# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 20e6796a-4d94-5210-90f7-de99bf4a9481
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 11.07.2023 VBE.2022.381
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-381_2023-07-11.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.381 / sh / fi  
Art. 65 

 

 

Urteil vom 11. Juli 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Fischer 

Oberrichterin Gössi 

Gerichtsschreiberin Heinrich 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____ 

vertreten durch lic. iur. Monica Armesto, Advokatin, Hauptstrasse 31, 

Postfach, 5070 Frick 

 

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern 

vertreten durch Dr. iur. Beat Frischkopf, Rechtsanwalt, Bahnhofstrasse 24, 

Postfach, 6210 Sursee 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 2. September 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1982 geborene Beschwerdeführer war als Maurer angestellt und in die-

ser Eigenschaft bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch gegen die Fol-

gen von Unfällen versichert, als er am 19. Oktober 2020 bei der Arbeit von 

einer Alu-Bockleiter stürzte und sich den rechten Unterschenkel brach. Die 

Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht im Zusammenhang 

mit dem Ereignis und richtete die gesetzlichen Leistungen in Form von Tag-

geldern und Heilbehandlungen aus. Nach medizinischen Abklärungen und 

mehrfachen Rücksprachen mit dem kreisärztlichen Dienst schloss sie den 

Fall mit Mitteilung vom 24. November 2021 ab und stellte die Heilkosten-

leistungen per 24. November 2021 sowie die Taggeldleistungen per 

28. Februar 2022 ein. Mit Verfügung vom 1. Februar 2022 sprach die Be-

schwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. März 2022 

bei einem Invaliditätsgrad von 17 % eine entsprechende Invalidenrente zu 

und verneinte den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung. Die dage-

gen erhobene Einsprache hiess sie teilweise gut und sprach dem Be-

schwerdeführer mit Einspracheentscheid vom 2. September 2022 ab dem 

1. März 2022 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 

20 % sowie eine Integritätsentschädigung von 5 % zu. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 2. September 2022 erhob der Be-

schwerdeführer mit Eingabe vom 5. Oktober 2022 fristgerecht Be-

schwerde, reichte eine Mitteilung der Invalidenversicherung (IV) zu berufli-

chen Massnahmen vom 18. August 2022 zu den Akten und stellte folgende 

Rechtsbegehren: 

 

"1. Der Einspracheentscheid vom 2. September 2022, zugestellt am 
 6. September 2022, sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei 
 zu verpflichten, dem Beschwerdegegner über das Datum des 1. März 
 2022 hinaus die UVG-Taggelder und Heilungskosten auszurichten. 
 
2. Eventualiter sei der Einspracheentscheid vom 2. September 2022 auf-
 zuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Be-
 schwerdegegner mit Wirkung ab dem 1. März 2022 eine Invalidenrente 
 von 40% und eine Integritätsentschädigung vom 5% auszurichten. 
 
3. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei das vorliegende Beschwerdever-
 fahren zu sistieren, bis die Ergebnisse der beruflichen Abklärungen der 
 IV vorliegen. 
 
4. Unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 18. November 2022 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.  

 - 3 - 

 

 

 

2.3. 

Der Beschwerdeführer erneuerte mit Eingabe vom 10. Februar 2023 sei-

nen in der Beschwerde gestellten Antrag, dass der Bericht über die vertief-

ten beruflichen Abklärungen im Spital B. abzuwarten sei, sowie seinen 

Beweisantrag, dass die IV-Akten beizuziehen seien. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss 

im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 19. Oktober 2020 mit Ein-

spracheentscheid vom 2. September 2022 (Vernehmlassungsbeilage 

[VB] 222) zu Recht per 28. Februar 2022 vorgenommen und dem Be-

schwerdeführer ab dem 1. März 2022 eine Invalidenrente basierend auf 

einem Invaliditätsgrad von (lediglich) 20 % zugesprochen hat. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, der Fallabschluss per 

1. März 2022 sei angesichts der noch nicht abgeschlossenen beruflichen 

Massnahmen der IV zu früh erfolgt. Die IV habe den Umschulungsanspruch 

des Beschwerdeführers zwischenzeitlich anerkannt und ihm eine vertiefte 

Abklärung möglicher Berufsrichtungen zugesprochen (vgl. Beschwerde 

S. 5 f.). 

 

2.2. 

Gemäss Art. 19 UVG entsteht der Rentenanspruch, wenn von der Fort-

setzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge-

sundheitszustands des Versicherten mehr erwartet werden kann und allfäl-

lige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abge-

schlossen sind (Abs. 1 erster Satz). Rechtsprechungsgemäss bezieht sich 

der in Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG vorbehaltene Abschluss allfälliger Einglie-

derungsmassnahmen der IV, soweit es um berufliche Massnahmen geht, 

nur auf Vorkehren, welche geeignet sind, den der Invalidenrente der Un-

fallversicherung zugrunde zu legenden Invaliditätsgrad zu beeinflussen 

(Urteil des Bundesgerichts 8C_103/2019 vom 16. April 2019 E. 4.1). Mit 

dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen 

dahin (Abs. 1 zweiter Satz; vgl. auch Art. 16 Abs. 2 zweiter Satz UVG, wo 

dies für den Taggeldanspruch nochmals statuiert wird). Nach konstanter 

Rechtsprechung heisst dies, der Versicherer hat – sofern allfällige Einglie-

derungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind – die 

Heilbehandlung (und das Taggeld) nur solange zu gewähren, als von der 

Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des 

Gesundheitszustands erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist 

 - 4 - 

 

 

 

der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeiti-

ger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integritäts-

entschädigung abzuschliessen (BGE 134 V 109 E. 4.1 S. 114 mit Hinwei-

sen). 

 

2.3. 

Zu den Massnahmen beruflicher Art gehört unter anderem die Berufsbera-

tung nach Art. 15 IVG, welche sich insbesondere aus Massnahmen zur ver-

tieften Abklärung möglicher Berufsrichtungen nach Art. 15 Abs. 2 IVG 

zusammensetzen kann (Art. 4a Abs. 1 lit. c IVV). Als Massnahmen zur ver-

tieften Abklärung möglicher Berufsrichtungen gelten Massnahmen, die in 

Betrieben des ersten Arbeitsmarkts oder in Institutionen durchgeführt wer-

den, um Eignung und Neigung der versicherten Person für mögliche Be-

rufsrichtungen und Tätigkeiten zu überprüfen. Diese Massnahmen sind ins-

gesamt auf drei Monate befristet. Sofern die benötigten Erkenntnisse für 

den Entscheid für eine Berufsrichtung oder Tätigkeit noch nicht vorliegen, 

können die Massnahmen um längstens drei Monate verlängert werden 

(Art. 4a Abs. 3 IVV). Die dem Beschwerdeführer seitens der IV mit Mittei-

lung vom 18. August 2022 zugesprochene "Vertiefte Abklärung möglicher 

Berufsrichtungen" (VB 220) vermag im Gegensatz zur "Erstmaligen beruf-

lichen Ausbildung" nach Art. 16 IVG sowie zur "Umschulung" nach Art. 17 

IVG den Invaliditätsgrad und damit den Rentenentscheid nicht zu beein-

flussen. Sie stellt – wie auch die Arbeitsvermittlung nach Art. 18 IVG (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 8C_657/2012 vom 18. Oktober 2012 E. 2.2.2) 

oder das Aufbautraining (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_350/2018 vom 

20. August 2018 E. 7) – keine relevante Massnahme dar, die dazu geeignet 

wäre, den Invaliditätsgrad zu beeinflussen. Demzufolge handelt es sich bei 

der "Vertieften Abklärung möglicher Berufsrichtungen" nicht um eine Ein-

gliederungsmassnahme der IV im Sinne von Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG, die 

dem Fallabschluss per 28. Februar 2022 entgegenstehen würde. Hinzu 

kommt, dass die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss per 1. März 2022 

vornahm, die berufliche Massnahme (vertiefte Abklärung möglicher Berufs-

richtungen) dem Beschwerdeführer hingegen von der IV erst mit Mitteilung 

vom 18. August 2022 zugesprochen wurde, im Zeitpunkt des Fallabschlus-

ses somit gar keine berufliche Massnahme durchgeführt wurde. Daher und 

weil der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 10. Februar 2023 selber 

ausführte, dass eine Umschulung unrealistisch sei (vgl. Eingabe vom 

10. Februar 2023 S. 2), erübrigt sich sodann vorliegend der Beizug der IV-

Akten (vgl. Beschwerde S. 5 f.; Eingabe vom 10. Februar 2023), da davon 

nichts Entscheidwesentliches zu erwarten ist. 

 

Dass von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte 

Besserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers hätte er-

wartet werden können, wir von diesem zudem – nach Lage der Akten zu 

 - 5 - 

 

 

 

Recht – nicht geltend gemacht, weshalb die Beschwerdegegnerin den Fall-

abschluss per 28. Februar 2022 und den damit einhergehenden Renten-

entscheid insgesamt nicht verfrüht vorgenommen hat. 

 

3. 

3.1. 

In ihrem Einspracheentscheid vom 2. September 2022 (VB 222) stützte 

sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen 

auf den Bericht über die kreisärztliche Untersuchung von med. pract. C., 

Facharzt für Chirurgie, vom 18. November 2021. Dieser stellte die 

folgenden Diagnosen (VB 145 S. 4): 

 

"Restbeschwerdesymptomatik und V. d. Neuralgie des N. peroneus rechts  
 bei 

- St. n. Metallentfernung laterale Fibula sowie Neurolyse des N. pe-
roneus superficialis rechts am 07.09.2021 bei 

- St. n. Marknagelung der Tibia sowie Plattenosteosynthese der Fibula 
am 19.10.2020 bei mehrfragmentärer Unterschenkelfraktur im mittle-
ren bis zum distalen Schaftdrittel vom 19.10.2020" 

 

In Bezug auf die vom Beschwerdeführer geäusserten neurologischen und 

subjektiven Beschwerden empfehle er ein neurologisches Konsil bei 

Dr. med. D., Facharzt für Neurologie, mit der Bitte um Klärung der Frage, 

ob eventuell ein weiteres diagnostisches oder therapeutisches Procedere 

anzustreben sei und ob dadurch aus neurologischer Sicht mit einer 

namhaften Besserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes zu rech-

nen sei. Aus unfallchirurgischer/versicherungsmedizinischer Sicht sollte ab 

dem 1. Januar 2022 in einer angepassten, leichten bis mittelschweren, 

wechselbelastenden (sitzend, gehend und stehend) Tätigkeit unter folgen-

den Voraussetzungen eine ganztägige Arbeitsfähigkeit gegeben sein: Kein 

permanentes oder repetitives Besteigen von Treppen. Kein Besteigen von 

Leitern und Gerüsten sowie das Begehen von unebenem Gelände und 

keine Arbeiten in Zwangshaltungen wie Kauern oder Knien. Ansonsten be-

stehen keine anderen Einschränkungen, insbesondere nicht zeitlicher Na-

tur (VB 145 S. 5). 

 

Des Weiteren stützte sich die Beschwerdegegnerin nach zusätzlicher neu-

rologischer Untersuchung auf den Bericht von Dr. med. D. vom 

16. Dezember 2021 (VB 163 S. 2 ff.) sowie nach dessen Kenntnisnahme 

durch Kreisärztin Dr. med. E., Fachärztin für Chirurgie, auf deren 

Stellungnahme vom 23. Dezember 2021 (VB 165), in der sie festhielt, dass 

sich am Zumutbarkeitsprofil nichts mehr ändern werde. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

 - 6 - 

 

 

 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 

V 231 E. 5.1 S. 232 und 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.2.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. 

und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

3.2.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesge-

richts 8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. De-

zember 2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

3.3. 

Der Beschwerdeführer rügt in medizinischer Hinsicht, die Beschwerdegeg-

nerin habe die Taggeldleistungen mit Mitteilung vom 24. November 2021 

gestützt auf die kreisärztliche Untersuchung durch med. pract. C. vom 

18. November 2021 (VB 145) per 1. März 2022 eingestellt mit der Be-

gründung, es sei von einem medizinisch stabilen Zustand auszugehen, 

ohne das Ergebnis der von med. pract. C. empfohlenen neurologischen 

Untersuchung bei Dr. med. D. abzuwarten. Der Kreisarzt habe demnach 

bei seiner Einschätzung den organisch objektivierbaren Nervenschmerzen 

gemäss Bericht von Dr. med. D. vom 16. Dezember 2021 (VB 163 S. 2 ff.) 

nicht Rechnung getragen. Zudem seien die Ergebnisse der beruflichen 

Abklärung nicht berücksichtigt worden. Es dürfe deshalb nicht von einer 

vollen Leistungsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit 

ausgegangen werden, sondern es müsse dem Umstand Rechnung 

getragen werden, dass der Beschwerdeführer wegen der 

Schmerzproblematik und der erheblichen Schwellungstendenz nicht in der 

 - 7 - 

 

 

 

Lage sei, in einer angepassten ganztägigen Tätigkeit eine volle Leistung zu 

erbringen (Beschwerde S. 6 f.). 

 

3.4. 

Dr. med. D. führte in seinem Bericht vom 16. Dezember 2021 aus, dass er 

die gemäss den Akten bekannte Läsion des Nervus peronaeus superficialis 

rechts bezüglich seiner Endäste am Fussrücken nur bestätigen und auch 

elektroneurographisch objektivieren könne. Diese Schädigung stehe 

zweifellos im Zusammenhang mit der Fibulafraktur und deren Behandlung. 

Gemäss aktuellen Angaben des Beschwerdeführers sei sie schon am 

Unfalltag festgestellt worden (Taubheitsgefühl am Fussrücken), obschon 

dies zumindest in den ihm vorliegenden Akten nicht vermerkt worden sei. 

Dabei könne er nicht feststellen, ob es sich um eine direkte, unfallbedingte 

Schädigung handle oder um eine akzidentielle Verletzung beim Anbringen 

der Osteosyntheseplatte. Die Osteosynthese-Materialentfernung (OSME) 

und die Neurolyse des Nervus peronaeus superficialis am 7. September 

2021 hätten keinen Effekt auf das Taubheitsgefühl gehabt. Im Bereich der 

Operationsnarbe lateral (Tibiaplatte, OSME) bestehe eine 

Überempfindlichkeit/Allodynie, welche keinem spezifischen Nerven zuzu-

ordnen, sondern eher als "empfindliche Narbe", ohne punktuelles Tinelzei-

chen als möglicher Hinweis auf eine Neurombildung, zu werten sei. Eine 

sonstige neurogene Pathologie sei für ihn nicht fassbar, insbesondere 

könne auch eine gemäss Akten diskutierte Läsion des Nervus suralis rechts 

nicht nachgewiesen werden. Die leichte diffuse Muskelatrophie am rechten 

Unterschenkel könne er nicht spezifisch zuordnen und erachte er als Folge 

von schmerzbedingter Schonung bezüglich Bewegungen im oberen 

Sprunggelenk. Die Prognose bezüglich des Nervus peronaeus superficialis 

sei eher reserviert, indem das Regenerationspotential zwar "erst" nach 

etwa zwei Jahren ausgeschöpft sei, bei bisher aber noch keiner feststell-

baren Erholung könne kaum noch eine wesentliche Besserung erwartet 

werden. Die Frage nach einem diagnostischen oder therapeutischen Pro-

cedere, welches eine namhafte Besserung des unfallbedingten Gesund-

heitszustandes bewirken könnte, müsse er leider negativ beantworten. Al-

lenfalls könnte noch ein Behandlungsversuch mit Lyrica bzw. Pregabalin 

gemacht werden, obwohl seines Erachtens die neuropathische Schmerz-

komponente gering sei und die Schmerzen hauptsächlich nozizeptiver Na-

tur seien (VB 163 S. 4 f.). 

 

3.5. 

Der Beschwerdeführer wurde im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung 

von med. pract. C. am 18. November 2021 umfassend fachärztlich 

untersucht. Dieser kannte die Vorakten und die Bildgebungen (VB 145 

S. 1 ff.) und berücksichtigte die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

Beschwerden. Sodann setzte sich med. pract. C. mit den erhobenen 

Befunden und den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers aus-

 - 8 - 

 

 

 

einander (VB 145 S. 3 f.) und legte die Arbeitsfähigkeit des Be-

schwerdeführers schlüssig begründet fest (VB 145 S. 5). Aus dem Bericht 

von Dr. med. D. vom 16. Dezember 2021 (VB 163) geht sodann nichts 

hervor, das der Beurteilung von Kreisarzt med. pract. C. vom 

18. November 2021 (VB 145) widersprechen würde. Dr. med. D. bestätigte 

und objektivierte lediglich die bereits früher gestellte (VB 107 S. 2; 110 

S. 2; 125 S. 4) Diagnose einer Läsion des Nervus peronaeus superficialis 

rechts (VB 163 S. 4). Dr. med. D. äusserte weder, dass dies die 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angepasster Tätigkeit 

beeinflussen würde, noch dass das zumutbare Belastungsprofil 

anzupassen wäre. Dementsprechend hielt auch Kreisärztin Dr. med. E. am 

23. Dezember 2021 in Kenntnis des Berichts von Dr. med. D. vom 

16. Dezember 2021 fest, dass sich das Belastungsprofil nicht mehr ändern 

würde (VB 165 S. 1). Dem Bericht des behandelnden Chefarztes F., 

Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Trau-

matologie des Bewegungsapparates, vom 4. Januar 2022 ist zudem in 

Übereinstimmung mit der kreisärztlichen Einschätzung von med. pract. C. 

zu entnehmen, dass Chefarzt F. den Beschwerdeführer ebenfalls als für 

wechselbelastende Tätigkeiten arbeitsfähig erachte, nicht jedoch für 

schwerste körperliche Arbeiten, wie es die angestammte Tätigkeit wäre 

(VB 174 S. 3). 

 

Entgegen dem Beschwerdeführer begründen die nach der kreisärztlichen 

Beurteilung vom 18. November 2021 (VB 145) eingegangen Berichte damit 

keine Zweifel an der kreisärztlichen Einschätzung von med. pract. C. 

 

Des Weiteren ist hinsichtlich des Vorbringens des Beschwerdeführers im 

Zusammenhang mit den Ergebnissen der beruflichen Abklärung der IV (vgl. 

Beschwerde S. 6 f.; Eingabe vom 10. Februar 2023) darauf hinzuweisen, 

dass nicht das Ergebnis eines Arbeitstrainings, sondern die von medizini-

schen Fachpersonen festgelegte Arbeitsfähigkeit massgebend ist. Denn es 

ist Aufgabe der Ärztin oder des Arztes, den Gesundheitszustand zu beur-

teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 

welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Insofern kommt 

den Erkenntnissen von Eingliederungsfachpersonen bezüglich der Beurtei-

lung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nur beschränkte Aussagekraft zu, 

denn diese beruhen in der Regel auf berufspraktischen Beobachtungen, 

welche in erster Linie die von ihnen erhobene, subjektive Arbeitsleistung 

der versicherten Person wiedergeben (vgl. E. 5.3 des in BGE 144 V 153 

nicht publ. Urteils des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 

E. 5.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_470/2021 vom 4. Januar 2022 

E. 4.2.2; 9C_28/2019 vom 18. Juni 2019 E. 4.3). Da keine (fach-)ärztlichen 

Arztberichte vorliegen, die eine dem Ergebnis der beruflichen Abklärung 

entsprechende, unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit 

bestätigen, vermag der Beschwerdeführer aus dem Ergebnis der berufli-

chen Massnahme der IV nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Angesichts 

 - 9 - 

 

 

 

dieses Ergebnisses erweist sich das Gesuch um Sistierung des Verfahrens 

bis zum Abschluss der Massnahmen zur vertieften Abklärung möglicher 

Berufsrichtungen (vgl. Beschwerdeantrag 3; Beschwerde S. 7) als obsolet. 

 

Hinsichtlich der medizinischen Beurteilung des Sachverhalts durch die 

Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 7; Eingabe 

vom 10. Februar 2023 S. 2) ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass diese 

bereits deshalb unbehelflich ist, weil sie als medizinische Laiin hierfür nicht 

befähigt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_283/2017 vom 29. Au-

gust 2017 E. 4.1.2). 

 

3.6. 

Insgesamt sind weder den Ausführungen des Beschwerdeführers noch den 

Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche an der Einschätzung des 

Kreisarztes med. pract. C. vom 18. November 2021 (VB 145) Zweifel zu 

begründen vermöchten (Beweisgrad der überwiegenden Wahr-

scheinlichkeit; BGE 134 V 109 E. 9.5, mit Hinweis auf BGE 129 V 177 

E. 3.1). Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sowie des Belastungsprofils 

durch Kreisarzt med. pract. C. vom 18. November 2021 (VB 145) erfüllt 

somit die gesetzlichen und rechtsprechungsgemässen Anforderungen an 

eine beweiskräftige ärztliche Beurteilung (vgl. E. 3.2 hiervor). Der 

medizinische Sachverhalt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollstän-

dig abgeklärt, weshalb auf weitere Abklärungen (vgl. Beschwerde S. 7; Ein-

gabe vom 10. Februar 2023 S. 2) in antizipierter Beweiswürdigung verzich-

tet werden kann (BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen). Es ist des-

halb bei der Beurteilung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers auf 

die von Kreisarzt med. pract. C. attestierte sowie von Dr. med. E. bestätigte 

Arbeitsfähigkeit abzustellen und von einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit in 

einer angepassten Tätigkeit auszugehen.  

 

4. 

Im Zusammenhang mit den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheits-

schadens hat die Beschwerdegegnerin zur Berechnung des Invalidenein-

kommens auf das Kompetenzniveau 1 der LSE abgestellt (VB 222 S. 9). 

Sowohl das von der Beschwerdegegnerin so ermittelte Invalideneinkom-

men als auch das Valideneinkommen werden vom Beschwerdeführer nicht 

bestritten (vgl. Beschwerde S. 7; Eingabe vom 10. Februar 2023 S. 2) und 

sind ausweislich der Akten nicht zu beanstanden. Der errechnete Invalidi-

tätsgrad von 20 % erweist sich somit als korrekt. 

 

Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen 

Einspracheentscheid vom 2. September 2022 (VB 222) zu Recht den Fall-

abschluss per 28. Februar 2022 vorgenommen und dem Beschwerdefüh-

rer ab dem 1. März 2022 eine Invalidenrente basierend auf einem Invalidi-

tätsgrad von 20 % zugesprochen. 

 

 - 10 - 

 

 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten erweist sich der Einspracheentscheid vom 2. Sep-

tember 2022 als rechtens; die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuwei-

sen. 

 

5.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

5.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

  

 - 11 - 

 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 11. Juli 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Heinrich