# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fcd28f17-43ea-55aa-a2b7-14213a8e3190
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-21
**Language:** de
**Title:** Rückfall zu verneinen
**Docket/Reference:** UV.2020.00144
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2020.00144.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2020.00144
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiber Kreyenbühl
Urteil
vom
2
1.
Juni 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
Direktion Bern,
MLaw
Y.___
Monbijoustrasse
68, Postfach, 3001 Bern
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1979, ist
seit dem
7.
August 2017
als Serviceleiter
Schweiz
bei der Z.___
AG angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die
Folgen von Unfällen versichert.
Gemäss Bagatell-Unfallmeldung UVG vom 1
9.
Juni 2018
litt
der Versicherte
Ende Mai/Anfang Juni
2018
unter leichten
Grippesymptome
n
und starke
n
Kopfschmerzen. Aus diesem Grund suchte er
am
4.
Juni 2018
Dr.
med. A.___
, FMH Allgemeine Innere Medizin, auf, welcher am
rechten Oberschenkel
des Versicherten
eine
n Zeckenbiss entdeckte (
Urk.
8/1
).
Dr.
A.___
diagnostizierte im Eintrag in der Krankengeschichte vom
4.
Juni 2018 (1)
eine
n
Ve
rdacht auf ein Erythema
migrans
und
(2) einen viralen Infekt, Differentialdiagnose:
Frühsommer-
Meningoenzephalitis
(
FSME
).
In der Folge wurde der Versicherte
mit
einem Antibiotikum
behandelt (
Urk.
8/69/3
).
Die Suva erbrachte Heilbehandlungsleistungen.
1
.2
Mit Schadenmeldung UVG vom 2
9.
April 2019 wurde ein Rückfal
l
zum
Unfall
ereignis
von Juni 2018
gemeldet
(
Urk.
8/6). Am
1.
Juli 2019 nahm Dr.
med. B.___
, FMH Neurologie, vom Kompet
enzzentrum Versicherungsmedizin der Suva
eine
Beurteilung vor
(
Urk.
8/42). Mit Schreiben vom
3.
Juli 2019 teilte die Suva dem
Versicherten mit, dass zwischen den gemeldeten Beschwerden und
dem Ereignis
von Juni 2018 kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammen
hang bestehe. Es müsse von krankhaften Beschwerden ausgegangen werden (
Urk.
8/43).
Mit E-Mail vom 1
1.
Juli 2019 ersuchte
der Versicherte um erneute Überprüfung des Falls (
Urk.
8/50
; vgl. auch E-Mail von
Dr.
med.
C.___
vom
5.
Juli 2019;
Urk.
8/48
/1
). Am 2
9.
Juli 2019 gab
Dr.
B.___
eine weitere Stellungnahme ab (
Urk.
8/54). Mit Verfügung vom 2
9.
Juli 2019 hielt die Suva fest, dass sie für den gemeldeten Rückfall nicht l
eistungspflichtig sei (
Urk.
8/55
).
Dageg
en erhob der Versicherte am 13.
September 2019 Einsprache (
Urk.
8/64
; vgl. auch ergänzende
Einspracheb
e
gründung
vom 2
3.
September 2019;
Urk.
8/66
). Am 2
5.
September 2019
nahm
Dr.
B.___
erneut eine
Beur
teilung vor (
Urk.
8/68). Am 3
0.
Oktober 2019 reichte der Versicherte eine weitere Ei
ngabe ein,
unter Beilage eines Auszug
s aus seiner Krankengeschichte (
erstellt von
Dr.
A.___
;
Urk.
8/69). Hierzu nahm
Dr.
B.___
am
6.
Mai 2020
S
tellung
(
Urk.
8/76
). Mit Entscheid vom
7.
Mai 2020 wies die Suva die Einsprache des Versicherten ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte
mit Eingabe vom
9.
Juni 2020 Beschwerde mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
1.
Der angefochtene E
insprachee
ntscheid vom 07.05.2020 sei aufzuheben; es sei neu
zu verfügen, ein Rückfall anzuerkennen und es seien die gesetzlichen Leistungen zu
erbringen.
2.
Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks weiterer Abklärungen (insbesondere eines
unabhängigen Gutachtens)
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.
Subeventualiter
sei vom Gericht ein unabhängiges Gutachten in Auftrag zu geben.
unter Entschädigungsfolge
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
6.
August 2020 auf Abw
eisung der Beschwerde (
Urk.
7), was
dem Beschwerdeführer am 1
1.
August 2020 angezeigt
wurde
(
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art. 6 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungs
leis
tungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Inte
grität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V
177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung, UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherwe
ise sogar zu (weiterer) Arbeits
unfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Verände
rungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
ereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversiche
rung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E.
2c
in fine).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E.
3b
/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den ange
fochtenen Entscheid damit
, dass auf die nachvollziehbare Beurteilung
von
Dr.
B.___
abgestellt werden könne. Ein Kausalzusammenhang zwischen
einer durch eine Zecke übertragenen Neuro
borreliose
und
d
en geklagten Beschwerden
sei höchstens möglich, nicht aber überwiege
nd wahrscheinlich (
Urk.
2 S. 8 ff.
).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
aufgrund der
Ein
schätzung
der Neurologin
Dr.
C.___
von einem überwiegend wahrschein
lichen Kausalzusammenh
ang zwischen dem Zeckenbiss von
Juni 2018
und der vorliegenden Problematik
auszugehen sei. Sollte das Gericht nicht zur Über
zeugung gelangen, dass aufgrund der Aussagen von
Dr.
C.___
eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründet sei, wecke deren
Ein
schätzung
zumindest
geringe
Zweifel an der Beurteilung von
Dr.
B.___
(U
rk.
1 S.
3 f.
).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, o
b die mit Rückfallmeldung vom 2
9.
April 2019
(Urk.
8/6)
geltend gemachten Beschwerden auf den Zeckenbiss von Juni 2018 zurückzuführen sind.
3.
3.1
Dr.
A.___
notierte im
Eintrag in der Krankeng
eschichte vom 3
0.
November 2018
, dass der Beschwerdeführer mit dem Sohn auf der linken Armseite vor dem Fernseher eingeschlafen sei. Danach habe er ei
ne Gefühlsstörung im linken Arm,
vor allem im Kleinfinger,
und zeitwei
lig auch starke Schmerzen verspürt
. Gestern seien die Schmerzen sehr stark gewesen, heute sei es wieder besser. Der kursorische Neurostatus der oberen Extremitäten sei bis auf eine deutlich geminderte Kraft beim Fingerspreizen
bland
gewesen. Weiter liege eine diskrete Hyperästhesie am
Digitus
V
links
vor. Es bestehe ein hochgradiger Verdacht auf eine Druckneuropathie
am Arm links, Differentialdiagnose
: Plexus, UA, zentrale Störung oder CRS
klinisch
eher unwahrscheinlich. Falls innerhalb von zwei Wochen keine Besserung eintrete,
werde sich der Beschwerdeführer melden
(Urk.
8/69/3).
3.2
Dr.
C.___
diagnostizierte im an
Dr.
A.___
gerichteten Bericht vom 23.
März 2019 (1) eine (
regrediente
) Druckneuropathie des Nervus
peronaeus
beidseits linksbetont und (2) einen Status nach Oligo-Epilepsie mit wenigen schlafassoziierten, generalisierten epileptischen Anfällen.
Der
Beschwerdeführer berichte,
dass er
in den letz
ten vier Wochen zwei Mal
2 ½ Stun
den mit dem Zug gefahren sei
. Beim Ausstieg habe er jeweils eine
Heberparese
des rechten Fusses bemerkt (Schlappfuss
) und
diesen
b
eim Laufen hinter sich herz
iehen müssen.
Er habe
eine Sensibil
i
tätsstörung im Bereich des rechten Fussrückens
und Schmer
zen
in beiden
Fussrücken
fe
stgestellt.
Weiter leide er unter rezidivierenden Kribbelparästhesien an beiden Händen. Diese seien diffus und auf die gesamte Hand verteilt.
Dr.
C.___
erklärte, dass die vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden wahrscheinlich multifaktorieller Genese seien.
Anamnestisch
und auch elektrophysiologisch
lasse sich
eine Druckneuropathie des Nervus
peronaeus
beidseits, jedoch linksbetont, nachweisen
. N
eurographisch
ergebe sich
der Hinweis auf e
ine stattgehabte
lumbo
-
und
cervikoradikuläre
Reizung. Letztere sei
aufgrund der Befundkonstellation
gegebenenfalls im Zusammenhang mit der nachgewiesenen Borreliose von Juni 2018
und
mit einer flüchtigen
Polyradikuloneuritis
zu sehen (
Urk.
8/22/1-2).
3.3
Dr.
A.___
gab im Arztzeugnis UVG vom 1
7.
Mai 2019 an, dass sich der Beschwerdeführer im März 2019 wegen etwas diffuser neurologischer
Beschwerden
in seiner Sprechstunde gemeldet habe. Er habe eine neurologische Beurteilung bei
Dr.
C.___
veranlasst (
Urk.
8/21/1).
3.4
Dr.
B.___
erklärte in der Beurteilung vom
1.
Juli 2019, dass man eine Borreliose im Juni 2018 wegen des Erythems und der leichten
Titerbew
e
gung
wohl anneh
men müsse, obwohl sich der Hausarzt
Dr.
A.___
bezüglich der Haut
veränderung unsicher gewesen sei. Die Therapie sei leitliniengerecht, ausreichend und offenbar erfolgreich gewesen. Die als etwas diffus geschilderten Sensibilitätsstörungen an
den
Händen und Füssen seien ab März 2019 aufge
treten und bei der ersten fachneurologischen Untersuchung im selben Monat nicht mehr klinisch fassbar
gewesen. Man verstehe nicht, weshalb
hier
bei sub
jektiv abgeklungenen Beschwerden und normalem Untersuchungsbefund weitere Abklärungen angestrebt würden. Die
Elektrophysiologiebefunde
würden die Schlussfolgerung
en
von
Dr.
C.___
bezüglich einer radikulären Reizung respektive durchgemachten Mononeuritis mul
t
iplex nicht stützen. Ihr
Befund sei hinsichtlich einer
axonalen
Affektation
mit Leitungsblock des Nervus medianus nicht nachvollziehbar. Denn die hierfür e
rforderliche, mindestens 50%ige
Minderung der CMAP-Amplituden liege nicht vor. Die F-
Latenzen
seien normal. A-Wellen würden bei eine
r Polyneuropathie,
die hier aber nicht vorliege
, häufig auftreten
. Die Auswertung hinsichtlich der F-Wellen-Persistenz sei subjektiv. Entsprechende Kurve
n seien nicht vorgelegt worden
(
Urk.
8/42
/1
).
3.5
Dr.
C.___
erklärte im E-Mail vom
5.
Juli 2019, dass die Ablehnung
der Kostenübernahme für die CT-
gesteuerte Punktion durch die Beschwerdegegnerin unverständlich sei. Die Diagnose einer Neuroborreliose sei beim Beschwerde
führer gesichert. Der
Liquorbefund
sei positiv.
Daneben sei die Elektrophysiologie pathologisch und typisch für eine
multi
fokale motorische Neuropathie (
MMN
)
. Eine Druckneuropathie des
Peron
a
eus
könne mit einer MMN verwechselt werden. Aufgrund der Vorgeschichte des Beschwerdeführers und des Verdachts der
Poly
radikulitis
sei die Diagnostik erweitert worden.
P
athologische F-Wellen
seien
nicht pathognomonisch für eine PNP. Die Diagnose stelle si
ch aus der
Gesamt
schau der Befunde und aus dem
pathologischen
Liquorbef
und
(Urk.
8/48/1).
3.6
Dr.
B.___
führte in der Stellungnahme vom 2
9.
Juli 2019 aus, dass
Dr.
C.___
eine
Liquoruntersuchung
veranlasst
habe.
Es liege ein
Befund der D.___
AG vom 2
6.
April 2019 vor. Demnach seien
IgG
- und
IgM
-Antikörper gegen
Borrelien
im Suchtest, im
Westernblot
und in einem
Chemilumineszenztest
(
VirClia
) positiv. Der Liquor sei hingegen bezüg
lich Zellzahl (6/
μl
, obere Grenze 5/
μl
) und Proteingehalt normal.
Im Liquor hätten sich
oligoklonale
IgG
-Banden gefunden. Zudem habe sich ein erhöhter Liquor-Serum-Index bezüglich
IgG
-Antikörpern gegen
Borrelien
gezeigt. Vom Labor sei dieser Befund als Antikörper-Persistenz nach
Neuroborreliose gewertet worden. Eine
akute Reinfektion
sei
als unwahrscheinlich angesehen worden. Hinsichtlich der klinischen Symptomatik sei dara
n zu erinnern, dass der von Dr.
C.___
im März 2019 erhobene neurologische Befund unauffällig gewesen sei. Insbesondere sei von ihr zu diesem Zeitpunkt keine (
borrelienbedingte
)
Acrodermatitis
chronica
atrophicans
diagnostiziert worden, die mit einer Poly
neuropathie vergesellschaftet sein könne. Weder die im März 2019 vermutete
Mononeuropathia
multiplex noch die am 2
5.
April 2019 diagnostizierte
MMN
seien
borrelienassoziiert
. Nach
klinischen Kriterien
lägen diese
Neuropathien
nicht
vor
(
Urk.
8/54/1).
3.7
Dr.
C.___
gab
im an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers gerichteten E-Mail vom 1
6.
September 2019
an
, da
ss die heutigen Beschwerden
überwiegend wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Zeckenbiss von Juni 2018 stehen würden.
Dr.
B.___
interpretiere
den elektrophysiologischen Befund falsch. Ein Leitungsblock an den Armnerven sei bereits ab einer Amplitud
enminderung von 20
%
gegeben. Nur bei den Beinen sei eine Amplitudenminderung von 50
%
erforderlich.
Die
Borreliosetherapie
mit
Doxyc
yclin
200 mg
sei
nicht über zehn Tage, sondern über mindestens 14 Tage
anzusetzen
(
mit Hinweis auf:
systema
tische Review zur antibiotischen Therapie der Neuroborreliose bei Erwachsenen,
Dersch
et al. 15a)
.
Im Weiteren
gebe
Dr.
B.___
zu, dass der
Liquorbefund
mit einer Neuroborreliose übereinstimmen könne. Labor- und
Liquorbefunde
im Rahmen einer Borreliose müssten zusammen mit der Klinik
(Symptome des Patienten)
beurteilt werden, da die Befunde für s
ich allein sehr unsicher seien (
Urk.
8/66/3).
3.8
Dr.
B.___
legte in der
Beurteilung
vom 2
5.
September 2019 dar, dass
Dr.
C.___
keine neuen Befunde
erwähne
, die ihre Kausalitätsbeurteilung stützen könnten. Der Beschwerdeführer sei
von
Dr.
A.___
im Juni 2018 wegen einer unklaren Hautveränderung am Oberschenkel bei Verdacht auf Borreliose wäh
rend zehn Tage
n mit dem Antibiotikum
Doxy
cyclin
behandelt worden. Die von
Dr.
C.___
zitierte systematische Review von
Dersch
et al.
b
eziehe sich auf die Therapie einer
Neuroborreliose
, die aber im Juni 2018 gerade
nicht zur Debatte gestanden habe
. Die aktuelle AWMF-Leitlinie der Deutschen Dermatologische
n Gesellschaft zur kutanen
Lyme
-
Borreliose empfehle beim Erythe
m
a
migrans
eine
Doxycyclin
-Therapie (2 x 100 mg oder 1 x 200 mg
täglich
) über zehn bis 14 Tage, wie sie
Dr.
A.___
durchgeführt habe.
Dr.
C.___
wolle offenbar andeuten, dass die Therapie von
Dr.
A.___
unzureichend gewese
n sein könnte, weshalb sich
im März 2019 die neurologische Symptomatik entwickelt habe.
Dr.
C.___
habe nach d
er Untersuchung vom 2
2.
März 2019 keine klare
syndromatische
neurologische Diagnose stellen können. Sie habe die Diagnose
n
einer regredienten Druckneuropathie des Nervus
peronaeus
und die Verdachtsdiagnose einer
lumbosakralen
und z
ervikalen radikulären Reizung,
Differentialdiagnose: Sta
tus
nach flüchtiger
Po
l
yradikulo
neuritis
/Mononeuritis multiplex
gestellt
.
Letztere Diagnose
sei bei dem von
Dr.
C.___
erhobenen normalen Neur
o
status als spekulativ
aufzufassen
.
Dr.
C.___
wende zwar zu Recht ein, dass zur Diagnosestellung einer Neuroborreliose sowohl die klinische Symptomatik als auch die Laborbefunde berücksichtigt werden müssten. Da
aber
die klinischen Befunde nicht oder nur möglicherweise Ausdruck einer neurologischen Erkrankung gewesen seien, komme den Laborbefunden eine besondere
Bedeutung zu.
Die
Liquor
untersuchung
habe bei grenzwertiger Zellzahl und normalen Eiweisswerten keinen Anhaltspunkt für eine anhaltende Entzündung ergeben, so dass das untersuchende Labor bezüglich der Antikörperkonstellation zu Recht von einer in der Vergangenheit liegenden Infektion ausgegangen sei. Da eine Neuro
borreliose
nie
durch eine elektrophysiologische Untersuchung ätiologisch gesichert werden könne, sei
der
Einwand
, dass man einen Leitungsblock an den Armnerven bereits bei einer Amplitudenminderung von 20
%
annehmen könne,
unerheblich
(
Urk.
8/68).
3.9
In der Stellungnahme
vom
6.
Mai 2020
führte
Dr.
B.___
aus, dass
der enge zeit
liche Zusammenhang zwischen dem Einschlafen mit dem Sohn im Arm
(im November 2018)
und
dem Auftreten einer Parese
und Sensibilitätsstörung am Kleinfinger
sehr gut zu einer Druc
kparese im linken Nervus ulnaris links
passe
.
Die
zunächst beklagten Schmerzen
seien
zum Zeitpunkt der Konsultation am Folgetag bereits wieder rückläufig
gewesen.
Auch sei zwischen dem 30.
Nov
ember 2018 und dem 1
4.
März 2019
keine weitere Konsultation dokumentiert. Dies spreche dafür, dass sich die Symptomatik gut zurückgebildet habe. Grund für die erneute Konsultation des Beschwerdeführers vom 1
4.
März 2019 sei das Auftreten eines Taubheitsgefühls im rechten Bein mit Nachziehen de
sselben während mehrerer
Stunden
nach e
iner längeren Zugfahrt
gewesen. Zu diesem Zeitpunkt habe
Dr.
A.___
nicht an eine
erneute
Druck
parese gedacht, obwohl diese Diagnose hier ebenfalls
nahe
gelegen
habe.
Am 2
2.
März 2019 habe
Dr.
C.___
diese Diagnose
bestätigt.
Zusammenfassend belege der Bericht von
Dr.
A.___
die Neigung des Beschwerdeführers zu Druck
parese
n
exponierter,
das heisse oberflächlich an einer
Knochenkante gelegener Nerven. Bei den geschilderten
Beschwerden handle es sich
nicht um Brücken
symptome. Eine erhöhte Empfindlichkeit bezüglich Druckparesen könne erblich sein und sei unter dem Namen hereditäre Neuropathie mit Neigung zu Druck
lähmungen (
tomakulöse
Neuropathie) bekannt. Ein Zusammenhang mit der geltend gemachten Neuroborreliose sei nicht erkennbar und auch nicht über
wiegend wahrscheinlich (
Urk.
8/76).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Entscheid in medizinischer Hinsicht auf die Beurteilungen
von
Dr.
B.___
vom
1.
Juli, 2
9.
Juli und 2
5.
September 2019 sowie
6.
Mai 2020 (
Urk.
8/42,
Urk.
8/54,
Urk.
8/68 und
Urk.
8/76
)
.
4.2
In der Beurteilung vom
1.
Juli 2019
legte
Dr.
B.___
dar, dass
beim Beschwerde
führer
zusammenfassend wegen der erfolgreichen Antibiotikatherapie im Juni 2018, der langen Latenz bis zum Auftreten der neurologischen Symptome, deren diffusem Charakter und dem Vorliegen einer konkurrierenden, unfallfremden Diagnose (Polyneuropathie mit Neigung zu Druckparesen) kein zureichender, überwiegend wahrscheinlicher Verdacht auf eine Borreliose des Nervensystems bestehe. Weitere Abklärungen, insbesondere eine CT-gesteuerte
Liquorpunktion
,
würden
deshalb
nicht zulaste
n der Beschwerdegegnerin gehen
(
Urk.
8/42
/2
).
Diese Beurteilung von
Dr.
B.___
ist überzeugend
.
Auf die Einwände von
Dr.
C.___
ist
er
ausfüh
r
lich
eingegangen.
So wies
Dr.
B.___
insbesondere
darauf hin, dass die von
Dr.
A.___
im Juni 2018 durc
hgeführte Therapie
mit
Doxycyclin
(
2
x 100 mg
täglich
) über zehn Tage
mit Blick
auf eine
Lyme
-
Borreliose leitlinien
gerecht gewesen sei
(vgl. E. 3.8)
.
Eine Neurobo
rreliose, bei welcher
es sich um eine Manifestationsform der
Lyme
-Borreliose handelt (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Neuroborreliose
)
, wurde damals nicht fest
g
estellt.
Im Weiteren
erklärte
Dr.
B.___
in nachvollziehbarer Weise,
dass die von
Dr.
C.___
gestellte Differentialdiagnose eines
Status nach flüchtiger
Po
l
y
radikulo
neuritis
/Mononeuritis multiplex
aufgrund des
von ihr er
hobenen normalen Neurostatus
spekulativ
sei
und aus versicherungsmedizinischer Perspektive
nur
eine Möglichkeit
darstelle
(
Urk.
8/68/1)
.
Zutreffend ist
sodann
Dr.
B.___
s
Bemerkung, dass seitens des
Labor
s
D.___
AG im Bericht vom 2
6.
April 2019 aufgrund der
Ergebnisse der
Liquoruntersuchung
von einer in der Vergangenheit liege
nden Infektion
aus
gegangen wurde (vgl. E. 3.8
und
Urk.
8/48/10
).
Schlies
slich setzte sich Dr.
B.___
auch
mit dem Eintrag in der Krankengeschichte vom
3
0.
November 2018 auseinander und erläuterte, weshalb es sich bei
der damals kurzzeitig aufgetretenen Gefühlsstörung und den Schmerzen im linken Arm
nicht um Brückensymptome zwischen den Beschwerden von Juni 2018 und jenen von März 2019 handelte (vgl. E. 3.9).
4.
3
Auf die (versicherungsinterne)
Beurteilung von
Dr.
B.___
kann demnach ab
gestellt werden
. Die
Eingaben von
Dr.
C.___
vermögen an der
Zuverlässig
keit und Schlüssigkeit der
Beurteilungen von
Dr.
B.___
keine Zweifel zu wecken.
Von weiteren medizinischen Abklärungen sind keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann
(antizipierte
Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
4.4
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Anspruch des Beschwerdeführers
auf Leistungen im Zusammenhang mit dem am
2
9.
April 2019
gemel
deten Rückfall
somit
zu Recht.
5.
Der angefocht
ene Entscheid erweist sich
daher
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstKreyenbühl