# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ceb8ae27-8dad-59dc-b54e-36f1c8f75908
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-11-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.11.2009 D-5819/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5819-2006_2009-11-12.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5819/2006/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  N o v e m b e r  2 0 0 9

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richter Pietro Angeli-Busi, Richter Thomas Wespi, 
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

B._______, geboren ... , 
und ihr Kind C._______, geboren ... ,
Staatsangehörige von Serbien sowie 
von Bosnien und Herzegowina,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 
vom 20. Februar 2006 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5819/2006

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin reichte am 31. Januar 2006 – gemeinsam mit 
ihrem  damaligen  Lebenspartner  A._______  und  in  Begleitung  ihres 
gemeinsamen Sohnes – in der Schweiz ein Asylgesuch ein. In der Fol-
ge wurden sowohl  die Beschwerdeführerin  als  auch A._______ vom 
BFM  am  ______  kurz  befragt  und  am  ______  einlässlich  zu  ihren 
Gesuchsgründen angehört.

Zu ihrer Person gab die Beschwerdeführerin an, sie stamme ursprüng-
lich aus Bosnien und Herzegowina,  sie  sei  eine bosnische Muslimin 
aus der Region von Srebrenica, wo ihr Vater während des Krieges ver-
schollen sei, und sie habe sich von 1995 bis 2000 als Asylsuchende 
mit  einer  Duldung  in  Deutschland  aufgehalten.  Ihr  damaliger  Le-
benspartner  A._______  gab  an,  er  stamme aus  Serbien,  er  sei  ein 
Roma aus der Provinz Vojvodina und er habe sich von 1996 bis 2000 
als Asylsuchender mit einer Duldung in Deutschland aufgehalten. Die 
Beschwerdeführerin und A._______ führten im Weiteren übereinstim-
mend aus, sie hätten sich während ihres Aufenthalts in Deutschland 
kennengelernt  und dort  Ende 2000 nach Brauch geheiratet. Danach 
seien  sie  zusammen  nach  X._______,  an  den  Herkunftsort  von 
A._______  in  Serbien  gezogen. In  diesem Zusammenhang  merkten 
die  Beschwerdeführerin  und  A._______ an,  dass  die  Heirat  der  Be-
schwerdeführerin mit einem Nicht-Muslimen, einem Roma und zudem 
einem Mann aus Serbien im Falle der Beschwerdeführerin zu einem 
Bruch  mit  ihrer  Familie  respektive  zu  einer  Verstossung  durch  ihre 
Mutter geführt habe. 

Zur Begründung ihres Asylgesuches machten die Beschwerdeführerin 
und A._______ übereinstimmend geltend, sie hätten im Oktober 2005 
in X._______ einen schweren Übergriff erlebt, welcher sich insbeson-
dere gegen die Beschwerdeführerin gerichtet habe. In diesem Zusam-
menhang  führten  sie  zur  Hauptsache das Folgende aus: Nach  ihrer 
Übersiedlung nach X._______ sei es von Seiten der Bevölkerung gele-
gentlich  zu  Behelligungen  der  Beschwerdeführerin  gekommen,  na-
mentlich zu verbalen Attacken und manchmal Handgreiflichkeiten. Dies 
habe seinen Grund darin gehabt,  dass in X._______ viele serbische 
Flüchtlinge  aus  Bosnien  lebten,  welche  die  Beschwerdeführerin  als 
bosnische  Muslimin  abgelehnt  hätten.  Demgegenüber  habe 
A._______ in X._______, ausser einem Konflikt mit der Verkehrspoli-

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zei  im  Jahre  2001,  keine  ernsthaften  Probleme  gehabt.  Nach  ihrer 
Übersiedlung nach X._______ habe sich A._______ um eine Legali-
sierung des Aufenthalts der Beschwerdeführerin bemüht. So habe er 
im Jahre 2001 für sie eine Einbürgerung beantragt, welche nach lan-
gem Warten im März 2005 erfolgt sei. Anschliessend habe er für sie 
die Ausstellung eines Passes beantragt,  zwecks ordentlicher Anmel-
dung der Beschwerdeführerin  auf  der Gemeinde. Vor diesem Hinter-
grund – nachdem die Beschwerdeführerin Ende September 2005 den 
ihr  endlich  ausgestellten  serbischen  Pass auf  dem örtlichen Polizei-
posten habe abholen wollen  –  sei  es  schliesslich  zu  dem schweren 
Übergriff  auf  die  Beschwerdeführerin  gekommen. Nach dem Besuch 
der Beschwerdeführerin auf dem Polizeiposten seien sie des Abends 
von drei Polizisten an ihrem Wohnort aufgesucht worden. Zwei der Po-
lizisten hätten A._______ geschlagen und ihn mit Handschellen gefes-
selt. Der dritte Polizist – ein serbischer Bosnien-Vertriebener, welcher 
in der Region von Srebrenica Angehörige verloren habe – habe dar-
aufhin die Beschwerdeführerin vor den Augen ihres Mannes und ihres 
Kindes vergewaltigt. Der Mann habe sie aus Rache für den Verlust von 
Angehörigen im Krieg vergewaltigt und ihr anschliessend mit der Tö-
tung ihres Kindes gedroht, falls sie jemandem von dem Vorfall berich-
ten sollte. Vor diesem Hintergrund hätten sie sich nicht getraut, Anzei-
ge  zu  erstatten,  sondern  seien  aus  Furcht  vor  weiteren  Übergriffen 
ausgereist. 

B.
Auf Anfrage des BFM hatte die zuständige deutsche Behörde bereits 
am  3.  Februar  2006  bestätigt,  dass  die  Beschwerdeführerin,  eine 
Staatsangehörige von Bosnien und Herzegowina, und A._______, ein 
Staatsangehöriger von Serbien, in dem von ihnen geltend gemachten 
Zeitraum in Berlin registriert  gewesen seien. Die Beschwerdeführerin 
sei am 23. November 1995 eingereist und am 14. Januar 2001 fortge-
zogen (vgl. act. A8). 

C.
Mit  Verfügung  vom 20.  Februar  2006  –  eröffnet  am gleichen  Tag – 
lehnte das BFM die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus 
der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Dabei führte das BFM 
zur Begründung seines Entscheides zur Hauptsache aus, dem geltend 
gemachten Vorfall komme keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu, da 
es sich beim Übergriff eines aus der Region von Srebrenica stammen-
den  serbischen  Polizisten  lediglich  um  einen  privaten  Übergriff  aus 

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persönlichen Rachegefühlen gehandelt  habe. Dieser  Sachverhalt  sei 
nicht  dem  serbischen  Staat  zuzurechnen,  da  solche  Übergriffe  von 
staatlicher Seite sanktioniert würden. In diesem Zusammenhang hielt 
das  BFM dafür,  dass es für  die  Beschwerdeführerin  und A._______ 
sowohl möglich als auch zumutbar gewesen wäre, sich mit rechtlichen 
Mitteln und gegebenenfalls mit Hilfe eines Anwalts gegen den geltend 
gemachten Übergriff zur Wehr zu setzen, was sie jedoch unterlassen 
hätten. Abschliessend erkannte das BFM den Vollzug der Wegweisung 
nach Serbien als zulässig, zumutbar und möglich. 

D.
Am  21. März 2006  reichten  die  Beschwerdeführerin  und  A._______ 
gegen den Entscheid des BFM bei der damals zuständigen Schweize-
rischen Asylrekurskommission (ARK) Beschwerde ein. In ihrer Eingabe 
beantragten sie zur Hauptsache die Gewährung von Asyl, eventualiter 
die Gewährung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. In prozes-
sualer Hinsicht ersuchten sie um den Erlass der Verfahrenskosten so-
wie um das Einholen psychologischer Gutachten von Amtes wegen. Im 
Rahmen der  Begründung ihrer  Beschwerde erklärten  sie den vorge-
brachten Überfall durch einen serbischen Polizisten respektive die er-
littene Vergewaltigung als flüchtlingsrechtlich relevantes Ereignis, wo-
bei  sie  geltend machten,  ein Schutzersuchen beim serbischen Staat 
wäre für sie persönlich weder zumutbar noch wirksam möglich gewe-
sen. In ihren weiteren Ausführungen machten sie eine Traumatisierung 
insbesondere der Beschwerdeführerin durch das Erlebte geltend und 
erklärten den Wegweisungsvollzug als unzumutbar. 

E.
Mit Zwischenverfügung der ARK vom 30. März 2006 wurde dem Ge-
such um Erlass der Verfahrenskosten (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren  [VwVG,  SR  172.021])  entsprochen  und  auf  das  Erheben  eines 
Kostenvorschusses (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) verzichtet. Für den 
Antrag auf  weitere Abklärungen respektive auf Einholung eines psy-
chologischen Gutachtens von Amtes wegen wurde auf einen späteren 
Zeitpunkt verwiesen. 

F.
In seiner Vernehmlassung vom 7. April 2006 hielt das BFM an der an-
gefochtenen Verfügung fest und beantragte – unter Verweis auf seine 
bisherigen Erwägungen – die Abweisung der Beschwerde. 

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Die  Vernehmlassung  des  BFM  wurde  der  Beschwerdeführerin  und 
A._______ am 13. April 2006 von der ARK zur Kenntnisnahme zuge-
stellt. 

G.
Mit Eingabe vom 13. Juli 2006 wurde betreffend die Beschwerdeführe-
rin  der  Bericht  einer  Fachperson  für  Psychologie  zu  den  Akten  ge-
reicht. Im Bericht vom 4. Juli 2006 wird vorab über Erlebnisse der da-
mals  zehn-  bis  fünfzehnjährigen  Beschwerdeführerin  während  des 
Bosnien-Krieges  in  den  Jahren  1991  bis  1995  berichtet,  namentlich 
über  ihre  Betroffenheit  von  den  Massakern  von  Srebrenica,  wo  sie 
nächste Angehörige verloren habe (ihren Vater und ihren Grossvater), 
sowie  über  erstandene  Lagerhaft,  während  welcher  sie  Zeugin  von 
Gewaltakten geworden sei und während welcher ihre Grossmutter ver-
hungert sei. Unter Verweis ferner auf die 2005 erlittene Vergewaltigung 
durch  einen  serbischen  Polizisten  wurde  auf  eine  schwerwiegende 
Traumatisierung  geschlossen,  welche  seit  der  erlittenen  Vergewalti-
gung auch somatische Beschwerden und zeitweise eine latente Suizi-
dalität zur Folge habe. Daneben wurde die Verstossung der Beschwer-
deführerin durch ihre Mutter angesprochen, da die Beschwerdeführe-
rin einen katholischen Roma aus Serbien geheiratet habe. 

H.
Mit Eingabe vom 4. Juni 2007 setzte die Beschwerdeführerin das Bun-
desverwaltungsgericht  davon  in  Kenntnis,  dass  sie  im  Moment  ge-
trennt  von  ihrem  Ehemann  (respektive  Lebenspartner)  bei  ihren 
Schwiegereltern lebe. In ihrer  Eingabe berichtete sie ferner über die 
Auffindung der  Leiche ihres  im Krieg  verschollenen Vaters  in  einem 
Massengrab aus der Zeit des Bosnien-Krieges. In diesem Zusammen-
hang reichte sie Fotos der exhumierten Leiche ihres Vaters sowie ver-
schiedene fremdsprachige Unterlagen nach. 

I.
Am 17. August 2007 lud das Bundesverwaltungsgericht die Beschwer-
deführerin und A._______ mittels zweier separater Zwischenverfügun-
gen ein, sich innert Frist zur Frage einer allfälligen Trennung ihres Be-
schwerdeverfahrens zu äussern. Diese Einladung erging, da aufgrund 
der Akten davon auszugehen war, A._______ habe sich endgültig von 
der Beschwerdeführerin getrennt; laut einer Mitteilung der zuständigen 
kantonalen Behörde hatte er am 26. Juli 2007 eine ... Staatsangehöri-
ge geheiratet, welche in der Schweiz über eine Aufenthaltsbewilligung 

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verfügt, und demnach Abstand von der bis dahin geltend gemachten 
Heirat nach Brauch genommen. 

Die Beschwerdeführerin stimmte mit Eingabe vom 29. August 2007 ei-
ner  Trennung  des  Beschwerdeverfahrens  ausdrücklich  zu,  wobei  sie 
beantragte, der gemeinsame Sohn sei ihrem Verfahren zuzuordnen. In-
nert der ihm angesetzten Frist sprach sich A._______ nicht gegen eine 
Trennung des Verfahrens aus, sondern äusserte sich einzig zum weite-
ren Fortgang seines Verfahrens. 

J.
Mit  Eingabe vom 29. Februar 2008 ersuchte die Beschwerdeführerin 
um einen möglichst baldigen Abschluss des Verfahrens, wobei sie auf 
eine  angespannte  psychische  Verfassung  sowie  eine  fortdauernde 
psychologische Behandlung verwies. 

Mit  Zwischenverfügung vom 14. März 2008 wurde das Verfahren der 
Beschwerdeführerin und ihres Sohnes vom Verfahren von A._______ 
getrennt. Gleichzeitig wurde das BFM eingeladen, sich im Rahmen ei-
nes zweiten Schriftenwechsels zu den faktisch veränderten familiären 
Verhältnissen sowie zu den Beweismitteln betreffend eine psychische 
Erkrankung der Beschwerdeführerin zu äussern. 

K.
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hob das BFM den ange-
fochtenen Entscheid hinsichtlich der Frage des Wegweisungsvollzuges 
wiedererwägungsweise  auf  und  ordnete  mit  Verfügung  vom  2.  April 
2008 die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihres Soh-
nes an. Dabei hielt das BFM in seiner Verfügung vorab fest, dass die 
Beschwerdeführerin selbst dann von der Flüchtlingseigenschaft auszu-
schliessen wäre, wenn sie (bezogen auf Serbien) die Voraussetzungen 
der Flüchtlingseigenschaft erfüllen würde, da sie als Doppelbürgerin in 
Bosnien  und  Herzegowina  um Schutz  nachsuchen  könne. In  Würdi-
gung aller Umstände werde vom Vollzug der Wegweisung jedoch ab-
gesehen, da ein solcher im heutigen Zeitpunkt nicht zumutbar sei. 

L.
Nachdem das BFM hinsichtlich der Frage des Wegweisungsvollzuges 
auf  den  angefochtenen  Entscheid  zurückgekommen  war,  wurde  die 
Beschwerdeführerin am 2. April  2008 vom Bundesverwaltungsgericht 
eingeladen,  sich zur Frage eines allfälligen Beschwerderückzuges zu 

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äussern.  Die  ihr  angesetzte  Frist  zur  Stellungnahme  liess  die  Be-
schwerdeführerin unbenutzt verstreichen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die 
Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei 
entscheidet das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls 
endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m. Art. 31 -  33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue 
Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verlet-
zung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung 
des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt 
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.4 Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf die frist- und form-
gerecht  eingereichten  Beschwerden  ist  einzutreten  (Art.  105  AsylG 
i.V.m. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und Art. 52 VwVG). 

2.
Die ARK hat im Rahmen der Zwischenverfügung vom 30. März 2006 
für den Antrag auf weitere Abklärungen respektive auf Einholung eines 
psychologischen  Gutachtens  von  Amtes  wegen  auf  einen  späteren 
Zeitpunkt  verwiesen.  Aufgrund  der  nunmehr  vorliegenden  Aktenlage 
– nachdem der Bericht einer Fachperson für Psychologie vom 4. Juli 
2006 nachgereicht wurde, in welchem zwar kurz, jedoch hinreichend 
nachvollziehbar  über  massgebliche  Ereignisse  im  Leben  der  Be-
schwerdeführerin berichtet wird und deren Auswirkungen auf den psy-
chischen  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführerin  beschrieben 
werden  –  kann  auf  das  beantragte  Einholen  eines  psychologischen 
Gutachtens von Amtes wegen verzichtet werden. Wie nachfolgend auf-

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gezeigt, erscheint der entscheidrelevante Sachverhalt bereits aufgrund 
der vorliegenden Akten als hinreichend erstellt, womit es keiner weite-
ren Abklärungen von Amtes wegen bedarf. 

3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG). 

4.
Vor der Würdigung des vorliegenden Sachverhalts hinsichtlich der Fra-
ge der flüchtlingsrechtlichen Relevanz ist zu prüfen, ob von der Glaub-
haftigkeit der Gesuchsvorbringen ausgegangen werden kann. Zwar hat 
sich diesbezüglich weder die Vorinstanz noch die Beschwerdeführerin 
einlässlich geäussert,  vor dem Hintergrund der nachfolgenden Erwä-
gungen  bedarf  es  dazu  jedoch  klärender  Feststellungen.  Dabei  ist 
nicht nur auf die Gründe einzugehen, welche zur Ausreise aus Serbien 
geführt haben sollen, sondern auch auf die vorhandenen Angaben be-
treffend Bosnien und Herzegowina,  also die Gründe, welche die Be-
schwerdeführerin  im Jahre 1995 zum Verlassen ihres ursprünglichen 
Heimatstaates bewogen hatten. 

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4.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht 
in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht wi-
dersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht 
den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darü-
ber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig er-
scheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vor-
bringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt,  aber 
auch  dann,  wenn  sie  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst 
falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder 
unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am Verfahren  zeigt 
oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet 
ferner – im Gegensatze zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweis-
mass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an 
den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt  bereits  als 
glaubhaft  gemacht,  wenn der  Richter  von ihrer  Wahrheit  nicht  völlig 
überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend für  wahr  hält,  obwohl  nicht  alle 
Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegen-
über nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber 
in  Würdigung der  gesamten Aspekte  wesentliche und überwiegende 
Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. 
Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die 
für die Richtigkeit  der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen 
oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. 
die weiterhin gültige Rechtsprechung nach Entscheidungen und Mittei-
lungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 
Nr. 21 E. 6.1 [mit weiteren Hinweisen]).

4.2 Aufgrund der Akten ist  festzustellen, dass die Schilderungen der 
Beschwerdeführerin  zum Grund für  ihre Ausreise  aus Serbien – der 
geltend gemachte Überfall von drei serbischen Polizisten und die vor-
gebrachte Vergewaltigung, begangen durch einen der Männer – insge-
samt  als  glaubhaft  zu  erachten  sind.  In  erster  Linie  anlässlich  der 
Kurzbefragung  beschrieb  die  Beschwerdeführerin  in  klaren  Bildern, 
wie  es  – nach einem zufälligen Zusammentreffen mit  dem späteren 
Vergewaltiger auf dem örtlichen Polizeiposten – bei ihr zuhause zum 
geltend gemachten Überfall durch drei Polizisten kam, und dabei ins-
besondere das Verhalten ihres Vergewaltigers, ein ehemaliger Bosni-
en-Vertriebener, namentlich seine an die Beschwerdeführerin gerichte-
ten Vorwürfe, wonach der Täter die Vergewaltigung als Bestrafung der 
Beschwerdeführerin für von ihm erlittene Verluste im Krieg verstanden 

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haben wollte. Im Zentrum der Beschreibungen der Beschwerdeführerin 
stand ferner ihr Kind, welches durch den Überfall aufgeweckt und ein-
geschüchtert worden sei und schliesslich geschrien habe, bis es keine 
Luft  mehr  bekommen  habe.  Die  erkennbare  Fokussierung  der  Be-
schreibungen auf die eigene, offenbar nicht  abwendbare Bedrohung, 
sowie auf der Bedrohung ihres Kindes macht plausibel, dass die Be-
schwerdeführerin nicht angeben konnte, was genau während des Vor-
falls mit ihrem Partner geschah. Vor dem Hintergrund der Intensität der 
Schilderungen anlässlich der Kurzbefragung fällt  auf, dass anlässlich 
der eigentlichen Anhörung – welche von einem Frauenteam durchge-
führt wurde – von Seiten der Vorinstanz weitgehend darauf verzichtet 
wurde, nochmals im Detail auf die vorgebrachte Vergewaltigung einzu-
gehen. Im Rahmen der einlässlichen Anhörung wurde vorab die seit-
herige  Verfassung  der  Beschwerdeführerin  ergründet,  wobei  sie  in 
nachvollziehbarer  Weise  Beschwerden  sowohl  physischer  als  auch 
psychischer  Natur  seit  der  Vergewaltigung  schilderte.  Anzumerken 
bleibt  ferner,  dass  nicht  nur  die  Beschwerdeführerin  selbst,  sondern 
auch ihr damaliger Lebenspartner in dichter Weise und gekennzeich-
net  von  einer  grossen  persönlichen  Betroffenheit  sowohl  über  den 
Überfall und die Vergewaltigung als auch über die nachfolgenden psy-
chischen  und  physischen  Beschwerden  der  Beschwerdeführerin  be-
richtet hatte. 

Es ist  demnach davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im 
Oktober 2005 von drei serbischen Polizisten an ihrem Wohnort aufge-
sucht  und  dort  von  einem  der  Männer  vor  den  Augen  ihres  Le-
benspartners  und  in  Anwesenheit  ihres  Kleinkindes  im  geltend  ge-
machten  Zusammenhang  respektive  aus  den  von  ihr  geschilderten 
Gründen –  aus Sicht  des Täters im Sinne einer  Bestrafung der  aus 
Bosnien und Herzegowina stammenden Beschwerdeführerin – verge-
waltigt wurde. Aufgrund der vorinstanzlichen Erwägungen in der ange-
fochtenen Verfügung, aber auch in der Verfügung vom 2. April 2008 ist 
zu schliessen, dass dieser Sachverhalt auch von der Vorinstanz nicht 
in Zweifel gezogen wird. 

4.3 Zu den Gründen für ihre vormalige Ausreise aus Bosnien und Her-
zegowina wurde die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren 
nur am Rande befragt. Aufgrund der vorhandenen Angaben ist indes 
mit hinreichender Bestimmtheit davon auszugehen, dass sie eine bos-
nische Muslimin ist, aus der Region von Srebrenica stammt und sich – 
als damals zehn- bis  fünfzehnjähriges Kind – während praktisch der 

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gesamten Kriegszeit in ihrer Heimat aufgehalten hat. Aufgrund der aus 
Deutschland  erhaltenen  Angaben  ist  erstellt,  dass  sie  zu  Ende  des 
Krieges – mithin noch vor dem Friedensabkommen von Dayton vom 
14. Dezember 1995 – nach Deutschland gelangte, wo sie vom 23. No-
vember 1995 bis zum 14. Januar 2001 behördlich registriert war. Aus 
dem Empfangsstellenprotokoll geht hervor, dass die Beschwerdeführe-
rin auf Fragen betreffend ihre ursprüngliche Heimat und nach dort ver-
bliebenen Verwandten sehr emotional reagierte. Sie gab diesbezüglich 
an, sie habe den gesamten Krieg erlebt,  im Juli  2005 seien die Lei-
chen ihres Grossvaters und eines Onkels in einem Massengrab gefun-
den worden und ihr Vater, welchen sie 1995 das letzte Mal gesehen 
habe,  sei  weiterhin  verschollen. Im Rahmen der  einlässlichen Anhö-
rung ging die Beschwerdeführerin gleich zu Beginn kurz auf ihre Erleb-
nisse im Bosnien-Krieg ein. Dabei gab sie an, sie sei als Kind im Krieg 
gewesen, sie habe ihren Vater, ihren Grossvater und ihren Onkel verlo-
ren und sie habe im Krieg alles gesehen: Tote und das Töten und auch 
Vergewaltigungen, so sei vor ihren Augen eine 18-jährige Frau verge-
waltigt worden. Der Umfang der Schilderungen der Beschwerdeführe-
rin betreffend ihrer Kriegserlebnisse muss zwar als begrenzt bezeich-
net werden, die vorhandenen Schilderungen erscheinen indes als un-
verstellt, in knappen Worten auf das Wesentliche reduziert und lassen 
erkennen,  dass  der  Bericht  über  ihre  Kriegserlebnisse  für  die  Be-
schwerdeführerin sehr belastend war. Im nachgereichten Bericht einer 
Fachperson für Psychologie vom 4. Juli 2006 wird auf die erstandene 
Lagerhaft verwiesen, während welcher die Beschwerdeführerin Zeugin 
von  Gewaltakten  geworden  und  während  welcher  ihre  Grossmutter 
verhungert  sei.  Am  4.  Juni  2007  reichte  die  Beschwerdeführerin 
schliesslich  Beweismittel  betreffend  die  Ermordung  ihres  Vaters  am 
12. Juli  1995 (Datum des Anfangs der Massaker von Srebrenica) re-
spektive  betreffend  die  im  Frühjahr  2007  erfolgte  Auffindung  seiner 
Leiche in einem Massengrab nach. 

Die Angaben und Schilderungen der Beschwerdeführerin zu ihren per-
sönlichen Erlebnissen während des Bosnien-Krieges liessen sich mit 
Sicherheit weiter vertiefen, wozu es jedoch einer ergänzenden Anhö-
rung  bedürfte.  Allerdings  lassen  die  bereits  vorhandenen  Akten  mit 
hinreichender  Sicherheit  schliessen,  dass  die  Beschwerdeführerin 
während ihrer Kindheit respektive frühen Jugend vom Krieg und des-
sen Folgen unmittelbar und in erheblichem Ausmass betroffen war. Na-
mentlich ist davon auszugehen, dass es sich bei ihr um ein Opfer der 
Verfolgung durch die serbischen Truppen in  Srebrenica handelt,  und 

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sie im Krieg nicht nur ihren Vater und Grossvater verlor, sondern in ih-
rer frühen Jugend selbst direkte Nachteile erlitt,  insbesondere indem 
sie als bosnische Muslimin Lagerhaft erstehen musste, und auch un-
mittelbar Zeugin von Gewaltakten wurde. Unter Berücksichtigung der 
bereits  festgestellten  Glaubhaftigkeit  ihrer  Schilderungen  zu  der  von 
ihr  geltend  gemachten  Hauptsache  (vgl.  oben)  besteht  schliesslich 
kein Anlass zur Annahme, dass sie abweichend davon betreffend ihre 
Kindheits- und Jugenderlebnisse in Srebrenica unzutreffende Ausfüh-
rungen gemacht hätte. 

4.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin zum 
einen glaubhaft über im Herbst 2005 in Serbien erlittene Nachstellun-
gen berichtet hat und dass zum andern von einer unmittelbaren und 
erheblichen Betroffenheit durch den Krieg in Bosnien und Herzegowi-
na in den Jahren 1991 bis 1995 auszugehen ist. 

Bei dieser Sachlage ist im Folgenden zu prüfen, ob die Beschwerde-
führerin aufgrund ihrer Erlebnisse in Serbien, aber auch ihrer Erlebnis-
se  in  Bosnien  und  Herzegowina,  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss 
Art. 3 AsylG erfüllt.

5.

5.1 Nach Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft  erforderlich,  dass  die  asylsuchende  Person  ernsthafte 
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise sol-
che im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile  müssen  der  asylsuchenden  Person  gezielt  und  aufgrund  be-
stimmter  Verfolgungsmotive  drohen  oder  zugefügt  worden  sein 
(EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). Nach neuerer Rechtsprechung kann 
eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG von staatlichen 
oder  nichtstaatlichen  Akteuren  ausgehen.  Danach  ist  nichtstaatliche 
Verfolgung  als  Verfolgung  im  Sinne  des  Asylgesetzes  zu  erachten, 
wenn der Staat unfähig oder nicht willens ist, Schutz vor besagter Ver-
folgung zu bieten. Es ist dabei nicht eine faktische Garantie für lang-
fristigen  individuellen  Schutz  der  von nichtstaatlicher  Verfolgung  be-
drohten Person zu verlangen, weil es keinem Staat gelingen kann, die 
absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und über-
all zu garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine funktionierende und 
effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie 
an polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts- 

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und Justizsystem zu denken ist, das eine effektive Strafverfolgung er-
möglicht. Die Inanspruchnahme dieses Schutzsystems muss der be-
troffenen Person zudem objektiv zugänglich und individuell  zumutbar 
sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter Berücksich-
tigung des länderspezifischen Kontexts zu beurteilen ist (vgl. EMARK 
2006 Nr. 18 E. 10.2 S. 202f.; EMARK 2006 Nr. 32 E. 6.1 S. 340 f.).

5.2 Begründete  Furcht  vor  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  1 
AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letz-
tere hätte sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 
Zukunft verwirklicht. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für 
eine konkrete Bedrohung ernsthafter Nachteile im Sinne des Asylge-
setzes  vorhanden  sein,  die  bei  jedem  Menschen  in  vergleichbarer 
Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht her-
vorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer 
objektivierten  Betrachtungsweise  zu  erfolgen  und  ist  andererseits 
durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen 
um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits 
Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  war,  hat  objektive  Gründe  für 
eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht.

5.3 Die Asylgewährung dient nicht dem Ausgleich vergangener Unbill, 
sondern soll Schutz vor aktueller oder künftiger Verfolgung bieten (vgl. 
WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, 
S. 127). Die  erlittene Verfolgung oder  die  begründete  Furcht  vor  zu-
künftiger  Verfolgung muss daher  sachlich  und zeitlich  kausal  für  die 
Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch 
im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein (vgl. EMARK 2005 
Nr. 21 E. 7 S. 193 f. und dort zitierte Urteile). Demnach sind Verbesse-
rungen der  Situation im Verfolgerstaat  beachtlich. Gegenüber Perso-
nen, die bereits einmal asylrelevante Verfolgung erlitten haben, ist je-
doch mit günstigen Prognosen Zurückhaltung zu üben, die Verhältnis-
se müssen sich für die ein Asylgesuch stellende Person wesentlich zu 
ihren  Gunsten  verändert  haben  und  diese  Änderungen  müssen  als 
ernsthaft und dauerhaft erscheinen (vgl. KÄLIN, a.a.O., S. 129 f.).

5.4 Ferner setzt  die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft  voraus, 
dass die betroffene Person einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt 
ist  und sich nicht  in  einem anderen Teil  ihres Heimatstaates –  oder 
auch in einem anderen, für sie zuständigen Staat – in Schutz bringen 
kann. Nach dem Grundsatz der Subsidiarität asylrechtlichen Schutzes 

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(vgl. dazu EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.1 S. 201) ist eine Schutzgewäh-
rung durch ein Asylland nämlich dann nicht (oder nicht mehr) erforder-
lich,  wenn  ein  anderer  Staat,  insbesondere  der  Heimatstaat,  zur 
Schutzgewährung verpflichtet ist. Damit schliesst sich eine Asylgewäh-
rung durch die Schweiz im Regelfall aus, wenn eine asylsuchende Per-
son über eine doppelte Staatsangehörigkeit verfügt. Hat sie in einem 
ihrer beiden Heimatstaaten Verfolgung erlitten, kann sie sich aber in 
ihren anderen Heimatstaat begeben, wo ihr keine Verfolgung droht, so 
bedarf es keiner asylrechtlichen Schutzgewährung durch die Schweiz. 

6.

6.1 Im Rahmen des  zweiten  Schriftenwechsels,  in  seiner  Verfügung 
vom 2. April  2008, hat das BFM – im Sinne der vorstehenden Erwä-
gung – auf die Möglichkeit einer Schutzgewährung durch Bosnien und 
Herzegowina verwiesen, also den ursprünglichen Heimatstaat der Be-
schwerdeführerin. Dabei führt das BFM namentlich an, alleine das Vor-
liegen der in Art. 3 AsylG genannten Voraussetzungen genüge nicht, 
sondern es müsse auch feststehen, dass sich die Beschwerdeführerin 
landesweit  in  einer  ausweglosen  Situation  befinde.  Im  Fall  der  Be-
schwerdeführerin  bedeute  dies,  dass  sie  –  auch wenn sie  (bezogen 
auf  Serbien) die in Art. 3 AsylG explizit  genannten Voraussetzungen 
erfüllen würde – von der Flüchtlingseigenschaft ausgeschlossen wäre, 
da  sie  als  Doppelbürgerin  in  Bosnien  und  Herzegowina  um  Schutz 
nachsuchen könne. 

Da  die  Beschwerdeführerin  soweit  ersichtlich  über  eine  doppelte 
Staatsangehörigkeit verfügt, erscheint dieser Ansatz – zumindest auf 
den ersten Blick – als durchaus plausibel. Aufgrund der vorliegenden 
Aktenlage bedarf es indes betreffend beide Heimatstaaten einer Prü-
fung  der  Frage  der  flüchtlingsrechtlichen  Relevanz  ihrer  Vorbringen. 
Diese  Prüfung  wird  notwendig,  da  im  Falle  der  Beschwerdeführerin 
nicht nur glaubhafte Hinweise auf in Serbien erlittene Nachstellungen 
gegeben sind, sondern davon auszugehen ist, sie habe auch in Bosni-
en und Herzegowina Verfolgung erlitten und sie sei nach ihrer Ausreise 
nie mehr in ihre ursprüngliche Heimat zurückgekehrt. 

6.2 Im Falle der aus Srebrenica stammenden Beschwerdeführerin ist 
– wie vorstehend aufgezeigt – davon auszugehen, dass sie in den Jah-
ren 1991 bis 1995 in erheblichem Ausmass vom Krieg in Bosnien und 
Herzegowina betroffen war. Gemäss der nach wie vor zur Anwendung 
gelangenden Rechtsprechung der Asylbehörden war die muslimische 

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Bevölkerung in Srebrenica im Sommer 1995 einer Kollektivverfolgung 
ausgesetzt. Die Geschehnisse, welche diese vom 11. Juli 2005 an er-
leiden musste, können nicht den „gewöhnlichen“ Folgen eines Krieges 
gleichgesetzt  werden.  Vielmehr  erfüllen  sie  in  Bezug  auf  Intensität, 
Motiv und Urheberschaft die gesetzlichen Erfordernisse von „ernsthaf-
ten Nachteilen“ im Sinne von Art. 3 AsylG. Da die Verfolgung durch die 
serbischen Truppen auf systematische, organisierte und massive Wei-
se verübt wurde und sie sich unterschiedslos gegen jeden Muslimen 
oder jede Muslimin im betreffenden Gebiet richtete, kommt ihr kollekti-
ver Charakter zu (vgl. dazu EMARK 1997 Nr. 14). Aufgrund der vorlie-
genden Angaben ist zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin Opfer 
dieser Kollektivverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG geworden ist. Bei 
dieser Sachlage hat sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Bosnien und 
Herzegowina  – welche noch vor dem Friedensabkommen von Dayton 
vom 14. Dezember  1995 erfolgte –  die Flüchtlingseigenschaft  erfüllt, 
zumal zu diesem Zeitpunkt nicht von einer innerstaatlichen Fluchtalter-
native auszugehen war (vgl. dazu EMARK 2000 Nr. 2  E. 9a und 9b 
S. 23 f. [mit weiteren Hinweisen]). 

Zwar haben sich die Verhältnisse in Bosnien und Herzegowina seit der 
Ausreise  der  Beschwerdeführerin  massgeblich  verändert,  weshalb 
zum heutigen Zeitpunkt  kein Anlass zur Annahme mehr besteht,  sie 
hätte dort aufgrund ihrer ethnischen Herkunft als bosnische Muslimin 
Verfolgung zu gewärtigen. Allerdings kann sich auf „zwingende Grün-
de“ berufen, wer aufgrund von Erlebnissen extremer Gewalt unter ei-
nem  Langzeit-Trauma  leidet,  welches  ihre  Rückkehr  ins  Heimatland 
aus psychischen Gründen nicht zumutbar erscheinen lässt. Das Beste-
hen eines solchen Traumas ist im Rahmen einer Einzelfallprüfung fest-
zustellen, wobei für die Überlebenden von Srebrenica vom objektiv zu-
tiefst traumatisierenden Charakter dieser Erlebnisse auszugehen und 
deshalb im Zweifelsfall ein Trauma zu vermuten ist (vgl dazu EMARK 
1997 Nr. 14 Erw. 6c). Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um 
ein Opfer der Gräueltaten in Srebrenica, sie hat nahe Verwandte verlo-
ren,  Lagerhaft  erlebt  und  wurde  Zeugin  von  extremen  Gewaltakten. 
Ausserdem ist  sie  seit  ihrer  Flucht  im Jahre 1995 nie mehr  in  ihren 
Heimatstaat  zurückgekehrt.  Aufgrund  der  Anhörungsprotokolle  sowie 
unter Berücksichtigung des Berichts vom 4. Juli 2007 ist zu schliessen, 
dass sie von ihren Erlebnissen schwer gezeichnet ist, mithin im Resul-
tat von einer schwerwiegenden Traumatisierung auszugehen ist. Dabei 
lässt sich eine klare Trennung, inwiefern das Trauma von den Erlebnis-
sen  im  Krieg  und  inwiefern  es  von  denjenigen  in  Serbien  herrührt, 

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zwar nicht vornehmen. Aus den Akten wird jedoch deutlich, dass be-
reits  die  extremen  Gewalterlebnisse  in  Srebrenica  schwere  Spuren 
hinterlassen haben und die Vergewaltigung in Serbien, die im Übrigen 
direkt mit dem Krieg im Zusammenhang stand, das Trauma noch zu-
sätzlich verstärkte. Die Beschwerdeführerin weist damit ein Profil auf, 
welches eine Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft auch nach Weg-
fall der ursprünglichen Verfolgungssituation rechtfertigt, da ihr das Vor-
handensein  zwingender  Gründe  (raisons  impérieuses)  im Sinne von 
Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2 der FK zuzubilligen sind, die eine Rückkehr ins 
Heimatland trotz der veränderten Situation aus psychologischen Grün-
den unmöglich erscheinen lassen (vgl. dazu EMARK 2000 Nr. 21 E. 6b 
[aa] S. 199, sowie EMARK 1997 Nr. 14 E. 6c S. 119 ff.). Die Beschwer-
deführerin erfüllt somit betreffend Bosnien und Herzegowina weiterhin 
die Flüchtlingseigenschaft. 

6.3 Der Beschwerdeführerin kann bei dieser Sachlage nicht unter Ver-
weis  auf  ihren  ursprünglichen  Heimatstaat  das  Vorliegen  einer  Aus-
weichmöglichkeit  entgegengehalten werden,  welche eine Asylgewäh-
rung von vornherein ausschliessen würde. Es ist daher im Folgenden 
zu klären, ob auch den für Serbien geltend gemachten Nachstellungen 
flüchtlingsrechtliche Relevanz zuzumessen ist. 

6.4 Im angefochtenen Entscheid  ist  das  BFM zum Schluss  gelangt, 
dem Ereignis von Anfang Oktober 2005 komme keine flüchtlingsrechtli-
che Relevanz zu, da es sich bei der vorgebrachten Vergewaltigung de 
facto um einen privaten Racheakt gehandelt habe, welcher nicht dem 
Staat zuzurechnen sei. Dabei erklärte das BFM, ein Schutzersuchen 
beim serbischen Staat wäre für die Beschwerdeführerin sowohl mög-
lich als auch zumutbar gewesen. Die Beschwerdeführerin andererseits 
hielt in ihrer Beschwerde dafür, der Übergriff sei durchaus dem serbi-
schen  Staat  zuzurechnen,  da  daran  mehrere  uniformierte  Polizisten 
beteiligt gewesen seien, womit die Handlungen im Wissen der Behör-
den erfolgt seien. In diesem Zusammenhang erklärte sie ihre im Emp-
fangsstellenprotokoll  verzeichnete  subjektive  Schilderung der  Sache, 
nämlich  dass  der  Vergewaltiger  aus  persönlicher  Rache  gehandelt 
habe, als nicht ausschlaggebend. Unter Verweis auf ihren ethnischen 
Hintergrund sowie die in Serbien herrschenden Zustände bestritt  sie 
im Weiteren, dass für sie eine zumutbare und auch tatsächlich wirksa-
me  Möglichkeit  bestanden  hätte,  sich  beim  serbischen  Staat  um 
Schutz zu bemühen. 

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Von ihrer  ursprünglichen  Würdigung  der  Sache  –  mangelnde  flücht-
lingsrechtliche Relevanz des Vorfalls – hat die Vorinstanz zumindest im 
Ansatz Abstand genommen, indem sie in ihrer Verfügung vom 2. April 
2008 zur  Hauptsache Überlegungen betreffend die Möglichkeit  einer 
Schutzgewährung durch Bosnien und Herzegowina anstellt, sollte die 
Beschwerdeführerin  bezogen  auf  Serbien  die  Flüchtlingseigenschaft 
erfüllen. 

6.5 Gemäss den als glaubhaft erkannten Gesuchsvorbringen wurden 
die Beschwerdeführerin und ihr damaliger Lebenspartner im Oktober 
2005 an ihrem Wohnort von drei serbischen Polizisten überfallen und 
die  Beschwerdeführerin  von  einem  der  Männer,  einem  serbischen 
Bosnien-Vertriebenen, vor den Augen ihres Lebenspartners und in An-
wesenheit ihres Kleinkindes vergewaltigt. Aufgrund der Schilderungen 
der Beschwerdeführerin ist  davon auszugehen, dass dieses Ereignis 
vom Vergewaltiger initiiert wurde, welcher seine Tat als Bestrafung der 
aus Bosnien und Herzegowina stammenden muslimischen Beschwer-
deführerin  respektive als  Ausgleich für  von ihm erlittene persönliche 
Verluste im Bosnien-Krieg verstanden haben wollte. Dieses Ereignis ist 
– im Lichte der seit Juni 2006 zu beachtenden Schutztheorie – ohne 
Zweifel als flüchtlingsrechtlich relevant zu erkennen.

6.5.1 Der Übergriff  erfolgte  zwar  mit  überwiegender  Wahrscheinlich-
keit alleine aus privatem Rachedurst, dem Übergriff  lag jedoch zwei-
felsohne ein  Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG zugrunde, wollte doch 
der Täter die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer ethnischen Zugehö-
rigkeit gezielt verletzen und erniedrigen. Es ist als erstellt zu erkennen, 
dass die Beschwerdeführerin deshalb zum Opfer wurde, weil sie eine 
bosnische Muslimin  aus  Srebrenica  ist. Das Ereignis  ist  schliesslich 
auch als von relevanter Intensität  zu erkennen. Der Überfall  und die 
gezielte Vergewaltigung stellten einen massiven Übergriff auf Leib und 
Leben der Beschwerdeführerin dar. 

6.5.2 Dem Überfall vom Oktober 2005 kommt demnach im Hinblick auf 
Gezieltheit, Motiv und Intensität flüchtlingsrechtliche Relevanz zu. Ob 
der Täter dabei als privater Dritter oder als staatlicher Angestellter vor-
ging, kann letztlich offen bleiben. Anzumerken ist jedoch, dass der Tä-
ter  zwar  aus  persönlichen  Rachegefühlen  heraus,  aber  immerhin  in 
Uniform und in Begleitung weiterer Polizisten auftrat, weshalb zumin-
dest von amtsmissbräuchlichem Vorgehen eines Beamten auszugehen 
ist. Im Rahmen der  Schutztheorie  stellt  sich damit  insbesondere die 

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Frage, ob sich die Beschwerdeführerin unter den gegebenen Umstän-
den erfolgreich gegen die Übergriffe hätte zur Wehr setzen können. 

Diese  Frage  wurde  von der  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid 
bejaht,  während  sich  diesbezüglich  allerdings  in  der  Verfügung vom 
2. April 2008 (teilweise Wiedererwägung des Entscheides vom 20. Fe-
bruar 2006) keine klare Stellungnahme mehr entnehmen lässt. Im Fal-
le der Beschwerdeführerin ist indes nicht davon auszugehen, dass für 
sie nach dem Überfall vom Oktober 2005 ein an die serbischen Behör-
den gerichtetes Schutzersuchen wirksam möglich und für sie auch zu-
mutbar gewesen wäre. Aufgrund ihres ethnischen Hintergrundes – als 
bosnische  Muslimin  in  Serbien  –  dürfte  sie  faktisch  kaum  über  die 
Möglichkeit verfügt haben, bei den serbischen Sicherheits- und Justiz-
behörden tatsächlich wirksame Unterstützung gegen ihre Verfolger – 
eine Gruppe von serbischen Polizisten – zu erhalten. Beispielsweise 
hatte es vorgängig nur schon Jahre gedauert, bis der Beschwerdefüh-
rerin  von den zuständigen Behörden die  serbische Staatsangehörig-
keit  überhaupt  zuerkannt  worden  war,  obwohl  sie  darauf  soweit  er-
sichtlich einen Anspruch hatte. So erscheint es mehr als fraglich, ob in 
ihrem Fall die serbischen Polizei- und Justizbehörden willens gewesen 
wären, den erfolgten Übergriff dreier Männer im Polizeidienst zu verfol-
gen und zu ahnden. Auch hätte sich die Beschwerdeführerin nicht dar-
auf verlassen können, genügend Schutz vor allfälligen weiteren Verfol-
gungsmassnahmen,  namentlich  Retorsionsmassnahmen während  ei-
nes  laufenden  Strafverfahrens,  zu  bekommen.  Die  Polizisten  hatten 
gedroht, sie und ihr Kind umzubringen, sollte sie den Übergriff melden 
– eine Drohung, die die Beschwerdeführerin durchaus ernst nehmen 
musste. Unter den gegebenen Umständen war es der Beschwerdefüh-
rerin nicht zumutbar, sich um staatlichen Schutz zu bemühen. 

6.5.3 Weiter stellt  sich die Frage, ob sich die Beschwerdeführerin in 
einem anderen Landesteil  hätte in Sicherheit bringen können. In die-
sem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdefüh-
rerin aus Rache für die Übergriffe auf Serben während des Bosnien-
krieges angegriffen wurde. Zwar wurde die Beschwerdeführerin von ih-
rem Angreifer als Racheopfer nur zufällig ausgewählt, von einer regio-
nal beschränkten Gefahr kann jedoch nicht gesprochen werden, leben 
doch vertriebene Serben aus Bosnien in allen Landesteilen. Die Be-
schwerdeführerin hätte demnach aufgrund des bereits Erlebten überall 
in  Serbien  begründete  Furcht  vor  erneuten  asylrechtlich  relevanten 
Übergriffen.  Unter  diesen  Umständen  kann  der  Beschwerdeführerin 

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nicht vorgehalten werden, sie hätte sich in einer anderen Gegend in 
Sicherheit bringen können. 

6.5.4 Bezüglich noch bestehender Aktualität ist festzustellen, dass der 
Vorfall vom Oktober 2005 bereits vier Jahre zurückliegt. Trotz des Zeit-
ablaufs ist jedoch vorliegend die subjektive Furcht der Beschwerdefüh-
rerin auch objektiv begründet. Bei Personen, die bereits asylrechtlich 
relevante Vorverfolgung erlebt haben, ist mit einer günstigen Prognose 
für  die  Zukunft  Zurückhaltung  zu  üben;  es  müsste  eine  wesentliche 
und dauerhafte Veränderung vorliegen. Von einer solchen kann in casu 
jedoch nicht gesprochen werden. Es sei zunächst daran erinnert, dass 
der Täter seine Rache über zehn Jahre nach Kriegsende genommen 
hat,  allein deshalb, weil  die Beschwerdeführerin eine aus Srebrenica 
stammende Muslimin ist. Auch heute noch leben zahlreiche aus Bosni-
en vertriebene Serben in Serbien, weshalb die Gefahr eines erneuten 
Racheaktes  in  keiner  Weise gebannt  scheint. Spannungen zwischen 
Serben und bosnischen Muslimen sind auch aus heutiger Sicht noch 
virulent. Sodann könnte sich die Beschwerdeführerin angesichts ihrer 
Religion, Ethnie und Herkunft nur mit Mühe um staatlichen Schutz be-
mühen. Sie steht als bosnische Muslimin in Serbien landesweit  aus-
serhalb der gesellschaftlichen Strukturen und kann sich auch nicht auf 
Familienangehörige stützen, zumal sie sich inzwischen von ihrem ser-
bischen Mann getrennt hat. Alleine der Umstand, dass in Serbien be-
züglich  der  Schutzinfrastruktur  durchaus eine gewisse Verbesserung 
festzustellen ist, namentlich etwa für Angehörige der ethnischen Min-
derheit der Roma, vermag im Falle der Beschwerdeführerin – welche 
als bosnische Muslimin ausserhalb jeder serbischen Struktur  steht  – 
keinen anderen Schluss zu rechtfertigen. Für die Beschwerdeführerin, 
welche  aufgrund  ihrer  ethnischen  Herkunft  in  Serbien  asylrelevante 
Verfolgung erlitten hat, kann diesen Erwägungen gemäss nicht von ei-
ner  ernsthaften  und  dauerhaften  Veränderung  der  Lage  gesprochen 
werden, so dass ihre subjektive Furcht vor Verfolgung als nicht mehr 
begründet  erscheinen  würde.  Bei  dieser  Sachlage  erfüllt  die  Be-
schwerdeführerin auch betreffend Serbien die Flüchtlingseigenschaft. 

7.

7.1 Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die Beschwerdeführerin 
sowohl bezogen auf Serbien als auch bezogen auf Bosnien und Her-
zegowina die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt 
und demnach als Flüchtling anzuerkennen ist. Nachdem sich aus den 

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Akten keine Hinweise darauf ergeben, dass ein Asylausschlussgrund 
(im Sinne von Art. 53 AsylG) bestehen könnte, ist ihr Asyl zu gewähren 
(Art. 49 AsylG). Der minderjährige Sohn der Beschwerdeführerin ist in 
die Flüchtlingseigenschaft seiner Mutter einzubeziehen und es ist ihm 
ebenfalls Asyl zu gewähren (Art. 51 Abs. 1 AsylG). 

7.2 Demnach  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen,  die  Verfügung  des 
BFM vom 20. Februar 2006 aufzuheben und das BFM anzuweisen, der 
Beschwerdeführerin und ihrem Sohn Asyl zu gewähren.

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten 
zu erheben (Art. 63 Abs. 1  VwVG),  womit  sich  die  Gutheissung des 
Gesuches um Erlass der Verfahrenskosten als gegenstandslos erweist. 

8.2 Nachdem aufgrund der Akten kein Anlass zur Annahme besteht, 
der nicht  vertretenen Beschwerdeführerin  seien durch das Verfahren 
relevante Kosten entstanden, ist von der Zusprechung einer Parteient-
schädigung abzusehen (vgl. dazu Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 ff. 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.
Die Verfügung des BFM vom 20. Februar 2006 wird aufgehoben und 
das BFM angewiesen, der Beschwerdeführerin und ihrem Sohn Asyl 
zu gewähren. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilagen: im Original vorge-
legte Unterlagen betreffend den Tod des Vaters [zwei Farbfotos und 
Todesschein])

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 
(per Kurier; in Kopie)

- ... (in Kopie)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer

 

Versand: 

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