# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6946fe4f-a2bc-5a0a-b4d7-cb77625cd7e8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-26
**Language:** de
**Title:** RAD-Bericht beweiskräftig, keine langandauernde Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen, UP mangels Bedürftigkeit abgewiesen.
**Docket/Reference:** IV.2020.00496
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00496.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00496
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Curiger
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
26. Oktober 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1979 geborene
X.___
meldete sich am 18. März 2019 (Ein
gangs
datum) unter Hinweis auf
ein
Mittelmeerfieber, eine Colitis
ulcerosa
sowie Stress/Nervenkrise bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 10/1).
Diese tätigte erwerbliche (Urk. 10/4) sowie medizinische (Urk. 10/5, 10/8, 10/13, 10/16-17) Abklärungen und lud den Versicherten zu einem Standortgespräch ein, welches am 1
2.
April 2019 stattfand (Urk. 10/6). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren verneinte sie mit Ver
fügung vom 2
5.
Juni 2020 einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
2 [= 10/25]).
2.
Dagegen erhob dieser mit Eingabe vom 2
1.
Juli 2020 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente der Invalidenversicherung zu
zusprechen (
Urk.
1). Zudem legte er diverse Arztberichte auf (Urk. 3/1-8). In pro
zessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung unentgeltlicher Prozessführung (Urk. 4/1). Nachdem ihm mit Verfügung vom 2
9.
Juli 2020 Frist angesetzt worden war, um sein Begehren bezüglich Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu substantiieren (Urk. 5), reichte er
diverse Unterlagen ein (Urk. 7
und
8/
1-
26).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
August 2020 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
9), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 3
1.
August 2020 angezeigt wurde (Urk. 11).
Mit Eingabe vom 13. September 2020 (Urk. 12) legte er einen Arztbericht auf (Urk. 13), welcher der IV-Stelle
mit Schreiben vom 1
6.
September 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 14/1-2).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, der Versicherte sei zwar zurzeit in
seiner Arbeitsfähigkeit gesundheitsbedingt eingeschränkt. Die medizinischen Unt
er
lagen würd
en indes zeigen, dass keine langandauernde oder bleibende Ein
schränkung vorliege, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invaliden
ver
sicherung bestehe (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er leide unter zwei chronischen Krankheiten. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle könnten diese nicht erfolgreich therapiert werden. Daher werde er weiterhin arbeitsunfähig bleiben (Urk. 1).
3.
3.1
Im Bericht des Spitals
Y.___
vom 2
2.
November 2010 w
e
rden folgende Dia
gnosen genannt (Urk. 10/5 S. 43).
-
Episodische abdominelle Schmerzen seit ca. 5 Jahren
-
stationäre Abklärung Spital
Z.___
12/2008 mit Diagnosestellung eines familiären Mit
telmeerfiebers (
compound
Heteroz
ygotie
E148Q, M694V)
-
aktuell unter probatorischer Therapie mit
Colchizin
,
seit 1.11.2010 keine abdominellen Schmerzen (2 Wochen Verlauf)
-
Gelegentlicher F
r
i
schblutabgang ab
ano
unklarer Ätiologie
Der Patient berichte von heftigsten episodischen abdominellen Schmerzen zwei Mal monatlich seit ungefähr fünf Jahren. Im Dezember 2008 sei eine ausführliche Abklärung im Spital
Z.___
erfolgt. Es liege der Verdacht auf familiäres Mittel
meerfieber bei
Compound
Heterozygotie
vor, weshalb eine probatorische
Colchi
zin-Therapie
eingeleitet worden sei. Seit Therapiebeginn seien keine Attacken mehr vorgekommen (Urk. 10/5 S. 43).
3.2
Im Bericht des Spitals
Y.___
vom 1
7.
Dezember 2014 werden folgende Dia
gnosen genannt (Urk. 10/5 S. 27):
-
Colitis
ulcerosa
-
Familiäres Mittelmeerfieber, ED 2008
-
Hypochrome,
mikrozytäre
,
normoregenerative
Anämie (90g/l), DD ent
zündlich
-
Malnutration
-
Thrombozytose
(715 G/L),
a.e
. i.R. entzündlicher Darmerkrankung
Der Patient sei notfallmässig zugewiesen worden bei schleimig-blutiger D
i
arrhoe seit zwei Wochen mit einer Stuhlfrequenz von 20-30/d, G
ewichtsabnahme (
16 kg/2 Wo) und Allgemeinzustandsverschlechterung. Er
klage
über starke
Tenes
men
mit leichten bis mässigen Schmerzen diffus abdominal im Intervall.
Die Befunde würden für das Vorliegen einer Colitis
ulcerosa
sprechen.
Kolos
ko
pisch
würden sich keine Hinweise auf ein Megakolon als mögliche Kompli
kation zeigen. Die Steroidtherapie werde mit 50 mg/d in Kombination mit
Mesa
lazin
topisch
als auch oral weitergeführt. Im Verlauf habe sich die Stuhlfrequenz
normalisiert und es sei zur deutlichen Linderung der
Tenesmen
gekommen (Urk. 10/5 S. 28).
3.3
Im Bericht des Spitals
Y.___
vom
1
1.
Juni
2015 werden die gleichen Dia
gnosen wie in demjenigen vom 17. Dezember 2014 genannt (Urk. 10/5 S
. 16
).
Der Patient stelle sich in einem sehr guten Allgemeinzustand zur Verlaufs
kon
trolle vor. Die wandernden Bauchschmerzen hätten sich komplett normalisiert nach Einnahme von
Colchizin
. Mit der aktuellen Therapie sei einerseits das fami
li
äre Mittelmeerfieber und andererseits auch die Colitis
ulcerosa
in Remission gebracht worden. Eine nächste kurze klinische Kontrolle sei in 6 Monaten vor
gesehen (Urk. 10/5 S. 16-17).
3.4
Im Bericht des
Dr.
med.
A.___
vom 3. Juli 2019
werden
folgende Dia
gnose
n
au
f
geführt (
Urk. 10/8 S. 2):
-
Colitis
ulcerosa
, ED 12/2014, aktuell erneute Anpassung Therapie
-
Familiäres Mittelmeerfieber, ED 2008
-
Polyneuropathie unklarer Ätiologie
-
Arterielle Hypertonie
-
Verdacht auf Anpassungsstörung
Aktuell sei mit einer neuen Therapie bezüglich der Colitis
ulcerosa
begonnen worden, da es gegenüber dem bisher verabreichten Medikament eine Resistenz
ent
wicklung gegeben habe. Alle 1-2 Monate würden Schübe mit Bauch
schmer
zen, Durchfall, gelegentlich auch blutige
r
Diarrhoe und Fieber auftreten (Urk. 10/8
S. 2).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, der Patient sei 4-5 Stunden täglich arbeitsfähig. Er wolle arbeiten. Sofern die Krankheit stabil bleibe und sich die Nebenwirkungen in Grenzen halten würden, sollte eine Eingliederung möglich sein (Urk. 10/8 S. 3).
3.5
Im undatierten Bericht des
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FHM für Gastro
enterologie, eingegangen bei der IV-Stelle am 2
8.
August 2019, werden folgende Diagnosen genannt (Urk. 10/13 S. 2):
-
Colitis
ulcerosa
-
Familiäres Mittelmeerfieber
Der Patient leide unter Bauchschmerzen. Eine Arbeitsunfähigkeit sei bisher nicht attestiert worden. Funktionseinschränkungen seien eher nicht vorhanden, es sei jedoch eine Zweitbeurteilung durch einen anderen Arzt notwendig (Urk. 10/13 S. 2-4).
3.6
Im Bericht des
Nerijus
Saukalas
sowie der
Dr.
med.
C.___
, Fachärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie vom 2
5.
Oktober 2019 wird folgende Dia
gnose aufgeführt (Urk. 10/16 S. 3):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.21)
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, aus psychiatrischer Sicht sei der Patient vollständig arbeitsfähig (Urk. 10/16 S. 3).
3.7
Am 2
8.
April 2020 nahm
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, für den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Stel
lung. Er führte folgende Diagnosen auf (Urk. 10/19 S. 5):
-
Colitis
ulcerosa
, ED 12/2014
-
Familiäres Mittelmeerfieber, ED 12/2008
-
Schwergradiges
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, ED 12/2019 bei Adipositas (BMI 34)
Aufgrund der genannten Diagnosen sei es wiederholt zu vorübergehenden Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit gekommen, zuletzt im Sommer 2019, nach
dem der Patient
das
Humira
zuvor reduziert hab
e. Nach der Umstellung auf
Simponi
sei der Verlauf wieder stabil geworden (Urk. 10/19 S. 5).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, eine dauerhafte massgebliche Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit sei weder von somatischer noch von psychischer Seite her ausgewiesen (Urk. 10/19 S. 5).
4.
Der Beschwerdeführer macht
geltend, es werde zu Unrecht davon ausgegangen, dass er durch Medikamente
gesund geworden
sei. Vielmehr leide er an zwei chronischen Krankheiten, weshalb er arbeitsunfähig sei (Urk. 1).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers stellten sich weder RAD-
Arzt Dr.
D.___
noch die IV-Stelle auf den Standpunkt, dass er genesen sei. In Über
einstimmung mit der medizinischen Aktenlage führte
Dr.
D.___
aus, der Be
schwerdeführer leide unter einer Colitis
ulcerosa
sowie dem Familiären M
ittel
meerfieber. Gleichzeitig verwies er auf den inzwischen wieder stabilen Verlauf der Krankheiten. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist nicht die dia
gnos
tische Einordnung eines Gesundheitsschadens für die Frage, ob dieser inva
lidisierend ist, entscheidend, sondern dessen konkrete Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts 9C_228/20
13 vom 26. Juni 2013 E. 4.1.4). Dass es in der Vergangenheit temporär zu
Einschrän
kungen
der Arbeitsfähigkeit gekommen ist, ergibt sich aus den medizinischen Akten.
Da beide chronischen Krankheiten, unter denen der Beschwerdeführer
leidet, mit Medikamenten therapiert werden können
,
ist indes
nicht nachvoll
ziehbar
, inwiefern sich diese dauerhaft negativ auf die Arbeits- und Leistungs
fähigkeit auswirken sollten
, zumal
der
seit 2014
behandelnde
Gastroenterologe
, D
r.
B.___
,
festhielt, seit Oktober 2017 keine Arbeits
un
fähigkeit attestiert zu haben. Sodann erachtete er die Prognose als eher gut und
führte denn auch aus, Funktionseinschränkungen seien eher nicht vorhanden (Urk. 10/13 S. 2). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle gestützt auf den Bericht des RAD-Arztes
Dr.
D.___
eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verneinte.
Daran ändern die im Beschwerdeverfahren aufgelegten medizinischen Berichte nichts. Im Bericht des Spitals
Y.___
vom 1
7.
Juni 2020 wird über die be
kannte Colitis
ulcerosa
berichtet (Urk. 3/1-2
).
Es
wird nicht dargelegt, inwiefern der Beschwerdeführer durch die Krankheit dauerhaft in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sein sollte, weshalb
d
er Bericht
nicht geeignet ist, die Beurteilung des Dr.
D.___
in Frage zu stellen.
Gleiches gilt für das Schreiben des Spitals
Y.___
an die
Krankenversicherung
des
Beschwerdeführers
vom
8.
September 2020 (Urk. 13).
Bei diesem
handelt es sich um ein Kostenübernahmegesuch für ein neues Medikament, da die bisherigen Mittel unerwünschte Nebenwirkungen gezeigt hätten. Das Schreiben zeigt, dass weiterhin Therapiemöglichkeiten für die Gesundheitseinschränkungen des B
eschwerdeführers bestehen, weshalb auch dieses nicht geeignet ist, eine langdauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu belegen.
Nach dem Gesagten verneinte die IV-Stelle einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht, weshalb die Beschwerde abzu
weisen ist.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
u
nterliegenden Beschwer
de
führer
aufzuerlegen.
5.2
Mit Schreiben vom 2
1.
Juli 2010 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Urk. 4/1).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
führung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch ge
boten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Als bedürftig gilt eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhalts nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten, wobei die Einkommens- wie die Vermögensverhältnisse beider Ehe
gatten zu berücksichtigen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_617/2009 vom 1
5.
Januar 2010 E. 6.2.1 mit Hinweisen).
Mit Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung legte der Be
schwerdeführer Unterlagen
zu seinen finanziellen Verhältnissen
auf (Urk. 4/2-3), welche er
auf
Aufforderung durch das Gericht hin ergänzte (Urk. 7-8/26).
Mit ausgefülltem Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit vom 22. Juli 2020 gab der Beschwerdeführer kein eigenes Einkommen an und ver
merkte ein
monatliches
Einkommen (netto) seiner Ehefrau in Höhe von ungefähr
Fr.
3'000.--
(Urk. 4/2 S. 3). Mit ausgefülltem Formular vom
4.
August 2020
führte der Beschwerdeführer ein eigenes, aus selbständiger Erwerbstätigkeit stammendes Monatseinkommen von ca.
Fr.
2'000.-- mit dem Hinweis «keine Erwerbstätigkeit» sowie ein unselbständiges monatliches Einkommen seiner Ehefrau von ca.
Fr.
3'000.-- auf (Urk. 7 S. 3). In den beigelegten Unterlagen finde
n
sich ein auf Stundenlohn basierender Arbeitsvertrag seiner Ehefrau (Urk. 8/2)
sowie Lohnab
rechnungen der Monate Mai bis Juli 2020 über ein durchschnittliches monat
liches Nettoeinkommen von Fr. 3'248.80 (Urk. 8/23-25) und
ein Lohnausweis seiner Ehefrau bezüglich einem Einkommen bei einer weiteren Arbeitgeberin
über ein jährliches Nettoeinkommen von Fr. 4'625.60
(Urk. 8/1)
.
Damit ergibt sich in Widerspruch zu den Angaben des Beschwerdeführers ein monatliches Durch
schnitts
einkommen seiner Ehefrau von Fr. 3'634.2
5.
Weiter liegen «Steuerzu
sammenfassungen» von Uber für den Zeitraum von Mai bis Juli 2020, lautend auf den Beschwerdeführer,
auf
(Urk. 8/20), wobei
sich
ein durchschnittlicher monat
licher Umsatz von Fr. 3'685.95 ergibt.
Abgesehen von ausgewiesenen Rechnungen für Benzin für durchschnittlich Fr. 279.10 pro Monat (Urk. 8/10)
, einer Rechnung einer Autogarage in Höhe von Fr. 656.08 im Monat Mai 2020 (Urk. 8/3)
sowie
Kosten für
eine Motorfahrzeugversicherung
von jährlich
Fr.
717.10 (Urk. 8/4), liegen keine Belege für Auslagen hinsichtlich der Tätigkeit des Beschwerdeführers vor.
Selbst u
nter Berücksichtigung der vom Beschwerde
führer geltend gemachten Servicegebühr von monatlich
Fr.
200.-- (Urk. 7 S. 4) resultiert ein monatliches Einkommen des Beschwerdeführers von Fr. 3'
092
.
45
(
Fr.
3'685.95 –
Fr.
279.10 –
Fr.
717.10/12 –
Fr. 656.08/12 -
Fr. 200.--).
Das Ehe
paar verfügt somit über monatliche Einnahmen von Fr. 6'726.70.
Diesen Einnahmen stehen belegte Ausgaben von Fr.
2'563.80
(Fr. 1'600.—
[Miete,
Urk.
8/9] + Fr. 555.30 [Krankenkassenprämien inkl. IPV,
Urk.
7 S. 4, 8/21] +
Fr.
408.50 [Leasing,
Urk.
8/6]) gegenüber.
Weiter zu berücksichtigen sind die geltend gemachten Fahrtkosten der Ehefrau in Höhe von Fr. 85.-- (Urk. 7 S. 4) sowie ein monatlicher Grundbetrag für das Ehepaar von Fr. 1'700.--, womit ein Überschuss von Fr. 2'387.90 (
Fr.
6'726.70 –
Fr.
2'563.80 –
Fr.
1'700.-- - Fr. 75) resultiert. Mit einem
monatlichen Überschuss in dieser Höhe ist es dem Beschwer
deführer zuzumuten, die Kosten des vorliegenden Verfahrens in nützlicher Frist zu bezahlen, womit es an der Bedürftigkeit fehlt. Damit ist
das Gesuch um Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen.
Das Gericht beschliesst:
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
wird abgewiesen,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelMuraro