# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d67f7bb9-278f-5874-9503-eaa14aa4f646
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.06.2023 D-1955/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1955-2023_2023-06-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1955/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Chiara Piras (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli,  

Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea, 

vertreten durch lic. iur. Linda Keller, Rechtsanwältin,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl)  

zugunsten von B._______; 

Verfügung des SEM vom 6. März 2023 / N (…). 

 

 

 

D-1955/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I.  

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin), Ehefrau von 

B._______ (nachfolgend: der Ehemann), eritreische Staatsangehörige, 

verliess im August 2015 ihr Heimatland, reiste am 4. Oktober 2015 in die 

Schweiz ein und ersuchte gleichentags um Asyl.  

A.b Am (…) 2016 wurde ihre Tochter geboren.   

A.c Mit Verfügung des SEM vom 27. März 2019 wurden die Beschwerde-

führerin und ihre Tochter als Flüchtlinge anerkannt und ihnen wurde Asyl 

gewährt.  

II.   

B.  

Mit Eingabe vom 27. Dezember 2022 reichte die Beschwerdeführerin ein 

Gesuch um Familienzusammenführung für ihren Ehemann beim SEM ein 

und beantragte zudem die derivative Flüchtlingseigenschaft für ihn. 

C.  

C.a Mit Schreiben vom 2. Februar 2023 gelangte die Vorinstanz an die Be-

schwerdeführerin und forderte sie auf, verschiedene Fragen zu ihrem Ehe-

mann zu beantworten und die geforderten Beweismittel einzureichen.  

C.b Mit Eingabe vom 14. Februar 2023 nahm die Beschwerdeführerin Stel-

lung zu den ihr gestellten Fragen und reichte eine Kopie eines Fotos sowie 

einer Identitätskarte des Ehemanns ein.  

D.  

Mit Entscheid des SEM vom 6. März 2023 – eröffnet am 8. März 2023 – 

wurde die Einreise des Ehemanns nicht bewilligt und das Gesuch um Fa-

miliennachzug abgelehnt.  

E.  

Mit Eingabe vom 11. April 2023 (Datum Poststempel) erhob die Beschwer-

deführerin Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 6. März 

2023 und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben, das Familiennach-

zugsgesuch sei zu bewilligen und die Vorinstanz sei anzuweisen, die 

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Einreise ihres Ehemanns in die Schweiz zu bewilligen. In prozessualer Hin-

sicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung beantragt.   

Der Beschwerde wurden ein Foto in Kopie, eine Vollmacht vom 21. März 

2023 sowie eine Kopie des vorinstanzlichen Entscheids beigelegt.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht 

vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes 

vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 

172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist da-

her eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet 

betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bun-

desverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorlie-

genden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Re-

gel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes 

über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). 

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel 

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in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG). 

Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen Fällen auf die Durch-

führung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und 

ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl in 

der Schweiz, wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen. An-

spruchsberechtigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG haben gemäss 

Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebewilli-

gung, sofern sie sich noch im Heimatstaat oder im Ausland aufhalten und 

durch die Flucht des in der Schweiz asylberechtigten Flüchtlings getrennt 

wurden (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.1). Die Erteilung einer Einreisebewilligung 

setzt eine vorbestandene Familiengemeinschaft sowie die fest beabsich-

tigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus. Zweck der Bestimmung 

von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist folglich einzig die Wiedervereinigung von im 

Zeitpunkt der Flucht aus dem Heimatstaat vorbestandenen Familienge-

meinschaften (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.1 m.w.H.). Als «Zeitpunkt der 

Flucht» gilt bezüglich der Familiengemeinschaft die asylrechtlich relevante 

Ausreise aus dem Heimatland. 

4.2 Eine wesentliche Bedingung zur Gewährung des Familienasyls stellt 

eine vorbestandene Familiengemeinschaft dar, sofern die Gemeinschaft 

einzig aufgrund der Fluchtumstände und somit unfreiwillig getrennt wurde. 

Das Familienasyl dient nicht der Aufnahme von vor der Flucht noch gar 

nicht gelebten familiären Beziehungen oder der Wiederaufnahme von zu-

vor abgebrochenen Beziehungen (vgl. BVGE 2018/VI, E. 5.1 – 5.3; 

2012/32, E. 5.4. m.w.H.).  

4.3 Wer um Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyls er-

sucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fami-

liengemeinschaft, die zum Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Familien-

gemeinschaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die fest be-

absichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzuwei-

sen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG; Botschaft des Bun-

desrates vom 4. Dezember 1995 zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie 

zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der 

Ausländer, Bundesblatt [BBl] 1996 II 70). 

 

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Seite 5 

5.  

5.1 Die Beschwerdeführerin führte im Gesuch aus, dass sie mit ihrem Ehe-

mann lange Zeit keinen Kontakt gehabt und zuerst auch nicht gewusst 

habe, dass er sich in Eritrea in Haft befunden habe. Er sei an einem ihr 

unbekannten Ort inhaftiert gewesen und sie habe über einen längeren Zeit-

raum dessen Aufenthaltsort nicht gekannt. Kürzlich sei er aus Eritrea in den 

Sudan geflohen und lebe seither in einem Dorf in der Nähe von Shagarab. 

Er habe sie vom Sudan aus kontaktiert, nachdem ihm ihre Schwester die 

Kontaktdaten gegeben habe. Seither pflegten sie und ihre Tochter regel-

mässigen telefonischen Kontakt zu ihm.  

5.2 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, 

dass die Beschwerdeführerin ihren Ehemann seit Juli 2015 nicht mehr ge-

sehen habe und erst dreieinhalb Jahre nach ihrer Asylgewährung ein Ge-

such um Familiennachzug gestellt habe. Ihre Begründung zu den Umstän-

den dieser langjährigen Trennung sei äusserst knapp ausgefallen; sie habe 

lediglich sinngemäss angegeben, dass der lange Gefängnisaufenthalt des 

Ehemannes der Grund für diese Verzögerung gewesen sei. Details zu sei-

nem Haftaufenthalt und zur Kontaktaufnahme nach dessen Entlassung 

habe sie jedoch nicht darbringen können. Des Weiteren habe sie weder in 

ihrer Asylbefragung vom 24. August 2017 noch im Schreiben vom 14. Feb-

ruar 2023 geschildert, wie die Ehe vor der Ausreise gelebt und gepflegt 

worden sei. Aufgrund der knappen Schilderungen sowie der Tatsache, 

dass die Eheleute sieben Jahre getrennt gewesen seien, des fehlenden 

Kontakts des Betroffenen zu seiner Tochter sowie der langen Tatenlosigkeit 

bis zum Einreichen des vorliegenden Gesuches sei nicht von einer vorbe-

standenen, schützenswerten Familiengemeinschaft auszugehen. Zudem 

sei es ihr nicht gelungen, die Eheschliessung zu belegen, da es sich bei 

der in Kopie eingereichten Heiratsurkunde um ein Dokument mit geringem 

Beweiswert handle. Ferner sei ihrem Argument, dass sie keine gemeinsa-

men Hochzeitsfotos habe, da gemäss ihrer Kultur Eheleute nicht zusam-

men fotografiert werden dürften, zu entgegnen, dass sie dennoch ein an-

deres Foto habe einreichen können, worauf sie gemeinsam mit ihrem Ehe-

mann abgebildet sei.  

5.3 In der Beschwerde wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin ih-

ren Ehemann im Februar 2015 in Eritrea geheiratet habe; beide würden 

aus einem Gebiet in der Nähe der sudanesischen Grenze stammen. Er sei 

Soldat gewesen; als er nicht mehr in den Militärdienst zurückgekehrt sei, 

sei nach ihm gesucht und er sei schliesslich Ende Juli 2015 festgenommen 

worden; er sei bis im Dezember 2022 inhaftiert gewesen. Nach seiner 

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Seite 6 

Festnahme sei die Beschwerdeführerin in die Schweiz geflüchtet und habe 

im (…) 2016 die gemeinsame Tochter geboren. Nach der Entlassung aus 

der Haft habe der Ehemann zuerst Kontakt mit der Schwester der Be-

schwerdeführerin, welche in Eritrea lebe, aufgenommen und diese habe in 

der Folge den Kontakt zwischen den Ehegatten hergestellt. Erst zu diesem 

Zeitpunkt habe er von der Existenz der Tochter erfahren. Der Umstand, 

dass die Ehe lediglich fünf Monate gedauert habe, bevor der Ehemann ver-

haftet und die Beschwerdeführerin ausser Land geflohen sei, dürfe ebenso 

wenig zu ihren Lasten ausgelegt werden, wie die Tatsache, dass sie über 

keine gemeinsamen Fotos verfügen würden. Es sei darauf hinzuweisen, 

dass bei islamischen Hochzeiten die Frauen und Männer getrennt feiern 

würden, weshalb von der Eheschliessung keine Fotos vorhanden seien.  

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten im 

Einklang mit der Vorinstanz zum Schluss, dass vorliegend die Vorausset-

zungen für das Familienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt 

sind.   

6.2 Einleitend stellt das Gericht fest, dass nicht grundsätzlich an der Ehe-

schliessung zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann ge-

zweifelt wird. Gemäss dem anlässlich ihrer Anhörung in Kopie eingereich-

ten Dokument fand diese am 10. Februar 2015 statt. Diese Angaben de-

cken sich mit ihren protokollierten Aussagen. Ferner hat die Vorinstanz im 

Asylverfahren die Eheschliessung nicht angezweifelt und ihr schliesslich 

Asyl aufgrund einer Reflexverfolgung wegen ihres vom Militär abtrünnigen 

und gesuchten Ehemannes gewährt (vgl. SEM-Akten A6/10, F1.14; SEM-

Akte A23/16, F6 f.; SEM-Akte A25/3 [Asylentscheid]). Jedoch wirft der Um-

stand Fragen auf, weshalb die Kopie des Ehevertrags, welche gemäss ih-

ren Aussagen durch eine Person via Sudan in die Schweiz gebracht wor-

den sei, nicht im Original vorhanden und ausserdem erst am 26. Januar 

2016 – also ein knappes Jahr nach der Eheschliessung – erstellt worden 

ist (vgl. SEM-Akte A23/16, F7-14). Des Weiteren liegen keine weiteren Do-

kumente vor, welche die Eheschliessung belegen könnten. Die auf Be-

schwerdeebene eingereichte Kopie eines Fotos, worauf zwei Frauen (mut-

masslich die Beschwerdeführerin bei ihrer Hochzeitsfeier) zu sehen sind, 

belegt weder die Identität der Ehefrau, noch die behauptete Eheschlies-

sung. Ihre Begründung, dass bei islamischen Trauungen die Eheleute nicht 

gemeinsam feiern und somit nicht zusammen fotografiert werden dürften, 

erscheint vor dem soziokulturellen Hintergrund zwar als einleuchtend. Hin-

gegen erweist sich ihre allgemein gehaltene Begründung, dass Frauen und 

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Männer in ihrer Kultur nicht gemeinsam fotografiert werden dürften, als 

Schutzbehauptung, zumal sie im Rahmen ihres Familienzusammenfüh-

rungsverfahrens eine Kopie eines Fotos eingereicht hat, auf welchem sie 

gemeinsam mit ihrem (angeblichen) Ehemann zu sehen ist.  

6.3 Ferner bleibt es unklar und somit grundsätzlich fraglich, inwieweit die 

Beschwerdeführerin und der Ehemann in Eritrea zusammengelebt haben, 

zumal ihre äusserst knappen Darstellungen des gemeinsamen Zusam-

menlebens der kurzen, fünf Monate dauernden Ehe in Eritrea nicht zu über-

zeugen vermögen. Den Protokollen kann einzig entnommen werden, dass 

sie nach der Eheschliessung zwar über eine gemeinsame Wohnmöglich-

keit verfügt hätten, der Ehemann jedoch nur heimlich vom Militärdienst 

habe weggehen und die Beschwerdeführerin nur kurz habe besuchen kön-

nen (vgl. SEM-Akte A23/16, F39, F120). Weder im Gesuch noch in der Be-

schwerde wurde Konkretes bezüglich des Zusammenlebens in Eritrea aus-

geführt. Zwar geht das Bundesverwaltungsgericht – wie vorliegend – bei 

Familien, die bereits vor der Ausreise des asylberechtigten Mitglieds im 

Heimatstaat getrennt lebten, gleichwohl von einer vorbestandenen geleb-

ten Familiengemeinschaft aus, wenn zwingende Gründe für das Getrennt-

leben in der Heimat vorgelegen haben (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.2 

m.w.H.), was im eritreischen Kontext aufgrund der strengen Militärdienst-

pflicht durchaus als nachvollziehbar erscheint. Jedoch erweist es sich aus 

den nachfolgenden Gründen als nicht glaubhaft, dass der Wille zur Weiter-

führung dieser Verbindung auch nach der Ausreise der Ehefrau noch ge-

geben oder zumindest eine rasche Wiedervereinigung der Familie ange-

strebt worden war. 

6.4 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung – auf welche vollumfänglich zu 

verweisen ist – zutreffend festgehalten, dass es der Beschwerdeführerin 

nicht gelungen ist, detailliert sowie überzeugend darzulegen, weshalb sie 

während rund sieben Jahren (zwischen der Flucht und dem Gesuch um 

Familienzusammenführung) keinen Kontakt mit dem Ehemann hatte. 

Ebenso wenig war sie in der Lage zu substanziieren und glaubhaft auszu-

führen, unter welchen konkreten Umständen es zur Wiederaufnahme des 

Kontakts zwischen ihr und dem Ehemann gekommen ist, wo und unter wel-

chen Umständen er inhaftiert sowie wann er genau freigelassen worden 

war. Es erweist sich als kaum nachvollziehbar, weshalb sie sich während 

seines Verschwindens nicht darum bemühte, Informationen über seinen 

Verbleib einzuholen oder diesbezüglich etwa Kontakt zu dessen Familien-

angehörigen zu suchen, zumal es ihr auch möglich war, ihre in Eritrea le-

bende Schwester zu kontaktieren (vgl. SEM-Akte A23/16, F32). Insgesamt 

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erwähnte sie in keiner Weise, dass sie sich nach seinem Verschwinden 

darum bemüht hätte herauszufinden, was mit ihrem Ehemann geschehen 

sein könnte, oder daran interessiert war, Auskünfte über dessen Verbleib 

zu erhalten, zumal davon ausgegangen werden darf, dass zumindest seine 

Familienangehörigen während seiner (angeblich) rund siebenjährigen In-

haftierung davon erfahren und Informationen über ihn gehabt hätten. Auf-

grund ihrer offensichtlichen Untätigkeit respektive ihres Desinteresses am 

Schicksal des Ehemannes ist davon auszugehen, dass sie an einer Wei-

terführung der Ehe nicht mehr interessiert gewesen sein konnte.  

6.5 Bezeichnend für diese Annahme ist ferner der Umstand, dass es ihr 

nicht gelungen ist, den aktuellen Kontakt respektive die geltend gemachte 

telefonische Wiederaufnahme der Beziehung zum Ehemann auszuführen 

sowie den Zeitpunkt der Kontaktaufnahme zu präzisieren. Ihre äusserst 

knappe Schilderung, dass seit seiner Ausreise in den Sudan der Kontakt 

«ständig» erfolge, überzeugt nicht (vgl. SEM-Akte A4/7, Punkt 1 und 8). 

Obwohl sie angab, regelmässig in telefonischem Kontakt zu stehen, reichte 

sie trotz Aufforderung der Vorinstanz auch für diese Behauptung keine Be-

weismittel (etwa in Form von Telefonauszügen oder Rechnungen) ein. 

Schliesslich kann es offengelassen werden, ob der Ehemann tatsächlich 

der Vater der Tochter der Beschwerdeführerin ist – auch wenn sich ihre 

diesbezüglichen Aussagen mit dem Geburtstermin ungefähr decken und 

eine Vaterschaft nicht ausgeschlossen werden kann (vgl. SEM-Akten 

A6/10 F8.02) – zumal auch vor dem Hintergrund dieser Tatsache der Wille 

zur Weiterführung der Ehe nicht vorhanden war (vgl. hiervor E. 6.3).  

6.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nicht 

glaubhaft darzulegen vermochte, dass sie zum Zeitpunkt der Flucht eine 

effektiv gelebte familiäre Beziehung zu ihrem Ehemann hegte und, darüber 

hinaus, dass der Wille zu einer beabsichtigten Familienwiedervereinigung 

ihrer kurzen Ehe vorhanden war. 

6.7 Die Voraussetzungen der asylrechtlichen Familienzusammenführung 

sind somit nicht erfüllt. Die Vorinstanz hat zu Recht das Gesuch um Einrei-

sebewilligung zugunsten von B._______ und um seinen Einbezug in die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 51 Abs. 1 

und 4 AsylG abgelehnt. 

7.  

Der Beschwerdeführerin steht die Möglichkeit offen, bei den zuständigen 

kantonalen Migrationsbehörden ein Gesuch um Familiennachzug gestützt 

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Seite 9 

auf Art. 44 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslän-

derinnen und Ausländer und über die Integration (AIG; SR 142.20) einzu-

reichen (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 3.1 m.H.a. BGE 139 I 330 E. 1.3.2 ff). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

9.  

9.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im 

Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist ungeachtet der geltend gemachten (je-

doch nicht belegten) prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen.  

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abwiesen. 

2.  

Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Martina von Wattenwyl