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**Case Identifier:** 121435fb-c0e9-537f-b43d-9885fa8757c7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-29
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 29.03.2022 200 2021 322
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-322_2022-03-29.pdf

## Full Text

200 21 322 AHV
WIS/SCC/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 29. März 2022

Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Schütz, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
Beschwerdeführer

gegen

Ausgleichskasse des Kantons Bern
Abteilung Beiträge und Zulagen, Chutzenstrasse 10, 3007 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 4. Mai 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. März 2022, AHV/21/322, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1965 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) ist 
der Ausgleichskasse des Kantons Bern (AKB bzw. Beschwerdegegnerin) 
als Selbstständigerwerbender angeschlossen. Mit Verfügung vom 20. De-
zember 2019 setzte die AKB die persönlichen Beiträge als Selbstständi-
gerwerbender für das Jahr 2017 auf Fr. 3'186.90 und mit Verfügung vom 
31. Januar 2020 für das Jahr 2018 auf Fr. 1'530.10 fest (Akten der AKB, 
[act. II] 48). Mit Entscheid vom 5. Februar 2020 hiess die AKB die gegen 
die Verfügung vom 20. Dezember 2019 erhobene Einsprache insoweit gut, 
als dass sie die Beiträge für das Jahr 2017 neu auf Fr. 2’898.55 festsetzte. 
Die hiergegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des 
Kantons Bern mit Urteil vom 25. November 2020 (AHV/2020/187/188) ab, 
soweit es darauf eintrat (act. II 42). Am 28. Dezember 2020 stellte der Ver-
sicherte zudem Antrag auf Beitragserlass für die Beitragsjahre 2017 und 
2018 sowie 2021 (act. II 47). Gleichentags beanstandete er die Kontoaus-
züge vom 1. Dezember 2020 (act. II 46). Am 31. Dezember 2020 erhob der 
Versicherte Beschwerde gegen VGE AHV/2020/187/188. Am 21. Januar 
2021 forderte die AKB den Versicherten auf, Unterlagen bezüglich der fi-
nanziellen Mittel einzureichen, damit sie das Gesuch vom 28. Dezember 
2020 beurteilen könne (act. II 43). Am 22. Februar 2021 reichte der Versi-
cherte verschiedene Unterlagen ein (act. II 39). Mit Verfügung vom 24. Fe-
bruar 2021 setzte die AKB die persönlichen Beiträge des Versicherten als 
Selbstständigerwerbender für das Jahr 2021 auf Fr. 1'672.25 fest (act. II 
38) und es folgten Akontorechnungen (act. II 24, 34). 

B.

Am 4. Mai 2021 erhob der Versicherte beim Verwaltungsgericht des Kan-
tons Bern Beschwerde wegen Rechtsverzögerung im Zusammenhang mit 
seinem Antrag auf Beitragserlass betreffend die Jahre 2017, 2018 und 
2021. Gleichzeitig stellte er ein Ablehnungsgesuch gegen Verwaltungsrich-

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terin C.______ und stellte zudem ein Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege. 

Mit prozessleitender Verfügung vom 7. Mai 2021 sistierte der Abteilungs-
präsident das Verfahren bezüglich der Rechtsverzögerungsbeschwerde 
(AHV/2021/322), um vorab das Ablehnungsbegehren gegen die Instrukti-
onsrichterin zu behandeln (AHV/2021/323).

Mit Entscheid vom 1. Juni 2021 trat das Bundesgericht auf die gegen 
VGE AHV/2020/187/188 erhobene Beschwerde nicht ein (act. II 23).

Mit Urteil vom 17. Juni 2021 (AHV/2021/323) trat das Verwaltungsgericht 
auf das vom 4. Mai 2021 datierende Begehren um Ablehnung von Verwal-
tungsrichterin C.______ nicht ein. 

Mit Verfügung vom 19. August 2021 hiess die AKB das Gesuch um Herab-
setzung der persönlichen Beiträge für das Jahr 2017 gut (act. II 16). Hier-
gegen erhob der Versicherte am 2. September 2021 Einsprache, mit wel-
cher er um vollständigen Beitragserlass ersuchte (act. II 13).

Mit Entscheid vom 4. Oktober 2021 (9C_419/2021) trat das Bundesgericht 
auf die gegen VGE AHV/2021/323 erhobene Beschwerde nicht ein.

Mit prozessleitender Verfügung vom 18. November 2021 nahm die Instruk-
tionsrichterin das Verfahren bezüglich der Rechtsverzögerungsbeschwerde 
wieder auf (AHV/2021/322).

Mit Beschwerdeantwort vom 14. Dezember 2021 beantragte die AKB die 
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. 

Nach Akteneinsicht reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme vom 
10. Januar 2022 ein.

Am 10. Februar 2022 reichte die AKB eine Kopie eines Schreibens an den 
Beschwerdeführer mit dem Betreff "Beitragsjahr 2017 / Herabsetzungs- und 
allfälliges Erlassverfahren" ein.

Der Beschwerdeführer reichte am 11. und 17. Februar 2022 unaufgefordert 
weitere Stellungnahmen ein.

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Mit Schreiben vom 23. Februar 2022 reichte die AKB eine Kopie des glei-
chentags erfolgten Einspracheentscheids betreffend die Herabsetzungsver-
fügung vom 19. August 2021 ein.

Am 3. März 2022 reichte die AKB eine Kopie des Erlassgesuchs vom 
2. März 2022 an den Sozialdienst B.________ betreffend die Beitragsjahre 
2018 und 2019 ein.

Am 29. März 2022 hat eine nichtöffentliche Urteilsberatung gemäss Art. 56 
Abs. 5 bzw. 6 des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Orga-
nisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 
161.1) i.V.m. Art. 37 Abs. 1 lit. b des kantonalen Gesetzes über die Verwal-
tungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (VRPG; BSG 155.21) stattgefunden.

Erwägungen:

1.

1.1 Gegen Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen welche 
eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Beschwerde beim kantonalen 
Versicherungsgericht erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 i.V.m. Art. 57 des 
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des So-
zialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Gemäss Art. 56 Abs. 2 ATSG 
kann Beschwerde auch erhoben werden, wenn der Versicherungsträger 
entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder 
keinen Einspracheentscheid erlässt (BGE 130 V 90 E. 2 S. 92). Zur 
Rechtsverzögerungsbeschwerde berechtigt ist nur, wer ein schutzwürdiges 
Interesse daran hat, dass die Instanz, welche der Vorwurf trifft, in der ihr 
unterbreiteten Sache endlich entscheidet (SVR 1998 UV Nr. 11 S. 32 E. 5b 
aa). Der Beschwerdeführer ist vorliegend in seinen finanziellen Interessen 
betroffen und damit zur Rechtsverweigerungs- resp. Rechtsverzögerungs-
beschwerde legitimiert (vgl. Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 84 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die 

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Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Da auch die 
Bestimmungen über die Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind und Rechtsverweige-
rungsbeschwerde jederzeit erhoben werden kann (Entscheid des Bundes-
gerichts [BGer] vom 16. Februar 2009, 9C_1002/2008, E. 2.2), ist auf die 
Beschwerde einzutreten.

1.2 Gegenstand einer Rechtsverweigerungs- resp. Rechtsverzöge-
rungsbeschwerde ist einzig die Prüfung der beanstandeten Rechtsverwei-
gerung bzw. Rechtsverzögerung (vgl. RKUV 2000 KV 131 S. 246 E. 2c). 
Gemäss einem allgemeinen Grundsatz führt die Gutheissung einer Rechts-
verweigerungs- und Rechtsverzögerungsbeschwerde ganz allgemein zur 
Rückweisung der Sache an die untätige Vorinstanz (SVR 2001 KV Nr. 38 
S. 110 E. 2d). Es ist nicht Sache des kantonalen Gerichts, materiell zu ent-
scheiden und erstmals den rechtserheblichen Sachverhalt zu ermitteln 
(SVR 2005 IV Nr. 26 S. 102 E. 4.2). 

Streitig ist der gegenüber der Beschwerdegegnerin erhobene Vorwurf der 
Rechtsverweigerung resp. Rechtsverzögerung und damit die Frage, ob die 
Beschwerdegegnerin bezüglich des Gesuchs um Beitragserlass für die 
Jahre 2017, 2018 und 2021 pflichtwidrig untätig geblieben ist. Im vorliegen-
den Fall ist die Frage, ob die AHV-Beiträge herabzusetzen und zu erlassen 
sind, nicht zu prüfen.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 des kantonalen Geset-
zes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der 
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]). 

2.

2.1 In Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen haben die 
Parteien Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurtei-
lung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung [BV; 
SR 101]).

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2.1.1 Eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV liegt nach der Rechtspre-
chung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungs-
behörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an 
die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird 
in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet 
(BGE 117 Ia 116 E. 3a S. 117; RKUV 2004 U 506 S. 255 E. 3).

2.1.2 Art. 29 Abs. 1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige 
Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber 
nicht binnen der Frist erlässt, welche nach der Natur der Sache und nach 
der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (Rechts-
verzögerung; BGE 131 V 407 E. 1.1 S. 409; RKUV 2004 U 506 S. 255 E. 3; 
SVR 2013 UV Nr. 31 S. 109 E. 4).

2.1.3 Die Frage, was als vernünftige, vertretbare Behandlungs- und Ent-
scheidungsfrist anzusehen ist, und aus welchen objektiven Gründen allen-
falls eine Verzögerung gerechtfertigt werden kann, beurteilt sich nach den 
objektiven Umständen des konkreten Falles (BGE 107 Ib 160 E. 3c S. 165). 
Massgeblich ist namentlich die Art des Verfahrens, die Komplexität der 
Materie und das Verhalten der Beteiligten (BGE 119 Ib 311 E. 5b S. 325). 

2.2 Ist einer obligatorisch versicherten Person die Bezahlung der Bei-
träge aus selbstständiger Erwerbstätigkeit nicht zuzumuten, so können ihre 
Beiträge auf begründetes Gesuch hin für bestimmte oder unbestimmte Zeit 
angemessen herabgesetzt werden (Art. 11 Abs. 1 AHVG). Die Vorausset-
zung der Unzumutbarkeit ist erfüllt, wenn die beitragspflichtige Person bei 
Bezahlung des vollen Beitrags ihren Notbedarf und denjenigen ihrer Fami-
lie nicht befriedigen könnte. Ob eine Notlage besteht, ist aufgrund der ge-
samten wirtschaftlichen Verhältnisse und nicht allein anhand des Erwerbs-
einkommens zu beurteilen. Unter Notbedarf ist das Existenzminimum im 
Sinne des SchKG zu verstehen (BGE 120 V 271 E. 5a S. 274; SVR 2003 
AHV Nr. 3 S. 7 E. 4a, 2000 AHV Nr. 9 S. 31 E. 2).

2.2.1 Massgebend für die Beurteilung der Unzumutbarkeit der vollen Bei-
tragsentrichtung ist allein, ob die pflichtige Person, die über kein Vermögen 
verfügt, ein das betreibungsrechtliche Existenzminimum übersteigendes 
Einkommen erzielt. Nicht entscheidend ist, in welchem Zeitraum sie die 

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Beitragsschuld mittels Ratenzahlungen zu bezahlen in der Lage ist 
(SVR 2003 AHV Nr. 3 S. 8 E. 4b).

2.2.2 Die Frage der Herabsetzung der geschuldeten persönlichen Beiträ-
ge ist aufgrund der ökonomischen Verhältnisse zu beurteilen, die im Zeit-
punkt gegeben sind, in welchem die versicherte Person bezahlen sollte. 
Dies ist – unter Vorbehalt von Fällen missbräuchlicher Verzögerung – jener 
Zeitpunkt, in welchem die Kassenverfügung, der kantonale Entscheid oder 
das Urteil des Bundesgerichts in Rechtskraft erwächst (BGE 120 V 271 
E. 5a dd S. 275; SVR 2000 AHV Nr. 9 S. 32 E. 4a).

2.2.3 Auch rechtskräftig veranlagte Akontobeiträge (Beiträge, die auf ei-
ner provisorischen Berechnungsgrundlage beruhen) sind der Herabsetzung 
zugänglich (SVR 2008 AHV Nr. 3 S. 9 E. 3).

2.3 Der Mindestbeitrag, dessen Bezahlung für einen obligatorisch Ver-
sicherten eine grosse Härte bedeutet, kann erlassen werden, wenn ein 
begründetes Gesuch vorliegt und eine vom Wohnsitzkanton bezeichnete 
Behörde angehört worden ist. Für diese Versicherten bezahlt der Wohn-
sitzkanton den Mindestbeitrag. Die Kantone können die Wohnsitzgemein-
den zur Mittragung heranziehen (Art. 11 Abs. 2 AHVG).

3.

3.1 Der Beschwerdeführer hat mit Schreiben vom 28. Dezember 2020 
einen Erlass der AHV/IV/EO-Beiträge für die Jahre 2017, 2018 und 2021 
beantragt (act. II 47). Bei der Herabsetzung und beim Erlass handelt es 
sich um zwei verschiedene Verfahrensschritte. Im ersten Verfahrensschritt 
ist zu prüfen, ob die persönlichen Beiträge (maximal bis zum Mindestbei-
trag) herabgesetzt werden können (vgl. E. 2.2 hiervor). In einem zweiten 
Verfahrensschritt ist das Erlassgesuch zu prüfen (vgl. E. 2.3 hiervor), wobei 
die AKB vorab die Gemeinde anzuhören hat (vgl. Schreiben der AKB an 
den Sozialdienst B.________ vom 2. März 2022 [in den Gerichtsakten]). 
Deshalb muss zuerst über die Frage der Herabsetzung befunden werden, 
bevor der vom Beschwerdeführer letztlich beantragte Erlass beurteilt wer-
den kann. 

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Mit Schreiben vom 21. Januar 2021 teilte die AKB dem Beschwerdeführer 
im Rahmen des ersten Verfahrensschrittes mit, Beiträge, deren Bezahlung 
einer obligatorisch versicherten Person nicht zugemutet werden könnten, 
würden auf begründetes Gesuch hin herabgesetzt, wenn eine ausserge-
wöhnliche finanzielle Bedrängnis vorliege. Die Frage, ob eine solche Notla-
ge bestehe, sei aufgrund der gesamten wirtschaftlichen Situation des Ver-
sicherten zu beurteilen. Sie forderte den Beschwerdeführer auf, entspre-
chende Unterlagen einzureichen (act. II 43). Ausserdem holte sie am 
27. Januar 2021 einen Auszug aus dem Betreibungs- und Verlustscheinre-
gister den Beschwerdeführer betreffend ein (act. II 40, 41). Am 22. Februar 
2021 reichte der Beschwerdeführer verschiedene Unterlagen bezüglich 
seiner finanziellen Situation ein (act. II 39). Am 4. Mai 2021 erhob er die 
hier zu beurteilende Rechtsverzögerungsbeschwerde. 

3.2 Einerseits erhob der Beschwerdeführer gegen die von der Be-
schwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020 festge-
setzten persönlichen Beiträge für das Jahr 2017 Beschwerde beim Verwal-
tungsgericht, inklusive einer Rechtsverzögerungsbeschwerde, und danach 
eine Beschwerde beim Bundesgericht. Andererseits reichte er bereits am 
28. Dezember 2020, d.h. bevor diese Verfahren vor dem Verwaltungs- und 
Bundesgericht überhaupt abgeschlossen waren, ein Gesuch um Herabset-
zung und Erlass der AHV/IV/EO-Beiträge gemäss Art. 11 AHVG (vgl. E. 2.2 
und 2.3 hiervor) ein (act. II 47). Die Beschwerdegegnerin legte dem Be-
schwerdeführer mit Schreiben vom 21. Januar 2021 dar, welches die Vor-
aussetzungen für eine Herabsetzung (vgl. E. 2.2 hiervor) sind (act. II 43). 
Der Aufforderung, Unterlagen bezüglich der finanziellen Lage einzureichen, 
kam er am 22. Februar 2021 zwar nach (act. II 39). Die persönlichen Bei-
träge als Selbstständigererwerbender für das Jahr 2017 waren jedoch erst 
– nach Beschwerden beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern und da-
nach beim Bundesgericht – mit BGE 9C_2/2021 vom 1. Juni 2021 (act. II 
23) rechtskräftig festgesetzt. Die Beschwerdegegnerin konnte das Erlass-
gesuch für das Jahr 2017 erst nach Eintritt dieser Rechtskraft am 1. Juni 
2021 an die Hand nehmen, wobei sie in einem ersten Schritt über die Her-
absetzung der geschuldeten persönlichen Beiträge 2017 (dafür waren die 
ökonomischen Verhältnisse am 1. Juni 2021 massgebend; E. 2.2.2 hiervor) 
entscheiden musste, bevor sie über den Erlass befinden kann. Am 19. Au-

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gust 2021, also bereits rund zweieinhalb Monate nach dem massgebenden 
Eintritt der Rechtkraft, entschied die Beschwerdegegnerin über das Gesuch 
um Herabsetzung der persönlichen Beiträge für das Beitragsjahr 2017 und 
hiess dieses gut. Damit hat sie das Verfahren um Herabsetzung der Beiträ-
ge unverzüglich, nachdem die Beiträge rechtskräftig festgesetzt worden 
waren, eingeleitet. Gegen diese Herabsetzungsverfügung vom 19. August 
2021 erhob der Beschwerdeführer am 2. September 2021 Einsprache, mit 
welcher er um vollständigen Beitragserlass ersuchte (act. II 13). Mit Ein-
spracheentscheid vom 23. Februar 2022, also bereits viereinhalb Monate 
nach der Einsprache, bestätigte die AKB den Mindestbeitrag von Fr. 509.90 
(inkl. Verwaltungskosten; in den Gerichtsakten). Diese Behandlungs- und 
Entscheidungsfristen sind durchaus vernünftig und vertretbar. Da unter 
Berücksichtigung der gesamten Umstände bezüglich der persönlichen Bei-
träge für das Jahr 2017 keine übermässig lange Verfahrensdauer besteht, 
kann vom Vorliegen von einer Rechtsverzögerung bzw. Rechtsverweige-
rung keine Rede sein.

Sobald über die Herabsetzung für das Beitragsjahr 2017 rechtskräftig ent-
schieden ist, wird die Beschwerdegegnerin das – vom Beschwerdeführer 
gestellte – Gesuch um Erlass auch des Mindestbeitrages (vgl. E. 2.3 hier-
vor) an die Hand nehmen.

3.3 Die persönlichen Beiträge des Beschwerdeführers als Selbststän-
digererwerbender für das Jahr 2018 wurden mit zwischenzeitlich rechts-
kräftiger Verfügung vom 31. Januar 2020 definitiv festgesetzt (act. II 48). 
Am 28. Dezember 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Erlass der Bei-
träge für das Jahr 2018 (act. II 47). Im Januar 2021 forderte die Beschwer-
degegnerin Unterlagen zur finanziellen Lage des Beschwerdeführers ein, 
um die Herabsetzung der persönlichen Beiträge prüfen zu können (act. II 
40, 41, 43). Am 22. Februar 2021 (Posteingang 24. Februar 2021) reichte 
der Beschwerdeführer diese ein (act. II 39). Am 4. Mai 2021 erhob er dann 
die hier zu beurteilende Rechtsverzögerungsbeschwerde. Im Zeitpunkt der 
Erhebung dieser Beschwerde lag noch keine Rechtsverzögerung vor, hatte 
die Beschwerdegegnerin die Abklärungen doch unverzüglich nach Eingang 
des Erlassgesuchs in die Wege geleitet und waren seit Eingang der Unter-
lagen des Beschwerdeführers, welche für die Prüfung der Herabsetzung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. März 2022, AHV/21/322, Seite 10

erforderlich waren, erst etwas mehr als zwei Monate vergangen. Allerdings 
ist zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin nach Eingang der 
Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 4. Mai 2021 in Bezug auf die Beiträ-
ge 2018 erst wieder am 2. März 2022 tätig wurde, als sie den Sozialdienst 
B.________ zur Stellungnahme zum Erlasses für die Beitragsjahre 2018 
bis 2019 aufgefordert hat, und dass sie über die Herabsetzung und den 
Erlass der Beiträge 2018 noch immer nicht entschieden hat. Damit liegt 
bezüglich der persönlichen Beiträge für das Jahr 2018 eine übermässig 
lange Verfahrensdauer und unter Berücksichtigung der gesamten Umstän-
de eine Rechtsverzögerung bzw. Rechtsverweigerung vor. An diesem Er-
gebnis ändern auch die prozessökonomischen Überlegungen der Be-
schwerdegegnerin im Hinblick auf die vielen sozialversicherungsrechtlichen 
Verfahren, in welchen der Beschwerdeführer immer wieder unbegründet 
Ausstandsgründe gegen Mitarbeitende der Beschwerdegegnerin (vgl. Be-
schwerdeantwort vom 14. Dezember 2021 [in den Gerichtsakten S. 10]) 
geltend gemacht habe, nichts. Der Einwand, sie habe die Fragen der Her-
absetzung und des Erlasses vorab für das Jahr 2017 und erst danach für 
das Jahr 2018 klären wollen, überzeugt nicht, sind diese beiden Jahre doch 
unabhängig voneinander zu beurteilen (vgl. dazu E. 2.2.2 hiervor). Wollte 
man der Beschwerdegegnerin prozessökonomische Überlegungen zuge-
stehen, wäre nicht nachvollziehbar, dass sie die Herabsetzung der Beiträge 
des Jahres 2018, welche mit rechtskräftiger Verfügung vom 31. Januar 
2020 definitiv festgesetzt wurden (act. II 48), nicht gleichzeitig mit denjeni-
gen des Jahres 2017 behandelt hat.

3.4 Bezüglich der persönlichen Beiträge des Beschwerdeführers für das 
Jahr 2021 ergingen bisher Akontorechnungen, es liegt jedoch noch keine 
definitive Festsetzung der Beiträge für das Jahr 2021 vor, denn eine Steu-
ermeldung (zur Bindungswirkung der Steuermeldung: Art. 9 Abs. 3 AHVG; 
Art. 23 Abs. 4 AHVV; BGE 147 V 114, 145 V 50 E. 3.3 S. 54, 139 V 537 
E. 5.5 S. 546,134 V 250 E. 3.3 S. 253, 121 V 80 E. 2c S. 83, 110 V 369 
E. 2a S. 370; SVR 2020 AHV Nr. 11 S. 30 E. 3.2.1) besteht noch nicht. 
Damit kann über das Herabsetzungs- und Erlassgesuch für die persönli-
chen Beiträge des Jahres 2021 noch nicht verfügt werden. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. März 2022, AHV/21/322, Seite 11

3.5 In teilweiser Gutheissung der Rechtsverzögerungsbeschwerde ist 
die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ohne Verzug, spätestens aber in-
nerhalb von 30 Tagen ab Rechtskraft des vorliegenden Urteils zunächst 
über die Herabsetzung der Beiträge des Jahres 2018 und unverzüglich 
nach deren Rechtskraft über den Erlass der Beiträge des Jahres 2018 zu 
verfügen. Im Übrigen ist die Rechtsverzögerungsbeschwerde abzuweisen.

4.

4.1 Das vorliegende Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 61 Ingress ATSG 
i.V.m. Art. 102 ff. VRPG und Art. 1 des Dekrets vom 24. März 2010 betref-
fend die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der Gerichts-
behörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret; VKD; BSG 
161.12]; vgl. auch BBl 2018 1639). Die Verfahrenskosten bestehen aus 
einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 Satz 1 VRPG). Die Behörde setzt 
die Gebühr gestützt auf die gesetzliche Gebührenordnung nach pflicht-
gemässem Ermessen fest (Art. 103 Abs. 2 VRPG). Die Gebühren für die 
Beurteilung von Streitigkeiten durch das Verwaltungsgericht betragen auf 
dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts Fr. 200.-- bis Fr. 2'500.-- (Art. 4 
Abs. 2 i.V.m. Art. 51 lit. e VKD).

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin zu 1/3 und 
dem Beschwerdeführer zu 2/3 zur Bezahlung auferlegt. Damit hat die Be-
schwerdegegnerin Verfahrenskosten von Fr. 266.70 und der Beschwerde-
führer Verfahrenskosten von Fr. 533.30 zu bezahlen. Zu prüfen ist jedoch 
das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege.

4.2 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 
Abs. 1 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Die Prozessarmut des Beschwerdeführers ist gestützt auf die Unterlagen 
(Akten des Beschwerdeführers [act. I] 1 und act. II 39) erstellt. Weiter ist 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. März 2022, AHV/21/322, Seite 12

das Beschwerdeverfahren nicht von vornherein als aussichtslos zu betrach-
ten. Das Gesuch um Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege für die Ver-
fahrenskosten ist demnach gutzuheissen.

4.3 Der Beschwerdeführer ist damit – unter Vorbehalt der Nachzah-
lungspflicht gemäss Art. 114 VRPG i.V.m Art. 123 der Schweizerischen 
Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – vorläufig 
von der Bezahlung der Verfahrenskosten von Fr. 533.30 zu befreien.

4.4 Trotz seines teilweisen Obsiegens hat der Beschwerdeführer keinen 
Anspruch auf eine Partei- bzw. Umtriebsentschädigung, da der Arbeitsauf-
wand für die Interessenwahrung nicht das Mass dessen überstieg, was der 
Einzelne üblicher- und zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung der per-
sönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat (BGE 127 V 205 E. 4b 
S. 207; SVR 2019 KV Nr. 7 S. 51 E. 9.2.1).

4.5 Sinngemäss hat der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren 
zudem ein Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gestellt.

Wo die Verhältnisse es rechtfertigen, wird der Beschwerde führenden Per-
son ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt (Art. 61 lit. f ATSG). Die 
Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und 
Verbeiständung sind in der Regel erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichts-
los erscheint, die Partei bedürftig und die Verbeiständung durch einen An-
walt oder eine Anwältin notwendig oder doch geboten ist (BGE 125 V 202 
E. 4a mit Hinweisen). Ob die Verbeiständung durch einen Anwalt oder eine 
Anwältin notwendig oder doch geboten ist, beurteilt sich nach den konkre-
ten objektiven und subjektiven Umständen. Praktisch wird man sich im Ein-
zelfall fragen, ob eine nicht bedürftige Partei unter sonst gleichen Verhält-
nissen vernünftigerweise eine rechtskundige Person beiziehen würde, weil 
sie selber zu wenig rechtskundig ist und das Interesse am Prozessausgang 
den Aufwand rechtfertigt (BGE 103 V 46 E. 1b S. 47). Daran fehlt es etwa, 
wenn der Anspruch in einem Zeitpunkt geltend gemacht wird, in dem keine 
weiteren Prozesshandlungen mehr vorgenommen werden müssen (UELI 
KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Art. 61, Rz. 193).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. März 2022, AHV/21/322, Seite 13

Die unentgeltliche Verbeiständung ist hier nicht gerechtfertigt (Art. 61 lit. f 
Satz 2 ATSG), denn das Verfahren wird von der Untersuchungsmaxime 
beherrscht, dabei kommt dem urteilenden Gericht volle Kognition zu 
(Art. 61 lit. c und d ATSG, Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 
Zudem hatte der Beschwerdeführer die Beschwerde bereits eingereicht 
und er wurde im laufenden Verfahren auch nicht dazu aufgefordert, weitere 
Prozesshandlungen vorzunehmen. Vielmehr hat er unaufgefordert weitere 
Eingaben gemacht (vgl. in den Gerichtsakten). Daher ist das Gesuch um 
unentgeltliche Verbeiständung abzuweisen.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In teilweiser Gutheissung der Rechtsverzögerungsbeschwerde wird die 
Beschwerdegegnerin angewiesen, ohne Verzug, spätestens aber in-
nerhalb von 30 Tagen ab Rechtskraft des vorliegenden Urteils 
zunächst über die Herabsetzung der Beiträge des Jahres 2018 und 
unverzüglich nach deren Rechtskraft über den Erlass der Beiträge des 
Jahres 2018 zu verfügen. Im Übrigen wird die Rechtsverzögerungsbe-
schwerde abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege bezüglich der Verfah-
renskosten wird gutgeheissen. Soweit weitergehend wird es abgewie-
sen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zu Fr. 266.70 und dem Beschwerdeführer zu Fr. 533.30 zur Bezahlung 
auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege für die 
Verfahrenskosten wird der Beschwerdeführer – unter Vorbehalt der 
Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungs-
pflicht befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. März 2022, AHV/21/322, Seite 14

5. Zu eröffnen (R):
- A.________
- Ausgleichskasse des Kantons Bern, Abteilung Beiträge und Zulagen
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334,

3001 Bern

Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.