# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 795aa522-6002-5e0d-b1bc-832d0c0e8e9d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-05-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.05.2017 E-6170/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6170-2015_2017-05-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6170/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  M a i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Yanick Felley, Richter David Wenger,    

Gerichtsschreiber Nicholas Swain. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

alle amtlich verbeiständet durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, 

Advokatur Kanonengasse, 

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 28. August 2015 / N (…). 

 

 

 

E-6170/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden reisten am (…) September 2014 in die Schweiz 

ein und stellten gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

F._______ Asylgesuche. Am 16. Oktober 2014 fanden die Kurzbefragun-

gen zur Person (BzP) im EVZ und am 25. August 2015 die Anhörungen zu 

den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt. 

B.  

B.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs 

vor, er sei eritreischer Staatsangehöriger, sei aber im Flüchtlingslager 

G._______ im Sudan geboren worden. Im Jahr 1997 sei er zusammen mit 

seinen Eltern nach Eritrea zurückgekehrt, und sie hätten zunächst in 

H._______ und ab dem Jahr 2007 in I._______ gelebt. Ebenfalls im Jahr 

2007 habe er seine Lebenspartnerin kennengelernt. Ende Februar 2009 

habe ein aus dem J._______ stammender Bekannter seiner Familie eine 

oder zwei Nächte bei ihnen verbracht und danach versucht, illegal aus Erit-

rea auszureisen. Diese Person sei aber bei ihrem Fluchtversuch verhaftet 

worden und habe anschliessend den Behörden den Namen des Beschwer-

deführers beziehungsweise seiner Familie preisgegeben. Kurz darauf sei 

dieser beim Verlassen der Schule von Sicherheitsbeamten festgenommen 

und in ein Gefängnis namens „K._______“ gebracht worden. Dort sei er 

verhört worden, wobei ihm vorgeworfen worden sei, den Bekannten seiner 

Familie bei dessen versuchter illegaler Ausreise unterstützt zu haben. Die 

übrigen Angehörigen seiner Familie seien nicht festgenommen, sondern 

nur befragt worden. Nach einem oder drei Tagen (vgl. Protokoll BzP A6 

S. 10), beziehungsweise am Abend des Tages seiner Festnahme (vgl. Pro-

tokoll Anhörung A29 S. 7 f.), sei ihm die Flucht aus der Haft gelungen, in-

dem er bei einem Toilettengang eine niedrige Mauer überstiegen habe, und 

er habe sich danach zu einem Freund in I._______ begeben. Von dort aus 

habe er ein Kind als Bote zu seiner Lebenspartnerin geschickt und sie hät-

ten sich danach getroffen. Die Partnerin habe ihre Ausreise aus Eritrea or-

ganisiert und bezahlt. Sie hätten am (…) März 2009 zusammen unter Füh-

rung eines Schleppers zu Fuss die Grenze bei L._______ überquert und 

seien dann in einem Auto nach M._______ gebracht worden. Nach einem 

zweimonatigen Aufenthalt im Flüchtlingslager N._______ seien sie nach 

(…) weitergereist, wo sie bis 2014 gelebt hätten und ihre (…) Kinder zur 

Welt gekommen seien. Zwei oder drei Wochen nach ihrer Ausreise sei 

seine Mutter einmal von den Sicherheitskräften nach seinem Verbleib be-

fragt worden. Nachdem sie ihnen gesagt habe, sie habe damit nichts zu 

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Seite 3 

tun, hätten sie sie in Ruhe gelassen. Das Leben im Sudan sei schwierig 

gewesen, weil sie keine Aufenthaltsberechtigung gehabt hätten und er den 

Sicherheitskräften wiederholt habe Geld für einen Passierschein bezahlen 

müssen. Zudem hätten ihre Kinder nicht zur Schule gehen können. Wäh-

rend des Ramadans im Jahr 2014 (Juli 2014) hätten sie den Sudan verlas-

sen und seien via Libyen und Italien die Schweiz gereist. Im Übrigen be-

fürchte er, im Falle einer Rückkehr nach Eritrea zwangsrekrutiert zu wer-

den. 

B.b Die Beschwerdeführerin brachte vor, ebenfalls im Sudan geboren zu 

sein. Im Jahr 2000 oder 2001 sei sie mit ihrer Mutter nach Eritrea zurück-

gekehrt, und sie hätten dort in I._______ gelebt. Sie habe ihr Heimatland 

wegen der Probleme ihres Mannes verlassen. Im Weiteren habe ihr in 

O._______ lebender Vater sie seit 2007 oder 2008 gegen ihren Willen mit 

einem dort lebenden Landsmann verheiraten wollen, wogegen sie sich 

aber gewehrt habe. Ihr Vater habe ihren Lebenspartner nicht akzeptiert. Im 

März 2009 habe sie die Schule wegen der drohenden Zwangsheirat abge-

brochen. Aus diesen Gründen habe sie die Flucht aus Eritrea in Betracht 

gezogen und sich nach einem Schlepper erkundigt. Auslöser für ihrer Aus-

reise sei schliesslich die Verhaftung ihres Lebenspartners und dessen 

Flucht aus dem Gefängnis gewesen. Am selben Tag, an dem er sie kon-

taktiert habe, seien sie zusammen in den Sudan ausgereist. Sie befürchte 

im Übrigen, im Falle der Rückkehr nach Eritrea wegen ihrer illegalen Aus-

reise festgenommen zu werden. 

B.c Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden eine 

eritreische Identitätskarte des Beschwerdeführers sowie im Sudan ausge-

stellte Geburtsurkunden der Kinder C._______ und D._______ ein. 

C.  

Mit Verfügung vom 28. August 2015 (eröffnet am 31. August 2015) stellte 

das SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegwei-

sung aus der Schweiz an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug der Weg-

weisung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme 

aufgeschoben werde. 

D.  

Die Beschwerdeführenden erhoben mit Eingabe ihres Rechtsvertreters 

vom 30. September 2015 an das Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

gegen die Verfügung der Vorinstanz und beantragten, die Dispositiv-Ziffern 

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1 bis 3 derselben seien aufzuheben und es sei ihre Flüchtlingseigenschaft 

festzustellen sowie ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur 

rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und zu neuer Entscheidung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantrag-

ten sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie Verbei-

ständung unter Beiordnung ihres Rechtsvertreters als unentgeltlichen Bei-

stand und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2015 hiess der Instruktionsrichter 

die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG und um Verbeiständung im Sinne von Art. 110a AsylG gut, ordnete 

den Beschwerdeführenden ihren bisherigen Rechtsvertreter als unentgelt-

lichen Rechtsbeistand bei und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. Zudem wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehm-

lassung eingeladen. 

F.  

In ihrer Vernehmlassung vom 16. Oktober 2015 hielt die Vorinstanz an ihrer 

Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

G.  

Mit Eingabe vom 3. November 2015 machten die Beschwerdeführenden 

vom dem ihnen mit Instruktionsverfügung vom 19. Oktober 2015 einge-

räumten Recht zur Replik Gebrauch und hielten an ihren Anträgen fest. 

In der Beilage reichten sie zwei Schülerausweise aus den Jahren (…) und 

(…) sowie zwei Schulzeugnisse der Schuljahre (…) und (…) des Be-

schwerdeführers, einen Schülerausweis aus dem Jahr (…), ein Schulzeug-

nis der Beschwerdeführerin des Schuljahres (…) und die Bestätigung des 

Besuchs eines Erste-Hilfe-Kurses des Beschwerdeführers zu den Akten. 

  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 5 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder 

Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht 

haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung 

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 

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Ebenfalls keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, 

die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder 

Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat 

bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung 

der FK auch hier vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1  

4.1.1 Die Vorinstanz stellte sich zur Begründung ihrer Verfügung auf den 

Standpunkt, die Vorbringen der Beschwerdeführenden vermöchten den 

Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genü-

gen. Die Ausführungen des Beschwerdeführers würden zahlreiche Wider-

sprüche aufweisen. Betreffend seinen Schulbesuch habe er bei der BzP 

ausgesagt, die ersten zwei Schuljahre im Sudan und die dritte bis neunte 

Klasse in H._______ absolviert zu haben, wohingegen er bei der Anhörung 

zu Protokoll gegeben habe, im Sudan nicht zur Schule gegangen zu sein 

und in H._______ mit der ersten Klasse begonnen zu haben. Ebenso wi-

dersprüchlich seien seine Aussagen bezüglich der Herkunft des Bekann-

ten, dessen Fluchtversuch ursächlich für seine Festnahme gewesen sei, 

sowie die Beziehung dieser Person zu seiner Familie. Die Angaben des 

Beschwerdeführers zu den Aussagen dieser Person gegenüber der Polizei 

seien unlogisch, und er habe nicht überzeugend zu erklären vermocht, wie 

er Kenntnis hiervon erlangt habe. Ferner habe der Beschwerdeführer auch 

widersprüchliche Angaben bezüglich der Dauer seiner Inhaftierung in 

K._______ gemacht, welche er auf Nachfrage hin nicht habe klären kön-

nen. Es sei schliesslich nicht nachvollziehbar, dass die Wärter zugelassen 

hätten, dass er in der beschriebenen Weise ohne weiteres aus dem Ge-

fängnis habe fliehen können. Die Aussagen des Beschwerdeführers wür-

den insgesamt konstruiert wirken und seien deshalb nicht glaubhaft. 

4.1.2 Im Weiteren seien auch die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht 

plausibel. Es sei nicht nachvollziehbar, dass ihr Vater ihr seit dem Jahre 

2007 oder 2008 immer wieder mit der Zwangsheirat gedroht habe, ohne 

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diese aber bis zu ihrer Ausreise umzusetzen. Zudem sei ihr angeblicher 

Schulabbruch wegen der drohenden Zwangsheirat unlogisch. Ihre Erklä-

rung, ihr Vater wäre nach Eritrea gekommen um sie zu verheiraten, wenn 

sie mit der Schule weitergefahren hätte, sei nicht plausibel. Ferner habe 

die Beschwerdeführerin keinerlei Identitätspapiere zu den Akten gegeben 

und sie habe widersprüchliche Angaben dazu gemacht, ob ihr die Kopie 

einer Identitätskarte – zu deren Beschaffung sie bei der BzP aufgefordert 

worden sei – zugestellt worden sei oder nicht. 

4.1.3 Die Ausführungen der Beschwerdeführenden zu ihrer angeblichen il-

legalen Ausreise aus Eritrea seien wenig konkret. Auch auf Nachfrage hin 

seien sie nicht in der Lage gewesen, anschaulich zu schildern, wie sie von 

Eritrea in den Sudan gelangt seien. Vielmehr würden sich ihre diesbezüg-

lichen Ausführungen in Allgemeinplätzen erschöpfen, die irgendjemand 

nacherzählen könnte. Darüber hinaus habe der Beschwerdeführer wider-

sprüchliche Angaben dazu gemacht, ob sie von einem oder von mehreren 

Schleppern von I._______ nach M._______ begleitet worden seien. 

4.1.4 Aufgrund dieser Ungereimtheiten sei davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführenden nie in Eritrea gelebt, sondern sich bis zu ihrer Aus-

reise im Sudan aufgehalten hätten. Demnach bestehe kein Grund zur An-

nahme einer Verfolgung wegen illegaler Ausreise. Schliesslich erübrige es 

sich in Anbetracht der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerde-

führenden auf den Antrag der Hilfswerksvertretung, es sei eine ergänzende 

Anhörung durchzuführen, einzugehen. 

4.2  

4.2.1 Zur Begründung ihrer Beschwerde führten die Beschwerdeführenden 

zunächst aus, der Beschwerdeführer habe anlässlich seiner Anhörung 

nachvollziehbar und plausibel dargelegt, wo und wie lange er zur Schule 

gegangen sei. Mit seiner Aussage, er sei im Sudan nie zur Schule gegan-

gen, habe er zum Ausdruck bringen wollen, dass die ihm die dort absol-

vierten Schuljahre in Eritrea nicht angerechnet worden seien. Er habe be-

reits bei der BzP ausgeführt, dass es sich bei der Person, welche bei seiner 

Familie übernachtet habe, nicht um einen Verwandten gehandelt habe. Für 

seine unterschiedlichen und ungenauen Angaben zur Dauer seiner Inhaf-

tierung gebe es mehrere Gründe: Es falle ihm generell schwer, genaue 

zeitliche Angaben zu machen, und er habe seinen Fokus nicht hierauf ge-

richtet. Kleinere diesbezügliche Ungereimtheiten dürften ihm nicht entge-

gengehalten würden. Er habe nicht erkannt, dass die von ihm bejahte 

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Frage, ob er noch am selben Tag geflohen sei, auf die zeitliche Kompo-

nente abgezielt habe. Es sei ihm vor allem der Moment der Flucht in Erin-

nerung geblieben, und er habe diesen als wichtig empfunden. Die Vor-

instanz habe es unterlassen, genauer auf die Fluchtumstände einzugehen. 

Stattdessen sei er immer wieder aufgefordert worden, zeitliche Angaben 

zu machen, weshalb er versucht habe, diesbezüglich Ungefähres anzuge-

ben. Ferner müsse berücksichtigt werden, dass dieses Ereignis im Zeit-

punkt der Befragungen fünf beziehungsweise sechs Jahre zurückgelegen 

habe und er in der Zwischenzeit das Leben im Sudan und die gefährliche 

Flucht habe bewältigen müssen. Im Rahmen der Anhörung habe er ange-

geben, er sei von den eritreischen Sicherheitskräften nicht geschlagen, 

aber mit Gewalt hin und her gezerrt worden. Damit habe er dasselbe ge-

meint, wie mit seiner Aussage bei der BzP, er sei „geschlagen worden und 

usw.“. Seine unterschiedliche Wortwahl zeige gerade auf, dass er nicht ei-

nen auswendig gelernten Sachverhalt wiedergegeben habe. Bezüglich der 

Aussagen des bei einem Fluchtversuch verhafteten Besuchers seiner Fa-

milie habe er nicht von selber Erlebtem berichtet, sondern seine Vorstel-

lung wiedergegeben, wie sich dessen Befragung vermutlich abgespielt ha-

be. Er habe klar zu erkennen gegeben, dass er nicht wisse, was sich tat-

sächlich zugetragen habe. Bezüglich den Umständen seiner Flucht aus 

dem Gefängnis habe die Vorinstanz die tatsächliche Situation verkannt. 

Die Wächter hätten die Häftlinge keineswegs unbeaufsichtigt gelassen, 

seien aber nicht unmittelbar hinter ihnen gestanden.  

4.2.2 Die Vorinstanz habe es unterlassen, bei der Beschwerdeführerin zu 

den Umständen des Erhalts der Kopie der Identitätskarte ihrer Mutter ge-

nauer nachzufragen. Sie sei mit der Beschaffung dieser Papiere überfor-

dert gewesen. Es sei nicht ersichtlich, weshalb sie diesbezüglich hätte fal-

sche Angaben machen sollen, und es stelle sich die Frage des Beweis-

werts der Identitätskarte ihrer Mutter für das vorliegende Verfahren. Ihre 

Aussagen seien insgesamt nachvollziehbar und kohärent und damit glaub-

haft. Dass Gründe, welche für die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen spre-

chen würden, ausser Acht gelassen worden seien, lasse auf eine einseitige 

Verfahrensführung schliessen. Betreffend die nicht umgesetzte Drohung 

ihres Vaters mit einer Zwangsheirat müsse berücksichtigt werden, dass 

dieser und der zukünftige Ehemann hierfür hätten nach Eritrea reisen müs-

sen. Eheschliessungen unter derartigen Umständen seien nicht unge-

wöhnlich. Zudem sei der Zeitpunkt ihrer Ausreise primär durch die Prob-

leme ihres Lebenspartners und nicht durch die drohende Zwangsheirat be-

stimmt worden.  

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Seite 9 

4.2.3 Im Weiteren hätten die Beschwerdeführenden entgegen dem Stand-

punkt der Vorinstanz ihre Ausreise aus Eritrea nachvollziehbar und an-

schaulich geschildert und die ihnen hierzu gestellten konkreten Fragen klar 

und problemlos beantwortet. Dass, wie vom Beschwerdeführer geschildert 

worden sei, der erste Schlepper sie einem anderen Schlepper übergeben 

habe, schliesse nicht aus, dass der erste Schlepper sie bis nach 

M._______ begleitet habe. Es liege diesbezüglich kein Widerspruch vor. 

Die Schlussfolgerung des SEM, es müsse davon ausgegangen werden, 

sie hätten nie in Eritrea gelebt, sei eine reine Spekulation, für welche es 

keine Indizien gebe. Sie hätten ihre illegale Ausreise glaubhaft geschildert, 

Adressen und Telefonnummern mit eritreischer Vorwahl genannt und über 

ihre Rückkehr aus dem Sudan nach Eritrea sowie ihren früheren Wohnort 

I._______ gesprochen. Der Beschwerdeführer habe zudem eine in 

I._______ ausgestellte Identitätskarte eingereicht. Die Vorinstanz habe 

diesbezüglich weitere Abklärungen unterlassen.  

4.2.4 Die angefochtene Verfügung lasse auf eine einseitige Verfahrensfüh-

rung durch die Vorinstanz schliessen. Sie habe sich nicht mit allen Vorbrin-

gen unvoreingenommen im Sinne einer Gesamtwürdigung auseinanderge-

setzt. Die Hilfswerksvertretung habe in ihren schriftlichen Stellungnahmen 

zu den Anhörungen auf ein angespanntes Befragungsklima mit häufigen 

Unterbrechungen der Beschwerdeführerin hingewiesen und im Falle des 

Beschwerdeführers eine zweite Befragung angeregt. Unter diesen Um-

ständen sei der Vorwurf der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen der Be-

schwerdeführenden nicht haltbar. Sollten Zweifel hieran dennoch weiterbe-

stehen, seien erneute Anhörungen durchzuführen. 

4.2.5 Die Vorinstanz habe den herabgesetzten Beweisanforderungen von 

Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen und diese Beweisregel 

zu restriktiv gehandhabt. Die Beschwerdeführenden hätten die ihnen vor-

geworfenen Ungereimtheiten grösstenteils entkräften können und andere 

Unklarheiten hätten durch pflichtgemässes Nachfragen bei der Anhörung 

ausgeräumt werden können.  

4.2.6 Insgesamt habe der Beschwerdeführer glaubhaft machen können, 

dass er wegen seiner Flucht in seinem Heimatland an Leib und Leben ge-

fährdet sei, und der Beschwerdeführerin drohe eine Zwangsheirat. Dem-

nach würden sie die Voraussetzungen zur Asylgewährung im Sinne von 

Art. 3 AsylG erfüllen.  

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Seite 10 

4.2.7 Eventualiter sei ihre illegale Ausreise als subjektiver Nachfluchtgrund 

zu qualifizieren. Diese werde vom eritreischen Regime als politische Aus-

sage wahrgenommen, weshalb sie in ihrem Heimatland gefährdet seien. 

Eine legale Ausreise sei notorischerweise schwierig und nur unter spezifi-

schen Umständen möglich, welche in casu nicht gegeben seien. Sie seien 

aufgrund ihres Alters von der Visumserteilung grundsätzlich ausgeschlos-

sen gewesen und hätten das Land ohne behördliches Ausreisevisum ver-

lassen. Es sei davon auszugehen, dass ihre illegale Ausreise den eritrei-

schen Behörden spätestens bei ihrer Wiedereinreise bekannt werde, und 

es drohe ihnen deswegen eine fünfjährige Gefängnisstrafe. Nach konstan-

ter Praxis der schweizerischen Asylbehörden begründe der Akt der illega-

len Ausreise eritreischer Staatsangehöriger aus Eritrea bereits die Flücht-

lingseigenschaft. Sie seien demzufolge jedenfalls gemäss Art. 54 AsylG als 

Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. Ein Vollzug der Wegweisung würde im 

Widerspruch zu Art. 5 AsylG und Art. 33 FK stehen und es bestehe die 

Gefahr von Folter und unmenschlicher Behandlung und damit einer Verlet-

zung von Art. 3 EMRK und Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (SR 0.105), weshalb der Wegweisungsvoll-

zug auch unzulässig sei. 

4.3 Die Vorinstanz argumentierte in ihrer Vernehmlassung insbesondere, 

es handle sich bei den Kommentaren der Hilfswerksvertretung um subjek-

tive Eindrücke. Es sei nicht nachvollziehbar, wie diese zum Schluss ge-

kommen sei, die Befragerin sei voreingenommen, und der Vorwurf der 

mehrmaligen Unterbrechungen der Beschwerdeführerin während der An-

hörung sei nicht haltbar; es würden sich im Protokoll keine derartigen Hin-

weise finden. 

4.4 In ihrer Replik stellten die Beschwerdeführenden sich auf den Stand-

punkt, es sei gerade die Funktion der Hilfswerksvertretung, als Beobach-

terin die Anhörung aus ihrer Sicht zu beurteilen. Auch eine nur subjektiv 

empfundene Voreingenommenheit der Befragungsperson sei für eine Be-

fragung zu den Asylgründen sehr ungünstig. Befragungen müssten in ei-

nem Umfeld stattfinden, in welchem sichergestellt sei, dass die Asylsu-

chenden frei über ihre Asylgründe sprechen könnten. Bezüglich Unterbre-

chungen einer befragten Person komme dem Protokoll nur ein beschränk-

ter Beweiswert zu, da von den Befragten nicht erwartet werden könne, bei 

der Rückübersetzung von sich aus entsprechende Anmerkungen zu ma-

chen. 

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Seite 11 

5.  

5.1 Soweit die Beschwerdeführenden eine einseitige Verfahrensführung 

und Voreingenommenheit der Befragerin sowie eine ungenügende Sach-

verhaltsabklärung mittels Nachfragen rügen – und damit implizit eine Ver-

letzung des Untersuchungsgrundsatzes und des rechtlichen Gehörs gel-

tend machen –, ist Folgendes festzustellen: 

5.1.1 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der 

Untersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli-

chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; 

vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren 

bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung 

und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und 

auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchen-

den Person sprechen. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 

Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfü-

gende Behörde die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig 

und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich 

entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. 

Art. 35 Abs. 1 VwVG). 

5.1.2 Es bestehen keine stichhaltigen Gründe zur Annahme, die Vorinstanz 

habe vorliegend diesen Verfahrensgrundsätzen nicht Genüge getan. Die 

Rügen, die Befragung sei nicht korrekt erfolgt und der wesentliche Sach-

verhalt nicht vollständig und korrekt abgeklärt worden, erweisen sich als 

unbegründet. Den Anhörungsprotokollen lässt sich entnehmen, dass den 

Beschwerdeführenden mit offen formulierten Fragen Gelegenheit gegeben 

wurde, die Gründe für ihr Asylgesuch umfassend darzulegen. Zudem 

wurde ihnen sowohl anlässlich der Kurzbefragungen als auch der Anhö-

rungen explizit die Frage gestellt, ob weitere Gründe bestünden, die gegen 

eine Rückkehr in ihren Heimatstaat sprechen würden (vgl. A6 S. 11 und A7 

S. 10 sowie A29 S. 17 F 144 und A30 S. 15 F 119), beziehungsweise, ob 

sie alles hätten sagen können, was sie für ihre Asylgesuche als wesentlich 

erachteten (vgl. A29 S. 16 F 142 und A30 S. 14 F 117). Bei dieser Gele-

genheit äusserte der Beschwerdeführer seine Furcht vor einer Zwangsrek-

rutierung und die Beschwerdeführerin machte geltend, sie befürchte, we-

gen ihrer illegalen Ausreise festgenommen zu werden. Weitere Nachteile 

wurden von den Beschwerdeführenden auch nicht nur ansatzweise vorge-

bracht. Eine Durchsicht der Befragungsprotokolle hinterlässt nicht den Ein-

druck, sie hätten sich nicht frei und umfassend äussern können. Auch unter 

Berücksichtigung der von der Hilfswerkvertretung formulierten Einwände 

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Seite 12 

gegen die Umstände der Anhörungen, ergeben sich demnach aus der Ak-

tenlage keine konkreten Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführenden 

daran gehindert worden wären, alle für die Beurteilung ihrer Asylgesuche 

wesentliche Sachumstände vorzubringen.   

5.2 Unter diesen Umständen besteht für die Durchführung zusätzlicher An-

hörungen der Beschwerdeführenden kein Anlass und der entsprechende 

Antrag ist abzuweisen. 

6.  

6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-

nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich 

nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht 

widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen  

oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die 

gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-

sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt 

oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-

wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-

kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit 

der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist 

auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; Ent-

scheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 

6.2 Die Beschwerdeführenden haben im Rahmen des Asylverfahrens ei-

nige Dokumente (Identitätskarte, Schulausweise und Schulzeugnisse) zum 

Beleg ihrer Herkunft aus Eritrea eingereicht, welchen nicht von vornherein 

jeder Beweiswert abgesprochen werden kann. In Anbetracht dieser Be-

weismittel kann ihre Darstellung, sie seien im Kindesalter aus dem Sudan 

nach Eritrea zurückgekehrt und hätten bis ins Jahr 2009 dort gelebt, nicht 

ohne weiteres als unglaubhaft bezeichnet werden. Letztlich kann aber da-

rauf verzichtet werden, diese Frage abschliessend zu beurteilen, da, wie 

im Folgenden aufzuzeigen ist, die Ausführungen der Beschwerdeführen-

den zu ihren Asylgründen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht 

zu genügen vermögen. Ob in der angefochtenen Verfügung zu Recht  

E-6170/2015 

Seite 13 

widersprüchliche Angaben zu Ort und Dauer des Schulbesuchs des Be-

schwerdeführers beziehungsweise zur Papierbeschaffung der Beschwer-

deführerin gerügt wurden, kann demnach offen gelassen werden.  

6.3 In Anwendung oben genannter Kriterien gelangt das Gericht in Über-

einstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die vom Beschwerde-

führer vorgebrachten Verfolgungsmassnahmen durch die eritreischen Be-

hörden als unglaubhaft zu erachten sind. Seine Schilderungen betreffend 

seine angebliche Festnahme durch die eritreischen Behörden wegen eines 

Fluchtversuchs eines Freundes seiner Familie sind insgesamt unsubstan-

ziiert und wenig realistisch und enthalten erhebliche Widersprüche. Die An-

gaben des Beschwerdeführers zur Identität der Person, deren Festnahme 

für seine Probleme ursächlich gewesen sein soll, sind sehr ausweichend 

und unpräzise, obwohl es sich gemäss seinen Aussagen um einen engen 

Vertrauten seiner Familie handelte. Ferner ist nicht nachvollziehbar, dass 

angeblich nur der Beschwerdeführer festgenommen wurde, nicht aber 

seine übrigen Familienangehörigen. Eine besonders enge Beziehung zwi-

schen ihm und dem genannten Familienfreund oder andere Umstände, 

welche ein besonderes Augenmerk der Behörden auf ihn hätten rechtferti-

gen können, wurden nicht geltend gemacht. Zu Recht hielt die Vorinstanz 

dem Beschwerdeführer sodann entgegen, dass er klar widersprüchliche 

Angaben zur Dauer seiner Inhaftierung und zu den während der Haft erlit-

tenen Misshandlungen machte. Es handelte sich hierbei gemäss seiner 

Darstellung um ein zentrales, für seine Ausreise ausschlaggebendes Er-

eignis. Deshalb wäre, auch unter Berücksichtigung des zeitlichen Abstan-

des zu den Befragungen, zu erwarten gewesen, dass er hierzu genauere 

und widerspruchsfreie Angaben zu machen in der Lage wäre. Auch der 

Hinweis auf eine generelle Mühe bei zeitlichen Angaben vermag die ge-

nannten zahlreichen und gravierenden Ungereimtheiten nicht befriedigend 

zu erklären. Die Argumentation in der Beschwerdeschrift, seine Aussagen 

zu den während der Haft erlittenen Misshandlungen seien inhaltlich de-

ckungsgleich, vermag nicht zu überzeugen. Während er anlässlich der Be-

fragung zur Person klar zu Protokoll gab, er sei geschlagen worden (vgl. 

Protokoll BzP A6 S. 10), verneinte er dies anlässlich der Anhörung aus-

drücklich und wiederholt (Protokoll Anhörung A29 S. 14). Ebenso teilt das 

Gericht die Auffassung, dass die Darstellung der Flucht aus dem Gefängnis 

unrealistisch ist. Es muss als realitätsfremd bezeichnet werden, dass die 

Sicherheitsvorkehrungen der Gefängnisbehörden derart unzulänglich wa-

ren, dass es dem Beschwerdeführer möglich war, in der beschriebenen 

Weise problemlos aus der Haft zu fliehen.  

E-6170/2015 

Seite 14 

6.4 Im Weiteren fehlt es der vom Beschwerdeführer geäusserten Furcht 

vor einer Zwangsrekrutierung an der asylrechtlichen Relevanz. Eine be-

gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ist dann anzu-

nehmen, wenn die mit der Durchsetzung der Dienstpflicht betrauten Or-

gane des eritreischen Staates mit einer Person in konkreten Kontakt getre-

ten sind und aus diesem Kontakt erkennbar wird, dass die Person für den 

Militärdienst rekrutiert werden soll (und diese sich anschliessend der Rek-

rutierung entzieht). Es reicht nicht aus, dass die betroffene Person im 

dienstfähigen Alter ist und fürchtet, irgendwann ausgehoben zu werden 

(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-

kommission [EMARK] 2006 Nr. 3 E. 4). Ein derartiger Kontakt des Be-

schwerdeführers zu den eritreischen Militärbehörden bestand vorliegend 

indessen nicht. 

6.5 Auch aus den Vorbringen der Beschwerdeführerin kann nicht auf eine 

begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung geschlossen werden: Ih-

ren Ausführungen lässt sich nicht entnehmen, dass die ihr nach ihren An-

gaben durch ihren Vater angedrohte Zwangsverheiratung mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft erfolgt wäre. Die Furcht der Be-

schwerdeführerin vor einer Verfolgung durch ihren Vater relativiert sich zu-

dem auch dadurch erheblich, dass sie ausdrücklich zu Protokoll gab, die 

Probleme ihres Lebenspartners seien für ihre Ausreise ausschlaggebend 

gewesen.      

6.6 Insgesamt ist es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen, 

glaubhaft zu machen, dass sie im Zeitpunkt ihre Ausreise aus Eritrea eine 

begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hatten.  

7.  

7.1 Nach dem Gesagten bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden 

wegen ihrer angeblich illegalen Ausreise aus Eritrea bei einer Rückkehr 

dorthin – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe – befürchten müsste, 

ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. 

7.2 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss 

Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-

men. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere das illegale 

Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht), das Einreichen eines 

Asylgesuchs im Ausland oder exilpolitische Betätigungen, wenn sie die Ge-

fahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Durch Republikflucht zum 

E-6170/2015 

Seite 15 

Flüchtling wird, wer wegen illegaler Ausreise Sanktionen des Heimatstaa-

tes befürchten muss, die bezüglich ihrer Intensität ernsthafte Nachteile im 

Sinne von Art. 3 AsylG darstellen (BVGE 2009/29).  

7.3  

7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Rahmen des (in sei-

nen beiden Asylabteilungen kürzlich koordiniert entschiedenen und als Re-

ferenzurteil publizierten) Urteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der 

Frage, ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, 

allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Da-

bei kam es zum Schluss, dass sich die bisherige Praxis nicht mehr auf-

rechterhalten liess und vom SEM zu Recht angepasst worden war (vgl. 

E. 5.1). Es sei mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person 

einzig aufgrund ihrer unerlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlings-

rechtlich relevante Verfolgung drohe. Nicht asylrelevant sei auch die Mög-

lichkeit, dass jemand nach der Rückkehr in den Nationaldienst eingezogen 

werde; ob eine drohende Einziehung in den Nationaldienst unter dem Blick-

winkel von Art. 3 EMRK und Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betreffe die 

Frage der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs. Von einer begründeten Furcht vor intensiven und asylrechtlich 

begründeten Nachteilen sei nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Aus-

reise weitere Faktoren hinzukommen würden, welche die asylsuchende 

Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er-

scheinen lassen (vgl. E. 5.2). 

7.3.2 Im vorliegenden Verfahren sind solche zusätzlichen Gefährdungs-

faktoren nicht ersichtlich. Nachdem sich die von den Beschwerdeführen-

den vorgebrachten Vorfluchtgründe als unglaubhaft erwiesen haben, lie-

gen keine glaubhaften Hinweise für Anknüpfungspunkte vor, welche sie in 

den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen 

lassen könnten. Insbesondere machte der Beschwerdeführer nicht gel-

tend, er habe vor seiner Ausreise Behördenkontakt im Zusammenhang mit 

einem allfälligen Einzug in den Nationaldienst gehabt, so dass er nicht als 

Deserteur oder Refraktär gelten kann. Wie bereits erwähnt, vermag die il-

legale Ausreise allein keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten 

Verfolgung zu begründen.  

7.3.3 Die Frage der Glaubhaftigkeit der von den Beschwerdeführenden 

vorgebrachten illegalen Ausreise kann demnach mangels asylrechtlicher 

Relevanz offenbleiben. 

E-6170/2015 

Seite 16 

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 28. August 2015 die vorläufige 

Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz anordnete, erübrigen 

sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög-

lichkeit des Wegweisungsvollzugs. Die drei Bedingungen für einen Verzicht 

auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit oder 

Unmöglichkeit; Art. 83 Abs. 1–4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 

2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]) alternati-

ver Natur. Sobald eine davon erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar 

zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Person in der 

Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu re-

geln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). Hieraus ergibt sich, dass bei Fest-

stellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht zu prüfen ist, 

ob der Vollzug auch unzulässig oder unmöglich wäre. Auf die Argumenta-

tion in der Beschwerdeschrift hinsichtlich der Unzulässigkeit des Wegwei-

sungsvollzugs ist demnach nicht weiter einzugehen. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären den Beschwerdeführenden die 

Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit 

Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2015 ihr Gesuch um unentgeltliche 

Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und 

keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich ihre finanzielle Lage seither 

entscheidrelevant verändert hätte, ist auf die Auflage von Kosten zu ver-

zichten. 

E-6170/2015 

Seite 17 

11.  

Mit der Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2015 wurde das Gesuch der 

Beschwerdeführenden um amtliche Verbeiständung gutgeheissen 

(Art. 110a Abs. 1 AsylG) und ihnen ihr Rechtsvertreter als Rechtsbeistand 

zugeordnet. Sein Honorar ist bei diesem Verfahrensausgang durch die Ge-

richtskasse zu vergüten. Der in der Kostennote vom 3. November 2015 

ausgewiesene zeitliche Vertretungsaufwand erscheint grundsätzlich ange-

messen, doch wurde das Honorar mit einem Stundenansatz von Fr. 300.– 

berechnet. Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwaltungsgericht 

für nichtanwaltliche Vertreter, wie in der Zwischenverfügung vom 8. Okto-

ber 2015 angekündigt, praxisgemäss von einem Ansatz von höchstens 

Fr. 150.– aus (vgl. z.B. Urteile D-3921/2015 vom 5. August 2015,  

E-5071/2014 vom 15. Juni 2016, D-6493/2014 vom 11. April 2016 oder  

E-2879/2014 vom 16. November 2015). Demzufolge ist dem amtlichen 

Rechtsbeistand – ausgehend vom zeitlichen Vertretungsaufwand gemäss 

Kostennote – ein Gesamtbetrag von Fr. 1676.– (inkl. Auslagen und Mehr-

wertsteuerzuschlag) vom Bundesverwaltungsgericht auszurichten. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6170/2015 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistandes wird auf Fr. 1676.– bestimmt 

und durch die Gerichtskasse vergütet. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Markus König Nicholas Swain 

 

 

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