# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7a66a86f-bfc6-5b53-a0aa-01ab90ed4eec
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-09
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 09.11.2023 VG.2023.00049 (VG.2023.1303)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2023-00049_2023-11-09.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 9. November 2023

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichter Ernst Luchsinger,
  Verwaltungsrichter Patrik Noser und Gerichtsschreiberin MLaw Leonora Muji

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2023.00049

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Erbengemeinschaft von A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch B.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    dieser vertreten durch Dr. iur. Stefan Müller,
    Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Gemeinde Glarus Nord

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    

  

  
	
   

  
	
  	
    3.

    	
    Regierungsrat des Kantons Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Die Erbengemeinschaft von A.______ sel.
  reichte am 30. Juli 2021 ein Baugesuch für die nachträgliche Bewilligung der
  durch A.______ sel. auf der in der Landwirtschaftszone gelegenen
  Parz.-Nr. 01, Grundbuch […], ausgeführten baulichen Erweiterungen
  (gedeckter Sitzplatz, Geräteschuppen, Überdachung eines Brunnens) ein.

  
	
   

  
	
  1.2 Nachdem das Departement Bau und Umwelt des Kantons
  Glarus (DBU) der Erbengemeinschaft die nachträgliche Bewilligung mit
  Teilverfügung vom 24. November 2021 verweigert und den Rückbau der
  streitbetroffenen Bauten angeordnet hatte, verfügte die Gemeinde Glarus Nord
  gestützt darauf am 12. Januar 2022 die Nichterteilung der Baubewilligung
  und ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands an.

  
	
   

  
	
  1.3 Dagegen erhob die Erbengemeinschaft am
  17. Februar 2022 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Glarus,
  welcher die Beschwerde am 11. April 2023 teilweise guthiess. Er änderte
  Disp.-Ziff. 4 der angefochtenen Verfügung dahingehend ab, als dass die
  Wohnbaute (ehemaliges Ferienhaus) auf der Parz.-Nr. 01, Grundbuch […],
  innert einer Frist von zwei Jahren nach Rechtskraft des Entscheids an die
  öffentliche Kanalisation anzuschliessen sei. Im Übrigen wies er die
  Beschwerde ab.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Erbengemeinschaft gelangte mit Beschwerde vom
  17. Mai 2023 ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des
  Entscheids des Regierungsrats vom 11. April 2023. Die Baubewilligung sei
  zu erteilen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staats. Die
  Gemeinde Glarus Nord beantragte am 14. Juni 2023 die Gutheissung der
  Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
  Erbengemeinschaft. Der Regierungsrat schloss am 21. Juni 2023 auf Abweisung
  der Beschwerde; unter Kostenfolgen zu Lasten der Erbengemeinschaft. Das DBU
  liess sich am 26. Juni 2023 vernehmen und schloss ebenfalls auf Abweisung der
  Beschwerde; unter Kostenfolge.

  
	
   

  
	
  2.2 Am 21. Juli 2023 hielt die Erbengemeinschaft an
  ihren Anträgen ebenso fest wie das DBU am 8. August 2023 an den seinigen. Der
  Regierungsrat und die Gemeinde Glarus Nord verzichteten am 16. August 2023
  bzw. am 22. August 2023 auf die Einreichung einer Duplik, erneuerten dabei
  aber ihre Anträge.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 79 Abs. 1 des
  Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom 2. Mai 2010 (RBG) i.V.m. Art. 105 Abs.
  1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986
  (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die
  weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
  einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde können gemäss
  Art. 107 Abs. 1 VRG die unrichtige oder unvollständige Feststellung
  des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. a) und die unrichtige
  Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens (lit. b)
  geltend gemacht werden. Die Unangemessenheit eines Entscheids kann nur
  ausnahmsweise geltend gemacht werden (Art. 107 Abs. 2 VRG), wobei vorliegend
  kein Ausnahmetatbestand ersichtlich ist.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, bereits vor dem
  Jahr 1990 seien der gedeckte Sitzplatz, der Geräteschuppen sowie die
  Überdachung des Brunnens erstellt worden. Diesbezüglich seien zwar keine
  entsprechenden Baugesuchsunterlagen aufzufinden. Die
  Beschwerdegegnerin 1 weise jedoch darauf hin, dass Kleinbauvorhaben
  früher mittels Baumeldungen von den Ortsgemeinden bewilligt worden seien und
  hierfür jeweils keine Verfügungen ausgestellt worden seien. Es sei daher
  möglich, dass die Gemeinde […] als Rechtsvorgängerin der
  Beschwerdegegnerin 1 die Bauten im Baumeldeverfahren bewilligt habe,
  wobei in den Archiven praktisch keine Unterlagen mehr vorhanden seien. Dies
  könne ihr, der Beschwerdeführerin, jedoch nicht zum Nachteil gereichen.
  Sodann werde nicht bestritten, dass das durchgeführte Baumeldeverfahren den
  Anforderungen bei baulichen Massnahmen ausserhalb der Bauzone nicht genüge.
  Dies ändere jedoch nichts daran, dass A.______ sel. sich nach Treu und
  Glauben auf die Rechtmässigkeit der von der Gemeinde im Baumeldeverfahren
  bewilligten Bauten habe verlassen dürfen. Darüber hinaus könne aus dem
  Umstand, dass im Jahr 1980 die Baudirektion des Kantons Glarus eine
  Baubewilligung verweigert habe, oder dass ihr Rechtsvorgänger anlässlich
  einer Fassadensanierung im Jahr 1984 die Notwendigkeit der kantonalen
  Mitwirkung hätte erkennen müssen, keine Bösgläubigkeit abgeleitet werden. Bis
  zur Erstellung der streitbetroffenen Bauten seien nämlich mehrere Jahre
  vergangen. Es sei somit nachvollziehbar, dass vergessen worden sei, welche
  Behörde den Entscheid gefällt habe. Ferner hätte die
  Beschwerdegegnerin 1 die angebliche Gesetzeswidrigkeit bei Anwendung der
  gebotenen Sorgfalt längst erkennen müssen. Die Anordnung der
  Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands stehe somit dem Vertrauensschutz
  entgegen. Weiter werde bestritten, dass bei Vorliegen einer
  Vertrauensgrundlage kein Bestandesschutz der Baute bestehe, da im Einzelfall
  eine massgeschneiderte Lösung zu prüfen sei. Bei der Auslegung sei sodann
  neues Recht heranzuziehen und insbesondere eine beim Bundesparlament
  beabsichtigte Gesetzesänderung zu berücksichtigen, wonach die 30-jährige
  Verwirkungsfrist für die Wiederherstellungspflicht des rechtmässigen Zustands
  auch für Bauten ausserhalb der Bauzone gelte. Im Übrigen bestehe an der
  Entfernung der vor über 30 Jahren erstellten Bauten kein überwiegendes
  öffentliches Interesse, weshalb eine solche unverhältnismässig wäre.
  Schliesslich seien die Voraussetzungen für die Erteilung einer
  Ausnahmebewilligung erfüllt.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin 1 stellt sich auf den
  Standpunkt, der Beschwerdegegner 2 sei für die Bewilligung von Bauvorhaben
  ausserhalb der Bauzone zuständig. Entscheide sich Letzterer gegen ein
  Bauvorhaben, könne sie, die Beschwerdegegnerin 1, sich nicht darüber
  hinwegsetzen. Dennoch erachte sie die Abweisung des vorliegenden Bauvorhabens
  als nicht verhältnismässig. Im Übrigen sei weiterhin unklar, ob die Gemeinde
  […] die streitbetroffenen Bauten mittels einer Baumeldung bewilligt habe.
  Denn trotz intensiver Recherche seien aus den Zeiten der acht
  Vorgängergemeinden praktisch keine Unterlagen zum Baumeldeverfahren in den
  Archiven aufzufinden.

  
	
   

  
	
  2.3 Der Beschwerdegegner 2 führt aus, es lägen keine
  Baubewilligungen für die streitbetroffenen Bauten vor. Selbst wenn davon
  ausgegangen werde, dass die Gemeinde […] diese bewilligt habe, diene die
  entsprechende Baubewilligung nicht als Vertrauensgrundlage. Eine behördliche
  Zusicherung als Vertrauensgrundlage setze nämlich voraus, dass die Behörde in
  ihrem Zuständigkeitsbereich tätig geworden sei, oder dass die rechtsuchende
  Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig habe erachten
  dürfen. Unbestritten sei, dass die Gemeinde […] nicht in ihrem
  Zuständigkeitsbereich tätig geworden sei. Darüber hinaus habe der
  Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin die Gemeinde […] nicht als zuständig
  erachten dürfen, da ihm anlässlich der Baubewilligungsverfahren in den Jahren
  1980 und 1984 die kantonale Mitwirkung verdeutlicht worden sei. Sodann greife
  der Vertrauensschutz auch aufgrund der Untätigkeit der Gemeinde […] nicht, da
  diese unmöglich alle Nichtbaugebiete und die darin errichteten Bauten habe
  überwachen können. Anders als innerhalb der Bauzone fehlten häufig Nachbarn,
  welche eine illegale Bautätigkeit oder Nutzung anzeigten und auf die
  Wiederherstellung drängten. Selbst wenn aber die Untätigkeit der Behörden
  eine Vertrauensgrundlage schaffen würde, führe diese nicht zur Beibehaltung
  der illegalen Baute, sondern lediglich zur Verzögerung des Rückbaus. Sowohl
  mit Blick auf das grundsätzliche Verbot der Vorwirkung als auch auf die
  gebotene Zurückhaltung bei der Berücksichtigung von allgemeinen
  Entwicklungstendenzen falle die Vorberücksichtigung aufgrund der Annahme
  einer Motion schliesslich ausser Betracht. Die Wiederherstellungspflicht für
  illegale Bauten ausserhalb der Bauzone sei somit nicht verwirkt. Im Übrigen
  sei der Schutz des grundsätzlichen Bauverbots im Nichtbaugebiet, der Natur
  sowie der Rechtsgleichheit höher zu gewichten als die finanziellen Interessen
  der Beschwerdeführerin und deren Interessen an der Nutzung der illegal
  erstellten Bauten.

  
	
   

  
	
  2.4 Der Beschwerdegegner 3 macht geltend, für die
  streitbetroffenen Bauten hätten weder Baubewilligungen beigebracht werden
  können noch seien Belege vorhanden, wonach Baumeldeverfahren durchgeführt
  worden seien. Selbst beim Vorliegen eines Baumeldeverfahrens sei das
  Erfordernis einer kantonalen Mitwirkung bei Bauvorhaben ausserhalb der
  Bauzone auch ohne juristische Beratung als bekannt vorauszusetzen. Dies gelte
  vorliegend umso mehr, als dem Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin die
  Notwendigkeit einer kantonalen Mitwirkung aus früheren
  Baubewilligungsverfahren bekannt gewesen sei, womit der Beschwerdeführerin
  eine Berufung auf den Vertrauensschutz bereits aufgrund fehlender
  Gutgläubigkeit verwehrt sei. Sodann bestehe entgegen der Ansicht der
  Beschwerdeführerin kein Raum für eine Vorberücksichtigung der Motion
  Nr. 21.4334, welche zum Ziel habe, die Verwirkung der
  Wiederherstellungspflicht ausserhalb der Bauzone abweichend von der
  bisherigen bundesgerichtlichen Praxis gesetzlich zu regeln. Es liege nämlich
  keine Konkretisierung eines bereits bestehenden Rechtszustands oder eine
  Lückenfüllung unter Beibehaltung der Grundlagen, sondern eine Änderung vor.
  Dem Grundsatz der Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet komme im
  Raumplanungsrecht des Weiteren ein massgebliches Gewicht zu. Es seien mehrere
  Bauten ausserhalb der Bauzone ohne Baubewilligung erstellt worden, welche
  eine beachtliche Erweiterung der bereits überbauten und zonenfremd genutzten
  Grundfläche darstellten, womit keine geringfügige Abweichung vom Erlaubten
  vorliege. Unerheblich sei dabei, ob sich die Nachbarn oder weitere Personen
  an den Bauten störten. Das Erfordernis der kantonalen Zustimmung ausserhalb
  der Bauzone beabsichtige, die Bewilligungen für zonenfremde Bauvorhaben
  aufgrund einheitlicher Massstäbe zu erteilen und die Gemeindebehörden hierbei
  zu entlasten. Insofern seien lokale Begebenheiten von untergeordneter
  Bedeutung. Demgegenüber seien die Interessen der Beschwerdeführerin aufgrund
  der Bösgläubigkeit ihres Rechtsvorgängers nur in verringertem Masse zu
  berücksichtigen. Der Rückbau der streitbetroffenen Bauten lasse sich mit
  einem überschaubaren Aufwand realisieren. Grössere Immissionen für die
  Nachbarliegenschaften seien keine zu erwarten und würden ohnehin nur eine
  kurze Zeitspanne andauern. Der Rückbau der ohne Baubewilligung erstellten
  Bauten erweise sich als verhältnis- und insgesamt als rechtmässig.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die zuständige kantonale Behörde entscheidet bei
  allen Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen, ob sie zonenkonform sind oder ob
  eine Ausnahmebewilligung erteilt werden kann (Art. 25 Abs. 2 des
  Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 [RPG].

  
	
   

  
	
  3.2 Gemäss Art. 24c Abs. 2 RPG können Bauten und
  Anlagen ausserhalb der Bauzonen mit Bewilligung der zuständigen Behörde
  erneuert, teilweise geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden,
  sofern sie rechtmässig erstellt oder geändert worden sind. Dies gilt auch für
  landwirtschaftliche Wohnbauten sowie angebaute Ökonomiebauten, die
  rechtmässig erstellt oder geändert worden sind, bevor das betreffende
  Grundstück Bestandteil des Nichtbaugebiets im Sinne des Bundesrechts wurde
  (Art. 24c Abs. 3 RPG). Veränderungen am äusseren Erscheinungsbild müssen für
  eine zeitgemässe Wohnnutzung oder eine energetische Sanierung nötig oder
  darauf ausgerichtet sein, die Einpassung in die Landschaft zu verbessern
  (Art. 24c Abs. 4 RPG). In jedem Fall bleibt die Vereinbarkeit mit den
  wichtigen Anliegen der Raumplanung vorbehalten (Art. 24c Abs. 5 RPG).

  
	
   

  
	
  3.3 Eine Änderung gilt als teilweise und eine
  Erweiterung als massvoll, wenn die Identität der Baute oder Anlage
  einschliesslich ihrer Umgebung in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt.
  Verbesserungen gestalterischer Art sind zulässig (Art. 42 Abs. 1 der
  Raumplanungsverordnung vom 28. Juni 2000 [RPV]). Massgeblicher Vergleichszustand
  für die Beurteilung der Identität ist der Zustand, in dem sich die Baute oder
  Anlage im Zeitpunkt der Zuweisung zum Nichtbaugebiet befand (Art. 42 Abs. 2
  RPV). Ob die Identität der Baute oder Anlage im Wesentlichen gewahrt bleibt,
  ist unter Würdigung der gesamten Umstände zu beurteilen. Die gesamte
  Erweiterung darf sowohl bezüglich der anrechenbaren Bruttogeschossfläche als
  auch bezüglich der Gesamtfläche (Summe von anrechenbarer Bruttogeschossfläche
  und Brutto-Nebenfläche) weder 30 % noch 100 m2 überschreiten (vgl.
  Art. 42 Abs. 3 lit. b RPV).

  
	
   

  
	
  3.4 Die zuständige Gemeindebehörde verfügt auf Kosten
  des Bauherrn nach den Vorschriften des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege die Änderung oder die Entfernung widerrechtlich
  erstellter Bauten, sofern die Abweichung gegenüber den Bauvorschriften nicht
  geringfügig ist (Art. 82 Abs. 1 RBG).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Im
  Verwaltungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz, wonach es Sache der
  Behörde und nicht der Parteien ist, den Sachverhalt festzustellen und dazu,
  soweit nötig, Beweis zu erheben. Die Parteien
  trifft eine Mitwirkungspflicht, insbesondere für Tatsachen, welche sie besser
  kennen als die Behörden. Vom Untersuchungsgrundsatz ist die objektive
  Beweislast zu unterscheiden. Bleibt eine rechtserhebliche Tatsache trotz
  rechtskonform durchgeführtem Verfahren unbewiesen, trägt nach den üblichen
  Beweislastregeln (Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom
  10. Dezember 1907 [ZGB]), die auch im öffentlichen Recht als allgemeiner
  Rechtsgrundsatz gelten, diejenige Person die Folgen, die Rechte aus der
  behaupteten, aber unbewiesenen Tatsache ableitet (BGer-Urteil 1C_469/2019,
  1C_483/2019 vom 28. April 2021 E. 6.4).

  
	
   

  
	
  4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es seien zwar
  keine Baugesuchsunterlagen aufzufinden. Es sei jedoch möglich, dass die
  Gemeinde […] als Rechtsvorgängerin der Beschwerdegegnerin 1 die
  streitbetroffenen Bauten im Baumeldeverfahren bewilligt habe, wobei in den
  Archiven hierzu praktisch keine Unterlagen mehr vorhanden seien. Vor dem Hintergrund,
  dass die Beschwerdegegnerin 1 trotz intensiver Recherche keine
  sachdienlichen Hinweise in ihren Archiven finden konnte, obliegt der
  Nachweis, wonach die Gemeinde […] dem Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin
  den gedeckten Sitzplatz, den Geräteschuppen sowie die Überdachung des
  Brunnens mittels einer Baumeldung bewilligt habe, der Beschwerdeführerin. Da
  keine Baubewilligungen für die auf der Parz.-Nr. 01, Grundbuch […],
  erstellten Bauten im Recht liegen, trägt die Beschwerdeführerin die Folgen dieser
  Beweislosigkeit.

  
	
   

  
	
  Selbst wenn anzunehmen
  wäre, dass die Gemeinde […] dem Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin
  Bewilligungen im Baumeldeverfahren erteilt hätte, kann die Beschwerdeführerin
  daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Das Baumeldeverfahren ist für
  die im Streit liegenden Bauten nämlich unzureichend, was die
  Beschwerdeführerin zu Recht nicht in Abrede stellt. Für sämtliche
  realisierten Bauvorhaben wäre die Zustimmung des Beschwerdegegners 2
  erforderlich gewesen (vgl. Art. 25 Abs. 2 aRPG und Art. 35 f.
  aRBG in der am 1. Januar 1980 bzw. am 1. Mai 1988 gültigen
  Fassung). Baubewilligungen ausserhalb der Bauzone, die ohne Mitwirkung der
  zuständigen kantonalen Behörde von der Gemeinde erlassen werden, sind dabei
  nichtig (BGE 128 I 254 E. 3.1; BGer-Urteil 1C_709/2020 vom 24.
  August 2021 E. 4.2.2, mit Hinweisen). Folglich ist mit den
  Beschwerdegegnern 2 und 3 darin einig zu gehen, dass die
  streitbetroffenen Bauten mangels Bewilligung rechtswidrig erstellt wurden,
  womit grundsätzlich eine Verpflichtung zur Wiederherstellung des
  rechtmässigen Zustands besteht. Von einer
  Wiederherstellung ist im Einzelfall lediglich dann abzusehen, wenn sie
  allgemeinen Prinzipien des Verfassungs- und Verwaltungsrechts entgegensteht.
  Dazu gehören die Grundsätze der Verhältnismässigkeit und des
  Vertrauensschutzes (vgl. zum Ganzen: BGE 136 II 359
  E. 6, BGer-Urteil 1C_365/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 6 und
  8.4; VGer-Urteil VG.2020.00071 vom 12. November 2020 E. II/4.1,
  jeweils mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Der in Art. 9 der Bundesverfassung der
  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) verankerte
  Grundsatz von Treu und Glauben statuiert ein Verbot widersprüchlichen
  Verhaltens und verleiht einer Person Anspruch auf Schutz des berechtigten
  Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen
  begründendes Verhalten der Behörden. Die Voraussetzungen für eine Berufung
  auf Vertrauensschutz sind erfüllt, wenn die Behörde in einer konkreten
  Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat; sie für die
  Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende
  Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte;
  die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres erkennen konnte
  und sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen
  hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und wenn die
  gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat
  (BGE 143 V 341 E. 5.2.1). Selbst wenn die Voraussetzungen des
  Vertrauensschutzes aber erfüllt sind, können sich Private schliesslich nicht
  darauf berufen, falls ein überwiegendes öffentliches Interesse entgegensteht.
  Die Interessenabwägung im Einzelfall bleibt daher vorbehalten und bildet eine
  Schranke des Vertrauensschutzes (vgl. Ulrich Häfelin/Georg
  Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. A.,
  Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 699).

  
	
   

  
	
  5.2 Die Berufung der Beschwerdeführerin auf den
  Grundsatz von Treu und Glauben verfängt nicht. Ihr Rechtsvorgänger reichte
  bereits am 7. Januar 1980 ein Baugesuch für ein Ökonomiegebäude ein. Die
  Baudirektion verweigerte ihm am 13. März 1980 die Baubewilligung mit der
  Begründung, die Grösse und Art des vorgesehenen Ökonomiegebäudes entspreche nicht
  den Anforderungen an Bauten ausserhalb der Bauzone. Dagegen erhob er am 29.
  März 1980 beim Beschwerdegegner 3 Beschwerde. Überdies wurde auf seinen
  Antrag hin ein Augenschein vor Ort vorgenommen, an welchem er, die
  Baudirektion und der Gemeinderat […] teilnehmen konnten. In der Folge
  bewilligten die zuständigen Behörden gestützt auf neue Baugesuche einen
  Brennholz-Lagerschopf sowie eine Fassadensanierung. Vor diesem
  Hintergrund hätte der Rechtsvorgänger der
  Beschwerdeführerin nach den durchgeführten Baubewilligungs- und
  Rechtsmittelverfahren bei gehöriger Sorgfalt erkennen müssen, dass allfällige
  weitere Baugesuche der kantonalen Mitwirkung bedürfen, weshalb das von der
  Beschwerdeführerin vorgebrachte Argument, ihr Rechtsvorgänger habe sich in
  nachvollziehbarer Weise nicht mehr an die Mitwirkung der kantonalen Behörde
  erinnern können, nicht greift. Vielmehr ist davon auszugehen, dass er in
  diesem Wissen die streitbetroffenen Erweiterungen ohne Baubewilligung vornahm
  (vgl. vorstehende E. II/4.2), indem er einen gedeckten Sitzplatz,
  einen Geräteschuppen und eine Überdachung des Brunnens erstellte. Im
  Zeitpunkt des Baus konnte er aber nicht darauf vertrauen, später keinen
  Rückbau vornehmen zu müssen. Mangels einer Vertrauensgrundlage ist es
  demzufolge unerheblich, dass der Beschwerdegegner 2 erst am
  24. November 2021 die streitbetroffenen Bauten als rechtswidrig
  qualifiziert hat. Dies nicht zuletzt deshalb, weil er offenbar erst im Rahmen
  der Überprüfung des Gesuchs um Entlassung der
  Parz.-Nr. 01, Grundbuch […], aus dem Geltungsbereich des Bundesgesetzes
  über das bäuerliche Bodenrecht vom 4. Oktober 1991 (BGBB) im Mai 2021
  von den Erweiterungen Kenntnis nehmen konnte.

  
	
   

  
	
  Selbst wenn nun aber zu
  Gunsten der Beschwerdeführerin von einem durchgeführten Baumeldeverfahren auszugehen
  wäre, wäre dem Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin ebenfalls ein
  berechtigtes Vertrauen abzusprechen. Da bereits die Bauvorhaben in den Jahren
  1980 und 1984 einer kantonalen Bewilligung bedurften und der Rechtsvorgänger
  der Beschwerdeführerin überdies in der Lage war, sich gegen eine von der
  Baudirektion verweigerte Baubewilligung zur Wehr zu setzen, hätte er die
  Mangelhaftigkeit einer allfälligen Vertrauensgrundlage bei gehöriger Sorgfalt
  erkennen müssen. Der Beschwerdeführerin
  ist zwar darin beizupflichten, dass auf die individuellen Fähigkeiten und
  Kenntnisse der sich auf Vertrauensschutz berufenden Personen abzustellen ist
  und einer Privatperson nicht mehr rechtliche Kenntnisse als einer Behörde
  zuzuerkennen sind. Dennoch darf bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone
  vorausgesetzt werden, dass die Mitwirkung der kantonalen Behörde allgemein
  bekannt ist (vgl. BGer-Urteil 1C_709/2020 vom 24. August 2021
  E. 4.2.2, mit Hinweisen). Obschon der Rechtsvorgänger der
  Beschwerdeführerin ein juristischer Laie war, sind vorliegend keine Indizien
  erkennbar, wonach er die Gemeinde […] als allein zuständig hätte erachten
  dürfen. Anlässlich der Sanierung der Westfassade des Ferienhauses mit Eternit
  in der bisherigen Farbe des Gebäudes erteilte die Baudirektion am
  20. Juni 1984 die Baubewilligung. Dies erfolgte, obwohl sich der
  Charakter der Liegenschaft dadurch nicht wesentlich veränderte. Der
  Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin schien sich damit im Klaren gewesen zu
  sein, dass ausserhalb der Bauzone nicht nur schwerwiegende bauliche Eingriffe
  die Mitwirkung der kantonalen Behörden erfordern (vgl. BGer-Urteil
  1C_709/2020 vom 24. August 2021 E. 4.2.4). Nach dem Dargelegten
  besteht somit kein Anlass, von der Rechtsprechung, wonach die kantonale
  Mitwirkung bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone auch ohne juristische
  Kenntnisse als bekannt vorauszusetzen ist, abzuweichen.

  
	
   

  
	
  5.3 Unbestritten ist sodann, dass die streitbetroffenen
  Bauten spätestens im Jahr 1990 erstellt wurden, womit der rechtswidrige
  Zustand seit über 30 Jahren besteht. Entgegen der Ansicht der
  Beschwerdeführerin stellt die vorübergehende Duldung des rechtswidrigen
  Zustands jedoch kein Hindernis für dessen Behebung dar. Einerseits verwirkt
  bei rechtswidrigen Bauten ausserhalb der Bauzone die Pflicht zur
  Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands nicht nach 30 Jahren
  (BGE 147 II 309 E. 5.7). Andererseits wird eine
  Vertrauensgrundlage durch behördliche Untätigkeit nur in Ausnahmefällen
  geschaffen (vgl. BGE 136 II 359 E. 7.1;
  Häfelin/Müller/Uhlmann, Rz. 651), wobei ein solcher nicht vorliegt. Des Weiteren führt der Beschwerdegegner 2 zu
  Recht an, dass die Gemeinde […] kaum alle zonenfremden Bauten überwachen
  konnte, zumal – anders als innerhalb der Bauzone – häufig Nachbarn fehlen,
  die eine illegale Bautätigkeit oder Nutzung anzeigen und auf die
  Wiederherstellung drängen (vgl. BGE 147 II 309 E. 5.3).
  Dass die Gemeinde […] Kenntnis von den Bauten hatte und sie die
  Rechtsverletzung bewusst hingenommen sowie auf ein Einschreiten verzichtet
  hätte, ist den im Recht liegenden Akten zumindest nicht zu entnehmen.
  Vielmehr bleibt gemäss den Angaben der Beschwerdegegnerin 1 nach wie vor
  unklar, ob die Gemeinde […] die streitbetroffenen Bauten tatsächlich mittels
  einer Baumeldung bewilligt hat. Entgegen
  der Ansicht der Beschwerdeführerin hat ihr Rechtsvorgänger bezüglich der von
  ihm ohne rechtswirksame Baubewilligung erstellten Bauten daher nicht als
  gutgläubig zu gelten. Es ist somit ohne Verletzung des Vertrauensprinzips von
  keinem verwirkten Anspruch auf Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
  auszugehen. Vielmehr hat sich die
  Beschwerdeführerin als Rechtsnachfolgerin des Erblassers dessen
  Bösgläubigkeit anrechnen zu lassen. Weitere Anhaltspunkte, welche auf einen
  Vertrauenstatbestand hinweisen würden, sind schliesslich keine ersichtlich.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Vorarbeiten zu Erlassen können bei der
  Auslegung einer Norm grundsätzlich berücksichtigt werden. Es geht dabei nicht
  um eine grundsätzlich unzulässige Vorwirkung des Gesetzes oder um eine
  Berücksichtigung von Materialien im historischen Sinne, sondern um eine Art
  geltungszeitlicher Auslegung im Hinblick auf möglicherweise veränderte
  Umstände. Eine solche geltungszeitliche Auslegung rechtfertigt sich vor allem
  dann, wenn anstehendes neues Recht das geltende System nicht grundsätzlich
  ändern soll und nur eine Konkretisierung des bestehenden Rechtszustands
  angestrebt wird oder Lücken des geltenden Rechts ausgefüllt werden sollen
  (BGE 124 II 193 E. 5d; BGer-Urteil I 68/02 vom
  18. August 2005 E. 6.1, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  6.2 Die Beschwerdeführerin weist auf die von den
  eidgenössischen Räten angenommene Motion Nr. 21.4334 hin, gemäss welcher
  die Pflicht zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bei illegalen
  Bauten ausserhalb der Bauzone nach 30 Jahren verwirkt. Der Bundesrat
  wurde dadurch beauftragt, dem Parlament die gesetzlichen Grundlagen zu
  unterbreiten. Bislang hat der Gesetzgeber aber noch keine entsprechenden
  Bestimmungen erlassen und es rechtfertigt sich vorliegend keine
  Vorberücksichtigung der durch die Motion Nr. 21.4334 angestrengten
  gesetzlichen Regelung. Der Beschwerdegegner 3 weist nämlich
  richtigerweise darauf hin, dass die Verwirkung der Wiederherstellungspflicht
  ausserhalb der Bauzone erstmals gesetzlich und in Abweichung der bisherigen
  bundesgerichtlichen Praxis (vgl. BGE 147 II 309; BGer-Urteil
  1C_79/2022 vom 30. September 2022 E. 7.2, 1C_572/2020 vom
  30. November 2021 E. 8.1, jeweils mit Hinweisen) geregelt wird,
  womit eine grundsätzliche Änderung des bisherigen Rechtszustands angestrebt
  wird. Damit liegt weder eine Konkretisierung noch eine Lückenfüllung des
  geltenden Rechts vor. Zu berücksichtigen ist ferner, dass der
  Gesetzgebungsprozess noch nicht weit fortgeschritten ist und dessen Resultat
  ebenso offen ist, wie ein allfälliges Inkrafttreten der Revision. Im Ergebnis
  kommt der Motion Nr. 21.4334 im Rahmen einer geltungszeitlichen
  Auslegung somit nur untergeordnete Bedeutung zu und es ist für den Zeitablauf
  bei widerrechtlich erstellten Bauten ausserhalb der Bauzone nach wie vor auf
  die bisherige bundesgerichtliche Praxis abzustellen. Dementsprechend ist bei
  den streitbetroffenen Bauten nicht von einer Verwirkungsfrist von
  30 Jahren für die Wiederherstellungspflicht des rechtmässigen Zustands
  auszugehen.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  7.1 Der Anordnung der Wiederherstellung des
  rechtmässigen Zustands kommt für den ordnungsgemässen Vollzug des
  Raumplanungsrechts massgebliches Gewicht zu. Werden ausserhalb der Bauzone
  illegal errichtete Bauten nicht beseitigt, sondern auf unabsehbare Zeit
  geduldet, so wird der Grundsatz der Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet in
  Frage gestellt und rechtswidriges Verhalten belohnt. Formell rechtswidrige
  Bauten, die auch nachträglich nicht legalisiert werden können, müssen daher
  grundsätzlich beseitigt werden. Die mit der Anordnung der Beseitigung einer
  Baute verbundene Eigentumsbeschränkung ist nur zulässig, wenn sie
  verhältnismässig ist (Art. 36 BV). Dies setzt voraus, dass die
  Rückbaumassnahme für das Erreichen des im öffentlichen oder privaten
  Interesse liegenden Ziels geeignet und erforderlich ist und sich für die
  Betroffenen in Anbetracht der Schwere der Grundrechtseinschränkung als
  zumutbar erweist. Die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands kann
  unverhältnismässig sein, wenn die Abweichung vom Erlaubten nur unbedeutend
  ist oder die Wiederherstellung nicht im öffentlichen Interesse liegt, ebenso,
  wenn der Bauherr in gutem Glauben angenommen hat, die von ihm ausgeübte
  Nutzung stehe mit der Baubewilligung im Einklang, und ihre Fortsetzung nicht
  schwerwiegenden öffentlichen Interessen widerspricht. Auf die
  Verhältnismässigkeit kann sich auch ein Bauherr berufen, der nicht gutgläubig
  gehandelt hat. Er muss aber in Kauf nehmen, dass die Behörden aus
  grundsätzlichen Erwägungen, namentlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und
  der baulichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung des
  gesetzmässigen Zustands erhöhtes Gewicht beimessen und die dem Bauherrn
  allenfalls erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Masse
  berücksichtigen (BGer-Urteil 1C_572/2020 vom 30. November 2021 E. 10.1,
  mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  7.2 Bei den streitbetroffenen Bauten ist entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht
  mehr von einer nur geringen Abweichung vom gesetzmässigen Zustand auszugehen.
  So weist der Beschwerdegegner 3 zu Recht darauf hin, dass der gedeckte
  Sitzplatz und der Geräteschuppen zusammen eine Grundfläche von über
  20 m2 aufweisen (vgl. nachstehende E. II/8.2). Diesbezüglich
  gilt darüber hinaus zu beachten, dass ausserhalb der Bauzone regelmässig von
  keiner Geringfügigkeit mehr ausgegangen wird (vgl. BGE 132
  II 21 E. 6.4; VGer-Urteil VG.2020.00071 vom 12. November 2020
  E. II/6.2, mit Hinweis), weshalb im Ergebnis nicht zu beanstanden ist,
  dass der Beschwerdegegner 3 die aufgrund der Wohnbaute und des Brennholz-Lagerschopfs
  überbaute Grundfläche nochmals als erheblich erweitert taxierte
  (vgl. auch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich
  VB.2021.00205 vom 9. Dezember 2021 E. 5.2). Sodann durfte der
  Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin nicht gutgläubig davon ausgehen, die
  von ihm erstellten Bauten würden mit der Baubewilligung des
  Brennholz-Lagerschopfs im Einklang stehen, zumal diese nicht die Lagerung von
  Brennholz und Werkzeugen bezwecken. Weitere Baubewilligungen, die eine den
  streitbetroffenen Bauten ausgeübte Nutzung zugelassen hätten, liegen im
  Übrigen nicht vor. Demgemäss kommt den privaten Interessen der
  Beschwerdeführerin, insbesondere die wirtschaftlichen Auswirkungen des
  Rückbaus, bei der Interessenabwägung kein besonderes Gewicht zu, da die
  Abweichungen vom Erlaubten nicht unbedeutend sind und die entsprechenden
  baulichen Massnahmen vom Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin nicht
  gutgläubig vorgenommen wurden. Die
  Beschwerdeführerin vermag sodann auch in Bezug auf die Rechtssicherheit
  nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Der Rechtssicherheit und -gleichheit wird
  ausserhalb der Bauzone nämlich bestmöglich entsprochen, wenn klar ist, dass
  keine rechtswidrige Nutzung geduldet wird, auch wenn sie über lange Zeit
  nicht entdeckt bzw. beanstandet wurde (vgl. BGE 147 II 309
  E. 5.4). Weiter ist nicht ersichtlich, inwiefern mit dem Rückbau
  der unrechtmässig erstellten Bauten grössere Beeinträchtigungen für die
  Nachbarliegenschaften und die Natur zu erwarten sind. Die Beseitigung des
  gedeckten Sitzplatzes, des Geräteschuppens und der Überdachung des Brunnens
  ist ferner nicht mit einem übermässig hohen Aufwand verbunden. Demgegenüber
  ist dem Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands und
  insbesondere dem fundamentalen Grundsatz der Trennung von Bau- und
  Nichtbaugebiet mit Blick auf den fortschreitenden Kulturlandverbrauch und die
  starke Zersiedlung der Landwirtschaftszone ein erhöhtes Gewicht beizumessen.
  Bei der Beurteilung des öffentlichen Interesses an der Wiederherstellung des
  rechtmässigen Zustands ist weiter unerheblich, ob und wie viele Nachbarn sich
  an einer rechtswidrigen Baute stören bzw. sich dagegen zur Wehr setzen
  (vgl. BGer-Urteil 1C_365/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 7.4.2).
  Schliesslich kommt der Motion Nr. 21.4334 vorliegend keine massgebliche
  Bedeutung zu. Der Gesetzgebungsprozess ist – wie bereits dargelegt – noch
  nicht weit fortgeschritten und das Inkrafttreten einer allfälligen
  Gesetzesänderung bleibt weiterhin offen. Es rechtfertigt sich daher, auf die
  bisherige Rechtsprechung zur Wiederherstellungspflicht für illegale Bauten
  ausserhalb der Bauzone abzustellen. Im Ergebnis stehen dem streitbetroffenen
  Rückbau somit keine überwiegenden privaten Interessen entgegen und der
  Beschwerdegegner 3 hat die öffentlichen Interessen an der
  Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu Recht höher gewichtet.

  
	
   

  
	
  Der Vollständigkeit halber
  anzufügen bleibt, dass einer Gutgläubigkeit der Bauherrschaft und einem
  längeren Nichteinschreiten der Baubehörde lediglich durch Ansetzung einer
  längeren Wiederherstellungsfrist Rechnung getragen wird (vgl. zum Ganzen
  BGE 147 II 309 E. 5.6). Vorliegend fehlt es jedoch bereits an
  einer Vertrauensgrundlage und an der Gutgläubigkeit des Rechtsvorgängers der
  Beschwerdeführerin. Eine illegale Nutzung ausserhalb der Bauzone geniesst
  daher keinen Bestandesschutz. Die Beschwerde erweist sich auch in
  diesem Punkt als unbegründet.

  
	
   

  
	
  8.

  
	
  8.1 Auf einen
  Wiederherstellungsbefehl kann verzichtet werden, wenn die erforderlichen
  Bewilligungen in einem nachträglichen Baubewilligungsverfahren erteilt werden
  können. Bei der Prüfung der Bewilligungsfähigkeit von ohne Bewilligung
  erstellten oder geänderten Bauten ist grundsätzlich der Rechtszustand im
  Zeitpunkt der Errichtung der Baute massgebend, es sei denn, diese könne nach
  dem im Zeitpunkt des Entscheids geltenden milderen Recht bewilligt werden
  (vgl. BGE 123 II 248 E. 3a/bb; BGer-Urteil 1C_519/2020
  vom 28. Oktober 2021 E. 5.2, jeweils mit Hinweis). Vorliegend kann
  offengelassen werden, ob das neue Recht für die Beschwerdeführerin günstiger
  ist, denn wie nachfolgend aufzuzeigen ist, fällt die Erteilung einer
  Ausnahmebewilligung sowohl nach Art. 24 Abs. 2 aRPG als auch nach Art. 24c
  RPG ausser Betracht.

  
	
   

  
	
  8.2 Der Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin
  reichte am 22. April 1969 ein Baugesuch für ein Ferienhaus ein und legte
  diesem die Baupläne bei. Nachdem ihm die Bewilligung am 20. bzw. am
  27. Mai 1969 hierfür erteilt worden war, legte er der Gemeinde am
  3. Juni 1970 überarbeitete Baupläne vor. Das erstellte Ferienhaus weist
  dabei eine Grundfläche von gerundet 130 m2 (Keller: 41.73 m2;
  Parterre und Estrich: jeweils 42.25 m2; Aussentreppe: 3.98 m2) auf.
  Nach der Einführung der Trennung der Bauzonen von den Nichtbauzonen am 1.
  Juli 1972 bewilligten die zuständigen Behörden am 16. Mai 1980 sodann einen
  Brennholz-Lagerschopf mit einer Grundfläche von 17.46 m2. Überdies
  erstellte der Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin einen gedeckten
  Sitzplatz (16.32 m2), einen Geräteschuppen (3.8 m2) und eine
  Überdachung des Brunnens (4.64 m2). Den Baugesuchsunterlagen aus den
  Jahren 1969, 1970 und 1980 lässt sich entgegen den im vorinstanzlichen
  Verfahren vorgebrachten Behauptungen der Beschwerdeführerin sodann nicht
  entnehmen, dass der Brunnen bewilligt wurde.

  
	
   

  
	
  8.3

  
	
  8.3.1 Massgeblicher Vergleichszustand für die
  Beurteilung der Wahrung der Identität ist der Zustand des Ferienhauses am 1.
  Juli 1972 (vgl. Art. 42 Abs. 2 RPV). Gemäss Art. 24c Abs. 4 RPG i.V.m. Art. 42
  Abs. 3 lit. b RPV überschreiten die nach dem 1. Juli 1972 etappenweise erstellten Bauten mit
  gerundet 42 m2 (vgl. vorhergehende E. II/8.2) das
  höchstzulässige Mass von 39 m2 (130 m2 x 30 %). Der
  Begriff der teilweisen Änderung nach Art. 24 Abs. 2 aRPG wurde
  durch die Gesetzesrevision dabei nicht verändert. Inhaltlich entspricht die
  neue Bestimmung grundsätzlich der bisherigen, weshalb auch die bisherige
  bundesgerichtliche Rechtsprechung herangezogen werden kann, wonach eine
  Erweiterung nach Art. 24 Abs. 2 aRPG in der Regel nicht mehr zulässig
  ist, wenn die nutzbare Fläche und Kubatur um ein Drittel oder mehr zunimmt.
  Hierbei ist auf die realen, nach den gesamten Umständen objektiv nutzbaren
  Flächen und Rauminhalte abzustellen (vgl. BGE 127 II 215
  E. 3a f.). Gemäss dieser Faustregel liegen die streitbetroffenen
  Erweiterungen zwar innerhalb der maximal zulässigen Obergrenze von einem
  Drittel. Es bleibt jedoch weiter zu prüfen, ob die vorgenommenen Änderungen
  auch ohne Ausschöpfung dieses flächenmässigen Spielraums die Identität der
  Baute nicht mehr wahren (vgl. BGer-Urteil 1A.238/2003 vom 17. Juni
  2004 E. 2.3; Rudolf Muggli, in Heinz
  Aemisegger et al. [Hrsg.],
  Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone, Zürich/Basel/Genf 2017,
  Art. 24c N. 29).

  
	
   

  
	
  8.3.2 Die
  Identität einer Baute wird in massgeblicher Weise durch die Umgebung
  mitgeprägt, weshalb die streitbetroffenen Bauten und ihre Umgebung für die
  Beurteilung der Wesensgleichheit nicht isoliert, sondern in ihrem
  Zusammenwirken zu betrachten sind. Diesbezüglich ist darauf abzustellen, ob
  die Änderung bei einer Gesamtbetrachtung von untergeordneter Natur ist. Die Wesensgleichheit
  der Baute muss hinsichtlich Umfang, äusserer Erscheinung sowie
  Zweckbestimmung gewahrt werden und es dürfen keine wesentlichen neuen
  Auswirkungen auf die Nutzungsordnung, Erschliessung und Umwelt geschaffen
  werden (vgl. BGer-Urteil 1C_128/2018 vom 28. September 2018 E. 5.3
  und 6.1, mit Hinweisen). Wie den Akten zu entnehmen ist, hat sich das äussere
  Erscheinungsbild der ursprünglichen Baute aufgrund der nachträglich
  erstellten Bauten wesentlich verändert. So treten der Brennholz-Lagerschopf, der
  gedeckte Sitzplatz mit verglaster Nord- und Westfassade, der Geräteschuppen und die Überdachung des Brunnens
  nicht zuletzt aufgrund ihrer Flächengrösse und Kubatur markant in
  Erscheinung. Dass die Veränderungen am äusseren Erscheinungsbild für
  eine zeitgemässe Wohnnutzung oder eine energetische Sanierung notwendig
  bzw. darauf ausgerichtet sind, die Einpassung in die Landwirtschaft zu
  verbessern, ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch
  nicht substantiiert dargetan. Der Geräteschuppen dient lediglich der
  Aufbewahrung von Geräten und Maschinen und ist für die Wohnnutzung nicht
  direkt notwendig. Auch ist nicht ersichtlich, inwiefern die
  Brunnenüberdachung für eine zeitgemässe Wohnnutzung nötig ist. Weiter dient
  der gedeckte Sitzplatz lediglich einer komfortablen Lösung (vgl. Muggli,
  Art. 24c N. 36) und begünstigt dadurch die Nutzung zu Wohnzwecken,
  was nicht zuletzt anhand der im Recht liegenden Bildern verdeutlicht wird.
  Selbst wenn die streitbetroffenen Bauten indirekt das Wohnen erleichtern oder
  unterstützen, reicht eine solche mittelbare Anknüpfung nicht aus, um von
  einer zeitgemässen Wohnnutzung auszugehen (vgl. zum Ganzen BGer
  1C_284/2017 vom 1. März 2018 E. 5.2).

  
	
   

  
	
  8.3.3 Überdies widersprechen die nicht der
  Landwirtschaft dienenden Bauten dem gewichtigen raumplanerischen Interesse an
  einer Trennung zwischen Bau- und Nichtbauzone. Besondere Gründe, welche
  dieses Interesse überwiegen könnten, sind vorliegend nicht ersichtlich, zumal
  die streitbetroffenen Bauten weder für das Orts- und Landschaftsbild
  erforderlich sind. Ferner stellt der Umstand, dass die streitbetroffenen
  Bauten sich mit der natürlichen Umgebung verbunden und die Einwohner von […]
  sich bereits an diese gewöhnt hätten, keinen besonderen Grund dar, um von
  diesem Grundsatz abzuweichen. Insgesamt erweist sich die Wahrung der
  Identität sowohl nach dem im Zeitpunkt der Bauausführung geltenden als auch
  nach dem neuen Recht als verletzt. Daran ändert auch die Stellungnahme der
  Fachstelle Denkmalpflege und Ortsbildschutz (FDO) vom 20. September
  2021, wonach es keine Einwände bezüglich Einpassung und Gestaltung,
  Ortsbildschutz sowie Denkmalpflege gebe, nichts. Eine Auseinandersetzung mit
  der Wahrung der Identität nahm sie nämlich nicht vor, was angesichts des
  Umstands, dass die FDO hierfür mit Blick auf die kantonalen Bestimmungen
  nicht zuständig ist (vgl. Art. 1 Abs. 2 und Art. 3 der
  Verordnung über den Vollzug der Raumentwicklungs- und Baugesetzgebung vom
  7. Juni 2011 [RBGVV]), auch nachvollziehbar erscheint. Weiterungen
  hierzu erübrigen sich damit. Die verweigerten Ausnahmebewilligungen für die
  streitbetroffenen Bauten sind im Ergebnis somit insgesamt nicht zu
  beanstanden.

  
	
   

  
	
  9.

  
	
  Zusammenfassend verletzte der Beschwerdegegner 3
  kein Recht, indem er die streitbetroffenen Bauten als widerrechtlich
  qualifizierte und die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands schützte.
  Überdies verneinte er den Anspruch auf eine Ausnahmebewilligung zu Recht,
  womit der vorliegend angefochtene Entscheid insgesamt nicht zu beanstanden
  ist.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Die Gerichtskosten von
  pauschal Fr. 2'500.- sind ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
  (Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG) und mit dem von ihr bereits
  geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Mangels Obsiegens
  steht ihr sodann keine Parteientschädigung zu (Art. 138 Abs. 3
  lit. a VRG e contrario). Der Beschwerdegegnerin 1 als
  Gemeinwesen steht mangels Vorliegens besonderer Umstände ebenfalls keine
  Parteientschädigung zu
  (vgl. Art. 138 Abs. 4 VRG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 2'500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt
    und mit dem von ihr bereits geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe
    verrechnet.

    
	
    3. 

    	
    Es
    werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]