# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b0d0340c-24c2-5b9b-92ff-b1c79bfaa338
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-30
**Language:** de
**Title:** Abstellen auf poly- und bidisziplinäres Gutachten; die Somatisierungsstörung ist überwindbar und die Z-Diagnosen sind nicht invaliditätsrelevant.
**Docket/Reference:** IV.2014.00981
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00981.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00981
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Gohl Zschokke
Urteil
vom
30. April 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Milosav Milovanovic
Beratungsstelle für Ausländer
Frohaldenstrasse
76, 8180 Bülach
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1963
,
lebt seit 1986 in der Schweiz.
Sie
arbeitete hier
unter anderem
als Lageristin, Verkäuferin, Serviceangestellte und Mitar
beiterin des
Gartenprojektes
Gärtnerei des
Y.___
.
Zu
letzt war sie
ihren Angaben zufolge
ab dem Jahr 2006 in den Bereichen Psy
cho
logie, Pflegehilfe und Massage als selbständig Erwerbende tä
tig
(Urk.
8/4).
W
ährend eines Restaurantbesuch
e
s
prallte ihr am
9.
Juli 2009
ein
Fensterrah
men
gegen
den
Kopf
, worauf sie
kurz bewusstlos
wurde
und
in der Folge
über
ein Schwächegefühl im linken Arm und
dauerhafte
Kopfschmerzen
klagte
.
Am
2
6.
November
2010 meldete sich die Versicherte bei der
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungsbezug
an
(
Urk.
8/5)
und reichte
diverse
Beilagen
ein (
Urk.
8/4)
. Die
IV-Stelle
klärte
darauf
die er
werb
li
chen Verhältnisse ab
(
Urk.
8/1-3
, 8/9
und 8/10
)
und nahm
weitere
medi
zinische Unterlagen zu den Akten
(
Urk.
8/12
, 8/14 und
8/15)
. Am
7
.
Juni 2011 gab sie ein polydisziplinäres Gutachten
(neurologisch, psychiatrisch und neu
ropsy
cho
logisch)
in Auftrag (
Urk.
8/28),
das am 21.
September 2011 erstattet wurde (
Urk.
8/31)
. Mit Vorbescheid vom 18.
Oktober 2011 stellte die IV-Stelle die Ab
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/34)
.
Dagegen liess d
ie Ver
sicherte am 1. November 2011 Einwand erheben (
Urk.
8/35), der am 1
4.
Dezem
ber
2011 ergänzend begründet wurde (
Urk.
8/41).
Gleichzeitig wurde ein Schreiben von
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin FMH für Neurologie, vom 2
7.
November 2011 (
Urk.
8/40)
zu den Akten gegeben
.
Mit Zuschrift vom 1
3.
April 2012 (Urk
.
8/53)
reichte
die
damalige
Rechtsvertreterin
der Versicher
ten
weitere Arztberichte
ein
(
Urk.
8/52)
.
Die IV-Stelle
ersuchte darauf die
Gut
achter
um eine Stellungnahme (
Urk.
8/55)
, welche am
8.
August 2012 ab
geben wurde
(
Urk.
8/61 und 8/62)
.
Bereits a
m 31.
Juli 2012
hatte
die Rechtsvertreterin der Versicherten ein
Schreiben des
A.___
der
B.___
vom 2
3.
Juli 2013 (Urk.
8/59) zu den Akten
gegeben
(
Urk.
8/60)
.
In der Folge wurden zahlreiche weitere Arztberichte beigebracht
(
Urk.
8/67
,
8/71
, 8/86 und 8/91). Die IV-Stelle gab
darauf
am 2
7.
März 2014 ein
bidisziplinäres
Gutachten in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie in
Auf
trag (
Urk.
8/9
8
), das am
1
9.
und 2
7.
Mai 2014
von
Dr.
med.
C.___
,
Facharzt FMH für Neurologie
und zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, und
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothe
rapie,
erstattet wurde (Urk. 8/103 und 8/104).
Nachdem die Versicherte Gele
genheit
erhalten hatte, sich hierzu zu äussern
(
Urk.
8/106; vgl. auch
Urk.
8/107 und 8/110)
,
verneinte die IV-Stelle m
it Verfügung vom
27.
August 2014 einen Ren
tenanspruch
und einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
(
Urk.
2 =
8/113
).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
7.
August 2014 liess die Versicherte mit Eingabe vom 2
3.
September 2014
(
Urk.
1)
Beschwerde erheben. Ihre damalige
Rechts
vertreterin
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei der Versicherten eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventua
liter seien der Versicherten berufliche Massnahmen zuzusprechen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Ferner wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ersucht (Ur
k.
1 S. 2). Dieses Gesuch wurde am 2
4.
Oktober 2014 zurückgezogen (
Urk.
6). Die IV-Stelle schloss am 3
1.
Oktober 2014 auf Abweisung der Beschwer
de (Urk.
7).
Nach ei
nem Vertreterwechsel (
Urk.
12 und 13)
wurde die Replik am 16.
Februar 2015 erstattet (
Urk.
15).
Die IV-Stelle verzichtete am 2
7.
März 2015 auf das Einrei
chen einer Duplik (
Urk.
17). Davon hat die Gegenpartei mit Schreiben vom 3
0.
März 2015 Kenntnis erhalten
(
Urk.
18)
.
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
des
ge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ei
nträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2
ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend ob
jek
tiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hinwei
sen).
2.
In der angefochtenen Verfügung zog die Beschwerdegegnerin in Betracht,
dass kein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Das
neurolo
gische und psychiatrische Gutachten vom 1
9.
und 2
7.
Mai 2014 habe ergeben, dass bei der Beschwerdeführerin gesundheitliche Einschränkungen vorlägen, die ihre Arbeitsfähigkeit in su
bjektiver Weise einschränkten.
Diese
seien aber mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar, so dass die Beschwerde
füh
rerin vollzeitlich ihrer angestammten Tätigkeit nachgehen könne. Es bestehe auch
keine gesundheitsbedingte Einschränkung bei der Stellensuche (
Urk.
2).
Demgegenüber lässt die Beschwerdeführerin
den Standpunkt vertreten, es be
stehe
ein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden
(
Urk.
1 und 15). Auf das erwähn
t
e
bidisziplinäre
Gutachten könne nicht abgestellt werden und es sei ein
Obergut
achten
einzuholen (
Urk.
15).
3.
3.1
Aus dem
Bericht
des Departementes Chirurgie der Klinik für Unfallchirurgie des
E.___
vom 20. Juli 2009
geht hervor, dass
die Beschwerde
führerin
gleichentags
wegen Kopfschmerzen
die Notfallstation auf
ge
sucht
hatte
.
Mit einer
C
omputer
tomographi
e des Schädels
seien
keine frische Blutung, keine Frakturen
aber
eine alte
hypodense
verkalkte Läsion parietal links
festgestellt
worden
. Röntgenauf
nahmen der Halswirbelsäule
hätten
keine
ossären
Läsionen
gezeigt
(
Urk.
8/4/19).
Am
3
1.
Juli 2009
wurden
ein MRI des Schädels
und eine MR-Angiographie der
supraaortalen
Gefässe angefertigt. Diese
hätten
einen
kortikale
n und
subkorti
kalen
Defekt
links im
Gyrus
postc
entralis
und pari
etal im Versorgungsgebiet der
Arteria
cerebri
media
mit zentraler Verkal
k
ung
ergeben
. Überdies
seien
drei wei
tere kleinfleck
ige ätio
logisch unspezifische
Gliosen
des
supraten
t
ori
e
llen
Mark
lager
s
und Wandunregelmässigkeiten der nicht dominanten
Arteria
ver
tebralis links, wie dies mit einer segmentalen
fibromuskulären
Dysplasie verein
bar sei,
festgestellt
worden
(
Urk.
8/4/24)
.
3.2
Dr.
Z.___
untersuchte die Beschwerdeführerin am 2
9.
Juni und am
7.
Juli
2010 neurologisch
(Urk.
8/4/16)
.
Diese sei
logorrhoisch
,
mache
Gedanken
sprünge
und
habe Mühe
, sich an gew
isse Namen zu erinnern. Es sei
keine
aphasische
oder diagnostische
Störung
feststellbar. Der affektive Rapport sei zeitweise schwer her
stellbar
und die Beschwerdeführerin
sei
emotional labil
(Urk.
8/4/17).
3.3
Am 1
1.
August 2010 wurde die Beschwerdeführerin in der Klinik für Neurologie des
E.___
neuropsychologisch untersucht
(
Urk.
8/4/13)
. Da
bei seien
von mittelschwer bis schwer reichende kognitive Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit und Interferenzkontrolle sowie weitere, diffus über
alle ansonsten geprüften Domänen verteilte, von leicht bis mittelschwer reichende Teilleistungsschwächen festgestellt worden
.
Zusätzlich durchgeführte Fragebogenverfahren hätten auf eine schwere sowohl körperliche als auch kog
nitive Tätigkeiten betreffende
Fatiguesymptomatik
sowie eine leichte bis mittel
gradige depressive Verstimmung hingedeutet. Klinisch seien eine allgemeine Verlangsamung mit Antriebsminderung, eine ausgeprägte
Logorrhoe
mit gele
gent
lichem code-
switching
(abrupter Wechsel zwischen Deutsch und Englisch)
und
eine erhöhte Ermüdbarkeit aufgefallen.
Die erhobenen
Befunde seien neuropsychologisch nicht eindeutig dem bekann
ten
Hirnparenchymdefekt
links parietal zuordenbar. Plausibler sei eine multifa
kto
rielle Genese, wobei insbesondere die anamnestisch genannten Schmerzen, die
anam
nestisch und im Fragebogenverfahren evidente depressive Verstim
mung s
o
wie
die
Fatiguesymptomatik
relevante leistungsmindernde Faktoren darstellten (
Urk.
8/4/14).
3.
4
Eine weitere Magnetresonanztomographie vom
6.
Oktober 2010 in der Klinik
F.___
zeigte wiederum
ein ätiologisch
uneindeutiges
Defektareal
links in der
Pos
t
zentralregion
am
Gyrus
postcentralis
. Als Nebenbefund wurde ein venöses Angi
om links
occipital
vermerkt
(Urk.
8/4/11).
3.5
Aus dem Verlaufsbericht von
Dr.
med.
G.___
, Facharzt FMH für All
gemeine Medizin, vom 1
8.
Januar 2011 (
Urk.
8/12) geht hervor, dass sich die neuropsychologischen Ausfälle und die Kopfschmerzen nicht
besserten
. Der Ge
dankengang sei völlig ungeordnet und es sei
Logorrhoe
feststellbar. Wegen der eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit sei die Beschwerdeführerin ab dem 1
4.
Oktober 2009 bis auf
Weiteres
zu 100
%
arbeitsunfähig.
3.6
Gemäss dem polydisziplinären Gutachten von
Dr.
med.
H.___
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
dipl.
-psych.
I.___
und Prof.
Dr.
med.
J.___
, Facharzt FMH für Neurologie, vom 21. September 2011 (
Urk.
8/31)
ergaben
die erhobenen Befunde keinen ausreichenden Anhalt für eine die Arbeitsfähigkeit mind
ernde Gesundheitsstörung
, so dass von einer vollen Arbeitsfähigkeit für ein Pensum von 100
%
bei vollem Rendement aus
zu
gehen sei.
Zur Begründung wurde ausgeführt,
die
neurologisch
e Untersuchung vom 11.
Jul
i 2011
habe
keine
ausreichenden Anhalt
spunkte
für eine behindernde Läsion am zentralen oder peripheren Nervensystem
ergeben
. Es bestehe auch ke
in ausrei
chender Anhalt für ein
behinderndes Kopfschmerzsyndrom;
differen
tialdiag
nos
tisch
sei ein
Analgetikakopfschmerz
bei anamnestischem
Analge
tikafehlge
brauch
zu vermerken (
Urk.
8/31/12). Die aktenkundigen
bildmorpho
logischen
Läsions
be
funde
seien unspezifischer Genese, ein klinisches Korrelat, namentlich ein korrespondierende
s
fokales
nervales
Defizit fehle, so dass auch hieraus kein min
dernder Effekt auf die Arbeitsfähigkeit resultiere
. Die akten
kundige neuro
psy
chologische Testuntersuchung und deren Interpretation krankten an der un
zu
reichenden kritischen Diskussion der offensichtlichen Dis
krepanz zwischen den testpsychologisch forma
l
auffälligen Befunden und dem regelrechten klinischen Befund
sowie an einer mangelhaften
methoden
kriti
schen
Diskussion der diffe
rentiellen Abgrenzung von Störartefakten. Kognitive Testuntersuchungen (soge
nannte neuropsychologische Testungen) seien als Hilfsuntersuchungen der Medi
zin ohne eigenständigen diagnostischen Wert und nur im Kontext mit klini
schen und paraklinischen Befunden sinnvoll verwert
bar. Sie repräsentierten also keine „feinere“ Untersuchung der höheren zerebra
len (kognitiven) Leistungen, sondern eigneten sich lediglich, bei einem klinisch vorliegenden kognitiven Störungsbild zu dessen Differenzierung beizutragen
(
Urk.
8/31/13
f.
).
Auch
die neuropsychologische Untersuchung
habe keine
Anhaltspunkte
für eine
Störung ergeben.
Bei den testpsychologischen Erhebungen hätten deutliche Hin
weise auf eine Selbstlimitierung, suboptimale Testanstrengung und Aggra
vation bestanden
,
welche die Ergebnisse relativierten (
Urk.
8/31/27). Der
test
psycho
lo
gisch
formal erhobene geringe Intelligenzquotient sei grob diskrepant zum klini
schen Befund der kognitiven Leistungsfähigkeit. Auch die gezeigte rasche Auf
fassung der Testinstruktionen stehe im groben Widerspruch zu den formalen
Test
leistungen
(
Urk.
8/31/33).
Die am 1
1.
August 2010 bei der neu
ropsycho
logi
schen Untersuchung vorgetragenen Beeinträchtigungen habe die Beschwerde
füh
rerin anlässlich der aktuellen Untersuchung vom 1
1.
Juli 2011 nicht mehr erwähnt. Die Interpretation der seinerzeit erhobenen kognitiven Minderleis
tung
en stütze sich überwiegend auf anamnestisch erhobene Daten mit keiner aus
reichenden Kongruenz zum klinischen Befund. Die
testpsycholo
gischen
Unter
such
ungen seien als Hilfsuntersuchungen ohne eigenständigen di
agnostischen Wert
zu betrachten
(
Urk.
8/31/33).
In psychiatrischer Hinsicht könne eine
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) differentialdiagnostisch erwogen werden. Die
g
eklagten Schmerzen seien aber nicht als unüberwindbar anzusehen. Es sei insbesondere nicht erkennbar, dass die Schmerzproblematik nicht durch eine bewältigungsorientierte Behand
lung angegangen werden könne. Hinzu komme, dass die Schmerzsymptomatik zumindest wesentlich anteilig im Rahmen eines
Analgetikafehlgebrauchs
er
klärbar sei (
Urk.
8/31/47).
A
n de
r
gutachterlichen
Beurteilung wurde in der Stellungnahme vom 8. August 2012
festgehalten, zumal die neu vorgelegten Arztberichte unzureichend seien, da sie ihre Befunde in der Diskussion nicht von Artefakten abgrenzten und die unzureichende biologische Plausibilität
i
gnorierten (Urk.
8/61 und 8/62).
3.7
Dr.
med.
K.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
, und
Dr.
phil.
klin
. psych.
L.___
vom
M.___
diagnostizierten am 1
7.
Februar 2012 eine mittelgradige depressive Episode
(ICD-10: F32.1). Die neuropsychologische Abklärung habe eine deutliche Stö
run
g des Gedächtnisses, der Aufmerksamk
eit, der Konzentration und der
Reak
tion gezeigt. In allen Tests habe die Beschwerdeführerin Werte erreicht, die deutlich unter der Norm lägen
. Hinsichtlich der Details
sei
auf
die
Resultate des neuro
psychologischen Screenings
zu verweisen
(
Urk.
8/52).
3.
8
Dr.
med.
N.___
, Oberarzt des
A.___
der
B.___
hielt
in einem Schreiben vom
2
3.
Juli 2013 fest, aus Sicht der Arbeitstherapie
sei
am
4.
Juli 2013 keine Ar
beitsfähigkeit für den Allgemeinen Arbeitsmarkt erkennbar gewesen. Eine Tä
tigkeit im geschützten Rahmen müsste die stark eingeschränkte Performanz berücksichtigen. Es bedürfe einer steten Begleitung und Anleitung im Arbeits
prozess (
Urk.
8/59)
.
In einem Bericht vom 1
8.
Dezember 2012 (
Urk.
8/67)
nannte
er den Verdacht auf eine
Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0) und eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2)
als
psychiatrische Diagnosen.
Während der
Gespräche sei zudem
deutlich geworden, dass die Beschwerdeführerin unter anhaltenden psychosozi
a
len Belastungen leide. Hiermit vereinbar seien auch momentane kognitive De
fi
zite, die auch fluktuierend sein könnten. Da die Beschwerdeführerin stets pünkt
lich zu den Terminen erschienen sei, sich ordentlich gekleidet und ernährt ge
zeigt habe und auch über bevorstehende Ereignisse gut orientiert gewesen sei, scheine das kognitive Funktionsniveau für die Verrichtungen des
alltäglichen Lebens ausreichend.
D
ie Kriterien einer Demenz
seien
nicht erfüllt.
Hinsichtlich
der zumutbaren Erwerbstätigkeit
empfehle er
eine arbeitsmedizinische Abklä
rung
.
3.
9
Dr.
K.___
und
Dr.
L.___
diagnostizierten in einem weiteren Bericht vom 3
0.
September 2013 (
Urk.
8/86)
erneut
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.) und vermerkten eine deutliche
Logorrhoe
.
Sie überwiesen die Beschwerdeführerin zur stationären Behandlung in die Klinik
O.___
.
Deren Austrittsbericht vom 1
5.
November 2013 (
Urk.
8/91) zufolge hielt sich die Beschwerdeführerin vom 2
1.
b
is zum 29. Oktober 2013
dort zur stationären Be
handlung
auf. In psychiatrischer Hinsicht habe man
während dieser Zeit
eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) und eine unklare „Verwirrt
heit“
mit alterierter Affektregulation und einschiessenden Ängsten diagnosti
ziert.
Diffe
rentialdiagnostisch
stünden
ein dissoziatives Syndrom (ohne Codie
rung) oder
eine traumatische Genese (ohne Codierung) oder
ein organisches
Psycho
syn
drom
nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2)
zur Diskussion
. Den neurologischen Status habe man nur erschwert erheben können (
Kon
z
entrati
onsdefizite
, Auf
fass
ung). Die Beschwerdeführerin habe einfache Befehle oder Anleitungen zum Nachahmen nicht oder nur erschwert ausführen können.
Ihr sei eine Adaption beziehungsweise Inte
gration ins therapeutische Mil
ieu deut
lich schwer gefallen.
Sie sei
nach zumindest basaler psychophysischer Stabili
sierung
auf eigenen Wu
nsch und gegen ärztlichen Rat wieder aus der Klinik ausgetreten.
Eine Klärung und weiterführende Behandlung sei während des Aufenthaltes nicht erfolgt, es bestehe aber eine ambulante psychiatrische
Nach
betreuung
.
3.10
Im
neurologisch-psychiatrische
n
Gutachten von
Dr.
C.___
und
Dr.
D.___
vom 1
9.
und 2
7.
Mai 2014
wurde festgehalten, es seien keine Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt worden
(
Urk.
8/103/11)
. Die Beschwerde
führerin leide an einer
Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0) und
an
histrio
nischen
Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1), ferner an Problemen in der Be
ziehung zu ihrem geschiedenen Ehemann und ihrem jetzigen Partner (ICD-10: Z63.0)
sowie
an Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10: Z60.3).
Fokal-neurologisch sei die Beschwerdeführerin unauffällig und in der
Beschwe
r
dedarstellung
ausgesprochen demonstrativ-
klagsam
, ohne dass in der
Gegenüber
tragung
ein authentischer Leidensdruck spürbar werde. Im klinischen
Neuro
sta
tus
sei die Anstren
g
ungsbereitschaft wenig ausgeprägt. Die negativen
Medika
mentenspiegel
(Analgetika und Antidepressiva) untermauerten den Ein
druck einer
nicht konsistenten Bes
chwerdedemonstration. Auffällig
seien zudem die Diskre
panzen in der biographischen und beruflichen Anamnese im Ver
gleich zum
Vor
gutachten
vom 2
1.
November 201
1.
Auch die subjektiven Anga
ben bei der aktu
ellen psychiatrischen Teilbegutachtung
hätten
teilweise von den Schilde
rungen in der neurologischen Begutachtungssituation ab
gewichen
(Urk.
8/103/13)
.
Die von der Beschwerdeführerin geklagten körperlichen Symptome träten in Ver
bindung mit emotionalen Konflikten und psychosozialen Problemen auf, die
schwerwiegend genug seien, um als entscheidender ursächlicher Faktor zu gel
ten
(
Urk.
8/104/13). Wenn depressive Verstimmungen überhaupt aufträten, dann seie
n diese reaktiver Natur
(
auf die multiplen sozialen Belastungen
)
und stellten somit kein eigenständiges Krankheitsbild im Sinne einer Komorbidität dar. Chronische körperliche Begleiterkrankungen, die zum Krankheitsbild in er
heb
licher Weise be
i
tragen würden, bestünden nicht. Die Beschwerdeführerin pflege auch soziale Kontakte und lebe nicht zurückgezogen. Verfestigte, thera
peutisch nicht mehr angehbare i
nne
rseelische Verläufe einer an sich missglück
ten, psy
chisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsge
winn
) seien
weder anamnestisch
zu eruieren
noch aktenkundig. Die Beschwer
deführerin sei in unregelmässigen Abständen und bei mehreren Institutionen psychiatrisch-psychotherapeutisch und sozio-therapeutisch behandelt worden.
E
ine wesent
li
che Besserung ihres Zustandes sei
jedoch
nicht eingetreten, weil das
syndromale
Leiden im Zusammenhang mit psychosozialen
Belastungsfak
toren
stehe, welche medizinisch nicht eff
ektiv angegangen werden könnten (
Urk.
8/104/15).
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten vom 2
1.
September 2011 (
Urk.
8/31) beruht auf
körperlichen, neuropsychologischen und psychiatrischen Untersuchungen der Beschwerdeführerin vom 1
1.
Juli 2011 (vgl.
Urk.
8/31/2, 8/31/20 und 8/31/40). Es wurde in Kenntnis der medizinischen
Vorakten
erstellt und berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden angemessen. Die gestellten Fragen beantwortet es umfassend. Überdies setzt es sich detailliert mit anders
lautenden Beurteilungen, namentlich
der
aktenkundigen neuropsychologischen Testung
vom 1
1.
August 2010 und deren Resultaten
, auseinander
. Insbesondere begründet es die
eigene
Einschätzung
einleuchtend und nachvollziehbar.
Es
er
füllt folglich die von der Rechtsprechung
statuierten Anforderungen an ein me
dizinisches Gutachten
(vgl. BGE 134 V 231 E. 5.a und 125 V 351 E. 3a).
Der pauschale Vorwurf, Prof.
Dr.
J.___
sei dem Vertreter der Beschwerdeführerin bekannt als jemand, der den Empfindlichkeitstest durch die dicke Winterjacke
ausführe, um festzustellen, dass die explorierte Person gesund und arbeitsfähig sei
(
Urk.
15 S. 1),
eignet sich
nicht
dazu
, die gutachterliche Unabhängigkeit oder
die Qualität des Gutachtens in Frage zu stellen.
Ebenso wenig gibt
die Bean
stan
dung
zu Zweifeln Anlass, dass sich
Dr.
H.___
in einem kurzen Gespräch ganz wenig mit den Beschwerden der Beschwerdeführerin befasst habe (
Urk.
15 S.
1).
Hierzu ist generell festzuhalten, dass ein Gutachter
die Explorandin in der Regel nur für eine beschränkte Zeit sieht und sich aus der Anzahl sowie der Dauer der geführten Gespräche keine Rückschlüsse auf die Wertigkeit eines Gutachtens
ziehen lassen. Einen
krankhaften
Befund oder das Fehlen eines sol
chen kann ein
erfahrener Diagnostiker ohne
W
eiteres
auch nach einem einmali
gen Gespräch feststellen.
Aus den im psychiatrischen Teilgutachten geschilder
ten Angaben der Beschwerdeführerin geht sodann hervor, dass
sich
diese aus
reichend zu ihren Be
schwerden und deren Behandlung sowie zu ihrer aktuellen Lebenssituation
äussern konnte. Insbesondere wurde eine umfassende Anam
nese erhoben (Urk.
8/31/41 ff.).
Über die erwähnte Kritik
hinaus wird weder seitens der Beschwerdeführerin et
was vorgebracht (vgl.
Urk.
1 und 15) noch ist sonst etwas ersichtlich, weswegen auf das polydisziplinäre Gutachten vom 2
1.
September 2011
nicht
abgestellt werden könnte
. Dies muss umso mehr gelten, als auch
Dr.
Z.___
in ihrem
Schreiben vom 27. November 2011
auf eine entsprechende Anfrage
der damali
gen
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
nichts vorzutragen vermochte,
aufgrund dessen die gutachterlichen Feststellungen in Zweifel zu ziehen wären
(Urk.
8/40).
4.2
Auch das neurologisch-psychiatrische Gutachten von
Dr.
C.___
und
Dr.
D.___
vom 1
9.
und 2
7.
Mai 2014 (
Urk.
8/103 und
8/
104) erfüllt sämtliche Kriterien eines rechtsprechungskonformen Gutachtens (vgl. BGE 134 V 231 E. 5a und 125 V 351 E.
3a). Die Beschwerdeführerin wurde von den begutachtenden Fach
ärzten am
5.
Mai 2014 psychiatrisch (
Urk.
8/104/1) und am 1
3.
Mai 2014
kli
nisch-
neurologisch (
Urk.
8/103/1
und 8/
1
03/10 f.
) untersucht. Ebenso wurden die me
dizinischen
Vorakten
und die Beschwerdeschilderungen der Explorandin be
rücksichtigt
und in der Folge – soweit relevant – erörtert
.
Insbes
ondere wurde die gutachterliche Beurteilung nicht
nur nachvollziehbar und einleuchtend be
gründet, sondern auch mit
der Auswertung
einer am 1
3.
Mai 2014 entnomme
nen Blutprobe untermauert,
die
einen negativen Medikamentenspiegel
bezüglich
Analgetika und Antidepressiva
ergab (Urk.
8/103/11 und 8/103/17).
Das Gut
achten steht ferner inhaltlich im Einklang mit dem ersten polydisziplinären Gut
achten
vom 2
1.
September 2011
.
Der Vertreter der Beschwerdeführerin bringt gegen
den Gutachter
Dr.
D.___
vor,
dass
dieser ihm bekannt
sei
als jemand, der sehr schnell und ohne genü
gende Überlegungen Beschlüsse über die Arbeitsfähigkeit der Exploranden fasse, am
meisten zu Gunsten von Versicherungen und Auftraggebern (
Urk.
15 S.
2).
Dies
e pauschal geübte Kritik
trägt
keinesfalls dazu
bei
, den Beweiswert des Gut
ach
tens zu
schmälern
oder dessen Inhalt in Frage zu stellen.
Des Weiteren wird moniert,
die anderslautenden ärztlichen Berichte
seien von den Gutachtern ohne wesentlichen Grund abgewertet und die
darin erwähnten Diagnosen
kaum diskutiert worden
(
Urk.
15 S.
2).
Es trifft zwar zu, das
s
im
Februar 2012 sowie im September und Oktober 2013 von den behandelnden Ärz
ten
eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden war (
Urk.
8/52, 8/86 und 8/91; vgl.
Urk.
15 S.
2 und 3). Der Vertreter der Beschwer
deführerin hat jedoch weder dargelegt noch ist ersichtlich, weshalb
ein
Anlass
dazu be
standen hätte, die damals gestellte Diagnose einer mittelgradigen de
pressiven Episode
im Rahmen der Begutachtung
vom
Mai 2014 eingehend zu diskutieren.
Sie wurde von den Gutachtern für den damaligen Zeitpunkt nicht ansatzweise in Frage gestellt
(vgl.
Urk.
8/103 und 8/104)
.
E
ine mittelgradig aus
geprägte depressive Episode
ist
überdies
gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre
chung regel
mässig nicht als eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheid
bare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten
Ge
sund
heits
schadens
zu betrachten.
Zudem gelten leichte bis höchstens mittel
schwere psy
chische Störungen aus dem depressiven Formenkreis grundsätzlich als thera
peu
tisch
angehbar
.
Es könnte auch keine psychisch ausgewiesene Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer darin erblickt werde
n
(vgl. die Urteile des Bundesgerichtes 8C_759/2013 vom
4.
März 2014 E.
3.6.1 und
3.6.2 sowie 8C_581/2013 vom 10.
Dezember 2013 E. 4.2, je mit weiteren Hin
weisen)
.
Dementsprechend käme
der fraglichen Diagnose
oh
nehin keine Rele
vanz
zu.
Im psychiatrischen Teilgut
achten
vom 1
9.
Mai 2014 wurde sodann ein
geh
end
dargelegt, weshalb
von depressiven Verstimmungen auszugehen sei
. Insbe
sondere wurde auch
ausdrücklich festgehalten, dass
sich
die Voraussetz
ungen für die Diagnose einer depressiven Störung
weder aus den Akten ergäben noch aktuell
erfüllt seien (
Urk.
8/104/14).
Es ist zwar richtig, dass
Dr.
K.___
und
Dr.
L.___
am 1
0.
April 2012 und am
1.
März 2013
eine
neuropsychologische Abklärung
aus
dem
Jahr 2012
erwähn
ten
, die eine deutliche Störung des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit, der
Kon
zentration und der Reaktion gezeigt habe und bei der die Beschwerdeführe
rin
Testwer
te unter der Norm erreicht habe. Tatsächlich
handelte es sich
hierbei
lediglich um ein neuropsychologisches Screening (Urk.
8/52 und 8/71). Letzteres
wurde
nicht nur vom Gutachter
Dr.
C.___
, sondern
auch im Rahmen der
Kon
sen
s
beurteilung
eingehend thematisiert u
nd entsprechend gewürdigt (Urk.
8/103/5
und
8/103/14
).
Dem
zufolge
erweist sich der Vorwurf einer man
gelhaften Aus
einandersetzung mit anderslautenden ärztlichen Berichten auch in diesem Punkt als haltlos.
Im Beschwerdeverfahren wurde
auch sonst nichts vor
getragen, wes
wegen auf das
b
idisziplinäre
Gutachten vom 19.
und 2
7.
Mai 2014
nicht
abge
stellt werden könnte (
Urk.
1 und 15). Ebenso wenig ergibt sich etwas Derartiges aus den Akten.
4.3
Als Zwischenergebnis ist folglich festzuhalten, dass auf die beiden Gutachten
abzustellen ist
. Die beantragte Oberbegutachtung
ist unnötig und es ist darauf zu verzichten
.
5.
5.1
Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin
die
von den Gutachtern
diag
nos
tizierte
Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0) und
die zusätzlich fest
ge
stellten
histrionischen
Persö
nlichkeitszüge
(ICD-10: Z73.1)
, Probleme in der Be
ziehung zu
m geschiedenen Ehemann und jetzigen Partner (ICD-10: Z63.0) sowie Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10: Z60.3)
zu Recht als keine invaliditätsrelevanten Gesundheitsschäden qualifizierte.
5.2
H
istrionische
Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1)
s
tell
en gemäss der
bundesge
richtlichen
Rechtsprechung keine rechtlich erhebliche
Gesundheitsbeeinträchti
gung
dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_726/2014 vom 2
5.
Februar 2015 E. 3.1.
1 mit Hinweis).
Die weiteren mit den sogenannten Z-Kodierungen beschrie
benen Umstände können zwar den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin beein
flussen, sind aber keine Krankheiten oder Schädigungen. Sie stehen für ei
nen
Zusatzfaktor, der berücksichtigt werden muss, wenn die Person wegen eines patho
logischen Zustands behandelt wird. Diese Belastungen fallen als solche
ebenfalls
nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 2
5.
Mai 2007 E. 2.2.2.2 mit Hinweisen).
5.3
Für die
Somatisierungsstörung
(ICD-10: 45.0) gelten dieselben Grundsätze be
treffend willentliche Überwindbarkeit wie bei der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung und ihr
en
Folgen (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 8C_696/200
8 vom
3.
Juni 2009 E. 8.2.2 und 8
C_348/2008 vom
7.
Januar 2009 E.
3.1 mit Hinweis auf das Urteil I 70/07 vom 1
4.
April 2008 E. 5). Eine solche allein
begründet
noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass
die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren
Wil
lens
anstrengung
überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die
Schmerz
be
wältigung
intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt.
Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand ver
schiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Mass
gebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Kon
stanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chro
nifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progre
dienter Sympto
matik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiesener so
zialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beein
fluss
barer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber ent
las
tenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; „Flucht in die Krank
heit"); ein
unbefriedigendes Behandlungsergebnis
trotz konsequent durchge
füh
r
ter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilitati
onsmassnahmen
bei vor
handener Motivation und Eigenanstrengung (koopera
tive Haltung) der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - aus
nahmsweise - die Voraus
setzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3). In BGE 139 V 547 hat das Bun
des
gericht an dieser Rechtsprechung unter Auseinandersetzung mit der daran ge
üb
ten Kritik festgehalten und auf die besondere Bedeutung ei
ner fachgerechten Abklärung hingewiesen
(E. 9.1.3, E. 9.2.1).
5
.
4
Eine
psychische
Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensi
tät, Ausprägung und Dauer
liegt nicht vor
.
Ebenso wenig leidet die Beschwer
deführerin an
chro
nischen körperliche
n
Begleiterkrankungen
.
Im
psychiatri
schen Teilg
utachten
vom
1
9.
Mai 2014
wurde sodann
ausdrücklich festgehalten, dass die Beschwerde
führerin ihren Angaben zufolge über einen guten Freundes
kreis (unter anderem Cousinen) verfügt, sich mit Kollegen trifft und in einer von Auseinander
setz
ungen geprägten festen Beziehung lebt (
Urk.
8/104/9). Sie tele
foniert auch oft mit ihrer
in
P.___
wohnhaften
Tochter und besuchte diese
letztmals
im Mai 2013 (
Urk.
8/104/10).
Bereits
im Rahmen der ersten
po
lydisziplinären
Be
gutachtung wurde
erwähnt
und berücksichtigt
, dass die Be
schwerdeführerin in einer (wenn auch konfliktbehafteten) festen Beziehung lebt
(
Urk.
8/31/5) und sich mit Freunden trifft (
Urk.
8/31/22 und 8/31/44)
.
Ein
sozi
aler Rückzug
lässt sich damit ausschliessen, zumal
sich
Hinweise auf einen sol
chen auch
nicht an
satzweise aus den
übrigen
Akten
ergeben
.
M
it
dem Resultat
der
am 1
3.
Mai 2014
entnommenen Blutprobe
ist
ausgewiesen, dass sich die Beschwerdeführerin
keine
r angemessenen
medikamentösen Behandlung unter
zieht
(
Urk.
8/103/11 und 8/103/17)
.
Den
stationären Aufenthalt
in der Klinik
O.___
hat sie
be
reits
nach rund
einer Woche gegen ärztlichen Rat
ab
gebrochen.
Auch d
ie Inan
spruchnahme einer regelmässigen psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung ist nicht dokumentiert. Von einem
un
befriedigende
n
Behandlungs
ergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambu
lanter und/oder stationärer Be
handlung
kann sodann nicht die Rede sein.
Ebenso fehlt es an einem
verfes
tigte
n
, therapeutisch nicht mehr beeinflussbare
n
innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber en
tlastenden Konfliktbewältigung.
5.5
Unter den gegebenen
Umständen
ist
die
Somatisierungsstörung
folglich
als über
windbar zu qualifizieren
. Es liegt auch sonst kein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden vor, der die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit
einschränken würde
.
Es ist ihr
daher
eine
100%
ige
Erwerbstätigkeit in ihren ange
stammten Tätigkeiten zumut
bar
.
Damit erweist es sich als korrekt, dass die
Be
schwerdegegnerin
einen Rentenanspruch verneint und das Rentenbegehren ab
gewiesen hat. Insoweit ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1
Invalide oder von einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss
Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu er
halten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (
Abs.
1).
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (
Abs.
1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen
können in Massnahmen beruflicher Art (Berufs
beratung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapi
talhilfe)
bestehen (
Abs.
3
lit
. b
).
6.2
Die Beschwerdeführerin ist uneingeschränkt arbeits- und erwe
rbsfähig. Sie ist weder invalid
noch von Invalidität bedroht, so dass sie auch über keinen An
spruch auf berufliche Massnahmen verfügt. Die Beschwerdegegnerin hat das Bestehen eines solchen
somit zu Recht vernein
t und dementsprechend korrekt keine entsprechenden Leistungen zugesprochen
.
Da sich die Beschwerde auch in diesem Punkt als unbegründet erweist, ist sie abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.--
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden Beschwerde
führerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Milosav Milovanovic
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigGohl Zschokke