# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eba48dc4-df40-5098-a9d4-7f04d11e5cd2
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 1. Abteilung O1S-14-16
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_001_O1S-14-16_nodate.pdf

## Full Text

Berufungsbeklagter 
Beschuldigter 

B___ 
 
verteidigt durch: RA BB___ 
 

 
 
Berufungsbeklagte 
Anklägerin 

Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden  
 
vertreten durch: StA C___, 
Schützenstrasse 1A, 9100 Herisau 
 

 
 

 
Anträge 

Obergericht Appenzell Ausserrhoden  
1. Abteilung  
 

Urteil vom  25. August 2015  
 

Mitwirkende Obergerichtsvizepräsident W. Kobler 
Oberrichterin S. Rohner 
Oberrichter B. Oberholzer, H.P. Blaser, H. Zingg 
Obergerichtsschreiberin B. Widmer 
 
 
 

Verfahren Nr. O1S 14 16 
 
 
 

Sitzungsort Trogen 
 
 
 

Berufungskläger 
Privatkläger 

A___ 
 
vertreten durch: RA AA___ 
 
 

Gegenstand Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung,  
evtl. Sachbeschädigung 

 

Seite 2 

 
a) der Staatsanwaltschaft:   
 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren: 
 
 1. Der Beschuldigte sei wegen Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte 

im Sinne von Art. 169 StGB schuldig zu sprechen.  
 
 2. Eventuell sei der Beschuldigte wegen Gläubigerschädigung durch Vermögensver-

minderung im Sinne von Art. 164 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. 
 
 3. Der Beschuldigte sei im Zusatz zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland vom 21. März 2011 sowie zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 
AR vom 16. Juli 2012 angemessen zu bestrafen, mindestens mit einer Geldstrafe 
von 90 Tagessätzen zu CHF 120.00 und einer Busse von CHF 1‘000.00. 

 
 4. Der Vollzug der Geldstrafe sei bedingt aufzuschieben bei einer Probezeit von 2 Jah-

ren. 
 
 5. Unter Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten.  
 
 
bb) im Berufungsverfahren: 
 
 -- 

 
 
 
b) des Beschuldigten: 
 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren (sinngemäss): 
 

Freispruch von Schuld und Strafe. 
 
 

bb) im Berufungsverfahren:  
 

Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.  

 
 
 
c) des Privatklägers: 
 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

1. Der Beschuldigte sei wegen Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung 
im Sinne von Art. 164 Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen. 

 
2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger CHF 32‘706.80 zu bezahlen.  

 
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten. 
 
 
 

 

 

Seite 3 

bb) im Berufungsverfahren:  
 
 In der Berufungserklärung (act. B 1): 
 

1. Ziff. 3 und 4 des Urteils vom 15. April 2014 des Kantonsgerichts Appenzell 
Ausserrhoden seien aufzuheben. 

 
2. Der Beschuldigte sei wegen Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung 

i.S. von Art. 164 Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 
 

3. Eventualiter sei der Beschuldigte der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 
3 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 

 
4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger CHF 32‘706.80 zu bezahlen. 

 
5. Eventualiter sei das Urteil vom 15. April 2014 des Kantonsgerichts Appenzell 

Ausserrhoden aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates, eventualiter des 
Beschuldigten.  

 
 

 In der Eingabe vom 14. Juli 2014 (act. B 6): 
 

1. Das Urteil vom 15. April 2014 des Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden sei 
aufzuheben. 

 
2. Der Beschuldigte sei wegen Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung 

i.S. von Art. 164 Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 
 

3. Eventualiter sei der Beschuldigte der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 
3 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 

 
4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger CHF 32‘706.80 zu bezahlen. 

 
5. Eventualiter sei das Urteil vom 15. April 2014 des Kantonsgerichts Appenzell 

Ausserrhoden aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
 
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates, eventualiter des 

Beschuldigten. 
 

 

 

Seite 4 

Sachverhalt 

 

A. Übersicht 

 D___ erwarb im Jahre 2007 einen Rennwagen Renault Clio 2.0i Sport, CUP-Ausführung, 

zum Preis von CHF 55'000.00, um damit an Rennen teilzunehmen. Der Kauf wurde unter 

anderem mittels eines Darlehens von A___ in der Höhe von CHF 40'000.00, rückzahlbar 

in 36 Monatsraten à CHF 1‘120.00, finanziert, das dieser dem Käufer D___ im Januar 

2007 zur Verfügung stellte. D___ fuhr am 27. Mai 2007 mit diesem Wagen letztmals ein 

Rennen in Most, Tschechien (act. B 8/67, S. 2; B 8/86). Danach wurde das Rennauto bei 

dessen Rennkollegen B___ bzw. in dessen Firma, der E___ GmbH in F___, eingelagert. 

Im Sommer 2007 tauchte D___ unter. Da er seinen Ratenzahlungen nicht mehr nachkam, 

wurde der Renault Clio auf Begehren von A___ am 20. September 2007 mit Arrest belegt 

(act. B 8/85/1+2). Der Arrestvollzug fand am 24. September 2007 in F___ statt. Dabei 

stellte der zuständige Betreibungsbeamte fest, dass das Auto erhebliche Carrosse-

rieschäden aufwies und Antriebsaggregate, Motor und Getriebe fehlten (act. B 8/84, S. 2; 

B 8/88). Trotz des Arrestes verblieb das Fahrzeug vorerst bei B___ und wurde erst im 

November 2007 in einer Garage in G___ eingelagert (act. B 8/84; B 8/88). Am 22. Januar 

2008 besichtigte A___ das Auto in Begleitung des zuständigen Betreibungsbeamten und 

stellte fest, dass diverse Teile, wie Motor, Steuergerät (bzw. Motorenmanagement), 

Antriebsaggregate, Getriebe, Kühler sowie diverse Carrosserieteile fehlten. Ausserdem 

wies der Wagen am Heck Unfall- und Kratzspuren auf (act. B 8/67, S. 3). Im Rahmen 

einer vorsorglichen Beweissicherung wurde am 27. Februar 2008 ein Gutachten über das 

fragliche Fahrzeug erstellt (act. B 8/1.2/11). B___ machte in einem 

Widerspruchsverfahren Drittansprüche an diesem Fahrzeug wegen offener Rechnungen 

von D___ aus dem Rennbetrieb geltend. Diese Ansprüche wurden mit Entscheid des 

Obergerichtes des Kantons Appenzell Ausserrhoden vom 16. November 2009 (Verfahren 

O1Z 09 7) abgewiesen (act. B 8/1.2/7). Am 3. Februar 2010 wurde der Renault Clio für 

CHF 14‘200.00 versteigert (act. B 8/1.2/15). Am 26. April 2010 wurde A___ vom 

Betreibungsamt über einen ungedeckt gebliebenen Betrag von gesamthaft 

CHF 32‘706.80 ein „Verlustschein infolge Pfändung“ ausgestellt, der gleichentags zum 

Versand gelangte (act. B 8/1.2/16+17).  

 

 

 

B. Prozessgeschichte 

Am 14. Juni 2010 liess A___ gegen B___ Strafanzeige betreffend betrügerischem 

Konkurs und Pfändungsbetrug (Art. 163 Ziff. 2 StGB), Gläubigerschädigung durch 

Vermögensverminderung (Art. 164 Ziff. 2 StGB) und Verfügung über mit Beschlag belegte 

 

Seite 5 

Vermögenswerte (Art. 169 StGB) und allenfalls weiteren Straftaten einreichen (act. B 

8/1.1). Das Strafverfahren (U 10 586) wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 

16. Juli 2012 gestützt auf Art. 319 Abs. 1 StPO eingestellt (act. B 8/65). Das Obergericht 

hob die Einstellungsverfügung mit Urteil vom 10. Dezember 2012 (O1S 12 10) auf und 

wies die Sache zur Vornahme weiterer Untersuchungshandlungen und anschliessenden 

Anklageerhebung an die Staatsanwaltschaft zurück (act. B 8/66.2 und 8/67). Am 26. 

September 2013 erhob die Staatsanwaltschaft beim Kantonsgericht Anklage gegen B___ 

im Sinne von Art. 169 StGB, eventuell Art. 164 Ziff. 1 StGB (act. B 8/76). Mit Verfügung 

des Einzelrichters vom 19. November 2013 wurde das Betreibungsamt Appenzeller 

Vorderland ersucht, sämtliche Arrestakten betreffend das Fahrzeug Renault Clio 

einzureichen (act. B 8/81). Die angeforderten Akten gingen am 22. Januar 2014 beim 

Einzelrichter ein (act. B 8/84 und 8/85). Am 10. Februar 2014 reichte der Privatkläger eine 

Beweiseingabe sowie das Jahrbuch „Rennsport Schweiz 2007“ ein (act. B 8/86). Am 18. 

Februar 2014 fand zwischen dem zuständigen Einzelrichter sowie dem 

Betreibungsbeamten Platzer ein Telefongespräch statt, dessen Inhalt sich in Form einer 

Aktennotiz bei den Verfahrensakten befindet (act. B 8/88). Gleichentags wurden die 

Arrestakten des Betreibungsamtes und die Eingabe des Privatklägers vom 10. Februar 

2014 den Parteien in Kopie zugestellt (act. B 8/89). Die Hauptverhandlung fand am 

15. April 2014 in Anwesenheit des Beschuldigten sowie des Privatklägers und dessen 

Rechtsvertreters statt. Das Urteil wurde den Parteien gleichentags mündlich eröffnet und 

kurz begründet (act. B 8/92/1, S. 4). Das schriftliche Urteilsdispositiv wurde am 16. April 

2014 versandt (act. B 8/95). Mit Schreiben vom 17. April 2014 liess der Privatkläger 

rechtzeitig die Berufung anmelden (act. B 8/98). Das Urteil in begründeter Ausfertigung, 

berichtigt in Ziff. 1 des Dispositives, wurde am 13. Juni 2014 an die Parteien versandt 

(act. B 8/101).  

 

 

 

C. Erstinstanzliches Urteil 

Mit Urteil des Einzelrichters des Kantonsgerichts vom 15. April 2014 (ES1 13 9) wurde 

B___ von der Anklage des Verfügens über mit Beschlag belegte Vermögenswerte im 

Sinne von Art. 169 StGB und der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung im 

Sinne von Art. 164 Ziff. 1 StGB freigesprochen. Die Verfahrenskosten von total CHF 

800.00 wurden auf die Staatskasse genommen. Die Zivilforderung wurde abgewiesen und 

den Parteien wurden keine Parteientschädigungen zugesprochen.  

 

Auf eine Wiedergabe der Urteilsbegründung in den angefochtenen Punkten wird verzich-

tet und auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen. 

 

Seite 6 

 

 

 

D. Schriftenwechsel 

  a) Gegen das Urteil vom 15. April 2014, dessen Zustellung an den Rechtsvertreter des 

Privatklägers in begründeter Ausfertigung am 16. Juni 2014 (act. B 8/103) erfolgt 

war, reichte RA AA___ mit Eingabe vom 7. Juli 2014 (act. B 1) fristgemäss die 

Berufung ein.  

 
 

  b) Mit Verfügung des Obergerichtspräsidenten vom 9. Juli 2014 wurde den Parteien 

die Zuweisung des Prozesses an die 2. Abteilung mitgeteilt (act. B 4). 

 
 

  c) Mit Verfügung des Obergerichtsvizepräsidenten vom 10. Juli 2014 wurde RA AA___ 

aufgefordert, zu präzisieren, in welchen Teilen das erstinstanzliche Urteil 

angefochten wird (act. B 5). Dem kam RA AA___ mit Schreiben vom 14. Juli 2014 

nach (act. B 6).  

 
 

  d) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 22. Juli 2014 wurde dem 

Berufungsbeklagten sowie der Staatsanwaltschaft Gelegenheit gegeben, einen 

schriftlichen und begründeten Nichteintretensantrag und/oder eine schriftliche 

Anschlussberufung einzureichen (act. B 7), wovon beide keinen Gebrauch machten.  

 
 

  e) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 19. September 2014 wurde den Parteien 

mitgeteilt, dass die Berufung im schriftlichen Verfahren behandelt werde. Zudem 

wurde dem Berufungskläger Gelegenheit gegeben, eine Ergänzung seiner Beru-

fungsbegründung nachzureichen (act. B 12). Davon machte dieser keinen Gebrauch 

(act. B 16).  

 
 

  f) Dem Berufungsbeklagten sowie dem Einzelrichter des Kantonsgerichts wurde am 

6. Oktober 2014 Gelegenheit eingeräumt, zur Berufungserklärung inkl. Präzisierung 

der Rechtsbegehren Stellung zu nehmen (act. B 17). Der Einzelrichter des Kan-

tonsgerichts verzichtete auf eine Stellungnahme (act. B 19), während dem sich der 

Berufungsbeklagte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 3. November 2014 

vernehmen liess (act. B 21). 

 

 

Seite 7 

 

  g) Mit Verfügung vom 26. Februar 2015 teilte der Obergerichtsvizepräsident den 

Parteien mit, dass das Gericht die Frage werde prüfen müssen, ob die objektive 

Strafbarkeitsbedingung gemäss Art. 164 StGB erfüllt sei, d.h. ein gültiger Verlust-

schein vorliege, und gab ihnen Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen (act. B 26). 

RA E___ sowie die Staatsanwaltschaft verzichteten auf eine Stellungnahme (act. B 

27 und 29), während dem RA AA___ sich mit Eingabe vom 24. März 2015 verneh-

men liess (act. B 31).  

 
 

  h) Das Obergericht teilte den Parteien am 5. Juni 2015 mit, dass das bisher in der 

2. Abteilung geführte Verfahren aus organisatorischen Gründen der 1. Abteilung 

(neue Verfahrens Nr. O1S 14 16) zugewiesen werde, und gab die Zusammen-

setzung des Gerichts bekannt (act. B 35 und 36).  

 
 

 Auf die entsprechenden Ausführungen und Angaben in den in lit. a - h vorstehend ange-

führten Schriftstücken wird, soweit für die Beurteilung erforderlich, im Rahmen der 

nachfolgenden Erwägungen einzugehen sein. 

 

 

 

 
Erwägungen des Gerichts 

 
1. Formelles 

 1.1 Örtliche und sachliche Zuständigkeit 

Auf die vorinstanzliche Erwägung Ziffer 1 zur örtlichen und sachlichen Zuständigkeit kann 

verwiesen werden. Bezüglich der sachlichen Zuständigkeit des Obergerichts ist auf die 

Art. 26 und 27 des am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Justizgesetzes vom 

13. September 2010 (JG, bGS 145.31) hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist das Obergericht 

Berufungs- und Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Strafrechtspflege, unter Vorbehalt 

der Befugnisse des Einzelrichters (letztere beschränken sich laut Art. 27 JG auf den 

Bereich des Zwangsmassnahmerechts).  

 

 

1.2 Rechtskräftige Urteilspunkte 

Gestützt auf die Anträge in der Berufungsschrift sowie deren nachträgliche Präzisierung 

durch RA AA___ (act. B 1 und B 6) kann festgehalten werden, dass Dispositiv Ziff. 1 des 

 

Seite 8 

Urteils des Einzelrichters des Kantonsgerichts vom 15. April 2014 nicht angefochten 

worden ist. Demnach sind die Freisprüche von der Anklage des Verfügens über mit 

Beschlag belegte Vermögenswerte im Sinne von Art. 169 StGB und der Gläubigerschädi-

gung durch Vermögensverminderung im Sinne von Art. 164 Ziff. 1 StGB gestützt auf Art. 

437 Abs. 1 lit. a StPO rechtskräftig.  

 

 

1.3 Berichtigung von Urteilsdispositiv Ziff. 1 des vorinstanzlichen Urteils 

Der Berufungskläger  lässt vorbringen, der Erläuterung und Berichtigung im Sinne von 

Art. 83 Abs. 1 StPO zugänglich seien nur offensichtliche Versehen. Eine Entscheidung 

hingegen, die so gewollt sei, wie sie ausgesprochen worden sei, die aber auf einer irrtüm-

lichen Sachverhaltsfeststellung oder einem offenbaren Rechtsirrtum beruhe, könne weder 

berichtigt werden noch sei sie der Erläuterung zugänglich. Der Umstand, dass das Gericht 

zwar aufgrund einer unvollständigen Anklageschrift, aber trotz eines klaren Antrages des 

Privatklägers, Ziff. 2 von Art. 164 StGB übersehen habe, könne nicht im Rahmen einer 

Berichtigung erfolgen. 

 

Die Vorinstanz hat in Ziff. 1 des von ihr am 16. April 2014 versandten Urteilsdispositivs 

festgehalten, dass der Beschuldigte B___ unter anderem von der Anklage der 

Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung im Sinne von Art. 164 StGB 

freigesprochen wird (act. B 8/95). Im begründeten Urteil hat sie dann bezüglich dieses 

Tatvorwurfs in Urteilsdispositiv Ziffer 1 eine Berichtigung vorgenommen, indem der Frei-

spruch von der Anklage der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung auf Ziff. 

1 von Art. 164 StGB eingegrenzt wurde. Auf Seite 7 des erwähnten Urteils wird wörtlich 

festgehalten: „Das Urteilsdispositiv ist insofern zu berichtigen, als ein Freispruch nur für 

den Straftatbestand von Art. 164 Ziff. 1  StGB erfolgt.“ 

 

Aus den Ausführungen in nachfolgender Erwägung Ziff. 2.1 folgt ohne weiteres, dass die 

Frage der Rechtmässigkeit dieser Berichtigung offen gelassen werden kann.   

 

 

 

 

  

 

Seite 9 

 

2. Materielles 

2.1 Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung  im Sinne von Art. 164 
Ziff. 2 StGB 
 
Der Berufungskläger lässt ausführen, erst vor Obergericht stehe nun zur Diskussion, ob 

der Verlustschein vom zuständigen Betreibungsamt ausgefüllt worden und damit gültig sei 

oder nicht. Grundsätzlich bescheinige der Verlustschein, dass das gesamte der schweize-

rischen Vollstreckung unterworfene Vermögen des Schuldners nicht genügt habe, um den 

Gläubiger zu befriedigen. Weil dies nur am ordentlichen Betreibungsort festgestellt wer-

den könne, dürfe das Betreibungsamt am Arrestort grundsätzlich keinen Verlustschein 

ausstellen (BGE 90 III 79). Im vorliegenden Fall handle es sich jedoch um die Ausnahme, 

dass nicht wahlweise am besonderen Betreibungsort der Arrestlegung oder am ordentli-

chen Betreibungsort hätte betrieben werden können. Der Arrestort sei der einzige Betrei-

bungsort gewesen. Nach BGE 90 III 79 dürfe bei fehlendem Wohnsitz in der Schweiz eine 

Verlustbescheinigung ausgestellt werden. Der Betreibungsbeamte am Arrestort hätte eine 

solche „Verlustbescheinigung infolge Arrest und Pfändung“ ausstellen müssen. Mit dem 

stattdessen ausgestellten Verlustschein sei der Sinn und Zweck der Verlustbescheinigung 

erfüllt. Eine Verlustbescheinigung müsse für die Strafbarkeitsvoraussetzungen nach Art. 

163 ff. StGB genügen. Es wäre überspitzter Formalismus, wenn man den fälschlicher-

weise ausgestellten Verlustschein nicht als erfüllte Strafbarkeitsvoraussetzung sehen 

würde, wenn eine Verlustbescheinigung genügen würde.  

 

 Der Schuldner, der zum Schaden der Gläubiger sein Vermögen vermindert, indem er Ver-

mögenswerte beschädigt, zerstört, entwertet oder unbrauchbar macht, Vermögenswerte 

unentgeltlich oder gegen eine Leistung mit offensichtlich geringerem Wert veräussert, 

ohne sachlichen Grund anfallende Rechte ausschlägt oder auf Rechte unentgeltlich ver-

zichtet, wird, wenn über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein ausge-

stellt worden ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 164 

Ziff. 1 StGB). Unter den gleichen Voraussetzungen wird der Dritte, der zum Schaden der 

Gläubiger eine solche Handlung vornimmt, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe bestraft (Art. 164 Ziff. 2 StGB).  

 

Der Verlustschein stellt bei den Tatbeständen nach Art. 163 StGB ff. eine sogenannte 

objektive Strafbarkeitsbedingung dar. Ob eine gültige objektive Strafbarkeitsbedingung 

vorliegt, wird mit vorfrageweiser Prüfung durch den Strafrichter ermittelt (Hagenstein, in: 

Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N. 25 vor Art. 163-171bis; BGE 89 IV 77 

I.1). Strafrechtlich relevant sind nur nach dem SchKG gültige, d.h. weder nichtige noch 

(erfolgreich) anfechtbare Verlustscheine (Hagenstein, a.a.O., N. 25 vor Art. 163-171bis; 

 

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Trechsel/Ogg, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Trechsel/Pieth 

[Hrsg.], 2. Aufl. 2013, N. 11 zu Art. 163; Hagenstein, Die Schuldbetreibungs- und 

Konkursdelikte nach schweizerischem Strafgesetzbuch, 2013, S. 87). Die Nichtigkeit des 

Verlustscheines steht der Bestrafung nicht nur im Wege, wenn das zuständige 

Betreibungsamt oder die ihm übergeordnete Aufsichtsbehörde die Nichtigkeit festgestellt 

hat. Der Strafrichter darf und muss mangels eines solchen Entscheides vorfrageweise 

selber prüfen, ob der Verlustschein nichtig ist (BGE 89 IV 77 E. I.1.). Als Verlustschein im 

Sinne von Art. 164 StGB (und auch Art. 163 StGB) gilt nur der Pfändungsverlustschein, 

nicht aber der Pfandausfallschein (Art. 158 SchKG) oder der Konkursverlustschein (Art. 

265 SchKG; Hagenstein, Basler Kommentar, a.a.O., N. 17 vor Art. 163-171bis; derselbe, 

Die Schuldbetreibungs- und Konkursdelikte, a.a.O., S. 91 ff.). Bei Durchführung der 

Arrestbetreibung am Spezialdomizil des Arrestortes wird kein Verlustschein ausgestellt 

(Reiser, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs II, 2. 

Aufl. 2010, N. 7 zu Art. 279; Meier-Dieterle, in: Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz, 

Kurzkommentar, Hunkeler [Hrsg.], 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 279). Nichtig ist die 

Ausstellung eines Verlustscheines, ohne dass eine Pfändung oder Verwertung 

durchgeführt wurde (BGE 125 III 337; Amonn/Walther, Grundriss des Schuldbetreibungs- 

und Konkursrechts, 9. Aufl. 2013, Rz. 37 zu § 6).  

 

A___ liess wegen ausstehender Ratenzahlungen gegen D___ die Betreibung an dessen 

damaligem Wohnort in Buttisholz einleiten. Das Betreibungsamt Buttisholz/Nottwil teilte 

dem Gläubiger daraufhin am 6. August 2007 mit, dass sie dem Begehren keine Folge 

leisten könne, weil der Schuldner Buttisholz verlassen habe. Ihnen sei der neue 

Aufenthalt nicht bekannt (act. B 32/1). In der Folge liess A___ am 19. September 2007 

beim Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden ein Arrestbegehren bezüglich des sich in 

F___ befindlichen Renault Clio stellen (act. B 32/2). Am 26. April 2010 erhielt dann A___ 

vom Betreibungsamt Appenzeller Vorderland einen „Verlustschein infolge Pfändung“ über 

einen ungedeckt gebliebenen Betrag von CHF 32‘706.80 (act. B 8/1.2/16+17). 

 

Zu prüfen ist also vorab, ob vorliegend die in Art. 164 StGB aufgestellte objektive Straf-

barkeitsbedingung in Form eines gültigen Verlustscheines erfüllt ist. Die Arrestprosequie-

rung des Renault Clio erfolgte am Arrestort, also in F___, was nach Art. 52 SchKG 

zulässig ist. Hingegen hätte das Betreibungsamt Appenzeller Vorderland keinen 

„Verlustschein infolge Pfändung“ ausstellen dürfen, weil gegen D___ kein Pfän-

dungsverfahren durchgeführt wurde. Damit erweist sich der am 26. April 2010 ausge-

stellte „Verlustschein infolge Pfändung“ als nichtig und es fehlt an der in Art. 164 StGB 

aufgeführten objektiven Strafbarkeitsbestimmung des Verlustscheins. Der Hinweis des 

Berufungsklägers auf BGE 90 III 79 vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Viel-

 

Seite 11 

mehr hat das Bundesgericht in diesem Entscheid die vorstehend aufgeführte Rechtspre-

chung bestätigt. Im genannten Entscheid führt das Bundesgericht aus, ein Verlustschein 

bescheinige, dass das gesamte der schweizerischen Vollstreckung unterworfene Vermö-

gen des Schuldners nicht genügt habe, um den Gläubiger zu befriedigen. Kein Verlust-

schein sei daher auszustellen in einem am besonderen Betreibungsort der Arrestlegung 

durchgeführten Pfändungsverfahren, das nur die gemäss Angabe des Gläubigers 

arrestierten Gegenstände erfasst habe. Dem ist beizufügen, dass selbst eine in einem 

Arrestverfahren ausgestellte Verlustbescheinigung - als solche kann der in casu fälschli-

cherweise ausgestellte Verlustschein allenfalls bezeichnet werden - nicht genügen kann. 

Dies alleine schon mit Blick darauf, dass auch ein Pfandausfallschein bei den Tatbestän-

den nach Art. 163 ff. StGB nicht ausreicht. Von überspitztem Formalismus kann ange-

sichts der klaren Rechtsprechung keine Rede sein.  

 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es für eine Verurteilung des Berufungsbeklagten 

nach Art. 164 Ziff. 2 StGB an einer objektiven Strafbarkeitsbestimmung fehlt und somit 

zwingend ein Freispruch zu erfolgen hat. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt sich im 

Übrigen auch eine richterliche Auseinandersetzung mit der von der Vorinstanz in Erwä-

gung Ziff. 2.3 ihres Urteils dargelegten Verletzung des Anklageprinzips durch die Staats-

anwaltschaft.  

 

 

2.2 Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 3 S tGB 

Der Berufungskläger lässt geltend machen, die Vorinstanz lasse völlig ausser Acht, dass 

nach ihrer Sachverhaltsvariante das Auto sogar im Eigentum des Privatklägers gestanden 

haben soll. Damit könnte der Tatbestand der Sachbeschädigung von Art. 144 StGB in 

Betracht kommen. 

 

Wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht 

besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe 

bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 144 Abs. 1 StGB). Hat der Täter einen 

grossen Schaden verursacht, so kann auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jah-

ren erkannt werden. Die Tat wird von Amtes wegen verfolgt (Art. 144 Abs. 3 StGB).  

 

Vorliegend stellt sich bei der Prüfung von Art. 144 StGB aufgrund der unklaren Eigen-

tumsverhältnisse die Frage nach der Legitimation von A___ zur Erhebung einer Berufung. 

Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an 

der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. Die 

Privatklägerschaft ist Partei (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Bei ihr handelt es sich um die 

 

Seite 12 

geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt hat, sich als Straf- oder Zivilkläger am 

Strafverfahren beteiligen zu wollen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Voraussetzung für die 

Konstituierung ist somit die Geschädigtenstellung. Als geschädigte Person gilt die Person, 

die durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 

StPO). Vorliegend geht es um Sachbeschädigung im Sinne von Abs. 3 von Art. 144 StGB, 

somit um ein Offizialdelikt. Der Tatbestand der Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) schützt 

neben dinglichen Rechten auch persönliche Gebrauchsrechte, sofern der Berechtigte 

bereits im (Mit-)Besitz der Sache war. Deshalb sind z. B. der Mieter, der Entlehner, die im 

Besitz der beschädigten Sache waren, geschädigte Personen. Rein obligatorische 

Ansprüche auf Herausgabe der Sache sind hingegen nicht von Art. 144 StGB geschützt 

und begründen deshalb keine Geschädigtenstellung (Mazzucchelli/Postizzi, in: Basler 

Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 55 zu Art. 115).  

 

Aus den Akten ergibt sich zu den Eigentumsverhältnissen bezüglich des Renault Clio fol-

gendes: In der von A___ am 14. Juni 2010 eingereichten Strafanzeige hat er selbst D___ 

als Eigentümer des Rennwagens bezeichnet (act. B 8/1.1, S. 8). In der Einvernahme von 

D___ durch die Kantonspolizei Schwyz gab dieser an, im schriftlichen Vertrag mit A___ 

sei ein Eigentumsvorbehalt abgemacht worden (act. B 8/53.8, S. 4 ff.). RA AA___ führte 

dann in der Beschwerdeschrift vom 25. Juli 2012 (O1S 12 10) aus, es sei vereinbart 

worden, dass D___ das Darlehen in Raten abbezahle und das Auto solange im Eigentum 

von A___ verbleibe (act. B 8/66.1, S. 2; und auch: Urteil des Obergerichts vom 10. 

Dezember 2012 (O1S 12 10), act. B 8/67, S. 2). In einem Telefongespräch zwischen dem 

zuständigen Einzelrichter des Kantonsgerichts und dem Betreibungsbeamten wies 

letzterer daraufhin, dass A___ für das Fahrzeug von D___ auf dem Betreibungsamt an 

dessen damaligen Wohnort einen Eigentumsvorbehalt habe eintragen lassen (act. B 

8/88). Im von RA AA___ vor dem Einzelrichter des Kantonsgerichts gehaltenen Plädoyers 

führte dieser aus, B___ habe bereits im Zeitraum, als D___ das Auto gekauft habe, 

gewusst, dass ein Eigentumsvorbehalt gegenüber dem Privatkläger bestanden habe (act. 

B 8/92/3, S. 6). In der Berufungserklärung schliesslich brachte RA AA___ vor, die 

Eigentumsverhältnisse seien klar: Das Eigentum sei von der Renault Nissan Suisse SA 

auf D___ übergegangen, als dieser das Fahrzeug abgeholt und zu sich genommen habe. 

Der Privatkläger sei nie Eigentümer des Fahrzeuges geworden, also habe er sich dieses 

nicht vorbehalten können. Der im Laienvertrag festgehaltene Eigentumsvorbehalt wäre 

nie durchsetzbar gewesen (act. B 1, S. 7).  

 

Aufgrund der Akten steht fest, dass A___ nicht einmal behauptet, er habe am früheren 

Wohnort von D___ einen entsprechenden Eintrag im Eigentumsvorbehaltsregister nach 

Art. 715 ZGB vornehmen lassen. Er geht vielmehr selbst davon aus, dass er nie 

 

Seite 13 

Eigentümer des Fahrzeugs geworden ist. Diese Ansicht ist korrekt, da ein Eigentums-

vorbehalt erst gültig ist, wenn der Eintrag erfolgt ist (Belser/Bienz, in: Handkommentar 

zum Schweizer Privatrecht, 2007, N. 13 zu Art. 715). Ist aber A___ nicht Eigentümer oder 

sonstwie dinglich oder persönlich Berechtigter am fraglichen Fahrzeug, ist er hinsichtlich 

einer Beschädigung am fremden Auto nicht unmittelbar geschädigt im Sinne von Art. 115 

Abs. 1 StPO und folglich auch nicht Privatkläger. Dies hat zur Folge, dass er bezüglich 

Art. 144 Abs. 3 StGB nicht zur Ergreifung eines Rechtsmittels legitimiert ist.  

 

 

2.3 Fazit 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Berufung abzuweisen und B___ von der 

Anklage der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung im Sinne von Art. 164 

Ziff. 2 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB 

freizusprechen ist.  

 

 

 

3. Zivilforderung 

Der Berufungskläger macht gegenüber dem Berufungsbeklagten eine Forderung in der 

Höhe von CHF 32‘706.80 geltend, welche dem im Arrestverfahren ungedeckt gebliebenen 

Betrag entspricht.  

 

Nach Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO werden bei einem Freispruch Zivilansprüche entschieden, 

wenn sie genügend abgeklärt sind. Auf die zutreffenden rechtlichen Ausführungen der 

Vorinstanz in deren Erwägung Ziff. 3, 2. Absatz, zu Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO, wonach es 

bei einem Freispruch aus rechtlichen Gründen an der Grundlage für einen 

Adhäsionsprozess fehlt und die Zivilklage abzuweisen ist, kann vollumfänglich verwiesen 

werden. Das Obergericht ist in den vorstehenden Erwägungen Ziff. 2.1 und 2.2 zum 

Ergebnis gekommen, dass es bezüglich Art. 164 Ziff. 2 (wie auch Ziff. 1) StGB an einer 

objektiven Strafbarkeitsbestimmung mangelt und bezüglich Art. 144 Abs. 3 StGB an der 

erforderlichen Legitimation des Berufungsklägers zur Einreichung der Berufung. Wie die 

Vorinstanz in der vorgenannten Erwägung ebenfalls zutreffend ausgeführt hat, sind bei 

fehlender Tatbestandsmässigkeit und Rechtswidrigkeit auch die Voraussetzungen von 

Art. 41 ff. OR nicht erfüllt. Die Berufung ist daher auch in diesem Punkt abzuweisen.   

 

  

 

Seite 14 

 

4. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

 4.1 Erst- und zweitinstanzliche Verfahrenskosten 

 Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsie-

gens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen 

neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kos-

tenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Da die Berufung abgewiesen wurde und der Beru-

fungskläger somit vollumfänglich unterlegen ist, sind ihm die zweitinstanzlichen Verfah-

renskosten, bestehend aus einer Gebühr von CHF 1‘500.00 (Art. 29 lit. b Gebührenord-

nung, bGS 233.3), aufzuerlegen. Der Berufungskläger lässt nun aber einwenden, allein 

schon für den Fall, dass seiner Argumentation nicht gefolgt werden könnte, könnten ihm 

keine Kosten auferlegt werden. Vielmehr stelle sich die Frage der Staatshaftung, welche 

aber erst nach Vorliegen des Entscheides zu prüfen sei. Da der Berufungskläger mit der 

Einreichung der Berufung keinen günstigeren Entscheid erwirkt hat, kann keine der in 

Abs. 2 von Art. 428 StPO vorgesehenen Ausnahmen von der Regelung gemäss Abs. 1 

dieser Bestimmung zur Anwendung kommen. Die teilweise neue rechtliche Beurteilung ist 

nicht nur nicht günstiger, sondern der angefochtene Entscheid ist im Ergebnis, trotz neuer 

Begründung zu Abs. 2 von Art. 164 StGB und Prüfung von Art. 144 Abs. 3 StGB, unver-

ändert geblieben (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_10/2015 vom 24. März 2015 E. 

4.2.2; 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.4). So wurde der Berufungsbeklagte 

wiederum in allen Anklagepunkten freigesprochen.  

 

Die erstinstanzlichen Verfahrenkosten von insgesamt CHF 800.00 wurden gemäss Ziff. 2 

des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs auf die Staatskasse genommen. Die Vorinstanz hat 

in ihrer Erwägung Ziff. 4.1 nicht geprüft, ob eine Kostenauferlegung an den Privatkläger 

gestützt auf Art. 427 StPO in Frage gekommen wäre. Da keine der Parteien diesen Punkt 

gerügt hat, kann es jedoch dabei bleiben.  

 

 

 4.2 Erst- und zweitinstanzliche Entschädigung  

 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so hat sie Anspruch auf 

Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrens-

rechte (Art. 436 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Aufgrund des Verfahrensausganges 

hat der Beschuldigte Anspruch auf Entschädigung seiner Verteidigungskosten vor Ober-

gericht. Von wem hat der Berufungsbeklagte nun diese Entschädigung zugut? Dazu ist 

festzuhalten, dass den Art. 429-434 StPO keine Bestimmung im Sinne von Art. 428 Abs. 1 

StPO zu entnehmen ist, wonach sich der Anspruch auf Entschädigung nach Massgabe 

des Obsiegens oder Unterliegens richtet. Zwar sieht Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 432 StPO 

 

Seite 15 

unter gewissen Voraussetzungen vor, dass die obsiegende beschuldigte Person im Zivil-

punkt (Abs. 1 von Art. 432 StPO) sowie bei Antragsdelikten im Schuldpunkt (Abs. 2 von 

Art. 432 StPO) gegenüber der Privatklägerschaft Anspruch auf eine angemessene Ent-

schädigung hat. In casu käme eine Entschädigung jedoch gestützt auf Art. 432 Abs. 2 

StPO nicht zur Anwendung, da es sich bei sämtlichen zu prüfenden Delikten um Offizial-

delikte handelt. Einzig bezüglich der Zivilklage wäre eine teilweise Entschädigung mög-

lich. Das Bundesgericht hat nun aber entschieden, dass im Rechtsmittelverfahren die 

ausschliesslich Beschwerde erhebende Privatklägerschaft unabhängig davon, ob An-

trags- oder Offizialdelikte zu beurteilen waren, eine Entschädigungspflicht trifft (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_802/2011 vom 8.11.2012 = Pra 2013 Nr. 60; 6B_93/2012 vom 

26.9.2012 E. 5.3). Dasselbe muss selbstverständlich auch für das Berufungsverfahren 

gelten. Demzufolge hat der unterliegende Berufungskläger in sinngemässer Anwendung 

von Art. 428 Abs. 1 StPO den Berufungsbeklagten für das vorliegende Berufungsverfah-

ren für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte zu entschädigen.  

 

 RA E___ macht in seiner Kostennote vom 6. November 2014 ein Honorar von 

CHF 1‘508.85 (inkl. Barauslagen und MWSt) für einen Aufwand von 6.43 Stunden geltend 

(act. B 24). Diese ist tarifkonform. Demzufolge hat der unterliegende Berufungskläger den 

obsiegenden Berufungsbeklagten für das vorliegende Berufungsverfahren mit 

CHF 1‘508.85 zu entschädigen. Hingegen hat der Berufungskläger keinen Anspruch auf 

eine Entschädigung für die Kosten seiner Vertretung im Berufungsverfahren (Art. 436 

Abs. 1 i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO).  

 

 Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten, wie auch dem Privatkläger keine Parteientschädi-

gung zugesprochen (vorinstanzliche Erwägung Ziff. 4.2). Dabei kann es bleiben, da keine 

der Parteien in diesem Punkt eine andere Beurteilung verlangt hat  

 

 

 

 
 
 

 

Seite 16 

In Abweisung der Berufung erkennt das Obergericht: 
 

1. Es wird Vormerk genommen, dass das Urteil des Einzelrichters des Kantonsgerichts 
Appenzell Ausserrhoden vom 15. April 2014 (ES1 13 9) 

 
- in Dispositiv Ziff. 1 (Freispruch von der Anklage des Verfügens über mit Beschlag be-

legte Vermögenswerte im Sinne von Art. 169 StGB und der Gläubigerschädigung 
durch Vermögensverminderung im Sinne von Art. 164 Ziff. 1 StGB) 

 
mangels Berufung in Rechtskraft erwachsen ist.  

 
 

2. Der Beschuldigte B___ wird freigesprochen von der Anklage 
 

- der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung im Sinne von Art. 164 Ziff. 
2 StGB sowie 

- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB. 
 
 

3. Die Zivilforderung in der Höhe von CHF 32‘706.80 wird abgewiesen. 
 
 

4. Die Verfahrenskosten, bestehend aus 
 

CHF    500.00 Kosten der Voruntersuchung  
CHF    300.00 erstinstanzliche Gerichtsgebühr 
CHF 1‘500.00 zweitinstanzliche Gerichtsgebühr 
CHF 2‘300.00 insgesamt, 

 
werden im Betrag von CHF 800.00 auf die Staatskasse genommen und im Betrag von 
CHF 1‘500.00 dem Berufungskläger A___ auferlegt. 

 
 

5. Der Berufungskläger A___ hat dem Berufungsbeklagten B___ für die Kosten seiner 
Verteidigung im zweitinstanzlichen Verfahren eine Entschädigung von CHF 1‘508.85 (inkl. 
Barauslagen und MWSt) zu bezahlen. Für das erstinstanzliche Verfahren wird B___ keine 
Entschädigung zugesprochen.  

 
 

6. Dem Berufungskläger A___ wird für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren keine 
Entschädigung zugesprochen.  

 
 

7. Rechtsmittel:  
 Den Parteien steht innert einer Frist von 30 Tagen  seit Zustellung dieses Urteils die Be-

schwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundesgericht offen (Art. 78-81 BGG). 
Die Beschwerde in Strafsachen ist bei der Bundesgerichtskanzlei, Avenue du Tribunal-
Fédéral 29, 1000 Lausanne 14, schriftlich einzureichen (Art. 42 BGG). 
 

  

 

Seite 17 

 

8. Zustellung am 13. November 2015 an: 

- die Staatsanwaltschaft (U 10 586) 
- den Berufungskläger über seinen Rechtsvertreter RA AA___ 
- den Berufungsbeklagten über seinen Verteidiger RA E___ 
- die Vorinstanz (ES1 13 9)  

 

 

Der Obergerichtsvizepräsident: 

 

 

lic. iur. W. Kobler 

Die Obergerichtsschreiberin:  

 

 

B. Widmer, Fürsprecherin