# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aa2d4308-0dd1-53f8-a2fb-bcb989b2759b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-10-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.10.2014 D-2738/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2738-2014_2014-10-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-2738/2014/pjn 

 

 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  O k t o b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Hans Schürch (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn, Richter Martin Zoller,    

Gerichtsschreiberin Martina Kunert. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Urs Jehle, Caritas Schweiz,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 24. April 2014 / (…). 

 

 

D-2738/2014 

2 

 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger tadschi-

kischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess eigenen An-

gaben zufolge seinen Heimatstaat am 10. September 2011 und gelangte 

auf dem Landweg über den Iran, die Türkei, Griechenland und einen ihm 

unbekannten Ort am 29. Januar 2012 illegal in die Schweiz, wo er am 

Folgetag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um 

Asyl nachsuchte. Am 30. Januar 2012 fand im EVZ Kreuzlingen die Be-

fragung zur Person (BzP) statt. In der Folge wurde er für die Dauer des 

Verfahrens dem Kanton C._______ zugewiesen. Aufgrund seiner Minder-

jährigkeit wurde ihm mit Verfügung des Amtes für Migration des Kantons 

C._______ vom 27. Februar 2012 eine Vertrauensperson beigeordnet, 

deren Beiordnung mit Erreichung Anordnung einer Beistandschaft durch 

die Vormundschaftsbehörde des Bezirks D._______ vom 12. Juli 2012 

ersetzt wurde und mit Erreichung seiner Volljährigkeit endete. Am 

11. März 2014 wurde er in Bern-Wabern durch das BFM in Anwendung 

von Art. 29 AsylG (SR 142.31) angehört. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er Folgendes vor: Sein Va-

ter und dessen Bruder hätten gemeinsam ein Haus besessen, welches er 

nach dem Tod des Vaters mit den Geschwistern, der Mutter und dem On-

kel väterlicherseits bewohnt habe. Der Onkel habe seinen Teil des Hau-

ses an einen einflussreichen (...) verkauft, der jedoch das gesamte 

Grundstück habe besitzen wollen, weshalb er die Mutter durch Ein-

schüchterungsversuche und Rufschädigungen zum Hausverkauf zu drän-

gen versucht habe. Die Streitigkeiten hätten in mehreren Strafanzeigen 

und einem Gerichtsverfahren gemündet. Eines Tages habe der Schwager 

des (...) versucht, das Haus zu betreten, was er zu verhindern versucht 

habe. Wegen dieses Vorfalls seien die Kontrahenten vor Gericht gegan-

gen, wo der Schwager die Mutter beschimpft und aufs Sofa gestossen 

habe, worauf er sich nicht habe beherrschen können und diesem einen 

Faustschlag ins Gesicht versetzt habe, woraus schliesslich eine Schläge-

rei resultiert sei. Dieser Vorfall sei der Kriminalbehörde gemeldet worden 

und er sei aufgrund seiner Minderjährigkeit gegen Kaution entlassen wor-

den; nach Erreichung der Volljährigkeit sei er jedoch zur Verhaftung aus-

geschrieben worden. Wegen der Einflussnahme auf die Justiz durch den 

(...) könne nicht mit einem fairen Verfahren gerechnet werden. Zudem 

hätten der (...) und seine Gefolgsleute versucht, ihn als damals Minder-

jährigen zu entführen, um den Ruf seiner Familie zu schädigen, denn in 

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3 

 

Afghanistan würde mit minderjährigen Knaben gleich verfahren wie mit 

Frauen. Zu diesem Zweck sei ihm auf dem Schulweg aufgelauert worden, 

er habe jedoch flüchten können. Zusätzlich habe der (...) den Dorfältesten 

(Kalantar) bestochen, damit er rufschädigende Aussagen über seine Fa-

milie mache. Der Dorfälteste habe seine Mutter geschlagen, weshalb er 

den Dorfältesten geschlagen habe. Daraufhin habe dieser die Polizei ge-

rufen, worauf er aus dem Haus geflüchtet sei, damit sich die Situation be-

ruhigen könne. Wegen der angespannten Situation – er und seine Mutter 

hätten zeitweise in einem Zelt gelebt – hätten sie zuweilen beim Onkel 

mütterlicherseits übernachtet. Dabei habe sich eine Liebesbeziehung 

zwischen ihm und seiner Cousine entwickelt, welche von seiner Tante 

entdeckt worden sei. Sie habe ihn daraufhin übel beschimpft, aus dem 

Haus geworfen und gedroht, alles dem Onkel zu erzählen. Seither habe 

er das Haus nicht mehr betreten dürfen und bis zu seiner Flucht zirka 

sieben Tage später mit der Mutter im Zelt übernachtet. Die Mutter und der 

ältere Bruder würden inzwischen in einer Wohnung in B._______ leben, 

den Lebensunterhalt bestreite der Bruder mit Mathematik- und Englisch-

unterricht. Nach Afghanistan könne er nicht zurück, da er die Rache des 

(...), des Dorfältesten und des Onkels fürchte und im Falle eines Strafver-

fahrens eine unverhältnismässige Strafe oder gar Folter zu gewärtigen 

hätte. In der Schweiz gehe er zur Schule und könne eine Ausbildung ma-

chen.  

B.  

Mit Verfügung vom 24. April 2014 – eröffnet am 26. April 2014 – stellte 

das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei-

sung und ordnete den Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz an.  

C.  

Mit Eingabe vom 30. April 2014 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch 

um Akteneinsicht, welchem mit Verfügung vom 8. Mai 2014 teilweise ent-

sprochen wurde.  

D.  

D.a  

Mit Beschwerde vom 20. Mai 2014 an das Bundesverwaltungsgericht be-

antragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung. Es sei ihm Asyl oder eventuell die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung er-

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4 

 

sucht. Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, die Anwalts-

vollmacht und weitere Dokumente bei.  

D.b Am 28. Mai 2014 liess der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestäti-

gung des Bezirks D._______ einreichen.  

E.  

E.a Der Instruktionsrichter stellte fest, der Beschwerdeführer könne den 

Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und entsprach dem 

Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Zwi-

schenverfügung vom 4. Juni 2014. Ferner wurde der Beschwerdeführer 

aufgefordert, bis am 15. Juni 2014 mitzuteilen, wie er in den Besitz der in 

der Beschwerde erwähnten Originaldokumente gekommen sei, und die 

der Zwischenverfügung beiliegenden Kopien bis am 19. Juni 2014 in eine 

Amtssprache übersetzen zu lassen, andernfalls gestützt auf die Aktenla-

ge entschieden werde. 

E.b Mit Eingabe vom 18. Juni 2014 liess der Beschwerdeführer ausfüh-

ren, dass er die Originaldokumente von seinem Bruder erhalten habe, 

welche ihm vom Kalantar ausgehändigt worden seien. Zudem liess er die 

Übersetzung des Dokuments des Untersuchungsausschusses der 

"Rechtsabteilung der Justizgewalt der Provinz B._______"(Haftbefehl) zu 

den Akten reichen, wonach er aufgrund der Vorkommnisse vor Gericht 

polizeilich gesucht werde und bei Sichtkontakt zu verhaften sei. Das zwei-

te Schreiben stelle die Aufforderung an den Dorfältesten dar, ihn umge-

hend festzunehmen. Eine korrigierte Version der Übersetzung wurde mit 

Eingabe vom 24. Juni 2014 nachgereicht.  

F.  

F.a Das BFM hielt in der Vernehmlassung vom 28. Juli 2014 vollumfäng-

lich an seiner Verfügung fest, beantragte die Abweisung der Beschwerde 

und begründete dies wie folgt: Das Asylgesuch sei wegen der fehlenden 

Asylrelevanz abgelehnt worden und nicht mangels Glaubhaftigkeit der 

Aussagen. Die beiden neu eingereichten Beweismittel vermöchten nichts 

an der Tatsache zu ändern, dass es sich bei der Schlägerei möglicherwei-

se um eine verübte Straftat handle, deren staatliche Strafverfolgung legi-

tim sei.  

F.b Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben 

vom 28. August 2014 zur Replik gebracht. 

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5 

 

F.c Mit Replik vom 8. September 2014 wurde an der Asylrelevanz der 

Vorbringen festgehalten und  

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ei-

nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde-

führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig 

entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 

14. Dezember 2012 des Asylgesetzes gilt für die im Zeitpunkt des Inkraft-

tretens der Änderung vom 14. Dezember 2012 dieses Gesetzes hängigen 

Verfahren mit Ausnahme der Absätze 2–4 das neue Recht. 

2.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

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6 

 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden 

(Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-

fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, 

die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 

AsylG). 

3.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur 

Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt 

der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit 

verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit 

ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine 

bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen 

konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus 

einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili-

gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als rea-

listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 

S. 827 f., BVGE 2010 44 E. 3.4 S. 620 f.). 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM die Flüchtlingseigenschaft des 

Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG zu Recht verneint hat.  

4.1 Das BFM begründete seinen Entscheid damit, dass den Aussagen 

des Beschwerdeführers keine Hinweise entnommen werden können, 

dass die geltend gemachte Verfolgung ihn aus einem der in Art. 3 AsylG 

erwähnten Gründe getroffen habe. Unter Verweis auf BVGE 2011/49, 

E. 7.3.3. ff. führt es aus, dass in B._______ eine mit in Kabul vergleichba-

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re Sicherheitslage herrsche und die Stadt über eine funktionierende Ad-

ministration verfüge. Die geltend gemachten Drohungen durch den (...) 

stellten private Übergriffe dar, welchen mithilfe des in B._______ funktio-

nierenden Gerichtssystems beizukommen sei. Sodann sei die Angst vor 

einer Entführung nicht mehr begründet, da der (...) vor seiner Ausreise 

keinen weiteren Entführungsversuch mehr unternommen habe und zu-

dem sein Ziel, sich das erwähnte Grundstück zu eigen zu machen, er-

reicht habe. Es sei vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch 

seinen Heimatstaat auszugehen. Betreffend die Schlägerei mit dem Dor-

fältesten handle es sich um eine legitime staatliche Strafverfolgung. Auch 

vom Onkel mütterlicherseits drohe ihm keine Verfolgung, da er ihn wäh-

rend der Woche, in welcher er im Zelt übernachtet habe, keine Konse-

quenzen wegen der Liebesbeziehung mit der Cousine habe spüren las-

sen. 

4.2  

4.2.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, dass sich das Bundes-

verwaltungsgericht in BVGE 2011/49, E. 7.3.3. ff. zur Frage der Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzuges nach B._______ äussere. Die Vorin-

stanz schliesse aus diesen Erwägungen, dass in B._______ eine funktio-

nierende Administration einschliesslich eines funktionierenden und allge-

mein zugänglichen Gerichtswesens vorhanden sei, was die Einleitung ei-

nes Strafverfahrens gegen den (...) bestätige. In diesem Punkt sei der 

Vorinstanz zu widersprechen, da B._______ zwar über ein Gerichtswe-

sen verfüge, dieses jedoch keinesfalls frei von Korruption sei und keinen 

gleichwertigen Schutz aller Bürgerinnen und Bürger garantiere. Nicht oh-

ne Grund belege Afghanistan den letzten Platz des Welt-

korruptionsindexes von Transparency International und die Korruption 

ziehe sich bis in die obersten Regierungskreise. Das BFM habe die 

Rechtsprechung zum Wegweisungsvollzug jedoch auf den Asylpunkt an-

gewendet und den Umkehrschluss gezogen, dass der Beschwerdeführer 

ein faires Gerichtsverfahren gehabt haben müsse und staatlichen Schutz 

erhalten könne. Dieser Umkehrschluss ergebe sich jedoch nicht aus der 

zitierten Rechtsprechung. Die Lagebeurteilung beziehe sich auf die allge-

meine Lage des Landes und das Bundesverwaltungsgericht stelle keines-

falls fest, dass es in Einzelfällen nicht auch in afghanischen Grossstädten 

zu Korruption und einem mangelnden Schutz von Privatpersonen durch 

den Staat kommen könne. Dies sei vorliegend von Bedeutung, da der (...) 

ein reicher Mann und in B._______ sehr einflussreich sei, er sei gar die 

rechte Hand des umstrittenen afghanischen (…) E._______. Im Gegen-

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satz zu einer legitimen Strafverfolgung, welche der Beschwerdeführer 

auch in der Schweiz nach einer Schlägerei in einem Gerichtssaal zu er-

warten hätte, befürchte er aufgrund der aufgezeigten Umstände zu Recht, 

dass er aus dem Verkehr gezogen werde und mit Folter oder einer langen 

Haftstrafe zu rechnen habe.  

4.2.2 Der Beschwerdeführer habe glaubwürdig dargelegt, dass seine Fa-

milie seit dem Tod des Vaters nicht geschützt worden sei und es ange-

sichts der Machtverhältnisse naiv und realitätsfremd sei, davon auszuge-

hen, dass Polizei und Justiz schutzwillig seien. Das Ausgeführte werde 

durch den Umstand belegt, dass das Grundstück der Familie weggenom-

men und anschliessend dem (...) übergeben worden sei.  

4.2.3 Der (...) schrecke nicht vor illegalen Massnahmen zurück, wie die 

versuchte Entführung aufzeige. Wenn der Beschwerdeführer in seinem 

Asylgesuch ausführe, dass "Minderjährige in Afghanistan wie Frauen be-

handelt werden", bedeute das nichts anderes, als dass Minderjährige 

vergewaltigt und damit entehrt würden, unter anderem um so den Wider-

stand unliebsamer Personen zu brechen. Er habe dieser Prozedur nur 

dank seiner Flucht entkommen können. Das BFM deute an, dass die 

missglückte Entführung nicht bedrohlich gewesen sei, da sich der Be-

schwerdeführer noch eine Woche lang in seiner Heimat aufgehalten und 

die Schule besucht habe. Tatsächlich sei er in der Schule aufgrund der 

vielen Menschen sicher gewesen, da ein Übergriff in aller Öffentlichkeit 

nicht möglich gewesen sei. Zudem habe der (...) nicht damit rechnen 

können, dass er nach einer Woche aus dem Land fliehen werde. Der (...) 

habe gedacht, eine Entführung auch später vornehmen zu können. Zu-

dem sei der Konflikt aufgrund des laufenden Strafverfahrens noch immer 

aktuell.  

4.2.4 Ungeachtet dessen, dass die Wegnahme des Hauses durch den 

(...) bereits erfolgt sei, könne nicht davon ausgegangen werden, dass die 

Bedrohung durch denselben nicht mehr aktuell sei. In der afghanischen 

Gesellschaft würden Ehrverletzungen, worunter auch eine öffentliche 

Schlägerei mit einem minderjährigen Jungen in einem Gerichtssaal falle, 

bis aufs Blut ausgefochten. Da er der Vergeltung des (...) habe entkom-

men können, habe er bei einer Rückkehr die Rache der einflussreichen 

Familie desselben zu befürchten. 

4.2.5 Abschliessend wird ausgeführt, dass der Umstand, dass der Be-

schwerdeführer als (…) kurz vor seinem Schulabschluss stand und in 

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dieser Phase seine Familie und seine Heimat verlassen habe, deutlich 

aufzeige, dass er in Furcht um sein Leben gewesen sei. 

4.3  

4.3.1 Der Beschwerdeführer lässt zu Recht darauf hinweisen, dass sich 

die von der Vorinstanz zitierte Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-

gerichts zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach B._______ 

äussert und nicht den Asylpunkt zum Inhalt hat. Zutreffend ist auch, dass 

aus der Feststellung, dass B._______ grundsätzlich über ein funktionie-

rendes und allgemein zugängliches Gerichtswesen verfügt, nicht ohne 

weiteres darauf geschlossen werden kann, dass der Beschwerdeführer 

ein faires Verfahren gehabt haben muss beziehungsweise eine gerechte 

Bestrafung zu gewärtigen haben wird. Ebenso wenig kann jedoch aus 

dem Umstand, dass Afghanistan den letzten Platz des Weltkorruptionsin-

dexes belegt, abgeleitet werden, dass auf das Strafverfahren durch Kor-

ruption eingewirkt wurde beziehungsweise eingewirkt werden wird. Die 

Asylrelevanz des Vorbringens ist vielmehr einzelfallbezogen und gestützt 

auf die Aktenlage zu prüfen. 

Aus dem zu den Akten gereichten Haftbefehl geht Folgendes hervor: Der 

Beschwerdeführer sei in einen Streit mit "zwei Vertretern der Rechtsabtei-

lung wegen einer Angelegenheit mit seinem Familienhaus" verwickelt ge-

wesen. Da er zum Zeitpunkt des Vorfalls minderjährig gewesen sei, sei er 

gegen Kaution freigelassen worden. Jetzt, wo er 18 Jahre alt sei, werde 

sein Haftbefehl formell erteilt. Er sei zu verhaften und so schnell wie mög-

lich vorzuladen.  

Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers spricht der Um-

stand, dass er aufgrund seiner Minderjährigkeit gegen Kaution freigelas-

sen und der Haftbefehl erst nach Erreichen der Volljährigkeit ausgestellt 

wurde, für die Durchführung eines fairen Verfahren. Wären der (...) und 

seine Gefolgsleute so einflussreich und das zuständige Gericht bezie-

hungsweise der zuständige Haftrichter so korrupt, wie vom Beschwerde-

führer vorgebracht, ist nicht nachvollziehbar, weshalb er wegen seines Al-

ters gegen Kaution hätte aus der Haft entlassen werden sollen. Es ist 

vielmehr davon auszugehen, dass der (...) und seine Gefolgsleute derge-

stalt auf das Verfahren eingewirkt hätten, dass er minderjährig inhaftiert 

geblieben wäre, um ihr angebliches Ansinnen, der Familienehre zu scha-

den, voranzutreiben. Das Ausgeführte erlaubt den Rückschluss, dass der 

(...) und seine Gefolgsleute nicht über dem Gesetz stehen dürften, wes-

halb die Furcht vor einem willkürlichen Strafverfahren und einer unver-

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hältnismässigen Strafe als unbegründet erscheint. In Übereinstimmung 

mit der Vorinstanz kommt das Gericht somit zum Schluss, dass es sich 

beim Verfahren gegen den Beschwerdeführer um ein legitimes Strafver-

fahren handelt und keine Anzeichen für eine unverhältnismässig lange 

Haftdauer oder Folter erkennbar sind, weshalb die dargelegte Furcht 

nicht als asylrelevant im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu qualifizieren ist. 

Davon unbenommen ist vollständigkeitshalber festzuhalten, dass General 

E._______ im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung nicht Vizepräsident 

Afghanistans war, ein angebliches Arbeits- beziehungsweise Freund-

schaftsverhältnis zwischen ihm und dem (...) durch nichts belegt wird und 

Internetrecherchen des Gerichts in Bezug auf E._______ ergebnisreich 

ausfielen, hingegen kein einziger Beitrag den (...) betreffend erhältlich 

gemacht werden konnte, obwohl dieser angeblich Chef des (…) 

B._______s gewesen sein soll. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass 

er, wenn überhaupt, weniger einflussreich ist als vom Beschwerdeführer 

befürchtet. 

4.3.2 Den Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach die Familie seit 

dem Tod des Vaters nicht geschützt worden sei, ist entgegenzuhalten, 

dass letzterer 1994 oder 1995 gestorben ist und bis auf die Eigentums-

streitigkeit mit dem (...), welche im Jahr 2011 ihren Ursprung nahm und 

durch dessen Besitznahme des Hauses ihr Ende fand, keine weiteren 

Vorfälle geltend gemacht werden, aus denen hervorgeht, dass die Familie 

"seit dem Tod des Vaters nicht geschützt wurde und dass ihnen keine Hil-

fe zur Seite stand". Vielmehr kann festgehalten werden, dass die Familie 

während rund 16 Jahren unbehelligt gelebt hat und auch seit der Ausreise 

des Beschwerdeführers im Jahr 2012 keine Schwierigkeiten mit den Be-

hörden oder Privatpersonen bekannt sind. Vor diesem Hintergrund kann 

der Behauptung, wonach es angesichts der Machtverhältnisse naiv und 

realitätsfern wäre, davon auszugehen, dass Polizei und Justiz schutzwillig 

wären, nicht zugestimmt werden.  

4.3.3 Auch was die Einschätzung eines erneuten Entführungsversuchs 

durch den (...) und seine Gefolgsleute betrifft, teilt das Gericht die Auffas-

sung der Vorinstanz. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann 

auf die zutreffenden Erwägungen in der vorinstanzlichen Verfügung ver-

wiesen werden. Zusätzlich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in 

der Woche vor seiner Ausreise mit seiner Mutter in einem Zelt übernach-

tet hat, was die Behauptung, dass eine erneute Entführung lediglich auf-

grund der Tatsache, dass es in der Schule viele Leute gehabt habe und 

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ein Übergriff in aller Öffentlichkeit nicht möglich gewesen sei, entkräftet. 

Zudem soll der (...) mit der Entführung des damals minderjährigen Be-

schwerdeführers die Entehrung seiner Familie bezweckt haben, weil er 

sich davon bessere Karten im Streit um das Haus erhoffte. Da der Be-

schwerdeführer inzwischen volljährig ist und das Haus im Eigentum des 

(...) steht, ist nicht ersichtlich, welchen Interessen eine allfällige Entfüh-

rung dienen könnte.  

4.3.4 Schliesslich vermag auch die Feststellung, in Afghanistan seien 

Blutfehden in gewissen Regionen üblich und solche würden nicht mittels 

Streitbeilegung durch formelle Justizmechanismen beendet, nichts zu-

gunsten des Beschwerdeführers zu bewirken. Den Akten lassen sich kei-

ne Hinweise entnehmen, wonach der Beschwerdeführer oder seine Fami-

lie in eine Blutfehde involviert wären. Der Umstand, dass eine Eigen-

tumsstreitigkeit, eine Schlägerei, ein Entführungsversuch und allfällige 

Verleumdungen durch den (...) und seine Gefolgsleute stattgefunden ha-

ben, reicht als Indiz für das Vorliegen einer Blutfehde jedenfalls nicht aus. 

Dagegen spricht auch die Tatsache, dass die Familie des Beschwerde-

führers offenbar keinen Belästigungen durch den (...) und seine Gefolgs-

leute mehr ausgesetzt war. 

4.3.5 In Bezug auf die Umarmung zwischen dem Beschwerdeführer und 

seiner Cousine und damit zusammenhängenden allfälligen Konsequen-

zen wird auf einen Bericht des Austrian Centre for Country of Origin and 

Asylum Research and Documentation, abrufbar unter: 

<http://www.ecoi.net/local_link/249861/375947_de.html> verwiesen. Die-

sem zufolge stelle eine vor- bzw. aussereheliche Beziehung zwischen ei-

nem jungen Mann und einer jungen Frau eine ernste Verletzung der Fa-

milienehre, und insbesondere der Ehre der Familie der Frau dar. Die Fa-

milie der Frau könne damit drohen, sowohl die eigene Tochter als auch 

den Mann und seine Familie zu töten.  

Unbestrittenermassen ist in der afghanischen Gesellschaft eine konserva-

tive Moralvorstellung verankert, welche schlimmstenfalls in Steinigungen 

oder anderen Formen der Barbarbei Ausdruck finden kann. Allerdings 

kann aus diesem Umstand nicht geschlossen werden, dass die Beteilig-

ten einer ausserehelichen Beziehung zwangsläufig solchen Konsequen-

zen ausgesetzt werden. Im vorliegenden Fall wird geltend gemacht, dass 

der Beschwerdeführer des Hauses verwiesen worden ist und ein Haus-

verbot erhalten hat, nachdem seine Tante ihrem Ehemann von der Um-

armung zwischen der Tochter und dem Beschwerdeführer erzählt hat. 

http://www.ecoi.net/local_link/249861/375947_de.html

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Weitere Konsequenzen, namentlich auch gegenüber der Cousine, sind 

nicht bekannt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass es der Onkel 

beim Hausverbot hat bewenden lassen wollen. Daran ändert auch der 

Umstand nichts, dass der Onkel, nachdem er über den Vorfall informiert 

wurde, gesagt haben soll, dass er den Beschwerdeführer oder seine 

Tochter getötet hätte, wenn er früher davon erfahren hätte. Da die Cousi-

ne bis heute keine ernsthaften Konsequenzen wegen der Umarmung er-

fahren musste, ist der Äusserung des Onkels – welche in einem aufge-

brachten Gemütszustand vorgebracht worden sein dürfte – nicht allzu viel 

Gewicht beizumessen. 

4.4 In Würdigung der gesamten Umstände und der Vorbringen des Be-

schwerdeführers ist zusammenfassend festzustellen, dass er keine Grün-

de nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kann, weshalb 

die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der 

Beschwerde im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würdigung des vor-

liegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Die Vorinstanz hat 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 

5.  

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 

 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie 

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13 

 

bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewei-

sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in 

den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 

Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-

ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar-

auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach 

Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nach-

weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung 

Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

D-2738/2014 

14 

 

§§ 124–127 m.w.H.). Ein solcher Nachweis ist ihm unter Verweis auf die 

Erwägungen zum Asylpunkt nicht gelungen.  

Die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den Weg-

weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt für sich allein nicht als unzuläs-

sig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung so-

wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu-

lässig. 

6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat 

aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 

medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-

fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

6.4.1 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist auf die vom Bun-

desverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung im Grundsatzurteil 

BVGE 2011/7 zu verweisen, welche nach wie vor als zutreffend zu erach-

ten ist. Nach eingehender Lageanalyse stellte das Bundesverwaltungsge-

richt darin fest, dass die Sicherheitslage sowie die humanitären Bedin-

gungen in weiten Teilen Afghanistans – ausser allenfalls in den Gross-

städten – äusserst schlecht seien. Es kam deshalb zum Schluss, dass die 

Situation in Afghanistan praktisch flächendeckend als existenzbedrohend 

im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemei-

nen Feststellung sei die Situation in der Hauptstadt Kabul zu unterschei-

den. Angesichts dessen, dass sich dort die Sicherheitslage im Verlauf des 

vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre 

Situation im Vergleich zu den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch 

sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter bestimmten, im 

Einzelfall sorgfältig zu prüfenden Umständen als zumutbar qualifiziert 

werden. Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dann gege-

ben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden 

Mann handle. Sodann sei in erster Linie ein soziales Netz unabdingbar, 

welches sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des 

Rückkehrers als tragfähig erweise; denn ohne Unterstützung durch Fami-

lie oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in 

Kabul unweigerlich in eine existenzielle beziehungsweise lebensbedro-

hende Situation führen. Für einen Rückkehrer aus Europa bestehe nach 

der Ankunft in Kabul ein erhöhtes Risiko, entführt oder überfallen zu wer-

den, da vermutet werde, er trage Devisen auf sich. Verfüge er über keine 

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15 

 

genügenden finanziellen Mittel, hätte er ohne soziale Vernetzung kaum 

Aussicht auf eine zumutbare – das heisst winterfeste und mit minimaler 

sanitärer Einrichtung ausgestattete – Unterkunft. Auch für die Arbeitssu-

che seien persönliche Beziehungen unerlässlich, da eine Einstellung (so-

gar von unqualifizierten Arbeitskräften) regelmässig nur aufgrund persön-

licher Empfehlungen erfolge. Eine auch nur einigermassen gesunde Er-

nährung wäre ohne die Hilfe von nahestehenden Personen ebenfalls 

kaum möglich, der Zugang zu sauberem Trinkwasser schwierig; Unter-

stützungsmassnahmen der Regierung oder internationaler Organisatio-

nen könnten laut zuverlässigen Quellen daran nichts ändern. Ohne eine 

soziale Vernetzung würde daher auch ein junger und grundsätzlich ge-

sunder Mann unweigerlich innert absehbarer Zeit in eine existenzbedro-

hende Situation geraten (vgl. a.a.O. E. 9.3 ff.). Das Bundesverwaltungs-

gericht kam in der Folge in zwei weiteren publizierten Entscheiden zum 

Schluss, dass unter Voraussetzung der genannten begünstigenden Um-

stände ein Vollzug der Wegweisung auch in die Städte Herat (vgl. BVGE 

2011/38) und Mazar-e Sharif (vgl. BVGE 2011/49) zumutbar sein könne. 

6.4.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich den Akten zufolge um ei-

nen heute (…) alleinstehenden Mann ohne aktenkundige gesund-

heitliche Probleme, der vor seiner Ausreise sein ganzes Leben in 

B._______ verbrachte. Er besuchte die Schule bis zur zehnten Klasse, 

verfügt wegen seiner Ausreise im laufenden Schuljahr jedoch über keinen 

Schulabschluss. Er arbeitete gemäss eigenen Angaben viel, unter ande-

rem als (…) und als (…) bei einem ihm bekannten Mechaniker, wo er ei-

niges lernen konnte. Er verfügt somit nicht über eine Berufsausbildung im 

westeuropäischen Sinn, jedoch ist es im afghanischen Kontext durchaus 

üblich, dass Jugendliche auf diese Art und Weise in die Erwerbstätigkeit 

einsteigen. Die erworbene Arbeitserfahrung ist daher im Hinblick auf eine 

Wiedereingliederung in den afghanischen Arbeitsmarkt als nützlich zu er-

achten. Die Mutter und der Bruder des Beschwerdeführers teilen sich ei-

ne Wohnung in B._______, womit der Beschwerdeführer in B._______ 

über ein Beziehungsnetz und eine Wohnmöglichkeit verfügt. Aufgrund der 

Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Mutter und der jüngere Bruder 

des Beschwerdeführers in Afghanistan in bescheidenen Verhältnissen le-

ben; möglicherweise werden sie von den Familien der beiden Schwestern 

des Beschwerdeführers und seinen beiden Onkeln väterlicherseits, die 

Geschäftsmänner sind, unterstützt. Zudem verfügt die Familie auch über 

Ackerland in F._______ und G._______, welches gelegentlich Reis und 

Weizen einbringt (A29, S. 3f.). Da er in B._______ aufgewachsen und zur 

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16 

 

Schule gegangen ist, erscheint es überdies als wahrscheinlich, dass er 

dort abgesehen von seinen Familienangehörigen auch noch über Freun-

de und Bekannte verfügt, die ihm insbesondere bei der Arbeitssuche be-

hilflich sein könnten. Es steht ihm im Übrigen auch offen, beim BFM einen 

Antrag auf individuelle Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d 

AsylG i.V.m. Art. 73 ff. der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über 

Finanzierungsfragen [AsylV 2; SR 142.312]).  

6.4.3 Damit liegen im vorliegenden Fall begünstigende Umstände im Sin-

ne der vorerwähnten Rechtsprechung vor, und es ist nach dem Gesagten 

nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach 

B._______ in eine existenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der 

Wegweisung des Beschwerdeführers ist daher als zumutbar zu erachten.  

6.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 

AuG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwi-

schenverfügung vom 4. Juni 2014 die unentgeltliche Rechtspflege ge-

währt wurde und sich an den diesbezüglichen Voraussetzungen nichts 

geändert hat, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.  

8.2 Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2014 wurde das Gesuch um Bei-

ordnung des Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand gutgeheis-

sen. Mit der Eingabe vom 20. Mai 2014 wurde ein Aufwand von sieben 

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17 

 

Stunden (Stundenansatz: Fr. 194.–) und eine einmalige Nebenkosten-

pauschale von Fr. 50.– geltend gemacht. Eine Erhöhung des Aufwandes 

auf Stufe Vernehmlassung blieb vorbehalten. Das Bundesverwaltungsge-

richt erachtet aufgrund der weiteren Eingaben auf Stufe Vernehmlassung 

einen zeitlichen Aufwand von acht Stunden und die veranschlagte Spe-

senpauschale von Fr. 50.– als angemessen. Demnach ist das durch das 

Bundesverwaltungsgericht auszurichtende amtliche Honorar auf 

Fr. 1'602.– festzulegen (Aufwand inkl. MWST Fr. 1552.–, Spesenpau-

schale Fr. 50.–). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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18 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das Bundesverwaltungsgericht entrichtet dem als amtlicher Rechtsbei-

stand eingesetzten Urs Jehle ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'602.–

(inkl. Auslagen und MWST). 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Hans Schürch Martina Kunert 

 

 

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