# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 013af0d6-55a5-5235-a028-f675d64b1f81
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2002-10-28
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Steuerrekurskommission 28.10.2002 JAAC 67.53
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_015_JAAC-67-53--_2002-10-28.pdf

## Full Text

JAAC 67.53

(Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission
vom 28. Oktober 2002 in Sachen A. [SRK 2001-129]

Taxe sur la valeur ajoutée. Aucune diminution de la contre-prestation
en cas de recours à des sous-traitants. Déduction de l’impôt préalable à
l’aide du formulaire 1310. Intérêt moratoire. Mainlevée de l’opposition.

- Diminution de la contre-prestation selon l’art. 35 al. 2 OTVA en cas de
recours à des sous-traitants (consid. 3a).

- Conditions de la déduction de l’impôt préalable malgré une facture qui
ne satisfait pas aux exigences formelles. Formulaire 1310 (consid. 3b).

- Devoir de payer des intérêts moratoires selon l’art. 38 al. 2 OTVA
(consid. 3c).

- Mainlevée de l’opposition. Voie de la procédure ordinaire selon l’art. 79
LP et dans le cadre de la procédure de la taxe sur la valeur ajoutée
(consid. 3d).

- Lorsque la maintenance qui a été convenue avec le client est prise
en charge par un tiers et que cette opération est déduite en tant que
dépense du chiffre d’affaires réalisé avec le client, il n’y a aucune
diminution de la contre-prestation (consid. 4a).

- Si un montant trop faible d’impôt a été déclaré, un intérêt moratoire
est dû. La confirmation selon le formulaire 1310 doit être adressée par
le fournisseur de la prestation au destinataire de celle-ci (consid. 4b).

- L’Administration fédérale des contributions a l’obligation de réclamer,
outre les impôts en souffrance, également les intérêts moratoires
correspondants. Pour ce faire, elle doit introduire une poursuite,
lorsque l’obligation de payer n’est pas respectée (consid. 4c).

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Mehrwertsteuer. Keine Entgeltsminderung beim
Unterakkordantenverhältnis. Vorsteuerabzug mittels Formular 1310.
Verzugszins. Beseitigung des Rechtsvorschlags.

- Keine Entgeltsminderung nach Art. 35 Abs. 2 MWSTV beim
Unterakkordantenverhältnis (E. 3a).

- Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs trotz formell ungenügender
Rechnung. Formular 1310 (E. 3b).

- Verzinsungspflicht gemäss Art. 38 Abs. 2 MWSTV (E. 3c).

- Beseitigung des Rechtsvorschlags. Der ordentliche Prozessweg nach
Art. 79 SchKG im Mehrwertsteuerverfahren (E. 3d).

- Wenn die Wartung, die mit dem Kunden vereinbart wird, durch
einen Dritten vorgenommen wird, und dieser Vorgang als Aufwand
vom Umsatz mit dem Kunden abgezogen wird, liegen keine
Entgeltsminderungen vor (E. 4a).

- Werden zu wenig Steuern deklariert, ist ein Verzugszins geschuldet.
Die Bestätigung gemäss Formular 1310 hat vom Leistungserbringer an
den Leistungsempfänger gerichtet zu sein. (E. 4b).

- Die Eidgenössische Steuerverwaltung ist gehalten, neben ausstehenden
Steuern auch die entsprechenden Verzugszinsen einzufordern. Dazu
hat sie die Betreibung einzuleiten, wenn der Zahlungspflicht nicht
nachgekommen wird (E. 4c).

Imposta sul valore aggiunto. Nessuna riduzione della
controprestazione in caso di ricorso a subappaltatori. Deduzione
dell’imposta precedente attraverso il formulario 1310. Interesse di
mora. Rigetto dell’opposizione.

- Non vi è riduzione della controprestazione ai sensi dell’art. 35 cpv. 2
OIVA nel caso in cui si faccia capo a subappaltatori (consid. 3a).

- Condizioni per la deduzione dell’imposta precedente nonostante
una fattura insufficiente dal punto di vista formale. Formulario 1310
(consid. 3b).

- Obbligo di versare interessi di mora secondo l’art. 38 cpv. 2 OIVA
(consid. 3c).

- Rigetto dell’opposizione. La via processuale ordinaria secondo
l’art. 79 LEF nella procedura concernente l’imposta sul valore aggiunto
(consid. 3d).

- Se la manutenzione che è stata convenuta con il cliente viene effettuata
da un terzo e questa operazione viene dedotta quale spesa dalla
cifra d’affari realizzata con il cliente, non vi è una riduzione della
controprestazione (consid. 4a).

- Se viene dichiarato un importo d’imposta troppo basso, vi è l’obbligo di
versare interessi di mora. La conferma secondo il formulario 1310 deve
essere indirizzata dal fornitore della prestazione a chi ha ricevuto la
prestazione (consid. 4b).

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- L’Amministrazione federale delle contribuzioni è tenuta ad incassare,
oltre alle imposte non ancora versate, anche i relativi interessi di mora.
Se l’obbligo di pagamento non viene osservato, l’autorità deve quindi
dare avvio alla procedura d’esecuzione (consid. 4c).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Aufgrund einer Kontrolle bei A. machte die Eidgenössische
Steuerverwaltung (ESTV) für die Steuerperioden des 1. Quartals 1995
bis 3. Quartal 1998 (vom 1. Januar 1995 bis 30. September 1998) mit
Ergänzungsabrechnung (EA) vom 4. November 1998 eine Steuernachforderung
von Fr. 33’121.- geltend. Diese Forderung setzte sich zusammen aus
Umsatzdifferenzen in Höhe von Fr. 25’589.- sowie angeblich zu Unrecht
in Abzug gebrachten Vorsteuern von Fr. 7’532.-; sie wurde von der
Steuerpflichtigen beglichen.

Am 5. Januar 1999 stellte die ESTV der Steuerpflichtigen eine
Verzugszinsrechnung zu, welche diese jedoch retournierte. Mit Schreiben
vom 23. Februar 1999 hielt die ESTV am Verzugszins von Fr. 2’415.- auf der
EA fest. In einer undatierten Eingabe (Eingang bei der ESTV: 10. März 1999)
anerkannte die Steuerpflichtige einen Verzugszins von Fr. 550.- auf dem
Vorsteuerabzug von Fr. 7’532.-. Beim Betrag von Fr. 25’589.- handle es sich
jedoch um Erlösminderungen, wobei diesbezüglich nie eine Steuerforderung
bestanden habe. Mit Schreiben vom 3. Mai 1999 bestand die ESTV auf ihrer
Forderung von Fr. 1’865.-. In der Folge leitete sie dafür die Betreibung ein.

B. Da die Steuerpflichtige den Betrag nicht beglich und gegen die in
Betreibung gesetzte Forderung Rechtsvorschlag erhob, erliess die ESTV am
12. August 1999 einen Entscheid gemäss Art. 51 der Verordnung vom 22. Juni
1994 über die Mehrwertsteuer (MWSTV, AS 1994 1464) und hielt fest, die
Steuerpflichtige habe der ESTV für das 1. Quartal 1995 bis 3. Quartal 1998
Fr. 1’865.- Verzugszins zu bezahlen. Zudem hob sie den Rechtsvorschlag
gegen den entsprechenden Zahlungsbefehl auf und auferlegte schliesslich
Verfahrenskosten. Begründet wurde die Zinsschuld imWesentlichen mit
der Berechnung vom 5. Januar 1999 für die EA unter Berücksichtigung der
Zahlung vom 17. März 1999. Gegen diesen Entscheid erhob die Steuerpflichtige
bei der ESTV mit Eingabe vom 14. August 1999 Einsprache.

C. Am 9. Juli 2001 wies die ESTV die Einsprache ab und bestätigte den
angefochtenen Entscheid. Begründet wurde der Einspracheentscheid im
Wesentlichen damit, dass für den Verzugszins die Entstehung bzw. die
Fälligkeit der Steuerforderung oder des Vorsteuerabzugs massgebend
sei. Zum Einen sei die Nachbelastung von Fr. 25’589.- am 30. Juni 1997
(mittlerer Verfall) fällig gewesen. Zum Anderen hätten die Gutschriften,
welche die Einsprecherin Dritten für deren Leistungen ausstellte, nicht den
formellen Anforderungen genügt. Die entsprechenden Bestätigungen der

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Leistungserbringer gemäss Formular 1310 würden vom November 1998
datieren; der Anspruch auf Vorsteuerabzug sei daher erst am Ende des 4.
Quartals 1998 entstanden.

D.Mit Eingabe vom 28. August 2001 erhebt A. (Beschwerdeführerin)
Beschwerde bei der Eidgenössischen Steuerrekurskommission (SRK) gegen
den Einspracheentscheid der ESTV vom 9. Juli 2001 und verlangt dessen
Aufhebung.

Mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2001 beantragt die ESTV die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

Aus den Erwägungen:

1.a.-2.d. (…)

3.a. Über die Steuer wird grundsätzlich nach den vereinbarten Entgelten
abgerechnet (Art. 35 Abs. 1 MWSTV). Ist das vom Empfänger bezahlte Entgelt
niedriger als das vereinbarte (Herabsetzung durch Skonto, Preisnachlass,
Verlust, usw.) oder werden vereinnahmte Entgelte zurückerstattet
(Rückerstattung wegen Rückgängigmachung der Lieferung, nachträglich
gewährte Rabatte, Rückvergütungen, usw.), so kann hiefür in der Abrechnung
über die Periode, in der die Entgeltsminderung verbucht oder die
Rückvergütung ausgerichtet wurde, ein Abzug vom steuerbaren Umsatz
vorgenommen werden (Art. 35 Abs. 2 MWSTV).

Hat sich jemand verpflichtet, Arbeiten an einem Gegenstand zu besorgen,
und lässt er diese Arbeiten ganz oder teilweise durch einen Dritten
(Unterakkordanten) vornehmen, so liegen zwischen diesem Dritten und
ihm sowie zwischen ihm und seinem Besteller (Auftraggeber, Bauherr)
Lieferungen vor (Art. 5 Abs. 4 MWSTV; vgl. Pierre-Marie Glauser, in mwst.com,
Basel 2000, zu Art. 11 MWSTG, Rz. 10). Zwischen dem Unterakkordanten und
dem Kunden des Generalunternehmers besteht demnach keine Bindung.
Selbst wenn die Arbeiten teilweise an einen Dritten delegiert werden, sind für
die Mehrwertsteuer die vom Unternehmer in Rechnung gestellten Arbeiten
gänzlich steuerbar und die vom Unterakkordanten dem Generalunternehmer
in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer ist unter den allgemeinen formellen
Voraussetzungen abziehbar. Unter keinen Umständen kann jedoch der vom
Unterakkordanten erzielte Umsatz vom Unternehmer im Sinne von Art. 35
Abs. 2 MWSTV abgezogen werden.

b. Die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug sind in den Art. 29 ff. in
Verbindung mit Art. 28 Abs. 1 MWSTV geregelt. Die SRK hat erkannt, dass
eine genaue Anwendung dieser eher formellen Anordnungen durch die
ESTV im Interesse einer gerechten und missbrauchsfreien Erhebung der
Mehrwertsteuer liegt (vgl. Entscheid der SRK vom 25. März 2002 i.S. P. [SRK
2000-135], E. 4b). Erfüllen die vorgewiesenen Belege die vorgesehenen
Bedingungen nicht, muss die Verwaltung den Vorsteuerabzug grundsätzlich
verweigern (vgl. Entscheid der SRK vom 17. Januar 2001, veröffentlicht in VPB
65.84 E. 4d in fine; Entscheid der SRK vom 25. März 2002, a.a.O., E. 4d/aa).

Indes gibt die ESTV den Steuerpflichtigen die Möglichkeit, durch die Erbringer
von Leistungen, welche sie bezogen haben, ein Formular mit der Bezeichnung
«Bestätigung des Leistungserbringers an den Leistungsempfänger
zwecks nachträglicher Ermöglichung des Vorsteuerabzuges trotz formell

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005321.pdf?ID=150005321
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005321.pdf?ID=150005321

ungenügender Rechnung» (Formular 1310) ausfüllen und unterzeichnen zu
lassen, um so nachträglich doch noch in den Genuss des Vorsteuerabzugs zu
kommen. Aufgrund dessen prüft die ESTV die Möglichkeit eines allfälligen
nachträglichen Vorsteuerabzugs. Ein solcher kommt gestützt auf das
Formular 1310 nur in Frage, wenn auf der Rechnung eine oder mehrere der
nachfolgenden Angaben fehlen: (a) MWST-Nummer des Leistungserbringers;
(b) Datum oder Zeitraum der Lieferung oder Dienstleistung; (c) Art,
Gegenstand und Umfang der Lieferung oder Dienstleistung; (d) Steuersatz;
(e) bei Rechnungen in ausländischer Währung der Steuersatz und/oder der
Steuerbetrag in Schweizerfranken (bis 31. Dezember 2000). Name und Adresse
des Leistungserbringers und des Leistungsempfängers, der Rechnungsbetrag
(Entgelt) sowie der geschuldete Steuerbetrag stellen hingegen Angaben dar, die
unverzichtbar sind und für welche eine Nachbesserung mittels Bestätigung
des Leistungserbringers nicht möglich ist. Die Bestätigungen müssen alle
in Art. 28 Abs. 1 MWSTV genannten Angaben enthalten; sie müssen vom
Leistungserbringer rechtsgültig unterzeichnet werden und ihre Vorlage
muss innert einer bestimmten Frist erfolgen, deren Nichteinhaltung den
Ausschluss vom Vorsteuerabzugsrecht zur Folge hat. Die SRK hat erkannt,
dass sich diese Praxis der ESTV insgesamt als sachgerecht und mit den
verfassungsrechtlichen Vorgaben durchaus vereinbar erweist, zumal sie
der Wahrung des Grundsatzes der Steuerneutralität dient (vgl. Entscheid der
SRK vom 25. März 2002, a.a.O., E. 4d/bb).

c. Die Verzinsungspflicht für verspätet geleistete Mehrwertsteuerzahlungen
hängt nach der Vorschrift von Art. 38 Abs. 2 MWSTV weder von einer
Mahnung noch von einem Verschulden seitens des Steuerpflichtigen ab.
Die Verzugszinssätze werden gemäss Art. 81 Bst. i MWSTV durch das
Eidgenössische Finanzdepartement festgelegt (vgl. Stephan Kuhn/Peter
Spinnler, Mehrwertsteuer, Muri/Bern 1994, S. 111). Der Steuerpflichtige gerät
ohne vorangehende Mahnung durch die ESTV in Verzug; ein Verzugszins
ist immer verschuldensunabhängig (Kommentar des Eidgenössischen
Finanzdepartements zur Verordnung über die Mehrwertsteuer vom 22. Juni
1994, S. 38). Wenn die Zahlung des Steuerpflichtigen zu spät erfolgt, tritt allein
aufgrund dieser Verspätung die vorgesehene Rechtsfolge (Verzugszinspflicht)
ein. Dieser Verzugszins ist selbst dann geschuldet, wenn der Schuldner gar
nicht imstande gewesen wäre, früher zu zahlen oder die Steuerforderung noch
nicht rechtskräftig festgesetzt ist (vgl. Entscheide der SRK vom 9. November
2000 i.S. O. [SRK 1999-076], E. 3a; Ernst Blumenstein/Peter Locher, System
des Steuerrechts, 5. Aufl., Zürich 1995, S. 278). Gestützt auf Art. 81 Bst. i
MWSTV erliess das Eidgenössische Finanzdepartement die Verordnung vom
14. Dezember 1994 über die Verzinsung (AS 1994 3170), deren Art. 1 vorsieht,
dass der bei verspäteter Zahlung der Mehrwertsteuer nach Art. 38 Abs. 2
MWSTV geschuldete Zins ab 1. Januar 1995 5% pro Jahr beträgt.

d.aa. Ein Gläubiger, gegen dessen Betreibung Rechtsvorschlag erhoben
worden ist und der sich nicht im Besitz eines Rechtsöffnungstitels befindet,
muss seinen Anspruch auf dem ordentlichen Prozessweg geltend machen
(Art. 79 des Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuldbetreibung
und Konkurs [SchKG], SR 281.1). Er hat nicht die Möglichkeit, die
Wirkungen des Rechtsvorschlags in einem rein betreibungsrechtlichen
Summarverfahren nach Art. 80 ff. SchKG zu überwinden. Der anzustrengende
ordentliche Prozess steht ausserhalb der Schuldbetreibung (vgl. Kurt

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Amonn/Dominik Gasser, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts,
6. Aufl., Bern 1997, S. 118); er ermöglicht aber trotzdem unmittelbar
die Fortsetzung der Betreibung, wenn der rechtskräftige Entscheid den
Rechtsvorschlag ausdrücklich beseitigt (Art. 79 Abs. 1 SchKG; vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Januar 2000 i.S. D. AG [2A.534/1999], E. 2a).

bb. Für öffentlichrechtliche Forderungen besteht der «ordentliche
Prozessweg» im Sinne von Art. 79 SchKG in der Geltendmachung der
Forderung vor der zuständigen Verwaltungs- oder Verwaltungsjustizbehörde
(vgl. Entscheid der SRK vom 20. Oktober 2000, publiziert in VPB 65.58
E. 2d). Aufgrund des rechtskräftigen (kantonalen oder eidgenössischen)
Verwaltungsentscheides - z. B. eines Steuerentscheides - kann dann unter
den gleichen Voraussetzungen wie bei einem Zivilurteil ebenfalls ohne
weiteres - das heisst ohne anschliessendes Rechtsöffnungsverfahren - die
Fortsetzung gemäss Art. 79 Abs. 1 SchKG verlangt werden (Amonn/Gasser,
a.a.O., S. 119). Mit der (letzten) Revision des SchKG ist der Verwaltungsweg
neu in die Bestimmung von Art. 79 Abs. 1 SchKG eingefügt worden, ebenso
die von der Praxis bereits eingeführte Voraussetzung zur Erteilung des Rechts
auf Fortsetzung der Betreibung (vgl. Carl Jaeger/Hans Ulrich Walder/ Thomas
M. Kull/Martin Kottmann, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs,
4. Aufl., Zürich 1997, S. 344; Christophe Misteli, La mainlevée administrative
de l’art 57 al. 3 OTVA, in Revue de Droit Administratif et de Droit Fiscal [RDAF]
1997, 2. Teil: Droit Fiscal, S. 127 ff., mit Hinweisen).

cc. Gemäss Art. 57 Abs. 3 MWSTV ist für die Beseitigung des Rechtsvorschlages
(in den Entscheiden und Einspracheentscheiden) die ESTV zuständig.
Nach der seit Jahrzehnten konstanten Praxis des Bundesgerichts kann
mit einem rechtskräftigen Entscheid einer Verwaltungsbehörde des
Bundes die Betreibung auch ohne Durchführung des eigentlichen
Rechtsöffnungsverfahrens fortgesetzt werden, falls die Betreibung vor der
Zustellung des Entscheides angehoben worden ist. Die Behörde (hier die ESTV)
muss aber in ihrem Entscheid auf die hängige Betreibung Bezug nehmen und
den Rechtsvorschlag ausdrücklich als aufgehoben erklären (Kommentar des
Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) S. 49; Urteil des Bundesgerichts
vom 24. März 1998 i.S. R. [2A.172/1997] E. 2; vgl. auch Entscheide der SRK vom
20. Oktober 2000, a.a.O., E. 2d sowie vom 22. Oktober 1996, publiziert in VPB
61.65 E. 9c, mit weiteren Hinweisen).

4.a. Im vorliegenden Fall macht die Beschwerdeführerin geltend, es sei
kein Verzugszins von Fr. 1’865.-, basierend auf den Umsatzdifferenzen von
Fr. 25’589.-, geschuldet. Sie argumentiert, sie habe die beanstandeten Abzüge
vom Umsatz zu Recht vorgenommen. Zudem handle es sich dabei auch nach
dem Mehrwertsteuergesetz um Entgeltsminderungen.

Vorab sei festgehalten, dass hier noch die Mehrwertsteuerverordnung, nicht
das Mehrwertsteuergesetz zur Anwendung kommt. Auf den entsprechenden
Einwand der Beschwerdeführerin in Bezug auf das Gesetz kann daher
nicht weiter eingegangen werden. ImWeiteren handelt es sich entgegen
der Beschwerdeführerin bei den von ihr vorgenommenen Abzügen nicht
um Entgeltsminderungen im Sinne von Art. 35 Abs. 2 MWSTV. Wenn sie
die Wartung, die sie mit ihren Kunden vereinbart hat, durch einen Dritten
vornehmen lässt, und diesen Vorgang als Aufwand vom Umsatz mit dem

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005234.pdf?ID=150005234
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003560.pdf?ID=150003560
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003560.pdf?ID=150003560

Kunden abzieht, wird weder vom Kunden vereinnahmtes Entgelt diesem
zurückerstattet, noch ist das vom Kunden bezahlte Entgelt niedriger als das
vereinbarte Entgelt.

b. Sodann hält die Beschwerdeführerin dafür, dass allein aufgrund der
unbestrittenen Tatsache, dass sie auf den fraglichen Gutschriften die
Mehrwertsteuernummer des Dritten nicht genannt habe, kein Verzugszins
geschuldet sei, zumal sie die Steuer vollständig und fristgerecht abrechnet
habe. Dem ist entgegen zu halten, dass die Beschwerdeführerin, wie gesehen,
zu Unrecht Abzüge von ihren Umsätzen, resultierend aus den Entgelten
der Kunden, vorgenommen hat. Daraus folgte, dass zu wenig Steuern
deklariert wurden; insofern ist ein Verzugszins geschuldet. Die formellen
Mängel der Vorsteuerbelege wurden zwar von der Beschwerdeführerin
behoben. Die im November 1998 mittels einschlägiger Bestätigungen
erfolgten Korrekturen konnten aber für die hier streitigen Steuerperioden
nicht berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang verfängt denn
auch die Rüge der Beschwerdeführerin nicht, diese Bestätigungen hätten
nicht ihr gegenüber, sondern gegenüber der ESTV erfolgen müssen. Wie
oben ausgeführt (vgl. E. 3b), hat die SRK die Praxis der ESTV, mittels
solcher Bestätigungen den Vorsteuerabzug trotz formell ungenügender
Rechnung nachträglich zu ermöglichen, als rechtmässig anerkannt. Mit
dieser Praxis soll dem Grundsatz der Neutralität der Mehrwertsteuer
zum Durchbruch verholfen werden, was ansonsten aufgrund formell
unvollständiger Vorsteuerbelege nicht möglich wäre. Im Übrigen kann in
diesem Zusammenhang auf das Selbstveranlagungsprinzip verwiesen werden,
wonach der Steuerpflichtige selber für das Vorhandensein der Vorsteuerbelege
zu sorgen hat. Er hat denn grundsätzlich auch selbst den Nachweis für den
beanspruchten Vorsteuerabzug zu erbringen, handelt es sich dabei doch um
eine steuermindernde Tatsache. Gerade deshalb hat die Bestätigung vom
Leistungserbringer an den Leistungsempfänger gerichtet zu sein, wobei es sich
auch zu Recht um ein Formular der ESTV handelt, und nicht um eine private
Bestätigung der beteiligten Leistungserbringer bzw. -empfänger.

c. Schliesslich wendet sich die Beschwerdeführerin gegen die Betreibung der
ESTV. Sie sieht einen Verstoss gegen die Gewaltenteilung darin, dass die ESTV
die Betreibung eingeleitet und in der Folge den erhobenen Rechtsvorschlag
beseitigt hat. Solange zudem ein Fall rechtlich nicht geklärt sei, sollte ein
Eintrag im Betreibungsregister, welcher kreditschädigend sei, nicht gestattet
sein. Im Übrigen beanstandet die Beschwerdeführerin die Verfahrensdauer
vor der Vorinstanz von nahezu zwei Jahren.

Was die Bearbeitungsdauer des vorinstanzlichen Verfahrens anbelangt,
so mag diese mit beinahe zwei Jahren lang erscheinen. Sie ist jedoch mit
Blick auf die Einführung des Mehrwertsteuergesetzes, welche von der ESTV
gleichzeitig einen ausserordentlichen Einsatz verlangte, gerechtfertigt.
Weiter ist die ESTV gehalten, neben ausstehenden Steuern auch die
entsprechenden Verzugszinsen einzufordern. Auch wenn sie gleichzeitig
den Rechtsvorschlag beseitigt hat, bleibt der Prozess ein ordentlicher und
wird nicht zum betreibungsrechtlichen. Gleiches gilt für das anschliessende
Rechtsmittelverfahren. Nach Art. 57 Abs. 3 MWSTV ist die hier für
den materiellen Entscheid zuständige ESTV auch zur Beseitigung des
Rechtsvorschlags zuständig. Schliesslich ist diese Fragestellung ohnehin mit
der Einführung des Verwaltungswegs in Art. 79 Abs. 1 SchKG und hinsichtlich

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der Erteilung des Rechts, die Betreibung fortzusetzen, gesetzlich geregelt
geworden (vgl. oben, E. 3c). Wenn man sich hier mit der ESTV gemäss
deren Vernehmlassung fragen kann, ob statt die Betreibung einzuleiten,
nicht zuerst die Verzugszinsforderung materiell zu beurteilen gewesen
wäre, so kann dennoch festgehalten werden, dass die ESTV insofern
zu Recht die Betreibung einleitete, als die Beschwerdeführerin ihrer
Zahlungspflicht nicht nachgekommen war. Der Entscheid vom 12. August
1999 gemäss Art. 51 MWSTV, welchen die ESTV in der Folge erliess, stellt
eine Verfügung nach Art. 80 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG dar, womit der von der
Beschwerdeführerin erhobene Rechtsvorschlag beseitigt wird, ohne dass
die ESTV das Rechtsöffnungsverfahren vor dem (zuständigen kantonalen)
Richter anstrengen müsste (vgl. BGE 107 III 63 E. 2a). Nach Rechtskraft
dieses Entscheides kann sie imWeiteren Fortsetzung der Betreibung
verlangen (Art. 79 Abs. 1 SchKG). Da die Schuld offen geblieben ist, können die
Wirkungen des Rechtsvorschlags nicht aufrecht erhalten bleiben. Insofern
besteht kein Grund, die Betreibung aufzuheben und den entsprechenden
Eintrag zu löschen, wozu die SRK ohnehin nicht zuständig wäre. Daher ist der
diesbezügliche Antrag der Beschwerdeführerin unbegründet.

5.a. Zusammenfassend schuldet die Beschwerdeführerin - unabhängig von
einer Mahnung oder einem Verschulden - einen Verzugszins, da sie von
ihren Kundenumsätzen unberechtigte Abzüge vorgenommen und zu wenig
Steuern deklariert hat. Die Höhe des Verzugszinses von Fr. 2’415.-, abzüglich
der Zahlung von Fr. 550.-, gibt - ausgehend vommittleren Verfalldatum am
1. Juli 1997 bis zum Zeitpunkt der Zahlung der Steuernachforderung von
Fr. 33’121.- am 15. Dezember 1998 - zu keinen Beanstandungen durch die
SRK Anlass; dessen Berechnung durch die ESTV erscheint nicht zweifelhaft,
sie wird zudem als solche von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. Die
vorliegende Beschwerde ist somit abzuweisen.

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_107_III_63&resolve=1

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

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JAAC 67.53 - (Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 28. Oktober

2002 in Sachen A. [SRK 2001-129]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2003
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Band 67
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