# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7a92b995-319b-5720-b564-427457abdb95
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.08.2010 E-3734/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3734-2010_2010-08-19.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3734/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 
Richter Thomas Wespi, Richterin Jenny de Coulon, 
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

A._______, geboren (...),
B._______, geboren (...),
C._______, geboren (...),
D._______, geboren (...),
E._______, geboren (...),
Kosovo,
(...)
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 17. Mai 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3734/2010

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführenden, ethnische Albaner mit letztem Wohnsitz in 
F._______(Gemeinde  Podujeve)  verliessen  –  eigenen  Angaben 
zufolge – den Kosovo mit ihren drei  Kindern am (...)  und reisten per 
Auto über ihnen unbekannte Orte in die Schweiz, wo sie am 30.  März 
2010  gemeinsam  Asylgesuche  stellten.  Das  BFM  befragte  sie  am 
21. April 2010 zu den Personalien, dem Reiseweg und summarisch zu 
den  Asylgründen  und  hörte  sie  am  3.  Mai  2010  einlässlich  zu  den 
Asylgründen an. Die Beschwerdeführenden reichten ihren Eheschein 
sowie die Impfausweise der Kinder in Kopie als Identitätsnachweise zu 
den Akten. 

Es ist aktenkundig, dass der Beschwerdeführer am 26. Oktober 1998 
unter  einer  anderen  Identität  in  der  Schweiz  ein  erstes  Asylgesuch 
stellte, das mit Verfügung des Bundesamts für Flüchtlinge (BFF; heu-
te: BFM)  vom 13. September  1999  abgelehnt  wurde,  wobei  der  Be-
schwerdeführer  aus  der  Schweiz  weggewiesen  wurde.  Dieser  reiste 
am 8. Oktober 1999 kontrolliert  aus. Gemäss eigenen Angaben hielt 
sich der Beschwerdeführer in den Jahren 1996 bis 2002 mehrheitlich 
in Deutschland auf, wo er ebenfalls ein Asylgesuch eingereicht habe, 
das abgelehnt worden sei.  

B.
Die  Beschwerdeführenden  machten  zur  Begründung  ihres  Asylge-
suchs anlässlich der individuellen Befragungen im Wesentlichen gel-
tend, seit dem Krieg gehe es ihr (Beschwerdeführerin) nicht gut, und 
seitdem ihre Schwester (Schwägerin) im Jahre 2008 ertrunken sei, als 
sie einen kleinen Jungen habe retten wollen, und ihr Bruder kürzlich 
beinahe  gestorben sei,  könne  sie  nicht  mehr  im Kosovo leben. Seit 
langem sei sie in medizinischer Behandlung, welche aber schwierig zu 
finanzieren  beziehungsweise  nicht  finanzierbar  sei,  weil  sie  und  ihr 
Ehemann arbeitslos seien. Auch bringe die Behandlung nicht den er-
wünschten Erfolg. Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden 
eine Kopie eines Zeitungsartikels einer kosovarischen Zeitschrift vom 
4.  Juni  2008  und  eine  Kopie  eines  medizinischen  Diagnoseberichts 
des die Ehefrau im Kosovo behandelnden Arztes, G._______, vom 12. 
März 2010 und eine Übersetzung ein.

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C.
Das BFM trat mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 17. Mai 2010 
in  Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst  a des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwer-
deführenden nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 
sowie deren Vollzug an. 

D.
Die  Beschwerdeführenden  erhoben  am  21.  Mai  2010  (Poststempel: 
24. Mai 2010) beim Bundesverwaltungsgericht gegen den vorinstanz-
lichen Entscheid Beschwerde und beantragten sinngemäss,  die Ver-
fügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Sache sei zur Prüfung 
der Asylgesuche (Eintreten) an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

E.
Die vorinstanzlichen Akten trafen per Telefax am 26. Mai  2010 beim 
Bundesverwaltungsgericht ein (Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

F.
Am 27. Mai 2010 stellte das BFM dem Bundesverwaltungsgericht per 
Telefax ein Schreiben zu,  woraus hervorgeht,  dass die Beschwerde-
führerin am 26. Mai 2010 zusammengebrochen und daraufhin zuerst 
ins  Spital  H._______  zur  Beobachtung  und  sodann  in  die  Klinik 
J._______ eingewiesen worden sei. 

G.
Die  Instruktionsrichterin  forderte  die  Beschwerdeführenden  mit  Inst-
ruktionsverfügung vom 31. Mai 2010 auf, innert  Frist einen aktuellen 
ärzlichen  Bericht  sowie  eine  ärztliche  Entbindungserklärung  einzu-
reichen. Ferner verzichtete die Instruktionsrichterin auf die Erhebung 
eines Verfahrenskostenvorschusses. 

H.
Das  Zentrum  für  Asylsuchende  I._______  des  Kantons  K._______ 
stellte dem Bundesverwaltungsgericht per Telefax vom 14. Juni 2010 
den  medizinischen  Untersuchungsbericht  des  leitenden  Arztes, 
L._______,  der  Psychiatrie-Dienste  M._______,  vom  10.  Juni  2010 
betreffend die Beschwerdeführerin zu. 

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  im Bereich des Asyl-
rechts  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung 
besonders berührt, haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

1.3 Die  Frist  für  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  be-
trägt  5  Arbeitstage,  die  von  den  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe 
vom 24. Mai 2010 (Poststempel) eingehalten wurde. Es ist somit auf 
die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten 
(Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 37 VGG i.V.m. Art. 52 VwVG). 

1.4
1.4.1 Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG). 

1.4.2 Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen 
es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu 
überprüfen (Art. 32-35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorin-
stanz  auf  das  Asylgesuch  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist.  Die  Be-
schwerdeinstanz  enthält  sich  –  sofern  sie  den  Nichteintretensent-
scheid als  unrechtmässig erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu 
neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurück  (vgl.  Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). 

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1.4.3 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG, auf welche sich 
die  angefochtene  Verfügung  stützt,  hat  das  BFM  im  Rahmen  einer 
summarischen Prüfung das offenkundige Nichterfüllen der Flüchtlings-
eigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG und das offenkundige Fehlen 
von  Wegweisungsvollzugshindernissen  zu  beurteilen  (vgl.  Art. 32 
Abs. 3 Bstn. b und c AsylG; BVGE 2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.). In-
soweit  bildet  bei  dagegen  erhobenen  Beschwerden  auch  die 
Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand (vgl. a.a.O. E. 2.1 S. 73). 

1.5 Die Vorinstanz prüft die Frage der Wegweisung und des Vollzugs 
materiell, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle 
Kognition zukommt.

2.  
2.1 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht 
eingetreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 48 
Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuches  "Reise-  oder  Identitätspa-
piere"  abgeben.  Keine  Anwendung  findet  diese  Bestimmung,  wenn 
Asylsuchende  entschuldbare  Gründe  für  ein  Unvermögen,  innerhalb 
von 48 Stunden nach Gesuchseinreichung "Reise- oder Identitätspa-
piere"  abzugeben,  glaubhaft  machen  können  (Art.  32  Abs. 3  Bst.  a 
AsylG), wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 
AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b 
AsylG), oder wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit zu-
sätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft 
oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  ergibt  (Art.  32  Abs.  3 
Bst. c AsylG). 

2.2 Unter den Begriff "Reise- oder Identitätspapiere" fallen diejenigen 
Dokumente, welche sowohl eine zweifelsfreie Identifizierung als auch 
die  Rückschaffung  ohne  (grossen)  administrativen  Aufwand ermögli-
chen. Diesen beiden Anforderungen genügen in der Praxis regelmäs-
sig  Reisepässe  und  Identitätskarten. Neben  "klassischen"  Identitäts-
karten können  auch andere Ausweise – wie zum Beispiel ein Inland-
pass  –  taugliche  Identitätspapiere  darstellen.  Andere  Ausweise,  die 
zwar Hinweise auf die Identität geben, jedoch in erster Linie einem an-
deren  Zweck dienen,  wie  beispielsweise  die  Bestätigung  namentlich 
der Fahrfähigkeit, der Berufsfähigkeit, einer Geburt zu einem bestimm-
ten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort oder des Schulbesuches stel-
len dagegen keine Identitätspapiere im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG dar (vgl. zum Ganzen BVGE 2007/7 E. 4-6).

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3.
3.1 Das BFM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheids 
im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführenden seien anlässlich der 
Einreichung ihrer Asylgesuche schriftlich darauf aufmerksam gemacht 
worden, ein amtliches Dokument mit Fotografie, aus dem die Identität 
des Inhabers hervorgehe, innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung 
der Asylgesuche abzugeben. Die abgegebenen Ausweise (Eheschein 
und Impfausweise)  seien  nicht  rechtsgenügliche  Identitätspapiere  im 
Sinne von Art.  1  Bst. b  und c  der  Asylverordnung 1  (SR; 142.311). 
Ferner sei  das Desinteresse der  Beschwerdeführenden, einen amtli-
chen  gültigen  Ausweis  für  den  Identitätsnachweis  zu  besitzen,  er-
scheine grundsätzlich nicht plausibel (2004 sei der zwei Jahre gültige 
UNMIK-Reisepass abgelaufen und sei  nicht  erneuert  worden; die im 
Jahre 2008 verlorene Identitätskarte sei ebensowenig erneuert worden 
und  die  Beschwerdeführerin  habe  nie  einen  Reisepass  oder  eine 
Identitätskarte beantragt), weil im Kosovo eine Ausweispflicht bestehe 
und die Heimatregion der Beschwerdeführenden sich im Grenzgebiet 
zu  Serbien  befinde.  Des  Weiteren  hätten  die  Beschwerdeführenden 
hinsichtlich  deren  Geburtsurkunden  (die  Beschwerdeführerin  wisse 
nicht, ob sie eine habe, der Beschwerdeführer habe angegeben, diese 
für die zivilstandsrechtliche Trauung vorgelegt zu haben) beziehungs-
weise derjenigen der Kinder (anlässlich der Befragung hätten die Be-
schwerdeführenden angegeben, keine Urkunden zu haben, an der An-
hörung hätten beide angegeben, diese zu Hause gelassen zu haben) 
in  widersprüchlicher  Weise  ausgesagt  und  auch  hinsichtlich  der 
Hochzeitsdaten  seien  sie  sich  nicht  einig  gewesen.  Dass  der  Be-
schwerdeführer im Jahre 1998 ein erstes Asylgesuch unter einer an-
deren Identität eingereicht habe, sei ein weiteres Indiz für seine Un-
glaubwürdigkeit und seine unglaubhaften Aussagen, zumal die Anga-
ben  zu  seinem Geburts-  und  Wohnort  und  zu  seinen  Geschwistern 
anders  ausgefallen  seien,  und  er  auch  damals  keine  Ausweisdoku-
mente abgegeben habe. Überdies seien die Angaben hinsichtlich der 
Reise (Unkenntnis der Ortschaften, keine Kontrollen) sowie deren Fi-
nanzierung (Verkauf einer Kuh für 600 Euro, innert zehn Tagen 2000 
Euro  erbettelt,  weitere  2000  Euro  von  Freunden  ausgeliehen)  reali -
tätsfremd. Insgesamt ergebe sich aus dem Verhalten der Beschwerde-
führenden und den oberflächlichen Aussagen zur Reise, dass sie ihre 
wahre Identität und die wahren Umstände zu ihrem Reiseweg und den 
benutzten Reisepapieren nicht nur offenlegen, sondern verheimlichen 
wollten. Aufgrund der pflichtwidrigen Nichtabgabe von rechtsgenügli -
chen  Ausweispapieren  stehe  die  Identität  der  Beschwerdeführenden 

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nicht fest und es lägen auch keine entschuldbaren Gründe vor, die ih -
nen verunmöglicht hätten, Reise- oder Identitätspapiere abzugeben. 

3.2 Die  Beschwerdeführenden  wendeten  in  der  Rechtsmitteleingabe 
ein, er (Beschwerdeführer) habe vor zwölf Jahren seine wahre Identi tät 
nicht preisgeben dürfen, weil er damals vor den Serben geflüchtet sei 
und Angst  gehabt habe, dass er auch in der Schweiz die negativen 
Folgen des Krieges zu spüren bekäme. Hinsichtlich der Beschaffung 
von  Reise-  und  Identitätspapiere  benötigten  sie  (Beschwerdeführen-
den) etwas Zeit.  

4.
4.1 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführenden den vorinstanzli-
chen  Asylbehörden  keine  Reise-  und  Identitätspapiere  abgegeben 
hatten und auch auf Beschwerdeebene keine rechtsgenüglichen Rei-
se- und Identitätspapiere nachreichten. Folglich stellt  sich die Frage, 
ob das BFM zu Recht auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist, indem 
es vorgängig  feststellte,  die  Beschwerdeführenden hätten keine ent-
schuldbaren Gründe für  die  Nichtabgabe der  Reise-  oder  Identitäts-
papiere innert 48 Stunden nach Eingabe der Gesuche. 

4.2 Gestützt  auf  auf  die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts  (vgl.  BVGE  2010/2  mit  weiteren  Hinweisen)  liegen  nach  den 
Vorstellungen des Gesetzgebers entschuldbare Gründe im Sinne von 
Art. 32  Abs. 3 Bst. a  AsylG grundsätzlich  dann vor, wenn dem Um-
stand, dass die asylsuchende Person nicht in der Lage ist, innerhalb 
von  48  Stunden  Reise-  oder  Identitätspapiere  abzugeben,  nicht  die 
Absicht zugrunde liegt, den Aufenthalt in der Schweiz unrechtmässig 
zu  verlängern.  Zu  entschuldigen  wäre  sodann  beispielsweise,  wenn 
Personen  infolge  des  Zusammenbruchs  der  Staatsgewalt  gar  keine 
gültigen Identitätsdokumente erhalten könnten,  oder  wenn aus einer 
glaubhaften  Verfolgungsgeschichte  hervorgehe,  dass  es  für  einen 
Asylsuchenden  tatsächlich  unmöglich  gewesen  sei,  Papiere  zu  be-
schaffen,  oder  wenn  der  asylsuchenden  Person  die  Papiere  aus 
Gründen,  die  sie  nicht  zu  verantworten  habe,  abhanden  gekommen 
seien,  beispielsweise,  weil  sie  Opfer  eines  Diebstahls  oder  eines 
Raubes geworden seien (vgl. BVGE 2010/2 E. 5.6). Wurden die Identi-
täts- und Reisepapiere im Heimatland zurückgelassen, ist die asylsu-
chende  Person  verpflichtet,  diese  innert  angemessener  Frist  zu  be-
schaffen.  Gelingt  es  der  asylsuchenden  Person  nicht,  glaubhaft  zu 
machen,  dass sie ihre Reise-  und Identitätspapiere  aus zwingenden 

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Gründen  zurückgelassen  hatte,  beziehungsweise  nicht  mitnehmen 
konnte,  und  kommt  sie  ihrer  Verpflichtung  nicht  nach,  diese 
nachträglich zu beschaffen, kann aufgrund ihres untätigen Verhaltens 
geschlossen  werden,  dass  sie  ihre  Reise-  und  Identitätspapiere 
absichtlich zurückgelassen hat,  um den Aufenthalt  unrechtmässig zu 
verlängern (vgl. BVGE 2010/2 E. 6.2).

4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hält vorab fest, dass die Vorinstanz 
mit zutreffender Begründung das Vorliegen von entschuldbaren Grün-
den  verneinte. Deshalb  ist  zwecks  Vermeidung  von Wiederholungen 
auf die vorinstanzlichen Ausführungen zu verweisen. Des Weiteren ist  
aufgrund  von  Protokollangaben  festzustellen,  dass  die  Beschwerde-
führenden  keine  Identitätsausweise  zu  Hause  besitzen,  welche  sie 
nicht  hätten  mitnehmen können,  weil  sie  überstürzt  das  Heimatland 
hätten verlassen müssen (vgl. BVGE 2010/2 E. 6.2). Weiter sind auch 
keine Hinweise zu erkennen, welche die Beschwerdeführenden daran 
gehindert  hätten, Reise- oder Identitätspapiere im Kosovo ausstellen 
zu lassen. Dass der Beschwerdeführer aus finanziellen Gründen ver-
zichtet  habe,  einen kosovarischen Reisepass zu beantragen,  ist  an-
gesichts des hohen Betrages, den er für die Ausreise bezahlt hat, nicht 
überzeugend (vgl. B11 F 11). Spätestens als die Beschwerdeführen-
den beabsichtigten, den Kosovo zu verlassen, hätten sie Reise- und 
Identitätspapiere  ausstellen  lassen  müssen,  zumal  der  Beschwerde-
führer, der eigenen Angaben zufolge bereits früher in der Schweiz und 
in  Deutschland  Asylgesuche  gestellt  hatte,  um  die  Wichtigkeit  von 
Reise-  und  Identitätspapieren  gewusst  haben  musste.  Der  in  der 
Rechtsmitteleingabe  geltend  gemachte  Einwand,  er  habe  vor  zwölf 
Jahren seine wahre Identität aus Angst nicht preisgeben dürfen, ver-
mag die vorinstanzliche – und vom Bundesverwaltungsgericht geteilte 
–  Einschätzung  im  Gesamten  nicht  umzustossen,  ebensowenig  wie 
die in Aussicht gestellten Reise- und Identitätspapiere, zumal die Be-
schwerdeführenden bis heute – hätten sie tatsächlich den Willen ge-
habt – genügend Zeit  gehabt hätten, ihre Identität mit  rechtsgenügli-
chen Ausweisen zu belegen. Aus dem Vorgenannten ergibt sich somit, 
dass die formelle Voraussetzung für das Fällen eines Nichteintretens-
entscheids nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt ist.

5.
5.1 Das  BFM  führte  hinsichtlich  der  Flüchtlingseigenschaft  bezie-
hungsweise  allfällig  zusätzlicher  Abklärungen  (vgl.  Art.  32  Abs.  3 
AsylG) aus, die Beschwerdeführenden hätten als Hauptgrund für das 

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Verlassen  des  Kosovo  die  psychische  Erkrankung  der 
Beschwerdeführerin  geltend  gemacht.  Die  notwendige  Behandlung 
habe wegen der Arbeitslosigkeit des Beschwerdeführers nicht bezahlt 
werden  können.  Die  Beschwerdeführerin  habe  zusätzlich  geltend 
gemacht,  seit  dem Unfalltod  ihrer  Schwester  nicht  mehr  im  Kosovo 
leben  zu  wollen.  Der  ausführlichen  Befragung  zur  psychischen 
Erkrankung  und  dem  eingereichten  ärztlichen  Attest  vom  12.  März 
2010  seien  zahlreiche  Widersprüche  zu  entnehmen.  Während  die 
Beschwerdeführenden den Ertrinkungstod der Schwester als zentrales 
Ereignis  für  die  psychische  Erkrankung  angegeben  hätten,  seien 
gemäss ärztlichem Attest  die  Kriegsfolgen dafür  verantwortlich. Zum 
Tod der Schwester der Beschwerdeführerin hätten sich die Eheleute 
unterschiedlich  geäussert.  Laut  Aussagen  des  Beschwerdeführers 
habe  sich  die  Beschwerdeführerin  bei  den  Eltern  (Unfallort)  in 
N._______  aufgehalten,  während die  Beschwerdeführerin  selber  an-
gegeben habe, zum Zeitpunkt des Unfalls in F._______in ihrem Haus 
gewesen zu sein. Auf die anderslautenden Angaben des Ehemannes 
habe die Beschwerdeführerin erwidert,  sie könne sich nicht mehr er -
innern beziehungsweise wisse nicht, ob sie sich damals bei sich oder  
im Hause der Eltern aufgehalten habe. Auf den eingereichten Arztbe-
richt  vom  12.  März  2010  angesprochen,  woraus  hervorgehe,  dass 
Vorfälle in den Jahren 1999, 2001 und 2004 Gründe für die Traumati -
sierung der Beschwerdeführerin seien, hätten die Beschwerdeführen-
den keine näheren Angaben zu diesen Ereignissen machen können. 
Ferner gehe aus demselben Arztbericht hervor, die Beschwerdeführe-
rin  habe mit  eigenen Augen gesehen, wie die Schwester in  ein fünf 
Meter tiefes Wasserloch gestiegen sei, um ihren Bruder zu retten. Der  
Arztbericht  weise  auch  viele  inhaltliche  Mängel  auf  (Dauer  der  Be-
handlung  fehle,  letzter  Arztbesuch  sei  nicht  genannt).  Als  Motiv  für 
dieses ärztliche Schreiben habe der Beschwerdeführer einen ins Auge 
gefassten  Arztwechsel  genannt;  die  Beschwerdeführerin  ihrerseits 
habe keine Angaben dazu machen können. Da der Beschwerdeführer 
als Grund für die Ausstellung des Ehescheins vom 10. März 2010 an-
gegeben habe, sie hätten beschlossen, ins Ausland zu gehen, müsse 
eher der Schluss gezogen werden, die Beschwerdeführenden hätten 
auch den ärztlichen Bericht vom 12. März aus diesem Grund erstellen 
lassen. Das BFM zog aus diesen Erwägungen den Schluss, dass es 
sich beim ärztlichen Bericht zweifelsfrei um ein Gefälligkeitsschreiben 
ohne  jeglichen  Beweiswert  handle.  Obwohl  die  Beschwerdeführerin 
seit  vielen Jahren in Behandlung sein solle, hätten die Beschwerde-
führenden geltend gemacht, keine weiteren medizinischen Unterlagen 

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zu haben. Auch habe die Beschwerdeführerin in den Transitzentren nie 
angegeben,  psychische  Probleme  zu  haben.  Es  könne  den  Be-
schwerdeführenden deshalb  nicht  geglaubt  werden,  dass  sie  wegen 
einer  ernsthaften  psychischen  Erkrankung  der  Beschwerdeführerin 
den Heimatstaat verlassen hätten. 

Schliesslich führte das BFM an, selbst wenn der Sachverhalt geglaubt 
werden könne, stelle er keinen asylrelevanten Sachverhalt  dar, denn 
im  Kosovo bestehe  ein  System von kommunalen  Gesundheitssyste-
men,  die  in  der  Hauptsache  Beschäftigungs-  und  Gruppentherapie, 
aber  auch  Einzelgespräche  für  Personen  mit  Depressionen  und 
Angstzuständen  anbieten  würden.  Die  verschriebenen  Medikamente 
seien im Kosovo ebenfalls erhältlich. Die dortige Fortsetzung der Be-
handlung  erscheine  nicht  unzumutbar,  zumal  es  keine  sprachlichen 
Probleme gebe. Auch in  der  Arbeitslosigkeit  des  Beschwerdeführers 
sei kein asylrelevanter Grund ersichtlich, da Nachteile, welche auf die 
allgemeinen  politischen,  wirtschaftlichen oder  sozialen Lebensbedin-
gungen  in  einem Staat  zurückzuführen  seien,  keine  asylbeachtliche 
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellten. 

5.2 Die Beschwerdeführenden beschränkten sich in  ihrer  Rechtsmit-
teleingabe  vom 21.  Mai  2010  darauf,  die  bei  der  Vorinstanz  vorge-
brachten Asylgründe zu wiederholen. Auf eine Auseinandersetzung mit 
den vorinstanzlichen Erwägungen wurde gänzlich verzichtet.

5.3
Das Bundesverwaltungsgericht gelangt aufgrund der erwiesenen psy-
chischen Erkrankung der Beschwerdeführerin – entgegen der vorins-
tanzlichen  Erwägungen  –  zur  Auffassung,  dass  die  Beschwerdefüh-
renden den Kosovo durchaus wegen der psychischen Erkrankung der 
Beschwerdeführerin  verlassen haben. Hingegen teilt  das Bundesver-
waltungsgericht das vorinstanzliche Prüfungsergebnis der Vorbringen 
unter Art. 3 AsylG, wonach es sich bei den vorgebrachten Asylgründen 
nicht um einen asylrelevanten Sachverhalt handle. Sowohl die geltend 
gemachte  psychische  Erkrankung  wie  die  Arbeitslosigkeit  vermögen 
den Anforderungen an Art. 3 AsylG nicht zu genügen. 

5.4 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass das BFM im Ergebnis zu 
Recht  feststellte,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlings-
eigenschaft gestützt auf Art. 3 AsylG nicht. Der vom BFM rechtserheb-
lich erstellte Sachverhalt wird vom Bundesverwaltungsgericht ebenfalls 
als ausreichend beurteilt,  weshalb zusätzliche Abklärungen zur Fest-

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stellung der Flüchtlingseigenschaft  oder eines Wegweisungsvollzugs-
hindernisses als nicht nötig erachtet werden. 

5.5 Das BFM ist  demnach  in  Anwendung von  Art. 32  Abs. 2  Bst.  a 
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht ein-
getreten. 

6.
6.1
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei -
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

7.
7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  gleiche 
Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie 
sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls  
wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ueber-
sax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009, 
Rz. 11.148).

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei -

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nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er-
hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft  zu machen, kann 
das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-
Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden. 
Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Heimatstaat ist dem-
nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-
renden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall 
einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Euro-
päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des 
UN-Anti-Folterausschusses  müssten  die  Beschwerdeführenden  eine 
konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass 
ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Be-
handlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen 
Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06, 
§§ 124-127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Men-
schenrechtssituation  im  Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug 
zum heutigen Zeitpunkt  klarerweise nicht  als  unzulässig erscheinen. 

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Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne 
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

7.4.1 Im Kosovo herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb 
die Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr keine konkrete Ge-
fährdung zu befürchten haben. 

7.4.2 Gründe ausschliesslich medizinischer Natur lassen den Wegwei-
sungsvollzug im Allgemeinen nicht als unzumutbar erscheinen, ausser 
es sei mit einer drastischen Verschlechterung des Gesundheitszustan-
des zu rechnen,  welche eine menschenwürdige Existenz nicht  mehr 
gewährleiste, weil die erforderliche Behandlung  im Heimatland nicht 
erhältlich sei (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a). Bei der Beschwerdefüh-
rerin, welche bereits vor ihrer Ausreise im Kosovo seit längerem in me-
dizinischer Behandlung war, ist davon auszugehen, dass sie bei einer 
Rückkehr erneut Zugang zur benötigten ärztlichen Behandlung haben 
wird. Dabei  ist  festzuhalten,  dass ein qualitativ tieferer Standard der 
medizinischen  Infrastruktur  sowie  der  Behandlungsmöglichkeiten  im 
Heimatstaat  noch  keinen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  zu  begründen 
vermag (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5B S. 157; EMARK 2004 Nr. 7 
E. 5.d.bb S. 52). 

7.4.3  Die  Beschwerdeführerin  brach  am  26.  Mai  2010  im  T(...) 
zusammen, worauf sie umgehend in eine ärztliche Klinik eingewiesen 
wurde.  Im  Rahmen  des  Instruktionsverfahrens  wurde  beim 
Bundesverwaltungsgericht  ein  medizinischer  Untersuchungsbericht 
der  Klinik  St.  Pirminsberg  vom  10. Juni  2010  eingereicht.  Die  die 
Beschwerdeführerin behandelnden Ärzte diagnostizierten bei ihr eine 
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10; 
F32.3) und eine Anämie. Die Beschwerdeführerin wurde medikamen-
tös mit Lorazepam, Eisen und Sertalin behandelt. Eine weitere ärztli-
che Behandlung sowie  vierteljährliche Kontrollen  des Blutbildes,  der 
Elektrolyte, GOT, GPT, GGT, Kreatinin, Blutdruck, Puls und EKG wur-

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den  empfohlen.  Aus  dem „Hospitalisationsverlauf“  ist  weiter  zu  ent -
nehmen, dass sich die Beschwerdeführerin bei Eintritt in die Klinik in  
einem stupurösen (Starre) suizidalen Zustand befunden habe und mit 
medikamentöser Behandlung (Lorazepam und Risperidon) habe nor-
malisiert  werden können, so dass sie wieder in Kontakt mit dem Be-
handlungsteam habe treten können. Dabei habe sie geltend gemacht, 
sie habe Angst vor einer Abschiebung und wohne zu Hause im Kosovo 
nahe  an  einem  Fluss,  weshalb  sie  seit  dem  Ertrinkungstod  ihrer 
Schwester  Angst  habe,  ihren  Kindern  könnte  dasselbe  widerfahren. 
Auf eigenen Wunsch sei die Beschwerdeführerin am 8. Juni 2010 zu 
ihrer Familie zurückgekehrt. Von akuter Suizidalität sei die Beschwer-
deführerin distanziert. 

7.4.4 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  zum  heutigen  Zeitpunkt  in 
Kenntnis des erwähnten ärztlichen Berichts vom 10. Juni 2010 und in 
Berücksichtigung der erwiesenen Behandlungsmöglichkeiten in Koso-
vo  (vgl.  B6,  B11  F  97-102,  Arztbericht  vom 13. März  2010)  keinen 
Grund  annehmen  zu  müssen,  der  Wegweisungsvollzug  der  Be-
schwerdeführenden in den Kosovo sei aus gesundheitlichen Gründen 
unzumutbar.  Der  Beschwerdeführer,  der  eine  Baumittelschule  ab-
schloss, arbeitete vor seiner Ausreise als Tagelöhner. Es ist den Be-
schwerdeführenden  zuzumuten,  in  den  Kosovo  zurückzukehren  und 
mit  Hilfe  des  dortigen  familiären  Beziehungsnetzes  eine  Existenz-
grundlage aufzubauen. 

7.4.5 Nach dem Gesagten erweist  sich der Vollzug der Wegweisung 
auch als zumutbar.

7.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

8.
Insgesamt ist  der  durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

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Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die zu-
ständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Stella Boleki

Versand:

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