# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ebe326e-cfbd-55b9-96ba-9b6e81256ec9
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-04
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Kammer für Kindes-und Erwachsenenschutz 04.07.2023 XBE.2023.30
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_002_XBE-2023-30_2023-07-04.pdf

## Full Text

Obergericht 

Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz 

 

XBE.2023.30  

(KEMN.2022.1613 / KEMN.2022.1614)  

Art. 54 

 

Entscheid vom 4. Juli 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Merkofer, Präsidentin  

Oberrichter Holliger  

Oberrichter Giese  

Gerichtsschreiberin B. Gloor 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,   

[…] 

vertreten durch MLaw Seraina Keller, Rechtsanwältin, […]    

 

 
   

Betroffene 

Person 1 

 B._____,   

[…]   

 

 
   

Betroffene 

Person 2 

 C._____,   

[…]   

 

1 und 2 Beiständin: D._____, […] 

 

 
   

Vater   E._____,   

[…]   

vertreten durch lic. iur. Dayana Berényi Kamm, Rechtsanwältin, […]    

 

 

Anfechtungs- 

gegenstand 

 Entscheid des Bezirksgerichts Baden vom 20. Dezember 2022 

 

Betreff  Prüfung einer Massnahme 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entnimmt den 

Akten: 

 

1. 

A. und E. sind die unverheirateten und getrennt lebenden Eltern von B. 

(nachfolgend: Betroffene 1), geboren am tt.mm.2020, und C. (nachfolgend: 

Betroffene 2), geboren am tt.mm.2021. Die Betroffenen stehen unter der 

gemeinsamen elterlichen Sorge.  

 

2. 

2.1. 

Nachdem die Stadtpolizei das Familiengericht Baden mit Verfügung vom 

27. September 2022 über einen Vorfall häuslicher Gewalt in der Familie der 

Betroffenen informierte, wurde für die Betroffene 1 und die Betroffene 2 je 

ein Verfahren zur Prüfung von Kindesschutzmassnahmen eröffnet 

(KEMN.2022.1613/1614; die nachfolgenden Aktorenstellen beziehen sich 

auf das Dossier KEMN.2022.1613).  

 

2.2. 

Nach Einholung eines Sozialberichts der Berufsbeistandschaft Z. vom 

20. Oktober 2022 (act. 11 ff.) entzog der Gerichtspräsident des Familien-

gerichts Baden der Mutter mit superprovisorischer Verfügung vom 21. Ok-

tober 2022 gestützt auf Art. 310 Abs. 1 ZGB das Aufenthaltsbestimmungs-

recht über die Betroffenen 1 und 2 und stellte diese einstweilen unter die 

Obhut des Vaters. Für die Betroffenen 1 und 2 wurde zudem eine Beistand-

schaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB errichtet (act. 25 ff.).  

 

2.3. 

Nach weiteren Abklärungen wurden die Eltern und die Beiständin am 

15. Dezember 2022 persönlich angehört (act. 334 ff.). Das Familiengericht 

Baden erliess am 20. Dezember 2022 folgenden Entscheid 

(KEMN.2022.1613/1614):  

 

" 1. 
Die Betroffenen 1 und 2 werden unter der gemeinsamen elterlichen Sorge 
belassen. 
 
2. 
Die Betroffenen 1 und 2 werden unter die Obhut des Vaters gestellt. Ihr 
zivilrechtlicher Wohnsitz befindet sich beim Vater. 
 
Die Eltern nehmen Vormerk, dass die Mutter zustimmen muss, falls der 
Vater den Aufenthaltsort der Kinder ins Ausland verlegen will oder der 
Wechsel des Aufenthaltsortes auf die Ausübung der elterlichen Sorge und 
den persönlichen Verkehr erhebliche Auswirkungen hat. 

  

 - 3 - 

 

 

3. 
Die Mutter wird berechtigt und verpflichtet erklärt, die Betroffenen 1 und 2 
wie folgt zu sich auf Besuch zu nehmen: 
 
- jeden Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 10.00 Uhr bis 

14.00 Uhr; 
- sowie alternierend am Samstag respektive am Sonntag von 10.00 bis 

17.00 Uhr, wobei die Betroffenen 1 und 2 erstmals am 24. Dezember 
2022 bei der Mutter und am 25. Dezember 2022 beim Vater sind. 

 
4. 
Die mit superprovisorischer Verfügung vom 21. Oktober 2022 errichtete 
Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB wird weitergeführt und 
umfasst neu folgende Aufgaben: 
 
- Den Eltern mit Rat und Tat in Erziehungsfragen zur Seite zu stehen; 
- bei Konflikten zwischen den Eltern zu vermitteln; 
- bei der Mutter bis Ende Januar 2022 einen Hausbesuch zu machen, 

um abzuklären, ob die Wohnung kindsgerecht eingerichtet ist; 
- die nötigen Anträge zu stellen, sobald Übernachtungen der Betroffenen 

1 und 2 bei der Mutter möglich sind;  
- Regelung und Überwachung des Besuchsrechts, insbesondere Rege-

lung der Modalitäten betreffend Abholen und Zurückbringen der Be-
troffenen 1 und 2, und allenfalls Anpassung der Zeiten in Absprache 
und unter Einverständnis beider Eltern; 

- einen Bericht über die Entwicklung der Situation der Betroffenen 1 und 
2 und allfällige Anträge bis spätestens Mitte Februar 2023 dem Famili-
engericht Baden einzureichen. 

 
5. 
5.1. 
Die Beiständin D., […], wird in ihrem Amt bestätigt. 
 
5.2. 
Die Pflichten gemäss Dispositiv-Ziff. 5.2 der Verfügung vom 21. Oktober 
2022, insbesondere die Periode zur ordentlichen Berichterstattung, wer-
den beibehalten. 
 
6. 
6.1. 
Den Eltern wird gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB die Weisung erteilt, sich bis 
Ende Januar 2023 bei der Beratungsstelle F., […], für eine Beratung zum 
Thema Elternschaft nach Trennung und Kommunikation im Rahmen von 
Einzelsitzungen anzumelden und regelmässige Beratungstermine in An-
spruch zu nehmen. 
 
6.2. 
Die Beratungsstelle F., […], wird ersucht, dem Familiengericht Baden als 
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde sofort Meldung zu erstatten, 
sollte die Anmeldung nicht erfolgen, die Beratung abgebrochen werden o-
der nicht zielführend sein. 
 
6.3. 
Die Beratungsstelle F., […], wird ersucht, dem Familiengericht Baden als 
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde spätestens nach 6 Monaten eine 
Rückmeldung zu geben, ob die Eltern die Beratung regelmässig und zu-
verlässig wahrgenommen haben, welche Fortschritte erzielt wurden und 
ob die Weisung weiterhin notwendig ist. 
 
 
7. 

 - 4 - 

 

 

Den Eltern wird gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB die Weisung erteilt, sich einer 
Abstinenzkontrolle hinsichtlich Drogen (insbesondere Kokain und Canna-
bis) und Alkohol wie folgt zu unterziehen: 
 
7.1. 
Die ersten 12 Wochen hat die Abstinenzkontrolle alle 3 Wochen zu erfol-
gen. Im Anschluss erfolgt sie monatlich. Die Gesamtdauer beträgt 6 Mo-
nate. Die Eltern haben die Termine selbständig zu vereinbaren.  
 
7.2. 
Der Test hat beim jeweiligen Hausarzt mittels Urinprobe zu erfolgen. Die 
Eltern werden aufgefordert, dem Familiengericht Baden bis spätestens am 
3. Januar 2023 ihre Hausärzte bekannt zu geben.  
 
7.3. 
Die Hausärzte werden ersucht, dem Familiengericht Baden als Kindes- 
und Erwachsenenschutzbehörde bei Vorliegen eines positiven Ergebnis-
ses oder bei Nichterscheinen einer Partei sofort Meldung zu erstatten.  
 
8. 
8.1. 
Dispositiv-Ziff. 2 der superprovisorischen Verfügung vom 21. Oktober 2022 
wird aufgehoben. 
 
8.2. 
Die Eintragungen gemäss Dispositiv-Ziff. 3.2 der superprovisorischen Ver-
fügung vom 21. Oktober 2022 werden widerrufen. 
 
8.3. 
Die Kantonspolizei Aargau wird beauftragt, die Eintragungen gemäss Dis-
positiv-Ziff. 2 der superprovisorischen Verfügung vom 21. Oktober 2022 
aus den Polizeifahndungssystemen RIPOL und SIS zu löschen. 
 
9. 
Das Gesuch der Mutter um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 
wird bewilligt und Rechtsanwältin […] zu ihrer unentgeltlichen Rechtsver-
treterin bestimmt. 
 
10. 
Soweit mehr oder anderes verlangt wird, werden die entsprechenden Be-
gehren abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 
 
11. 
Auf die Erhebung von Gerichtskosten wird verzichtet. 
 
12. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 
13. 
Das der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Mutter auszurichtende Ho-
norar wird nach Rechtskraft mittels separater Verfügung angewiesen und 
geht infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen zu 
Lasten des Kantons. Die Mutter ist zur Nachzahlung verpflichtet, sobald 
sie dazu in der Lage ist (Art. 123 ZPO). 
 
14. 
Es wird auf die Bestimmungen von § 43 Abs. 5 EG ZGB betreffend Kos-
tentragung hingewiesen. Diese lautet wie folgt: 
 
[…] 
 

 - 5 - 

 

 

15. 
Die Beistandsperson wird auf die Haftungsbestimmungen nach Art. 454 
Abs. 4 ZGB i.V.m. § 12 Abs. 1 Haftungsgesetz i.V.m. § 64 Abs. 1 und 2 
EG ZGB aufmerksam gemacht. Diese lauten wie folgt: 
 
[…] 
 
16. 
Einer allfälligen Beschwerde wird die aufschiebende Wirkung entzogen." 

 

3. 

3.1. 

Gegen diesen ihr in begründeter Ausfertigung (act. 416 ff.) am 15. Februar 

2023 zugestellten Entscheid erhob die Mutter (nachfolgend: Beschwerde-

führerin) mit Eingabe vom 17. März 2023 Beschwerde bei der Kammer für 

Kindes- und Erwachsenenschutz des Kantons Aargau und stellte folgende 

Anträge: 

 

" 1. 
Es sei der vorinstanzliche Entscheid des Familiengerichts Baden vom 
20. Dezember 2022 (KEMN.2022.1613/ KEMN.2022.1614) in den Dispo-
sitiv-Ziff. 2 und 3 vollumfänglich aufzuheben. 
 
2. 
Es sei stattdessen wie folgt neu zu entscheiden: 
 

2. 
2.1. 
Die gemeinsamen Kinder B. und C. seien unter die alternierende Ob-
hut der Eltern zu stellen, wobei der Vater berechtigt und verpflichtet 
zu erklären sei, die Kinder jede Woche von Donnerstag, 16.00 Uhr, 
bis Sonntag, 18.00 Uhr, zu betreuen. Sodann sei festzuhalten, dass 
die restliche Betreuungsverantwortung bei der Mutter liegt. 
 
Es sei festzustellen, dass die Kinder ihren Wohnsitz bei der Mutter 
haben. 
 
Eventualiter seien die gemeinsamen Kinder B. und C. unter die allei-
nige Obhut der Beschwerdeführerin zu stellen und es sei dem Be-
schwerdegegner ein gerichtsübliches Besuchs- und Ferienrecht ein-
zuräumen. 
 
Subeventualiter sei der Beschwerdeführerin ein angemessenes Kon-
taktrecht mit den Kindern einzuräumen, wobei dieses wie folgt auszu-
gestalten ist: 
 
Dienstagmorgen, 09.00 Uhr, bis Donnerstagabend, 17.00 Uhr, sowie 
jedes zweite Wochenende von Samstagmorgen, 09.00 Uhr, bis Sonn-
tagabend, 17.00 Uhr. 
 
2.2. 
Die Eltern seien berechtigt und verpflichtet zu erklären, mit den ge-
meinsamen Kindern B. und C. auf eigene Kosten die Hälfte der Schul-
ferien (davon maximal zwei Wochen zusammenhängend) sowie die 
Hälfte der Feiertage (Ostern, Pfingsten, Auffahrt, Fronleichnam, 
Weihnachten und Silvester) zu verbringen. Die Ferien- und Feiertags-
absprache hat jeweils Ende November für das Folgejahr zu erfolgen. 

3. 

 - 6 - 

 

 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten des Be-
schwerdegegners, sowohl in Bezug auf das Verfahren vor erster Instanz 
als auch in Bezug auf das Rechtsmittelverfahren. 
 
PROZESSUALER ANTRAG: 
 
Der vorliegenden Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen." 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 17. März 2023 stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch 

um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung einer unentgeltlichen 

Rechtsvertretung.  

 

3.3. 

Mit Schreiben vom 30. März 2023 verzichtete die Vorinstanz auf eine Ver-

nehmlassung unter Hinweis auf die Begründung des angefochtenen Ent-

scheids.  

 

3.4. 

Mit Verfügung vom 12. April 2023 leitete die Vorinstanz eine Eingabe der 

Beiständin vom 5. April 2023 zuständigkeitshalber dem Obergericht weiter.  

 

3.5. 

Mit Stellungnahme vom 21. April 2023 beantragte der Vater Folgendes:  

 

" 1.  Ziff. 1 bis 3. der Beschwerdeanträge seien abzuweisen.  
 
2.  Der prozessuale Antrag sei abzuweisen.  
 
3.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt) zu Lasten 

der Beschwerdeführerin, sowohl in Bezug auf das erstinstanzliche Ver-
fahren als auch in Bezug auf das Rechtsmittelverfahren."  

 

3.6. 

Mit Eingabe vom 4. Mai 2023 erstattete die Beschwerdeführerin eine Stel-

lungnahme.  

 

3.7. 

Mit Eingabe vom 1. Juni 2023 reichte der Vater eine weitere Stellungnahme 

ein. 

 

3.8. 

Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 1. Juni 2023 die Ergeb-

nisse der Drogentests sowie einen Bericht der Hebamme vom 17. Mai 2023 

und des Arbeitgebers vom 10. Mai 2023 ein und nahm mit Eingabe vom 

13. Juni 2023 erneut Stellung.  

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz zieht in Erwä-

gung: 

 

 - 7 - 

 

 

1. 

1.1. 

Zuständig für Beschwerdeverfahren gegen Entscheide der Kindes- und Er-

wachsenenschutzbehörde wie das vorliegende ist die Kammer für Kindes- 

und Erwachsenenschutz des Obergerichts des Kantons Aargau als einzige 

Beschwerdeinstanz (§ 41 EG ZGB i.V.m. § 10 Abs. 1 lit. c EG ZPO und 

§ 10 Abs. 1 der Geschäftsordnung des Obergerichts des Kantons Aargau 

vom 21. November 2012 [GKA 155.200.3.101] i.V.m. deren Anhang 1 

Ziff. 5 Abs. 7 lit. b).  

 

1.2. 

Die Beschwerdeführerin ist als Mutter der Betroffenen gemäss Art. 450 

Abs. 2 Ziff. 1 ZGB beschwerdelegitimiert. Auf die frist- und formgerecht ein-

gereichte Beschwerde kann eingetreten werden. 

 

1.3. 

Die Rechtsmittelinstanz prüft den erstinstanzlichen Entscheid von Amtes 

wegen in Anwendung der Untersuchungs- und Offizialmaxime – in der 

Regel beschränkt auf den Umfang der Anfechtung – in rechtlicher und tat-

sächlicher Hinsicht umfassend und beurteilt ihn neu (Art. 446 Abs. 4 ZGB; 

Botschaft zum Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht, nach-

folgend: BBl 2006 7001 ff., S. 7083). 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 298b Abs. 3ter ZGB prüft die Kindesschutzbehörde bei gemein-

samer elterlicher Sorge im Sinne des Kindeswohls die Möglichkeit einer 

alternierenden Obhut, wenn ein Elternteil oder das Kind dies verlangt. Auch 

bei alternierender Obhut hat das Kind nur einen zivilrechtlichen Wohnsitz 

bzw. Aufenthaltsort (Art. 25 ZGB), der insbesondere für die Einschulung 

relevant ist. Während bei alleiniger Obhut eines Elternteils der andere El-

ternteil einen Anspruch auf persönlichen Verkehr (sog. Besuchsrecht, 

Art. 273 ZGB) hat, sind bei alternierender Obhut die Betreuungsanteile der 

Eltern festzulegen (SCHWENZER/COTTIER, in: Basler Kommentar, Zivilge-

setzbuch I, 7. Auflage, 2022, Art. 298 ZGB N 10). 

 

Massgebendes Kriterium für die Obhutszuteilung ist das Kindeswohl. Die 

Interessen der Eltern haben in den Hintergrund zu treten. Weitere wesent-

liche Kriterien sind die persönliche Beziehung zwischen Kind und Eltern, 

deren Erziehungsfähigkeit und Disponibilität für eine persönliche Betreu-

ung sowie ihre Bereitschaft, die Kontakte zum anderen Elternteil zu fördern; 

es ist jene Lösung zu wählen, welche die beste Gewähr für eine harmoni-

sche Entfaltung in geistig-psychischer, körperlicher und sozialer Hinsicht 

bietet. Sind Erziehungsfähigkeit und Betreuungsverhältnisse der Eltern 

gleichwertig, kommt der Stabilität der Verhältnisse besonderes Gewicht zu; 

es gilt unnötige Veränderungen im örtlichen und sozialen Umfeld der Kinder 

zu vermeiden (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 5A_985/2014 

vom 25. Juni 2015 E. 3.2.1, vgl. SCHWENZER/COTTIER, a.a.O., N. 5 ff. zu 

Art. 298 ZGB). Schliesslich ist – je nach Alter des Kindes – seinem eindeu-

tigen Wunsch Rechnung zu tragen.  

 - 8 - 

 

 

 

2.2. 

Die Vorinstanz zog in Bezug auf die Obhutszuteilung den Schluss, unter 

dem Gesichtspunkt der Kontinuität des Orts der Betreuung und des Kinds-

wohls rechtfertige es sich, die Obhut über die Betroffenen einstweilen dem 

Vater zuzuteilen. Die Mutter arbeite unter der Woche im Service und die 

derzeitige Situation erlaube es ihr nicht, die alleinige Obhut über die Be-

troffene wahrzunehmen. Anders als dem Vater sei es der Mutter während 

ihrer Arbeit im Service nicht möglich, die Betroffenen (spontan) zu be-

treuen. Es sei richtig, dass auch der Vater auf Hilfe von Dritten (Grossel-

tern, Nachbarn) angewiesen sei, jedoch könne er eine regelmässige Be-

treuung sicherstellen, ohne kurzfristig auf die Mutter angewiesen zu sein. 

Hinzu komme, dass die Wohnung der Mutter gemäss ihren Ausführungen 

noch nicht fertig eingerichtet sei und damit kein geeigneter Ort für die Über-

nachtung der Betroffenen darstelle. Es sei jedoch der Kontakt der Betroffe-

nen zur Mutter auszudehnen, um einer Entfremdung von der Mutter entge-

genzuwirken (vgl. E. 7.3 im angefochtenen Entscheid).  

 

2.3. 

Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Beschwerde vor, die Zuteilung der 

alleinigen Obhut an den Vater werde von der Vorinstanz nicht näher bzw. 

nicht rechtsgenügend begründet. Sie habe es in rechtsverletzender Weise 

unterlassen, die elterliche Obhut unter den vom Bundesgericht entwickel-

ten Kriterien zu prüfen. Die Vorinstanz habe weder die Erziehungsfähigkeit 

der Eltern noch die Eignung und Bereitschaft, sich persönlich um die Kinder 

zu kümmern oder die Bindungen der beiden Kinder zu beiden Elternteilen 

in ihre Entscheidfindung miteinbezogen.  

 

2.4. 

Die Vorinstanz ist auf einzelne vom Bundesgericht entwickelte Kriterien in 

Bezug auf die elterliche Obhut nicht eingegangen, weswegen anhand die-

ser Kriterien nachfolgend zu prüfen ist, ob die Vorinstanz im Ergebnis zu 

Recht davon ausging, die Voraussetzungen für eine alternierende Obhut 

seien nicht erfüllt.  

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Die alternierende Obhut setzt grundsätzlich voraus, dass beide Eltern er-

ziehungsfähig sind.  

 

3.1.2. 

Die Vorinstanz hat die Erziehungsfähigkeit der Eltern in ihrer Begründung 

nicht abgehandelt, diese ihnen jedoch auch nicht abgesprochen. Nachfol-

gend ist daher näher auf die Erziehungsfähigkeit der Eltern einzugehen.  

 

3.1.3. 

Unter der Erziehungsfähigkeit wird die grundlegende Kompetenz eines El-

ternteiles verstanden, die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse seines 

 - 9 - 

 

 

Kindes zu erkennen, das Kind zu versorgen und zu betreuen sowie erzie-

herisch angemessen auf die kindlichen Bedürfnisse einzugehen 

(LUDEWIG/BAUMER/SALZGEBER/HÄFELI/ALBERMANN, Richterliche und be-

hördliche Entscheidungsfindung zwischen Kindeswohl und Elternwohl: Er-

ziehungsfähigkeit bei Familien mit einem psychisch kranken Elternteil, in: 

FamPra.ch 3/2015, S. 574). Auch die Fähigkeit des Elternteils, den Kontakt 

zwischen dem Kind und dem andern Elternteil zu fördern (sog. Bindungsto-

leranz) gehört zur Erziehungsfähigkeit (vgl. BGE 142 III 481 E. 2.7; Urteil 

des Bundesgerichts 5A_343/2021 vom 21. Oktober 2021 E. 5.2). 

 

3.1.4. 

3.1.4.1. 

Im Sozialbericht der Berufsbeistandschaft Z. vom 20. Oktober 2022 (act. 

41 ff.), der nach der Trennung der Eltern und infolge einer Eskalation ihres 

Elternkonflikts eingeholt wurde, wird die konflikthafte Beziehung der Eltern 

beschrieben und der Verdacht auf eine Suchtproblematik der Beschwerde-

führerin geäussert. Es wurde darin ausgeführt, es könne bei der Beschwer-

deführerin nicht ausgeschlossen werden, dass THC oder Alkohol aus Ver-

sehen herumliege, was zu lebensbedrohlichen Situationen führen würde, 

wenn die Kinder diese Substanzen einnehmen würden. Die Abklärungsper-

son hielt im Wesentlichen fest, dass die Beschwerdeführerin nicht verläss-

lich und absprachefähig sei. Zudem habe sie einen zu den Kindern und 

dem Vater verschobenen Tages- und Nachtrhythmus, was zu Konflikten 

am Morgen und mangelnder respektive unzureichender Beaufsichtigung 

der Kinder vor allem am Morgen führe. Es sei fraglich, ob die Beschwerde-

führerin allein einen regelmässigen Tagesablauf gewährleisten könne. Die 

Beschwerdeführerin könne sich auch massiv in Ton und Wortwahl vergrei-

fen.  

 

3.1.4.2. 

Die Beschwerdeführerin führte anlässlich der vorinstanzlichen Verhand-

lung aus, während den Schwangerschaften habe sie keinen Alkohol kon-

sumiert. Im Februar 2022 sei ihr Bruder gestorben. Seither habe sie unre-

gelmässig Alkohol konsumiert, aber nicht so, wie es ihr nachgelegt werde 

(act. 345). Cannabis konsumiere sie nicht, sondern lediglich CBD, welches 

legal erwerblich sei. Sie sei nie mit ihren Kindern bekifft herumgefahren. 

Sie habe es lediglich am Abend konsumiert, als ihre Kinder im Bett gewe-

sen seien (act. 345). Seit sieben Wochen habe sie kein CBD mehr konsu-

miert (act. 352).  

 

3.1.4.3. 

Der Vater führte anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung aus, er habe 

der Fachstelle SIWAS (Sicherheit/Waffen/Sprengstoffe) vorweisen müs-

sen, dass er kein Alkoholproblem habe. Er habe sehr wenig Alkohol getrun-

ken, unter der Woche praktisch nie. Ab und zu habe er ein Feierabendbier 

getrunken. Seit den Anschuldigungen trinke er unter der Woche gar keinen 

Alkohol, am Wochenende mal ein Glas Wein. Es sei länger her, seit er Ko-

kain konsumiert habe. Beim letzten Streit habe er das Kokain das WC hin-

untergespült und es nicht konsumiert (act. 356).  

 

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 - 10 - 

 

 

3.1.5. 

Die Abklärungsperson des Sozialberichts vom 20. Oktober 2022 stützt sich 

bei ihrer Einschätzung insbesondere auf die Schilderungen des Vaters, der 

Grossmutter väterlicherseits und der Nachbarin. Auskünfte von Fachstel-

len, wie der Mütter- und Väterberatung, der Anlaufstelle gegen Häusliche 

Gewalt oder der Kinderärztin wurden von der Abklärungsperson nicht ein-

geholt. Dass auch beim Vater Verdachtsmomente eines Alkohol- und Dro-

genkonsums bestehen, geht aus dem Sozialbericht vom 20. Oktober 2022 

nicht hervor.  

 

3.1.6. 

Wie bereits die Vorinstanz festgehalten hat, bestehen bei beiden Elterntei-

len Verdachtsmomente in Bezug auf einen Drogen- und (übermässigen) 

Alkoholkonsum. Gestützt auf die Akten kann der Drogen- und Alkoholkon-

sum der Eltern allerdings nicht abschliessend beurteilt werden (vgl. E. 5.3.3 

und E. 11.2 des angefochtenen Entscheids). Ein Laborbefund des Vaters 

vom 29. Juli 2022 hielt eine Alkoholabstinenz oder äusserst seltene Alko-

holaufnahme fest (act. 292 f.). Die seit Erlass des angefochtenen Ent-

scheids regelmässig durchgeführten Abstinenzkontrollen fielen bei der 

Mutter stets negativ aus (vgl. Beschwerdebeilage 4 und Beilagen zur Ein-

gabe der Beschwerdeführerin vom 1. Juni 2023). Die Beiständin bestätigte 

anlässlich der Verhandlung, dass sie bislang weder die Beschwerdeführe-

rin noch den Vater unter Drogen- und Alkoholeinfluss erlebt habe (act. 362). 

Vor diesem Hintergrund ist nicht zu befürchten, dass die Fähigkeit der El-

tern zur Betreuung und Erziehung der Betroffenen durch den Konsum von 

Drogen oder Alkohol eingeschränkt ist und sie ihre Pflichten dadurch nicht 

wahrnehmen können. Mit der Weisung zur regelmässigen Abstinenzkon-

trolle hinsichtlich Drogen und Alkohol während sechs Monaten (vgl. Dispo-

sitivziffer 7 des angefochtenen Entscheids), welche unangefochten geblie-

ben ist, wird gewährleistet, dass beide Eltern weiterhin auf Drogen oder 

einen übermässigen Alkoholkonsum verzichten.  

 

3.1.7. 

Es scheint allgemein, als habe sich der Elternkonflikt, welcher für die Über-

forderung beider Elternteile während des Zusammenlebens sicherlich auch 

mitursächlich gewesen ist, mit der räumlichen Trennung der Eltern und dem 

Auszug der Beschwerdeführerin in eine eigene Wohnung in einem gewis-

sen Masse beruhigt. Insbesondere haben sich die Lebensumstände der 

Mutter stabilisiert. Sie hat nun eine eigene Wohnung, geht einer Erwerbs-

tätigkeit nach und hat die THC- und Alkoholabstinenz erfolgreich gestartet 

(vgl. E. 3.1.6 hiervor). Dass die Mutter die Betreuung ihrer Kinder seit ihrem 

Auszug aus der gemeinsamen Wohnung im Rahmen ihres Besuchsrechts 

nicht verantwortungsbewusst erfüllen kann und an ihre Grenzen stösst, ist 

nicht ersichtlich und wird von der Beiständin in ihren Schreiben vom 9. Feb-

ruar 2023 (Beschwerdebeilage 6) und vom 5. April 2023 auch nicht vorge-

bracht. Selbst der Vater hat anlässlich der Anhörung die Verdachtsmo-

mente der ungenügenden Betreuung der Betroffenen durch die Beschwer-

deführerin entkräftet, indem er ausführte, die Beschwerdeführerin könne 

ihren Aufgaben nachgehen (act. 355; E. 5.3.4 im angefochtenen Ent-

scheid).  

 - 11 - 

 

 

 

3.1.8. 

Bei beiden Eltern ist zudem die Bindungstoleranz grundsätzlich gegeben 

und sie sind bereit, den Kontakt der Betroffenen zum anderen Elternteil zu 

fördern. Unbestritten ist die insbesondere bei der Betroffenen 1 bestehende 

enge Beziehung zum Vater. Zum Vorbringen des Vaters, die Betroffene 1 

habe sich dahingehend geäussert, lieber beim Papi zu bleiben (vgl. Be-

schwerdeantwort S. 8), ist jedoch festzuhalten, dass solche Aussagen ei-

nes Kindes sehr zurückhaltend zu würdigen sind. Es ist nicht untypisch für 

ein Kind in dieser Situation, dass es den meist unbewusst geäusserten Er-

wartungen eines Elternteils zu entsprechen versucht. Abgesehen davon 

kann angesichts des Alters der Betroffenen 1 von gerade mal drei Jahren 

ohnehin nicht auf ihren Willen abgestellt werden (vgl. BGE 131 III 553 

E. 1.2.2). In Anbetracht der zahlreichen Berichte von Personen aus dem 

nahen Umfeld der Eltern (act. 165 ff. und Beilagen 1-5 zur Beschwerdean-

twort vom 21. April 2023), der Beobachtungen der Kinderärztin (act. 120 f.) 

und der Beiständin (vgl. Bericht vom 5. April 2023) ist davon auszugehen, 

dass sowohl der Vater als auch die Beschwerdeführerin eine enge Bindung 

zu den Betroffenen haben.  

 

3.1.9. 

Aufgrund der Aktenlage und des soeben Dargelegten sind beide Elternteile 

in der Lage, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen, ihnen eine struk-

turierte Betreuung zu bieten und klare Regeln zu setzen. Beide Eltern ver-

fügen somit über die notwendigen erzieherischen Fähigkeiten und sind in 

der Lage, die Obhut über die Betroffenen unter Wahrung des Kindswohls 

auszuüben. Die Vorinstanz hat demnach beiden Elternteilen zu Recht die 

Erziehungsfähigkeit nicht abgesprochen.  

 

3.2. 

3.2.1. 

Das Betreuungsmodell der alternierenden Obhut ist nur dann umsetzbar, 

wenn die Eltern fähig und bereit sind, in Kinderbelangen laufend miteinan-

der zu kommunizieren und im Hinblick auf die notwendigen organisatori-

schen Vorkehrungen zu kooperieren (BGE 142 III 617 E. 3.2.3). Dabei steht 

einer alternierenden Obhut nicht entgegen, wenn die Eltern zur gemeinsa-

men Entscheidfindung die Unterstützung von Drittpersonen benötigen oder 

wenn sich ein Elternteil einer Regelung mit geteilter Betreuung widersetzt. 

Unter derartigen Voraussetzungen ist die alternierende Obhut zwar proble-

matischer, davon ist aber nur abzusehen, wenn das Verhältnis unter den 

Eltern hinsichtlich anderer Kinderbelange von einer Feindseligkeit gezeich-

net ist, die annehmen lässt, eine alternierende Obhut würde das Kind dem 

gravierenden Elternkonflikt in einer Weise aussetzen, die seinen Interessen 

offensichtlich zuwiderläuft (Urteil des Bundesgerichts 5A_629/2019 vom 

13. November 2020 E. 4.2).  

 

3.2.2. 

Der Vater bringt vor, die Eltern seien nicht in der Lage, in Kinderbelangen 

laufend miteinander zu kommunizieren und im Hinblick auf die notwendigen 

organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren. Aus diesem Grund sei 

 - 12 - 

 

 

ihnen von der Vorinstanz die Weisung erteilt worden, sich für eine entspre-

chende Beratung bei der Beratungsstelle F. zu melden.  

 

3.2.3. 

Die Beschwerdeführerin führt aus, sie sei bereit, in die Verbesserung der 

Kommunikation zu investieren. Die Beratungen bei der Beratungsstelle F. 

dienten ebenfalls der Verbesserung der Kommunikation.  

 

3.2.4. 

In der Vergangenheit ist es zwischen den Eltern regelmässig zu Auseinan-

dersetzungen und auch zu Vorfällen häuslicher Gewalt gekommen. Die 

Kommunikation zwischen den Eltern ist zwar konfliktbehaftet, hervorzuhe-

ben ist jedoch, dass die Eltern seit ihrer Trennung versuchen, die Betroffe-

nen aus ihrem Konflikt herauszuhalten. Eine negative Beeinflussung der 

Betroffenen durch den einen oder anderen Elternteil ist nicht festzustellen. 

Die Eltern können in Bezug auf die Kommunikation und die gemeinsame 

Entscheidfindung auch die Hilfe der Beiständin in Anspruch nehmen. Es ist 

sodann davon auszugehen, dass sich die Kommunikation nach den Bera-

tungen bei der Beratungsstelle F. verbessern wird. Den Eltern ist es seit 

Erlass des angefochtenen Entscheids offenbar gelungen, sich in Bezug auf 

den Alltag der Kinder und die häufigen Übergaben zu organisieren, wes-

halb nicht der Schluss gezogen werden kann, der Elternkonflikt sei derart 

ausgeprägt und umfassend, dass eine Kommunikation und Absprache über 

die Kinderbelange nicht möglich sei. 

 

3.3. 

3.3.1. 

Massgebend bei Anordnung der alternierenden Obhut ist aus praktischen 

Gründen regelmässig die geografische Situation, namentlich die Distanz 

zwischen den Wohnungen der Eltern.  

 

3.3.2. 

Zwischen den Wohnorten der Eltern liegt ungefähr eine Fahrzeit von 11 Mi-

nuten, weshalb die geographische Distanz einer alternierenden Obhut nicht 

entgegensteht. Bis zur Einschulung der Betroffenen ist die Distanz zwi-

schen den elterlichen Wohnorten überdies auch nicht ein entscheidender 

Faktor.  

 

3.4. 

3.4.1. 

Die Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu betreuen, spielt haupt-

sächlich dann eine Rolle, wenn spezifische Bedürfnisse des Kindes eine 

persönliche Betreuung notwendig erscheinen lassen oder wenn ein Eltern-

teil selbst in den Randzeiten (morgens, abends und an den Wochenenden) 

nicht bzw. kaum zur Verfügung stünde; ansonsten ist von der Gleichwertig-

keit von Eigen- und Fremdbetreuung auszugehen (vgl. BGE 144 III 481 

E. 4.6.3 und E. 4.7). 

 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Kommunikation+alternierende+Obhut&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-III-481%3Ade&number_of_ranks=0#page481

 - 13 - 

 

 

3.4.2. 

Die Vorinstanz führt aus, die Beschwerdeführerin arbeite unter der Woche 

im Service. Anders als beim Vater sei es ihr während ihrer Arbeit im Service 

nicht möglich, die Betroffenen (spontan) zu betreuen. Der Vater sei auch 

auf Hilfe von Dritten (Grosseltern, Nachbarn) angewiesen, jedoch könne er 

eine regelmässige Betreuung sicherstellen, ohne kurzfristig auf die Be-

schwerdeführerin angewiesen zu sein.  

 

3.4.3. 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, auch sie erfahre durch ihr Umfeld eine 

grosse Unterstützung bei der Betreuung der Kinder. Zudem habe sie einen 

verständnisvollen Arbeitgeber und könne kurzfristig Schichten mit Mitarbei-

tenden abtauschen. Die Beschwerdeführerin gibt weiter an, sie habe be-

reits beim Vorstellungsgespräch ihre Situation dem Arbeitgeber erklärt und 

könne bei Anordnung der alternierenden Obhut die Arbeit unter der Woche 

entsprechend reduzieren. Sie würde sich dann am Wochenende einen 

zweiten Job suchen, was derzeit in der Gastronomiebranche nicht schwie-

rig sei. So könne sie an ihren arbeitsfreien Tagen eine persönliche Betreu-

ung der Kinder sicherstellen. Der Vater hingegen müsse unvorhersehbare 

Einsätze leisten und spontan auf Betreuungsmöglichkeiten in seinem Um-

feld zurückgreifen, was eben gerade nicht die nötige Stabilität und Ruhe für 

die beiden Betroffenen mit sich bringe.  

 

3.4.4. 

Der Vater führt aus, er könne auf ein zuverlässiges Netz von Betreuungs-

personen zurückgreifen. Er könne seine Arbeit auf dem Hof teilweise frei 

einteilen und die Arbeitszeiten nach den Bedürfnissen der Betroffenen rich-

ten. Für die Tage, an denen er nicht vor Ort präsent sein könne, habe er 

die Unterstützung durch Drittpersonen organisiert. Die Beschwerdeführerin 

arbeite in zwei Gastbetrieben und sei in einer Arbeitsorganisation einge-

gliedert. Auch ein noch so verständnisvoller Arbeitgeber werde nicht stän-

dige Absenzen oder das dauernde Tauschen von Schichten tolerieren.  

 

3.4.5. 

Vor dem Hintergrund dessen, dass von der Gleichwertigkeit von Eigen- und 

Fremdbetreuung auszugehen ist, ist die Begründung der Vorinstanz in Be-

zug auf die Möglichkeit der (spontanen) Betreuung während der Arbeitszeit 

nicht stichhaltig. Ein Elternteil darf i.d.R. kein Nachteil mehr in Kauf nehmen 

müssen, weil er erwerbstätig ist und die Kinder darum fremdbetreuen las-

sen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_629/2019 vom 13. November 

2020 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts 5A_707/2019 vom 18. August 2020 

E. 3.1.1 sowie ferner: BGE 144 III 481 E. 4.6.3 ff. m.w.H.).  

 

Die Beschwerdeführerin arbeitet derzeit unter der Woche im Service mit 

einem 60 %-Pensum. Am Wochenende arbeitet sie ebenfalls im Gastrobe-

reich auf Abruf (act. 346 f.). Nebenbei handelt sie noch mit […] (act. 353). 

Der Vater arbeitet als selbständiger Landwirt und noch extern bei […] 

(act. 355).  

 

https://perma.cc/GH3F-UGX2
https://perma.cc/Z8YX-XK9R
https://perma.cc/HBK4-CCPY

 - 14 - 

 

 

Die Beschwerdeführerin bringt glaubhaft vor, bei Anordnung einer alternie-

renden Obhut ihre Arbeitstage entsprechend abzuändern, um sich an ihren 

freien Tagen persönlich um die Kinder kümmern zu können, und den Han-

del mit […] hauptsächlich während den Schlafenszeiten der Betroffenen zu 

erledigen (vgl. act. 353). Da sich der Vater die Arbeit als selbständiger 

Landwirt frei einteilen kann, wäre es beiden Eltern somit möglich, sich wäh-

rend ihrer Betreuungszeit überwiegend persönlich um die Kinder zu küm-

mern. Mehr gemeinsame Zeit mit beiden Eltern in der alternierenden Be-

treuung führt zu einer engeren emotionalen Eltern-Kind-Bindung und zu ei-

ner verbesserten Beziehung des Kindes zu beiden Eltern. Ein weiterer Vor-

teil ist, dass beide Eltern an ihren betreuungsfreien Tagen einer Erwerbs-

tätigkeit nachgehen können, was für die Familie insgesamt ein wirtschaftli-

cher Vorteil bedeutet. Nicht zu beanstanden ist und es widerspricht auch 

nicht dem Kindeswohl, wenn die Eltern bei Verhinderung zur Abdeckung 

ihrer Betreuungsanteile die Hilfe der Grosseltern, Freunde oder Nachbarn 

in Anspruch nehmen. Das Kriterium der persönlichen Betreuung spricht 

also nicht gegen eine alternierende Obhut.  

 

3.5. 

Was die Wohnverhältnisse der Beschwerdeführerin anbelangt, haben 

diese – entgegen der Begründung des angefochtenen Entscheids – sicher 

keinerlei negative Komponenten in Bezug auf die alternierende Obhut. Die 

Wohnung ist zwischenzeitlich vollständig eingerichtet, die Betroffenen ha-

ben je ein eigenes kindergerecht eingerichtetes Zimmer (vgl. Stellung-

nahme der Beiständin vom 9. Februar 2023; Beschwerdebeilage 6). Es be-

steht daher kein Grund mehr zur Annahme, dass die Beschwerdeführerin 

die Betreuung der Betroffenen in ihren Wohnräumlichkeiten nicht sicher-

stellen könnte. 

 

3.6. 

3.6.1. 

Neben der zeitlichen Verfügbarkeit der Eltern ist auch die Qualität des Um-

gangs der Eltern mit den Kindern zu berücksichtigen (Urteil des Bundesge-

richts 5A_22/2010 E. 5.2.2).  

 

3.6.2. 

Diesbezüglich kann auf die vorstehenden E. 3.1.6 ff. verwiesen werden, 

wonach davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin die Betreuung 

der Betroffenen verantwortungsbewusst übernehmen kann und in der Lage 

ist, auf deren Bedürfnisse einzugehen.  

 

3.7. 

3.7.1. 

Das Kriterium der Kontinuität bzw. Stabilität versteht sich als Weiterführung 

der bisherigen Lebensweise bzw. als Fortbestehen des Aufenthaltsorts und 

beinhaltet ebenso das Kriterium der Beziehungskontinuität (BÜCH-

LER/CLAUSEN, Die elterliche Sorge – Entwicklungen in Lehre und Recht-

sprechung, in: FamPra.ch 1/2018, S. 12 f.; VETTERLI, in: FamKomm Schei-

dung, 3. Auflage 2017, N. 3 zu Art. 176 ZGB). Es gilt unnötige Veränderun-

gen im örtlichen und sozialen Umfeld der Kinder zu vermeiden (vgl. Urteil 

 - 15 - 

 

 

des Bundesgerichts 5A_46/2015 vom 26. Mai 2015 E. 4.4.2; BGE 114 II 

200 E. 5a). Eine alternierende Obhut ist im Sinne der Stabilität, wie sie mit 

der Weiterführung der bisherigen Regelung einhergeht, umso eher ange-

zeigt, wenn eine abwechslungsweise Betreuung bereits vor der Trennung 

der Eltern stattgefunden hat. Aus Sicht der Kinder ist insbesondere wichtig, 

wer im Alltag präsent und zugänglich für ihre Anliegen war und wie für die 

Zukunft die bestmögliche Lösung auszugestalten ist.  

 

3.7.2. 

Bei der Beurteilung der Frage der Obhutszuteilung legte die Vorinstanz ih-

ren Fokus auf das Kriterium der Kontinuität des Orts der Betreuung (vgl. 

E. 7.3 des angefochtenen Entscheids).  

 

3.7.3. 

Mit der vorinstanzlich angeordneten Besuchsrechtsregelung sind die Kin-

der fünf Tage in der Woche von 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr (ausser an den 

Wochenendtagen von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr) bei der Beschwerdeführe-

rin. Sie ist somit zwar am Alltag der Kinder beteiligt, aber hat durch die 

eingeschränkte Dauer der Besuche, insbesondere an den Wochentagen, 

kaum die Möglichkeit, einen geordneten Tagesablauf mit den Kindern zu 

gestalten. Das ständige Hin- und Her zwischen den Elternteilen trägt klar 

nicht zu einer Beruhigung der Situation der beiden Betroffenen bei und ist 

nicht mit ihrem Kindeswohl vereinbar. Es ist davon auszugehen, dass solch 

übermässig häufige Wechsel für die Kinder verunsichernd, belastend und 

mit Stress verbunden sind. Die Eltern bestätigen übereinstimmend, dass 

die häufigen Übergaben für die Kinder einen Stressfaktor darstellen. Vor 

dem Hintergrund der angeordneten Besuchsrechtsregelung kann das von 

der Vorinstanz herangezogene Kriterium der Kontinuität des Orts der Be-

treuung nach dem Gesagten nicht ausschlaggebend für die Alleinzuteilung 

der Obhut an den Vater sein.  

 

3.7.4. 

Die Eltern lebten bis im August 2022 gemeinsam auf dem Hof in Q., wel-

chen der Vater als Landwirt bewirtschaftet. Während des Zusammenlebens 

war die Mutter nicht erwerbstätig und kümmerte sich hauptsächlich um die 

Kinder. Der Vater ging stets zu 100 % einer Erwerbstätigkeit auf dem Hof 

sowie extern bei […] nach. Die Kinderärztin der Betroffenen führt mit 

Schreiben vom 8. November 2022 aus, ihr Eindruck sei, dass die Mutter 

den Hauptteil der Betreuung und Erziehung der Kinder übernommen habe 

und die Hauptbezugsperson sei (act. 120 f.). Der Vater hat die Kinder je-

doch unbestrittenermassen regelmässig während oder nach seiner Arbeit 

und insbesondere auch am Wochenende betreut. Insbesondere in den 

Phasen, in denen es der Beschwerdeführerin nicht gut ging und sich die 

Schwierigkeiten auf der Beziehungsebene zwischen ihr und dem Vater in-

tensivierten, war der Vater für die Kinder da, so dass deren Betreuung stets 

gewährleistet war. Vor der Trennung waren somit beide Elternteile im Alltag 

der Betroffenen sehr präsent.   

 

Dem Interesse der Kinder nach Kontinuität bei der Betreuung ist mit einem 

zeitlich ausgedehnteren Kontakt mit Übernachtung viel mehr gedient als an 

 - 16 - 

 

 

sämtlichen fünf Arbeitstagen einer Woche täglich ihr Zuhause von einem 

zum andern Elternteil zu wechseln. Dies erkennt auch der Vater, weshalb 

er sich in seiner Stellungnahme vom 21. April 2023 mit einer Änderung des 

Besuchsrechts der Mutter einverstanden erklärt und vorgeschlagen hat, der 

Beschwerdeführerin ein Besuchsrecht von Mittwochmorgen, 09.00 Uhr, bis 

Donnerstagabend, 17.00 Uhr und jedes zweite Wochenende von Samstag-

morgen, 09.00 Uhr, bis Sonntagabend, 17.00 Uhr, einzuräumen. Die Be-

troffenen können durch einen ausgedehnteren Kontakt mit Übernachtung 

eine tragende Beziehung zu beiden Elternteilen leben, ohne dass sie stän-

dig zwischen den Elternteilen hin- und herwechseln müssen. Damit würden 

sich die Übergaben reduzieren, was allgemein zu einer Beruhigung der All-

tagssituation der Betroffenen beitragen würde. Mit der Anordnung einer al-

ternierenden Obhut ist damit die Stabilität der Verhältnisse besser gewähr-

leistet als mit der von der Vorinstanz angeordneten Alleinzuteilung der Ob-

hut an den Vater und der derzeitigen Besuchsrechtsregelung.  

 

3.8. 

In Würdigung der gesamten Umstände wird dem Bedürfnis der Kinder auf 

beidseitige elterliche Fürsorge, Zuwendung und Erziehung bestmöglichst 

mit der Anordnung einer alternierenden Obhut entsprochen. So können die 

Betroffenen sowohl zur Mutter als auch zum Vater eine starke Beziehung 

pflegen, was für ihre gedeihliche Entwicklung sehr wichtig ist. Entgegen 

dem vorinstanzlichen Entscheid ist somit die alternierende Obhut anzuord-

nen.  

 

4. 

Zusammengefasst ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sache an die 

Vorinstanz zur Anordnung der alternierenden Obhut, zur Regelung der Mo-

dalitäten (Betreuungstage und -zeiten), zur Festsetzung des Wohnsitzes 

der Betroffenen und zur Festlegung einer Ferien- und Feiertagsregelung 

zurückzuweisen. 

 

5. 

Der beantragte Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde wird 

mit dem vorliegenden (End)Entscheid gegenstandslos. 

 

6. 

6.1. 

Da vorliegend ein Konflikt zwischen den Eltern im Vordergrund steht, bei 

welchem die Obhut über die Betroffenen umstritten ist, handelt es sich um 

ein streitiges Zweiparteienverfahren, weshalb die Verteilungsgrundsätze 

von Art. 106 ZPO grundsätzlich Anwendung finden.  

 

6.2. 

Die Rückweisung der Sache zu neuem Entscheid gilt für die Frage der Auf-

erlegung der Verfahrenskosten wie auch der Parteientschädigung als voll-

umfängliches Obsiegen der Beschwerdeführerin, weshalb die obergericht-

lichen Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 1'500.00 (§ 25 Abs. 1 EG ZGB 

i.V.m. § 8 VKD) dem Vater aufzuerlegen sind (§ 38 Abs. 3 EG ZGB i.V.m. 

 - 17 - 

 

 

Art. 106 Abs. 1 ZPO). Der Vater hat der Beschwerdeführerin sodann die 

Parteikosten zu ersetzen. 

 

6.3. 

Für das Beschwerdeverfahren vor der Kammer für Kindes- und Erwachse-

nenschutz ist seit 1. Januar 2023 von einer Grundentschädigung von 

Fr. 2'700.00 auszugehen (§ 8 Abs. 1 i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Diese 

ist wegen der im Grundhonorar inbegriffenen und vorliegend wegfallenden 

Teilnahme an einer Verhandlung (§ 6 Abs. 2 AnwT) um 20 % auf 

Fr. 2'160.00 zu kürzen. Die zusätzlichen Eingaben der Beschwerdeführerin 

vom 4. Mai 2023 sowie vom 1. und 13. Juni 2023 werden gestützt auf 

§ 6 Abs. 3 AnwT mit einem Zuschlag von insgesamt 20 % berücksichtigt. 

Weil es sich um ein Rechtsmittelverfahren handelt, wird gestützt auf 

§ 8 Abs. 1 AnwT ein Abschlag von 20 % vorgenommen. Unter Berücksich-

tigung des pauschalen Auslagenersatzes von 3 % (Fr. 64.80; § 13 Abs. 1 

AnwT) und der Mehrwertsteuer von 7,7 % (Fr. 171.30) ergibt sich für die 

Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine Entschädigung von 

Fr. 2'396.10.  

 

6.4. 

Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin ist 

mit dem vorliegenden Ausgang des Beschwerdeverfahrens gegenstands-

los geworden, zumal keine Anhaltspunkte dafür vorliegen und von der Be-

schwerdeführerin auch nicht vorgebracht wird, dass eine ihr zugespro-

chene Parteientschädigung nicht einbringlich sein könnte (vgl. WUFFLI/FUH-

RER, Handbuch der unentgeltlichen Rechtspflege im Zivilprozess, Zü-

rich/St. Gallen 2019, Rz. 946; Entscheid des Bundesgerichts 4A_112/2018 

vom 20. Juni 2018 E. 1.2.3). 

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entscheidet: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde werden die Dispositivziffern 2 und 3 des 

Entscheids des Familiengerichts Baden vom 20. Dezember 2022 aufgeho-

ben und die Sache zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an 

das Familiengericht Baden zurückgewiesen.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.00 werden dem Vater auferlegt.  

 

3. 

Der Vater wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin für das obergerichtliche 

Beschwerdeverfahren ihre richterlich auf Fr. 2'396.10 (inkl. Auslagen und 

MwSt.) festgesetzten Parteikosten zu vergüten.  

 

 - 18 - 

 

 

4. 

Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege wird zufolge Gegenstandslosigkeit von der Kontrolle abge-

schrieben.