# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5366e55a-cc4d-58d7-8d94-f2d483becab7
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-02
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 02.05.2025 SB240272
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB240272_2025-05-02.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240272-O/U/cs-ad

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Wenker 

und Oberrichter Dr. iur. Rauber sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Lazareva

Urteil vom 2. Mai 2025

in Sachen

A._____,
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin MLaw X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
Anklägerin und Berufungsbeklagte

sowie

B._____, 
Privatklägerin

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____,

betreffend sexuelle Handlungen mit Kindern etc.

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom 19. April 2024 
(DG230006)

-   2   -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 6. September 

2023 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21).

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 98 S. 70-72)

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der sexuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 

StGB sowie

 der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt im Sinne 

von Art. 196 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 16 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis 

und mit heute 2 Tage durch Haft erstanden sind.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt. 

4. Dem Beschuldigten wird ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot (Verbot jeder 

beruflichen und jeder organisierten ausserberuflichen Tätigkeit, die einen re-

gelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst) im Sinne von Art. 67 

Abs. 3 lit. b StGB auferlegt.

5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 6. September 2023 beschlag-

nahmten Gegenstände:

- 1 Computer, Laptop Toshiba (A016'444'669);

- 1 Mobiltelefon, Apple iPhone 13 mini (A016'444'716);

- 1 Computer, Tablet Samsung (A016'444'738);

- 1 USB Stick, schwarz (A016'444'7A9);

werden dem Beschuldigten auf erstes Verlangen hin herausgegeben.

Dem Beschuldigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft 

des vorliegenden Entscheids angesetzt, um die herauszugebenden Gegen-

-   3   -

stände selbst (oder durch eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage dieses 

mit Rechtskraftbescheinigung versehenen Entscheids und eines amtlichen 

Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der nachgenannten La-

gerbehörde abzuholen. 

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, 

werden sie vernichtet. Die Lagerbehörde wird angewiesen, diese Anordnung 

innert 30 Tagen zu vollziehen und zu dokumentieren.

6. Die Privatklägerin B._____ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 3'000.– zu-

züglich 5 % Zins ab 17. April 2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 260.00   Auslagen Polizei

Fr. 24'220.50   amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.)

Fr. 8'936.00 unentgeltliche Rechtsverbeiständung der Privatklägerin (inkl. MwSt.)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert 

sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel. 

9. Rechtsanwältin MLaw X._____ wird für ihre Aufwendungen als amtliche Ver-

teidigerin des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 24'220.50 (inkl. 

MwSt.) entschädigt.

10. Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltli-

che Vertreterin der Privatklägerin aus der Gerichtskasse mit Fr. 8'936.– (inkl. 

MwSt.) entschädigt.

-   4   -

11. Die Gerichtsgebühr sowie die weiteren Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 8, 

ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltli-

chen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten 

auferlegt. 

12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsver-

beiständung der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genommen; 

vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO resp. 

Art. 138 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO.

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 115 S. 1)

1. A._____ sei vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind im 

Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie vom Vorwurf der sexuellen Hand-

lungen mit Minderjährigen gegen Entgelt im Sinne von Art. 196 StGB 

freizusprechen.

2. Das Genugtuungsbegehren von B._____ sei vollumfänglich abzuwei-

sen.

3. Es sei A._____ für die zu Unrecht erlittene Haft von 2 Tagen eine Ge-

nugtuung von Fr. 400.– zuzüglich 5 % seit dem 8. August 2022 aus der 

Staatskasse zuzusprechen.

4. Die Kosten des Verfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidi-

gung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung von B._____, 

seien für beide Instanzen vollumfänglich auf die Staatskasse zu neh-

men.

-   5   -

b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich: 

(Urk. 103, schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

________________________________________

Erwägungen:

I. Verfahrensgang

1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete Ur-

teil des Bezirksgerichts Affoltern vom 19. April 2024 liess der Beschuldigte am 

19. April 2024 im Anschluss an die mündliche Urteilseröffnung vor Schranken Be-

rufung anmelden (Prot. I S. 67). Mit Eingabe vom 22. April 2024 liess er die Beru-

fung vorsorglich auch schriftlich anmelden (Urk. 86). Das begründete Urteil wurde 

dem Beschuldigten am 10. Juni 2024 zugestellt (Urk. 96), worauf er mit Eingabe 

vom 27. Juni 2024 fristgerecht die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 

Abs. 3 StPO einreichen liess (Urk. 100).

2. Mit Präsidialverfügung vom 2. Juli 2024 wurde die Berufungserklärung des 

Beschuldigten der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

(nachfolgend: Staatsanwaltschaft) zugestellt und Frist zur Erklärung der An-

schlussberufung oder eines Nichteintretensantrags angesetzt. Dieselbe Frist 

wurde der Privatklägerin angesetzt, um zu erklären, ob sie den Antrag stelle, dass 

dem urteilenden Gericht eine Person gleichen Geschlechts angehöre, sowie ob 

sie für den Fall einer Befragung verlange, von einer Person gleichen Geschlechts 

einvernommen zu werden (Urk. 101). Innert angesetzter Frist erklärte die Staats-

anwaltschaft mit Eingabe vom 4. Juli 2024 ihren Verzicht auf Anschlussberufung, 

beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und ersuchte um Dispen-

sation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung (Urk.103). Letzteres Ge-

such wurde in der Folge bewilligt (vgl. Stempel auf Urk. 103). Die Privatklägerin 

liess mit Eingabe vom 18. Juli 2024 den Verzicht auf Anschlussberufung erklären 

-   6   -

und stellte den Antrag, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege für das Beru-

fungsverfahren zu gewähren und es sei ihr Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ als 

unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen. Des Weiteren teilte sie mit, dass auf 

eine Teilnahme an der Berufungsverhandlung verzichtet werde, sowie dass kein 

Antrag gestellt werde, dass dem urteilenden Gericht eine Person des gleichen 

Geschlechts angehöre (Urk. 104). Mit Präsidialverfügung vom 9. August 2024 

wurde der Privatklägerin mit Wirkung ab dem 18. Juli 2024 die unentgeltliche 

Rechtspflege gewährt und Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ als ihre unentgeltliche 

Rechtsbeiständin bestellt (Urk. 106).

3. Am 15. Oktober 2024 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf 

den 2. Mai 2025 vorgeladen (Urk. 108). Am 29. April 2025 wurde den Parteien 

eine Änderung der Gerichtsbesetzung bekanntgegeben (Urk. 111). Die Beru-

fungsverhandlung fand sodann am 2. Mai 2025 – unter Ausschluss der Publi-

kumsöffentlichkeit – in Anwesenheit des Beschuldigten in Begleitung seiner amtli-

chen Verteidigerin Rechtsanwältin MLaw X._____ statt (Prot. II S. 5). Der Be-

schuldigte liess diverse Beweisanträge sowie die eingangs ausgeführten Beru-

fungsanträge stellen (Prot. II S. 5 f. und S. 11 f.; Urk. 113 und Urk. 115 S. 1).

II. Prozessuales

1. Umfang der Berufung

1.1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft 

des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Das Berufungs-

gericht überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punk-

ten (Art. 404 Abs. 1 StPO).

1.2. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die vorinstanzlichen Ur-

teilsdispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2-3 (Strafe und Vollzug), 4 (lebenslängli-

ches Tätigkeitsverbot), 7 (Genugtuungsbegehren der Privatklägerin) und 

11-12 (Kostenauflage). Konkret beantragt er einen vollumfänglichen Freispruch 

(Urk. 100 S. 1 f.; Urk. 115 S. 1).

-   7   -

1.3. Ausdrücklich unangefochten blieben die Dispositivziffern 5 (Herausgabe be-

schlagnahmter Gegenstände), 6 (Verweisung des Schadenersatzbegehrens der 

Privatklägerin auf den Zivilweg) und 8-10 (Kostenfestsetzung) des vorinstanzli-

chen Urteils. Es ist vorab mittels Beschluss festzustellen, dass das angefochtene 

Urteil des Bezirksgerichts Affoltern vom 19. April 2024 in diesem Umfang in 

Rechtskraft erwachsen ist.

2. Beweisanträge

2.1. Grundsätzlich beruht das Rechtsmittelverfahren auf den Beweisen, die im 

Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind 

(Art. 389 Abs. 1 StPO). Die Rechtsmittelinstanz erhebt von Amtes wegen oder auf 

Antrag einer Partei die erforderlichen zusätzlichen Beweise (Art. 389 Abs. 3 

StPO). Der massgebliche Zeitpunkt für Beweisanträge ist grundsätzlich die Beru-

fungserklärung (vgl. Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO). Drängen sich im weiteren Verlauf 

des Berufungsverfahrens noch zusätzliche Beweisabnahmen auf, sind entspre-

chende Anträge indes zulässig (vgl. JOSITSCH/SCHMID, Schweizerische Strafpro-

zessordnung Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, N 13 zu Art. 399 StPO).

2.2. Die Verteidigung beantragt zunächst – unter Verweis auf ihre vorinstanzli-

chen Plädoyernotizen (Urk. 39; Urk. 66) –, der der Privatklägerin am 24. Juni 

2021 durch die Kantonspolizei Zürich vorgehaltene Ausschnitt aus Google Maps 

sei aktenkundig zu machen. Zur Begründung führt sie an, gemäss Polizeirapport 

vom 20. Dezember 2021 sei der Privatklägerin dieser Kartenausschnitt anlässlich 

ihrer Einvernahme vorgelegt worden (vgl. Urk. 1/1 S. 9). Da dieses Dokument in 

den Akten fehle, sei der Polizeirapport weder überprüfbar noch nachvollziehbar. 

Zudem sei der Kartenausschnitt erforderlich, um die Angaben der Privatklägerin 

zu überprüfen (Urk. 113 S. 1; vgl. auch Urk. 115 Rz. 20).

Die Vorinstanz hat diesen Beweisantrag abgewiesen mit der Begründung, der 

Kartenausschnitt habe anlässlich der Befragung der Privatklägerin lediglich der 

besseren Orientierung sowie Veranschaulichung des Bahnhofplatzes in C._____ 

gedient (Urk. 98 S. 8). Diesen Ausführungen kann vollumfänglich gefolgt werden. 

Der Polizeirapport vom 20. Dezember 2021 hält diesbezüglich nachvollziehbar 

-   8   -

fest, ausgehend von der Angabe der Privatklägerin (in ihrer Videoeinvernahme 

vom 17. Mai 2021), sie habe den "Freier 3" gegenüber dem Bahnhof C._____ ge-

troffen und dieser habe bei einer dort befindlichen Bank am Bankomaten einen 

Geldbezug ausgeführt (vgl. Urk. 6/8 S. 28), sowie vom Umstand, dass in der un-

mittelbaren Bahnhofsregion vier Bankinstitute ansässig seien, welche über Ban-

komaten verfügen, sei der Privatklägerin die Frage gestellt worden, bei welcher 

Bank in C._____ der damalige Geldbezug getätigt worden sei. Die Privatklägerin 

habe dann gestützt auf den ihr vorgehaltenen Ausschnitt aus Google Maps ohne 

zu Zögern die Filiale der D._____ an der E._____-strasse 1 in C._____ als Ort 

des Geldbezugs bezeichnet. Dieses Vorgehen habe dazu gedient, die Menge der 

zahlreichen Geldbezüge einzugrenzen, um eine gezielte Überprüfung der Bezüge 

zu ermöglichen. Ausserdem habe die weitere Angabe der Privatklägerin, wonach 

man auf der E._____-strasse bis zum Seitensprungzimmer weitergelaufen sei, mit 

der Annahme korrespondiert, bei dem vor ihr bezeichneten Tatort handle es sich 

um das sog. Seitensprungzimmer an der F._____-strasse 2 in C._____ 

(vgl. Urk. 1/1 S. 9). Der Polizeirapport enthält damit eine klare und ordnungsge-

mässe Dokumentation des Vorgehens der Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit. Das 

Vorbringen der Verteidigung, der Rapport entbehre ohne den Kartenausschnitt ei-

ner Grundlage, ist unbegründet. Entscheidend sind die darin enthaltenen Ermitt-

lungsergebnisse und nicht das Hilfsmittel, das hier lediglich zur Veranschauli-

chung eingesetzt wurde. Der Kartenausschnitt selbst enthält mithin keine eigen-

ständige Beweisinformation, die über das bereits Dokumentierte hinausgeht. Im 

Übrigen handelt es sich bei Google Maps um ein allgemein zugängliches Hilfsmit-

tel, das jederzeit eigenständig konsultiert werden kann. Die Bahnhofsregion in 

C._____ ist öffentlich einsehbar, sodass auch ohne den konkreten Kartenaus-

schnitt eine Überprüfung der Darstellung möglich ist. Eine Aktenkundigmachung 

ist daher entbehrlich, zumal der Kartenauszug keine weitergehenden Erkennt-

nisse vermittelt. Da die beantragte Beweisergänzung – wie nachfolgend aufge-

zeigt wird – überdies weder zur Sachverhaltsaufklärung erforderlich noch ent-

scheidungserheblich ist, besteht keine Veranlassung, den Google-Maps-Aus-

schnitt zu den Akten zu nehmen. Der Beweisantrag der Verteidigung ist daher ab-

zuweisen.

-   9   -

2.3. Des Weiteren beantragt die Verteidigung – unter Verweis auf ihre vor

instanzlichen Plädoyernotizen (vgl. Urk. 39; Urk. 66) –, die im Polizeirapport vom 

20. Dezember 2021 nicht namentlich genannten vier Bankinstitute seien zu be-

zeichnen und aktenkundig zu machen und bei diesen sei abzuklären, welche 

Geldbezüge am Samstag, 17. April 2021, im Zeitraum von 11.40 Uhr bis 

13.30 Uhr getätigt worden seien (Urk. 113 S. 1; Urk. 115 Rz. 20).

Der von der Verteidigung in diesem Zusammenhang vorgebrachte Vorwurf, die 

Polizei sei durch selektive Ermittlungen auf den Beschuldigten gestossen (Urk. 71 

Rz. 59; Urk. 9), erweist sich als unbegründet. Wie bereits oben dargelegt 

(vgl. Ziff. 2.2), basierten die Ermittlungen der Polizei auf der konkreten Aussage 

der Privatklägerin, welche die Filiale der D._____ an der E._____-strasse 1 in 

C._____ als den Ort des Geldbezugs bezeichnete. Aufgrund dieser eindeutigen 

Identifikation bestand keine Veranlassung, die Ermittlungen auf sämtliche Bankin-

stitute in der Umgebung auszudehnen. Die Vorinstanz wies zudem zutreffend dar-

auf hin, dass durch selbständige Konsultation von Google Maps jederzeit nach-

vollzogen werden kann, welche Bankinstitute in der fraglichen Region ansässig 

sind (vgl. Urk. 98 S. 9). Namentlich trifft dies auf die D._____, die G._____, die 

H._____ und die I._____ zu, welche sich allesamt in unmittelbarer Nähe zum 

J._____ [Platz] in C._____ befinden – was im Übrigen auch die Verteidigung an-

gesichts des von ihr eingereichten Kartenausschnitts feststellen konnte (vgl. 

Urk. 67/1). Die von ihr zusätzlich angeführte K._____ (vgl. Urk. 67/1; Urk. 71 

Rz. 52) liegt dagegen deutlich weiter entfernt und befindet sich weder in unmittel-

barer Nähe zum Bahnhof noch zum mutmasslichen Tatort. Eine zusätzliche Ak-

tenkundigmachung der Informationen hinsichtlich der im Polizeirapport erwähnten 

vier Bankinstitute ist daher nicht erforderlich. Darüber hinaus würde eine umfas-

sende Abklärung aller Geldbezüge bei sämtlichen in Frage kommenden Bankin-

stituten nicht nur einen erheblichen Aufwand nach sich ziehen, ergibt sich doch 

aus dem Polizeirapport vom 20. Dezember 2021, dass gemäss Anfrage bei den 

vier sich in der unmittelbaren Bahnhofsregion befindenden Banken zahlreiche 

Geldbezüge in die fragliche Zeit fallen würden (Urk. 1/1 S. 9). Ausserdem stünde 

eine solche Abklärung in einem offensichtlichen Missverhältnis zur Relevanz der 

zu gewinnenden Informationen. Entscheidend ist letztlich, dass die Privatklägerin 

-   10   -

den Beschuldigten im weiteren Verlauf des Verfahrens eindeutig identifizieren 

konnte (vgl. dazu unten Erw. III.5.3.2), was die polizeiliche Ermittlungsrichtung 

weiter bestätigte. Der Vorwurf selektiver Ermittlungen entbehrt daher jeder Grund-

lage. Die Polizei verfolgte vielmehr eine nachvollziehbare, auf einer konkreten 

Aussage beruhende Spur, die sich durch nachfolgende Ermittlungsergebnisse be-

stätigte. Eine Ausweitung der Untersuchung war unter diesen Umständen weder 

geboten noch verhältnismässig. Wie dargelegt, besteht auch im Berufungsverfah-

ren kein Anlass für eine entsprechende Beweisergänzung. Der Beweisantrag der 

Verteidigung ist daher abzuweisen.

2.4. Die Verteidigung beantragt ferner – unter Verweis auf ihre vorinstanzlichen 

Plädoyernotizen (vgl. Urk. 66) –, es sei abzuklären, welche Geldbezüge am 

17. April 2021 im Zeitraum von 11.40 Uhr bis 13.30 Uhr bei der I._____, 

J._____ 3, C._____, getätigt worden seien (Urk. 113 S. 1; Urk. 115 Rz. 20).

Auch dieser Antrag erweist sich als unbegründet. Massgeblich ist, dass die Privat-

klägerin ausdrücklich angegeben hat, der "Freier 3" habe den Geldbezug bei der 

Filiale der D._____ in C._____ vorgenommen. Diese Aussage wurde im Rahmen 

der Ermittlungen als glaubhaft eingestuft (vgl. dazu unten Erw. III.5.1.10) und 

führte – in Kombination mit weiteren Beweismitteln sowie Indizien – zur späteren 

Identifikation des Beschuldigten als "Freier 3". Vor diesem Hintergrund besteht 

keine Veranlassung, zusätzliche Abklärungen zu Geldbezügen bei der I._____ 

vorzunehmen. Der Beweisantrag der Verteidigung ist daher abzuweisen.

2.5. Schliesslich beantragt die Verteidigung – unter Verweis auf ihre vorinstanzli-

chen Plädoyernotizen (vgl. Urk. 66) –, L._____, M._____, N._____, O._____ und 

eventuell weitere Personen seien parteiöffentlich einzuvernehmen (Urk. 113 S. 1).

Mit der Vorinstanz ist nicht ersichtlich, inwiefern die Aussagen dieser Personen für 

die Sachverhaltserstellung von Bedeutung sein sollen. Gegenstand des Strafver-

fahrens ist ausschliesslich der Vorwurf sexueller Handlungen mit der minderjähri-

gen Privatklägerin, welche sich gemäss Anklageschrift am 17. April 2021 im Sei-

tensprungzimmer an der F._____-strasse 2 in C._____ ereignet haben sollen. Der 

Anklagesachverhalt stützt sich dabei im Wesentlichen auf die Aussagen der Pri-

-   11   -

vatklägerin. Die Verteidigung legt weder dar noch ist ersichtlich, welche konkreten 

Erkenntnisse von der Einvernahme der von ihr benannten Personen zu erwarten 

wären. Insbesondere lässt sich kein Anhaltspunkt dafür finden, dass die Aussa-

gen dieser Personen geeignet wären, den – wie noch aufzuzeigen sein wird – als 

glaubhaft zu würdigenden und durch weitere Beweise gestützten Sachverhalt zu 

entkräften oder wesentlich zu relativieren. Eine Einvernahme der genannten Per-

sonen würde daher keinen entscheidungserheblichen Erkenntnisgewinn verspre-

chen und ist aus prozessökonomischen wie auch rechtlichen Gründen nicht ange-

zeigt. Der Beweisantrag der Verteidigung ist daher abzuweisen.

2.6. "Rein vorsorglich" beantragt die Verteidigung im Berufungsverfahren, es sei 

das vollständige Sex-Video von der Privatklägerin mit P._____ beizuziehen 

(Urk. 113 S. 1; vgl. auch Urk. 115 Rz. 21). Auf diesen Beweisantrag ist nachfol-

gend im Rahmen der Beweiswürdigung näher einzugehen (vgl. unten 

Erw. III.5.3.3).

2.7. Ferner verlangt die Verteidigung die Vornahme weitergehender Abklärungen 

zu den persönlichen Verhältnissen der Privatklägerin. Zur Begründung macht sie 

geltend, deren psychischer Zustand sei instabil, was auf ihre diversen traumati-

schen Erlebnisse zurückzuführen sei. Deshalb könnten Falschbezichtigungen und 

insbesondere das Wirken von Fremdeinflüssen sowie von psychopathologischen 

Prozessen auf die belastenden Aussagen der Privatklägern nicht ausgeschlossen 

werden (Urk. 115 Rz. 22).

Grundlage für eine aussagepsychologische Bewertung der Schilderungen der Pri-

vatklägerin ist deren Aussagetüchtigkeit. Diese setzt unter anderem voraus, dass 

die betreffende Person adäquat eine Situation wahrnehmen und über einen län-

geren Zeitraum speichern sowie diese Wahrnehmung weitgehend selbständig in 

allen aussagerelevanten Zeitpunkten wieder abrufen kann. Grundsätzlich wird die 

Voraussetzung der Aussagetüchtigkeit in der Mehrzahl der Fälle von der jeweils 

aussagenden Person erfüllt (vgl. Einführung in die Aussagepsychologie – Wie 

können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern und Staatsanwälten hel-

fen?, in: LUDEWIG/BAUMER/TAVOR [Hrsg.], Aussagepsychologie für die Rechtspra-

xis, Zürich/St. Gallen 2017, S. 53 ff.). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-

-   12   -

chung drängt sich bei der Beurteilung der Aussagetüchtigkeit eine Begutachtung 

durch eine sachverständige Person nur bei besonderen Umständen auf. Dies ist 

etwa der Fall, wenn schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkinds zu be-

urteilen sind, bei Anzeichen ernsthafter geistiger Störungen, welche die Aussage-

ehrlichkeit des Zeugen beeinträchtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür 

bestehen, dass der Zeuge durch Drittpersonen beeinflusst wird (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_681/2012 vom 12. März 2013 E. 3.2; BGE 129 IV 179 E. 2.4; 

BGE 128 I 81 E. 2 S. 86). Dem Gericht steht bei der Frage, ob aufgrund der kon-

kreten Umstände eine Begutachtung notwendig ist, ein Ermessensspielraum zu 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_441/2013 vom 4. November 2013 E. 6.5.2).

Vorliegend liegen keine derartigen besonderen Umstände vor. Die Privatklägerin 

war zum Zeitpunkt ihrer Befragungen knapp 15 bzw. bereits 16 Jahre alt und mit-

hin kein Kleinkind mehr. Es ist daher bereits aufgrund ihres Alters davon auszuge-

hen, dass sie in der Lage war, die Bedeutung und die Tragweite ihrer Aussagen 

zu erkennen. Zudem wurde sie von der befragenden Kriminalpolizistin altersge-

recht über die Konsequenzen einer falschen Anschuldigung belehrt. Darüber hin-

aus gibt es auch keine Anzeichen, dass die Privatklägerin geistig-intellektuell die 

gravierende Bedeutung ihrer Aussagen nicht verstand. Sämtliche Einvernahmen 

erfolgten unter Beizug einer psychologisch geschulten Fachperson. Die von die-

ser verfassten Berichte (Urk. 6/2; Urk. 6/6; Urk. 6/11) bestätigen den durchwegs 

stabilen psychischen Zustand der Privatklägerin während den jeweiligen Befra-

gungen. Auch aus den Videoaufzeichnungen ergeben sich keine Anzeichen für 

eine eingeschränkte Aussagetüchtigkeit: Die Privatklägerin wirkt darin orientiert, 

konzentriert und beantwortet die gestellten Fragen ohne erkennbare Auffälligkei-

ten in ihrer Kommunikation oder ihrem Verhalten. Schliesslich fehlen jegliche kon-

kreten Hinweise darauf, dass die Aussagen der Privatklägerin durch äussere Ein-

flüsse verfälscht worden sein könnten. Insbesondere ergeben sich aus den Akten 

keine Anhaltspunkte dafür, dass Dritte – wie etwa Personen aus dem persönli-

chen Umfeld der Privatklägerin – auf deren Aussageverhalten eingewirkt oder sie 

zur Belastung des Beschuldigten veranlasst hätten. Es ist somit von der Aussage-

tüchtigkeit der Privatklägerin auszugehen. Die von der Verteidigung geforderte 

-   13   -

Vornahme von Abklärungen zu den persönlichen Verhältnissen der Privatklägerin 

drängt sich daher nicht auf. Der Antrag ist entsprechend abzuweisen.

3. Anklageprinzip

3.1. Die Verteidigung bringt vor, das Anklageprinzip sei verletzt, da in der Ankla-

geschrift nicht konkret benannt werde, wer der "Vermittler/Zuhälter" der Privatklä-

gerin gewesen sein soll (Urk. 71 Rz. 32).

3.2. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und 325 StPO; Art. 29 

Abs. 2 sowie Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Ge-

mäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst kurz, aber 

genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von 

Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Die Anklage hat die der be-

schuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu 

umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend 

konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidi-

gungsrechte der beschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtli-

ches Gehör (Informationsfunktion; BGE 149 IV 128 E. 1.2; BGE 144 I 234 

E. 5.6.1; BGE 143 IV 63 E. 2.2; je mit Hinweisen). Die beschuldigte Person muss 

aus der Anklage ersehen können, was ihr konkret vorgeworfen wird, damit sie ihre 

Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann. Entscheidend ist, dass sie ge-

nau weiss, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten 

rechtlich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten 

kann (Urteil des Bundesgerichts 7B_256/2024, 7B_347/2024 vom 17. Februar 

2025 E. 3.5 mit weiteren Hinweisen).

3.3. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat (vgl. Urk. 98 S. 41), geht es im 

vorliegenden Fall nicht um die Identität eines etwaigen Zuhälters, sondern einzig 

um den konkreten Vorfall vom 17. April 2021. Die Anklage beschreibt hierzu prä-

zise, dass sich die Privatklägerin an diesem Tag mit einem Freier – dem Beschul-

digten – am Bahnhof in C._____ getroffen und ihm mitgeteilt habe, dass sie 

14 Jahre alt sei. Anschliessend sei sie mit ihm in ein Seitensprungzimmer, in dem 

-   14   -

es zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Im Anschluss an die sexuellen Hand-

lungen habe der Beschuldigte der Privatklägerin als Gegenleistung für diese die 

vereinbarten Fr. 800.– übergeben (Urk. 21 S. 2-4). Die Erwähnung eines "Vermitt-

lers/Zuhälters" im Zusammenhang mit der dem Treffen vorausgehenden Kommu-

nikation des Beschuldigten, der von diesem mitgeteilt bekommen habe, dass die 

Privatklägerin 18 Jahre alt sei, ist nicht von entscheidender Bedeutung für die An-

klage, sondern lediglich ein zusätzlicher Umstand, der im Übrigen zugunsten des 

Beschuldigten berücksichtigt wird. Der Anklagevorwurf bezieht sich ausschliess-

lich auf das konkrete Treffen und die im Seitensprungzimmer stattgefundenen 

Handlungen. Diese werden in der Anklage hinreichend detailliert beschrieben, so-

dass der Beschuldigte jederzeit nachvollziehen konnte, welches Verhalten ihm zur 

Last geworfen wird. Es ist weder erforderlich noch geboten, dass in der Anklage-

schrift der "Vermittler/Zuhälter" der Privatklägerin konkret benannt wird. Die Ver-

teidigung kann zudem keine konkrete Beeinträchtigung der Verteidigungsrechte 

des Beschuldigten darlegen. Der Beschuldigte konnte sich somit effektiv gegen 

die ihm zur Last gelegten Vorwürfe zur Wehr setzen und seine Verteidigungs-

rechte angemessen ausüben. Das Anklageprinzip ist somit nicht verletzt. 

4. Weitere prozessuale Vorbemerkungen

4.1. Nachdem einzig der Beschuldigte Berufung erhoben hat, gilt das Verbot der 

"reformatio in peius", d.h. das erstinstanzliche Urteil kann grundsätzlich nicht zum 

Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden (Art. 391 Abs. 2 StPO). Eine Aus-

nahme besteht allerdings dort, wo aufgrund von Tatsachen, die dem erstinstanzli-

chen Gericht nicht bekannt sein konnten, eine strengere Strafe in Frage kommt 

(a.a.O. letzter Satz).

4.2. Sodann ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende In-

stanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes 

einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Das Berufungsgericht kann 

sich auf die für seinen Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken 

(BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 2.5 mit Hinweisen). Ein unver-

hältnismässiger Motivationsaufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso we-

-   15   -

nig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Ant-

wort auf jedes Argument gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer Urteil des Bun-

desgerichts 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2 mit Hinweisen). Ferner 

kann das Gericht zur Begründung im Folgenden auf Erwägungen der Vorinstanz 

im angefochtenen Entscheid verweisen, soweit es diese als zutreffend erachtet 

(Art. 82 Abs. 4 StPO; vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 6B_570/2019 vom 

23. September 2019 E. 4.2, mit weiteren Hinweisen, sowie NYDEGGER, Der Ver-

weis auf die Entscheidbegründung der Vorinstanz gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO, 

recht 2021, S. 15 ff.). Dies, zumal das strafrechtliche Berufungsverfahren keine 

Wiederholung des erstinstanzlichen Erkenntnisverfahrens darstellt und das Beru-

fungsgericht auch keine Erstinstanz ist; vielmehr knüpft das Berufungsverfahren 

an das erstinstanzliche Verfahren an und baut darauf auf (vgl. dazu Urteile des 

Bundesgerichts 7B_15/2021 vom 19. September 2023 E. 4.2.2; 7B_11/2021 vom 

15. August 2023 E. 5.2; 6B_931/2021 vom 15. August 2022 E. 3.2; 7B_293/2022 

vom 6. Januar 2024 E. 2.2.1).

III. Schuldpunkt

1. Anklagevorwurf

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 6. September 2023 zusam-

mengefasst vorgeworfen, am 17. April 2021 in C._____ mit der minderjährigen 

Privatklägerin, geboren am tt.mm.2006, sexuelle Handlungen vorgenommen zu 

haben, obwohl er gewusst habe, dass sie erst 14 Jahre alt war. Der Beschuldigte 

habe sich mit der Privatklägerin am Bahnhof in C._____ getroffen, nachdem er irr-

tümlich angenommen habe, zuvor direkt mit ihr über die Konditionen des Treffens 

– u.a. auch, dass "harter" Sex (sado-masochistische Praktiken) erwünscht sei – 

gechattet zu haben. Tatsächlich habe er aber mit einem Vermittler/Zuhälter kom-

muniziert, der sich als die Privatklägerin ausgegeben und behauptet habe, sie sei 

18 Jahre alt. Die Privatklägerin selbst habe keine Kenntnis von diesen "Vereinba-

rungen" gehabt. Um 12.34 Uhr habe der Beschuldigte in C._____ in Begleitung 

der Privatklägerin an einem Bankomaten der D._____ Fr. 1'000.– in bar abgeho-

ben, um damit später die sexuellen Dienstleistungen der Privatklägerin zu bezah-

-   16   -

len. Bei dieser Gelegenheit habe die Privatklägerin dem Beschuldigten mitgeteilt, 

dass sie nicht 18 Jahre alt, sondern 14 bzw. bald 15 Jahre alt sei. Trotz dieser 

Kenntnis habe sich der Beschuldigte mit ihr in ein eigens dafür reserviertes "Sei-

tensprungzimmer" in der Liegenschaft an der F._____-strasse 2 in C._____ bege-

ben und dort von ca. 12.40 Uhr bis 13.30 Uhr diverse sexuelle Handlungen mit ihr 

vorgenommen: Küssen, Zungenküsse, nackt Ausziehen, mehrmaliger vaginaler 

Geschlechtsverkehr, dazwischen auch Schläge mit der flachen Hand gegen di-

verse Körperstellen, wie das Gesicht, die Brüste, das Gesäss, die Beine etc., und 

Würgen. Während die sexuellen Handlungen zunächst einvernehmlich stattgefun-

den hätten, habe die Privatklägerin im Verlauf dieser sexuellen Handlungen auf-

zuzeigen versucht, dass sie mit den Gewaltanwendungen nicht einverstanden sei. 

Der Beschuldigte habe dies jedoch nicht realisiert, da er aufgrund seiner vorgän-

gigen "Vereinbarungen" davon ausgegangen sei, dass dies "Teil des Spiels" sei. 

Im Anschluss an diese sexuellen Handlungen habe er der Privatklägerin die ver-

einbarten Fr. 800.– gezahlt (Urk. 21 S. 2-4).

2. Ausgangslage / Standpunkt des Beschuldigten

2.1. Der Beschuldigte hat den Anklagesachverhalt nicht anerkannt. Namentlich 

bestreitet er seine Täterschaft. Er stellt zwar nicht in Abrede, bereits mehrere 

Male im Seitensprungzimmer in der Liegenschaft an der F._____-strasse 2 in 

C._____ gewesen zu sein und dort mit diversen Frauen Geschlechtsverkehr ge-

habt zu haben, sowie dass er am im Anklagesachverhalt erwähnten Bankomaten 

Bargeld bezogen habe. Insbesondere sei es sehr gut möglich, dass er am 

17. April 2021 am besagten Bankomaten Bargeld abgehoben habe und in diesem 

Zimmer gewesen sei. Allerdings habe er sich nie mit einer minderjährigen Frau 

getroffen, geschweige denn Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen gehabt. 

Auch sei er stets allein, wenn er Bargeld am Bankomaten abhebe (Urk. 5/2 

F/A 6 f., 15, 17, 24, 27, 29, 62; Urk. 5/3 F/A 31; vgl. auch Urk. 71 Rz. 30 und 49).

2.2. Dass der Beschuldigte tatsächlich am 17. April 2021 zwischen 12.33 Uhr 

und 12.34 Uhr an einem Bankomaten der D._____ in C._____ Bargeld – konkret 

im Betrag von Fr. 1'000.– (5 Banknoten à Fr. 200.–) – bezogen hat, ergibt sich 

auch aus den Akten (Urk. 8/3; Urk. 8/5; Urk. 8/7). Weiter ist erstellt, dass die Pri-

-   17   -

vatklägerin sich ebenfalls am 17. April 2021 im tatrelevanten Zeitrahmen in 

C._____ aufhielt (Urk. 11/9). Es steht somit fest, dass sich der Beschuldigte und 

die Privatklägerin am 17. April 2021 ungefähr zur selben Zeit in C._____ aufhiel-

ten, was auch die Verteidigung des Beschuldigten als unbestritten anerkennt (vgl. 

Urk. 71 Rz. 30). Im Übrigen bleibt der Anklagesachverhalt bestritten und es ist 

nachfolgend zu prüfen, ob die dem Beschuldigten vorgeworfenen Tathandlungen 

anhand der im Recht liegenden Beweismittel mit rechtsgenügender Sicherheit 

nachgewiesen werden können.

3. Beweismittel

3.1. Übersicht

3.1.1. Zur Erstellung des bestrittenen Sachverhalts dienen im Wesentlichen die 

Aussagen des Beschuldigten selbst – soweit er sich zur Sache geäussert hat – 

(Urk. 5/1-3; Prot. I S. 12 ff.) und diejenigen der Privatklägerin (Urk. 6/3-4; Urk. 6/7-

8; Urk. 6/12-13), wobei sich die Anklage in erster Linie auf die Aussagen Letzterer 

stützt. Daneben liegen jeweils polizeiliche und psychologische Berichte zu den Vi-

deobefragungen der Privatklägerin als Beweismittel vor (Urk. 6/1-2; Urk. 6/5-6; 

Urk. 6/9 und Urk. 6/11). Ferner liegen die Aktennotiz betreffend die Meldung der 

Eltern der Privatklägerin an die Jugendanwaltschaft Winterthur, das Schreiben der 

Privatklägerin vom 12. Mai 2021 zuhanden der Kantonspolizei Zürich sowie die 

Fotowahlbildkonfrontation bei den Akten (Urk. 4/2; Urk. 4/4; Urk. 6/10). Des Wei-

teren stehen der Extraktionsbericht betreffend den Chat mit dem Beschuldigten 

und die edierten Bankunterlagen als Beweismittel zur Verfügung (Urk. 2/3; 

Urk. 8/1-8). Sodann sind die Ermittlungsergebnisse im Zusammenhang mit dem 

Mobiltelefon der Privatklägerin inkl. Datenauswertungsberichte in die Beweiswür-

digung miteinzubeziehen (Urk. 9/5; Urk. 11/1-9). Zudem sind als Beweismittel die 

bei den Akten liegenden Polizeirapporte und -berichte sowie die polizeilichen Ab-

klärungen zum Tatort samt Fotodokumentation heranzuziehen (Urk. 1/1-2; 

Urk. 1/4; Urk. 2/2; Urk. 4/1). Ausserdem wurde der damalige Vermieter des Sei-

tensprungzimmers an der F._____-strasse 2 in C._____ Q._____ von der Polizei 

als Auskunftsperson und vor Vorinstanz als Zeuge einvernommen (Urk. 7; Prot. I 

S. 37 ff.). Schliesslich ist, wie bereits erwähnt, im Rahmen der Beweiswürdigung 

-   18   -

auch auf das bei den Akten liegende und aus einem anderen Verfahren beigezo-

gene Sex-Video der Privatklägerin und einer männlichen Person (Urk. 3/1) einzu-

gehen.

3.1.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Parteien umfassend und ausführlich 

wiedergegeben und die weiteren Beweismittel dargestellt (Urk. 98 S. 20-35). Auf 

diese Erwägungen kann zur Vermeidung von unnötigen Wiederholungen vollum-

fänglich verwiesen werden. Auf die einzelnen Aussagen der verschiedenen Per-

sonen sowie auf die weiteren zur Verfügung stehenden Beweismittel ist nachfol-

gend daher nur noch ergänzend bzw. konkretisierend einzugehen.

3.2. Zur Verwertbarkeit der Beweismittel

3.2.1. Wie eingangs erwähnt, beanstandet die Verteidigung, die vorliegenden Er-

mittlungsergebnisse seien selektiv und nur zufällig generiert worden. Die Strafver-

folgungsbehörden hätten strafprozessuale Grundsätze und Regeln ignoriert und 

den Eindruck erweckt, den Beschuldigten um jeden Preis verurteilen zu wollen. 

Sie hätten sich bezüglich des "Freiers 3", den sie in der Person des Beschuldigten 

erkennen wollen, völlig verrannt. Weiter wirft sie den Strafverfolgungsbehörden 

vor, allgemein zentrale Beweismittel zurückgehalten zu haben. Nicht nur die Ak-

ten zur Durchsuchung des Mobiltelefons der Privatklägerin, sondern auch die Er-

mittlungen zum dritten Treffen bzw. "Freier 3" seien lückenhaft und unvollständig. 

Die Verteidigung machte insbesondere bereits vor Vorinstanz geltend, es seien 

sämtliche Beweise und Folgebeweise im Zusammenhang mit den Bankabklärun-

gen gegen den Beschuldigten unverwertbar. Namentlich sei der Polizeirapport 

vom 20. Dezember 2021 nicht verwertbar, da der rapportierende Polizeibeamte 

nicht als Zeuge unter Gewährung des Konfrontationsrechts- und Teilnahmerechts 

einvernommen worden sei. Des Weiteren sei dem Konfrontationsrecht nach Art. 6 

Ziff. 3 lit. d EMRK nicht genügend Rechnung getragen worden, nachdem die Pri-

vatklägerin die Bezeichnung der D._____ als Ort des Geldbezugs weder anläss-

lich ihrer parteiöffentlichen Einvernahme vom 20. Februar 2023 wiederholt noch 

dort in Anwesenheit des Beschuldigten einen Namen der Bank genannt habe 

(Urk. 71 Rz. 20-22 und 57-59; Urk. 115 Rz. 13 ff.). Anlässlich der Berufungsver-

handlung beanstandete die Verteidigung zusätzlich, dass auch die Einvernahme 

-   19   -

der Privatklägerin vom 17. Mai 2021 unverwertbar sei, da dem Beschuldigten 

keine Parteirechte gewährt worden seien. Dies gelte umso mehr, als die Privatklä-

gerin sich bei der Befragung vom 20. Februar 2023 in Anwesenheit des Beschul-

digten nicht nochmals frei und unbeeinflusst zur Sache geäussert, sondern nur 

auf konkret gestellte Fragen geantwortet habe. Im Ergebnis habe bei der Einver-

nahme der Privatklägerin vom 20. Februar 2023 keine hinreichende Konfrontation 

des Beschuldigten mit der Privatklägerin stattgefunden, wodurch es dem Beschul-

digten verunmöglicht worden sei, seine Verteidigungsrechte wirksam wahrzuneh-

men (Urk. 115 Rz. 35-37). Schliesslich machte die Verteidigung auch eine Unver-

wertbarkeit des Schreibens der Privatklägerin vom 12. Mai 2021 an die Polizei 

(Urk. 4/4) geltend. Dieses sei nach der abgebrochenen Einvernahme vom 11. Mai 

2021 verfasst worden, womit die künftigen Aussagen der Privatklägerin festgelegt 

worden seien (Urk. 115 Rz 43).

3.2.1.1 Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von 

Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig 

sind (Art. 139 Abs. 1 StPO). Beweismittel sind unter anderem die von den Straf-

behörden zusammengetragenen Akten (Art. 100 Abs. 1 lit. b StPO). Die Polizei ist 

eine Strafverfolgungsbehörde (Art. 12 lit. a und Art. 15 StPO). Zu den erwähnten 

Akten gehört der Polizeirapport. Dieser ist ein zulässiges Beweismittel, auch wenn 

ihm nicht der Beweiswert einer formellen Befragung zukommt (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_998/2020 vom 5. Januar 2021 E. 5.2 mit Verweis auf 6B_1057/2013 

vom 19. Mai 2014 E. 2.3).

3.2.1.2 Vorab kann festgehalten werden, dass die Rüge der Verteidigung, der Po-

lizeirapport vom 20. Dezember 2021 sei nicht verwertbar, einer nachvollziehbaren 

Grundlage entbehrt. Der Beweiswert dieses Polizeirapports beschränkt sich vor-

liegend auf die sachliche Dokumentation des Vorgehens der Polizei bei ihrer Er-

mittlungsarbeit. Er enthält dagegen keine eigenen Wahrnehmungen des rappor-

tierenden Polizeibeamten R._____. Wie bereits vorstehend unter Erw. II.2.2 ein-

gehend dargelegt, erfolgte diese Dokumentation im Rapport sowohl nachvollzieh-

bar als auch ordnungsgemäss. So wird darin zunächst die Ausgangslage des vor-

liegenden Falles (Aktion "S._____") geschildert und festgehalten, dass es sich 

-   20   -

beim entsprechenden Rapport um den Anzeigerapport betreffend den dritten Vor-

fall ("Treffen 3") gegen die dritte unbekannte Person ("Freier 3") handelt (Urk. 1/1 

S. 2 f und S. 7). Anschliessend wird – gestützt auf die Befragung der Privatkläge-

rin vom 17. Mai 2021 – deren aus Sicht der Polizei tatbestandsrelevanten und 

ausschliesslich den Vorfall bezüglich den "Freier 3" betreffenden Aussagen wie-

dergegeben, dies jedoch unter Hinweis, dass es sich nicht um eine abschlies-

sende Wiedergabe handle und dass auf den Videobericht und die DVDs verwie-

sen werde (Urk. 1/1 S. 3-6). Weiter dokumentiert der Rapport die konkreten Er-

mittlungsansätze zur Identifikation des tatverdächtigen "Freiers 3" (vgl. dazu ins-

besondere Urk. 1/1 S. 7-10). Diese Angaben basieren im Wesentlichen auf den 

bei den Akten befindlichen Beweismitteln. Sodann fehlt es an einer hinreichenden 

Begründung durch die Verteidigung, weshalb sämtliche Beweise im Zusammen-

hang mit den Bankabklärungen nicht verwertbar sein sollten. Wenn sie etwa gel-

tend macht, dass die Privatklägerin gemäss Polizeirapport ohne zu zögern "nach 

kurzer Orientierung" angeblich auf die Filiale der D._____ gezeigt habe, was 

heisse, sie sei von der Polizei "beeinflusst" worden (Urk. 71 Rz. 56), übersieht sie, 

dass der Beschuldigte im damaligen Zeitpunkt noch gar nicht als tatverdächtig 

galt. Es ist nicht ersichtlich, wie die Polizei zu jenem Zeitpunkt auf die Privatkläge-

rin hätte Einfluss nehmen sollen, wusste sie doch noch gar nicht, welche Erkennt-

nisse sich aus den später zu edierenden Bankunterlagen ergeben würden. Ent-

scheidend ist vorliegend, dass die Ermittlungen auf der – im damaligen Verfahren 

gegen unbekannte Täterschaft – erfolgten Angabe der Privatklägerin basierten, 

welche die D._____ als Ort des Geldbezugs bezeichnete. Weshalb dies suspekt 

sein soll – so die Verteidigung (Urk. 71 Rz. 56) –, erschliesst sich dem Gericht 

nicht. Diese Beweiserhebung erfolgte – wie von der Vorinstanz zutreffend erkannt 

(vgl. Urk. 98 S. 13) –, als das Verfahren noch nicht gegen den Beschuldigten ge-

richtet war, sondern gegen Unbekannt geführt wurde. Folglich war der Beschul-

digte zum damaligen Zeitpunkt noch nicht Partei in diesem Verfahren, womit ihm 

auch kein Teilnahmerecht an der Beweiserhebung zukam (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1320/2020 vom 12. Januar 2022 E. 4.4.1 mit weiterem Hinweis). Eine 

allfällige Verletzung von Art. 147 Abs. 1 StPO ist damit nicht erkennbar. Ausser-

-   21   -

dem wurden dem Beschuldigten im Rahmen seiner Einvernahmen die Ermitt-

lungsergebnisse vorgehalten (vgl. Urk. 5/2 F/A 4; Urk. 5/3 F/A 13; Prot. I S. 18).

3.2.1.3 Bezüglich der Einvernahme der Privatklägerin vom 20. Februar 2023 ist 

festzuhalten, dass diese zwar inhaltlich an die frühere Befragung vom 17. Mai 

2021 anknüpft. Entgegen der Kritik der Verteidigung lassen sich jedoch keine An-

haltspunkte für eine suggestive Befragung erkennen. Zwar wurde die Privatkläge-

rin nicht ausdrücklich aufgefordert, das fragliche Treffen mit dem "Freier 3" noch-

mals frei zu schildern. Allerdings dürfen – insbesondere unter Berücksichtigung 

des Umstands, dass es sich um die Befragung einer Minderjährigen handelt – 

nicht allzu hohe Anforderungen an die Befragungsart gestellt werden. Entschei-

dend ist nämlich, dass die gestellten Fragen von der einvernehmenden Polizeibe-

amtin in einer Art und Weise gestellt wurden, dass die Privatklägerin in freier Aus-

führung darauf antworten konnte. Sie liessen mithin Raum für freie, nicht vorge-

formte Antworten und ermöglichten somit eine authentische Aussagewiedergabe. 

Das Konfrontationsrecht wurde zudem umfassend gewahrt: Der Beschuldigte war 

an der Einvernahme vom 20. Februar 2023 persönlich anwesend, ihm wurde das 

rechtliche Gehör gewährt und er erhielt auch die Möglichkeit, Ergänzungsfragen 

zu stellen (Urk. 6/13 S. 1, 10 und 12). Hierdurch wurde gewährleistet, dass er 

ausreichend Gelegenheit hatte, die Aussagen der Privatklägerin zu hinterfragen. 

Eine erneute Befragung der Privatklägerin vor Berufungsinstanz drängt sich nicht 

auf, zumal sämtliche bisherigen Befragungen videodokumentiert wurden und 

keine widersprüchlichen Kernaussagen erkennbar sind, die eine weitere Befra-

gung erforderlich machen (dazu hinten eingehend E. III.5.1). Darüber hinaus ist 

der Schutz vor Retraumatisierung der zum Tatzeitpunkt minderjährigen Privatklä-

gerin zu berücksichtigen. Die Aussagen der Privatklägerin sind daher als verwert-

bar zu qualifizieren. Dasselbe gilt insbesondere auch für das Schreiben der Pri-

vatklägerin vom 12. Mai 2021 an die Polizei (Urk. 4/4).

3.2.1.4 Die von der Verteidigung erhobenen weiteren Vorwürfe bleiben vage und 

unsubstantiiert. Sie legt insbesondere nicht konkret dar, inwiefern eine angebliche 

Voreingenommenheit der Strafverfolgungsbehörden die Beweiserhebung konkret 

beeinflusst und zur Verletzung von Verteidigungsrechten geführt haben soll. Die 

-   22   -

Ausführungen der Verteidigung erschöpfen sich insoweit in pauschaler Kritik, 

ohne nachvollziehbare Anhaltspunkte zu benennen.

3.2.2. Des Weiteren bringt die Verteidigung vor, die von der Staatsanwaltschaft 

Schaffhausen beigezogenen Akten seien nicht zu Lasten des Beschuldigten ver-

wertbar, da dieser mit den fraglichen Ergebnissen nicht konfrontiert worden sei 

(Urk. 115 Rz. 70). Vor Vorinstanz beanstandete sie in diesem Zusammenhang, 

dass keine Konfrontationseinvernahme mit dem "Vermittler/Zuhälter" der Privat-

klägerin "und/oder mit Belastungszeugen" stattgefunden habe. Zudem wurde die 

Verwertbarkeit dieser Akten vor Vorinstanz mit Verweis auf eine Medienberichter-

stattung der Schaffhauser Nachrichten vom tt.mm.2024 sowie eine anhängige Be-

schwerde beim Schweizerischen Bundesgericht angezweifelt, woraus eine Fern-

wirkung von Beweisverwertungsverboten resultieren solle (Urk. 71 Rz. 36-38).

3.2.2.1 Der in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch der beschuldigten 

Person, den Belastungszeugen Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des 

Rechts auf ein faires Verfahren. Dieser Anspruch wird als Konkretisierung des 

rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) auch durch Art. 32 Abs. 2 BV gewährleis-

tet. Eine belastende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn der 

Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hin-

reichende Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den 

Belastungszeugen zu stellen. Der Begriff des Zeugen im Sinne von Art. 6 Ziff. 3 

lit. d EMRK ist dabei autonom und ohne formelle Bindung an das nationale Recht 

auszulegen. Als Aussagen von Zeugen gelten all jene, die formell zugelassen 

sind, dem Gericht zur Kenntnis kommen und von ihm verwendet werden können. 

Auf das Konfrontationsrecht kann verzichtet werden. Die beschuldigte Person 

kann den Behörden grundsätzlich nicht vorwerfen, gewisse Zeugen zwecks Kon-

frontation nicht vorgeladen zu haben, wenn sie es unterlässt, rechtzeitig (d.h. spä-

testens im Berufungsverfahren) und formgerecht entsprechende Anträge zu stel-

len (Urteil des Bundesgerichts 6B_1265/2021 vom 29. Dezember 2022 

E. 2.2.1 f.).

3.2.2.2 Zunächst ist festzuhalten, dass die von der Staatsanwaltschaft Schaffhau-

sen beigezogenen Akten (Urk. 2/1-6) aus einem Begleitschreiben der für das 

-   23   -

diesbezügliche Verfahren zuständigen Staatsanwältin M.A. HSG T._____ vom 

18. April 2023, dem Ermittlungsbericht der Kantonspolizei Schaffhausen vom 

23. September 2022 sowie den dazugehörigen Beilagen (Extraktionsberichte be-

treffend Chat und Kontakte sowie Korrespondenz mit dem Hotel U._____ in 

V._____) bestehen. Im Fokus steht vorliegend der Extraktionsbericht betreffend 

Chat (Urk. 2/3). Dem Ermittlungsbericht der Kantonspolizei Schaffhausen vom 

23. September 2022 ist hierzu zu entnehmen, dass der betreffende Chatverlauf 

aus der Auswertung des Mobiltelefons von L._____ (Beschuldigter im von der 

Staatsanwaltschaft Schaffhausen geführten Strafverfahren) gewonnen werden 

konnte. Namentlich habe in den Kontakten des Mobiltelefons die Rufnummer des 

Beschuldigten (unter dem Kontaktnamen "A'._____") festgestellt werden können. 

Zudem sei er in der Applikation Telegram unter dem Nicknamen "A'._____" abge-

speichert gewesen. Des Weiteren seien Chatkonversationen zwischen dem Be-

schuldigten und L._____ gefunden worden, darunter eine Systemmeldung vom 

22. April 2021 in der Kommunikationsapplikation Signal sowie mehrere Unterhal-

tungen zwischen dem 2. April 2021 und 16. April 2021 in der Kommunikationsap-

plikation WhatsApp (Urk. 2/2 S. 5).

3.2.2.3 Mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 98 S. 41 f.) erhellt aus den Ausführungen der 

Verteidigung nicht, weshalb diese Beweise nicht verwertbar sein sollen. Die Ver-

teidigung legt nicht dar, inwiefern das Konfrontationsrecht des Beschuldigten ver-

letzt worden sein soll, sondern begnügt sich einmal mehr mit pauschalen Behaup-

tungen. Es bestehen keine Hinweise dafür, dass die Beweise in strafprozessual 

rechtswidriger Weise erlangt wurden. Dies lässt sich auch nicht aus der zitierten 

Medienberichterstattung ableiten (vgl. Urk. 98 S. 41 f.). Aus den Akten ergibt sich 

denn auch kein Anhaltspunkt dafür, dass dem Beschuldigten die Möglichkeit ver-

wehrt worden wäre, sich zu diesen Beweismitteln zu äussern. Vielmehr hatte er 

während des ganzen Verfahrens vollumfängliche Akteneinsicht und erhielt hinrei-

chend Gelegenheit, die ihn belastenden Beweismittel in Zweifel zu ziehen. Es trifft 

zwar zu, dass im vorliegenden Verfahren keine Konfrontation mit dem mutmassli-

chen "Zuhälter/Vermittler" der Privatklägerin bzw. mit weiteren angeblichen Belas-

tungszeugen stattgefunden hat. Wie vorstehend dargelegt (vgl. E. II.2.5), ist eine 

Befragung dieser Personen für die Entscheidfindung aber entbehrlich. Die An-

-   24   -

klage stützt sich nicht auf die Aussagen dieser Personen, sondern im Wesentli-

chen auf die Aussagen der Privatklägerin. Die fehlende Konfrontation mit dem 

Vermittler beeinträchtigt daher die Verwertbarkeit der bei den Akten liegenden Be-

weismittel nicht. Insofern ist nicht nachvollziehbar, was die Verteidigung aus der 

fehlenden Konfrontation mit dem "Zuhälter/Vermittler" der Privatklägerin ableiten 

will.

3.2.3. Schlussfolgernd kann festgehalten werden, dass der Verwertbarkeit der 

unter Erw. III.3.1 aufgeführten Beweismittel nichts entgegensteht.

4. Allgemeines zur Beweiswürdigung

4.1. Vorab ist auf die grundsätzlich zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu 

den allgemeinen Beweiswürdigungsregeln zu verweisen (Urk. 98 S. 14-17).

4.2. Erneut ist festzuhalten, dass das Gericht seinem Urteil denjenigen Sachver-

halt zugrunde legt, den es nach seiner freien und den Untersuchungsakten ge-

schöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Eine straf-

rechtliche Verurteilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit 

hinreichender Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger Zweifel 

darüber bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorge-

worfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das Gericht 

eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vorliegenden 

Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, das Gericht 

aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Allfällige abstrakte theoretische 

Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Ge-

wissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausreichen, wenn vernünftige Zwei-

fel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden können. Die blosse 

Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu begründen. Nur wenn 

sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von der Exis-

tenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu überzeugen 

vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende Grundsatz "in dubio pro 

reo" zur Anwendung.

-   25   -

4.3. Die Vorinstanz hat sodann zutreffend erwogen, dass mangels Vorliegens 

von unmittelbaren Sachbeweisen den Aussagen der Parteien eine besondere Be-

deutung zukommt. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass für die zentralen 

Punkte keine direkten Beweise vorliegen, ist zudem hervorzuheben, dass – so-

weit ein direkter Beweis nicht möglich ist – der Nachweis der Tat mit Indizien, d.h. 

mit indirekten, mittelbaren Beweisen, zu führen ist. Der Indizienbeweis ist dem di-

rekten Beweis gleichwertig, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren 

Mosaik, zu würdigen ist. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrschein-

lichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die 

Möglichkeit des Andersseins offen, enthält es daher auch den Zweifel. Es ist je-

doch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich 

allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte 

Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, auf den 

vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat und/oder Täter zu schliessen. Der Indi-

zienprozess als solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr 

abgeleiteten Teilrechte. Der Grundsatz "in dubio pro reo" (Art. 10 Abs. 3 StPO) 

findet auf das einzelne Indiz keine Anwendung (Urteile des Bundesgerichts 

6B_360/2016 vom 1. Juni 2017 E. 2.4, nicht publ. in BGE 143 IV 361; 

6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8 und 6B_1021/2016 vom 20. Sep-

tember 2017 E. 4.1 mit Hinweisen). Er entfaltet seine Wirkung bei der Beweiswür-

digung als Ganzes. Massgebend ist nicht eine isolierte Betrachtung der einzelnen 

Beweise, welche für sich allein betrachtet nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit 

begründen und insofern Zweifel offenlassen, sondern deren gesamthafte Würdi-

gung (Urteil des Bundesgerichts 6B_699/2018 vom 7. Februar 2019 E. 2.3.2; 

WOHLERS, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl., Zürich 

2020, N 27 zu Art. 10 StPO; OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 

4. Aufl., Basel 2020, Rz. 1090).

5. Würdigung der Beweismittel

5.1. Zum äusseren Ablauf des Treffens

5.1.1. Wie erwähnt, basiert der Anklagesachverhalt im Wesentlichen auf den 

Aussagen der Privatklägerin. Das vorliegende Strafverfahren geht aber nicht auf 

-   26   -

eine Anzeige durch die Privatklägerin gegen den Beschuldigten zurück. Vielmehr 

wurde es zunächst gegen "Unbekannt" eingeleitet aufgrund einer Verdachtsmel-

dung der Eltern der Privatklägerin bei der Jugendanwaltschaft Winterthur, wonach 

sich ihre damals 14-jährige Tochter prostituiere (Urk. 1/1; Urk. 4/2). Die Privatklä-

gerin wurde am 11. Mai 2021, am 17. Mai 2021 und am 20. Februar 2023 jeweils 

durch eine speziell im Bereich Kindesschutz ausgebildete Ermittlungsbeamtin der 

Kantonspolizei Zürich mittels Videobefragung einvernommen (Urk. 6/1-13). Im 

Zeitpunkt ihrer ersten beiden Befragungen war sie knapp 15 Jahre alt, was bei der 

Würdigung ihrer Aussagen zu berücksichtigen ist (vgl. auch Art. 154 StPO), insbe-

sondere hinsichtlich ihrer altersbedingten Verarbeitungskapazität und emotionalen 

Belastbarkeit.

5.1.2. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 

ist ferner zu beachten, dass traumatische Erlebnisse gemäss wissenschaftlichen 

Erkenntnissen anders verarbeitet werden als alltägliche Vorkommnisse. Einerseits 

können Erinnerungsverzerrungen und Gedächtnisausfälle auftreten, namentlich 

hervorgerufen durch Verdrängungsbestrebungen (FISCHER/RIEDESSER, Lehrbuch 

der Psychotraumatologie, 5. Aufl. 2020, S. 177; STANG/SACHSSE, Trauma und Jus-

tiz, 2. Aufl. 2014, S. 90 ff.). Andererseits bleibt bei gewissen Opfern eine grosse 

Anzahl von Einzelheiten des traumatischen Erlebnisses im Gedächtnis haften 

resp. wird dieses praktisch vollständig erinnert (SCHWANDER, Das Opfer im Straf-

recht, 3. Aufl. 2019, S. 134; GEIPEL, Handbuch der Beweiswürdigung, 

3. Aufl. 2017, S. 701; STANG/SACHSSE, a.a.O., S. 90 ff.; EGLOFF et al., Traumatiza-

tion and chronic pain: a further model of interaction, Journal of Pain Research 

2013/6 S. 767; JANSEN, Zeuge und Aussagepsychologie, 2. Aufl. 2012, S. 218). 

Detailreichtum, insbesondere wenn er Nebenschauplätze betrifft, stellt denn auch 

ein gängiges, bei der Aussageanalyse zu beachtendes Realitätskennzeichen dar 

(BGE 147 IV 409 E. 5.4.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_442/2019 vom 26. Au-

gust 2019 E. 6.3.2; 6B_253/2011 vom 5. Oktober 2011 E. 1.3.2; GEIPEL, a.a.O., 

S. 794 ff.; JANSEN, a.a.O., S. 313; je mit Hinweisen).

5.1.3. Bei der Befragung von Kindern, die Opfer von einer Straftat gegen die 

sexuelle Selbstbestimmung geworden sein sollen, ist sodann zu beachten, dass 

-   27   -

es bei deren Befragung häufig zu Scham kommt, gegenüber Dritten von dem Er-

lebten berichten zu sollen. Hinzu kommt, dass gerade Kinder dem mutmasslichen 

Täter trotz der Tat emotional ambivalent gegenüber stehen. Die Vernehmung sol-

cher – möglicherweise traumatisierter – Zeugen ist von Beginn der Ermittlungen in 

besonderem Masse behutsam und schonend durchzuführen, ohne dabei die Auf-

gabe der Wahrheitsfindung einzuschränken (BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, Tatsa-

chenfeststellung vor Gericht, 5. Aufl. 2021, Rz 1594).

5.1.4. Anlässlich ihrer ersten Befragung vom 11. Mai 2021 zeigte sich die Privat-

klägerin offensichtlich überfordert. Gleich zu Beginn äusserte sie, nicht einmal ge-

wusst zu haben, worum es bei dem Termin gehe (Urk. 6/4 F/A 54). Ausserdem 

zeigte sie sich äusserst zurückhaltend und wollte keine eigentlichen Aussage zur 

Sache machen. Insbesondere auf den Vorhalt, dass sie am 17. April [2021] mit ih-

rer Schwester nach Zürich gereist sei, und auf die Frage, ob sie möglichst genau 

erzählen könne, was an diesem Tag gewesen sei, lieferte sie nur vage Angaben. 

So gab sie zunächst lediglich zu Protokoll, das wisse sie nicht mehr genau. Auf 

die Nachfrage, weshalb sie nach Zürich seien, gab sie an, sie [ihre Schwester] 

habe sich eigentlich ihre Nägel machen lassen. Auch auf die Frage, wann sie aus 

dem Haus seien, antwortete sie zunächst, dass sie es nicht mehr wisse. Erst auf 

die konkrete Nachfrage, ob es am Morgen, mittags oder nachmittags gewesen 

sei, präzisierte sie, sie glaube, das sei am Mittag gewesen, aber sie wisse es 

nicht mehr genau (Urk. 6/4 F/A 93-96). Auf die darauffolgende Frage, wohin sie 

den Zug genommen hätten, nannte sie W._____. Weiter gab sie von sich aus auf 

die Frage, wohin sie dann von W._____ seien, zu Protokoll: „Erst nach C._____.“ 

Weiter sagte sie auf die Frage, was sie in C._____ gemacht hätten, aus, sie habe 

dort einen Kollegen getroffen. Auf die Frage, wer das sei, gab sie schulterzuckend 

lediglich zu Protokoll: „Ein Kollege halt.“ Nachdem die Privatklägerin darauf ge-

fragt wurde, ob sie von diesem Treffen mit dem Kollegen möglichst genau erzäh-

len könne, führte sie nur noch aus, dass dieser habe sprechen wollen und dann 

hätten sie ein wenig gesprochen "und so". Das hätten sie draussen gemacht. Sie 

kenne sich dort aber nicht aus. Sie seien einfach irgendwo auf ein Bänkchen ge-

sessen (Urk. 6/4 F/A 99-105). Auf die anschliessenden konkreten Fragen zur 

Identität dieses "Kollegen" und zum Treffen gab die Privatklägerin keine Aussage 

-   28   -

mehr zu Protokoll, sondern blieb – wie auch auf der Videoaufnahme zu sehen ist 

(Urk. 6/3) – schweigsam, teilweise mit gesenktem Kopf und ausweichendem 

Blick, teilweise schüttelte sie wortlos den Kopf. Nachdem ihr mitgeteilt wurde, 

dass vermutet werde, dass sie gegen Geld sexuelle Dienstleistungen erbringe, 

begann die Privatklägerin zu weinen. Auch die weiteren Nachfragen blieben unbe-

antwortet. Die Befragung wurde schliesslich mit ihrem Einverständnis abgebro-

chen (Urk. 6/4 F/A 106-130; vgl. dazu auch Urk. 6/1 S. 2 f.).

Das anfängliche Aussageverhalten der Privatklägerin – die vagen Antworten und 

Ausweichmanöver – und ihre Reaktion auf die ihr gemachten Vorhalte – das Wei-

nen und die vollständige Blockade – deuten auf Scham, Angst und/oder ein 

Schutzverhalten hin, was durch den psychologischen Bericht zu dieser Videobe-

fragung untermauert wird: So habe die Privatklägerin immer mehr "zu gemacht" 

und mehrheitlich vor sich hingeblickt, als sie mit den Vorhalten konfrontiert wurde. 

Es sei ihr ganz offensichtlich nicht mehr wohl gewesen, vielleicht habe sie sich 

auch in die Enge getrieben gefühlt. Sie habe nervös ihre Hände geknetet und bald 

darauf zu weinen begonnen. Sie habe blockiert gewirkt, wie in sich gefangen und 

habe sich nicht mehr aus dieser Sprachlosigkeit befreien können. So hätten sie 

auch alle Hilfsangebote der Polizeibeamtin nicht mehr erreichen können. Auf die 

Frage, was sie jetzt brauche, habe sie nur mit den Schultern gezuckt. Den Vor-

schlag, die Befragung abzubrechen, habe sie sofort angenommen. Das scheine 

für sie, wie ein Rettungsanker gewesen zu sein (Urk. 6/2 S. 2). Die Privatklägerin 

war mit der Befragungssituation somit offensichtlich überfordert. Mit Blick auf die 

Sachverhaltserstellung konnten aus dieser Einvernahme keine sachdienlichen 

Aussagen entnommen werden.

5.1.5. Die Privatklägerin verfasste bereits einen Tag nach dieser Befragung ein 

Schreiben zuhanden der Ermittlungsbeamtin, welche sie in ihrer ersten Einver-

nahme befragt hatte, und schilderte darin detailliert die Ereignisse vom Samstag, 

dem 16. [recte: offensichtlich 17.] April 2021: Sie sei gemeinsam mit ihrer 

Schwester mit dem Zug nach C._____ gereist. Dort habe sie dann gegenüber 

vom Bahnhof zu einer Bank müssen, wo "er" Geld abgehoben habe („wahrschein-

lich“ Fr. 800.–). Dann seien sie etwas gelaufen zu einem Haus, was ein Hotel o.Ä. 

-   29   -

gewesen sei. Sie seien ganz nach oben in ein Zimmer, das mittels Eingabe eines 

Codes am Türgriff zugänglich gewesen sei. "Er" habe das Zimmer als "Seiten-

sprungzimmer" bezeichnet. Es habe wie ein Puffzimmer ausgesehen und sei mit 

Dildos, Peitschen und Fesseln ausgestattet gewesen. Nachdem sie ihre Tasche 

auf den Boden neben einem schwarzen Sofa abgestellt und ihre Jacke draufge-

legt habe, habe "er" sie geküsst und sie aufs Bett geworfen. "Er" habe sich ausge-

zogen und sie aufgefordert, dasselbe zu tun, was sie getan habe. Es sei dann 

zum Geschlechtsverkehr ohne Kondom gekommen, wobei "er" sie (ins Gesicht, 

auf das Gesäss und ihre Brüste) geschlagen und gewürgt habe, was rote Flecken 

am Hals hinterlassen habe. Sie habe geweint und manchmal aus Angst gesagt, 

„es sei okay“. Irgendwann habe sie gesagt, sie müsse gehen, weil ihre Schwester 

warte. "Er" habe sie aber erst gehen lassen, als sie "richtig am Weinen" gewesen 

sei und nachdem sie gesagt habe, dass sie nicht wolle. "Er" habe jedes Mal, 

wenn sie die Hände vor das Gesicht gehalten habe, gesagt, sie solle sie wegneh-

men, sonst tue es noch mehr weh und "er" würde sie fesseln. "Er" habe ihr dann 

Fr. 800.– gegeben und gesagt, sie solle damit aufhören, weil es ihr nicht gut tun 

würde. Sie sei dann allein zum Bahnhof. Schliesslich erwähnte sie, dass sie ihm 

bei der Bank ihr Alter mitgeteilt habe, worauf "er" unsicher reagiert und sich ge-

fragt habe, ob "er" das machen soll. Sie habe dann einfach gesagt, es werde 

nichts passieren. "Er" habe dann gesagt, dass sie auf der App "AA._____" gewe-

sen sei. Ihr Auftraggeber habe diesem Typen also über diese App geschrieben. 

Weiter schrieb sie zum Treffen, dass er in ihr "gekommen" sei ohne Kondom. Sie 

beschrieb den Freier zudem als 30- bis 40-jährig. Ein Bild von ihm sollte im Chat 

von ihr und ihrem Auftraggeber zu finden sein (Urk. 4/4). 

Die vagen Antworten der Privatklägerin in der ersten Befragung stehen zwar im 

Kontrast zu dieser detaillierten Schilderung, was indes angesichts des bereits er-

örterten anfänglichen Schutzverhaltens nicht erstaunt. Der Brief, in welchem di-

verse Details zum Treffen vom 17. April 2021 geschildert werden, lässt vielmehr 

auf eine Bereitschaft zur Offenlegung der Ereignisse schliessen.

5.1.6. Nachdem dieser Brief der Polizei zuging, wurde am 17. Mai 2021 die 

zweite Befragung der Privatklägerin durchgeführt (vgl. Urk. 6/8 F/A 24). In dieser 

-   30   -

gab die Privatklägerin auf die Frage, warum sie bei der letzten Befragung keine 

Aussagen mehr habe machen wollen, zu Protokoll, weil sie keine Lust gehabt 

habe und nicht gemocht sowie gekonnt habe. Auf die Fragen, was sich in der Zwi-

schenzeit geändert habe oder was sie zum Umdenken bewogen habe, führte sie 

aus, sie habe keine Ahnung. Sie habe keine andere Wahl. Sie bestätigte indes, 

von sich aus Aussagen machen zu wollen (Urk. 6/8 F/A 25-28). In der Folge schil-

derte die Privatklägerin mit dem Inhalt ihres Schreibens vom 12. Mai 2021 über-

einstimmend, dass sie sich am 17. April 2021 mit dem "Freier des Treffens 3" am 

Bahnhof in C._____ getroffen habe und mit ihm zum sich gegenüber dem Bahn-

hof befindenden Bankomaten gegangen sei, wo dieser „wahrscheinlich“ Fr. 800.– 

abgehoben habe und wo sie ihm ihr Alter („ich bin 14, ich werde 15 erst“) mitge-

teilt habe. Hernach seien sie in ein Hotel „oder so etwas“. Sie seien ins oberste 

Stockwerk. Zum Hineinkommen habe er einen Code am Türgriff eingegeben, 

dann seien sie hinein. Dort habe es ein Gestell gehabt mit Peitschen, Fesseln und 

Dildos, Fesseln seien von der Decke gehangen. Nachdem sie ihre Jacke und Ta-

sche abgestellt habe, sei er auf sie zugekommen und habe angefangen, sie zu 

küssen. Er habe sie aufs Bett geworfen, habe sich ausgezogen und gesagt, sie 

solle sich auch ausziehen, was sie auch getan habe. Es sei dann zum unge-

schützten Geschlechtsverkehr gekommen, während dem er sie mit der flachen 

Hand geschlagen (überall: „Gesicht, Titten, Arsch, Beine, alles“) und gewürgt 

habe und weshalb sie „mega geweint“ habe. Sie habe gesagt, dass sie gehen 

müsse und nicht mehr möge sowie dass es weh tue. Er habe aber immer gesagt 

„ja nein, ich entscheide da, wenn du gehst […] und wenn du jetzt nicht deine 

Hände wegnimmst“, dann würde er sie fesseln. Irgendwann – als sie „mega ge-

weint“ habe – habe er gefunden, „ja lassen wir es einfach“. Er habe zudem ge-

sagt, sie solle so etwas nicht mehr machen. Dann habe er ihr das Geld (Fr. 800.–) 

gegeben und sie sei dann alleine gegangen (Urk. 6/8 S. 28-37).

5.1.7. Am 20. Februar 2023 wurde die Privatklägerin ein drittes Mal befragt. In 

dieser Einvernahme schilderte sie das Treffen vom 17. April 2021 übereinstim-

mend mit ihren früheren diesbezüglichen Aussagen. Namentlich beschrieb sie zu-

sammengefasst, wie sie und der Freier, als sie sich getroffen hätten, gleich ge-

genüber vom Bahnhof in C._____ zur Bank seien, wo er Geld abgehoben habe 

-   31   -

und wo sie ihm gesagt habe, wie alt sie sei. Dann seien sie zu diesem Seiten-

sprungzimmer. Zweck dieses Treffens sei "Sex für Geld" gewesen. Nachdem sie 

ihre Sachen auf ein Sofa gelegt habe, habe er gesagt, dass sie sich ausziehen 

solle, was sie dann auch gemacht habe. Es sei zum vaginalen Geschlechtsver-

kehr gekommen. Er habe sie geschlagen, ins Gesicht und auch sonst überall, auf 

den Arsch, auf ihre Brüste und ihre Vagina. Sie habe deshalb zu weinen begon-

nen. Er habe das klar gesehen. Sie habe ihre Hände vor die Stellen, wo er hinge-

schlagen habe, gehalten. Dazu habe er gesagt, sie solle ihre Hände wegtun, 

sonst tue es noch mehr weh. Aus Angst habe sie sie dann weggenommen. Er 

habe sie auch gewürgt. Irgendwann habe er dann gefunden, es sei gut, es reiche 

schon. Zudem habe er gesagt, sie solle so etwas nicht mehr machen. Dann habe 

er ihr das Geld (Fr. 800.–) gegeben und sie sei gegangen (Urk. 6/13 S. 3-10).

5.1.8. Nach Würdigung der Aussagen der Privatklägerin lässt sich zunächst 

feststellen, dass diese jeweils nicht den Eindruck machte, als ob sie auf die Ein-

vernahme vorbereitet war oder bestimmte Aussagen einstudiert hatte. Es sind ins-

gesamt keine Hinweise für eine Falschbeschuldigung ersichtlich. Es fällt zudem 

auf, dass die Privatklägerin insgesamt sehr zurückhaltend aussagte. So gab sie 

stets an, wenn sie eine Frage nicht beantworten konnte, weil sie etwas nicht 

wusste oder sich nicht mehr an etwas erinnern konnte (vgl. etwa Urk. 6/8 F/A 344-

346, 352-356 und 582-587; Urk. 6/13 F/A 32, 55 und 82). Dennoch schilderte sie 

das Kerngeschehen – wie aufgezeigt – vom Treffen beim Bahnhof C._____ über 

den Geldbezug am Bankomaten bis zum Seitensprungzimmer an der F._____-

strasse 2 in C._____ sowohl in ihrem Brief an die Kantonspolizei Zürich als auch 

in ihrer zweiten und dritten Videobefragung gleichbleibend und konstant sowie im 

Kerngehalt widerspruchsfrei. Hervorzuheben, dass ihre Schilderung selbst zwei 

Jahre nach der Tat konsistent blieb, auch wenn sie Unsicherheiten zugab (z.B. ob 

sie dem Freier gesagt habe, dass sie es nicht mehr gewollt habe, als es ihr zu viel 

geworden sei [Urk. 6/13 F/A 51 und 58]; vgl. auch Urk. 6/13 F/A 21, 32, 38, 40, 

55, 66, 70 und 82). Solche Gedächtnislücken sind bei einem Ereignis nach dieser 

Zeitspanne plausibel und spiegeln eine natürliche Erinnerungsverzerrung wider, 

ohne ihre glaubhaften Aussagen zum Kerngeschehen zu entkräften. Die Fähigkeit 

der Privatklägerin, zentrale Elemente (Bankomat, Seitensprungzimmer, Gewaltan-

-   32   -

wendung) über Jahre hinweg gleich darzustellen, spricht für eine verankerte Erin-

nerung an ein reales Ereignis. Ausserdem ist bemerkenswert, dass sie Rückfra-

gen teilweise zwar unmittelbar mit „keine Ahnung“ oder „ich weiss nicht“ beant-

wortet, spontan jedoch öfters doch noch eine Präzisierung anfügt (z.B. Urk. 6/8 

F/A 300, 304, 528, 557, 559, 583 f.; Urk. 6/13 F/A 40, 55, 66, 82 und 85). In ihren 

Ausführungen erwähnte sie zudem spezifische Details wie den Zugangscode zum 

Seitensprungzimmer, die Ausstattung des Zimmers (Peitschen, Fesseln, Dildos) 

sowie das darunterliegende Restaurant ("AB._____"; Urk. 1/2). Diese Präzision 

spricht für ein tatsächliches Erlebnis, da erfundene Schilderungen oft an Detail-

tiefe oder Kohärenz verlieren. Entgegen der Verteidigung (Urk. 115 Rz. 46) erge-

ben sich aus den Aussagen der Privatklägerin auch keine Hinweise auf sugge-

rierte oder abgesprochene Antworten. Insbesondere trifft dies nicht auf die von 

der Verteidigung exemplarisch wiedergegebene Aussage anlässlich ihrer Befra-

gung vom 20. Februar 2023 zu, in welcher sie aussagte, dass sie in ein Seiten-

sprungzimmer gegangen seien (vgl. Urk. 6/13 F/A 18). Es ist schlichtweg akten-

widrig, dass sie bisher noch nie von einem Seitensprungzimmer gesprochen 

habe. Wie zuvor dargelegt, hielt sie bereits in ihrem Schreiben an die Kantonspoli-

zei fest, dass der Freier den Begriff "Seitensprungzimmer" verwendet habe (vgl. 

Urk. 4/4). Bemerkenswert ist sodann auch die Beschreibung der Interaktion mit 

dem betreffenden Freier, die individuell und lebensnah wirkt. Als Beispiel zu nen-

nen ist etwa ihre Schilderung – in ihrem Schreiben vom 12. Mai 2021 sowie in ih-

rer zweiten und dritten Befragung –, dass dieser, nachdem sie ihm beim Banko-

maten ihr tatsächliches Alter mitgeteilt habe, unsicher reagiert und nicht gewusst 

habe, ob er das machen solle, worauf sie ihn beruhigt habe, indem sie ihm gesagt 

habe, es passiere schon nichts (Urk. 4/4 S. 2; Urk. 6/8 Urk. 6/13 F/A 39). Zudem 

schilderte sie konstant, dass der Freier ihr, nachdem er von ihr abgelassen habe, 

gesagt habe, dass sie so etwas nicht mehr machen solle (Urk. 4/4 S. 2; Urk. 6/8 

F/A 383; Urk. 6/13 F/A 67 f.). Sie betonte zudem, dass sie allen Freiern ihr Alter 

nannte (vgl. Urk. 4/4 S. 3; Urk. 6/8 F/A 100, 176, 245 f. und 312 f.), obwohl dies 

den Zweck der Treffen ("Sex gegen Geld") gefährden konnte, was durch den Ab-

bruch eines Treffens zudem gestützt wird (vgl. dazu Urk. 6/8 F/A 400 und 409). 

Solche Angaben sind schwerlich erfunden, da sie keinen offensichtlichen Vorteil 

-   33   -

bieten. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Privatklägerin den Freier vom Tref-

fen 3 nicht übermässig belastete. Sie verharmloste sein Verhalten sogar, etwa in-

dem sie seine Gewaltanwendung (Schläge, Würgen) als Teil seiner Erwartungen 

erklärte („er hat gedacht, dass ich das will, weil er hat ja mit dem Typ geschrieben 

und hat dann gesagt, dass er es gerne so hat“; Urk. 6/8 F/A 342, vgl. auch 

Urk. 6/13 F/A 64). Zudem sagte sie aus, dass ihr Auftraggeber zwar ihr tatsächli-

ches Alter gewusst habe, indes habe er den Freiern erzählt, dass sie bereits 

18 Jahre alt sei. Der Freier des Treffens 3 habe deshalb im Zeitpunkt, als er das 

Treffen vereinbart hatte, noch keine Kenntnis über ihre Minderjährigkeit gehabt 

(vgl. Urk. 6/13 F/A 38-47). Die Ausführungen der Privatklägerin sind auch diesbe-

züglich sehr realitätsnah und frei von Übertreibungen. Sie schilderte vielmehr so-

wohl Entlastendes (beispielsweise sein anfängliches Zögern nach Kenntnisnahme 

ihres Alters oder seine Bemerkung, mit solchen Sachen aufzuhören) als auch Be-

lastendes, was ebenfalls auf eine ausgewogene und nicht übertriebene Darstel-

lung hinweist. Damit übereinstimmend ergibt sich auch aus dem psychologischen 

Bericht zur Befragung der Privatklägerin, dass sie insgesamt eine neutrale, kaum 

vorwurfsvolle Haltung gegenüber dem Freier habe, dass sie ein kaum ausgebilde-

tes Unrechtsbewusstsein für dessen Fehlverhalten habe und sich sogar als haupt-

verantwortlich für das Geschehene wahrnehme. Es sei zu vermuten, dass die Pri-

vatklägerin aufgrund dieser Haltung die Handlungen des Freiers tendenziell ver-

harmlose (Urk. 6/11 S. 2). Ausserdem kann der Verteidigung nicht gefolgt werden, 

wenn sie geltend macht, es bestehe der Eindruck, dass die Privatklägerin die Ge-

schehnisse der Treffen mit den vier Freiern vermische und durcheinander bringe 

(vgl. Urk. 71 Rz. 69). Vielmehr geht aus ihren Aussagen – insbesondere denjeni-

gen in ihrer Befragung vom 17. Mai 2021 – hervor, dass sie zwischen den Treffen 

differenzieren kann. So schilderte sie zu jedem Treffen andere Details. Beispiels-

weise konnte sie abgrenzen, dass es beim dritten Treffen zu Zungenküssen ge-

kommen sei (Urk. 6/8 F/A 528), oder dass das dritte Treffen ohne Auto gewesen 

sei (Urk. 6/8 F/A 514 f.). Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass sie die Treffen 

mit den unterschiedlichen Freiern nicht auseinander halten kann. Schlussfolgernd 

sind die Aussagen der Privatklägerin für sich als glaubhaft einzustufen.

-   34   -

5.1.9. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Angaben der Privatklägerin 

durch unabhängige Beweise gestützt werden: 

- So stimmen ihre Angaben zum zeitlichen Ablauf und ihrem Aufenthalt in 

C._____ mit den Ergebnissen der Auswertung ihres Mobiltelefons überein: 

Am 17. April 2021 erhielt sie von ihrem Vater Geld (Fr. 26.–) per Twint für 

Billete und kaufte ihrer Schwester – die sie nach C._____ begleitet habe – 

einen 9-Uhr-Pass. Sie begaben sich darauf von W._____ über Zürich nach 

C._____, wo sich die Privatklägerin ab ca. 11.45 Uhr bis 13.28 Uhr aufhielt 

(vgl. Urk. 11/1 S. 5 f.; Urk. 11/4 [Beilage 16] S. 20 f.; Urk. 9/5 S. 6; Urk. 11/6 

S. 3; Urk. 11/9).

- Weiter ergaben die polizeilichen Abklärungen zum Tatort eine Übereinstim-

mung mit der Beschreibung des Seitensprungzimmers an der F._____-

strasse 2 in C._____ durch die Privatklägerin (vgl. Urk. 1/2: Seitensprung-

zimmer im DG und Restaurant "AB._____" im EG; Ausstattung des "Spiel-

zimmers" gemäss Online-Inserat mit einem Gestell mit Sexspielzeug, Fes-

seln von der Decke, einer Lounge, einem Bett und einer Dusche). Auch der 

Betreiber dieses "Spielzimmers" Q._____ bestätigte die von der Privatkläge-

rin umschriebene Zimmerausstattung und den Zugang zum Zimmer mittels 

Code-Eingabe (Urk. 7; Prot. I S. 37 ff.). Im Übrigen gab auch der Beschul-

digte an, dass dieses Seitensprungzimmer existiere (Urk. 5/2 S. 2 ff.).

- Ferner befindet sich auf dem Weg vom Bahnhof in C._____ bis zum Seiten-

sprungzimmer an der F._____-strasse 2 in C._____ ein Bankomat der 

D._____.

Soweit die Verteidigung geltend macht, die Standortdaten des Mobiltelefons der 

Privatklägerin würden den Anklagevorwurf entkräften, überzeugt auch dieses Ar-

gument nicht. Konkret bringt sie vor, gemäss dem Polizeirapport vom 20. Septem-

ber 2021 zur Datenauswertung des Mobiltelefons der Privatklägerin habe sich 

diese um 11.50 Uhr und 11.53 Uhr am Bahnhof C._____ befunden. 18 Minuten 

später, konkret um 12.11 Uhr habe sie sich dann am J._____ beim AC._____ be-

funden. Dort, gleich nebenan, befinde sich die I._____. Die D._____ hingegen be-

-   35   -

finde sich in der Reihe der Banken ganz am Schluss und etwas weiter entfernt. 

Dazwischen befinde sich noch die H._____. Der Geldbezug am Bankomaten der 

D._____ sei hingegen um 12.34 Uhr erfolgt, also rund 23 Minuten später. Daraus 

leitet die Verteidigung ab, dass sich die Privatklägerin zu diesem Zeitpunkt nicht 

mehr am fraglichen Ort habe befinden können, womit ein Treffen mit dem Freier 

(respektive dem Beschuldigten) in Zweifel gezogen wird (vgl. Urk. 71 Rz. 71 f.; 

Urk. 115 Rz. 57 und 70). Diese Argumentation verfängt jedoch nicht. Zum einen 

stellt der von der Verteidigung postulierte Widerspruch zwischen Standortdaten 

und den Aussagen der Privatklägerin lediglich eine unpräzise zeitliche Abwei-

chung von wenigen Minuten dar, welche aufgrund technischer und tatsächlicher 

Unsicherheiten (etwa durch Verzögerungen bei der Datenübertragung, unklare 

Bewegungsmuster, Zwischenstopps oder Netzschwankungen) ohne Weiteres er-

klärbar ist. Es handelt sich um Momentaufnahmen, die keinen kontinuierlichen 

Bewegungsverlauf wiedergeben und deshalb keine zuverlässige Aussage darüber 

erlauben, ob sich zwei Personen nicht am selben Ort hätten begegnen können. 

Schliesslich kann auch der Versuch der Verteidigung, die ausgewerteten Stand-

ortdaten als entlastendes Beweismittel zu qualifizieren, nicht überzeugen. Wie be-

reits im Polizeirapport vom 14. Dezember 2021 (Urk. 11/5 S. 2) dargelegt, beru-

hen die aus der Auslesung des Mobiltelefons der Privatklägerin hervorgegange-

nen Standortdaten auf Informationen, welche von der Applikation Snapchat gene-

riert wurden. Zum einen lässt sich nicht verifizieren, wie diese Standortdaten kon-

kret zustande gekommen sind. Zum anderen kann ein grosser Teil der Standort-

daten weder zeitlich noch örtlich verifiziert werden. Es handelt sich also um Da-

ten, deren Entstehung und Genauigkeit nicht nachvollziehbar geprüft werden kön-

nen. Aufgrund der Eigenheiten der App Snapchat – namentlich dem Umstand, 

dass viele Inhalte nach dem Abruf automatisch gelöscht werden – ist auch nicht 

auszuschliessen, dass bestimmte Informationen auf dem Sendergerät nicht mehr 

vollständig vorhanden waren oder verändert wurden. Mangels klarer Nachvoll-

ziehbarkeit der Datenerhebung und -verarbeitung kann deren Beweiswert somit 

nicht verlässlich beurteilt werden. Demgegenüber beruhen RTI-Daten auf standar-

disierten technischen Protokollen der Telekommunikationsanbieter. Sie geben in 

Echtzeit Auskunft darüber, mit welcher Funkzelle ein Mobilgerät zu einem be-

-   36   -

stimmten Zeitpunkt verbunden war. Sie können daher grundsätzlich als verwert-

bare und nachvollziehbare Beweismittel qualifiziert werden, insbesondere zur zeit-

lichen und räumlichen Verortung eines Geräts. Dagegen fehlt es den Snapchat-

Standortdaten an der erforderlichen Transparenz und Verlässlichkeit. Letztere 

sind daher – im Gegensatz zu RTI-Daten – nicht geeignet, den Aufenthalt einer 

Person zu einem bestimmten Zeitpunkt verlässlich zu belegen. Es besteht daher 

kein Anlass, den Standortdaten der Privatklägerin einen höheren Beweiswert bei-

zumessen.

5.1.10. Zusammenfassend sind die Aussagen der Privatklägerin glaubhaft, da sie 

durch Konsistenz, Detailreichtum, Realitätsnähe, Objektivität, externe Beweise 

und emotionale Plausibilität überzeugen. Unsicherheiten oder Lücken (z.B. Ab-

laufdetails) sind alters- und situationsbedingt nachvollziehbar und beeinträchtigen 

nicht die Zuverlässigkeit des Kerngeschehens. Ihre Schilderung ist weder über-

trieben noch widersprüchlich, sondern wirkt spontan und selbst erlebt. Gestützt 

auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin, welche wie dargelegt auch mit 

den weiteren Akten übereinstimmen, ist rechtsgenügend nachgewiesen, dass sich 

der eingeklagte Sachverhalt vom äusseren Ablauf tatsächlich so abgespielt hat.

5.2. Zum "Vermittler / Zuhälter" der Privatklägerin

5.2.1. Die Verteidigung macht geltend, es sei nicht bekannt und ergebe sich 

nicht aus den Akten, von wem und wann sowie unter welchen Umständen die Pri-

vatklägerin Anweisungen erhalten haben soll. Die Aussagen der Privatklägerin in 

diesem Zusammenhang seien unzureichend, da diese mit den vorhandenen Ak-

ten weder nachvollziehbar noch überprüfbar seien. Ihre Mobiltelefonauswertung 

habe insofern auch keine Erkenntnisse erbracht. Sie bestreitet das Vorhanden-

sein eines "Vermittlers/Zuhälters" der Privatklägerin (Urk. 71 Rz. 32-35). Es lasse 

sich keine Vermittlung der Privatklägerin an den Beschuldigten am 17. April 2021 

erstellen (Urk. 71 Rz. 47).

5.2.2. Die Privatklägerin führte zu ihrem "Vermittler/Zuhälter" zusammengefasst 

aus, dieser ("ihr Auftraggeber" [vgl. Urk. 6/8 F/A 43]) habe ihr Treffen mit Männern 

organisiert, wo es zu sexuellen Handlungen gegen Geld gekommen sei. Insge-

-   37   -

samt habe er ihr drei bis vier Treffen organisiert. Ausserdem habe sie ihm Nudes 

geschickt, wofür er ihr zwischendurch Geld getwintet habe (Urk. 6/8 F/A 36, 

72- 83, 89, 113 und 121). Sie kenne seinen Namen nicht. Sie wisse nur, wie er 

aussehe und dass er von AD._____ komme und Ausländer sei. Ausserdem gab 

sie an, dass sie ihn wiedererkennen würde. Sie habe mit ihm über Snapchat kom-

muniziert. Dort habe er "L'._____" oder ähnlich geheissen. Sie habe ihn aber in 

"Min Bro" umbenannt, weil es Leute gegeben habe, die manchmal auf ihr Handy 

gesehen und gefragt hätten, wer das sei (Urk. 6/8 F/A 30 und 39-61). Er kenne 

Männer und sende ihnen dann Bilder von diversen Mädchen. Ausserdem habe er 

über die App "AA._____" mit den Freiern geschrieben und sich dabei als Mäd-

chen ausgegeben und die Treffen vereinbart. Dies wisse sie, weil er ihr manchmal 

Screenshots auf Snapchat geschickt habe, womit er sie informiert habe, wohin sie 

hinmüsse etc. Zudem hätten es ihr die Typen auch gesagt. Diese Screenshots 

seien alle in den Chats auf Snapchat, wenn man diese wiederherstellen könne. 

Zwei Mal habe er ihr auch ein Bild vom jeweiligen Freier geschickt, damit sie 

wisse, wie er aussehe. Mit einem davon habe sie sich aber nie getroffen. Ihr Auf-

traggeber habe gewusst, wie alt sie sei, weil sie es ihm gesagt habe (Urk. 6/8 

F/A 90-94, 98 f. und 119). Weiter führte sie aus, dass sie ihren Auftraggeber zwei 

oder drei Mal gesehen habe, um ihm einen Teil des Geldes für die Vermittlung ab-

zugeben, welches sie nach den Treffen mit den Freiern jeweils erhalten habe 

(Urk. 6/8 F/A 104 und 287 f.).

5.2.3. Die Aussagen der Privatklägerin zu ihrem "Vermittler/Zuhälter" werden 

durch die polizeilichen Ermittlungen gestützt. So ist dem polizeilichen Bericht vom 

20. September 2021 zur Datenauswertung des Mobiltelefons der Privatklägerin zu 

entnehmen, dass im Mobiltelefon eine Snapchat-Kommunikation gefunden wer-

den konnte, welche mit einer Person mit der Bezeichnung "Min Bro" geführt wor-

den sei. Der Snapchat-Username von "Min Bro" laute "L'._____". Von diesem 

Kommunikationsverlauf, welcher seit dem 10. April 2021 aber nur noch teilweise 

erhalten sei, seien von den wichtigsten Sequenzen Screenshots erstellt worden. 

Gemäss Polizeibericht sendete die Privatklägerin am 17. April 2021 den Fahrplan 

W._____ (10.52 Uhr) via Zürich AE._____ (11.20 Uhr) nach C._____ (11.48 Uhr) 

an "Min Bro". Weiter habe sie ihm eine Sprachnachricht geschickt, wo sie ihn 

-   38   -

frage, ob "er" (gemeint wohl der Freier) ihr Fr. 800.– oder Fr. 600.– gebe, und zu-

dem erwähne, dass wenn "er" ihr Fr. 800.– gebe, sie ihm ja noch einmal Fr. 200.– 

bringen müsse (Urk. 11/1 S. 6; vgl. Urk. 9/5 S. 6).

5.2.4. Dass es sich – wie von der Verteidigung geltend gemacht (Urk. 71 Rz. 46; 

Urk. 115 Rz. 31) – bei den beiden auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin sicher-

gestellten Bildern von zwei Männern (Urk. 9/5 S. 4 und 5) nicht um den Beschul-

digten handelt, tut nichts zur Sache. Zu berücksichtigen ist hier, dass die beiden 

Bilder ihr gemäss Chatverlauf im Zeitraum vom 26. April 2021 bis 29. April 2021 

– also eindeutig nach dem 17. April 2021, dem gemäss Anklageschrift Datum der 

Straftat – zugesandt wurden (vgl. Urk. 9/5 S. 2 und 5). Wie bereits erwähnt, ist 

dem polizeilichen Bericht vom 20. September 2021 zur Datenauswertung des Mo-

biltelefons der Privatklägerin zu entnehmen, dass in ihrem Mobiltelefon zwar eine 

Snapchat-Konversation mit "Min Bro" (dem mutmasslichen Zuhälter/Vermittler) 

gefunden werden konnte, indes sei der Verlauf dieser Chatunterhandlung nur 

noch teilweise erhalten (Urk. 11/1 S. 6). Es ist allgemein bekannt und technisch 

bedingt, dass Snapchat Chatnachrichten nicht dauerhaft speichert, sondern diese 

nach Ablauf einer bestimmten Zeit automatisch löscht, sofern sie nicht ausdrück-

lich gesichert werden. Dieser Umstand erklärt die lückenhafte Dokumentation der 

Kommunikation. Entgegen der Verteidigung macht dieser Umstand die Aussagen 

der Privatklägerin somit nicht unglaubhaft.

5.2.5. Die Aussagen der Privatklägerin zu ihrem "Vermittler/Zuhälter" sind somit 

als glaubhaft einzustufen und es kann vollumfänglich darauf abgestellt werden. 

Wie eingangs erwähnt, ist es für die Beurteilung des vorliegenden Falles aber 

nicht relevant, dass die Anklageschrift den "Vermittler/Zuhälter" nicht namentlich 

bezeichnet. Entscheidend ist lediglich, dass gestützt auf die Aussagen der Privat-

klägerin sowie die Ergebnisse aus der Datenauswertung ihres Mobiltelefons er-

stellt ist, dass ein "Vermittler/Zuhälter" existierte, welcher das Treffen mit dem 

"Freier 3" am 17. April 2021 arrangierte. An dieser Stelle ist zudem festzuhalten, 

dass sich nicht – wie die Vorinstanz annimmt (vgl. Urk. 98 S. 33 f.) – zweifelsfrei 

erstellen lässt, dass es sich bei L._____ um den in der Anklageschrift erwähnten 

"Vermittler/Zuhälter" der Privatklägerin handelt. Aufgrund der Chatunterhaltung 

-   39   -

mit dem Beschuldigten (vgl. dazu unten Erw. III.5.3.5) ist zwar davon auszuge-

hen, dass auch dieser Frauen an Freier für sexuelle Handlungen vermittelte und 

sich dabei als die jeweils vermittelte Frau ausgab. Allerdings ergeben sich aus der 

Chatunterhaltung keine konkreten Hinweise auf die Vermittlung der Privatklägerin 

(vgl. Urk. 2/3). Jedenfalls konnte auf dem Mobiltelefon von L._____ keine die Ver-

mittlung der Privatklägerin betreffende Chatunterhaltung gefunden werden, re-

spektive ist eine solche nicht aktenkundig.

5.3. Zur Identifikation des Beschuldigten als Täter

5.3.1. In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob ohne überwindbaren Zweifel er-

stellt werden kann, dass es sich beim Freier des Treffens 3 um den Beschuldigten 

handelt, welcher die in der Anklage umschriebenen sexuellen Handlungen an der 

minderjährigen Privatklägerin vorgenommen hat.

5.3.2. Die Privatklägerin erkannte den Beschuldigten anlässlich der Fotowahl-

konfrontation, welche im Rahmen ihrer Einvernahme vom 20. Februar 2023 und 

damit fast zwei Jahre nach dem eingeklagten Vorfall stattfand, als "Freier 3" 

(Urk. 6/13 F/A 11 f.). In der Videoaufzeichnung dieser Befragung ist ersichtlich, 

dass sie ohne erkennbare Unsicherheit und ohne Zögern auf das Bild des Be-

schuldigten zeigte (Urk. 6/12). Sie gab dabei an, sich zu 80 % sicher zu sein, dass 

es sich beim Abgebildeten um den "Freier 3" handle, den sie damals getroffen 

habe, und nannte insbesondere Gesicht und Haare als Wiedererkennungsmerk-

male (Urk. 6/13 F/A 11-14). Bereits in ihrer zweiten Einvernahme vom 17. Mai 

2021 hatte sie ausgeführt, dass sie den "Freier 3" wiedererkennen würde, sowohl 

auf einem Foto als auch live – dies etwa im Gegensatz zu den Freiern vom zwei-

ten und vierten Treffen, an welche sie sich mehr so gut erinnern könne 

(vgl. Urk. 6/8 F/A 509 f. und 513). Sie begründete dies damit, dass sie ein Bild 

vom "Freier 3" gesehen habe und ihn zudem live (während des Treffens) „gut ge-

nug lang“ habe anschauen müssen (Urk. 6/8 F/A 511 f.). Zudem beschrieb sie ihn 

bereits zu jenem Zeitpunkt mit spezifischen Merkmalen: braune Haare, ca. 1 cm 

langer Bart, ca. 175 cm gross, Alter zwischen 25 und 40 Jahren, weisse Hautfa-

rbe und Schweizerdeutsch sprechend (Urk. 6/8 F/A 303-309). Auch wenn diese 

Merkmale – wie von der Verteidigung geltend gemacht (Urk. 71 Rz. 90) – grund-

-   40   -

sätzlich auf viele Personen im Alltag zutreffen können, decken sie sich mit dem 

Erscheinungsbild des Beschuldigten. Dies belegt überdies, dass sich die Privat-

klägerin bereits frühzeitig ein klares Bild von der betreffenden Person gemacht 

hatte. Besonders bemerkenswert ist, dass sich die im Fotobogen abgelichteten 

Männer stark ähneln – mithin in optischer Hinsicht alle die von der Privatklägerin 

angegebenen Merkmale aufweisen (vgl. Urk. 6/10). Umso gewichtiger ist es, dass 

die Privatklägerin dennoch ohne Zögern den Beschuldigten als den "Freier 3" 

identifizierte. Dass sie den Beschuldigten – im Gegensatz etwa zu anderen Frei-

ern – klar wiedererkannte, lässt zudem auf eine tiefere Verankerung dieses Erleb-

nisses in ihrem Gedächtnis schliessen, was durch die emotionale Belastung und 

die Dauer der Begegnung nachvollziehbar erklärt werden kann. Ausserdem ver-

stärkt ihre Angabe, wonach sie ein Bild von ihm vorab via Snapchat erhalten habe 

(Urk. 6/8 F/A 119 f. und 300-302), die Plausibilität ihrer Identifikation, da sie be-

reits vor dem Treffen eine visuelle Referenz hatte. Schliesslich ist zu bemerken, 

dass die geringe Abweichung von 100 % Sicherheit angesichts des Zeitabstands 

zwischen dem Vorfall und der Wahlbildkonfrontation nachvollziehbar ist und über-

dies ehrlich wirkt, da sie ihre Erinnerung nicht übertrieben darstellt. Wiederum 

zeigt sich hier ihr zurückhaltendes Aussageverhalten. Die Vorinstanz wies aber zu 

Recht darauf hin, dass auch eine Angabe von 80 % bereits eine hohe Sicherheit 

darstellt (vgl. Urk. 98 S. 35). Mit der Vorinstanz sind sodann die Einwände der 

Verteidigung, wonach in jedem Fall davon auszugehen sei, dass der Privatkläge-

rin Informationen zur Verfügung gestanden seien, welche ihr eine Identifikation 

des Beschuldigten erlaubt hätten (vgl. Urk. 71 Rz. 89 f.; Urk. 115 Rz. 59), als un-

begründet und nicht überzeugend zurückzuweisen. Insbesondere die Behaup-

tung, die Privatklägerin könnte das Bild des Beschuldigten auch aus dem Internet 

gefunden haben, nachdem sie von dessen Namen und Personalien Kenntnis er-

langt habe, ist rein spekulativ und findet keinerlei Stütze in den Akten. Im Übrigen 

ist nicht ersichtlich, auf welche Weise die Privatklägerin ohne tatsächliche Begeg-

nung oder Vorinformation zu einem derart präzisen Wiedererkennen fähig gewe-

sen wäre. Insgesamt ergibt sich damit ein konsistentes Bild: Die Privatklägerin 

identifizierte den Beschuldigten auf nachvollziehbare, zurückhaltende und durch 

frühere Aussagen gestützte Weise, wobei ihre Angaben mit weiteren objektiven 

-   41   -

Umständen – etwa dem Erhalt eines Fotos via Snapchat – in Einklang stehen. Die 

Einwände der Verteidigung vermögen an der Überzeugungskraft dieser Identifika-

tion nichts zu ändern. Der Vollständigkeit halber ist schliesslich nochmals zu er-

wähnen, dass sich aus dem Verhältnis zwischen der Privatklägerin und dem Be-

schuldigten kein persönliches Motiv für eine Falschbeschuldigung erkennen lässt, 

war der Beschuldigte für sie doch ein gänzlich Fremder und kam es zu keinem 

weiteren Treffen, als demjenigen vom 17. April 2021. Die Privatklägerin hatte so-

mit keinen Anreiz, den Beschuldigten grundlos zu belasten.

5.3.3. Die Verteidigung bringt als ein den Beschuldigten entlastendes Beweis-

mittel das bei den Akten liegende Video ein, welches aus einem anderen Verfah-

ren beigezogen wurde. Auf der Aufnahme ist die Privatklägerin beim Geschlechts-

verkehr mit einer männlichen Person zu sehen, wobei sie mittels einer Hand am 

Hals festgehalten und kurzfristig gewürgt wird (Urk. 3/1). Unbestritten ist dabei 

– sowohl seitens der Staatsanwaltschaft als auch der Verteidigung –, dass es sich 

bei der auf dem Video erkennbaren männlichen Person nicht um den Beschuldig-

ten handelt (Urk. 3/1; Urk. 71 Rz. 18 und Urk. 115 Rz. 8). Während die Staatsan-

waltschaft das Video für den vorliegenden Sachverhalt für nicht relevant hält, da 

es nicht das Treffen mit dem "Freier 3" vom 17. April 2021 dokumentiere (Urk. 78 

S. 2 f.), vertritt die Verteidigung demgegenüber die Auffassung, das Video zeige 

eben jenes Treffen und belege, dass der "Freier 3" nicht der Beschuldigte sei 

(vgl. Urk. 71 Rz. 15, 26, 69 und 87). Vielmehr handle es sich hierbei um P._____, 

welcher bereits vom Bezirksgericht Horgen für den betreffenden Vorfall verurteilt 

worden sei (Urk. 115 Rz. 8).

Die von der Verteidigung aufgestellte Argumentation, das vorliegend in Frage ste-

hende Video sei von der Polizei im Grundrapport vom 25. Mai 2021 dem dritten 

Freier der Privatklägerin zugeordnet worden (Urk. 115 Rz. 10), hält bei näherer 

Betrachtung nicht stand. Dem entsprechenden Rapport ist zwar tatsächlich unter 

dem Titel "3. Treffen / 16.04.2021 oder 17.04.2021" zu entnehmen, dass anläss-

lich der Durchsuchung des Mobiltelefons der Privatklägerin Videosequenzen mit 

verbotener Pornografie (u.a. Vornahme von sexuellen Handlungen mit der min-

derjährigen Privatklägerin, wobei diese während eines Vaginalverkehrs mittels ei-

-   42   -

ner Hand am Hals festgehalten/kurzfristig gewürgt wird) festgestellt worden seien 

(Urk. 4/1 S. 7). Es handelt sich hierbei jedoch um einen vorläufigen Ermittlungsan-

satz, der keine definitive Zuordnung des Videos zum Treffen mit dem "Freier 3" 

erlaubt. Dies korrespondiert mit den Ausführungen der Staatsanwaltschaft vor 

Vorinstanz, wonach die weiteren Ermittlungen zu diesem Video zweifelsfrei zu 

P._____ geführt hätten, welcher jedoch mit der "Aktion S._____" (Ermittlungs- 

bzw. Untersuchungsverfahren der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Schaff-

hausen gegen die Vermittler der Freier an die minderjährige Privatklägerin; 

vgl. Urk. 1) nichts zu tun gehabt habe (Urk. 78 S. 2).

Für die konkrete Zuordnung des Videos sind sodann die diesbezüglichen Aussa-

gen der Privatklägerin zu berücksichtigen: Anlässlich ihrer polizeilichen Einver-

nahme vom 17. Mai 2021 führte die Privatklägerin zu den Verletzungen, die sie 

vom Vorfall des Treffens 3 erlitten habe, zunächst aus, sie habe vom Würgen rote 

Flecken am Hals gehabt und auf den "Titten" sei alles blau gewesen. Auf die 

Frage, ob sie noch Fotos von diesen Verletzungen habe, erklärte sie, sie glaube, 

noch etwas auf Snapchat zu haben. Das sei ein Video gewesen, aber man sehe 

es nicht klar (Urk. 6/8 F/A 358 ff.). Aus diesen Aussagen geht mit der Vorinstanz 

(vgl. dazu eingehend Urk. 98 S. 12 und S. 40 f.) eindeutig hervor, dass sich die 

Privatklägerin mit ihrer Bezugnahme auf ein Video ausschliesslich auf ihre Verlet-

zungen bezog. Daraus ergibt sich dagegen gerade nicht, dass das Video das 

Treffen mit dem "Freier 3" zeigt. Namentlich hat die Privatklägerin zu keinem Zeit-

punkt ausgesagt, dass das Treffen mit dem "Freier 3" gefilmt worden sei. Die ge-

genteiligen Ausführungen der Verteidigung reissen die Aussagen der Privatkläge-

rin aus dem Kontext. Sie vermögen auch keine Zweifel an der inhaltlichen Stim-

migkeit und Konsistenz ihrer Aussagen zu begründen. Insbesondere kann aus 

den Aussagen der Privatklägerin nicht abgeleitet werden, dass vom Treffen mit 

dem "Freier 3" überhaupt eine Videoaufnahme existiert.

Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz zur Klarstellung, dass auf dem 

Video nicht der Vorfall vom Treffen 3 zu sehen sei, den Beizug der Akten des 

Strafverfahrens gegen P._____, Bezirksgericht Horgen, Geschäfts-Nr. GG230016 

(Urk. 78 und Prot. I S. 62 ff.). Sie begründete dies zusammengefasst damit, dass 

-   43   -

die auf dem besagten Video zu sehende männliche Person zweifelsfrei P._____ 

sei. Dieser habe die Privatklägerin auf Snapchat kennengelernt und die beiden 

hätten einvernehmlich ein Sex-Video aufgenommen, um dieses später zu verkau-

fen. Den diesbezüglichen Akten könne entnommen werden, dass P._____ ein 

vollumfängliches Geständnis abgelegt habe sowie dass dieser nichts mit dem vor-

liegenden Verfahren zu tun habe. Insbesondere sei er nicht über einen Zuhälter 

der Privatklägerin vermittelt worden (Urk. 78). Die Vorinstanz wies den Beweisan-

trag der Staatsanwaltschaft ab mit der Begründung, der Beizug der betreffenden 

Akten sei für die Sachverhaltserstellung nicht von Bedeutung. Es sei klar, dass 

das in Frage stehende Video nicht die Geschehnisse des Treffens 3, also desjeni-

gen der Privatklägerin mit dem Beschuldigten, festhalte. Diesen Ausführungen 

kann – wie noch aufzuzeigen sein wird – vorbehaltlos gefolgt werden. Auch vor 

Berufungsinstanz drängt sich von Amtes wegen kein Beizug der vorerwähnten 

Akten auf.

Anlässlich der Berufungsverhandlung versuchte die Verteidigung die Ausführun-

gen der Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz zu widerlegen, indem sie eine E-Mail 

von der für das vorliegende Verfahren zuständigen Staatsanwältin lic. iur. 

AF._____ an die Staatsanwältin M.A. HSG T._____ (von der Staatsanwaltschaft 

des Kantons Schaffhausen) vom 8. Juni 2022 zu den Akten reichte (vgl. 

Urk. 114/1). Daraus gehe hervor, dass Staatsanwältin lic. iur. AF._____ vier Straf-

verfahren geführt habe, darunter insbesondere dasjenige gegen P._____. Im Ge-

gensatz dazu habe Staatsanwältin lic. iur. AF._____ anlässlich der vorinstanzli-

chen Hauptverhandlung suggeriert, dass es über die von der Privatklägerin ge-

schilderten vier Treffen hinaus ein weiteres Treffen mit P._____ gegeben habe 

(Urk. 113 S. 2). Der Ansicht der Verteidigung kann nicht gefolgt werden. Zunächst 

ist auch in diesem Zusammenhang hervorzuheben, dass das von ihr eingereichte 

E-Mail der Staatsanwaltschaft im Rahmen der laufenden Untersuchung verfasst 

wurde und lediglich den damaligen Ermittlungsstand widerspiegelt, der noch keine 

abschliessende Zuordnung der Vorfälle erlaubte. Die E-Mail erwähnt zwar vier 

Verfahren, nennt jedoch weder explizit P._____ als "Freier 3" noch schliesst es 

eine Trennung der Vorfälle aus. So ergibt sich daraus, dass Staatsanwältin lic. iur. 

AF._____ zum damaligen Zeitpunkt beurteilen wollte, ob sich aus den Befragun-

-   44   -

gen der mutmasslichen Vermittler etwas in Bezug auf die vier von ihr geführten 

Untersuchungen ableiten lasse (Urk. 114/1). Entscheidend ist letztlich, dass aus 

der ebenfalls von der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung einge-

reichten Anklageschrift betreffend P._____ klar hervorgeht, dass – entsprechend 

den Ausführungen der Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz – das ihm darin vorge-

worfene Verhalten tatsächlich nichts mit einer Vermittlung durch einen Dritten aus 

AD._____ zu tun hatte, sondern das Treffen zwischen ihm und der Privatklägerin 

am 6. Mai 2021 in AG._____ direkt über Snapchat zustande kam. Dies steht im 

klaren Gegensatz zum Treffen mit dem "Freier 3", das – gemäss den glaubhaften 

Aussagen der Privatklägerin – über den Vermittler organisiert worden sei.

Weiter verdient der Inhalt des Sex-Videos eine nähere Betrachtung. Wie bereits 

erwähnt, zeigt es die Privatklägerin beim Geschlechtsverkehr, wobei sie am Hals 

festgehalten und