# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe201b13-64b1-5f5d-8e8c-29fe64740f01
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-11-20
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 20.11.2014 VG.2014.00079 (VG.2014.144)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2014-00079_2014-11-20.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 20. November 2014

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2014.00079

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt
    B.______

     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Amt für Wirtschaft und
    Arbeit des Kantons Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 A.______ meldete sich am 30. Januar 2013 beim
  Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in Glarus zum Bezug von
  Leistungen der Arbeitslosenversicherung an. Am 7. Februar 2014 verfügte das
  Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Glarus die Einstellung von A.______
  in der Anspruchsberechtigung für 43 Tage, weil er sich für eine zugewiesene
  Stelle nicht beworben und damit eine Weisung des RAV nicht befolgt hatte. 

  
	
   

  
	
  1.2 Sowohl die von A.______ hiergegen am 25. Februar
  2014 beim Amt für Wirtschaft und Arbeit erhobene Einsprache als auch seine am
  1. April 2014 beim Verwaltungsgericht erhobene Beschwerde blieben erfolglos.
  Der Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 21. Mai 2014 (VGer-Urteil
  VG.2014.00023) erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Am 25. April 2014 sowie am 21. Mai 2014 reichte
  A.______ die Formulare "Angaben der versicherten Person" für die
  Monate April 2014 und Mai 2014 ein. Darin gab er jeweils an, dass er während
  der Kontrollperiode keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Gestützt auf
  diese Angaben richtete ihm die Arbeitslosenkasse das volle Taggeld aus
  (vgl. Abrechnungen vom 28. April 2014 sowie vom 26. Mai 2014).

  
	
   

  
	
  2.2 Am 27. Mai 2014 gingen bei der Arbeitslosenkasse
  die Bescheinigungen über den Zwischenverdienst von A.______ für die Monate
  April 2014 und Mai 2014 ein. Aus diesen geht hervor, dass er sowohl im April
  2014 als auch im Mai 2014 einen Zwischenverdienst bei der C.______ als
  Metallarbeiter erwirtschaften konnte. Die Arbeitslosenkasse forderte deshalb
  am 5. Juni die zu viel bezogenen Taggelder zurück.

  
	
   

  
	
  2.3 Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons
  Glarus verfügte am 20. Juni 2014 die Einstellung von A.______ in der
  Anspruchsberechtigung für 40 Tage, weil er auf den Formularen "Angaben
  der versicherten Person für die Monate April 2014 und Mai 2014" eine
  Erwerbstätigkeit verneint und damit unwahre Angaben gemacht habe. Die von
  A.______ hiergegen am 27. Juni 2014 erhobene Einsprache wies das Amt für
  Wirtschaft und Arbeit am 7. Juli 2014 ab.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Am 8. September 2014
  gelangte A.______ mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht und beantragte die
  Aufhebung des Einspracheentscheids vom 7. Juli 2014 sowie der Verfügung
  vom 20. Juni 2014; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Amts
  für Wirtschaft und Arbeit.

  
	
   

  
	
  Das Amt für Wirtschaft und
  Arbeit schloss am 6. Oktober 2014 auf Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
  Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25. Juni
  1982 (AVIG) i.V.m. Art. 56 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
  Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG)
  i.V.m. Art. 12 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zum
  Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
  Insolvenzentschädigung vom 6. Mai 1984 (EG AVIG) zur
  Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Macht die versicherte
  Person unwahre oder unvollständige Angaben oder verletzt sie in anderer Weise
  die Auskunfts- oder Meldepflicht, ist sie gemäss Art. 30 Abs. 1
  lit. e AVIG in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Dieser
  Einstellungstatbestand ist stets erfüllt, wenn die versicherte Person die der
  Arbeitslosenkasse, dem Arbeitslosenamt oder der kantonalen Behörde einzureichenden
  Formulare nicht wahrheitsgemäss oder unvollständig ausfüllt (BGer-Urteil C
  288/06 vom 27. März 2007 E. 2). Dabei ist im Bereich der
  Arbeitslosenversicherung, im Unterschied zu anderen Sozialversicherungszweigen,
  eine Leistungskürzung bereits bei leichter Fahrlässigkeit vorgesehen (Barbara
  Kupfer Bucher, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
  Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung,
  4. A., Zürich/Basel/Genf 2013, S. 181). Unerheblich ist, ob
  die falschen oder unvollständigen Angaben für die Ausrichtung der
  Versicherungsleistungen oder deren Bemessung kausal sind (BGE 130 V 385 E. 3.1.2).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Vom Beschwerdeführer wird nicht bestritten, dass er
  in den Formularen "Angaben der versicherten Person" für die Monate
  April 2014 und Mai 2014 unwahre Angaben gemacht habe. Hingegen sei darin kein
  einstellungswürdiges Fehlverhalten zu sehen, da die Angaben auf einem
  Missverständnis beruhen würden. Er sei nämlich davon ausgegangen, dass seine
  Arbeitgeberin die Erwerbstätigkeit jeweils melde, was diese in ihrem
  Schreiben vom 27. Juni 2014 ebenfalls ausgeführt habe. Letztere habe dem
  Beschwerdegegner die Bescheinigung über den erzielten Zwischenverdienst zudem
  pflichtgemäss zugestellt. Des Weiteren habe er am 6. Mai 2014 seinem
  RAV-Personalberater mitgeteilt, dass er an einzelnen Tagen im April 2014 und
  Mai 2014 gearbeitet habe. Daraufhin sei er gutgläubig davon ausgegangen, dass
  der Beschwerdegegner von diesen Angaben Kenntnis erhalten würde. Ferner sei
  zu berücksichtigen, dass er das Formular "Angaben der versicherten
  Person" jeweils umgehend ausgefüllt und an den Beschwerdegegner
  zurückgesandt habe. Dies habe dazu führen können, dass er beim Ausfüllen des
  Formulars noch nicht sämtliche Arbeitstätigkeiten während der Kontrollperiode
  habe berücksichtigen können. Im Übrigen sei die Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung für 40 Tage unverhältnismässig. Der Beschwerdegegner
  sei bei der Annahme eines einstellungswürdigen Fehlverhaltens zu Unrecht von
  einem schweren Verschulden ausgegangen. So habe er weder vorsätzlich
  gehandelt noch habe er sich durch die Angaben unrechtmässig bereichern
  wollen. Schliesslich komme hinzu, dass er kein Wiederholungstäter sei. So
  habe die frühere Einstellung in der Anspruchsberechtigung andere Gründe
  gehabt.

  
	
   

  
	
  3.2 Der Beschwerdegegner bringt dagegen vor, es sei
  unerheblich, dass der Beschwerdeführer von einer Meldepflicht seiner
  Arbeitgeberin ausgegangen sei. Es sei einzig relevant, dass er auf den
  Formularen "Angaben der versicherten Person für die Monate April 2014
  sowie Mai 2014" unwahre Angaben gemacht habe. Er habe die unmissverständliche
  Frage, ob er in den entsprechenden Monaten einer Erwerbstätigkeit nachgegangen
  sei, verneint. Soweit der Beschwerdeführer vorbringe, dass er beim Ausfüllen
  der Formulare einzelne Arbeitsleistungen noch nicht habe berücksichtigen
  können, sei ihm nicht zu folgen. Aus den Bescheinigungen über den
  Zwischenverdienst für die Monate April 2014 sowie Mai 2014 ergebe sich
  nämlich eindeutig, dass die Arbeiten bei C.______ jeweils vor dem Ausfüllen
  der Formulare geleistet worden seien. Ferner sei es unverständlich, weshalb
  der Beschwerdeführer seinen RAV-Personalberater, nicht aber die für die
  Auszahlung der Arbeitslosengelder zuständige Arbeitslosenkasse über die
  Erwerbstätigkeit informiert habe. Schliesslich müsse das Verschulden des
  Beschwerdeführers als schwer beurteilt werden. Zum einen habe er um die
  unrechtmässig bezogenen Taggelder gewusst und dies dennoch gegenüber der
  Arbeitslosenkasse verschwiegen. Zum anderen habe er in zwei
  aufeinanderfolgenden Kontrollperioden unwahre Angaben gemacht. Hinzu komme,
  dass der Beschwerdeführer bereits im Februar 2014 für 43 Tage in seiner
  Anspruchsberechtigung eingestellt worden sei. Gemäss Art. 45 Abs. 5 AVIV sei
  die Einstelldauer daher angemessen zu verlängern. Zu Gunsten des Beschwerdeführers
  habe man diesen aber unter 43 Einstelltagen sanktioniert, weshalb die
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung für 40 Tage ohne Weiteres gerechtfertigt
  sei.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Zu prüfen ist, ob und
  gegebenenfalls für welche Dauer der Beschwerdeführer in der Anspruchsberechtigung
  einzustellen ist.

  
	
   

  
	
  4.1 Es steht fest und bleibt unbestritten, dass der
  Beschwerdeführer die Frage unter Ziff. 2 des Formulars "Angaben der
  versicherten Person" in den Kontrollperioden April 2014 und Mai 2014
  jeweils mit "nein" beantwortete. Dass diese Angaben nicht der
  Wahrheit entsprachen, ergibt sich aus den Bescheinigungen über den Zwischenverdienst
  vom 28. April 2014 und vom 26. Mai 2014, wonach der Beschwerdeführer einer
  unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachging und dadurch ein Einkommen in der
  Höhe von insgesamt Fr. 1'442.- erzielen konnte.

  
	
   

  
	
  4.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass
  die unwahren Angaben auf den Formularen kein
  zu sanktionierendes Fehlverhalten im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG
  darstellten bzw. die Angaben auf einem Missverständnis beruhten, ist ihm
  nicht zu folgen. 

  
	
   

  
	
  Die Meldung der Arbeitgeberin über einen erzielten
  Zwischenverdienst entbindet den Beschwerdeführer nämlich nicht von der
  Pflicht, die Formulare der Arbeitslosenversicherung wahrheitsgetreu
  auszufüllen und diese rechtzeitig bei der zuständigen Stelle einzureichen.
  Eine Verletzung der Auskunfts- und Meldepflicht ist bereits dadurch gegeben,
  dass er – im Wissen um die Pflicht zur wahrheitsgetreuen Angabe – seinen erzielten
  Zwischenverdienst nicht gemeldet hat (vgl. Barbara
  Kupfer Bucher, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
  Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
  und Insolvenzentschädigung, 4. A., Zürich/Basel/Genf 2013, S. 181). Schliesslich
  kann auch die Meldung an den RAV-Personalberater die ordnungsgemässe
  Deklaration bei der zuständigen Amtsstelle nicht ersetzen (BGer-Urteil
  8C_658/2009 vom 19. Januar 2010 E. 4.3). 

  
	
   

  
	
  4.3 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass
  einzelne Tätigkeiten beim Ausfüllen des Formulars "Angaben der
  versicherten Person" noch nicht hätten berücksichtigt werden können. Bei
  dieser Argumentation verkennt er aber, dass die Arbeitsleistungen jeweils vor
  dem Ausfüllen des Formulars erbracht wurden, wie aus den Bescheinigungen über
  den Zwischenverdienst der Monate April 2014 und Mai 2014 hervorgeht.

  
	
   

  
	
  Insgesamt ist davon
  auszugehen, dass der Beschwerdeführer die bei der kantonalen Behörde einzureichenden
  Formulare nicht wahrheitsgemäss ausfüllte, was als einstellungswürdiges
  Fehlverhalten im Sinne von Art.
  30 Abs. 1 lit. e AVIG zu qualifizieren ist.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Zu prüfen bleibt, ob die vom Beschwerdegegner verfügte
  40-tägige Einstellung in der Anspruchsberechtigung angemessen ist.

  
	
   

  
	
  5.1 

  
	
  5.1.1 Die Dauer der Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung bemisst sich gemäss Art. 30 Abs. 3 AVIG nach
  dem Grad des Verschuldens und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem
  Verschulden, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis
  60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 der
  Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
  Insolvenzentschädigung vom 31. August 1983 [AVIV]). Hierzu hat das
  Staatssekretariat für Wirtschaft einen Einstellraster für die kantonalen Amtsstellen
  erlassen (AVIG-Praxis, ALE, Oktober 2011, Rz. D72). Gemäss diesem ist bei einer
  Verletzung der Melde- und Auskunftspflicht das Verschulden je nach dem Einzelfall
  zu beurteilen. Bei anderen Verfehlungen sind die Vorgaben des Rasters
  detaillierter. So sind erstmals ungenügende Arbeitsbemühungen beispielsweise
  mit drei bis vier Einstelltagen, erstmals keine Arbeitsbemühungen mit fünf
  bis neun Einstelltagen, eine Ablehnung einer auf eine Woche befristeten Arbeitsstelle
  mit drei bis fünf Einstelltagen oder das erstmalige Fernbleiben an einem
  Beratungs- oder Kontrollgespräch ohne entschuldbaren Grund mit fünf bis acht
  Einstelltagen zu sanktionieren.

  
	
   

  
	
  5.1.2 Das unvollständige oder unwahre Ausfüllen des Formulars
  "Angaben der versicherten Person" ist zu diesen Tatbeständen in
  Beziehung zu setzen. Enthält das Formular zum ersten Mal eine unzutreffende
  Angabe und bestehen keine Indizien dafür, dass die versicherte Person durch
  die Falschdeklaration Leistungen erlangen wollte, die ihr nicht zustehen,
  dürfte unter Berücksichtigung der soeben dargestellten Einstellungstatbestände
  in der Regel eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von
  vier bis sechs Tagen gerechtfertigt sein. Dabei ist nach der Relevanz der
  unzutreffenden Angabe zu unterscheiden. So ist beispielsweise die Nichtangabe
  eines Zwischenverdienstes, welcher unmittelbar Auswirkung auf den
  Taggeldbezug hat, strenger zu sanktionieren als die unterlassene Angabe einer
  krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit von wenigen Tagen. Sodann sind die
  konkreten Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Bestehen deutliche
  Indizien dafür, dass die unzutreffende Deklaration lediglich auf ein
  Versehen, etwa aufgrund eines flüchtigen Ausfüllens des Formulars zurückzuführen
  ist, und kann eine bewusste Falschdeklaration mit erheblicher
  Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, muss dies zu Gunsten der versicherten
  Person berücksichtigt werden. Ein solches Indiz kann etwa darin bestehen,
  dass die versicherte Person einen Ferienbezug oder einen Zwischenverdienst
  ihrem RAV-Personalberater gemeldet hat, hingegen vergessen hat, dies auch auf
  dem Formular für die Arbeitslosenkasse anzugeben. Eine deutliche Minderung
  der Sanktion rechtfertigt sich gar, wenn eine Frage aufgrund ihrer
  missverständlichen Formulierung falsch verstanden wird (vgl. VGer-Urteil
  VG.2014.00089 vom 23. Oktober 2014 E. 5.3). Hingegen ist die Sanktion
  angemessen zu erhöhen, wenn die versicherte Person bereits früher in der
  Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist (vgl. Art. 45 Abs. 5 AVIV).
  Ebenfalls von einer erhöhten Sanktionierung ist schliesslich dann auszugehen,
  wenn Indizien dafür bestehen, dass die versicherte Person bewusst
  unvollständige oder unwahre Angaben gemacht hat, um arbeitslosenversicherungsrechtliche
  Leistungen zu erlangen oder nicht zu verlieren. Diesfalls kann auch ein
  schweres Verschulden vorliegen, namentlich wenn davon auszugehen ist, das
  Verhalten der versicherten Person erfülle Tatbestände des Schweizerischen
  Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB).

  
	
   

  
	
  5.1.3 Dem Gesagten entspricht auch die in anderen Kantonen
  geübte Praxis. Im Kanton Basel-Landschaft wurde eine versicherte Person
  beispielsweise für vier Tage in ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt, weil
  sie die Frage, ob sie im Kontrollmonat bei einem oder mehreren Arbeitgeber
  gearbeitet habe, erstmalig wahrheitswidrig verneint und im Kontrollmonat mit
  Fr. 226.20 einen nur sehr geringen Zwischenverdienst erwirtschaftet hatte (KG
  BL-Entscheid 715 13 302 vom 21. Mai 2014, www.baselland.ch). In einem zweiten
  Fall verfügte die Arbeitslosenkasse acht Einstelltage, weil die versicherte
  Person den realisierten Zwischenverdienst in zwei aufeinanderfolgenden
  Monaten aus mangelnder Sorgfalt nicht angegeben hat (KG BL-Entscheid 715 13
  96 vom 23. Oktober 2013, www.baselland.ch). Im oberen Bereich des
  leichten Verschuldens wurde eine versicherte Person im Kanton St. Gallen
  sanktioniert, weil sie auf dem Formular "Angaben der versicherten
  Person" nicht vermerkt hat, dass sie in der entsprechenden
  Kontrollperiode einen Zwischenverdienst erzielt hatte. Das Versicherungsgericht
  des Kantons St. Gallen reduzierte die verfügten 20 auf 15 Einstelltage.
  Ins Gewicht fiel dabei, dass es sich um die zweite Meldepflichtverletzung
  innerhalb der Rahmenfrist handelte. Mildernd empfand das Gericht den Umstand,
  dass die versicherte Person den Zwischenverdienst nicht absichtlich
  verheimlichte, weil sie diesen dem RAV-Personalberater gemeldet hatte (bestätigt
  im BGer-Urteil C 288/06 vom 27. März 2007 = ARV 2007 S. 210 ff.). Im
  Bereich des mittleren Verschuldens wurde eine versicherte Person im Kanton
  Zürich für 20 Tage in ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt. Diese Anzahl
  Einstelltage kam zu Stande, weil das Gericht es als erschwerend erachtete,
  dass die versicherte Person verschiedene Zwischenverdienste über mehrere Monate
  hinweg verschwiegen und erst im Nachhinein über die Aufnahme einer
  selbstständigen Erwerbstätigkeit informiert hatte, womit zwei verschiedene
  Einstellungstatbestände erfüllt waren (bestätigt durch das Bundesgericht im
  BGer-Urteil 8C_658/2009 vom 19. Januar 2010). In einem Fall aus dem Kanton
  St. Gallen verfügte die kantonale Amtsstelle die Einstellung der versicherten
  Person in der Anspruchsberechtigung für 60 Tage, weil sie in voller Absicht
  ein gefälschtes Kündigungsschreiben eingereicht hatte, um so zu ungerechtfertigten
  finanziellen Vorteilen gegenüber der Arbeitslosenkasse zu gelangen. Das
  kantonale Versicherungsgericht ging ebenfalls von einem schweren Verschulden
  aus, reduzierte die Sanktion aber auf 45 Einstelltage (vom Bundesgericht bestätigt
  in BGer-Urteil C 152/03 vom 25. Juni 2004).

  
	
   

  
	
  5.2 Folgt man dem Dargelegten, rechtfertigt es sich, in
  einem ersten Schritt davon auszugehen, dass die unwahre Angabe des Beschwerdeführers
  auf dem Formular "Angaben der versicherten Person" eine
  Sanktionierung von sechs Tagen rechtfertigen würde. In einem zweiten Schritt
  ist zu Gunsten des Beschwerdeführers zu berücksichtigen, dass er glaubhaft
  geltend macht, dass er den Zwischenverdienst nicht absichtlich verheimlichte,
  zumal er diesen dem RAV-Personalberater gemeldet hatte und er zudem davon
  ausging, dass seine Arbeitgeberin der kantonalen Behörde den Zwischenverdienst
  melden werde. Es ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
  dass die unwahren Angaben auf mangelnde Aufmerksamkeit oder gar auf ein
  Missverständnis des Beschwerdeführers zurückzuführen sind. Zudem handelt es
  sich bei dem innerhalb der beiden Monate erzielten Einkommen mit Fr. 1'442.-
  um einen eher geringen Zwischenverdienst. Hingegen fällt zu seinen Ungunsten
  ins Gewicht, dass er seinen Zwischenverdienst in zwei aufeinanderfolgenden
  Monaten nicht angab. Sodann ist zu berücksichtigen, dass er sich nach Erhalt
  der zu hoch ausgefallenen Taggeldabrechnungen nicht bei der Arbeitslosenkasse
  meldete. Schliesslich ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass der
  Beschwerdeführer in diesem Jahr bereits einmal in der Anspruchsberechtigung
  eingestellt wurde, was eine angemessene Erhöhung der Einstellungsdauer zur Folge
  hat (Art. 45 Abs. 5 AVIV). Dabei ist eine individuelle Verschuldensbeurteilung
  vorzunehmen, wobei es – entgegen der Auffassung des Beschwerdegegners –
  unzulässig ist, die Höhe der ersten rechtskräftig verfügten Sanktionierung
  als Basis zu nehmen, um so den Sanktionsrahmen zu bestimmen (AVIG-Praxis,
  ALE, Oktober 2011, Rz. 63d). 

  
	
   

  
	
  Insgesamt ist von einem
  leichten Verschulden des Beschwerdeführers auszugehen, wobei eine Sanktion im
  mittleren Bereich des dafür vorgesehenen Rahmens von 1 bis 15
  Einstelltagen zu verfügen wäre. Da aber zusätzlich zu berücksichtigen ist,
  dass der Beschwerdeführer in diesem Jahr bereits einmal in der
  Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist, rechtfertigt es sich, ihn für
  zwölf Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen.

  
	
   

  
	
  5.3 Demgemäss ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
  Der Einspracheentscheid vom 7. Juli 2014 ist aufzuheben und die Verfügung vom
  20. Juni 2014 dahingehend abzuändern, dass der Beschwerdeführer für zwölf
  Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen ist. 

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Die Gerichtskosten des
  Beschwerdeverfahrens sind von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen
  (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Der Beschwerdegegner ist ausgangsgemäss zu verpflichten,
  dem obsiegenden Beschwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung in der
  Höhe von Fr. 1'000.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen (Art. 1 Abs. 1
  AVIG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheentscheid vom 7. Juli
    2014 wird aufgehoben und die Verfügung vom 20. Juni 2014 dahingehend abgeändert,
    dass der Beschwerdeführer für zwölf Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt
    wird.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Der
    Beschwerdegegner wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert 30 Tagen
    nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.-
    (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]