# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f500c441-b75c-501d-b2d3-a02471ff43a1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-26
**Language:** de
**Title:** Rente; Revision bei mittelgradig depressiver Episode sowie anhaltender somatoformer Schmerzstörung; Verletzung Schadenminderungspflicht verneint.
**Docket/Reference:** IV.2012.00378
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00378.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00378
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiber Schetty
Urteil
vom
26. September 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
MLaw
Y.___
Badenerstrasse
141, Postfach 1372, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 1953 geborene
X.___
reiste 1980 in die Schweiz ein und war bis Ende Juni 2004 als Hilfsdachdecker
erwerbstätig (
Urk.
8/6). A
m 2
2.
März 2005
meldete er sich
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wegen heftiger Knieschmerzen zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3). Nach erfol
g
ten Abklärungen wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 1
4.
Juli 2005 ab (
Urk.
8/16). Am 1
5.
August 2006 meldete sich der Versi
cherte wegen Rücken- und Knieproblemen erneut zum Rentenbezug an (
Urk.
8/23). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/31) wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mit Verfügung vom
9.
Februar 2007 ab (
Urk.
8/39). Mit Schre
i
ben vom
1
9.
Juni 2007 beantragte die Vertreterin des Versicherten die Einle
i
tung eines Neuanmeldeverfahrens (
Urk.
8/43). In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten psychiatrisch begutachten (Gutachten der Klinik
Z.___
vom 2
0.
Dezember 2007,
Urk.
8/50) und sprach ihm mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2008 und Wirkung ab
1.
Juni 2007 eine
Dreiviertelsrente
zu (
Urk.
8/68). Eine revisionsweise Überprüfung des Leistungsanspruchs ergab keine
rentenre
levante
Veränderung der Situation (Mitteilung vom 2
3.
April 2009,
Urk.
8/78).
Am 2
5.
Februar 2011 erfolgte eine psychiatrische Beurteilung durch
Dr.
med.
A.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, welche im Rahmen der im März 2011 durchgeführten Evaluation der funktionellen Leistungsfähig
keit berücksichtigt wurde (F.___
-Gutachten vom 1
3.
April 2011,
Urk.
8/86).
Am
5.
Mai 2011 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren in die Wege und wies den Versicherten mit Schreiben vom
8.
Juni 2011 auf die ihm obliegende Schadenminderungspflicht hin (
Urk.
8/88). In Nachachtung dieses Schreibens war der Versicherte vom 2
2.
August bis 1
1.
September 2011 in der
B.___
hosp
i
talisiert (
Urk.
8/92).
Mit Vorbescheid vom 3
0.
November 2011 stellte die IV-Stelle die Aufhebung der Rente in Aussicht (
Urk.
8/96) und hielt an diesem En
t
scheid mit Verfügung vom 2
9.
Februar 2012 fest (
Urk.
8/104 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am 3
0.
März 2012 Beschwerde und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer weiterhin mindestens eine
Drei
viertelsrente
zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Mai 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die Stellungnahme des
C.___
vom 2
9.
November 2011 (
Urk.
8/94) die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent A
n
spruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdig
ung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex
perten b
egründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E
. 1c, je mit Hinwei
sen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
von einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes auszugehen sei. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer ein volles Pensum zuzumuten, was bei einem leidensbedingten Abzug von 10
%
zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 16
%
führe
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Ve
rtreterin der Beschwerdeführers
im Wesentlichen geltend, dass
auf die Einschätzung von
Dr.
A.___
nicht abgestellt werden kö
n
ne, da die Komplexität des Krankheitsbildes eine Beobachtung über einen lä
n
geren Zeitraum erfordere; zudem erstaune es, dass
Dr.
A.___
konkrete An
gaben zur zukünftigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers machen könne.
A
us den Berichten von
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Med
i
zin, und
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
e
r
gebe sich vielmehr
keine Verbesserung des Gesundheitszustandes
(Urk. 1).
3.
Vergleichs
basis im vorliegenden Revisions
verfahren bildet die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
2
2.
Mai 2008 (Urk. 8/68
), welche sich in medizini
scher Hinsicht im
Wesentlichen auf das Psychiatrische Gutachten der Klinik
Z.___
vom 2
0.
Dezember 2007 stützt (
Urk.
8/50). Der dafür verantwortliche Facharzt diagnostizierte dannzumal mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit e
i
ne rezidivierende depressive Störung mit somatischem Syndrom, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, inzwischen beginnend
chronifiziert
(ICD-10: F33.1), eine
Dysthymia
(ICD-10: F34.1) sowie eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Bei der vorliegenden Schmerzsymptomatik mit psychischer
Komorbidität
sei die Ausübung der angestammten Tätigkeit aus gutachterlicher Sicht nicht mehr zuzumuten.
In einer körperlich leichten bis g
e
legentlich mittelschweren Tätigkeit in Wechselbelastung von Stehen, Gehen und Sitzen, die keine besondere
n
Anforderung
en
an die kognitive und emotio
nale Flexibilität stellt
, sei ca. von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Zudem sollten keine erhöhten Anforderungen an die Konzentration, die sozialen Ko
m
petenzen und die Stress- und Frustrationstoleranz gestellt werden. Nach ei
ner Eingliederungsphase von drei bis vier Monaten bestehe voraussichtlich keine verminderte Leistungsfähigkeit mehr (
Urk.
8/50 S. 13).
4.
4.1
Dr.
A.___
diagnostizierte in seinem Gutachten vom
1.
April 2011 eine mehrjäh
rige, leichte bis mittelschwere Depression (in Behandlung seit 2007), aktuell mittelschwere Episode mit somatische
m
Syndrom (ICD-10: F32.11) sowie eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Wegen des feh
lenden Antriebes sei der Beschwerdeführer zurzeit nicht arbeitsfähig. Die Diag
nosen würden auch die im Rahmen der EFL-Abklärung festgestellte mangelnde Lei
s
tungs
bereitschaft und Selbstlimitierung erklären. Der Beschwerdeführer brauche eine intensive Psychotherapie (mehrwöchige stationäre Behandlung, allenfalls Intensivierung der ambulanten Behandlung). Unter diesen Massnah
men sollte sich die Arbeitsfähigkeit erholen, solange die Depression nicht abge
klungen sei, komme eine Tätigkeit nicht in Frage. Die Arbeitsunfähigkeit be
trage 100
%
für ein halbes Jahr, dann für drei Monate 50 % und anschliessend 0
%
(
Urk.
8/86 S. 22 f.).
4.2
Die für das
F.___
-Gutachten
vom 1
3.
April 2011
verantwortlichen Fachpers
o
nen
gingen von den folgenden somatischen Diagnosen aus: Intermittierendes
lum
bovertebrales
und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, anhaltende
G
o
nar
-
thropathie
links mehr als rechts,
Achillessehnenansatztendopathie
beid
seits bei möglichen
Enthesiopathien
, mehrjährige leichte bis mittelschwere De
pression (ICD-10: F32.0), anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), Adipositas BMI aktuell 32.9.
Die arbeitsbezogenen relevanten Probleme würden in einer schmerzhaft vermin
derten Belastungstoleranz im Bereich der Knie, im Fussbereich und im Nacken mit Angabe von Kopfschmerzen bestehen. Der Beschwerdeführer habe ein aus
geprägtes Schmerz- und Schonverhalten gezeigt und alle Tests unter Angabe von Schmerzen abgebrochen. Die Leistungsbereitschaft würden sie nicht als zu
verlässig beurteilen (deutliche Selbstlimitierung), so dass die
Zumutbarkeitsbe
urteilung
aus medizinisch-theoretischer Sicht erfolgen müsse. Eine mindestens leichte bis mittelschwere Tätigkeit könne vom Beschwerdeführer aus rheuma
to
logisch-orthopädischer Sicht ganztags ohne weitere Leistungseinschränkungen ausgeübt werden. Allfällige medizinisch-therapeutische Massnahmen hätten
derzeit keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit,
umsomehr
als der Beschwerde
führer nicht bereit sei, sich adäquat belasten zu lassen (
Urk.
8/86 S. 2 ff.).
4.3
In der Zeit vom 2
2.
August bis 1
1.
September 20
11
nahm der Beschwerdeführer an einem Interdisziplinären Schmerzprogramm an der
B.___
teil (
Urk.
8/92). Als Hauptdiagnosen gingen die für den Austrittsbericht vom 1
9.
September 2011 verantwortlichen Fachpersonen von einer
somatoformen
Schmerzstörung mit multiplen Beschwerden sowie einer mehrjährigen, leichten bis mittelschweren Depression (in Behandlung seit 2007), aktuell mittelschwere Episode mit somat
i
schem Syndrom
,
aus (ICD-10: F32.11). Sie hätten den Be
schwerdeführer
mit unveränderter Schmerzsymptomatik aus der stationären Re
habilitation nach Hause entlassen. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei auf das
F.___
-Gutachten sowie die Einschätzung von
Dr.
A.___
zu verweisen (
Urk.
8/92).
5.
5.1
Aus psychiatrischer Sicht
ist festzuhalten, dass
Dr.
A.___
im Wesentlichen von den gleichen Diagnosen ausgeht, wie seinerzeit der für das Gutachten der Klinik
Z.___
verantwortliche Facharzt. Auch aus den weiteren Ausführungen (etwa
zu den
Tagesaktivitäten) ist ersichtlich, dass sich die gesundheitliche Situation nicht wesentlich verändert hat (
Urk.
8/50 S. 7,
Urk.
8/86 S. 22). Soweit
Dr.
A.___
echtzeitlich von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgeht, ist von einer – im Rahmen des Revisionsverfahrens – unbeachtlichen unterschied
lichen Beu
r
teilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhaltes auszu
gehen. Zu der prognostischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
A.___
ist anzumerken, dass diese eine stationäre oder zumindest intensi
vierte ambulante Psychotherapie voraussetzt. Ein Abstellen auf
die gemachte Einschätzung wäre demnach nur dann zulässig, wenn die Therapie die ge
wünschte Verbesserung tatsächlich bewirkt hätte oder dem Beschwerdeführer eine Verletzung der Sch
a
denminderungspflicht vorgeworfen werden könnte.
5.2
Den vorliegenden Akten ist eine effektive Verbesserung der depressiven Sym
p
to
matik nicht zu entnehmen.
Aus dem Bericht von
Dr.
E.___
vom
9.
Januar 2012 sowie jenem von
Dr.
D.___
vom 2
3.
Dezember 2011 geht hervor, dass die gesundheitliche Situation im Wesentlichen unverändert ist (
Urk.
3/4,
Urk.
3/5).
Mit Schreiben vom
8.
Juni 2011 wies die
Beschwerdegeg
nerin
den Beschwerd
e
fü
h
rer auf die ihm obliegende Schadenminderungspflicht hin. Die Abklärungen hätten ergeben, dass die Erwerbsfähigkeit mit einer akti
ven Bew
e
gungstherapie zur Gewichtsreduktion und muskulären
Rekonditionie
rung
w
e
sentlich verbessert werden könne (
Urk.
8/88). Das genannte Schreiben führte in der Folge zum st
a
tionären Aufenthalt in der
B.___
.
Der Stellungnahme des
C.___
vom 2
9.
November 2011 ist dabei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer durch sein selbstlim
i
tierendes Verhalten im Rahmen des stationären Aufenthalts seine Schadenmi
n
derungspflicht verletzt habe (
Urk.
8/94 S. 3). Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin kann dabei aus mehreren Gründen nicht gefolgt
werden
. So empfiehlt
Dr.
A.___
in seinem Gutachten vom
1.
April 2011 ausdrücklich e
i
ne Intensivierung der psychothera
peutischen Bemühungen zur Reduktion der depressiven Symptomatik. Von weiteren medizinisch-therapeutischen Mas
s
nahmen, welche die somatische Seite betreffen
, wird hingegen aufgrund der b
e
st
e
henden Selbstlimitierung ausdrück
lich abgeraten (
Urk.
8/86 S. 5). Von da her erscheint schon die Annahme, dass von einer aktiven Bewegungstherapie eine wesentliche Verbesserung der Ar
beitsfähigkeit erwartet werden kann, den E
r
gebnissen des
F.___
-Gutachtens zu widersprechen. Die therapeutischen Erge
b
nisse an der
B.___
bestätigen im Übrigen die Voraussagen der Fachpersonen des
F.___
vollumfäng
lich. Die
vom Beschwerdeführer
an den Tag gelegte Selbstlim
i
tierung
lässt sich
aufgrund der vorliegenden psychiatrischen Diagnosen
gut e
r
klären beziehungs
weise vereinbaren, wie
Dr.
A.___
in seinem Gutachten vom
1.
April 2011 aus
drücklich festgehalten
ha
t. Selbst wenn von einer aktiven B
e
wegungstherapie eine gewisse Verbesserung der Erwerbsfähigkeit erwartet we
r
den könnte,
liegt somit keine
Verletzung der Schadenmind
e
rungspflicht
vor
.
Insgesamt ist von einer im Wesentlichen unveränderten gesundheitlichen Situa
tion auszugehen, so dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat. Die angefochtene Verfügung ist dementsprechend in Gut
heissung der Beschwerde aufzuheben.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1'600.-- (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 2
9.
Februar 2012 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer weiterhin An
spruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessen
t
schä
digung
von
Fr.
1'600
.-- (
inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Bewei
s
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu entha
l
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSchetty
DM/SA/IDversandt