# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 34b3d13b-674d-58fc-abc0-796299c91c33
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-22
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 22.09.2020 200 2020 418
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-418_2020-09-22.pdf

## Full Text

200 20 418 IV
KNB/PES/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 22. September 2020

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Loosli
Gerichtsschreiber Peter

A.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 4. Mai 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1966 geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. Be-
schwerdeführer) meldete sich im Juli 2016 (Datum der Postaufgabe) bei 
der Invalidenversicherung für eine berufliche Integration/Rente an (Ant-
wortbeilage [AB] 1). Nach ersten Abklärungen in medizinischer und erwerb-
licher Hinsicht (AB 12, AB 14, AB 16, AB 32) und Einholung der Akten der 
vorbefassten Krankentaggeldversicherung (AB 24.1 – 24.5) gewährte die 
IV-Stelle Bern (nachfolgend IV-Stelle bzw. Beschwerdegegnerin) dem Ver-
sicherten nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; 
AB 36) mit Mitteilung vom 30. August 2017 für die Zeit vom 4. September 
bis 3. Dezember 2017 als Integrationsmassnahme ein Belastbarkeitstrai-
ning im Zentrum B.________, ... (AB 47). Diese Massnahme wurde in der 
Folge mit Mitteilung vom 12. Dezember 2017 bis 8. März 2018 verlängert 
(AB 66; vgl. Mitteilung vom 24. November 2017 [AB 60]). 

Nach einer kurzen Fortsetzung der Arbeit im Zentrum B.________ zur 
Zeitüberbrückung (vgl. AB 72) sprach die IV-Stelle dem Versicherten so-
dann mit Mitteilung vom 16. März 2018 einen Arbeitsversuch bei der 
C.________ inkl. Job Coaching für die Zeit vom 12. März bis 11. Juni 2018 
zu (AB 73). Mit Mitteilung vom 14. Juni 2018 wurde dieser Arbeitsversuch 
inkl. Job Coaching bis 11. September 2018 verlängert (AB 81). 

Nach Abschluss des Arbeitsversuchs gewährte die IV-Stelle dem Versi-
cherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (AB 103). Nach 
entsprechendem Vorbescheid vom 19. Juli 2019 (AB 135) schloss die IV-
Stelle die Arbeitsvermittlung mangels Erfolgs mit Verfügung vom 25. Sep-
tember 2019 wieder ab (AB 145). Gleichzeitig prüfte sie einen allfälligen 
Rentenanspruch. Hierzu beauftragte sie nach Rücksprache mit dem RAD 
(AB 138) die MEDAS D.________ (MEDAS) mit einer medizinischen Be-
gutachtung des Versicherten in den Fachrichtungen Psychiatrie und Or-
thopädie (vgl. AB 143 f. sowie MEDAS-Gutachten inkl. Teilgutachten vom 
10. Dezember 2019 der Dres. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie 

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und Psychotherapie, und F.________, Facharzt für Orthopädische Chirur-
gie und Traumatologie des Bewegungsapparates [AB 148.1 – 148.3]). 

Gestützt auf die Ergebnisse des MEDAS-Gutachtens stellte die IV-Stelle 
dem Versicherten in der Folge mit Vorbescheid vom 20. Dezember 2019 
die Abweisung seines Leistungsbegehrens hinsichtlich Invalidenrente in 
Aussicht (AB 149). Hiergegen erhob der Versicherte am 14. Januar 2020 
Einwand (AB 150). Auf die Aufforderung zur Nachbesserung der Einwände 
hin (vgl. AB 151 und 154) kam der IV-Stelle ein Schreiben des behandeln-
den Psychiaters Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psy-
chotherapie, vom 11. Februar 2020 zu (AB 155). Nach einer Stellungnah-
me des RAD vom 22. April 2020 zu diesem Schreiben (AB 157) verfügte 
die IV-Stelle am 4. Mai 2020 ihrem Vorbescheid entsprechend die Abwei-
sung des Rentenbegehrens (AB 158). 

Tags darauf kam der IV-Stelle noch ein weiteres Schreiben des Dr. med. 
G.________ mit einer Stellungnahme seinerseits zur medizinischen Situa-
tion des Versicherten wie auch zum MEDAS-Gutachten vom 10. Dezember 
2019 zu (AB 160). Nach einer erneuten versicherungsmedizinischen Beur-
teilung durch den RAD (AB 162) wurde Dr. med. G.________ mit Schrei-
ben vom 7. Mai 2020 darüber informiert, dass die IV-Stelle an ihrer Verfü-
gung vom 4. Mai 2020 festhalte (AB 163).

B.

In der Folge erhob der Versicherte am 2. Juni 2020 (Datum der Postaufga-
be) gegen die Verfügung vom 4. Mai 2020 (AB 158) beim Verwaltungsge-
richt des Kantons Bern Beschwerde mit den Rechtsbegehren, die ange-
fochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente zu-
zusprechen. Eventualiter sei der medizinische Sachverhalt angemessen 
abzuklären, bevor ein neuer Rentenentscheid erlassen werde – unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Gleich-
zeitig stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.

Mit Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2020 beantragt die Beschwerdegeg-
nerin, die Beschwerde sei abzuweisen. 

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Am 1. und 28. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen 
betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zu den Akten.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist die Verfügung der IV-Stelle Bern vom 4. Mai 2020 
(AB 158). Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf 
eine Rente der Invalidenversicherung hat. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

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1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vorliegens 
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli-
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt 
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 
Abs. 2 ATSG). Mit dieser Regelung sind die bisher ungeschriebenen 
Rechtsgrundsätze und insbesondere die Rechtsprechung zur Ausschei-
dung der invaliditätsfremden Faktoren und zum Zumutbarkeitsprinzip neu 
ausdrücklich im Gesetz festgehalten (BGE 140 V 197 E. 6.2.1 S. 199, 135 
V 215 E. 7.3 S. 230; Botschaft zur 5. IVG-Revision, BBl 2005 4530 ff.). 

2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine 
Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga-
benbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah-
men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während 
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 
40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf 
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). 

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Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente. Der 
Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ab-
lauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs 
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen-
dung des 18. Altersjahres folgt.

2.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG). 

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 

2.5 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 

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Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352). 

Bei den Berichten von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht je-
doch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im 
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen 
eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Dies gilt nicht nur für den allge-
mein praktizierenden Hausarzt, sondern ebenso für den behandelnden 
Spezialarzt (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 
E. 5.3.3.3; Entscheid des EVG vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2019 IV Nr. 40 S. 128 
E. 3, 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.2). 

Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch täti-
gen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestell-
ten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein medizini-
sches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und 
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden 
Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben 
Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die be-
handelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpreta-
tion entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung 
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2019 UV Nr. 31 S. 117 
E. 3, 2017 IV Nr. 49 S. 148 E. 5.5).

2.6 Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die 
Verwaltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur 
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrschein-
lich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem 

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feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Abnahme weite-
rer Beweise zu verzichten. Gleiches gilt, wenn der Sachverhalt, den die 
Partei beweisen will, nicht rechtserheblich erscheint. In einem solchen Vor-
gehen liegt kein Verstoss gegen das rechtliche Gehör gemäss Art. 29 
Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101). Auch das Fairnessgebot 
von Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; 
SR 0.101) gewährt in diesem Zusammenhang keinen zusätzlichen Schutz 
(BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d 
S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4).

3.

3.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich der angefochtene Entscheid 
im Wesentlichen auf das MEDAS-Gutachten inkl. Teilgutachten vom 
10. Dezember 2019 (AB 148.1 – 148.3). Dieses ergab als Diagnose mit 
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbovertebrales 
Schmerzsyndrom ohne Hinweis auf eine Radikulopathie (ICD-10: M54.5) 
sowie als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einen Status 
nach Anpassungsstörung in Form einer längeren depressiven Reaktion 
(ICD-10: F43.21) sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54). 

3.1.1 Aus orthopädischer Sicht beeinträchtige das chronische lumbover-
tebrale Schmerzsyndrom die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Bei 
der Untersuchung der Wirbelsäule habe sich die Beweglichkeit zervikotho-
rakal weitgehend frei und lumbal gering vermindert gezeigt. An den oberen 
und unteren Extremitäten habe eine freie Beweglichkeit bestanden. Auffal-
lend seien in massivem Ausmass aufgebaute Gegenspannungen der unte-
ren Extremitäten bei Prüfung derselben in Rückenlage gewesen, wobei der 
Beschwerdeführer aber jeglichen Leidensdruck verneint habe. Auf neurolo-
gischer Ebene hätten sich keine klaren Hinweise für das Vorliegen einer 
Pathologie im Bereich des peripheren Nervensystems gezeigt. So habe 
eine spinale Kompressionsproblematik oder die Läsion eines grösseren 
peripheren Nervs klinisch weitgehend ausgeschlossen werden können. Auf 
radiologischer Ebene seien an der lumbalen Wirbelsäule eine linkskonvexe 
Skoliose, eine Osteochondrose LWK4/5 und eine distal betonte Spondylo-

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se bei erhaltenen Bandscheibenräumen festgehalten worden. Zusammen-
fassend könne festgestellt werden, dass sich die lumbal offenbar nur bei 
höhergradiger Belastung relevant bemerkbar machenden Rückenschmer-
zen aufgrund der klinischen und radiologischen Befunde nachvollziehen 
lassen (AB 148.3 S. 6). Für körperlich andauernd schwere und sehr schwe-
re Verrichtungen einschliesslich der anamnestisch als … durchgeführten 
bestehe aufgrund der objektivierbaren Befunde aus orthopädischer Sicht 
eine bleibende und vollständige Arbeitsunfähigkeit (AB 148.1 S. 6 f. sowie 
AB 148.3 S. 7). Für körperlich leichte bis mittelschwere, adaptierte Tätigkei-
ten (unter Wechselbelastung, das häufig wiederholte Heben und Tragen 
von Lasten über 15 kg sowie die Einnahme von längerdauernden Zwangs-
haltungen seien zu vermeiden) sei die Arbeitsfähigkeit jedoch nicht relevant 
eingeschränkt (AB 148.1 S. 7 sowie AB 148.3 S. 6 f.). Für derartige Ver-
richtungen habe auch in der Vergangenheit nie eine längerdauernde Ar-
beitsunfähigkeit im Sinne einer invalidisierenden Erkrankung bestanden 
(AB 148.1 S. 8 sowie AB 148.3 S. 7). Für körperlich leichte bis zumindest 
mittelschwere Verrichtungen könne auf Ebene des Bewegungsapparates 
von einer uneingeschränkten Einsetzbarkeit ausgegangen werden 
(AB 148.3 S. 6).

3.1.2 Aus psychiatrischer Sicht könne keine Diagnose mit Einfluss auf 
die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Der Status nach Anpassungsstörung in 
Form einer längeren depressiven Reaktion und die Schmerzverarbeitungs-
störung schränkten die Arbeitsfähigkeit nicht relevant ein (AB 148.1 S. 7). 

Der Beschwerdeführer sei in ... aufgewachsen. Er habe sich während des 
... in ... befunden und dabei seinen Vater verloren. Direkt sei er nie in … 
verwickelt gewesen. Einmal habe er ... kurzzeitig das Gefühl gehabt, seine 
Familie könnte verletzt worden sein. Von 1992 bis 1998 habe er mit Unter-
brüchen … geleistet. Nachdem … beendet worden war, sei er von 1995 bis 
1998 weiterhin als … tätig gewesen. Er habe seine Familie ernähren müs-
sen. 1998 sei er in die Schweiz eingereist und habe hier ohne grössere 
Probleme bis 2016 gearbeitet. Er habe sich bis 2016 auch nie in psychiatri-
scher Behandlung befunden. Er habe eine gute Beziehung zu seiner Ehe-
frau und seinen drei Kindern (AB 148.2 S. 6).

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Der Beschwerdeführer habe also bis 2016 nicht unter wesentlichen psychi-
schen Problemen gelitten. Er habe berichtet, dass er manchmal an die … 
gedacht, dass er aber bei der Arbeit nie grössere Probleme gehabt habe. 
Erst als es zunehmend zu Schwierigkeiten mit dem Chef an der letzten 
Arbeitsstelle gekommen sei, habe er gemäss eigenen Angaben unter den 
… gelitten. Der Chef sei launisch gewesen und habe die Mitarbeiter be-
schimpft. Dies habe ihn belastet. Schliesslich sei er arbeitsunfähig ge-
schrieben worden. Im Rahmen beruflicher Massnahmen habe er gute Ar-
beitsleistungen erzielt und es sei festgehalten worden, dass er in einer an-
gepassten Tätigkeit vermittelbar sei. Der Beschwerdeführer leide gelegent-
lich unter Erinnerungen an … und träume gelegentlich davon. Er könne 
aber mit Hilfe des Mirtazapins relativ gut schlafen und habe am Morgen 
keine Mühe aufzustehen. Nach wie vor sei die Beziehung zu seiner Ehe-
frau und seinen Kindern sehr gut. Er treffe sich auch regelmässig mit Be-
kannten und Verwandten, habe praktisch jedes Wochenende Besuch oder 
er gehe zu Besuch. Zweimal im Jahr reise er in seine Heimat. Jeden Som-
mer reise er nach ..., um an Gedenkveranstaltungen teilzunehmen. Auto-
fahren sei möglich. Der Beschwerdeführer habe im Zusammenhang mit 
den Belastungen am Arbeitsplatz, den Auseinandersetzungen mit dem 
Chef, vorübergehend vermehrt unter Erinnerungen an die … gelitten und 
sei vermehrt reizbar gewesen. Aktuell könnten keine psychopathologischen 
Befunde erhoben werden. Bei der psychiatrischen Untersuchung sei die 
Stimmung des Beschwerdeführers ausgeglichen, heiter gewesen. Mehr-
mals habe er gelächelt und gelacht. Er habe einen entspannten Eindruck 
gemacht und lachend berichtet, dass er gelegentlich etwas gereizt sei 
(AB 148.2 S. 6). Er sei belastet durch die Arbeitslosigkeit resp. die unge-
wisse wirtschaftliche und berufliche Zukunft (AB 148.2 S. 2).

Der Beschwerdeführer zeige keine Abkehr von der äusseren Welt. Er pfle-
ge nach wie vor gute Kontakte mit Familienangehörigen, Verwandten und 
Bekannten und reise regelmässig in seine Heimat. Er zeige auch keine 
Entfremdungsgefühle, sei nicht gleichgültig, stumpf oder betäubt anderen 
Menschen gegenüber. Er könne sich an Begegnungen durchaus erfreuen, 
vermeide es auch nicht, an die Traumata erinnert zu werden. Er besuche 
zweimal im Jahr seine Heimat, nehme regelmässig an Gedenkfeiern in ... 
teil und habe auch nach … während drei Jahren weiterhin freiwillig … ge-

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leistet. Er habe auch während beinahe 20 Jahren in der Schweiz ohne ir-
gendwelche Probleme in 100%-Pensen gearbeitet. All dies seien klare 
Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer nicht an einer posttraumati-
schen Belastungsstörung leide (AB 148.2 S. 6). 

Aus psychiatrischer Sicht könne die Diagnose Anpassungsstörung, längere 
depressive Reaktion, nach Auseinandersetzungen mit dem Chef und damit 
verbundenen, vorübergehend vermehrten Erinnerungen an die … gestellt 
werden. Die Anpassungsstörung sei vollständig remittiert. Zum jetzigen 
Zeitpunkt könne keine eigentliche psychiatrische Störung diagnostiziert 
werden (AB 148.2 S. 7). 

Der Beschwerdeführer fühle sich nicht nur aufgrund von psychischen Be-
schwerden, die er nur vage habe beschreiben können, sondern auch auf-
grund seiner Rückenbeschwerden nicht mehr arbeitsfähig. Der Beschwer-
deführer gestalte seinen Alltag aber sehr aktiv und nehme nur gelegentlich 
Schmerzmittel ein. Er fahre Auto, unternehme Spaziergänge, pflege rege 
soziale Kontakte und reise auch zweimal pro Jahr ohne Schwierigkeiten in 
seine Heimat. Er sei also in seinem Aktionsradius durch die geklagten 
Schmerzen nicht wesentlich beeinträchtigt, sodass die Diagnose einer 
Schmerzstörung nicht gestellt werden könne. Es handle sich um eine 
Schmerzverarbeitungsstörung. Der Beschwerdeführer fühle sich nur noch 
beschränkt arbeitsfähig und werde darin auch von seinem Psychiater, der 
ihn zu 50% arbeitsunfähig schreibe, unterstützt. Die subjektive Krankheits-
überzeugung trage wesentlich dazu bei, dass die geklagten somatischen 
Beschwerden psychisch überlagert seien. Der behandelnde Psychiater 
habe eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert und differen-
tialdiagnostisch eine andauernde Persönlichkeitsänderung in Betracht ge-
zogen. Wie bereits dargelegt, könne die Diagnose einer posttraumatischen 
Belastungsstörung nicht bestätigt werden. Der Beschwerdeführer sei im … 
nicht massiv traumatisiert worden. Er sei nie direkt in … verwickelt gewe-
sen und habe nicht aktiv am … teilgenommen. Er sei Lastwagenchauffeur 
gewesen und sei auch nie verletzt worden. Sein Vater sei zwar … getötet 
worden; der Beschwerdeführer habe dies aber nicht direkt erlebt. Der Be-
schwerdeführer leide nicht unter Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, An-
spannung und zeige keinen sozialen Rückzug. Die vom behandelnden 

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Psychiater beschriebenen psychopathologischen Befunde könnten nicht 
bestätigt werden. Die vorübergehende Anpassungsstörung sei remittiert. 
Eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestehe nicht (AB 148.2 
S. 6 f.). 

Der Beschwerdeführer befinde sich in ambulanter psychiatrischer Behand-
lung und werde mit einem schlafanstossenden Antidepressivum behandelt. 
Diese Behandlung sei adäquat und während der Behandlung habe sich die 
Anpassungsstörung, die vor allem durch die psychosozialen Belastungen 
im Arbeitsumfeld ausgelöst worden seien, zurückgebildet. Weitere psychia-
trische Massnahmen seien nicht notwendig. Die ausgeprägte subjektive 
Krankheitsüberzeugung habe keinen Krankheitswert und werde sich durch 
eine psychiatrische Behandlung auch kaum beeinflussen lassen (AB 148.2 
S. 8). 

Es fänden sich keine Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychia-
trischer Sicht jemals wesentlich eingeschränkt gewesen sei. Der Be-
schwerdeführer sei nie stationär psychiatrisch behandelt worden und die 
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung könne nicht bestätigt 
werden. Somit bestehe auch rückwirkend aus psychiatrischer Sicht keine 
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit (AB 148.2 S. 9).

3.1.3 Aus bidisziplinärer orthopädisch-psychiatrischer Sicht könne somit 
insgesamt eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in 
anderen körperlich belastenden Tätigkeiten festgestellt werden. Für körper-
lich leichte bis intermittierend mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten bestehe 
hingegen eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit (AB 148.1 
S. 7).

3.2 Mit Schreiben vom 11. Februar 2020 teilte Dr. med. G.________ 
der Beschwerdegegnerin mit, er habe beim Beschwerdeführer im Januar 
2020 eine gesundheitliche Verschlechterung feststellen müssen, die sich in 
Form einer verstärkten depressiven Symptomatik, einer affektiven Destabi-
lisierung, einer zunehmenden Stresssymptomatik sowie einer Auto- und 
Fremdaggressivitätstendenz manifestiert habe. Die gesundheitliche Ver-
schlechterung habe sich leider auch negativ auf die Arbeitsfähigkeit des 

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Beschwerdeführers ausgewirkt, sodass er ihn ab dem 27. Januar 2020 
erneut als 100% arbeitsunfähig habe einstufen müssen (AB 155).

3.3 In seiner Stellungnahme vom 22. April 2020 hielt Dr. med. 
H.________ vom RAD, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hierzu 
fest, die von Dr. med. G.________ beschriebenen Verschlechterungen des 
psychischen Zustands des Beschwerdeführers erreichten nicht ein Aus-
mass, welches die Ausgangslage im aktuellen IV-Verfahren in relevanter 
Weise zu verändern vermöchte. In der Symptombeschreibung fänden sich 
keine Aspekte, welche nicht hinreichend und schlüssig als zu erwartende 
Fluktuationen der im MEDAS-Gutachten bereits erkannten, diskutierten und 
für die bidisziplinäre Beurteilung relevanten psychiatrischen Symptomkom-
plexe (Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion, Schmerzverar-
beitungsstörung; alles Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) 
eingeordnet werden könnten. Die geltend gemachten Verschlechterungen 
vermöchten die Einschätzung der MEDAS-Gutachter nicht in Frage zu stel-
len oder als revisionsbedürftig erscheinen zu lassen. Weitere Abklärungen 
seien nicht angezeigt (AB 157 S. 2).

3.4 Mit Schreiben vom 30. April 2020 teilte der behandelnde Psychia-
ter Dr. med. G.________ der Beschwerdegegnerin mit, er habe der 
I.________ entsprechend deren Fragenkatalog eine Stellungnahme vom 
24. April 2020 zum MEDAS-Gutachten zukommen lassen. Da sich heraus-
gestellt habe, dass die I.________ den Beschwerdeführer nicht direkt ver-
trete, reiche er nun direkt eine Kopie derselben ein (AB 160 S. 1). Wie be-
reits in seinen diversen Berichten zu Handen der IV geschildert, habe sich 
der Zustand des Beschwerdeführers in der ersten Phase der Behandlung 
bis zu einem gewissen Grad gebessert. Die Arbeitsunfähigkeit habe sich 
allmählich von anfänglich 100% auf 50% reduziert. Danach sei der noch 
immer reduzierte Gesundheitszustand über längere Zeit im Wesentlichen 
unverändert geblieben. Im Januar 2020 habe er dann eine erneute Ver-
schlechterung der gesundheitlichen Verfassung des Beschwerdeführers mit 
verstärkter depressiver Symptomatik, affektiver Destabilisierung, zuneh-
mender Stresssymptomatik sowie verstärkter Auto- und Fremdaggressi-
vitätstendenz festgestellt. Die Arbeitsunfähigkeit habe wieder auf 100% 
zugenommen. Prognostisch gehe er im günstigsten Fall davon aus, dass 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 14

sich der Gesundheitszustand im Vergleich zum Januar 2020 wieder ver-
bessern könne, dies sei inzwischen auch schon teilweise passiert. Gleich-
zeitig rechne er aber auch mit einer langfristigen gesundheitlichen Ein-
schränkung. Eine vollständige gesundheitliche Erholung sowie die Erlan-
gung einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit erachte er auch auf längere Sicht 
nicht als realistisch (AB 160 S. 2). 

In seinem ersten Bericht zu Handen der IV vom 21. Juli 2016, der in den 
Anfängen seiner Behandlung des Beschwerdeführers erstellt worden sei, 
sei er diagnostisch von einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-
10: F43.1) ausgegangen, wobei er jedoch bereits damals erwähnt habe, 
dass differentialdiagnostisch auch eine andauernde Persönlichkeitsände-
rung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0) in Erwägung zu ziehen sei. Im 
weiteren Verlauf habe sich dann herausgestellt, dass letztere Diagnose im 
Fall des Beschwerdeführers zutreffend sei. Die IV habe er in seinem Be-
richt vom 17. Januar 2017 entsprechend informiert. Diese Diagnose habe 
seither nach seiner Beurteilung unverändert Gültigkeit. Der von der Be-
schwerdegegnerin beauftragte psychiatrische Gutachter Dr. med. 
E.________ habe im Gutachten zwar seine anfänglichen differentialdia-
gnostischen Erwägungen erwähnt, im Weiteren aber offensichtlich nicht 
beachtet, dass die zum Zeitpunkt der Begutachtung gültige Diagnose auf 
"andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung" und nicht 
mehr auf "posttraumatische Belastungsstörung" gelautet habe. Der Gutach-
ter argumentiere unter Ziff. 6.3: "Wie oben ausführlich dargelegt, kann die 
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht bestätigt wer-
den." Eine Diagnose, die von ihm als behandelndem Psychiater gar nicht 
mehr geltend gemacht werde. Zur aktuell gültigen Diagnose einer andau-
ernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung nehme Dr. med. 
E.________ jedoch nicht Stellung (AB 160 S. 3). 

Im Fall des Beschwerdeführers gehe er als behandelnder Psychiater aber 
immerhin davon aus, dass ursprünglich – soweit dies anamnestisch nach 
Jahrzehnten gesichert werden könne – tatsächlich eine posttraumatische 
Belastungsstörung bestanden habe, deren Langzeitauswirkungen jedoch 
später zu einer andauernden Persönlichkeitsänderung geführt hätten. So-
mit gehe er nach wie vor davon aus, dass der aktuell vorliegenden gesund-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 15

heitlichen Störung eine massive Traumatisierung zu Grunde liege (AB 160 
S. 3). 

Im Anschluss an … von ... nach ... 1995 mit zahlreichen traumatischen Er-
lebnissen (vgl. AB 160 S. 3 f.) habe der Beschwerdeführer psychische 
Symptome entwickelt. Er habe viel geflucht, niemanden mehr ertragen, sei 
müde gewesen, habe nicht schlafen können und sei durch das Erlebte er-
schüttert gewesen. Er habe darum schon damals Ärzte aufgesucht und in 
der Folge Beruhigungsmittel erhalten. Später habe ihn zusätzlich die Er-
krankung seiner Frau belastet. In den Folgejahren seien die Erinnerungen 
an die schlimmen Erlebnisse immer wieder hochgekommen, vor allem 
wenn er alleine gewesen sei. Manchmal sei er "explodiert", habe sich psy-
chisch phasenweise schlecht gefühlt, habe aber auch gute Phasen erlebt. 
Die anamnestischen Angaben wiesen klar auf eine psychische Störung hin, 
die sich zeitnah nach den erlebten traumatischen Ereignissen entwickelt 
habe (AB 160 S. 4).

Dr. med. E.________ stelle anamnestisch fest, der Beschwerdeführer 
nehme regelmässig an Gedenkfeiern in ... teil und reise zweimal pro Jahr 
ohne Schwierigkeiten in seine Heimat, was gegen das Vorliegen einer post-
traumatischen Belastungsstörung spreche. Abgesehen davon, dass es 
nicht einmal für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung, 
die er ja nicht mehr geltend mache, entscheidend sei, ob ein Vermeidungs-
verhalten vorliege, seien diese Reisen für den Beschwerdeführer, gemäss 
dessen Schilderungen, tatsächlich schwierig. Wenn er in sein früheres 
Heimatdorf (oder zu dem, was davon noch übriggeblieben sei) komme, 
könne er den Erinnerungen an all die getöteten Menschen nicht auswei-
chen und müsse dies aushalten. Trotz der psychischen Belastung sei es für 
ihn aber wichtig, zumindest die Gräber seiner Vorfahren in seinem ehema-
ligen Dorf zu besuchen. Bei der jährlichen "Gedenkfeier" in ... versuche er, 
möglichst regelmässig dabei zu sein. Es gehe dabei um die sterblichen 
Überreste der getöteten Menschen …, die Jahr für Jahr immer noch gefun-
den, identifiziert und danach gemeinsam einmal jährlich bestattet würden. 
Er erachte es als seine Pflicht, dort dabei zu sein, selbst wenn ihn dies 
psychisch belaste. Aus den Schilderungen des Beschwerdeführers könne 
man unschwer nachvollziehen, dass er nicht in seine frühere Heimat reise, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 16

weil dies für ihn eine erfreuliche, unbeschwerte Reise nach Hause darstel-
le. Vielmehr gehe es offensichtlich um eine wichtige Verarbeitung von äus-
serst schwierigen, einschneidenden und traumatisierenden Erfahrungen 
(Verlust des Heimes und der gesamten wirtschaftlichen Existenz, Tötung 
von Familienangehörigen, … mit Tötungen und schweren Verletzungen von 
Menschen, Vertriebenwerden aus der Heimat und Entwurzelungsproblema-
tik) und den Versuch, das innere Gleichgewicht möglichst gut wieder zu 
finden (AB 160 S. 4 f.). 

Ausserdem schreibe Dr. med. E.________: "Der Explorand leidet nicht un-
ter Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Anspannung, zeigt keinen sozialen 
Rückzug." Diese Aussage stimme nicht mit den von ihm erhobenen ana-
mnestischen Angaben überein. Alle diese Symptome seien vom Exploran-
den wiederholt und immer wieder geschildert worden. Auch habe die Toch-
ter ausgesagt, dass der Vater auf die Arbeit folgend zu Hause gereizt rea-
giert habe und der Job-Coach habe darauf hingewiesen, dass jeweils ab 16 
Uhr ein deutlicher Rückgang des Leistungsvermögens habe beobachtet 
werden können. Beides seien Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer 
bedingt durch die von ihm geklagten Konzentrationsstörungen, Müdigkeit 
und Anspannung an seine Leistungs- und Belastbarkeitsgrenzen gestossen 
sei, was für Aussenstehende dann z.B. in Form von Reizbarkeit oder Leis-
tungsabfall sichtbar werde (AB 160 S. 5). 

Zusammenfassend könne gesagt werden, dass die von ihm gestellte Dia-
gnose einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung im Wesentli-
chen aus den anamnestischen Angaben abgeleitet werden könne und 
müsse, zumal es bei dieser Diagnose durchaus möglich sei, dass der 
psychiatrische Untersuchungsbefund, je nach Erhebungszeitpunkt, keine 
wesentlichen Auffälligkeiten zeige. Die psychischen Symptome des Be-
schwerdeführers würden vor allem in Situationen, die er als belastend erle-
be, manifest. Ebenfalls zu sichtbaren psychischen Reaktionen führten Aus-
löser, die beim Beschwerdeführer die traumatischen Erinnerungen an die 
Vergangenheit hochkommen liessen. Hingegen könne sich der Beschwer-
deführer, wenn er sich in einer Gesprächssituation verstanden und unter-
stützt erlebe, entspannen und wirke dann psychisch unauffällig (AB 160 
S. 6). Es sei jedoch unschwer nachvollziehbar, dass die von ihm als be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 17

handelndem Psychiater gestellte Diagnose mit ihren Merkmalen sowohl zu 
psychischen Symptomen (inklusive reduzierter Belastbarkeit und Leis-
tungsfähigkeit) als auch zu sozialen Beeinträchtigungen führe. Dass sich 
dies im Falle des Beschwerdeführers auch negativ auf seine Arbeitsfähig-
keit auswirke, erscheine ebenfalls unschwer nachvollziehbar. Damit über-
einstimmend habe der Beschwerdeführer im Rahmen der beruflichen Rein-
tegrationsbemühungen der IV ja auch durchwegs eine Leistungsfähigkeit 
von weniger als 50% gezeigt. Somit müsse er festhalten, dass die von ihm 
attestierte Arbeitsfähigkeit von 50% bereits optimistisch sei. Nicht nachvoll-
ziehbar sei für ihn die von Dr. med. E.________ vertretene Ansicht, wo-
nach es keine Hinweise auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gebe 
(AB 160 S. 7). Die genaue aktuelle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten 
Tätigkeit sei schwer einzuschätzen. Er würde sie im Bereich von 30 bis 
50% ansiedeln. Eine Arbeit in einer nicht angepassten Tätigkeit würde aus 
seiner Sicht weder zumutbar noch medizinisch verantwortbar sein. Geeig-
net würden Arbeiten mit tiefem Stresspegel und ohne längerdauernde hohe 
Konzentrationsanforderungen sein (AB 160 S. 8; vgl. Beschwerdebeilage 
[BB] 2).

3.5 Im Rahmen einer versicherungsmedizinischen Beurteilung der 
umfangreichen Stellungnahme des Dr. med. G.________ hielt Dr. med. 
H.________ vom RAD fest, in Bezug auf die geltend gemachte Verschlech-
terung der Symptomatik im Januar 2020 könne aus versicherungsmedizini-
scher Sicht angenommen werden, dass diese aufgrund des am 20. De-
zember 2019 ergangenen Vorbescheids zur Ablehnung einer Rentenzah-
lung erfolgt, also iv-fremd sei. Zudem werde dargelegt, dass sich die Situa-
tion schon wieder verbessert habe, also temporärer Natur gewesen und 
somit für die Beurteilung des geltend gemachten Rentenanspruchs nicht 
relevant sei. Zur Kritik an der diagnostischen Einschätzung des Dr. med. 
E.________ könne Folgendes ausgeführt werden: Dr. med. G.________ 
führe verschiedene Ereignisse im Leben des Beschwerdeführers auf, die 
dafür sprechen würden, dass eine massive Traumatisierung vorliege. 
Dr. med. E.________ habe bei der Befragung des Beschwerdeführers je-
doch umfangreich verschiedene Traumatisierungen während der Zeit in der 
Gegend von ... abgefragt und beurteilt und dann eine posttraumatische 
Belastungsstörung klar und nachvollziehbar ausgeschlossen. Es sei nun 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 18

so, dass bei der vom behandelnden Psychiater geltend gemachten andau-
ernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0) 
Erfahrungen in einem Konzentrationslager, Folter, Katastrophen und an-
dauernde lebensbedrohliche Situationen (als Geisel, langandauernde Ge-
fangenschaft mit drohender Todesgefahr) die Auslösebedingungen darstell-
ten und dann auch zu einer entsprechenden Psychopathologie führen 
müssten. Beide Grundbedingungen lägen nicht vor. Der Beschwerdeführer 
habe sich nach den Erlebnissen freiwillig für den … gemeldet und habe 
auch nach der Migration in die Schweiz im Jahr 1998 bis ins Jahr 2016 
keine Psychopathologie gezeigt und es sei auch keine psychiatrische oder 
psychotherapeutische Behandlung notwendig gewesen. Dr. med. 
E.________ gehe zwar nur kurz differentialdiagnostisch auf die Diagnose 
einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung ein. 
Dennoch schliesse er sie indirekt klar aus. So beschreibe er ausführlich, 
dass sich beim Beschwerdeführer keine Entfremdungsgefühle eingestellt 
hätten, er nicht gleichgültig, stumpf oder betäubt anderen Menschen ge-
genüber sei und vor allem, dass keine Abkehr von der äusseren Welt er-
folgt sei. Gerade die letztgenannte Einschätzung sei das Kernmerkmal der 
sowieso nur sehr selten anzutreffenden andauernden Persönlichkeitsände-
rung nach Extrembelastung und sei ein sehr eindrucksvoller Befund, wenn 
man hiervon betroffene Personen vor sich habe. All dies habe sich beim 
Beschwerdeführer nicht gezeigt (AB 162 S. 2). Unabhängig davon fänden 
sich im psychiatrischen Untersuchungsbefund von Dr. med. E.________ 
die für die andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung 
notwendigen Merkmale wie eine feindliche oder misstrauische Haltung der 
Welt gegenüber, ein sozialer Rückzug, ein Gefühl der Leere oder Hoff-
nungslosigkeit, ein chronisches Gefühl von Nervosität wie bei ständigem 
Bedrohtsein sowie eine Entfremdung nicht. Dr. med. E.________ habe 
vielmehr festgestellt, dass die vom behandelnden Psychiater beschriebe-
nen psychopathologischen Befunde nicht bestätigt werden könnten 
(AB 162 S. 2 f.).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 19

4.

4.1 Das bidisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 10. Dezember 2019 
inkl. Teilgutachten (AB 148.1 – 148.3) erfüllt sämtliche der unter Erwä-
gung 2.5 hiervor genannten, von der Rechtsprechung an medizinische Ex-
pertisen gestellten Anforderungen. Es ist im Hinblick auf die streitigen Be-
lange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die 
geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, 
ist in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beur-
teilung der medizinischen Situation einleuchtend und die getätigten 
Schlussfolgerungen sind begründet. Konkrete Indizien, die gegen die Zu-
verlässigkeit der Expertise sprechen würden, sind keine ersichtlich. Es trifft 
zwar zu, dass der psychiatrische Gutachter Dr. med. E.________ in seinem 
Teilgutachten die vom behandelnden Psychiater seit Januar 2017 neu an-
stelle einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) geltend 
gemachte Diagnose einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung 
(ICD-10: F62.0) als mögliche Diagnose nur am Rande erwähnt. Dies ver-
mag die Zuverlässigkeit des Gutachtens jedoch nicht in Zweifel zu ziehen. 

Sache des begutachtenden Mediziners ist es zunächst, den Gesundheits-
zustand zu beurteilen, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Unter-
suchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde 
zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen und dazu Stellung 
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 
Versicherten arbeitsunfähig sind, wie dies Dr. med. E.________ getan hat. 
Dass er dabei nur die vom behandelnden Psychiater ursprünglich geltend 
gemachte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: 
F43.1) explizit ausgeschlossen hat, schadet dabei nicht, ergibt sich aus 
dem Gutachten doch zweifelsfrei, dass der Gutachter auch die diagnosti-
schen Voraussetzungen einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelas-
tung geprüft und mangels Vorliegens auch nur eines der erforderlichen 
Merkmale als mögliche Diagnose verworfen hat. Gemäss den diagnosti-
schen Leitlinien muss zur Diagnosestellung die Persönlichkeitsänderung 
andauernd sein und sich in unflexiblem und unangepasstem Verhalten 
äussern, das zu Beeinträchtigungen in den zwischenmenschlichen, sozia-
len und beruflichen Beziehungen führt. Es müssen folgende, bei dem Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 20

treffenden zuvor nicht beobachtete Merkmale vorliegen: Eine feindliche 
oder misstrauische Haltung der Welt gegenüber, ein sozialer Rückzug, Ge-
fühle der Leere oder Hoffnungslosigkeit, ein chronisches Gefühl von Ner-
vosität wie bei ständigem Bedrohtsein sowie eine Entfremdung (vgl. DIL-
LING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer 
Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 
2015, S. 286 f.). Wie sich aus dem Gutachten ergibt, war beim Beschwer-
deführer keines dieser Merkmale zu erheben. Der Beschwerdeführer ging 
gemäss psychiatrischem Untersuchungsbefund bereitwillig auf die gestell-
ten Fragen ein und beantwortete sie ausführlich. Die Stimmung war bei der 
psychiatrischen Untersuchung ausgeglichen, heiter. Mehrmals habe der 
Beschwerdeführer bei der psychiatrischen Untersuchung gelächelt und 
gelacht (AB 148.2 S. 5) Er habe einen entspannten Eindruck gemacht 
(AB 148.2 S. 6). Der Beschwerdeführer kennt nach eigenen Angaben sehr 
viele Leute. Man besuche sich an den Wochenenden. Abends kämen auch 
öfters seine Kinder zu Besuch. Er sei ein hilfsbereiter Mensch, versuche, 
den Bekannten zu helfen, wenn sie Probleme hätten. An den Wochenen-
den hätten sie Besuch von den zahlreichen Verwandten und Bekannten 
oder sie besuchten diese. Er habe gute familiäre Kontakte. Seit Jahren 
habe er zusammen mit seiner Ehefrau einen Schrebergarten. Dort fühle er 
sich wohl. Er habe auch guten Kontakt mit den anderen Gärtnern und 
Gärtnerinnen (AB 148.2 S. 4). Nach dem Dargelegten kann in Überein-
stimmung mit dem psychiatrischen Gutachter wie auch dem RAD-Arzt 
Dr. med. H.________ (vgl. AB 148.2 S. 6 sowie AB 162 S. 2 f.) sowohl eine 
feindliche oder misstrauische Haltung der Welt gegenüber als auch ein 
sozialer Rückzug, Gefühle der Leere oder Hoffnungslosigkeit, ein chroni-
sches Gefühl von Nervosität wie bei ständigem Bedrohtsein als auch eine 
Entfremdung beim Beschwerdeführer klar verneint werden. Es ist keine 
Abkehr von der äusseren Welt erfolgt. Etwas anderes wird denn auch vom 
behandelnden Psychiater nicht geltend gemacht (vgl. AB 160 sowie E. 3.4 
hiervor). Damit ist bereits aufgrund der Anamnese, des klinischen Bilds wie 
auch der psychiatrischen Untersuchungsbefunde mit dem Beweisgrad der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass beim Beschwerdeführer 
keine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung vorliegt. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 21

4.2 Ob die vom Beschwerdeführer teilweise offenbar nur seinem be-
handelnden Psychiater und nicht auch dem psychiatrischen Gutachter ge-
schilderten, unstrittig belastenden … – sofern denn erstellt – hinreichend 
extrem und andauernd waren, um bei einer Person unabhängig von ihrer 
individuellen Vulnerabilität eine andauernde Persönlichkeitsänderung be-
wirken zu können (vgl. DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale 
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-
diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 286), kann damit offenbleiben. 
Selbst wenn diese Frage mit dem behandelnden Psychiater und abwei-
chend von den überzeugenden Ausführungen des RAD-Arztes Dr. med. 
H.________ (vgl. AB 162 S. 2) zu bejahen wäre, genügte dies mangels 
Vorliegens der Merkmale einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach 
Extrembelastung beim Beschwerdeführer nicht für eine entsprechende 
Diagnosestellung. Das Vorliegen einer Extrembelastung ist hierfür zwar 
eine notwendige Voraussetzung, entscheidend ist jedoch, ob die entspre-
chende Störung tatsächlich gegeben ist, was nach dem Dargelegten im 
Falle des Beschwerdeführers gestützt auf das MEDAS-Gutachten wie auch 
die Ausführungen des RAD-Arztes Dr. med. H.________ mit dem Beweis-
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann. 

Eine anderweitige psychische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-
keit wird seitens des Beschwerdeführers resp. des behandelnden Psychia-
ters nicht (mehr) geltend gemacht und kann vorliegend gestützt auf die 
umfassende psychiatrische Begutachtung durch Dr. med. E.________ mit 
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ebenfalls ausge-
schlossen werden. Der medizinische Sachverhalt erweist sich damit als 
rechtsgenüglich abgeklärt. Dies gilt auch in somatischer Hinsicht. Es finden 
sich in den gesamten Akten keine Anhaltspunkte, die für einen weiterge-
henden Abklärungsbedarf in somatischer Hinsicht sprechen würden oder 
an der diesbezüglichen Beurteilung durch die MEDAS-Gutachter zweifeln 
liessen. Etwas anderes wird von den Parteien denn auch nicht geltend ge-
macht. 

4.3 Zusammenfassend ist gestützt auf das MEDAS-Gutachten erstellt, 
dass der Beschwerdeführer in Bezug auf seine angestammte Tätigkeit bei 
der J.________ GmbH als ... als auch in Bezug auf andere körperlich be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 22

lastende Tätigkeiten seit April 2016 vollständig arbeitsunfähig ist, dass er 
aber in Bezug auf körperlich leichte bis mittelschwere Verrichtungen unter 
Wechselbelastung ohne das häufige Heben und Tragen von Lasten über 
15 kg und ohne die Einnahme von längeren Zwangshaltungen zeitlich und 
leistungsmässig uneingeschränkt arbeitsfähig ist und dass diesbezüglich 
auch nie eine lang andauernde, relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden hat 
(vgl. AB 148.1 S. 6 ff. sowie E. 3.1 hiervor). 

5.

5.1 Im Jahr 2017, dem Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
(Karenzfrist: Art 29 Abs. 1 IVG; AB 1 S. 1; Wartezeit: Art. 28 Abs. 1 lit. b 
IVG; AB 148.1 S. 7 Ziff. 4.6.4; ein IV-Taggeld wurde erstmals ab 4. Sept-
ember 2017 ausgerichtet [AB 49], womit ein Rentenaufschub im Sinne von 
Art. 29 Abs. 2 IVG [vgl. dazu auch Rz. 1054 des Kreisschreibens über die 
Taggelder der Invalidenversicherung des Bundesamts für Sozialversiche-
rungen] ausser Betracht fällt) hätte der Beschwerdeführer in seiner ange-
stammten Tätigkeit als ... bei der J.________ GmbH ohne Gesundheits-
schaden Fr. 59'707.-- verdient (AB 109). Die Beschwerdegegnerin hat 
demgegenüber zugunsten des Beschwerdeführers als Basis für die Be-
stimmung des Valideneinkommens auf die im Vergleich höheren Erfah-
rungs- und Durchschnittswerte gemäss Tabellenlohn nach den vom Bun-
desamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) ab-
gestellt (Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Männer, Total) und ist damit 
zumindest implizit davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer – wohl 
aufgrund des aktenkundig schlechten Verhältnisses zu seinem damaligen 
Chef (vgl. AB 14 S. 6, AB 24.2 S. 6 f., AB 148.2 S.6) – im Zeitpunkt des 
frühestmöglichen Rentenbeginns auch ohne Gesundheitsschaden nicht 
mehr bei der J.________ GmbH angestellt gewesen wäre. Ob sie dies zu 
Recht getan hat, kann vorliegend letztlich offenbleiben, da auch unter die-
ser für den Beschwerdeführer günstigeren Annahme kein einen Rentenan-
spruch begründender Invaliditätsgrad resultiert. 

5.2 Da der Beschwerdeführer nach Eintritt des Gesundheitsschadens 
keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, hat 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 23

die Beschwerdegegnerin für die Ermittlung seines hypothetischen Invali-
deneinkommens zu Recht ebenfalls auf die LSE abgestellt, wobei sie von 
der gleichen Basis wie beim Valideneinkommen ausgegangen ist. Dies 
lässt sich nicht beanstanden, da dem Beschwerdeführer – von körperlich 
belastenden Verrichtungen abgesehen – grundsätzlich dieselben (Hilfsar-
beiter-)Tätigkeiten offenstehen, wie er als Gesunder mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit ausüben würde. Bei dieser Ausgangslage erübrigt sich 
ein zahlenmässiger Einkommensvergleich. Der Invaliditätsgrad entspricht 
diesfalls grundsätzlich der medizinisch-theoretischen Einschränkung der 
Arbeitsfähigkeit zuzüglich eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dem 
Beschwerdeführer sind körperlich leichte bis mittelschwere Verrichtungen 
unter Wechselbelastung ohne das häufige Heben und Tragen von Lasten 
über 15 kg und ohne die Einnahme von längeren Zwangshaltungen zeitlich 
und leistungsmässig nach wie vor uneingeschränkt zumutbar. Eine medizi-
nisch-theoretische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Folge der ge-
sundheitlichen Beeinträchtigung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 ATSG liegt so-
mit nicht vor. Dem Umstand, dass dem Beschwerdeführer körperlich belas-
tende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar sind, hat die Beschwerdegegnerin 
mit einem Abzug von 10% vom Tabellenlohn angemessen Rechnung ge-
tragen (AB 158). Allfällige invaliditätsfremde Gründe (Alter, Dienstjahre, 
Nationalität/Aufenthaltskategorie), die auf ein unterdurchschnittliches Ein-
kommen des Beschwerdeführers schliessen liessen, wären bei beiden sta-
tistischen Vergleichseinkommen gleichermassen zu berücksichtigen und 
damit vorliegend von vornherein ohne Einfluss auf den Invaliditätsgrad (vgl. 
Entscheid des BGer vom 19. Januar 2009, 8C_42/2008, E. 5). Damit hat es 
mit dem gewährten Abzug von 10% und einem rentenausschliessenden 
Invaliditätsgrad in maximal dieser Höhe sein Bewenden. 

5.3 Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 4. Mai 
2020 (AB 158) ist somit nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene 
Beschwerde abzuweisen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 24

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor 
dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung 
oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach 
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen. 

Die Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 800.-- festzusetzen und 
– unter Vorbehalt der unentgeltlichen Rechtspflege – dem unterliegenden 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf 
eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Um-
kehrschluss]).

6.3 Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.

6.3.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei 
von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 111 Abs. 1 VRPG).

6.3.2 Aufgrund der zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einge-
reichten Unterlagen (vgl. BB 3 f. und BB 10) ist die Prozessbedürftigkeit 
erstellt. Das vorliegende Beschwerdeverfahren war auch nicht als von 
vornherein aussichtslos zu bezeichnen. Damit sind die Voraussetzungen 
zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege hinsichtlich Verfahrens-
kosten erfüllt. Das Gesuch ist somit gutzuheissen. Der Beschwerdeführer 
ist folglich – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 der 
Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (Zivilpro-
zessordnung, ZPO; SR 272) – von der Zahlungspflicht betreffend die Ver-
fahrenskosten zu befreien (Art. 113 VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2020, IV/20/418, Seite 25

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird hinsichtlich der Ver-
fahrenskosten gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird der Beschwerdeführer – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.