# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bb5d7820-a19c-5886-ac68-dad3aa342418
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.09.2020 E-4110/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4110-2020_2020-09-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4110/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  S e p t e m b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Esther Marti, 

mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;   

Gerichtsschreiberin Janine Sert. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…),  

und seine Tochter 

B._______, geboren am (…), 

Kolumbien,  

(…),   

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist);  

Verfügung des SEM vom 17. Juli 2020 / N (…). 

 

 

 

E-4110/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der kolumbianische Beschwerdeführer suchte am 23. März 2020 zusam-

men mit seiner Tochter in der Schweiz um Asyl nach. Sie wurden dem Bun-

desasylzentrum (BAZ) der Region C._______ zugewiesen. Nach der Per-

sonalienaufnahme am 26. März 2020 hörte das SEM den Beschwerdefüh-

rer am 3. Juli 2020 zu den Asylgründen an.  

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen geltend, er habe im Jahr (…) im Auftrag der kriminellen Or-

ganisation D._______, einer Untergruppe der Autodefensas Unidas de Co-

lombia, Drogen nach E._______ geschmuggelt, wo er von den E._______ 

Behörden gefasst und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden 

sei. Nach seiner Entlassung auf Bewährung sei er im Jahr (…) an seinen 

Heimatort F._______ zurückgekehrt. Nach seiner Rückkehr sei er von den 

D._______ bedroht worden, weshalb er im selben Jahr respektive im Ja-

nuar (…) nach G._______ geflüchtet sei, wo er bis (…) unbehelligt geblie-

ben sei. Seither habe er erneut Drohnachrichten der D._______ erhalten. 

Er und seine Familie seien mit dem Tod bedroht worden. Es sei von ihm 

verlangt worden, erneut Drogen zu schmuggeln, um seine Schulden auf-

grund des früheren misslungenen Schmuggelversuchs zu begleichen. Er 

habe sich geweigert und bei der kolumbianischen Polizei und Staatsan-

waltschaft Anzeige erstattet. Die Behörden hätten seine Anzeige zwar ent-

gegengenommen, ihn jedoch nicht schützen wollen. In den Jahren (…) und 

(…) sei er in die USA gereist, bei der zweiten Reise indes nach einer drei-

monatigen Haft respektive einem dreimonatigen Asylverfahren nach Ko-

lumbien abgeschoben worden. Er habe sich an die Botschaften verschie-

dener europäischer Länder gewandt und Hilfe erbeten. Um seine Tochter 

besser zu schützen, hätten er und seine Frau sich im Jahr (…) getrennt. 

Im Jahr (…) habe er über einige Monate hinweg Kontakt zu einer 

H._______ Drogenfahnderin gehabt, die auf der H._______ Botschaft in 

G._______ gearbeitet habe; sie habe aber schliesslich eine Zusammenar-

beit und entsprechenden Schutz abgelehnt respektive habe den Kontakt 

abgebrochen. Im (…) 2018 sei er via I._______ in die Schweiz gereist, sei 

jedoch erneut nach Kolumbien zurückgekehrt, nachdem er erfahren habe, 

dass er während eines Asylverfahrens in einem Bunker leben müsste, und 

weil seine Tochter nicht mitgekommen sei. Seit ungefähr (…) 2018 bis zu 

seiner Ausreise am (…) 2020 sei er nicht mehr direkt bedroht worden, sie 

hätten ihm jedoch Todesblumen vor die Haustüre gelegt und das Telefon 

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klingeln lassen. Schliesslich habe er Kolumbien zusammen mit seiner 

Tochter verlassen und sei legal nach I._______ gelangt. Von dort sei er 

über die J._______ in die Schweiz gelangt, wo er sich in K._______ bei 

einer Bekannten aufgehalten habe, bevor er für eine Woche in die 

J._______ zurückgekehrt sei. Acht Tage später sei er erneut in die Schweiz 

eingereist und habe hier das Asylgesuch eingereicht. Seine Ex-Frau sei in 

Kolumbien geblieben, weil er nicht über genügend Geld für alle drei gehabt 

habe. Nach Einreichung des Asylgesuchs habe er beziehungsweise habe 

seine Ex-Frau erneut Drohungen erhalten. 

Der Beschwerdeführer reichte seinen Reisepass sowie den Reisepass sei-

ner Tochter im Original, ihre Identitätskarten im Original, sowie folgende 

Dokumente in Kopie zu den Akten: einen Steuerausweis aus E._______, 

eine E-Mail an das kolumbianische Präsidialamt, mehrere Drohmails und 

Whatsapp-Nachrichten, Anzeigen bei der Polizei und der Staatsanwalt-

schaft, zwei Briefe an die kolumbianischen Behörden, Auszüge aus der 

Korrespondenz mit der I._______ Polizei und der H._______ Drogenfahn-

dung sowie Auszüge aus einer Whatsapp-Kommunikation mit seiner Ex-

Frau.  

C.  

Das SEM unterbreitete der Rechtsvertretung der Beschwerdeführenden 

am 13. Juli 2020 einen Entwurf des vorgesehenen Asylentscheides. Diese 

liess sich am 15. Juli 2020 dazu vernehmen. 

D.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 17. Juli 2020 stellte das SEM 

fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüll-

ten, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung sowie den 

Vollzug an.  

E.  

Ebenfalls am 17. Juli 2020 legte die zugewiesene Rechtsvertretung das 

Mandat nieder. 

F.  

Gegen die Verfügung des SEM vom 17. Juli 2020 erhob der Beschwerde-

führer für sich und seine Tochter mit Eingabe vom 16. August 2020 (Post-

stempel: 17. August 2020) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. 

Er beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Anord-

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nung der vorläufigen Aufnahme; eventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

stellt er ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung inklusive Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

G.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

18. August 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

H.  

Am 20. August 2020 wurde der Eingang der Beschwerde vom Gericht be-

stätigt und verfügt, die Beschwerdeführenden könnten den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der  

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

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2.   

Mit Beschwerde können im Bereich des AIG (SR 142.20) die Verletzung 

von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Er-

messens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 112 AIG i.V.m. Art. 49 

VwVG). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Aus den Begehren und der Begründung der Beschwerdeschrift darf ge-

schlossen werden, dass sich die Beschwerde auf den Wegweisungsvoll-

zug beschränkt (Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung). Dies umso 

mehr vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich 

der Anhörung zu verstehen gab, er wisse, dass seine Vorbringen nicht asyl-

relevant seien, er könne aber aus Sorge um die Sicherheit seiner Tochter 

nicht nach Kolumbien zurückkehren (vgl. SEM-Akte 1064260-27/20 [nach-

folgend: A27], F160). Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ab-

lehnung des Asylgesuches und die Anordnung der Wegweisung (Ziffern 1 

bis 3 der angefochtenen Verfügung) sind demnach unangefochten in 

Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet 

nur noch die Frage, ob das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht als 

durchführbar erachtet hat oder ob allenfalls anstelle des Vollzugs eine vor-

läufige Aufnahme anzuordnen ist.  

5.  

5.1 Zur vom Beschwerdeführer geltend gemachten Bedrohungslage führt 

das SEM in seinem Entscheid in materieller Hinsicht im Wesentlichen aus, 

die mehrmalige freiwillige Rückkehr des Beschwerdeführers nach Kolum-

bien und sein Versuch, dem SEM Fakten zu verheimlichen (Aufenthalt in 

I._______ 2018) würden erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner 

Vorbringen entstehen lassen. Die wenig plausiblen Angaben zu seiner Ver-

folgung und zum Interesse der D._______ an seiner Person würden diese 

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Zweifel an der Glaubhaftigkeit weiter erhärten. So sei beispielsweise nicht 

erklärbar, dass sie ihn zehn Jahre lang gesucht, ihn dann plötzlich gefun-

den und von (…) bis (…) versucht hätten, ihn zum Drogenschmuggel zu 

zwingen. Auch die geltend gemachte Racheaktion sei nicht plausibel, zu-

mal ja offenbar sein Aufenthaltsort den D._______ bekannt gewesen sei, 

habe er doch geltend gemacht, sie hätten "Todesblumen" vor seine Türe 

gelegt. Warum sie angesichts ihres bekannterweise unzimperlichen Vorge-

hens ihren Drohungen nicht Taten hätten folgen lassen sei nicht nachvoll-

ziehbar. Die eingereichten Beweismittel würden – unter anderem auch, weil 

sie nur in Kopie eingereicht worden und einfach auf Internet erhältlich seien 

– die geltend gemachte Verfolgung nicht zu belegen vermögen. Auch wenn 

die schriftliche Korrespondenz mit den kolumbianischen Behörden echt 

sei, belege diese dann aber nur, dass diese gewillt gewesen seien, ihn im 

rechtsstaatlichen Rahmen zu schützen beziehungsweise sein Schutzbe-

dürfnis zu prüfen. Dass keine weiterreichenden Massnahmen getroffen 

worden seien, sei noch kein Beleg für die fehlende Schutzwilligkeit, son-

dern könne ebenso bedeuten, dass die Behörden aufgrund seiner Vorbrin-

gen keinen Anlass gesehen hätten, weitere Massnahmen zu treffen. Auch 

in den Beweismitteln selbst fänden sich zudem zahlreiche Hinweise darauf, 

dass die geltend gemachte Verfolgung nicht glaubhaft sei. Abgesehen da-

von, dass sich Ungereimtheiten aus den Dokumenten einerseits und sei-

nen Angaben andererseits ergäben, sei etwa nicht nachvollziehbar, dass 

er – wie sich aus den Dokumenten ergebe – jahrelang dieselbe Telefon-

nummer benutzt und diese auf dem Internet publiziert habe. Soweit er 

Chatverläufe und weitere ähnliche Beweismittel einreiche, seien diese 

auch nicht geeignet, die Bedrohung glaubhaft zu machen, zumal ihnen we-

nig Beweiswert zukomme, und solche Nachrichten leicht selbst produziert 

werden könnten. Nicht klar sei aufgrund der Aktenlage auch, ob sich seine 

Ex-Frau überhaupt noch in Kolumbien aufhalte. Unabhängig davon sei 

nicht nachvollziehbar, dass die Drogenmafia nun plötzlich sie direkt verfol-

gen sollte und bei einer tatsächlichen, mehrjährigen Verfolgung wäre oh-

nehin zu erwarten gewesen, dass er und seine Ex-Frau ihr Privatleben 

nicht unter eigenem Namen öffentlich darlegen würden. Auch aus der Kor-

respondenz mit ausländischen Botschaften und der I._______ Polizei 

könne er nichts ableiten, insbesondere könnten kolumbianische Staatsan-

gehörige seit 2016 visumsfrei in den Schengenraum einreisen, weshalb er 

– ohne Kontaktaufnahme – hätte nach I._______ einreisen können, wäre 

er tatsächlich bedroht gewesen. Des Weiteren gehe aus den Dokumenten 

hervor, dass er ein Angebot der H._______ Behörden für möglichen Schutz 

in H._______ oder J._______ abgelehnt habe. Der Umstand, dass die 

H._______ Behörden den Kontakt abgebrochen hätten, deute schliesslich 

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ebenfalls auf die Unglaubhaftigkeit seiner Verfolgungsgeschichte hin. Ent-

scheidend gegen die geltend machte Bedrohung spreche sodann, dass er 

(…) nach Kolumbien zurückgekehrt sei, ohne in einem Land des Schen-

genraumes um Asyl nachgesucht zu haben. Insgesamt habe er also mehr-

mals Gelegenheit gehabt, in Europa internationalen Schutz zu beantragen, 

und er habe dies nicht getan, weshalb im Umkehrschluss davon auszuge-

hen sie, hinter seinen geltend gemachten Problemen mit der kolumbiani-

schen Drogenmafia stehe ein anderes Motiv.   

Hinsichtlich der formellen Vorbehalte in der Stellungnahme führt das SEM 

insbesondere aus, es sei nicht ersichtlich, inwiefern dem Beschwerdefüh-

rer anlässlich der Anhörung die freie Rede verweigert worden sei. Vielmehr 

sei er nur dort unterbrochen worden, wo er ausschweifend begonnen ha-

ben unwesentliche Angaben zu machen. Nach Abschluss der freien Rede 

sei er zweimal gefragt worden, ob er alle relevanten Punkte seiner Asylvor-

bringen dargelegt habe. Anschliessend sei er vertieft befragt und am Ende 

der Anhörung nochmals gefragt worden, ob er alles Wesentliche für sein 

Asylgesuch habe sagen können. Hinzu komme, dass sich der relevante 

Sachverhalt auch aus den eingereichten Beweismitteln, insbesondere der 

schriftlichen Darlegung ergebe. Insgesamt habe der Sachbearbeiter den 

für die Beurteilung seines Asylgesuches relevanten Sachverhalt als erstellt 

erachtet, was dem Beschwerdeführer und seiner Rechtsvertretung im Rah-

men der Anhörung bereits mitgeteilt worden sei. Die Rechtsvertretung 

habe das Vorgehen des SEM im Rahmen der Anhörung weder bemängelt 

noch angemerkt, dass wesentliche Elemente der Asylvorbringen unbeach-

tet geblieben seien beziehungsweise der Sachverhalt nicht vollständig er-

stellt worden sei. Die tatsächlich zu Recht festgestellte falsche Bezeich-

nung im Protokolltitel der Anhörung (nämlich "Befragung") sei auf einen 

administrativen Fehler zurückzuführen. Es sei jedoch nicht ersichtlich, wes-

halb die Befragung formal keine abschliessende Anhörung gewesen sein 

sollte, und weshalb im Rahmen der Stellungnahme nun plötzlich geltend 

gemacht werde, der asylbeachtliche Sachverhalt sei unzureichend erfasst 

worden. Soweit geltend gemacht werde, die Auszüge aus dem Facebook-

Account 3 seien nicht vorgelegt worden, treffe dies zwar zu, es sei aber 

nicht ersichtlich, warum dies hätte geschehen sollen. Denn es handle sich 

dabei um Auszüge aus dem aktuellen Facebook-Account des Beschwer-

deführers, welchen er bis zu diesem Zeitpunkt aktiv bewirtschafte und der 

öffentlich zugänglich sei. Ihm und seiner Rechtsvertretung dürften die ent-

sprechenden Inhalte beziehungsweise die Akten demnach bekannt sein, 

weshalb befremdlich wirke, wenn die Rechtsvertreterin geltend mache, sie 

könne dazu nicht Stellung nehmen; sie hätten insbesondere zwischen dem 

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3. Juli 2020 (Datum der Anhörung) und dem15. Juli 2020 (Datum der Stel-

lungnahme) Zeit zur Sichtung gehabt. Zudem sei er diesbezüglich mehr-

mals befragt worden. Es sei schliesslich nicht nachvollziehbar, inwiefern 

aufgrund einer eintägigen Überschreitung der Ordnungsfrist ein formaler 

Fehler vorliegen sollte, welcher sich nachteilig auf den Ausgang seines 

Asylverfahrens ausgewirkt habe. Dass die Überschreitung der Ordnungs-

frist in der Taktenphase seitens des SEM auf die Komplexität seiner Vor-

bringen zurückzuführen sei, entbehre jeder Grundlage, zumal die Rechts-

vertreterin ihr Fristerstreckungsgesuch, dem stattgegeben worden sei, an-

ders begründet habe. Insgesamt sei die Forderung der Rechtsvertretung, 

die Anhörung sei zu wiederholen und das Asylverfahren im erweiterten Ver-

fahren weiterzuführen, nicht verständlich. Der Sachverhalt sei erstellt, es 

seien keine weiteren Abklärungen nötig und das Verfahren sei formal kor-

rekt durchgeführt worden.  

Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs führte das SEM aus, da der Be-

schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, könne auch der 

Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht ange-

wandt werden. Ferner würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte da-

für ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe o-

der Behandlung drohe. Weder die in seinem Heimatstaat herrschende po-

litische Situation noch andere Gründe sprächen sodann gegen die Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer sei jung, gesund 

und verfüge über eine Berufsausbildung und über Berufserfahrung. Da er 

bereits mehrmals Flugreisen nach Europa und in die USA gemacht habe, 

sei davon auszugehen, dass er nicht aus ärmlichen Verhältnissen stamme. 

Er verfüge über ein intaktes Beziehungsnetz und sei in Kolumbien geboren 

und aufgewachsen. Sowohl vor als auch nach seiner Ausreise habe er wei-

terhin regelmässigen und guten Kontakt zu seinen Familienangehörigen 

gepflegt. Seine Tochter habe bis vor der Ausreise in die Schweiz bei ihrer 

Mutter, welche das Sorgerecht innehabe, gelebt. Auch die Tochter sei in 

Kolumbien geboren und aufgewachsen, so dass sie in ihr gewohntes Um-

feld zurückkehren könne. Von den allgemeinen sozialen und wirtschaftli-

chen Schwierigkeiten in Kolumbien sei die dort lebende Bevölkerung im 

Allgemeinen betroffen und sie genügten nicht, um eine konkrete Gefähr-

dung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darzustellen. Ausserdem sei der Voll-

zug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar.  

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Für weitere Einzelheiten in der ausführlichen Begründung der angefochte-

nen Verfügung wird auf die entsprechenden Erwägungen in der SEM-Ver-

fügung vom 17. Juli 2020 (S. 3-10) verwiesen. 

5.2 Auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer geltend, die von 

der Vorinstanz behaupteten Ungereimtheiten seien teilweise aktenwidrig 

oder erklärt worden. Bei einer Rückkehr nach Kolumbien bestehe für ihn 

und seine Tochter eine konkrete und ernsthafte Gefahr einer erniedrigen-

den und unmenschlichen Behandlung. Sie seien folglich aufgrund der Un-

zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufzuneh-

men.  

Betreffend seine frühere Reise nach Europa und spätere Rückreise nach 

Kolumbien habe er nachvollziehbar geschildert, dass ihm in der Schweiz 

mitgeteilt worden sei, er könne seine Tochter nicht herholen, wenn er das 

Asylverfahren ohne sie durchlaufe, was er nicht gewollt habe. Es sei nicht 

ersichtlich, inwiefern die Entscheidung, nicht ohne seine Tochter in der 

Schweiz bleiben zu wollen, der Logik des Handelns widerspreche. Ferner 

seien die paramilitärischen Organisationen nach seiner Rückkehr nach Ko-

lumbien mit dem Aufbau neuer Gruppierungen und den internen Macht-

kämpfen sowie Konflikten um Gebietskontrollen beschäftigt gewesen. Es 

sei somit plausibel, dass sich die D._______ über Jahre hinweg nicht um 

aktuelle Schulden gekümmert und erst spät von der Rückkehr oder Haft 

des Beschwerdeführers erfahren hätten, zumal er nicht in Kolumbien inhaf-

tiert gewesen sei. Die D._______ hätten ihn dazu bringen wollen, seine 

Schulden zu begleichen. Als Schmuggler habe er einen grösseren Nutzen 

für sie dargestellt. 

Die Argumentation der Vorinstanz, die Menge an Korrespondenz mit Be-

hörden verschiedener Länder erwecke den Eindruck, er habe eine «Dro-

gengeschichte» fabriziert, zumal er seit 2016 visumsfrei in den Schengen-

raum hätte einreisen und danach ein Asylgesuch stellen können, lasse den 

Verdacht zu, das SEM gehe davon aus, besonders intensiven Verfolgungs-

situationen und insbesondere jene mit Versuchen, Schutz zu finden, seien 

per se unglaubhaft. Die untätige Reaktion der kolumbianischen Sicher-

heitsbehörden sei ferner sehr wohl geeignet, deren Schutzunwillen oder -

unfähigkeit zu belegen. Diesbezüglich könne er ein aktuelles Schreiben der 

kolumbianischen Generalstaatsanwaltschaft vom 3. August 2020 zu den 

Akten reichen, dem zu entnehmen sei, dass die Fälle zwar noch aktiv, je-

doch ohne weitere – namentlich seine Familie schützende – Schritte ge-

blieben seien. Vor dem Hintergrund seiner mehrfachen Rückreise aus dem 

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Ausland sei auch nachvollziehbar, dass seine Ex-Frau ihm ausdrücklich 

von einer Rückkehr abrate.  

Weder dem Beschwerdeführer noch der Rechtsvertretung sei sodann be-

kannt, auf welches Foto, das angeblich am 21. März 2020 auf Facebook 

hochgeladen worden sei, sich die Vorinstanz in ihrer Argumentation be-

ziehe. Nach Durchsicht seiner Facebook-Konten sei – wie den mit Be-

schwerde eingereichten Bildschirmfotos zu entnehmen sei – lediglich ein 

Foto vom 1. Januar 2020, welches am 9. März 2020 hochgeladen worden 

sei, zu finden, welches ihn mit seiner Ex-Frau zeige. Entgegen der Behaup-

tung der Vorinstanz habe er nie angegeben, seine Frau habe ihn nicht er-

reichen können und keinen Kontakt zu ihm gehabt.  

Die Vorinstanz habe die für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be-

schwerdeführers sprechenden Sachverhaltselemente nicht berücksichtigt. 

Bereits anlässlich der Anhörung habe man ihn nicht aussprechen lassen 

und ihm eine an ein Kreuzverhör erinnernde Fragereihe gestellt, was zur 

Vernachlässigung von Fakten durch die Vorinstanz geführt haben dürfte. 

Ferner habe er bislang nicht genügend Einsicht in die Akten betreffend den 

Facebook-Post erhalten, um zum Beweisergebnis ausreichend Stellung zu 

nehmen. Damit habe die Vorinstanz ihre Abklärungs- und Begründungs-

pflicht verletzt. Zwar gehe er davon aus, dass der Sachverhalt mit den ein-

gereichten Beweismitteln und der Beschwerde nun vollumfänglich erstellt 

sei. Sollte das Gericht wider Erwarten nicht dieser Meinung sein, sei die 

Sache zur vollständigen Erhebung des Sachverhalts oder zwecks Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

6.  

Soweit der Beschwerdeführer die Rückweisung der Angelegenheit an die 

Vorinstanz begehrt ist vorab folgendes festzuhalten:  

Die formellen Einwände sind unbegründet. Es ist nicht ersichtlich inwiefern 

das SEM seine Untersuchungspflicht verletzt und den Sachverhalt nicht 

richtig und vollständig festgestellt hätte. So hat es den Umstand, dass dem 

Beschwerdeführer Todesblumen vor die Türe gelegt worden seien aus-

drücklich gewürdigt. In Bezug auf die geltend gemachten Mängel rund um 

die fälschlicherweise als "Befragung" betitelte Anhörung kann vollumfäng-

lich auf die ausführliche Antwort auf die Stellungnahme in der angefochte-

nen Verfügung verwiesen werden (vgl. ebd. Ziffern 1-3, S. 8-10). Der Be-

schwerdeführer darf auch daran erinnert werden, dass er nach der Rück-

übersetzung seiner Aussagen unterschriftlich bestätigt hatte, das Protokoll 

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Seite 11 

sei vollständig und entspreche seinen freien Äusserungen (vgl. A27 S. 20). 

Der Vorhalt auf Beschwerdeebene, das SEM habe bei der Würdigung 

seine Erklärungen anlässlich der Anhörung sowie die Ausführungen der 

Rechtsvertretung in der Stellungnahme nicht berücksichtigt, ist unbegrün-

det. Sie beschlagen in erster Linie die Frage, ob das SEM seine Vorbringen 

in materieller Hinsicht zutreffend gewürdigt hat – etwa wenn er rügt, das 

SEM habe aus seinen späten Aussagen zum Aufenthalt in Europa ange-

sichts seiner Erklärungen zu Unrecht geschlossen, er habe etwas verheim-

lichen wollen. Demgegenüber ist festzustellen, dass sich die Vorinstanz mit 

allen wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinanderge-

setzt und sich hinreichend dazu geäussert hat, aus welchen Gründen es 

diese für unglaubhaft oder aber unter dem Aspekt einer ernsthaften Ge-

fährdung nicht relevant hält. Auch hat es die eingereichten Beweismittel 

hinreichend entgegengenommen und gewürdigt. Es ist daran zu erinnern, 

dass das SEM nicht gehalten war, sich mit jeder einzelnen tatbeständlichen 

und rechtlichen Behauptung respektive jedem Einwand auseinanderset-

zen, weshalb eine allenfalls unterlassene Würdigung nichtzentraler Sach-

verhaltselemente auch keine relevante Verletzung der Begründungspflicht 

darstellt. Es ist weder ein weiterer Abklärungsbedarf noch sind Verfahrens-

fehler ersichtlich, die einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vo-

rinstanz bedürften. Das als Eventualantrag formulierte Begehren, es sei die 

angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur ergänzenden 

Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist abzuweisen.  

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG). 

7.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gilt bezüg-

lich der Wegweisungsvollzugshindernisse der gleiche Beweisstandard wie 

bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, Wegweisungsvoll-

zugshindernisse sind zu beweisen, soweit der strikte Beweis möglich ist, 

und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 

2011/24 E. 10.2 m.w.H.). Glaubhaftmachung bedeutet im Gegensatz zum 

strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für 

gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. 

Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von 

ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, 

obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es für die 

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Seite 12 

Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich 

ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-

gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, 

die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen 

oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Vorbrin-

gen sind grundsätzlich dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in 

sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilde-

rungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der 

inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemei-

nen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende 

Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht 

der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Be-

weismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie 

wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des 

Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nach-

schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwir-

kung verweigert (vgl. BVGE 2015/13 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 

2.2 jeweils m.w.H.). 

8.    

8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG).  

8.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  

Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Es ist vom SEM 

rechtskräftig festgestellt worden, dass der Beschwerdeführer und seine 

Tochter die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, weshalb es auch zu Recht 

festgestellt hat, der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrück-

schiebung finde vorliegend keine Anwendung. Dies wird denn auch von 

den Beschwerdeführenden nicht beanstandet. 

E-4110/2020 

Seite 13 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Bezüglich des Prin-

zips des menschenrechtlichen Non-Refoulements ist der Wegweisungs-

vollzug gemäss Art. 3 EMRK unzulässig, wenn nachweisbar ernsthafte 

Gründe dafürsprechen, dass die betroffene Person im Falle der Wegwei-

sung respektive ihres Vollzugs tatsächlich Gefahr läuft, sich im Zielland ei-

ner menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu sehen. Wird ein 

solches Risiko mit stichhaltigen Gründen konkret und ernsthaft glaubhaft 

gemacht («real risk»), ist der Wegweisungsvollzug unzulässig (vgl. Urteil 

des EGMR F.G. gegen Schweden vom 23. März 2016, Grosse Kammer 

43611/11, § 110 m.w.H.). 

Art. 3 EMRK bietet auch Schutz vor entsprechenden verpönten Handlun-

gen, die von Privaten – sogenannten nichtstaatlichen Akteuren – ausge-

hen, wenn die staatlichen Behörden nicht schutzfähig beziehungsweise -

willig sind (vgl. Urteile des BGer 2C_868/2016 und 2C_869/2016 vom 

23. Juni 2017 E. 5.2.2; Urteil des EGMR J.K. et al. gegen Schweden vom 

23. August 2016, Grosse Kammer 59166/12, § 80 ff. und Urteil des BVGer 

D-5101/2006 vom 11. Februar 2009 E. 4.2; je m.w.H.). 

8.3.2 Vorab ist festzustellen, dass das SEM in der angefochtenen Verfü-

gung ausführlich und mit zutreffender Begründung dargelegt, weshalb der 

Beschwerdeführer nicht vermocht habe, eine konkrete und ernsthafte Be-

drohungslage seitens der D._______ glaubhaft zu machen. Zutreffend ist 

insbesondere das vom SEM ausführlich dargelegte Argument der mehrma-

ligen Rückreisen des Beschwerdeführers nach Kolumbien oder jenes der 

bis zum aktuellen Asylgesuch unterlassenen Frage um Schutz in diversen 

Staaten des Schengenraums, trotz entsprechender Gelegenheiten. Offen-

sichtlich vermag der Beschwerdeführer mit seinen Erklärungen, er habe in 

I._______ nicht in einem Bunker leben wollen, oder er sei nach Kolumbien 

zurückgereist, weil er die Tochter nicht bei sich gehabt habe, nichts zu be-

wirken. Dasselbe gilt für den Einwand, er habe die Telefonnummer für sein 

Geschäft nutzen müssen. Auch wenn einzelne Einwände in der Be-

schwerde, wie etwa, es sei sehr wohl plausibel, dass seine Ex-Frau den 

Beschwerdeführer gewarnt habe, nicht nach Kolumbien zurückzukehren 

als er bereits in der Schweiz gewesen sei, zugestimmt werden kann, ver-

mag der Beschwerdeführer insgesamt an der auf zahlreiche Argumente 

E-4110/2020 

Seite 14 

abgestützten Gesamteinschätzung der Glaubhaftigkeit seitens der 

Vorinstanz nichts zu ändern und es erübrigt sich, weiter darauf einzugehen. 

Dies nicht zuletzt auch aus den unter der folgenden Erwägung zu erläu-

ternden Gründen.  

8.3.3 Entgegen dem Einwand in der Beschwerde hat das SEM seine Ver-

fügung gerade nicht nur mit der fehlenden Glaubhaftigkeit der Sachdarstel-

lung des Beschwerdeführers begründet. Vielmehr hat es ebenso, und zu 

Recht, festgehalten, der Beschwerdeführer sei – unabhängig von der 

Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Bedrohung – nicht auf den Schutz 

der schweizerischen Behörden angewiesen, sondern könne sich an die 

heimatlichen wenden. Zwar macht der Beschwerdeführer geltend, er sei in 

F._______ und G._______ in Gefahr und werde von den zuständigen Be-

hörden nicht hinreichend beschützt. Im Januar (…) habe er seinen Heima-

tort wegen den Drohungen durch die D._______ verlassen. In G._______ 

sei er dann ab (…) erneut bedroht worden. Zwischenzeitlich habe er keine 

Probleme mit den D._______ gehabt. Er habe zwar bei der Polizei und 

Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, diese hätten ihn und seine Familie 

jedoch nicht vor der Bedrohung durch die D._______ geschützt (vgl. A27, 

F107 f.).  

Abgesehen davon, dass der Beschwerdeführer, wie bereits erwähnt, seine 

subjektive Befürchtung, im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr von Dritt-

personen nicht im Sinne eines "real risk" objektiv zu konkretisieren vermag, 

ist festzustellen, dass keine Hinweise darauf vorliegen, die kolumbiani-

schen Behörden seien ihrer Schutzpflicht in seinem Fall nicht nachgekom-

men beziehungsweise hätten ihr nicht nachkommen wollen, dies entgegen 

seiner subjektiven Wahrnehmung (vgl. A27, F106 f. und F123). Auch dies-

bezüglich kann auf die zutreffende Erwägung des SEM – dort unter dem 

Asylpunkt – verwiesen werden (vgl. angefochtene Verfügung, II, Ziffer 2, S. 

5). Dem mit der Beschwerde eingereichten Schreiben der kolumbianischen 

Staatsanwaltschaft vom 3. August 2020 ist zu entnehmen, dass derzeit ein 

Verfahren betreffend Drohungen gegenüber seiner Ex-Frau hängig sei. 

Das SEM hat insgesamt zutreffend geschlossen, dass die vom Beschwer-

deführer eingereichten Beweismittel, sofern sie echt seien, gerade beleg-

ten, dass er Zugang zu hinreichendem Schutz seitens seiner heimatlichen 

Behörden habe. Dies wird mit dem Schreiben erneut belegt. Von einem 

hinreichenden Zugang des Beschwerdeführers und seiner Tochter ist dem-

nach auch zukünftig auszugehen, wären sie tatsächlich darauf angewie-

sen.  

E-4110/2020 

Seite 15 

Nur ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer und 

seine Tochter sich, sollte dies tatsächlich nötig sein, wohl auch an einem 

anderen Ort in Kolumbien niederlassen könnten, der ihnen ein menschen-

würdiges Dasein erlauben würde und der ihnen – aufgrund der Lebens- 

und Berufserfahrung des Beschwerdeführers (er war unter anderem als 

selbständig Erwerbender im […] tätig) zugemutet werden darf (vgl. dazu 

u.a. Urteil des EGMR Sufi und Elmi gegen das Vereinigte Königreich vom 

28. Juni 2011, 8319/07 und 11449/07, § 266 ff.). Anlässlich der Anhörung 

gab der Beschwerdeführer nämlich zu Protokoll, er sei einfach deshalb 

nicht in eine andere Region Kolumbiens gezogen, weil ihn seine Ex-Frau 

nicht begleitet hätte und er seine Tochter nicht habe verlieren wollen (vgl. 

A27, F152). Demzufolge stand einem solchen alternativen Aufenthaltsort 

offenbar nicht die geltend gemachte Bedrohungslage entgegen.  

8.3.4 Zusammenfassend ist es den Beschwerdeführenden nicht gelungen, 

glaubhaft zu machen, es bestehe im Falle ihrer Rückkehr nach Kolumbien 

die ernsthafte Gefahr einer nicht mit Art. 3 EMRK vereinbaren Behandlung. 

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

Dem Kindeswohl kommt im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung vorrangige 

Bedeutung zu. Der Persönlichkeit des Kindes und seinen Lebensumstän-

den ist umfassend Rechnung zu tragen. Dabei können bei dieser gesamt-

heitlichen Beurteilung namentlich folgende Kriterien von Bedeutung sein: 

Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Be-

ziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unter-

stützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Ent-

wicklung/Ausbildung, sowie Grad der erfolgten Integration bei einem län-

geren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. Urteil des BVGer D-6674/2019 vom 

2. März 2020 E. 8.3.4 sowie BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.). 

8.4.2 In Kolumbien fand über fünfzig Jahre lang ein bewaffneter Konflikt 

zwischen den kolumbianischen Streitkräften, den Guerillas und paramilitä-

rischen Gruppen statt. Im November 2016 wurde der aktuelle Friedensver-

E-4110/2020 

Seite 16 

trag zwischen dem kolumbianischen Staat und der Fuerzas Armadas Re-

volucionarias de Colombia (FARC, dt. Revolutionäre Streitkräfte Kolumbi-

ens) geschlossen, der später von beiden Kammern des Kongresses gut-

geheissen wurde. Nicht vergessen bleibt, dass allen Parteien während des 

Konflikts schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden; bei 

den meisten Opfern handelt es sich um Zivilpersonen. Auch wenn im Sep-

tember 2019 ein Teil der FARC die Wiederbewaffnung ankündigte, sind ge-

messen an der allgemeinen Lage in Kolumbien von heute jedoch keine 

generellen Vollzugshindernisse im Sinne der Unzumutbarkeit erkennbar.  

Auch aus individueller Sicht bleibt ein Vollzug der Wegweisung der Be-

schwerdeführenden zumutbar. Zur Begründung kann auf die zutreffenden 

Argumente der Vorinstanz verwiesen werden, denen in der Beschwerde 

nichts entgegengesetzt wird.  

Für die (…) Tochter, die mithin bereits aufgrund ihrer kurzen Aufenthalts-

dauer in der Schweiz sowie ihres Alters noch nicht massgeblich in der 

Schweiz verwurzelt ist, stellen ihre Eltern die wichtigsten Bezugspersonen 

dar. Ihre Mutter, welche das Sorgerecht innehat, lebt – nach Angaben des 

Beschwerdeführers – nach wie vor in Kolumbien. Es ist davon auszugehen, 

dass die Tochter auch in Kolumbien versorgt ist. Das Wohl des Kindes steht 

einem Wegweisungsvollzug vorliegend nicht entgegen (vgl. Art. 3 des 

Übereinkommens über die Rechte des Kindes, SR 0.107, KRK). 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

8.5 Der Beschwerdeführer hat authentische Pässe für sich und seine Toch-

ter zu den Akten gereicht. Unabhängig davon obliegt es ihm, sich bei der 

zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-

digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu 

auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

E-4110/2020 

Seite 17 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die 

Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. 

10.2 Die Beschwerdeführenden beantragten die Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorste-

henden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu 

gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen 

nicht gegeben, weshalb das Gesuch abzulehnen ist. 

10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4110/2020 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Der Antrag um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird abge-

wiesen. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den 

Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Ver-

sand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Janine Sert 

 

 

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