# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c299d88-5e60-5fec-bb71-e0fe1ea7f808
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-02-22
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 22.02.2005 R 2004 90
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2004-90_2005-02-22.pdf

## Full Text

R 04 90

4. Kammer 

URTEIL
vom 22. Februar 2005

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baubewilligung

1. … und … sind Miteigentümer je zur Hälfte von Parzelle 254 in ... Sie haben 

im Jahr 2003 auf diesem Grundstück ein Wohnhaus sowie eine Doppelgarage 

gebaut. Gemäss den am 23. Mai 2003 bewilligten Plänen war zwischen 

Doppelgarage und Wohnhaus ein Zwischenbau vorgesehen, welcher als 

Schopf dienen sollte. Am 3. August 2004 stellten … und …das Gesuch, das 

Dach des Zwischenbaus über den Sitzplatz nach Nordosten bis auf 2.5 m an 

die Grundstücksgrenze heran zu verlängern. Zur Wahrung der Symmetrie mit 

Haus und Garagendach würde dies eine Firsterhöhung der 

Sitzplatzüberdachung um 40 cm bedingen. Zudem ersuchten sie um 

Versetzung der ursprünglich an der Garagenwand geplanten 

Solarkollektoren. Während die Gemeinde die Versetzung der Solarkollektoren 

mit Entscheid vom 7. September 2004 genehmigte, wurde die Verlängerung 

und Erhöhung des Daches des Gartensitzplatzes nicht bewilligt. Durch das 

Verschieben der Konstruktion nach Nordosten würde die Gebäudelänge neu 

über 12 m betragen, da die beiden Gebäudeteile Garage und Haus als ein 

Gebäude gälten. Dies widerspreche Art. 36 BG. 

2. Dagegen erhoben … und … am 27. September 2004 Rekurs an das 

Verwaltungsgericht und beantragten die Aufhebung des angefochtenen 

Entscheides und die Anweisung an die Gemeinde, für die projektierte 

Verlängerung und Erhöhung des Gartensitzplatzes die Baubewilligung zu 

erteilen. Bei der projektierten Anbaute handle es sich um eine Anbaute im 

Sinne von Art. 59 Abs. 2 BG und sei deshalb bei der Berechnung der 

Gebäudelänge nicht miteinzurechnen.

3. Die Gemeinde beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung des 

Rekurses. Die maximale Gebäudelänge werde vom Hauptteil des am 23. Mai 

2003 bewilligten Projektes erreicht. Daran schliesse sich der Zwischentrakt 

an, welcher seinerseits wiederum mit der Garage verbunden sei. Damit 

übersteige die Gesamtlänge dieses Gebäudekomplexes die zulässige Länge 

bei weitem. Das Bauvorhaben habe deshalb seitens der Gemeinde nur 

gestützt auf Art. 64 Abs. 3 BG bewilligt werden können, wonach die 

Baubehörde bei abgesetzten Hauptfassaden eine abweichende Regelung 

treffen könne, wenn die Überbauung gut ins Ortsbild passe und 

architektonisch gut gestaltet sei. Dies treffe für das abgeänderte Projekt nicht 

mehr zu. Entgegen der Auffassung der Rekurrentschaft handle es sich beim 

Zwischenbau nach Praxis des Verwaltungsgerichtes nicht um eine Anbaute. 

Diese würden sich dadurch charakterisieren, dass sie funktionell und 

konstruktiv vom Hauptgebäude getrennt seien. Unter anderem heisse dies, 

dass der Anbau keinen direkten Zugang zum Hauptbau aufweise. Hier sei der 

Zwischenbau aber im Erd- und Obergeschoss mit dem Hauptbau direkt 

verbunden.

4. Am 22. Februar 2005 führte das Verwaltungsgericht einen Augenschein an 

Ort und Stelle durch, an welchem die Rekurrenten mit ihrem Anwalt sowie 

Mitglieder des Gemeindevorstandes teilnahmen. Allen Anwesenden wurde 

dabei Gelegenheit erteilt, sich auch noch mündlich zu den aufgeworfenen 

Fragen zu äussern.

Auf das Ergebnis des Augenscheines sowie die weiteren Ausführungen der 

Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen 

eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. In Art. 59 Abs. 2 BG wird der Umfang von An- und Nebenbauten definiert, 

welche gemäss Art. 64 Abs. 2 BG bei der Gebäudelänge nicht mitberechnet 

werden müssen, sofern sie eingeschossig sind. Kann der vorliegend 

umstrittene Gebäudeteil als Anbaute in diesem Sinne qualifiziert werden, ist 

er ohne weiteres zu bewilligen. Es braucht dann nicht mehr geprüft zu werden, 

ob er allenfalls einer Ausnahmebewilligung gemäss Art. 64 Abs. 3 BG für 

abgesetzte Hauptfassaden zugänglich wäre. 

2. Gemäss Art. 59 Abs. 2 BG dürfen An- und Nebenbauten bis auf 2.5 m an die 

Grenze gestellt werden, wenn sie gemäss Art. 56 Abs. 2 keine anrechenbare 

Bruttogeschossfläche enthalten, nicht höher als 4,5 m (Firsthöhe) und nicht 

grösser als 30 m2 sind. Mit schriftlichem Einverständnis des Nachbarn dürfen 

solche Bauten auch an die Grenze gestellt werden. Nach Art. 64 Abs. 2 BG 

sind bei der Gebäudelänge eingeschossige Anbauten im Sinne von Art. 59 

Abs. 2 nicht anzurechnen. Das Verwaltungsgericht hatte sich schon 

wiederholt mit ähnlich lautenden Bestimmungen anderer Gemeinden über An- 

und Nebenbauten zu befassen. Derartige Gebäude werden nun, wenn sie 

keine Wohn- und Arbeitsräume enthalten und eine gewisse Kubatur nicht 

überschreiten, in den kommunalen Baugesetzen regelmässig  mit Bezug auf 

die Gebäude- und die Grenzabstände privilegiert und müssen vielfach nicht 

in die Gebäudelänge einbezogen werden, da sie für die Nachbarn weniger 

immissionsträchtig sind als Wohn- oder Gewerberäume. Damit eine Anbaute 

als solche anerkannt werden kann, muss sie die Voraussetzungen dafür 

dauerhaft erfüllen. Entgegen der in PVG 1989 Nr. 24 ohne nähere 

Begründung geäusserten Ansicht gehört dazu nicht, dass eine Anbaute 

keinen direkten Zugang zum Hauptgebäude hat. Durch ein solches 

Erfordernis würde nämlich die Ausübung der Hilfsfunktion der Anbaute 

vielfach verunmöglicht oder unnötig erschwert. So wäre es wenig sinnvoll, 

wenn aus einem Magazinanbau die gelagerte Ware nicht direkt ins 

Hauptgebäude geschafft werden könnte. Ebenso wäre es verfehlt, bei einem 

angebauten, offenen, d.h. nicht von allen Seiten mit Fassaden umbauten 

Gartenhaus, das gar keinen Raum im Sinne der Rechtsprechung darstellt (vgl. 

VGE 740/94), zu verlangen, dass es nur über einen Umweg vom 

Hauptgebäude aus erreicht werden kann, zumal es zum dauernden 

menschlichen Verweilen gar nicht geeignet ist. Ausschlaggebend ist in diesem 

Zusammenhang, dass durch einen direkten Zugang vom Hauptgebäude die 

lmmissionsträchtigkeit von Anbauten nicht nur nicht erhöht, sondern sogar 

vermindert wird, da dadurch Lärmimmissionen auf den Weg dahin vermieden 

werden. Schliesslich bedürfte es für eine solche Einschränkung der 

Baufreiheit wohl auch einer ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage (vgl. VGE 

689/95). Massgebend ist für Anbauten somit lediglich, dass es sich bei ihnen 

um Gebäudeteile untergeordneter Natur handelt, die für die jeweiligen 

Hauptbauten eine Hilfsfunktion ausüben. Sie treten gegen aussen nur 

geringfügig in Erscheinung, da sie eine begrenzte Grundfläche (vorliegend nur 

30 m2) aufweisen und immer eingeschossig sein müssen. Dadurch besitzen 

sie für die Nachbarn nur ein geringfügiges Störpotential, was wiederum die 

Privilegierung bei den Abstandsvorschriften rechtfertigt. Diese 

Voraussetzungen erfüllt auch der von den Rekurrenten geplante Anbau. Er 

hält die baugesetzlichen Masse für An- und Nebenbauten ein. Von der 

Funktion her ist er bloss nebensächlich und untergeordnet. Er wird als Schopf 

und offener überdeckter Sitzplatz benutzt. Hinzu kommt, dass er auch 

konstruktiv unabhängig vom Hauptgebäude ist. Dass er über einen Zugang 

zum Haupthaus verfügt, ist nach dem oben Gesagten belanglos. Damit ist der 

Anbau entgegen der Ansicht der Gemeinde bei der Gebäudelänge nicht zu 

berücksichtigen. Ohne den Anbau ist diese aber unbestritten eingehalten. Der 

Rekurs ist infolgedessen gutzuheissen und die Baubewilligung für den Anbau 

zu erteilen.

3. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gemeinde, 

welche die anwaltlich vertretenen Rekurrenten überdies angemessen 

aussergerichtlich zu entschädigen hat.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird gutgeheissen, der angefochtene Baubescheid aufgehoben 

und die Bewilligung für den Anbau gemäss Baugesuch vom 4. August 2004 

erteilt.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 2'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 119.--

zusammen Fr. 2'119.--

gehen zulasten der Gemeinde …  und sind innert 30 Tagen seit Zustellung 

dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, 

zu bezahlen.

3. Die Gemeinde … entschädigt … und … aussergerichtlich gesamthaft mit Fr. 

1'500.--.