# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f03a8a8f-19ec-594e-b984-e707b1a944f1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.06.2021 E-2845/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2845-2021_2021-06-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2845/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  J u n i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Constance Leisinger, 

mit Zustimmung von Richterin Mia Fuchs;  

Gerichtsschreiberin Natassia Gili.   

 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kosovo,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 10. März 2021 / N (…). 

 

 

 

E-2845/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin – kosovarische Staatsangehörige der Ethnie der 

Ashkali angehörend – ersuchte am 22. November 2020 in der Schweiz um 

Asyl. Am 12. Februar 2021 wurde sie zu ihren Asylgründen angehört.  

Zur Begründung ihres Gesuchs machte sie geltend, sie habe im Alter von 

19 Jahren erstmals geheiratet. Aus der Ehe seien neun Kinder hervorge-

gangen. Ihr erster Ehemann sei vor etwa sieben Jahren verstorben. Etwa 

ein Jahr nach dessen Tod habe sie erneut geheiratet, allerdings lediglich 

nach Brauch. Sie habe in der Folge zusammen mit diesem Ehemann und 

dessen erster Ehefrau sowie deren Kindern zusammengelebt. Zu ihren ei-

genen Kindern habe sie auf Druck des zweiten Ehemannes den Kontakt 

abgebrochen. Ihr zweiter Ehemann habe sie körperlich und psychisch 

misshandelt und sie schliesslich kurz vor ihrer eigenen Ausreise verlassen. 

Da der Ehemann sich bei privaten Gläubigern stark verschuldet habe, sei 

auch sie von diesen bedroht worden. Sie habe sich daraufhin zur Ausreise 

aus dem Heimatstaat entschieden und sei über Serbien in die Schweiz ge-

langt, wo ihre (...) und eine (...) sowie ein Freund leben würden. 

B.  

Das SEM stellte der amtlich beigeordneten Rechtsvertretung am 19. Feb-

ruar 2021 den Entwurf des Entscheids zur Stellungnahme zu und händigte 

die entscheidrelevanten Akten aus.  

C.  

Am 22. Februar 2021 nahm die Rechtsvertretung Stellung. Gleichentags 

wurde ein die Beschwerdeführerin betreffender ärztlicher Bericht vom 

19. Februar 2021 zu den Akten gereicht.  

D.  

Am 23. Februar 2021 wurde die Beschwerdeführerin dem erweiterten Ver-

fahren zugewiesen. Gleichentags wurde das Mandat seitens der amtlichen 

Rechtsvertretung für beendet erklärt.  

E.  

Mit Verfügung vom 10. März 2021 stellte das SEM fest, die Beschwerde-

führerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zuständi-

gen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.  

E-2845/2021 

Seite 3 

F.  

Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 9. April 2021 

(Eingang beim SEM gemäss Eingangsstempel: 12. April 2021) Be-

schwerde. Sie beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, 

die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. 

In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung.  

G.  

Das SEM leitete diese Eingabe zur Behandlung an das Bundesverwal-

tungsgericht zur Behandlung weiter (Eingang beim Bundesverwaltungsge-

richt: 18. Juni 2021). Gleichentags bestätigte das Bundesverwaltungsge-

richt der Beschwerdeführerin den Erhalt der Beschwerde, wobei festge-

stellt wurde, dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Verfahrens in 

der Schweiz abwarten könne.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 

AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-

führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde wurde am 

9. April 2021 an das SEM adressiert, mithin zwar rechtzeitig aber an eine 

unzuständige Behörde. Gleichwohl gilt die Frist als gewahrt (Art. 21 Abs. 2 

VwVG). Das SEM wäre gehalten gewesen, diese Eingabe unverzüglich an 

das BVGer zu überweisen (vgl. Art. 8 Abs. 1 VwVG), was vorliegend nicht 

eingehalten wurde.  

1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten 

(Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 4 

3.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-

fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten 

Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite-

rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 

und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Gründen ist Rechnung 

zu tragen (vgl. Art. 3 AsylG).  

4.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft 

machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht 

ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-

besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet 

oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder 

massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-

den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG).  

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres abweisenden Entscheids 

im Wesentlichen aus, es handle sich bei den geltend gemachten Vorfällen 

um Übergriffe durch Dritte. Drohungen und Angriffe auf die körperliche In-

tegrität würden auch im Kosovo grundsätzlich strafbare Handlungen dar-

stellen, welche von den zuständigen Strafverfolgungsbehörden im Rah-

men ihrer Möglichkeiten verfolgt und geahndet würden. Der kosovarische 

Staat sei grundsätzlich sowohl schutzfähig als auch schutzwillig. Es liege 

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Seite 5 

jedoch ausserhalb der Möglichkeiten eines Staates, jeden denkbaren 

Übergriff präventiv zu verhindern. Aus dieser Tatsache könne jedoch nicht 

geschlossen werden, dass das Ersuchen um staatlichen Schutz von vorn-

herein ein nutzloses Unterfangen sei, beziehungsweise der kosovarische 

Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme. Die Beschwerdeführerin habe 

erklärt, weder in Bezug auf ihren Ehemann noch in Bezug auf die Drohun-

gen der Gläubiger ihres Ehemannes staatliche Institutionen um Schutz an-

gegangen zu sein. Sie habe zudem auch keine innerstaatliche Aufenthalts-

alternative in Betracht gezogen, sondern sich zu ihrer in der Schweiz le-

benden (...) begeben, wo sie sich ein besseres Leben erhofft habe. Es 

seien im Falle der Beschwerdeführerin keine Hinweise ersichtlich, wonach 

ihr von den Behörden der erforderliche Schutz nicht gewährt würde, zumal 

sie erklärt habe, mit den heimatlichen Behörden keine Probleme zu haben. 

Den Vorbringen komme mithin keine Asylrelevanz zu. In Bezug auf die von 

ihr geltend gemachten Bedrohungen durch Gläubiger ihres Ehemannes 

und die Umstände ihrer Ausreise seien ungeachtet der mangelnden Asyl-

relevanz Vorbehalte anzubringen. Die Ausführungen seien nicht substan-

ziiert und in sich widersprüchlich. Die von ihr geschilderte Lebenssituation, 

namentlich eine drohende Obdachlosigkeit im Falle der Rückkehr, sei 

ebenfalls nicht asylrelevant. 

5.2 Die Beschwerdeführerin hielt dem auf Beschwerdeebene im Wesentli-

chen entgegen, sie sei Opfer häuslicher Gewalt durch ihren zweiten Ehe-

mann geworden und könne in ihrem Heimatstaat keine staatliche Hilfe 

diesbezüglich in Anspruch nehmen, da solche Gewalt toleriert werde. Zur 

Frage der Bedrohung durch Gläubiger ihres Mannes wurden keine Ausfüh-

rungen gemacht. 

6.  

6.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzlichen Erwägungen 

zu bestätigen sind. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist vorab auf 

diese zu verweisen (s. Verfügung S. 3 ff. sowie oben E. 5.1).  

6.2 Das Flüchtlingsrecht ist subsidiär ausgestaltet. Demnach ist eine Be-

dürftigkeit nach internationalem Schutz dann anerkannt, wenn der Heimat-

staat Betroffenen keinen Schutz bieten will oder kann (vgl. Entscheidungen 

und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 

2006 Nr. 18 E. 10.1 S. 201). Der Schutz gilt als ausreichend, wenn im Hei-

matstaat eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfü-

gung steht, also in erster Linie polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Or-

gane und ein Rechts- und Justizsystem, das eine effektive Strafverfolgung 

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Seite 6 

ermöglicht; diese Struktur muss den Betroffenen darüber hinaus zugäng-

lich sein (vgl. zur sog. Schutztheorie BVGE 2011/51 E. 7.1–7.4 m.w.H.). 

6.3 Der Kosovo zählt mit Beschluss des Bundesrates vom 25. Oktober 

2017 seit dem 1. Januar 2018 zu den verfolgungssicheren Staaten (sog. 

safe country) im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG. Insofern gilt die Re-

gelvermutung, dass im Kosovo keine asylrelevante staatliche Verfolgung 

stattfindet und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Es 

gelingt der Beschwerdeführerin weder im vorinstanzlichen Verfahren noch 

auf Beschwerdeebene, diese Regelvermutung umzustossen. Vielmehr 

machte die Beschwerdeführerin geltend, nicht um Schutz bei den zustän-

digen Behörden oder Institutionen ersucht zu haben. Mit diesem Verzicht 

vermag sie das Fehlen einer staatlichen Schutzfähigkeit und -willigkeit 

nicht zu belegen. Es sind den Akten zudem keine Gründe zu entnehmen, 

die es der Beschwerdeführerin nach ihrer Rückkehr in den Heimatstaat 

verunmöglichen würden, bei den entsprechenden Behörden um Schutz zu 

ersuchen, sofern dies überhaupt noch notwendig ist, denn der Ehemann 

soll sie zwischenzeitlich verlassen haben. Über dessen Verbleib weiss sie 

nichts. Es wird durchaus nicht verkannt, dass Frauen im Kosovo bei der 

Durchsetzung ihrer Rechte im Allgemeinen und in Bezug auf den Schutz 

vor drohender häuslicher Gewalt im Besonderen nach wie vor auf Schwie-

rigkeiten stossen. Jedoch sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Fort-

schritte in der staatlichen Ahndung von häuslicher Gewalt gegen Frauen 

erzielt worden, insbesondere auch in der Umsetzung der Istanbul-Konven-

tion (SR 0.311.35; vgl. hierzu bspw. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

[BVGer] E-2643/2020 vom 17. November 2020 E. 6.2; vgl. auch die Studie 

des Europarats, Mapping support services for victims of violence against 

women in Kosovo, 10. Juni 2017, <https://rm.coe.int/mapping-support- 

services-for-victims-of-violence-against-women-in-koso/168072d125>;  

SEM, Focus Kosovo, Häusliche Gewalt, 22. Januar 2020, 

<https://www.sem.admin.ch/dam/sem/de/data/internationales/herkunftsla-

ender/europa-gus/kos/KOS-haeusliche-gewalt-d.pdf.download.pdf/KOS-

haeusliche-gewalt-d.pdf>, beide zuletzt abgerufen am 23. Juni 2021).  

Gleiches gilt für die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Be-

drohungen durch Gläubiger ihres zweiten Ehemannes. Das Gericht teilt die 

Einschätzung der Vorinstanz, dass ihre Vorbringen diesbezüglich nicht 

substanziiert und in sich nicht schlüssig ausgefallen sind. Im Übrigen wäre 

sie auch bei Annahme der Glaubhaftigkeit im Falle von Bedrohungen durch 

Gläubiger ihres Ehemannes gehalten, sich an die staatlichen Institutionen 

zu wenden. 

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Seite 7 

6.4 Es ist somit festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelun-

gen ist, einen flüchtlingsrechtlich relevanten Sachverhalt darzulegen. Die 

Feststellung der Vorinstanz, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlings-

eigenschaft nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Die Vorinstanz hat 

das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

7.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die 

Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht 

angeordnet. 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände-

rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Die Vorinstanz führte diesbezüglich aus, es könne die Wahrscheinlich-

keit einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG allein auf-

grund der Ethnie auch für Ashkali – mit Ausnahme einiger Dörfer bezie-

hungsweise Gemeinden – ausgeschlossen werden. Zudem sei für Ange-

hörige dieser Ethnie die Bewegungsfreiheit in Kosovo grundsätzlich gege-

ben. Ebenfalls sei der Zugang zu den medizinischen und sozialen Struktu-

ren in aller Regel gewährleistet. Die Regelvermutung, dass eine Rückkehr 

in den Kosovo grundsätzlich zumutbar sei, gelte somit ebenso für Angehö-

rige der Ashkali. Zudem gebe es auch im Fall der Beschwerdeführerin 

keine individuellen Gründe, die gegen die Zumutbarkeit eines Wegwei-

sungsvollzugs sprechen würden. Sie sei mittleren Alters und könne prakti-

sche Erfahrung im landwirtschaftlichen Bereich vorweisen. Zudem verfüge 

sie eigenen Angaben zufolge über zahlreiche Verwandte und Bekannte in 

der Schweiz, welche sie bei sowie nach der Rückkehr unterstützen könn-

ten. So sei sie in der Vergangenheit von ihrer in der Schweiz lebenden (...) 

und deren (...) bereits finanziell unterstützt worden und es seien den vor-

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Seite 8 

liegenden Akten ferner keine Hinweise zu entnehmen, wonach die Be-

schwerdeführerin auf diese Unterstützung nicht auch in Zukunft zählen 

könne. Die Angaben anlässlich der Stellungnahme, dass die in der 

Schweiz wohnhafte (...) und deren (...) nicht arbeitsfähig seien und sie von 

ihnen nur unregelmässig Geld erhalten habe, vermöchten nicht ausrei-

chend zu begründen, dass die Kontakte der Beschwerdeführerin in der 

Schweiz sie nicht unterstützen könnten. Ferner seien im Kosovo Sozialhil-

feleistungen sowie weitere Vergünstigungen (social benefits) für Bezugs-

berechtigte erhältlich. 

Des Weiteren bestünden Zweifel am Vorbringen der Beschwerdeführerin 

zu ihrem im Heimatstaat bestehenden sozialen Netz, insbesondere daran, 

dass sie keinen Kontakt mehr zu ihren neun dort lebenden Kindern habe, 

zumal sie zu deren Wohnorten, Zivilstandsverhältnissen und Kindern kon-

krete Angaben habe machen können. Ferner sei anzumerken, dass unter 

den Angehörigen der Ethnie der Ashkali in der Regel ein enger sozialer 

Zusammenhalt bestehe. Es erscheine als sehr unwahrscheinlich, dass sie 

in ihrem Herkunftsstaat über kein soziales Netzwerk verfüge. Vielmehr sei 

davon auszugehen, dass es sich um Behauptungen handle, um einen 

möglichen Vollzug der Wegweisung abzuwenden. 

8.3 Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, dass sie in ihrem Heimat-

staat keinerlei soziales Netz habe, welches sie unterstützen könne. Sie 

habe sämtliche Bande zu ihrer im Kosovo lebenden Familie abgeschnitten. 

Sie sei vollständig von ihrem Ehemann abhängig gewesen, der sie verlas-

sen habe. Sie sei Analphabetin und habe keine Schule besucht. Ihre in der 

Schweiz lebenden Verwandten könnten sie nicht in dem vom SEM ange-

nommenen Masse unterstützen. Sie könnten ihr jedoch hier in der Schweiz 

Hilfe bieten und sie insbesondere psychologisch unterstützen. 

9.  

9.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-

liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder 

des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-

stehen. Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, 

ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des 

Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und 

völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

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Seite 9 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, 

SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

Weder aus den Akten noch aus der Beschwerde ergeben sich konkrete 

Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin für den Fall einer Aus-

schaffung in den Kosovo dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.  

9.2 Die allgemeine Lage im Kosovo, die weder von Bürgerkrieg noch von 

allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist, steht einem Wegweisungsvollzug 

nicht entgegen. Der Bundesrat bezeichnet Kosovo als Staat, in den die 

Rückkehr generell zumutbar ist (Art. 83 Abs. 5 AIG i.V.m. Art. 18 der Ver-

ordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie der Landes-

verweisung von ausländischen Personen [VVWAL, SR 142.281] und An-

hang 2 der Verordnung).  

Die Beschwerdeführerin vermag die gesetzliche Vermutung der Zumutbar-

keit der Rückkehr in den Kosovo auch unter Berücksichtigung ihrer Min-

derheitenethnie mit ihren Vorbringen nicht umzustossen. Zur Vermeidung 

von Wiederholungen kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen in der 

angefochtenen Verfügung verwiesen werden. In der Beschwerde finden 

sich keine Einwendungen, welche zu einer anderen Betrachtungsweise 

führen könnten. Die Beschwerdeführerin hielt in der Beschwerde den vom 

SEM dargelegten Ungereimtheiten hinsichtlich ihres Beziehungsnetzes im 

Heimatstaat nichts Substantiiertes entgegen. Aufgrund der ungereimten 

und nicht substanziierten Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrem fami-

liären Beziehungsnetz im Heimatstaat, namentlich in Bezug auf ihre im Ko-

sovo lebenden Kinder im Erwachsenenalter, scheint es für das Gericht 

nicht glaubhaft, dass sie im Falle einer Rückkehr mangels Beziehungsnetz 

in eine existenzbedrohende Lage geraten würde. Es ist der Beschwerde-

führerin sodann zuzumuten, allenfalls mit Unterstützung ihrer Kinder oder 

Dritter, die staatlichen Institutionen für soziale Unterstützung anzugehen, 

dies gilt insbesondere betreffend Zugang zu sozialen Leistungen oder Leis-

tungen im Rahmen des von Kosovo vorgesehenen Reintegrationspro-

grammes; für Opfer häuslicher Gewalt stehen sodann auch Frauenhäuser 

zur Verfügung (vgl. bspw. Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), Schnell-

recherche der SFH-Länderanalyse vom 31. August 2016 zu Kosovo). Es 

ist sodann mit dem SEM davon auszugehen, dass ihre in der Schweiz le-

bende Verwandtschaft sie im Bedarfsfall unterstützen kann. Der Vollzug 

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Seite 10 

der Wegweisung ist mithin sowohl in genereller als auch individueller Hin-

sicht zumutbar.  

9.3 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen, 

weil es der Beschwerdeführerin obliegt, sich die für eine Rückkehr allenfalls 

notwendigen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung ihres Hei-

matstaats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 

E. 12). 

9.4 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-

bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-

nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Der Eventualantrag ist ab-

zuweisen. 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.  

11.  

11.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehen-

den Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten 

haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht 

gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist.  

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili