# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b2b6df9-f338-548f-b40f-06ec0c7cbee6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 E-1478/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1478-2010_2011-11-07.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­1478/2010

U r t e i l   v om   7 .   No v embe r   2 0 1 1  

Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz),
Richter Bendicht Tellenbach, Richter Bruno Huber,   
Gerichtsschreiber Nicholas Swain.

Parteien A:_______,
Eritrea,  
vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, 
(…)
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 3. Februar 2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  nach  eigenen  Angaben  seinen 
Heimatstaat am 10. oder 12. November 2007 und gelangte am 8. Januar 
2008  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  um  Asyl  ersuchte.  Nach  der 
Kurzbefragung  vom  18.  Januar  2008  wurde  er  für  die  Dauer  des 
Verfahrens  dem Kanton B._______  zugeteilt.  Am 31.  Januar  2008  fand 
eine direkte Anhörung durch das BFM statt.

B. 
Der  Beschwerdeführer  brachte  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im 
Wesentlichen  vor,  er  habe  in  den  Jahren  1990  bis  1993  den  regulären 
Militärdienst absolviert. Anfang Juni 1993 sei er wegen seiner Teilnahme 
an  einem  Streik  im  Zusammenhang  mit  der  Streichung  von 
Soldzahlungen  an  die  dienstleistenden  Soldaten  festgenommen  und 
während  zwei  bis  drei  Jahren  im  Gefängnis  in  C._______  festgehalten 
worden.  Nach  seiner  Freilassung  im  Jahre  1995  sei  ihm  eine 
"Mentalstrafe" für zwei weitere Jahre auferlegt worden. Diese habe darin 
bestanden,  dass  er  bei  der  (…) Division,  (…) Brigade,  (…) Bataillon  in 
C._______ habe Dienst leisten müssen, ohne einen Sold zu erhalten, an 
keiner  Versammlung  habe  teilnehmen  und  nicht  habe  arbeiten  dürfen. 
Danach  sei  er  der  (…) Division,  (…) Brigade,  (…) Bataillon  zugeteilt 
worden,  wo  er  im  Zeughaus  die  Statistik  für  das  Waffenlager  geführt 
habe. Er habe in dieser Zeit mehrmals Auseinandersetzungen mit seinem 
Vorgesetzten  gehabt,  weil  der  ihm  zustehende  Urlaub  nicht  gewährt 
worden  sei.  Obwohl  er  mehrmals  schriftlich  und  mündlich  seine 
Entlassung  aus  dem  Militärdienst  beantragt  habe,  sei  diese  nicht 
genehmigt worden. Schliesslich sei ihm zusammen mit einem Kameraden 
die Flucht geglückt, nachdem sie wenige Stunden zuvor nach D._______ 
an der Grenze zum Sudan zur Mithilfe bei der Ernte verlegt worden seien 
(Akten  BFM  A1  S.  1),  beziehungsweise  ab  Juli  2007  in  D._______ 
stationiert  gewesen  seien  (A11  S. 9).  Es  sei  ihnen  bei  einem 
Toilettengang gelungen, einen Wärter zu überlisten, und sie hätten dann 
am Abend oder nachts die Grenze zum Sudan illegal zu Fuss überquert. 
Er  sei  nach  der  Flucht  zuhause  gesucht  worden.  Zur  Stützung  seiner 
Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Identitätskarte, ausgestellt 
am  28.  April  1997,  einen  Militärausweis  betreffend  die  Jahre  1990  bis 
1993  und  einen  Mitgliederausweis  der  PFDJ  (Volksbefreiungsfront  für 

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Demokratie  und  Gerechtigkeit),  ausgestellt  am  29.  Mai  1994,  zu  den 
Akten. 

C. 
Mit  Verfügung  vom  3.  Februar  2010  lehnte  das  Bundesamt  das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers ab. Hingegen stellte es fest, dass er 
infolge  subjektiver  Nachfluchtgründe  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss 
Art.  3  Abs.  1  und  2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 
142.31)  erfülle,  ordnete  die  Wegweisung  an  und  gewährte  ihm  wegen 
Unzulässigkeit  des Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme.  Auf 
die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich − in den Erwägungen 
eingegangen.

D. 
Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  10.  März  2010  erhob  der 
Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen 
diese  Verfügung  und  beantragte  in  materieller  Hinsicht,  die  Dispositiv­
Ziffern 2 und 3 derselben seien aufzuheben und es sei  ihm das Asyl zu 
gewähren.  In  formeller  Hinsicht  ersuchte  er  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 
und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung wird  –  soweit 
entscheidwesentlich  −  in  den  Erwägungen  eingegangen.  Zur  Stützung 
seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  drei  Fotografien  ein, 
welche ihn 1999 im Militärdienst zeigen sollen, zu den Akten. 

E. 
Mit Zwischenverfügung vom 24. März 2010 stellte der  Instruktionsrichter 
fest,  dass  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden  werde  und 
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  wurde  abgewiesen. 
Schliesslich wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung 
eingeladen.

F. 
In ihrer Vernehmlassung vom 31. März 2010 hielt die Vorinstanz an ihrer 
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

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G. 
Mit Eingabe vom 30. April 2010 machte der Beschwerdeführer von dem 
ihm mit Instruktionsverfügung vom 16. April 2010 eingeräumten Recht zur 
Replik Gebrauch. 

H. 
Mit  Eingabe  vom  13.  Januar  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Quittung  vom  13.  Juli  2010  betreffend  die  Bezahlung  einer  Busse  von 
50'000 Nakfa durch seine Ehefrau aufgrund seiner unerlaubten Ausreise 
zu  den  Akten  und  ersuchte  um  beschleunigte  Behandlung  seiner 
Beschwerdeeingabe.

I. 
Mit Eingaben vom 13. Oktober 2011 und 24. Oktober 2011 ersuchte der 
Beschwerdeführer  erneut  um  beschleunigte  Behandlung  seiner 
Beschwerde,  dies  unter  Hinweis  auf  das  von  seiner  Ehefrau  und  den 
Kindern  aus  dem  Ausland  eingereichte  Gesuch  um  Bewilligung  der 
Einreise und um Asyl. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

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Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und  Art. 48 
Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Die  Ziffer  1  (Erfüllen  der  Flüchtlingseigenschaft)  der  vorinstanzlichen 
Verfügung  ist  in  Rechtskraft  erwachsen.  Die  Beschwerde  richtet  sich 
gegen  die  Verweigerung  des  Asyls  (Ziffer  2),  die  Anordnung  der 
Wegweisung  (Ziffer  3)  sowie  die  Erteilung  der  vorläufigen  Aufnahme 
(Ziffern 4­7).

4. 

4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

5. 

5.1.    Das  BFM  führte  zur  Begründung  seiner  Verfügung  aus,  die 
Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner  Inhaftierung und der Flucht 

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aus  dem Militärdienst  seien  als  unglaubhaft  zu  erachten,  da  er  sich  zu 
wesentlichen Punkten mehrfach widersprüchlich geäussert habe, so zum 
Ort   und zur Dauer der Haft, zu den konkreten Daten seiner Inhaftierung 
und  zur  Freilassung,  sowie  zum  Zeitpunkt  der  Verlegung  nach 
D._______. Der eingereichte Militärausweis belege zwar, dass er  in den 
Jahren  1990  bis  1993  Militärdienst  geleistet  habe,  vermöge  aber  nicht 
den  angeblich  daraufhin  bis  ins  Jahr  2007  geleisteten Dienst  sowie  die 
Umstände  der  Flucht  zu  belegen.  Das  BFM  stellte  indessen  fest,  der 
Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft,  weil  aufgrund  der 
Akten  davon  auszugehen  sei,  dass  er  Eritrea  illegal  und  in 
militärdienstpflichtigem  Alter  verlassen  habe.  Die  eritreischen  Behörden 
unterstellten  solchen  Personen  eine  regierungsfeindliche  Haltung  und 
bestraften  sie  dafür  mit  sehr  strengen  und  brutalen  Massnahmen, 
weshalb  der  Beschwerdeführer  begründete  Furcht  habe,  bei  einer 
Rückkehr in seinen Heimatstaat ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 
3 AsylG ausgesetzt zu werden. Da er nach Einschätzung des BFM erst 
durch  die  Ausreise  aus  Eritrea  zum  Flüchtling  wurde,  schloss  es  ihn 
gestützt  auf  Art.  54  AsylG  (subjektive  Nachfluchtgründe)  von  der 
Asylgewährung aus. 

5.2.  Der  Beschwerdeführer  stellte  zur  Begründung  seiner  Beschwerde 
fest,  aufgrund  des  von  ihm  eingereichten  Militärausweises  stehe 
zweifelsfrei  fest,  dass  er  bis  ins  Jahr  1993  oder  1994  Militärdienst 
geleistet habe. Die Zweifel des Bundesamtes daran, dass er auch nach 
diesem Zeitpunkt zum Militärdienst verpflichtet worden sei, seien nicht mit 
den gesicherten Kenntnissen unabhängiger Quellen zum Militärdienst  in 
Eritrea  vereinbar.  Zwar  habe  in  den  Jahren  1992  bis  1996  eine  relativ 
umfangreiche  Demobilisierung  stattgefunden.  Jedoch  hätten  die  davon 
Betroffenen  als  Angehörige  der  Reserve  weiterhin  der  Wehrpflicht 
unterstanden. Nach Ausbruch des Grenzkrieges im Jahre 1998 seien die 
Reservisten  wieder  umfassend  mobilisiert  und  ins  Militär  eingegliedert 
worden.  Auch  nach  Ende  der  Kampfhandlungen  seien  nur  wenige 
Militärangehörige  demobilisiert  worden.  Mit  der  "Warsai  Yekalo 
Development  Campaign"  im  Jahre  2002  sei  der  Militärdienst  auf 
unbestimmte  Zeit  verlängert  worden.  Da  er  (der  Beschwerdeführer)  bei 
guter Gesundheit und  im militärdienstpflichtigen Alter sei und über keine 
weitreichenden Beziehungen verfüge, hätte es keinen nachvollziehbaren 
Grund  für  seine  Demobilisierung  im  Jahre  1998  gegeben.  Es  sei 
demnach  als  glaubhaft  zu  erachten,  dass  er  bis  ins  Jahre  2007 
Militärdienst geleistet habe. Dass er keine Dokumente zum Beleg hierzu 
beizubringen vermöge, sei plausibel, weil es sich um eine ungesetzliche 

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Verlängerung  des  Militärdiensts  gehandelt  habe.  Da  aber  die 
Identitätskarte  üblicherweise  erst  nach  Abschluss  des  Militärdiensts 
ausgestellt werde, stütze das Ausstelldatum seiner Identitätskarte (1997) 
seine Angaben, dass er nach dem ordentlichen Dienst von 1990 bis 1993 
eine  vierjährige  Strafe  (2  Jahre  Haft,  2  Jahre  "Mentalstrafe")  habe 
verbüssen müssen. 

Im  Weiteren  seien  die  vom  BFM  gerügten  Widersprüche  in  seinen 
Aussagen auf  Flüchtigkeitsfehler  und Missverständnisse  zurückzuführen 
und  er  habe  diese  überzeugend  ausräumen  können.  Dass  es  zu 
gewissen  Verwirrungen  gekommen  sei,  sei  in  Anbetracht  der  Fülle  an 
Daten, Orten, Namen von Vorgesetzten und Bezeichnungen militärischer 
Einheiten  nachvollziehbar.  Insgesamt  ergebe  sich  aus  seinen 
Ausführungen ein umfassendes und glaubwürdiges Bild seiner Erlebnisse 
im  Heimatstaat.  Die  Einschätzung  der  Vorinstanz  beruhe  auf  einer 
blossen  Gegenbehauptung,  welche  sich  auf  unhaltbare  Argumente 
stütze.  Die  Asylrelevanz  seiner  Vorbringen  sei  in  Anbetracht  seiner 
Desertion sowie seiner Vorgeschichte als Regimekritiker, der verbüssten 
Strafe  und  der  notorischen  Menschenrechtsverletzungen  durch  die 
eritreischen Geheimdienste zweifelsfrei gegeben. Er verfüge schliesslich 
auch über keine innerstaatliche Fluchtalternative.

6.   

6.1.  Grundsätzlich  sind  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers  dann 
glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und 
plausibel sind; sie dürfen sich nicht  in vagen Schilderungen erschöpfen, 
in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen 
Erfahrung  widersprechen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  1  E.  5  S.  4 
ff.).  An  die  Glaubhaftmachung  dürfen  nicht  zu  strenge  Anforderungen 
gestellt  werden  und  die  Argumentation  der  Behörden  darf  sich  nicht  in 
blossen  Gegenbehauptungen  oder  allgemeinen  Vermutungen 
erschöpfen.  Angesichts  des  reduzierten  Beweismasses  der 
Glaubhaftmachung  besteht  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und 
Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob eine 
Gesamtwürdigung  aller  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die 
Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Gesuchstellers  sprechen 
überwiegen oder nicht (vgl. EMARK 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., mit weiteren 
Hinweisen, EMARK 1993 Nr. 21 S. 134 ff., EMARK 1993 Nr. 11 S. 67 ff.).

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6.2.  In Anwendung dieser Massstäbe gelangt das Gericht  zum Schluss, 
dass  das BFM die Asylvorbringen des Beschwerdeführers  zu Recht  als 
unglaubhaft  erachtet  hat.  Der  Beschwerdeführer  hat  mehrfach 
divergierende  und  vage  Angaben  zur  Dauer  und  zeitlichen  Einordnung 
der ihm angeblich im Jahre 1993 auferlegten Haftstrafe gemacht. So gab 
er  anlässlich  der  Empfangsstellenbefragung  zu  Protokoll,  er  sei  am  12. 
Juni  1993  verhaftet  worden  und  im  Mai  1995  aus  der  Haft  entlassen 
worden  (A1  S.  2),  sprach  aber  andererseits  von  einer  Haftdauer  von  9 
Jahren  (A1 S. 5).  Im Rahmen der Anhörung durch das BFM sprach der 
Beschwerdeführer  abwechselnd  von  einer  Haftdauer  von  2,  2½  ­  3 
beziehungsweise  2  Jahren  und  5  Monaten,  respektive  von  einer 
Inhaftierung  von  Mai  1993  bis  Juli  1995  (A11  S.  11).  Zwar  weicht  die 
Aussage, er sei 9 Jahre in Haft gewesen, derart stark von seinen übrigen 
diesbezüglichen Angaben ab, dass ein Übersetzungsfehler oder sonstiger 
Irrtum  nicht  ausgeschlossen  werden  kann.  Aber  auch  die  übrigen 
Äusserungen  des  Beschwerdeführers  zu  diesem  Punkt  sind  derart 
unpräzise und uneinheitlich, dass sie als unglaubhaft zu bezeichnen sind. 
Auch  unter  Berücksichtigung  des Umstands,  dass  es  sich  um  ein  nach 
seiner  Darstellung  lange  zurückliegendes  Ereignis  handelt,  erscheint 
dieses derart einschneidend, dass zu erwarten wäre, er könne es zeitlich 
genauer  einordnen.  Ebenso  vermag  der  Beschwerdeführer  den 
festgestellten  klaren  Widerspruch  in  seinen  Aussagen  zum  Ort  seiner 
Inhaftierung nicht  aufzulösen. Die Erklärung  in der Beschwerdeeingabe, 
es  habe  sich  um  ein  Missverständnis  gehandelt,  vermag  angesichts 
seiner eindeutigen Aussagen zu diesen Punkt anlässlich der Befragungen 
nicht zu überzeugen. Schliesslich hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, 
dass  der  Beschwerdeführer  klar  widersprüchliche  Angaben  zu  den 
Umständen seiner Flucht  in den Sudan im Jahre 2007 gemacht hat. Die 
diesbezüglichen  Vorbringen  in  der  Beschwerdeeingabe  sind  nicht 
geeignet,  diese  Ungereimtheiten  auszuräumen,  zumal  sie  klar  von  der 
entsprechenden  Erklärung  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der 
Anhörung  durch  das  BFM  (A11  S.  9)  abweichen.  Darüber  hinaus  sind 
seine  Schilderungen  der  Flucht  überaus  vage  und  realitätsfremd 
ausgefallen.  Dass  es  ihm  und  seinem  Kameraden  ohne  Weiteres 
gelungen  sein  soll,  bei  einem  Toilettengang  zu  fliehen,  erscheint 
unplausibel,  da  bei  einer  Stationierung  in  der  Nähe  der  Grenze  eine 
verstärkte Überwachung der Dienstleistenden zu erwarten wäre. 

6.3.  Zu  Recht  hat  das  BFM  auch  festgestellt,  dass  die  vom 
Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel nicht geeignet sind, dessen 
Asylvorbringen  zu  belegen.  Entgegen  der  Auffassung  des 

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Beschwerdeführers kann aus dem Ausstellungsdatum der Identitätskarte 
(28. April 1997) kein Rückschluss auf die angebliche Haftstrafe gezogen 
werden, zumal der Zeitpunkt der Ausstellung auch andere Gründe haben 
kann  (z.  B.  Verlust  eines  vorherigen  Identitätsdokuments).  In  der  auf 
Beschwerdeebene eingereichten Quittung betreffend eine Bussenzahlung 
von  50'000  Nakfa  durch  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  wird  zur 
Begründung  nur  auf  dessen  illegale  Ausreise  verwiesen.  Dieses 
Dokument  hat  daher  hinsichtlich  des  angeblich  nach  1993  geleisteten 
Militärdiensts  beziehungsweise  der  Desertion  keinen  Beweiswert.  Die 
beiden  Fotos,  welche  den  Beschwerdeführer  in  Militäruniform  zeigen, 
lassen sich weder zeitlich noch örtlich zuordnen und können daher ohne 
weiteres aus dem Zeitraum 1990 bis 1993 stammen. 

6.4.  Im  Weiteren  vermag  auch  die  Argumentation  des 
Beschwerdeführers,  seine  Vorbringen  seien  als  plausibel  zu  erachten, 
weil  sie  mit  den  allgemeinen  Erkenntnissen  über  die  Praxis  der 
eritreischen Militärbehörden übereinstimmen würden, nicht zu verfangen. 
Gemäss  Praxis  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
(ARK),  welche  vom  Bundesverwaltungsgericht  übernommen  wurde,  ist 
die  Furcht  vor  einer Bestrafung  durch  die  eritreischen Behörden wegen 
Dienstverweigerung oder Desertion dann begründet, wenn die betroffene 
Person  in  einem  konkreten  Kontakt  zu  den  Militärbehörden  Eritreas 
stand. Ein solcher Kontakt ist regelmässig anzunehmen, wenn die Person 
im  aktiven  Dienst  stand  und  desertierte.  Darüber  hinaus  ist  jeglicher 
Kontakt  zu  den  Behörden  relevant,  aus  dem  erkennbar  wird,  dass  die 
betroffene Person rekrutiert werden sollte (EMARK 2006 Nr. 3; Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­6642/2006  vom  29.  September  2009).  Es 
reicht nicht aus, dass die betroffene Person im dienstfähigen Alter ist und 
fürchtet,  irgendwann  ausgehoben  zu  werden  (EMARK  2006  Nr.  3  E. 
4.10).  Demnach  kann  alleine  aus  dem  Umstand,  dass  der 
Beschwerdeführer grundsätzlich die Voraussetzungen zur Einberufung in 
den Militärdienst erfüllte, nicht auf eine im Zeitpunkt der Ausreise aktuelle, 
begründete  Furcht  vor  Verfolgung  geschlossen  werden.  Wie  oben 
ausgeführt,  ist  es  dem  Beschwerdeführer  jedoch  nicht  gelungen, 
glaubhaft  zu  machen,  dass  er  in  diesem  Zeitraum  in  Kontakt  zu  den 
heimatlichen Militärbehörden stand. 

6.5. Zusammenfassend gelangt das Gericht  in Übereinstimmung mit der 
Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen 
ist,  eine  Vorverfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  nachzuweisen  oder 
glaubhaft zu machen, und die Voraussetzungen für die Zuerkennung des 

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Asyls nicht erfüllt sind. Die Vorinstanz hat demnach das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.

7. 

7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinweisen).

7.3. Da dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz wegen des Vorliegens 
subjektiver  Nachfluchtgründe  gemäss  Art.  54  AsylG  die 
Flüchtlingseigenschaft  zugesprochen  und  er  unter  Hinweis  auf  die 
Unzulässigkeit  des   Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufgenommen 
wurde,  erübrigen  sich  Ausführungen  zur  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und 
Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 

9.1. Der  Entscheid  über  das  vom  Beschwerdeführer  in  seiner  Eingabe 
vom  10.  März  2010  gestellte  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege 
wurde in der Zwischenverfügung vom 24. März 2010 auf einen späteren 
Zeitpunkt verschoben. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die 
nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der 
Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, wenn ihr Begehren im Zeitpunkt 
der  Gesuchseinreichung  nicht  aussichtslos  erscheint.  Nicht  über  die 
erforderlichen Mittel verfügt, wer ohne Beeinträchtigung des notwendigen 
Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten  nicht  zu  bestreiten  vermag. 
Aussichtslos  ist  eine  Beschwerde,  wenn  die  Gewinnaussichten 
beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und deshalb kaum als 
ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 128 I 235 E. 2.5.3 S. 235 

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f., BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Für die Beurteilung der Prozesschancen 
ist  eine  summarische  Prüfung  vorzunehmen.  Vorliegend  sind  die 
Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
nicht gegeben, da sich zum einen die Vorbringen des Beschwerdeführers 
als aussichtslos erwiesen haben und er zum anderen die von ihm geltend 
gemachte Mittellosigkeit nicht belegt hat.

9.2. Demnach  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  dem  Beschwerdeführer 
aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.− 
festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,          
SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1 
VwVG wird abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.−  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das 
BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Nicholas Swain

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