# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e52f643c-6054-5e4d-9125-4e81c981652e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-11-26
**Language:** de
**Title:** Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen; Leistungskürzung (halbe statt ganze Rente) rechtens (BGE 8C_70/2014)
**Docket/Reference:** IV.2012.00264
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00264.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00264
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
26. November 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Marianne Ott
Stierlin Rechtsanwälte
Stadthausstrasse 39, Postfach 75, 8402 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
,
geboren 1958, reiste im Jahr 1978 aus
Y.___
in die Schweiz ein (Urk. 8/1, Urk. 8/14/3), wo er von 1980 bis 1990 bei der Firma
Z.___
als Maurer arbeitete (IK-Auszug vom 14. April 2000, Urk. 8/4/2, Urk. 8/14/3). Vom 15. September 1990 bis 20.
Fe
bruar 1993 war er bei der
A.___
tätig (Urk. 8/3). Am 25. September 1995 musste er sich wegen eines
Dünndarmadhäsionsileus
bei
Serosa
-Tumor unklarer
Aethiologie
im
B.___
,
Departement für Chi
rurgie, Klinik für
Viszeralchirurgie
,
einer diagnostischen Laparoskopie, Lapa
ro
tomie,
Adhäsiolyse
und Tumorentfernung unterziehen (Urk. 8/5/17).
X.___
meldete sich am 10. Februar 2000 unter Hinweis auf Bauchbeschwerden bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leis
tungsbezug
an (Urk.
8/1). Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in beruflich-er
werblicher und medizinischer Hinsicht, wobei sie insbesondere beim
C.___
das Gutachten vom 29. Januar 2001 (Urk. 8/14) veranlasste. Hernach sprach sie dem Versicherten mit Verfügung vom 12. Juni 2001 aufgrund der vom
C.___
diagnostizierten depressive
n
Ent
wicklung und
somatoforme
n
Störung von invalidisierendem Ausmass (Urk. 8/8, Urk. 8/14/7) mit Wirkung ab Februar 1999 eine ganze Inva
lidenrente (
Invaliditätsgrad
: 100 %) zu (Urk. 8/18).
1.2
Im Jahre 2004 führte die IV-Stelle eine Rentenrevision durch (Urk. 8/21 ff.). Am 9. Juli 2004 teilte sie
X.___
mit, dass sie bei der Überprüfung des
Invali
ditätsgrades
keine Änderung festgestellt habe, die sich auf die Rente aus
wirke, weshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (
Invali
ditätsgrad
: 100 %) bestehe (Urk. 8/25). Mit Verfügung vom 4. Februar 2009 lehnte die IV
Stelle d
as Gesuch des Versicherten vom 9
. September 2008 (Urk.
8/31) um Aus
richtung einer
Hilflosenentschädigung
ab (Urk. 8/39). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Mit Fragebogen „Revision der Invalidenrente/
Hilflosenentschädigung
“ vom 14.
Juli 2009 leitete die IV-Stelle ein weiteres Rentenrevisionsverfahren ein (Urk. 8/41). Im Zuge ihrer Abklärungen liess sie durch das
D.___
das Gutachten vom 26. April 2010 (nachfolgend:
D.___
-Gutachten vom 26. April 2010, Urk. 8/53) erstellen. Die IV-Stelle holte
die
Stellungnahme von Dr. med.
E.___
,
Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 17. Mai 2010 ein (Urk. 8/54/3). Mit Schreiben vom 20. Mai 2010 auferlegte sie dem Ver
sicherten eine
Schaden
minderungspflicht
. Sie wies ihn darauf hin, dass seine Arbeitsfä
higkeit durch medizinisch zumutbare therapeutische Massnahmen ver
bessert werden könne, und
auferlegte ihm, sich
eine
r
intensive
n
, engmaschige
n
, psy
chia
trische
n
Behandlung mit Anbindung an eine Tagesklinik oder eine
r
vollsta
tionäre
n
Be
handlung
zu unterziehen
(Urk.
8/55/1).
Die Durchführung werde anlässlich einer amtlichen Revision im Mai 2011 überprüft. Sollte sich der Ver
sicherte dieser Behandlung oder Massnahme nicht unterzogen haben, so werde der Rentenanspruch so beurteilt, als ob sie durchgeführt worden wäre, was zu einer Einstellung oder Kürzung der Rente führen könnte.
Am 24. Mai 2010 teilte sie
X.___
mit, dass weiterhin Anspruch auf die bisherige Invaliden
rente (Invaliditätsgrad: 100 %) bestehe (Urk. 8/56/1).
1.4
Die IV-Stelle leitete im Jahr 2011 erneut ein Revisionsverfahren ein, wobei sie insbesondere prüfte, ob
X.___
seiner Schadenminderungspflicht nachge
kommen ist (Urk. 8/60 ff.). Dr. med.
E.___
,
Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) nahm am 26. September 2011 zu den Abklärungsergebnissen Stellung (Urk. 8/69/3). Mit Vorbescheid vom 27.
September 2011 kündigte die IV-Stelle
X.___
an, dass die bisherige ganze Rente auf den ersten Tag des zweiten Monats nach der Zustellung der Ver
fügung auf eine halbe Rente herabgesetzt werde (Urk. 8/71). Nach der Prüfung des Einwands von
X.___
vom 18.
Okto
ber 2011
,
ergänzt am
29. November 2011
,
(Urk. 8/73, Urk. 8/76) verfügte die IV-Stelle am 26.
Ja
nuar 2012 wie vorbeschieden die Herabsetzung der bisherigen ganzen Rente auf eine halbe Rente mit Wirkung ab dem 1. März 2012 (Urk. 2).
2.
2.1
Hiergegen führte
X.___
,
vertreten durch Rechtsanwältin Marianne Ott, am 24. Februar 2012 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefoch
tenen Verfügung vom 26. Januar 2012 sei ihm auch mit Wirkung ab 1.
März 2012 eine unbefristete ganze Invalidenrente, basierend auf einem
Invaliditäts
grad
von 100 %, zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 19. April 2012 ersuchte die Beschwerdegegnerin um Abweisung der Be
schwerde (Urk. 7, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-83), was dem Beschwerde
führer mit Mitteilung vom 23. April 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Am 11. April 2013 liess der Beschwerdeführer den Bericht des
F.___
vom 28. März 2013 (Urk. 12) einreichen (Urk. 11). Der Beschwerdegegnerin wurde am 15. April 2013 eine Kopie davon zugestellt (Urk. 13).
2.2
Mit Beschluss vom 10. Juli 201
3 wurde dem Beschwerdeführer Fri
st angesetzt, um zu der vom Gericht in Erwägung gezogenen Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (Urk. 15). Der Beschwerdeführer
liess sich mit
Eingabe
vom
3. Oktober 2013
unter Beilage einer Stellungnahme
des
F.___
vom
1.
Oktober 2013 (
Urk.
20)
vernehmen und hielt an seiner
Beschwerde fest (Urk. 19). Am 21. Oktober 2013 erklärte die
Beschwerde
gegne
rin
Verzicht auf Stellungnahme (Urk. 23). Der Beschwerdeführer erhi
elt eine Kopie davon (Urk. 24).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Rente des Beschwerdeführers zu Recht per 1. März 2011 auf eine halbe Rente herab
gesetzt hat.
1.2
In der angefochtenen Verfügung vom 26. Januar 2012
erwog
die
Beschwerde
gegnerin
,
es sei bei der aktuellen Rentenrevision festgestellt
worden
, dass sich der Beschwerdeführer – trotz der mit Schreib
en vom 20. Mai 2010 (
Urk.
8/55) als Schaden
minderungspflicht auferlegten Durchführung einer psychiatrischen Behandlung – weiterhin nicht in einer solchen Behandlung befinde. Da der Beschwerdeführer der auferlegten Schadenminderungspflicht nicht nachge
kom
men sei, werde sein Rentenanspruch so beurteilt, als ob er dieser Pflicht nachge
kommen wäre. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne da
von aus
ge
gan
gen werden, dass bei Durchführung der Behandlungsmassnahme
ab dem 26. April 2011 (ein Jahr nach Erstellung des
D.___
-
Gutachtens) mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit eine Arbeits
fähig
keit
von
50 %
eingetreten wäre
(Urk. 2, Verfügungsteil 2, S. 1).
1.3
Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er den Inhalt des Schreibens vom 20. Mai 2010, mit welchem ihm die Durchführung einer intensiven, eng
maschige
n
, psy
chia
trischen Behandlung mit Anbindung an eine Tagesklinik oder eine
voll
sta
tionäre
Be
handlung auferlegt wurde (Urk. 8/55/1), nicht ver
standen habe (Urk. 1 S. 4). Deshalb sei ihm die gegebene Nicht-Einhaltung der Auflage nicht vor
werfbar (Urk. 1 S. 5). Ausserdem sei nicht mit dem Beweisgrad der über
wiegen
den Wahrschein
lichkeit nachgewiesen, dass die Durchführung der mit Schreiben vom 20. Mai 2010 (Urk. 8/55/1) empfohlenen Behandlung zu einer derartigen markanten Ver
besserung seines Gesund
heitszustandes geführt hätte, dass aktu
ell eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gegeben wäre.
Bereits anlässlich der Erstbehandlung durch das
C.___
vom 29. Januar 2001 sei festge
stellt worden, dass es sich insgesamt um eine bereits sehr
chronifizierte
Ent
wicklung zu handeln scheine, was prognos
tisch als äusserst ungünstig zu be
urteilen sei. Im Zeitpunkt der
D.___
-
Begut
achtung (26. April 2010) habe bereits eine 15 Jahre andauernde psychische Krankheit vorgelegen. Die
D.___
-
Gut
achter, die dem Beschwerdeführer
eine
engmaschige Therapie empfohlen hätten, seien nicht davon ausgegangen, dass dadurch eine relevante Arbeitsfähigkeit wieder erlangt werden könne.
Auch auf die
Frage, von welcher medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nach der Durchführung der therapeutischen Massnahmen auszugehen sei,
hätten die Gutachter
nur vom Zweck, den Beschwerdeführer zu befähigen, auf früher vorhandene Res
sourcen zurückzu
greifen und diese wieder aufzubauen
, gesprochen
(Urk. 1 S. 6). Schliesslich seien die weiteren Fragen nach der Sinnhaftigkeit von
Rehab
i
lita
tions
-, Integrations-, Beschäftigungs- und sozialberufliche
n
Massnahmen von den
D.___
-
Gutachtern allesamt sehr zurückhaltend beantwortet worden (Urk. 1 S. 7). Der Beschwerde
führer verweist auf seine psychiatrische Behandlung im
F.___
vom 10. Dezember 2012 bis 6. Februar 2013, durch welche seine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht habe reduziert werden können. Das behan
delnde Arzt-/Psychologenteam des
F.___
habe am 1. Oktober 2013 zudem bestätigt, dass auch eine engmaschige psychiatrische Be
handlung bereits im Jahr 2011 – d. h. im Rahmen der von der
Beschwerde
ge
gnerin
auferlegten
Schaden
minderungspflicht
– nicht zum gewünschten Erfolg einer Reduktion der 100%igen Arbeits
un
fähigkeit geführt hätte (Urk. 19 S. 2).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsun
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditäts
grad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheits
zustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisions
grund
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E.
1 mit Hinweisen).
2.
3
Gemäss Art. 7 IVG hat die versicherte Person alles ihr Zumutbare
zu
unter
nehmen, um die Dauer und das Ausmass der Ar
beitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu ver
hindern (Abs. 1). Sie muss an allen zumutbaren Massnah
men, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliede
rung ins Erwerbsleben dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbesondere unter anderem medizinische Behandlungen nach Art. 25 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; Abs. 2
lit
. d). Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Person dient; ausge
nommen sind Massnahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind (Art. 7a IVG).
Nach Art. 7b IVG können die Leistungen nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 IVG oder nach Art. 43 Abs. 2 ATSG nicht nachgekommen ist (Abs. 1). Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Um
stände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens und die wirtschaftliche Lage der versicherten Person, zu berücksichtigen (Abs. 3).
Art. 21 Abs. 4 ATSG lautet wie folgt: Entzieht oder widersetzt sich eine versi
cherte Person einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsle
ben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit ein
zuräumen.
Behandlungs
oder Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar.
Art. 7 Abs. 2
lit
. d IVG konkretisiert Art. 21 ATSG, während Art. 7a IVG (ein
gefügt im Rahmen der per 1. Ja
nu
ar 2008 in Kraft getretenen 5. IV
Re
vi
sion) von Abs. 4 letzter Satz dieser Bestimmung abweicht (
Kieser
, ATSG
Kom
men
tar, 2. Aufl., 2009, N 111 zu Art. 21 ATSG). Neu gilt als Ausfluss einer verstärkten Schadenminderungspflicht und Ausdruck des Prinzips "Eingliederung statt Rente" (Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2009 vom 10. Sep
tem
ber 2010 E. 4.1.2) der Grundsatz der Zumutbarkeit jeder Massnahme, die der Einglie
de
rung ins Er
werbsleben dient (
BBl
2005 S. 4459 ff., insbes. S. 4524 und 4526; AB 2006 N 345; vgl. auch
Kieser
, a.a.O., N 78 zu Art. 21 ATSG, wonach
staats
vertragliche
Re
gelungen zu beachten sind). Die Beweislast für die Unzumut
bar
keit einer Ein
gliederungsmassnahme liegt somit neu bei der versicherten Person (
BBl
2005 S. 4560; AB 2006 N 343 ff.). Nach dem
Verhältnismässigkeits
prinzip
müssen das Mass der Sanktion (Leistungskürzung oder
verweigerung
) und der voraus
sichtliche Eingliederungserfolg (Verbesserung oder Er
haltung der Er
werbs
fähig
keit) einander entsprechen. Die versicherte Person ist grundsätzlich so zu stel
len, wie wenn sie ihre Schadenminderungspflicht wahr
genommen hätte, was umgekehrt bedeutet, dass Leistungen, welche bei gesetzeskonformem Ver
halten dennoch zu erbringen wären, nicht gekürzt oder verweigert werden können (vgl. SVR 2008 IV Nr. 7 S. 19 E. 3 und 4;
Kieser
, a.a.O., N 93 zu Art. 21 ATSG; vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_842/2010 vom 26. Januar 2011 E. 2.1.1
2.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_830/2012 vom 13. März 2013 E. 2.2).
3.
3.1
Grundlage für die
Zusprache
der ganzen Invalidenrente mit Verfügung vom 12.
Juni 2001 (Urk. 8/18) war das Gutachten des
C.___
vom 29. Januar 2001,
welches gestützt auf die Akten der
Beschwerde
gegnerin
, das Tele
fongespräch mit dem Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med.
G.___
,
Praktischer Arzt (SK), vom 4.
Dezember 2000, die persön
li
chen Gespräche mit der Ehefrau des Beschwerdeführers während der Begut
ach
tung und die eigenen Untersuchungen und Erhebungen in der Zeit vom 24. November bis 13. Dezember 2000, inklusive der
test
psychologischen
Untersuchung am 13. Dezember 2000
, erstellt wurde
(Urk. 8/14/1). Die Gutach
ter des
C.___
diagnostizierten eine depressive Ent
wicklung (ICD-10: F32.2) und
som
a
toforme
Störung (ICD-10: F45) von invalidisierendem Ausmass. Aus psychiatrischer Sicht lag gemäss den Gutach
tern eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor (Urk. 8/14/7).
3.2
3.2.1
Gestützt auf von der Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestellten und die von ihnen beigebrachten Unterlagen, ihre persönliche Befragung und klinisch-psy
chiatrische Untersuchung des Beschwerdeführers vom 22. April 2010 sowie auf die von ihnen veranlasste zusätzliche Beurteilung im Fachgebiet Innere Medi
zin-Gastroenterologie vom 24. März 2010 stellten die
D.___
-
Gutachter die fol
gende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit): Anhaltende depressive Episode/depressive Entwicklung (ICD-10: F32.2),
dif
fe
rentialdiagnostisch
sei eine anhaltende Persönlichkeitsänderung zu erwägen, diese könne jedoch bei unzureichenden Erkenntnissen über die
Primärpersön
lichkeit
des Beschwerdeführers nicht bestätigt werden (Urk. 8/53/14). Als Diag
nosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) be
zeichneten sie (1) einen Status nach Operation eines
Dünndarmadhäsionsileus
bei
Serosa
-Tumor am 25. September 1995, (2) einen Status nach
Hemiko
lektomie
links we
gen
Adenokarzinom
des
Colon
descandens
(pT3 NO MO) vom 27. November 1995, (3) leichte funktionelle
Abdominalstörung
mit Obstipation (C-1BS) (Urk.
8/53/14).
3.2.2
Gemäss den
D.___
-
Gutachtern hat sich aus psychiatrischer Sicht gegenüber der Vorbegutachtung – Gutachten des
C.___
vom 29.
Januar 2001 (Urk. 8/14) – keine massgebliche Veränderung eingestellt. Fest
zuhalten sei jedoch, dass eine angemessene psychiatrisch-psychothera
peutische Behandlung einschliesslich Psychopharmakotherapie offenbar nicht erfolgt sei. Gegen
wärtig sei der Beschwerdeführer
aus psychia
trischer Sicht vor dem Hin
tergrund der beeinträchtigten psychischen Grund
funktion des Erlebens, Han
delns, Gestaltens und Wollens nicht in der Lage, regelmässig einer Tätigkeit nachzugehen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe derzeit eine Arbeitsfähigkeit von 0 % (Urk.
8/53/13). Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit könne der Beschwerde
führer aus psychiatrischer Sicht nicht ver
richten. Es bestehe eine ganzheitliche
Beeinträchtigung der psychischen Grund
funktionen von invalidisierendem Aus
mass (Urk. 8/53/15). Der Be
schwerde
führer könne derzeit aufgrund der psy
chopathologischen Befunde auch keine Verweisungstätigkeiten verrichten (Urk. 8/53/15).
Auf die Frage, „kann die Arbeitsfähigkeit durch medizinisch zumut
bare therapeutische Massnahmen, Hilfsmittel oder berufliche Umstellung verbessert werden?“ (wobei in zweiter Linie anzugeben war, welche medizini
sche Massnahmen gegebenenfalls in Betracht kommen und von welcher medi
zinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit nach deren Abschluss auszugehen sei), antworteten die Gutachter Folgendes: „Ja, es empfiehlt sich die Einleitung einer engmaschigen und intensiven psychiatrischen Mitbehandlung. Mit Blick auf die unzureichenden sozialen und interaktionellen Kompetenzen sowie die unzu
reichende Fähigkeit, den Alltag zu strukturieren und zu bewältigen, ist die Anbindung an eine Tagesklinik oder gar eine vollstationäre Behandlung zu erwägen, um den Versicherten zu befähigen
,
auf früher vorhandene Ressourcen zurückzugreifen und diese wieder aufzubauen“ (Urk.
8/53/18). Hierzu hielten die Gutachter in ihrer Beurteilung und Synthese ausserdem fest, vor dem Hinter
grund fehlender konsequenter Therapieversuche lasse sich die seinerzeit abge
gebene negative Prognose aus ihrer Sicht nicht eindeutig bestätigen. Auch wenn mittlerweile eine weitere
Chronifizierung
eingetreten sei und der Beschwer
deführer keine Veränderungsmotivation erkennen lasse, so sei den
noch zu einer kontinuierlichen und intensiven psychiatrischen Mitbehandlung zu raten. Es sei zu empfehlen, eine psychiatrische Fachbehandlung aufzuneh
men und eine teilstationäre-tagesklinische oder gar eine vollstationäre Be
handlung zu indizieren, um den Versicherten zu befähigen, Ressourcen zur Alltagsstrukturierung und zur sozialen Interaktionsfähigkeit zu entwickeln (
Urk.
8/53/14-15).
3.3
In seiner Stellungnahme vom 26. September 2011 konstatierte Dr.
E.___
,
dass der Beschwerdeführer seiner Schadenminderungspflicht nicht nachge
kom
men sei. Dr.
E.___
vertrat den Standpunkt, dass wenn der Be
schwerdeführer dieser Auflage nachgekommen wäre, sich dessen Arbeitsfähigkeit aus
ver
siche
rungspsychiatrischer
Sicht ab dem 26. April 2011 (ein Jahr nach
Gut
achten
stellung
) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um 50 % signifikant hätte ver
bessern können. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
sei
vom 26. April 2011 bis auf
Weiteres
medizinisch-theoretisch eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit ausgewiesen (Urk. 8/69/3).
4.
4.1
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist in jedem
Rentenrevisions
ver
fahren
in Anwendung des Grundsatzes "Eingliederung vor Rente" von neuem zu prüfen, ob vorgängig der Gewährung oder Weiterausrichtung einer Rente Ein
gliederungsmassnahmen durchzuführen sind (vgl. Urteil des Bundes
gerichts I 387/99 vom 31. Mai 2000 E. 2a mit Hinweis auf BGE 108 V 212 und 99 V 48). Dass die Beschwerdegegnerin anlässlich des Revisionsverfahrens im Jahre 2004 von einer solchen Auflage abgesehen hatte und dass sich der Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers nicht verändert haben soll, spricht daher nicht gegen eine Auferlegung von Schadenminderungspflichten. Voraussetzung bleibt, dass die Durchführung solcher Massnahmen aufgrund aller objektiven Verhältnisse, auch im Hinblick auf die Erfolgschancen und der in Frage stehen
den Versicherungsleistungen, zumutbar und verhältnismässig ist und die Vor
kehr geeignet ist, eine wesentliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit herbeizu
führen (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 824/06 vom 1
3.
März 2007 E.
3.
und 3.1). Die Tragweite einer intensiven psychotherapeutischen Behandlung
des
vollständig arbeitsunfähigen und daher nicht erwerbstätigen Versicherten ist als gering anzusehen, zumal dem eine hohe Inanspruchnahme von Versicherungs
leistungen gegenübersteht. Die Zumutbarkeit wurde seitens der Mediziner nie in Frage gestellt. Ferner kamen die
D.___
-
Gutachter eindeutig und klar zum Schluss, dass sich die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch die Einlei
tung einer engmaschigen und intensiven psychiatrischen Mitbehandlung ver
bessern lasse (Urk. 8/53/18). Darin werden sie unterstützt durch die Beurteilung der am
5.
Oktober 2010 einmalig konsultierten Ärzte des
B.___
,
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die in ihrem Bericht vom
7.
Oktober 2010 (
Urk.
8/68) ausführen, eine kontinuierliche
Reevaluation
der für den Patienten in Frage kommenden Therapieoptionen erscheine ange
zeigt. Am ehesten wäre wohl eine stationäre psychiatrische Behandlung indi
ziert, die der Beschwerdeführer aber ablehne, wobei die Kriterien für einen Fürsorgerischen Freiheitsentzug (FFE) nicht gegeben seien. Sie würden emp
fehlen, das Schon- und Vermeidungsverhalten schrittweise abzubauen mit dem Ziel, gewisse Eigenkompetenzen im Alltag und im familiären Umfeld wiederzu
erlangen. Ferner sollten die
katastrophisierenden
Bewertungen von
Körper
wahrnehmungen
und harmlosen Beschwerden aufgedeckt und durch rationalere Bewertungen ersetzt werden. Da der Beschwerdeführer wenig Interesse an psy
chotherapeutischen Ansätzen zeige, seien psychopharmakologische
Behand
lungs
versuche
umso mehr angezeigt. Damit erachteten auch sie eine Verbesse
rung des Gesundheitszustandes für durchaus möglich, was das Erreichen einer Arbeitsfähigkeit nicht ausschliesst.
Die Gutachter des
C.___
rechneten
in ihrer Exper
tise vom 29. Januar 2001 (Urk. 8/14) unter Hinweis auf den lang
jährigen und
chronifizierten
Verlaufs auf lange Sicht nicht mit einer wesent
lichen Ver
besse
rung der Arbeitsfähigkeit
. Sie hielten dafür, dass von einer psychiatrischen
Behandlung aufgrund des Verlauf
s
der Er
kran
kung und der
chronifizierten
psy
chosozialen Situation insgesamt höchstens eine minime Verbesserung des sub
jektiven Leidens des Beschwerdeführers zu er
warten sei. Diese würde sich aller Wahrscheinlichkeit aber nicht wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (Urk. 8/14/2).
Diese Aussage basierte auf keinem Behandlungsversuch mit psy
chiatrischem Verlaufsbericht.
Bei den medizinischen Akten der
Beschwerde
gegnerin
befanden sich die Be
richte und Zeugnisse des Allgemein
mediziners Dr. med.
H.___
vom 7.
April
2000 (Urk. 8/5/1-2) sowie diverse Berichte des
B.___
,
Departement für Innere Medizin, Gastro
enterologie bzw. Klinik für
Vis
zeralchirurgie
(Urk. 8/5/3-17). Vom Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
G.___
,
erhielten die Gutachter die Auskunft, dass dieser dem Beschwerdeführer zwar aus psychischen Gründen eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit attestiere, bis anhin jedoch keine psychiatrische Behandlung veranlasst habe (Urk. 8/14/6). Der Be
schwerdeführer selbst gab bei der Begut
acht
ung im
C.___
nur spärlich Auskunft (vgl. ins
besondere den psychopathologischen Befund, Urk. 8/14/5). Nach dem Gesagten war den Gutachtern des
C.___
keine verlässliche Aus
sage zum Verlauf der Er
krankung möglich.
Nicht zu überzeugen
vermag der Hinweis der Gutachter des
C.___
darauf, dass der Beschwerdeführer selbst auf keine weiteren Abklärungen dränge, sondern sich in sein Schicksal und seinen Invalidenstatus
zu fügen scheine (Urk. 8/14/7). Damit ist in keiner Weise dargetan, dass eine Verbesserung des Gesundheitszu
standes und ein Wiedererlangen einer Arbeitsfähigkeit des im Dezember 2000 erst 42 Jahre alten Beschwerdeführers aus medizinischen Gründen ausge
schlossen
ist
.
P
sychosoziale Belastungsfaktoren
gelten
grundsätzlich als
invali
ditätsfremd
(statt vieler: BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundes
gerichts
8C_369/2011 vom 9. August 2011
E. 4.3.2).
4.2
Die Beschwerdegegnerin auferlegte dem Beschwerdeführer die
Schadenmin
de
rungspflicht
mit Schreiben vom 20. Mai 2010
(
Urk.
8/55)
. Auf Zuweisung seines Hausarztes Dr.
G.___
begab sich der Beschwerdeführer am 5. Oktober 2010 für ein
Erstge
spräch
in die Sprechstunde für affektive Störungen der Klinik für Psy
chi
atrie und Psychotherapie
des
B.___
,
wo er bzw. seine Ehefrau erzählte, es habe eine IV-Abklärung gegeben, und dabei sei
erneut
eine psychiatrische Be
hand
lung empfohlen worden (Urk.
8
/68
/4
). Im Verwaltungsverfahren behauptete der Be
schwerdeführer noch, er habe darauf vertrauen können, dass er durch die psychiatrische Betreuung (des Hausarztes) Dr. med.
G.___
– welcher
aber den Titel Praktischer Arzt trägt und kein Psychiater ist – und der damit ver
bundenen medikamentösen Be
treuung seiner auferlegten
Schadenmin
de
rungs
pflicht
nach
komme
(Urk. 8/76/5). Aufgrund dieser Umstände ist
auszuschliessen
, dass der Beschwerdeführer
– wie von diesem im vorliegenden Verfahren behauptet wird (E. 1.1) –
das Schreiben vom 2
0.
Mai 2010
nicht verstanden haben soll
. Weite
rungen hierzu können
somit
unterbleiben.
4.3
Es blieb unbestritten, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum zwischen der Aufer
legung der
Schadenmin
derungspflicht
mit Schreiben vom 20. Mai 2010 und der Überprüfung durch die
Beschwerde
ge
gnerin
rund ein Jahr später sich keiner intensiven, eng
maschige
n
, psychiatrische
n
Behandlung mit Anbindung an eine Tagesklinik oder eine
voll
stationäre
Be
handlung unterzogen hat.
Der Beschwerdeführer ist seiner Schadenminderungspflicht somit nicht nachge
kommen.
4.4
Der Beschwerdeführer
stellt sich auf den Standpunkt, dass sich seine Arbeits
fähigkeit, auch wenn bereits im Jahr 2011 eine engmaschige psychia
trische Be
handlung durchgeführt worden wäre, nicht verbessert hätte. Er verweist auf
das
Schreiben des
F.___
vom
1.
Oktober 2013 (Urk. 20). Darin
führen
Dr. med.
I.___
,
Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr. phil.
J.___
,
Klinischer Psychologe und
Supervisior
,
aus,
dass
eine engmaschige
psy
chiatri
sche
Behandlung im Rahmen der schweren Depression weder im Jahre 2011 noch im Jahre 2013 (Behandlung in der Tagesklinik des
F.___
vom 10. Dezember 2012 bis 6. Februar 2013
)
zum gewünschten Erfolg einer Reduk
tion der beim Beschwerdeführer be
stehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt hätte. Es sei sicher richtig, dass die Therapiefrequenz erhöht werden müsse. Alle medikamentösen Be
hand
lungen hätten bisher aber nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Daher sei nun eine stationäre Einweisung in die
K.___
geplant
(
Urk.
20).
Damit bestätigen sie die Beurteilung der
D.___
-Gutachter, wonach eine bislang nicht durchgeführte fachgerechte Therapie zumutbar ist.
Zu berücksichtigen ist
ferner
, dass die Berichte und Bestätigungen (Urk. 12, Urk. 20) des
F.___
nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 26. Januar 2012, mit welcher die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Invalidenrente des Beschwerdeführers auf eine halbe herabgesetzt hat, ergangen sind.
Laut dem Bericht
F.___
vom 28. März 2013 bewirkte
schon die nur
achtwöchige tagesklinische Behandlung des Beschwerdeführers in den dortigen Einrichtungen eine Re
duktion der Depression des Beschwerdeführers,
auch wenn
sie am Ende der Be
handlung nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestier
t
en
(Urk. 12 S. 5).
Damit ist keineswegs dargetan, dass bei frühzeitiger Aufnahme einer adäquaten Thera
pie (nach Auferlegung der Schadenminderungspflicht am 2
0.
Mai 2010) keine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eingetreten wäre. Einer solchen zumutbaren Behandlung verweigerte sich der Beschwerdeführer jedoch bis nach Erlass der Herabsetzungsverfügung.
4.5
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers bedarf es keines strikten Beweises, dass die verweigerte Massnahme tatsächlich zum gewünschten Erfolg geführt hätte
; es genügt, wenn die Vorkehr mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen wäre. Der erforderliche Grad an Wahrscheinlichkeit ist wiederum unter Berücksichtigung der Schwere des mit der Massnahme verbun
denen Eingriffs in Persönlichkeitsrechte zu beurteilen: Bei therapeutischen Massnahmen, welche mit einem nur geringen Eingriff verbunden sind
–
wie hier
–
dürfen an die Wahrscheinlichkeit der zu erwartenden Besserung keine hohen Anforderungen gestellt werden (Jürg
Maeschi
, Kommentar zum MVG, Bern 2000, N 24 zu
Art.
18). Ist der Eingriff erheblich, wird eine höhere Wahrschein
lichkeit, aber nich
t ein sicherer Erfolg verlangt
(Urteil
des Bundesgerichts
I 8
24/06 vom 1
3.
März 2007 E. 3.2.;
vgl. auch
Urteile
9C_82/2013 vom 2
0.
März 2013 E. 4.2, 9C_581/2010 vom 2.
September 2010 E. 6, 9C
_686/2009 vom 2
2.
Dezember 2009,
9C_796/2009 vom 1
3.
Oktober 2009
). Eine schlüssige Beur
teilung der Frage, welche Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vor
liegt, wird erst im Verlauf oder nach Abschluss der Therapie möglich sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_581/2001 vom
2.
September 2010). Die Sanktion (Herab
setzung oder Aufhebung von Versicherungsleistungen) muss jedoch ver
hältnis
mässig zum Verschulden
des die Schadenminderungspflicht verweigern
den Ver
sicherten
sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2013 vom 2
0.
März 2013).
4.6
4.6.1
Zu prüfen bleibt das Ausmass der Rentenkürzung.
RAD-Arzt
Dr.
E.___
kam in seiner Stellungnahme vom 2
6.
September 2011 zum Schluss, dass „mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit“ ab dem 2
6.
April 2011 (ein Jahr nach Erstellung des Gutachtens des
D.___
) bis auf weiteres eine 50%ige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit
eingetreten wäre
(
Urk.
8/69/3). Er prüfte die ihm gestellte Frage im Hinblick darauf, ob sich die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch die psy
chi
atrische Therapie mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit hätte
steigern lassen
.
Wie erwähnt (E. 4.5
)
ist der Beweisgrad der über
wiegen
den Wahrscheinlichkeit indes nicht vorausgesetzt. Vielmehr hängt
die
Leistungs
kürzung
oder -
verweigerung gestützt auf
Art.
21
Abs.
4 ATSG
davon ab
, ob die fragliche Massnahme eine wesentliche Verbesserung ver
spricht,
wobei der erforderliche Grad an Wahrscheinlichkeit unter Berücksichti
gung der Schwere des mit der Massnahme verbundenen Eingriffs in die Persön
lich
keitsrechte zu beurteilen ist: Bei therapeutischen Massnahmen, welche mit einem nur geringen Eingriff verbunden sind, dürfen an die Wahrscheinlichkeit der zu erwartenden Besserung keine hohen Anforderungen gestellt werden. Sodann sind die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistun
gen auslöst. Ist eine versicherte Person bezüglich einer psychischen Problematik nicht einsichtig und lehnt eine entsprechende Therapie ab, gereicht ihr dies unter Umständen dann nicht zum Verschulden, wenn die fehlende
Krankenein
sicht
gerade Teil des Leidens selbst ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2013 vom 2
0.
März 2013 E. 3 mit weiteren Hinweisen). Demnach erweist sich auch das Vorbringen des Beschwerdeführers, dass eine engmaschige psychiatrische Behandlung
(
bereits im Jahre 2011
)
nicht
überwiegend
w
ahrscheinlich
zu einer Reduktion der
100%igen
Arbeitsunfähigkeit geführt hätte,
als
unbeheflich
.
4.
6.2
Die dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 2
0.
Mai 2010 (
Urk.
8/55)
aufer
-lege intensive, engmaschige, psychiatrische Behandlung mit Anbindung an eine Tagesklinik oder eine vollstationäre B
e
handlung ist – insbesondere mit Blick auf die vom Bundesgericht in diesem Zusammenhang als Beispiel für einen erhebli
chen Eingriff gen
annte wirbelsäulenorthopädische
Operation (Urteil des Bun
desgerichts I 462/05 vom 1
6.
August 2006
E. 6) – nicht als erheblicher Eingriff zu qualifizieren. Aufgrund der nicht durchgeführten psychiatrischen Behand
lung blieb die
von den Gutachtern prognostizierte
Besserung des Gesundheits
zustands
und der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers aus.
Dem steht eine erhebliche Inanspruchnahme
der
Eidg
. Invalidenversicherung
entgegen,
da ihm bei gleichbleibendem Invaliditätsgrad weiterhin eine ganze IV-Rente
auszu
richten
wäre. Hinweise darauf, dass beim Beschwerdeführer aufgrund seines Leidens eine fehlende Krankheitseinsicht bestünde, sind dem Gutachten des
C.___
vom 2
9.
Januar 2001 (
Urk.
8/14), dem
D.___
-
Gutachten vom 2
6.
April 2010 (
Urk.
8/53), dem Bericht des
B.___
zum
Gespräch mit dem Beschwerdeführer vom
5.
Oktober 2010 (
Urk.
8/58) und dem Bericht des
F.___
vom 2
8.
März 2013 (
Urk.
12) wie auch der
F.___
-
Stellung
nahme vom
1.
Oktober 2013 (
Urk.
20) nicht zu entnehmen. Der Beschwerde
führer hat sich somit seit der Auferlegung der Schadenminderungspflicht mit Schreiben vom 2
0.
Mai 2010 (
Urk.
8/55) bis zum Eintritt in die Tagesklinik des
F.___
am 1
0.
Dezember 2012 (
Urk.
12) willentlich keiner psychiatrischen Behandlung unterzogen. Das Verschulden wiegt hier schwer, hat sich der Beschwerdeführer doch über 1 ½ Jahre geweigert, sich einer Therapie zu unter
ziehen. Angesichts
dessen erweist sich
die
Annahme der Beschwerdegegnerin, dass sich
die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch die ihm als
Scha
denminderungspflicht
auferlegte psychiatrische Therapie auf 50
%
hätte
stei
gern lassen
, als
genügend
wahrscheinlich
und
vorallem
angemessen
, womit im Ergebnis gleichwohl auf die Einschätzung
RAD-Arztes
abgestellt werden kann. Nichts anderes ergibt sich aufgrund des Berichts des
F.___
vom 2
8.
März 2013 über die tagesklinische Behandlung vom 1
0.
Dezember 2012 bis
6.
Februar 2013 (
Urk.
12). Diesem Bericht ist vielmehr zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in der Lage war, regelmässig im
F.___
zu erscheinen und den Therapien beizu
wohnen, wobei er den Weg ins
F.___
mit der Zeit selbständig zu bewältigen vermochte und eine Tagesstruktur einhalten konnte (
Urk.
12 S. 3 bis 4).
Diese Besserung konnte schon nach nur achtwöchiger Behandlung festgestellt werden, was die A
nnahme einer 50%igen Teilarbeitsfähigkeit nach einjähriger Behandlungszeit umso wahrscheinlicher
erscheinen
lässt.
Es
ist
somit nicht abwegig, dass dem Beschwerdeführer eine Halbtagesbeschäftigung ohne hohe intellektuelle Anforderungen (Niveau 4 der Tabellenlöhne gemäss Schweizeri
scher Lohnstrukturerhebung [LSE] des Bundesamtes für Statistik) zumutbar wäre.
5.
Der Einkommensvergleich der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/69/3-4, angefoch
tene Verfügung vom 2
6.
Januar 2012,
Urk.
2, S. 2 bis 3) gibt zu keinen Bean
standungen Anlass und ist vom Beschwerdeführer auch nicht gerügt worden.
6.
Die angefochtene Verfügung vom 2
6.
Januar 2012 (
Urk.
2) erweist sich im Ergeb
nis als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), auf
Fr.
600.-- anzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Marianne Ott
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
hal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher