# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0276a1cb-fce7-5162-aa4e-9be471a20cd9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.01.2023 D-15/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-15-2023_2023-01-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-15/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Thomas Segessenmann, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry;   

Gerichtsschreiberin Selina Sutter. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Sara Garcia, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2022 / N (…). 

 

 

 

D-15/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a. Der Beschwerdeführer suchte am 29. August 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach. Auf dem Personalienblatt gab er an, im (…) 2005 geboren und 

somit minderjährig zu sein. 

A.b. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-

dac) vom 1. September 2022 ergab, dass er am (…) August 2022 bereits 

in Österreich um Asyl nachgesucht hatte.  

A.c. Am 24. Oktober 2022 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm 

zugewiesene Rechtsvertretung mit der Wahrung seiner Interessen im Asyl-

verfahren. 

A.d. Im Rahmen der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsu-

chende (EB UMA) vom 26. Oktober 2022 gab der Beschwerdeführer an, er 

sei am (…) 2005 geboren. Dies bestätige die eingereichte Kopie seiner 

Tazkara, welche ihm sein Vater vor zwei Tagen geschickt habe. Diese sei 

ausgestellt worden, als er sieben Jahre alt gewesen sei. Sein Vater habe 

ihm vor zwei Tagen gesagt, dass er – der Beschwerdeführer – am (…)1384 

(gemäss gregorianischem Kalender: […] 2005) geboren sei. Das Persona-

lienblatt habe ein anderer Junge für ihn ausgefüllt, da er dies nicht selb-

ständig habe machen können. Dieser habe ihn nur gefragt, ob er minder-

jährig sei, was er bejaht habe. Zur Frage, weshalb er den österreichischen 

Behörden als Geburtsjahr 2004 angegeben habe, führte er aus, dass die 

mitreisenden jungen Männer ihm gesagt hätten, sich als 18-Jähriger aus-

zugeben, damit sie schneller von dem Ort wegkommen würden. Er selbst 

würde sich mit diesen Zahlen nicht auskennen. Die Grenzwächter in der 

Schweiz hätte die Zahlen dann vom österreichischen Dokument übernom-

men. In seinem Heimatland habe er die Schule während vier Jahren be-

sucht, könne aber kaum lesen und schreiben. Hauptsächlich habe er sei-

nem Vater in der Landwirtschaft geholfen. Er habe Afghanistan zusammen 

mit seinem Bruder, welcher als Polizist gearbeitet habe, nach der Machter-

greifung durch die Taliban verlassen und sei über den Iran, die Türkei, Grie-

chenland, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich in die Schweiz ge-

langt.  

Weiter gab er an, psychisch und physisch angeschlagen zu sein. Er leide 

unter starken Kopfschmerzen und sei vergesslich. Er habe ausserdem 

starke Schmerzen an den Knien, Herzprobleme und Mühe bei der Bewe-

gung seiner zwei Mittelfinger und des rechten Zeigefingers. 

D-15/2023 

Seite 3 

A.e. Am 1. November 2022 ersuchte das SEM die österreichischen Behör-

den um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten 

Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-

VO). Dieses Ersuchen lehnten die österreichischen Behörden am 10. No-

vember 2022 mit Verweis auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte 

Minderjährigkeit ab. 

A.f. Das Institut für Rechtsmedizin (…) führte am 8. November 2022 im 

Auftrag des SEM eine Analyse zur Altersbestimmung des Beschwerdefüh-

rers durch. Die Untersuchung ergab für den Beschwerdeführer ein Min-

destalter von 19.0 Jahren.  

A.g. Zum Resultat der Altersabklärung, zur Absicht, das Geburtsdatum des 

Beschwerdeführers im ZEMIS auf den 1. Januar 2004 anzupassen, und 

zur möglichen Zuständigkeit Österreichs für die Durchführung des Asyls- 

und Wegweisungsverfahrens wurde ihm am 17. November 2022 das recht-

liche Gehör gewährt.  

Mit Stellungnahme vom 28. November 2022 führte der Beschwerdeführer 

aus, er habe an der EB UMA nachvollziehbare und schlüssige Angaben, 

ohne wesentliche Widersprüche gemacht. Ausserdem habe er eine 

Tazkara eingereicht, welche sein Alter bestätige. Diese sei als Indiz für 

seine Minderjährigkeit zu werten, auch wenn diese aufgrund eines Was-

serflecks schlecht leserlich sei. Hinsichtlich der Altersschätzung mittels 

Röntgenuntersuchung der linken Hand werde im Gutachten von einer voll-

ständigen Verknöcherung der linken Hand ausgegangen, was dem Refe-

renzbild eines 19-jährigen Jungen entspräche. Andererseits werde im Gut-

achten angemerkt, dass eine solche Untersuchung nur bis zur vollständi-

gen Verknöcherung des Handskeletts durchgeführt werden könne, welche 

bei Jungen ab einem Alter von 16.1. Jahren vorläge. Diese Referenzwerte 

würden bereits auf die Ungenauigkeit eines solchen Gutachtens hinwei-

sen. Die Untersuchung der Schlüsselbeine deute auf ein minimales Alter 

von 22.9 Jahren mit einer Abweichung von 1.8 Jahren hin und die zahn-

ärztliche Untersuchung habe einen vollständigen Abschluss des Wurzel-

wachstums gewisser Zähne ergeben, was ab einem Alter von 16 Jahren 

beobachtet werde, vorliegend auf ein Mindestalter von 17 Jahren hindeute. 

Weshalb aus diesen Feststellungen der Schluss gezogen werde, sein Min-

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Seite 4 

destalter betrage 19 Jahre, sei nicht nachvollziehbar. Die Schlussfolgerun-

gen erschienen rein spekulativer Natur und die Indizien, welche für die Min-

derjährigkeit des Beschwerdeführers sprächen, würden klar überwiegen.  

Am 29. November 2022 änderte das SEM das Geburtsdatum des Be-

schwerdeführers im ZEMIS mit Bestreitungsvermerk auf den 1. Januar 

2004. 

A.h. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2022 ersuchte die Vorinstanz die ös-

terreichischen Behörden gestützt auf Art. 5 Abs. 2 der Durchführungsver-

ordnung (EU) Nr. 118/2014 der Kommission vom 30. Januar 2014 zur Än-

derung der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 mit Durchführungsbestimmun-

gen zur Dublin-III-VO (sog. Remonstration) erneut um Übernahme des Be-

schwerdeführers und informierte über das Ergebnis des Altersgutachtens 

und die erfolgte Registrierung des Beschwerdeführers im ZEMIS mit Ge-

burtsdatum 1. Januar 2004. Das Altersgutachten legte die Vorinstanz dem 

Ersuchen bei.  

Die österreichischen Behörden hiessen das Übernahmeersuchen des 

SEM am 9. Dezember 2022 gut.  

B.  

Mit Verfügung vom 13. Dezember 2022 – eröffnet am 23. Dezember 

2022 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

(SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein (Dispo-

sitivziffer 1) und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Österreich 

(Dispositivziffer 2) sowie den Vollzug an (Dispositivziffer 3 und 4). Gleich-

zeitig verfügte es die Anpassung des Geburtsdatums im ZEMIS auf den 

1. Januar 2004 mit Bestreitungsvermerkt (Dispositivziffer 5), die Aushändi-

gung der editionspflichtigen Akten an den Beschwerdeführer (Dispositivzif-

fer 6) und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen diese Ver-

fügung keine aufschiebende Wirkung zukomme (Dispositivziffer 7).  

C.  

Gemäss Meldung «besonderes Vorkommnis» vom 29. Dezember 2022 

fügte sich der Beschwerdeführer an diesem Tag mit einem Messer ober-

flächliche Schnittwunden an den Armen, an den Händen und im Gesicht 

zu. Wegen seiner sehr schlechten psychischen Verfassung habe ihn der 

Notfallpsychiater ins Spital bringen lassen.  

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Seite 5 

D.  

Mit Eingabe vom 2. Januar 2023 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung der 

Vorinstanz vom 13. Dezember 2022 sei aufzuheben und sie sei anzuwei-

sen, auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers einzutreten. Die Disposi-

tivziffer 2 der angefochtenen Verfügung sei aufzuheben und das im ZEMIS 

geführte Geburtsdatum vom 1. Januar 2004 sei zu berichtigen und auf den 

(…) 2005 anzupassen. Eventualiter sei die Verfügung der Vorinstanz zur 

rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an sie zu-

rückzuweisen. Im Sinne einer superprovisorischen Massnahme sei die Vo-

rinstanz anzuweisen, den Beschwerdeführer während des laufenden Be-

schwerdeverfahrens in der Unterkunft der Minderjährigen unterzubringen. 

Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme seien die Vollzugsbehörden un-

verzüglich anzuweisen, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechts-

mittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen. In verfahrensrechtli-

cher Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und 

insbesondere von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen. 

E.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 3. Ja-

nuar 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

Gleichentags setzte das Bundesverwaltungsgericht mittels superprovisori-

scher Massnahme den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren richtet 

sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts 

anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Der Beschwerdeführer 

ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichteintretensentscheid 

D-15/2023 

Seite 6 

gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG als auch gegen die Änderung des 

Geburtsdatums des Beschwerdeführers im ZEMIS. Betreffend die Daten-

änderung im ZEMIS wird ein separates Beschwerdeverfahren unter der 

Verfahrensnummer D-33/2023 geführt.  

3.  

Die Beschwerde erweist sich – soweit den hier zu beurteilenden Nichtein-

tretensentscheid betreffend – als offensichtlich unbegründet, weshalb sie 

im einzelrichterlichen Verfahren mit Zustimmung einer zweiten Richterin 

beziehungsweise eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne 

Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung 

zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

4.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

5.  

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG).  

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen eines 

Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) – wie vorliegend – findet 

demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach 

Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

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Seite 7 

5.3 Gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO ist im Falle eines unbegleiteten Min-

derjährigen ohne familiäre Anknüpfungspunkte (zu einem anderen Mit-

gliedstaat) der Staat zuständig, in welchem er seinen Antrag gestellt hat. 

Diese Bestimmung würde eine vorrangige Zuständigkeit der Schweiz be-

gründen (Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), da nach der genannten Bestimmung 

von Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO unbegleitete Minderjährige von Wiederauf-

nahmeverfahren ausgenommen sind (vgl. ULRICH KOEHLER, Praxiskom-

mentar zum Europäischen Asylzuständigkeitssystem, Berlin 2018, N. 33 zu 

Artikel 8). 

6.  

Ein Abgleich der Fingerabrücke des Beschwerdeführers mit der Eurodac-

Datenbank ergab, dass dieser am (…) August 2022 in Österreich daktylo-

skopisch erfasst worden war und gleichentags ein Asylgesuch eingereicht 

hatte. Das SEM ersuchte deshalb um Übernahme gestützt auf Art. 18 

Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO und die österreichischen Behörden hiessen das 

Gesuch zuletzt am 9. Dezember 2022 gut.  

7.  

7.1 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerdeschrift geltend, er 

sei minderjährig, weshalb die Schweiz für sein Asyl- und Wegweisungsver-

fahren zuständig sei.  

Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt grundsätzlich die 

asylsuchende Person (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und 4.2.3). Im Rahmen 

einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte vor-

zunehmen, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersanga-

ben sprechen. Wesentlich sind dabei für echt befundene Identitätspapiere 

oder eigene Angaben der betroffenen Person (vgl. Urteil des BVGer 

E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 E. 5.1.1 m.H.a. EMARK 2004 Nr. 30). 

Das Resultat des Altersgutachtens stellt nur ein Element bei der Beurtei-

lung der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Minderjährig-

keit dar (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.). 

7.2 Das SEM qualifizierte die Angaben des Beschwerdeführers hinsichtlich 

seines Alters, und damit die geltend gemachte Minderjährigkeit, als un-

glaubhaft. Der Beschwerdeführer habe sein Geburtsdatum auf dem Perso-

nalienblatt mit «x.1.2005» angegeben. Während der EB UMA habe er auf 

die Frage, ob er sein Geburtsdatum kennen würde, angegeben, seit er als 

Siebenjähriger eingeschult worden sei, eine Tazkara zu besitzen, worauf 

sein Alter ersichtlich sei, er selbst aber sein Geburtsdatum nicht kennen 

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Seite 8 

würde. Gleichzeitig habe er ein Foto der Tazkara eingereicht, worauf so-

wohl das Ausstellungsdatum als auch die Altersangabe aufgrund eines 

Wasserflecks unleserlich seien. Das Personalienblatt habe er nicht selbst 

ausgefüllt, sondern einen anderen Jungen um Hilfe gebeten. Dieser habe 

gefragt, ob er minderjährig sei, was er bejaht habe. Sein Vater, welcher 

Analphabet sei, habe ihm zwei Tage vor der EB UMA als Geburtsdatum 

den (…) 1384 genannt, was dem (…) 2005 entspreche. So habe er das 

erste Mal sein Geburtsdatum erfahren. Bezüglich des in Österreich ange-

geben Geburtsdatums «1. Januar 2004» habe er erklärt, andere junge 

Männer hätten ihm dazu geraten.  

Da er seine Angaben nicht mit Identitätsdokumenten hinreichend habe be-

legen können, die Angaben aus der EB UMA keinen Aufschluss über sein 

tatsächliches Alter hätten liefern können und zudem sein äusseres Erschei-

nungsbild eher auf seine Volljährigkeit hingedeutet hätte, sei ein Altersgut-

achten erstellt worden. Gemäss diesem habe er mit an Sicherheit grenzen-

der Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit 

erreicht. Der radiologische Befund der linken Hand entspreche dem Refe-

renzbild eines 19-jährigen Jungen und auch die Ossifikation der medialen 

Schlüsselbeinepiphysen entspreche einem Stadium 3c nach Kellinghaus 

und Schmeling, was bei Jungen einem mittleren Alter von 22.9 +/- 1.8 Jah-

ren entspreche. Nach den Ergebnissen der zahnärztlichen Untersuchung 

habe bei ihm an den Zähnen 1 bis 7 im dritten Quadranten ein vollständiger 

Abschluss des Wurzelwachstums festgestellt werden können, was nach 

Demirjian ab einem Alter von 16 Jahren beobachtet werde. An den Weis-

heitszähnen habe sich ein Mineralisationsstadium «H» nach Demirjian ge-

zeigt, was einem vollständigen Abschluss des Wurzelwachstums entspre-

che, weshalb nur noch ein Mindestalter angegeben werden könne, wel-

ches nach Olze bei 17 Jahren liege. Das Gutachten führe weiter aus, dass 

das vom Beschwerdeführer angegebene Lebensalter von 17 Jahren nicht 

mit den erhobenen Befunden zu vereinbaren sei. Das Altersgutachten sei 

im vorliegenden Fall das aus wissenschaftlicher Sicht stärkste Indiz für 

seine Volljährigkeit. Die vom Beschwerdeführer pauschal geäusserte Kritik 

am Altersgutachten habe den wissenschaftlichen Ausführungen sodann 

nichts entgegenzusetzen vermocht und er habe die geltend gemachte Min-

derjährigkeit nicht glaubhaft belegen können. 

7.3 Dem hält der Beschwerdeführer entgegen, er habe von Anfang an kon-

sistente, schlüssige und nachvollziehbare Angaben zu seinem Geburtsda-

tum gemacht sowie Identitätsdokumente eingereicht, weshalb die Anord-

nung eines Altersgutachtens durch die Vorinstanz nicht begründet und 

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Seite 9 

nicht verhältnismässig gewesen sei. Bezüglich des Personalienblatts habe 

er sich bereits ausführlich anlässlich der EB UMA geäussert. Der Fehler 

sei passiert, weil er das Blatt nicht selbständig ausgefüllt habe. Es stehe 

dort kein Dolmetscher zur Verfügung, die Asylsuchenden würden sich ge-

genseitig unterstützen und das Blatt ausfüllen, bevor sie überhaupt Zugang 

zum BAZ erhielten. Der Junge habe ihn gefragt, ob er minderjährig sei, was 

er bejaht habe. Er habe an der EB UMA nachvollziehbar erklären können, 

weshalb es zu den unterschiedlichen Altersangaben gekommen sei. Aus-

serdem habe er erst zwei Tage davor sein genaues Geburtsdatum von sei-

nem Vater erfahren. Es sei ausserdem angesichts seines kulturellen Hin-

tergrundes nicht aussergewöhnlich, nur ungefähre Altersangaben machen 

zu können. In Österreich habe er auf Anraten seiner Mitreisenden ein an-

deres Datum angegeben. Er habe sich erst in der Schweiz intensiver mit 

seinem Geburtsdatum beschäftigen können. Ausserdem könne ihm auf-

grund seines tiefen Bildungsniveaus nicht angelastet werden, dass er sich 

nicht mit Jahreszahlen auskenne. Er habe ausserdem in Eile ausreisen 

müssen, weshalb er seine Tazkara nicht mitgenommen habe. Aus seinem 

Unvermögen, Identitätsdokument im Original einzureichen, dürfe jedoch 

nicht geschlossen werden, sein angegebenes Alter sei unglaubhaft.  

Zum Altersgutachten führte er aus, dieses sei nicht geeignet, seine Volljäh-

rigkeit zu begründen. Die Schlüsselbein- und die Skelettalter-Analyse und 

die zahnärztliche Untersuchung seien grundsätzlich – anders als die Hand-

knochenanalyse und die ärztliche Untersuchung – zur Altersbestimmung 

geeignet. Das Gutachten führe aus, dass beim Beschwerdeführer von ei-

ner vollständigen Verknöcherung des linken Handskeletts auszugehen sei, 

was dem Referenzbild eines 19-Jährigen entspreche. Andererseits werde 

auch angemerkt, dass eine solche Altersschätzung nur bis zur vollständi-

gen Ossifikation durchgeführt werden könne, was bei Jungen ab einem Al-

ter von 16.1 Jahren der Fall sei. Entsprechend zeigten diese Referenz-

werte bereits, wie ungenau ein solches Gutachten sei. Bezüglich des Wur-

zelwachstums der Weisheitszähne halte das Altersgutachten fest, dass 

keine Referenzstudien für eine männliche Population aus Afghanistan vor-

lägen. Die Ausführungen zur zahnärztlichen Untersuchung äusserten sich 

lediglich zum Durchschnittsalter und würden weder eine Altersspanne noch 

das statistisch wahrscheinlichste Alter angeben. Das Fehlen dieser Anga-

ben werde nicht kommentiert. Auch der Schlüsselbein- respektive Ske-

lettanalyse sei nicht zu entnehmen, welches das statistisch wahrschein-

lichste Alter sei. Ob sich diese Altersspannen aufgrund der Einzelergeb-

nisse überlappten oder wie sich die divergierenden Ergebnisse der Zahn-

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Seite 10 

arzt- und Schlüsselbein respektive Skelettaltersanalyse begründen lies-

sen, werde im Altersgutachten ebenfalls nicht erwähnt. Unabhängig davon, 

weise das Ergebnis der zahnärztlichen Untersuchung auf ein durchschnitt-

liches Alter von 16 Jahren hin, womit das von ihm angegeben Alter wahr-

scheinlicher sei als das im ZEMIS eingetragene. Auch wenn die Schlüssel-

bein- und die Skelettaltersanalyse zu einem Mindestalter von 19 Jahren 

kämen, könne das Ergebnis somit nicht als starkes Indiz für seine Volljäh-

rigkeit sprechen, sondern sei vielmehr als schwaches Indiz zu werten. Von 

der Handknochenanalyse liesse sich ohnehin nichts ableiten. In einer Ge-

samtabwägung sei deshalb das von ihm angegebene Geburtsdatum wahr-

scheinlicher, weshalb weiterhin von seiner Minderjährigkeit auszugehen 

sei. 

7.4  

7.4.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Tatsache, dass der Beschwerdefüh-

rer vor den österreichischen Behörden bewusst falsche Angaben zu sei-

nem Geburtsdatum gemacht hat, das Gericht generell an dessen Glaub-

würdigkeit zweifeln lassen. Dass er die bewusst falsche Angabe seines Ge-

burtsdatums an der EB UMA zugegeben hat, vermag daran nichts zu sei-

nen Gunsten zu ändern. Weiter trifft es zwar zu, dass Geburtsdaten im af-

ghanischen Kulturkreis nur eine sehr untergeordnete Bedeutung haben. 

Auch der Hinweis auf das tiefe Bildungsniveau mag grundsätzlich zutref-

fen. Dennoch vermögen die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem 

Geburtsdatum sowie seine diesbezüglichen Erklärungsversuche nicht zu 

überzeugen. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist diesbezüglich auf die 

zutreffenden Ausführungen des SEM zu verweisen (Verfügung des SEM 

vom 13. Dezember 2022, Ziff. II S. 3 ff.). 

7.4.2 Vorliegend bestehen zudem keine begründeten Anhaltspunkte, wel-

che die Erkenntnisse des Altersgutachtens vom 8. November 2022 ernst-

haft in Zweifel ziehen könnten. Gemäss dem Altersgutachten liegt das Min-

destalter bei der Schlüsselbeinanalyse über 18 Jahre (19.0 Jahre; durch-

schnittliches Lebensalter von 22.9 +/- 1.8 Jahre). Betreffend Schlüssel-

beinanalyse ist zu erwähnen, dass gemäss aktueller wissenschaftlicher 

Studienlage ab einem Ossifikationsstadium 3c – wie vorliegend – nach der 

Stadieneinteilung von Kellinghaus das Lebensalter bei beiden Geschlech-

tern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über 18 Jahre liegt 

(Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin SGRM - Arbeitsgruppe 

Qualitätsmanagement in der Forensischen Medizin, Forensische Altersdi-

agnostik - Methodendokument Version 02 -Ausgabe Juni 2022, < 

https://sgrm.ch/inhalte/Forensische-Medizin/AG_QM_FAD_MD_V02_08-

D-15/2023 

Seite 11 

06-2022.pdf >, abgerufen am 04.01.2023). Vor dem Hintergrund des ein-

deutigen Fazits des Altersgutachtens hat die Vorinstanz das Gutachten in 

Anwendung einer Gesamtwürdigung – namentlich der Aussagen an der EB 

UMA und der lediglich in Kopie vorliegenden und teilweise unlesbaren 

Tazkara – richtigerweise als ein Indiz gewertet, welches ebenfalls für die 

Volljährigkeit des Beschwerdeführers spricht (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2 

m.w.H.). 

7.4.3 Somit ist in einer Gesamtwürdigung aller Indizien davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer seine behauptete Minderjährigkeit nicht glaub-

haft machen konnte, mithin zum Zeitpunkt der Asylbeantragung in der 

Schweiz mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits volljährig war.  

7.5 Damit fällt Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO als Kriterium zur Bestimmung des 

für das Asylverfahren zuständigen Mitgliedstaats ausser Betracht und die 

grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs ist gegeben. 

7.6 Der in der Beschwerde angebrachte Vorbehalt, die konkrete Begrün-

dung betreffend die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers erfolge inner-

halb der Rechtsmittelfrist von 30 Tagen, wie im VwVG vorgesehen (vgl. 

Beschwerde, S. 7), erweist sich als unbehelflich. Die Beschwerdefrist ge-

gen die vorliegend zu beurteilende Beschwerde gegen den Nichteintreten-

sentscheid des SEM beträgt fünf Arbeitstage (vgl. Art. 108 Abs. 3 AsylG). 

Es obliegt dem Beschwerdeführer innerhalb dieser Frist eine rechtsgenüg-

liche Beschwerde mit Anträgen und Begründung einzureichen. Vorliegend 

hat der rechtlich vertretene Beschwerdeführer weder ein Gesuch um Ge-

währung einer Nachfrist zur Beschwerdeverbesserung oder –ergänzung 

gestellt noch ist ersichtlich, inwiefern die Begründung in der Beschwerde 

betreffend die angebliche Minderjährigkeit unvollständig sein sollte und mit 

dem Entscheid in der vorliegenden Sache ohne Abwarten einer ergänzen-

den Rechtsmitteleingabe der Anspruch des Beschwerdeführers auf recht-

liches Gehör verletzt sein könnte.  

8.  

Es gibt sodann keine wesentlichen Gründe für die Annahme, das Asylver-

fahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Österreich wür-

den systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden 

Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich 

bringen würden. Österreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkom-

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Seite 12 

mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-

menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) 

und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-

linge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 

1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen 

Verpflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat 

anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den 

Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben.  

9.  

9.1 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-

recht). Dieses Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert. Erweist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in 

einen Dublin-Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer 

anderen die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, muss die 

Vorinstanz die Souveränitätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der 

Schweiz behandeln (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2). 

9.2 Wie erwähnt, bestehen keine Hinweise darauf, dass Österreich seinen 

völkerrechtlichen Verpflichtungen aus der EMRK, der FoK und der FK so-

wie dem Zusatzprotokoll der FK nicht nachkommt. Dem Beschwerdeführer 

steht es nach erfolgter Überstellung nach Österreich offen, dort sein Asyl-

gesuch behandeln zu lassen und damit Zugang zu den asylrechtlichen Auf-

nahmestrukturen zu erhalten. Anzumerken gilt es an dieser Stelle, dass die 

Dublin-III-VO dem Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren An-

trag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

Was den medizinischen Sachverhalt angeht, so kann eine zwangsweise 

Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz 

ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Ein solcher 

würde voraussetzen, dass eine bereits schwer kranke Person durch die 

D-15/2023 

Seite 13 

Abschiebung mit dem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, ra-

schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-

standes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-

lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Eine solche Situation liegt in casu – soweit 

aktenkundig – nicht vor. Der Beschwerdeführer macht beschwerdeweise 

keine gesundheitlichen Probleme geltend. Aus den vorinstanzlichen Akten 

sind gewisse gesundheitliche Beschwerden des Beschwerdeführers er-

sichtlich, insbesondere das selbstverletzende Verhalten mit anschliessen-

der Spitaleinweisung am 29. Dezember 2022. Es sind jedoch keine Hin-

weise ersichtlich, dass Österreich dem Beschwerdeführer eine allenfalls 

notwendige psychiatrische oder psychologische Behandlung verweigern 

könnte, zumal das Land über eine mit der Schweiz vergleichbare medizini-

sche Infrastruktur verfügt. In dieser Situation kann der Vorinstanz auch 

nicht vorgehalten werden, dass sie den psychischen Gesundheitszustand 

des Beschwerdeführers nicht weiter abgeklärt hat. Im Übrigen ist die Vor-

instanz gehalten, die österreichischen Behörden vor der Überstellung des 

Beschwerdeführers über seinen Gesundheitszustand und allfällige not-

wendige Behandlungen zu informieren (vgl. Art. 31 und 32 Dublin-III-VO). 

Somit ist nicht davon auszugehen, dass eine Überstellung des Beschwer-

deführers nach Österreich eine Verletzung von Art. 3 EMRK nach sich zie-

hen würde.  

9.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Grund für einen Selbst-

eintritt der Schweiz in Anwendung von Art. 17 Dublin-III-VO oder von 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vorliegt.  

10.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Es 

besteht nach dem Gesagten keine Veranlassung zur Rückweisung der Sa-

che an die Vorinstanz. 

11.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) 

unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 

m.w.H.). 

D-15/2023 

Seite 14 

12.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren ist – soweit das Nicht-

eintreten auf das Asylgesuch und die Wegweisung betreffend – mit vorlie-

gendem Urteil abgeschlossen, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der 

aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist. Der angeordnete 

Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil dahin. 

13.  

Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den 

vorstehenden Erwägungen ergibt – aussichtlos waren, weshalb die Vo-

raussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Das Gesuch um 

Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem vorliegenden Ent-

scheid in der Sache gegenstandslos. 

14.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-

zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  

SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

D-15/2023 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit diese das vom SEM verfügte 

Nichteintreten auf das Asylgesuch und die angeordnete Wegweisung aus 

der Schweiz nach Österreich zum Gegenstand hat. 

2.  

Der weitere Gegenstand der Beschwerde (Datenänderung ZEMIS) wird im 

Verfahren D-33/2023 behandelt. 

3.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

4.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Thomas Segessenmann Selina Sutter 

 

 

Versand: