# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0769be31-3639-5766-bec5-0cfa5b7b4653
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-23
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 23.06.2023 SK 2022 567
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-567_2023-06-23.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 22 567

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 23. Juni 2023 

Besetzung Oberrichter Knecht (Präsident i.V.), Oberrichterin Friederich Hörr, 
Oberrichterin Weingart
Gerichtsschreiberin Hafner

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________

Strafkläger

Gegenstand Gefährdung des Lebens, einfache Körperverletzung mit 
gefährlichem Gegenstand, etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 15. Juni 2022 (PEN 21 707)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Vorinstanz) erkannte am 
15. Juni 2022 in Dreierbesetzung was folgt (pag. 1182 ff., Hervorhebungen im Ori-
ginal):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Gefährdung des Lebens, begangen am 15.08.2020, ca. 03:45 Uhr, in E.________ z.N. von 
D.________ (AKS-Änderung Ziff. 2);

2. der einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, begangen in der Zeit vom 
ca. 01.04.2020 bis zum 12.06.2020, in E.________, z.N. von D.________ (AKS-Änderung 
Ziff. 3.2);

3. der einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen, so insbesondere 

3.1. am 15.08.2020, ca. 03:45 Uhr, in E.________ z.N. von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 1);

3.2. in der Zeit vom ca. 01.08.2019 bis zum ca. 31.03.2020 in F.________, z.N. von D.________ 
(AKS-Änderung Ziff. 3.1); 

3.3. am 06.05.2020, ca. 16:00 Uhr in E.________, z.N. von C.________ (AKS-Änderung 
Ziff. 3.3);

3.4. am 12.06.2020 in E.________, z.N. von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 3.4); 

3.5. am 13.06.2020, ca. 13:40 Uhr, in E.________, z.N. von D.________ (AKS-Änderung 
Ziff. 3.5);

3.6. am 31.01.2021, ca. 9:00 bis 10:00 Uhr in G.________, z.N. von D.________ (AKS-Änderung 
Ziff. 3.6);

4. der Drohung, mehrfach begangen, so insbesondere

4.1. in der Zeit vom ca. 01.04.2020 bis zum 12.06.2021, in E.________, z.N. von D.________ 
(AKS-Änderung Ziff. 4.1);

4.2. am 06.05.2020, ca. 16:00 Uhr in E.________, z.N. von C.________ (AKS-Änderung 
Ziff. 4.2);

5. der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Zeit vom 15.06.2019 
bis am 15.08.2020, in E.________ durch Konsum einer unbestimmten Menge Kokain und Marihu-
ana (AKS-Änderung Ziff. 5);

6. der Widerhandlung gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz, begangen in der Zeit zwi-
schen dem 31.03.2020 und dem 02.02.2021, in E.________ durch Nichtrechtzeitiges Verlängern 
seines Ausländerausweises C (AKS-Änderung Ziff. 6);

II.

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A.________ wird

in Anwendung der 
Art. 40, 41 Abs. 1 lit. b, 47, 49 Abs. 1, 51, 66a Abs. 1 lit. b, 106, Art. 129, 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 
und Abs. 5, Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. b StGB
Art. 19a Ziff. 1 BetmG
Art. 41 Abs. 3, Art. 120 Abs. 2 AIG sowie Art. 63 und Art. 90a VZAE
Art. 20 N-SIS-Verordnung
Art. 426 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 44 Monaten.

Die Polizeihaft, Untersuchungshaft und Sicherheitshaft von 335 Tagen werden im Umfang von 
335 Tagen auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 350.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung wird auf 4 Tage festgesetzt.

3. Zu einer Landesverweisung von 6 Jahren.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 22'775.00 und Ausla-
gen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 25'087.15, insgesamt bestimmt auf 
CHF 47'862.15 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung auf CHF 23'264.00).

[Tabellarische Zusammenstellung der Verfahrenskosten]

III.

1. [Festsetzung der amtlichen Entschädigung der Verteidigung durch Rechtsanwalt B.________]

2. [Nachzahlungspflicht des Beschuldigten betreffend die bereits ausbezahlte Entschädigung an den 
früheren Verteidiger Rechtsanwalt H.________]

IV.

Weiter wird verfügt:

1. A.________ wird in Sicherheitshaft belassen. Die Verlängerung der Sicherheitshaft wird für 
vorerst 3 Monate bis am 15.09.2022 bewilligt (Art. 231 i.V.m. Art. 227 StPO).

Begründung: vgl. separates Dokument.

2. Von A.________ ist ein DNA-Profil zu erstellen (Art. 257 und 260 Abs. 2 StPO).

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
(PCN-Nr. PCN-Nr. .________; .________; .________) durch die auftraggebende Behörde wird 
nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die 
Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 

4. [Eröffnungsformel]

4

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigter), amtlich 
vertreten durch Rechtsanwalt B.________, am 17. Juni 2022 fristgerecht Berufung 
an (pag. 1204).

Die schriftliche Urteilsbegründung wurde dem Beschuldigten am 13. Oktober 2022 
zugestellt (pag. 1395). Mit Berufungserklärung vom 2. November 2022 teilte er 
fristgerecht mit, das Urteil in allen Teilen anzufechten, die ihn belasteten. Nicht an-
gefochten werde Ziff. III.1. des erstinstanzlichen Urteils [Anm. der Kammer: Fest-
setzung der amtlichen Entschädigung].

Die Generalstaatsanwaltschaft gab am 8. November 2022 bekannt, keine Gründe 
für ein Nichteintreten geltend zu machen und keine Anschlussberufung zu erklären 
(pag. 1512).

C.________ (nachfolgend: Strafkläger) liess sich nicht vernehmen.

3. Sicherheitshaft

Die Vorinstanz ordnete mit ihrem Urteil die Sicherheitshaft des Beschuldigten für 
vorerst drei Monate an (pag. 1185). Die Sicherheitshaft wurde mit Beschlüssen 
vom 5. September 2022 und 10. Oktober 2022 durch die Vorinstanz um je einen 
weiteren Monat verlängert (pag. 1235 ff. und pag. 1272 ff.). Oberinstanzlich wurde 
am 31. Oktober 2022 verfügt, dass der Beschuldigte in Sicherheitshaft verbleibt 
(SK 22 568, pag. 27 ff.). Dieser Entscheid wurde im oberinstanzlichen Urteil vom 
23. Juni 2023 bestätigt. Für die Begründung wird auf das nachfolgende Urteilsdis-
positiv verwiesen.

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden über den Beschuldigten ein ak-
tueller Strafregisterauszug, je ein aktueller Führungsbericht bei den Regionalge-
fängnissen I.________ und J.________ sowie ein ergänzender Bericht hinsichtlich 
der Prüfung einer strafrechtlichen Landesverweisung beim Migrationsamt des Kan-
tons F.________ eingeholt (pag. 1558 ff., pag. 1565 f., pag. 1577 ff.).

An der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte erneut einvernommen 
(pag. 1611 ff.). Die als Zeugin vorgeladene D.________ und der Strafkläger er-
schienen nicht zur Berufungsverhandlung. Es wurde auf die von Amtes wegen an-
gesetzten Einvernahmen verzichtet.

An der Berufungsverhandlung wurden keine weiteren Beweisanträge gestellt.

5. Berufungsverhandlung

Am Vorabend der Berufungsverhandlung wurde der Strafkanzlei des Obergerichts 
durch das Regionalgefängnis I.________ mitgeteilt, der Beschuldigte fühle sich 
nicht gut. Das Regionalgefängnis wurde darauf hingewiesen, dass es für eine allfäl-
lige Absetzung der Verhandlung ein ärztliches Zeugnis der Verhandlungsunfähig-
keit brauche. Am Tag der Berufungsverhandlung war es dem aufgebotenen Trans-
portdienst nicht möglich, den Beschuldigten an die Berufungsverhandlung zu 

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führen, weil dieser vom Regionalgefängnis I.________ nicht zur Verfügung gestellt 
wurde. Der Gesundheitsdienst des Regionalgefängnisses I.________ wurde erneut 
darauf hingewiesen, dass eine ärztliche Bestätigung der Verhandlungsunfähigkeit 
benötigt werde (pag. 1594 ff.). Um 08:36 Uhr übermittelte der Gesundheitsdienst 
des Regionalgefängnisses I.________ ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis, welches den 
Beschuldigten für den Nachmittag des 14. Juni 2023 und den Vormittag des 
15. Juni 2023 für «krank» resp. «arbeitsunfähig» erklärte (pag. 1593). Mündlich er-
folgte zudem die Auskunft, der Beschuldigte könne am Vormittag auch nicht für ei-
ne Stunde einvernommen werden. Gestützt auf diese Information wurde die bereits 
eröffnete Verhandlung unterbrochen und die Wiedereröffnung auf 13:30 Uhr ange-
setzt (pag. 1608 f.). Zudem wurde der Gesundheitsdienst des Regionalgefängnis-
ses I.________ darauf hingewiesen, dass eine ärztliche Bestätigung der Verhand-
lungsunfähigkeit benötigt werde (pag. 1591 f.). Ein entsprechendes Zeugnis wurde 
dem Obergericht um 11:47 Uhr übermittelt (pag. 1597 f.). Im Verlaufe des Vormit-
tags wurde die Kammer darüber informiert, der Beschuldigte habe angekündigt, er 
werde am Nachmittag nicht in das Transportauto einsteigen. Der Verfahrensleiter 
informierte den Beschuldigten daraufhin mit einem direkten Faxschreiben über all-
fällige Säumnisfolgen (pag. 1587). In der Folge erschien der Beschuldigte pünktlich 
zur Wiedereröffnung der Verhandlung um 13:30 Uhr. Aufgrund dieser Verzögerung 
wurde die mündliche Urteilseröffnung auf den 23. Juni 2023 verschoben.

6. Würdigungsvorbehalt

Die Kammer teilte den Parteien an der Berufungsverhandlung vom 15. Juni 2023 
mit, sie behalte sich vor, die Sachverhalte unter Ziff. 3.1 und Ziff. 3.2 der Anklage-
schrift als versuchte Begehung (versuchte einfache Körperverletzung, versuchte 
einfache Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand) zu würdigen (pag. 1609). 
Die Parteien verzichteten auf Bemerkungen zu diesem Würdigungsvorbehalt.

7. Anträge der Parteien

7.1 Anträge der Verteidigung

Die Verteidigung stellte an der Berufungsverhandlung folgende Anträge 
(pag. 1650 f.):

1. A.________ sei in Abweichung von Ziffer I.1. des angefochtenen Urteils vom Vorhalt der Gefähr-
dung des Lebens freizusprechen.

2. A.________ sei in Abweichung von Ziffer I.2. des angefochtenen Urteils vom Vorhalt der einfa-
chen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand freizusprechen.

3. A.________ sei in Abweichung von Ziffer I.3. bzw. I.3.1. bis I.3.6. des angefochtenen Urteils vom 
Vorhalt der einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen, freizusprechen, soweit keine Ein-
stellung erfolgen sollte. 

4. A.________ sei in Abweichung von Ziffer I.4. bzw. I.4.1. bis I.4.2 des angefochtenen Urteils vom 
Vorhalt der Drohung, mehrfach begangen, freizusprechen, soweit keine Einstellung erfolgen sollte.

5. A.________ sei in Abweichung von Ziffer I.6. des angefochtenen Urteils vom Vorhalt der Wider-
handlung gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz freizusprechen.

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6. A.________ sei schuldig zu sprechen des Konsums von Betäubungsmitteln gemäss Ziffer I.5. des 
angefochtenen Urteils.

7. A.________ sei in Abweichung der Ziffern II.1. und 3. des angefochtenen Urteils von einer Strafe 
(Freiheitsstrafe, Landesverweisung) freizusprechen.

8. A.________ sei in Abweichung der Ziffer II.2. des angefochtenen Urteils zu einer Übertretungs-
busse von CHF 200.00 zu verurteilen. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung 
sei auf 2 Tage festzusetzen.

9. In Abweichung von Ziffer III.2. des angefochtenen Urteils sei bezüglich A.________ auf eine 
Rückzahlung der amtlichen Entschädigung sowie auf eine Erstattung der Differenz zwischen der 
amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar von Rechtsanwalt H.________ zu verzichten.

10. A.________ sei in Abweichung von Ziffer IV.1. des angefochtenen Urteils unverzüglich aus der Si-
cherheitshaft zu entlassen.

11. In Abweichung von Ziffer IV.2. sei von der Erstellung eines DNA-Profils von A.________ abzuse-
hen.

12. A.________ sei für die zu Unrecht ausgestandene Haft eine Entschädigung von CHF 100.00 pro 
Tag zu bezahlen.

13. Es sei A.________ für das obergerichtliche Verfahren der Unterzeichnende als amtlicher Verteidi-
ger zu bestellen.

14. A.________ seien die Aufwendungen der Verteidigung für das ganze Strafverfahren in der Höhe 
der eingereichten Kostennote zu ersetzen, soweit sie nicht bereits mit der nicht angefochtenen Zif-
fer III.1. des angefochtenen Urteils ersetzt wurden.

15. In Abweichung von Ziffer II.4. des angefochtenen Urteils seien die Kosten des Verfahrens vollum-
fänglich dem Staat aufzuerlegen. Im Umfang der eingereichten Kostennoten der amtlichen Vertei-
digung sei auf eine Rückforderung bei A.________ durch den Staat zu verzichten.

7.2 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte oberinstanzlich folgende Anträge 
(pag. 1648 f.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kol-
legialgericht in Dreierbesetzung) vom 15. Juni 2022 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich des 
Schuldspruchs wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Konsum einer un-
bestimmten Menge Kokain und Marihuana (AKS-Änderung Ziff. 5);

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II.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der Gefährdung des Lebens, begangen am 15. August 2020 in E.________ z.N. von 
D.________ (AKS-Änderung Ziff. 2);

2. der einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, begangen in der Zeit vom 
ca. 1. April 2020 bis zum 12. Juni 2020 in E.________ und anderswo z.N. von D.________ (AKS-
Änderung Ziff. 3.2);

3. der einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen, so insbesondere 

3.1 am 15. August 2020 in E.________ z.N. von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 1); 

3.2 in der Zeit vom ca. 1. August 2019 bis ca. 31. März 2020 in F.________ und anderswo z.N. 
von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 3.1); 

3.3 am 6. Mai 2020 in E.________ z.N. von C.________ (AKS-Änderung Ziff. 3.3); 

3.4 am 12. Juni 2020 in E.________ z.N. von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 3.4);

3.5 am 13. Juni 2020 in E.________ z.N. von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 3.5); 

3.6 am 31. Januar 2021 in G.________ z.N. von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 3.6); 

4. der Drohung, mehrfach begangen, so insbesondere 

4.1 in der Zeit vom ca. 1. April 2020 bis zum 12. Juni 2021 in E.________ und anderswo z.N. 
von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 4.1); 

4.2 am 6. Mai 2020 in E.________ z.N. von C.________ (AKS-Änderung Ziff. 4.2); 

5. der Widerhandlung gegen das Ausländer-und lntegrationsgesetz, begangen in der Zeit vom 
31. März 2020 und dem 2. Februar 2021 in E.________ und anderswo durch Nichtrechtzeitiges 
Verlängern seines Ausländerausweises C (AKS-Änderung Ziff. 6).

III.

A.________ sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 44 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft von 700 Tagen; 

2. zu einer Übertretungsbusse von CHF 350.00 (Ersatzfreiheitstrafe von 4 Tagen); 

3. zu einer Landesverweisung von 6 Jahren (mit Ausschreibung der Einreise- und Aufenthaltsver-
weigerung im Schengener-Informationssystem); 

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. einer angemessenen 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

IV. 

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. A.________ sei in Sicherheitshaft zu belassen (Art. 231 Abs. 1 Bst. a StPO).

2. Von A.________ sei ein DNA-Profil zu erstellen (Art. 257 und 260 Abs. 2 StPO).

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3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
(PCN-Nr. .________, .________, .________) durch die auftraggebende Behörde sei nach Ablauf 
der gesetzlichen Frist zu erteilen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bear-
beitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 

4. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

7.3 Anträge des Strafklägers

Der Strafkläger liess sich nicht vernehmen und erschien nicht zur Berufungsver-
handlung.

8. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil mit Ausnahme der Festsetzung der 
amtlichen Entschädigung vollumfänglich angefochten. Die Festsetzung der amtli-
chen Entschädigung erwächst somit in Rechtskraft.

Darüber hinaus hat die Verteidigung betreffend die Widerhandlung gegen das 
Betäubungsmittelgesetz selber einen Schuldspruch beantragt. Der Beschuldigte ist 
somit durch das Urteil der Vorinstanz in diesem Punkt nicht beschwert. Der 
Schuldspruch wegen Konsums von Betäubungsmitteln gemäss Ziff. I.5. des erstin-
stanzlichen Urteils wird deshalb ebenfalls rechtskräftig.

In allen übrigen Punkten – insbesondere auch in Bezug auf die bisher nicht festge-
legte Rück- und Nachzahlungspflicht der amtlichen Entschädigung von Rechtsan-
walt B.________ – hat die Kammer das Urteil der Vorinstanz neu zu beurteilen. Sie 
verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). Da die Berufung aussch-
liesslich durch den Beschuldigten erhoben wurde, darf die Kammer das erstin-
stanzliche Urteil nicht zu seinem Nachteil abändern. Sie ist an das Verschlechte-
rungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden.

II. Beweiswürdigung, Sachverhalt und rechtliche Würdigung

Die nachfolgenden Ausführungen folgen grob dem Aufbau der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung. Es werden zuerst die Anklagepunkte zum Nachteil von 
D.________, danach jene zum Nachteil des Strafklägers und zuletzt die Wider-
handlung gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG; SR 142.20) behan-
delt, wobei die rechtliche Würdigung jeweils unmittelbar im Anschluss an die Be-
weiswürdigung und Feststellung des Sachverhalts folgt.

9. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die Grundlagen der Beweiswürdigung wird auf die Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen (pag. 1285 f., S. 10 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

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10. Anklagepunkte zum Nachteil von D.________

10.1 Ausgangslage

Die Vorinstanz hat die Ausgangslage zutreffend wie folgt gewürdigt (pag. 1283, 
S. 8 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Der Beschuldigte reiste im Jahr 2007 in die Schweiz ein, wo er am .________ K.________ heiratete. 
Die Ehe wurde am .________ geschieden (pag. 836). Der Beschuldigte und D.________ lernten sich 
ca. im Jahr 2019 kennen, als sie in L.________ Nachbarn waren. Die beiden gingen eine Beziehung 
ein, wobei sie zunächst eine gemeinsame Wohnung in F.________ bezogen, danach in E.________ 
und in G.________ wohnten (pag. 505, Z. 25 ff.; pag. 513 f., Z. 236 ff.). Die Beziehung war von zahl-
reichen Auseinandersetzungen geprägt. Im Rahmen dessen kam es zu verschiedenen Vorfällen, wel-
che den primären Gegenstand der Anklageschrift vom 08.10.2021 bzw. der Änderung der Anklage-
schrift vom 14.06.2022 bilden.

Dem ist anzufügen, dass der Beschuldigte unter anderem wegen Tätlichkeiten und 
Drohungen zum Nachteil seiner früheren Ehegattin bereits rechtskräftig verurteilt ist 
(pag. 1581).

Zu beurteilen sind diverse Vorfälle zwischen dem Beschuldigten und D.________, 
die als versuchte schwere Körperverletzung, evtl. einfache Körperverletzung, als 
Gefährdung des Lebens, als einfache Körperverletzung, teilweise mit gefährlichem 
Gegenstand, evtl. Tätlichkeiten sowie als Drohung angeklagt wurden. Die Vorfälle 
sollen sich gemäss Anklageschrift im Zeitraum bis und mit dem 13. Juni 2020, am 
15. August 2020 und am 31. Januar 2021 ereignet haben.

10.2 Strafverfolgung von Amtes wegen

Bei den Antragsdelikten der einfachen Körperverletzung, der Tätlichkeiten und der 
Drohung wird der Täter von Amtes wegen verfolgt, wenn er die Taten wiederholt an 
seinem hetero- oder homosexuellen Lebenspartner begeht, sofern sie auf unbe-
stimmte Zeit einen gemeinsamen Haushalt führen und die Tat während dieser Zeit 
oder bis zu einem Jahr nach der Trennung begangen wurde (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 6, 
Art. 126 Abs. 2 Bst. c und Art. 180 Abs. 2 Bst. b StGB). D.________ hat auf das 
Stellen von Strafanträgen verzichtet resp. gestellte Strafanträge zurückgezogen. 
Aufgrund ihrer Beziehung zum Beschuldigten werden diese Delikte vorliegend je-
doch von Amtes wegen verfolgt.

Die Vorinstanz hat zutreffend begründet, dass der Beschuldigte in der fraglichen 
Zeit mit D.________ einen gemeinsamen Haushalt resp. eine partnerschaftliche 
Beziehung führte (pag. 1284, S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Der Beschuldigte und D.________ zogen im 2019 zusammen nach F.________, zogen dann nach 
E.________ und schliesslich nach G.________ (pag. 513 f., Z. 236 ff.). Zwar wurde die Beziehung der 
beiden aufgrund von Auseinandersetzungen unterbrochen, trotzdem fanden sie immer wieder zu-
sammen. Den Akten ist an keiner Stelle zu entnehmen, dass der Beschuldigte einmal eine andere 
Adresse als jene bei D.________ angegeben hätte. Folglich führten die beiden eine auf Dauer ange-
legte Lebensgemeinschaft. Wenn jemand der beiden im Rahmen einer Einvernahme angab, dass sie 
nicht mehr ein Paar seien, ist dies eher als Aussage im konkreten Moment aufgrund der Auseinan-
dersetzungen zu deuten, denn als verlässliche Auskunft über ihren Beziehungsstatus. So fanden die 
beiden nach kurzer Zeit stets wieder zusammen und führten ihre Beziehung fort. Dass der Mietvertrag 

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in E.________ nur auf D.________ lautete, spricht nicht gegen die Annahme eines Konkubinates, 
zumal unbestritten ist, dass der Beschuldigte ebenfalls dort gewohnt hat (pag. 514, Z. 247 ff.). Das 
Gericht geht davon aus, dass die beiden seit dem Zusammenzug in L.________ im Jahr 2019 bis zu 
seiner vorläufigen Festnahme am 02.02.2021 und der anschliessenden Versetzung in Untersu-
chungshaft zusammenlebten. Die beiden führten folglich eine Beziehung bzw. einen gemeinsamen 
Haushalt auf unbestimmte Dauer, womit die vorliegend zu beurteilenden Sachverhalte unter die je-
weils qualifizierten Tatbestände im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt fallen.

Die Verteidigung machte oberinstanzlich geltend, der Beschuldigte habe zwar mit 
D.________ zusammengewohnt, diese hätten jedoch kein eheähnliches, gefestig-
tes Konkubinat geführt, wie dies vom Bundegericht verlangt werde.

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt als Konkubinat eine auf längere 
Zeit, wenn nicht auf Dauer angelegte umfassende Lebensgemeinschaft zweier 
Personen, die grundsätzlich Ausschliesslichkeitscharakter hat und eine geistig-
seelische, körperliche sowie wirtschaftliche Komponente aufweist. Indessen kommt 
nicht allen drei Komponenten dieselbe Bedeutung zu. Fehlt die Geschlechtsge-
meinschaft oder die wirtschaftliche Komponente, leben die beiden Partner aber 
trotzdem in einer festen und ausschliesslichen Zweierbeziehung, halten sich ge-
genseitig die Treue und leisten sich umfassenden Beistand, so ist eine eheähnliche 
Gemeinschaft zu bejahen. Das Gericht hat in jedem Fall eine Würdigung sämtlicher 
massgebender Faktoren vorzunehmen. Die gesamten Umstände des Zusammen-
lebens sind von Bedeutung, um die Qualität einer Lebensgemeinschaft zu beurtei-
len. Die Lebensgemeinschaft muss auf eine lebenslange oder zumindest lang-
währende Partnerschaft ausgerichtet sein. Vorübergehende Beziehungen oder an-
dere zeitlich befristete Gemeinschaften sollen ausgeklammert werden. Deshalb 
wird vorausgesetzt, dass der Täter und das Opfer auf unbestimmte Zeit einen ge-
meinsamen Haushalt führen. Erforderlich ist somit, dass eine dauernde Bindung 
beabsichtigt ist und nicht bloss etwas Vorübergehendes (Urteil des Bundesgerichts 
6B_124/2022 vom 23. März 2022 E. 1.3.2 mit Hinweisen).

Sowohl der Beschuldigte als auch D.________ äusserten in den Einvernahmen 
klar, dass sie nicht als Zweckgemeinschaft zusammenwohnten, sondern auf unbe-
stimmte Zeit eine Beziehung miteinander führten. Hervorzuheben ist etwa die Aus-
sage von D.________ am 13. Juni 2020 auf die Frage nach ihrer Zukunft: «Ich ha-
be sie mir eigentlich schon mit ihm zusammen vorgestellt, aber ich darf einfach 
nicht. Also meine Zukunft sieht ohne ihn aus, sie muss» (pag. 502 Z. 175 ff.). Auch 
wenn D.________ in diesem Zeitpunkt der ersten Anzeigeerstattung keine gemein-
same Zukunft mit dem Beschuldigten sah, so geht aus ihren Aussagen doch un-
missverständlich hervor, dass die Beziehung und das Zusammenleben mit ihm ur-
sprünglich auf eine unbestimmte Zukunft ausgerichtet waren. Umso mehr, als 
D.________ rund acht Monate später, am 17. Februar 2021, bei der Staatsanwalt-
schaft ausführte, sie seien immer noch ein Paar (pag. 761 Z. 49). Sie habe für sich 
entschieden, dass, wenn der Beschuldigte auch bereit sei, er eine Aggressionsthe-
rapie machen könnte. Aber sie stehe zu ihm und helfe ihm auch (pag. 763 Z. 92). 
Auch der Beschuldigte bezeichnete D.________ im Februar 2021 als seine Freun-
din (pag. 19 Z. 44) und gab an, sie seien seit mehr als einem Jahr zusammen 
(pag. 20 Z. 80) resp. würden eine Beziehung führen (pag. 646). In der Hafteröff-

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nung am 3. Februar 2021 führte er bezeichnenderweise aus: «Ich kann es nicht 
akzeptieren, dass sie immer weggeht, ohne mir zu sagen wohin. Ich bin ihr Freund. 
Ich will nicht, dass wir zusammen immer Probleme haben, das ist nicht schön. 
Wenn es halt zusammen nicht mehr geht, ist es besser, wenn wir getrennte Wege 
gehen» (pag. 28 Z. 360 ff.). Noch am 21. Juni 2021 gab er an, er sei immer noch in 
Kontakt mit «seiner Freundin», sie komme ihn immer noch [Anm. der Kammer: in 
der Untersuchungshaft] besuchen (pag. 759 Z. 263 ff.). An der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung vom 14./15. Juni 2022 gab er sodann an, er habe mit der Bezie-
hung zu D.________ abgeschlossen. Sie hätten keine Beziehung mehr zusammen. 
Er könne bestätigen, dass sie kein Paar mehr seien und sie ihn deshalb nicht mehr 
besuchen gekommen sei (pag. 1138 Z. 5 ff.). An der oberinstanzlichen Einvernah-
me entstand der Eindruck, der Beschuldigte versuche, seine Beziehung zu 
D.________ herunterzuspielen (pag. 1619 Z. 13 ff.: «nicht so lange zusammen», 
«fast nie zusammen», «das war keine Beziehung»). Er gab auch an, er sei in einer 
falschen Beziehung gewesen, in der Beziehung seien die Liebe und der Hass bei-
des zusammen gewesen, und er habe schon am Anfang gemerkt, dass diese Be-
ziehung nicht funktionieren werde (pag. 1617 Z. 19 und Z. 31, pag. 1619 Z. 7 ff.). 
Diese Aussagen sind nicht geeignet, seine früheren Aussagen und restlichen Fest-
stellungen zur Beziehung der beiden in Frage zu stellen, zumal er selber auch obe-
rinstanzlich von einer «Beziehung» sprach.

Angesichts dieser Aussagen kann die Beziehung der beiden nicht als «bloss vor-
übergehend» bezeichnet werden. Diese war ursprünglich auf eine gemeinsame 
Zukunft ausgerichtet und erreichte die vom Bundesgericht geforderte Intensität ei-
ner eheähnlichen Gemeinschaft, die durch die Strafverfolgung von Amtes wegen 
geschützt werden soll (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 6B_399/2013 vom 
11. April 2014 E. 2.2). Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, vermag an dieser 
Würdigung nichts zu ändern, dass der Beschuldigte und D.________ teilweise 
aussagten, nicht mehr zusammen zu sein oder keine gemeinsame Zukunft zu se-
hen. Diese Aussagen erfolgten jeweils im Anschluss an eine Auseinandersetzung 
und zeigen lediglich auf, wie konfliktbelastet ihre Beziehung war. Nach jeder Aus-
einandersetzung kamen sie innert kürzester Zeit wieder zusammen. Gerade 
schwierige Beziehungskonstellationen, in denen es den Beteiligten nicht gelingt, 
sich dauerhaft aus einer konfliktbeladenen Partnerschaft zu lösen, müssen von der 
Strafverfolgung von Amtes wegen erfasst sein, erfolgte diese Gesetzgebung doch 
vor dem Hintergrund, der speziellen Täter-Opfer-Beziehungen im Bereich der häus-
lichen Gewalt Rechnung zu tragen, und zielt damit bewusst auf Konstellationen wie 
die Vorliegende ab. Selbst wenn es während des Deliktszeitraums zu kurzen Tren-
nungsphasen gekommen sein sollte, änderte dies nichts am Ergebnis, da die Delik-
te auch dann von Amtes wegen verfolgt werden, wenn diese bis zu einem Jahr 
nach der Trennung begangen wurden. Eine solch lange Trennungsphase während 
des Deliktszeitraums gab es nicht.

Die grundsätzlich als Antragsdelikte ausgestalteten Delikte der einfachen Körper-
verletzung, der Tätlichkeiten und der Drohung werden demnach von Amtes wegen 
verfolgt, sofern sie zum Nachteil von D.________ erfolgt sein sollen. Es ist insofern 
nicht weiter beachtlich, dass D.________ anlässlich der Einvernahme vom 17. Fe-
bruar 2021 auf Frage der Verteidigung ihren Strafantrag vom 13. Juni 2020 wegen 

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Tätlichkeiten, Körperverletzung, Beschimpfung und Drohung zurückzog (pag. 778 
Z. 269).

10.3 Sistierungsantrag resp. Desinteressenserklärung von D.________

D.________ erklärte im Rahmen der Vereinbarung vom 15. September 2021 ihr 
Desinteresse an der Weiterführung des Verfahrens gegen den Beschuldigten in 
Bezug auf sämtliche Offizialdelikte (pag. 990 f.).

Gemäss Art. 55a StGB (in Kraft seit 1. Juli 2020) können die Staatsanwaltschaft 
und die Gerichte das Verfahren bei einfacher Körperverletzung, wiederholten Tät-
lichkeiten, Drohung und Nötigung sistieren, wenn das Opfer der hetero- oder ho-
mosexuelle Lebenspartner bzw. der noch nicht ein Jahr getrenntlebende Ex-
Lebenspartner des Täters ist, das Opfer darum ersucht und die Sistierung geeignet 
erscheint, die Situation des Opfers zu stabilisieren oder zu verbessern. Die Sistie-
rung ist nicht zulässig, wenn die beschuldigte Person zuvor wegen eines Verbre-
chens oder Vergehens gegen Leib und Leben, gegen die Freiheit oder gegen die 
sexuelle Integrität verurteilt wurde, gegen sie eine Strafe oder eine Massnahme 
angeordnet wurde und sich die strafbare Handlung gegen ein Opfer nach Art. 55a 
Abs. 1 Bst. a StGB (Ehegatte; eingetragene Partnerin oder der eingetragene Part-
ner; hetero- oder homosexuelle Lebenspartner) richtete. Der Beschuldigte wurde 
mit Urteil der Staatsanwaltschaft F.________ vom 18. Februar 2013 u.a. rechts-
kräftig verurteilt wegen Tätlichkeiten und Drohung zum Nachteil seiner damaligen 
Ehefrau (pag. 1581). Eine Sistierung des Verfahrens ist somit ausgeschlossen. Aus 
diesem Grund ist die Desinteressenserklärung von D.________ nicht weiter be-
achtlich.

10.4 Verwertbarkeit der Beweismittel

Die Verteidigung brachte oberinstanzlich vor, die Aussagen von D.________ seien 
nicht verwertbar, weil das Konfrontationsrecht des Beschuldigten nicht gewährt 
worden sei. 

Der in Art. 6 Ziff. 3 Bst. d der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; 
SR 0.101) garantierte Anspruch der beschuldigten Person, den Belastungszeugen 
Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren 
(vgl. Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 der Schweizerischen Bundesverfassung [BV; 
SR 101]). Eine belastende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn 
der Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und 
hinreichende Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an 
den Belastungszeugen zu stellen. Um ihr Fragerecht wirksam ausüben zu können, 
muss die beschuldigte Person in die Lage versetzt werden, die persönliche Glaub-
würdigkeit des Zeugen zu prüfen und den Beweiswert seiner Aussagen zu hinter-
fragen (BGE 133 I 33 E. 3.1, BGE 131 I 476 E. 2.2; je mit Hinweisen).

Der Argumentation der Verteidigung kann nicht gefolgt werden: Das Konfrontati-
onsrecht des Beschuldigten wurde mit den Einvernahmen von D.________ bei der 
Staatsanwaltschaft vom 17. Februar 2021 formell und materiell gewahrt (zuerst 
Einvernahme als Zeugin, danach Einvernahme als Privatklägerin). D.________ hat 
sich in diesen Einvernahmen zu den einzelnen Vorwürfen inhaltlich geäussert. Den 
Vorfall vom 31. Januar 2021 beschrieb sie relativ ausführlich (pag. 763 ff. 

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Z. 122 ff.). Zum Vorfall vom 15. August 2020 äusserte sie sich ebenfalls inhaltlich 
und machte dabei – entgegen der Verteidigung – einige durchaus präzise Schilde-
rungen (pag. 765 f. Z. 196 ff.). Zu den zahlreichen Vorfällen, welche sie am 13. Ju-
ni 2020 zur Anzeige gebracht hatte, wollte sie zwar zunächst nichts sagen, hat sich 
auf konkrete Vorhalte hin dann aber dennoch dazu geäussert (pag. 773 f. Z. 87 ff.; 
Drohungen: pag. 776 Z. 170 ff.). Auch zum Zwischenfall mit dem Strafkläger sowie 
zu den zahlreichen Polizeieinsätzen äusserte sich D.________ (pag. 765 Z. 176 
ff.). Im Zeitpunkt dieser Einvernahmen hatte sich D.________ – entgegen ihren 
Aussagen vom 2. Februar 2021 – dazu entschlossen, es nochmals mit dem Be-
schuldigten zu versuchen. Sie wollte ihn unterstützen und vor den Folgen der 
Strafverfolgung bewahren (pag. 763 Z. 92 ff., pag. 768 Z. 300 und pag. 778 
Z. 257). Dies unterstreicht die Qualität jener belastenden Aussagen, die sie den-
noch zu Protokoll gab. Gleichzeitig war es ihr offenbar ein Anliegen, wahrheits-
gemäss auszusagen (pag. 774 Z. 125) und die schwierigen Erlebnisse hinter sich 
zu lassen (pag. 775 Z. 156 und pag. 776 Z.175). Vor dem Hintergrund dieses inne-
ren Konflikts und der nachvollziehbar begründeten psychischen Belastung genügen 
die inhaltlichen Aussagen, die zu Protokoll gegeben wurden, um das Konfrontati-
onsrecht des Beschuldigten als gewahrt zu betrachten. Insbesondere, da die Ver-
teidigung darauf verzichtete, die Darstellung von D.________ mit Ergänzungsfra-
gen in Frage zu stellen. Die Aussagen von D.________ sind verwertbar.

10.5 Allgemeine Erwägungen

Die Verteidigung argumentierte in grundsätzlicher Weise, die Aussagen von 
D.________ seien das einzige Beweismittel, ihre Aussagen seien jedoch unglaub-
haft. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, stützen sich die Vorwürfe gegen den Be-
schuldigten jedoch nebst den (weitgehend glaubhaften) Aussagen von D.________ 
auf diverse weitere Beweismittel wie die Aussagen des Beschuldigten, Schilderun-
gen von Drittpersonen, dokumentierte Polizeieinsätze, Fotodokumentationen und 
medizinische Berichte.

10.5.1 Anzeigerapporte, Fotodokumentationen und medizinische Berichte

Die in den Akten liegenden Anzeigerapporte zeigen anschaulich auf, wie die Polizei 
wiederholt wegen häuslicher Gewalt gerufen wurde und zum Domizil von 
D.________ und dem Beschuldigten ausrücken musste (pag. 459 ff., pag. 487 ff., 
pag. 572 ff. und pag. 621 ff.).

In den Fotodokumentationen und medizinischen Berichten (pag. 483 ff., pag. 497, 
pag. 527 ff., pag. 551 ff., pag. 562 ff., pag. 588 ff. und pag. 634 ff.) sind im An-
schluss an Vorfälle zwischen D.________ und dem Beschuldigten verschiedenste 
Verletzungen von D.________ dokumentiert, die auf wiederholte häusliche Gewalt 
des Beschuldigten gegenüber D.________ schliessen lassen. Sodann finden sich 
in den medizinischen Berichten Angaben von D.________, wie es zu den Verlet-
zungen gekommen sein soll. Die Angaben decken sich mit ihren Aussagen ge-
genüber den Strafverfolgungsbehörden, sind aber – wie die Vorinstanz zutreffend 
konstatierte – weniger beschönigend ausgefallen. Offenbar war D.________ ge-
genüber dem medizinischen Personal weniger darauf bedacht, den Beschuldigten 
in Schutz zu nehmen (siehe sogleich Ziff. 10.5.2 unten), sondern schilderte die Ver-

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letzungsursache zwecks medizinischer Beurteilung und Behandlung sachlich und 
ohne grössere Auslassungen.

10.5.2 Aussagen von D.________

Bei der Analyse der Aussagen von D.________ ist zunächst ihr Verhalten im Zu-
sammenhang mit dem jeweiligen Beizug der Polizei und den daraus folgenden Be-
fragungssituationen zu berücksichtigen:

Die erste Strafanzeige hat D.________ am 13. Juni 2020 selber erstattet, als sie 
nach einer Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten persönlich den Polizeipos-
ten aufsuchte und dort den konkreten Vorfall sowie die seit Monaten andauernde 
häusliche Gewalt durch den Beschuldigten schilderte und angab, keine Zukunft 
mehr zu sehen mit dem Beschuldigten (pag. 459, pag. 499 ff. Z. 50 ff. und pag. 502 
Z. 172). Wenig später, am 15. August 2020, kam es erneut zu einem Zwischenfall, 
bei dem ein Passant die Polizei avisierte (pag. 572). D.________ machte in ihrer 
Einvernahme lediglich grobe Angaben zum Vorgefallenen, bezeichnete den Be-
schuldigten als ihren «Ex-Freund» und sagte dann: «Ich werde meine Sachen pa-
cken und eine Zeit zu meiner Mutter ziehen. Können Sie mir ungefähr sagen, wann 
er circa wieder rauskommt? Dann könnte ich meine Sachen packen und dann ver-
schwinden. Er weiss nicht, wo meine Mutter wohnt. Manchmal ist es besser, nichts 
zu sagen, wissen Sie. Wissen Sie, je mehr ich sage, desto schlimmer wird es in der 
Regel für mich. Er wird immer einen Weg finden. Vielleicht wäre es gut, wenn Sie 
ihm sagen könnten, dass ich die Polizei heute nicht verständigt habe. Das wäre gut 
für meinen Schutz. Da wäre ich Ihnen dankbar» (pag. 696 Z. 63 ff.). Auch nach 
dem Vorfall vom 31. Januar 2021 verständigte D.________ nicht selber die Polizei. 
Sie rief vielmehr ihre Mutter an, deren Partner wiederum die Polizei informierte 
(pag. 621 ff. und pag. 783 Z. 110 ff.). D.________ gab gegenüber der angerückten 
Polizei zwar Auskunft, verortete die Tat jedoch in einen Zug statt bei sich zu Hause, 
weil sie ihrer Mutter gegenüber nicht zugeben wollte, dass sich der Beschuldigte 
bei ihr aufgehalten hatte (pag. 623 und pag. 638 f.). Am 2. Februar 2021 wollte sie 
keine Angaben zur Sache mehr machen, gab jedoch an, mit der «ganzen Sache» 
abschliessen zu wollen. Sie sei erleichtert, dass ihr «Ex-Freund» nun in Haft sei 
und sie endlich ihre Ruhe habe vor ihm. Sie wäre einfach froh, wenn sie informiert 
würde, sobald er nicht mehr in Haft sei, nicht dass sie ihm «wieder versehentlich» 
die Türe öffne (pag. 641 Z. 38 ff.). Nur wenige Zeit später, am 17. Februar 2021, 
bekannte sie sich wieder zum Beschuldigten und besuchte diesen fortan während 
einiger Monate in der Untersuchungshaft (pag. 763 Z. 92 und pag. 1137 Z. 42 ff.). 
Ihr Verhalten gegenüber der Polizei schwankte demnach zwischen dem Bedürfnis, 
sich gegen die erlebte Gewalt zu wehren und sich zum eigenen Schutz vom Be-
schuldigten zu distanzieren sowie ihrer Loyalität zum Beschuldigten.

Diese Ambivalenz zeigte sich nicht nur in ihrem Verhalten, sondern auch im Inhalt 
ihrer Aussagen. Diese sind mit wenigen Ausnahmen zurückhaltend und beschöni-
gend ausgefallen. So versuchte sie, den Beschuldigten nicht über Gebühr zu belas-
ten, nahm ihn über weite Strecken sogar in Schutz und schob sich teilweise selbst 
die Schuld für die wiederholten Eskalationen zu. Eine Aggravation ist damit einher-
gehend nicht ansatzweise erkennbar. Es muss vielmehr davon ausgegangen wer-
den, dass die Übergriffe oft schwerer waren und häufiger erfolgten, als von ihr ge-

15

schildert, worauf auch die dokumentierten Verletzungen, die Aussagen ihrer Mutter 
und die Aussagen der weiteren befragten Personen hinweisen. Soweit sie sich in 
Widersprüche verstrickte und nicht die Wahrheit sagte, erfolgte dies offensichtlich 
aus Scham, wieder mit dem Beschuldigten zusammenzuwohnen (falscher Tatort 
angegeben), oder in der Absicht, den Beschuldigten zu entlasten. Widersprüche 
und/oder Unstimmigkeiten in ihren Aussagen, die darauf schliessen liessen, dass 
sie den Beschuldigten zu Unrecht belasten wollte, sind demgegenüber nicht er-
kennbar. Diese sind vielmehr mit dem Verhalten und dem geltend gemachten Erle-
ben von D.________ zu vereinbaren. An ihren Aussagen ist deshalb höchstens in 
dem Sinne zu zweifeln, als dass sie das Erlebte zum Schutz des Beschuldigten be-
schönigt haben dürfte. Dies wiederum führt dazu, dass die Kammer konkrete Be-
lastungen des Beschuldigten als äusserst glaubhaft erachtet.

In diesem Zusammenhang ist auch die Aussage von D.________ zu sehen, ihre 
Mutter «übertreibe gerne etwas» und werde sicher «alles versuchen, damit der Be-
schuldigte etwas mehr noch zur Kasse komme» (pag. 769 Z. 338 ff.). Diese Aus-
sagen sind als Versuch von D.________ zu werten, die Aussagen ihrer Mutter be-
reits im Voraus zu relativieren, da ihr bewusst war, dass ihre Mutter das Verhalten 
des Beschuldigten ohne Verharmlosungen schildern würde.

Die Erstaussagen von D.________ resp. ihre Angaben gegenüber dem medizini-
schen Personal dürften jeweils am nächsten an das tatsächlich Vorgefallene kom-
men. Solche Aussagen der ersten Stunde sind denn auch gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung in der Regel unbefangener und zuverlässiger, als spätere 
Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen oder 
auf andere Art beeinflusst sein können (BGE 115 V 143 E. 8.c). Dies trifft auch vor-
liegend zu. So entschied sich D.________ etwa am 13. Juni 2020 unmittelbar nach 
einer Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten zu einer Strafanzeige und zeigte 
sich in der gleich darauffolgenden Einvernahme entschlossen, über das Vorgefal-
lene zu berichten und sich vom Beschuldigten zu trennen (pag. 459, pag. 499 ff. 
Z. 50 ff. und pag. 502 Z. 172). Auch nach dem Vorfall vom 31. Januar 2021 war sie 
zunächst bereit, Aussagen zu machen (pag. 638 f.). Später relativierte sie ihre 
Aussage oder gab an, sich nicht zum Vorgefallenen äussern zu wollen 
(z.B. pag. 640 ff.). Es trifft zu, dass D.________ zuweilen erst auf Nachfrage er-
zählte, was passiert war. Suggestionen oder ein wahrheitswidriges Bestätigen von 
Vorhalten ist jedoch entgegen der Verteidigung nicht erkennbar (siehe sogleich zu 
den einzelnen Anklagepunkten; insbesondere Ziff. 12.3.2 unten). Dieses Aussage-
verhalten passt denn auch zu ihrer grundsätzlichen Zurückhaltung, den Beschuldig-
ten zu belasten, und lässt ihre Aussagen deshalb nicht unglaubhaft erscheinen.

Wo D.________ die durch den Beschuldigten erlebte Gewalt und die dadurch aus-
gelöste Angst schilderte, imponieren ihre Aussagen. Hervorzuheben sind etwa die 
bereits zitierten Aussagen bei der Polizei vom 15. August 2020, wonach es 
manchmal besser sei, nichts zu sagen, weil es umso schlimmer für sie werde, je 
mehr sie sage, und in denen sie darum bat, den Beschuldigten «zu ihrem Schutz» 
darauf hinzuweisen, dass nicht sie die Polizei verständigt habe (pag. 696 Z. 63 ff.). 
Auch ihre Bitte, sie über eine Haftentlassung des Beschuldigten zu informieren, 
damit sie ihm nicht versehentlich die Tür öffne, macht ihre Angst deutlich spürbar 

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(pag. 641 Z. 38 ff.). Besonders eindrücklich ist zudem ihre Schilderung, wonach ihr 
der Beschuldigte mit einem 1 kg-Honigglas von hinten gegen den Hinterkopf und 
danach mit der flachen Hand gegen ihr rechtes Ohr geschlagen habe (pag. 499 
Z. 63 f.). Es ist nicht davon auszugehen, dass D.________ ein so aussergewöhnli-
ches Objekt wie ein Honigglas genannt hätte, wenn sie den Beschuldigten mit er-
fundenen Vorfällen hätte belasten wollen. Zur Glaubhaftigkeit trägt sodann ihre Be-
schreibung bei, wonach ihr daraufhin «ziemlich schwindlig» geworden sei und sie 
die Wohnung verlassen habe (pag. 499 Z. 64 f.). Bei einem erfundenen Vorfall wä-
re eine deutlich dramatischere Schilderung der Verletzungsfolgen zu erwarten. 
Schliesslich entstammt diese Episode – entgegen der Argumentation der Verteidi-
gung, wonach D.________ keine Vorfälle von sich aus erwähnt habe – einer freien 
Erzählung.

10.5.3 Aussagen des Beschuldigten

Die Aussagen des Beschuldigten sind ebenfalls durchwegs beschönigend ausge-
fallen. Zwar gestand er in allgemeiner Weise ein, dass es zwischen ihm und 
D.________ wiederholt zu Streit und tätlichen Auseinandersetzungen gekommen 
war (pag. 505 Z. 43 f., pag. 506 Z. 66 ff., pag. 599 Z. 73, pag. 645 Z. 58 ff., 
pag. 647 Z. 149, pag. 730 Z. 183 und Z. 193 f. und pag. 733 Z. 306). Dem wider-
sprechend stritt er auf die einzelnen Vorfälle bezogen jedoch jeweils ab, 
D.________ geschlagen bzw. verletzt zu haben. Die Schuld für die Auseinander-
setzungen schob er jeweils D.________ zu (tagelanges Verschwinden [pag. 505 
Z. 27 ff., pag. 507 Z. 118 f., pag. 644 Z. 31 ff., pag. 731 Z. 207 f. und Z. 232 ff., 
pag. 733 Z. 295 ff.], Lügen [pag. 506 Z. 74 und Z. 98, pag. 507 Z. 113 und 
Z. 136 f.], Alkohol- und Drogenkonsum [pag. 507 Z. 142, pag. 645 Z. 65 ff., 
pag. 647 Z. 155 und Z. 182 ff.], Eifersucht [pag. 644 Z. 38 ff., pag. 733 Z. 302 ff., 
pag. 736 Z. 413 ff.], «Einmischen» der Mutter von D.________ [pag. 646 Z. 108 ff., 
pag. 728 Z. 102 f., pag. 730 Z. 192 f.]). Dies ging so weit, dass D.________ sogar 
am Vorfall mit dem Strafkläger sowie an der mutmasslichen Widerhandlung gegen 
das Ausländer- und Integrationsgesetz schuld sein sollte (pag. 508 Z. 171 ff. und 
pag. 683 Z. 173). Weiter bezeichnete er D.________ als Lügnerin und versuchte in 
beinahe jeder Einvernahme, sie in ein schlechtes Licht zu rücken (exemplarisch: 
pag. 756 Z. 136). Nachdem er offenbar bemerkt hatte, dass seinem abstreitenden 
Aussageverhalten von Seiten der Strafverfolgungsbehörden kein Glauben ge-
schenkt wird, und er sich wiederholt in Widersprüche verstrickt hatte, verweigerte 
er weitere Aussagen. Auch an der Berufungsverhandlung verweigerte er bei den 
Fragen zur Sache weitgehend die Aussage. Bezeichnend sind aber seine Aus-
führungen, wonach es in seiner Beziehung zu D.________ Liebe und Hass gege-
ben habe, was zu «nicht guten Sachen» geführt habe (pag. 1617 Z. 34; vgl. 
pag. 1620 Z. 11).

Seine spärlichen Angaben zu den konkreten Vorwürfen, das pauschale Abstreiten 
und seine Schuldzuweisungen lassen die Aussagen des Beschuldigten insgesamt 
wenig glaubhaft erscheinen. Hervorzuheben ist allerdings, dass er – in Überein-
stimmung mit D.________ – grundsätzlich bestätigte, die Beziehung sei von Streit, 
«Hassliebe» und tätlichen Auseinandersetzungen geprägt gewesen. Darauf ist ab-
zustellen. Die von ihm genannten Gründe für die Auseinandersetzungen hingegen 

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ändern – ob wahr oder nicht – nichts an der Strafbarkeit physischer und psychi-
scher Gewaltanwendung. Seine umfangreichen Schuldzuweisungen an andere 
Personen stehen denn auch im Widerspruch zu seiner mehrfach demonstrierten 
Gewaltbereitschaft sowie zur Tatsache, dass er nach den dokumentierten Vorfällen 
im Gegensatz zu den anderen Beteiligten jeweils keine bzw. keine nennenswerten 
Verletzungen davontrug.

10.5.4 Aussagen von M.________

Die Aussagen der Mutter von D.________, M.________, zeigen ebenfalls eindrück-
lich auf, in welcher toxischen Beziehung sich ihre Tochter mit dem Beschuldigten 
befand. Die Mutter stellte der sichere Hafen dar, bei welcher D.________ nach ei-
ner Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten jeweils Zuflucht fand. Bei diesen 
Kontakten sprach D.________ mit ihrer Mutter über die Beziehung und die stattge-
fundenen Auseinandersetzungen mit dem Beschuldigten (M.________: 
pag. 782 ff., Z. 80 ff.; D.________: pag. 500 Z. 80, pag. 502 Z. 170, pag. 595 Z. 45 
und Z. 63 ff., pag. 639, pag. 763 Z. 124, pag. 768 Z. 285 ff., pag. 769 Z 339, 
pag. 777 Z. 212 ff.). Hervorzuheben ist dabei etwa die fast beiläufige Bemerkung 
von D.________, wonach ihre Mutter sie ein paar Mal gesehen habe, als sie ein 
blaues Auge gehabt habe (pag. 769 Z. 339). Die Schilderungen gegenüber der 
Mutter dürften aus Scham, dass der Beschuldigte sie schlecht behandelt und sie 
trotzdem immer wieder zu ihm zurückkehrte, ebenfalls eher beschönigend als ag-
gravierend ausgefallen sein (vgl. pag. 784 Z. 156 ff.), was sich anschaulich an der 
falschen Angabe des Tatorts bezüglich des Vorfalls vom 31. Januar 2021 zeigt. 
Aufgrund der Widerwilligkeit von D.________, die Vorfälle konsequent strafrechtlich 
verfolgen zu lassen, sowie ihrer Scham gegenüber der eigenen Mutter, ist nicht da-
von auszugehen, dass sie M.________ erfundene, belastende Geschichten über 
den Beschuldigten erzählte hat.

Die Aussagen von M.________ dürften ebenfalls zurückhaltend und nicht unnötig 
belastend ausgefallen sein. So erkundigte sie sich zu Beginn der Einvernahme, ob 
der Beschuldigte erfahre, was sie sage, und sie doch gewisse Bedenken habe, be-
lastende Aussagen zu machen, sie habe noch kleinere Kinder und ein trautes 
Heim. Es sei schwierig, eigentlich wolle sie helfen und «auf der anderen Seite...» 
(pag. 780 Z. 6 ff.). Gleichzeitig gehen aus ihren Aussagen nachvollziehbar die Ver-
zweiflung von M.________ angesichts der Lage ihrer Tochter und ihre eigene 
Angst vor dem Beschuldigten hervor.

M.________ hat zwar selber keine Vorfälle unmittelbar miterlebt, ihre Aussagen 
können daher die Vorfälle nicht direkt bestätigen, untermauern jedoch die Glaub-
haftigkeit der Aussagen ihrer Tochter. 

10.5.5 Aussagen des Strafklägers

Die Aussagen des Strafklägers betreffend den Beschuldigten und die Beziehung 
zwischen D.________ und dem Beschuldigten passen ebenfalls ins Bild und er-
gänzen dieses stimmig. So führte er insbesondere aus, D.________ sei mehrfach 
weinend zu ihm gekommen, da sie vom Beschuldigten geschlagen worden sei 
(pag. 667 Z.40 ff.). Weiter zeigt der Vorfall mit dem Strafkläger anschaulich auf, wie 
der Beschuldigte ganz allgemein Probleme hat, seine Aggressionen unter Kontrolle 

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zu halten, und rasch gewalttätig wird und zuschlägt. Dies schliesst aus, dass die 
Aggressionen des Beschuldigten alleine an der spezifischen Konstellation mit 
D.________ liegen und daher (nach Ansicht des Beschuldigten) ihre Schuld sind.

10.5.6 Aussagen von N.________

N.________, ehemaliger Nachbar der beiden in L.________, schilderte ebenfalls 
einen Vorfall, bei welchem der Beschuldigte D.________ geschlagen und er ansch-
liessend auf ihn [N.________] habe losgehen wollen (pag. 795 Z. 105 f.). Aus Er-
zählungen und aus den Verletzungen, die er gesehen habe und die angeblich vom 
Beschuldigten gestammt hätten, habe er weitere Vorfälle zwischen dem Beschul-
digten und D.________ mitbekommen (pag. 796 Z. 136 f.). Nachdem D.________ 
nach F.________ umgezogen sei, sei es zu gelegentlichem Kontakt zwischen 
N.________ und D.________ gekommen. Anlässlich dieser Kontakte habe sie 
N.________ jeweils erzählt, wie sie wiederholt vom Beschuldigten geschlagen 
worden sei (pag. 794 Z. 89 ff. und 796 Z. 138 ff.). N.________ reichte zudem ein 
Video vom 13. Dezember 2019 (pag. 805) sowie den Chatverlauf mit D.________ 
(13. Dezember 2019) und ihrer Mutter (26. März 2020) zu den Akten (pag. 802 ff.). 
Nachdem er der Mutter von D.________ geschrieben hatte, dass man dies «abstel-
len» müsse und der Beschuldigte wegmüsse, habe er einen Anruf vom Beschuldig-
te bekommen, der ihm gedroht habe, nach L.________ zu kommen, um seine Mut-
ter «zu ficken» und ihn umzubringen. Er solle sich nicht in fremde Sachen einmi-
schen (pag. 797 Z. 182 ff.). N.________ ging daraufhin auf den Polizeiposten in der 
Absicht, Strafanzeige zu erstatten, worauf ihm die Polizistin gesagt habe, das brin-
ge nichts (pag. 794 Z. 66).

10.5.7 Fazit

Diese zahlreichen Beweismittel zeichnen das Bild einer konfliktbelasteten Bezie-
hung. Aufgrund der ärztlichen Unterlagen und den Fotodokumentationen ist erstellt, 
dass D.________ im Anschluss an die vorliegend zu beurteilenden Vorfälle vom 
13. Juni 2020, 15. August 2020 und 31. Januar 2021 Verletzungen aufwies. Aus 
den aktenkundigen Polizeiberichten geht hervor, dass die Polizei mehrfach wegen 
häuslicher Gewalt an das Domizil von D.________ und dem Beschuldigten ausrü-
cken musste. Auch die Mutter von D.________, ein Kollege sowie ein ehemaliger 
Nachbar, mithin verschiedene Personen aus dem Umfeld von D.________, 
bestätigten glaubhaft, dass der Beschuldigte gegenüber D.________ wiederholt 
gewalttätig wurde. Ihr Umfeld hat dies miterlebt, ihre Schilderungen gehört und Ver-
letzungen beobachtet. Diese Schilderungen fügen sich stimmig in das Bild, das 
aufgrund der Anzeigerapporte, der medizinischen Berichte und der Fotodokumen-
tationen entsteht. Der Beschuldigte bestreitet denn auch grundsätzlich nicht, dass 
es in seiner Beziehung zu D.________ zu tätlichen Auseinandersetzungen kam, 
resp. dass er sie schlug (pag. 645 Z. 58: «Ich habe D.________ geschlagen, das 
ist korrekt»). Anders als vom Beschuldigten mehrfach vorgebracht, ist jedoch aus-
geschlossen, dass diese Gewaltanwendung auf eine spezifische Konstellation mit 
D.________ zurückzuführen oder gar deren Schuld ist: Der Beschuldigte wurde be-
reits gegenüber seiner früheren Ehefrau tätlich. Er schlug den Strafkläger (siehe 
Ziff. 12 unten) und auch während seiner Zeit in Haft kam es zu tätlichen Konflikten 
mit anderen Gefängnisinsassen (pag. 1244, pag. 1565 f. und pag. 1577 f.). Diese 

19

Vorfälle zeigen eine hohe Gewaltbereitschaft und tiefe Impuls-/Aggressionskon-
trolle beim Beschuldigten, die nicht auf die spezifische Konstellation mit 
D.________ zurückgeht. Bereits aufgrund dieser Beweismittel hat die Kammer kei-
ne Zweifel daran, dass der Beschuldigte im Rahmen seiner Beziehung mit 
D.________ wiederholt Gewalt gegen sie ausübte. Die Aussagen von D.________ 
passen stimmig in dieses Bild. Vor dem Hintergrund, dass sie bis und mit der letz-
ten Einvernahme immer wieder Bereitschaft zeigte, es weiterhin mit dem Beschul-
digten zu versuchen, lassen sich ihre bisweilen relativierenden Aussagen bei der 
Polizei und Staatsanwaltschaft ohne weiteres als Versuch einordnen, den Beschul-
digten vor den Strafverfolgungsbehörden in Schutz zu nehmen, weil sie diesen 
trotz des Vorgefallenen immer noch gernhatte. Dies wiederspiegelt sich auch in der 
Tatsache, dass D.________ nur einmal von sich aus zur Polizei ging. Bei den rest-
lichen Vorfällen wurde die Polizei von Drittpersonen avisiert. Dennoch geht ihre 
Angst vor dem Beschuldigten eindrücklich aus ihren Schilderungen hervor. Diese 
Ambivalenz zwischen Liebe und Loyalität zum Beschuldigten auf der einen Seite 
und Angst sowie der Bemühung, sich vor der Gewalt zu schützen, auf der anderen 
Seite, ist mit der Komplexität des Beziehungs- und Machtgefüges im sozialen Nah-
bereich gut erklärbar: Der Beschuldigte war gleichzeitig eine enge Bezugs- und 
Vertrauensperson für D.________, und die Distanzierung von ihm führte für sie zu 
einem emotional schwierigen Dilemma. Es ist bekannt und nachvollziehbar, dass 
das Aussageverhalten von Opfern häuslicher Gewalt aus diesen Gründen biswei-
len erwartungswidrig ausfällt. Es untergräbt die Glaubwürdigkeit von D.________ 
demnach nicht, wenn sie ihre Aussagen teilweise relativierte oder im Strafverfahren 
im Vergleich zu ihren Angaben bei den medizinischen Untersuchungen weniger be-
lastende Aussagen machte. Aufgrund ihrer Bemühungen, den Beschuldigten zu 
schützen, kann umso mehr darauf abgestellt werden, wenn sie dennoch belasten-
de Aussagen machte. Ihre Schilderungen stimmen zudem insofern mit den Aussa-
gen des Beschuldigten überein, als auch er grundsätzlich bestätigte, dass die Be-
ziehung von Streit und tätlichen Auseinandersetzungen geprägt war. Ihre Schilde-
rungen wirken umso glaubhafter, als der Beschuldigte mit seinem Aussageverhal-
ten eine äusserst geringschätzende Haltung gegenüber D.________ offenbarte. 
Angesichts dieser Haltung ist das von D.________ geschilderte Verhalten des Be-
schuldigten gut vorstellbar.

Die Tatsache, dass auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten keine Hinweise zu 
häuslicher Gewalt gefunden werden konnten, ändert an diesen Feststellungen 
nichts (pag. 817 f.). Auch der Umstand, dass D.________ zunächst ankündigte, sie 
resp. ihre Mutter habe Fotos von alten Verletzungen auf dem Mobiltelefon, diese 
Fotos dann aber nicht festgestellt werden konnten oder eingereicht wurden, ver-
mag diese Schlussfolgerungen nicht in Zweifel zu ziehen (pag. 464, pag. 768 
Z. 292 ff., pag. 777 Z. 218 f. und pag. 788 Z. 300). Insbesondere, da die Tendenz 
von D.________, die Vorwürfe gegenüber dem Beschuldigten zu relativieren, 
stimmig in das festgestellte Gesamtbild passt.

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11. Vorfall vom 15. August 2020 in E.________

11.1 Angeklagter Sachverhalt

Dem Beschuldigten werden gemäss Ziff. I.1. und I.2. der geänderten Anklageschrift 
vom 14. Juni 2022 folgende Sachverhalte zur Last gelegt (nicht mehr zu beurtei-
lender Vorwurf in kursiv):

Der Beschuldigte habe D.________ am 15. August 2020, ca. 03:45 Uhr, in 
E.________ auf der Strasse unvermittelt von hinten angegriffen, auf sie einge-
schlagen und sie anschliessend zu Boden gerissen, ihren Kopf nach unten gezo-
gen und sein Knie in ihr Gesicht gestossen. D.________ habe durch die Gewalt-
einwirkung des Beschuldigten nebst zahlreichen Bagatellverletzungen am ganzen 
Körper insbesondere ein Gesichtstrauma, eine starke Schwellung am rechten Auge 
mit einem Hyposphagma, Rötungen am rechten Arm und ein Hämatom an der 
rechten Hand erlitten. Durch die Attacke von hinten und den Kniestoss gegen den 
Kopf der durch den nächtlichen Angriff überraschten und in ihren Abwehrmöglich-
keiten entsprechend eingeschränkten D.________ habe der Beschuldigte zumin-
dest in Kauf genommen, ein wichtiges Organ von D.________, namentlich das Au-
ge bzw. die Augen, unbrauchbar zu machen, ihr arge und bleibende Entstellungen 
am Gesicht oder eine andere schwere Schädigung am Körper zuzufügen (Ziff. I.1. 
der geänderten Anklageschrift).

Im Rahmen des nächtlichen Angriffs gemäss Ziff. 1. habe der Beschuldigte 
D.________ derart gewürgt, dass sie das Bewusstsein verloren und Spuren bzw. 
Rötungen am Hals sowie Schluckstörungen aufgrund der Strangulation davonge-
tragen habe. Durch das Würgen von D.________ bis zur Bewusstlosigkeit habe der 
Beschuldigte wissentlich und willentlich sowie in skrupelloser Weise eine unmittel-
bare Lebensgefahr für D.________ herbeigeführt, da der Beschuldigte um den 
Umstand gewusst habe, dass man einen Menschen in Lebensgefahr bringen kann, 
wenn man ihm das Atmen verunmöglicht bzw. die Luft- und Blutzufuhr zum Gehirn 
abschneidet (Ziff. I.2. der geänderten Anklageschrift.).

11.2 Beweiswürdigung

Die Kammer schliesst sich dem Beweisergebnis der Vorinstanz grundsätzlich an: 
Der Sachverhalt zum objektiven Tatgeschehen gemäss Ziff. I.1. und I.2. der geän-
derten Anklageschrift wird mit Ausnahme der Textpassage «nebst zahlreichen Ba-
gatellverletzungen am ganzen Körper» als erstellt erachtet. Dasselbe gilt für die 
subjektive Seite (Wissen und Willen) betreffend den Vorwurf der Gefährdung des 
Lebens (Ziff. I.2., 2. Absatz der geänderten Anklageschrift). Es kann insofern auf 
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 1287 ff., 
S. 12 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Eine Auseinandersetzung mit der 
Frage, ob der Beschuldigte mit der Attacke von hinten und den Kniestoss gegen 
den Kopf eine schwere Körperverletzung in Kauf genommen hat, erübrigt sich auf-
grund des Verschlechterungsverbots. Ergänzend und teilweise als Wiederholung 
zu den Erwägungen der Vorinstanz sei das Folgende erwähnt:

Eine erste Meldung an die Polizei erfolgte, da der Beschuldigte an der O.________ 
(Strasse) in angetrunkenem Zustand herumschrie (Atemalkohol 0.7 mg/l und posi-
tives Resultat auf Kokain und THC). Gegenüber den eintreffenden Polizisten sagte 

21

der Beschuldigte aus, dass es zwischen ihm und D.________ vorgängig zu einem 
Streit gekommen sei, nannte jedoch keine Details. Der Beschuldigte trug ein Mobil-
telefon, ein Ladekabel, eine Identitätskarte und einen Pullover von D.________ auf 
sich (pag. 573).

Es war sodann nicht D.________, welche der Polizei den Vorfall meldete, sondern 
ein Herr P.________. Dieser meldete der Polizei, dass eine Frau von ihrem Ex-
Lebenspartner zusammengeschlagen worden sei. Gegenüber den eintreffenden 
Polizisten gab D.________ (Atemalkohol 0.23 mg/l und positives Resultat auf Ko-
kain und THC) wiederholt spontan an, dass sie von ihrem Ex-Lebenspartner ge-
schlagen worden sei bzw. ihr die Verletzungen durch den Beschuldigten zugefügt 
worden seien (pag. 573 f.).

Im Anschluss an diesen Vorfall wurde für die Dauer von 20 Tagen eine Fernhalte-
verfügung gegen den Beschuldigten erlassen (pag. 576 f.).

Auf den Fotos von D.________ sind Verletzungen am Kopf (rechtes Auge ge-
schwollen und blutunterlaufen sowie Hautabschürfung vorne am Haaransatz) und 
am rechten Arm (Blutergüsse) sichtbar. Die Hosen sind blutverschmiert 
(pag. 587 ff.).

In der Notfallanamnese des Q.________ (Spital) (pag. 567 ff.) sind folgende klini-
schen Befunde festgehalten (Anmerkungen der Kammer in eckigen Klammern): 
Kopf/Hals: Monokel Hämatom [«blaues Auge», «Veilchen»] rechts mit Hypops-
phagma [Unterblutung der Bindehaut], Augenmotilität [Augenbewegung] u.a. 
Schmerzen bei Palpation [Drücken] der Orbitaboden [Boden der Augenhöhle] 
rechts und Nasenseptum [Nasenhöhle], enoral reizlos, leicht geröteter Rachen, 
keine Stippchen [gelb-weissliche Beläge auf entzündeten Mandeln], keine vergrös-
serten oder gefurchten Tonsillen [Mandeln]; Skelett: leichte Druckdolenz im Bereich 
des SCM [Musculus sternocleidomastoideus; gehört zur oberflächlichen Schicht 
der ventralen Halsmuskulatur] rechts; Haut: oberflächige Hämatome Hand rechts. 
Unter «Diagnose» wurde zusätzlich Schluckstörungen und Kopfschmerzen festge-
halten, dies nach tätlichem Angriff mit Strangulation und direktem Gesichtstrauma, 
und unter «Notfallanamnese» u.a. aktuell zunehmende Kopfschmerzen, holokranial 
[den ganzen Kopf betreffende Kopfschmerzen], und blitz-schliessender Schmerz 
paravertebral [neben einem Wirbel, der Wirbelsäule liegend] rechts auf Höhe HWK 
4-6 bei Drehung des Kopfes nach rechts, zunehmende Schmerzen beim linken Au-
ge und bei der Nase sowie leichte Schmerzen bei beiden Handflächen. Nicht fest-
gestellt wurden u.a. Schwindel, Erbrechen, Nausea [Brechreiz] und Dyspnoe [sub-
jektives Gefühl einer unzureichenden oder erschwerten Atmung].

Hals und Kopf von D.________ wurden nach Strangulationsprotokoll bildgeberisch 
untersucht (pag. 569 f. und 615 f.). Es wurde keine Dissektion [Aufreißen der Arte-
rienwand zwischen der inneren und der mittleren Wandschicht] und keine La-
rynxfraktur [Bruch des knorpeligen Kehlkopfgerüsts] festgestellt, hingegen ein 
Weichteilhämatom an der linken Wange, welches um die Mandibula [Unterkiefer] 
betont ist. Gemäss Bericht des Hausarztes schwoll die linke Wange einige Tage 
nach dem Überfall massiv an und es waren deutliche Entzündungszeichen im Blut 
vorhanden (pag. 563).

22

Auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft führte der behandelnde Arzt des 
Q.________(Spital) aus, dass es durch die Strangulation anamnestisch zu einer 
kurzen Bewusstlosigkeit gekommen sei. Innere Verletzungen hätten sich keine ge-
funden. Im Zeitpunkt der Konsultation habe zudem keine Lebensgefahr bestanden. 
Eine Strangulation sei je nach Ausmass und Dauer aber potentiell lebensgefährlich. 
Die bei der Konsultation festgestellten Verletzungen sollten folgenlos abheilen 
(pag. 619).

Die in der Anklageschrift konkret aufgeführten Verletzungen von D.________ ge-
hen nach dem Gesagten ohne weiteres aus der Fotodokumentation und den medi-
zinischen Berichten hervor. Sie werden als erstellt erachtet. Die in der Anklage-
schrift zusätzlich erwähnten «zahlreichen Bagatellverletzungen am ganzen Körper» 
können hingegen aufgrund der fehlenden Spezifizierung diesem Sachverhalt nicht 
zugeordnet werden und werden deshalb – im Einklang mit der Vorinstanz – nicht 
als erstellt erachtet. Hervorzuheben sind die Beschreibungen eines leicht geröteten 
Rachens ohne Hinweis auf einen Infekt, von Schluckstörungen sowie von leichter 
Druckdolenz im Bereich der rechten Halsmuskulatur. Diese lassen sich zwanglos 
mit einer Strangulation erklären und stehen im Einklang mit der von D.________ 
geschilderten vorübergehenden Bewusstlosigkeit.

D.________ wurde erstmals direkt im Anschluss an das Ausrücken der Polizei ein-
vernommen. Im Rahmen dieser polizeilichen Einvernahme sagte sie einzig aus, 
dass sie von ihrem Ex-Freund plötzlich von hinten angegriffen worden sei (pag. 595 
Z. 43), und bestätigte damit, dass es sich beim Täter um den Beschuldigten han-
delt. Mehr wollte sie nicht sagen. 

Im Anzeigerapport wurde denn auch festgehalten, dass D.________ – aus Sicht 
des Schreibenden – der Mut verlassen habe, Aussagen zu machen, und sie ange-
geben habe, dass sie so schnell wie möglich zur Mutter gehen wolle (pag. 575). 
Die Vorinstanz hat in ihrer Urteilsbegründung dieses (Aussage-)Verhalten von 
D.________, das einem typischen Verhalten von Opfern häuslicher Gewalt ent-
spricht, ausführlich dargelegt und zutreffend gewürdigt (pag. 1293 ff., S. 18 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Darauf kann grundsätzlich verwiesen wer-
den. Einzig der Erwägung der Vorinstanz, wonach D.________ den Vorfall in ihrer 
ersten Einvernahme «in den grundsätzlichen Zügen bestätigt» haben soll, kann 
nicht gefolgt werden: Die schliesslich angeklagte Version des Sachverhalts hatte 
sie zu diesem Zeitpunkt noch niemandem (auch nicht den Ärzten) geschildert. Sie 
konnte den angeklagten Sachverhalt somit nicht bestätigen.

Später am selben Tag wurde D.________ im Notfallzentrum des 
Q.________(Spital) untersucht. Im Rahmen dieser Untersuchung gab sie an, sie 
sei um Mitternacht von ihrem Ex-Freund auf der Strasse angegriffen worden (von 
hinten, plötzlich). Dieser habe sie stranguliert. Sie sei kurz bewusstlos geworden, 
dann auf die Hände und Knie gefallen. Er habe sie dann direkt mit dem Knie ins 
rechte Auge und Nase geschlagen (pag. 567). Dieser Arztbericht ist entgegen dem 
Einwand der Verteidigung verwertbar, auch wenn sich die Dokumente auf der bei-
gelegten Patienten-CD nicht öffnen lassen. Die Angaben im Bericht sind auch ohne 
die weiteren Informationen auf der CD verständlich und nachvollziehbar.

23

In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 17. Februar 2021 gab 
D.________ zu diesem Vorfall an, der Beschuldigte habe sie durch die Stadt ver-
folgt, er habe sie schlagen wollen und sie dann auch «erwischt». Sie sei in Ohn-
macht gefallen. Sie habe ein blaues Auge und eine geschwollene Backe gehabt, 
als sie aufgewacht sei. Sie glaube, er habe sie mit dem Knie geschlagen. Sie wisse 
nur noch, dass sie auf den Boden gefallen sei. Er habe sie glaublich nach unten 
gezogen gegen sein Knie, aber sie sei sich nicht sicher. Es sei eine vage Erinne-
rung. Danach wisse sie nichts mehr, weil sie in Ohnmacht gefallen sei (pag. 765 f. 
Z. 196 ff.). Ihre Schilderungen stehen im Einklang mit den festgestellten Verletzun-
gen und decken sich weitestgehend mit denjenigen gegenüber dem medizinischen 
Personal. Eine Strangulation erwähnte sie bei der Staatsanwaltschaft nicht mehr. 
Wie die Vorinstanz geht die Kammer jedoch davon aus, dass der gegenüber dem 
medizinischen Personal geschilderte Ablauf dem tatsächlichen Ablauf am nächsten 
kommt und D.________ das Bewusstsein aufgrund einer Strangulation durch den 
Beschuldigten vorübergehend verloren hat. Es ist nicht davon auszugehen, dass 
sie dies dem medizinischen Personal sonst so geschildert hätte. Dass sie die 
Strangulation bei der Staatsanwaltschaft nicht erwähnte, dürfte sich damit erklären 
lassen, dass sie den Beschuldigten nicht unnötig belasten wollte und den Ablauf 
nur soweit schilderte, als es zur Erklärung der sichtbaren Verletzungen erforderlich 
war. Es kann diesbezüglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 1297 ff., S. 22 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Bei der Staatsan-
waltschaft hat sie damit einhergehend den Ablauf umgekehrt geschildert, mutmass-
lich um die Bewusstlosigkeit auch ohne Strangulation erklären zu können: Zuerst 
den Knieschlag, dann die Bewusstlosigkeit (pag. 766). Gegenüber dem medizini-
schen Personal hatte sie zunächst das Würgen, danach die Bewusstlosigkeit und 
zuletzt den Knieschlag geschildert (pag. 567).

Der Beschuldigte sagte aus, sich an nichts mehr erinnern zu können, da er besof-
fen gewesen sei (pag. 598 Z. 18 ff.). Sie hätten einen Streit gehabt, er sei nach 
draussen gegangen und wisse nicht, was danach passiert sei (pag. 599 Z. 73 f.). Er 
habe eine Flasche Whisky und eine Flasche Wein getrunken (pag. 599 Z. 80). In 
seiner Einvernahme vom 3. Februar 2021 sagte er aus, dass es sein könne, dass 
er D.________ so zugerichtet habe. Sie seien beide betrunken gewesen und er 
wisse nicht genau, was passiert sei (pag. 733 Z. 290). An der Schlusseinvernahme, 
vor der Vorinstanz und an der Berufungsverhandlung verweigerte er die Aussage 
(pag. 601 Z. 48 ff., pag. 1137 Z. 12 und pag. 1614 Z. 28 ff.). Seine Aussagen ver-
mögen somit nichts am Beweisergebnis zu ändern. Er konnte oder wollte sich 
schlicht nicht mehr daran erinnern und schloss damit einhergehend bzw. konse-
quenterweise die Möglichkeit nicht aus, D.________ so zugerichtet zu haben. Inne-
re Widersprüche oder ausweichende Antworten können in seinen Aussagen dem-
gegenüber nicht erkannt werden (vgl. pag. 1293, S. 18 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Der Beschuldigte hat in Bezug auf das Kerngeschehen konstant 
entweder gesagt, er könne sich nicht erinnern, oder die Aussage verweigert.

Die Angaben von D.________ werden schliesslich auch von ihrer Mutter bestätigt. 
Diese erinnerte sich daran, der Beschuldigte habe D.________ «nachts erwischt 
und dann liegen gelassen». Ihre Tochter habe erzählt, der Beschuldigte habe sie 
von hinten «erwischt». Er habe ihren Kopf genommen und auf sein Knie geschla-

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gen. Dann habe er ihre Kleider runtergerissen und sie liegengelassen. Sie sei dann 
wohl einen Moment weggetreten gewesen (pag. 785 Z. 185 ff.). Auch wenn die 
Mutter von D.________ bloss eine Zeugin vom Hörensagen ist, sind ihre Aussagen 
als Beweismittel zu berücksichtigen und runden das Bild ab (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1403/2021 vom 9. Juni 2022 E. 2.4). Wie die Vorinstanz erachtet 
auch die Kammer ihre Aussagen als glaubhaft (pag. 1296 f., S. 21 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Einen Hang zu Übertreibungen ist ihren Aussagen 
nicht zu entnehmen. Vielmehr geht aus diesen hervor, wie sie sich grosse Sorgen 
um ihre Tochter machte und ebenfalls Angst vor dem Beschuldigten hatte 
(pag. 780 Z. 6 ff. und 789 Z. 340 ff.). Wie bereits festgestellt, suchte D.________ 
des Öfteren bei ihrer Mutter Zuflucht und erzählte dieser zumindest teilweise, was 
sie mit dem Beschuldigten erlebte. Gleichzeitigt schämte sie sich gegenüber ihrer 
Mutter, wenn sie es nicht schaffte, sich vom Beschuldigten zu distanzieren (siehe 
Ziff. 10.5.4 oben). Ihre Schilderungen erfolgten demnach im Vertrauen und nicht im 
Hinblick auf ein allfälliges Strafverfahren. In Kombination mit den Schamgefühlen 
bei weiteren Kontakten mit dem Beschuldigten dürfte D.________ ihrer Mutter 
kaum erfundene Vorfälle oder Verletzungen berichtet haben.

Nach dem Gesagten wird der angeklagte Sachverhalt gemäss Ziff. I.1. und I.2. der 
geänderten Anklageschrift mit Ausnahme der Textpassage «nebst zahlreichen Ba-
gatellverletzungen am ganzen Körper» als erstellt erachtet. Gestützt auf die Aus-
sagen von D.________ gegenüber dem medizinischen Personal und ihrer Mutter 
sowie in ihrer Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft hat die Kammer insbeson-
dere keine Zweifel, dass D.________ bei diesem Vorfall zwischenzeitlich das Be-
wusstsein verloren hat. Im Weiteren erachtet die Kammer trotz der fehlenden Aus-
sagen gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft als erstellt, dass diese 
Ohnmacht dadurch ausgelöst wurde, dass der Beschuldigte D.________ würgte. 
Massgebliche Beweismittel sind hierzu die medizinischen Unterlagen. D.________ 
schilderte bei der Untersuchung, sie sei stranguliert worden und daraufhin kurz be-
wusstlos geworden. Wie bereits ausführlich analysiert, zeichnete sich das Aussa-
geverhalten von D.________ gegenüber den Strafverfolgungsbehörden durch äus-
serste Zurückhaltung aus – sie bemühte sich immer wieder, den Beschuldigten 
nicht zu belasten oder bereits bekannte Vorwürfe zu relativieren. Im Rahmen der 
medizinischen Untersuchung dürfte sie das Erlebte hingegen ohne diese Zurück-
haltung beschrieben haben: Es ging darum, ihre Verletzungen zu behandeln, wofür 
die Ärztinnen und Ärzte darauf angewiesen waren, zu wissen, wie diese entstan-
den sind. Es ist kein Grund ersichtlich, warum D.________ bei dieser Untersu-
chung ein Würgen hätte erfinden sollen, insbesondere, wenn sie dies dann in den 
Einvernahmen nicht wiederholte. Die Schilderung einer Strangulation steht sodann 
im Einklang mit dem leicht geröteten Rachen ohne Hinweis auf einen Infekt, den 
Schluckstörungen sowie der leichten Druckdolenz am Hals, die bei der Untersu-
chung festgestellt wurden. Würgemerkmale am Hals oder Stauungsblutungen im 
Gesicht wurden zwar nicht festgestellt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um 
zwingende Anzeichen einer Strangulation: Eine Strangulation kann auch erfolgen, 
ohne solche Spuren zu hinterlassen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1258/2020 vom 
12. November 2021 E. 1.4; siehe Ziff. 11.3.2 unten). Entsprechend wurde 
D.________ nach dem Strangulationsprotokoll untersucht und es wurde in den wei-

25

teren medizinischen Berichten von einer erfolgten Strangulation ausgegangen 
(pag. 569 und pag. 619). Der im Arztbericht festgehaltene Ablauf, wonach der Be-
schuldigte D.________ zuerst würgte, sie danach das Bewusstsein verlor und zu 
Boden ging, woraufhin der Beschuldigte ihr den Kniestoss versetzte, ist vor diesem 
Hintergrund naheliegend. Die Aussagen von D.________ in der Einvernahme bei 
der Staatsanwaltschaft stehen dazu nicht in einem Widerspruch, da davon ausge-
gangen wird, dass sie die Strangulation bewusst nicht (mehr) erwähnte. Im Ergeb-
nis kann jedoch offen gelassen werden, ob zuerst der Kniestoss und danach das 
Würgen und die Ohnmacht erfolgte oder umgekehrt.

Folgender Sachverhalt gilt demnach als erstellt:

Am 15. August 2020, ca. 03:45 Uhr, hat der Beschuldigte D.________ auf der 
Strasse unvermittelt von hinten angegriffen, auf sie eingeschlagen und sie ansch-
liessend zu Boden gerissen, ihren Kopf nach unten gezogen und sein Knie in ihr 
Gesicht gestossen. Sie hat durch die Gewalteinwirkung des Beschuldigten ein Ge-
sichtstrauma, eine starke Schwellung am rechten Auge mit einem Hyposphagma, 
Rötungen am rechten Arm und ein Hämatom an der rechten Hand erlitten. Im 
Rahmen dieses nächtlichen Angriffs hat der Beschuldigte D.________ ausserdem 
gewürgt, so dass sie das Bewusstsein verloren, einen geröteten Rachen, eine 
leichte Druckdolenz im Bereich der rechten Halsmuskulatur sowie Schluckstörun-
gen aufgrund der Strangulation davongetragen hat.

11.3 Rechtliche Würdigung

11.3.1 Einfache Körperverletzung

In Bezug auf den Sachverhalt gemäss Ziff. I.1. der geänderten Anklageschrift kann 
aufgrund des Verschlechterungsverbots nur noch die einfache Körperverletzung 
geprüft werden. Eine einfache Körperverletzung begeht, wer vorsätzlich einen 
Menschen in anderer Weise [als nach Art. 122 StGB; schwere Körperverletzung] 
an Körper oder Gesundheit schädigt (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Die Kammer schliesst 
sich sowohl den rechtlichen Ausführungen wie auch der Subsumtion der Vorinstanz 
vorbehaltlos an, wobei letztere zum besseren Verständnis wiedergegeben werden 
(pag. 1303 f., S. 28 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Gemäss erstelltem Sachverhalt hat D.________ durch den Übergriff des Beschuldigten ein Gesichts-
trauma, eine starke Schwellung am rechten Auge mit einem Hyposphagma, Rötungen am rechten 
Arm und ein Hämatom an der rechten Hand erlitten. Bei der hierbei erfolgten Attacke auf D.________ 
handelt es sich klarerweise nicht bloss um eine über das gesellschaftlich geduldete Mass gehende 
Einwirkung auf eine Person, zumal die genannten Verletzungen mit erheblichen Schmerzen einher-
gegangen sind (pag. 567 f.). Ferner ist davon auszugehen, dass es eine gewisse Zeit gedauert hat, 
bis die Schwellung am Auge sowie das Monokelhämatom wieder abgeheilt sind. Die Schwelle zur ein-
fachen Körperverletzung ist damit klarerweise überschritten. Der objektive Tatbestand der einfachen 
Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Abs. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 5 StGB ist folglich erfüllt. 

In subjektiver Hinsicht ist aufgrund der gesamten Tatumstände von direktem Vorsatz des Beschuldig-
ten auszugehen, da der Beschuldigte die Geschädigte klarerweise verletzen wollte: So hat der Be-
schuldigte D.________ verfolgt und als er sie gefunden hat, unerwartet von hinten angegriffen. Es 
war damit sein eigentliches Ziel, D.________ körperlich zu schädigen. Folglich sind auch die Voraus-
setzungen des subjektiven Tatbestands erfüllt. 

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Es sind keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschliessungsgründe ersichtlich.

Der Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung, begangen am 15.08.2020, ca. 03:45 Uhr, in 
E.________ z.N. von D.________ (AKS-Änderung Ziff. 1) schuldig zu erklären.

Zu ergänzen ist lediglich, dass sich die Einwirkung auf D.________ mit dem Knie-
stoss ins Gesicht im oberen Bereich einer einfachen Körperverletzung bewegt, was 
im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen sein wird.

11.3.2 Gefährdung des Lebens

Der Sachverhalt gemäss Ziff. I.2. der geänderten Anklageschrift wurde unter dem 
Tatbestand der Gefährdung des Lebens angeklagt. Den Tatbestand der Gefähr-
dung des Lebens gemäss Art. 129 StGB erfüllt, wer einen Menschen in skrupello-
ser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt.

Auch hier kann grundsätzlich den Ausführungen der Vorinstanz gefolgt werden 
(pag. 1304 ff., S. 29 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Als Grundlage für 
die rechtliche Beurteilung des Tatbestands im Zusammenhang mit Strangulationen 
ist das von der Vorinstanz zitierte Urteil des Bundesgerichts 6B_1258/2020 vom 
12. November 2021 E. 1.4 heranzuziehen (Hervorhebungen durch die Kammer):

Bei Würgevorfällen wird eine unmittelbare Lebensgefahr namentlich dann angenommen, wenn der 
Täter mit derartiger Intensität (und/oder Dauer) auf das Opfer einwirkt, dass punktförmige Stauungs-
blutungen an den Augenbindehäuten oder Symptome einer Asphyxie (Atemstillstand mit Be-
wusstseinsstörung) als handfeste Befunde für eine Hirndurchblutungsstörung auftreten 
(BGE 124 IV 53 Sachverhalt A und E. 2; Urteile 6B_265/2017 vom 9. Februar 2018 E. 2.3.4; 
6B_54/2013 vom 23. August 2013 E. 3.1; 6B_307/2013 vom 13. Juni 2013 E. 4.1 f.; 6B_87/2013 vom 
13. Mai 2013 E. 3.1; 6B_996/2009 vom 15. März 2010 E. 3.3; MAEDER, in: Basler Kommentar, Straf-
recht II, 4. Aufl. 2019, N.16 zu Art. 129 StGB).

Durchblutungsstörungen des Gehirns können zu einem Sauerstoffmangel führen und dort relativ 
rasch irreversible Schädigungen verursachen. Das Gehirn ist ein lebenswichtiges Organ, womit des-
sen irreversible Schädigung zum Tod führen kann. Diese Kausalverläufe setzen ein gewisses 
Ausmass der Gewalt voraus, welches mittels rechtsmedizinischer, objektivierbarer Feststel-
lungen sowie durch Angaben des Opfers eruiert werden kann. Zu relevanten Strangulations-
folgen gehören: Atemnot, Erstickungsangst; Heiserkeit, Schluckbeschwerden und Halsschmerzen; 
Druckschmerzen über dem Kehlkopf und Schmerzen bei der Kieferöffnung; Würgemale; Benommen-
heit, Filmriss etc.; Bewusstlosigkeit; Urin- sowie Stuhlabgang; Stauungsblutungen in Augenbin-
dehäuten, Gesichtshaut, Nasen- und Mundschleimhaut, Trommelfellen, Zungengrund, im Rachen und 
an der zarten Haut hinter den Ohren. Die erforderliche Zeitspanne einer Halskompression bis zum 
Auftreten von Stauungsblutungen (petechiale Blutungen, Petechien) wird in der Literatur nicht einheit-
lich angegeben; die Dauer variiert von frühestens 10 bis 20 Sekunden bis zu 3 bis 5 Minuten. Zudem 
entstehen Stauungsblutungen bei gewaltsamer Asphyxie und Strangulation zwar sehr häufig, 
aber nicht obligat (vgl. WEDER/SCHWEITZER, Der Begriff der Lebensgefahr im Strafrecht, forum poe-
nale, 1/2017, S. 25 ff., S. 29 f.; MAEDER, a.a.O., N.16 zu Art. 129 StGB; BURKHARD MADEA, Praxis 
Rechtsmedizin, 2. Aufl. 2007, Ziff. 3.8.1 S. 156; WIRTH/STRAUCH, Rechtsmedizin, Grundwissen für die 
Ermittlungspraxis, 2. Aufl. 2006, Ziff. 4.4, S. 118 f.; Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin 
[SGMR], Sektion Medizin, Schädigung durch Strangulation, Ausgabe Mai 2012 Ziff. 2.5.2 S. 10 und 
Ziff. 2.5.4 S. 10 f.; vgl. auch Urteil 6B_265/2017 vom 9. Februar 2018 E. 2.3.4 mit weiteren Hinwei-
sen). Eine Kombination mehrerer Symptome ist grundsätzlich nicht erforderlich. Im Gegensatz 

27

zu Stauungsblutungen stützt sich der Nachweis einer Asphyxie - neben allfälligen objektivier-
baren Würgemalen am Hals - nur auf die subjektiven Aussagen der betroffenen Person. Wer-
den Symptome wie namentlich Schluckbeschwerden, Atemnot oder gar eine vorübergehende 
Bewusstlosigkeit beschrieben, kann davon ausgegangen werden, dass die Atmung beim Opfer 
relevant vermindert oder unterbrochen war. Die Beschreibung blosser Schmerzen beim Schlucken 
oder von Heiserkeit sind ohne zusätzliche (subjektive) Angaben oder objektive Befunde dagegen nicht 
geeignet, einen Sauerstoffmangel im Gehirn zu belegen (CORNELIA MEIER, Die Lebensgefährdung, 
Diss. 2006, S. 76 mit Hinweis auf BURKHARD MADEA, a.a.O., Ziff. 3.8.2 S. 167 [von überlebenden Op-
fern beschriebene Symptome bei Angriffen gegen den Hals]; MAEDER, a.a.O., N.16 zu Art. 129 StGB; 
SGMR, a.a.O., Ziff. 4.4.2 S. 20). 

Die Annahme einer Lebensgefahr bei einer Strangulation hängt nicht davon ab, ob dem Opfer 
ernsthafte (äusserliche) Verletzungen zugefügt werden oder ob es ohnmächtig wird 
(BGE 124 IV 53 E. 2; Urteile 6B_54/2013 vom 23. August 2013 E. 3.1; 6B_307/2013 vom 13. Ju-
ni 2013 E. 4.1; 6B_87/2013 vom 13. Mai 2013 E. 3.1; je mit Hinweisen). Damit sind Würgemale und 
Stauungsblutungen für die Annahme einer Halsweichteilkompression und der allenfalls da-
durch entstandenen erhöhten Lebensgefahr nicht erforderlich. Eine Kompression der vorderen 
Halsweichteile ist durch unterschiedliche Handhaltungen möglich, die jeweils zu einer sich mehr breit-
flächigen oder mehr punktuell auswirkenden Krafteinleitung und damit auch zu unterschiedlichen äus-
seren und inneren Spuren führen. So kann beim "Schwitzkasten" durch dessen grossflächige weich-
deformierbare Kraftwirkung ein bedeutend besserer Formschluss zwischen Werkzeug Unterarm und 
Zielbereich Hals erzielt werden, wodurch Schürfungen oder Blutungen ausbleiben können. Mithin 
kann der Angriff auf den Hals dann verletzungsarm oder gar verletzungsfrei bleiben. Gleichzeitig kann 
eine relativ grosse Krafteinwirkung gegen den Hals ausgeübt werden, womit eine vergleichsweise ra-
sche und gleichzeitig komplette Unterbrechung der Blutzufuhr und des Blutabflusses in den Kopf ohne 
Ausbildung von Stauungsblutungen erfolgen kann, womit ein vergleichsweise rascher Sauerstoffman-
gel des Gehirns einhergeht. In diesen Fällen liegt der verletzungsarme oder verletzungsfreie Befund 
"besonders eng" an der Gefährdung des Lebens (vgl. BURKHARD MADEA, a.a.O., Ziff. 3.8.2, S. 167 und 
169; WEDER/SCHWEITZER, a.a.O, S. 30). Bei komprimierender Gewalt gegen den Hals und namentlich 
bei Strangulation durch Würgen brechen die Vitalfunktionen nicht über einen beobachtbaren Folgebe-
reich ein, wie dies z.B. bei einem Blutverlust der Fall ist. Die Gewalteinwirkung, die oft mit nur ge-
ring scheinenden Verletzungen überlebt wird, liegt sehr dicht an einem tödlichen Ausgang, 
mithin übersteigen die äusseren Verletzungen bei der Strangulation auch im Todesfall selten 
den Umfang von Kratzern, Schürfungen oder Einblutungen. Dennoch bedarf es mitunter nur we-
nig an zusätzlicher Kompression, um den Tod zu bewirken" (so WEDER/SCHWEITZER, a.a.O., S. 27).

Gemäss Beweiswürdigung ist erstellt, dass der Beschuldigte D.________ würgte 
und diese als Folge davon das Bewusstsein verloren hat. In Kombination mit dem 
ärztlich festgestellten geröteten Rachen, den Schluckstörungen und der leichten 
Druckdolenz im Halsbereich liegen damit genügend Hinweise vor, dass sich 
D.________ als Folge des Würgens zwischenzeitlich in Lebensgefahr befand. Der 
Bewusstseinsverlust ist ein eindeutiger Hinweis auf die vom Bundesgericht als Kri-
terium für eine Lebensgefahr genannte Hirndurchblutungsstörung aufgrund einer 
beeinträchtigten oder gar unterbrochenen Atmung. Die Ausführungen von 
Dr. med. R.________ vom 12. Mai 2021 stehen dazu in keinem Widerspruch. So 
führte er aus, auf dem Notfall habe zum Zeitpunkt der Konsultation keine Lebens-
gefahr bestanden. Eine Strangulation sei je nach Ausmass und Dauer potentiell le-
bensgefährlich (pag. 619).

28

Der objektive Tatbestand der Gefährdung des Lebens ist damit erfüllt.

Wer eine Person aus nichtigem Anlass unvermittelt von hinten angreift und würgt, 
bis sie ohnmächtig wird, handelt hemmungs- und rücksichtslos und damit skrupel-
los im Sinne des Tatbestands. Dass die Strangulation eines Menschen zum Tod 
führen kann, ist allgemein bekannt. Dieses Wissen muss sich auch der Beschuldig-
te anrechnen lassen. Indem er D.________ trotzdem bis zur Ohnmacht würgte, 
setzte er D.________ bewusst dieser Gefahr aus, im Vertrauen darauf, noch recht-
zeitig vor der Verwirklichung der Gefahr von ihr abzulassen. Er hörte denn auch of-
fenbar mit dem Würgen auf, nachdem D.________ das Bewusstsein verloren hatte. 

Damit erfüllte der Beschuldigte auch den subjektiven Tatbestand der Gefährdung 
des Lebens.

Rechtfertigende oder schuldausschliessende Umstände sind nicht ersichtlich.

11.4 Fazit

Der Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung und der Gefährdung des Le-
bens schuldig zu sprechen.

12. Vorfälle vom 1. August 2019 bis 13. Juni 2020 in F.________ und E.________

12.1 Angeklagter Sachverhalt

Die Vorinstanz hat die angeklagten Sachverhalte zutreffend wie folgt wiedergege-
ben (pag. 1308 f., S. 33 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, dass er in der Zeit vom ca. 01.08.2019 bis ca. 31.03.2020 in 
F.________, mehrfach gewalttätig gegenüber D.________ geworden sei und dabei verschiedene 
Gegenstände, insbesondere eine Eisenstange sowie einen Schraubenzieher, nach D.________ ge-
worfen haben soll. Ausserdem soll er mit einer Schere in die Hände von D.________ geschnitten ha-
ben. Weiter soll er D.________ auf den Bauch gelegt und ihr dabei in den Rücken getreten haben. 
Der Beschuldigte soll D.________ sodann mehrfach die Treppe hinuntergestossen und sie in die Ge-
nitalien getreten haben, wobei D.________ zu diesem Zeitpunkt schwanger gewesen sein soll, was 
der Beschuldigte gewusst haben soll. Diese Ereignisse sollen sich insbesondere an folgenden Daten 
zugetragen haben: 

- in der Woche vom 11.-17.11.2019 (vermutlich am 12.11.2019)
- im Dezember 2019
- im Januar 2020 

D.________ soll durch die Gewaltanwendungen des Beschuldigten verschiedene Verletzungen erlit-
ten haben, u.a. ein blau gefärbtes Hämatom an der linken Gesichtshälfte, eine Prellung am Oberarm 
und Schmerzen am Fuss. Überdies soll sie im Januar 2020 ihr ungeborenes Kind verloren haben 
(AKS-Änderung Ziff. 3.1).

Der Beschuldigte soll zudem in der Zeit vom ca. 01.04.2020 bis zum 12.06.2020, in E.________, und 
evtl. anderswo in der Schweiz, ca. alle 10 Tage gegenüber D.________ tätlich geworden sein, indem 
er sie mit den Fäusten geschlagen und/oder ihr Ohrfeigen verpasst haben soll. Bei einem Vorfall soll 
er überdies einen Barhocker nach D.________ geworfen haben. Bei einem weiteren Vorfall soll der 
Beschuldigte D.________ mittels Tritt in den Oberkörper eine Rippe gebrochen haben. Ca. Anfang 
Juni 2020 soll der Beschuldigte D.________ von hinten mit einem 1 kg schweren Honigglas auf den 

29

Hinterkopf und mit der flachen Hand gegen das rechte Ohr geschlagen haben. Dabei soll D.________ 
schwarz vor Augen geworden, und sie zu Boden gefallen sein. In den darauffolgenden Tagen soll sie 
Schwindel sowie Kopfschmerzen verspürt haben (AKS-Änderung Ziff. 3.2).

Weiter soll der Beschuldigte am 12.06.2020 in E.________, D.________ zwei Mal in den Bauch ge-
treten und ihr mit den Händen/Fäusten auf die Unterarme und die Hände geschlagen haben, wodurch 
diese Prellungen und Rötungen/Striemen erlitten haben soll (AKS-Änderung Ziff. 3.4). 

Der Beschuldigte soll ferner am 13.06.2020, ca. 13:40 Uhr, in E.________, D.________ im Treppen-
haus beim Hinausgehen getreten haben, sodass diese drei Treppenstufen hinuntergefallen sein soll. 
Danach soll er ihr gefolgt und sie mit den Händen die weiteren Treppenstufen hinuntergestossen ha-
ben. Anschliessend soll der Beschuldigte D.________ in den Bauch getreten haben, wodurch diese 
Prellungen und Rötungen/Striemen erlitten haben soll. D.________ soll daraufhin zudem vaginale 
Blutungen und Schmerzen im Bauch, am Kopf und am Ohr gehabt haben (AKS-Änderung Ziff. 3.5).

Auch soll der Beschuldigte in der Zeit vom ca. 01.04.2020 bis zum 12.06.2021, in E.________, und 
evtl. anderswo in der Schweiz D.________ immer wieder mit dem Tod bedroht haben, u.a. indem er 
einen Hammer und einen Salontisch hochgehalten und dem Opfer gesagt haben soll «je vais te tuer». 
D.________ soll dadurch und im Wissen um die Gewalttätigkeit des Beschuldigten, der ihr gegenüber 
gleichzeitig immer wieder tätlich geworden sein soll, in Angst versetzt worden sein (AKS-Änderung 
Ziff. 4.1). 

12.2 Anklagegrundsatz

Die Verteidigung machte geltend, innerhalb der Ziffern I.3.1. und I.3.2. habe es 
zahlreiche Vorhalte für Zeiträume von je mehreren Monaten ohne Nennung eines 
zumindest ungefähren Datums. Es sei unmöglich, anhand der Akten zu verstehen, 
was wann passiert sein solle. Das sei mit dem Anklagegrundsatz nicht vereinbar.

Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden: 

Gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO kann eine Straftat nur «wegen eines genau umschrie-
benen Sachverhalts» gerichtlich beurteilt werden. Die Anklageschrift bezeichnet 
daher «möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen 
Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung» 
(Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO). Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebe-
nen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche 
Würdigung durch die Anklagebehörde (Art. 350 StPO). Das Akkusationsprinzip be-
zweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte und dient dem Anspruch auf 
rechtliches Gehör. Entscheidend ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher 
konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert 
wird, damit er sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann. Er darf nicht Ge-
fahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfron-
tiert zu werden (BGE 143 IV 63 E. 2.2). Solange der beschuldigten Person klar ist, 
welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzi-
se Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf; ent-
scheidend ist, dass für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, 
welches Verhalten ihr vorgeworfen wird. Die nähere Begründung der Anklage er-
folgt an Schranken; es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich festzu-
stellen (Urteile des Bundesgerichts 6B_747/2016 vom 27. Oktober 2016 E. 2.2, 
6B_1452/2019 vom 25. September 2020 E. 1 [nicht publiziert in BGE 146 IV 358]). 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-63%3Ade&number_of_ranks=0#page63

30

Ungenauigkeiten in den Zeitangaben sind solange nicht von entscheidender Be-
deutung, als für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches 
Verhalten ihr vorgeworfen wird. Bei gehäuften und regelmässigen Delikten wird 
dem Anklagegrundsatz Genüge getan, wenn die Handlungen in zeitlicher und örtli-
cher Hinsicht approximativ umschrieben werden. Der Zeitraum ist auf eine be-
stimmte Dauer einzugrenzen. Insbesondere bei Familiendelikten kann nicht erwar-
tet werden, dass über jeden einzelnen Vorfall Buch geführt wird (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_441/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2 mit Hinweisen). 

Die beiden kritisierten Ziffern der (geänderten) Anklageschrift stehen im Einklang 
mit dieser Rechtsprechung. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, gegenüber 
D.________ im Rahmen ihrer Beziehung über mehrere Monate Gewalt ausgeübt 
zu haben, wobei es immer wieder zu gleichartigen oder zumindest ähnlichen Vor-
fällen gekommen sein soll. Die Vorgehensweisen des Beschuldigten werden in der 
Anklageschrift beschrieben (Gegenstände nach ihr werfen, mit einer Schere 
schneiden, Tritte, Treppe runterstossen, Faustschläge, Ohrfeigen). Auch wird um-
schrieben, in welcher Grössenordnung sich die Folgen dieser Gewaltanwendung 
bewegten (Hämatome, Prellungen, Schmerzen, schwarz vor den Augen/Schwindel, 
Kopfschmerzen; bezogen auf je einen spezifischen Vorfall: Abort und gebrochene 
Rippe). Da es regelmässig und über die Zeit von mehreren Monaten immer wieder 
zu Gewalthandlungen gekommen sein soll, ist nicht zu erwarten, dass D.________ 
jeweils noch Datum, Zeit und den genauen Ablauf der einzelnen Handlungen an-
geben kann. Aufgrund der Beschreibung in der Anklageschrift ist für den Beschul-
digten aber ersichtlich, welches Verhalten ihm zum Vorwurf gemacht wird. Diese 
Vorwürfe sind in sachlicher und örtlicher Hinsicht umschrieben (insbesondere ab-
gegrenzt durch den Umzug von F.________ nach E.________) und auch zeitlich 
auf überschaubare Zeiträume von einigen Monaten eingegrenzt. Damit ist der zu 
beurteilende Sachverhalt hinreichend eingegrenzt und war es dem Beschuldigten 
möglich, sich angemessen gegen die Vorwürfe zu verteidigen.

12.3 Beweiswürdigung

12.3.1 Vorbemerkung

Die unter den nachfolgenden Erwägungen geprüften Anklagepunkte gehen auf die 
Anzeigeerstattung von D.________ am 13. Juni 2020 zurück – dem einzigen Mal, 
an dem sie von sich aus Kontakt mit der Polizei aufnahm und einen Vorfall vom 
selben Tag sowie einen Vorfall vom Vortag zur Anzeige brachte und bei dieser Ge-
legenheit schilderte, dass sie bereits in den Monaten zuvor regelmässig durch den 
Beschuldigten Gewalt erlebt habe. Die nachfolgenden Aussagen zu den Vorkomm-
nissen in den angeklagten Zeiträumen zeigen auf, dass es zwischen dem Beschul-
digten und D.________ wiederholt zu Vorfällen kam und der Beschuldigte bei die-
sen Gelegenheiten jeweils gewalttätig gegenüber D.________ wurde.

D.________ sagte aus, jedes Mal, wenn er sie geschlagen habe, habe sie die 
Wohnung für ein paar Tage verlassen. Wenn sie wieder zurückgekommen sei, ha-
be er sie geschlagen, weil sie weg gewesen sei. Es sei immer dasselbe. Man kön-
ne normal mit ihm diskutieren und plötzlich sehe man es in seinen Augen und er 
werde aggressiv. Sie glaube, er habe ein Aggressionsproblem (pag. 500 Z. 70 ff.). 

31

Er zeige schon Reue, aber er vergesse auch viel. Er wisse meistens nicht, warum 
er wütend sei und schlage einfach zu (pag. 500 Z. 76 f.). Sie gehe dann meistens 
eine Nacht zu ihrer Mutter und wenn sie zurückkomme, schlage er sie, grundlos. 
Wenn sie ihn frage, weshalb, sage er, weil sie über Nacht nicht zu Hause gewesen 
sei. Aber warum sie weg gewesen sei, wisse er meistens nicht (pag. 500 Z. 80 ff.). 
Für sie sei der Beschuldigte eigentlich schon eine Zeit lang ihr Ex-Freund und sie 
hätten sich darauf geeinigt, dass sie noch zusammenwohnten. Aber weil es ihn 
wohl störe, dass sie oft auswärts schlafe, behandle er sie trotzdem wie seine 
Freundin. Damit meine sie, dass er sie immer frage, wo sie gewesen sei, und sie 
wieder «abgeschlagen» und beschimpft habe. Das heisse für sie, dass sie für ihn 
wohl immer noch seine Freundin sei (pag. 501 Z. 145 ff.). Wenn es zu den Vorfäl-
len gekommen sei, dann sei es zu Hause gewesen (pag. 776 Z. 203).

Der Beschuldigte sagte in allgemeiner Weise aus, dass sie «manchmal einfach zu-
sammen Probleme» hätten (pag. 23 Z. 183). Er habe sie «nicht jedes Mal geschla-
gen» (pag. 23 Z. 193). Er bejahte, ein Problem damit zu haben, seine Aggressio-
nen unter Kontrolle zu halten, und erklärte dies mit dem Verlust seiner Ex-Frau, 
seines Jobs und seiner Wohnung. Er trinke einfach viel, um diese Sachen zu ver-
gessen. Dies sei das Problem. Er bejahte ebenfalls, zu wissen, dass es ein absolu-
tes No-Go sei, Gewalt gegenüber seiner Partnerin anzuwenden. Er wolle dies auch 
nicht. Er wisse, dass das nicht fair sei von ihm (pag. 27 Z. 338 ff.). D.________ ha-
be nicht Angst vor ihm, sondern das Problem sei, dass sie beide etwas gemacht 
hätten. Sie habe einfach Angst, dass er gehe (pag. 28 Z. 352 ff.). Er könne es nicht 
akzeptieren, dass sie immer weggehe, ohne ihm zu sagen, wohin. Er sei ihr 
Freund. Er wolle nicht, dass sie zusammen immer Probleme hätten, das sei nicht 
schön (pag. 28 Z. 360 ff.). Er habe das [die ihm vorgeworfenen Taten] nicht ge-
macht, weil er das so gewollt habe. Das Problem sei immer, dass wenn er nach 
F.________ gehe, akzeptiere sie das nicht (pag. 29 Z. 407 f.). Er habe ihr keine 
Körperverletzung zugefügt. Sie hätten immer nur Streitereien. Es sei nicht nur ges-
tern [am 13. Juni 2020] gewesen (pag. 505 Z. 32 f.). «Angelangt» habe er sie ges-
tern nicht. Vorher hätten sie sich schon gegenseitig geschlagen (pag. 505 Z. 43 f.). 
Auch bei seiner Einvernahme vom 2. Februar 2021 bestätigte der Beschuldigte, 
dass sie schon einige Male eine Schlägerei zusammen hatten, dies sei aber immer 
gegenseitig gewesen. Nur um zwei Fragen später wieder zu behaupten, dass er 
nicht gewalttätig sei (pag. 647 Z. 149 ff.). Über sein problematisches Trinkverhalten 
sprach er nicht mehr, sondern verortete die Ursache im Alkoholkonsum von 
D.________ (pag. 647 Z. 155).

M.________ sagte aus, dass es immer wieder zu ähnlichen Vorfällen gekommen 
sei. Es gebe viele Sachen, die nicht bei der Polizei gemeldet worden seien. Ihre 
Tochter sei immer wieder nach Hause gekommen mit einem zerschlagenen Ge-
sicht, mit blauen Flecken, mit Stichwunden, mit einem kaputten Fuss. Es sei sehr 
oft vorgekommen und immer wieder und mit tendenziell immer schlimmeren Verlet-
zungen (pag. 784 Z. 135 ff.). Es sei «x Mal» vorgekommen. Es sei in E.________ 
vorgekommen. Es sei in F.________ vorgekommen. Es sei so viel «Zeug» gewe-
sen (pag. 785 Z. 175 ff.). Es sei immer wieder das gleiche Verfahren. Sie sei zu ihr 
gekommen und habe lauter Wasser geweint und wieder irgendwo eine Verletzung 

32

gehabt, und sie habe ihre Tochter dann behandelt. Es sei immer wieder so gewe-
sen und sei so oft vorgekommen (pag. 789 Z. 322 ff.).

Der Strafkläger schilderte, er habe nicht gezählt, wie oft ihm D.________ erzählt 
habe, dass der Beschuldigte ihr gegenüber gewalttätig geworden sei. Er habe es 
nicht gezählt, aber es sei mehrere Male vorgekommen. Wenn er jetzt eine Zahl sa-
gen müsste, würde er sicher 10 bis 15 Mal sagen. Dies sei so in den letzten zwei 
Jahren gewesen. Es sei wirklich unterschiedlich gewesen. Er höre nicht unbedingt 
immer so viel von ihr, eher so quartalsweise (pag. 809 Z. 102 ff.). Er könne sich 
nicht wirklich an einzelne Vorfälle erinnern. Es sei einfach kontinuierlich so gewe-
sen. Er könne auch nicht sagen, wie viele Male, weil es so oft vorgekommen sei 
(pag. 810 Z. 158 ff.).

12.3.2 Vorwurf gemäss Ziff. I.3.1. der geänderten Anklageschrift (Zeitraum 1. August 2019 
bis 31. März 2020 in F.________)

Wie soeben festgehalten, ist bereits aufgrund der Aussagen von D.________ und 
dem Beschuldigten erstellt, dass es in der Zeit, in der die beiden in F.________ 
wohnten, mehrfach zu Gewaltausübung durch den Beschuldigten zum Nachteil von 
D.________ kam. Dabei sind folgende Episoden und Vorfälle näher bekannt:

Bewerfen mit Gegenständen: Anlässlich der Einvernahme vom 13. Juni 2020 wur-
de D.________ gefragt, ob beim heutigen Vorfall Waffen oder gefährliche Ge-
genstände im Spiel gewesen seien. Sie beantwortete dies mit «Nein, heute nicht». 
Auf Nachfrage, ob bei einer Auseinandersetzung Waffen oder gefährliche Ge-
genstände im Spiel gewesen seien, gab sie an: «Ja, eine Eisenstange, einen 
Hammer, einen Schraubenzieher, einen Barhocker, eine Schere, einen Salontisch. 
Mit den meisten Gegenständen warf er nach mir, mit der Schere hat er mir die 
Hände aufgeschnitten» (pag. 501 Z. 116 ff.). Das Werfen der Eisenstange und des 
Schraubenziehers verortete sie nach F.________ (pag. 501 Z. 129 f.). Wenn er 
wütend sei, nehme er das nächst Beste in die Hände (pag. 502 Z. 182). Bei ihrer 
Einvernahme vom 17. Februar 2021 sagte sie sodann aus, dass sie dies nochmals 
schildern könnte, es aber nicht möchte. Es seien einzelne Vorfälle gewesen. Aber 
sie möchte nicht darauf eingehen. Sie wolle das Ganze vergessen (pag. 775 Z. 150 
ff.). Der Beschuldigte antwortete auf Vorhalt der beiden Vorfälle nicht auf die Frage,