# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cb91cf16-d598-5f34-8a0f-c2742cbfa0b9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.05.2020 E-744/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-744-2018_2020-05-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-744/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas,  

Richterin Constance Leisinger,    

Gerichtsschreiberin Eliane Kohlbrenner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz,  

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 29. Dezember 2017 / N (…). 

 

 

 

E-744/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 8. September 2015 um Asyl in der 

Schweiz. Anlässlich der Befragung zur Person vom 16. September 2015 

und der Anhörung vom 29. März 2017 führte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen aus, er sei in Addis Abeba, Äthiopien, geboren. Nach dem Tod 

seines Vaters sei er mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester nach 

B._______ gezogen. Als seine Mutter krank geworden sei und die Familie 

nicht mehr habe ernähren können, sei die Schwester zu einer Freundin der 

Mutter gekommen. Er habe im Jahr 2000 die achte Schulkasse abgebro-

chen, um seine Mutter zu pflegen. Im Juli 2001 seien sie von den äthiopi-

schen Behörden festgenommen und nach einem Monat nach Eritrea ab-

geschoben worden. Sie hätten sich in der Zoba C._______ niedergelas-

sen, da Verwandte dort gewohnt hätten. Er habe als Händler gearbeitet, 

um für sich und seine Mutter sorgen zu können. Im Juli 2005 sei er bei 

einer Razzia verhaftet worden. Sie hätten ihn via D._______ nach 

E._______ gebracht. Im Dezember 2005 sei er für den Militärdienst nach 

Sawa transportiert worden. Im Januar 2006 sei er wegen seiner Ohren-

probleme für militärdienstuntauglich befunden und aus dem Militärdienst 

entlassen worden. Er sei nach Hause gegangen und habe seine Arbeit als 

Händler wiederaufgenommen. In seiner Freizeit sei er in der Bar eines Ho-

tels in C._______ als Sänger aufgetreten. Er habe dadurch häufigen Kon-

takt zu Ausländern, die in den Goldminen gearbeitet hätten, und zu Jugend-

lichen gehabt. Im Jahr 2009 habe er geheiratet. Die gemeinsamen Kinder 

seien im Jahr 2008 und 2011 geboren. Im Dezember 2011 seien mehrere 

Personen bei ihm zu Hause vorbeigekommen und hätten ihn mitgenom-

men. Er sei in ein circa 20 Minuten entferntes, unterirdisches Gefängnis 

gebracht worden. Er habe die Zelle mit einem Lehrer geteilt, der wegen 

politischer Aktivitäten bereits seit fünf Jahren eingesperrt gewesen sei. Sie 

hätten ihn beschuldigt, illegal Dollars getauscht, das Regime kritisiert und 

zur Vorbereitung eines Putschs die Jugendlichen gegen das Regime auf-

gewiegelt zu haben. Im ersten Jahr sei er regelmässig verhört und gefoltert 

worden. Von der Folter habe er zahlreiche Narben am Körper. Danach hät-

ten die Verhöre aufgehört. Nach ungefähr zwei Jahren und drei Monaten 

sei er wegen seines schlechten Gesundheitszustandes in das Kranken-

haus C._______ gebracht worden. Der Arzt habe Malaria diagnostiziert. In 

der dritten Nacht sei ihm die Flucht aus dem Krankenhaus gelungen. Mit 

Hilfe eines Verwandten seiner Mutter sei er illegal aus Eritrea ausgereist. 

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Nach seiner Ausreise hätten Angehörige des Regimes seine Ehefrau auf-

gesucht. Sie hätten das Haus durchsucht und die Ehefrau mehrmals mit-

genommen. 

Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte, die Identitätskarte sei-

ner Ehefrau, eine Heiratsurkunde, ein Foto der Hochzeit, drei Geburtsur-

kunden, ein Schreiben betreffend Untauglichkeit und Entlassung aus der 

eritreischen Armee, einen Austrittsbericht, eine Bescheinigung der Arbeits-

unfähigkeit des Universitätsspitals Zürich vom 21. Juni 2016 und einen 

Arztbericht vom 26. Oktober 2017 ein. 

B.  

Mit Verfügung vom 29. Dezember 2017 (eröffnet am 4. Januar 2018) stellte 

die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete den Vollzug an. 

C.  

Mit Eingabe vom 5. Februar 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung vom 

29. Dezember 2017 sei aufzuheben. Es sei die Flüchtlingseigenschaft fest-

zustellen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder 

zumindest die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und die vor-

läufige Aufnahme als Ausländer anzuordnen. Es sei auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessfüh-

rung zu gewähren. Die unterzeichnete Rechtsvertreterin sei als unentgelt-

liche Rechtsbeiständin beizuordnen. 

Der Beschwerdeführer reichte einen Arztbericht vom 13. Januar 2018 ein. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. Februar 2018 hiess der Instruktionsrichter 

die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Verbeistän-

dung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und gab 

der Vorinstanz Gelegenheit zur Einreichung einer Vernehmlassung. 

E.  

Am 23. Februar 2018 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein. 

F.  

Mit Replik vom 19. März 2018 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm-

lassung Stellung. 

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Seite 4 

G.  

Mit Schreiben vom 22. April 2020 reichte der Beschwerdeführer ein Arzt-

zeugnis vom 6. April 2020 ein. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende 

Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-

gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Be-

schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-

miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-

schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-

richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Nach Lehre und Rechtspre-

chung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im 

Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlit-

ten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und 

in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und 

aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmo-

tive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen. Die er-

littene Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt 

des Asylentscheides noch aktuell sein. 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, der Beschwerdeführer 

habe widersprüchliche Angaben gemacht. An der Befragung habe er ge-

sagt, er sei von zwei Personen zu Hause abgeholt worden, anlässlich der 

Anhörung habe er gemeint, es seien vier bis fünf Personen gewesen. An-

lässlich der Befragung habe er seine Verhaftung damit begründet, Leute 

hätten ihn aus Neid angezeigt. Anlässlich der Anhörung habe er hingegen 

gesagt, die Nähe zu den Jugendlichen sei vermutlich der Grund für die 

Verhaftung gewesen. Die Schilderung der Haft sei stereotyp ausgefallen. 

Er habe die Anzahl der Gefängnisgebäude, die Anzahl der Verhöre sowie 

die Behörde, welche seine Haft angeordnet habe, nicht nennen können. 

Es sei fraglich, ob der Geheimdienst tatsächlich ein Interesse an ihm ge-

habt habe, da er nach einem Jahr im Gefängnis nicht mehr behelligt wor-

den sei. Das nachlassende Interesse des Regimes passe zudem nicht zum 

massiven Vorwurf, er habe einen Putsch vorbereitet. Zweifelhaft sei auch, 

dass der eritreische Staat ein Interesse gehabt habe, ihn festzuhalten und 

schlecht zu behandeln, der Beschwerdeführer aber gleichzeitig angegeben 

habe, das Regime habe bei ihm Vorsicht walten lassen, als er ins Kranken-

haus eingeliefert worden sei. Es sei auch unlogisch, dass er intensiv ver-

hört und geschlagen worden sei, dann aber im Krankenhaus bloss von ei-

nem Bewacher bewacht worden sei. Seine Flucht in der zweiten Nacht aus 

dem Krankenhaus sei medizinisch nicht nachvollziehbar. Zwar führe eine 

Behandlung bei gewissen Malariaarten innert 24 Stunden zu einer Verbes-

serung der Laborwerte, dennoch sei eine Flucht in der dritten Nacht auf-

grund des Gesundheitszustandes als unwahrscheinlich einzustufen. Des 

Weiteren sei nicht nachvollziehbar, weshalb er bloss vermutet habe, der 

Hunger sei schuld an der Malaria gewesen, wenn er doch im Krankenhaus 

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dagegen behandelt worden sei. Insgesamt seien die Vorbringen zur Ver-

haftung, zum Gefängnisaufenthalt und zur Flucht unglaubhaft. Die illegale 

Ausreise sei prima facie als durchaus nicht unglaubhaft zu bezeichnen, da 

aber keine weiteren Anknüpfungspunkte vorlägen, sei dies unerheblich. 

5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Ausführungen anlässlich 

der Befragung und der Anhörung seien sehr detailliert gewesen. Bei der 

Verhaftung sei ihm eine Kapuze übergezogen worden, weshalb es sich bei 

den Angaben zur Anzahl der Personen bei seiner Verhaftung um Schät-

zungen handle. Er habe durchwegs angegeben, den Grund seiner Verhaf-

tung nicht genau gekannt, aber vermutet zu haben, dass eine Person, die 

auf ihn neidisch gewesen sei, ihn angezeigt habe. Bezüglich des Gefäng-

nisaufenthalts habe er die unterirdische Lage, die Grösse und das elektri-

sche Licht der Zelle, die Hitze in der Zelle, den Toilettengang und die Miss-

handlungen beschrieben. Die erlittenen Narben seien durch den Arztbe-

richt belegt. Es könne sehr gut sein, dass das Interesse des eritreischen 

Regimes an ihm nach einem Jahr nachgelassen habe, er aber dennoch 

nicht freigelassen worden sei. Gemäss Berichten von Amnesty Internatio-

nal befänden sich in Eritrea tausende gewaltlose politische Gefangene, die 

willkürlich verhaftet worden seien, ohne Anklage oder Gerichtsverfahren 

teils seit mehr als zehn Jahren in Haft. Offensichtlich hätten die eritreischen 

Behörden bemerkt, dass er nicht das von ihnen vermutete politische Profil 

aufweise; sie hätten ihn aber auch nicht freilassen wollen. Seine Vorbrin-

gen seien glaubhaft. Es bestehe begründete Furcht, dass er bei einer Ab-

schiebung nach Eritrea wieder inhaftiert und gefoltert werde, da er aus der 

Haft geflüchtet und illegal ausgereist sei. Es sei ihm daher Asyl zu gewäh-

ren.  

5.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, gemäss Arztbericht 

vom 13. Januar 2018 leide der Beschwerdeführer zwar unter einer Trau-

matisierung, es werde aber kein Behandlungsbedarf erwähnt. Es sei fest-

gehalten, dass kreisrunde Verbrennungsnarben auf dem linken Oberarm, 

der rechten Hand und der Tibia links und rechts vorhanden seien. Diese 

Narben könnten auf Folter zurückzuführen sein, der Arztbericht sei jedoch 

nicht geeignet, deren Ursachen festzulegen, da er sich auf die Anamnese 

des Beschwerdeführers stütze. Es könne nicht ausgeschlossen werden, 

dass ein nachlassendes Interesse der Behörden am Beschwerdeführer 

dazu geführt habe, dass er nach einem Jahr nicht mehr verhört worden sei. 

Indes sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die Verhöre und 

Schläge glaubhaft darzulegen. 

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5.4 Der Beschwerdeführer bringt in der Replik vor, er habe auf einer War-

teliste für eine psychiatrische Behandlung beim Ambulatorium für Folter- 

und Kriegsopfer gestanden. Im Februar 2018 sei er erstmals im Ambulato-

rium Dielsdorf, der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland 

zur Behandlung gewesen. Seither besuche er einmal im Monat eine Ge-

sprächstherapie und erhalte das Medikament "Quetiapin". 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer erzählte seine Kindheit in Äthiopien, die Aus-

schaffung von ihm und seiner Mutter nach Eritrea, die Festnahme anläss-

lich einer Razzia mit dem anschliessenden Transport nach Sawa und der 

Entlassung aus dem Militärdienst wegen Dienstuntauglichkeit, seine Tätig-

keit als Händler sowie sein Auftreten als Sänger in einem Hotel in 

C._______ in seiner Freizeit detailliert und stimmig. Die Vorinstanz zog 

seine Vorgeschichte denn auch nicht in Zweifel. Sie hält indes seine Ver-

haftung, den Gefängnisaufenthalt und die anschliessende Flucht wegen 

Widersprüchen, Ungereimtheiten und teils vager Schilderungen für un-

glaubhaft.  

Dieser Einschätzung kann nicht gefolgt werden. Entgegen der Ansicht der 

Vorinstanz hat sich der Beschwerdeführer bei der Anzahl der Personen, die 

ihn verhaftet hätten, und den Gründen für die Verhaftung nicht widerspro-

chen. An der Befragung gab er an, er habe zwei Personen gesehen; eine 

habe ihn festgehalten, die andere habe ihm eine Kapuze über den Kopf 

gezogen. Zudem habe er die Stimmen weiterer Personen gehört (SEM-

Akten act. A4 F 7.02). Anlässlich der Anhörung gab er an, es seien vier bis 

fünf Personen gewesen. Er habe nicht alle sehen können, weil ihm eine 

Kapuze über den Kopf gezogen worden sei (act. A14 F 216). Ein Wider-

spruch zwischen diesen beiden Aussagen lässt sich schlichtweg nicht er-

kennen. Nach dem Grund der Verhaftung gefragt, gab er anlässlich der 

Befragung an, er denke, dass ihn jemand, der eifersüchtig auf ihn gewesen 

sei, angezeigt habe (act. A4 F 7.02). An der Anhörung verneinte er einen 

konkreten Grund für die Verhaftung, äusserte indes ebenfalls die Vermu-

tung, aus Neid verhaftet worden zu sein (act. A14 F 216). Der Beschwer-

deführer kannte offensichtlich den Auslöser für seine Verhaftung nicht, äus-

serte aber übereinstimmend die Vermutung, aus Neid angezeigt worden zu 

sein; ein Widerspruch lässt sich auch hier nicht erkennen. Des Weiteren 

bemängelt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe zwar mehrere Ge-

bäudeeinheiten mit Zellen gesehen, aber die ungefähre Anzahl in seiner 

Nähe nicht nennen können. Die Angaben zu den Verhören und zur Haft 

seien stereotyp ausgefallen. Nach der Verhaftung in der Nacht wurde der 

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Beschwerdeführer mit einem Fahrzeug zu einem circa zwanzig Minuten 

entfernten Gefängnis gefahren und direkt in eine unterirdische Zelle ge-

bracht. Ihm wurde vorgeworfen, illegal Dollars gewechselt, mit Ausländern 

Kontakte gehabt, sich kritisch über das Regime geäussert sowie Jugendli-

che aufgewiegelt zu haben, um einen Putsch vorzubereiten. Der Be-

schwerdeführer schilderte, die Zelle habe er mit einem älteren Mann geteilt, 

der Lehrer gewesen und wegen des Vorwurfs der politischen Betätigung 

bereits seit fünf Jahren inhaftiert gewesen sei. Die Zelle sei ein kleiner 

Raum von circa drei Meter auf drei Meter gewesen. Die Türen hätten aus 

Metall mit einem kleinen, verputzen Gitter mit einem Schloss bestanden. 

Man habe nicht hindurchsehen können. Die unterirdische Zelle sei durch 

eine Glühbirne beleuchtet gewesen. An der Decke habe sich eine kleine 

Öffnung für die Zufuhr frischer Luft befunden. Er habe die Zelle nur für den 

Toilettengang morgens und abends sowie für die Verhöre verlassen dürfen. 

Der Verhörplatz sei zwanzig bis dreissig Meter, die Toiletten etwa fünf Mi-

nuten von der Zelle entfernt gewesen (act. A14 F 144 ff.). Der Beschwer-

deführer sagte zwar anfangs, es habe mehrere Gebäude links und rechts 

gegeben, präzisierte dann aber auf die Frage nach den Gebäuden, es 

seien die gleichen Zellen wie seine Zelle gewesen. Es sei verboten gewe-

sen, nach links und rechts zu schauen (act. A14 F 161 ff.). Es kann dem 

Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden, er habe die Anzahl der Ge-

bäudeeinheiten mit den Zellen in der Umgebung nicht gekannt, da er sich 

nur unterirdisch bewegt und offensichtlich nur Zellen links und rechts, aber 

keine Gebäudeeinheiten wahrgenommen hat. Zudem wurde er nachts mit 

einer Kapuze über dem Kopf ins Gefängnis gebracht und in schlechtem 

Gesundheitszustand aus der Zelle beziehungsweise dem Gefängnis hin-

ausgetragen; er hatte somit kaum die Möglichkeit, beim Betreten oder Ver-

lassen des Gefängnisses die Gebäudeeinheiten wahrzunehmen. Die Be-

schreibung der Zelle ist im Übrigen detailliert ausgefallen. Hinsichtlich des 

Verhörs beschrieb er, er sei durch verschiedene Personen verhört worden, 

welche ihn mit den gleichen Vorwürfen konfrontiert hätten. Die Vorwürfe 

habe er jeweils bestritten. Sie hätten daraufhin ihre Zigaretten auf ihm aus-

gedrückt. An seinem Körper habe er davon überall Narben. Einer habe ein 

Handtuch genommen, es auf seinen Kopf gelegt und Wasser darüber ge-

gossen. Er habe kaum noch Luft bekommen. Sie hätten ihn mit einem 

Stock geschlagen. Während des ersten Jahres sei er manchmal nach drei 

Tagen, manchmal einmal in der Woche, manchmal alle zwei Wochen ver-

hört worden. Nach ungefähr einem Jahr hätten die Verhöre aufgehört 

(act. A14 F 50, F 97 ff.). Der Beschwerdeführer war circa zwei Jahre und 

zwei Monate in einer unterirdischen Zelle ohne Tageslicht eingesperrt. 

Dass er unter diesen Umständen nur angeben kann, in welchen Abständen 

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die Verhöre ungefähr stattgefunden haben, aber deren Gesamtzahl nicht 

nennen konnte, ist nachvollziehbar. Die Vorwürfe, mit denen er konfrontiert 

wurde, sowie die Folter schilderte er detailliert und widerspruchsfrei. Im 

Arztbericht vom 13. Januar 2018 ist festgehalten, dass der Beschwerde-

führer kreisrunde Verbrennungsnarben auf dem linken Oberarm und der 

rechten Hand sowie narbige Veränderungen an der Tibia links und rechts 

über eine Distanz von 25 Zentimetern aufweist. Dies stimmt mit seinen An-

gaben überein. An der Anhörung konnte der Beschwerdeführer auf die wie-

derholten Fragen, wer die Personen gewesen seien, die ihn verhört hätten, 

woher sie stammten und wer das Gefängnis geführt habe, nur angeben, es 

seien Personen der Sicherheitsbehörde gewesen, die nicht aus seiner 

Zoba stammten (act. A14 F 103 ff., F 167). Dem Beschwerdeführer daraus 

einen Vorwurf zu machen, ist realitätsfremd, zumal kaum zu erwarten ist, 

dass in einem eritreischen Gefängnis den ohne Anklage unterirdisch Inhaf-

tierten die Leitung des Gefängnisses und die Abstammung der Personen, 

welche die Verhöre durchführen, mitgeteilt werden. Die Vorinstanz zweifelt 

einerseits am Interesse der eritreischen Behörden am Beschwerdeführer, 

da die Verhöre nach einem Jahr aufgehört hätten. Andererseits sei es nicht 

plausibel, dass der eritreische Staat ein derartiges Interesse an ihm gehabt 

hätte, dass er ein Jahr lang geschlagen worden sei, und ihn dann trotzdem 

ins Krankenhaus eingeliefert und nur einen Bewacher abgestellt hätten. 

Der Beschwerdeführer wurde bei den Verhören mit schwerwiegenden Vor-

würfen, wie dem Vorbereiten eines Putschversuches, konfrontiert. Diese 

Vorwürfe hat er stets bestritten. Es ist durchaus denkbar, dass die eritrei-

schen Behörden mit der Zeit realisiert haben, dass die Vorwürfe grössten-

teils unzutreffend sind und sie deshalb die Verhöre beendeten, ihn aber 

dennoch im Gefängnis behielten, da er in Bars als Sänger mit englischen 

Liedern auftrat und dadurch regelmässigen Kontakt mit Ausländern und Ju-

gendlichen hatte, was offenbar vom eritreischen Regime ungern gesehen 

war. Der Beschwerdeführer wies in diesem Zusammenhang zu Recht da-

rauf hin, dass es in Eritrea zu willkürlichen Verhaftungen kommt und sich 

tausende gewaltlose und andere politische Gefangene ohne Anklageerhe-

bung und Gerichtsverfahren teils seit über einem Jahrzehnt in Haft befin-

den (Amnesty International, Jahresbericht 2017/18 zu Eritrea, 

< https://www.amnesty.de/jahresbericht/2018/eritrea >, abgerufen am 

17.04.2020). Der Beschwerdeführer sagte aus, bei seiner Einlieferung ins 

Krankenhaus sei er in schlechter gesundheitlicher Verfassung gewesen. 

Sie hätten ihn in einem separaten Raum untergebracht. Unter diesen Um-

ständen und der Tatsache, dass das Interesse der eritreischen Behörden 

am Beschwerdeführer nachgelassen hat, ist es nachvollziehbar, dass eine 

Fluchtgefahr als gering und ein Bewacher als ausreichend eingestuft 

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wurde. Der Vorwurf der Vorinstanz, es sei unlogisch, weshalb der Be-

schwerdeführer bloss vermutet habe, Hunger sei die Ursache der Malaria 

gewesen, wenn er doch im Krankenhaus dagegen behandelt worden sei, 

ist abwegig. Die Vorinstanz verwechselt offensichtlich Ursache und Diag-

nose. Beim Beschwerdeführer wurde im Krankenhaus Malaria diagnosti-

ziert. Die Diagnose gibt noch keine Auskunft darüber, wie sich der Be-

schwerdeführer damit angesteckt hat. Dass er die Ursache der Malaria 

nicht kannte, kann ihm nicht vorgehalten werden. Die Vorinstanz führt aus, 

eine Behandlung gewisser Malariaarten könne innert 24 Stunden zur Ver-

besserung der betroffenen Laborwerte führen, hält es aber dennoch für 

zweifelhaft, dass er in seinem sehr schwachen Gesundheitszustand habe 

flüchten können. Zuerst ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz wider-

sprüchlich angibt, der Beschwerdeführer sei in der zweiten respektive drit-

ten Nacht geflüchtet. Gemäss Anhörungsprotokoll ist der Beschwerdefüh-

rer in der dritten Nacht aus dem Krankenhaus geflüchtet, also rund 

72 Stunden nach seiner Einlieferung (act. A14 F 52). Während seines Auf-

enthalts wurde ihm eine Infusion gelegt. Es erscheint durchaus möglich, 

dass sich sein Gesundheitszustand nach dreitägiger Behandlung derart 

gebessert hat, dass er in der Lage war zu flüchten. Insgesamt schilderte 

der Beschwerdeführer seine Vorbringen glaubhaft. Seine detaillierten An-

gaben an der Befragung und der Anhörung weisen entgegen der Ansicht 

der Vorinstanz keine Widersprüche auf. Die Zeitangaben sowie die Schil-

derung der Verhaftung, der Inhaftierung und der Flucht aus dem Gefängnis 

sind in sich stimmig und durchwegs nachvollziehbar. Bezüglich der illega-

len Ausreise hält die Vorinstanz fest, diese sei prima facie als durchaus 

nicht unglaubhaft zu bezeichnen. Folglich geht die Vorinstanz zu Recht da-

von aus, dass der Beschwerdeführer die illegale Ausreise glaubhaft darge-

legt hat.  

6.2 Die eritreischen Behörden haben den Beschwerdeführer unter dem 

Vorwurf, das Regime kritisiert und einen Putsch vorbereitet zu haben, ver-

haftet. Die Verhaftung erfolgte demnach gezielt wegen seiner politischen 

Anschauung. Im Gefängnis wurde er bis zu seiner Flucht nach circa zwei 

Jahren und zwei Monaten ohne Anklageerhebung und Gerichtsverfahren 

festgehalten. Die Haft ist folglich als illegitim einzustufen. Während des ers-

ten Jahres verhörten und folterten die eritreische Sicherheitsbeamte den 

Beschwerdeführer regelmässig. Von der Folter trug er sichtbare Narben 

davon. Die illegitime Haft und die erlittene Folter sind als ernsthafte Nach-

teile im Sinne von Art. 3 AsylG einzustufen. Der Beschwerdeführer ist wäh-

rend eines Krankenhausaufenthalts geflüchtet und illegal ausgereist. Der 

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Seite 11 

sachliche und zeitliche Kausalzusammenhang zwischen dem Gefängnis-

aufenthalt und der Ausreise ist daher gegeben. Die erlittene Verfolgung ist 

zudem nach wie vor aktuell, da davon auszugehen ist, dass ihn das eritre-

ische Regime aufgrund seiner Flucht aus dem Gefängnis als missliebige 

Person ansehen wird und bei einer Rückkehr die konkrete Gefahr einer 

erneuten Inhaftierung mit Folter besteht; dies umso mehr als er zusätzlich 

illegal ausgereist ist. Hinzu kommt, dass gemäss seinen Aussagen die erit-

reischen Behörden seine Ehefrau aufgesucht hätten. Sein Haus sei durch-

sucht und die Ehefrau mehrmals mitgenommen worden. Angesichts dieser 

Umstände besteht ein konkreter Anlass zur Annahme, dass sich bei der 

Rückkehr des Beschwerdeführers nach Eritrea eine Verfolgung nach Art. 3 

AsylG mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-

lichen würde. 

6.3 Zusammenfassend erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG. Gründe für den Ausschluss aus der 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 53 AsylG sind nicht ersichtlich. Die Be-

schwerde ist daher gutzuheissen. Die vorinstanzliche Verfügung vom 

29. Dezember 2017 ist aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl 

in der Schweiz zu gewähren. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. 

7.3 Die Rechtsvertreterin reichte keine Honorarnote ein. Der Aufwand lässt 

sich allerdings aufgrund der Akten zuverlässig abschätzen (Art. 14 Abs. 2 

VGKE). In Anwendung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. 

Art. 8–11 VGKE) ist das Honorar auf Fr. 1'200.– (inkl. Auslagen, ohne 

Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. Die 

Vorinstanz ist somit anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Parteient-

schädigung in der Höhe von Fr. 1'200.– auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 29. Dezember 2017 wird aufgehoben. Das SEM wird 

angewiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustel-

len und ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'200.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Eliane Kohlbrenner 

 

 

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