# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f6e49f9c-31d5-5be5-a400-ead6fd137d14
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2000-02-08
**Language:** de
**Title:** Bundesgericht Eidgenössisches Versicherungsgericht 08.02.2000 U 167/99
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BGer/CH_BGer_016_U-167-99_2000-02-08.html

## Full Text

[AZA] 

U 167/99 Vr 

 

    
                        IV. Kammer 
  
 

 

Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; 

Gerichtsschreiberin Glanzmann 

 

  

             Urteil vom 8. Februar 2000  

 

  

                      in Sachen  

 

M.________, 1973, Beschwerdeführer, vertreten durch Advokat 

Z.________, 

  

                        gegen  

 

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, Luzern, 

Beschwerdegegnerin, 

  

                         und  

 

Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Winterthur 

 

  

 A.- Der 1973 geborene M.________ war als Raumpfleger  

bei der Firma P.________ Reinigung AG tätig, als er am 

22. Dezember 1994 beim Fensterreinigen vom 1. Stockwerk 

eines Wohnhauses in die Tiefe stürzte. Dabei erlitt er eine 

Densfraktur (Anderson III) mit intermittierender Neuro- 

logie, welche operativ angegangen werden musste. Die 

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) kam für 

die Heilbehandlung auf und erbrachte Taggeld. Mit Verfügung 

vom 19. Oktober 1995 stellte sie ihre Leistungen rück- 

wirkend ab 1. August 1995 ein, da keine Unfallfolgen mehr 

vorlägen; insbesondere könne das psychische Verhalten nicht 

auf das Unfallereignis vom Dezember 1994 zurückgeführt 

werden. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 

15. Januar 1996 fest. 

 

  

 B.- Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozial-  

versicherungsgericht des Kantons Zürich ab (Entscheid vom 

31. März 1999). 

 

  

 C.- M.________ lässt Verwaltungsgerichtsbeschwerde  

führen und beantragen, der kantonale Entscheid sei aufzu- 

heben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzu- 

sprechen. Eventuell sei die Sache zur Vornahme ergänzender 

Abklärungen und Neubeurteilung an das kantonale Gericht, 

subeventuell an die SUVA, zurückzuweisen. In formeller 

Hinsicht lässt er um Gewährung der unentgeltlichen Ver- 

beiständung ersuchen. 

  

 Die SUVA schliesst auf Abweisung der Verwaltungsge-  

richtsbeschwerde. Das Bundesamt für Sozialversicherung 

lässt sich nicht vernehmen. 

 

  

 D.- Mit weiterer Eingabe vom 12. Januar 2000 lässt der  

Versicherte ein Gutachten des PD Dr. W.________, Augenarzt 

FMH, vom 12. Dezember 1999 und ein solches des Dr. 

A.________, Spezialarzt FMH für Otorhinolaryngologie, Hals- 

und Gesichtschirurgie, vom 6. Januar 2000 einreichen. Die 

SUVA erhielt davon Kenntnis. 

 

  

 Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung:  

 

  

 1.- Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zu dem für  

die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten 

natürlichen (BGE 119 V 337 Erw. 1 mit Hinweisen) und adä- 

quaten (BGE 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c, je mit Hinwei- 

sen) Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und Gesund- 

heitsschaden richtig wiedergegeben. Entsprechendes gilt für 

die Ausführungen zur Adäquanzbeurteilung bei psychischen 

Unfallfolgen (BGE 115 V 138 ff. Erw. 6). Darauf kann ver- 

wiesen werden. 

 

  

 2.- In ihrem Einspracheentscheid vom 15. Januar 1996  

ging die SUVA von einer funktionellen Paraplegie des Ver- 

sicherten aus, welche psychische Störung sie als (zumin- 

dest) teilweise kausal zum Unfallereignis vom 22. Dezember 

1994 anerkannte. Dagegen verneinte sie eine diesbezügliche 

Adäquanz; ebenso das kantonale Gericht. 

  

 Der Beschwerdeführer seinerseits macht u.a. geltend,  

dass sein Leiden auch organischen Ursprungs sei. Ob und 

inwieweit dies der Fall ist, kann indessen offen bleiben, 

und eine Rückweisung der Sache zwecks Einholung eines wei- 

teren Gutachtens erübrigt sich. Denn der adäquate Kausal- 

zusammenhang ist auch bei rein psychogener Verursachung der 

geklagten Beschwerden zu bejahen, was nachfolgend zu zeigen 

ist. 

 

  

 3.- a) Aus dem Rapport der Polizei Y.________ vom  

29. Dezember 1994 erhellt, dass der Beschwerdeführer, auf 

einer Alu-Blockleiter stehend, die Scheiben des Winter- 

gartens im 1. Stockwerk eines Wohnhauses reinigte, als er 

das Gleichgewicht verlor und rund 6-8 Meter auf den mit 

Bauschutt und Erde bedeckten Boden hinunter fiel. 

 

  

 b) In dem in RKUV 1998 Nr. U 307 S. 448 veröffent-  

lichten Urteil K. vom 27. April 1998 hat das Eidgenössische 

Versicherungsgericht die bisherige Rechtsprechung zur Ein- 

teilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden, bei denen 

ein Sturz aus einer gewissen Höhe als Ursache auftritt, in 

leichte, mittelschwere und schwere Unfälle einlässlich dar- 

gelegt. Im Lichte dieser Rechtsprechung ist der hier zu be- 

urteilende Unfall vom 22. Dezember 1994 auf Grund des 

augenfälligen Geschehensablaufs und des dabei zugezogenen 

Halswirbelbruchs dem mittleren Bereich, aber - entgegen der 

Ansicht von Vorinstanz und SUVA - an der Grenze zu den 

schweren Fällen zuzuordnen. Für die Bejahung des adäquaten 

Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallgeschehen und dem 

(psychisch bedingten) Gesundheitsschaden genügt es daher, 

wenn ein einziges unfallbezogenes Kriterium erfüllt ist 

(BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 

  

 Im vorliegenden Fall haben sich die somatischen Folgen  

des Unfallereignisses vom Dezember 1994 wohl sehr rasch 

zurückgebildet. So wurde in der Klinik für Unfallchirurgie 

des Spitals X.________, an welcher der Beschwerdeführer 

nach seinem Sturz operiert worden war, die Arbeitsfähigkeit 

ab Februar 1995 wieder auf 100 % geschätzt (Bericht des 

Spitals X.________ vom 12. Januar 1995). Dessen ungeachtet 

ist die erlittene Verletzung als erheblich einzustufen, 

zumal der Beschwerdeführer infolge der Fraktur des Dens 

axis mit dem Erscheinungsbild einer kompletten Tetraplegie 

ins Spital X.________ eingeliefert worden war. Entsprechend 

befürchtete der Beschwerdeführer, nicht mehr gehen zu 

können (Bericht der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals 

X.________ vom 23. Dezember 1994). Es handelt sich somit um 

eine Verletzung besonderer Art, die erfahrungsgemäss als 

geeignet betrachtet werden kann, massive Ängste mit an- 

schliessender Konversionsstörung im Sinne eines Vermei- 

dungsverhaltens auszulösen. Unter diesen Umständen ist, 

ohne zusätzliche Prüfung der übrigen Kriterien, davon 

auszugehen, dass dem Unfall vom 22. Dezember 1994 nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebens- 

erfahrung für die Entstehung der psychischen Fehlentwick- 

lung eine massgebende Bedeutung zukommt (vgl. andere Fälle, 

in denen das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der 

erlittenen Verletzung bejaht wurde: BGE 117 V 369 Erw. 7b; 

RKUV 1998 Nr. U 307 S. 450 Erw. 3b, Nr. U 297 S. 245 

Erw. 3c, 1995 Nr. U 221 S. 114 Ziff. 4; nicht veröffent- 

lichte Urteile Z. vom 25. September 1996, U 14/96, M. vom 

13. Juni 1996, U 233/95, Z. vom 17. März 1995, U 196/93, J. 

vom 26. Oktober 1994, U 137/93, J. vom 19. Dezember 1991, 

U 86/90, S. vom 2. April 1991, U 78/87, und S. vom 26. März 

1991, U 52/88). Damit ist die Adäquanz des Kausalzusammen- 

hangs gegeben. 

  

 c) Die Sache ist daher an die SUVA zurückzuweisen,  

damit sie über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers 

neu verfüge. 

 

  

 Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht:  

 

 I.In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wer-  

  

 den der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des  

  

 Kantons Zürich vom 31. März 1999 und der Einsprache-  

  

 entscheid der Schweizerischen Unfallversicherungs-  

  

 anstalt vom 15. Januar 1996 aufgehoben, und es wird  

  

 die Sache an diese zurückgewiesen, damit sie über den  

  

 Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.  

 

II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 

III.Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt hat dem 

  

 Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Eidgenössi-  

  

 schen Versicherungsgericht eine Parteientschädigung  

  

 von Fr. 2500.- zu bezahlen.  

 

IV.Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich wird 

  

 über eine Parteientschädigung für das kantonale Ver-  

  

 fahren entsprechend dem Ausgang des letztinstanzlichen  

  

 Prozesses zu befinden haben.  

 

 V.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversiche-  

  

 rungsgericht des Kantons Zürich und dem Bundesamt für  

  

 Sozialversicherung zugestellt.  

 

 

Luzern, 8. Februar 2000 

 

  

  

  

Im Namen des  

  

  

  

Eidgenössischen Versicherungsgerichts  

  

  

  

Der  

Präsident                                         

Die Gerichts-  

  

  

  

der IV.  

Kammer:                                         

schreiberin: