# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 25eea95f-3406-5393-b316-97ce24f8036f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.11.2023 F-949/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-949-2023_2023-11-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-949/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  N o v e m b e r  2 0 2 3   

Besetzung 
 Richterin Susanne Genner (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn,  

Richterin Claudia Cotting-Schalch,    

Gerichtsschreiberin Selina Schmid. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

handelnd durch B._______,  

vertreten durch C._______,  

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum aus humanitären Gründen;  

Verfügung des SEM vom 17. Januar 2023. 

 

 

 

F-949/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit E-Mail vom 14. September 2021 wandte sich B._______ (afghanischer 

Staatsangehöriger; geb. 1995) an die Schweizerische Botschaft in Pakis-

tan und in Kopie an das SEM, um für seinen minderjährigen Bruder 

A._______ (afghanischer Staatsangehöriger; geb. 2007; Beschwerdefüh-

rer) ein humanitäres Visum zu beantragen. Das SEM antwortete mit 

Schreiben vom 27. September 2021, die gemachten Angaben genügten 

nicht für eine Voreinschätzung, und verwies den Bruder des Beschwerde-

führers für eine ganzheitliche Beurteilung eines Gesuchs um Einreise aus 

humanitären Gründen an die Schweizerische Botschaft in  

Pakistan. 

B.  

Am 12. April 2022 beantragte der Beschwerdeführer die Ausstellung eines 

humanitären Visums bei der Schweizerischen Botschaft. 

C.  

Mit Formularverfügung vom 25. August 2022 verweigerte die Schweizeri-

sche Botschaft im Namen des SEM die Ausstellung des Visums. Dagegen 

erhob der Beschwerdeführer, handelnd durch seinen Bruder und vertreten 

durch Rechtsanwalt Christian Bignasca, am 27. September 2022 Einspra-

che und ersuchte gleichzeitig um Akteneinsicht. 

D.  

Das SEM gewährte dem Rechtsvertreter mit Schreiben vom 4. Oktober 

2022 Akteneinsicht. Am 5. Januar 2023 übermittelte die Schweizerische 

Botschaft zuständigkeitshalber eine nachträglich eingegangene ergän-

zende Eingabe, mit welcher gleichzeitig das neue Vertretungsverhältnis zu-

gunsten von C._______, (…), angezeigt wurde, an das SEM. 

E.  

Am 17. Januar 2023 wies das SEM die Einsprache des Beschwerdeführers 

ab. 

F.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 16. Februar 2023 gelangte der Beschwerde-

führer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung 

der angefochtenen Verfügung und die Erteilung des Visums aus humanitä-

ren Gründen, eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen und ein Gutachten der behandelnden Psycho-

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Seite 3 

login zu berücksichtigen. Ferner ersuchte er um Gewährung der unentgelt-

lichen Rechtspflege. 

G.  

Am 7. März 2023 wies die Instruktionsrichterin das Gesuch des Beschwer-

deführers um unentgeltliche Prozessführung ab. 

H.  

Mit ergänzender Eingabe vom 22. März 2023 reichte der Beschwerdefüh-

rer ein fachärztliches Attest nach.  

I.  

In ihrer Vernehmlassung vom 26. April 2023 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde. 

J.  

Der Beschwerdeführer ersuchte in seiner Replik vom 29. Mai 2023 zwecks 

Beschaffung von Totenscheinen seiner Mutter und Schwester um eine Fris-

terstreckung, welche ihm am 13. Juni 2023 antragsgemäss gewährt wurde. 

Mit Schreiben vom 15. Juni 2023 teilte der Beschwerdeführer mit, dass die 

Totenscheine seiner Mutter und Schwester «auf dem Postweg in die 

Schweiz seien». Sobald sie einträfen, leite er sie weiter an das Bundesver-

waltungsgericht. Es wurden keine weiteren Unterlagen eingereicht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 

AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). In diesem Bereich entscheidet das 

Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat, der ein schutzwür-

diges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefochtenen Ver-

fügung hat, zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auch die 

übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist [Art. 50 Abs. 1 

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VwVG] und Form der Beschwerde [Art. 52 Abs. 1 VwVG] sind erfüllt. Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden  

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Be-

gründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus an-

deren als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt des Entscheids 

(BVGE 2014/1 E. 2).  

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer moniert, die Vorinstanz habe den rechtser-

heblichen Sachverhalt betreffend seine individuelle Gefährdung als 

minderjährige geflüchtete Person sowie die Rückführungsgefahr nach 

Afghanistan unrichtig und unvollständig erhoben, indem sie u.a. davon 

ausgehe, Pakistan sei ein sicherer Drittstaat. 

3.2 Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG) betrifft die Abklärungs-

pflicht der Behörde. Der entsprechende Beschwerdegrund (Art. 49  

Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG) ist erfüllt, wenn 

die Behörde den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt, oder nicht 

alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat 

(BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 

N. 29). 

3.3 Die Vorinstanz hat den rechtserheblichen Sachverhalt hinreichend un-

ter Bezugnahme auf die Schilderungen des Beschwerdeführers und die 

vorliegenden Unterlagen, seine individuelle sowie die allgemeine Situation 

in Pakistan inklusive der Rückschaffungsgefahr nach Afghanistan abge-

klärt. Die Vorinstanz stellte sich ausserdem auf den Standpunkt, der Be-

schwerdeführer sei nicht gefährdet in Afghanistan, weshalb sich die Prü-

fung der Rückführungsgefahr erübrige. Ob die Annahme der Vorinstanz zu-

treffend ist, stellt eine materielle Frage dar, auf die unter E. 7 einzugehen 

sein wird.  

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Seite 5 

4.  

Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe die Vorbringen 

in Bezug auf die Inhaftierungs- und Deportationsgefahr, die Auflösung der 

Amnestie sowie die finanzielle Lage des in der Schweiz lebenden Bruders 

bei der Entscheidfindung unzureichend gewürdigt, indem sie «pauschali-

sierend» auf Pakistan als sicheren Drittstaat verwiesen habe. Zudem habe 

die Vorinstanz ihre Begründungspflicht verletzt, indem sie eine vorgefer-

tigte «Standardantwort» verwendet habe. 

4.1 Gemäss Art. 32 Abs. 1 VwVG würdigt die Behörde, bevor sie verfügt, 

alle erheblichen und rechtzeitigen Vorbringen der Parteien (Prüfungs-

pflicht). Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt von der Behörde, 

dass sie die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, ernsthaft prüft und 

in ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt. Die Einhaltung die-

ser Pflicht muss in der Begründung des Entscheids zum Ausdruck kom-

men, wobei nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Par-

teistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbrin-

gen ausdrücklich widerlegt (BGE 142 II 49 E. 9.2). 

4.2 In der Verfügung wird explizit auf das Gefährdungsprofil des Beschwer-

deführers und seine Situation in Pakistan eingegangen. Die Vorinstanz 

stellt dabei fest, dass dieser bereits von der Organisation D._______ und 

E._______ Unterstützung erhalte und sich «bei Bedarf» auch noch an sei-

nen in der Schweiz lebenden Bruder wenden könne. Dass der Bruder dazu 

finanziell nicht (mehr) in der Lage ist, ist in diesem Kontext nicht weiter 

beachtlich. Die Vorbringen des Beschwerdeführers wurden genügend be-

rücksichtigt. Es liegt keine Verletzung der Prüfungspflicht vor. 

4.3 Aus dem Entscheid der Vorinstanz geht klar hervor, warum das Gesuch 

des Beschwerdeführers abgewiesen wurde. Eine Verletzung der Begrün-

dungspflicht (Art. 35 Abs. 1 VwVG; BGE 145 IV 99 E. 3.1) ist nicht ersicht-

lich. Es besteht auch mit Blick auf die Gehörsrügen keine Veranlassung, 

die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

5.  

5.1 Als Staatsangehöriger Afghanistans unterliegt der Beschwerdeführer 

der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 über 

die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit seinem Ge-

such beabsichtigt er einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb dieses nicht 

nach den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, sondern nach den 

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Bestimmungen des nationalen Rechts zu prüfen sind (vgl. BVGE 2018 

VII/5 E. 3.5 und E. 3.6.1). 

5.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen 

Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen 

aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt 

erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere vor, wenn die betreffende 

Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und 

Leben gefährdet ist. Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr 

restriktiven Bedingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3). Diese 

werden dann als erfüllt angesehen, wenn bei einer Person aufgrund der 

konkreten Umstände offensichtlich davon ausgegangen werden muss, 

dass sie sich im Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonderen Notsitu-

ation befindet, die ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich macht 

und es rechtfertigt, ihr ein Einreisevisum zu erteilen. Dies kann etwa bei 

akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund einer konkreten individu-

ellen Gefährdung, die sie mehr als alle anderen Personen betrifft, gegeben 

sein. Befindet sich die betroffene Person bereits in einem Drittstaat (BVGE 

2018 VII/5 E. 3.6.3) oder ist sie nach einem Aufenthalt in einem solchen 

freiwillig in ihr Heimat- oder Herkunftsland zurückgekehrt (vgl. Urteil des 

BVGer F-4658/2017 vom 7. Dezember 2018 E. 4.3) und hat sie die Mög-

lichkeit, sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon 

auszugehen, dass keine Gefährdung mehr besteht. Das Visumsgesuch ist 

unter Berücksichtigung der aktuellen Gefährdung, der persönlichen Um-

stände der betroffenen Person und der Lage im Heimat- oder Herkunfts-

land sorgfältig zu prüfen.  

6.  

6.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihres Entscheids im Wesentlichen 

an, der Beschwerdeführer weise kein persönliches Gefährdungsprofil auf. 

Gemäss seinen Schilderungen sei er aus Angst vor den Taliban geflüchtet, 

«ohne jemals selbst angegriffen oder bedroht worden zu sein». Es seien 

sodann auch keine besonderen Handlungen, welche die Aufmerksamkeit 

der Taliban auf ihn gelenkt hätten, geltend gemacht worden. Ausserdem 

habe sein in der Schweiz lebender Bruder, der vor über sieben Jahren von 

den Taliban angegriffen worden sein soll, aufgrund fehlender Flüchtlingsei-

genschaft kein Asyl erhalten und sei lediglich vorläufig aufgenommen wor-

den. Eine Reflexverfolgung sei daher nicht zu prüfen – dass der geltend 

gemachte Angriff auf den Bruder zum jetzigen Zeitpunkt noch eine unmit-

telbare, ernsthafte und individuelle Gefahr für den Beschwerdeführer dar-

stelle, sei nicht ersichtlich. Die Prüfung der Rückführungsgefahr des 

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Beschwerdeführers nach Afghanistan erübrige sich folglich. Im Übrigen 

habe er im Rahmen der Befragung bei der Schweizer Botschaft am  

12. April 2022 angegeben, in Pakistan (im Gegensatz zu Afghanistan) 

keine Angst mehr zu haben. Er sei lediglich traurig und wolle zu seinem 

Bruder. Seine Lebensbedingungen in Pakistan seien demnach, im Ver-

gleich zu anderen, sich in einer ähnlichen Lage befindenden Personen, 

«insgesamt nicht als so gravierend» zu erachten, dass ihm ein weiterer 

Verbleib in Pakistan unzumutbar sei.  

Ausserdem bliebe sein Alter unbelegt. Vor dem Hintergrund der fehlenden 

Verfolgung erscheine es überdies unbegründet, dass er sich hierfür aus 

Angst vor den Taliban nicht mit der afghanischen Botschaft in Pakistan in 

Verbindung setzen wolle. Weitere Bemühungen, sein Alter zu belegen (wie 

etwa mittels Beschaffung von Schulzertifikaten) seien nicht ersichtlich. Fer-

ner sei auch sein gesundheitlicher Zustand «weder substantiiert dargelegt 

noch nachgewiesen» worden. Der Umstand, dass in der Schweiz eine me-

dizinische Behandlung generell geeigneter und leichter zugänglich sei als 

in Pakistan, rechtfertige für sich allein kein behördliches Eingreifen.  

Schliesslich stimmten die vom Beschwerdeführer und dessen Bruder ge-

machten Zeitangaben nicht überein. Gemäss des vom Bruder verfassten 

Schreibens vom 14. September 2021 sei der Beschwerdeführer zu diesem 

Zeitpunkt bereits in Pakistan gewesen. Demgegenüber habe der Be-

schwerdeführer im Rahmen der Botschaftsbefragung am 12. April 2022 

ausgesagt, er sei ca. vier Monate vor der Befragung – im Dezember 2021 

– versteckt in einem Truck von Afghanistan nach Pakistan gelangt. Auch 

sei unklar, wo sich die Mutter und die Schwester des Beschwerdeführers 

befänden und weshalb diese ihn zurückgelassen hätten. Insbesondere sei 

nicht nachvollziehbar, weshalb über den Tod der Mutter «infolge des Erd-

bebens im Juni 2022 im Heimatdorf gemutmasst» werde, wenn gleichzeitig 

vorgebracht werde, diese habe das Heimatdorf im September 2021 verlas-

sen.  

6.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei minderjährig und verwaist. Sein 

Vater sei vor Jahren an Krebs gestorben und die Mutter sei «seit dem Über-

fall der Taliban verschollen». Er habe mit seiner Mutter und seiner Schwes-

ter in bescheidenen Verhältnissen gelebt und habe sich zum Zeitpunkt des 

Taliban-Überfalls in der Schule aufgehalten. Als er nachhause gegangen 

sei, sei niemand mehr im Dorf gewesen, weshalb er mit seinen Schulkolle-

gen nach Kabul geflüchtet sei, wo sie von den Taliban «verängstigt und 

vertrieben» worden seien. Auf dem Weg nach Pakistan sei er verhaftet 

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worden. Sein einziger Ausweg habe darin bestanden, die Flucht anzutreten 

oder als Kindersoldat durch die Taliban eingezogen zu werden. Nach eini-

ger Zeit habe sein Bruder ihn in einer Unterkunft der Organisation 

D._______ in (…) ausfindig machen können. Diese Unterkunft sei aller-

dings nicht sicher und die Organisation D._______ sei nicht imstande, sein 

Kindswohl zu schützen. Aufgrund der unsicheren Situation und des «Al-

leinseins» sei er psychisch traumatisiert und lebe in ständiger Angst, wobei 

sich sein Gesundheitszustand täglich verschlechtere. Es sei sehr schwie-

rig, einen Facharzt für afghanische Patienten zu finden. Mittlerweile sei er 

zwar in ärztlicher Behandlung, jedoch setze ihm die Angst vor der Polizei 

und der Armee schwer zu. Die Arzt- und Unterkunftskosten seien zu hoch 

für ihn und seit der Einsprache habe sich die finanzielle Situation seines 

Bruders verschlechtert, womit dieser für ihn – den Beschwerdeführer – län-

gerfristig nicht aufkommen könne. Sein Bruder sei vor einigen Jahren von 

den Taliban angeschossen – und dessen Freund getötet – worden und 

habe sich in der Schweiz einer Operation unterziehen müssen. Seither 

habe sich seine (des Beschwerdeführers) Angst vergrössert. Die Organi-

sation F._______ habe seinen Fall vor Ort geprüft und keine Familienmit-

glieder ausfindig machen können. Alle Bemühungen, seinen Aufenthalt zu 

legalisieren, seien von der pakistanischen Regierung abgelehnt worden. Er 

könne jederzeit verhaftet und abgeschoben werden, wobei Minderjährige 

wie Erwachsene behandelt würden. Pakistan sei kein sicherer Drittstaat 

und sein Kindswohl gemäss Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 

20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) werde 

massiv verletzt. Die Schweizer Behörden seien dem Kindswohl verpflichtet 

und könnten sein Leiden «mit einer einfachen Zusammenführung in der 

Schweiz» lösen. Seit dem Erdbeben im Sommer 2022, bei dem Tausende 

gestorben seien, sei eine Rückkehr in seine Heimat unmöglich. Ihm drohe 

dort der «sichere Tod», da sich seine älteren Brüder den Taliban ange-

schlossen hätten, was auch die Vorinstanz nicht bestreite. Die Situation in 

Afghanistan habe sich zudem mit der Auflösung der Amnestie am 31. De-

zember 2022 drastisch verschlechtert. Die Schweizer Behörden versties-

sen gegen Treu und Glauben, indem sie das Institut des humanitären Vi-

sums aushöhlten.  

6.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, es würden keine 

neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorgebracht, die nicht be-

reits Gegenstand ihrer Verfügung bildeten. Rückführungen von afghani-

schen Staatsangehörigen aus Pakistan fänden nur sporadisch statt, wobei 

genaue Zahlen nicht verfügbar seien. Zwischen Oktober und Dezember 

2022 seien gemäss der Internationalen Organisation für Migration 946 als 

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Seite 9 

«Deportationen» registrierte Grenzübertritte von afghanischen Staatsan-

gehörigen von Pakistan nach Afghanistan verzeichnet worden – gegenüber 

über 800'000 freiwilligen Grenzübertritten. Die Rückführungsgefahr sei bei 

sich illegal in Pakistan aufhaltenden Personen zwar erhöht, jedoch lasse 

sich daraus nicht schliessen, die pakistanischen Behörden praktizierten 

eine «dermassen systematische und weitverbreitete Rückführungspraxis», 

die sämtliche sich illegal aufhaltende afghanische Staatsangehörige als 

unmittelbar von einer Abschiebung bedroht erscheinen lasse. Dass Pakis-

tan das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-

linge (FK, SR 0.142.30) nicht ratifiziert habe und allgemein kein Asyl ge-

währe, begründe ausserdem keine unmittelbare und konkrete Gefahr – ge-

nauso wenig wie die prekären Lebensumstände des Beschwerdeführers. 

Diese höben sich insgesamt nicht deutlich von der Situation anderer afgha-

nischer Flüchtlinge in Pakistan ab. An dieser Einschätzung ändere auch 

das ärztliche Attest nichts, zumal der in der Schweiz lebende Bruder bereits 

medizinische Unterstützung erhalte und der Beschwerdeführer sich an die 

in Pakistan tätigen Hilfsorganisationen wenden könne. Aus den Akten gehe 

keine ernsthafte, unmittelbare und konkrete Gefährdung an Leib und Le-

ben hervor.  

6.4 In seiner Replik macht der Beschwerdeführer geltend, er sei psychisch 

erkrankt und habe Selbstmordgedanken, wofür er als Beleg auf das ärztli-

che Attest vom 10. März 2023 (Beilage zu BVGer-act. 4) hinweist. Zudem 

sei «mittlerweile» klar, dass seine Mutter und Schwester nicht mehr lebten, 

was ihn zusätzlich belaste.  

7.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer über ein Profil verfügt, 

mit dem er in seinem Heimatland Afghanistan einer unmittelbaren und in-

dividuellen Gefährdung ausgesetzt wäre, die sich von anderen Personen 

massgeblich abhebt. 

7.1 Zunächst ist festzustellen, dass die Schilderungen zur Flucht sowie zur 

familiären Situation des Beschwerdeführers sich bei näherer Betrachtung 

– wie nachfolgend darzulegen sein wird – als nicht schlüssig und unsub-

stantiiert erweisen.  

7.1.1 Der Bruder des Beschwerdeführers gab im Schreiben vom 14. Sep-

tember 2021 (SEM-act. 1, pag. 3) an, der Beschwerdeführer sei bereits 

Mitte August 2021 nach Kabul und anschliessend nach Pakistan geflüchtet, 

wo er sich zum Zeitpunkt des Schreibens aufgehalten habe. Demgegen-

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Seite 10 

über sagte der Beschwerdeführer im Rahmen der Botschaftsbefragung 

vom 12. April 2022 aus, er sei vor ca. vier Monaten, d.h. im Dezember 2021 

nach Pakistan gelangt. Diese unterschiedlichen Zeitangaben stellen – wie 

die Vorinstanz richtig bemerkt – in der Tat «Ungereimtheiten» dar. Anzu-

merken ist ausserdem, dass zu den Fluchtumständen, insbesondere etwa 

zur geltend gemachten Inhaftierung des Beschwerdeführers, nichts Weite-

res bekannt ist. Die Ausführungen zur Flucht fallen somit unsubstantiiert 

und widersprüchlich aus.  

7.1.2 Weiter wird in Bezug auf die familiäre Situation des Beschwerdefüh-

rers vorgebracht, seine Mutter und Schwester seien seit dem Taliban-Über-

fall verschwunden – später habe sich herausgestellt, dass sie nicht mehr 

am Leben seien. Ihre Totenscheine waren gemäss Schreiben vom 15. Juni 

2023 (BVGer-act. 11) «auf dem Postweg in die Schweiz», sind jedoch bis 

zum Urteilszeitpunkt nicht beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen. 

Es ist zudem nicht bekannt, ob der Tod der Mutter und Schwester im Zu-

sammenhang mit dem Erdbeben im Juni 2022 oder mit dem geltend ge-

machten Taliban-Überfall steht. Ebenso wenig ist ersichtlich, wieso der Tod 

«mittlerweile» erwiesen sei. Über den Verbleib und das Schicksal seiner 

Mutter und Schwester ist mangels Ausführungen und Belegen nichts be-

kannt. Insbesondere ist unklar, weshalb sie den Beschwerdeführer alleine 

im Heimatdorf zurückgelassen hatten. Ferner fällt auf, dass der Beschwer-

deführer im Schreiben vom 9. Januar 2023 seine – zusammen mit seiner 

Mutter verschollenen – Schwester mit keinem Wort erwähnt; so führt er in 

etwa aus, seine verwitwete Mutter habe «ihn und seine Brüder» alleine 

aufziehen müssen (BVGer-act. 1, Beilage 7). Auch in Bezug auf seine Brü-

der ist festzustellen, dass teils von (nur) einem älteren Bruder die Rede ist 

(vgl. SEM-act. 1, pag. 3 und SEM-act. 3, pag. 28) und teils von mehreren 

beziehungsweise zwei älteren Brüdern, die sich den Taliban angeschlos-

sen haben sollen (SEM-act. 3 pag. 29, Schreiben vom 6. April 2022). 

Schliesslich gibt der Beschwerdeführer im Schreiben vom 14. September 

2021 (SEM-act. 1, pag. 3) und im Schreiben vom 1. April 2022 (SEM-act. 3, 

pag. 28) an, er habe keinen Kontakt mehr zu den Eltern und zur Schwester. 

Vor dem Hintergrund jedoch, dass sein Vater vor rund fünfzehn Jahren ge-

storben sein soll (BVGer-act. 1), erschliesst sich nicht, weshalb in den er-

wähnten Schreiben von den «Eltern» – und nicht etwa nur von der Mutter 

– gesprochen wird. Es erscheint somit fraglich, ob der Beschwerdeführer 

tatsächlich verwaist ist.  

7.2 Schliesslich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine persön-

liche Gefährdungselemente geltend macht, welche auf ein Risikoprofil bzw. 

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Seite 11 

eine offensichtliche unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefährdung an 

Leib und Leben in Afghanistan hindeuten. Es ist im Übrigen der Vorinstanz 

zuzustimmen, dass im Fall des Beschwerdeführers eine Reflexverfolgung 

ausgeschlossen werden kann, zumal bei seinem gestützt auf die Unzumut-

barkeit der Wegweisung vorläufig aufgenommenen Bruder keine flücht-

lingsrelevante Verfolgung festgestellt werden konnte.  

7.3 Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer keine unmittelbare Ge-

fahr für Leib Leben oder Freiheit zu gewärtigen, sollte er nach Afghanistan 

zurückgeschafft werden.  

8.  

Die Prüfung der Rückschiebegefahr nach Afghanistan erübrigt sich folglich. 

8.1 Anzumerken ist, dass der Beschwerdeführer in Pakistan ebenfalls nicht 

unmittelbar gefährdet ist – obschon er angibt, minderjährig zu sein. Den 

Akten sind keine Belege zu entnehmen, welche die geltend gemachte Min-

derjährigkeit des Beschwerdeführers zu beweisen vermöchten. Angesichts 

der unklaren Angaben hinsichtlich seiner familiären Situation (vgl. E. 7.1) 

erscheint die behauptete Minderjährigkeit nicht glaubhaft.  

8.2 Das psychiatrische Attest vom 10. März 2023 (Beilage zu 

BVGer-act. 4) bezieht sich ferner explizit auf die psychologische Verfas-

sung des in der Schweiz lebenden Bruders und nicht diejenige des Be-

schwerdeführers, weshalb es nicht weiter beachtlich ist. Dass dem Be-

schwerdeführer in Pakistan der Zugang zu medizinischer Behandlung, 

sollte er diese benötigen, verwehrt wäre, ist nicht ersichtlich. Das Bundes-

verwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Lage für den Beschwerdefüh-

rer schwierig ist. Jedoch kann aufgrund des Gesagten nicht von einer be-

sonderen Notsituation – im Vergleich zu anderen sich in Pakistan befinden-

den afghanischen Flüchtlingen – ausgegangen werden, die ein behördli-

ches Eingreifen zwingend erforderlich macht. Es ist keine unmittelbare und 

konkrete Gefährdung des Betroffenen erkennbar, welche die Ausstellung 

eines humanitären Visums rechtfertigen würde. 

9.  

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Vorausset-

zungen für die Ausstellung eines humanitären Visums nach Art. 4 Abs. 2 

VEV zwecks Einreise in die Schweiz nicht erfüllt und ihm die Vorinstanz 

das Visum zu Recht verweigert hat. Folglich erweist sich die angefochtene 

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Seite 12 

Verfügung als rechtmässig (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuwei-

sen.  

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nachfolgende Seite) 

  

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Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 700.- werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Sie sind durch den bereits geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Selina Schmid 

 

 

 

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