# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c2856d82-628f-5c57-aa45-a33485fd101d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.10.2010 E-6265/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6265-2010_2010-10-18.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6265/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 
mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;
Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe.

A._______, geboren (...),
B._______, geboren (...),
C._______, geboren (...),
D._______, geboren (...),
Kosovo,
(...),
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und 
Asylwiderruf; Verfügung des BFM vom 20. August 2010 / 
N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6265/2010

Sachverhalt:

A.
Die  Beschwerdeführer  sind  albanischer  Ethnie  und  stammen  aus 
E._______,  welches  sich  im  Südwesten  Kosovos  befindet.  Die 
damaligen  Staatsangehörigen  der  Bundesrepublik  Jugoslawien  – 
A._______, B._______ sowie die Kinder F._______ und G._______ – 
reichten am 26. März 1990, respektive am 25. Juli 1990 Asylgesuche 
ein.  Zur  Begründung  brachten  die  Beschwerdeführenden  im 
Wesentlichen  vor,  vor  dem  Hintergrund  der  kosovoalbanisch-
serbischen  Spannungen,  habe  sich  der  Beschwerdeführer 
oppositionell  in  verschiedenen  Formen  des  Protests  betätigt.  Der 
negative  Asylentscheids  des  damaligen  Bundesamts  für  Flüchtlinge 
(BFF, heute: BFM) vom 18. Januar 1994  wurde mit Urteil der damals 
zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  vom  23. 
Januar 1996 bestätigt. Die ARK hat nach einer Revisionseingabe vom 
3. Mai  1996  das  Verfahren  indessen  wiederaufgenommen  und  mit 
Entscheid  vom  27. Oktober  1998  die  Beschwerde  gutgeheissen, 
worauf das BFF mit Verfügung vom 29. Oktober 1998 der Familie Asyl 
gewährte. Die damalige Lage im Kosovo stand, insbesondere was das 
Vorgehen der serbischen Behörden gegenüber den Angehörigen der 
albanischen Ethnie anbelangte, kurz vor einer Eskalation, welche im 
Jahr 1999 zu einem Krieg führte.

Die Kinder D._______ und C._______ wurden in der Schweiz geboren 
und in die Asylgewährung einbezogen.

B.
Mit Schreiben des BFM vom 6. Januar 2006 wurde dem Beschwerde-
führer nach einer Reise in den Kosovo das rechtliche Gehör bezüglich 
eines  möglichen  Asylwiderrufs  gewährt.  In  der  Stellungnahme  des 
Beschwerdeführers vom 9. Januar 2006 kam insbesondere die Verbit-
terung über seinen langjährigen Aufenthalt in der Schweiz zur Geltung. 
Ferner  brachte  er  vor,  es  sei  einem  Staatenlosen  erlaubt,  auf  der 
ganzen Welt wie ein Nomade zu reisen.

Mit  Verfügung  des  BFM  vom  16. Januar  2006  wurde  gestützt  auf 
Art. 63 Abs. 1 Bst. b  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 
142.31) i.V.m. Art. 1C Ziff. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 
die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30)  die Flüchtlings-
eigenschaft  von  A._______  aberkannt  und  das  Asyl  widerrufen. 

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Begründet wurde dieser Entscheid mit der grundlegenden politischen 
Veränderung des  Kosovos. Diesem Umstand  habe  der  Beschwerde-
führer mit der erwähnten freiwilligen Reise in den Kosovo, welche sich 
anhand einer Stempelung der UNMIK vom (...)  in seinem Reisepass 
bestätigen lasse, Rechnung getragen.

Gegen diese Verfügung reichte der damalige Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers am 15. Februar 2006 bei der ARK Beschwerde ein, 
welche durch das Urteil  vom 28. April  2006 gutgeheissen wurde. Zur 
Begründung führte die ARK aus, gemäss der Rechtsprechung und im 
Sinne der schweizerischen Praxis könne nicht von einer stabilen und 
grundlegenden Verbesserung der Lage im Kosovo ausgegangen wer-
den.

C.
Mit Schreiben vom 14. Mai 2009 gewährte das BFM allen Mitgliedern 
der  Familie  H._______ das  rechtliche  Gehör  betreffend  einer 
Änderung der  Daten über deren Nationalität. Es wurde beabsichtigt, 
diese  im Zentralen  Migrationsinformationssystem ZEMIS auf  Kosovo 
zu ändern, nachdem sich am 17. Februar 2008 die Republik Kosovo 
von der Republik Serbien abgelöst und die staatliche Unabhängigkeit 
erklärt hatte. Am 15. Juni 2008 sei die neue kosovarische Verfassung 
in Kraft getreten. Eine Reihe von Staaten – darunter auch die Schweiz 
– habe den Kosovo seit der Unabhängigkeitserklärung als souveränen 
Staat anerkannt. 

In der Stellungnahme vom 23. Mai  2009 begrüsste der Beschwerde-
führer im Namen seiner Familie diesen Schritt.

D.
Mit Schreiben vom 15. September 2009 gewährte das BFM der inzwi-
schen volljährigen Tochter G._______ das rechtliche Gehör bezüglich 
eines  möglichen  bevorstehenden  Asylwiderrufs.  Diese  Massnahme 
wurde ins Auge gefasst,  da sich diese gemäss einem Grenzkontroll-
rapport zwischen dem (...) und dem (...) im Kosovo aufgehalten habe.

In  ihrer  Stellungnahme  vom  16. September  2009  erwiderte 
G._______,  dass  ihr  nicht  bewusst  gewesen  sei,  dass  sie  mit  ihrer 
Reise  ungesetzlich  gehandelt  habe.  Da  sie  und  ihre  Familie  als 
Flüchtlinge aus Serbien und Montenegro anerkannt worden seien, sei 
es in ihren Augen nicht verboten, den Kosovo zu besuchen.

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Gestützt  auf  Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1C Ziff. 1 FK ab-
erkannte das BFM mit Verfügung vom 28. September 2009 die Flücht-
lingseigenschaft  von  G._______  und  widerrief  das  Asyl.  Nach  un-
benutztem Ablauf der Beschwerdefrist ist diese Verfügung am 28. Ok-
tober 2009 in Rechtskraft erwachsen.

E.
Mit Schreiben vom 4. August 2010 gewährte das BFM dem inzwischen 
volljährigen  F._______  sowie  den  Eltern  A._______  und  B._______ 
(miteinbezogen  die  noch  minderjährigen  Kinder  D._______  und 
C._______ hinsichtlich  eines  möglichen Asylwiderrufs  das rechtliche 
Gehör.

In seinen Briefen vom 7. August  und 16. August  2010 äusserte  sich 
A._______  hinsichtlich  des  bevorstehenden  Widerrufs  und  des 
Lebens, welches er und seine Familie seit ihrer Ankunft in der Schweiz 
führen müssten, mit Missfallen. Insbesondere beantragte er eine Ver-
längerung der Flüchtlingseigenschaft und eine Möglichkeit, den Koso-
vo  unter  Beibehaltung  der  Flüchtlingseigenschaft  ungehindert  besu-
chen zu können.

Mit  separaten  Verfügungen  vom  20. August  2010  aberkannte  das 
Bundesamt die Flüchtlingseigenschaft von A._______ und B._______ 
(eingeschlossen  die  Kinder  D._______  und  C._______  sowie  von 
F._______  H._______  und  widerrief  bei  allen  betroffenen  Personen 
das Asyl. Es stützte diesen Entscheid auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG 
i.V.m. Art. 1C  Ziff. 5  FK  und  begründete  ihn  mit  der  grundlegenden 
Veränderung,  die  der  Kosovo  seit  der  Asylgewährung  der  Familie 
erlebt habe. Im Weiteren bemerkte das BFM, eine uneingeschränkte 
Reisemöglichkeit unter Beibehaltung der Flüchtlingseigenschaft sei mit 
dem Schweizerischen Asylrecht nicht vereinbar; deshalb werde darauf 
nicht eingegangen.

F.
Mit  Eingabe  vom 2. September  2010  an  das  Bundesverwaltungsge-
richt  erhoben  A._______  und  B._______  Beschwerde.  Der 
Beschwerdeführer tat in erster Linie seinen Unmut über seine Situation 
als  Ausländer,  der  in  der  Schweiz  lebe,  kund.  Da  der  Be-
schwerdeschrift  jedoch nicht  explizit  das Begehren,  die den Anfech-
tungsgegenstand (Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft  und Asyl-
widerruf) betreffen, entnommen werden konnte, insbesondere da der 
Beschwerdeführer anfügte, der Asylwiderruf sei an und für sich für die  

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Familie  kein  Problem,  setzte  das  Bundesverwaltungsgericht  mit 
Zwischenverfügung  vom 27. September  2010  Frist  an,  um  eine  Be-
schwerdeverbesserung einzureichen.

Durch ein Schreiben vom 29. September 2010 stellte  der Beschwer-
deführer seine Begehren klar, indem er implizit die Beibehaltung der 
Asylgewährung und der Flüchtlingseigenschaft  beantragte. Dabei be-
rief  er  sich  einerseits  auf  die  angebliche  Staatenlosigkeit  der  ver-
schiedenen  Familienmitglieder;  anderseits  betonte  er,  dass  die  Ser-
ben,  die ihn und seine Familie  gefoltert,  terrorisiert  und umgebracht 
hätten, weiterhin im Staatsdienst arbeiten würden.

Zur Untermauerung reichte der Beschwerdeführer unter anderem ein 
anwaltliches Schreiben vom 20. Dezember 2007 aus einem kantona-
len Einbürgerungsverfahren ein, in welchem der damalige Anwalt auf 
die  Staatenlosigkeit  hinwies,  und  eine  E-Mail-Korrespondenz  (be-
stehend  aus  zwei  E-Mails)  vom 27. April  2010  zwischen  A._______ 
und J._______ der UNMIK in fremdländischer Sprache.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Be-
hörden nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme im 
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde 
und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 105 AsylG).

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1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Die Beschwerde-
führenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Be-
schwerde ist – vorbehältlich folgender Erwägungen – einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli -
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.  

4.1 Im  Folgenden  wird  zu  beantworten  sein,  ob  die  Vorinstanz  zu 
Recht die Flüchtlingseigenschaft  der Beschwerdeführenden im Sinne 
von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1C Ziff. 5 FK beendet hat.

4.2 Die Begehren die Integration der Familie in der Schweiz oder die 
Wegweisung aus der Schweiz betreffend sind nicht  Gegenstand des 
vorliegenden Verfahrens, weshalb darauf nicht einzutreten ist.

5.

5.1 Gemäss  Art. 63  Abs. 1  Bst. b  AsylG  wird  die  Flüchtlingseigen-
schaft aberkannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art.  1C 
Ziff. 1 bis 6 FK vorliegen. Art. 1C FK beinhaltet die Beendigungsklau-
seln  betreffend  den  Flüchtlingsstatus.  Namentlich  endet  gemäss 
Art. 1C Ziff. 5  FK die  Rechtsstellung als  Flüchtling,  wenn die betref-
fende Person nach dem Wegfall der Umstände, aufgrund derer sie als 

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Flüchtling  anerkannt  worden  ist,  es  nicht  mehr  ablehnen  kann,  den 
Schutz des Landes in Anspruch zu nehmen, dessen Staatsangehör-
igkeit sie besitzt.

An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass das Verfahren 
um Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft  und um Asylwiderruf die 
Wegweisung  und  deren  Vollzug  nicht  tangiert.  Eine 
Niederlassungsbewilligung  wird  ferner  nur  nach  Art. 63  des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20) widerrufen.

5.2 Zunächst  wird  zu  klären sein,  ob sich  die objektive Situation  im 
Kosovo tatsächlich massgeblich und nachhaltig positiv verändert hat.

5.2.1 In ihrem Entscheid vom 20. August 2010 machte die Vorinstanz 
insbesondere  geltend,  dass  nach  dem  Einmarsch  der  KFOR  am 
12. Juni 1999 die damalige jugoslawische Regierung alle ihre polizei-
lichen und militärischen Zuständigkeiten abgegeben habe. Mit interna-
tionaler  Unterstützung seien daraufhin  neue Sicherheitskräfte  aufge-
baut worden, weshalb auch die Behörden des Nachfolgestaates Ser-
bien  im  Kosovo  keine  Machtbefugnisse  mehr  gehabt  hätten.  Am 
17. Februar 2008 habe der Kosovo seine Unabhängigkeit  erklärt. Mit 
der  UNMIK  und  der  EU  würden  zwei  internationale  Missionen  be-
stehen. Unter dem Schirm der UNO habe am 9. Dezember 2008 die 
EULEX-Mission  gestartet;  diese internationalen Sicherheitskräfte  so-
wie die Kosovo Police (KP) würden Sicherheit garantieren. Angesichts 
dieser politischen Änderungen habe der Bundesrat mit Beschluss vom 
6. März  2009  die  Republik  Kosovo als  verfolgungssicheren Staat  im 
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG anerkannt.

5.2.2 In den Eingaben auf Beschwerdeebene nimmt der Beschwerde-
führer keine Stellung zu der vom BFM vorgebrachten Verbesserungen 
in seinem Heimatland. 

5.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht  schliesst sich der Einschätzung 
des BFM über  die allgemeine Lage im Kosovo an,  weshalb  es zum 
Schluss kommt, dass sich die dortigen allgemeinen Umstände objektiv 
massgeblich positiv verändert  haben, so dass von einem schutzfähi-
gen und schutzwilligen Staat  ausgegangen werden kann,  zumal  der 
Bundesrat  mit  Bundesratsbeschluss  vom  6.  März  2009  Kosovo  als 
verfolgungssicheren  Staat  ("Safe  Country")  bezeichnete.  Dieser 
Beschluss trat am 1. April 2009 in Kraft. Massgebliche Kriterien für die 

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Bezeichnung eines Staates als "Safe Country" sind insbesondere die 
Einhaltung der Menschenrechte sowie die Anwendung internationaler 
Konventionen im Menschenrechts- und Flüchtlingsbereich.

5.3 In  einem  weiteren  Schritt  soll  geprüft  werden,  ob  aus  heutiger 
Sicht  die  persönlichen  asylrelevanten  Umstände,  welche  zur 
Flüchtlingsanerkennung geführt haben, weggefallen sind.

5.3.1 Im Urteil der ARK vom 27. Oktober 1998 wurde den Beschwer-
deführern  Asyl  gewährt,  weil  –  vor  dem Hintergrund  der  damaligen 
kosovoalbanisch-serbischen  Spannungen  –  A._______  durch  sein 
oppositionelles  Verhalten  die  Aufmerksamkeit  der  serbischen Behör-
den auf sich gezogen hatte. 

5.3.2 In der Beschwerdeschrift vom 2. September 2010 teilte der Be-
schwerdeführer mit, der Asylwiderruf sei für ihn und seine Familie an 
und für  sich  kein  Problem. Demgegenüber  führte  er  in  der  Eingabe 
vom 29. September 2010 an, die Serben, die ihn und seine Familie bis 
im  Jahr  1990  gefoltert,  terrorisiert  und  getötet  hätten,  seien  immer 
noch im Staatsdienst tätig.

5.3.3 Diese  Behauptung  entbehrt  jeglicher  Grundlage  und  vermag 
daher nicht zu überzeugen. Der Kosovo wird in grosser Mehrheit von 
Albanern  bewohnt. Seine  Unabhängigkeit  von der  Republik  Serbien, 
welche der Kosovo am 17. Februar 2008 ausrief, ist das langersehnte 
Ziel dieser albanischen Mehrheit, zu der auch die Familie H._______ 
zu zählen ist. Es  gibt  ferner  keine serbische Beteiligung an der  am 
17. November 2007 gewählten Regierung. Einzig der von Serben be-
wohnte Norden Kosovos und die serbischen Enklaven werden weitge-
hend von Belgrad aus regiert (Rainer Mattern, Kosovo Update: Aktuel -
le  Entwicklungen,  SFH  [Schweizerische  Flüchtlingshilfe]  12. August 
2008, S. 2 und 5). Im Gegensatz dazu leben in E._______, dem Her-
kunftsort  der  Beschwerdeführer,  der  sich  im Südwesten Kosovos an 
der  Grenze zu Albanien befindet,  gemäss einem OSZE-Bericht  vom 
22. April  2008  keine  Serben  mehr  (<http://www.osce.org/kosovo/-
13982.html  >, besucht am 8. Oktober 2010). Der ehemalige Verfolger-
staat ist  somit im Kosovo faktisch nicht mehr vorhanden. Eine Rück-
kehr in den Kosovo würde für die Beschwerdeführer heute bedeuten, 
dass sie zu den Angehörigen ihrer Ethnie heimkehren und sich unter 
den Schutz der UNMIK respektive der KFOR stellen könnten (vgl. dazu 
auch [BVGE] Entscheide des Schweizerischen Bundesverwaltungsge-
richts 2007/31, E. 5.3).

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http://www.osce.org/kosovo/13982.html
http://www.osce.org/kosovo/13982.html

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5.4  Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, seine Familie 
sei staatenlos. Daher könne sie – sinngemäss – den Schutz der Re-
publik Kosovo nicht im Sinne von Art. 1C Ziff. 5 FK in Anspruch neh-
men.

5.4.1 Eine  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  bedeutet  grund-
sätzlich nicht den gleichzeitigen Verlust der bisherigen Staatsangehö-
rigkeit. Der völkerrechtlich anerkannte und legitime Nachfolgestaat der 
ehemaligen Bundesrepublik Jugoslawien ist Serbien und Montenegro, 
beziehungsweise nach der Abspaltung von Montenegro die Republik 
Serbien. Die betroffenen Individuen (inklusive die von Drittstaaten an-
erkannten  Flüchtlinge)  wurden  damit  in  der  Regel  automatisch  zu 
Staatsangehörigen des jeweiligen Nachfolgestaates (vgl. dazu das zur 
Publikation vorgesehene Urteil D-7561/2008 E. 6.4.2).

Die Eltern – A._______ und B._______ – haben bei der Einreise in die 
Schweiz  die  jugoslawische  Staatsbürgerschaft  besessen.  Der  Vater 
führte  dabei  einen  jugoslawischen  Reisepass  mit  der  Nummer  (...), 
ausgestellt  am  (...)  in  E._______,  mit  (vgl.  Kontrollblatt  der 
Empfangsstelle vom 27. März 1990); die Mutter besass ebenfalls einen 
jugoslawischen Reisepass mit der Nummer (...), ausgestellt am (...) in 
E._______  (vgl. Kontrollblatt  der  Empfangsstelle  vom 26. Juli  1990). 
Mangels  eines  Ausbürgerungsverfahrens  und  aufgrund  des 
Umstandes,  dass  Serbien  weder  die  Staatlichkeit  Kosovos  noch  die 
kosovarische  Staatsbürgerschaft  anerkennt,  ist  davon  auszugehen, 
dass die Beschwerdeführenden die Staatsangehörigkeit  der Republik 
Serbien – als legitimen Nachfolgestaat der ehemaligen Bundesrepublik 
Jugoslawien – besitzen.

5.4.2 Da  die  Familie  H._______  jedoch  aus  dem  Kosovo  stammt, 
dürfte  diese  seit  der  Unabhängigkeitserklärung  des  Kosovo  am 
17. Februar 2008 Staatsangehörige der neugegründeten Republik sein 
beziehungsweise sich erleichtert  einbürgern  lassen können. Gemäss 
dem kosovarischen Gesetz über die Staatsangehörigkeit Nr. 03/L-034 
vom 20. Februar 2008 sind alle Personen, die am 1. Januar 1998 die 
jugoslawische Staatsbürgerschaft besassen und am selben Tag auch 
ihr Domizil auf dem Territorium der jetzigen Republik Kosovo hatten – 
ohne Rücksicht auf weitere Staatsbürgerschaften – Staatsangehörige 
der  Republik  Kosovo. Subsidiär  sind  alle  weiteren  Personen  Staats-
angehörige der Republik Kosovo, die gemäss und im Einklang mit der 

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"UNMIK Regulation No. 2000/13" im Verzeichnis der Bevölkerung vom 
Kosovo nach dem 1. Januar 1998 eingetragen sind.

Da die Familie H._______ den Kosovo vor diesem Stichtag verlassen 
hatte, kommt allenfalls eine Einbürgerung in Frage. Nach Art.  13 des 
kosovarischen  Gesetzes  über  die  Staatsangehörigkeit  können 
Mitglieder  der  Kosovo-Diaspora  –  also  Personen,  welche  wie  die 
Beschwerdeführenden vor dem 1. Januar 1998 den Kosovo verlassen 
hatten – erleichtert eingebürgert werden. Als Mitglied gilt, wer seinen 
Wohnsitz ausserhalb Kosovos hat, in Kosovo geboren ist und dorthin 
enge  familiäre  und  wirtschaftliche  Beziehungen  pflegt.  Auch 
Nachkommen  der  ersten  Generation,  die  familiäre  Verbindungen  in 
Kosovo haben, zählen zur Kosovo-Diaspora.

5.4.3 Nach  dem  Gesagten  gilt  festzuhalten,  dass  –  wenn  sich  die 
Familie  H._______  gegen  die  serbische  Staatsbürgerschaft 
entscheiden  würde  –  mindestens  die  Möglichkeit  einer  erleichterten 
Einbürgerung  im  Kosovo  besteht.  Es  kann  daher  zum  jetzigen 
Zeitpunkt nicht von einer Staatenlosigkeit der Beschwerdeführeenden 
gesprochen  werden.  Der  vage  Verweis  auf  die  Staatenlosigkeit  im 
anwaltlichen Schreiben vom 20. Dezember 2007 vermag diese Ansicht 
nicht  umzustossen,  zumal  dieser  Brief  vor  der  Unabhängigkeit 
Kosovos geschrieben wurde.

Es ist dem BFM beizupflichten, dass die Beschaffung neuer heimatli-
cher Reisepässe beziehungsweise die Erfassung in den neuen koso-
varischen  Registern  für  kosovarische  Staatsangehörige  zurzeit  mit 
erheblichem  Aufwand  verbunden  ist.  Doch  stellt  dies  bezüglich  der 
Flüchtlingsaberkennung und des Asylwiderrufs kein Kriterium dar.

5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Umstände, aufgrund 
derer die Beschwerdeführenden als Flüchtlinge anerkannt wurden, aus 
heutiger Sicht weggefallen sind.

6.  

6.1 Nach der Bejahung der Voraussetzungen für die Anwendung von 
Art. 1C Ziff. 5  FK gilt  in  einem nächsten Schritt  zu  prüfen,  ob zwin-
gende  Gründe  gegen  eine  Beendigung  der  Flüchtlingseigenschaft 
sprechen. Eine erlittene Vorverfolgung ist auch nach Wegfall einer zu-
künftig drohenden Verfolgungsgefahr weiterhin als asylrelevant zu be-
trachten,  wenn  eine  Rückkehr  in  den  früheren  Verfolgungsstaat  aus 

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zwingen Gründen nicht zumutbar ist (Art. 1C Ziff. 5 FK; vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 1993 Nr. 31, EMARK 2001 Nr. 3; zuletzt bestätigt in BVGE 
2007/31  E. 5.4).  Als  zwingende  Gründe  in  diesem  Zusammenhang 
sind vorab traumatisierende Erlebnisse zu betrachten, die es der be-
troffenen Person angesichts  erlebter  schwerwiegender  Verfolgungen, 
insbesondere  Folterungen,  im  Sinne  einer  Langzeittraumatisierung 
psychologisch  verunmöglichen,  ins  Heimatland  zurückzukehren  (vgl. 
EMARK 1995 Nr. 16 E. 6d).

6.2 Der  Beschwerdeführer  hat  zwar  psychische  Probleme  einzelner 
Familienmitglieder in seinen verschiedenen Schriften jeweils kundge-
tan, doch hat er jedes Mal betont, dass diese auf das unmenschliche 
Leben zurückzuführen seien, welches die Familie in der Schweiz zu le-
ben habe. Hinzukommt,  dass wie schon erwähnt der ehemalige Ver-
folgerstaat in der Republik Kosovo faktisch nicht mehr vorhanden ist. 
Ferner deuten auch die Reisen, welche einzelne Familienmitglieder in 
den Kosovo unternommen haben, nicht auf eine Langzeittraumatisie-
rung hin, welche eine Rückkehr verhindern würde.

6.3 Aufgrund  des  Gesagten  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zum Schluss, dass die Voraussetzungen von Art. 1C Ziff. 5 FK offen-
sichtlich  erfüllt  sind.  Die  Vorinstanz  hat  daher  zu  Recht  die  Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführer aberkannt und das Asyl wider-
rufen.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf ins-
gesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

E-6265/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird – soweit darauf eingetreten wird – abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, an das BFM und an die 
zuständige kantonale Behörde.

4.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe

Versand: 

Seite 12