# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** de896343-e41e-5fc3-aefa-05a2a860c2de
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-07-16
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 16.07.2024 BG.2024.25
**Docket/Reference:** BG.2024.25
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2024-25_2024-07-16

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO)

Beschluss vom 16. Juli 2024 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Nathalie Zufferey und Felix Ulrich, 

Gerichtsschreiber Stephan Ebneter 

 

   

 
Parteien  KANTON URI, Staatsanwaltschaft, 

 

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

CANTONE TICINO, Ministero pubblico, 

 

Gesuchsgegner 

 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2024.25 

 

 

 

 

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Sachverhalt: 

 

A. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri (nachfolgend «StA UR») führt das 

Strafverfahren ST 2023 2171 gegen A. wegen Verdachts der qualifizierten 

Förderung der rechtswidrigen Einreise, der groben Verkehrsregelverletzung 

(mehrfache Begehung) und der Hinderung einer Amtshandlung (mehrfache 

Begehung). Kurz zusammengefasst wird A. vorgeworfen, am 15. Dezember 

2023 mit einem Lieferwagen, in dessen Laderaum sich 14 ausländische Per-

sonen befanden, über die Grenzübergangsstelle Z./TI in die Schweiz einge-

reist, im Kanton Uri sich einer Polizeikontrolle entzogen, auf der Fluchtfahrt 

diverse Verkehrsregeln gebrochen und die Polizei mehrfach an Amtshand-

lungen gehindert zu haben. 

 

 

B. Mit Schreiben vom 2. Mai 2024 ersuchte die StA UR die Staatsanwaltschaft 

des Kantons Tessin (nachfolgend «StA TI») um Prüfung der Gerichtsstands-

frage (Verfahrensakten StA UR, Ordner StA 1, Reiter 9, nicht paginiert). Die 

StA UR brachte im Wesentlichen vor, die mit der schwersten Strafe bedrohte 

Tat (qualifizierte Förderung der rechtswidrigen Einreise) sei an mehreren 

Orten verübt worden, wobei die StA TI zuerst Verfolgungshandlungen vor-

genommen habe, indem die Anzeige des Bundesamtes für Polizei fedpol am 

Freitag, 15. Dezember 2023 um 9.20 Uhr bei der Kantonspolizei Tessin ein-

gegangen sei, während dieselbe gleichentags um 9.44 Uhr bei der Einsatz-

zentrale Y./UR eingegangen sei. 

 

 

C. Am 3. Mai 2024 lehnte die StA TI die Verfahrensübernahme ab (Verfahren-

sakten StA UR, Ordner StA 1, Reiter 9, nicht paginiert).  

 

 

D. Mit Schreiben vom 15. Mai 2024 ersuchte die StA UR die StA TI um er-

neute Prüfung des Gerichtsstands (Verfahrensakten StA UR, Ordner StA 1, 

Reiter 9, nicht paginiert). 

 

 

E. Am 16. Mai 2024 lehnte die StA TI die Verfahrensübernahme erneut ab (Ver-

fahrensakten StA UR, Ordner StA 1, Reiter 9, nicht paginiert). 

 

 

F. Mit Gesuch vom 27. Mai 2024 gelangt die StA UR an die Beschwerdekam-

mer des Bundesstrafgerichts und beantragt, es sei die StA TI für berechtigt 

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und verpflichtet zu erklären, die dem Beschuldigten zur Last gelegten Straf-

taten zu verfolgen und zu beurteilen (act. 1). 

 

 

G. Mit Gesuchsantwort vom 3. Juni 2024 beantragt die StA TI sinngemäss, die 

Strafbehörden des Kantons Uri seien für berechtigt und verpflichtet zu erklä-

ren, die dem Beschuldigten zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu 

beurteilen (act. 3). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten 

einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). 

Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich 

die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-

mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung 

(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-

dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die 

Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die 

Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO 

i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die 

ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist 

von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden (vgl. 

hierzu TPF 2019 62 E. 1; TPF 2011 94 E. 2.2 S. 96). Die Behörden, welche 

berechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor 

der Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen 

kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO). 

 

1.2 Der Oberstaatsanwalt der StA UR ist berechtigt, den Gesuchsteller bei inter-

kantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwerdekammer zu vertre-

ten (Art. 54c Abs. 2 des Gesetzes über die Organisation der richterlichen 

Behörden des Kantons Uri vom 17. Mai 1992 [GOG/UR; RB 2.3.221]). 

Auf Seiten des Gesuchsgegners steht diese Befugnis den einzelnen Staats-

anwältinnen und Staatsanwälten zu (Art. 67 Abs. 1 und 6 der Legge 

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sull'organizzazione giudiziaria des Kantons Tessin vom 10. Mai 2006 

[RL 177.100]) zu. 

 

1.3  

1.3.1 Bezüglich Form und Substantiierung eines Gesuchs im Sinne von Art. 40 

Abs. 2 StPO gilt, dass dieses vollständig zu dokumentieren ist, sodass ohne 

weitere Beweismassnahmen darüber entschieden werden kann. Die ersu-

chende Behörde hat das Gesuch so zu verfassen, dass ihm ohne Durchsicht 

der kantonalen Akten die für die Bestimmung des Gerichtsstandes erforder-

lichen und wesentlichen Tatsachen entnommen werden können, weshalb 

dieses in kurzer, aber vollständiger Übersicht darzulegen hat, welche straf-

baren Handlungen dem Beschuldigten vorgeworfen werden, wann und wo 

diese ausgeführt wurden und wo allenfalls der Erfolg eingetreten ist, wie die 

aufgrund der Aktenlage in Frage kommenden strafbaren Handlungen recht-

lich zu würdigen sind sowie welche konkreten Verfolgungshandlungen von 

welchen Behörden wann vorgenommen wurden. Zudem sind die für die 

Gerichtsstandsbestimmung wesentlichen Akten zweckmässig paginiert, mit 

Verzeichnis versehen und geordnet in einem separaten Dossier beizulegen, 

wobei der blosse Hinweis auf die vollständig beigelegten kantonalen Akten 

unzulässig ist und die Erläuterungen daher stets mit der Angabe der entspre-

chenden Aktenstelle zu versehen sind (vgl. u.a. die Beschlüsse des 

Bundesstrafgerichts BG.2021.11 vom 11. März 2021 E. 1.3; BG.2020.57 

vom 1. Februar 2021 E. 1.2; BG.2019.1 vom 26. März 2019 E. 1.2; vgl. 

auch BAUMGARTNER, Die Zuständigkeit im Strafverfahren, 2014, S. 498; 

GUIDON/BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts 

zum interkantonalen Gerichtsstand in Strafsachen, Jusletter vom 21. Mai 

2007, N. 20). 

 

1.3.2 Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Straftat werden von den gleichen 

Behörden verfolgt und beurteilt wie die Täterin oder der Täter (Art. 33 Abs. 1 

StPO). Ein Täter, der an der einen Tat als Haupttäter beteiligt ist und an der 

anderen als Anstifter oder Gehilfe, ist eventuell an zwei Orten zu verfolgen, 

in dem Falle nämlich, wo für die beiden (Haupt-)Taten zwei verschiedene 

Gerichtsstände bestehen (Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2013.7 

vom 4. Juli 2013 E. 2.2; MOSER/SCHLAPBACH, Basler Kommentar, 3. Aufl. 

2023, Art. 33 StPO N. 3; SCHLEGEL, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2020, 

Art. 33 StPO N. 10). 

 

1.3.3 Vorliegend steht u.a. die qualifizierte Förderung der rechtswidrigen Einreise 

gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 AIG im Raum. Bei Art. 116 AIG 

handelt es sich um die verselbstständigte Gehilfenschaft zum Tatbestand 

von Art. 115 AIG (VETTERLI/D'ADDARIO DI PAOLO, in: Caroni/Gächter/Thurn-

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herr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], 

2010, Art. 116 AuG N. 4). Nach der Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts 

fallen unter den Begriff der Teilnahme i.S.v. Art. 33 Abs. 1 StPO auch geset-

zessystematisch verselbstständigte Formen der Teilnahme, namentlich 

Art. 116 AIG. Die örtliche Zuständigkeit richtet sich daher nach Art. 33 Abs. 1 

StPO (TPF 2021 177 E. 4 m.w.H.; a.M. VETTERLI/D'ADDARIO DI PAOLO, 

a.a.O., Art. 120d AuG N. 3; MOSER/SCHLAPBACH, a.a.O., Art. 33 StPO N. 6a 

[zumindest in Bezug auf Art. 117 AIG). 

 

1.3.4 Vor diesem Hintergrund hätte sich der Gesuchsteller namentlich auch zum 

Gerichtsstand der «Haupttäter» – die ausländischen Personen, die sich zur 

Tatzeit im von A. gelenkten Lieferwagen befanden und sich der rechtswidri-

gen Einreise i.S.v. Art. 115 Abs. 1 lit. a AIG schuldig gemacht haben könnten 

– äussern müssen. Dem Gesuch lässt sich dazu indes nichts entnehmen. Es 

ist somit nicht hinreichend begründet. Die Beschwerdekammer kann aber 

zur Vermeidung weiterer Verfahrensverzögerungen ausnahmsweise auf ein 

nicht formgerechtes Gesuch eintreten und den Gerichtsstand festlegen, 

wenn sich eine beschuldigte Person in Haft befindet und daher das Be-

schleunigungsgebot in besonderem Masse zu beachten ist (vgl. Art. 5 Abs. 2 

StPO; Art. 5 Abs. 3 EMRK). Diese Vorgehensweise soll die Kantone jedoch 

nicht von ihren Substantiierungspflichten entbinden (Beschluss des Bun-

desstrafgerichts BG.2022.7 vom 23. Februar 2022 E. 2 mit Hinweisen). Den 

Akten ist zu entnehmen, dass sich A. im vorzeitigen Strafvollzug befindet. 

Nach dem Gesagten tritt die Beschwerdekammer auf das vorliegende Ge-

such ein. 

 

 

2.  

2.1 Gemäss Art. 120e Abs. 1 AIG obliegt die Verfolgung und Beurteilung der 

Widerhandlungen nach den Art. 115–120 AIG und 120d AIG den Kantonen. 

Ist eine Widerhandlung in mehreren Kantonen begangen worden, so ist zur 

Verfolgung derjenige Kanton zuständig, der diese zuerst aufnimmt. Die Be-

stimmung nimmt die Regelung von Art. 31 Abs. 2 StPO auf (TPF 2021 177; 

vgl. TPF 2010 108 E. 2.3 und 3.2). 

 

2.2 Gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a AIG wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr 

oder Geldstrafe bestraft, wer Einreisevorschriften nach Art. 5 AIG verletzt. 

Die Einreise in die Schweiz erfolgt mit Überschreiten der politischen Landes-

grenze oder – bei Schengener Aussengrenzen (Flüge aus Drittstaaten) und 

bei vorübergehender Wiedereinführung der Grenzkontrollen an den Schen-

gener Binnengrenzen – mit Passieren der vorgeschriebenen Grenzüber-

gangsstelle (VETTERLI/D’ADDARIO DI PAOLO, a.a.O., Art. 115 AuG N. 3; ZÜND, 

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in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Migrationsrecht, Kom-

mentar, 5. Aufl. 2019, Art. 115 AIG N. 3). Gestützt auf die vorliegenden Akten 

ist davon auszugehen, dass die ausländischen Personen, die sich im Lade-

raum des von A. gelenkten Lieferwagens befanden, am 15. Dezember 2023 

um 08.32 Uhr in Z./TI die politische Landesgrenze überschritten haben. 

 

Gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr 

oder Geldstrafe bestraft, wer sich rechtswidrig, namentlich nach Ablauf des 

bewilligungsfreien oder des bewilligten Aufenthalts, in der Schweiz aufhält. 

Der Begriff des Aufenthalts setzt eine gewisse Dauer der Anwesenheit 

voraus. Wenige Stunden reichen dabei nicht aus (SAUTHIER, in: Nguyen/ 

Amarelle [Hrsg.], Code annoté de droit des migrations, 2017, Art. 115 LEtr 

N. 14; VETTERLI/D’ADDARIO DI PAOLO, a.a.O., Art. 115 AuG N. 19; ZÜND, 

a.a.O., Art. 115 AIG N. 7). Gestützt auf die vorliegenden Akten stellte A. den 

Lieferwagen um 10.11 Uhr in Y./UR ab und stieg aus. Die 14 ausländischen 

Personen im Laderaum des von A. gelenkten Lieferwagens wurden um 

10.15 Uhr festgestellt. Es ist also davon auszugehen, dass sich die 14 aus-

ländischen Personen im Laderaum des von A. gelenkten Lieferwagens bis 

zu diesem Zeitpunkt rund 1 Stunde und 43 Minuten in der Schweiz aufhiel-

ten. Von einem rechtwidrigen Aufenthalt im Sinne des Gesetzes kann nicht 

ausgegangen werden. 

 

Gestützt auf die vorliegenden Akten ist also anzunehmen, dass den 14 aus-

ländischen Personen im Laderaum des von A. gelenkten Lieferwagens aus-

schliesslich eine rechtswidrige Einreise i.S.v. Art. 115 Abs. 1 lit. a AIG vor-

geworfen werden könnte, verübt am 15. Dezember 2023 um 08.32 Uhr in 

Z./TI. 

 

2.3 Die Regelung von Art. 31 Abs. 2 StPO – welche in Art. 120e Abs. 1 AIG 

übernommen wurde (vgl. vorn E. 2.1) – findet keine Anwendung. Vielmehr 

kommt Art. 31 Abs. 1 StPO zur Anwendung, wonach für die Verfolgung und 

Beurteilung einer Straftat die Behörden des Ortes zuständig sind, an dem 

die Tat verübt worden ist (a.M. wohl im Ergebnis BAUMGARTNER, a.a.O., 

S. 143, wonach der Kontrollort gerichtsstandsbegründend ist). Der gesetzli-

che Gerichtsstand für die Verfolgung und Beurteilung der 14 ausländischen 

Personen im Laderaum des von A. gelenkten Lieferwagens liegt demnach 

im Kanton Tessin. 

 

2.4 Liegt der gesetzliche Gerichtsstand für die Verfolgung und Beurteilung der 

14 ausländischen Personen im Laderaum des von A. gelenkten Lieferwa-

gens wegen Verdachts der rechtswidrigen Einreise i.S.v. Art. 115 Abs. 1 lit. a 

AIG im Kanton Tessin, liegt der gesetzliche Gerichtsstand für die Verfolgung 

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und Beurteilung von A. wegen Verdachts der qualifizierten Förderung der 

rechtswidrigen Einreise i.S.v. Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 AIG ebenfalls 

im Kanton Tessin (vgl. vorn E. 1.3.3). 

 

Im Übrigen wurde die mutmassliche qualifizierte Förderung der rechtswidri-

gen Einreise auch im Kanton Tessin, nämlich in Z./TI verübt, wo A. die 14 

ausländischen Personen im Laderaum des von ihm gelenkten Lieferwagens 

über die Grenze befördert haben soll (vgl. VETTERLI/D’ADDARIO DI PAOLO, 

a.a.O., Art. 116 AuG N. 14). Nicht nachvollziehbar ist daher die Behauptung 

des Gesuchsgegners, A. habe im Kanton Tessin keine Tat verübt («nel Can-

ton Ticino fino al momento del fermo l’imputato non ha commesso alcun re-

ato»). 

 

2.5 A. werden neben der qualifizierten Förderung der rechtswidrigen Einreise 

i.S.v. Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 AIG noch weitere, im Kanton Uri 

verübte Straftaten (mit geringerer Strafdrohung) vorgeworfen. Ein Täter, der 

an der einen Tat als Haupttäter beteiligt ist und an der anderen als Anstifter 

oder Gehilfe, ist eventuell an zwei Orten zu verfolgen, in dem Falle nämlich, 

wo für die beiden (Haupt-)Taten zwei verschiedene Gerichtsstände bestehen 

(vgl. vorn E. 1.3.2). Gestützt auf die vorliegenden Akten ist davon auszuge-

hen, dass hier eine solche Konstellation vorliegt. 

 

2.6 Die Staatsanwaltschaften können untereinander einen anderen als den in 

den Art. 31–37 StPO vorgesehenen Gerichtsstand vereinbaren, wenn der 

Schwerpunkt der deliktischen Tätigkeit oder die persönlichen Verhältnisse 

der beschuldigten Person es erfordern oder andere triftige Gründe vorliegen 

(Art. 38 Abs. 1 StPO) – solange ein örtlicher Anknüpfungspunkt besteht 

(BGE 120 IV 280 E. 2b). 

 

2.7 Ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand ist unter anderem mög-

lich, wenn ein Kanton seine Zuständigkeit konkludent anerkannt hat 

(SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsa-

chen, 2. Aufl. 2004, N. 429 ff.). Betrachtet sich die Behörde als unzuständig, 

so hat sie den Fall rasch an die zuständige Stelle weiterzuleiten. Wartet sie 

mit der Gerichtsstandsanfrage zu lange zu bzw. unterlässt sie diese, so ist 

von einer konkludenten Anerkennung auszugehen (TPF 2011 178 E. 2.1). 

 

2.8 Eine konkludente Anerkennung des Gerichtsstandes darf nicht leichthin 

angenommen werden. Nach dem Eingang einer Strafanzeige haben die 

Strafverfolgungsbehörden von Amtes wegen, summarisch und beschleunigt 

zu prüfen, ob ihre örtliche Zuständigkeit und damit die Gerichtsbarkeit ihres 

Kantons gegeben ist, um Verzögerungen des Verfahrens zu vermeiden. Die 

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mit der Prüfung befasste Behörde muss alle für die Festlegung des Gerichts-

standes wesentlichen Tatsachen erforschen, die dazu notwendigen Erhe-

bungen durchführen und insbesondere den Ausführungsort ermitteln. Hat 

der Beschuldigte in mehreren Kantonen delinquiert, so hat jeder Kanton 

vorerst die Ermittlungen voranzutreiben, die für die Bestimmung des 

Gerichtsstandes wesentlich sind. Beschränkt sich ein Kanton nicht darauf, 

sondern nimmt er während längerer Zeit weitere Ermittlungen vor, obwohl 

längst Anlass bestand, die eigene Zuständigkeit abzuklären, so kann darin 

eine konkludente Anerkennung erblickt werden (BGE 119 IV 102 E. 4b). 

Beschränkt sich die Behörde dagegen im Wesentlichen auf die Abklärung 

von Tatsachen, die für die Bestimmung des Gerichtsstandes von Bedeutung 

sind oder führt eine Behörde während der Abklärung der Gerichtsstands-

frage die Strafuntersuchung mit der gebotenen Beschleunigung weiter, so 

kann darin keine konkludente Anerkennung des Gerichtsstandes gesehen 

werden (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 443). Diese Ermittlungshandlungen 

haben für sich allein keine zuständigkeitsbegründende Wirkung, denn es 

wäre unbillig, jene Behörden, welche Abklärungen für die Ermittlung des 

Gerichtsstandes vornehmen, allein deswegen schon zu verpflichten, nach-

her auch das ganze Verfahren durchzuführen (TPF 2017 170 E. 3.3.2). 

 

2.9 Gestützt auf die vorliegenden Akten ist davon auszugehen, dass bereits am 

15. Dezember 2023 Anhaltpunkte dafür bestanden, dass A. und mit ihm die 

14 ausländischen Personen im Laderaum des von ihm gelenkten Lieferwa-

gens in Z./TI in die Schweiz eingereist waren, womit Anlass bestand, die 

Strafbehörden des Gesuchsgegners unverzüglich über die wesentlichen Ele-

mente des Falles zu informieren und sich um eine möglichst rasche Einigung 

betreffend Zuständigkeit zu bemühen. Die Kontaktaufnahme mit den Straf-

behörden des Gesuchsgegners erfolgte jedoch erst am 2. Mai 2024, mehr 

als vier Monate später. Angesichts des Umstands, dass der Gesuchsteller 

mit der Klärung der Zuständigkeit so lange zuwartete, muss eine konkludente 

Anerkennung des Gerichtsstands bejaht werden. 

 

2.10 Nach dem Gesagten sind die Strafbehörden des Kantons Uri für berechtigt 

und verpflichtet zu erklären, die A. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen 

und zu beurteilen. 

 

 

3. Praxisgemäss ist bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten keine 

Gerichtsgebühr zu erheben (TPF 2023 130 E. 5.1). 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafbehörden des Kantons Uri sind berechtigt und verpflichtet, die A. zur 

Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. 

 

 

Bellinzona, 17. Juli 2024 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Staatsanwaltschaft des Kantons Uri 

- Ministero pubblico del Cantone Ticino 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.