# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 45b54809-a9a5-55c2-8820-bce34b3f787c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-09-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.09.2015 E-2935/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2935-2015_2015-09-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-2935/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  S e p t e m b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, 

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, Syrien, und dessen Ehefrau  

B._______, 

Libanon, und deren Kinder  

C._______, 

Syrien, und  

D._______, 

Syrien,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 

Verfügung des SEM vom 20. März 2015 / N (…). 

 

E-2935/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 21. September 2012 wandte sich der syrische Kurde A._______ 

schriftlich an die schweizerische Botschaft in Beirut und suchte für sich und 

seine Familie – seine libanesische Ehefrau, seine minderjährigen Kinder 

sowie seinen volljährigen Sohn E._______ (geboren am […] 1991) – um 

Asyl nach. Dem Brief lagen Kopien von den Identitätspapieren der Be-

schwerdeführenden sowie deren Übersetzungen bei. Diese Eingabe stellte 

die schweizerische Botschaft am 23. Oktober 2012 dem BFM zu. 

B.  

Am 17. Dezember 2013 wurde der ursprünglich aus F._______ (Provinz Al-

Hasaka) stammende Beschwerdeführer, seine Ehefrau sowie sein volljäh-

riger Sohn in der schweizerischen Botschaft in Beirut zu ihren Asylgründen 

angehört. Dabei gaben die Beschwerdeführenden zu Protokoll, sie hätten 

noch weitere zwei Kinder: Ihr Sohn G._______ (geboren im Jahr 1990) 

lebe in Schweden und die verheiratete H._______ (geboren im Jahr 1995) 

halte sich mit ihrem Ehemann ebenfalls im Libanon auf. Der Beschwerde-

führer habe in Syrien nach dem Militärdienst in den 1980er Jahren als (…) 

und in (…) gearbeitet. Zu Beginn des Bürgerkriegs sei er von bewaffneten 

Männern der Opposition bedroht worden. Man habe ihn verdächtigt, als 

Informant für die Alawiten zu arbeiten, da sein Arbeitgeber als Alawite ein 

Regime-Anhänger gewesen sei. Im (…) 2011 sei die Familie auf getrennten 

Wegen nach Tripoli (Libanon) geflüchtet, da in I._______ – ihrem letzten 

Wohnort – aufgrund der Bombardements ihre ganze Existenz zerstört wor-

den und ihr Leben gefährdet gewesen sei. 

Die Familie würde in Tripoli in einem einzigen Raum leben. Der Beschwer-

deführer gebe syrischen Schülern Unterricht und könne so jeden Monat ca. 

US$ (…) verdienen. Sie seien beim UNHCR im Libanon als Flüchtlinge 

registriert. Früher hätten sie vom UNHCR Nahrungsmittel erhalten, doch 

vor drei Monaten sei diese Hilfe eingestellt worden. Der Beschwerdeführer 

und seine Kinder würden über eine Aufenthaltsbewilligung verfügen; seine 

Ehefrau habe die libanesische Staatsangehörigkeit. Am Schlimmsten seien 

der psychische Druck und ihre soziale Situation zu ertragen – dies gelte 

insbesondere für die traumatisierten Kinder.  

  

E-2935/2015 

Seite 3 

C.  

Mit Verfügung vom 20. März 2015 – eröffnet am 27. April 2015 – verwei-

gerte das SEM die Einreise für die Beschwerdeführenden in die Schweiz 

und wies ihre Asylgesuche ab. Es sei zwar möglich, dass der Beschwerde-

führer in Syrien eine begründete Furcht gehabt habe, zielgerichtet und kon-

kret verfolgt zu werden (Art. 3 AsylG). Indes sei es dem Beschwerdeführer 

und seiner Familie zuzumuten – auch wenn es sich dabei um eine schwie-

rige Situation handle –, sich weiterhin im schutzfähigen Libanon aufzuhal-

ten. Die Sicherheits- und humanitäre Lage der syrischen Flüchtlinge im Li-

banon seien derzeit insgesamt nicht als derart problematisch zu bezeich-

nen, als dass ein weiterer Verbleib in diesem Land für diese Personen 

grundsätzlich nicht als zumutbar einzustufen sei. Auch seien den Vorbrin-

gen keine Hinweise zu entnehmen, welche darauf schliesslich lassen wür-

den, dass die Beschwerdeführenden bei einem Verbleib im Libanon konk-

ret gefährdet seien. Des Weiteren würden sie über keine nahen Verwand-

ten oder Bezugspersonen in der Schweiz verfügen, weshalb eine beson-

dere Beziehungsnähe zur Schweiz zu verneinen sei. 

Bezüglich der Beschwerdeführerin B._______ hielt das BFM fest, dass 

keine Anhaltspunkte darauf hindeuten würden, dass sie in ihrem Heimat-

land Libanon wegen angeblichen Kämpfen in Tripoli einer einreiserelevan-

ten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sei. Es sei auch ihr 

zuzumuten, zusammen mit ihrer Familie im Libanon zu verbleiben. 

D.  

Die Beschwerdeführenden reichten am 29. April 2015 (Eingangsstempel) 

bei der schweizerischen Botschaft Beschwerde gegen diese Verfügung 

ein, welche diese an das Bundesverwaltungsgericht weiterleitete (Eingang: 

8. Mai 2015). Dabei beantragten sie implizit die Aufhebung der Verfügung 

sowie die Einreisebewilligung und die Asylgewährung. Sie begründeten 

diese Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen damit, dass sie aus Syrien ge-

flüchtet seien, weil der Beschwerdeführer vom Regime wie auch von der 

Opposition bedroht worden sei. Die schwierigen Bedingungen, unter wel-

chen sie im Libanon leben müssten, seien für die Eltern mehr oder minder 

zu akzeptieren; indes sei die Situation für die Kinder unerträglich: 

C._______ leide an einer Rückenmarkverletzung, welche mangels Geld 

nicht behandelt werde; D._______ sei noch keine (…) Jahre alt, aber ihr 

werde durch die Krisensituation eine schulische Laufbahn verwehrt. Der 

Beschwerdeführer habe auch schon das UNHCR im Libanon um Hilfe ge-

beten, indes habe er noch keine Antwort erhalten. 

E-2935/2015 

Seite 4 

Der Eingabe lagen u.a. je ein ärztliches Schreiben von Dr. J._______ (un-

datiert) und von Dr. K._______ vom (…) 2012 sowie mehrere Röntgenbil-

der bei. 

E.  

Im Rahmen der Vernehmlassung vom 28. Mai 2015 hielt das SEM fest, 

dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-

weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen wür-

den, enthalte. Es wies darauf hin, dass die Eltern anlässlich ihrer Befra-

gung vom 17. Dezember 2013 die gesundheitlichen Probleme der Tochter 

nicht erwähnt hätten. Es seien keine Anhaltspunkte erkennbar, die darauf 

schliessen lassen würden, dass C._______ eine medizinische Behandlung 

benötige, welche im Libanon nicht erfolgen könne. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM bzw. BFM ge-

hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des 

Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent-

scheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines 

Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh-

rende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung. Sie sind 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

E-2935/2015 

Seite 5 

2.  

Die Vernehmlassung der Vorinstanz vom 28. Mai 2015 wurde den Be-

schwerdeführenden bisher nicht zur Kenntnis gebracht. Auf eine vorgän-

gige Anhörung in diesem Zusammenhang kann verzichtet werden, da die 

Vorinstanz sich in der Stellungnahme auf ihre Erwägungen vom 20. März 

2015 stützt. Die Vernehmlassung wird den Beschwerdeführenden zusam-

men mit dem Urteil zur Kenntnis zugeschickt.  

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

Soweit mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. Sep-

tember 2012 (AS 2012, 5359; in Kraft getreten am 29. September 2012) 

die Möglichkeit der Asylgesuchstellung im Ausland abgeschafft wurde, 

kommt dies im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da gemäss Über-

gangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012 für Asyl- 

suchende, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung gestellt wor-

den sind – was vorliegend zutrifft –, die einschlägigen Normen in der bis-

herigen Fassung gelten.P 

5.  

5.1 Gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch aus dem Ausland 

direkt beim BFM eingereicht werden (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3). Hin-sicht-

lich des Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht 

aArt. 10 AsylV1 vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel 

eine Befragung durchführt. Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die 

Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht 

zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben o-

der in einen andern Staat auszureisen (aArt. 20 AsylG). Unzumutbar ist ein 

Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig 

ist, d.h. wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 

wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauung 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen 

Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament-

lich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die 

einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

E-2935/2015 

Seite 6 

5.2 Die Vorinstanz kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – 

und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hin-

weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen 

oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen 

(aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 

5.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus-

setzungen, wobei den Behörden ein weiter Beurteilungsspielraum zu-

kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 

sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der 

Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu an-

deren Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur 

anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliede-rungs- 

und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlag-gebend 

für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbe-dürftigkeit 

der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung 

im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib 

am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärun-gen zugemutet 

werden kann. Die Einreise ist aber selbst im Falle einer allfälligen Schutz-

bedürftigkeit zu verweigern, wenn Asylausschlussgründe vorliegen (vgl. 

zum Ganzen BVGE 2011/10 E. 3.3). 

5.4 Eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ist dann glaubhaft, wenn 

die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für 

gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Gemäss der Verfügung des SEM vom 20. März 2015 sei es möglich, 

dass der Beschwerdeführer – weil er von der Opposition bedroht worden 

sei – in Syrien begründete Furcht gehabt habe, zielgerichtet und konkret 

verfolgt zu werden. Ob dies mit einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 

gleichgesetzt werden kann, kann im vorliegenden Fall in Anbetracht der 

nachfolgenden Erwägungen offen gelassen werden. Folglich bleibt zu prü-

fen, ob die Beschwerdeführenden im Libanon den Schutz eines Drittstaa-

tes geniessen und es ihnen zuzumuten ist, dort zu verbleiben (aArt. 52 

Abs. 2 AsylG). 

E-2935/2015 

Seite 7 

6.2 Der Begriff der Zumutbarkeit der Schutzsuche in einem Drittstaat ist 

gemäss Rechtsprechung ein unbestimmter Rechtsbegriff, welcher vom 

Bundesverwaltungsgericht hinsichtlich der Änderung von Art. 106 Abs. 1 

AsylG nach wie vor vollumfänglich überprüfbar ist (vgl. BVGE 2015/2 

E. 7.3). 

6.3 Halten sich asylsuchende Personen in einem Drittstaat – konkret im 

Libanon – auf, bedeutet dies noch nicht zwingend, dass es ihnen auch zu-

zumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. Es ist indes im Sinne 

einer Vermutung davon auszugehen, dass die betreffenden Personen in 

diesem Drittstaat bereits den erforderlichen Schutz gefunden haben, was 

in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und der Verweigerung der 

Einreisebewilligung führt. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, wel-

che die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen las-

sen, und diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz ab-

zuwägen. Es gilt also zu prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände ge-

boten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den erforderlichen 

Schutz einer Person gewähren soll (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1 m.w.H.). 

6.4 Es ist nicht zu verkennen, dass das Leben für syrische Flüchtlinge – 

auch im Libanon – besorgniserregend ist. Knapp 1.5 Mio. Syrer haben im 

Libanon Zuflucht gefunden. Nur knapp ein Viertel der Kinder im schulpflich-

tigen Alter gehen zur Schule; viele Kinder arbeiten, um die Familie finanziell 

zu unterstützen, und Mädchen werden oft jung verheiratet (vgl. dazu NZZ 

[Neue Zürcher Zeitung] vom 17. März 2015, Schulen für Flüchtlingskinder, 

von Jürg Bischoff, Beirut). Ihre Registrierung durch das UNHCR verschafft 

den Flüchtlingen noch keine Aufenthaltsbewilligung; sie ermöglicht ihnen 

indes beschränkten rechtlichen Schutz und Zugang zu gewissen Dienst-

leistungen. Der Staat Libanon hat die Flüchtlingskonvention nicht ratifiziert 

und syrische Flüchtlinge werden nicht offiziell als Flüchtlinge oder Asylsu-

chende anerkannt, weshalb ihre rechtliche Lage unklar ist. Der libanesi-

sche Staat stellt auch keine zentralen Flüchtlingslager mit entsprechender 

Infrastruktur zur Erfüllung der grundlegendsten Bedürfnisse zur Verfügung. 

Ungefähr 40% bis 50% der Flüchtlinge im Libanon leben deshalb unter 

prekären Umständen, zum Beispiel in unfertigen Bauten oder in inoffiziellen 

Zeltlagern (vgl. Urteil des BVGer  

D-3429/2015 vom 2. Juli 2015 E. 4.2.3 m.w.H.; ferner GEORGE GHALI,  

Geflüchtete im Libanon: Was die internationale Gemeinschaft jetzt tun 

muss, Heinrich Böll Stiftung [Hrsg.], Juni 2015; DALIA ARANKI/OLIVIA KALIS, 

Limited legal status for refugees from Syria in Lebanon, FMR [Forced Mi-

E-2935/2015 

Seite 8 

gration Review, Hrsg.], September 2014; Center for Middle Eastern Strate-

gic Studies [ORSAM], The Situation of Syrian Refugees in the Neighboring 

Countries: Findings, Conclusions and recommendations, April 2014). Zu-

dem wurde der Zugang der Flüchtlinge zum Arbeitsmarkt eingeschränkt: 

Syrische Flüchtlinge dürfen nur noch in der Landwirtschaft, im Baugewerbe 

und im Reinigungssektor tätig sein. Überdies ist ihre Bewegungsfreiheit 

eingeschränkt (vgl. Norwegian Refugee Council, The Consequences of Li-

mited Legal Status for Syrian Refugees in Lebanon, März 2014, S. 15 ff.). 

In Bezug auf die Gesundheitsversorgung ist festzuhalten, dass namentlich 

Médecins Sans Frontières (MSF) in der Bekaa-Ebene vier Kliniken betreibt. 

Flüchtlinge haben allerdings kaum Zugang zu einer kostenlosen Gesund-

heitsversorgung von ausreichender Qualität. MSF bietet immerhin eine 

medizinische Grundversorgung an, welche die Behandlung akuter und 

chronischer Krankheiten, Impfungen, Geburtshilfe und psychologische Be-

treuung umfasst. Auch eine Verteilung von Hilfsgütern wird organisiert (vgl. 

MSF, Syrische Flüchtlinge im Libanon: Diese Krise darf nicht vergessen 

gehen, Januar 2015). Registrierte syrische Flüchtlinge haben sodann teil-

weise Zugang zu einem UNHCR-Gesundheitsprogramm. Da die Gesund-

heitsversorgung im Libanon grösstenteils privatisiert ist, muss das UNHCR 

für die Behandlungskosten der Flüchtlinge aufkommen. Aufgrund der be-

schränkten finanziellen Mittel setzt das UNHCR seinen Schwerpunkt auf 

die primäre Gesundheitsversorgung sowie Behandlung von Notfällen (vgl. 

Urteil BVGer E-1101/2015 vom 31. Juli 2015 E. 6.3 m.w.H.; Amnesty Inter-

national: Agonizing Choices: Syrian Refugees in Need of Health Care in 

Lebanon, Mai 2014, S. 9). 

6.5 Der Beschwerdeführer brachte während der Befragung vor, er lebe mit 

seiner Familie in einem engen Raum mit einer Küche in Tripoli. Dank seiner 

Arbeit als (...) könne er unter schwierigen Umständen ca. US$ (…) verdie-

nen. Des Weiteren halten sich alle Familienmitglieder legal im Libanon auf: 

Da die Beschwerdeführerin libanesische Staatsangehörige ist, verfügen 

die Familienmitglieder über einen Aufenthaltsgenehmigung. Mangels an-

derer diesbezüglichen Angaben in der Rechtsmittelschrift, geht das Bun-

desverwaltungsgericht davon aus, dass der Beschwerdeführer über ein ge-

regeltes Einkommen für den Unterhalt seiner Familie und über eine Wohn-

möglichkeit verfügt. Als (...) sollte er auch seine Töchter zu Hause unter-

richten können. Nicht ausgeschlossen ist zudem, dass die Familie sich auf 

verwandtschaftliche Hilfe stützen kann: Die Eltern der Beschwerdeführerin 

seien zwar verstorben, indes lebe ihre Schwester in L._______ (mutmass-

lich eine Stadt im Nordwesten Algeriens) und ihre zwei Söhne (G._______ 

E-2935/2015 

Seite 9 

und E._______) seien nach Schweden geflüchtet. Da die Familie schon 

seit dem Jahr 2011 in Tripoli lebt, ist ausserdem davon auszugehen, dass 

sie über ein soziales Beziehungsnetz verfügt. Hinsichtlich der medizini-

schen Beschwerden der Tochter C._______ ist trotz den schwierigen Um-

ständen auf das UNHCR hinzuweisen, bei welchem sie registriert sind, um 

so Zugang zu gewissen Dienstleistungen zu erhalten. Letztlich ist auch 

keine Beziehungsnähe zur Schweiz zu erkennen. 

6.6 Zusammengefasst ist der Verbleib für die Beschwerdeführenden im Li-

banon als zumutbar zu betrachten. Sie benötigen folglich den subsidiären 

Schutz der Schweiz gemäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht. Die Vor-instanz 

hat daher zu Recht die Einreise der Beschwerdeführenden in die Schweiz 

verweigert und ihre Asylgesuche abgelehnt. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Gesützt auf Art. 6 Bst. b 

VGKE ist jedoch auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2935/2015 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und schweize-

rische Botschaft in Beirut. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe