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**Case Identifier:** d1ca2bf1-af1d-5ce8-baa1-9235510c9539
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-30
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 30.11.2023 SR230016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SR230016_2023-11-30.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SR230016-O/U/hb 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, Oberrichter lic. iur. Wenker und 

Oberrichter lic. iur. Castrovilli sowie Gerichtsschreiberin  

MLaw Lazareva 

Beschluss vom 30. November 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Gesuchsteller 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft See/Oberland,   
Gesuchsgegnerin 

 

betreffend Diebstahl etc.  
 
Revision gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht in  
Strafsachen, vom 9. Mai 2019 (GG190010) sowie einen Strafbefehl der 
Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 12. August 2019 (A-4/2019/10027276) 
 
 

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Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte 

1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht in Strafsachen, vom 

9. Mai 2019 wurde der Gesuchsteller wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und 

Hausfriedensbruchs mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten bestraft, 

und es wurde eine Landesverweisung für die Dauer von 5 Jahren angeordnet. 

Zudem wurde über die Herausgabe der beschlagnahmten Gegenstände an den 

Gesuchsteller und über die Vernichtung der beim Forensischen Institut Zürich ge-

lagerten Spuren entschieden. Ferner wurde vorgemerkt, dass der Gesuchsteller 

die Schadenersatzforderung der Privatklägerin B._____ Filiale C._____ [Ort-

schaft] im Betrag von Fr. 1'160.– anerkannt hat. Im Mehrbetrag wurde sie auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen. Die Kosten der Untersuchung und des ge-

richtlichen Verfahrens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, 

wurden dem Gesuchsteller auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung wur-

den unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht nach Art. 135 Abs. 4 StPO einstwei-

len auf die Gerichtskasse genommen (Urk. 2/2). Das Urteil erwuchs in Rechtskraft 

(vgl. Stempel auf Urk. 4/55). 

2. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 12. August 2019 

wurde der Gesuchsteller wegen versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung und 

rechtswidrigen Aufenthalts schuldig gesprochen und mit einer unbedingten Frei-

heitsstrafe von 30 Tagen bestraft. Die Zivilklage wurde auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen, und die Verfahrenskosten wurden dem Gesuchsteller auferlegt 

(Urk. 2/3). Der Strafbefehl erwuchs in Rechtskraft (vgl. Stempel auf Urk. 2/3). 

3. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 8. September 2020 wurde festge-

stellt, dass der Gesuchsteller die Straftatbestände der versuchten Tötung, des 

Hausfriedensbruchs und des geringfügigen Diebstahls erfüllt und diese Taten im 

Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 

Abs. 1 StGB begangen hat. Gleichzeitig wurde eine stationäre therapeutische 

Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB angeordnet (Urk. 2/5). Auch dieses Urteil 

erwuchs in Rechtskraft (vgl. Stempel auf Urk. 2/5). Der Gesuchsteller befindet 

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sich zurzeit im Massnahmenvollzug in der psychiatrischen Klinik D._____ (Urk. 1 

S. 5). 

4. Mit Eingabe vom 14. August 2023 liess der Gesuchsteller ein Revisionsge-

such gegen das Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 9. Mai 2019 und den 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 12. August 2019 einreichen (Urk. 1). 

5. Die den beiden angefochtenen Entscheiden zugrunde liegenden Akten des 

Bezirksgerichtes Hinwil, Geschäfts-Nr. GG190010, und der Staatsanwaltschaft, 

Geschäfts-Nr. A-4/2019/100527276, wurden für das Revisionsverfahren beigezo-

gen (Urk. 4; Urk. 5). 

6. Mit Beschluss vom 14. September 2023 wurde dem Gesuchsteller für das 

Revisionsverfahren in der Person von Rechtsanwältin lic. iur. X._____ eine amtli-

che Verteidigung bestellt und der Staatsanwaltschaft, der Privatklägerin sowie 

dem Bezirksgericht Hinwil Frist zur freigestellten Stellungnahme zum Revisions-

gesuch angesetzt (Urk. 6). Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Privatklä-

gerin liessen die Frist ungenutzt verstreichen. Das Bezirksgericht Hinwil verzichte-

te ausdrücklich auf eine Stellungnahme zum Revisionsgesuch (Urk. 8). Das Revi-

sionsverfahren erweist sich als spruchreif. 

II. Revision 

1. Die Revision ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, welches es erlaubt, 

rechtskräftig erledigte Strafverfahren wieder aufzunehmen und den Fall so wieder 

neu zu beurteilen. Sie ist deshalb nur im engen Rahmen zulässig. Entsprechend 

streng sind die Voraussetzungen einer Revision (HEER/COVACI in: NIGGLI/HEER/ 

WIPRÄCHTIGER, BSK StPO, 3. Aufl. 2023, N 4 und 9 zu Art. 410 StPO; JOSITSCH/ 

SCHMID, StPO Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, N 1 f. zu Art. 410 StPO). Die Revi-

sionsgründe sind in Art. 410 Abs. 1 und 2 StPO – unter Vorbehalt von Art. 60 

Abs. 3 StPO und des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehun-

gen – abschliessend genannt (HEER/COVACI, a.a.O., N 14 und 34 ff. zu Art. 410 

StPO; JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., N 12 ff. zu Art. 410 StPO). 

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1.1. Der Gesuchsteller beruft sich auf den Revisionsgrund gemäss Art. 410 

Abs. 1 lit. a StPO: Wer durch ein rechtskräftiges Urteil respektive durch einen 

Strafbefehl beschwert ist, kann die Revision verlangen, wenn neue, vor dem Ent-

scheid eingetretene Tatsachen oder neue Beweismittel vorliegen, die geeignet 

sind, einen Freispruch, eine wesentlich mildere oder wesentlich strengere Bestra-

fung der verurteilten Person oder eine Verurteilung der freigesprochenen Person 

herbeizuführen. Zur Begründung lässt der Gesuchsteller zusammengefasst aus-

führen, dass er bereits am 6. Februar 2019 an einer paranoiden Schizophrenie 

erkrankt gewesen sei, diese Tatsache indes in den Strafverfahren, welche zu den 

Verurteilungen vom 9. Mai 2019 und 12. August 2019 geführt hätten, nicht be-

kannt gewesen sei. Namentlich sei die Frage einer psychischen Erkrankung oder 

der Verminderung bzw. Aufhebung der Steuerungsfähigkeit in diesen Strafverfah-

ren nicht thematisiert worden und habe entsprechend keinerlei Eingang in die an-

gefochtenen Verurteilungen gefunden. Bereits ab Mai 2018 habe sich bei ihm ei-

ne wahnhafte Symptomatik mit akutem florid-psychotischem Erleben gezeigt. 

Damit stünde fest, dass er zum Zeitpunkt der Taten, die zu den in Revision zu 

ziehenden Strafverfahren geführt hätten, eine wahnhafte Symptomatik mit akutem 

florid-psychotischem Erleben gezeigt habe und seine Steuerungs- und damit sei-

ne Schuldfähigkeit bereits damals vollständig aufgehoben gewesen seien (Urk. 1 

S. 6 f.). Der Gesuchsteller beantragt demnach die Aufhebung der Dispositivzif-

fern 1 (Schuldspruch), 2 (Strafe), 3 (Landesverweisung), 

7 (Schadenersatzforderung der Privatklägerin) und 8 (recte: 9; offensichtlich ist 

die Kostenauflage und nicht die Kostenfestsetzung gemeint) des Urteils des Be-

zirksgerichtes Hinwil vom 9. Mai 2019 sowie der Dispositivziffern 1 (Schuld-

spruch), 2 (Strafe) und 3 (Kostenauflage) des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft 

vom 12. August 2019 (Urk. 1 S. 2). Zur Untermauerung seiner Vorbringen legte er 

dem Revisionsgesuch u.a. das forensisch-psychiatrische Gutachten von 

Prof. Dr. med. E._____ vom 3. April 2020 (Urk. 2/4) sowie die Austrittsberichte der 

Clienia Schlössli AG vom 9. Mai 2018, 5. Februar 2019 und 27. März 2019 

(Urk. 2/6) bei. 

1.2. Unter Tatsachen im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO sind Umstände zu 

verstehen, die im Rahmen des dem Urteil zugrunde liegenden Sachverhaltes von 

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Bedeutung sind. Mit Beweismitteln wird der Nachweis von Tatsachen erbracht. Ei-

ne Meinung, eine persönliche Würdigung oder eine neue Rechtsauffassung ver-

mag die Revision nicht zu rechtfertigen (BGE 137 IV 59 E. 5.1.1; BGE 141 IV 93 

E. 2.3). Neu sind Tatsachen und Beweismittel, wenn das Gericht im Zeitpunkt der 

Urteilsfällung keine Kenntnis von ihnen hatte, das heisst, wenn sie ihm nicht in ir-

gendeiner Form unterbreitet worden sind (BGE 137 IV 59 E. 5.1.2; Urteil des 

Bundesgerichtes 6B_953/2022 vom 3. Oktober 2022 E. 2). Neue Tatsachen oder 

Beweismittel sind erheblich, wenn sie geeignet sind, die Beweisgrundlage des 

früheren Urteils so zu erschüttern, dass aufgrund des veränderten Sachverhaltes 

ein wesentlich milderes Urteil möglich wäre (BGE 137 IV 59 E. 5.1.4; Urteile des 

Bundesgerichtes 6B_1364/2021 vom 26. Januar 2022 E. 1.2.2; 6B_442/2021 vom 

30. September 2021 E. 3.1; je mit Hinweisen). Dabei genügt es im Revisionsver-

fahren, wenn die Erheblichkeit der vorgebrachten neuen Tatsachen und Beweis-

mittel plausibel ist und überzeugt. Die Revision ist zuzulassen, wenn die Abände-

rung des früheren Urteils wahrscheinlich ist. Der Nachweis einer solchen Wahr-

scheinlichkeit darf nicht dadurch verunmöglicht werden, dass für die neue Tatsa-

che ein Beweis verlangt wird, der jeden begründeten Zweifel ausschliesst (Urteil 

des Bundesgerichtes 6B_147/2018 vom 24. August 2018 E. 1.3 mit Hinweisen). 

1.3. Das vom Gesuchsteller mit dem Revisionsgesuch eingereichte forensisch-

psychiatrische Gutachten wurde im Rahmen des durch die Staatsanwaltschaft I 

des Kantons Zürich gegen den Gesuchsteller geführten Strafverfahrens betref-

fend vorsätzliche Tötung am 3. April 2020 erstattet (Urk. 2/4), mithin nach den 

Verurteilungen vom 9. Mai 2019 und 12. August 2019. Darin wird beim Gesuch-

steller unter anderem eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert und festge-

stellt, dass er im Zeitpunkt des Anlassdeliktes (der versuchten Tötung, begangen 

am 9. August 2019) schuldunfähig gewesen sei (Urk. 2/4 insb. S. 43, 46 und 48). 

Im Einzelnen ist dem forensisch-psychiatrischen Gutachten zu entnehmen, dass 

der Gesuchsteller im gesamten Untersuchungszeitraum von mehr als einem Mo-

nat massive Auffälligkeiten gezeigt habe. Dabei habe er von akustischen Halluzi-

nationen und zu Angstzuständen führenden Wahrnehmungsveränderungen be-

richtet. Insbesondere habe er gemäss seinen Angaben damals kaum schlafen 

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können, weil sich Gegenstände in seiner Zelle bewegt hätten, was Panik in ihm 

ausgelöst habe. Ferner habe er den Fernseher im Gefängnis aufgrund von Stim-

men zerschlagen. Als besonders augenfällig wertete der Gutachter seine Sprach-

armut, Schläfrigkeit und eine Einengung auf den Wunsch nach einer Ausschaf-

fung. Bezüglich des undifferenzierten und diffusen Ausschaffungsbestrebens sei 

von einer wahnhaften Symptomatik auszugehen. Er sehe diese als dringlich und 

alternativlos an, ohne begründen zu können, warum das so sei. Aus dem klini-

schen Eindruck ergebe sich ein Vorherrschen der wahnhaften Symptomatik mit 

aktuellem florid-psychotischem Erleben, so dass die Kriterien einer paranoiden 

Schizophrenie (F20.0) erfüllt seien (Urk. 2/4 S. 45 f.). Weiter ist im Gutachten 

festgehalten, dass sich Hinweise auf einen frühen Krankheitsbeginn ergeben 

würden. So habe der Gesuchsteller in der Hauptverhandlung vom 9. Mai 2019 

(vor dem Bezirksgericht Hinwil) unter anderem angegeben, dass er krank sei. Auf 

die Frage, was für eine Krankheit er habe, habe er geantwortet, dass er tot sei. 

Damit meine er, dass er genesen müsse. Sein Kopf dröhne die ganze Zeit, und er 

wisse nicht, warum. Dieser dröhne. Er habe die Beschwerden, seit er in die 

Schweiz gekommen sei. Der Landesverweis würde für ihn Heilung bedeuten. In 

der Schweiz habe er nichts verloren. Er wolle nur sehen, was mit ihm passiere 

und was mit ihm los sei. In der Schweiz habe er nur Informationen über „Weed" 

einholen wollen, diese Informationen habe er nun (vgl. dazu Urk. 5 Prot. S. 8 f. 

und S. 17). Bereits in der Hafteinvernahme vom 7. Februar 2019 habe der Ge-

suchsteller angegeben, dass er sich seine Zukunft so vorstelle, dass er gerne ei-

nen Affen besitzen würde. Auch zu diesem Zeitpunkt habe er sein Interesse an 

einer Rückkehr nach Eritrea formuliert: "Muss ich dann nach Eritrea? Das würde 

ich gerne annehmen." (vgl. dazu Urk. 5/5 S. 8). Somit sei davon auszugehen, 

dass der Gesuchsteller bereits seit 2017, spätestens aber seit Beginn des Jah-

res 2019 erkrankt sei (Urk. 2/4 S. 46). Ferner wurde im Gutachten angemerkt, 

dass die kriminelle Vorgeschichte des Gesuchstellers Auffälligkeiten in der Per-

sönlichkeitsentwicklung nahelege. Dabei sei eine Symptomverschlechterung, die 

mit einer etwa einjährigen Prodromalphase einhergegangen sei, zu eruieren. Die-

se habe im Begehen des Anlassdeliktes gegipfelt. Es sei daher bei ihm nicht von 

einer isolierten Störung der Persönlichkeitsentwicklung auszugehen. Vielmehr 

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habe sich das frühe Einsetzen der schizophrenen Symptomatik negativ auf die 

Persönlichkeitsentwicklung des Gesuchstellers ausgewirkt (Urk. 2/4 S. 46 f.). 

Schliesslich geht aus dem Gutachten hervor, dass der Gesuchsteller grundsätz-

lich die Fähigkeit besitze und besessen habe, das Unrecht der begangenen Tat 

zu erkennen. Er habe in den Einvernahmen geäussert, dass es sein Ziel gewesen 

sei, ein so schwerwiegendes Delikt zu begehen, das eine Ausschaffung rechtfer-

tigen würde. Die Unrechtseinsicht könne dementsprechend als gegeben erachtet 

werden. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht sei aber zum Tatzeitpunkt das 

Steuerungsvermögen aufgehoben gewesen, was auf die wahnhafte Situations-

verkennung zurückzuführen sei. Es sei somit von einer aufgehobenen Schuldfä-

higkeit auszugehen (Urk. 2/4 S. 47 f.). 

1.4. Den dem Revisionsgesuch beigelegten Austrittsberichten der Clienia 

Schlössli AG ist zu entnehmen, dass der Gesuchsteller bereits am 3. Mai 2018 

notfallmässig und freiwillig von der Klinik Zugersee zu seinem ersten stationären 

Aufenthalt in die Clienia Privatklinik Schlössli überwiesen wurde. Die Zuweiser der 

Klinik Zugersee hätten berichtet, der Gesuchsteller habe sich dort am Abend des 

2. Mai 2018 völlig aufgelöst, ängstlich und von imperativen und abwertenden 

Stimmen geplagt präsentiert. Er habe auch von Vergiftungsängsten berichtet. Bei 

seinem Eintritt in die Clienia Privatklinik Schlössli habe er über starke Schlafstö-

rungen, innere Bilder aus seiner Zeit während der Flucht in die Schweiz, eine im-

perative Stimme, Verfolgungswahn, Vergiftungswahn und starke innere Anspan-

nung berichtet. Er habe sich gewünscht, wieder einen freien Kopf zu haben und 

von den Stimmen erlöst zu werden. Weiter ergeht aus dem Bericht, dass sich eine 

diagnostische Einschätzung schwierig gestalte. Anhand der vorliegenden Informa-

tionen und Verhaltensbeobachtung sei am ehesten von einer schweren psycho-

sozialen Belastung und möglichen Traumatisierung auszugehen, in deren Zu-

sammenhang sich auch die typischen pseudohalluzinatorischen Wahrnehmungen 

einordnen liessen. Da sich der Gesuchsteller nicht auf die Rahmenbedingungen 

einer stationären Behandlung habe einlassen können, sei dessen Austritt am 

8. Mai 2018 initiiert worden. Gemäss dem Austrittsbericht der Clienia Schlössli AG 

vom 5. Februar 2019 sei es sodann am 23. Januar 2019 zu einem weiteren stati-

onären Aufenthalt des Gesuchstellers im Haus gekommen. Auch damals habe er 

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über starke Ein- und Durchschlafstörungen, akustische Halluzinationen (eine 

Trommel im Kopf), Verfolgungswahn (er sei von 3 Hunden verfolgt) berichtet und 

er habe passive Todeswünsche ohne konkrete Pläne gehabt. Zwei Tage nach 

seinem Eintritt sei er jedoch wieder entlassen worden, nachdem er den Wunsch 

geäussert habe, unverzüglich auszutreten und sich schliesslich ohne Austrittsge-

spräch aus der Klinik entfernt habe (Urk. 2/6). Gemäss dem Austrittsbericht der 

Clienia Schlössli AG vom 12. August 2019 hielt sich der Gesuchsteller vom 

30. Januar 2019 bis zum 4. Februar 2019 nochmals in der Klinik auf. Aufgrund 

des angegebenen wahnhaften und halluzinatorischen Erlebens sei eine antipsy-

chotische Medikation initiiert worden. Allerdings wurde er wegen fehlender Thera-

piemotivation und therapieschädigenden Verhaltens wieder aus der Klinik entlas-

sen. Eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung erachteten 

die zuständigen Ärzte jedoch als indiziert (Urk. 2/6).  

1.5. Weder das Bezirksgericht Hinwil noch die Staatsanwaltschaft hatten im Zeit-

punkt ihrer Entscheidfällung vom 9. Mai 2019 und 12. August 2019 Kenntnis von 

der Tatsache, dass der Gesuchsteller an einer paranoiden Schizophrenie leidet, 

existierte das forensisch-psychiatrische Gutachten damals doch noch gar nicht. 

Auch waren die Austrittsberichte der Clienia Schlössli AG, welche wie das Gut-

achten auf einen frühen Krankheitsbeginn hinweisen, nicht aktenkundig. Insofern 

gingen sowohl das Bezirksgericht Hinwil als auch die Staatsanwaltschaft bei ihren 

Entscheiden von der (vollen) Schuldfähigkeit des Gesuchstellers aus. Somit han-

delt es sich bei der psychischen Erkrankung des Gesuchstellers um eine neue 

Tatsache im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO. 

1.6. Das forensisch-psychiatrische Gutachten vom 3. April 2020 äussert sich 

zwar nicht direkt zur Frage einer Schuldunfähigkeit bzw. einer verminderten 

Schuldfähigkeit des Gesuchstellers im Zeitpunkt der mit Urteil vom 9. Mai 2019 

und Strafbefehl vom 12. August 2019 abgeurteilten Straftaten. Dennoch bestehen 

gestützt darauf und die Austrittsberichte der Clienia Schlössli AG vom 9. Mai 

2018, 5. Februar 2019 und 27. März 2019 klare Hinweise darauf, dass der Ge-

suchsteller bereits in diesem Tatzeitraum, also frühestens seit Februar 2019, psy-

chisch schwer erkrankt war. Zu berücksichtigen ist auch die zeitliche Nähe zu den 

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mit Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 8. September 2020 abgeurteilten Delik-

ten (versuchte Tötung, Hausfriedensbruch und geringfügiger Diebstahl), für wel-

che festgestellt wurde, dass der Gesuchsteller sie im Zustand der nicht selbst 

verschuldeten Schuldunfähigkeit begangen hat. Die mit Strafbefehl der Staatsan-

waltschaft vom 12. August 2019 abgeurteilten Straftaten (versuchter Diebstahl 

und Sachbeschädigung) beging er lediglich zwei Tage nach der versuchten Tö-

tung. Es ist demnach glaubhaft dargelegt, dass die Schuldfähigkeit des Gesuch-

stellers aufgrund dieser psychischen Beeinträchtigung im Zeitraum der vom 

6. Februar 2019 bis 11. August 2019 begangenen Straftaten vermindert oder auf-

gehoben gewesen sein könnte, was sich auf die Bestrafung auswirkt. Es ist daher 

– insbesondere bei Berücksichtigung der Erkenntnisse des forensisch-

psychiatrischen Gutachtens – davon auszugehen, dass für den Gesuchsteller ein 

deutlich milderes Urteil bzw. ein deutlich milderer Strafbefehl resultiert – wenn es 

überhaupt noch zu solchen kommt. Somit erscheint zum heutigen Zeitpunkt wahr-

scheinlich, dass das Urteil vom 9. Mai 2019 und der Strafbefehl vom 12. August 

2019 in wiederaufzunehmenden Verfahren abgeändert werden bzw. der Gesuch-

steller (zumindest) wesentlich milder zu bestrafen sein wird. Die beim Gesuchstel-

ler diagnostizierte psychische Störung ist damit geeignet, einen deutlich günstige-

ren Entscheid zu seinen Gunsten zu ermöglichen. Es liegt somit auch eine erheb-

liche Tatsache im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO vor. 

2. Nachdem die vom Gesuchsteller geltend gemachte Tatsache sowohl neu als 

auch erheblich zu qualifizieren ist, ist das Revisionsgesuch gutzuheissen. Ge-

mäss Art. 413 Abs. 2 StPO hebt das Gericht den angefochtenen Entscheid in die-

sem Fall ganz oder teilweise auf. Es verfügt dabei über ein weites Ermessen. Die 

Aufhebung des früheren Urteils kann den Straf-, aber auch den Zivilpunkt betref-

fen. Wird der Schuldpunkt aufgehoben, sind in der Regel auch alle anderen Teile 

des Urteils neu zu beurteilen. Entsprechend ist das angefochtene Urteil vollum-

fänglich aufzuheben. Eine teilweise Aufhebung des Urteils kommt dann in Frage, 

wenn dieses nur in Nebenpunkten angefochten wird. Zu denken ist etwa an Fra-

gen wie die Anrechnung der Untersuchungshaft, die Einziehung etc. 

(HEER/COVACI, a.a.O., N 16 zu Art. 413 StPO). Der Gesuchsteller liess, wie be-

reits ausgeführt, die Aufhebung einzelner Dispositivziffern der beiden angefochte-

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nen Entscheide beantragen (Urk. 1 S. 2). Da die Gutheissung des Revisionsge-

suchs die Schuldpunkte beider Entscheide betrifft, hängen damit auch die Folge-

punkte des Urteils – also etwa die Anordnung der Landesverweisung, der Ent-

scheid über die beschlagnahmten Gegenstände, die Zivilpunkte sowie die Kosten- 

und Entschädigungsregelungen – zusammen. Entsprechend sind sowohl das Ur-

teil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 9. Mai 2019 als auch der Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft vom 12. August 2019 vollumfänglich aufzuheben. 

III. Kassatorischer Entscheid 

1. Gemäss Art. 413 Abs. 2 StPO fällt das Gericht selber einen neuen Ent-

scheid, sofern es die Aktenlage erlaubt (lit. b). Ist dies nicht der Fall, so weist das 

Gericht die Sache an die zu bezeichnende Behörde zur Behandlung und Beurtei-

lung zurück (lit. a). 

2. Aufgrund des forensisch-psychiatrischen Gutachtens vom 3. April 2020, der 

Austrittsberichte der Clienia Schlössli AG und der Feststellungen des Gerichtes 

aus den beigezogenen Verfahrensakten, aus denen hervorgeht, dass der Ge-

suchsteller während den Befragungen durch die Staatsanwaltschaft und vom Ge-

richt wirre Aussagen machte (vgl. Urk. 5/5 S. 8 und Urk. 5 Prot. S. 8 f. und S. 17), 

ist davon auszugehen, dass er die am 6. Februar 2019 und am 11. August 2019 

verübten Straftaten im Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit 

im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB begangen hat. Nichtsdestotrotz erlaubt die Ak-

tenlage keinen reformatorischen Entscheid durch das hiesige Gericht. Wurde ein 

Strafverfahren eröffnet und ergibt sich dabei, dass eine Person schuldunfähig ist, 

sind verschiedene Konstellationen denkbar: Ergibt sich die Schuldunfähigkeit 

nach erfolgter Anklage während des Hauptverfahrens nach Art. 328 ff. StPO, hat 

das Gericht die betroffene Person freizusprechen und die erforderlichen Mass-

nahmen anzuordnen. Ergibt sich die Schuldunfähigkeit bereits während des Vor-

verfahrens und erachtet die Staatsanwaltschaft die Anordnung einer Massnahme 

für notwendig, ist in der Regel ein selbstständiges Verfahren nach Art. 374 f. 

StPO durchzuführen. Hält die Staatsanwaltschaft keine Massnahme für ange-

zeigt, kann sie das Verfahren in (analoger) Anwendung von Art. 319 Abs. 1 StPO 

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einstellen. Zwar wird in dieser Bestimmung die fehlende Schuldfähigkeit nicht ge-

nannt, jedoch ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei bereits in der 

Untersuchung feststehender Schuldunfähigkeit und ohne Notwendigkeit eines 

Vorgehens nach Art. 374 f. StPO das Verfahren ebenfalls einzustellen (Urteil des 

Bundesgerichtes 6B_360/2020 vom 8. Oktober 2020 E. 1.3.3 mit weiteren Hin-

weisen). Dementsprechend sind beide Verfahren an die Staatsanwaltschaft zur 

neuen Behandlung und Beurteilung zurückzuweisen. Ihr obliegt in beiden Angele-

genheiten, zu entscheiden, wie die Verfahren angesichts der Schuldunfähigkeit 

des Gesuchstellers im Tatzeitraum zu erledigen sind und welche Kosten- 

sowie Entschädigungsfolgen resultieren. 

IV. Kosten 

1. Nach Art. 428 Abs. 4 StPO trägt der Kanton die Kosten des Rechtsmittelver-

fahrens, wenn ein Entscheid aufgehoben und zur neuen Behandlung und Beurtei-

lung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. Damit sind die Kosten des Revisi-

onsverfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Gerichtsgebühr für das Re-

visionsverfahren fällt ausgangsgemäss ausser Ansatz. Die amtliche Verteidigung 

ist entsprechend ihrer Honorarnote vom 23. November 2023 (Urk. 9) mit 

Fr. 4'393.70 (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädi-

gen. 

2. Der Entscheid über die Kosten der beiden zurückzuweisenden Verfahren 

liegt im Ermessen der Strafbehörde, die anschliessend über die Erledigung der 

Strafsache zu befinden hat (Art. 428 Abs. 5 StPO). 

Es wird beschlossen: 

1. Das Revisionsgesuch des Gesuchstellers wird gutgeheissen. 

2. Das Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht in Strafsachen, vom 

9. Mai 2019 (GG190010) wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Er-

wägungen zur neuen Behandlung und Beurteilung an die Staatsanwaltschaft 

See/Oberland zurückgewiesen. 

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3. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 12. August 2019 

(A-4/2019/10027276) wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwä-

gungen zur neuen Behandlung und Beurteilung an die Staatsanwaltschaft 

See/Oberland zurückgewiesen. 

4. Die Gerichtsgebühr für das Revisionsverfahren fällt ausser Ansatz.  

5. Die Kosten der amtlichen Verteidigung betragen Fr. 4'393.70 und werden 

auf die Gerichtskasse genommen.  

6. Schriftliche Mitteilung an  

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Ge-
suchstellers 

− die Staatsanwaltschaft See/Oberland (unter Rücksendung der Akten 
Unt.Nr. A-4/2019/10027276 und zusammen mit den Akten  
Gesch.-Nr. GG190010) 

− das Bezirksgericht Hinwil 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich 
− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 30 Abs. 5 StReG. 
 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 30. November 2023 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Stiefel 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw Lazareva 
 

 

	Beschluss vom 30. November 2023
	I.  Prozessgeschichte
	II.  Revision
	III.  Kassatorischer Entscheid
	IV.  Kosten

	Es wird beschlossen:
	1. Das Revisionsgesuch des Gesuchstellers wird gutgeheissen.
	2. Das Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht in Strafsachen, vom 9. Mai 2019 (GG190010) wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur neuen Behandlung und Beurteilung an die Staatsanwaltschaft See/Oberland zurückgewiesen.
	3. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 12. August 2019 (A-4/2019/10027276) wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur neuen Behandlung und Beurteilung an die Staatsanwaltschaft See/Oberland zurückgewiesen.
	4. Die Gerichtsgebühr für das Revisionsverfahren fällt ausser Ansatz.
	5. Die Kosten der amtlichen Verteidigung betragen Fr. 4'393.70 und werden auf die Gerichtskasse genommen.
	6. Schriftliche Mitteilung an
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Gesuchstellers
	 die Staatsanwaltschaft See/Oberland (unter Rücksendung der Akten Unt.Nr. A-4/2019/10027276 und zusammen mit den Akten  Gesch.-Nr. GG190010)
	 das Bezirksgericht Hinwil
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich
	 die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss Art. 30 Abs. 5 StReG.