# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5902fedf-2f02-582b-b00d-6f943b6e5399
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1988-08-29
**Language:** de
**Title:** Solothurn Obergericht Jugendgerichtskammer 29.08.1988 ZZ.1988.5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_OG_003_ZZ-1988-5_1988-08-29.html

## Full Text

SOG 1988 Nr. 5

 

 

Art. 970 Abs. 2 ZGB. Wer in das Grundbuch Einsicht
verlangt, muss ein Interesse glaubhaft machen. Die Planung von geschäftlichen
Aktivitäten stellt keinen hinreichenden Interessennachweis dar.

 

 

Eine Immobiliengesellschaft ersuchte das Grundbuchamt
Olten-Gösgen um die Bekanntgabe der Flächen und Eigentümer von 98 Grundstücken
in der Gemeinde Hägendorf. Der Grundbuchverwalter verweigerte die verlangten
Auskünfte "mangels Interessennachweis" mit Verfügung vom 8. März
1988.

 

In der dagegen eingereichten Beschwerde machte die
Immobiliengesellschaft geltend, ihre Haupttätigkeit bestehe seit jeher in der
Beschaffung von geeigneten unüberbauten Grundstücken für Wohn-, Gewerbe- und
Industrieprojekte. Bisher habe sie sich damit begnügt, gelegentlich die Adresse
des Grundeigentümers einer bestimmten Parzelle zu erfragen. Die Auskünfte seien
ihr jeweils anstandslos gegeben worden. Angesichts des Baulandmarktes in den
letzten Jahren dränge sich für sie eine systematische Bearbeitung der Gemeinden
in der Region auf, um mit den wenigen verkaufswilligen Grundeigentümern
Verkaufsverhandlungen anbahnen zu können.

 

Das Obergericht wies die Beschwerde mit folgender Begründung
ab:

 

Nach Art. 970 Abs. 2 ZGB kann in das Grundbuch Einsicht
verlangen, wer ein rechtliches oder tatsächliches Interesse glaubhaft macht.
Ein tatsächliches, zum Beispiel wirtschaftliches Interesse berechtigt nach der
Lehre und bisherigen Praxis aber nur zur Einsicht, wenn es rechtlich
schützenswert ist, was im Einzelfall ermessensweise unter Berücksichtigung der
Publizitätsfunktion des Grundbuches und des Zweckes, der mit der Einsichtnahme
verfolgt wird, entschieden werden muss (Homberger, Zürcher Kommentar, zu Art.
970 ZGB N. 7/8/10; SJZ 13, Seite 373; BGE 109 II 315, 111 II 48).Zwischen der
Offenlegung und dem Interesse muss ein innerer Zusammenhang bestehen: Indem und
soweit Grundbucheinträge als bekannt vorausgesetzt werden (Art. 970 Abs. 3
ZGB), muss im Immobiliengeschäft davon Kenntnis genommen werden können
(Homberger, a.a.O., N. 1; SJZ, a.a.O.; ZBGR 65, Seite 80).

 

Als zur Einsicht berechtigt gilt insbesondere, wer ernsthaft
den Erwerb eines Grundstückes beabsichtigt oder der Personalgläubiger, der sich
über des Grundstück eines Kreditnehmers und seine Belastung ins Bild setzen
will, aber auch der Wissenschaftler, der für seine Arbeit die Beschaffenheit
bestimmter Grundstücke kennen muss. Kein Zugang besteht hingegen u.a., wenn mit
der Einsicht eine Auskundschaftung des Grundbuches bezweckt wird (Homberger,
a.a.O., N. 7; ZBGR 63, Seite 286).

 

Das Interesse der Beschwerdeführerin läuft auf eine Art
Auskundschaftung hinaus und unterscheidet sich deutlich von den angeführten
Fallbeispielen. Es geht ihr nicht um bestimmte Grundstücke, die sie erwerben
oder an denen sie andere Rechte begründen möchte. Ihr Interesse an den
gewünschten Angaben ist allgemeiner geschäftlicher Art und verträgt sich nicht
mit dem Zweck des Grundbuches, die dinglichen Rechte an Grundstücken sichtbar
zu machen. Das Grundbuch kann auch vom Mäkler nicht für die Planung und
Durchführung von geschäftlichen Aktivitäten oder die Festlegung von Strategien
beansprucht werden. Sonst müsste es noch zahlreichen andern Interessierten
(Banken, Versicherungen usw.) als Informationsquelle geöffnet werden, was der
zitierten Funktion des Grundbuches, aber auch dem Wortlaut des Gesetzes (Art.
970 Abs. 2 ZGB) zuwiderlaufen würde.

 

Obergericht Zivilkammer, Urteil vom 29. August 1988