstanz ist somit 

darin zu folgen, dass das FAZ der obligatorischen Landesverweisung der Beschul-

digten nicht entgegensteht.

4.

Dauer der Landesverweisung

4.1. Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB ist die Landesverweisung für 5 bis 15 Jahre 

auszusprechen. Die Dauer der ausgesprochenen Landesverweisung muss verhält-

nismässig sein (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV, Art. 36 Abs. 3 BV, Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Wie 

bei der Frage, ob überhaupt eine Landesverweisung auszusprechen ist, ist auch 

bei der Festlegung der Dauer der Landesverweisung das private Interesse des von 

der  Landesverweisung  Betroffenen  zu  berücksichtigen.  Bei  der  Bestimmung  der 

Dauer der Landesverweisung ist nebst der Schwere der Straftat daher auch den 

persönlichen  Umständen,  insbesondere  allfälligen  familiären  Bindungen  der 

Person in der Schweiz oder einer aus einer langen Anwesenheit in der Schweiz 

folgenden Härte, Rechnung zu tragen (Urteile des Bundesgerichts 6B_1079/2022 

vom  8. Februar  2023  E. 9.2.1;  6B_445/2021  vom  6. September  2021  E. 2; 

6B_249/2020 vom 27. Mai 2021 E. 6.2.1).

4.2. Die  Vorinstanz  sprach  eine  Landesverweisung  von  8 Jahren  aus.  Unter 

Berücksichtigung der Schwere des Anlassdelikts und des von der Beschuldigten 

ausgehenden Risikos für die öffentliche Ordnung und Sicherheit erweist sich diese 

Dauer  in  Anbetracht  der  nicht  allzu  ausgeprägten  persönlichen  Bindung  der 

Beschuldigten  zur  Schweiz  und  ihrer  gesamthaft  höchstens  durchschnittlichen 

- 66 -

Integration als angemessen. Die Beschuldigte ist daher in Anwendung von Art. 66a 

StGB für die Dauer von 8 Jahren des Landes zu verweisen. Aufgrund der bulgari-

schen Staatsangehörigkeit der Beschuldigten fällt eine Ausschreibung der Landes-

verweisung im Schengener Informationssystem ausser Betracht.

VIII. Beschlagnahmungen

1.

Ausgangslage

Gemäss  Art. 263  Abs. 1  StPO  können  Gegenstände  und  Vermögenswerte  einer 

beschuldigten  Person  oder  einer  Drittperson  unter  anderem  beschlagnahmt 

werden, wenn die Gegenstände und Vermögenswerte voraussichtlich als Beweis-

mittel  gebraucht  werden  (lit. a),  zur  Sicherstellung  von  Verfahrenskosten,  Gelds-

trafe, Bussen und Entschädigungen gebraucht  werden (lit. b), den Geschädigten 

zurückzugeben  sind  (lit. c)  oder  einzuziehen  sind  (lit. d).  Ist  die  Beschlagnahme 

eines Gegenstandes oder Vermögenswertes nicht vorher aufgehoben worden, so 

ist über seine Rückgabe an die berechtigte Person, seine Verwendung zur Kosten-

deckung oder über seine Einziehung im Endentscheid zu befinden (Art. 267 Abs. 3 

StPO).

2. Würdigung

Anlässlich  der  am  4. April  2023  erfolgten  Hausdurchsuchung  an  der  C._____-

strasse 1 in D._____ wurde aus einer Handtasche beim Küchentisch Bargeld in der 

Höhe von insgesamt Fr. 340.– sichergestellt (Urk. 14/2 S. 5; Urk. 22/2/4). Mit Ver-

fügung  vom  27. April  2023  beschlagnahmte  die  Staatsanwaltschaft  diesen 

Bargeldbetrag (Urk. 14/4). Die Vorinstanz ordnete gemäss Dispositivziffer 7 ihres 

Urteils die Einziehung dieser Barschaft an (Urk. 61 S. 57). In der Begründung des 

vorinstanzlichen  Urteils  wird  indes  erwogen,  dass  das  Bargeld  zur  teilweisen 

Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden ist (Urk. 61 S. 54). Damit ist unklar, 

ob  die  Vorinstanz  das  Bargeld  als  Deliktserlös  einstufte  und  als  solchen  einzog, 

oder im Gegenteil den Nachweis der deliktischen Herkunft nicht als erstellt erach-

tete und die Gelder daher zur Deckung der Verfahrenskosten heranzog. Nachdem 

nicht nachgewiesen ist, dass es sich beim Bargeldbetrag von Fr. 340.– um Delik-

- 67 -

terlös handelt, ist dieser zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten zu verwen-

den (Art. 442 Abs. 4 StPO), wie es die Staatsanwaltschaft bereits vor Vorinstanz 

beantragte (Urk. 51 S. 2 i.V.m. Urk. 28 S. 6).

IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens

Ausgangsgemäss  ist  die  vorinstanzliche  Kostenauflage  (Dispositivziffer 11)  zu 

bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

2.

Kosten des Berufungsverfahrens

2.1. Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  praxisgemäss  auf 

Fr. 3'600.– festzusetzen (Art. 424 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 GebV OG).

2.2.

Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im Rechtsmit-

telverfahren  als  obsiegend  oder  unterliegend  gilt,  hängt  davon  ab,  in  welchem 

Ausmass  ihre  vor  Berufungsgericht  gestellten  Anträge  gutgeheissen  wurden 

(BSK StPO-DOMEISEN, a.a.O., N 6 zu Art. 428).

2.3. Die Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren vollumfänglich mit ihren 

Anträgen. Ausgangsgemäss sind ihr daher die Kosten des Berufungsverfahrens, 

mit  Ausnahme  derjenigen  der  amtlichen  Verteidigung,  aufzuerlegen.  Die  Kosten 

der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt 

der Rückzahlungspflicht der Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 

3.

Entschädigung der amtlichen Verteidigung

Mit Honorarnote vom 10. Juni 2025 machte die amtliche Verteidigung für Aufwen-

dungen  von  28.5  Stunden  sowie  Auslagen  von  Fr. 165.90  ein  Honorar  von  ins-

gesamt  Fr. 7'009.10  (inkl.  MwSt.)  geltend  (Urk. 80).  Die  Aufwendungen  für  die 

Berufungsverhandlung  schätzte  die  amtliche  Verteidigung  auf  vier  Stunden  und 

damit ca. zwei Stunden zu lang. Demgegenüber ist zusätzlich der Aufwand für das 

Studium  des  begründeten  Urteils  zu  berücksichtigen.  Schliesslich  wurde  für  die 

- 68 -

Position vom 21. März 2024 ein Stundensatz von Fr. 300.– verrechnet (bei amtli-

chen  Mandaten  beträgt  dieser  bloss  Fr. 220.–).  Insgesamt  rechtfertigt  es  sich 

daher, die amtliche Verteidigung mit pauschal Fr. 7'000.– (inkl. MwSt.) zu entschä-

digen.

- 69 -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, 

vom 20. März 2024 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

"Es wird erkannt:

1.- 6.

[…]

7.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. April 

2023 beschlagnahmten und bei der Kasse der Staatsanwaltschaft Zürich, Stauf-

facherstrasse 55, Postfach 8036 Zürich, lagernden Barschaften werden eingezogen:





[…]

Bargeld Fr. 19'250.– (A017'261'346).

8.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 19. Juli 2023 

beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich unter der BM-Lagernummer 

B00699-2023 und B00764-2023 lagernden Betäubungsmittel und Betäubungsmittelu-

tensilien werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft die-

ses Urteils zur Vernichtung überlassen:



























Crystal Meth Probe (A017'240'641),

vier Pakete Crystal Meth (A017'261'039),

weisser Plastiksack mit BM-Zubehör (A017'261'040),

schwarzer Stoffbeutel (A017'261'051),

2 Latexhandschuhe (A017'2611073),

Löffel mit BM-Rückständen (A017'261'095),

Nagelschere (A017'261'119), 

Kugelschreiber (A017'261'120),

Haargummi (A01 7'261'142),

2 Feinwaagen (A017'261'153),

div. Minigrips (A017'261'164),

Vakuumbeutel (A017'261'233),

Minigrip mit Crystal Meth (A017'261'277).

9.

Die folgenden beim Forensischen Institut Zürich unter der Geschäftsnummer 

84837321 lagernden DNA-Spuren bzw. Spurenträger werden der Lagerbehörde nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen:





DNA Tape (A017'260'489),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'374),

- 70 -











DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'421),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'432),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'465),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'476),

DNA-Spur Wattetupfer (A017'280'545).

10.

Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'500.–

; die weiteren Kosten betragen:

3'100.–

  Gebühr für das Vorverfahren

772.–

  Auslagen Untersuchung

70.–

  Gutachten

3'050.–

  Gutachten IRM

1'000.–

  Gerichtskosten III. SK Obergericht (UB230052-O)

16'000.–

  amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

11.

[…]"

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der qualifizierten Widerhandlung ge-

gen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d in 

Verbindung mit Art. 19 aAbs. 2 lit. a BetmG.

2.

Die Beschuldigte wird bestraft mit 48 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

107 Tage durch Haft erstanden sind.

3.

Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 

10. Oktober  2022  ausgefällten  Geldstrafe  von  30 Tagessätzen  zu  Fr. 50.– 

wird widerrufen.

4.

Die Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 8 Jahre des Landes 

verwiesen.

- 71 -

5.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. April 2023 

beschlagnahmte Barschaft von Fr. 340.– (A017'260'945) wird zur teilweisen 

Deckung der Verfahrenskosten verwendet.

6.

7.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 11) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

7'000.–   amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.).

8.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amt-

lichen Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genom-

men. Die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO vorbehalten.

9.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten (versandt)

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (versandt)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 

das Bundesamt für Polizei fedpol, Hauptabteilung Bundeskriminal-
polizei

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an









die Vorinstanz

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A und B 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials"

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste 

- 72 -







das Migrationsamt des Kantons Zürich

die Staatsanwaltschaft Baden in die Akten Unt. Nr. …

die Staatsanwaltschaft Baden, Rechnungswesen betr. Vollzug der 
Geldstrafe gemäss Disp. Ziff. 3.

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 12. Juni 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. M. Langmeier

lic. iur. S. Maurer