# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4d995a2f-5cc4-52b5-b266-e49778b756b8
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-09
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 09.11.2023 SK 2022 527
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-527_2023-11-09.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 22 527

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 9. November 2023 

Besetzung Oberrichter Schmid (Präsident i.V.), 
Obergerichtssuppleant Blaser, Oberrichterin Friederich Hörr
Gerichtsschreiberin Hafner

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. B.________ (Mandat sistiert)
v.d. Rechtsanwalt C.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

D.________
a.v.d. Rechtsanwalt E.________ 

Straf- und Zivilklägerin

und

F.________

Strafklägerin

Gegenstand mehrfache Gefährdung des Lebens, Verletzung der Fürsorge- und 
Erziehungspflicht, mehrfache Nötigung etc.

2

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 2. Juni 2022 (PEN 21 310)

3

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Vorinstanz) eröffnete am 
2. Juni 2022 folgendes Urteil (pag. 1879 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

wegen Beschimpfung, angeblich mehrfach begangen in der Zeit vom 01.05.2019 bis zum 20.05.2019 
in G.________ und H.________, z.N. von F.________ (Ziff. 7 Lemma 3-8 AKS)

wird mangels Vorliegens eines Strafantrags eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. Der Gefährdung des Lebens, mehrfach begangen, so namentlich 

1.1. im Jahr 2018 in H.________, z.N. von I.________ (Ziff. 3 AKS)

1.2. in der Zeit von 2015 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von D.________ (Ziff. 2.2 
AKS)

2. Der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht, begangen in der Zeit von 2014 bis zum 
18.05.2019 in H.________, z.N. von J.________ (bis zu ihrer Volljährigkeit am .________), 
I.________, K.________, D.________ und L.________ (Ziff. 1 AKS)

3. Der qualifizierten einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen, so namentlich 

3.1. am 04.02.2019 in H.________, z.N. von J.________ (Ziff. 4.1 AKS)

3.2. von 2014 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von I.________ (Ziff. 4.2 AKS) 

3.3. von 2014 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von D.________ (Ziff. 2.1 und 4.3 AKS)

3.4. von 2017 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von L.________ (Ziff. 4.4 AKS)

4. Der Nötigung, mehrfach begangen in der Zeit von 2014 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. 
von K.________, D.________ und L.________ (Ziff. 5 AKS)

5. Der Drohung, mehrfach begangen in der Zeit von 21.03.2019 bis zum 20.04.2019 in 
G.________ und H.________, z.N. von F.________ (Ziff. 6 AKS)

6. Der Beschimpfung, mehrfach begangen am 06.04.2019 und am 07.04.2019 in G.________ und 
H.________, z.N. von F.________ (Ziff. 7 Lemma 1 und 2 AKS)

7. Der versuchten Entziehung vom Minderjährigen, begangen am 20.04.2019 in G.________, z.N. 
von F.________ (Ziff. 8 AKS)

4

und in Anwendung der Art. 22, Art. 34, Art. 40, Art. 43, Art. 44, Art. 47, Art. 51, Art. 66a Abs. 1 Bst. b, 
Art. 123 Ziff. 1 und 2, Art. 129, Art. 177, Art. 180 Abs. 1, Art. 181, Art. 219, Art. 220 StGB, 
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren.

Davon ist 1 Jahr zu vollziehen. Für eine Teilstrafe von 2 Jahren wird der Vollzug aufgeschoben 
und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.

Die Untersuchungshaft von 21.05.2019, 08:10 bis 21.05.2019, 19:04 wird im Umfang von einem 
Tag auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

2. Zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 5'400.00.

3. Zu einer Landesverweisung von 7 Jahren.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 17'292.50 und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Rechtspflege) von 
CHF 40'317.10, insgesamt bestimmt auf CHF 57'609.60 (ohne Kosten für die amtliche Verteidi-
gung und die unentgeltliche Rechtspflege CHF 18'400.20).

[Tabellarische Zusammenstellung der Verfahrenskosten]

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 2000.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 55'609.60 (ohne Kosten für die amtliche Ver-
teidigung und die unentgeltliche Rechtspflege CHF 16'400.20).

III.

1. [Festlegung der amtlichen Entschädigung und des vollen Honorars von Rechtsanwalt 
B.________ unter voller Rück- und Nachzahlungspflicht zu Lasten von A.________]

2. [Festlegung der amtlichen Entschädigung und des vollen Honorars von Rechtsanwältin 
M.________ unter voller Rück- und Nachzahlungspflicht zu Lasten von A.________]

3. [Festlegung der amtlichen Entschädigung und des vollen Honorars von Rechtsanwalt 
N.________ unter voller Rück- und Nachzahlungspflicht zu Lasten von A.________]

IV.

A.________ wird in Anwendung von Art. 47/49 OR sowie Art. 126 StPO weiter verurteilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 1'000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 19.05.2019 an die 
Straf- und Zivilklägerin D.________ gesetz. v.d. F.________.

2. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

5

V.

Im Zivilpunkt wird weiter verfügt:

1. Es wird festgestellt, dass der Straf- und Zivilkläger I.________ seine Zivilklage vor Abschluss der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung zurückgezogen hat und diese auf dem Zivilweg erneut gel-
tend machen kann (Art. 122 Abs. 4 StPO).

2. Es wird festgestellt, dass der Straf- und Zivilkläger L.________ seine Zivilklage vor Abschluss 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zurückgezogen hat und diese auf dem Zivilweg erneut 
geltend machen kann (Art. 122 Abs. 4 StPO).

VI.

1. Die Widerrufsverfahren (PEN 21 795 und PEN 21 796) gegen A.________ werden eingestellt 
(Art. 46 Abs. 5 StGB).

2. Für die Widerrufsverfahren werden keine Kosten ausgeschieden.

VII.

Weiter wird verfügt:

1. Es wird bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde O.________ sowie bei der Kantonspo-
lizei P.________ eine Gefährdungsmeldung in Bezug auf L.________, I.________, D.________ 
und F.________ gemacht.

2. Folgende Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):

- 1 Gurt braun
- 2 Gurte schwarz

3. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. .________) ist nach Ablauf 
der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

4. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten ist 
nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 19 
Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

5. [Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigter), amtlich 
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, am 10. Juni 2022 Berufung an 
(pag. 1895). Die schriftliche Urteilsbegründung wurde dem Beschuldigten am 
13. September 2023 zugestellt (pag. 2005). Die Berufungserklärung erfolgte fristge-
recht am 3. Oktober 2022 (pag. 2015). Dieser kann entnommen werden, dass der 
Beschuldigte das Urteil teilweise anficht und zwar in Bezug auf alle Schuldsprüche 
ausser jenen wegen Beschimpfung gemäss Ziff. II.6. des erstinstanzlichen Urteils-
dispositivs. Angefochten sind weiter die daraus folgende Bestrafung, die Landes-
verweisung und die Gutheissung der Zivilklage von D.________ (nachfolgend teil-
weise: Straf- und Zivilklägerin). In Bezug auf die eingestellten Widerrufsverfahren 
beantragte der Beschuldigte, von einem Widerruf sei abzusehen (siehe dazu Ziff. 6 
unten).

6

Die Straf- und Zivilklägerin, amtlich vertreten durch Rechtsanwältin M.________, 
verzichtete mit Schreiben vom 18. Oktober 2022 auf die Erklärung einer An-
schlussberufung (pag. 2026). Auch die – zu diesem Zeitpunkt noch als Straf- und 
Zivilkläger am Verfahren beteiligten – L.________ und I.________, beide amtlich 
vertreten durch Rechtsanwalt N.________, verzichteten auf die Erklärung einer 
Anschlussberufung (pag. 2029).

Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern (nachfolgend: Generalstaatsan-
waltschaft) schloss sich am 20. Oktober 2022 in Bezug auf die Strafzumessung der 
Berufung des Beschuldigten an (pag. 2031).

F.________ (nachfolgend: Strafklägerin) liess sich nicht vernehmen.

Es wurden keine Gründe für ein Nichteintreten auf die Berufung oder die An-
schlussberufung geltend gemacht.

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Der Beschuldigte beantragte im Rahmen der Berufungserklärung, seine Ehefrau, 
Q.________, und J.________ seien oberinstanzlich einzuvernehmen (pag. 2017). 
Die Straf- und Zivilklägerin und die Generalstaatsanwaltschaft beantragten die Ab-
weisung dieses Beweisantrags (pag. 2026 f. und pag. 2032). L.________ und 
I.________ verzichteten auf eine Stellungnahme (pag. 2029), die Strafklägerin liess 
sich nicht vernehmen. Die Beweisanträge wurden mit Beschluss vom 19. Dezem-
ber 2022 abgewiesen (pag. 2065 ff.).

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden von Amtes wegen folgende Un-
terlagen zu den Akten genommen:

- Strafregisterauszug des Beschuldigten vom 24. Oktober 2023 (pag. 2140 f.);

- Aktueller Betreibungsregisterauszug samt Schuldner-Informationen vom 
20. Oktober 2023 (pag. 2137 ff.);

- Ergänzender Bericht betreffend Prüfung der strafrechtlichen Landesverweisung 
der Stadt H.________ vom 2. Oktober 2023 (pag. 2132).

Der bei der Kantonspolizei in Auftrag gegebene Leumundsbericht konnte aufgrund 
der Landesabwesenheit des Beschuldigten nicht erhoben werden (pag. 2175 f.).

Am 2. November 2023 reichte die Straf- und Zivilklägerin verschiedene Chatauszü-
ge mit dem Beschuldigten ein (pag. 2148 ff.). Nach Gewährung des rechtlichen 
Gehörs wurden diese an der Berufungsverhandlung zu den Akten erkannt 
(pag. 2181 f.).

Der Beschuldigte, die Strafklägerin und die Straf- und Zivilklägerin wurden an der 
Berufungsverhandlung erneut einvernommen (pag. 2183 ff.).

Während der Berufungsverhandlung wurden von Amtes wegen GERES-Auszüge 
betreffend die Wohnverhältnisse der Familie A.________ eingeholt und zu den Ak-
ten genommen (pag. 2208 und pag. 2236 ff.). Auch das von Rechtsanwalt 
C.________ eingereichte Dokument betreffend Abklärung der AB.________ des 
Beschuldigten wurde zu den Akten erkannt (pag. 2211 und pag. 2235).

7

4. Weitere verfahrensleitende Beschlüsse und Verfügungen

4.1 Gesuch um Wechsel der amtlichen Verteidigung

Der Beschuldigte stellte am 21. Oktober 2022, vertreten durch Rechtsanwalt 
C.________, ein Gesuch um Wechsel der amtlichen Verteidigung und Einsetzung 
von Rechtsanwalt C.________ als neuen amtlichen Verteidiger (pag. 2033 f.). 
Rechtsanwalt B.________ teilte mit, sich dem Gesuch nicht zu widersetzen 
(pag. 2048). Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete auf eine Stellungnahme 
(pag. 2064). Das Gesuch wurde mit Beschluss vom 19. Dezember 2022 abgewie-
sen (pag. 2065 ff.). Mit Schreiben vom 2. Februar 2023 teilte Rechtsanwalt 
C.________ mit, er habe die private Verteidigung des Beschuldigten übernommen 
(pag. 2099). Mit Verfügung vom 3. Februar 2023 wurde das amtliche Mandat von 
Rechtsanwalt B.________ mit sofortiger Wirkung sistiert (pag. 2102).

4.2 Parteistellung L.________ und I.________

L.________ und I.________ teilten mit Schreiben vom 6. Januar 2023 mit, auf eine 
weitere Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren zu verzichten (pag. 2086).

4.3 Gesuch um Wechsel der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Straf- und Zivilklä-
gerin

Mit Schreiben vom 23. August 2023 ersuchte Rechtsanwältin M.________ um Ent-
lassung aus dem amtlichen Mandat wegen Mutterschaftsurlaub und Übertragung 
der amtlichen Vertretung der Straf- und Zivilklägerin auf ihren Bürokollegen 
Rechtsanwalt E.________ (pag. 2107). Dieses Gesuch wurde mit Verfügung vom 
25. August 2023 gutgeheissen und Rechtsanwalt E.________ als neuer amtlicher 
Rechtsvertreter eingesetzt (pag. 2124 ff.).

5. Anträge der Parteien

5.1 Anträge der Verteidigung

Die Verteidigung stellte an der Berufungsverhandlung folgende Anträge 
(pag. 2227 ff.):

I. Es sei festzustellen, dass die Ziffer I. des Urteilsdispositivs des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland vom 2. Juni 2022 (PEN 21 310), betreffend die Einstellung mangels Vorliegens eines 
Strafantrages wegen angeblicher Beschimpfung zum Nachteil von F.________ gemäss Ziffer 7 
Lemma 3-8 der AKS, der Schuldspruch gemäss Ziffer II./6. Des Urteilsdispositivs wegen Be-
schimpfung zum Nachteil von F.________ gemäss Ziffer 7 Lemma 1 und 2 der AKS sowie Ziffer 
IV./1.+2. Des Urteilsdispositivs betreffend die Einstellung des Widerrufsverfahrens (PEN 21 795 
und PEN 21 796) in Rechtskraft erwachsen sind. 

II. A.________, sei frei zu sprechen:

1. vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens, angeblich mehrfach begangen, so namentlich

- im Jahr 2018 in H.________, z.N. von I.________ [Ziff. II./1.1. des Urteilsdispositivs vom 
2. Juni 2022]

- sowie in der Zeit von 2015 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von D.________ [Ziff. 
II./1.2. des Urteilsdispositivs vom 2. Juni 2022];

8

2. vom Vorwurf der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht, angeblich begangen in der 
Zeit von 2014 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von J.________ (bis zu ihrer Volljäh-
rigkeit am .________), I.________, K.________, D.________ und L.________ [Ziff. II. / 2. 
des Urteilsdispositivs vom 2. Juni 2022]; 

3. vom Vorwurf der qualifizierten einfachen Körperverletzung, angeblich mehrfach begangen, 
so namentlich

- am 04.02.2019 in H.________, z.N. von J.________ [Ziff. II./3.1. des Urteilsdispositivs 
vom 2. Juni 2022]; 

- von 2014 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von I.________ [Ziff. II./3.2. des Ur-
teilsdispositivs vom 2. Juni 2022];

- von 2014 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von D.________ [Ziff. II./3.3 des Ur-
teilsdispositivs vom 2. Juni 2022] von 2017 bis zum 18.05.2019 in H.________, z.N. von 
L.________ [Ziff. II./3.4. des Urteilsdispositivs vom 2. Juni 2022];

4. vom Vorwurf der Nötigung, angeblich mehrfach begangen in der Zeit von 2014 bis zum 
18.5.2019 in H.________, z.N. von K.________, D.________ und L.________ [Ziff. II./4. Des 
Urteilsdispositivs vom 2. Juni 2022];

5. vom Vorwurf der Drohung, angeblich mehrfach begangen in der Zeit von 21.03.2019 bis zum 
20.04.2019 in G.________ und H.________, z.N. von F.________ [Ziff. II./5. Des Urteilsdis-
positivs vom 2. Juni 2022];

6. vom Vorwurf der versuchten Entziehung von Minderjährigen, angeblich begangen am 
20.04.2019 in G.________, z.N. von F.________ [Ziff. II./7. Des Urteilsdispositivs vom 2. Ju-
ni 2022]

unter Auferlegung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton Bern und 
unter Ausrichtung einer angemessenen Entschädigung für die gebotenen Verteidigungskosten 
für das erst- und oberinstanzliche Verfahren. 

III. A.________ sei in Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zu verurteilen

- zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen à CHF 90.00, ausmachend total 
CHF 1350.00, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren sowie unter Anrechnung 1 Stra-
feinheit für die ausgestandene Polizeihaft;

- ohne Ausscheidung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten an den Beschuldigten.

IV. Auf die Anordnung einer Landesverweisung sei zu verzichten.

V. Die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin D.________ sei abzuweisen.

VI. A.________ sei eine Entschädigung i.S.v. Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO in der Höhe von 
CHF 1000.00 zuzusprechen.

VII. A.________ sei für das oberinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung gemäss einge-
reichter Honorarnote auszurichten.

VIII. Es seien die notwendigen Verfügungen zu erlassen.

5.2 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte folgende Anträge (pag. 2233 f.):

9

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kol-
legialgericht in Dreierbesetzung) vom 2. Juni 2022 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. der Verfahrenseinstellung wegen Beschimpfung z.N. von F.________ zwischen dem 1. Mai 
2019 bis zum 20. Mai 2019; 

2. des Schuldspruchs, wonach A.________ der mehrfachen Beschimpfung zwischen dem 6. April 
2019 und dem 7. April 2019 z.N. von F.________ schuldig erklärt wurde; 

3. der Einstellung des Widerrufsverfahren; 

4. der Verfügung über die beschlagnahmten Gegenstände zur Vernichtung; 

II.

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der Gefährdung des Lebens, mehrfach begangen zwischen 2015 und 2018 in H.________, z.N. 
von I.________ und D.________; 

2. der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht, begangen zwischen 2014 und dem 
18. Mai 2019, z.N. von J.________, I.________, K.________, D.________ und L.________;

3. der qualifizierten einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen zwischen 2014 und dem 
18. Mai 2019 in H.________, z.N. von J.________, I.________, D.________ und L.________; 

4. der Nötigung, mehrfach begangen zwischen 2014 und dem 18. Mai 2019 in H.________, z.N. 
von K.________, D.________ und L.________; 

5. der Drohung, mehrfach begangen zwischen dem 21. März 2019 und dem 20. April 2019 in 
G.________ und H.________, z.N. von F.________; 

6. der versuchten Entziehung von Minderjährigen, begangen am 20. April 2019 in G.________, 
z. N. von F.________; 

und er sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesartikel zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 66 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungshaft von einem Tag;

2. zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 130.00;

3. zu einer Landesverweisung von 7 Jahren;

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Ge-
bühr gemäss Art. 21 VKD).

10

III.

Im Weiteren seien die üblichen Verfügungen zu treffen (Honorare, DNA, biometrische erkennungs-
dienstliche Daten).

5.3 Anträge der Straf- und Zivilklägerin

Die Straf- und Zivilklägerin beantragte oberinstanzlich was folgt (pag. 2225 f.):

A. Im Strafpunkt 

1. Das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 02. Juni 2022, sei – sofern es nicht 
bereits in Rechtskraft erwachsen ist – vollumfänglich zu bestätigen.

2. Insbesondere sei Herr A.________ schuldig zu sprechen 

a. der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht gemäss Ziff. 1 der AKS, mehrfach be-
gangen zwischen 2014 und dem 18.05.2019, unter anderem zu Nachteilen von D.________; 

b. der qualifizierten einfachen Körperverletzung gemäss Ziff. 2.1. und Ziff. 4.3 der Anklage-
schrift, mehrfach begangen, unter anderem zu Nachteilen von D.________; 

c. der Gefährdung des Lebens gemäss Ziff. 2.2. der Anklageschrift, mehrfach begangen, unter 
anderem zu Nachteilen von D.________; 

d. der Nötigung gemäss Ziff. 5 der Anklageschrift, zu Nachteilen von D.________ mehrfach be-
gangen. 

2. Der Beschuldigte sei zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen.

3. Die Verfahrenskosten des erst- als auch des oberinstanzlichen Verfahrens seien vollumfänglich 
dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

4. Das amtliche Honorar der amtlichen Rechtsvertretung der Straf- und Zivilklägerin Frau 
D.________ für das oberinstanzliche Verfahren sei gestützt auf die eingereichte Honorarnote 
gerichtlich festzusetzen 

5. Der Beschuldigte sei zur Bezahlung der oberinstanzlichen Parteikosten der Straf- und Zivilkläge-
rin Frau D.________ gemäss der eingereichten Honorarnote zu verurteilen. 

6. Es seien die weiteren notwendigen Verfügungen zu erlassen. 

B. Im Zivilpunkt 

1. Der Beschuldigte sei zu verurteilen, der Straf- und Zivilklägerin Frau D.________ eine Genugtu-
ungsentschädigung in der Höhe von CHF 1000.00 zzgl. Zins von 5% seit dem 19.05.2019 zu 
bezahlen. 

2. Die Verfahrenskosten der Zivilklage seien gerichtlich festzusetzen und vollumfänglich dem Be-
schuldigten aufzuerlegen.

5.4 Anträge der Strafklägerin

Die Strafklägerin beantragte sinngemäss und soweit sie betreffend die Bestätigung 
des erstinstanzlichen Urteils (pag. 2218).

11

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte focht das Urteil lediglich teilweise an. Die Generalstaatsanwalt-
schaft beschränkte ihre Anschlussberufung auf die Strafe. Zufolge der Anträge des 
Beschuldigten sind folgende Punkte des erstinstanzlichen Urteils in Rechtskraft er-
wachsen:

- Einstellung des Verfahrens betreffend Vorwurf der Beschimpfung zum Nachteil 
der Strafklägerin;

- Schuldspruch wegen Beschimpfung zum Nachteil der Strafklägerin;

- Festsetzung der amtlichen Entschädigungen von Rechtsanwalt B.________, 
Rechtsanwältin M.________ und Rechtsanwalt N.________ (jeweils mit Aus-
nahme der Rück- und Nachzahlungspflicht);

- Die Feststellung, dass L.________ und I.________ ihre Zivilklagen zurückge-
zogen haben;

- Die Einstellung der beiden Widerrufsverfahren ohne Ausscheidung von Kosten;

- Die Einziehung der drei Gurte zur Vernichtung.

Die Kammer hat demnach die restlichen Schuldsprüche, die Sanktion inkl. Landes-
verweisung, die sich daraus ergebenden Kostenfolgen, die Rück- und Nachzah-
lungspflicht betreffend die amtlichen Entschädigungen für das erstinstanzliche Ver-
fahren, die amtlichen Entschädigungen für das oberinstanzliche Verfahren, die Zi-
vilklage der Straf- und Zivilklägerin sowie die der Rechtskraft nicht zugänglich Ver-
fügung über die erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten zu über-
prüfen. Sie verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 der Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Da die Generalstaatsanwaltschaft betref-
fend die Strafe Anschlussberufung erhoben hat, darf die Kammer das erstinstanzli-
che Urteil in diesem Punkt auch zu Ungunsten des Beschuldigten abändern. An-
sonsten ist sie an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO ge-
bunden. In Bezug auf die Strafe wird die Kammer durch die erstinstanzliche Ge-
richtsbesetzung (Kollegialgericht in Dreierbesetzung) eingeschränkt und darf in 
Anwendung von Art. 56 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Zivilprozessordnung, 
zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafprozessordnung (EG ZSJ; 
BSG 271.1) keine Freiheitsstrafe über fünf Jahre aussprechen.

II. Formelles

7. Anklagegrundsatz

Die Verteidigung brachte vor, in Bezug auf Ziff. 2 und Ziff. 3 der Anklageschrift sei 
der Anklagegrundsatz nicht gewahrt. Es sei eine Zeitspanne von fünf Jahren ange-
klagt und es sei nicht nachvollziehbar, wann und in welchem Zusammenhang die 
Vorwürfe erfolgt sein sollten.

Gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO kann eine Straftat nur «wegen eines genau umschrie-
benen Sachverhalts» gerichtlich beurteilt werden. Die Anklageschrift bezeichnet 
daher «möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen 

12

Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung» 
(Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebe-
nen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche 
Würdigung durch die Anklagebehörde (Art. 350 StPO). Das Akkusationsprinzip be-
zweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte und dient dem Anspruch auf 
rechtliches Gehör. Entscheidend ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher 
konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert 
wird, damit er sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann. Er darf nicht Ge-
fahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfron-
tiert zu werden (BGE 143 IV 63 E. 2.2). Solange der beschuldigten Person klar ist, 
welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzi-
se Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf; ent-
scheidend ist, dass für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, 
welches Verhalten ihr vorgeworfen wird. Die nähere Begründung der Anklage er-
folgt an Schranken; es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich festzu-
stellen (Urteile des Bundesgerichts 6B_747/2016 vom 27. Oktober 2016 E. 2.2, 
6B_1452/2019 vom 25. September 2020 E. 1 [nicht publiziert in BGE 146 IV 358]). 
Ungenauigkeiten in den Zeitangaben sind solange nicht von entscheidender Be-
deutung, als für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches 
Verhalten ihr vorgeworfen wird. Bei gehäuften und regelmässigen Delikten wird 
dem Anklagegrundsatz Genüge getan, wenn die Handlungen in zeitlicher und örtli-
cher Hinsicht approximativ umschrieben werden. Der Zeitraum ist auf eine be-
stimmte Dauer einzugrenzen. Insbesondere bei Familiendelikten kann nicht erwar-
tet werden, dass über jeden einzelnen Vorfall Buch geführt wird (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_441/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2 mit Hinweisen).

Die beiden kritisierten Ziffern der Anklageschrift stehen im Einklang mit dieser 
Rechtsprechung. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, gegenüber seinen Kindern 
über Jahre hinweg Gewalt ausgeübt zu haben und die Kinder mehrfach genötigt zu 
haben. In der Anklageschrift wird präzise beschrieben, wie der Beschuldigte dabei 
vorgegangen sein soll, so insbesondere das Schlagen mit diversen Gegenständen 
oder die konkreten, in Aussicht gestellten Nachteile. Auch wird umschrieben, in 
welcher Grössenordnung sich die Folgen dieser Gewaltanwendung bei den Kin-
dern bewegten (Beulen, Streifen, blaue und rote Flecken, blaues Auge etc.). Da es 
regelmässig und über die Zeit von mehreren Jahren immer wieder zu Gewalthand-
lungen gekommen sein soll, ist nicht zu erwarten, dass die Kinder des Beschuldig-
ten jeweils noch Datum, Zeit und den genauen Ablauf der einzelnen Handlungen 
angeben konnten. Aufgrund der Beschreibung in der Anklageschrift ist für den Be-
schuldigten aber ersichtlich, welches Verhalten ihm zum Vorwurf gemacht wird. 
Diese Vorwürfe sind in sachlicher und örtlicher Hinsicht umschrieben und zeitlich 
soweit möglich eingegrenzt. Damit ist der zu beurteilende Sachverhalt hinreichend 
bestimmt umschrieben und war es dem Beschuldigten möglich, sich angemessen 
gegen die Vorwürfe zu verteidigen.

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-63%3Ade&number_of_ranks=0#page63

13

8. Verwertbarkeit der Aussagen von L.________

Gemäss der Verteidigung darf auf die Aussagen von L.________ nicht abgestellt 
werden, da er nicht parteiöffentlich befragt wurde. Seine Einvernahme sei unver-
wertbar.

L.________ wurde einmalig am 21. Mai 2019 ohne Beisein der Parteien einver-
nommen, nachdem die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 9. Mai 2019 die 
Teilnahmerechte der Parteien in Bezug auf die ersten Einvernahmen der Kinder 
und der neuen Frau des Beschuldigten begründet eingeschränkt hatte 
(pag. 1410 f.). Die Befragung wurde per Video aufgezeichnet, das sich bei den Ak-
ten befindet (pag. 168). Eine Wiederholung der Einvernahme wurde von Seiten des 
Beschuldigten weder während der Untersuchung noch im erst- oder oberinstanzli-
chen Verfahren beantragt (vgl. insbesondere pag. 1511 ff., pag. 1586, pag. 1734, 
pag. 1812 f., pag. 1831, pag. 2017, pag. 2181 f. und pag. 2211). Da eine Wieder-
holung der Einvernahme nicht zeitnah beantragt wurde, liegt keine Unverwertbar-
keit aufgrund einer Verletzung der Teilnahmerechte gemäss Art. 147 StPO vor. Zu 
prüfen ist hingegen eine allfällige Unverwertbarkeit wegen Verletzung des Konfron-
tationsanspruchs.

Der in Art. 6 Ziff. 3 lit. d der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; 
SR 0.101) garantierte Anspruch der beschuldigten Person, den Belastungszeugen 
Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren 
(vgl. Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 der Schweizerischen Bundesverfassung [BV; 
SR 101]). Eine belastende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn 
der Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und 
hinreichende Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an 
den Belastungszeugen zu stellen. Um ihr Fragerecht wirksam ausüben zu können, 
muss die beschuldigte Person in die Lage versetzt werden, die persönliche Glaub-
würdigkeit des Zeugen zu prüfen und den Beweiswert seiner Aussagen zu hinter-
fragen (BGE 133 I 33 E. 3.1, BGE 131 I 476 E. 2.2; je mit Hinweisen). Auf das Kon-
frontationsrecht kann verzichtet werden. Die beschuldigte Person kann den Behör-
den grundsätzlich nicht vorwerfen, gewisse Zeugen zwecks Konfrontation nicht 
vorgeladen zu haben, wenn sie es unterlässt, rechtzeitig (d.h. spätestens im Beru-
fungsverfahren) und formgerecht entsprechende Anträge zu stellen (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_1265/2021 vom 29. Dezember 2022 E. 2.3 mit Hinweisen). So-
dann kann ein streitiges Zeugnis von ausschlaggebender Bedeutung ohne Kon-
frontation mit dem Belastungszeugen verwertbar sein, wenn ausreichend kompen-
sierende Faktoren gegeben sind, die den Anspruch des Angeschuldigten auf ein 
faires Verfahren und die Überprüfung der Verlässlichkeit des Beweismittels ge-
währleisten. Dies gilt freilich nur, wenn die Einschränkung des Konfrontationsrechts 
unumgänglich war, das Gericht mithin vorgängig vernünftige Anstrengungen unter-
nommen hat, um das Erscheinen des Zeugen vor Gericht sicherzustellen (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_961/2016 vom 10. April 2017 E. 3.3.1 mit Hinweisen). Es 
ist demnach zu prüfen, ob ein ernsthaftes Motiv besteht, das die Nicht-
Gegenüberstellung rechtfertigt, ob diese Aussage das alleinige oder entscheidende 
Element der Verurteilung darstellt und ob ausgleichende Elemente gegeben sind, 
die genügen, die der Verteidigung verursachten Schwierigkeiten aufzuwiegen und 

14

auf diese Weise die Fairness des Verfahrens insgesamt sicherzustellen 
(BGE 148 I 295 [Pra 111 (2022) Nr. 95] E. 2.2. mit Hinweisen).

Die Verteidigung machte zwar im oberinstanzlichen Plädoyer die Unverwertbarkeit 
der Einvernahme von L.________ geltend, hatte jedoch keinen entsprechenden 
Beweisantrag gestellt. Es ist daher von einem Verzicht auf das Konfrontationsrecht 
auszugehen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1367/2019 vom 17. April 2020 
E. 4.5 und 6B_529/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 5.3. [nicht publiziert in BGE 
140 IV 196]). Die Vorinstanz begründete den Verzicht auf eine erneute Einvernah-
me von L.________ und die Verwertbarkeit seiner Aussagen sodann ausführlich 
(pag. 1944 f., S. 32 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Diesen Überlegun-
gen schliesst sich die Kammer an, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen wird. 
Weiter stellen die Aussagen von L.________ bei weitem nicht das einzige Beweis-
mittel dar betreffend die Vorwürfe gegen den Beschuldigten. Im Vordergrund ste-
hen dabei vielmehr die Aussagen von D.________ und I.________, die denn auch 
unter Beisein der Verteidigung befragt wurden. Zusätzlich hat L.________ auch im 
Rahmen der zivilrechtlichen vorsorglichen Massnahmen am 11. Juni 2019 angege-
ben, er sei von seinem Vater geschlagen worden (pag. 1021). Der Verzicht auf eine 
erneute Einvernahme stützte sich auf einen sachlichen Grund, nämlich den Schutz 
des minderjährigen L.________ (vgl. Art. 154 Abs. 4 StPO). Indem seine Einver-
nahme auf Video aufgenommen wurde, dieses den Verfahrensbeteiligten zugäng-
lich gemacht wurde, der Beschuldigte mehrfach Gelegenheit erhielt, sich zu den 
konkreten Vorwürfen sowie dem Aussageverhalten seines Sohnes zu äussern, bei 
den Befragungen von I.________ und D.________ das Konfrontationsrecht ge-
wahrt wurde, und die Aussagen von L.________ einlässlich analysiert und mit den 
weiteren Beweismitteln abgeglichen wurden (siehe Ziff. III.13.3 und Ziff. III.13.7 un-
ten), wurden genügend Massnahmen getroffen, um die Fairness des Verfahrens 
insgesamt zu gewährleisten.

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung wird auf die Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen (pag. 1937 ff., S. 25 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung).

10. Angeklagter Sachverhalt

Die vorgeworfenen Sachverhalte werden nachfolgend für das bessere Verständnis 
zusammengefasst wiedergegeben. Für die detaillierten Vorwürfe wird auf die 
geänderte Anklageschrift vom 25. Mai 2022 verwiesen (pag. 1771 ff.).

In Ziff. 1 der geänderten Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er 
habe seine Kinder J.________, I.________, K.________, D.________ und 
L.________ ab 2014 bis am 18. Mai 2019 bei Ungehorsam, kleinstem Fehlverhal-
ten oder wenn sie seinen Ansprüchen nicht genügten, durch verbale Erniedrigun-
gen, stundenlanges Ignorieren und lautes Anschreien verbal und psychisch ge-
demütigt. Er habe die Kinder von der Mutter entfremdet und isoliert, ihnen mit 

15

Schlägen und dem Kinderheim gedroht und sie mehrfach wöchentlich übermässig 
gezüchtigt. Damit habe er über Jahre ein Klima von Angst, Isolation und Gewalt 
geschaffen und damit eine erhebliche Gefahr für die ungestörte seelische und kör-
perliche Entwicklung der Kinder. Weiter habe er den Kindern Werte vermittelt, die 
mit unseren Gesellschaftswerten nicht vereinbar seien, indem er sie unter dem 
Vorwand, für ein Schulprojekt Selbstgebackenes zu verkaufen, für ihn eingekaufte 
R.________ (Gebäck) in der Stadt habe verkaufen und die Polizei anlügen lassen 
(Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht).

In Ziff. 2.1 der geänderten Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, 
D.________ in der Zeit von 2015 bis am 18. Mai 2019 zweimal unkontrolliert so 
stark auf den Kopf geschlagen zu haben, dass sie ihn Ohnmacht gefallen sei (ver-
suchte schwere Körperverletzung; Würdigungsvorbehalt: qualifizierte einfache Kör-
perverletzung).

Gemäss Ziff. 2.2 der geänderten Anklageschrift soll der Beschuldigte in der Zeit 
von 2015 bis am 18. Mai 2019 mit dem Fuss auf den Hals von D.________ ge-
standen sein, wodurch diese kurzzeitig keine Luft bekommen habe, worauf der Be-
schuldigte den Druck mit dem Fuss wieder gelöst habe (versuchte schwere Kör-
perverletzung, evtl. Gefährdung des Lebens; Würdigungsvorbehalt: qualifizierte 
einfache Körperverletzung).

In Ziff. 3 der geänderten Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er 
habe I.________ in der Zeit von 2014 bis am 18. Mai 2019 so lange und intensiv 
gewürgt, bis diesem schwarz vor den Augen geworden sei, er kurz weggetreten sei 
und einen Filmriss gehabt habe (Gefährdung des Lebens, evtl. versuchte schwere 
Körperverletzung; Würdigungsvorbehalt: qualifizierte einfache Körperverletzung).

In Ziff. 4 werden dem Beschuldigten diverse Sachverhalte im Zeitraum 2014 bis 
18. Mai 2019 als qualifizierte einfache Körperverletzung vorgeworfen:

- Zum Nachteil von J.________, indem er sie mehrfach mit Gegenständen, na-
mentlich Gurt und Besen, geschlagen habe, so am 4. Februar 2019 auf der 
Terrasse mit einem Stock (Ziff. 4.1);

- Zum Nachteil von I.________, in dem er ihn ca. seit dessen 9. Lebensjahr 
mehrfach mit Gegenständen geschlagen habe, ihm ca. am .________ den 
Fuss auf den Kopf gedrückt und ihm mit dem Fuss in den Bauch getreten habe 
und ihn im März 2019 mit dem Gurt geschlagen habe, weil er im Bus wegen 
Schwarzfahrens gebüsst worden sei (Ziff. 4.2);

- Zum Nachteil von D.________, indem er sie seit ihrem 9. oder 10. Lebensjahr 
mehrfach mit Gegenständen geschlagen habe (Ziff. 4.3);

- Zum Nachteil von L.________, indem er ihn ca. seit seinem 6. Lebensjahr 
mehrfach mit Gegenständen schlug, am 30. September 2016 ins Gesicht 
schlug, am 29. November 2018 erneut ins Gesicht schlug und ihn zusätzlich 
evtl. stiess, seinen Kopf gegen die WC-Schüssel stiess, ihn einmal die Treppe 
hinunterstiess und mit dem Fuss auf seinen Bauch trat (Ziff. 4.4).

16

Gemäss Ziff. 5 der geänderten Anklageschrift soll der Beschuldigte K.________, 
D.________ und L.________ von 2014 bis am 18. Mai 2019 wie folgt genötigt ha-
ben:

- Indem er D.________ ein Bild einer Waffe zeigte und ihr drohte, sie mit nach 
S.________ zu nehmen und dort zu erschiessen, falls sie noch einmal mit ih-
rem besten Freund spreche;

- Indem er K.________ und D.________ drohte, sie aus dem Haus zu werfen, 
wenn sie nach dem Weggang von I.________ Ende März 2019 weiterhin mit 
diesem Kontakt pflegten;

- Zwischen dem 26. März 2019 und dem 21. Mai 2019, indem er D.________, 
K.________ und L.________ damit drohte, dass sie ins Kinderheim geschickt 
würden, wenn sie gegenüber den Behörden bei den Einvernahmen im Mai 
2019 über die erfolgten Gewaltanwendungen berichteten.

In Ziff. 6 der geänderten Anklageschrift werden dem Beschuldigten zwei Drohun-
gen zum Nachteil der Strafklägerin vorgeworfen, indem er ihr vom 21. März bis 
20. April 2019 damit gedroht habe:

- sie umzubringen, ihr Leben zu zerstören und die Kinder nach S.________ mit-
zunehmen (Ziff. 6.1);

- dass sie «dafür» – dass sie aus seiner Sicht die Kinder weggenommen habe – 
zahlen werde (Ziff. 6.2).

Gemäss Ziff. 8 der geänderten Anklageschrift habe der Beschuldigte L.________ 
am 20. April 2019 in G.________ ohne Wissen der obhutsberechtigten Mutter mit-
tels eines Geschenks dazu gebracht, in sein Fahrzeug einzusteigen, um ihn mitzu-
nehmen und der Mutter zu entziehen (versuchtes Entziehen von Minderjährigen).

11. Bestrittener und unbestrittener Sachverhalt

Der Rahmensachverhalt ist im Wesentlichen unbestritten: Am .________ 2004 er-
folgte der Eheschluss des Beschuldigten und der Strafklägerin (pag. 285). Diese 
brachte die Tochter J.________, geb. .________, in die Ehe. Der Ehe entsprossen 
die Zwillinge K.________ und I.________, geb. .________, sodann D.________, 
geb. .________, und L.________, geb. .________ (pag. 465 f.). Der gemeinsame 
Haushalt der Parteien wurde am 10. April 2013 aufgehoben und die Kinder – inklu-
sive J.________ – lebten fortan mit dem Beschuldigten in H.________ (pag. 292 f. 
und pag. 326). Am 21. Mai 2013 eröffnete die KESB auf Gefährdungsmeldung we-
gen Verdachts auf Verwahrlosung der Schule hin ein Abklärungsverfahren. Seither 
wurde die Familie durch die KESB begleitet (pag. 454 ff., pag. 460 ff. und 
pag. 603 ff.). Die Ehe des Beschuldigten und der Strafklägerin wurde am 
.________ 2016 geschieden, bei gemeinsamem Sorgerecht und alleiniger elterli-
cher Obhut des Beschuldigten (pag. 285). Am .________ 2016 ehelichte der Be-
schuldigte Q.________. Dieser Ehe entsprang die Tochter T.________, 
geb. .________. Während die Mädchen das Besuchsrecht bei ihrer Mutter in der 
Zeit vor der Anzeigeerstattung kaum resp. zuletzt nicht mehr wahrnahmen, ver-

17

brachten I.________ und insbesondere L.________ regelmässig Wochenenden bei 
der Strafklägerin (pag. 317 ff. und pag. 325 ff.).

Unbestritten ist weiter, dass I.________ am 21. März 2019 I.________ den Haus-
halt seines Vaters verliess, zu seiner Mutter ging und bei ihr blieb (pag. 43). Fünf 
Tage später hat I.________ eine Anzeige gegen seinen Vater erstattet (pag. 11 
und pag. 59). L.________ zog Anfang April 2019 ebenfalls zu seiner Mutter (pag. 
57), D.________ folgte am 10. Oktober 2019 (pag. 29). Die Obhut über 
I.________, L.________ und D.________ wurde auf die Strafklägerin übertragen 
(pag. 57, pag. 270 und pag. 1008 ff.). J.________, K.________, Q.________ sowie 
T.________ lebten weiterhin beim Beschuldigten in H.________, zuletzt am 
U.________weg .________. Im Zeitpunkt der Berufungsverhandlung hatten sich 
die Wohnverhältnisse insofern aufgelöst, als der Beschuldigte neu in V.________ 
gemeldet ist, Q.________ zusammen mit K.________ und T.________ in einer 
Wohnung am U.________weg .________ in H.________ lebt und J.________ am 
U.________weg .________ wohnt. Die Ehe des Beschuldigten mit Q.________ ist 
mit Problemen belastet (pag. 2198 f., pag. 2209 und pag. 2236 ff.).

In Bezug auf die konkreten Vorwürfe war in der Berufungsverhandlung unbestritten, 
dass der Beschuldigte in Erziehungsfragen laut wird und seine Kinder bisweilen 
anschrie (pag. 188 Z. 105 ff., pag. 190 Z. 203 ff., pag. 196 Z. 545 f., pag. 224 Z. 95, 
pag. 227 Z. 197, pag. 1820 Z. 36 ff, pag. 1824 Z. 22 f., pag. 2196 Z. 34 f., 
pag. 2200 Z. 16 ff. und pag. 2201 Z. 3 ff.). Er gab an, er habe seinen Kindern 
manchmal gedroht, sie (mit dem Gurt) zu schlagen (pag. 189 Z. 165 ff., pag. 225 
Z. 140 ff., pag. 227 Z. 197 f., pag. 2202 Z. 7 f. und pag. 2204 Z. 37 ff.). I.________ 
habe er auch gedroht, dass er ins Heim komme (pag. 225 Z. 141), ihn ab und zu 
den ganzen Tag als Bestrafung ignoriert (pag. 192 Z. 347 ff. und pag. 193 Z. 361) 
oder ihn (z.B. mit «du bist scheisse») beschimpft (pag. 204 Z. 244 ff. und pag. 1820 
Z. 40). Betreffend Handgreiflichkeiten gab er an, er habe die Kinder vielleicht mal 
geschubst (pag. 191 Z. 274 ff.) und J.________, K.________ und I.________ an 
den Ohren gezogen (pag. 191 Z. 295 ff. und pag. 225 f. Z. 152 ff.). Es stimme, dass 
es manchmal «Füdlitätsch» gegeben habe (pag. 2201 Z. 23 ff.). Im Zusammen-
hang mit dem Polizeieinsatz vom 29. November 2018 wegen L.________ sagte er 
zunächst, er habe L.________ geschubst, so dass dieser gestürzt sei (pag. 190 
Z. 250 f.). Auf Vorhalt des Journaleintrags der Polizei, wonach er gegenüber den 
ausgerückten Polizisten gesagt habe, ihm sei «die Hand ausgerutscht» (pag. 42 
und pag. 54) räumte er in der Berufungsverhandlung gar ein: «Das ist einmal pas-
siert, das stimmt» (pag. 2201 Z. 10 ff.). Schliesslich bestritt der Beschuldigte auch 
nicht, dass es in seinem Haushalt im Laufe der Jahre zu den (weiteren) dokumen-
tierten polizeilichen Einsätzen kam.

Die übrigen Vorwürfe bestreitet der Beschuldigte. Er bezeichnet diese als übertrie-
ben (pag. 2201 Z. 1 ff.) und beschuldigt die Strafklägerin, seinen Kindern eine Ge-
hirnwäsche verpasst und sie zu falschen Aussagen angestiftet zu haben, um das 
Sorgerecht über die Kinder zu erhalten (exemplarisch: pag. 1820 Z. 12 ff., 
pag. 2200 Z. 4 ff. und pag. 2205 Z. 20 ff.). Die Kinder seien zu ihr gegangen, weil 
sie dort machen könnten, was sie wollten (pag. 229 Z. 270 ff.). Er bestätigte an der 
Berufungsverhandlung seine frühere Aussage, wonach er der «beste Papa» sei, 

18

weil er sich um die Kinder gekümmert habe, statt sie in ein Heim zu bringen, nach-
dem die Strafklägerin den Haushalt verlassen hatte (pag. 2199 Z. 34 ff.). Die Vor-
würfe seien übertrieben. Er sei alleine zu Hause gewesen mit den sechs Kindern. 
Manchmal, wenn sie ein Problem gehabt hätten, habe er «es» [Anschreien, «Füd-
litätsch»] gemacht, aber nicht immer, es sei nicht systematisch gewesen 
(pag. 2201 Z. 25 ff.; vgl. auch pag. 2204 Z. 37 ff.).

In Bezug auf den Vorwurf des versuchten Entziehens von Minderjährigen bestreitet 
der Beschuldigte nicht, am 20. April 2019 nach G.________ gefahren zu sein und 
sich während 25-35 Minuten mit L.________ unterhalten zu haben (pag. 187 
Z. 74 f., pag. 195 Z. 456 ff., pag. 200 Z. 44 ff., pag. 227 f. Z. 225 ff. und pag. 1822 f. 
Z. 46 ff.). Er habe jedoch nicht versucht, L.________ mitzunehmen.

12. Beweismittel

Für die Aufzählung und Zusammenfassung der Beweismittel wird zunächst auf die 
Vorinstanz verwiesen (pag. 1923 ff., S. 11 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Ergänzend zu erwähnen sind die diversen Polizeirapporte zu Polizeieinsät-
zen im Zusammenhang mit der Familie A.________ sowie das Urteil des Oberge-
richts P.________ vom 28. November 2019 (pag. 1008). Diese Beweismittel sowie 
die oberinstanzlich zusätzlich erhobenen Beweise werden direkt in die Beweiswür-
digung eingeflochten.

13. Allgemeine Beweiswürdigung

13.1 Aussagen von I.________

I.________ brachte mit seiner Anzeige das vorliegende Verfahren in Gang und 
äusserte als erstes der Kinder Vorwürfe gegen den Beschuldigten. Das Zustande-
kommen seiner Aussagen ist bemerkenswert und vorab hervorzuheben: Er begab 
sich am 26. März 2019 im Alter von 15 Jahren und im Beisein des Partners seiner 
Mutter (und nicht etwa der Mutter selber) auf den Polizeiposten in AC.________ 
und teilte mit, er wolle gegen seinen Vater eine Anzeige einreichen. Der Partner 
der Strafklägerin war auf Wunsch von I.________ während der Einvernahme nicht 
anwesend und kam gemäss Eindruck der Kantonspolizei lediglich zwecks Hin- und 
Rückfahrt mit (pag. 67). Nur fünf Tage zuvor war I.________ ohne Ankündigung bei 
seiner Mutter aufgetaucht, nachdem er sich – in seinen eigenen Worten – getraut 
habe, von seinem Vater wegzugehen. Dieser sei am Mittag nochmals wütend ge-
worden, weil jemand sein Velo geklaut habe. I.________ teilte der Polizei mit, dass 
«es» aufhören solle (pag. 95). Er sei selber auf die Idee gekommen mit der Anzei-
ge. Im Endeffekt habe er sich gesagt, es müsse sein. Das mit dem Schlagen, 
R.________(Gebäck) Verkaufen, Anschreien, den Aggressionen müsse stoppen 
(pag. 96).

Er schilderte sodann nachvollziehbar, stimmig und ohne innere Widersprüche, sei-
ne Mutter habe sich vor etwa 5-6 Jahren vom Vater getrennt wegen Gewalt. Es ha-
be bereits da angefangen. Sie sei gegangen, weil sie immer «drangekommen sei». 
Auch die Kinder würden immer «drankommen». Die Kinder («wir») seien mit dem 
Gurt, dem Besen und was auch immer da gewesen sei, «drangekommen». Es sei 
eigentlich fast jeden zweiten Tag zu Schlägen gekommen, wegen etwas Kleinem. 

19

Weil nicht geputzt gewesen sei, weil ihn [den Vater] etwas genervt habe, weil etwas 
passiert sei (pag. 95 und pag. 98). Wenn er schlage, dann schlage er alle 
(pag. 98). Er mache es ganz kurz, wenn er zum Beispiel etwas mehrfach sagen 
müsse, dann komme als Reaktion ein Schlag, wenn ihm etwas nicht passe 
(pag. 98). Manchmal komme er direkt mit dem Gurt, manchmal komme er später 
mit dem Gurt. Man meine, es sei alles erledigt und dann komme er mit dem Gurt. 
Er komme dann von einem zum anderen und dann wieder zurück. Also nicht der 
Reihe nach, sondern durcheinander. Die anderen würden dann versuchen, sich un-
ter der Bettdecke zu verstecken (pag. 97 und pag. 99). In letzter Zeit habe er 
[I.________] keine Rötungen oder blaue Flecken erhalten. Rote Flecken seien es 
immer, aber die würden nach einem Tag weggehen. Aber ein paar Mal habe er ei-
ne Beule gehabt (pag. 97). Der Vater erzähle Dinge über die Mutter vor allen Kin-
dern, die nicht stimmen würden (pag. 97). Er habe von seinem Vater auch einen 
«Klaps» erhalten, aber das behalte man nicht so im Kopf. Ein «Klaps» sei mit der 
flachen Hand «eine» ins Gesicht (pag. 100). Sein Vater habe auch gewürgt, aber 
selten. Ihn selber habe er zweimal gewürgt, aber das sei schon lange resp. etwa 
ein Jahr her (pag. 100 f.). Er wisse nicht mehr, wie es so weit gekommen sei. Es 
sei zu Hause im Wohnzimmer gewesen. Für eine kurze Zeit habe er keine Luft ge-
kriegt, aber dann habe der Vater wieder losgelassen. Er wisse noch, dass er selber 
am Boden gewesen sei und er [der Vater] über ihm, entweder auf oder neben ihm 
(pag. 101). Sein kleiner Bruder komme auch dran, sicher zweimal habe dieser 
«richtig gekriegt». Er selber sei nicht zu Hause gewesen, aber als er nach Hause 
gekommen sei, sei er [der Bruder] verletzt gewesen, am Auge «oder so» 
(pag. 101). An die letzten Schläge könne er sich nicht erinnern. Er vermute, etwa 
vor zwei Wochen, aber genau wisse er es nicht (pag. 101).

Bereits die Aussagen in dieser ersten Einvernahme enthalten Details zu den ge-
schilderten Vorgängen und zu den Gedanken und Gefühlen von I.________, die in 
einer erfundenen Geschichte nicht zu erwarten wären. Besonders imponiert bei-
spielsweise das Detail, wonach er und seine Geschwister jeweils versucht hätten, 
sich im Bett unter der Decke zu verstecken, wenn der Vater sie mit dem Gurt ge-
schlagen habe und dieser sie unter der Decke hervorgezogen habe (pag. 97). Auf 
Nachfragen reagierte er mit prompten und stimmigen Antworten, so etwa in Bezug 
auf den Gurt, den sein Vater jeweils verwendet habe (pag. 100). Als Beispiel nann-
te er einen konkreten Vorfall, bei dem er und seine Geschwister im Bus eine Busse 
gekriegt hätten. Daraufhin habe der Vater angefangen, zu beleidigen, dann habe er 
einen Gurt genommen und angefangen, sie zu schlagen (pag. 96 und pag. 97). Er 
beleidige mit w.________ (Sprache) Wörtern, die er [I.________] nicht übersetzen 
könne. Es seien harte Schimpfworte, so im Sinne von «Arschloch», «Fick dich» 
(pag. 96). Kaum Gegenstand erfundener Vorwürfe kann sodann die schon fast ku-
riose Geschichte mit dem Verkauf der R.________(Gebäck) sein, mit der sich 
I.________ überdies auch selber belastete. Er erwähnte den «R.________ (Ge-
bäck)-Verkauf» bereits ganz zu Beginn der Einvernahme, auf Frage, was genau 
stoppen müsse (pag. 96). Im Zusammenhang mit dem Vorfall mit der Busse schil-
derte er sodann: «Mein Vater hat mich, D.________ und K.________ geschickt, 
um R.________(Gebäck) zu verkaufen. Ohne Bewilligung der Stadt oder so. Wir 
haben es als Projekt der Schule ausgegeben. Das wars aber nicht. Wir haben die 

20

R.________(Gebäck) als selbergemacht verkauft, obwohl sie gekauft waren. Das 
Geld haben wir dann unserem Vater nach Hause gebracht» (pag. 96). Er gehe an 
einem normalen Tag am Nachmittag nach der Schule direkt R.________(Gebäck) 
verkaufen (pag. 98). Schliesslich beschrieb I.________ eindrücklich und nachvoll-
ziehbar die Angst, die er und seine Geschwister vor dem Vater empfanden. So 
sagte er eingangs, er wolle ein normales Leben und bei seiner Mutter könne er 
das. Er sei jetzt seit fünf Tagen da und er sei ruhig. Er habe immer Angst gehabt, 
wenn er vor der Türe gestanden sei, wie sein Vater drauf sei. Das wolle er nicht 
mehr. Er habe auch einen Ausschlag gehabt vom Stress, der jetzt weg sei (pag. 
95). Auf Frage, ob von seinen Geschwistern niemand weg wolle, antwortete er: 
«Sie sagen es nicht. Ich habe es auch niemandem gesagt, dass ich zu meiner Mut-
ter gehe. Ich fühle mich erleichtert, hier zu sein. Ich habe eine Türe geöffnet für 
meine Geschwister, dass sie es auch sagen können jetzt. Sie sagen es nicht, aber 
ich fühle es» (pag. 96). An anderer Stelle führte er aus, er sei nicht weggegangen, 
weil er sich nicht getraut habe. Man müsse Mut haben, einfach zu gehen (pag. 99). 
Auf die Frage, wie seine Geschwister reagieren würden, wenn sie von der Polizei 
befragt würden, sagte er in Übereinstimmung mit den restlichen Schilderungen: 
«Sie werden wahrscheinlich lügen. Von der Angst her» (pag. 100).

Der Eindruck von selbsterlebten, detaillierten und stimmigen Aussagen wird 
bestätigt durch die zweite Einvernahme von I.________ am 20. Januar 2020, die 
per Video aufgezeichnet wurde (pag. 104 ff.). In dieser ausführlicheren Einvernah-
me wiederholte er die Vorwürfe aus der ersten Einvernahme weitgehend überein-
stimmend mit seinen früheren Aussagen: Sein Vater sei ein aggressiver Mensch, 
der schnell «dreinschlage» und beleidige (Zeitindex 14:17). Der Auslöser dafür, 
dass er im März 2019 zu seiner Mutter gegangen sei, sei eine Auseinandersetzung 
mit seinem Vater wegen einem nicht abgeschlossenen Velo gewesen, wobei er, 
anders als in der ersten Einvernahme, zusätzlich erzählte, sein Vater habe ihm da-
bei eine Ohrfeige gegeben, was ihm peinlich gewesen sei, weil die Nachbarn es 
gesehen hätten (Zeitindex 14:18, 14:41). Sie seien für ihren Vater und unter dem 
Vorwand, Geld für ein Schulprojekt zu sammeln, R.________(Gebäck) verkaufen 
gegangen (Zeitindex 14:20). Wenn sie nicht so viel Geld gebracht hätten, sei der 
Vater aggressiv geworden, habe angefangen, sie zu beleidigen und ihnen Ohrfei-
gen gegeben (Zeitindex 14:25). Die Beleidigungen seien auf W.________ (Spra-
che) erfolgt (Zeitindex 14:26). Wenn sein Vater schlage, nehme er meist einen Gurt 
oder erteile Ohrfeigen. Wenn er zuerst einen Besen sehe, nehme er den Besen, 
aber meist sei es mit dem Gurt gewesen (Zeitindex 14:26, 14:45). Er und 
J.________ seien am meisten geschlagen worden. Er habe sich dann meist unter 
der Decke versteckt (Zeitindex 14:27, 14:50, 15:24). Am meisten habe er am Kör-
per getroffen. Am Kopf habe er auch ein paar Mal getroffen. Er habe ein paar Mal 
eine Beule gehabt am Kopf (Zeitindex 14:28). Einmal habe J.________ auf der 
Katzenterrasse etwas falsch gemacht und sein Vater habe sie auf der Terrasse mit 
dem Besen geschlagen. Eine Nachbarin habe die Polizei gerufen. Sie hätten der 
Polizei aber gesagt, es sei nichts passiert (Zeitindex 14:28; 14:57, 15:25). Auch 
seine Mutter sei geschlagen worden von seinem Vater (Zeitindex 14:30). Sein Va-
ter nehme zum Schlagen alles, was er zum Greifen habe. Einmal habe er ihn mit 
der flachen Seite eines Messers geschlagen (Zeitindex 14:32, 14:36). Er habe bei 

21

allen einen Besen resp. den Besenstiel benutzt, nicht nur beim Vorfall mit der 
Schwester (Zeitindex 14:35). Er habe keine offensichtlichen Verletzungen gehabt. 
Einen blauen Fleck oder eine rote Stelle, nicht eine Verletzung, die eine längere 
Zeit am Körper bleibe (Zeitindex 14:37). Der Vater habe ihn aus verschiedenen 
Gründen geschlagen. Der Vater schlage, wenn er wütend sei oder schlechte Laune 
habe, z.B., wenn jemand Wasser ausgeleert habe, das Katzenklo nicht geputzt 
oder das Zimmer nicht aufgeräumt sei oder wenn man keine Zeit habe, sich um die 
kleine Schwester zu kümmern (Zeitindex 14:30, 14:38). In solchen normalen Situa-
tionen werde er schon aggressiv und «schlage drein». Seine Methode sei nicht re-
den, sondern beleidigen und «dreinschlagen». Er sage oft, «ihr Kinder versteht nur 
Schläge» (Zeitindex 14:39). Die Stärke der Schläge passe sich der Situation an. 
Wenn er richtig aggressiv sei und den Gurt nehme, schlage er richtig stark. Die 
Ohrfeige sei auch stark bei ihm, da spüre er den Druck an seinem Ohr (Zeitindex 
14:47). Die Stimmung zu Hause beim Vater sei ängstlich gewesen. Wenn er nach 
Hause gekommen sei, habe er immer an der Türe gelauscht, ob es Schreie gebe, 
und er habe immer beim nach Hause kommen etwas Angst gehabt, dass sein Va-
ter vor Ort sein oder vor dem Schlafengehen noch einmal ausrasten könnte. Man 
habe immer Angst gehabt, dass man in den nächsten Stunden wieder «Schläge 
kassiere» und etwas falsch mache. Er habe Angst gehabt vor seinem Vater und 
habe bis jetzt immer noch Angst vor ihm, er habe auch Angst gehabt, dass sein Va-
ter hierhin [zur Einvernahme] kommen könnte (Zeitindex 15:18). Auf Frage, ob es 
noch irgendeinen Vorfall gegeben habe, welcher mit «würgen» zu tun gehabt habe, 
schilderte I.________ einen entsprechenden Vorfall, bei dem er vergessen habe, 
das Auto «zuzumachen» in der Garage und kurz ohnmächtig geworden sei (Zeitin-
dex 15:20). Zusätzlich erzählte er in dieser zweiten Einvernahme, er könne sich an 
einen Vorfall erinnern, als sie noch in X.________ gewohnt hätten und er etwa 8-
10 Jahre alt gewesen sei. Da habe ihn der Vater in der Dusche geschlagen (Zeitin-
dex 14:29). Im vergangenen Jahr sei sein Vater wütend geworden, weil er zusam-
men mit seinen Geschwistern seinen Geburtstag gefeiert habe, statt mit dem Vater 
in die Moschee zu gehen. Er habe ihn zu Boden gedrückt und seinen Fuss auf sei-
nen Kopf gedrückt. Anschliessend sei der Vater mit dem Fuss auf seinen Bauch 
getreten («chli gumpt»; Zeitindex 14:43). Sein Vater habe ihn auch einmal mit dem 
Ladekabel der Playstation gegen den Körper geschlagen (Zeitindex 15:21, 15:23). 
J.________ werde oft an den Haaren gerissen (Zeitindex 15:25). Neben den Beu-
len am Kopf und den blauen Flecken erwähnte I.________ ausserdem Beulen am 
Oberkörper und Streifen am Rücken, Bauch und einmal am Oberschenkel von den 
Schlägen mit dem Gurt. Einmal (noch in der Primarschule) habe er ein blaues Auge 
gehabt von seinem Vater und in der Schule erzählt, er habe einen Pfosten überse-
hen (Zeitindex 15:29). J.________ habe nach dem Vorfall mit dem Besen auf der 
Terrasse am Kopf (seitlich) geblutet. Sonst habe er nicht viel gesehen bei seinen 
Geschwistern (Zeitindex 15:32).

Auch diese zweiten Aussagen von I.________ sind stringent, in sich stimmig und 
widerspruchsfrei. Wie bereits in der ersten Einvernahme hat er detaillierte und mit 
eigenen Gedanken «kommentierte» Schilderungen gemacht, die in ihrer Einzigar-
tigkeit kaum erfunden und Monate später erneut zu Protokoll gegeben werden kön-
nen. Eindrücklich ist etwa die Schilderung, wie er den Haushalt seines Vaters ver-

22

lassen hat und zu seiner Mutter zog, nachdem ihn sein Vater in der Öffentlichkeit 
angeschrien, ihm das Handy weggenommen und eine Ohrfeige gegeben habe. 
Dabei berichtete I.________ unaufgefordert von seinen Gefühlen, Gedanken und 
der inneren Zerrissenheit vor der Haustüre seiner Mutter: Die Ohrfeige seines Va-
ters sei peinlich gewesen, weil es draussen gewesen sei und Leute es gesehen 
hätten (Zeitindex 14:18). Am Anfang habe er es gar nicht so richtig ernst genom-
men und sei einfach zu seiner Mutter gegangen. Er habe den Zug genommen. So-
bald der Zug abgefahren sei, habe er Angst bekommen. Es brauche viel Mut, ein-
fach zu gehen. Er sei gegangen ohne nichts, sei «schwarz gefahren» (Zeitindex 
14:19). Er habe dann bei der Mutter geklingelt und habe zuerst wieder nach Hause 
gehen wollen. Er habe dann realisiert, dass er zu spät nach Hause zurückkehren 
und dass dies wieder Schläge generieren würde. Das habe er nicht gewollt (Zeitin-
dex 14:41). Diese Überlegungen und Gefühle stimmen nachvollziehbar mit den ge-
schilderten Erlebnissen überein und sind ein starker Hinweis darauf, dass 
I.________ nicht eine erfundene Geschichte, sondern eigene Erlebnisse wieder-
gab.

Ähnlich selbsterlebt wirkt die in der zweiten Einvernahme noch etwas ausführliche-
re Schilderung des R.________ (Gebäck)-Verkaufs. So erwähnte er, dass 
J.________ von einem früheren Schulprojekt her eine undatierte Bestätigung ge-
habt habe, die sie genutzt hätten (Zeitindex 14:20). Das habe angefangen, als sei-
ne Schwester im letzten Schuljahr gewesen sei und jetzt sei diese mit der Lehre 
fertig, also würde er sagen, vor drei bis vier Jahren. Zwischendurch hätten sie eine 
lange Pause von vier Monaten oder so gemacht, weil jemand es der Polizei gemel-
det habe (Zeitindex 14:21). Seine Schwester D.________ habe dann behaupten 
müssen, dass ihr Vater nichts gewusst habe davon. Der Vater habe gesagt, sie 
müsse das so sagen. Danach hätten sie wieder angefangen. Er könne nicht sagen, 
wann genau (Zeitindex 14:22). Es habe angefangen mit einem Schulprojekt seiner 
Schwester, die das ernsthaft gemacht habe. Dann habe der Vater gesehen, dass 
das Geld bringe. Zuerst sei seine grosse Schwester ein paar Monate alleine ge-
gangen, dann sei D.________ weiterverkaufen gegangen und dann habe er und 
seine Zwillingsschwester auch angefangen zu verkaufen. Sie seien jeweils von der 
Schule heimgekommen, dann seien sie mit den R.________(Gebäck) und der 
Bestätigung nach draussen gegangen und hätten an den Türen geläutet, um diese 
zu verkaufen. Ihr Vater habe ihnen gesagt, sie müssten das machen. Es habe recht 
viel Geld gegeben. Sie hätten das Geld alles dem Vater gegeben, weil er sie ge-
schickt habe, das Geld zu bringen (Zeitindex 14:23). Es sei jeden Tag so abgelau-
fen, nach der Schule und auch am Samstag hätten sie den ganzen Tag draussen 
verkauft. Sie hätten immer ein oder zwei «Päckli Budget-R.________ (Gebäck)» 
gekauft und dann sei es darauf angekommen, wie viel die Leute gekauft hätten. 
Manchmal hätten sie CHF 60.00-70.00 am Tag gemacht, einmal habe jemand CHF 
120.00-130.00 gebracht. Am Samstag hätten sie recht viel gebracht, CHF 150.00 
pro Person. Das Geld habe alles der Vater bekommen (Zeitindex 14:24). Er habe 
jeweils gewartet, bis sie heimkommen und ihm das ganze Geld geben würden. Als 
er einmal nicht so viel Geld gebracht habe, sei der Vater aggressiv geworden, habe 
angefangen, ihn zu beleidigen und habe ihm ein paar Ohrfeigen gegeben. Solche 
Vorfälle seien nicht nur einmal gewesen. Auch bei seinen Geschwistern (Zeitindex 

23

14:25). Auch diese Schilderung weist mit der undatierten Bestätigung der Schule, 
der zeitlichen Verortung anhand des Ausbildungsstands der grossen Schwester, 
dem Zustandekommen der Idee, der zwischenzeitlichen Pause, dem konkreten 
Vorgehen, den präzisen Geldbeträgen und der Reaktion des Vaters zahlreiche De-
tails auf, die darauf hinweisen, dass I.________ das Erzählte tatsächlich erlebt hat.

Sodann schilderte I.________ auch in der zweiten Einvernahme eindrücklich die 
von Angst geprägte Stimmung im Haus, wie er vor dem Betreten der Wohnung je-
weils an der Türe lauschte, ob drinnen jemand schrie und wie er und seine Ge-
schwister sich unter der Bettdecke vor den Schlägen des Vaters verstreckt hätten. 
Schliesslich bemerkte er, J.________ sei die Einzige gewesen, welche den Mut 
gehabt habe, ab und zu mal etwas zu sagen. Die jetzige Frau seines Vaters habe 
ihn auch immer abgehalten. Sie habe auch ein paar Mal geweint und habe Angst, 
dass die «Kleine» [T.________] auch «so eine Zukunft» haben werde. Sie seien 
jeweils in ihre Zimmer gegangen, wenn der Vater jemanden geschlagen habe. Er 
habe nicht den Mut gehabt einzuschreiten und habe abgewartet, bis die Schläge 
aufgehört hätten (Zeitindex 15:33). Er habe auch keinen Mut gehabt, zum Arzt zu 
gehen und zu sagen: «Ich wurde von meinem Vater geschlagen, können Sie das 
mal untersuchen» (Zeitindex 14:38). In Bezug auf J.________ erwähnte er zudem, 
diese sei sogar noch fester geschlagen worden als er selber. Sie tue ihm sehr leid, 
er sei nicht einmal ihr richtiger Vater (Zeitindex 14:49).

Hervorzuheben ist weiter, dass I.________ seine Erzählung regelmässig und ein-
drücklich mit Gesten und Mimik unterstrich, was im Video der zweiten Einvernahme 
gut zu sehen ist, aber bereits in der ersten Einvernahme protokolliert wurde, als er 
von den Beulen am Kopf sprach und sich dabei an die linke Kopfseite fasste 
(pag. 97). In der zweiten Einvernahme zeigte er detailliert und mit präzisen Gesten, 
wie sein Vater den Gurt in die Hand genommen, mit beiden Händen halbiert und 
danach mit einer Hand geschlagen habe (Zeitindex 14.27). Er zeigte mit Gesten, 
wohin ihn sein Vater jeweils getroffen habe (Zeitindex 14:28, 15:29), wie ihn dieser 
mit einem flachen Küchenmesser (Zeitindex 14:33, 14:36) und dem Kabel (Zeitin-
dex 15:23) geschlagen habe. Auch seine Mimik unterstrich das Gesagte, etwa als 
ihm ein kleines Grinsen entwich bei der Schilderung, er sei ohne Habseligkeiten zu 
seiner Mutter gegangen und dabei «schwarz gefahren» (Zeitindex 14:19). Diese 
lebhafte Art zu erzählen und die Präzision, mit der er die Bewegungen des Vaters 
zeigte, deuten ebenfalls auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen hin.

Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen spricht auch, dass I.________ das Erlebte 
nicht linear erzählte, sondern sprunghaft. Er schilderte mal konkrete Episoden, mal 
allgemeine Erlebnisse (vgl. z.B. pag. 96 f.). Er konnte diese auf Frage zeitlich ein-
ordnen, schien aber jeweils zu erzählen, was ihm als erstes oder als nächstes in 
den Sinn kam. Diese Art des Erzählens spricht dafür, dass die Schilderungen er-
lebnisbasiert sind. Hätte I.________ fälschlicherweise eine erfundene Geschichte 
zu Protokoll geben wollen, wäre diese aufgrund der vorgängigen Vorbereitung an-
ders ausgefallen. Damit übereinstimmend sagte er in seiner ersten Einvernahme 
auf Frage nach weiteren Schlägen durch seinen Vater: «Ich muss überlegen… Ei-
gentlich habe ich es immer im Kopf, aber jetzt habe ich ein Blackout» (pag. 98).

24

Auffällig ist sodann, dass I.________ zwar viele negative Erlebnisse mit seinem 
Vater zu Protokoll gab, dabei aber dennoch differenzierte Angaben machte. So ver-
teufelte er seinen Vater in den Aussagen nicht, sondern gab an, sein Vater habe 
ihn auch umarmt und auch «Sorry» gesagt. Aber das Schlagen sei viel mehr gewe-
sen. Sein Vater habe wohl in den Momenten auch Mitleid gehabt mit «üs Chinder». 
Der Vater sei von seinem Vater «glaubs» selber auch geschlagen worden, das sei 
auch ein «Aggressiver» gewesen. Der Vater sei nach dem Entschuldigen nach 
zwei bis drei Tagen wieder aggressiv geworden und habe wieder zugeschlagen. So 
könne man die Entschuldigung auch nicht ernst nehmen (Zeitindex 15:01). Damit 
übereinstimmend hatte er bereits in der ersten Einvernahme angetönt, sein Vater 
meine, schlagen sei die Lösung (pag. 95). Er wünschte sich keineswegs einen 
kompletten Kontaktabbruch mit seinem Vater, sondern vielmehr eine «Umkehr» der 
früheren Situation, so dass er bei seiner Mutter leben und den Vater besuchen 
könne (pag. 96). Weiter verzichtete er darauf, Vorhalte von Vorfällen zu bestätigen, 
die er nicht mitbekommen habe (z.B. Einsatz einer Schere: Zeitindex 14:35, 15:16) 
oder für seine Geschwister zu sprechen (z.B. zur Frage, ob seine Geschwister 
Angst haben vor dem Vater: Zeitindex 15:19). Dies wäre in der Konstellation einer 
abgesprochenen Falschbeschuldigung nicht zu erwarten, da es ihm ein Leichtes 
gewesen wäre, solche Vorhalte einfach zu bestätigen. Stattdessen legte er eigene 
Erinnerungslücken und Unsicherheiten offen. Schliesslich differenzierte er auch, 
dass er die Schläge nicht immer als so schlimm empfunden und diese oft auch 
ganz schnell vergessen habe (pag. 99) und gab an, die Geschwister seien nicht al-
le und nicht alle gleich stark geschlagen worden (Zeitindex 14.27, 14.30).

Die Glaubhaftigkeit von I.________s Aussagen werden ferner durch die Tatsache 
untermauert, dass er mit dem Verlassen der Haushaltung seines Vaters seine Ge-
schwister und seine Stiefmutter zurückliess, die er alle gern hatte (pag. 95) und zu 
seiner Mutter und deren Partner zog, die er zwar von Wochenendbesuchen her 
kannte, mit der er aber seit Jahren nicht zusammengelebt hatte. Auch vor diesem 
Hintergrund scheint es schwer vorstellbar, dass er sich ohne massiven Leidens-
druck aufgrund des Verhaltens seines Vaters zu diesem Schritt und der anschlies-
senden Anzeigeerstattung entschieden hätte.

Der Vollständigkeit halber sei zuletzt erwähnt, dass I.________ übereinstimmend 
mit den Einvernahmen im Strafverfahren auch in der Anhörung betreffend die fami-
lienrechtlichen vorsorglichen Massnahmen am 11. Juni 2019 angab, er sei vom Va-
ter geschlagen worden (pag. 1020).

Zusammenfassend sind die Aussagen von I.________ übereinstimmend, wider-
spruchsfrei, nachvollziehbar, detailreich, mit eigenen Überlegungen, Gefühlen und 
Gesten untermauert, differenziert und wirken in ihrer Originalität selbsterlebt. Die 
Aussagen sind damit in hohem Masse glaubhaft, so dass darauf abgestellt wird.

13.2 Aussagen von D.________

Auch bei D.________ trägt das Zustandekommen ihrer Aussagen massgeblich zu 
deren Glaubhaftigkeit bei: Nachdem sie am 21. Mai 2019 ein erstes Mal befragt 
worden und dabei die Vorwürfe gegenüber ihrem Vater dementiert hatte, liess sie 
am 15. Oktober 2019 über ihre damalige Anwältin verlauten, sie sei am 10. Oktober 

25

2019 zu ihrer Mutter gegangen und habe sich entschieden, die Wahrheit über ihre 
Familie zu sagen. Sie sei bis anhin durch ihren Vater unter Druck gesetzt worden 
und habe jetzt wie I.________ den Mut aufgebracht, zu sprechen (pag. 28 f.). In 
der Folge wurde sie am 22. November 2019 im Rahmen einer Videoeinvernahme 
erneut befragt und führte zusammengefasst Folgendes aus (pag. 125 ff.):

An der ersten Einvernahme habe ihr Vater sie vorbereitet und ihr gesagt, was sie 
sagen solle. Er habe immer gesagt, wenn sie die Wahrheit sagen würden, würden 
sie im Kinderheim landen (Zeitindex 15:15). In der ersten Befragung sei sie gefragt 
worden, warum an verschiedenen Daten die Polizei gekommen sei. Es stimme, 
dass ihr Vater sie damals geschlagen habe. Als die Polizei gekommen sei, habe er 
gesagt, sie müssten lügen und sagen, sie hätten gespielt. Auch was I.________ 
wegen den R.________(Gebäck) gesagt habe, stimme. Der Vater habe gesagt, sie 
müssten lügen und sagen, das sei ein Projekt von J.________ gewesen. Diese ha-
be zwar einmal ein Projekt gehabt, aber sie habe dort extra eine Bestätigung aus-
gedruckt ohne Datum. Die hätten sie drei, vier Jahre lang benutzt. Sie seien im 
ganzen Kanton Bern verkaufen gegangen (Zeitindex 15:17). Sie habe dem Vater 
pro Tag manchmal CHF 150.00-200.00 gebracht (Zeitindex 15:18). Sie sei am 
10. Oktober 2019 zu ihrer Mutter gegangen, als ihr Vater in S.________ gewesen 
sei. Sie habe einen Streit mit ihrer Stiefmutter gehabt, bei dem diese ihr Handy 
kontrolliert und sie mit einem Kleiderbügel geschlagen habe. Sie habe sich am 
nächsten Tag aus dem Haus geschlichen und habe mit ihrer besten Kollegin ver-
sucht, I.________ zu erreichen. Er und ihre Mutter seien sie dann holen gekommen 
(Zeitindex 15:19). Sie werde von ihrem Vater geschlagen, seit sie neun, zehn Jahre 
alt sei. Nachdem I.________ gegangen sei, habe er zwei, drei Monate lang nicht 
geschlagen wegen der Anzeige. Danach habe er wieder angefangen (Zeitindex 
15:53). I.________ und J.________ seien am meisten geschlagen worden. Sie, 
K.________ und L.________ seien etwas geschont worden, weil sie jünger gewe-
sen seien. Jetzt seien sie und K.________ älter und würden auch geschlagen wie 
I.________, vor allem sie [D.________] (Zeitindex 15:38). Früher habe er sie weni-
ger geschlagen, wohl, weil sie die Lieblingstochter ihres Vaters gewesen sei. Als 
I.________ gegangen sei, habe er begonnen, statt diesen sie zu schlagen und ha-
be sie als «Bitch» und «Schlampe» bezeichnet (Zeitindex 15:27). Es sei sehr oft 
passiert, dass ihr Vater geschlagen habe. Einmal habe er sie und I.________ sehr 
fest mit dem Gürtel geschlagen, weil sie im Bus ohne Billett kontrolliert worden sei-
en. Sie hätten oft blaue Flecken gehabt und dann Pullover getragen, damit man es 
nicht sehe. Einmal habe sie am Kopf einen Flecken gehabt, den sie dann mit 
Schminke abgedeckt habe (Zeitindex 15:22). Wenn die Polizei gekommen sei, hät-
ten sie sich schlafend stellen oder sagen müssen, sie hätten gespielt. Immer wenn 
die Polizei gekommen sei, habe der Vater gelogen, auch als er L.________ einen 
«Chlapf» gegeben und dieser einen roten Flecken im Gesicht gehabt habe (Zeitin-
dex 15:23). Am 4. Februar habe ihr Vater J.________ mit dem Stock geschlagen, 
weil sie bei den Katzen nicht schnell geputzt habe. J.________ habe auf der Seite 
am Kopf eine Verletzung gehabt und es sei Blut herausgekommen. Dann hätten sie 
gesagt, sie und ihre Brüder seien am Spielen gewesen (Zeitindex 15:23). Meistens 
seien sie mit dem Gurt geschlagen worden (Zeitindex 15:32). Sie sei damit überall 
– Rücken, Bauch, Beine, Kopf manchmal auch – geschlagen worden (Zeitindex 

26

15:24). Er habe entweder mit dem Metallteil vorne geschlagen oder er «mache es 
durch zwei», damit es dicker sei (Zeitindex 15:25). Er habe auch mit «somene 
Holz», also Holzlöffel zum Kochen, geschlagen oder mit Kabel. Die Kabel habe er 
«durch zwei» gemacht (Zeitindex 15:32). Sie hätten dann immer die Decke über 
den Kopf gezogen oder versucht abzuhauen (Zeitindex 15:33). Sie sei ein paar Mal 
ohnmächtig geworden, weil er sie so stark an den Kopf geschlagen habe. Er kom-
me auch manchmal mit den Füssen auf den Hals, bis das ganze Gesicht blau sei, 
dann stehe er wieder auf. Sie habe keine Luft mehr bekommen, wenn er mit dem 
Fuss auf den Hals gegangen sei. Es sei, als würde er einen erwürgen. Man habe 
das Gefühl, gleich zu ersticken und dann stehe er auf und man könne wieder Luft 
nehmen (Zeitindex 15:34). Beim auf den Hals stehen sei sie nie ohnmächtig ge-
worden und habe auch keinen Urin verloren. Es sei aber öfter passiert, dass sie 
Male gehabt habe. Dann habe sie in der Schule einen Rollkragenpulli anziehen 
müssen. Sie habe jeweils blaue oder rote Flecken gehabt (Zeitindex 15:35). Ihr Va-
ter sei einmal mit einer Schere auf I.________ losgegangen (Zeitindex 15:36). 
K.________ sei so still und könne keine Fehler machen. Aber er schlage sie auch 
«mega fest» (Zeitindex 15:38). Sie wolle zwar noch mit ihrem Vater sprechen, aber 
sie habe Angst vor ihm, weil sie wisse, dass er wütend auf sie sei und sie wisse, 
dass er zu allem fähig sei. Er habe ihr bereits gedroht, mit ihnen nach S.________ 
«abzuhauen» und sie dort umzubringen, z.B., wenn sie noch einmal mit ihrem bes-
ten Kollegen ein Wort rede. Er habe in S.________ eine grosse Waffe, weil er Vö-
gel schiesse dort (Zeitindex 15:29). Sie traue ihm das zu. Er habe ja auch ihrer 
Mutter früher gedroht, er werde ihr die Kinder wegnehmen, weil sie sich scheiden 
lasse und das habe er ja wirklich gemacht. Er habe die Mutter immer schlecht ge-
macht bei ihnen und den Kontakt zu ihr verboten. So wie sie sie nun kennengelernt 
habe, stimme das gar nicht (Zeitindex 15:30). Das Verhältnis zur Mutter sei ganz 
anders als bei der ersten Einvernahme. Schon als ihre Mutter sie mit dem Auto ab-
holen gekommen sei, habe diese Tränen in den Augen gehabt, weil sie so glücklich 
gewesen sei, dass sie D.________ endlich wieder gesehen habe. Da habe sie ge-
wusst, dass alles, was der Vater über die Mutter gesagt habe, nicht stimme (Zeitin-
dex 15:31). Auf Frage zum Vorfall vom 20. April 2019 in G.________ mit 
L.________ sagte sie, ihr Vater habe L.________ einen teuren Nintendo gekauft, 
damit dieser freiwillig zu ihnen zurückkomme. Er habe versucht, L.________ ir-
gendwie wieder zu holen. Zum Glück habe ihre Mutter es dann bemerkt. Sie selber 
sei im Auto gewesen und habe alles gesehen. Ihr Vater habe ihr sein Handy gege-
ben und ihr gesagt, sie solle alles auf Video aufnehmen. Ihre Stiefmutter habe auf 
W.________(Sprache) zu ihr gesagt, sie solle ihre Mutter beleidigen (Zeitindex 
15:48).

Diese zweite Einvernahme von D.________ ist – wie diejenige von I.________ – 
gespickt mit Realkennzeichen, insbesondere zahlreichen, teilweise fast überra-
schenden Details, der Wiedergabe von Gefühlen und eigenen Überlegungen, einer 
offensichtlich unvorbereiteten Erzählweise, und nachvollziehbaren, logischen Be-
gründungen. Es ist schwer vorstellbar, dass die damals .________-jährige 
D.________ auf diese Weise eine erfundene Geschichte hätte wiedergeben kön-
nen.

27

Bezeichnend ist bereits die Schilderung ihrer «Flucht» zur Mutter. Sie schilderte 
darin zahlreiche und teilweise unerwartete Details wie etwa den Streit mit der 
Stiefmutter wegen einem Telefon mit ihrem Kollegen, obwohl sie nur über «Töfflis» 
geredet hätten, die Schläge mit einem Kleiderbügel, die Aufforderung ihrer Stief-
mutter, sie solle sich «verpissen», das Telefonat mit ihrem Vater, das frühmorgend-
liche Deponieren eines Pullis vor der Türe, die zahlreichen Versuche, I.________ 
zu kontaktieren oder das stundenlange Verstecken in Z.________, weil ihre Stief-
mutter und J.________ sie suchten. Auffällig ist weiter die Erwähnung von irrele-
vanten Nebenschauplätzen (wie dem halbstündigen Aufenthalt im Keller und Be-
such bei ihrer besten Freundin am Vorabend) und Komplikationen im Handlungs-
ablauf. So beschrieb sie beispielsweise, wie sie sich frühmorgens aus dem Haus 
geschlichen habe und K.________ hinter ihr TV geschaut, aber nichts «gecheckt» 
habe, wie sie I.________ mithilfe ihrer besten Freundin schliesslich erst via Kolle-
gen auf Instagram habe kontaktieren können, weil sie kein Handy gehabt habe und 
wie dieser im ersten Moment gedacht habe, sie «mache es wegen ihrem Vater» 
und erst nach einer Weile gesehen habe, dass sie wirklich gehen wolle (Zeitindex 
15:19). Diese Art des Erzählens sowie die einzelnen Details könnten für eine er-
fundene Geschichte kaum reproduziert werden.

Auch in Bezug auf die Erlebnisse mit ihrem Vater nannte D.________ Details, die 
in ihrer Originalität kaum erfunden werden können und in einer Falschanschuldi-
gung nicht zu erwarten wären. So etwa die Erwähnung, sie sei die Lieblingstochter 
ihres Vaters gewesen, weil sie ihrer Mutter ähnele (Zeitindex 15:27), das Schlagen 
mit einem Kochlöffel, wie ihr Vater jeweils den Gurt oder ein Kabel «durch zwei 
gemacht» habe, bevor er geschlagen habe, wie er jeweils ganz langsam die Trep-
pe hochlaufe und sie dann immer die Decke über den Kopf gezogen oder versucht 
hätten abzuhauen (Zeitindex 15:25, 15:32) oder wie er ihr mit dem Fuss auf den 
Hals gestanden sei (Zeitindex 15:34). Ebenso die Schilderung, wie ihr Vater ihnen 
auf YouTube Videos von weinenden und eingesperrten Kindern gezeigt und be-
hauptet habe, das seien Kinderheime und sie würden in solchen Heimen landen, 
wenn sie die Wahrheit sagen würden (Zeitindex 15:15, 15:33). Auch die Wiederbe-
gegnung mit ihrer Mutter, bei der sie sofort gewusst habe, dass nichts von dem 
stimme, was der Vater über die Mutter gesagt habe, sowie die Erkenntnis, dass ihr 
diese sehr wohl zum Geburtstag gratulierte, der Vater die Nachrichten jedoch blo-
ckiert hatte, wirken selbsterlebt, zumal D.________ sich in ihrer ersten Einvernah-
me im Mai 2019 tatsächlich darüber beklagt hatte, dass ihre Mutter ihr nicht zum 
Geburtstag gratuliere (Zeitindex 15:29; pag. 121 Z. 297 f.). Singulär ist schliesslich 
auch der Vorfall mit dem Nintendo und insbesondere die Anweisung des Vaters, 
die ganze Episode zu filmen und die Aufforderung der Stiefmutter in 
W.________(Sprache), sie solle die Strafklägerin beleidigen (Zeitindex 14:48). Dies 
unter anderem auch, weil der Beschuldigte auch selber erwähnte, er habe von die-
sem Vorfall ein Video (pag. 195 Z. 460).

Für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht sodann, dass D.________ an diver-
sen Stellen ihre eigenen Gefühle und Überlegungen einfliessen liess. So gab sie 
beispielsweise an mehreren Stellen an, wie ihr ihre Geschwister in bestimmten Si-
tuationen leid getan hätten/weiterhin leid tun oder wie sie nicht verstehen könne, 
wie diese die Situation so lange ausgehalten hätten/weiterhin aushalten würden 

28

(I.________: Zeitindex 15:37; K.________: Zeitindex 15:39; J.________: Zeitindex 
15:50). Weiter bemerkte sie, sie habe die Idee ihres Vaters nicht so schlau gefun-
den, wie dieser «schnell für über 500 Stutz» einen Nintendo gekauft habe. Sie ha-
be gewusst, dass es Probleme geben würde (Zeitindex 15:48). Aussagekräftig ist 
sodann eine Bemerkung am Schluss der Einvernahme, als D.________ von sich 
aus angab, als sie so alt wie L.________ gewesen sei und die Geschwister ge-
schlagen worden seien, habe sie diese ausgelacht. Das bereue sie nun. Sie könne 
sich nicht erklären, was sie damals lustig gefunden habe (Zeitindex 15:54). Insbe-
sondere diese letzte Anmerkung ist für die geltend gemachten Vorwürfe nicht zen-
tral, stellen die jüngere D.________ in ein unvorteilhaftes Licht und erfolgten ohne 
entsprechende Frage. Sie wäre deshalb in einer erfundenen Geschichte kaum zu 
erwarten.

Auch Wortwahl und Gestik sprechen dafür, dass D.________ nicht einen zuvor 
vorbereiteten, erfundenen Sachverhalt wiedergab, sondern spontan ihre eigenen 
Erinnerungen schilderte: Sie nutzte beispielsweise mehrfach zunächst umschrei-
bende, behelfsmässige Begriffe, die sie teilweise kurz darauf präzisierte (z.B. «Bü-
geleisen zum Aufhängen, genau Kleiderbügel» [Zeitindex 15:19], «Metallteil» am 
Gurt [Zeitindex 15:25], «durch zwei machen» von Gurt und Kabel [Zeitindex 15:25, 
15:32], «somene Holz, also Holzlöffel zum Kochen» [Zeitindex 15:32]) oder korri-
gierte sich selber spontan (z.B. ob Stiefmutter zur Arbeit oder zur Schule ging [Zei-
tindex 15:20], sie habe Kleider deponiert, also nur ein Pulli [Zeitindex 15:20], sie sei 
nicht Schnuppern gegangen «glaubs weil mich der Schulleiter nicht liess. Ja, weil 
mich der Schulleiter nicht gehen liess» [Zeitindex 15:24]). Sie korrigierte auch Vor-
halte der Befragenden spontan und wie aus der Pistole geschossen (z.B. Zeitindex 
15:32: Sie sei nicht nur einmal mit dem Gurt geschlagen worden) und unterstrich 
ihre Schilderungen mit einer lebhaften Gestik, die zum Geschilderten passte (Zei-
tindex 15:22: Fleck am Kopf; Zeitindex 15:24: J.________s Verletzung am Kopf; 
Zeitindex 15:33: Kabel halbiert und damit geschlagen; Zeitindex 15:34: Hals zuge-
drückt, nach Luft schnappen; Zeitindex 15:35: Pullover hochziehen). Diese Art des 
Erzählens zeugt von unvorbereiteten, erlebnisbasierten Aussagen.

Ihre Schilderungen sind sodann logisch, in sich stimmig und widerspruchsfrei. So 
begründete sie etwa nachvollziehbar, weshalb sie ihrem Vater zutraue, seine Dro-
hung, sie in S.________ umzubringen, wahrzumachen: Schliesslich habe er ja 
auch ihrer Mutter gesagt, er werde ihr die Kinder wegnehmen, weil sie gegangen 
sei und das habe er ja auch geschafft (Zeitindex 15:29). Wie ihr Bruder machte 
auch D.________ differenzierte Aussagen und verzichtete darauf, ihren Vater bei 
sich bietenden Gelegenheiten übermässig zu belasten. So gab etwa auch sie an, 
sie wolle keinen Kontaktabbruch mit ihrem Vater, sie wolle noch mit ihm sprechen, 
habe aber Angst vor ihm (Zeitindex 15:29). Sie differenzierte, die jüngeren Kinder 
seien weniger stark geschlagen worden als die älteren und verneinte trotz entspre-
chender Nachfrage, in Ohnmacht gefallen zu sein, als ihr Vater ihr mit dem Fuss 
auf den Hals gestanden sei (Zeitindex 15:35). Ihr Bemühen, in der zweiten Einver-
nahme mit den Unwahrheiten aus der ersten Einvernahme aufzuräumen, wirkt 
auch deshalb authentisch, weil sie sich erstaunlich gut daran erinnerte, was sie ein 
halbes Jahr zuvor (falsch) gesagt hatte und ihre Aussagen von sich aus korrigierte. 
So insbesondere ihre Angaben zum Vorfall vom 4. Februar, bei dem sie nicht nur 

29

korrigierte, was geschehen war, sondern auch die – für die Strafuntersuchung ne-
bensächliche – Aussage, wonach sie fälschlicherweise angegeben habe, an die-
sem Tag geschnuppert zu haben.

Hervorzuheben sind sodann ihre Aussagen über ihre Schwester K.________. So 
gab sie zunächst an, sie habe jetzt nichts mehr von K.________ gehört. Sie habe 
versucht, diese zu erreichen, aber diese habe sie blockiert. Als I.________ gegan-
gen sei, habe ihr Vater ihnen gesagt, er werfe sie aus dem Haus, wenn sie mit 
I.________ reden würden. Deshalb habe er K.________ sicher jetzt auch gesagt, 
er dürfe keinen Kontakt mit ihr und I.________ haben (Zeitindex 15:26). Etwas 
später führte sie aus, jetzt, da sie älter seien, würden auch sie und K.________ ge-
schlagen wie I.________. Sie habe es dann nicht mehr ausgehalten. K.________ 
sei so still und könne keine Fehler machen. Aber er schlage sie auch «mega fest», 
aber sie sage nichts. Sie sei still und weine für sich alleine. Sie sage nichts, weil sie 
Angst habe (Zeitindex 15:38) Sie [D.________] sei die Lieblingsschwester von 
K.________ gewesen, sie seien zusammen eine Person gewesen. Deshalb tue es 
ihr auch «huere leid», dass sie sie schon so lange nicht mehr gesehen habe und 
K.________ jetzt nicht komme. Sie könne sich gut vorstellen, dass es K.________ 
jetzt nicht gut gehe (Zeitindex 15:39). Beim Gedanken an den Verlust der zurück-
gelassenen K.________, versagte D.________ an einziger Stelle während der in-
tensiven, fast stündigen Einvernahme die Stimme, sie brach in Tränen aus und 
brauchte mehrere Sekunden, um sich zu fassen (Zeitindex 15:39). Dieser Moment 
wirkt in der Videoaufnahme authentisch und innerhalb ihrer Erzählung stimmig. Der 
Aspekt ihrer besonderen Verbundenheit mit K.________ ist denn auch der einzige 
Punkt, in dem ihre Aussagen aus der zweiten Einvernahme mit jenen aus der Erst-
befragung am 21. Mai 2019 übereinstimmen. Bereits damals sagte sie: «Mit 
K.________ habe ich die engste Beziehung. Mit J.________ auch. Wir sind auch 
beste Schwester» (pag. 116 Z. 40 f.). Im Gegensatz zu den Fragen zu den Vorwür-
fen gegen ihren Vater dürfte D.________ betreffend ihre Geschwister bereits in 
dieser ersten Einvernahme die Wahrheit gesagt haben: Zu diesem Thema hatte ihr 
Vater ihr keine inhaltlichen Vorgaben gemacht. Ihr Gefühlsausbruch während der 
zweiten Einvernahme ist aus diesen Gründen äusserst aussagekräftig. Es ist kaum 
denkbar, dass D.________ ihre Lieblingsschwester ohne unerträglichen Leidens-
druck von Seiten ihres Vaters zurückgelassen hätte. Insbesondere beschrieb sie ih-
re Beziehung zu I.________ bis zu ihrem Auszug als nicht besonders eng (pag. 
116 Z. 41 und pag. 123 Z. 401 f.) und ihre Mutter kannte sie kaum. Es kann daher 
ausgeschlossen werden, dass D.________ alleine wegen dem Wunsch nach ei-
nem Wiedersehen mit I.________ und der Strafklägerin den Kontaktabbruch zur 
restlichen Familie, insbesondere K.________ in Kauf nahm.

Ihre Schilderungen, wonach ihr wegen ihrem Kontakt mit ihrem besten Freund ge-
droht worden sei, lassen sich denn auch mit der Gesinnung des Beschuldigten ver-
einbaren, der etwa ausführte, D.________ habe keinen Respekt mehr vor ihrem 
Vater und folge jetzt einem «westlichen Lebensstil». Das störe ihn. Sie mache da-
mit zwar nicht sein Leben kaputt, aber für die Familie sei es schlimm (pag. 1822 
Z. 22 ff.). Oder D.________ sei früher «gut, nett und sauber» gewesen, bevor sie 
geraucht und sich mit nicht gut erzogenen Kindern abgegeben habe (pag. 2200 
Z 37 ff.). Auch aus den Nachrichten von J.________ an D.________ gehen die 

30

Regeln, die in der Haushaltung des Beschuldigten geherrscht haben, klar hervor: 
Es gehe in ihrem Alter einfach nicht, dass sie mit «Buebe» schreibe, leider drohe 
ihr eine Zukunft, in der sie nicht mehr Jungfrau sei (pag. 137 f.).

In Bezug auf diese ausführliche zweite Einvernahme ist schliesslich zu erwähnen, 
dass I.________ den Vorfall, bei dem er mit einer Schere traktiert worden sei, nicht 
bestätigte. Angesichts der zahlreichen Vorfälle, die sich im Haushalt A.________ 
ereignet haben müssen, vermag dies die Aussagen von D.________ jedoch nicht 
grundsätzlich in Frage zu stellen.

Anlässlich der Berufungsverhandlung liess sich D.________ als nunmehr junge 
Erwachsene erneut einvernehmen. Ihre Aussagen stimmten dabei in wesentlichen 
Punkten mit den Schilderungen aus ihrer zweiten Einvernahme überein: Sie 
bestätigte den Wegzug zu ihrer Mutter am 10. Oktober 2019 (pag. 2183 f. Z. 44 ff.), 
den R.________ (Gebäck)-Verkauf (pag. 2184 Z. 29 ff.), den Vorfall mit dem Fuss 
auf ihrem Hals (pag. 2185 Z. 5 ff. und pag. 2186 Z. 38 ff.), die Wut und Schläge ih-
res Vaters wegen Kleinigkeiten (pag. 2185 Z. 18 ff.), die Schläge mit dem Gurt und 
der Hand (pag. 2187 Z. 2), die Drohungen mit dem Kinderheim (pag. 2188 
Z. 29 ff.), das Anschreien (pag. 2188 Z. 39), die Drohung, sie in S.________ umzu-
bringen sowie die Tatsache, dass ihr Vater dort ein Gewehr habe zum Jagen (pag. 
2188 Z. 43 ff.), das Schlagen mit dem Kleiderbügel durch ihre Stiefmutter am 
Abend vor ihrem Wegzug (pag. 2189 Z. 2) sowie den Versuch ihres Vaters, 
L.________ mit einem Nintendo dazu zu bringen, zu ihm zurückzukehren (pag. 
2190 Z. 44 f.). Auch in dieser Einvernahme löste zudem die Frage nach ihrer 
Schwester K.________, mit der sie noch immer keinen freien Kontakt habe, Tränen 
aus. Sie vermisse K.________ immer noch «mega oft» (pag. 2185 f. Z. 28 ff.). Zu-
sätzlich schilderte sie, sie habe öfters auch sonst [abgesehen vom Fuss auf dem 
Hals] Würgereiz gehabt (pag. 2186 Z. 39). Wenn ihr Vater allgemein geschlagen 
habe mit dem Gurt, mit der Hand, mit der Faust, dann sei auch manchmal «so der 
Würg» gekommen und dann wieder weg. Dies unterstrich sie mit einer Geste, wo-
nach ihr Vater sie mit der Hand am Hals gewürgt habe (pag. 2187 Z. 2 ff.). Ihr Vater 
habe immer gesagt, ihre Mutter sei abgehauen und wolle sie [die Kinder] nicht se-
hen. Mit der Zeit seien dann I.________ und L.________ ab und zu zu ihr am Wo-
chenende. Die Mädchen hätten nicht gedurft, weil ihr Vater nicht gewollt habe, dass 
sie den Stiefvater sähen (pag. 2187 Z. 26 ff.). Ihr Vater habe ihnen vor jedem Ter-
min wegen dem Besuchsrecht gesagt, sie sollten sagen, sie wollten nicht zu ihrer 
Mutter. Und sie hätten immer, egal bei welchem Besuch, den ganzen Termin mit 
dem Handy aufnehmen und die ganze Aufnahme dem Vater zeigen müssen (pag. 
2189 Z. 18 ff.). Die Frage der Staatsanwältin, ob sie von ihrem Vater auch stunden-
lang ignoriert sei, verneinte sie. Ignoriert sei sie nicht geworden. Sie sei entweder 
geschlagen oder angeschrien worden. Es habe auch ab und zu normale Momente 
gegeben, aber daran habe sie leider fast keine Erinnerungen (pag. 2188 Z. 35 ff.).

Die Übereinstimmung mit ihren früheren Aussagen unterstreicht die grundsätzliche 
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Die einzelnen Abweichungen zu ihrer früheren Ein-
vernahme sind dabei mit dem Zeitablauf von vier Jahren erklärbar: Sie schilderte 
einerseits, am Tag, an dem sie zu ihrer Mutter gezogen sei, habe sie mit dem Han-
dy ihrer Kollegin direkt die Mutter angerufen (pag. 2183 f. Z. 44 ff.; frühere Version: 

31

Mehrere Versuche, I.________ via Instagram und Kollegen zu kontaktieren). Ande-
rerseits gab sie an, wegen dem Fuss auf ihren Hals ab und zu bewusstlos gewor-
den zu sein (pag. 2185 Z. 8; frühere Version: Keine Luft mehr, aber keine Ohn-
macht). Diese Abweichungen vermögen die grundsätzliche Glaubhaftigkeit ihrer 
Schilderungen nicht in Frage stellen. Es wird jedoch in diesen Punkten auf die tat-
nähere Einvernahme vom 22. November 2019 abgestellt.

Trotz dem Zeitablauf finden sich jedoch auch in der Einvernahme in der Berufungs-
verhandlung einige bemerkenswerte Passagen, die der Erzählung einer erfunde-
nen Geschichte entgegenstehen. Auf Frage, wie sie sich während dem 
R.________ (Gebäck)-Verkaufen gefühlt habe, sagte sie beispielsweise: «Ich bin 
ehrlich, ich war jung, 12, 13, ich sah nur das Gute darin, ‹es gibt Geld›. Aber wenn 
ich dann so darüber nachdachte, fand ich, ich gehe den ganzen Tag von Haus zu 
Haus und bekomme nicht einmal einen Franken für mich – so habe ich damals ge-
dacht. Aber jetzt habe ich auch schon bei Hilfsprojekten mitgemacht und realisiert, 
dass wir Menschen angelogen haben, die anderen helfen wollten. Wir hatten genug 
Geld und haben trotzdem Geld von anderen angenommen, die vielleicht nicht so 
gut lebten. Da habe ich jetzt schon ein schlechtes Gewissen» (pag. 2187 Z. 16 ff.). 
Sie sprach somit mit einer grossen Offenheit über ihr unreflektiertes jüngeres Ich, 
was darauf hindeutet, dass sie sich bemühte, ihr Erleben erinnerungsgemäss wie-
derzugeben. Sie beschrieb auch eindrücklich den Druck, dem sie als Kind ausge-
setzt war: «Und wirklich das Manipulative, ‹das stimmt nicht, was du siehst, du 
lügst, das stimmt nicht, was du gesagt hast›, so dass ich mich selber hinterfragt 
habe. Aber doch, es stimmt, ich weiss es ganz genau, kein Mensch würde so et-
was erfinden» (pag. 2188 Z. 1 ff.). Damit übereinstimmend gab sie an, wenn sie 
K.________ heute sehe, merke sie, dass diese sie ausfrage und ihrem Vater Dinge 
weitersage (pag. 2185 Z. 29 ff.).

Schliesslich werden die Schilderungen von D.________ durch die Chatverläufe mit 
ihrem Vater unterstrichen, die sie sowohl erst- als auch oberinstanzlich zu den Ak-
ten reichte. Bezeichnend ist etwa folgender Austausch (pag. 1851 ff.; nicht redi-
giert):

Beschuldigter: «Aber in meiner Kopf du und I.________ keine mehr mein Kinder nur L.________ soll 
ich noch eibischen Zeit geben wege noch sehr kleine sonst wenn bleibt so wie euch für alle glich auch 
den und bei dem Gott Alle mir treffen».

D.________: «Ja wir treffen uns bei Allag und Allah wird sagen ‹Kinder schlagen, ausnützen und be-
leidigen ist harram und das wir kinder das richtige gemacht haben das wir unser Leben weiter leben 
können und einen anständigen leben haben›».

Beschuldigter: «Aber wer ist viel berue von viel,,? Das bist du! ZEIT zeigt dir das nicht mehr ich mein 
Tochter»

Dieser Austausch widerlegt einerseits die Vorbringen des Beschuldigten, wonach 
sein Erziehungsstil in seinem Kulturkreis üblich und akzeptiert sei («Allah wird sa-
gen ‹Kinder schlagen, ausnützen und beleidigen ist harram [Anm. der Kammer: 
nach islamischem Glauben verboten] »). Andererseits ist bezeichnend, dass der 
Beschuldigte die Vorwürfe seiner Tochter, wonach er seine Kinder geschlagen, 
ausgenutzt und beleidigt habe, nicht bestreitet, was im Rahmen dieses Austauschs 

32

bei unzutreffenden Vorwürfen zu erwarten wäre, zumal der Beschuldigte seiner 
Tochter ansonsten viel zu schreiben hatte.

Die oberinstanzlich eingereichten Nachrichten zeigen sodann, dass der Beschul-
digte seiner Tochter auch nach dem erstinstanzlichen Urteil drohte, sie werde eines 
Tages noch vieles bereuen resp. bei ihrem Gott bezahlen. Er warf ihr vor, ihn be-
trogen und «eine Beschwerde» gegen ihren Vater eingereicht zu haben und fragte 
sie, ob sie nicht die «Beschwerde» gegen ihn «wegmachen» wolle, ob sie ihn ger-
ne im Gefängnis oder «weg von Schweiz» sehe. Er schrieb ihr, er hoffe, sie korri-
giere, was sie «für ihren Vater» gemacht habe vor dem «Tags Gericht» am 7. No-
vember 2023. Sie sei «wirklich psychisch Dummheit». Ihre Lügen würden nichts 
bringen am Obergericht. Sie und I.________ würden kein anständiges Leben ver-
dienen (pag. 2149 ff.). Sie müsse dann ohne ihren biologischen Vater weiterleben. 
Das sei sehr schlimm, da die «Wassermelone» [gemeint: Partner der Strafklägerin], 
Anwälte oder Richter ihr im restlichen Leben nicht helfen, sie nicht im Spital besu-
chen, nicht an ihre Hochzeit kommen würden. Sie solle nicht zu weit gehen in «die-
ser Dummheit» (pag. 2164 f.). Sie sei nicht mehr seine Tochter (pag. 2171). Nebst 
den zahlreichen Beleidigungen – darunter auch Bemerkungen zum Gewicht von 
D.________ – und unterschwelligen Drohungen ist an diesen Nachrichten insbe-
sondere bemerkenswert, dass der Beschuldigte seine Tochter in zahlreichen Nach-
richten auf das laufende, oberinstanzliche Verfahren und die anstehende Beru-
fungsverhandlung ansprach und versuchte, sie diesbezüglich zu beeinflussen. 
Auch dieses Verhalten fügt sich stimmig in die Schilderungen von D.________ ein 
und verleiht diesen zusätzliche Glaubhaftigkeit.

Zusammengefasst erachtet die Kammer die Aussagen von D.________ somit als 
widerspruchsfrei, nachvollziehbar, detailliert und originell. Ihr Aussageverhalten in 
der zweiten und dritten Einvernahme stand im Einklang mit dem Inhalt ihrer Schil-
derungen. Diese werden zudem unterstützt durch das in den Chatverläufen doku-
mentierte Verhalten des Beschuldigten. Die Kammer hat deshalb keine Zweifel 
daran, dass D.________ in den Einvernahmen ihre eigenen Erlebnisse wiedergab 
und grundsätzlich glaubhafte Aussagen machte.

Bei diesem Beweisergebnis erübrigt es sich weitgehend, die Aussagen von 
D.________ in der ersten Einvernahme zu analysieren, in der sie gemäss ihren 
glaubhaften späteren Aussagen betreffend die Vorwürfe gegenüber ihrem Vater 
gelogen hat. Es ist indes hervorzuheben, dass die Ereignisse rund um diese Ein-
vernahmen stimmig zu dem passen, was D.________ ab ihrer zweiten Einvernah-
me zu Protokoll gab: Sie schilderte glaubhaft, wie sie von ihrem Vater auf ihre erste 
Einvernahme, jedoch generell auf (behördliche) Termine vorbereitet und sogar an-
gewiesen worden sei, diese mit dem Handy aufzunehmen. Ihre erste Einvernahme, 
in der sie ihren Vater in den höchsten Tönen lobte, ist ein stimmiges Zeugnis dieser 
Erlebnisse. Auffällig ist einzig, dass D.________ in dieser ersten Einvernahme trotz 
der Anweisung, zu den Vorwürfen zu lügen, einräumte, es könne sein, dass 
I.________ «hie und da einen Klaps kassiert» habe (pag. 123 Z. 381) – diese ein-
zelne, belastende Aussage sticht angesichts des sonstigen Lobs für ihren Vater 
hervor und zeigte bereits damals, dass sich der Beschuldigte doch nicht so friedlich 
und gewaltlos verhielt, wie behauptet (vgl. auch Ziff. 13.4 unten).

33

13.3 Aussagen von L.________

Der jüngere Bruder von I.________ und D.________, L.________ wurde als da-
mals .________-jähriger am 21. Mai 2019 mittels Videoeinvernahme befragt 
(pag. 164 ff.). Anfang April war er auf seinen eigenen Wunsch hin ebenfalls zu sei-
ner Mutter gezogen.

Er gab an, er wolle bei seiner Mutter bleiben, weil er bei seinem Vater immer 
Schläge bekomme. Der Vater habe Kraft und schlage mit «richtig Stärke». Er habe 
ihn einmal die Treppe runter gestossen. Das sei gewesen, als er sicher noch 
.________ gewesen sei, nicht in diesem Jahr (Zeitindex 09:44). Das mit der Treppe 
sei im Haus drinnen gewesen, in H.________ am U.________weg (Zeitindex 
09:45). Sein Bruder habe auch Angst vor dem Vater, der habe auch Schläge erhal-
ten. Deshalb sei er auch zu ihrer Mutter gegangen (Zeitindex 09:46). Sein Vater 
habe ihn [L.________] gefragt, ob er zu seiner Mutter wolle und habe ihn gelassen, 
aber jetzt reagiere er immer «komm wieder zurück» (Zeitindex 09:47, 09:59). Er 
könne sich nicht erinnern, wann er zuletzt von seinem Vater geschlagen worden sei 
und wann das erste Mal. Er habe die anderen schon geschlagen, als er selber 
noch ein Baby gewesen sei (Zeitindex 09:47). Es gebe Tage ohne Probleme und 
dann gebe es Tage mit Schlägen (Zeitindex 09:48). Sein Vater habe ihn an den 
Kopf geschlagen und habe einen Gürtel, Finken oder ein Kabel benutzt, um zu 
schlagen. Er habe damit auf die Beine oder den Arm geschlagen (Zeitindex 09:51). 
Die Ohrfeigen seien immer an den Kopf gegangen. Der Vater schlage mit der rech-
ten Hand (mit Geste untermauert; Zeitindex 09:52). Er sei dann immer rot gewe-
sen. Und einmal habe er ihm den Kopf auf das WC geschlagen. Er habe dann am 
Mund geblutet (zeigt die Stelle; Zeitindex 09:52). Den Gurt habe er aus dem 
Schrank geholt, das Kabel vom Boden hochgenommen und die Finken habe er ge-
tragen (Zeitindex 09:53). Einmal sei sein Vater mit seinem Fuss auf seinen Bauch 
gestanden (Zeitindex 09:55). Er werde auf W.________(Sprache) beleidigt durch 
den Vater. Er wolle nicht sagen, wie («etwas mit ‹H›»; Zeitindex 09:56). Er sei fast 
jeden Tag geschlagen worden (Zeitindex 09:57). Er habe Angst vor dem Papi (Zei-
tindex 09:58). Wenn sein Vater ihn schlage, z.B. mit dem Gurt oder den Finken, 
schlage er mehrmals (Zeitindex 10:09). Auf die Frage, wie er sich dabei fühle und 
auf Nachfrage, was es für Gefühle gebe, antwortete er: «wütend, traurig, Angst». 
Das fühle er (Zeitindex 10:11). Wenn er wütend sei, auf wen? «Papi» (Antwort so-
fort mit einem kleinen Lachen; Zeitindex 10:11). Sein Vater blicke wütend, wenn er 
schlage (Zeitindex 10:12). Die Geschwister seien auch geschlagen worden und 
seien dabei gewesen, wenn er geschlagen worden sei. Die Stiefmutter werde auch 
geschlagen. Das habe er selber gesehen (Zeitindex 10:13). Auf Frage nach den 
R.________(Gebäck) gab er an, D.________, K.________ und I.________ hätten 
R.________(Gebäck) verkauft. Er sei noch zu klein gewesen (Zeitindex 10:14). 
Wenn ihn sein Vater schlage, sage er «Ich mache das nicht mehr, sorry». Wenn er 
ihn schlage, lache sein Vater ein bisschen und dann schlage er ihn (zeigt mit rech-
ter Hand / rechtem Arm wie; Zeitindex 10:15). Auf einer Skala von 1-10 seien die 
Schläge «10 mal 10, wie 100» (Zeitindex 10:15). Ob er Kleider trage, wenn er ge-
schlagen werde: «Ein paar Mal kurz, ein paar Mal lang». Ein paar Mal sei er beim 
Duschen auf die Beine geschlagen worden (Zeitindex 10:16). Zum Ende der Ein-
vernahme sagte, er, er wolle nicht so viel reden, er kriege immer Bauchschmerzen, 

34

wenn er so viel rede. Vor der Einvernahme habe er mit seiner Mutter geredet (Zei-
tindex 10:18). Heute Morgen beim Hinfahren hätten sie «e chli» gesprochen, aber 
er wolle es nicht sagen. Auf Frage, ob sie ihm gesagt habe, was er sagen solle, 
machte er zunächst eine unbestimmte Geste. Auch Nachfrage «e chli scho, he?»: 
«Ja» (Zeitindex 10:19).

L.________ hatte während der Einvernahme sichtlich Mühe, sich zu konzentrieren 
und wirkte nervös, was damit in Einklang steht, dass er später mit Ritalin bzw. 
Concerta behandelt wurde (pag. 886 und pag. 1849). Mehrfach gab er an, eine 
Frage nicht beantworten zu wollen und bemerkte gegen Ende der Einvernahme 
auch, es mache im Bauchweh, so viel zu sprechen. Dennoch schien er die Fragen 
in der Einvernahme zu verstehen, gab inhaltsadäquate Antworten und fragte nach, 
wenn er etwas nicht verstand (z.B. die Bedeutung von «sich wehren»). Aufgrund 
seiner Antworten zum Schluss der Einvernahme, kann nicht ausgeschlossen wer-
den, dass er vorgängig mit seiner Mutter über das Thema der Einvernahme ge-
sprochen hatte. Allerdings gab er gerade in Bezug auf die Schläge seines Vaters 
klare Antworten und zeigte die Schläge und die getroffene Stelle zusätzlich mit 
Gesten. Dies deutet darauf hin, dass er dabei Dinge erzähl