# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c18e3928-1047-5476-84f1-0d0588dcb1e6
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-25
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 25.06.2024 SB230092
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230092_2024-06-25.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230092-O/U/ad

damit vereinigt Geschäfts-Nr. SB230091-O

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. 

Wenker und Oberrichter Dr. iur. Bezgovsek sowie Gerichtsschreibe-

rin M.A. HSG Eichenberger

Urteil vom 25. Juni 2024

in Sachen

1. A._____,
2. B._____,
Beschuldigte und Erstberufungskläger

1 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____,

2 verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X2._____,

gegen

1. C._____,
Privatkläger und Zweitberufungskläger

2. D._____,
Privatkläger und Berufungsbeklagter

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____,

2 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y2._____, 

sowie

- 2 -

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,
Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung

Berufung gegen die Urteile des Bezirksgerichtes Winterthur vom 15. Sep-
tember 2022 (DG210046 und DG210047)

- 3 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 3. November 

2021 (Urk. 43) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der mehrfachen versuchten vorsätzli-
chen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 14.5 Jahren, wo-

von bis und mit heute 920 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen 

Strafvollzug erstanden sind. 

3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB für 11 Jahre 

des Landes verwiesen.

5. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet.

6. Die folgenden, sichergestellten Gegenstände werden eingezogen und der 

jeweiligen Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung über-

lassen:

Beim FOR lagernd:

 1 Butterfly-Messer, silber (A013'615'082)
 1 Kreditkarte mit ausklappbarer Klinge, schwarz (A013'615'140)
 1 Klappmesser, grau/schwarz, "pro one", Klinge einschneidig/spitzig, 

Klinge arretierbar (A013'615'253)
 1 Klappmesser, mit schwarzem Griff, "WALTHER", Klinge einschnei-

dig/spitzig, Klinge arretierbar, mit schwarzem Textiletui (A013'615'297)
 1 Polo-Shirt, blau, "POLIZEI" (A013'626'545)
 1 unbekannter Gegenstand, rot/weiss, möglicherweise künstlicher Fin-

gernagel (A013'621'266) 

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 1 Blister à 2 Tabletten, "Temesta Expidet 1.0 mg" (A013'625'519)

Bei der KaPo, Asservate-Triage, unter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernd:

 4 Marlboro Zigarettenstummel aus Aschenbecher (A013'716'977)
 4 Marlboro Zigarettenstummel aus Aschenbecher (A013'716'988)
 Zigarettenstummel (A013'717'481)
 1 Schachtel Kamagra 100 mg und 1 Schachtel Sildenafil 100 mg 

(A013'624'152)
 Verpackungsbehälter (A013'681'931)

7. Die folgenden, beim Beschuldigten sichergestellten Gegenstände werden 

dem Beschuldigten (oder einer bevollmächtigten Person) nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils unter Vorlage desselben und eines amtlichen Aus-

weises, nach telefonischer Voranmeldung, durch die Lagerbehörde auf ers-

tes Verlangen herausgegeben:

Beim FOR lagernd:

 1 Reisepass (A013'615'195)

Bei der KaPo, Asservate-Triage, unter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernd:

 1 Mobiltelefon LG, Wine Smart (A013'681'588)
 1 Mobiltelefon Samsung Galaxy S8 (A013'681'602)
 1 SIM-Karte (A013'729'163)
 1 Speicherkarte (A013'729'185)
 1 Herrenjacke, gelb (A013'682'525)
 1 Pullover, schwarz (A013'682'536)
 1 Herrenhose, schwarz (A013'682'569)
 Herrensocken/-strümpfe, schwarz (A013'682'570)
 Herrenschuhe, "Boss" (A013'682'627)
 1 Herrenjacke, Innenfutter, dunkelblau (A013'716'502) 
 1 Woll-Mütze, Handgel, Feuchttücher, Pflaster, Salbe (A013'717'174) 
 1 Steppjacke, dunkelgrau, Finshley&Harding (A013'717'561) 
 1 Steppjacke, schwarz-blau, Diesel (A013'717'583) 

- 5 -

Werden die genannten Gegenstände innert 30 Tagen nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils nicht herausverlangt, werden sie eingezogen und 

der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

8. Die folgenden vom Beschuldigten mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I 

des Kantons Zürich vom 20. April 2021 beschlagnahmten und bei der Kan-

tonspolizei, Asservate-Triage, unter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernden 

Gegenstände werden durch die Gerichtskasse des Bezirksgerichts Winter-

thur verwertet: 

 1 Uhr, Marke Rado, Dia Star, Nr. …, mit Zertifikat (A014'949'963)
 1 Uhr, Marke BMW, ohne Nummer (A014'949'974)
 1 Uhr, Marke Jacques Lemans, keine Nummer (A014'949'985)

Der Verwertungserlös wird zur Deckung der dem Beschuldigten auferlegten 

Kosten für das Verfahren verwendet. Ist eine Verwertung nicht möglich, wer-

den die vorgenannten Gegenstände dem Beschuldigten herausgegeben. 

9. Die folgenden, beim Privatkläger 1 (C._____) sichergestellten Gegenstände 

werden dem Privatkläger 1 (oder einer bevollmächtigten Person) nach Ein-

tritt der Rechtskraft dieses Urteils sowie des Urteils im Verfahren 

DG210047-K unter Vorlage derselben und eines amtlichen Ausweises, nach 

telefonischer Voranmeldung, durch die Lagerbehörde auf erstes Verlangen 

herausgegeben:

Beim FOR lagernd:

 1 Jeanshose, blau, "DSQUARED2" (A013'621'573)
 1 T-Shirt, rot/schwarz, "BLACK SQUAD" (A013'621'595)
 1 Boxershorts, hellgrau, "LAS VEGAS" (A013'621'608)
 1 Paar Turnschuhe, rot/schwarz/weiss, "NIKE" (A013'621'620)

Bei der KaPo, Asservate-Triage, unter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernd:

 1 Kapuzenjacke, rosa, "Champion" (A013'621'142)
 1 Mobiltelefon, Apple iPhone 11 (A013'681'635)
 1 SIM-Karte (A013'729'141)

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Werden die genannten Gegenstände innert 30 Tagen nach Eintritt der 

Rechtskraft der Urteile nicht herausverlangt, werden sie eingezogen und der 

Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

10. Die folgenden, beim Privatkläger 2 (D._____) sichergestellten Gegenstände 

werden dem Privatkläger 2 (oder einer bevollmächtigten Person) nach Ein-

tritt der Rechtskraft dieses Urteils sowie des Urteils im Verfahren 

DG210047-K unter Vorlage derselben und eines amtlichen Ausweises, nach 

telefonischer Voranmeldung, durch die Lagerbehörde auf erstes Verlangen 

herausgegeben:

Beim FOR lagernd:

 1 Lederjacke, dunkelbraun, "PME LEGEND" (A013'621'471)
 1 Jeanshose, dunkelgrau, "LEVI'S" (A013'621'506)
 1 T-Shirt, grün, "DECATHLON NYAMBA" (A013'621'528)
 1 Boxershorts, schwarz, "H&M" (A013'621'539)
 1 Paar Socken, schwarz (A013'621'540)
 1 Paar Stiefel, schwarz, "PREMIUM" (A013'621'551)

Werden die genannten Gegenstände innert 30 Tagen nach Eintritt der 

Rechtskraft der Urteile nicht herausverlangt, werden sie eingezogen und der 

Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

11. Die bei der Kantonspolizei Zürich sowie beim Forensischen Institut Zürich 

unter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernden Spuren, Aufnahmen und Date-

nauslesung/-sicherung/-träger, welche auf den Beschuldigten sowie auf den 

Privatkläger 1 (C._____) und Privatkläger 2 (D._____) lauten, werden einge-

zogen und der jeweiligen Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Urteils sowie des Urteils im Verfahren DG210047-K zur Vernichtung überlas-

sen.

12. Der Privatkläger 1 (C._____) wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

- 7 -

13. Der Privatkläger 2 (D._____) wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

14. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit dem Beschuldigten 

B._____ verpflichtet, dem Privatkläger 1 (C._____) Fr. 30'000.–, zuzüglich 

5 % Zins ab 9. März 2020, als Genugtuung zu bezahlen. 

Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

15. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit dem Beschuldigten 

B._____ verpflichtet, dem Privatkläger 2 (D._____) Fr. 30'000.–, zuzüglich 

5 % Zins ab 9. März 2020, als Genugtuung zu bezahlen. 

Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

16. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'200.00 ;  die weiteren Kosten betragen:

Fr. 6'000.00   Gebühr für das Vorverfahren;
Fr. 5'675.50   Auslagen (Gutachten);
Fr. 3'236.00   Telefonkontrolle; 
Fr. 710.70   Auslagen;
Fr. 407.50   Auslagen Polizei;
Fr. 414.24   Entschädigung Zeuge;

Fr. 44'541.55   Kosten amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und 
Barauslagen);

Fr. 10'273.10   Hälfte der Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung des 
Privatklägers 1 (inkl. MwSt. und Barauslagen);

Fr. 17'827.00   Hälfte der Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung des 
Privatklägers 2 (inkl. MwSt. und Barauslagen);

Fr. 93'285.59   Total

17. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 16 werden dem Beschuldigten aufer-

legt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechts-

vertretungen der Privatkläger 1 und 2 werden einstweilen auf die Gerichts-

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kasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und 

Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.

18. Das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wird abgewiesen. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist schuldig der mehrfachen versuchten vorsätzli-
chen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren, wo-

von bis und mit heute 920 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen 

Strafvollzug erstanden sind. 

3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB für 11 Jahre 

des Landes verwiesen.

5. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet.

6. Die folgenden, sichergestellten Gegenstände werden eingezogen und der 

jeweiligen Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung über-

lassen:

Beim FOR lagernd:

 1 Polo-Shirt, blau, "POLIZEI" (A013'626'545)
 1 unbekannter Gegenstand, rot/weiss, möglicherweise künstlicher Fin-

gernagel (A013'621'266) 
 1 Blister à 2 Tabletten, "Temesta Expidet 1.0 mg" (A013'625'519)

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Bei der KaPo, Asservate-Triage, unter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernd:

 1 Verpackungsbehälter Asservatenkomplex 2 der Polizei Baden-Würt-
temberg (A013'681'942)

 Herrenschuhe, schwarz, "Boss" (A013'682'070)
 Herrensocken, schwarz (A013'682'092)
 1 T-Shirt, schwarz (A013'682'105)
 1 Hose schwarz (A013'682'149)

7. Die folgenden, beim Beschuldigten sichergestellten Gegenstände werden 

dem Beschuldigten (oder einer bevollmächtigten Person) nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils unter Vorlage desselben und eines amtlichen Aus-

weises, nach telefonischer Voranmeldung, durch die Lagerbehörde auf ers-

tes Verlangen herausgegeben:

Bei der KaPo, Asservate-Triage, unter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernd:

 1 Mobiltelefon Apple iPhone X (A013'681'624)
 1 SIM-Karte (A013'729'210)

Werden die genannten Gegenstände innert 30 Tagen nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils nicht herausverlangt, werden sie eingezogen und 

der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

8. Die folgenden, beim Privatkläger 1 (C._____) sichergestellten Gegenstände 

werden dem Privatkläger 1 (oder einer bevollmächtigten Person) nach Ein-

tritt der Rechtskraft dieses Urteils sowie des Urteils im Verfahren 

DG210046-K unter Vorlage derselben und eines amtlichen Ausweises, nach 

telefonischer Voranmeldung, durch die Lagerbehörde auf erstes Verlangen 

herausgegeben:

Beim FOR lagernd:

 1 Jeanshose, blau, "DSQUARED2" (A013'621'573)
 1 T-Shirt, rot/schwarz, "BLACK SQUAD" (A013'621'595)
 1 Boxershorts, hellgrau, "LAS VEGAS" (A013'621'608)
 1 Paar Turnschuhe, rot/schwarz/weiss, "NIKE" (A013'621'620)

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Bei der KaPo, Asservate-Triage, unter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernd:

 1 Kapuzenjacke, rosa, "Champion" (A013'621'142)
 1 Mobiltelefon, Apple iPhone 11 (A013'681'635)
 1 SIM-Karte (A013'729'141)

Werden die genannten Gegenstände innert 30 Tagen nach Eintritt der 

Rechtskraft der Urteile nicht herausverlangt, werden sie eingezogen und der 

Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

9. Die folgenden, beim Privatkläger 2 (D._____) sichergestellten Gegenstände 

werden dem Privatkläger 2 (oder einer bevollmächtigten Person) nach Ein-

tritt der Rechtskraft dieses Urteils sowie des Urteils im Verfahren 

DG210046-K unter Vorlage derselben und eines amtlichen Ausweises, nach 

telefonischer Voranmeldung, durch die Lagerbehörde auf erstes Verlangen 

herausgegeben:

Beim FOR lagernd:

 1 Lederjacke, dunkelbraun, "PME LEGEND" (A013'621'471)
 1 Jeanshose, dunkelgrau, "LEVI'S" (A013'621'506)
 1 T-Shirt, grün, "DECATHLON NYAMBA" (A013'621'528)
 1 Boxershorts, schwarz, "H&M" (A013'621'539)
 1 Paar Socken, schwarz (A013'621'540)
 1 Paar Stiefel, schwarz, "PREMIUM" (A013'621'551)

Werden die genannten Gegenstände innert 30 Tagen nach Eintritt der 

Rechtskraft der Urteile nicht herausverlangt, werden sie eingezogen und der 

Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

10. Die bei der Kantonspolizei Zürich und beim Forensischen Institut Zürich un-

ter der Geschäfts-Nr. 77555910 lagernden Spuren, Aufnahmen und Daten-

auslesung/-sicherung/-träger, welche auf den Beschuldigten sowie auf den 

Privatkläger 1 (C._____) und den Privatkläger 2 (D._____) lauten, werden 

eingezogen und der jeweiligen Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft 

- 11 -

dieses Urteils sowie des Urteils im Verfahren DG210046-K zur Vernichtung 

überlassen.

11. Der Privatkläger 1 (C._____) wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

12. Der Privatkläger 2 (D._____) wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

13. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit dem Beschuldigten 

A._____ verpflichtet, dem Privatkläger 1 (C._____) Fr. 30'000.–, zuzüglich 

5 % Zins ab 9. März 2020, als Genugtuung zu bezahlen. 

Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

14. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit dem Beschuldigten 

A._____ verpflichtet, dem Privatkläger 2 (D._____) Fr. 30'000.–, zuzüglich 

5 % Zins ab 9. März 2020, als Genugtuung zu bezahlen. 

Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

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15. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'200.00 ;  die weiteren Kosten betragen:

Fr. 6'000.00   Gebühr für das Vorverfahren;
Fr. 5'801.83   Auslagen (Gutachten);
Fr. 3'236.00   Telefonkontrolle; 
Fr. 710.65   Auslagen;
Fr. 407.50   Auslagen Polizei;
Fr. 414.29   Entschädigung Zeuge;

Fr. 1'200.00   Beschwerde Obergericht (UB220040-O);

Fr. 1'200.00   Beschwerde Obergericht (UB200186-O); 

Fr. 45'362.80   Kosten amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und 
Barauslagen); 

Fr. 10'273.10   Hälfte der Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung des 
Privatklägers 1 (inkl. MwSt. und Barauslagen);

Fr. 17'827.00   Hälfte der Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung des 
Privatklägers 2 (inkl. MwSt. und Barauslagen);

Fr. 96'633.17   Total

16. Fr. 500.– (Fr. 200.– Anteil an Entscheidgebühr Obergericht UB220040-O so-

wie Fr. 300.– Anteil an den Kosten der amtlichen Verteidigung UB220040-O) 

werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen. 

Die übrigen Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 15 werden dem Beschuldigten 

auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen 

Rechtsvertretungen der Privatkläger 1 und 2 werden einstweilen auf die Ge-

richtskasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO 

und Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten. 

17. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Beschuldigten werden 

abgewiesen. 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten 1:

(Urk. 144 S. 1 f.)

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 15. September 2022 sei 

in Bezug auf die Dispositiv-Ziffern 1, 2, 4, 14, 15, 16, 17 und 18 aufzu-

heben.

2. Herr A._____ sei vom Vorwurf der mehrfachen versuchten vorsätzli-

chen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB freizusprechen.

3. Mein Klient sei wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung began-

gen im Notwehrexzess gemäss Art. 122 Abs. 1 aStGB in Verbindung 

mit Art. 16 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und zu einer Freiheits-

strafe in der Höhe von 6 ½ Jahren zu verurteilen.

4. Er sei alsdann im Sinne von Art. 66 Abs. 1 lit. b StGB für 5 Jahre des 

Landes zu verweisen.

5. Die Privatkläger 1 und 2 seien mit ihren Zivilforderungen auf den Zivil-

weg zu verweisen.

6. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens 

seien zu einem Drittel Herrn A._____ aufzuerlegen und zu zwei Dritteln 

auf die Gerichtskasse zu nehmen. Ferner seien die in der Untersu-

chung und im erstinstanzlichen Verfahren angefallenen Kosten der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der 

Privatkläger 1 und 2 auf die Gerichtskasse zu nehmen.

7. Und schliesslich seien die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive 

diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechts-

vertretungen, ausgangsgemäss auf die Gerichtskasse zu nehmen.

- 14 -

b) Der Verteidigung des Beschuldigten 2:

(Urk. 146 S. 1 f.)

1. Die Berufung des Beschuldigten B._____ sei gutzuheissen und es 

seien Ziff. 1, Ziff. 2, Ziff. 3, Ziff. 4, Ziff. 5, Ziff. 13. und teilweise Ziff. 14 

(Satz 1) und teilweise Ziff. 16 (Kostenauflage für den Beschuldigten 

und Nachforderungsvorbehalt Kosten amtliche Verteidigung und Kos-

ten der Rechtsvertretungen der Privatkläger) des angefochtenen Urteils 

aufzuheben.

2. Der Beschuldigte B._____ sei in Gutheissung seiner Berufung vom 

Vorwurf der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung freizuspre-

chen.

3. Infolge Freispruchs seien keine Strafe auszusprechen und keine Lan-

desverweisung/Ausschreibung im SIS anzuordnen; hingegen seien 

vielmehr sämtliche Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen, 

seien die Genugtuungsbegehren der Privatkläger 1 und 2 gegenüber 

dem Beschuldigten B._____ vollständig abzuweisen und seien dem 

Beschuldigten B._____ eine angemessene Entschädigung und Genug-

tuung zuzusprechen.

4. Eventualiter wäre der Beschuldigte B._____ höchstens wegen qualifi-

zierter einfacher Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 

(Stiche in den linken Oberschenkel), mit einer (bedingten) Freiheits-

strafe zu bestrafen, deren Dauer bereits längstens durch Haft erstan-

den ist.

5. Der Beschuldigte B._____ sei unverzüglich aus der JVA Cazis auf 

freien Fuss zu entlassen.

6. Vom am 10. Februar 2024 erklärten Berufungsrückzug des Privatklä-

gers 1 sei Vormerk zu nehmen. 

- 15 -

c) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich: 

(Urk. 147, S. 1)

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur sei zu bestätigen.

2. Die Berufungen beider Beschuldigten seien unter Kostenfolge für die 

Beschuldigten abzuweisen.

_________________________________

Erwägungen:

I. Verfahren

1. Mit Urteilen des Bezirksgerichtes Winterthur vom 15. September 2022 wur-

den die Beschuldigten A._____ und B._____ im Rahmen ihrer getrennt geführten, 

jedoch gemeinsam verhandelten Verfahren jeweils wegen mehrfacher versuchter 

vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig 

gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 14 ½ bzw. 13 Jahren (abzüglich der 

jeweils bereits erstandenen Haft) bestraft. Beide Beschuldigten wurden unter Aus-

schreibung im Schengener Informationssystem für die Dauer von 11 Jahren des 

Landes verwiesen. Ferner wurde über die im Vorverfahren verfügten Beschlagnah-

men und Sicherstellungen befunden sowie über die von den Privatklägern C._____ 

und D._____ (nachfolgend: Privatkläger 1 und 2) geltend gemachten Schadener-

satz- und Genugtuungsbegehren entschieden. Schliesslich wurden die Kosten- und 

Entschädigungsfolgen festgelegt (vgl. Urk. 104 S. 123 ff.; Urk. 115/119 S. 121 ff.).

2. Beide Beschuldigten liessen gegen das sie betreffende erstinstanzliche Ur-

teil am 15. September 2022 noch vor Schranken die Berufung anmelden 

(vgl. DG210046/47, Prot. I S. 129), welche der Beschuldigte A._____ in der Folge 

noch schriftlich bestätigen liess (Urk. 92). Am 26. September 2022 erfolgte auch 

die Berufungsanmeldung des Privatklägers 1 (Urk. 98). Nach Erstattung der Beru-

fungserklärungen des Beschuldigten A._____ am 17. Februar 2023 (Urk. 108), des 

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Privatklägers 1 am 23. Februar 2023 (Urk. 109) und des Beschuldigten B._____ 

am 6. März 2023 (Urk. 119/121) sowie den anschliessenden Fristansetzungen an 

die jeweiligen Gegenparteien (Urk. 110; Urk. 119/122), welche zu keinen neuen 

Rechtsmitteleingaben führten, wurde in zweiter Instanz auf den 13. Februar 2024 

zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 112). Mit Beschluss vom 30. Novem-

ber 2023 wurden die bis dahin gegen die Beschuldigten getrennt geführten Verfah-

ren (Geschäfts-Nr. SB230091 und Geschäfts-Nr. SB230092) vereinigt und unter 

der Geschäfts-Nr. SB230092 gemeinsam weitergeführt (Urk. 117). Die in der Folge 

eingereichte schriftliche Berufungsbegründung des Beschuldigten A._____ wurde 

ohne Weiterungen zu den Akten genommen, wobei der Verteidiger angehalten 

wurde, seine zweitinstanzlichen Anträge anlässlich der Berufungsverhandlung 

mündlich zu stellen und zu begründen (Urk. 121). Mit Präsidialverfügung vom 

16. Januar 2024 wurde in der Folge einstweilen über die mit den Berufungserklä-

rungen gestellten Beweisanträge der beiden Beschuldigten befunden (Urk. 123), 

wobei in diesem Zusammenhang aktuelle Strafregisterauszüge betreffend beide 

Privatkläger (mit nachfolgendem Beizug des daraus unter anderem ersichtlichen 

Strafurteils des Bezirksgerichtes Winterthur gegen den Privatkläger 1) sowie aktu-

elle Führungsberichte betreffend beide Beschuldigte eingeholt und sämtlichen Par-

teien zugestellt wurden (vgl. Urk. 125 - 130). Am 10. Februar 2024 zog der Privat-

kläger 1 seine Berufungen gegen die beiden vorinstanzlichen Urteile zurück und 

liess mitteilen, dass weder er noch sein Rechtsvertreter an der Berufungsverhand-

lung erscheinen werden, Letzterer sich jedoch die Teilnahme an einer allfälligen 

mündlichen Urteilseröffnung vorbehalte und um entsprechende Mitteilung ersuche 

(Urk. 135). Von diesem Berufungsrückzug ist vorab mit separatem Beschluss Vor-

merk zu nehmen.

3. Zur Berufungsverhandlung vom 13. Februar 2024 erschienen die aus der 

Haft vorgeführten Beschuldigten A._____ und B._____ in Begleitung ihrer amtli-

chen Verteidiger sowie die Vertretungen der Staatsanwaltschaft und des Privatklä-

gers 2 (Prot. II S. 9). Im Anschluss an diese Verhandlung wurden mit Beschluss 

vom 13. Februar 2024 verschiedene Beweisergänzungen angeordnet, welche na-

mentlich die Befragungen der am Tatgeschehen in unterschiedlicher Form beteilig-

ten E._____, F._____, G._____ sowie H._____ und I._____ beinhalteten (Urk. 

- 17 -

149). Am 6. Juni 2024 wurde ein aktualisierter Strafregisterauszug betreffend den 

Privatkläger 1 eingeholt, aus welchem sich weitere Verurteilungen ergaben, deren 

zu Grunde liegende Entscheide beigezogen und den Parteien zur Kenntnis ge-

bracht wurden (Urk. 165 - 167). Mit Schreiben vom 17. Juni 2024 und 20. Juni 2024 

informierten I._____ und H._____ über den Beizug eines Rechtsvertreters und lies-

sen mitteilen, dass sie vor Schranken von ihrem Aussageverweigerungsrecht Ge-

brauch machen wollen (Urk. 170; Urk. 173), wobei keine entsprechende Ladungs-

abnahme erfolgte. 

4. Zur Fortsetzung der Berufungsverhandlung vom 25. Juni 2024 erschienen 

nebst den vorgeladenen Zeugen und Auskunftspersonen der Beschuldigte B._____ 

in Begleitung von Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ als dessen erbetenem Verteidiger 

sowie der Beschuldigte A._____ in Begleitung von Rechtsanwalt lic. iur. X3._____ 

als Stellvertreter von dessen amtlichem Verteidiger (Rechtsanwalt lic. iur. 

X1._____) sowie die Vertretungen der Staatsanwaltschaft bzw. der Privatkläger 1 

und 2 (Prot. II S. 98).

II. Formelles

1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft 

des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem die Be-

schuldigten im Eventualstandpunkt einen Schuldspruch wegen schwerer bzw. qua-

lifiziert einfacher Körperverletzung beantragen (Urk. 144 S. 1 f.; Urk. 146 S. 1 f.; 

Prot. II S. 9 ff.), mithin insofern kein vollumfänglicher Freispruch anbegehrt wird, 

und die vorinstanzlichen Anordnungen betreffend die verfügten Beschlagnahmen 

generell nicht angefochten wurden (Urk. 144 S. 1 f.; Urk. 146 S. 1 f.; Prot. II 

S. 10 f.), sind die beiden erstinstanzlichen Urteile bezüglich der Dispositivziffern 

6 - 11 (DG210046; Beschlagnahmen) bzw. 6 - 10 (DG210047; Beschlagnahmen) 

in Rechtskraft erwachsen, was vorab mit Beschluss festzustellen ist. In den übrigen 

Punkten sind die angefochtenen Urteile hingegen im Sinne von Art. 398 Abs. 2 

StPO umfassend zu überprüfen.

- 18 -

2.

2.1. Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ stellte im Rahmen ihrer Beru-

fungserklärung – wie bereits vor Vorinstanz (vgl. Urk. 64) – die Beweisanträge, es 

sei E._____ als Zeuge zu befragen und es sei betreffend die Privatkläger 1 und 2 

jeweils ein Strafregisterauszug mitsamt den Akten der daraus hervorgehenden Vor-

strafen einzuholen (Urk. 108 S. 4 ff.). Die Verteidigung des Beschuldigten B._____ 

verlangte im Rahmen der ihrerseits gestellten Beweisanträge nebst der Einholung 

eines aktuellen Führungsberichtes ebenfalls den Beizug von Strafregisterauszügen 

der Privatkläger und forderte zusätzlich deren Leumundsberichte an (Urk. 121 S. 2 

und 6). Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden weitere Beweisanträge ge-

stellt, welche die Zeugenbefragungen von G._____ und F._____ sowie den Beizug 

von medizinischen Akten betreffend den Beschuldigten B._____ und die Nachho-

lung einer Tatrekonstruktion enthielten (Urk. 141 S. 1 f.). 

2.2. Bezüglich der vom Beschuldigten A._____ beantragten Zeugeneinver-

nahme betreffend E._____ ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall die Vorge-

schichte des eigentlichen Tatgeschehens nicht unbeachtet bleiben kann (vgl. dazu 

auch hinten Ziff. III./3.5.1. ff.), weshalb diesem Beweisantrag stattgegeben wurde 

(vgl. Urk. 149). Nachdem betreffend die ebenfalls am Tatgeschehen beteiligten 

G._____ und F._____ sodann Einstellungsverfügungen ergingen, ohne dass diese 

danach im vorliegenden Verfahren als Zeugen einvernommen wurden, ist auch den 

entsprechenden Anträgen des Beschuldigten B._____ Folge geleistet worden (vgl. 

Urk. 149). 

2.3. Was die weiteren Beweisanträge anbelangt, so wurde in Nachachtung der 

entsprechenden Anträge der Verteidiger zwecks näherer Beleuchtung der Person 

und der Glaubwürdigkeit der Privatkläger im Vorfeld der Berufungsverhandlung je-

weils ein entsprechender Strafregisterauszug (mit Beizug des sich daraus ergeben-

den Strafurteils des Bezirksgerichtes Winterthur gegen den Privatkläger 1 betref-

fend einfache Körperverletzung bzw. Tätlichkeiten an der Ehegattin) eingeholt 

(vgl. Urk. 125 - 127). Zudem wurden im Rahmen des aktualisierten Strafregister-

auszuges betreffend den Privatkläger 1 zwei weitere rechtskräftige Entscheide bei-

gezogen (Urk. 165 - 166A). Die Erhebung eines zusätzlichen Leumundsberichtes 

- 19 -

betreffend die Privatkläger erscheint aufgrund dieser bereits erfolgten Beweisab-

nahmen hingegen nicht erforderlich, weshalb der entsprechende Beweisantrag des 

Beschuldigten B._____ abzuweisen ist. Ebenso erübrigen sich die Beizüge von 

weiteren Strafakten betreffend die Privatkläger, zumal deren weitere aufgrund der 

eingeholten Strafregisterauszüge ersichtliche Vorstrafen bereits längere Zeit zu-

rückliegen und thematisch nichts mit den vorliegend zu beurteilenden Vorgängen 

zu tun haben. Ferner erscheint es nicht angezeigt, nebst den zu den Akten genom-

menen Röntgenbildern betreffend B._____ auch noch einen Bericht bzw. ein Gut-

achten hinsichtlich seiner Bewegungseinschränkungen aufgrund eines früheren 

Unfalles einzuholen, da der Ablauf des eingeklagten Tatgeschehens auch bei einer 

entsprechenden Behinderung des Beschuldigten, welche prinzipiell nicht in Abrede 

zu stellen ist, aufgrund der kurzen Distanzen im Grundsatz durchaus möglich bleibt 

(vgl. dazu hinten Ziff. III./3.6.4.). Und schliesslich ist auch der beweismässige Mehr-

wert einer Tatrekonstruktion rund vier Jahre nach der inkriminierten Auseinander-

setzung nicht hinreichend ersichtlich, denn eine Rekonstruktion betreffend ein dy-

namisches Tatgeschehen nach derart langer Zeit wird kaum noch zu einem Er-

kenntnisgewinn führen, wie sich anlässlich der Berufungsverhandlung vom 13. Fe-

bruar 2024 und deren heutigen Fortsetzung zeigte, wo die Erinnerungen der Betei-

ligten deutlich verblasst erschienen (vgl. auch hinten Ziff. III./3.2.). Hinsichtlich der 

beantragten Rekonstruktion zur Sitzposition des Privatklägers 1 im Auto im Zusam-

menhang mit der anklagegegenständlichen Stichbewegung in Richtung von dessen 

Kopf ist im Übrigen festzuhalten, dass dieses Sachverhaltselement der Anklage 

bereits aufgrund des bestehenden Beweisfundamentes, insbesondere den vorlie-

genden Aussagen der Beteiligten und dem Verletzungsbild des Privatklägers, hin-

reichend beurteilt werden kann (vgl. hinten Ziff. III./3.6.4.), weshalb auch insofern 

kein weiterer Erkenntnisgewinn zu erwarten ist. 

3. Der Beschuldigte A._____ stellt im Übrigen den weiteren prozessualen An-

trag auf Akteneinsicht betreffend die Daten der im Verfahren angeordneten Aus-

wertungen diverser Mobiltelefone, wobei er die besagten Daten nicht näher spezi-

fiziert (vgl. Urk. 108 S. 8). In dieser Hinsicht liegt ein Bericht der Kantonspolizei 

Zürich betreffend die Auswertung der Mobiltelefone der Beteiligten im Recht, aus 

welchem sich ergibt, welche Daten von welchen Beteiligten ausgewertet wurden 

- 20 -

und welche Fakten daraus entnommen wurden (vgl. Urk. 13/1). Die jeweiligen Ex-

traktionsdaten liegen dem Bericht gespeichert auf einer DVD bei (vgl. Urk. 13/8). 

Zudem befindet sich ein USB-Stick in den Akten, welcher sämtliche Mobiltelefon-

daten der beiden Beschuldigten sowie des Privatklägers 1 enthält (Urk. 13/9). Wes-

halb diese Datenträger und die entsprechenden beleuchtenden Berichte dem Infor-

mationsanspruch des Beschuldigten betreffend die Auswertung der Mobiltelefon-

daten nicht genügen, legt dieser nicht dar. Ohnehin vermag die rückwirkende Aus-

wertung der Mobiltelefondaten der Beteiligten in casu lediglich gewisse Aufsch-

lüsse über die Vorgeschichte des zu beurteilenden Kerngeschehens zu liefern. In-

wiefern sich daraus wesentliche entlastende Elemente betreffend das inkriminierte 

Hauptgeschehen ergeben, ist nicht ersichtlich und wird vom Beschuldigten A._____ 

auch nicht dargetan, zumal den Beschuldigten – wie noch zu zeigen sein wird (vgl. 

hinten Ziff. III./3.5.5. f.) – weder eine vorgängige Planung des Vorhabens noch ir-

gendwelche Drohungen im Vorfeld der Tat vorgeworfen werden können. Der ent-

sprechende Antrag des Beschuldigten A._____ ist daher – soweit er sich aufgrund 

der bereits vorliegenden Daten nicht ohnehin als obsolet erweist – abzuweisen.

III. Sachverhalt

1. Anklagevorwurf

1.1. Den Beschuldigten A._____ und B._____ wird in der Anklageschrift der 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 3. November 2021 zunächst im Rah-

men der eingeklagten Vorgeschichte vorgeworfen, es sei anlässlich der ehelichen 

Probleme von C._____ mit seiner Ehefrau J._____ nach verschiedenen vorgängi-

gen telefonischen Kontakten von Angehörigen der jeweiligen Verwandtschaft, in 

deren Rahmen wohl auch gegenseitige Drohungen ausgestossen worden seien, 

für den Abend des 9. März 2020 eine gegenseitige Aussprache der sich gegen-

überstehenden Gruppierungen vereinbart worden, zu welcher die beiden auf Seiten 

von J._____ stehenden Beschuldigten jeweils ein Klappmesser (mit unbekannter 

Klingenlänge) mitgenommen hätten, um dieses nötigenfalls gegen C._____ (als 

Privatkläger 1) und dessen Angehörige (darunter D._____ als Privatkläger 2) ein-

zusetzen (Urk. 43 S. 2 f.). 

- 21 -

1.2. Anlässlich des nachfolgenden Aufeinandertreffens der beiden Gruppierun-

gen habe sich der Beschuldigte B._____ von einer Äusserung von H._____ derart 

provoziert gefühlt, dass er diesen mit einem Faustschlag traktiert habe, worauf der 

zunächst noch im Hintergrund verbliebene Privatkläger 1 zum Geschehen gestos-

sen sei und den Beschuldigten B._____ zu Boden gestossen habe. In der Folge 

hätten beide Beschuldigte ihr mitgeführtes Messer hervorgenommen, worauf der 

Beschuldigte A._____ den Privatkläger 1 von hinten in den Rücken und den Privat-

kläger 2 in den Bauch gestochen habe. Der Beschuldigte B._____ habe seinerseits 

dem Privatkläger 2 einen Messerstich in die linke Brust versetzt, worauf er die Ver-

folgung des flüchtenden Privatklägers 1 aufgenommen und gegenüber diesem im 

in der Nähe parkierten Fahrzeug der Gebrüder C._____D._____H._____I._____ 

zunächst mehrere Stichbewegungen in Richtung von Kopf und Körper ausgeführt 

habe, bevor er ihm schliesslich mehrere Stichverletzungen am linken Oberschenkel 

zugefügt habe (Urk. 43 S. 3 f.).

1.3. Infolge des Angriffes der beiden Beschuldigten habe der Privatkläger 1 einen 

rund 10 cm tiefen Stich im unteren Rückenbereich (mit Verletzung der Rücken- und 

Hüftmuskulatur sowie der Lumbalarterie) sowie zwei tiefe Stiche im Oberschenkel 

(mit Verletzung der Oberschenkelmuskulatur) erlitten. Derweil habe der Privatklä-

ger 2 einen Stich im Unterbauch (mit Verletzung des Bauchfells, des Dünndarms 

und des Hüftmuskels) sowie einen weiteren Stich im Oberbauch (mit Verletzung 

des Bauchfells) davongetragen (Urk. 43 S. 5).

- 22 -

2. Ausgangslage

2.1. Die beiden Beschuldigten haben die Darstellung der Anklage sowohl bezüg-

lich der Vorgeschichte als auch hinsichtlich des Hauptgeschehens in ihren Grund-

zügen anerkannt. So ist insbesondere beidseits unbestritten, dass im Vorfeld der 

Tat eheliche Probleme zwischen dem Privatkläger 1 und dessen Ehefrau J._____ 

bestanden und es in diesem Zusammenhang zu mehreren telefonischen Kontakten 

zwischen Angehörigen des Privatklägers 1 und Angehörigen seiner Ehefrau kam. 

Weiter wird allseits anerkannt, dass es dann am Abend des 9. März 2020 gegen 

23.30 Uhr vor der K._____ Lounge in L._____ zu einem Aufeinandertreffen der sich 

gegenüberstehenden Gruppierungen kam, welches in der Folge zunehmend eska-

lierte. Schliesslich werden von den Beschuldigten auch die in der Anklage darge-

stellten Verletzungen der beiden Privatkläger als Folge der Auseinandersetzung 

nicht in Zweifel gezogen, zumal diese durch die ärztlichen Austrittsberichte des 

Kantonsspitals Winterthur vom 16. März 2020 bzw. 8. April 2020 (Urk. 15/6; Urk. 

16/8), die Gutachten des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Zürich (kurz: 

IRM) betreffend deren körperliche Untersuchung vom 17. April 2020 bzw. 5. Juni 

2020 mit den beiliegenden Bildmappen und Fotodokumentationen (Urk. 15/7; Urk. 

16/7 und 10) im Einzelnen belegt worden sind. 

2.2. In verschiedenen Einzelpunkten haben beide Beschuldigten die Darstellung 

der Anklage sowohl in der Untersuchung als auch in den gerichtlichen Verfahren 

indessen nicht anerkannt, wobei dieser Umstand in weiten Teilen insbesondere 

auch darauf basiert, dass sie das Geschehen in seinen Einzelheiten teilweise nicht 

mitbekommen haben wollen bzw. sich nicht an alle Einzelheiten erinnern können 

(vgl. Urk. 2/1 S. 4, 7 ff.; Urk. 2/2 S. 5, 18; Urk. 3/1 S. 9 ff.; Urk. 6/1 S. 15, 19; Urk. 6/2 

S. 16 ff.), wobei anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung die Aussage sei-

tens des Beschuldigten A._____ dann gänzlich verweigert wurde, während der Be-

schuldigte B._____ bei seiner bisherigen Darstellung der Geschehnisse geblieben 

ist (vgl. DG210046/47, Prot. I S. 26 ff.). In der Berufungsverhandlung räumte der 

Beschuldigte A._____ ein, in einer Notsituation einen der Gebrüder 

C._____D._____H._____I._____ mit dem Messer auf der rechten Seite beim 

Bauch verletzt zu haben, ehe der weitere Messerstich gegen den Privatkläger 1 

- 23 -

erfolgt sei (Prot. II S. 49). Der Beschuldigte B._____ gestand vor Schranken des 

Berufungsgerichtes sowohl den initialen Schlag gegenüber H._____ sowie die Sti-

che in den Oberschenkel des Privatklägers 1 ein (Prot. II S. 62 f.). Auf die insoweit 

erfolgten Einlassungen und die noch bestrittenen Punkte ist im Rahmen der nach-

folgenden Sachverhaltserstellung nochmals näher einzugehen, wobei aber na-

mentlich die Vorgeschichte der gewalttätigen Auseinandersetzung nur insoweit nä-

her zu würdigen ist, als sich diese für die Beurteilung des Falles tatsächlich als 

relevant erweist. 

3. Beurteilung

3.1. Die Vorinstanz hat im Rahmen ihrer Erwägungen zum umstrittenen Sach-

verhalt die Grundsätze der Beweiswürdigung grundsätzlich korrekt wiedergegeben, 

so dass in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO darauf verwiesen werden kann 

(vgl. Urk. 104 S. 20 f.; Urk. 119/115 S. 20 f.). Zu ergänzen bleibt, dass es im Rah-

men der Würdigung von Aussagen der Verfahrensbeteiligten zwar vorwiegend auf 

den inneren Gehalt der Angaben ankommt, dabei aber auch die Art und Weise, wie 

diese Angaben erfolgen, mit zu berücksichtigen ist. Abzustellen ist in diesem Zu-

sammenhang unter anderem auf die Persönlichkeit, die prozessuale Stellung und 

die allgemeine Glaubwürdigkeit der Aussagenden, wobei insbesondere die Motiv-

lage einer Person, falsche Aussagen zu machen, in die Würdigung einzubeziehen 

ist.

3.2. Die beiden angefochtenen Urteile benennen in der Folge umfassend die vor-

liegend massgebenden Beweismittel (Urk. 104 S. 22; Urk. 119/115 S. 21 f.). Im 

Zentrum stehen dabei die verschiedenen Aussagen der unmittelbar an der Tat be-

teiligten Kontrahenten (vgl. Urk. 2/1-3 [Einvernahmen Beschuldigter A._____]; 

Urk. 3/1-3 [Einvernahmen Beschuldigter B._____]; Urk. 4/1-3 [Einvernahmen Mit-

beschuldigter G._____]); Urk. 5/1-2 [Einvernahmen Mitbeschuldigter F._____]; 

Urk. 6/1-2 [Konfrontationseinvernahmen Beschuldigte/Mitbeschuldigte] sowie 

Urk. 7/1-2 [Einvernahmen Privatkläger 1]; Urk. 8/1-2 [Einvernahmen Privatklä-

ger 2]), welche durch diverse Sachbeweise wie insbesondere Fotodokumentatio-

nen (Urk. 10), Datenauswertungen (Urk. 13) sowie medizinische Berichte und Gut-

- 24 -

achten (Urk. 14 - 17) ergänzt werden. Konkrete Anhaltspunkte zu den Hintergrün-

den der tatrelevanten Geschehnisse vermögen im Weiteren auch die Ausführungen 

von J._____, deren eheliche Probleme mit dem Privatkläger 1 den Ursprung des 

inkriminierten Vorfalls bilden (Urk. 9/8-9), sowie die Ausführungen von M._____ 

(Bardame der K._____ Lounge) und N._____ (Ehefrau des Beschuldigten 

A._____), welche zur Trinkmenge und zum Verhalten der beiden Beschuldigten vor 

der Tat Auskunft geben konnten (Urk. 9/12-13; Urk. 9/16-17), zu liefern, wobei 

M._____ auch jene Person war, welche dem Privatkläger 1 im Vorfeld der Tat eine 

Grussbotschaft des Beschuldigten B._____ ausrichtete. Die relevanten Ausführun-

gen all der erwähnten Beteiligten wurden von der Vorinstanz an den entsprechen-

den Stellen ihrer Sachverhaltserstellung ebenfalls erschöpfend wiedergegeben, so 

dass auf eine nochmalige Rezitierung derselben verzichtet werden kann und darauf 

vorliegend nur noch punktuell zwecks Hervorhebung von entscheidenden Passa-

gen eingegangen zu werden braucht. Zu ergänzen ist an dieser Stelle jedoch, dass 

anlässlich der Fortsetzung der Berufungsverhandlung G._____ und F._____ im 

Rahmen ihrer neuen Rolle als Zeugen nochmals zur Sache befragt wurden. Dabei 

gab der Zeuge G._____ zusammengefasst zu Protokoll, er habe zusammen mit 

seinem Schwager F._____ und den beiden Beschuldigten in lockerer Stimmung 

den Abend in der K._____ Lounge verbracht. Ob sie sich mit den Beschuldigten 

damals verabredet oder sich zufällig in der Bar getroffen hatten, vermochte er dabei 

nicht mehr zu sagen, doch wusste er noch, dass beim Verlassen des Lokals dann 

plötzlich ein Auto heranraste und zwei der Gebrüder 

C._____D._____H._____I._____ mit ihm das Gespräch suchten. Anschliessend 

sei der Privatkläger 1 vom Auto herkommend auf den Beschuldigten B._____ los-

gegangen, habe wüste Beschimpfungen geschrien und diesen zusammengeschla-

gen. Den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung habe er aufgrund der herr-

schenden Dunkelheit jedoch nicht beobachten können (Prot. II S. 146 ff.). Der 

Zeuge F._____ führte derweil aus, sein Schwager habe sich mit den beiden Be-

schuldigten in der K._____ Lounge verabredet, worauf man sich dort getroffen 

habe. Er bestätigte sodann, dass in der Bar eine ausgelassene Stimmung 

herrschte. Nachdem sie sich vor der Bar verabschiedet hätten, seien aus einem 

herangefahrenen Auto zwei Personen ausgestiegen und hätten mit G._____ ge-

- 25 -

sprochen. Im weiteren Gesprächsverlauf sei es laut geworden, weitere Personen 

seien aus dem Auto gestiegen und ein Tumult habe sich entwickelt. Gleichzeitig 

seien weitere Leute aus der Bar hinzugekommen, die jedoch eher schlichtend auf 

die Streitenden eingewirkt hätten. Dabei habe er zu keinem Zeitpunkt eine Person 

oder einen Gegenstand auf dem Boden liegen sehen. Zu seiner eigenen Rolle in 

der Auseinandersetzung gab er an, unbeteiligt neben den Streitenden gestanden 

zu sein, wobei er sich die bei ihm festgestellten Verletzungen bzw. die ihm zuge-

ordnete Blutspur nicht erklären konnte (Prot. II S. 124 ff.; vgl. Urk. 11/1). Darüber 

hinaus wurde E._____ als Zeuge befragt, welcher sich zur Sache dahingehend äus-

serte, dass sein Bruder (Beschuldigter B._____) vor der Tat zu Besuchszwecken 

in die Schweiz gereist sei. Am Tattag seien dann zwischen ihm (dem Zeugen) und 

dem Privatkläger 1 wechselseitig Beleidigungen ausgetauscht und zudem sei er 

von den Privatklägern bedroht worden, wobei der Privatkläger 2 ihm telefonisch 

ausgerichtet habe, sie wüssten, wo sein Bruder sei, und sie die Angelegenheit nun 

mit ihm regeln würden, woraufhin er in Angst geraten sei und seinen Bruder ge-

warnt habe (Prot. II S. 103, 105 ff. und 112 f.).

Die Ausführungen der übrigen im Verfahren einvernommenen Auskunftsper-

sonen und Zeugen (vgl. Urk. 9/1-7, Urk. 9/11, Urk. 9/14-15 und Urk. 9/18-20) ent-

halten demgegenüber keine relevanten Angaben für die Erstellung der massgeben-

den Tatsachen betreffend die Vorgeschichte und der Hauptgeschehnisse, so dass 

diese nachfolgend nicht mehr in die Erwägungen einbezogen werden müssen. Na-

mentlich konnten die ebenfalls am Tatort anwesenden beiden Brüder der Privatklä-

ger (H._____ und I._____) in der Untersuchung nie in Anwesenheit der beiden Be-

schuldigten einvernommen werden, während sie im Berufungsverfahren die Aus-

sage konsequent verweigert haben (vgl. Prot. II S. 160 ff.). Soweit sie mithin Aus-

sagen zur vorliegenden Angelegenheit deponiert haben, können ihre Ausführungen 

mangels wirksam gewährter Teilnahme- und Konfrontationsrechte höchstens zu 

Gunsten der Beschuldigten berücksichtigt werden, da gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung belastende Aussagen nur verwertbar sind, wenn sich die einver-

nommenen Personen in der Konfrontation tatsächlich nochmals zur Sache äussern 

und der Beschuldigte die Glaubhaftigkeit der Aussage und deren Beweiswert in 

kontradiktorischer Weise auf die Probe stellen kann (vgl. statt vieler das Urteil des 

- 26 -

Bundesgerichtes 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.4). In diesem Zusammen-

hang gilt es jedoch zu bemerken, dass die Brüder keine wesentlichen Angaben zu 

Gunsten der Beschuldigten zu Protokoll gegeben haben (vgl. dazu Urk. 9/1-5). So 

dass ihre Aussagen gänzlich ausser Acht bleiben können. Selbst wenn aber im 

Übrigen auf die Befragungen der beiden am Tatgeschehen unmittelbar beteiligten 

Brüder abgestellt werden könnte, ergäben die entsprechenden Aussagen keinen 

Mehrwert für die Erstellung des anklagegegenständlichen Tatablaufes. So wollten 

beide den Tatort bereits frühzeitig verlassen und nichts gesehen haben. Ferner wird 

die Beteiligung H._____s bei der Staatsanwaltschaft weit geringfügiger dargestellt 

(vgl. Urk. 9/3 S. 6 f.; Urk. 9/5 S. 9 ff.), als eine objektive Betrachtung des Gesche-

hens unter Einbezug anderer Aussagen schliessen lässt, wobei diesbezüglich deut-

liche Anhaltspunkte für eine vorgängige Absprache zwischen den beiden nur vor-

übergehend verhafteten Gebrüdern bestehen. Auf die Aussagen von H._____ und 

I._____ könnte mithin nebst der offenkundigen formellen Problematik mithin auch 

in materieller Hinsicht nicht abgestellt werden.

3.3. Was darüber hinaus die allgemeine Verwertbarkeit der aktenkundigen Be-

weismittel anbelangt, so hat sich die Vorinstanz in den beiden angefochtenen Ur-

teilen zur Frage der Zulässigkeit der Aktennotiz vom 10. März 2020 des Polizisten 

O._____ (Urk. 1/5: "Mündliche Angaben des Herrn B._____"; vgl. auch entspre-

chende Beilage zu Urk. 2/2) und der darauf basierenden Erkenntnisse geäussert 

und dabei festgehalten, dass insofern die Belehrung des Beschuldigten B._____ 

mit Blick auf die Hinweise bezüglich des Anspruches auf Verteidigung und Über-

setzung gemäss Art. 158 StPO nicht vollständig erfolgte und die dort festgehaltenen 

Angaben des Beschuldigten mitsamt allfälligen späteren diesbezüglichen Vorhalten 

unverwertbar sind (Urk. 104 S. 14 ff.; Urk. 115/119 S. 14 ff.). Diese Erwägungen 

gilt es in zweiter Instanz dahingehend zu ergänzen, dass den von den deutschen 

Strafverfolgungsbehörden übermittelten Akten zwar eine von beiden Beschuldigten 

unterschriebene Belehrung von vorläufig festgenommenen Personen zu entneh-

men ist, welche den Anforderungen von Art. 158 StPO grundsätzlich genügt und 

damit die spontanen Äusserungen des Beschuldigten B._____ gegenüber den bei-

den deutschen Beamten während des Transportes zum Polizeirevier nicht von 

Vornherein unverwertbar erscheinen lässt (Urk. 1/5 S. 45, 47), doch ist in diesem 

- 27 -

Zusammenhang auch festzuhalten, dass sich in diesen Akten keine Anhaltspunkte 

betreffend den Zeitpunkt der schriftlichen Rechtsbelehrung finden lassen, zumal 

das besagte Schriftstück keine diesbezügliche Zeitangabe aufweist, und sich der 

Polizist O._____ vor dem Transport gehalten sah, den Beschuldigten mündlich auf 

seine Rechte aufmerksam zu machen (vgl. Urk. 9/19 S. 5), was bei einer vorgängi-

gen schriftlichen Belehrung nicht notwendig gewesen wäre. Hinzu kommt, dass die 

schriftliche Belehrung nicht von den Polizeibeamten O._____ und P._____, die den 

Beschuldigten nach dessen Arretierung auf das Polizeirevier transportiert haben, 

unterzeichnet ist (vgl. Urk. 1/5 S. 48), was die Vermutung nahelegt, dass die pro-

zessualen Hinweise erst auf dem Polizeiposten erfolgt sind, da der auf einem der 

Formulare als Sachbearbeiter aufgeführte Polizeibeamte Q._____ bei der Fest-

nahme der Beschuldigten offenbar nicht anwesend war (vgl. Urk. 1/5 S. 4 f. und 

45). Erscheint es indessen plausibel, dass die schriftliche rechtskonforme Beleh-

rung des Beschuldigten B._____ erst nach dessen Ankunft auf dem Polizeiposten 

erfolgte, so ist nicht auszuschliessen, dass die Einlassungen des Beschuldigten im 

Polizeifahrzeug ohne vorgängige rechtsgültige Belehrung im Sinne von Art. 158 

StPO erfolgt sind, was die absolute Unverwertbarkeit der besagten Aktennotiz vom 

10. März 2020 zur Folge hat (Art. 158 Abs. 2 StPO). Gleiches gilt aufgrund des 

Fernwirkungsverbotes gemäss Art. 141 Abs. 4 StPO mithin auch für die gestützt 

auf diese Aktennotiz erhobenen Beweise, namentlich die Einvernahmen der Poli-

zisten O._____ und P._____ vom 18. Januar 2021 (Urk. 9/19+20), da deren Erhe-

bung ohne die erwähnte Aktennotiz nicht in dieser Form möglich gewesen wäre.

Andere Verwertungsproblematiken betreffend die im Recht liegenden rele-

vanten Beweise sind im Übrigen nicht ersichtlich, so dass insoweit vollumfänglich 

auf die entsprechenden Akten abgestellt werden kann.

3.4. Mit Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Verfahrensbeteiligten hat die Vorin-

stanz die diesbezüglichen Einwendungen der Verteidigung des Beschuldigten 

A._____ betreffend die Privatkläger mit dem knappen Hinweis entkräftet, dass letzt-

lich ohnehin die Glaubhaftigkeit der im Verfahren deponierten Aussagen und nicht 

die generelle Glaubwürdigkeit der Beteiligten massgebend sei (Urk. 104 S. 22 [un-

ter Verweis auf S. 20]; Urk. 119/115 S. 22 [unter Verweis auf S. 20]). Diese Sicht-

- 28 -

weise greift insofern zu kurz, als im Rahmen der Beweiswürdigung zwar – wie die 

Vorinstanz zutreffend festhält – primär auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen der 

Verfahrensbeteiligten abzustellen ist, dabei jedoch deren Persönlichkeit und pro-

zessuale Stellung nicht gänzlich ausser Acht bleiben darf, zumal wenn Auffälligkei-

ten im Lebenslauf oder den gegenseitigen Beziehungen geltend gemacht werden, 

welche nicht ohne Weiteres ignoriert werden können (vgl. vorstehend Ziff. 3.1.). 

Aus diesem Grund wurden im Vorfeld der Berufungsverhandlung denn auch – ent-

sprechend den Beweisanträgen der Beschuldigten (vgl. Urk. 108 S. 5 f.; Urk. 121 

S. 2, 6) – die Strafregisterauszüge betreffend die beiden Privatkläger eingeholt, aus 

welchen sich ergab, dass der Privatkläger 1 im Zusammenhang mit der vorliegend 

relevanten problematischen Ehe mit J._____ eine Vorstrafe erwirkte (Urk. 125), 

weshalb in der Folge auch das dieser Strafe zu Grunde liegende Urteil des Bezirks-

gerichtes Winterthur vom 13. Dezember 2019 beigezogen wurde (vgl. Urk. 127), 

um die Vorgeschichte des Falles und die Glaubwürdigkeit des Privatklägers 1 näher 

ergründen zu können. Zudem hat sich im Rahmen der Aktualisierung des Strafre-

gisterauszuges des Privatklägers 1 ergeben, dass dieser auch in einem anderen 

Fall in strafrechtlich relevanter Weise gewalttätig geworden ist (vgl. Urk. 164). Es 

ergibt sich hieraus ein gewisses Interesse des Privatklägers 1, seine Person in der 

vorliegenden ebenfalls gewaltbehafteten Angelegenheit in einem günstigen Licht 

darzustellen. Im Übrigen ist nicht von der Hand zu weisen, dass zwischen den bei-

den Privatklägern die Möglichkeit bestand, sich vor ihren staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahmen abzusprechen, was für die Würdigung ihrer entsprechenden Aussa-

gen im Auge zu behalten ist. Letztlich bleibt es jedoch dabei, dass unter Berück-

sichtigung der vorgenannten Umstände insbesondere auf die Glaubhaftigkeit der 

im Verfahren deponierten Aussagen der Privatkläger abzustellen ist, welche jeweils 

auf ihre Übereinstimmung mit anderen relevanten Beweismitteln zu prüfen sind.

3.5.

3.5.1. Betreffend die in der Anklage dargestellte Vorgeschichte (vgl. Urk. 43 S. 2 f.) 

hat die Vorinstanz nach eingehender Würdigung der entsprechenden Beweismittel 

zu Recht festgehalten, dass sich weite Teile des dort dargestellten Geschehensab-

laufes nicht rechtsgenügend erstellen lassen (vgl. Urk. 104 S. 22 ff.; Urk. 119/115 

S. 23 ff.). 

- 29 -

3.5.2. Gemäss der Anklageschrift soll es im Verlauf des intensiven Kontaktaustau-

sches zwischen den beiden Gruppierungen im Vorfeld der Tat auch zu gegenseiti-

gen Drohungen gekommen sein. E._____, welcher an den Gesprächen im Vorfeld 

der Tat massgeblich beteiligt war, erklärte hierzu in der Berufungsverhandlung, es 

seien am Tattag zwischen ihm und dem Privatkläger 1 wechselseitig Beleidigungen 

gefallen und er sei zudem von beiden Privatklägern bedroht worden, ohne dass er 

seinerseits entsprechende Drohungen ausgesprochen habe (Prot. II S. 106 ff.). 

Diese Schilderungen des Zeugen sind kohärent und die von ihm geschilderten Te-

lefonate bzw. Kontakte mit den Privatklägern passen auch zu der im Recht liegen-

den Auswertung der elektronischen Kommunikation (vgl. Urk. 1/14; Urk. 13/1), 

weshalb dessen diesbezügliche Aussagen durchaus glaubhaft erscheinen, zumal 

er auch von ihm ausgesprochene Beleidigungen einräumte. Nichtsdestotrotz gilt es 

jedoch zu bemerken, dass der Übergang zwischen Beleidigungen und Drohungen 

bzw. das diesbezügliche Verständnis von E._____ fliessend zu sein scheint, da 

seine entsprechenden Äusserungen gegenüber dem Privatkläger 1 durchaus auch 

eine drohende Komponente enthielten (vgl. Urk. 1/14). So berichtete der Privatklä-

ger 1 in seinen Befragungen denn auch, E._____ habe ihm am Tattag mit einer 

Gefahr gegen Leib und Leben gedroht (vgl. Urk. 7/1 S. 2 F/A 13: "Ich garantiere dir 

eine Kugel!"; Urk. 7/2 S. 5 F/A 16, 19), während auch die Mutter der Privatkläger 

ausführte, der Privatkläger 1 sei von B._____ während eines von ihr mitgehörten 

Telefonates mit dem Tod bedroht worden (Urk. 9/6 S. 2 f. F/A 9, 13, 14, 16). Dem-

entsprechend kann als erstellt gelten, dass es am Tattag zu wechselseitigen Dro-

hungen zwischen den Angehörigen beider Familien gekommen ist und angesichts 

dieser Drohkulisse auch eine entsprechend aufgeheizte Stimmung zwischen den 

Beteiligten geherrscht hat. Der Zeuge E._____ führte vor Schranken des Beru-

fungsgerichtes dementsprechend aus, er sei aufgrund der am Tatabend seitens 

des Privatklägers 2 gegen seinen Bruder gerichteten Andeutung, wonach ihnen 

dessen Aufenthaltsort bekannt sei und sie die Angelegenheit mit ihm klären wür-

den, in Angst geraten und habe daher seinen Bruder gewarnt (Prot. II S. 113, 116; 

vgl. auch Prot. II S. 40, 59), wobei aber unklar bleibt, wie konkret diese Warnung 

ausgefallen ist. Ebenfalls bleibt fraglich, inwieweit sich der Beschuldigte B._____ 

von dieser Warnung hat beeindrucken lassen bzw. wie ernst er die Warnung seines 

- 30 -

Bruders genommen hat (vgl. Prot. II S. 41), nachdem er sich davon offenbar nicht 

betroffen zeigte (Prot. II S. 59; vgl. auch Prot. II S. 41; Urk. 3/2 S. 5 f.). In diesem 

Zusammenhang ist jedenfalls auffallend, dass sowohl G._____ wie auch F._____ 

eine durchwegs lustige und lockere Stimmung in der Bar beschrieben haben (vgl. 

Prot. II S. 132, 144), was nicht auf einen nervösen, vorgewarnten Beschuldigten 

schliessen lässt.

3.5.3. Was sodann den in den erstinstanzlichen Urteilen thematisierten Grund für 

die vorgängige Einreise des Beschuldigten B._____ in die Schweiz anbelangt, ist 

vorweg festzuhalten, dass die entsprechende Motivation des Beschuldigten 

B._____ in der Anklage nur sehr allgemein umschrieben wird (vgl. Urk. 43 S. 2: "Im 

Zusammenhang mit den Problemen zwischen C._____ und J._____ reiste B._____ 

[…] in die Schweiz ein") und für den vorliegenden Entscheid denn auch nur insofern 

relevant ist, als sich daraus eine gewisse Planung der Tat zum Nachteil des Privat-

klägers 1 ergeben könnte. Es ist deshalb hierzu in der gebotenen Kürze nurmehr 

festzuhalten, dass zwar verschiedene Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Be-

schuldigte B._____ wegen der Probleme zwischen den beiden Eheleuten bzw. we-

gen eines sich daraus anbahnenden grösseren Konfliktes in die Schweiz eingereist 

ist, um die Sache zu klären (vgl. dazu hingegen auch die Aussagen von J._____ 

gemäss Urk. 9/9 S. 7: "Ich habe B._____ weder gerufen noch ihm gesagt, dass er 

kommen solle."). Es kann jedoch nicht rechtsgenügend erstellt werden, wie der Be-

schuldigte B._____ diese Probleme konkret lösen wollte, zumal sich die Beteiligten 

nicht dazu äusserten. Mithin kann demnach mangels konkreter Relevanz letztlich 

auch offen bleiben, inwiefern der Beschuldigte von seinem Bruder zur Klärung des 

familiären Konflikts in die Schweiz geschickt wurde. 

3.5.4. Mit der ersten Instanz kann sodann für die weiteren Behauptungen der An-

klage fraglos davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte A._____ vom an-

gespannten Verhältnis zwischen den Familien des Privatklägers 1 und J._____ 

wusste (vgl. Urk. 104 S. 32 f.; Urk. 119/115 S. 32 f.), nachdem seine Ehegattin die 

Tante von J._____ war und er den ebenfalls über die Sache orientierten Beschul-

digten B._____ unmittelbar vor der Tat bei sich beherbergte. Nachdem aber der 

genaue Kenntnisstand des Beschuldigten A._____ in dieser Sache letztlich unklar 

- 31 -

bleibt, ist fraglich, inwiefern dieser Umstand für die Beurteilung des Falles eine we-

sentliche Rolle spielt, zumal selbst die Anklage in diesem Zusammenhang nicht 

behauptet, die beiden Beschuldigten hätten im Vorfeld eine gezielte Aktion geplant, 

um die schlechte Behandlung des Privatklägers 1 gegenüber seiner Ehefrau in ir-

gendeiner Weise zu vergelten.

3.5.5. Angesichts all dieser erwähnten Unklarheiten im Vorfeld der Tat und der Un-

vollständigkeit der im Recht liegenden Datenauswertung betreffend die damals un-

tereinander geführten Telefonate kann schliesslich auch die eingeklagte Vereinba-

rung einer gegenseitigen Aussprache in L._____ nicht als hinreichend erwiesen 

erachtet werden. Die entsprechende Darstellung der beiden Beschuldigten, man 

habe am Tatabend in L._____ den mit dem Beschuldigten B._____ befreundeten 

G._____ besuchen wollen (Urk. 2/2 S. 14; Urk. 2/1 S. 3 f.; Urk. 3/1 S. 3; Urk. 3/2 

S. 11; Prot. II S. 50, 57), wurde anlässlich der Fortsetzung der Berufungsverhand-

lung von F._____ bestätigt (Prot. II S. 122). G._____ vermochte sodann anlässlich 

der Befragung vor Schranken der Berufungsinstanz diesbezüglich wenig zur Klä-

rung beizutragen, da er sich an den Grund des Treffens in L._____ nicht mehr er-

innern konnte oder wollte (Prot. II S. 139, 143). Seine entsprechenden Aussagen 

im Rahmen der Fortsetzung der Berufungsverhandlung vermögen aufgrund ihrer 

Vagheit sowie den vorgebrachten Ausflüchten und Erinnerungslücken denn auch 

weitestgehend nicht zu überzeugen, zumal auch auffällig erscheint, wie flüchtig er 

die langjährige Bekanntschaft mit dem Beschuldigten B._____ angesichts der frü-

heren Zusammenarbeit schilderte (vgl. Prot. II S. 138 ff.; Urk. 4/2 S. 3), weshalb 

letztlich auf seine entsprechenden Depositionen in der Untersuchung abzustellen 

ist, wonach er sich mit dem Beschuldigten B._____ in der K._____ Lounge verab-

redete, um etwas zu trinken (Urk. 4/3 S. 2; Urk. 4/2 S. 3). In den Akten finden sich 

zudem keinerlei Hinweise, dass die Parteien im Vorfeld der Tat zu irgendeinem 

Zeitpunkt die Bereitschaft zeigten, in bestimmter Form aufeinander zuzugehen. Im 

Gegenteil weist die aktenkundige Kommunikation einen unversöhnlichen Charakter 

auf, was ins Bild der nachfolgenden gewalttätigen Auseinandersetzung passt. 

Hinzu kommt, dass sich den glaubhaften Aussagen von F._____ zufolge die Grup-

pierung um die Beschuldigten bereits im Aufbruch befand, als die Gebrüder 

C._____D._____H._____I._____ bei der K._____ Lounge angekommen waren, 

- 32 -

was ebenfalls gegen ein geplantes Aufeinandertreffen der Beschuldigten und der 

Privatkläger spricht. Wenn das Vordergericht in diesem Zusammenhang festhält, 

die beiden Gruppierungen hätten am besagten Abend zumindest den Kontakt zu-

einander gesucht (vgl. Urk. 104 S. 32; Urk. 119/115 S. 31), so kann dem aber im-

merhin insofern zugestimmt werden, als den Anstoss für das gegenseitige Aufein-

andertreffen mit annähernder Sicherheit die Botschaft des Beschuldigten B._____ 

gab, welche M._____ dem Privatkläger 1 zu übermitteln hatte (vgl. Urk. 10/1 Blatt 

8: "eh, en gruess vo somene B._____"), wobei der Beschuldigte B._____ aber nicht 

wissen konnte, dass seine Grussbotschaft unmittelbar ausgerichtet wird. Der Pri-

vatkläger 1 ist jedoch offensichtlich auf diese Nachricht sofort eingestiegen und hat 

sich in der Folge mit seinen Brüdern zur K._____ Lounge begeben, auch wenn er 

selber dies abstreitet (vgl. Urk. 7/2 S. 6). Zusammenfassend ist mithin entgegen 

der Anklageschrift nicht erstellt, dass am Tatabend eine Aussprache zwischen den 

Angehörigen der Familie B._____E._____N._____ einerseits und den Angehörigen 

der Familie C._____D._____H._____I._____J._____ andererseits in der K._____ 

Lounge in L._____ geplant war.

3.5.6. Basierend auf der in vielen Punkten unklaren Vorgeschichte des Falles er-

scheinen aber auch die Umstände, unter denen die beiden Beschuldigten am Ta-

tabend ihre Messer mitführten, nicht hinreichend gesichert. Kann entsprechend den 

vorstehenden Ausführungen nicht als erstellt erachtet werden, dass die beiden 

Gruppierungen im Vornherein ein Treffen bzw. eine Aussprache vereinbart haben, 

so ist auch die Annahme eines bewussten Einsteckens des Messers zwecks Ein-

satz im Rahmen einer Konfrontation nicht zwingend. Zwar ist es mit der Vorinstanz 

zutreffend, dass die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten B._____, wo-

nach er zuvor einen Apfel schälte und das Messer in diesem Zusammenhang ein-

steckte (vgl. Urk. 3/2 S. 10), wenig glaubhaft anmuten, doch ist trotz dieses insofern 

unplausiblen Aussageverhaltens auch durchaus möglich, dass die beiden Beschul-

digten in jener Zeit aufgrund der angespannten familiären Situation regelmässig ein 

Messer mit sich führten, um auf allfällige Überraschungen reagieren zu können. 

Dieser Umstand offenbart immerhin deren Bereitschaft, das mitgeführte Messer ge-

gebenenfalls auch einzusetzen, und zudem die Tatsache, dass jederzeit mit einer 

(tätlichen) Eskalation des familiären Konflikts gerechnet wurde. Nachdem es dann 

- 33 -

aber zu einem nicht in dieser Form geplanten Aufeinandertreffen der beiden Grup-

pierungen gekommen ist, ist letztlich zu Gunsten der Beschuldigten davon auszu-

gehen, dass die Messer am Tatabend spontan zum Einsatz gelangten. Unklar bleibt 

in diesem Zusammenhang sodann auch, ob die beiden Beschuldigten vom jeweils 

anderen mitgeführten Messer wussten, zumal sie selber dies bestreiten und an-

sonsten keine stichhaltigen Hinweise für ein entsprechendes Wissen bestehen. Es 

ist demnach in diesem Punkt nicht von der Darstellung der Anklage auszugehen 

(vgl. Urk. 43 S. 3), dass die beiden Beschuldigten vor der Tat jeweils bewusst ein 

(Klapp-)Messer einsteckten, um dieses bei einer geplanten Auseinandersetzung 

einzusetzen. Es ist in diesem Zusammenhang namentlich zu bedenken, dass es 

letztlich nur aufgrund einiger Zufälligkeiten zur konkreten Auseinandersetzung der 

beiden Gruppierungen kam, indem der Beschuldigte B._____ dem Privatkläger 1 

via die Bardame der K._____ Lounge offenbar spontan einen Gruss ausrichten 

liess, wenn sie ihn einmal sehe, diese den Gruss dann aber sofort weiterleitete und 

sich der Privatkläger 1 schliesslich veranlasst sah, mit seinen Brüdern sofort zur 

Lounge aufzubrechen, obwohl man keinen sicheren Kenntnisstand darüber hatte, 

inwiefern sich die beiden Beschuldigten zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich noch 

dort aufhielten. 

3.5.7. Es ist nach all dem Gesagten für die weitere Beurteilung des Falles davon 

auszugehen, dass es sich beim inkriminierten Vorfall nicht um ein geplantes Vor-

haben mit bewusstem Aufsuchen der Kontrahenten handelte, wobei es seitens der 

Beschuldigten aber im Zusammenhang mit den gegenseitigen Streitigkeiten im 

Vorfeld zu einer bewussten Bewaffnung für einen allfälligen Ernstfall kam. Zwar ist 

mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 83 S. 8, 10) ohne Weiteres als auffällig zu bezeich-

nen, dass sich im nach der Tat in Richtung Deutschland gesteuerten Fahrzeug des 

Beschuldigten A._____ ein gepackter Koffer des Beschuldigten B._____ befand. 

Dieser Umstand allein vermag indessen nicht den Nachweis für eine gezielte Aktion 

mit nachmalig beabsichtigter Flucht zu erbringen, da für den gepackten Koffer 

zwanglos auch andere Varianten denkbar sind, auch wenn dabei die vorgebrachte 

Version des Beschuldigten, wonach dieser gar nie ausgepackt worden sei (Urk. 3/2 

S. 3), nicht im Vordergrund steht.

- 34 -

3.6.

3.6.1. Betreffend das eigentliche Haupt- bzw. Kerngeschehen erachtet die Vorin-

stanz den eingeklagten Sachverhalt mit Ausnahme des – letztlich offen gelasse-

nen – Sturzes des Beschuldigten B._____ in der Anfangssequenz sowie dessen 

Drohung gegenüber dem Privatkläger 1 im Rahmen der Verfolgung zum Fahrzeug 

für sämtliche Tatphasen als erstellt (vgl. Urk. 104 S. 35 ff.; Urk. 119/115 S. 34 ff.). 

Dabei stützt sie sich im Wesentlichen auf die Aussagen der beiden Privatkläger 

sowie auch auf die Depositionen von G._____, welcher das Tatgeschehen aus re-

lativer Nähe verfolgt hat, ohne selber direkt darin involviert gewesen zu sein (vgl. 

Urk. 4/2 S. 2 ff.; Urk. 4/3 S. 1 ff.), wobei er seine damaligen Wahrnehmungen in der 

gerichtlichen Befragung durch das Berufungsgericht grundsätzlich bestätigte, so-

weit er sich daran noch zu erinnern vermochte. Namentlich führte er dabei aus, 

dass der Privatkläger 1 – Verbalinjurien schreiend – auf den Beschuldigten 

B._____ losgegangen sei und diesen zusammengeschlagen habe, wobei er dann 

alles Weitere aufgrund der Dunkelheit nicht mehr gesehen haben will (Prot. II 

S. 147 f. und 153 ff.). Wenn die Vorinstanz dann aber die diesbezüglichen Ausfüh-

rungen der Beschuldigten als generell unglaubhaft erachtet (vgl. Urk. 104 S. 38, 

45; Urk. 119/115 S. 37, 44) und namentlich die von den Beschuldigten angeführte 

Notwehrsituation kategorisch verneint (Urk. 104 S. 68 ff.; Urk. 119/115 S. 68 ff.), so 

kann diesen Erwägungen in zweiter Instanz aus nachfolgenden Gründen nicht vor-

behaltlos gefolgt werden. 

3.6.2.

a) So wird im Rahmen der Aussagen der beiden Beschuldigten auch in zweiter 

Instanz das Bestreben ersichtlich, eine Notwehrsituation aufzuzeigen (vgl. Beschul-

digter A._____: Urk. 2/1 S. 7: "Ich habe gesehen, wie drei, vier, fünf Leute auf 

B._____ losgingen. Ich versuchte, B._____ rauszuziehen."; Prot. II S. 52 " Ich war 

in einer Notsituation und habe Angst und Panik bekommen."; Beschuldigter 

B._____: Urk. 3/1 S. 2: "Ich habe mich gewehrt. Sie sind auf mich losgekommen. 

Ich hatte Angst um mein Leben."; DG210047, Prot. I S. 113: "Wir sind die Opfer 

und die Täter laufen frei herum. Sie haben uns angegriffen, wir haben uns nur ver-

teidigt."; Prot. II S. 63: "Ich habe um mein Leben gefürchtet. Sie sind von allen Sei-

ten auf mich gekommen."). Zwar wird in diesem Zusammenhang bei verschiedenen 

- 35 -

Gelegenheiten eine Überzahl der gegnerischen Gruppe geltend gemacht, gegen 

die es sich zu wehren galt (vgl. Beschuldigter A._____: Urk. 2/1 S. 10: "B._____ 

kämpfte gegen ca. sieben Personen um sein Leben."; Beschuldigter B._____: Urk. 

6/1 S. 12, 14: "Zu fünft gingen sie auf mich los.", "Ich hatte Angst um mein Leben. 

Es waren fünf Leute gegen mich."), welche es so nicht gegeben hat. Auch wenn 

nämlich von der gegnerischen Gruppierung entgegen der Vorinstanz nicht nur die 

vier Brüder am Tatort anwesend waren, sondern gemäss den stimmigen Aussagen 

von F._____ auch noch weitere Personen aus der Bar hinzugekommen sind, wor-

aufhin ein Tumult entstand (Prot. II S. 126), so haben Letztere lediglich versucht, 

deeskalierend auf die Streitenden einzuwirken (vgl. Prot. II S. 126 f. und 131), wes-

halb entgegen den Schilderungen der Beschuldigten nicht von einer aggressiven 

Übermacht auf Seiten der Privatkläger die Rede sein kann. Vor diesem Hintergrund 

fällt hinsichtlich der inkriminierten Messerstiche mit der Staatsanwaltschaft und 

dem Vertreter des Privatklägers 1 (Prot. II S. 173, 176) im Übrigen auch die An-

nahme einer Dritttäterschaft ausser Betracht, zumal für diese Variante auch im Üb-

rigen keine ernsthaften Hinweise bestehen.

b) Nebst der aggressiven gegnerischen Übermacht machen die Beschuldigten 

jedoch auch einen vorgängigen Angriff der Privatkläger geltend, wozu G._____, zu 

welchem auch die Privatkläger ein gutes Verhältnis pflegten (vgl. Urk. 8/2 S. 6 

F/A 27), weshalb er als grundsätzlich unabhängig gelten kann, in der Untersuchung 

schilderte, dass der Privatkläger 1 den Beschuldigten B._____ nach dessen Faust-

schlag gegen H._____ unvermittelt zu Boden gestossen habe (Urk. 4/3 S. 12, 18). 

Zwar vermochten die Aussagen von G._____ im Berufungsverfahren weitgehend 

nicht zu überzeugen, doch schilderte er in dieser Hinsicht auch vor der erkennen-

den Kammer konstant und durchwegs schlüssig, dass der Privatkläger 1 den Be-

schuldigten B._____ heftig tätlich angegangen sei (Prot. II S. 147: "Es kam jemand 

ganz grusig alle Schande auf Albanisch schreiend vom Auto angeflogen und hat 

B._____ angegriffen und zusammengeschlagen"; vgl. auch Prot. II S. 154; Urk. 4/3 

S. 11 f.), was sich im Übrigen auch mit den diesbezüglichen Schilderungen des 

Beschuldigten A._____ deckt, wonach der Privatkläger 1 in kampfsportartlicher Ma-

nier auf den Beschuldigten B._____ losgegangen sei (Prot. II S. 49 f.), wobei offen 

bleiben kann, ob der Privatkläger 1 einen Faustschlag oder einen heftigen Stoss 

- 36 -

versetzt hat (vgl. Urk. 4/3 S. 12, 18; Urk. 7/2 S. 8 F/A 46 f.). In Anbetracht der ge-

schilderten Heftigkeit des Angriffs und des Umstandes, dass es sich beim Privat-

kläger 1 um einen professionellen Kampfsportler handelt, kann jedenfalls ange-

nommen werden, dass der Beschuldigte B._____ in der Folge tatsächlich unsanft 

zu Boden ging. Vor diesem Hintergrund erscheint es aber auch nachvollziehbar, 

dass der Beschuldigte A._____ aufgrund dieser unvermittelten Eskalation, die sich 

innert kürzester Zeit abgespielt hat, in Panik geraten ist. Daraufhin hat er im dyna-

mischen Tatgeschehen mit dem Messer auf den Privatkläger 1 eingestochen, ehe 

dieser den Rückzug in Richtung seines Fahrzeuges angetreten hat (vgl. Urk. 2/2 

S. 16; Prot. II S. 49, 52), was mit der Darstellung des Privatklägers 1 selbst über-

einstimmt, wonach er nach der Handgreiflichkeit gegenüber dem Beschuldigten 

B._____ einen Stich in den Rücken verspürt und sich daraufhin zum Auto zurück-

gezogen habe (Urk. 7/1 S. 4 F/A 23, 26). Mithin ist anzunehmen, dass sich der Pri-

vatkläger 1 im Zeitpunkt des ersten Messerstiches durch den Beschuldigten 

A._____ noch inmitten des Tumults befand und der Beschuldigte A._____ dem Mit-

beschuldigten zu Hilfe eilen wollte, um diesen unter Einsatz des Messers vor wei-

teren Übergriffen durch den Privatkläger 1 zu bewahren, indem er dem Privatkläger 

unvermittelt und ohne vorgängige Warnung in den Rücken gestochen hat. Demge-

mäss ist bezüglich des Messerstiches des Beschuldigten A._____ zum Nachteil 

des Privatklägers 1 aber von einer Notwehrhilfesituation auszugehen, wobei auf die 

Frage der Verhältnismässigkeit der Abwehr im Rahmen der rechtlichen Würdigung 

einzugehen sein wird (vgl. hinten Ziff. IV./2.3.2.). Dabei darf jedoch nicht unberück-

sichtigt bleiben, dass dem Angriff des Privatklägers 1 eingestandenermassen ein 

Faustschlag des Beschuldigten B._____ gegenüber H._____ voranging (Prot. II 

S. 62; Urk. 3/2 S. 11 f. F/A 87), was die zuvor verbal geführte Auseinandersetzung 

auf eine physische Ebene brachte. Hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Ausein-

andersetzung gilt es in dieser Hinsicht sodann festzuhalten, dass gestützt auf die 

Schilderungen der Anwesenden mangels weiterer Anhaltspunkte nicht erstellt wer-

den kann, dass während des Tatgeschehens auch ein Angriff durch den Privatklä-

ger 2 unmittelbar bevorstand oder sich gar in Ausführung befand, zumal es sich bei 

ihm um einen Mitläufer handelte, von welchem zuvor keinerlei physische Aggres-

- 37 -

sion ausgegangen war. Dementsprechend scheidet eine Notwehr- bzw. Notwehr-

hilfesituation gegenüber dem Privatkläger 2 von vornherein aus.

c) Die weitere Behauptung der Beschuldigten, dass die Gegenseite ebenfalls 

mit Messern bewaffnet gewesen sei und diese dann auch zum Einsatz gelangt 

seien, findet in den Akten keine Stütze. Nach der Tat wurde trotz entsprechender 

Suche keine Messer oder ähnliche Waffen gefunden (vgl. Urk. 1/4) und es wurden 

auch bei den Privatklägern selbst keine Waffen sichergestellt, wobei diese aufgrund 

ihrer schweren Verletzungen wohl eher keine valable Möglichkeit hatten, sich sol-

cher zuvor gezielt zu entledigen. Massgeblich bleibt zudem, dass keine der am Tat-

ort anwesenden Drittpersonen denn auch ein Messer bei den Privatklägern gese-

hen hat (vgl. Urk. 4/2 S. 8; Urk. 9/5 S. 11 F/A 91; Prot. II S. 128, 149). Ein anderes 

Bild vermögen schliesslich auch die beim Beschuldigten B._____ festgestellten 

Verletzungen nicht wiederzugeben. So bezeugt dessen Hautverletzung am oberen 

Stirnende (vgl. Urk. 12/7 S. 6) keine Messerwunde, sondern deutet vielmehr auf ein 

Anschlagen auf eine scharfe Kante (beispielsweise des Fahrzeuges der Privatklä-

ger) hin. Eher einschlägig könnten die Verletzungen an den Fingern des Beschul-

digten sein (vgl. Urk. 12/7 S. 8 f.), doch sind diese derart marginal, dass nicht von 

einem gegnerischen Messerstich auszugehen ist, da ein solcher zweifellos stärkere 

Spuren hinterlassen hätte. Viel wahrscheinlicher ist demnach, dass sich der Be-

schuldigte B._____ diese Verletzungen bei seiner unkontrollierten Handhabung 

des eigenen Messers im Rahmen der Verfolgung und Tangierung des Privatklägers 

1 selber zugefügt hat. Das klinisch-rechtsmedizinische Gutachten der Universität 

R._____ [DE] vom 13. März 2020 vermag die entsprechenden Verletzungen denn 

auch nur erschwert zu bewerten und erachtet bei der Kopfverletzung eine Verursa-

chung durch eine scharfe Kante oder ein Messer gleichermassen als möglich, wäh-

rend bei den Handverletzungen eher auf ein Messer geschlossen wird, ohne dass 

indessen konkrete Schlussfolgerungen betreffend eine Fremd- oder eine Selbstein-

wirkung gezogen werden (vgl. Urk. 14/4/3 S. 4).

3.6.3. Während mithin die Beschuldigten mit ihrer Version der Tatgeschehnisse 

mehrheitlich nicht zu überzeugen vermögen, fielen die Aussagen der beiden Pri-

vatkläger zum Kerngeschehen insgesamt stimmig und lebensnah aus und weisen 

- 38 -

auch untereinander keine wesentlichen Widersprüche auf, dies entgegen den Vor-

bringen der Verteidigung des Beschuldigten A._____, welche im Rahmen ihrer Ar-

gumentation im Wesentlichen auf Nebenschauplätze (bspw. betreffend die Beteili-

gung von H._____) ausweicht, ohne darzulegen, inwiefern es nicht zu den konkret 

eingeklagten Stichen der Beschuldigten gegen die Privatkläger gekommen sein 

kann (vgl. Urk. 88 S. 37 ff.). Dass die Privatkläger angesichts des turbulenten Ge-

schehens, welches von einem Moment auf den anderen eskalierte, den Tatablauf 

nicht in allen Sequenzen detailliert und kohärent wiederzugeben vermochten, er-

scheint im Übrigen nachvollziehbar. Wenn der Privatkläger 1 mithin den konkreten 

Tatablauf bei der Polizei durcheinanderbrachte (vgl. Urk. 7/1 S. 2, 4), so vermag 

dies keine Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner entsprechenden Angaben zu we-

cken. Er hat den ersten Stich des Beschuldigten A._____ gegen ihn wiederholt an-

schaulich beschrieben (Urk. 7/1 S. 1 f. und 4; Urk. 7/2 F/A 48 f.), und er hat auch 

den Stich des Beschuldigten B._____ gegen den Privatkläger 2 gesehen und nach-

vollziehbar geschildert (Urk. 7/1 S. 2, 4), woran auch die in diesem Punkt eher spitz-

findigen Einwendungen des Verteidigers des Beschuldigten A._____ nichts zu än-

dern vermögen (vgl. Urk. 144 S. 33 ff.). Der Privatkläger 2 hat sodann lebensnah 

wiedergegeben, wie er vom Beschuldigten A._____ niedergestochen wurde, indem 

er angab, er habe das Messer in jener Sekunde wahrgenommen, als er habe weg-

rennen wollen (Urk. 8/1 S. 8 F/A 73 f.). Den Messerstich des Beschuldigten 

B._____ hat er zugestandenermassen jedoch nicht gesehen (vgl. Urk. 8/2 S. 13 f. 

F/A 85 f.), was für eine differenzierte Wiedergabe des Wahrgenommenen spricht, 

wobei in diesem Zusammenhang jedoch nicht zu verhehlen ist, dass auch der Pri-

vatkläger 2 die Rolle seines Bruders H._____ nicht korrekt dargestellt hat, was in-

dessen angesichts der nahen Verwandtschaft bis zu einem gewissen Grad nach-

vollziehbar erscheint und somit im Übrigen keine Einschränkung der Glaubhaftig-

keit seiner Aussagen mit sich bringt.

3.6.4. Die von der Vorinstanz zum Nachweis der Taten mithin zu Recht herange-

zogenen Angaben der Privatkläger werden nebst weiteren Aussagen der Tatbetei-

ligten (wie gesehen insbesondere jene von G._____ vom 11. März 2020 und 20. 

März 2020 gemäss Urk. 4/2-3, welcher am 18. Juni 2020 und anlässlich der Beru-

fungsverhandlung mit den Beschuldigten konfrontiert wurde [Urk. 6/1; Prot. II S. 

- 39 -

136 ff.]) namentlich auch durch medizinische Belege (insbesondere die Austrittsbe-

richte des Kantonsspitals Winterthur vom 16. März 2020 und vom 8. April 2020 

gemäss Urk. 15/6 und Urk. 16/8 sowie die rechtsmedizinischen Gutachten vom 

17. April 2020 und vom 5. Juni 2020 gemäss Urk. 15/7 und Urk. 16/7) gestützt. Auf 

die entsprechenden Schlussfolgerungen im erstinstanzlichen Urteil kann mithin in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO weitestgehend verwiesen werden 

(vgl. Urk. 104 S. 42 ff.; Urk. 115/119 S. 42 ff.). Danach ergriff der Beschuldigte 

A._____ in der Anfangsphase der Eskalation sein Messer und versetzte dem, den 

Beschuldigten B._____ angreifenden, Privatkläger 1 von hinten einen Messerstich 

in den Rücken. In einer schnellen Abfolge setzte der Beschuldigte A._____ gegen-

über dem Privatkläger 2 mit einem Stich in den Unterbauch nach. In etwa zur glei-

chen Zeit stach der Beschuldigte B._____ dem ebenfalls am Tatort verbliebenen 

Privatkläger 2 in den linken Oberbauch bzw. die linke Brust. Zum weiteren Verlauf 

des Tatgeschehens gilt es sodann ergänzend zu konstatieren, dass sich der Pri-

vatkläger 1 gemäss dessen überzeugenden Schilderungen nach dem ersten Mes-

serstich in seinen Rücken auf dem Rückzug zu seinem Auto befunden hat (Urk. 7/1 

S. 4 F/A 23; Urk. 7/2 S. 9 f.), was von G._____ bestätigt wird (vgl. Urk. 4/3 S. 12). 

Da sich das entsprechende Tatgeschehen in der Folge lediglich um wenige Meter 

verschoben hat (gemäss dem Beschuldigten A._____ um 2 bis 3 Meter [Prot. II 

S. 49] bzw. gemäss dem Beschuldigten B._____ höchstens um 4 Meter [Prot. II 

S. 62]; vgl. auch Prot. II S. 134, wonach sich dem Zeugen F._____ zufolge die Aus-

einandersetzung "im Umkreis von 6 bis 8 Metern" abspielte), war es dem Beschul-

digten B._____ dabei trotz seiner aktenkundigen Bewegungseinschränkungen 

durchaus möglich, dem Privatkläger 1 bis zu dessen Auto zu folgen, wobei es sich 

– entgegen der Vorinstanz (Urk. 115/119 S. 54 ff.) – aufgrund der besagten Distan-

zen nicht um eine eigentliche Verfolgungsjagd handelte. Der Beschuldigte A._____ 

schilderte zu diesem weiteren Verlauf, dass er den Mitbeschuldigten bei der ersten 

Gelegenheit weggezerrt (Prot. II S. 50; Urk. 2/2 S. 16 F/A 112) und er diesen zum 

Aufhören aufgefordert habe (Urk. 2/2 S. 17 F/A 123). Der Beschuldigte B._____ er-

gänzte diese Ausführungen vor den beiden Gerichtsinstanzen aus seiner Sicht da-

hingehend, dass er auf den Privatkläger 1 eingestochen habe, da er befürchtet 

habe, dieser könnte im Auto eine Waffe behändigen (Prot. II S. 63; DG210047, 

- 40 -

Prot. I S. 57 ff.). Die weiteren Beteiligten schilderten indes, dass der Beschuldigte 

in dieser Phase die Kontrolle verloren habe und ausser sich gewesen sei, was ins-

besondere der Privatkläger 2 betont hat (Urk. 8/2 S. 10: "Der ist ja völlig ausgerastet 

…"; vgl. dazu auch den Beschuldigten A._____, wonach der Mitbeschuldigte aus-

ser sich gewesen sei [Prot. II S. 49]). Ein überlegtes Handeln zum eigenen Schutz 

stand bei dieser Gemütslage also wohl nicht im Vordergrund, zumal dem Beschul-

digten auch keine konkreten Hinweise für eine bevorstehende Bewaffnung des Pri-

vatklägers 1 vorlagen. Mithin ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte 

B._____ dem fliehenden verwundeten Privatkläger 1 bis zu dessen Auto wutent-

brannt nacheilte, um dann dem im Fahrzeug mit den Beinen um sich schlagenden 

Privatkläger zwei Messerstiche in den linken Oberschenkel zu versetzen, ehe er 

vom Beschuldigten A._____ weggezerrt wurde.

Die Beschuldigten vermochten diesem bereits in der Anklage überzeugend 

nachgezeichneten Tatablauf im gesamten Verfahren nichts Substantielles entge-

genzusetzen. Der Beschuldigte A._____ berief sich in der Untersuchung diesbe-

züglich weitgehend auf Erinnerungslücken (vgl. Urk. 6/1 S. 15, 19; Urk. 6/2 S. 16 

ff.) und gestand dann anlässlich der Berufungsverhandlung ein, dass er einen der 

Brüder C._____D._____H._____I._____ mit dem Messer am Bauch verletzt habe, 

ehe er auch den Privatkläger 1 mit dem Messer getroffen habe (Prot. II S. 49; vgl. 

auch Urk. 144 S. 39), wobei er allerdings darauf bestand, dem Privatkläger 1 nicht 

in den Rücken, sondern in die rechte Seite gestochen zu haben (Prot. II S. 52). 

Derweil räumte der Beschuldigte B._____ bereits in der Untersuchung bzw. vor 

Vorinstanz zumindest für die Stiche in den Oberschenkel des Privatklägers 1 ein, 

dass er der Verursacher gewesen sein könnte, ohne sich indessen zu weiteren 

Einlassungen durchringen zu können (vgl. Urk. 6/2 S. 17: "Ich erinnere mich nur an 

den Stich in den Oberschenkel."; vgl. auch DG210047, Prot. I S. 58 f.: Frage: "Wie 

oft?"; Antwort: "Einmal, vielleicht mehrmals."). Nachdem er an seinen entsprechen-

den Angaben auch in der Berufungsverhandlung festhielt, erklärte er sich mithin für 

die Verletzungen des Privatklägers 2 bis zum Schluss als nicht verantwortlich (vgl. 

Prot. II S. 63; vgl. auch Urk. 146 S. 12). 

- 41 -

Fraglich ist im Zusammenhang mit dem engeren eingeklagten Tatgesche-

hen im Einklang mit den entsprechenden Einwendungen der Verteidigungen 

(vgl. Urk. 88 S. 11; Urk. 121 S. 5; Urk. 146 S. 10 f.) somit einzig, inwiefern der Be-

schuldigte B._____ im Rahmen seiner Stiche gegen den sich im Fahrzeug mit den 

Beinen wehrenden Privatkläger 1 auch bewusst gegen dessen Kopf zielte, was er 

selber im gesamten Verfahren stets unmissverständlich bestritten hat (vgl. Urk. 6/2 

S. 18; vgl. auch DG210047, Prot. I S. 59). Der Umstand, dass bei der Tatortsiche-

rung der Kantonspolizei im besagten Fahrzeug beim Sicherheitsgurt des rechten 

Rücksitzes im Bereich der Rückenlehne eine Einstichstelle festgestellt wurde 

(vgl. dazu die Fotodokumentation gemäss Urk. 10/3), vermag in dieser Hinsicht 

– entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 119/115 S. 55) – keine hinreichende Gewiss-

heit zu bringen, da unklar ist, wo sich der Kopf des um sich strampelnden Privat-

klägers im Zeitpunkt der Stichbewegungen des Beschuldigten B._____ genau be-

fand, selbst wenn sich dieser zeitweise auch in halbaufrechter Position wehrte. Es 

bleibt jedenfalls durchaus möglich, dass der Beschuldigte bei seinen Stichen gegen 

die Beinregion des Privatklägers abrutschte und in das Rückenpolster geriet, ohne 

jemals auf den Kopf des Privatklägers gezielt zu haben. Der Sachverhalt ist dem-

nach in diesem Punkt nicht erstellt, wozu im Übrigen passt, dass dem Beschuldig-

ten B._____ auch die eingeklagte (vorangehende) Drohung gegenüber dem Privat-

kläger 1, diesem die Kehle durchzuschneiden, mit der Vorinstanz nicht nachgewie-

sen werden kann. 

3.7.

3.7.1. Die in der Anklage schliesslich dargestellten Verletzungen der Privatkläger 1 

und 2 sind aufgrund der ärztlichen Austrittsberichte des Kantonsspitals Winterthur 

vom 16. März 2020 bzw. 8. April 2020 (Urk. 15/6 und Urk. 16/8), die Gutachten des 

IRM betreffend deren körperliche Untersuchung vom 17. April 2020 bzw. 5. Juni 

2020 sowie die dort beiliegenden Bildmappen und Fotodokumentationen 

(Urk. 15/7-8; Urk. 16/6-7 bzw. 10) im Einzelnen erstellt, dies namentlich betreffend 

die Anzahl, die Positionierung und die Tiefe der erlittenen Messerstiche. Es ergibt 

sich daraus insbesondere, dass der Beschuldigte A._____ den Privatkläger 1 mit 

einem rund 10 cm tiefen Messerstich in den Rücken verletzte und dem Privatkläger 

2 einen rund 9.8 cm tiefen Stich in den (unteren) Bauchbereich versetzte. Hernach 

- 42 -

tangierte der Beschuldigte B._____ zur etwa gleichen Zeit den Privatkläger 2 mit 

einem Stich in den linken oberen Bauchbereich bzw. die linke Brust bis zum Bauch-

fell, bevor dann der Beschuldigte B._____ dem Privatkläger 1 zwei Stiche in den 

Oberschenkel bis in das dortige Muskelgewebe hinein zufügte. 

3.7.2. Gemäss den beiden Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Univer-

sität Zürich vom 5. Juni 2020 resultierte infolge des vorerwähnten Tatvorgehens 

eine konkrete Lebensgefahr für die beiden Privatkläger aufgrund der jeweils erlitte-

nen Stiche, die beim jeweiligen Privatkläger infolge des hohen Blutverlustes zur 

akuten Gefahr eines Kreislaufschocks sowie einer letalen Blutvergiftung führten, 

welche jeweils nur durch sofortige medizinische Hilfe mittels einer Notoperation be-

seitigt werden konnte (vgl. Urk. 15 S. 7; Urk. 16/7 S. 9). 

3.8. Betreffend den subjektiven Sachverhalt ist in tatsächlicher Hinsicht zu ver-

merken, dass nicht abschliessend abschätzbar ist, wie gefährlich die eingesetzten 

Messer waren, nachdem diese nicht sichergestellt werden konnten und auch nie-

mand belastbare Angaben zu deren konkreter Beschaffenheit machen konnte bzw. 

diese Angaben eher dramatisierend (vgl. Privatkläger C._____: Urk. 8/1 S. 9; Urk. 

8/2 S. 13, 19) bzw. verharmlosend (vgl. Beschuldigter A._____: Urk. 2/1 S. 13 f.; 

Beschuldigter B._____: Urk. 3/2 S. 10) erscheinen. Jedenfalls weist aber die Tiefe 

der den Opfern zugefügten Messerstiche auf eingesetzte (Klapp-)Messer mit einer 

Klingenlänge von rund 10 cm hin, was per se ein beträchtliches Gefahrenpotential 

des Tatwerkzeuges begründet, welches auch den beiden Beschuldigten ohne Wei-

teres bewusst gewesen sein muss. Wenn die beiden Beschuldigten dazu noch un-

kontrolliert und mehrfach in besonders sensible Körperregionen ihrer Opfer sta-

chen, konnten sie definitiv nicht von einem glimpflichen Verlauf ihrer Aktion ausge-

hen, sondern mussten vielmehr ernsthaft mit schweren Folgen für Leib und Leben 

bis hin zum Tod ihrer Kontrahenten rechnen. 

4. Fazit

Der Sachverhalt der Anklage ist nach dem Gesagten mit den vorerwähnten 

Einschränkungen bzw. Präzisierungen sowohl in objektiver als auch in subjektiver 

- 43 -

Hinsicht erstellt und in dieser Form der nachfolgenden rechtlichen Würdigung zu 

Grunde zu legen. 

IV. Rechtliche Würdigung

1. Einleitung

1.1. Die Vorinstanz hat sich zu den rechtlichen Voraussetzungen der den Be-

schuldigten jeweils in Mittäterschaft vorgeworfenen versuchten vorsätzlichen Tö-

tungen im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB kurz geäussert 

(vgl. Urk. 104 S. 59 f.; Urk. 119/115 S. 58 f.). Darauf kann vorweg verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist festzuhalten, dass bei gefährlichen gewalttä-

tigen Angriffen, welche nicht zum Ableben der Opfer führen, nebst dem eingeklag-

ten Tatbestand der versuchten Tötung grundsätzlich auch eine (vollendete oder 

versuchte) schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Betracht fällt, 

wobei die entsprechende Abgrenzung unter anderem aufgrund der vom Täter 

wahrnehmbaren Nähe der Todesgefahr bzw. des Todeseintrittes zu bestimmen ist 

(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6B_1250/2013 vom 14. April 2015 E. 3.2; vgl. auch 

BJM 1997 S. 37 ff.). 

1.2. Im Zusammenhang mit Messerangriffen geht die bundesgerichtliche Praxis 

differenziert vor und beurteilt jede Tat nach den Umständen des konkreten Einzel-

falles, wobei insbesondere die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tat-

bestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweg-

gründe und die Art der Tathandlung eine Rolle spielen. Je grösser die Wahrschein-

lichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die potentielle Rechts-

gutsverletzung wiegt, umso näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die 

Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; 134 IV 26 

E. 3.2.2; 133 IV 9 E. 4.1). Dass bei der unkontrollierten Zufügung von Verletzungen 

mit einem Messer grundsätzlich die Gefahr eines tödlichen Verlaufes inhärent ist, 

gilt insbesondere dann, wenn besonders sensible Körperregionen wie Hals, Bauch 

oder Brust betroffen sind (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 6B_453/2023 vom 

6. September 2023 E. 1.4.4 f., 6B_759/2021 vom 16. Dezember 2021 E. 1.3 ff. und 

- 44 -

6B_1206/2016 vom 16. Mai 2017 E. 1.3.2). Gemäss einschlägigen höchstrichterli-

chen Urteilen ist bei solchen Messerstichen in der Regel ein Eventualvorsatz auf 

Tötung gegeben (Urteile des Bundesgerichtes 6B_759/2021 vom 16. Dezember 

2021 E. 1.3.2, 6B_774/2020 vom 28. Juli 2021 E. 2.5 und 6B_475/2012 vom 

27. November 2012 E. 4.2).

2. Beurteilung

2.1. Mittäterschaft

2.1.1. In rechtlicher Hinsicht fragt sich in einem ersten Schritt, ob mit der Vorinstanz 

von einem mittäterschaftlichen Zusammenwirken der beiden Beschuldigten auszu-

gehen ist, in dessen Rahmen sie sich die Messerstiche des anderen im Sinne einer 

eigenen Tathandlung anrechnen lassen müssen (vgl. Urk. 104 S. 63, 67; Urk. 119/

115 S. 63 und 67 f.). Gemäss der bundesgerichtlichen Praxis gilt als Mittäter, wer 

bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in 

massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbe-

teiligter dasteht. Entscheidend ist, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des kon-

kreten Falles und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, 

dass sie mit ihm steht oder fällt. Dass der Mittäter bei der Fassung des gemeinsa-

men Tatentschlusses mitwirkt, ist indessen nicht erforderlich. Es genügt, dass er 

sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht, wobei konkludentes Han-

deln genügt (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1; 130 IV 58 E. 9.2.1; 126 IV 84 E. 2c/aa). 

Auch an spontanen, nicht geplanten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten ist 

Mittäterschaft möglich (Urteile des Bundesgerichtes 7B_209/2023 vom 7. Novem-

ber 2023 E. 4.4.1 und 6B_208/2015 vom 24. August 2015 E. 12.3; je mit Hinwei-

sen). Führen verschiedene Personen gemeinsam strafbare Handlungen insbeson-

dere in örtlich, zeitlich oder funktionell unterschiedlichen Zusammenhängen ar-

beitsteilig aus, schneidet das Institut der Mittäterschaft einem Mittäter den Einwand 

ab, es habe jeweils ein anderer die fragliche Teilhandlung ausgeführt und er könne 

dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden, denn er habe die Tat weder verübt 

noch konkret davon Kenntnis gehabt. Es muss nämlich nicht jedem Beteiligten jede 

Teilhandlung eines komplexen Tatgeschehens im Detail nachgewiesen und akri-

- 45 -

bisch zugeordnet werden. Die Inkaufnahme durch Billigen oder Einverständnis im 

Sinne des Eventualvorsatzes erfasst auch den unerwünschten, aber im Hinblick auf 

das Handlungsziel hingenommenen Erfolg (Urteile des Bundesgerichtes 

6B_1054/2023 vom 19. Februar 2024 E. 4.1.1, 6B_79/2016 vom 16. Dezember 

2016 E. 2.3.4 und 6B_42/2016 vom 26. Mai 2016 E. 3.2). Wer die Kriterien der 

Mittäterschaft solcherart erfüllt, muss sich die Taten seiner Mittäter grundsätzlich 

zurechnen lassen (BGE 143 IV 361 E. 4.10 und 135 IV 152, E. 2.3.1; Urteile des 

Bundesgerichtes 6B_452/2023 vom 20. Oktober 2023 E. 3.2 und 6B_1135/2022 

vom 21. September 2023 E. 6.3.3).

2.1.2. Vorliegend ist den Verteidigern der Beschuldigten (Urk. 144 S. 40, 49; 

Urk. 146 S. 13 f.) beizupflichten, dass dem inkriminierten Vorgehen kein expliziter 

gemeinsamer Tatentschluss der beiden Beschuldigten zu Grunde lag, geschweige 

denn im Vorfeld eine gemeinsame Planung der Tat stattgefunden hat, nachdem 

den Beschuldigten nicht nachgewiesen werden kann, dass sie ihre Messer in ge-

meinsamer Absprache einsteckten, und auch nicht erwiesen ist, dass sie das Ein-

stecken des Messers beim anderen gesehen haben (vgl. vorne Ziff. III./3.5.6.). Für 

ein mittäterschaftliches Handeln kann es gemäss der vorzitierten Praxis allerdings 

auch genügen, wenn sich ein Komplize im Stadium der Tatausführung den Hand-

lungen des Ausführenden konkludent anschliesst, indem er selber tätig wird, dies 

insbesondere dann, wenn er gleichgerichtete Taten begeht, welche vom Initiator 

wiederum gutgeheissen werden, indem er sich nicht ausdrücklich vom Tatgesche-

hen distanziert. Ist für den vorliegenden Fall allerdings weder von einer gemeinsa-

men Entschlussfassung noch von einer gemeinsamen Planung der Taten auszu-

gehen, so würde ein mittäterschaftliches Vorgehen bedingen, dass der Mitbeschul-

digte jeweils mitbekommen hat, welche Tathandlungen der andere Beschuldigte 

begangen hat und er diese Tathandlungen in der Folge mittrug bzw. sich von ihnen 

nicht hinreichend distanzierte. Aufgrund des überaus dynamischen Geschehens 

mit mehreren Beteiligten kann vorliegend von einem solchen Szenario allerdings 

nicht ausgegangen werden. Vielmehr ist zu Gunsten der Beschuldigten anzuneh-

men, dass in der Anfangsphase beide Beschuldigten nahezu gleichzeitig ihre Mes-

ser zückten, wobei der Beschuldigte A._____ dieses gegen den Privatkläger 1 und 

der Beschuldigte B._____ selbiges gegen den Privatkläger 2 führte. Dass sie dabei 

- 46 -

die Tathandlung des anderen mitbekommen haben und diese aufgrund ihres eige-

nen Vorgehens stützten, kann mithin nicht gesagt werden. Für die Folgezeit ist so-

dann davon auszugehen, dass der Beschuldigte A._____ den Privatkläger 2 unmit-

telbar nach dem vorangegangenen Messerstich verletzte, wobei aber auch hier un-

klar ist, inwiefern der Beschuldigte B._____, welcher offenbar bereits auf den Pri-

vatkläger 1 fokussiert war, den entsprechenden Stich des Beschuldigten A._____ 

mitverfolgt hat. Für den weiteren Verlauf kann dann zwar angenommen werden, 

dass der Beschuldigte A._____ nach seinem zweiten Stich mitbekam, wie der Be-

schuldigte B._____ gegenüber dem Privatkläger 1 nachsetzte und diesen beim 

Fahrzeug mit dem Messer traktierte, doch kann auch für diese Phase nicht von 

einer Billigung der Tat des Mitbeschuldigten gesprochen werden, da diesbezüglich 

erstellt ist, dass der Beschuldigte A._____ dem Beschuldigten B._____ nacheilte 

und diesen während dessen Einwirkungen vom Fahrzeug wegzuzerren versuchte 

(vgl. vorne Ziff. III./3.6.4.). Eine Mittäterschaft im Stadium der Tatausführung fällt 

mithin bei diesem raschen Tatablauf, welcher nicht länger als einige Sekunden dau-

erte, für beide Beschuldigten ausser Betracht. 

2.2. Versuchte vorsätzliche Tötung

2.2.1. Was die konkrete Ausführung der verübten Taten betrifft, so hatten die er-

stellten Handlungen der beiden Beschuldigten mit ihren Messern jeweils relativ tiefe 

Stiche zur Folge, welche bei beiden Privatklägern einen hohen Blutverlust mit der 

nahen Gefahr eines Verblutens beinhalteten, wobei aber der Erfolg im Sinne eines 

Todeseintrittes in beiden Fällen dank rascher ärztlicher Hilfe verhindert werden 

konnte. Gemäss den bereits mehrfach erwähnten Gutachten des Institutes für 

Rechtsmedizin befanden sich denn auch beide Privatkläger infolge der Messersti-

che in akuter Lebensgefahr (vgl. Urk. 15/8 S. 7 und Urk. 16/7 S. 9). Es ist demnach 

sowohl beim Privatkläger 1 als auch beim Privatkläger 2 vom Vorliegen einer 

schweren Körperverletzung in der Variante der lebensgefährlichen Beeinträchti-

gung auszugehen.

2.2.2.

a) Zu prüfen bleibt, ob die beiden Beschuldigten über den tatsächlich verur-

sachten Taterfolg hinaus aus ihrer jeweiligen subjektiven Perspektive zumindest 

- 47 -

billigend in Kauf nahmen, die beiden Privatkläger gar tödlich zu verletzen. Dabei ist 

in Nachachtung der vorzitierten Rechtsprechung festzuhalten, dass der vom Be-

schuldigten A._____ unkontrolliert geführte Stich gegen die Bauchregion des Pri-

vatklägers 2 mit zahlreichen lebenswichtigen Organen und Blutgefässen objektiv 

bereits für sich allein durchaus geeignet war, diesen mit ernsthaften Folgen bis zum 

Tod zu verletzen, zumal er eine Tiefe aufwies, welche auch tatsächlich bis zu den 

sensiblen Körperstellen zu reichen vermochte. Selbiges gilt auch für den Stich des 

Beschuldigten B._____ in den linken Oberbauch bzw. die linke Brustseite des Pri-

vatklägers 2, welcher in der Nähe von dessen Herzgegend erfolgt ist. Auch die 

mehrfachen Stiche des Beschuldigten B._____ in den Oberschenkel des Privatklä-

gers 1 konnten aufgrund der dortigen Positionierung der grossen Beinschlagader 

durchaus zum Tode des Opfers führen, zumal der Beschuldigte in Rage mehrmals 

unkontrolliert auf den Privatkläger 1 einstach. Nichts anderes gilt letztlich auch für 

den vormaligen tiefen Stich in den Rücken des Privatklägers 1, da ein Versagen 

der potentiell davon betroffenen Niere des Opfers ebenfalls tödlich sein kann. An-

gesichts der erstellten Heftigkeit der teilweise mehrfach geführten Stiche in körper-

lich überaus sensible Regionen mit Messern von erheblicher Klingenlänge muss 

den beiden Beschuldigten die entsprechende Gefährlichkeit für Leib und Leben ih-

rer Opfer derart klar bewusst gewesen sein, dass sich ihnen insbesondere der 

grosse Blutverlust mit potentieller Todesfolge geradezu aufdrängte. Insbesondere 

der Beschuldigte B._____ steigerte sich dabei in einen derartigen Gewaltexzess, 

dass er die Messerstiche in keiner Weise mehr zu kontrollieren vermochte. Es 

wurde im Rahmen der Würdigung des Sachverhaltes denn auch erstellt, dass die 

beiden Beschuldigten bei einem solchen Vorgehen im Hinblick auf beide Opfer zu-

mindest ernsthaft mit schweren Folgen für Leib und Leben bis hin zum Tod rechnen 

mussten. Unter diesen Umständen nahmen beide Beschuldigten die Tötung ihrer 

nicht bewaffneten und sich teilweise auf dem Rückzug befindlichen Kontrahenten 

jedenfalls eventualvorsätzlich in Kauf. Dass sich das dergestalt in Kauf genom-

mene Risiko einer tödlichen Verletzung der Privatkläger nicht auch tatsächlich ver-

wirklichte, ist letztlich einzig dem schnellen Eingreifen der Rettungskräfte zu ver-

danken. 

- 48 -

b) Für die Annahme eines direkten Vorsatzes auf eine Tötung der beiden Pri-

vatkläger bestehen bei beiden Beschuldigten hingegen keine valablen Anhalts-

punkte. Vielmehr sprechen die mangelnde Planung, die spontane Tatauslösung so-

wie das unkoordinierte Vorgehen gegen die Schlussfolgerung, die Beschuldigten 

hätten die beiden Privatkläger zu Beginn oder im Verlauf der Auseinandersetzung 

bewusst liquidieren wollen, auch wenn aus den Akten ein nachhaltig feindschaftli-

ches Verhältnis der beiden Gruppierungen hervorgeht. 

2.2.3. Dass die Beschuldigten im Rahmen ihres Tatvorgehens beide die Schwelle 

des Versuchsstadiums bereits klar überschritten hatten, ist schliesslich ohne Wei-

teres anzunehmen und bedarf aufgrund des diesbezüglich klaren Falles keiner wei-

teren Erörterung. Insgesamt haben mithin beide Beschuldigten die Tatbestands-

voraussetzungen der eventualvorsätzlich versuchten Tötung im Sinne Art. 111 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB jeweils gegenüber beiden Privatklägern 

erfüllt, woraus sich sowohl für den Beschuldigten A._____ als auch für den Be-

schuldigten B._____ eine mehrfache Tatbegehung ergibt.

2.3. Rechtfertigungsgrund

2.3.1. Zu den rechtstheoretischen Grundsätzen zum Rechtfertigungsgrund der 

Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB hat sich die Vorinstanz ebenfalls kurz geäussert 

(Urk. 104 S. 68 f.; Urk. 119/115 S. 68 f.), worauf zu verweisen ist (Art. 82 Abs. 4 

StPO). Zu ergänzen ist, dass von Art. 15 StGB auch die Notwehrhilfe erfasst wird 

(BGE 129 IV 6 E. 3; Urteil des Bundesgerichtes 6B_428/2013 vom 15. April 2014 

E. 4.3 und 4.4; NIGGLI/GÖHLICH, BSK StGB I, 4. Aufl. 2019, N 26 zu Art. 15 StGB). 

Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mildert das Gericht die 

Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB). Geschieht dies in entschuldbarer Aufregung oder Be-

stürzung über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 StGB). Not-

wehr ist indes nur so lange zulässig, wie der Angriff andauert. Der begonnene An-

griff bleibt so lange gegenwärtig, als die Zufügung einer neuen oder die Vergrösse-

rung der bereits e