# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1d49f13-f08c-559c-8020-c1e07138f9c3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.10.2010 D-5886/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5886-2010_2010-10-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5886/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richter Bruno Huber, Richter Blaise Pagan; 
Gerichtsschreiberin Sara Steiner.

A._______, geboren (...), Kosovo,
vertreten durch Stefan Hery,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 17. August 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5886/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass die Beschwerdeführerin am 7. April 2010 in der Schweiz um Asyl 
nachsuchte,

dass das BFM auf  die Asylgesuche der  Eltern  und Geschwister  der 
Beschwerdeführerin (N [...], N [...]) vom 20. Juni 2009 mit Verfügungen 
vom 26. Februar 2010  nicht  eingetreten  war  und  deren  Wegweisung 
aus der Schweiz nach Ungarn sowie den Vollzug angeordnet hatte,

dass  dagegen  erhobene  Beschwerden  beim  Bundesverwaltungsge-
richt  hängig  sind (D-1429/2010,  D-1430/2010)  und am 9. März 2010 
vorsorglich vollzugshemmende Massnahmen angeordnet wurden,

dass das BFM am 28. April 2010 ein Gesuch um Übernahme der Be-
schwerdeführerin an die zuständige ungarische Behörde richtete, wel-
chem diese am 17. Juni 2010 zustimmte,

dass  das  Bundesamt  der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom 
21. Juni 2010  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  Wegweisung 
nach Ungarn gewährte,

dass das BFM mit Verfügung vom 17. August 2010 – frühestens eröff-
net am 18. August 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  auf das Asylge-
such der Beschwerdeführerin nicht eintrat, deren Wegweisung aus der 
Schweiz nach Ungarn sowie den Vollzug anordnete,  feststellte,  dass 
einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme, 
und die Aushändigung der editionspflichtigen Akten verfügte,

dass das BFM dabei zur Begründung im Wesentlichen ausführte, für 
die Eltern und Geschwister der Beschwerdeführerin bestünden für den 
30. September 2008 Eurodac-Treffer  mit  Ungarn,  sodass Ungarn ge-
stützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schwei -
zerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft 
über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen 
Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der 
Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin-Assoziierungsabkommen 
[DAA],  SR 0.142.392.68)  und auf  das  Übereinkommen vom 17. De-
zember  2004 zwischen der  Schweizerischen Eidgenossenschaft,  der 
Republik Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, 
Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die 

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Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für 
die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestell-
ten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004, 
SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylverfahrens der Beschwer-
deführerin zuständig sei und am 17. Juni 2010 einer Übernahme ge-
stützt auf Art. 14 Dublin-II-VO zugestimmt habe,

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
oder Verlängerung gemäss Art. 19 f. Dublin-II VO – bis spätestens am 
17. Dezember 2010 zu erfolgen habe,

dass die Beschwerdeführerin der Aufforderung des Bundesamtes vom 
21. Juni 2010, zu einer allfälligen Wegweisung nach Ungarn Stellung 
zu nehmen, nicht nachgekommen sei,

dass  den  von  der  Beschwerdeführerin  aufgrund  einer  Aufforderung 
des BFM am 12. Mai 2010 eingereichten ärztlichen Berichten sowie ei-
nes Telefonats des Bundesamtes mit Dr. B._______, Facharzt für All-
gemeinmedizin, vom 16. August 2010 zu entnehmen sei, dass sie an 
rheumatischer Polyarthritis leide und die Behandlung einer erlittenen 
Fehlgeburt abgeschlossen sei,

dass sich den Akten keine weiteren Hinweise, die gegen eine Wegwei-
sung nach Ungarn sprechen würden, entnehmen liessen,

dass die Dublin-II-VO aufgrund ihres Wortlautes davon ausgehe, dass 
alle Dublin-Staaten, bei denen es sich nicht um Drittweltstaaten bezie-
hungsweise Entwicklungsländer handle, über eine adäquate medizini-
sche Versorgung aller Krankheitsbilder verfügten, wobei es sich um ei -
ne allgemein bekannte und somit  amtsnotorische Erkenntnis  handle, 
weshalb nicht im Einzelfall zu prüfen sei, ob eine bestimmte Krankheit  
angemessen behandelt werden könnte oder nicht, insbesondere wenn 
die  Beschwerdeführerin  nicht  darlege,  weshalb  in  dem betreffenden 
Land keine angemessene Behandlung erhältlich sein solle,

dass Ungarn alle relevanten Richtlinien der  Europäische Union (EU) 
umgesetzt habe und die Aufnahmerichtlinie (Rl 2003/9/EG) sicher stel-
le, dass Asylsuchende Zugang zu einer angemessenen medizinischen 
Versorgung hätten,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Ungarn  zulässig,  zumutbar 
und möglich sei,

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dass gegen die am 26. Februar 2010 verfügte Wegweisung der Eltern 
und Geschwister der minderjährigen Beschwerdeführerin nach Ungarn 
eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht hängig sei, und im 
Falle  einer  Abweisung sowie  nach  Abschluss  sämtlicher  die  Familie 
betreffenden  Verfahren  die  ganze  Familie  gemeinsam  nach  Ungarn 
überstellt werde, sodass der Einheit der Familie gemäss Art. 44 Abs. 1 
AsylG beziehungsweise Art. 8 Konvention vom 4. November 1950 zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
Rechnung getragen werde,

dass die Beschwerdeführerin – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – 
mit  Eingabe  vom 19. August 2010  (Poststempel)  gegen  diesen  Ent-
scheid beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde  erhob  und  die 
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Ausübung des Rechtes 
auf Selbsteintritt  auf das Asylgesuch sowie eventualiter die Rückwei-
sung der  Sache an die  Vorinstanz beantragte  und um Erteilung der 
aufschiebenden Wirkung, um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) so-
wie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte,

dass sie dabei  zur Begründung im Wesentlichen ausführte,  mit  ihrer 
Wegweisung nach Ungarn werde der Grundsatz der Einheit der Fami-
lie  verletzt,  da  ihre  Familie  bis  anhin  nicht  rechtskräftig  aus  der 
Schweiz weggewiesen worden sei, woran auch die Bitte des BFM an 
die kantonale Vollzugsbehörde, beim Wegweisungsvollzug der Einheit 
der Familie Rechnung zu tragen, nichts ändere,

dass das Tribunal Administratif de Paris am 28. Juli 2010 aufgrund der 
fehlenden Respektierung der grundlegenden asylrechtlichen Garantien 
und Menschenrechtsstandards  durch die  ungarischen Behörden den 
Vollzug  der  Wegweisung  eines  afghanischen  Staatsbürgers  nach 
Ungarn  im  Rahmen  des  Dublin-Abkommens  suspendiert  und  den 
Selbsteintritt  Frankreichs  angeordnet  habe,  sodass  das  BFM  nach 
dem Gesagten sein Ermessen zum Selbsteintritt zu Unrecht nicht aus-
geübt habe,

dass sie zudem entgegen den Behauptungen des Bundesamtes mit 
Schreiben  vom 30. Juni 2010  –  das  dem BFM gemäss  beigelegtem 
Auszug der  Schweizerischen Post  (Track and Trace) am 2. Juli 2010 
zugestellt  wurde – dessen Aufforderung vom 21. Juni 2010 zur  Stel-

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lungnahme  zu  einem  allfälligen  Wegweisungsvollzug  nach  Ungarn 
nachgekommen sei,

dass in der beigelegten Stellungnahme vom 30. Juni 2010 ausgeführt 
wurde,  die  Eltern  der  Beschwerdeführerin  seien  bis  zum Ablauf  der 
Überstellungsfrist gemäss Art. 19 Abs. 3 Dublin-II-VO am 9. März 2010 
nicht nach Ungarn überstellt worden, sodass die Zuständigkeit für de-
ren Asylgesuche und somit  unter Berücksichtigung des Grundsatzes 
der Einheit der Familie auch für das ihre auf die Schweiz übergehe,

dass das BFM, indem es diese Stellungnahme nicht berücksichtigt ha-
be,  das  rechtliche  Gehör  verletzt  habe,  und  dieser  schwere  Verfah-
rensfehler auf Beschwerdeebene nicht geheilt werden könne, sodass 
der Entscheid eventualiter an die Vorinstanz zurückzuweisen sei,

dass das Bundesverwaltungsgericht am 20. August 2010 (per Telefax) 
vorsorglich vollzugshemmende Massnahmen anordnete,

dass  die  Beschwerdeführerin  gemäss  Mitteilung  der  kantonalen  Be-
hörden seit dem 24. August 2010 unbekannten Aufenthalts ist,

dass in der Vernehmlassung des BFM vom 9. September 2010 ausge-
führt  wurde,  es könne nicht  mehr  mit  Sicherheit  nachvollzogen wer-
den,  wann  und  an  wen  die  Stellungnahme vom 30. Juni 2010  nach 
Eingang  beim  BFM  weitergeleitet  worden  sei,  von  einem  schweren 
Verfahrensfehler könne aber nicht gesprochen werden, da auch ohne 
Kenntnis dieses Schreibens auf die darin enthaltenen Argumente be-
reits  eingegangen worden sei  (Überstellungsfrist  in  der  Vernehmlas-
sung betreffend die Eltern der Beschwerdeführerin vom 30. Juni 2010 / 
Einheit der Familie in der Verfügung vom 17. August 2010),

dass ein Rechtsbehelf, dem aufschiebende Wirkung erteilt werde, die 
Überstellungsfrist unterbreche, was bedeute, dass mit dem Entscheid 
des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Überstellungsfrist  neu  zu  laufen 
beginne, worüber Ungarn am 9. März 2010 informiert worden sei,

dass in der Verfügung des BFM vom 17. August 2010 und in der Ver-
nehmlassung des Bundesamtes betreffend die Eltern der Beschwerde-
führerin vom 30. Juni 2010 ausdrücklich festgehalten worden sei, dass 
die ganze Familie gemeinsam nach Ungarn überstellt werden solle,

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dass das BFM an der Wegweisung der Familie der Beschwerdeführe-
rin festhalte, sodass konsequenterweise auch die Beschwerdeführerin 
weggewiesen werden müsse, um der Einheit der Familie Rechnung zu 
tragen,

dass es nicht möglich gewesen sei, einen Entscheid für die ganze Fa-
milie zu fällen, da die Beschwerde gegen die Verfügung der Eltern der 
Beschwerdeführerin vom 26. Februar 2010 zum Zeitpunkt des Asylge-
suchs der Beschwerdeführerin bereits beim Bundesverwaltungsgericht 
hängig gewesen sei,

dass  die  Beschwerdeführerin  zudem  inzwischen  als  verschwunden 
gelte, sich somit freiwillig von ihrer Familie entfernt habe und sich nicht 
mehr auf die Einheit der Familie berufen könne,

dass  es  sich  bei  Art.  3  Abs.  2  Dublin-II-VO (Selbsteintritt)  um  eine 
Kann-Bestimmung  handle,  und  das  BFM im  Einzelfall  prüfe,  ob  ein 
Selbsteintritt angezeigt sei, weil die Gefahr einer Verletzung der EMRK 
oder anderer Grundrechte bestehe oder humanitäre Gründe vorlägen, 
welche die asylsuchende Person in besonders schwerwiegender Wei-
se belasteten,

dass keine Hinweise bestünden, Ungarn halte sich nicht an die mass-
geblichen  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  das  Rück-
schiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, und die-
se Auffassung auch vom Bundesverwaltungsgericht geteilt werde,

dass  sämtliche  Mitgliedstaaten,  so  auch  Frankreich,  Wegweisungen 
nach Ungarn durchführten, sodass das zitierte Urteil des Tribunal Ad-
ministratif de Paris als ein Einzelfall eines erstinstanzlichen Gerichtes 
zu bezeichnen sei,

dass die Beschwerdeführerin  in  der Replik  vom 28. September 2010 
an den Beschwerdebegehren festhielt,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM auf dem Gebiet  des Asyls 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-

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gesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG, 
Art. 105 AsylG, Art. 6 AsylG),

dass die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung beziehungsweise Änderung hat, 

dass sie zwar seit dem 24. August 2010 unbekannten Aufenthalts ist, 
über ihren Rechtsvertreter aber am 28. September 2010 eine Stellung-
nahme zur Vernehmlassung des BFM einreichen liess, sodass davon 
ausgegangen werden kann, sie sei an einer Fortführung des Verfah-
rens weiterhin interessiert,

dass sie daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art.  48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass die Beschwerden der Eltern und Geschwister  der Beschwerde-
führerin  vom  9. März 2010  mit  dem  vorliegenden  Verfahren  in  den 
gleichzeitig ergehenden Urteilen D-1429/2010 und D-1430/2010 koor-
diniert behandelt werden,

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass  das  BFM,  indem  die  Stellungnahme  der  Beschwerdeführerin 
vom 30. Juni 2010 im Amt verlorenging und deshalb in der Verfügung 
vom 17. August 2010 nicht berücksichtigt werden konnte, das rechtli-
che Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) verletzt 
hat,

dass  Gehörsverletzungen  dank  der  umfassenden  Kognition  der  Be-
schwerdeinstanz  in  bestimmten  Schranken  geheilt  werden  können, 

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dies insbesondere unter den Voraussetzungen, dass die unterbliebene 
Handlung nachgeholt wird und die Beschwerdeführerin sich dazu äus-
sern konnte (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f. mit weiteren Hinwei-
sen),

dass sich das BFM in seiner Vernehmlassung vom 9. September 2010 
ausführlich zu den Argumenten in der nicht berücksichtigten Stellung-
nahme der Beschwerdeführerin vom 30. Juni 2010 äusserte und diese 
mit  Schreiben vom 28. September 2010 dazu Stellung nahm, sodass 
die festgestellte Verletzung des rechtlichen Gehörs als auf Beschwer-
deebene geheilt gelten kann,

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  gemäss 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG, wonach die Zuständigkeit der Schweiz für 
die  Durchführung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahren  abgelehnt 
wird, die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich 
auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asyl -
gesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2007/8 
E. 2.1  S.  73  mit  Hinweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. 
S. 240 f.),

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  gemäss  Art.  14  Dublin-II-VO  Ungarn  für  die  Behandlung  des 
Asylgesuches der Beschwerdeführerin zuständig ist und einer Aufnah-
me mit Schreiben vom 17. Juni 2010 denn auch zugestimmt hat,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  den  gleichzeitig  ergehenden 
Urteilen D-1429/2010 und D-1430/2010 betreffend die Eltern und Ge-
schwister  der  Beschwerdeführerin  festgestellt  hat,  nachdem  es  den 
Vollzug der Wegweisung mit Verfügung vom 9. März 2010 im Sinne ei-
ner vorsorglichen Massnahme ausgesetzt habe, beginne die Frist zur 

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Überstellung nach Ungarn erst mit  den vorliegenden Entscheiden zu 
laufen,

dass demnach Ungarn für die Asylgesuche der Eltern und Geschwis-
ter weiterhin zuständig ist und somit gemäss Art. 14 Dublin-II-VO auch 
für dasjenige der Beschwerdeführerin,

dass  der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  gemäss  Art.  44 Abs. 1 
Satz 2 AsylG eine nicht gleichzeitige Wegweisung der minderjährigen 
Beschwerdeführerin und ihrer Eltern verbietet, und der Wegweisungs-
vollzug soweit möglich auf koordinierte Weise zu erfolgen hat (vgl. Ur-
teil  des Bundesverwaltungsgerichts  E-1265/2010 vom 14. April  2010 
E. 5.3 mit Hinweis auf EMARK 1999 Nr. 1 E. 4 S. 6 f.),

dass das BFM vorliegend zwar die Wegweisung und den Vollzug nicht 
für alle Familienmitglieder gleichzeitig anordnete, weil die Beschwerde-
führerin ihr Asylgesuch erst nach dem Erlass der Verfügung betreffend 
ihre  Eltern  und Geschwister  einreichte,  jedoch  die  Verfahren koordi-
niert  behandelte,  indem es sowohl  in seiner Vernehmlassung betref-
fend die Eltern der Beschwerdeführerin vom 30. Juni 2010 als auch in 
der angefochtenen Verfügung vom 17. August 2010 den gleichzeitigen 
Wegweisungsvollzug aller Familienmitglieder anordnete,

dass  damit  zwar  dem  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  genügend 
Rechnung getragen wurde,

dass die Vorinstanz in Ziffer 3 des Dispositivs aber konsequenterweise 
keine Ausreisefrist (Tag nach Beschwerdefrist) hätte ansetzen dürfen, 
sondern dies dem Kanton in Koordination mit den Eltern hätte überlas-
sen müssen,

dass auch  dieser  Verfahrensfehler  jedoch als  auf  Beschwerdeebene 
geheilt betrachtet werden kann,

dass nämlich die vorliegende Beschwerde unter Berücksichtigung des 
Grundsatzes der Einheit der Familie – wie erwähnt – mit den Verfahren 
der Eltern und Geschwister der Beschwerdeführerin in den gleichzeitig 
ergehenden  Urteilen  D-1429/2010  und  D-1430/2010  koordiniert  be-
handelt wird,

dass die Beschwerdeführerin weiter  keine Gründe geltend macht, die 
in rechtserheblicher Weise gegen den Wegweisungsvollzug nach Un-

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garn sprechen, und sich ein Selbsteintritt nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-
VO aus humanitären Gründen (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG in Verbin-
dung  mit  Art.  29a  der  Asylverordnung 1  vom 11. August  1999  über 
Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) nicht aufdrängt,

dass  die  gesundheitlichen  Beschwerden  der  Beschwerdeführerin  in 
Ungarn behandelt  werden können, wo nach Erkenntnis des Bundes-
verwaltungsgerichts die medizinische Versorgung gewährleistet ist (Ur-
teil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D-772/2010  vom  19. Feb-
ruar 2010),

dass Ungarn sodann Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 
über die Rechtsstellung der  Flüchtlinge (FK,  SR 0.142.30) wie auch 
der EMRK ist, und keinerlei Anhaltspunkte vorliegen, wonach sich Un-
garn nicht an die daraus resultierenden völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen hält,

dass an dieser Einschätzung auch das Urteil des Tribunal Administratif 
de Paris vom 28. Juli 2010 nichts zu ändern vermag, zumal die spezifi-
schen Umstände jedes Einzelfalls ausschlaggebend sind und die Be-
schwerdeführerin  –  wie  erwähnt  –  persönlich  keine  Gründe  geltend 
macht, die in rechtserheblicher Weise gegen den Wegweisungsvollzug 
nach Ungarn sprechen,

dass  das  BFM folglich  zu  Recht  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht einge-
treten ist,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 
hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegwei-
sung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und dem-
nach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi-
gen Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

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dass  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegwei-
sungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG vielmehr 
bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretens-
entscheides bildet,  und sich auch die Frage der Zumutbarkeit  in sol-
chen Verfahren nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG, 
sondern ebenfalls vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen ei-
ner allfälligen Prüfung des Selbsteintrittsrechts aus humanitären Grün-
den (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 29a AsylV 1) stellt,

dass eine entsprechende Prüfung somit  – soweit notwendig  –  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss (vgl. vor-
stehende Erwägungen),

dass im Sinne dieser  Ausführungen der Vollzug der  Wegweisung im 
Einklang mit den massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen steht,

dass es der Beschwerdeführerin demnach nicht gelungen ist,  darzu-
tun,  inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist,

dass  die  Anträge um Erlass  des Kostenvorschusses angesichts  des 
vorliegenden Entscheides in der Hauptsache gegenstandslos sind,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich der 
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) wären,

dass in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG i. V. m. Art. 6 Bst. b 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) je-
doch vorliegend keine Kosten aufzuerlegen sind, da die Beschwerde-
führerin  aufgrund  eines  Verfahrensmangels,  welcher  erst  auf  Be-
schwerdeebene geheilt wurde, nur durch das Ergreifen eines Rechts-
mittels  zu einem rechtskonformen Entscheid gelangt  ist,  und ihr  da-
raus  kein  finanzieller  Nachteil  erwachsen  darf  (vgl.  BVGE  2008/47 
E. 5.1 S. 680 f., BVGE 2007/9 E. 7.2 S. 109),

dass damit  das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos geworden 
ist,

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dass angesichts der vorstehenden Ausführungen der Beschwerdefüh-
rerin schliesslich trotz des Umstandes, dass sie im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren letztlich mit  ihren Rechtsbegehren nicht  durchge-
drungen  ist,  eine  angemessene  Parteientschädigung  für  die  ihr  aus 
der Beschwerdeführung erwachsenen, notwendigen Kosten zuzuspre-
chen ist,

dass der Rechtsvertreter in der Kostennote vom 19. August 2010 den 
zeitlichen  Aufwand  für  das  Beschwerdeverfahren  auf  5  Stunden  à 
Fr. 180.– bezifferte und Auslagen von Fr. 20.– geltend machte,

dass der Zeitaufwand jedoch in Anbetracht des Umfangs und der Kom-
plexität der Sache nicht in vollem Umfang notwendig erscheint, wes-
halb von einem notwendigen zeitlichen Aufwand von 3 Stunden und 
30 Minuten auszugehen ist,

dass demnach die vom BFM auszurichtende Parteientschädigung auf 
insgesamt Fr. 650.– (inklusive Auslagen) festzusetzen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 12

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3.
Das BFM hat der Beschwerdeführerin für  das Verfahren vor der Be-
schwerdeinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 650.– auszurichten.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- ...

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner

Versand: 

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