# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cca766f7-7541-5e05-8805-63234f395df6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.06.2021 F-274/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-274-2020_2021-06-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-274/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  J u n i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Susanne Genner (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, 

Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiberin Fabienne Hasler. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

vertreten durch MLaw Olivia Eugster, 

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum aus humanitären Gründen. 

 

 

 

F-274/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin (geb. […], Staatsangehörige von Pakistan) er-

suchte am 24. September 2019 bei der Schweizerischen Botschaft in Isla-

mabad um Ausstellung eines humanitären Visums. 

Sie ist mit B._______ verheiratet, welcher im Jahr 2012 in die Schweiz ge-

flüchtet war und hier ein Asylgesuch gestellt hatte. Dieses wurde am 

18. Juni 2018 abgewiesen, wobei B._______ als Flüchtling anerkannt und 

vorläufig aufgenommen wurde. Dessen Beschwerde gegen die Ablehnung 

des Asylgesuchs ist derzeit vor Bundesverwaltungsgericht hängig (Verfah-

ren E-6788/2018). 

B.  

Mit Formularverfügung vom 4. Oktober 2019 verweigerte die Schweizeri-

sche Botschaft in Islamabad die Ausstellung des Visums. 

C.  

Am 11. Dezember 2019 wies die Vorinstanz die dagegen erhobene Ein-

sprache der Beschwerdeführerin ab. 

D.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. Januar 2020 gelangte die Beschwerde-

führerin an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung 

der vorinstanzlichen Verfügung und die Gutheissung des Antrags auf Ertei-

lung eines humanitären Visums. Zudem ersuchte sie um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2020 wies das Bundesverwal-

tungsgericht das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung ab. 

F.  

Mit Schreiben vom 31. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine er-

gänzende Stellungnahme ein. 

Auf den beigelegten Arztbericht wird – soweit erheblich – in den Erwägun-

gen eingegangen. 

F-274/2020 

Seite 3 

G.  

In ihrer Vernehmlassung vom 20. April 2020 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde. 

H.  

In ihrer Replik vom 28. Mai 2020 hielt die Beschwerdeführerin an ihren An-

trägen und deren Begründung fest. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 

AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG).  

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 

1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist 

[Art. 50 Abs. 1 VwVG], Form der Beschwerde [Art. 52 VwVG] und Bezah-

lung des Kostenvorschusses [Art. 63 Abs. 4 VwVG]) sind erfüllt. Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Be-

gründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus an-

deren als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-

scheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 

3.  

3.1 Als Staatsangehörige von Pakistan unterliegt die Beschwerdeführerin 

der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 über 

die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit ihrem Gesuch 

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beabsichtigt sie ausdrücklich einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb die-

ses nicht nach den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, sondern nach 

den Bestimmungen des nationalen Rechts zu prüfen ist (vgl. BVGE 2018 

VII/5 E. 3.5 und E. 3.6.1). 

3.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen 

Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen 

aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt 

erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere vor, wenn die betreffende 

Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und 

Leben gefährdet ist. 

3.3 Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr restriktiven Be-

dingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3). Diese gelten dann als 

erfüllt, wenn bei einer Person aufgrund der konkreten Umstände offensicht-

lich davon ausgegangen werden muss, dass sie sich im Heimat- oder Her-

kunftsstaat in einer besonderen Notsituation befindet, die ein behördliches 

Eingreifen zwingend erforderlich macht und es rechtfertigt, ihr – im Gegen-

satz zu anderen Personen in derselben Lage – ein Einreisevisum zu ertei-

len. Dies kann etwa bei akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund 

einer konkreten individuellen Gefährdung, die sie mehr als alle anderen 

Personen betrifft, gegeben sein. Befindet sich die betroffene Person bereits 

in einem Drittstaat (BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3) oder ist sie nach einem Auf-

enthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder Herkunftsland zurück-

gekehrt (vgl. Urteil des BVGer F-4658/2017 vom 7. Dezember 2018 E. 4.3) 

und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in 

der Regel davon auszugehen, dass keine Gefährdung mehr besteht. Das 

Visumgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefährdung, der 

persönlichen Umstände der betroffenen Person und der Lage im Heimat- 

oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen. Dabei können auch weitere Krite-

rien wie das Bestehen von Bindungen zur Schweiz und die hier bestehen-

den Integrationsaussichten oder die Unmöglichkeit, in einem anderen Land 

um Schutz nachzusuchen, berücksichtigt werden (vgl. BVGE 2018 VII/5 

E. 3.6.3). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründet die angefochtene Verfügung damit, dass we-

der eine unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefahr für Leib und Leben 

noch eine besondere Notsituation vorliege, welche die Ausstellung eines 

Visums aus humanitären Gründen rechtfertigen würde. Die im Rahmen der 

Vorprüfung zunächst angenommene Reflexverfolgung sei zwischenzeitlich 

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Seite 5 

zu verneinen. Eine solche sei zunächst insbesondere in Bezug auf den 

noch minderjährigen Sohn des Ehemanns der Beschwerdeführerin, der ur-

sprünglich gemeinsam mit der Beschwerdeführerin einen Visumantrag ge-

stellt hatte, vermutet worden. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass die-

ser Sohn, dessen leibliche Mutter die erste Ehefrau des Ehemanns der Be-

schwerdeführerin ist, nicht mit letzterer zusammenlebe und erst zu einem 

späteren Zeitpunkt um eine Einreisebewilligung ersuchen werde. Von der 

Beschwerdeführerin seien mehrere Termine für die Einreichung des Visum-

gesuchs nicht wahrgenommen worden. Anlässlich des schliesslich durch 

die Schweizerische Botschaft in Islamabad durchgeführten Interviews 

habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie bei ihren Eltern in 

C._______ lebe, aber noch Verwandte in D._______ und E._______ habe, 

wo sie sich teilweise ebenfalls aufhalte. Nun wolle sie zu ihrem Ehemann 

in die Schweiz ziehen. Weiter habe sie zu Protokoll gegeben, es gebe be-

reits seit über einem Jahr keine Angriffe und Drohungen mehr. Daraus 

lasse sich schliessen, dass die Voraussetzungen für die Erteilung eines 

Visums aus humanitären Gründen nicht erfüllt seien. 

4.2 Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, sie sei als Ehefrau von 

B._______, der seit 2012 in der Schweiz lebt und hier um Asyl ersucht hat, 

in Pakistan an Leib und Leben bedroht. Ihr Ehemann engagiere sich seit 

jungen Jahren für (…) und sei deshalb in Pakistan verfolgt worden. Seit 

seiner Flucht setze er seine politischen Aktivitäten von der Schweiz aus 

fort. Im (…) sei deshalb sein Sohn von (…) getötet worden. Im Verlauf des 

Jahres (…) hätten Angehörige des (…) wiederholt sein Haus aufgesucht, 

Wertgegenstände beschlagnahmt und die Familie bedroht, belästigt und 

geschlagen. Im Jahr (…) seien die Grundstücke des Ehemanns konfisziert 

worden. Bei einem Überfall auf das Haus der Familie sei die Mutter des 

Ehemanns derart belästigt und bedroht worden, dass sie daraufhin psy-

chisch krank geworden sei, zur Behandlung ins Spital gebracht werden 

musste und schliesslich im Dezember 2017 verstorben sei. Am (…) hätten 

die (…) sodann einen weiteren Übergriff ausgeübt, bei welchem Vermö-

gensgegenstände entwendet oder zerstört, die Familie misshandelt und 

der Neffe ihres Ehemanns entführt worden sei. Erst gegen Ende 2018 habe 

der in der Schweiz wohnhafte Ehemann wieder eine Nachricht von seiner 

Familie erhalten, welche inzwischen aus Angst vor weiteren Verfolgungen 

durch den pakistanischen Staat untergetaucht sei. Die Familie, darunter 

sie – die Beschwerdeführerin – , lebe unter prekären Bedingungen und in 

der ständigen Sorge, dass ihr Versteck auffliege und sie von den (…) ent-

führt oder ermordet würde. Ungefähr Mitte (…) habe der Ehemann telefo-

nischen Kontakt mit ihr – der Beschwerdeführerin – gehabt, woraufhin sie 

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von den (…) aufgesucht und mit dem Tod bedroht worden sei. Sie sei an-

gesichts der exilpolitischen Aktivitäten ihres Ehemanns in Pakistan unmit-

telbar individuell gefährdet. Es liege zumindest eine Reflexverfolgung vor. 

Im Weiteren führt die Beschwerdeführerin aus, den ersten Termin bei der 

Schweizerischen Botschaft habe sie verpasst, da sie auf dem Weg nach 

Islamabad in eine Polizeikontrolle geraten sei. Den Ersatztermin habe sie 

nicht wahrnehmen können, da sie zu spät bei der Botschaft eingetroffen 

sei. 

In Bezug auf die eheliche Gemeinschaft mit ihrem Ehemann führt sie aus, 

praxisgemäss könnten sich auch solche Personen auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK 

berufen, die kein gefestigtes Aufenthaltsrecht hätten, deren Anwesenheit 

in der Schweiz jedoch faktisch als Realität hingenommen werde bzw. aus 

objektiven Gründen hingenommen werden müsse. Aufgrund der Anerken-

nung ihres Ehegatten als vorläufig aufgenommener Flüchtling sowie ange-

sichts der Tatsache, dass eine Aufhebung seines rechtlichen Status in ab-

sehbarer Zukunft nicht anzunehmen sei, könne in seinem Fall ein fakti-

sches Aufenthaltsrecht angenommen werden. Aufgrund ihrer Beziehung 

zu ihrem Ehemann habe sie ein schützenswertes Interesse im Sinne von 

Art. 8 EMRK, welches zusätzlich für die Bewilligung eines humanitären Vi-

sums spreche. 

4.3 Im Rahmen der Beschwerdeergänzung vom 31. März 2020 bringt die 

Beschwerdeführerin vor, sie leide nach körperlichen Misshandlungen 

durch die (…) an Nierenproblemen. In den letzten Wochen habe sich die 

gesundheitliche Situation verschlechtert, weshalb sie in ein Spital in 

F._______ habe eingeliefert werden müssen. 

4.4 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdeschrift 

enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel und es wür-

den keine neuen Argumente vorgebracht, welche eine Änderung des Ent-

scheids rechtfertigen würden. Die angebliche Todesdrohung sei nachge-

schoben und daher nicht glaubhaft, zumal die Beschwerdeführerin dies an-

lässlich des Termins bei der schweizerischen Botschaft für den Visuman-

trag mit keinem Wort erwähnt habe. Dasselbe gelte für die mit der Be-

schwerdeergänzung vom 31. März 2020 vorgebrachten angeblichen ge-

sundheitlichen Probleme. Gemäss ständiger Rechtsprechung müsse die 

Beschwerdeführerin die sie betreffende ernsthafte Gefährdung für Leib und 

Leben selber belegen. 

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4.5 In der Replik führt die Beschwerdeführerin aus, der Vorfall mit den (…), 

die sie mit dem Tod bedroht hätten, sei ca. (…) passiert. Die Befragung 

durch die schweizerische Botschaft in Pakistan habe dahingegen bereits 

am 24. September 2019 stattgefunden. Da sie – die Beschwerdeführerin – 

erst nach dem Termin bei der Botschaft bedroht worden sei, habe sie an-

lässlich des Visumantrags nicht von den Drohungen berichten können. Die 

Ausführungen seien somit nicht nachgeschoben. In Bezug auf den Ge-

sundheitszustand bringt die Beschwerdeführerin vor, dieser habe sich nach 

den körperlichen Misshandlungen zunächst verbessert. Erst ab ca. Feb-

ruar 2020 sei es zu einer erneuten Verschlechterung gekommen, worauf-

hin sie hospitalisiert worden sei. Die Befragung durch die Auslandvertre-

tung habe im September 2019 stattgefunden und die Beschwerde gegen 

die Ablehnung des Visumantrags sei im Januar 2020 eingereicht worden. 

In der Befragung und in der Beschwerde sei sie nicht detailliert auf die ge-

sundheitlichen Probleme eingegangen, da sich ihr Gesundheitszustand 

erst später, ca. Februar 2020, verschlechtert habe. Somit seien auch diese 

Ausführungen nicht nachgeschoben. 

5.  

5.1 Wie nachfolgend darzulegen ist, sind die Voraussetzungen für die Er-

teilung eines nationalen Visums aus humanitären Gründen nicht erfüllt. Als 

massgeblich erweist sich, dass keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, wel-

che darauf hindeuten würden, dass die Beschwerdeführerin in Pakistan 

unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet wäre, be-

ziehungsweise dass sie sich in einer besonderen Notlage befinden würde, 

welche ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich erscheinen 

liesse. 

5.2 Die Beschwerdeführerin bringt bezüglich ihrer Ausführungen zu angeb-

lichen Überfällen durch (…), die im Zusammenhang mit den exilpolitischen 

Aktivitäten des Ehemanns erfolgt sein sollen, keinerlei Belege vor. Sie ver-

weist diesbezüglich lediglich auf das noch hängige Asylverfahren ihres 

Ehegatten. Dieses ist aber erstens noch nicht rechtskräftig und betrifft 

zweitens eine andere Person und eine andere Fragestellung. Somit kann 

die Beschwerdeführerin aus diesem Verfahren nichts zu ihren Gunsten ab-

leiten. Dasselbe gilt für den Umstand, dass ihr Ehemann vorläufig als 

Flüchtling aufgenommen wurde. Dies entbindet die Beschwerdeführerin 

nicht davon, substantiiert und konkret darzulegen, inwiefern sie sich in ei-

ner humanitären Notsituation befindet. Auch der Verweis auf das Urteil des 

BVGer E-4569/2013 vom 4. Mai 2017, das sich in den von der Beschwer-

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Seite 8 

deführerin zitierten Erwägungen mit der Behandlung von Belutschen in Pa-

kistan auseinandersetzt, ist nicht zielführend, da dieser Fall die Beurteilung 

eines Asylgesuchs zum Gegenstand hatte. Für die Erteilung eines huma-

nitären Visums bedarf es hingegen einer besonderen Notsituation im Hei-

mat- oder Herkunftsstaat, wobei im Gegensatz zum Asylverfahren ein er-

höhtes Beweismass gilt, und eine allfällige Gefährdung im Heimat- oder 

Herkunftsstaat an restriktive Voraussetzungen geknüpft ist (vgl. Urteile des 

BVGer E-5105/2014 vom 13. Oktober 2014 E. 3.4; D-3367/2013 vom 

12. Mai 2014 E. 4.2, 4.4 m.w.H.). Die Beschwerdeführerin bringt keine hin-

reichend substantiierten Gründe vor, die eine konkrete und unmittelbare 

Bedrohung in Pakistan glaubhaft machen würden. Vielmehr hat sie im Rah-

men ihrer Vorsprache bei der Schweizerischen Botschaft am 24. Septem-

ber 2019 angegeben, es gebe bereits seit über einem Jahr keine Angriffe 

und Drohungen mehr. 

5.3 Die angeblichen Todesdrohungen durch (…) nach einem Telefonat mit 

dem Ehemann der Beschwerdeführerin wurden erst anlässlich des Be-

schwerdeverfahrens eingebracht. Dies erweckt einen unglaubwürdigen 

Anschein. Die daraufhin in der Replik pauschal entgegengebrachte Fest-

stellung, wonach die Drohungen erst kurz nach dem Termin bei der Bot-

schaft erfolgt sein sollen, vermag daran nichts zu ändern. Auch hier fehlt 

es wiederum an substantiierten und stichhaltigen Ausführungen. 

5.4 Die mittels Beschwerdeergänzung vom 31. März 2020 eingebrachte 

Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin und 

ihre Hospitalisation in Pakistan sind ebenfalls nicht belegt. Diesbezüglich 

legt die Beschwerdeführerin lediglich einen ärztlichen Bericht bei, in wel-

chem festgehalten ist, wie ihr Ehemann in der Schweiz ihre gesundheitli-

che Situation beschreibt. Dies ist nicht ausreichend. Es ist aber ohnehin 

anzumerken, dass der Umstand, dass in der Schweiz eine medizinische 

Behandlung generell geeigneter und leichter zugänglich wäre als in Pakis-

tan – für sich allein – kein behördliches Eingreifen rechtfertigt (vgl. Urteile 

des BVGer F-1173/2016 vom 25. Januar 2017 E. 5.2; F-4480/2019 

E. 5.2.2). Im Übrigen zeigen die Ausführungen der Beschwerdeführerin ge-

rade, dass die Inanspruchnahme von medizinischer Hilfe in Pakistan ge-

währleistet ist. Dies spricht hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Versorgung 

offensichtlich gegen die Erteilung eines humanitären Visums. 

5.5 Die Beschwerdeführerin beruft sich unter Bezugnahme auf ihre Ehe mit 

einem in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Flüchtling auf Art. 8 Ziff. 1 

EMRK. Es stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin diese Garantie 

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anrufen kann und ob gegebenenfalls die Verweigerung des humanitären 

Visums eine Verletzung derselben darstellt. 

5.5.1 Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens, wel-

ches in erster Linie die Kernfamilie, das heisst die Gemeinschaft der Ehe-

gatten mit ihren minderjährigen Kindern, umfasst (vgl.). Die Garantie kann 

verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige 

in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das Familien-

leben vereitelt wird. Das in Art. 8 EMRK beziehungsweise Art. 13 BV ge-

schützte Recht ist gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts berührt, 

wenn eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer 

gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt wird, ohne dass 

es dieser möglich beziehungsweise zumutbar wäre, ihr Familienleben an-

dernorts zu pflegen (BGE 144 II 1 E. 6.1; 143 I 21 E. 5.1; 139 I 330 E. 2.1; 

135 I 143 E. 1.3.2; 129 II 11 E. 2). Auf Art. 8 EMRK können sich in Ausnah-

mesituationen auch Personen berufen, deren Anwesenheit rechtlich nicht 

geregelt ist beziehungsweise die kein gefestigtes Aufenthaltsrecht haben, 

deren Anwesenheit in der Schweiz jedoch faktisch als Realität hingenom-

men wird beziehungsweise aus objektiven Gründen hingenommen werden 

muss (vgl. BGE 138 I 246 E. 3.3.1 mit Verweis auf die Urteile des EGMR 

Jeunesse gegen Niederlande vom 3. Oktober 2014 [Nr. 12738/10] § 103 ff. 

m.w.H., Agraw gegen Schweiz vom 29. Juli 2010 [Nr. 3295/06] § 44 ff. und 

Mengesha Kimfe gegen Schweiz vom 29. Juli 2010 [Nr. 24404/05] § 61 ff.). 

5.5.2 Die Beschwerdeführerin begründet ihren Antrag für ein humanitäres 

Visum damit, dass sie angesichts der exilpolitischen Aktivitäten ihres Ehe-

manns in Pakistan gefährdet sei. Hintergrund für das vorliegend zu beur-

teilende Gesuch ist damit der Schutz vor einer allfälligen Reflexverfolgung. 

Der Zweck von Art. 8 Ziff. 1 EMRK besteht jedoch nicht darin, die gesuch-

stellende Person vor einer Verfolgung im Heimatstaat zu bewahren, son-

dern liegt in der Gewährleistung des Familienlebens. Das Gesuch der Be-

schwerdeführerin gründet höchstens sekundär auf dem Wunsch nach ei-

nem Zusammenleben mit ihrem Ehemann. Es ist deshalb fraglich, ob vor-

liegend der Schutzbereich von Art. 8 EMRK überhaupt eröffnet ist. Diese 

Frage kann jedoch offen bleiben, da – wie nachfolgend darzulegen ist – 

der Eingriff in das Recht auf Achtung des Familienlebens gestützt auf 

Art. 8 Ziff. 2 EMRK gerechtfertigt wäre. 

5.5.3 Die Europäische Menschenrechtskonvention verschafft keinen abso-

luten Anspruch auf Einreise und Aufenthalt, respektive auf Wahl des für das 

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Seite 10 

Familienleben am geeignetsten erscheinenden Orts, oder auf einen beson-

deren Aufenthaltstitel. Vielmehr erweist sich eine aufenthaltsbeendende  

oder -verweigernde, im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK 

liegende Massnahme als zulässig, wenn sie gesetzlich vorgesehen ist, ei-

nem legitimen Zweck im Sinn von Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht und zu 

dessen Realisierung in einer demokratischen Gesellschaft «notwendig» er-

scheint (BGE 143 I 21 E. 5.1; 135 I 153 E. 2.1). 

5.5.4 Der Ehemann der Beschwerdeführerin ist im Jahr 2012 in die 

Schweiz eingereist und hat die Beschwerdeführerin im Heimatland zurück-

gelassen. Den Ehegatten wäre es offen gestanden, gemeinsam aus Pakis-

tan wegzugehen. Angesichts der im vorliegenden Verfahren geltend ge-

machten Reflexverfolgung von Familienmitgliedern wäre dies ein plausibler 

Schritt gewesen. Stattdessen entschieden sie sich, eine Trennung der Fa-

milie hinzunehmen, indem die Beschwerdeführerin allein in Pakistan zu-

rückblieb. Die Trennung der Ehegatten ist freiwillig erfolgt. Dabei nahmen 

sie unweigerlich eine langfristige Trennung in Kauf, da nicht mit der Ge-

währung eines uneingeschränkten Familiennachzugs gerechnet werden 

konnte (vgl. z.B. Konstatinov gegen Niederlande vom 26. April 2007 

[Nr. 16351/03] § 48). Vielmehr mussten die Beschwerdeführerin und ihr 

Ehemann vernünftigerweise davon ausgehen, ihr Familienleben künftig für 

eine lange Zeit nicht pflegen zu können. Unter diesen Umständen ist die 

Beeinträchtigung des Ehelebens nicht dargetan, weshalb der Eingriff in das 

Familienleben als verhältnismässig zu betrachten wäre. Die Verweigerung 

der Einreise hielte folglich vor Art. 8 Ziff. 2 EMRK stand. 

5.5.5 Der Beschwerdeführerin ist zuzumuten, die gesetzliche Frist für den 

Familiennachzug von vorläufig aufgenommenen Personen abzuwarten 

und ein entsprechendes Gesuch zu stellen, sofern die Voraussetzungen 

gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG erfüllt sind. 

5.5.6 Folglich kann die Beschwerdeführerin aus der Anwesenheit ihres 

Ehegatten in der Schweiz nichts zugunsten ihrer Einreise in die Schweiz 

ableiten. 

5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Vorausset-

zungen, unter denen der Beschwerdeführerin ein nationales Visum aus hu-

manitären Gründen ausgestellt werden könnte, zu Recht verneint hat. 

6.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

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Seite 11 

Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be-

schwerde ist demzufolge abzuweisen. 

7.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten, welche sich 

vorliegend auf CHF 800.- belaufen, der Beschwerdeführerin aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss ge-

deckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) 

– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Fabienne Hasler 

 

  

F-274/2020 

Seite 13 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen 

nach Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG erfüllt sind. Die Frist ist gewahrt, wenn 

die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht 

eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer 

schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung überge-

ben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer 

Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit An-

gabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene 

Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende 

Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

 

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