# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c1ff3cf7-bfb5-543a-a309-0915a4ba4950
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.02.2012 D-235/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-235-2010_2012-02-28.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­235/2010
law/bah

U r t e i l   v om   2 8 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richterin Christa Luterbacher, Richter Gérald Bovier,
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

Parteien A._______, geboren am (…),
Türkei,
vertreten durch Edith Hofmann, Freiplatzaktion Zürich, 
Rechtshilfe Asyl und Migration, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 11. Dezember 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
A.a Der  Beschwerdeführer,  ein  ethnischer  Kurde  alevitischen Glaubens 
mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess die Türkei eigenen Angaben 
gemäss am 14. September 2007 und gelangte am 17. September 2007 in 
die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.

A.b Bei der Erstbefragung  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) 
Basel  vom 25. September 2007 sagte er aus, er  sei wegen des seitens 
des  Staats  ausgeübten  Drucks  vor  zirka  15  Jahren  nach  B._______ 
gezogen.  Im  Jahr  1994  sei  einer  seiner  Cousins  den  Märtyrertod 
gestorben;  seither  hätten  die Behörden  nach  ihm  gefahndet. Man  habe 
ihn  in C._______ gefasst  und nach D._______ überstellt, wo er  verhört 
und  gefoltert  worden  sei.  Er  sei  in  E._______  inhaftiert  worden,  der 
Prozess  habe  vor  dem  DGM  F._______  stattgefunden.  Er  sei  wegen 
Beherbergung  und  Gehilfenschaft  zugunsten  der  "Partiya  Karkeren 
Kurdistan" (PKK) zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nachdem 
er sieben bis acht Monate der Strafe verbüsst habe, sei er freigekommen; 
er  sei  nach  B._______  zurückgekehrt,  wo  er  die  PKK  logistisch 
unterstützt habe. Vor etwa einem Monat sei er von seiner Frau angerufen 
worden, die ihm gesagt habe, Beamte der Terrorbekämpfung hätten nach 
ihm  gefragt.  Diese  hätten  gesagt,  er  werde  wegen  Hilfeleistung  und 
Beherbergung gesucht. Deshalb sei er nach Istanbul gereist, von wo aus 
er die Türkei verlassen habe. Der Beschwerdeführer fügte an, dass sein 
Vater  im  Jahr  1994  gefoltert worden  sei,  als  er  (der Beschwerdeführer) 
festgenommen worden sei. Sein Vater sei  ins Spital eingeliefert worden, 
wo  er  verstorben  sei.  Sein  Bruder  G._______  sei  im  Jahr  2000  im 
Guerillakrieg  gefallen,  sein  Cousin  H._______  sei  immer  noch  bei  der 
PKK. Zur Stützung seiner Vorbringen gab der Beschwerdeführer diverse, 
vor allem das Verfahren aus dem Jahr 1994 betreffende Beweismittel zu 
den Akten (vgl. act. A1/1 Ziffn. 1 ­ 15).

A.c Am 9. Januar 2008 hörte das BFM den Beschwerdeführer zu seinen 
Asylgründen an. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er leide unter 
gesundheitlichen Beschwerden und befinde sich in ärztlicher Behandlung. 
In  der  Türkei  sei  er  nach  seiner  Abreise  vom  Militär  und  der 
Terrorbekämpfung  zwei­  oder  dreimal  zu Hause gesucht worden. Seine 
Familie,  die  bei  seinem  Schwiegervater  lebe,  werde  unterdrückt.  Seine 
Mutter habe Nierenbeschwerden und lebe seit kurzem in Grossbritannien. 
Er  habe  die  Türkei  wegen  des  Druckes,  unter  dem  er  sich  befunden 

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habe,  verlassen. Nachdem er  im Jahr 1994  im Gefängnis gewesen sei, 
sei er den Behörden bekannt gewesen. Jedes Mal, wenn in der Gegend 
etwas  geschehen  sei,  seien  die  Behörden  auf  ihn  zugekommen.  Das 
erste Mal sei er 1995 oder 1996 in C._______ festgenommen worden. Er 
sei jeweils zwischen einem und drei Tagen festgehalten worden, er wisse 
aber  nicht, wie  oft  er  insgesamt  festgenommen worden  sei. Wegen der 
Unterdrückung sei er nach B._______ gezogen. Auch dort sei er unter die 
Lupe  genommen  und  von  der  Polizei  und  der  Gendarmerie 
festgenommen  worden.  Da  seine  Familie  "politisch  sei",  habe  er  sich 
verpflichtet  gefühlt,  die  PKK  auch  nach  seiner  Inhaftierung weiterhin  zu 
unterstützen.  Er  habe  seinen  Cousin  und  Freunde,  die  bei  der  PKK 
gewesen seien, mit Waren unterstützt. Von seiner Frau habe er erfahren, 
dass die Beamten der Terrorbekämpfung, die ihn gesucht hätten, gedroht 
hätten, ihn zu töten.

A.d  Am  17. März  2008  übermittelte  die  Rechtsvertreterin  des 
Beschwerdeführers  mehrere  Beweismittel,  welche  von  Rechtsanwalt 
I._______  Dogan  in  die  Schweiz  geschickt  worden  seien.  Die  in 
Grossbritannien  lebenden  Schwestern  hätten  Kopien  ihrer 
Aufenthaltsbewilligungen  und  einen  Artikel  über  die  Festnahme  des 
Beschwerdeführers  im  Jahr  1994  geschickt.  Zudem  wurden  eine 
beglaubigte  Kopie  des  Urteils  vom  (…)  des  DGM  F._______  und  die 
Beerdigungsbewilligung  für  den  Vater  des  Beschwerdeführers  beigelegt 
(vgl. act. A1/1 Ziffn. 16 ­ 21). Sie führte des Weiteren aus, im Januar 1994 
sei  der  Cousin  J._______  des  Beschwerdeführers  bei  einem 
Schusswechsel mit der Armee ums Leben gekommen. Danach seien die 
Bewohner  des  Dorfes  K._______  unter  Druck  geraten.  Ein  anderer 
Cousin, der festgenommen worden sei, habe unter Folter Aussagen über 
den  Beschwerdeführer  gemacht.  Bei  einer  Strassenkontrolle  sei  der 
Beschwerdeführer  dann  festgenommen  worden.  Die  gegen  ihn 
erhobenen Vorwürfe  seien massiv  gewesen;  es  erstaune,  dass er  nach 
drei  Monaten  Haft  freigelassen  und  Ende  September  1994 
freigesprochen  worden  sei.  Die  Ereignisse  dieses  Jahres  –  erlittene 
Folter, Tod des Vaters und eines Cousins – hätten bei  ihm tiefe Spuren 
hinterlassen. Ein Freispruch in einem politischen Prozess bedeute in der 
Türkei nur, dass die Strafverfolgung aufgegeben werde, nicht aber, dass 
der  Freigesprochene  auf  Dauer  ein  normales  Leben  führen  könne. 
Zahlreiche  Familienangehörige  des  Beschwerdeführers  hätten  in  der 
Schweiz  und  in  anderen  Staaten  Asyl  erhalten.  Im  März  2006  sei  die 
Familie des Beschwerdeführers von der PKK darüber  informiert worden, 

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dass sich sein Bruder G._______ der Guerilla angeschlossen habe und 
bereits 1999 im Kampf gestorben sei.

A.e Die Rechtsvertreterin wandte sich am 28. Januar 2009 an das BFM 
und reichte ein Arztzeugnis von Dr. med. L._______ vom 9. Januar 2009 
ein.  Zudem  wurde  ein  Familienregisterauszug  des  Beschwerdeführers 
beigelegt.

A.f Mit  Schreiben  vom  21. April  2009  übermittelte  die  Rechtsvertreterin 
ein ärztliches Zeugnis der M._______ vom 14. April 2009. Diagnostiziert 
wurden  (auch  aufgrund  testpsychologischer  Abklärungen)  eine  schwere 
depressive Episode (ICD­10 F32.2) und eine komplexe posttraumatische 
Belastungsstörung  (PTBS;  ICD­10  F43.1).  Beim  Beschwerdeführer 
handle  es  sich  um  ein  Folteropfer,  das  unter  der  Trennung  von  seiner 
Familie  leide.  Eine  psychotherapeutische  und  medikamentöse 
Behandlung sei dringend indiziert.

A.g  Das  BFM  hörte  den  Beschwerdeführer  am  21. August  2009 
ergänzend an. 

A.h Mit  Schreiben  vom  28. August  2009  wandte  sich  das  BFM  an  die 
schweizerische Botschaft in Ankara und ersuchte diese um die Vornahme 
von Abklärungen in der Türkei.

A.i  Die  Rechtsvertreterin  wandte  sich  am  4. September  2009  mit 
ergänzenden Bemerkungen  zur Anhörung  vom 21. August  2009 an das 
BFM.  Sie  führte  aus,  die  (…)  habe  am  (…)  über  die  Festnahme  des 
Beschwerdeführers  berichtet.  Im  Urteil  vom  (…)  würden  das 
Festnahmedatum (…) und das Freilassungsdatum (…) genannt, während 
in der Anklageschrift vom (…) der (…) als Festnahmedatum und der (…) 
als  Verhaftungsdatum  erwähnt  würden.  Dazu  gebe  es  auch 
Polizeirapporte  und  Übergabeprotokolle.  Der  Beschwerdeführer  sei 
bestimmt schon am (…) festgenommen worden und das Dossier sei am 
(…)  an  den  DGM  F._______  überwiesen  worden.  Da  die  Beweise  für 
eine Verurteilung nicht ausgereicht hätten, sei er am (…) freigesprochen 
worden.  Er  sei  somit  etwas  mehr  als  drei  Monate  inhaftiert  gewesen. 
Während den ersten acht Tagen sei er mit Bestimmtheit massiv gefoltert 
worden. Dies zeige sich dadurch, dass er  viel  zugegeben habe, was er 
gar  nicht  getan  habe.  Anschliessend  habe  er  mit  Teppichen  gehandelt 
und sei einige Male auf den Posten mitgenommen und überprüft worden; 
dabei  sei  er  auch  geschlagen  worden.  Anfang  August  (2007)  sei  er  in 

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N._______  überprüft  worden.  Am  (…)  seien  in  C._______  bei  einem 
Schusswechsel mit PKK­Terroristen vier Soldaten verletzt worden. Dieser 
Vorfall  sei  bei  seiner Überprüfung  auf  dem Posten  erwähnt worden. Es 
sei  bekannt  geworden,  dass  Guerillas  und  Unterstützer  der  PKK 
festgenommen worden seien. Der Beschwerdeführer vermute, dass einer 
der Festgenommenen etwas über ihn ausgesagt habe, was den Überfall 
der Sicherheitsleute auf seine Wohnung erklären würde. Dem Schreiben 
lagen vier Beweismittel bei (vgl. act. A17 Ziffn. 1 ­ 4).

A.j  Die  schweizerische  Botschaft  in  Ankara  setzte  das  BFM  am 
19. September 2009 über die Ergebnisse ihrer Abklärungen in Kenntnis.

A.k  Mit  Verfügung  vom  9. Oktober  2009  setzte  das  BFM  den 
Beschwerdeführer  von der Botschaftsanfrage  und deren Ergebnissen  in 
Kenntnis.

A.l  Der  Beschwerdeführer  nahm  am  16. Oktober  2009  zu  den 
Abklärungsergebnissen mittels seiner Rechtsvertreterin Stellung.

B. 
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2009 – eröffnet am 14. Dezember 2009 
– stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz 
und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.

C. 
Mit  Eingabe  vom  13. Januar  2010  liess  der  Beschwerdeführer  durch 
seine  Rechtsvertreterin  gegen  diese  Verfügung  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  der 
Entscheid des BFM sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren. Im 
Falle  der  Bestätigung  des  negativen  Asylentscheides  sei  der  Entscheid 
des BFM betreffend die Wegweisung zu überprüfen. Es sei festzustellen, 
dass der Wegweisungsvollzug weder zulässig noch zumutbar sei, und es 
sei  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher 
Hinsicht  liess  er  zudem  beantragen,  es  sei  ihm  die  Bezahlung  des 
Kostenvorschusses  sowie  der  Verfahrenskosten  zu  erlassen.  Der 
Beschwerde lagen mehrere Beweismittel bei (vgl. Beschwerde S. 12).

D. 
Mit  Eingabe  vom  14. Januar  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  das 
Original  eines  ärztlichen  Berichts  der  M._______  vom  13. Januar  2010 

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und eine Bestätigung seiner Fürsorgeabhängigkeit vom 12. Januar 2010 
nach.

E. 
Mit  Verfügung  vom  22. Januar  2010  hiess  der  Instruktionsrichter  das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gut  und 
verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig 
übermittelte  er  die  Akten  dem  BFM  und  gab  diesem  Gelegenheit,  zur 
Beschwerde eine Vernehmlassung einzureichen.

F. 
In seiner Vernehmlassung vom 29. Januar 2010 beantragte das BFM die 
Abweisung der Beschwerde.

G. 
In der Stellungnahme vom 18. Februar 2010 liess der Beschwerdeführer 
an  seinen  Anträgen  mittels  seiner  Rechtsvertreterin  festhalten. 
Gleichzeitig  liess  er  beantragen,  es  seien  bei  ihm  durch  gerichtliche 
Anordnung  einer  fachärztlichen  Untersuchung  allfällige  Schädel­
Hirnverletzungen  feststellen  oder  ausschliessen  zu  lassen,  und  es  sei 
durch  eine  gerichtlich  anzuordnende  unabhängige  Prüfung  durch  eine 
Fachstelle  eine  allfällige Posttraumatische Belastungsstörung  feststellen 
oder ausschliessen zu lassen.

H. 
Am  18. September  2010  liess  der  Beschwerdeführer  mehrere 
Beweismittel nachreichen. 

I. 
Am  5. Mai  2011  liess  er  weitere  Beweismittel  nachreichen  und 
ergänzende Bemerkungen zu seinem Verfahren anbringen. Mit Schreiben 
vom 15. Juni  2011 wurde  schliesslich  eine Korrektur  an  seiner Eingabe 
vom 5. Mai 2011 vermeldet.

J. 
Mit  Schreiben  vom 12.  Februar  2012  liess  der  Beschwerdeführer  einen 
weiteren  ärztlichen  Bericht  der  M._______  vom  9.  November  2011 
einreichen.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht 
vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde, es entscheidet im Bereich des 
Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 

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Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4.  
4.1.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  Entscheides  aus,  die 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  der  allgemeinen 
Lebenserfahrung  widersprechen.  Sein  Verhalten  sei  nicht  mit  dem 
während  des  Asylverfahrens  geltend  gemachten  Ausmass  der 
angeblichen  Massnahmen  der  türkischen  Behörden  zu  vereinbaren. 
Tatsächlich Verfolgte  versuchten, den Verfolgerstaat  bei der ersten sich 
bietenden Möglichkeit zu verlassen. Der Beschwerdeführer sei aber ohne 
ersichtlichen  Grund  und  trotz  geltend  gemachter  Festnahmen  und 
Diskriminierung noch zwölf Jahre in der Türkei verblieben. Realitätsfremd 
sei  auch  das  dargelegte  Verhalten  der  Behörden,  die  ihn  trotz 
einschlägiger  Vorstrafe  und  eines  erneuten  Verdachts  auf  PKK­
Unterstützung  jeweils  nach  einigen  Tagen  Haft  entlassen  hätten.  Auch 
die  Aussage,  die  Beamten  der  Terrorbekämpfungsabteilung  hätten  ihn 
ausgerechnet  in  seiner  Abwesenheit  zu  Hause  gesucht,  erscheine 
realitätsfremd.  Ausserdem  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  der 
Beschwerdeführer dem angeblichen Druck nicht durch Verlegung seines 
Wohnsitzes innerhalb der Türkei zu entgehen versucht habe, sondern im 
Verfolgungsgebiet geblieben sei. 

Bei  den beiden Bundesbefragungen habe er  geltend gemacht,  er  sei  in 
den  Jahren  2003  bis  2007  mehrmals  festgenommen  und  inhaftiert 
worden, was er bei der Erstbefragung nicht erwähnt habe. Dort habe er 
vielmehr gesagt, er habe nach der Freilassung aus der Haft im Jahr 1994 
keine besonderen Probleme mit den Behörden gehabt. Es hätte erwartet 
werden dürfen, dass er die später genannten Festnahmen bereits  in der 
Erstbefragung  ansatzweise  erwähnt  hätte.  Infolgedessen  sei  davon 
auszugehen, dass diese Ereignisse nachgeschoben worden seien.

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Der Beschwerdeführer habe bei der ergänzenden Anhörung angegeben, 
seine  letzte Festnahme habe zwei oder drei Monate vor seiner Ausreise 
stattgefunden  und  drei  Tage  gedauert.  Er  sei  auf  dem  Gehsteig 
festgenommen worden. Ausser mit seinem Cousin J._______ habe er mit 
keinen anderen Mitgliedern der Guerilla Kontakt gehabt. Bei der direkten 
Anhörung  habe  er  erklärt,  man  habe  ihn  bei  einer  Identitätskontrolle 
festgenommen,  als  er  ein  Kaffeehaus  habe  betreten  wollen,  und  er  sei 
bereits nach einem Tag freigelassen worden. Bei der Erstbefragung habe 
er gesagt, er sei mit sechs bis sieben PKK­Leuten in Kontakt gestanden.

Zudem  habe  er  tatsachenwidrige  Angaben  zum  Ausgang  des 
Gerichtsverfahrens und zur Dauer der verbüssten Haft gemacht. Er habe 
behauptet,  in  dem  im  Jahre  1994  gegen  ihn  geführten  Verfahren  zu 
dreieinhalb  Jahren  Haft  verurteilt  worden  zu  sein,  während  aus  dem 
eingereichten  Urteil  und  dem  Schreiben  seines  türkischen  Anwalt 
hervorgehe,  dass  er  freigesprochen  worden  sei.  Bei  den  Anhörungen 
habe er gesagt, er habe sieben bis acht Monate Haft verbüsst, aus den 
erwähnten  Dokumenten  gehe  jedoch  hervor,  dass  er  nicht  ganz  drei 
Monate Haft verbüsst habe.

Der  gesamte  Sachverhaltsvortrag  sei  in  einer  undifferenzierten  und 
stereotypen Weise geschildert worden. Der Beschwerdeführer habe nicht 
gewusst,  wann  er  vor  seiner  angeblichen  Verurteilung  inhaftiert 
beziehungsweise aus der Haft entlassen worden sei. Ebenso wenig habe 
er  Angaben  über  seinen  jeweiligen  Aufenthalt  und  die  Nachricht  seiner 
Frau  im  Jahr  2007  machen  können.  Konkreten  Fragen  über  seine 
Tätigkeiten  bei  der  PKK  sei  er  immer  wieder  ausgewichen.  Ebenso 
unsubstanziiert  seien  seine  Aussagen  über  seine  Diskriminierung  als 
Kurde  und  Alevite  geblieben.  Seine  vagen  und  offensichtlich 
tatsachenwidrigen Angaben zu seinem Reiseweg  in die Schweiz  liessen 
den Eindruck entstehen, er versuche die schweizerischen Behörden über 
seinen  wirklichen  Aufenthaltsort  vor  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  zu 
täuschen.

Die  unglaubhaften  Aussagen  des  Beschwerdeführers  böten  keine 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  einer  Reflexverfolgung  ausgesetzt  sein 
könnte.  Weder  den  Akten  noch  den  eingereichten  Beweismitteln  seien 
konkrete  Hinweise  auf  eine  Verfolgung  wegen  seines  in  der  Schweiz 
lebenden Bruders oder im Zusammenhang mit seinen der PKK angeblich 
nahestehenden Verwandten zu entnehmen. 

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Seine  Vorbringen  wiesen  eindeutige  Kennzeichen  einer  konstruierten 
Verfolgungsgeschichte auf und seien als unglaubhaft zu erachten. Unter 
diesen Umständen erstaune nicht, dass gegen ihn kein Datenblatt wegen 
seiner  politischen  Tätigkeiten  vorliege,  sondern  lediglich  wegen  einer 
gemeinrechtlichen  Straftat,  nämlich  einer  Fälschung.  Aufgrund  des  von 
der  türkischen  Polizei  2007  erstellten  Datenblatts  werde  er  von  den 
Behörden  gesucht  und  sei  mit  einem  Passverbot  belegt  worden. 
Insgesamt  sei  der  Botschaftsantwort  zu  entnehmen,  dass  sonst  nichts 
gegen ihn vorliege. In seiner Stellungnahme vom 16. Oktober 2009 habe 
er den Abklärungsergebnissen nichts Substanziiertes entgegengehalten. 
Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Polizei  seines Heimatorts den 
wahren  Grund  für  die  Fahndung  verstecken  sollte.  Es  sei  davon 
auszugehen,  dass  er  das  wegen  einer  gemeinrechtlichen  Straftat 
geführte  Verfahren  aus  naheliegenden  Gründen  habe  verheimlichen 
wollen. Es ergäben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die behördliche 
Suche  darauf  abziele,  ihn  aus  einem  der  in  Art. 3  Abs. 1  AsylG 
abschliessend genannten Gründe zu treffen. 

An dieser Einschätzung vermöchten auch die eingereichten Beweismittel 
nichts  zu  ändern.  Die  Gerichtsakten  bezögen  sich  auf  ein  15  Jahre 
zurückliegendes  Verfahren,  dem  kein  genügend  enger 
Kausalzusammenhang  zwischen  Verfolgung  und  Flucht  zukomme. 
Zudem  sei  den  Gerichtsunterlagen  zu  entnehmen,  dass  der 
Beschwerdeführer freigesprochen worden sei. Die Unterlagen seien somit 
ungeeignet, eine aktuelle Verfolgung zu belegen. Auch den Internet­ und 
Zeitungsartikeln seien keine Anhaltspunkte für eine konkrete Gefährdung 
zu  entnehmen.  Hinsichtlich  des  Schreibens  seines  Sohnes  sei  auf  die 
geringe  Beweiskraft  von  solchen  Zeugenaussagen  hinzuweisen,  da  es 
sich  um  Äusserungen  des  eigenen  Sohnes  handle,  der  naturgemäss 
kaum gegen die Darstellung seines Vaters gerichtete Aussagen machen 
würde. Er habe eine Seite der in Deutschland erscheinenden Zeitung (…) 
vom  (…)  eingereicht,  in  der  eine  Gedenkanzeige  seiner  Familie  zum 
zehnten  Jahrestag  des  Todes  eines  seiner  Brüder  erschienen  sei. 
Gerade  dadurch  werde  demonstriert,  dass  seine  Familie  wegen  der 
früheren Aktivitäten des Bruders heute seitens der  türkischen Behörden 
kaum  etwas  zu  befürchten  habe,  ansonsten  sie  wohl  auf  eine  solche 
Anzeige verzichtet hätte.

4.2. In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei 
nur  zwei  Jahre  lang  zur  Schule  gegangen  und  faktisch  Analphabet.  Er 
habe  somit  die  Gerichtsakten  aus  dem  Jahr  1994  weder  lesen  noch 

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verstehen  können.  Haften  geblieben  seien  bei  ihm  der  Strafantrag  der 
Anklage  und  die  schmerzhafte  Untersuchungshaft.  Er  sei  damals 
mehrmals grausam gefoltert worden. Sein weiteres Leben sei durch diese 
Erlebnisse,  aufgrund  derer  sich  eine  PTBS  entwickelt  habe,  nachhaltig 
verändert  worden.  Sein  Verhalten  nach  der  Verfolgung  sei  auf  die 
Umstände  und  seine  Persönlichkeit  zurückzuführen.  Faktische 
Analphabeten  hätten Hemmungen,  einfach  nach Europa  ins Ungewisse 
aufzubrechen.  Er  habe  sich  auf  in  B._______  lebende  Verwandte 
abstützen  können;  diese  Stadt  habe  sich  nicht  im  unmittelbaren 
Verfolgungsgebiet befunden. Die kurzen Festnahmen in den Jahren 2003 
bis  2007  gehörten  für  ihn  zur  allgemeinen Diskriminierung  von  Kurden. 
Wenn sich herausstelle, dass sie mit der Angelegenheit, um die es gehe, 
nichts  zu  tun  hätten,  würden  sie  freigelassen.  Solche  Festnahmen 
dienten  auch  der  Einschüchterung.  Schikanöse  Festnahmen  von  in 
B._______ lebenden Kurden hätten ab dem Jahr 2000 zugenommen, da 
sich der Unmut gegen sie aufgrund der Auseinandersetzungen zwischen 
dem  türkischen Staat  und  der  PKK  gesteigert  habe. Mehrere  kurdische 
Familien, die in B._______ Fuss gefasst hätten, hätten diese Stadt wieder 
verlassen müssen. Der Beschwerdeführer habe die kurzen Festnahmen 
als  allgemeine  Schikanen  erachtet  und  sich  weder  deren  Dauer  noch 
deren Daten gemerkt. Wirklich gefährlich sei es für ihn geworden, als die 
Antiterroreinheiten ihn zu Hause gesucht und seiner Frau gedroht hätten, 
ihn  umzubringen.  Es  sei  sein  Glück  gewesen,  dass  er  nicht  zu  Hause 
gewesen sei. Es stimme nicht mit der Realität in der Türkei überein, diese 
Suche als realitätsfremd zu bezeichnen. 

Es sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer seinen Cousin J._______ 
als Guerilla gekannt habe.  Im Gerichtsverfahren von 1994 habe er über 
mehrere Guerillas berichtet, die zu diesem Zeitpunkt bereits tot waren. Zu 
Lebzeiten seines Cousins habe er die Aufträge von diesem erhalten, die 
anderen  Guerillas  habe  er  vor  1994  im  Dorf  und  dessen  Umgebung 
getroffen. Als er  in B._______ gewesen sei, habe er die Aufträge durch 
O._______ erhalten. Er  sei  bei  der Unterstützung der PKK nie  erwischt 
worden, was bedeute, dass sich etwas grundlegend geändert habe, das 
die Razzia von Anfang August 2007 ausgelöst habe. 

Die unzutreffenden Aussagen des Beschwerdeführers zum Verfahren von 
1994 würden mit seiner traumatisierten Psyche und seiner Persönlichkeit 
zusammenhängen.  Dies  gehe  aus  dem  Arztbericht  von  Frau  lic.  phil. 
P._______  und  Dr.  med  Q._______  vom  14. April  2009  hervor.  Die 
Anklage  in  diesem Verfahren  habe  auf  den Anschuldigungen  eines  15­

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jährigen  Dorfbewohners  beruht,  der  gefoltert  worden  sei.  Er  habe 
mehrere  ihm  vorgesagte  Anschuldigungen  unter  Folter  bestätigt.  Der 
Beschwerdeführer  selbst  habe  die  Vorwürfe  –  ebenfalls  unter  Folter – 
bestätigt. In der Anklageschrift sei er als "Mitglied der bewaffneten Bande 
PKK"  bezeichnet  worden.  Vom  Gericht  sei  er  zwar  freigesprochen 
worden,  was  in  der  Türkei  indessen  nach  politischen  Anklagen  nicht 
bedeute,  dass  eine Person  nach  einem Freispruch  ein  normales  Leben 
führen  könne.  Es  hätten  damals  bei  den  Antiterroreinheiten  sicher 
Datenblätter bestanden. Solche Personen würden überwacht, kontrolliert 
und beim geringsten Verdacht festgenommen. 

Insofern  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  einen  undifferenzierten  und 
stereotypen  Sachverhaltsvortrag  vorhalte,  sei  auf  das  Arztzeugnis  von 
Frau  lic. phil. P._______ und Dr. med Q._______ zu verweisen,  in dem 
auf  seine  Schwierigkeiten  bei  Befragungen  eingegangen  werde.  Neben 
den psychischen Schwierigkeiten sei es auch die schwache Schulbildung, 
die klare Antworten auf Fragen, die er manchmal nicht verstanden habe, 
nicht  erlaubten.  Zur  logistischen  Unterstützung,  die  er  der  PKK  in 
B._______  gewährt  habe,  sei  auf  die  Aussagen  seines  Bruders 
R._______ bei dessen Befragung vom 17. September 2003 hinzuweisen. 
Den  Reiseweg  habe  er  bei  der  Erstbefragung  und  der  Anhörung 
übereinstimmend  geschildert.  Auch  andere  Leute  würden  diesen 
benutzen. 

Der  Beschwerde  liege  eine  Aufstellung  von  den  nächsten  Angehörigen 
des  Beschwerdeführers  bei.  Die meisten  hätten  in  einem  europäischen 
Land  Asyl  oder  ein  Bleiberecht  erhalten.  Seine  Verwandten  hätten 
demnach  von  den  türkischen  Behörden  nichts  zu  befürchten,  was  die 
Gedenkanzeige  zum  Tod  seines  Bruders  G._______  erkläre.  Die 
Verfolgungsgeschichte des Beschwerdeführers sei nicht konstruiert; dazu 
wäre er gar nicht fähig.

Der Beschwerdeführer habe den in Istanbul tätigen Anwalt S._______ mit 
der Abklärung beauftragt, was gegen  ihn  in C._______  vorliege. Dieser 
teile  mit,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Jahr  2007  in  einen 
gemeinrechtlichen Prozess  involviert  gewesen  sei.  Einer  seiner Kunden 
habe behauptet, von  ihm bestellte und bereits mit zwei Checks bezahlte 
Waren nicht erhalten zu haben. Der Kunde habe beantragt,  die Checks 
seien als ungültig zu erklären. Die Checks seien gesperrt worden und der 
Prozess habe sich dahingezogen, zumal der Beschwerdeführer sich nicht 
habe  verteidigen  können.  Das  Gericht  habe  die  Checks  mit  Entscheid 

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vom  Januar  2009  ungültig  erklärt;  dieser  Entscheid  sei  vom 
Kassationsgericht  im  April  2009  bestätigt  worden.  Für  den 
Beschwerdeführer  bestehe  wegen  dieser  Angelegenheit  keine  Gefahr 
mehr.

4.3. In seiner Vernehmlassung vom 29. Januar 2010 führte das BFM aus, 
die  ärztlichen  Befunde  beruhten  auf  anamnetischen  Angaben  des 
Beschwerdeführers, die von den Ärzten unverifiziert übernommen worden 
seien.  Die  gegenüber  den  behandelnden  Ärzten  gemachten 
Sachverhaltsangaben fänden jedoch keine beziehungsweise sehr geringe 
Unterstützung  in  seinen  bisher  protokollierten  Aussagen.  Ohne  einen 
konkret  überprüfbaren  und  damit  beweisbaren  Sachverhalt  aus 
psychiatrischer  Sicht  seien  die  genauen  Ursachen  einer  psychischen 
Krankheit  nicht  mit  mindestens  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  im 
Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG eruierbar. Vor diesem Hintergrund sei der 
Beweiswert  der  vorliegenden  Diagnose  –  zumindest  hinsichtlich  der 
Ursachen der Erkrankung – als gering zu bezeichnen.

4.4.  In  der  Stellungnahme  vom  18. Februar  2010  wird  demgegenüber 
geltend  gemacht,  im  ärztlichen  Bericht  vom  13. Januar  2010  sei  beim 
Beschwerdeführer eine PTBS diagnostiziert worden. Die Diagnose stütze 
sich  auf  eine  persönlich  vorgebrachte  Anamnese.  Es  sei  nicht  zu 
bezweifeln,  dass  die  Diagnose  nach  allgemein  gültigen  Normen  und 
Methoden  gestellt  worden  sei.  Der  zuständige Oberarzt  sei  spezialisiert 
auf die spezifische Problematik von Migranten, wozu auch die Diagnose 
von  PTBS  aufgrund  von  Verfolgung  und  Folter  gehöre.  Bei  der 
Evaluierung  und  Diagnose  einer  PTBS  sei  es  ebenfalls  Sache  der 
Fachperson,  die  Glaubwürdigkeit  der  Vorbringen  zu  prüfen;  es  würden 
spezifische  Methoden  angewandt,  um  der  Wahrheit  auf  die  Spur  zu 
kommen. Der vorliegende Bericht gebe keinen Anlass zu Zweifeln, dass 
auch der Wahrheitsgehalt der Vorbringen professionell hergeleitet worden 
sei.  So  seien  Symptome  wie  Angst,  Dissoziation  und  Denkstörungen 
objektiv  beobachtet  und  im  Psychostatus  festgelegt  worden.  Das  BFM 
und das Gericht seien mit der Würdigung des ärztlichen Berichts betraut. 
Wenn  das  Amt  die  Professionalität  und  die  Glaubwürdigkeit  eines 
Berichts in Frage stelle, müsse dies nachvollziehbar dargelegt werden. Im 
Arztbericht  werde  nicht  ausgeschlossen,  dass  der  Beschwerdeführer 
auch an zerebralen Schäden leiden könnte, die durch die beschriebenen 
Folterarten  entstanden  sein  und  seine  Gedächtnis­  und 
Konzentrationsschwierigkeiten erklären könnten. 

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Es sei nochmals darauf hinzuweisen, dass mindestens 22 seiner nahen 
Verwandten  mit  dem  Namen  A._______  in  Europa  als  Flüchtlinge 
anerkannt und/oder bereits eingebürgert worden seien. Mit  diesen habe 
er Kontakt gehalten. Es bestehe auch heute noch eine Reflexverfolgung 
in der Türkei, weshalb davon auszugehen sei, dass auch er in der Türkei 
als  Verwandter  verfolgt  und  gefoltert  worden  sei.  Im  Jahr  1994  sei  er 
schwer gefoltert worden, dies habe er mit Gerichtsakten bewiesen. Sein 
Bruder  R._______  habe  sich  auf  Reflexverfolgung  berufen. 
Reflexverfolgung drohe, wenn ein Rückkehrer mit seinen als Flüchtlinge 
anerkannten Verwandten Kontakt gehabt habe.

4.5. Im Schreiben vom 18. September 2010 wird ausgeführt, die Ehefrau 
des  Beschwerdeführers  habe  sich  an  den  Menschenrechtsverein  (IHD) 
F._______  und  an  seinen  früheren  Rechtsanwalt  gewandt,  nachdem 
erneut nach ihm gefragt worden sei. Zudem könne eine DVD eingereicht 
werden,  auf  die  ein  Gespräch  vom  31. März  1997  zwischen  seinem 
Bruder G._______ und Abdullah Öcalan kopiert worden sei. Der Bruder 
des Beschwerdeführers habe sich damals für eine Ausbildung im Libanon 
befunden. Gemäss den Informationen der PKK sei G._______ etwa zwei 
Jahre  nach  dieser  Ausbildung  in  den  Bergen  gestorben.  Eine  amtliche 
Meldung über seinen Tod existiere nicht, weshalb er  im Familienregister 
immer  noch  als  "lebend"  geführt  werde.  Deshalb  werde  seitens  der 
Behörden immer noch Druck auf die Familie ausgeübt.

Der  vom  Beschwerdeführer  beauftragte  Rechtsanwalt  S._______  habe 
sich in C._______ erkundigt, was gegen ihn vorliege. Dort sei gegen ihn 
von einem ehemaligen Kunden ein Prozess angestrengt worden. Dieser 
habe beantragt, zwei Checks, mit denen er Ware bezahlt habe, seien für 
ungültig  zu  erklären,  da  er  keine  Ware  erhalten  habe.  Dazu  habe  der 
Kunde  zwei  Zeugen  vor  Gericht  gebracht.  Der  Beschwerdeführer  stelle 
sich  auf  den  Standpunkt,  es  würde  niemand  zwei  Checks  ausstellen, 
wenn  er  dafür  nicht  vorher Ware  erhalten  hätte.  Er  habe  dem  Kunden 
wahrscheinlich  Ende  Juni  2007  Ware  geliefert.  Als  der  Antrag  auf 
Ungültigerklärung  eingereicht  worden  sei,  sei  er  beruflich  unterwegs 
gewesen. Wenige Tage später sei er von den Terroreinheiten zu Hause 
gesucht  worden.  Da  seine  Familie  und  er  B._______  verlassen  hätten, 
sei er über dieses Verfahren nicht informiert gewesen. Das Verfahren sei 
abgeschlossen  worden,  indem  das Gericht  die  beiden  Checks  gesperrt 
habe.  Gemäss  Auskunft  des  türkischen  Anwalts  werde  der 
Beschwerdeführer  deshalb  in  C._______  nicht  mehr  gesucht.  Die 
Botschaftsabklärung  habe  insofern  nicht  ganz  genaue  Ergebnisse 

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geliefert, als von Checkfälschung gesprochen worden sei. Das Urteil sei 
bereits  vor  Abfassung  der  Botschaftsantwort  rechtskräftig  geworden, 
weshalb  kein  Grund mehr  für  eine  Suche  nach  dem  Beschwerdeführer 
bestanden habe. Unabhängig  von diesem Prozess bleibe der Verdacht, 
dass  ein  politischer Grund Ursache  für  seine  Verfolgung  sei.  Es  werde 
kaum  ein  Passverbot  ausgesprochen  gegen  eine  Person,  die  Checks 
erhalten habe, welche ungültig erklärt werden sollten.

Die Suche  nach  dem Beschwerdeführer  durch  die Antiterroreinheiten  in 
B._______  und  die Sicherheitskräfte  in K._______ müsse  somit  andere 
Gründe haben.

Die  Sorge  um  seine  Familie  habe  bewirkt,  dass  der  Beschwerdeführer 
das  Trauma  aus  den  90er  Jahren  des  letzten  Jahrhunderts  nicht 
aufarbeiten  könne,  sondern  immer  wieder  retraumatisiert  werde.  Dies 
werde von den M._______ bestätigt.

4.6.  In der Eingabe vom 5. Mai 2011 wird ausgeführt, die Krankheit des 
Beschwerdeführers  werde  gemäss  den  behandelnden  Ärzten  schwerer 
und chronisch. Sein grösstes Problem sei die Angst um seine Familie, die 
unter  den  Störungen  durch  die  Sicherheitskräfte  leide.  Ende  Juli  2010 
seien in E._______ eine Reihe politisch aktiver Personen festgenommen 
worden. Dabei  sei  auch  kontrolliert worden,  ob  er  sich  im Dorf  befinde. 
Die Behörden hätten auch nach einem seiner Cousins gefragt, der seit 18 
Jahren  in der Schweiz  lebe. Es sei anzunehmen, dass alle einmal oder 
wieder  Verdächtigten  bei  den  lokalen  Sicherheitskräften  verzeichnet 
seien.  Es  werde  offenbar  immer  wieder  kontrolliert,  ob  diese  Leute 
"zufällig" anwesend seien. Seine Ehefrau habe das Haus zusammen mit 
den Kindern  verlassen und  lebe nun  in E._______. Sein Sohn besuche 
aus  Angst  die  Schule  nicht  mehr.  Aus  den  eingereichten,  älteren 
Zeitungsberichten  gehe  hervor,  dass  er  im  Jahr  1994  festgenommen 
worden  sei.  Seine  Brüder  und  verschiedene  Dorfbewohner  bestätigten, 
dass  der  Tod  seines  Vaters  mit  den  Folterungen,  die  er  im 
Zusammenhang  mit  dem  Tod  eines  Neffen  erlitten  habe, 
zusammenhänge.  Ein  Bruder  des  Beschwerdeführers  habe  den  Vater 
nach  dessen  Freilassung  in  ein  Spital  gebracht,  wo  dieser  später 
verschieden  sei.  Zum  Verfahren  wegen  der  Sperrung  der  Checks  sei 
anzufügen,  dass  der  erste  Check  am  30. Juli  2007  und  der  zweite  am 
30. November 2007 fällig geworden wäre. Am 26. Juli 2007 habe sich der 
Aussteller an das Friedensgericht von C._______ gewandt und beantragt, 
die Checks seien für ungültig zu erklären. Gleichentags habe das Gericht 

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bei  der  betroffenen  Bank  die  Sperrung  der  Checks  veranlasst.  Um  die 
gleiche  Zeit  oder  etwas  später  sei  der  Beschwerdeführer  in  C._______ 
einer Ausweiskontrolle  unterzogen worden. Kurz  darauf  sei  der Überfall 
der  Antiterroreinheiten  auf  seine  Wohnung  in  B._______  erfolgt;  seine 
Frau  habe  ihm geraten,  nicht  nach Hause  zu  kommen. Er  könne  seine 
Flucht  nicht  genau  datieren,  gemäss  Schweizer  Ausweis  sei  er  am 
19. September  2007  in  die Schweiz  gereist. Bei  der Befragung  habe er 
angegeben, die Schwarzmeer­Region gut einen Monat vorher verlassen 
zu haben. Von den ungedeckten Checks habe er erst später erfahren. Er 
habe  einen  Bekannten  gebeten,  diese  einzulösen.  Erst  die 
Nachforschungen  durch  den  türkischen  Rechtsanwalt  hätten  die 
Zusammenhänge  ans  Licht  gebracht.  Aufgrund  dessen  könne  mit  der 
Botschaftsabklärung  etwas  nicht  in  Ordnung  sein.  Von  den 
umfangreichen Akten sei nur das Urteil eingereicht worden, weil es den 
Beschwerdeführer  vom  Vorwurf  der  Checkfälschung  entlaste.  In  den 
gesamten  Akten  sei  es  nie  um  eine  Anschuldigung  oder  Verurteilung 
gegangen. Es habe deshalb keinen Grund für eine Suche nach ihm oder 
ein Passverbot  gegeben.  Es  sei  ausser  ihm  selbst  niemand  geschädigt 
worden, denn er habe für einen grossen Posten gelieferte Ware kein Geld 
erhalten.  Es  stelle  sich  die  Frage,  weshalb  er  zur  Zeit  der 
Botschaftsabklärung  immer  noch  hätte  gesucht  werden  sollen,  da  der 
Prozess  seit  fünf  Monaten  rechtskräftig  abgeschlossen  gewesen  sei. 
Zudem  gebe  es  kaum  ein  Passverbot  für  ein  gemeinrechtliches  Delikt, 
das  weder  Mord  noch  Totschlag  betreffe.  Falls  er  tatsächlich  gesucht 
worden  sei,  habe  dies  wahrscheinlich  nichts  mit  den  Checks  zu  tun, 
sondern mit politischen Gründen. 

5. 
5.1.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  grundsätzlich 
dann,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich  sein oder der  inneren Logik 
entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung 
widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person 
persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall 
ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel 
abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder 
bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen 
auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes 
Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert. 
Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis 

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– ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse 
Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers. 
Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die 
für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden 
sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte 
Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 21  E. 6.1 
S. 190 f.).

5.2.  Aufgrund  der  Aktenlage  steht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  im 
Jahr 1994 unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft bei der beziehungsweise 
Unterstützung  der  PKK  festgenommen  und  angeklagt  wurde  (vgl. 
Festnahmeprotokoll  vom  25. April  1994,  Schreiben  der 
Sicherheitsdirektion  C._______  vom  27. April  2004, 
Leibesvisitationsprotokoll  vom  28. April  2004,  Schreiben  der 
Sicherheitsdirektion  D._______  vom  29. April  2004,  Protokoll  vom 
30. April 2004, Schreiben der Sicherheitsdirektion E._______ vom 2. Mai 
1994,  Befragungsprotokoll  des  Friedensstrafgerichts  E._______  vom 
2. Mai  1994,  Nichtzuständigkeitsbeschluss  der  Oberstaatsanwaltschaft 
E._______ vom 5. Mai 1994, Protokoll des DGM F._______ vom 27. Juni 
1994, Gerichtsprotokoll vom 28. Juli 1994 sowie Artikel aus (…) vom (…); 
act  A1/1).  Im  Rahmen  dieses  Verfahrens  wurde  er  während  dreier 
Monate festgehalten. Dass er bei den Befragungen, denen er unterzogen 
wurde, gefoltert wurde, erscheint angesichts der notorischen Zustände in 
der Türkei  zu  jener Zeit  nicht aussergewöhnlich und glaubhaft. Gemäss 
der  Anklageschrift  vom  17. Mai  1994  habe  der  Beschwerdeführer 
gestanden,  immer wieder Mitglieder der PKK  in  seinem Haus versteckt, 
sich  als  Kurier  betätigt  und  für  die  PKK  ein  Materialdepot  angelegt  zu 
haben.  Dass  der  Beschwerdeführer  trotz  des  in  der  Anklageschrift 
erwähnten Geständnisses vom Gericht am 22. September 1994 mangels 
Beweisen  und  Zweifeln  an  seiner  Schuld  freigesprochen  wurde,  deutet 
darauf  hin,  dass  die  Geständnisse  des  Beschwerdeführers  nicht 
rechtskonform  erwirkt  wurden,  was  seine  Aussagen,  er  sei  gefoltert 
worden,  bekräftigt.  Mit  den  damaligen  Erlebnissen  des 
Beschwerdeführers stimmt schliesslich entgegen der von der Vorinstanz 
in ihrer Vernehmlassung vertretenen Auffassung auch die diagnostizierte 
PTBS  überein.  Gemäss  dem  ärztlichen  Zeugnis  der  M._______  vom 
14. April  2009  berichtete  der Beschwerdeführer  darüber,  dass  er  immer 
wieder  von  den  Erinnerungen  an  seine  im  Gefängnis  erlebte  Folter 
eingeholt  werde.  Seine Gedanken  drehten  sich  auch  ständig  um  die  in 
der Türkei verbliebene Ehefrau und seine Kinder. Weshalb das BFM sich 

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in  der  Vernehmlassung  auf  den  Standpunkt  stellt,  die  vom 
Beschwerdeführer gegenüber den Ärzten gemachten Angaben fänden in 
den Akten nur eine geringe Stütze,  ist  nicht  nachvollziehbar,  zumal aus 
diesen  hervorgeht,  dass  der  Beschwerdeführer  in  ein  Strafverfahren 
verwickelt  war,  in  dem  ihm Unterstützung  der  PKK  vorgeworfen wurde. 
Dass  er  bei  den  damaligen  Verhören  angesichts  der  gegen  ihn 
erhobenen  Vorwürfe  von  den  ermittelnden  Sicherheitskräften  korrekt 
behandelt wurde,  ist  im türkischen Kontext unwahrscheinlich. Es besteht 
deshalb  kein  sachlicher Grund, welcher  dazu Anlass  geben  könnte,  die 
Diagnose  einer  PTBS,  die  durch  eine  testpsychologische  Abklärung 
(Harvard Trauma Questionnaire) erhärtet wurde, zu bezweifeln. Auch  ist 
die Einschätzung der behandelnden Fachärzte zur Frage der Plausibilität 
der Vorbringen des Patienten im Rahmen der Prüfung der Glaubhaftigkeit 
der asylsuchenden Person bei der Beweiswürdigung zu berücksichtigen 
(vgl.  BVGE  2007/31  E. 5.1  S. 376 ff.).  Die  diesbezügliche  Einschätzung 
im  Bericht  der  M._______  vom  13. Januar  2010,  wonach  die  vom 
Beschwerdeführer  geschilderten  Gedächtnis­  und 
Konzentrationsstörungen  auch  Folge  der  erlittenen  Folter  sein  könnten, 
fügt sich nahtlos in das bisher Gesagte ein. 

5.2.1. Das BFM weist  in der angefochtenen Verfügung zu Recht darauf 
hin,  dass  die  Angaben  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  zu  einer 
dreieinhalbjährigen  Freiheitsstrafe  verurteilt  und  nach  sieben  bis  acht 
Monaten  Haft  freigelassen  worden  sei,  mit  dem  eingereichten 
Beweismaterial  und  den  Aussagen  seines  türkischen  Anwalts  im 
Schreiben  vom  7. Februar  2008  nicht  übereinstimmen.  Zu 
berücksichtigen ist allerdings, dass der Beschwerdeführer nur zwei Jahre 
lang die Primarschule besuchte und seine intellektuellen Möglichkeiten – 
wie aus dem ärztlichen Bericht der M._______ vom 13. Januar 2010 (vgl. 
Seite 3 und  insb. Fussnote 4) unmissverständlich hervorgeht – begrenzt 
sind.  Vor  diesem  Hintergrund  vermögen  die  erwähnten  unstimmigen 
Aussagen des Beschwerdeführers seine Glaubwürdigkeit nicht nachhaltig 
zu  beeinträchtigen,  zumal  unbestritten  ist,  dass  gegen  den 
Beschwerdeführer  tatsächlich  wegen  mutmasslicher  Unterstützung  der 
PKK  ein  Verfahren  durchgeführt  wurde,  in  dessen  Verlauf  er  inhaftiert 
wurde.  Vielmehr  ist  übereinstimmend  mit  der  in  der  Beschwerde 
vertretenen Auffassung  davon  auszugehen,  dass  der Beschwerdeführer 
die  Einzelheiten  des  damaligen Verfahrens  nicht  vollständig  verstanden 
und  sich  bezüglich  der  Länge  der  Haft  getäuscht  hat.  Dass  seine 
subjektive  Wahrnehmung  und  Erinnerung  offenbar  getrübt  und  verzerrt 
ist,  zeigt  sich  unter  anderem  auch  dadurch,  dass  er  bei  der  Anhörung 

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vom  21. August  2009  trotz  des  Hinweises  des  Befragers,  es  stimme 
gemäss  dem  eingereichten  Urteil  vom  22. September  1994  und  dem 
Schreiben  seines  türkischen  Anwalts  nicht,  dass  er  sieben  bis  acht 
Monate  im Gefängnis  gewesen  sei,  daran  festhielt,  insgesamt  so  lange 
inhaftiert  gewesen  zu  sein  (vgl.  act.  A14/13  S. 3 f.).  Die  angesichts  der 
von  ihm  selbst  beigebrachten  Beweismittel  widersinnigen  Aussagen 
finden ihre Erklärung auch in den Ausführungen im ärztlichen Bericht der 
M._______  vom  13. Januar  2010,  wonach  Gedächtnis­  und 
Konzentrationsstörungen ein typisches Symptom einer PTBS sind. 

5.2.2. Das BFM geht davon aus, das Verhalten des Beschwerdeführers 
sei  realitätsfremd,  da  er  die  Türkei  nicht  bei  der  ersten  sich  bietenden 
Möglichkeit  verlassen  habe.  Auch  das  Verhalten  der  Behörden  sei 
realitätsfremd,  da  sie  ihn  trotz  einschlägiger  Vorstrafe  und  eines  neuen 
Verdachts  auf  PKK­Unterstützung  jeweils  nach  einigen  Tagen  Haft 
entlassen  hätten.  Inwiefern  das  BFM  zur  Auffassung  gelangt,  der 
Beschwerdeführer  sei  einschlägig  vorbestraft  gewesen,  ist  nicht 
nachvollziehbar,  da  er  gemäss  den  eingereichten Beweismitteln  gerade 
nicht  verurteilt,  sondern  freigesprochen  wurde.  Beizupflichten  ist  der 
Ansicht der Rechtsvertreterin, dass die lokalen Sicherheitsbehörden trotz 
des  gerichtlichen  Freispruchs  aufgrund  der  familiären  Herkunft  des 
Beschwerdeführers  und  der  gegen  ihn  erhobenen  Anklage  immer  noch 
den  Verdacht  gehegt  haben  beziehungsweise  überzeugt  gewesen  sein 
dürften,  er  stehe  in  Verbindung  zur  PKK.  Den  Schilderungen  des 
Beschwerdeführers  zufolge  ist  er  von  den  Sicherheitsbehörden  nicht 
festgenommen  und  kurzzeitig  festgehalten  worden,  weil  man  konkrete 
Hinweise  auf  seine Verbindungen  zur PKK  hatte,  sondern, wenn  in  der 
Gegend  "etwas passierte"  (vgl.  act. A9/16 S. 6,  8,  10 und 11),  dem die 
Behörden  nachgingen.  Dass  die  türkischen  Sicherheitskräfte  bei 
Vorkommnissen,  die  im  Zusammenhang  mit  der  PKK  stehen  könnten, 
ihnen bekannte Personen, die  im Verdacht der Zusammenarbeit mit der 
PKK  stehen,  zuerst  überprüfen,  ist  naheliegend  und  entspricht  der 
Realität.  Ergeben  sich  bei  der  Überprüfung  keine  konkreten 
Anhaltspunkte  für  eine  Involvierung  der  Verdächtigten  in  den  zu 
untersuchenden  Vorfall,  müssen  diese  wieder  auf  freien  Fuss  gesetzt 
werden, ohne dass ein Verfahren eingeleitet wird. Aufgrund der Angaben 
des Beschwerdeführers  ist davon auszugehen, dass er sich durch diese 
sporadischen  Festnahmen  –  der  Beschwerdeführer  spricht  davon,  in 
C._______ nach 1994 fünf­ bis sechsmal festgenommen worden zu sein 
(vgl. act. A14/13 S. 7) – zwar unterdrückt, aber nicht  in einem Ausmass 
verfolgt fühlte, dass er sich zum Verlassen der Türkei veranlasst sah. Bei 

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dieser  Sichtweise  erscheint  sein  Verbleib  im  Heimatland  nicht  als 
realitätsfremd,  sondern  als  nachvollziehbar.  Der  Beschwerdeführer 
machte  geltend,  die  Sicherheitsbehörden  hätten  bei  der  letzten  Suche 
nach ihm wüste Drohungen ausgesprochen. Dies erscheint plausibel, da 
bei  bewaffneten  Auseinandersetzungen  in  C._______  Soldaten  verletzt 
und  getötet  worden  seien  und  die  Razzia  bei  ihm  zu  Hause  damit 
zusammengehangen  habe  (vgl.  act.  A16/3  S. 2  und  die  beiden 
eingereichten Zeitungsartikel in act. A17). Seine Ausreise aus der Türkei 
zum  damaligen  Zeitpunkt  erscheint  vor  diesem  Hintergrund  durchaus 
plausibel.

5.2.3.  Das  BFM  führt  aus,  der  Sachverhaltsvortrag  des 
Beschwerdeführers sei  in einer undifferenzierten und stereotypen Weise 
geschildert worden. Welche Schlüsse das BFM aus der Tatsache zieht, 
dass er nicht gewusst habe, wann er vor seiner angeblichen Verurteilung 
inhaftiert  worden  beziehungsweise  wann  er  aus  der  Haft  entlassen 
worden  sei,  wird  allerdings  aus  den  Erwägungen  in  der  angefochtenen 
Verfügung  nicht  klar.  Aufgrund  der  Akten  steht  fest,  dass  der 
Beschwerdeführer  in  ein  Strafverfahren  involviert  und  drei  Monate  lang 
inhaftiert gewesen war. Dass der Beschwerdeführer an Gedächtnis­ und 
Konzentrationsstörungen  leidet,  steht  aufgrund  des  ärztlichen  Berichts 
der M._______ vom 13. Januar 2010 fest. Aus seiner Unfähigkeit, präzise 
Angaben zu tatsächlich Geschehenem zu machen beziehungsweise aus 
dem  Umstand,  dass  er  Mühe  bekundete,  persönliche  Erlebnisse 
anschaulich  und  chronologisch  geordnet  zu  schildern,  lassen  sich 
deshalb  nicht  ohne  weiteres  Rückschlüsse  auf  die  (Un­)Glaubhaftigkeit 
seiner Vorbringen ziehen. Zu berücksichtigen  ist  ferner, dass das gegen 
den  Beschwerdeführer  eingeleitete  Verfahren  zu  den 
Befragungszeitpunkten  bereits  13  beziehungsweise  14  Jahre  zurücklag. 
Aufgrund  der  zeitlichen  Distanz  zu  den  damaligen  Geschehnissen 
können hinsichtlich  der Dichte  und des Differenzierungsgrades der  vom 
Beschwerdeführer  diesbezüglich  deponierten  Aussagen  folglich 
naturgemäss  keine  überzogenen  Erwartungen  geknüpft  werden. 
Schliesslich hat er – wenngleich er auch diesbezüglich nicht  in der Lage 
war, präzise Angaben zu machen – die geltend gemachten kurzzeitigen 
Festnahmen  weder  hinsichtlich  deren  Häufigkeit  noch  deren  Intensität 
dramatisiert, sondern diese in einen durchaus plausiblen Zusammenhang 
mit gewaltsamen Vorkommnissen in der Heimatregion, im Rahmen derer 
den Behörden verdächtige Personen überprüft wurden, stellte.

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5.2.4. Die  Abklärungen  der  Botschaft  haben  ergeben,  dass  gegen  den 
Beschwerdeführer  ein  von  der  Polizei  von  C._______  im  Jahr  2007 
wegen  Fälschung  erstelltes,  gemeinrechtliches  Datenblatt  besteht, 
aufgrund dessen er gesucht wird. Zudem unterliegt der Beschwerdeführer 
einem  Passverbot.  Die  Interpretation  des  BFM,  das  Passverbot  sei 
aufgrund  des  gemeinrechtlichen  Datenblatts  erstellt  worden,  ist  nicht 
zwingend. Aufgrund der Abklärungen der Botschaft steht nicht zweifelsfrei 
fest,  wann  und  in  welchem  Zusammenhang  das  Passverbot  verhängt 
wurde. Die Formulierung, der Beschwerdeführer werde wegen Fälschung 
gesucht,  ist wenig  präzis  und gibt  nicht  verlässlich Aufschluss  über  das 
gegen  den  Beschwerdeführer  geführte  Verfahren.  Gemäss  den 
Abklärungen  von  Rechtsanwalt  S._______  wurde  gegen  den 
Beschwerdeführer  unter  der  Verfahrensnummer  (…)  beim 
erstinstanzlichen Gericht  von C._______  (Handelsgericht)  ein Verfahren 
eingeleitet,  in  dem  es  um  die  Ungültigkeitserklärung  von  ausgestellten 
Checks  ging. Das Urteil  wurde  am  (…)   gefällt.  Aufgrund  der  zeitlichen 
Übereinstimmung  könnte  es  sich  bei  diesem  Verfahren  vor  dem 
Handelsgericht  um  das  im  Bericht  der  Botschaft  erwähnte  Verfahren 
betreffend Fälschung handeln. Da dem Bericht keinerlei nähere Angaben 
zum Verfahren wegen Fälschung zu entnehmen sind, kann diese Frage 
jedoch  nicht  abschliessend  beurteilt  werden.  Es  ist  jedoch  wenig 
wahrscheinlich,  dass  der Beschwerdeführer wegen  einer  zivilrechtlichen 
Streitigkeit  von  der  Polizei  gesucht  wurde  und  diese  deswegen  ein 
Datenblatt erstellt hat. Es erscheint auch realitätsfremd, dass gegen den 
Beschwerdeführer  allein  wegen  eines  vor  Handelsgericht  geführten 
Verfahrens betreffend Ungültigkeitserklärung eines ausgestellten Checks 
ein Passverbot verhängt wurde. Denkbar ist hingegen, dass ein weiteres 
gemeinrechtliches  Verfahren  gegen  den  Beschwerdeführer  hängig  ist, 
welches  von  der  Botschaft  nicht  eruiert  werden  konnte.  Aber  auch  in 
diesem  Fall  wäre  unwahrscheinlich,  dass  gegen  ihn  ein  Passverbot 
verhängt  worden  wäre.  Die  Vermutung  des  Beschwerdeführers,  die 
Behörden  könnten  aus  politischen  Gründen  ein  gemeinrechtliches 
Verfahren  gegen  ihn  eingeleitet  haben,  erscheint  wiederum  deshalb 
unwahrscheinlich,  da  in  der  Türkei  durchaus  Straftatbestände  für  die 
Mitgliedschaft bei beziehungsweise die Unterstützung der PKK bestehen, 
die  auch  angewandt  werden.  Gleiches  gilt  für  den  Fall,  dass  der 
Beschwerdeführer  konkret  verdächtigt  worden  wäre,  an  einer 
bewaffneten Auseinandersetzung mit  türkischen Soldaten  teilgenommen 
zu haben.

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5.2.5. Nach  dem Gesagten  ist  –  auch wenn  letztlich  durchaus  gewisse 
Zweifel  bestehen  bleiben  –  bei  einer  objektivierten  Betrachtungsweise 
(vgl.  EMARK  2005  Nr. 21  E. 6.1  S. 190 f.)  im  Rahmen  einer 
Gesamtwürdigung  festzustellen,  dass  –  entgegen  der  Auffassung  des 
BFM,  welches  die  Beweislastregel  von  Art. 7  AsylG  zu  restriktiv 
angewandt  hat  –  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der 
Sachverhaltsdarstellung  des  Beschwerdeführers  sprechen,  letztlich 
überwiegen. Das Bundesverwaltungsgericht geht deshalb von folgendem, 
als  rechtserheblich  erachtetem Sachverhalt  aus. Der Beschwerdeführer, 
der aus einer politisch engagierten Familie stammt, wurde  im Jahr 1994 
der Mitgliedschaft bei beziehungsweise Unterstützung der PKK angeklagt 
und  drei  Monate  lang  inhaftiert.  Bei  den  Verhören  wurde  er  schwer 
misshandelt  und  gefoltert.  Er  wurde  vom  Gericht  von  den  gegen  ihn 
erhobenen  Anschuldigungen  freigesprochen.  Aufgrund  der  erlittenen 
Misshandlungen und Folter leidet er immer noch unter einer PTBS. In den 
folgenden  Jahren  wurde  er  von  den  Sicherheitsbehörden  einige  Male 
routinemässig  beziehungsweise  nach  gewissen  Vorkommnissen 
überprüft  und  kurzzeitig  festgehalten, wobei  er  auch geschlagen wurde. 
Noch  im  Jahr  2009  wurde  er  von  der  Polizei  aufgrund  eines 
gemeinrechtlichen  Straftatbestands,  den  er  im  Jahr  2007  begangen 
haben soll, gesucht. 

5.2.6. Wie  sich  aus  den  vorstehenden Erwägungen  ergibt,  besteht  kein 
Anlass,  die  in  den  eingereichten  ärztlichen  Zeugnissen  der  M._______ 
diagnostizierte PTBS zu bezweifeln. Aufgrund der ärztlichen Berichte  ist 
ferner davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer unter Gedächtnis­ 
und  Konzentrationsschwierigkeiten  leidet.  Die  in  der  Eingabe  vom 
18. Februar  2010  gestellten  Anträge  betreffend  Überprüfung  der 
Diagnose  einer  PTBS  beziehungsweise  Feststellung  oder  Ausschluss 
allfälliger  Schädel­/Hirnverletzungen  mittels  fachärztlicher  Untersuchung 
sind  folglich  abzuweisen,  da  im  Sinne  einer  antizipierten 
Beweiswürdigung nicht davon auszugehen  ist, daraus  liessen sich neue 
Erkenntnisse gewinnen  (vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2  S. 355 f.,  EMARK 2003 
Nr. 13 E. 4c S. 84). Mit Blick auf den Ausgang des Beschwerdeverfahrens 
erübrigen sich zudem weitergehende Abklärungen betreffend das gegen 
den  Beschwerdeführer  in  der  Türkei  eingeleitete  Verfahren  wegen 
"Fälschung" beziehungsweise zu den Gründen des gegen ihn verhängten 
Passverbots.

6. 

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6.1.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine 
asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft 
begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund 
bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder 
durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden  sind  beziehungsweise 
zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund 
der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die 
Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  ausserdem  voraus,  dass  die 
betroffene Person  in  ihrem Heimatland keinen adäquaten Schutz  finden 
kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 
f.).  Ausgangspunkt  für  die Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die 
Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 
begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des 
Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität 
der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden 
Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/34  E. 7.1  S. 507 f.,  BVGE 
2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi 
Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009,  Rz. 11.17  und 
11.18).

6.2. Begründete Furcht  vor Verfolgung  liegt  vor, wenn  konkreter Anlass 
zur  Annahme  besteht,  eine  Verfolgung  hätte  sich  –  aus  der  Sicht  im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer  Zeit  verwirklicht  beziehungsweise  werde  sich  –  auch  aus 
heutiger  Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer 
Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger 
Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete  Indizien vorliegen, welche 
den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten 
Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich  und 
dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar 
erscheinen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 
Nr. 1 E. 6a S. 9).

6.3. Der  Beschwerdeführer  wurde  während  seiner  Inhaftierung  im  Jahr 
1994  von  den  Sicherheitsbehörden misshandelt  und  gefoltert,  da  diese 
Hinweise  für seine Unterstützung der PKK erhalten hatten. Nachdem er 
vom  DGM  F._______  freigesprochen  worden  war,  setzte  er  seine 

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Unterstützungsleistungen für die PKK fort. Die Behörden überprüften  ihn 
in der Folge mehrmals bei routinemässigen Kontrollen oder wenn sich in 
der  Region  ein  Zwischenfall  zugetragen  hatte.  Im  Rahmen  dieser 
Kontrollen wurde er jeweils kurzzeitig festgehalten und auch misshandelt. 
Angesichts  der  Abklärungen  der  schweizerischen  Botschaft  in  Ankara 
steht fest, dass er von den türkischen Sicherheitsbehörden gesucht wird. 
Es  wurde  ein  gemeinrechtliches  Datenblatt  über  ihn  erstellt  und  ein 
Passverbot  verhängt.  Aufgrund  dieser  Vorgeschichte  ist  davon 
auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits bei seiner Einreise in die 
Türkei im Rahmen der routinemässigen Überprüfung die Aufmerksamkeit 
der  Sicherheitsbehörden  auf  sich  ziehen  wird.  Bei  dieser  Überprüfung 
werden die Behörden feststellen, dass er von der Polizei von C._______ 
gesucht wird und dass ein Passverbot gegen  ihn besteht. Aufgrund der 
landesweiten polizeilichen Suche dürfte er an die zuständigen Behörden 
seiner  Heimatregion  überstellt  werden.  Angesichts  der  unmittelbar  von 
staatlichen Behörden ausgehenden Verfolgung ergibt sich ohne weiteres, 
dass  dem  Beschwerdeführer  innerhalb  der  Türkei  keine  innerstaatliche 
Fluchtalternative  zur  Verfügung  steht  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 21  E. 11.1 
S. 201 f., EMARK 1996 Nr. 1 E. 5c S. 6). Selbst für den Fall, dass er nicht 
bereits bei der routinemässigen Kontrolle bei der Einreise festgenommen 
würde,  würde  er  wohl  bei  einer  später  erfolgenden  Personenkontrolle 
identifiziert  und  festgenommen  und  an  die  ihn  suchenden 
Sicherheitskräfte überstellt. Aufgrund der Aktenlage steht zwar nicht fest, 
weshalb der Beschwerdeführer gesucht wird und weshalb ein Passverbot 
gegen ihn verhängt wurde. Er ist jedoch den lokalen Sicherheitsbehörden 
bekannt und es ist anzunehmen, dass diese ihn nach seiner mehrjährigen 
Landesabwesenheit (auch) im Hinblick auf seine politische Vergangenheit 
befragen  werden.  Da  mehrere  Verwandte  des  Beschwerdeführers  in 
Westeuropa  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden  sind,  ist  auch 
wahrscheinlich, dass ihm zu allfälligen Kontakten zu denselben und deren 
Aktivitäten  Fragen  gestellt  würden.  Dass  der  Beschwerdeführer  bei 
derartigen Befragungen korrekt behandelt würde, kann nicht als gesichert 
erachtet  werden.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  in  Anbetracht  des 
Grundsatzes, dass eine Person, die – wie der Beschwerdeführer – bereits 
Verfolgung  erlitten  hat,  objektive  Gründe  für  eine  ausgeprägtere 
subjektive Furcht vor Verfolgung hat, als Personen, die keine Verfolgung 
erlitten  haben,  die  Furcht  des  Beschwerdeführers,  erneut  ernsthafte 
Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu erleiden, als begründet zu 
erachten  (vgl.  BVGE  2010/57  E. 2.5  S. 827 f.,  BVGE  2010/9  E.  5.2 
S. 120,  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7.1  S. 193;  EMARK  2004  Nr. 1  E. 6a­b 
S. 9 f.). 

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Seite 25

7. 
Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  in  Bezug  auf  den 
Beschwerdeführer  sämtliche  Kriterien  der  in  Art. 3  AsylG  enthaltenen 
Definition  als  erfüllt  zu  betrachten  sind  und  dieser  demzufolge  als 
Flüchtling anzuerkennen  ist. Mangels Anzeichen für das Vorliegen eines 
Ausschlussgrundes (Art. 53 AsylG)  ist das BFM folgerichtig anzuweisen, 
dem  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  Asyl  zu  gewähren  (vgl. Art. 49 
AsylG). 

8. 
8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2.  Gemäss  Art. 64  Abs. 1  VwVG  i.V.m.  Art. 37  VGG  kann  die 
Beschwerdeinstanz  der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Partei  von 
Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  die  ihr 
erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten 
zusprechen  (vgl.  Art. 7  ff.  des  Reglements  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21. Februar 
2008  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Die  Rechtsvertreterin  hat  bislang  keine 
Kostennote  eingereicht.  In  der  Beschwerde wurde  beantragt,  sie  sei  im 
Falle  des  Obsiegens  vor  dem  Entscheid  einzuladen,  eine  Kostennote 
einzureichen.  Gemäss  Art. 14  VGKE  haben  die  Parteien,  die  Anspruch 
auf  Parteientschädigung  erheben,  dem Gericht  vor  dem Entscheid  eine 
detaillierte  Kostennote  einzureichen,  ansonsten  das  Gericht  die 
Entschädigung  aufgrund  der  Akten  festlegt.  Gemäss  von  der 
Präsidentenkonferenz  des  Bundesverwaltungsgerichts  im  Jahr  2009 
koordinierter  Praxis,  ist  bei  Anwältinnen  und  Anwälten  und  anderen 
Rechtsvertreterinnen und ­vertretern, die  ihren Vertretungsaufwand nicht 
unaufgefordert  und  rechtzeitig  ausweisen,  grundsätzlich  keine 
Kostennote  einzuholen,  sondern  der  zu  entschädigende  Parteiaufwand 
zu  schätzen  (vgl.  bspw.  die  Urteile  E­937/2010  vom  19. März  2010 
E. 10.2,  Geschäftsbericht  des  Bundesverwaltungsgerichts  2009  S. 75). 
Der entsprechende Antrag  ist  demnach abzuweisen. Gestützt  auf die  in 
Betracht  zu  ziehenden Bemessungsfaktoren  (Art. 9­13 VGKE)  sind dem 
Beschwerdeführer  Fr. 1'500.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  als 
Parteientschädigung zuzusprechen. Dieser Betrag ist ihm durch das BFM 
zu entrichten.

D­235/2010

Seite 26

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die Verfügung des BFM vom 11. Dezember 2009 wird aufgehoben und 
das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das  BFM  wird  verpflichtet,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung von Fr. 1'500.– auszurichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

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