# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04523a4d-4bac-5e80-b14d-9c899ca182de
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-05-29
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 29.05.2018 SK 2017 375
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-375_2018-05-29.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 17 375

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 29. Mai 2018 

Besetzung Oberrichterin Hubschmid (Präsidentin i.V.), Oberrichter Gerber, 
Oberrichter Zihlmann
Gerichtsschreiberin Bank

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Berufungsführerin

und

C.________
amtlich vertreten durch Fürsprecherin D.________

Straf- und Zivilklägerin/Anschlussberufungsführerin

Gegenstand Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Drohung etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 4.7.2017 (PEN 16 712)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht) erkannte mit Urteil vom 
4.7.2017 bzw. mit Urteilsberichtigung vom 5.7.2017 Folgendes (pag. 616 ff.; 
pag. 625 f.):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________ 

1. wegen Drohung, angeblich mehrfach begangen am 24.11.2013 an der E________strasse in 
Bern, z.N. C.________;

2. wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Konsum einer unbestimm-
ten Menge Cannabis, festgestellt am 25.11.2013 in Ostermundigen,

wird eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung, angeblich begangen am 
24.11.2013 an der E________strasse in Bern, z.N. C.________;

unter Ausrichtung einer Entschädigung an A.________ von CHF 5‘720.00, für die wirtschaftlichen 
Einbussen, die ihm aus der notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (Art. 429 
Abs. 1 lit. b StPO);

unter Ausrichtung einer Genugtuung an A.________ für die ausgestandene Polizei- und Untersu-
chungshaft von CHF 8‘200.00 (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO);

unter Auferlegung der Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 15‘650.00 
und Auslagen von CHF 4‘610.00, insgesamt bestimmt auf CHF 20‘260.00, an den Kanton Bern.

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Kosten der Untersuchung CHF 5'650.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 10'000.00
Total CHF 15'650.00

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Auslagen der Untersuchung CHF 3'110.00
Auftritt Staatsanwaltschaft an der HV CHF 1'500.00
Kanzleiauslagen des Gerichts CHF 100.00
Total CHF 4'610.00

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1‘000.00. Die redu-
zierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 19‘260.00.

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Für die amtliche Verteidigung von A.________ wird Rechtsanwältin B.________ eine Entschädi-
gung von CHF 23‘783.80 ausgerichtet. 

III.

Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Fürsprecherin D.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 58.50 200.00 CHF 11'700.00

CHF 454.20
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 12'154.20 CHF 972.35

CHF 622.95
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 13'749.50

volles Honorar CHF 14'625.00
CHF 454.20

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 15'079.20 CHF 1'206.35
CHF 622.95

Total CHF 16'908.50

nachforderbarer Betrag CHF 3'159.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecherin D.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ mit CHF 13‘749.50. 

IV.

Im Zivilpunkt wird beschlossen:

1. Die Zivilklage der Privatklägerin C.________ wird abgewiesen (Art. 126 Abs. 1 Bst. b StPO).

2. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

V.

Weiter wird beschlossen bzw. festgestellt:

1. Die Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. ________) durch das zuständige Bundesamt 
braucht keine Zustimmung (Art. 16 Abs. 1 lit. c DNA-ProfilG).

2. Die Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten durch den für die 
Führung von AFIS zuständigen Dienst braucht keine Zustimmung (Art. 17 Abs. 1 lit. c Verord-
nung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

[…]

2. Berufung

Gegen das erstinstanzliche Urteil vom 4.7.2017 meldete die Staatsanwaltschaft 
des Kantons Bern, Region Bern-Mittelland am 6.7.2017 und C.________ (nachfol-
gend die Straf- und Zivilklägerin), amtlich vertreten durch Fürsprecherin 
D.________, am 14.7.2017 form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 668; 
pag. 671).

Mit Berufungserklärung vom 12.10.2017 beschränkte die Generalstaatsanwalt-
schaft die Berufung auf die Freisprüche gemäss Ziff. II des erstinstanzlichen Dispo-

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sitivs und die Sanktion nebst Kosten- und Entschädigungsfolgen. Sie beantragte, 
A.________ (nachfolgend der Beschuldigte) sei wegen sexueller Nötigung und 
Vergewaltigung (Anklageschrift Ziff. 2 und Ziff. 3) schuldig zu sprechen. Er sei zu 
einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten zu verurteilen. 12 Monate der Freiheitsstrafe 
seien unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 82 Tagen 
unbedingt zu vollziehen und für 24 Monate sei dem Beschuldigten der bedingte 
Strafvollzug bei einer Probezeit von zwei Jahren zu gewähren. Im Übrigen sei der 
Beschuldigte zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu 
verurteilen (pag. 695).

Mit Verfügung vom 25.10.2017 stellte die Verfahrensleitung fest, dass die Straf- 
und Zivilklägerin innert der 20-tägigen Frist gemäss Art. 399 Abs. 3 der Schweizeri-
schen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) keine Berufungserklärung einge-
reicht hatte. Den Parteien wurde die Gelegenheit gegeben, innert Frist zur Eintre-
tensfrage auf die Berufung der Straf- und Zivilklägerin Stellung zu nehmen 
(pag. 696 f.).

Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 3.11.2017 auf eine 
Stellungnahme zur Eintretensfrage (pag. 701).

Fürsprecherin D.________ erklärte mit Schreiben vom 3.11.2017 die Anschlussbe-
rufung gegen das erstinstanzliche Urteil beschränkt auf die Freisprüche, den sich 
daraus gebenden Folgen sowie den Zivilpunkt. Sie beantragte, der Beschuldigte 
sei wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung, beides begangen am 
24.11.2013 zum Nachteil der Straf- und Zivilklägerin schuldig zu sprechen und er 
sei angemessen zu bestrafen. Der Beschuldigte sei zur Bezahlung der erst- und 
oberinstanzlichen Verfahrenskosten, einer Genugtuung in gerichtlich zu bestim-
mender Höhe, mindestens jedoch CHF 17‘000.00, nebst Zins zu 5% seit dem 
24.11.2013 an die Straf- und Zivilklägerin, einer Entschädigung von CHF 808.75 
Schadenersatz nebst Zins zu 5% seit dem 24.11.2013 an die Straf- und Zivilkläge-
rin sowie zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Parteikosten der Straf- und 
Zivilklägerin zu verurteilen. Das amtliche Honorar der anwaltlichen Vertretung der 
Straf- und Zivilklägerin sei gestützt auf die Honorarnote gerichtlich zu bestimmen. 
Weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen (pag. 702 f.).

Rechtsanwältin B.________, die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten, führte 
im Schreiben vom 6.11.2017 aus, die Straf- und Zivilklägerin habe keine selbstän-
dige Berufung erklärt, weshalb auf eine selbständige Berufung nicht einzutreten sei 
(pag. 705).

Mit Verfügung vom 9.11.2017 trat die Verfahrensleitung nicht auf die Berufung der 
Straf- und Zivilklägerin ein. Im Übrigen gab sie dem Beschuldigten Gelegenheit, in-
nert Frist die Anschlussberufung zu erklären und/oder begründet ein Nichteintreten 
auf die Berufung der Generalstaatsanwaltschaft zu beantragen. Ferner wurde dem 
Beschuldigten und der Generalstaatsanwaltschaft Frist gesetzt, um begründet ein 
Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Straf- und Zivilklägerin zu beantragen 
(pag. 707 f.). 

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Die Generalstaatsanwaltschaft teilte am 13.11.2017 mit, sie mache keine Gründe 
für ein Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Straf- und Zivilklägerin geltend 
(pag. 711). Der Beschuldigte liess sich hierzu nicht vernehmen (vgl. pag. 713 f.).

Mit Vorladungen vom 10.1.2018 wurde den Parteien die Zusammensetzung der 
Kammer bekannt gegeben (pag. 727 ff.). 

Am 11.5.2018 stellte Fürsprecherin D.________ folgende Anträge (pag. 752 f.):

1. Es sei eine Begegnung und eine Gegenüberstellung von Frau C.________ mit dem Beschuldigten 
zu vermeiden, und Frau C.________ sei – abgesehen von ihrer Einvernahme – vom persönlichen 
Erscheinen an der Verhandlung zu dispensieren. 

2. Die Öffentlichkeit (Publikum und Presse) sei von der Verhandlung auszuschliessen.

Die Anträge auf Vermeidung der Konfrontation zwischen der Straf- und Zivilklägerin 
und dem Beschuldigten sowie auf Dispensation der Straf- und Zivilklägerin von der 
oberinstanzlichen Hauptverhandlung mit Ausnahme ihrer Einvernahme wurden mit 
Verfügung vom 16.5.2018 gutgeheissen. Demgegenüber wurde der Antrag auf 
Ausschluss der Öffentlichkeit nur insofern gutgeheissen, als die Öffentlichkeit – mit 
Ausnahme akkreditierter Medienvertreter – nur während der Einvernahme der 
Straf- und Zivilklägerin ausgeschlossen wurde. Soweit weitergehend wurde der An-
trag abgewiesen (pag. 756 ff.).

Mit Verfügung vom 17.5.2018 wurde den Parteien die neue Zusammensetzung der 
Kammer (Oberrichter Gerber anstelle Oberrichter Vicari) bekannt gegeben 
(pag. 760 f.).

Am 22.5.2018 teilte die Verfahrensleitung den Parteien mit, dass Oberrichter Ger-
ber (ehemals Gerichtspräsident am Regionalgericht Bern-Mittelland) am 24.1.2017 
stellvertretend für Gerichtspräsident Y.________ den Brief an die Psychotherapeu-
tin F.________ unterzeichnet hatte. In Übereinstimmung mit der Rechtsprechung 
sei die Unterschrift jedoch nicht geeignet, objektiv den Anschein der Befangenheit 
zu begründen. Die Parteien wurden aufgefordert, einen allfälligen Ausstandsgrund 
so rasch als möglich geltend zu machen (pag. 763). Die Parteien nahmen hierzu 
nicht schriftlich Stellung und verzichteten an der oberinstanzlichen Hauptverhand-
lung explizit auf die Geltendmachung eines Ausstandsgrund (pag. 766).

Von Amtes wegen wurde der aktuelle Strafregisterauszug vom 14.5.2018 ediert 
(pag. 755). Ferner erfolgte an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
28.5.2018 die Einvernahme der Straf- und Zivilklägerin (pag. 768 ff.) sowie des Be-
schuldigten (pag. 780 ff.).

3. Anträge der Parteien

Staatsanwältin G.________ stellte an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
28.5.2018 folgende Anträge (pag. 786):

I.
Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht in Dreierbesetzung) vom 4. Juli 2017 insoweit in Rechtskraft erwachsen ist als das Strafver-
fahren gegen A.________ wegen Drohung und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz – 

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ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten – eingestellt 
worden ist.

II.
A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der Vergewaltigung, begangen am 24. November 2013 in Bern, z.N. C.________;

2. der sexuelle Nötigung, begangen am 24. November 2013 in Bern, z.N. C.________.

III.
A.________ sei in Anwendung von Art. 40, 43, 44, 47, 49, 50, 51, 189 Abs. 1 und 190 Abs. 1 StGB 
Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 12 Monate Freiheitsstrafe unbedingt, unter An-
rechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 82 Tagen und 24 Monaten Freiheitsstrafe 
unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von 2 Jahren;

2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Ge-
bühr gemäss Art. 21 VKD).

IV.
Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Die Honorare der amtlichen Verteidigerinnen seien gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

2. Dem zuständigen Bundesamt sei die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNAProfils (PCN-
Nr. ________) zu erteilen (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-ProfilG).

3. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst sei die Zustimmung zur Löschung der erhobe-
nen biometrischen erkennungsdienstlicher Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist zu erteilen 
(Art. 17 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erken-
nungsdienstlicher Daten).

Fürsprecherin D.________ beantragte Folgendes (pag. 788 f.):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 07. Juli 2017 inso-
fern in Rechtskraft erwachsen ist, als das Strafverfahren gegen A.________ wegen Drohung und 
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ohne Ausrichtung einer Entschädigung und 
ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten eingestellt wurde.

2. A.________ sei demgegenüber schuldig zu erklären
2.1 der sexuellen Nötigung, begangen am 24. November 2013 in Bern zN C.________;
2.2 der Vergewaltigung, begangen am 24. November 2013 in Bern zN C.________.

3. A.________ sei angemessen zu bestrafen.

4. A.________ sei zu verurteilen
4.1 zu den erst- und den oberinstanzlichen Verfahrenskosten;
4.2 zur Bezahlung einer Genugtuung in gerichtlich zu bestimmender Höhe, mindestens aber von 

CHF 17'000.00, nebst Zins zu 5% seit 24. November 2013, an C.________;
4.3 zur Bezahlung von CHF 808.75 Schadenersatz, nebst Zins zu 5% seit 24. November 2013, 

an C.________;
4.4 zu den erst- und den oberinstanzlichen Parteikosten von C.________ gemäss Kostennoten.

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5. Das erst- und das oberinstanzliche amtliche Honorar der Anwältin von C.________ sei gestützt 
auf die eingereichten Honorarnoten gerichtlich zu bestimmen.

6. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

Rechtsanwältin B.________ stellte demgegenüber folgende Anträge (pag. 790 f.):
Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 4. Juli 2017 insoweit in 
Rechtskraft erwachsen ist, als

das Verfahren gegen A.________ wegen

- Drohung, angeblich mehrfach begangen am 24.11.2013 an der E________strasse in Bern, z.N. 
C.________;

- Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Konsum einer unbestimmten Menge 
Cannabis, festgestellt am 25.11.2013 in Ostermundigen;

eingestellt wurde, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrens-
kosten.

A.________

sei freizusprechen

von der Anschuldigung der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung, angeblich begangen am 
24.11.2013 an der E________strasse in Bern, z.N. C.________;

unter Auflage der entstandenen erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten an den Staat 
und unter Ausrichtung einer angemessenen Entschädigung und Genugtuung gestützt auf 
Art. 429 StPO.

des Weiteren

1. sei die Zivilklage abzuweisen.

2. sei das erst- und oberinstanzliche Honorar für die amtliche Verteidigung gemäss Kostennoten 
festzusetzen.

3. seien die weiteren nötigen Verfügungen von Amtes wegen zu erlassen.

4. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Kammer überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punk-
ten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Mangels entsprechender Berufung sind die Einstellun-
gen gemäss Ziff. I des erstinstanzlichen Dispositivs (pag. 617) in Rechtskraft er-
wachsen. 

Von der Kammer zu überprüfen sind damit die Freisprüche von den Anschuldigun-
gen der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung inkl. Sanktion sowie die Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. II und Ziff.  III des erstinstanzlichen Disposi-
tivs, pag. 617 f.), der Zivilpunkt (Ziff. IV des erstinstanzlichen Dispositivs, pag. 619) 
und die Verfügungen (Ziff. V. des erstinstanzlichen Dispositivs, pag. 619). Die 
Kammer hat bei der Überprüfung des Urteils volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). 
Infolge Berufung durch die Generalstaatsanwaltschaft ist sie nicht an das Ver-
schlechterungsverbot (auch «Verbot der reformatio in peius» genannt) nach 
Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden.

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II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

5. Vorwurf gemäss Anklageschrift und erstinstanzliche Sachverhaltsfeststel-
lungen

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 29.8.2016 unter Ziff. I.2 und 
Ziff. I.3 vorgeworfen, sich der sexuellen Nötigung (Ziff. I.2) und der Vergewaltigung 
(Ziff. I.3), begangen am 24.11.2013 an der E________strasse in Bern, zum Nach-
teil von C.________ schuldig gemacht zu haben. Als Sachverhalt wird Folgendes 
umschrieben (pag. 298 f.):

2. Sexuelle Nötigung (Art. 189 StGB), begangen z.N. von C.________ am 24. November 2013 an 
der E________strasse in ________ Bern wie folgt:

Nachdem C.________ ihm das dritte Küchenmesser (vgl. Ziff. 1.2 hiervor) aus der Hand gerissen 
und in einem Sack mit schmutziger Wäsche versteckt hatte, zog sich A.________ bis auf die So-
cken aus, um ihr zu zeigen, dass er jetzt kein Messer mehr habe, riss sie an den Haaren und be-
fahl ihr, mit ihm ins Schlafzimmer zu gehen. Dort erklärte er ihr, er werde ihr jetzt eine Lektion er-
teilen, welche sie nicht mehr vergessen werde. Dazu forderte er sie auf, sich auszuziehen. Als sie 
diese Aufforderung zurückwies und sich weigerte, begann A.________ zu zählen und hob die 
Hand, als wolle er sie schlagen. Dann schlug er gegen den Bildschirm des Fernsehers und droh-
te, es sei gar nicht nötig, ein Messer zu haben, denn eine Scherbe vom Bildschirm sei sowieso 
viel schärfer. Aus Angst und um zu verhindern, dass ihre in der Wohnung ebenfalls anwesende 
Tochter etwas mitbekommt, zog sich C.________ aus. In der Folge packte er sie hart und fest an 
Hinterkopf und Haaren, drückte ihren Kopf mehrmals gewaltsam nach unten und befahl ihr, ihn 
oral zu befriedigen. Da sie dies nicht tun wollte, drückte er ihren Kopf mit Gewalt gegen seinen 
Penis, so dass sie diesen in den Mund nehmen musste. Dann hielt er ihren Kopf weiterhin fest 
und bewegte ihn zwecks Stimulation seines Penis nach vorne und hinten sowie auf und ab. 

Privatklägerin: C.________

Zivilklage: (noch nicht bestimmt)

3. Vergewaltigung (Art. 190 StGB), begangen z.N. von C.________ am 24. November 2013 an der 
E________strasse in 3014 Bern wie folgt:

Nach der oralen Stimulation (vgl. Ziff. 2 hiervor) forderte A.________ C.________ auf „alle Viere“ 
zu gehen. Da sie sich weinend weigerte, zog er sie erneut an den Haaren, setzte sie auf sich und 
forderte sie auf, ihn „zu reiten“. Obwohl sie immer noch weinend bat, sie nicht zu zwingen, weil 
sie nicht könne, befahl er ihr, „beweg dich, beweg dich!“, worauf sie aus Angst und um zu verhin-
dern, dass ihre in der Wohnung ebenfalls anwesende Tochter etwas mitbekommt, nachgab und 
sich auf und ab bewegte. Nach einer Weile forderte er sie erneut auf, sich umzudrehen und auf 
„alle Viere“ zu gehen, weil er Analverkehr wolle. Sie bat ihn unter Tränen, es nicht zu tun und 
versuchte sich zu wehren und sich loszureissen, doch er hielt sie weiterhin an den Haaren fest, 
drang schliesslich vaginal in sie ein und vollzog den Geschlechtsverkehr bis zum Samenerguss, 
während sie weiterhin weinte und in die Leintücher biss.

Privatklägerin: C.________

Zivilklage: (noch nicht bestimmt)

Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhalt nach Gegenüberstellung 
sämtlicher objektiver und subjektiver Beweismittel nach dem Grundsatz «in dubio 

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pro reo» als nicht erstellt. Die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin würden 
grundsätzlich keine Lügensignale enthalten, weshalb kaum Zweifel an deren 
Glaubhaftigkeit aufkomme. Allerdings ändere sich dies mit ihren Aussagen an der 
Fortsetzungsverhandlung vom 26.6.2017. Dort habe die Straf- und Zivilklägerin 
eingestanden, eine langandauernde Nachtatbeziehung mit dem Beschuldigten ge-
führt zu haben. Diesbezüglich habe sie nicht nur das Gericht, sondern auch ihre 
Therapeutin und Anwältin belogen. Die Straf- und Zivilklägerin habe sich in der Zeit 
nach der angeblichen Tat bis am 7.7.2016 mit und ohne ihre Tochter beim Be-
schuldigten aufgehalten, teilweise habe sie dort übernachtet. Einmal sei die Straf- 
und Zivilklägerin mit ihrer Tochter und dem Beschuldigten gemeinsam in den Eur-
opapark gefahren. Auch die behauptete «Bombardierung» mit Drohungen via SMS 
im Sommer 2016 habe sich als masslose Übertreibung herausgestellt (pag. 649 f., 
S. 20 f. der Urteilsbegründung). 

Aufgrund der glaubhaften Aussagen des Beschuldigten sei die Version seiner Ge-
schehnisse ebenfalls plausibel. Auch in seinen Aussagen seien nur in geringem 
Umfang Lügensignale vorhanden (pag. 659 f., S. 30 f. der Urteilsbegründung). Zu-
sammenfassend könne die Vorinstanz zwar nicht ausschliessen, dass der Be-
schuldigte die angeklagten Taten begangen habe. Allerdings würden erhebliche 
nicht zu unterdrückende Zweifel vorliegen, so dass sich der Abend vom 24.11.2013 
auch anders zugetragen haben könnte (pag. 663, S. 34 der Urteilsbegründung).

6. Bestrittener/unbestrittener Sachverhalt

Die Geschehnisse vom 24.11.2013 sind mehrheitlich unbestritten. Am 24.11.2013 
kam es in der Nacht und am Nachmittag zwischen dem Beschuldigten und der 
Straf- und Zivilklägerin, welche zuvor eine langjährige Beziehung miteinander führ-
ten, in deren Wohnung zu verbalen Auseinandersetzungen. Im Rahmen dieser 
Auseinandersetzungen behändigte der Beschuldigte insgesamt drei verschiedene 
Messer (eines in der Nacht, zwei am Nachmittag), die ihm die Straf- und Zivilkläge-
rin wieder entwenden konnte. Vor oder im Laufe der Auseinandersetzung am 
Nachtmittag des 24.11.2013 verschloss der Beschuldigte die Wohnungstüre, wobei 
der Schlüssel im Schlüsselloch abbrach. Im Anschluss an diese Auseinanderset-
zung gingen der Beschuldigten und die Straf- und Zivilklägerin ins Schlafzimmer. 
Dort kam es zum oralen und vaginalen Geschlechtsverkehr bis zum Samenerguss 
des Beschuldigten. Die Tochter der Straf- und Zivilklägerin, H.________, befand 
sich während des Vorfalls ebenfalls in der Wohnung. Die Straf- und Zivilklägerin te-
lefonierte im Verlauf des Geschehens zu einem unbestimmten Zeitpunkt mit ihrem 
Chef, um diesem mitzuteilen, sie werde zu spät zur Arbeit kommen. 

Bestritten ist, ob der orale und vaginale Geschlechtsverkehr gegen den Willen der 
Straf- und Zivilklägerin stattfand und welcher Nötigungs- bzw. Gewaltmittel sich der 
Beschuldigte dabei bedient hätte. Ferner ist oberinstanzlich umstritten, dass die 
Straf- und Zivilklägerin während des Geschlechtsverkehrs weinte (vgl. zum Ganzen 
pag. 638, S. 9 f. der Urteilsbegründung).

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7. Beweismittel

Dem Beschuldigten wird ein sogenanntes «Vier-Augen-Delikt» vorgeworfen. Natur-
gemäss bilden in solchen Fällen die Aussagen der beiden Direktbeteiligten, des 
Beschuldigten (pag. 6 ff.; 24 ff.; pag. 87 ff.; pag. 191 ff.; pag. 200 ff.; pag. 209 ff.; 
pag. 388 ff.) sowie der Straf- und Zivilklägerin (pag. 68 ff.; pag. 162 ff.; pag. 169 ff.; 
pag. 181 ff.; pag. 379 ff.; pag. 564 ff.), die wichtigsten Beweismittel. In Anwendung 
von Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO wurden daher sowohl die Straf- und 
Zivilklägerin wie auch der Beschuldigte oberinstanzlich nochmals befragt (der Be-
schuldigte pag. 780 ff.; die Straf- und Zivilklägerin pag. 768 ff.). Der Kammer liegen 
zudem die Aussagen von I.________ (pag. 142 ff.), J.________ (pag. 151 ff.), 
K.________ (pag. 156 ff.), L.________ (pag. 548 ff.), M.________ (pag. 551 ff.), 
N.________ (pag. 554 ff.), O.________ (pag. 556 ff.), P.________ (pag. 558 ff.) 
und Q.________ (pag. 561 ff.) vor – allesamt Zeugen zum Verhalten der Straf- und 
Zivilklägerin nach der Tat bzw. zu ihrer Nachtatbeziehung mit dem Beschuldigten. 
Auf eine Zusammenfassung dieser Aussagen wird verzichtet. Der Vollständigkeit 
halber werden vorliegend einzig die oberinstanzlich erfolgten Einvernahmen des 
Beschuldigten und C.________ zusammengefasst wiedergegeben (vgl. Aus-
führungen unter Ziff. 8.1 ff. hiernach). Im Übrigen wird nur soweit notwendig im 
Rahmen der Beweiswürdigung auf die konkreten Aussagen eingegangen. Soweit 
weitergehend wird vollumfänglich auf die amtlichen Akten und die korrekte Zu-
sammenfassung der Aussagen durch die Vorinstanz verwiesen (pag. 641 ff., S. 12 
ff.; pag. 650 ff., S. 21 ff. der Urteilsbegründung).

Des Weiteren befinden sich die folgenden objektiven Beweismittel in den Akten: 
der Anzeigerapport inkl. Mahsan Drogentest (nicht datiert, Eingang bei der Staats-
anwaltschaft am 3.7.2014; pag. 95 ff.), die amtliche Fernhalteverfügung vom 
25.11.2013 (pag. 105 ff.), das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) be-
treffend die körperliche Untersuchung des Beschuldigten vom 24.12.2013 
(pag. 112 ff.), das Gutachten des IRM betreffend die körperliche und gynäkologi-
sche Untersuchung der Straf- und Zivilklägerin vom 10.1.2014 (pag. 116 ff.), die fo-
rensisch-toxikologische Alkoholbestimmung des Beschuldigten vom 19.5.2014 
(pag. 123 f.), der Rapport des Kriminaltechnischen Dienstes (KTD) vom 16.1.2014 
(pag. 125 ff.), der Brief des Beschuldigten an die Straf- und Zivilklägerin vom 
26.9.2013 (pag. 234 ff.), der Berichtsrapport vom 30.11.2016 (pag. 324 f.), der Be-
richt von Psychotherapeutin F.________ vom 6.2.2017 (pag. 368 f.), die Anmel-
dung des Beschuldigten beim RAV vom 15.12.2015 (pag. 403), der Nachsendeauf-
trag des Beschuldigten vom 24.8.2016 (pag. 406), der Untermietvertrag zwischen 
N.________ und dem Beschuldigten (pag. 446 f.), die Quittungen R.________, 
S.________ und T.________ (pag. 448 ff.), Unterlagen zu den Bankkarten der 
Straf- und Zivilklägerin (pag. 534 ff.; pag. 585 ff.), ein Foto aus dem Europapark 
(pag. 581), der Buchungsbeleg der U.________ AG vom 19.7.2016 (pag. 582), die 
V.________ Überweisung des Beschuldigten vom 26.8.2016 (pag. 583), der Auto-
mietvertrag vom 8.10.2015 (pag. 584) sowie die WhatsApp Konversation zwischen 
dem Beschuldigten und der Straf- und Zivilklägerin von August 2016 (pag. 590 ff.). 
Auch hier wird auf die amtlichen Akten verwiesen und nur soweit notwendig im 
Rahmen der Beweiswürdigung darauf eingegangen.

11

8. Würdigung durch die Kammer

8.1 Zu den oberinstanzlichen Einvernahmen vom 28.5.2018

8.1.1 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Zu den Vorwürfen gemäss Anklageschrift führte die Straf- und Zivilklägerin aus, am 
Ende des Streits in der Nacht vom 24.11.2013 habe sie dem Beschuldigten gesagt, 
sie würden wieder zusammen sein. Daraufhin habe er sich beruhigt und die Situa-
tion sei besser geworden (pag. 774, Z. 8 ff.). Als sie am Nachmittag des 
24.11.2013 von der Arbeit nach Hause gekommen sei, habe der Beschuldigte mit 
ihrer Tochter an der Bushaltestelle gewartet und sie seien gemeinsam nach Hause 
gegangen. Sie habe die Türe geöffnet gelassen, weil sie Angst gehabt habe, der 
Beschuldigte lasse sie nicht zurück zur Arbeit gehen. Der Schlüssel sei jedoch ab-
gebrochen und daraufhin habe der Streit begonnen (pag. 774, Z. 23 ff.). Der Be-
schuldigte habe ein Messer genommen. Er habe ihr gesagt, er werde sie umbrin-
gen und sich das Leben nehmen. Sie habe aus dem Wohnzimmerfenster um Hilfe 
geschrien, aber es sei niemand draussen gewesen. Der Beschuldigte sei aggressiv 
gewesen und habe die Tochter, die bei ihr gewesen sei, an den Haaren gezogen. 
Sie und ihre Tochter seien zu Boden gefallen. Daraufhin habe der Beschuldigte ih-
re Tochter ins Schlafzimmer geschickt. Der Streit sei schlimmer geworden. Sie sei 
in die Küche gegangen und habe alle Messer verstecken wollen. Eines habe sie 
aus dem Fenster geworfen, ein anderes sei unter dem Kühlschrank gelegen. Der 
Beschuldigte habe sie bedroht und sie habe gedacht, sie werde alles akzeptieren, 
aber ihre Tochter solle nichts mitbekommen (pag. 774, Z. 31 ff.). Der Beschuldigte 
habe ein Messer nach dem anderen genommen – sobald sie ihm ein Messer weg-
genommen habe, habe er ein neues ergriffen. Ihre Tochter habe das gesehen 
(pag. 775, Z. 1 ff.). Als er ihre Tochter ins Schlafzimmer gebracht habe, habe sie al-
le Messer aus dem Fenster geworfen. Der Beschuldigte habe zwar akzeptiert, dass 
die Tochter gehen könne. Der Schlüssel sei jedoch abgebrochen. Danach habe er 
ihr gesagt, sie müsse ihre Kleider ausziehen. Er werde ihr eine Lektion erteilen, die 
sie nie vergessen werde (pag. 775, Z. 12 ff.). Der Beschuldigte habe sich die Klei-
der ausgezogen und gesagt, er werde ihr nichts mehr tun, er habe kein Messer 
mehr. Sie seien im Schlafzimmer gewesen und sie habe ins Bett liegen müssen 
(pag. 775, Z. 27 ff.). Er habe sie nicht mit Gewalt ins Schafzimmer gebracht. Sie 
habe einfach gehen müssen, das sei das einzige Mittel gewesen. Sie habe sich 
nicht wehren können, weil sie nicht gewollt habe, dass ihre Tochter etwas mitbe-
komme (pag. 775, Z. 38 ff.). Für sie sei klar gewesen, dass der Beschuldigte sie 
töten und sich danach selber umbringen werde (pag. 776, Z. 2 f.). Der Beschuldigte 
habe merken müssen, dass sie keinen Oral- und Vaginalverkehr gewollt habe. Er 
habe Gewalt angewendet. Zudem seien sie kein Paar mehr gewesen (pag. 776, 
Z. 10 ff.). Sie habe ihm viele Male «nein» gesagt und er habe gewusst, dass sie 
keinen sexuellen Kontakt mehr gewollt habe (pag. 776, Z. 23 f.). 

Hinsichtlich der Nachtatbeziehung zum Beschuldigten erklärte die Straf- und Zivil-
klägerin, sie habe den Beschuldigten nach dessen Untersuchungshaft zufällig ge-
troffen (pag. 770, Z. 27). Sie hätten wieder Kontakt gehabt, weil sich der Beschul-
digte entschuldigt habe und auch wegen ihrer Tochter. Sie hätten sich beide 
schlecht gefühlt. Zudem sei sie ein gläubiger Mensch und glaube an Vergebung 

12

(pag. 770, Z. 8 ff.). Der Beschuldigte habe sich für alles entschuldigt – für alle Lei-
den, die er herbeigeführt habe. Er habe ihr auch einen Brief aus der Untersu-
chungshaft geschrieben, den sie nicht beantwortet habe (pag. 770, Z. 13 ff.). Nach 
seiner Haft hätten sie wieder Kontakt gehabt (pag. 770, Z. 35). Sie habe beim Be-
schuldigten übernachtet (pag. 770, Z. 38), aber es sei keine Beziehung gewesen 
und sie hätten keinen sexuellen Kontakt gehabt (pag. 770, Z. 41 ff.). Sie habe in 
Notsituationen beim Beschuldigten übernachtet – wenn es geregnet habe 
(pag. 771, Z. 2 f.). Manchmal sei es auch einfach spät geworden (pag. 772, Z. 15 
ff.). Ihre Tochter sei jedoch immer dabei gewesen (pag. 771, Z. 12 ff.). Auf Vorhalt 
ihrer Aussage anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte die Straf- 
und Zivilklägerin, sie sei auch alleine, ohne ihre Tochter, beim Beschuldigten ge-
wesen. Aber nur tagsüber, wenn sie etwas gesucht habe. Sie habe dort nie alleine 
übernachtet (pag. 771, Z. 20 ff.). Als sie alleine beim Beschuldigten gewesen sei, 
habe sie im Dach ihren Rucksack mit ihren Reinigungsmitteln gesucht (pag. 771 f., 
Z. 33 ff.). Die Beziehung zum Beschuldigten sei nach der Haft nicht immer gut ge-
wesen. Sie hätten viel Streit gehabt – aber nicht als Partner. Sie habe mit ihm Kon-
takt gehabt, weil sie gedacht habe, die Beziehung könne besser sein – eine 
freundschaftliche Beziehung (pag. 772, Z. 26 ff.). In den Europapark seien sie ge-
meinsam gegangen, weil ihre Tochter diesen habe besuchen wollen. Es habe mit 
dem Beschuldigten auch gute Zeiten gegeben (pag. 773, Z. 3 f.). Der Beschuldigte 
sei beim letzten Kontakt im Sommer 2016 sehr aggressiv gewesen. Er habe sie be-
leidigt und nicht gehen wollen. Daher sei die Polizei gekommen (pag. 770, Z. 14 
ff.). Es sei zum Streit gekommen, weil er immer gewollt habe, dass sie sich ändere. 
Er habe gesagt, sie sei eine Hure, eine schlechte Mutter und eine materialistische 
Frau (pag. 770, Z. 29 ff.). Seit diesem Streit habe sie zum Beschuldigten keinen 
Kontakt mehr (pag. 770, Z. 40).

Ihrer Therapeutin habe sie nichts von der Beziehung zum Beschuldigten gesagt, 
weil sie sich geschämt habe (pag. 773, Z. 11 f.). Sie habe die Therapeutin nicht 
angelogen, sondern nur nicht alle Details erzählt. Sie habe Angst gehabt, weil der 
Beschuldigte aggressiv gewesen sei (pag. 773, Z. 21 f.). Sie erinnere sich an die 
guten und schlechten Zeiten mit dem Beschuldigten. Sie habe gute Momente mit 
ihm gehabt, dennoch habe er getan, was sie gesagt habe (pag. 773, Z. 15 ff.). Sie 
könne sich nicht erklären, warum sie den Kontakt zum Beschuldigten wieder auf-
genommen habe. Sie hätten sich geliebt und sie habe Mühe zu verstehen, was ge-
schehen sei. Jahrelang hätten sie Streit gehabt. Vielleicht hätte sie sich rechtzeitig 
vom Beschuldigten trennen müssen (pag. 773 f., Z. 43 ff.). Sie habe das Gericht 
belogen, weil sie nicht noch mehr Probleme gewollt habe. Sie habe gedacht, wenn 
sie das erzählen würde, werde sich das Verfahren weiterentwickeln. Sie entschul-
dige sich für ihre Falschaussagen (pag. 773, Z. 25 ff.).

Die Straf- und Zivilklägerin führte zudem aus, sie sei nicht mehr in Behandlung, 
weil sie keine Zeit dafür habe (pag. 777, Z. 14). Nachdem sich vor Gericht heraus-
gestellt habe, dass sie nach der Tat mit dem Beschuldigten Kontakt gehabt habe, 
sei sie nie mehr zur Therapie gegangen, weil sie sich geschämt habe. Sie habe 
gedacht, in einer Beziehung seien immer zwei Personen schuldig. Sie könne nicht 
verstehen, was passiert sei. Sie habe sich zwar hinsichtlich der Beziehung zum 
Beschuldigten widersprochen, aber was sie gesagt habe, habe er wirklich getan. 

13

Sie habe sich einfach wegen der Beziehung zu ihm schuldig gefühlt (pag. 777, 
Z. 26 ff.). Sie habe immer noch Auswirkungen vom Vorfall. Sie fühle sich nicht gut 
und sie denke immer an dieses schreckliche Ereignis (pag. 777, Z. 21 f.).

Zu früheren sexuellen Kontakten gab die Straf- und Zivilklägerin an, sie habe dem 
Beschuldigten gesagt, er solle sie nicht berühren. Aber manchmal habe sie ge-
schlafen und er habe sie doch berührt. Sie habe sich im Internet informiert, dass 
dies bereits ein sexueller Übergriff gewesen sei (pag. 776, Z. 31 ff.). Als sie in Spa-
nien gelebt hätten, habe es ferner viele gewalttätige Situationen gegeben. Der Be-
schuldigte habe sie bedroht, er habe Sachen geworfen und kaputt gemacht 
(pag. 777, Z. 5 ff.).

8.1.2 Aussagen des Beschuldigten 

Zu den Vorwürfen gemäss Anklageschrift führte der Beschuldigte aus, er würde so 
etwas nie machen. Es habe am 24.11.2013 eine heftige Diskussion mit der Straf- 
und Zivilklägerin gegeben. Immer wenn er einen Entscheid getroffen habe, habe es 
Diskussionen gegeben (pag. 782, Z. 22 ff.). Auf Frage, was am 24.11.2013 ge-
schehen sei, erklärte der Beschuldigte, er könne sich nicht mehr genau erinnern. 
Es habe eine heftige Diskussion gegeben, daraufhin seien sie gemeinsam ins Bett 
gegangen und hätten Geschlechtsverkehr gehabt. Danach seien sie arbeiten ge-
gangen und am Abend sei die Situation anders gewesen (pag. 782, Z. 28 ff.). Die 
Diskussion sei entstanden, weil er nach Spanien habe gehen wollen und weil die 
Straf- und Zivilklägerin eine andere Beziehung gehabt habe (pag. 782, Z. 36 f.). 
Der Geschlechtsverkehr sei nicht gegen ihren Willen gewesen (pag. 782, Z. 40). 
Sie hätten in vielen verschiedenen Positionen Sex gehabt. Er habe dies aber nicht 
von der Straf- und Zivilklägerin verlangt und diese habe sicher nicht geweint. Es sei 
ein üblicher sexueller Kontakt gewesen (pag. 783, Z. 10 ff.). Auf Vorhalt seiner 
früheren Aussage, wonach die Straf- und Zivilklägerin während des Geschlechts-
verkehrs geweint habe (pag. 196, Z. 249 ff.), gab der Beschuldigte an, er könne 
sich nicht mehr erinnern. Sie habe geweint, aber früher, als sie aus dem Fenster 
habe springen wollen (pag. 784, Z. 14 f.). Auf Frage, warum die Straf- und Zivilklä-
gerin ihn belaste, erklärte der Beschuldigte, er denke, sie habe nicht gewollt, dass 
er gehe. Er habe die Beziehung beenden wollen, weil sie keine Zukunft mehr ge-
habt habe (pag. 783, Z. 16 f.). Die Idee, die Diskussion vom 24.11.2013 mit Sex zu 
lösen, habe die Straf- und Zivilklägerin gehabt. Sie habe ihm nicht gesagt, sie wür-
den Geschlechtsverkehr haben, sondern nur, dass sie ins Bett gehen würden 
(pag. 784, Z. 30 f.). Auf Vorhalt seiner Aussage anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung, wonach er die Idee zum Geschlechtsverkehr gehabt habe, um 
die Straf- und Zivilklägerin zu beruhigen (pag. 391, Z. 42 f.), erklärte der Beschul-
digte, er könne sich nicht mehr genau erinnern. Es könne auch so gewesen sein 
(pag. 784, Z. 35).

In ihrer Beziehung habe es nie Gewalt gegeben. Die Straf- und Zivilklägerin habe 
vor dem 24.11.2013 nie gesagt, sie wolle keinen Geschlechtsverkehr (pag. 783, 
Z. 21 ff.). Auf Vorhalt seiner früheren Aussage (pag. 196, Z. 240 ff.) erläuterte der 
Beschuldigte, die Straf- und Zivilklägerin habe vor dem Geschlechtsverkehr immer 
gesagt, er solle sie massieren. Danach hätten sie jeweils Geschlechtsverkehr ge-
habt. Sie habe aber nicht «nein» gesagt (pag. 784, Z. 7 ff.).

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Der Beschuldigte beschrieb die Nachtatbeziehung zur Straf- und Zivilklägerin als 
gut. Er sei manchmal bei ihr oder sie bei ihm gewesen (pag. 780, Z. 42 f.). Sie hät-
ten wieder eine Beziehung bzw. sexuellen Kontakt gehabt. Aber es sei nicht mehr 
wie früher gewesen (pag. 781, Z. 9 ff.). Sie hätten bei ihm zu Hause Geschlechts-
verkehr gehabt. Er sei auch bei ihr gewesen. Er habe ihr geholfen, als sie umgezo-
gen sei. Zudem habe er ihre Tochter von der Schule abgeholt und sich fast täglich 
um sie gekümmert (pag. 781, Z. 21 ff.; pag. 782, Z. 6). Er sei im Sommer 2016 
nach Spanien zurückgekehrt, weil er die Situation habe beenden wollen. Die Straf- 
und Zivilklägerin sei bei ihm auf der Arbeit aufgetaucht und habe nach ihm gefragt. 
Das habe er nicht korrekt gefunden (pag. 781, Z. 2 ff.). Er habe immer gelitten. Es 
sei der einzige Weg gewesen, die Situation zu beenden (pag. 782, Z. 15 ff.). Aktuell 
habe er keinen Kontakt mehr zur Straf- und Zivilklägern (pag. 780, Z. 32).

8.2 Konkrete Beweiswürdigung

8.2.1 Vorbemerkungen zur Beweiswürdigung

Betreffend die theoretischen Ausführungen zur Beweiswürdigung und zur Aussa-
genanalyse kann auf die korrekten Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 635 ff., S. 6 ff. der Urteilsbegründung). Ergänzend hält die Kammer Folgen-
des fest: Bei der Würdigung von Zeugenaussagen hat sich die Methode der Aus-
sagepsychologie durchgesetzt. Diese untersucht primär den Inhalt der von einer 
Person gemachten Aussagen und geht davon aus, dass selbsterlebte Ereignisse in 
einer wesentlich anderen (lebendigeren, detaillierteren) Qualität erzählt werden als 
erfundene. Eine grosse Anzahl von Realkennzeichen in Form von detaillierten 
Schilderungen der Geschehnisse spricht deshalb dafür, dass eine Aussageperson 
über Selbsterlebtes berichtet; denn es ist wesentlich schwieriger, eine nicht erlebte 
Geschichte so mit lebhaften Elementen zu schmücken, dass sie als selbst erlebt 
erscheint (BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht. 4. Aufl. 2014, 
N. 370 f. bzw. 317).

Die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin sind deshalb vorab nach inhaltlichen und 
motivationsbezogenen Realkennzeichen zu überprüfen (vgl. Ausführungen 
Ziff. 8.2.3 hiernach). Weiter sind die Aussagen nach Konstanz, Strukturgleichheit, 
logischer Konsistenz, Homogenität und Folgerichtigkeit zu überprüfen. Schliesslich 
ist die Entstehungsgeschichte der Aussagen (die «Geburtsstunde» der Aussagen) 
zu hinterfragen und ebenso, ob allenfalls Suggestion oder Irrtum die Aussagen hät-
ten verfälschen können oder ob sie irgendwelche Hinweise auf eine Falschbe-
schuldigung erkennen lassen. Ausgangspunkt ist die sogenannte Nullhypothese, 
die zu widerlegen ist. Hauptfrage ist dabei, ob die befragte Person mit ihren Fähig-
keiten die zu untersuchende Aussage hätte machen können, ohne dass diese auf 
einem selbst erlebten Hintergrund beruht (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., N. 313 
ff.). Ist die Frage zu verneinen, erscheint eine Aussage aufgrund inhaltlicher Real-
kriterien als glaubhaft. Weiter ist zu prüfen, inwiefern sich die Aussagen mit ande-
ren Beweismitteln in Übereinstimmung bringen bzw. durch sie widerlegen lassen.

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8.2.2 Zu den objektiven Beweismitteln 

Beim Beschuldigten konnten gestützt auf das Gutachten des IRM (Untersuchung 
vom 25.11.2013, ab 03.45 Uhr) glattrandige Hautdurchtrennungen am Unterarm 
links und an der Hand rechts festgestellt werden. Die Verletzungen seien frisch und 
auf scharfe Gewalteinwirkung zurückzuführen. Sie könnten durch eine Beibringung 
mit dem geltend gemachten Messer im Rahmen von Selbstverletzung resp. sich 
selbst schneiden durch Halten der Klinge erklärt werden (pag. 112 ff.). Im Blut des 
Beschuldigten sei kein Trinkalkohol festgestellt worden (pag. 123 f.; Abnahme am 
25.11.2013, 04.25 Uhr).

Gemäss Gutachten des IRM zur körperlichen und gynäkologischen Untersuchung 
der Straf- und Zivilklägerin (durchgeführt am 25.11.2013, ab 06.00 Uhr) seien die 
bei der Straf- und Zivilklägerin festgestellten Hautabschürfungen und Hautrötungen 
frisch, auf stumpfe Gewalteinwirkung zurückzuführen, als Bagatellverletzungen zu 
werten und sowohl zeitlich wie ursächlich durch das geltend gemachte Ereignis er-
klärbar. Die oberflächlichen Hautdurchtrennungen an den Fingern seien ebenfalls 
frisch und durch scharfe Gewaltbeibringung entstanden. Eine Entstehung im Rah-
men des von der Straf- und Zivilklägerin beschriebenen Wegräumens eines Mes-
sers sei eher unplausibel. Das Verletzungsmuster mit Schnittwunden an beiden 
Händen spreche eher für eine Entstehungsweise im Rahmen eines dynamischen 
Geschehens. Anlässlich der gynäkologischen Untersuchung hätten keine Verlet-
zungen am Genital- und Analbereich der Straf- und Zivilklägerin festgestellt werden 
können. Es bleibe hier allerdings zu erwähnen, dass ein gegen ihren Willen vollzo-
gener Geschlechtsverkehr nicht zwingend Verletzungen hinterlassen haben müsse 
(pag. 116 ff.).

Die objektiven Beweismittel bringen nach dem Gesagten folglich keine relevanten 
Erkenntnisse hervor. Vielmehr kann einzig das – ohnehin weitestgehend unbestrit-
tene – Rahmengeschehen vom 24.11.2013 (dynamischer Ablauf mit Messern) un-
termauert werden, zumal sowohl die Straf- und Zivilklägerin als auch der Beschul-
digte einzelne Schnittwunden aufwiesen. Das IRM konnte hingegen nicht feststel-
len, ob ein gegen den Willen der Straf- und Zivilklägerin vollzogener Geschlechts-
verkehr stattgefunden hatte – ein solcher liess sich auch nicht ausschliessen. Ent-
gegen den Behauptungen von Fürsprecherin D.________ wies die Straf- und Zivil-
klägerin jedoch keine erheblichen Verletzungen auf. Vielmehr handelte es sich 
nach Beurteilung des IRM ausschliesslich um Bagatellverletzungen.

8.2.3 Würdigung der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Die Straf- und Zivilklägerin schilderte bei ihrer ersten Einvernahme nur wenige 
Stunden nach dem Vorfall vom 24.11.2013 einen derart komplexen Handlungsauf-
lauf, der nicht zu erwarten gewesen wäre, wenn er nicht auf einer selbsterlebten 
Handlung basieren würde: 

Die Straf- und Zivilklägerin beschrieb vorerst den Vorabend bzw. die Nacht vom 
24.11.2013 ausführlich, detailliert und stimmig. Sie führte aus, sie sei nach Feier-
abend mit einem Mann ausgegangen. Am 24.11.2013 zwischen 01.00 und 02.00 
Uhr seien sie gemeinsam in die X.________(Bar) gegangen. Dort hätten sie den 
Beschuldigten getroffen. Es sei aber nichts passiert, er habe sie nicht angespro-

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chen. Als sie um ca. 04.00 Uhr nach Hause habe gehen wollen, habe sie mit dem 
Beschuldigten ein Taxi geteilt. Zu Hause habe der Beschuldigte gesagt, es sei Zeit 
zu Reden, er wolle die ganze Wahrheit erfahren. Er habe sie über ihre Begleitung 
ausgefragt. Sie habe ihm erklärt, es sei das erste Treffen mit diesem Mann gewe-
sen. Der Beschuldigte habe ihr nicht geglaubt und gesagt, nun werde alles vorbei 
sein. Er sei ins Bad gegangen, habe eine Zigarette geraucht und als er zurückge-
kommen sei, habe er ein Küchenmesser in der Hand gehabt. Sie habe versucht, 
ihn zu beruhigen. Aber der Beschuldigte habe sie mit dem Messer angegriffen und 
gesagt: «Zuerst kommst du dran, dann ich». Sie habe ihn am Arm gepackt und ge-
beten, sie am Leben zu lassen. Er habe sich dann beruhigt, weil sie ihm verspro-
chen habe, bei ihm zu bleiben. Sie habe alles gesagt, damit er aufhöre und sie ha-
be ihn gebeten, ihr zu verzeihen (pag. 164 f., Z. 101 ff.).

Am 24.11.2013 sei sie zur Arbeit gegangen. Als sie um ca. 14.30 Uhr (vgl. zur Uhr-
zeit pag. 171, Z. 78) nach Hause gekommen sei, habe sie das Gespräch mit dem 
Beschuldigten gesucht. Sie habe ihm erklärt, es könne so nicht weitergehen, sie 
wolle die Trennung (pag. 165, Z. 132 ff.). Kurz bevor sie wieder zur Arbeit habe ge-
hen wollen, habe sie realisiert, dass der Beschuldigte die Türe verschlossen habe. 
Als sie versucht habe, die Türe zu öffnen, habe ihr der Beschuldigte den Schlüssel 
aus der Hand gerissen, diesen ins Türschloss gesteckt und abgebrochen. Der Be-
schuldigte habe angefangen, sie anzuschreien. Ihre Tochter sei dabei gewesen 
und sie habe sie ins Zimmer geschickt, damit sie nicht alles mitbekomme. Sie habe 
das Messer vom Vorabend, das noch auf dem Tisch gelegen sei, genommen und 
aus dem Fenster geworfen. Daraufhin habe der Beschuldigte ein weiteres Messer 
genommen. Sie habe ihm auch dieses aus der Hand nehmen und unter den Kühl-
schrank werfen können. Dann hätten sie zusammen gesprochen. Aber der Be-
schuldigte habe wieder gesagt, er werde heute alles beenden. Er habe den Kühl-
schrank weggeschoben. Sie habe ihn von hinten umarmt, um ihn daran zu hindern, 
das Messer zu nehmen. Dann habe er ein anderes Messer aus der Schublade ge-
nommen und gesagt, er werde nun ihr oder sich selbst etwas antun. Er habe die 
Drohung unterstrichen, indem er Schnittbewegungen an seinem Handgelenk ge-
macht und so getan habe, als werde er auf sie einstechen. Als sie ihm auch dieses 
Messer habe wegnehmen wollen, habe der Beschuldigte sie an den Haaren 
zurückgerissen. So habe sie sich mit dem Messer leicht an der Hand verletzt. Sie 
habe dem Beschuldigten gesagt, sie werde die Polizei rufen. Er habe geantwortet, 
er habe keine Angst (pag. 165, Z. 137 ff.).

Das konkrete Kerngeschehen erzählte die Straf- und Zivilklägerin nicht von sich 
aus. Erst auf Frage, wie alles zu Ende gegangen sei, gab die Straf- und Zivilkläge-
rin zu Protokoll: «Muss ich das erzählen?...Dann zwang er mich, mit ihm ins Zim-
mer zu gehen und mit ihm zu schlafen» (pag. 165, Z. 158 f.). Auf Aufforderung, den 
sexuellen Übergriff zu beschreiben, führte die Straf- und Zivilklägerin sodann 
schlüssig und detailliert aus, sie seien ins Zimmer gegangen und der Beschuldigte 
habe ihr befohlen, sich auszuziehen. Sie habe ihm gesagt, sie wolle das nicht. Er 
habe jedoch einen Kristall (bzw. eine Scherbe, vgl. hierzu die Anmerkung der 
Übersetzerin auf pag. 184, Z. 106 f., wonach «cristalo [recte: cristal]» auch Scherbe 
bedeute) genommen und gesagt: «Dieser Kristall ist härter wie ein Messer. Heute 
wirst du es lernen. Zieh dich nun aus!» (pag. 165, Z. 163 ff.). Daraufhin habe sie 

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sich ausgezogen und ihm immer wieder gesagt, er solle sich beruhigen. Er habe ihr 
gesagt, sie solle auf alle Viere gehen. Sie habe geantwortet: «Bitte, nein, ich will 
nicht». Daraufhin habe er gesagt, sie solle ihm einen blasen. Sie habe nicht ge-
wollt, aber er habe sie an den Haaren gepackt, sie nach unten gezogen und dar-
aufhin habe sie es gemacht (pag. 165 f., Z. 166 ff.). Er habe sie nochmals aufge-
fordert auf alle Viere zu gehen. Sie habe nicht gewollt, aber sie habe gewusst, dass 
er sie sonst anal penetrieren würde. Er habe sie nochmals an den Haaren gezo-
gen, sie auf ihn gesetzt und aufgefordert, ihn zu reiten. Der Beschuldigte habe im-
mer wieder gesagt: «beweg dich, beweg dich». Sie habe geweint und gesagt, sie 
könne nicht. Daraufhin habe er sie in die Lippen «geklemmt», daher habe sie ihn 
geritten. Der Beschuldigte habe sie dann aufgefordert, ihn anal zu reiten und zu 
küssen. Sie habe ihm gesagt, sie könne nicht. Daraufhin habe er sie auf alle Viere 
gestellt und vaginal penetriert. Sie habe grosse Schmerzen gehabt und sei auf al-
len Vieren geblieben, bis der Beschuldigte zum Orgasmus gekommen sei 
(pag. 166, Z. 169 ff.).

Diese Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin imponieren mit einem komplexen 
Handlungsablauf, verschiedenen Konversationen, Details und inneren Gedanken-
gängen. Als unerwartete Bemerkung erscheint zudem die von der Straf- und Zivil-
klägerin geäusserte Erklärung, warum der Beschuldigte sie vaginal penetriert habe, 
obwohl er Analsex gefordert habe. Sie erklärte: «Dies, weil ich wahrscheinlich so 
darum bat» (pag. 166, Z. 175). Generell sind die Aussagen der ersten Befragung 
der Straf- und Zivilklägerin voller Realitätskennzeichen. Sie belastete den Beschul-
digten nicht übermässig, indem sie zugab, ihm insgesamt drei Messer abgenom-
men zu haben, ohne sich dabei erheblich zu verletzen. Ferner bestätigte sie, der 
Beschuldigte habe während des sexuellen Übergriffs keine gefährlichen Ge-
genstände benutzt (pag. 166, Z. 178) und sie betonte, er habe zwar bereits zuvor 
Geschlechtsverkehr verlangt, aber er habe diesen noch nie durchgesetzt. Es sei 
das erste Mal auf diese Art und Weise geschehen (pag. 166, Z. 189 f.). Die Straf- 
und Zivilklägerin war ferner in der Lage, den Vorfall zeitlich sowie sachlich einzu-
betten und schilderte den komplexen, dynamischen Handlungsablauf in einem logi-
schen, in sich stimmigen Ablauf. Immer wieder gab sie Gesprächsinhalte zwischen 
dem Beschuldigten und ihr wieder. Die Straf- und Zivilklägerin wies ferner wieder-
holt auf ihre Gefühle hin (pag. 164, Z. 89 ff.; pag. 165, Z. 120; pag. 166, Z. 169 f.; 
pag. 166, Z. 210; pag. 167, Z. 224 f.). Exemplarisch ist denn auch ihre Aussage auf 
Frage, ob sie sich bereits jemandem anvertraut habe: «Nein, das habe ich noch 
niemandem erzählt. Ich weiss auch nicht, ob ich es meiner Freundin erzählen kann, 
weil es so beschämend ist» (pag. 166, Z. 201 f.).

Bei ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 3.12.2013 schilderte die Straf- 
und Zivilklägerin die Geschehnisse in der Nacht vom 24.11.2013 gleichbleibend 
und ohne Widersprüche. Erneut begann sie die Erzählung mit der Situation, als sie 
mit ihrer Begleitung in der X.________(Bar) war. Sie erwähnte in Einklang mit ihrer 
früheren Aussage, der Beschuldigte habe sie in der X.________(Bar) noch nicht 
angesprochen, sondern erst als sie gemeinsam das Taxi nach Hause genommen 
hätten (pag. 173, Z. 156 ff.). Zu Hause angekommen habe es eine Diskussion über 
ihre Begleitung gegeben und der Beschuldigte habe sie über diesen Mann ausge-
fragt (pag. 174, Z. 166 ff.). Daraufhin schilderte die Straf- und Zivilklägerin erneut, 

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wie der Beschuldigte in der Toilette eine Zigarette geraucht habe (pag. 174, Z. 172 
ff.), wie er ein Messer gegen sie gerichtet habe, sie ihm dieses habe wegnehmen 
können (pag. 174, Z. 178 ff.) und sie auf seine Drohung, er werde sie und danach 
sich selbst umbringen, mit dem Versprechen bei ihm zu bleiben, den Beschuldigten 
habe beruhigen können (pag. 174, Z. 192 ff.). Auch die Geschehnisse am Nachmit-
tag des 24.11.2013 konnte die Straf- und Zivilklägerin erneut nachvollziehbar und 
gleichbleibend schildern. Sie beschrieb erneut das Gespräch mit dem Beschuldig-
ten, als sie von der Arbeit nach Hause gekommen sei, wie sie die Wohnungstüre 
nicht verschlossen habe und der Beschuldigte den Schlüssel im Türschloss abge-
brochen habe (pag. 176, Z. 249 ff.). Den Handlungsablauf mit den Messern, die der 
Beschuldigte gegen sie gerichtet habe und sie ihm habe wegnehmen können, so-
wie ihr Versuch aus dem Fenster nach Hilfe zu rufen, konnte die Straf- und Zivilklä-
gerin erneut logisch und mit ihren früheren Aussagen übereinstimmend darlegen. 
Zwar vertauschte sie teilweise die Standorte, an welche sie die jeweiligen Messer 
hingelegt habe. Dies ist in Anbetracht des dynamischen, komplexen Handlungsab-
laufs jedoch nicht weiter erstaunlich. Des Weiteren gab die Straf- und Zivilklägerin 
auch bei dieser Befragung mehrere Gesprächsinhalte wieder, die im Wesentlichen 
mit ihrer ersten Einvernahme übereinstimmen (pag. 173, Z. 162 ff.; pag. 174, 
Z. 191 ff.). Sie beschrieb abermals nachvollziehbar innere Gedankengänge und ih-
re Gefühle, die sie während der Situation gehabt habe (pag. 174, Z. 182 f.; 
pag. 174, Z. 188; pag. 174, Z. 189 f.; pag. 175, Z. 209 ff.). Sie war in der Lage, die 
unterschiedlichen Gemütslagen des Beschuldigten zu beschreiben (pag. 178, 
Z. 320 f.; pag. 178, Z. 331 f.). Die Straf- und Zivilklägerin gab ferner originelle De-
tails wieder, indem sie ausführte, sie habe während des Streits mit dem Beschul-
digten ihren Arbeitgeber angerufen, um diesem mitzuteilen, dass sie zu spät zur 
Arbeit komme (pag. 177, Z. 285 ff.). Sie gab auch offen ihre ambivalenten Gedan-
ken bekannt – manchmal denke sie, dass ihr der Beschuldigte gar nichts habe ma-
chen wollen, manchmal denke sie aber doch (pag. 176, Z. 244). Sie erklärte zu-
dem, sie habe die Anklage nicht unterschreiben wollen, weil sie sich irgendwie 
schuldig fühle, obwohl sie gar keine Schuld treffe (pag. 179, Z. 374 f.). Gerade 
auch diese zwiespältigen bzw. ambivalenten Gefühle der Straf- und Zivilklägerin 
sprechen für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., 
N. 400). Zum weiteren Ablauf der Geschehnisse vom 24.11.2013 führte die Straf- 
und Zivilklägerin ferner wiederum aus, der Beschuldigte habe im Schlafzimmer be-
gonnen zu zählen und gesagt, er werde ihr eine Lektion erteilen, die sie nicht ver-
gessen werde. Danach habe er sich ausgezogen, um ihr zu zeigen, dass er kein 
Messer mehr habe (pag. 178, Z. 328 ff.). 

In der Einvernahme vom 3.12.2013 wurde die Straf- und Zivilklägerin nicht mehr 
weitergehend zur Sache befragt (vgl. pag. 179). Erst in der darauffolgenden staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme vom 16.1.2014 wurden ihr erneut Fragen zum 
Kerngeschehen gestellt. Dabei bestätigte die Straf- und Zivilklägerin ihre Erstaus-
sagen. Erneut erklärte sie, der Beschuldigte habe ihr im Schlafzimmer gesagt, er 
werde ihr eine Lektion erteilen, welche sie nicht mehr vergessen werde. Er habe 
die Hand erhoben und begonnen zu zählen (pag. 182, Z. 41 ff.; pag. 183, Z. 55 ff.). 
Nachvollziehbar schilderte sie ihr Verständnis dieser «Lektion». Sie habe es so 
verstanden, dass sie sexuellen Kontakt mit ihm habe, obwohl sie ihm immer wieder 

19

gesagt habe, dass sie nicht mit ihm zusammen sein wolle (pag. 182 f., Z. 49 f.). 
Gleichbleibend führte die Straf- und Zivilklägerin aus, der Beschuldigte habe mit 
der Faust gegen den Fernseher geschlagen und gesagt, es sei gar nicht nötig, ein 
Messer zu haben. Eine Scherbe sei viel schärfer. Entgegen den Ausführungen der 
Verteidigung schwächte die Straf- und Zivilklägerin ihre Aussagen zum Faustschlag 
des Beschuldigten auf den Fernseher in der Folge nicht ab. Auf Frage, ob der Be-
schuldigte ihr angedroht habe, den Fernseher kaputt zu schlagen, um sie mit einer 
Scherbe zu bedrohen, erklärte die Straf- und Zivilklägerin, das sei die Absicht des 
Beschuldigten gewesen (pag. 183, Z. 64). Er habe jedoch nicht gesagt, es sei sei-
ne Absicht, sondern er werde den Fernseher kaputt schlagen und eine Scherbe 
haben. Er habe gegen den Fernseher geschlagen, aber dieser sei nicht kaputt ge-
gangen (pag. 183, Z. 67 ff.). Zwar sagte die Straf- und Zivilklägerin auf Frage: «Hat 
er den Faustschlag nur angedeutet oder hatte er die Absicht, den Fernseher kaputt 
zu schlagen?», das sei eine schwierige Frage, die sie nicht beantworten könne 
(pag. 183, Z. 74). Allerdings erklärte sie sogleich, er habe den Schlag effektiv aus-
geführt. Sie habe den Eindruck gehabt, er habe ihr damit sagen wollen, dass er es 
machen würde (pag. 183, Z. 74 ff.). Ihre Unsicherheit bezog sich folglich nicht auf 
den Schlag des Beschuldigten, sondern auf dessen innere Absicht. Von sich aus 
lieferte die Straf- und Zivilklägerin ferner eine logische Begründung für das Verhal-
ten des Beschuldigten – er habe das getan, weil sie sich nicht weiter habe auszie-
hen wollen (pag. 183, Z. 69 f.).

Den weiteren Ablauf des Vorfalls schilderte die Straf- und Zivilklägerin wiederum 
gleichbleibend, detailliert und stimmig. Sie habe nicht gemacht, was der Beschul-
digte verlangt habe. Daher habe er sie an den Haaren gepackt. Während sie den 
Beschuldigten oral habe befriedigen müssen, habe er sie an den Haaren festgehal-
ten (pag. 184, Z. 112 ff.; pag. 189, Z. 287 ff.). Erneut sprach die Straf- und Zivilklä-
gerin davon, sie habe nicht gewollt, dass ihre Tochter etwas mitbekomme 
(pag. 184, Z. 113 ff.; vgl. auch pag. 188, Z. 246 ff.). Neu war allerdings ihre Aussa-
ge, dass sie sich am Mund verletzt habe, weil der Beschuldigte sie so fest festge-
halten habe (pag. 184, Z. 120 f.). Sie erklärte diesbezüglich, ihr sei das erst jetzt 
wieder in den Sinn gekommen, daher habe sie es bei der Polizei noch nicht ausge-
sagt (pag. 185, Z. 128 f.). Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Straf- und Zi-
vilklägerin diese «Verletzungen» in der ersten Einvernahme nicht erwähnte, zumal 
die entsprechende «Verletzung» im Mund nicht erheblich sein konnte bzw. nicht 
sichtbar war (vgl. hierzu IRM-Gutachten, Ausführungen Ziff. 8.2.2 hiervor). Des 
Weiteren führte die Straf- und Zivilklägerin aus, der Beschuldigte habe sie darauf-
hin aufgefordert, auf ihn zu steigen. Sie habe geweint und ihn gebeten, sie nicht zu 
zwingen. Er habe aber nicht locker gelassen, daher habe sie das eine Weile ge-
macht (pag. 185, Z. 132 ff.). Die Straf- und Zivilklägerin vermied auch bei dieser 
Aussage Übertreibungen und belastete den Beschuldigten nicht, übermässige Ge-
walt angewandt zu haben. Besonders eindrücklich und originell ist sodann ihr Be-
richt über das ambivalente Verhalten des Beschuldigten: «Wenn mein Körper nahe 
bei ihm war, wollte er das nicht, es war, als ob es in ‚gruusen‘ würde. Er wollte 
auch, dass ich ihn küsse, aber kurz darauf sagte er, er wolle nicht, dass ich zu na-
he an ihn rankomme. Bei einem der Küsse hat er mich in den Mund gebissen» 
(pag. 185, Z. 135 ff.). Logisch eingebettet ist damit auch der Positionswechsel, weil 

20

der Beschuldigte sie kurz darauf aufgefordert habe, auf alle Viere zu gehen 
(pag. 185, Z. 140 f.). Wiederum mit ihren Erstaussagen übereinstimmend legte die 
Straf- und Zivilklägerin sodann dar, wie der Beschuldigte Analverkehr gewollt habe. 
Sie habe geweint und versucht, sich loszureissen. Der Beschuldigte habe sie je-
doch an den Haaren festgehalten. Er sei danach vaginal und nicht anal in sie ein-
gedrungen (pag. 185, Z. 141 ff.). Sie habe geweint und in die Leintücher gebissen, 
bis er zum Samenerguss gekommen sei (pag. 185, Z. 145 f.). Zwar führte die Straf- 
und Zivilklägerin auf Frage aus, sie habe dem Beschuldigten im Schlafzimmer nicht 
explizit gesagt, bzw. sie könne sich nicht daran erinnern, ob sie ihm während des 
sexuellen Kontakts gesagt habe, sie wolle nicht (pag. 188, Z. 258 ff.). Dies spricht 
jedoch nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussage, zumal sie deutlich machte, 
sie habe dem Beschuldigten auf jede erdenkliche Art und Weise zu verstehen ge-
geben, dass sie nicht gewollt habe (pag. 188, Z. 252). Sie habe sich nicht auszie-
hen wollen (pag. 188, Z. 263 ff.) und sie habe nicht mit Weinen aufgehört 
(pag. 188, Z. 259 f.). Dies entspricht denn auch ihren vorherigen Aussagen, bei 
welchen sie immer wieder ihre Verweigerung, die Diskussionen mit dem Beschul-
digten und ihr Weinen beschrieb. Entgegen den Behauptungen der Verteidigung ist 
auch in der Aussage der Straf- und Zivilklägerin – sie habe sich noch nie gefragt, 
was geschehen wäre, wenn sie sich nicht ausgezogen hätte – nichts Unglaubhaf-
tes zu erkennen.

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurde die Straf- und Zivilklägerin nur 
punktuell zu den Anklagepunkten befragt. Auch in dieser Einvernahme beschrieb 
die Straf- und Zivilklägerin ihre Angst, dass ihre Tochter etwas hätte mitbekommen 
können, die entsprechenden Bitten an den Beschuldigten (pag. 381, Z. 38 ff.) sowie 
ihren Hilferuf aus dem Fenster (pag. 381, Z. 45 f.; pag. 383, Z. 15 ff.). Sie nannte 
originelle Details, wie sie ins Leintuch gebissen habe, damit ihre Tochter sie nicht 
habe hören können (pag. 382, Z. 29 f.). Oberinstanzlich gab die Straf- und Zivilklä-
gerin erneut die wesentlichen Eckpunkte des Geschehens (verschlossene Ein-
gangstüre; Messereinsatz mit Drohungen; Angst, dass Tochter etwas mitbekommt; 
die Lektion, die der Beschuldigte ihr habe erteilen wollen) mit ihren früheren Aus-
sagen übereinstimmend wieder (pag. 774, Z. 23 ff.; pag. 775, Z. 18 ff.). Sie 
bestätigte, der Beschuldigte habe gewusst, dass sie weder Oral- noch Vaginalver-
kehr gewollt habe. Er habe Gewalt angewandt. Sie habe nicht schreien können, 
weil ihre Tochter daneben gewesen sei (pag. 776, Z. 10 f.). Zwar führte die Straf- 
und Zivilklägerin in der Folge aus, für sie sei klar gewesen, dass sie nicht gewollt 
habe. Der Beschuldigte habe jedoch vielleicht gedacht, es handle sich um ein 
«nein», das eigentlich «ja» bedeute, aber das sei nur eine Vermutung (pag. 776, 
Z. 43 ff.). Entgegen den Behauptungen der Verteidigung bezog sich diese Aussage 
jedoch nicht auf den Vorfall vom 24.11.2013, sondern auf die früheren sexuellen 
Kontakte mit dem Beschuldigten (vgl. pag. 776, Z. 29 ff. – von da an Fragen zu 
früheren sexuellen Kontakten). 

In Bezug auf die Strukturgleichheit der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin bleibt 
insgesamt festzuhalten, dass ihre Aussagen sowohl in der Vorgeschichte als auch 
im Kerngeschehen ähnlich detailliert sind. Auffällige Unterschiede sind nicht aus-
zumachen. Zwar waren die Schilderungen anlässlich der erst- und oberinstanzli-
chen Hauptverhandlung weniger detailliert. Allerdings ist dies mit der konkreten Be-

21

fragungssituation zu begründen, bei welcher die Straf- und Zivilklägerin nicht mehr 
aufgefordert wurde, die konkreten Geschehnisse in freier Rede zu schildern. Im 
Übrigen bestehen in den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin weder Hinweise für 
Irrtum oder Suggestion noch für eine mögliche Falschbezichtigung. Die Möglichkeit 
einer Falschbezichtigung steht zwar zumindest theoretisch immer im Raum. Dabei 
ist allerdings stets nach der Motivation dafür zu fragen. Das mögliche Vorliegen ei-
nes Motivs beweist indessen noch nicht, dass tatsächlich falsch ausgesagt worden 
ist. Dies entscheidet sich erst anhand einer Motivanalyse (BENDER/NACK/TREUER, 
a.a.O., N. 251 ff.). Vorliegend fehlt es an konkreten Hinweisen auf ein Motiv der 
Straf- und Zivilklägerin für eine Falschbeschuldigung. Es ist nicht erkennbar, worin 
der Gewinn für die Straf- und Zivilklägerin liegen könnte, abgesehen vom peku-
niären Motiv (Genugtuungssumme). Dass dies die Straf- und Zivilklägerin – die sich 
erst vor ihrer dritten Einvernahme als Zivilklägerin konstituiert hatte – alleine dazu 
hätte bringen können, sich einem solch langandauernden, immer wieder auf-
wühlenden, teilweise mit sehr kritischen Fragen behafteten Verfahren zu stellen, 
kann vorliegend mit Blick auf die inhaltlichen Realkriterien ausgeschlossen werden. 
Auch der Beschuldigte konnte keine plausible Erklärung für eine falsche Anschuldi-
gung vorbringen. 

Des Weiteren sprechen auch die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zu früheren 
sexuellen Kontakten für ihre Glaubhaftigkeit. Nachdem sie gefragt worden war, ob 
sie vor dem 24.11.2013 mit dem Beschuldigten in der Schweiz Geschlechtsverkehr 
gehabt habe, führte sie aus, dies sei zwei Mal geschehen (pag. 173, Z. 138). Auf 
Frage wie und warum es die beiden Male zum Geschlechtsverkehr gekommen sei, 
erläuterte die Straf- und Zivilklägerin: «Ich möchte einfach erklären, dass ich ihm 
bei beiden Malen während des Akts gesagt habe, dass ich das eigentlich nicht 
möchte, weil ich nichts dabei fühle» (pag. 173, Z. 145 f.). Er habe sie aber bei die-
sen beiden Ereignissen nicht bedrängt (pag. 173, Z. 152), vielmehr habe sie sich 
einfach gehen lassen (pag. 173, Z. 149, vgl. zum «Überreden» durch den Beschul-
digten auch dessen bestätigende Aussagen pag. pag. 196, Z. 242 ff.; vgl. so auch 
pag. 201, Z. 44 ff.). An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurde die Straf- 
und Zivilklägerin gefragt, ob sie bereits vor November 2013 durch den Beschuldig-
ten vergewaltigt worden sei. Daraufhin führte sie aus: «Ich weiss nicht genau. Ich 
habe Sex mit ihm im Sommer gehabt. Da habe ich viel gearbeitet und war so mü-
de. Er wollte mir eine Massage geben. Ich weiss nicht, ob das eine Vergewaltigung 
war. Ich habe ihm gesagt, dass wir das beenden müssen, dass das nicht funktio-
niert. Einmal habe ich geschlafen und er wach und wollte Sex haben. Aber ich woll-
te nicht. Ich habe ihm erklärt, dass er mit mir Geschlechtsverkehr ohne meinen Wil-
len hatte, weil ich am Schlafen war. Ich habe das im Internet gelesen» (pag. 383, 
Z. 2 ff.; vgl. so auch oberinstanzlich pag. 776, Z. 31 ff.). Die Straf- und Zivilklägerin 
scheint folglich nicht leichtfertig den Vorwurf einer Vergewaltigung zu machen. Im 
Vergleich zu früheren sexuellen Kontakten, bei welchen sie nicht intervenierte bzw. 
sich gehen liess, ordnete sie die Ereignisse vom 24.11.2013 ferner klar anders ein. 
Sie äusserte nie Zweifel an der Vergewaltigung vom 24.11.2013. Für die Straf- und 
Zivilklägerin war der 24.11.2013 folglich ein singuläres und heftiges Erlebnis. 

Zudem spricht die Entstehungsgeschichte für glaubhafte Aussagen der Straf- und 
Zivilklägerin. Sie war es nicht, die den Vorfall vom 24.11.2013 zur Anzeige ge-

22

bracht hatte. Vielmehr war es J.________, ein Mitarbeiter im Restaurant 
W.________, der die Polizei informierte. Dieser schickte K.________ am 
24.11.2013 mit der Straf- und Zivilklägerin von der Arbeit nach Hause, mit der Bitte 
ihn zu avisieren, falls der Beschuldigte dort auftauchen werde (vgl. hierzu auch die 
Aussagen von J.________ pag. 153, Z. 65 ff. ff., I.________ pag. 145, Z. 147 ff. 
und K.________ pag. 157, Z. 43 ff.). Gegenüber den Mitarbeitern im Restaurant 
W.________ habe die Straf- und Zivilklägerin nicht von einer Vergewaltigung ge-
sprochen, sondern von einem Streit, weil sie am Abend zuvor mit einem anderen 
Mann in der X.________(Bar) getanzt habe. Sie habe geschildert, dass der Be-
schuldigte versucht habe, sie mit Messern umzubringen und gewalttätig geworden 
sei (I.________ pag. 145, Z. 116 ff.; J.________ pag. 152, Z. 46 ff.; vgl. auch 
K.________ pag. 157, Z. 51 ff.). Sie sei ängstlich, aufgewühlt, fast in Panik gewe-
sen, als sie im Restaurant W.________ gewesen sei (J.________ pag. 152, Z. 42 
ff.). Sie habe Tränen in den Augen gehabt und habe auch während der Arbeit ge-
weint (I.________ pag. 144, Z. 107 f.; pag. 145, Z. 113). I.________ führte ferner 
aus, die Straf- und Zivilklägerin habe sich nach dem 24.11.2013 verändert – sie sei 
ruhiger und weniger vertraulich geworden (pag. 144, Z. 62). Des Weiteren schilder-
te die Straf- und Zivilklägerin den sexuellen Übergriff bei ihrer ersten polizeilichen 
Einvernahme vom 25.11.2013 nicht von sich aus. Erst im Laufe der Einvernahme 
kam sie auf den konkreten Vorfall zu sprechen (pag. 165, Z. 158 ff.). Daraus kann 
nichts gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen abgeleitet werden – im Gegenteil. 
Vielmehr ist es gerichtsnotorisch, dass sich Opfer sexueller Delikte oftmals erst 
nach reiflicher Überlegung an die Polizei wenden. Hätte die Straf- und Zivilklägerin 
den Beschuldigten zu Unrecht belasten wollen, hätte sie wohl gezielter agiert. Die 
Straf- und Zivilklägerin zeigte ihr Unbehagen in Bezug auf das Verfahren gegen 
den Beschuldigten und sorgte sich um ihn: Sie wolle nur, dass er sich von ihr fern-
halte und sich nichts antue (pag. 163, Z. 33). Ferner nahm die Straf- und Zivilkläge-
rin den Beschuldigten bei ihrer ersten Einvernahme in Schutz, indem sie betonte, 
er sei keine schlechte Person (pag. 164, Z. 91 f.) und sie wolle ihn nicht anzeigen, 
sondern nur nicht mehr leiden. Er habe ihr sehr wehgetan (pag. 167, Z. 235 f.). 
Auch später erklärte die Straf- und Zivilklägerin, sie wolle nicht, dass dem Beschul-
digten etwas Schlechtes geschehe, sondern nur, dass sie ihn nie wieder sehen 
müsse (pag. 170, Z. 33) und sie habe nicht zur Polizei gehen wollen, sondern nur 
gewollt, dass der Beschuldigte keinen Teil ihres Lebens mehr sei (pag. 186, Z. 194 
f.). Die Entstehungsgeschichte vermag nach dem Gesagten folglich nichts an der 
Glaubhaftigkeit der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zu ändern.

Auf den ersten Blick problematisch erscheinen hingegen die Aussagen der Straf- 
und Zivilklägerin zur Nachtatbeziehung mit dem Beschuldigten. Die Straf- und Zivil-
klägerin bestritt erstinstanzlich wahrheitswidrig, seit dem Vorfall vom 24.11.2013 
mit dem Beschuldigten Kontakt gehabt zu haben (pag. 380, Z. 6 ff.). Erst nachdem 
der Straf- und Zivilklägerin bei der erstinstanzlichen Fortsetzungsverhandlung vom 
26.6.2017 die Aussagen des Beschuldigten, der Zeugen und die objektiven Be-
weismittel vorgehalten worden waren, gab die Straf- und Zivilklägerin zaudernd und 
tröpfchenweise Kontakte zum Beschuldigten zu (gegenseitige Hilfe beim Umziehen 
bzw. beim Ausfüllen von Formularen, finanzielle Hilfe, Reise in den Europapark, 
gemeinsame Essen, Übernachtungen; pag. 564 ff.). Ihr Erklärungsversuch, sie ha-

23

be den Beschuldigten einzig wegen ihrer Tochter getroffen (pag. 566, Z. 45 f.), ist 
nicht überzeugend, zumal sie sich offensichtlich auch ohne ihre Tochter mit dem 
Beschuldigten getroffen hatte (vgl. hierzu ihre eigene Aussage pag. 567, Z. 13). 
Ferner zeigt das Foto vom 17.7.2016 im Europapark eine freudige, gelöste Stim-
mung des Beschuldigten, der Straf- und Zivilklägerin sowie deren Tochter (vgl. 
pag. 581). Dennoch lassen die Falschangaben betreffend die Nachtatbeziehung 
die gleichbleibenden, stimmigen und nachvollziehbaren Aussagen der Straf- und 
Zivilklägerin zum Kerngeschehen bzw. zu den konkreten Anklagepunkten nicht er-
schüttern. Es ist nicht unüblich, dass Opfer nach der Tat Kontakt zu den Tätern 
pflegen. Die Straf- und Zivilklägerin teilte eine lange, prägende Vergangenheit mit 
dem Beschuldigten (neunjährige Liebesbeziehung). Er war der soziale Vater und 
Erzieher ihrer Tochter. Die Straf- und Zivilklägerin war folglich über längere Zeit in-
tensiv mit dem Beschuldigten verbunden, weshalb es nachvollziehbar erscheint, 
dass sie sich trotz der Ereignisse vom 24.11.2013 und ihrer wirtschaftlichen 
Selbständigkeit mit ihm getroffen hatte. Die Schlussfolgerung, wonach jemand, der 
in einem Nebenpunkt lügt, stets auch im Übrigen und insbesondere im Kernpunkt 
lüge, ist falsch. Denn zum einen fühlt sich, wer wirklich im Besitz der Wahrheit ist, 
tendenziell berechtigt oder geradezu verpflichtet, hinsichtlich des einen oder ande-
ren Nebenpunktes zu lügen, um seiner Aussage insgesamt grössere Überzeu-
gungskraft zu verleihen. Zum anderen beschränkt sich bei einer ganzen Reihe typi-
scher Not- und Verlegenheitslügen das Motiv zu lügen, auf einen einzelnen Punkt 
(BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., N. 361). Es ist durchaus nachvollziehbar, dass sich 
die Straf- und Zivilklägerin aus Angst vor Unverständnis, vor Verlust der Glaubwür-
digkeit und unangenehmer Fragen geschämt hatte, hinsichtlich der Nachtatkontak-
te zum Beschuldigten die Wahrheit zu sagen. Ferner schilderte die Straf- und Zivil-
klägerin selbst die ambivalenten Gefühle, die sie nach der Tat gegenüber dem Be-
schuldigten gehegt habe. Er sei höflich und lieb zu ihr gewesen (pag. 566, Z. 46 f.) 
und habe sich entschuldigt (pag. 770, Z. 8 ff.). Es habe gute Momente und Ge-
spräche mit dem Beschuldigten gegeben (pag. 567, Z. 47; pag. 569, Z. 37; 
pag. 773, Z. 3 f.; pag. 773, Z. 15 ff.) – dagegen sei er auch immer wieder aggressiv 
gewesen und habe sich nicht geändert (pag. 567, Z. 1 ff.). Gleichzeitig erklärte die 
Straf- und Zivilklägerin wiederholt, sie schäme sich für ihr Verhalten (pag. 569, 
Z. 24 ff.; pag. 773, Z. 11 f.). Sie gab auch ihr Unverständnis für das eigene Verhal-
ten bekannt: «Ich kann nicht erklären wieso. Wir waren ein Paar und es gab Liebe. 
Ich habe Mühe zu verstehen, was passiert ist. Wir waren ein Paar und liebten uns. 
Ich kann es nicht erklären wieso. Ich weiss nicht, was passiert ist, jahrelang hatten 
wir Streit. Vielleicht hätte ich mich rechtzeitig trennen sollen» (pag. 773, Z. 42 f.; 
pag. 774, Z. 1 f.).

Mit Blick auf die Falschangaben betreffend die Nachtatbeziehung ist der Bericht 
von Psychologin F.________ zurückhaltend zu würdigen. Diese gab an, die Straf- 
und Zivilklägerin sei ab Dezember 2013 anfänglich in wöchentlichen Abständen zur 
Therapie gekommen. Die Straf- und Zivilklägerin habe unter Todesängsten, die 
sich auch auf ihre damals 11-jährige Tochter bezogen hätten, gelitten. Die Straf- 
und Zivilklägerin leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: 
F43.1). Im Vordergrund der Arbeit mit der Straf- und Zivilklägerin sei die Stabilisie-
rung dieser gestanden. Alleine der Gedanke, den Täter in Bern zu begegnen, habe 

24

Nervosität, nervliche Anspannung und starken Stress bei ihr ausgelöst. Jeder der 
teilweise zufälligen Kontakte habe bei ihr massivste Ängste mit entsprechenden 
Symptomen ausgelöst. Die Arbeitsstelle im Restaurant W.________ habe die Straf- 
und Zivilklägerin aufgeben müssen, weil auf ihrem nächtlichen Heimweg die Ängste 
um das eigene Leben unerträglich geworden seien. Auch ihre neuerworbene Rei-
nigungsarbeit richte sie nach dem Stundenplan ihrer Tochter, weil sie andauernd 
Angst habe, der Täter könne ihrem Kind etwas antun. Mitte 2014 sei die Straf- und 
Zivilklägerin ruhiger und gelassener geworden. Sie habe die Therapie entgegen ih-
ren Empfehlungen abgebrochen. Nachdem der Beschuldigte die Straf- und Zivil-
klägerin im Sommer 2016 via SMS mit Drohungen bombardiert habe, habe eine 
Bagatelle – ihre inzwischen 13 Jahre alte Tochter sei wider Erwarten nicht erreich-
bar gewesen – im November 2016 eine Panikattacke ausgelöst, woraufhin sich die 
Straf- und Zivilklägerin erneut in Therapie begeben habe. Ein Verheilen der seeli-
schen Narben der Straf- und Zivilklägerin werde noch längere Zeit in Anspruch 
nehmen und sei wohl nur möglich, wenn sie sich und ihre Tochter in Sicherheit vor 
den Aggressionen des Täters fühle (pag. 368 f.).

Die geschilderten Ängste der Straf- und Zivilklägerin vermögen in Anbetracht der 
Tatsache, dass sie mit dem Beschuldigten ca. drei Monate nach seiner Entlassung 
aus der Untersuchungshaft (vgl. hierzu Aussagen des Beschuldigten pag. 394, 
Z. 13 f.; mithin ab ca. Mai 2014) bis August 2016 regelmässigen Kontakt pflegte, 
nicht überzeugen. Die Straf- und Zivilklägerin stand in keinem besonderen Abhän-
gigkeitsverhältnis zum Beschuldigten. Sie war wirtschaftlich unabhängig und hatte 
eine eigene Wohnung. Sie traf sich über einen längeren Zeitraum freiwillig mit dem 
Beschuldigten, weshalb die Ängste zumindest während dieser Zeit nicht so gross 
gewesen sein konnten. Ein Blick auf die Abrechnungen der Therapiestunden bei 
F.________ zeigt, dass sich die Straf- und Zivilklägerin gerade während der Nacht-
atbeziehung nicht in Therapie befand (vgl. pag. 364 ff.). Sie ging einzig von De-
zember 2013 bis Mitte Juli 2014 in die Therapie und nahm diese erst im November 
2016 – folglich nach erneutem Kontaktabbruch – wieder auf. Gegenüber 
F.________ schilderte sie ihre Ängste folglich mehrheitlich, als sie keine Beziehung 
zum Beschuldigten pflegte (vgl. hierzu auch die Aussage von I.________, gegenü-
ber welchem die Straf- und Zivilklägerin am 25.3.2014 gesagt habe, sie habe Angst 
vor dem Beschuldigten, weil er nicht mehr in Untersuchungshaft sei, pag. 143, 
Z. 39 ff.). Die Ängste konnten bei der Straf- und Zivilklägerin folglich nicht durchge-
hend derart gross gewesen sein. Die entsprechenden Angaben der Straf- und Zivil-
klägerin erscheinen deutlich übertrieben. Die Ausführungen bzw. die von Psycho-
login F.________ gestellte Diagnose ist in Anbetracht des Gesagten folglich zu re-
lativieren. Dies gilt umso mehr, als die Straf- und Zivilklägerin anlässlich ihrer obe-
rinstanzlichen Einvernahme nicht mehr davon sprach, Ängste zu haben (pag. 777, 
Z. 21 f.).

Übertrieben ist ferner die Behauptung der Straf- und Zivilklägerin, sie sei im August 
2016 vom Beschuldigtem per SMS bedroht worden (vgl. pag. 369; pag. 379, Z. 29 
ff.). Ein Blick auf die entsprechende WhatsApp Kommunikation zwischen der Straf- 
und Zivilklägerin und dem Beschuldigten zeigt einzig eine Streiterei, teilweise mit 
beleidigendem Inhalt, jedoch keine Drohungen (pag. 590 ff.).

25

Nach Ansicht der Kammer lassen weder die Übertreibungen betreffend die Dro-
hungen noch die Falschangaben hinsichtlich der Nachtatbeziehung zum Beschul-
digten die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zum Rahmen- und Kerngeschehen 
des 24.11.2013 derart erschüttern, dass sie nicht mehr glaubhaft erscheinen wür-
den. Wie zuvor dargelegt wurde, sind die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zum 
Rahmen- und Kerngeschehen des 24.11.2013 inhaltlich derart ausführlich, kon-
stant und nachvollziehbar, gezeichnet von einem komplexen, dynamischen Ge-
schehen sowie von verschiedenen inneren emotionalen Vorgängen, dass sie er-
lebnisbasiert erscheinen. Relevante Widersprüche sind keine vorhanden und die 
Ungenauigkeiten bzw. die Vermischung der einzelnen geschilderten Handlungsab-
läufe sind erklärbar. Die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zum angeklagten 
Sachverhalt des 24.11.2013 sind nach dem Gesagten folglich glaubhaft.

8.2.4 Würdigung der Aussagen des Beschuldigten 

Bei der ersten Einvernahme vom 25.11.2013 machte der Beschuldigte ausführliche 
Angaben zu den Geschehnissen vom 24.11.2013. Auch er führte aus, er habe die 
Straf- und Zivilklägerin mit einem anderen Mann in der X.________(Bar) getroffen. 
Er habe sie aufgefordert, mit ihm nach Hause zu kommen. Zu Hause hätten sie ei-
ne Diskussion gehabt. Weil sie am nächsten Tag zur Arbeit hätten gehen müssen, 
seien sie Schlafen gegangen (pag. 193, Z. 91 ff.). Am Nachmittag des 24.11.2013 
sei die Straf- und Zivilklägerin «verruckt» gewesen und sie hätten wieder eine Aus-
einandersetzung gehabt. Als Grund gab der Beschuldigte an, es sei dabei um das 
Leugnen und diesen Mann gegangen (pag. 193, Z. 96 ff.). Er habe die Wahrheit 
wissen wollen. Sie habe sich merkwürdig benommen und er habe das Gefühl ge-
habt, sie würde ihn nur benutzen. Sie habe alles nur verneint und gesagt, dass er 
sie umbringen werde. Er habe geantwortet, wenn jemand sterben müsse, dann sei 
er das. Er habe das Messer vom Küchentisch genommen und gesagt, er werde 
sich wehtun, wenn sie ihm nicht die Wahrheit sage (pag. 193, Z. 102 ff.). Die Straf- 
und Zivilklägerin habe ihm das Messer abgenommen und aus dem Fenster gewor-
fen. Er habe sich etwas beruhigt und sei auf das Sofa gegangen. Er habe gewollt, 
dass sie ihm erkläre, was passiert sei. Sie habe ihm gesagt, sie habe ihn nicht 
gern, halte es nicht mehr mit ihm aus und er solle gehen (pag. 194, Z. 109 ff.). Er 
habe in der Küche ein neues Messer geholt und habe der Straf- und Zivilklägerin 
gesagt, er halte es nicht mehr aus. Sie habe angefangen herumzuschreien, er wer-
de sie umbringen und sie werde sich selber umbringen, bevor das geschehe. Dar-
aufhin habe sie aus dem Fenster springen wollen. Er habe sie festgehalten. Dann 
habe die Straf- und Zivilklägerin gesagt, sie könnten zusammen sprechen, wenn er 
kein Messer mehr habe. Sie habe das Messer genommen, kaputt gemacht und aus 
dem Fenster geworfen. Dann seien sie ins Schlafzimmer gegangen und sie habe 
ihm gesagt, er sei ein guter Mann und er habe eine gute Frau verdient. Er habe am 
Ende gesagt, er werde gehen, weil er es nicht mehr aushalte. Sie habe ihn jedoch 
nicht gehen lassen wollen und gefragt, was sie tun könne, damit er sich nicht um-
bringe. Sie habe ihn gefragt, ob sie zusammen schlafen wollten, damit er sich be-
ruhige. So sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen. Sie sei über ihm gewesen 
und habe immer behauptet, sie könne das nicht. Sie habe ihm auch gesagt, es ge-
schehe gegen ihren Willen, sie wolle das eigentlich nicht. Am Ende habe sie ein-

26

fach nur geweint und gesagt, sie habe dies nur gemacht, damit er weder ihr noch 
sich selbst etwas antue (pag. 194, Z. 114 ff.; pag. 196, Z. 250 ff.).

Diese Schilderungen stimmen über weite Teile mit jenen der Straf- und Zivilklägerin 
überein. Sie sind detailliert und der Beschuldigte belastete sich auch selbst, indem 
er offen zugab, mit verschiedenen Messern gedroht zu haben. Das Messer habe er 
als Druckmittel gebraucht, um von der Straf- und Zivilklägerin die Wahrheit zu er-
fahren – er habe sie damit erschrecken wollen (pag. 195, Z. 177 ff.; pag. 195, 
Z. 205; pag. 196, Z. 219 f.). Dennoch bagatellisierte der Beschuldigten den Vor-
gang mit den Messern, indem er anfänglich behauptete, er habe die Klinge des 
Messers nur auf sich gerichtet (pag. 194, Z. 156; pag. 391, Z. 31). Erst auf Vorhalt 
der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin erklärte der Beschuldigte, es könne sein, 
dass er während der Diskussion mit dem Messer in ihre Richtung gezeigt habe. Er 
habe jedoch nur die Absicht gehabt, sich selbst etwas antun (pag. 195, Z. 167 f.). 
Der Beschuldigte erklärte allerdings von sich aus, die Straf- und Zivilklägerin habe 
ihm mehrfach gesagt, sie wolle eigentlich nicht und sie habe während des Ge-
schlechtsverkehrs geweint. Er gab zu, die Straf- und Zivilklägerin an den Haaren 
gepackt zu haben, als sie aus dem Fenster habe springen wollen und er habe sie 
danach von hinten ins Schlafzimmer gestossen (pag. 195, Z. 160 f.). Diese offenen, 
selbstbelastenden und ausführlichen Erstaussagen erscheinen prima vista glaub-
haft. Auch für den Beschuldigten stellte der Nachmittag des 24.11.2013 ein offen-
bar singuläres Ereignis dar. Dies zeigt sich denn auch im Schreiben des Beschul-
digten vom 26.9.2013, in welchem er sich bei der Straf- und Zivilklägerin für das 
Verhalten vom 24.11.2013 entschuldigte – er habe nur die Wahrheit wissen wollen, 
aber er habe dies nicht in der korrekt Form gemacht. Er habe der Straf- und Zivil-
klägerin kein Leid zuführen wollen (vgl. pag. 236 f.). 

Die Erstaussagen des Beschuldigten vermögen jedoch nicht gänzlich zu überzeu-
gen. Insgesamt fällt auf, dass sich der Beschuldigte in seinen Schilderungen vom 
24.11.2013 oftmals als Opfer darstellt, weil er unter den Unwahrheiten und der Be-
ziehung zur Straf- und Zivilklägerin gelitten habe. Der vom Beschuldigten geschil-
derte Ablauf ist ferner weder in sich logisch noch nachvollziehbar. Gemäss Schilde-
rungen des Beschuldigten war die Straf- und Zivilklägerin aufgewühlt und habe so-
gar versucht, aus dem Fenster zu springen. Sie habe ihm wiederholt gesagt, sie 
möge ihn nicht und er solle gehen. Dennoch behauptete der Beschuldigte, die 
Straf- und Zivilklägerin habe ihm nur kurz darauf Geschlechtsverkehr angeboten 
und gesagt, er sei ein guter Mann und habe eine gute Frau verdient. Ein derartiger 
Bruch im Handlungsablauf sowie ein Angebot zum Geschlechtsverkehr nur kurz 
nach einem versuchten Sprung aus dem Fenster ist nicht plausibel. Ferner waren 
die Angaben des Beschuldigten zum Angebot des Geschlechtsverkehrs wider-
sprüchlich. Anfänglich behauptete der Beschuldigte wiederholt, die Straf- und Zivil-
klägerin habe ihn gefragt, ob er Sex haben wolle, damit er sich beruhige (pag. 196, 
Z. 249 ff.; pag. 201, Z. 46 ff.; pag. 784, Z. 30 f.). An der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung behauptete er jedoch erstmals, er habe die Straf- und Zivilklägerin ge-
fragt, ob sie Sex wolle. Daraufhin habe sie ja gesagt und es sei zum Geschlechts-
verkehr gekommen (pag. 391, Z. 42 f.). Erst auf Vorhalt seiner früheren Aussagen 
gab er oberinstanzlich knapp zur Antwort, er könne sich nicht erinnern, aber es 
könne auch so (er habe sie nach Geschlechtsverkehr gefragt) gewesen sein 

27

(pag. 784, Z. 35). Diese widersprüchlichen Angaben zum Angebot des Ge-
schlechtsverkehrs vermögen nicht zu überzeugen. 

Den konkreten Geschlechtsverkehr sowie die jeweiligen Interaktionen mit der Straf- 
und Zivilklägerin beschrieb der Beschuldigte in einem nicht nachvollziehbaren 
Handlungsablauf. Er erklärte, die Straf- und Zivilklägerin habe Oralverkehr von ihm 
gefordert, nachdem der Geschlechtsverkehr bereits begonnen habe (pag. 197, 
Z. 274 ff.; pag. 202, Z. 62). Es ist mehr als nur fraglich, warum die Straf- und Zivil-
klägerin – die nur kurz zuvor versucht habe, aus dem Fenster zu springen sowie 
geweint und dem Beschuldigten mehrfach gesagt habe, sie könne bzw. wolle kei-
nen Geschlechtsverkehr – von diesem hätte Oralverkehr fordern sollen. Entspre-
chend wurde der Beschuldigte gefragt, warum die Straf- und Zivilklägerin Oralver-
kehr gewünscht habe. Der Beschuldigte erklärte dies mit der sexuellen Erregung 
der Straf- und Zivilklägerin (pag. 202, Z. 74). Dies überzeugt nicht, zumal die Straf- 
und Zivilklägerin nach Angaben des Beschuldigten auch nach der oralen Befriedi-
gung wieder geweint und gesagt habe, sie könne das nicht, weil die Harmonie nicht 
stimme (pag. 202, Z. 78 ff.). Der Beschuldigte erklärte des Weiteren, er sei auf die 
Straf- und Zivilklägerin gelegen und sie habe angefangen ihn zu umarmen und zu 
küssen (pag. 203, Z. 86 ff.; pag. 196, Z. 255 f.; pag. 197, Z. 262 f.). Dabei sei sie 
ganz zärtlich gewesen (pag. 203, Z. 105) und habe ihm erklärt, er solle nicht eifer-
süchtig sein. Sie habe gesagt: «wenn wir es schon das letzte Mal zusammen trei-
ben würden, dann richtig» (pag. 203, Z. 88 ff.). Die Straf- und Zivilklägerin habe 
sich nach Ansicht des Beschuldigten damit für die letzten Male entschuldigen wol-
len, welche langweilig und monoton gewesen seien (pag. 203, Z. 93 f.). Diese wie-
derholten, nicht nachvollziehbaren Stimmungsschwankungen der Straf- und Zivil-
klägerin sowie ihre angebliche Entschuldigung für vergangenen Geschlechtsver-
kehr erscheinen ebenfalls nicht plausibel. Ferner behauptete der Beschuldigte bei 
seiner Einvernahme anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, es habe 
Oralsex sowie vaginalen Verkehr, als die Straf- und Zivilklägerin auf allen Vieren 
gewesen sei, gegeben (pag. 392, Z. 26 f.). Von der Missionarsstellung war keine 
Rede mehr. Dies erstaunt, zumal nach den Schilderungen des Beschuldigten die 
Straf- und Zivilklägerin nur zärtlich geworden sei, als er auf ihr gelegen sei. Glaub-
haft ist jedoch die selbstbelastende Aussage des Beschuldigten, die Straf- und Zi-
vilklägerin habe ihm gesagt, sie wolle das nicht mehr und er würde sie dazu zwin-
gen (pag. 203, Z. 112 f.). Die Erklärung des Beschuldigten, sie habe das gesagt, 
weil sie im Schlafzimmer Angst gehabt habe, er würde sich etwas antun (pag. 203, 
Z. 116), ist jedoch nicht nachvollziehbar. Der Beschuldigte behauptete ferner, er 
habe nicht gegen den Fernseher geschlagen, sondern er habe das Gleichgewicht 
verloren und sei in den Kristalltisch beim Eingang gefallen (pag. 392, Z. 5 ff.). Diese 
Ausführung überzeugt nicht, zumal der erstmals erwähnte angebliche Gleichge-
wichtsverlust nicht logisch in das Geschehen eingebettet werden kann.

Im Weiteren sagte der Beschuldigte hinsichtlich wichtiger Handlungsabläufe im 
Kerngeschehen widersprüchlich aus. Er gab anfänglich wiederholt an, die Straf- 
und Zivilklägerin habe während des Geschlechtsverkehrs geweint (pag. 194, Z. 134 
f.; pag. 196, Z. 251 f.; pag. 202, Z. 60; pag. 202, Z. 80 f.). Während der erst- und 
oberinstanzlichen Hauptverhandlung behauptete der Beschuldigte jedoch, die 
Straf- und Zivilklägerin habe «sicher nicht geweint» (pag. 393, Z. 3; pag. 783, Z. 10 

28

f.). Auf Vorhalt seiner früheren Aussagen behauptete der Beschuldige sodann, er 
erinnere sich nicht (pag. 396, Z. 16 f.; pag. 784, Z. 14 f.). Zwar sind gewisse Erin-
nerungslücken mit zunehmender Dauer des Verfahrens durchaus nachvollziehbar. 
Das geschilderte Weinen der Straf- und Zivilklägerin während des Geschlechtsver-
kehrs ist jedoch derart eindrücklich, dass ein Vergessen des Beschuldigten nicht 
begreiflich erscheint. Im Übrigen war auch die Begründung des Beschuldigten, 
warum die Straf- und Zivilklägerin geweint habe, nicht einleuchtend – sie habe wohl 
aus schlechtem Gewissen geweint, weil sie ihn verletzt habe (pag. 202, Z. 65 ff.). 

Generell nicht überzeugend sind die verschiedenen widersprüchlichen Erklärungs-
versuche des Beschuldigten. Als Grund für die Eskalation mit der Straf- und Zivil-
klägerin nannte er die Angst der Straf- und Zivilklägerin, dass er sie verlasse werde 
(pag. 24, Z. 39 f.; pag. 194, Z. 127; pag. 395, Z. 42 f.; pag. 782, Z. 22 ff.; pag. 783, 
Z. 16 f.). Das sei die Lektion gewesen, die er ihr habe erteilen wollen (pag. 391, 
Z. 45 f.). Sie habe sogar angefangen zu weinen, als er ihr am Abend nach den Ge-
schehnissen vom 24.11.2013 im Restaurant W.________ gesagt habe, er werde 
sie verlassen (pag. 393, Z. 29 ff.). Dennoch erklärte der Beschuldigte immer wie-
der, die Straf- und Zivilklägerin habe gefordert, er solle gehen, sie empfinde nichts 
mehr, sie halte es nicht mehr mit ihm aus (pag. 194, Z. 111 ff.; pag. 197, Z. 299 ff.; 
pag. 198, Z. 325 f.; pag. 205, Z. 195) und sie habe ihm gesagt, sie werde alles un-
ternehmen, damit die Polizei die nötigen Schritte in die Wege leite, damit sie sich 
trennen würden (pag. 205, Z. 178 ff.; pag. .24, Z. 30 f.). Diese widersprüchlichen 
Angaben sind nicht glaubhaft. Zudem behauptete der Beschuldigte, er habe der 
Straf- und Zivilklägerin gesagt, er werde zur Polizei gehen, damit er erklären könne, 
dass er sich mit einem Messer selber verletzt habe (pag. 211, Z. 79 ff.). Wieso die-
se – ohnehin nicht stattgefundene – Selbstverletzung Anlass zu einer Vorsprache 
bei der Polizei hätte sein sollen, erschliesst sich der Kammer nicht. 

Der Beschuldigte versuchte im Laufe des Strafverfahrens ferner zunehmend, die 
Straf- und Zivilklägerin in ein schlechtes Licht zu rücken. Bereits während der ers-
ten Einvernahme wies er daraufhin, dass die Straf- und Zivilklägerin oftmals nicht 
die Wahrheit erzähle (pag. 192, Z. 57 f.). In den weiteren Einvernahmen machte er 
die Straf- und Zivilklägerin besonders schlecht. Sie habe einen explosiven Charak-
ter (pag. 201, Z. 44), ein gestörtes Leben – sie sei von ihrem Onkel vergewaltigt 
und von ihrem Bruder sexuell belästigt worden (pag. 25, Z. 6 f.), sie sei aggressiv 
(pag. 25, Z. 12), lüge sehr oft (pag. 25, Z. 19 f.) und habe wegen ihres Verhaltens 
die Wohnung einer Freundin verlassen müssen (pag. 25, Z. 41 ff.). Die Straf- und 
Zivilklägerin habe behauptet, sie leide an einem Hirntumor und sie habe bereits in 
Ecuador und Spanien versucht, sich das Leben zu nehmen (pag. 26, Z. 4 ff.). Er 
habe die Tochter vor der Straf- und Zivilklägerin schützen müssen, weil Letztere die 
Tochter an den Haaren gerissen und den Kopf in die WC-Schüssel getaucht habe 
(pag. 25, Z. 26 f.). Die Straf- und Zivilklägerin habe ihre Tochter geschlagen, so 
dass sich diese am Mund verletzt habe (pag. 25, Z. 33 f.) und in der Schule habe 
lügen müssen, ihre blauen Flecken würden von einem Fahrradunfall stammen 
(pag. 25, Z. 35 ff.). In den Aussagen des Beschuldigten ist ferner eine leichte Ag-
gravierungstendenz zum Verhalten der Straf- und Zivilklägerin mit ihrer Begleitung 
in der X.________(Bar) zu erblicken. Während er bei der ersten Einvernahme noch 
davon sprach, er habe die Straf- und Zivilklägerin nur mit einem anderen Mann in 

29

der X.________(Bar) gesehen (pag. 193, Z. 91 f.), behauptete er danach, die Straf- 
und Zivilklägerin habe diesen Mann geküsst (pag. 24, Z. 26) bzw. später nur um-
armt (pag. 396, Z. 28).

Zusammengefasst sind die Erstaussagen des Beschuldigten zwar gezeichnet von 
Selbstbelastungen und Detailreichtum. Die weiteren Einvernahme des Beschuldig-
ten vermögen jedoch nicht zu überzeugen. Seiner teilweise widersprüchlich ge-
schilderten Version der Geschehnisse vom 24.11.2013 ist kein in sich logischer 
Handlungsablauf zu entnehmen. Kombiniert mit den zahlreichen, nicht nachvoll-
ziehbaren Erklärungen des Beschuldigten sowie den zunehmenden Belastungen 
der Straf- und Zivilklägerin erscheinen die Aussagen des Beschuldigten zum Vorfall 
des 24.11.2013 nicht glaubhaft. Nach Ansicht der Kammer kann folglich auf die 
insgesamt nicht glaubhaften Aussagen des Beschuldigten nicht abgestellt werden. 
Daran vermag auch der Umstand, dass er drei Mal aus Spanien in die Schweiz 
reiste, um sich der Gerichtsverhandlung zu stellen, nichts zu ändern. 

8.2.5 Erstellter Sachverhalt

Weder die objektiven Beweismittel noch die zahlreichen Zeugenaussagen konnten 
Massgebliches zur Klärung des Kernsachverhalts vom 24.11.2013 beitragen. Nach 
Gegenüberstellung sämtlicher Aussagen der Straf- und Zivilklägerin sowie jenen 
des Beschuldigten hat die Kammer jedoch keine unüberwindlichen Zweifel daran, 
dass sich der Nachmittag des 24.11.2013 wie von der Straf- und Zivilklägerin ge-
schildert abgespielt hat.

Die angeklagten Sachverhalte nach Ziff. I.2 und Ziff. I.3 der Anklageschrift sind mit-
hin erstellt.

III. Rechtliche Würdigung

9. Vergewaltigung

9.1 Theoretische Ausführungen

Der Tatbestand der Vergewaltigung nach Art. 190 des Schweizerischen Strafge-
setzbuches (aStGB; SR 311.0; vgl. zum anwendbaren Recht Ziff. 11 hiernach) 
dient dem Schutz der sexuellen Selbstbestimmung. Das Individuum soll sich im Be-
reich des Geschlechtslebens unabhängig von äusseren Zwängen oder Abhängig-
keiten frei entfalten und entschliessen können. Der Tatbestand setzt voraus, dass 
der Täter das Opfer durch eine Nötigungshandlung dazu bringt, eine sexuelle 
Handlung zu erdulden oder vorzunehmen. Es werden dabei alle erheblichen Nöti-
gungsmittel erfasst, auch solche ohne unmittelbaren Bezug zu physischer Gewalt. 
Geschützt wird mithin auch dasjenige Opfer, das in eine ausweglose Situation 
gerät, in der es ihm nicht zuzumuten ist, sich dem Vorhaben des Täters zu wider-
setzen, auch wenn dieser keine Gewalt anwendet. Dementsprechend umschreibt 
das Gesetz die Nötigungsmittel nicht abschliessend (BGE 122 IV 97 E. 2b). Es er-
wähnt namentlich die Ausübung von Gewalt und von psychischem Druck sowie das 
Bedrohen und das Herbeiführen der Widerstandsunfähigkeit, wobei der zuletzt ge-
nannten Variante kaum eigenständige Bedeutung zukommt (vgl. BGE 131 IV 167 
E. 3; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 6B_278/2011 vom 16.6.2011 

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30

E. 3.2.1). Die Nötigungshandlungen entsprechen jenen von Art. 189 aStGB (WE-
DER, in: DONATSCH [Hrsg.], StGB Kommentar, 19. Aufl. 2013, N. 5 f. zu Art. 190).

Unter Beischlaf wird der (abgenötigte) vaginale Geschlechtsverkehr mit einer Frau 
verstanden, wobei vorliegend das Nötigungsmittel der Gewalt angeklagte wurde. 

Bei Gewalt gilt ein relativer Massstab – die Gewalt genügt, die nötig war, das kon-
krete Opfer gefügig zu machen. Es ist nicht erforderlich, dass das Opfer wider-
standsunfähig wird, und schon gar nicht, dass es sich bis zur Erschöpfung wehrt, 
oder dass es zu körperlichen Misshandlungen kommt; unter Umständen gibt es 
auf, weil es weitere Abwehr für zwecklos hält, oder weil es zermürbt ist. Je nach 
den Umständen kann bereits ein verhältnismässig geringer Kraftaufwand ausrei-
chen. Auf die Höhe des Kraftaufwandes kommt es nicht an (TRECHSEL/BERTOSSA, 
in: TRECHSEL/PIETH [Hrsg.], Praxiskommentar StGB, 3. Aufl. 2018, N. 5 zu Art. 189; 
ähnlich auch MAIER, in: Basler Kommentar zum StGB, 3. Aufl. 2013, N. 20 zu 
Art. 189). Was das Ausmass anbelangt, so kann bereits Niederdrücken, mit überle-
gener Körperkraft festhalten, brutal zu Boden stossen, in eine Telefonkabine drän-
gen, den Arm auf den Rücken drehen, u.U. als Gewalt definiert werden. Die neuere 
Rechtsprechung lässt eine geringfügige Kraftanstrengung dann nicht genügen, 
wenn dem Opfer nach Lage der Dinge Widerstand möglich und zumutbar ist 
(BGE 122 IV 97). Es genügt grundsätzlich diejenige Gewalt, die nötig war, um das 
konkrete Opfer gefügig zu machen. Nicht notwendig ist, dass sich das Opfer an-
dauernd wehrt oder widerstandsunfähig wird. Das Erstere ist dem Opfer nicht zu-
zumuten und das Zweite stimmt oft nicht mit den Tatabläufen überein. Viele Opfer 
geben nach dem ersten Angriff des Täters den Widerstand auf, sammeln dann 
aber wieder ihre Kräfte und versuchen anschliessend erneut, sich zur Wehr zu set-
zen. Wer im Zusammenhang mit dem hochsensiblen Bereich der Sexualität ohne 
vorheriges Einverständnis des Opfers Gewalt anwendet, darf nicht ohne weiteres 
erwarten, dass das Opfer damit einverstanden ist. Relativierend ist aber zu bemer-
ken, dass dem Täter im Moment des Gewalt-Ausübens bewusst sein muss, dass 
sein gewaltsames Handeln dem Brechen des Widerstandes des Opfers dient (MAI-
ER, a.a.O., N. 22 zu Art. 189). Nach der neusten Rechtsprechung sind bei der Be-
urteilung des Ausmasses der Gewaltanwendung auch Opfergesichtspunkte mit zu 
berücksichtigen. Die von der Rechtsprechung geforderte Widersetzlichkeit des Op-
fers ist nichts anderes als eine tatkräftig und manifestierte Willensbezeugung, mit 
welcher dem Täter unmissverständlich klargemacht wird, die sexuelle Handlung 
nicht zu wollen, wobei der entgegengesetzte Wille durch das Opfer unzweideutig 
manifestiert werden muss (MAIER, a.a.O., N. 23 zu Art. 189).

Die Tatmittel und der Beischlaf werden durch das ungeschriebene Tatbestands-
merkmal der Kausalität verknüpft (MAIER, a.a.O., N. 14 zu Art. 190). In subjektiver 
Hinsicht ist vorsätzliches Handeln des Täters vorausgesetzt, das sich auf alle drei 
vorgenannten objektiven Tatbestandsmerkmale beziehen muss (Nötigung, Bei-
schlaf, Kausalität). Eventualvorsatz genügt (MAIER, a.a.O., N. 17 zu Art. 190).

https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgizf62lwl44to

31

9.2 Subsumtion

Nachdem die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten oral stimuliert hatte (vgl. 
Ausführungen unter Ziff. 10.2 hiernach), forderte er sie auf, «auf alle Viere» zu ge-
hen. Er zog die Straf- und Zivilklägerin an den Haaren, weil sich diese weinend 
weigerte und setzte sie auf sich. Daraufhin forderte er die Straf- und Zivilklägerin 
auf, ihn «zu reiten». Diese bat weinend darum, dass er sie nicht zwingen solle. Er 
befahl ihr jedoch «beweg dich, beweg dich», weshalb die Straf- und Zivilklägerin 
aus Angst und um zu verhindern, dass ihre in der Wohnung ebenfalls anwesende 
Tochter etwas mitbekommt, nachgab und sich auf und ab bewegte. Nach einer 
Weile forderte der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin erneut auf, auf «alle Vie-
re» zu gehen. Sie versuchte sich zu wehren und loszureissen. Der Beschuldigte 
hielt sie an den Haaren fest und drang vaginal in die Straf- und Zivilklägerin ein. Er 
vollzog den Geschlechtsverkehr bis zum Samenerguss, während die Straf- und Zi-
vilklägerin weinte und in die Leintücher biss.

Indem der Beschuldigte vaginal in die Straf- und Zivilklägerin eindrang, vollzog er 
den Beischlaf mit ihr. Dazu wendete er Gewalt an. Er wirkte mit seiner Kraft phy-
sisch auf die Straf- und Zivilklägerin ein: Er zog die Straf- und Zivilklägerin während 
des vaginalen Geschlechtsverkehrs mehrfach an den Haaren und hielt sie fest, so 
dass sie sich nicht losreissen konnte. Der Beschuldigte wandte damit ein Mass an 
körperlicher Kraftentfaltung an, welches genügte, um sich über den – verbal und 
physisch geäusserten – Widerstand der Straf- und Zivilklägerin hinwegzusetzen 
bzw. diesen zu brechen. Dies erforderte von Seiten des Beschuldigten zwar keinen 
besonders grossen Krafteinsatz, führte aber dennoch zu einem ausreichenden 
Zwang im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB, zumal gestützt auf die bundesgerichtli-
che Rechtsprechung jene Gewalt genügt, die nötig war, das konkrete Opfer gefügig 
zu machen (relativer Massstab). 

Zwar übernahm die Straf- und Zivilklägerin während des unfreiwilligen vaginalen 
Geschlechtsverkehrs einen aktiven Teil am Geschehen, als sie auf dem Beschul-
digten w