# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1087d363-ed14-5c4d-b866-b09ca5eacf21
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-03-18
**Language:** de
**Title:** Überbauungsziffer. Besonderes Gebäude.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0059/2011
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_I_0059_2011_424.pdf

## Full Text

BRGE I Nr. 0059/2011 vom 18. März 2011 in BEZ 2011 Nr. 30 

Zu  einem  früheren  Zeitpunkt  war  ein  Verbindungdach  zwischen  einem 
Wohnhaus  und  dessen  Nebengebäude  (Ateliergebäude)  bewilligt  und  erstellt 
worden.  Später  wurde  dieses  Verbindungsdach  mit  einer  beidseitigen 
Einwandung  eigenmächtig  in  einen  allseits  geschlossenen  Verbindungstrakt 
umgewandelt.  Die  nachträgliche  Bewilligung  hierfür  wurde  wegen 
Überschreitung der Überbauungsziffer verweigert. Die Rekurrierenden nahmen 
den Standpunkt ein, die vom Verbindungsdach überdeckte Fläche wäre schon 
ohne  Einwandung  an  die  Überbauungsziffer  anrechenbar  gewesen,  womit  der 
geltend gemachte Verweigerungsgrund entfalle.   

Aus den Erwägungen: 

4.4  Die  Überbauungsziffer  gibt  das  Verhältnis  der  anrechenbaren  Fläche 
zur massgeblichen Grundfläche wieder (§ 254 Abs. 1 PBG). Die anrechenbare 
Fläche  ergibt  sich  aus  der  senkrechten  Projektion  der  grössten  oberirdischen 
Gebäudeumfassung  auf  den  Erdboden  (§  256  Abs.  1  PBG).  Ausser  Ansatz 
fallen  oberirdische  geschlossene  Vorsprünge  bis  zu  einer  Tiefe  von  1,5  m, 
oberirdische  Vorsprünge  wie  Balkone  bis  zu  einer  Tiefe  von  2  m,  Erker  und 
Laubengänge jedoch nur, soweit sie nicht mehr als ein Drittel der betreffenden 
Fassade  messen  (§  256  Abs.  2  PBG).  Verständlich  wird  §  256  Abs.  2  PBG 
eigentlich  nur,  wenn  die  vor  dem  1.  Februar  1992  geltende  Fassung 
mitberücksichtigt  wird.  Ursprünglich  lautete  die  Bestimmung:  «Ausser  Ansatz 
fallen  dabei  oberirdische  Vorsprünge  bis  zu  einer  Tiefe  von  1,5  m,  Erker  und 
Laubengänge  nur,  soweit  sie  nicht  mehr  als  einen  Drittel  der  betreffenden 
Fassadenlänge  messen.»  Die  mit  der  Revision  erfolgte  Ergänzung 
«oberirdische  Vorsprünge  wie  Balkone  bis  zu  einer  Tiefe  von  2  m»  und  der 
Einschub  «geschlossene»  im  ersten  Satzteil  haben  nur  den  Sinn,  die 
oberirdischen  offenen  Vorsprünge  weitergehend  als  die  geschlossenen  zu 
privilegieren.  Ausser  Ansatz  fallen  also  vorerst  oberirdische  geschlossene 
Vorsprünge bis zu einer Tiefe von 1,5 m. Geschlossen sind primär Vorsprünge, 
die  –  wie  zum  Beispiel  ein  Erker  –  ein  Dach  und  eine  Fassade  aufweisen. 
Ebenso  sind  Laubengänge  als  geschlossene  Vorsprünge  zu  betrachten.  Eine 
weitergehende  Privilegierung  enthält  §  256  Abs.  2  PBG  für  die  oberirdischen 
offenen  Vorsprünge.  Dazu  gehören  insbesondere  Balkone  mit  normaler 
Brüstungshöhe und Vordächer. Solche Vorsprünge dürfen bis zu 2 m und ohne 
Drittels-Beschränkung  hinausragen,  ohne  dass  sie  an  die  Überbauungsziffer 
anrechenbar  sind  (vgl.  Ch.  Fritzsche/P.  Bösch,  Zürcher  Planungs-  und 
Baurecht, 4. A., 2006, 11-29 f.). 

Die ursprünglich nachgesuchte Überdachung zwischen Hauptgebäude und 
Atelier  ist  in  der  Ansicht  Nord-Ost  als  aus  zwei  Vordächern  bestehend 

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eingezeichnet,  welche  beide  je  1,5  m  auskragen.  Der  rekurrentische  Architekt 
erläuterte in seinem Begleitschreiben zur Baueingabe vom 12. November 2008, 
dass  die  Überdachung  bzw.  Verbindung  Atelier-Wohnhaus  eigentlich  aus  zwei 
Vordächern  bestehe,  nämlich  einem,  das  dem  Hauptgebäude  und  einem,  das 
dem Atelier vorgelagert sei. Je für sich seien sie nicht mehr als 1,5 m tief.  

Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, erweist sich die nachträglich erfolgte 
Einwandung  als  unzulässig,  unabhängig  davon,  ob  die  ursprünglich  bewilligte 
Überdachung  als  aus  zwei  in  Bezug  auf  die  Überbauungsziffer  privilegierten 
Vordächern  bestehend  oder  als  Überdachung  mit  Gebäudequalität  beurteilt 
wird.  Richtigerweise  hätte  die  Überdachung  als  an  die  Überbauungsziffer 
anrechenbares  Gebäude  qualifiziert  werden  müssen,  und  zwar  aus  folgenden 
Gründen: Es ist zwar korrekt, dass zwei Vordächer von je 1,5 m Ausladung für 
sich  alleine  betrachtet  nicht  zu  einer  Anrechnung  an  die  Überbauungsziffer 
führen.  Entgegen  der  Beschriftung  im  Plan  Ansicht  Nord-Ost  und  den 
Ausführungen des Architekten handelt es sich jedoch nicht um zwei (separate) 
privilegierte  Vordächer,  sondern  um  eine  durchgehende,  d.h.  einheitliche 
Überdachung  zwischen  dem  Haupt-  und  dem  Ateliergebäude.  Dem  unter  der 
Überdachung  entstehenden  Raum  kommt  angesichts  der  zweiseitig 
geschlossenen  Situation  mit  der  Nordwest-Fassade  des  Hauptgebäudes  bzw. 
der Südostfassade des Nebengebäudes Gebäudequalität im Sinne von § 2 der 
Allgemeinen  Bauverordnung  (ABV)  zu.  Danach  sind  Gebäude  Bauten  und 
Anlagen,  die  einen  Raum  zum  Schutz  von  Menschen  oder  Sachen  gegen 
äussere,  namentlich  atmosphärische  Einflüsse  mehr  oder  weniger  vollständig 
abschliessen  (Abs.  1).  Somit  ist  bereits  die  einfache  Überdachung  an  die 
Überbauungsziffer  anzurechnen.  Da  der  überdachte  Raum  offensichtlich  nicht 
für den dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt und geeignet ist, handelt 
es sich um ein Besonderes Gebäude im Sinne von § 49 Abs. 3 PBG.  

von  5  Prozent  einhalten,  nur  die 

4.5 Art. 17 BZO statuiert, dass für Besondere Gebäude, die insgesamt eine 
Überbauungsziffer 
kantonalen 
Abstandsvorschriften  zu  beachten  seien  und  eine  gemäss  Art.  13  BZO 
vorgeschriebene  Überbauungsziffer  überschritten  werden  dürfe.  Der 
überdachte Raum zwischen Wohnhaus und Atelier stellt das einzige Besondere 
Gebäude  auf  dem  Grundstück  dar  und  hält  die  Überbauungsziffer  von  5 
Prozent  ein.  Das  Atelier  dient  unbestrittenermassen  Wohn-  bzw.  zuvor 
Arbeitszwecken  und  damit  dem  dauernden  Aufenthalt  von  Menschen  und  ist 
deshalb  kein  Besonderes  Gebäude.  Die  von  den  Rekurrierenden  eingereichte 
Berechnung zur Überbauungsziffer erweist sich in dieser Hinsicht als unrichtig. 
Da  die  Überdachung  die 
für  Besondere  Gebäude  massgebliche 
Überbauungsziffer  von  5  Prozent  einhält,  darf  die  generell  geltende 
Überbauungsziffer  gemäss  Art.  13  Abs.  1  BZO  von  22  Prozent  überschritten 
werden.  Dabei  ist  unerheblich,  dass  die  Überbauungsziffer  von  22  Prozent 
bereits mit dem Wohnhaus und dem Ateliergebäude überschritten wird. 

Die Überdachung wurde somit im Jahre 2009 zu Recht bewilligt, sei es nun 
als  aus  zwei  gemäss  §  256  Abs.  2  PBG  privilegierten  und  nicht  an  die 
Überbauungsziffer anrechenbaren Vordächern bestehend oder als Besonderes 
Gebäude.  

 
 
 
 
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4.6  Durch  die  Einwandung  verliert  die  Überdachung  indessen  ihre 
Qualifikation als Besonderes Gebäude und wird zum Hauptgebäudeteil, welcher 
für den dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt ist: Der Verbindungsbau 
weist  eine  Raumhöhe  von  ca.  2,1  m  auf  und  verfügt  beidseits  über  raumhohe 
Fenster.  Die  Grundfläche  beträgt  4,8  m².  Unbestrittenermassen  dient  der 
Durchgang dazu, geschützt vor Witterungseinflüssen vom Wohnhaus ins heute 
als  Schlafzimmer  genutzte  Atelier  zu  gelangen.  Die  Qualifikation  als 
Hauptgebäudeteil  führt  dazu,  dass  die  Fläche  von  4,8  m²  nunmehr  an  die 
Überbauungsziffer  von  22  Prozent  angerechnet  werden  muss  und  nicht  mehr 
von  der Privilegierung  der Besonderen  Gebäude  profitieren  kann.  Da  sich  aus 
den  Baueingabeplänen  zweifelsfrei  ergibt,  dass  die  Überbauungsziffer  bereits 
mit dem Hauptgebäude und dem Nebengebäude überschritten ist, erweist sich 
eine zusätzliche Überschreitung als offensichtlich unzulässig.