# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3a05554-f63c-58d2-92a2-4b418309bf08
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-11-17
**Language:** de
**Title:** Einschätzung 2007 und Direkte Bundessteuer 2007
**Docket/Reference:** ST.2009.216
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2009_216_nl.pdf

## Full Text

STEUERREKURSKOMMISSION II 
DES KANTONS ZÜRICH 

2 ST.2009.216 
2 DB.2009.127 

Entscheid 

17. November 2009 

Mitwirkend: 

Einzelrichter R. Oesch und Sekretär M. Ochsner 

1.  A,    

2.  B,    

Nr. 2 vertreten durch Nr. 1,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrenten/ 
Beschwerdeführer,  

1.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

2.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

Rekursgegner,  

Beschwerdegegnerin,  

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Stadt Zürich,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

betreffend 

Einschätzung 2007 und Direkte Bundessteuer 2007 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. Die Eheleute A und  B (nachfolgend der bzw. die Pflichtige, zusammen die 

Pflichtigen)  deklarierten  in  der  Steuererklärung  2007  ein  Nettoeinkommen  von 

Fr. 62'351.-  (Staats-  und  Gemeindesteuern)  und  Fr. 61'651.-  (direkte  Bundessteuer). 

Davon zogen sie u.a. nach Berücksichtigung eines Selbstbehalts (von Fr. 3'117.- bzw. 

Fr. 3'082.-) für Krankheits- und Unfallkosten Fr. 5'045.- bzw. Fr. 5'080.- ab; dabei ging 

es mehrheitlich um Kosten der Naturheilpraxis C in D. Dergestalt verblieb schliesslich 

ein steuerbares Einkommen von Fr. 54'900.- bzw. Fr. 54'100.-. Auf Anfrage des kanto-

nalen  Steueramts  hin  teilten  die  Pflichtigen  am  10. November  2008  mit,  C  sei  aner-

kannter  Naturheilpraktiker,  und  verwiesen  auf  dessen  Webseite.  Hierauf  verweigerte 

das Steueramt den erwähnten Abzug mit der Begründung, es fehle insofern am Nach-

weis,  dass  ein  anerkannter  Naturheilpraktiker  die  naturheilärztliche  Behandlung  ver-

ordnet habe. Nebst anderen, nicht mehr streitigen Korrekturen ergab sich gemäss Ent-

scheid vom 8. Januar 2009 für die Staats- und Gemeindesteuern 2007 ein steuerbares 

Einkommen von Fr. 66'200.- bei einem gegenüber der Steuererklärung unveränderten 

steuerbaren  Vermögen  von  Fr. 49'000.-.  Mit  Hinweis  vom  8. Januar  und  Steuerrech-

nung vom 9. Januar 2009 setzte das Amt das steuerbare Einkommen für die Bundes-

steuerperiode 2007 entsprechend auf Fr. 65'500.- fest. 

B.  Am  13./14. Januar  2009  erhoben  die  Pflichtigen  gegen  beide  Entscheide 

Einsprache. Dabei  machten sie geltend, die berufsbedingten Fahrtkosten  des Pflichti-

gen von  Fr. 1'529.- seien zu Unrecht aufgerechnet worden; sodann sei der Abzug für 

Krankheitskosten  ohne  Grund  verweigert  worden.  Mit  Auflage  vom  13. März  2009 

Mahnung vom 15. Mai 2009 forderte das kantonale Steueramt die Pflichtigen auf, wei-

tere Unterlagen und Bestätigungen hinsichtlich der Krankheitskosten vorzulegen. Hier-

auf teilten sie am 25. Mai 2009 mit, die Naturheilpraxis sei seit 20 Jahre in Deutschland 

unter der Steuer-/Betriebsnummer … "voll registriert". Die Krankenkassen würden ent-

sprechende Zahlungen nicht vergüten.  

Mit  getrennten  Entscheiden  vom  31. Juli  2009  hiess  das  Steueramt  die  Ein-

sprachen  teilweise  gut,  indem  es  das  steuerbare  Einkommen  für  die  Staats-  und Ge-

meindesteuern  2007  auf  Fr. 64'700.-  und  für  die  Bundessteuerperiode  2007  auf 

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Fr. 64'000.-  herabsetzte.  Massgeblich  dafür  war  die  Anerkennung  der  beanspruchten 

Fahrtspesen. 

C. Mit Eingabe vom 18. August 2009 wandten sich die Pflichtigen an das kan-

tonale  Steueramt  mit  dem  Ersuchen,  die  an  Naturheiler  C  entrichteten  Zahlungen  als 

steuerlich  beachtlich  zu  würdigen  und  entsprechend  den  Krankheitskostenabzug  zu 

gewähren.  Das  Steueramt  überwies  dieses  Schreiben  gestützt  auf  § 14  der  Verord-

nung  zum  Steuergesetz  vom  1. April  1998  an  die  Steuerrekurskommissionen.  Die 

Pflichtigen erklärten auf gerichtliche Aufforderung hin am 4. September 2009, ihre Ein-

gabe sei als "Rekurs" zu verstehen. 

Das kantonale Steueramt schloss am 22. September 2009 auf Abweisung der 

Rechtsmittel. 

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1. Streitig ist einzig, ob, und allenfalls inwieweit, den Pflichtigen ein Abzug für 

Krankheitskosten  zuzugestehen  sei.  Fest  steht  sodann,  dass  ihre  an  das  kantonale 

Steueramt  gerichtete  Eingabe  vom  18. August  2009  als  Rekurs  und  Beschwerde  ge-

gen die Einspracheentscheide vom 31. Juli 2009 zu gelten hat. 

2. a)  Art. 33  Abs. 1  lit. h  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte  Bundessteuer 

vom 14. Dezember 1990/13. Dezember 2002 (DBG) sowie § 32 lit. a des Steuergeset-

zes vom 8. Juni 1997/13. Dezember 2004 (StG; dies in Nachachtung von Art. 9 Abs. 2 

lit. h des Bundesgesetzes über die Harmonisierung  der direkten  Steuern der Kantone 

und Gemeinden vom 14. Dezember 1990/13. Dezember 2002; StHG) bestimmen, dass 

von den Einkünften die Krankheits- und Unfallkosten des Steuerpflichtigen und der von 

ihm unterhaltenen Personen abgezogen werden, soweit dieser die Kosten selber trägt 

und diese 5% der um die Aufwendungen gemäss  Art. 26-33  DBG bzw. §§ 26-31  StG 

verminderten steuerbaren Einkünfte übersteigen. Im Umfang dieses Prozentsatzes hat 

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der  Steuerpflichtige  mithin  vorab  einen  Selbstbehalt  zu  tragen.  Das  Steuergesetz  be-

rücksichtigt damit die Kosten für die Erhaltung und Wiederherstellung der körperlichen 

und  psychischen  Gesundheit,  die  grundsätzlich  zu  den  nicht  abziehbaren  Lebenshal-

tungskosten  gehören  (vgl.  RB 1979  Nr. 32),  systeminkonform  ausnahmsweise  ein-

kommensschmälernd. Dass Auslagen, welche von dritter Seite, namentlich von einem 

Kranken-  oder  Invalidenversicherer,  gedeckt  werden,  nicht  als  Krankheitskosten  zum 

Abzug gebracht werden können, versteht sich von selbst; denn der Steuerpflichtige hat 

solche Aufwendungen letztlich nicht selber zu bestreiten. 

a)  "Krankheitskosten"  bilden  einen  auslegungsbedürftigen  unbestimmten 

Rechtsbegriff. Weil es um eine Ausnahme vom Grundsatz geht, dass Lebenshaltungs-

kosten  nicht  vom  rohen  Einkommen  absetzbar  sind  (Art. 34  lit. a  DBG  und  § 33  lit. a 

StG),  ist  dieser  Begriff  restriktiv  auszulegen  (BGr,  10. Juli  2009,  2C_103/2009, 

www.bger.ch;  StRK  I,  30. März  2007,  1 ST.2007.29  und  1 DB.2007.12,  je  auch  zum 

Folgenden).  Eine  zurückhaltende  Anwendung  der  genannten  Bestimmungen  drängt 

sich  namentlich  dort  auf,  wo  sich  die  Abgrenzung  von  Heilbehandlungen  und  Mass-

nahmen zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens, also klarerweise ordentlichen, 

steuerlich nicht beachtlichen Lebenshaltungskosten, als schwierig erweist. Die medizi-

nische  Begriffsbildung  ist  diesbezüglich  zwar  entscheidrelevant,  jedoch  nicht  allein 

massgeblich,  steht  in  steuerlicher  Hinsicht  doch  nicht  (nur)  die  Krankheit  selbst,  son-

dern die Frage, welche von ihr verursachten Kosten einkommensmindernd zu berück-

sichtigen seien, zur Beurteilung. Die eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat da-

zu  das  Kreisschreiben  Nr. 11  zur  direkten  Bundessteuer  vom  31. August  2005 

erlassen.  Darin  hat  sie  Krankheitskosten  als  Ausgaben  für  medizinische  Behandlun-

gen,  d.h.  Kosten  für  Massnahmen  zur  Erhaltung  und  Wiederherstellung  der  körperli-

chen oder psychischen Gesundheit, insbesondere die Kosten für ärztliche Behandlun-

gen,  Spitalkosten,  Auslagen  für  Medikamente  und  Heilmittel,  medizinische  Apparate, 

Brillen  etc.  bezeichnet  und  die  Kosten  besonderer  Heilmassnahmen  wie  Massagen, 

Bestrahlungen,  Heilbäder,  Kuraufenthalte,  Physiotherapie,  Ergotherapie,  Logopädie, 

Psychotherapie  für  nur  dann  abzugsfähig  erklärt,  wenn  diese  ärztlich  verordnet  sind 

und von diplomierten Personen durchgeführt werden (Ziff. 3.2.2). Im Weiteren ist darin 

festgehalten, die Kosten für naturärztliche Behandlung seien nur dann absetzbar, wenn 

sie von einem "anerkannten Naturheilpraktiker" verordnet seien (Ziff. 3.2.4). 

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Als  Verwaltungsweisung  sind  die  Kreisschreiben  begrifflich  allgemeine  Ver-

waltungsverordnungen  und  richten  sich  vorab  an  die  Vollzugsorgane;  sie  vermögen 

Gerichte nicht zu binden (Michael Beusch, in: Kommentar zum Schweizerischen Steu-

errecht, Band I/2b, 2.A., 2008, Art. 102 N 9 ff. DBG). Trotz insofern fehlender Verbind-

lichkeit  kann  sie  als  Hilfsmittel  zur  Auslegung  herangezogen  werden,  und  zwar  nicht 

nur für die direkte Bundessteuer, sondern auch für die harmonisierte Staatssteuer, ob-

schon sie nur für die Bundessteuer erlassen wurde. Denn die in beiden Gesetzen ver-

wendeten Begriffe decken sich, ebenso der Normzweck. Gerichte weichen nicht ohne 

triftigen Grund von einer solchen Weisung ab, wenn diese eine überzeugende Konkre-

tisierung der gesetzlichen Regelung darstellt.  Sie ziehen die im Kreisschreiben vorge-

gebene Lösung zu Rate und richten ihre Entscheidung danach, sofern sich damit – wie 

hier – eine dem Einzelfall angemessene, ihm gerecht werdende Auslegung der  mass-

geblichen  Gesetzesbestimmung  bewerkstelligen  lässt.  Gerade  dadurch  trägt  das  Ge-

richt  dem  Bestreben  der  Verwaltung  nach  einheitlicher  und  rechtsgleicher  Gesetzes-

anwendung mittels interner Weisung Rechnung (BGE 133 V 352).  

b) Krankheitskosten im Sinn von Art. 33 Abs. 1 lit. h DBG bzw. § 32 lit. a StG 

stellen  steuermindernde  Umstände  dar,  welche  gemäss  den  allgemeinen  Beweislast-

regeln  von  den  Steuerpflichtigen  darzutun  und  nachzuweisen  sind  (vgl.  VGr, 

4. November  1992,  SB 92/0026;  RB 1987  Nr. 35,  auch  zum  Folgenden).  Der  Steuer-

pflichtige hat bis zum Ablauf der Rekursfrist die zum Beweis für seine Darstellung er-

forderlichen  Beweismittel  einzureichen  oder  zumindest  anzubieten  (RB 1975  Nr. 55, 

1986 Nr. 49). Fehlt es an einer hinreichenden Sachdarstellung oder Beweismitteloffer-

te, trifft die Rekurskommission keine weitere Untersuchungspflicht. Sie hat den Steuer-

pflichtigen  weder  zur  Ergänzung  seiner  mangelhaften  Sachdarstellung  noch  zur  Bei-

bringung besserer Beweismittel anzuhalten.  

Die Beweislosigkeit, die sich einstellt, wenn der Steuerpflichtige seine Mitwir-

kungspflichten hinsichtlich steueraufhebender oder -mindernder Tatsachen nicht erfüllt, 

führt grundsätzlich nicht zu einer Ermessenseinschätzung im Sinn von Art. 130 Abs. 2 

DBG bzw. § 139 Abs. 2 StG. Vielmehr ist diesfalls zu Ungunsten des beweisbelasteten 

Steuerpflichtigen anzunehmen, die behauptete Tatsachen habe sich nicht verwirklicht, 

und  gestützt  darauf  der  in  Frage  stehende  Abzug  nicht  zu  berücksichtigen  (vgl.  etwa 

BGE 92 I 393 = ASA 36, 192 und BGr, 10. Juli 1997 = ASA 46, 512). Unter bestimm-

ten – vorliegend indes nicht aktuellen – Voraussetzungen ist allerdings eine Schätzung 

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nach pflichtgemässem Ermessen  auch bezüglich steueraufhebender und  -mindernder 

Tatsachen zu treffen. 

3. a) Die Pflichtigen haben im Formular "Aufstellung über Krankheits- und Un-

fallkosten" in den Rubriken "Selbstbehalt gemäss Abrechnung Krankenkasse und Ver-

sicherung"  und  "Arzt  und  vom  Arzt  verordnete  Medikamente"  Aufwendungen  von 

Fr. 199.-  und  Fr. 7'963.-,  zusammen  von  Fr. 8'162.-  aufgeführt.  Darunter  befanden 

sich,  wie  aus  den  Beilagen  hervorgeht,  drei  Rechnungen  der  Naturheilpraxis  C  in  D 

vom 28. Februar 2007 (2) und vom 27. April 2007 (1). Aufgrund der Diagnosen "Obsti-

pation; akute Magen-Darm-Störungen; allgemeine Mattig- und Müdigkeit sowie Sauer-

stoffmangel" ist der Pflichtige 2007 vom 13. - 16. und 19. - 22. Februar sowie vom 16. - 

20. und  23. -  27. Juni  auf  verschiedene  Arten  behandelt  worden.  Dabei  sind  direkte 

Kosten  von  €  1'250.67  sowie  €  1'158.40  angefallen.  Im  Februar  2007  stand  zur  glei-

chen Zeit auch die Pflichtige dort in Behandlung, gestützt auf die Diagnose "funktionel-

le Darmentleerungsstörung ; […]; Verdacht auf Belastung der Schleimhäute durch My-

kosen  sowie  allgemeine  Mattig-  und  Müdigkeit";  die  entsprechenden  Kosten  beliefen 

sich  auf  €  1'250.67. Umgerechnet  ergaben  sich  laut  Berechnung  der  Pflichtigen  Ge-

samtkosten von (Fr. 2'126.15 + Fr. 2'126.15 + Fr. 1'969.30 =) Fr. 6'221.60.  

b)  Um  zu  prüfen,  ob  diese  Kosten,  wie  von  den  Pflichtigen  beansprucht,  bei 

der Anwendung von Art. 33 Abs. 1 lit. h DBG und § 32 lit. a StG beachtlich sind, hat der 

Steuerkommissär  die  Pflichtigen  am  31. Oktober  2008  aufgefordert,  nachzuweisen, 

dass  die  in  Abzug  gebrachten  Aufwendungen,  mithin  auch  diese  Positionen,  ärztlich 

verordnet  worden  seien.  Bezüglich  Kosten  von  naturheilärztlicher  Behandlung  sei  der 

Nachweis zu erbringen, dass ein anerkannter Naturheilpraktiker diese verordnet habe. 

Hierauf  liessen  die  Pflichtigen  am  10. November  2008  wissen,  der  infrage  stehende 

Naturheilpraktiker  (C)  sei  ein  "anerkannter  Heilpraktiker",  wie  sich  aus  dessen  Web-

Seite  "…"  ergebe.  In  der  Einspracheschrift  führten  sie  sodann  aus,  C  sei  eine  Kory-

phäe unter den Naturärzten in Deutschland; auch zeige dessen Homepage, dass er ein 

langjährig  praktizierender  Naturarzt  sei.  Auf  die  Auforderungen  vom  13. März  und 

15. Mai  2009  hin,  nachzuweisen,  dass  C  ein  (von  den  Krankenkassen)  anerkannter 

Naturheilpraktiker  sei,  liessen  sie  lediglich  verlautbaren,  die  Naturheilpraxis  sei  seit 

über 20 Jahren eine in Deutschland voll registrierte Praxis, nämlich unter der "Steuer-

/Betriebsnummer …". 

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c)  aa)  Laut  bundesgerichtlicher  Praxis  bildet  das  Erfordernis  der  ärztlichen 

Verordnung ein taugliches Kriterium zur Abgrenzung zwischen therapeutischer Heilbe-

behandlung  einerseits  und  Massnahmen  zur  Steigerung  des  allgemeinen  Wohlbefin-

dens  anderseits  (10. Juli  2009,  2C_103/2009).  Eine  solche  ärztliche  Anordnung  fehlt 

hier  von  vornherein.  Die  Pflichtigen  machen  schon  gar  nicht  erst  geltend,  sie  hätten 

sich auf ärztliche Anweisung hin von C therapieren lassen.  

bb) Mithin bleibt zu klären, ob  die streitigen Behandlungskosten allenfalls  als 

abzugsfähige Aufwendungen für eine Behandlung im Rahmen einer Alternativmedizin 

zu würdigen seien. Die auf solcher Grundlage ausgeübte Medizin ergänzt die wissen-

schaftliche  Medizin  und  wird  auch  als  Komplementär-,  Erfahrungs-  oder  traditionelle 

Medizin bezeichnet (S. 6 der Erläuterungen des Bundesrats zur Volksabstimmung vom 

17. Mai  2009  zum  Verfassungsartikel  "Zukunft  mit  Komplementärmedizin").  Das  Ge-

richt sieht jedenfalls zurzeit keinen Grund, sich nicht an die Vorgaben des Kreisschrei-

bens  Nr. 11  zu  halten,  nicht  zuletzt  im  Interesse  einer  rechtsgleichen  Behandlung. 

Zwar  ist  nicht  ohne  Weiteres  ersichtlich,  wer  als  "anerkannter  Naturheilpraktiker"  zu 

gelten hat. Doch kann schon deshalb, weil Heilungskosten, wie gesehen, grundsätzlich 

nicht abzugsfähige Lebenshaltungskosten sind, nicht jedermann, welcher irgendwelche 

Heilmethoden,  wenn  auch  mit  Erfolg,  praktiziert  und  sich  als  Naturheilpraktiker  be-

zeichnet,  als  "anerkannt"  gelten.  Als  taugliches  Kriterium  kann  in  Anlehnung  an  die 

Verordnung  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer  vom  29. März  2000 

(VO MWST)  die  Anerkennung  nach  kantonalem  Gesetz  gelten.  Demnach  gelten  als 

Heil-  und  Pflegeberufe  namentlich  Naturärzte,  Heilpraktiker  und  Naturheilpraktiker. 

Heilbehandlungen  sind  einzig  dann  von  der  (Mehrwert-)Steuer  ausgenommen,  wenn 

der Leistungserbringer im Besitz der nach kantonalem Recht erforderlichen Bewilligung 

zur  selbstständigen  Berufsausübung  ist  oder  wenn  er  zur  Ausübung  der  Heilbehand-

lung  nach der kantonalen Gesetzgebung zugelassen ist (Art. 3  Abs. 1 und 2  lit. h VO 

MWST).  In  diesem  Sinn  löst  eine  Behandlung  nur  dann  keine  (mehrwert)steuerlichen 

Folgen aus, wenn die behandelnde Person zur selbstständigen Berufsausübung befugt 

bzw. zur Behandlung zugelassen ist. Im Sinn der Einheit der Rechtsordnung sowie im 

Bestreben,  einer  gesetzlich  nicht  gewollten  und  nicht  zu  rechtfertigenden  uferlosen 

Anerkennung jeder komplementärmedizinischen Applikation – immerhin sind in diesem 

Bereich laut Erkenntnis des Bundesrats schweizweit nebst 3000 Ärztinnen und Ärzten 

rund 20'000 Therapeutinnen und Therapeuten aktiv (siehe S. 6 der Erläuterungen des 

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Bundesrats  zur  Volksabstimmung  vom  17. Mai  2009  zum  Verfassungsartikel  "Zukunft 

mit  Komplementärmedizin") – entgegenzuwirken,  ist  es  sinnvoll  und  zweckmässig,  je-

denfalls nur Leistungen solcher Fachpersonen als steuerlich massgeblich zu würdigen, 

welche die genannten Voraussetzungen erfüllen. Bei der gebotenen restriktiven Ausle-

gung kann diesfalls eine Person als "anerkannter Naturheiler" gelten. Aus dieser Sicht 

erscheint  die  Eintragung  in  das  ErfahrungsMedizinische  Register  EMR  (vgl.  BGr, 

10. Juli  2009,  2C_103/2009)  als  nicht  genügend,  nicht  zuletzt  deshalb,  weil  es  sich 

dabei um eine rein privatwirtschaftlich organisierte und freiwillige Qualitätsprüfung der 

Anbieter  erfahrungsmedizinischer  Leistungen  handelt,  welche  sich – soweit  erkenn-

bar – einer  staatlicher  Kontrolle  entzieht.  Dass  verschiedene  private  Versicherer  im 

Rahmen  der  Zusatzversicherung  zur  Grundversicherung  komplementärmedizinische 

Leistungen vergüten, falls ein EMR-zertifizierter Therapeut sie erbringt, spielt bei alle-

dem keine Rolle. Wie es sich dereinst verhalten wird, wenn der Gesetzgeber den am 

17. Mai  2009  von  Volk  und  Ständen  angenommenen  Verfassungsartikel  "Zukunft  mit 

Komplementärmedizin"  (Art. 118a  BV)  konkretisiert  hat  und  entsprechende  Bestim-

mungen  ins  Krankenversicherungsgesetz  aufgenommen  sind,  mag  dahingestellt  blei-

ben. 

Ob jede Leistung, welche eine "anerkannte" Fachperson erbringt, ungeachtet 

ihres Gehalts, ihrer Ausrichtung und ihres Zwecks tatsächlich steuerlich beachtlich ist, 

kann  hier  aus  besonderem  Grund  (siehe  unten)  ohne  Zwang  offenbleiben.  Sachlich 

überzeugend  hat  das  Bundesgereicht  insofern  jedenfalls  Vorbehalte  angemeldet,  die 

Frage indes letztlich offen gelassen (10. Juli 2009, 2C_103/2009). Steht indes die Leis-

tung eines "nicht anerkannten" Naturheilpraktikers zur Diskussion, so kann sich dieses 

Problem nicht stellen. 

cc)  Die  Pflichtigen  haben  es  versäumt,  darzutun  und  nachzuweisen,  dass  C 

eine  Person  ist,  welche  wenigstens  die  soeben  genannten  Anforderungen  an  einen 

Alternativtherapeuten  erfüllt.  Zwar  ist  nicht  zu  verkennen,  dass  dieser  als  in  D  tätiger 

Akteur  diese  Bedingungen  direkt  zu  erfüllen  von  vornherein  nicht  imstande  ist.  Doch 

hätte es genügt, wenn erstellt wäre, dass er gleichwertige Vorgaben nach deutschem 

Recht  erfüllt  hätte.  Diesen  Nachweis  haben  die  Pflichtigen  nicht  einmal  angetreten, 

geschweige denn geleistet. Sie haben sich damit begnügt, auf die Web-Seite von C zu 

verweisen, ohne einen Print-out mit den entsprechenden detaillierten Angaben zu pro-

duzieren oder als Beweismittel wenigstens anzubieten.  Abgesehen davon, dass in ei-

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nem solchen blossen Hinweis keine hinreichende und damit rechtlich beachtliche Sub-

stanziierung zu erblicken ist, lässt sich der genannten Homepage lediglich entnehmen, 

sie werde "gerade überarbeitet"; sachbezogene Informationen fehlen daher vollständig. 

Mithin  wäre  es  den  Steuerbehörden,  selbst  wenn  die  Verweisung  beachtlich  wäre, 

verwehrt,  sich  zu  vergewissern,  ob  der  Therapeut  die  erforderlichen  beruflichen  Vor-

aussetzungen erfüllt, um seine Leistungen im Sinn des Steuergesetzes zu berücksich-

tigen. An alledem vermag auch der Umstand, dass die infrage stehenden Rechnungen 

laut  Aufdruck  nach  deutschem  Recht  umsatzsteuerfrei  sein  sollen,  nichts  zu  ändern. 

Denn es steht nicht fest, dass sich die Regeln des Umsatzsteuergesetzes der Bundes-

republik Deutschland vom 26. November 1979 (UStG; so namentlich § 4 Ziff. 14) in der 

hier  massgeblichen  Hinsicht  mit  der  Schweizer  Ordnung  decken.  Dies  dazutun,  hätte 

den Pflichtigen oblegen. Aus dem Umstand, dass die Krankenkassen Rechnungen der 

Naturheilpraxis  weder  teilweise  oder  gar  vollständig  begleichen,  vermögen  sie  nichts 

zu ihren Gunsten abzuleiten. 

d) Bei solcher Lage der Dinge sind die von den Pflichtigen geltend gemachten 

Auslagen  in  D  unbeachtlich.  Eine  Prüfung,  ob  die  einzeln  aufgelisteten  Applikationen 

im  Licht  der  massgeblichen  steuergesetzlichen  Normen  als  alternativmedizinisch  zu 

beurteilen sind, erübrigt sich somit. 

4. Die  Pflichtigen  haben  total  Fr. 8'162.-  als  Krankheitskosten  in  Rechnung 

gestellt. Werden davon die D Aufwendungen von Fr. 6'221.- abgezogen, so verbleiben 

Fr. 1'941.-.  Bei  einem  Nettoeinkommen  von  Fr. 65'017.-  (Staats-  und  Gemeindesteu-

ern)  bzw.  von  Fr. 64'317.-  (direkte  Bundessteuer)  beträgt  der  Selbstbehalt  (5%)  ge-

mäss § 32 lit. a StG und Art. 33 Abs. 1 lit. h DBG Fr. 3'250.- bzw. Fr. 3'215.-. Für einen 

Krankenkostenabzug  bleibt  mithin  kein  Raum.  Von  einer  Klärung,  ob  die  restlichen 

Kosten  nach  Massgabe  dieser  Bestimmungen  überhaupt  zu  berücksichtigen  wären, 

kann darum abgesehen werden. 

5. Demnach  erweisen  sich  die  angefochtenen  Einspracheentscheide  als 

rechtsbeständig. Der Rekurs und die Beschwerde sind abzuweisen. 

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Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Pflichtigen aufzuer-

legen (§ 151 Abs. 1 StG und Art. 144 Abs. 1 DBG). 

Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

2.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 

[…] 

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