# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1a886c78-87ed-5386-b41f-b75fdc0ba563
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-10-19
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 19.10.2011 IV 2009/403
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2009-403_2011-10-19.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2009/403

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 22.06.2020

Entscheiddatum: 19.10.2011

Entscheid Versicherungsgericht, 19.10.2011
Art. 28 IVG. Würdigung ärztlicher Berichte und eines RAD-
Abklärungsberichtes, Rückweisung zur Vornahme weiterer Abklärungen 
zum Gesundheitszustand bis zum Zeitpunkt der erneuten Verfügung 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. 
Oktober 2011, IV 2009/403).

Entscheid Versicherungsgericht, 19.10.2011

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, 

Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Sibylle Betschart

Entscheid vom 19. Oktober 2011

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach, 

8887 Mels,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

IV-Leistungen

Sachverhalt:

A.     

A.a   A.___, geboren 1969, meldete sich am 9. August 2008 aufgrund der Folgen ihrer 

Brustkrebsbehandlung zum Bezug einer Perücke als Hilfsmittel bei der IV-Stelle des 

Kantons St. Gallen an (IV-act. 5 ff.).

A.b   Mit Verfügung vom 12. September 2008 wurde der Versicherten die 

Kostengutsprache für Perücken oder anderen Haarersatz einschliesslich Reparaturen 

und Pflege erteilt (IV-act. 8 f.).

A.c   Am 27. Oktober 2008 erstattete der behandelnde Arzt Dr. med. B.___, Facharzt für 

Allgemeine Medizin FMH, einen Arztbericht. Er diagnostizierte ein Mammacarzinom 

links, Diabetes mellitus Typ I und arterielle Hypotonie und attestierte eine 100 %ige 

Arbeitsunfähigkeit ab 27. Mai 2008 bis noch andauernd. Die aktuellen vier 

Chemotherapiezyklen seien Mitte September 2008 beendet worden (IV-act. 18-7).

A.d   Am 27. Oktober 2008 meldete sich die Versicherte zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung - Massnahmen für die berufliche Eingliederung und Rente - bei 

der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 9-1 ff.).

A.e   In einem internen Protokoll vom 10. November 2008 führte Dr. med. C.___ vom 

IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) nach einem gleichentags 

stattgefundenen Gespräch mit dem behandelnden Arzt Dr. B.___ aus, ein seit Mai 2008 

erst-diagnostiziertes Mammacarcinom links, der Diabetes mellitus Typ I sowie der 

Status nach bisweilen schweren depressiven Episoden mit suizidalen Phasen würden 

die Arbeitsfähigkeit der Versicherten beeinträchtigen. Angesichts einer durch die 

Chemotherapie bedingten Müdigkeit mit allgemeiner Schwäche sei die Versicherte in 

ihrer bisherigen Tätigkeit als Produktionsarbeiterin noch nicht arbeitsfähig. Jedoch 

werde die Versicherte Anfang 2009 wieder die volle (ursprüngliche) Arbeitsfähigkeit 

erreichen (IV-act. 18-1 ff.).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.f    Im Frühinterventions-Triage-Protokoll vom 12. Januar 2009 wurde vorgesehen, 

die beruflichen Massnahmen aufgrund des aktuell instabilen Gesundheitszustandes 

abzuweisen (IV-act. 20-1). Am 12. Januar 2009 teilte die SVA der Versicherten mit, auf 

Grund ihres Gesundheitszustandes seien aktuell keine beruflichen 

Eingliederungsmassnahmen möglich. Der Verlauf werde geprüft und Mitte April 2009 

würden weitere Abklärungen eingeleitet (IV-act. 21-1 f.).

A.g   Am 7. Juli 2009 erstattete der RAD Bericht über die Beurteilung des 

Gesundheitsschadens, der Arbeits- sowie der Eingliederungsfähigkeit. Die Versicherte 

sei seit Juni 2008 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben und befinde sich seit Ende 

April 2009 in gekündigter Stellung. Subjektiv fühle sie sich aktuell zwar 

eingliederungsfähig, bringe aber selbst zum Ausdruck, dass eine Eingliederung graduell 

zu erfolgen hätte. Aufgrund der Abklärung vom 7. Juli 2009 ergebe sich, dass die 

Versicherte objektiv in einer körperlich leichten Tätigkeit, die keine allzu grossen 

feinmotorischen Anforderungen stellen würde, ab sofort zu 100 % als arbeitsfähig 

betrachtet werden könne (IV-act. 28-1 ff.).

A.h    Eingliederungsverantwortliche, RAD-Arzt und IV-Stellen-Mitarbeiterin kamen 

nach einem Gespräch mit der Versicherten vom 3. August 2009 zum Schluss, dass 

keine Frühinterventionsmassnahmen erforderlich seien und kein Anspruch auf IV-

Leistungen bestehe. Mit Vorbescheid vom 7. August 2009 wurde der Versicherten eine 

Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen und Rente in Aussicht gestellt. Es 

liege kein Gesundheitsschaden vor, der sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde. 

Für körperlich leichte Tätigkeiten, die keine allzu grossen feinmotorischen 

Anforderungen stellen würde, bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 35-1 f.).

A.i     Am 14. September 2009 bemängelte die Versicherte den Vorbescheid, da ihr Fall 

aufgrund der unsicheren weiteren Krankheitsentwicklung noch nicht abgeschlossen 

sei. Ab dem 10. September 2009 sei sie im Umfang von 50 % arbeitsfähig und beim 

RAV Sargans angemeldet (IV-act. 36-1 f.).

A.j     Mit Verfügung vom 1. Oktober 2009 (IV-act. 37-1 f.). wies die IV-Stelle das 

Leistungsgesuch der Versicherten (Arbeitsvermittlung und Rente) ab.

B.     

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.a   Gegen diese leistungsverweigernde Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 

30. Oktober 2009. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren Aufhebung, die 

Zusprache einer Invalidenrente und eventualiter die nochmalige vorgängige Prüfung 

der beantragten beruflichen Massnahmen. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen 

aus, die angefochtene Verfügung würde sich auf die RAD-Abklärung vom 22. Juni 2009 

abstützen; eine eigentliche Untersuchung habe dabei nicht stattgefunden. Übergangen 

worden sei in der RAD-Abklärung insbesondere, dass sie seit der Operation erhebliche 

Probleme mit dem linken Arm habe. Der behandelnde Arzt habe in diesem 

Zusammenhang eine Lymphstase der linken oberen Extremität diagnostiziert. Es 

bestehe aufgrund der ausgedehnten Schwellung des Vorderarms und der Hand eine 

Einschränkung der Handfunktion, nicht nur in Bezug auf die Feinmotorik, sondern vor 

allem bezüglich der Kraft. Es würden ihr Gegenstände entgleiten. Die Situation habe 

sich vor allem verschlechtert, nachdem sie im Hinblick auf die Steigerung der 

Arbeitsfähigkeit diese Hand vermehrt eingesetzt habe. Sie trage einen 

Kompressionshandschuh und -strumpf für den Arm. Die Kraft in der Hand sei im 

Seitenvergleich deutlich vermindert. Der Spitzgriff Daumen mit allen Langfingern sei 

möglich, aber kraftlos. Zur Zeit werde noch eine intensivierte Lymphdrainage-

Behandlung durchgeführt. Sie bleibe auf das Tragen des Kompressionshandschuhs 

und -strumpfes angewiesen. Zwar habe der behandelnde Arzt Dr. B.___ ab 1. 

September 2009 die Arbeitsfähigkeit versuchsweise auf 50 % festgelegt. Dr. B.___ 

bezweifle aber, ob mit der massiven Schwellung und der damit verbundenen 

Funktions- und Krafteinbusse überhaupt eine Vermittelbarkeit vorhanden sei. Die 

Beschwerdeführerin verweist diesbezüglich auf den mit der Beschwerde eingereichten 

Arztbericht von Dr. B.___ vom 29. Oktober 2009 und die Krankenkarte (act. G 1.2.2, G 

1.2.3). Prognostisch sei das Lymphödem auch mit Medikamenten zur Entstauung nicht 

zu behandeln. Zudem habe sie in der Brust neue Knoten festgestellt. Mit dem 

Kantonsspital St. Gallen sei deshalb ein neuer Termin im Dezember 2009 festgelegt 

worden. Die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bestehe damit weiter. Entgegen der 

Beurteilung des RAD bestehe damit auch in einer körperlich leichten Tätigkeit, die 

keine allzu grosse feinmotorische Anforderung stellen würde, keine Arbeitsfähigkeit von 

100 %. Gegebenenfalls sei die medizinische Situation umfassend zu klären (act. G 1).

B.b   Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 2. Dezember 

2009 die Beschwerdeabweisung. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen Folgendes 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

aus: Aufgrund der Angaben des Hausarztes vom April 2009, der RAD-Untersuchung 

vom Juni 2009 und der Angaben der Beschwerdeführerin im August 2009 stehe fest, 

dass der Gesundheitszustand mehrere Monate stabil und gut gewesen sei, so dass aus 

objektiver Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit 

bestanden habe. Im Oktober 2009 habe sich der Gesundheitszustand aufgrund einer 

Schwellung der linken Hand offenbar verschlechtert. Dieser Umstand führe jedoch 

nicht dazu, dass eine Rente ab Mai 2009 geschuldet sei. Wie in der angefochtenen 

Verfügung erwähnt, sei eine Neuanmeldung bei einer Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes möglich. Sie habe daher in der angefochtenen Verfügung zu 

Recht ein Anspruch auf IV-Leistungen abgewiesen. Die Beschwerdeschrift würde als 

Neuanmeldung behandelt (act. G 4).

B.c   In der Replik vom 4. Januar 2010 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen 

fest. Sie führt im Wesentlichen aus, ihr Gesundheitszustand habe sich seit April 2009 

zwar etwas stabilisiert. Da sie sich jedoch seither in einer "milden" Chemotherapie 

befunden habe, sei ihr Gesundheitszustand nicht gut gewesen. Die Chemotherapie 

habe zu einer allgemeinen, bisweilen ausgesprochen beschwerlichen Müdigkeit sowie 

zu einem Taubheitsgefühl in den Fingern und Zehen geführt. Auch habe seit April 2009 

aus objektiver Sicht keine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestanden. Dr. B.___ habe ihr 

effektiv vom 27. Mai 2008 bis 1. September 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % 

attestiert. Anschliessend habe er sie ab dem 2. September 2009 versuchsweise zu 50 

% arbeitsfähig geschrieben. Anderslautende Angaben habe auch sie nicht gemacht. 

Schliesslich gehe die Beschwerdegegnerin in der Annahme fehl, dass sich ihr 

Gesundheitszustand im Oktober 2009 aufgrund einer Schwellung der linken Hand 

verschlechtert habe. Vielmehr hätten seit der Operation erhebliche Probleme mit dem 

linken Arm bestanden. Der RAD habe dies in seinem Bericht vom 7. Juli 2009 mit dem 

Befund "linker Oberarm, linke Hand sowie sämtliche Finger links geschwollen" 

erwähnt, jedoch werde dieser Befund bei der zusammenfassenden Beurteilung und 

den Schlussfolgerungen bezüglich Eingliederungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit 

übergangen. Die Schwellung ihrer linken Hand bzw. ihres linken Armes habe gemäss 

dem mit der Replik eingereichten Bericht von Dr. B.___ vom 22. Dezember 2009 (act. G 

7.1.1) seit der Operation im Juni 2008 bestanden; der probatorisch gesteigerte Einsatz 

der linken Hand Ende August / Anfangs September 2009 habe die Symptomatik aber 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

wesentlich verschlechtert. Daher habeeine durchgehende Arbeitsunfähigkeit 

bestanden. Eine Neuanmeldung würde dieserSituation nicht gerecht (act. G 7). 

B.d   Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).

Erwägungen:

1.      

Strittig und zu prüfen ist vorliegend der Anspruch der Beschwerdeführerin auf 

berufliche Massnahmen und Rentenleistungen.

1.1    Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von 

Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit 

ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung 

verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in 

Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

1.2    Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität 

bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die 

ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 

Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen 

und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten 

die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine 

wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der 

versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit 

Hinweisen). Unter Berücksichtigung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung hat 

das Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie 

stammen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist deshalb allein 

entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen 

Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis 

der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen 

Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). 

Rechtsprechungsgemäss kommt einem Gutachten oder anderen medizinischen 

Beurteilungen schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre 

Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht feststehen, dass die medizinischen 

Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen entsprechen, was nicht mit medizinischen 

Fachpersonen besetzte Behörden in der Regel nicht beurteilen können (Urteil des 

Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche 

Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).

1.3    Die Invalidenrente wird gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG nach dem Grad der Invalidität 

bestimmt. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, besteht Anspruch auf 

eine Viertelsrente. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% ist der Anspruch auf 

eine halbe Rente gegeben. Eine Dreiviertelsrente steht denjenigen Versicherten zu, die 

einen Invaliditätsgrad von mindestens 60% aufweisen und eine ganze Rente 

denjenigen, deren Invaliditätsgrad mindestens 70% beträgt (Art. 28 Abs. 2 IVG).

2.      

Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.

2.1    Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Beurteilung der zumutbaren 

Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin auf das Ergebnis der RAD-Abklärung vom 22. 

Juni 2009 (vgl. Art. 49 Abs. 2 IVV). Diese umfasste eine Erhebung der Anamnese, die 

Befunde und Funktionsfähigkeit, die zusammenfassende Beurteilung sowie die 

Schlussfolgerung bezüglich Eingliederungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit. Sie ergab, 

dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten Tätigkeit, 

die keine allzu grossen feinmotorischen Anforderungen stellt, ab sofort 100 % 

ausmache. Die Beschwerdeführerin hält die RAD-Abklärung vom 22. Juni 2009 u.a. 

deshalb für nicht beweiskräftig, weil eine eigentliche medizinische Untersuchung dabei 

nicht stattgefunden habe. Übergangen werde in der Abklärung insbesondere, dass sie 

seit der Operation erhebliche Probleme mit dem linken Arm habe. Zudem habe der 

behandelnde Arzt Dr. B.___ zwar die Arbeitsfähigkeit versuchsweise auf 50 % 

festgelegt, aber gleichzeitig bezweifelt, ob mit der massiven Schwellung und der damit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

verbundenen Funktions- und Krafteinbusse überhaupt eine Vermittelbarkeit vorhanden 

sei. Diesbezüglich verweist die Beschwerdeführerin auf den mit der Beschwerde 

eingereichten Arztbericht von Dr. B.___ vom 29. Oktober 2009 (act. G 1.2.2) sowie die 

Krankenkarte (act. G 1.2.3). Entgegen der Beurteilung des RAD bestehe auch in einer 

körperlich leichten Tätigkeit, die keine allzu grossen feinmotorischen Anforderungen 

stelle, keine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Die erheblichen Probleme mit dem linken Arm 

hätten im übrigen seit der Operation im Juni 2008 bestanden. Daher habe sich ihr 

Gesundheitszustand entgegen der Meinung der Beschwerdegegnerin nicht erst im 

Oktober 2009 verschlechtert. Diesbezüglich wird auf den ärztlichen Bericht von Dr. 

B.___ vom 22. Dezember 2009 verwiesen (act. G 7.1.1).

2.2    Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt ins Gewicht, dass sich die 

genannte Einschätzung des ärztlichen Sachverständigen des RAD einerseits und jene 

des behandelnden Arztes Dr. B.___ andererseits in der Beurteilung der 

Leistungsfähigkeit ab Juni 2009 widersprechen. So hielt es Dr. C.___ für angebracht, 

der Beschwerdeführerin bereits ab dem Zeitpunkt der RAD-Abklärung vom 22. Juni 

2009 für eine adaptierte Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit zu attestieren (IV-act. 28-2). 

Dr. B.___ hingegen gestand der Beschwerdeführerin bis am 31. August 2009 bzw. 8. 

September 2009 eine 100 %ige und ab dem 1. (act. G 1.2.2., G 1.2.3) bzw. 9. 

September 2009 (act. G 7.1.1) eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit zu.

2.3    Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin gemäss 

Austrittsbericht der Kantonalen Psychiatrischen Klinik Waldhaus Chur vom 31. August 

1999 in der Zeit vom 7. Juli 1999 bis 12. August 1999 aufgrund von Zwangsgedanken 

oder Grübelzwang, wegen einer mittelgradigen depressiven Episode und wegen einer 

Eisenmangelanämie stationär in Behandlung gewesen war (IV-act. 18-37). Die 

zuständigen Ärzte erachteten sie in der Zeit vom 1. Juli bis 15. August 1999 als zu 100 

% und ab dem 16. August 1999 als zu 50 % arbeitsunfähig. Die psychiatrische 

Nachbetreuung wurde durch Klinikarzt Dr. med. H. Hahn ambulant übernommen (IV-

act. 18-38). Zudem befand sich die Beschwerdeführerin vom 30. Juni bis zum 11. Juli 

2003 in stationärer Behandlung im Kantonalen Spital Walenstadt. Dort wurde am 23. 

Juli 2003 die hauptsächliche Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 gestellt (IV-act. 18-33). 

Die Ärzte des Spitals Walenstadt, in welchem die Beschwerdeführerin am 18. Mai 2006 

ambulant behandelt wurde, diagnostizierten im Bericht vom 19. Mai 2006 eine 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Kreislaufdysregulation vasovagal, Anämie, Diabetes, Hypovolämie, Angststörung, 

Depression, Diabetes mellitus Typ 1 sowie mikrozytäre Anämie (IV-act. 18-31). Obwohl 

dem abklärenden Arzt des RAD diese Vorakten zur Verfügung standen, erfolgte kaum 

eine Auseinandersetzung mit diesen Arztberichten. Vor dem Hintergrund der 

psychischen Vorgeschichte der Beschwerdeführerin wäre die Anordnung einer 

psychologischen oder psychiatrischen Begutachtung angezeigt gewesen. Dies zumal 

Dr. B.___ eine diesbezügliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bereits am 10. 

November 2008 explizit geltend gemacht hat (IV-act. 18-1) und RAD-Arzt Dr. C.___ als 

Facharzt für Innere Medizin nicht geeignet erscheint, eine lang andauernde 

psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Dazu kommt, dass sich die 

Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Abklärung durch den RAD offenbar immer noch 

einer "milden" Chemotherapie unterzogen hat (IV-act. 22-1, 23-2, 28-1). Es ist 

aktenkundig, dass diese Form der Chemotherapie mit verschiedenen Nebenwirkungen 

wie Müdigkeit mit allgemeiner Schwäche, Taubheitsgefühl in allen Fingern und Zehen 

verbunden ist (IV-act. 18-1, 28-1 ff.). Es ist folglich nicht nachvollziehbar, wieso der 

abklärende RAD-Arzt bereits von einem stabilen Gesundheitszustand ausgehen und 

den Grad der Arbeitsfähigkeit auch für die Zukunft festsetzte, obwohl die Behandlung 

zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war und mithin nicht von einem stabilen 

Gesundheitszustand ausgegangen werden konnte. Schliesslich ist festzustellen, dass 

im RAD-Abklärungsbericht vom 7. Juli 2009 die gesundheitlichen Probleme der 

Beschwerdeführerin mit dem linken Arm bzw. der linken Hand explizit vermerkt sind 

(IV-act. 28-2), diese gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdegegnerin im 

Zeitpunkt der Abklärung am 22. Juni 2009 folglich bereits bekannt waren. Da im 

Zeitpunkt der Beschwerdeantwort im Dezember 2009 Hinweise auf eine zumindest ab 

September 2009 bestandene gesundheitliche Verschlechterung aufgrund massiver 

Schwellungen und damit verbundener Funktions- und Krafteinbusse der linken 

Extremität vorhanden waren, erscheint es verfehlt, dass die Beschwerdegegnerin den 

Beginn der diesbezüglichen Verschlechterung des Gesundheitszustands erst im 

Oktober 2009 ansetzte und die Beschwerdeschrift vom 30. Oktober 2009 somit als 

Neuanmeldung behandelte (act. G 4, Ziff. III.2).

2.4     Hinsichtlich der sich in den Akten befindenden Berichte von Dr. B.___ ist zu 

bemerken, dass dessen Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit ab 27. Mai 2008 im 

Umfang von 100 % (IV-act. 18-7) und ab 1. bzw. 9. September 2009 im Umfang von 50 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

% (act. G 1.2.2, G 1.2.3, G 7.1.1) nicht näher begründet sind sowie keine Stellung dazu 

nehmen, bezüglich welcher Tätigkeiten die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig ist. 

Zudem ist nicht nachvollziehbar, wieso Dr. B.___ der Beschwerdeführerin anlässlich 

ihrer Konsultation am 20. März 2009 genau ab Datum 27. Mai 2009 eine 100 %ige 

Arbeitsunfähigkeit attestiert hat (act. G 1.2.3). Kommt hinzu, dass dem 

Erfahrungsgrundsatz Rechnung zu tragen ist, dass behandelnde Ärzte die 

Arbeitsfähigkeit ihrer Patienten eher pessimistischer einschätzen als unabhängige 

Sachverständige. Das beruht unter anderem auf dem Therapieverhältnis, das die 

behandelnden Ärzte dazu neigen lässt, die Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten 

hoch zu gewichten und deren subjektive Selbsteinschätzung zu übernehmen (vgl. Urteil 

des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 7. Oktober 2010, IV 2009/106, 

E. 5.3). Schliesslich bezweifelt Dr. B.___ die "Vermittelbarkeit" der Beschwerdeführerin 

aufgrund der massiven Schwellung des Vorderarms sowie der Hand und der damit 

verbundenen Funktions- und Krafteinbusse (act. G 1.2.2). Dies ist jedoch nicht relevant, 

wird doch die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht vom Mediziner bestimmt, 

und ist dabei stets auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen.

2.5    Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass weder die ärztliche Beurteilung 

des RAD noch die sich in den Akten befindenden übrigen Arztberichte eine 

ausreichend zuverlässige Beurteilung des stabilen Gesundheitszustands und der 

insgesamt unter allen relevanten Gesichtspunkten vorliegenden Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin (bis zum massgeblichen Zeitpunkt des Erlasses der 

angefochtenen Verfügung) zulassen. Die Sachverhaltsabklärung ist zu ergänzen. Auch 

eine allfällige psychiatrische Komponente wird dabei Berücksichtigung zu finden 

haben.

2.6    Je nach Ergebnis der medizinischen Abklärungen werden schliesslich auch die 

Möglichkeiten beruflicher Massnahmen bzw. des Anspruchs darauf erneut zu prüfen 

sein.

3.        

3.1    Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 1. Oktober 2009 dahingehend gutzuheissen, dass die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Sache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu 

entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.

3.2    Nach Art. 69 Abs. 1  IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die 

Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen 

Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand 

und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Nach 

Art. 95 Abs. 1 VRP/SG hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, 

dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Eine Rückweisung zur 

weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender neuer Verfügung an die 

Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer Sicht in Bezug auf die 

Kosten ein vollständiges Obsiegen der Beschwerdeführerin dar (vgl. SVR 1995 IV 

Nr. 51 S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Es rechtfertigt sich daher, der 

Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten gesamthaft aufzuerlegen. Eine 

Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Der geleistete Kostenvorschuss 

von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.

3.3     Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen 

werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung 

der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.     Die Beschwerde wird dahingehend gutgeheissen, dass die Verfügung vom 1. 

Oktober 2009 aufgehoben und die Streitsache zur weiteren Abklärung im Sinn der 

Erwägungen sowie anschliessender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen wird.

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.     Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.     Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 19.10.2011
	Art. 28 IVG. Würdigung ärztlicher Berichte und eines RAD-Abklärungsberichtes, Rückweisung zur Vornahme weiterer Abklärungen zum Gesundheitszustand bis zum Zeitpunkt der erneuten Verfügung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Oktober 2011, IV 2009/403).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T12:13:30+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen