# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 91d69b9c-0dfa-5d8f-97ad-e053e7191bfb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-29
**Language:** de
**Title:** Beweiskräftiges polydisziplinäres Gutachten. Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit verneint.
**Docket/Reference:** IV.2019.00486
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00486.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00486
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiber Wyler
Urteil
vom
29. Mai 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Orion Rechtsschutz-Versicherung AG
Advokatin Isabelle
Emmel
Aeschenvorstadt
50, 4051 Basel
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1960 geborene
X.___
arbeitete sei
t dem 1. Dezember 2000 als kauf
männische Angestellte/Bürochefin bei der
Y.___
, als sie am 10. Mär
z 2008 auf dem Parkettboden aus
rutschte und sich eine
Sakrum
-Fraktur zuzog (
Urk. 6/
7/164,
Urk. 6/
7/159). Die
Generali
erbrachte
zunächst als Unfallversicherung bis am 31. August 2008
Heilbehandlungs- und Taggel
dleistungen
(
Urk. 6/2/44-49) und kam hernach für
Krankentaggeldleistungen
auf
(
Urk. 6/
10/8). Am
4
. Februar 2010 meldete sich
X.___
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk. 6/
3). Die IV-Stelle
nahm in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen vor, in deren Rahmen sie bei
Dr. med.
Z.___
, Facharzt FMH für Innere Med
izin und für Rheumatolo
gie, ein Gut
achten in Auftrag
gab
, welches dieser am 14. März 2011 erstattete (
Urk. 6/
24). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk. 6/27,
Urk. 6/
28) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Mai 2011 einen Anspruch von
X.___
auf eine Invalidenrente (Urk.
6/3
2).
Die von
X.___
da
gegen erhobene Beschwerde (Urk. 6/33/3) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 26. Juni 2012 ab (Urk. 6/37).
Auf die von
X.___
gegen das Urteil des hiesigen Gerichts erhobene
Beschwerde (Urk.
6/38/2) trat das Bundesgericht mit Urteil vom 20. September 2012 nicht ein (Urk. 6/39).
1.2
X.___
arbeitete ab dem 1. Januar 2014 in einem Pensum von
etwa acht bis zehn Stunden pro Woche
als kaufmännische Angestellte bei der
A.___
(Urk. 6/51).
Ab dem 17. Juni 2016 ging
X.___
wegen Rückenproblemen ihrer Arbeitstätigkeit nicht mehr nach (Urk. 6/51) und bezog Krankentaggelder (Urk. 6/44/9).
Am
12. Januar 2017
meldete sie sich
erneut
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/41)
. Die IV-Stelle zog in der Folge die Akten der
zuständigen
Krankentaggeld
versi
che
rung
, der Schweiz
erischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (Mobiliar),
bei (Urk.
6/44), holte einen Arbeitgeberbericht (Urk. 6/51) sowie
einen
Arztbericht
von Dr.
rer
. nat
.
med.
pract
. B.___
, Facharzt
für
Anästhesiologie und Inten
sivmedizin, (Urk. 6/52) ein. Mit Mitteilung vom 29. März 2017 teilte die IV-Stelle mit, dass keine beruflichen Massnah
men möglich seien. Über d
en Rentenanspruch erhalte
X.___
später eine separate Verfügung (Urk. 6/53).
Die IV-Stelle zog in der Folge weitere ärztliche Berichte (Urk. 6/55, Urk. 6/60)
und
weitere Akten
der Mobiliar
(Urk. 6/57) bei.
Am 26. Juni 2017
unterzog sich
X.___
im
C.___
eine
r
Diskusher
n
i
en
operation
L4/5 links (Urk. 6/64/2)
. Die IV-Stelle holte daraufhin einen Bericht
des
C.___
ein
(Urk.
6/62)
und zog
weitere Akten
der Mobiliar
bei
(Urk. 6/64
)
. Nachdem
die IV-Stelle zudem
erneut
Bericht
e
von med.
pract
.
B.___
eingeholt hatte (Urk. 6/65, Urk. 6/70, Urk. 6/81)
,
gab sie bei der MEDAS D.___
ein polydiszi
plinäres Gutachten in Auftrag (Urk. 6/86), welches am
20. August 2018 erstattet wurde (Urk. 6/88). Mit Vorbescheid vom
7.
September 2018 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung zu ver
neinen (Urk. 6/90). Dagegen liess
X.___
unter Beilage eines Be
richts von Dr. med. E.___
, Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, (Urk. 6/101) Einwand erheben (Urk. 6/91, Urk. 6/98, 6/102). Die IV-Stelle holte daraufhin eine Stellungnahme der
D.___
-Gutachter zum Bericht
von Dr.
E.___
ein (U
r
k. 6/103, Urk.
6/104). Nachdem
X.___
sich unter Beilage
eine
s
Schreibens
von Dr.
E.___
zu
r Stellungnahme der
D.___
-Gutachter hatte vernehmen lassen (Urk. 6/107, Urk. 6/108)
,
verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 27.
Mai 2019 einen Anspruch von
X.___
auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2).
2.
Dagegen liess
X.___
mit Eingabe vom 2. Juli 2019 Beschwerde erheben und beantragen (Urk. 1), es sei die Verfügung vom 27. Mai 2019 auf
zuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenheit zur Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In pro
zessualer Hinsicht ersuchte sie um Einräumung eines
Replikrechts
. Nachdem die Beschwerdegegneri
n mit Beschwerdeantwort vom 19.
August 2019 die Abwei
sung der Beschwerde beantragte hatte (Urk. 5), wurde
die Beschwerdeantwort mit dem Hinweis, dass das Gericht die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels
nicht als erforderlich erachte
, es den Partei
e
n jedoch unbenommen bleib
e
, sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbezogene Unterlagen einzu
rei
ch
en,
der Besc
hwerdeführerin zugestellt (Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.
4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zu
ver
läs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2019 (Urk. 2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin lediglich
nach
der Operation vom 26. Juni 2017 für
drei Monate arbeitsunfähig
gewesen sei
, sie ansonsten jedoch nicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei.
Die Beschwerdegegnerin
stützte sich dabei aus medizinischer Sicht im Wesentlichen
auf das
D.___
-Gutachten vom 20.
August 2018 (Urk. 6/88)
sowie
die ergänzende Stellungnahme der Gutachter vom 19. März 2019 (Urk. 6/104).
2.2
Die Beschwerdeführerin liess dagegen im Wesentlichen einwenden (Urk. 1), im
D.___
-Gutachten werde argumentiert, dass aufgrund fehlender und aktueller Medikation und Therapien die Erkrankung nicht vorhanden respektive nicht rele
vant sei.
Diese Argumentation gehe jedoch fehl. Es seien bei ihr
ver
schie
denste
Interventionen und medikamentöse Therapieversuche
erfolglos
durchgeführt
worden
. Aus der Nichtmedikation
könn
e
daher
nicht geschlossen werden, dass keine Schmerzen vorhanden seien, sondern
es ergebe sich daraus,
dass es
gar
keine wirksame Therapie
gebe.
Entgegen der Beurteilung der Gutachter dürfe auch aus der fehlenden Bildgebung der Befunde nicht geschlossen werden, dass keine relevanten Schmerzen vorhanden seien. Es sei zudem nicht richtig, dass einem neuropathischen Schmerz zwingend eine Nervenschädigung vorausgehen müsse. Auch die Angabe der Gutachter, wonach die Schmerzen in einem neu
roanatomisch plausiblen Areal
lokalisiert werden müssten, sei nicht korrekt.
Die Behauptung der Gutachter, dass
die neurologische Anamnese keine Hinweise auf neuropathische Schmerzen liefere, sei
ebenfalls
unzutreffend.
Aus
den postope
rativen Berichten des
C.___
von 2017
ergebe sich
, dass sie immer über ein
schiessende Schmerzen im linken Bein berichte. Die anlässlich der Begutachtung stattfindende Untersuchung sei
ohnehin
zu kurz gewesen, um Schlussfolgerungen ziehen zu können. Es seien
zusätzlich elektromyografische
und
e
lektroneuro
gra
fi
sche Untersuchungen
durchzuführen. Die Beurteilung von chronischen Schmer
zen
zähle zur Kompetenz von ausgebildeten und erfahrenen Schmerztherapeuten. Soweit ersichtlich, verfügten die Gutachter nicht über die entsprechenden Qua
lifikationen.
Zusammenfassend genüge das
D.___
-Gutachten nicht als Beurtei
lungsgrundlage.
Die Sache sei
deshalb
zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3
.
3.1
Im Rahmen der rentenablehnenden Verfügung vom
23. Mai
2011 (Urk.
6/32
), welche vom hiesigen Gericht mit Urteil vom
26. Juni
2012 (Urk.
6/37
) bestätigt wurde, war die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen,
dass die Beschwerde
führerin sowohl in der angestammten
als
auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Sie stützte sich dabei im Wesentlichen auf das Gutachten von Dr.
Z.___
vom 14. März 2011 (Urk. 6/24), welcher seit spätestens Anfang September 2008 keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit feststellen konnte.
Er mass insbesondere auch dem von ihm erhobenen chronischen
Schmerzsyndrom im Bereich des
Sa
k
r
ums
und der Beine keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit zu (Urk. 6/24/7).
3.2
3.2.1
Im
D.___
-Gutachten
vom
20. August 2018
(Urk.
6/88
) werden
die bis zur
Be
gutachtung ergangenen, aktenkundigen Berichte zusammengefasst (Urk.
6/88
/1
2-21
)
, weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden.
3.2.2
Die
D.___
-Gutachter
stellten
in ihrem Guta
chten vom 20.
August
2018 (Urk.
6/88) keine Diagnose mit Auswirkungen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit (Urk. 6/88/6). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die zuletzt ausgeübte Tätig
keit führten die Gutachter an (Urk. 6/88/6):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Status nach
Diskushernienoperation
L4/L5 am 26. Juni 2017
-
p
ostoperative Narbenbildung mit Kontakt L5 Wurzel links
-
lumbosakrale
Ü
berg
angsvariante
Castellvi
Typ 3a links
-
Osteochondrose
L1/2 ohne klinische Symptomatik
-
r
öntgenologisch darstellbare
Coxarthros
e
rechts mehr als links (CT 27.
April 2018) ohne klinische Symptomatik
-
Sinustachykardie unklarer Genese
-
Raucherbronchiti
s
-
Nikotin
abusus
-
Untergewicht (BMI 16,3 kg/m
2
)
Die Beschwerdeführerin sei sowohl in der angestammten
als
auch in einer ange
passten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Orthopädisch-
traumatologischerseits
habe drei Monate nach der Operation vom 26. Juni 2017 eine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und
auch
in einer angepassten Tätigkeit bestanden. Seit dem 1.
Oktober
2017 bestehe sowohl in der angestammten
als
auch in einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/88/9).
3.2.3
Dr.
E.___
, bei welchem die Beschwerdeführerin seit Anfang Oktober 2018 als Nachfolger von med.
pract
.
B.___
in Behandlung steht, erklärte mit Stel
lungnahme vom 25. Oktober 2018
zu Händen der Rechtsvertreterin der Be
schwer
deführerin (Urk. 6/101)
, das Gutachten sei
sehr
ausführlich und umfassend und es werde sicherlich sehr schwierig werden, dagegen schlüssig und fundiert zu argumentieren. Zum internistischen und auch psychiatrischen Teil des Gutach
tens könne er
”leider
keine Aussagen treffen
”
. Bezüglich
Coccygodynie
vernein
ten die Gutachten das Vorhandensein relevanter
Schmerzen
, weil in der Bildge
bung keine Befunde darzustellen seien. Diese Einschätzung gehe leider an der Realität von Schmerzpatienten vorbei. Das Typische an chronischen Schmerzer
krankungen sei oft die Tatsache, dass nach einer akuten Schädigung, die mit Schmerzen einhergehe, zwar diese Schädigung ausheile, aber die Schmerzer
kran
kung bleibe. Die hier zu Grunde liegenden Mechanismen seien in keinerlei Bild
gebung darzustellen. Bezüglich der einschiessenden Schmerzen im Bein würde er gegenhalten, dass dies neuropathische Schmerzen seien. Es liege in der Natur von neuropathischen Schmerzen, dass sie ohne darstellbare somatische Befunde auf
tr
e
ten könn
en.
Ebenso müsse für einen reinen Nervenschmerz, wohl ausgelöst über die Wurzel L5, kein klinische
s
Korrel
a
t wie zum Beispiel eine Wurzelreizung bei der
Untersuchung vorhanden sein. Der erste Hinweis auf einen rein neuro
pathischen Schmerzcharakter ergebe sich im Beri
cht des
C.___
vom 17. August 2017, werde doch ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin sich intermittierend über elektrisierend einschiessende Schmerzen, die etwa vier- bis
fünfmal am Tag aufträten, beklage.
In diesem S
chreiben werde bestätigt, dass
man
doch deutlich an den Nerven u
nd am Duraschlauch
habe
ziehen müssen
. Deshalb würde er
(
Dr.
E.___
)
versuch
en, die Beinschmerzen als rein neuropathische Schmerzen
darzustellen. Ein weiterer Kritikpunkt
am
Gutachten sei in seinen Augen, dass dem chronisch
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen werde. Chronisch
lumbospondylogene
Schmerz
syn
drome hätten in der Regel, besonders bei stärkerer Ausprägung, sehr wohl Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Patienten. Zudem sei die Darstellung als einfaches Schmerzsyndrom bei der Beschwerdeführerin sicherlich nicht zu
treffend. Hier sollte man ergänzend argumentieren, dass es
sich um ein soge
nanntes
Failed
-back-
s
urgery
Syndrom handle.
Ein weiterer Kritikpunkt am Gut
achten liege in seinen Augen in der Feststellung, weil die Beschwerdeführerin aktuell keine Medikamente nehme oder keine Therapien bekäme, seien die Schmerzen irrelevant. Dies sei so nicht richtig. Bei der Beschwerdeführerin seien im Verlauf der Erkrankung verschiedenste Interventionen und medikamentöse Therapieversuche ohne Erfolg vorgenommen worden.
Es werde daher nicht etwa
wegen fehlender Schmerzen keine Therapie durchgeführt, sondern
weil
sich alle aus schmerztherapeut
i
s
cher Sicht möglichen Massnahmen, sowohl medikamentös als auch
interventionell
, als wirkungslos herausgestellt hätten.
Die Erkrankung der Beschwerdeführerin bewege sich in einem Grenzgebiet zwischen orthopädi
schem, neurologischem und schmerzmedizinischem Fachgebiet. Die Besonderhei
ten der chronischen Schmerzerkrankung zählten zur Kernkompetenz von aus
gebildeten und erfahren
en
Schmerztherapeuten und weniger von Fachärzten der anderen Fächer. Somit wären seines Erachtens mindestens Gutachter einzu
for
dern, die eine nachgewiesene Kompetenz in der Schmerzmedizin besitzen.
3.2.4
Die
D.___
-Gutachter nahmen
a
m 19. März 2019
(Urk. 6/104) zur Kritik von Dr.
E.___
Stellung. Neur
opathische Schmerzen entstünden nach einer Schädigung oder Erkrankung somatosensorischer Nervenstrukturen im periphe
ren oder zentralen N
ervensystem. Die Diagnose stütz
e sich in der Tat im Wes
entlichen auf die anamnestischen Angaben einer Nervenverletzung, die typischen somatosensorischen Symptome, Befunde im betroffenen Areal und den Nachweis einer relevanten Läsion oder Erkrankung des peripheren oder zentralen senso
motorischen Systems. Diagnostische Verfahren wie Bildgebung und Elektro
phy
siologie dienten lediglich dem Nachweis der Läsion und der
topischen
Zuordnung.
Viele Patienten mit chronisch neuropathischen Schmerzen litten an spontan auftretenden Schmerzen (ohne äusseren
Reiz), charakteristischerweise mit einer brennenden Qualität, die ständig vorhanden
seien
(spontane Dauerschmerzen).
Im Gegensatz zu
nozizeptiven
Schmerzen sei die Symptomatik typischerweise nicht
von physischer Belastung oder Bewegung abhängig.
Definitionsgemäss seien die Schmerzen in einem neuroanatomisch plausiblen Areal lokalisiert. Das bedeute, dass die Lokalisation der Schmerzen und der sensorischen Befunde durch die Nervenläsion begründbar seien.
Der Nachweis eine
s
pathologischen Befundes innerhalb des Schmerzareals, der auf eine Läsion oder Erkrankung des somato
sensorischen Systems hinweise, sei ein wichtiger Baustein in der Diagnostik.
Die neurologische Anamnese der Beschwerdeführerin
habe
keine Hinweise auf neuro
pathische Schmerzen geliefert: «Im Kreuz habe sie immer die gleichen Schmerzen, zum Teil schon beim Aufwachen, es gebe keine Tage ohne Schmerzen. Auf einer Skala von 0 bis 10 bewegten sich ihre Schmerzen im Durchschnitt zwischen 4
und
8. Es besteh
e
keine Wetterfühligkeit. Zeitgleich mit den Kreuzschmerzen sei es auch zur Entwicklung von Schmerzen in der Kniekehle und in der Wade links gekommen, die sie meistens habe. Langes Sitzen und Stehen seien nicht möglich. Zur mögli
c
hen Dauer eines Spaziergangs habe die Beschwerdeführerin keine genauen Angaben gemacht: Sie merke danach, dass der Spaziergang nicht gut gewesen sei. Sie habe Kribbeln an beiden Füssen (ganzer Fuss) links mehr als
rechts.
»
Im neurologischen Untersuchungsbefund hätten sich keine Sensibili
täts
störungen gezeigt. Zusammenfassen
d
könne nach kritischer Durchsicht des neu
rologischen Gutachtens und unter Berücksichtigung des vorgelegten ärztlichen Berichts vom 25. Oktober 2018 die Diagnose «neuropathisches Schm
erzsyndrom» weiterhin nicht
gestellt werden.
3.2.5
Dr.
E.___
nahm mit undatiertem, an die Rechtsvertreterin der Beschwer
deführerin gerichteten Bericht Stellung zur Stellungnahme der
D.___
-Gutachter
vom 19. März 2019
(Urk. 6/107). Die initiale
medizinische
Erklärung von neu
ropathischen Schmerzen sei im
G
rossen und
G
anzen richtig. Aller
dings seien einige Besonderheiten nicht korrekt dargestellt. Es sei nicht richtig, dass einem neuropathischen Schmerz zwingend eine Nervenschädigung vorausgehen müsse. Typische Beispiele, in denen eine Nervenverletzung nicht vorhanden sei, bezie
hungsweise die Verletzung und die Folgen nicht ausreichend nachgewiesen werde
n kön
nten, seien beispielsweise Trige
minu
s
neuralgie,
postzosterische
Neura
l
gie oder auch das sogenannte
Fail
e
d
-back-
surgery
Syndrom. Weiter sei die Angabe, dass die Schmerzen in einem neuroanatomisch plausiblen Areal lokalisiert seien müssten
,
zwar meist
zutreffend
, jedoch nicht zwingend. Beispiele hierfür seien beispielsweise Phanto
mschmerzen.
Der
Zeitraum der neurologischen Begutach
tung sei eine Stunde gewesen. Dies sei seiner
Ansicht nach für den Ausschluss
der von den Gutachtern angeführten Symptome neuropathischer sensibler Stö
rungen nicht ausreichend. Letzte
ndl
ich würde er auch davon ausgehen, da
s
s in der Anamnese nicht gezielt untersucht worden sei. Die Beschwerdeführerin habe immer über einschiessende Schmerzen im linken Bein berichtet. Dies sei bereits erstmalig in den postoperativen Berichten des
C.___
2017 belegt. Insofern erachte er die neurologische Begutachtung für unvollständig. Es gebe sehr genaue appa
rative neurologische Untersuchungsmethoden, die hier völlig ausser Betracht ge
lassen worden seien. Mit diesen Methoden liessen
sich auch feinste Nerven
schä
dig
ungen, die in der Routineuntersuchung nicht fassbar seien, feststellen. Dies
wären
Elektromyografie
und Elektroneurografie für die Faseranteile von Nerven, die für die Bewegung zuständ
ig seien und
die
QST (quantitative sensorische Tes
tung)
,
mit der auch Störungen in den sensiblen Fasern
festgestellt w
erden könnt
en.
Erst mit diesen objektiven Befunden liesse sich feststellen, ob Nervenschädi
g
ungen vorhanden seien. Ein weiterer
Mangel am Gutachten
sei das völlige Übergehen des
Failed
-back-
surgery
Syndroms.
4.
4.1
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
Vorliegend bestehen keine Indizien, welche gegen die Zuver
lässigkeit des
D.___
-Gutachtens vom 20. August 2018 (Urk. 6/88) sprechen würden. Vielmehr
beruht
das Gutachten
auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen, wurde in Kenntnis der und Ausei
nandersetzung mit den
Vorakten
erstattet, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander. Die Gutachter haben die medizinischen Zustände und Zusammenhänge
zudem
einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolger
ungen nachvollziehbar begründet (vgl. E. 1.4).
4.2
B
ei der Würdigung
der
beiden Stellungnahme
n
von Dr.
E.___
(E.
3.2.3 und E.
3.2.5), welche
dieser an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
ge
richtet hatte
,
gilt es zu beachten, dass sie mit dem Zweck verfasst wurden, der Beschwerdeführerin
Argumente zu
liefern
, die gutachterliche Einschätzung infrage zu stellen. Dr.
E.___
anerk
a
nnt
e
jedoch in seiner Stellungnahme
vom 25. Oktober 2018 (Urk. 6/101)
,
dass
das Gutachten
sehr ausführlich und umfassend
sei
und
er
es als sehr schwierig erachte,
dagegen schlüssig und fundiert zu argumentieren (U
r
k. 6/101/1). Das heisst, Dr.
E.___
bestätigte
grund
sätzlich
di
e Schlüssigkeit des
D.___
-
Gutachtens.
E
s
fällt denn auch auf, dass
er
zwar ausführlich zu neuropathischen Schmerzen Stellung nimmt, er jedoch nicht geltend macht, die Beschwerdeführerin leide an
neuropathische
n Schmerzen. Er rät lediglich
der Rechtsvertre
terin der Beschwerdeführerin
, die Beinschmerzen als rein neuropathische Schmerzen darzustellen («Deshalb würde ich versuchen, die Beinschmerzen
als rein neuropathische Schmerzen
darzustellen.»
; Urk. 6/101/2).
Die von Dr.
E.___
an der gutachterlichen Einschätzung
angebracht
e
Kritik, erweist sich
denn
teilweise auch als konstruiert
.
So bemängelte er, die
Gutachter hätten zu Unrecht behauptet,
bei neuropathischen Schmerzen müsse
der Schmerz in einem neuroanatomisch plausiblen Areal lokalisiert werden (U
r
k. 6/107).
Dr.
E.___
legt
e
aber
in keiner Weise dar, welches Syndrom bei der Beschwer
de
führerin vorliegen könnte, welches nicht eine Schmer
z
lokalisation in einem
neuroanatomisch plausiblen Areal voraussetzt. Phantomsc
hmerzen,
welche
ge
m
äss
Dr.
E.___
nahezu imm
e
r nicht einem genauen neuroanatomisch plausib
len
Areal entsprechen (
E
.
3.2.5
)
,
bestehe
n
bei der Beschwerdeführerin
offenkundig
nicht
.
Es
ist zudem
auch
nicht nachvollziehbar
beziehungsweise wider
sprüchlich
, dass
Dr.
E.___
in seiner undatierten Stellungnahme
(E.
3.2.5) die Dauer
der neurologischen Untersuchung und die vor
genommenen Abklärungen kritisiert
, nachdem er
in seiner
ersten
Stellungahme vom 25. Oktober 2018 (
E. 3.2.3
) das Gutachten
noch
als ausführlich und umfassend qualif
iziert hatte.
Nach dem Gesagte
n und unter Berücksichtigung
,
dass die Gutachter in keiner Weise infrage stellen,
dass die Beschwerdeführerin an Schmerzen leidet, diagnostizierten sie doch ein chronisches
lum
bospondylogenes
Schmerzsyndrom
(vgl. E. 3.2.2)
, ver
mögen die Berichte von D
r
.
E.___
die Einschätzung der
D.___
-Gutachter nicht infrage zu stellen.
4.3
Nachdem sich auch aus den übrigen Akten keine Hinweise ergeben, welche die gutachterliche Einschätzung infrage stellen würde
n
, erweist es sich als rechtens, dass die Beschwerdegegnerin in Übereinstimmung dem
D.___
-Gutachten von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
sowohl in der ange
stammten
als
auch in einer
anderen
behinderungsangepassten Tätigkeit ausge
gangen ist.
5.
Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer behin
derungsangepassten Tätigkeit besteht
keine Invalidität (vgl. E. 1.1) und somit auch
kein Rentenanspruch
(
E
. 1.2).
Die Beschwerde erweist sich
daher
als unbe
gründet und ist abzuweisen.
6.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Orion Rechtsschutz-Versicherung AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstWyler