# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3a0d77a0-620b-5684-901d-4105281eae3d
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 17.05.2022 SST.2021.217
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-217_2022-05-17.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2021.217 
(ST.2020.90; StA.2020.809) 

 

 

Urteil vom 17. Mai 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier 

Oberrichter Cotti  

Gerichtsschreiberin i.V. Flütsch       

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1972,  

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Remo Busslinger,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Widerhandlung gegen das Brandschutzgesetz 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erliess am 1. Juli 2020 folgenden 

Strafbefehl gegen den Beschuldigten:  

 

Fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst 
 
Der Beschuldigte hat im Jahr 2017 oder 2018 in der Tiefgarage seines 
Einfamilienhauses […] in R. einen Partyraum eingerichtet. Dafür hat er ein 
Elektrokabel vom Waschraum durch ein Loch in der Wand zum Partyraum 
gezogen. Diese Elektroinstallation wurde durch keine entsprechend 
ausgebildete Fachperson geprüft und entsprach auch nicht den 
Sicherheitsvorschriften. An das Elektrokabel schloss der Beschuldigte eine 
Steckerleiste und daran wiederum zwei Heizschirme an. Weiter waren 
noch diverse EDV-Geräte an der Steckerleiste eingesteckt. Die 
Steckerleiste war für 2300 W ausgelegt, die beiden Heizschirme 
benötigten jedoch zusammen 4200 W, womit die Steckerleiste massiv 
überlastet wurde. Aufgrund dieser Überbelastung kam es dann am 19. 
Oktober 2019 im Partyraum zu einem Brand, nachdem der 13-jährige 
Sohn des Beschuldigten die beiden Heizpilze in Betrieb genommen hatte. 
Dieser Brand konnte durch den Beschuldigten nicht mehr aus eigener Kraft 
gelöscht werden, weshalb die Feuerwehr anvisiert wurde. Am Haus 
entstand ein Sachschaden in der Höhe von ca. Fr. 200'000. 
 
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: 
 
Art. 222 Abs. 1 StGB 
 
Der Beschuldigte wird verurteilt zu: 
 
1. 
Einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 760.00, bedingt 
aufgeschoben bei einer Probezeit von 3 Jahren. 
 
2. 
Einer Busse von CHF 7'000.00. 
 
Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine 
Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen. 
 
3. 
Den Kosten 
- Strafbefehlsgebühr  CHF  800.00 
 
Rechnungsbetrag CHF  7'800.00 
 
Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen, 
wird separat verfügt.  
 
4. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 

 - 3 - 

 

 

5. 
Das Urteil wird im Strafregister eingetragen.  
[…] 

 

1.2. 

Gegen diesen Strafbefehl erhob der Beschuldigte am 10. Juli 2020 

Einsprache. Die Staatsanwaltschaft hielt in der Folge am Strafbefehl fest 

und überwies diesen samt den Akten zur Durchführung des Haupt-

verfahrens an das Bezirksgericht Kulm.  

 

2. 

2.1. 

Mit Verfügung des Gerichtspräsidiums Kulm vom 18. Dezember 2020 wies 

dieses die Anklage zur Ergänzung an die Staatsanwaltschaft zurück.  

 

2.2. 

Am 29. Januar 2021 ergänzte die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt 

folgendermassen (Änderungen kursiv): 

 

Fahrlässige Verursachung einer Feuerbrunst 

 

Der Beschuldigte hat im Jahr 2017 oder 2018 in der Tiefgarage seines 
Einfamilienhauses […] in R. einen Partyraum eingerichtet. Dafür hat er ein 
Elektrokabel vom Waschraum durch ein Loch in der Wand zum Partyraum 
gezogen. Diese Elektroinstallation wurde durch keine entsprechend 
ausgebildete Fachperson geprüft und entsprach auch nicht den 
Sicherheitsvorschriften. An das Elektrokabel schloss der Beschuldigte eine 
Steckerleiste und daran wiederum zwei Heizschirme an. Weiter waren 
noch diverse EDV-Geräte an der Steckerleiste eingesteckt. Die 
Steckerleiste war für 2300 W ausgelegt, die beiden Heizschirme 
benötigten jedoch zusammen 4200 W, womit die Steckerleiste massiv 
überlastet wurde. Indem der Beschuldigte diese Elektroinstallation nicht 
durch eine Fachperson prüfen liess und die Steckerleiste, welche für 2300 
W ausgelegt ist, mit über 4200 W belastete, hat er pflichtwidrig gehandelt. 
Aufgrund dieser Überbelastung kam es dann am 19. Oktober 2019 im 
Partyraum zu einem Brand, nachdem der 13-jährige Sohn des 
Beschuldigten die beiden Heizpilze in Betrieb genommen hatte. Dies war 
für den Beschuldigten voraussehbar, so gehört es zum Allgemeinwissen, 
dass nicht fachgerechte Elektroinstallationen gefährlich sind. Weiter hätte 
er diesen Brand verhindern können, wenn er die Elektroinstallation durch 
eine Fachperson hätte prüfen lassen und die Steckerleiste mit den 
Heizpilzen nicht überlastet hätte. Den Brand konnte der Beschuldigte nicht 
mehr aus eigener Kraft löschen, weshalb die Feuerwehr anvisiert wurde. 
Am Haus entstand ein Sachschaden in der Höhe von ca. Fr. 200'000. 

 

2.3. 

Am 15. Juni 2021 fand die Hauptverhandlung vor dem Präsidenten des 

Bezirksgerichts Kulm statt. Dieser erkannte gleichentags: 

 

 - 4 - 

 

 

1. 
Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der fahrlässigen Verursachung einer 
Feuersbrunst gemäss Art. 222 Abs. 1 StGB freigesprochen. 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig der Widerhandlung gegen das aargauische 
Brandschutzgesetz (BSG) gemäss § 26 und 7 i.V.m. § 1 der kantonalen 
Brandschutzverordnung (BSV) i.V.m. Ziff. 3 der Brandschutzrichtlinien 12-
15 (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen).  
 
3. 
3.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 erwähnten Bestimmun-
gen und gestützt auf Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 2'000.00 verur-
teilt. 
 
3.2. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe 
von 20 Tagen vollzogen. 
 
4. 
Die Verfahrenskosten bestehend aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 800.00 
b) der Anklagegebühr von  Fr.  900.00 
c) den anderen Auslagen Fr.  66.00 
Total Fr.  1'766.00 
 
werden dem Beschuldigten auferlegt. 
 
5. 
Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber. 

 

2.4. 

Gegen dieses ihm am 25. Juni 2021 im Dispositiv zugestellte Urteil meldete 

der Beschuldigte am 2. Juli 2021 Berufung an. Das begründete Urteil wurde 

ihm am 24. August 2021 zugestellt. 

 

3. 

3.1. 

Am 13. September 2021 erklärte der Beschuldigte Berufung mit folgenden 

Anträgen: 

 

1. 
Ziff. 2, 3.1., 3.2., 4 und 5 des Dispositives des Urteils des Bezirksgerichts 
Kulm vom 15. Juni 2021 (Verfahren Nr. aaa) seien aufzuheben und der 
Berufungskläger sei vollumfänglich freizusprechen. 
 
2. 
Die Verfahrenskosten sind auf die Staatskasse zu nehmen und die Kosten 
der Verteidigung in der Höhe von CHF 12'592.00 (inkl. MwSt. und 
Auslagen) sind dem Berufungskläger zu entschädigen. 
 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.) zu Lasten des 
Staates. 

 - 5 - 

 

 

 

3.2. 

Mit Berufungsantwort vom 12. Oktober 2021 beantragte die Staatsan-

waltschaft die Abweisung der Berufung. 

 

3.3. 

Mit Verfügung vom 8. November 2021 teilte der Verfahrensleiter den 

Parteien mit, dass entgegen der ursprünglichen Annahme kein 

Anwendungsfall von Art. 398 Abs. 4 StPO vorliege, weshalb das Ober-

gericht den Fall in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfe. 

Gleichzeitig wurden die Parteien um Mitteilung ersucht, ob sie mit der 

Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstanden sind. Unter 

gleichem Datum wurde der Starkstrominspektor ersucht, verschiedene 

technische Normen einzureichen. Diese gingen am 10. November 2021 

ein. 

 

3.4. 

Mit Verfügung des Verfahrensleiters vom 15. November 2021 wurde der 

Starkstrominspektor um zusätzliche Auskünfte ersucht. Der entsprechende 

Bericht ging am 10. Dezember 2021 beim Obergericht ein.  

 

3.5. 

Mit Eingabe vom 18. November 2021 beantragte der Beschuldigte das 

mündliche Verfahren.  

 

3.6. 

Am 17. Mai 2022 fand die Berufungsverhandlung mit persönlicher 

Befragung des Beschuldigten statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1.  

Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren einen vollumfänglichen 

Freispruch. Damit einhergehend sind auch die Kosten- und 

Entschädigungsfolgen angefochten. Unangefochten geblieben und 

deshalb nicht mehr zu überprüfen ist der vorinstanzliche Freispruch vom 

Vorwurf der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst gemäss 

Art. 222 Abs. 1 StGB (Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

2.  

Da auch ein Vergehen Gegenstand des vorinstanzlichen Hauptverfahrens 

bildete, kann das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil in allen 

angefochtenen Punkten umfassend prüfen. Die Einschränkung der 

Kognition gemäss Art. 398 Abs. 4 StPO greift nicht.  

 

 - 6 - 

 

 

3.  

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der Widerhandlung gegen § 26 und 

§ 7 gemäss dem (aargauischen) Gesetz über den vorbeugenden 

Brandschutz vom 21. Februar 1989 (Brandschutzgesetz, BSG; SAR 

585.100) i.V.m. § 1 der kantonalen Brandschutzverordnung vom 23. März 

2005 (BSV; SAR 585.113) und Ziff. 3 der Brandschutzrichtlinien 12-15 der 

Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen schuldig gesprochen. Die 

Vorinstanz erwog im Wesentlichen, der Beschuldigte habe in der 

Tiefgarage seines Einfamilienhauses einen Partyraum eingerichtet. Die 

von ihm in diesem Zusammenhang erstellte Elektroinstallation habe den 

gesetzlichen Vorschriften nicht genügt. Durch diese Installation habe für 

brennbare Gebäudeteile oder andere Gegenstände eine erhebliche 

Entzündungsgefahr bestanden, weshalb es in der Folge auch zu einem 

Brandausbruch gekommen sei (vorinstanzliches Urteil E. 3.2.3). Der 

Beschuldigte beantragt einen Freispruch.  

 

4.  

4.1.  

Der Beschuldigte rügt zunächst eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. 

Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, eine Verurteilung wegen 

eines anderen als des in der Anklage genannten Straftatbestands sei dann 

möglich, wenn die tatsächlichen Umstände, die zur Subsumtion benötigt 

würden, in der Anklageschrift vollständig aufgeführt seien. Daran fehle es 

im konkreten Fall. Vorliegend seien weder die tatsächlichen Umstände, die 

zur Subsumtion benötigt würden, vorhanden, noch habe die Vorinstanz 

eine konkrete Subsumtion vorgenommen. Es sei zudem fraglich, ob 

Brandschutzvorschriften der VKF als Quellen von Sorgfaltsnormen und 

damit als Grundlage für eine Bestrafung in Frage kämen (Berufungs-

begründung Ziffern 39 ff.). 

 

4.2.  

Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 

und 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und in Art. 9 Abs. 1 StPO 

festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den 

Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage 

hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem 

Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver 

und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt 

das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der 

angeschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör 

(Informationsfunktion). Die Anklageschrift bezeichnet u.a. möglichst kurz, 

aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit 

Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung 

(Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_748/2017 vom 

30. Mai 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Solange für die beschuldigte Person 

klar ist, welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen wird, kann auch eine 

 - 7 - 

 

 

fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem 

Schuldspruch kommen darf. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt 

an Schranken; es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich 

festzustellen. Das Gericht ist an den in der Anklage umschriebenen 

Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung 

gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_941/2018 

vom 6. März 2019 E. 1.2.1 mit Hinweisen).   

 

4.3.  

In der ergänzten Anklage vom 29. Januar 2021 wird dem Beschuldigten 

vorgeworfen, dass er eine Elektroinstallation in Betrieb genommen hat, die 

nicht den Sicherheitsvorschriften entsprach und die er auch nicht durch 

eine Fachperson habe prüfen lassen. Dabei hätte er – so der Anklage-

vorwurf – wissen müssen, dass nicht fachgerechte Elektroinstallationen 

gefährlich sind (GA act. 17 f.). Der Beschuldigte hätte den Brand gemäss 

den Ausführungen in der ergänzten Anklage verhindern können, wenn er 

die Elektroinstallation durch eine Fachperson hätte prüfen lassen und die 

Steckerleiste mit den Heizpilzen nicht überlastet hätte. 

 

Zwar wurde in der Anklageschrift nicht detailliert dargelegt, inwiefern die 

vom Beschuldigten erstellte und in Betrieb genommene Elektroinstallation 

den gesetzlichen Anforderungen nicht genügte. Aufgrund des Fachberichts 

des Starkstrominspektors vom 1. November 2019 musste dem Beschul-

digten jedoch zu jedem Zeitpunkt klar sein, was ihm diesbezüglich 

vorgeworfen wird, nämlich, dass er ein Verlängerungskabel und Steck-

dosenleisten mit einem Kabelquerschnitt von 1 mm2 fest verlegt hat; dass 

er ein entzündbares Kabel zwischen zwei Brandabschnitten verlegt und 

durch eine Wand geführt hat; dass er (zwei) Steckdosenleisten 

hintereinander geschaltet hat; und dass er veraltete Steckdosenleisten 

verwendet hat, die keinen Überstromschutz aufweisen. Ferner wird 

ausgeführt, der Beschuldigte habe die beiden Steckdosenleisten mit 10 A 

Nennstrom mit 180% Nennstrom dauerhaft belastet und damit die 

Herstellervorgaben missachtet (UA act. 37 f.).  

 

Im konkreten Fall blieb die Vorinstanz mit ihrem Schuldspruch innerhalb 

der ergänzten Anklage. Ob die Vorinstanz den Sachverhalt genügend 

abklärte, sie die Subsumtion ausreichend begründete und sie auf die 

Brandschutzvorschriften der Vereinigung der Kantonalen Feuerver-

sicherungen (VKF) abstellen durfte, betrifft nicht den Anklagegrundsatz.  

 

5.  

5.1.  

Der Beschuldigte macht ferner geltend, die Vorinstanz habe ihre 

Begründungspflicht verletzt, indem sie die rechtliche Subsumtion nicht 

genügend begründet habe. Aus dem angefochtenen Entscheid gehe 

insbesondere nicht hervor, inwiefern die fragliche Elektroinstallation 

 - 8 - 

 

 

rechtswidrig gewesen sei und für welche brennbaren Gebäudeteile oder 

Gegenstände durch diese eine erhebliche Entzündungsgefahr bestanden 

habe. Die Vorinstanz habe es ferner unterlassen, die Ursache der 

Feuersbrunst zu klären. Das Urteil sei aus diesem Grund aufzuheben 

(Berufungsbegründung Ziffern 26 ff.). 

 

5.2. 

Eine Aufhebung und Rückweisung des Verfahrens ist nur möglich, wenn 

das erstinstanzliche Verfahren wesentliche Mängel aufweist, die im 

Berufungsverfahren nicht geheilt werden können (Art. 409 Abs. 1 StPO). 

Nachdem das Berufungsgericht die angefochtenen Punkte im vorliegenden 

Verfahren umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO) und ein 

reformatorisches Urteil (Art. 408 StPO) fällen kann, wären allfällige 

Begründungsmängel ohne weiteres heilbar. Die damit verbundene 

Verkürzung des Instanzenzugs ist hinzunehmen. Schon aus diesem Grund 

fällt die beantragte Aufhebung des angefochtenen Urteils ausser Betracht.  

 

5.3. 

Soweit der Beschuldigte geltend macht, die Vorinstanz habe es 

unterlassen, die Ursache der Feuersbrunst zu klären, beruft er sich 

sinngemäss auf eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach 

Art. 6 StPO. Dabei verkennt er, dass ein Schuldspruch wegen einer 

Widerhandlung gegen die Brandschutzvorschriften i.S.v. § 26 

Brandschutzgesetz keinen Brand voraussetzt. Es handelt sich dabei 

vielmehr um ein abstraktes Gefährdungsdelikt. Die Brandschutz-

bestimmungen, deren Verletzung unter Strafe gestellt wird, dienen dem 

vorbeugenden Brandschutz.  

 

Es besteht somit unter den Aspekten des rechtlichen Gehörs und des 

Untersuchungsgrundsatzes kein Anlass, das Verfahren an die Vorinstanz 

zurückzuweisen.  

 

6.  

6.1. 

6.1.1. 

Das (aargauische) Brandschutzgesetz bezweckt den Schutz von 

Personen, Tieren und Sachen gegen Brand- und Explosionsschäden (§ 1). 

Jedermann hat im Umgang mit Wärme, Licht und anderen Energiearten die 

notwendige Vorsicht walten zu lassen, um Brände und Explosionen zu 

vermeiden (§ 2 Abs. 1). Gebäude, Lager und andere Anlagen sind 

zusammen mit den Betriebseinrichtungen so zu erstellen, zu betreiben und 

zu unterhalten, dass (a) der Entstehung von Bränden und Explosionen 

sowie der Ausbreitung von Flammen, Hitze und Rauch ausreichend 

vorgebeugt wird; (b) die Sicherheit von Personen gewährleistet ist; (c) 

Umwelt- und Gesundheitsschäden als Folge von Bränden vermieden 

werden; (d) Tiere und Sachgüter genügend geschützt sind; (e) eine 

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wirksame Brandbekämpfung ermöglicht wird (§ 3 Abs. 1 mit der Marginalie 

"baulicher und betrieblicher Brandschutz"). Die Vorschriften über den 

baulichen und betrieblichen Brandschutz richten sich an Eigentümer, 

Besitzer, Benützer und überdies an alle Personen, die bei Bau, Betrieb oder 

Unterhalt eines Gebäudes oder einer Anlage tätig sind (§ 7).  

 

6.1.2.  

Gemäss § 1 der (aargauischen) Brandschutzverordnung gelten im Bereich 

des vorbeugenden Brandschutzes (a) die Brandschutznorm und die 

Brandschutzrichtlinien, wie sie vom Interkantonalen Organ Technische 

Handelshemmnisse (IOTH) gestützt auf Art. 6 der Interkantonalen 

Vereinbarung zum Abbau technischer Handelshemmnisse (IVTH) vom 

23.  Oktober 1998 beschlossen wurden und (b) die Bestimmungen dieser 

Verordnung. Die Brandschutzvorschriften der Vereinigung Kantonaler 

Feuerversicherungen (VKF) wurden durch das IOTH mittels Beschluss vom 

18. September 2014 als verbindlich erklärt und in Kraft gesetzt. Soweit 

einzelne Brandschutzrichtlinien seither durch die VKF revidiert wurden, hat 

das IOTH diese Änderungen ebenfalls für verbindlich erklärt (vgl. unter 

https://www.bsvonline.ch/de/vorschriften/, zuletzt abgerufen am 

15. Dezember 2021). Damit kann entgegen der Auffassung des 

Beschuldigten auf die VKF-Brandschutzvorschriften abgestellt werden.  

 

6.1.3.  

Die Brandschutznorm 1-15 der VKF vom 1. Januar 2015 (abrufbar unter 

https://www.bsvonline.ch/de/vorschriften/, zuletzt abgerufen am 

15. Dezember 2021) umschreibt die Schutzziele in Art. 8 wie folgt: Bauten 

und Anlagen sind so zu erstellen, zu betreiben und instand zu halten, das 

(a.) die Sicherheit von Personen und Tieren gewährleistet ist; (b.) der 

Entstehung von Bränden und Explosionen vorgebeugt und die Ausbreitung 

von Flammen, Hitze und Rauch begrenzt wird; (c.) die Ausbreitung von 

Feuer auf benachbarte Bauten und Anlagen begrenzt wird; (d.) die 

Tragfähigkeit während eines bestimmten Zeitraums erhalten bleibt; (e.) 

eine wirksame Brandbekämpfung vorgenommen werden kann und die 

Sicherheit der Rettungskräfte gewährleistet wird. Art. 19 äussert sich 

sodann zur Sorgfaltspflicht wie folgt: Mit Feuer und offenen Flammen, 

Wärme, Elektrizität und anderen Energiearten, feuer- oder explosions-

gefährlichen Stoffen sowie mit Maschinen, Apparaten usw. ist so 

umzugehen, dass keine Brände oder Explosionen verursacht werden oder 

entstehen können (Abs. 1). Eigentümer- und Nutzerschaft von Bauten und 

Anlagen sorgen in Eigenverantwortung dafür, dass die Sicherheit von 

Personen und Sachen gewährleistet ist (Abs. 2). Nach Art. 20 

Brandschutznorm sind Eigentümer- und Nutzerschaft von Bauten und 

Anlagen dafür verantwortlich, dass Einrichtungen für den baulichen, 

technischen und abwehrenden Brandschutz sowie haustechnische 

Anlagen bestimmungsgemäss in Stand gehalten und jederzeit 

betriebsbereit sind. Wer andere beaufsichtigt, sorgt dafür, dass diese 

https://www.bsvonline.ch/de/vorschriften/

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instruiert sind und die nötige Vorsicht walten lassen (Art. 21 Brand-

schutznorm). Nach Art. 48 sind haustechnische Anlagen, worunter auch die 

elektrischen Anlagen gehören (Art. 47 lit. d), so auszuführen und 

aufzustellen, dass sie einen gefahrlosen, bestimmungsgemässen Betrieb 

gewährleisten, und dass Schäden im Störungsfall begrenzt bleiben 

(Abs. 1). Sie müssen dem Stand der Technik entsprechen und den 

auftretenden thermischen, chemischen und mechanischen Bean-

spruchungen genügen (Abs. 2). Nach Art. 55 sind Eigentümer- und Nutzer-

schaft verantwortlich, dass organisatorisch und personell sämtliche 

Massnahmen getroffen werden, die zur Gewährleistung einer aus-

reichenden Brandsicherheit notwendig sind. 

 

Die Brandschutzrichtlinie "Brandverhütung und organisatorischer 

Brandschutz" 12-15 (abrufbar unter https://www.bsvonline.ch/de/vor-

schriften/, zuletzt abgerufen am 15. Dezember 2021) enthält in Ziffer 2 

folgende Grundsätze: Mit Feuer und offenen Flammen, Wärme, Elektrizität 

und anderen Energiearten, feuer- oder explosionsgefährlichen Stoffen 

sowie mit Maschinen, Apparaten usw. ist so umzugehen, dass keine 

Brände oder Explosionen verursacht werden oder entstehen können 

(Abs. 1). Eigentümer- und Nutzerschaft von Bauten und Anlagen sorgen in 

Eigenverantwortung dafür, dass die Sicherheit von Personen und Sachen 

gewährleistet ist. Eigentümer- und Nutzerschaft von Bauten und Anlagen 

sind dafür verantwortlich, dass Einrichtungen für den baulichen, 

technischen und abwehrenden Brandschutz sowie haustechnische 

Anlagen bestimmungsgemäss in Stand gehalten und jederzeit betriebs-

bereit sind (Abs. 3).  

 

6.2. 

Für den Bereich von Niederspannungsinstallationen umschreibt ferner 

Art. 3 der (eidgenössischen) Verordnung über elektrische Niederspan-

nungsinstallationen vom 7. November 2001 (Niederspannungs-Instal-

lationsverordnung, NIV, SR 734.27) die grundlegenden Anforderungen an 

die Sicherheit wie folgt: Elektrische Installationen müssen nach den 

anerkannten Regeln der Technik erstellt, geändert, in Stand gehalten und 

kontrolliert werden. Sie dürfen bei bestimmungsgemässem und möglichst 

auch bei voraussehbarem unsachgemässem Betrieb oder Gebrauch sowie 

in voraussehbaren Störungsfällen weder Personen noch Sachen oder Tiere 

gefährden. Gemäss Art. 5 NIV sorgt der Eigentümer oder der von ihm 

bezeichnete Vertreter dafür, dass die elektrischen Installationen ständig 

diesen Anforderungen von Art. 3 entsprechen. Er muss Mängel 

unverzüglich beheben lassen (Art. 5 Abs. 3 NIV).  

 

6.3.  

Gemäss der technischen Norm SN SEV 1011:2009/A1:2012 (SN = 

nationale Norm; SEV = Schweizerischer Elektrotechnischer Verein, heute 

https://www.bsvonline.ch/de/vorschriften/
https://www.bsvonline.ch/de/vorschriften/

 - 11 - 

 

 

Electrosuisse), die am 1. Dezember 2012 in Kraft trat, müssen Steckdosen-

leisten mit 10 A Bemessungsstrom einen Überstromschutz aufweisen 

(Ziffer 6). Produkte, die nur nach der (ursprünglichen) Norm SN SEV 

1011:2009 und den IEC-Normen (IEC = International Electrotechnical 

Commission) ausgelegt und geprüft worden sind, durften gemäss dem 

Vorwort der Norm SN SEV 1011:2009/A1:2012 noch bis am 31. Dezember 

2015 hergestellt und importiert werden. Gemäss der Mitteilung 3/2013 

"Stecker und Steckdosen für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke" des 

Eidgenössischen Starkstrominspektorats (abrufbar unter https://www.es-

ti.admin.ch/de/dokumentation/esti-mitteilungen/2013, zuletzt abgerufen am 

15. Dezember 2021) mussten die betreffenden Produkte bis am 

31. Dezember 2018 aus dem Verkauf und aus den Läden zurückgezogen 

sein. Entgegen der Annahme des Starkstrominspektors ergibt sich aus 

diesen Rechtsgrundlagen nicht, dass ein Endkunde ein elektrisches 

Erzeugnis, dessen Konformität beim Inverkehrbringen bestätigt worden 

war und das äusserlich keine Sicherheitsmängel aufweist, ab 2012 (oder 

allenfalls 2016) nicht mehr verwenden durfte. Es wäre denn auch 

widersinnig, wenn entsprechende Produkte, die noch keinen Überstrom-

schutz aufwiesen, bis am 31. Dezember 2018 noch verkauft, aber von den 

Endkunden nicht mehr hätten benutzt werden dürfen. Mit der Gewährung 

solcher Übergangsfristen nehmen die Behörden gewisse Risiken aufgrund 

einer Güterabwägung in Kauf. Die Norm SN SEV 1011:2009/A1:2012 

richtet sich zudem an sog. Wirtschaftsakteure (wie Hersteller, Importeure 

und Händler) und nicht an Endkunden (vgl. dazu Art. 2 der 

[eidgenössischen] Verordnung über elektrische Niederspannungs-

erzeugnisse vom 25. November 2015 [NEV, SR 734.26]). Ein Endkunde 

muss sich darauf verlassen können, dass ein Produkt, das die 

Konformitätsprüfung erfolgreich bestanden hat und legal in Verkehr 

gebracht wurde, die Sicherheitsanforderungen erfüllt. Stellt ein Hersteller 

nach dem Inverkehrbringen fest, dass vom Produkt trotz Konformitäts-

erklärung bzw. Zertifizierung eine Gefahr für die Sicherheit oder die 

Gesundheit der Verwender oder Dritter ausgeht, hat er das Produkt dem 

zuständigen Vollzugsorgan zu melden, damit es gegebenenfalls 

zurückgerufen werden kann (vgl. Art. 3-8 des Bundesgesetzes über die 

Produktesicherheit vom 12. Juni 2009 [PrSG, SR 930.11]). Dem Gesagten 

zufolge kann dem Beschuldigten nicht vorgeworfen werden, dass er 

zwischen 2017 und 2018 eine Steckdosenleiste installiert hat, die keinen 

Überstromschutz aufwies.  

 

6.4.  

Die vom Beschuldigten verwendete Steckdosenleiste war für 10 A 

zugelassen. Sie war somit ausgelegt für eine maximale Leistung von 2300 

W (230 V x 10 A). Sie wurde jedoch mit zwei Heizpilzen zu je 2100 W, d.h. 

mit total 4200 W, belastet. Die Steckdosenleiste war damit zu rund 180% 

belastet (4200 W / 2300 W) bzw. zu rund 80% überlastet (vgl. auch Bericht 

Starkstrominspektor vom 21. Oktober 2019, S. 2 f. [act. UA 36 f.]; Bericht 

https://www.esti.admin.ch/de/dokumentation/esti-mitteilungen/2013
https://www.esti.admin.ch/de/dokumentation/esti-mitteilungen/2013

 - 12 - 

 

 

Starkstrominspektor vom 5. Dezember 2021, S. 4). In der ergänzten 

Anklage wird dem Beschuldigten zwar vorgeworfen, er habe die 

Steckdosenleiste übermässig belastet, es war jedoch nachweislich nicht 

der Beschuldigte selbst, der die beiden Heizpilze am Tag des Brandes in 

Betrieb gesetzt hat (vgl. UA act. 43 f., Frage 7), weshalb dem Beschuldigten 

nicht vorgeworfen kann, er habe die Elektroinstallation selber überlastet. 

Nicht rechtsgenüglich angeklagt ist der denkbare Vorwurf, der Beschuldigte 

habe seinen Sohn nicht hinreichend instruiert oder er habe zu wenig 

Rücksicht genommen auf einen voraussehbaren Fehlgebrauch der Anlage 

durch eine Drittperson. Auch in dieser Hinsicht kann dem Beschuldigten 

somit keine Widerhandlung i.S.v. § 26 des aargauischen Brandschutz-

gesetzes (BSG) vorgeworfen werden. 

 

6.5.  

Ein Kabel muss unter anderem so beschaffen sein, dass es nicht 

wesentlich zur Brandentwicklung beiträgt. Baustoffe werden nach ihrem 

Brandverhalten in die Klassen A1, A2, B, C, D und E eingeteilt. Der Beitrag 

zum Brand nimmt von der Klassifikation A1 nach Klassifikation E zu (Ziffer 

2.2.2 der Brandschutzrichtlinie "Baustoffe und Bauteile" 13-15 der VKF vom 

1. Januar 2015, abrufbar unter https://www.bsvonline.ch/de/vorschriften/, 

zuletzt abgerufen am 15. Dezember 2021). Das fragliche Kabel mit 

Isolierhüllen und Mantel aus PVC weist nach Feststellungen des 

Starkstrominspektors die Brandklasse E bzw. Eca auf ("ca" weist auf die 

[hier nicht weiter interessierende] Korrosivität bzw. auf die Gefahr des 

Auftretens korrosiver Brandgase hin). Der Buchstabe E steht für 

Bauprodukte, die in der Lage sind, für eine kurze Zeit dem Angriff durch 

eine kleine Flamme ohne wesentliche Flammenausbreitung standzuhalten 

(Anhang zu Ziff. 2.2.2 der Brandschutzrichtlinie "Baustoffe und Bauteile" 

13-15). Der Buchstabe E weist somit auf eine vergleichsweise leichte 

Entzündbarkeit hin (Bericht Starkstrominspektor vom 5. Dezember 2021 

S. 5). Es macht grundsätzlich Sinn, dass leicht entzündbare Kabel nur 

innerhalb eines Brandabschnitts verlegt werden dürfen, besteht doch sonst 

die Gefahr, dass der Brand über das entzündbare Kabel von 

Brandabschnitt zu Brandabschnitt voranschreitet. Vorliegend zog der 

Beschuldigte das fragliche Kabel vom Waschraum seines Einfamilien-

hauses durch ein Loch in der Trennwand in die Tiefgarage, die mit dem 

Doppeleinfamilienhaus verbunden ist (UA act. 16 f.). Zwischen der 

Einstellhalle und den angrenzenden Wohneinheiten sind Brandabschnitte 

zu bilden (vgl. Ziff. 3.7.3 und 3.7.12 der Brandschutzrichtlinie "Brandschutz-

abstände Tragwerke Brandabschnitte" 15-15 vom 1. Januar 2017). Mithin 

zog der Beschuldigte das fragliche Kabel von einem Brandabschnitt in 

einen anderen. Jedoch vermochte die Staatsanwaltschaft im konkreten Fall 

nicht nachzuweisen, dass das vom Beschuldigten verwendete Kabel den 

Anforderungen an die Flammwidrigkeit gemäss EN 60332 (EN = 

europäische Norm) nicht genügt. Der blosse Hinweis des Starkstromin-

spektors auf die Brandklasse Eca vermag noch keinen Verstoss gegen Ziffer 

https://www.bsvonline.ch/de/vorschriften/

 - 13 - 

 

 

5.2.7.1.4 NIN 2015 zu belegen. Gemäss Ziffer 5.2.7.1.4 NIN 2020 gilt das 

vorgenannte Verbot im Übrigen nur für Kabel, die nicht wenigstens die 

Anforderungen gemäss SN EN 60332-1-2 oder mindestens der Klasse Eca 

entsprechen (SN EN = nationale Übernahme einer europäischen Norm). 

Weil das fragliche Kabel gemäss den Feststellungen des Starkstromin-

spektors der Klasse Eca entspricht (Bericht vom 5. Dezember 2021, S. 2), 

lässt sich auch aus dieser neuen Regelung nicht ableiten, es dürfte nicht 

von einem Brandabschnitt in den anderen führen.  

 

6.6. 

6.6.1. 

Gemäss Ziffer 5.2.1.5.8 der Niederspannungs-Installationsnorm 2015 

(NIN; SN 411000:2015), die mittlerweile durch die NIN 2020 (SN 

411000:2020) abgelöst wurde, dürfen ortsveränderliche Leitungen generell 

nicht durch Wände geführt werden. Bei der NIN handelt es sich um eine 

private technische Normung des Schweizerischen Elektrotechnischen 

Vereins (heute Electrosuisse). Privaten technischen Normen fehlt 

grundsätzlich die rechtliche Verbindlichkeit. Sie können jedoch indirekt 

Rechtswirkungen erzielen, wenn das anwendbare Recht auf solche 

Normen verweist. Das ist hier der Fall. Art. 3 NIV hält unter der Marginalie 

"Grundlegende Anforderungen an die Sicherheit" das Folgende fest: 

Elektrische Installationen müssen nach den anerkannten Regeln der 

Technik erstellt, geändert, in Stand gehalten und kontrolliert werden. Sie 

dürfen bei bestimmungsgemässem und möglichst auch bei vorausseh-

barem unsachgemässem Betrieb oder Gebrauch sowie in voraussehbaren 

Störungsfällen weder Personen noch Sachen oder Tiere gefährden (Abs. 

1). Als anerkannte Regeln der Technik gelten insbesondere die Normen 

von IEC (International Electrotechnical Commission) und CENELEC 

(Comité Européen de Normalisation ELECtrotechnique). Wo international 

harmonisierte Normen fehlen, gelten die schweizerischen Normen (Abs. 2). 

Die NIN stellte eine solche schweizerische Norm dar, die den Stand der 

Technik widergibt. Entsprechend hat sie auch im konkreten Fall Geltung. 

Es ist deshalb zu prüfen, ob dem Beschuldigten eine Widerhandlung gegen 

§ 26 BSG vorzuwerfen ist, weil er ein ortsveränderliches Kabel durch die 

Wand gezogen hat.  

 

6.6.2. 

Bei der vorgenannten Verletzung der Brandschutzbestimmungen handelt 

es sich um eine Übertretung. Die Strafverfolgung und Strafe verjährt 

gemäss Art. 109 StGB nach drei Jahren, sofern vor Ablauf der 

Verjährungsfrist kein erstinstanzliches Urteil ergangen ist (Art. 97 Abs. 3 

StGB). Es stellt sich vorab die Frage, ob die Verjährung anlässlich des 

vorinstanzlichen Urteils vom 15. Juni 2021 bereits eingetreten war. 

 

Nachdem dem Beschuldigten mit ergänztem Strafbefehl vom 29. Januar 

2021 lediglich die nicht vorschriftsgemässe Installation ("Dafür hat er ein 

 - 14 - 

 

 

Elektrokabel vom Waschraum durch ein Loch in der Wand zum Partyraum 

gezogen"), nicht aber die Inbetriebnahme derselben vorgeworfen wird, ist 

von einem Zustandsdelikt auszugehen. Der Zeitpunkt der Installation wird 

im Anklagesachverhalt sodann auf "im Jahr 2017 oder 2018" eingegrenzt. 

Der Grundsatz der Unschuldsvermutung verbietet es dem Gericht, von 

einem für den Beschuldigten belastenden Sachverhalt auszugehen, wenn 

nach objektiver Würdigung aller Beweise eine für ihn günstigere Tatversion 

vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden kann (BGE 144 IV 345 E. 

2.2.1). Vorliegend ist somit in dubio pro reo davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte die nicht vorschriftsgemässe Installation in seinem Partyraum 

bereits vor dem 15. Juni 2018 und damit mehr als drei Jahre vor dem 

vorinstanzlichen Urteil des 15. Juni 2021 vorgenommen hat und die 

Verjährung gemäss Art. 109 StGB dementsprechend bereits eingetreten 

war. Der Beschuldigte ist damit vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das 

aargauische Brandschutzgesetz (BSG) gemäss § 26 i.V.m. §§ 1-3 und 7 

BSG, § 1 der aargauischen Brandschutzverordnung (BSV); Art. 3 und 5 der 

eidgenössischen Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV); Art. 8, 

19 f., 47 f. und Art. 55 der Brandschutznorm 1-15 der VKF vom 1. Januar 

2015; Ziffern 2 Brandschutzrichtlinie 12-15 "Brandverhütung und 

organisatorischer Brandschutz" der VKF vom 1. Januar 2017 und Ziffer 

5.2.1.5.8 der Niederspannungs-Installationsnorm 2015 (NIN 2015; SN 

411000:2015) freizusprechen. 

 

7. 

7.1. 

Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des 

obergerichtlichen Verfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder 

Unterliegens. Ob eine Partei als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt 

davon ab, in welchem Ausmass ihre Anträge gutgeheissen wurden (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1032/2018 vom 9. Januar 2019 E. 5.2; 

6B_1118/2016 vom 10. Juli 2017 E. 1.2.2).  

 

Die Berufung des Beschuldigten wird vorliegend gutgeheissen und er 

obsiegt mit seinem Antrag auf Freispruch von Schuld und Strafe vollum-

fänglich. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens 

vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

7.2. 

Der Verteidiger des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren aus der 

Staatskasse zu entschädigen (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 

und Abs. 2bis AnwT, § 13 AnwT). Das Gesetz sieht eine Entschädigung 

ausdrücklich nur für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte vor, 

weshalb sich der vom Verteidiger betriebene Aufwand als angemessen 

darstellen muss. 

 

 - 15 - 

 

 

Mit an der Berufungsverhandlung vom 17. Mai 2022 eingereichter 

Kostennote macht der Verteidiger lic. iur. Remo Busslinger, Rechtsanwalt 

in […], einen Aufwand von 21.25 Stunden à Fr. 280.00, Auslagen von 

Fr. 178.50 sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer von 7.7%, gesamthaft 

somit Fr. 6'640.00 geltend. Dieser Aufwand erweist sich als überhöht und 

ist zu reduzieren. 

 

Der vom Verteidiger geltend gemachte Aufwand für die Berufungs-

anmeldung im Umfang von 0.5 Stunden ist grundsätzlich in der 

vorinstanzlichen Kostennote auszuweisen und daher in der Kostennote des 

Berufungsverfahrens zu streichen. Dies ergibt sich bereits daraus, dass 

wenn die Berufung gar nicht erst angemeldet wird, der Verteidiger einen im 

Nachgang zur erstinstanzlichen Urteilseröffnung ergangen Aufwand 

selbstredend nicht bei der Rechtsmittelinstanz in Rechnung stellen kann. 

Des Weiteren war der Verteidiger, welcher den Beschuldigten seit Beginn 

des Strafverfahrens vertrat, mit dem Sachverhalt und den sich in 

tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht stellenden Fragen bereits aus dem 

erstinstanzlichen Verfahren, für das er mit Fr. 12'592.00 zu entschädigen 

ist (vgl. Ziff. 8.2 hiernach), vertraut. Entsprechend geringer ist der 

angemessene Aufwand im Berufungsverfahren zu veranschlagen. Unter 

den vorliegenden Umständen erscheint der vom Verteidiger geltend 

gemachte Aufwand für die Redaktion und Arbeit an der Berufungsantwort 

von 9.17 Stunden als überhöht und ist auch angesichts des Umfangs der 

Berufungsbegründung (ca. 7.5 Seiten) auf 6 Stunden zu kürzen. Der zu 

entschädigende Aufwand beträgt somit 17.58 Stunden. Der für diesen 

Aufwand geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 280.00 ist auf den 

gesetzlich vorgesehenen Stundenansatz von Fr. 220.00 zu kürzen (§ 9 

Abs. 2bis AnwT). Nach dem Gesagten ergibt sich ein aus der Staatskasse 

zu entschädigender Aufwand von Fr. 4'357.65 (inkl. Auslagen und MwSt.). 

 

8. 

8.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Nachdem die Berufung des Beschuldigten vorliegend gutgeheissen wird, 

ist das vorinstanzliche Urteil und damit der Schuldspruch des 

Beschuldigten aufzuheben. Ausgangsgemäss sind die vorinstanzlichen 

Verfahrenskosten vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

8.2. 

Die Höhe der Entschädigung der Verteidigung für das erstinstanzliche 

Verfahren ist im Berufungsverfahren unangefochten geblieben und somit 

keiner Überprüfung zugänglich (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 

vom 28. Januar 2019 E. 2). 

 - 16 - 

 

 

 

Der Beschuldigte ist für seine Parteikosten im erstinstanzlichen Verfahren 

in der Höhe von Fr. 12'592.00 (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der 

Staatskasse zu entschädigen. Im Übrigen trägt der Beschuldigte seine 

Parteikosten selber. 

 

9. 

Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, 

welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der fahrlässigen Verursachung einer 

Feuersbrunst gemäss Art. 222 Abs. 1 StGB freigesprochen. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das 

aargauische Brandschutzgesetz (BSG) gemäss § 26 i.V.m. §§ 1-3 und 7 

BSG, § 1 der aargauischen Brandschutzverordnung (BSV); Art. 3 und 5 der 

eidgenössischen Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV); Art. 8, 

19 f., 47 f. und Art. 55 der Brandschutznorm 1-15 der VKF vom 1. Januar 

2015; Ziffern 2 Brandschutzrichtlinie 12-15 "Brandverhütung und organisa-

torischer Brandschutz" der VKF vom 1. Januar 2017 und Ziffer 5.2.1.5.8 

der Niederspannungs-Installationsnorm 2015 (NIN 2015; SN 411000:2015) 

freigesprochen. 

 

3. 

3.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus der 

Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00 sowie den Auslagen von Fr. 259.60, 

insgesamt Fr. 2'259.60, werden auf die Staatskasse genommen. 

 

3.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten die Kosten 

seiner Verteidigung im Berufungsverfahren mit Fr. 4'357.65 zu 

entschädigen. Im Übrigen trägt der Beschuldigte seine Kosten im 

Berufungsverfahren selber. 

 

4. 

4.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 1'766.00 werden auf die 

Staatskasse genommen. 

 

 - 17 - 

 

 

4.2. 

Dem Beschuldigten sind die Kosten seiner Vertretung im erstinstanzlichen 

Verfahren mit Fr. 12'592.00 aus der Staatskasse zu entschädigen. Im 

Übrigen trägt der Beschuldigte seine Kosten im erstinstanzlichen Verfahren 

selber. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 17. Mai 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

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