# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 72921a85-8626-5d95-bfcc-1e55266ba1aa
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-09
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 09.05.2025 OG.2024.00054 (OGS.2025.184)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2024-00054_2025-05-09.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtsvizepräsidentin Monika Trümpi, Oberrichterin
  Brigitte Müller und Oberrichterin Ruth Hefti sowie Gerichtsschreiberin MLaw Jasmin Marlovits. 

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 9. Mai 2025

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2024.00054

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
   

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
  vertreten durch MLaw Denise Wüst, Rechtsanwältin 

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Postgasse 29, 8750 Glarus 

  
	
  Beschwerdegegnerin

  
	
   

  
	
  vertreten durch lic. iur. Patrick
  Fluri, Staatsanwalt 

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Nichtanhandnahme
  einer Strafuntersuchung

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschwerdeführers (gemäss Eingabe vom 12. November
  2024 [act. 2], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Nichtanhandnahmeverfügung
    der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus vom 31. Oktober 2024 sei
    aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Staatsanwaltschaft des
    Kantons Glarus sei zu verpflichten, eine Untersuchung zu eröffnen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  1.         

  
	
  B.______ sel. begab sich am 7. September 2024 auf
  eine zweitägige geführte Bergtour. Am 8. September 2024 um ca.
  12.10 Uhr stürzte B.______ sel. in Linthal (Gemeinde Glarus Süd) beim
  Limmernband im hinteren Bereich des Limmerensees ab, wobei er tödlich
  verunglückte (act. 9/8.1.01). Die Rega meldete daraufhin einen
  aussergewöhnlichen Todesfall (act. 9/8.1.02), weshalb die Kantonspolizei
  Glarus Ermittlungen aufnahm und Rapport an die Staats- und
  Jungendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend «Staatsanwaltschaft»)
  erstattete (vgl. act. 9/8.1.01).

  
	
  2.         

  
	
  Mit Verfügung vom 31. Oktober 2024 (SA.2024.00720)
  entschied die Staatsanwaltschaft, keine Untersuchung anhand zu nehmen
  (act. 1).

  
	
  3.         

  
	
  3.1.    Hiergegen erhob A.______ (nachfolgend
  «Beschwerdeführer»), der Vater von B.______ sel., mit Eingabe vom
  12. November 2024 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der
  Nichtanhandnahmeverfügung sowie die Eröffnung einer Strafuntersuchung
  (act. 2).

  
	
  3.2.    In der Sache wurde keine Stellungnahme
  eingeholt (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario), jedoch wurden
  die Akten der Staatsanwaltschaft im Dossier SA.2024.00720 beigezogen
  (act. 9/1.0.00 ff.).

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.         

  
	
  1.1.    Das Obergericht behandelt als
  Rechtsmittelinstanz Beschwerden in Strafsachen (Art. 17 Abs. 2
  lit. a GOG/GL [GS III A/2]). Die vorliegend angefochtene
  Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft ist der Beschwerde
  zugänglich und die zehntägige Beschwerdefrist wurde eingehalten
  (Art. 310 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO und Art. 393
  Abs. 1 lit. a StPO; act. 3/3).

  
	
  1.2.    Stirbt die geschädigte Person, ohne auf
  ihre Verfahrensrechte als Privatklägerschaft verzichtet zu haben, so gehen
  ihre Rechte auf die Angehörigen im Sinne von Art. 110 Abs. 1 StGB
  in der Reihenfolge der Erbberechtigung über (Art. 121 Abs. 1 StPO).
  Die in Art. 121 Abs. 2 StPO vorgesehene Einschränkung der
  Rechtsnachfolge auf den Zivilpunkt gilt hierbei nicht (BGE 142 IV 82
  E. 3.2; BGE 140 IV 162 E. 4.9). Zu den Angehörigen gemäss
  Art. 110 Abs. 1 StGB gehören unter anderen die Verwandten in
  gerader Linie. Der Beschwerdeführer als Vater des Verstorbenen ist damit ein
  Angehöriger im Sinne von Art. 110 Abs. 1 StGB, wobei keine
  vorrangig erbberechtigte Person ersichtlich ist. Er kann sich demnach nach
  Art. 382 Abs. 1 StPO als Privat- bzw. Strafkläger konstituieren und
  ist als in seinen rechtlich geschützten Interessen betroffener Erbe zur
  Beschwerde gegen die Nichtanhandnahmeverfügung berechtigt (BGE 146 IV 76
  E. 2.2 f.; vgl. auch BGE 142 IV 82 E. 3.3.2 und
  BGE 141 IV 380 E. 2.2, je m.w.H.).

  
	
  2.         

  
	
  Mit Beschwerde können in Bezug auf den angefochtenen
  Entscheid Rechtsverletzungen und eine unvollständige oder unrichtige
  Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden
  (Art. 393 Abs. 2 StPO).

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.         

  
	
  1.1.    Die Staatsanwaltschaft begründet die
  Nichtanhandnahme der Strafuntersuchung damit, dass die Abklärungen keine
  Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Geschehen beim Tod von B.______
  sel. ergeben hätten. Die Voraussetzungen für die Eröffnung einer Untersuchung
  seien damit nicht gegeben (act. 1).

  
	
  1.2.    Der Beschwerdeführer bringt dagegen
  vor, dass nicht klar sei, ob eindeutig kein strafbares Verhalten vorliege. Er
  kritisiert, dass Fotos, welche C.______ sowie der Verstorbene getätigt
  hätten, nicht zu den Akten genommen worden seien. Das Verhalten des
  Bergführers bedürfe in Bezug auf mögliche Sorgfaltspflichtverletzungen einer
  näheren Untersuchung. Der Bergführer müsse die Sorgfaltspflichten nach
  Art. 2 RiskG (Bundesgesetz über das Bergführerwesen und Anbieten
  weiterer Risikoaktivitäten [SR 935.91]) einhalten, was nach den bisher
  getätigten polizeilichen Ermittlungen unmöglich zu eruieren sei. Fraglich
  sei, inwiefern der Bergführer den Verstorbenen genügend habe beaufsichtigen
  können, wenn sich dieser zum Unfallzeitpunkt möglicherweise nicht mehr in
  Sichtweite des Bergführers befunden habe. Unklar sei auch, inwiefern der
  Bergführer die Teilnehmer über die vorhandenen Gefahren aufgeklärt habe.
  D.______ sei davon ausgegangen, dass es sich um eine offizielle Route handle,
  was für eine mangelhafte Aufklärung spreche (act. 2, S. 5 f.).
  

  
	
  Weiter sei nicht abgeklärt worden, weshalb der
  Bergführer die Gruppe nicht über den ursprünglich geplanten einfacheren aber
  längeren Abstieg geführt habe. Bei der Pause auf dem Limmernpass habe die
  Entscheidung gefallen sein müssen, den Abstieg über den begangenen Bergweg zu
  begehen. Es sei fraglich, ob ein Abbruch des Abstieges angezeigt gewesen sei,
  ob der Weg regelmässig gewartet und ob die Sicherungen überprüft werden. Die
  Teilnehmer hätten ausserdem keinen Klettergurt getragen. Es seien demnach
  Hinweise für ein strafbares Verhalten vorhanden. Die Einholung eines
  Gutachtens sei aufgrund dessen, dass die bisherigen
  Sachverhaltsfeststellungen sich vor allem auf fehleranfällige Personalbeweise
  stützen, unverzichtbar. Als möglicher Täter würde der Bergführer im
  Vordergrund stehen, wobei allenfalls auch die Betreiberin des begangenen
  Bergweges in die Pflicht zu nehmen sei (act. 2, S. 5 ff.).

  
	
  2.         

  
	
  Gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO eröffnet die
  Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung, wenn sich aus den Informationen
  und Berichten der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus eigenen
  Feststellungen ein hinreichender Tatverdacht ergibt. Die Nichtanhandnahme
  einer Strafuntersuchung verfügt die Staatsanwaltschaft hingegen unter anderem
  dann, wenn aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass
  der fragliche Straftatbestand oder eine Prozessvoraussetzung eindeutig nicht
  erfüllt ist (Art. 310 lit. a StPO). Zu den Prozessvoraussetzungen gehört auch
  das Vorliegen eines genügenden Tatverdachts (vgl. Botschaft zur
  Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1278). Eine
  Nichtanhandnahme darf nur in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fällen
  ergehen. Ein Straftatbestand gilt dabei als eindeutig nicht erfüllt, sofern
  kein zureichender Verdacht auf eine strafbare Handlung besteht oder sich ein
  ursprünglich gegebener Anfangsverdacht vollständig entkräftet hat. Erst, wenn
  gestützt auf die Aktenlage zweifelhaft ist, ob ein hinreichender Tatverdacht
  erhärtet ist, gelangt der Grundsatz «in dubio pro duriore» zur Anwendung.
  Dieser besagt, dass im Zweifelsfall eine Untersuchung zu eröffnen ist. Die
  Strafverfolgungsbehörden verfügen dabei über einen gewissen
  Ermessensspielraum (vgl. zum Ganzen BGE 137 IV 285 E. 2.3; Urteil BGer
  6B_654/2022 vom 22. Februar 2023, E. 2.1).

  
	
  3.         

  
	
  3.1.    Der fahrlässigen Tötung macht sich
  schuldig, wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht (Art. 117
  StGB). Fahrlässig handelt gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB, wer die Folge
  seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder
  darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn
  der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach
  seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist. Die gebotene Sorgfalt
  richtet sich grundsätzlich nach Normen, welche der Unfallverhütung und der
  Sicherheit dienen (BGE 143 IV 138 E. 2.1). Die Sorgfaltspflichten
  eines Bergführers sind im Bundesgesetz über das Bergführerwesen und Anbieten
  weiterer Risikoaktivitäten geregelt (Art. 1 Abs. 2 lit. a
  RiskG). Demnach muss ein Bergführer die Massnahmen treffen, welche nach der
  Erfahrung erforderlich, nach dem Stand der Technik möglich und nach den
  gegebenen Verhältnissen angemessen sind, damit das Leben und die Gesundheit
  der Teilnehmer nicht gefährdet werden (Art. 2 Abs. 1 RiskG).
  Insbesondere muss er die Teilnehmer über die mit der Aktivität verbundenen
  besonderen Gefahren aufklären (Art. 2 Abs. 2 lit. a RiskG).
  Zudem muss er die Eignung der Wetterbedingungen prüfen sowie, ob die
  Teilnehmer über ein ausreichendes Leistungsvermögen verfügen (Art. 2
  Abs. 2 lit. b und d RiskG). Er muss ausserdem sicherstellen, dass
  das Material mängelfrei ist, die Installationen in einem guten Zustand sind
  sowie entsprechend dem Schwierigkeitsgrad und der Gefahr genügend
  Begleitpersonen vorhanden sind (Art. 2 Abs. 2 lit. c und f
  RiskG).

  
	
  3.2.    Grundvoraussetzung für eine
  Sorgfaltspflichtverletzung und damit der Fahrlässigkeit bildet die Vorhersehbarkeit
  des Erfolges. Der Geschehensablauf muss demnach für den Täter zumindest in
  seinen wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Der Täter hätte demnach die
  Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers voraussehen bzw. erkennen können und
  müssen. Das Verhalten muss nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der
  allgemeinen Lebenserfahrung dazu geeignet sein, einen Erfolg wie den
  eingetretenen herbeizuführen oder zumindest zu begünstigen. Erforderlich ist
  ausserdem, dass der Erfolg vermeidbar war. Mit anderen Worten ist anhand
  eines hypothetischen Kausalverlaufes zu prüfen, ob der Erfolg bei
  pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre (BGE 140 II 7
  E. 3.4 m.w.H.). Zu beachten ist ausserdem, dass bei der Ausübung von
  Risikosportarten nicht das Ziel sein kann, eine völlige Gefahrenfreiheit zu
  erreichen. Vielmehr trägt der Sportler auch eine gewisse Eigenverantwortung.
  Das sportartspezifische tolerable Grundrisiko hat er grundsätzlich selbst zu
  tragen. Dem eigenverantwortlich Handelnden muss es offenstehen, sich
  sportlich zu betätigen und dadurch kalkulierbare Risiken einzugehen. Die
  Gefahren sollen deshalb lediglich auf ein erträgliches Mass beschränkt werden
  (vgl. Urteil BGer 6B_1411/2017 vom 23. Mai 2018, E. 2.1).

  
	
  4.         

  
	
  4.1.    Ausser Frage steht vorliegend, dass
  B.______ sel. aufgrund der durch den Bergunfall vom 8. September 2024
  erlittenen Verletzungen verstorben ist (act. 9/8.1.03; 9/8.1.04). Bei
  dem Weg, auf welchem der Absturz erfolgte, handelt es sich den Abklärungen
  der Kantonspolizei Glarus zufolge um keine offiziell ausgeschilderte
  Bergroute. Er werde hin und wieder von Bergführern sowie ortskundigen
  Berggängern genutzt (act. 9/8.1.01, S. 5; vgl. auch
  act. 9/10.1.02, S. 4 f., Ziff. 29, und
  act. 9/10.1.01, S. 4, Ziff. 25). Der Weg ist mit Ketten
  ausgerüstet und führt über Bergplatten (act. 9/10.1.01, S. 4,
  Ziff. 26; act. 9/10.1.02, S. 5, Ziff. 30;
  act. 9/8.1.08, S. 7 f.). Die Sicherungen des begangenen
  Bergweges waren den vorliegenden Akten zufolge auch nach dem Absturz des
  Verstorbenen noch intakt (act. 9/8.1.08, S. 6-8, und
  act. 9/9.1.05) und der Bergweg konnte vom Bergführer und dem Teilnehmer
  D.______ nach dem Unfall ohne grössere Probleme begangen werden (vgl. z.B.
  act. 9/10.1.03, S. 2, Ziff. 13). Damit kann ausgeschlossen
  werden, dass ein mangelhafter Unterhalt des Bergweges oder eine fehlende
  Prüfung der Sicherungen durch den Bergführer zum Unfall führte. 

  
	
  4.2.    Ebenso kann eine mangelhafte Ausrüstung
  als Unfallursache ausgeschlossen werden. So wird diese von allen Teilnehmern
  sowie dem Bergführer als ausreichend umschrieben und war zum Unfallzeitpunkt
  grösstenteils gar nicht im Einsatz (act.  9/10.1.01, S. 4,
  Ziff. 22; act. 9/10.1.02, S. 4, Ziff. 26, und
  act. 9/10.1.03, S. 3, Ziff. 22). Es kann somit offenbleiben,
  inwiefern diesbezügliche Pflichten des Bergführers oder allfälliger Dritter
  bestehen und erfüllt wurden. Ob der Verstorbene seinen Helm zum Zeitpunkt des
  Unfalles trug, steht vorliegend nicht eindeutig fest. Die Aussagen des
  Bergführers deuten eher darauf hin, dass der Verstorbene den Helm trug
  (act. 9/10.1.02, S. 4, Ziff. 26). D.______ erklärte hingegen,
  dass der Verstorbene keinen Helm mehr getragen habe (act. 9/10.1.03,
  S. 3, Ziff. 22). Diesbezüglich sind jedoch keine weiteren
  Abklärungen erforderlich, da es betreffend den Helm ohnehin an der
  notwendigen Kausalität mangelt: Als Todesursache wird zwar einerseits ein
  schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Austritt von Hirngewebe angegeben
  (act. 9/8.1.04, S. 2). Andererseits wird aber auch das Polytrauma,
  d.h. die Vielzahl der verschiedenen Verletzungen nach dem Sturz, als für den
  Tod von B.______ sel. ursächlich angegeben (act. 9/8.1.03, insbes.
  S. 3). Auf den Fotos, welche die durch die Rega angetroffene Situation
  zeigen, ist ausserdem ersichtlich, dass der Helm des Verstorbenen stark beschädigt
  wurde (act. 9/8.1.08, S. 12). Selbst wenn der Verstorbene den Helm
  zum Unfallzeitpunkt nicht getragen hätte, lässt sich damit nicht feststellen,
  dass der Tod von B.______ sel. durch das Tragen eines Helmes hätte verhindert
  werden können. 

  
	
  4.3.    Der genaue Unfallhergang
  lässt sich vorliegend nicht mehr rekonstruieren (vgl. act. 9/8.1.01,
  S. 5). So ergaben weder die Legalinspektion des Verstorbenen noch der
  Unfallort Aufschluss über den genauen Geschehensablauf (vgl.
  act. 9/8.1.01, 9/8.1.03 f. und 9/8.1.08). Nachdem keiner sehen oder
  hören konnte, wie es zum Unfall kam (act. 9/10.1.03, S. 1,
  Ziff. 1; act. 9/10.1.01, S. 3, Ziff. 14), sind auch keine
  weiteren Abklärungsmöglichkeiten ersichtlich, welche hierzu neue Erkenntnisse
  liefern könnten. Es ist vorliegend damit lediglich wahrscheinlich, dass der
  Verstorbene ausgerutscht und deshalb abgestürzt ist (act. 9/8.1.01,
  S. 5). Ein anderer Ablauf lässt sich aber nicht mit Sicherheit
  ausschliessen. Insbesondere lässt sich nicht mehr feststellen, ob und wie
  sich der Verunfallte an der Kette festhielt. Daran könnte auch ein Gutachten
  nichts ändern. Ist der Ablauf des Unfalls unklar, ist es auch unmöglich,
  festzustellen, ob eine allfällige Pflichtverletzung des Bergführers (insbes.
  in Bezug auf die Instruktion) kausal für den Unfall und damit den Tod von
  B.______ sel. war. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, ergeben sich aus den
  Akten auch keine konkreten Hinweise auf eine Pflichtverletzung durch den
  Bergführer.

  
	
  5.         

  
	
  5.1.    Der Bergführer hat gemäss seiner
  eigenen Aussage sowie auch derjenigen des Teilnehmers C.______ bereits
  mehrere Bergtouren mit dem Verstorbenen unternommen (act. 9/10.1.01,
  S. 2, Ziff. 10, und act. 9/10.1.02, S. 4, Ziff. 23).
  Zudem geschah der Unfall um die Mittagszeit am zweiten Tag einer zweitägigen
  Bergtour, wobei bereits der am ersten Tag absolvierte Teil schwierig war
  (vgl. act. 9/10.1.01, S. 1 f., Ziff. 2-5;
  act. 9/10.1.03, S. 1, Ziff. 1). Damit kann ausgeschlossen
  werden, dass der Bergführer nicht ausreichend über das aktuelle
  Leistungsvermögen des Verstorbenen informiert war. Es musste ihm vielmehr
  möglich sein, die damaligen Fähigkeiten der Teilnehmer aufgrund ihrer
  Leistungen am ersten Tag zu beurteilen. Die Gruppe wird zudem sowohl vom
  Bergführer als auch von den weiteren Teilnehmern als erfahren umschrieben.
  C.______ sei dabei der erfahrenste gewesen, gefolgt vom Verstorbenen.
  D.______ sei der unerfahrenste Teilnehmer gewesen. C.______ nahm den
  Verstorbenen ausserdem als sehr trittsicher wahr (vgl. zum Ganzen
  act. 9/10.1.01, S. 3, Ziff. 12; act. 9/10.1.02, S. 3
  und 5, Ziff. 10, 12, und 37; act. 9/10.1.03, S. 2,
  Ziff. 10). Nachdem die Gruppe aus lediglich drei Teilnehmern und dem
  Bergführer bestand und alle drei Teilnehmer erfahren waren
  (act. 9/10.1.01, S. 2, Ziff. 6; act. 9/10.1.02,
  S. 2, Ziff. 6; act. 9/10.1.03, S. 2, Ziff. 6), kann
  eine ungenügende Anzahl an Begleitpersonen als Unfallursache ausgeschlossen
  werden. Bei einer erfahrenen Gruppe erwachsener Personen sind zudem geringere
  Anforderungen an die Aufklärungspflicht des Bergführers zu stellen als
  beispielsweise an diejenige bei einer Anfängergruppe oder bei Kindern.

  
	
  5.2.    Gemäss dem Polizeirapport hat es zum
  Unfallzeitpunkt stark geregnet (act. 9/8.1.01, S. 5), was auch mit
  den Aussagen der weiteren Teilnehmer und des Bergführers übereinstimmt
  (act. 9/10.1.01, S. 1, Ziff. 2; act. 9/10.1.02,
  S. 2, Ziff. 5; act. 9/10.1.03, S. 1, Ziff. 1). Der
  Teilnehmer C.______ bringt dabei aber vor, dass die Tour aufgrund des Regens
  nicht habe abgebrochen werden müssen, sondern der Regen lediglich mehr
  Vorsicht aller Teilnehmer erfordert habe (act. 9/10.1.01, S. 1,
  Ziff. 2). Auch D.______ erklärte, dass der Abstieg ohne Regen sicher
  einfacher gewesen wäre (act. 9/10.1.03, S. 2, Ziff. 13). In
  Übereinstimmung mit diesen Aussagen ist davon auszugehen, dass der zum Unfallzeitpunkt
  vorhandene Regen den Abstieg erschwerte. So wird die Nässe auch vom
  Bergführer als Risikofaktor erwähnt (act. 9/10.1.02, S. 5,
  Ziff. 38). Der Bergführer erklärte aber, dass sie früh gestartet seien,
  weil am Nachmittag schlechtes Wetter gemeldet worden sei
  (act. 9/10.1.02, S. 2, Ziff. 3). Der Bergführer hat demnach
  die Wetterbedingungen geprüft und den Tourenablauf entsprechend angepasst.
  Dass der Bergführer möglicherweise in Kauf nahm, dass die erfahrene Gruppe im
  Laufe der Tour in Regen geraten wird, erscheint nicht mit der Einhaltung
  seiner Sorgfaltspflichten unvereinbar (vgl. Art. 2 RiskG).

  
	
  5.3.    Der gewählte Abstieg sei dem Bergführer
  zufolge etwa eineinhalb Stunden kürzer gewesen, als der einfachere Weg
  rundherum (act. 9/10.1.02, S. 2, Ziff. 5). Ursprünglich hätten
  die Teilnehmer ohne den Bergführer den einfacheren Weg heruntergehen sollen.
  Die Tour für den nächsten Tag sei aber abgesagt worden, weshalb der
  Bergführer mit den Teilnehmern heruntergegangen sei und sie die Abkürzung genommen
  hätten (act. 9/10.1.02, S. 5, Ziff. 32). Der Verstorbene und
  C.______ hätten keinen müden Eindruck gemacht, weshalb er sich für diesen
  Abstieg entschieden habe (act. 9/10.1.02, S. 5, Ziff. 38).
  Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers geht aus der Befragung des
  Bergführers damit hervor, dass er in seinen Entscheid für den kürzeren Weg
  sowohl den voraussichtlichen Wetterumschwung als auch die Verfassung der
  Teilnehmer und die neue Begleitung durch den Bergführer einbezog. Alle drei
  Teilnehmer der Tour waren den vorstehenden Ausführungen zufolge erfahren. Sie
  wurden überdies vom Bergführer begleitet. Trotz des Regens fühlten sich weder
  C.______ noch D.______ als schwächster Teilnehmer durch den Abstieg
  überfordert. D.______ erhielt sogar den Eindruck, dass es allen Teilnehmern
  so ergangen sei (act. 9/10.1.03, S. 2, Ziff. 12;
  act. 9/10.1.01, S. 3, Ziff. 13). Es bestehen somit keine
  Anzeichen dafür, dass die Wahl des schwierigeren Weges durch den Bergführer
  für die erfahrene Gruppe unangemessen war. Insbesondere war es für den
  Bergführer unter diesen Voraussetzungen nicht vorhersehbar, dass der
  erfahrene B.______ sel. abstürzen würde.

  
	
  5.4.    Ob die Teilnehmer und insbesondere auch
  der Verstorbene wussten, dass es sich um keine offiziell ausgeschilderte
  Bergroute handelte (vgl. act. 2, S. 6; act. 9/10.1.03,
  S. 3, Ziff. 25), ist vorliegend nicht relevant. Vielmehr kommt es
  darauf an, dass die Sicherungen – wie vorstehend bereits festgehalten –
  intakt waren und die Teilnehmer wussten, wie sie sich den Verhältnissen
  entsprechend verhalten mussten und dies auch konnten. Dem Bergführer zufolge
  handle es sich um einen schwierigen Abstieg, welcher für Bergsteiger gedacht
  sei. Man wolle nicht, dass dieser von anderen Personen benützt werde
  (act. 9/10.1.02, S. 4 f., Ziff. 29). Er erklärte aber
  auch, dass die Absturzstelle vom ganzen Abstieg her am besten abgesichert
  gewesen sei (act. 9/10.1.02, S. 1, Ziff. 2). Die Eisnase davor
  sei viel schwieriger gewesen. Dort hätten sie das Seil benützt. Beim Abstieg
  sei das Seil dann aber nicht mehr benötigt worden (act. 9/10.1.02,
  S. 3, Ziff. 12). In Übereinstimmung damit führte auch C.______ aus,
  der Bergführer habe bei ungesicherten Felsstufen ein Seil für einen
  sichereren Abstieg befestigt (act. 9/10.1.01, S. 1, Ziff. 2).
  Auch D.______ ist der Ansicht, dass die schwierigen Passagen richtig passiert
  worden seien und sie sich dort jeweils Zeit genommen hätten
  (act. 9/10.1.03, S. 4, Ziff. 27). C.______ erklärte ausserdem,
  dass der Bergführer ihm und dem Verstorbenen den Weg geschildert habe. Er
  selbst habe mit dem Verstorbenen dann abgemacht, vorauszugehen
  (act. 9/10.1.01, S. 1 f., Ziff. 2). 

  
	
  Vorliegend waren – wie bereits festgehalten – alle drei
  Teilnehmer erfahren. Offenbar war aber keiner der Teilnehmer oder der
  Bergführer der Ansicht, dass an der Unfallstelle ein Klettergurt getragen
  werden müsse (act. 9/10.1.03, S. 3, Ziff. 22;
  act. 9/8.1.01, S. 5). Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass an
  der Unfallstelle ein Klettergurt zwingend benötigt worden wäre. Ein solcher
  nützt ausserdem zur Verhinderung eines Unfalles nur dann etwas, wenn er an
  einem Sicherheitselement befestigt werden kann. Eine Kette wird in der Regel
  bei einem Weg angebracht, damit sich dessen Benutzer daran festhalten können
  (vgl. act. 9/8.1.01, S. 5). So sind Ketten auch auf Wanderwegen
  anzutreffen, auf welchen die Benutzer normalerweise keine Klettergurte
  tragen. Zwar ist möglich, dass der Klettergurt grundsätzlich an der Kette
  hätte befestigt werden können. Dies wäre aber kaum deren Zweck gewesen. Zudem
  steht die Absturzstelle auch nicht eindeutig fest. Es wird lediglich
  vermutet, dass die Absturzstelle bei der Kette war (act. 9/8.1.08,
  S. 8). Auch in Bezug auf die Absturzstelle kann aber nicht zweifelsfrei
  ausgeschlossen werden, dass die Stelle etwas weiter rechts lag, wo noch keine
  Kette war und der Klettergurt damit ohnehin nutzlos gewesen wäre. Mangels
  Hinweisen an der Unfallstelle und mangels Zeugen, ist es somit auch unmöglich
  festzustellen, ob das Fehlen des Klettergurtes kausal für den Unfall und
  damit den Todeseintritt war.

  
	
  Wenn bei einfachen Bergtouren Anzeichen dafür bestehen,
  dass ein Gast eine bevorstehende absturzgefährliche Stelle nicht sicher
  meistern kann, muss der Bergführer diesen Gast so betreuen und allenfalls
  sichern, dass ein Absturz mit gravierenden Folgen sehr unwahrscheinlich wird
  (so auch das Obergericht des Kantons Bern im Urteil SK 18 12 vom
  25. Januar 2019, E. 18.2). Solche Anzeichen bestanden den Akten
  zufolge keine. Zwar ist zutreffend, dass sich dieser Schluss vorwiegend auf
  die Aussagen des Bergführers und der Teilnehmer bezieht. Andere
  Abklärungsmöglichkeiten, welche darüber Aufschluss geben könnten, sind
  allerdings keine ersichtlich. Nachdem die Aussagen der befragten Personen
  diesbezüglich übereinstimmen, ist es vorliegend jedenfalls unmöglich, das
  Gegenteil zu belegen. Im Bereich der Absturzstelle konnten sich der
  Verstorbene und C.______ auch nicht verlaufen, war der Weg doch
  (mehrheitlich) mit einer Kette ausgestattet. Dies war auch dem Bergführer
  bekannt. Ein Sichtkontakt, um die richtige Route zu finden, war im Bereich
  der Unfallstelle demnach nicht erforderlich. Inwiefern ein ständiger
  Sichtkontakt des Bergführers mit dem Verstorbenen den Unfall hätte verhindern
  können, ist allgemein nicht ersichtlich. Durch einen Sichtkontakt alleine
  hätte der Bergführer nicht in das Geschehen eingreifen können. Aufgrund des
  Regens und der bei einem Sichtkontakt weiterhin vorhandenen Distanz hätte der
  Verstorbene den Bergführer auch bei einem Zurufen wohl kaum hören können.
  Erfahrene Erwachsene bedürfen ausserdem ohnehin nicht einer ständigen
  Beobachtung. Insgesamt deuten die Akten demnach auf eine grundsätzlich
  ausreichende Aufklärung und Sicherung durch den Bergführer hin.

  
	
  6.         

  
	
  Vorliegend handelt es sich um einen tragischen
  Bergunfall, welcher insbesondere für den Beschwerdeführer schwer zu
  verarbeiten sein muss. Dennoch ergeben sich den vorstehenden Erwägungen
  zufolge aus dem nicht mehr genau rekonstruierbaren Unfallhergang keine
  Anhaltspunkte auf eine Straftat. Insbesondere kann vorliegend ausgeschlossen
  werden, dass dem Bergführer oder einer anderen Drittperson eine
  Pflichtverletzung vorgeworfen werden kann, welche zum Berg­unfall und damit
  zum Tod von B.______ sel. führte. Der Tatbestand der fahrlässigen Tötung ist
  damit eindeutig nicht erfüllt und die Strafuntersuchung demnach auch nicht
  unvollständig (vgl. act. 2, S. 5). Dass der ungewöhnliche Todesfall
  weitere Straftatbestände erfüllen könnte, ist nicht ersichtlich. Demnach
  besteht vorliegend kein zureichender Verdacht auf eine strafbare Handlung.
  Die Staatsanwaltschaft hat daher zu Recht kein Strafverfahren anhand
  genommen, womit die Beschwerde abzuweisen ist.

  
	
   

  
	
  IV.

  
	
  Beim vorliegenden Ausgang wird der Beschwerdeführer für
  das obergerichtliche Verfahren kostenpflichtig (Art. 428 Abs. 1 StPO),
  wobei die Gerichtsgebühr auf CHF 1'000.− festzulegen ist
  (Art. 8 Abs. 2 lit. b der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung [GS III A/5]).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde gegen die
    Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vom 31. Oktober 2024
    (SA.2024.00720) wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    Beschwerdeverfahren von CHF 1'000.− wird dem Beschwerdeführer
    auferlegt und vom von ihm geleisteten Kostenvorschuss bezogen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Schriftliche
    Mitteilung an:

    [...]