# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 51abdd12-b9e0-528d-816c-d93890439f49
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-16
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 16.10.2020 SK 2019 363
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-363_2020-10-16.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 19 363+364

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. Oktober 2020 

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), 
Oberrichter Aebi, Oberrichter Bettler
Gerichtsschreiber Neuenschwander

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Raub, Diebstahl, Sachbeschädigung etc., sowie Widerrufsverfah-
ren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 23. August 2019 (PEN 19 153/154/165)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 23. August 2019 erkannte das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kolle-
gialgericht in Fünferbesetzung; nachfolgend Vorinstanz) was folgt (pag. 1847 ff.; 
Hervorhebungen im Original):

I.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung des Raubes, angeblich begangen am 29.10.2016 in Bern z.N. von 
C.________ (AKS Ziff. 1.1.); 

2. von der Anschuldigung des Raubes, evtl. geringfügigen Diebstahls und Nötigung, evtl. Ge-
hilfenschaft dazu, angeblich begangen am 06.11.2016 in F._____ (Ortschaft) z.N. von 
D.________ (AKS Ziff. 2);

3. von der Anschuldigung der versuchten Hinderung einer Amtshandlung, angeblich begangen 
am 06.02.2017 in F._____ (Ortschaft) (AKS Ziff. 3);

4. von der Anschuldigung der geringfügigen Sachbeschädigung, angeblich begangen am 
24.02.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der E._____AG (AKS Ziff. 4);

5. von den Anschuldigungen der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs und des Dieb-
stahls, angeblich begangen am 20./21.06.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. des Freibades 
F._____ (Ortschaft) (AKS Ziff. 6; Sachschaden ca. CHF 2‘500.00);

6. von der Anschuldigung der Entwendung eines Fahrrades zum Gebrauch, angeblich began-
gen in der Zeit vom 14.07.2017 bis 15.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von G.________ 
(AKS Ziff. 13; Sachschaden CHF 1‘299.00);

7. von der Anschuldigung der Sachbeschädigung, angeblich begangen am 09.08.2017 in 
F._____ (Ortschaft) z.N. des FC F._____ (Ortschaft) und der H.________ AG (AKS Ziff. 37; 
geringfügig, Sachschaden CHF 170.00);

unter Ausscheidung von 2/3 der gesamten Verfahrenskosten für die Freisprüche und unter Auferlegung 
der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/2), sich zusammensetzend aus Gebühren (1/2) von 
CHF 12‘333.30 und Auslagen (1/2) von CHF 1‘968.75, insgesamt bestimmt auf CHF 14‘302.05, an den 
Kanton Bern.

II.

A.________ wird hingegen schuldig erklärt:

1. des Raubes, mehrfach begangen 

1.1. am 30.10.2016 in F._____ (Ortschaft) z.N. von I.________ (AKS Ziff. 1.2.);

1.2. am 08.08.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von J.________ (AKS Ziff. 1.3.);

2. des Diebstahls, mehrfach z.T. versucht und geringfügig begangen 

3

2.1. am 24.02.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der K.________ AG (AKS Ziff. 5; geringfügig, 
DB CHF 5.00);

2.2. in der Zeit vom 14.07.2017 bis 17.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der L.________ 
AG (AKS Ziff. 7; Versuch); 

2.3. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der M._____ (Gesellschaft) (AKS Ziff. 17; DB 
CHF 386.65);

3. der Sachbeschädigung, mehrfach und teilweise qualifiziert begangen 

3.1. in der Zeit vom 01.07.2017 bis 15.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. W.________ (AKS 
Ziff. 11; Sachschaden CHF 1‘000.00);

3.2. in der Zeit vom 01.07.2017 bis 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der X.________ 
AG (AKS Ziff. 26; Sachschaden CHF 5‘000.00);

3.3. in der Zeit vom 09.07.2017 bis 20.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von Y.________ 
(AKS Ziff. 15; Sachschaden CHF 600.00);

3.4. in der Zeit vom 09.07.2017 bis 25.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der Z.________ 
AG (AKS Ziff. 35; Sachschaden CHF 300.00);

3.5. in der Zeit vom 12.07.2017 bis 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. Gemeinde F._____ 
(Ortschaft) (AKS Ziff. 27; Sachschaden CHF 450.00);

3.6. in der Zeit vom 14.07.2017 bis 17.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der L.________ 
AG (AKS Ziff. 7; Sachschaden CHF 400.00);

3.7. in der Zeit vom 14.07.2017 bis 15.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von AA.________ 
(AKS Ziff. 8; Sachschaden CHF 2‘700.00);

3.8. in der Zeit vom 14.07.2017 bis 15.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von AB.________ 
AG (AKS Ziff. 9; Sachschaden CHF 5‘000.00);

3.9. in der Zeit vom 14.07.2017 bis 15.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der AC.________ 
AG (AKS Ziff. 12; Sachschaden CHF 2‘500.00);

3.10. in der Zeit vom 14.07.2017 bis 15.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der Gemeindever-
waltung F._____ (Ortschaft) (AKS Ziff. 14; Sachschaden CHF 500.00);

3.11. am 15.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der V.________ AG F._____ (Ortschaft) (AKS 
Ziff. 10; Sachschaden CHF 700.00);

3.12. in der Zeit vom 21.07.2017 bis 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. des Kantons Bern, 
________ (AKS Ziff. 28; Sachschaden CHF 1‘000.00);

3.13. in der Zeit vom 22.07.2017 bis 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der AD.________ 
GmbH (AKS Ziff. 29; Sachschaden CHF 300.00);

3.14. in der Zeit vom 22.07.2017 bis 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der AE.________ 
AG (AKS Ziff. 30; Sachschaden CHF 800.00);

3.15. in der Zeit vom 22.07.2017 bis 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der T.________ 
AG (AKS Ziff. 31; Sachschaden CHF 600.00);

3.16. in der Zeit vom 23.07.2017 bis 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der Gemeinde 
F._____ (Ortschaft) (AKS Ziff. 32; Sachschaden CHF 500.00);

4

3.17. in der Zeit vom 23.07.2017 bis 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der Gemeinde 
F._____ (Ortschaft) (AKS Ziff. 34; Sachschaden CHF 650.00);

3.18. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von AF.________ (AKS Ziff. 16; Sachschaden 
CHF 1‘500.00);

3.19. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der M._____ (Gesellschaft) (AKS Ziff. 17; 
Sachschaden CHF 1‘500.00);

3.20. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der E._____AG (AKS Ziff. 18; Sachschaden 
CHF 800.00);

3.21. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der Gemeinde F._____ (Ortschaft) (AKS Ziff. 
19; Sachschaden CHF 4‘850.00);

3.22. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von N.________ (AKS Ziff. 20; Sachschaden 
CHF 500.00);

3.23. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von O.________ (AKS Ziff. 21; Sachschaden 
CHF 1‘000.00);

3.24. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der P.________ AG (AKS Ziff. 22; Sachscha-
den CHF 850.00);

3.25. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von Q.________ (AKS Ziff. 23; Sachschaden 
CHF 500.00);

3.26. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. von R.________ (AKS Ziff. 24; Sachschaden 
CHF 500.00);

3.27. am 23./24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der S.________ AG (AKS Ziff. 25; Sach-
schaden CHF 1‘200.00);

3.28. am 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. E._____AG (AKS Ziff. 33; Sachschaden CHF 
6‘500.00);

3.29. am 24.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der T.________ AG (AKS Ziff. 36; Sachscha-
den CHF 300.00);

4. des Hausfriedensbruchs, mehrfach begangen

4.1. am 23.07.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der M._____ (Gesellschaft) (AKS Ziff. 17);

4.2. am 09.08.2017 in F._____ (Ortschaft) z.N. der H.________ AG (AKS Ziff. 37); 

5. der Gehilfenschaft zu Nötigung, begangen Ende Juli 2017 in Thun z.N. von U.________ (Ziff. 
1.4.);

und in Anwendung der Art. 22, 25, 40, 43, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 66a, 106, 139 und 139 i.V.m. 172ter, 
140 Ziff. 1, 144 Abs. 1 und 3, 181, 186 StGB; Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten.

Davon sind 12 Monate zu vollziehen. Für eine Teilstrafe von 24 Monaten wird der Vollzug auf-
geschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.

Die Polizeihaft von 2 Tagen wird an die zu vollziehende Teilstrafe angerechnet.

5

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 100.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 1 Tag festgesetzt.

3. Es wird eine Landesverweisung von 5 Jahren ausgesprochen.

4. Zu den auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 11‘833.30 und Auslagen von CHF 40.00 (Zeugen HV), insgesamt bestimmt auf 
CHF 11‘873.30 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung).

III.

1. Der A.________ mit Urteil der Staatsanwaltschaft Oberland, Thun vom 25.05.2016 für eine 
Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 20.00 gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen. Die 
Strafe ist zu vollziehen.

2. Die Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von CHF 300.00 werden A.________ aufer-
legt.

IV.

1. Die auf den Freispruch entfallende amtliche Entschädigung 2/3 für die amtliche Verteidigung 
von A.________ durch Fürsprecher B.________ wird wie folgt bestimmt:

Leistungen bis 31.12.2017
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 12.66 200.00 CHF 2’533.35
CHF 0.00

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 2’533.35 CHF 202.65
CHF 76.40

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 2’812.40

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 49.33 200.00 CHF 9’866.65
CHF 0.00

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 9’866.65 CHF 759.75
CHF 69.15

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 10’695.55

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecher B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 13‘507.95.

2. Die auf den Schuldspruch entfallende amtliche Entschädigung (1/3) für die amtliche Verteidi-
gung von A.________ durch Fürsprecher B.________ wird wie folgt bestimmt:

6

Leistungen bis 31.12.2017
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 6.33 200.00 CHF 1’266.65
CHF 38.20

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 1’304.85 CHF 104.40
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 1’409.25

volles Honorar CHF 1’583.25
CHF 38.20

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 1’621.45 CHF 129.70
Total CHF 1’751.15

nachforderbarer Betrag CHF 341.90

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 24.67 200.00 CHF 4’933.35
CHF 34.55

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 4’967.90 CHF 382.55
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 5’350.45

volles Honorar CHF 6’166.65
CHF 34.55

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 6’201.20 CHF 477.50
Total CHF 6’678.70

nachforderbarer Betrag CHF 1’328.25

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Fürsprecher B.________ die Differenz von CHF 1‘670.15 zwischen der amtlichen Entschä-
digung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er-
lauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

V.

Betreffend Zivilpunkt wird in Anwendung von Art. 41 und 47/49 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO 
erkannt:

1. Die Forderung des Privatklägers C.________ wird abgewiesen.

2. Die Forderung des Privatklägers D.________ wird abgewiesen.

3. Die Zivilklage der V.________ AG F._____ (Ortschaft), der AC.________ AG, von 
AF.________ und R.________ werden dem Grundsatze nach gutgeheissen und für die 
vollständige Beurteilung der Forderung auf den Zivilweg verwiesen.  

4. Für die Beurteilung der Zivilklagen werden keine Kosten ausgeschieden.

VI.

Weiter wird verfügt:

1. Folgende Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):
- 1 Schlüssel KABA 20
- 1 Feuerzeug weiss
- 1 Halsektte.

7

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. ________) ist nach Ablauf 
der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten ist 
nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 19 
Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

4. Es wir die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet.

5. Schriftlich zu eröffnen 

[Eröffnungsformel]

2. Berufung

Mit Eingabe vom 2. September 2019 meldete A.________ (nachfolgend Beschuldig-
ter), nach wie vor amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________, fristgerecht die 
Berufung an (pag. 1864). 

Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 19. September 2019 
(pag. 1887 ff.).

In seiner form- und fristgerecht eingereichten Berufungserklärung vom 11. Okto-
ber 2019 beschränkte der Beschuldigte die Berufung auf die Bemessung der Strafe 
und die ausgesprochene Landesverweisung (pag. 1988 f.). Die Generalstaatsan-
waltschaft erhob weder Anschlussberufung noch machte sie Gründe für ein Nicht-
eintreten auf die Berufung des Beschuldigten geltend (Eingabe vom 30. Okto-
ber 2019, pag. 2001 f.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Die Kammer holte von Amtes wegen einen Strafregisterauszug (datierend vom 
1. September 2020, pag. 2049 f.), einen Leumundsbericht (datierend vom 29. Au-
gust 2020, pag. 2044 ff.) sowie einen aktuellen Betreibungsregisterauszug (datie-
rend vom 15. Oktober 2020, pag. 2082) über den Beschuldigten ein. Im Hinblick auf 
die Prüfung der strafrechtlichen Landesverweisung reichte das Amt für Bevölke-
rungsdienste sodann einen ergänzenden Bericht ein (datierend vom 31. Au-
gust 2020, pag. 2041 f.). 

Weiter edierte die Kammer bei der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland die Ak-
ten der Verfahren O 19 6220 und O 20 6938 (pag. 2063 ff.).

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung wurde der Beschuldigte einge-
hend insbesondere zur Person befragt (pag. 2085 ff.). 

4. Anträge der Parteien

Der Beschuldigte liess anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung die be-
reits in der Berufungserklärung gestellten Anträge bestätigen (pag. 1988). Er kon-
kretisierte, er sei für die rechtskräftigen Schuldsprüche zu einer bedingten Freiheits-
strafe von 24 Monaten zu verurteilen, es sei von einer Landesverweisung abzusehen 
und das amtliche Honorar sei gemäss der eingereichten Honorarnote zu bestimmen 
(pag. 2096 und 2098). 

8

Für die Generalstaatsanwaltschaft beantragte Staatsanwältin AG.________ in der 
Berufungsverhandlung (pag. 2103 f.; Hervorhebungen im Original):

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht in Fünfer-
besetzung) vom 23. August 2019 neben den mit Beschluss vom 5. Februar 2020, Ziff. 2, festgestellten 
Punkten weiter in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. der Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 100.00 unter Festsetzung der Ersatz-
freiheitsstrafe auf 1 Tag;

2. der Verurteilung zu den auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten von 
CHF 11'873.30;

3. der Festsetzung der amtlichen Entschädigung und des vollen Honorars für die amtliche Vertei-
digung von A.________ durch Fürsprecher B.________ im erstinstanzlichen Verfahren. 

A.________ sei gestützt auf die rechtskräftigen Schuldsprüche und in Anwendung der Art. 22, 25, 40, 
43, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 66a Abs. 1 Bst. c und d, 139 Ziff. 1, und 139 Ziff. 1 i.V.m. 172ter 140 Ziff. 1, 
144 Abs. 1 und 3, 181, 186 StGB, Art. 426 ff. StPO weiter

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon 12 Monate zu vollziehen seien (unter Anrech-
nung der ausgestandenen Polizeihaft von 2 Tagen) und für eine Teilstrafe von 24 Monaten der 
Vollzug aufzuschieben sei, unter Festsetzung der Probezeit auf 4 Jahre; 

2. zu einer Landesverweisung von 5 Jahren; 

3. zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. einer angemessenen Gebühr 
gemäss Art. 21 VKD). 

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) an-
zuordnen (Art. 20 N-SIS-Verordnung). 

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. ________) nach Ablauf der 
gesetzlichen Frist sei vorzeitig zu erteilen (Art. 16 Abs. 4 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 DNA-ProfilG). 

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
nach Ablauf der gesetzlichen Frist sei vorzeitig zu erteilen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 19 Abs. 1 Ver-
ordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 

4. Das Honorar der amtlichen Verteidigung im oberinstanzlichen Verfahren sei gerichtlich zu be-
stimmen (Art. 135 StPO).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil nur hinsichtlich der Bemessung der 
Strafe und der ausgesprochenen Landesverweisung angefochten. 

Die übrigen Teile sind unangefochten geblieben und demzufolge in Rechtskraft er-
wachsen. Es betrifft dies neben den erstinstanzlichen Freisprüchen (Ziff. A.I des erst-
instanzlichen Dispositivs) und Schuldsprüchen (Ziff. A.II. 1-5 des erstinstanzlichen 
Dispositivs) auch den Widerruf der mit Urteil der Staatsanwaltschaft Oberland be-
dingt ausgesprochenen Geldstrafe (Ziff. A. III des erstinstanzlichen Dispositivs). 

9

Weiter ist die unter Ziff. A.IV. des erstinstanzlichen Dispositivs verfügte Einziehung 
unangefochten in Rechtskraft erwachsen.

Obwohl die Parteien sämtliche Frei- und Schuldsprüche akzeptiert haben, sind mit 
der Strafzumessung und der Landesverweisung zwei Aspekte angefochten, die ei-
nen nicht unerheblichen Teil der erstinstanzlichen Beurteilung ausmachen, was sich 
bei einer abweichenden oberinstanzlichen Beurteilung auch in den Kosten nieder-
schlagen müsste. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten (und damit die Entschädi-
gung des amtlichen Verteidigers) sind daher – soweit sie erstinstanzlich dem Be-
schuldigten auferlegt wurden – oberinstanzlich neu zu verlegen. Nicht der Rechts-
kraft zugänglich sind die Verfügungen betreffend der DNA und der biometrischen 
erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. A.VI.3 und 4 des erstinstanzlichen Dispositivs).

Soweit die Strafzumessung und die Landesverweisung betreffend, überprüft die 
Kammer das erstinstanzliche Urteil umfassend, d.h. mit voller Kognition (Art. 398 
Abs. 2 und 3 der Schweizerischen Strafprozessordung vom 5. Oktober 2007 [StPO; 
SR 312.0]). Aufgrund der alleinigen Berufung durch den Beschuldigten darf die Kam-
mer das erstinstanzliche Urteil nicht zu dessen Ungunsten abändern; es gilt das Ver-
schlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung und rechtliche Würdigung

6. Grundsätzliches 

Bezüglich der Sachverhalte, die den erstinstanzlichen Schuldsprüchen zugrunde lie-
gen, kann vollumfänglich auf die erstinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. 
Alle Entscheidungen im Schuldpunkt sind unangefochten geblieben und damit in 
Rechtskraft erwachsen. Soweit für die Strafzumessung und die Landesverweisung 
von Bedeutung, werden relevanten Sachverhaltselemente jeweils dort direkt aufge-
griffen. 

7. Fazit

Insgesamt fällte die Vorinstanz die folgenden Schuldsprüche aus (jeweils in chrono-
logischer Reihenfolge): 

- Raub vom 30. Oktober 2016 z.N. I.________ in F._____ (Ortschaft);

- Raub vom 8. August 2017 z.N. J.________ in F._____ (Ortschaft);

- Diebstahl (geringfügig) vom 24. Februar 2017 z.N. K.________ AG in F._____ 
(Ortschaft) 

- Diebstahlsversuch vom 14. Juli 2017 z.N. L.________ AG in F._____ (Orts-
chaft);

- Diebstahl vom 23. Juli 2017 z.N. M._____ (Gesellschaft) in F._____ (Ortschaft); 

- Sachbeschädigung in 29 Fällen, alle in der Zeit zwischen dem 1. Juli und dem 
24. Juli 2017 in F._____ (Ortschaft);

- Hausfriedensbruch vom 23. Juli 2017 z.N. M._____ (Gesellschaft) in F._____ 
(Ortschaft)

10

- Hausfriedensbruch vom 9. August 2017 z.N. H.________ AG in F._____ (Orts-
chaft);

- Gehilfenschaft zu Nötigung vom Ende Juli 2017 z.N. U.________ in Thun.

Für diese Delikte ist nachfolgend eine Strafe zuzumessen und darüber zu entschei-
den, ob der Beschuldigte des Landes zu verweisen ist. 

III. Strafzumessung

8. Anwendbares Recht
Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen Teils des 
StGB in Kraft getreten. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten 
des neuen Strafgesetzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, 
so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn dieses für ihn 
das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnormen ist nach der 
sog. konkreten Methode vorzunehmen, wonach sich umfassende Beurteilungen des 
Sachverhalts nach altem und nach neuem Recht gegenüberzustellen sind. Anzu-
wenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das alte oder das neue 
Recht. Eine kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist ausgeschlossen. Hat der 
Täter mehrere selbständige strafbare Handlungen begangen, so ist in Bezug auf 
jede einzelne Handlung gesondert zu prüfen, ob das alte oder das neue Recht milder 
ist. Gegebenenfalls ist eine Gesamtstrafe zu bilden (BGE 134 IV 82, S. 88, E. 6.2.1 
und 6.2.3). Ausschlaggebend ist, nach welchem der beiden Rechte der Täter für die 
gerade zu beurteilende Tat besser wegkommt (vgl. zum Ganzen TRECHSEL/VEST, in: 
Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 11 zu Art. 2 StGB mit Hin-
weisen; DONATSCH, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 19. Aufl., S. 34 N 10 sowie 
BGE 126 IV 5 S. 8 – je mit Hinweisen). Der Gesetzesvergleich hat sich ausschliess-
lich nach objektiven Gesichtspunkten zu richten (BGE 134 IV 82, E. 6.2.2). Massge-
bend ist dabei das Ausmass der mit einer Sanktion verbundenen Beschränkung der 
persönlichen Freiheiten, namentlich der Bewegungsfreiheit, des Eigentums, der 
Ehre, der Betätigungsfreiheit und der Beziehungsfreiheit. Unter den möglichen Straf-
formen hat die Freiheitsstrafe als die strengste zu gelten, gefolgt von der Geldstrafe. 
Sind im Übrigen die Sanktionen im Einzelfall gleichwertig, so ist altes Recht anzu-
wenden (POPP/BERKEMEIER, in Basler Kommentar zum StGB, 4. Aufl. 2019, N 20 zu 
Art. 2 StGB mit weiteren Hinweisen).

Der Beschuldigte hat sämtliche vorliegend zu beurteilenden Delikte vor dem 1. Ja-
nuar 2018 begangen. Im Folgenden wird daher nach Art. 2 Abs. 2 StGB zu prüfen 
sein, welches Recht führ ihn das mildere ist (vgl. Ziff. 13.4.4 hiernach). 

9. Methodik der Strafzumessung im konkreten Fall

Der Beschuldigte wurde im vorliegenden Verfahren wegen mehreren Delikten schul-
dig erklärt. In dieser Konstellation ist bei der Strafzumessung methodisch zunächst 
für jeden einzelnen Normverstoss gedanklich das Strafmass festzulegen und die je-
weilig angemessene Strafart zu bestimmen. Erst so wird ersichtlich, für welche De-

11

likte gleichartige Strafen ausgesprochen wurden, die zu einer Gesamtstrafe verbun-
den werden können. Bei der Gesamtstrafenbildung ist ausgehend vom schwersten 
Delikt die Einsatzstrafe zu bestimmen, welche anschliessend in Anwendung von 
Art. 49 Abs. 1 StGB für jedes weitere Delikt angemessen zu erhöhen und ist. Un-
gleichartige Strafen sind dagegen kumulativ zu verhängen (eingehend zur Gesamts-
trafenbildung nach der «konkreten Methode» BGE 144 IV 217 E. 2.2, 3.3 und 3.4 mit 
Hinweisen).

Die Strafzumessung der Einzeltat hat in der Regel auch die (spezifischen) Täterkom-
ponenten zu umfassen. Nur so kann nämlich entschieden werden, ob bei einer 
selbstständigen Beurteilung eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe auszuspre-
chen wäre. Davon ausgenommen bleiben indessen jene Täterkomponenten, welche 
sich erst beurteilen lassen, nachdem die (provisorische) Gesamtstrafe feststeht 
(z.B. die Strafempfindlichkeit; vgl. zum Ganzen HANS MATHYS, Leitfaden Strafzu-
messung, 2. Aufl. 2019, N 487-489 und dortige Hinweise). Auf keinen Fall darf eine 
Täterkomponente sowohl bei der Strafzumessung bei den einzelnen Delikten und 
dann nochmals bei einer Gesamtwürdigung berücksichtigt werden (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.2., MATHYS, a.a.O., N 489).

10. Bestimmung der schwersten Tat

Mit der Vorinstanz kann festgestellt werden, dass von den beiden Raubüberfällen 
die höchste Strafandrohung ausgeht, nämlich Freiheitsstrafe von mindestens 6 Mo-
naten bis 10 Jahren bzw. für das alte Recht Geldstrafe von mindestens 180 Tages-
sätzen bis 10 Jahren Freiheitsstrafe (Art. 140 Abs. 1 StGB). Bei gleichem Strafrah-
men ist die schwerste Tat diejenige, die konkret die höchste Strafe nach sich zieht 
(MATHYS, a.a.O., N 485). 

Damit sind die beiden Raubtaten im Detail zu beurteilen. 

11. Raub z.N. I.________

11.1 Tatkomponenten

11.1.1 Schwere der Verletzung des geschützten Rechtsguts

Art. 140 StGB schützt einerseits das Vermögen, andererseits aber auch die körper-
liche und psychische Integrität. Je mehr in diese eingegriffen wird und je grösser der 
Deliktsbetrag ist, desto schwerer wiegt die Verletzung des Rechtsguts. 

Vorliegend nahmen sich der Beschuldigte und zwei Mittäter I.________ vor und for-
derten von ihm Geld mit der Begründung, er habe einen der Täter bei der Polizei 
verpfiffen; andernfalls erhalte er Schläge. Als I.________ sich weigerte, Geld her-
auszugeben, trat der Beschuldigte nahe an ihn heran, stiess ihn mit beiden Händen 
an den Schultern nach hinten und verdeutlichte damit die mündliche Aufforderung, 
das Geld herauszugeben. Zwar konnte I.________ einen Sturz verhindern, bekam 
es aber aufgrund des aggressiven Auftretens und der Übermacht der Täter mit der 
Angst zu tun und händigte dem Beschuldigten seine gesamte Barschaft von 
CHF 12.00 aus. Ein anderer Täter fragte ihn noch, ob er denn kein Notengeld habe. 
Dann verschwanden die drei Täter, nicht ohne I.________ zu sagen, er solle keine 
Polizei beiziehen und sie wüssten, wo er wohne.

12

Die Täter drohten damit Gewalt (Schläge) an und verdeutlichten dies, indem der Be-
schuldigte I.________ wegstiess und die drei eine psychisch wirkende Drohkulisse 
aufbauten, welcher das Opfer schliesslich nachgab. Dass die Täter nur CHF 12.00 
erbeuteten, ist nicht ihrem bloss darauf gerichteten Willen geschuldet, sondern dem 
Umstand, dass I.________ lediglich so viel Geld bei sich trug. 

I.________ erlitt durch den Raub keinen weiteren Schaden. Die Schwere der Verlet-
zung des geschützten Rechtsguts erweist sich damit als unterdurchschnittlich. 

11.1.2 Art und Weise des Vorgehens (Verwerflichkeit) 

Auch dieser Faktor erweist sich als eher unterdurchschnittlich. Wie erwähnt war die 
Gewalt nicht heftig und die angedrohten Schläge reichten aus, um das Opfer gefügig 
zu machen. Zu dritt gegen einen Einzelnen vorzugehen, erwies sich so als einfach. 
Leicht erschwerend ist dem Beschuldigten anzulasten, dass er eine vergleichsweise 
aktive Rolle einnahm. So war er es, der physisch auf I.________ einwirkte und die-
sen zur Einschüchterung schubste. 

11.1.3 Willensrichtung und Beweggründe des Beschuldigten

Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Er wollte offenbar (für sich oder für 
seinen Kollegen AH.________) zu Geld kommen, auf das er keinerlei Anspruch 
hatte. Dies wirkt sich neutral aus.

11.1.4 Bilanz Tatkomponenten / Verschulden

Die Tatkomponenten fallen hier insgesamt unterdurchschnittlich ins Gewicht. Das 
Verschulden ist aufgrund der Tatkomponenten innerhalb des Strafrahmens als leicht 
zu bezeichnen. 

Für die zahlenmässige Einordnung dieses Verschuldens orientierte sich die Vorin-
stanz an einem in der Praxis bernischer Gerichte häufig verwendeten Referenzsach-
verhalt, in dem ein nichtgeständiger Täter, der vom Opfer nachts unter Androhung 
von Schlägen das Portemonnaie und das Mobiltelefon herausverlangt und so insge-
samt rund CHF 300.00 erbeutet, zu einer Freiheitsstrafe von ca. 12 Monaten verur-
teilt wird. Das Strafmass im Referenzsachverhalt lässt damit Raum für mögliche 
strafmindernde Umstände (vollständiges und frühes Geständnis unter Offenbarung 
echter Reue), welchen im Bereich der Täterkomponenten Rechnung zu tragen wäre 
und die eine Strafe im Bereich der Mindeststrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe recht-
fertigen würden. Im Vergleich zum Referenzsachverhalt handelte der Beschuldigte 
nicht alleine, sondern als Teil einer Dreiergruppe. Er hatte sodann eine besonders 
aktive Rolle inne und brachte noch leichte Gewalt mit demonstrativem Steigerungs-
potential ins Spiel. Dies rechtfertigt nach Ansicht der Kammer gestützt auf die Tat-
komponenten eine Freiheitsstrafe im Bereich von 14 Monaten. 

11.2 Täterkomponenten

11.2.1 Vorstrafen

Erhöhend wirkt sich bei den Täterkomponenten zunächst aus, dass der Beschuldigte 
einschlägig und gar zweifach vorbestraft ist. Am 17. Dezember 2014 verurteilte ihn 
die Jugendanwaltschaft Oberland wegen eines Raubüberfalls zu zweit mit Einsatz 
eines Messers auf zwei Opfer zu einem jugendstrafrechtlichen Freiheitsentzug von 

13

45 Tagen mit bedingtem Strafvollzug. Noch in der Probezeit liess sich der Beschul-
digte, diesmal als Erwachsener, von einem Kollegen eine Faustfeuerwaffe beschaf-
fen, um einen anderen, mit dem er eine Rechnung offen zu haben glaubte, um 
CHF 50.00 zu berauben. Als Strafe resultierte eine bedingte Geldstrafe von 80 Ta-
gessätzen bei einer Probezeit von 3 Jahren. Bereits 5 Monate später und damit wie-
derum in der Probezeit verübte der Beschuldigte den hier zu beurteilenden Raub auf 
I.________. Diese Umstände wirken sich deutlich erhöhend aus. 

11.2.2 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren 

Während laufendem Strafverfahren delinquierte der Beschuldigte massiv weiter. An 
den Raub z.N. von I.________ schlossen sich all die anderen hier zu beurteilenden 
Delikte an. 

Auch die unmittelbar bevorstehende Hauptverhandlung eines Kollegialgerichts in 
Fünferbesetzung über die 16-seitige Anklageschrift der Staatsanwaltschaft und die 
drohende Landesverweisung konnten den Beschuldigten nicht vor weiteren Strafta-
ten abhalten. Am 26. Mai 2019 schlug er mit einem Hammer seinem ehemals besten 
Kollegen mehrmals gegen den Kopf und verletzte diesen erheblich (vgl. beigezogene 
Akten O 19 6220).

In der Untersuchung bestritt der Beschuldigte seine Beteiligung am Raub z.N. 
I.________ zuerst, wollte sich dann nicht mehr erinnern oder verweigerte die Aus-
sage (polizeiliche Einvernahme vom 17. November 2016, pag. 417 ff.; staatsanwalt-
schaftliche Einvernahme vom 24. August 2017, pag. 427). In der Hauptverhandlung 
wollte er von «dem» nichts mehr wissen; er habe sich nicht mehr mit diesen Sachen 
befasst, wisse nicht mal mehr, was er bisher gesagt habe und wisse nicht, was er 
heute erzählen solle. Er gab zwar zu, den Namen des Opfers schon einige Male 
gehört zu haben, zuckte aber als Reaktion auf ein genaueres Nachfragen lediglich 
mit den Schultern und wollte sich auf seine bisherigen Aussagen beziehen, falls er 
denn solche gemacht haben solle (pag. 1769 Z. 10 ff.).

Es ist nicht nachvollziehbar, wie die Vorinstanz in diesen Aussagen ein (Teil)Ge-
ständnis erkennen und die Strafe um 5 Monate senken konnte. Von Reue und Ein-
sicht bzw. von einer Anerkennung der Rechtsnorm, gegen die verstossen worden 
ist, ist nach Ansicht der Kammer nichts zu erkennen. Die Voraussetzungen für einen 
Geständnisrabatt sind somit nicht gegeben. Erst in oberer Instanz räumte der Be-
schuldigte ein, er habe zu spät bemerkt, dass er sich auf dem falschen Weg befinde 
und dass jede Handlung Konsequenzen mit sich bringe (pag. 2085 Z. 26 ff.). Auch 
diese nachträgliche Einsicht und das Anerkennen der erstinstanzlichen Verurteilung 
rechtfertigen keine Reduktion des Strafmasses. 

Die Täterkomponenten wirken sich damit aufgrund der einschlägigen Vorstrafen und 
dem Verhalten während dem Strafverfahren ausschliesslich erhöhend aus. Der 
Kammer erscheint eine Erhöhung um 3 Monate angemessen.

11.3 Einzelstrafe für den Raub an I.________ 

Insgesamt wäre nach Ansicht der Kammer von einer Strafe von 17 Monaten auszu-
gehen, wenn der Raub an I.________ alleine zu beurteilen wäre. 

14

Bei diesem Strafmass erübrigt sich die Frage nach der Strafart. Die Strafe kann (so-
wohl nach altem als auch nach neuem Recht) lediglich als Freiheitsstrafe ausgespro-
chen werden.

12. Raub z.N. J.________

12.1 Tatkomponenten

12.1.1 Schwere der Verletzung des geschützten Rechtsguts

Zum geschützten Rechtsgut kann auf Ziff. 11.1.1. verwiesen werden. 

Der Beschuldigte und drei Mittäter bauten sich am 8. August 2017 abends nach 
23.00 Uhr beim Bahnhof F._____ (Ortschaft) bedrohlich vor J.________ auf und ver-
langten «Gratisgeld». Der Beschuldigte näherte sich dem Opfer dabei bis auf 5 cm 
an dessen Gesicht, um seiner Drohung Nachdruck zu verschaffen, während die drei 
Kollegen in einer halbkreisartigen Anordnung so nahe um J.________ herumstan-
den, dass ihm der Fluchtweg abgeschnitten wurde. Aufgrund der bedrohlichen Si-
tuation und der numerischen Überlegenheit der Angreifer händigte J.________ dem 
Beschuldigten aus seinem Portemonnaie die gesamte Barschaft von CHF 60.00 aus.

Im Vergleich zum Fall I.________ liegt hier keine körperliche Einwirkung vor. 
J.________ wurde nicht übermässig traumatisiert und trug offensichtlich keinen 
Schaden davon. 

Der Eingriff in das geschützte Rechtsgut erweist sich als unterdurchschnittlich.

12.1.2 Art und Weise des Vorgehens (Verwerflichkeit) 

Das vom Beschuldigten verwendete Nötigungsmittel ist die Drohung, ein Gewaltein-
satz war nicht nötig, um das Opfer gefügig zu machen. Erhöhend wirkt sich allerdings 
auch bei diesem Raub aus, dass der Beschuldigte die aktive Rolle innehatte (so war 
er es, der das Geld verlangte und sich anschliessend dem Opfer bis auf wenige Zen-
timeter näherte) und sich dabei der Unterstützung seiner drei Kollegen sicher sein 
konnte, die den Geschädigten an der Flucht hinderten.

12.1.3 Willensrichtung und Beweggründe des Beschuldigten

Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz, auch hier in der Absicht, sich und 
seine Kollegen zu bereichern, ohne darauf einen Anspruch zu haben. Dies wirkt sich 
neutral aus. 

12.1.4 Bilanz Tatverschulden 

Die Tatkomponenten fallen auch hier unterdurchschnittlich ins Gewicht. Das Ver-
schulden ist deshalb innerhalb des Strafrahmens ebenfalls als leicht zu bezeichnen.

Im Vergleich zum Fall I.________ erscheint das Verschulden sogar leicht geringer, 
weshalb dafür hypothetisch eine marginal tiefere Freiheitsstrafe von 13 Monaten 
auszusprechen wäre.

15

12.2 Täterkomponenten

12.2.1 Vorstrafen

Dabei kann auf die Ausführungen in Ziff. 11.2.1.hiervor verwiesen werden. Auch hier 
wirken sich die einschlägigen Vorstrafen erhöhend aus. 

12.2.2 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren 

Auch für das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren kann vorab auf die Aus-
führungen unter Ziff. 11.2.2. hiervor verwiesen werden. Anders als der Raub z.N. von 
I.________, welcher den Anfang der vorliegend zu beurteilenden Deliktsserie dar-
stellte, ereignete sich die Tat z.N. von J.________ ganz zum Schluss derselben. 

Gleich ist dagegen die ablehnende Haltung des Beschuldigten zu den Vorwürfen, 
mit welchen er konfrontiert wurde. So gab er in der Untersuchung nach anfänglicher 
Aussageverweigerung trotz Vorhalt eines Fotos der Überwachungskamera am 
Bahnhof F._____ (Ortschaft) an, nicht zu wissen, was dort passiert sei, weil er stark 
betrunken gewesen sei (pag. 478 Z. 204 ff.). Auch später beschränkte er sich darauf, 
zu Protokoll zu geben, er könne dazu nichts sagen (pag. 480 Z. 223 ff.). In der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung stellte er auf Vorhalt des Vorwurfs vorab die Gegen-
frage, ob er auf dem Video zu sehen sei und räumte den Sachverhalt daraufhin ein 
(«das ist passiert», pag. 1769 Z. 32), ohne sich allerdings genauer an den Vorfall 
erinnern zu können (pag. 1769 Z. 34 ff.). Von einem echten Geständnis, welches die 
Strafverfolgung wesentlich erleichtert hätte, kann auch in diesem Zusammenhang 
nicht gesprochen werden. Auch bei der anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung gegenüber dem Opfer ausgesprochenen Entschuldigung handelt es sich 
nicht um einen Umstand, der ohne weiteres strafmindernd zu berücksichtigen ist. 

Nach dem Gesagten wirken sich die Täterkomponenten auch bei diesem Raub straf-
erhöhend aus. Da die Täterkomponenten vorliegend bei jedem Delikt separat geprüft 
werden, ist bei erhöhenden Faktoren zu berücksichtigen, dass sie bei einer Gesamt-
betrachtung nicht übermässig ins Gewicht fallen. Der Kammer erscheint vor diesem 
Hintergrund eine Erhöhung um 2 Monate angemessen. 

12.3 Einzelstrafe für den Raub an J.________ 

Der Kammer erscheint eine Strafe von 15 Monaten angemessen, wenn der Raub 
z.N. von J.________ alleine zu beurteilen wäre. Aufgrund des Strafmasses ist die 
Strafe (sowohl nach altem als auch nach neuem Recht) als Freiheitsstrafe auszu-
sprechen. 

13. Weitere Delikte 

13.1 Diebstahl z.N. K.________ AG 

Am 24. Februar 2017 trat der Beschuldigte gegen einen K.________-Automaten und 
behändigte anschliessend das heruntergefallene Produkt zur Aneignung. Bei diesem 
geringfügigen Diebstahl (Deliktsbetrag CHF 5.00) handelt es sich um eine Übertre-
tung. Die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse von CHF 100.00 entspricht 
dem Richtwert in den Richtlinien des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, 

16

Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (VBRS-Richtlinien, S. 31). Das vorinstanzli-
che Urteil ist in diesem Punkt – auch mit Blick auf das Verschlechterungsverbot – zu 
bestätigen. 

13.2 Diebstahlsversuch z.N. L.________ AG in F._____ (Ortschaft)

In der Zeit zwischen dem 14. -17. Juli 2017 versuchte der Beschuldigte gemeinsam 
mit anderen Personen mittels eines Flachwerkzeugs (evtl. eines Schraubenziehers) 
in die Räumlichkeiten der L.________ AG in F._____ (Ortschaft) einzudringen, um 
sich dort Gegenstände anzueignen. Die Türe liess sich aber nicht öffnen und wurde 
beschädigt. 

Die VBRS-Richtlinien sehen für einen vollendeten Einbruchdiebstahl mit einem De-
liktsbetrag von CHF 10'000.00 eine Strafe von 90 Strafeinheiten vor (S. 47). Da der 
Diebstahl vorliegend im Versuchsstadium stecken blieb und ein möglicher Delikts-
betrag schwierig abzuschätzen ist, erscheinen der Kammer 10 Strafeinheiten als an-
gemessen. 

Diese Strafe ist grundsätzlich sowohl der Geld- als auch der Freiheitsstrafe zugäng-
lich. Bezugnehmend auf die Begründung in Ziff. 13.4.4 hiernach ist eine Geldstrafe 
auszufällen. 

13.3 Diebstahl vom 23. Juli 2017 z.N. M._____ (Gesellschaft) in F._____ (Ortschaft); 

Während einige seiner Kollegen in eine Filiale der M._____ (Gesellschaft) einbra-
chen, stand der Beschuldigte Schmiere und half anschliessend beim Abtransport des 
Diebesguts (Deliktsbetrag CHF 386.65) mit. 

Angesichts der relativ passiven Rolle des Beschuldigten erscheint der Kammer mit 
Blick auf den Referenzsachverhalt in den VBRS-Richtlinien eine Strafe von 30 Stra-
feinheiten angemessen. Wiederum ist eine Geldstrafe auszusprechen, wobei für die 
Begründung der Strafart erneut auf Ziff. 13.4.4 hiernach verwiesen wird. 

13.4 Sachbeschädigungen (29 Fälle), zwischen dem 1. und dem 24. Juli 2017 in F._____ 
(Ortschaft)

13.4.1 Allgemeines

Die Vorinstanz hat diese Delikte als Seriendelikt in einem Gesamtzusammenhang 
bewertet und dafür ohne weitere Begründung eine Strafe von 12 Monaten Freiheits-
strafe eingesetzt. Dieses Vorgehen erweist sich vor der neueren Rechtsprechung 
des Bundesgerichts als unzulässig (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4.; MATHYS, a.a.O., 
N 557 ff.). Vielmehr sind die Delikte in korrekter Auslegung von Art. 49 Abs. 1 StGB 
zu beurteilen und damit grundsätzlich je mit einer Einzelstrafe zu sanktionieren. Al-
lerdings gehen die vorliegend zu beurteilenden Sachbeschädigungen im Wesentli-
chen auf zwei Serien zurück, die sich in Nächten vom 14. auf den 15. Juli 2017 und 
vom 23. auf den 24. Juli 2017 in F._____ (Ortschaft) abspielten. Der teilweise abwei-
chende Deliktszeitraum ergibt sich daraus, dass gewisse Sachschäden von den Ge-
schädigten erst später festgestellt worden waren und daher von ihnen nicht punkt-
genau zugeordnet werden konnten. Die Staatsanwaltschaft hat diese Delikte bei der 
Anklage folgerichtig in zwei Handlungseinheiten zusammengefasst (Anklageschrift 

17

pag. 1485 und 1487 f.). Weiter stellte sie mit Eingabe vom 12. Augst 2019 den An-
trag, die Sachverhalte seien rechtlich auch unter dem Titel der qualifizierten Sach-
beschädigung zu würdigen (pag. 1738 f.). Dieser Antrag gab bei den Parteien an-
lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zu keinen Bemerkungen Anlass 
(pag. 1744). Weil das Vorgehen bei allen Sachbeschädigungen ähnlich war und die 
Delikte örtlich und zeitlich eng miteinander zusammenhängen, ist die von der Staats-
anwaltschaft angewandte Betrachtungsweise zulässig (PHILIPPE WEISSENBERGER in: 
Basler Kommentar Strafgesetzbuch/Jugendstrafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N 104 ff. 
zu Art. 144 StGB mit Hinweisen). Deshalb fällte die Vorinstanz in ihrem Urteil vom 
23. August 2019 auch einen Schuldspruch wegen «mehrfacher und teilweise quali-
fizierter Sachbeschädigung» aus (pag. 1849). Entsprechend der rechtlichen Würdi-
gung sind die Sachbeschädigungen auch bei der Strafzumessung als zwei Hand-
lungseinheiten mit je summierten Deliktsbeträgen zu betrachten.

13.4.2 Serie vom 14./15. Juli 2017

In den Anklageziffern 7-15 (ausgenommen Ziff. 13, wo der Beschuldigte freigespro-
chen wurde) verursachte der Beschuldigte bei über 8 Sachbeschädigungen einen 
Sachschaden von insgesamt CHF 13'400.00. Die Grenze zur qualifizierten Sachbe-
schädigung nach Art. 144 Abs. 3 StGB ist damit überschritten, was zu einer Erwei-
terung des Strafrahmens führt (Freiheitsstrafe bis zu 5 anstatt 3 Jahren oder Gelds-
trafe).

Für eine einfache Sachbeschädigung, bei welcher der Täter den Lack eines Perso-
nenwagens zerkratzt und einen Sachschaden von CHF 300.00 verursacht, sehen 
die VBRS-Richtlinien eine Strafe von 15 Strafeinheiten vor. Diese Strafe sei entspre-
chend dem Ausmass des Schadens zu erhöhen (S. 47 der VBRS-Richtlinien). Da 
die Strafhöhe bei einer Häufung von Delikten in relativer Hinsicht tendenziell immer 
abnimmt, scheint eine strikt lineare Erhöhung nicht angezeigt. Zum Vergleich kann 
auf die Referenzstrafe von 90 Strafeinheiten verwiesen werden, welche die VBRS-
Richtlinien für einen Diebstahl mit einem Deliktsbetrag von CHF 10'000.00 vorsehen 
(S. 47 der Richtlinien). 

Nach dem Gesagten erscheint der Kammer mit Blick auf die Anzahl der Geschädig-
ten und den verursachten Sachschaden für diese Deliktsserie eine Strafe von 
90 Strafeinheiten als angemessen.

13.4.3 Serie vom 23./24. Juli 2017

Die zweite Deliktsserie setzt sich aus insgesamt 21 Sachbeschädigungen zusam-
men (Anklageziffern 16-36), die betragsmässig von CHF 300.00 bis CHF 6'500.00 
reichen und zusammen einen Gesamtdeliktsbetrag von über CHF 29'000.00 erge-
ben. 

Dies entspricht gut einer Verdoppelung des Gesamtdeliktsbetrags bei einer ebenfalls 
guten Verdoppelung der Geschädigten. Der Kammer erscheint vor diesem Hinter-
grund eine Strafe von 150 Strafeinheiten angemessen.

18

13.4.4 Strafart und anwendbares Recht

Art. 144 Abs. 3 StGB sieht einen Strafrahmen von 1 Tagessatz Geldstrafe bis 
5 Jahre Freiheitsstrafe vor (fakultative Strafschärfung; vgl. WEISSENBERGER, a.a.O. 
N 98 zu Art. 144 StGB). 

Die Strafen für die beiden Deliktsserien bewegen sich zwischen 90 und 150 Strafein-
heiten und damit in einem Bereich, der (nach altem und nach neuem Recht) sowohl 
einer Geldstrafe als auch einer Freiheitsstrafe zugänglich ist. Nach Art. 41 aStGB 
kann das Gericht auf eine vollziehbare Freiheitsstrafe von weniger als sechs Mona-
ten nur erkennen, wenn die Voraussetzungen für eine bedingte Strafe nicht gegeben 
sind und zu erwarten ist, dass eine Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit nicht voll-
zogen werden kann. Angesichts der nicht ungünstigen Prognose, welche die Vorin-
stanz dem Beschuldigten zugebilligt hat und an welche die Kammer aufgrund des 
Verschlechterungsverbots gebunden ist, erweist sich die Ausfällung einer Freiheits-
strafe nach altem Recht als unmöglich. Anders verhält es sich nach neuem Recht. 
Nach dem revidierten Art. 41 Abs. 1 StGB kann das Gericht nämlich allgemein statt 
auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn (a) eine solche geboten 
erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen ab-
zuhalten; oder (b) eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann. Da 
sich der Beschuldigte in der Vergangenheit weder von bedingten, noch von unbe-
dingten Geldstrafen vom weiteren Delinquieren abhalten liess, hätte sich bei einer 
Beurteilung nach neuem Recht eine Freiheitsstrafe als spezialpräventiv wirksamer 
herausgestellt als eine Geldstrafe. 

Nach dem Gesagten gelangt die Kammer nur über die Anwendung des alten Rechts 
zu einer Geldstrafe. Weil die Geldstrafe gegenüber der Freiheitsstrafe stets milder 
ist (BGE 134 IV 82 E. 7.2.2), erweist sich vorliegend das neue Recht nicht als milder 
und es ist das alte Recht anzuwenden. 

13.5 Hausfriedensbruch

Neben dem Einbruch in die M._____ (Gesellschaft) (Ziff. 17 der Anklageschrift) ver-
schaffte sich der Beschuldigte ebenfalls unbefugt Zutritt zu einer Turnhalle (Ziff. 27 
der Anklageschrift) und wurde des mehrfachen Hausfriedensbruchs schuldig erklärt. 
Mit Blick auf die VBRS-Richtlinien und die dort aufgeführten Referenzsachverhalte 
(S. 49 der VBRS-Richtlinien) sind die beiden Hausfriedensbrüche mit je 10 Strafein-
heiten zu ahnden.

Auch hier ist bezüglich der Strafart auf eine Geldstrafe zu erkennen (vgl. Ziff. 13.4.4 
hiervor). 

13.6 Gehilfenschaft zu Nötigung vom Ende Juli 2017 z.N. U.________ in Thun

Der Beschuldigte nahm im Rahmen einer Nötigung einen Rucksack und ein Long-
board des Geschädigten als «Pfand» an sich, während dieser von seinen Kollegen 
zum Bankomat begleitet wurde und dort für sie Geld abheben musste (Ziff. 1.4 der 
Anklageschrift). 

Da der Beschuldigte bloss in untergeordneter Weise als Gehilfe an der Nötigung 
mitwirkte, erscheint der Kammer eine Strafe von 20 Strafeinheiten angemessen. 

19

Diese ist mit Blick auf das unter Ziff. 13.4.4 hiervor Gesagte als Geldstrafe auszufäl-
len. 

14. (Allgemeine) Täterkomponenten 

Soweit die Täterkomponenten bis hierhin nicht bei den einzelnen Delikten berück-
sichtigt wurden, wirken sie sich neutral aus. Insbesondere ist beim Beschuldigten mit 
der Vorinstanz keine erhöhte Strafempfindlichkeit auszumachen. 

15. Zusammenfassung 

15.1 Gesamtfreiheitsstrafe

Für die beiden Raubüberfälle zum Nachteil von I.________ und J.________ wurde 
der Beschuldigte je zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Damit liegen gleichartige Stra-
fen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB vor, die unter Anwendung des Asperations-
prinzips zu einer Gesamtstrafe zu verbinden sind. Schwerste Tat bildet vorliegend 
der Raub z.N. I.________, welcher mit 17 Monaten Freiheitsstrafe sanktioniert wird. 
Diese Strafe bildet die Einsatzstrafe. Sie ist in einem zweiten Schritt angemessen 
um die für den Raub z.N. J.________ ausgesprochenen Strafe zu erhöhen. Konkret 
werden die 15 Monate im Umfang von 2/3 zur Einsatzstrafe hinzugerechnet, was zu 
einer Gesamtfreiheitsstrafe von 27 Monaten führt. 

15.2 Gesamtgeldstrafe

15.2.1 Zusammensetzung der Gesamtgeldstrafe

Für folgende Delikte werden Geldstrafen ausgesprochen: 

- 10 Tagessätze für den Diebstahlsversuch z.N. L.________ AG

- 30 Tagessätze für den Diebstahl z.N. M._____ (Gesellschaft)

- 90 Tagessätze für die erste Deliktsserie der Sachbeschädigungen

- 150 Tagessätze für die zweite Deliktsserie der Sachbeschädigungen

- 20 Tagessätze für zwei Hausfriedensbrüche

- 20 Tagessätze für die Gehilfenschaft zu Nötigung

Die dafür gedanklich errechneten gleichartigen Strafen sind wiederum zu einer Ge-
samtgeldstrafe zu verbinden. Schwerstes Delikt ist dabei offensichtlich die zweite 
Deliktsserie der Sachbeschädigungen. Die dafür ausgesprochenen 150 Tagessätze 
Geldstrafe bilden die Einsatzstrafe. Diese ist aufgrund der weiteren Delikte ange-
messen zu erhöhen. Wiederum geht die Kammer praxisgemäss von einem Aspera-
tionsfaktor von 2/3 aus, was zu folgenden Erhöhungen führt:  

- 6 Tagessätze für den Diebstahlsversuch z.N. L.________ AG

- 20 Tagessätze für den Diebstahl z.N. M._____ (Gesellschaft)

- 60 Tagessätze für die erste Serie der Sachbeschädigungen

- 12 Tagessätze für die Hausfriedensbrüche

- 12 Tagessätze für die Gehilfenschaft zu Nötigung

20

Total kommen zur Einsatzstrafe von 150 Tagessätzen Geldstrafe für die weiteren 
Delikte insgesamt 110 Tagessätze Geldstrafe hinzu, woraus sich eine Gesamtgelds-
trafe von 260 Tagessätzen ergibt. 

15.2.2 Höhe Tagessatz

Gemäss dem Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse verdient der Beschul-
digte monatlich CHF 950.00 und wird mit weiteren CHF 200.00 von seinem Vater 
unterstützt (pag. 2047). Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte weiter-
hin zuhause wohnt. Insgesamt erscheint der Kammer daher ein Tagessatz in der 
Höhe von CHF 30.00 der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Beschuldigten an-
gemessen (Art. 34 Abs. 2 StGB). 

15.3 Busse

Wie in Ziff. 13 hiervor erwähnt, bleibt es für den geringfügigen Diebstahl z.N. 
K.________ AG bei einer Busse, die unter Berücksichtigung des Verschlechterungs-
verbots bei CHF 100.00 belassen wird.

16. (Teil)Bedingter Strafvollzug

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von 
höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwen-
dig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen 
abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Es kann den Vollzug einer Freiheitsstrafe von min-
destens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn dies 
notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 
43 Abs.1 StGB). Der unbedingt vollziehbare Teil darf die Hälfte der Strafe nicht über-
steigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Nach Art. 43 Abs. 3 Satz 1 StGB muss bei der teilbe-
dingten Freiheitsstrafe sowohl der aufgeschobene wie auch der zu vollziehende Teil 
mindestens sechs Monate betragen.

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten für die ausgesprochene Freiheitsstrafe von 
36 Monaten den teilbedingten Strafvollzug gewährt und 12 Monate für vollziehbar 
erklärt. Dabei stützte sie sich darauf, dass die «gesetzliche Vermutung der günstigen 
Prognose nicht eindeutig widerlegt werden» könne (S. 86 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 1972). Das Ausfällen einer einschneidenderen Freiheitsstrafe 
fällt oberinstanzlich aufgrund des von der Kammer zu berücksichtigenden Ver-
schlechterungsverbots ausser Betracht. Auch die neu ausgefällte Geldstrafe kann 
mit Blick auf die Prognose der Vorinstanz und die fehlenden Vorstrafen im Bereich 
der Vermögensdelikte bloss bedingt ausgefällt werden. 

Was die Anteile des bedingten und unbedingten Teils der Freiheitsstrafe anbelangt, 
sind diese nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts in ein angemessenes Ver-
hältnis zu bringen. Dabei ist als Bemessungsregel das «Verschulden» zu beachten, 
dem in genügender Weise Rechnung zu tragen ist (BGE 134 IV 1 E. 5.6.). Das Ver-
hältnis der Strafteile ist so festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Le-
galbewährung des Täters einerseits und dessen Einzeltatschuld anderseits hinrei-
chend zum Ausdruck kommen (Urteil des Bundesgerichts 6B_245/2008 vom 4 Sep-
tember 2008 E. 2.3). Je günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der 

21

Tat ist, desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein. Der unbe-
dingte Strafteil darf das unter Verschuldensgesichtspunkten (Art. 47 StGB) gebotene 
Mass nicht unterschreiten (BGE 134 IV 1 E. 5.6.).

Vorliegend ist die Strafe aufgrund der gesetzlichen Vorgabe in Art. 43 Abs. 2 und 3 
StGB im Umfang von mindestens 6 und höchstens 13 Monaten zu vollziehen. Das 
Verschulden des Beschuldigten wurde in beiden Fällen vor dem Hintergrund des 
Strafrahmens als leicht bezeichnet. Demgegenüber kann ihm aufgrund der vorin-
stanzlichen Einschätzung und mit Blick auf die bisherige Entwicklung höchstens eine 
nicht ungünstige Prognose attestiert werden, was auch in der 4-jährigen Probezeit 
zum Ausdruck kommt. Vor diesem Hintergrund erscheint es angemessen, die Strafe 
im Umfang von 10 Monaten als vollziehbar zu erklären. Für die Teilstrafe von 17 
Monaten wird der Vollzug, gleich wie bei der Geldstrafe aufgeschoben. Den Beden-
ken an der Legalbewährung des Beschuldigten wird mit einer Probezeit von 4 Jahren 
Rechnung getragen.

17. Anrechnung der Haft

Nach Art. 51 StGB ist die ausgestandene Untersuchungshaft an die Strafe anzurech-
nen. Die Anrechnung erfolgt jedoch nicht nur bei der Anordnung von Untersuchungs-
haft. Vielmehr ist jegliche Form von Freiheitsentzug relevant, sofern dieser eine 
Dauer von 3 Stunden überschreitet (CHRISTOPH METTLER/NICOLAS SPICHTIN, in: Bas-
ler Kommentar Strafgesetzbuch/Jugendstrafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N 13 zu 
Art. 51 StGB). Entsprechend ist die vom Beschuldigten ausgestandene Polizeihaft 
von 2 Tagen an den zu vollziehenden Teil der Strafe anzurechnen. 

18. Fazit

Der Beschuldigte wird zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten verurteilt. Davon sind 
10 Monate zu vollziehen, wobei die ausgestandene Polizeihaft von 2 Tagen an die-
sen Teil der Strafe angerechnet wird. Für 17 Monate wird der Vollzug bei einer Pro-
bezeit von 4 Jahren aufgeschoben. Ferner ist er mit einer Geldstrafe von 260 Tages-
sätzen zu CHF 30.00, ausmachend CHF 7'800.00 zu bestrafen, deren Vollzug mit 
einer Probezeit von 4 Jahren aufgeschoben wird.

IV. Landesverweisung

19. Grundlagen zur obligatorischen Landesverweisung

Das Gericht verweist einen Ausländer, der wegen Raubes verurteilt wird, unabhän-
gig von der Höhe der Strafe für eine Dauer von fünf bis fünfzehn Jahren aus der 
Schweiz (Art. 66a Abs. 1 Bst. c StGB). Die Landesverweisung greift nicht nur bei 
einer Verurteilung als Allein- und Haupttäter, sondern bei sämtlichen Täterschafts- 
und Teilnahmeformen. Sie muss unabhängig davon ausgesprochen werden, ob es 
beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt 
ausfällt (BGE 144 IV 168 E. 1.4.1).

Das Gericht kann «ausnahmsweise» von einer Landesverweisung absehen, wenn 
(erste kumulative Bedingung) diese für den Ausländer einen schweren persönlichen 

https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pxg5dhmjpxax3boj2f6nrwme

22

Härtefall bewirken würde und (zweite kumulative Bedingung) die öffentlichen Inter-
essen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers 
am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation 
von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewach-
sen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härtefallklausel). Die Härtefallklausel dient der 
Umsetzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV; BGE 146 IV 
105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.1.2; je mit Hinweisen). Sie ist restriktiv anzuwenden 
(BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3.1). Nach der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des Härtefalls im Sinne von 
Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung über den «schwerwiegen-
den persönlichen Härtefall» in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 142.201) heranziehen 
(BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3.2). Zu berücksichtigen sind namentlich 
der Grad der (persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiä-
rer Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, Aufenthaltsdauer 
und Resozialisierungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholter De-
linquenz Rechnung zu tragen. Das Gericht darf auch vor dem Inkrafttreten von 
Art. 66a StGB begangene Straftaten berücksichtigen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 
IV 332 E. 3.3.2).

Die Sachfrage entscheidet sich mithin in einer Interessenabwägung nach Massgabe 
der «öffentlichen Interessen an der Landesverweisung». Nach der gesetzlichen Sys-
tematik ist die obligatorische Landesverweisung anzuordnen, wenn die Katalogtaten 
einen Schweregrad erreichen, sodass die Landesverweisung zur Wahrung der inne-
ren Sicherheit notwendig erscheint. Diese Beurteilung lässt sich strafrechtlich nur in 
der Weise vornehmen, dass massgebend auf die verschuldensmässige Natur und 
Schwere der Tatbegehung, die sich darin manifestierende Gefährlichkeit des Täters 
für die öffentliche Sicherheit und auf die Legalprognose abgestellt wird (Urteil 
6B_560/2020 vom 17. August 2020 E. 1.1.1 mit Hinweisen).

Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB ist in 
der Regel auch bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch 
des Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 der Konvention zum Schutze der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) verankerte Recht auf Ach-
tung des Privat- und Familienlebens auszugehen (Urteil 6B_396/2020 vom 11. Au-
gust 2020 E. 2.4.3 mit Hinweisen). Zum durch Art. 8 EMRK geschützten Familien-
kreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit 
ihren minderjährigen Kindern. Andere familiäre Verhältnisse fallen in den Schutzbe-
reich von Art. 8 EMRK, sofern eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte 
Beziehung besteht. Der Anspruch auf Achtung des Familienlebens gilt nicht absolut: 
Liegt eine aufenthaltsbeendende oder -verweigernde Massnahme im Schutz- und 
Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, erweist sie sich als zulässig, falls sie gesetz-
lich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK ent-
spricht (Schutz der nationalen oder öffentlichen Sicherheit, Aufrechterhaltung der 
Ordnung, Verhütung von Straftaten etc.) und verhältnismässig ist. Bei der Prüfung 
der Eingriffsvoraussetzungen nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK sind folgende Elemente zu 
beachten: (1) die Art und Schwere der begangenen Straftat und ob sie als Jugendli-
cher oder Erwachsener verübt wurde; (2) die Aufenthaltsdauer des Betroffenen im 

23

Land; (3) die seit der Tatbegehung vergangene Zeit und das Verhalten des Auslän-
ders während dieser; (4) die sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum Auf-
nahmestaat und zum Herkunftsland; (5) der Gesundheitszustand sowie (6) die mit 
der aufenthaltsbeendenden Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung. Keines 
dieser Elemente ist für sich allein ausschlaggebend; erforderlich ist eine Würdigung 
der gesamten Umstände im Einzelfall. Das Recht auf Schutz des Familien- und Pri-
vatlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK gilt – in seiner verfahrensrechtlichen Tragweite – 
als verletzt, wenn keine umfassende, faire Interessenabwägung vorgenommen wird. 
Art. 66a StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung im Rahmen 
der Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat sich daher an der Verhältnismäs-
sigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientieren (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.3).

20. Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz kam in ihren Erwägungen zum Schluss, die Landesverweisung be-
deute für den Beschuldigten durchaus einen gewissen Härtefall, nicht aber einen 
schweren, wie er gesetzlich vorausgesetzt sei. In einem Land mit einem soliden Wirt-
schaftswachstum von 2018 stünden die Chancen auch für einen sog. Balkan-Ägyp-
ter nicht schlecht, im Kosovo eine Existenz aufzubauen. Die Landesverweisung 
müsse deshalb angeordnet werden, sie sei aber auf das gesetzliche Minimum von 
5 Jahren zu beschränken. 

21. Vorbringen der Parteien

21.1 Argumentation der Verteidigung

Fürsprecher B.________ machte oberinstanzlich geltend, beim Beschuldigten liege 
ein schwerer persönlicher Härtefall vor. So sei der Beschuldigte im Jahr 1999 – und 
damit im Alter von gerade einmal zwei Jahren – in die Schweiz gekommen. Im Jahr 
2009 habe die Familie aufgrund eines persönlichen Härtefalls eine Aufenthaltsbewil-
ligung erhalten. Die persönliche Situation des Beschuldigten habe sich seither nur 
insofern verändert, als er weitere zehn Jahre durchwegs in der Schweiz verbracht 
und sich hier weiter verankert habe. Im Kosovo habe er lediglich seine Grossmutter, 
die aber gesundheitlich angeschlagen sei. Anders als von der Vorinstanz angenom-
men, spreche der Beschuldigte zuhause nicht albanisch, sondern deutsch. Er sei 
nicht nur in der Schweiz aufgewachsen, sondern auch hier zur Schule gegangen. Er 
habe bereits in der Schweiz gearbeitet und nun sogar eine Lehrstelle angetreten. 
Sein Freundeskreis bestehe aus Schweizern und er sei bestens integriert. 

Das Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz sei somit sehr 
gross; jenes der Schweiz an seiner Wegweisung dagegen klein. Eine Wiedereinglie-
derung sei ohne Weiteres möglich bzw. habe er diese bereits begonnen. Der Be-
schuldigte habe sich in den letzten 2-4 Jahren gut verhalten und mit dem relevanten 
Wandel begonnen bzw. sein Leben in geordnete Bahnen gelenkt. 

Zu berücksichtigen sei sodann, dass der Beschuldigte befürchte im Kosovo umge-
bracht zu werden. Diese Angst sei berechtigt und habe seinerzeit dazu geführt, dass 
die Familie eine Aufenthaltsbewilligung erhalten habe. Schliesslich habe der Be-
schuldigte nie alleine, sondern stets mit anderen Schweizern delinquiert. Es sei nicht 

24

gerechtfertigt, dass er nun als einziger der Gruppe eine Landesverweisung befürch-
ten müsse. 

21.2 Argumentation der Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin AG.________ brachte im Zusammenhang mit der Landesverweisung 
vor, der Beschuldigte habe nicht weniger als vier Katalogtatgen begangen, dies sei 
unbestritten. Darüber hinaus gebe es vorliegend diverse Punkte, die dagegen 
sprächen, ausnahmsweise von einer Landesverweisung abzusehen.

Mit Blick auf die berufliche Integration sei dem Beschuldigten zwar zu Gute zu halten, 
dass er im August dieses Jahres eine Lehre angetreten habe. Vor dem Hintergrund 
seiner früheren Entwicklungen dürfe aber bezweifelt werden, ob er diese auch ab-
schliessen werde. Anders als er begreiflich machen wolle, sei mit der Vorinstanz 
davon auszugehen, dass der Beschuldigte der albanischen Sprache sehr wohl 
mächtig sei. Soweit der Beschuldigte nicht in der Lage sei, auf Albanisch zu schrei-
ben, sei dies nicht weiter schlimm. Aufgrund seiner Ausbildung sollte es ihm – ent-
sprechend der Einschätzung des Migrationsdienstes – möglich sein, im Kosovo Fuss 
zu fassen. Der Beschuldigte habe während seiner Anwesenheit in der Schweiz zahl-
reiche Delikte begangen und sich auch von behördlichen Interventionen nicht davon 
abhalten lassen. Dazu passe, dass er auch kurz vor der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung erneut straffällig geworden sei. Damals habe er seinem ehemals besten 
Kollegen mit einem spitzen Hammer mehrmals gezielt gegen den Kopf geschlagen 
und so die Grenze zur (versuchten) schweren Körperverletzung nur haarscharf nicht 
überschritten. Auch wenn das Verfahren betreffend Hinderung einer Amtshandlung 
aus dem Jahr 2020 noch nicht rechtskräftig abgeschlossen sei, zeige sich aus den 
Akten immerhin, dass der Beschuldigte nach wie vor im gleichen gewaltaffinen Um-
feld verkehre. 

Insgesamt sei von einer Landesverweisung nur bei einem aussergewöhnlichen Här-
tefall abzusehen. Selbst wenn ein solcher vorliegen sollte, würde die Interessenab-
wägung nach Art. 66 Abs. 2 StGB zuungunsten des Beschuldigten ausfallen. Von 
ihm gehe eine erhebliche kriminelle Energie aus, weshalb das öffentliche Interesse 
an einer Wegweisung seine privaten Interessen überwiege.

Er sei noch im August 2017 in Tränen ausgebrochen, als er mit der Möglichkeit einer 
Landesverweisung konfrontiert worden sei. Auch im Januar 2018 sei er vom Staats-
anwalt ermahnt worden, er müsse nun aufhören mit solchen Sachen. Trotzdem habe 
der Beschuldigte während laufendem Verfahren ein weiteres Gewaltdelikt begangen 
und damit spätestens im Mai 2019 offenbart, dass er seine Emotionen nicht im Griff 
habe. Dies, obwohl er genau gewusst habe, was ihm drohe. 

22. Haltung der Kammer

22.1 Vorbemerkung zum Vorgehen 

Der Beschuldigte ist Bürger von Serbien und im Kosovo geboren. Er ist wegen mehr-
fachen Raubes, mehrfachen Diebstählen, z.T. in Verbindung mit Hausfriedensbruch, 
qualifizierter Sachbeschädigungen, mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie Gehil-
fenschaft zu Nötigung verurteilt worden. Mit den Raubdelikten und dem Diebstahl in 
Verbindung mit Hausfriedensbruch hat er Katalogdelikte nach Art. 66a Abs. 1 Bst. c 

25

und d StGB begangen, was nach Art. 66a Abs. 2 StGB in der Regel die obligatorische 
Landesverweisung nach sich zieht. 

Nachfolgend ist anhand der eingangs erwähnten Kriterien zu prüfen, ob beim Be-
schuldigten allenfalls ein Ausnahmefall gegeben ist, d.h. erstens, ob ein schwerer 
persönlicher Härtefall vorliegt und soweit dies der Fall sein sollte, ob die öffentlichen 
Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Be-
schuldigten am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen.

22.2 Zum schweren persönlichen Härtefall

22.2.1 Person, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist

Nach Art. 66a Abs. 2 Satz 2 StGB ist der besonderen Situation von Personen, die in 
der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind, Rechnung zu tragen. Der Frage, un-
ter welchen Umständen eine Person als in der Schweiz aufgewachsen im Sinne die-
ser Bestimmung anzusehen ist und welche Auswirkungen für die Beurteilung des 
schweren persönlichen Härtefalls sich daraus ergeben, hat sich das Bundesgericht 
in BGE 146 IV 105 angenommen. Es verwarf die Anwendung von starren Altersvor-
gaben sowie die automatische Annahme eines Härtefalls ab einer bestimmten An-
wesenheitsdauer in der Schweiz. Vielmehr sei die Härtefallprüfung in jedem Fall an-
hand der gängigen Integrationskriterien vorzunehmen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.4). 
Dabei werde der besonderen Situation von in der Schweiz geborenen oder aufge-
wachsenen ausländischen Personen Rechnung getragen, indem eine längere Auf-
enthaltsdauer, zusammen mit einer guten Integration – beispielsweise aufgrund ei-
nes Schulbesuchs in der Schweiz – in aller Regel als starkes Indiz für das Vorliegen 
von genügend starken privaten Interessen und damit für die Bejahung eines Härte-
falls zu werten sei (1. kumulative Voraussetzung). Bei der allenfalls anschliessend 
vorzunehmenden Interessenabwägung (2. kumulative Voraussetzung) sei der be-
troffenen Person mit zunehmender Anwesenheitsdauer ein gewichtigeres privates 
Interesse an einem Verbleib in der Schweiz zuzubilligen. Hingegen könne davon 
ausgegangen werden, dass die in der Schweiz verbrachte Zeit umso weniger prä-
gend gewesen sei, je kürzer der Aufenthalt und die in der Schweiz absolvierte Schul-
zeit gewesen seien, was auch zu einer weniger starken Gewichtung des privaten 
Interessens an einem Verbleib in der Schweiz führe (BGE 146 IV 105 E. 3.4.4).

Der Beschuldigte kam als zweijähriger in die Schweiz und besuchte sämtliche Schu-
len hier, mithin die 9-jährige obligatorische Schulzeit. Er hat damit die Kindheit, die 
Jugendzeit und die Adoleszenzphase vollständig in der Schweiz verbracht. Es han-
delt sich bei ihm ohne Zweifel um eine Person, die im Sinne von Art. 66a Abs. 2 Satz 
2 StGB in der Schweiz aufgewachsen ist und der entsprechend ein besonders star-
kes Interesse an einem Verbleib in der Schweiz zuzubilligen ist. Dennoch ist für die 
abschliessende Beurteilung des schweren persönlichen Härtefalls auch auf die Kri-
terien von Art. 31 Abs. 1 VZAE – namentlich den Grad der (persönlichen und wirt-
schaftlichen) Integration, einschliesslich familiärer Bindungen des Beschuldigten in 
der Schweiz bzw. in der Heimat, die absolute Aufenthaltsdauer in der Schweiz, sei-
nen Gesundheitszustand sowie die Möglichkeiten der Wiedereingliederung in sei-
nem Heimatstaat – näher einzugehen. Zudem sind die Aussichten auf soziale Wie-
dereingliederung nach Verbüssung der Strafe zu prüfen.

26

22.2.2 Integration in die Schweiz
Die Integration betrifft namentlich die Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung, die Sprachkompetenzen sowie die Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am 
Erwerb von Bildung (Art. 31 Abs. 1 Bst. a VZAE i.V.m. Art. 58a Abs. 1 des 
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 
[AIG; SR 142.20]).

Der Beschuldigte befindet sich seit er 2 Jahre alt ist in der Schweiz. Er ist mithin hier 
aufgewachsen und zur Schule gegangen. Zum Kriterium der Beachtung der öffentli-
chen Sicherheit und Ordnung der Schweiz ist festzustellen, dass der Beschuldigte 
diese mehrfach und teilweise in gravierender Weise tangierte. Gemäss Strafregis-
terauszug vom 1. September 2020 (pag. 2049 f.) wurde er am 17. Dezember 2014 
erstmals als 17 Jahre und 10 Monate alter Jugendlicher wegen Raubes zu einer Ein-
schliessungsstrafe von 45 Tagen mit bedingtem Strafvollzug verurteilt. Anlass des 
Strafbefehls der Jugendanwaltschaft Oberland war ein bewaffneter Raubüberfall 
vom 17. Mai 2014. Diesen beging der Beschuldigte mit einem Mittäter am Bahnhof 
AI.______ (Ortschaft), wobei die beiden Beschuldigten den beiden Opfern je ein 
Messer gegen den Hals richteten, nachdem diese sich vorerst geweigert hatten, ihr 
Geld herauszugeben. Die Beute von ca. CHF 200.00 teilten die Täter untereinander 
auf (pag. 1272 f.). 

Noch während der Probezeit delinquierte der Beschuldigte zwischen dem 1. Dezem-
ber 2015 und dem 21. Dezember 2015 erneut, diesmal allerdings als Erwachsener 
(Strafbefehl vom 25. Mai 2016, pag. 1292 f.). Er beauftragte einen Kollegen, ihm eine 
Faustfeuerwaffe zu beschaffen, um damit einen Mann zu bedrohen und diesem 
CHF 50.00 abzunehmen. Bei einer am 22. Dezember 2015 durchgeführten Haus-
durchsuchung stellte die Polizei an seinem Domizil sodann ein verbotenes Schmet-
terlingsmesser fest. Dafür wurde er von der Staatsanwaltschaft Oberland wegen Vor-
bereitungshandlungen zu Raub und Vergehen gegen das Waffengesetz schuldig er-
klärt und zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 20.00 mit bedingtem Straf-
vollzug und einer Probezeit von 2 Jahren sowie einer Verbindungsbusse von 
CHF 200.00 verurteilt. 

Bereits weniger als ein halbes Jahr nach Erhalt des letzten Strafbefehls kam es am 
30. Oktober 2016 – und damit wiederum in der Probezeit – zum Raubüberfall zum 
Nachteil von I.________, den der Beschuldigte zusammen mit Kollegen beging und 
für welchen er in diesem Verfahren mit einer Freiheitsstrafe von 17 Monaten sank-
tioniert wird. Noch während laufendem Strafverfahren beging der Beschuldigte im 
Juli/August 2017 eine ganze Serie von Sachbeschädigungen sowie einen Einbruchs-
diebstahl und einen Diebstahlsversuch. Schliesslich kam es am 8. August 2017 zu 
einem zweiten Raub z.N. von J.________. 

3 Monate vor der erstinstanzlichen Hauptverhandlung im hier zu beurteilenden Straf-
verfahren wurde der Beschuldigte erneut straffällig, indem er am 26. Mai 2019 einem 
früheren Kollegen mit einem Latthammer mehrfach gegen den Kopf schlug und die-
sen erheblich verletzte. Weil der Beschuldigte zusätzlich einen Dolch bei sich trug, 
den er aus dem Kosovo mitgebracht hatte, wurde er wegen einfacher Körperverlet-
zung mit gefährlichem Gegenstand und Vergehen gegen das Waffengesetz zu einer 

27

unbedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu CHF 90.00 verurteilt (edierte Akten 
der Staatsanwaltschaft Oberland zum Strafbefehl O 19 6220). 

Seit dem 24. Juni 2020 ist schliesslich erneut ein Verfahren wegen Hinderung einer 
Amtshandlung gegen den Beschuldigten hängig. Das Urteil in diesem Verfahren 
steht allerdings noch aus.

Der Beschuldigte hat die öffentliche Sicherheit und Ordnung der Schweiz mehrfach 
missachtet und wiederholt – gar während laufenden Probezeiten sowie während lau-
fenden Verfahren – delinquiert. Beachtlich erscheint weiter, dass es sich dabei nicht 
um leichte Vergehen handelte. Alleine der Schuldspruch wegen Vorbereitungshand-
lungen zu Raub (Strafbefehl vom 25. Juni 2016) hätte ein Verfahren wegen obliga-
torischen Landesverweisung nach sich gezogen, wenn das Delikt 10 Monate später 
begangen worden wäre. 

Die sprachlichen Kenntnisse des Beschuldigten sind positiv zu bewerten. Wie sich 
die Kammer anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsverhandlung selber überzeu-
gen konnte, spricht er gut Deutsch mit Berner Dialekt. Soweit sich der Beschuldigte 
allerdings auch oberinstanzlich auf den Standpunkt stellte, seine Albanischkennt-
nisse seien schlecht, erscheint dies wenig überzeugend (pag. 2090 Z. 9). Er wuchs 
bei Eltern albanischer Muttersprache auf. Wie er auch anlässlich der Berufungsver-
handlung andeutete, handelt es sich dabei auch heute um die ihnen geläufigste 
Sprache (pag. 2090 Z. 9 f.). Es erscheint der Kammer abwegig, dass die Eltern nach 
ihrer Einreise in die Schweiz plötzlich aufgehört haben sollen, sich mit dem damals 
zweijährigen Beschuldigten auf Albanisch zu unterhalten. Auch wenn der Beschul-
digte aufgrund seiner Schulbildung in der Schweiz sicherlich Defizite im schriftlichen 
Ausdruck des Albanischen hat, geht die Kammer mit der Vorinstanz davon aus, dass 
er sehr wohl in der Lage ist, sich mündlich auf Albanisch zu verständigen. Daraufhin 
deutet im Übrigen auch der Umstand, dass im Informationsbericht vom 29. August 
2020 nach wie vor «Albanisch» als Muttersprache geführt wird (pag. 2044). 

Die Schule besuchte der Beschuldigte vollumfänglich in der Schweiz. Er begann 
seine schulische Ausbildung in der Primarschule AJ.______ (Ortschaft), wo er die 
1.-6. Klasse absolvierte. Anschliessend besuchte er den Unterricht in der Klasse für 
besondere Förderung. Von dort wurde er in ein «Time-out» versetzt, worauf er die 8. 
und 9. Klasse im Jugendheim AK.________ in AL.______ (Ortschaft) besuchte, wo 
er auch wohnte. Anschliessend brach er eine angefangene Lehre als Baumwärter 
(pag. 1251 ff.) ab und besuchte die 10. Klasse in F._____ (Ortschaft). Auch dort 
wurde er weggewiesen (pag. 1658). Eine Ausbildung machte er vorerst nicht, arbei-
tete jedoch teilweise für eine Personalvermittlung bei Gerüstbaufirmen (pag. 1760 
Z. 21 ff.; pag. 1831 ff.). Am 1. August 2020 begann er schliesslich eine Lehre als 
Gerüstbauer bei der AM.________ AG (pag. 2007 f.).

Nach dem Gesagten hat der Beschuldigte die meiste Zeit seines Lebens in der 
Schweiz verbracht. Er hat auch die obligatorischen Schulen alle hier besucht. Die 
schulischen Schwierigkeiten und die fortwährende Delinquenz während der letzten 
Jahre dokumentieren indessen eine negative Persönlichkeitsentwicklung und legen 
nahe, dass die Integration des Beschuldigten in wichtigen Bereichen bis heute nicht 

28

gut gelungen ist. Anderseits verfügt er über gute Sprachkenntnisse und trat im Au-
gust dieses Jahres eine Lehrstelle als Gerüstbauer an (Probezeit von 3 Monaten, 
mithin bis Ende Oktober 2020, pag. 2007). Anlässlich der oberinstanzlichen Haupt-
verhandlung führte er in diesem Zusammenhang aus, es laufe sehr gut und der Beruf 
gefalle ihm (pag. 2088 Z. 11 f.). Er denke, dass er seine Lehre auf jeden Fall auch 
über die Probezeit hinaus fortführen könne. Alle seien sehr zufrieden mit ihm. Er 
habe es sowohl mit den Leuten im Büro, als auch mit jenen auf der Baustelle gut 
(pag. 2089 Z. 17 f.). Auch die Berufsschule sei super und er erbringe leicht über-
durchschnittliche Leistungen (pag. 2088 Z. 8 und pag. 2089 Z. 1). Zudem habe er 
ein Zertifikat gemacht (pag. 2089 Z. 1 f.). Da er während der letzten Woche aufgrund 
eines Lungenproblems krankgeschrieben gewesen sei, habe das Probezeitgespräch 
bis jetzt (also bis zum 16. Oktober 2020) noch nicht stattfinden können (pag. 2089 
Z. 9 f.). Auch wenn die grundsätzliche Teilnahme am Wirtschaftsleben positiv ins 
Gewicht fällt, sind die positiven Schilderungen des Beschuldigten zum Gang der 
Lehre und der Berufsschule mit Blick auf die bisherigen Arbeitseinsätze und die 
frühere schulische Entwicklung mit einer gewissen Vorsicht zu werten. Er legte we-
der Berichte des Ausbildungsbetriebes noch schulische Zeugnisse oder sonstige Do-
kumente ein, welche seine Ausführungen zu stützen vermöchten. Insgesamt geht 
die Kammer unter diesen Umständen noch nicht von einer stabilen Integration in der 
Arbeitswelt aus, welche die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf-
zuwiegen vermöchte. 

22.2.3 Familienverhältnisse (Art. 31 Abs. 1 Bst. c VZAE)
Seit ihrer Ankunft in der Schweiz wohnte die Familie des Beschuldigten in AJ.______ 
(Ortschaft) i.S. Dort lebt der Beschuldigte auch heute noch mit seinen Eltern, zwei 
älteren Schwestern und einem jüngeren Bruder (pag. 2044; pag. 2088 Z. 4). Der Be-
schuldigte ist zudem in einer Beziehung mit einer Schweizerin (pag. 2090 Z. 6). Auch 
wenn sie nicht zusammenleben, haben sie offenbar bereits über eine allfällige Heirat 
gesprochen, die allerdings auch vom Ausgang des vorliegenden Verfahrens ab-
hänge (pag. 2092 Z. 1 ff.). Insgesamt befinden sich die engsten Familienangehöri-
gen des Beschuldigten in der Schweiz und wohnen – abgesehen von seiner Freundin 
– mit ihm zusammen.

22.2.4 Finanzielle Verhältnisse (Art. 31 Abs. 1 Bst. d VZAE)
Nach dem «Erhebungsformular wirtschaftliche Verhältnisse» vom 29. August 2020 
betragen die monatlichen Einkünfte aus Arbeitserwerb des Beschuldigten 
CHF 950.00. Zudem werde er von seinem Vater mit monatlich CHF 200.00 bei der 
«Bezahlung von Rechnungen» unterstützt (pag. 2047). Anlässlich der oberinstanzli-
chen Hauptverhandlung bezifferte der Beschuldigte seine monatlichen Einkünfte auf 
CHF 900.00 und gab zudem an, er gebe zuhause Geld ab bzw. er unterstütze die 
Familie beim Kauf von Dingen des täglichen Bedarfs (pag. 2090 Z. 39 ff.). Bezüglich 
der genauen Verwendung seiner Einkünfte blieb der Beschuldigte indessen sehr 
vage. Er war weder in der Lage, die Höhe seiner wiederkehrenden Verpflichtungen 
genau zu beziffern, noch machte er konkrete Angaben zum Ausmass der Unterstüt-
zung der Familie (pag. 2090 Z. 39-45; pag. 2091 Z. 1-7). Der Betreibungsregister-
auszug des Beschuldigten weist keine hängigen Betreibungen oder Verlustscheine 
aus (pag. 2082).

29

Die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten sind insgesamt als fragil zu bezeich-
nen. Dies hängt indessen auch mit seiner Ausbildungssituation zusammen. Als un-
gelernter Gerüstbauer verdiente er bei der AN.________ AG wesentlich mehr als 
heute in der Lehre (pag. 1831).

22.2.5 Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (Art. 31 Abs. 1 Bst. e VZAE)
Der Beschuldigte reiste zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern am 
7. Juni 1999 in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Dieses Gesuch wurde abge-
wiesen. Ein Vollzug der Wegweisung erfolgte indessen nicht. Vielmehr wurde die 
Familie am 17. Mai 2001 vorläufig aufgenommen und erhielt den F Ausweis 
(pag. 1161). Schliesslich wurde der Familie im November 2009 wegen Vorliegens 
eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls eine Aufenthaltsbewilligung B erteilt 
(pag. 1226 f.).

22.2.6 Gesundheitszustand (Art. 31 Abs. 1 Bst. f VZAE)
Der Beschuldigte erwähnte während des Verfahrens psychische Probleme, mit wel-
chen er zu kämpfen habe (z.B. pag. 1063 Z. 427 ff.). Unterlagen zu einer psychi-
schen Erkrankung liegen aber keine vor. Auch gab der Beschuldigte in der erstin-
stanzlichen Verhandlung an, er befinde sich deswegen nicht in Behandlung 
(pag. 1765 Z. 29 f.). Weitere Krankheiten habe er sodann keine (pag. 1765 Z. 23 ff.; 
so auch im Berichtsrapport vom 29. August 2020 festgehalten, pag. 2045).

Der Beschuldigte ist somit weitgehend als gesund zu beurteilen. 

22.2.7 Möglichkeiten der Wiedereingliederung im Heimatstaat
Bei der Beurteilung des Härtefalls sind des Weiteren die Wiedereingliederungsmög-
lichkeiten des Beschuldigten im Kosovo zu beurteilen (Art. 31 Abs. 1 Bst. g VZAE). 
Er selber brachte in diesem Zusammenhang vor, sein Leben wäre mit einer Landes-
verweisung vorbei (pag. 1763 Z. 22). Er spreche nur sehr schlecht Albanisch und 
habe ausser seiner Grossmutter keine Kontakte im Kosovo. Zudem gehöre er einer 
Minderheit – den Balkan-Ägyptern – an, was eine Wiedereingliederung zusätzlich 
erschwere. 
Was die Ausführungen des Beschuldigten zur Verbundenheit mit seinem Heimat-
staat angeht, scheinen diese nach Ansicht der Kammer in erster Linie darauf ausge-
richtet, die Verbindung als möglichst lose darzustellen. Während der Beschuldigte 
anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung beispielsweise noch angegeben 
hatte, «glaublich vor einem Jahr» zum letzten Mal im Kosovo gewesen zu sein 
(pag. 1763 Z. 1-2), stellte er sich oberinstanzlich auf den Standpunkt, dies sei bereits 
7-8 Jahre her (pag. 2091 Z. 9-11). Dass der Beschuldigte nach Ansicht der Kammer 
wesentlich besser Albanisch spricht, als er begreiflich machen will, wurde bereits 
erörtert (Ziff. 22.2.2 hiervor) und entspricht im Übrigen auch der Einschätzung des 
Amts für Migration und Personenstand (pag. 1156). Weiter verfügt er im Kosovo mit 
einer Grossmutter und einem Onkel nach wie vor über Verwandte. Dabei besteht 
zumindest zur Grossmutter ein guter Kontakt, was ihm die Wiedereingliederung zu-
sätzlich erleichtern könnte (pag. 2091 Z. 17 f.). Soweit der Beschuldigte vorbrachte, 
aufgrund seiner Herkunft oder aufgrund eines angeblichen Problems, das sein Vater 
früher einmal mit der UCK gehabt habe, bei einer Rückkehr um sein Leben fürchten 

30

zu müssen (pag. 2092 Z. 10 ff.), ist auch dieser Einwand nicht näher belegt und er-
scheint aufgrund der Begleitumstände wenig überzeugend. Gegen eine Verfolgung 
im Heimatland spricht zunächst, dass das von der Familie des Beschuldigten ge-
stellte Asylgesuch abgewiesen wurde. Worauf der schwerwiegende persönliche Här-
tefall gründet, der im Jahr 2009 zur Aufnahme der Familie führte, ist aus den Akten 
nicht direkt ersichtlich. Dafür ergibt sich aus den Ausführungen des Beschuldigten 
deutlich, dass die Familie das Ziel ins Auge fasst, zumindest partiell in den Kosovo 
zurückzukehren. So gab er an, die Familie sei daran ein Grundstück im Kosovo zu 
erwerben und es seien in diesem Zusammenhang bereits Anzahlungen geleistet 
worden (pag. 1781 Z. 6 ff. und pag. 2091 Z. 22 ff.). Dabei gehe es um ein Ferienhaus 
oder ein Restaurant (pag. 1781 Z. 15). Es handle sich um einen Traum seiner Eltern 
und er wolle ihnen bei dessen Verwirklichung helfen (pag. 2091 Z. 26 ff.). Ein solcher 
Traum und die zur Verwirklichung desselben bereits unternommenen Anstrengun-
gen erschienen abwegig, wenn die Familie bei einer Rückkehr befürchten müsste, 
verfolgt zu werden. 
Auch wenn sich die Wiedereingliederung des Beschuldigten im Kosovo unter Um-
ständen nicht einfach gestalten könnte, erscheint sie mit dem Amt für Migration zu-
mindest möglich (pag. 1157). Dies einerseits aufgrund der nach wie vor im Kosovo 
lebenden Verwandten sowie nicht zuletzt aufgrund der in der Schweiz bereits ge-
sammelten beruflichen Erfahrungen und der schulischen Bildung. Der Beschuldigte 
ist zudem noch jung und bei guter Gesundheit. Er spricht die lokale Sprache und 
dürfte über seine Familie – die zum Teil selber den Wunsch einer (partiellen) Rück-
kehr in sich trägt – mit der heimischen Kultur vertraut sein. 

22.2.8 Aussichten auf soziale Wiedereingliederung in der Schweiz
Was die Aussichten des Beschuldigten auf soziale Wiedereingliederung in der 
Schweiz anbelangt, sind diese nach Ansicht der Kammer äusserst unsicher. Der Be-
schuldigte war in der Vergangenheit nicht in der Lage, sich ein tragfähiges Bezie-
hungsnetz aufzubauen, welches ihn von den dokumentierten Gewaltausbrüchen 
hätte abhalten können. Dass in dieser Hinsicht ein massgebender Wandel stattge-
funden hat, ist anhand der Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit nicht er-
kennbar. Zwar hat der Beschuldigte vor kurzem eine Lehre angetreten. Einerseits ist 
mit Blick auf die bisherige Entwicklung bzw. die stetigen Brüche in der schulischen 
und beruflichen Ausbildung fraglich, ob sich der Beschuldigte längerfristig wird inte-
grieren können. Andererseits handelt es sich bei der Möglichkeit einer Teilnahme am 
Wirtschaftsleben nicht um einen Umstand, welcher das deliktische Verhalten des Be-
schuldigten in der Vergangenheit massgebend beeinflusst hätte. 

22.2.9 Gesamtwürdigung
Eine Landesverweisung bedeutet für den Betroffenen oftmals eine persönliche 
Härte. Das Gesetz verlangt für die Annahme eines schweren persönlichen Härtefalls 
aber nicht nur eine Härte, sondern eine aussergewöhnliche Härte, d.h. eine Situa-
tion, die auch angesichts der sonst schon schweren Lage noch als besonders hart 
ins Auge springt (mithin einen «Ausnahmefall», z.B. Urteil des Bundesgerichts 
6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.3).

31

Der Beschuldigte reiste im Alter von 2 Jahren in die Schweiz ein und lebte seither 
durchwegs mit seiner Familie in AJ.______ (Ortschaft) i. S. In den nunmehr 21 Jah-
ren Anwesenheit hat er die obligatorische Schulzeit absolviert und auch bereits erste 
Arbeitserfahrungen gesammelt. Er spricht Dialekt, hat zahlreiche Freunde und nun 
auch eine Freundin aus der Schweiz. Er ist mithin als in der Schweiz aufgewachsen 
zu betrachten und hat fast sein ganzes Leben hier verbracht. Mit einer Wegweisung 
aus der Schweiz würde er nicht nur aus dem ihm bekannten Umfeld gerissen, son-
dern müsste auch zum ersten Mal getrennt von seiner Familie leben. Eine derartige 
Veränderung wäre für den Beschuldigten zweifelsohne mit einer grossen Härte ver-
bunden.

Trotz seiner langen Anwesenheit schaffte es der Beschuldigte allerdings auf ver-
schiedenen Ebenen nicht, sich in der Schweiz zu integrieren. So missachtete er 
mehrfach und teilweise in erheblicher Weise die öffentliche Sicherheit und Ordnung. 
Während seiner schulischen Ausbildung wurde er von verschiedenen Institutionen 
weggewiesen und musste zeitweise in einem Heim platziert werden. Auch in der 
Berufswelt konnte der Beschuldigte niemals richtig Fuss fassen. So brach er eine 
Lehre ab und schlug sich zuletzt mit Teilzeitarbeiten im Bereich des Gerüstbaus 
durch. Zwischen Juli 2012 und August 2013 sowie zwischen September 2015 und 
August 2016 wurde der Beschuldigte mit einem Gesamtbetrag von CHF 142'081.25 
sozialhilferechtlich unterstützt (pag. 1157). Relativierend wirkt sich weiter aus, dass 
eine Wiedereingliederung des Beschuldigten im Kosovo zwar schwierig aber durch-
aus möglich erscheint. So spricht er die Sprache, ist jung, bei guter Gesundheit und 
durch seine Eltern auch mit der Kultur vertraut. Mit einer nach wie vor dort lebenden 
Grossmutter, zu welcher die Familie den Kontakt aufrechterhielt, verfügt er sodann 
über einen gewissen Empfangsraum, der ihn bei der Wiedereingliederung unterstüt-
zen könnte. Weiter handelt es sich beim Beschuldigten um eine erwachsene Person, 
die den Kontakt zu seinen Angehörigen vom Kosovo aus über die üblichen Kommu-
nikationsmittel aufrechterhalten kann. Auch persönliche Besuche sind seitens der 
Familienmitglieder möglich, zumal die Mutter bereits in der Vergangenheit verschie-
dentlich in den Kosovo reiste und sich die Familie offensichtlich mit Rückkehrgedan-
ken trägt, welchen sie mit dem Kauf eines Grundstücks Ausdruck verliehen hat. Un-
terstützend bei einer Wiedereingliederung im Kosovo wirken schliesslich die schuli-
sche Ausbildung und die ersten beruflichen Erfahrungen aus, welche der Beschul-
digte in der Schweiz bereits gesammelt hat.

Insgesamt geht die Kammer nicht davon aus, dass der Beschuldigte bei einer Lan-
desverweisung in sprachlicher, kultureller, sozialer und persönlicher Hinsicht im Ko-
sovo auf unüberwindbare Hindernisse stossen würde. Dennoch verbrachte er prak-
tisch sein ganzes bisheriges Leben in der Schweiz, besuchte hier sämtliche Schulen 
und nahm auch bereits am Wirtschaftsleben teil. Auch wenn die Grenze angesichts 
der zahlreichen relativierenden Faktoren bloss knapp überschritten ist, geht die Kam-
mer entgegen der Vorinstanz von einem schweren persönlichen Härtefall aus. Aus-
schlaggebend hierfür ist namentlich die verhältnismässig kurze Zeitspanne, die der 
Beschuldigte vor seiner Einreise in die Schweiz im Kosovo verbracht hatte. 

32

22.3 Interessenabwägung

22.3.1 Allgemeines

Nach der Bejahung des schweren persönlichen Härtefalls ist in einem zweiten Schritt 
zu prüfen, ob das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung die privaten In-
teressen des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz nicht überwiegt. 

Art. 66a Abs. 2 ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung im Rahmen 
der Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat sich daher an den Kriterien der 
Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK – wie sie in Ziff. 19 hiervor 
aufgeführt sind – zu orientieren (BGE 145 IV 161 E. 3.4).

22.3.2 Zum privaten Interessen des Beschuldigten 

Was die privaten Interessen des Beschuldigten angeht, die gegen die Anordnung 
einer Landesverweisung sprechen, decken sich diese weitgehend mit jenen, die zur 
Annahme des schweren persönlichen Härtefalls geführt haben (vgl. insb. Ziff. 22.2.9 
hiervor). 

Der Beschuldigte kam mit zwei Jahren in die Schweiz und ist hier aufgewachsen. Er 
hat den weitaus grössten Teil seines Lebens in der Schweiz verbracht und hier sämt-
liche obligatorische Schulen besucht. Er spricht Dialekt, hat Schweizer Freunde und 
eine Schweizer Freundin. Zudem ist er in ein familiäres Umfeld eingebettet und hat 
die Möglichkeit, am schweizerischen Wirtschaftsleben teilzunehmen. Gleichzeitig 
wurde unter Ziff. 22.2.9 hiervor aber ebenfalls bereits auf die Umstände hingewie-
sen, welche das Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz re-
lativieren bzw. eine Rückkehr in den Kosovo als zumutbar erscheinen lassen. So 
integrierte sich der der Beschuldigte trotz seiner langen Anwesenheit in der Schweiz 
in verschiedenen Bereichen nur mässig. Neben den schulischen Schwierigkeiten 
und den zahlreichen Verstössen gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung 
schaffte er es namentlich nicht, in der Arbeitswelt nachhaltig Fuss zu fassen und 
wurde bereits mehrfach sozialhilferechtlich unterstützt. Ferner ist der Beschuldigte 
noch jung, bei guter Gesundheit, spricht Albanisch und über seine Eltern mit der 
Kultur seines Heimatlands verbunden. Mit der in der Schweiz absolvierten Ausbil-
dung und den bereits gesammelten Arbeitserfahrungen erscheint ein beruflicher 
Neueinstieg auch im Kosovo durchaus möglich. Schliesslich ist zu erwähnen, dass 
mit einer Landesverweisung nicht in sein Recht auf Familienleben eingegriffen 
würde. Wie in Ziff. 19 hiervor erwähnt, bezieht sich der Schutz des Familienlebens 
nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK nach der Rechtsprechung in erster Linie auf die Kernfamilie 
(Ehegatten und minderjährige Kinder); andere familiäre Beziehungen, namentlich 
diejenige zwischen Eltern und erwachsenen Kindern, stehen nur ausnahmsweise 
unter dem Schutz von Art. 8 EMRK, nämlich dann, wenn ein besonderes Abhängig-
keitsverhältnis besteht. Auch wenn der Beschuldigte in der Schweiz nach wie vor mit 
seinen Eltern und Geschwistern im gleichen Haushalt lebt und sich die Familie zu-
weilen finanziell aushilft, kann nicht gesagt werden, dass er in qualifizierter Weise 
von einer hier ansässigen Person abhängig wäre und bei einer Landesverweisung 
völlig auf sich gestellt wäre (Urteile des Bundesgerichts 2C_867/2016 vom 30. März 
2017 E. 2; 2C_108/2018 vom 29. September 2018 E. 5.3). Vielmehr verfügt der Be-

33

schuldigte auch im Kosovo über Verwandte, welche ihm bei einer Wiedereingliede-
rung behilflich sein könnten. Als erwachsene Person ist es ihm sodann zumutbar, 
den Kontakt zu seinen Angehörigen in der Schweiz vom Kosovo aus über die übli-
chen Kommunikationsmittel aufrechtzuerhalten. Auch persönliche Besuche sind 
möglich, zumal die Mutter bereits in der Vergangenheit verschiedentlich in den Ko-
sovo reiste und sich die Familie offensichtlich mit Rückkehrgedanken trägt, welchen 
sie mit dem Kauf eines Grundstücks Ausdruck verliehen hat. 

22.3.3 Öffentliche Interessen 

Das öffentliche Interesse, den Beschuldigten des Landes zu verweisen ergibt sich 
zunächst aus den Verurteilungen im vorliegenden Verfahren. Er wurde nicht nur we-
gen mehrfachen Raubes sondern auch wegen eines Einbruchdiebstahls, einer gan-
zen Serie von Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruchs sowie Gehilfenschaft zu 
Nötigung verurteilt. Damit beging der Beschuldige gleich mehrere Delikte, die vom 
Gesetzgeber als schwere Straftaten qualifiziert werden und damit als besonders ver-
werflich anzusehen sind (Urteil 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 4.3.3). Mit 
den beiden Raubüberfällen und dem Einbruchsdiebstahl realisierte er gleich drei Ka-
talogtaten, die grundsätzlich für sich je die obligatorische Landesverweisung nach 
sich ziehen (zweimal Bst. c und einmal Bst. d von Art. 66a StGB). Auch wenn die 
Kammer das (relative) Verschulden des Beschuldigten innerhalb der Strafrahmen 
jeweils als leicht beurteilt (siehe Ziff. 11 und 12 hiervor), verurteilt sie ihn dennoch zu 
einer einschneidenden Freiheitsstrafe von 27 Monaten und einer Geldstrafe von 
260 Tagessätzen. Die Höhe der Strafe verdeutlicht ein absolutes Verschulden, wel-
ches vergleichsweise hoch liegt bzw. auf eine erhebliche Störung der öffentlichen 
Ordnung und Sicherheit der Schweiz schliessen lässt. 

Mit den vorliegend beurteilten Delikten setzte der Beschuldigte ein Verhalten fort, 
welches bereits im Jugendalter seinen Anfang genommen hatte. Wie in Ziff. 22.2.2 
hiervor ausgeführt, verübte der Beschuldigte seinen ersten Raub mit 17 Jahren und 
10 Monaten und damit als Jugendlicher. Noch während der Probezeit traf er Vorbe-
reitungshandlungen zu einem weiteren Raub. Auch die dafür und für den ebenfalls 
festgestellten Waffenbesitz ausgesprochene Strafe hielt den Beschuldigten nicht ab, 
weniger als ein halbes Jahr später I.________ auszuraubend und daran anschlies-
send die übrigen Delikte des vorliegenden Verfahrens zu begehen. Seither sind drei 
Jahre vergangen, die der Beschuldigte ebenfalls nicht deliktsfrei verbracht hat (vgl. 
dazu sogleich). 

Der Beschuldigte war zum Zeitpunkt der ersten Straftat noch jung und verübte die 
darauf folgenden Delikte jeweils nicht alleine, sondern in Begleitung seiner Kollegen 
beging. Trotzdem kann sein Verhalten nicht mehr als «jugendlicher Leichtsinn» ab-
getan werden. Mit seinem stetig fortgesetzten Delinquieren – oftmals auch während 
der Probezeit bzw. während laufendem Verfahren – deutete der Beschuldigte nicht 
nur eine nicht zu unterschätzende kriminelle Energie an, sondern offenbarte auch 
eine Gleichgültigkeit gegenüber der Schweizerischen Rechtsordnung. Selbst die Er-
mittlungen im vorliegenden Verfahren und die ihm drohende Landesverweisung be-
eindruckten den Beschuldigten offenbar bloss ungenügend. Obwohl der Beschul-
digte anlässlich einer Einvernahme im August 2017 noch in Tränen ausbrach, als er 
mit der Möglichkeit der Landesverweisung konfrontiert wurde (pag. 1031 Z. 480) und 

34

ihm auch der Staatsanwalt verdeutlichte, wie wichtig ein künftiges Wohlverhalten für 
den Entscheid der Landesverweisung sei (pag. 1061 Z. 364), verübte er im Mai 2019 
– und damit nur 3 Monate vor dem erstinstanzlichen Gerichtstermin in diesem Ver-
fahren – mit einer einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand ein wei-
teres Gewaltdelikt (edierte Akten O 19 6220). Zu diesem Sachverhalt gab er kurz 
nach seiner Anhaltung in der Tatnacht zusammengefasst an, beim Opfer, 
AO.________, handle es sich um seinen ehemals besten Kollegen. Sie hätten alles 
zusammen gemacht und er hätte ihn auch (finanziell) unterstützt. Dann habe er 
gehört, dass dieser schlecht über ihn rede und ihn auch bei der Polizei angeschwärzt 
habe. Unter Drogeneinfluss habe AO.________ denn auch gestanden, ihn nur be-
nutzt zu haben. Daraufhin habe er sich von ihm getrennt. Der Streit sei wegen einem 
Katana (japanisches Langschwert) eskaliert, welches er – neben dem Geld, das 
AO.________ ihm noch geschuldet habe – zurückgefordert habe (edierte Akten O 
19 6220, Einvernahme vom 27. Mai 2019, S. 2 Z. 27-37). Sie hätten sich am Bahnhof 
AJ.______ (Ortschaft) getroffen. Er habe den Hammer mitgenommen, weil er ein 
schlechtes Gefühl gehabt habe. Als AO.________ angekommen sei, habe dieser 
seine Jacke ausgezogen, sei grosspurig auf ihn zugekommen und habe sich aufge-
plustert. Auch ein weiterer Kollege sei aus dem Auto gestiegen. Als er AO.________ 
gesagt habe, er solle ins Auto steigen, habe sich dieser nur weiter aufgeplustert und 
habe eine Kampfposition eingenommen. Er (der Beschuldigte) habe so einen Hass 
auf diesen Typen gehabt, der ihm über Jahre nur Probleme gemacht habe. Irgend-
einmal habe er das einfach nicht mehr hören mögen (edierte Akten O 19 6220, Ein-
vernahme vom 27. Mai 2019, S. 2 Z. 39-48). In der Folge schilderte der Beschul-
digte, er habe als erster zugeschlagen (edierte Akten O 19 6220, Einvernahme vom 
27. Mai 2019, S. 3 Z. 93). Er habe den Hammer in der rechten Hand gehalten; wie 
bzw. mit welcher Seite des Hammers er geschlagen habe, könne er nicht mehr sa-
gen (edierte Akten O 19 6220, Einvernahme vom 27. Mai 2019, S. 2 Z. 64; S. 3 Z. 68 
und 88). Auch anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Beschul-
digte an, was passiert sei, sei mit viel Wut und Hass verbunden gewesen. Er sei von 
dieser Person über Jahre hinweg verletzt, betrogen und ausgenützt worden; er habe 
nur Hass und Schmerz verspürt (pag. 2087 Z. 5-7). Es habe sich zu viel angestaut, 
als dass er sich in dieser Situation ein anderes Vorgehen hätte überlegen können 
(pag. 2087 Z. 12 f.). 

Anders als noch bei den zuvor begangenen Raubüberfällen, liess es der Beschul-
digte beim beschriebenen Vorfall nicht mehr bei der blossen Androhung von Gewalt 
bewenden. Von Enttäuschung und Hass getrieben, schlug er dieses Mal mit einem 
gefährlichen Gegenstand mehrfach und unkontrolliert auf eine unbewaffnete Person 
ein und offenbarte damit eine deutlich gesteigerte Gewaltbereitschaft. Dies notabene 
im Wissen um den in nur drei Monaten anstehenden Gerichtsprozess, der unter an-
derem seine Landesverweisung zum Gegenstand hatte. Dass der Beschuldigte 
selbst in dieser Situation seine Emotionen nicht im Griff hatte, lässt vermuten, dass 
er dazu auch in Zukunft nicht in der Lage sein wird. Diese Vermutung wird durch die 
Entwicklung der Deliktsgeschichte bzw. die darin zum Ausdruck kommende zuneh-
mende Gewaltbereitschaft unterstützt. Von ihm geht somit eine erhöhte Gefahr für 
künftige Gewaltdelikte aus. Wesentliche Veränderungen in seinem persönlichen Um-

35

feld, die das Gesagte in einem anderen Licht erscheinen liessen, sind nicht ersicht-
lich. So gab der Beschuldigte bereits damals an, unmittelbar vor dem Treffen bei 
seiner Freundin gewesen zu sein (edierte Akten O 19 6220, Einvernahme vom 
27. Mai 2019, S. 4 Z. 127) und beruflich im (wenngleich auf temporaler Ebene) 
Gerüstbau tätig gewesen zu sein (edierte Akten O 19 6220, Einvernahme vom 
27. Mai 2019, S. 1). 

22.3.4 Überwiegendes öffentliches Interesse und Vereinbarkeit mit Art. 8 Ziff. 2 EMRK

Bereits die Straftaten für welche der Beschuldigte im vorliegenden Verfahren verur-
teilt wird, begründen ein gewichtiges Fernhalteinteresse. Dieses wird durch die vom 
Beschuldigten durchgemachte Entwicklung und die darum von ihm ausgehende Ge-
fahr für weitere Gewaltdelikte unterstützt. Im Ergebnis überwiegt es das private In-
teresse des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz, trotz dem Vorliegen 
eines schweren persönlichen Härtefalls. 

Bei der Dauer der Landesverweisung besteht kein Spielraum, da die 
Generalstaatsanwaltschaft ihre Anschlussberufung auf die Hauptstrafe selber 
beschränkt hat. Sie ist auch oberinstanzlich auf das gesetzliche Minimum von 5 
Jahren zu beschränken.

Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass auch Art. 8 Ziff. 2 EMRK einer Landes-
verweisung nicht entgegensteht. Die Massnahme ist gesetzlich vorgesehen und ver-
folgt einen legitimen Zweck, nämlich der Verhütung von Straftaten. Zudem ist sie 
verhältnismässig, da sie sich auf das Minimum von 5 Jahren erstreckt. 

22.4 Vollzugshindernisse

Vollzugshindernisse stehen einer Landesverweisung derzeit nicht entgegen. Zumin-
dest steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest, dass eine Landesverweisung zum Vorn-
herein (z.B. aus gesundheitlichen Gründen) nicht vollzogen werden könnte. Nur 
dann wären solche möglichen Vollzugshi