# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 41034a53-194d-5667-ab12-ff76b05b2132
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-29
**Language:** de
**Title:** Natur- und Heimatschutz. Abklärung der Schutzwürdigkeit eines nicht inventarisierten Wohnhauses.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0158-0162/2020
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nrn._0158-0162-2020_v._29.10.2020.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nr. 

BRGE I Nr. 

R1S.2019.05012, R1S.2019.05013, R1S.2019.05014, R1S.2019.05132  
und R1S.2019.05135 
0158/2020, 0159/2020, 0160/2020, 0161/2020 und 0162/2020 

Entscheid vom 29. Oktober 2020 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Walter Linsi, Baurichter Claude Reinhardt, Baurichterin 
Beatrice Bosshard, Gerichtsschreiberin Elena Marioni-Quadranti     

in Sachen 

Rekurrierende 

R1S.2019.05012, R1S.2019.05013, R1S.2019.05014 und R1S.2019.05132 
1.  M. I. und P. I.-H. […] 
2.  H. und Cl. B. […] 

beide vertreten durch […] 

R1S.2019.05135 
Zürcher Heimatschutz ZVH, Neptunstrasse 20, 8032 Zürich  

gegen 

Rekursgegnerschaft 

R1S.2019.05012, R1S.2019.05014 
1.  Bausektion der Stadt Zürich, c/o Amt für Baubewilligungen,  

Rechtsabteilung, Amtshaus IV, 8021 Zürich  

2.  Ar. und A. F. […] 

Nr. 2 vertreten durch […] 

R1S.2019.05013 

1.  Amt für Baubewilligungen der Stadt Zürich, Lindenhofstrasse 19,  

Postfach, 8021 Zürich  

2.  Ar. und A. F. […] 

Nr. 2 vertreten durch […] 

R1S.2019.05132 und R1S.2019.05135 

1.  Stadtrat von Zürich, Stadthausquai 17, 8022 Zürich  

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
mit Zustelladresse: Hochbaudepartement der Stadt Zürich,  
Rechtsabteilung, Lindenhofstrasse 19, Postfach, 8021 Zürich  

Mitbeteiligte 

R1S.2019.05132 und R1S.2019.05135 

2.  Ar. und A. F. […] 

vertreten durch […]  

betreffend 

R1S.2019.05012 
[…] Baubewilligung für Einfamilienhaus […] 
Abteilungsentscheid BRGE I Nr. 166/2016 vom 18. November 2016; Rück-
weisung zum Neuentscheid mit VB.2018.00473 vom 25. Oktober 2018 

R1S.2019.05013 
[…] Bewilligung für Projektänderung […] 
Abteilungsentscheid BRGE I Nr. 167/2016 vom 18. November 2016; Rück-
weisung zum Neuentscheid mit VB.2018.00473 vom 25. Oktober 2018 

R1S.2019.05014 
[…] Ersatzneubau Einfamilienhaus […] 
Abteilungsentscheid BRGE I Nr. 34/2018 vom 23. März 2018; Rückweisung 
zum Neuentscheid mit VB.2018.00219 vom 25. Oktober 2018 

R1S.2019.05132 und R1S.2019.05135 
[…] Verzicht auf Unterschutzstellung Wohnhaus […] 
_______________________________________________________ 

hat sich ergeben: 

A. 
Mit  Beschluss  vom  11. September  2019  verzichtete  der  Stadtrat  der  Stadt 

Zürich  auf  die  Unterschutzstellung  des  Gebäudes  H.-Strasse 3  (Assek.-

Nr. 1) auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 in Zürich […]. 

B. 
Hiergegen erhoben M. I. und P. I.-H. sowie H. und C. Bl. (hernach: Rekur-

rierende 1)  mit  gemeinsamer  Eingabe  vom  23.  Oktober  2019  Rekurs  mit 

den folgenden Anträgen: 

R1S.2019.05012 

Seite 2 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
"1.  Der angefochtene Beschluss des Stadtrates Zürich […] sei aufzuheben 
und die Angelegenheit sei an diesen zur (Inventaraufnahme und) defi-
nitiven  Unterschutzstellung  des  Objektes  Liegenschaft/Wohnhaus  H.-
Strasse 1 auf Kat.-Nr. 1 zurück zu weisen.  

Zum Verfahren: 

2.  Es sei im Sinne von Art. 6 Ziffer 1 EMRK nach der Beweiserhebung ei-

ne Parteianhörung und öffentliche Verhandlung durchzuführen. 

3.  Es sei ein Lokaltermin durch das Gesamtgericht durchzuführen. 

Zu diesem seien zur Befragung einzuladen: 
-  A.  Z.  (c/o  A.  GmbH  […]),  Autorin  des  Gutachtes  des  Amtes  für 

Denkmalpflege/Städtebau vom 6.5.2019; 

-  M.  F. 

(Dipl.  Arch.  ETH/SIA, 

[…]),  Autor  der  Gutachten 

28.7.2017/28.5.2018. 

4.  Es  sei  das  Gutachten  des  AfD  vom  6.5.2019  bis  zum  Lokaltermin  zu 

ergänzen, mit Erweiterungen 

-  Wirkung des Objekts H.-Strasse bezgl. Prägung / städtebauliche Ab-
lesbarkeit  des  Gevierts  am  Platzbereich  Kreuzung  Ha.-/  H.-Strasse 
im  Zusammenwirken  mit  –  insbesondere  –  umgebender  Siedlung 
V. 1  ff.  und  H.-Strasse  2,  vor  dem  Hintergrund  von  § 203  Abs. 1 
lit. c PBG und dem ISOS-Erhaltungsziel A der Baugruppe […] (Situa-
tionswert) 

5.  Die  Besetzung  des  Baurekursgerichts  sei  verschieden  von  derjenigen 
in den sistierten Verfahren G.-Nrn. R1S.2019.05012 + 14 auszugestal-
ten. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Rekursgegne-
rin." 

C. 
Mit  Präsidialverfügung  vom  24. Oktober 2019  wurde  vom  Rekurseingang 

unter der Geschäftsnummer R1S.2019.05132 Vormerk genommen und das 
Vernehmlassungsverfahren  eröffnet  sowie  die  Grundeigentümer  der  ge-

nannten Parzelle als Mitbeteiligte ins Verfahren aufgenommen.  

Mit  Eingabe  vom  26. November 2019  nahm  die  Vorinstanz  zum  Rekurs 

Stellung und schloss darin auf Abweisung des Rekurses unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden.  

Die  Rekursantwort  der  Mitbeteiligten  mit  dem  gleichlautenden  Antrag  er-

folgte am 27. November 2019.  

R1S.2019.05012 

Seite 3 

 
 
 
 
 
Mit Eingabe vom 30. Dezember 2019 erstatteten die Rekurrierenden 1 ihre 

Replik.  Die  Dupliken  der  Vorinstanz  und  der  Mitbeteiligten  datieren  vom 

27. Januar 2020 bzw. 23. Januar 2020. 

D. 
Die Rekurrierenden 1 beantragten mit Eingabe vom 9. Februar 2020, es sei 

mittels einer anfechtbaren Verfügung über ihren Antrag hinsichtlich der Be-

setzung des Spruchkörpers zu entscheiden.  

Das  Baurekursgericht  wies  mit  Zwischenentscheid  vom  28. Februar 2020 

das Ausstandsbegehren (Ziffer 5 der Rekursanträge) ab. Die hiergegen von 

den  Rekurrierenden  erhobene  Beschwerde  ans  Verwaltungsgericht  wurde 

mit Urteil vom 3. Juni 2020 (VB.2020.00157) abgewiesen.  

E. 
Mit Eingabe vom 28. Oktober 2019 erhob der Zürcher Heimatschutz (ZVH; 

hernach: Rekurrent 2) ebenfalls Rekurs gegen den genannten Stadtratsbe-

schluss mit den folgenden Anträgen: 

"1.  Es sei der Stadtratsbeschluss Nr. 826 vom 11. September 2019 aufzu-

heben. 

 2.  Der  Stadtrat  von  Zürich  sei  anzuweisen,  das  Wohnhaus  H.-Strasse  3 

unter Schutz zu stellen.  

 3.  Die Sache sei zur Festlegung des Schutzumfanges an den Stadtrat Zü-
rich  zurückzuweisen.  Der  Schutzumfang  sei  entsprechend  den  Emp-
fehlungen  des  Gutachtens  der  städtischen  Denkmalpflege  vom  6. Mai 
2019  festzulegen.  Zu  schützen  seien  insbesondere  das  äussere  Er-
scheinungsbild,  die  innere  Struktur  des  Gebäudes,  das  Dach  und  die 
Innenausstattung mit Täfern und Stuckaturen. 

 4.  Es sei ein Augenschein durchzuführen, sofern das Gericht sich ausser-

stande sehen sollte, allein aufgrund der Akten zu entscheiden. 

Alles  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zulasten  des  Rekurs-
gegners." 

F. 
Mittels  Präsidialverfügung  vom  30. Oktober 2019  wurde  vom  Rekursein-

gang  unter  der  Geschäftsnummer  R1S.2019.05135  Vormerk  genommen 

R1S.2019.05012 

Seite 4 

 
 
und  das  Vernehmlassungsverfahren  eröffnet  sowie  die  Grundeigentümer 

der  vorstehend  genannten  Parzelle  als  Mitbeteiligte  ins  Verfahren  aufge-

nommen.  

Die  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  mit  dem  Antrag  um  Abweisung  des 

Rekurses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Rekurren-

ten erfolgte am 27. November 2019. Gleichen Datums und mit dem nämli-

chen Antrag erging die Rekursantwort der Mitbeteiligten. 

Der  Rekurrent 2  reichte  daraufhin  am  23. Dezember 2019  die  Replik  ein. 

Die  Vorinstanz  und  die  Mitbeteiligten  duplizierten  am  27. Februar 2020 

bzw. am 14. Februar 2020. 

G. 
Der  in  beiden  Rekursverfahren  auf  den  19. März  2020  angesetzte  Augen-

schein sowie die am gleichen Tag vorgesehene öffentliche Verhandlung im 

Verfahren  G.-Nr.  R1S.2019.05132  mussten  infolge  der  COVID-19-Pande-

mie am 17. März 2020 abgenommen werden.  

Der Lokaltermin im Beisein der Parteien sowie die öffentliche Verhandlung 

im Verfahren G.-Nr. R1S.2019.05132 fanden alsdann am 6. Juli 2020 statt. 

Es kommt in Betracht: 

1. 
Da  sich  die  beiden  Rekursverfahren  G.-Nrn.  R1S.2019.05132  und 

R1S.2019.05135  gegen  denselben  Beschluss  richten  und  die  nämlichen 

Rechtsfragen aufwerfen, sind sie aus verfahrensökonomischen Gründen zu 

vereinigen. Gleiches gilt für die Rekursverfahren G.-Nrn. R1S.2019.05012, 

R1S.2019.05013 und R1S.2019.05014, da diese – wie nachfolgend zu zei-

gen sein wird – infolge des nun angefochtenen Beschlusses gegenstands-

los  geworden  sind.  Aus  verfahrensökonomischen  Gründen  drängt  sich 

deshalb auch diesbezüglich eine Verfahrensvereinigung auf. 

R1S.2019.05012 

Seite 5 

 
 
2. 
Dem Rechtsstreit gingen folgende Rechtsmittelverfahren voraus: Die Mitbe-

teiligten planen den Abbruch des genannten, nicht inventarisierten Gebäu-

des  und  an  dessen  Stelle  den  Neubau  eines  Einfamilienhauses,  welches 

mit  Beschluss  der  Bausektion  vom  15. März 2016  bewilligt  wurde.  Die  ge-

gen das Projekt und eine dazugehörige Projektänderung erhobenen Rekur-

se  wurden  vom  Baurekursgericht  sowie  vom  Verwaltungsgericht  abgewie-

sen  (BRGE I  Nr. 0166/2016  und  0167/2016  vom  18. November 2016, 

VB.2017.00013  vom  18. Mai 2017).  Das  nach  Ergehen  des  letztinstanzli-

chen  kantonalen  Entscheids  angerufene  Bundesgericht  befand  hingegen, 

dass  die  Schutzwürdigkeit  des  Altbaus  abzuklären  sei,  weshalb  es  den 

verwaltungsgerichtlichen  Entscheid  aufhob  und  die  Sache  an  das  Verwal-

tungsgericht zurückwies (BGr 1C_380/2017 vom 17. Juli 2018). Dieses hob 

mit  Entscheid  vom  25. Oktober 2019  die  soeben  genannten  Rekurs-

entscheide  auf  und  wies  die  Sache  an  das  Baurekursgericht  zurück 

(VB.2018.00437).  Nach  Eingang  der  Akten  beim  Baurekursgericht  im  Ja-

nuar 2019  nahm  das  Baurekursgericht  mittels  Präsidialverfügung  vom 

22. Januar 2019 von der Rückweisung Vormerk und setzte die Rekursver-

fahren  unter  den  Geschäftsnummern  G.-Nrn.  R1S.2019.05012  und 

R1S.2019.05013 fort.  

Ein  gegen  die  Baubewilligung  vom  13. Juli 2017  betreffend  ein  Alternativ-

projekt  erhobener  Rekurs  wies  das  Baurekursgericht  mit  Entscheid  vom 

23. März 2018  ebenfalls  ab.  Infolge  des  oben  genannten  Bundesgerichts-

entscheids  hob  das  Verwaltungsgericht  mit  Entscheid  vom  25. Oktober 

2018 (VB.2018.00219) auch diesen Rekursentscheid auf und wies die Sa-

che zum Neuentscheid ans Baurekursgericht zurück. Von dieser Rückwei-

sung wurde ebenfalls mittels Präsidialverfügung vom 22. Januar 2019 Vor-

merk  genommen  und  das  Verfahren  unter  der  neuen  Geschäftsnummer 
G.-Nr. R1S.2019.05014 fortgesetzt. 

Die  Verfahren  G.-Nrn.  R1S.2019.05012,  R1S.2019.05013 

und 

R1S.2019.05014  wurden  hernach  sistiert,  da  die  Mitbeteiligten  bereits  ein 

Provokationsbegehren bei der Vorinstanz gestellt hatten. Das verwaltungs-

interne Verfahren endete mit dem nun angefochtenen Beschluss. Vor des-

sen  Ergehen  hatte  das  Amt  für  Städtebau  bei  einer  externen  Gutachterin 

ein Gutachten eingeholt, das Amt für Städtebau ein sog. Faktenblatt erstellt 

und die städtische Denkmalpflege über das Streitobjekt beraten. 

R1S.2019.05012 

Seite 6 

 
 
3. 
Wie  vorstehend  ausgeführt,  wies  das  Verwaltungsgericht  mit  Entscheiden 

vom  25. Oktober 2018  (VB.2018.00219  und  VB.2018.00437)  das  Baure-

kursgericht  an,  die  Schutzwürdigkeit  des  Streitobjekts  zu  prüfen.  Da  mit 

dem angefochtenen Beschluss über die Schutzwürdigkeit entschieden wur-

de, sind die infolge der genannten verwaltungsgerichtlichen Entscheide er-

öffneten  Rekursverfahren  G.-Nrn.  R1S.2019.05012,  R1S.2019.05013  und 

R1S.2019.05014 als gegenstandslos geworden abzuschreiben. 

4. 
Die Rekurrierenden 1 sind als unmittelbare Nachbarn des Streitobjekts zur 

Erhebung  des  Rekurses  im  Sinne  von  § 338a  des  Planungs-  und  Bauge-

setzes (PBG) unbestrittenermassen legitimiert.  

Der  Rekurrent 2  erfüllt  sodann die  in § 338b  lit. a PBG  genannten Voraus-

setzungen, weshalb er ebenfalls rekurslegitimiert ist. 

Da  auch  die  weiteren  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  die  Re-

kurse einzutreten. 

5. 
Die  Rekurrierenden 1  beantragen,  die  Autorin  des  Gutachtens  sei  zwecks 

Befragung  an  den  Augenschein  einzuladen  und  das  Gutachten  sei  zu  er-

gänzen.  

Die  Verwaltungsbehörde  untersucht  den  Sachverhalt  von  Amtes  wegen 

durch  Befragen  der  Beteiligten  und  von  Auskunftspersonen,  durch  Beizug 
von  Amtsberichten,  Urkunden  und  Sachverständigen,  durch  Augenschein 

oder  auf  andere  Weise.  Die  am  Verfahren  Beteiligten  haben  dabei  mitzu-

wirken,  soweit  sie  ein  Begehren  gestellt  haben  oder  wenn  ihnen nach  ge-

setzlicher  Vorschrift  eine  Auskunfts-  oder  Mitteilungspflicht  obliegt  (§ 7 

Abs. 1 und 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). 

Bei der Frage, über welche Tatsachen Beweis zu erheben ist, hat sich die 

Behörde  an  den  Grundsatz  der  Prozessökonomie  zu  halten.  Die Sachver-

haltsabklärung hat nur soweit zu erfolgen, als sie zur Abklärung des recht-

R1S.2019.05012 

Seite 7 

 
 
lich  relevanten  Sachverhalts  erforderlich  ist.  Um  feststellen  zu  können,  ob 

ein  Sachverhalt  hinreichend  feststeht,  ist  das  Beweisergebnis  im  Rahmen 

einer  antizipierten  Beweiswürdigung  vorläufig  zu  würdigen.  Erscheint  ein 

Sachverhalt  hinreichend  ermittelt,  selbst  wenn  nicht  alle  Möglichkeiten der 

Beweisführung  ausgeschöpft  wurden,  und  versprechen  zusätzliche  Abklä-

rungen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse, so rechtfertigt es sich, auf 

weitere  Untersuchungen  zu  verzichten.  Die  Parteien  haben  zwar  gestützt 

auf  ihren  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  einen  Anspruch,  Beweisanträge 

zu stellen. Der Entscheidinstanz steht es jedoch zu, derartige Anträge ohne 

Verletzung  des  Gehörsanspruchs  abzulehnen,  wenn  sie  aufgrund vorweg-

genommener  Beweiswürdigung  annehmen  kann,  dass  ihre  Überzeugung 

durch  weitere  Beweiserhebungen  nicht  geändert  würde  (vgl.  zu  alledem 

Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,  3. Aufl.,  Zürich/Basel/Genf 2014,  § 7 

Rz. 19 ff.). 

Weshalb die Rekurrierende eine Befragung der Gutachterin zwecks Sach-

verhaltsermittlung  als  notwendig  erachten,  legen  sie  in  ihren  Eingaben  in 

keiner Art und Weise dar. In ihren Rechtsschriften schliessen sie sich viel-

mehr  der  Gutachterin  an.  Ebensowenig  wird  dargetan,  weshalb  das  Gut-

achten hinsichtlich des Situationswertes des Objekts bis zum Augenschein-

termin  ergänzt  werden  sollte.  Zudem  wäre,  sollte  sich  die  Sachverhaltser-

mittlung  als  unzureichend  erweisen,  diese  nicht  etwa  im  Rekursverfahren 

zu ergänzen, sondern wäre die Sache – zwecks Einhaltung des Instanzen-

zugs – an die Vorinstanz zur weiteren Sachverhaltsermittlung zurückzuwei-

sen.  

Die  Gutachterin  war  damit  nicht  an  den  Augenschein  einzuladen  und  es 

war auch kein ergänztes Gutachten bis zum Lokaltermin einzuholen. Beide 

Anträge  sind  damit abzuweisen.  Bemerkungsweise  sei  angefügt,  dass  der 
von den Rekurrierenden mit der Ausarbeitung eines Gutachtens beauftrag-

te  und  im  Antrag  Ziff. 3  genannte  M.  F.  sowohl  am  Augenschein  als  auch 

an der öffentlichen Verhandlung anwesend war und zu Wort gekommen ist.  

6. 
Das  Gutachten  teilt  das  Gebäude  in  städtebaulicher  Hinsicht  dem  Geviert 

zwischen der G.-, der S.-, der Sch.- und der H.-Strasse zu. Dieses bilde in 

einer  Geländeterrasse  eine  gartenstadtähnliche  Struktur,  welche  von  Bau-

R1S.2019.05012 

Seite 8 

 
 
ten  aus  dem  frühen  20. Jahrhundert  geprägt  werde.  Das  klassizistische 

Streitobjekt  werde  von  den  im  Heimatstil  gehaltenen  Bauten  H.-Strasse 2 

und 3 ff. gefasst und stehe giebelseitig zur H.-Strasse. Die Struktur mit ei-

ner Mischung von Mehrfamilienhäusern unterschiedlicher Bauzeit innerhalb 

von Grünstreifen und kleineren Gärten wiederhole sich in der näheren Um-

gebung und bilde daher den wesentlichen Charakter der umliegenden Be-

bauung.  

Bevor Conrad Boller, damaliger Bauer und Gemeindepräsident von O., das 

Grundstück gekauft habe, habe es sich im Eigentum des sog. Obmannamts 

befunden.  Das  Grundstück  sei  damals,  wie  sich  aus  dem  Müllerplan  von 

1793  ergebe,  mit  einem Wohnhaus,  einer  Scheune  und  einem  Stall  über-

baut  gewesen.  Es  sei  von  grosszügigen  Gärten,  Getreidefeldern,  Reben 

und mutmasslich von Obstbäumen umgeben gewesen. Südöstlich der Par-

zelle habe sich ein Bauernbetrieb befunden. Nordöstlich seien in loser Fol-

ge weitere Lehensgüter angesiedelt gewesen.  

1844 habe auf der Parzelle ein verheerender Brand gewütet, welcher zum 

Bau  des  Streitobjekts  geführt  habe.  Der  Leutholdplan  aus  dem  Jahre 

1846/1847 zeige das zweistöckige Gebäude mit einem kleinen Ökonomie-

teil (welcher später beseitigt worden sei) und einem vorgelagerten Nutzgar-

ten. Weiter seien darauf die Schutzobjekte H.-Strasse 4 ff. und Bauerngüter 

im O.-V. ersichtlich. Bis ins frühe 20. Jahrhundert habe sich die bauliche Si-

tuation  im  hier  massgeblichen  Weiler  V.  nur  wenig  verändert.  In  den 

1860er- bis 1880er-Jahren seien nördlich des V. und südlich der H.-Strasse 

einzelne Mehrfamilienhäuser entstanden. Im frühen 20. Jahrhundert sei die 

Bautätigkeit  alsdann  markant  gesteigert  worden.  Die  abparzellierten  Flä-

chen seien fast flächendeckend mit Mehrfamilienhäusern überstellt worden. 

Zwischen  1912  und  1916  sei  die  Bebauung  des  Strassengevierts  G-,  S.- 
und  H.-Strasse  mit  Heimatstilbauten  erfolgt.  Die  Überbauung  H.-Strasse 3 

ff.  habe  dabei  den  Namen  Im  V.  erhalten,  welcher  an  die  ehemals  wirt-

schaftlich genutzten Weiler erinnern soll. Bauliche Zeugen aus der zweiten 

Hälfte des 19. Jahrhunderts seien im Weiler selten geworden.  

Betreffend  der  typologischen  und  baukünstlerischen  Bedeutung  lässt  sich 

dem  Gutachten  entnehmen,  dass  der  Begriff  und  die  Definition  des  Bau-

meisterhauses schweizweit nicht einheitlich sei. In Zürich würden vom Be-

griff einfache Wohn- und Handwerkerhäuser umfasst, die nach der Schan-

R1S.2019.05012 

Seite 9 

 
 
zenschleifung 1834  als  Reaktion  auf  das  enorme  Bevölkerungswachstum 

entstanden seien und deren Planentwerfer unbekannt gewesen seien bzw. 

mutmasslich  keine  Architektenausbildung  gehabt  hätten.  Hinsichtlich  des 

Streitobjekts  würden  keine  spezifischen  Baupläne  der  Bauzeit  vorliegen. 

Wegen der unbekannten Urheberschaft, der einfachen Fassadengestaltung 

und des Baujahrs könne das Gebäude als frühes Baumeisterhaus bezeich-

net  werden.  Jedoch fehle dem Gebäude  eine  wesentliche  Eigenschaft  der 

Baumeisterhäuser,  stehe  es doch  in  keinem  Zusammenhang  mit dem Be-

völkerungswachstum.  Das  Gebäude  sei  vielmehr  als  Ersatzbau  in  einem 

ländlichen  Weiler  errichtet  worden.  Die  soziale  Stellung  der  Familie  Boller 

und die Grösse des Gutes lasse darauf schliessen, dass diese der bäuerli-

chen  Oberschicht  angehört  habe.  Der  Bau  sei  ein  klassizistisches  ländli-

ches Baumeisterhaus der gehobenen Mittelschicht und in typologischer und 

sozialgeschichtlicher  Hinsicht  bedeutend.  Nebst  der  Fassadengestaltung 

stelle  der  zentral  gesetzte  Eingang  im  Nordosten  ein  typisches  Gestal-

tungsmerkmal dar. Ursprünglich sei das Gebäude nur teilweise unterkellert 

gewesen.  Um  1913  sei  der  Kellerraum  im  Südosten  in  eine  Waschküche 

umfunktioniert worden. 1944 sei die vollständige Unterkellerung erfolgt. Im 

Innern  werde  die  symmetrische  Gliederung  zugunsten  einer  zweckmässi-

gen  Grundrisseinteilung  verlassen.  Die  beiden  Vollgeschosse  seien  iden-

tisch strukturiert, wobei alle Räume durch einen zentralen T-förmigen Korri-

dor  erschlossen  würden.  Das  Dachgeschoss  weise  eine  vergleichbare 

Struktur auf. Da die ursprünglichen Baupläne fehlen würden, könnten allfäl-

lige Abweichungen von der ursprünglichen Struktur einzig mittels einer tief-

greifenden Bauanalyse erstellt werden. Die Wertsteigerungen in den Asse-

kuranzbüchern  seien  nicht  zwingend  auf  bauliche  Änderungen  zurückzu-

führen,  sondern  könnten  auch  ökonomische  Gründe  haben.  1913  seien 

auch  die  beiden  Dachhäuser  und  der  neobarocke  Balkon  erstellt  worden. 

Wohl gleichzeitig mit dem Bau der Häuser H.-Strasse 3 ff. sei auch der Zu-
gangs-  und  Aussenbereich  neu  gestaltet  worden.  Insgesamt  hätten  die 

Massnahmen  aus  den  1910er-Jahren  das  ehemalige  ländliche Wohnhaus 

mit grossem Umschwung, Kleinstall und Waschhaus zu einem Bestandteil 

der von der Gartenstadtidee geprägten Siedlung V. gemacht. Das charakte-

ristische  Bild  des  freistehenden  klassizistischen  Baus  sei  mehrheitlich  er-

halten geblieben. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts seien nur noch punktuell 

bauliche Massnahmen oder Anpassungen erfolgt. Diese Massnahmen (z.B. 

Badeinbau)  seien  dezent  und  mit  grosser  Rücksicht  auf  die  bestehende 

Substanz erfolgt. Die biedermeierliche Ausstattung (Täfer, Einbauschränke) 

R1S.2019.05012 

Seite 10 

 
 
sei  zwar  abgenutzt,  aber  annähernd  vollständig  erhalten.  Auch  existierten 

im  Obergeschoss  einfache  Stuckdecken.  Die  historischen  Bodenbeläge 

zeigten  Fischgratparkett  und  Riemenböden,  wobei  diese  mehrheitlich  mit 

sekundären Bodenbelägen überdeckt seien. Das Gebäude weise einen fast 

vollständigen  Bestand  der  historischen  Heizkörper  und  Türen  auf.  Verein-

zelt  seien  Beschläge  oder  das  gesamte  Fensterband  jüngst  erneuert  wor-

den.  Insgesamt  weise  das  Innere,  insbesondere  der  Bereich  der  Nasszel-

len,  der  Küchen  und  der  Kellerräume  einen  grossen  Unterhaltsrückstand 

auf.  

Weshalb Conrad Boller 1833 das einstige Lehensgut gekauft habe, konnte 

im Rahmen des Gutachtens nicht geklärt werden. Die Gutachterin führt hin-

sichtlich  des  Käufers  aus,  dieser  habe  1834  sein  Amt  als  Gemeindepräsi-

dent  niedergelegt.  Unmittelbar  nach  dem  Brand  des  ursprünglichen  Baus 

habe er das in Massivbauweise realisierte Streitobjekt erstellen lassen. Auf 

den  Bau  eines  grösseren  Ökonomiegebäudes  habe  er  indes  verzichtet. 

Nach  seinem Tod habe  seine Tochter  die  Verantwortung  über  die  Liegen-

schaft  übernommen.  Nach  der  Heirat  mit  Johann  August  Ottiker  (einem 

hernach  bekannten  Immobilienspekulanten  bzw.  -besitzer,  vgl.  Ottikergut) 

sei dieser als Besitzer der Liegenschaft verzeichnet worden. Nach fünf Jah-

ren sei die Familie jedoch ins neu erbaute Ottikergut umgezogen. Nach vie-

len  Eigentümerwechseln  sei  das  Wohnhaus  Anfang  des  20. Jahrhunderts 

von der Familie S. erworben worden. Bis ins Jahre 2015 habe das Gebäu-

de dieser Familie gehört, welche es alsdann den Mitbeteiligten verkauft ha-

be. 

Schlussfolgernd hält die Gutachterin fest, dass das Gebäude innerhalb sei-

ner Nachbarschaft eher klein dimensioniert sei und sich auch im Baustil von 

den  Nachbargebäuden  unterscheide.  Der  begrünte  Zwischenraum  wirke 
dabei als verbindendes Element. Als eines der ersten seiner Art habe sich 

das Wohnhaus der bäuerlichen Oberschicht in seine weitgehend unbebau-

te  Umgebung  eingefügt.  Es  sei  idyllisch  gelegen  gewesen,  habe  einen 

grosszügigen Nutzgarten aufgewiesen und sei durch den H.-Bach wasser-

technisch  erschlossen  gewesen.  Nur  kurze  Zeit  später  beginne  der  bauli-

che Umbruch und im Verlaufe der folgenden Jahrzehnte werde das Gebiet 

um  den  V.  überbaut.  Eine  erste  Phase  hätten  die  Baumeisterhäuser  aus 

den  1860er-  und  1870er-Jahren  dargestellt,  von  denen  ein  grosser  Teil 

nicht  mehr vorhanden  sei.  Die  zweite  Phase  sei  jene der  siedlungsartigen 

R1S.2019.05012 

Seite 11 

 
 
Bebauung mit Historismus- und Heimatstilbauten. Im Äusseren sei der Bau 

zurückhaltend, doch weise er im Innern eine vollständige intakte historische 

Ausstattung auf. Dies mache das Gebäude zu einem unversehrten Vertre-

ter  eines  frühen  Baumeisterhauses.  Aufgrund  der  hohen  soziokulturellen 

und architekturhistorischen Bedeutung müsse das Wohnhaus als ein quali-

tätsvoller historischer Zeuge gewürdigt werden.  

7. 
Die  Vorinstanz  führt  im  angefochtenen  Beschluss  nach  einer  Zusammen-

fassung des Gutachtens aus, dieses erachte das Wohnhaus mit der spezi-

ellen städtebaulichen Lage im ehemaligen Weiler "Im V.", der interessanten 

Besitzergeschichte und der ursprünglich hochwertigen Innenausstattung als 

einen qualitätsvollen Zeugen. Das Inventar der schützenswerten Ortsbilder 

der  Schweiz  (ISOS)  zähle  das  Gebäude  zu  einer  Baugruppe  mit  Erhal-

tungsziel A, Erhalt der Substanz. 

Am  29. Oktober 2019  sei  das  Inventar  der  kunst-  und  kulturhistorischen 

Schutzobjekte  von  kommunaler  Bedeutung  um  81 Baumeisterhäuser  und 

deren Nebengebäude ergänzt worden. Sie seien bis dahin mit 83 Einträgen 

untervertreten  gewesen.  Baumeisterhäuser  würden  ihre  Zeugenschaft  am 

besten  dort  leisten,  wo  sie  noch  in  grösseren  Ensembles  und  mit  sämtli-

chen  Hinter-  und  Nebengebäuden  vorhanden  seien.  Solche Gruppen  wür-

den den  Verstädterungsprozess  erlebbar  machen  und  prägen  das  heutige 

Ortsbild.  Aus  diesem  Grunde  sei  bei  der  genannten  Nachinventarisierung 

der  Schwerpunkt  auf  Gruppen  von  Baumeisterhäusern  gelegt  worden.  Im 

Jahre 2014 seien nebst den Gebäudegruppen nur noch jene Einzelobjekte 

ins Inventar aufgenommen worden, welche aufgrund der baukünstlerischen 

Gestaltung  und  des  städtebaulichen  sowie  sozialgeschichtlichen  Hinter-
grundes herausragend seien. Gemäss diesen Kriterien sei auch das Streit-

objekt  damals  geprüft  und  als  nicht  inventarwürdig  befunden  worden.  Die 

innere,  bauzeitliche  Ausstattung  sei  damals  zwar  nicht  bekannt  gewesen. 

Es  gebe  jedoch  eine  Reihe  weiterer  Baumeisterhäuser,  die  ebenfalls  eine 

bauzeitliche  Ausstattung  aufwiesen  und  diese  Bauepoche  gut  aufzeigen 

würden.  Am  Z.-Weg  würden  sich  mehrere  städtebaulich,  architektonisch 

und  sozialgeschichtlich  herausragende  Beispiele  der  1830er-  bis  1850er-

Jahre  befinden,  welche  sich  mit  dem  Streitobjekt  vergleichen  liessen  und 

verschiedene  Ausprägungen  des  klassizistischen  Baustils,  von  einfach  bis 

R1S.2019.05012 

Seite 12 

 
 
repräsentativ,  nachvollziehbar  machen  würden  (im  Beschluss  werden  die 

einzelnen  Bauten  am  Z.-Weg  aufgeführt).  Die  Denkmalpflegekommission 

habe das Geschäft ein erstes Mal an der Sitzung vom 6. Mai 2019 behan-

delt. Da die Mitbeteiligten anlässlich jener Sitzung ein Privatgutachten ein-

gereicht  hätten,  sei  das  Geschäft  vertagt  und  an  der  darauffolgenden  Sit-

zung  vom  3. Juni 2019  behandelt  worden.  Die  Kommission  habe  das  Ge-

bäude als  schönes,  interessantes Baumeisterhaus  mit  einem beachtlichen 

Anteil  an  historischer  Substanz  im  Innern  gewürdigt.  Sie  sei  jedoch  zum 

Schluss  gelangt,  dass  es  sich  nicht  um  einen  herausragenden  Zeugen 

handle. Eine Unterschutzstellung rechtfertige sich daher nicht.  

Die  Inventare  seien  wichtige  Arbeitsinstrumente  für  die  Behörden  bei  der 

Prüfung von Baugesuchen und um Planungen zu erarbeiten. Insofern wür-

den sie ein gewisses Mass an Planungssicherheit gewähren. Die im Jahre 

2014  vorgenommene  Inventarergänzung  habe  der  Lückenfüllung  gedient. 

Die Zahl der 81 Bauten, welche noch zusätzlich ins Inventar aufgenommen 

worden  seien,  habe  sich  aus  dem  Gebot  der  repräsentativen  Auswahl  er-

geben.  Entsprechend  sei  davon  auszugehen,  dass  es  aus  jeder  inventari-

sierten Bauepoche weitere Bauten gebe, die zwar baugeschichtlich interes-

sant,  aber  weder  als  wichtige  Zeugen  einer  politischen,  wirtschaftlichen, 

sozialen  oder  baukünstlerischen  Epoche  erhaltenswürdig  seien,  noch 

Landschaften  oder  Siedlungen  wesentlich  mitprägen  würden.  Demzufolge 

seien  derartige  Objekte  auch  keine  Schutzobjekte.  Bei  einem  Gesamtbe-

stand von 700 Baumeisterhäusern würden sich seit der Inventarergänzung 

im  Jahre 2014  insgesamt  163  im Inventar  befinden oder  unter Schutz  ste-

hen.  Das  entspreche  einem  Anteil  von  23 %  des  Gesamtbestandes.  Mit 

diesem  Anteil  sei  der  Schutz  dieses  Bautyps  gesichert.  Das  Inventar  der 

Baumeisterhäuser weise folglich keine Lücken auf.  

8.1. 
Der  Rekurrent 2  macht  zunächst  geltend,  die  Vorinstanz  stütze  ihren  Ent-

scheid  auf  das  sog.  Faktenblatt  ab.  Dieses  datiere  vom  5. April  2019  und 

sei somit zeitlich vor dem Gutachten erstellt worden. Letzteres sei nämlich 

vom 6. Mai 2019. Die Denkmalpflege habe folglich das Gutachten faktisch 

ignoriert. 

R1S.2019.05012 

Seite 13 

 
 
8.2. 
Gleiches bringen auch die Rekurrierenden 1 vor. Sie sind sodann der Auf-

fassung, einzig das Faktenblatt sei der Denkmalpflegekommission als vor-

ab Information anlässlich ihrer Sitzung zur Verfügung gestanden. Das Gut-

achten  sei  nämlich  erst  auf  den  Sitzungstermin  hin  bereitgestellt  worden. 

Das  Faktenblatt  enthalte  sodann  Vorbeurteilungen,  welche  einfach  in  den 

angefochtenen  Beschluss  übernommen  worden  seien.  Das  Faktenblatt 

enthalte  sodann  nicht  nur  Fakten,  sondern  die  Referentin  des  Amtes  für 

Städtebau  habe  ihre  eigene  Meinung  zur  Instruktion  der  Denkmalpflege-

kommission  genutzt.  Die  Denkmalpflegekommission  habe  praktisch  wört-

lich  die  Ausführungen  der  Referentin  des  Amtes  für  Städtebau  übernom-

men.  Sie  habe  sich  damit  nicht  hinreichend  und  unvoreingenommen  mit 

dem  Objekt  befasst.  Daran  ändere  auch  nichts,  dass  die  Stellungnahme 

der Denkmalpflegekommission zuhanden der Vorinstanz als Amtsbericht zu 

betrachten sei. Hinzu komme, dass nicht bei jedem Mitglied der Kommissi-

on eine hinreichende Fachkompetenz vorgelegen habe. Die Vorinstanz hät-

te sich daher nicht auf den Amtsbericht stützen dürfen.  

8.3. 
Die  Vorinstanz  hält  dem  zusammengefasst  entgegen,  das  Erstellungsda-

tum des Gutachtens ergebe sich aus dessen Impressum und sei bereits für 

die Sitzung vom 6. Mai 2019 vorgelegen. Die von externen Mitarbeitern er-

arbeiteten  Gutachten  würden  von  den  Projektleitern  redigiert,  gelayoutet 

und anschliessend an die Grafikabteilung übergeben. Während dieser Zeit 

werde  durch  den  Projektleitenden  das  Faktenblatt  auf  der  Grundlage  des 

Gutachtens erarbeitet.  Das  Faktenblatt  gebe  den Inhalt  des  Gutachtens  in 

verdichteter Form wieder. Wo es wie im vorliegenden Fall nötig sei, würden 

wichtige Zusatzinformationen in der Art eines Fachberichts hinzugefügt.  

8.4. 
Die  Unterschutzstellung  eines  Objekts  setzt  nach  § 203  Abs. 1  lit. c PBG 

voraus,  dass  es  sich  dabei  um  einen  wichtigen  Zeugen  einer  politischen, 

wirtschaftlichen, sozialen oder baukünstlerischen Epoche handelt oder die-

ses die Landschaften oder Siedlungen wesentlich mitprägt. 

Bei  der  Beantwortung  der  Frage,  ob  ein  Objekt  als  "wichtiger  Zeuge"  zu 

qualifizieren  ist  oder ob  es  seine  Umgebung  "wesentlich mitprägt",  hat  die 

Behörde  eine  sachliche,  auf  wissenschaftliche  Kriterien  abgestützte  Ge-

R1S.2019.05012 

Seite 14 

 
 
samtbeurteilung  vorzunehmen,  welche  den  kulturellen,  geschichtlichen, 

künstlerischen und städtebaulichen Zusammenhang eines Bauwerks mitbe-

rücksichtigt (vgl. statt vieler VB.2017.00159, E. 5.1, www.vgr.zh.ch). Für die 

Klärung  dieser  denkmalpflegerischen  Fragen  kann  sie  ein  Fachgutachten 

einholen (§ 7 Abs. 1 VRG).  

Soweit  die  Rekurrierenden  vorbringen,  der  Beschluss  sei  schon  deshalb 

formell fehlerhaft, weil seitens der Denkmalpflegekommission dem Gutach-

ten  schon  aus  zeitlichen  Gründen  gar  keine  Beachtung  habe  geschenkt 

werden können, kann ihnen nicht gefolgt werden. Bereits der Einladung für 

die Sitzung vom 6. Mai 2019 lag das Gutachten bei (vgl. act. 8.5 im Dossier 

G.-Nr. R1S.2019.05135).  Die  Beschlussfassung  erfolgte  sodann,  weil  die 

Mitbeteiligten  kurzfristig  vor  der  besagten  Sitzung  ein  Privatgutachten  ein-

gereicht  hatten,  erst  anlässlich  der  Sitzung  vom  3. Juni 2019  (vgl.  hierzu 

act. 8.1. und 8.2. im Dossier G.-Nr. R1S.2019.05135). Die Denkmalpflege-

kommission hatte damit hinreichend Zeit, um sich mit dem Gutachten aus-

einanderzusetzen.  Dass  sie  dies  gemacht  hat,  lässt  sich  denn  auch  dem 

entsprechenden  Sitzungsprotokoll  vom  3. Juni 2019  entnehmen  (act. 8.2. 

S. 4, im Dossier G.-Nr. R1S.2019.05135).  

Nebst  dem  Gutachten  lag  der  Denkmalpflegekommission  auch  das  sog. 

Faktenblatt des  Amtes  für  Städtebau  vor. In diesem  wird  zunächst ausge-

führt,  weshalb  überhaupt  das  nicht  inventarisierte  Gebäude  auf  dessen 

Schutzwürdigkeit  zu  prüfen  war.  Hernach  folgt  eine  kurze  Zusammenfas-

sung des Gutachtens. Nachfolgend wird kurz der Typ des Baumeisterhau-

ses  beschrieben  und  erklärt,  weshalb  bei  der  Inventarergänzung  im  Jahre 

2014 der Schwerpunkt auf Ensembles gelegt worden sei. Auch wird darge-

legt, dass bei der Nachinventarisierung einzig herausragende Objekte auf-

genommen worden seien. Das Objekt sei, ohne es im Innern besichtigt zu 
haben, nicht als solches erachtet worden. Weiter wird darauf hingewiesen, 

dass  Inventare  wichtige  Arbeitsinstrumente  seien  und  ein  gewisses  Mass 

an Planungssicherheit verschaffen würden. Gemäss Auffassung der städti-

schen Denkmalpflege sei der hier massgebliche Bautyp angesichts 163 im 

Inventar  aufgenommener  bzw.  unter  Schutz  gestellter  Gebäude  hinrei-

chend gesichert. Sodann wird auf Vergleichsobjekte am Z.-Weg verwiesen. 

Als  Fazit  wird  zusammenfassend festgehalten,  das  Objekt  erfülle zwar  die 

Schutzkriterien  gemäss  § 203  Abs. 1  lit. c PBG.  Das  Inventar  weise  indes 

keine  Lücken  auf.  Es  werde  der  Stadtrat  zu  entscheiden  haben,  ob  eine 

R1S.2019.05012 

Seite 15 

 
 
nachträgliche Inventaraufnahme angezeigt  sei.  Schliesslich  wird  die  Frage 

an die Denkmalpflegekommission gerichtet, ob diese der Meinung sei, das 

Streitobjekt sei ein wichtiger Zeuge im Sinne von § 203 PBG.  

Dass das Amt für Städtebau die Kommission mit diesem Faktenblatt indok-

triniert  habe,  ist  eine  reine  Parteibehauptung.  Zwar  trifft  es  zu,  dass  darin 

nicht einzig Fakten zusammengetragen werden, sondern auch die Meinung 

der  städtischen  Denkmalpflege  dargelegt  wird.  Obschon  es  sich  bei  der 

Kommission um eine Amtsstelle handelt, ist jedoch auch diese zur Objekti-

vität  verpflichtet.  Dass  sie  dieser  Pflicht  nicht  nachgekommen  wäre,  lässt 

sich den Akten nicht entnehmen. Vielmehr geht aus den Protokollen hervor, 

dass  sich  die  Kommission  mit  dem  Gebäude  eingehend  auseinanderge-

setzt  hat.  Sie  hat  sich  namentlich  nicht  einzig  auf  das  Gutachten  und  das 

Faktenblatt  gestützt,  sondern  auch  einen  Lokaltermin  durchgeführt  (vgl. 

act. 8.5 im Dossier G.-Nr. R1S.2019.05135). Eine ungenügende Befassung 

der  Kommission mit  dem  Objekt  kann folglich  nicht angenommen werden. 

Weshalb  sodann  den Mitgliedern  der  Kommission  die  Fachkompetenz  ab-

zusprechen  sei,  wird  von  den  Rekurrierenden 1  nicht  weiter  substantiiert 

und ist angesichts der personellen Zusammensetzung der Kommission an-

lässlich der Sitzung vom 3. Juni 2019 auch nicht ersichtlich (vgl. act. 8.2 im 

Dossier  G.-Nr. R1S.2019.05135  sowie  www.stadt-zuerich.ch/hbd/de/index/ 

ueber_das_departement/organisation/gremium/denkmalpflegekommission.

html.) 

Dass der angefochtene Beschluss folglich fehlerhaft sei, weil er sich auf ei-

ne  unvollständige  Prüfung  durch  die  Denkmalpflegekommission  stütze, 

kann  nicht  gesagt  werden.  Der  Stadtrat  konnte  sich  auf  die,  insbesondere 

im  Gutachten  enthaltenen,  fundierten  Sachverhaltsrecherchen  abstützen 

und  hat  sich  mit  den  Feststellungen  beider  Fachgremien  –  des  Amtes  für 
Städtebau  und  der  städtischen  Denkmalpflegekommission  –  auseinander-

gesetzt. 

9.1. 
In materiell-rechtlicher Hinsicht bringt der Rekurrent 2 vor, das Objekt gehö-

re  den  Baumeisterhäusern  an  und  sei  wegen  seines  Baujahrs  ein  früher 

Repräsentant derselben. Es handle sich um ein klassizistisches ländliches 

Bauernhaus der gehobenen Mittelschicht, welches in typologischer und so-

R1S.2019.05012 

Seite 16 

 
 
zialgeschichtlicher  Hinsicht  bedeutsam  sei.  Ebenfalls  sei  es  in  seinem  In-

nern  gut erhalten.  Das  Haus  habe  entsprechend  dem  sozialen  Status  des 

Bauherrn  einen  für  damalige  Verhältnisse  hohen  Ausbaustandard  aufge-

wiesen. Es handle sich um einen wichtigen städtebaulichen Zeugen (was er 

unter Wiedergabe des Gutachtens genauer ausführt). Aber auch in sozial- 

und wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht sei das Objekt ein wichtiger Zeuge, 

da er vom damaligen Gemeindepräsidenten gebaut und hernach durch die 

Heirat seiner Tochter während fünf Jahren in den Besitz der Bauunterneh-

mer-Familie Ottiker gelangt sei. Die Vorinstanz mache keine Fehler, Lücken 

oder Widersprüche im Gutachten namhaft und dennoch habe sie ihre eige-

ne  Wertung  an  jene  der  Gutachterin  gesetzt.  Zwar  anerkenne  die  Vor-

instanz,  dass  es  sich  beim  Streitobjekt  um  ein  Schutzobjekt  im  Sinne  von 

§ 203  Abs. 1  lit. c PBG  handle,  doch  werde  es  deshalb  nicht  unter  Schutz 

gestellt, weil es kein herausragender Zeuge sei. Die genannte Gesetzesbe-

stimmung setze aber gar keine ausserordentliche Qualität voraus. Notwen-

dig  sei  vielmehr  einzig  eine  wichtige  Zeugeneigenschaft.  Es  bestehe  kein 

Auswahlermessen,  eine  Unterschutzstellung  könne  beim  Vorliegen  einer 

wichtigen Zeugeneigenschaft einzig aus Verhältnismässigkeitsgründen un-

terbleiben.  

Die Vorinstanz argumentiere weitgehend quantitativ, indem sie darauf ver-

weise, dass auf dem Stadtgebiet 163 Baumeisterhäuser inventarisiert oder 

unter Schutz stehen würden. In qualitativer Hinsicht stütze sie ihr Auswahl-

ermessen auf bereits inventarisierte Gebäude. Als Vergleichsbeispiele wür-

den dabei Gebäude am Z.-Weg genannt, obschon diese mit dem strittigen 

Objekt  nicht  vergleichbar  seien  (was  er  näher  ausführt).  Richtig  betrachtet 

gebe es in der Stadt Zürich kein vergleichbares Objekt. Ein Auswahlermes-

sen  könne  nur  dann  bestehen,  wenn  eine  gewisse  räumliche  Nähe  zwi-

schen  den  in  Frage  kommenden Gebäuden  bestehe.  Diese  sei  vorliegend 
bei einer Distanz von rund zwei Kilometern indes nicht gegeben. Zudem fal-

le ins Gewicht, dass es in der näheren baulichen Umgebung des Streitob-

jekts  gar  kein  Baumeisterhaus  mehr  gebe,  da  die  letzten  Vertreter  in  den 

letzten Jahren abgebrochen worden seien.  

Zudem handle es sich um ein untypisches Baumeisterhaus, da es nicht im 

Zusammenhang  mit  der  Stadterweiterung  stehe.  Ebenso  fehle  es  an  den 

typischen  Gewerberäumen  im  Erdgeschoss  sowie  an  den  Etagen-  oder 

Mietwohnungen in den Obergeschossen. Schon aus diesem Grunde gehe 

R1S.2019.05012 

Seite 17 

 
 
die  Begründung  im  angefochtenen  Beschluss  fehl,  das  Gebäude  sei  als 

Baumeisterhaus bei der Inventarergänzung hinreichend berücksichtigt wor-

den. Zudem könne nicht unter Hinweis auf die Anzahl inventarisierter bzw. 

unter Schutz gestellter Häuser eine Prüfung der Schutzwürdigkeit unterlas-

sen  werden.  Eine  Auseinandersetzung  mit  dem  Gebäude  an  sich  und  der 

Frage,  weshalb  dieses  nicht  geschützt  werden  soll,  werde  im  angefochte-

nen Beschluss vergeblich gesucht.  

Auch  die  ortsbildprägende  Funktion  des  Gebäudes  sei  im  angefochtenen 

Beschluss  nicht  untersucht  worden.  Das  Gebäude  liege  gemäss  ISOS  in 

der  Baugruppe B […],  für  welches  das  Erhaltungsziel A  gelte.  Die  Vor-

instanz habe sodann auch keine Interessenabwägung vorgenommen.  

9.2. 
Die Rekurrierenden 1 argumentieren in ihrer Rekursschrift im Wesentlichen 

gleich wie der Rekurrent 2. Ergänzend dazu bringen sie vor, dem Gutach-

ten zufolge handle es sich beim Streitobjekt um ein solches mit einem sehr 

hohen Schutzwürdigkeitsgrad. Das Gebäude stelle den Markstein der spä-

ter  auch  in  diesem  Gebiet  einsetzenden  Verstädterung  dar  und  habe  als 

Katalysator derselben gedient. Einzig die Gebäude an der D.-Strasse könn-

ten  wegen  ihrer  örtlichen  Situierung  als  Vergleichsobjekte  herangezogen 

werden. Die etwa in der gleichen Zeit erbauten Gebäude an der besagten 

Strasse könnten aber aus anderen Gründen nicht mit dem Streitobjekt ver-

glichen werden. Nebst dem Eigenwert weise das Gebäude auch einen her-

vorragenden  Situationswert  auf.  Die  vor  rund  175  Jahren  geschaffene 

prägnante  Situation  im  kleinen  Platzbereich  sei  in  seinem  Kern  erhalten. 

Das  Gebäude  präge  ungeachtet  seiner  im  Vergleich  zu  den  umliegenden 

Gebäuden geringen Dimensionen den Platz entscheidend mit. Die Wande-

lung  des  Weilers  sei  hier  klar  ablesbar.  Die  umliegenden  Biedermeier-
Bauten  liessen  dem  Gebäude  hinreichend  Raum,  um  prägend  zu  wirken. 

Es bilde auch einen interessanten Kontrast zu den Nachbarbauten.  

9.3. 
Die  Vorinstanz  hält  dem  zusammengefasst  entgegen,  sie  habe  sich  in  ih-

rem  Entscheid  mit  sämtlichen  Aspekten  des  Gutachtens  auseinanderge-

setzt.  Der  Begriff  des  herausragenden  Zeugen  habe  sich  im  Rahmen  der 

Inventarisierung herauskristallisiert. Es sei eine Auswahl derjenigen Objek-

te getroffen worden, welche das Kriterium des wichtigen Zeugen am über-

R1S.2019.05012 

Seite 18 

 
 
zeugendsten erfüllten. In diesem Zusammenhang sei von herausragenden 

Beispielen  gesprochen  worden,  welche  alsdann  die  wichtigen  Zeugen  im 

Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG ergeben hätten. Die Vorinstanz habe im 

angefochtenen  Beschluss  zwar  erwogen,  dass  das  Streitobjekt  ein  quali-

tätsvoller historischer Zeuge sei, jedoch mit Blick auf die erst fünf Jahre zu-

rückliegende Nachinventarisierung auf eine Unterschutzstellung verzichtet. 

Sodann habe nicht eine abweichende Tatsachenfeststellung, sondern viel-

mehr eine unterschiedliche Würdigung derselben zur Nichtunterschutzstel-

lung geführt. 

Weiter habe die Verstädterung zwischen O. und F. später eingesetzt als im 

Bereich des Z.-Weges, sei dann aber in den ähnlichen Bahnen wie bei die-

sem  verlaufen.  Auch  entlang  der  H.-Strasse  seien  in  den  1860er-Jahren 

weitere Baumeisterhäuser erstellt worden. In beiden Fällen handle es sich 

um Überbauungen entlang von historischen Verkehrswegen. Es greife da-

her  zu  kurz,  wenn  die  Rekurrierenden  aufgrund  dieser  zeitlichen Verzöge-

rung  auf  einen  anderen  städtebaulichen  Hintergrund  schliessen  würden. 

Die  ersten  Baumeisterhäuser,  welche  im  Jahre  1830  am  Z.-Weg  sozusa-

gen "auf der grünen Wiese" erstellt worden seien, seien sehr wohl mit dem 

Streitobjekt  vergleichbar,  handle  es  sich  doch  auch  bei  diesen  um  Bau-

meisterhäuser, die in einer frühen Phase der Verstädterung erbaut worden 

seien.  Zudem  sei  auch  die  Bevölkerungszusammensetzung  in  den  beiden 

Quartieren  vergleichbar  gewesen.  Das  Streitobjekt  sei  mit  seiner  bieder-

meierlichen-klassizistischen  Ausprägung  sowie  hinsichtlich  der  Innenaus-

stattung  mit  den  Gebäuden  am  Z.-Weg  vergleichbar.  Es  sei  aber  ein 

schwächerer  Zeuge  als  jene,  weil  das  biedermeierliche-klassizistische  Er-

scheinungsbild durch den später angebauten, barockisierenden Balkon aus 

dem Jahr 1913 verunklärt worden sei und das Gebäudeinnere nebst der in 

den Wohnräumen  zum  Grossteil  erhaltenen  Ausstattung  auch  diverse  Än-
derungen  erfahren  habe.  Auch  in  sozialgeschichtlicher  Hinsicht  komme 

dem Gebäude  keine  besondere  Bedeutung  zu,  da  der  Erbauer  des  Streit-

objekts  bereits  drei  Jahre  nach  dessen  Bau  verstorben  sei,  das  Haus  im 

Jahre 1854 verkauft und in der Folge während 60 Jahren, bis zum Anfang 

des  20. Jahrhunderts,  viele  Eigentümerwechsel  erfahren  habe.  Das  Ge-

bäude  sei  zwar  wegen  eines  Brandfalles  und  nicht  wegen  des  Verstädte-

rungsprozesses erstellt worden, dennoch zähle es zu den Baumeisterhäu-

sern und könne mit diesen verglichen werden.  

R1S.2019.05012 

Seite 19 

 
 
Die  ortsbildprägende  Funktion  sei  im  Gutachten  deshalb  nicht  besonders 

hervorgehoben worden, weil es auch nicht durch das Baumeisterhaus allei-

ne gegeben sei. Es sei vielmehr die gesamte Gebäudegruppe, die ortsbild-

prägend  wirke,  was  auf  Seite 7  des  Gutachtens  auch  beschrieben  werde. 

Aus  dem  ISOS  lasse  sich  sodann  die  Schutzwürdigkeit  eines  einzelnen 

Gebäudes nicht ableiten. Die städtebauliche Entwicklung sei an diesem Ort 

sodann  zwar  ablesbar  und das  Baumeisterhaus präge  zusammen mit den 

Heimatstilbauten  die  Umgebung,  doch  könne  die  Ablesbarkeit  der  städte-

baulichen Entwicklung nicht eine Unterschutzstellung rechtfertigen. Sie sei 

auch  nicht  einmalig.  Der  Verstädterungsprozess  lasse  sich  beispielsweise 

auch am Z.-Weg sowie an der Z.- oder Hi.-Strasse ablesen. Das Gebäude 

trage  zwar  zu  einem  idyllischen  Ambiente  im  Kreuzungsbereich  bei,  doch 

sei die Situation weder singulär noch hervorragend.  

Ob  private  Interessen  einer  Unterschutzstellung  entgegenstehen  würden, 

sei  von  der  Vorinstanz  angesichts  der  dargelegten  Umstände  nicht  weiter 

zu prüfen gewesen.  

9.4. 
Die Mitbeteiligten bringen unter Verweis auf ihr Privatgutachten und entge-

gen  dem  Gutachten  des  Amtes  für  Städtebau  vor,  das  heutige  Erschei-

nungsbild des Gebäudes entspreche nicht jenem aus der Bauzeit. Zur Bau-

zeit sei es nicht ein klassizistisches Wohnhaus, sondern ein in traditioneller 

Bauweise erstelltes Einfamilienhaus gewesen. Erst später, im Jahre 1864, 

habe  es  seine  heutige  Ausgestaltung  erfahren.  Das  Gebäude  sei  folglich 

gar nicht als Baumeisterhaus erstellt worden.  

9.5. 
Der Rekurrent 2 führt zusammengefasst replizierend aus, dass die im Jahre 
2014 erfolgte Inventarergänzung keinen hinreichenden Grund darstelle, um 

vom  Gutachten  abzuweichen.  Zudem  seien  jene  Gebäude,  welche  am Z.-

Weg  "auf  der  grünen  Wiese"  erstellt  worden  seien  mit  dem  vorliegend  zu 

beurteilenden  weder  hinsichtlich  deren  Grösse,  Geschossigkeit,  Formen-

sprache noch hinsichtlich deren Ausstattung vergleichbar. Das Streitobjekt 

sei  ein  einfacheres,  ländliches Wohnhaus  des  Landwirtes  und  Gemeinde-

präsidenten Conrad Boller, welcher nicht zum Grossbürgertum am Z.-Weg 

gehört  habe.  Der  Unterschied  zwischen  der  Bewohnerschaft  am  Z.-Weg 

und  an  der  H.-Strasse  sei  im  Band  Baukultur  deutlich  ersichtlich.  Auch 

R1S.2019.05012 

Seite 20 

 
 
handle  es  sich beim Z.-Weg  und  der  H.-Strasse  nicht  um  zwei  historische 

Verkehrswege. Der erste sei eine neue Strasse gewesen, während die H.-

Strasse  eine  alte  Verbindungsstrasse  gewesen  sei.  Ersterer  sei  zu  einer 

wichtigen Strasse ausgebaut worden, während die zweitgenannte ein Weg 

geblieben sei.  

Die  Rekurrierenden 1  bringen  replizierend  darüber  hinaus  vor,  rund  die 

Hälfte  der  im  Inventar  enthaltenen  Baumeisterhäuser  seien  nicht  unter 

Schutz  gestellt,  sondern  lediglich  inventarisiert  worden.  Zudem  habe  sich 

das  Gutachten  gar  nicht  mit  der  Nachinventarisation  und  den  Z.-

Weghäusern  auseinandergesetzt,  weshalb  sich  die  Vorinstanz  willkürlich 

über das Gutachten hinweggesetzt habe.  

9.6. 
Die Vorinstanz hält duplizierend im Wesentlichen an ihrer Vernehmlassung 

fest.  

Die  Ausführungen  der  Mitbeteiligten  in  der  Duplik  gehen  über  das  vorste-

hend Wiedergegebene nicht hinaus. 

9.7. 
Die  Ausführungen  anlässlich  des  Lokaltermins  sowie  im  Verfahren  G.-Nr. 

R1S.2019.05132  anlässlich  der  öffentlichen  Verhandlung  decken  sich  im 

Wesentlichen  mit  dem  bereits  Wiedergegebenen.  Die  Rekurrierenden 1 

sind  jedoch  anlässlich  der  öffentlichen  Verhandlung  der  Auffassung,  dass 

das Streitobjekt gar kein Baumeisterhaus darstelle, sondern ein ländlicher, 

klassizistischer  Bau  sei.  Mit  den  Baumeisterhäusern,  welche  Gegenstand 

der Nachinventarisierung gewesen seien, habe der Bau einzig gemeinsam, 

dass er in der Zeit der Stadterweiterung und nicht durch einen Architekten 
gebaut worden sei.  

10. 
Zunächst ist vorweg festzuhalten, dass sich die Frage, ob das Streitobjekt 

bei der Inventarergänzung zu Unrecht ausser Acht gelassen wurde bzw. ob 

das Inventar bezüglich des Streitobjekts eine Lücke aufweist, hier erübrigt. 

Dass eine Schutzabklärung vorgenommen werden muss, wurde vom Bun-

desgericht verbindlich entschieden. Diese wurde mittlerweile vorgenommen 

R1S.2019.05012 

Seite 21 

 
 
und liegt dem Entscheid zugrunde. Entscheidrelevant ist einzig, ob die Vor-

instanz zu Recht auf eine Unterschutzstellung verzichtet hat. 

11. 
Der  Rekurrent 2  rügt  sodann  eine  ungenügende  Begründung  des  Be-

schlusses. 

Aus  dem  in  Art. 29  Abs. 2  der  Bundesverfassung  (BV)  verankerten  An-

spruch der Betroffenen auf rechtliches Gehör ergibt sich als Teilgehalt auch 

die Begründungspflicht.  

Der  Mangel  der  ungenügenden  Begründung  einer  Anordnung  kann  nach 

der verwaltungsgerichtlichen Praxis unter Umständen durch spätere Nach-

reichung einer genügenden Begründung geheilt werden. Demzufolge kann 

es zulässig sein, die ungenügende Begründung im Rahmen der Rechtsmit-

telbeantwortung  nachzuholen 

(VB.2019.00083  vom  19. August 2019, 

E. 3.3.). 

Dem  angefochtenen  Beschluss  sowie  der  Rekursvernehmlassung  lässt 

sich mit hinreichender Deutlichkeit entnehmen, weshalb die Vorinstanz auf 

eine  Unterschutzstellung  verzichtete.  Es  wird  unter  Verweis  auf  das  Gut-

achten sowohl auf den Eigenwert sowie bezugnehmend auf das ISOS auf 

den  Situationswert  eingegangen.  Der  angefochtene  Beschluss  ist  mithin 

hinreichend begründet. 

12.1. 
Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-
ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die 

als  wichtige  Zeugen  einer  politischen,  wirtschaftlichen,  sozialen  oder  bau-

künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-

lungen  wesentlich mitprägen,  samt der für  ihre Wirkung  wesentlichen  Um-

gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG). 

Aus  der  vom  Gesetz  alternativ  zur  landschafts-  oder  siedlungsprägenden 

Wirkung  vorausgesetzten  Zeugeneigenschaft  ergibt  sich  das  Erfordernis, 

dass  ein  Objekt,  über  welches  Schutzmassnahmen  verhängt  werden  sol-

R1S.2019.05012 

Seite 22 

 
 
len,  namentlich  auf  Grund  seiner  ortsbaulichen,  baulichen  oder  ausstat-

tungsmässigen  Eigenschaften  von  einer  Epoche  Zeugnis  abzulegen,  d.h. 

die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne 

zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-

che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-

schaft  noch  nicht  ausreichend.  Zudem  lässt  das  Gesetz  auch  die  blosse 

Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-

mehr ein wichtiger Zeuge sein.  

Entgegen  rekurrentischer  Ansicht  führt  sodann  die  Bejahung  der  Schutz-

würdigkeit nicht zwingend zur Anordnung von Schutzmassnahmen im Sinn 

von  § 205  und  § 207 PBG.  Das  Prinzip  der  Verhältnismässigkeit  verlangt 

vielmehr,  dass  nicht  eine  beliebige  Vielzahl  von  gleichwertigen  Objekten 

aus der nämlichen Epoche unter Schutz gestellt wird. Daher hat die Behör-

de  gegebenenfalls  unter  mehreren  in  Frage  kommenden  Schutzobjekten 

diejenigen  auswählen,  welche  sie  unter  Beachtung  aller  Umstände  als  für 

die Unterschutzstellung am geeignetsten hält (VB 90/0214).  

Während von den tatsächlichen Feststellungen im zwecks Sachverhaltser-

mittlung eingeholten Gutachten die in Heimatschutzsachen zuständige Be-

hörde einzig dann abweichen darf, wenn die Glaubwürdigkeit der tatsächli-

chen Feststellungen des Gutachtens durch die Umstände ernsthaft erschüt-

tert ist (vgl. VB.2009.00270 vom 24. Februar 2010, E. 2.1; www.vgr.zh.ch), 

würdigt sie das Ergebnis der Sachverhaltsermittlung frei (§ 7 Abs. 4 VRG). 

Dabei  hat  sie  die  in  § 203 Abs. 1 lit. c PBG  enthaltenen  unbestimmten 

Rechtsbegriffe,  hier  jenen des "wichtigen  Zeugen"  (und der "siedlungsprä-

genden  Wirkung")  auszulegen  und  – im  Falle  einer  Unterschutzstellung – 

zur  Überzeugung  zu  gelangen,  dass  der  denkmalpflegerisch  einwandfrei 

abgeklärte Sachverhalt unter diese Begriffe zu subsumieren ist. Es ist hin-
gegen  nicht  Aufgabe  des  Gutachtens,  darüber  zu  entscheiden,  ob  ein  in 

Frage  stehendes  Objekt  ein  wichtiger  Zeuge  ist  oder  siedlungsprägende 

Wirkung hat. Das Gutachten hat dem für diesen Entscheid einzig zuständi-

gen  Gemeinwesen  (nur,  aber  immerhin)  die  entsprechenden tatsächlichen 

Entscheidungsgrundlagen  zu  liefern  und  es  kann  einen  Antrag  stellen. 

Beim Rechtsanwendungsakt steht der zuständigen Behörde eine besonde-

re Entscheidungsfreiheit im Grenzbereich zwischen Rechtsanwendung und 

Ermessensbetätigung  zu.  Diese  besondere  Entscheidungsfreiheit  bezieht 

sich  insbesondere  auf  die  Qualifikation  eines  Objekts  als  wichtiger  Zeuge 

R1S.2019.05012 

Seite 23 

 
 
(oder  die  Feststellung  seiner  siedlungsprägenden  Wirkung),  auf  die  Be-

stimmung des Umfangs einer Schutzmassnahme oder auf die Auswahl un-

ter  mehreren  Schutzobjekten  (vgl.  Marco  Donatsch,  in  Kommentar VRG, 

3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 20 Rz. 85 f.).  

Bei  sich  auf  § 203 PBG  stützenden  denkmalpflegerischen  Anordnungen 

kommt  den  Denkmalpflegebehörden  eine  gewisse  Entscheidungsfreiheit 

zu. Solche Anordnungen sind namentlich dann mit einer gewissen Zurück-

haltung  zu  überprüfen,  wenn  es  um  die  Frage  der  Qualifikation  eines  Ob-

jekts als wichtiger Zeuge, um die Bestimmung des Umfangs einer Schutz-

massnahme  oder  um  die  Auswahl  unter  mehreren  Schutzobjekten  geht. 

Diesbezügliche  Beurteilungen  sind  mit  einem  spezifisch  denkmalpflegeri-

schen  Fachwissen  verbunden.  Unerheblich  ist,  ob  es  um  Anordnungen 

kommunaler oder kantonaler Denkmalpflegebehörden geht. 

Besagte  Zurückhaltung  führt  allerdings  nicht  etwa  dazu,  dass  das  Baure-

kursgericht gleich wie das Verwaltungsgericht auf eine reine Rechtskontrol-

le beschränkt wäre (§ 20 Abs. 1 und § 50 des Verwaltungsrechtspflegege-

setzes  [VRG]).  Konsequenz  ist  vielmehr,  dass  das  Baurekursgericht  den 

angefochtenen  Entscheid  unter  gebührender  Berücksichtigung  der  Ent-

scheidgründe  der  Denkmalpflegebehörde  und  in  sorgfältiger,  einlässlicher 

Auseinandersetzung mit diesen zu überprüfen hat. Dergestalt ist zwischen 

der  Entscheidungsfreiheit  der  Denkmalpflegebehörde  einerseits  und  dem 

Anspruch  auf  wirksamen  Rechtsschutz  andererseits  (Art. 77  der  Kantons-

verfassung [KV] und Art. 29a der Bundesverfassung [BV]) praktische Kon-

kordanz herzustellen (Donatsch, § 20 Rz. 64 ff.).  

Im Übrigen kommt dem Baurekursgericht bei der Überprüfung von sich auf 

§ 203 PBG  stützenden  denkmalpflegerischen  Anordnungen  in  der  Regel 
volle Kognition zu (§ 20 Abs. 1 VRG). Die Frage, was unter einem Schutz-

objekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu verstehen ist, kann das Bau-

rekursgericht frei beantworten. Soweit ihm die örtlichen Verhältnisse hinrei-

chend bekannt sind, kann es diese in der Regel frei würdigen. Geht es um 

bautechnische Fragen, namentlich um solche der Erhaltungs- und Renova-

tionsfähigkeit  von  Schutzobjekten  oder  von  Teilen  hiervon,  ist  das  Baure-

kursgericht als Fachgericht in Bausachen zu deren Beantwortung nicht we-

niger  berufen  als  die  Denkmalpflegebehörden,  womit  auch  in  dieser  Hin-

sicht eine Kognitionseinschränkung nicht begründet wäre.  

R1S.2019.05012 

Seite 24 

 
 
12.2. 
Die  Gutachterin  hält  schlussfolgernd  fest,  dass  es  sich  um  einen  intakten 

Vertreter  eines  frühen  Baumeisterhauses  handle.  Aufgrund  der  hohen  so-

ziokulturellen und architekturhistorischen Bedeutung sei das Wohnhaus als 

qualitätsvoller historischer Zeuge zu würdigen.  

Sowohl  dem  angefochtenen  Beschluss  als  auch  den  Stellungnahmen  der 

Vorinstanz  lässt  sich  entnehmen,  dass  die  Vorinstanz  die  wichtige  Zeu-

geneigenschaft  im  Grundsatz  bejaht  hat.  Sie  ist  folglich  hinsichtlich  der 

Sachverhaltsfeststellung nicht vom Gutachten abgewichen. Auf die diesbe-

züglichen rekurrentischen Vorbringen ist daher nicht weiter einzugehen. Ei-

ne  Unterschutzstellung  unterblieb  vielmehr  deshalb,  weil  gemäss  vor-

instanzlicher  Auffassung  bereits  eine  hinreichende  Anzahl  qualitätsvoller 

Baumeisterhäuser  inventarisiert  bzw.  unter  Schutz  gestellt  worden  ist.  Sie 

hat mithin  aufgrund  ihres  Auswahlermessens  auf  eine  Unterschutzstellung 

verzichtet. Die Aufgabe, eine Auswahl zu treffen, kommt wie soeben ausge-

führt  einzig  der  Unterschutzstellungsbehörde  und  nicht  dem  Gutachter  zu. 

Dass im Gutachten auf die von der Vorinstanz genannten Vergleichsobjek-

te  nicht  eingegangen  wurde,  ist  damit  nicht  zu  beanstanden.  Wie  die  Vo-

rinstanz in ihrer Vernehmlassung sodann überzeugend ausführt, diente der 

von der Denkmalpflegekommission und der Vorinstanz benutzte Begriff des 

"herausragenden  Zeugen"  gerade  diesem  Zweck  und  ist  daher  nicht 

rechtsverletzend. Es ist nachfolgend daher der Frage nachzugehen, ob die 

Vorinstanz ihr Auswahlermessen korrekt gehandhabt hat.  

12.3.1. 
Die Vorinstanz verglich das Streitobjekt mit weiteren in der Stadt inventari-

sierten oder unter Schutz gestellten Baumeisterhäusern. Es rechtfertigt sich 

daher zunächst, dem Begriff des Baumeisterhauses, wie er von den städti-
schen Behörden definiert wird, nachzugehen: 

Der  Begriff  des  Baumeisterhauses  rührt  von  der  Autorschaft  der  Häuser 

her. Denn der überwiegende Teil dieser Gebäude wurde von Baumeistern 

entworfen  und  gebaut.  Gleichzeitig  beinhaltet  die  Bezeichnung  aber  auch, 

dass  die  Bauherrschaft  vorwiegend  keine  grossbürgerliche  und  der  An-

spruch  der  Architektur  entsprechend  bescheidener  war.  Ab  den 

1830er-Jahren  entstanden  Tausende  Wohn-  und  Handwerkerhäuser,  die 

sich diesem Bautyp mit folgenden Merkmalen zuordnen lassen: freistehen-

der Kubus, rechteckiger Grundriss, regelmässig befensterte Fassaden, Sat-

R1S.2019.05012 

Seite 25 

 
 
teldach, oft mit Zwerchdach, rundes Giebelfenster, eine Wohnung pro Ge-

schoss. Der Bauschmuck ist meist zurückhaltend eingesetzt, je nach Mittel 

und Absichten des Bauherrn kam es auch zu aufwendigeren Fassadenge-

staltungen.  Das  Erdgeschoss  (sei  es  gewerblich  oder  als  Wohnung  ge-

nutzt) verfügt gewöhnlich über mehr Dekor (Lagerfugen, Gurtgesims, Fens-

terformen).  Die  Grundrisse  sind  in  der  Regel  in  zwei  Raumschichten  mit 

Mittelkorridor angelegt. Die kluge und zweckmässige Raumorganisation ist 

sehr flexibel, was die Verwendung der in etwa gleich grossen Wohn- oder 

Schlafräume  angeht.  Stilistisch  orientieren  sich  die  Häuser  am  vorherr-

schenden  Klassizismus  bürgerlicher  Villenbauten,  denen  sie  mit  beschei-

deneren  Mitteln  nachkommen  (symmetrische  Gliederung,  dezenter  Bau-

schmuck, Risalite). Die Ausstattung besteht häufig aus vorfabrizierten Ele-

menten und zeugt von der damals aufkommenden Baumittelindustrie: Par-

kett,  Fliesen,  Backsteine,  Bauschmuck.  Die  frühen  Industrieprodukte  wur-

den fachgerecht vom Handwerker eingebaut und sind häufig von so hoher 

Qualität, dass sie bis heute erhalten sind (vgl. zu alledem Zürcher Baumeis-

terhäuser,  Zeugen  einer  wachsenden  Stadt,  Amt  für  Städtebau  der  Stadt 

Zürich, Zürich 2011, S. 13-18 [hernach: Zürcher Baumeisterhäuser]).  

In ihrer Entstehungszeit standen die so definierten Baumeisterhäuser meist 

in  vorstädtischem  Gebiet,  das heisst  nahe  der  Kernstadt  oder entlang  von 

wichtigen  Ausfallachsen,  welche  die  dörflichen  Gemeinden  rund  um  die 

Stadt  herum  erschlossen.  Die  beginnende  Verstädterung  im  19. Jahrhun-

dert  erforderte  nämlich  zunehmend Wohnräume.  Diesem  Bedürfnis  wurde 

mit dem Bau der sog. Baumeisterhäuser begegnet. Die Mehrzahl der Bau-

ten  blieb  dabei  nur  wenige  Jahre  im  Eigentum  des  Bauherrn.  Oft  wurden 

die Gebäude als Spekulationsobjekte gebaut und nach kurzer Zeit verkauft 

(vgl. hierzu Zürcher Baumeisterhäuser, S. 32 und 55 f.) Die frühesten Bau-

meisterbauten werden ab den 1830er-Jahren im Riesbacher Seefeld sowie 
im  Gebiet  Z.-Weg  und  Gemeindestrasse  in  H.  erstellt  (vgl.  Zürcher  Bau-

meisterhäuser S. 38). 

12.3.2. 
Die Rekurrierenden 1 bringen anlässlich des Lokaltermins und der öffentli-

chen  Verhandlung  und  entgegen  ihrer  bis  dorthin  vertretenen  Auffassung 

sowie  entgegen  ihrem  Privatgutachten  vor,  dass  es  sich  beim  Streitobjekt 

gar  nicht  um  ein  Baumeisterhaus  handle.  Es  sei  vielmehr  ein  ländlicher 

klassizistischer Bau. 

R1S.2019.05012 

Seite 26 

 
 
Für die Bauzeit sowie das gesamte 19. Jahrhundert liegen keine Baupläne 

für das streitbetroffene Gebäude vor. Wie sich das Objekt unmittelbar nach 

dessen  Bau  präsentierte,  kann  aufgrund  der  Aktenlage  daher  nicht  eruiert 

werden.  Ob  es  bereits  damals  vollständig  aus  Mauerwerk  bestand  oder, 

wie die Mitbeteiligten vorbringen, noch teilweise aus Holz gebaut war, lässt 

sich  nicht feststellen. Die  einfache,  klassizistische  Fassadengestaltung  mit 

den  regelmässig  gesetzten  Fensterachsen  und  den  Fensterverdachungen 

in den Vollgeschossen entspricht jener, welche bei einer Vielzahl von Bau-

meisterhäusern  angetroffen  werden  kann.  Auch  die  heute  vorhandene 

Raumeinteilung  entspricht  der  bei  Baumeisterhäusern üblicherweise  anzu-

treffenden (vgl. hierzu etwa Zürcher Baumeisterhäuser S. 15 und 16). We-

gen  der  unbekannten  Urheberschaft,  der  einfachen,  klassizistischen  For-

mensprache und dem Baujahr 1844 rechtfertigt es sich, das Gebäude den 

Baumeisterhäusern zuzuordnen (vgl. so auch die Denkmalpflegekommissi-

on  an  ihrer  Sitzung  vom  3. Juni  2019,  act. 8.2  im  Dossier  G.-Nr. 

R1S.2019.05132). Entgegen den Rekurrierenden 1 tritt das Objekt in keiner 

Art  und Weise  als  ländliches  Bauernhaus  in  Erscheinung.  Es tritt vielmehr 

städtisch  auf.  Von  einem  ländlichen  Bau,  welches  daher  von  vornherein 

nicht  mit  Baumeisterhäusern  verglichen  werden  könne,  kann  keine  Rede 

sein.  

12.3.3. 
Die Rekurrierenden sind sodann der Auffassung, sowohl die Architektur wie 

auch der geschichtliche Hintergrund des Streitobjekts seien nicht mit jenen 

der von der Vorinstanz zitierten Vergleichsobjekten komparabel, handle es 

sich beim Streitobjekt doch nicht um ein typisches Baumeisterhaus. Zudem 

sei die soziale Stellung von Conrad Boller nicht mit jener der Bauherren der 

Z.-Wegbauten vergleichbar. Auch hinsichtlich der Bevölkerungszusammen-

setzung seien das Gebiet O. und das Z.-Wegquartier nicht vergleichbar. In 
letzterem habe v.a. das Bürgertum gewohnt. 

Vergleichsobjekte  sind  kaum  je "gleich",  sondern  bloss – mehr  oder  weni-

ger – vergleichbar. Soweit die Rekurrierenden den von der Vorinstanz ge-

machten  Vergleich  mit  den  Z.-Wegbauten  als  unzulässig  erklären,  kann 

ihnen aus den nachfolgenden Gründen nicht gefolgt werden. Die klassizis-

tische  Fassadengestaltung  des  Streitobjekts  ist  –  wie  bereits  ausgeführt  – 

typisch für Baumeisterhäuser und unterscheidet sich nur unwesentlich von 

jenen  am Z.-Weg.  Sie  ist  damit  sehr  wohl mit  jenen  der  Vergleichsobjekte 

R1S.2019.05012 

Seite 27 

 
 
vergleichbar  (vgl.  hierzu  etwa  Gebäude  Z.-Weg 1,  Z.-Weg 2,  Z.-Weg 3, 

www.google.ch/maps).  Anlässlich des Lokaltermins  liess  sich  sodann fest-

stellen, dass im Gebäudeinnern sowohl im Erd- als auch im Obergeschoss 

gut  erhaltene  Vertäferungen  und  Parkette  vorhanden  sind.  Die  Türschlös-

ser sind ebenfalls vornehmlich älteren Datums. Sodann sind auch mehrere 

Wandschränke  erhalten  geblieben.  Einzelne  Zimmer  weisen  einfache  Stu-

ckaturdecken  auf.  Ob  es  sich  bei  diesen  Elementen  um  bauzeitliche  oder 

wie  die  Mitbeteiligten  anführen,  um  später  in  den  1860er-Jahren  ange-

brachte Ausstattungselemente handelt, braucht hier nicht weiter geklärt zu 

werden. Selbst wenn sie erst rund 20 Jahre nach dem Bau eingebaut wor-

den sein sollten, handelt es sich um Ausstattungselemente aus der Epoche 

der  Baumeisterhäuser.  Wie  den  vorstehenden  Ausführungen  entnommen 

werden  kann,  sind  derartige  Innenraumgestaltungen  bei  Baumeisterhäu-

sern jedoch nichts Aussergewöhnliches. Beispielsweise kann auch hier mit 

der  Vorinstanz  auf  die  unter  Schutz  gestellten  Gebäude  Z.-Weg 4,  Z.-

Weg 2 und Z.-Weg 3 verwiesen werden. Diese weisen mit den beim Streit-

objekt  anzutreffenden  ähnliche  Stuckaturdecken  und  Täferungen  auf 

(vgl. act. 12.9. im Dossier G.-Nr. R1S.2019.05132). Die Architektur und die 

Innenraumgestaltung  entspricht  mithin  den  typischen  Baumeisterhäusern 

und damit auch jenen bei den Vergleichsobjekten am Z.-Weg und sticht in 

keiner Weise gegenüber diesen hervor. Ebenso lässt sich der soziale Sta-

tus  des  Bauherrn  Conrad  Boller  mit  jenem  der  Bauherrn  der  von  der  Vo-

rinstanz zitierten Objekte am Z.-Weg vergleichen. Conrad Boller zählte als 

Gemeinderatspräsident ebenfalls zu den bedeutenden Personen im ländli-

chen O. und verfügte bereits vor dem Kauf des Lehensgutes (auf welchem 

später  das  Streitobjekt  erstellt  wurde)  über  ein  grösseres  Bauerngut  und 

kann damit sehr wohl auch als begütert bezeichnet werden (vgl. Gutachten 

S. 22, act. 12.1 im Dossier G.-Nr. R1S.2019.05132). Seine soziale Stellung 

weicht somit nicht wesentlich von jener der Bauherren der Z.-Weggebäude 
ab.  Auch die  Bauzeit der  von  der  Vorinstanz  genannten  Vergleichsobjekte 

ist  mit  jener  des  Streitobjekts  vergleichbar.  Wie  sodann  die  Vorinstanz 

überzeugend  darzulegen  vermochte,  entstanden  sowohl  das  Streitobjekt 

als auch die Vergleichsobjekte an historischen Verkehrswegen. Zudem un-

terschied  sich  die  Zusammensetzung  der  Quartierbevölkerung  der  beiden 

Quartiere  im  Bauzeitpunkt  des  Gebäudes  H.-Strasse  3  nur  unwesentlich 

voneinander.  Zwar  präsentierte  sich  das  Gebiet  O.  noch  weitestgehend 

ländlich  (vgl.  hierzu  act. 18.2.  im  Dossier  G.-Nr.  R1S.2019.05135).  Doch 

auch das Z.-Wegquartier setzte sich bis 1888 zu einem überwiegenden Teil 

R1S.2019.05012 

Seite 28 

 
 
aus Bewohner einfacher Verhältnisse zusammen (vgl. act. 18.1. im Dossier 

G.-Nr.  R1S.2019.05135).  Die  Z.-Weghäuser  können  daher  sehr  wohl  als 

Vergleichsobjekte herangezogen werden. 

Den Rekurrierenden ist zwar darin zuzustimmen, dass die Schutzwürdigkeit 

von Gebäuden als Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen oder sozialen 

Epoche nicht allein deshalb verneint werden darf, weil aus der gleichen Zeit 

noch andere, vergleichbare Objekte vorhanden sind. Indes darf – wie vorne 

erwähnt – unter mehreren geeigneten Schutzobjekten eine Auswahl getrof-

fen werden. Dabei ist jenes Objekt auszuwählen, das unter Beachtung aller 

Umstände  geeignet  erscheint  (RB 1989  Nr. 67;  VB 90/0214).  Es  trifft  zu, 

dass  der  Bau  des  Streitobjekts,  anders  als  die  Z.-Wegbauten  und  zahlrei-

che inventarisierte Bauten, nicht im Zusammenhang mit der Verstädterung 

und  des  damit  verbundenen  Wohnraumbedarfs  stand.  Grund  für  den  Bau 

war vielmehr der Brand des von Conrad Boller zuvor erstandenen Lehens-

gutes.  Insofern  unterscheidet  sich  das  Objekt  von  jenen  am  Z.-Weg  und 

handelt es sich tatsächlich um einen atypischen Vertreter des Baumeister-

haustyps. Daraus lässt sich aber entgegen rekurrentischer Auffassung nicht 

ableiten,  dass  deshalb  die  Unterschutzstellung  des  Gebäudes  zwingend 

und der vorinstanzliche Entscheid nicht vertretbar wäre. Die von den Bau-

meisterhäusern  bezeugte  Epoche  wird  vom  Streitobjekt,  gerade  weil  es 

nicht  im  Zusammenhang  mit  der  Stadterweiterung  steht,  deutlich  weniger 

gut aufgezeigt als die weiteren von der Vorinstanz genannten Vergleichsob-

jekte.  Dass  das  Gebäude  als  Katalysator  für  die  Verstädterung  des  Quar-

tiers gedient habe und deshalb von grosser Wichtigkeit sei, kann nicht allen 

Ernstes behauptet werden, blieb doch selbst in den Jahren 1860 bis 1880, 

also  in  der  Zeit  des  ersten  grossen  Bevölkerungsanstiegs  in  Zürich,  die 

unmittelbare  Umgebung  desselben  spärlich  bebaut  (vgl. Gutachten  S. 13, 

act. 12.1. im Dossier G.-Nr. R1S.2019.05132).  

Mit Blick auf die Vergleichsobjekte kann daher von einer mittleren Schutz-

würdigkeit  ausgegangen  werden.  Hiergegen  spricht  auch  nicht  die  gut-

achterliche  Auffassung,  wonach  es  sich  beim  Wohnhaus  um  ein  solches 

von  hoher  soziokulturellen  und  architekturhistorischen  Bedeutung  handle. 

Würde  keine erhöhte Bedeutung  vorliegen,  wäre  von  vornherein  nicht  von 

einem Schutzobjekt auszugehen gewesen. Die hohe soziokulturelle und ar-

chitekturhistorische  Bedeutung  ist  mithin  nicht  mit  einer hohen Schutzwür-

digkeit  gleichzusetzen.  Die  Gutachterin  selbst  lässt  denn  auch,  indem  sie 

R1S.2019.05012 

Seite 29 

 
 
auf die baulichen Massnahmen aus den 1910er-Jahren verweist, erkennen, 

dass diese das Baumeisterhaus verunklärten.  

Soweit die Rekurrierenden eine Unterschutzstellung gestützt auf das ISOS 

verlangen,  verkennen  sie  die  denkmalschutzrechtliche  Bedeutung  dessel-

ben.  Durch die Aufnahme  in ein Inventar des  Bundes  wird  dargetan,  dass 

ein Objekt in besonderem Masse die ungeschmälerte Erhaltung, jedenfalls 

unter Einbezug von Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmass-

nahmen die grösstmögliche Schonung verdient (Art. 6 Abs. 1 des Bundes-

gesetzes über den Natur- und Heimatschutz [NHG]). Gemäss Art. 6 Abs. 2 

NHG gilt dieser Schutz indes nur bei der Erfüllung von Bundesaufgaben im 

Sinn  von  Art. 2 und Art. 3 NHG  in  unmittelbarer Weise.  Soweit  keine  Bun-

desaufgabe  in  Frage  steht,  wird  der  Schutz  von  Ortsbildern  vorab  durch 

kantonales  (und  kommunales)  Recht  gewährleistet.  Zu  beachten  ist,  dass 

bei  der  Erstellung  des  Inventars  eine  Bewertung  der  Ortsbilder  nach  einer 

einheitlichen  wissenschaftlichen  Methode  erfolgt;  andere  Interessen  wer-

den grundsätzlich nicht berücksichtigt und eine Abwägung von Schutz- und 

Nutzungsinteressen findet nicht statt. Die bau- und planungsrechtliche Inte-

ressenabwägung  erfolgt  jeweils  erst  im  Rahmen  eines  Planungs-  oder 

Bauvorhabens,  wobei  sämtliche  betroffenen  Interessen,  namentlich  auch 

andere, dem Schutz der bestehenden Bebauung entgegenstehende wie In-

teressen  der  Ortsentwicklung  und  der  Verdichtung  des  Siedlungsgebiets, 

berücksichtigt werden müssen. Diese Interessenabwägung kann zur Folge 

haben, dass die Erhaltungsziele nicht oder nur teilweise umgesetzt werden 

können  (BGr 1C_474/2016  vom  1. Juni 2017,  E. 3.2.;  BGE 135 II 209, 

E. 2.1.;  VB.2018.00575  vom  17. April 2019,  E. 4.5.;  VB.2018.00408  vom 

28. Februar 2019,  E. 3.2.2.;  VB.2017.00691 

vom  4. Oktober 2018, 

E. 6.3. f.;  VB.2017.00183  vom  5. April 2018,  E. 6.3.3.,  jeweils  mit  weiteren 

Hinweisen).  Der  Umstand,  dass  das  Gebäude  im  Perimeter  der  Baugrup-
pe […] mit Erhaltungsziel A steht, sagt mithin noch nichts über die Schutz-

würdigkeit des Gebäudes selbst aus. 

Unter Berücksichtigung des vorstehend Ausgeführten und den zahlreichen 

unter Schutz gestellten oder inventarisierten Baumeisterhäuser, welche die 

Epoche besser zu bezeugen vermögen als das Streitobjekt, ist dieser Bau-

typ in der Stadt hinreichend vertreten. Die Vorinstanz hat zudem ihre Denk-

malstrategie  nachvollziehbar  und  umfassend  dargetan,  sodass  die  von  ihr 

vorgenommene Auswahl daher nicht zu beanstanden ist. Es ist den Rekur-

R1S.2019.05012 

Seite 30 

 
 
rierenden  zwar  dahingehend  zuzustimmen,  dass  die  Vorinstanz  eine  Inte-

ressenabwägung  unter  Einbezug  der  privaten  Interessen  unterlassen  hat. 

Angesichts des soeben Ausgeführten, konnte sie indes auf eine solche ver-

zichten.  

12.3.4. 
Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  dem  streitbetroffenen  Objekt  eine  gewichtige  sied-

lungsprägende  Wirkung  attestiert  werden  kann,  welche  dennoch  eine  Un-

terschutzstellung rechtfertigen würde. Dabei gilt  vorweg festzuhalten, dass 

sich  sowohl  die  Gutachterin  als  auch  die  Vorinstanz  zwar  kurz  aber,  wie 

nachfolgend  zu  zeigen  sein  wird,  hinreichend  mit  dem  Situationswert  aus-

einandersetzten.  Eine  Rückweisung  zwecks  Ergänzung  des  Gutachtens 

war daher nicht vorzunehmen. 

Mit der Erfassung von Objekten – namentlich von Gebäuden und Gebäude-

gruppen  –,  die  Landschaften  oder  Siedlungen  wesentlich  mitprägen,  be-

zweckt § 203 Abs. 1 lit. c PBG anders als mit dem Schutz wichtiger Zeugen 

nicht  die  Dokumentation  geschichtlicher  Epochen,  sondern  die  Erhaltung 

qualifizierter Siedlungs- und Landschaftsbilder. Unbesehen des diesbezüg-

lich  sehr  allgemein  gehaltenen  Gesetzeswortlautes  rechtfertigt  dabei  nicht 

jede  Optimierung  von  Siedlungs-  oder  Landschaftsbildern  die  Anordnung 

von  Schutzmassnahmen.  Vielmehr  muss  nicht  anders  als  bei  der  Bestim-

mung wichtiger Zeugen im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG auch bei der 

Erfassung siedlungsprägender Objekte eine qualifizierende Auswahl getrof-

fen werden. 

Das  Gebäude  steht  giebelständig  zur  H.-Strasse  an  der  Einmündung  der 

von  Südwesten  her  stark  ansteigenden  Ha.-Strasse.  Es  wird  im  Nordwes-

ten  sowie  im  Nordosten  und  Südosten  von  Mehrfamilienhäusern  im  Hei-
matstil umgeben. 

Die Baugruppe […] wird im ISOS wie folgt umschrieben: 

"Wohnhäuser  am  nordwestlichen  Abschnitt  der  G.-Strasse:  dichte  Bebau-
ung in orthogonalen Strassenmuster, im mittlerem Geviert Grünraum; offe-
ne  Blockrand-  und  Zeilenbebauung  sowie  dicht  gereihte  Mehrfamilienhäu-
ser meist hinter Vorgärten von der Strasse zurückgesetzt, v.a. 1890 - 1920, 
wenige Ersatzbauten […]" 

R1S.2019.05012 

Seite 31 

 
 
Das  Gutachten  spricht  dem  Geviert  eine  gartenstadtähnliche  Struktur  zu, 

welche  von  den  Bauten  aus  dem  frühen  20. Jahrhundert  geprägt  werde. 

Die Mischung von Mehrfamilienhäusern unterschiedlicher Bauzeit innerhalb 

von Grünstreifen und kleineren Gärten wiederhole sich in der näheren Um-

gebung und bilde den wesentlichen Charakter der umliegenden Bebauung.  

Angesichts des  ISOS ist  von  einem  geschützten  Ortsbild  auszugehen.  Je-

doch  erhellt  aus  diesem  auch,  dass  das  Ortsbild  nicht  etwa  durch  das 

Streitobjekt,  sondern  vielmehr  von  den  später  erstellten  Mehrfamilienhäu-

sern geprägt wird. Dasselbe ergibt sich auch aus dem Gutachten. Auch an-

lässlich  des  Lokaltermins  liess  sich  feststellen,  dass  das  Geviert  massge-

blich  von  den  umliegenden,  um  ein  Vielfaches  voluminöseren  Mehrfamili-

enhäusern geprägt wird. Es mag zwar zutreffen, dass sich der Strassenver-

lauf  seit  der  Erstellung  des  Gebäudes  nicht  wesentlich  verändert  hat,  wie 

dies  die  Rekurrierenden 1  vorbringen.  Jedoch  ändert  dies  nichts  daran, 

dass  die  Strassenkreuzung  weniger  durch  das  Baumeisterhaus,  als  viel-

mehr von den dieses umgebenden sowie an dieses angrenzenden, volumi-

nöseren Heimatstilgebäuden geprägt wird. Eine besondere situationsbezo-

gene  Bedeutung  kommt dem Gebäude damit  gerade nicht  zu.  Die  garten-

stadtähnliche Überbauungsform, welche auch gemäss ISOS von besonde-

rer Bedeutung ist, lässt sich vielmehr auch bei einer Überbauung der Par-

zelle aufrechterhalten, ist doch etwa im Rahmen einer Neuüberbauung der 

die Bauparzelle anschneidenden Baulinie Beachtung zu schenken. Die für 

das Quartier typische Vorgartensituation wird damit sichergestellt.  

Es kann daher festgestellt werden, dass auch kein die Unterschutzstellung 

rechtfertigender Situationswert vorliegt. 

13. 
Zusammenfassend  kann  damit  festgehalten  werden,  dass  die  Vorinstanz 

zu Recht auf eine Unterschutzstellung des Gebäudes verzichtet hat und die 

Rekurse  in  den  Verfahren  G.-Nrn.  R1S.2019.05132  und  R1S.2019.05135 

folglich abzuweisen sind. 

R1S.2019.05012 

Seite 32 

 
 
14.1. 
Nach  §  338  Abs.  1  PBG  bzw.  §  2  der  Gebührenverordnung  des  Verwal-

tungsgerichts  (GebV  VGr)  legt  das  Baurekursgericht  die  Gerichtsgebühr 

nach seinem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem 

bestimmbaren  Streitwert  oder  dem  tatsächlichen  Streitinteresse  fest.  Liegt 

wie  hier  ein  Verfahren  ohne  bestimmbaren  Streitwert  vor,  beträgt  die  Ge-

richtsgebühr in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 

Abs. 2  GebV VGr).  In  besonders  aufwendigen  Verfahren  kann  die  Ge-

richtsgebühr  bis  auf  das  Doppelte  erhöht  werden  (§  4  Abs. 1  GebV  VGr). 

Bei der Bemessung der Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser 

Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,  3. Aufl.,  Zü-

rich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.).  

Im Lichte des vorliegend gegebenen tatsächlichen Streitinteresses, des ge-

tätigten  Verfahrensaufwandes  (mehrfacher  Schriftenwechsel,  Abteilungs-

augenschein, öffentliche Verhandlung, Fällung eines Zwischenentscheids), 

des  Umfangs  des  vorliegenden  Urteils  und  der  Vereinigung  mehrerer  Re-

kursverfahren 

ist  die  Gerichtsgebühr  auf  Fr. 9'000.-- 

festzusetzen 

(BGr 1C_566/2015  vom  18. Februar 2016,  E. 2;  BGr 1C_244/2013  vom 

4. Juli 2013,  E. 4;  BRGE II  Nrn. 0162  und  0163/2012  vom  23. Oktober 

2012,  E. 16,  in  BEZ 2014  Nr. 36;  Entscheid  bestätigt  mit  VB.2012.00774 

vom  22. August 2013,  dieser  bestätigt  mit  BGr 1C_810/2013  vom  14. Juli 

2014;  www.baurekursgericht-zh.ch),  wobei  die  in  den  Verfahren  G.-Nrn. 

R1S.2016.05051,  R1S.2016.05079  und  R1S.2017.05106  angelaufenen 

Zustellkosten ebenfalls in Rechnung zu stellen sind. 

Da  die  Rekursverfahren  G.-Nrn.  R1S.2019.05012,  R1S.2019.05013  und 

R1S.2019.05014 infolge des Provokationsbegehrens der Mitbeteiligten ge-

genstandslos  geworden  sind,  ist  entsprechend  dem  hierfür  getätigten  Auf-
wand 1/9 der Verfahrenskosten den Mitbeteiligten aufzuerlegen. Im Übrigen 

sind  die  Verfahrenskosten  ausgangsgemäss  den  Rekurrierenden  aufzuer-

legen.  Entsprechend  dem  getätigten  Aufwand  wird  das  Rekursverfahren 

G.-Nr. R1S.2019.05132 hinsichtlich der Kostenauferlegung mit 5/9 (öffentli-

che  Verhandlung,  Zwischenentscheid)  und  das  Rekursverfahren  G.-Nr. 

R1S.2019.05135 mit 3/9 gewichtet. Die Rekurrierenden 1 haften solidarisch 

für den auf sie entfallenden Kostenanteil. 

R1S.2019.05012 

Seite 33 

 
 
14.2. 
Die  Vorinstanz  beantragt  die  Zusprechung  einer  Umtriebsentschädigung. 

Vorliegend handelt es sich zwar nicht um einen einfachen Fall. Dessen un-

geachtet  hatte  die  Behörde  im  Rechtsmittelverfahren  keinen  besonderen, 

über  die  Bearbeitung  im  verwaltungsinternen  Verfahren  erheblich  hinaus-

gehenden Zusatzaufwand zu treiben. Die Voraussetzungen von § 17 Abs. 2 

lit. a VRG sind daher nicht erfüllt, so dass von der Zusprechung einer Um-

triebsentschädigung an die Vorinstanz abzusehen ist. 

Auch die privaten Parteien beantragen die Zusprechung einer Umtriebsent-

schädigung.  Gemäss  § 17  Abs. 2  lit. a VRG  kann  im  Rekursverfahren  und 

im  Verfahren  vor  dem  Verwaltungsgericht  die  unterliegende  Partei  oder 

Amtsstelle  zu  einer  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der 

Gegenpartei  verpflichtet  werden,  wenn  die  rechtsgenügende  Darlegung 

komplizierter  Sachverhalte  und  schwieriger  Rechtsfragen  besonderen  Auf-

wand erforderte oder den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die 

Bemessung der Umtriebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. 

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 

16. Oktober  2003,  E. 3.1.).  Demnach  ist  vorliegend  den  Mitbeteiligten  zu-

lasten  der  Rekurrierenden  eine  ausgangsgemäss  reduzierte  Umtriebsent-

schädigung zuzusprechen. Entsprechend dem Verfahrensaufwand sind 3/5 

der Umtriebsentschädigung durch die Rekurrierenden 1 und 2/5 durch den 

Rekurrenten 2  zu  bezahlen.  Angemessen  erscheint  ein  Betrag  von  insge-

samt  Fr. 2'500.--.  Da  die  Umtriebsentschädigung  pauschal festgelegt  wird, 

entfällt  die  Zusprechung  eines  Mehrwertsteuerzusatzes  von  vornherein 

(BRKE II  Nrn. 0247  und  0248/2007  in  BEZ 2007  Nr. 56;  www.baurekurs-

gericht-zh.ch). 

Den  Rekurrierenden  steht  bei  diesem  Verfahrensausgang  von  vornherein 

keine Umtriebsentschädigung zu.  

[…] 

R1S.2019.05012 

Seite 34