# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f63982b-6166-5162-b4e0-2b820d35d68d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-01-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.01.2014 D-5481/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5481-2013_2014-01-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-5481/2013 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  J a n u a r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 

Richter Robert Galliker, Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch (…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des BFM vom 22. August 2013 / N (…). 

 

 

D-5481/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ist afghanischer Staatsangehöriger und stammt 

aus der Provinz B._______ (Afghanistan). Gemäss eigenen Angaben ge-

langte er am 27. Oktober 2010 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe um Asyl nachsuchte. 

B.  

Er wurde am 16. November 2010 zu seiner Person und summarisch zum 

Reiseweg sowie den Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). 

Eine eingehende Anhörung zu den Fluchtgründen fand am 29. Mai 2012 

und 12. November 2012 statt. 

C.  

Mit Entscheid vom 12. Januar 2011 wurde für den Beschwerdeführer eine 

Beistandschaft nach Art. 392 Ziff. 3 des Schweizerischen Zivilgesetz-

buchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) errichtet. Als Beiständin 

wurde E._______ eingesetzt, welche ebenfalls als Rechtvertreterin des 

Beschwerdeführers auftritt. 

D.  

Mit Verfügung vom 22. August 2013 (Eröffnung am 30. August 2013) ver-

neinte das BFM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehn-

te sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, 

ordnete aber aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ei-

ne vorläufige Aufnahme an. 

E.  

Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechts-

vertreterin vom 30. September 2013 beim Bundesverwaltungsgericht an 

und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die 

Gewährung von Asyl.  

In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensge-

setzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ersucht. 

Als Beweismittel wurden der E-Mail-Verkehr zwischen der Rechtsvertrete-

rin und dem BFM, eine Eingabe vom 5. Juni 2012 an das BFM, zwei Pro-

tokolle der Hilfswerkvertretung, ein Internetartikel, ein Austrittsbericht des 

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Seite 3 

Kantonsspitals (…), ein Bericht der (…) Psychiatrie, und eine Fürsorge-

bestätigung eingereicht. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. Oktober 2013 wurde der Antrag auf Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 13. November 2013 nahm die Vorinstanz zu 

den Ausführungen in der Beschwerde Stellung und beantragte deren Ab-

weisung. 

H.  

In der Replik vom 4. Dezember 2013 äusserte sich der Beschwerdeführer 

zur Vernehmlassung des BFM. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden 

nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-

gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, 

SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 

17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwal-

tungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

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Seite 4 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des 

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er af-

ghanischer Staatsangehöriger tadschikischer Ethnie sei und aus 

B._______ stamme, wo er bis 2007 gelebt habe. Sein Vater habe sich 

nicht um die Familie gekümmert, sondern seine Zeit mit Spielen und 

Rauchen verbracht, während die Mutter gearbeitet habe. Der Vater habe 

sowohl ihn als auch seine Schwester als auch seine Mutter geschlagen 

und er (der Beschwerdeführer) sei von den Freunden des Vaters belästigt 

worden. Nachdem die Mutter krank geworden und gestorben sei, habe er 

arbeiten müssen und habe daher nicht zur Schule gehen können. Zwei 

Wochen nach dem Tod der Mutter sei er von einem Freund des Vaters 

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Seite 5 

sexuell missbraucht worden und er sei mit dem Tode bedroht worden, 

würde er jemandem davon erzählen. Schliesslich habe der Vater seine 

Tochter (die Schwester des Beschwerdeführers) beim Glückspiel an ei-

nen Freund verloren, woraufhin es zu einem Streit zwischen ihm (dem 

Beschwerdeführer) und dem Vater gekommen sei und er zu Hause raus-

geworfen worden sei. Ein Bekannter habe ihm daraufhin geholfen, in den 

Iran zu fliehen. Dort habe er zwei Jahre illegal gelebt und gearbeitet und 

sei dann via Griechenland in die Schweiz gelangt. 

4.2 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass der Beschwerde-

führer realitätsfremde Angaben zu seinen familiären Verhältnissen ge-

macht habe, indem er angegeben habe, sein Vater habe keine Geschwis-

ter respektive er wisse nicht, ob er welche habe. Auch zu den Verwandten 

der Mutter habe er keine Angaben machen können und weder Grossel-

tern, Onkel und Tanten noch andere Verwandte nennen können. Dies sei 

im afghanischen Kontext, wo in grossen Familienverbänden gelebt wer-

de, unrealistisch und der Beschwerdeführer habe diesem Vorhalt nichts 

entgegenbringen können. Ferner habe er zu den Umständen des Todes 

der Mutter keine detaillierten Angaben machen können. Auch die Schilde-

rungen seiner eigenen Lebensumstände seien unrealistisch. So habe er 

angegeben, sich zusammen mit seiner Mutter um den finanziellen Unter-

halt der Familie bemüht zu haben und daher bereits als 7- oder 8-Jähriger 

als Schuhputzer gearbeitet sowie einen Teil seines Geldes zur Seite ge-

legt zu haben. Es sei unrealistisch, dass ein 8-jähriges Kind seine Familie 

mit seinem Lohn über Wasser halten könne, und dass ein Kind Geld für 

schlechtere Zeiten spare. Es sei ihm ferner nicht gelungen, seinen letzten 

Tag zuhause konkret zu beschreiben. Es könne nicht nachvollzogen wer-

den, wie er als erst 13-Jähriger selbst seine Ausreise organisiert haben 

soll und dafür innerhalb von fünf Jahren AFN 8'000.– bis 9'000.– gespart 

habe. Sein Verhalten, im Iran zwei Jahre gelebt und dabei Geld für die 

Weiterreise gespart zu haben, sei für ein 13- bis 15-jähriges Kind reali-

tätsfern. Die Ausführungen zum sexuellen Missbrauch seien sehr spärlich 

ausgefallen. Überdies habe er den Sachverhalt anlässlich der BzP anders 

geschildert, indem er dort ausgeführt habe, er sei von mehreren Freun-

den des Vaters belästigt worden, aber es sei nie zu physischen Übergrif-

fen gekommen. In der Anhörung habe er ausgeführt, zwei Wochen nach 

dem Tod der Mutter missbraucht worden zu sein und nach weiteren zwei 

Wochen ausgereist zu sein. Dem widersprechend sei er gemäss den An-

gaben in der BzP zwei bis drei Monate nach dem Tod der Mutter ausge-

reist. Dem psychischen Zustand des Beschwerdeführers werde schliess-

lich mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen. 

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4.3 In der Beschwerde wurde ausgeführt, dass bereits in der BzP erkenn-

bar geworden sei, dass der Beschwerdeführer von sexuellen Übergriffen 

berichten wolle, die erste Anhörung aber dennoch nicht durch ein reines 

Männerteam durchgeführt worden sei. Der Beschwerdeführer sei in der 

Anhörung vom 29. Mai 2012 noch minderjährig gewesen. Gemäss Art. 7 

Abs. 5 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

sei in den Anhörungen den besonderen Aspekten der Minderjährigkeit 

Rechnung zu tragen, was in der Anhörung vom 29. Mai 2012 unterlassen 

worden sei. So seien einleitend keine auflockernden Fragen gestellt wor-

den, sondern bereits in Frage 5 die Schwester angesprochen worden, 

was – gemäss Protokoll der BzP – erkennbarer Weise ein sehr sensibles 

Thema sei. Die Befragerin habe den Beschwerdeführer direkt wissen las-

sen, dass sie ihm nicht glaube, seine Ausführungen realitätsfern seien, er 

eine komische Mutter habe und sich nur ein Aufenthaltsrecht in der 

Schweiz erschleichen wolle. Durch dieses Vorgehen in der Anhörung sei 

der Beschwerdeführer in eine überdurchschnittliche Stresssituation ver-

setzt, verunsichert und in seiner Würde verletzt worden. Gemäss psycho-

logischem Bericht habe die erste Anhörung retraumatisierend auf den 

Beschwerdeführer gewirkt und er sei nach Aussage seiner Bezugsperson 

im Wohnheim komplett erschüttert dorthin zurückgekehrt und habe 

Schocksymptome gezeigt. Das Vorgehen in der Befragung sei von der 

Rechtsvertretung im Anschluss gerügt worden. Zusätzlich habe die Hilfs-

werkvertretung auf die unsachgemässe Gesprächsführung hingewiesen. 

Die Anhörung vom 29. Mai 2012 sei unter dem Vorwand zeitlicher Gründe 

abgebrochen worden, was den Beschwerdeführer sehr verstört habe, da 

– nachdem es ihm trotz Schwierigkeiten gelungen sei, von den Übergrif-

fen zu erzählen – die Anhörung abrupt abgebrochen worden sei. Der Be-

schwerdeführer habe etwa 2,5 Stunden vor der ergänzenden Anhörung 

eine Überdosis (Schmerzmittel) zu sich genommen, da er erwartet habe, 

auch in dieser Anhörung wieder als Lügner dargestellt zu werden. Es sei 

daher anzunehmen, dass seine Zurechnungsfähigkeit in der Anhörung 

aufgrund der einsetzenden Vergiftungserscheinungen beeinträchtigt ge-

wesen sei. Stunden nach der Anhörung sei der Beschwerdeführer in le-

bensbedrohlichem Zustand hospitalisiert worden, worüber die Vorinstanz 

umgehend informiert worden sei. Dennoch habe die Vorinstanz vor Ent-

scheidfällung keine weiteren Abklärungen mehr getroffen. Dem Be-

schwerdeführer sei es aber nicht möglich gewesen, sich abschliessend 

zu den Übergriffen zu äussern, wodurch der Sachverhalt unzureichend 

festgestellt worden sei. 

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Weiter werde die lange Verfahrensdauer gerügt. Die erste Anhörung habe 

erst 18,5 Monate nach der BzP stattgefunden und die Rechtsvertreterin 

habe vorgängig auf den Anhörungstermin drängen müssen. Nach der ers-

ten Anhörung seien dem BFM sowohl der oben erwähnte Bericht der 

Psychologin als auch derjenige des Wohnheims vorgelegt und um eine 

möglichst zeitnahe ergänzende Anhörung gebeten worden. Im Oktober 

2012 sei die Forderung wiederholt worden, woraufhin die ergänzende 

Anhörung erst Mitte November 2012 stattgefunden habe. 

Aufgrund der fehlerhaften Verfahrensführung müsste die vorinstanzliche 

Verfügung eigentlich aufgehoben und zur Neubeurteilung an das BFM zu-

rückgewiesen werden. Dies würde aber zu einer erneuten enormen Be-

lastung des Beschwerdeführers führen. Sollte das Gericht eine weitere 

Anhörung dennoch für nötig erachten, so hätte diese im Rahmen einer 

standardisierten Erstbefragung durch Fachkräfte der Fachstelle Kindes-

schutz (…) zu erfolgen. 

Von einer Kassation solle jedoch abgesehen und dem Beschwerdeführer 

stattdessen aus folgenden Gründen Asyl gewährt werden: Entgegen der 

Annahme des BFM erscheine es durchaus möglich, dass die Familie des 

Beschwerdeführers aufgrund des unehrenhaften Verhaltens des Vaters 

von der Sippe verstossen worden sei und daher kein enger Kontakt zu 

weiteren Verwandten bestanden habe. Der Beschwerdeführer habe auch 

nie gesagt, dass er keine Verwandten habe, sondern lediglich, dass er 

diese nicht kenne. Zum Tod seiner Mutter sei er zackig befragt und unter-

brochen worden und es erstaune nicht, dass er nicht ausführlich über die 

Mutter berichtet habe, da er ohnehin angenommen habe, dass die Befra-

gerin ihm nicht glaube. Er habe jedoch detailliert vom Besuch des Grabes 

erzählen können. Überdies habe er erwähnt, nach dem Tod unter Schock 

gestanden und seine Umwelt kaum noch wahrgenommen zu haben, was 

nachvollziehbar sei. Es widerspreche nicht den afghanischen Gegeben-

heiten, dass ein erst 13-jähriger Junge arbeite und eine Flucht organisie-

re. Das BFM gehe hier offenbar von Prämissen aus, die allenfalls im 

schweizerischen Kontext zuträfen. Dass die Aussagen zur Misshandlung 

nicht sonderlich ausführlich ausgefallen seien, liege einerseits an der 

mangelhaften Anhörung durch das BFM, andererseits sei aber auch be-

kannt, dass Opfer sexueller Übergriffe aus Scham nur schwer darüber be-

richten könnten. Aus der glaubhaften Schilderung der Vorkommnisse er-

schliesse sich das Vorliegen ernsthafter Nachteile, die ihm als männlicher 

Minderjähriger drohen würden, und vor welchen ihn der afghanische 

Staat nicht schützen könne, zumal sexueller Missbrauch in Afghanistan 

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Seite 8 

ein Tabuthema sei und die Opfer von Übergriffen daher nicht selten selbst 

mit Gefängnis bestraft würden. Dem Beschwerdeführer sei daher Asyl zu 

gewähren. 

4.4 In der Vernehmlassung entgegnete das BFM, der Beschwerdeführer 

habe in der BzP nach der Andeutung der geschlechterspezifischen Ver-

folgung deren Vorkommen auf konkrete Nachfrage hin verneint. Die 

Rechtsvertretung habe im Vorfeld der Anhörung vom 29. Mai 2012 nie 

zum Ausdruck gebracht, dass eine Anhörung durch ein reines Männer-

team, sondern vielmehr, dass die Anwesenheit derselben Dolmetscherin 

gewünscht werde. Während der Anhörung habe die Rechtsvertretung zu 

keinem Zeitpunkt zu erkennen gegeben, dass sie mit deren Form nicht 

einverstanden sei und auch die Hilfswerkvertretung habe keine Bean-

standungen nach Durchsicht des Protokolls vermerkt. Nach Abbruch der 

Anhörung sei der Rechtsvertreterin die Möglichkeit eingeräumt worden, 

sich mit ihrem Mandanten darüber zu verständigen, ob die ergänzende 

Anhörung in einem Männer- oder Frauenteam erfolgen solle. Das BFM 

habe die Anhörungsmodalitäten eingehalten und es sei seine Pflicht, 

Asylsuchende auf konkrete Widersprüche anzusprechen.  

4.5 In der Replik wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe die 

Rechtsvertreterin nicht über die geschlechterspezifische Verfolgung in-

formiert, wodurch von Seiten der Rechtsvertretung mangels Einsicht in 

das Protokoll der BzP keine Veranlassung bestanden habe, die Anhörung 

durch ein reines Männerteam zu wünschen. Demgegenüber hätte dem 

BFM nach der BzP auffallen müssen, dass ein sexueller Missbrauch im 

Raum stehe und das Amt hätte mit der Rechtsvertretung Rücksprache 

nehmen müssen. Bemerkenswert sei schliesslich, dass das BFM zu den 

Asylgründen in materieller Weise keine Stellung nehme. 

5.   

5.1 Der Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs verlangt, dass 

sich die asylsuchende Person während der Anhörung in einem einver-

nehmungsfähigen Zustand befindet. Stellt der Asylentscheid auf Aussa-

gen einer Befragung ab, während welcher die Einvernahmefähigkeit zwei-

felhaft erschien, so wird dadurch der Anspruch auf rechtliches Gehör ver-

letzt. Bestehen Zweifel an der Einvernahmefähigkeit, so hat die Vorin-

stanz diese abzuklären (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 15 E. 7 S. 99 

f.; siehe auch EMARK 2006 Nr. 28 E. 8.4 S. 308). Vorliegend hatte das 

BFM genügend Anhaltspunkte dafür, dass sich der Beschwerdeführer im 

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Seite 9 

Zeitpunkt der Anhörung vom 12. November 2012 in einem nicht verneh-

mungsfähigen Zustand befunden haben könnte. So deutete er bereits 

während der Anhörung an, dass er eine Überdosis Medikamente zu sich 

genommen habe (vgl. act. A31 F20 bis F24 S. 4). Die Vertreterin des Be-

schwerdeführers teilte dem BFM bereits am 13. November 2012 per  

E-Mail mit, dass der Beschwerdeführer vor der Anhörung eine Überdosis 

Schmerztabletten zu sich genommen habe und nach der Anhörung hospi-

talisiert werden musste (vgl. act. A34). Dies wird im Austrittsbericht des 

Kantonsspitals (…) bestätigt (vgl. act. A33). Trotz dieser Sachlage nahm 

das BFM keine Abklärungen hinsichtlich der Einvernahmefähigkeit des 

Beschwerdeführers vor, stützte seine Verfügung vom 22. August 2013 

aber massgeblich auf die in der zweiten Anhörung getätigten Aussagen 

ab. Dadurch wurde der Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches 

Gehör verletzt.  

5.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, weshalb des-

sen Verletzung grundsätzlich ungeachtet der materiellen Auswirkungen 

zur Aufhebung des betreffenden Entscheides führt (vgl. BVGE 2008/47 

E. 3.3.4 S. 676 f., m.w.H.). Vorliegend sieht sich das Bundesverwaltungs-

gericht nicht veranlasst, mittels einer durch das Gericht vorgenommenen 

Anhörung eine Heilung der Gehörsverletzung vorzunehmen, zumal dem 

Beschwerdeführer diesfalls eine Instanz verloren ginge und zudem nach 

dem erwähnten Grundsatzentscheid BVGE 2008/47 eine Heilung die 

Ausnahme bleiben und auch nur dann gangbar sein soll, wenn eine feh-

lende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Auf-

wand hergestellt werden kann. Diese beiden Voraussetzungen sind vor-

liegend jedoch nicht erfüllt, da die Gehörsverletzung gravierend erscheint 

und zudem dem Bundesverwaltungsgericht ein nicht unerheblicher Auf-

wand entstehen würde. Ebenfalls abzulehnen ist das Vorbringen in der 

Beschwerde, die "Heilung" mittels Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft vorzunehmen. Einerseits ist der Anspruch auf rechtliches Gehör 

formeller Natur und andererseits setzt ein (positiver) Entscheid über die 

Flüchtlingseigenschaft eine vollständige Sachverhaltsabklärung voraus, 

was bei einer mangelhaften Anhörung hinsichtlich wesentlicher Asylgrün-

de zu verneinen ist.  

5.3 Die angefochtene Verfügung ist daher hinsichtlich der Dispositivziffern 

1 bis 3 aufzuheben und zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer ist durch die Vorin-

stanz ergänzend (durch ein reines Männerteam) zur geschlechtsspezifi-

schen Verfolgung anzuhören. Abzulehnen ist der Antrag des Beschwerde-

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Seite 10 

führers, die Anhörung durch die Kinderschutzbehörde des Kantons 

C._______ vornehmen zu lassen, da eine Anhörung im Asylverfahren 

grundsätzlich durch das BFM vorgenommen wird.  

6.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wur-

de keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretungs-

aufwand lässt sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, 

weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden kann (Art. 14 

Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-

sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der 

Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 975.– (inkl. Aus-

lagen und MWSt) zuzusprechen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des BFM vom 22. August 2013 wird hinsichtlich der Dispo-

sitivziffern 1 bis 3 aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen 

zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 975.– 

(inkl. Auslagen und MWSt) auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger 

 

 

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