# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 54d35336-d02a-54ab-a2f0-f5ed219a2647
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.09.2011 E-4461/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4461-2009_2011-09-15.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­4461/2009

U r t e i l   v om   1 5 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,
Richter Kurt Gysi,   
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

Parteien A._______, geboren (…),
Türkei,  
vertreten durch Hans Peter Roth,

Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 10. Juni 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  ein  alevitischer  Kurde  mit  letztem  Wohnsitz  in 
einem  Dorf  (B._______)  in  der  Provinz  C._______,  verliess  die  Türkei 
gemäss eigenen Angaben am 14. Mai 2009, reiste auf dem Seeweg nach 
Italien und gelangte am 20. Mai 2009 in die Schweiz, wo er gleichentags 
um Asyl nachsuchte.

Bei  der  Erstbefragung  vom  26.  Mai  2009  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  Basel  brachte  der  Beschwerdeführer  vor,  er 
habe  sein  Land  verlassen,  weil  er  wegen  Unterstützung  von  Kämpfern 
der  PKK  (Partiya  Karkerên  Kurdistan/Arbeiterpartei  Kurdistans)  von 
Soldaten  schikaniert  worden  sei.  Schliesslich  sei  es,  nachdem  er 
zusammen  mit  Kameraden  im  Besitze  von  Jagdgewehren  angehalten 
worden  sei,  zu  einem  Gerichtsverfahren  gekommen.  Ein  Polizist  habe 
ihm anlässlich einer Aus­weiskontrolle gesagt, er  falle  in  letzter Zeit auf. 
Unbekannte,  vermutlich Angehörige  des  JITEM  (Jandarma  İstihbarat  ve 
Terörle  Mücadele,  Ge­heimdienst/Terrorabwehr)  seien  nach  Hause 
gekommen und hätten ihn aufgefordert, als Dorfschützer tätig zu werden. 
Als er sich geweigert habe, hätten  ihm diese Leute gedroht und  ihn auf 
die  bevorstehende  Gerichtsverhandlung  hingewiesen.  Danach  habe  er 
sich Sorgen gemacht und am 6. Mai 2009 die Flucht ergriffen. Über den 
Stand  des  Gerichtsverfahrens,  welches  am  (…)  stattgefunden  habe, 
wisse  er  nichts,  er  vermute  aber,  dass  er  gesucht  werde.  Schliesslich 
komme der Militärdienst hinzu,  den er keinesfalls leisten wolle.

Am  8.  Juni  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  vom  BFM  zu  seinen 
Asylgründen  angehört.  Er machte  geltend,  aus D._______  zu  kommen. 
Die  Armee  würde  dort  täglich  operieren,  willkürlich  vorgehen  und  den 
Einwohnern Angst einjagen. In der Gegend gebe es sehr viele Guerillas, 
und es  komme deshalb oft  zu Gefechten. Früher hätten  in  seinem Dorf 
(…) Familien gelebt, heute gebe es dort nur noch (…). Einerseits würden 
sie von den Guerillas unter Druck gesetzt, anderseits von der Armee. Sie 
würden aber nicht nur wegen ihrer kurdischen Abstammung unter Druck 
gesetzt,  sondern  auch,  weil  sie  Aleviten  seien.  Da  seine  Familie  (…) 
werde  sie  immer  wieder  von  den  Guerillas  um  Unterstützung 
angegangen.  Er  habe  für  diese  einige  Male  als  Kurier  gearbeitet.  Bei 
einem  solchen  Kuriergang  habe  er  den  abzuliefernden  Brief  vorzeitig 
vernichtet,  sodass  man  auf  dem  Posten,  auf  den  er  nach  seiner 
Festnahme  verbracht  worden  sei,  bei  ihm  nichts  Belastendes  gefunden 

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habe. Er sei aber stark unter Druck gesetzt und bedroht worden, weshalb 
er das Land verlassen habe. 

B.
Mit  Verfügung  vom  10.  Juni  2009  stellte  das  BFM  fest,  der 
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 
Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz 
und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.

C.
Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  10.  Juli  2009  erhob  der 
Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  in  materieller 
Hinsicht,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  aufzuheben,  es  sei 
festzustellen,  dass  er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle,  und  es  sei  ihm 
Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit der Wegweisung 
festzustellen und als Folge davon dem Beschwerdeführer die  vorläufige 
Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er – 
unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  zulasten  der  Vorinstanz  –  die 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Zusammen mit der Beschwerde reichte er einen Internet­Auszug zu den 
Akten.

D.
Der  Instruktionsrichter  stellte mit  Zwischenverfügung  vom  17.  Juli  2009 
fest,  der  Beschwerdeführer  dürfe  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  unter  der  Voraussetzung  des  Nachreichens  einer 
Fürsorgebestätigung  und  unter  dem  Vorbehalt  der  Veränderung  der 
finanziellen  Lage  gut  und  forderte  ihn  auf,  andernfalls  innert  der 
angesetzten Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 600.­ zu leisten.

Die Fürsorgebestätigung ging am 4. August 2009 beim Gericht ein.

E.
Das BFM hielt  in seiner Vernehmlassung vom 13. August 2009 fest, der 
Beschwerdeführer  mache  in  der  Beschwerde  bezüglich  seiner 
Festnahme  andere  Angaben  als  anlässlich  der  Anhörung.  Dem 
eingereichten  Internet­Auszug  komme  keine  Beweiskraft  zu.  Das 

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Bundesamt  hielt  an  den  Erwägungen  seiner  angefochtenen  Verfügung 
vollumfänglich fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

F.
In  seiner  Replik  vom  1.  September  2009  führte  der  Beschwerdeführer 
aus, die Korrektur des Sachverhalts in der Rechtsmitteleingabe durch das 
BFM (Verlassen der Heimat über Izmir und nicht über Istanbul) sei richtig, 
und wies darauf hin, dass er nicht auf manipulative Weise Eingang in die 
Nachrichten von (…) gefunden habe (Internet­Auszug). 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3 Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG,  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 52  VwVG).  Der 
Beschwerdeführer  hat  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen,  ist 
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz­
würdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung;  er 
ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG 
i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist 
einzutreten.

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2.
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Mass­nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 
Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für 
gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli­
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver­
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

4.
4.1 
4.1.1 Zur Begründung seines angefochtenen Entscheides führte das BFM 
unter  Hinweis  darauf,  dass  die  Schweiz  Asyl  gewähre,  wenn  die  Asyl 
suchende Person eine Verfolgung  im Sinne von Art. 3 AsylG zumindest 
glaubhaft mache (Art. 7 AsylG) und keine gesetzlichen Ausschlussgründe 
vorliegen  würden,  aus,  es  sei  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  die 
türkischen  Behörden  den  Beschwerdeführer  hätten  unter  Druck  setzen 
sollen, als Dorfschützer aktiv zu werden, wenn er gleichzeitig verdächtigt 
worden  sei,  mit  der  PKK  etwas  zu  tun  zu  haben,  würden  doch 
Dorfschützer gegen eben diese Organisation eingesetzt. Es gebe keinen 
formellen Zwang, ein solches Angebot anzunehmen, und es  finde keine 
Strafverfolgung  statt,  wenn  jemand  sich  dieser  Aufgabe  verweigere. 
Deshalb  würden  zumindest  ernsthafte  Zweifel  an  den  Problemen  des 
Beschwerdeführers  im  Zusammenhang  mit  dem  Anwerbeversuch  der 

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Behörden  bestehen,  und  zudem  wäre  dieses  Vorbringen  nicht 
asylbeachtlich.

Gemäss  dem  Subsidiaritätsprinzip  seien  Personen  mit  einer 
innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf den Schutz eines Drittstaates 
angewiesen. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme im 
Zusammenhang  mit  der  Rekrutierung  zum  Dorfschützer  würden  eine 
lokale, allenfalls regionale Verfolgungsmassnahme darstellen, welcher er 
sich durch Umzug in einen anderen Teil der Türkei entziehen könne, und 
dies auch deshalb, weil  im Westen der Türkei mehrere nahe Verwandte 
leben  würden.  Demnach  wäre  dieses  Vorbringen,  selbst  wenn  es 
glaubhaft wäre, nicht asylbeachtlich. 

4.1.2 Der Beschwerdeführer mache geltend, sein Heimatdorf liege mitten 
in einem Kriegsgebiet, wegen den Repressionen sei nur seine Familie im 
Dorf geblieben. Es komme häufig zu Gefechten und die Bevölkerung wer­
de geängstigt und schikaniert. 

Auch  diese  Nachteile  stellten  aber  lokal  oder  regional  beschränkte 
Verfolgungsmassnahmen  dar,  denen  sich  der  Beschwerdeführer  durch 
Wegzug entziehen könne, sie seien nicht asylrelevant.

4.1.3 Eine asylrelevante Verfolgung liege nicht vor, wenn staatliche Mass­
nahmen rechtsstaatlich legitimen Zwecken dienten.

Der  Beschwerdeführer mache  geltend,  im  (…)  (…)  in Haft  gewesen  zu 
sein. Die Soldaten hätten ihn verdächtigt,  für die PKK tätig zu sein, man 
habe ihm jedoch nichts nachweisen können. Der eigentliche Grund für die 
Gerichtsvorladung  auf  den  (…)  sei  der  Verdacht  der  Unterstützung  der 
PKK gewesen.

Es gebe keinen Hinweis darauf, dass die geltend gemachte Verhaftung, 
die  angebliche  Drohung  und  die  Gerichtsvorladung  etwas  mit  den 
Aktivitäten des Beschwerdeführers für die PKK zu tun hätten, habe dieser 
doch  vorgebracht,  mit  Kollegen  im  Besitze  von  Jagdwaffen  unterwegs 
gewesen zu sein, weshalb man ihm auf dem Polizeiposten denn auch nur 
vorgeworfen  habe,  Jagdbestimmungen  missachtet  zu  haben.  Der 
Beschwerdeführer  wäre  mit  Sicherheit  nicht  bereits  nach  (…) 
bedingungslos freigelassen worden, wenn tatsächlich im Zusammenhang 
mit der PKK etwas gegen ihn vorgelegen wäre. 

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Schliesslich  mache  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  müsse  (…)  oder 
(…)  in  den  Militärdienst  einrücken,  was  er  auf  keinen  Fall  wolle.  Die 
Leistung des Militärdienstes stelle aber eine staatbürgerliche Pflicht dar, 
in diesem Kontext bestehe keine Asylrelevanz. 

4.1.4  Die  Folge  der  Ablehnung  des  Asylgesuches  sei  gemäss  Art.  44   
Abs.  1  AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Da  der 
Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle,  könne  auch 
der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht 
angewendet  werden.  Es  gebe  keine  Hinweise  darauf,  dem 
Beschwerdeführer  drohe  bei  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK,              SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder 
Behandlung. Weder die  im Heimatstaat herrschende politische Situation 
noch  andere  Gründe  würden  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückführung 
dorthin  sprechen. Auch  individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit  der 
Wegweisung würden nicht bestehen. Beim Beschwerdeführer handle es 
sich  um  einen  gesunden,  jungen  Mann  mit  überdurchschnittlicher 
Ausbildung; Familienmitglieder  und zahlreiche Verwandte würden  in der 
Türkei  leben,  und  die  Familie  habe  offenbar  auch  keine  finanziellen 
Probleme.

Ausserdem  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und 
praktisch durchführbar.

4.2
4.2.1. In der Beschwerde wird nach einer Sachverhaltszusammenfassung 
zur Flüchtlingseigenschaft ausgeführt, diese sei nach Meinung des BFM 
nicht  erfüllt,  weil  der  Beschwerdeführer  die  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftmachung  nicht  erfülle.  Das  Bundesamt  finde  es  nicht  logisch, 
dass ein der Zusammenarbeit mit der PKK Verdächtiger zur Tätigkeit als 
Dorfschützer  aufgefordert  werde.  Diese  Überlegung  der  Vorinstanz  sei 
sicher nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Sie würde aber die Taktik 
der  Sicherheitskräfte  ausblenden,  Verdächtige  für  diese  Aktivitäten  zu 
nötigen.  Der  Beschwerdeführer  habe  an  sich  keine  Wahl  gehabt.  Im 
Übrigen  bestehe  schon  seit  einiger  Zeit  internationaler  Druck  auf  die 
Türkei,  diese  umstrittene  Institution  abzuschaffen.  Der  im  Internet 
veröffentlichte  kurze  Bericht  über  die  Nötigung  des  Beschwerdeführers 
sei in diesem Kontext zu sehen.

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4.2.2 Das BFM erachte die Verfolgungsgefahr für den Beschwerdeführer 
als unerheblich. Dieser habe vorgebracht, in einem Dorf zu wohnen, aus 
dem wegen der Aktivitäten der Armee ausser seiner Familie alle geflohen 
seien. Die kurdischen Bewohner würden dort, einem Rückzugsgebiet der 
PKK,  unter  Generalverdacht  seitens  der  türkischen  Sicherheitskräfte 
stehen.  Im  Oktober  2008  habe  das  türkische  Parlament  weiteren 
Operationen  im  Nordirak  zugestimmt.  Es  seien  temporäre 
Sicherheitszonen erklärt worden, zu denen auch C._______ gehöre. 

Die  Bedrohungssituation  in  B._______  erscheine  prima  vista  nicht  als 
ausreichend, um einen ernsthaften Nachteil zu begründen, welcher dem 
Beschwerdeführer  das  weitere  Leben  im  Heimatstaat  verunmöglichen 
würde. Vor dem Hintergrund der geschilderten Entwicklung in der Türkei 
erscheine die Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung aber durchaus als 
berechtigt.  Das  BFM  habe  es  unterlassen,  sich  vertieft  mit  der 
Verfolgungsfurcht  des  Beschwerdeführers  auseinanderzusetzen, 
obschon diese auch ohne bereits erlittene Nachteile asylbegründend sein 
könne. Die Begründung könne, wie die einschlägige Literatur zeige, nicht 
einfach durch Textbausteine ersetzt werden. 

4.2.3 Das Bundesamt halte fest, dass es keinen Hinweis darauf gebe, die 
Gerichtsvorladung  habe  etwas  mit  der  Kuriertätigkeit  des 
Beschwerdeführers für die PKK zu tun. Aus den Erfahrungen mit anderen 
Prozessen  gegen  vermutete  Separatisten  könne  jedoch  der  Schluss 
gezogen werden, dass ein solches, harmlos anmutendes Verfahren nicht 
selten  von  den Behörden  dazu  benutzt werde,  um massive Anklage  zu 
erheben. 

4.2.4 Militärdienstverweigerung  könne  gemäss  herrschender  Praxis  und 
Lehre  unter  Umständen  trotzdem  zur  Anerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  führen.  Illegitim und damit asylbeachtlich sei eine 
entsprechende  Verfolgung  jedoch  auch  dann,  wenn  die  Leistung  des 
Militärdienstes  die  Teilnahme  an militärischen  Aktionen mit  sich  bringe. 
Zu  denken  sei  insbesondere  an  einen  Einsatz  gegen  eigene 
Volksangehörige.  Vom  Beschwerdeführer  jedenfalls  könne  der 
Militärdienst  in der Armee nicht als staatsbürgerliche Pflicht eingefordert 
werden; als Kurde sei dieser nicht bereit, Mitglieder seiner unterdrückten 
Ethnie zu bekämpfen.

4.2.5 Bezüglich der Unzulässigkeit beziehungsweise der Unzumutbarkeit 
des  Wegweisungsvollzugs  wird  in  der  Rechtsmitteleingabe  geltend 

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gemacht,  das  BFM  erachte  die  Asylrelevanz  der  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  als  nicht  gegeben  und  die  Wegweisung  in  den 
Heimatstaat  als  zumutbar.  Die  Vorinstanz  setze  sich  jedoch  mit  der 
aktuellen politischen Situation  im Fluchtland wenig auseinander, und die 
Feststellung,  es  gebe  in  der  Türkei  keine  Gründe,  welche  für  die 
Unzumutbarkeit  der  Rückkehr  sprechen  würden,  könne  so  nicht 
akzeptiert  werden.  Den  Garantien  eines  fairen  Verfahrens  sei  das 
Bundesamt mit der  lapidaren Erwägung, dass weder die  im Heimatstaat 
des  Beschwerdeführers  herrschende  politische  Situation  noch  andere 
Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückführung  dorthin  sprechen 
würden, nicht nachgekommen. Der angefochtene Entscheid werde nicht 
rechtsgenüglich begründet. Zu den besonders gefährdeten Minderheiten 
in  der  Türkei  würden  einerseits  Kurden,  anderseits  die 
Familienangehörigen  von  staatskritischen  Aktivisten  gehören,  weshalb 
der Beschwerdeführer gleich doppelt betroffen sei.

5.
5.1 Das Gericht  befasst  sich  vorweg mit  dem zentralen Vorbringen des 
Beschwerdeführers,  man  habe  ihn  als  Dorfschützer  rekrutieren  wollen, 
was  er  abgelehnt  habe,  weshalb  er  in  der  Folge  unter  Druck  gesetzt 
worden und bedroht worden sei.

Gemäss  eigenen  Angaben  ist  der  Beschwerdeführer  als  Kurier  für  die 
PKK tätig gewesen (Anhörungsprotokoll BFM A8/12 F17), und die Familie 
hat  die  Guerilla  unterstützen  müssen  (Befragungsprotokoll  BFM  A1/10   
Ziff.  16).  Es  kann  offenbleiben,  weshalb  ausgerechnet  die  Familie  des 
Beschwerdeführers  (…)  in  einem  Dorf  zurückgeblieben  ist,  das  im 
Operationsgebiet  der  türkischen  Armee  liegt,  zumal  es  der  Familie 
finanziell recht gut zu gehen scheint (A8/12 F72 ). Immerhin hätte sie die 
Möglichkeit,  zu  Verwandten  im  Westen  der  Türkei  zu  ziehen,  was  sie 
wohl tun würde, wenn der Druck andauernd hoch wäre (A8/12 F5 ff. und 
A8/12 F18 ff.). 

Zu klären ist dagegen die Frage, weshalb die Sicherheitskräfte versuchen 
sollten, einen jungen Mann anzuwerben, der verdächtigt wird, für die PKK 
tätig  zu  sein. Diese müsste  doch  damit  rechnen,  dass  er  Informationen 
und  Feststellungen  weitergibt.  Aber  auch  der  angegebene  Kurierdienst 
wirft  Fragen  auf:  Weshalb  sollte  die  PKK  im  Kriegsgebiet  einem 
Dorfbewohner vertrauen, von dem sie annehmen muss, dass dieser von 
den  Behörden  unter  Druck  gesetzt  und  allenfalls  als  Spitzel  eingesetzt 
wird. 

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Die beiden Vorbringen erscheinen umso unlogischer, als die Familie (…) 
im Dorf verblieben ist, mithin beide Seiten – PKK wie Sicherheitskräfte – 
damit rechnen müssten, die Familie des Beschwerdeführers könnte in die 
eine oder andere Richtung tätig werden, und sie jedenfalls nicht mit deren 
Loyalität zu rechnen hatten. 

An dieser Feststellung ändert auch der auf Beschwerdeebene  ins Recht 
gelegte  Internet­Auszug nichts, wonach ein Schäfer  namens E._______ 
aufgefordert worden sei, als Dorfschützer und Spion tätig zu werden. Das 
BFM  führte  in  seiner  Vernehmlassung  dazu  aus,  es  gehe  daraus  nicht 
hervor, von wem diese Information stamme, es könne sich auch um eine 
nicht  überprüfbare  Aussage  einer  Drittperson  handeln.  In  der  Replik 
entgegnete  der  Beschwerdeführer,  die  Nachrichten  des  türkischen 
Medienkonzerns,  der  diese  Meldung  verbreitet  habe,  würden  als 
zuverlässig und politisch unverfänglich gelten.

Das Gericht geht nicht darauf ein, ob die Mitteilung manipuliert  ist. Denn 
es  bleibt  die  Frage  unbeantwortet,  weshalb  eine  solche mit  dem  vollen 
Namen des unter Druck Gesetzten erscheint und wer dafür verantwortlich 
zeichnet,  zumal  es  sich  bei  diesem  nicht  um  eine  bekannte  Person 
handelt, und auch der im Internet verbreiteten Meldung nicht entnommen 
werden  kann,  der  Beschwerdeführer  sei  härter  angefasst worden  als  in 
analogen Fällen, wo Kurden angehalten oder gar schikaniert werden. Der 
Nachricht kommt mithin kein eigentlicher Beweiswert zu. 

Es kann ohne weitere diesbezügliche Erwägungen geschlossen werden, 
dass auch bei der Annahme, der Beschwerdeführer sei tatsächlich unter 
Druck gesetzt worden, für die Polizei zu arbeiten, die geltend gemachten 
Behelligungen  nicht  über  das  hinausgehen,  was  grössere  Teile  der 
kurdischen Bevölkerung zu ertragen haben. 

5.2  Zum  Beweis  für  seine  Verfolgung  und  Gefährdung  führt  der 
Beschwerdeführer  die  Gerichtsvorladung  für  den  (…)  an.  Die 
entsprechende  kurze  Festnahme  war  erfolgt,  als  er  zusammen  mit 
Freunden  im Besitze  von  Jagdwaffen  angehalten worden  ist;  sie  hätten 
diese mitgeführt, um sich im Falle einer Anhaltung als Jäger ausgeben zu 
können. Ganz abgesehen davon, dass es kurios und naiv anmutet, sich 
in  einem  eigentlichen  Kriegsgebiet  (A8/12  F16)  nötigenfalls  als  auf  der 
Jagd  befindlich  auszugeben,  bleibt  festzustellen,  dass  das 
Gerichtsverfahren  einzig  wegen  dieses  Vorfalls  und  nicht  wegen  der 
Beschuldigung,  für die Guerilla  tätig zu sein, eröffnet worden  ist (A81/10 

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Ziff. 15); die abweichende Einschätzung des Beschwerdeführers  ist eine 
reine Vermutung und durch nichts belegt. 

Der  Beschwerdeführer  macht  diesbezüglich  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe zwar geltend, dass eine erste Vorladung als Zeuge 
in  einem  harmlos  erscheinenden  Verfahren  nicht  selten  von  der 
türkischen  Justiz  dazu  benutzt  werde,  "um  gegen  "Zeugen"  selbst 
Anklage zu erheben, weil er durch den oder die Angeklagte oder andere 
"Zeugen"  selbst  belastet" werde  (S.  6). Zum Verfahren selber  sind dem 
Gericht jedoch keine weiteren Informationen zugegangen.

5.3 Gänzlich und ohne weiteren Begründungsaufwand ist der Vorinstanz 
auch  bezüglich  des  vom Beschwerdeführer  verweigerten Militärdienstes 
zu  folgen.  Die  Vermutung,  er  würde  in  den  aktiven  Kampf  gegen 
Angehörige  seiner  Ethnie  geschickt,  ist  abwegig,  und  die  in  der 
Rechtsmitteleingabe  vorgebrachte  Argumentation  verzerrt  die 
diesbezügliche  tatsächliche  Praxis  des  Gerichts  (und  der  vormaligen 
Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK]).

5.4 Es kann schliesslich auch nicht, wie vom Beschwerdeführer kritisiert, 
davon  die  Rede  sein,  im  vorliegenden  Asylentscheid  fehle  eine 
Auseinandersetzung  mit  der  aktuellen  Situation  in  dessen 
Herkunftsgebiet  und  dem  dort  üblichen  Verfolgungsmuster,  womit  eine 
Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  gerügt  wird.  Dazu  ist 
festzuhalten:

Im  Verwaltungsverfahren  gelten  der  Untersuchungsgrundsatz  und  die 
Pflicht  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des  rechtserheblichen 
Sachverhalts  (Art. 12  VwVG;  vgl.  auch  Art. 49  Bst. b  VwVG;  für  das 
Asylverfahren  ausserdem  Art. 6  AsylG).  Die  zuständige  Behörde  ist 
demnach  verpflichtet,  den  für  die  Beurteilung  eines  Asylgesuchs 
relevanten Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. 

Das Gericht  ist nach Prüfung aller Akten nicht der Auffassung, dass die 
Vorinstanz die Untersuchungsmaxime nicht beachtet hat. Weder hat das 
BFM  den  Sachverhalt  nicht  von  Amtes  wegen  abgeklärt  noch  dies  nur 
unvollständig getan, weshalb keine Verletzung von Art. 49 Bst. b VwVG 
vorliegt.  Die  diesbezüglichen  Ausführungen  sind  dem  Fall  angemessen 
und weder lückenhaft noch oberflächlich.

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5.5  Es  ist  verständlich,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der 
allgemeinen Lage in der Türkei und der Situation der alevitischen Kurden 
verunsichert  fühlt.  Wie  vorstehend  aber  ausgeführt,  hielten  sich  die 
geltend  gemachten  Behelligungen  in  engen  Grenzen,  und  der 
Beschwerdeführer  verfügt  nicht  über  ein  Profil,  das  ihn  zur  Zielscheibe 
der Sicherheitsbehörden machen würde. 

5.6  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  dem  Beschwerdeführer 
keine  begründete  Furcht  vor  ihm  drohender  asylrechtlich  relevanter 
Verfolgung  im  Sinne   von  Art.  3  AsylG  zuerkannt  werden  kann.  Es 
erübrigt  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde 
einzugehen,  da  sie  an  dieser  Einschätzung  des  Sachverhalts  nichts  zu 
ändern vermögen. Das BFM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.

6.
Die Abweisung eines Asylgesuchs hat in der Regel die Wegweisung aus 
der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend hat der Kanton 
keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  und  es  besteht  kein  Anspruch  auf 
Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2), weshalb die verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde.

7.
7.1  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht  zulässig,  nicht  zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  ge­
mäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flücht­
lingseigenschaft,  das heisst,  sie sind zu beweisen, wenn der strikte Be­
weis möglich  ist,  und  andernfalls wenigstens  glaubhaft  zu machen  (vgl.           
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

7.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entge­
genstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34

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So darf  keine Person  in  irgendeiner  Form  zur Ausreise  in  ein  Land ge­
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 
zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1 
AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein­
kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 
unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,          
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder 
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 
werden.

7.3  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nach­zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 
AsylG  verankerte Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  im 
vorliegenden  Ver­fahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  die  Türkei  ist  demnach  unter  diesem  Aspekt 
rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus­
schaffung  in  die  Türkei  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer 
nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK  verbotenen Strafe  oder Behandlung 
ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofs  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  er  eine  konkrete Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft 
machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmensch­
liche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi 
gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06, 
§§ 124­127,  mit  weiteren  Hinweisen),  was  ihm  unter  Hinweis  auf  die 
vorstehenden Erwägungen nicht gelungen ist. 

Das  Bundesverwaltungsgericht  hält  es  zwar  für  möglich,  dass  die 
Sicherheitskräfte  den  Beschwerdeführer  behelligt  und  bedrängt  haben, 
aber  die  vorgebrachten  Pressionen  erreichten  in  keiner  Weise  ein 

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Ausmass, das asylrelevant wäre. Er ist zwar nicht völlig auszuschliessen, 
dass er   bei einer Rückkehr  in sein Heimatland, das er  illegal verlassen 
hat,  routinemässig  überprüft  wird;  da  jedoch  mit  Ausnahme  einer 
Verletzung  von Jagdbestimmungen nichts Konkretes gegen  ihn  vorliegt, 
besteht kein Grund zur Annahme, er würde weitergehenden behördlichen 
Massnahmen ausgesetzt  sein. Zudem  lässt, wie  vorstehend ausgeführt, 
auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  der  Türkei  den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Ge­
fährdung festgestellt,  ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die 
vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002.  BBl  2002 
3818).

7.5  In  der Rechtsmitteleingabe wird  zwar  bezüglich  der Unzumutbarkeit 
eingewendet, die Garantien eines  fairen Verfahrens werde mit der sum­
marischen Erwägung,  dass weder  die  im Heimatstaat  des Beschwerde­
führers herrschende politische Lage noch andere Gründe gegen die Zu­
mutbarkeit  der  Rückführung  in  den  Heimatstaat  sprechen  würden,  ver­
letzt.  Das  Gericht  ist  nicht  dieser  Auffassung:  In  der  Türkei  herrscht 
zurzeit,  wie  bereits  angemerkt,  kein  Krieg,  kein  Bürgerkrieg  und  keine 
Situation allgemeiner Gewalt, weshalb gemäss ständiger Praxis des Ge­
richts  und  in  Übereinstimmung mit  der  Vorinstanz  unter  diesem Aspekt 
von der generellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dorthin aus­
zugehen ist.

7.6  Wie  vorstehend  ausgeführt,  muss  sich  der  Beschwerdeführer  bei 
einer  Rückkehr  in  die  Türkei  keiner  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt 
sehen.  Aufgrund  der  Aktenlage  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  ihm 
Behelligungen  drohen,  die  zwar  nicht  die  von  Art.  3  EMRK  geforderte 
Intensität  erreichen,  eine  Rückkehr  aber  trotzdem  als  unzumutbar  er­
scheinen  lassen.  Er  verfügt  in  seiner  Heimat  über  ein  familiäres  und 
darüber  hinausgehendes  Beziehungsnetz.  Im  Übrigen  verfügt  der  noch 
junge,  gemäss  Aktenlage  gesunde  Beschwerdeführer,  über  eine  gute 
Schulbildung und Berufserfahrung in der (…). 

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8.
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  den  Vollzug  der  Weg­
weisung  zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich  bezeichnete. Die 
Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher nicht in Betracht (Art. 83 
Abs. 1­4 AuG).

9.
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer­
de ist demnach abzuweisen.

10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.­ dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem 
die  Beschwerde  indessen  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden 
konnte  und  dem  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 
17.  Juli  2009  stattgegeben  worden  war,  ist  von  der  Auferlegung  von 
Verfahrenskosten abzusehen. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und das (…) des 
Kantons F._______.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Jonas Tschan

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