# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d820b4ce-db93-5ac7-9bef-5ada377c6528
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.01.2024 F-2740/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2740-2023_2024-01-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2740/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Basil Cupa (Vorsitz), 

Richterin Claudia Cotting-Schalch,  

Richter Gregor Chatton,    

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

vertreten durch lic. iur. Isabelle Müller, Caritas Schweiz, 

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum aus humanitären Gründen;  

Verfügung des SEM vom 12. April 2023. 

 

 

 

F-2740/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 3. August 2022 beantragte der Beschwerdeführer (afghanischer 

Staatsangehöriger, geb. 2008) bei der Schweizer Botschaft in Pakistan die 

Erteilung eines humanitären Visums. 

B.  

Die Schweizer Botschaft verweigerte mit Formularverfügung vom  

11. Oktober 2022 die Erteilung des nachgesuchten Visums. 

C.  

Mit Verfügung vom 12. April 2023 lehnte die Vorinstanz die dagegen erho-

bene Einsprache des Beschwerdeführers ab. 

D.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 12. Mai 2023 gelangte der Beschwerdeführer 

an das Bundesverwaltungsgericht und liess beantragen, in Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung sei die Vorinstanz anzuweisen, ihm ein Visum 

aus humanitären Gründen zu erteilen und die Einreise in die Schweiz zu 

bewilligen. Überdies liess er um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung und Verbeiständung ersuchen.  

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht hiess das Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung gut, hingegen wies es das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Verbeiständung mit Zwischenverfügung vom 

19. Mai 2023 ab. 

F.  

Mit Vernehmlassung vom 29. Juni 2023 beantragte die Vorinstanz die Be-

schwerdeabweisung. Replizierend hielt der Beschwerdeführer am  

14. August 2023 an seinen eingangs gestellten Anträgen und deren Be-

gründung fest.  

G.  

Mit Eingabe vom 18. August 2023 reichte der Beschwerdeführer einen 

Arztbericht vom 17. August 2023 ein. Die Replik wurde der Vorinstanz am 

23. August 2023 zur Kenntnisnahme zugestellt. 

F-2740/2023 

Seite 3 

H.  

Am 2. Oktober 2023 beantwortete das Bundesverwaltungsgericht eine  

Verfahrensstandsanfrage. 

I.  

Mit Eingabe vom 18. Dezember 2023 wies der Beschwerdeführer auf sei-

nen sich verschlechternden Gesundheitszustand hin.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 

Abs. 1 AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). In diesem Bereich entschei-

det das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat, der ein schutzwür-

diges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefochtenen Ver-

fügung hat, zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auch die 

übrigen Sachurteilsvoraussetzungen Rechtsmittelfrist [Art. 50 

Abs. 1 VwVG] und Form der Beschwerde [Art. 52 Abs.  1 VwVG]) sind er-

füllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und, im Falle von Bundesbehörden, die Unangemes-

senheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht 

wendet im Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an 

und ist nicht an die Begründung der Begehren gebunden (Art. 62 

Abs. 4 VwVG). Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage im Entscheid-

zeitpunkt (vgl. BVGE 2020 VII/4 E. 2.2 m.H.). 

3.  

3.1 Als Staatsangehöriger Afghanistans unterliegt der Beschwerdeführer 

der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 über 

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Seite 4 

die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit seinem Ge-

such beabsichtigt er einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb dieses nicht 

nach den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, sondern nach den 

Bestimmungen des nationalen Rechts zu prüfen ist (vgl. BVGE 2018 VII/5 

E. 3.5 und E. 3.6.1). 

3.2 Ausländerinnen und Ausländern, welche die allgemeinen Einreisevor-

aussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) nicht erfüllen, kann in begründeten 

Fällen aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Auf-

enthalt erteilt werden. Ein solcher Fall liegt vor, wenn bei einer Person auf-

grund der konkreten Umstände offensichtlich davon ausgegangen werden 

muss, dass sie im Heimat- oder Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und 

konkret an Leib und Leben gefährdet ist (Art. 4 Abs. 2 VEV i.V.m. Art. 5 

Abs. 3 AIG).  

3.3 Im Rahmen des Verfahrens zur Erteilung humanitärer Visa wurden die 

Einreisevoraussetzungen noch restriktiver gestaltet als dies beim früheren 

sogenannten «Botschaftsasyl» der Fall war (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; 

2015/5 E. 4.1.2 f.; siehe ferner E. 3.4 hiernach). Die betroffene Person 

muss sich in einer besonderen Notsituation befinden, die ein behördliches 

Eingreifen zwingend erforderlich macht und die Erteilung eines Einreisevi-

sums ausnahmsweise rechtfertigt. Dies kann etwa bei akuten kriegeri-

schen Ereignissen oder aufgrund einer konkreten individuellen Gefährdung 

gegeben sein. Befindet sich die betroffene Person bereits in einem Dritt-

staat oder ist sie nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig in ihr 

Heimat- oder Herkunftsland zurückgekehrt und hat sie die Möglichkeit, sich 

erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon auszugehen, 

dass keine Gefährdung mehr besteht (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; 

2015/5 E. 4.1.3; Urteil des BVGer F-4139/2022 vom 19. Juni 2023 E. 3.2; 

je m.w.H.). Das Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Ge-

fährdung, der persönlichen Umstände der betroffenen Person und der 

Lage im Heimat- oder Herkunftsland zu prüfen. Dabei sind weitere Kriterien 

wie das Bestehen enger Bindungen zur Schweiz und die hier bestehenden 

Integrationsaussichten oder die objektive Unmöglichkeit oder Unzumutbar-

keit, in einem anderen Land um Schutz nachzusuchen, zu beachten (vgl. 

BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; Urteil des BVGer F-3278/2021 vom 10. Ja-

nuar 2022 E. 3.3).  

3.4 Allein das freiwillige Aufsuchen einer Schweizer Auslandsvertretung 

zwecks Stellung eines humanitären Visums begründet seitens der Schweiz 

keine internationale Schutzpflicht, weil sich die gesuchstellende Person 

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damit nicht der Hoheitsgewalt der Eidgenossenschaft unterstellt (siehe mu-

tatis mutandis Urteil des EGMR [Grosse Kammer] M.N. u.a. gegen Belgien 

vom 5. Mai 2020, Nr. 3599/18, §§ 96 ff.). Im Gegensatz zum Asylrecht gilt 

für die Erteilung eines humanitären Visums ein erhöhtes Beweismass. Die 

Gefährdung muss offensichtlich sein; eine blosse Glaubhaftmachung ge-

nügt nicht (siehe BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; 2015/5 E. 4.1.3; ferner Urteile 

des BVGer F-4626/2021 vom 13. April 2023 E. 3.3; F-4827/2021 vom 

13. März 2023 E. 3.4). Dies ergibt sich nicht zuletzt aus dem Umstand, 

dass mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom  

28. September 2012 (AS 2012 5359) per 29. September 2012 die Möglich-

keit aufgehoben wurde, direkt bei einer Schweizer Auslandsvertretung ein 

Asylgesuch einzureichen und stattdessen das strenger ausgestaltete 

Rechtsinstitut des humanitären Visums geschaffen wurde (einlässlich 

dazu: BVGE 2015/5 E. 4.1 m.w.H., insbesondere unter Verweis auf die Bot-

schaft vom 26. Mai 2010 zur Änderung des Asylgesetzes, BBl 2010 4455, 

4490). 

4.  

Strittig ist, ob der derzeit in Pakistan befindliche Beschwerdeführer bei ei-

ner Rückkehr in sein Heimatland Afghanistan offensichtlich einer unmittel-

baren, ernsthaften und konkreten Gefahr an Leib und Leben im Sinn von 

Art. 4 Abs. 2 VEV ausgesetzt wäre, die sich massgeblich von anderen dor-

tigen Personen abhebt. 

4.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihres Entscheids an, aus den Vor-

bringen des Beschwerdeführers liesse sich keine konkrete und individuelle 

Gefährdungssituation herleiten, zumal er nach seiner Ausreise aus Afgha-

nistan im März 2022 wieder dorthin zurückgekehrt sei. Eine besondere Ex-

poniertheit, aufgrund derer er den Taliban in Afghanistan aufgefallen wäre, 

sei nicht ersichtlich. Er habe die Grenze zwischen Afghanistan und Pakis-

tan mehrfach überquert, ohne dabei von den Taliban aufgegriffen worden 

zu sein. Letztmals sei er im August 2022 nach Pakistan gereist. Als Be-

weismittel habe er lediglich zwei als Drohbriefe bezeichnete Schreiben ein-

gereicht, welche seine in Afghanistan lebende Familie nach einem Face-

book-Eintrag eines in der Schweiz wohnhaften Bruders erhalten haben 

solle. Zwei weitere Drohbriefe seien von Familienangehörigen zerrissen 

worden. Die eingereichten Drohbriefe hätten einen geringen Beweiswert 

und seien nicht geeignet, eine individuelle, ernsthafte und konkrete Gefähr-

dung des Beschwerdeführers in Afghanistan zu belegen. Dasselbe gelte 

für die Facebook-Einträge des in der Schweiz lebenden Bruders. Folglich 

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Seite 6 

sei nicht von einer akuten Gefährdung des Beschwerdeführers in Afgha-

nistan auszugehen.  

4.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, seine Brüder seien auf-

grund ihrer beruflichen Tätigkeiten ins Visier der Taliban geraten. Ein Bru-

der, welcher von 2018 bis 2019 für die (…) tätig gewesen sei, sei nach 

Erhalt eines Drohbriefs nach (…) geflohen. Ein weiterer Bruder, welcher 

ebenfalls für die (…) und für die afghanische Armee gearbeitet habe und in 

der Folge von den Taliban bedroht worden sei, gelte seit dem Machtwech-

sel in Afghanistan im August 2021 als verschollen. Der in der Schweiz le-

bende Bruder sei von den hiesigen Behörden als Flüchtling anerkannt wor-

den und habe Asyl erhalten. Ein weiterer Bruder sei bei der Ausreise aus 

Afghanistan festgenommen worden und befinde sich seither in Haft. Auch 

wenn er selbst von den Taliban nicht bedroht, entführt oder festgenommen 

worden sei, richteten sich die Drohbriefe auch gegen ihn.  

4.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, es sei nicht ersichtlich, 

inwiefern der Beschwerdeführer aufgrund der früheren Tätigkeiten der Brü-

der in den Fokus der Taliban geraten sei. Eine unmittelbare, ernsthafte und 

konkrete Gefährdung an Leib und Leben in Afghanistan sei zu verneinen. 

In Pakistan befinde sich der minderjährige Beschwerdeführer zwar ohne 

seine Familie. Er sei aber in der Obhut der deutschen Organisation (…), 

die ihn unterstütze. Er verfüge damit über ein Beziehungsnetz in Pakistan 

und sei nicht auf sich allein gestellt.  

4.4 Dem entgegnet der Beschwerdeführer in der Replik, er sei traumatisiert 

und sein Zustand werde sich ohne psychotherapeutische Unterstützung 

weiter verschlechtern. Die aktuelle Therapie bei einem pakistanischen 

Therapeuten diene lediglich der Schadensbegrenzung. 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer machte keine gezielte Verfolgung durch die Ta-

liban in Afghanistan geltend. Vielmehr bringt er vor, aufgrund der ehemali-

gen Tätigkeiten seiner Brüder für die (…) und die afghanische Armee hät-

ten seine Familienmitglieder Drohbriefe der Taliban erhalten. Bei den zwei 

handgeschriebenen undatierten Drohbriefen handelt es sich lediglich um 

Kopien, womit sie weder auf ihre Echtheit noch auf ihren Inhalt überprüfbar 

sind. Zum Nachweis einer unmittelbaren und ernsthaften Gefährdung des 

Beschwerdeführers seitens der Taliban kann ihnen kein Beweiswert beige-

messen werden. Gegen eine Gefährdung des Beschwerdeführers auf-

grund des beruflichen Engagements seiner Brüder spricht insbesondere 

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der Umstand, dass er im März 2022 mit seiner Mutter erstmals nach dem 

Machtwechsel in Afghanistan nach Pakistan reiste und mangels Vorfindens 

einer geeigneten Unterkunft wieder nach Afghanistan zurückkehrt ist. Ein 

derartiges Risikoverhalten ist angesichts der behaupteten Gefährdung an 

Leib und Leben durch die Taliban in Afghanistan nicht nachvollziehbar. Im 

August 2022 reiste er erneut mit einem Visum nach Pakistan. Nach der 

Machtübernahme im August 2021 hielt er sich demnach noch ein weiteres 

Jahr in Afghanistan auf, ohne dass es zu Verfolgungsmassnahmen der Ta-

liban gegen seine Person gekommen ist. Eine gezielte Verfolgung des Be-

schwerdeführers durch die Taliban ist vor diesem Hintergrund weder dar-

getan noch ersichtlich. Ebenso wenig ist erkennbar, inwiefern der Be-

schwerdeführer aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit als Schüler ins Visier 

der Taliban geraten sein sollte. Im Übrigen brachte der Beschwerdeführer 

vor, vor allem sein Vater sei nach den Facebook-Posts des in der Schweiz 

lebenden Sohnes einer Gefährdung durch die Taliban in Afghanistan aus-

gesetzt. Die in diesem Zusammenhang geschilderte Festnahme des Vaters 

sowie jene eines weiteren Bruders bei der Ausreise aus Afghanistan wur-

den jedoch nicht hinreichend substanziiert dargetan und blieben gänzlich 

unbelegt. Die Eltern und Schwestern des Beschwerdeführers leben offen-

bar – abgesehen von den nicht belegten Festnahmen – weiterhin unbehel-

ligt in Afghanistan.  

5.2 Von der zweifellos prekären sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen 

Lage ist die afghanische Bevölkerung im Allgemeinen – und nicht einzig 

der Beschwerdeführer individuell – betroffen. Eine besonders gelagerte 

Gefährdungssituation des Beschwerdeführers im Vergleich zu anderen in 

Afghanistan lebenden Personen ist zu verneinen, da ersterer keinerlei Ri-

sikoprofil (dazu statt vieler: Urteil des BVGer F-4179/2022 vom 2. Okto-

ber 2023 E. 5 f.) aufweist. Folglich erübrigt sich die Prüfung einer allfälligen 

Rückschiebegefahr von Pakistan nach Afghanistan (vgl. Urteil des BVGer 

F-949/2023 vom 17. November 2023 E. 8). 

5.3 Anzumerken bleibt, dass der Beschwerdeführer in Pakistan ebenfalls 

nicht unmittelbar gefährdet ist. Gemäss seinen Angaben ist er mit Hilfe des 

deutschen Vereins (…) aus Afghanistan ausgereist und befindet sich seit-

her in dessen Obhut in Pakistan. Aus den Akten geht hervor, dass er durch 

den in der Schweiz ansässigen Verein (…) finanziell unterstützt wird. Dass 

die Betreuung des Beschwerdeführers in Pakistan nicht dem Schweizer 

Niveau entspricht und er nicht von einer sozialpädagogisch ausgebildeten 

Person unterstützt wird, vermag keine unmittelbare, konkrete und ernst-

hafte Gefährdung an Leib und Leben zu begründen (vgl. Urteil des BVGer 

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Seite 8 

F-949/2023 vom 17. November 2023 E. 7.2). Das Gleiche gilt für die gänz-

lich unbelegt gebliebenen Drohungen durch unbekannte Personen.  

5.4 In Bezug auf den Gesundheitszustand ist einem Bericht eines Psycho-

logen vom 17. August 2023 zu entnehmen, dass sich der Beschwerdefüh-

rer seit dem 3. April 2023 in ambulanter psychologischer Behandlung in 

Pakistan befindet und seither mindestens sieben Therapiesitzungen statt-

fanden. Er leide an Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Wutaus-

brüchen und Appetitlosigkeit. Diagnostiziert wurde eine schwere depres-

sive Episode. Der Zustand habe sich zwischenzeitlich verbessert. Gemäss 

einem Schreiben des Vereins (…) vom 7. August 2023 nimmt der Be-

schwerdeführer wöchentlich an einer Therapiesitzung teil. Daraus ist zu 

schliessen, dass keine medizinische Notlage vorliegt und der Beschwerde-

führer in Pakistan Zugang zur medizinischen Versorgung hat (siehe ferner 

Urteile des BVGer F-949/2023 vom 17. November 2023 E. 8.2;  

E-5940/2018 vom 31. Mai 2022 E. 9.4.4.4; D-322/2022 vom 31. März 2022 

E. 7.3.2.2; je m.w.H.). Soweit in der Replik vorgebracht wird, eine Weiter-

führung der Therapie sei aus finanziellen Gründen nicht möglich, ist fest-

zuhalten, dass die fehlende Erschwinglichkeit einer medizinischen Be-

handlung per se nicht geeignet ist, eine besondere Notsituation im Sinn der 

Rechtsprechung zu begründen (vgl. Urteil des BVGer F-5064/2021 vom 

23. Januar 2023 E. 7.3 m.w.H.). Eine unmittelbar lebensbedrohliche Ge-

sundheitsbeeinträchtigung des Beschwerdeführers ist somit nicht hinrei-

chend erstellt. 

5.5 Eine besondere Notsituation, die ein behördliches Eingreifen im Aus-

land rechtfertigen würde, liegt auch im Lichte des Übereinkommens vom 

20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) nicht vor. 

Insoweit ist der gewichtige Aspekt des Kindeswohls vorliegend zu relativie-

ren. Die KRK vermittelt keinen unmittelbaren Anspruch auf die Erteilung 

einer ausländerrechtlichen Bewilligung (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.5.2; 139 I 

315 E. 2.4; je m.w.H.), a fortiori also auch keinen Anspruch auf ein huma-

nitäres Visum. 

5.6 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Situation für 

den sich in Pakistan befindenden Beschwerdeführer schwierig und belas-

tend sein dürfte. Allerdings ist weder dargetan noch ohne Weiteres ersicht-

lich, dass er im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan einer unmittelbaren, 

ernsthaften und konkreten Gefahr an Leib und Leben im Sinn von Art. 4 

Abs. 2 VEV ausgesetzt wäre, die sich massgeblich von der Situation ande-

rer dortiger Personen abhebt. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die 

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Seite 9 

Befragung auf der Schweizer Botschaft sei weder in einer jugendgerechten 

Sprache noch Atmosphäre durchgeführt worden, ist festzuhalten, dass im 

Bereich des humanitären Visums – im Gegensatz zum Asylverfahren – 

eine formelle Anhörung nicht vorgesehen ist (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.2 

m.H., insbesondere unter Verweis auf die Botschaft vom 26. Mai 2010 zur 

Änderung des Asylgesetzes, BBl 2010 4455, 4491). Der Beschwerdeführer 

muss die ihn betreffende ernsthafte Gefährdung an Leib und Leben im 

Rahmen seiner Mitwirkungspflicht (Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG) selbst be-

legen (vgl. Urteil des BVGer F-929/2023 vom 7. Februar 2023 E. 4.4.1). 

Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer zur Antragstellung nach Pakis-

tan reisen musste, ist mangels Risikoprofil nicht entscheidrelevant (siehe 

E. 5.2 hiervor), sodass eine Ungleichbehandlung mit Personen, welche ein 

humanitäres Visum auf einer schweizerischen Vertretung in ihrem Heimat-

staat beantragen konnten, von vornherein ausser Betracht fällt. 

6.  

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Vorausset-

zungen für die Erteilung eines humanitären Visums nach Art. 4 Abs. 2 VEV 

zwecks Einreise in die Schweiz nicht erfüllt und ihm die Vorinstanz das 

nachgesuchte Visum zu Recht verweigerte. Die angefochtene Verfügung 

erweist sich als rechtmässig (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuwei-

sen.  

7.  

Entsprechend dem Verfahrensausgang würde der unterliegende Be-

schwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Angesichts der Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG ist 

indes von der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen. 

 

(Dispositiv: nachfolgende Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Basil Cupa Nathalie Schmidlin 

 

 

 

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