# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 502df490-80a4-529a-8c63-c611cb37935b
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-15
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 15.09.2021 730 20 9/252
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_730-20-9-252_2021-09-15.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-
rungsrecht 
 
 
vom 15. September 2021 (730 20 9 / 252) 
____________________________________________________________________ 
 
 
Krankenversicherung 
 
 
Übernahme der Behandlungskosten für eine kieferorthopädische Behandlung bei Myal-
gie und Arthralgie an beiden Kiefergelenken; kein Nachweis der Wirksamkeit nach wis-
senschaftlichen Methoden von kieferorthopädischen Eingriffen 
 
 
 
 
Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Gisela Warten-

weiler 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführerin 
  

 
gegen 
 
 

 Avenir Krankenversicherung AG, Rechtsdienst, Rue des Cèdres 5, 
Postfach, 1919 Martigny, Beschwerdegegnerin 
 

  
  
Betreff Leistungen  

 
 
 

A. Die 1986 geborene A.____ ist bei der Avenir Krankenversicherung AG (Avenir) obligatorisch 
krankenpflegeversichert. Am 16. März 2017 reichte die Versicherte bei der Avenir einen Antrag 
für die Kostenübernahme der kieferorthopädischen Behandlung bei Dr. med. dent. B.____ ein. 
Mit Verfügung vom 17. Mai 2017 und Einspracheentscheid vom 13. Juli 2017 verneinte die Avenir 

 

 
 
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ihre Leistungspflicht. Die dagegen am 14. September 2017 erhobene Beschwerde hiess das Kan-
tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil 
vom 24. Januar 2018 in dem Sinne gut, als der angefochtene Einspracheentscheid vom 13. Juli 
2017 aufgehoben und die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen 
Verfügung an die Avenir zurückgewiesen wurde.  
 
B. Als die Avenir mehr als ein Jahr nach Erlass des kantonsgerichtlichen Urteils in dieser Sa-
che über den Leistungsanspruch noch nicht verfügt hatte, reichte die Versicherte am 5. März 
2019 eine Rechtsverzögerungsbeschwerde beim Kantonsgericht ein. Die Avenir teilte mit Ein-
gabe vom 4. April 2019 mit, dass sie am 26. März 2019 eine Verfügung erlassen habe, mit wel-
cher sie über die Kostenübernahme der kieferorthopädischen Behandlung bei Dr. B.____ ent-
schieden habe. In der Folge wurde das Verfahren mit Beschluss der Präsidentin vom 27. Mai 
2019 als gegenstandslos abgeschrieben. 
 
C. Gegen die Verfügung vom 26. März 2019 erhob die Versicherte am 8. Mai 2019 Einsprache, 
da sie mit der erneuten Ablehnung der Übernahme der Kosten für die kieferorthopädische Be-
handlung bei Dr. B.____ nicht einverstanden war. Diese Einsprache wies die Avenir gestützt auf 
die Beurteilungen von Dr. med. Dr. med. dent. C.____ vom 25. März 2019 (Eingang bei der Ave-
nir) und vom 3. November 2019 mit Entscheid vom 20. November 2019 ab.  
 
D. Mit Eingabe vom 4. Januar 2020 reichte die Versicherte Beschwerde gegen diesen Ent-
scheid beim Kantonsgericht ein. Sie beantragte, die Avenir sei in Aufhebung des Einspracheent-
scheides vom 20. November 2019 zu verpflichten, die Kosten der kieferorthopädischen Behand-
lung bei Dr. B.____ in vollem Umfang zu übernehmen; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begrün-
dung brachte sie unter Verweis auf die Ausführungen in ihrer Einsprache vom 8. Mai 2019 vor, 
dass die kieferorthopädische Behandlung in Anlehnung an die beiden Studien LE BELL ET AL. und 
KATSOULIS ET AL. sowie der bundesgerichtlichen Rechtsprechung – und damit entgegen der An-
sicht der Avenir – wirksam und zweckmässig im Sinne von Art. 32 des Bundesgesetzes über die 
Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 sei.  
 
E. In der Vernehmlassung vom 18. Februar 2019 beantragte die Avenir die Abweisung der 
Beschwerde. Sie hielt daran fest, dass die in Frage stehende kieferorthopädische Behandlung 
weder wirksam noch zweckmässig sei. 
 
F. Am 12. Juni 2020 unterbreitete das Präsidium des Kantonsgerichts den Parteien einen Ver-
gleichsvorschlag. Während die Avenir mit Schreiben vom 17. Juni 2020 diesem Vorschlag zu-
stimmte, beantragte die Versicherte in ihrer Stellungnahme vom 30. September 2020, es sei für 
eine rechtsgenügliche Abklärung des medizinischen Sachverhalts ein Gerichtsgutachten einzu-
holen.   
 
G. In der Folge ordnete das Präsidium des Kantonsgerichts mit Verfügung vom 12. Oktober 
2020 ein Gerichtsgutachten bei Dr. med. Dr. med. dent. D.____, FMH Mund-, Kiefer- und Ge-
sichtschirurgie, an, welches am 21. April 2021 erstattet wurde.  
 

 

 
 
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H. Die Avenir erhob in ihrer Stellungnahme vom 17. Mai 2021 keine Einwände gegen das Ge-
richtsgutachten.  
 
I. Mit Eingabe vom 30. Juni 2021 stellte sich die Versicherte auf den Standpunkt, dass das 
Gerichtsgutachten von Dr. Dr. D.____ nicht zu überzeugen vermöge und deshalb die Frage nach 
der Wirksamkeit der kieferorthopädischen Behandlung bei Dr. B.____ nicht rechtsgenüglich be-
antwortet sei. Da die Schienentherapie eine anerkannte Standardbehandlung bei Kiefergelenks-
beschwerden sei und ihre Schmerzen dadurch verschwunden seien, sei von der Wirksamkeit 
dieser Behandlung auszugehen.  
 
 
Der Präsident zieht  i n  E r w ä g u n g: 
 
1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 
Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmungen gemäss Art. 2 
ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 KVG auf die Krankenversicherung anwendbar sind, kann 
gegen Einspracheentscheide der Krankenversicherer beim zuständigen kantonalen Versiche-
rungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungs-
gericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung 
ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit 
des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über 
die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das 
Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer-
den aus dem Bereich der Krankenversicherung. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der 
vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be-
schwerde vom 4. Januar 2020 ist demnach einzutreten.  
 
2. Laut § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversiche-
rungsrecht des Kantonsgerichts durch Präsidialentscheid Streitigkeiten bis zu einem Streitwert 
von Fr. 20'000.--. Vorliegend beläuft sich der Streitwert gemäss der Avenir auf Fr. 7'374.10 
(vgl. Vernehmlassung vom 18. Februar 2019) bzw. auf 7'433.30 (vgl. Stellungnahme vom 17. Mai 
2021) und gemäss der Versicherten auf Fr. 7'369.10 (vgl. Beschwerde vom 4. Januar 2020) bzw. 
auf 7'374.10 (vgl. Stellungnahme vom 30. September 2020). In den Akten befinden sich die Rech-
nungen von Dr. B.____ vom 30. November 2016 und 21. Dezember 2016 in Höhe von Fr. 676.50 
und Fr. 2'256.80. Weiter ist aufgrund des Kostenvoranschlags von Dr. B.____ vom 16. November 
2016 davon auszugehen, dass er für die kieferorthopädische Behandlung zudem einen Betrag in 
Höhe von Fr. 4'500.-- in Rechnung gestellt hat. Damit beläuft sich der Streitwert auf insgesamt 
Fr. 7'433.30 (Fr. 676.50 + Fr. 2'256.80 + Fr. 4'500.--). Da dieser Streitwert unter Fr. 20'000.-- liegt, 
fällt die Beurteilung der Beschwerde in die Kompetenz der präsidierenden Person der Abteilung 
Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. 
 
3.1 Strittig und zu prüfen ist, ob die Avenir zu Recht die Wirksamkeit und Zweckmässigkeit der 
von Dr. B.____ vorgenommenen kieferorthopädischen Behandlung verneint hat. Die Versicherte 
litt vor dieser Behandlung an einer Myalgie und einer Arthralgie an beiden Kiefergelenken bei 

 

 
 
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anteriorer Lage des linken Discus articularis mit Reposition bei Kieferöffnung und Gelenkknacken 
bei Kieferöffnung und -schluss. Dr. B.____ behandelte dieses Leiden mit einer Orthofolio im Ober-
kiefer und Brackets samt Lingualbogen im Unterkiefer. Im rechtskräftigen Urteil vom 24. Januar 
2018 (730 17 291 / 28) setzte sich das Kantonsgericht bereits mit dem Anspruch der Versicherten 
auf die hier strittige Leistung der Avenir auseinander. Dabei legte es die gesetzlichen Grundlagen 
über den Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung für ärztliche 
(Art. 25 ff. KVG) und zahnärztliche Behandlungen (Art. 31 Abs. 1 KVG, Art. 33 Abs. 2 und 5 KVG 
in Verbindung mit Art. 33 lit. d der Verordnung über die Krankenversicherung [KVV] vom 27. Juni 
1995 sowie Art. 17 – 19a der Verordnung des Eidgenössisches Departements des Innern [EDI] 
über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung [KLV] vom 29. September 
1995) sowie die diesbezügliche Rechtsprechung, insbesondere zur Abgrenzung der zahnärztli-
chen von der ärztlichen Behandlung, dar. Es wird darauf verwiesen. 
 
3.2 Weiter stellte das Kantonsgericht in seinem Urteil vom 24. Januar 2018 fest, dass die von 
Dr. B.____ durchgeführte Massnahme die Voraussetzungen gemäss Art. 17 lit. a – f, 18, 19 und 
19a KVV nicht erfülle, weshalb gestützt auf diese Bestimmungen keine Leistungspflicht der Avenir 
bestehe (vgl. Erwägung 4.4). Weiter kam es zum Schluss, dass die strittige kieferorthopädische 
Behandlung keine zahnärztliche, sondern eine ärztliche Behandlung im Sinne von Art. 25 KVG 
darstelle (vgl. E. 5.3). Die Frage, ob diese Behandlung wirksam im Sinne von Art. 32 Abs. 1 KVG 
ist, konnte es jedoch aufgrund der Akten nicht beurteilen. Die Auffassung des Vertrauenszahn-
arztes der Avenir, wonach es zwischen Kiefergelenkserkrankungen und Zahnfehlstellungen kei-
nen direkten Zusammenhang gebe und deshalb die kieferorthopädische Behandlung von Dr. 
B.____ nicht als wirksam bezeichnet werden könne, konnte das Kantonsgericht nicht hinreichend 
nachvollziehen (vgl. Erwägung 6.2). Es wies deshalb die Sache zur Prüfung der Frage der Wirk-
samkeit der strittigen kieferorthopädischen Behandlung an die Avenir zurück.  
 
3.3 In der Folge beauftragte die Avenir Dr. Dr. C.____, die Frage der Wirksamkeit der kieferor-
thopädischen Behandlung von Dr. B.____ zu beurteilen. Dieser gelangte in seinem Bericht vom 
25. März 2019 zum Schluss, dass die strittige Behandlung weder wirksam noch zweckmässig 
gewesen sei. Zur Therapie von Myalgien bzw. Myoarthropathien der Kiefergelenke werde ein 
gestuftes Programm mit einer Aufklärung und Beratung als Basis sowie einer Instruktion von 
Muskelübungen und Physiotherapie mit allenfalls medikamentöser Begleittherapie oder Schie-
nenbehandlung vorgesehen. Irreversible Therapien wie definitive Rekonstruktionen zur Verbes-
serung der Okklusion und Bisshöhe würden aus wissenschaftlicher und klinischer Sicht zur Be-
hebung von Myoarthropathie-Problematiken nicht unterstützt, da das stomatognathe System 
funktionelle und morphologische Variabilitäten aufweise. Hierfür verwies Dr. Dr. C.____ auf die 
Studien Katsoulis et al. 2012 und Türp et al. 2008 und auf das von den international anerkannten 
Experten Dominik Ettlin und Luigi M. Gallo herausgegebene Werk "Das Kiefergelenk in Funktion 
und Dysfunktion" aus dem Jahr 2019. In seiner Stellungnahme vom 3. November 2019 hielt er 
an seiner Auffassung fest. 
 
3.4 Das Präsidium des Kantonsgerichts erachtete die Beurteilungen von Dr. Dr. C.____ nicht 
als überzeugend genug, um darauf abstellen zu können. Um die im Vergleich zum Streitwert 
unverhältnismässig hohen Begutachtungskosten zu vermeiden, unterbreitete es den Parteien am 

 

 
 
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12. Juni 2020 einen Vergleichsvorschlag. Da die Versicherte mit dem Vergleichsvorschlag nicht 
einverstanden war, wurde ein Gerichtsgutachten bei Dr. Dr. D.____ zur strittigen Frage der Wirk-
samkeit und Zweckmässigkeit der von Dr. B.____ vorgenommenen kieferorthopädischen Be-
handlung eingeholt.   
 
4.1 Dr. Dr. D.____ untersuchte die Versicherte am 26. März 2021. Aufgrund seiner Befunde 
hielt er als Diagnosen eine anteriore Diskusluxation mit Reposition der Kiefergelenke beidseits, 
eine knappe dentale Klasse I mit Tendenz zum Kopfbiss und eine skelettale Klasse II fest. Seiner 
Anamnese ist weiter zu entnehmen, dass die 1986 geborene Versicherte schon als Kind immer 
wieder an Schmerzen im Bereich des Kaumuskels und des Kiefergelenks gelitten habe. Gemäss 
den Angaben der Versicherten habe sich im Laufe der Zeit ein störendes und schmerzhaftes 
Knacken entwickelt. Es sei auch zu Bewegungseinschränkungen im Unterkiefer gekommen. Zu-
dem seien gegen Abend Muskelschmerzen im Unterkiefer und im Schläfenbereich aufgetreten. 
Sie habe deshalb im Jahr 2013 Prof. Dr. med. dent. E.____ aufgesucht und von ihm Instruktionen 
für eine Selbstmassage erhalten, welche sie dann auch regelmässig durchgeführt habe. Als keine 
Verbesserung eingetreten sei, habe sie 2016 Dr. B.____ konsultiert. Seit Abschluss der Behand-
lung habe sie keine Beeinträchtigungen mehr im Kieferbereich. In der Beurteilung führte Dr. Dr. 
D.____ aus, dass heute klinisch weiterhin eine persistierende anteriore Diskusluxation mit Repo-
sition bestehe, auch wenn die Versicherte diese Behandlung aus subjektiver Sicht als erfolgreich 
betrachte. Dabei handle es sich um eine Vorverlagerung der knorpligen Gelenksscheibe (Discus 
articularis), welche sich bei Mundöffnung in die Neutralposition reponiere und eine normale Öff-
nung des Mundes erlaube. Diese Reposition bewirke ein Knacken, welches beim Mundschluss 
nochmals auftrete. Eine solche Fehlstellung der internen Strukturen des Kiefergelenks komme 
sehr häufig vor. Meistens sei sie klinisch nicht von Bedeutung; sie bedürfe nur bei subjektiver 
Missempfindung einer Behandlung. Die Verschiebung des Discus werde dann problematisch, 
wenn die Reposition nicht mehr automatisch geschehe, sondern der Discus in einer unerwünsch-
ten Position stehen bleibe, so dass entweder die Mundöffnung behindert sei oder die Beweglich-
keit des Unterkiefers störe. In solchen Fällen sei eine Behandlung indiziert. Ein chirurgischer Ein-
griff mit Reposition und Fixation des Discus könne dann als medizinische Massnahme angemes-
sen sein. Die von der Versicherten beschriebenen Schmerzen an den Kaumuskeln würden oft 
einer Überbelastung des Kauapparates entsprechen. Sie seien nicht zwingend mit dem Knacken 
im Kiefergelenk zu assoziieren. Häufig seien dafür das Knirschen in der Nacht oder das Zusam-
menpressen der Kiefer verantwortlich. Im Fall der Versicherten sei davon auszugehen, dass vor 
der kieferorthopädischen Behandlung bei Dr. B.____ eine signifikante anatomische Asymmetrie 
bestanden habe, sei doch bereits bei der Untersuchung bei Prof. E.____ von einer Umstel-
lungsosteotomie der Kiefer die Rede gewesen. Anhand der Fotodokumentation von Dr. B.____ 
sei zu erkennen, dass der Unterkiefer der Versicherten zu weit nach hinten positioniert gewesen 
sei. Heute stehe der Unterkiefer zwar nur noch leicht zu weit hinten; der Rückbiss sei immer noch 
signifikant sichtbar mit grossem Stellungsunterschied der Frontzähne in der Horizontalen. Es be-
stehe aber immer noch die gleiche anatomische Situation auf Knochenniveau. Einzig die Zahn-
reihe sei etwas besser zueinander gekippt. Störungen des Bisses und Kiefergelenksbeschwerden 
würden seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Die aktuelle Lehrmeinung gehe davon aus, dass 
kieferorthopädische Behandlungen weder ein "Benefit noch ein Risiko für Kiefergelenksbe-

 

 
 
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schwerden" seien. In gleichem Sinn werde auch die Ansicht vertreten, dass irreversible Behand-
lungen zur Veränderung der Relation der Kiefer zueinander nicht medizinisch indiziert seien. 
Demgegenüber existiere die Auffassung, dass eine Tendenz zu weniger Beschwerden im Bereich 
des Kiefergelenks und der Kaumuskeln festzustellen sei, wenn ausgeprägte Bissstörungen mit 
einer orthognathen Chirurgie behandelt würden. Es gebe zudem Studien, welche chirurgische 
Umstellungen der Kieferposition als eine Behandlungsmöglichkeit bei therapieresistenten Kiefer-
gelenksbeschwerden empfehlen würden. Die überwiegende Lehrmeinung gehe jedoch davon 
aus, dass eine rein kieferorthopädische Behandlung Kiefergelenksbeschwerden weder verbes-
sere noch verschlechtere. Damit sei die Wirksamkeit einer rein kieferorthopädischen Behandlung 
in der Lehre nicht ausreichend dargelegt. Allenfalls wäre die Wirtschaftlichkeit, Wirksamkeit und 
Zweckmässigkeit einer kieferorthopädischen Behandlung zu bejahen, wenn andere Massnah-
men über längere Zeit erfolglos durchgeführt worden seien und deshalb keine Alternativen zur 
Verfügung ständen. Da die Versicherte die konservativen Massnahmen nicht (voll) ausgeschöpft 
habe, sei dies vorliegend nicht der Fall.  
 
4.2 Wie alle Beweismittel unterliegen auch gerichtliche Gutachten der freien richterlichen 
Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Kriterien der Beweiswürdigung bilden die Vollständig-
keit, die Nachvollziehbarkeit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob 
das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverhalt stützt und den 
Befund ausreichend begründet (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Bei 
Gerichtsgutachten weicht das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von den Einschätzungen 
des medizinischen Experten ab. Denn es ist Aufgabe des Gutachters, seine Fachkenntnisse der 
Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu er-
fassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich 
ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern 
Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn 
gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug er-
scheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Über-
prüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise 
vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 
E. 3b/aa, 118 V 286 E. 1b und 112 V 30, je mit Hinweisen).  
 
4.3 In Würdigung des Gerichtgutachtens vom 21. April 2021 kommt das Gericht zum Schluss, 
dass keine zwingenden Gründe bestehen, von den Schlussfolgerungen von Dr. Dr. D.____ ab-
zuweichen. Sein Gutachten ist sorgfältig erstellt worden. Es beruht auf einer persönlichen Unter-
suchung und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden. Der Anamnese ist zu entnehmen, 
dass die Versicherte ausführlich zu ihrer Krankheitsgeschichte und ihren Beschwerden befragt 
worden ist. Das Gutachten zeichnet sich durch eine einleuchtende Darlegung der medizinischen 
Zusammenhänge bei Kiefergelenksproblematiken aus. Dr. Dr. D.____ setzt sich  
– unter Berücksichtigung der in den Eingaben der Parteien angeführten Fachliteratur – mit den 
kontroversen wissenschaftlichen Meinungen zur Frage der Wirksamkeit von kieferorthopädi-
schen Behandlungen auseinander und zeigt dabei auf, dass gemäss der überwiegenden Lehr-
meinung die Wirksamkeit der strittigen Behandlung bei Kiefergelenksbeschwerden der Versicher-
ten nicht ausreichend belegt ist. Damit eine medizinische Massnahme als wirksam im Sinne von 

 

 
 
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Art. 32 Abs. 1 KVG bezeichnet werden kann, muss die Wirksamkeit von Forschern und Praktikern 
der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis als geeignet erachtet werden, das angestrebte 
therapeutische oder diagnostische Ziel zu erreichen (BGE 133 V 115 E. 3.1; Urteil des Bundes-
gerichts vom 12. März 2008, I 601/06, E. 5.1). Wie Dr. Dr. D.____ überzeugend darlegt, gibt es 
Fachmeinungen, welche die Wirksamkeit von kieferorthopädischen Eingriffen bejahen; sie stellen 
jedoch nicht die herrschende Lehrmeinung dar. Damit fehlt es am Nachweis der Wirksamkeit 
nach wissenschaftlichen Methoden im Sinne der Rechtsprechung. 
 
5.1 Die Vorbringen der Versicherten vermögen keine Zweifel an der Beweistauglichkeit des 
Gutachtens von Dr. Dr. D.____ zu erwecken. Die Versicherte beschreibt zwar sehr überzeugend, 
dass sie vor der kieferorthopädischen Okklusionskorrektur bei Dr. B.____ jahrelang an starken, 
anhaltenden Kiefer- und Muskelschmerzen gelitten und das Kiefergelenk regelmässig arretiert 
habe, wodurch sie beim Essen stark eingeschränkt gewesen sei. Es ist auch glaubhaft, dass sie 
seit der Behandlung bei Dr. B.____ beschwerdefrei ist. Die Beurteilung der Wirksamkeit darf je-
doch nicht einzelfallbezogen und retrospektiv aufgrund der konkreten Behandlungsergebnisse 
erfolgen. Vielmehr gilt es, anhand eines allgemeineren Massstabs die – objektivierte – Wirksam-
keit einer bestimmten Behandlungsweise zu ermitteln (BGE 133 V 115 E. 3.2.2 und 130 V 299 E. 
5.2), dies namentlich aus Gründen der Rechtsgleichheit (Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999), welche es ausschliesst, die Leistungs-
pflicht vom Verlauf des Einzelfalles abhängig zu machen. Die Wirksamkeit der hier strittigen kie-
ferorthopädischen Behandlung kann demnach nicht bereits dann bejaht werden, weil sie im kon-
kreten Fall erfolgreich war. Hierzu müssen zusätzlich gefestigte wissenschaftliche Erkenntnisse 
über die objektive Eignung einer Behandlung für den medizinischen Erfolg vorliegen, was hier 
aber gemäss gutachterlicher Beurteilung eben nicht der Fall ist.   
 
5.2 Aus der Aussage von Dr. Dr. D.____, wonach ein chirurgischer Eingriff am Kiefergelenk mit 
Reposition und Fixation des Discus articularis indiziert sein könne, wenn die Reposition des Dis-
cus an den gewohnten Platz nicht mehr von alleine geschehe und zu einer Behinderung der 
Mundöffnung sowie zu Störungen der Beweglichkeit bei Unterkiefer führen könne, kann die Ver-
sicherte nichts zu ihren Gunsten ableiten. Sie macht geltend, dass sie genau an den von Dr. Dr. 
D.____ beschriebenen Behinderungen und Störungen gelitten habe, weshalb eine Indikation für 
die strittige kieferorthopädische Behandlung bestanden habe. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die 
Mundöffnung vor der Behandlung bei Dr. B.____ eingeschränkt war und Bewegungen mit dem 
Unterkiefer schmerzhaft gewesen waren. Die Versicherte übersieht jedoch, dass Dr. Dr. D.____ 
eine kieferorthopädische Behandlung nur dann als indiziert betrachtet, wenn eine Diskusverlage-
rung ohne, aber nicht mit Reposition des Discus vorliegt. Von einer Diskusverlagerung wird ge-
sprochen, wenn der obere Kopf des Musculus pterygoideus lateralis den Discus articularis aus 
seiner normalen Position auf dem Kondylus (Gelenkkopf des Unterkiefers) in die anteriore Lage 
zieht. Der Unterschied zwischen einer Diskusverlagerung mit oder ohne Reposition liegt darin, 
dass bei einer Verlagerung ohne Reposition der Discus in der anterioren Position bleibt. Wenn 
der Discus an einem Punkt der Gelenkexkursion wieder in die normale Position zurückkehrt, 
wird von einer Verlagerung mit Reposition gesprochen (vgl. NOSHIR M. MEHTA, Diskusverlage-
rung des inneren Kiefergelenks, in: MSD Manual für Fachkräfte, online: URL: 
https://msdmnls.co/3yAXaqa [09.08.2021]). Während Dr. B.____ keine Angaben über die Form 

 

 
 
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der Diskusverlagerung machte, sprach Prof. E.____ von einer Diskusverlagerung mit Reposi-
tion (vgl. Befundbericht vom 8. Oktober 2013). Auch die Vertrauensärzte der Avenir und Dr. Dr. 
D.____ gehen davon aus, dass bei der Versicherten eine Diskusverlagerung mit Reposition 
vorliege (vgl. Berichte von Dr. med. dent. F.____ vom 6. Mai 2017 und von Dr. med. dent. 
G.____ vom 9. Juli 2017 sowie Bericht von Dr. Dr. C.____ vom 25. März 2019). Aufgrund der 
übereinstimmenden medizinischen Aktenlage ist demnach vom Vorliegen einer Diskusverlage-
rung mit Reposition auszugehen, weshalb die Aussage von Dr. Dr. D.____ zur Indikation von 
kieferorthopädischen Eingriffen vorliegend keine Geltung beanspruchen kann.  
 
5.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die für die Leistungspflicht der Avenir vorausgesetzte 
Wirksamkeit gemäss Art. 32 Abs. 1 KVG der im Streit stehenden kieferorthopädischen Behand-
lung nicht hinreichend nachgewiesen ist. Die Folgen der Beweislosigkeit hat die Versicherte zu 
tragen, da sie aus dem unbewiesenen, behaupteten Sachverhalt Rechte ableiten möchte (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_701/2013, E. 4.1; BGE 117 V 261 E. 3b mit 
Hinweisen). Damit lehnte die Avenir eine Kostenübernahme der kieferorthopädischen Behand-
lung bei Dr. B.____ zu Recht ab. Die Beschwerde ist demgemäss abzuweisen. 
 
6.1 Art. 61 lit. a ATSG in der massgebenden hier bis 31. Dezember 2020 Fassung hält fest, 
dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind 
demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben.  
 
6.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu über-
nehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so 
übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs 
unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Vorliegend 
stellte das Gericht mit Verfügung vom 12. Juni 2020 fest, dass ein Entscheid in der Angelegenheit 
gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich sei. Die Beurteilungen von Dr. Dr. 
C.____, auf welche sich die Avenir in der angefochtenen Verfügung vom 26. März 2019 bzw. im 
Einspracheentscheid vom 20. November 2019 abstützte, erwiesen sich als nicht genügend be-
weiskräftig, um die Frage der Wirksamkeit der strittigen Behandlung bei Dr. B.____ rechtsgenüg-
lich zu beantworten. Auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte bildeten 
keine verlässliche Entscheidungsgrundlage. Demnach wies das Verwaltungsverfahren Untersu-
chungsmängel auf, welche die Einholung eines Gutachtens bei Dr. Dr. D.____ notwendig mach-
ten. Mit seinem Gutachten vom 21. April 2021 war es nun möglich, die Wirksamkeit der in Frage 
stehenden Behandlung zu beantworten. Damit erweist sich dieses für eine abschliessende Beur-
teilung des medizinischen Sachverhalts als unerlässlich. Es rechtfertigt sich deshalb, die Kosten, 
welche sich gemäss Rechnung vom 21. April 2021 auf Fr. 4'146.-- belaufen, der Avenir zu über-
binden.  
  

 

 
 
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Demgemäss wird  e r k a n n t : 
 

://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 3. Die Kosten für das gerichtliche Gutachten von Dr. Dr. D.____ in der 
Höhe von Fr. 4'146.-- werden der Avenir Krankenversicherung AG auf-
erlegt.