# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 55690ea8-7ddd-55d4-97cf-4b71f8cfe4cc
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-03-17
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 17.03.2004 BK 2004 10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2004-10_2004-03-17.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 17. März 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 04 10

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Heinz-Bommer und Rehli 
Aktuarin Mosca

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In der strafrechtlichen Beschwerde

des X., Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Alfred 
Castelberg, Postfach 731, Vazerolgasse 2, 7002 Chur,

gegen

die Einstellungs- und Abtretungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden 
vom 21. Januar 2004, mitgeteilt am 23. Januar 2004, in Sachen gegen Y., Be-
schwerdegegner, 

betreffend fahrlässige Körperverletzung etc.,

hat sich ergeben:

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A. Am 1. Oktober 2003 kam es um 11.50 Uhr in A. auf der B.-Strasse, 
Höhe Geschäft C., zu einem Verkehrsunfall. Y. fuhr mit seinem Fahrzeug, einem 
Renault 19, Kennzeichen D., auf der B.-Strasse stadteinwärts. Beim Geschäft C. 
wollte er nach rechts abbiegen, um auf den Geschäftsparkplätzen anzuhalten. 
Gemäss seinen Angaben habe er den rechten Blinker betätigt. In diesem Augen-
blick habe ihn X. mit seinem Kleinmotorrad, Marke Honda, Kennzeichen E., 
rechts überholen wollen. Dabei sei es zu einer seitlichen Kollision zwischen sei-
nem Fahrzeug und dem rechts überholenden Kleinmotorrad gekommen. Dem-
gegenüber macht X. geltend, er habe sein Kleinmotorrad vor dem Fussgänger-
streifen angehalten, um zwei Fussgängern den Vortritt zu gewähren. Dabei will 
er einen Fuss auf den Boden gesetzt haben, um sich auf diese Weise abzustüt-
zen. Y. habe sich von hinten mit seinem Fahrzeug genähert und habe ihn seitlich 
gestreift. In der Folge habe er das Gleichgewicht verloren und sei zu Boden ge-
stützt. Mitsamt seinem Roller sei er ein Stück weit vom Fahrzeug von Y. mitge-
zogen worden.

X. erlitt bei diesem Verkehrsunfall einen Querbruch des Mittelphalanx-
Knochens am 4. Finger der linken Hand. 

B. Am 7. Oktober 2003 stellte X. gegen Y. Strafantrag wegen Körper-
verletzung. Mit Verfügung vom 3. November 2003 eröffnete die Staatsanwalt-
schaft Graubünden eine Strafuntersuchung gegen Y. wegen fahrlässiger Körper-
verletzung etc.

C. Mit Verfügung vom 21. Januar 2004, mitgeteilt am 23. Januar 2004, 
stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden die Strafuntersuchung in Bezug auf 
den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB 
ein. In Bezug auf die Frage, ob sich Y. der Verletzung von Verkehrsregeln 
gemäss Art. 34 Abs. 3 SVBG und Art. 39 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 
Ziff. 1 SVG schuldig gemacht hat, wurde das Verfahren eingestellt und an das 
Kreisamt A. abgetreten, zumal es sich hierbei um eine Übertretung handelt. 

D. Gegen die Einstellungsverfügung liess X. am 11. Februar 2004 Be-
schwerde an die Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes von Graubünden er-
heben. Er beantragt:

„1. Die angefochtene Einstellungsverfügung sei aufzuheben und zur 
weiteren Untersuchung zurückzuweisen.

2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“

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Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Vernehmlassung vom 26. Februar 
2004 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Y. forderte in seiner Stellung-
nahme vom 16. Februar 2004 sinngemäss ebenfalls die Abweisung der Be-
schwerde.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 138 StPO kann die Beschwerdekammer angefochtene 
Einstellungsverfügungen nicht nur auf Rechtswidrigkeit, sondern auch auf Unan-
gemessenheit überprüfen. Bei der Überprüfung der Unangemessenheit eines 
Entscheides soll aber die Beschwerdekammer ihr Ermessen nur dort an die Stelle 
desjenigen der Vorinstanz setzen, wo sich deren Verfügung nicht mit triftigen 
Gründen rechtfertigen lässt (vgl. PKG 1975 Nr. 58). Ebenso muss bei der Beur-
teilung der Rechtmässigkeit oder Angemessenheit einer Einstellungsverfügung 
berücksichtigt werden, dass an den Nachweis der Täterschaft hohe Anforderun-
gen zu stellen sind. Eine Einstellungsverfügung ist demzufolge dann angemes-
sen und hält der umschriebenen Prüfung stand, wenn aufgrund des in Gesamt-
würdigung der Beweise ermittelten Untersuchungsergebnisses objektiv oder sub-
jektiv nicht genügend Anhaltspunkte für das Vorliegen einer straf- und verfolgba-
ren Handlung gegeben sind und somit ein Freispruch erwartet werden müsste, 
und wenn keine neuen Beweismittel ersichtlich sind, die das ermittelte Beweiser-
gebnis im gegenteiligen Sinne zu beeinflussen vermöchten. Anklage ist nur dann 
zu erheben, wenn in objektiver und subjektiver Hinsicht Anhaltspunkte vorliegen, 
die einen Schuldspruch als wahrscheinlich erscheinen lassen (vgl. zum Ganzen 
W. Padrutt, Kommentar zur StPO des Kantons Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, 
S. 164 f. Ziff. 3.3, S. 111 Ziff. 6).

2. Die Staatsanwaltschaft hielt in ihrer Einstellungsverfügung fest, es 
sei von der Sachverhaltsversion des Beschwerdegegners auszugehen, zumal 
dieser den Beschwerdeführer mit grösster Wahrscheinlichkeit gesehen hätte, 
wenn letzterer vor dem Fussgängerstreifen angehalten hätte. Es sei auch frag-
lich, ob der Beschwerdeführer tatsächlich ein Stück weit vom Fahrzeug von Y. 
mitgezogen worden sei, da am Fahrzeug keine Teile erkennbar seien, an denen 
sich der Verletzte oder sein Motorroller hätten einhängen können. Die Sachver-
haltsversion des Beschwerdegegners werde zudem von seiner Mitfahrerin, F., im 
Wesentlichen bestätigt. Trotzdem könne Y. gemäss Ansicht der Staatsanwalt-
schaft der Vorwurf nicht erspart werden, zu wenig auf den nachfolgenden Verkehr 

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Rücksicht genommen zu haben. Wenn er vor dem Abbiegen in den Rückspiegel 
geschaut hätte, hätte er das herannahende Kleinmotorrad frühzeitig erkennen 
und auf das Abbiegen verzichten können. Auch wenn zugunsten von Y. davon 
auszugehen sei, dass er den rechten Blinker gesetzt habe, habe ihn das nicht 
von der gebotenen Vorsicht entbunden. In Bezug auf den Tatbestand der fahr-
lässigen Körperverletzung führte die Staatsanwaltschaft in ihrer Einstellungsver-
fügung aus, ein Automobilist müsse nicht damit rechnen, von anderen Motorfahr-
zeugen rechts überholt zu werden. Die Tatsache, dass sich der Beschwerdefüh-
rer zu einem verbotenen Überholmanöver habe hinreissen lassen und den rech-
ten Blinker am Fahrzeug von Y. ignoriert habe, lasse die Unaufmerksamkeit des 
Beschwerdegegners derart in den Hintergrund treten, dass eine Unterbrechung 
des Kausalzusammenhanges angenommen werden müsse.

3.a) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Aussagen des Be-
schwerdegegners seien widersprüchlich. Anlässlich der polizeilichen Einver-
nahme vom 1. Oktober 2003 habe Y. ausgesagt, er habe den Lenker des Rollers 
vor dem Unfall nicht gesehen. Er wisse nicht, wo dieser gestanden oder gefahren 
sei. Demgegenüber habe der Beschwerdegegner am 11. Dezember 2003 vor 
dem Untersuchungsrichter zu Protokoll gegeben, der Beschwerdeführer habe 
sich ihm von hinten genähert. Da Y. behaupte, er hätte anlässlich seines Abbieg-
manövers in den Rückspiegel geblickt und X. nicht gesehen, könne ausgeschlos-
sen werden, dass er (X.) sich von hinten genähert habe und den Beschwerde-
gegner rechts habe überholen wollen. Ein weiterer Widerspruch finde sich in der 
Einvernahme vom 11. Dezember 2003. Anlässlich dieser Einvernahme habe Y. 
ausgesagt, er habe noch vor dem Fussgängerstreifen nach rechts abbiegen wol-
len. Diese Aussage könne nicht wahrheitsgetreu sein, zumal der Roller weit hinter 
dem Fussgängerstreifen zu liegen gekommen sei.

b) Die Argumentation des Beschwerdeführers überzeugt insofern 
nicht, als nicht auszuschliessen ist, dass der Beschwerdegegner tatsächlich in 
den Rückspiegel geblickt hat, den Beschwerdeführer aber trotzdem nicht gese-
hen hat, weil sich dieser im sichttoten Winkel befunden hat. Sodann spielt es 
keine Rolle, ob der Beschwerdegegner vor dem Fussgängerstreifen oder nach 
diesem nach rechts hat abbiegen wollen. Wie noch zu zeigen sein wird, ist die 
Beschwerde aber auch dann gutzuheissen, wenn man von der Sachverhaltsver-
sion der Staatsanwaltschaft ausgeht.

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4.a) Gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB wird mit Gefängnis oder Busse be-
straft, wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schä-
digt. Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und 
mithin für die Fahrlässigkeitshaftung ist die Voraussehbarkeit des Erfolgs. Die 
zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den konkreten Täter min-
destens in seinen wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Zunächst ist daher zu 
fragen, ober der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte vor-
aussehen beziehungsweise erkennen können und müssen. Für die Beantwor-
tung dieser Frage gilt der Massstab der Adäquanz. Danach muss sein Verhalten 
geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des 
Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu 
begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche 
Umstände, wie das Mitverschulden eines Dritten oder Material- oder Konstrukti-
onsfehler, als Mitursachen hinzutreten, mit denen schlichthin nicht gerechnet 
werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und 
unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so allen anderen mitverursa-
chenden Faktoren - namentlich das Verhalten des Angeschuldigten - in den Hin-
tergrund drängen (BGE 127 IV 34 E. 2a mit weiteren Hinweisen).

b) Wie bereits ausgeführt, kommt die Staatsanwaltschaft aufgrund des 
vorliegenden Beweisergebnisses zum Schluss, der Beschwerdegegner habe Art. 
34 Abs. 3 und Art. 39 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG verletzt, 
indem er auf den nachfolgenden Verkehr nicht Rücksicht genommen habe. Da 
es sich hierbei um eine Übertretung handelt, wurde das Verfahren hinsichtlich 
der Verletzung von Verkehrsregeln an das Kreisamt A. abgetreten. Gleichzeitig 
stellte die Staatsanwaltschaft jedoch fest, der adäquate Kausalzusammenhang 
zwischen der Sorgfaltspflichtverletzung des Beschwerdegegners und dem einge-
tretenen Erfolg sei durch das Verhalten des Beschwerdeführers unterbrochen 
worden. Y. habe nicht damit rechnen können, rechts überholt zu werden. Diese 
Argumentation hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Es ist vorliegend ein 
Widerspruch in sich, Y. vorzuwerfen, auf den nachfolgenden Verkehr zu wenig 
Rücksicht genommen zu haben und zugleich den adäquaten Kausalzusammen-
hang zwischen dieser Sorgfaltspflichtverletzung und den vom nachfolgenden 
Verkehrsteilnehmer erlittenen Schaden zu verneinen. Wie dargelegt, können 
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur aussergewöhnliche Um-
stände einen Unterbruch des Kausalzusammenhangs bewirken. Wirft nun aber 
die Staatsanwaltschaft Y. mangelnde Rücksicht auf den nachfolgenden Verkehr 
vor und ereignet sich in diesem Zusammenhang ein Verkehrsunfall, ist nicht er-

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sichtlich, weshalb diese Sorgfaltspflichtverletzung für den vom nachfolgenden 
Verkehrsteilnehmer erlittenen Schaden nicht zumindest mitursächlich gewesen 
sein soll. Jedenfalls kann aus den vorliegenden Akten nicht geschlossen werden, 
die Fahrweise von X. sei derart schwerwiegend beziehungsweise ausserge-
wöhnlich, dass das sorgfaltswidrige Verhalten von Y. selbst als (Mit-)Ursache für 
den vom Beschwerdeführer erlittenen Schaden völlig in den Hintergrund trete. 
Soweit die Staatsanwaltschaft im Verhalten des Beschwerdeführers eine Unter-
brechung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem ihrer Auffas-
sung nach verkehrsregelwidrigen Verhalten von Y. und dem eingetretenen Scha-
den erblickt, kann ihr daher nicht gefolgt werden.

c) Nach dem Gesagten ist die Einstellungsverfügung mit der von der 
Staatsanwaltschaft angeführten Begründung nicht haltbar. Vielmehr liegt der 
Schluss nahe, dass der adäquate Kausalzusammenhang zwischen der Sorgfalts-
pflichtverletzung und dem eingetretenen Schaden zu bejahen ist. Jedenfalls kann 
bei einer Gesamtwürdigung nicht davon ausgegangen werden, dass eine Ver-
urteilung unwahrscheinlich und damit ein Freispruch erwartet werden müsste. 
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuhe-
ben und die Sache an die Staatsanwaltschaft Graubünden zurückzuweisen.

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Be-
schwerdeverfahrens zu Lasten des Kantons Graubünden. Von einer ausseramt-
lichen Entschädigung zu Gunsten des Beschwerdeführers ist mangels gesetzli-
cher Grundlage abzusehen. 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Einstellungsverfü-
gung aufgehoben und die Sache der Staatsanwaltschaft Graubünden 
zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 700.-- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

3. Mitteilung an:

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Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin: