# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 84d57479-fdb3-5423-99ff-4383038d9f0b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.12.2008 D-4271/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4271-2008_2008-12-18.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4271/2008
sch/bah
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Richter Hans Schürch (Vorsitz), 
Richter Gérard Scherrer, Richter Walter Lang, 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren (...),
Jordanien,
vertreten durch Michael Steiner, Rechtsanwalt, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 24. Juni 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4271/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der  Beschwerdeführer  Jordanien eigenen Angaben zufolge am 
17. August 1998 verliess und am 3. August 1999 in der Schweiz zum 
ersten Mal um Asyl nachsuchte,

dass  im  Empfangszentrum  (vormals  Empfangsstelle)  A._______  am 
6. August 1999 sowohl die Erst- als auch die Direktbefragung durchge-
führt wurden,

dass der Beschwerdeführer gemäss einer Mitteilung der zuständigen 
kantonalen Behörde vom 2. September 1999 seit dem 16. August 1999 
unbekannten Aufenthalts war,

dass das BFM mit Verfügung vom 5. Oktober 1999 gestützt auf Art. 32 
Abs. 2 Bst. c des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, die Wegwei-
sung und  deren Vollzug anordnete  und  einer  allfälligen  Beschwerde 
die aufschiebende Wirkung entzog,

dass diese an die letzte bekannte Adresse des Beschwerdeführers ad-
ressierte  Verfügung von der  Schweizerischen Post  mit  dem Vermerk 
"Abgereist ohne Adressangabe" an das BFF retourniert wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  am  16. Mai 2008  in  der  Schweiz  zum 
zweiten Mal um Asyl nachsuchte,

dass er bei der Erstbefragung, die am 11. Juni 2008 im Empfangszent-
rum A._______ durchgeführt wurde, geltend machte, er habe sich seit 
dem Verlassen der Schweiz im August 1999 bis zu seiner Wiederein-
reise in Italien aufgehalten,

dass er in Italien zuerst eine auf sechs Monate befristete Aufenthalts-
bewilligung erhalten habe, die nicht verlängert worden sei, weshalb er 
sich anschliessend illegal in Italien aufgehalten habe,

dass er Italien verlassen habe, da es dort die Mafia gebe, mit der er 
persönlich jedoch keine Probleme gehabt habe,

dass er in Italien im Jahr 2000 ein Asylgesuch gestellt habe, welches 
ein Jahr später abgelehnt worden sei,

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dass dem Beschwerdeführer am 11. Juni 2008 das rechtliche Gehör 
hinsichtlich der Fällung eines Nichteintretensentscheides gemäss Art. 
32 Abs. 2 Bst. e AsylG gewährt wurde,

dass das BFM mit Verfügung vom 24. Juni 2008 – eröffnet am gleichen 
Tag – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das zweite 
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat und die Wegweisung 
aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete sowie ihm eine Gebühr 
von Fr. 600.-- auferlegte,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Be-
schwerdeführer habe in der Schweiz bereits erfolglos ein Asylverfah-
ren durchlaufen und seither hätten sich keine Ereignisse zugetragen, 
die geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder die 
für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant seien,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 25. Juni 2008 gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 
dabei beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Sa-
che sei  zu neuem Entscheid an das BFM zurückzuweisen,  falls  ihm 
kein Asyl gewährt werde, sei er in der Schweiz vorläufig aufzunehmen 
und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten,

dass für den Inhalt der Beschwerde auf die Akten zu verweisen ist,

dass der damalige Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts 
am 2. Juli 2008 verfügte, der Beschwerdeführer könne das Verfahren 
in der Schweiz abwarten, und dem Gesuch um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses stattgab,

dass die Präsidentin der Abteilung IV des Bundesverwaltungsgerichts 
dem  Beschwerdeführer  am  19. November  2008  mitteilte,  es  werde 
– ohne gegenteiligen Bericht bis zum 1. Dezember 2008 – beabsich-
tigt, das weitere Beschwerdeverfahren in deutscher Sprache zu führen,

dass sich der Beschwerdeführer innerhalb der angesetzten Frist  und 
bis heute nicht vernehmen liess,

dass  der  vom Beschwerdeführer  am 9.  Dezember  2008  beauftragte 
Rechtsvertreter in einer Eingabe vom gleichen Tag beantragte, es sei-
en ihm die gesamten Asylakten zuzustellen und eine Frist zur Einrei-
chung einer Beschwerdeergänzung zu gewähren,

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. 
Art. 52 VwVG),

dass vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels zu ver-
zichten ist (vgl. Art. 111a Abs. 1 AsylG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle 
Kognition zukommt, 

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dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende in 
der  Schweiz  bereits  ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  haben 
oder während des hängigen Asylverfahrens in den Heimat- oder Her-
kunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser es gebe Hinweise, dass in der 
Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet  sind,  die 
Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewährung vor-
übergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG),

dass von einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren im Sinne von 
Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auszugehen ist, wenn im vorangegangenen 
Verfahren festgestellt wurde, dass der Gesuchsteller nicht Flüchtling ist 
oder auf andere Weise implizit vom Fehlen der Flüchtlingseigenschaft 
ausgegangen wurde (insbesondere bei Nichteintreten mangels Asylge-
suchs, wegen Herkunft aus einem verfolgungssicheren Land oder un-
ter Umständen wegen grober und vorsätzlicher Verletzung der Mitwir-
kungspflicht; vgl. EMARK 1998 Nr. 1 S. 9),

dass das BFF mit Verfügung vom 5. Oktober 1999 auf das erste Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG 
nicht eingetreten ist, mit der Begründung, er habe seine Mitwirkungs-
pflicht gemäss Art. 8 Abs. 3 AsylG verletzt, weil er seit dem 16. August 
1999 unbekannten Aufenthalts und für das BFF nicht erreichbar sei,

dass gemäss bisheriger  Rechtsprechung,  an der  das Bundesverwal-
tungsgericht festhält, eine grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht nur 
dann vorliegt, wenn eine bestimmte, konkret vorgesehene Verfahrens-
handlung verhindert wird (vgl. EMARK 2001 Nr. 19 S. 139 ff.),

dass der gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG ergangene Nichtein-
tretensentscheid des BFF vom 5. Oktober 1999 jedoch offensichtlich 
nicht  mit  der  Verhinderung  einer  konkreten  Verfahrenshandlung  be-
gründet wurde, sondern allein damit, dass der Beschwerdeführer seit 
dem 16. August 1999 unbekannten Aufenthalts und für das BFF nicht 
erreichbar sei,

dass der Nichteintretensentscheid vom 5. Oktober 1999 auch nicht im-
plizit  die  Feststellung  der  fehlenden  Flüchtlingseigenschaft  des  Be-
schwerdeführers  enthält,  wovon  aber  ausgegangen  werden  können 
müsste, damit in Bezug auf das erste Asylverfahren von einem erfolg-
los  durchlaufenen Asylverfahren im Sinne von Art. 32 Abs. 2  Bst.  e 
AsylG ausgegangen werden kann,

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dass somit in Bezug auf das zweite Asylgesuch vom 16. Mai 2008 die 
in Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG genannten Tatbestandsmerkmale, wel-
che  die  Fällung  eines  Nichteintretensentscheides  gestützt  auf  diese 
Bestimmung rechtfertigen würden, nicht vorliegen, 

dass das BFM zu Unrecht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf 
das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,

dass die Beschwerde somit gutzuheissen, die angefochtene Verfügung 
des BFM vom 24. Juni 2008 aufzuheben und die Sache zur Neubeur-
teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens das Gesuch des Rechtsver-
treters um Gewährung der Akteneinsicht und Ansetzung einer Frist zur 
Einreichung einer  Beschwerdeergänzung abzuweisen ist,  zumal  sich 
bereits aus den bestehenden Akten ergibt, dass die Beschwerde vom 
25. Juni 2008 gutzuheissen ist,

dass dem vorliegenden Urteil wunschgemäss Kopien der Beschwerde-
akten des Bundesverwaltungsgerichts beizulegen sind, wobei die sich 
in den Beschwerdeakten befindlichen Akten der Vorinstanz nicht durch 
das Bundesverwaltungsgericht zu edieren sind,

dass das BFM zudem anzuweisen ist,  über das Gesuch um Gewäh-
rung der Akteneinsicht in die vorinstanzlichen Akten zu befinden,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen 
sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG),

dass aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen ist, dem bislang 
nicht  anwaltlich  vertretenen  Beschwerdeführer  seien  bei  der  Be-
schwerdeführung  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  er-
wachsen, weshalb keine Parteientschädigung auszurichten ist (vgl. Art. 
64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2).

(Dispositiv nächste Seite) 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. Die Verfügung des BFM vom 24. Juni 2008 wird aufgehoben und  
die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die 
Vorinstanz zurückgewiesen.

3. Es werden keine Kosten erhoben.

4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5. Das BFM wird angewiesen, über das Gesuch um Gewährung der 
Einsicht in die vorinstanzlichen Akten vom 9. Dezember 2008 zu 
befinden.

6. Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  Beila-
gen: Kopien der Beschwerdeakten)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie; Beilage: Kopie der Eingabe 
vom 9. Dezember 2008)

- die kantonale Behörde (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

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