# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 38d17ed1-ac39-537d-abe9-0aa6169ecf83
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-25
**Language:** de
**Title:** Unfall, Valideneinkommen strittig, kein Anspruch auf eine Invalidenrente, Integritätsentschädigung rechtens
**Docket/Reference:** UV.2013.00092
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00092.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00092
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiber Brugger
Urteil
vom
25. September 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Christine Fleisch
Meier
Fingerhuth
Fleisch
Häberli
, Rechtsanwälte
Lutherstrasse 36, 8004 Zürich
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt Reto Bachmann
Ineichen
Lischer
Zemp
, Rechtsanwälte und Notare
Schwanenplatz 4, 6004 Luzern
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1944, war bis Januar 2005
selbständig erwer
bend als Innenarchitektin tätig
(
Urk.
7/172 S. 8
)
. Nach
einer Anstellung bei der
Y.___
in
Z.___
im April 2006
(
Urk.
7/151 S. 2
,
Urk.
7/172 S. 1 f.
)
bezog sie Taggelder
der
Arbeitslosenversicherung
(
Urk.
7/151 S. 3)
und war
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie sich am 1
2.
September 2006 bei eine
m Sturz Frakturen am linken Sprunggelenk
zuzog (
Urk.
7/1
Ziff.
4 und 9,
Urk.
7/3 S. 1).
Die SUVA
erbrachte die gesetzlichen Leistungen und
veranlasste
ein neurolo
gisches und
ein
orthopädisches Gutachten (
Urk.
7/133). Mit Verfügung vom
2.
April
2012
sprach die SUVA der Versicherten
bei einer Integritätseinbusse von 15
%
eine Integritätsentschädigung
von
Fr.
16‘020.--
zu und verneinte einen Re
ntenanspruch (
Urk.
7/148 S. 1 f
.).
Die SUVA
verrechnete die
Integri
täts
ent
schädigung
in der Verfügung
mit
einem
der
Versicherten
ausgerichtete
n
Rentenvorschuss
in Höhe
von
Fr.
17‘000.-- und forderte
sie
auf, den noch offe
nen Betrag von
Fr.
980.-- zurückzuerstatten (
Urk.
7/148 S. 3).
Die
gegen die Ver
fü
gung vom
2.
April 2012
erhobene Einsprache
der Versicherten
(
Urk.
7/149,
Urk.
7/170) wies die SUVA mit Entscheid vom 1
4.
März 2013 (
Urk.
7/176 =
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
4.
März 2013 (
Urk.
2) erhob die Versi
cherte am 1
7.
April 2013 Beschwerde mit den Anträgen, dieser sei aufzuheben und es sei ihr mit Wirkung ab
1.
Juni 2010 eine
UVG-Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 58
%
zuzusprechen. Weiter sei ihr eine
Integritätsentschä
digung
gestützt auf einen Integritätsschaden von 20
%
zuzusprechen. Eventuell sei ihr gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 47
%
eine entsprechende UVG-Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2).
Die SUVA beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Mai 2013 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6 S. 1). Dieses Schreiben wurde der Beschwerdeführerin am
2.
Juli 2013 zugestellt (
Urk.
9).
3.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach der
Be
schwerdeführerin i
m
invalidenversicherungsrechtlichen
Verfahren
mit Verfü
gung
vom
8.
Oktober 2009 ab dem
1.
September 2007
eine ganze und für die Zeit vom
1.
April bis
zum
3
0.
Juni 2008 bei einem In
validitätsgrad von 57
% eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu. Gegen die Verfügung der IV-Stelle
hat
die Beschwerdeführerin am 1
1.
November 2009 B
eschwerde beim
So
zial
ver
sicherungsg
ericht
erhoben
. Das
unter der Nr. IV.2009.01094 angelegte Ver
fah
ren
wurde mit
Gerichtsv
erfügung vom
6.
Mai 2011 sistiert.
Über die Be
schwerde
vom
11
.
Novem
ber 2009
wurde mit Urteil vom
heutigen Tag
ent
schie
den.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
10
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG), so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG), so hat sie An
spruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1 UVG). Der Rentenanspruch ent
steht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädi
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (
Art.
24
Abs.
1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.
3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
sal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausal
zu
sammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers spielt im Bereich orga
nisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127 V 102 E. 5 b/
bb
mit Hinweisen).
Anders verhält es sich bei natürlichen
unfall
kausalen
, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszu
gehen, und es sind je nachdem weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 117 V 359 E. 6, 117 V 369 E. 4, 115 V 133 E. 6). Bei psychischen Fehl
entwicklungen nach einem Unfall werden diese Adäquanzkriterien unter Aus
schluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
), während bei Schleudertraumen (BGE 117 V 359 E. 6a) und äquivalenten Verletzungen der Halswirbelsäule (HWS) sowie Schädel-Hirntraumen (BGE 117 V 369 E. 4b) auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten ver
zichtet wird (vgl. zum Ganzen: BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.4
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische
Ge
sundheitsschädigung
herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraf
ten als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des
Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
versi
cherungs
mässiger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E.
5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E.
5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S.
237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
2.
2.1
Strittig
sind
ein allfälliger Anspruch d
e
r
Beschwerdeführerin auf eine Invaliden
rente sowie
die Höhe der Integritätsentschädigung.
2.2
Die Beschwerd
egegnerin
ermittelte
im angefochtenen
Einspracheentscheid
ein
en Invaliditätsgrad von 8.85
%
und verneinte
einen
Anspruch auf eine Invaliden
rente (
Urk.
2 S. 16 E. 5d). Weiter bestätigte sie
einen
Integritätsschaden
von 15
%
(
Urk.
2 S. 17 E. 6
e).
2.3
Die Beschwerdeführerin
machte geltend
,
es
sei
von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
108‘000.-- auszugehen
, womit sie Anspruch auf eine Invalidenrente ge
stützt auf einen Invaliditätsgrad von 58
%
habe
(
Urk.
1 S. 4
Ziff.
1
).
Sie habe ihr Geschäft per 3
1.
Januar 2005 aufgegeben und ab Februar 2005
Arbeitslo
sen
entschädigung
bezogen. Diese habe sich auf einem versicherten Verdienst von damals maximal
Fr.
106‘800.-- berechnet
. In dem per
1.
April 2006 mit der
Y.___
abgeschlossenen Arbeitsvertrag sei ein Brut
tolohn von
Fr.
8‘000.-- x 13 vereinbart worden, was einem versicherten Ver
dienst von
Fr.
104‘000.-- entspreche
(
Urk.
1 S. 9
Ziff.
6.1.5).
Bezüglich des Integritätsschadens gehe Kreisarzt
Dr.
A.___
von einem
S
chaden v
on 20
%
aus. Im orthopädischen Gutachten werde der Schaden mit 15
%
be
urteilt.
Auch wenn nicht von einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom oder neuropathischen Schmerzen auszugehen sei, seien die unfallbedingten Schmerzen gestützt auf die Schwere des Unfallereignisses erklärbar und bei der Höhe des Integritätsschadens zu berücksichtigen. Es sei von einem
Integritäts
schaden
von 20
%
auszugehen (
Urk.
1
7 f.
Ziff.
5).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin erlitt am 1
2.
September 2006 eine
Trimalleolarfraktur
am linken Sprunggelenk
(
Urk.
7/48 S. 3,
vgl.
auch
den Operationsbericht vom 1
5.
September 2006,
Urk.
7/6
).
Dr.
med.
B.___
, Spezialarzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabili
tation, speziell Rheumaerkrankungen, Rheumazentrum
C.___
,
führte
in einem Bericht vom
6.
Juni 2007 (
Urk.
7/28)
aus, die Beschwerdeführerin habe weiterhin deutliche Schmerzen im Bereich des linken Knöchels und Unterschen
kels.
Die Schwellung sei im Verlauf des Tages zunehmend und
druckdolent
.
Bei der Untersuchung vom 3
1.
Mai 2007 morgens hätten lediglich ein
geringgradi
ges
Knöchelödem und eine Schwellung im distalen Unterschenkel bestanden. Die Beschwerdeführerin
habe im Anschluss an die Reposition und Osteosyn
these des linken Knöchels ein
complex
regional
pain
syndrome
(
CRPS
)
I
en
t
wickelt, welches unter
Micalacic
und Entlastung zurückgegangen sei
. Nach der Materialentfernung am 1
1.
April 2007 hab eine deutlich verbesserte
Trophik
bestanden
(S. 1 f.).
3.
2
SUVA-Kreisarzt
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie, führte in einem Bericht vom 2
3.
Oktober 2007 (
Urk.
7/40) aus, die Beschwerdeführerin
klage
über eine erhebliche Schmerzsymptomatik ausgehend vom Knöchelbereich links mit Ausstrahlung ins ganze linke Bein. Daneben
habe sie auch Beschwerden im rechten Kniegelenk, welche durch eine Überlastung und eine Fehlbelastung ausgelöst worden seien. Die Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk sei nur mässig eingeschränkt.
Rein klinisch fehlten Hinweise auf einen Morbus
Sudeck
. Radiologisch seien die Frakturen in guter Stellung abge
heilt (S. 4
Ziff.
5).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei er gezwungen, lediglich den Zu
stand
der Knöchelregion links zu berücksichtigen. Er abstrahiere Beschwerden
von Sei
ten einer Polymyalgie und auch der psychischen Seite. Aufgrund der objek
tivierbaren klinischen und radiologischen Befunde ergebe sich folgendes
Zu
mutbarkeitsprofil
: Der Beschwerdeführerin sei eine wechselbelastende, teils ste
hende, teils sitzende Tätigkeit zumutbar
. Nach einer Einarbeitungszeit von zwei Monaten halbtags, er schlage November bis Dezember 2007 vor, sei eine
geeig
ne
te Tätigkeit vollzeitig zumutbar. Dies sei ab dem
1.
Januar 2008 der Fall (S. 5).
3.3
Dr.
med.
E.___
, Oberärztin, und
Dr.
med.
F.___
, Chefarzt, Zentrum für Fusschirurgie,
G.___
,
nannten in einem Bericht vom 2
4.
Januar 2008 (
Urk.
7/53
) als Diagnosen (S. 1):
-
ausgeprägte neuropathische Schmerzen am oberen Sprunggelenk links
-
schmerzhafte Bewegungseinschränkung des oberen Sprunggelenks links bei/mit
-
Status nach
Trimalleolar
-Luxationsfraktur links (
erstgradig
offene Ver
letzung im Bereich des
Malleolus
medialis
) mit
-
mehrfragmentärer Fraktur der Fibula Typ Weber-C
-
Fraktur des
Malleolus
medialis
-
Abriss des
Volkmann’schen
-Dreieckes
-
ossärem
Ausriss der vorderen
Syndesemose
mit Zertrümmerung der knö
chernen Anteile
-
vollständiger Ruptur der Gelenkkapsel, insbesondere im gesamten vent
ralen,
anteromedialen
und
anterolateralen
Anteil
-
Status nach offener Reposition und Osteosynthese
-
Naht der Gelenkkapsel
-
Status nach Entwicklung einer Sudeck-Dystrophie 1.-2.° zirka zehn Wochen postoperativ
Dr.
E.___
und
Dr.
F.___
führten
weiter aus, die Beschwerdeführerin habe sich am 1
2.
September 2006 eine komplizierte
trimalleoläre
Sprunggelenks
frak
tur
links zugezogen, welche gleichentags offen reponiert und osteosynthe
tisch versorgt worden sei. Ab Januar 2007 seien Schmerzen im gesamten linken Bein aufgetreten, teilweise verbunden mit Gefühlsstörungen. Die Beschwerden liessen sich nicht objektivieren (S. 1 f.).
Bei der Untersuchung im Sitzen bestehe eine deutliche Bewegungseinschränkung des linken oberen Sprunggelenkes (S. 2 Mitte).
Postoperativ habe sich eine Sudeck-Dystrophie
1.
bis
2.
Grades entwickelt. Trotz Metallentfernung hätten sich die Schmerzen im linken Fuss nicht gebessert. Die Beschwerdeführerin sei seither zu 100
%
arbeitsunfähig. Radiologisch liessen sich die angegebenen Beschwerden nicht objektivieren. Man nehme jedoch an, dass es im Rahmen des schweren Distorsionstraumas zu einer Mitverletzung be
ziehungsweise einer Distorsion sämtlicher Nerven des Fusses
gekommen sei, womit die Beschwerden vereinbar seien. Die Beschwerdeführerin sei bisher als
Innenarchitektin tätig gewesen und auf
das Begehen von Baustellen angewiesen (S. 2 unten).
3.4
Kreisarzt
Dr.
med.
A.___
, Facharzt FMH für Chirurgie, stellte in einem Bericht vom 2
2.
Juli 2008 (
Urk.
7/70) fest, die Schmerzsituation
sei
von ver
schiedener Seite angegangen
worden
. Wesentliche pathologische Befunde seien nicht erhoben worden.
A
ls Diagnosen
resultierten
eine Situation nach
in guter Stellung
konsolidierter
Trimal
leolarfraktur
bei leichten posttraumatischen dege
nerativen Veränderungen (beginnende
arthrotische
Zeichen) und entsprechen
den Schmerzen, gemischt mit neuropathischen Schm
erzen. In den letzten Monaten sei keine wesentliche Verbesserung der Situation erreicht worden. Bildgebend bestünden leichte posttraumatische degenerative Veränderungen des oberen und unteren Sprunggelenks bei erhaltener Gelenkstellung und Anatomie nach konsolidierter
Trimalleolarfraktur
und Metallentfernung (S. 5).
Er
habe auf dem Unfallschein eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestätigt, ob
wohl
der Beschwerdeführerin
im Innenarchitektenbereich grundsätzlich Bürotä
tigkeiten möglich seien.
Sie
sei bezüglich Baustellenbesuche, Besichtigungen vor Ort, Materialevaluationen im Gelände etc. eingeschränkt. Bezüglich des lin
ken oberen Sprunggelenkes seien wechselbelastende Tätigkeiten vollzeitlich und vollschichtig möglich. Zusatzbelastungen seien vereinzelt möglich. Für kurze Strecken sei eine Belastung von 10 kg und statisch von 15 kg vereinzelt mög
lich. Stehen sei ohne ausschliessliche Belastung des linken Beines und Sitzen mit der Möglichkeit, aufzustehen und herumzugehen, bei möglichst freier Arbeitsposition möglich. Nicht zumutbar seien Zwangshaltungen für das linke Bein, bodennahe, kauernde und kniende Tätigkeiten, repetitives Treppensteigen und Leitern- und Gerüstarbeiten sowie Gehen ausschli
esslich auf unebenem Untergrund. Weiter seien
Schläge und Vibrationen
zu vermeiden
(S. 6).
Dr.
A.___
beurteilte den Integritätsschaden dahingehend
, unter Berücksich
tigung der eher diskreten posttraumatisch
en, degenerativen Veränderungen
sowie
der neuropathischen und auch degenerativ posttraumatisch bedingten Schmerzen und der Funktionseinschränkung sei
ein Schaden
- bei heute gross
zügiger Einschätzung -
von
20
%
gerechtfertigt. Eine
Arthrodese
sei damit bereits mitberücksichtigt (
Urk.
7/69 S. 1).
3.5
Kreisarzt
Dr.
med.
H.___
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
führte in einem Bericht vom 2
8.
Oktober 2009 (
Urk.
7/82) aus,
es habe sich ein CRPS mit geringen dystrophen Veränderungen, aber ausgeprägten Beschwerden entwickelt. Nach neurologischer Abklärung finde sich keine periphere Neuro
pathie. Es bleibe bei der Diagnose von neuropathischen Schmerzen. Klinisch sei die
Trophik
des Fusses gut. Die Temperatur des Fus
ses sei kaum verändert (S. 5).
3.6
Die SU
VA veranlasste in der Folge ein
orthopädische
s
und
ein
neurologische
s
Gutachten
. Das orthopädische Teilgutachten datiert vom 1
1.
Juli 2011 (
Urk.
7/133
S.
19-39) und ist von
Dr.
med.
I.___
, Assistenzarzt, und
Dr.
med.
J.___
, Oberarzt, Orthopädische Klinik, Kantonsspital
N.___
, un
terzeichnet. Das neurologische
Teilg
utachten von
Dr.
med.
K.___
, Facharzt FMH für Neu
rologie, datiert vom 2
3.
September 2011 (
Urk.
7/133 S. 1-17).
Dr.
I.___
und
Dr.
J.___
bestätigten
im orthopädischen Teilgutachten
(
Urk.
7/133
S.
13
39)
gestützt auf die Untersuchungen vom
5.
Mai 2011 (S. 19)
einen Status nach
einer
Trimalleolarfraktur
links (vgl. S. 34
Ziff.
6.1
). Die Gut
achter führten weiter aus,
die Beschwerdeführerin
beric
hte, dass sie seit der
ini
tialen
Frakturversorgung an einem „non-
stop
p
vorhandenen
Schraubstockge
fühl
“ in der Knöchelregion links leide. Es komme zu plöt
zlich einsetzenden, innerlichen,
messerstichartigen Schmerzen (S. 31
Ziff.
3.1).
Die Beschwerdeführerin
habe bis zum
Unfall
keine Beschwerden am linken obe
ren Sprunggelenk gehab
t
. Ein vorangegangenes Trauma werde von
ihr
verneint und es seien diesbezüglich auch in den medizinischen Akten keine Anhalts
punkte vorhanden. Eine bekannte Polymyalgie
rheumatica
sei zum Zeitpunkt des Unfalles asymptomatisch und unter Kontrolle gewesen. Aus orthopädischer Sicht habe eine derartige substantielle Verletzung durchaus das Potential
,
eine dauerhafte Schmerzhaftigkeit hervorzurufen. Aufgrund der erwähnten zeitlichen Koinzidenz des Unfalles mit dem Auftreten der Beschwerden seien sämtliche geäusserten Beschwerden überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall zurück
zuführen (S. 35
Ziff.
2).
Die aktuell geschilderte
S
ymptomatik könne mit dem objektiven Ergebnis der klinischen Untersuchung sowie den erhobenen
radiolo
gischen Befunden aber
nur partiell erklärt werden (S. 36
Ziff.
3). Eine
Tendino
pathie
lasse sich anamnestisch sowie in der klinischen Untersuchung nicht objektivieren.
Typischerweise würden Patienten mit einer posttraumatischen Arthrose an Anlaufschmerzen beim Gehen leiden, die sich auf Höhe des oberen Sprunggelenkes lokalisierten. Die Beschwerdeführerin gebe auf mehrmaliges Nachfragen jedoch an, dass die Beschwerden nicht in Zusammenhang mit einer Belastung stünden, sondern jederzeit auftreten könnten. Die Schmerzen seien auch nicht isoliert auf die Gelenkhöhe lokalisiert (S. 36
Ziff.
3.1 Mitte). Die klinische Untersuchung zeige eine gute passive, jedoch zur Gegenseite einge
schränkte Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks. Auch komme es bei der maximalen Dorsalextension zu einem auslösbaren Schmerz ventral über dem Spru
nggelenk. Die erhobenen Befunde seien vereinbar mit einer posttraumati
schen Arthrose, erklärten aber die Ausbreitung sowie das
belastungsunabhän
gige
Auftreten der Beschwerden nicht. Die radiologische Untersuchung zeige einen noch regelrechten Gelenkspalt
am oberen Sprunggelenk. Es
seien
aber
leicht- bis
mässiggradige
degenerative Veränderungen am oberen Sprunggelenk erkennbar. Die Gutachter seien einverstanden mit der Beurteilung durch
Dr.
K.___
und hielten ein CRPS für sehr unwahrscheinlich. Auch eine
neurogene Schmerzauslösung schein
e im Einklang mit der Beurteilung durch
Dr.
K.___
nicht vorzuliegen (S. 36 f. Ziff.
3.1).
Zusammenfassend finde sich keine mögliche Ursache für
Beschwerden, die nicht im
Zusammenhang mit dem Unfall stünden.
Die
beklagten Beschwerden
liessen sich aber
nur partiell durch die klinischen und radiologischen Befunde der mässigen posttraumatischen Arthrose im oberen Sprunggelenk erklären. Die Intensität, die Schmerzausbreitung in die gesamte linke Extremität und die zeit
liche Charakteristik der Beschwerden seien nicht typisch für eine rein
arthro
gen
e
Problematik oder eine Weichteilproblematik
(S. 37
Ziff.
3.1).
Aus rein orthopädischer Sicht könne der Beschwerdeführerin respektive einer Versicher
ten mittleren Alters mit ähnlichen Unfallfolgen die Ausübung einer den Un
fallfolgen angepassten Erwerbstätigkeit ganztags mit voller Leistung zugemutet werden (S. 38
Ziff.
6.2).
Aus orthopädischer Sicht sei der Integritätsschaden bei einer leicht- bis
mässig
gradigen
Arthrose des oberen Sprunggelenks auf 15
%
zu schätzen. Sollte es diesbezüglich im weiteren Verlauf zu einer fortschreitenden Arthrose am oberen Sprunggelenk kommen, müsste allenfalls eine Anpassung vorgenommen wer
den. Die chronische Schmerzproblematik sei in der orthopädischen Beurteilung nicht berücksichtigt (S. 38
Ziff.
7).
3.7
Dr.
K.___
führte im neurologischen Teilgutachten
vom 2
3.
September 2011
(
Urk.
7/1
33 S.
1
33)
gestützt auf die Untersuchung vom 1
1.
Januar 2011 (S. 1) aus,
er könne keine trophischen Veränderungen der Haut erkennen. Ödeme be
stünden keine. Bereits in früheren neurologischen Untersuchungen seien keine Nervenläsionen sicher festgestellt worden. E
s sei zu erwägen, ob ein CRPS (
complex
regional
pain
syndrom
) vorgelegen hab
e und aktuell noch vorliege
und ob die Schmerzen einem neuropathis
chen Schmerz entsprechen würden
(S.
12 unten)
. In den Akten sei erstmals im Januar 2007 der Verdacht auf einen Morbus
Sudeck
geäussert worden (S. 13).
Er
könne zum jetzigen Zeitpunkt ein komplexes regionales Schmerzsyndrom nicht mehr diagnostizieren. Auch ein neuropathischer Schmerz
könne nicht angenommen werden. Aufgrund der neurologischen Befunde könne das Ausmass der geklagten Beschwerden nicht genügend erklärt werden. Die geklagten Beschwerden könnten auch nur partiell durch die klinischen und radiologischen Befunde einer mässigen posttraumati
schen Arthrose im oberen Sprunggelenk erklärt werden. Es bestünden weder Anhaltspunkte für eine Infektion noch für eine
Tendinopathie
. Es bestehe die
Möglichkeit einer Schmerzverarbeitungsstörung. Eine derartige Diagnose im Sinne eines
somatoformen
Schmerzes könne aber nur durch einen Psychiater gestellt werden.
Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit lasse sich unter Würdigung des gesamten Beschwerdebildes nicht begründen. Insbesondere
seien der Beschwerdeführerin Beratungs- und Planungstätigkeiten ohne relevante Einschränkung zumutbar (S.
14 f.
).
4.
4.1
Bei der Beschwerdeführerin wurde
nach d
em Unfall
vom 1
2.
September 2006
ein CRPS diagnostiziert.
Beim CRPS handelt es sich um eine zusammenfassende Bezeichnung für die Extremitäten betreffende Krankheitsbilder, die sich nach einem schädigenden Ereignis entwickeln und durch anhaltenden Schmerz mit Störungen des vegeta
tiven Nervensystems, der Sensibilität und der Motorik gekennzeichnet sind. Das CRPS I (sympathische
Algodystrophie
, Sudeck-Syndrom; früher
:
sympathische Reflexdystrophie) stellt eine Erkrankung der Extremität dar, die ohne definierte Nervenläsion nach relativ geringfügigem Trauma ohne Bezug zum
Innervati
onsgebiet
eines Nervs auftritt. Es kommt am häufigsten nach distaler
Radius
fraktur
bei wiederholten Repositionsmanövern, einengenden Gipsverbänden oder ohne nachvollziehbare Ursache vor und wird in drei Stadien eingeteilt (I:
Entzündungsstadium;
II:
Dystrophi
e; III: Atrophie [irreversibel]). Das CRPS II (früher
:
Kausalgie) bezeichnet brennende Schmerzen und Störungen des sym
pathischen Nervensystems als Folge einer definierten peripheren Nervenläsion (häufig Hyperkompression). Klinische Symptome des CRPS sind schwer lokali
sierbare brennende Schmerzen (zum Beispiel
Allodynie
, Hyperalgesie) zusam
men mit autonomen
(Ödeme, Temperatur- und Schweisssekret
ionsstörung
, eventuell trophische Störung der Haut, Nagelveränderungen, lokal vermehrtes Haarwachstum)
, sensiblen und motorischen Störungen. Im weiteren Verlauf kann es zu Knochenabbau (Demineralisation), Ankylose und Funktionsverlust kommen. Das CRPS gehört zu den
neurologisch-orthopädisch-traumatologi
schen
Erkrankungen und stellt mithin einen organischen beziehungsweise kör
perlichen Gesundheitsschaden dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_955/2008 vom 2
9.
April 2009 E. 6 mit Hinweisen).
4.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Die
orthopädischen und neurologischen
Gutachter
Dr.
I.___
und
Dr.
J.___
sowie
Dr.
K.___
konnten ein
nach dem Unfall vom 1
2.
September 2006
in den medizinischen Akten
beschriebenes
CRPS
jedenfalls
zum Zeitpunkt der Begut
achtung nicht bestätigen.
Nach
Einschätzung der Gutachter
können die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden nur partiell mit den organisch objektiv ausgewiese
nen Unfallfolgen erklärt werden.
Es ist daher
eine besondere Adäquanzprüfung vorzunehmen (E. 1.3 hiervor). Diese hat nach den für psy
chi
sche Fehlentwicklungen nach einem Unfall gelt
enden Grundsätzen zu erfol
gen.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin verunfallte am
1
2.
September 2006
zu Hause bei
Umzugs
arbeiten
.
Sie
gab
am
3.
Oktober 2006 gegenüber der
Beschwerdegegne
rin
zu den Umstän
den des Unfalles schriftlich an
,
der Boden des
Wohnh
auses sei gestrichen
gewesen
und
es sei
eine provisorische Brücke erstellt worden. Sie habe sich mit drei Flaschen unter dem
Arm vom Keller über die Brücke
, die instabil gewesen sei, Richtung Lift begeben. Plötzlich sei sie in eine
Rechts
schieflage
geraten, ausgerutscht und auf den gestrichenen Boden gefallen. Sie se
i
auf der noch nassen Farbe ausgerutscht. Ihr linker Fuss sei mit einem Kra
chen unter die Brücke geraten, wo er stecken geblieben sei. Sie habe versucht, ihren Fuss langsam wieder herauszuziehen. Beim Anblick des Fusses sei ihr übel geworden. Er sei um zirka 60° nach links verdreht gewesen (
Urk.
7/2 S. 3).
Das Unfallereignis ist
rechtsprechungsgemäss
als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen einzustufen.
5.2
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine
Ge
samt
würdigung
einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
er
fahrungs
gemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S.
428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr.
58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere
unfallbe
zogene
Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Ver
neinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
mit
begünstigt
haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S.
448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
5.3
Von den
genannten
Kriterien
ist
vorliegend
einzig
das Kriterium
körperlicher
Dauerschmerzen als erfüllt anzusehen.
Dagegen fehlt es
namentlich
an beson
ders dramatischen Begleitumständen oder einer besonder
en Eindrücklichkeit des Unfalls,
an
einer besonderen Art oder Schwere der erlittenen Verletzungen
wie auch
an einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung
und an einem schwierigen Heilungsverlauf
.
Auch
fehlen Anhaltspunkte für eine ärztli
che Fehlbehandlung.
Da nur eines der genannten Kriterien erfüllt ist,
ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und
den nicht objekti
vierbaren
beziehungsweise allfälligen
psychisch bedingten
Beschwerden
mit der Beschwerdegegnerin zu verneinen.
6.
6.1
Nachfolgend ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin nach
Art.
18
Abs.
1 UVG
zu bestimmen
.
Nach
Art.
16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
(ATSG) wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Ar
beitsmarktlage
erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1).
Nimmt ein Versicherter nach dem Unfall die Erwerbstätigkeit altershalber nicht mehr auf oder wirkt sich das vorgerückte Alter erheblich als Ursache der Beein
trächtigung der Erwerbsfähigkeit aus, so sind für die Bestimmung des
Invalidi
tätsgrades
die Erwerbseinkommen massgebend, die ein Versicherer im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung erzielen könnte (
Art.
28
Abs.
4 der Verordnung über die Unfallversicherung, UVV).
6.2
Die Beschwerdegegnerin
stellte auf ein
Valideneinkommen
von
Fr.
78‘934.-- ab
, welches sie anhand von Tabellenlöhnen ermittelte
(
Urk.
2 S. 15 E. 5b ii).
Die Beschwerdeführerin war
bis im Januar 2005
über die
L.___
in
M.___
selbständig erwerbend als Innenarchitektin tätig (
vgl.
Urk.
7/172 S. 8).
Nach dem
Auszug aus dem individuellen Konto
(IK-Auszug)
liegt
das
in den Jahren 2000 bis 2004
aus der selbständigen Tätigkeit
erzielte
Erwerbseinkom
men
zwischen
Fr.
24‘000.-- und
Fr.
108‘568.--
(
Urk.
7/151 S. 3)
.
Die Beschwer
deführerin gab dazu an, sie habe ihr Arbeitspensum gesteigert und Aufbauarbeit geleistet (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
6.1.4).
Nach Aufgabe ihrer selbständigen
Tätigkeit
war
sie
im April 2006 kurzzeitig bei der
Y.___
in
Z.___
im Bereich Beratung, Planung und Verkauf
ange
stellt (vgl.
Urk.
7/172 S. 1-2
).
Das
aus der selbständigen Tätigkeit
ausgewiesene
Einkommen
weist starke Schwankungen auf. Das
Valideneinkommen
lässt sich daher
nicht anhand des
IK-Auszug
es
bestimmen
.
Die Anstellung bei der
Y.___
im April 2006 wurde
sodann
nach
wenigen Tagen
wieder
beendet
, weshalb auch
nicht
auf das aus diese
r Tätigkeit mutmasslich erzielbare
Einkommen
ab
gestellt werden
.
Das
Valideneinkommen
ist daher anhand von Tabellenlöhnen zu bestimmen.
6.3
Nach LSE 2010 S. 31 Tabelle T7S wird für die unter
Ziff.
30
genannten
Arbeiten
(p
lanen, konstruieren, zeichnen, gestalten
mit
Anforderungsniveau 1
und
2
ein Einkommen von
Fr.
6‘250.-- pro Monat ausgewiesen.
Die genannten Arbeiten
liegen im Bereich
der
früheren beruflichen Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Innenarchitektin und Dekorationsnäherin
,
wofür
die Beschwerdeführerin über eine langjährige Berufserfahrung verfügt
(
vgl.
Urk.
7/172 S. 8).
Bei einer Nominallohnentwicklung von 1
%
im Jahr 2011 (Die Volkswirtschaft 7/8-2013, S. 95 Tabelle B10.2) und einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2011 (Die Volkswirtschaft, a.a.O., S. 94 Tabelle B9.2) ergibt sich ein Einkommen von
rund
Fr.
78‘969.-- (
Fr.
6‘250.-- x
12 :
40 x 41.7 x 1.01).
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturer
hebungen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es aus
serdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochen
stunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die ent
sprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.5
Nach den medizinischen Abklärungen ist der Beschwerdeführerin
eine ange
passte
Tätigkeit vollzeitig möglich
.
Da
ihr
in ihrem früheren
Arbeitsumfeld
eine beratende Tätigkeit
und Büroarbeiten
möglich sind
, kann
erneut
auf LSE 2010 S. 31
Tabelle T7S
Ziff.
30 abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin
machte dazu geltend
, es sei
stattdessen
auf
Ziff.
27
von Tabelle T7S
und dabei auf das
tiefere
Anforderungsniveau 3 abzustellen (
Urk.
1 S. 11
Ziff.
6.3). Nach dem in den medizinischen Akten beschriebenen Belastungsprofil sind der Beschwerde
führerin
in ihrem früheren Arbeitsumfeld
beratende
und
planerische Arbeiten möglich.
Sie ist nicht zwingend auf eine
reine
Verkaufstätigkeit angewiesen.
A
ufgrund der behinderungsbedingten Einschränkungen und des Alters der Beschwerdeführerin
ist
ein Abzug vom
genannten
Tabellenlohn von
gesamthaft
5
%
gerechtfertigt
. Damit resultiert ein Invaliditätsgrad von
5
%
, welcher unter der Grenze von 10
%
nach
Art.
18
Abs.
1 UVG liegt.
7.
7.1
Zu prüfen bleibt die Höhe der Integritätsentschädigung.
Dr.
I.___
und
Dr.
J.___
legten im orthopädischen Gutachten vom 1
1.
Juli 2011 dar, dass aus orthopädischer Sicht bei einer leicht- bis
mässiggradigen
Arthrose des oberen Sprunggelenks der Integritätsschaden mit 15
%
zu veran
schlagen ist.
D
ie Gutachter
legten dabei
dar, dass
und warum
die geklagte chro
nische Schmerzproblematik bei der Beurteilung des Integritätsschadens nicht
berücksichtigt werden kann
(vgl. E. 3.6).
Soweit die Beschwerdeführerin
über nicht objektivierbare Schmerzen klagt
,
fehlt es denn auch an einem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis.
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen Entscheid daher zu Recht
auf das
orthopädische Gutachten
und damit
auf einen Integritätsschaden auf der Basis einer Integritätseinbusse von 15
%
ab.
7.2
Zusammenfassend
ergibt sich, dass
kein Anspruch auf eine Invalidenrente
be
steht
und
von einer Integritätseinbusse von 15
%
auszugehen
ist
.
Somit ist der angefochtene Entscheid nicht zu beanstanden.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Christine Fleisch
-
Rechtsanwalt Reto Bachmann
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannBrugger
MO/MA/MTversandt