# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c69aab22-89fe-5e62-a1e7-cac30ef4daa3
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-29
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 29.06.2023 SST.2022.239
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-239_2023-06-29.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.239 

(ST.2020.264; StA.2019.4604) 

 

 

Urteil vom 29. Juni 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiberin i.V. Hunziker 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1981, von Kosovo, 

[...]  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Andrea-Ursina Bieri,  

[...] 

 

 

 
 

Gegenstand  Widerhandlungen gegen das BetmG, versuchte schwere Körperverletzung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 21. Dezember 2020 Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher, teilweise qualifizierter Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie wegen versuchter 

schwerer Körperverletzung. 

 

2. 

2.1. 

Mit Urteil vom 30. März 2022 erkannte das Bezirksgericht Baden: 

 

1. 
1.1. 
Der Beschuldigte A. ist schuldig 
- Der mehrfachen, teilweise qualifizierten Widerhandlung gegen das BetmG i.S.v. 

dessen Art. 19 Abs. 1 lit. c und d i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a (in Bezug auf Anklageziffer 
1a und teilweise in Bezug auf Anklageziffer 1b, soweit ihm darin Erwerb und Verkauf 
von Kokaingemisch mit angenommenem Reinheitsgrad von 50% im Umfang von 65g 
vorgeworfen wird) 

- sowie der versuchten schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 
StGB. 

 
1.2. 
Soweit die Anklage über diesen Schuldspruch hinausgeht, wird der Beschuldigte in Bezug 
auf die mehrfache, teilweise qualifizierte Widerhandlung gegen das BetmG i.S.v. dessen 
Art. 19 Abs. 1 lit. c und d i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a (in Bezug auf Anklageziffer 1b) 
freigesprochen. 
 
2. 
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie 
Art. 34 StGB, Art. 40 StGB, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB  
 
bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren. 
 
3. 
Die ausgestandene Untersuchungshaft von 3 Tagen wird dem Beschuldigten gemäss 
Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 
 
4. [mit Korrektur in Kursivschrift] 
Der dem Beschuldigten mit Urteilen der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. Februar 2015 
und vom 14. Dezember 2015 für die Geldstrafen von 30 bzw. 90 Tagessätzen zu je 
Fr. 30.00 gewährte bedingte Strafvollzug wird gestützt auf Art. 46 Abs. 5 StGB nicht 
widerrufen. 
 
5. 
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a lit. a und lit. o StGB für 10 Jahre des Landes 
verwiesen. Diese Landesverweisung gilt für den gesamten Schengenraum und ist 
entsprechend im SIS einzutragen. 
 
6. 
Gestützt auf Art. 71 StGB wird auf eine Ersatzforderung des Staates gegenüber dem 
Beschuldigten in Höhe von Fr. 4'950.00 erkannt. 
 

 - 3 - 

 

 

7. 
Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 StPO). 
 
Dieser hat seine Parteikosten selbst zu tragen. 
 
8. 
8.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

a) der Gerichtsgebühr  Fr. 5’000.00 
b) der Anklagegebühr  Fr.  2'200.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung Fr. 17'996.35 
d) den Kosten für die medizinischen Berichte 
 und Gutachten Fr. 4'595.00 
e) den Polizeikosten Fr. 968.90 
e) den Spesen Fr. 383.20 

Total Fr. 31'143.45 
 
8.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss Ziff. 8.1 lit. a) und b) sowie die Kosten 
gemäss Ziff. 8.1 lit. d) – f) im Gesamtbetrag von Fr. 13'147.10 auferlegt. 
 
9. 
Der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten, Andrea-Ursina Bieri-Müller, Fürsprecherin, 
[...], wird eine Entschädigung von Fr. 17'996.35 (inkl. 7.7 % MwSt. von Fr. 1'286.65) zu 
Lasten der Staatskasse zugesprochen (Kosten gemäss Ziff. 8.1 lit. c) und die 
Gerichtskasse Baden angewiesen, die Auszahlung vorzunehmen. 
 
Die Entschädigung wird einstweilen auf der Gerichtskasse Baden vorgemerkt. Der Betrag 
von Fr. 17'996.35 wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

2.2. 

Mit Eingabe vom 13. April 2022 meldete der Beschuldigte gegen das ihm 

im Dispositiv zugestellte Urteil Berufung an. Das begründete Urteil wurde 

ihm am 31. August 2022 zugestellt. 

 

3. 

3.1. 

Am 20. September 2022 reichte der Beschuldigte die Berufungserklärung 

ein und stellte folgende Anträge: 

 

1.1. Ziffer 1.1. des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Baden vom 30. März 2022 
sei aufzuheben und wie folgt neu zu fassen: 

Der Beschuldigte A. ist schuldig 

- Der Widerhandlung gegen Art. 19 Abs. 1 lit. c) BetmG (in Bezug auf Anklageziffer 
1a) 

- Sowie der einfachen Körperverletzung nach Art. 123 Ziff. 1 StGB (in Bezug auf 
Anklageziffer 2) 

 
1.2. Ziff. 1.2. des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Baden vom 30. März 2022 sei 

aufzuheben und wie folgt neu zu fassen: 

 - 4 - 

 

 

A. ist sei vom Vorwurf der mehrfachen, teilweise qualifizierten Widerhandlung gegen 
das BetmG i.S.v. dessen Art. 19 abs. 1 lit. c) und d) i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a) (in 
Bezug auf die Anklageziffern 1a und 1b) freizusprechen. 
 

2. Ziffer 2 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Baden vom 30. März 2022 sei 
aufzuheben und wie folgt neu zu fassen: 

Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen 
sowie Art. 40, 47 und 49 Abs. 1 StGB, zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten 
verurteilt. 
 

3. Dem Beschuldigten A. sei für die Freiheitsstrafe von 22 Monaten der bedingte 
Strafvollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. 
 

4. Ziffer 5 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Baden vom 30. März 2022 sei 
vollumfänglich aufzuheben. 
 

5. Ziffer 6 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Baden vom 30. März 2022 sei 
vollumfänglich aufzuheben. 
 

6. Ziffer 8 des Urteils des Bezirksgerichts Baden vom 30. März 2022 sei vollumfänglich 
aufzuheben und entsprechend dem Verfahrensausgang neu zu fassen. 
 

7. In den übrigen Punkten sei das Urteil des Bezirksgerichts Baden vom 30. März 2022 
zu bestätigen. 
 

8. Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten sei zu Lasten der Gerichtskasse zu 
entschädigen. 
 

9. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. 

 

3.2. 

Die Berufungsverhandlung fand am 29. Juni 2023 statt. Mit seiner 

Berufungsbegründung hielt der Beschuldigte an seinen Anträgen fest. Die 

Staatsanwaltschaft Baden beantragte ihrerseits die Abweisung der 

Berufung. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den vorinstanzlichen 

Schuldspruch wegen mehrfacher, teilweise qualifizierter Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz durch die Vermittlung von Kokain 

einerseits (teilweise Anklageziffer 1a) und durch den Erwerb und Verkauf 

von Kokain andererseits (Anklageziffer 1b) sowie den vorinstanzlichen 

Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung (Anklage-

ziffer 2). Aufgrund der beantragten Freisprüche bzw. der beantragten 

milderen rechtlichen Qualifikation beanstandet der Beschuldigte auch die 

vorinstanzliche Strafzumessung, die Kostenverlegung, die Landesver-

weisung und die Ersatzforderung. Die übrigen Punkte des vorinstanzlichen 

 - 5 - 

 

 

Urteils sind unangefochten geblieben. Diese sind somit grundsätzlich nicht 

zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten der mehrfachen, teilweise 

qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19 Abs. 1 lit. c und d i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (in Bezug auf 

Anklageziffer 1a und teilweise in Bezug auf Anklageziffer 1b, soweit ihm 

darin der Erwerb und Verkauf von Kokaingemisch mit einem angenom-

menen Reinheitsgrad von 50% im Umfang von 65g vorgeworfen wird) 

schuldig. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei lediglich der einfachen 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 

lit. c BetmG (in Bezug auf Anklageziffer 1a) zu verurteilen (Berufungs-

erklärung S. 2).  

 

2.2. 

Einer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz macht sich u.a. 

strafbar, wer Betäubungsmittel unbefugt veräussert, auf andere Weise 

einem anderen verschafft oder in Verkehr bringt (Art. 19 Abs. 1 lit. c 

BetmG) oder wer Betäubungsmittel unbefugt besitzt, aufbewahrt oder 

erwirbt (Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG). Eine qualifizierte Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz begeht gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a 

BetmG, wer weiss oder annehmen muss, dass die Widerhandlung mittelbar 

oder unmittelbar die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann. 

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist dies bei Kokain bei 

einer reinen Wirkstoffmenge von 18 Gramm der Fall (BGE 145 IV 312, 

Regeste). Bei Marihuana hingegen ist die Annahme eines schweren Falles 

im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG generell ausgeschlossen (BGE 

117 IV 314, Regeste). 

 

2.3. 

Der Beschuldigte hat mehrfach anerkannt, zwischen August 2018 und 

November 2018 auf dem Stadtgebiet Baden einer unbekannten Anzahl 

Abnehmer 60 Gramm Kokaingemisch sowie 400 Gramm Marihuana gegen 

eine Provision von Fr. 3'000.00 vermittelt zu haben (Anklageziffer 1a; 

Untersuchungsakten [UA] act. 32; act. 141, act. 145; act. 153 f.; act. 596; 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 10). Nach Prüfung der Beweismittel 

erachtete es die Vorinstanz zudem als erstellt, dass der Beschuldigte im 

Zeitraum von September 2018 bis Dezember 2019 65 Gramm Kokain-

gemisch von D. zu einem Grammpreis von Fr. 70.00 erworben, an eine 

unbestimmte Abnehmerzahl zu einem Preis von Fr. 100.00 pro Gramm 

verkauft und dabei einen Erlös von Fr. 1'950.00 erzielt hat (vorinstanzliches 

Urteil E. III.3.; vgl. Anklageziffer 1b). 

 - 6 - 

 

 

 

Der Beschuldigte wendet dagegen mit Berufung ein, der ihm in 

Anklageziffer 1b vorgeworfene Sachverhalt sei nicht erwiesen. Es gebe 

keine stichhaltigen Beweise dafür, dass er im Betäubungsmittelgeschäft 

auch als Käufer und Verkäufer von Kokain tätig gewesen sei. Insbesondere 

seien die Aussagen von E. nicht glaubhaft, weshalb darauf nicht abgestellt 

werden könne (Berufungsbegründung S. 4 f.). 

 

2.4. 

2.4.1. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; «in dubio 

pro reo»). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, 

weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt 

werden kann. Der Grundsatz «in dubio pro reo» ist erst anwendbar, 

nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise 

erhoben und ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweis-

würdigung als Ganzem relevante Zweifel bestehen, wobei nur das 

Übergehen offensichtlich erheblicher Zweifel eine Verletzung des Grund-

satzes «in dubio pro reo» zu begründen vermag (BGE 148 IV 409 E. 2.2; 

BGE 144 IV 345 E. 2.2.3). 

 

2.4.2. 

Es bestehen keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte im Betäubungs-

mittelgeschäft auch als Käufer und Verkäufer – und nicht, wie von ihm 

vorgebracht, ausschliesslich als Vermittler – aufgetreten ist:  

 

Dem sichergestellten WhatsApp-Chatverlauf zwischen dem Beschuldigten 

und D. ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte regelmässig eine gewisse 

Anzahl – zum Beispiel «5» oder «10» – bei D. bestellt hat (vgl. UA act. 174). 

Dabei hat der Beschuldigte zumindest in Bezug auf gewisse Text-

nachrichten eingestanden, dass es sich bei den «5» um Kokain gehandelt 

hat (UA act. 161). Teilweise beinhalten diese Textnachrichten auch zwei 

Ziffern, wie etwa «10 750» (UA act. 173), wobei vernünftigerweise 

anzunehmen ist, dass mit der niedrigeren Ziffer jeweils die bestellte Menge 

Kokain in Gramm und mit der grösseren Ziffer der entsprechende Kaufpreis 

gemeint ist. Nebst dem Umstand, dass der Verdacht auf Kokain bereits 

aufgrund des hohen Kaufpreises naheliegt, hat der Beschuldigte anlässlich 

der Einvernahmen im Untersuchungsverfahren denn auch selbst bestätigt, 

dass mit «5 für 300» 5 Gramm Kokain für Fr. 300.00 gemeint sind (UA act. 

160). Es versteht sich daher von selbst, dass auch die anderen, demselben 

Schema folgenden Textnachrichten auf den Erwerb von Kokain gerichtet 

waren. Dass es dabei auch tatsächlich um einen Erwerb – und gerade 

 - 7 - 

 

 

keine Vermittlung von Kokain – ging, ist ebenfalls erstellt: Zum einen hat 

der Beschuldigte gleich mehrmals zugegeben, Kokain bei D. bestellt zu 

haben (UA act. 161 f.). Zum anderen hat D. beispielsweise am 16. Oktober 

2018 an den Beschuldigten geschrieben: «ich bring dir 11 anstatt 10 negst 

mal» (UA act. 177) – auch dies läuft der eigenen Darstellung des 

Beschuldigten zuwider, wonach er die Abnehmer jeweils an D. vermittelt 

und dieser die Drogen den Abnehmern dann direkt verkauft haben soll (UA 

act. 141). 

 

Mit Verweis auf das vorinstanzliche Urteil kann an dieser Stelle auf eine 

blosse Nachführung der von der Vorinstanz bereits korrekt festgestellten 

Kaufgeschäfte im Einzelnen verzichtet werden (vgl. vorinstanzliches Urteil 

E. III.3.1.2.2.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Gestützt auf die Aussagen des 

Beschuldigten ist zudem von einem durchschnittlichen Kaufpreis von 

Fr. 70.00 pro Gramm auszugehen (vgl. UA act. 162). 

 

Nachdem der Beschuldigte einen Erwerb zum Eigenkonsum bereits selbst 

ausschliesst und der Prüfbericht des Instituts für Rechtsmedizin Aargau 

dies ferner bestätigt (UA act. 135 f.; act. 145), kann der Beschuldigte das 

Kokain nur erworben haben, um es in der Folge weiterzuverkaufen. 

Darüber hinaus konnten im Rahmen einer Observation des Beschuldigten 

denn auch mutmassliche Übergaben von Kokain festgestellt werden: So 

wurde der Beschuldigte beobachtet, wie er sich vor der Bar «B.» mit zwei 

unbekannten Personen in einer nicht einsehbaren Ecke traf und sich 

unmittelbar daraufhin in Richtung Bahnhof entfernte. Noch am selben Tag 

wurde der Beschuldigte gesichtet, wie er von D. ein «Robidog-Säcklein» 

entgegennahm und damit in die Bar «B.» zurückrannte (UA act. 44). Dass 

es sich dabei um Drogengeschäfte mit Kokain gehandelt haben muss, liegt 

angesichts der vorstehenden Ausführungen auf der Hand. Davon 

abgesehen, dass auf die zusätzlich belastenden Aussagen von E. (UA act. 

218 ff.) vor dem Hintergrund, dass dem Konfrontationsanspruch des 

Beschuldigten vorliegend zwar in formeller, nicht aber in materieller 

Hinsicht Genüge getan wurde, ohnehin nicht abzustellen ist, erweisen sich 

diese auch sonst als obsolet. Auch unabhängig dieser Angaben lässt sich 

der Sachverhalt rechtsgenüglich erstellen, womit die Einwendung des 

Beschuldigten, diese würden vorliegend das einzige Beweismittel bilden 

(vgl. Berufungsbegründung S. 3 ff.), unbegründet ist. Insoweit der 

Beschuldigte den Kokainhandel sodann offensichtlich auf der Strasse bzw. 

in oder vor Barlokalen betrieben hat, ist auf den im Kokaingeschäft 

gassenüblichen Kaufpreis von Fr. 100.00 pro Gramm abzustellen. 

 

Mit der Vorinstanz erachtet es das Obergericht als erstellt, dass der 

Beschuldigte im Zeitraum zwischen September 2018 und Dezember 2019 

mehrfach (total 65 Gramm) Kokaingemisch zum Grammpreis von 

durchschnittlich Fr. 70.00 erworben und für Fr. 100.00 pro Gramm 

veräussert hat. 

 - 8 - 

 

 

 

2.5. 

Im Rahmen einer Hausdurchsuchung konnten beim Beschuldigten keine 

Betäubungsmittel sichergestellt werden (UA act. 100 ff.). Die Vorinstanz 

stellte deshalb auf einen vermuteten Reinheitswert von 50% ab, womit der 

Beschuldigte in der Summe – ausgehend von einer Gesamtmenge von 

65 Gramm Kokaingemisch – 32.5 Gramm reines Kokain zum anschlies-

senden Weiterverkauf erworben habe (vgl. vorinstanzliches Urteil 

E. III.3.1.2. f.). Auch in Bezug auf Anklageziffer 1a ging die Vorinstanz von 

einem Reinheitswert von 50% und somit von 30 Gramm vermitteltem 

reinem Kokain aus.  

 

Insoweit der Beschuldigte dagegen vorbringt, es sei auf einen Rein-

heitswert von 33% abzustellen (Berufungsbegründung S. 5), ist ihm nicht 

zu folgen: Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf davon aus-

gegangen werden, dass Drogen von mittlerer Qualität sind, solange keine 

Hinweise auf eine besonders reine oder gestreckte Substanz bestehen 

(BGE 138 IV 100 E. 3.5). Die Kaufs- und Verkaufsgeschäfte fanden von 

2018 bis 2019, die Vermittlungshandlungen ausschliesslich im Jahr 2018 

statt. Gemäss Schweizerischer Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) 

betrug der durchschnittliche Reinheitswert für Mengen von 1 bis zu 10 

Gramm Cocain Hydrochlorid im Jahr 2018 65%. Insoweit keine Hinweise 

bestehen, dass der Beschuldigte das Kokain besonders gestreckt hätte, 

rechtfertigt sich vorliegend gar die Annahme eines über die Vorinstanz 

hinausgehenden Reinheitswerts von 65 %.  

 

Ist mit der Vorinstanz von einer Gesamtmenge von 65 Gramm erworbenen 

bzw. verkauften sowie 60 Gramm vermittelten Kokains auszugehen, würde 

die für die Annahme eines qualifizierten Tatbestandes gemäss Art. 19 

Abs. 2 lit. a BetmG erforderliche Mindestmenge von 18 Gramm reinen 

Wirkstoffs in beiden Fällen überschritten. Im Folgenden ist jedoch zu 

prüfen, ob die zum Weiterverkauf erworbenen und die vermittelten 

Einzelmengen zu addieren oder als Einzelhandlungen zu betrachten sind. 

 

2.6. 

2.6.1. 

Art. 19 Abs. 2 BetmG nennt die Widerhandlungen seit der Revision im Jahr 

2008 nicht mehr bloss beispielhaft, sondern abschliessend, weshalb eine 

Konstellation von mehreren Verkäufen von Betäubungsmitteln, bei der 

bloss ein Wiederholungszusammenhang vorliegt, nicht mehr erfasst wird 

(SCHLEGEL/JUCKER, OF-Kommentar BetmG, 4. Auflage 2022, N. 192 f. zu 

Art. 19 BetmG; HUG, Betäubungsmittelgesetz [BetmG] Kommentar, 2015, 

N. 879 zu Art. 19 BetmG). Mehrere Einzelhandlungen können im Sinne 

einer natürlichen Handlungseinheit jedoch zusammengefasst werden, 

wenn sie auf einem einheitlichen Willensakt beruhen und wegen des engen 

räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei objektiver Betrachtung 

 - 9 - 

 

 

noch als ein einheitliches Geschehen erscheinen, insbesondere, wenn sie 

gegen dasselbe Rechtsgut bzw. gegen denselben Rechtsgutträger 

gerichtet und durch einen einheitlichen Vorsatz getragen sind. Die 

natürliche Handlungseinheit kann jedoch nur mit Zurückhaltung angenom-

men werden (vgl. BGE 133 IV 256 E. 4.5). Liegt eine Handlungseinheit vor, 

ist hinsichtlich der Qualifikation gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG eine 

Addition der Einzelmengen geboten (SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N. 193 zu 

Art. 19 BetmG mit Hinweisen). Die Konstellation einer natürlichen 

Handlungseinheit liegt unter anderem dann vor, wenn jemand aus einem 

qualifizierenden Vorrat sukzessive Betäubungsmittel veräussert bzw. einer 

von einem generellen Vorsatz getragenen dauerhaften Handelstätigkeit 

nachgeht (SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N. 195 zu Art. 19 BetmG mit 

Hinweisen). Demgegenüber ist Handlungsmehrheit anzunehmen, wenn die 

einzelnen Tathandlungen nicht mehr auf einem einzigen Willensakt 

beruhen. Dies ist in erster Linie der Fall, wenn der Täter in unregelmässigen 

Abständen und bei Gelegenheit tätig ist (FIOLKA, Die revidierten Straf-

bestimmungen des BetmG, in: AJP 2011 S. 1278; vgl. SCHLEGEL/JUCKER, 

a.a.O., N. 196 zu Art. 19 BetmG). So ging das Bundesgericht bei einem 

Beschuldigten, der Drogen bei mehreren Gelegenheiten an unterschied-

lichen Orten an verschiedene Abnehmer über rund ein halbes Jahr hinweg 

absetzte, nicht mehr von einer natürlichen Handlungseinheit aus (Urteil des 

Bundesgerichts 1B_29/2010 vom 24. Februar 2010 E. 2.7). 

 

2.6.2. 

Dem Beschuldigten wird nicht vorgeworfen, den Grenzwert für die 

Annahme einer qualifizierten Widerhandlung bereits durch einen einzigen 

Kauf bzw. Verkauf oder durch eine einzige Vermittlungshandlung erfüllt zu 

haben. Auch wird ihm nicht vorgeworfen und ist auch nicht ersichtlich, dass 

er nach den einzelnen Käufen über einen entsprechend grossen, den 

Grenzwert überschreitenden Vorrat verfügt hätte. Dem Beschuldigten 

werden vielmehr eine sukzessive Beschaffung und sodann ein sukzessiver 

Verkauf respektive eine sukzessive Vermittlung vorgeworfen, wobei sich 

die Käufe und Verkäufe in zeitlicher Hinsicht über mehr als ein Jahr und die 

Vermittlungstätigkeiten über einen Zeitraum von zwei Monaten erstreckt 

haben.  

 

Die bereits erwähnten Chatverläufe zeigen, dass der Beschuldigte mit D. 

regelmässig in Kontakt trat, um sich bei diesem neues Kokain zu 

beschaffen. Die grösste bestellte Menge betrug dabei 10 Gramm 

Kokaingemisch (vgl. vorinstanzliches Urteil E. III.3.1.2.2.), somit 6.5 

Gramm reines Kokain. Zu Gunsten des Beschuldigten wirken sich in 

diesem Kontext auch die Angaben von E. aus, wonach der Beschuldigte 

jeweils geringe Mengen Kokain («eins») veräussert habe. Die Verkäufe 

hätten insbesondere an den Wochenenden, zwischen Donnerstag und 

Samstag, im «C.» und «B.» stattgefunden, wobei durchschnittlich 10 bis 15 

Übergaben pro Tag erfolgt seien. An den anderen Wochentagen dagegen 

 - 10 - 

 

 

seien es weniger gewesen (UA act. 221 f.). Vor diesem Hintergrund ist bei 

objektiver Betrachtung nicht mehr von einem einheitlichen Geschehen zu 

sprechen. Die Tathandlungen fanden hauptsächlich an den Wochenenden 

sowie an unterschiedlichen Orten statt und die Übergaben erfolgten an 

unterschiedliche Personen. Zusammen mit dem Umstand, dass auch die 

bei D. bestellte Menge jeweils variierte, weist dies darauf hin, dass die 

Verkäufe je nach Gelegenheit durchgeführt wurden und der Beschuldigte 

stets einen neuen Tatentschluss fassen musste.  

 

Gleiches gilt für die einzelnen Vermittlungshandlungen, denn auch diese 

lassen sich nicht auf einen einheitlichen Willensakt des Beschuldigten 

zurückführen. Vielmehr liegt der Fall gemäss Anklage so, dass der 

Beschuldigte von einer unbestimmten Anzahl Abnehmer um Kokain oder 

Marihuana ersucht wurde, die er anschliessend an D. vermittelt hat. Auch 

dies spricht dafür, dass er sich bei jeder Anfrage jeweils neu entschliessen 

musste, ob eine Vermittlung an D. erfolgen sollte oder nicht. Hinzu kommt, 

dass auch bereits die Anklage nur von ungefähren Mengen ausgeht, 

weshalb zu Gunsten des Beschuldigten anzunehmen ist, dass er sich mit 

jeder Einzelhandlung noch unterhalb des Grenzwerts befunden hat. 

 

Nach dem Gesagten ist eine Addition der zum Weiterverkauf erworbenen 

sowie der vermittelten Einzelmengen nicht vorzunehmen. Somit wird das 

objektive Erfordernis des qualifizierten Tatbestandes nach Art. 19 Abs. 2 

lit. a BetmG einer Mindestmenge von 18 Gramm reinen Kokains nicht 

erreicht. Der Beschuldigte hat sich demzufolge wegen mehrfacher 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 

lit. c und d BetmG schuldig gemacht. Die Berufung des Beschuldigten ist in 

diesem Punkt teilweise gutzuheissen. 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der versuchten schweren Körper-

verletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 StGB schuldig gesprochen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei stattdessen der (vollen-

deten) einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB zu verurteilen 

(Berufungserklärung S. 2). 

 

3.2. 

Nach Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, 

wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer 

vorsätzlich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen 

verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, 

einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank 

macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), 

oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des Körpers oder 

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der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht 

(Abs. 3). 

 

Die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als Folge von 

Faustschlägen oder Tritten hängt von den konkreten Tatumständen ab. 

Massgeblich sind insbesondere die Heftigkeit des Schlages und die 

Verfassung des Opfers. Faustschläge, Fusstritte oder Schläge mit gefähr-

lichen Gegenständen gegen den Kopf eines Menschen sind geeignet, 

schwere Körperverletzungen oder sogar den Tod des Opfers 

herbeizuführen, wobei dieses Risiko umso grösser ist, wenn das Opfer 

ohne Reaktions- oder Abwehrmöglichkeit am Boden liegt. Nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es der allgemeinen 

Lebenserfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in den Kopfbereich 

eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt 

und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden 

Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können. Für die 

Erfüllung des Tatbestandes der versuchten (Art. 22 Abs. 1 StGB) schweren 

Körperverletzung setzt die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht 

voraus, dass neben den eigentlichen Fusstritten oder Schlägen gegen den 

Kopf ein aggravierendes Moment, etwa eine besondere Heftigkeit der 

Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die Traktierung mit weiteren Gegen-

ständen oder die Einwirkung mehrerer Personen, hinzutreten muss (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1314/2020 vom 8. Dezember 2021 E. 1.2.2 mit 

Hinweisen). 

 

3.3. 

Der Beschuldigte soll gemäss Anklageziffer 2 (Vorinstanzliche Akten [VA] 

act. 3 f.) am 24. Mai 2020 um ca. 01.40 Uhr an der Autobahnraststätte in 

Würenlos H. unvermittelt und mit voller Wucht den rechten Unterarm ins 

Gesicht geschlagen haben, wodurch dieser zu Boden stürzte und reglos 

liegen blieb. In der Folge soll der Beschuldigte dem wehrlos am Boden 

liegenden H. über einen Zeitraum von knapp zwei Minuten sieben Mal mit 

voller Wucht mit dem rechten Fuss gegen den Kopf getreten haben. 

Zusätzlich habe er ihm drei Mal mit voller Wucht mit der rechten Faust 

gegen den Kopf geschlagen. H. habe dadurch mehrere Prellungen, 

Blutergüsse und blutende Hautabschürfungen im gesamten Gesichts-

bereich erlitten. Dem Beschuldigten sei bewusst gewesen, dass kraftvoll 

geführte Schläge bzw. Tritte gegen den Kopf eines Menschen zu 

Verletzungen des Schädels, der Sinnesorgane oder gar zu Verletzungen 

des lebenswichtigen Gehirns führen können. Durch sein Handeln habe er 

zumindest in Kauf genommen, den Schädel, die Sinnesorgane und/oder 

das Gehirn des Geschädigten lebensgefährlich zu verletzen und/oder 

diesem bleibende Schäden zuzufügen. 

 

 - 12 - 

 

 

3.4. 

Die Vorinstanz erachtete diesen Sachverhalt insbesondere aufgrund der 

Videoaufzeichnung einer Überwachungskamera der Raststätte Würenlos 

(UA act. 477) als erstellt (vgl. vorinstanzliches Urteil E. III.3.2.2.3.). Der 

Beschuldigte bestreitet den Vorfall vom 24. Mai 2020 im Grundsatz auch 

nicht. Er macht lediglich geltend, er habe seine Fusstritte und Faustschläge 

aufgrund starken Alkoholkonsums sowie der Einnahme von Medikamenten 

nicht mit der ihm vorgeworfenen Intensität – kraftvoll und mit voller Wucht 

– ausführen können. Der Beschuldigte fordert einen Schuldspruch wegen 

(vollendeter) einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB in dubio 

pro reo (Berufungsbegründung S. 7 ff.).  

 

3.5. 

Aus Sicht des Obergerichts ist erstellt, dass der Beschuldigte den Kopf von 

H. mit enormer Kraft traktiert hat. Die vorhandene Video-aufzeichnung zeigt 

eindrücklich, wie H. bereits nach dem ersten – vom Opfer offensichtlich 

nicht erwarteten – Schlag gegen seinen Kopf zu Boden geht, dort 

regungslos liegen bleibt und sich – bewusstlos – nicht gegen die 

darauffolgenden Fusstritte und Faustschläge des Beschuldigten zur Wehr 

setzen kann. Dass es sich notwendigerweise um ein erhebliches Mass an 

Gewalteinwirkung gehandelt haben muss, wird auch insofern deutlich, als 

der Beschuldigte mit seinem Bein jeweils weit ausholt, bevor er einen Tritt 

gegen den Kopf von H. ausführt. Schliesslich deuten auch die Blutergüsse 

im Gesicht von H. auf die Heftigkeit der Fusstritte hin, zeichnen diese sogar 

augenscheinlich die Rillenspuren des Schuhsohlenprofils des Beschul-

digten ab (UA act. 498). Auch wenn es zutrifft, dass der Beschuldigte zum 

Tatzeitpunkt alkoholisiert war und eine Blutalkoholkonzentration von 

mindestens 0.85 Promille aufwies (UA act. 478), wirkt er bei der 

Tatausführung standfest und koordiniert; torkelnde oder schwankende 

Bewegungen sind dagegen nicht ersichtlich (vgl. Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 18). Seine Angabe, wonach seine Steuerungsfähigkeit 

stark eingeschränkt gewesen sei und er sich überdies an nichts mehr 

erinnern könne, ist als reine Schutzbehauptung zu qualifizieren. Anders 

wäre der Beschuldigte denn auch nicht fähig gewesen, bei seinen 

Fusstritten und Faustschlägen stets den Kopf von H. anzuvisieren. Ein 

medizinisches Gutachten über den gesundheitlichen Zustand und die 

medizinische Vorgeschichte des Beschuldigten würde demnach zu keinen 

neuen Erkenntnissen führen. Über Tatsachen, die unerheblich, offen-

kundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen 

sind, wird nicht Beweis geführt (Art. 139 Abs. 2 StPO). Der Beweisantrag 

des Beschuldigten, es sei ein medizinisches Gutachten zu erstellen, 

welches sich unter anderem dazu äussert, ob und welche Auswirkungen 

der Konsum von Alkohol und/oder die Einnahme von Medikamenten im 

Zusammenhang mit der Kopfoperation habe, welcher er sich im Jahr 2000 

habe unterziehen müssen, ist somit abzuweisen. 

 

 - 13 - 

 

 

3.6. 

Die harten Tritte und Schläge des Beschuldigten gegen den Kopf des 

wehrlos am Boden liegenden H. sind als versuchte schwere Körper-

verletzung an der Grenze zur eventualvorsätzlich versuchten Tötung 

einzustufen. Denn diese Gewalteinwirkung war gemäss der zitierten 

Rechtsprechung des Bundegerichts ohne Weiteres geeignet, zu schwer-

wiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität von H. zu führen. 

Da H. auch bereits nach dem ersten Schlag gegen seinen Kopf ohne 

jegliche Reaktions- und Abwehrmöglichkeit am Boden lag, war dieses 

Risiko vorliegend umso grösser. Dennoch hat der Beschuldigte den Kopf 

von H. wiederholt massiv traktiert. Obwohl keine Verletzungen im Sinne 

von Art. 122 StGB entstanden sind, hat der Beschuldigte die Schwelle zum 

Versuch mit seinem Handeln damit zweifellos überschritten. Der subjektive 

Tatbestand ist ebenfalls erfüllt. Bei einem derart gewalttätigen Handeln hat 

er eine schwere Körperverletzung mindestens in Kauf genommen. 

 

3.7. 

Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich. 

Dass der Tat angeblich ein Faustschlag sowie verbale Provokationen durch 

H. vorausgegangen seien (Protokoll Berufungsverhandlung S. 4 f.) ist 

unerheblich und überdies als reine Schutzbehauptung zu werten. Es 

bestehen keinerlei Hinweise auf eine Notwehrlage im Sinne von Art. 15 

StGB und die vom Beschuldigten dargestellte Vorgeschichte könnte eine 

solche auch bei Weitem nicht begründen. 

 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte wegen (eventualvorsätzlich) 

versuchter schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Die Berufung des Beschuldigten 

ist in diesem Punkt abzuweisen. 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz sowie der versuchten schweren Körperverletzung 

schuldig gemacht und ist dafür angemessen zu bestrafen. 

 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren 

verurteilt. Der Beschuldigte beantragt, er sei – ausgehend von einer 

Gutheissung der Berufung, d.h. einer Verurteilung wegen (einfacher) 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 

lit. c BetmG (in Bezug auf Anklageziffer 1a) und wegen einfacher 

Körperverletzung nach Art. 123 Ziff. 1 StGB – mit einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 22 Monaten, Probezeit 3 Jahre, zu verurteilen 

(Berufungserklärung S. 2). 

 

 - 14 - 

 

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

4.3. 

Hinsichtlich der versuchten schweren Körperverletzung vom 24. Mai 2020 

ergibt sich Folgendes: 

 

Ausgangsganspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB), wobei 

vorerst vom vollendeten Delikt auszugehen ist. Der Tatbestand der 

schweren Körperverletzung schützt die körperliche und gesundheitliche 

Integrität des Menschen als sein höchstes Gut neben dem Leben. Der 

Beschuldigte hat mehrfach auf den Kopf von H. eingetreten und 

geschlagen. H. hat dadurch mehrere Schwellungen, Blutergüsse und 

blutende Hautabschürfungen im gesamten Gesichtsbereich erlitten (UA 

act. 460 ff.; act. 494 ff.). Auch wenn es sich um Verletzungen handelt, die 

innert kurzer Zeit folgenlos abheilen (UA act. 462), diese somit nicht 

lebensbedrohend waren und in ihrer Gesamtheit nicht zu einer schweren 

Körperverletzung geführt haben, wären insbesondere als Folge der 

heftigen Fusstritte und Faustschläge gegen den Kopf von H. ohne Weiteres 

schwerste Formen von Kopfverletzungen bis hin zur Invalidität, eine 

Entstellung des Gesichts oder gar der Eintritt des Todes möglich gewesen. 

Insofern hat sich der Beschuldigte mit seinem Handeln gar der 

eventualvorsätzlich versuchten vorsätzlichen Tötung angenähert.  

 

Der Beschuldigte hat sein Vorgehen nicht mit langer Hand geplant. 

Vielmehr ist dieses in erster Line dem Umstand geschuldet, dass es zuvor 

zwischen ihm und H. bei einem gemeinsamen Besuch eines Freizeitklubs 

in Lenzburg zu einem Streit gekommen war (vgl. UA act. 530; act. 543; act. 

552), der anschliessend an der Autobahnraststätte in Würenlos hätte 

geklärt werden sollen (UA act. 543 ff.). Selbst wenn es zu früherer Stunde 

in Lenzburg auch zu einem Faustschlag durch H. gegenüber dem 

Beschuldigten gekommen sein sollte (Protokoll Berufungsverhandlung S. 4 

f.; UA act. 553), so ist dies irrelevant, denn so oder anders agierte der 

Beschuldigte offenkundig mit unnötiger und unkontrollierter Gewalt. Indem 

der Beschuldigte auch dann noch, als H. bereits reglos am Boden lag, 

massiv auf dessen Kopf eintrat und einschlug, ist sein Handeln insgesamt 

deutlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands hinausgegangen und 

hat er eine sehr hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt. 

 

Sodann verfügte der Beschuldigte über ein relativ hohes Mass an 

Entscheidungsfreiheit. Zwar befand sich der Beschuldigte in 

alkoholisiertem Zustand, was seine Reizbarkeit und Hemmschwelle 

 - 15 - 

 

 

beeinflusst haben dürfte. Von einer verminderten Schuldfähigkeit im Sinne 

von Art. 19 Abs. 2 StGB ist jedoch klarerweise nicht auszugehen. Er hat 

sich nach dem Streit in Lenzburg vielmehr ganz bewusst zur 

Autobahnraststätte in Würenlos begeben, wo er H. mit dem Motiv der 

Vergeltung kraftvoll mit dem rechten Unterarm ins Gesicht geschlagen hat. 

Als H. dabei zu Boden stürzte und bewusstlos liegen blieb, hätte der 

Beschuldigte von ihm ablassen können, doch hat er in der Folge noch 

intensivere Gewalt angewendet und mit enormer Kraft auf den Kopf von H. 

eingetreten und geschlagen. Das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit wirkt 

sich verschuldenserhöhend aus, denn je leichter es für den Beschuldigten 

gewesen wäre, die körperliche Integrität von H. zu respektieren, desto 

schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit einhergehend sein 

Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 mit Hinweisen; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3).  

 

Im breiten Spektrum der vom Tatbestand der schweren Körperverletzung 

erfassten Sachverhalte ist – für die vollendete Tatbegehung – von einem 

schweren Verschulden und – in Relation zum Strafrahmen von bis zu 10 

Jahren Freiheitsstrafe – einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 8 

Jahren auszugehen. 

 

Da es vorliegend bei einer versuchten schweren Körperverletzung 

geblieben ist, ist die Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 

StGB). Dabei hat die Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher 

der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen 

der Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). Der Beschuldigte hat schliesslich aus 

freien Stücken von H. abgehalten, dies jedoch erst, als er bereits mehrfach 

massiv gegen dessen Kopf getreten und geschlagen hatte – somit zu 

einem vergleichsweise späten Zeitpunkt. Auch dürfte es eine massgebliche 

Rolle gespielt haben, dass sich mehrere andere Personen, so auch 

Bekannte, in unmittelbarer Nähe befunden haben und sodann polizeiliche 

Hilfe gerufen worden ist (vgl. UA act. 477; act. 554). Was die tatsächlichen 

Folgen der Tat betrifft, so sind keine schweren, sondern nur relativ leichte 

Verletzungen eingetreten. Angesichts der Vielzahl der heftigen Fusstritte 

und Faustschläge gegen den Kopf sowie der grossen Übermacht des 

Beschuldigten aufgrund der Bewusstlosigkeit von H. hing es vorliegend 

jedoch einzig vom Zufall ab, dass der tatbestandsmässige Erfolg der 

lebensgefährlichen Verletzung nicht verwirklicht wurde. Der Beschuldigte 

hat aus seiner Sicht jedenfalls alles Notwendige hierzu getan. Der 

Unterschied zwischen der vom Beschuldigten beabsichtigten schweren 

Körperverletzung und den effektiv erlittenen Verletzungen ist vorliegend 

jedoch relativ gross. Vom Ausbleiben des Taterfolgs profitiert auch der 

Täter. Dies rechtfertigt, den Versuch im Umfang von 3 Jahren 

strafmindernd zu berücksichtigen, so dass die Freiheitsstrafe für die 

versuchte schwere Körperverletzung im Ergebnis auf 5 Jahre festzusetzen 

ist. 

 - 16 - 

 

 

 

4.4. 

An sich wäre die bis anhin ermittelte Freiheitsstrafe aufgrund der weiteren 

Straftaten (Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19 Abs. 1 BetmG), für welche eine Freiheitsstrafe auszusprechen ist, 

angemessen zu erhöhen bzw. es wäre – dort wo dies bei konkreter 

Betrachtung aufgrund der Schwere des jeweiligen Verschuldens und der 

Zweckmässigkeit möglich wäre – zusätzlich eine Geldstrafe auszu-

sprechen. Dies kann jedoch unterbleiben, da bereits für die versuchte 

schwere Körperverletzung – sowie der sich aufgrund der strafrechtlichen 

Vorbelastung des kaum einsichtigen Beschuldigten und des Umstands, 

dass er die versuchte schwere Körperverletzung während des laufenden 

Strafverfahrens wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungs-

mittelgesetz begangen hat, straferhöhend auswirkenden negativen 

Täterkomponente (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 2.3) – eine höhere als die 

von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 4 Jahren 

auszusprechen wäre, was aufgrund des Verschlechterungsverbots jedoch 

nicht möglich ist (Art. 391 Abs. 2 StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3, demzufolge nicht zu be-

anstanden ist, dass die weiteren Delikte nicht mehr im Einzelnen asperiert 

werden, wenn eine Strafe aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht zu 

Lasten der beschuldigten Person abgeändert werden darf). Nach dem 

Gesagten bleibt es bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen 

Freiheitsstrafe von 4 Jahren. 

 

4.5. 

Bei einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren kommt weder der bedingte noch der 

teilbedingte Strafvollzug infrage (Art. 42 f. StGB). 

 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 4 Tagen (18. bis 20. Februar 

2020, 24. Mai 2020) ist dem Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe 

anzurechnen (Art. 51 StGB). 

 

5. 

5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von 10 Jahren des 

Landes verwiesen. 

 

Der Beschuldigte beantragt, es sei auf die Anordnung einer 

Landesverweisung zu verzichten und begründet dies mit einem schweren 

persönlichen Härtefall und einem überwiegenden privaten Interesse an 

seinem Verbleib in der Schweiz (vgl. Plädoyer Berufungsverhandlung S. 6 

ff.). 

 

 - 17 - 

 

 

5.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung nach 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV 

161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1179/2021 

vom 5. Mai 2023 E. 6). Darauf kann verwiesen werden. 

 

5.3. 

Der Beschuldigte ist kosovarischer Staatsangehöriger (MIKA-Akten UA 

act. 13 S. 3; Protokoll Berufungsverhandlung S. 16). Er hat sich der 

versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB schuldig gemacht und damit eine Katalogtat gemäss Art. 66a 

Abs. 1 lit. b StGB begangen. Die obligatorische Landesverweisung ist auch 

bei versuchter Tatbegehung anzuordnen (BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). Der 

Beschuldigte ist damit grundsätzlich für die Dauer von 5 bis 15 Jahren des 

Landes zu verweisen. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der 

besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der 

Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). Art. 66a 

StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung hat sich 

daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu 

orientieren. 

 

5.4. 

5.4.1. 

Der heute 42 Jahre alte Beschuldigte wurde am 1. Mai 1981 im Kosovo 

(Rogovo) geboren, wo er bis zur 4. Primarstufe die Schule besucht hat 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 12). Am 30. August 1992, d.h. im Alter 

von 11 Jahren, reiste er in die Schweiz ein und absolvierte sämtliche 

verbleibenden Schuljahre der obligatorischen Schulzeit in der Schweiz (UA 

act. 9). Er hat damit seine prägende Jugend- und Adoleszenzphase in der 

Schweiz verbracht und gilt insofern als in der Schweiz aufgewachsen. Im 

relevanten Tatzeitpunkt (24. Mai 2020) lebte er bereits seit fast 28 Jahren 

in der Schweiz. 

 

Aus der heute rechtskräftig geschiedenen Ehe des Beschuldigten gingen 

zwei Kinder hervor (geboren in den Jahren 2000 und 2003), die in der 

Schweiz leben und zu denen er laut eigenen Angaben guten Kontakt pflegt. 

Weiter leben auch die Eltern sowie der Bruder des Beschuldigten in der 

Schweiz (Protokoll Berufungsverhandlung S. 14). Am 26. April 2023 

 - 18 - 

 

 

brachte die aktuelle Freundin des Beschuldigten – K. – die gemeinsame 

Tochter L. zur Welt, die über das Schweizer Bürgerrecht verfügt. Der 

Beschuldigte und K. sind nicht verheiratet und leben in separaten 

Wohnungen in X. bzw. Y.. Der Beschuldigte und K. haben zwar die 

gemeinsame elterliche Sorge, die Obhut über L. liegt aber allein bei K. 

(Plädoyer Berufungsverhandlung S. 7 f.; Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 14 f.; vgl. auch die vom Beschuldigten anlässlich der Berufungs-

verhandlung eingereichten Unterlagen). Die Niederlassungsbewilligung 

des Beschuldigten wurde durch das Amt für Migration und Integration mit 

Verfügung vom 13. Mai 2020 auf eine Aufenthaltsbewilligung zurückgestuft 

(MIKA-Akten UA act. 13 S. 189; Protokoll Berufungsverhandlung S. 14). 

Dennoch ist der Lebensmittelpunkt des Beschuldigten zweifelsohne in der 

Schweiz auszumachen. 

 

Die persönliche und gesellschaftliche Integration des Beschuldigten 

erweist sich in Anbetracht seiner langen Aufenthaltsdauer als eher 

unterdurchschnittlich. Der Beschuldigte versteht und spricht Deutsch. Laut 

eigenen Angaben hält er sich aber überwiegend zuhause auf und hat keine 

Freunde (UA act. 11; Protokoll Berufungsverhandlung S. 14). Sein soziales 

Beziehungsnetz besteht und erschöpft sich hauptsächlich in der Beziehung 

zu seiner Freundin, seiner Familie, seinen Eltern sowie den übrigen 

Verwandten (MIKA-Akten UA act. 13 S. 350) und ist deshalb primär auf den 

angestammten Kulturkreis des Beschuldigten beschränkt. Mit Ausnahme 

seiner Kinder und seiner Freundin, die über das Schweizer Bürgerrecht 

verfügen, hatte er gemäss eigenen Angaben während seiner gesamten 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz nie Kontakt zu anderen Schweizern. In 

einem Verein, einer gemeinnützigen Organisation oder Institution in der 

Schweiz hat er sich überdies nie engagiert (Protokoll Berufungsverhand-

lung S. 14 ff.). 

 

In wirtschaftlicher und beruflicher Hinsicht ist grundsätzlich von einer leicht 

unter- bis durchschnittlichen Integration auszugehen. Zwar brach der 

Beschuldigte seine Berufslehre als Steinwerker, die er im Jahr 1996 

begonnen hatte, nach zwei Jahren wieder ab. Es ist ihm jedoch zugute zu 

halten, dass er, wenn auch ohne Abschluss, bis zum Jahr 2017 ohne 

wesentliche Unterbrüche in den schweizerischen Arbeitsmarkt integriert 

war. Nach eigenen Angaben ist er aufgrund eines Unfalls im Jahr 2017 bis 

heute arbeitsunfähig und befindet sich in ärztlicher Behandlung (Protokoll 

vorinstanzliche Hauptverhandlung S. 4; Protokoll der Berufungsverhand-

lung S. 12). Insoweit die vom Beschuldigten behauptete Arbeitsunfähigkeit 

wirklich besteht, was angesichts seiner Aussagen (vgl. Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 13) sowie des Umstands, dass keine entsprech-

enden Unterlagen eingereicht worden sind, fraglich erscheint, wäre ihm 

dies nicht negativ anzulasten. Sozialhilfe bezog der Beschuldigte nie. 

Seinen eigenen Angaben zufolge liegen gegen ihn jedoch Betreibungen in 

 - 19 - 

 

 

der Höhe von Fr. 30'000.00 bis Fr. 35'000.00 vor (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 13) und es wurde eine Leistungssperre der Krankenkasse 

gegen ihn verhängt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 11). 

 

Gegen eine nachhaltig positive Integration sprechen insbesondere die 

zahlreichen Regelverstösse, die sich der Beschuldigte hierzulande hat 

zuschulden kommen lassen und die im Rahmen der Integrationsprüfung 

und Interessenabwägung auch dann zu berücksichtigen sind, wenn sie sich 

vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB ereignet haben (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1412/2021 vom 9. Februar 2023 E. 2.2.2). Mit Urteil 

vom 9. Dezember 2013 wurde der Beschuldigte wegen Widerhandlung 

gegen das Waffengesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tages-

sätzen verurteilt. Am 4. Februar 2015 wurde er mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Baden wegen Widerhandlung gegen das Arbeitslosen-

versicherungsgesetz zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse von 

Fr. 300.00 verurteilt. Mit Strafbefehl vom 14. Dezember 2015 wurde der 

Beschuldigte wegen Fahrens ohne Berechtigung zu einer bedingten 

Geldstrafe von 90 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 600.00 verurteilt. 

Mit Strafbefehl vom 18. November 2016 wurde er sodann erneut wegen 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer unbedingten Geldstrafe 

von 20 Tagessätzen verurteilt. Am 12. Dezember 2018 verfügte die 

Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK gegen den Beschuldigten 

eine Busse von Fr. 7'500.00 wegen Übertretung des Spielbankengesetzes. 

Mit Strafbefehl vom 5. September 2022 wurde er zu einer bedingten 

Geldstrafe von 70 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 700.00 wegen 

Fahrens in fahrunfähigem Zustand verurteilt (vgl. aktueller Strafregister-

auszug). Am 28. Februar 2020 wurde der Beschuldigte schliesslich wegen 

Verdachts der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz vorläufig 

festgenommen (UA act. 29 ff.) und am 20. Februar 2020 wieder aus der 

Haft entlassen (UA act. 33 ff.). Dennoch hat er sich – und dies im Wissen 

um eine bereits hängige Strafuntersuchung gegen ihn – bereits im Mai 

2020 erneut strafbar gemacht. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass 

der Beschuldigte am 14. Februar 2011 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 9 Monaten wegen einfacher Körperverletzung, Drohung, Hausfriedens-

bruch sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, verurteilt worden 

ist (UA act. 1). Trotz dieser zahlreichen Strafen liess sich der Beschuldigte 

bislang nicht nachhaltig beeindrucken, womit er über viele Jahre hinweg 

eine eigentliche Unbelehrbarkeit sowie Gleichgültigkeit gegenüber der 

hiesigen Rechtsordnung zum Ausdruck bringt. 

 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte zwar in der Schweiz 

aufgewachsen und hat hier auch den grössten Teil seines Lebens 

verbracht. Die Integration des Beschuldigten in der Schweiz geht jedoch 

nicht über das hinaus, was angesichts dieser langen Aufenthaltsdauer 

ohnehin zu erwarten gewesen wäre. Negativ auf eine nachhaltige 

Integration wirken sich insbesondere seine zahlreichen Verurteilungen aus.  

 - 20 - 

 

 

 

5.4.2. 

Die Chancen auf eine erfolgreiche Reintegration des Beschuldigten in 

seinem Geburtsland Kosovo stehen grundsätzlich gut. Der Beschuldigte 

spricht Albanisch als Muttersprache. Zudem besteht nach wie vor eine 

familiäre Bindung zum Kosovo, da immerhin ein Onkel des Beschuldigten 

noch dort wohnhaft ist (Protokoll Berufungsverhandlung S. 15). Da der 

Beschuldigte nach eigenen Angaben im Kosovo dauerhaft ein Auto 

besessen hat (UA act. 11), ist davon auszugehen, dass er den Kosovo auch 

regelmässig besucht, wodurch ihm neben der Sprache auch die Kultur und 

die Gepflogenheiten des Landes bekannt sein dürften. Ein Neuanfang im 

Kosovo ist ihm daher bei gutem Willen zuzumuten. Auch in beruflicher 

Hinsicht stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Reintegration zumindest 

nicht schlechter als in der Schweiz, zumal der Beschuldigte mit der ihm 

zukommenden langjährigen Arbeitserfahrung als Bodenleger bei 

Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit auch im Kosovo eine zumutbare 

Anstellung finden könnte.  

 

In Bezug auf die Auswirkungen der Landesverweisung auf das Leben des 

Beschuldigten ist unter dem Titel von Art. 8 Abs. 2 EMRK auch das Recht 

auf Familienleben zu berücksichtigen. Was die beiden volljährigen Kinder 

betrifft, so dürfte es dem Beschuldigten ohne Weiteres möglich sein, den 

Kontakt zu diesen über moderne Kommunikationsmittel und regelmässige 

Besuche im Kosovo aufrechtzuerhalten. Hinsichtlich der jüngsten Tochter 

L., die vor zwei Monaten geboren wurde und bei der Mutter lebt (vgl. 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 14 ff.), ist zu berücksichtigen, dass 

diese erst nach Eröffnung des erstinstanzlichen Urteils – somit in Kenntnis 

der vorinstanzlich angeordneten Landesverweisung und in vollstem 

Bewusstsein um die damit verbundenen ausländerrechtlichen Folgen – 

gezeugt wurde. Demzufolge kann der Beschuldigte aus der Geburt von L. 

nichts zu seinen Gunsten ableiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_153/2022 vom 2. Februar 2022 E. 3.4). Selbst wenn sich der aktuelle 

Bezug des Beschuldigten zum Kosovo vor dem Hintergrund, dass seine 

Kinder, seine Freundin, seine Eltern und sein Bruder allesamt in der 

Schweiz leben, nicht als besonders ausgeprägt erweist, erscheint eine 

wirtschaftliche und soziale Integration nicht unzumutbar. 

 

5.5. 

In Bezug auf das öffentliche Interesse an einer Wegweisung des 

Beschuldigten aus der Schweiz ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist zahlreiche Male vorbestraft. Wie sich aus den 

vorstehenden Ausführungen ergibt (vgl. oben), hat sich der Beschuldigte 

hierzulande verschiedentlich und wiederholt Regelverstösse zu Schulden 

kommen lassen, wobei besonders ins Gewicht fällt, dass er bereits früher 

wegen einfacher Körperverletzung strafrechtlich in Erscheinung getreten 

 - 21 - 

 

 

ist. Auch von der in diesem Zusammenhang ausgesprochenen 

Freiheitsstrafe von 9 Monaten liess sich der Beschuldigte jedoch nicht 

beeindrucken. Aus den bisherigen Verurteilungen offenbart sich eine 

eigentliche Unbelehrbarkeit sowie Gleichgültigkeit des Beschuldigten 

gegenüber der hiesigen Rechtsordnung. Inwiefern der Beschuldigte nun 

seine Lektion gelernt haben sollte, ist angesichts der zahlreichen Chancen 

auf Legalbewährung, die ihm bislang bereits gewährt worden sind, nicht 

ersichtlich. Aus diesem Grund ist ihm eine schlechte Legalprognose zu 

stellen. 

 

Der Beschuldigte hat sich der versuchten schweren Körperverletzung und 

damit eines Delikts schuldig gemacht, das die körperliche und 

gesundheitliche Integrität des Menschen als sein höchstes Gut neben dem 

Leben schützt. Durch die konkrete Tatbegehung hat der Beschuldigte nicht 

nur eine erhebliche kriminelle Energie, sondern darüber hinaus auch eine 

krasse Geringschätzung des menschlichen Lebens und der körperlichen 

Integrität zum Ausdruck gebracht. Angesichts dieser schweren Straftat, für 

die er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wird, der sehr 

ungewissen Legalbewährung und der vom Beschuldigten immer wieder an 

den Tag gelegten Gleichgültigkeit gegenüber der Schweizerischen 

Rechtsordnung und fremden Rechtsgütern ist insgesamt von einer hohen 

Gefährlichkeit des Beschuldigten für die öffentliche Sicherheit auszugehen, 

womit ein entsprechend hohes Interesse an seiner Wegweisung aus der 

Schweiz besteht. 

 

5.6. 

Zusammenfassend ist von einem Härtefall sowie einem damit verbundenen 

gewichtigen privaten Interesse an einem Verbleib in der Schweiz 

auszugehen. Allerdings ist der Beschuldigte trotz seines langen Aufenthalts 

in der Schweiz hierzulande weder besonders stark verwurzelt, noch mag 

das Interesse an der Erhaltung des Privat- und Familienlebens das 

erhebliche öffentliche Interesse an seiner Wegweisung zu überwiegen. 

Diese erweist sich infolge überwiegender öffentlicher Interessen sowohl 

unter dem Blickwinkel von Art. 66a Abs. 2 StGB als auch unter demjenigen 

von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als verhältnismässig und rechtskonform und ist 

deshalb anzuordnen. 

 

5.7. 

Unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten, 

der erheblichen Schwere der versuchten schweren Körperverletzung sowie 

der ungünstigen Legalprognose und damit der hohen Gefährlichkeit für die 

öffentliche Sicherheit, ist die Dauer der Landesverweisung mit der 

Vorinstanz auf 10 Jahre festzusetzen. 

 

 - 22 - 

 

 

5.8. 

Mit vorliegendem Urteil wird der Beschuldigte zu einer mehrjährigen 

Freiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt und es wird eine obligatorische 

Landesverweisung angeordnet. Entsprechend ist davon auszugehen, dass 

er eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von 

Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung darstellt. Gründe, welche eine Ausschrei-

bung im SIS als unverhältnismässig erscheinen lassen würden, sind keine 

ersichtlich (vgl. BGE 146 IV 172 E. 3.2). Somit ist die Ausschreibung der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) anzuordnen. 

 

6. 

6.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 71 Abs. 1 StGB dazu 

verpflichtet, dem Kanton Aargau eine Ersatzforderung von Fr. 4'950.00 zu 

bezahlen (vgl. vorinstanzliches Urteil E. IV.3.).  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, die Ersatzforderung sei 

abzuweisen. Im Berufungsverfahren hat er dazu keine Ausführungen 

gemacht. Vor Vorinstanz hatte er seinen Antrag mit einer voraussichtlichen 

Uneinbringlichkeit begründet (Plädoyer vorinstanzliche Hauptverhandlung 

S. 20). 

 

6.2. 

Nach Art. 70 Abs. 1 StGB verfügt das Gericht die Einziehung von 

Vermögenswerten, die durch eine Straftat erlangt worden sind, sofern sie 

nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands 

ausgehändigt werden. Lässt sich der Umfang der einzuziehenden 

Vermögenswerte nicht oder nur mit unverhältnismässigem Aufwand 

ermitteln, so kann das Gericht diesen schätzen (Art. 70 Abs. 5 StGB). Sind 

die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vorhanden, 

so erkennt das Gericht nach Art. 71 Abs. 1 StGB auf eine Ersatzforderung 

des Staates in gleicher Höhe. Die Ersatzforderung entspricht in ihrer Höhe 

grundsätzlich den Vermögenswerten, die durch die strafbaren Handlungen 

erlangt worden sind und somit der Vermögenseinziehung unterlägen, wenn 

sie noch vorhanden wären. Das Bundesgericht spricht sich für die 

Bestimmung der Höhe der Ersatzforderung in ständiger Rechtsprechung 

grundsätzlich für das Bruttoprinzip aus, verlangt jedoch die Beachtung des 

allgemeinen Grundsatzes der Verhältnismässigkeit (sog. gemässigtes 

Bruttoprinzip). Dies gilt insbesondere bei generell verbotenen Verhaltens-

weisen wie dem illegalen Betäubungsmittelhandel oder der Geldwäscherei 

(statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1149/2020 vom 17. April 2023 

E. 5.2.2 f. mit zahlreichen Hinweisen; BGE 144 IV 285 E. 2.2; BGE 141 IV 

317 E. 6.3.3) 

 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=1.1.2023&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=str&query_words=Einziehung+Aargau+bruttoprinzip&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-285%3Ade&number_of_ranks=0#page285

 - 23 - 

 

 

Das Gericht kann von einer Ersatzforderung ganz oder teilweise absehen, 

wenn diese voraussichtlich uneinbringlich wäre oder die Wiederein-

gliederung des Betroffenen ernstlich behindern würde (Art. 71 Abs. 2 

StGB). Von dieser Möglichkeit ist nur mit Zurückhaltung Gebrauch zu 

machen. Es müssen bestimmte Gründe vorliegen, die zuverlässig 

erkennen lassen, dass sich die ernsthafte Gefährdung der Resozialisierung 

nicht durch Zahlungserleichterungen beheben lässt und die Ermässigung 

der Ersatzforderung für eine erfolgreiche Wiedereingliederung des Täters 

unerlässlich ist. Dies kann namentlich dann der Fall sein, wenn der 

Betroffene vermögenslos oder gar überschuldet ist und sein Einkommen 

sowie seine übrige persönliche Situation nicht erwarten lassen, dass 

Zwangsvollstreckungsmassnahmen in absehbarer Zeit Erfolg versprechen 

(vgl. BGE 106 IV 9 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1354/2021 vom 

22. März 2023 E. 4.3). 

 

6.3. 

Der Beschuldigte hat einerseits für die Vermittlungshandlungen nach 

Anklageziffer 1a eine Provision von Fr. 3'000.00 erhalten. Andererseits hat 

er durch den (sukzessiven) Erwerb und Verkauf von Kokain einen Erlös von 

Fr. 1'950.00 ((Fr. 100.00 – Fr. 70.00) x 65) erwirtschaftet. In der Summe 

hat er sich damit um den Betrag von Fr. 4'950.00 (Fr. 3'000.00 + 

Fr. 1'950.00) unrechtmässig bereichert.  

 

Die Ersatzforderung ist vorliegend nicht uneinbringlich: Zwar verfügt der 

Beschuldigte aktuell über kein Erwerbseinkommen und die Schweizerische 

Unfallversicherungsanstalt (SUVA) hat ihre Taggelder zwischenzeitlich 

eingestellt. Gemäss den Angaben des Beschuldigten ist dies jedoch 

aufgrund eines neuen medizinischen Befundes noch nicht abschliessend 

geklärt und es ist aktuell ein Rechtsstreit mit der SUVA hängig. Wenngleich 

gegen den Beschuldigten auch noch Betreibungen registriert sind, könnten 

diese gemäss den Angaben des Beschuldigten im Falle, dass die SUVA 

ihre Zahlungen fortsetzt, beseitigt werden. Sodann hatte der Beschuldigte 

bis im März 2023 ein regelmässiges Einkommen (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 13). Nachdem ein Verzicht auf die Anordnung bzw. eine 

Reduktion der Ersatzforderung erst dann gerechtfertigt ist, wenn der 

Beschuldigte vermögenslos oder überhaupt überschuldet ist und sein 

Einkommen sowie seine übrige persönliche Situation nicht erwarten lassen, 

dass Zwangsvollstreckungsmassnahmen gegen ihn in absehbarer Zeit 

erfolgsversprechend sein dürften, ist auf eine Ersatzforderung des Kantons 

Aargau in Höhe von Fr. 4'950.00 zu erkennen. Es ist sodann auch nicht 

ersichtlich, dass die Ersatzforderung die Wiedereingliederung des 

Beschuldigten ernsthaft behindern könnte. Die Reduktion seines Vermö-

gens um den vorgenannten Betrag lässt die Ersatzforderung nicht als 

unangemessen erscheinen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_236/2015 

vom 30. April 2015 E. 1.4.2). 

 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=1.1.2023&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=str&query_words=%22Art.+71+Abs.+2+StGB%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F106-IV-9%3Ade&number_of_ranks=0#page9

 - 24 - 

 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet. Mit der Vorinstanz ist auf eine 

Ersatzforderung von Fr. 4'950.00 zu Gunsten des Kanton Aargau zu 

erkennen. 

 

7. 

7.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschul-

digte erwirkt mit seiner Berufung insoweit einen für ihn günstigeren 

Entscheid, als dass in Bezug auf Anklageziffer 1a und 1b ein Schuldspruch 

nicht wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz, sondern wegen mehrfacher (einfacher) Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz ergeht. Dies ist allerdings allein dem Umstand 

geschuldet, dass die gehandelten Einzelmengen Kokain entgegen der 

Vorinstanz nicht zu addieren, sondern separat zu beurteilen sind. Auf die 

vorinstanzliche Strafzumessung wirkt sich dies nicht aus. Im Gegenteil 

wäre ohne Geltung des Verschlechterungsverbots sogar eine höhere 

Freiheitsstrafe auszusprechen gewesen. Im Übrigen ist die Berufung des 

Beschuldigten abzuweisen. Nachdem der vorinstanzliche Entscheid somit 

nur unwesentlich abgeändert wird, rechtfertigt es sich, die obergerichtlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 vollumfänglich dem Beschuldigten 

aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. § 18 VKD). 

 

7.2. 

Die amtliche Verteidigerin ist gestützt auf ihre anlässlich der 

Berufungsverhandlung eingereichte Kostennote – angepasst an die 

effektive Dauer der Berufungsverhandlung – mit gerundet Fr. 6'390.00 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen 

(Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 2bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

7.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie teilweise freigesprochen, so 

sind ihr die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. Ihr dürfen jedoch 

dann die gesamten Kosten auferlegt werden, wenn die ihr zur Last gelegten 

Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen und alle 

Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig 

waren (Urteile des Bundesgerichts 6B_343/2020 vom 14. Dezember 2021 

E. 8.3; 6B_460/2020 vom 10. März 2021 E. 10.3.1). 

 

 - 25 - 

 

 

Zwar entfällt hinsichtlich des Vorwurfs der mehrfachen, teilweise 

qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz in 

teilweiser Gutheissung der Berufung ein Schuldspruch wegen qualifizierter 

Widerhandlung (siehe dazu oben). Es ergeht diesbezüglich aber formell 

kein Freispruch, sondern gestützt auf den angeklagten Sachverhalt ein 

Schuldspruch wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz (vgl. BGE 142 IV 378 E. 1.3). Es bleibt diesbezüglich somit bei 

einer Verurteilung des Beschuldigten und den Kostenfolgen gemäss 

Art. 426 Abs. 1 StPO. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten in Bezug auf 

den Vorwurf der mehrfachen, teilweise qualifizierten Widerhandlung gegen 

das BetmG in Bezug auf die Anklageziffer 1b insoweit freigesprochen, als 

die Anklage über die vorinstanzlichen Schuldsprüche hinausgeht (Ziff. 1.2 

des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs). Dieser Vorwurf stand aber in einem 

engen Zusammenhang mit den übrigen Vorwürfen, für welche der 

Beschuldigte wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz schuldig gesprochen wurde und es sind keine Unter-

suchungshandlungen ersichtlich, die ansonsten nicht notwendig gewesen 

wären, weshalb dem Beschuldigten die gesamten vorinstanzlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 13'147.10 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 2'200.00) 

aufzuerlegen sind. 

 

7.4. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren zuge-

sprochene Entschädigung ist mit Berufung nicht angefochten worden, 

weshalb im Berufungsverfahren nicht mehr darauf zurückzukommen ist 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.3 f.). 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

8. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

  

 - 26 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

1.1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG (Anklageziffern 1a und 1b); 

- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 2). 

 

1.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Soweit die Anklage über den Schuldspruch gemäss Ziff. 1.1 hinausgeht, 

wird der Beschuldigte hinsichtlich Anklageziffer 1b vom Vorwurf der 

mehrfachen, teilweise qualifizierten Widerhandlung gegen das BetmG 

freigesprochen. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 1.1 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB und Art. 40 StGB  

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt. 

 

2.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 4 Tagen wird gemäss Art. 51 

StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB für die Dauer 

von 10 Jahren des Landes verwiesen.  

 

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener 

Informationssystem angeordnet. 

 

4. 

Gestützt auf Art. 71 StGB wird auf eine Ersatzforderung des Staates 

gegenüber dem Beschuldigten in Höhe von Fr. 4'950.00 erkannt. 

 

5. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Zivilklage des Privatklägers H. wird auf den Zivilweg verwiesen.  

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

 - 27 - 

 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 6'390.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 13'147.10 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'200.00 werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 17'996.35 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[...] 

 
 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

  

 - 28 - 

 

 

 
   

Aarau, 29. Juni 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six     Hunziker