# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68950e95-0aa6-514b-a9dd-94478cef417e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-09-28
**Language:** de
**Title:** Kollision zwischen Motorrad und Auto, Verletzungen des Motorradfahrers an der linken oberen Extremität. Adäquanzbeurteilung hinsichtlich der allenfalls natürlich kausalen psychischen Beeinträchtigung. Unfall unter Bezugnahme auf die bundesgerichtliche Kasuistik als mittelschwer im engeren Sinn beurteilt. Adäquanz verneint. (BGE 8C_698/2022)
**Docket/Reference:** UV.2021.00243
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2021.00243.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2021.00243
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer P.___
Gerichtsschreiberin Kobel
Urteil
vom
2
8.
September 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Peter
Bolzli
Advokaturbüro
Langstrasse 4
Postfach 1063, 8021 Zürich 1
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1970,
von Italien,
durchlief
in der Schweiz
von 1985 bis 1988 eine
Anlehre
als Automechaniker (Arbeitsbestätigung vom 1
0.
Novem
ber 1988,
Urk.
11/3/1
) und arbeitete ab Mitte November 1988 bei der
Y.___
AG
, zuletzt als I
C
T-
Supp
orter
(vgl. die Angaben der Arbeitgeberin im Verfahren de
r Invalidenversicherung vom 10.
November 2015,
Urk.
11/16). Im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses war er bei der Suva für die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten obligato
risch versichert.
1.2
Am
1
9.
Mai 2015 war
X.___
auf Sardinien als Motorradfahrer von einem Unfall betroffen, bei dem sein Motorrad mit einem Auto kollidierte und er auf die Strasse geschleudert wurde (vgl. die Unfallmeldung UVG vom 2
2.
Mai 2015,
Urk.
7/1, und die Polizeiakten in
Urk.
7/51). Er wurde
ins lokale S
pital
Z.___
gebracht, wo eine
mehrfache Radiusfraktur im linken Unter
arm
/Handgelenk
,
Fraktur
en der Querfortsätze der Lendenwirbel L4 und L5
und eine
Nasenseptumfraktur
sowie eine
Thoraxkontusion
mit
Einbezug
der Lunge und der Milz festgestellt wurden (vgl. die Aufzeichnungen des Spitals
Z.___
in
Urk.
7/131 und
Urk.
7/134).
Am 2
3.
Mai 2015 wurde
X.___
in die Schweiz
in das Spital
A.___
überführt
(medizinischer Flugbericht der
B.___
,
Urk.
7/12)
.
D
ort wurde
am 2
8.
Mai 2015 eine
Operation am linken Arm mit
Reposition
der Frakturen und Fixierung mittels Platteno
steosynthe
se durchge
führt; ausserdem liess sich
mittels Computertomographie ein
ossärer
Bandausriss des
Epikondylus
humeri
radialis
links
feststellen
(Operationsbericht in
Urk.
7/130; Austrittsbericht vom
8.
Juni 2015,
Urk.
7/129
; vgl. auch die Beschreibung der
damaligen r
adiologischen Aufnahme
n
in
Urk.
7/259 S. 36 und S. 63
). Anschlies
send war der Versicherte von Anfang Juni bis Ende Juli
2015
in der
Rehaklinik C.___
hospitalisiert (Austrittsbericht in
Urk.
7/26).
Während
d
es Aufenthaltes
in der
Rehaklinik C.___
traten verstärkt Schulterschmerzen links auf, die vom Hausarzt
Dr.
med.
D.___
veranlasste radiologische Untersuchung ergab einen Einriss der
Supraspinatussehne
(
Radiologiebericht
des Spitals
E.___
vom 1
2.
August 2015,
Urk.
7/34), und
PD
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, stellte am
4.
September 2015 eine
frozen
s
houlder
fest (
Urk.
7/40).
Für die Weiterbehandlung
des Beschwerdebildes im Bereich der linken Hand überwies
PD
Dr.
F.___
den Versicherten an Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Handchirurgie und für Orthopädische Chirurgie; dieser bestätigte insbesondere die Diagnose eines CRPS I (
complex
regional
pain
syndrome
, Typ I), deren Zeichen bereits von der
Rehaklinik C.___
festge
stellt worden waren (vgl.
Urk.
7/26 S. 1 und S. 3; Bericht vom
5.
Oktober 2015,
Urk.
7/46)
. Nachdem die medikamentöse und ergotherapeutische Behandlung zu keiner erheblichen Besserung des B
eschwerdebildes geführt hatte
(Bericht von
Dr.
G.___
vom 1
6.
November 2015,
Urk.
7/58), nahm
Dr.
med.
H.___
, Fach
ärztin für Neurologie,
im Hinblick auf die geklagten Sensibilitätsstörungen in den Fingern der linken Hand
eine neurologische Untersuchung mit Elektrodiagnostik
vor und stellte eine leichtgradige Nervenläsion auf der Höhe des linken Ellbogens fest (Bericht vom
1
0.
Dezember 2015,
Urk.
7/64).
1.3
Im Januar 2016 unternahm der Versicherte in Absprache mit der Suva,
die
ihre Leistungspflicht
anerkannt hatte
(Schreiben vom 1
7.
Juli 2015,
Urk.
7/19 S. 4)
,
einen Arbeitsversuch bei der angestammten Arbeitgeberin, zunächst im Rahmen von 1-2 Stunden im Tag (Bericht über die Besprechung am Arbeitsort
vom 17.
Dezember 2015
,
Urk.
7/65; Notiz der Suva vom
1
9.
Januar 2016 über ein Telefongespräch
mit dem Versicherten,
Urk.
7/68; Bericht über die Besprechung des Verlaufs am Arbeitsort vom 2
3.
Februar 2016,
Urk.
7/74)
.
Sodann fand
im Frühjahr 2016 eine
Kontrolluntersuchung
im Spital
A.___
statt
(Bericht vo
m 8.
März 2016,
Urk.
7/81), und
PD
Dr.
F.___
und
Dr.
G.___
führten eben
falls
Verlaufskontrollen durch
(Berichte
von PD
Dr.
F.___
vom 18.
März und vom
5.
April 2016,
Urk.
7/83 und
Urk.
7/85
, und von
Dr.
G.___
vom 8.
April 2016,
Urk.
7/87)
.
Ferner liess
Dr.
G.___
am 1
2.
April 2016 eine
Arthro
-Magnetresonanztomographie und eine
Arthro
-Computertomographie des linken Handgelenks vornehmen (Bericht
vom 1
8.
April 2016,
Urk.
7/90).
Da die Beschwerden in der gesamten
linken oberen
Extremität persistierten, wurden zunächst Operationen im Handgelenk und in der Schulter ins Auge gefasst (Bericht
e
von PD
Dr.
F.___
vom 1
9.
Mai
und vom 2
9.
Juni 2016,
Urk.
7/96
und
Urk.
7/109
; Bericht von
Dr.
G.___
vom 1
5.
Juni 2016,
Urk.
7/9
9)
. Angesichts dessen, dass der Versicherte zum einen weiterhin im Arbeitsversuch stand und das Pensum hatte steigern können (vgl. die Notizen der Suva über Telefongespräche mit der Vorgesetzten, der Ergotherapeutin
I.___
und dem Versicherten
vom Juli 2016,
Urk.
7/107, Urk.
7/108 und
Urk.
7/110
; vgl. auch den Bericht der Ergotherapeutin
vom 1.
April 2016 an
Dr.
G.___
, Urk. 11/45/45
50, und deren
Bericht
an die Suva
per E-Mail vo
m 2
3.
September 2016
,
Urk.
7/114
) und dass sich zum andern ein stark
schwankender Beschwer
deverlauf mit zeitweiliger Besserung, aber auch
mit zusätzlicher Beeinträchtigung der psychischen Verfassung
zeigte
(vgl. hierzu da
s E-Mail des Psychotherapeuten J.___
vom 2
5.
April 2016,
Urk.
7/92)
, riet
en
Dr.
G.___
und PD
Dr.
F.___
jedoch im Herbst 2016 zum vorläufigen Verzicht auf die Hand
gelenks
- und die Schulter
operation (Bericht
e
vom 2
3.
und vom 27.
September 2016
,
Urk.
7/115 und
Urk.
7/119
)
.
Wegen neu aufgetretener Gefühlsstörungen in den Beinen führte sodann
Dr.
H.___
nochmals neurologische Abklärungen durch (Bericht
e
vom 2
6.
September
und vom 1.
November
2016,
Urk.
7/118
und
Urk.
7/128/1-2
) und liess eine Magnetresonanztomographie der Wirbelsäule erstellen (Bericht des Medizinisch-Radiologischen Instituts
K.___
vom
5.
Oktober 2016,
Urk.
7/127
).
Am 2
0.
Oktober 2016 wurde der Versicherte kreisärztlich untersucht (Bericht von
Dr.
med.
L.___
, Fach
arzt für Chirurgie,
vom 2
2.
November 2016,
Urk.
7/135), und nachfolgend wurde das Arbeitspensum des Versicherten e
ntsprechend der kreisärztlichen Attestierung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
(vgl.
Urk.
7/135 S. 7) erhöht
(Notiz der Suva über ein Telefongespräch mit dem Vorgesetzten vom
9.
Dezember 2016,
Urk.
7/137). Im Zuge
ihrer we
iteren Abklärungen
liess sich die Suva über den Verlauf der Ergo
therapie berichten (E-Mails von
I.___
vom
4.
Januar und vom 2
2.
März 2017,
Urk.
7/138 und
Urk.
7/147),
führte mit dem Versicherten ein Gespräch (Telefonnotiz vom
3.
Januar 2017,
Urk.
7/140),
veranlasste Verlaufsabklärungen durch PD
Dr.
F.___
(Bericht 3
0.
März 2017,
Urk.
7/150) und
Dr.
G.___
(Bericht vom
7.
April 2017,
Urk.
7/151
) und erhielt den Bericht des Schmerzam
bulatori
ums des Universitätsspitals M.___
vom
9.
März 2017 (Urk.
7/152)
, wohin
der Psychiater
Dr.
med. N.___
den Versicherten
nach einmaliger Konsultation überwiesen hatte (vgl. das E-Mail vom
9.
Februar 2017,
Urk.
7/145
, sowie auch den Bericht vom 2
7.
September 2017 im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren,
Urk.
11/43
)
. Des Weiteren erfuhr sie, dass der Versicherte seit dem
1.
April 2017 bei gleichem Lohn in einer neuen Funktion im Help-Desk eingesetzt w
ar
(Telefonnotizen vom 2
9.
März und vom 1
3.
April 2017,
Urk.
7/148 und
Urk.
7/155).
1.4
Im
Mai 2017 liess die Suva den Versicher
t
en ein weiteres Mal
bei der Kreisärztin vorsprechen
(Bericht von
Dr.
med.
O.___
, Fachärztin für Chirurgie,
vom 1
9.
Mai 2017,
Urk.
7/163). Nach Rücksprache mit ihrer Abteilung Versiche
rungsmedizin (Notiz von
Dr.
med.
P.___
vom 1
7.
Juli 2017, Urk.
7/172) und entsprechender Vorinformation (Telefonnotiz vom 2
1.
August
2017 und
Notiz
vom 1
5.
September
2017
über eine Besprechung im Betrieb
, Urk.
7/17
3 und
Urk.
7/175
) eröffnete die Suva dem Versicherten
mit Verfügung vom 26.
Septem
ber 2017, dass sie die Taggeldleistungen und die Übernahme der Heilkosten per Ende September 2017 einstelle, da
zum einen
die organischen Unfallfolgen nicht mehr behandlungsbedürftig seien und keine Einschränkung der Arbeitsunfähig
keit begründeten und
zum andern
allfällige psychische Unfallfolgen in keinem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 19.
Mai 2015 stünden. Des Weiteren bestehe mangels
organisch bedingten
I
ntegritätsschadens und mangels organisch bedingter Erwerbseinbusse auch kein Anspruch auf eine Integritätsent
schädigung un
d auf eine Invalidenrente (Urk.
7/176
S. 1-3
).
Der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Bibiane
Egg,
liess
mit den Eingaben vom 2
7.
Oktober und vom 2
7.
November 2017 Einsprache
erheben und beantragen, es sei eine Begutach
t
ung aus körperlicher und psychischer Sicht zu veranlassen und die Leistungen seien unter Berücksichtigung auch der psychi
schen Unfallfolgen festzusetzen (
Urk.
7/188 und
Urk.
7/193 S. 1-3). Als neue Belege liess er die Ausführungen von PD
Dr.
F.___
vom 13. November 2017 und des
Psychotherapeuten
J.___
vom 2
3.
November 2017 zuhanden seiner Rechtsvertreterin einreichen (
Urk.
7/193 S
. 4-7
und Urk.
7/
193 S. 8-10).
Die Suva
zog von der
Arbeitgeberin in Ergänzung zum Arbeitsplatzprofil vom 2
8.
Juli 2015 (
Urk.
7/25) ein Profil der aktuellen Fun
ktion des Versicherten bei
(Angaben vom 1
9.
Mai 2017,
Urk.
7/198 S. 3-7) und holte von
Dr.
O.___
die Aktenbeurteilung vom 1
3.
März 2018 ein (
Urk.
7/200). Mit Entscheid vom 2
1.
März 2018 wies sie die Einsprache ab (
Urk.
7/201).
Gegen diesen Entscheid liess d
er Versicherte durch Rechtsanwältin
Bibiane
Egg Beschwerde mit dem Antrag auf Zusprechung einer Invalidenrente und einer Integritätsentschädigung erheben (
Urk.
7/207). Dabei berief er sich insbesondere auf das Verfahren der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wo er sich
am 1
3.
Oktober 2015 angemeldet hatte (
Urk.
11/4), und liess die
Berichte des Regionalärztlichen D
ienstes,
Dr.
med.
Q.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, und
Dr.
med.
R.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
je
vom 1
3.
März 2018 (
Unter
suchun
gen vom
8.
Februar 2018;
Urk.
7/210 S. 13-27 und
Urk.
7/210 S. 28
34) sowie den Vorbescheid der IV-Stelle vom 14. Mai 2018 (vorgesehene Zusprechung einer ganzen Rente,
Urk.
7/211 S. 2-6) einreichen. Nachdem die Suva unter Berufung auf eine orthopädisch-chirurgische Aktenbeurteilung von PD
Dr.
med.
S.___
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
vom 1
4.
Juni 2018 (
Urk.
7/217)
die Abweisung der Beschwerde beantragt hatte (
Urk.
7/220), hob das Sozialversiche
rungsgericht
den Einspracheentscheid vom 2
1.
März 2018
mit Urteil vom 2
3.
September 2019 auf und wies die Sache an die Suva zurück, damit
sie vorab ein
versicherungs
externes medizinisches Gutachten zum somatischen Gesund
heitszustand des Versicherten in Auftrag gebe,
anschliessend
allfällige weitere Abklärungen zum psychischen Gesundheitszustand und zur
Unfall
adäquanz
durchführe un
d hernach neu verfüge (
Urk.
7/2
31; Prozess Nr.
UV.2018.00085).
1.5
In Nachachtung des Urteils vom 2
3.
September 2019
beauftragte die Suva die MEDAS
T.___
mit der
bidisziplinären
Begutachtung des Versicherten in den Fachgebieten Rheumatologie und Orthopädie/Traumatologie (Auftragsschrei
ben vom 2
9.
Januar 2020,
Urk.
7/249, mit dem Fragenkatalog vom 2
1.
November 2019,
Urk.
7/250). Am 1
5.
September 2020 legte die MEDAS
T.___
das Gutachten von
Dr.
med.
U.___
, Facharzt für Rheumatol
o
gie, und
Dr.
med.
V.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vor (
Urk.
7/259). Der Versicherte, nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt Peter
Bolzli
, liess mit Eingabe vom
1.
Dezember 2020 von einer Stellungnahme zum Gutach
ten absehen (
Urk.
7/266). In der Folge holte die Suva die ergänzenden Angaben
von
Dr.
V.___
der MEDAS
T.___
vom 1
5.
Juni 2021 ein (
Urk.
7/273 und
Urk.
7/275); der Versicherte liess wiederum auf eine Stellun
gnahme dazu verzich
ten (
Urk.
7/2
77). Mit Verfügung vom 2
0.
Juli 2021 sprach die Suva dem Versicherten
bei erneuter Verneinung der
Unfalladäquanz
der organisch nicht erklärbaren Beschwerden
eine Integritätsentschädigung auf der Basis eines Integ
ritätsschadens von 20
%
zu, verneinte hingegen den Anspruch auf eine Rente
abermals
(
Urk.
7/
280). Der Versicherte liess mit Eingabe vom 1
4.
September 2021 wiederum Einsprache erheben und die Zusprechung einer Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 70
%
sowie einer angemessenen höheren Integritätsentschädigung, beides unter Berücksichtigung auch der psychischen Unfallfolgen, beantragen (
Urk.
7/284). Mit Entscheid vom 1
6.
November 2021 wies die Suva die Einsprache
ab (
Urk.
2 =
Urk.
7/287 S. 2
17
).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
6.
November 2021 liess der Versicherte
mit Eingabe vom 2
3.
Dezember 2021
durch Rechtsanwalt Peter
Bolzli
erneut Beschwerde erheben (
Urk.
1) und die im
Einspracheverfahren
gestellten Anträge wiederholen (
Urk.
1 S. 2). Die Suva schloss
in der Beschwerdeantwort vom 2.
Februar 2022 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Verfügung vom
4.
Februar 2022 (
Urk.
8) zog das Gericht die Akten der Invalidenversicherung bei (
Urk.
11/1-103). Die IV-Stelle
hatte dem Beschwerde
führer unterdessen mit Verfügun
g vom 2
0.
August 2018 ab dem 1.
Mai 2016 eine ganze Rente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 70
%
zugesprochen (
Urk.
11/69+70)
und hatte im Sommer 2020 ein Rentenrevisionsverfahren in die Wege geleitet (
Urk.
11/76). Dabei hatte sie erfahren, dass die
Y.___
AG das Arbeitsverhältnis mit dem Bes
chwerdeführer per Ende Juli 20
19
aufgelöst hatte (Kündigungsschreiben vom 2
5.
April 2019,
Urk.
11/81/10; Erläuterungen der Arbeitgeberin zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 2
0.
Mai 2019,
Urk.
11/81/13), hatte das interdisziplinäre Gutachten der Gutachtenstelle
W.___ AG
vom 1
5.
Dezember 2021 eingeholt (
Dr.
med.
XA.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara
tes,
Dr.
med.
XB.___
, Fachärztin für Neurologie,
Dr.
med.
XC.___
, Fach
arzt für Psychiatr
ie und Psychotherapie, M. Sc.
XD.___
,
Psychologin
Neuropsychologie,
und
Dr.
med.
XE.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin;
Urk.
11/99) und den Versicherten anschliessend am 2
0.
Januar 2022 über d
en Anspruch auf e
i
n
e unveränderte Invalidenrente informiert (
Urk.
11/102). In der Replik vom 1
2.
Mai 2022 (
Urk.
15) und in der Duplik vom 2
1.
Juni 2022 (
Urk.
19) blieben die Parteien nach Einsicht in die Akten der Invalidenversicherung bei ihren Stan
dpunkten. Mit Verfügung vom 23.
Juni 2022 wurden den Parteien allfällige weitere Verfahrensschritte und der Endentscheid in Aussicht gestellt (
Urk.
20).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar
2017 sind die am 2
5.
September
2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geände
rten Bestimmungen des Bundesgeset
zes
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbe
stimmungen zur Änderung vom 25.
September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherige
m Recht gewährt werden (
Abs.
1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu
beurteile
nde Unfall hat sich im Jahr 2015
ereignet, weshalb die bis 31.
Dezember 2016 gültig gewesenen Normen
zur Anwendung gelangen
und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Gemäss
Art.
6
Abs.
1 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl
len, Nichtberufsunfällen und Be
rufskrankheiten gewährt. Ausserdem kann der Bundesrat nach
Art.
6
Abs.
2 UVG Körperschädigungen, die den Folgen eines
Unfalles
ähnlich sind, in die Versiche
rung einbeziehen, und er hat davon mit der Aufzählung in
Art.
9
UVV
Gebrauch gemacht.
2.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt
zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3
2.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2
.3.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (
vgl. BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/
bb
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_499/2020 vom 19. Novem
ber 2020 E. 2.2.1
).
2
.3.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versiche
rungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_493/2021 vom 4. März 2022 E. 3.3.3 mit Hinweisen).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei
– ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorge
nommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei banalen Unfällen, wie zum Beispiel bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses, und bei leichten Unfällen, wie beispielsweise einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen, kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse ohne aufwendige Abklä
rungen im psychischen Bereich davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6a).
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen.
Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr.
U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
2.3.4
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule
oder eines Schädel-
Hirn
-T
raumas
auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiter
bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuf
ühren sind, hat nach der
Rechtspre
chung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (
BGE 134 V 109
,
117 V 369 und 359).
Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind.
Das Bundesgericht hat bei der Formulierung dieser Kriterien der Besonderheit Rechnung getragen, dass beim Schleudertrauma und beim Schädel-Hirn
-T
rauma nicht zwischen Beschwerden organischer und psychischer Natur unterschieden wird, und hat die Kriterien entsprechend modifiziert (BGE 134 V 109 E. 10.2 und 10.3).
2.4
Na
ch Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versichert
e Person Anspruch auf die zweck
mäs
sige Behandlung der Unfallfolgen. Ist sie infolge des
Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Tag
geld zu. Wird die versicherte Person infolge des
Unfalles
zu mindestens 10 % invalid, so hat sie gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein
e Invalidenrente. Der Rentenan
spruch entsteht nach Art. 19 Abs. 1 UVG, wenn von der Fortset
zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes mehr erwartet werden kann und allfällige Einglied
erungsmassnahmen der Invaliden
versicherung abgeschlossen sind, wobei mit dem Rentenbeginn die Heilbehand
lung und die Taggeldleistungen dah
infallen. Ferner entsteht zusam
men mit der Festlegung der Invalidenrente beziehungsweise mit der Beendigung der ärztlichen Behandlung unter den Voraussetzungen in Art. 24
Abs.
1 UVG auch ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung.
2.5
Invalidität ist nach
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Für die Bestimmung des In
validitätsgrades wird nach
Art.
16 ATSG da
s Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der Invalidität u
nd nach Durchführung der medizi
nischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (soge
nanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sogenanntes
Valideneinkommen
).
2.6
2.6.1
N
ach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erheb
liche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird
nach
Art.
25
Abs.
1 UVG
in Form
einer Kapitalleistung gewährt,
darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwe
re des Integritätsschadens abgestuft
.
Ein Integritätsschaden gilt nach
Art.
36
Abs.
1 UVV
als dauernd
, wenn er voraus
sichtlich
während des ganzen Lebens minde
s
tens in gleichem Umfang besteht, und er i
st erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark b
eeinträchtigt wird. Gemäss
Art.
36
Abs.
2
UVV
gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigu
ng die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritäts
schäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritäts
entschädigung
gemäss
Art.
36
Abs.
3 UVV
nach der
gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt
.
2.6.2
In den Richtlinien i
m Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische Schäden proz
entual gewichtet (RKUV 2004 Nr.
U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des
versicherten Verdienstes (Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwe
rt abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2).
D
ie Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrät
lichen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar
, soweit sie jedoch Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
2.6.3
Gemäss
Art.
24
Abs.
2 UVG wird die Integritäts
entschädigung mit der Invaliden
rente festgesetzt oder, falls kein Rente
nanspruch besteht, bei der Been
digung der ärztlichen Behandlung gewährt.
3.
Gegenstand der Verfügung vom 2
0.
Juli 2021, die dem angefochtenen Einspracheentscheid zugrunde liegt (
Urk.
7/280), ist die Festlegung der Integri
tätsentschädigung
und
die Verneinung des Rentenanspruchs. Hingegen
befasst sich die Verfügung vom 2
0.
Juli 2021, a
nders als die Verfügung vom 26.
Sep
tember 2017 (
Urk.
7/176/1-3)
und der sie bestätigende
Einspracheentscheid vom 2
1.
März 2018 (
Urk.
7/201), dessen Rechtmässigkeit im Urteil vom 2
3.
September 2019 zu beurteilen war
(
Urk.
7/231)
, nicht mit dem Zeitpunkt der Einstellung der Taggelder und Heilkostenleistungen und des Einsetzens des zu prüfenden R
entenanspruchs.
Demgemäss ist dieser Zeitpunkt rein formal betrachtet auch nicht Inhalt des angefochtenen
Einspracheentscheids
, der die Einsprache gegen die Verfügung vom 2
0.
Juli 2021
abweist.
Es gilt indessen zu beachten, dass
der Fallabschluss mit der Einstellung der vorübergehenden Leistungen auf der einen Seite und der Prüfung der Rentenfrage auf der anderen Seite einen einheitlichen Streitgegenstand bildet und die
Recht
mässigkeit der Einstellung der vorübergehenden Leistungen daher nicht gesondert in Rechtskraft erwachsen kann (vgl. BGE 144 V 354 E. 4.2). Wenn das Gericht daher den Einspracheentscheid vom
2
1.
März 2018
mit dem
Urteil vom 2
3.
September 2019
aufgehoben hatte, so hätte die Beschwerdegegnerin
mit der
neu erlassenen Verfügung
vom 2
0.
Juli 2021
wiederum sowohl über die Einstel
lung der Taggelder und Heilkostenleistungen als auch über den Rentenanspruch
befinden
müssen, dies ungeachtet dessen, dass sie gemäss dem Wortlaut des Urteilsdispositivs lediglich zur
Neuv
erfügung über den Rentenanspruch verpflich
tet wurd
e. Die Beschwerdegegnerin
stellte denn im angefochtenen Einsprache
entscheid – im Zusammenhang mit der Adäquanzprüfung – auch Überlegungen zum Zeitpunkt des Fallabschlusses an, indem sie dartat,
dass der medizinisch-therapeutische Endzustand gestützt auf das Gutachten der MEDAS
T.___
am 3
1.
März 2017 erreicht gewesen sei (
Urk.
2 S. 9)
.
Zwar fällt bei psychischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall
der Zeitpunkt der A
däquanz
prüfung
zumeist zusammen
mit de
m Zeitpunkt des Fallabschlusses
(vgl. BGE 134 V 109 E. 6.1; vgl.
jedoch auch
BGE 127 V 102). Dennoch
kann daraus
vorliegen
denfalls
nicht abgeleitet werden, dass die Beschwerdegegnerin die Taggelder und Heilkostenleistungen in Abweichung vom Vorgehen im Einspracheentscheid vom
2
1.
März 2018
neu
bereits per Ende März
2017
und nicht erst per Ende September 2017 einstellen wollte. Denn es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sie bereits erbrachte Leistungen
zurückzufordern beabsichtigte
,
und sie muss daher nach
wie vor
das Monatsende des September 2017 als massgeblichen Zeitpunkt des Fallabschlusses erachtet haben. Von diesem präzisierten Inhalt des angefoch
tenen
Einspracheentscheids
ist nachfolgend auszugehen.
4.
4.1
Im November 2016 stellte d
er Kreisarzt
Dr.
L.___
noch
eine leicht eingeschränkte Beweglichkeit des linken Schultergelenks und des linken Hand
gelenks
fest
,
sprach
jedoch
von fehlenden
Hinweise
n
auf
eine
frozen
shoulder
und ein CRPS im Bereich des linken Armes und H
andgelenks. Aufgrund dieser
Untersuchungsergebnisse
attestierte er dem Beschwerdeführer
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten T
ätigkeit, bei noch nicht abgeschlossener Behandlung aus chirurgischer Sicht
(
Urk.
7/135 S. 6 f.)
.
Im
folgenden
Mai 2017
ging die Kreisärztin
Dr.
O.___
aufgrund eines Gesprächs mit dem Beschwerdeführer und der Einsicht in die aktuellen medizinischen Berichte
von PD
Dr.
F.___
und
Dr.
G.___
von einem grundsätzlich unveränderten körperlichen Z
ustandsbild aus und konnte keine weiteren Behandlungsmöglich
keiten
mehr
empfehlen
, nachdem sich der Beschwerdeführer nicht dazu in der Lage gesehen hatte, die von PD
Dr.
F.___
vorgeschlagene
arthroskopische
Behandlung des linken Schultergelenks zu durchlaufen (vgl.
Urk.
7/150).
Aus rein körperlicher Sicht beurteilte sie den Beschwerdeführer nunmehr als zu 100
%
arbeitsfähig in der bisherigen Tätigkeit
(
Urk.
7/163 S. 6 ff.).
Auf dieser kreisärztlichen Beurteilung, an der
Dr.
O.___
in der Aktenbe
urteilung vom 1
3.
März 2018 festhielt (
Urk.
7/200), basierten der Fallabschluss per Ende September 2017 und die Verneinung des Rentenanspruchs im Einspracheentscheid vom 2
1.
März 2018 (
Urk.
7/201).
4.2
Im Urteil vom 2
3.
September 201
9
wies das Gericht jedoch auf den Umstand hin, dass
Dr.
O.___
im Mai 2017 nur ein Gespräch mit dem Beschwerdeführer geführt hatte, ohne ihn nochmals zu untersuchen (vgl.
Urk.
7/163 S. 7)
.
In Anbetracht dessen
vermochte das Gericht auch unter Berücksichtigung der Aktenbe
urteilung von PD
Dr.
S.___
vom 1
4.
Juni 2018 (
Urk.
7/217) nicht nachzuvoll
ziehen, weshalb
die Kreisärztin trotz der Annahme unveränderter Verhältnisse seit der Untersuchung durch
Dr.
L.___
von einer vollen und nicht wie
Dr.
L.___
lediglich von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausging
(Urk.
7/231 E. 5.3 und E. 5.4)
.
Insbesondere wies das Gericht
hierbei
auf offene Fragen im Zusammenhang mit der Diagnose des CRPS hin, welche PD
Dr.
S.___
ohne hinreichende Begründung in grundsätzlicher Hinsicht angezweifelt habe, obwohl die behandelnden Ärzte sie zumindest in der ersten Zeit der Behandlung gestellt hätten (
Urk.
7/231 E. 5.4).
Umgekehrt
erblickte das G
ericht auch
in de
n
Ar
beit
s
un
fähigkeitsattesten
von
Dr.
G.___
im
Bericht vom
7.
April 2017 (Urk.
7/151)
und von PD
Dr.
F.___
im Bericht vom 1
3.
November 2017 (
Urk.
7/193 S. 4-5
),
wo nicht
zwischen körperlich bedingten und psychisch bedingten Einschränkungen
unterschieden wurde
(vgl.
Urk.
7/151 S. 3
)
,
keine genügende Grundlage für die Beurteilung
der Einschränkungen aus körperlicher S
icht (
Urk.
7/231 E. 5.5
), und soweit der RAD-Arzt
Dr.
Q.___
aus rein orthopä
dischen Gründen eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit annahm, erschien
dies
dem G
ericht
mangels schlüssiger Auseinandersetzung mit der Diagnose eines CRPS ebenfalls als unzureichende Beurteilungsgrundlage (
Urk.
7/231 E. 5.6).
4.3
W
ar
da
mit der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zur Zeit des Erlasses des
Einspracheentscheids
vom 2
1.
März 2018 bereits in körperlicher Hinsicht weiter abklärungsbedürftig, so
war gemäss dem R
ückweisungsurteil vom 23.
Sep
tember 2019 primär
eine medizinische
Begutachtung im Hinblick auf die körper
lichen Unfallfolgen
durchzuführen
; deren
Klärung
bildete die
Voraussetzung
für die Beurteilung der
Unfalladäquanz
allfälliger psy
chischer Unfallfolgen.
5.
5.1
Die
Auseinandersetzung mit den
körperlichen Unfallfolgen war in der Folge die Aufgabe der Gutachter der MEDAS
T.___
.
5.2
5.2.1
Anlässlich der Exploration durch
den Rheumatologen
Dr.
U.___
vom
3.
Juni 2020 berichtete der Beschwerdeführer von
Schmerzen
a
n der
gesamten
linken Körper
seite, vor allem im Bereich des Nackens, der Schulter, des Ellbogens und des Handgelenks
, aber auch im Bereich der Lendenwirbelsäule und im Areal von der Hüfte bis zum Knie. Zudem beschrieb er eine Kraftlosigkeit im linken Arm,
die ihn beim Tragen schwererer Gegenstände und beim Hantieren mit der linken H
and behindere, und
des Weiteren
schilderte er
unwillkürliche Zuckungen im Bereich des Kopfes und des linken Armes sowie gelegentliche Gefühlsstörungen in den Fingern und in den Beinen (
Urk.
7/259 S. 30).
Klinisch
konnte
Dr.
U.___
die Beweglichkeitseinschränkungen
der linken Schulter, des linken Ellbogens und des linken Handgelenks verifizieren; es fiel ihm jedoch ein ausgeprägtes S
chmerz
verhalten auf, als dessen Bestandteil er auch die beobachteten Z
uckungen interpretierte
(
Urk.
7/259 S. 32-33
).
Dr.
U.___
setzte sich sodann einlässlich mit der Frage nach der Diagnose eines CRPS
(auch Morbus
Sudeck
genannt)
im Bereich der linken oberen Extremität auseinander.
Nach dem Studium sämtl
icher vorhandenen radiologischen
Aufnah
men (
Urk.
7/259 S. 34
-39) hielt er vorab fest, dass die dislozierte und bei der Primärversorgung nicht optimal reponierte distale Radiusfraktur ein Risiko für die spätere
Entwicklung eines CRPS dargestellt habe
(
Urk.
7/259 S. 41
,
S. 49
und S. 52
). Anschliessend
re
konstruierte
er
den Krank
heitsverlauf anhand der medizin
i
schen
Vorakten
(
Urk.
7/259 S. 42-48) und analysierte ihn vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Kriterien für die Diagnose e
ines CRPS, die er einlässlich erläuterte
(
Urk.
7/259 S. 49-53
).
Z
unächst
wies er hierbei
auf diejeni
gen Anhaltspunkte hin, die
für ein CRPS
in der ersten Zeit nach dem Unfall vom Mai 2015 sprachen, nämlich auf den Austrittsbericht der
Rehaklinik C.___
über den Aufenthalt von Juni/Juli 2015, wo erste Zeichen eines CRPS an der linken Hand beobachtet worden waren (vgl.
Urk.
7/26 S. 1 und S. 3), auf die Diagnose einer
frozen
shoulder
durch PD
Dr.
F.___
vom Sept
ember 2015 (vgl.
Urk.
7/40), deren Symptomatik
gemäss
Dr.
U.___
auch
Teil eines CRPS gewesen sein könn
t
e, und auf die Einschätzung von
Dr.
G.___
vom Oktober 2015,
der sich aufgrund der bisherigen Entwicklung ebenfalls für ein CRPS ausge
sprochen hatte (vgl.
Urk.
7/
46).
Im Zeitpunkt der eigenen Exploration hielt
Dr.
U.___
jedoch die Kriterien für die Diagnose eines CRPS nicht mehr für erfüllt; er konnte nur noch das Vorhandensein eines
einzigen
der massgebenden Symp
tome des
Budapest-
Kriterienkataloges (statt der erforderlichen
mindestens
zwei Symptome aus
mindestens
zwei verschiedenen Kategorien) feststellen
, nämlich die eingeschränkte Beweglichkeit,
und sah gleichzeitig alt
ernative Erklärungs
modelle für das andauernde Schmerzbild (
Urk.
7/259 S
. 52-53
), wie
etwa
die degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule, die Schulterpatho
logie und insbesondere eine psychosomatische Komponente (vgl.
Urk.
7/259
S
. 47-48
).
In Bezug auf die zeitliche Entwicklung sprach für
Dr.
U.___
bereits die Befundkonstellation, die
Dr.
Q.___
im
Februar
2018 angetroffen hatte, eher gegen ein immer noch aktives CRPS
; der Gutachter leitete dies wiederum aus dem Katalog der Budapest-K
riterien her und gab zusätzlich
zu bedenken,
dass auch
Dr.
G.___
in seinen letzten Berichten nur noch von einem Zustand nach CRPS und nicht mehr von einem aktiven CRPS gesprochen habe und
dass
das Schmerz
ambulatorium
des Universitätsspitals M.___
die
Diagnose
eines aktiven CRPS ebenfalls
nicht vermerkt habe (
Urk.
7/259 S. 46-49).
In Bezug auf die geklagten Rückenschmerzen nahm
Dr.
U.___
Bezug auf die erlittenen Frakturen der Querfortsätze zweier Lendenwirbel, hielt jedoch fest, dass derartige Frakturen erfahrungsgemäss Rückenbeschwerden von
lediglich
etwa dreimonatiger D
auer erklären könnten und die heute noch geklagten Rücken
schmerzen somit nicht mehr unfallbedingt seien (
Urk.
7/259 S. 49). Des Weiteren
ging
Dr.
U.___
kurz auf die Frage einer allfälligen Distorsionsverletzung der Hals
wirbelsäule als Folge des Unfalles vom M
ai 2015 ein, nahm jedoch an, dass die fortbestehenden Nackenschmerzen seit längerem
ebenfalls nicht meh
r auf den Unfall
zurückzuführen
seien (
Urk.
7/259 S. 49).
In
s
gesamt ging
Dr.
U.___
zusammenfassend
davon aus, dass
nicht die rheumato
logischen, sondern die
orthopädischen Unfallfolgen
im Vordergrund
stünden, und verwies hierzu auf die Beurteilung durch
Dr.
V.___
im orthopädischen Teilgutachten (
Urk.
7/259 S. 53).
5.2.2
Bei
der Exploration durch
Dr.
V.___
, die etwa einen Monat später, am
7.
Juli 2020
,
stattfand (
vgl.
Urk.
7/259 S. 59), schilderte der Beschwerdeführer ein vergleichbares Beschwerdebild wie gegenü
ber
Dr.
U.___
mit linksseitigen Schmerzen und Kraftlosigkeit im linken Arm und in der linken Hand (
Urk.
7/259 S. 60-61)
.
In Bezug auf die linke Schulter konnte
Dr.
V.___
in einer Magnetresonanztomo
graphie vom 2
3.
März 2016
die Zeichen einer
frozen
shoulder
mit Kapselver
dickung erkennen (
Urk.
7/259/64+69), er erachtete diese jedoch aufgrund der aktuellen Beweglichkeitsprüfung als längst abgeflaut und konnte die geklagte Schwäche im Arm auch nicht mit der kleinen
Supraspinatussehnenruptur
erklären, die in den
Arthro
-Magnetresonanzuntersuchungen vom August 2015 und vom März 2016 zu Tage getreten war (
Urk.
7/259 S. 63+64+69)
. Vielm
ehr ging
Dr.
V.___
, der wie Dr.
U.___
ein auffälliges Ausweichverhalten bei der Beweglichkeitsprüfung beobachtete (
Urk.
7/259 S. 62), von einer deutlic
hen Selbstlimitierung aus (Urk.
7/259 S. 69+70) und
vermutete als Ursache für die
seitendifferent
entwickelte
Vorderarmmuskulatur
die Schonung des linken Armes, da die neurologischen Kontrolluntersuchungen keinen namhaften peri
pheren Nervenschaden hätten nachweisen können
(
Urk.
7/259 S. 70).
Sodann setzte
sich
Dr.
V.___
mit den operativen Eingriffen auseinander,
die PD
Dr.
F.___
un
d
Dr.
G.___
in B
etracht gezogen hatten. Er
erachtete den Erfolg dieser E
ingriffe jedoch als ungewiss und begründete dies damit, dass
die geklagten Beschwerden nicht mit den
operativ anzugehenden Befunde
n
in der Schulter und im Arm/Handgelenk korrelierten und
sich deshalb möglicherweise nicht beeinflussen liessen durch die anvisierten Operationen
(
schulterarthrosko
pische
Behandlung und Entfernung des
Osteosynthesematerials
im linken Hand
gelenk mit gleichzeitiger
Refixation
der
Ulnastyloidpseudoarthrose
; vgl.
Urk.
7/99 und
Urk.
7/193 S. 4-5)
und dass namentlich der Befund der
Ulna
styloidpseudoarthrose
in der
traumatologischen
Praxis häufig sei und in der Regel keine Probleme verursache (
Urk.
7/259/70). Demgemäss ging
Dr.
V.___
davon aus, dass aus der Sicht seines Fachgebietes Ende März 2017 ein stabiler Endzu
stand erreicht gewesen sei und das Beschwerdebild ab dann vor allem durch ein
chron
i
fiziertes
Schmerzsyndrom geprägt gewesen sei
,
währenddem
objektiv der Vorderarm nach Radiusfrakturversorgung und der Ellbogen wieder soweit beweg
lich gewesen sei
en
, dass eine Tätigkeit in administrativer Funktion vorwiegend am PC möglich gewesen sei
(
Urk.
7/259 S. 71)
.
Dr.
V.___
hielt daher
den Beschwerdefü
hrer
ab Ende März 2017
in der bisherigen Tätigkeit als Informatiker wieder
für
arbeitsfähig, ebenso in entsprechend angepassten anderen Tätigkeiten in vorwiegender administrativer Funktion mit PC-Arbeiten, die teils sitzend und teils stehend verrichtet werden könnten und die Möglichkeit zu Pausen böten (
Urk.
7/259 S. 70).
5.2.3
Die
Einschätzung des Zeitpunktes des stabilen Endzustandes und der Arbeits
fähigkeit durch
Dr.
V.___
wurde
mit identischer Formulierung
in die
Gesamt
beurteilung
übernommen
(
Urk.
7/259 S. 55-56),
die von
Dr.
U.___
formuliert und von
Dr.
V.___
genehmigt worden war (vgl.
Urk.
7/259 S. 57)
; zusätzlich hielten die Ärzte fest, dass sich aus rheumatologischer Sicht keine weiteren Schäden ergäben, mit denen eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit begründet werden könne (
Urk.
7
/259 S. 55)
. Ferner
präzisierte
Dr.
V.___
in seinem Ergänzungsschreiben vom 1
5.
Juni 2021 nac
h Rücksprache mit
Dr.
U.___
, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Informatiker ganzt
äg
ig und ohne zeitliche oder leistungsmässige Einschränkung zumutbar sei und von ihm auch in einer angepassten Tätigkeit – unter Gewährung von etwas häufigeren Pausen – eine normale, vollzeitliche Leis
tung verlangt werden könne (
Urk.
7/275).
5.3
5.3.1
Hinsichtlich der Diagnosen und des Zeitpunktes des erreichten stabilen Endzu
standes sind die Ausführungen von
Dr.
U.___
und
Dr.
V.___
na
chvollziehbar und einleuchtend, und es kann auf sie abgestellt werden.
Der orthopädische Facharzt
Dr.
V.___
setzte sich unter eigener Interpretation sämtlicher radiologischen Aufnahmen (vgl.
Urk.
7/259 S. 62 ff.) ausführlich mit den objektiven Befunden in der linken oberen Extremität auseinander, setzte diese in Bezug zu den Ergebnissen der klinischen Untersuchung und zu den subjektiven Schmerzangaben und gelangte auf diese Weise zu einer E
inschätzung der Situation, die auch für medizinische Laien plausibel ist. Der Rheumatologe
Dr.
U.___
sodann leitete in Bezug auf das
CRPS
anhand der im Zeitverlauf erhobenen
B
efunde und der massgebenden Diagnosekriterien mit eingehender Begründung
ebenfalls plausibel
und zudem übereinstimmend mit der späteren Beurteilung der Neurologin
Dr.
XB.___
im Gutacht
en der
W.___ AG
(vgl. Urk.
11/99/35)
her, dass diese Diagnose in der ersten Zeit nach dem Unfall mutmasslich zu stellen gewesen sei,
dass das CRPS danach jedoch zurückgegan
gen und schliesslich nicht mehr aktiv gewesen sei.
Wenn berücksichtigt wird, dass PD
Dr.
F.___
schon im März 2016 festgehalten hatte, die
frozen
shoulder
habe sich gelöst und die Sudeck-Dystrophie
scheine
nicht m
ehr gross aktiv zu sein
(
Urk.
7/83 S. 2), und
dass
Dr.
G.___
im April 2016 ebenfalls von einem weitgehenden Rückgang der
Dystrophiesymptomatik
gesprochen hatte (
Urk.
7/87 S. 3), so leuchtet auch ein, dass die rheumatologische Problematik gemäss der Gesamtbeurteilung am Zeitpunkt des Endzustandes per Ende März 2017,
wie ihn
Dr.
V.___
definierte,
nichts änderte.
Soweit
Dr.
U.___
sodann die Unfallkausalität der Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule auf die ersten Monate nach dem Unfall begrenzte, leuchtet auch dies ein angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer beim Austritt aus der
Rehaklinik C.___
Ende Juli 2015 keine Schmerzen mehr in der Wirbelsäule angegeben hatte (vgl.
Urk.
7/26 S. 3).
Was demgegenüber die Ausführungen von
Dr.
U.___
zu einer allfälligen Distorsionsverletzung der Halswirbelsäule anbelangt, so ist es zwar nachvollziehbar, dass der Gutachter diese Diagnose angesichts des Unfallhergangs in Betracht zog. Wie er selbst fest
st
ellte (
Urk.
7/259 S. 49), war
die Diagnose jedoch
– abgesehen von d
er nicht näher begründeten Erwähnung
eines S
chleudertraumas
in einem Bericht
von
Dr.
D.___
zuhanden
der Krankenkasse vom
2.
November 2017 (
Urk.
11/45/1) –
in den
Vorakten
nirgendwo
gestellt worden;
insbesondere hatte
der B
eschwerdeführer
bei der Notfalluntersuchung zwar mässige Schmerzen im Bereich der Halswirbel
säule angegeben (
Urk.
7/134 S. 3), bei der
Austrittsuntersuchung in der
Rehaklinik C.___
war die Beweglichkeit
der
Halswirbelsäule jedoch
nur
noch
ganz
geringgradig
eingeschränkt
gewesen
(
Urk.
7/26 S. 3
und S. 7
)
. Damit ist es nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom Mai 2015 eine Halswirbe
lsäulendistorsion erlitten hat
, und auf die Kausali
tätsüberlegungen von
Dr.
U.___
braucht nicht näher eingegangen zu werden.
Des Weiteren
erfuhr
der Beschwerdeführer beim Unfall zwar unbestrittenermassen einen Kopf
aufprall;
ausser
der Verletzung an der Nase
ergab
die Computertomo
graphie des Gehirns in der Notfallstation aber keine Auffälligkeiten (
Urk.
7/134 S. 10), im Austritt
sbericht des Spitals
Z.___
ist
ausdrücklich ein Schädeltrauma ohne
Gehirnerschütterung vermerkt
(
Urk.
7/134 S. 1),
und
in der
Rehaklinik C.___
wurden
keine Kopfschmerzen
thematisiert
. Dementsprechend ist auch die Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas zu verneinen.
Unumstritten ist schliesslich auch, dass von Seiten der
Thoraxkontusion
keine Schäden zurückgeblieben waren
.
Dr.
U.___
wies zudem
zutreffenderweise
darauf hin
(
Urk.
7/259 S. 6)
, dass die Rippenserienfraktur, welche die
Rehaklinik C.___
in ihrem Austrittsbericht erwähnte (
vgl.
Urk.
7/26 S. 6), sonst nirgendwo dokumentiert ist, namentlich auch nicht in den Aufzeichnungen des Spital
s
Z.___
, womit diesbezüglich von einem Versehen auszugehen ist.
5.3.2
Was die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung anbelangt,
so sind die Zumutbarkeitsanfor
derung
en
, wie sie im Gutachten der MEDAS
T.___
definiert sind, a
ngesichts der
gutachterlich konstatierten
verbliebenen körperlichen Beeinträch
tigungen
ebenfalls
plausibel. Es trifft zwar zu, dass der Orthopäde
Dr.
XA._
__
im Gutachten
der
W.___ AG
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers für eine angepasste Tätigkeit lediglich mit 30
%
bemass (vgl.
Urk.
11/99/28)
.
Dies vermag jedoch die Be
urteilung von
Dr.
U.___
und Dr.
V.___
entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers in der Replik (
Urk.
15 S. 3 f.) nicht in Frage zu stellen. Denn z
um einen
war
im Rahmen der Begutachtung zuhanden der IV-Stelle
gemäss der zutreffenden Feststellung in der Duplik (
Urk.
19)
nicht nur
den
Unfallfolgen, sondern auch den unfallfremden Einschrän
kungen Rechnung zu tragen, und
Dr.
XA._
__
beschrieb tatsächlich verschiedenste degenerative Veränderung an der Hals- und Lendenwirbelsäule, denen er
zunehmend
e
Auswirkungen auf di
e Arbeitsfähigkeit zumass (Urk.
11
/99/24-2
6
). U
nd zum andern stellt die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von
Dr.
XA._
__
in dem Sinne eine relative Bemessung dar, als der Arzt ihr als Ausgangspunkt die Beurteilung durch den RAD-Arzt
Q.___
zugrunde legte und festhielt, die damals festgelegte 30%ige Arbeitsfähigkeit beziehungsweise 70%ige Arbeitsunfähigkeit werde übernommen, da die Beschwerden und Einschränkungen weitgehend unverändert geblieben seien und sogar eine tendenzielle Verschlechterung feststellbar sei (
Urk.
11
/99/
28+
29)
.
Im Übrigen beurteilte
Dr.
XA._
__
das CRPS übereinstimmend mit
der Neurologin Dr.
XB.___
, die von Seiten ihres Fachgebietes keine Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit erhob (
Urk.
11/99/35),
als nicht mehr aktiv (
Urk.
11/24).
In dieser Hinsicht stimmt das Gutachten der
W.___ AG
somit mit demjenigen der MEDAS
T.___
überein.
Zur
Würdigung des bisherigen Arbeitsverhältnisses im Hinblick auf die definier
ten Zumutbarkeitsanforderungen
liess sich
Dr.
U.___
vom Beschwerdeführer die Tätigkeit bei der
Y.___
AG, wie sie unmittelbar vor dem Unfall vom Mai 2015 ausgestaltet gewesen war, genau schildern (vgl.
Urk.
7/259 S. 28),
und die Gutachter verfügten zudem
über das Profil, das die Arbeitgeberin im Mai 2017 zur neuen Funktion des Beschwerdeführers im Help-Desk erstellt hatte (
Urk.
7/198 S. 3-7). Gemäss diesem Profil hatte die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Help-Desk hauptsächlich in der Behebung von Störungen, der Klärung von Anwenderfragen und der Erarbeitung von Lösungsansätzen bestanden (
Urk.
7/198 S. 3-4), und die Arbeitgeberin charakterisierte die Tätigkeit als abwechslungsreiche, frei gestaltbare Bildschirmarbeit (
Urk.
7/198 S. 6).
Eine solche Tätigkeit erfüllte
die Zumutbarkeitsanforderungen im Gutachten der MEDAS
T.___
grundsätzlich
.
Soweit
Dr.
XA._
__
darauf hinwies, dass die Arbeiten an der Computertastatur eine Handhaltung erforderten, die in Anbetracht der Unfallfolgen als ungünstig zu bewerten sei (
Urk.
11/99/27), so
ist aufgrund
der dargelegten Stellenbeschreibung
davon auszugehen, dass
die Tätig
keit im ICT-Support
mit
Pausen zwischen den Tastaturarbeiten
verbunden war
. Ausserdem sind
im Rahmen des Arbeitsversuchs keine spezifischen Klagen
des Beschwerdeführers, der Rechtshänder ist (vgl.
Urk.
7/40 S. 1 und
Urk.
11/99/87),
über Handgelenksbeschwerden vermerkt, sondern nach den Ausführungen der Ergotherapeutin
standen
generelle spannungsbedingte Schmerzen in der gesamten linken Körperhälfte
im Vordergrund
(
Urk.
7/138 und
Urk.
7/147
; vgl. auch
Urk.
11/45/45
).
Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass der Bereich, in dem der Beschwerdeführer vor dem Unfall eingesetzt gewesen war, gemäss den Schilderungen gegenüber
Dr.
U.___
zusätzlich auch Installationen in Kunden
betrieben umfasst
hatte
(
Urk.
7/259 S.
28)
. Sowohl den Aussagen des Beschwer
deführers
(
Urk.
7/259 S. 28)
als auch einer Aussage des Vorgesetzten vom
9.
Dezember 2016, welche die Beschwer
degegnerin protokollierte (Urk.
7/137), ist jedoch zu en
tnehmen, dass jener Bereich
Anfang 2017 in
s Ausland ausgelagert worden war
. Es ist also davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch ohne Unfall in einen anderen Bereich versetzt worden wäre. Unter diesen Umständen kann
offen bleiben
, ob der frühere Einsatzbereich des Beschwerdeführers Verr
ich
tungen umfasst hatte, die ihm
nach dem
Unfall nicht mehr zuzumuten waren
.
6.
6.1
Auftragsgemäss beurteilten die Gutachter der MEDAS
T.___
ausschliesslich
die
Auswirkungen der körperlichen Unfallfolgen (vgl.
Urk.
7/259 S. 56).
Sie gingen jedoch davon aus, dass
die klinische Symptomatik schon früh von einer
psychische
n
Problematik
überlagert gewesen sei (vgl.
Urk.
7/259 S. 69). Diese Annahme ist medizinisch mehrfach belegt
. Au
ch wenn der Beschwerdefüh
rer sich keiner längerdauernden psychiatrischen Behandlung unterzogen hatte (vgl.
Urk.
7/259 S. 31) und der
konsiliarisch konsultierte
Psychiater
Dr.
N.___
in einem Schreiben an die IV-Stelle vom 2
7.
September 2017 eine p
sychiatrische Erkrankung
von
behandlungsbedürftigem
Ausmass verneint hatte (
Urk.
11/43), so
stand er doch in langdauernder Behandlung durch den
Psychot
her
apeuten
J.___
(vgl. Urk.
7/92 und
Urk.
7/193 S. 8-10),
die RAD-
Psychiaterin
Dr.
R.___
stellte im März 2018
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (
Urk.
7/210 S. 33)
, und der Psychiater
Dr.
XC.___
der
W.___ AG
diagnostizierte im November 2021 erneut eine mittelgradige depressive Episode sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (
Urk.
11/99/43-45).
In Anbetracht dessen, dass
der
Endzustand aus rein somatischer Sicht per Ende März 2017 erreicht war, war es
daher
folgerichtig, dass die Beschwerdegegnerin
auf
diese
n
Zeitpunkt
hin
im Hinblick auf den Fallabschluss die Frage prüfte, ob
die
allenfalls natürlich unfallkausale psychische Problematik als unfalladäquat zu beurteilen ist
(U
rteil
des Bundesgerichts
8C_779/2013 vom 3
0.
Dezember 2
013 E. 3
)
.
Des Weiteren legte sie dieser Beurtei
lung zu Recht und
unbestrittenermassen die Kriterien für eine psychische Fehlentwicklung nach einem Unfall zugrunde und nicht die besonderen Kriterien der Adäquanzbeurteilung im Falle eines Schleudertraumas oder eines Schädel-Hirn-Traumas. Denn nach dem Dargelegten ist es nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom Mai 2015 derartige Verletzungen erlitten hat.
6.2
6.2.1
Die Parteien sind sic
h vorab uneinig über die S
chwere des Ereignisses vom 19.
Mai 201
5.
Während die Beschwerdegegnerin dieses als mittelschweren Unfall im engeren Sinn einstufte (
Urk.
2 S. 3 ff.,
Urk.
6 S. 3 f.),
stellte sich der Beschwer
deführer auf den Standpunkt, es habe sich
dabei um einen schweren Unfall gehandelt (
Urk.
1 S. 8 f.,
Urk.
15 S. 1 f.).
6.2.2
Massgebend für die
Unfalls
chwere ist nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung der augenfällige
Geschehensablauf mit den s
ich dabei entwickelnden Kräften. Demgegenüber ist
Begleitumstände
n
, die nicht direkt dem Unfallgesche
hen zugeordnet werden können, nicht bei der Bestimmung der
Unfalls
chwere, sondern vielmehr im Rahmen der
weiteren
Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen (
zur
Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_58/2022 vom 2
3.
Mai 2022 E. 4.3.1 mit H
inweis auf BGE 140 V 356 E. 5.1 und weiteren Hinweisen).
Im Urteil vom 2
3.
September 2019 hatte das Gericht angesichts der erforderlichen weiteren medizinischen Abklärungen
noch keine Adäquanzprüfung vorzuneh
men, es
wies
jedoch auf die reiche Kasuistik zur
Unfalls
chwere im Falle
von Motorradunfällen hin
, welche die Beschwerdegegnerin zu beachten habe (
Urk.
7/231 E. 6.3). Nach dieser Kasuistik beurteilt das Bundesgericht Kollisionen zwischen einem Auto und einem Motorrad in der Regel als mittelschwere Unfälle im engeren Sinn
und geht erst dann von einem
schwerergradigen
Unfall
– einem solchen mindestens im Grenzbereich zu den schweren Unfällen -
aus, wenn zusätzliche erschwerende Umstände
gegeben sind
, wie beispielsweise die Beteili
gung einer mitfahrenden Person, das Weg
schleudern
über mehrere Meter, die Grösse des Kollisionsfahrzeuges oder hohe Geschwindigkeiten (Urteil des Bundesgerichts 8C_627/2019
vom 1
0.
März 2020
E. 5.3.3 mit Hinweisen)
.
Liegt ein mittelschwerer Unfall im engeren Sinn vor, so verlangt die Rechtsprechung für die Bejahung der
Unfalladäquanz
einer psychischen Fehlentwick
lung, dass entweder ein einzelnes der zusätzlichen Kriterien in besonders ausgeprägter F
orm
oder mindestens drei zusätzliche Kriterien
erfüllt sind
(
Urteile des Bundesgerichts 8C_627/2019 vom 1
0.
März 2020 E. 5.4, 8C_488/2017 vom 2
7.
Nove
m
ber 2017 E. 6.4,
8C_135/2012 vom 1
9.
September 2012 E. 6.1 und U 78/07 vom 1
7.
März 2008 E. 5.2, je mit Hinweisen). Bei
den
mittelschweren Unfällen an der Grenze zu den schweren Unfällen ist hingegen nach der Recht
sprechung
ein einziges
zusätzliches
Adäquanzkriterium aus
reichend, ohne dass dieses notwendigerweise in besonders ausgepräg
t
er Weise vorliegen muss (Urteil des B
und
e
sgerich
ts
8C_484/2007 vom
3.
September 2008 E. 6.3 mit Hinweis).
6.2
.3
Der Beschwerdeführer führte
gegenüber
Dr.
U.___
zum Unfall vom 1
9.
Mai 2015 aus, er sei mit Motorradkollegen auf einer Schnellstrasse unterwegs gewesen, als ein Auto vom Pannenstreifen her rückwärts in die Strasse gefahren sei. Da die Strasse über eine Welle
im Gelände
geführt habe, habe er die Gefahr zu spät gesehen und eine Kollision nicht vermeiden können. Bei der Kollision
sei er
durch die Luft geschleudert
worden
und sei
danach
wieder auf der Strasse gelandet, wo es ihm den Helm gespalten habe
. Bewusstlos sei er nicht gewesen, sodass er sich noch gut an das Ereignis zu erinnern vermöge
(
Urk.
7/
259 S. 29)
.
Die
Unfalls
childerung des Beschwerdeführers anlässlich der Begutachtung in der MEDAS
T.___
deckt sich im Wesentlichen mit dem, was den Aufzeich
nungen
in den
Akten der Polizei
des Unfallortes
XG._
__
zu entnehmen ist
(
Urk.
7/51)
. Der Polizeibeamte nahm am Unfalltag selbst die Aussagen der beiden Insassinnen des beteiligten Autos, eines Fiat 600, auf und protokollierte die A
ngaben von drei Motorradkollegen, die den Unfall beobachtet hatten; ausserdem
wurde
zwei Tage später eine
polizeiliche
Einvernahme des Beschwerdeführers durch
geführt
(
Urk.
7/51 S. 6-9). Die
handschriftlichen
Proto
kolle sind in Maschinenschrift übertragen
worden
(
Urk.
7/51 S. 3-5) und sind daher entgegen dem Vorbringen in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 7)
gut lesbar.
Der Beschwerdeführer hatte schon damals von seinem Unvermögen berichtet, dem Wagen auf der Fahrbahn auszuweichen (
Urk.
7/51 S. 5), und festgehalten ist des Weiteren auch die
Beobachtung des Kollegen
XH._
__
, dass der Beschwerdeführer nach dem Aufprall am Heck des Wagens in die Luft geflogen sei und sich dreimal überschlagen habe, bevor er
auf dem Boden aufgeschlagen sei
(
Urk.
7/51 S. 4).
Wie der Beschwerdeführer hingegen
zutreffend bemerken liess (
Urk.
1 S. 8), fehlen Geschwindigkeitsangaben in den Polizeiakten; die Fotodoku
mentation der Pol
i
zei (
Urk.
7/51/10-20)
bestätigt nur
, dass es sich bei der Strasse des
Unfalles
um eine Schnellstrasse gehandelt hat.
6.2.4
Das Bundesgericht
hatte
sich
in
einem Urteil des Jahres 2009 mit der
Sc
hwere eines Unfalles zu befassen
, bei dem ein Motorrad
und ein
Personenwagen mit einer Geschwindigkeit von
je
etwa 50 km/h
frontal kollidierten und der Fahrer und seine Mitfahrerin etwa zehn Meter durch die Luft geschleudert wurden. Diesen Unfall qualifizierte das Bundesgericht als
mittelschwer
im Grenzbereich zu den schweren Unfallereig
nissen und wies darauf hin
, dass bei einer Kollision zwischen einem Motorrad und einem Personenwagen
– im Unterschied
zur Kollision zwischen zwei Personenwagen etwa gleicher Masse –
das Motorrad als das leichtere Gefährt den weitaus grösseren Teil der Aufprallgeschwindigkeit zu absorbieren habe und die dadurch ausgelösten Kräfte an den M
otorradfahrer weitergebe (Urteil des Bundesgerichts 8C_
746/2008 vom 1
7.
August 2009 E.
5.1.2
; vgl. auch das Urteil
des Bundesgerichts
8C_134/2015 vom 1
4.
September 2015 betreffend die Mitfahrerin
).
Der vorliegende Unfall weist insoweit
eine
Parallele zu jenem Unfall
des Jahres 2009
auf, als auch hier
der Bes
chwerdeführer in die Luft geworfen wurde.
Vorliegend
stiess das Motorrad allerdings nicht frontal mit dem Auto zusammen, sondern prallte in dessen Heck. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass das beteiligte, im Rückwärtsgang
auf dem Pannenstreifen
fahrende Auto
eine nur geringfügige
Geschwindigkeit
aufwies, als das Motorrad des Beschwerdeführers auffuhr. Sodann erscheint es zwar angesichts dessen, dass sich der Unfall auf einer Schnellstrasse ereignete
,
dass der Beschwerdeführer den A
ufprall nicht vermeiden konnte und dass beide Fahrzeuge beträchtlich beschädigt waren,
als glaubhaft, dass das Motorrad eine erhebliche Geschwindigkeit
– die Parteien gingen von
einem Bereich
zwischen
80
und
110 km/h aus
(
Urk.
1 S.
8,
Urk.
6
S. 4
,
Urk.
15 S.
1 f.
)
–
innehatte; da diese Geschwindigkeit indess
en nicht dokumen
tiert
ist
,
ist
es entsprechend dem Dafürhalten der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
6 S. 4)
angezeigt
, für die Quantifizierung der Kräfte, die auf den Beschwerdeführer eingewirkt hatten, auch
dessen
körperlichen Zustand und insbesondere das Fehlen einer Bewusstseinstrübung
trotz Kopfaufprall
einzu
beziehen.
Wenn die Beschwerdegegnerin d
en Unfall
unter diesen Umständen als mittelschwer im engeren Sinn einstufte, so
finden sich für diese Einstufung vergleichbare Sach
verhalte in der bundesgeric
htlichen Kasuistik. Zu erwähnen sind
ein Unfall, bei dem ein Versicherter mit einer Geschwindigkeit von 60-70 km/h frontal in den hinteren seitlichen Teil eines aus einer Nebenstrasse kommenden Personen
wagens prallte und auf die Strasse geschleudert wurde (Urteil U 78/07 vom 1
7.
März 2008 E. 5.1 und 5.2)
,
oder ein
Unfall, bei dem die Lenkerin eines Autos, das sich mit 20 km/h fortbewegte, beim Abbiegen einen Motorradfahrer übersah, der mit 60
-70 km/h unterwegs war,
und di
es
er nach der Kollision z
u
erst zu Boden stürzte
und anschliessen
d
in hohem Bogen auf eine Wiese katapultiert wurde (Urteil
8C_137/2014 vom
5.
Juni 2014 E. 6.1 und 6.2). Der entsprechenden Einstufung durch die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf diese Sachverhalte (vgl.
Urk.
6 S. 4) kann somit gefolgt werden.
6.3
D
amit ist für die Bejahung der
A
däquanz der
allenfalls natürlich unfallkausalen psychischen Problematik erforderlich, dass
entweder eines der massgebenden Zusatzkriterien besonders ausgeprägt oder drei der Kriterien in weniger starker Ausprägung gegeben sind.
Soweit die Beschwerdegegnerin das Kriterium der
besonders dramatische
n
Begleitumstände oder
der
besonder
en Eindrücklichkeit des Unfalles mit dem Hinweis verneinte, dass
rechtsprechungsgemäss
jedem mindestens mittelschwe
ren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen sei (
Urk.
2 S. 13,
Urk.
6 S. 5 f.), so kann ihr nicht zugestimmt werden. Denn dem Hergang, dass der Beschwerdefüh
rer infolge des Aufpralls in die Luft geworfen wurde und sich mehrmals überschlug, bevor er auf dem Boden aufprallte, wohnte zweifellos eine Dramatik inne, die dadurch, dass der Beschwerdeführer keine lebensgefährlichen Verletzunge
n erlitt, nicht geschmälert wurde
. Das entsprechende Kriterium ist daher zu bejahen
. M
angels weiterer
, die Eindrücklichkeit verstärkender
B
egleit
umstände kann jedoch nicht von einer besonderen Ausprägung dieses Kriteriums gesprochen werden, weshalb für die Begründung der
Unfalladäquanz
weitere Kriterien erfüllt sein müssen.
Das Bundesgericht hat
ferner
die Entwicklung eines CRPS bei der Adäquanz
beurteilung als Komplikation von Erheblichkeit eingestuft
und dieses
Adäquanz
kriterium daher bejaht, wenn auch nicht in besonders ausgepräg
t
er Form (Urteil U 304/05 vom 2
3.
Juni 2006 E. 3.4). Im vorliegenden Fall ist gleich zu entscheiden.
Es steht fest,
dass die erlittene distale Radiusfraktur initial zur Entwicklung eines CRPS geführt hatte, dass sich dieses jedoch im Laufe der Z
eit zurückgebildet hatte und schon im Frühjahr 2016, also ungefähr ein Jahr nach dem Unfall, höchstens noch geringfügig aktiv war. Bei dieser baldigen Rückbil
dung erscheint sodann die Komplikation des CRPS auch nicht als besonders geeignet dafür, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen, sodass dieses weitere Adäquanzkriterium zu verneinen ist.
Auch das Kriterium der
ungewöhn
lich lange
n
Dauer der ärztlich
en Behandlung, das sich allein auf die Behandlung der physisch erklärbaren Beschw
erden bezieht, ist zu verneinen
angesichts dessen, dass die Ärzte im Herbst 2016 von der Durchführung weiterer Operatio
nen Abstand genommen hatten und die Gutachter der MEDAS
T.___
ein nochmaliges operatives Vorgehen ebenfalls nicht für indiziert hielten.
Des Weiteren kann nicht von rein k
örperlich
bedingten Dauerschmerzen von einigem Ausmass gesprochen werden, da eine psychiatrisch diagnostizierte psychische Problematik die Ausprägung der körperlich wahrgenommenen Sym
ptome erheb
lich beeinflusste, und e
ine
ärztliche Fehlbehandlung
steht
nicht
zur
Diskussion
. Schliesslich war auch die Arbeitsunfähigkeit aus rein körperlicher Sicht nicht beträchtlich und dauerhaft beeinträchtigt. Zwar bezieht sich die Attestierung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit im Gutachten der MEDAS
T.___
erst
auf die Zeit ab März 201
7.
Dies
erklärt sich aber daraus, dass die Arbeits
fähigkeit gemäss der Fragestellung der Beschwerdegegnerin erst für den Zeitpunkt ab der Erreichung des stabilen Endzustandes zu beurteilen war (vgl.
Urk.
7/250 S. 4), und bedeutet nicht, dass der Beschwerdeführer in der Zeit davor
gänzlich
arbeits
un
fähig gewesen wäre. Vielmehr setzten bereits im Januar 2016 erste Arbeitsversuche ein, die zunächst positiv verliefen (
vgl.
Urk.
7/74 und
Urk.
7/137). Dass der Versuch, das Pensum von 30
%
auf 50
%
zu erhöhen,
schliesslich scheiterte, muss unter diesen Umständen wesentlich
mit der
psychi
sche
n
Seite des Beschwerdebi
ldes zusammengehängt haben
(vgl. hierzu auch die Ausführungen von
Dr.
G.___
im Bericht vom
7.
April 2017,
Urk.
7/151).
6.4
Sind damit lediglich zwei Zusatzkriterien in
nicht besonders ausgepräg
t
er Form
erfüllt, so genügt dies nach den vorstehenden Darlegungen nicht, um die psychische Problematik, wie sie sich nach dem Unfall vom 1
9.
Mai 2015 ent
wickelte, als unfalladäquat erscheinen zu lassen.
Die Beschwerdegegnerin hat die Leistungen, die dem Beschwerdeführer aufgrund des Unfalles zustehen,
demnach
zu Recht allein aufgrund der erlittenen körper
lichen Beeinträchtigungen festgesetzt.
7.
7.1
Was den Rentenanspruch anbelangt, so begründete die
Y.___
AG die Beendi
gung des
A
rbeitsverhäl
tni
s
ses mit dem Beschwerdeführer per Ende Juli 2019 zum einen damit, dass die Informatik-Abteilung in den Kanton Zug verlegt worden sei und der Beschwerdeführe
r sich ausserstande gesehen hab
e, der Arbeitgeberin an den neuen Arbeitsort zu folgen, und zum andern wies sie darauf hin, dass der Beschwerdeführer nicht im erforderlichen Mass f
lexibel eingesetzt werden könne
, da es ihm seinen Angaben zufolge nur möglich sei, die fixe Arbeitszeit von 7.00 bis 10.00 Uhr abzudecken (
Urk.
11/81/13). Der Umstand, dass der Beschwerde
führer
ab Frühjahr 2017
weiterhin
nur teilzeitlich zu arbeiten vermochte, steht
aber
angesichts der Beurteilung im Gutachten der MEDAS
T.___
nicht mehr mit den kö
rperlichen Unfallfolgen im Zusammenhang
, sondern muss vielmehr auf die psychischen, nach dem Gesagten nicht adäquat unfallkausalen Beeinträchtigungen zurückgeführt werden. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung allein der Unfall
folgen die Stelle bei der
Y.___
AG hätte behalten können. Damit besteht unfallbe
dingt keine Einkommenseinbusse, und die Beschwerdegegnerin hat den Renten
anspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint.
7.2
Die Bemessung des Integritätsschadens mit 20
%
basiert ebenfalls auf der Beurteilung im Gutachten der MEDAS
T.___
,
wo
aufgrund der Beurtei
lung von
Dr.
V.___
aus
ge
füh
rt ist
,
die Einschränkungen der Supination beziehungsweise das Extensionsdefizit am Ellbogen zusammen mit den Schulter
restbeschwerden im Sinne einer mässigen Form einer Periarthritis
humeros
capularis
rechtfertigten eine Integritätsentschädigung von je 10
%
und somit gesamthaft eine solche in der Grössenordnung von 20
%
(
Urk.
7/259 S. 57 und S. 71).
Diese Einschätzung ist anhand der einschlägigen Tabelle 5 der Suva-Richtlinien («Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten»)
nach
vollziehbar. Sie wurde vom Beschwerdeführer als solche denn auch nicht gerügt, sondern er liess lediglich geltend machen, die Integritätsentschädigung sei deshalb zu erhöhen, weil zusätzlich den psychischen Unfallfolgen Rechnung zu tragen sei (
Urk.
1 S. 10).
Diesem Vorbringen kann indes nicht gefolgt werden, da die Beschwerdegegnerin für die nicht unfalladäquaten psychischen Beschwerden auch im Rahmen des Integritätsschadens nicht einzustehen hat.
8.
Aufgrund dieser Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Peter
Bolzli
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrKobel