# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 450a39ec-ffe4-5e91-a82c-8b7ff81ca5d0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.09.2023 E-3471/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3471-2022_2023-09-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3471/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Grégory Sauder,    

Gerichtsschreiberin Emine Zaimi-Husejni. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Isabelle Müller, Caritas Schweiz, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl) zugunsten von  

B._______, geboren am (…), Eritrea; 

Verfügung des SEM vom 15. Juli 2022. 

 

 

 

E-3471/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer stellte am 22. Juli 2016 in der Schweiz ein Asylge-

such, welches das SEM mit Verfügung vom 13. März 2019 ablehnte. Eine 

dagegen erhobene Beschwerde hiess das Bundesverwaltungsgericht im 

Urteil E-1727/2019 vom 10. November 2021 gut und anerkannte den Be-

schwerdeführer als Flüchtling. Gestützt darauf hob das SEM mit Verfügung 

vom 23. November 2021 seinen früheren Entscheid auf und gewährte dem 

Beschwerdeführer Asyl. 

B.  

Mit Eingabe vom 9. Februar 2022 ersuchte der Beschwerdeführer beim 

SEM um Erteilung von Einreisebewilligungen zwecks Familienzusammen-

führung zugunsten seiner Ehefrau, seiner drei minderjährigen Kinder sowie 

der volljährigen Tochter, B._______. In Bezug auf letztere führte er insbe-

sondere aus, es sei ihm durchaus bewusst, dass B._______ mittlerweile 

volljährig sei, sie sei aber noch als Minderjährige mit ihrer Mutter und ihren 

Geschwistern nach Äthiopien geflüchtet. Sie habe nie selbständig gelebt 

und zwischen ihr und der Mutter sowie den Geschwistern bestehe ein star-

kes Abhängigkeitsverhältnis. Zudem wäre ihr als vulnerable Person nicht 

zuzumuten, alleine in Äthiopien zu leben, da es sich nicht um einen siche-

ren Drittstaat handle. Dort herrsche Bürgerkrieg und sexualisierte Gewalt 

gegen Frauen sei weit verbreitet. Ausserdem sei sie zum Zeitpunkt des 

erstinstanzlichen Entscheids des SEM noch minderjährig gewesen.  

C.  

C.a Betreffend die volljährige Tochter, B._______, zeigte die Vorinstanz 

dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 23. Juni 2022 die beabsichtigte 

Abweisung des Gesuchs an. Zur Begründung führte sie aus, B._______ 

sei volljährig und damit nicht anspruchsberechtigt. Die Minderjährigkeit der 

Tochter bei deren Flucht aus Eritrea nach Äthiopien sowie auch zum Zeit-

punkt des ersten Entscheides des SEM zum Asylgesuch des Beschwerde-

führers vom 13. März 2019 vermöge daran nichts zu ändern. Ebenso die 

aktuelle Lage in Äthiopien. Dem Beschwerdeführer wurde dazu das recht-

liche Gehör gewährt und eine Frist zur Stellungnahme gesetzt. Mit Eingabe 

vom 7. Juli 2022 äusserte sich der Beschwerdeführer zur beabsichtigten 

Abweisung des Gesuchs und wiederholte im Wesentlichen seine Ausfüh-

rungen im Familienzusammenführungsgesuch.  

C.b Mit Verfügung vom 15. Juli 2022 wies die Vorinstanz das Familien-

nachzugsgesuch betreffend B._______ ab und bewilligte die Einreise nicht. 

E-3471/2022 

Seite 3 

D.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

11. August 2022 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-

tragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, die Einreise von 

B._______ sei zu bewilligen und dem Gesuch um Familienzusammenfüh-

rung sei zu entsprechen. Eventualiter sei der Entscheid aufzuheben und 

die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. August 2022 forderte die Instruktionsrich-

terin den Beschwerdeführer auf, innert Frist einen Kostenvorschuss von 

Fr. 750.– zu Gunsten der Gerichtskasse einzuzahlen. Der Aufforderung 

kam der Beschwerdeführer fristgerecht nach. 

F.  

Am (…) 2022 bewilligte das SEM der Ehefrau und den drei minderjährigen 

Kindern die Einreise in die Schweiz. 

G.  

Mit Schreiben vom 20. November 2022 nahm der Beschwerdeführer erneut 

Stellung zur Sache und ergänzte seine in der Rechtsmitteleingabe ge-

machten Ausführungen. Sodann erkundigte er sich am 2. Januar 2023 und 

14. Juli 2023 nach dem Verfahrensstand. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

E-3471/2022 

Seite 4 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und 

ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, 

wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen. Wurden die an-

spruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt und befinden sie 

sich im Ausland, ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 

Abs. 4 AsylG). 

3.2 Mit dem Familienasyl erhalten die Angehörigen der Kernfamilie die glei-

che Rechtsstellung und damit auch denselben flüchtlingsrechtlichen 

Schutz wie der zum Nachzug der Familie berechtigte anerkannte Flücht-

ling. Für die praxisgemässen Voraussetzungen zur Gewährung des Fami-

lienasyls beziehungsweise der Einreisebewilligung wird auf BVGE 2018 

VI/6 E. 5, 2017 VI/4 E. 3.1 und E. 4.4.2 sowie BVGE 2012/32 E. 5 verwie-

sen. 

4.  

Das SEM begründet die angefochtene Verfügung damit, dass volljährige 

Kinder in Art. 51 AsylG nicht als Anspruchsberechtigte des Familienasyls 

erfasst seien und daher nicht nachgezogen werden könnten. Die Tochter 

des Beschwerdeführers sei volljährig, weshalb das Gesuch abzuweisen 

sei. Daran könne weder die geltend gemachte Minderjährigkeit von 

E-3471/2022 

Seite 5 

B._______ bei deren Flucht aus Eritrea nach Äthiopien beziehungsweise 

zum Zeitpunkt des erstinstanzlichen Asylentscheids betreffend den Be-

schwerdeführer vom 13. März 2019 noch die schwierige Situation in Äthio-

pien etwas ändern. Unter Berufung auf die Rechtsprechung des Bundes-

gerichts führt die Vorinstanz sodann aus, ein Anspruch auf Einreise könne 

auch nicht aus Art. 8 EMRK abgeleitet werden. Den Konventionsstaaten 

stehe das Recht zu, den asylrechtlichen Familiennachzug auf Ehegatten, 

eingetragene Partner und minderjährige Kinder zu beschränken. Im Übri-

gen gehöre zum geschützten Personenkreis von Art. 8 EMRK in erster Li-

nie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten respektive einge-

tragene Partner mit ihren minderjährigen Kindern. 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer rügt in der Rechtsmittelschrift eine Verletzung 

von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG, Art. 5 Abs. 3 (Grundsatz von Treu und 

Glauben), Art. 8 Abs. 1 (Gleichbehandlungsgebot) und Art. 9 (Willkürver-

bot) BV sowie der Bestimmung von Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des 

Privat- und Familienlebens). 

5.2 Zunächst führt er unter Berufung auf das Grundsatzurteil BVGE 

2018 VII/4 aus, die darin für das ausländerrechtliche Familiennachzugsver-

fahren entwickelte Rechtsprechung sei analog auf Art. 51 Abs. 1 und 4 

AsylG anzuwenden. Im zitierten Urteil sei das Bundesverwaltungsgericht 

zum Schluss gekommen, dass die Praxis, das Recht auf Familienzusam-

menführung von der Dauer eines Verfahrens abhängig zu machen – ein 

Element, auf das die Gesuchstellenden keinen Einfluss hätten – den 

Grundsätzen von Treu und Glauben und der Gleichbehandlung widerspre-

che und zu willkürlichen Ergebnissen führen könne. Im Asylbereich sei das 

Asylverfahren zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Asylge-

währung untrennbar mit dem Recht eines anerkannten Flüchtlings auf Fa-

milienzusammenführung verbunden. Ein Asylsuchender könne keinen An-

trag auf Familienzusammenführung stellen, bevor seine Flüchtlingseigen-

schaft nicht formell anerkannt worden sei, wodurch er gänzlich davon ab-

hängig sei, wann die Asylbehörde über seinen Asylantrag entscheide. Das 

Recht auf Familienzusammenführung hänge demnach von Faktoren ab, 

auf die er keinen Einfluss habe. Vorliegend sei seine Tochter (…) Jahre alt 

gewesen, als er in der Schweiz einen Asylantrag gestellt habe. Es seien 

vorliegend fast sieben Jahre vergangen, bis er sein Recht auf Familien-

nachzug habe in Anspruch nehmen können. 

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Seite 6 

Die aktuelle Praxis im Asylrecht verstosse zudem gegen den Grundsatz 

der Gleichbehandlung. Es könne durchaus vorkommen, dass in zwei glei-

chen Fällen, in denen zeitgleich Asylgesuche gestellt würden, je nach 

Dauer der Asylverfahren allfällig später gestellte Gesuche um Familienzu-

sammenführung unterschiedlich behandelt würden, ohne dass es dafür ei-

nen objektiven und vernünftigen Grund gäbe.  

Sodann verweist der Beschwerdeführer auf die Rechtsprechung des Ge-

richtshofs der Europäischen Union (EuGH) und des Europäischen Ge-

richtshofs für Menschenrechte (EGMR). Der EuGH habe im Urteil C-550/16 

vom 12. April 2018 darauf hingewiesen, dass die Verfahrensdauer ein Ele-

ment darstelle, auf das Gesuchstellende keinen Einfluss hätten. Das Recht 

auf Familienzusammenführung (indirekt) von der Verfahrensdauer abhän-

gig zu machen, verstosse somit gegen die Grundsätze der Gleichbehand-

lung und Rechtssicherheit. Die gegenwärtige Praxis sei deshalb nicht halt-

bar, weil sie zu zufälligen oder willkürlichen Ergebnissen führe. 

Ferner gelte eine Person im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention als 

Flüchtling, sobald sie die in der Definition genannten Kriterien erfülle und 

nicht erst durch Feststellung der Flüchtlingseigenschaft durch die zustän-

dige Behörde, mithin habe die Feststellung nur deklaratorischen Charakter. 

Im vorliegenden Fall habe dies zur Folge, dass er ab dem Einreichen sei-

nes Asylgesuchs als Flüchtling zu betrachten sei und sein Recht auf Fami-

lienasyl für seine Familienmitglieder, wie sie zum Zeitpunkt der Einreichung 

seines Asylantrages bestanden habe, in Anspruch nehmen könne. 

Im Lichte dieser Darlegungen führe der angefochtene Entscheid zu einem 

willkürlichen Ergebnis und verstosse gegen die Grundsätze der Gleichbe-

handlung und des guten Glaubens. Eine Änderung der Praxis, die den de-

klaratorischen Charakter der Flüchtlingseigenschaft und damit das Alter 

der Kinder zum Zeitpunkt des Asylantrags und nicht zum Zeitpunkt der Ein-

reichung des Antrags auf Familienzusammenführung berücksichtige, 

würde des Weiteren eine grössere Vorhersehbarkeit des Ergebnisses des 

Antrags gewährleisten, da es von einem klaren Sachverhalt abhänge, der 

unabhängig von der Dauer des Asylverfahrens sei, auf welche die Flücht-

linge keinen Einfluss hätten. 

Schliesslich beruft sich der Beschwerdeführer auf Art. 8 EMRK und führt 

erneut mit Hinweis auf das Grundsatzurteil BVGE 2018 VII/4 sowie das 

Urteil des EGMR Osman gegen Dänemark vom 14. Juni 2011 38058/09 

aus, die Beziehung zwischen ihm und seiner volljährigen Tochter, welche 

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noch keine eigene Familie gegründet habe, falle in den Schutzbereich von 

Art. 8 EMRK. Eine Einschränkung des Rechts auf Achtung des Privat- und 

Familienlebens dürfe nur erfolgen, soweit der Eingriff gesetzlich vorgese-

hen, verhältnismässig und erforderlich sei. Es müsse vorliegend eine Ab-

wägung aller Elemente vorgenommen werden, einschliesslich der beson-

deren Umstände des Einzelfalls und der Gefahr für B._______ bei einem 

Verbleib in Äthiopien oder einer Rückkehr nach Eritrea. B._______ habe 

nie selbständig gelebt. Zwischen der Mutter und ihr sowie ihren Geschwis-

tern bestehe ein starkes Abhängigkeitsverhältnis. Ohne Ausbildung, beruf-

liche Qualifikation, geregelten Aufenthaltsstatus in Äthiopien sowie famili-

äre und soziale Unterstützung sei sie nicht in der Lage, ihre Existenz zu 

sichern. Zudem sei sie als junge, alleinstehende, eritreische Frau zahlrei-

chen Gefahren ausgesetzt, wie dies aus verschiedenen Berichten von Am-

nesty International oder der Schweizerischen Flüchtlingshilfe hervorgehe. 

Eine Rückkehr nach Eritrea komme ebenfalls nicht in Frage, weil sie von 

dort mit ihrer Familie wegen der Probleme des Beschwerdeführers geflüch-

tet sei. Aufgrund ihres Alters müsse sie zudem in den Militärdienst einrü-

cken. Auch sei nicht auszuschliessen, dass sie wegen ihres Vaters und ih-

ren ebenfalls geflüchteten (älteren) Geschwistern Repressionen ausge-

setzt sein könne. Schliesslich sei sie auch in Eritrea als alleinstehende 

junge Frau ohne tragfähiges familiäres und soziales sowie existenzsichern-

des Beziehungsnetz erhöhter Gefahr sexualisierter Gewalt ausgesetzt, wie 

eine Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 13. Februar 

2018 darlege. Es liege folglich ein schwerer und unverhältnismässiger Ein-

griff des Rechts auf Familienleben im Sinne von Art. 8 EMRK vor. 

5.3 In der Stellungnahme vom 20. November 2022 wiederholt und ergänzt 

der Beschwerdeführer seine in der Rechtsmitteleingabe gemachten Aus-

führungen. Er wiest wiederum auf die Situation von alleinstehenden Frauen 

in Äthiopien hin und diesbezüglich auf eine Länderanalyse der Schweize-

rischen Flüchtlingshilfe vom 16. September 2022. Ausserdem zitiert er wei-

tere Urteile des EuGH vom 1. August 2022 (C-273/20, C-355/20 und C-

279/20) und führt erneut aus, zur Beurteilung der Minderjährigkeit der 

nachzuziehenden Kindern sei auf den Zeitpunkt der Einreise und Asylan-

tragstellung der Referenzperson abzustellen. Mit der Verfahrensstandsan-

frage vom 2. Januar 2023 wies er abermals auf die Situation von alleinste-

henden Frauen in Äthiopien hin. 

6.  

6.1 Nach dem allgemeinen Gleichheitssatz von Art. 8 Abs. 1 BV ist Glei-

ches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Mass-

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Seite 8 

gabe seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln. Der Anspruch auf rechts-

gleiche Behandlung wird insbesondere verletzt, wenn hinsichtlich einer 

entscheidwesentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidungen getroffen 

werden, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen 

nicht ersichtlich ist, oder wenn Unterscheidungen unterlassen werden, die 

aufgrund der Verhältnisse hätten getroffen werden müssen (vgl. 

BGE 147 I 1 E. 5.2 in fine m.w.H.). 

6.2 Willkür in der Rechtsanwendung liegt dann vor, wenn der angefochtene 

Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in kla-

rem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechts-

grundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsge-

danken zuwiderläuft (vgl. BGE 144 III 368 E. 3.1 m.w.H.).  

7.  

7.1 Zunächst ist festzuhalten, dass der dem Grundsatzurteil BVGE 

2018 VII/4 zugrundeliegende Fall vom vorliegenden deutlich abweicht. Im 

dortigen Fall wurde das nachzuziehende Kind während des Nachzugsver-

fahrens volljährig, während vorliegend die nachzuziehende Tochter bereits 

im Zeitpunkt der Einreichung des Familienzusammenführungsgesuchs 

volljährig war. Eine analoge Anwendung der dortigen Rechtsprechung ist 

daher nicht angezeigt. In Bezug auf die Rechtsprechung des EuGH ist so-

dann darauf hinzuweisen, dass die Schweiz an die Familienzusammenfüh-

rungsrichtlinie der EU (Richtlinie 2003/86/EG des Rates vom 22. Septem-

ber 2003 betreffend das Recht auf Familienzusammenführung [FamZ-RL]), 

welche den erwähnten Urteilen des EuGH zugrunde liegt, nicht gebunden 

ist (vgl. Urteil des BVGer D-3899/2020 vom 22. Dezember 2022 E. 7.2; BBl 

2010 4455, 2011 7325). 

Die Bestimmung von Art. 51 aAbs. 2 AsylG bezüglich Familienasyl von 

«anderen nahen Angehörigen» wurde mit der am 1. Februar 2014 in Kraft 

getretenen Asylgesetz-Revision vom 14. Dezember 2012 aufgehoben 

(AS 2013 4375, 5357).  

7.2 Aus der Bestimmung von Art. 51 Abs. 1 AsylG ergibt sich klar, dass die 

nachzuziehenden Kinder minderjährig sein müssen. Dies entspricht denn 

auch dem gesetzgeberischen Willen. Der Kreis der Begünstigten des Fa-

milienasyls wurde vom Gesetzgeber im Rahmen der am 1. Februar 2014 

in Kraft getretenen Asylgesetzrevision vom 14. Dezember 2012 abschlies-

send auf die Kernfamilie beschränkt. «Andere nahe Angehörige» (vgl. 

aArt. 51 Abs. 2 AsylG) von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen – darunter 

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Seite 9 

auch volljährige Kinder – sind seither unbesehen allfälliger besonderer 

Gründe nicht mehr anspruchsberechtigt (vgl. AS 2013 4375, 5357 sowie 

BVGE 2015/29 E. 4.2.3). Der geltende Art. 51 Abs. 1 AsylG zählt abschlies-

send die Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder auf 

und BVGE 2020 VI/7 (vgl. E. 2.1-2.3) bestätigt diese mit dem Wortlaut über-

einstimmende Gesetzesauslegung in aller Klarheit. Die schweizerische 

Rechtspraxis hat sich diesbezüglich seither und auch nach Ergehen der 

Urteile des EuGH C-273/20, C-355/20 und C-279/20 vom 1. August 2022 

nicht geändert. Vielmehr bestätigen neuere Urteile des Bundesverwal-

tungsgerichts das Abstellen auf den Zeitpunkt der Einreichung des Ge-

suchs um Familienzusammenführung und nicht auf den Zeitpunkt der Ein-

reichung des Asylgesuchs der nachziehenden Person für die Beurteilung 

der Minderjährigkeit der nachzuziehenden Person (vgl. Urteile des BVGer 

E-3114/2023 vom 12. Juni 2023 E. 5; D-3899/2020 vom 22. Dezember 

2022 E. 7.2; D-2937/2022 vom 14. Oktober 2022 E. 5.5; D-3352/2022 vom 

15. September 2022 E. 7.2 sinngemäss). Die vom Beschwerdeführer an-

derslautende Auffassung wäre daher nur auf dem Gesetzgebungsweg um-

setzbar, nicht aber mittels einer Praxisänderung. 

7.3 Eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots ist ebenfalls nicht er-

sichtlich, wird doch in jedem Fall zur Beurteilung der Minderjährigkeit des 

nachzuziehenden Kindes auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung um 

Familiennachzug abgestellt. Eine Ungleichbehandlung würde beispiels-

weise dann vorliegen, wenn in gleichen Konstellationen in einem Fall auf 

den Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs um Familienzusammenfüh-

rung und in einem anderen Fall auf den Zeitpunkt des Asylantrags der 

nachziehenden Person angeknüpft würde, ohne dass ein vernünftiger 

Grund dafür ersichtlich wäre. Mithin wäre eine Verletzung der Rechts-

gleichheit dann zu bejahen, wenn im Rahmen gleicher Verfahren aufgrund 

unsachlicher Gründe Differenzierungen vorgenommen würden. Eine der-

artige Konstellation ist vorliegend nicht ersichtlich, zumal das SEM in jedem 

Fall, d.h. in jedem Verfahren betreffend Familiennachzug gestützt auf 

Art. 51 AsylG auf den Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs um Famili-

enzusammenführung abstellt. Eine Verletzung von Art. 8 Abs. 1 BV liegt 

nach dem Gesagten nicht vor. 

7.4 Ebenso wenig kann dem SEM Willkür oder treuwidriges Verhalten vor-

geworfen werden, entspricht der Entscheid doch dem Wortlaut der Norm, 

dem gesetzgeberischen Willen und der geltenden Rechtspraxis. Die Asyl-

behörden stellen auf einen klar definierten Zeitpunkt zur Beurteilung der 

Minderjährigkeit der nachziehenden Kinder ab. Daher ist es für Gesuch-

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Seite 10 

stellende zu jedem Zeitpunkt voraussehbar, ob die Voraussetzung der Min-

derjährigkeit der nachzuziehenden Kinder erfüllt sein wird oder nicht.  

7.5 Die Asylgesetzgebung bietet dem Beschwerdeführer keine weitere 

Möglichkeit, B._______ in die Schweiz nachzuziehen. Sind die Vorausset-

zungen des Familienasyls im Sinne von Art. 51 AsylG nicht erfüllt, kann 

insbesondere Art. 8 EMRK nicht ergänzend hinzugezogen werden. Sollte 

der Beschwerdeführer am Vorhaben des Nachzuges festhalten wollen, so 

ist er an die für sie zuständige kantonale Behörde zu verweisen, welche für 

die Beurteilung des Familiennachzuges nach den ausländerrechtlichen 

Bestimmungen zuständig ist (vgl. Urteil des BVGer E-79/2023 vom 14. Ap-

ril 2023 E. 7.5 m.w.H.).  

7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Voraussetzungen von 

Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt sind, weshalb das SEM das Gesuch 

um Bewilligung der Einreise von B._______ in die Schweiz und dasjenige 

um Familienzusammenführung zu Recht abgelehnt hat. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-

weisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der am 30. August 2022 geleistete Kostenvorschuss in der 

Höhe von Fr. 750.– ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Dieser Betrag wird dem geleisteten Kostenvorschuss entnom-

men. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Emine Zaimi-Husejni 

 

 

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