# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f6665b9-69c8-52d8-bc14-410c410f50d5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.08.2008 E-7561/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7561-2007_2008-08-26.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-7561/2007/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richter Hans Schürch, 
Richter Maurice Brodard, 
Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.

A._______, alias 
B._______, Irak,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des 
BFM vom 9. Oktober 2007 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-7561/2007

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer den Irak am 
15. Juli 2006 und gelangte am 31. Juli 2006 in die Schweiz, wo er glei-
chentags ein Asylgesuch einreichte. Am 4. August 2006 wurde er im 
Empfangszentrum C._______ erstmals befragt. Das BFM hörte ihn am 
29. August 2006 direkt zu den Asylgründen an. Im Wesentlichen mach-
te der Beschwerdeführer geltend, er stamme aus D._______, Provinz 
Sulaymanyia und sei kurdischer Ethnie. 

B.
Mit Verfügung vom 4. September 2006 stellte das BFM fest,  der Be-
schwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das 
Asylgesuch  ab  und  verfügte  gleichzeitig  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz. Infolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ordne-
te  das  BFM die  vorläufige  Aufnahme des Beschwerdeführers  in  der 
Schweiz  an. Mangels  Anfechtung  erwuchs  die  Verfügung  in  Rechts-
kraft.

C.
Mit Schreiben vom 21. Juni 2007 teilte das BFM dem Beschwerdefüh-
rer mit, aufgrund der veränderten Sicherheits- und Menschenrechtsla-
ge in den drei nordirakischen Provinzen Dohuk, Erbil und Sulaymanyia 
beabsichtige es, die seinerzeit angeordnete vorläufige Aufnahme auf-
zuheben. Sodann gewährte es dem Beschwerdeführer Frist zur Einrei-
chung einer Stellungnahme. 

D.
Am 12. Juli 2007 reichte der Beschwerdeführer die einverlangte Stel-
lungnahme zu den Akten und führte aus, anlässlich der Befragungen 
habe er eine wesentliche Tatsache verschwiegen. Er sei aus privaten 
Gründen aus dem Heimatstaat ausgereist. Er habe eine Beziehung mit 
einer Cousine unterhalten und habe von deren Vater die Einwilligung 
zur Heirat nicht  erhalten. Seine Geliebte sei  von ihm schwanger ge-
worden. Nachdem ihre Verwandten von der Schwangerschaft Kenntnis 
erhalten  hätten,  sei  seine  Freundin  getötet  worden.  Die  männlichen 
Verwandten  seiner  Geliebten  würden  nun  auch  nach  seinem Leben 
trachten. 

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E.
Mit Verfügung vom 9. Oktober 2007 - eröffnet am 11. Oktober 2007 - 
hob das BFM die mit Verfügung vom 4. September 2006 angeordnete 
vorläufige Aufnahme auf und setzte dem Beschwerdeführer Frist zum 
Verlassen der Schweiz.

F.
Mit Beschwerde vom 8. November 2007 (Poststempel) beantragte der 
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Verfügung des 
BFM vom 9. Oktober 2007 sei aufzuheben. Es sei festzustellen, dass 
die Wegweisung unzumutbar sei. Die Vorinstanz sei  anzuweisen, die 
vorläufige Aufnahme zu verlängern. Auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sei zu verzichten und es sei die unentgeltliche Rechtspflege 
zu gewähren. 

G.
Mit  Zwischenverfügung  vom  13.  November  2007  hiess  der  Instruk-
tionsrichter  das  Gesuch um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechts-
pflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Vorbehalt des Nachreichens 
einer Fürsorgebestätigung gut und verzichtete auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses. Sodann setzte er dem Beschwerdeführer Frist zur 
Einreichung des Originals des sich in Kopie bei den Akten befindlichen 
fremdsprachigen Dokuments (angeblich Schwangerschaftstest) sowie 
weiterer  Beweismittel  für  die geltend gemachte Beziehung zu seiner 
Cousine. Innert  der angesetzten Frist gab der Beschwerdeführer das 
Original  sowie die deutsche Übersetzung sowie eine Mittellosigkeits-
erklärung des E._______ vom 15. November 2007 zu den Akten.

H.
Das BFM beantragte in der Vernehmlassung vom 19. Dezember 2007 
die Abweisung der Beschwerde. Mit  Zwischenverfügung vom 20. De-
zember 2007 unterbreitete der Instruktionsrichter dem Beschwerdefüh-
rer  die  Vernehmlassung  zur  Stellungnahme.  Innert  der  angesetzten 
Frist reichte dieser am 27. Dezember 2007 die Replik ein.

I.
Mit  Schreiben vom 17. April  2008 und 23. Mai  2008 reichte der Be-
schwerdeführer  Unterlagen  betreffend  Ehrenmorde  in  Kurdistan  zu 
den Akten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in die-
sem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  und hat  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, 
50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Das BFM hebt die vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug 
der Weg- oder Ausweisung an, wenn die Voraussetzungen nicht mehr 
gegeben sind (Art. 84 Abs. 2  des Bundesgesetzes über die  Auslän-
derinnen und Ausländer vom 16. Dezember  2005  [AuG, SR142.20]). 
Die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme sind nicht mehr ge-
geben, wenn der Vollzug der rechtskräftig angeordneten Wegweisung 
zulässig (Art. 83 Abs. 3 AuG) und es der ausländischen Person mög-
lich (Art. 83 Abs. 2 AuG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AuG) ist, sich 
rechtmässig in ihren Heimat-, in den Herkunftsstaat oder in einen Dritt-
staat zu begeben. 

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3.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

3.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  -  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

4.
4.1 In der angefochtenen Verfügung wird ausgeführt, der Beschwerde-
führer stamme aus Suleymanyia. In den drei von der kurdischen Re-
gionalregierung kontrollierten Provinzen Dohuk, Erbil und Sulaymanyia 
sei  die  Sicherheitslage stabil.  Eine nachhaltige  Verschlechterung sei 
aus heutiger Sicht nicht zu erwarten. Bereits seien über 400 Personen 
mit Rückkehrhilfe des BFM in den Irak zurückgekehrt. Zudem würden 
mehrere direkte Flugverbindungen aus dem Ausland in den Nordirak 
bestehen,  womit  die Rückkehrenden nicht  via  den Zentralirak reisen 
müssten.  Weiter hält das BFM fest, bereits in der Verfügung 4. Sep-
tember 2006 habe es dargelegt, dass die Vorbringen des Beschwerde-

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führers,  wonach  er  ein  Leben  ohne  Elektrizität,  fliessendes  Wasser 
und ohne Bildung nicht mehr ertragen könne,  nicht asylrelevant seien. 
Die  neu geltend gemachte  Beziehung zu seiner  Cousine und deren 
Tötung infolge einer Schwangerschaft  sei  als haltloses, nachgescho-
benes  Vorbringen zu  qualifizieren. Es  sei  nicht  einsichtlich,  weshalb 
der Beschwerdeführer  einen dermassen einschneidenden Vorfall  wie 
einen Mord an seiner von ihm schwangeren Geliebten nicht bereits bei 
seiner  Einreise angeführt  habe. Sodann habe der Beschwerdeführer 
den grössten Teil seines Lebens in der Provinz Sulaymanyia verbracht. 
Er  sei  deshalb  mit  Sprache,  Kultur,  Lebens-  und  Arbeitsweisen  an 
seinem Herkunftsort  bestens vertraut. Die letzten Jahre vor der Aus-
reise habe er zusammen mit seiner Familie in der Landwirtschaft ge-
arbeitet.  Er  sollte  daher  nach  seiner  Rückkehr  in  der  Lage  sei,  die 
Sicherung seiner Existenz selbständig zu erarbeiten. Zudem verfüge 
er  mit  seinen Eltern und vier  Geschwistern,  die nach wie vor in  der 
Provinz Sulaymanyia leben würden, über ein soziales Beziehungsnetz, 
das ihm zumindest in einer Anfangsphase unterstützend zur Seite ste-
hen könne. Überdies sei  darauf  hinzuweisen,  dass der Beschwerde-
führer bei fristgemässer Ausreise vom Angebot der Rückkehrhilfe Ge-
brauch machen könne, was ihm die Reintegration erleichtern dürfte. 

4.2 In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  die  vorinstanzliche  Lageein-
schätzung unter Hinweis auf  die täglichen Medienberichte bestritten. 
Es sei jederzeit mit einem Einmarsch der türkischen Streitkräfte in den 
Nordirak zu rechnen. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer aus 
ärmsten Verhältnissen stamme. Seine Familie wohne in einem Flücht-
lingslager.  Bei  einer  Rückkehr  würde  er  zu  einer  zusätzlichen  Be-
lastung,  welche die  Existenzsicherung der  ganzen Familie  gefährde. 
Wegen der Affäre mit seiner Cousine könne er sodann nicht mehr auf 
den Rückhalt seiner Familie zählen.

4.3 In der Vernehmlassung bewertet das BFM die Lageeinschätzung 
des  Beschwerdeführers  als  übersteigert  dargelegt.  Weiter  führt  das 
BFM aus,  es  sei  sich  bewusst,  dass  die  Reintegration  nicht  einfach 
sein werde und verweist erneut auf die Möglichkeit der Rückkehrhilfe. 
Diesen  Ausführungen  widerspricht  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Replik.

5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht  ist  im  Grundsatzurteil  BVGE 
2008/5 aufgrund einer umfassenden Beurteilung der aktuellen Situa-

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tion  in  den  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Sulaymanyia  und  Erbil 
zum  Schluss  gekommen,  dass  in  diesen  drei  kurdischen  Provinzen 
keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die dortige politische 
Lage nicht dermassen angespannt ist, als dass eine Rückführung dort-
hin als generell unzumutbar betrachtet werden müsste. Zudem ist die 
Region mit Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarstaaten er-
reichbar. Damit entfällt  das Element der unzumutbaren Rückreise via 
Bagdad und anschliessend auf dem Landweg durch den von Gewalt 
heimgesuchten  Zentralirak in  das  durch  die  kurdische  Regional-
regierung  ("Kurdistan  Regional  Government"  [KRG])  dominierte  Ge-
biet. 

Weiter wird im vorerwähnten Urteil  festgehalten, dass die Anordnung 

des Wegweisungsvollzugs  in  der  Regel  für  alleinstehende,  gesunde 

und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus einer der drei Pro-

vinzen stammen und dort  nach wie vor über ein soziales Netz oder 

Parteibeziehungen verfügen, zumutbar ist. Für alleinstehende Frauen 

und für Familien mit Kindern, sowie für Kranke und Betagte ist bei der 

Feststellung der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs grosse Zu-

rückhaltung angebracht (vgl. a.a.O. E. 7.5 und insbesondere 7.5.8). 

5.2  Der Beschwerdeführer macht in der Rechtsmitteleingabe erstmals 
ein  Verhältnis  mit  seiner  Cousine  geltend.  Da  seine  Cousine  einem 
anderen  Mann  versprochen  gewesen  sei,  hätten  sie  nicht  heiraten 
können. Nachdem seine Geliebte von ihm schwanger geworden sei, 
sei sie von ihren Verwandten getötet worden. Das BFM hat bereits in 
der angefochtenen Verfügung am Wahrheitsgehalt dieses Vorbringens 
gezweifelt. Auf Beschwerdeebene hat der Beschwerdeführer das Origi-
nal  des  angeblichen  Schwangerschaftstest  sowie  dessen  deutsche 
Übersetzung eingereicht. Aus der Übersetzung geht  hervor,  dass es 
sich  beim eingereichten Dokument  entgegen den Ausführungen des 
Beschwerdeführers nicht um einen Schwangerschaftstest, sondern um 
einen Generalharnuntersuch bei einem Mann handelt. Vor diesem Hin-
tergrund und weil der Beschwerdeführer trotz entsprechender Auffor-
derung durch den Instruktionsrichter keine weiteren Beweismittel be-
treffend  seinen  Ausführungen  eingereicht  hat,  ist  dieses  Vorbringen 
insgesamt als nicht glaubhaft  zu qualifizieren. Damit entbehren auch 
die weiteren Aussagen des Beschwerdeführers,  wonach er  sich auf-
grund des Verhältnisses mit seiner Cousine vor der Ermordung durch 
die Verwandten seiner Cousine fürchte, jeglicher Grundlage. Sodann 
ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch 

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aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener 
des  UN-Anti-Folterausschusses  hätte  der  Beschwerde-führer  eine 
konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen 
müssen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder 
unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (EMARK) 
2001 Nr. 16  S. 122,  mit  weiteren Hinweisen; EGMR, Bensaid gegen 
Grossbritannien,  Urteil  vom  6.  Februar  2001,  Recueil  des  arrêts  et 
décisions  2001-I,  S. 327  ff.).  Ebenfalls  lässt  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation  im  Nordirak  den  Wegweisungsvollzug  zum 
heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen  (vgl. 
Grundsatzurteil BVGE 2008/4). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der 
Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

5.3 Wie  vorstehend  ausgeführt,  geht  das  Bundesverwaltungsgericht 
davon aus, dass die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung in den 
kurdisch  verwalteten  Nordirak  in  der  Regel  für  junge,  gesunde  und 
alleinstehende kurdische Männer, die dort über ein soziales Netz ver-
fügen,  zumutbar  ist.  Entgegen  der  vom  Beschwerdeführer  in  der 
Rechtsmitteleingabe vertretenen Ansicht, ist die Situation im Nordirak 
heute nicht  derart,  dass eine Wegweisung in  dieses Gebiet  generell 
als unzumutbar angesehen werden müsste. Wie die Vorinstanz bereits 
zutreffend festgestellt hat, handelt es sich beim Beschwerdeführer um 
einen jungen, gesunden Mann, der seit seiner Geburt  in der Provinz 
Sulaymanyia  lebte  und  dort  zusammen mit  seiner  Familie  arbeitete. 
Sodann leben die Eltern  des Beschwerdeführers und seine vier  Ge-
schwister nach wie vor in der Provinz Sulaymanyia. Damit verfügt der 
Beschwerdeführer bei  einer Rückkehr über ein soziales Beziehungs-
netz, welches ihm die Reintegration nach seinem zweijährigen Aufent-
halt in der Schweiz erleichtern kann. Was die geltend gemachte finan-
zielle Belastung für die aus angeblich ärmlichen Verhältnissen stam-
mende Familie des Beschwerdeführers anbelangt, ist dem Bundesver-
waltungsgericht wie der Vorinstanz bewusst,  dass eine Reintegration 
nicht  einfach  ist.  Um  diesen  Umstand  namentlich  in  einer  Anfangs-
phase zu mildern, ist an dieser Stelle erneut auf die Rückkehrhilfe der 
Schweiz zu verweisen, welche der Beschwerdeführer beim BFM bean-

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tragen kann. Zudem ist es dem Beschwerdeführer zuzumuten, sich um 
den Aufbau einer eigenen neuen wirtschaftlichen Existenz zu bemü-
hen. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten jedenfalls, von 
denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  ge-

nügen nicht, um eine Gefahr im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzu-

stellen (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis der Schweizerischen Asyl-

rekurskommission (ARK) in EMARK 1996 Nr. 2 S. 12 f. und 1994 Nr. 

19  E.  6b  S.  148  f.).  Schliesslich  sind  keine  weiteren  individuellen 

Gründe  ersichtlich,  aufgrund  derer  allenfalls  geschlossen  werden 

könnte,  der  Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  der  Rückkehr  in  die 

Heimat in eine existenzbedrohende Situation. Bei dieser Sachlage er-

übrigt es sich, auf die weiteren, nur allgemein gehaltenen Ausführun-

gen in der Rechtsmitteleingabe im Einzelnen einzugehen. Insgesamt 

ist der Vollzug der Wegweisung somit als zumutbar zu bezeichnen.

5.4 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung seines Heimatstaates die für eine Rückkehr not-
wendigen  gültigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4 
AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu be-
zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das BFM den Vollzug der 
Wegweisung zu Recht als durchführbar erklärt und die vorläufige Auf-
nahme aufgehoben hat. 

6.

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 

und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-

schwerde ist daher abzuweisen. 

7.
Mit Zwischenverfügung vom 13. November 2007 hat der Instruktions-

richter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

unter  Vorbehalt  des  Nachreichens einer  Fürsorgebestätigung gutge-

heissen. Am 13. Dezember 2007 hat der Beschwerdeführer die Mittel-

losigkeitsbestätigung vom 15.  November  2007 eingereicht.  Dem Be-

schwerdeführer sind somit keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

(Dispositiv: nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N_______ (in Kopie)
- das F._______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Kurt Gysi Barbara Balmelli

Versand: 

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