# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1a45dd5-3371-5a4c-bfae-4a31d46a3b6b
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-16
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 16.01.2015 IV 2012/366
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-366_2015-01-16.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/366

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 12.05.2020

Entscheiddatum: 16.01.2015

Entscheid Versicherungsgericht, 16.01.2015
Invaliditätsbemessung, Beweiswürdigung bezüglich eines von der IV-Stelle 
eingeholten medizinischen Gutachtens (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16 Januar 2015, IV 
2012/366).

Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichterinnen

Karin Huber-Studerus und Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Ahmet Birguel

Entscheid vom 16. Januar 2015

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., K & B Rechtsanwälte, 

Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Sachverhalt:

A.

A.a  A.___ war seit 1992 bei der B.___ AG bzw. C.___ AG als Mitarbeiter im 

Transportwesen tätig. Das Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin aus 

wirtschaftlichen Gründen per 30. Juni 2009 gekündigt (IV-act. 14). Am 19. Mai 2009 

meldete sich der Versicherte wegen Rückenschmerzen und psychischen Problemen 

bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung (berufliche Integration, Rente) an (IV-act. 4).

A.b  Dr. med. D.___, Fachärztin für Arbeitsmedizin FMH, vom Regionalen Ärztlichen 

Dienst (RAD) hielt nach einem Gespräch mit dem Hausarzt des Versicherten, Dr. med. 

E.___, Allgemeine Medizin FMH, mit Protokoll vom 29. Mai 2009 folgende Diagnosen 

fest: Diskusprolaps L5/S1 seit Jahren, Diskushernie beidseits und mittelgradige 

depressive Episode. Die Vermittelbarkeit des Versicherten bei der Regionalen 

Arbeitsvermittlung (RAV) liege gegenwärtig bei 50% und beziehe sich auf leichte 

Tätigkeiten, die aber noch gesteigert werden könne. Die angestammte leichte Tätigkeit 

als Staplerfahrer sei eigentlich ideal gewesen (IV-act. 15). Die IV-Stelle gewährte dem 

Versicherten daraufhin gemäss Mitteilung vom 2. November 2009 (IV-act. 31) 

Unterstützung bei der Stellensuche (Arbeitsvermittlung).

A.c  Am 8. Januar 2010 teilte die Helsana Versicherung AG der IV-Stelle mit, dass die 

von ihr in Auftrag gegebene psychiatrische und rheumatologische Abklärung eine volle 

Arbeitsfähigkeit des Versicherten ergeben habe und sie die Krankentaggeldleistungen 

am 23. Januar 2010 einstellen werde (IV-act. 34; vgl. auch IV-act. 44-5). Der RAD 

bestätigte, dass auf diese medizinische Abklärung auch im IV-Verfahren abgestützt 

werden könne. Der Versicherte sei demnach mindestens seit 15. Januar 2010 in 

leidensadaptierter Tätigkeit wieder zu 100% arbeitsfähig (IV-act. 36). Die IV-Stelle 

zeigte dem Versicherten daraufhin mit Vorbescheid vom 1. April 2010 an, dass kein 

Anspruch auf berufliche Massnahmen und Rentenleistungen bestünde (IV-act. 40).

A.d  Der Versicherte erhob gegen den Vorbescheid am 20. Mai 2010 Einwand und 

verlangte, es sei die von ihm beim F.___ angeforderte Stellungnahme zum inzwischen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eingetroffenen psychiatrischen Untersuchungsbericht von Dr. G.___, Facharzt FMH 

Psychiatrie und Psychotherapie, vom 29. März 2010, welchen die Helsana zusätzlich 

veranlasst habe, abzuwarten. Danach sei eine umfassende Begutachtung samt 

Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit in Auftrag zu geben. Es bestünden 

begründete Zweifel an den medizinischen Grundlagen des Entscheids des 

Krankentaggeldversicherers, wofür insbesondere auf die Arztberichte der Neurologie 

des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 30. September 2009 (IV-act. 44-6 ff) und 

von Dr. med. H.___, Spezialarzt FMH für Chirurgie, Wirbelsäulenleiden, 

Schleudertrauma und orthopädische Traumatologie vom 27. April 2010 (IV-act. 44-25 

f), verwiesen werde (IV-act. 44).

A.e  Der RAD kam nach Prüfung der medizinischen Unterlagen zum Schluss, dass sich 

der Gesundheitszustand des Versicherten seit dem Vorbescheid vom 1. April 2010 

nicht relevant verschlechtert habe. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei jedoch nur 

unter Berücksichtigung der einzelnen Disziplinen erfolgt. Es fehle eine 

Gesamtbeurteilung der verschiedenen Disziplinen, weshalb eine polydisziplinäre 

Begutachtung durchzuführen sei (Stellungnahme vom 5. Juli 2010; IV-act. 45). Die IV-

Stelle gab daraufhin beim Ärztlichen Begutachtungsinstitut (ABI) ein medizinisches 

Gutachten in Auftrag (IV-act. 46 und 50).

B.

B.a  Am 13. Oktober 2010 führte das ABI beim Versicherten eine internistisch/allge­

meinmedizinische, psychiatrische und orthopädische Untersuchung durch. Es stellte 

folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: chronisches lumbovertebrales 

Schmerzsyndrom ohne klare radikuläre Symptomatik und chronische Nacken-Schulter-

Arm-Schmerzen der adominanten linken Seite ohne radikuläre Symptomatik. Ohne 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lägen eine Anpassungsstörung mit vorwiegender 

Beeinträchtigung von anderen Gefühlen, eine Schmerzverarbeitungsstörung mit 

Symptomausweitung und anamnestisch rezidivierende Migränekopfschmerzen vor. 

Aufgrund der somatischen Einschränkungen bestehe eine vollständige 

Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Staplerfahrer und in anderen 

körperlich mittelschweren oder schweren Tätigkeiten. Für körperlich leichte adaptierte 

Tätigkeiten sei hingegen eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gegeben (Gutachten vom 8. November 2010; IV-act. 63). Der RAD schloss sich in 

seiner Stellungnahme vom 3. Dezember 2010 der gutachterlichen Einschätzung des 

ABI an (IV-act. 64).

B.b  Mit Vorbescheid vom 21. Oktober 2011 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten an, 

dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestünde; betreffend Rentenleistung 

würde eine separate Verfügung erfolgen (IV-act. 79). Nachdem der Versicherte 

dagegen keinen Einwand erhoben hatte, verfügte die IV-Stelle am 9. Dezember 2011 

die Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen (IV-act. 80). Die 

Verfügung blieb unangefochten.

B.c  Mit Vorbescheid vom 8. Juni 2012 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten 

schliesslich an, dass ein Anspruch auf Rentenleistungen nicht begründet sei. In 

leidensadaptierter Tätigkeit sei er zu 100% arbeitsfähig (IV-act. 94). Der Versicherte 

erhob dagegen Einwand und verlangte weitere medizinische Abklärungen. Er verwies 

auf einen Bericht des MZL vom 17. April 2012 (IV-act. 87), der ihm in 

leidensangepasster Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestiere und im 

Widerspruch zum ABI-Gutachten stehe. Eine Arbeitsfähigkeit des Versicherten von 

lediglich 50% sei auch in einer Stellungnahme des MZL vom 8. September 2011 

bestätigt worden. Diese Einschätzung hätte dem ABI zumindest zur Stellungnahme 

unterbreitet werden müssen (Einwand vom 15. August 2012; IV-act. 95).

B.d  Mit Verfügung vom 23. August 2012 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab. Der 

Einwand enthalte keine neuen Aspekte bzw. die vorgebrachten Gesundheitsschäden 

seien im ABI-Gutachten bereits berücksichtigt worden (IV-act. 96).

C.

C.a  Mit Eingabe vom 26. September 2012 erhob der Beschwerdeführer gegen die 

Verfügung vom 23. August 2012 Beschwerde mit dem Antrag, die Verfügung sei 

aufzuheben, es sei ein bidisziplinäres Obergutachten in Auftrag zu geben oder die 

Angelegenheit sei an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung einer bidisziplinären 

Begutachtung zurückzuweisen, und es sei dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. 

Oktober 2009 mindestens eine halbe Rente zu entrichten; unter Kosten- und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entschädigungsfolge. Der Beschwerdeführer beanstandet, dass die 

Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung auf seine Einwendungen vom 

15. August 2012 nicht eingegangen sei und damit das rechtliche Gehör verletzt habe. 

Er reichte zudem eine weitere Beurteilung des MZL vom 7. September 2012 ein, worin 

ihm erneut eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestiert wird (act. G 1.1-3). Mit Verweis 

darauf bringt er vor, dass erhebliche Zweifel am ABI-Gutachten bestünden. Weil sich 

diese beiden gleichwertigen Gutachten widersprächen, müsse ein neues Gutachten 

eingeholt werden (act. G 1).

C.b  Mit Beschwerdeantwort vom 10. Dezember 2012 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).

C.c  Mit Replik vom 24. Januar 2013 hält der Beschwerdeführer an seinen Begehren 

und Ausführungen fest (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin erklärt mit Schreiben vom 

1. März 2013, auf eine Duplik zu verzichten (act. G 8).

C.d   Mit nachträglicher Eingabe vom 19. Dezember 2014 reichte der 

Beschwerdeführer einen Verlaufsbericht des F.___ vom 10. Dezember 2014 ein und 

präzisierte gestützt darauf den Antrag auf Rentenzusprache dahingehend, dass dem 

Beschwerdeführer ab 1. August 2009 mindestens eine halbe und ab 1. Januar 2011 

eine ganze Rente zu entrichten sei (act. G 10 und G 10.1).

Erwägungen:

1. 

Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, weil sich die 

Beschwerdegegnerin mit den Vorbringen in seinem Einwand nicht auseinandergesetzt 

habe. Wesentlicher Bestandteil des verfassungsrechtlichen Gehörsanspruchs bildet die 

Begründungspflicht. Diese verlangt nicht, dass sich die Verwaltung mit jeder 

tatbeständlichen Behauptung der rechtsuchenden Partei ausdrücklich befasst. 

Erforderlich ist jedoch, dass die rechtsuchende Partei durch die Begründung in die 

Lage versetzt wird, die wesentlichen Überlegungen, welche der Verfügung zu Grunde 

liegen, nachzuvollziehen, um diese gegebenenfalls sachgerecht anzufechten (BGE 124 

V 181 E. 1a). In der angefochtenen Verfügung äusserte sich die Beschwerdegegnerin 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

dahingehend, dass der Einwand keine neuen gesundheitlichen Aspekte benenne. Die 

entsprechenden Gesundheitsschäden seien im Gutachten des ABI berücksichtigt 

worden. Die Stellungnahme zum Einwand ist zwar sehr knapp ausgefallen; sie 

vermittelte jedoch dem Beschwerdeführer im Kontext mit den verschiedenen 

medizinischen Unterlagen die Kenntnis, dass die Beschwerdegegnerin die im Einwand 

genannten Diagnosen und die Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit 

entsprechend der Beurteilung durch das F.___, wie sie auch schon in früheren 

Berichten abgegeben worden war, nicht als taugliche Beweisgrundlage erachtete, um 

das ABI-Gutachten in Frage zu stellen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, welche 

als formeller Mangel ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde zu einer 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen kann (BGE 124 V 183 E. 4a), liegt 

damit nicht vor.

2. 

Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von 

Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).

2.2 Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die 

Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können, 

während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% 

arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% 

invalid (Art. 8 ATSG) sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein 

Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 

70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, 

wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% 

invalid ist.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.3 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen 

von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). 

Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht die Beweise 

frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das 

Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die 

verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches 

gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen 

Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen 

und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere 

medizinische These abstellt.

2.4 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht 

für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die 

geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in 

der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen 

des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Ein diesen Beweisanforderungen 

genügendes Gutachten, das im Verwaltungsverfahren eingeholt wurde, kann nicht in 

Frage gestellt werden, wenn und sobald die behandelnden Ärzte nachher zu einer 

unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden 

Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich, wenn objektiv feststellbare 

Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt 

geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil 

des Bundesgerichtes vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007 E. 4.3 mit Hinweisen).

3. 

Zu prüfen ist zunächst, ob die vorliegende medizinische Aktenlage eine hinreichende 

Grundlage für die Beurteilung eines allfälligen Rentenanspruches bietet.

3.1 Ausschlaggebende medizinische Grundlage für die Beurteilung des Rentengesuchs 

bildete für die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung das ABI-

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gutachten vom 8. November 2010 (IV-act. 63). Dieses basiert auf einer internistisch-

allgemeinmedizinischen, orthopädischen und psychiatrischen Untersuchung. 

Gesamthaft schätzen die ABI-Ärzte den Beschwerdeführer für körperlich leichte, 

adaptierte Tätigkeiten als uneingeschränkt arbeits- und leistungsfähig ein, wobei die 

Tätigkeiten unter Wechselbelastung erfolgen und kein Heben und Tragen von Lasten 

über 10 kg umfassen sollten.

3.1.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass gemäss Berichten von Dr. H.___ vom 

27. April 2010 und des F.___ vom 23. Juni 2010 bereits aus somatischer Sicht eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50% bestehe. Auf das Gutachten des ABI 

könne nicht abgestellt werden. Auch fehle in Anbetracht der erheblichen 

Rückenproblematik eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (act. G 1 und G 

6). Hinsichtlich des somatischen Leidens des Beschwerdeführers diagnostizierten die 

behandelnden Ärzte in den bisherigen Berichten einhellig ein lumbovertebrales 

(Schmerz-)Syndrom - so der behandelnde Dr. H.___ (IV-act. 44-25 f), das 

Palliativzentrum des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG; IV-act. 60-1 f), die 

Neurochirurgie des KSSG (IV-act. 60-5 f), die Neurologie des KSSG (IV-act. 60-7 ff) und 

auch der für die Helsana begutachtende Dr. med. I.___, Spezialarzt FMH für Innere 

Medizin und für physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell 

Rheumaerkrankungen (Bericht vom 1. Dezember 2009; act. G 4.2). Während Dr. H.___ 

und der Hausarzt Dr. E.___ (act. G 4.2) daraus eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

des Beschwerdeführers um 50% ableiteten, beurteilte Dr. I.___ den Beschwerdeführer 

als in einer leichten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig. Auch die Neurologie des KSSG 

nahm eine Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten von 100% an.

3.1.2 Die (somatische) Untersuchung der ABI-Ärzte ergab ebenfalls ein chronisches 

lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ohne klare radikuläre Symptomatik) sowie 

chronische Nacken-Schulter-Arm-Schmerzen. Fernerhin bestehe ein Verdacht auf 

Schmerzausweitung; diese habe jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die 

vom Beschwerdeführer angegebenen, äusserst diffusen und weder anamnestisch noch 

klinisch klar fassbaren Beschwerden könnten im Ergebnis durch die Untersuchung und 

die vorliegenden radiologischen Bilddokumente keinesfalls vollständig begründet 

werden. Auch das fehlende Ansprechen auf wiederholte konservative 

Therapiemassnahmen, Infiltrationen sowie die mittlerweile langdauernde körperliche 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schonung könnten als klarer Hinweis auf eine erhebliche nicht-organische 

Beschwerdekomponente angesehen werden. Die radiologische Untersuchung habe 

keine Hinweise für eine Instabilität der lumbalen Wirbelsäule ergeben. Auch aus 

neurologischer Sicht würden keine klaren pathologischen Hinweise im Bereich des 

peripheren Nervensystems vorliegen.

3.1.3 Zur Einschätzung von Dr. H.___, der eine Arbeitsunfähigkeit von 50% erkannte 

(Bericht vom 27. April 2010, IV-act. 44-25 f), erklären die ABI-Ärzte, dass die 

Funktionsaufnahmen der LWS keinerlei Hinweise auf die (von Dr. H.___) genannte 

"deutliche Retrolisthese" ergeben habe. Auch eine foraminale Einengung LWK5/SWK1 

könne keinesfalls bestätigt werden. Der Beurteilung von Dr. H.___ könne daher nicht 

gefolgt werden.

3.1.4 Weiter geht auch aus dem mit der Beschwerde eingereichten Bericht des F.___ 

vom 7. September 2012 (act. G 1.1.3) kein anderes Ergebnis hervor. In diesem Bericht 

erklärt Dr. H.___ erneut, dass der Beschwerdeführer (nur) zu 50% arbeitsfähig sei. Sein 

Teilbericht stellt indes eine weitgehend wörtliche Wiedergabe seiner bisherigen 

Berichte dar. Neue Erkenntnisse und Befunde oder eine Begründung der 

abweichenden Beurteilung liegen nicht vor. Diese (gemeinsam mit dem Hausarzt) 

eingenommene, allein abweichende Haltung vermag daher das Ergebnis des ABI-

Gutachtens in somatischer Hinsicht nicht in Frage zu stellen.

3.1.5  In dem schliesslich mit nachträglicher Eingabe eingereichten F.___-Verlaufs­

bericht vom 10. Dezember 2014 (act. G 10.1) verweist Dr. H.___ auf eine MRI-

Untersuchung vom 10. April 2014, welche als Befund leichtgradige degenerative 

Veränderungen der LWS mit Betonung des Segmentes L5/S1 mit Segmentkollaps und 

rezessaler Stenose beidseits mit Betonung rechts und Reizung der absteigenden 

Nervenwurzel L5 beidseits ergeben habe (Bericht S. 6). Der Orthopäde Dr. J.___ 

schreibt im Zusammenhang mit dieser MRI-Untersuchung von einer rechtsbetonten 

leichten rezessalen Stenose mit der Möglichkeit einer Wurzelreizung, was die 

erhobenen Einschränkungen teilweise erkläre (Bericht S. 6). Im Rahmen einer 

Konsensbeurteilung aus somatischer Sicht wurde dem Beschwerdeführer von den 

F.___-Ärzten – wie in den früheren Beurteilungen – eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer 

adaptierten Tätigkeit attestiert, weshalb weder eine Verschlechterung im Verlauf noch 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

objektive Anhaltspunkte ersichtlich sind, die Zweifel an der Beurteilung des ABI 

wecken.

3.2

3.2.1 In psychiatrischer Hinsicht ermittelte zunächst Dr. med. K.___, Psychiatrie und 

Psychotherapie FMH, nach einem ersten Vorgespräch die vorläufige Diagnose einer 

mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (Bericht vom 27. April 

2009; IV-act. 63-44 ff). Dr. med. G.___ Facharzt FMH Psychiatrie/Psychotherapie, 

konnte nach seiner Untersuchung keine depressive Episode bestätigen. Beim 

Beschwerdeführer liege eine depressive Verstimmung vor, die am ehesten als 

Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen zu 

klassifizieren sei. In leidensangepasster Tätigkeit sei der Beschwerdeführer daher nur 

zu 10% eingeschränkt (Bericht vom 29. März 2010; IV-act. 55-2 ff).

3.2.2 Die ABI-Ärzte stellten ebenfalls keine psychische Krankheit mit Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit fest. Durch den Verlust der Arbeitsstelle und die chronischen 

Schmerzen sei beim Beschwerdeführer eine psychische Verstimmung aufgetreten. Er 

habe sich daher in psychiatrische Behandlung in die Klinik L.___ begeben und stehe 

gegenwärtig beim F.___ in psychiatrischer Behandlung. Diese sei ursprünglich wegen 

einer Schlafstörung eingeleitet worden. Aktuell schildere der Beschwerdeführer unter 

medikamentöser Therapie eine Besserung der Schlafstörung. Die gegenwärtige 

psychiatrische Untersuchung zeige eine leicht resignative Grundstimmung, dazu eine 

Unsicherheit und Ängstlichkeit sowie eine Anspannung mit (kompensierter) 

Schlafstörung. Es könne daher die Diagnose einer Anpassungsstörung mit 

vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen gestellt werden. Zusätzlich 

bestehe eine Tendenz zur Ausweitung der ursprünglichen Rückenschmerzen in die 

Schultern, den Nacken und den Kopf. Somit könne auch die Diagnose einer 

Schmerzverarbeitungsstörung mit Tendenz zur Symptomausweitung gestellt werden. 

Diese diagnostizierten Beschwerdebilder hätten keine Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit.

3.2.3  Die von Dr. K.___ gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode 

könne nicht bestätigt werden. Der Beschwerdeführer zeige zwar einen resignativen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Affekt, es fehle jedoch eine vitale Traurigkeit mit Suizidalität, Antriebsstörung und 

sozialem Rückzug.

3.2.4  Auch der Bericht des F.___ vom 7. September 2012 (act. G 1.1.3) vermag die 

Schlussfolgerungen des ABI-Gutachtens nicht in Frage zu stellen. So enthält dieser 

Bericht des F.___, bei welchem der Beschwerdeführer in Behandlung steht, keine 

neuen Befunde oder Erkenntnisse. Die psychiatrischen Teilberichte wiederholen im 

Wesentlichen die früheren psychiatrischen Beurteilungen des MZL (IV-act. 52-3, 54 und 

87). Allein eine abweichende Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung der 

behandelnden Ärzte des Beschwerdeführers vermögen das ABI-Gutachten nicht in 

Frage zu stellen.

3.2.5  Im F.___-Verlaufsbericht vom 10. Dezember 2014 wird als psychische 

Veränderung eine Zunahme der Depression aufgeführt und eine seit 2011 bestehende 

Arbeitsunfähigkeit von 100% bescheinigt, ohne dass die Erhöhung der 

Arbeitsunfähigkeit im Vergleich zu den früheren Beurteilungen näher begründet wird. 

Die Annahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht scheint 

wesentlich auf einer entsprechenden subjektiven Einschätzung der Leistungsfähigkeit 

des Beschwerdeführers zu beruhen (Bericht S. 7 und 8). Der F.___-Bericht vermag 

somit auch aus psychiatrischer Sicht keine Aspekte zu benennen, welche die 

Einschätzung und Schlussfolgerungen der ABI-Gutachter für den hier massgeblichen 

Beurteilungszeitraum bis zum Verfügungserlass vom 23. August 2012 in Frage stellen.

3.3

Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass das ABI-Gutachten vom 8. November 2010 

(IV-act. 63) eine hinreichende medizinische Grundlage für die Ermittlung eines allfälligen 

Rentenanspruchs bietet. Diese Beurteilung berücksichtigt die Vorakten, insbesondere 

die zahlreichen Arztberichte seit 1999. Die vom Beschwerdeführer geklagten 

Beschwerden werden sowohl in den Teilgutachten als auch im Gesamtgutachten 

berücksichtigt. Die daraus gefolgerten Ergebnisse sind nachvollziehbar, schlüssig und 

stimmen mit den bisherigen Arztberichten weitgehend überein. Die Vornahme einer 

Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit, welche in gewissen Fällen als Zusatz zu 

den ärztlichen Untersuchungen eine geeignete arbeitsbezogene 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Abklärungsmassnahme bilden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Januar 2009, 

8C_547/2008 E. 4.2.1), erweist sich somit nicht als notwendig. Aus dem Gutachten 

ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer für körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten 

eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit zumutbar ist. Aufgrund dieses 

Ergebnisses steht ohne Weiteres fest, dass der Beschwerdeführer ein 

rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen kann, so dass sich weitergehende 

Ausführungen zu den erwerblichen Auswirkungen erübrigen.

4. 

4.1 Damit ist die Beschwerde abzuweisen.

4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Praxisgemäss ist die Gerichtsgebühr für das 

vorliegende Verfahren auf Fr. 600.-- festzulegen und dem vollständig unterliegenden 

Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist 

anzurechnen. Ein Anspruch auf Parteientschädigung ist nicht gegeben.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  Der Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der in 

gleicher Höhe geleistete geleistete Kostenvorschuss wird daran angerechnet.

bis

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 16.01.2015
	Invaliditätsbemessung, Beweiswürdigung bezüglich eines von der IV-Stelle eingeholten medizinischen Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16 Januar 2015, IV 2012/366).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T09:22:44+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen