# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f3a3973d-1e29-57dd-a15e-e760adfbeaa7
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-07
**Language:** de
**Title:** Gestützt auf die medizinischen Unterlagen der Behandler ist der medizinische Sachverhalt erstellt und kein renten- oder eingliederungsmassnahmenrelevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen.
**Docket/Reference:** IV.2023.00161
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00161.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00161
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiber Müller
Urteil
vom
7. November 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Tobias
Figi
Fankhauser Rechtsanwälte
Rennweg 10, 8022 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 196
4
,
verfügt über keine Ausbildung und
arbeitete ab
2
.
Mai
1990
als
Hilfskoch
im Alters- und
Pflegeheim
Y.___
in
Z.___
(Urk
. 9/2 S. 1 und S. 4
sowie
Urk. 9/24 S. 1
). Am
4
.
September 2014 (Urk. 9/2)
meldete er sich unter Hinweis auf
Verletzungen des linken Armes, welche er sich am 3. April 2014 bei einem Fahrradunfall zugezogen hatte
und
deswegen
am 18. April 2014
an der
linken
Schulter operier
t worden war
(
vgl. Urk. 9/
7/46-47
),
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an.
Nachdem der Versicherte seiner Arbeit ab 13. Oktober 2014 wieder im Vollpensum nachgehen konnte (vgl. Urk. 9/11)
,
verneinte
d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom
16
.
Januar
201
5
(Urk.
9
/
15)
einen
Leistungsanspruch
.
Am 3. Juni 2020
wurde der Versicherte erneut an der linken Schulter operiert
(vgl. Urk. 9/41/4-
6 S. 1
)
.
Per 1. Februar 2021 reduzierte
er
sein Arbeitspensum bei
m
Alters- und Pflegeheim
Y.___
auf 50 % (vgl. Urk. 9/18 S.
6
oben).
1.2
Am
6
.
Mai 2022
(Urk.
9
/
18
) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf
eine
neuerliche
Operation
an
der linken Schulter
,
welche
schliesslich
am
16. Juni 2022
durchgeführt wurde
(
offene CC- und AC-Bandrekonstruktion;
vgl. Urk. 9/41/4-
7 S. 1
),
erneut zum
Leistungsbezug an. Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und holte die Akten des Unfallversicherers Visana ein (
Urk.
9/34)
.
Nach ergangenem Vorbescheid (Urk
. 9/43
)
verneinte
sie
mit
deckungsgleichen
Verfügung
en
vom
13. und
1
4
.
Februar
2023 einen Leistungs
anspruch (Urk.
2
/1-2
).
Zuvor hatte der Versicherte am
7
. Februar 2023 (Urk. 9/
47
)
mit dem Hinweis, dass
trotz Schulteroperation keine Besserung eingetreten sei und er
der Tätigkeit als Koch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen könne,
eine neuerliche Anmeldung zum Leistungsbezug eingereicht
. Die Arbeitgeberin kündigte dem Versicherten aus gesundheitlichen Gründen per 30. April 2023
, nachdem er seinen letzten effektiven Arbeitstag am 8. Juni 2022 gehabt hatte
(vgl. Urk. 9/46 S. 1).
2.
Der Versicherte erhob am
16
.
März 2023 (Urk.
1) Beschwerde gegen die Ver
fügung
en
vom
1
3.
und 14
.
Februar
2023 und beantragte, diese sei
en
aufzuheben und es sei
ihm spätestens ab dem 1. November 2022 eine ganze IV-Rente auszu
richten; eventualiter sei der Fall an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflichten, ihm berufliche Eingliederungsmassnahmen zu erbringen
.
Erst
nach deren Abschluss sei der Rentenanspruch neu zu prüfen;
subeventualiter
sei der Fall an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese das Schulterleiden durch einen ausgewiesenen, neutralen, externen Schulter
spezialisten begutachten lassen könne (S. 2).
Am 11. Mai 2023 (Urk. 6) ergänzte der Beschwerdeführer seine Beschwerde.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
17
.
Mai 2023 (Urk
. 8
) die Abweisung der Beschwerde
und nahm am 30. Mai 2023 (Urk. 11) Stellung zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 11. Mai 202
3.
Replicando
hielt der Beschwerdeführer am 3. Juli 2023 (Urk. 15) an sei
n
en
Anträgen
fest (S. 2).
Mit der Replik reichte er z
udem einen Einspracheentscheid der HDI Global SE vom 17. März 2023 (Urk. 16) ein.
Am 11. September 2023 (Urk. 18) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik
, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
12
.
September
2023 (Urk
. 19
) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
1.
3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Als Erwerbseinkommen im Sinne von Artikel 16 ATSG gelten gemäss Art. 25 Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
mutmassliche jähr
liche Erwerbseinkommen, von denen Beiträge nach AHVG erhoben würden. Nicht dazu gehören indessen:
a.
Leistungen des Arbeitgebers für den Lohnausfall
infolge Unfall
oder Krankheit bei ausgewiesener Arbeitsunfähigkeit;
b.
Arbeitslosenentschädigungen, Erwerbsausfallentschädigungen nach EOG und Taggelder der Invalidenversicherung.
Die massgebenden Erwerbseinkommen nach Artikel 16 ATSG sind in Bezug auf den gleichen Zeitraum festzusetzen und richten sich nach dem Arbeitsmarkt in der Schweiz (Art. 25 Abs. 2 IVV).
Soweit für die Bestimmung der massgebenden Erwerbseinkommen statistische Werte herangezogen werden, sind die Zentral
werte der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik massgebend. Andere statistische Werte können beigezogen werden, sofern das Einkommen im
Einzelfall nicht in der LSE abgebildet ist. Es sind altersunabhängige und geschlechtsspezifische Werte zu verwenden (Art. 25 Abs. 3 IVV). Die statistischen Werte nach Absatz 3 sind an die betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen und an die Nominallohnentwicklung anzupassen (Art. 25 Abs. 4 IVV).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1).
Bei einer Neuanmeldung der versicherten Person bei der IV-Stelle sind die Revisionsregeln demnach analog anwendbar (BGE 141 V 585 E. 5.3 in
fine
, 133 V 108 E. 5.2, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_317/2022 vom 7. September 2022 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsverneinende
n
Verfügung
en
vom
13./14
.
Februar
2023 (Urk. 2
/1-2
) damit, dass
dem Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit als Hilfskoch nicht mehr zumutbar sei, er
aber
eine angepasste Tätigkeit unter Beachtung des Belastungsprofils, wonach ihm Belastungen über 3 kg unzumutbar seien, zu 100 % ausüben könne. Somit könne er ein renten
ausschliessendes Einkommen erzielen
. F
ür die Stellensuche sei das
R
egionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig.
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich dagegen
in seiner Beschwerde
auf den Stand
punkt (Urk. 1),
dass er
spätestens ab 1. November 2022
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe
.
Die Beschwerdegegnerin habe in Verletzung des Grund
satzes «Eingliederung vor Rente» keine Eingliederungsmassnahmen erbracht. Er sei 59 Jahre alt, weshalb ihm unter Berücksichtigung der Rechtsprechung eine Selbsteingliederung nicht mehr zugemutet werden könne. Auch das RAV habe ihn auf dem aktuellen Arbeitsmarkt nicht vermitteln können. Unstrittig sei zu
dem, dass er seine angestammte Tätigkeit als Hilfskoch nicht mehr verrichten könne. Er sei auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar, wes
halb er spätestens sechs Monate nach der IV-Anmeldung vom 6. Mai 2021, somit ab dem 1. November 2022, Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe (S. 9-12). Daneben habe er Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, da der
Invaliditätsgrad weit über 20 % liege (S. 12 f.). Schliesslich habe die Beschwerdegegnerin gegen ihre Untersuchungspflicht verstossen.
Gemäss dem Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) erfolge die Feststellung einer invalidisierenden Gesundheits
beeinträchtigung nach Vorliegen einer ärztlichen Diagnosestellung anhand eines strukturierten Beweisverfahrens. Die Beschwerdegegnerin
habe die Einschätzung der
Universitätsklinik
A.___
übernommen, ohne deren Berichte vom RAD prüfen zu lassen. Ob diese
zutreffe
, sei nie versicherungsmedizinisch abgeklärt worden (S. 13 f.).
Ergänzend brachte der Beschwerdeführer am 11. Mai 2023 (Urk. 6)
unter Hinweis auf
den
Bundesgerichtsentscheid
9C_21/2022 vom 15. Juni 2022
vor, aufgrund der Tatsache, dass ihm das Tragen und Heben von Lasten von mehr als 3 kg nicht mehr zumutbar sei und aufgrund von Kniebeschwerden
im Zusammenhang mit einem weiteren Unfall vom 2
2.
März 2018
seine Geh- und Stehfähigkeit ein
geschränkt seien, fehle es an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit seiner Rest
arbeitsfähigkeit, zumal er 59 Jahre alt sei und nahezu sein ganzes Arbeitsleben als Hilfskoch tätig gewesen sei (S. 2
; vgl. auch Urk. 15 S. 5-7
).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 17. Mai 2023 (Urk. 8) führte die Beschwerde
gegnerin aus,
der medizinische Sachverhalt sei durch die Berichte der Behandler vollumfänglich
erstellt
. Widersprüche, welche die Einschätzung eines RAD-Arztes erfordert hätten, seien aus diesen nicht ersichtlich
(Ziff. 3)
.
Bei der Gegen
überstellung
der massgeblichen Vergleichseinkommen
resultiere ein renten
ausschliessender Invaliditätsgrad von 6 % (Ziff. 4). Da es vorliegend weder um eine Rentenaufhebung noch einen befristeten Rentenanspruch gehe, seien vor dem Rentenentscheid keine Eingliederungsmassnahmen zu gewähren (Ziff. 5). Eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sei erst anzunehmen, wenn die zumutbare Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form möglich sei, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kenne. Vorliegend sei von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweistätigkeiten auszugehen und die Verwertbarkeit der verbleibenden Arbeitsfähigkeit sei zu bejahen (Ziff. 6).
Notwendig für die Bejahung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung sei eine leitungsspezifische Invalidität. Diese liege dann vor, wenn die versicherte Person bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen Schwierigkeiten habe. Dem Beschwerdeführer seien Tätigkeiten zumutbar, welche die oberen Extremitäten nicht stark belasteten. Gründe, weshalb er bisher keine Anstellung habe finden können, seien nicht ersichtlich und würden auch nicht substantiiert dargelegt (Ziff. 7).
In ihrer
Stellungnahme
vom
30. Mai 2023 (Urk. 11) ergänzte die Beschwerde
gegnerin, der Sachverhalt im Bundesgerichtsentscheid
9C_21/2022
sei nicht mit dem vorliegenden Sachverhalt vergleichbar. Rechtssprechungsgemäss bestünden auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt selbst für funktionell Einarmige genügend realistische Bestätigungsmöglichkeiten.
2.4
In seiner Replik vom 3. Juli 2023 (Urk. 15) brachte der Beschwerdeführer vor, wie hoch seine Leistungsverminderung sei, werde im Bericht der Behandler
vom 1. Dezember 2022
nicht quantifiziert. Der Sachverhalt sei daher nicht voll
umfänglich erstellt, weshalb zwingend der RAD hätte beigezogen werden müssen (S. 3 f.). Der im Einkommensvergleich von der Beschwerdegegnerin errechnete Invaliditätsgrad von 6 % falle zu tief aus, da das Valideneinkommen höher hätte angesetzt werden müssen und die Leistungsverminderung in angepasster Tätig
keit nicht berücksichtigt worden sei (S. 4).
Daneben bestünden noch die Knie
beschwerden, ein Status nach Kontusion
des linken Ellbogens
sowie eine Rippen
quetschung links und eine arterielle Hypertonie, welche berücksichtigt werden müssten (S. 6).
Was die Beschwerdegegnerin hinsichtlich des von ihm an
geführten Bundesgerichtsentscheides mit Divergenzen der beiden Sachverhalte meine, sei nicht nachvollziehbar (S. 7).
2.
5
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit
den
Verfügung
en
vom 1
3.
und 14
.
Februar
2023 zu Recht einen Leistungsanspruch des Beschwerde
führers verneinte und dabei insbesondere
auch
, ob der Sachverhalt für einen Leistungsentscheid genügend abgeklärt wurde.
Dabei unbestritten und durch die Akten ausgewiesen ist, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten rechtskräftigen Beurteilung des
Leistungsanspruches
mit Verfügung
vom 16. Januar 2015 (Urk. 9/15)
wesentlich
verschlechtert hat.
U
nbestritten
(E. 2.1-2)
und durch die medizinischen Akten ausgewiesen
ist
in diesem Zusammenhang
, dass
der Beschwerdeführer
in
seiner angestammten Tätigkeit als Hilfskoch
aufgrund seiner Beschwerden an der linken Schulter
nach dreimaliger Operation
(AC- und CC-
Rezidivinstabilität
; Urk. 9/41/4-7 S. 1)
nunmehr
arbeitsunfähig ist, wobei
ab
9.
Juni 2022
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgewiesen ist
(vgl. Berichte der Universitätsklinik
A.___
vom 3. August 2022 [Urk. 9/38/7-9 S. 1 f.], vom 10. November 2022 [Urk. 9/39] und vom 1. Dezember 2022 [Urk. 9/41/4-6
S. 2
]).
Per
1. Februar 2021
reduzierte der Beschwerdeführer sein Arbeitspensum bei
Y.___
auf
50 %
(
Urk. 9/46 S. 2
)
. Ob sich die Annahme einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit
und damit die Eröffnung der Wartezeit gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
bereits ab diesem Zeitpunkt rechtfertigt
(
ärztlich in den
Akten ausgewiesen erst am 2
3.
Mai 2022:
Urk. 9/23/6-8 S. 1)
,
k
ann – wie sich aus dem Folgenden ergibt – im Ergebnis offenbleiben
.
Diese
Veränderung des Gesundheitszustands ist geeignet, zu einer abweichenden Beurteilung des
Leistungsanspruches
zu führen, womit ein Revisionsgrund im Sinne von Art.
17 ATSG vorliegt. Deshalb ist der
Leistungsanspruch
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E.
2.3).
Bei
am
6. Mai 2022 (Urk. 9/18)
erfolgter Anmeldung zum Leistungsbezug
kommt
ein Rentenanspruch
frühestens per 1. November 2022
in Frage
(
E. 1.2 und
Art.
29
IVG
)
, was zwischen den Parteien unbestritten ist (E.
2.2 und Urk. 8 S. 2 Ziff. 4
).
Wesentlich ist daher der Gesundheitszustand ab diesem Zeitpunkt.
Nachdem der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig ist, bleibt zu prüfen, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit verhält.
3.
Im Bericht
der Abteilung Schulter/Ellbogen der Universitätsklinik
A.___
vom 1. Dezember
2022
(Urk.
9/41/4-6
) führte Dr.
med.
B.___
nach am
16. Juni 2022 durchgeführt
e
r
Operation
(offene CC- und AC-Bandrekonstruktion)
aus,
der Gesundheitszustand sei stationär
(S.
1
Ziff. 1.1
)
,
dies bei diagnostizierter AC- und CC-
Rezidivinstabilität
bei einem Status nach offener CC- und AC-Bandrekonstruktion am 1
6.
Juni 202
2.
Eine weitere
(gemeint wohl: operative)
Stabilisierung wurde als nicht zielführend erachtet. Der Beschwerdeführer habe weiterhin Mühe, den Arm über die Horizontale zu bewegen, weshalb er in seiner Tätigkeit als Koch deutlich eingeschränkt sei.
Eine
angepasste Tätigkeit mit Belastung unter 3 kg für die obere linke Extremität/Bürotätigkeit soll
t
e im Verlauf zu 100 % möglich sein. Es sei insgesamt von einem Endzustand auszugehen. Es sei eine angepasste Tätigkeit empfohlen worden (S. 2
Ziff. 2.1
).
4.
4.1
Was die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
betrifft
,
steh
t
die Einschränkung der linken Schulter im Vordergrund. A
us
dem Bericht der Universitätsklinik
A.___
vom 1. Dezember 2022
(E. 3)
nach am 16. Juni 2022 durchgeführte
r
Operation
geht
hervor,
dass
der Beschwerdeführer
aufgrund der Beschwerden der linken Schulter
in seiner
Leistungsfähigkeit
insofern
beeinträchtigt
ist, als es ihm noch zumutbar ist, Tätigkeiten mit Belastungen unter 3 kg
für den linken Arm
(«Extremität»)
durchzuführen
. Der Beschwerdeführer befand sich in der Uni
versitätsklinik
A.___
seit dem 6. Mai 2022 in regelmässiger Behandlung. Sein
Gesundheitszustand
war den Fachärzten der Universitätsklinik
A.___
aufgrund wiederhol
t
er klinischer und radiologische
r
Untersuchung
en
bestens bekannt (vgl. Berichte vom 9. Mai, 3. August, 10. November, 17. November, 1. Dezember 2022; Urk. 9/41/3-14). Ihr
e
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
vom
1.
Dezember 2022
basiert
denn auch
auf einer umfassenden klinischen und bildgebenden Befund
lage
(vgl. dazu:
Urk.
9/41/6) und
erweist sich als überzeugend.
Die
Behauptung
des Beschwerdeführers
, die Leistungsverminderung sei von den Behandlern der Universitätsklinik
A.___
nicht quantifiziert worden (E. 2.4)
, geht fehl
.
S
o gab Dr.
B.___
in seinem Bericht vom
1.
Dezember 2022 (
E. 3
)
aus
drücklich
an, dass dem Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit ein Rendement von 100 % - unter Berücksichtigung der
Belastung
von maximal 3 kg - zumutbar ist. In
der
vom Beschwerdeführer diesbezüglich angeführten Ziff. 2.1 im Bericht vom 1. Dezember 2022 (Urk. 15 S. 3 Ziff. 2.2) findet sich
die Angabe
, dass eine angepasste Tätigkeit unter Berücksichtigung der Belastung von maximal 3 kg
zu 100 %
zumutbar ist.
Damit ist die Leistungsminderung genau umschrieben.
Von einer mangelnden Quantifizierung der Leistungsreduktion kann keine Rede sein.
Inwiefern die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch seine Einschränkungen an der linken Schulter
in quantitativer Hinsicht ein
geschränkt sein sollte, ist denn auch angesichts der Beschwerdelage nicht nach
vollziehbar,
klagte
er doch
im Wesentlichen über eine Beweglichkeits
einschränkung über der Horizontalen und darüber, dass er die Kraft über 90° nicht entwickeln könne
,
wobei passiv die Flexion bis 130 ° möglich war
(
Urk.
9/41/7
-8
).
Da sich aus dem schlüssigen und überzeugenden Bericht der Universitätsklinik
A.___
vom 1. Dezember 2022 die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit ergibt,
war die Beschwerdegegnerin entgegen der An
sicht des Beschwerdeführers (E. 2.2, E. 2.4) nicht gehalten, den Bericht dem RAD vorzulegen
. Es besteht denn auch kein unbedingter gesetzlicher Anspruch darauf, dass fachärztliche Berichte
dem RAD zur Stellungnahme unterbreitet werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_417/2016 vom 13.
September 2016 E. 2
mit Hin
weisen
).
Ebenso wenig findet das vom Beschwerdeführer erwähnte strukturierte Beweis
verfahren (E. 2.2) Anwendung. Dieses dient
gemäss bundesgerichtlicher Recht
sprechung
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen,
nicht jedoch
bei
- wie vorliegend
-
rein somatis
ch bedingten Einschränkungen
,
wie sich aus dem vom Beschwerdeführer zitierten BGE
141 V 281
sowie
BGE 143 V 418
ergibt.
Soweit das
strukturierte Beweisverfahren
in Rz.
1104
des Kreis
schreibens über die Invalidität und
Rente in der Invalidenversicherung
(
KSIR,
Stand
1.
Juli 2022
) für alle Arten von Gesundheitsschädigungen als anwendbar erklärt wird, weicht die Verwaltungsweisung vom
bisherigen
Anwendungsbereich des
selben
ab, ohne dass aufgrund der bundesgerichtlichen Vorgaben für
die
nun
mehrige Auslegung
im Kreisschreiben
hinreichend
Anlass best
and
. Entsprechend
besteht für die Anwendung von
Rz
.
1104 KSIR
kein
Raum
und
kann
sich der Beschwerdeführer mangels individuell-konkreter Zusicherung
auch nicht
darauf berufen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 109 V 52 E. 3b
m.w.H
.; Urteil des Bundes
gerichts 8C_618/2013 vom 23. Dezember 2013 E. 3.3.).
4.2
Ferner
brachte der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 11. Mai 2023 (E. 2.2 in
fine
)
und in der Replik vom 3. Juli 2023 (E. 2.4)
vor, aufgrund von Knie
beschwerden sei seine Geh- und Stehfähigkeit eingeschränkt
und
es bestünden
zusätzlich
ein Status nach Kontusion des linken Ellbogens
,
eine Rippen
quetschung links und eine arterielle Hypertonie
, was von der Beschwerdegegnerin unberücksichtigt
geblieben
und nicht abgeklärt worden sei
.
Hinsichtlich der
erstmals in der Eingabe vom 1
1.
Mai 2023 erwähnten
Knie
beschwerden
sind den medizinischen Akten keinerlei Angaben zu entnehmen
.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
reicht
e
hierzu
mit
der Replik
einen
Einspracheentscheid der HDI Global SE vom 17.
März 2023 (Urk.
16)
ein
. Dieser hat
eine Streitigkeit über
die
Kostenübernahme
einer Knieoperation (Knie
gelenkersatz; Unfallkausalität/Rückfall
im Zusammenhang mit
ein
em
Bagatell
unfall im Jahr 2018) zum Gegenstand
.
Gemäss einem darin zitierten aktuellen MRI-Befund zeigten sich eine komplexe Innenmeniskusproblematik und als Hauptproblem massive mediale Knorpeldefekte, weshalb dem Beschwerdeführer ärztlicherseits am 2
1.
Dezember 202
2
wie bereits
zwei Jahre zuvor
ein Gelenk
ersatz empfohlen worden sei (
Urk.
16 S. 2).
Der Rechtsvertreter reichte
hierzu keinerlei
medizinische
Unterlagen ein
,
mithin
auch nicht
solche,
welche eine
längerdauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
zufolge der Kniebeschwerden
belegen
könnten.
Aus
den im Einspracheentscheid
wiedergegebenen
medizinischen Berichten
geht
hervor, dass der Beschwerdeführer täglich Medikamente einnimmt, um schmerzfrei zu sein (S. 2 oben; aus dem Arztbericht von Dr. med.
C.___
von der Bethanien Klinik vom 21. Dezember 2022).
Dies
bezüglich ist darauf hinzuweisen, dass
nach
der Rechtsprechung die fortgesetzte Krankheitsbehandlung, die insbesondere auch die dauernde Einnahme ärztlich verschriebener Medikamente umfasst, in aller Regel eine jederzeit zumutbare Form allgemeiner Schadenminderung
ist
; dazu zählt auch die dauernde Einnahme von ärztlich verschriebenen Schmerzmitteln
(Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2018 vom 22. Mai 2019 E. 4.1 mit Hinweisen)
.
Anhaltspunkte
für
eine
längerdauernde
Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit (Arbeits
fähigkeit)
auch in angepasster Tätigkeit
finden sich in
den
im Einsprache
entscheid
aufgeführten medizinischen Berichte
n
nicht
(
vgl.
Urk. 16)
.
Der Beschwerdeführer selbst
erwähnte
anlässlich der Anmeldung vom
6. Mai 2022 (Urk. 9/18)
die Kniebeschwerden mit keinem Wort. Zur gesundheitlichen Beeinträchtigung gab er nur an, «die Schulter
muss
nochmals operiert werden» (S. 6 Ziff. 6.1). Selbst
in seiner neuerlichen Anmeldung vom
7. Februar 2023 (Urk. 9/47)
führte der Beschwerdeführer als Angaben zur gesundheitlichen Beeinträchtigung einzig an, «Trotz Schulter OP keine Besserung». Allfällige Knie
beschwerden wurden von ihm
sechs Tage vor Verfügungserlass wiederum nicht erwähnt
.
Damit bestand für die Beschwerdegegnerin keinerlei Anlass zu
weiter
führenden Abklärungen in diesem Zusammenhang. Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer selber seinen Kniebeschwerden zumindest bis Verfügungs
erlass offensichtlich keine massgebliche Bedeutung für die Leistungsfähigkeit bei
mass, sowie des Umstands, dass die
bereits 2020 empfohlene Knieo
peration
jedenfalls bis
3.
Juli 2023 nicht durchgeführt
w
urde
(
Urk.
15 S. 6)
und ent
sprechend
auch postoperativ
keine längerdauernde Arbeitsfähigkeit anfiel
, drängen sich für die Feststellung des massgeblichen medizinischen Sachverhalts bis zum Erlass des
angefochtenen Entscheids auch in diesem Verfahren
keine weiterführenden Abklärungen auf. Dies gilt umso mehr, als selbst eine zusätzliche Einschränkung im Anforderungsprofil der angepassten Tätigkeit
,
wie
eine Beschränkung auf vorwiegend sitzende Tätigkeiten
,
am Ergebnis nichts ändern würde (vgl. nachfolgende E.
5
und E. 6.2
).
Der
vom Beschwerdeführer
erwähnte
Status nach Kontusion des linken Ellbogens sowie eine Rippenquetschung links
und die arterielle Hypertonie wurden im Bericht der
Klinik D.___
vom 27. August 2020 (Urk. 9/34/53-54) als Nebendiagnosen aufgeführt. Untersucht wurde er deswegen im Jahr 2020 nicht. Die Diagnosen finden sich denn bereits als Nebendiagnosen in einem Bericht der
Klinik D.___
vom 7. Juni 2014 (Urk. 9/7/30), wo der Beschwerdeführer
sich nach dem Fahrradunfall vom
3.
April 2014
hatte behandeln lassen.
Ohne Hinweise auf eine diesbezüglich
e
Behandlung im Nachgang des Jahres 2014
ist davon auszugehen, dass die Diagnosen aus dem alten Bericht übernommen wurden. Dabei
zeigt
die
Verwendung des Ausdrucks «Status nach»
mit Bezug auf den linken Ellbogen, dass
die Kontusion
bereits im Juni 2014 verheilt war. Wegen der Rippenquetschung finden sich in den Berichten
aus der Zeit nach dem Jahr 2014
keine Untersuchungen mehr, welche auf weitergehende diesbezügliche Probleme hindeuten würden. Der Beschwerdeführer erwähnte sie denn auch nicht in seinen Anmeldungen. Was schliesslich
die
arterielle Hypertonie angeht,
wird diese medikamentös behandelt (
Urk.
9/34/38) und
fehlt es ebenfalls an jeglichen Hinweisen auf eine dadurch verursachte funktionelle Einschränkung
.
4.
3
Der medizinische Sachverhalt erweist sich
nach dem Gesagten mit dem Mass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
als abschliessend abgeklärt und von weiteren Abklärungen sind
für den vorliegend relevanten Zeitraum bis zum Erlass des an
gefochtenen Entscheids
keine zusätzlichen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
Demnach ist der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit insofern eingeschränkt, als
es ihm nicht zumutbar ist
,
den linken
-
adominaten
(vgl. Urk. 9/34/2
7
-2
8
S. 1 unten) -
Arm
(«Extremität») mit einem Gewicht von mehr als 3 kg zu belasten.
5.
Der Beschwerdeführer stellte sich auf den Standpunkt, dass es ihm an einer wirt
schaftlich verwertbaren Restarbeitsfähigkeit fehle (E. 2.2 und E. 2.4).
Massgeblich für die Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit ist der ausge
glichene Arbeits
markt (
Art.
7
Abs.
1 und
Art.
16 ATSG), der als theoretische Grösse durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften gekennzeichnet ist und einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten aufweist. Das gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Unverwert
barkeit der Restarbeitsfähigkeit ist erst anzunehmen, wenn die zumut
bare Tätig
keit in nur so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausge
glichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Ent
gegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vorneherein als ausgeschlossen er
scheint (Ur
teil des Bundesgerichts 8C_202/2021
vom 17. Dezember 2021
E.
5.1).
Der Beschwerdeführer ist aus gesundheitlicher Sicht insofern eingeschränkt, als er seine
n
adomina
n
ten
linken Arm maximal bis zu 3 kg belasten kann
. S
eine
Restarbeitsfähigkeit ist zu 100
% verwertbar
(E. 4.3).
Selbst unter Berück
sichtigung einer allfälligen weiteren Einschränkung des Anforderungsprofils auf vorwiegend sitzende Tätigkeiten (E. 4.2)
unterscheidet sich der vorliegende Sach
verhalt massgeblich von dem vom Beschwerdeführer zitierten Bundesgerichts
entscheid 9C_21/2022 vom 15. Juni 2022, wo es dem Versicherten nur noch zu
mutbar war
,
in einem Teilzeitpensum mit einer Leistungsfähigkeit von 45 % unter Beachtung weitgehender,
verschiedener
Einschränkungen (Heben und Tragen von Lasten bis zu 3 kg, keine Arbeiten verbunden mit Zwangshaltungen des Kopfes und Rumpfes, kein ständiges Überkopfarbeiten, keine Arbeiten in gebückter, kniender und gehockter Stellung) zu arbeiten (E. 3.2.2-3), sodass das Bundes
gericht von einer fehlenden wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeits
fähigkeit ausging.
Es entspricht
der
bundesgerichtlichen
Praxis,
dass
selbst bei faktischer
Einarmigkeit
- die vorliegend klarer Weise nicht gegeben ist
–
zwar
eine erschwerte Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit anzunehmen ist, gleichwohl aber sogar bei Versicherten, die
selbst
ihre dominante Hand gesundheitlich bedingt nur sehr eingeschränkt einsetzen können, einen hinreichend grossen Arbeitsmarkt mit realistischen Betätigungsmöglichkeiten zu unterstellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_462/2020 vom 27. August 2020 E. 5.1).
Das Alter des im Juli 1964 geborenen Beschwerdeführers (vgl. Urk. 9/2 S. 1)
-
bei
Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit der Erwerbstätigkeit (BGE 138 V 457 E. 3.3) im Dezember 2022 war er
58-jährig
-
spricht
auch
nicht gegen eine Ver
wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit. Nach geltender Rechtsprechung gilt eine ver
bleibende Aktivitätsdauer von rund fünf Jahren grundsätzlich als ausreichend, um eine neue einfache Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzuarbeiten und die Arbeit auszuüben. Das gilt insbesondere bezüglich Tätigkeiten, bei denen keine langen Einarbeitungszeiten, intellektuellen Fähigkeiten oder Sprachkenntnisse erwartet werden müssen, wie sie für die vorliegend im Fokus stehenden Hilfs
arbeitertätigkeiten im Vordergrund stehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2019 vom 8. März 2019 E. 3.2.3; vgl. dazu auch Egli et al., Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, Zürich 2021
,
Rz
. 88).
Schliesslich bestehen etwa auch sprachlich keinerlei
Schwierigkeiten
(Urk. 9/8 S. 5 unten).
Nach dem Gesagten
liegt vorliegend keine fehlende
wirtschaftliche Verwertbar
keit der Restarbeitsfähigkeit
vor.
6
.
6.1
Für
die Berechnung des
Valideneinkommen
s
ist
unbestrittenermassen
der
Lohn bei d
er
Y.___
als
Grundlage
zu verwenden (Urk. 8 S. 3 oben und Urk. 15 S. 4), so ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne seine Schulter
verletzung weiterhin
da
arbeiten würde
.
Dabei überzeugt die Berechnung der Beschwerdegegnerin
mit einem Validen
einkommen von Fr. 70'214.35
.--
ausgehend vom Bruttogrundlohn im Jahr 2020 angepasst an die Nominallohnentwicklung für das Jahr 2022 (Urk. 8 S.
3
oben)
-
nicht
, berücksichtigt sie
doch
die konkret ausgewiesene Lohnentwicklung bei der ehemaligen Arbeitgeberin nicht (vgl. sogleich)
.
Ebenso wenig überzeug
t
die
Argumentation
des Beschwerdeführer
s
,
Ausgangspunkt bilde der im Jahreslohn
konto der ehemaligen Arbeitgeberin ausgewiesene Bruttolohn
für das Jahr 2020
vo
n
Fr. 78'5
22
.60
(Urk. 15 S. 4)
, enthält dieser
doch
teilweise
nicht
AHV
-pflichtige Anteile
, welche keine Berücksichtigung finden
(vgl.
E. 1.3 vorstehend
)
, ein Dienstaltersgeschenk von
Fr.
5'000.-- und Kinder- sowie Ausbildungszulagen
(vgl. Urk. 9/24/9-10)
.
Die
ehemalige Arbeitgeberin
gab
im Fragebogen
vom 3. Februar 2023 (Urk. 9/46/1-8)
an, der Beschwerdeführer
hätte
ohne Gesundheitsschaden ab
1.
Januar 2023 im zuletzt ausgeübten Pensum von 50
%
Fr. 36'193.95
verdien
t
(S. 5)
. Hochgerechnet auf
ein
100 %
-
Pensum entspräche dies
für die Zeit ab 1. Januar 2023 Fr. 72'387.9
0.
Da
für das
massgebliche Einkommen
2022 keine
Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin
zum
im Gesundheitsfall erzielbaren
Lohn
vorliegen
,
i
s
t
z
ugunsten des Beschwerdeführers
für das Jahr 2022
(
frühest
möglicher Rentenbeginn)
auf das
im Gesundheitsfall erzielbare
Einkommen aus dem Jahr 2023 von Fr. 72'387.90 abzustellen
, zumal verlässliche Zahlen zur Nominallohnentwicklung zwischen 2022 und 2023 noch nicht vorliegen
.
Dieses
Valideneinkommen
hält auch einem Vergleich mit der dem IK-Auszug vom 1
7.
Mai 2022 zu entnehmenden Lohnentwicklung stand (
Urk.
9/21).
6.2
6.2.1
Was das Invalideneinkommen angeht,
blieb
vom Beschwerdeführer zu Recht un
bestritten (Urk. 15 S. 4)
,
dass für dieses auf die LSE-Tabelle TA1
tirage
skill
level
Kompetenzniveau 1 abzustellen ist.
Die Beschwerdegegnerin errechnete aus
gehend
von der LSE 2020 unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung sowie der jährlichen Wochenarbeitszeit von 41.7
Stunden
für das Jahr 2022
ein Invalideneinkommen von Fr. 66'073.30 (Urk. 8 S. 3)
, was mit Blick auf die ein
schlägigen Ta
bellen nicht zu beanstanden ist
.
6.2.2
Soweit d
er Beschwerdeführer
mit seinem Einwand dagegen
(Urk. 15 S. 4 Ziff. 2.3)
geltend macht, es sei ein
leidensbedingte
r
Tabellenlohnabzug
vorzunehmen,
ist e
in solcher nach der am 1. Januar 2022 in Kraft
getretenen
Revision zur
Berechnung des Inval
i
ditätsgrades
im Zusammenhang mit einem Rentenanspruch
für den Fall vorgesehen, dass
die versicherte Person
aufgrund ihrer Invalidität
nur noch mit einer funktionellen Leistungsfähigkeit von 50 % oder weniger tätig sein kann
(
Art. 26
bis
Abs. 3
IVV
).
Da es dem Beschwerdeführer aber weiterhin zumutbar ist, in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % zu arbeiten, ist ein Tabellenlohnabzug
unter diesem Titel
nicht angezeigt.
Selbst wenn in Anlehnung an die bisherige Rechtsprechung
ein Tabellenlohn
abzug
im Lichte weiterer Abzugskriterien zu prüfen wäre
, würde sich die Gewährung eines solchen nicht rechtfertigen.
Aus gesundheitlicher Sicht besteht
im Wesentlichen eine Gewichtsbeschränkung
betreffend den linken
adomina
n
ten
Arm
.
Von einer funktionellen
Einarmigkeit
- wie es der Beschwerdeführer wohl verstanden haben will (vgl. Urk.
15 S. 7
) - ist keineswegs auszugehen. Abgesehen von der Beschränkung hinsichtlich de
r zumutbaren Gewichtsbelastung (3 kg)
ist der linke Arm
in seiner Funktionalität gemäss ärztlicher Einschätzung nicht ein
geschränkt
oder in der Sensibilität
nicht
beeinträchtigt
.
Der LSE-Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 umfasst eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten, die
seiner
Einschränkung Rechnung tragen. Angesichts des Zumutbarkeitsprofils ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten aus
zugehen, die keine besondere Beanspruchung de
s linken
adominaten
Armes
hin
sichtlich
der Belastung
erfordern. Zumutbar sind
ihm
beispielsweise
Über
wachungs
-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie die Bedienung und Überwachung von (halb-) automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die keinen
belastenden
Einsatz des
linken
Arms voraussetzen
und bei Bedarf auch in vor
wiegend sitzender Position möglich sind
.
Folglich könnten vorliegend unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind. Solche Umstände sind hier nicht ersichtlich
(vgl. etwa Urteil des
Bundesgerichts 8C_495/2019 vom 11. Dezember 2019 E. 4.2.2).
6.3
Bei der Gegenüberstellung der massgeblichen
Vergleichs
einkommen für das Jahr 2022 resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 6'314.60 (Fr.
72'387.90 -
Fr. 66'073.30
), was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von auf
gerundet 9 % entspricht.
6.4
.
Der
Beschwerdeführer
macht
mit Verweis auf den Bundesgerichtsentscheid 9C_228/2010 vom 26. April 2011
geltend
,
der Entscheid über den Renten
anspruch sei verfrüht
erfolgt
,
wäre
die Beschwerdegegnerin
doch
gehalten gewesen, eine Eingliederung vor dem Rentenentscheid an die Hand zu nehmen
, da er bereits 55 Jahre alt und ihm daher eine Selbsteingliederung nicht zuzu
muten sei (Urk. 1 S. 11).
Dabei verkennt
er
, dass die besagte Rechtsprechung
nur bei einer Rentenaufhebung Anwendung findet, w
as bei ihm nicht der Fall ist
(vgl
.
B
G
E 145 V 209 mit zahlreichen Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts 8C_648/2019 vom 4. Juni 2020 E. 4)
.
Die Beschwerdegegnerin konnte somit über den Rentenanspruch direkt verfügen
und hat einen solchen zu Recht verneint (E. 6.3 vorstehend)
.
7
.
Der Beschwerdeführer
stellte
den Eventualantrag auf Erbringung
von
Ein
gl
ie
derungsmassnahmen
(Urk. 1 S. 2), ohne konkrete
Massnahmen
zu beantragen
(S. 12 f.).
Der Hinweis auf
die Hürde eines 20%igen Invaliditätsgrades (E. 2.2) und der in diesem Zusammenhang aufgeführte BGE 130 V 488 (Urk. 1 S. 12), welcher die Umschulung zum Gegenstand
hat
, lässt d
a
rauf schliessen, dass er allenfalls eine solche anbegehrt.
Mit einem Invaliditätsgrad von 9 % (E. 6.3 vorstehend) ist ein Anspruch auf eine Umschulung
ausgeschlossen, bedarf es dazu
doch
eine
s
Invaliditätsgrad
es
von
zumindest annäherungsweise
rund 20 %, womit
eine
dafür notwendige
V
oraussetzung nicht erfüllt
ist
(
BGE
130 V 488
E. 4.2-3).
Daneben
verwies die
Beschwerdegegnerin zu Recht darauf, dass der Beschwerde
führer keinen Anspruch auf
eine
Arbeitsvermittlung aus der Invaliden
versicherung hat, sondern dafür das RAV zuständig ist (E. 2.
1, E. 2.3
).
Bei
der
beim Beschwerdeführer bestehenden Einschränkung
(Belastung des linken
adominaten
Arms bis zu 3 kg)
sind
die Anspruchsvoraussetzungen für eine Arbeitsvermittlung nach Art.
18 IVG nicht erfüllt
.
Es ist nicht erkennbar, in
wiefern der Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkung bei der Stellensuche auf eine Arbeitsvermittlung der Beschwerdegegnerin an
gewiesen sein sollte
, was
beispielsweise
zu bejahen wäre, wenn
wegen ein
geschränkter Mobilität keine Bewerbungsgespräche möglich wären oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen des Ver
sicherten erläutert werden müssten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12.
Januar 2016 E.
2 und E. 3.3
).
Ferner ist nicht
ersichtlich
und wird nicht
konkret
geltend gemacht
, auf welche weiteren Eingliederungsmassnahmen ein Anspruch
bestehen
könnte
(
vgl.
Art.
8-18 IVG)
.
Bezüglich der beantragten Ein
g
liederungsmassnahmen
ist die Beschwerde
daher
ebenfalls abzuweisen
.
8.
Nachdem
sich der Sachverhalt als genügend abgeklärt erwiesen hat (E. 4), keine fehlende Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit gegeben ist (E. 5) und weder An
spruch auf eine Rente (E. 6) noch auf Eingliederungsmassnahmen (E. 7) besteh
t
,
ist
die
Beschwerde
insgesamt
abzuweisen
.
9
.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- festzu
setzen
und
entsprechend dem Verfahrensausgang
dem
Beschwerdeführer aufzu
erlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tobias
Figi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubMüller