# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5198a068-2f55-5308-bfbc-cbc7bb6ed7cb
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2003-07-21
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 21.07.2003 JAAC 68.45
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_031_JAAC-68-45--_2003-07-21.pdf

## Full Text

JAAC 68.45

Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen
Asylrekurskommission vom 21. Juli 2003 i.S. M.M.,

Belarus, auch erschienen in Entscheidungen
und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 21

Art. 32 al. 2 let. c LAsi. Non-entrée en matière sur une demande d’asile
pour violation de l’obligation de collaborer.

1. Le droit d’être entendu doit impérativement être garanti lorsqu’il est
prévu de rendre une décision de non-entrée en matière. Cette garantie
demeure même s’il est douteux que le demandeur d’asile réside encore
au lieu qui lui a été assigné; en pareil cas, l’invitation faite au requérant
de déposer ses déterminations doit être notifiée à cette adresse en tant
que dernière adresse connue (consid. 3e).

2. Une violation grave du devoir de collaborer ne peut être retenue que
lorsqu’un acte de procédure déterminé et prévu concrètement n’a pas
pu être exécuté (confirmation de jurisprudence: cf. JICRA 2001 n° 19,
JAAC 65.6, JAAC 59.48). Le seul fait que le demandeur d’asile n’ait pu
être atteint pendant un certain temps au lieu de résidence qui lui a été
assigné ne suffit pas à constituer une telle violation (consid. 3b-d).

3. Le constat que le lieu de résidence du demandeur d’asile est
inconnu, débouche, au plan procédural, non pas sur une décision de
non-entrée en matière pour violation du devoir de collaborer, mais sur
le classement de l’affaire faute d’objet (cf. JAAC 62.10; consid. 4).

Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG. Nichteintreten auf ein Asylgesuch wegen
Verletzung der Mitwirkungspflicht.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005273.pdf?ID=150005273
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002675.pdf?ID=150002675
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003722.pdf?ID=150003722

1. Bei einem vorgesehenen Nichteintretensentscheid ist die Gewährung
des rechtlichen Gehörs zwingend. Dies gilt auch dann, wenn zweifelhaft
ist, ob der Asylbewerber sich noch am zugewiesenen Ort aufhält; in
diesem Fall ist die Aufforderung zur Stellungnahme an diese letzte
bekannte Adresse zuzustellen (E. 3e).

2. Eine grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht liegt nur
bei Verhinderung einer bestimmten, konkret vorgesehenen
Verfahrenshandlung vor (Bestätigung der Praxis, vgl. EMARK 2001
Nr. 19, VPB 65.6, VPB 59.48). Allein die Tatsache, dass der Asylbewerber
während einer gewissen Zeit nicht am zugewiesenen Aufenthaltsort
anzutreffen ist, genügt dazu nicht (E. 3b-d).

3. Ist ein Asylbewerber unbekannten Aufenthaltes, ist die zutreffende
verfahrensrechtliche Konsequenz nicht ein Nichteintretensentscheid
wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht, sondern die Abschreibung des
Verfahrens als gegenstandslos (vgl. VPB 62.10; E. 4).

Art. 32 cpv. 2 lett. c LAsi. Non entrata nel merito della domanda d’asilo
per violazione del dovere di collaborare.

1. L’Ufficio federale dei rifugiati (UFR) deve imperativamente tutelare il
diritto d’esser sentito del richiedente l’asilo se prevede di pronunciare
una decisione di non entrata nel merito della domanda. Questo vale
pure se sussistono dubbi sul fatto che il richiedente soggiorni ancora
nel luogo di residenza designato. In simile eventualità, l’atto mediante
il quale l’UFR concede al ricorrente il diritto d’essere sentito va inviato
al suo ultimo indirizzo conosciuto (consid. 3e).

2. Una violazione grave del dovere di collaborare sussiste unicamente
se è impedita l’esecuzione di un determinato atto procedurale già
concretamente previsto (conferma di giurisprudenza: GICRA 2001
n. 19, GAAC 65.6 e GAAC 59.48). Non costituisce una siffatta violazione,
la circostanza che - durante un certo lasso di tempo - il richiedente
non possa essere raggiunto presso il luogo di residenza designato
(consid. 3b-d).

3. L’irreperibilità del richiedente l’asilo è unicamente motivo di stralcio
dai ruoli della causa; non è per contro consentita la pronunzia di una
decisione di non entrata nel merito per violazione grave del dovere di
collaborare (GAAC 62.10; consid. 4).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

Der Beschwerdeführer stellte am 2. Januar 2003 ein Asylgesuch.
Am 17. Februar 2003 und 17. März 2003 meldete die Leitung des
Asylbewerberzentrums X. dem kantonalen Amt für Migration, der
Beschwerdeführer halte sich aus unbekannten Gründen nicht mehr in der
Unterkunft auf. Beide Male meldete das Zentrum den Rekurrenten nach einer
respektive zweieinhalb Wochen wieder beim Amt für Migration an.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005273.pdf?ID=150005273
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002675.pdf?ID=150002675
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003722.pdf?ID=150003722
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005273.pdf?ID=150005273
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002675.pdf?ID=150002675
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003722.pdf?ID=150003722

Mit Schreiben vom 4. April 2003 teilte das Amt für Migration dem Bundesamt
für Flüchtlinge (BFF) gestützt auf eine entsprechende Meldung des
Asylbewerberzentrums X. vom gleichen Tag mit, der Beschwerdeführer halte
sich seit längerer Zeit nicht mehr in der zugewiesenen Unterkunft auf und
sei unbekannten Aufenthaltes; die Vorladung für den 15. April 2003 habe
ihm aber abgegeben werden können. Die kantonale Behörde beantragte der
Vorinstanz die Abschreibung des Asylverfahrens.

Das BFF trat mit Verfügung vom 9. April 2003 auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht nicht ein
und ordnete unter Entzug der aufschiebenden Wirkung einer allfälligen
Beschwerde seine sofortige Wegweisung an.

Mit einer als «Wiedererwägungsgesuch» bezeichneten und an das BFF
gerichteten Eingabe vom 8. Mai 2003 beantragte der Beschwerdeführer
imWesentlichen, die Nichteintretensverfügung sei aufzuheben und die
aufschiebende Wirkung dieses Gesuchs anzuerkennen.

Das BFF überwies die Eingabe am 11. Juni 2003 zuständigkeitshalber an die
Schweizerische Asylrekurskommission (ARK; Eingang ARK: 16. Juni 2003), und
hielt in einem Begleitschreiben fest, beim «Wiedererwägungsgesuch» handle
es sich offensichtlich um eine Beschwerde gegen die Nichteintretensverfügung
des BFF vom 9. April 2003.

Mit Schreiben vom 12. Juni 2003 teilte das kantonale Amt für Migration dem
BFF mit, der Beschwerdeführer halte sich seit dem 11. Juni 2003 nicht mehr
in der zugewiesenen Unterkunft auf und sei unbekannten Aufenthaltes. Am
13. Juni 2003 setzte das Amt für Migration das BFF davon in Kenntnis, dass
der Beschwerdeführer sich wieder in der zugewiesenen Unterkunft aufhalte,
weshalb die Meldung vom 12. Juni 2003 hinfällig geworden sei.

Der zuständige Instruktionsrichter der ARK nahm die Eingabe mit Verfügung
vom 16. Juni 2003 als frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde gegen
die Nichteintretensverfügung des BFF entgegen und hiess das Gesuch um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Rechtsmittels mit
Verfügung vom 16. Juni 2003 gut.

Am 13. Juni 2003 verfügte das kantonale Amt für Migration die Eingrenzung
des Beschwerdeführers auf das Gebiet der Gemeinde Y. mit der Begründung,
dieser habe während seiner kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz zu
etlichen polizeilichen Klagen und gerichtlichen Verurteilungen Anlass gegeben.
Mit Verfügung vom 23. Juni 2003 versetzte das kantonale Amt für Migration
den Beschwerdeführer für die Dauer von drei Monaten in Ausschaffungshaft,
welche Anordnung vom kantonalen Verwaltungsgericht mit Urteil vom
24. Juni 2003 bestätigt wurde.

Das BFF hielt in seiner Vernehmlassung vom 14. Juli 2003 an seiner
Nichteintretensverfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

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Die ARK heisst die Beschwerde gut, hebt die angefochtene Verfügung auf und
weist das BFF an, das Asylverfahren des Beschwerdeführers weiterzuführen.

Aus den Erwägungen:

3.a. Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. c des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,
SR 142.31) wird auf Asylgesuche nicht eingetreten, wenn Asylsuchende ihre
Mitwirkungspflicht - auf andere als der in Art. 32 Abs. 2 Bst. a (Nichtabgabe
von Identitätspapieren) und Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG (Täuschung über die
Identität) genannten Weise - schuldhaft grob verletzen.

b. Nach Art. 8 Abs. 3 AsylG müssen sich Asylsuchende, die sich in der Schweiz
aufhalten, während des Verfahrens den Behörden von Bund und Kantonen
zur Verfügung halten. Sie müssen ihre Adresse und jede Änderung der nach
kantonalem Recht zuständigen Behörden des Kantons oder der Gemeinde
sofort mitteilen.

Diese Verpflichtung bedeutet nach Praxis der ARK nicht, dass sie sich an
der ihnen zugewiesenen Adresse dauernd physisch aufzuhalten haben.
Gemäss Art. 12 AsylG müssen sie aber jederzeit über eine Zustelladresse
postalisch erreichbar sein (VPB 50.48 = Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 15, E. 6, S. 126).

c. Bei Durchsicht der vorinstanzlichen Akten fällt vorab auf, dass die
Begründung der angefochtenen Verfügung die Feststellung enthält, das
Aufgebot für die kantonale Anhörung zu den Asylgründen, vorgesehen für den
15. April 2003, habe dem Beschwerdeführer wegen unbekannten Aufenthaltes
nicht ausgehändigt werden können. Wie der Beschwerdeführer zu Recht
festhält, ist diese Feststellung aktenwidrig: Beide Abwesenheitsmeldungen des
Zentrums X. vom 17. Februar 2003 und 17. März 2003 enthalten den - durch
Fettschrift und Unterstreichen optisch hervorgehoben - Satz: «Das Aufgebot
für die Vorladung für den 15.04.03 konnte abgegeben werden!».

Den Akten ist weiter zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 15. April
2003 ordnungsgemäss zum vorgeladenen Termin beim (kantonalen Amt
für Migration) vorsprach. Dieses Amt führte in der Folge nach Erlass
der Nichteintretensverfügung nicht eine Asylanhörung, sondern ein
«Ausreisegespräch» mit dem Beschwerdeführer durch.

d. Aus welchem Grund die Verletzung der Mitwirkungspflicht vorliegend als
grob (Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG) zu bezeichnen sei, ergibt sich auch aus der
Begründung der angefochtenen Verfügung nicht. Nach Lehre und konstanter,
publizierter Praxis der ARK ist eine Verletzung der Mitwirkungspflicht
nur dann als «grob» zu qualifizieren, wenn sie sich auf die Verhinderung
einer bestimmten, konkret vorgesehenen Verfahrenshandlung bezieht. Die
Verunmöglichung einer theoretisch denkbaren Amtshandlung reicht nicht aus
(vgl. VPB 50.48 = EMARK 1994 Nr. 15, E. 6, S. 126 f., mit weiteren Hinweisen,
VPB 65.6 = EMARK 2000 Nr. 8, S. 59 ff., insbesondere E. 5, S. 68 f., zur Frage der
Weitergeltung dieser Praxis unter dem 1999 in Kraft getretenen revidierten
Asylgesetz).

Eine erhebliche Erschwerung der Abklärungen des Asylverfahrens
respektive die Verhinderung einer konkreten Verfahrenshandlung durch
den Beschwerdeführer ergibt sich aus den Akten nach dem Gesagten weder im
Hinblick auf die Anhörung zu den Asylgründen noch in anderer Hinsicht. Die

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005273.pdf?ID=150005273

materiell-rechtlichen Voraussetzungen für einen auf Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG
abgestützten Nichteintretensentscheid waren und sind vorliegend offenkundig
nicht erfüllt.

An dieser Feststellung vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der
Beschwerdeführer offenbar bereits verschiedentlich deliktisch in Erscheinung
getreten ist.

e. Die Vorinstanz führt in ihrer Verfügung vom 9. April 2003 aus, dass
dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör im Hinblick auf die
Mitwirkungspflichtverletzung nicht habe gewährt werden können, weil
dieser unbekannten Aufenthalts gewesen sei und über keinen Rechtsvertreter
verfügt habe.

aa. Letztere Feststellung erstaunt insofern, als dem kantonalen Protokoll
des «Ausreisegesprächs» vom 15. April 2003 zu entnehmen ist, dass
dieser Anhörung neben einer Hilfswerksvertreterin eine «rechtskundige
Person, […]», beiwohnte. Offensichtlich handelt es sich dabei um eine
rechtskundige Vertrauensperson im Sinne von Art. 17 Abs. 3 AsylG, die dem
Beschwerdeführer infolge dessen Eigenschaft als unbegleiteter minderjähriger
Asylbewerber zugeteilt worden war (vgl. VPB 63.13 = EMARK 1998 Nr. 13,
E. 4b; 2003 Nr. 1, S. 4 ff.). Der präzise Zeitpunkt dieser Zuteilung ergibt sich
aus den der ARK vorliegenden Akten zwar nicht. Der zuständige Kanton ist
indessen von Gesetzes wegen verpflichtet, diese Person «unverzüglich» nach
der (vorliegend am 17. Januar 2003 verfügten) Zuweisung des minderjährigen
Asylsuchenden zu bestimmen; es darf daher vermutet werden, dass die
Vertrauensperson des Beschwerdeführers am Tag der Ausfällung der
angefochtenen Verfügung, sechs Tage vor der Anhörung vom 15. April 2003,
bereits definiert war. Diesfalls wäre die Vertrauensperson einerseits für die
Gewährung des rechtlichen Gehörs anzuschreiben gewesen; andererseits hätte
selbstverständlich auch die angefochtene Verfügung an sie eröffnet werden
müssen.

bb. Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör, wie
aus der erwähnten Formulierung sowie aus den Akten zu schliessen ist,
offenbar bewusst nicht gewährt: sie führt aus, dem Beschwerdeführer habe
das rechtliche Gehör entgegen der gesetzlichen Verpflichtung von Art. 36
Abs. 2 AsylG nicht gewährt werden können. Diesbezüglich ist - von der soeben
erwähnten Problematik der offenbar unterlassenen Berücksichtigung der
Vertrauensperson einmal abgesehen - Folgendes festzustellen:

Das Asylgesetz sieht für Fälle der Unzustellbarkeit von Postsendungen
ausdrücklich eine Regelung vor. Nach Art. 12 Abs. 1 AsylG wird eine
Zustellung oder Mitteilung an die letzte den Behörden bekannte Adresse
von Asylsuchenden nach Ablauf der ordentlichen siebentägigen Abholfrist
rechtsgültig, namentlich auch wenn die Sendung als unzustellbar
zurückkommt. Nach dieser Bestimmung gilt eine Zustellung oder Mitteilung
an die letzte Adresse eines Gesuchstellers als rechtsgültig eröffnet; dies auch
dann, wenn der Gesuchsteller die Sendung nicht zur Kenntnis nimmt (vgl.
hierzu auch EMARK 1993 Nr. 13, E. 3a, S. 82 f., und EMARK 1995 Nr. 3, E. 3b,
S. 27).

Aus dem Gesagten folgt, dass das BFF gemäss Art. 12 Abs. 1 AsylG den
Beschwerdeführer zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs jedenfalls
hätte an dessen letztbekannte Adresse anschreiben müssen. Nach Ablauf der

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150004169.pdf?ID=150004169

siebentägigen Abholfrist hätte die nach Art. 36 Abs. 2 AsylG vorgeschriebene
Gehörsgewährung als fingiert zugestellt gegolten (zum gleichen Ergebnis kam
die ARK bereits im Urteil vom 20. März 2001 i.S. M.K., ehemaliges Jugoslawien
[unveröffentlichte E. 3d des in EMARK 2001 Nr. 19 publizierten Urteils]).

Im Übrigen ist der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen, dass es in
der Praxis offenbar durchaus üblich ist, dass (auch) Asylsuchende dafür
besorgt sind, bei einemWechsel ihres Aufenthaltsorts für die Behörden
postalisch erreichbar zu bleiben - sei es, dass sie konkret jemanden in
der Asylbewerberunterkunft damit beauftragen, ihre Post zu sichten
oder weiterzuleiten, sei es dass sie bei der Schweizerischen Post einen
Nachsendeauftrag hinterlegen (vgl. auch hierzu das erwähnte Urteil der
ARK vom 20. März 2001, EMARK 2001 Nr. 19, E. 4a, S. 142). Selbst unter diesem
praktischen Gesichtspunkt vermag die Feststellung der Vorinstanz nicht zu
überzeugen, dem Beschwerdeführer habe das rechtliche Gehör grundsätzlich
nicht gewährt werden können, weil er unbekannten Aufenthalts gewesen sei.
Dies vorliegend umso weniger, als der Beschwerdeführer sich jeweils nur für
kurze Zeit nicht im Asylbewerberheim aufgehalten hat.

cc. Auch die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs erweist sich nach
dem Gesagten als berechtigt.

f. Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) überweist die Behörde eine
Eingabe, für deren Behandlung sie sich als unzuständig erachtet, ohne
Verzug an die zuständige Behörde. Diese gesetzliche Verpflichtung zur
Eile muss in gesteigertem Masse gelten, wenn es sich bei der konkreten
Eingabe um ein Rechtsmittel handelt, dessen aufschiebende Wirkung
entzogen worden ist; dies umso mehr, wenn, wie im Asylverfahren, höchste
Rechtsgüter betroffen sind und die Ausschaffung eines Asylsuchenden in den
behaupteten Verfolgerstaat nach unbenutztem Ablauf der 24-stündigen Frist
zur Einreichung eines Gesuchs umWiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung spezialgesetzlich für zulässig erklärt ist (vgl. Art. 112 Abs. 1 AsylG).

Vorliegend hat der Beschwerdeführer seine Eingabe vom 8. Mai 2003 zwar
fälschlicherweise als «Wiedererwägungsgesuch gegen den Entscheid des
Bundesamtes für Flüchtlinge vom 9. April 2003» bezeichnet. Angesichts der
Form und des Inhalts dieser Eingabe, namentlich der präzise formulierten und,
wie oben dargelegt, berechtigten formalen und materiell-rechtlichen Rügen,
handelte es sich indessen klarerweise um eine bloss falsch bezeichnete und
bei der unzuständigen Behörde eingereichte Verwaltungsbeschwerde, was
bezüglich der Wahrung der Rechte des Beschwerdeführers nicht grundsätzlich
schadet (vgl. diesbezüglich Art. 8 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 2 VwVG). Erstere
Auffassung bestätigt auch die Vorinstanz in ihrer Übermittlungsnotiz vom
11. Juni 2003, wonach die Eingabe vom 8. Mai 2003 «offensichtlich als
Beschwerde aufzufassen» sei.

Die erwähnte Notiz enthält keinerlei Anhaltspunkte für die Beantwortung
der nahe liegenden Frage, aus welchem Grund die am 9. Mai 2003 beim BFF
eingegangene Beschwerde erst viereinhalb Wochen später an die zuständige
ARK überwiesen worden ist. Dieses Vorgehen erweckt den Eindruck eines
bewussten Zurückhaltens der Beschwerde. Dies umso mehr, als hätte
erwartet werden dürfen, dass die Eingabe - bei unterstelltem Realisieren
der Dringlichkeit der Sache (erst) am 11. Juni 2003 - der ARK vorab per Telefax

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zur Kenntnis gebracht worden wäre; vorliegend wurde die Beschwerde mit
den Akten per Kurier übermittelt und ging erst am 16. Juni 2003 bei der ARK
ein.

Nachdem die angefochtene Verfügung bereits aus andern Gründen
aufzuheben ist, kann die Frage nach der diesbezüglichen Motivation der
Vorinstanz ebenso offen bleiben, wie diejenige nach denkbaren (rechtlichen)
Konsequenzen der erheblich verspäteten Überweisung an die zuständige
Behörde.

4. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzustellen, dass die
Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2
Bst. c AsylG nicht erfüllt sind. Wenn schon hätte das BFF, wie von der ARK in
analogen Konstellationen bereits wiederholt festgestellt, das Asylgesuch als
gegenstandslos geworden abschreiben müssen respektive können. Dies im
Einklang mit dem korrekten kantonalen Antrag vom 4. April 2003.

Dass die rechtlichen Voraussetzungen für die Ausfällung einer gleichen
Verfügung gestützt auf einen der anderen gesetzlichen Nichteintretensgründe
gegeben wären, ergibt sich jedenfalls aus den vorliegenden Asylakten
nicht (das für die Bestätigung der Ausschaffungshaft zuständige kantonale
Verwaltungsgericht hatte, anders als das BFF, in seinem Urteil vom 24. Juni
2003 die Identität respektive Nationalität sowie die Minderjährigkeit des
Beschwerdeführers in Zweifel gezogen, ohne sich in dieser Frage allerdings
abschliessend zu äussern).

Die Beschwerde ist damit gutzuheissen, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und das BFF anzuweisen, das Asylverfahren des
Beschwerdeführers weiterzuführen.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 68.45 - Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 21.

Juli 2003 i.S. M.M., Belarus, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 21

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2004
Année

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Band 68
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	Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 21. Juli 2003 i.S. M.M., Belarus, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 21