# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8b4e2db0-2df1-5283-b2cc-01b8aa172739
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-07
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 07.09.2023 BK 2023 203
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2023-203_2023-09-07.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 23 203

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 7. September 2023

Besetzung Oberrichter Schmid (Präsident i.V.), Oberrichter Gerber,
Oberrichterin Hubschmid
Gerichtsschreiberin Ueltschi

Verfahrensbeteiligte A.________ AG
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigte

C.________

Gesuchsgegner

D.________
v.d. Rechtsanwältin Dr. iur. E.________

Straf- und Zivilklägerin/Gesuchstellerin

Gegenstand Ausstand

Strafverfahren wegen Nötigung, evtl. einfacher Körperverletzung

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Erwägungen:

1. Am 15. November 2021 verfügte die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland (nachfol-
gend: Staatsanwaltschaft) die Nichtanhandnahme im Strafverfahren (BM 21 30915) 
gegen die A.________ AG (nachfolgend: Beschuldigte) wegen Nötigung, evtl. ein-
fache Körperverletzung, zum Nachteil von D.________ (nachfolgend: Gesuchstel-
lerin). Dagegen erhob die Gesuchstellerin am 30. November 2021 Beschwerde bei 
der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Bern. Auf 
die Beschwerde trat die Beschwerdekammer mit Beschluss vom 25. April 2022 
mangels zureichender Begründung nicht ein. Mit Schreiben vom 1. Mai 2023 stellte 
die Gesuchstellerin ein Gesuch um Revision der Nichtanhandnahme vom 15. No-
vember 2021 sowie ein Ausstandsbegehren gegen den leitenden Staatsanwalt 
C.________ (nachfolgend: Gesuchsgegner). Mit Verfügung vom 15. Mai 2023 leite-
te die Staatsanwaltschaft das Ausstandsbegehren an die zuständige Beschwerde-
kammer weiter. Daraufhin eröffnete diese mit Verfügung vom 30. Mai 2023 ein 
Ausstandsverfahren und forderte die Parteien zur Stellungnahme auf. In seiner 
Stellungnahme vom 7. Juni 2023 beantragte der Gesuchsgegner die Abweisung 
des Ausstandsgesuchs, unter Kostenfolge. Die Beschuldigte liess sich innert Frist 
nicht vernehmen. Auf einen zweiten Schriftenwechsel wurde verzichtet. 

2. Will eine Partei den Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person verlangen, 
so hat sie der Verfahrensleitung ein entsprechendes Gesuch zu stellen, sobald sie 
vom Ausstandsgrund Kenntnis hat; die den Ausstand begründenden Tatsachen 
sind glaubhaft zu machen (Art. 58 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312]). Zuständig für den Entscheid ist die Beschwerdekammer (Art. 59 
Ziffer 1 Bst. b StPO). Vorliegend ist sowohl das Strafverfahren (BM 21 30915) als 
auch das Beschwerdeverfahren (BK 21 552) abgeschlossen. Mit Verfügung vom 
1. Mai 2023 beantragte die Gesuchstellerin die Revision der Nichtanhandnahme 
und stellte gleichzeitig ein Ausstandsbegehren. Anzumerken ist hierbei, dass bei 
rechtskräftig beendeten Verfahren durch eine Einstellung nicht die Revision (Art. 
410 ff. StPO), sondern gemäss Art. 323 StPO die Wiederaufnahme verlangt wer-
den kann. Dies gilt auch für die Eröffnung eines Verfahrens, welches zuvor nicht an 
die Hand genommen wurde (Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 323 StPO). Ungeachtet 
dessen ist aus den der Beschwerdekammer vorliegenden Akten nicht ersichtlich, 
dass die Staatsanwaltschaft aufgrund des Revisionsgesuchs das Strafverfahren 
(BM 21 30915) wieder an die Hand genommen oder das Gesuch abgewiesen hät-
te. Folglich ist unklar, ob das Ausstandsgesuch verfrüht eingereicht wurde oder 
tatsächlich ein Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft hängig ist. Ob unter die-
sen Umständen auf das Ausstandsgesuch einzutreten ist, kann offengelassen wer-
den, da es – wie nachstehend aufzuzeigen sein wird – ohnehin abzuweisen ist. 

3.

3.1 Die verfassungsmässige Garantie von Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) gewährleistet jeder Person, de-
ren Sache in einem gerichtlichen Verfahren beurteilt werden muss, unter anderem 
den Anspruch auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht. Nimmt die Vertre-
tung der Staatsanwaltschaft ihre Funktion als Strafuntersuchungs- oder Anklage-

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behörde wahr, beurteilt sich die Ausstandspflicht nach Art. 29 Abs. 1 BV, wobei der 
Bestimmung ein mit Art. 30 Abs. 1 BV weitgehend übereinstimmender Gehalt zu-
kommt (BOOG, in: Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 
2023, N. 3 vor Art. 56-60 StPO). Die in einer Strafverfolgungsbehörde tätige Person 
hat die an sie herangetragenen Fragen unvoreingenommen und frei von Bindungen 
an die Parteien, deren Standpunkte oder anderen Drittinteressen zu beurteilen 
(BOOG, a.a.O., N. 4 vor Art. 56-60 StPO). Sie hat die belastenden und entlastenden 
Umstände mit gleicher Sorgfalt zu untersuchen (Art. 6 Abs. 2 StPO). Sie kann ab-
gelehnt werden, wenn Umstände (etwa strafprozessual unzulässige vorverurteilen-
de Äusserungen) vorliegen, welche nach objektiven Gesichtspunkten geeignet 
sind, den Anschein der Befangenheit zu erwecken (Urteil des Bundesgerichts 
1B_537/2012 vom 28. September 2012 E. 3.4.1 mit Hinweisen). Befangenheit be-
zeichnet eine innere Einstellung zu den Verfahrensbeteiligten oder zum Gegen-
stand des konkreten Verfahrens, welche die gebotene Distanz vermissen lässt und 
aus der heraus die Person sachfremde Elemente einfliessen lässt mit der Folge, 
dass sie einen Verfahrensbeteiligten benachteiligt oder bevorzugt oder zumindest 
dazu neigt. Eine Gerichtsperson gilt als befangen, wenn Umstände vorliegen, die 
geeignet sind, Misstrauen in ihre Unparteilichkeit zu erwecken (BOOG, a.a.O., N. 7 
f. vor Art. 56-60 StPO). Ob der Anschein von Befangenheit vorliegt, beurteilt sich 
ohne Rücksicht auf das subjektive Empfinden der Verfahrenspartei. Die strafpro-
zessualen Bestimmungen über den Ausstand (Art. 56 StPO) konkretisieren die ver-
fassungsmässigen Garantien gemäss Art. 30 bzw. Art. 29 BV. Demnach hat eine in 
der Strafbehörde tätige Person unter anderem dann in den Ausstand zu treten, 
wenn sich eine Befangenheit aus «anderen Gründen, insbesondere wegen 
Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand» ablei-
ten lässt (Art. 56 Bst. f StPO). Bei dieser Bestimmung handelt es sich um eine Ge-
neralklausel, welche alle Ausstandsgründe erfasst, die in Art. 56 Bst. a-e StPO 
nicht ausdrücklich vorgesehen sind. Entscheidendes Kriterium ist, ob bei problema-
tischen Konstellationen der Ausgang des Verfahrens bei objektiver Betrachtungs-
weise noch als offen erscheint (BOOG, a.a.O., N. 38 zu Art. 56 StPO). Die Besorg-
nis der Voreingenommenheit entsteht immer dann, wenn die in einer Strafbehörde 
tätige Person bereits in einem früheren Stadium des Verfahrens in einer anderen 
Stellung mit der gleichen Strafsache befasst war. Nicht erfasst wird die Konstellati-
on, in der die in der Strafbehörde tätige Person in der gleichen Stellung und in der 
gleichen Sache mehrfach tätig ist, etwa nach Rückweisung der Sache durch die 
Rechtsmittelinstanz (vgl. BOOG, a.a.O., N. 17 f. zu Art. 56 StPO).

Befangenheit einer staatsanwaltlichen Untersuchungsleiterin oder eines Untersu-
chungsleiters ist nach der Praxis des Bundesgerichtes nicht leichthin anzunehmen. 
Zu bejahen ist sie, wenn nach objektiver Betrachtung besonders krasse oder un-
gewöhnlich häufige Fehlleistungen der Untersuchungsleitung vorliegen, welche bei 
gesamthafter Würdigung eine schwere Verletzung der Amtspflichten darstellen und 
sich einseitig zulasten einer der Prozessparteien auswirken. Gegen beanstandete 
Verfahrenshandlungen sind primär die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel aus-
zuschöpfen. Solche Verfahrensfehler begründen für sich auch dann keinen An-
schein der Voreingenommenheit, wenn sie von der Rechtsmittelinstanz bzw. vom 
Sachgericht beanstandet werden. Eine Ausnahme besteht, wie bereits gesagt, nur 

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bei besonders krassem oder wiederholtem Fehlverhalten. Die Qualifikation allfälli-
ger Fehler als Ausstandsgrund, d.h. der Charakter als besonders schwerwiegender 
Mangel, muss als solcher offensichtlich sein bzw. die Unparteilichkeit oder Vorein-
genommenheit klar erkennen lassen. Trifft dies nicht zu, gibt es keinen Anlass für 
den Ausstand eines Staatsanwaltes (Urteil des Bundesgerichts 1B_209/2021 vom 
10. August 2021 E. 3.2 und E. 5.2; je mit Hinweisen). Richtet sich ein Ausstands-
gesuch gegen einen Staatsanwalt oder eine Staatsanwältin, ist zwischen den un-
terschiedlichen Rollen, welche die Staatsanwaltschaft während eines Verfahrens 
einnimmt, zu differenzieren (vgl. Art. 16 Abs. 2 StPO). Im Vorverfahren obliegt der 
Staatsanwaltschaft die Leitung des Verfahrens, so dass ihr die Verantwortung für 
die gesetzmässige und geordnete Durchführung des Verfahrens zukommt (Art. 61 
Bst. a und 62 Abs. 1 StPO). Während des Vorverfahrens muss sie von Amtes we-
gen alle bedeutsamen Tatsachen abklären und belastende und entlastende Um-
stände mit gleicher Sorgfalt untersuchen (Art. 6 StPO). In diesem Rahmen ist die 
Staatsanwaltschaft zu einer gewissen Unparteilichkeit gehalten, auch wenn sie – 
zumindest vorübergehend – gegenüber der beschuldigten Person eine parteilichere 
Haltung einnimmt oder zu einem gewissen Zeitpunkt die Ermittlungen gemäss ih-
ren Überzeugungen führen soll (vgl. zum Ganzen: BGE 138 IV 142 E. 2.2).

3.2 Das Ausstandsgesuch ist unbegründet. Die Vorbringen der Gesuchstellerin vermö-
gen keinen der obgenannten Ausstandsgründe gegen den Gesuchsgegner zu ma-
nifestieren. 

Die Gesuchstellerin lehnt den Gesuchsgegner wegen Anscheins der Befangenheit, 
Parteilichkeit und Voreingenommenheit ab. In ihrer Begründung übt sie aussch-
liesslich Kritik an der Verfahrensführung. Sie gibt an, der Gesuchsgegner habe die 
Polizeirapporte nicht korrigieren lassen, obwohl dies verlangt worden sei, er habe 
sich wiederholt auf Unterlagen mit fehlender Unterschrift (Sicherheitskonzept 
A.________, Einsatzrapport Feuerwehr) gestützt und die Einholung anonymer 
Auskünfte toleriert. Inwiefern sich diese Vorwürfe auf die Befangenheit auswirkten, 
führt die Gesuchstellerin nicht weiter aus. Wie der Gesuchsgegner zutreffend vor-
bringt, sind offensichtlich keine Ausstandsgründe gemäss Art. 56 Bst. a-e StPO er-
sichtlich; vielmehr handelt es sich um einen Anwendungsfall von Art. 56 Bst. f 
StPO. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass Verfahrenshandlungen als solche, seien 
sie nun richtig oder falsch, grundsätzlich keine Befangenheit begründen. Allfällige 
(behauptete) Rechts- bzw. Verfahrensfehler sind mit den zur Verfügung stehenden 
Rechtsmitteln zu korrigieren, wozu die Gesuchstellerin denn auch die Möglichkeit 
hatte (vgl. Beschluss des Obergerichts vom 25. April 2022 BK 21 552). Besonders 
schwerwiegende oder sich wiederholende Mängel sind vorliegend keine zu erken-
nen. Im parallel geführten Strafverfahren BM 21 038327 wurde die Sache schliess-
lich vom Bundesgericht an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen und eine ent-
sprechende Strafuntersuchung eröffnet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_628/2022 vom 22. März 2023). Bei einer Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz an dieselbe in der Strafbehörde tätige Person, liegt ebenfalls kein Fall der 
Befangenheit oder Voreingenommenheit vor. Sodann ist nicht nachzuvollziehen, 
inwiefern der Verfahrensgrundsatz in dubio pro duriore verletzt und der Gesuchs-
gegner dadurch befangen sein soll. Ebenso nicht gefolgt werden kann der Rüge 
der willkürlich getrennten Verfahrensführung. So betreffen das laufende und die 

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beiden abgeschlossenen Verfahren verschiedene Personen und Vorwürfe. Es kann 
auf die Ausführungen im Beschluss des Obergerichts (BK 21 552 E. 2) verwiesen 
werden. Anzeichen, wonach der Gesuchsgegner seine Aufgaben als Staatsanwalt 
im Vorverfahren nicht wahrgenommen oder unparteilich gehandelt hat, sind nicht 
ersichtlich. 

Dem Gesuchsgegner ist somit beizupflichten, dass offensichtliche keine 
Ausstandsgründe gemäss Art. 56 Bst. a-e StPO vorliegen. Mithin sind weder den 
Akten noch der Beschwerde andere Gründe gemäss Art. 56 Bst. f StPO (insbeson-
dere Freundschaft oder Feindschaft), die ein faires Verfahren gegenüber der Ge-
suchstellerin in Frage stellen würden, zu entnehmen. 

4. Nach dem Gesagten erweist sich das Ausstandsgesuch damit als offensichtlich 
unbegründet und ist abzuweisen. 

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt die Gesuchstellerin die Kosten des 
Ausstandsverfahrens (Art. 59 Abs. 4 StPO). Entsprechend ist keine Entschädigung 
auszurichten.

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Das Ausstandsgesuch wird abgewiesen. 

2. Die Kosten des Ausstandsverfahrens, bestimmt auf CHF 800.00, werden der Gesuch-
stellerin auferlegt. 

3. Zu eröffnen:
- der Straf- und Zivilklägerin/Gesuchstellerin, v.d. Rechtsanwältin E.________

(per Einschreiben)
- der Beschuldigten, v.d. Rechtsanwalt B.________ (per Einschreiben)
- dem Gesuchsgegner (mit den Akten – per Einschreiben)

Bern, 7. September 2023 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Schmid

Die Gerichtsschreiberin:

Ueltschi

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung 
gestellt.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.