# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 473fba21-5601-55c6-bd87-2bf4cab44a61
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-09-02
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 02.09.2011 NA110037
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_NA110037_2011-09-02.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Zivilkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: NA110037-O/U 

 

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. A. Katzenstein, Vorsitzende, Oberrichterin Dr. 

L. Hunziker Schnider und Oberrichter lic. iur. P. Hodel sowie Ge-

richtsschreiberin MLaw A. Schmoker. 

Urteil vom 2. September 2011 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Gesuchstellerin und Berufungsklägerin, 

 

sowie 

 

B._____ Klinik,  
Verfahrensbeteiligte, 

 

betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung 
 
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes (10. Abteilung) des Bezirkes Zürich 

vom 11. August 2011 (FF110140) 

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Erwägungen: 

1. Die Gesuchstellerin und Berufungsklägerin (nachfolgend Berufungsklägerin) 

wurde am 7. August 2011, 02.00 Uhr, auf Anordnung von Notfallpsychiater 

Dr. C._____ im Sinne einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung in die B._____ 

Klinik eingewiesen (act. 5). Dies nachdem die Berufungsklägerin in psychoti-

schem Zustand der Polizei aufgefallen war. Sie habe berichtet, dass sie einen 

Chip im Kopf implantiert habe und sich verfolgt fühle. Bei Eintritt in die Klinik sei 

die Berufungsklägerin nicht erreichbar gewesen und habe das Personal als je-

manden aus dem 2. Weltkrieg verkannt. Sie habe erklärt, sie sei seit 1956 in 

Kriegsgefangenschaft. Ein Alkoholtest habe 1,56 Promille ergeben. Der einwei-

sende Arzt stellte aufgrund ihres akuten psychotischen Zustandes mit Wahnvor-

stellungen eine Selbstgefährdung der Berufungsklägerin fest (act. 5). Nachdem 

die Berufungsklägerin mit Eingabe vom 8. August 2011 beim Einzelgericht 

(10. Abteilung) des Bezirkes Zürich ein Entlassungsgesuch gestellt hatte (act. 1), 

wurde sie in der Verhandlung vom 11. August 2011 angehört, und es wurde das 

psychiatrische Gutachten mündlich erstattet (vgl. Protokoll FF110140 S. 7 ff., S. 

15 ff.). Mit Verfügung und unbegründetem Urteil vom gleichen Tag bewilligte das 

Einzelgericht der Berufungsklägerin die unentgeltliche Prozessführung, wies das 

Entlassungsgesuch jedoch ab (act. 7). Der Berufungsklägerin wurde der begrün-

dete Entscheid am 15. August 2011 zugestellt (act. 9/2).  

2. Gegen diesen Entscheid erhob die Berufungsklägerin mit Eingaben vom 

17. August 2011 Berufung (act. 12A und 12B = act. 17). Sie verlangt ihre unver-

zügliche Entlassung aus der Klinik, da sie der Ansicht ist, für ihren derzeitigen 

Aufenthalt bestünden keine ausreichenden Gründe (act. 12 A).  

3. Mit den vorinstanzlichen Erwägungen setzt sich die Berufungsklägerin nur 

marginal auseinander. In ihrer Berufungsschrift vom 17. August 2011 führt sie be-

zogen auf den vorinstanzlichen Entscheid aus, "was man sich über mich zusam-

mengeschrieben hatte, ist haltlos. Es wurde überhaupt nichts aktenkundig ge-

macht und zwar wahrheitsgemäss wie der Tathergang vom 6.8.2011 auf den 

7.8.2011 wahrheitsgemäss verlaufen war". Der 6. August 2011 sei der 100-jährige 

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Geburtstag ihres Onkels gewesen. Das alles sei eine ausgesprochene abgekar-

terte kriminelle Schweinerei (act. 12B S. 3). Betreffend des Gutachters führt die 

Berufungsklägerin aus, dieser "Gutachter alias D._____ verfügt lediglich über ein 

gefälschtes Ausweispapier und hat ganz grausam in Bayern zugeschlagen" 

(act. 12B S. 4). Die übrigen Ausführungen der Berufungsklägerin erscheinen 

wahngeprägt und sind für die Entscheidfindung unbehelflich. Es ist ohne mündli-

che Verhandlung aufgrund der Akten zu entscheiden (§ 186 Abs. 2 GOG; Art. 316 

Abs. 1 ZPO i.V.m. § 184 Abs. 1 GOG). Die Verfahrensbeteiligte B._____ hat im 

Rahmen der Verhandlung vor Vorinstanz bereits Gelegenheit erhalten, sich be-

züglich einer Entlassung der Berufungsklägerin zu äussern (VI Prot. [FF110140] 

S. 21 f.). Da die Berufungsklägerin in ihrer Eingaben diesbezüglich nichts Neues 

vorbringt, ist eine schriftliche Antwort im Sinne von § 186 GOG für den vorliegen-

den Entscheid nicht notwendig.  

4. Eine mündige oder entmündigte Person darf wegen Geisteskrankheit, Geis-

tesschwäche, Trunksucht, anderen Suchterkrankungen oder schwerer Verwahrlo-

sung in einer geeigneten Anstalt untergebracht oder zurückbehalten werden, 

wenn ihr die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden kann 

(Art. 397a Abs. 1 ZGB). Sowohl für die Einweisung als auch die Zurückbehaltung 

in einer Anstalt sind die Prinzipien der Verhältnismässigkeit und der Subsidiarität 

zu berücksichtigen. Vorausgesetzt ist mit anderen Worten, dass die betroffene 

Person infolge der im Gesetz umschriebenen Schwächezustände persönlicher 

Fürsorge bedarf, die ihr nur in einer Anstalt gewährt werden kann. Die Verhält-

nismässigkeit einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung ist insbesondere bei einer 

erheblichen Selbstgefährdung gegeben, das heisst dann, wenn die betroffene 

Person - zum Beispiel mangels Einsicht in eine behandlungsbedürftige körperli-

che Krankheit oder aufgrund von Suizidalität - ihre eigene Gesundheit oder ihr 

Leben ernstlich gefährdet. Zu berücksichtigen ist ferner die Belastung, welche die 

Person für ihre Umgebung bedeutet (Art. 397a Abs. 2 ZGB). Unter diesem Ge-

sichtspunkt ist auch einer allfälligen Fremdgefährdung Rechnung zu tragen. Eine 

solche liegt vor, wenn die betroffene Person zum Beispiel wegen ihres agressiven 

oder gefährlichen Verhaltens eine Gefahr für Leib und Leben von Drittpersonen 

darstellt oder sonst wie das Wohlbefinden und die seelische Gesundheit anderer 

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auf erhebliche und elementare Weise beeinträchtigt (BGE 5A_288/2011 vom 19. 

Mai 2011).  

 Die Zurückbehaltung in einer Anstalt im Rahmen der fürsorgerischen Frei-

heitsentziehung ist namentlich dann gerechtfertigt, wenn im Fall der Entlassung 

die professionelle Nachbetreuung der betroffenen Person nicht sichergestellt ist, 

wenn diese über keine Wohngelegenheit verfügt, ihr Verwahrlosung droht oder 

wenn sie sich selbst oder andere gefährdet (vgl. BGE 5A_766/2007 vom 22. Ja-

nuar 2008,). 

5.1 Erste Voraussetzung eines fürsorgerischen Freiheitsentzuges ist somit - ne-

ben anderen - das Vorliegen einer Geisteskrankheit im Rechtssinne (Art. 397a 

Abs. 1 ZGB). Davon kann gesprochen werden, wenn auf die Dauer psychische 

Störungen vorliegen, die stark auffallen und einem besonnenen Laien als unein-

fühlbar, qualitativ tief gehend abwegig, grob befremdend erscheinen (BSK-Geiser, 

3. Auflage, 2006, Art. 397a N 6-7, Art. 369 N 21; ZR 85 (1986) Nr. 118 S. 296), 

wobei sich der rechtliche und der medizinische Begriff nicht decken (BSK-Geiser, 

a.a.O., Art. 369 N 21).  

 Mit zutreffender Begründung, auf die generell verwiesen werden kann, legte 

die Vorinstanz im angefochtenen Urteil dar, dass bei der Berufungsklägerin eine 

Geisteskrankheit im Rechtssinne vorliegt (act. 8 S. 4 f.). Der Gutachter stellte fest, 

die Berufungsklägerin leide mit Sicherheit an einer schweren psychischen Stö-

rung. Es handle sich dabei um eine wahnhafte Störung (VI Prot. S. 16). Diesem 

Sachverständigenbefund hält die Berufungsklägerin in ihrer Berufungsschrift 

nichts entgegen, was einen anderen Schluss zuliesse. Vielmehr treten die Aus-

wirkungen der psychischen Erkrankung auch in der Berufungsschrift zu Tage, 

wobei Wahnvorstellungen unübersehbar sind. So führt die Berufungsklägerin un-

ter Anderem aus, der Gutachter verfüge lediglich über gefälschte Ausweispapiere 

und habe "ganz grausam in Bayern zugeschlagen". Betreffend ihres Sohnes führt 

die Berufungsklägerin aus, der "jetzige E._____ habe Angst vor dem Sterben." 

"Die Blutrauschsüchtigen hätten bereits seinen Mord in Planung." Sie habe es 

über den Kriegsverbrecher Sender RTL erfahren müssen, über diese Sendung 

"Deutschland sucht den Superstar". Ihre Vorwarnungen an diesen jetzigen 

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E._____ werte dieser als Belastung und Telefonterror und wisse dies gar nicht zu 

schätzen (act. 12B. S. 7 f.).  

 Die gesetzliche Voraussetzung des Vorliegens einer Geisteskrankheit ist 

somit erfüllt. 

5.2 Nebst dem Vorliegen einer Geisteskrankheit wird die Notwendigkeit der per-

sönlichen Fürsorge aufgrund des Schwächezustandes vorausgesetzt. Die fürsor-

gerische Freiheitsentziehung bezweckt in jedem Fall den Schutz der betroffenen 

Person. Ein Schutzbedürfnis liegt bei der Möglichkeit einer Selbstgefährdung oder 

einer schweren Verwahrlosungsgefahr vor. Dem Schutz der Umgebung sowie 

Dritter kommt hingegen nur subsidiäre Bedeutung zu. Fremdgefährdung ist somit 

zwar auch im Rahmen von Art. 397a Abs. 2 ZPO zu berücksichtigen. Bildet der 

Betroffene jedoch eine Gefahr für Dritte, indem er hochwertige Güter wie Leben 

und Gesundheit gefährdet, kommt vorab die Strafverfolgung zum Zug (Zürcher 

Kommentar ZPO-Spirig, 1995, Art. 397a N 336 ff.).  

5.2.1  Die Klinikeinweisung der Berufungsklägerin am 6. August 2011 erfolgte 

gemäss Einweisungspapier aufgrund einer vom Notfallpsychiater festgestellten 

Selbstgefährdung (act. 5 S. 1). Gemäss Eintrittsrésumé vom 7. August 2011 wur-

de bei der Berufungsklägerin ein Alkoholtest durchgeführt, welcher einen Alko-

holwert von 1,56 ‰ ergab, jedoch wurden weder eine akute Selbst- noch Fremd-

gefährdung und keine Suizidalität festgestellt. Der Aufnahmearzt stellte fest, die 

Berufungsklägerin habe sich beim Eintritt in einem ungepflegten Allgemeinzu-

stand befunden, hingegen sei ihr Ernährungszustand gut gewesen (act. 5 S. 2).  

5.2.2  Der Gutachter führte zur Frage, wie sich eine sofortige Entlassung auf 

den Gesundheitszustand der Berufungsklägerin auswirken würde aus, die Beru-

fungsklägerin sei absolut krankheits- und behandlungsuneinsichtig. Sie lehne jeg-

liche ärztliche Betreuung ausserhalb der Klinik ab. Eine Entlassung würde bedeu-

ten, dass sich die psychische Störung weiter chronifiziere und würde wahrschein-

lich zu erneuten Einweisungen in der Klinik führen. Die Berufungsklägerin sei 

"nicht in dem Sinne fremdgefährlich, dass sie jemandem etwas antun würde", 

aber sie belaste ihre Umgebung massiv durch mehrfache Telefonanrufe. Er habe 

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auch gehört, dass die Berufungsklägerin öfters Suiziddrohungen ausgesprochen 

habe. Dies vor allem, wenn sie zu viel getrunken und nicht "diese Aufmerksam-

keit" oder gar eine Ablehnung erfahren habe (VI Prot. S. 16 f.). Es bestehe jedoch 

keine akute Gefahr für andere und auch für sie selbst nicht. Gegenwärtig streite 

die Berufungsklägerin jegliche Suizidgedanken ab (VI Prot. S. 18). Dem Gutach-

ten ist weiter zu entnehmen, dass mit der entsprechenden Medikation wohl die 

Ängste der Berufungsklägerin zurückgehen würden. Die Berufungsklägerin lebe in 

ihrem Wahn wahrscheinlich unter grossem Stress, wenn man bedenke, wie viele 

Morde darin passieren würden und welche Bedrohungen bestünden. Es bestehe 

die Hoffnung, dass der ausgedehnte Wahn mit Medikamenten rückläufig würde. 

Man müsse der Berufungsklägerin jedoch Zeit lassen, "um die Motivationsarbeit 

zu erstellen", damit sie die Medikamente freiwillig nehme. Nach Meinung des 

Gutachters solle man der Klinik Zeit lassen, um einen Weg zu finden, der Beru-

fungsklägerin zu Medikamenten zu verhelfen (VI Prot. S. 18).  

5.2.3  Dr. med. F._____ von der B._____ erklärte, die Berufungsklägerin sei 

schwer krank. Ein gewisser Leidensdruck sei erkennbar. Das Problem sei, dass 

sie die Realität ganz anders sehe, als alle um sie herum. Dies mache es sehr 

schwierig, ihr zu helfen, da sie alles, was die Klinik ihr anbiete, wieder als etwas 

Gefährliches und Bedrohliches interpretiere. Deshalb sei es bisher nicht möglich 

gewesen, ihr die Medikamente zu verabreichen, die wahrscheinlich helfen und die 

Situation verbessern würden. Eine unmittelbare Suizidalität oder Fremdgefähr-

dung liege wahrscheinlich nicht vor. Die ganze Situation stelle jedoch eine starke 

Belastung für das ganze Milieu der Berufungsklägerin dar. Der Sohn sei stark be-

lastet und gemäss dessen Angaben auch die Mutter der Berufungsklägerin (VI 

Prot. S. 21). Wichtige körperliche Untersuchungen seien noch ausstehend, insbe-

sondere sei eine Konsultation eines Zahnarztes von Nöten. Wahrscheinlich liege 

keine vitale Gefährdung vor, aber die Situation sei unzweifelhaft schlecht und eine 

Belastung für das Milieu der Berufungsklägerin (VI Prot. S. 22).  

5.2.4  Die Vorinstanz führte zum Bedürfnis der persönlichen Fürsorge aus, 

die Berufungsklägerin sei bereits im Jahr 2002 mit Neuroleptika behandelt wor-

den, wobei es ihr während zwei Jahren besser gegangen sei. Erst als sie die Me-

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dikamente im Jahr 2004 abgesetzt habe, habe sich die chronifizierte Wahnstö-

rung zunehmend entwickeln können. Die Berufungsklägerin könne somit klar von 

einer konsequenten neuroleptischen Therapie profitieren. Die B._____ stelle im 

gegenwärtigen Zeitpunkt zur Stabilisierung des momentan akuten Krankheitsbil-

des eine geeignete Anstalt dar, in welcher die Berufungsklägerin die für sie not-

wendige Behandlung erhalten könne. Aufgrund der mangelnden Kooperationsfä-

higkeit und Einsichtigkeit seitens der Berufungsklägerin sei eine andere Betreu-

ungsform nicht denkbar (VI Prot. S. 6 f.).  

 Zur Frage der Verhältnismässigkeit befand die Vorinstanz, die Berufungs-

klägerin müsse, damit eine Verbesserung ihres Zustandes erreicht werden könne, 

einerseits medikamentös behandelt werden und andererseits seien wichtige kör-

perliche Untersuchungen, insbesondere die Konsultation eines Zahnarztes, erfor-

derlich. Die Berufungsklägerin gefährde sich zumindest mittelbar selbst und sei 

nicht in der Lage, für ihre physische und psychische Gesundheit selbst zu sorgen. 

Ihr aktuelles Umfeld biete zudem keine genügende Gewähr für eine Stabilisie-

rung. Ohne fachärztliche Behandlung und nachhaltige Einstellung der gebotenen 

Medikation sei zu befürchten, dass sich der Gesundheitszustand der Berufungs-

klägerin weiter verschlechtere und es zu einer weiteren Belastung ihres Umfeldes 

sowie in der Folge zu einer erneuten Einweisung mittels FFE komme (VI Prot. 

S. 8). Die psychiatrische Behandlung der Berufungsklägerin liege unter diesen 

Umständen im öffentlichen Interesse, welches ihrem Interesse an einer selbstbe-

stimmten Wahl des Aufenthaltes und der Verwirklichung ihrer persönlichen Be-

dürfnisse derzeit vorgehe (VI Prot. S. 8 f.).  

5.2.5  Vorliegend steht ausser Zweifel, dass die Berufungsklägerin an einer 

Geisteskrankheit leidet, welche grundsätzlich einer medikamentösen Behandlung 

bedarf. Offensichtlich ist die Berufungsklägerin jedoch nicht bereit, die Medika-

mente freiwillig einzunehmen, wobei weder der Gutachter noch die Berufungs-

gegnerin eine Zwangsmedikation ausdrücklich befürworten oder überhaupt in Er-

wägung ziehen (VI Prot. S. 18 und S. 21). Das Gutachten geht davon aus, dass 

sich bei einer Entlassung der Berufungsklägerin die psychische Störung nicht än-

dere, sondern weiter chronifiziere (VI Prot. S. 17). Gemäss der behandelnden 

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Ärztin sei das Ziel im Moment, die Berufungsklägerin zur freiwilligen Medikamen-

teneinnahme zu motivieren. Ob dies erfolgreich verlaufe, sei ungewiss und falls 

dies misslinge, sei nicht bekannt, wie weiter fortzufahren sei (VI Prot. S. 21). Der 

angefochtene Entscheid enthält denn auch keine konkreten Ausführungen, wie 

die medikamentöse Behandlung der Berufungsklägerin gewährleistet werden soll, 

wenn eine Motivation zur freiwilligen Einnahme scheitern sollte.  

 Weder der Gutachter noch die behandelnde Ärztin gehen von einer akuten 

Selbst- oder Fremdgefährdung der Berufungsklägerin aus. Gemäss bundesge-

richtlicher Rechtsprechung rechtfertigt die Sicherstellung der medikamentösen 

Therapie alleine, weil keine Gewähr für eine ambulante Behandlung besteht und 

folglich damit zu rechnen ist, dass die Wahnideen oder der damit einhergehende 

Realitätsverlust anhalten werden, eine Aufrechterhaltung des fürsorgerischen 

Freiheitsentzuges nicht (BGE 5A_312/2007 vom 10. Juni 2007). Dies muss umso 

mehr in einem Fall wie dem vorliegenden gelten, wo auch innerhalb der stationä-

ren Behandlung eine medikamentöse Therapie infolge Verweigerung der Patientin 

nicht gewährleistet ist.  

 Die Vorinstanz ging davon aus, der Gesundheitszustand der Berufungsklä-

gerin erfordere eine medizinische Betreuung (act. 8 S. 7). Eine vitale Gefährdung 

wird jedoch von der behandelnden Ärztin verneint (VI Prot. S. 22). Eine zahnärzt-

liche Untersuchung der Berufungsklägerin mag zwar durchaus notwendig er-

scheinen, jedoch vermag ein schlechter Zustand der Zähne für sich alleine noch 

keine akute Selbstgefährdung zu begründen. Der Gutachter spricht überdies von 

einer "gewissen Verwahrlosungstendenz". Die Vorinstanz attestiert der Beru-

fungsklägerin aber zu Recht keine schwere Verwahrlosung, wie sie Art. 397a Abs. 

1 ZGB nennt. Eine solche wäre denn auch nicht damit zu begründen, dass die 

Berufungsklägerin drei Wochen lang einen geschwollenen Fuss hatte, und diesen 

nicht ärztlich untersuchen liess. Der Allgemeinzustand der Berufungsklägerin 

wurde anlässlich ihrer Aufnahme in die B._____ als "ungepflegt" eingestuft. Eine 

schwere Verwahrlosung im Sinne von Art. 397a Abs. 1 ZGB ist jedoch immer nur 

dann anzunehmen, wenn der Betroffene einen Zustand der Verkommenheit er-

reicht hat, der mit der Menschenwürde schlechterdings nicht mehr vereinbar ist 

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(Bonetti, in: Health Insurance Liability Law [HILL], 2007 II Nr. 12 S. 18). Insgesamt 

gibt es zwar vorliegend Hinweise darauf, dass die Berufungsklägerin stellenweise 

sowohl ihre Hygiene wie auch ihre Gesundheit vernachlässigt, jedoch bestehen 

keine Anzeichen einer schweren Verwahrlosung im Sinne von Art. 397a Abs. 1 

ZGB. Insbesondere scheint die Berufungsklägerin in der Lage zu sein, selbstän-

dig zu wohnen und sich angemessen zu ernähren (VI Prot. S. 13). Der Sohn der 

Berufungsklägerin erklärte anlässlich eines Telefongesprächs mit der Vorinstanz, 

es bestehe die Gefahr, dass die Berufungsklägerin ihre Wohnung verliere. Sie 

habe bereits eine Kündigungsandrohung erhalten, da sie Nachbarn belästigt habe 

(act. 6). Aus einer Kündigungsandrohung allein kann aber weder eine schwere 

Verwahrlosung abgeleitet noch eine akute Selbstgefährdung angenommen wer-

den. 

 Nach dem oben Ausgeführten besteht keine Notwendigkeit der persönlichen 

Fürsorge aufgrund der Geisteskrankheit der Berufungsklägerin in einer Anstalt. 

Weder besteht die ernsthafte Möglichkeit der akuten Selbstgefährdung noch die 

einer schweren Verwahrlosung, weshalb bereits das Schutzbedürfnis der Beru-

fungsklägerin zu verneinen ist. 

 Was die Belastung für die Umgebung anbelangt, hat die Vorinstanz erwo-

gen, diese sei massiv (act. 8 S. 8). Es ist dabei jedoch zu berücksichtigen, dass 

die Umgebung, namentlich die Familie, ein hohes Mass an Belastung zu tragen 

hat, da nur eine unzumutbare Belastung den Tatbestand von Art. 397 Abs. 2 ZGB 

erfüllt (Zürcher Komm. ZGB-Spirig, Art. 397a N 351). Vor allem ist jedoch zu be-

denken, dass eine Belastung der Umgebung für sich alleine nicht ausreicht, um 

eine fürsorgerische Freiheitsentziehung anzuordnen (Züricher Komm. ZGB-Spirig, 

Art. 397a N 340). Der Sohn der Berufungsklägerin erklärte, die Berufungsklägerin 

belästige ihn und ihre Mutter immer wieder telefonisch. Überdies trinke sie zwei 

Liter Kochwein pro Tag und beschimpfe fremde Personen mitten auf der Strasse 

oder in Einkaufsgeschäften wie der Migros. Sobald die Berufungsklägerin Alkohol 

getrunken habe, sei sie sehr agressiv (act. 6). Grundsätzlich ist bei der Frage 

nach der Fremdgefährdung nicht nur auf die Gefährdung von Leib und Leben von 

Dritten abzustellen, sondern auch zu berücksichtigen, welche Gefahr die Person 

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für das Wohlbefinden und die seelische Gesundheit anderer bedeutet. Es ist un-

strittig, dass die Berufungsklägerin ihr Umfeld schwer belastet, wobei psychische 

Schäden bei ihrem Sohn sowie der Mutter eine mögliche Folge sein können. 

Nach dem Gesetzesaufbau zeigt sich aber, dass die Belastung für die Umgebung 

nur "mitzuberücksichtigen" ist. In erster Linie muss es immer darum gehen, die 

Vor- und Nachteile, welche die fürsorgerische Freiheitsentziehung der betroffenen 

Person bringt, gegeneinander abzuwägen, da die FFE eine fürsorgerische und 

nicht eine polizeiliche Massnahme darstellt (Bonetti, a.a.O., S. 19). Auch wenn die 

Telefonanrufe der Berufungsklägerin und der Umstand, dass sie ihren Sohn nicht 

als solchen erkennt, die seelische Gesundheit der Familienmitglieder zu beein-

trächtigen droht, rechtfertigt dies für sich alleine ein Zurückbehalten der Beru-

fungsklägerin in der fürsorgerischen Freiheitsentziehung nicht.  

5.3 Nach dem Gesagten erweist sich die Zurückhaltung der Berufungsklägern 

als unverhältnismässig. Es liegt weder eine akute Selbst- noch eine Fremdge-

fährdung vor. Die zweifellos schwere Belastung für ihr Umfeld alleine reicht nicht 

aus, um die Berufungsklägerin weiterhin gegen ihren Willen in der Anstalt zu be-

lassen.  

 Im Ergebnis ist die Berufung gutzuheissen und die Berufungsklägerin unver-

züglich aus der Klinik zu entlassen.  

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben. Man-

gels erheblicher Umtriebe ist der Berufungsklägerin für dieses Verfahren keine 

Prozessentschädigung zuzusprechen (§ 183 GOG).  

Es wird erkannt: 

1. Die Berufung wird gutgeheissen, und das Urteil des Einzelgerichtes (10. Ab-

teilung) des Bezirkes Zürich vom 11. August 2011 wird aufgehoben. Die Be-

rufungsklägerin ist unverzüglich aus der Klinik zu entlassen. 

2. Die Gerichtsgebühr für beide Instanzen sowie die weiteren Kosten gemäss 

Dispositiv-Ziff. 3 des angefochtenen Urteils fallen ausser Ansatz. 

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3. Der Berufungsklägerin wird mangels Umtriebe keine Entschädigung zuge-

sprochen.  

4. Schriftliche Mitteilung an die Berufungsklägerin, an die verfahrensbeteiligte 

Klinik sowie - unter Rücksendung der Akten - an die Vorinstanz, je gegen 

Empfangsschein. 

5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 

30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG).  

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG.  

Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit.  

Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. 
 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

II. Zivilkammer 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw A. Schmoker 
versandt: 

	Urteil vom 2. September 2011
	Erwägungen:
	Es wird erkannt:
	1. Die Berufung wird gutgeheissen, und das Urteil des Einzelgerichtes (10. Abteilung) des Bezirkes Zürich vom 11. August 2011 wird aufgehoben. Die Berufungsklägerin ist unverzüglich aus der Klinik zu entlassen.
	2. Die Gerichtsgebühr für beide Instanzen sowie die weiteren Kosten gemäss Dispositiv-Ziff. 3 des angefochtenen Urteils fallen ausser Ansatz.
	3. Der Berufungsklägerin wird mangels Umtriebe keine Entschädigung zugesprochen.
	4. Schriftliche Mitteilung an die Berufungsklägerin, an die verfahrensbeteiligte Klinik sowie - unter Rücksendung der Akten - an die Vorinstanz, je gegen Empfangsschein.
	5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (...