# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cb99d595-e194-5b9c-9898-b64252528448
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 09.01.2023 SB200499
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB200499_2023-01-09.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB200499/U/cs 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi 

und Ersatzoberrichter lic. iur. Kessler sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Boese 

 

Urteil vom 9. Januar 2023 

 

in Sachen 

 

1. A._____,  
Beschuldigter, Erstberufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

2. B._____,  
Beschuldigte und Erstberufungsklägerin 

3. C._____,  
Beschuldigte und Berufungsbeklagte 

 

1 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 

2 amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ 

3 amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X3._____ 

  

gegen 

 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. Kauf,  

Anklägerin und Zweitberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. D._____,  
Privatklägerin und Anschlussberufungsklägerin 

- 2 - 

2. E._____,  
Privatkläger 

3. F._____,  
Privatklägerin 

4. C._____,  
Privatklägerin und Berufungsbeklagte 

5. B._____,  
Privatklägerin 

6. G._____,  
Privatkläger und Drittberufungskläger 

7. A._____,  
Privatkläger 

 

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ 

2 vertreten durch MLaw Y2._____ 

3 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Y3._____ 4 vertreten durch 

Rechtsanwältin lic. iur. X3._____ 

5 vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ 

6 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Y4._____ 

7 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 

 

betreffend mehrfache schwere Körperverletzung etc. und Widerruf   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 
3. September 2020 (DG200039) 

- 3 - 

Anklage: 

Die zwei Anklageschriften der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

7. Februar 2020 (Urk. 1/25/02 f.) sind diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Prozess Nr. DG200040-L wird mit dem vorliegenden Prozess Nr. DG200039-L ver-

einigt und unter der letztgenannten Prozess-Nr. weitergeführt. 

2. Das Verfahren betreffend wiederholte Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 

und Abs. 2 lit. a StGB (Anklageziffer 1.2 der Anklageschrift 1) wird eingestellt. 

3. Der Beschuldigte 1 ist schuldig 

− der mehrfachen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 3 

StGB, 

− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, 

− der mehrfachen qualifizierten Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 184 Abs. 3 und 4 StGB, 

− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

Ziff. 1 StGB, 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,  

− der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht im Sinne von Art. 219 

Abs. 1 StGB. 

4. Die Beschuldigte 2 ist schuldig 

− der mehrfachen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 3 

StGB, 

− der mehrfachen qualifizierten Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 184 Abs. 3 und 4 StGB. 

5. Die Beschuldigte 2 ist nicht schuldig und wird freigesprochen von den Vorwürfen 

− der Verleumdung im Sinne von Art. 174 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

6. Die Beschuldigte 3 ist schuldig der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB. 

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7. Die Beschuldigte 3 ist nicht schuldig und wird freigesprochen von den Vorwürfen 

− der Verleumdung im Sinne von Art. 174 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

8. Der Beschuldigte 1 wird bestraft mit 16 ½ Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit 

heute 862 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 300 Ta-

gessätzen zu CHF 10. 

9. Die Freiheitsstrafe des Beschuldigten 1 wird vollzogen. Der Vollzug der Geldstrafe 

wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren. 

10. Der Widerruf des bedingten Vollzugs bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts 

Uster vom 15. August 2014 ausgefällten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu CHF 30 

wird nicht angeordnet. 

11. Die Beschuldigte 2 wird bestraft mit 12 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit 

heute 695 Tage durch Haft erstanden sind. 

12. Die Freiheitsstrafe der Beschuldigten 2 wird vollzogen. 

13. Von einer Bestrafung der Beschuldigten 3 wird in Anwendung von Art. 52 StGB ab-

gesehen. 

14. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 7. Februar 

2020 beschlagnahmte Mobiltelefon Apple iPhone X, Inhaber A._____, Asservaten-

Nr. A011'434'950, wird dem Beschuldigten 1 nach Eintritt der Rechtskraft durch die 

Lagerbehörde zuhanden seiner Effekten herausgegeben. 

15. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 7. Februar 

2020 beschlagnahmte Mobiltelefon Apple iPhone 8, Inhaberin B._____, Asserva-

ten-Nr. A011'919'316, der Laptop Marke "HP", Inhaberin B._____, Asservaten-Nr. 

A011'919'327, sowie das Mobiltelefon Apple iPhone SE, Inhaberin B._____, Asser-

vaten-Nr. A011'919'349, werden der Beschuldigten 2 nach Eintritt der Rechtskraft 

durch die Lagerbehörde zuhanden ihrer Effekten herausgegeben. 

16. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte 1 gegenüber der Privatklägerin 1 

(D._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-

pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspru-

- 5 - 

ches wird die Privatklägerin 1 (D._____) auf den Weg des Zivilprozesses verwie-

sen. 

17. Der Beschuldigte 1 wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 (D._____) CHF 20'000 

zuzüglich 5 % Zins ab 1. Februar 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbe-

trag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

18. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte 1 gegenüber dem Privatkläger 2 

(E._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-

pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspru-

ches wird der Privatkläger 2 (E._____) auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

19. Der Beschuldigte 1 wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 (E._____) CHF 2'000 zu-

züglich 5 % Zins seit 15. Februar 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbe-

trag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

20. Die Beschuldigten 1 und 2 werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet, der 

Privatklägerin 3 (F._____) CHF 70'000 zuzüglich 5 % Zins seit 7. Dezember 2010 

als Genugtuung zu bezahlen.  

21. Der Beschuldigte 1 wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 (C._____) CHF 12'000 zu-

züglich 5 % Zins seit 30. April 2009 als Genugtuung zu bezahlen.  

22. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte 1 gegenüber der Privatklägerin 5 

(B._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-

pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspru-

ches wird die Privatklägerin 5 (B._____) auf den Weg des Zivilprozesses verwie-

sen. 

23. Der Beschuldigte 1 wird verpflichtet, der Privatklägerin 5 (B._____) CHF 10'000 zu-

züglich 5 % Zins seit 1. März 2010 als Genugtuung zu bezahlen. 

24. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigten 1 und 2 gegenüber dem Privatkläger 6 

(G._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach unter solidarischer 

Haftbarkeit schadenersatzpflichtig sind. Zur genauen Feststellung des Umfanges 

des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger 6 (G._____) auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen. 

- 6 - 

25. Die Beschuldigten 1 und 2 werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet, dem 

Privatkläger 6 (G._____) CHF 70'000 zuzüglich 5 % Zins seit 7. Dezember 2010 als 

Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abge-

wiesen.  

26. Die Genugtuungsbegehren des Beschuldigten 1 gegenüber den Beschuldigten 2 

und 3 werden abgewiesen. 

27. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf  

CHF 18'000.00   die weiteren Auslagen betragen:  

CHF 33'000.00   Gebühr Strafuntersuchung (§ 4 GebStrV) 

CHF 1'400.00   Gebühr Beschwerde (G.Nr. UB180105-O, Beschuldigter 1) 

CHF 900.00   Gebühr Beschwerde (G.Nr. UV190005-O, Beschuldigter 1) 

CHF 1'200.00   Gebühr Beschwerde (G.Nr. UH190134-O, Beschuldigter 1) 

CHF 429.00   Kosten Kantonspolizei Zürich 

CHF 33'095.50   Gutachten/Expertisen etc. 

CHF 1'051.60   Zeugenentschädigung 

CHF 4'642.80   Auslagen Untersuchung 

CHF 19'000.35   Vertretung Privatkläger 1 (RA Y1._____) 

CHF 14'316.90   ehemalige Vertretung Privatklägerin 3 (RAin Y5._____) 

CHF 13'496.85   Vertretung Privatklägerin 3 (RA Y3._____) 

CHF 11'562.90   Vertretung Privatklägerin 4 (Akontozahlung, RAin X3._____,    siehe Disp. Ziff. 33) 

CHF 10'285.60   Vertretung Privatklägerin 4 (RAin X3._____, siehe    Disp. Ziff. 33) 

CHF 6'423.55   Vertretung Privatklägerin 5 (inkl. Akontozahlung,    RAin X2._____, siehe Disp. Ziff. 32) 

CHF 14'697.85   Vertretung Privatkläger 6 (RA Y4._____) 
 

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CHF 1'528.90   Vertretung Privatkläger 7 (RA X1._____) 

CHF 50'567.05   amtliche Verteidigung Beschuldigter 1 (Akontozahlungen, RA    X1._____) 

CHF 55'772.85   amtliche Verteidigung Beschuldigter 1 (RA X1._____) 

CHF 57'812.00   amtliche Verteidigung Beschuldigte 2 (inkl. Akontozahlungen, RAin   X2._____, siehe Disp. Ziff. 32) 

CHF 11'562.90   amtliche Verteidigung Beschuldigte 3    (Akontozahlung, RAin X3._____, siehe Disp. Ziff. 33) 

CHF 10'285.70   amtliche Verteidigung Beschuldigte 3 (RAin X3._____,   siehe Disp. Ziff. 33) 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

28. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen 

diejenigen der amtlichen Verteidigungen und der unentgeltlichen Rechtsvertretun-

gen, werden dem Beschuldigten 1 zu zwei Dritteln und der Beschuldigten 2 zu ei-

nem Drittel auferlegt. 

29. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen und der unentgeltlichen Rechtsvertretun-

gen werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforde-

rung für die Kosten der jeweiligen amtlichen Verteidigungen gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO. 

30. Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als 

amtlicher Verteidiger des Beschuldigten 1 mit CHF 106'339.90 (inkl. Mehrwertsteu-

er und Akontozahlungen in der Höhe von CHF 23'568.50 und CHF 26'998.55) aus 

der Gerichtskasse entschädigt.  

31. Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als 

unentgeltlicher Rechtsbeistand des Beschuldigten 1 mit CHF 1'528.90 (inkl. Mehr-

wertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.  

32. Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ wird für ihre Bemühungen und Barauslagen als 

amtliche Verteidigerin der Beschuldigten 2 mit CHF 57'812 (inklusive Mehrwert-

steuer und Akontozahlungen in der Höhe von CHF 7'449.45 und CHF 20'651.15) 

aus der Gerichtskasse entschädigt.  

Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ wird verpflichtet, den Betrag von CHF 20'813.25 

auf das Konto der Gerichtskasse des Bezirksgerichts Zürich (IBAN CH59 0900 

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0000 8000 4713 0, lautend auf Bezirksgericht Zürich, Rechnungswesen, 8004 Zü-

rich) zurückzuerstatten.  

Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ wird für ihre Bemühungen und Barauslagen als 

unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin 5 mit CHF 6'423.55 (inkl. Mehr-

wertsteuer und Akontozahlungen in der Höhe von CHF 827.70 und CHF 2'294.55) 

aus der Gerichtskasse entschädigt. 

33. Rechtsanwältin lic. iur. X3._____ wird für ihre Bemühungen und Barauslagen als 

amtliche Verteidigerin der Beschuldigten 3 mit CHF 21'848.60 (inkl. Mehrwertsteuer 
und Akontozahlung in der Höhe von CHF 11'562.90) aus der Gerichtskasse ent-

schädigt. 

Rechtsanwältin lic. iur. X3._____ wird für ihre Bemühungen und Barauslagen als 

unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin 4 mit CHF 21'848.50 (inkl. 

Mehrwertsteuer und Akontozahlung in der Höhe von CHF 11'562.90) aus der Ge-

richtskasse entschädigt. 

34. Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ wird für seine Bemühungen und Auslagen als un-

entgeltlicher Rechtsvertreter der Privatklägerin 1 mit CHF 19'000.35 (inkl. Mehr-

wertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

35. Auf die Entschädigungsforderung von MLaw Y2._____ wird nicht eingetreten. 

36. Rechtsanwalt MLaw Y3._____ wird für seine Bemühungen und Auslagen als un-

entgeltlicher Rechtsvertreter der Privatklägerin 3 mit CHF 13'496.85 (inkl. Mehr-

wertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.  

37. Rechtsanwalt MLaw Y4._____ wird für seine Bemühungen und Auslagen als un-

entgeltlicher Rechtsvertreter des Privatklägers 6 mit CHF 14'697.85 (inkl. Mehr-

wertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.  

38. Die Beschuldigten 1 und 2 werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet, der 

Privatklägerin 3 (F._____) eine Umtriebsentschädigung von CHF 84.80 zu bezah-

len. 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten 1 bzw. des Vertreters des 

Privatklägers 7 (A._____): 

(Urk. 197 S. 2 f.; Urk. 268 S. 1 f.) 

 Hauptstandpunkt als Beschuldigter 1: 

1. Der Beschuldigte 1 sei vollumfänglich freizusprechen. 

2. Es sei dem Beschuldigten 1 aus dem vorliegenden Strafverfahren eine 

Entschädigung von Fr. 285'000.–, eine Genugtuung von Fr. 516'600.– 

für den erlittenen Freiheitsentzug und eine Genugtuung von 

Fr. 15'000.– für die besonders schwere Verletzung in seinen persönli-

chen Verhältnissen zuzusprechen.  

3. Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 1 

im erstinstanzlichen Verfahren sei auf Fr. 118'003.80 (inkl. MwSt.) 

festzusetzen, unter Anrechnung der bereits geleisteten Zahlungen. 

4. Die Zivilklagen der Privatkläger seien abzuweisen bzw. sei darauf nicht 

einzutreten. 

5. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens 

seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

6. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskas-

se zu nehmen. 

Eventualstandpunkt als Beschuldigter 1: 

1. Der Beschuldigte 1 sei mit maximal 3 Jahren Freiheitsstrafe zu bestra-

fen und angesichts der erstandenen Haft unverzüglich zu entlassen. 

2. Auf den Widerruf des bedingten Strafvollzuges der Vorstrafe (Urteil des 

Bezirksgerichtes Uster vom 15. August 2014) sei zu verzichten. 

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3. a) Die Genugtuung der Privatklägerin 1 sei auf maximal Fr. 10'000.– 

festzusetzen. 

 b) Die Genugtuung des Privatklägers 2 sei auf maximal Fr. 1'000.– 

festzusetzen. 

 c) Die Genugtuung der Privatklägerin 3 sei auf maximal Fr. 25'000.– 

festzusetzen und es sei keine solidarische Haftbarkeit des 

Beschuldigten 1 vorzusehen. 

 d) Die Genugtuung der Privatklägerin 4 sei auf maximal Fr. 5'000.– 

festzusetzen. 

 e) Die Genugtuung der Privatklägerin 5 sei auf maximal Fr. 5'000.– 

festzusetzen. 

 f) Die Genugtuung des Privatklägers 6 sei auf maximal Fr. 25'000.– 

festzusetzen und es sei keine solidarische Haftbarkeit des 

Beschuldigten 1 vorzusehen. 

4. Dem Beschuldigten 1 seien die Kosten der Untersuchung und des erst-

instanzlichen Verfahrens zu maximal der Hälfte aufzuerlegen. 

5. Eine Nachforderung der Kosten für die amtliche Verteidigung des Be-

schuldigten 1 im Sinne von Art. 135 Abs. 3 StPO sei maximal im Um-

fang der Hälfte vorzusehen. 

Als Privatkläger 7: 

1. Die Beschuldigte 2 sei der falschen Anschuldigung, der Irreführung der 

Rechtspflege und der Verleumdung zum Nachteil des Privatklägers 7 

schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 

2. Die Beschuldigte 3 sei der falschen Anschuldigung, der Irreführung der 

Rechtspflege, der Verleumdung und der Beschimpfung zum Nachteil 

des Privatklägers 7 schuldig zu sprechen und angemessen zu bestra-

fen. 

- 11 - 

3. Die Beschuldigte 2 sei zu verpflichten, dem Privatkläger 7 eine Genug-

tuung von Fr. 10'000.– zu bezahlen, zuzüglich 5 % Zins seit 26. April 

2018. 

4. Die Beschuldigte 3 sei zu verpflichten, dem Privatkläger 7 eine Genug-

tuung von Fr. 5'000.– zu bezahlen, zuzüglich 5 % Zins seit 26. April 

2018. 

b) Der Verteidigung der Beschuldigten 2 bzw. der Vertreterin der 

Privatklägerin 5 (B._____): 

(Urk. 196 S. 2; Urk. 269 S. 1 f.) 

 Als Beschuldigte 2: 

1. Die Beschuldigte 2 sei von den Vorwürfen der mehrfachen schweren 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB und der 

mehrfachen qualifizierten Freitheitsberaubung im Sinne von Art. 183 

Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 184 Abs. 3 und 4 StGB als Mittäterin 

freizusprechen. 

2. Die Beschuldigte 2 sei wegen Gehilfenschaft zu mehrfacher schwerer 

Körperverletzung und mehrfacher qualifizierter Freiheitsberaubung im 

Sinne der vorgenannten Bestimmungen schuldig zu sprechen. 

3. Die Beschuldigte 2 sei mit maximal 4 Jahren Freiheitsstrafe zu bestra-

fen, unter Anrechnung der erstandenen Haft. 

4. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 3 

und des Privatklägers 6 seien unter Aufhebung der solidarischen Haft-

barkeit gegenüber der Beschuldigten 2 abzuweisen. 

5. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, 

einschliesslich diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Vertretung der Privatkläger, seien auf die Staatskasse zu 

nehmen. 

- 12 - 

6. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens seien in Bezug auf die 

Beschuldigte 2 auf die Staatskasse zu nehmen. 

7. Der Beschuldigten 2 sei eine Entschädigung ihrer Aufwendungen für 

die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte zuzusprechen. 

Als Privatklägerin 5: 

Die Berufung des Beschuldigten 1 sei abzuweisen und es sei das erstin-

stanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositivziffern 3 2. Spiegelstrich, 5 und 23 

zu bestätigen.  

c) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:  

(Urk. 184 S. 2; Urk. 185 S. 2; Urk. 270 S. 2 und 5) 

1. Der Beschuldigte 1 sei mit einer Freiheitsstrafe von 19 ½ Jahren sowie 

mit einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen. 

2. Die Beschuldigte 2 sei mit einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren zu be-

strafen. 

3. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen. 

d) Der Verteidigung der Beschuldigten 3 bzw. der Vertreterin der 

Privatklägerin 4 (C._____): 

(Urk. 211 S. 3; Urk. 271 S. 1 f.) 

Als Beschuldigte 3: 

1. Die Beschuldigte 3 sei von den Vorwürfen der Verleumdung im Sinne 

von Art. 174 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der falschen Anschuldigung im Sinne 

von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der Irreführung der Rechtspflege 

im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privatklä-

gers 7 freizusprechen. 

- 13 - 

2. Die gegenüber der Beschuldigten 3 gestellten Zivilforderungen des Pri-

vatklägers 7 seien vollumfänglich abzuweisen. 

3. Das vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv sei zu be-

stätigen. 

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien vollumfänglich dem Privat-

kläger 7 aufzuerlegen. 

5. Die Kosten der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten 3 (zuzüglich 

7.7 % MwSt.) seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

Als Privatklägerin 4: 

1. Der Beschuldigte 1 sei anklagegemäss schuldig zu sprechen. 

2. Der Beschuldigte 1 sei zu verpflichten, der Privatklägerin 4 Fr. 12'000.– 

als Genugtuung zu bezahlen, zuzüglich 5 % Zins seit 30. April 2009. 

3. Das vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv sei zu be-

stätigen. 

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien vollumfänglich dem Be-

schuldigten 1 aufzuerlegen. 

5. Die Kosten der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin 4 (zuzüg-

lich 7.7 % MwSt.) seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

e) Des Vertreters der Privatklägerin 1 (D._____): 

(Urk. 215 S. 3; Urk. 272 S. 2) 

1. Die Berufung des Beschuldigten 1 sei vollumfänglich abzuweisen. 

2. Die Berufung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich sei gutzu-

heissen. 

3. Der Beschuldigte 1 sei zu verpflichten, der Privatklägerin 1 Fr. 25'000.– 

als Genugtuung zu bezahlen, zuzüglich 5 % Zins seit 1. Februar 2012. 

- 14 - 

4. Dem Beschuldigten seien sämtliche Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

5. Eventualiter seien die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Pri-

vatklägerin 1 definitiv auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

_____________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

 1. Das Verfahren gegen den Beschuldigten 1 wurde in Gang gesetzt durch 

eine Strafanzeige der Beschuldigten 2 vom 21. März 2018 (bei Fw H._____, Ab-

teilung Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich) "wegen häuslicher Gewalt (Würgen 

bis zum Verlust der Besinnung [Ohnmacht]) durch den Beschuldigten" (1) (dama-

liger Ehemann der Geschädigten [Beschuldigte 2]), zurückgehend auf den Zeit-

raum "ca. Freitag, 1. Januar 2010 bis ca. Sonntag, 28. Februar 2010", im Rahmen 

der bevorstehenden Scheidung der Beiden, und wegen sexueller Handlungen mit 

Kindern gegen den Beschuldigten 1 (Urk. 1/1/1 S. 1 f.). Im Vorfeld der Strafanzei-

ge vom 21. März 2018 hatte eine Mitarbeiterin der Opferhilfestellte Castagna am 

19. März 2018 bei der Kriminalabteilung der Stadtpolizei Zürich telefonisch ge-

meldet, dass sie eine Frau (Beschuldigte 2) mit deren 17-jährigen Tochter (Privat-

klägerin 1) zur Beratung gehabt habe. Diese habe ausgesagt, ihre Tochter sei von 

ihrem Ehepartner und Vater der Tochter (Beschuldigter 1) als Kind sexuell ange-

gangen worden. Auf Wunsch der Ratsuchenden habe diese Mitarbeiterin darum 

gebeten, diese Frau in der Person der späteren Beschuldigten 2 zu kontaktieren. 

In der anberaumten polizeilichen Befragung vom 21. März 2018 habe diese mas-

sive häusliche Gewalt über mehrere Jahre gegenüber der ganzen Familie und die 

sexuelle Nötigung an der späteren Privatklägerin 1 durch den Beschuldigten 1 zu 

Protokoll gegeben. In derselben Befragung hatte die Beschuldigte 2 auch Aussa-

gen gegen den Beschuldigten 1 wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung zum 

Nachteil der Privatklägerin 4 gemacht, welche ihrerseits am 4. April 2018 ein ers-

- 15 - 

tes Mal polizeilich befragt wurde. In der Folge erliess die Staatsanwaltschaft auf 

Ersuchen der Stadtpolizei Zürich den Vorführbefehl vom 19. April 2018 gegen den 

Beschuldigten 1 zum Zwecke der Befragung, und am 26. April 2018 wurde er ver-

haftet (Urk. 1/1/3 S. 2 ff.; Urk. 1/2/1; Urk. 1/2/6; Urk. 1/6/1 f.). 

 Der Beschuldigte 1 seinerseits liess mit Eingabe vom 17. Mai 2018 Strafan-

zeige gegen die Beschuldigten 2 und 3 jeweils wegen Verleumdung, Irreführung 

der Rechtspflege und falscher Anschuldigung erstatten (Urk. 1/16/9 S. 2). Im Ver-

laufe der Ermittlungen gegen ihn ergaben sich auch Belastungen gegen die Be-

schuldigte 2, weshalb die Staatsanwaltschaft am 24. September 2018 einen Vor-

führ- und Hausdurchsuchungsbefehl gegen diese erliess. Gestützt darauf wurde 

die Beschuldigte 2 am 10. Oktober 2018 an ihrem Wohnort verhaftet und mit Ver-

fügung vom 12. Oktober 2018 des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirksge-

richts Zürich in Untersuchungshaft versetzt (Urk. 4/1/1 S. 4 f.; Urk. 4/4/3; 

Urk. 4/4/7). Im Zeitpunkt ihrer Verhaftung hatten sich auch ihre Kinder, die Privat-

klägerin 1, der Privatkläger 2, und U._____, am Wohnort der Beschuldigten 2 be-

funden (Urk. 4/1/1 S. 5). 

 2. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete 

Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 3. September 2020 meldeten 

mit jeweiliger Eingabe vom 4., 7. resp. vom 8. September 2020 (Urk. 141A; 

Urk. 142; Urk. 142A+B) sowohl die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 1 

und der Beschuldigten 2 als auch die Rechtsvertretung des Privatklägers 6 sowie 

die Staatsanwaltschaft Berufung an (Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des be-

gründeten Urteils am 27. November 2020 (Staatsanwaltschaft), am 30. November 

2020 (Verteidigung der Beschuldigten 2 und Rechtsvertretungen der Privatklä-

ger 4 und 6), sowie am 1. Dezember 2020 (Verteidigung des Beschuldigten 1) 

reichten die Staatsanwaltschaft mit Eingaben vom 8. Dezember 2020, die Vertei-

digungen des Beschuldigten 1 und der Beschuldigten 2 mit solchen je vom 

21. Dezember 2020, fristwahrend ihre Berufungserklärungen im Sinne von 

Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Urk. 180/1-4+6; Urk. 184 f.; Urk. 196 f.). Mit Präsidial-

verfügung vom 6. Januar 2021 wurden die Berufungserklärungen den jeweils an-

deren Parteien zugestellt und Frist für die Erhebung einer Anschlussberufung  

- 16 - 

oder für einen Nichteintretensantrag angesetzt. Den Privatklägerinnen 1–4 wurde 

zudem Frist angesetzt, um zu erklären, ob ein Antrag gestellt werde, dass dem ur-

teilenden Gericht eine Person gleichen Geschlechts angehören soll (Art. 335 

Abs. 4 StPO) und gegebenenfalls, von einer Person gleichen Geschlechts befragt 

zu werden (Art. 153 Abs. 1 StPO; Urk. 198). Mit Eingaben vom 19. resp. 22. Ja-

nuar 2021 verzichteten die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger 2 auf eine An-

schlussberufung (Urk. 202 f.). Mit Eingabe vom 2. Februar 2021 liess die Privat-

klägerin 4 auf Anschlussberufung verzichten und beantragte, dass dem urteilen-

den Gericht eine Person gleichen Geschlechts angehören solle, dass sie aber da-

rauf verzichte, gegebenenfalls von dieser Person befragt zu werden. Zudem seien 

die Beweisanträge 7 und 9 des Beschuldigten 1 vom 22. Dezember 2020 abzu-

weisen (Urk. 211). Mit Eingabe vom 21. Juli 2020 (recte, wohl: 8. Februar 2021, 

wie Poststempel) liess die Privatklägerin 1 fristgerecht Anschlussberufung zur Be-

rufung des Beschuldigten 1 erklären und eine höhere Genugtuung von 

Fr. 25'000.–, zzgl. Zins zu 5 % seit 1. Februar 2012, beantragen (Urk. 199/7; 

Urk. 215). Mit Präsidialverfügung vom 22. Februar 2021 wurde die Anschlussbe-

rufungserklärung der Privatklägerin 1, welche einzig ihre Zivilforderung gegenüber 

dem Beschuldigten 1 betrifft, diesem und der Staatsanwaltschaft zugestellt 

(Urk. 217 f.). 

 3. Am 16. Februar 2022 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf 

den 29. November 2022 und die Folgetage vorgeladen (Urk. 228).  

 3.1. Mit Eingabe vom 16. November 2022 liess die Beschuldigte 3 mitteilen, 

dass sie anlässlich der Berufungsverhandlung vom Aussageverweigerungsrecht 

Gebrauch zu machen gedenke. In ihrer Parteirolle als Privatklägerin 4 liess sie 

zudem beantragen, gestützt auf Art. 152 Abs. 3 StPO nicht direkt mit dem Be-

schuldigten 1 konfrontiert werden zu wollen. Zudem sei ihre Befragung am ersten 

Prozesstag vorzuziehen und auf die Anklagepunkte 1.2. und 1.3. gemäss Ankla-

geschrift 2 zu beschränken und sie im Anschluss daran von der weiteren Ver-

handlungsteilnahme zu dispensieren. Die Ersuchen wurden am 17. November 

2022 bewilligt (Urk. 254 S. 2 ff., S. 5).  

- 17 - 

 3.2. Am 25. November 2022 wurde beschlossen, dass die Publikums-

öffentlichkeit im Sinne des Beschlusses der Vorinstanz vom 29. Juli 2020 

unverändert auch an der Berufungsverhandlung ausgeschlossen bleibt. Die ak-

kreditierten Gerichtsberichterstatter und allfällige von ihnen beigezogene Hilfsper-

sonen (Zeichner) wurden unter der Auflage zur Berufungsverhandlung zugelas-

sen, dass die Identität der Privatkläger 1-3 und 6 sowie der Beschuldigten 1-3 

nicht veröffentlicht werden darf und dass in der Berichterstattung jegliche Anga-

ben zu unterlassen sind, die Rückschlüsse auf die Identität der Privatkläger erlau-

ben würden (Urk. 261; vgl. auch Urk. 239 und Urk. 240).  

 3.3. Am 29. und 30. November 2022 fand die Berufungsverhandlung statt. 

Anlässlich derselben wurden die eingangs aufgeführten Anträge gestellt (Prot. II 

S. 16 ff.). Die Beschuldigte 3 wurde gemäss ihrem vorstehend erwähnten Antrag 

zu Beginn der Berufungsverhandlung befragt und verliess diese hernach (Prot. II 

S. 24 ff., S. 27). Das Berufungsurteil wurde den erschienenen Parteien und Par-

teivertretern am 11. Januar 2023 mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben 

(Prot. II S. 106 ff.). 

 4. Der Beschuldigte 1 war am 26. April 2018 an seinem Wohnort verhaftet 

und mit Verfügung vom 28. April 2018 des Zwangsmassnahmengerichts des Be-

zirksgerichts Zürich in Untersuchungshaft versetzt worden (Urk. 1/6/2; Urk. 1/6/8). 

Mit Präsidialverfügung der Vorinstanz vom 21. September 2021 wurde ihm der 

vorzeitige Strafvollzug bewilligt (Urk. 153; Urk. 159; Urk. 165 f.). Am 7. November 

2022 ging ein Führungsbericht der Justizvollzugsanstalt Pöschwies vom 27. Ok-

tober 2022 über den Beschuldigten 1 ein (Urk. 251). Die Beschuldigte 2 wurde am 

10. Oktober 2018 an ihrem Wohnort verhaftet und mit Verfügung vom 12. Oktober 

2018 des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirksgerichts Zürich in Untersu-

chungshaft versetzt (Urk. 4/4/3; Urk. 4/4/7). Mit Präsidialverfügung vom 2. Februar 

2021 wurde ihr der vorzeitige Strafvollzug bewilligt (Urk. 209; Urk. 214; Urk. 216; 

Urk. 222). Am 28. November 2022 ging der Vollzugsbericht der Justizvollzugsan-

stalt Hindelbank vom 22. November 2022 über die Beschuldigte 2 ein (Urk. 263). 

 5. Mit seiner Berufungserklärung vom 21. Dezember 2020 liess der Be-

schuldigte 1 diverse Beweisanträge stellen und begründen (Urk. 197 S. 4 ff.), wel-

- 18 - 

che im Wesentlichen den am 7. Mai 2020 bereits vor Vorinstanz gestellten und 

von dieser mit Präsidialverfügung vom 11. Juni 2020 abgewiesenen Beweisanträ-

gen entsprachen (Urk. 49 f.; Urk. 76; Urk. 105). Mit Eingabe vom 2. Februar 2021 

liess die Privatklägerin 4 Abweisung der sie betreffenden Beweisanträge 7 und 9 

(ihre Befragung im Berufungsverfahren und Einholen eines Glaubwürdigkeits- und 

Aussagetüchtigkeitsgutachtens über sie) beantragen (Urk. 211 S. 3 ff.). Mit Präsi-

dialverfügung vom 8. Oktober 2021 wurden die Beweisanträge des Beschuldig-

ten 1 einstweilen abgewiesen (Urk. 225 S. 3 f.). 

 5.1. Mit Eingabe vom 14. Oktober 2022 stellte die amtliche Verteidigung un-

ter Hinweis auf einen Medienbeitrag der Sendung "I._____", aus welcher die in 

der Begründung dargelegten Erkenntnisse stammen würden, die weiteren Be-

weisanträge (Urk. 242 S. 1 ff.): 

1. Es seien die gesamten Verfahrensakten der Strafuntersuchung Staatsanwalt-

schaft II des Kantons Zürich gegen zwei ehemalige KESB Mitarbeitende bei-

zuziehen. 

Eventualiter seien die Einvernahmeprotokolle der beschuldigten Personen 

sowie von Zeugen und Auskunftspersonen im besagten Verfahren beizuzie-

hen. 

2. Es seien die obergerichtlichen Verfahrensakten betr. Ermächtigungsbe-

schluss vom 8. Oktober 2021 (Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich gegen 

zwei KESB Mitarbeiter) beizuziehen. 

 5.2. Mit Präsidialverfügung vom 18. Oktober 2022 wurde den weiteren Par-

teien eine fakultative Frist zur Stellungnahme zu diesen Beweisanträgen ange-

setzt (Urk. 244). Mit Eingabe vom 20. Oktober 2022 liess der Privatkläger 6 mittei-

len, dass gegen den beantragten Aktenbeizug keine Einwände bestünden 

(Urk. 246). Der Privatkläger 2 liess mitteilen, auf eine Stellungnahme zu verzich-

ten (Urk. 248). Die Privatklägerin 1 liess erklären, sich nicht grundsätzlich gegen 

einen Aktenbeizug zu stellen, obwohl dieser unter die Kategorie der "Ablen-

kungsmanöver" zu fallen scheine. Gegebenenfalls wolle sie aber in diese Akten 

Einsicht erhalten (Urk. 250). Die Staatsanwaltschaft ersuchte mit Eingabe vom 25. 

Oktober 2022 um Abweisung der Beweisanträge, da aus dem beantragten Akten-

beizug kein Erkenntnisgewinn zu erwarten sei (Urk. 249). Mit Präsidialverfügung 

- 19 - 

vom 11. November 2022 wurden diese Beweisanträge einstweilen abgewiesen 

(Urk. 252). 

 5.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte 1 dieselben 

Beweisanträge (vgl. vorstehend, Erw. I.5. und I.5.1.) im Rahmen der Vorfragen 

erneuern und nochmals begründen (Prot. II S. 29 f.; Urk. 267), wobei der Antrag 

(Ziff. 8), es sei über die Privatklägerinnen 1 und 3 und den Privatkläger 6 je ein 

psychologisch-psychiatrisches Gutachten zur Frage einer psychischen Störung im 

Zeitpunkt der Strafuntersuchung und deren Auswirkung auf das Aussageverhalten 

zu erstellen, nunmehr als Haupt- und nicht mehr als Eventualantrag erfolgte. Zu-

dem nahm die Verteidigung des Beschuldigten 1 zu den Einwänden der anderen 

Parteivertretern Stellung (Prot. II S. 34 f.). Die Beschuldigte 3 sei zwar durch die 

Vorinstanz befragt worden, aber einzig in ihrer Eigenschaft als beschuldigte Per-

son und nicht als Privatklägerin 4 bzw. als Auskunftsperson. J._____ habe wäh-

rend des Deliktszeitraumes bei der Familie A._____/B._____ gelebt und sei wäh-

rend 24 Stunden pro Tag im Haus gewesen. Sie müsse deshalb doch etwas dazu 

sagen können, wie der Familienalltag in dieser Zeit ausgesehen habe. Wenn 

mehrere Personen aussagen könnten, zu gewissen Zeitpunkten sei nichts pas-

siert, dann müsse dies Eingang in die Sachverhaltserstellung finden und bei der 

Strafzumessung berücksichtigt werden. Bei der Beschuldigten 3 seien Auffällig-

keiten gegeben, welche ein Gutachten über die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen 

und die Aussagetüchtigkeit erforderlich machen würden. Dem Gutachten betref-

fend die Beschuldigte 3 sei zu entnehmen (Seiten 69 und 71): "Die Privatklägerin 

wird weiterhin dazu neigen, Fakten und Unwahrheiten zu vermischen oder Berich-

te auszuschmücken", "Das Risiko von falschen Aussagen ist hoch", "Wahr ist, 

was sich im Moment wahr anfühlt". Es fehlten Belege für die Behauptungen der 

Privatklägerin 1, wonach sie in Behandlung sei und Unterstützung benötige. Von 

den letzten zwei Jahren seien keine Belege vorhanden, welche Therapien und 

andere Bemühungen, welche die Privatklägerin 1 unternommen haben soll, do-

kumentierten. 

 5.3.1. Die Verteidigung der Beschuldigten 2 beantragte erneut, die Beweis-

anträge des Beschuldigten 1 seien vollumfänglich abzuweisen. Die Wohnung an 

- 20 - 

der K._____-Strasse gebe es in diesem Sinne nicht mehr. Sie sei längst weiter-

vermietet worden. Zum Antrag, es sei ein neues psychologisches Gutachten über 

die Beschuldigte 2 zu erstellen, werde auf Seite 86 des bestehenden Gutachtens 

verwiesen. Es liege bereits ein sehr umfangreiches Gutachten samt Ergänzungen 

bei den Akten. Laut diesem liege bei B._____ zweifelsfrei keine psychische Stö-

rung vor (Prot. II S. 30). 

 5.3.2. Die Verteidigung der Beschuldigten 3 erneuerte unter Hinweis auf ihre 

Eingabe vom 2. Februar 2021 (Urk. 211) den Antrag, die Beweisanträge 7 und 10, 

soweit diese ihre Mandantin betreffen, seien abzuweisen. Es liege bereits ein sehr 

umfassendes Gutachten über die Beschuldigte 3 bei den Akten, welches sehr 

ausführlich darüber Auskunft gebe, wie es dieser gehe und vor welchem Hinter-

grund sie ihre Aussagen gemacht habe. Weshalb ein neues Gutachten nötig sein 

soll, sei nicht schlüssig begründet und auch nicht einzusehen. Die Darstellung der 

Verteidigung des Beschuldigten 1, wonach sämtliche Privatklägerinnen bislang 

vor Gericht nicht ausgesagt hätten, sei zu korrigieren. Die Beschuldigte 3 sei von 

der Vorinstanz befragt worden und habe sich dort umfassend geäussert. Die Ein-

vernahmen ihrer Mandantin im Vorverfahren seien alle auf Video aufgezeichnet 

und unter Gewährung der Parteirechte durchgeführt worden. Die Vorinstanz und 

das Obergericht hätten sich einen unmittelbaren Eindruck von der Beschuldig-

ten 3 machen können, weshalb erneute Befragungen auch gemäss bundesge-

richtlicher Rechtsprechung nicht nötig seien (Prot. II S. 30 ff.). 

 Es stimme, dass ihre Mandantin durch die Vorinstanz als beschuldigte Per-

son befragt worden sei. Dabei habe sie aber auch Aussagen zu den Delikten ge-

macht, die dem Beschuldigten 1 in der Anklageschrift 1 zum Nachteil der Be-

schuldigten 3 vorgeworfen würden. Diese Befragung durch die Vorinstanz sei ei-

gentlich gar nicht notwendig gewesen, da deren Aussagen mit der Videoaufzeich-

nung ja in Bild und Ton bei den Akten lägen und folglich nachvollzogen werden 

könnten. Die dauernde Wiederholung von Befragungen sei eine enorme Belas-

tung für die Privatklägerschaft und führe immer wieder zu erneuten Traumatisie-

rungen. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung verlange zwar, dass sich das 

Gericht einen persönlichen Eindruck der geschädigten Person verschaffe, deren 

- 21 - 

Aussagen es zu würdigen habe. Diesen Eindruck habe sich die Vorinstanz zwei-

felsohne aufgrund der persönlichen Anwesenheit und Befragung der Beschuldig-

ten 3 machen können (Prot. II S. 35 f.). 

 5.3.3. Ebenso beantragte die Staatsanwaltschaft die Abweisung sämtlicher 

Beweisanträge des Beschuldigten 1, mit der Begründung, das psychiatrische 

Gutachten über die Beschuldigte 2 sei während der Strafuntersuchung gemäss 

Auftrag der Staatsanwaltschaft erstellt worden. Die Beurteilung der Glaubhaf-

tigkeit von deren Aussagen sei zudem die ureigene Kompetenz des Gerichts. Es 

sei nicht ersichtlich, inwiefern eine Befragung von Rechtsanwältin Z._____ zum 

Scheidungsgrund und zum Verhältnis der Beschuldigten 1 und 2 zu ihren Kindern 

für das Strafverfahren von Relevanz sein soll. Diese sei selber nicht Zeugin von 

Straftaten geworden (Prot. II S. 32; Urk. 267A). 

 5.3.4. Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Privatklägerin 1 beantragte 

ebenfalls, die Beweisanträge der Verteidigung des Beschuldigten 1 seien vollum-

fänglich abzuweisen und nahm Stellung zu den Beweisanträgen 7 und 8, welche 

seine Mandantin betreffen (Prot. II S. 32 ff.). Hinsichtlich einer erneuten Befra-

gung der Privatklägerin 1 im Berufungsverfahren verwies er auf die Videoauf-

zeichnungen der früheren Einvernahmen. Gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung seien solche Videoaufnahmen relevante Beweismittel, welche eine 

weitere Befragung durch das Gericht obsolet machen würden. Es bestünden we-

der Ungereimtheiten noch Widersprüche in den Aussagen der Privatklägerin 1. 

Zudem lägen weitere Aussagen von Bezugspersonen, Therapeutinnen, Sozialar-

beiterinnen im Sinne von Indizien vor, welche die Aussagen der direkt geschädig-

ten Kinder stützten. Der Antrag des Beschuldigten 1 zeige einmal mehr seine 

Rücksichtslosigkeit gegenüber seinen Kindern auf, welche er wieder in eine sol-

che quälende Situation zurückversetzen wolle, indem sie das in der Vergangen-

heit Erlebte und Traumatische im Rahmen einer Einvernahme nochmals durch-

stehen müssten. Zu Beweisantrag Ziff. 8 verwies der Rechtsvertreter darauf, dass 

die Privatklägerin 1 selbstverständlich schwere psychische Beeinträchtigungen er-

litten habe, was nicht schwierig nachzuvollziehen sei. Diese psychischen Beein-

trächtigungen hätten aber keine Auswirkungen auf ihre Wahrnehmung und Orien-

- 22 - 

tierung. Die Privatklägerin 1 wisse, was wahr sei und was nicht. Es gebe keinerlei 

Hinweise auf eine Einschränkung ihrer Wahrnehmung oder Glaubwürdigkeit 

durch diese psychischen Beeinträchtigungen. Vielmehr sei naheliegend, dass 

diese durch die schweren psychischen und sexuellen Misshandlungen durch den 

Beschuldigten 1 direkt kausal hervorgerufen worden seien. Die Privatklägerin 1 

befinde sich derzeit sehr wohl in Behandlung. Selbstverständlich benötige sie eine 

therapeutische Behandlung und überdies berufliche Massnahmen. Sie sei immer 

noch dabei, wieder Fuss zu fassen, auch in beruflicher Hinsicht und brauche sie 

intensive Unterstützung, ganz besonders in psychischer Hinsicht. Es stehe der 

Privatklägerin 1 noch vieles bevor. 

 5.4. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 3 

Abs. 2 lit. c StPO) ergibt sich u.a. das Recht der Betroffenen, vor Erlass eines 

Entscheides erhebliche Beweise beizubringen und mit erheblichen Beweisanträ-

gen gehört zu werden (Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO), wenn diese geeignet sind, den 

Entscheid zu beeinflussen. Dem Mitwirkungsrecht entspricht die Pflicht der Be-

hörden, die Argumente und Verfahrensanträge der Parteien entgegenzunehmen 

und zu prüfen sowie die ihr rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel 

abzunehmen (BGE 138 V 125 E. 2.1; BGE 137 II 266 E. 3.2; je mit Hinweisen). 

Das Gericht kann indessen in willkürfrei vorweggenommener Würdigung der zu-

sätzlich beantragten Beweise zum Schluss kommen, dass seine Überzeugung 

auch durch die Abnahme von weiteren Beweisen nicht geändert würde (Art. 139 

Abs. 2 StPO; WOHLERS, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung, 3. Auflage, Zürich 2020, N 8 ff. zu Art. 139 StPO; BGE 136 I 229 E. 5.3; 

BGE 134 I 140 E. 5.3 m.w.H.). 

 5.5. Im Übrigen hat sich bereits die Vorinstanz hinlänglich und zutreffend zu 

den damals bereits beantragten Beweisergänzungen geäussert, worauf vorab 

vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 181 S. 16 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Soweit erforderlich, ist auf die beantragten Beweisergänzungen im Rahmen der 

Beweiswürdigung zu den einzelnen Anklagevorwürfen nochmals einzugehen. 

 5.6. Hinsichtlich der Beweisanträge, ein Glaubwürdigkeitsgutachten über die 

Privatklägerin 4 und ein solches über die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen und der-

- 23 - 

jenigen der Beschuldigten 2 einzuholen (Urk. 197 S. 3, Ziff. 1 und 2, und deren 

Begründung, S. 5 ff.), ist zunächst auf die konstante Rechtsprechung des Bun-

desgerichts hinzuweisen, wonach das Prüfen der Glaubhaftigkeit von Aussagen 

Teil der richterlichen Beweiswürdigung bildet und damit zum Aufgabenbereich des 

Gerichts gehört. Die Begutachtung der Glaubwürdigkeit durch eine sachverstän-

dige Person drängt sich nur bei besonderen Umständen auf. Dies ist etwa der 

Fall, wenn schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkindes zu beurteilen 

sind, bei Anzeichen ernsthafter geistiger Störungen, welche die Aussageehrlich-

keit beeinträchtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die 

aussagende Person durch Drittpersonen beeinflusst wird. Dem Gericht steht bei 

der Beantwortung der Frage, ob aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfal-

les der Beizug eines Sachverständigen notwendig ist, ein Ermessensspielraum zu 

(BGE 129 IV 179 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_173/2021 vom 14. Juli 

2021 E.1.1.3 m.w.H.). Solche besonderen Umstände liegen bei der Privatkläge-

rin 4 zwar vor. Wie sich zeigen wird, erübrigt sich indessen die Einholung eines 

weiteren Gutachtens über die Privatklägerin 4 und deren Aussagen (vgl. nachfol-

gend, Erw. III.3.6.). 

 5.7. Soweit die Verteidigung des Beschuldigten 1 eine Befragung der aufge-

führten Privatklägerinnen und Privatkläger sowie diverser Zeugen beantragt 

(Urk. 197 S. 4 Ziff. 7 und 8; Urk. 267, Ziff. 7 und 9), ist ihr entgegenzuhalten, dass 

der Beschuldigte 1 mit den Privatklägern und den Zeugen, aber auch mit den Be-

schuldigten 2 und 3, bereits im bisherigen Verfahren mindestens einmal konfron-

tiert wurde, wie die Staatsanwältin zutreffend festhielt (Urk. 267A S. 4). Das 

Recht, im Verfahren mit belastenden Aussagen konfrontiert zu werden, besteht 

grundsätzlich bloss einmal. In welchem Verfahrenszeitpunkt dies zu erfolgen hat, 

bestimmt die Verfahrensleitung (WOHLERS, in: Kommentar zur Schweizerischen 

Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zürich 2020, N 6 zu Art. 147 StPO; 

BGE 139 IV 30 E. 5.4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_280/2014 vom 1. Septem-

ber 2014 E. 1.2). Hinzukommt, dass die Vier-Augen-Delikt-Problematik, mit Aus-

nahme der anklagegegenständlichen Geschehnisse zum Nachteil der Privatkläge-

rin 1 und der Privatklägerin 4 (vgl. nachfolgend, Erw. III.3.5. und III.3.6.), nicht be-

- 24 - 

steht, nachdem jeweils auch weitere, nicht ausser Acht zu lassende Personal- 

und Sachbeweismittel vorhanden sind. 

 5.8. Zudem ist bei Beweisanträgen, welche lediglich die generelle Glaub-

würdigkeit der aussagenden Person, vorliegend insbes. der Privatklägerin 5 (= 

Beschuldigte 2), zum Gegenstand haben, darauf hinzuweisen, dass gemäss bun-

desgerichtlicher Rechtsprechung bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie 

früher Gewicht auf die generelle Glaubwürdigkeit der einvernommenen Person im 

Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft gelegt wird, sondern diesem Ge-

sichtspunkt kaum mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für 

die Wahrheitsfindung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch 

methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimm-

tes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben der aussagen-

den Person entspringen (BGE 147 IV 534 E. 2.3.3) und darüber hinaus mit allfälli-

gen Sachbeweismitteln im Einklang stehen. 

II. Prozessuales 

 1. Der Beschuldigte 1 (= Privatkläger 7) hat das vorinstanzliche Urteil voll-

umfänglich angefochten, auch die nicht ihn, sondern die Beschuldigten 2 und 3 

betreffenden Anordnungen, dies mit zwei Ausnahmen (Urk. 197 S. 2 f.). Hinsicht-

lich der Dispositivziffern 2 (Verfahrenseinstellung betr. Tätlichkeiten zum Nachteil 

des Privatklägers 2) und 14 (Herausgabe seines iPhones) hat er das Urteil der 

Vorinstanz akzeptiert. Da mit der Berufungserklärung hinsichtlich der Dispositivzif-

fern 1, 15, 16, 18, 22, 24, 26 und 38 keine gemäss Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO er-

forderlichen Änderungen verlangt wurden und es hinsichtlich der Dispositivzif-

fer 10 (Verzicht auf Widerruf) an einer Beschwer gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO 

fehlt, nachdem dieser Antrag von der Staatsanwaltschaft unangefochten blieb, 

wurde der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten 1 mit Präsidialverfügung 

vom 26. August 2022 Frist angesetzt, um die Berufungserklärung zu verdeutli-

chen und insbesondere anzugeben, ob und gegebenenfalls welche Schuldsprü-

che hinsichtlich der Beschuldigten 2 und 3 beantragt werden (Urk. 233). Mit Ein-

- 25 - 

gabe vom 14. September 2022 teilte diese mit, dass unverändert an den mit der 

Berufungserklärung gestellten Anträgen festgehalten werde (Urk. 238). 

 2. Die Beschuldigte 2 (= Privatklägerin 5) liess das vorinstanzliche Urteil 

"vollumfänglich" anfechten und verlangt mit ihrer Berufungserklärung einen Frei-

spruch von den Vorwürfen der mehrfachen schweren Körperverletzung im Sinne 

von Art. 122 Abs. 3 StGB und der mehrfachen qualifizierten Freiheitsberaubung 

im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 184 Abs. 3 und 4 StGB 

(Urk. 196 S. 2).  

 3. Die Staatsanwaltschaft hat einzig die Dispositivziffern 8 und 11 angefoch-

ten (Strafen betr. Beschuldigte 1 und 2) und verlangt für Ersteren 19 ½ Jahre 

Freiheitsstrafe und 300 Tagessätze Geldstrafe zu Fr. 10.– und für die Beschuldig-

te 2 eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren (Urk. 184 f.), während vor Vorinstanz eine 

Bestrafung des Beschuldigten 1 mit 15 Jahren und der Beschuldigten 2 mit 13 

Jahren Freiheitsstrafe beantragt worden war (Urk. 111 S. 27 f., S. 33 f.) und mit 

dem vorinstanzlichen Urteil solche von 16 ½ Jahren (nebst einer bedingten Geld-

strafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 10.–) resp. 12 Jahren ausgesprochen wurden 

(Urk. 181 S. 252). 

 4. Die Privatklägerin 1 (D._____) liess mit ihrer Anschlussberufung eine um 

Fr. 5'000.– höhere, als die ihr von der Vorinstanz zugesprochene Genugtuung 

des Beschuldigten 1 von Fr. 20'000.– (Dispositivziffer 17), verlangen (Urk. 215 

S. 2). 

 5. Die Beschuldigte 3 (= Privatklägerin 4) hat nicht gegen das vorinstanzli-

che Urteil appelliert und mit Eingabe vom 2. Februar 2021 ausdrücklich auf eine 

Anschlussberufung verzichtet (Urk. 211 S. 3). Damit ist der gegen sie ergangene 

Schuldspruch wegen Beschimpfung (Dispositivziffer 6 des vorinstanzlichen Ur-

teils) unangefochten geblieben. Der Privatkläger 6 hatte mit Eingabe vom 

5. September 2020 Berufung angemeldet (Urk. 141B), hernach aber keine Beru-

fungserklärung einreichen lassen, weshalb auf seine Berufung nicht einzutreten 

ist. Der von seiner unentgeltlichen Rechtsvertretung erst am 24. November 2022 

erklärte Rückzug (Urk. 260) erweist sich als obsolet. 

- 26 - 

 6. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-

kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem 

die Dispositivziffern 1 (Verfahrensvereinigung), 2 (Verfahrenseinstellung betr. Tät-

lichkeiten zum Nachteil des Privatklägers 2), 6 (Schuldspruch gegen die Beschul-

digte 3 wegen Beschimpfung), 10 (Verzicht auf Widerruf), 14 und 15 (Herausgabe 

von Elektronikgeräten) sowie 27 teilweise (Kostenfestsetzung, mit Ausnahme Ho-

norar der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten 1), unangefochten blieben, ist 

mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang 

in Rechtskraft erwachsen ist. 

 7. Der Privatkläger 2 und die Privatklägerinnen 1 sowie 3–5 konstituierten 

sich schriftlich mit jeweiligem Formular vom 24. April 2018, 7. resp. 9. Mai 2018 

als Zivil- und Strafkläger (Urk. 1/7/8; Urk. 1/7/11; Urk. 1/7/13; Urk. 1/7/18; 

Urk. 1/7/21). Einzig der Privatkläger 6 konstituierte sich mit Formular vom 5. Mai 

2018 lediglich als Zivilkläger (Urk. 1/7/16). 

 8. Der Beschuldigte 1 (= Privatkläger 7) liess sich mit Schreiben der amtli-

chen Verteidigung vom 8. April 2019 als Straf- und Zivilkläger im Sinne von 

Art. 118 f. StPO konstituieren. Gleichzeitig liess er einen Antrag um Bestellung 

der amtlichen Verteidigung auch als unentgeltliche Privatklägervertretung rückwir-

kend per 27. März 2019 stellen (Urk. 1/16/38), was mit Verfügung der Ober-

staatsanwaltschaft des Kantons Zürich vom 10. April 2019 antragsgemäss bewil-

ligt wurde (Urk. 1/16/41). Bereits mit Eingabe vom 17. Mai 2018 hatte der Be-

schuldigte 1 durch seine amtliche Verteidigung Strafanzeige gegen die Beschul-

digten 2 und 3 jeweils wegen Verleumdung, Irreführung der Rechtspflege und fal-

scher Anschuldigung erstatten lassen (Urk. 1/16/9 S. 2). 

 8.1. Die Privatklägerschaft kann Entscheide im Schuld- und Zivilpunkt mit 

Berufung anfechten. Voraussetzung für die Legitimation zur Anfechtung des 

Schuldpunktes ist, dass sich die Privatklägerschaft nach Art. 119 Abs. 2 lit. a 

StPO als solche konstituiert hat. Dabei kann sie auch eine andere rechtliche Qua-

lifikation geltend machen (LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-

zessordnung, 3. Auflage, Zürich 2020, N 14 ff. zu Art. 382 StPO). Hingegen ist die 

Privatklägerschaft nicht legitimiert, den Endentscheid allein hinsichtlich der Sank-

- 27 - 

tion anzufechten (Art. 382 Abs. 2 StPO), zumal diese in aller Regel keinen Ein-

fluss auf die Beurteilung der Zivilansprüche hat. Ficht sie jedoch einen erstin-

stanzlichen Freispruch oder einen ihres Erachtens auf einer unzutreffenden recht-

lichen Würdigung beruhenden Schuldspruch an, kann sie insoweit auch eine Än-

derung des Strafmasses beantragen (BGE 139 IV 84 E. 1.2 = Pra 102 [2013] 

Nr. 59). Als Folge der fehlenden Legitimation im Strafpunkt kann die Privatkläger-

schaft in diesem Punkt aber weder als obsiegende noch als unterliegende Partei 

des Rechtsmittelverfahrens hervorgehen, weshalb ihr insofern auch keine Kosten 

auferlegt oder Entschädigungen zugesprochen werden dürfen (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_224/2013 E. 3.5; LIEBER, a.a.O., N 17 zu Art. 382 StPO). 

 8.2. Aus dem Dargelegten folgt, dass der Beschuldigte 1 auch zu Anträgen 

hinsichtlich einer Bestrafung der Beschuldigten 2 und 3 legitimiert ist, nachdem er 

auch die vorinstanzlich ergangenen (Teil-)Freisprüche bezüglich derselben ange-

fochten hat (Urk. 197 S. 2; vorstehend, Erw. II.1.). Soweit im Berufungsverfahren 

einzig der Beschuldigte 1 weitere Schuldsprüche betreffend die Beschuldigten 2 

und 3 beantragen liess, trägt er indessen das Kostenrisiko (Art. 432 Abs. 1 und 2 

StPO; BGE 141 IV 476 E. 1). 

 8.3. Der Beschuldigte 1 ist indessen nicht legitimiert zur Anfechtung von 

Dispositivziffer 6 des vorinstanzlichen Urteils, mit welcher die Beschuldigte 3 we-

gen Beschimpfung anklagegemäss schuldig gesprochen wurde und dieser 

Schuldspruch weder von ihr selbst noch von der Staatsanwaltschaft beanstandet 

wurde. Dieser Schuldspruch ist, wie erwogen, in Rechtskraft erwachsen. Somit 

fehlt dem Beschuldigten 1 in seiner Rolle als Privatkläger 7 auch die Legitimation 

zur Anfechtung des vorinstanzlichen Absehens von einer Bestrafung der Be-

schuldigten 3 wegen Beschimpfung, da er diesbezüglich nicht einzig die Sanktion 

anfechten kann. Auf seine Berufung gegen Dispositivziffer 13 des vorinstanzli-

chen Urteils (Absehen von Bestrafung der Beschuldigten 3 wegen Beschimpfung) 

ist daher nicht einzutreten. 

 9. Der Beschuldigte 1 liess mit seiner Berufungserklärung vom 21. Dezem-

ber 2020 auch die Höhe des Honorars der amtlichen Verteidigung anfechten 

(Urk. 197 S. 2). 

- 28 - 

 9.1. Gegen eine vorinstanzliche Honorarkürzung (Dispositivziffer 30) hat die 

amtliche Verteidigung gemäss ausdrücklicher gesetzlicher Regelung im eigenen 

Namen eine Beschwerde an die Beschwerdeinstanz, vorliegend die 

III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich, zu erheben (Art. 135 

Abs. 3 lit. a StPO). Diese Beschwerde ist schriftlich und begründet innert 10 Ta-

gen ab Zustellung des begründeten Urteils zu erheben (Art. 396 Abs. 1 StPO in 

Verbindung mit Art. 384 lit. a StPO; BGE 143 IV 40 E. 3.4; LIEBER, in: Kommentar 

zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zürich 2020, N 1a zu 

Art. 384 StPO). 

 9.2. Demgegenüber fehlt es dem Beschuldigten 1 selbst an einem rechtlich 

geschützten Interesse daran, dass das Honorar der Verteidigung erhöht wird, 

weshalb er im eigenen Namen nicht zur Erhebung eines Rechtsmittels berechtigt 

ist (Art. 382 Abs. 1 StPO; vgl. zum analogen Fall im Beschwerdeverfahren vor 

den Urteilen des Bundesgerichts 6B_1362/2020 vom 20. Juni 2022 E. 1; 

6B_146/2021 vom 14. Februar 2022 E. 3.2, je mit weiteren Hinweisen). Entspre-

chend ist auf die Berufung des Beschuldigten 1 insoweit, als damit das Honorar 

der amtlichen Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, angefochten wird, 

nicht einzutreten. Daran ändert auch nichts, dass im erstinstanzlichen Urteil nur 

auf das Rechtsmittel der Berufung, nicht aber auf die zusätzliche Beschwerde 

nach Art. 135 Abs. 3 StPO hingewiesen wurde. Entsprechende Gesetzeskenntnis 

wird bei zugelassenen Rechtsanwälten vorausgesetzt. 

III. Sachverhalt 

 1. Die Anklage wirft den Beschuldigten 1 und 2 vor, sich als Mittäter der qua-

lifizierten Freiheitsberaubung und der mehrfachen schweren Körperverletzung 

zum Nachteil der Privatkläger 3 und 6 (F._____ und G._____) schuldig gemacht 

zu haben (Urk. 1/25/2 S. 3 ff.). 

 1.1. Die Beschuldigten 1 und 2 hätten im Zeitraum ab ca. 1. Januar 2003 bis 

7. Dezember 2010, zunächst an der L._____-Strasse …, … Zürich, und ab 

16. August 2006 an der K._____-Strasse …, … Zürich, zwei ihrer Kinder, die Pri-

vatklägerin 3, geb. tt.03.1998, und den Privatkläger 6, geb. tt.02.1999, im zweit-

- 29 - 

genannten Zeitraum bis ca. Mitte 2008 nahezu jede Nacht im Kinderzimmer und 

hernach im Keller ihres Reiheneinfamilienhauses eingeschlossen. Dabei hätten 

sie die jeweilige Tür mit dem Schlüssel so verriegelt, dass diese den Raum bis 

zum nächsten Morgen nicht hätten verlassen können. 

 1.1.1. Im zweitgenannten Zeitraum hätten sie die Privatkläger 3 und 6 mehr-

heitlich auch tagsüber am Wochenende auf dieselbe Weise eingesperrt und ihnen 

während dieser Zeit den Toilettengang lediglich zwei Mal täglich erlaubt. Dabei 

hätten sie die betreffende Tür jeweils abwechselnd verriegelt, wenn sich die Pri-

vatkläger 3 und 6 auf Anweisung der Beschuldigten 2 und/oder des Beschuldig-

ten 1 in diesen Räumen befunden hätten, wobei sie jeweils gewusst oder zumin-

dest damit gerechnet hätten, dass die/der jeweilige andere Beschuldigte die Tür 

verriegeln würde, womit sie einverstanden gewesen seien oder dies zumindest in 

Kauf genommen hätten. 

 1.1.2. Durch die nächtlichen Einschliessungen seien die Privatkläger 3 und 6 

gezwungen gewesen, im Zeitraum ab ca. 16. August 2006 bis ca. Mitte 2008 ca. 

jede dritte bis vierte Nacht auf den Boden des Kinderzimmers und ab Mitte 2008 

auf den Boden des Kellers zu urinieren und zu koten, wobei der Privatkläger 6 

mehrfach aus dem Kellerfenster gestiegen sei und in den Lichtschacht davor uri-

niert habe. Die Beschuldigen 1 und 2 hätten all dies festgestellt und die Privatklä-

ger 3 und 6 mehrfach angewiesen, ihren Kot und Urin eigenhändig wegzuputzen, 

was diese jeweils getan hätten. 

 1.1.3. Überdies hätten die Beschuldigten 1 und 2 den Privatklägern 3 und 6 

während des gesamten vorerwähnten Zeitraumes regelmässig die Nahrung ver-

weigert, so dass beide Kinder untergewichtig und aufgrund ihres grossen Hun-

gergefühls dazu gezwungen gewesen seien, in der Schule regelmässig Esswaren 

von anderen Kindern zu stehlen und zu Hause unbemerkt durch das Haus zu 

schleichen und nach Esswaren zu suchen und solche anschliessend im Kissen-

bezug in ihrem Bett zu verstecken. Wenn die Beschuldigte 2 dies jeweils festge-

stellt habe, habe sie diesen die Esswaren weggenommen. 

- 30 - 

 1.1.4. Aufgrund der Mangelernährung hätten sich die Privatkläger 3 und 6 im 

zweitgenannten Zeitraum in einer körperlich schlechten Verfassung befunden, 

wobei der Privatkläger 6 am 29. Januar 2008 laut Feststellungen der Schulärztin 

im Alter von acht Jahren und 11 Monaten eine Körpergrösse von 121.5 cm und 

ein Gewicht von 18.5 kg und damit einen BMI von 12.5 aufgewiesen habe, mithin 

untergewichtig gewesen sei und eine Unter- und Mangelernährung aufgewiesen 

habe, so dass er bereits äussere Zeichen einer Magersucht gezeigt habe (insbes. 

Flaumbehaarung, blasse Schleimhäute, tiefliegende Augen mit dunklen Augen-

ringen, nach Aceton riechender Atem). Bei seiner Untersuchung vom 5. Februar 

2008 im Kinderspital seien eine Gedeihstörung und ein kognitiver Entwicklungs-

rückstand sowie eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt worden. Bei der Un-

tersuchung der Privatklägerin 3 vom 15. Mai 2008 im Kinderspital habe diese bei 

einer Körpergrösse von 119.6 cm ein Gewicht von 21.8 kg sowie eine Gedeihstö-

rung und eine allgemeine Entwicklungsverzögerung aufgewiesen. 

 1.1.5. Die Beschuldigten 1 und 2 hätten sich im zweitgenannten Zeitraum 

nicht hinreichend um die Körperpflege der Privatkläger 3 und 6 gekümmert, so 

dass diese regelmässig mit einem strengen Körpergeruch und nach Urin stinken-

den Kleidern in die Schule hätten gehen müssen. Überdies hätten sie diesen kei-

ne angemessenen Schuhe gekauft, so dass diese mit zu kleinen Schuhen hätten 

zur Schule gehen müssen, wovon sie jeweils Blasen an den Füssen bekommen 

hätten. 

 1.1.6. Ferner hätten die Beschuldigten 1 und 2 den Privatklägern 3 und 6 

über den gesamten vorerwähnten Zeitraum keine sozialen Kontakte zu anderen 

Kindern erlaubt und ihnen verboten, an Veranstaltungen der Schule, wie Ausflü-

gen und Klassenlagern, teilzunehmen. Auch selbst hätten sie mit diesen keine 

Ausflüge unternommen und sie auch nicht mit den anderen Geschwistern spielen 

lassen. Durch dieses Verhalten hätten sie die Privatkläger 3 und 6 absichtlich na-

hezu komplett von der Aussenwelt isoliert. 

 1.1.7. Zu nicht genau bekannten Zeitpunkten im zweitgenannten Zeitraum 

habe die Beschuldigte 2 von den Privatklägern 3 und 6 überdies verlangt: 

- 31 - 

•  dass sie ihr eigenes Erbrochenes aufessen, wobei sie der Privatklägerin 3 den 

Kopf ins Erbrochene gedrückt habe (Tatzeitpunkt: ca. Jahr 2008/2009), 

•  dass der Privatkläger 6 seinen Kot esse, welcher Aufforderung dieser nachge-

kommen sei, 

•  dass diese ihre Kleider und Bettwäsche jede Woche von Hand in der Dusche in 

einem Eimer oder in der Badewanne gewaschen hätten, welcher Aufforderung 

sie jeweils nachgekommen seien, 

•  dass sie sich ihre mit Urin vollgesogenen Windeln auf den Kopf setzen und von 

ca. 10:00 Uhr bis ca. 18:30 Uhr stillzustehen hätten, welcher Aufforderung sie 

jeweils nachgekommen seien, 

ferner habe sie 

•  phasenweise die Glühbirne im Kinderzimmer aus der Fassung der Lampe ge-

schraubt, so dass beide im Dunkeln im Zimmer hätten ausharren müssen, 

•  der Privatklägerin 3 die schulterlangen Haare gegen deren Willen bis auf ein 

paar wenige Millimeter abgeschnitten, 

•  die Spielsachen der Privatkläger 3 und 6 weggeworfen. 

 Dabei habe sie jeweils in der Absicht gehandelt, die Beiden für ein Fehlver-

halten zu bestrafen, wobei der Beschuldigte 1 es grösstenteils unterlassen habe, 

sie von ihrem Tun abzuhalten oder das Fehlverhalten der Beschuldigten 2 den 

zuständigen staatlichen Behörden zu melden. 

 1.1.8. Der Beschuldigte 1 habe die Privatklägerin 3 ab ca. 1. Januar 2004 

bis zu deren Heimeinweisung am 7. Dezember 2010 jeweils am Wohnort 

•  nahezu täglich geschlagen, indem er ihr heftige Ohrfeigen ins Gesicht verpasst 

oder mit dem Fuss gegen ihr Gesäss getreten oder sie an den Haaren gerissen 

habe, 

•  ihr ca. einmal im Monat mit einem Bambusstecken oder Gürtel gegen den Kör-

per geschlagen und sie zudem jeweils mit einem Kochlöffel auf die Hände oder 

das Gesäss oder ihren Kopf gegen die Wand geschlagen habe, so dass sie ei-

ne Beule davongetragen habe, 

- 32 - 

•  sie einmal so gestossen, dass sie eine Treppe hinuntergefallen und am Boden 

liegengeblieben sei, wodurch sie Schmerzen am Brustkorb erlitt habe, 

•  ihr den Kopf einmal in die WC-Schüssel gedrückt und die Spülung betätigt. 

 Durch diese Schläge und anderweitigen körperlichen Misshandlungen habe 

er ihr absichtlich immer wieder schmerzende Hämatome an Armen und Beinen 

sowie am Gesäss zugefügt, wobei die ihr mit dem Gürtel vom Beschuldigten 1 

zugefügten Schläge einmal so stark schmerzende Hämatome an den Beinen und 

am Gesäss verursacht hätten, dass sie eine ganze Nacht lang nicht habe schla-

fen können. 

 1.1.9. Auch die Beschuldigte 2 habe die Privatklägerin 3 im vorgenannten 

Zeitraum insgesamt ca. 3 Mal mit einem Bambusstecken gegen die Hände und 

Arme sowie den Kopf an die Wand geschlagen und ihr so absichtlich Schmerzen, 

Hämatome und eine Beule zugefügt. Einmal habe sie diese im Keller mit einem 

Stock geschlagen, währendem die Geschwister zugeschaut und gelacht hätten. 

 1.1.10. Aufgrund dieser Schläge der Beschuldigten 1 und 2 habe die Privat-

klägerin 3 folgende Verletzungen aufgewiesen: 

•  Dezember 2004:  Blaue Flecken am Rücken und am Bein 

•  14. Mai 2005:  Schlagspuren auf der linken Gesichtsseite 

•  18. September 2006: Abdrücke auf der linken Wange (von Ohrfeigen stam-

mend) und eine Beule bei der Augenbraue 

•  20. März 2007:  Kratzer an der linken Wange und gelbe Verfärbung am 

Auge und Rötung am Ohr (von Ohrfeigen stammend) 

•  Januar 2008:   Schlagspuren am Oberarm und an der Wange und 

Beulen auf der Stirn 

•  29. Januar 2008:  Schlagspuren am Oberschenkel 

 1.1.11. Der Beschuldigte 1 habe auch den Privatkläger 6 ab ca. 2003 bis zu 

dessen Heimeinweisung am 7. Dezember 2010 jeweils am Wohnort nahezu täg-

lich geschlagen, ihm Ohrfeigen ins Gesicht verpasst oder ihn mit einem Kochlöffel 

- 33 - 

oder Gurt auf die Hände, den Rücken und das Gesäss geschlagen und ihm so 

Hämatome zugefügt. Einmal habe er diesen am Hals gepackt, gegen eine Wand 

und hernach dessen Kopf in die WC-Schüssel gedrückt und die Spülung betätigt, 

während er erklärt habe, dass er auf den Privatkläger 6 "scheisse" und "pisse". 

Ferner habe er den Privatkläger 6 einmal mit einem Sack voller Steine gegen das 

Auge und einmal mit der Faust ins Gesicht geschlagen und diesem so eine 

Schwellung und ein Hämatom am Auge resp. eine Blutung unterhalb des rechten 

Auges verursacht und ihm jeweils absichtlich Schmerzen und Verletzungen zuge-

fügt. 

 1.1.12. Auch die Beschuldigte 2 habe den Privatkläger 6 im vorgenannten 

Zeitraum nahezu täglich, teilweise mit einem Bambusstecken, und einmal im Kel-

ler mit einem Stock, geschlagen, währendem die Geschwister zugeschaut und 

gelacht hätten, dabei habe sie beabsichtigt, ihm Schmerzen zuzufügen und ihn zu 

verletzen. 

 1.1.13. Sofern die Beschuldigten 1 und 2 bei den vorstehend aufgeführten 

Tathandlungen und Unterlassungen zum Nachteil der Privatkläger 3 und 6, wie 

Tür verriegeln, Einsperren, Nahrung verweigern und Unterlassen ausreichender 

Ernährung, Esswaren wegnehmen, deren Körperpflege vernachlässigen, mit zu 

kleinen Schuhen zur Schule schicken, keine sozialen Kontakte zu anderen Kin-

dern erlauben, Teilnahme an Schulveranstaltungen (Ausflüge, Klassenlager) ver-

bieten, selbst keine Ausflüge mit diesen unternehmen, sie nicht mit den anderen 

Geschwistern spielen lassen, sie nahezu komplett von der Aussenwelt isolieren, 

sie schlagen und misshandeln (gemäss vorstehender E. III.1.1.7.–1.1.9. und 

1.1.11. f.), jeweils nicht selbst in der beschriebenen Weise gehandelt hätten, hät-

ten sie vom soeben beschriebenen Vorgehen oder Unterlassen des jeweils ande-

ren Beschuldigten gewusst oder zumindest damit gerechnet, womit sie auch ein-

verstanden gewesen seien oder dies zumindest in Kauf genommen hätten, wobei 

sie aufgrund ihrer Stellung als Eltern und der sich daraus ergebenden elterlichen 

Fürsorgepflicht dazu verpflichtet gewesen wären, die Misshandlungen durch den 

jeweils anderen Beschuldigten zu verhindern und anstelle des jeweils anderen un-

- 34 - 

tätigen Beschuldigten tätig zu werden oder dessen jeweiliges Fehlverhalten den 

zuständigen staatlichen Behörden zu melden. 

 1.1.14. Durch die vorstehend umschriebenen Tathandlungen und Unterlas-

sungen gegenüber den Privatklägern 3 und 6 hätten die Beschuldigten 1 und 2 im 

vorerwähnten Tatzeitraum bewirkt, dass diese unter ständigen Angstzuständen 

gelitten hätten, was sie gewollt oder zumindest in Kauf genommen hätten. So hät-

ten die Privatkläger 3 und 6 mit der ständigen Angst leben müssen, von den Be-

schuldigten 1 und 2 geschlagen oder anderweitig physisch oder psychisch miss-

handelt zu werden, wobei sie sich vor beiden Beschuldigten gleichermassen ge-

fürchtet hätten. Deren Misshandlungen hätten sie schwer traumatisiert, zumal sie 

diese hilflos und durch ihre engen Bezugspersonen und erziehungsberechtigten 

Eltern hätten erleiden müssen, denen sie vertraut hätten und die ihnen eigentlich 

Schutz und Geborgenheit hätten bieten müssen. Durch die ständigen Misshand-

lungen der Privatkläger 3 und 6, deren Isolation von der Aussenwelt und der da-

mit einhergehenden fehlenden Förderung, sei es zu einer Verzögerung in ihrer 

körperlichen und geistigen Entwicklung (sprachlich und kognitiv) gekommen, was 

die Beschuldigten 1 und 2 in Kauf genommen hätten. Beide Privatkläger hätten 

aufgrund dieser Defizite die heilpädagogische Schule besuchen und am 7. De-

zember 2010 aufgrund der jahrelangen physischen und psychischen Misshand-

lung in der Notfallgruppe des Kinderheims M._____ platziert werden müssen. 

Beim Eintritt hätten beide ein stark eingeschüchtertes und traumatisiertes Verhal-

ten gezeigt, ein kleinkindliches Verhalten aufgewiesen, welches nicht der norma-

len altersentsprechenden Entwicklung entsprochen habe, und sie hätten lediglich 

über einen geringen Wortschatz verfügt und keine zusammenhängenden Sätze 

sprechen können. Sie seien für ihr Alter nach wie vor unterdurchschnittlich an 

Gewicht und Grösse gewesen. Ihre schlechte psychische Verfassung habe eine 

intensive psychotherapeutische, soziale und schulische Begleitung erfordert. Die 

Privatklägerin 3 habe ab 15. September 2011 bis 11. Juli 2013 wöchentlich und 

der Privatkläger 6 ab 14. September 2011 bis 11. Juli 2016 zunächst wöchentlich, 

ab ca. 2014 alle zwei Wochen, eine Psychotherapie besucht. Beide müssten auch 

im Erwachsenenalter von der Invalidenversicherung unterstützt werden. Dabei 

hätten die Beschuldigten 1 und 2 gewusst, dass sie den Privatklägern 3 und 6 

- 35 - 

durch die beschriebenen Verhaltensweisen gravierende, teilweise bleibende 

Schäden in der psychischen und physischen Entwicklung und damit einherge-

hende Beeinträchtigungen im Berufs- und Sozialleben im Erwachsenenalter zufü-

gen könnten, wobei sie dies zumindest in Kauf genommen hätten (Urk. 1/25/2 

S. 3–12). 

 1.2. Ferner wird dem Beschuldigten 1 (alleine) von der Anklage vorgeworfen 

(Urk. 1/25/2 S. 13: Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht zum Nachteil 

des Privatklägers 2 [E._____], Dossier 1), er habe im Zeitraum vom 17. Dezem-

ber 2015 bis 25. April 2018 an seinem Wohnort, N._____-Strasse …, O._____, 

dem unter seiner Obhut stehenden Sohn E._____, geb. tt. Juli 2005, zu nicht ge-

nau bekannten Zeitpunkten im vorgenannten Zeitraum ca. vier bis fünf Mal Ohr-

feigen ins Gesicht erteilt, so dass dieser Schmerzen und Rötungen im Gesicht er-

litten habe, welche mehrere Stunden sichtbar gewesen seien. Weiter habe er den 

Privatkläger 2 an den Haaren gerissen, so dass dieser Haare verloren und starke 

Schmerzen erlitten habe. Einmal habe er den Privatkläger 2 gepackt, ihn hochge-

hoben und hernach zu Boden geworfen. Aufgrund dieser Vorfälle sei dieser psy-

chisch belastet gewesen, indem er häufig traurig gewesen sei und nicht mehr 

beim Beschuldigten 1 habe wohnen wollen. Dabei habe der Beschuldigte 1 ge-

wusst, dass er den Privatkläger 2 durch das Erteilen von Schlägen in seiner seeli-

schen Entwicklung gefährden könnte, was er in Kauf genommen habe. 

 1.3. Weiter wird dem Beschuldigten 1 zur Last gelegt (Urk. 1/25/2 S. 14 f.: 

Sexuelle Handlungen mit Kindern etc. zum Nachteil der Privatklägerin 1 

[D._____], Dossier 1), er habe in der Zeit vom 27. April 2007 bis 1. Februar 2012 

am damaligen Wohnort, K._____-Strasse …, … Zürich, an seiner Tochter, der 

Privatklägerin 1, als diese, wie er gewusst habe, ca. 7 bis 12 Jahre alt gewesen 

sei, ca. alle 2-3 Tage sexuelle Handlungen vorgenommen, wobei die Vorfälle ma-

ximal ca. 6-7 Minuten gedauert und sich mehrheitlich wie folgt abgespielt hätten: 

Er habe sich in ihrem Zimmer zunächst bis auf die Unterhose und ein T-Shirt aus-

gezogen und sich anschliessend seitlich neben sie ins Bett gelegt. Hernach habe 

er sie am Arm gepackt, so dass sie mit dem Rücken auf dem Bett zu liegen ge-

kommen sei. Dann habe er ihre Brust über den Kleidern gestreichelt und ihr die 

- 36 - 

Pyjamahose ausgezogen, sie über ihrer Unterhose mit der flachen Hand im Vagi-

nalbereich berührt und seine Hand vor- und zurückgeführt. Bei einem Vorfall habe 

er ihre Unterhose heruntergezogen und sie direkt mit seiner Hand auf der Haut im 

Vaginalbereich berührt und seine Hand während ca. 5-10 Sekunden vor- und zu-

rückgeführt. Bei insgesamt ca. 3-4 Vorfällen habe er sich über ihren Körper gelegt 

und sich mit seinen Knien neben ihren Beinen auf dem Bett abgestützt. Ihre 

Schultern habe er mit seinen Händen gegen das Bett gedrückt und in dieser Posi-

tion seinen Körper an ihrem Körper gerieben, so dass er mit seinem erigierten 

Penis ihren Vaginalbereich berührt habe. Aufgrund seines Körpergewichts, wel-

ches auf ihr gelegen sei, sei es der Privatklägerin 1 jeweils nicht möglich gewe-

sen, sich unter ihm zu bewegen oder sich zu befreien. Dabei habe er ihre massive 

körperliche Unterlegenheit ausgenutzt, um an ihr die genannten sexuellen Hand-

lungen gegen ihren offenkundigen Willen vornehmen zu können, um seine eigene 

sexuelle Lust zu befriedigen. Bei jedem Vorfall habe die Privatklägerin 1 versucht, 

mit Händen und Füssen gegen den Beschuldigten 1 zu treten. Obwohl sie sich 

zur Wehr gesetzt habe, habe er jeweils versucht, seine Handlungen weiterzufüh-

ren, dann aber von ihr abgelassen, da sie sich weiter gewehrt habe. 

 1.4. Ferner sei der Beschuldigte 1 (Urk. 1/25/2 S. 16 f.: Sexuelle Nötigung 

zum Nachteil der Privatklägerin 4 [C._____], Dossier 1) zu einem nicht genau be-

kannten Zeitpunkt im Frühling 2009, um ca. 01:00 Uhr, mit der Privatklägerin 4 auf 

dem Beifahrersitz im Auto zu deren Grossmutter an die P._____-strasse …, 

Q._____, gefahren. Dort angekommen, habe er die Zentralverriegelung des Fahr-

zeuges betätigt und von ihr mit den Worten Oralverkehr verlangt, sie könne das 

Fahrzeug nicht verlassen, ehe sie seiner Aufforderung Folge geleistet habe, und 

sie werde sehen, was mit ihr und ihrer Mutter passiere, wenn sie seiner Aufforde-

rung nicht nachkomme. Darauf habe die Privatklägerin 4 seine Hose geöffnet, 

seinen Penis in den Mund genommen und den Oralverkehr an ihm vollzogen, aus 

Angst vor negativen Konsequenzen für sich und ihre Mutter sowie aus Angst, der 

Beschuldigte 1 würde sie nicht aus dem Fahrzeug aussteigen lassen, wobei er 

erkannt habe, dass sie den Oralverkehr nicht freiwillig, sondern einzig aufgrund 

seiner Drohung und der durch das Einschliessen herbeigeführten Drucksituation, 

- 37 - 

vollzogen habe. Dabei habe er die für sie ausweglose Situation wissentlich und 

willentlich zur Befriedigung seiner eigenen sexuellen Bedürfnisse ausgenutzt. 

 1.5. Schliesslich habe der Beschuldigte 1 (Urk. 1/25/2 S. 18: Gefährdung 

des Lebens zum Nachteil der Privatklägerin 5 [B._____ = Beschuldigte 2], Dossi-

er 1) zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt ca. im Januar/Februar 2010 die 

Privatklägerin 5 im Rahmen einer belanglosen Auseinandersetzung mit beiden 

Händen am Hals gewürgt, als sie auf dem Rücken im Bett gelegen habe. Durch 

das starke Würgen habe sie keine Luft mehr bekommen, ein taubes Gefühl in den 

Ohren gespürt, es sei ihr schwarz vor den Augen geworden, sie habe das Be-

wusstsein verloren, sei für ca. 20-25 Minuten ohnmächtig gewesen und habe 

während des Würgens unfreiwilligen Urinabgang gehabt. Durch das Würgen habe 

der Beschuldigte 1 bei ihr Hämatome am Hals und Halsschmerzen, welche ca. 

eine Woche angehalten hätten, verursacht, was er gewollt oder zumindest in Kauf 

genommen habe, wobei das Würgen zudem dazu geführt habe, dass bei der Pri-

vatklägerin 5 nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die nahe Möglichkeit des 

Todeseintrittes bestanden habe, was dem Beschuldigten ebenfalls bewusst ge-

wesen sei. Dabei habe er ohne vernünftigen Grund und gewissenlos gehandelt. 

 1.6. Der Beschuldigten 2 (alleine) wird von der Anklagebehörde im Wesent-

lichen vorgeworfen (Anklageschrift 2, Urk. 1/25/3 S. 2 ff.: Falsche Anschuldigung, 

Irreführung der Rechtspflege, Verleumdung zum Nachteil des Privatklägers 7 [= 

Beschuldigter 1], Dossier 2), sie habe den Beschuldigten 1 anlässlich ihrer poli-

zeilichen Befragung vom 21. März 2018 und vom 10. Oktober 2018 in den 

Räumlichkeiten der Stadtpolizei Zürich, Zeughausstrasse 31, 8004 Zürich, 

und am 11. Oktober 2018, 12. Dezember 2018, 15. Januar 2019 und 11. Juli 

2019 bei der Staatsanwaltschaft IV, Molkenstrasse 15/17, 8004 Zürich, diver-

ser Straftaten bezichtigt. Sie habe jeweils angegeben, dass ihr damaliger 

Ehemann, der Beschuldigte 1, die gemeinsamen Kinder, die Privatkläger 3 

und 6, im Zeitraum von ca. 2003 bis ca. 2010 täglich im Zimmer oder im Kel-

ler des damaligen Wohnortes eingesperrt und geschlagen, diesen zudem die 

notwendige Nahrung verweigert und sie zum Essen von Kot und Erbroche-

nem genötigt habe. In ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 11. Juli 

- 38 - 

2019 habe sie den Beschuldigten 1 zudem beschuldigt, in den Jahren 1997 

bis ca. 2009 am gemeinsamen Wohnort mehrfach gegen ihren Willen den 

Geschlechtsverkehr an ihr vorgenommen zu haben. Ferner habe er Schwarz-

arbeit geleistet und Vollzeit gearbeitet, obwohl er Gelder des Sozialamtes erhalten 

habe. Diese Anschuldigungen habe sie im Wissen erhoben, dass der Beschuldig-

te 1  

(= Privatkläger 7) die geschilderten Straftaten nicht begangen habe bzw. die 

Straftaten gar nicht stattgefunden hätten. 

 1.7. Der Beschuldigten 3 wird von der Anklagebehörde im Wesentlichen zur 

Last gelegt (Anklageschrift 2, Urk. 1/25/3 S. 5 f.: Falsche Anschuldigung, Irrefüh-

rung der Rechtspflege, Verleumdung zum Nachteil des Privatklägers 7 [= Be-

schuldigter 1], Dossier 3), sie habe den Beschuldigten 1 anlässlich ihrer polizeili-

chen Befragung vom 4. April 2018 in den Räumlichkeiten der Stadtpolizei Zü-

rich, Zeughausstrasse 31, 8004 Zürich, und am 22. November bei der Staats-

anwaltschaft IV, Molkenstrasse 15/17, 8004 Zürich, diverser Straftaten bezich-

tigt, wobei sie angegeben habe, dass sie bis zum Alter von ca. sieben Jahren 

vom Beschuldigten 1 regelmässig, teilweise mit einem Gürtel, einem Teppichklop-

fer und einem Kochlöffel, geschlagen worden sei, so dass sie blaue Flecken erlit-

ten habe. Zudem habe dieser sie ab und zu im Kinderzimmer eingesperrt, so dass 

sie gezwungen gewesen sei, in eine Spielzeugkiste zu urinieren. Auf dessen An-

weisung habe sie manchmal auch stundenlang still dastehen müssen. Als sie 

20 Jahre alt gewesen sei, habe der Beschuldigte 1 sich ihr mehrfach sexuell an-

genähert, indem er sich zu ihr ins Bett gelegt habe und sie am Hals und auf den 

Mund geküsst habe. Zudem habe er sie teilweise über und teilweise unter den 

Kleidern an den Brüsten, im Intimbereich und an den Beinen angefasst und sie 

auch einmal gezwungen, an ihm den Oralverkehr vorzunehmen, wobei sie diese 

Anschuldigungen im Wissen erhoben habe, dass der Beschuldigte 1 diese Straf-

taten nicht begangen habe bzw. diese gar nicht stattgefunden hätten. 

 2. Die Beschuldigten 1 und 2 bestreiten die gegen sie gemeinsam erhobe-

nen Anklagevorwürfe (vorstehend, Erw. III.1.–1.1.14.) mit unterschiedlicher Be-

gründung hinsichtlich der eigenen Täterschaft durchwegs, wobei der Beschuldig-

- 39 - 

te 1 teilweise vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte oder erklärte, 

nichts von den Misshandlungen mitbekommen zu haben. Es stimme nicht, was 

die Beschuldigte 2 gesagt habe (Urk. 1/3/12 S. 50; Urk. 1/3/14 S. 4 f. und S. 7 ff.; 

Urk. 107 S. 9 ff.), welche ihrerseits erklärt hatte, dieser Anklagesachverhalt stim-

me (zwar) grösstenteils, die Vorwürfe würden aber den Beschuldigten 1 betreffen 

(Urk. 1/3/12 S. 5 ff.; Urk. 1/3/10), wie sie von Beginn weg, bereits ab ihrer ersten 

polizeilichen Befragung vom 10. Oktober 2018 geltend machte (Urk. 4/1/1 S. 5 u.; 

Urk. 4/2/1 S. 4 ff.; Urk. 4/2/2 S. 3 ff.). Sie habe keine Chance gehabt, sich bei der 

Polizei zu melden. Der Beschuldigte 1 habe noch nie ein Kind zu Bett gebracht 

(Urk. 1/3/5 S. 22). Sie habe nie irgendwelche Kinder geschlagen oder eingesperrt. 

Der Beschuldigte 1 habe diese eingesperrt. Sie sei von ihm mehrfach ins Gesicht 

und in den Rücken geschlagen sowie in den Bauch getreten worden. Sie habe 

sich nicht auflehnen können und keine Hilfe geholt, weil er sie eingeschüchtert 

und bedroht habe (Urk. 1/3/5 S. 23 ff. und S. 43 f.). Sie habe immer alles für ihre 

Kinder gemacht, damit diese Essen gehabt hätten. Es habe bei ihnen Frühstück, 

Mittagessen, Zvieri und Abendessen gegeben und alle Kinder seien am Tisch ge-

sessen und hätten gegessen (Urk. 1/3/7 S. 10). Sie hätte auch gerne zum Arzt 

oder ins Spital gehen wollen, aber dies sei ihr vom Beschuldigten 1 verweigert 

worden. Wenn sie seinen Anweisungen nicht gefolgt sei, habe er halt wieder zu-

geschlagen (Urk. 1/3/12 S. 14 ff.; Urk. 108 S. 8 ff.). Anlässlich der ersten staats-

anwaltschaftlichen Konfrontationseinvernahme zwischen der Beschuldigten 2 und 

ihm vom 12. Dezember 20218 und der zweiten vom 15. Januar 2019 gab der Be-

schuldigte 1 u.a. zu Protokoll, die Privatkläger 3 und 6 hätten immer mit ihnen zu-

sammen zu Abend gegessen. Der Tisch habe für alle Kinder gereicht. In der Zeit, 

als er zu Hause gewesen sei, habe er alle seine Kinder einmal am Tag gesehen. 

Die Beschuldigte 2 und er hätten die Kinder abwechselnd zu Bett gebracht 

(Urk. 1/3/5 S. 9 f.; Urk. 1/3/7 S. 11). Er habe sich bei der Privatklägerin 3 für die 

Vorfälle, bei denen er ihr ab und zu auf die Finger geklopft habe, entschuldigt. 

Schläge mit dem Stecken oder dem Gurt habe es keine gegeben. Die Privatkläge-

rin 3 lüge nicht, aber während ihres Gesprächs sei das Thema, auch bezüglich 

des Kellers und des Einsperrens, nie aufgekommen. Sie sei verwirrt, sie habe ein-

fach die Sachen vergrössert, die gewesen seien. Die Beschuldigte 2 habe die 

- 40 - 

Kinder verwirrt oder verändert. Die Kinder würden sich erst so verhalten, seit sie 

mit der Beschuldigten 2 wieder Kontakt hätten (Urk. 1/3/5 S. 29 f.). Zu Beginn der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Beschuldigte 1 dann die schriftlich 

vorbereitete Erklärung zu Protokoll (Urk. 107 S. 8), er könne sich nicht erklären, 

warum er der Beschuldigten 2 so viel Vertrauen geschenkt habe. Er würde sich 

immer vorwerfen, warum er nicht gemerkt habe, was diese den Kindern angetan 

habe. Er würde sich dies nie verzeihen. Er könnte sich die Augen ausreissen, 

dass er dies nicht gesehen habe. Die Kinder seien die Opfer der Mutter. Hinsicht-

lich der sich im Wesentlichen in stereotypen Bestreitungen und gegenseitigen 

Schuldzuweisungen erschöpfenden weiteren Aussagen der Beschuldigten 1 

und 2 kann darüber hinaus auf die korrekte zusammenfassende Wiedergabe der 

in ihren staatsanwaltschaftlichen Konfrontationseinvernahmen vom 12. Dezember 

2018, vom 15. Januar 2019, vom 22. Oktober 2019 und vom 31. Oktober 2019 

gemachten Angaben im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 181 

S. 67 ff.). 

 An diesen konträren Standpunkten hielten die Beschuldigten 1 und 2 auch 

anlässlich der Berufungsverhandlung fest, soweit sie Aussagen zur Sache mach-

ten (Prot. II S. 50 ff., S. 74 ff.). 

 2.1. Der Beschuldigte 1 hat auch die gegen ihn alleine erhobenen Anklage-

vorwürfe der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht zum Nachteil des 

Privatklägers 2, der sexuellen Handlungen mit Kindern zum Nachteil der Privat-

klägerin 1, der sexuellen Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 4 und der Ge-

fährdung des Lebens zum Nachteil der Privatklägerin 5 (vorstehend, Erw. III.1.2.–

1.5.), stets vehement von sich gewiesen oder machte teilweise vom Aussagever-

weigerungsrecht Gebrauch, letzteres insbes. in der Konfrontationsschlusseinver-

nahme vom 22. Oktober 2019 (Urk. 1/3/12 S. 2 ff.). Er habe den Privatkläger 2 

(E._____) bloss am Pullover genommen, diesen weggezogen und dessen Zim-

mer durchsucht, um nachzuschauen, ob die fehlenden Fr. 2'000.– dort seien. Es 

stimme nicht, dass er sexuelle Handlungen an der Privatklägerin 1 (D._____) vor-

genommen habe, das würde er weder ihr noch den anderen Kindern antun. Man 

gehe bei jedem Kind mal ins Bett und sage "Gute Nacht" und so. Die Privatkläge-

- 41 - 

rin 1 habe ihn derart belastet, um ihrer Mutter einen Gefallen zu machen 

(Urk. 1/3/1 S. 4 ff., S. 12 ff.; Urk. 1/3/2 S. 5 ff.; Urk. 1/3/7 S. 43 f., S. 44 f.; Urk. 107 

S. 22). Die Privatklägerin 4 (C._____) sei noch nie in seinem Auto gewesen. Die 

Beschuldigte 2 habe die Kinder zum Lügen gebracht (Urk. 1/3/1 S. 8 f.; Urk. 1/3/2 

S. 11; Urk. 107 S. 23). Zum Vorwurf der Gefährdung des Lebens zum Nachteil 

der Privatklägerin 5 (= Beschuldigte 2) sagte er aus, sie hätten schon gestritten, 

aber nicht mit hohem Ton. Die Freundin seines Sohnes habe damals überreagiert 

und die Polizei gerufen. Diese lüge (Urk. 1/3/1 S. 9 ff.; Urk. 1/3/2 S. 8; Urk. 1/3/12 

S. 44, S. 49 f.; Urk. 1/3/14 S. 30 f.; Urk. 107 S. 23). 

 An diesen Bestreitungen hielt der Beschuldigte 1 auch anlässlich der Beru-

fungsverhandlung fest, indem er auf seine früheren Aussagen verwies (Prot. II 

S. 58 ff.). 

 2.2. Die Beschuldigte 2 bestreitet die gegen sie alleine erhobenen Anklage-

vorwürfe der falschen Anschuldigung, Irreführung der Rechtspflege und Verleum-

dung zum Nachteil des Privatklägers 7 (= Beschuldigter 1; vorstehend, 

Erw. III.1.6.) ebenfalls (Urk. 1/3/12 S. 51 f.; Urk. 109 S. 2). 

 An dieser Bestreitung hielt die Beschuldigte 2 auch anlässlich der Beru-

fungsverhandlung fest (Prot. II S. 84). Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Ankla-

geschrift und vor Vorinstanz einen Freispruch von diesen Vorwürfen beantragt 

(Urk. 1/25 S. 9; Urk. 111 S. 22) und die entsprechenden vorinstanzlichen Frei-

sprüche nicht angefochten (vorstehend, Erw. II.3.). 

 2.3. Die Beschuldigte 3 hat die Vorwürfe der falschen Anschuldigung, Irre-

führung der Rechtspflege und Verleumdung zum Nachteil des Privatklägers 7 

(= Beschuldigter 1; vorstehend, Erw. III.1.7.) ebenfalls bestritten. Es sei so gewe-

sen, wie sie es ausgesagt habe. Sie habe die Wahrheit gesagt (Urk. 3/2/4 S. 3 ff.; 

Urk. 110 S. 6 f.). 

 An diesem Standpunkt hielt die Beschuldigte 3 auch anlässlich der Beru-

fungsverhandlung fest, indem sie auf ihre bisherigen Aussagen verwies (Prot. II 

S. 25 f.). Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Anklageschrift und vor Vorinstanz ei-

- 42 - 

nen Freispruch von diesen Vorwürfen beantragt (Urk. 1/25 S. 9; Urk. 111 S. 23) 

und die entsprechenden vorinstanzlichen Freisprüche nicht angefochten (vorste-

hend, Erw. II.3.). 

 3. Die bestrittenen Anklagevorwürfe sind aufgrund der Untersuchungsakten 

und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemeingültigen Be-

weisregeln zu prüfen. 

 3.1. Im angefochtenen Urteil wurden die bei der richterlichen Beweis- und 

Aussagewürdigung anzuwendenden rechtstheoretischen Grundsätze und Regeln 

im Wesentlichen korrekt aufgeführt (Urk. 181 S. 23–27), wobei der Grundsatz in 

dubio pro reo seine Rechtsgrundlage nicht in Abs. 1 (ebenda, S. 23), sondern in 

Abs. 3 von Art. 10 StPO hat. Ebenso wurden die generelle und die konkrete 

Glaubwürdigkeit der Beschuldigten 1 und 2 sowie der Privatkläger 1–6 im Einzel-

nen, insbesondere auch unter Hinweis auf die gravierenden innerfamiliären Kon-

flikte, welche zu einer grossen Kluft zwischen den Beschuldigten 1 und 2 sowie 

deren Kindern, teilweise aber auch untereinander, führten, mit überzeugender 

Begründung gewürdigt und weiter zutreffend erwogen, dass die diversen Aus-

kunftspersonen, wie Lehrpersonen, Pflegeeltern und damalige Nachbarn etc., al-

lesamt keine Eigeninteressen am Verfahrensausgang haben und daher über un-

eingeschränkte Glaubwürdigkeit verfügen (Urk. 181 S. 27 ff.). Einzig der Auffas-

sung (ebenda, S. 31), wonach bei Zeugen, welche unter der strengen Strafandro-

hung von Art. 307 StGB auszusagen hätten, bereits die sich daraus ergebende 

Wahrheitspflicht für eine höhere generelle Glaubwürdigkeit spreche, kann nicht 

gefolgt werden. Auf die angeführten vorinstanzlichen Erwägungen kann folglich 

mit den dargelegten Präzisierungen und Ergänzungen verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO). 

 3.2. Der besseren Verständlichkeit wegen ist zu Beginn der Beweis- und 

Aussagewürdigung im Zusammenhang mit den innerfamiliären Konflikten, der   

vorinstanzlichen Urteilsbegründung folgend (Urk. 181 S. 31 f.), zunächst ebenfalls 

das Familiengebilde kurz zu beleuchten und zusätzlich dazu einige Vorbemer-

kungen anzubringen. 

- 43 - 

 3.2.1. Bei C._____ (auch genannt "C1._____", Beschuldigte 3 = Privatkläge-

rin 4) handelt es sich um die älteste Tochter der Beschuldigten 2, welche ca. ab 

dem Alter von neun Jahren und hernach grösstenteils bei der Grossmutter (müt-

terlicherseits; R._____) aufgewachsen ist (Urk. 1/2/24 S. 40 Antwort auf Frage 

387). Zum Vater der Privatklägerin 4 wollte sich die Beschuldigte 2 nicht näher 

äussern, gab aber immerhin an, im Alter von 14 Jahren vergewaltigt und mit der 

Privatklägerin 4 schwanger geworden zu sein, wobei die Zeit- resp. Altersangabe 

angesichts des eigenen Geburtsdatums und jenes der Privatklägerin 4 nicht ganz 

stimmen kann. Auf Vorhalt räumte sie ein, dass ein "S._____" der Vater sein 

könnte. 

 3.2.2. Das erste gemeinsame Kind der Beschuldigten 1 und 2 ist T._____ 

(nicht Verfahrensbeteiligter). Die weiteren Kinder sind dem Alter nach F._____ 

(Privatklägerin 3), G._____ (Privatkläger 6), D._____ (Privatklägerin 1), U._____, 

E._____ (Privatkläger 2) und V._____, wobei die vorgenannten drei jüngsten ge-

meinsamen Kinder 2019 in einem Heim lebten (vgl. Urk. 1/6/107). Der Beschul-

digte 1 hat mit seiner neuen Ehefrau (W._____) ein weiteres Kind (AA._____, 

nicht Verfahrensbeteiligte). 

 3.2.3. Aus den Aussagen der aufgeführten weiteren Kinder der Beschuldig-

ten 1 und 2 ergibt sich, dass mit Ausnahme der Privatklägerin 3 (F._____) sich al-

le im Grossen und Ganzen eher auf die Seite der Beschuldigten 2 gestellt haben. 

Sie lebten im Zeitpunkt der Verhaftung der Beschuldigten 2, mit Ausnahme der 

Privatklägerin 3, wieder in deren Haushalt (z.B. Urk. 108 S. 5). T._____ gab auf 

die Frage, ob er ein Problem mit dem Aussagen habe, weil er seine Mutter belas-

ten könnte, bei der Staatsanwaltschaft beispielsweise mit Tränen in den Augen 

an, das könne schon sein. Er habe Angst, dass die Beschuldigte 2 bestraft wer-

den könnte für das, was früher zuhause geschehen sei. Er wisse nicht, ob er eine 

Mitverantwortung bei ihr sehe, weil sie Angst vor dem Beschuldigten 1 gehabt ha-

be, welcher ihr gegenüber mehrmals gewalttätig gewesen sei (Urk. 1/2/24 

S. 30 f.). 

 3.2.4. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass die Kinder, mit 

Ausnahme der Privatklägerin 3, im Strafverfahren tendenziell zur Beschuldigten 2, 

- 44 - 

ihrer Mutter, hielten und diese bezüglich der Tatvorwürfe unter Anklagepunkt 1.1. 

teilweise weitgehend in Schutz nahmen. Allerdings wurde die Beschuldigte 2 von 

ihren Kindern auch belastet, so auch von der Privatklägerin 3, und zwar von An-

fang an, gegenüber Behörden, Betreuern und Therapeuten, lange Zeit bevor das 

vorliegende Strafverfahren eingeleitet worden war (vgl. dazu nachfolgend, z.B. 

Erw. III.3.2.5.2., Erw. III.3.3.2. ff.). 

 3.2.5. Soweit die Verteidigung des Beschuldigten 1 im Berufungsplädoyer 

geltend macht, die Aussagen der Kinder seien so widersprüchlich und deren An-

gaben krass unterschiedlich, dass sie "grundsätzlich nicht brauchbar" seien und 

die Aussageehrlichkeit der Kinder grundsätzlich nicht mehr gegeben sei (Urk. 268 

S. 9 Rz 67), spricht die Verteidigung den Kindern der Beschuldigten 1 und 2 zu 

Unrecht jede Glaubwürdigkeit ab. Dass dies zu kurz greift, wie auch die Verteidi-

gung der Beschuldigten 3 zutreffend ausführte (Urk. 271 S. 6), zeigt sich auch da-

rin, dass im Plädoyer eine Auseinandersetzung mit zahlreich vorhandenen Sach-

beweismitteln lediglich vereinzelt am Rande und oberflächlich erfolgte. So etwa, 

als die vorinstanzliche Würdigung der Zeugenaussagen von AB._____, der Pfle-

geeltern AC._____ und der Zeugin AD._____ beanstandet wurde (Urk. 268 

S. 22 ff.). 

 3.2.5.1. Auch wenn die fraglos vorhandenen Widersprüche in den Aussagen 

der Kinder die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung teilweise erheblich belasten und 

ein Abstellen auf deren Aussagen im Falle alleiniger Personalbeweismittel prob-

lematisch wäre, kann nicht einfach ausgeblendet und ausser Acht gelassen wer-

den, dass in all den Aussagen die anklagegegenständlichen Kernvorwürfe (zum 

Nachteil der Privatkläger 3 und/oder 6, insbes. regelmässiges Einsperren und 

Verweigern des Zugangs zur Toilette, regelmässiges Verweigern genügender 

Nahrung, Vernachlässigung hinreichender Körperpflege, Verweigern angemesse-

ner Bekleidung und Schuhe, Verweigern sozialer Kontakte zu Hause und in der 

Schule, Isolierung von der Aussenwelt, Aufforderung, eigenes Erbrochenes oder 

Kot zu essen, mit vollgesogenen Windeln auf dem Kopf still- resp. strammzu-

stehen, Kopfhaare bis auf wenige Millimeter kurz schneiden, Spielsachen weg-

werfen, ins Gesicht schlagen, ins Gesäss treten, an den Haaren reissen, mit 

- 45 - 

Bambusstecken oder Gurt gegen den Körper schlagen, mit Kochlöffel auf Hände 

oder Gesäss schlagen, Kopf gegen die Wand schlagen, Kopf in WC-Schüssel 

drücken und spülen, Sack voller Steine gegen das Auge schlagen) immer wieder 

Thema waren, worauf auch die Verteidigung der Beschuldigten 3 zu Recht hin-

wies (Urk. 271 S. 7 Rz 8), auch wenn deren Zuordnung auf die Beschuldigten 1 

oder 2 bisweilen divergierend und widersprüchlich erfolgte. 

 3.2.5.2. Immerhin lassen sich diese Ungereimtheiten mit den vorstehend 

dargelegten Familienverhältnissen, den sich daraus ergebenden Abhängigkeiten 

und Loyalitätskonflikten, wie auch der glaubhaften Angst der Kinder vor dem Be-

schuldigten 1, plausibel erklären resp. ist es geradezu unvorstellbar, dass sich bei 

den zeitlichen Gegebenheiten und der Familienkonstellation keine Widersprüche 

in den Aussagen der befragten Kinder ergeben hätten. Insbesondere aber vermö-

gen diese Ungereimtheiten und Widersprüche in der Zuordnung der anklagege-

genständlichen Kerntatvorwürfe nicht darüber hinwegzutäuschen, dass diese 

nicht bloss in all den Aussagen der Kinder immer wieder erwähnt wurden, son-

dern vielmehr und entscheidend überdies auch aus zahlreichen Sachbeweismit-

teln und weiteren Personalbeweismitteln unabhängiger Zeugen hervorgehen, 

welche ihre Berichte und Gesprächsnotizen etc. in ihren parteiöffentlichen Befra-

gungen bestätigten (vgl. dazu nachfolgend z.B. Erw. III.3.3.2. ff.). 

 3.2.5.3. Dass bei dieser Beweislage nicht einfach der Schluss gezogen wer-

den kann, aufgrund der vorhandenen Widersprüche könne von vornherein nicht 

auf die Aussagen der Kinder abgestellt werden, weshalb der Beschuldigte 1 frei-

zusprechen sei, bedarf daher keiner weitergehenden Erläuterung. Zur Erstellung 

des Anklagesachverhaltes ist daher entgegen der Auffassung der Verteidigung 

des Beschuldigten 1 auf die früheren Angaben der Privatkläger 3 und 6 ab jenem 

Zeitpunkt, als sie ins Kinderheim kamen, gegenüber Dritten, wie Therapeuten, 

Ärzten, Pflegeeltern etc., aber auch auf deren Aussagen im vorliegenden Verfah-

ren, wie sie nachfolgend zur Hervorhebung nochmals auszugsweise wiedergege-

ben werden, insoweit abzustellen, als diese durch weitere Beweismittel unter-

mauert und bestätigt werden (vgl. nachfolgend, Erw. III.3.3.1. ff.). Hinzukommt, 

dass das Verfahren gegen die Beschuldigten 1 und 2 betreffend Anklageziffer 1.1. 

- 46 - 

nicht aufgrund einer Anzeige eines ihrer Kinder in Gang gesetzt wurde, was da-

gegen spricht, dass diese ihren Eltern eins hätten auswischen wollen. 

 3.2.6. Soweit der Beschuldigte 1 weiter geltend machen lässt, die Kinder 

könnten Erlebtes fälschlicherweise anderen Personen zuordnen (Urk. 268 S. 9 

Rz 65), kommt hinsichtlich der Anklagevorwürfe gemäss Anklageziffer 1.1. eine 

mögliche Dritttäterschaft neben den Beschuldigten 1 und 2 mangels entsprechen-

der Hinweise oder Behauptungen von vornherein nicht in Betracht. Im Gegensatz 

zum von der Verteidigung des Beschuldigten 1 ins Feld geführten Fall "AE._____" 

(ebenda, Rz 68 ff.) basieren die Tatvorwürfe gegen die Beschuldigten 1 und 2, 

wie erwähnt, bei weitem nicht bloss auf Aussagen einer einzelnen belastenden 

Person. 

 3.2.7. Hinzukommt, dass die Privatklägerin 3 sich (ca. 2014) von der Familie 

abgewendet hat und mit dieser keinen Kontakt mehr pflegt. Sie erklärte anlässlich 

ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 24. August 2018, zur Mutter ein 

schlechtes Verhältnis zu haben. Sie hält zum Vater, belastete diesen anlässlich 

ihrer ersten polizeilichen Befragung dennoch ganz erheblich, machte bei der 

Staatsanwaltschaft zu Beginn dann aber geltend, sie wisse nicht mehr, was sie 

(rund vier Monate vorher) bei der Polizei gesagt habe, sie habe aber die Wahrheit 

gesagt (Urk. 1/2/7 S. 2 ff.; Urk. 1/2/18 S. 4, S. 8 ff.). Überdies ist sie die Einzige, 

die – allerdings wenig überzeugend und überdreht – angab, ihren Vater zu lieben 

und diesem seine Fehler zu verzeihen, da er sich bei ihr dafür entschuldigt habe. 

Der Beschuldigte 1 sei der beste Vater, den es gebe. Sie sei immer dessen Lieb-

lingstochter gewesen (Urk. 1/2/18 S. 5 ff.), während der Beschuldigte 1 selbst be-

teuerte, alle seine Kinder gleich fest zu lieben (Urk. 1/3/14 S. 5). Dennoch bela-

stete auch die Privatklägerin 3 den Beschuldigten 1 im weiteren Verlauf und ge-

gen Ende ihrer ersten staatsanwaltschaftlichen Befragung auf Vorhalt der ihr bis 

anhin unbekannten behördlichen Berichte und auch hinsichtlich von Schlägen 

zum Nachteil des Privatklägers 2 ganz erheblich, indem sie die Inhalte dieser ihr 

vorgehaltenen Sachbeweismittel als zutreffend bestätigte, teilweise mit dem lapi-

daren Kommentar, dies sei früher so gewesen (vgl. nachfolgend, Erw. III.3.3.7, 

III.3.3.7.1.; Urk. 1/2/7 S. 4 f.; Urk. 1/2/30 S. 4 ff.). 

- 47 - 

 3.2.8. Den Aussagen der älteren Kinder, C._____ (Privatklägerin 4), 

T._____, G._____ (Privatkläger 6) und D._____ (Privatklägerin 1), ist zu entneh-

men, dass sie sich vor dem Beschuldigten 1 fürchten und in diesem Strafverfah-

ren deshalb auch ihre Adressen und Telefonnummern nicht angeben wollten. 

Demgegenüber haben die Geschwister, mit Ausnahme der Privatklägerin 3, un-

tereinander ein gutes Verhältnis. T._____ hat laut seinen Angaben keinen Kontakt 

zur Privatklägerin 3, weil diese zuerst bei der Beschuldigten 2 eingezogen und 

dann, eines Tages, ohne etwas zu sagen, wieder ausgezogen sei (Urk. 1/2/5 

S. 4 f.; Urk. 1/2/22 S. 5 f.; Urk. 1/2/24 S. 6 f., S. 9 f.). 

 3.2.9. Die Beschuldigte 2 erwähnte im Vorverfahren immer wieder, der Be-

schuldigte 1 sei ein Tyrann, ein Monster, ein schlechter Mensch. Sie sei während 

ihrer Ehe stets von ihm unterdrückt worden. Auch vor Vorinstanz sagte sie aus, 

der Beschuldigte 1 sei ein Teufel von einem Mann (Urk. 108 S. 21). Dieser erklär-

te hingegen wenig anschaulich, bis ins Jahr 2008 oder 2009 sei es eine glückliche 

Ehe gewesen, die Beschuldigte 2 sei aufgestellt, anständig, lieb und könne den 

Haushalt super machen. Bis 2008 sei er stolz auf die Beschuldigte 2 gewesen 

und auf alles, was sie aufgebaut und erreicht hätten. Sie sei anders geworden, als 

die Kinder mit Bettnässen angefangen hätten. Bis 2008 könne er nur Gutes über 

sie sagen. Die Beschuldigte 2 habe das Gefühl gehabt, die beiden Kinder würden 

das absichtlich gegen sie machen, um sie damit zu bestrafen. Er sei immer gegen 

die Scheidung gewesen. 

 3.2.10. Weitere Bestätigung finden die Aussagen der Kinder auch insoweit, 

als die Beschuldigten 1 und 2 Teile der anklagegegenständlichen Geschehnisse 

anerkannten (vgl. nachfolgend), die Täterschaft und Verantwortung dafür jeweils 

aber umgehend dem anderen (damaligen) Ehegatten in die Schuhe schoben. 

Auch unter diesem Blickwinkel kann den Kindern mithin nicht von vornherein jede 

Glaubwürdigkeit abgesprochen und ihre Belastungen infolge von Widersprüchen 

als völlig beweisuntauglich abgetan werden. 

 3.3. Qualifizierte Freiheitsberaubung und schwere Körperverletzung zum 

Nachteil der Privatkläger 3 und 6 (Anklageschrift 1, Anklageziffer 1.1.; 

vorstehend, Erw. III.1.–1.1.14.) 

- 48 - 

 3.3.1. Die Anklagevorwürfe der qualifizierten Freiheitsberaubung und schwe-

ren Körperverletzung basieren nebst den Sachbeweismitteln vorwiegend auf den 

konkreten Belastungen in den Befragungen der Privatkläger 3 und 6 sowie der 

weiteren gemeinsamen Kinder der Beschuldigten 1 und 2, insbesondere auch von 

T._____. Sie alle waren im Zeitpunkt ihrer ersten polizeilichen Befragung älter als 

18 Jahre alt. Die Vorinstanz hat all diese wesentlichen Aussagen bei der Polizei 

und im Vorverfahren sorgfältig, umfassend und korrekt wiedergegeben (Urk. 181 

S. 33 [T._____], S. 33–35 [Privatklägerin 3], S. 35–37 [Privatkläger 6], S. 38 u.–45 

[Privatklägerin 3], S. 47–50 [Privatkläger 6], S. 51–55 [T._____], S. 55–59 [Privat-

klägerin 1], S. 59–61 [Privatklägerin 4 = Beschuldigte 3], S. 61–67 [Privatklägerin 

3]). Auf eine nochmalige Wiedergabe ist zu verzichten; es kann vielmehr vorab 

vollumfänglich auf die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Nachfolgenden Erwägungen kommt daher vorwie-

gend ergänzender und teilweise zusammenfassender Charakter zu. 

 3.3.2. Diese Anklagevorwürfe werden indessen nicht bloss durch die Aussa-

gen der befragten Privatkläger 3 und 6 und der weiteren Kinder der Beschuldig-

ten 1 und 2 untermauert, sondern auch durch zahlreiche erwiesene Eckwerte aus 

Sachbeweismitteln, wie Arztberichte, Berichte aus der Schule und Angaben von 

diversen als Zeugen befragten Ärzten, Therapeuten, Pädagogen, Pflegeeltern 

und damaligen Nachbarn etc. (vgl. nachfolgend, Erw. III.3.3.13. ff.). 

 3.3.3. Selbst die spärlichen Angaben des Beschuldigten 1 in