# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4c96edb3-8692-5777-9d2f-fe9e697c15d6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.11.2008 D-6867/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6867-2008_2008-11-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6867/2008/cvv 
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Einzelrichter Bendicht Tellenbach,
mit Zustimmung von Richter Daniel Schmid; 
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A._______
Guinea,
vertreten durch B.________
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 23. Oktober 2008 / N________

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6867/2008

Das Bundesverwaltungsgericht,

stellt in Anwendung 

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht (VGG, SR 173.32),

des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht 
(BGG, SR 173.110),

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländer (AuG, SR 142.20),

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2),

der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten  (Europäische Menschenrechtskonvention, 
EMRK, SR 0.101),

des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30),

der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999 (BV, SR 101),

fest,

dass der Beschwerdeführer am 31. Januar 2008 ohne Einreichung von 
Identitätsdokumenten in der Schweiz um Asyl nachsuchte,

dass er im C.______ am 8. Februar 2008 erstmals befragt und am 29. 
September 2008 nach Art. 29 Abs. 4 AsylG angehört wurde, 

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dass der Beschwerdeführer dabei unter anderem angab, am 1. Januar 
1992 geboren und damit noch minderjährig zu sein, 

dass er im Weiteren geltend machte, aus Guinea D.______ zu stam-
men und der Ethnie der E.______ anzugehören, 

dass er in D.______ zusammen mit seinen Eltern und zwei älteren Ge-
schwistern  gelebt  und  für  seinen  Vater  dessen  Kleidergeschäft  auf 
dem Markt geführt habe, da dieser als Devisenhändler tätig gewesen 
sei,

dass  im  Rahmen  einer  Demonstration  der  Gewerkschaft  im  Januar 
2007, an welcher der Beschwerdeführer teilgenommen habe, bei einer 
gewaltsamen  Auseinandersetzung  mit  den  Sicherheitsbehörden  ein 
Polizist ums Leben gekommen sei und er zusammen mit ein paar Kol-
legen,  welche  sich  in  der  Nähe  des  Tatorts  befunden  hätten,  von 
einem weiteren Polizisten der Tat bezichtigt worden seien,

dass  dieser  Polizist  auf  einen  der  Verdächtigten  geschossen  habe, 
worauf er und seine Kollegen den Polizist angegriffen hätten, 

dass sie von weiteren Polizisten überwältigt  und festgenommen wor-
den seien und er in der Folge sechs Monate in einem Gefängnis ver-
bracht habe,

dass  sein  Vater  durch  Bestechung  seine  Freilassung  habe  erwirken 
können und mit Hilfe eines Freundes seine Ausreise organisiert habe, 

dass für weitere Einzelheiten auf die angefochtene Verfügung und die 
vorinstanzlichen  Akten verwiesen  werden  kann  (vgl. Art.  109  Abs. 3 
BGG i.V.m. Art. 6 und Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  trotz  Aufforderung  im  C._____  bis  zum 
jetzigen Zeitpunkt keine Identitätspapiere eingereicht hat,

dass er am 4. Juni 2008 wegen Verdachts der Widerhandlung des Be-
täubungsmittelgesetzes (BtGM) vorläufig festgenommen wurde, 

dass das BFM mit - am 24. Oktober 2008 eröffnetem - Entscheid vom 
23. Oktober 2008 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 
AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat, 

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dessen Wegweisung anordnete und den Vollzug als zulässig, zumutbar 
und möglich erachtete,

dass der Beschwerdeführer mit auf den 29. Oktober 2008 datierter, zu-
handen der Schweizerischen Post am 30. Oktober 2008 aufgegebener 
Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid 
Beschwerde erhob und dabei in verfahrensrechtlicher Hinsicht sinnge-
mäss um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG ersuchte,

und zieht in Erwägung:

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31 - 34 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 6  AsylG i.V.m. Art. 52 
VwVG),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer 
zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG),

dass es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist,  wobei  auf  die Erwägungen in  der  angefochtenen Verfü-
gung  verwiesen werden  kann  (vgl. Art.  111a  Abs. 2  AsylG und 109 
Abs. 3 BGG i.V.m. Art. 6 AsylG), 

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dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde, 

dass zunächst in formeller Hinsicht festzustellen ist, dass die Vorins-
tanz  unter  Berücksichtigung  von  Art.  17  Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art.  7 
AsylV und der weiterhin geltenden Rechtsprechung (Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
1998  Nr.  13)  eine  Vertrauensperson  beiordnete  und  damit  den  ihr 
obliegenden verfahrensrechtlichen Pflichten nachkam,

dass nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf Asylgesuche nicht eingetre-
ten  wird,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von  48 
Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere 
abgeben,

dass diese Bestimmung keine Anwendung findet,  wenn Asylgesuch-
steller  glaubhaft  machen können, dass sie dazu aus entschuldbaren 
Gründen nicht in der Lage sind oder auf Grund der Anhörung sowie 
gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt 
wird oder zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind 
(vgl. Art. 32 Abs. 3 AsylG),

dass das Bundesamt offensichtlich zu Recht zum Schluss gelangt ist, 
der  Beschwerdeführer  mache  keine  entschuldbaren  Gründe  für  das 
versäumte Einreichen von Identitätsdokumenten geltend, 

dass  nämlich  die  diesbezüglichen  Angaben  auffallend  realitätsfremd 
und unsubstanziiert ausgefallen sind,

dass hinsichtlich näherer Begründung auf  die zutreffenden Erwägun-
gen  des  Bundesamtes  verwiesen  werden  kann,  zumal  in  der  Be-
schwerdeschrift auf die erstinstanzlichen Erwägungen nicht näher ein-
gegangen wird, sondern lediglich die bereits im erstinstanzlichen Ver-
fahren geltend gemachte, als unglaubhaft erachtete Behauptung wie-
derholt wird, nie Identitätspapiere besessen zu haben, 

dass im Weiteren das Bundesamt mit hinreichender Begründung erör-
terte, weshalb es angesichts der diesbezüglich auffallend widersprüch-
lichen Angaben - unabhängig von deren Asylrelevanz - die geltend ge-
machten Vorbringen,  in  Guinea im Rahmen einer  gewaltsamen Aus-

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einandersetzung zwischen Demonstrierenden und der Polizei  festge-
nommen und inhaftiert worden zu sein, in Zweifel zog, 

dass in der Beschwerdeschrift mit keinem Wort auf diese Erwägungen 
der Vorinstanz eingegangen wird, weshalb auch hierzu auf die zu be-
stätigenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen 
werden kann, 

dass  sich  auch  die  übrigen  Argumente  in  der  Beschwerdeschrift  in 
einer Wiederholung der bereits im vorinstanzlichen Verfahren geltend 
gemachten Vorbringen, blossen Behauptungen ohne nähere Angaben 
und allgemeinen Ausführungen erschöpfen, 

dass bei dieser Sachlage keine Abklärungen im Sinne von Art. 32 Abs. 
3 AsylG notwendig sind, 

dass das BFM demnach zu Recht gestützt auf  Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
i.V.m. Art. 32 Abs. 3 AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers 
nicht eingetreten ist,

dass, falls sich ein Asylsuchender nicht im Besitz einer fremdenpolizei-
lichen Aufenthaltsbewilligung befindet,  die  Anordnung einer  Wegwei-
sung die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung eines Asylgesuches ist 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG),

dass im vorliegenden Fall der Beschwerdeführer über keine derartige 
Bewilligung verfügt und auch keinen Anspruch auf eine solche geltend 
machen kann, weshalb die von der Vorinstanz ausgesprochene Weg-
weisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu 
bestätigen ist, 

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli-
chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern re-
gelt, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar 
oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG),

dass im vorliegenden Fall der Beschwerdeführer über keine derartige 
Bewilligung verfügt und auch keinen Anspruch auf eine solche geltend 
machen kann, weshalb die von der Vorinstanz ausgesprochene Weg-
weisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu 
bestätigen ist, 

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dass das Bundesamt, ist der Vollzug nicht möglich, nicht zulässig oder 
nicht  zumutbar,  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme von  Ausländern  regelt 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG), 

dass der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers nach den völ-
kerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz (Art. 3 EMRK; Art. 33 Abs. 
1 FK ) sowie nach Art. 5 Abs. 1 AsylG sowie Art. 25 Abs. 2 BV zulässig 
ist, da er wie ausgeführt die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht 
erfüllt, 

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumut-
bar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass bei der völkerrechtskonformen Beurteilung der Zumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs  unbegleiteter  minderjähriger  Asylsuchender 
spezifische Abklärungen der  persönlichen  Situation  des  Asylsuchen-
den unter  dem Blickwinkel  des  Kindeswohls  vorzunehmen sind (vgl. 
EMARK 2006 Nr. 24),

dass der nach eigenen Angaben sechzehnjährige, gesunde Beschwer-
deführer, wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt, mit seinen El-
tern und Geschwistern in seinem Herkunftsort D.______ über ein trag-
fähiges  familiäres  Beziehungsnetz  und  im  Weiteren  über  die  Mög-
lichkeit verfügt, nach seiner Rückkehr erneut im Familienunternehmen 
tätig zu sein, 

dass der Beschwerdeführer diesbezüglich in seiner Beschwerde keine 
Einwände anbringt, 

dass  demnach  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimatstaat  des  Be-
schwerdeführers noch individuelle  Gründe auf  eine konkrete Gefähr-
dung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen,

dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Hei-
matstaat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse beste-
hen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt,  bei 
der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4 
AsylG),

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dass nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  angeordnete  Vollzug 
der Wegweisung zu bestätigen ist,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist,

dass die Verfahrenskosten in  der Höhe von Fr. 600.--  in  Anwendung 
von Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 2 und 3 VGKE dem Beschwerde-
führer  als  unterliegende Partei  aufzuerlegen  wären,  auf  deren Erhe-
bung  jedoch  in  antragsgemässer  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1  VwVG  zu  verzichten  ist,  da  der 
Beschwerdeführer  minderjährig  und gemäss den Akten offensichtlich 
bedürftig ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird 
gutgeheissen. Dem Beschwerdeführer werden keine Verfahrenskosten 
auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Vertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: ange-
fochtene Verfügung im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten N _______(per Kurier; in Kopie)

- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

Versand: 

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