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**Case Identifier:** b8430a37-f289-5391-af29-826d6e39c79f
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-04
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 04.12.2008 BV.2008.10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BV-2008-10_2008-12-04.pdf

## Full Text

Entscheid vom 4. Dezember 2008 
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, 
Tito Ponti und Alex Staub, 
Gerichtsschreiber Stefan Graf 

   
 
Parteien 

  
1. A., 
2. B. AG, 
 
beide vertreten durch Rechtsanwalt Urs Bölsterli, 

 
Beschwerdeführer 

 
 gegen 
   

EIDGENÖSSISCHE STEUERVERWALTUNG, 
 

Beschwerdegegnerin 
 

Gegenstand  Akteneinsicht (Art. 114 Abs. 2 DBG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BV.2008.10 und BV.2008.11 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Sachverhalt: 
 

A. Am 25. Februar 2003 ermächtigte der Vorsteher des Eidgenössischen Fi-
nanzdepartements die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend 
„ESTV“), Abteilung Strafsachen und Untersuchungen (nachfolgend „ASU“) 
eine besondere Steueruntersuchung im Sinne der Art. 190 ff. des Bundes-
gesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG; 
SR 642.11) gegen A., die B. AG, die C. SA, D. und weitere Personen we-
gen Verdachts auf schwere Steuerwiderhandlungen durchzuführen. Nach 
ersten Ermittlungen wurde das Verfahren getrennt. Unter anderem wurde je 
eine getrennte Untersuchung gegen A. und die B. AG sowie gegen D. und 
die C. SA durchgeführt. Im Verlauf des Verfahrens wurde D. am 26. Okto-
ber 2005 und am 12. Dezember 2006 von der ASU einvernommen 
(act. 7.1, 7.2). In der Folge wurden die nach Abschluss der Untersuchung 
gegen A. und die B. AG am 14. Mai 2008 erstellten Berichte den beiden 
Beschuldigten und den interessierten kantonalen Behörden am 15. Mai 
2008 von der ESTV zugestellt. 

 
 
B. A. und die B. AG verlangten am 12. Juni 2008 von der ASU Einsicht in die 

vollständigen Einvernahmeprotokolle von D. vom 26. Oktober 2005 und 
12. Dezember 2006 (act. 1.3, Beilage 2). Mit Schreiben vom 17. Juni 2008 
wies die ASU dieses Begehren ab (act. 1.3, Beilage 1), worauf A. und die 
B. AG am 23. Juni 2008 beim Direktor der ESTV Beschwerde führten, mit 
dem Antrag, Einsicht in die entsprechenden Protokolle nehmen zu dürfen 
(act. 1.3). Die Beschwerde wurde vom Direktor der ESTV am 23. Juli 2008 
abgewiesen (act 1.1). 

 
 

C. Gegen diesen Entscheid gelangten A. und die B. AG mit Beschwerde vom 
28. Juli 2008 an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit den 
Anträgen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und der untersu-
chende Beamte der ASU anzuweisen, die vollständigen Protokolle der Ein-
vernahmen von D. vom 26. Oktober 2005 und 12. Dezember 2006 den Be-
schwerdeführern zur Einsichtnahme vorzulegen, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen (act. 1). Mit Eingabe vom 14. August 2008 ergänzten A. 
und die B. AG ihre Beschwerde vom 28. Juli 2008 (act. 5). 
 
In der Beschwerdeantwort vom 26. August 2008 beantragte die ESTV, die 
Beschwerde sei kostenfällig abzuweisen (act. 7). 
 

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In der Beschwerdereplik vom 25. September 2008 hielten A. und die B. AG 
an ihren in der Beschwerde vom 28. Juli 2008 gestellten Anträgen unver-
ändert fest (act. 11). Die Beschwerdereplik wurde der ESTV am 26. Sep-
tember 2008 zur Kenntnis gebracht (act. 12). 
 
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen eingegangen. 
 
 
 
Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.  
1.1 Gemäss Art. 191 Abs. 1 DBG richtet sich das Verfahren wegen des Ver-

dachts schwerer Steuerwiderhandlungen gegenüber dem Täter, dem Gehil-
fen und dem Anstifter nach den Artikeln 19 - 50 VStrR. 

 
Gegen einen Beschwerdeentscheid im Sinne von Art. 27 Abs. 2 VStrR 
kann bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde 
geführt werden (Art. 27 Abs. 3 VStrR i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. d SGG sowie 
Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafge-
richt; SR 173.710). Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch den Be-
schwerdeentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen 
Aufhebung oder Änderung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR). Die Beschwerde ge-
gen einen Beschwerdeentscheid ist innert drei Tagen seit dessen Eröff-
nung bei der zuständigen Behörde schriftlich mit Antrag und kurzer Be-
gründung einzureichen (Art. 28 Abs. 3 VStrR). Während mit der Beschwer-
de gegen Zwangsmassnahmen auch die unrichtige oder unvollständige 
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessen-
heit gerügt werden kann (Art. 28 Abs. 2 VStrR), ist die Beschwerde gegen 
gestützt auf Art. 27 VStrR ergangene Beschwerdeentscheide nur wegen 
Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Miss-
brauch des Ermessens möglich (Art. 27 Abs. 3 VStrR). 
 

1.2 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Entscheid der Be-
schwerdegegnerin vom 23. Juli 2008. Die Beschwerdeführer sind durch 
den Beschwerdeentscheid berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse 
an dessen Aufhebung; auf deren im Übrigen frist- und formgerecht erhobe-
ne Beschwerde ist daher einzutreten. 

 

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1.3  
1.3.1 Zwischen den Parteien umstritten ist jedoch die Frage, ob auch die Einga-

be vom 14. August 2008, mit welcher die Beschwerdeführer ihre Be-
schwerde ergänzten, innerhalb der gesetzlichen Beschwerdefrist erfolgte. 
Die Beschwerdeführer berufen sich diesbezüglich auf die Gerichtsferien 
nach Art. 31 Abs. 1 VStrR i.V.m. Art. 22a VwVG. Die Beschwerdegegnerin 
ihrerseits ist der Auffassung, dass der Gesetzgeber bei der Schaffung von 
Gerichtsferien gemäss Art. 22a VwVG nicht an den Verweis im VStrR ge-
dacht habe bzw. dass die Schaffung von Gerichtsferien auch für das Ver-
waltungsstrafverfahren einem gesetzgeberischen Versehen gleichkäme. In-
folgedessen sei der Nachtrag zur Beschwerde vom 14. August 2008 nicht 
fristgerecht erfolgt, weshalb diesen ergänzenden Ausführungen im vorlie-
genden Verfahren keine Beachtung geschenkt werden dürfe (act. 7, S. 2). 

 
1.3.2 Die Fristbestimmung bezüglich Beschwerden im Bereich des Verwaltungs-

strafrechts durch die I. Beschwerdekammer zeigt bisher ein wenig einheitli-
ches Bild. Währenddem sie zu Beginn ihrer Rechtsprechung zur Berech-
nung der Fristen von der Anwendbarkeit der Bestimmungen des VwVG 
auszugehen schien (TPF BV.2005.21 vom 18. Juli 2005 E. 1, BK_B 164/04 
vom 5. Januar 2005 E. 1.2, BK_B 171/04 vom 3. Dezember 2004 E. 2, 
BK_B 136/04 vom 9. November 2004 E. 1 und BK_B 118/04 vom 6. Okto-
ber 2004 E. 2), stützte sie sich später auf die Bestimmungen des mittlerwei-
le aufgehobenen Bundesgesetzes vom 16. Dezember 1943 über die Orga-
nisation der Bundesrechtspflege (Bundesrechtspflegegesetz, OG; TPF 
BV.2006.68 vom 27. Oktober 2006 E. 1.3, BV.2006.45 vom 19. Oktober 
2006 E. 1.2, BV.2006.36 vom 4. Oktober 2006 E. 1.2 und BV.2006.54 vom 
29. September 2006 E. 1.3), um in ihrem diesbezüglich neusten Entscheid 
wieder die Bestimmungen des VwVG anzuwenden (TPF BV.2007.15 vom 
11. Januar 2008). 

 
Art. 31 Abs. 1 VStrR, welcher sich systematisch innerhalb der allgemeinen 
Verfahrensbestimmungen des Verwaltungsstrafrechts befindet, erklärt für 
die Berechnung der Fristen, die Fristverlängerung und die Wiederherstel-
lung gegen die Folgen der Fristversäumnis die Art. 20 - 24 VwVG für sinn-
gemäss anwendbar. Die Fristen im gerichtlichen Verfahren anderseits soll-
ten sich nach dem einschlägigen eidgenössischen oder kantonalen Recht 
richten (Art. 31 Abs. 2 VStrR). Das Beschwerdeverfahren vor der I. Be-
schwerdekammer ist als ein solches gerichtliches Verfahren zu betrachten 
(vgl. für die analoge Situation der Anklagekammer des Bundesgerichts als 
früher zuständige Beschwerdeinstanz HAURI, Verwaltungsstrafrecht, Bern 
1998, S. 89 mit Hinweis auf BGE 107 IV 72 E. 2 S. 74). Im Gegensatz zur 
früheren Anklagekammer, die verfahrensrechtlich dem Bundesrechtspfle-

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gegesetz (OG) unterstand, kann die I. Beschwerdekammer nicht auf ein ei-
genes Organisations- bzw. Verfahrensgesetz zurückgreifen, welches die 
Frage der Fristberechnung ausdrücklich regelt. Vielmehr verweist Art. 30 
lit. a SGG wieder zurück auf das VStrR. Aus diesem Grund ist es ange-
zeigt, für die Frage der Fristberechnung in den Beschwerdeverfahren nach 
Art. 25 ff. VStrR vor der I. Beschwerdekammer grundsätzlich Art. 20 - 24 
VwVG anzuwenden. 

 
1.3.3 Damit ist jedoch noch nichts gesagt zur Frage nach der Geltung von Ge-

richtsferien gemäss Art. 22a VwVG im Bereich des Verwaltungsstrafrechts. 
Bei der Schaffung des VStrR waren Gerichtsferien offenbar kein Thema; 
Art. 22a VwVG wurde auch erst rund 16 Jahre nach Inkrafttreten des VStrR 
erlassen. Entsprechend sind denn auch der Botschaft vom 21. April 1971 
zum Entwurf eines Bundesgesetzes über das Verwaltungsstrafrecht 
(BBl 1971 I S. 993 ff.) diesbezüglich keine Ausführungen zu entnehmen. 
Mit der Beschwerdegegnerin ist weiter zumindest darin übereinzustimmen, 
dass der Gesetzgeber bei der Schaffung von Gerichtsferien nach Art. 22a 
VwVG nicht an die Beschwerdeverfahren nach Art. 25 ff. VStrR gedacht 
hat. Dies insbesondere auch, da die zu jenem Zeitpunkt als Beschwerdein-
stanz fungierende Anklagekammer des Bundesgerichts diesbezüglich oh-
nehin die Bestimmungen des OG zur Anwendung brachte (vgl. oben 
E. 1.3.2). In Anwendung von Art. 34 Abs. 2 OG, wonach der Stillstand von 
Fristen in Strafsachen und in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen nicht 
galt, ist daher davon auszugehen, dass im Verfahren vor der Anklagekam-
mer des Bundesgerichts als Beschwerdeinstanz im Verwaltungsstrafrecht 
bis zu deren Ersatz durch die I. Beschwerdekammer per 1. April 2004 keine 
Gerichtsferien galten. 
 
Der Wortlaut des nunmehr im Verfahren vor der I. Beschwerdekammer an-
wendbaren Art. 22a VwVG sieht demgegenüber Gerichtsferien vor. Das 
Gesetz ist in erster Linie nach seinem Wortlaut auszulegen. Vom klaren 
Wortlaut darf nur abgewichen werden, wenn triftige Gründe zur Annahme 
berechtigen, dass die Bestimmung nicht nach ihrem wahren Sinn wieder-
gegeben ist, oder wenn das Gesetz in störender Weise dem Gerechtig-
keitsgedanken zuwiderläuft (u. a. bei HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schwei-
zerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 31 N. 2 m.w.H.). 
 
Im Falle des durch den Verweis in Art. 31 VStrR auch auf die Verfahren vor 
der I. Beschwerdekammer grundsätzlich anwendbaren Art. 22a VwVG be-
stehen tatsächlich triftige Gründe zur Annahme, dass die Beachtung von 
Gerichtsferien nicht der Intention des Gesetzgebers entspricht. Wie bereits 
erwähnt waren die Gerichtsferien unter der Verfahrensherrschaft der ehe-

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maligen Anklagekammer des Bundesgerichts von Gesetzes wegen ausge-
schlossen. In Anbetracht des in Strafsachen stets zu beachtenden und 
auch im Völkerrecht verankerten Beschleunigungsgebots (Art. 6 Ziff. 1 
EMRK, Art. 5 Ziff. 3 EMRK für Haftsachen) ist dies auch gerechtfertigt. Der 
entsprechende Grundsatz beansprucht denn auch im schweizerischen 
Landesrecht Verfassungsrang (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 31 Abs. 3 BV in Haft-
sachen; vgl. zum Ganzen das Urteil des Bundesgerichts 1B_154/2007 vom 
14. September 2007 E. 1.2). Gemäss dem vom Gesetzgeber verabschie-
deten Art. 31 Abs. 2 VStrR in der Fassung vom 5. Oktober 2007 (vgl. 
Schweizerische Strafprozessordnung [StPO] vom 5. Oktober 2007 An-
hang I Ziff. 11) richten sich die Fristen im gerichtlichen Verfahren künftig 
nach der StPO. Gemäss Art. 89 Abs. 2 StPO gibt es im Strafverfahren kei-
ne Gerichtsferien. Zu beachten ist diesbezüglich der viel sagende Hinweis 
in den dazugehörigen Materialien: „Die vorgeschlagenen Regeln (gemeint 
sind Art. 87 - 92 des Entwurfs der schweizerischen Strafprozessordnung) 
entsprechen auch hier im Wesentlichen den geltenden Prozessordnungen 
und bedürfen deshalb keiner eingehenden Erläuterung.“ (Botschaft zur 
Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, 
BBl 2006 S. 1158). 
 
Die Beachtung der Gerichtsferien gemäss Art. 22a VwVG in den Be-
schwerdeverfahren gemäss Art. 25 ff. VStrR vor der I. Beschwerdekammer 
zöge daher bis zum Inkrafttreten der schweizerischen Strafprozessordnung 
vom 5. Oktober 2007 ein letztlich nicht überzeugendes, mit Verfassungs- 
und Völkerrecht unvereinbares verfahrensrechtliches Interregnum nach 
sich. Dies kann nicht dem Willen des Gesetzgebers entsprechen. 
 
Mit der Publikation des vorliegenden Entscheides wird diese Rechtspre-
chung wie eine Praxisänderung angekündigt und damit in allen künftigen 
Beschwerdeverfahren nach Art. 25 ff. VStrR vor der I. Beschwerdekammer 
anwendbar. 
 
Diese neue Praxis weicht – wie gesagt – vom Wortlaut des Gesetzes ab. 
Die Beschwerdeführer durften sich deshalb nach Treu und Glauben (Art. 5 
Abs. 3 und Art. 9 BV) darauf verlassen, dass auch im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren Gerichtsferien gelten. Die Auslegung der I. Beschwer-
dekammer war für sie nicht voraussehbar, weshalb ihnen daraus keine 
Nachteile erwachsen dürfen. Dies hat zur Folge, dass die I. Beschwerde-
kammer die unter Beachtung des Fristenstillstands fristgerecht eingereichte 
Ergänzung der Beschwerde vom 14. August 2008 – ausnahmsweise – als 
rechtzeitig akzeptiert. 
 

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2.  
2.1 Die Beschwerdegegnerin verweigerte den Beschwerdeführern gestützt auf 

Art. 114 DBG die nachgesuchte Einsicht in die vollständigen Einvernahme-
protokolle von D. vom 26. Oktober 2005 bzw. vom 12. Dezember 2006 mit 
der Begründung, dass sich die Ausführungen im Schlussbericht nur auf die 
den Beschwerdeführern offen gelegten Beweise stützten. Einer weiter ge-
henden Akteneinsicht stehe das Steuergeheimnis entgegen. 

 
2.2 Das Recht auf Akteneinsicht ist Ausfluss des in Art. 29 Abs. 2 BV bzw. 

Art. 6 Ziff. 3 EMRK festgehaltenen verfassungsrechtlichen Anspruchs auf 
rechtliches Gehör. Daraus ergibt sich, dass die Produktion von Beweismit-
teln für den Angeklagten, wie auch für das Gericht nachvollziehbar sein 
muss. Der Angeklagte hat grundsätzlich das uneingeschränkte Recht, in al-
le für das Verfahren wesentlichen Akten Einsicht zu nehmen. Das Akten-
einsichtsrecht soll sicherstellen, dass der Angeklagte als Verfahrenspartei 
von den Entscheidgrundlagen Kenntnis nehmen und sich wirksam und 
sachbezogen verteidigen kann (BGE 129 I 85 E. 4.1. S. 88 f. m.w.H.). 
Art. 193 Abs. 3 DBG bestimmt in Zusammenhang mit besonderen Untersu-
chungsmassnahmen der eidgenössischen Steuerverwaltung, dass sich das 
Recht auf Akteneinsicht nach Abschluss der Untersuchung nach Art. 114 
DBG richtet. Die übrigen Akten stehen dem Steuerpflichtigen zur Einsicht 
offen, sofern die Ermittlung des Sachverhalts abgeschlossen ist und soweit 
nicht öffentliche oder private Interessen entgegenstehen (Art. 114 Abs. 2 
DBG). Zu den übrigen Akten zählen Akten, welche nicht vom Steuerpflich-
tigen eingereicht oder unterzeichnet wurden (Art. 114 Abs. 1 DBG e contra-
rio) und die gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die Verfügung 
oder den Entscheid wesentlich sind, mithin solche, welche Grundlage des 
Entscheides bilden, das heisst auf welche in der Verfügung oder im Ent-
scheid abgestellt wurde (ZWEIFEL, in Zweifel/Athanas, Kommentar zum 
Schweizerischen Steuerrecht, I/2b Bundesgesetz über die direkte Bundes-
steuer [DBG Art. 83 – 222], Basel 2000, Art. 114 N. 20 m.w.H.; BRUNNER, in 
Auer/Müller/Schindler, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren (VwVG), Zürich/St. Gallen 2008, Art. 26 N. 33). Schutzwür-
dige private Interessen, welche dem Akteneinsichtsrecht entgegenstehen 
können, betreffen regelmässig am Verfahren nicht beteiligte Drittpersonen. 
Wird dem Beschuldigten das Recht auf Akteneinsicht verweigert, gilt der 
Massstab der Verhältnismässigkeit, da mit der Verweigerung in ein Grund-
recht des Betroffenen eingegriffen wird. Die Verweigerung der Aktenein-
sicht muss folglich geeignet sein, den angestrebten Schutz von Drittinte-
ressen zu gewährleisten, und darf in personeller, sachlicher und zeitlicher 
Hinsicht nicht über das dazu Notwendige hinausgehen. Verlangt wird der 
mildeste Eingriff, welcher zur Erreichung des angestrebten Schutzzwecks 

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notwendig ist. Erforderlich ist somit eine einzelfallbezogene Interessenab-
wägung zwischen dem Interesse der Drittperson an Geheimhaltung und 
dem Interesse des Steuerpflichtigen an umfassendem Einblick in die ver-
fahrensrelevanten Akten. Das Interesse der Partei an Akteneinsicht ist um-
so höher zu gewichten, je direkter sie im Verfahren in ihren persönlichen 
Verhältnissen betroffen ist, je stärker das Verfahrensergebnis von ihrer 
Stellungnahme abhängt und je stärker auf ein Dokument zu ihrem Nachteil 
abgestellt wird (ZWEIFEL, a.a.O., Art. 114 N. 26 und 28; BRUNNER, a.a.O., 
Art. 27 N. 5 ff.). 

 
2.3 Unbestritten ist, dass beide Einvernahmeprotokolle von D. zu den Akten 

des Verfahrens gehören, welches gegen die Beschwerdeführer geführt 
wird. Ebenfalls unbestritten ist, dass die Untersuchung durch die ASU ge-
gen die Beschwerdeführer abgeschlossen und der Untersuchungsbericht 
gemäss Art. 193 Abs. 1 DBG den Beschwerdeführern zugestellt wurde. 
Das Recht auf Akteneinsicht richtet sich demzufolge nach Art. 193 Abs. 3 
i.V.m. Art. 114 DBG. Dieses Vorgehen verschlechtert die verfahrensrechtli-
che Position der Beschwerdeführer bezüglich des Rechts auf Akteneinsicht 
nicht. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gewährt Art. 29 BV 
dem Bürger in allen Streitsachen ein bestimmtes Mindestmass an Verteidi-
gungsrechten, wobei es bezüglich dieser Minimalanforderungen keine Rol-
le spielt, ob es sich um ein Zivil-, Straf-, oder Verwaltungsverfahren handelt 
(BGE 119 Ib 12 E. 3b; vgl. auch Art. 191 Abs. 1 DBG i.V.m. Art. 36 VStrR 
und Art. 26 ff. VwVG bzgl. Akteneinsicht während der Untersuchung). Wei-
ter zählen die Protokolle der Einvernahmen von D. vom 26. Oktober 2005 
und 12. Dezember 2006 zu den so genannten übrigen Akten. 

 
2.4 Zu prüfen ist daher vorab, ob der nachgesuchten Akteneinsicht überwie-

gende öffentliche oder private Interessen entgegenstehen. Sofern die Be-
schwerdegegnerin in ihrem angefochtenen Entscheid diesbezüglich zuerst 
die Prüfung vornimmt, ob sich die Ausführungen in ihrem Schlussbericht 
nur auf solche Beweise stützen, die auch den Beschwerdeführern offen ge-
legt wurden (act. 1.1, S. 3 Ziff. 3), übersieht sie, dass dieses Kriterium ge-
mäss Art. 114 Abs. 3 DBG lediglich die Konsequenz einer auf Grund ent-
gegen gesetzter Interessen verweigerten Akteneinsicht darstellt, nicht je-
doch die Voraussetzung einer solchen. 

 
Als überwiegendes privates Interesse, welches dem umfassenden Recht 
auf Akteneinsicht der Beschwerdeführer entgegenstehen soll, macht die 
Beschwerdegegnerin das Steuergeheimnis von D. geltend. Es ist deshalb 
zu prüfen, ob ein Interesse von D. an Geheimhaltung ihrer Aussagen vor 
den Beschwerdeführern besteht. Zunächst ist zu bemerken, dass die Be-

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schwerdegegnerin im vorliegenden Fall nicht genügend klar darlegt, welche 
Daten in welcher Form unter das Steuergeheimnis von D. fallen. Ange-
sichts der Tatsache, dass D. und die Beschwerdeführer offensichtlich in 
sehr engem geschäftlichem Kontakt standen - so kaufte beispielsweise ei-
ner der Beschwerdeführer zusammen mit D. im August 1994 die C. SA 
(act. 7.1, Frage 14) - ist klar, dass gewisse Informationen den Beschwerde-
führern bereits aus vergangener geschäftlicher Beziehung bekannt sind 
und im heutigen Zeitpunkt nicht mehr schützenswert sind. Die Beschwer-
degegnerin verweigerte den Beschwerdeführern lediglich mit einem pau-
schalen und in nicht genügender Weise substantiierten Verweis auf das 
Steuergeheimnis von D. das für ihre Verteidigung essentielle Recht auf Ak-
teneinsicht. Des Weiteren führte die Beschwerdegegnerin ihre ersten Er-
mittlungen im Februar 2005 gemeinsam gegen D. und die Beschwerde-
gegner durch. Erst im Nachhinein trennte sie die Untersuchung in zwei se-
parate Verfahren. Dies lässt drauf schliessen, dass die Beschwerdegegne-
rin selber davon ausging, dass es sich beim Gegenstand der Untersuchung 
wegen des Verdachts schwerer Steuerwiderhandlungen um einen einheitli-
chen Lebenssachverhalt handelte, bei welchem die Beteiligten offenbar zu-
sammen wirkten. Die Beschwerdeführer und D. waren offensichtlich Ge-
schäftspartner, so dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 
davon ausgegangen werden kann, dass beide Seiten über ihre gegenseiti-
gen Kontakte sowie über die jeweilige geschäftliche Einkommens- und 
Vermögenssituation der anderen informiert waren. Aus diesem Grund be-
steht nur ein sehr geringes Interesse an der Geheimhaltung der Steuerda-
ten. Dass das Steuergeheimnis von D. bereits in der Vergangenheit keine 
grosse Rolle spielte, zeigt auch das Beispiel der gemeinsamen Einvernah-
me von D. und den Beschwerdeführern im November 2007, an der, wie die 
Beschwerdegegnerin selbst bemerkte (act. 7, S. 3), von keiner der beteilig-
ten Parteien ein Interesse an Geheimhaltung geltend gemacht wurde. Dar-
aus folgt, dass in Abwägung der auf dem Spiel stehenden Interessen das 
Interesse der Beschwerdeführer an umfassendem Einblick in die verfah-
rensrelevanten Aussagen den Vorzug gegenüber dem Schutz des Steuer-
geheimnisses von D. verdient. Die Beschwerdeführer sind in vorliegendem 
Verfahren relativ stark in ihren persönlichen Verhältnissen betroffen. Sie 
werden verdächtigt, schwere Steuerwiderhandlungen im Sinne von Art. 190 
Abs. 1 DBG begangen zu haben und müssen mit einem Verwaltungsstraf-
verfahren vor den kantonalen Behörden rechnen. Des Weiteren machen 
die Beschwerdeführer in glaubhafter Weise geltend, dass das Verfahrens-
ergebnis von ihrer Stellungnahme zu noch nicht eingesehenen Aussagen 
von D. abhängt. Auch wenn die Beschwerdegegnerin sich in ihrem Unter-
suchungsbericht nur auf die zur Einsicht freigegebenen Akten stützt, ist es 
nicht zulässig, den Beschwerdeführern Aussagen, welche sie direkt oder 

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indirekt betreffen und für ein allfälliges Urteil gegen sie von Relevanz sein 
könnten, vorzuenthalten. Im Hinblick auf eine wirksame und sachbezogene 
Verteidigung muss es ihnen möglich sein, auch in solche Akten Einsicht zu 
nehmen. Das Interesse der Beschwerdeführer an ihrer effizienten Verteidi-
gung ist infolgedessen höher zu gewichten als das Geheimhaltungsinteres-
se von D. 

 
2.5 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, der angefochtene 

Entscheid aufzuheben und es ist den Beschwerdeführern die vollständige 
Einsicht in die Einvernahmeprotokolle von D. vom 26. Oktober 2005 und 
12. Dezember 2006 zu gewähren (inklusive allfälligen Vorhalten und/oder 
Beilagen). 
 
 

3.  
3.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden keine Gerichtskosten erhoben 

(Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG). Die Bundesstrafgerichts-
kasse hat den Beschwerdeführern den geleisteten Kostenvorschuss in der 
Höhe von Fr. 3'000.-- zurückzuerstatten. 
 

3.2 Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführern eine Parteientschä-
digung in der Höhe von Fr. 1’500.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) zu leisten 
(Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. 68 Abs. 1 BGG und Art. 3 des Reglements vom 
26. September 2006 über die Entschädigung in Verfahren vor dem Bun-
desstrafgericht; SR 173.711.31). 

 

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Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefochtene Entscheid wird 

aufgehoben. 
 
2. Die Beschwerdegegnerin wird angewiesen, den Beschwerdeführern  vollum-

fängliche Einsicht in die Einvernahmeprotokolle von D. vom 26. Oktober 
2005 und vom 12. Dezember 2006 zu gewähren (inklusive allfälligen Vorhal-
ten und/oder Beilagen). 

 
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. Die Bundesstrafgerichtskasse hat 

den Beschwerdeführern den geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- 
zurückzuerstatten. 

 
4. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat den Beschwerdeführern für das 

Verfahren vor der I. Beschwerdekammer eine Parteientschädigung von 
Fr. 1’500.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) zu leisten. 

 
 

Bellinzona, 5. Dezember 2008 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Urs Bölsterli 
- Eidgenössische Steuerverwaltung 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide der I. Beschwerdekammer über Zwangsmassnahmen kann innert 30 Tagen 
nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde geführt werden 
(Art. 79 und 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005; BGG). 
Das Verfahren richtet sich nach den Artikeln 90 ff. BGG. 

Eine Beschwerde hemmt den Vollzug des angefochtenen Entscheides nur, wenn der 
Instruktionsrichter oder die Instruktionsrichterin es anordnet (Art. 103 BGG).