# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b3a18ca7-bd90-528e-8027-89b1091899db
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-06
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 06.08.2015 VG.2015.00029 (VG.2015.256)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2015-00029_2015-08-06.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 6. August 2015

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2015.00029

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
  	
    B.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    beide
    vertreten durch Rechtsanwalt C.______

    

  

  
	
   

  
	
   

   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Gemeinde Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    

  

  
	
   

  
	
  	
    3.

    	
    Regierungsrat des Kantons Glarus

    	
     

    

  

  
	
   

   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  Am 12. Januar 2014
  reichten A.______ und B.______ bei der Gemeinde Glarus ein Baugesuch für den
  teilweisen Abbruch und den Um- bzw. Neubau des im Klöntal in der Landwirtschaftszone
  gelegenen Ferienhauses, Parz.-Nr. […], Grundbuch Glarus, ein. Das Baugesuch
  lag vom 17. Januar bis 17. Februar 2014 öffentlich auf. Mit
  Teilverfügung vom 7. April 2014 erteilte das Departement Bau und Umwelt
  des Kantons Glarus (DBU) die Bewilligung für das Bauvorhaben ausserhalb der
  Bauzone nicht. In der Folge verweigerte die Gemeinde Glarus am 29. April
  2014 die Baubewilligung.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Dagegen erhoben A.______
  und B.______ am 27. Mai 2014 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons
  Glarus und beantragten die Aufhebung der Verfügung vom 29. April 2014
  und die Anweisung an die Vorinstanz, das Baugesuch zu bewilligen; unter
  Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Gemeinde Glarus. Am
  20. Januar 2015 wies der Regierungsrat die Beschwerde ab.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Am 23. Februar 2015
  erhoben A.______ und B.______ gegen den Entscheid des Regierungsrats vom
  20. Januar 2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragten
  dessen Aufhebung und die Anweisung an das DBU und an den Gemeinderat Glarus,
  das Baugesuch zu bewilligen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten
  des Regierungsrats.

   

  
	
  Die Gemeinde Glarus
  beantragte am 25. März 2015 die Abweisung der Beschwerde. Das DBU
  beantragte am 26. März 2015 die Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge.
  Gleichentags beantragte der Regierungsrat ebenfalls, die Beschwerde sei
  abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten von A.______ und
  B.______.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig (Art. 79
  Abs. 1 des Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom 2. Mai 2010 [RBG]
  i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
  vom 4. Mai 1986 [VRG]). Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen
  erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Nach Art. 22 Abs. 1 des
  Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 (RPG) dürfen Bauten und Anlagen nur mit behördlicher
  Bewilligung errichtet oder geändert werden. Nach Abs. 2 der nämlichen
  Bestimmung ist Voraussetzung einer Bewilligung, dass Bauten und Anlagen dem
  Zweck der Nutzungszone entsprechen (lit. a) und dass das Land
  erschlossen ist (lit. b). Für nicht zonenkonforme Bauvorhaben ausserhalb
  der Bauzone bedarf es einer Ausnahmebewilligung des DBU (Art. 25
  Abs. 2 RPG i.V.m. Art. 62 Abs. 2 RBG). 

  
	
   

  
	
  2.2 Vorliegend ist unbestritten, dass es sich beim
  umzubauenden Ferienhaus, welches sich in der Landwirtschaftszone befindet, um
  eine bestehende zonenwidrige Baute ausserhalb der Bauzone handelt, weshalb
  das Bauvorhaben nur zulässig ist, wenn eine Ausnahmebewilligung im Sinne von
  Art. 24 ff. RPG erteilt werden kann. Dabei steht Art. 24c RPG im Vordergrund.
  Nach Abs. 1 dieser Vorschrift sind bestimmungsgemäss nutzbare Bauten und
  Anlagen ausserhalb der Bauzonen, die nicht mehr zonenkonform sind,
  grundsätzlich in ihrem Bestand geschützt. Solche Bauten und Anlagen können
  gemäss Abs. 2 mit Bewilligung der zuständigen Behörde erneuert,
  teilweise geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden, sofern
  sie rechtmässig erstellt oder geändert worden sind. Nach Abs. 4 müssen
  Veränderungen am äusseren Erscheinungsbild für eine zeitgemässe Wohnnutzung
  oder eine energetische Sanierung nötig oder darauf ausgerichtet sein, die
  Einpassung in die Landschaft zu verbessern. Schliesslich sieht Abs. 5
  vor, dass in jedem Fall die Vereinbarkeit mit den wichtigen Anliegen der
  Raumplanung vorbehalten bleibt. 

  
	
   

  
	
  2.3 Eine Änderung gilt als teilweise und eine
  Erweiterung als massvoll, wenn die Identität der Baute oder Anlage
  einschliesslich ihrer Umgebung in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt.
  Verbesserungen gestalterischer Art sind zulässig (Art. 42 Abs. 1
  der Raumplanungsverordnung vom 28. Juni 2000 [RPV]). Massgeblicher
  Vergleichszustand für die Beurteilung der Identität ist der Zustand, in dem
  sich die Baute oder Anlage im Zeitpunkt der Zuweisung zum Nichtbaugebiet
  befand (Art. 42 Abs. 2 RPV). Ob die Identität der Baute oder Anlage
  im Wesentlichen gewahrt bleibt, ist unter Würdigung der gesamten Umstände zu
  beurteilen. In jedem Fall gelten gemäss Art. 42 Abs. 3 RPV folgende
  Regeln: Innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens darf die anrechenbare
  Bruttogeschossfläche nicht um mehr als 60 Prozent erweitert werden, wobei das
  Anbringen einer Aussenisolation als Erweiterung innerhalb des bestehenden
  Gebäudevolumens gilt (lit. a); unter den Voraussetzungen von
  Art. 24c Abs. 4 RPG kann einer Erweiterung ausserhalb des bestehenden
  Gebäudevolumens erfolgen; die gesamte Erweiterung darf in diesem Fall sowohl
  bezüglich der anrechenbaren Bruttogeschossfläche als auch bezüglich der
  Gesamtfläche (Summe von anrechenbarer Bruttogeschossfläche und
  Brutto-Nebenfläche) weder 30 Prozent noch 100 m2
  überschreiten; die Erweiterungen innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens
  werden nur halb angerechnet (lit. b); bauliche Veränderungen dürfen keine
  wesentlich veränderte Nutzung ursprünglich bloss zeitweise bewohnter Bauten
  ermöglichen (lit. c).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die Beschwerdeführer machen eine unrichtige und
  unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend, da
  der Beschwerdegegner 3 die Situation nicht nach ihren konkreten Umständen
  gewürdigt und ohne Durchführung eines Augenscheins anhand einer schematischen
  Berechnung angenommen habe, der Raum im Erdgeschoss sei nicht vollständig zur
  Bruttogeschossfläche anrechenbar. Dieser sei jedoch immer als Werkraum
  genutzt worden, verfüge über ein Fenster, werde mit einem Holzofen beheizt und
  sei isoliert, weshalb er voll anzurechnen sei. Weiter erweise sich das
  Abstellen auf ein Merkblatt des Kantons Uri sowie auf Richtlinien der
  Baudirektion des Kantons Zürich als willkürlich und es hätten die gesamten
  Umstände gewürdigt werden müssen. Die Berechnung anhand der korrekten Flächen
  unter vollem Einbezug des Werkraums zeige, dass das Bauvorhaben
  gesetzeskonform und bewilligungsfähig sei. Letztlich werde durch die Änderung
  am Gebäude auch die Identität der Baute gewahrt, weshalb die Bewilligung für
  den Umbau zu Unrecht nicht erteilt worden sei.

  
	
   

  
	
  3.2 Der Beschwerdegegner 2 führt aus, das Abstützen auf
  das Merkblatt des Kantons Uri entspreche einer gefestigten Praxis und sei
  keinesfalls willkürlich. Räume im Unter- und Erdgeschoss würden nur dann zur
  Bruttogeschossfläche gerechnet, wenn sie wärmegedämmt und entsprechend
  befenstert seien. Nach allgemeiner Praxis seien Wohn- und Arbeitsräume
  genügend belichtet, wenn die Fensterfläche mindestens 10 % der
  Grundfläche erreiche. Da eine genügende Belichtung nur für den vorderen Teil
  des Werkraums zutreffe, sei nur dieser maximal mit 11,13 m2 zur
  Bruttogeschossfläche anzurechnen. Insgesamt werde die zulässige Erweiterung
  der Bruttogeschossfläche sowie der Gesamtfläche von je 30 % klar
  überschritten. 

  
	
   

  
	
  3.3 Der Beschwerdegegner 3 vertritt die Auffassung,
  dass der Sachverhalt in genügender Weise und richtig festgestellt worden sei
  und die Berechnung der zu berücksichtigenden Flächen anhand der Pläne habe
  vorgenommen werden können, weshalb kein Augenschein notwendig gewesen sei.
  Gemäss dem beizuziehende Merkblatt "Bauen ausserhalb der Bauzone"
  des Kantons Uri seien Räume im Unter- und Erdgeschoss zur anrechenbaren
  Bruttogeschossfläche zu rechnen, wenn sie wärmegedämmt und entsprechend befenstert
  seien. Da Art. 27 des Baugesetzes des Kantons Glarus vom 4. Mai
  1952 (aBauG) bestimmt habe, dass Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräume mit
  seitlichen Fenstern versehen sein sollten, deren Lichtmass in Vollgeschossen
  mindestens 1:10, in Dachgeschossen mindestens 1:15 der Bodenfläche, immer
  aber mindestens 0,80 m2 betragen
  müssten, habe bereits im Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes die Vorschrift
  bestanden, das Lichtmass der Fensterfläche müsse einen Zehntel der Wohn-,
  Schlaf- und Arbeitsräume betragen. Da in Art. 5 der Bauverordnung vom 6.
  Juni 1989 (aBauV) der Wortlaut von Art. 27 aBauG übernommen worden sei,
  sei es legitim, dass nur das Zehnfache der Fensterfläche des Werkraums als
  anrechenbare Bruttogeschossfläche berücksichtigt worden sei. Das Bauprojekt
  überschreite die für die Wahrung der Identität des Gebäudes maximal zulässige
  Erweiterung der Bruttogeschossfläche und sei deshalb nicht bewilligungsfähig.

  
	
   

  
	
  4. 

  
	
  4.1 Die Beschwerdeführer beantragen die Durchführung
  eines Augenscheins und werfen dem Beschwerdegegner 3 vor, er habe aufgrund
  des Verzichts auf einen Augenschein den rechtserheblichen Sachverhalt
  unrichtig und unvollständig festgestellt. Sinngemäss machen sie damit eine
  Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss
  Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) geltend.

  
	
   

  
	
  4.2 Aus dem Gebot der Gewährung des rechtlichen Gehörs
  nach Art. 29 Abs. 2 BV folgt der Anspruch der Parteien, mit
  rechtzeitig und formgültig angebotenen Beweisanträgen und Vorbringen gehört
  zu werden, soweit diese erhebliche Tatsachen betreffen und nicht
  offensichtlich beweisuntauglich sind (BGE 120 Ib 379 E. 3b). Keine
  rechtliche Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt vor, wenn eine Behörde auf
  die Abnahme beantragter Beweismittel verzichtet, weil sie aufgrund der
  bereits abgenommenen Beweise ihre Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür
  in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass ihre Überzeugung
  durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde. Das rechtliche Gehör verlangt,
  dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen
  auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (BGE
  124 I 241 E. 2). Die Begründungspflicht und der Anspruch auf Begründung
  sind jedoch nicht bereits dadurch verletzt, dass sich die urteilende Behörde
  nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
  jedes einzelne Vorbringen widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den
  Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGer-Urteil 1A.161/2002 vom
  3. April 2003 E. 2.1).

  
	
   

  
	
  Ein Augenschein ist ein
  Mittel der Sachverhaltsabklärung. Zur Durchführung eines Augenscheins ist
  eine Behörde nur verpflichtet, wenn die Verhältnisse anders nicht schlüssig abgeklärt
  werden können und die tatsächlichen Verhältnisse unklar sind und anzunehmen
  ist, die Parteien vermöchten durch ihre Darlegungen an Ort und Stelle
  Wesentliches zur Erhellung der sachlichen Grundlagen des Rechtsstreits
  beizutragen. Der Verzicht auf Durchführung eines Augenscheins ist zulässig,
  wenn die Akten eine hinreichende Entscheidgrundlage darstellen (Kaspar Plüss,
  in Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des
  Kantons Zürich, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2014, § 7 N. 79).

  
	
   

  
	
  4.3 Vorliegend ist zu entscheiden, ob die einschlägigen
  Bestimmungen des Raumplanungsgesetzes es zulassen, dass der als Werkraum
  bezeichnete Raum im Erdgeschoss vollständig zur Bruttogeschossfläche
  angerechnet werden kann und die Identität der Baute gewahrt bleibt. Der
  rechtlich massgebliche Sachverhalt ist aufgrund der Akten mit Plänen,
  Fotografien und weiteren Unterlagen klar, weshalb zusätzliche Abklärungen an
  Ort und Stelle nicht erforderlich sind. Ein Augenschein erwies sich daher
  weder in den vorinstanzlichen Verfahren als notwendig noch erscheint er im
  vorliegenden Verfahren als angezeigt. 

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Es ist unbestritten, dass es sich beim Ferienhaus
  um eine rechtmässig erstellte Baute ausserhalb der Bauzone handelt. Auch
  nicht bestritten ist, dass beim geplanten Bauvorhaben eine Erweiterung
  ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens erfolgt, weshalb Art. 24c RPG
  i.V.m. Art. 42 Abs. 3 lit. b RPV zur Anwendung gelangen.
  Strittig ist jedoch, welche Fläche des als Werkraum bezeichneten Raums im
  Erdgeschoss zur Bruttogeschossfläche anzurechnen ist.

  
	
   

  
	
  5.2 Massgeblicher Vergleichszeitpunkt für die
  Beurteilung der Identität ist dabei grundsätzlich der Zustand, in dem sich
  die Baute im Zeitpunkt der Zuweisung zum Nichtbaugebiet befand. Als
  massgeblicher Zeitpunkt gilt der 1. Juli 1972, als mit dem Inkrafttreten des
  Gewässerschutzgesetzes erstmals eine klare Trennung von Bau- und
  Nichtbaugebiet vorgenommen wurde (BGE 129 II 396 E. 4.2.1). Da jedoch keine
  Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, dass am streitbetroffenen Gebäude seit
  dem Jahr 1972 wesentliche Änderungen vorgenommen worden sind, kann für die
  Beurteilung der Identität im Sinne von Art. 42 RPV auf den aktuellen Zustand
  des Gebäudes abgestellt werden.

  
	
   

  
	
  5.3 

  
	
  5.3.1 Wie bereits ausgeführt (E. II/2.3), darf gemäss
  Art. 42 Abs. 3 lit. b RPV eine Erweiterung ausserhalb des
  bestehenden Gebäudevolumens sowohl bezüglich der anrechenbaren
  Bruttogeschossfläche (aBGF) als auch bezüglich der Gesamtfläche weder 30
  Prozent noch 100 m2 überschreiten. Welche Räume jedoch zur aBGF
  gezählt werden, wird in der RPV nicht definiert. In den Erläuterungen zur
  Raumplanungsverordnung und Empfehlungen für den Vollzug des Bundesamts für
  Raumentwicklung (Bundesamt für Raumentwicklung [Hrsg.], Neues
  Raumplanungsrecht, Erläuterungen zur Raumplanungsverordnung und Empfehlungen
  für den Vollzug, Teil V: Bewilligungen nach Art. 24c RPG:
  Änderungen an zonenwidrig gewordenen Bauten und Anlagen, Bern 2000/2001,
  S. 21) findet sich im Anhang 1 eine subsidiäre Definition der aBGF,
  welche jedoch nur zur Anwendung gelangt, sofern sich bestehende kantonale
  Regelungen zur aBGF-Definition nicht im Grundsatz an die ORL-Norm 514 420
  (Provisorische Richtlinien zur Orts-, Regional- und Landesplanung, Die
  Ausnützungsziffer, Blatt 514 420, 1966) anlehnen. Nach dieser Definition
  zählen zur aBGF die Teile der Nutzfläche eines Gebäudes, die für das Wohnen
  und Arbeiten bestimmt sind bzw. genutzt werden sowie die zur Erschliessung
  der entsprechenden Wohn- und Arbeitsräume dienenden Verkehrsflächen (Flure,
  Korridore, Eingangshallen; Treppen und Rampen; Aufzugsschächte). Nicht zur
  aBGF zugerechnet werden hingegen unter anderem zu Wohnungen gehörende
  Keller-, Estrich- und Trockenräume, Waschküchen, Abstellräume,
  Fahrzeugeinstellräume, Schutzräume und Kehrichträume; Funktionsflächen wie
  Räume für Haustechnikanlagen, Motorräume für Aufzugs- und Förderanlagen, Ver-
  und Entsorgungsschächte und -kanäle, sowie Installationsgeschosse, Heizungs-
  und Tankräume.

  
	
   

  
	
  5.3.2 Nach Art. 63 Abs. 2 der kantonalen
  Bauverordnung vom 23. Februar 2011 (BauV) zählen zur anrechenbaren
  Geschossfläche alle für das Wohnen oder das Gewerbe verwendbaren
  Geschossflächen einschliesslich Gänge, Treppenhäuser, Liftschächte sowie
  Mauer- und Wandquerschnitte (inkl. Aussenmauerwerk). Bei abgeschrägten
  Räumen werden Geschossflächen, die eine lichte Höhe von weniger als
  1,50 m aufweisen nicht angerechnet. Der aBGF nicht zugerechnet werden
  gemäss Art. 63 Abs. 3 BauV dem Wohnen oder dem Gewerbe sowie dem
  dauernden Aufenthalt nicht oder nur beschränkt dienende Räume wie
  Kellerräume, Estrichräume, nicht gewerblich genutzte Einstellräume, verglaste
  und nicht mit Fremdenergie beheizte Veranden, Vorbauten, Balkone (ausser der
  Erschliessung von anrechenbaren Räumen dienende Laubengänge), Terrassen und
  Wintergärten, ferner unterirdische Gewerberäume ohne Arbeitsplätze,
  insbesondere Lagerräume.

  
	
   

  
	
  Als anrechenbare
  Bruttogeschossfläche gilt nach Art. 65 Abs. 2 des Baureglements der
  Gemeinde Glarus vom 1. Juli 2011 (BO) die Summe aller oberirdischen
  und unterirdischen Geschossflächen, einschliesslich der Aussen- und
  Wandquerschnitte. Nicht angerechnet werden nach lit. a alle nicht dem
  Wohnen und dem Gewerbe dienenden oder hierfür nicht verwendbaren Flächen
  wie zum Beispiel zu Wohnungen gehörende Abstell-, Keller-, Estrich-, Wasch-
  und Trockenräume; technische Räume für Heizung, Wasser, Elektroversorgung,
  Maschinenräume für Aufzüge, Ventilations-, Klima- und Energiegewinnungsanlagen;
  angemessene Einstellräume für Motorfahrzeuge, Velos, Kinderwagen und
  dergleichen; Korridore, Treppen und Aufzüge, die überwiegend nicht
  anrechenbare Räume erschliessen; mindestens einseitig offene
  Erdgeschosshallen, Dachterrassen, Sitzplätze und Balkone; Flächen unter
  1,5 m lichter Raumhöhe.

  
	
   

  
	
  5.3.3 Sowohl die Vorschriften der kantonalen
  Bauverordnung als auch diejenigen des Baureglements der Gemeinde Glarus über
  die Berechnung der Bruttogeschossfläche umfassen grundsätzlich die subsidiäre
  Definition der aBGF des Bundesamts für Raumentwicklung, weshalb die
  Vorschriften vorliegend zur Anwendung gelangen.

  
	
   

  
	
  5.4 Ein Raum gilt als für die Ausnützung anrechenbare
  Fläche, wenn er nicht nur einen Sachzweck erfüllt, sondern für die Ausübung
  menschlicher Tätigkeiten und damit für den Aufenthalt von Personen bestimmt
  ist. Für die Beurteilung, ob ein Raum dem Wohnen, Arbeiten oder sonst wie dem
  dauernden Aufenthalt dient, ist nicht entscheidend, ob eine solche
  Nutzungsart von Anfang an vorgesehen ist oder nicht. Es genügt, dass eine
  solche Verwendung ohne wesentliche bauliche Änderungen herbeigeführt werden
  kann. Ausser Betracht fallen subjektive Gesichtspunkte wie die vom Bauherrn
  beabsichtigte Nutzung. Auf die Bezeichnung eines Raums in den Plänen, also
  auf den blossen Parteiwillen, kann es nicht ankommen. Entscheidend ist
  vielmehr die objektive Eignung des Raums. Genügt ein Raum sämtlichen
  Anforderungen, die an Wohn- und Arbeitsräume gestellt werden, so ist er ohne
  Weiteres rechtlich als solcher zu behandeln. Massgebend ist damit, ob ein Gebäudeteil
  aufgrund seines Ausbaus bewohnt werden bzw. als Arbeitsraum dienen könnte
  (vgl. VGer ZH-Urteil VB.2000.00304 vom 7. Dezember 2000
  E. 3b/aa, www.vgrzh.ch).

  
	
   

  
	
  5.5

  
	
  5.5.1 Vorliegend befinden sich im Raum, welcher als
  Werkraum bezeichnet ist und im Erdgeschoss liegt, in der nördlichen Hälfte
  ein Boiler, ein Kamin, ein Holzofen sowie weitere haustechnische Anlagen.
  Dabei handelt es sich unabhängig von der Raumbezeichnung und der
  Belichtungsverhältnisse um einen technischen Raumteil für Heizung, Wasser und
  Elektroversorgung, welcher gemäss Art. 63 Abs. 3 BauV i.V.m.
  Art. 65 Abs. 2 lit. a BO bei der Bestimmung der aBGF nicht
  angerechnet werden kann. Diesbezüglich ist in Übereinstimmung mit den
  Beschwerdegegnern 2 und 3 davon auszugehen, dass die nördliche Hälfte
  des Raums nicht zur aBGF gezählt werden kann.

  
	
   

  
	
  5.5.2 Die Anrechnung des südlichen Raumteils zur aBGF
  begründet der Beschwerdegegner 3 einerseits mit dem Hinweis auf die nicht
  mehr geltenden Vorschriften von Art. 27 aBauG und Art. 5 aBauV,
  wonach Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräume mit seitlichen Fenstern versehen sein
  sollten, deren Lichtmass in Vollgeschossen mindestens 1:10, in Dachgeschossen
  mindestens 1:15 der Bodenfläche, immer aber mindestens 0,80 m2
  betragen musste. Andererseits verweist er auf das Merkblatt "Bauen
  ausserhalb der Bauzone" des Amts für Raumentwicklung des Kantons Uri,
  nach dessen Berechnungskriterien Räume im Unter- und Erdgeschoss zur aBGF zu
  rechnen seien, wenn sie wärmegedämmt und entsprechend befenstert seien.

  
	
   

  
	
  5.5.3 Da wohnhygienische Vorschriften, die an Wohn- oder
  Arbeitsräume gestellt werden, sowohl auf kantonaler Ebene wie auch auf
  Gemeindeebene fehlen, ist im Sinne einer Gesamtwürdigung zu prüfen, ob der
  südliche Raumteil aufgrund seines Ausbaus bewohnt werden bzw. als Arbeitsraum
  dienen könnte. Dieser Raumteil wird durch ein Fenster, welches eine Fläche
  von etwa 1,1 m2 aufweist, belichtet und kann durch den
  Holzofen beheizt werden. Damit kann dieser südliche Raumteil durchaus als Werkraum
  genutzt werden, weshalb es vertretbar ist, ihn zur aBGF zu zählen und ihn
  nicht als Kellerraum zu qualifizieren, welcher nicht an die aBGF anrechenbar
  wäre. Dabei erweist sich die Praxis des Beschwerdegegners 2, wonach
  Arbeitsräume nur in einem Umfang angerechnet werden, in welchem die Fläche
  des Raums mindestens dem Zehnfachen der Fensterfläche entspricht, entgegen
  der Auffassung der Beschwerdeführer als zulässig. Insbesondere ermöglicht sie
  auf eine auf sachlichen Kriterien beruhende Gleichbehandlung verschiedener
  Ansprecher. Folglich ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegner 2
  und 3 für das Erdgeschoss eine Fläche von maximal 11,13 m2 zur
  aBGF gezählt haben. Die aBGF des bestehenden Gebäudes beträgt somit insgesamt
  57,60 m2. Wird diese Fläche mit der aBGF des geplanten
  Bauvorhabens, welche nach den Angaben des Beschwerdeführers 79,21 m2
  aufweist, verglichen, ergibt sich eine Erweiterung der aBGF von 37,5 %,
  weshalb das Bauprojekt die zulässige Erweiterung von 30 % überschreitet
  und folglich im Lichte von Art. 42 Abs. 3 lit. b RPV nicht bewilligungsfähig
  ist. 

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der Beschwerde. 

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  Damit muss nicht weiter
  geprüft werden, ob die anbegehrte Ausnahmebewilligung auch aus anderen
  Gründen zu verweigern wäre. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass durch die
  geplante Erstellung eines begehbaren Dachgeschosses anstelle des Estrichs die
  Gebäude- bzw. die Firsthöhe wesentlich verändert wird. Daneben ist es höchst
  fraglich, ob trotz der auffälligen Fassadengestaltung, der Form des Dachs
  sowie der erheblichen Vergrösserung des Balkons, der Veranda und des
  Sitzplatzes die Identität der bestehenden Baute gewahrt bleibt.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen
  Kosten zu tragen. Die pauschale Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.- ist ausgangsgemäss
  den Beschwerdeführern aufzuerlegen und mit dem von ihnen bereits geleisteten
  Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Es sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen
  (Art. 138 Abs. 3 lit. a [e contrario] und Art. 138
  Abs. 4 VRG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen. 

    
	
    2.

    	
    Den
    Beschwerdeführern wird eine pauschale Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-
    auferlegt und mit dem von ihnen bereits geleisteten Kostenvorschuss in
    gleicher Höhe verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Es
    werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]