# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c7c947b-0a4a-5b71-9a4c-f694df4c6d6f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-12-30
**Language:** de
**Title:** Lärmtrauma; Schädigung des Gehörs; Unfallbegriff und Berufskrankheit.
**Docket/Reference:** UV.2012.00173
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00173.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00173
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiber Stocker
Urteil
vom
30. Dezember 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Dr.
iur
. Y.___
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General
Guisan
-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1960, war ab 1. Februar 2006 als Gesangslehrerin beim
Z.___
angestellt und
bei
den Winterthur Versiche
rungen (heute: AXA Versicherungen AG; nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert (Urk. 8/A1). Mit Unfallmeldung vom 29. Mai 2008 (Urk. 8/A1) wurde die AXA davon in Kenntnis gesetzt, dass die Versicherte anlässlich einer Gesangsprobe vom 18. Mai 2008 sowie eines Konzerts vom 22. Mai 2008 einen Tinnitus und eine Tieftonsenke erlitten habe, was durch lautes Singen eines Kollegen in der Nähe ihres linken Ohres verursacht worden sei
(vgl. Urk. 8/A2)
.
1.2
In der Folge wurde die Versicherte durch
Dr.
med.
A.___
, Spezialärztin FMH für Ohren
, Nasen- und Halskrankheiten, behandelt (Urk. 8/M1). Am 27.
Oktober 2008 fand eine MRI-Untersuchung statt (Urk. 8/M2). Bereits mit Schreiben vom 23. September 2008 (Urk. 8/A5) hatte die AXA der Versicherten mitgeteilt, dass mangels eines ungewöhnlichen äusseren Faktors kein Unfall im Rechtssinne vorliege und deshalb kein Anspruch auf Leistungen der Unfallversi
cherung bestehe. Nach entsprechender Intervention durch den damaligen Rechtsvertreter der Versicherten (vgl. Urk. 8/A6) kam die AXA
am 9. Oktober 2008
auf ihren Entscheid zurück und teilte der Versicherten mit, dass sie prüfen werde, ob die geklagten Beschwerden Folgen einer Berufskrankheit seien (vgl. Urk. 8/A8).
Am 3. März 2009 empfahl
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Ohren
, Nasen- und Halskrankheiten, Hals
und Gesichtschirurgie und Arbeitsmedizin, von der Abteilung Arbeitsmedizin der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) der AXA, die Gesundheitsstörungen am Gehör der Versicherten als Fol
gen einer Berufskrankheit zu anerkennen (Urk. 8/A14; vgl. auch Urk. 8/A31). Im Anschluss daran erbrachte die AXA die gesetzlichen Leistungen. Am 10. Juni 2011 reichte
Dr.
B.___
einen weiteren Bericht zu den Akten (Urk. 8/M4).
1.3
Mit Verfügung vom 25. Juli 2011 (Urk. 8/A51) stellte die AXA die
Heilbehand
lungsleistungen
per 8. Juni 2011 ein und sprach der Versicherten eine
Integri
tätsentschädigung
von 5 % zu. Die dagegen erhobene Einsprache vom 25. August 2011 (Urk. 8/A54) wies die AXA mit Entscheid vom 14. Juni 2012 (Urk. 2 = Urk. 8/A60) ab.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 2
0.
August 2012 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit dem Antrag, es sei der
Einspracheentscheid
vom 14. Juni 2012 aufzuheben. Die AXA schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 18. September 2012 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde.
Replicando
liess die Versicherte ihren Antrag präzisieren und die Weiterausrichtung von Leis
tungen über den 8. Juni 2011 hinaus sowie eine Integritätsentschädigung von
Fr. 12‘600.
beantragen (Urk. 15). Die AXA verzichtete auf die Erstattung einer Duplik (Urk. 19)
, wovon der Beschwerdeführerin am 11. Januar 2013 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 20)
.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.2
1.2.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gen
de Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.2.2
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das
Be
griffsmerkmal
der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le
bens
bereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.3
Nach
Art.
9
Abs.
1 UVG gelten als Berufskrankheiten Krankheiten (
Art.
3 ATSG), die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Der Bun
desrat erstellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten
Erkrankungen. Gestützt auf diese Delegationsnorm und Art. 14 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) hat er in Anhang I zur UVV eine Liste der schädigenden Stoffe und der arbeitsbedingten Erkrankungen erstellt.
Dabei hat er im Anhang 1 zur UVV Ziff. 2
lit
. a eine erhebliche Schädigung des Gehörs bei Arbeiten im Lärm als arbeitsbedingte Erkrankung aufgeführt.
Nach der Rechtsprechung ist eine "vorwiegende" Ver
ursachung von Krankhei
ten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten nur dann gegeben, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen. "Ausschliess
liche" Verursachung hingegen meint praktisch 100 % des ursächlichen Anteils der schädigenden Stoffe oder bestimm
ten Arbeiten an der Berufskrankheit (BGE 119 V 200 E. 2a mit Hinweis).
Als Berufskrankheiten gelten nach
Art.
9
Abs.
2 UVG auch andere Krankheiten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche Tätigkeit verursacht worden sind. Diese Generalklausel be
zweckt, allfällige Lücken zu schliessen, die dadurch ent
stehen könnten, dass die
bundesrätliche
Liste gemäss An
hang I zur UVV entweder einen schädigenden Stoff, der eine Krankheit verursachte, oder eine Krankheit nicht aufführt, die durch die Arbeit verursacht wurde (BGE 119 V 200 E. 2b mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung ist die Voraussetzung des "ausschliesslichen oder stark überwiegenden" Zusammenhangs gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG erfüllt, wenn die Berufskrankheit mindestens zu 75 % durch die berufliche Tätigkeit verur
sacht worden ist (BGE 126 V 183 E. 2b, 119 V 200 E. 2b mit Hinweis; RKUV 2000 Nr. U 408 S. 407).
Soweit nichts anderes bestimmt ist, sind gemäss
Art.
9
Abs.
3 UVG Berufs
krankheiten von ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt. Sie gel
ten als ausgebrochen, sobald die betroffene Person erstmals ärztlicher Behand
lung bedarf oder arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) ist.
1.4
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Ge
sundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
).
1.5
1.5.1
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ange
messene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Die
Inte
gritätsentschädigung
wird in Form einer Kapitalleistung ge
währt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten
Jah
resverdienstes
nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des
Integ
ritätsschadens
abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhän
gig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der
Integri
tätsentschädigung
die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige
Integri
täts
schäden
aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die
Integri
täts
entschädigung
nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.5.2
Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des
Integri
tätsschadens
. Diese beurteilt sich nach dem medizinischen Befund. Bei gleichem
medizinischen
Befund ist der
Integri
täts
schaden
für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen. Die Integritätsentschädigung der Unfallversicherung unterscheidet sich daher von der privat
rechtlichen Genugtuung, mit welcher der immaterielle Nach
teil indivi
duell unter Würdigung der besonderen Umstände bemessen wird. Es lassen sich im Gegensatz zur Bemessung der Genugtuungssumme im Zivilrecht (vgl. BGE 112 II 131 E. 2) ähnliche Unfallfolgen miteinander vergleichen und auf medizi
nischer Grundlage allgemein gültige Regeln zur Bemessung des
Integritätsscha
dens
aufstellen; spezielle Behinderungen der Betroffenen durch den
Integritäts
schaden
bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des
Integri
tätsschadens
hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlittener Unbill, sondern um die
medi
zinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körper
lichen oder geis
ti
gen
Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1, 113 V 218 E. 4b mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 445 S. 555 ff.).
1.5.3
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der
Integ
ritätsschäden
aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typi
sche Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin
genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (
Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte
Integri
tätsschäden
wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 Prozent nicht erreichen, ge
ben keinen Anspruch auf Entschädigung (
Ziff.
1
Abs.
3). Die völlige
Gebrauchs
unfähigkeit
eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der
Integritäts
schaden
weniger als 5 Prozent des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
1.5.4
Die Medizinische Abteilung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen
Skala weitere
Bemes
sungsgrundlagen
in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des
Integri
tätsschadens
für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthal
ten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) die Einstellung der Heilbehandlungsleistungen per 8. Juni 2011 im
Wesentlichen damit
, dass
die bestehenden Leiden nicht mehr kausal zum Unfall seien beziehungsweise der Status quo sine erreicht sei und dass
von weiteren Behandlungen und Therapien keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes mehr zu erwarten sei. Überdies führte die Beschwerdegegnerin aus, dass sie im Rahmen der obligatorischen Unfallversicherung lediglich die Pflichtleis
tungen zu übernehmen habe. Die Kosten für die alternativmedizinischen Behandlungen seien nur auf freiwilliger Basis und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht übernommen worden. Die Höhe der zugesprochenen
Integritäts
entschädigung
sei
einspracheweise
nicht angefochten worden, weshalb die Verfügung vom 25. Juli 2011 (Urk. 8/A51) insoweit in Rechtskraft erwachsen sei.
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses führte die Beschwerdegegnerin, die bis
lang vom Vorliegen einer Berufskrankheit ausgegangen war, aus, dass weder ein Unfall im Rechtssinne noch die Voraussetzungen einer Berufskrankheit gegeben seien (Urk. 7 S. 5-7). Trotzdem vertrat die Beschwerdegegnerin die Ansicht, dass die Zusprechung einer Integritätsentschädigung von 5 % nicht zu beanstanden sei (Urk. 7 S. 7 Ziffer 2.6).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, dass sich im Mai 2008 während eines Konzertes im Rahmen der
C.___
des
D.___
ein Unfall ereignet habe: Sie habe in einer halb szenischen, halb konzertanten Aufführung des „Erlkönigs“ als Mezzosopranistin mitgewirkt. Hinter
ihr
sei ein Basssänger gestanden, der unvermittelt und uner
wartet mit grösster Lautstärke direkt und aus sehr geringer Distanz in Richtung ihres linken Ohres gesungen habe. Das habe zu gravierenden gesundheitlichen Problemen geführt. Seither leide sie an einem Tinnitus. Entgegen der Auffas
sung der Beschwerdegegnerin sei weiterhin eine medizinische Behandlung not
wendig; die Beschwerdeführerin werde denn auch immer noch schulmedizinisch behandelt. Der Tinnitus und die Gehörseinbusse stellten insbesondere für eine Sängerin und Gesangslehrerin eine massive Beeinträchtigung dar. Sollte der Fall wider Erwarten abgeschlossen werden, müsste eine Integritätsentschädigung von (mindestens) 10 % ausgerichtet werden (Urk. 1 und 15).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die
Heilbehandlungsleis
tungen
zu Recht per 8. Juni 2011
eingestellt hat, weil ab diesem
Zeitpunkt von einer weiteren medizinischen Behandlung keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden konnte. Weiter ist strittig, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von mehr als
5 % hat.
Entgegen der von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Ein
spracheentscheid
vertretenen Auffassung ist die Höhe der zugesprochenen
In
teg
ritätsentschädigung
nicht in Rechtskraft erwachsen. D
ie
Beschwerdeführer
in
liess nämlich
einspracheweise
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung be
antragen; die Integritätsentschädigung war davon nicht ausgenommen (vgl. Urk. 8/A54).
Im vorliegenden Verfahren stellte die Beschwerdegegnerin zudem ihre
Leistungs
pflicht
in grundsätzlicher Hinsicht in Frage, die sie zuvor explizit (Anerkennung einer Berufskrankheit) und implizit (Bezahlung von
Heilbehand
lungsleistungen
und
Zusprache
einer Integritätsentschädigung von 5 %) aner
kannt hatte. Demzufolge ist vorweg zu prüfen, ob sich an der Probe vom 17./18. Mai 2008 und/oder am Konzert vom 22. Mai 2008 ein Unfall zugetragen hat beziehungsweise ob die Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerde
führerin als Berufskrankheit zu qualifizieren sind.
3.2
3.2.1
Dr.
A.___
stellte in ihrem Bericht vom 20. Juni 2008 (Urk. 8/M1) folgende vor
läufige Diagnosen: Tinnitus und vorübergehende Gehörsverminderung links bei Status nach Lärmtrauma links vom 1
7.
und 18. Mai 200
8.
Es seien eine Aku
punktur-Behandlung und eine Physiotherapie veranlasst worden; die Beschwer
deführerin werde zudem mit durchblutungsfördernden Medikamenten behan
delt. Eine Arbeitsunfähigkeit bestehe nicht (vgl. dazu
aber
das ärztliche Zeugnis von
Hausarzt
Dr.
med.
E.___
vom 26. Mai 2008 [Urk. 8/M2/A]; 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 26.
Mai bis 30. Juni
2008).
3.2.2
Dr.
med.
F.___
vom
G.___
erhob im Anschluss an die MRI-Untersuchung vom 27. Oktober 2008 folgenden Befund (Urk. 8/M2): „Seitengleiche Darstellung des
Meatus
acusticus
internus
sowie des
Nervus
statoacusticus
und der Innenohrstrukturen. Keine
oedematösen
Verän
derungen im Bereich der
Mas
t
oidzellen
. Kein Nachweis eines raumfordernden Prozesses auf Höhe des Kleinhirnbrückenwinkels. Normale Weite der
Sulci
, basalen Zisternen und der Seitenventrikel. Allgemeine homogene Struktur des Hirnparenchyms. Keine Hinweise auf raumfordernden Prozess.“
3.2.3
Am 3. März 2009 äusserte sich
Dr.
B.___
dahingehend, dass angesichts der Er
gebnisse der technischen Beurteilung (vgl. Urk. 8/M3) aus medizinischer Sicht die Voraussetzungen für das Auftreten eines akuten akustischen Traumas gege
ben gewesen seien. Die SUVA spreche in solchen Fällen gemeinhin von einer akuten spezifischen Schädigung im Rahmen einer Berufskrankheit (Urk. 8/A14).
3.2.4
In seinem Bericht vom 6. November 2009 (Urk. 8/A31) erklärte
Dr.
B.___
, es sei erfahrungsgemäss so, dass bei derartigen Ereignissen eine spezifische
schulme
dizinische
Behandlung höchstens in
einem engen
zeitlichen Zusammenhang sinnvoll sei. Für Musiker sei das Gehör jedoch ein zentrales Organ, weshalb eine speziell intensive und umfassende Betreuung bei einer
solchen
akzidentiellen berufsbedingten Schädigung sicher im Vordergrund stehen müsse. In diesem Sinne sei es auch richtig gewesen, dass die Beschwerdegegnerin primär auch die Kosten für nicht ganz spezifisch schulmedizinische Behandlungen übernommen habe. Nun sei es aber so, dass solche Therapien eigentlich mehr auf die Verbes
serung der Befindlichkeit abzielen würden und nicht auf die Behandlung der eigentlichen Schädigung, da diese nach relativ kurzer Zeit bereits abgeschlossen sei. Es sei darauf hinzuweisen, dass es anlässlich des Ereignisses zu keiner rele
vanten organisch-strukturellen Schädigung des Gehörs gekommen sei. Er emp
fehle deshalb, die Kosten für die Behandlungen bis jetzt zu übernehmen, diese gleichzeitig aber auch abzuschliessen.
3.2.5
Dr.
B.___
führte in seinem Bericht vom 10. Juni 2011 (Urk. 8/M4)
sodann
aus, dass die Beschwerdeführerin vor rund drei Jahren im Anschluss an eine inten
sive akustisch
e Beschallung, welche die Gehör
schädlichkeitsgrenze gemäss de
r technischen Beurteilung knapp
erreicht habe (vgl. die technische Beurteilung in Urk. 8/M3), primär eine Gehörsverminderung mit Ohrgeräuschen und einer
Hyperakusis
erlitten habe. Die
Symptomologie
habe sich unter entsprechender medikamentöser Behandlung innert weniger Wochen primär erholt; jedoch sei
es zu einem neuerlichen
Auftreten audiologischer Symptome im Anschluss an eine erneute, diesmal sicher nicht gehörschädliche Schallbelastung gekommen. Zwei Monate nach dem Unfall habe das Reintonaudiogramm - durchaus über
raschenderweise - eine Tieftonstörung gezeigt sowie ein unverändertes
Hoch
tongehör
im Vergleich zu einer Untersuchung vor dem hier zur Diskussion stehenden Ereignis. Somit könne man feststellen, dass eine für eine akustische Traumatisierung typische Hochtonstörung nie dokumentiert worden sei. Die fluktuierende Tieftonstörung sei für eine akustische Traumatisierung primär nicht typisch. Differentialdiagnostisch denke man an einen posttraumatischen Hydrops
cochleae
. Ein solcher trete jedoch am ehesten nach extremen
Schall
belastungen
auf, was vorliegend nicht der Fall sei, seien doch als „
worst
case
“ nur gerade ganz knapp gehörschädigende Schallpegel erreicht worden (S. 4).
Die Beschwerdeführerin sei nur gerade kurz nach dem Ereignis und dann zwei Monate später nochmals HNO-fachärztlich abgeklärt worden. Im Vordergrund hätten seither sehr subjektive Beschwerden und Symptome gestanden, die kei
ner weiteren Abklärung mehr zugeführt worden sei
en
. Es sei dann anamnestisch immer wieder zu sogenannten „Rezidiven“ gekommen, also zur Verstärkung der
Symptomatologie nach relativ alltäglichen und sicher nicht gehörschädlichen Schallpegeln, ohne dass erneute Abklärungen stattgefunden hätten. Diese Symptome hätten jeweils auf mehr die allgemeine Befindlichkeit positiv beein
flussende paramedizinische Behandlungen angesprochen. Das weise ebenfalls in die Richtung, dass im weiteren Verlauf zunehmend
berufslärmfremde Kompo
nenten da
s
Beschwerdebild
dominiert hätten. Rückblickend sei es schwierig zu beurteilen, welche Folgen des Unfalls zu welchem Zeitpunkt noch im Vorder
grund gestanden hätten. Fest stehe, dass die Beschwerdeführerin im Zusam
menhang mit dem Ereignis vor drei Jahre
n eine berufslärmbedingte
Gehör
schä
digung
erlitten habe, wenn auch vielleicht im Rahmen einer zusätzlichen konstitutionellen Schwäche (latenter Hydrops
cochleae
). Die primäre Übernahme der Folgen des Ereignisses als „akute spezifische Schädigung im Sinne einer Berufskrankheit“ sei sicher richtig gewesen; es müsse aber davon ausgegangen werden, dass zu einem nicht präziser bestimmbaren Zeitpunkt die Unfallfolgen abgeklungen seien und die konstitutionellen Schwächen im Sinne eines allfälli
gen latenten Hydrops
cochleae
mehr und mehr in den Vordergrund getreten seien. Fest stehe, dass in der Zwischenzeit der Status quo sine erreicht worden sei (S. 4).
Der
bestehende diskrete Hörverlust links (vor allem im Hochtonbereich) sei als Folge des Unfalls zu betrachten. Das gelte auch für den Tinnitus, der zusammen mit der
Hyperakusis
als einheitliche Symptomatologie betrachtet werden müsse. Nach der SUVA-Tabelle 13 sei knapp von einem schweren Tinnitus auszugehen und damit von einem Integritätsschaden von 5 %. Der im Reintonaudiogramm dokumentierte Hörverlust links von 8 % stelle hingegen keinen messbaren Integritätsschaden dar. Die Fortführung der komplementärmedizinische
n
, nicht pflichtleistungsmässigen Behandlung mittels Osteopathie könne er nicht mehr empfehlen (S. 4 f.).
3.2.6
Dr.
med.
H.___
, Facharzt FMH für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 19. Juli 2012 (Urk. 3/5) einen Status nach Lärmtrauma links vom 1
7.
und 18. Mai 2008 sowie eine zunehmende Gehörseinbusse auf dem linken Ohr seit wenigen Wochen. Die Beschwerdeführerin habe über ein rapide abnehmendes Gehör auf dem linken Ohr geklagt. Das Ohrgeräusch habe stark zugenommen. Die Symptome seien von wechselnder Intensität; das Gehör reagiere überempfindlich.
Dr.
H.___
erhob folgende Befunde: „Unauffälliger Ohrbefund
bds
.
Valsalva
bds
. positiv. Weber mittelständig. Reintonaudiogramm: Hörverschlechterung links vor allem im Frequenzbereich 1
‘
000
–
4
‘
000 Hz.“ Eine Behandlung mit
Betahistin
sei begonnen worden.
4.
4.1
In den Akten finden sich verschiedene Informationen zum Hergang des Ereig
nisses beziehungsweise der Ereignisse vom Mai 2008, wobei sich die
Sachver
haltsschilderungen
– wie nachfolgend aufzuzeigen ist – sowohl hinsichtlich der Anzahl der Ereignisse als auch datumsmässig unterscheiden:
In der Unfallmeldung vom 29.
Mai 2008 (Urk.
8/A1)
erklärte die Beschwerde
führerin
,
dass
anlässlich einer Gesangsprobe am 18.
Mai
2008
und
eines
Kon
zert
s
am 22.
Mai
2008
Kollegen in
Ohrnähe
laut gesungen
hätten. Am 20.
Juni 2008
legte sie dar, ein Kollege hab
e zu nah bei ihr gestanden und ihr extrem laut ins linke Ohr gesungen; der Vorfall habe während einer Schulve
ranstaltung stattgefunden (Urk.
8/A2). Gleichentags berichtete
Dr.
A.___
, bei ein
er Ge
sangsaufführung am 1
7.
und 18.
Mai 2008 sei die Störung nach
Schalleinwir
kung
durch sehr lauten Gesang des im Chor links von der Beschwerdeführerin stehe
nden Kollegen eingetreten (Urk.
8/
M1). In der Einsprache hielt die Be
schwerdeführerin
fest, das Ereignis habe im Rahmen der P
robenarbeit stattge
funden (Urk.
8/A6 S.
2), während sie beschwerdeweise angab, es habe sich beim Konzert abgespielt; die Sängerinnen und Sänger hätten sich um den Konzert
flügel herum gruppiert. Fatalerweise habe der hinter ihr stehende Basssänger unvermittelt und unerwartet sowie in dieser Weise wohl auch unbeabsichtigt mit grösster Lautstärke und aus sehr geringer Distanz direkt in Richtung ih
res linken Ohres gesungen (Urk. 1 S. 3 Ziff. 4.2).
Weder in der Unfallmeldung noch gegenüber der erstbehandelnden
Dr.
A.___
bezeichnete die Beschwerdeführerin ein konkretes Ereignis. Vielmehr schilderte sie anfänglich keinen spezifischen Vorfall, sondern bezog sich auf lautes Singen von Kollegen sowohl anlässlich der Gesangsprobe als auch des Konzerts, welche Anlässe nach unterschiedlic
hen Angaben am 18./1
9.
oder 22.
Mai 2008 statt
gefunden hätten. Angesichts der widersprüchlichen Schilderungen rechtfertigt sich, der Praxis zur Aussage der ersten Stunde
(vgl. BGE 121 V 45 E. 1a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis)
zu folgen, auf die Darstellung der Beschwerdeführerin in der Unfallmeldung abzustellen und davon auszugehen, dass lautes Singen in der Nähe ihres Ohres sowohl bei der Gesangsprobe als auch im Konzert Ursache für die Gehörschädigung bildeten.
4.2
Zu prüfen ist, ob dieser Sachverhalt als Unfall im Rechtssinne zu qualifizieren ist (vgl. dazu oben E. 1.2). Bei dieser Prüfung steht das Tatbestandselement der Plötzlichkeit im Vordergrund.
Mit dem Erfordernis der Plötzlichkeit ist zwar nicht notwendig verbunden, dass die schädigende Einwirkung auf einen blossen Augenblick beschränkt ist, wohl aber muss sie plötzlich eingesetzt haben und eine einma
lige gewesen sein
(EVGE 1943 S.
69). Davon kann
angesichts des oben in E. 4.1 festgestellten Sachverhalts (lautes Singen in der Nähe des Ohres der Beschwerdeführerin zu mehreren Zeitpunkten)
keine Rede sein, fehlt doch offensichtlich das für die Annahme eines Unfalls im Rechtssinne erforderliche Begriffsmerkmal der Plötz
lichkeit der schädigenden Ein
wirkung eines äusseren Faktors.
4.3
Es bleibt damit zu prüfen, ob eine Berufskrankheit vo
rliegt. Dabei verneinte die Beschwerdegegnerin
sowohl eine erhebliche Schädigung des Gehörs als auch deren vorwiegende Verursachung durch die Arbeit (vgl. dazu
Alexandra
Rumo-Jungo
/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozial
versicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012,
S. 95).
Für die Erheblichkeit des Gehörschadens ist entscheidend, ob sich der Gehörschaden praktisch in erheblicher Weise auswirkt, indem er zu einer
anspruchs
begründenden
Erwerbsunfähigkeit oder Integritätseinbusse führt (
Rumo-Jungo
/Hol
zer, a.a.O., S. 95). Letzteres hat die Beschwerdegegnerin
mit der
verfü
gungsweisen
Zusprache
ein
er Integritätsentschädigung von 5
% selbst bejaht. Insoweit ist daher auch nicht mass
gebend, wenn
Dr.
B.___
am 6. November
2009 zum Schluss gelangte, es
sei
zu keiner relevanten organisch-strukturellen Schädigung des Gehörs gekommen
(Urk. 8/A31)
.
Seines Erachtens begründeten der
Hörverlust links,
der
(sch
were
) Tinnitus und die
Hyperakusis
einen
Integri
tätsschaden
von 5 % (Urk. 8/M4 S. 5).
Zudem fällt ins Gewicht, dass
der m
assgebende Geräuschpegel
100-105dB(A) über einen Zeitraum von vielleicht zehn bis maximal 120 Sekunden
betragen hat (Urk. 8/M3 S.
3), so dass die Gehörschädlichkeitsgrenze von 86 dB(A) für Gesangslehrer und Chorsängerinnen, aber auch von 95 dB(A)
für
Solosänge
r
gemäss L
ärmtabelle Musik der SUVA (Urk.
9/1), überschritten wurde.
Schliesslich ist zu prüfen, ob
die Beschwerden vorwiegend, das heisst zu mehr als 50 % durch die Arbeit in
gehörgefährdendem Lärm verursacht
worden sind.
D
avon ging
Dr.
B.___
am 3.
März 2009
wenigstens sinngemäss aus (Urk.
8/A14). Dagegen meinte er im Bericht vom
10.
Juni 2010
(Urk. 8/M4)
, die Tieftonstörung sei für ein solches Ereignis nicht typisch und eine
Hochton
störung
sei nie dokumentiert worden. Es sei an eine Hydrops
cochleae
, eine konstitutionelle Schwäche
,
zu denken. Diese stehe zum Zeitpunkt des
Fallab
schlusses
im Vordergrund. Allerdings hielt
Dr.
B.___
gleichzeitig den diskreten Hörverlust links sowie d
i
e
Hyperakusi
s
klar für eine Unfallfolge (vgl. dazu E.
3.2.5), so dass von einer vorwiegenden Verursachung des Schadens
durch die berufliche Tätigkeit
auszugehen ist
.
Damit hat die Beschwerdegegnerin
unter dem Titel Berufskrankheit Leistungen für die Gehörprobleme
der Beschwerdeführerin
zu erbringen
5.
5.1
Nach den
ausführlichen und nachvollziehbaren Berichte
n
von
Dr.
B.___
, der über spezifisches Fachwissen verfügt und seine Beurteilung gestützt auf eigene medizinische Untersuchungen der Beschwerdeführerin sowie
gestützt
auf
eigens durchgeführte
technisch-akustische Abklärungen abgab, ist erstellt, dass die Gesundheitsbeeinträchtigungen am li
nken Ohr der Beschwerdeführerin berufs
bedingt sind und – wie ausgeführt - als Berufskrankheit zu qualifizieren sind
. Die Berichte von
Dr.
B.___
erfüllen sämtliche in E. 1.6 wiedergegebenen, von der Rechtsprechung aufgestellten Anforderungen, so dass auf sie
abgestellt wer
den kann. Des Weiteren stehen sie mit der übrigen medizinischen Aktenlage im Einklang
.
5.2
Die Beschwerdeführerin liess im Rahmen des vorliegenden Prozesses den Bericht von
Dr.
H.___
nachreichen
, der vom 19. Juli 2012 (Urk. 3/5) datiert.
Dr.
H.___
nannte
eine Verschlechter
ung „seit wenigen Wochen“ beziehungs
weise
in den letzten vier Wochen. Der
Ei
nspracheentscheid
erging
jedoch bereits
am 14.
Juni 2012 (Urk.
2).
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das
Sozial
ver
sicherungsgericht
die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des
Verwaltungsver
fahrens
gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243; 121 V 362 E. 1b S. 366). Folglich ist der
genannte
Be
richt
von
Dr.
H.___
i
m
vorliegenden Verfahren
nicht mehr zu berücksichtigen
, denn d
ie Aussage, die Verschlechterung sei seit wenigen/vier Wochen eingetre
ten, lässt nicht den Schluss zu, dass die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheid
erlasses
unrichtig war
. Darüber
hinaus
ist festzuhalten, dass
sich
Dr.
H.___
dabei allein auf die subjektive Darstellung der Beschwerdeführerin
stützt
, denn er selbst unter
suchte sie offenbar erst am 18. Juli
2012
(vgl. Urk. 3/5)
.
5.3
Da die Frage betreffend Zeitpunkt des Abschlusses der Heilbehandlung prospek
tiv zu erfolgen hat, ist insoweit auf die s
chlüssige Beurteilung durch
Dr.
B.___
abzustellen
(vgl. oben E. 3.2.5).
Demzufolge ist der Entscheid der
Beschwerde
gegnerin
,
die Heilbehandlungsleistungen per 8. Juni 2011 einzustellen, nicht zu beanstanden, war doch zu diesem Zeitpunkt der sogenannte medizinische End
zustand gemäss
Dr.
B.___
schon längst eingetreten
(vgl. Urk. 8/M4 S. 4). Mit einer namhaften Verbesserung des Gesundheitszustandes durch eine weitere Behandlung war nicht mehr zu rechnen.
5.4
Mit dem Erreichen des medizinischen Endzustandes sind die Ansprüche auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung zu prüfen (Art. 19 Abs. 1 und Art. 24 Abs. 2 UVG).
Anzeichen für eine – durch die Berufskrankheit bedingte - Erwerbseinbusse der Beschwerdeführerin liegen nicht vor. Sie
liess
denn auch zu Recht keinen Ren
tenanspruch geltend machen; ein
solcher
besteht derzeit nicht.
5.5
Dr.
B.___
führte betreffend Integritätseinbusse in seinem Bericht vom 10. Juni 2011 (Urk. 8/M4 S. 5) aus, dass der Tinnitus zusammen mit der
Hyperakusis
als einheitliche Symptomatologie betrachtet werden müsse. Nach der SUVA-Tabelle 13 (Integritätsentschädigung gemäss UVG) sei knapp von einem schweren Tin
nitus auszugehen und damit von einem Integritätsschaden von 5 %. Der im Reintonaudiogramm dokumentierte Hörverlust links von 8 % stelle hingegen keinen messbaren Integritätsschaden dar (vgl. oben E. 3.2.5
a.E
.).
Auch diese Einschätzung von
Dr.
B.___
ist nachvollziehbar und einleuchtend begründet; abweichende medizinische Einschätzungen sind nicht vorhanden. Insbesondere erscheint es nicht angezeigt, von einem sehr schweren Tinnitus auszugehen, der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von 10 % geben würde, wäre
n
doch
dafür gemäss SUVA-Tabelle 13 sehr viel stärkere Belästi
gungen erforderlich als vorliegend dokumentiert wurden (vgl. Urk. 8/M4 S. 2 und 5).
5.6
Aus dem Gesagt
en folgt, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 14. Juni 2012 (Urk. 2) nicht zu beanstanden ist und sich die Einstellung der Heilbehandlungsleistungen per 8. Juni 2011 und die Zusprechung einer
Integ
ritätsentschädigung
von 5 %
als
korrekt
erweist
. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Dr.
iur
. Y.___
-
AXA Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
Gräub
Stocker