# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 212e2c64-8e9a-5ee1-85c6-88e9fe33854a
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 2001 26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-2001-26_0000-00-00.pdf

## Full Text

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c) Den Bestimmungen von Art. 9 der Verordnung über die Kosten im 
Strafverfahren vom 20. November 1974 (BR 350.200) und Art. 9 Abs. 1 der 
Verordnung über Gebühren und Entschädigung der im Strafverfahren mit- 
wirkenden Personen sowie das Rechnungswesen vom 16. Dezember 1974 
(BR 350.230) entsprechende Vorschriften, welche die Honorarordnung des 
Bündnerischen Anwaltsverbandes (HO) als Richtlinie für anwendbar er- 
klärt, kennen weder das Zivilprozessverfahren (Verordnung über die Ver- 
fahrenskosten und Entschädigung im Zivilverfahren vom 29. Mai 1985, BR 
320.070; Kostentarif im Zivilverfahren vom 9. Dezember 1985, BR 320.075; 
vgl. aber PVG 1980 Nr. 4) noch das Verwaltungsgerichtsverfahren (Art. 75 
VGG; Verordnung über Organisation, Geschäftsführung und Gebühren des 
Verwaltungsgerichts vom 30. November 1966, BR 173.300; Gebührenver- 
ordnung für das Verwaltungsgericht vom 25. August 1980, BR 173.310). 
Die sachliche Nähe gebietet, in Analogie zur Entschädigung des amtlichen 
Verteidigers im Strafverfahren hilfsweise den Armenrechtstarif gemäss der 
Honorarordnung des Bündnerischen Anwaltsverbandes anzuwenden. Ge- 
mäss Art. 7 HO beträgt dieser 75 % des normalen Stundenansatzes von Fr. 
200.–; Zuschläge nach Art. 4–6 HO dürfen dabei nicht erhoben werden … 
SKA 01 12 Entscheid vom 1. Mai 2001

e) Entscheide der Beschwerdekammer 
des Kantonsgerichts

26 – Fahrlässige Körperverletzung (Art. 125 StGB). Die Sorgfalts- 
regeln auf der Skipiste richten sich nach den FIS-Regeln; Zu-
sammenstoss eines einen 90-Grad-Bogen ausführenden 
Snowboardfahrers mit einer von oben herannahenden Ski- 
fahrerin (Sorgfaltspflichtverletzung des Snowboardfahrers 
verneint).

Aus den Erwägungen:
2. Gemäss Art. 125 StGB macht sich einer fahrlässigen Körperver- 

letzung schuldig, wer durch sein Verhalten einen Menschen fahrlässig am 
Körper oder an der Gesundheit schädigt und sich vorwerfen lassen muss, die 
nach den Umständen und seinen persönlichen Verhältnissen erforderliche 
Vorsicht nicht beachtet zu haben. Dabei muss für den Täter voraussehbar ge- 
wesen sein, dass durch sein sorgfaltswidriges Verhalten der tatbestandsmäs- 
sige Erfolg eintreten könnte. Ausserdem muss erstellt sein, dass er dies durch 
pflichtgemässes Verhalten mit grosser Wahrscheinlichkeit hätte vermeiden

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können (Jörg Rehberg, Strafrecht I, 6. Aufl., Zürich 1996, S. 233 ff.). Bei der 
Beurteilung, welches Mass an Sorgfalt im Einzelfall geboten ist, kann in vie- 
len Lebensbereichen auf Verordnungen zurückgegriffen werden, welche zur 
Unfallverhütung beitragen und der Sicherheit dienen sollen. Gleiches gilt 
für entsprechende, allgemein anerkannte Verhaltensregeln, auch wenn sie 
von einem privaten oder halböffentlichen Verband erlassen wurden und 
keine Rechtsnormen darstellen, so etwa die Verhaltensregeln für Skifahrer 
des Internationalen Skiverbandes, genannt FIS-Regeln (vgl. Hans-Kaspar 
Stiffler, Schweizerisches Skirecht, Derendingen 1991, Anhang I, sowie BGE 
118 IV 133 mit Hinweisen).

Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Ergebnis, 
dass keine genügenden Hinweise für das Vorliegen einer straf- und ver- 
folgbaren Handlung des Angeschuldigten gegeben seien. Zur Begründung 
führte sie unter anderem aus, R. habe weder gegen FIS-Regel Nr. 9 (Hilfeleis- 
tung) verstossen, noch könne ihm eine Verletzung von FIS-Regel Nr. 2 vor- 
geworfen werden, wonach jeder Skifahrer auf Sicht fahren sowie seine Ge- 
schwindigkeit und Fahrweise seinem Fahrkönnen und den Verhältnissen auf 
der Piste anpassen muss. Ebenso wenig liege ein Anwendungsfall von FIS- 
Regel Nr. 5 vor. Vielmehr sei FIS-Regel Nr. 3 anwendbar, welche besagt, dass 
der von hinten kommende Skifahrer seine Fahrspur so wählen muss, dass er 
den vor ihm fahrenden Skifahrer nicht gefährdet. Gemäss dieser Bestimmung 
habe R. gegenüber der von hinten herannahenden S. den Vorrang gehabt.

Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, R. habe die
FIS-Regel Nr. 5 verletzt, wonach sich jeder Skifahrer, der in eine Skiabfahrt 
einfahren oder nach einem Halt wieder anfahren will, nach oben und unten 
vergewissern muss, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann. 
Dies habe der Snowboardlehrer nur ungenügend getan. R. sei quer in die 
Piste eingefahren und habe dabei pistenaufwärts direkt auf die Beschwer- 
deführerin zufahren müssen, um den Schwung überhaupt perfekt beenden 
zu können. Damit habe er ein sehr gefährliches und aussergewöhnliches 
Manöver ausgeführt, mit dem die anderen Pistenbenutzer nicht unbedingt 
rechnen mussten. Deswegen sei er zu besonderer Vorsicht verpflichtet ge- 
wesen und habe den von oben kommenden Skifahrern den Vorrang lassen 
müssen. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz sei die FIS-Regel Nr. 3 
(Wahl der Fahrspur) demnach nicht anwendbar. Auch auf der Skipiste gelte 
der Vertrauensgrundsatz. Indem R. bei der Ausführung seines ausserge- 
wöhnlichen Fahrmanövers seinen Blick von der Piste nach hinten zu seinen 
Schülern abgewandt habe, habe er folglich gegen FIS-Regel Nr. 1 verstossen, 
welche besagt, dass jeder Skifahrer sich so verhalten muss, dass er keinen an- 
deren gefährdet oder schädigt.

3. … Aufgrund der Aussagen der Unfallbeteiligten und der Aus-
kunftspersonen sowie der gemäss Polizeirapport angetroffenen Situation ist

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demzufolge davon auszugehen, dass R. seinen drei Schülern am 7. März 2000 
im Skigebiet A. auf dem letzten Drittel der R.-Piste nachmittags bei besten 
Sicht- und Schneeverhältnissen einen Carvingschwung nach rechts zum 
Hang hin vorführte. Hierzu fuhr R. in «regular position», das heisst mit dem 
linken Bein vorne, von der am linken Pistenrand wartenden Schülergruppe 
zunächst in der Falllinie den Schlusshang hinunter, um in einem weiten 
Bogen den Rechtsschwung zu demonstrieren. Nach rund 58 Metern Fahrt, 
als sich der Snowboardlehrer im Bereich des tiefsten Punktes seines 
Schwunges befand, kollidierte er mit der von oben kommenden Skifahrerin
S. Entsprechend den Rügen der Beschwerdeführerin bleibt somit zu prüfen, 
ob Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass R. mit seinem Verhalten seine Sorg- 
faltspflichten beziehungsweise eine FIS-Regel verletzt hat.

a) Wie erwähnt, fuhr R. nach einem kurzen Halt am Pistenrand 
einige Meter in der Falllinie talwärts, um anschliessend seinen Schwung vor- 
zuführen. R. gab gegenüber dem Untersuchungsrichter zu Protokoll, er habe 
vor dem Ausführen der Rechtskurve den Hang «abgecheckt» und dabei 
die Skifahrerin, mit der er kollidiert sei, nicht gesehen. Jener Bereich, in 
welchen er zu fahren beabsichtigt hatte, sei frei von Skifahrern gewesen. 
Gegenüber der Polizei sagte er übereinstimmend aus, der Bereich rechts von 
ihm sei frei und ohne Skifahrer gewesen, als er von seinen Schülern 
losgefahren sei. Auch bei der schriftlichen Schilderung des Unfallhergangs 
führte er aus, dass er vor der Demonstration der Bewegungsaufgabe den 
Hang überblickt habe. E., ein Schüler von R., bestätigte, dass keine weiteren 
Leute auf dem Pisten- abschnitt waren, als der Snowboardlehrer seinen 
Schwung vorführte. Auch wenn die Beschwerdeführerin das Gegenteil 
behauptet, kann in Anbetracht der übereinstimmenden Angaben von R. 
und E. somit nicht nachgewiesen werden, dass sich der Snowboardlehrer 
vor dem Einfahren in die Piste nicht hinlänglich vergewissert hat, dass die 
Farbahn frei ist. Es ist also davon aus- zugehen, dass er korrekt in die Piste 
eingefahren ist, ohne dadurch eine Ge- fahr für sich oder andere 
Pistenbenutzer zu schaffen. Unter diesen Umstän- den liegen keine 
hinreichenden Anhaltspunkte für eine Verletzung der FIS-Regel Nr. 5 
seitens des Angeschuldigten vor.

Im Übrigen ist aufgrund der Akten erstellt, dass R. vom Anfahren in 
die Falllinie am Pistenrand über das Ausführen seines Carvingschwungs 
Richtung Pistenmitte etwa 58 Meter zurücklegte, bis es zur Kollision kam. 
Zum Zeitpunkt der Kollision war der Snowboardlehrer also nicht mehr 
beim Anfahren nach einem Halt. Vielmehr befand er sich bereits über eine 
längere Strecke in Fahrt, als er mit der Beschwerdeführerin zusammen- 
prallte. Befindet sich aber ein Pistenbenutzer nach einem Halt, wenn auch 
langsam, bereits wieder in Fahrt, so hat er gegenüber schnelleren und von 
hinten oder oben kommenden Skifahrern wieder den Vorrang gemäss FIS- 
Regel Nr. 3 (vgl. Stiffler, a. a. O., S. 38). Wie die Vorinstanz zutreffend fest-

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stellt, gelangt also im konkreten Fall nicht FIS-Regel Nr. 5, sondern FIS-Re- 
gel Nr. 3 zur Anwendung.

b) X. führte anlässlich seiner Einvernahme aus, dass die Skifahrerin 
gerade in dem Moment von oben heruntergefahren sei, als die Schüler nach 
der Demonstration von R. losfahren wollten. Das bedeutet, dass sich die Be- 
schwerdeführerin weit oberhalb des Snowboardlehrers befand, als er los- 
fuhr, um seinen Carvingschwung vorzuführen. Zudem gab X. wörtlich zu 
Protokoll: «R. ist quer über die Piste gefahren, da er einen 90-Grad-Schwung 
gemacht hat. Dann ist die Skifahrerin von oben gekommen.» Dies wird denn 
auch von der Beschwerdeführerin selbst bestätigt, wenn sie in ihrer Be- 
schwerdeschrift ausführen lässt: «Den Ausführungen des Untersuchungs- 
richters, wonach sich S. noch oberhalb der Snowboardgruppe befunden 
habe, als R. seine Schüler verlassen habe, kann durchaus gefolgt werden.» R. 
fuhr in der Falllinie vom Pistenrand weg und führte anschliessend eine 
Rechtskurve zur Pistenmitte hin aus, bis es nach rund 58 Metern zur 
Kollision der beiden Pistenbenützer kam. Wie weiter unten noch näher 
auszuführen sein wird, ist entgegen der Behauptung der 
Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass er dabei eher langsam 
unterwegs war (vgl. dazu weiter unten Erwägungen
3. c) bb)). Demgegenüber fuhr S. gemäss eigenen Angaben mindestens mit
«mittlerer Geschwindigkeit» zu Tal. Wie in der angefochtenen Verfügung zu- 
treffend dargelegt wird, hätte R. also gar nicht mit der Beschwerdeführerin 
zusammenstossen können, wenn diese sich bereits auf gleicher Höhe oder 
unterhalb der Gruppe befunden hätte, als der Snowboardlehrer losfuhr, um 
seinen Schwung zu demonstrieren. Nach dem Gesagten wird demnach klar 
ersichtlich, dass S. von oben beziehungsweise hinten kam, als R. seinen Car- 
vingschwung nach rechts vorführte. Gemäss FIS-Regel Nr. 3 genoss er somit 
gegenüber der Beschwerdeführerin den Vorrang auf der Piste.

c) Die Beschwerdeführerin räumt ein, dass die Regel Nr. 3 zutreffen 
möge, wenn der anfahrende Pistenbenutzer direkt in der normalen Falllinie 
nach unten fahre. Im konkreten Fall habe R. aber quer in die Piste einfahren 
und pistenaufwärts direkt auf die Beschwerdeführerin zufahren müssen, um 
den Schwung überhaupt demonstrieren und perfekt beenden zu können. Er 
habe damit ein relativ gefährliches und aussergewöhnliches Manöver ausge- 
führt, mit dem sie nicht habe rechnen müssen. Demzufolge sei er zu beson- 
derer Vorsicht verpflichtet gewesen. Er hätte also den von oben kommenden 
Skifahrern den Vorrang lassen müssen. Dieser Argumentation kann nicht 
gefolgt werden.

aa) R. ist, entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin, keines- 
wegs quer in die Piste eingefahren, sondern zunächst in der normalen Fall- 
linie nach unten angefahren. Erst anschliessend, nach mehreren Metern 
Fahrt, hat er sein Snowboard aufgekantet und eine Rechtskurve zur Pisten- 
mitte hin ausgeführt. Dies wurde nicht nur von R. selbst so geschildert, son-

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dern auch von seinem Schüler X. bestätigt. Die Beschwerdeführerin selbst 
hat dies ebenfalls bestätigt, indem sie der von R. angefertigten Unfallskizze 
zustimmte, welche klar aufzeigt, dass der Snowboardlehrer zunächst in der 
Falllinie und nicht quer in die Piste eingefahren ist. Von einem «Queren» der 
Piste kann höchstens insoweit gesprochen werden, als sich R. nach dem An- 
fahren in der Falllinie beim Ausführen des Carvingschwungs in weitem Bo- 
gen vom linken Pistenrand nach rechts zur Pistenmitte hin bewegte. Entge- 
gen den Ausführungen der Beschwerdeführerin ist jedoch nicht einzusehen, 
weshalb darin ein relativ gefährliches beziehungsweise aussergewöhnliches 
Fahrmanöver erblickt werden sollte, bei dessen Ausführung der Betreffende 
den von oben kommenden Skifahrern den Vorrang lassen müsste. Soweit die 
Beschwerdeführerin nämlich behauptet, der auf der Piste talwärts fahrende 
Skiläufer müsse nicht unbedingt damit rechnen, dass jemand die Piste quere, 
solange nicht ein entsprechendes Schild auf eine Kreuzung hinweise, kann 
ihr nicht zugestimmt werden. Der Vorrang des vorderen Skifahrers gegen- 
über dem von hinten kommenden gilt uneingeschränkt für alle Bewegungen 
des vorderen beziehungsweise geländemässig gesehen unteren Skifahrers, 
ob dieser nun geradeaus fahre, stemme, in weiten oder kurzen Bögen ab- 
schwinge, rutsche oder, was für den oberen Skifahrer besonders überra- 
schend sein kann, plötzlich stürze. Dem Skifahrer ist jede Fahrweise erlaubt, 
solange er dabei seine Verpflichtungen gegenüber den Mitskifahrern einhal- 
ten kann. So wird kreuz und quer, schnell und langsam, technisch völlig un- 
terschiedlich mit Schwüngen, Stemmen, Rutschen oder im Schuss gefahren 
(vgl. Stiffler, a. a. O., S. 36 N. 143). Der vordere Skifahrer hat in jedem Fall 
Vorrang; der hintere muss auch damit rechnen, dass der vordere infolge 
mangelnder Fahrtechnik nicht die erwartete Richtung einschlägt und bei- 
spielsweise zu einem Linksschwung ansetzt, aber verkantet und damit doch 
nach rechts weiterfährt (vgl. Stiffler, a. a. O., S. 34 N. 38). Insbesondere An- 
fänger, welche das Skifahren oder Snowboarden noch nicht beherrschen, 
fahren häufig von einem Pistenrand quer zum andern, wobei auch diese 
gegenüber den von oben herannahenden Pistenbenutzern den Vorrang ge- 
niessen. Bereits unter diesem Gesichtspunkt betrachtet wird demnach er- 
sichtlich, dass R. mit seinem Carvingschwung vom Pistenrand Richtung 
Pistenmitte – auch wenn er dabei einigen Raum benötigte – kein gefährli- 
ches oder aussergewöhnliches Manöver ausführte. Vielmehr führte er, wenn 
auch in der Carvingtechnik, so doch lediglich eine 90-Grad-Rechtskurve vor, 
welche im Hinblick auf andere Fahrmanöver weder als relativ gefährlich 
noch als unüblich eingestuft werden kann.

Die von R. angefertigten Unfallskizze deutet zwar darauf hin, dass 
der Snowboardlehrer in der Abschlussphase seines Schwunges leicht hang- 
aufwärts gefahren wäre, wenn er den geplanten Bewegungsablauf hätte be- 
enden können, bevor es zum Zusammenprall mit der Beschwerdeführerin

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kam. Dementsprechend gab der Snowboardlehrer gegenüber der Polizei zu 
Protokoll, dass der Zusammenstoss praktisch am tiefsten Punkt seines 
Schwunges passiert sei, unmittelbar bevor er hangaufwärts gefahren wäre. 
Tatsächlich trifft es denn auch zu, dass die Fahrspur eines einzelnen Car- 
vingschwungs in der Endphase in der Regel leicht bergwärts verläuft. Dass 
Snowboarder ihre Fahrt mit einem solchen Schwung unterbrechen oder be- 
enden und dass sie dafür einigen Raum benötigen, ist jedoch, entgegen der 
Auffassung der Beschwerdeführerin, nichts Aussergewöhnliches. Auch unter 
Carvingskifahrern ist dieser Bewegungsablauf üblich. Darüber hinaus kann 
ein solcher 90-Grad-Bogen, insbesondere hinsichtlich des beanspruchten 
Raumes, sogar von einem Skifahrer ausgeführt werden, welcher nicht in der 
Carvingtechnik, sondern in der althergebrachten Weise die Piste hinunter- 
fährt. In Anbetracht dessen kann hier wohl kaum von einem aussergewöhn- 
lichen Fahrmanöver gesprochen werden.

bb) Anders wäre die Sache allenfalls dann zu beurteilen, wenn der
Snowboardlehrer eine 180-Grad-Kurve oder gar einen 360-Grad-Radius 
ausgeführt hätte, wie sie allein in der Carvingtechnik, also nur mit einem 
Snowboard oder auf Carvingskiern, gefahren werden kann. Von einem mit 
einer 180- oder 360-Grad-Kurve vergleichbaren Manöver kann jedoch bei 
einem 90-Grad-Carvingschwung, wie ihn der Beschwerdegegner ausführte, 
nicht die Rede sein. Bei der Ausführung eines 180-Grad- oder 360-Grad-Bo- 
gens bewegt sich der Carvingfahrer zwar nur kurzzeitig, aber im Gegensatz 
zu einem gewöhnlichen 90-Grad-Schwung von unten nach oben, also berg- 
wärts in Gegenrichtung zum Pistenverlauf direkt auf die zu Tal fahrenden 
Schneesportler zu. Dabei benötigt er bereits eine hohe Anfangsgeschwin- 
digkeit, welche er durch kontinuierlichen Druckaufbau aufrechterhält,  da- 
mit er genügend Dynamik erreicht, um über den tiefsten Punkt hinauszu- 
kommen und den Halbkreis beziehungsweise den 360-Grad-Bogen voll- 
ständig und sauber ausführen zu können. Wird ein solches Manöver aus- 
geführt, sehen sich die von oben in der Fallinie herannahenden Pistenbenut- 
zer also plötzlich mit «Gegenverkehr» konfrontiert, welcher direkt und mit 
hoher Geschwindigkeit auf sie zukommt. Dadurch wird eine unvermittelte 
Verkürzung ihres Anhalteweges bewirkt. Unter solchen Umständen  stellt 
sich die berechtigte Frage nach dem Vorliegen eines gefährlichen und aus- 
sergewöhnlichen Fahrmanövers, mit dem die anderen Pistenbenutzer nicht   
zu rechnen haben und bei dessen Durchführung eine erhöhte Sorgfalts-  
pflicht besteht, der die FIS-Regeln allenfalls nicht genügend Rechnung tra- 
gen (vgl. dazu PKG 1999 Nr. 32). Demgegenüber kann jedoch bei der Aus- 
führung eines einzelnen 90-Grad-Carvingbogens nicht die Rede davon sein, 
dass der Carvingfahrer seine anfängliche Fahrtrichtung in der Abschluss- 
phase vollständig in die entgegengesetzte Richtung ändert und so direkt auf 
die  von  oben  herannahenden Wintersportler  zufährt. Vielmehr  verläuft die

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Spur bei diesem Manöver nach dem Passieren des tiefsten Punktes nur noch 
geringfügig bergwärts, indem der Snowboarder die Kurve langsam auslaufen 
lässt oder aber durch Schrägstellen des Brettes abbremst und beendet. Da- 
bei wird viel weniger Druck ausgeübt als bei den beiden andern Manövern, 
womit auch das für den korrekten Bewegungsablauf benötigte Tempo ent- 
sprechend niedriger ist. Nach dem Gesagten ist somit nicht ersichtlich, in- 
wiefern ein 90-Grad-Carvingschwung relativ gefährlich oder aussergewöhn- 
lich sein soll.

cc) Konkret wird aufgrund der Akten denn auch deutlich, dass sich
R. entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin nicht bergwärts direkt 
auf sie zu bewegte, als es zur Kollision kam. Dies ergibt sich einerseits aus 
den Aussagen von R., welcher zu Protokoll gab, dass der Zusammenstoss 
im Bereiche des tiefsten Punktes passierte, bevor er hangaufwärts gefahren 
wäre. Ausserdem bestätigt auch die von ihm angefertigte Skizze deutlich, 
dass sich R. zum Zeitpunkt der Kollision nicht in kompletter Richtungsän- 
derung von unten direkt zum Hang auf die Beschwerdeführerin hin zube- 
wegte. Vielmehr zeigt die Zeichnung deutlich, dass der Zusammenprall im 
Bereich des tiefsten Punktes erfolgte. Diese Skizze wurde nicht nur vom 
Snowboardschüler X., sondern auch von der Beschwerdeführerin selbst be- 
stätigt. Soweit also die Beschwerdeführerin gegenüber dem Ermittlungs- 
richter behauptete, der Snowboardlehrer sei von links unten frontal auf sie 
zugefahren, steht dies nicht nur im Widerspruch zu den Angaben des Be- 
schwerdegegners und seines Schülers, sondern auch zu ihrer eigenen Aus- 
sage, wonach sie der von R. angefertigten Unfallskizze zustimme.

Dass R. bei der Ausführung des geschilderten Bewegungsablaufs zu 
schnell gefahren sei, ist ebensowenig nachzuweisen. Gemäss seinen eigenen 
Angaben fuhr er relativ langsam zur Pistenmitte. Seine  Geschwindigkeit 
habe  10  bis  15,  vielleicht  auch  20  km/h betragen.  Demgegenüber müsse
S.recht schnell gefahren sein, da sie ja während der Zeit, in der er die Kurve 
gefahren sei, eine Strecke von 50 Metern oder mehr zurückgelegt haben 
müsse. Auch der Snowboardschüler E. sagte aus, dass R. langsam gefahren 
sei. Sein Snowboardlehrer sei praktisch im Schritttempo unterwegs gewesen, 
so dass er (E.) in schnellem Schritt mit ihm hätte mithalten können. Die Frau 
sei hingegen in rasanter Fahrt Richtung Tal unterwegs gewesen. Er könne 
deren Geschwindigkeit zwar nicht in km/h angeben. Auf jeden Fall sei sie 
aber viel schneller als R. unterwegs gewesen. X. gab zu Protokoll, dass R. be- 
reits zu dem Zeitpunkt abgebremst habe, als er zu den Schülern nach oben 
geschaut habe. Aufgrund dieser Aussagen wird mithin deutlich, dass R. bei 
der Vorführung des Carvingschwungs eher langsam gefahren sein muss, 
währenddem die Beschwerdeführerin im Vergleich dazu relativ schnell un- 
terwegs war. Es kann also nicht zutreffen, dass R. mit hoher Geschwindigkeit 
in die Skifahrerin geprallt ist. Zwar führte Letztere im Widerspruch dazu ge-

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genüber dem Ermittlungsrichter aus, dass der Snowboardlehrer mit sehr ho- 
her Geschwindigkeit frontal auf sie zugefahren sei, währenddem sie selbst 
lediglich mit mittlerem Tempo fuhr. Anlässlich der gleichen Befragung gab 
sie indes zu Protokoll, dass sie zu R.’ s Fahrverhalten nichts sagen könne, da 
sie ihn nicht wahrgenommen habe. Hat sie aber den Snowboarder gemäss ei- 
genen Angaben gar nicht gesehen, so konnte sie auch keine Angaben über 
seine Geschwindigkeit machen. Ihre Aussagen erscheinen daher nicht ganz 
schlüssig und vermögen in Anbetracht der übereinstimmenden Angaben des 
Angeschuldigten und seiner Schüler in keiner Weise zu überzeugen.

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift bestehen 
folglich keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass  R.  pistenaufwärts 
mit hoher Geschwindigkeit direkt auf die herannahende  S. zugefahren  ist 
und damit unter Missachtung seiner Sorgfaltspflichten ein aussergewöhnli- 
ches Manöver ausführte. Vielmehr ist gestützt auf die Aktenlage davon aus- 
zugehen, dass R. mit seinem Snowboard in angemessenem  Tempo  einen 
rund 90 Grad weiten Radius in den Schnee zog, bevor es im Bereich des 
tiefsten Punktes zur Kollision kam. R. führte also ein durchaus übliches, kor- 
rektes Fahrmanöver aus, mit dem jeder andere Pistenbenutzer rechnen 
musste. Als vorderer beziehungsweise unterer Pistenbenutzer genoss er 
demzufolge den Vorrang gemäss FIS-Regel Nr. 3.

d) Nicht bestritten wird von R., dass er während des Rechtsschwungs
nicht immer in Fahrtrichtung, sondern einen Moment zu seinen Schülern 
hinaufblickte. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin ist darin 
jedoch keine strafrechtlich relevante Sorgfaltspflichtverletzung zu erken- 
nen. Es ist zwar richtig, dass auch im Skisport der Vertrauensgrundsatz gilt, 
welcher in FIS-Regel Nr. 1 enthalten ist. Da jeder Skifahrer verpflichtet ist, 
sich so zu verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt, darf er 
auch davon ausgehen, dass sich jeder andere Skifahrer an dieses grundsätz- 
liche Gebot hält. Im Gegensatz zum anders geordneten Strassenverkehrs- 
recht bildet die FIS-Regel Nr. 1 indes nur einen Auffangtatbestand, der für 
Situationen  gilt,  für  die  keine  bestimmte  Regelung  besteht  (vgl.  Stiffler,
a. a. O., S. 29 N. 114, 116). Wie oben dargelegt wurde, gelangt aber im vorlie- 
genden Fall nicht der Auffangtatbestand der FIS-Regel Nr. 1, sondern ein- 
deutig die FIS-Regel Nr. 3 zur Anwendung. R. genoss den Vorrang gegen- 
über der Beschwerdeführerin, da er vor ihr fuhr und dabei ein durchaus 
übliches Fahrmanöver ausführte. Dies bedeutet, dass die von oben respek- 
tive hinten herannahende Beschwerdeführerin damit rechnen musste, dass 
der vor ihr fahrende Snowboarder einen Carvingschwung ausführt und dass 
er dafür einen gewissen Raum beansprucht. Dementsprechend war es die 
vortrittsbelastete S., welche darauf hätte achten müssen, ihre Fahrspur so zu 
wählen, dass R. sein Manöver ungehindert ausführen konnte. R. musste 
demgegenüber in dieser Situation nicht damit rechnen,  dass ein von oben

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kommender Pistenbenutzer seinen Vorrang missachtet. Dem Snowboard- 
lehrer kann daher nicht vorgeworfen werden, er habe sorgfaltswidrig gehan- 
delt, indem er den Blick kurz von der Piste abwandte. R. hatte sich bereits 
vor dem Anfahren vergewissert, dass die Fahrbahn, in die er zu fahren beab- 
sichtigte, frei war. Damit ist er seinen Sorgfaltspflichten hinlänglich nachge- 
kommen.

Daran vermag auch die von der Beschwerdeführerin zitierte SKUS- 
Richtlinie 2 für Snowboarder nichts zu ändern, wonach der Snowboarder vor 
jedem Richtungswechsel, besonders vor «Backside»-Schwüngen (mit dem 
Rücken zum Berg), zurückblicken und den Raum überprüfen muss. Dies ist 
wesentlich, weil sein Gesichtsfeld durch die Seitwärtsstellung bei «Back- 
side»-Schwüngen eingeschränkt ist. R. führte seinen Schülern jedoch keinen
«Backsideturn» vor. Vielmehr demonstrierte er einen «Frontside»-Schwung, 
indem der in «regular position» fahrende Snowboardlehrer eine Rechts- 
kurve ausführte. Dabei war sein Gesichtsfeld vom Start weg durch die ganze 
Rechtskurve nicht eingeschränkt.

e) Zusammenfassend fehlt es somit am Nachweis, dass sich der An- 
geschuldigte beim Ausführen seines Carvingschwungs in irgendeiner Weise 
sorgfaltswidrig verhalten hätte. R. hat sich vor dem Anfahren vergewissert, 
dass die Piste frei war. In der Folge führte er ein für Snowboarder übliches 
Manöver aus, mit welchem jeder andere Pistenbenützer, also auch die Be- 
schwerdeführerin, rechnen musste. Weil er dabei als voranfahrender Pisten- 
benutzer den Vorrang gegenüber der von oben herannahenden S. genoss 
und sein Blickfeld während des ausgeführten «Frontside»-Schwunges zu kei- 
nem Zeitpunkt eingeschränkt war, kann ihm strafrechtlich nicht zum Vor- 
wurf gemacht werden, dass er seinen Blick für einen kurzen Augenblick von 
der Piste zu seinen Schülern abwandte. Ebenso wenig ist ihm nachzuweisen, 
dass er mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren ist. Im Ergebnis wird so- 
mit deutlich, dass im konkreten Fall nicht genügend Anhaltspunkte dafür 
vorliegen, dass R. mit seinem Verhalten eine straf- und verfolgbare Hand- 
lung begangen hat. Ausserdem sind keine Beweismittel ersichtlich, welche 
an diesem Beweisergebnis noch etwas zu ändern vermöchten.

Steht aber demnach fest, dass die Vorinstanz das Strafverfahren ge- 
gen R. zu Recht eingestellt hat, so erweisen sich die Einwände der Be- 
schwerdeführerin als unbegründet. Die Beschwerde von S. ist somit abzu- 
weisen.
BK 01 11 Entscheid vom 25. Juni 2001