# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3969ff0d-7837-5e63-a016-a7810c8e7b90
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 17.05.2022 SBK.2021.308
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2021-308_2022-05-17.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2021.308 / va
(STA.2019.3193)
Art. 161

Entscheid vom 17. Mai 2022

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichter Lindner
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führer

A._____,
[…]
vertreten durch Rechtsanwalt Valentin Landmann,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm,
Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen

Beschuldigter B._____, […]
verteidigt durch Rechtsanwalt Flavio Lardelli,
[…]

Anfechtungs-
gegenstand

Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm
vom 22. September 2021

in der Strafsache gegen B._____

- 2 -

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
1.1.
Der Beschwerdeführer erstattete u.a. gegen den Beschuldigten am 23. Ap-
ril 2019 bei der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis Strafanzeige insbe-
sondere wegen Nötigung, versuchter Erpressung und Sachentziehung.
Gleichzeitig stellte er (nebst anderen Anträgen) entsprechende Strafan-
träge und erklärte, sich als Straf- und Zivilkläger zu konstituieren. Im We-
sentlichen machte er geltend, dass er einen am 8. März 2017 mit der C.
AG [nachfolgend C. AG] geschlossenen Liegenschaftsverwaltungsvertrag
mit Schreiben vom 15. März 2019 auf den 30. April 2019 gekündigt und
dabei die Herausgabe sämtlicher Bewirtschaftungsakten und Schlüssel
etc. per 15. April 2019 verlangt habe, was ihm namentlich vom Beschuldig-
ten (dem Geschäftsführer der C. AG) mit der unzutreffenden Begründung
verweigert worden sei, dass er der C. AG noch Fr. 90'000.00 schulde. Er
habe hiergegen protestiert und eine letzte Frist zur Herausgabe der Bewirt-
schaftungsakten und Schlüssel bis zum 17. April 2019 (14.00 Uhr) ange-
setzt. Auch an diesem Termin sei ihm aber die Herausgabe der Bewirt-
schaftungsakten und Schlüssel verweigert worden, obwohl die neue Ver-
waltung seiner Liegenschaften diese umgehend und zwingend benötigt
habe.

1.2.
Gestützt auf eine Gerichtsstandsanfrage der Staatsanwaltschaft Limmat-
tal/Albis vom 5. Juni 2019 verfügte die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm
am 12. Juli 2019 die Übernahme der Strafsache.

2.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm verfügte am 22. September 2021 in
Bezug auf den Beschuldigten die Einstellung der von ihr unter dem Aspekt
der Sachentziehung, Sachbeschädigung (grosser Schaden) und Nötigung
beurteilten Strafsache. Zivilklagen behandelte sie unter Hinweis auf den Zi-
vilweg keine. Die Verfahrenskosten nahm sie auf die Staatskasse. Entschä-
digungen oder Genugtuungen sprach sie keine zu.

Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau genehmigte diese Ein-
stellungsverfügung am 24. September 2021.

3.
3.1.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 13. Oktober 2021 Be-
schwerde gegen die ihm am 4. Oktober 2021 zugestellte Einstellungsver-
fügung. Sie sei (unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des
Staates) aufzuheben. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm sei anzuwei-

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sen, das Strafverfahren gegen den Beschuldigten betreffend Sachentzie-
hung, Sachbeschädigung (grosser Schaden) und Nötigung fortzuführen
und den Anzeigesachverhalt gegen den Beschuldigten zur Anklage zu brin-
gen. Sämtliche Verfahrensakten STA2 ST.2019.3193 seien beizuziehen.

3.2.
Der Beschwerdeführer bezahlte die von der Verfahrensleiterin der Be-
schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts von ihm mit Verfügung
vom 3. November 2021 einverlangte Kostensicherheit von Fr. 1'500.00 (zu
zahlen innert 10 Tagen ab am 5. November 2021 erfolgter Zustellung der
Verfügung) am 11. November 2021.

3.3.
Der Beschuldigte beantragte mit Beschwerdeantwort datiert vom 28. No-
vember 2021 (Postaufgabe am 29. November 2021) die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers.

3.4.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm beantragte mit Beschwerdeantwort
vom 8. Dezember 2021 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfol-
gen.

3.5.
Der Beschwerdeführer hielt mit Stellungnahme vom 23. Dezember 2021 an
seinen mit Beschwerde gestellten Anträgen fest.

3.6.
Der Beschuldigte hielt mit Stellungnahme vom 21. Januar 2022 seinerseits
an seinen mit Beschwerdeantwort gestellten Anträgen fest.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
Der Beschwerdeführer ist als Partei i.S.v. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO be-
rechtigt, die Einstellungsverfügung mit Beschwerde anzufechten (Art. 322
Abs. 2 StPO; Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Auf die frist- und formgerecht
erhobene (Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) und hinsichtlich aller
in Frage kommenden Tatbestände (Sachentziehung; qualifizierte Sachbe-
schädigung; versuchte Nötigung) von einem hinreichenden Rechtsschutz-
interesse getragene (Art. 382 Abs. 1 StPO) Beschwerde ist einzutreten.

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2.
Eine Verfahrenseinstellung hat nach Art. 319 Abs. 1 StPO unter anderem
zu erfolgen, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfer-
tigt (lit. a), kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b), Rechtfertigungsgründe ei-
nen Straftatbestand unanwendbar machen (lit. c) oder Prozessvorausset-
zungen definitiv nicht erfüllt werden können (lit. d).

Zu beachten ist dabei, dass die Sachverhaltsfeststellung grundsätzlich dem
urteilenden Gericht obliegt, weshalb die Staatsanwaltschaft und die Be-
schwerdeinstanz diesen bei Entscheiden über die Einstellung eines Straf-
verfahrens nicht wie ein urteilendes Gericht feststellen dürfen. Sachver-
haltsfeststellungen müssen in Berücksichtigung des Grundsatzes "in dubio
pro duriore" jedoch auch bei Einstellungen zulässig sein, soweit gewisse
Tatsachen "klar" bzw. "zweifelsfrei" feststehen, so dass im Falle einer An-
klage mit grosser Wahrscheinlichkeit keine abweichende Würdigung zu er-
warten ist. Davon kann indes nicht ausgegangen werden, wenn eine ab-
weichende Beweiswürdigung durch das Gericht ebenso wahrscheinlich er-
scheint. Den Staatsanwaltschaften ist es nach dem Grundsatz "in dubio pro
duriore" lediglich bei einer unklaren Beweislage untersagt, der Beweiswür-
digung des Gerichts vorzugreifen (BGE 143 IV 241 E. 2.3.2).

Wenngleich somit bei zweifelhafter Beweislage eine gerichtliche Beurtei-
lung grundsätzlich angebracht ist, kann eine Einstellung indes auch in ei-
nem solchen Fall gerechtfertigt sein, soweit unter Einbezug der gesamten
Umstände eine Verurteilung als von vornherein unwahrscheinlich er-
scheint, was namentlich der Fall sein kann, wenn keine weiteren Beweis-
ergebnisse mehr zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 1B_535/2012
vom 28. November 2012 E. 5.2).

3.
3.1.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm begründete ihre Einstellungsverfü-
gung damit, dass der Beschuldigte jedenfalls nicht Täter oder Teilnehmer
der beanzeigten Straftaten (Sachentziehung; qualifizierte Sachbeschädi-
gung; versuchte Nötigung) gewesen sei. Es sei D. gewesen, der die Zu-
rückbehaltung der massgeblichen Unterlagen des Beschwerdeführers an-
geordnet habe. Der Beschuldigte habe nur auf Anweisung von D. hin ge-
handelt.

3.2.
Der Beschwerdeführer beanstandete mit Beschwerde eine falsche und un-
vollständige Sachverhaltsermittlung und Verletzung der Begründungs-
pflicht (Rz 57). Dass ein Angestellter oder ein Organ eines Unternehmens
auf Anweisung gehandelt habe, schliesse dessen Strafbarkeit nicht aus
(Rz 58), zumal das Vorliegen einer entsprechenden Anweisung nicht er-
stellt sei. Die Weigerung des Beschuldigten, ihm Bewirtschaftungsakten

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herauszugeben, habe mit der gegen ihn (den Beschwerdeführer) geltend
gemachten Forderung in einem direkten Zusammenhang gestanden. Der
Beschuldigte sei über alle wesentlichen Vorgänge informiert und mit Ent-
scheidungsgewalt auch in Bezug auf die Beendigungsmodalitäten invol-
viert gewesen (Rz 67). Die Tathandlungen bzw. Tatbeiträge des Beschul-
digten lägen in der Übergabe der Bewirtschaftungsakten an D. bzw. im un-
tätigen Gewährenlassen von D., der die Bewirtschaftungsakten offenbar
vernichtet habe. Bereits die Bereitstellung der Bewirtschaftungsakten am
13. April 2019 habe einen ersten Tatbeitrag begründet (Rz 68). Die Nicht-
anklage der Tathandlungen bzw. Tatbeiträge verletze den Grundsatz "in
dubio pro duriore" (Rz 69).

3.3.
Der Beschuldigte führte mit Beschwerdeantwort aus, D. sei als Eigentümer
der C. AG aufgetreten und habe sich wie deren Geschäftsführer oder Ver-
waltungsrat benommen. D. sei "faktisches Organ" und in das Tagesge-
schäft involviert gewesen (Rz 4 f.). Dass er (der Beschuldigte) Geschäfts-
führer der C. AG gewesen sei, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass
er den Weisungen des Verwaltungsrates E. und des "formellen Organs" D.
unterstanden habe (Rz 6). Nach Kündigung des Verwaltungsvertrags auf
den 30. April 2019 sei der Termin für die Rückgabe der Bewirtschaftungs-
akten auf den 15. April 2019 festgesetzt worden. Aus diesem Grund habe
er die Bewirtschaftungsakten für den Beschwerdeführer am 13. April 2019
bereitgestellt (Rz 10). Daraufhin seien die Bewirtschaftungsakten "zwei
Tage vor dem Termin" von D. abgeholt und ohne sein Wissen grösstenteils
vernichtet worden. Er habe sie daher am 15. April 2019 gar nicht dem Be-
schwerdeführer übergeben können (Rz 11, 20).

Die für den Entscheid wesentlichen Überlegungen der Staatsanwaltschaft
Zofingen-Kulm liessen sich der Einstellungsverfügung entnehmen, wes-
halb keine Gehörsverletzung (bzw. Verletzung der Begründungspflicht)
vorliege (Rz 12 ff.). Weil im Falle einer Anklage eine Verurteilung (wegen
Sachentziehung, Sachbeschädigung oder Nötigung) gerade nicht wahr-
scheinlicher sei als ein Freispruch, sei auch der Grundsatz "in dubio pro
duriore" nicht verletzt (Rz 22 ff.).

3.4.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm führte mit Beschwerdeantwort aus,
der Beschwerdeführer werfe dem Beschuldigten mit den Vorwürfen der
Nichtherausgabe von Bewirtschaftungsakten und der Nichtverhinderung
von deren Vernichtung unechte Unterlassungsdelikte vor. Der Beschuldigte
habe aber die Abholung und Vernichtung der Bewirtschaftungsakten durch
D. nicht voraussehen und damit auch nicht verhindern können. Selbst wenn
er es vorausgesehen hätte, wäre es ihm nicht zuzumuten gewesen, die
Bewirtschaftungsakten gegen die ausdrückliche Anweisung seines fakti-
schen Chefs trotzdem herauszugeben. Damit habe der Beschuldigte seine

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Garantenpflicht nicht verletzt und könne somit strafrechtlich nicht zur Ver-
antwortung gezogen werden.

3.5.
Der Beschwerdeführer brachte mit Stellungnahme vom 23. Dezember 2021
insbesondere vor, dass die Sicherstellung einer korrekten Rückgabe der
Dokumente und Gegenstände an ihn (den Beschwerdeführer) zu den Auf-
gaben des Beschuldigten gehört habe, womit dieser eine Garantenstellung
innegehabt habe. Dass D. die Bewirtschaftungsakten ohne Wissen des Be-
schuldigten abgeholt habe, sei eine Schutzbehauptung (Rz 10). Der Be-
schuldigte sei auch "stets auf dem Laufenden" gewesen. Als Geschäftsfüh-
rer könne er sich nicht aus der Verantwortung stehlen und diese auf andere
Mitarbeitende abschieben (Rz 11).

Eine Strafbarkeit von D. schliesse eine Strafbarkeit des Beschuldigten nicht
aus. Vielmehr sei "der Tatkomplex auf die Handlungen der einzelnen Be-
teiligten" zu untersuchen (Rz 14). Wenn es einen Auftrag von D. gegeben
haben sollte, keine Bewirtschaftungsakten mehr herauszugeben, hätte der
Beschuldigte für die sichere Aufbewahrung der Bewirtschaftungsakten be-
sorgt sein müssen. Der Beschuldigte habe in diesem Zusammenhang
"seine Geschäftsführerpflichten" bzw. seine Garantenpflicht verletzt, ob-
wohl er entsprechende "Tatherrschaft und Handlungsmöglichkeit" gehabt
habe (Rz 15 f.).

Gemäss "Funktionsdiagramm", Aufgabenverteilung in der Geschäftsleitung
und auch den übrigen "Gegebenheiten zur Tatzeit (Vertrag betr. Immobili-
enverwaltung)" hätte der Beschuldigte aktiv oder wenigstens als Garant für
eine Rückgabe der Bewirtschaftungsakten und Schlüssel an ihn (den Be-
schwerdeführer) sorgen müssen. Diese Gegenstände seien ihm anvertraut
gewesen. Als Geschäftsführer habe er eine "erhöhte Vertrauensposition"
innegehabt (mit Hinweis auf BGE 113 IV 68 E. 7). Er hätte sich nicht damit
begnügen dürfen, die Bewirtschaftungsakten lediglich (ohne Kontrolle dar-
über während des Wochenendes) bereitzustellen (Rz 17).

3.6.
Der Beschuldigte hielt mit Stellungnahme vom 21. Januar 2022 daran fest,
dass die Mitnahme und die Vernichtung von Bewirtschaftungsakten am
13. April 2019 durch D. für ihn weder vorhersehbar noch vermeidbar gewe-
sen seien (Rz 5). Für das deliktische Verhalten von D. könne er strafrecht-
lich nicht verantwortlich gemacht werden (Rz 6). Die Ausführungen des Be-
schwerdeführers mit Stellungnahme vom 23. Dezember 2021 seien unbe-
gründet. Eine allfällige Gehörsverletzung könne als geheilt betrachtet wer-
den (Rz 8). Allein, dass er Geschäftsführer der C. AG gewesen sei, be-
gründe keine Strafbarkeit (Rz 14). Ein konkretes Alternativverhalten seiner-
seits (bzw. wie er die Abholung und Vernichtung der Bewirtschaftungsakten

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durch D. hätte verhindern können) sei vom Beschwerdeführer nicht aufge-
zeigt worden (Rz 15). Für einen gemeinsamen Tatentschluss von ihm und
D. gebe es keine Hinweise (Rz 16).

4.
4.1.
Wegen Sachentziehung wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jah-
ren oder Geldstrafe bestraft, wer dem Berechtigten ohne Aneignungsab-
sicht eine bewegliche Sache entzieht und ihm dadurch einen erheblichen
Nachteil zufügt (Art. 141 StGB).

Wegen Sachbeschädigung wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigen-
tums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört
oder unbrauchbar macht (Art. 144 Abs. 1 StGB). Hat der Täter einen gros-
sen Schaden verursacht, so kann auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu
fünf Jahren erkannt werden. Die Tat wird von Amtes wegen verfolgt
(Art. 144 Abs. 3 StPO).

Wegen Nötigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile
oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu
tun, zu unterlassen oder zu dulden (Art. 181 StGB).

4.2.
In Bezug auf die Tatbestände der Sachentziehung und Sachbeschädigung
besteht (soweit es um die jeweils gleiche Sache geht) alternative Konkur-
renz, weshalb bei Anwendung des einen Tatbestandes der andere ausge-
schlossen ist. Welcher Tatbestand zur Anwendung gelangt, bestimmt sich
nach den Umständen des konkreten Falles. Liegt der Schwerpunkt in der
Einwirkung auf die Sache selbst bzw. deren Beschädigung, ist auf Sachbe-
schädigung zu erkennen. Liegt der Schwerpunkt in der Einwirkung auf den
Berechtigten, ist auf Sachentziehung zu erkennen (PHILIPPE WEISSENBER-
GER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 42 zu Art. 141
StGB). Daraus ergibt sich für den vorliegenden Fall ohne Weiteres, dass
gerade der Tatbestand der Sachentziehung in dem Sinne in einer gewissen
Nähe zum Tatbestand der Nötigung liegt, als dass eine womöglich für
Sachentziehung qualifizierende Verhaltensweise auch eine Nötigungs-
handlung gewesen sein könnte, wohingegen eine allenfalls begangene
Sachbeschädigung eher keine Nötigungshandlung gewesen sein dürfte.

4.3.
In Bezug auf den Tatbestand der Sachentziehung ist weiter darauf hinzu-
weisen, dass ein Strafantrag gemäss Art. 30 StGB immer nur für bereits
begangene Handlungen/Lebenssachverhalte gestellt werden kann; eine
vorsorgliche Antragstellung für allfällige spätere Straftaten ist unzulässig.

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Bei Dauerdelikten erfasst der Strafantrag zwar das strafbare Verhalten bis
zur Beendigung der Tat, mithin auch Beteiligte, die erst nach Antragstellung
am Dauerdelikt teilnehmen, soweit ihnen das angezeigte (strafbare) Ver-
halten nach materiell-rechtlichen Beteiligungsformen zugerechnet werden
kann (BGE 147 IV 199 Regeste). Weil Sachentziehung aber kein Dauerde-
likt ist (PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., N. 34 zu Art. 141 StGB), umfasst
der vom Beschwerdeführer mit Strafanzeige vom 23. April 2019 gestellte
Strafantrag an sich keine womöglich erst nach diesem Datum stattgefun-
dene Sachentziehung.

4.4.
Der Beschwerdeführer macht dem Beschuldigten im Wesentlichen fol-
gende Vorwürfe:

- Ungerechtfertigte Nichtherausgabe von Bewirtschaftungsakten und
Schlüsseln (abgehandelt in nachfolgender E. 5)

- Unrechtmässige Verknüpfung der Herausgabe von Bewirtschaftungs-
akten und Schlüsseln mit einer ungerechtfertigten Entschädigungsfor-
derung (abgehandelt in nachfolgender E. 6)

- Vernichtung bzw. dauernder Verlust von Bewirtschaftungsakten und
Schlüsseln (abgehandelt in nachfolgender E. 7)

Nach dem in E. 4.2 Gesagten drängt es sich auf, den ersten Vorwurf unter
dem Aspekt der Sachentziehung, den zweiten Vorwurf unter dem Aspekt
der versuchten Nötigung und den dritten Vorwurf unter dem Aspekt der
Sachbeschädigung bzw. Sachentziehung zu beurteilen.

4.5.
Die Einstellungsverfügung kann nur dann vollumfänglich geschützt werden,
wenn hinsichtlich aller genannten Vorwürfe eine strafrechtsrelevante Betei-
ligung des Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen
werden kann. In Anbetracht der konkreten Fallumstände, wie sie sich aus
der Strafanzeige sowie auch nachfolgenden Erwägungen (vgl. insbeson-
dere E. 5.2) ergeben, ist ohne Weiteres auszuschliessen, dass der Be-
schuldigte alleiniger Täter oder Anstifter der behaupteten Straftaten gewe-
sen sein könnte. In Frage kommen einzig eine Mittäter- oder Gehilfen-
schaft.

Nach der Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, Planung
oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender Weise
mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter da-
steht. Demgegenüber ist gemäss Art. 25 StGB als Gehilfe strafbar, wer zu
einem Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet. Nach der Recht-
sprechung gilt als Hilfeleistung jeder kausale Beitrag, der die Tat fördert, so
dass sich diese ohne Mitwirkung des Gehilfen anders abgespielt hätte.

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Nicht erforderlich ist, dass es ohne die Hilfeleistung nicht zur Tat gekom-
men wäre. Die Förderung der Tat genügt. Andererseits muss die Hilfeleis-
tung tatsächlich zur Tat beigetragen, also einen kausalen Beitrag darge-
stellt haben. Der Gehilfe muss die Erfolgschancen der tatbestandserfüllen-
den Handlung erhöhen (BGE 120 IV 265 E. 2c/aa). Wird die Strafbarkeit
durch eine besondere Pflicht des Täters begründet oder erhöht, so wird der
Teilnehmer, dem diese Pflicht nicht obliegt, milder bestraft (Art. 26 StGB).

Ob eine allfällige Tatbeteiligung des Beschuldigten als Mittäter- oder als
Gehilfenschaft zu qualifizieren ist, betrifft nicht eine Sachverhalts-, sondern
eine Rechtsfrage (Urteil des Bundesgerichts 6B_873/2015 vom 20. April
2016 E. 1.4), die im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens nicht beant-
wortet zu werden braucht. Erfüllt eine allfällige Tatbeteiligung des Beschul-
digten noch nicht einmal die (geringeren) Anforderungen an eine Gehilfen-
schaft, kann (zumindest vorliegend, wo es einzig um Vorsatzdelikte geht)
auch keine Mittäterschaft vorliegen. Von daher ist es vorliegend ausrei-
chend, allfällige Tatbeteiligungen des Beschuldigten jeweils einzig unter
dem Aspekt der Gehilfenschaft zu beurteilen.

5.
5.1.
Dass dem Beschwerdeführer Bewirtschaftungsakten und Schlüssel im
Sinne einer Sachentziehung nicht herausgegeben wurden, kann nicht aus-
geschlossen werden. Insofern lässt sich die Einstellungsverfügung in die-
sem Punkt nur rechtfertigen, wenn eine Gehilfenschaft des Beschuldigten
beim Zustandekommen des Nichtherausgabeentscheids (nachfolgend
E. 5.2) und/oder bei dessen Umsetzung (nachfolgend E. 5.3) mit hinrei-
chender Sicherheit ausgeschlossen werden kann.

5.2.
5.2.1.
Gemäss Handelsregistereintrag der C. AG war der Beschuldigte Ge-
schäftsführer und Mitglied der Geschäftsleitung mit Kollektivprokura zu
zweien, nicht aber Mitglied des Verwaltungsrates (act. 556), weshalb er for-
mell betrachtet nicht Organ bzw. Mitglied eines Organs der C. AG war.
Auch dafür, dass der Beschuldigte de facto Organ der C. AG gewesen
wäre, gibt es keinerlei Hinweise:

- Der Beschwerdeführer selbst bezeichnete den Beschuldigten bereits in
seiner Strafanzeige (act. 515 ff.) als "Mann an der Front", der primär
von D. (den der Beschwerdeführer in seiner Strafanzeige als mutmass-
lich wirtschaftlich Berechtigten bezeichnete, der die Fäden in der Hand
gehalten und primär im Hintergrund agiert habe) und E. (der gemäss
Beschwerdeführer "formell" der neue "starke Mann" gewesen sein
dürfte) Weisungen und Instruktionen entgegengenommen habe (Rz 12
- 14).

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- Diese Sichtweise wird durch ein sich in den Verfahrensakten befindli-
ches "Funktionendiagramm" der C. AG, um dessen Einhaltung E. (ge-
mäss Handelsregistereintrag [act. 554 ff.] damals einziger Verwaltungs-
rat mit Einzelunterschriftsberechtigung) mit E-Mail vom 26. Juli 2019
ersuchte, bestätigt. Daraus ergibt sich, dass der Geschäftsleitung (bzw.
dem Beschuldigten) einzig bei der Erledigung von Steuerangelegenhei-
ten, Investitionen bis Fr. 50'000.00 und der Anlage flüssiger Mittel eine
Entscheidkompetenz zukam, mithin in vorliegend nicht interessieren-
den Bereichen. D. wurde im "Funktionendiagramm" zwar nicht erwähnt.
Im besagten E-Mail führte E. aber aus, dass jeweils (d.h. in allen Ange-
legenheiten), wie bei einem Stichentscheid, die Zustimmung von D. er-
forderlich sei bzw. dass dieser ein Vetorecht habe (act. 751 ff.).

5.2.2.
Weiter finden sich in den Verfahrensakten überzeugende Hinweise, dass
auch der fragliche Nichtherausgabeentscheid entsprechend der soeben
dargelegten allgemeinen Entscheidhierarchie der C. AG und damit ohne
Beteiligung des Beschuldigten zustande kam. Wie sogleich zu zeigen ist,
waren dessen (formell oder faktisch) Vorgesetzten (D. und E.) nämlich of-
fensichtlich von Beginn weg in die für die C. AG offensichtlich äusserst
wichtige Angelegenheit involviert und haben diese sozusagen zur Chefsa-
che erhoben:

- Der zunächst vom Beschwerdeführer mit der Abholung der Bewirt-
schaftungsakten und Schlüssel beauftragte F. sagte als Auskunftsper-
son bei seiner polizeilichen Einvernahme vom 24. Mai 2019 (act. 639
ff.) aus, am 15. April 2019 von D. um 11.40 Uhr einen Anruf erhalten zu
haben, dass die Übergabe der Bewirtschaftungsakten so nicht stattfin-
den werde, wobei D. auf "noch offene Positionen" verwiesen habe (Fra-
gen 6, 11 ff.).

- Weiter waren es D. und E., die das Schreiben der C. AG vom 23. April
2019 verfassten, in welchem sie den Nichtherausgabeentscheid der C.
AG begründeten und (zumindest sinngemäss) die Herausgabe von Be-
wirtschaftungsakten und Schlüsseln vom weiteren Verhalten des Be-
schwerdeführers abhängig machten (act. 331).

- G. sagte als Zeugin bei ihrer Einvernahme vom 10. August 2021 (act.
812 ff.) aus, vom Beschuldigten damals [einzig] den Auftrag erhalten zu
haben, Bewirtschaftungsakten [zur Abholung durch den Beschwerde-
führer] bereit zu machen. Später habe sie hingegen im Einverständnis
mit D. dem Beschwerdeführer Bewirtschaftungsakten in digitalisierter
Form übergeben (Fragen 13 ff., 36).

- Der Beschuldigte sagte konstant aus, damals lediglich die Bereitstel-
lung der Bewirtschaftungsakten per 13. April 2019 (Samstag) angeord-
net zu haben. D. habe diese während des Wochenendes (13./14. April
2019) behändigt und ihm zunächst mitgeteilt, dass er diese aus Beweis-

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gründen bzw. als Druckmittel zurückbehalten wolle. Er habe die Recht-
mässigkeit dieser Vorgehensweise zunächst nicht in Frage gestellt.
Erst später habe er von D. mitbekommen, dass dieser alle mitgenom-
menen Bewirtschaftungsakten und Schlüssel vernichtet habe. Seine ei-
genen, gegenüber dem Beschwerdeführer gemachten Äusserungen,
dass die Bewirtschaftungsakten erst nach Bezahlung von Fr. 90'000.00
herausgegeben würden, seien nicht auf seinem "Mist" gewachsen. D.
sei sein Chef gewesen. Er sei von ihm und E. immer mehr instrumen-
talisiert worden. Es sei "System" gewesen, die Bewirtschaftungsakten
nicht herauszugeben, um die Mandanten zu etwas zu nötigen (polizei-
liche Einvernahme vom 23. September 2019, act. 681 ff., Frage 11; de-
legierte Einvernahme vom 15. Januar 2020, act. 700 ff., Fragen 47 f.;
Einvernahme vom 4. Mai 2021 durch die Staatsanwaltschaft Zofingen-
Kulm, act. 740 ff., Fragen 14 f., 20, 23 f., 29 ff., 42, 48).

- D. sagte bei seiner ersten Einvernahme aus, dem Beschuldigten den
Auftrag gegeben zu haben, "alle Dokumente" bereitzustellen, diese
dann am Samstag (dem 13. April 2019) aus Wut bzw. einem Reflex
heraus geholt und vernichtet zu haben, ohne dass die C. AG, der Be-
schuldigte, E. oder sonst ein Mitarbeiter damit etwas zu tun gehabt hät-
ten (delegierte Einvernahme vom 13. November 2019, act. 269 ff., Fra-
gen 20 ff.).

5.2.3.
Belastbare Hinweise, dass der Beschuldigte entgegen dem soeben Gesag-
ten beim Zustandekommen des Nichtherausgabeentscheids der C. AG
massgeblich beteiligt gewesen sein könnte bzw. das Zustandekommen die-
ses Entscheids irgendwie gefördert haben könnte, gibt es trotz umfassen-
der Untersuchung keine:

Zwar relativierte D. seine ersten Aussagen bei seiner zweiten Einvernahme
vom 25. Juni 2021 (act. 796 ff.) dahingehend, dass er einzig sich im Archiv
befindliche Bewirtschaftungsakten vernichtet habe. Es habe sich um der C.
AG gehörende "Kopien der Bewirtschaftung" gehandelt, weshalb es sein
gutes Recht gewesen sei, diese zu vernichten. Was mit den übrigen Be-
wirtschaftungsakten und den Schlüsseln passiert sei, wisse er nicht. Dies-
bezüglich habe er auch niemandem Anweisungen gegeben. Es stimme
nicht, dass er dem Beschuldigten Anweisung gegeben habe, dem Be-
schwerdeführer keine Bewirtschaftungsakten oder Schlüssel herauszuge-
ben. Es seien ja Bewirtschaftungsakten herausgegeben worden. Hätte er
dies verboten, hätte keine Herausgabe erfolgen können. Der Beschuldigte
habe gewusst, was abgelaufen sei. Er (D.) habe davon nichts mitbekom-
men. Bei seiner Einvernahme vom 13. November 2020 [recte 13. Novem-
ber 2019] habe er den Beschuldigten, der eine Panikattacke gehabt und
dem Druck nicht standgehalten habe, aus der Schusslinie nehmen wollen.
Diese Einvernahme sei nicht professionell durchgeführt worden. Er habe

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damals keinen Anwalt dabei gehabt (Einvernahme vom 25. Juni 2021, act.
796 ff., Fragen 8 ff., 23, 27 ff.).

Die Behauptung von D., am 13. April 2019 nicht alle Bewirtschaftungsakten
und Schlüssel mitgenommen zu haben, dürfte zwar zutreffend sein. So
sagten auch G. und der Beschuldigte aus, dass damals nur sog. "Stamm-
akten" bereitgestellt worden seien, nicht aber Bewirtschaftungsakten "zu
laufenden Geschäften" sowie Schlüssel (Einvernahme von G. vom 10. Au-
gust 2021, Fragen 14 ff., 43 ff.; Einvernahme des Beschuldigten vom 4. Mai
2021, Fragen 14, 21). Der Beschuldigte sagte auch aus, die Schlüssel mut-
masslich erst am 14. Mai 2019 D. übergeben zu haben (Einvernahme des
Beschuldigten vom 15. Januar 2020, Fragen 18 f.). Bei einer am 2. Juli
2020 stattgefundenen Hausdurchsuchung wurden denn auch weitere Be-
wirtschaftungsakten sichergestellt (act. 96 ff.).

Ungeachtet dessen durfte und musste der Beschuldigte gestützt auf das in
E. 5.2.1 und E. 5.2.2 Ausgeführte aber ohne Weiteres davon ausgehen,
dass sich der ihm spätestens am 15. April 2019 kommunizierte und in der
Folge auch nicht erkennbar widerrufene Nichtherausgabeentscheid der C.
AG auf alle Bewirtschaftungsakten und Schlüssel des Beschwerdeführers
bezog und auch für ihn verbindlich war.

Von daher ergeben sich auch aus den Aussagen von D. keinerlei konkrete
Hinweise für einen irgendwie gearteten (fördernden) Beitrag des Beschul-
digten beim Zustandekommen des Nichtherausgabeentscheids der C. AG.
Er war in dieser Sache, wie auch vom Beschwerdeführer bereits in seiner
Strafanzeige richtig erkannt, einzig Weisungsempfänger.

5.3.
Was die Umsetzung des Nichtherausgabeentscheids anbelangt, kann der
Beschuldigte hieran (nur) insoweit (fördernd) beteiligt gewesen sein, als
dass auch er sich an den Nichtherausgabeentscheid hielt und dementspre-
chend nichts zur Herausgabe der Bewirtschaftungsakten und Schlüssel an
den Beschwerdeführer veranlasste, mithin in der Sache untätig blieb.

Damit könnte er sich einzig durch Unterlassen der Gehilfenschaft zur Sach-
entziehung strafbar gemacht haben, was aber ein pflichtwidriges Untätig-
bleiben (Art. 11 Abs. 1 StGB) bzw. eine sich aus der Rechtstellung des
Beschuldigten ergebende Verpflichtung, die Gefährdung oder Verletzung
der hier in Frage stehenden Rechtsgüter des Beschwerdeführers zu ver-
hindern (Art. 11 Abs. 2 StGB), voraussetzen würde (für ein Beispiel einer
eventualvorsätzlichen Gehilfenschaft durch Unterlassen vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_489/2012 vom 10. Juni 2013 E. 3.1 und E. 3.2). Der
Beschuldigte befand sich aber gerade nicht in einer solchen Rechtstellung.
Als Arbeitnehmer der C. AG hatte er einzig deren berechtigte Interessen in
guten Treuen zu wahren (Art. 321a Abs. 1 OR) und nicht diejenigen des

- 13 -

Beschwerdeführers, zu dem er selbst weder in einer vertraglichen noch in
einer sonst ihn i.S.v. Art. 11 Abs. 2 StGB verpflichtenden Beziehung stand.

5.4.
Von daher kann der Beschuldigte für die Nichtherausgabe von Bewirtschaf-
tungsakten und Schlüsseln strafrechtlich nicht (wegen Sachentziehung) zur
Verantwortung gezogen werden.

6.
6.1.
Der Vorwurf der Gehilfenschaft zu versuchter Nötigung kann zwar nicht
deshalb als widerlegt betrachtet werden, weil dem Beschwerdeführer of-
fenbar einzig mit einer Unterlassung (Nichtherausgabe von Bewirtschaf-
tungsakten und Schlüsseln) gedroht worden war (vgl. hierzu BGE 105 IV
120 E. 2b). Dies ändert nach dem in E. 5.3 Gesagten aber nichts daran,
dass der Beschuldigte mangels Garantenstellung gegenüber dem Be-
schwerdeführer den Tatbestand an sich nicht durch Unterlassen (in Form
einer Nichtverhinderung der fraglichen versuchten Nötigung) erfüllt haben
kann, weshalb einzig noch die Möglichkeit einer Tatbegehung durch ein
(aktives) Tun zumindest im Sinne einer Gehilfenschaft zu prüfen ist.

6.2.
Dass der Beschuldigte am Zustandekommen des Entscheids, die Heraus-
gabe der Bewirtschaftungsakten und Schlüssel mit der Begleichung einer
Entschädigungsforderung zu verknüpfen (nachfolgend Verknüpfungsent-
scheid), in strafrechtlich relevanter Weise beteiligt gewesen sein könnte,
kann mit Verweis auf das in E. 5.2 Ausgeführte ohne Weiteres ausge-
schlossen werden, weshalb er sich höchstens durch eine Beteiligung an
der Umsetzung des fraglichen Verknüpfungsentscheids zumindest wegen
Gehilfenschaft zu versuchter Nötigung strafbar gemacht haben kann.

6.3.
Zwar ist nach dem in E. 5.2.2 (unter Strich 4) Ausgeführten ohne Weiteres
davon auszugehen, dass der Beschuldigte an der Umsetzung des fragli-
chen Verknüpfungsentscheids insoweit beteiligt war, als auch er diesen ge-
genüber dem Beschwerdeführer (aktiv) vertreten zu haben scheint. Nichts-
destotrotz kann in diesem Tun keine dem Beschuldigten anzulastende Nö-
tigungshandlung gesehen werden:

Nach dem bisher Ausgeführten ist nicht nur auszuschliessen, dass der Be-
schuldigte einen für das Zurückbehalten der Bewirtschaftungsakten und
Schlüssel (Nötigungsmittel) kausalen Tatbeitrag geleistet haben könnte,
sondern auch, dass der Beschwerdeführer (erstmalig) vom Beschuldigten
erfahren haben könnte, dass die C. AG die Herausgabe der Bewirtschaf-
tungsakten und Schlüssel von der Begleichung einer Entschädigungsfor-
derung abhängig machen wollte (vgl. hierzu E. 5.2.2 Strich 1 und 2). Von

- 14 -

daher ist nicht zu erkennen, dass der in dieser Sache mit keinerlei Ent-
scheidkompetenz versehene Beschuldigte eine allfällige Nötigungshand-
lung irgendwie gefördert haben könnte, indem er im weiteren Verlauf den
(ausserhalb seines Einflussbereiches stehenden und dem Beschwerdefüh-
rer bereits bekannten) Standpunkt der C. AG gegenüber dem Beschwer-
deführer vertrat. Das blosse Verweisen auf ein nicht vom eigenen Willen
abhängiges Übel stellt nämlich keine (Förderung einer) Nötigungshandlung
dar (vgl. hierzu etwa Urteil des Bundesgerichts 6B_852/2019 vom 16. Juli
2020 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_458/2018 vom 9. April 2019
E. 1.2), sondern höchstens eine straflose Warnung (vgl. hierzu etwa Urteil
des Bundesgerichts 6B_852/2019 vom 16. Juli 2020 E. 3.1).

Die fragliche Nötigung hätte sich denn aller Wahrscheinlichkeit nach auch
ohne jegliche aktive Beteiligung des Beschuldigten gleich abgespielt und
die Erfolgschancen wären die gleichen geblieben. Von daher ist nicht an-
satzweise zu erkennen, dass der Beschuldigte eine allfällige versuchte Nö-
tigung im Sinne einer Gehilfenschaft durch eigenes Tun gefördert haben
könnte. Letztlich verhielt sich der Beschuldigte einzig so, wie es von einem
mit der Sache befassten Mitarbeiter der C. AG in der Position des Beschul-
digten zu erwarten war, mithin berufstypisch (vgl. zu diesem Begriff und
seiner Bedeutung etwa Urteil des Bundesgerichts 6S.656/2000 vom 16.
August 2001 E. 3a mit Hinweis auf BGE 119 IV 289 E. 2c/bb). Insofern
könnte dem Beschuldigten letztlich einzig angelastet werden, überhaupt für
die C. AG tätig gewesen zu sein.  Angesichts dessen, dass es sich dabei
aber um eine "normale" Arbeitgeberin gehandelt haben dürfte (und nicht
etwa um eine kriminelle oder sonstwie anrüchige Organisation), ist nicht
einzusehen, weshalb sich der Beschuldigte deshalb der Gehilfenschaft zu
einer allenfalls versuchten Nötigung schuldig gemacht haben sollte.

7.
7.1.
Was die Vernichtung bzw. den dauernden Verlust von Bewirtschaftungsak-
ten und Schlüsseln anbelangt, ist vorab auch hier festzustellen, dass dem
Beschuldigten mangels Garantenstellung gegenüber dem Beschwerdefüh-
rer (vgl. vorstehende E. 5.3) strafrechtlich nicht zum Vorwurf gemacht wer-
den kann, dies nicht verhindert zu haben. Zu prüfen bleibt damit einzig, ob
er durch eigenes Tun hierzu beitrug. Konkret geht es

- erstens darum, dass der Beschuldigte durch eigene Tat dazu beigetra-
gen haben könnte, dass D. am 13. April 2019 Bewirtschaftungsakten
behändigen und mutmasslich vernichten konnte (nachfolgend E. 7.2),
und

- zweitens darum, dass der Beschuldigte am 14. Mai 2019 D. Schlüssel
übergeben haben will (nachfolgend E. 7.3).

- 15 -

Wenngleich theoretisch nicht auszuschliessen ist, dass es auch auf ande-
rem Wege zur Vernichtung bzw. zum dauernden Verlust von Bewirtschaf-
tungsakten und Schlüsseln gekommen sein könnte, gibt es hierfür trotz um-
fassender Untersuchung keinerlei konkreten Hinweise, weshalb eine damit
begründete Verurteilung des Beschuldigten ohne Weiteres ausgeschlos-
sen werden kann.

7.2.
Trotz umfassender Untersuchung fehlt es an jeglichen Hinweisen, dass der
Beschuldigte die Bewirtschaftungsakten D. am 13. April 2019 im Wissen
darum zugänglich gemacht haben könnte, dass dies zu deren Vernichtung
oder dauerndem Verlust führten könnte. Auch gibt es keinerlei Hinweise,
dass er Entsprechendes zumindest hätte befürchten müssen. Insofern
kann sich der Beschuldigte mit seiner allfälligen und auf entsprechenden
Weisungen (vgl. vorstehende E. 5.2.2) beruhenden Beteiligung an der
Übergabe von Bewirtschaftungsakten an D. am 13. April 2019 mangels
(Eventual-)Vorsatzes nicht der Gehilfenschaft zur Sachbeschädigung oder
Sachentziehung schuldig gemacht haben. Das in E. 6.3 (Absatz 3) Ausge-
führte gilt auch hier sinngemäss.

7.3.
Was schliesslich die vom Beschuldigten behauptete Übergabe von Schlüs-
seln an D. am 14. Mai 2019 anbelangt, lässt sich die von ihm hierzu am 15.
Januar 2020 abgegebene plausible Begründung, wonach er die Schlüssel
D. in der Meinung übergeben habe, dass die Schlüssel bei den Bewirt-
schaftungsakten sein sollten (Frage 18), trotz umfassender Untersuchung
nicht widerlegen bzw. (wie vom Beschwerdeführer behauptet) als blosse
Schutzbehauptung abtun, zumal D. zumindest bei seiner ersten Einver-
nahme vom 13. November 2019 aussagte, auch Schlüssel vernichtet zu
haben (Frage 69). Belastbare Hinweise, dass der Beschuldigte damals die
Vernichtung der Schlüssel oder zumindest deren Verschwinden befürchtet
hätte oder zumindest hätte befürchten müssen, gibt es trotz umfassender
Untersuchung keine. Es ging dem Beschuldigten bei der Schlüsselüber-
gabe ganz offensichtlich einzig darum, der internen Zuständigkeit in der
Sache Rechnung zu tragen, ohne dass eine Verletzung von irgendwelchen
Sorgfaltspflichten auszumachen wäre. Auch derart kann er sich mangels
(Eventual-)Vorsatzes nicht der Gehilfenschaft zur Sachbeschädigung oder
Sachentziehung (für welche im Übrigen nach dem in E. 4.3 Gesagten auch
kein gültiger Strafantrag vorläge) schuldig gemacht haben.

8.
Die Beschwerde erweist sich damit in der Sache als insgesamt unbegrün-
det.

- 16 -

9.
Auch der Vorwurf der Verletzung der Begründungspflicht ist unbegründet,
zumal die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm mit ihrer in der Einstellungs-
verfügung abgegebenen Begründung, dass der Beschuldigte nur auf An-
weisung gehandelt habe und ihm dies strafrechtlich nicht zum Vorwurf zu
machen sei, sich in den letztlich wesentlichen Punkten in einer Art und
Weise positionierte, dass (wie die erhobene Beschwerde zeigt) eine sach-
gerechte Anfechtung möglich war. Dass die Staatsanwaltschaft Zofingen-
Kulm darauf verzichtete, ihren Standpunkt in der Einstellungsverfügung
noch näher zu erläutern, genügt für die Annahme einer Verletzung der Be-
gründungspflicht nicht, weil in einer Einstellungsverfügung nicht sämtliche
möglichen Rügen in Vorwegnahme einer Beschwerde abzuhandeln sind.
Dementsprechend ist die Beschwerde auch in diesem Punkt unbegründet
und damit vollumfänglich abzuweisen.

10.
10.1.
Ausgangsgemäss sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem unter-
liegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).

10.2.
10.2.1.
Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren
richten sich nach den Art. 429 - 434 StPO (Art. 436 Abs. 1 StPO).

Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird
das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a
StPO Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemes-
sene Ausübung ihrer Verfahrensrechte. Gemäss Art. 429 Abs. 2 StPO prüft
die Strafbehörde den Anspruch von Amtes wegen. Sie kann die beschul-
digte Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen.

Die obsiegende beschuldigte Person hat gegenüber der Privatklägerschaft
Anspruch auf angemessene Entschädigung für die durch die Anträge zum
Zivilpunkt verursachten Aufwendungen (Art. 432 Abs. 1 StPO). Obsiegt die
beschuldigte Person bei Antragsdelikten im Schuldpunkt, so kann die Pri-
vatklägerschaft verpflichtet werden, der beschuldigten Person die Aufwen-
dungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte zu ersetzen
(Art. 432 Abs. 2 StPO).

10.2.2.
Der Beschuldigte verteidigte sich anfänglich selbst, wofür ihm keine Ent-
schädigung auszurichten ist, zumal die hierfür erforderlichen besonderen
Verhältnisse (namentlich ein hoher Arbeitsaufwand, der den Rahmen des-
sen überschreitet, was der Einzelne üblicher- und zumutbarerweise neben-
bei zur Besorgung der persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen

- 17 -

hat; vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 6B_251/2015 vom 24. August
2015 E. 2.3.2) nicht vorlagen.

Dass sich der Beschuldigte im weiteren Beschwerdeverlauf, namentlich bei
der Verfassung seiner 5-seitigen Stellungnahme vom 21. Januar 2022, ver-
teidigen liess, ist angesichts der Fallkomplexität sowie des Umstandes,
dass auch der Beschwerdeführer anwaltlich vertreten war, nicht zu bean-
standen. Hierfür ist der Beschuldigte angemessen zu entschädigen.

In Mitberücksichtigung der für das Verfassen der Stellungnahme erforder-
licher Instruktion und des erforderlichen Aktenstudiums erscheint ein Auf-
wand von 5 Stunden angemessen, der entsprechend § 9 Abs. 2bis AnwT
mit Fr. 220.00 pro Stunde zu entschädigen ist. In zusätzlicher Berücksich-
tigung einer Auslagenpauschale von praxisgemäss 3 % sowie der Mehr-
wertsteuer (7.7%) beläuft sich die dem Beschuldigten geschuldete Ent-
schädigung auf Fr. 1'220.25 (Fr. 220.00 x 5 x 1.03 x 1.077).

10.2.3.
Zivilpunkte spielten im vorliegenden Beschwerdeverfahren keine Rolle,
weshalb Aufwendungen des Beschuldigten dem Beschwerdeführer nur ge-
stützt auf Art. 432 Abs. 2 StPO auferlegt werden können, soweit es um
Antragsdelikte geht.

Vorliegend geht es um zwei Offizialdelikte (qualifizierte Sachbeschädigung
und versuchte Nötigung) und um ein Antragsdelikt (Sachentziehung). Weil
in diesem Beschwerdeverfahren keiner dieser drei Tatbestände gegenüber
den anderen eindeutig im Vordergrund stand, erscheint es angemessen,
die dem Beschuldigten für seine Aufwendungen geschuldete Entschädi-
gung zu 1/3 dem Beschwerdeführer mit Fr. 406.75 aufzuerlegen und zu
2/3 mit Fr. 813.50 auf die Staatskasse zu nehmen.

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-
bühr von Fr. 1'200.00 und den Auslagen von Fr. 114.00, zusammen
Fr. 1'314.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt und in diesem Um-
fang mit der geleisteten Kostensicherheit verrechnet.

- 18 -

3.
3.1.
Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, dem Beschuldigten als Entschädi-
gung für dieses Beschwerdeverfahren Fr. 406.75 zu zahlen.

3.2.
Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten als Entschä-
digung für dieses Beschwerdeverfahren Fr. 813.50 auszurichten.

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).
Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 17. Mai 2022

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard

	10.2.