# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9bd5d456-7fbf-5d63-b33c-fc37326a9509
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-18
**Language:** de
**Title:** Leistungseinstellung ex nunc et pro futuro mangels versichertes Ereignis rechtens
**Docket/Reference:** UV.2022.00162
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00162.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00162
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Hediger
Urteil
vom
18. November 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
Rechtsanwalt Michael Steudler, Kundenrechtsdienst Zürich
Postfach, 8010 Zürich
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1984 geborene
X.___
war seit dem 1. November 2012 als Pro
jektleiterin beim Tiefbauamt
der Stadt
Y.___
angestellt und dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfälle
n versichert, als sie sich am 15
. August 2020 beim
Sport (Poledance)
an der linken Schulter verletzte (Entzündung,
vgl. Bagatell-Unfallmeldung,
Urk.
8/1). Der am 3.
September 2020 erst
behandelnde Dr. med.
Z.___
, Facharzt FMH für Allg
e
meine Innere Medizin, hielt eine Zerrung/Reizung
am ehesten der Bizepssehne
fest und vero
rd
nete eine Analgesie (Urk. 8/21/2
)
;
es bestand keine Arbeitsunfähigkeit. In der Bildgebung vom 19. Oktober 2020
(Röntgen/MRT)
zeigte
n
sich
an der linken Schulter eine signalalterierte Supraspinatus- und
Subscapularissehne
, jeweils ohne Partialr
uptur,
ein intaktes
Rotatorenintervall
und Pully-System sowie eine intakte Bizepssehne
(Urk. 8/15).
Der nachbehandelnde
Dr. med.
A.___
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie
,
hielt eine Tendinitis der langen Bizepssehne links fest und führte zur Schmerzlinderung
Steroid-Injektio
nen in die linke Schulter durch. Zudem wurde
eine
Ph
ysiotherapie
verordnet
(Urk. 8/2 f., Urk.
8/18
, Urk. 8/26, Urk. 8/27, Urk. 8/28 ff.
).
Die Suva anerkannte den Scha
denfall und erbrachte
n
die gesetzlichen Leistungen
(
Heilungskosten,
Urk.
8/11)
.
Nachdem
die Steroid-Injektionen zwar eine Beschwerdefreiheit im Alltag erb
rachte, die Schulterschmerzen nach
intensivem
Poledance-Training jedoch persistierten
(vgl. Urk.
8/28/3 ff.), wurde die Beschwerdeführerin von Dr.
A.___
am
3. Nove
mber 2021 an der linken Schulter operiert (
diagnostische Schul
ter-Arthroskopie, Tenotomie und offene, subpektorale
Tenodese
der langen Bizepssehne,
subakromiales
Débridement
und
Akromioplastik
,
vgl. Operationsbe
richt v
om 9.
November 2021, Urk. 8/23); postoperativ entwickelte
sich
eine
Fro
zen
Sh
oulder
(vgl. Urk. 8/33). Am 27.
Januar 2022 nahm Kreisärztin Dr. med.
B.___
, Fachärztin FMH für Neurochirurgie, zur Sache Stellung (Urk. 8/36). Gestützt darauf stellte die Suva die bisher erbrachten Leistungen mit Verfügung
vom 17.
März 2022 per 4. März 2022 ein und begründete dies damit, es liege weder ein Unfall im Rechtssinne noch eine unfallähnliche Körperschädigung vor; auf eine Rückforderung der bisher erbrachten Leistungen we
rde verzichtet (Urk.
8/
58
).
Die von der Versicherten am 3. Mai 2022 dagegen erhobene Ein
sprache (Urk. 8/68) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 26. Juli 2022 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 14. September 2022 (Eingang) Beschwerde und beantragte, es seien ihr in Aufhebung des angefochtenen Ent
scheids vom 26. Juli 2022 die gesetzlichen
UVG-
Leistungen
(insbesondere Hei
lungskosten und allfällige Unfalltaggelder)
inf
olge des Unfalls vom 15. August
2020 bis zum
Erreichen des Endzustandes, der noch zu ermitteln sei, auszurichten (Urk. 1 S. 2). Mit Besc
hwerdeantwort vom 23. September
2022 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwer
deführerin am 29. September 2022 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Un
fallversicherung (UVG) werden –
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktor
s, sondern nur auf diesen selbst
. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwir
kungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis
; vgl. Urteil des Bundesgericht
s 8C_368/2020 vom 17. September
2020 E. 4.2 mit Hinweisen
).
1.4
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aus
senwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhn
licher Faktor (
Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020
E. 2.2 mit Hinweis auf
BG
E 130 V 117 E. 2.1
). Ohne besonderes Vorkommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vor
liegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis).
1.5
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (lit. a); Verrenkungen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE
146 V 51 E. 7.1 sowie BGE
116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.6
Der Unfallversicherer hat die Möglichkeit, die durch Ausrichtung von Heilbe
handlung (und allenfalls Taggeld) anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung
ex
nunc
et pro
futuro
ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel
der Wiedererwä
gung oder der prozessualen Revision einzustellen, etwa mit dem Argument, bei richtiger Betrachtung liege kein versichertes Ereignis vor (BGE 130 V 380 E. 2.3.1) oder der Kausalzusammenhang zwischen Unfall und leistungsbegrün
dendem Gesundheitsschaden habe gar nie bestanden oder sei dahingefallen. Eine solche Einstellung kann auch rückwirkend erfolgen, sofern der Unfallversicherer keine Leistungen zurückfordern will (nicht publ. E. 3 des Urteils BGE 146 V 51; Urteile des Bundesgerichts 8C_605/2021 vom 30. März 2022 E. 3.2 und 8C_786/2021 vom 11. Februar 2022 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, die B
eschwerdefüh
rer
in
habe
gestützt a
uf den Bericht von Dr.
Z.___
am 15.
August 2020 beim Poledance mit beiden Armen an der Stange
balanciert, als plötzlich die untere (linke) Schulter ventral geschmerzt habe und sie deshalb habe absteigen müssen. Seither hätten persistierende Schmerzen im ventralen Schulterbereich bestanden.
Dies stelle kein
en
Unfall im Rechtssinne
dar
.
Auch aus den Angaben der Beschwerdeführerin im Fragebogen vom 13. Januar 2022 gehe kein besonderes Ereignis hervor. Die erstmals im
Einspracheverfahren
geltend gemachte Schilde
rung des Hergangs sei nicht glaubwürdig. Nach konstanter Rechtsprechung sei die Aussage der ersten Stunde erfahrungsgemäss zuverlässiger.
Alsdann habe Dr.
B.___
das Vorliegen eine
r
Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG verneint. Viel
mehr liege eine entzündlich veränderte Bizepssehne ohne Ruptur vor. Mithin
habe die Beschwerdegegnerin die bisher erbrachten Leistungen zu Unrecht ausgerichtet und seien die
Leistungen ex
nunc
et pro
futuro
einzustellen (Urk. 2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein,
Dr.
A.___
habe im Arztbericht vom 2. Mai 2022 einen Status nach Schulterdistorsion links beim Poledance mit posttraumatischem
Impingementsyndrom
und Tendi
niti
s der langen Bizepssehne diagnostiziert; intraoperativ habe sich eine Bursa subacromialis mi
t
ausgeprägten Entzündungszeichen und schwartiger Hypertro
p
hie gezeigt, jedoch keine ausge
präg
ten Degenerationszeichen
. Der Unfall sei somit eine überwiegend wahr
scheinliche Ursache der Schulterschmerzen. Durch die Distorsion komme es zu einer ausgeprägten Druckerhöhung subacromial, was zu einer Entzündung der Bursa führen könne, welche im Verlauf und bei Chronifizierung an Masse zunehme. Die Entzündung könne auf die direkt benachbarte lange B
izepssehne überspringe
n
. Zudem liege aufgrund der Verrenkung des Gelenks eine Listenver
letzung
im Sinne von Art. 6 Abs. 2 lit. b UVG
vor.
B
ei sportlichen Tätigkeiten sei ein Unfall im Rechtssinne dann anzunehmen, wenn die sportliche Übung an
ders verlaufe als geplant.
Vorliegend seien die Voraussetzungen der Plötzlichkeit, Frei
willigkeit (fehlende Absicht) und Schädigung des Körpers gegeben, da die Beschwerdeführerin plötzlich und ungewollt mit der Schulter in der Figur «But
terfly Extended» weggeknickt sei
und sich dadurch eine Schulterdistorsion mit posttraumatischem
Impingementsyndrom
zugezogen
habe
. Die «Ungewöhnlich
keit des äusseren Faktors» sei ebenfalls zu bejahen. So habe die Beschwerdefüh
rerin mit E-Mail vom 16. April 2022 ausgeführt, dass sie die Vorbereitungen für die Figur «Butterfly Extended» anders als gepla
nt, ohne Mithilfe der Trainerin gemacht habe und
mit Hilfe der Fotografin in die Figur gelangt sei. Dies habe nicht dem Trainingsweg entsprochen und die Beschwerdeführerin habe es noch nie so probiert. Damit habe sich die Art der Ausführung nicht mehr in der Spann
weite des Üblichen des be
treffenden Sport
s bewegt. Das daraus resu
l
tierende Wegknicken der Schulter beim Poledance sei daher als ein ungewöhnliches Ereignis zu qualifizieren,
was
aufgrund der Mithilfe der Fotografin und der sport
lichen Betätigung von
aussen
gekommen sei
und keine innere Ursache gehabt habe.
Die
Beschwerdegegnerin
habe
die
Sachverhaltsschilderung
gemäss E-Mail vom 16. April 2022
als nicht glaubhaft taxiert und auf die erste Aussage i
m Fra
gebogen vom 13. Januar 2022
abgestellt, wonach
die Beschwerdeführerin die
betreffliche
Figur
schon «x-fach trainiert» habe. Dem gelte es entgegenzuhalten, dass der genaue Unfallhergang oftmals aufgrund der Angaben der betroffenen Person nicht mehr genau rekonstruiert werden könne, weshalb nach neuer aktu
eller Rechtsprechung dem Kriterium des Unfallmechanismus keine übergeordnete Bedeut
ung mehr beigemessen werde
.
Es sei nicht sachgerecht, die Worte eines
juristischen Laien in einer Unfallmeldung oder einem Fragebogen auf die Gold
waage zu legen und gestützt darauf den Unfallbegriff zu verneinen. Zudem könne der genaue Unfallhergang
oftmals – so wie vorliegend -
nicht mehr rekonstruiert werden. Vielmehr seien, wie es Dr.
A.___
i
n seinem Arztbericht vom 2. Mai
2022 getan habe, die einzelnen für oder gegen eine traumatische Genese spre
chenden Aspekte aus medizinischer Sicht zu diskutieren und es sei durch
einen Arzt ein
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest
überwiegend wahr
scheinlich sei.
Aufgrund der Ausführungen von Dr.
A.___
und da der Beschwerdegegnerin der «Entlastungsbeweis»
zum Wegfall
der natürliche
n
Unfallkausalität gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung nicht gelinge,
sei anzunehmen, dass der Unfall vom 15. August 2020 überwiegend wahrscheinlich ursächlich
für die bis heute bestehenden Schulterschmerzen
sei
. Die Beschwer
degegnerin habe die Versiche
rungsleistungen bis zur Wiedererlangung der normalen Funktionalität und Belastbarkeit der linken Schulter zu übernehmen. Wann diese Ausheilung der Schultersteife erreicht sei, gelte es durch Nachfragen bei Dr.
A.___
abzuklä
ren. Im Übrigen habe die Beschwer
deführerin die Operation vom 3.
November 2021 im Vertrauen auf die
Kostenzusprache
der Beschwerdegegnerin vo
m 21. Oktober 2021 durchgeführt. Mithin sei es unstatthaft
, wenn die Beschwerdegeg
nerin die Versicherungsleist
ungen per 4.
März 2022 einstelle
und die Operations
kosten vom 3. November 2021 vor der eigentlichen Leistungseinstellung per 4. März 2022 nicht übernehmen wolle. Aufgrund der Leistungszusage vom 21. Oktober 2021 und Leistungseinstellung vom 4. März 2022 seien eventualiter immer
hin die Operationskosten vom 3.
November 2021 durch die Beschwerde
gegnerin
zu übernehmen
(Urk. 1)
.
3.
3.1
Der
am 3. September 2020 erstbehandelnde Dr.
Z.___
diagnostizierte
eine Zerrung/Reizung
am ehesten der Bizepssehne
. Die Beschwerdeführerin habe
vor einer Woche beim Poledance mit beiden Armen a
n
der Stange balanciert, als plötzlich die untere S
chulter ventral gesch
m
erzt habe und s
ie deswegen habe absteigen müssen. Seither habe sie persistierende
– näher beschriebene -
Schmer
zen. Klinisch-objektiv seien alle Bewegungen aktiv vollumfänglich möglich und die Kraftprüfung
sei
gut
(Urk. 8/21/2).
In der Bildgebung vom 19. Oktober 2020 (Röntgen/MRT) zeigten sich an der linken Schulter eine signalalterierte Supraspi
natus- und
Subscapularissehne
, jeweils ohne Partialruptur, ein intaktes
Rotato
renintervall
und Pully-System sowie eine intakte Bizepssehne (Urk. 8/15)
.
3.2
Dr.
A.___
diagnostizierte
im Bericht vom 25. März 2021
eine Tendinitis der langen Bizepssehne links nach Hyperextensionstrauma beim Poledance im August 202
0. Bildgebend bestünden
keine strukturellen Defizite,
jedoch
eine ver
mehrte Retroversion humeral.
Es folgten
Steroid-Injektion
en mit zwischenzeitli
cher
Beschwerde
regredienz
und B
ehandlungsabschluss per 1. Juli
2021
(Urk.
8/28/3
, vgl. auch die Berichte vom 8.
April 2021, 20. Mai 2021 und 1.
Juli
2021,
Urk. 8/27/3
,
Urk. 8/30
,
Urk. 8/26/3).
3.3
Ende September 2021 wurde die Beschwerdeführerin infolge
wiederaufgetretener
Schmerzen im Bereich der linken Schulter
beim intensiven Poledance-Training
erneut bei Dr.
A.___
vorstellig.
Dieser kam zum Schluss, w
eitere Steroid-Injektionen intraartikulär seien nicht sinnvoll. Vielmehr
sei
eine arthroskopische Bizepssehnen-Tenotomie und offene, subpektorale
Tenodese
indiziert (Urk. 8/31)
.
3.4
A
m 3. November 2021
wurde die Beschwerdeführerin an der linken Schulter ope
riert
.
Im Operationsbericht diagnostizierte Dr.
A.___
eine Tendinitis der lan
gen Bizepssehne links mit/bei ausgeprägter Bursitis subacromialis/
subdeltoidea
. D
ie lange Bizep
ssehne links
habe
sich intraoperativ als strukturell intakt
erwie
sen
; ebenso das
mediale und laterale Pully, die
Infraspinatussehne
sowie
Rotato
renmanschette
. An der Supraspinatussehne
zeigten sich lediglich degenerative Veränderungen
(vgl. Operationsbericht, Urk.
8/23/2). Postoperativ entwickelte die Beschwerdeführerin eine
Frozen
shoulder
(vgl. Bericht vom 16. Dezember 2021, Urk. 8/33).
3.5
Im
Fragebogen vom 13. Januar 2022
schilderte die Beschwerdeführerin das Geschehen vom 15. August 2020
wie folgt: Während eines Fotoshootings habe sie eine Figur gemacht, die sie schon x-fach trainiert habe. Dabei sei ihre
linke
S
chulter nach vorne weggeknickt.
Direkt danach habe sie Beschwerden verspürt (Urk. 8/34).
3.6
A
uf Vorhalt der medizinischen Unterlagen hielt
Kreisärztin Dr.
B.___
am 27.
Januar 2022
fest, es liege keine unfallähnliche Körperschädigung, sondern eine entzündlich veränderte Bizepssehne ohne Ruptur vor. Die
Rotatorenman
schette
sei intakt. Damit stehe auch die
am 3. November 2021
durchgeführte Ope
ration nicht im Zusammenhang mit einer Listenverletzung (Urk. 8/36).
3.7
In der
einspracheweise
eingereichten E-Mail zuhanden ihres Rechtsvertreters vom 16. April 2022 führte die Beschwerdeführer
in zum Hergang des Ereignisses vom 15. August 2020
aus, das reguläre Pole-Training finde einmal wöchentlich statt.
Dabei wärme man sich jeweils gemeinsam
, angeleitet von der Trainerin,
auf
und
trainiere danach
verschiedene
Figuren, unter anderem auch den
«Butterfly Extended». Am Tag des Unfalls sei es anders gewesen. An diesem Tag habe kein
reguläres Training, sondern ein Fotoshooting stattgefunden. Da das für sie (die Beschwerdeführerin) etwas Neues gewesen sei, sei sie sehr aufgeregt gewesen. Sie habe sich vor Ort allein aufgewärmt, jedoch nicht im gewohnten Ausmass, da sie im Kopf schon überlegt habe, welche Figuren sie fotografieren lassen wolle. Als sie an der Reihe gewesen sei, habe sie zunächst ein paar einfachere Figuren gemacht und als sie den «Butterfly Extended» habe machen wollen, habe sie plötzlich ein Blackout gehabt. Sie habe nicht mehr gewusst, wie sie in die Figur reinkomme. Dies habe sie der Fotografin mitgeteilt und diese habe ihr einen Weg gezeigt, den sie im Training so noch nie trainiert habe.
Sie (d
ie Beschwerdefüh
rer
in) habe es probiert und d
abei sei ihre linke Schulter nach vorne weggeknickt. Aus diesem Grund
sei der Unfall passiert
(Urk. 8/69/2 = Urk. 3/1
).
3.8
Im
einsprache
- und beschwerdeweise eingereichten Bericht vom 2. Mai 2022 hielt Dr.
A.___
einen Status nach Schulterdistors
ion links beim Poledance am 15.
August 2020 mit posttraumatischem
Impingementsyndrom
und Tendinitis der langen Bizepssehne fest. Intraoperativ hätten sich keine ausgeprägten Degenera
tionszeichen der
artikulären
und extraartikulären Strukturen der linken Schulter gezeigt. Demgegenüber habe sich eine Bursa subacromialis mit ausgeprägten Ent
zündungszeichen und schwartiger Hypertrophie gezeigt. Diese sei wahrscheinlich posttraumatisch, da vor dem Ereignis nie Schulterschmerzen bestanden hätten. Der Unfall sei eine überwiegend wahrscheinliche Ursache der Schulterschmerzen. Durch die Distorsion sei es zu einer ausgeprägten Druckerhöhung subacromial gekommen, welche zu einer Entzündung der Bursa führen könne und im Verlauf und bei Chronifizierung an Masse zunehme. Die Entzündung könne auf die direkt benachbarte lange Bizepssehne überspringen. Strukturelle Läsionen bestünden nicht. Eine vorbestehende Bursitis sei
unwahrscheinlich, da die Beschwerdefüh
rerin zuvor keine Schmerzen in der linken Schulter gehabt habe (Urk.
8/70 = Urk.
3/3).
4.
4.1
Wie die Beschwerdegegnerin
im Ergebnis
zu Recht festgestellt hat, ist
ein Unfall im Rechtssinne
mangels eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors
vorliegend
zu verneinen:
Gemäss Unfallmeldung vom 22. September 2020 hat sich die Beschwerdeführerin beim Sport an der
linken
Schulter verletzt
. Als Verletzung wurde eine Entzün
dung angegeben
(Urk. 8/1).
I
m
Fr
agebogen vom 13. Januar 2022
führte die Beschwerdeführerin aus, sie habe
beim Poledance eine zuvor x-fach trainierte Figur gemacht
. Dabei sei ihre
linke
Schulter nac
h vorne weggeknickt
(Urk. 8/34).
M
ithin hat die Beschwerdeführerin
keine unkontrollierte Bewegung beschrieben beziehungsweise nichts Ungewöhnliches im Geschehensablauf erwähnt.
Im Gegenteil hat sie die Frage, ob sich beim Ereignis etwas Besonderes ereignet habe, ausdrücklich verneint. Zudem hat die Beschwerdeführerin unterschriftlich bestä
tigt, dass ihre Angaben vollständig und korrekt sind (vgl. Frage 3 des Fragebo
gens, Urk. 8/34/1). Die in der Krankengeschichte von Dr.
Z.___
festgehal
tene Anamneseerhebung beschreibt ebenfalls nichts Auffälliges im Bewegungs
ablauf
. Demnach habe
die Beschwerdeführerin beim Poledance mit beiden Armen an der
Stange balanciert
, als plötzlich die untere Schult
er ventral geschmerzt habe und s
ie deswegen habe absteigen müssen (Urk. 8/21/2).
Erstmals na
chdem die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführer
in mit V
erfü
gung vom 17. März 2022 (vgl. auch das Schreiben vom
17. Februar 2022
, Urk.
8/41)
darüber informiert hatte
(Urk. 8/58)
, dass kein Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung bestehe
(Urk. 8/41)
, machte diese
ein
spracheweise
geltend, dass
am U
nfalltag kein reguläres Training, sondern ein Fotoshooting
stattgefunden habe.
Sie sei aufgeregt gewesen und habe sich nicht im gewohnten Ausmass aufgewärmt.
Als sie die Figur «Butterfl
y Extended» habe machen wollen, habe sie ein Blackout erlitten und nicht mehr gewusst, wie sie in die Figur komme. Dies habe sie der Fotografin mitgeteilt, woraufhin ihr diese einen Weg gezeigt habe, den sie so im Training noch nie trainiert habe (Urk. 8/69/2).
Damit wich die Beschwerdeführerin von ihrer initialen Sachverhaltsdar
stellung ab und ist in diesem Zusammenhang zu vermerken, dass die Gerichte
im Bereich des Sozialversicherungsrechts
praxisgemäss
UV170520
Beweismaxime der Aussagen der ersten Stunde
05.2022
in der Regel auf die soge
nannten Aussagen der ersten Stunde ab
stellen
, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbe
wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 8C_786/2021 vom 11. Februar 2022 E. 9.2).
Davon abgesehen liess
e
sich s
elbst unter Würdigung
des nac
hträglich
gel
tend gemacht
en Ereignishergangs
kein Unfall im Rechtssinne begrün
den. Weder handelt es sich bei einem
Blackout um einen äusseren Faktor noch hat die Foto
grafin
den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
programmwidrig
beein
flusst
;
ein «natürlicher Ablauf» fand infolge des Blackouts nicht statt und als «programm
widrig» ist
vielmehr
das Blackout zu taxieren.
Daran vermag auch nichts zu ändern
, wenn die Beschwerdeführerin
infolge des Blackouts
auf Vor
schlag der Fotografin hin eine vom bisherigen Training abweichende
und zuvor noch nie geübte
Herangehensweise an die Figur «Butterfly Extended» probiert
haben mag,
zumal
sich dabei
lediglich
das mit untrainierten Bewegungsabläufen und/
oder unzureichendem
Aufwärmen inhärente Risiko einer V
erletzung ver
wirklicht hat
.
Insbesondere ist nicht ersichtlich und
hat die Beschwerdeführerin
auch nicht behauptet, dass es
zu einer unkoordinierten Bewegung gekommen
sei
.
Im Übrigen
erweist sich die beschwerdeweise Argumentation als
unbehelflich
und zielen die beschwerdeweise zitierten Bundesgerichtsentscheide
(vgl. etwa Urk. 1 S. 11)
teilweise gänzlich an der streitgegenständlichen Thematik vorbei.
Weite
rungen hierzu erübrigen sich.
4.2
Alsdann steht aufgrund der bildgebenden sowie intraoperativen Diagnosen fest, dass keine der in
Art. 6 Abs. 2 UVG aufgelisteten Körperschädigungen
vorliegt, insbesondere kein
Sehnenriss nach lit. f.
Eine Partialruptur der
linken
Supraspi
natus- und
Subscapularissehne
konnte
bereits im Oktober 2020 bildgebend aus
geschlossen
werden
. Ebenso erwiesen sich
die
linke
Bizepssehne und das
Rotato
renintervall
/Pully-System als normal (Urk. 8/15)
.
Entsprechend ergaben sich auch
anlässlich der Schulteroperation vom 3. November 2021 eine intakte Bizeps-
und
Infraspinatussehne
sowie
Rotatorenmanschette
links
und
ein intaktes
mediale
s
und laterale
s Pully
(Urk. 8/23/2).
Es
liegt
– entgeg
en der Beschwerdeführerin (Urk.
1) - auch
k
eine Gelenksverrenkung
im Sinne von Art.
6 Abs. 2 lit. b UVG
vor. Eine Solche
findet
weder in den
medizinischen Unterlagen
noch
in
den
Sachver
haltsdarstellungen der Beschwerdeführerin eine Stütze
.
Daran ändert auch die von
Dr.
A.___
erstmals im
Mai 2022
postulierte
Schulterdistorsion
(
U
rk.
8/
70
= Urk. 3/3
)
nichts; n
ach der Rechtsprechung
werden
Distorsionen (Verstauchun
gen)
von
a
Art
. 9 Abs. 2 lit. b UVV
nicht
erfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C
_1000/2008 vom 27. Februar 2009
E. 2.3 mit weiteren Hinweisen; vgl.
auch
Kommentar zum UVG,
Hürzeler
/Kieser, 2018, A
rt.
6 N 47, wonach die unter dem Regime von
aArt
. 9 Abs. 2 UVV ergangene Rechtsprechung zur Subsumtion der verschiedenen Leiden grundsätzlich weiterhin anwendbar bleibt).
4.3
Zusammenfassend erweist es sich als rechtens, wenn die Beschwerdegegnerin in zutreffender Würdigung der Akten zum überzeugenden Schluss gelangt ist, dass die Heil- und Behandlungskosten ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel
der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision ex
nunc
et pro
futuro
mit Wir
kung ab dem
4
. März
2022
einzustellen sind, weil
weder ein Unfall im Rechtsinne noch eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt
(Urk. 2, vgl. E. 1.
6
).
Daran ändert auch ni
chts, wenn die Operation vor diesem Zeitpunkt am 4.
November
2021
durchgeführt wurde
.
Dieser Eingriff erfolgte
– entgegen der Beschwerde
führerin -
denn auch ohne vorgängige Kostengutsprache
(
vgl.
Urk. 8/4).
Daran ändert auch nichts, wenn die Beschwerdegegnerin im Schreiben vom
21. Oktober 2021 eine allgemeine Leistungspflicht zunächst grundsätzlich anerkannte (vgl. Urk. 8/11
).
Wenn keine
Bindung an früher ausgerichtete Leistungen
besteht (vgl. hievor E. 1.6)
, gilt dies umso mehr
für das formlose Schreiben von 21. Oktober 2021
.
5.
Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstHediger