# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f669392-dc0e-5747-ab04-7cf2dd7e46a2
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-15
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 15.11.2018 SK 2018 118
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-118_2018-11-15.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 18 118

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 15. November 2018 

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), Obergerichtssuppleant Bettler, 
Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiber Neuenschwander

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________
a.v.d. Rechtsanwalt C.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

und

D.________
a.v.d. Rechtsanwalt E.________

Straf- und Zivilklägerin 1

und

J.________ AG

Straf- und Zivilklägerin 2

Gegenstand Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 9. März 2017 (PEN 15 568)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 9. März 2017 erkannte das Regionalgericht Berner Jura-Seeland 
(Kollegialgericht in Dreierbesetzung), was folgt (pag. 1104 ff; Hervorhebungen im 
Original):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der schweren Körperverletzung, begangen am 07.03.2014 in G._____ (Ortschaft) z.N. von 
D.________

2. der Störung des Eisenbahnverkehrs, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft)

3. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen am 21.06.2014 in V._____ 
(Ortschaft) z.N. von U.________

4. der versuchten Nötigung, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft) z.N. von I.________

5. der Sachbeschädigung, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft) z.N. der J.________ 
AG

6. des Hausfriedensbruchs, mehrfach begangen am 19.11.2014, 22.11.2014 und 10.04.2015 in 
G._____ (Ortschaft) z.N. der K.________ AG

7. der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft)

8. der Tätlichkeiten, begangen am 21.06.2014 in G._____ (Ortschaft) z.N. von L.________

9. des Führens eines Personenwagens ohne Berechtigung, mehrfach begangen 

9.1. am 22.06.2014 auf der Strecke M._____ (Ortschaft) – G._____ (Ortschaft) 

9.2. am 25.07.2014 auf der Strecke N._____ (Ortschaft) – G._____ (Ortschaft) 

10. der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, mehrfach begangen 

10.1. am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft)

10.2. am 07.10.2014 in O._____ (Ortschaft) und anderswo

11. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen 

11.1. in der Zeit von 22.07.2014 bis 25.07.2014 in N._____ (Ortschaft), gemeinsam mit 
P.________, durch Konsum einer unbestimmten Menge Amphetamin

11.2. am 25.07.2014 in G._____ (Ortschaft) durch Konsum einer unbestimmten Menge Ko-
kain und Marihuana

und in Anwendung der Artikel
19 Abs. 2, 22 Abs. 1, 34, 40, 47, 49 Abs. 1, 51, 63, 106 Abs. 1-3, 122 Abs. 2, 126 Abs. 1, 144 Abs. 1, 
181, 186, 238 Abs. 1, 285 Ziff. 1, 286, 333 StGB, 
10 Abs. 2, 95 Abs. 1 lit. b SVG
4 Abs. 1 lit. f, 27 Abs. 1, 33 Abs. 1 lit. a WG

3

19a Ziff. 1 BetmG
426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten.

Die Polizeihaft von 1 Tag wird im Umfang von 1 Tag auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

Es wird eine ambulante therapeutische Behandlung gemäss Art. 63 StGB während und 
nach dem Strafvollzug angeordnet. 

2. Zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 300.00.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 600.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 6 Tage festgesetzt.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 13‘775.00 und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 51‘590.75, insgesamt bestimmt auf 
CHF 65‘365.75 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung auf CHF 41‘465.15).

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

CHF 7'175.00
CHF 6'600.00
CHF 13'775.00

Gebühren der Untersuchung
Kosten des Gerichts (inkl. schrift. Begründung)
Total

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Gebühren der Untersuchung CHF 253.80
Entschädigung für Zeugen CHF 73.40
Kosten für Gutachten CHF 12'022.70
Kosten für die amtliche Verteidigung (vgl. Tabelle) CHF 23'900.60
Kosten der uR der Privatklägerschaft (vgl. Tabelle) CHF 13'794.05
Kosten Auftritt Staatsanwaltschaft CHF 1'800.00
Total CHF 51'590.75

II.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwalt C.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 106.25 200.00 CHF 21'250.00

CHF 880.20
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 22'130.20 CHF 1'770.40

CHF
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 23'900.60

volles Honorar CHF 26'562.50
CHF 880.20

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 27'442.70 CHF 2'195.40
CHF 0.00

Total CHF 29'638.10

nachforderbarer Betrag CHF 5'737.50

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

4

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt C.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 23‘900.60. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt C.________ die Differenz von CHF 5‘737.50 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
D.________ durch Rechtsanwalt E.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 57.58 200.00 CHF 11'516.65

CHF 1'255.60
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 12'772.25 CHF 1'021.80

CHF
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 13'794.05

volles Honorar CHF 14'395.85
CHF 1'255.60

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 15'651.45 CHF 1'252.10
CHF 0.00

Total CHF 16'903.55

nachforderbarer Betrag CHF 3'109.50

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt E.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von D.________ mit CHF 13‘794.05. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von D.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirtschaftli-
chen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

A.________ wird verpflichtet, D.________ zuhanden von Rechtsanwalt E.________ als Diffe-
renz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vollen 
Honorar CHF 3‘109.50 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Rechtsanwalt E.________ hat in 
diesem Umfang gegenüber seiner Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG).

III.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 47 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verur-
teilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 9‘259.70 Schadenersatz an die Straf- und Zivilklägerin J.________ 
AG.

2. Zur Bezahlung von CHF 7‘500.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 07.03.2014 an die 
Straf- und Zivilklägerin D.________.

Soweit weitergehend wir die Genugtuungsforderung abgewiesen. 

Betreffend den Zivilpunkt wird in Anwendung von Art. 41 ff. OR und Art. 126 Abs. 3 StPO weiter er-
kannt: 

3. Die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin D.________ wird betreffend Schadenersatz dem 
Grundsatz nach gutgeheissen und für die vollständige Beurteilung der Forderung auf den Zi-
vilweg verwiesen.

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4. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden. 

IV.

Weiter wird verfügt:

1. Die beschlagnahmte CO2-Pistole inkl. 2 Magazinen, 1 leeren und 1 vollen CO2-Kapsel und 1 
Minigrip mit Diabolos (Projektilen) wird zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB).

[Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend Beschuldigter), amtlich ver-
teidigt durch Rechtsanwalt C.________, fristgerecht Berufung an (pag. 1117). 

Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 21. März 2018 (pag. 1121 ff.).

Mit Eingabe vom 10. April 2018 reichte der Beschuldigte, nach wie vor vertreten 
durch seinen amtlichen Verteidiger, form- und fristgerecht eine Berufungserklärung 
ein (pag. 1237 ff.).

Sowohl die Generalstaatsanwaltschaft (pag. 1248 f.) als auch D.________ 
(pag. 1251 f.; nachfolgend Privatklägerin), amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt 
E.________, verzichteten auf die Erklärung einer Anschlussberufung und machten 
keine Gründe für ein Nichteintreten geltend. 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Vorfeld der oberinstanzlichen Hauptverhandlung liess der Beschuldigte ver-
schiedene Beweisanträge stellen (pag. 1239). Neben ihm selber seien auch die 
Privatklägerin und Q.________ anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung 
zur Sache zu befragen. Weiter sei ein aktuelles psychiatrisches Gutachten einzu-
holen, welches sich – unter Wahrung der Unschuldsvermutung – zu einer allfälligen 
Massnahme und einem allfälligen Strafaufschub zu Gunsten einer Massnahme 
äussere.

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte sich in ihrer Eingabe vom 3. Mai 2018 nicht 
gegen eine erneute Befragung des Beschuldigten, erachtete aber die übrigen be-
antragten Beweismassnahmen als überflüssig (pag. 1248 f.). Auch die Privatkläge-
rin führte aus, abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten könne oberin-
stanzlich auf weitere Befragungen verzichtet werden. Zum beantragten Gutachten 
äusserte sie sich nicht (pag. 1251 f.). 

Mit Beschluss vom 31. Mai 2018 wies die Kammer die erwähnten Beweisanträge 
ab, soweit sie nicht die Einvernahme des Beschuldigten und der Privatklägerin be-
trafen (pag. 1266 ff.). Gleichzeitig stellte sie die Einholung eines Ergänzungsgut-
achtens in Aussicht, um den Entwicklungen des Beschuldigten seit Juli 2016 Rech-
nung zu tragen. Nachdem die Parteien auf das Stellen von Ergänzungsfragen ver-
zichtet hatten, beauftragte die Verfahrensleitung den Verfasser des Erstgutachtens 
vom 11. Juli 2016 – Dr. R.________ vom Forensisch-Psychiatrischen Dienst der 
Universität Bern (FPD) – mit der ergänzenden Begutachtung des Beschuldigten. 
Das Ergänzungsgutachten datiert vom 12. Oktober 2018 (pag. 1346 ff.). 

6

Von Amtes wegen wurden in oberer Instanz ein aktueller Strafregisterauszug (da-
tierend vom 23. Juli 2018, pag. 1321 ff.) und ein aktueller Leumundsbericht (datie-
rend vom 17. Juli 2018, pag. 1325 ff.) inkl. Betreibungsregisterauszug des Be-
schuldigten eingeholt. Ebenfalls bei den Akten befindet sich ein aktuelles Erhe-
bungsformular zu den wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten (datierend 
vom 11. Juli 2018, pag. 1332 f.).

Die K.________ Genossenschaft konstituierte sich im Zusammenhang mit den 
dem Beschuldigten vorgeworfenen Hausfriedensbrüchen am 22. April 2015 als Pri-
vatklägerin und machte eine Umtriebsentschädigung von CHF 150.00 geltend 
(pag. 214 f.). Im bisherigen Verfahren wurde sie aber weder als Privatklägerin ge-
führt, noch wurde näher auf die von ihr gestellte Zivilklage eingegangen. Im Rah-
men der Vorbereitung auf die oberinstanzliche Hauptverhandlung teilte die 
K.________ Genossenschaft auf Anfrage mit, sie ziehe sich als Straf- und Zivilklä-
gerin zurück und halte lediglich am gestellten Strafantrag fest (pag. 1419). Es erüb-
rigt sich vor diesem Hintergrund, näher auf ihre Stellung im vorliegenden Verfahren 
einzugehen. 

Die oberinstanzliche Hauptverhandlung fand vom 14. bis am 16. November 2018 
statt (pag. 1423 ff.). Nebst dem neuerdings privat durch Rechtsanwalt B.________ 
vertretenen Beschuldigten (pag. 1432 ff.) und der Privatklägerin (pag. 1428 ff.) 
wurde auch der im Verfahren bereits mehrfach beigezogene Facharzt für Psychia-
trie und Psychotherapie, Dr. R.________, als Sachverständiger einvernommen 
(pag. 1438 ff.). Die Privatklägerin, welche nach ihrer Befragung von der weiteren 
Parteiverhandlung dispensiert wurde, reichte bei dieser Gelegenheit zudem ein ak-
tuelles Arztzeugnis von Dr. S.________ vom 12. November 2018 (pag. 1466) zu 
den Akten. 

4. Anträge der Parteien

In seiner Berufungserklärung stellte der Beschuldigte, damals noch verteidigt durch 
Rechtsanwalt C.________, den Antrag er sei – ausgenommen den Vorwurf der 
Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Ziff. I.11. des erstinstanzli-
chen Urteils) – vollumfänglich freizusprechen. Ferner seien die Zivilklagen der Pri-
vatklägerinnen, wie auch jene der K.________ AG [recte: Genossenschaft] abzu-
weisen. Die sichergestellte CO2- Pistole sei ihm herauszugeben und er sei ange-
messen zu entschädigen (pag. 1239 f.).

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte der neue private Ver-
teidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt B.________, eine zusätzliche Beschrän-
kung der Berufung bzw. einen Teilrückzug (pag. 1425). Dies betreffend 
- den Hausfriedensbruch, mehrfach begangen am 11. und 22. November 2014 

sowie am 10. April 2015 z.N. der K.________ Genossenschaft (Ziff. I.6 des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs);

- der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 31. Mai 2014 (Ziff. I.7 des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs)

- der Tätlichkeiten, begangen am 21. Juni 2014 z.N. von L.________ (Ziff. I.8 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs)

7

- der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, begangen am 7. Oktober 2014 
in T._____ (Ortschaft) (Ziff. I.10.2 des erstinstanzlichen Urteils).

Rechtsanwalt B.________ stellte für den Beschuldigten ferner die folgenden An-
träge (pag. 1456 ff.):

I.

Es sei festzustellen, dass die Ziffern I. 6., 7., 8., 10.2. und Art. 11.1 sowie 11.2 des erstinstanzlichen 
Urteils vom 9. März 2017 infolge fehlender Anfechtung (in Bezug auf Art. 11.1 und 11.2) sowie Teil-
rückzug der Berufung in Rechtskraft erwachsen sind. 

II.

Der Beschuldigte sei unter Ausscheidung eines Teils der Verfahrenskosten freizusprechen

1. der schweren vorsätzlichen Körperverletzung, z.N. D.________ 
2. der Störung des Eisenbahnverkehrs, angeblich begangen am 31. Mai 2014 in H.____ (Ortschaft) 

(Ziff. I.2. des erstinstanzlichen Urteils vom 9. März 2017)
3. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, angeblich begangen am 21. Juni 2014 in 

V._____ (Ortschaft), z.N. U.________ (Ziff. I.3. des erstinstanzlichen Urteils vom 9. März 2017)
4. der versuchten Nötigung, angeblich begangen am 31. Mai 2014 in H.____ (Ortschaft) z.N. von 

I.________ (Ziff. I. 4 des erstinstanzlichen Urteils vom 9. März 2017)
5. der Sachbeschädigung, angeblich begangen am 31. Mai 2014 in H.____ (Ortschaft) z.N. der 

J.________ AG (Ziff. I.5. des erstinstanzlichen Urteils vom 9. März 2017)
6. des Führens eines Personenwagens ohne Berechtigung, angeblich mehrfach begangen

6.1. am 22. Juni 2014 auf der Strecke M._____ (Ortschaft) – G._____ (Ortschaft) (Ziff. I. 9.1. des 
erstinstanzlichen Urteils vom 9. März 2017)

6.2. am [25. Juli 2014] auf der Strecke N._____ (Ortschaft) – G._____ (Ortschaft) (Ziff. I. 9.2. 
des erstinstanzlichen Urteils vom 9. März 2017)

7. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, angeblich begangen am 31. Mai 2014 in H.____ 
(Ortschaft) (Ziff. I. 10.1. des erstinstanzlichen Urteils vom 9. März 2017)

III.

Der Beschuldigte sei wegen den in Rechtskraft erwachsenen Delikten und in Anwendung der ein-
schlägigen Gesetzesbestimmungen 
zu einer unbedingten Geldstrafe von 55 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 1‘650.00, 
sowie
zu einer Übertretungsbusse von CHF 600.00
zu verurteilen. 
Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung sei auf 6 Tage festzusetzen. 
Es sei eine ambulante therapeutische Behandlung nach Art[.] 63 StGB anzuordnen. 

IV.

Die Zivilklage der Privatklägerin D.________ sei vollumfänglich abzuweisen. 
Die Zivilklage der J.________ AG sei wegen den beantragten Freisprüchen (Störung des Eisenbahn-
verkehrs und Sachbeschädigung) abzuweisen. 
Für den Zivilpunkt seien keine Verfahrenskosten auszuscheiden. 

8

V.

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien zu ¼ gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO dem Beschuldigten 
aufzuerlegen. 

VI.

Die oberinstanzlichen Verfahrenkosten seien aufgrund der Freisprüche gemäss Ziffer II hiervor zu ¾ 
gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

VII. 

Dem Beschuldigten sei oberinstanzlich für die Freisprüche eine Entschädigung in der Höhe von ¾ der 
Anwaltskosten zuzusprechen. 

VIII.

Die Entschädigung der privaten Verteidigung sei gemäss der noch einzureichenden Kostennote ge-
richtlich zu bestimmen. 

IX.

Die beschlagnahmte CO2-Pistole inkl. 2 Magazinen, 1 leeren und 1 vollen CO2-Kapsel und 1 Minigrip 
mit Diabolos (Projektilen) seien gemäss Art. 69 StGB zur Vernichtung einzuziehen. 

X.

Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen. 

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte folgende Anträge (pag. 1459 f.):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 9. März 2017 
insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als der Beschuldigte schuldig gesprochen worden ist we-
gen 
1.1. Widerhandlungen gegen das BetmG (Konsum); 
1.2. Hausfriedensbruchs, mehrfach begangen am 19.11.2014, 22.11.2014 und 10.04.2015 in 

G._____ (Ortschaft) z.N. der K.________ AG;
1.3. Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft); 
1.4. Tätlichkeiten, begangen am 21.06.2014 z.N. von L.________;
1.5. Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, begangen am 07.10.2014 in T._____ (Orts-

chaft) und anderswo. 
2.  Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen wegen 

2.1. schwerer Körperverletzung, begangen am 07.03.2014 in G._____ (Ortschaft) z.N. von 
D.________;

2.2. Störung des Eisenbahnverkehrs, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft); 
2.3. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen am 21.06.2014 in V._____ 

(Ortschaft) z.N. von U.________ 
2.4. versuchter Nötigung, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft) z.N. von I.________; 
2.5. Sachbeschädigung, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Ortschaft) z.N. der J.________ 

AG;
2.6. Führens eines Personenwagens ohne Berechtigung, mehrfach begangen am 22.06.2014 

auf der Strecke M._____ (Ortschaft) - G._____ (Ortschaft) und am 25.07.2014 in O._____ 
(Ortschaft) und anderswo; 

9

2.7. Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, begangen am 31.05.2014 in H.____ (Orts-
chaft). 

3. Der Beschuldigte sei zu verurteilen zu 
3.1. einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Polizeihaft. 

Es sei eine ambulante therapeutische Behandlung gemäss Art. 63 StGB während und 
nach dem Strafvollzug anzuordnen; 

3.2. einer Geldstrafe von 7 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 300.00; 
3.3. einer Übertretungsbusse von CHF 500.00 (Ersatzfreiheitsstrafe 5 Tage);
3.4. den erst- und den oberinstanzlichen Verfahrenskosten. 

4. Die beschlagnahmte CO2-Pistole inkl. Magazinen, Kapseln und Projektilen sei zur Vernichtung 
einzuziehen. 

5. Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (DNA, AFIS, Mitteilungen, Honorar der sistierten 
amtlichen Verteidigung). 

Rechtsanwalt E.________ beantragte für die Privatklägerin was folgt (pag. 1461): 

I.

Herr A.________ vgt., sei u.a. schuldig zu erklären,

wegen schwerer Körperverletzung begangen am 7. März 2014, in G.________, zum Nachteil von 
D.________ 

und in Anwendung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen angemessen zu bestrafen. 

II.

Zivilklage 

1. Es sei festzustellen, dass Herr A.________ gegenüber Frau D.________ aus dem Ereignis vom 
7. März 2014 dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig sei. 

2. Herr A.________ sei zur Leistung einer Genugtuungssumme von CHF 7'500.00 nebst Zins zu 
5% seit dem 7. März 2014 an Frau D.________ zu verurteilen. 

3. Herr A.________ sei zum Ersatz der Interventionskosten von Frau D.________ bezüglich des 
erst- und oberinstanzlichen Verfahrens gemäss Kostennoten zu verurteilen. 

4. Herr A.________ sei zur Bezahlung der Kosten des erst- und oberinstanzlichen Verfahrens zu 
verurteilen. 

III.

Die erforderlichen Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Während sich der Beschuldigte anfänglich gegen die Schuldsprüche in Ziff. I.1-10 
des erstinstanzlichen Urteils wandte, beschränkte er sich in der Berufungsverhand-
lung auf eine Anfechtung der Ziff. I.1-5 sowie I.9 und I.10.1 des erstinstanzlichen 
Urteils. Die Berufung erstreckt sich weiter auf die erstinstanzlich ausgefällte Strafe, 
die gutgeheissenen Zivilklagen und die Verteilung zu den Verfahrenskosten. 

Nicht (mehr) angefochten und damit in Rechtskraft erwachen sind die Schuld-
sprüche wegen mehrfachem Hausfriedensbruch (Ziff. I.6 des erstinstanzlichen Ur-

10

teils), Hinderung einer Amtshandlung (Ziff. I.7 des erstinstanzlichen Urteils), Tät-
lichkeiten (Ziff. I.8 des erstinstanzlichen Urteils), Widerhandlung gegen das Waf-
fengesetz vom 7. Oktober 2014 (Ziff. I.10.2 des erstinstanzlichen Urteils) sowie 
wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Ziff. I.11 des erstin-
stanzlichen Urteils). 

Hinsichtlich der erstinstanzlich ausgefällten Sanktion erklärte der Beschuldigte zwar 
die Berufung, stellte aber in der Folge bezüglich der Übertretungsbusse von 
CHF 600.00 (Ziff.I.3 der erstinstanzlichen Verurteilung) und der Einziehung der 
CO2-Pistole (Ziff.IV.1 des erstinstanzlichen Urteils) einen dem erstinstanzlichen Ur-
teil entsprechenden Antrag. Da sich der Umfang der Berufung nach den Anträgen 
des Beschuldigten bestimmt, ist in diesen Punkten – mangels eines rechtlich ge-
schützten Interesses – nicht auf die Berufung einzutreten (Urteil des Bundesge-
richts 6B_337/2009 vom 16. Juli 2009 E. 2.3). Auch für diese Teile des erstinstanz-
lichen Urteils kann folglich die Rechtskraft festgestellt werden. 

In den übrigen Punkten ist das Urteil von der Kammer umfassend, mit voller Kogni-
tion zu überprüfen Art. 398 Abs. 2 und 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
vom 5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0). Nachdem einzig der Beschuldigte, nicht 
aber die Generalstaatsanwaltschaft oder die Privatkläger ein Rechtsmittel erhoben 
haben, darf die Kammer das erstinstanzliche Urteil allerdings nicht zu seinen Un-
gunsten abändern; es gilt das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO). 
Ausgeschlossen sind namentlich eine strengere Bestrafung des Beschuldigten und 
eine weitergehende Gutheissung der Zivilklage.

6. Allgemeines zum Vorgehen

Der Beschuldigte wehrt sich mit seiner Berufung gegen sieben der insgesamt elf 
erstinstanzlichen Schuldsprüche. Systematisch wird nachfolgend einzelnen auf die 
Sachverhalte eingegangen und dabei jeweils die rechtliche Würdigung unmittelbar 
an die Beweiswürdigung angeschlossen. 

II. Schwere Körperverletzung evtl. Versuch dazu

7. Sachverhalt gemäss Anklageschrift 

Die Anklageschrift vom 18. August 2015 (pag. 519 ff.) beschreibt zusammen mit 
der Ergänzung vom 26. Januar 2016 (pag. 984 ff.) den Vorwurf gegenüber dem 
Beschuldigten wie folgt: 

Schwere Körperverletzung evtl. versuchte schwere Körperverletzung, begangen am 7. März 
2014, zwischen ca. 14:30 bis ca. 15:00 Uhr, in G._____ (Ortschaft), zum Nachteil von 
D.________, indem der Beschuldigte als Kampfsportler anlässlich einer Auseinandersetzung 
D.________ 

- einerseits mit der Faust mindestens 2-3 Schläge namentlich ins Gesicht / in den Kopfbereich 
verpasste, sodass sie mehrmals zu Boden ging und wieder aufstand;

- andererseits D.________, als sie am Boden lag, ca. 2-3 Mal mit dem Fuss namentlich in den 
Bereich des Bauches trat.

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D.________ erlitt anlässlich dieser Auseinandersetzung namentlich die nachfolgenden Verlet-
zungen:

Eine Kieferkontusion rechts mit Blutung enoral, eine Rippenkontusion rechts, eine Mittelhandkno-
chenfraktur rechts (5. Strahl), eine Bänderruptur am kleinen Finger, eine HWS-Distorsion, Hämatome 
an der Kopfschwarte links occipital, eine Sternumkontusion sowie eine AC-Gelenk-Luxation mit Tossy 
1-3 Schulter links. 

D.________ leidet seit dem Vorfall vom 7. März 2014 unter anderem an einer verminderten Belas-
tungsfähigkeit der rechten Hand und der linken Schulter und kann aufgrund des bleibenden Schadens 
an ihrer Hand ihre angestammte Tätigkeit (Reinigungs- und Räumungsarbeiten) nicht mehr ausüben 
und ist in ihrem Alltag eingeschränkt. 

Der Beschuldigte nahm durch sein Handeln am 7. März 2014 anlässlich der vorgenannten Auseinan-
dersetzung diese Verletzungen und damit zumindest in Kauf, D.________ schwer und bleibend am 
Körper sowie in ihrer körperlichen Gesundheit zu schädigen, bzw. ein wichtiges Glied unbrauchbar zu 
machen.

Eventualiter nahm er zumindest in Kauf, D.________ schwer am Körper zu schädigen oder sie le-
bensgefährlich zu verletzen.

8. Das Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt den angeklagten Sachverhalt für erstellt und sprach den Be-
schuldigten der schweren Körperverletzung schuldig. Sie hielt die Aussagen der 
Privatklägerin für deutlich glaubhafter als diejenigen des Beschuldigten, nicht zu-
letzt deshalb, weil jene mit mehreren objektiven Beweismitteln und den Aussagen 
Dritter übereinstimmten (S. 14 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 1134 f.). 

9. Argumente der Parteien

9.1 In der Berufungsverhandlung vom 14. November 2018 liess der Beschuldigte aus-
führen, es seien verschiedene Versionen des Geschehens denkbar und die Vorin-
stanz sei zu Unrecht von einer für ihn ungünstigen Sachverhaltsvariante ausge-
gangen. So sei nicht bestritten, dass es am besagten Tag zu einer Auseinander-
setzung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin gekommen sei, die 
vom Beschuldigten insofern mitversursacht worden sei, als er – auf eine entspre-
chende Aufforderung der Privatklägerin hin – deren Hund hochgehalten habe, wor-
auf dieser aus seinem Geschirr gefallen sei. Daraufhin sei nicht der Beschuldigte 
auf die Privatklägerin, sondern umgekehrt diese mit grossen Schritten und den 
Worten – jetzt werde es ihm genau gleich ergehen, wie damals ihrem Ehemann – 
auf den Beschuldigten zugelaufen. Aus sehr kurzer Distanz habe die Privatklägerin 
dem Beschuldigten in den Mund gespuckt, worauf er sie weggestossen habe. Die 
Privatklägerin sei hingefallen, habe sich wieder erhoben und nach dem Geschirr 
gefragt, welches der Beschuldigte ihr ausgehändigt habe. Mit den Worten «jetz 
chasch zahlä» sei sie im Anschluss daran direkt zur Polizei gegangen. Aufgrund 
der körperlichen Überlegenheit des Beschuldigten sei durchaus denkbar, dass sich 
die Privatklägerin bei ihrem Sturz verletzt habe. Die in den Arztberichten festge-
stellten Verletzungen seien denn auch mit dem Aufschlag auf einen harten Absatz 

12

konstant. Nicht erstellt sei indessen, dass alle Verletzungen vom besagten Sturz 
herrühren würden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Privatklägerin sich die 
gravierenden Verletzungen erst später zugezogen habe, da diese ansonsten be-
reits von der Polizei dokumentiert worden wären. 

Zu Unrecht habe die Vorinstanz die Aussagen der Privatklägerin und von 
Q.________ als schlüssig und glaubhaft, die Aussagen des Beschuldigten dage-
gen als unglaubhaft erachtet. Die Aussagen der beiden Belastungszeuginnen seien 
nämlich alles andere als stimmig und widerspruchsfrei. So habe die Privatklägerin 
wenig nachvollziehbar geschildert, wie sie vom Beschuldigten völlig unvermittelt 
und brutal mit Fäusten und Fusstritten angegriffen worden sei. Sie habe sodann 
angegeben, sich nach dem zweiten Faustschlag des Beschuldigten an nichts mehr 
zu erinnern. Kurz darauf habe sie aber rekapituliert, wie sie den Beschuldigten 
nach dem Vorfall angespuckt habe. Auch die Zeugin Q.________ habe sich bei ih-
ren Aussagen in Widersprüche verstrickt. Während sie nämlich anfänglich geschil-
dert habe, wie der Beschuldigte die Privatklägerin nur mit den Fäusten angegriffen 
und ansonsten wie ein Boxer dagestanden und gewartet habe, bis sie wieder auf 
die Beine komme, habe sie sich über ein Jahr später deutlich an angebliche Fuss-
tritte erinnert, die der Beschuldigte der Privatklägerin verabreicht habe. 

Schliesslich sei auch der von der Vorinstanz gezogene Schluss, der Zeuge 
W.________ habe bloss aus Angst nicht ausgesagt und er hätte den Beschuldigten 
– für den Fall dass er ausgesagt hätte – sicherlich belastet, nicht zulässig. Die 
Staatsanwaltschaft habe gegen W.________ ein Verfahren wegen Drohung ge-
führt, was darauf hindeute, dass er sich sehr wohl gegen den Beschuldigten habe 
behaupten können. Das Schweigen von W.________ dürfe daher nicht zum Nach-
teil des Beschuldigten ausgelegt werden. 

Im Ergebnis sei somit davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin 
gestossen habe, als diese ihn angegriffen habe und so bei ihr fahrlässig gewisse 
Verletzungen verursacht habe. 

9.2 Für die Generalstaatsanwaltschaft führte Staatsanwalt X.________ aus, die Vorin-
stanz habe die zur Verfügung stehenden Beweismittel grundsätzlich zutreffend ge-
würdigt. In den Schilderungen der Privatklägerin fehle es an Übertreibungen und 
übermässigen Belastungen des Beschuldigten. Die Privatklägerin räume auch ei-
genes Fehlverhalten ein, was für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spreche. Ihre 
Geschichte bleibe über längere Zeit im Kerngeschehen konstant und weise keine 
namhaften Widersprüche auf. Die kleineren Widersprüche zwischen den Aussagen 
der Privatklägerin und der Zeugin Q.________ könnten durch den längeren Zeitab-
lauf erklärt werden und würden dafür sprechen, dass keine Absprache stattgefun-
den habe. Das vom Beschuldigten vorgebrachte Motiv der Rache verfange nicht, 
und die Vorinstanz habe die bezüglich der Fusstritte bestehenden Widersprüche 
nachvollziehbar aufgelöst. 

Die Verletzungen der Privatklägerin seien mit Arztzeugnissen hinreichend belegt. 
Das ganze Ausmass der körperlichen Beeinträchtigung habe sich nicht sofort ge-
zeigt und sei nicht ohne Weiteres von aussen ersichtlich gewesen. Ein Teil der Ver-
letzungen sei entsprechend erst bei der zweiten Konsultation festgestellt worden. 

13

Dennoch müsse davon ausgegangen werden, dass die Verletzungen der Privatklä-
gerin im Rahmen der Auseinandersetzung vom Beschuldigten zugefügt worden 
seien. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt habe, seien sie durch einen 
Sturz allein nicht erklärbar. 

Der Beschuldigte schildere den Ablauf abwegig. Es sei nicht ersichtlich, weshalb 
die Privatklägerin ohne ersichtlichen Grund einfach auf den körperlich stark überle-
genen Beschuldigten hätte losgehen und diesen hätte anspucken sollen. Mit den 
Vorwürfen konfrontiert, habe der Beschuldigte zudem angegeben, er könne viele 
Zeugen benennen, welche den Vorfall ins richtige Licht rücken könnten (pag. 101). 
Solche habe er aber in der Folge nicht beigebracht. Der einzige Zeuge, der etwas 
dazu hätte sagen können, habe aus Angst vor Retorsionen die Aussage verwei-
gert. Schliesslich habe der Beschuldigte am 27. April 2015 ausgeführt, nichts auf 
dieser Welt könne etwas an seinen Aussagen ändern. Dies zeige, dass er auch 
entgegen objektiver Evidenz an seiner Version festhalte, was gegen die Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen spreche. Es müsse darum im Ergebnis auf die Aussagen 
der Privatklägerin und der Zeugin Q.________ abgestellt werden. 

9.3 Rechtsanwalt E.________ führte für die Privatklägerin zusammengefasst aus, das 
generelle Bestreiten des Beschuldigten wirke wenig überzeugend. Auf die von der 
Privatklägerin erhobenen Vorwürfe habe er sodann mit Gegenvorwürfen reagiert, 
was gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spreche. Nicht nachvollziehbar sei 
der Einwand des Beschuldigten, die Privatklägerin habe sich an ihm rächen wollen, 
weil dieser in einem früheren Verfahren den Ehemann der Privatklägerin belastet 
habe. Der Beschuldigte sei damals nämlich nur in einem untergeordneten Neben-
punkt am Verfahren beteiligt gewesen, der sich nicht massgeblich auf die Höhe der 
Strafe ausgewirkt habe. Die Privatklägerin habe im Weiteren darum gebeten, ihren 
Mann nicht über das Verfahren zu informieren, was bei einem Racheakt gerade 
nicht zu erwarten gewesen wäre. 

Die Aussagen des Beschuldigten, so Rechtsanwalt E.________ weiter, würden 
nicht nur den Schilderungen der Privatklägerin widersprechen, sondern seien auch 
nicht mit den Arztberichten oder den Aussagen der Zeugin Q.________ vereinbar. 
Es seien im Ergebnis diverse Punkte ersichtlich, die gegen die Version des Be-
schuldigten und für jene der Privatklägerin bzw. der Zeugin Q.________ sprechen 
würden. Vorab sei die Entstehungsgeschichte der Aussagen der Privatklägerin un-
auffällig. Diese sei direkt im Anschluss an den Vorfall zur Polizei und habe damit 
keine Zeit gehabt, um ein derartiges Geschehen zu erfinden. Sie habe den Be-
schuldigten im Übrigen nicht übermässig belastet und sei stets bemüht gewesen, 
bei ihren Aussagen sehr genau zwischen eigenen Wahrnehmungen und Schilde-
rungen von Dritten zu unterscheiden. Die dokumentierten Verletzungen könnten in 
ihrer Gesamtheit unmöglich von bloss einem einzigen Sturz stammen (Gleichzeitig 
Hinterkopf und Kiefer). Umgekehrt seien die Verletzungen aber durchaus mit dem 
Ablauf den die Privatklägerin schildere (mehrmaliges Hinfallen und wieder Aufste-
hen) vereinbar. Es sei schliesslich kein Grund ersichtlich, weshalb die bloss lose 
mit der Privatklägerin verbundene Zeugin Q.________, welche den Sachverhalt 
entsprechend der Privatklägerin geschildert habe, den Beschuldigten zu Unrecht 
hätte belasten sollen. 

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Aufgrund des Vorfalls habe die Privatklägerin während längerer Zeit an Schmerzen 
im Nackenbereich gelitten. Heute gehe es ihr auch vor allem deshalb besser, weil 
sie ihren Körper nicht übermässig belaste. Ihre positive und kämpferische Einstel-
lung dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Vorfall sie sehr stark mit-
genommen habe; so stark sogar, dass sie sich während fast einem Jahr nicht mehr 
alleine auf die Strasse getraut habe. Bis heute sei ihre rechte Hand nur vermindert 
belastbar. Dieser Zustand werde sich auch in Zukunft nicht bessern und die Privat-
klägerin beim Heben und Tragen stark beeinträchtigen. Vor dem Vorfall sei die Pri-
vatklägerin dagegen voll belastbar gewesen und habe zu mehr als 80% gearbeitet. 
Auch wenn sie es bis heute immer wieder versucht habe, sei es ihr nicht gelungen, 
wieder voll ins Arbeitsleben einzusteigen. Bei ihren angestammten Arbeiten sei sie 
stets auf ihre Hände und Schultern angewiesen gewesen, weshalb Dr. S.________ 
festgehalten habe, dass eine Arbeit im angestammten Bereich in Zukunft nicht 
mehr voll möglich sei. Indem die Privatklägerin ihre Arbeit nun auf selbstständiger 
Basis habe ausbauen können, habe sie gleichzeitig auf ihre Beeinträchtigungen 
Rücksicht nehmen können. Ihre Ausführungen diesbezüglich seien glaubhaft: So 
gebe sie offen zu, wenn es ihr besser gehe, jammere nicht und benenne die Ein-
schränkungen nachvollziehbar. 

10. Beweiswürdigung durch die Kammer

10.1 Allgemeines zur Beweiswürdigung

Für die theoretischen Grundlagen zur Beweiswürdigung kann vorab auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz (S. 5 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 1125 ff.) verwiesen werden. 

10.2 Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist lediglich, dass der Beschuldigte zusammen mit seinem Kollegen 
W.________ auf einer Sitzbank am Y._____-weg in G._____ (Ortschaft) Platz 
nahm, wo in der Nähe auch die Privatklägerin mit ihrer Kollegin Q.________ auf ei-
ner Parkbank sass. Ebenfalls unbestritten ist, dass es in der Folge zwischen dem 
Beschuldigten und der Privatklägerin zu einer Auseinandersetzung gekommen ist, 
nachdem der Beschuldigte den Hund der Privatklägerin hochgehoben hatte. Der 
Auslöser, der genaue Ablauf und die Intensität der Auseinandersetzung, sowie das 
Ausmass der dabei von der Privatklägerin erlittenen Verletzungen sind dagegen 
bestritten. 

10.3 Objektive Beweismittel 

Die Vorinstanz hat die zur Verfügung stehenden objektiven Beweismittel vollständig 
aufgelistet und zusammengefasst. Dies betrifft insbesondere den Anzeigerapport 
vom 22. April 2014 (pag. 30 ff.), die Arztzeugnisse von Dr. S.________ vom 7. und 
12. März 2014 (pag. 57 f.) sowie die Beantwortung der Fragen der Privatklägerin 
und der Staatsanwaltschaft vom 16. September 2014 (pag. 41 f.), vom Mai 2015 
(pag. 43 ff.) und die anlässlich der Fortsetzungsverhandlung eingereichten, ergän-
zenden Arztzeugnisse (pag. 1077 ff.). Auf diese Darlegungen der Vorinstanz kann 
verwiesen werden (S. 8 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1128).

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Aus dem Polizeirapport ergibt sich, dass die Privatklägerin sich unmittelbar nach 
dem Vorfall zusammen mit ihrer Kollegin Q.________ auf die Polizeiwache begab, 
um dort eine Anzeige zu deponieren (pag. 30 f.: Vorfall zwischen 14.30 und 15.00 
Uhr, Meldezeit 15.00 Uhr des 7. März 2014). Seitens der Polizei wurde die Privat-
klägerin indessen vorerst in ärztliche Obhut geschickt, um ihre Verletzungen zu be-
handeln und zu dokumentieren. Die Erstbefragung fand dann am Tag danach, dem 
8. März 2014, statt. 

Die Arztzeugnisse von Dr. S.________ dokumentieren die Verletzungen der Privat-
klägerin gemäss Anklageschrift. Sie sind ereignisnah, indem die erste Untersu-
chung am 7. März 2014 um 15.00 Uhr (pag. 57) stattfand, auch hier passend zum 
Anzeigerapport unmittelbar nach dem Vorfall am Y._____-weg. Am 16. Sept-
ember 2014 diagnostizierte wiederum Dr. S.________ bleibende Schulterbe-
schwerden bei körperlicher Arbeit und intermittierende Kopfschmerzen als Folge 
der Hirnerschütterung sowie eine eingeschränkte Handbeweglichkeit (pag. 42). Im 
Zeugnis vom Mai 2015 wurden bleibende verminderte Belastungsfähigkeiten der 
Hand und Schulter rechts und links, Nackenschmerzen und intermittierende Kopf-
schmerzen geschildert und darauf hingewiesen, dass ein bleibender Schaden an 
der Hand entstanden sei, so dass eine Ausübung der früheren Tätigkeiten (Putzen, 
Wohnungsräumungen) nicht mehr möglich sei. Soweit weitergehend werden im 
Wesentlichen die Befunde der ersten Einschätzung vom 16. September 2014 
bestätigt (pag. 51).

Vor oberer Instanz wurden die Akten der KESB Seeland über den Beschuldigten 
ediert und den Akten beigefügt. Zum Vorfall vom 7. März 2014 kann diesen nichts 
entnommen werden. Sie sind für die Strafzumessung und die Frage der Massnah-
me von Bedeutung. Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung reichte die 
Privatklägerin ein Arztzeugnis ein, in welchem sich Dr. S.________ dahingehend 
äussert, dass die Handverletzung der Privatklägerin nicht besser, aber auch nicht 
schlechter geworden sei (pag. 1466).

10.4 Aussagen der Privatklägerin 

Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin bis zur erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung (am 8. März 2014 bei der Polizei [pag. 60 ff.]; am 22. April 2015 bei 
der Staatsanwaltschaft [pag. 64 ff.]; am 27. Mai 2015 bei der Staatsanwaltschaft 
[pag. 73 ff.]) zutreffend zusammengefasst (S. 10 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 1130-1132). Darauf kann verwiesen werden. Kurz zusammenge-
fasst gab die Privatklägerin an, sie habe sich zusammen mit ihrer Kollegin 
Q.________ am Y._____-weg in G._____ (Ortschaft) auf eine Holzbank gesetzt 
und sie hätten einen Kleiderkatalog angeschaut. Sie habe ihren Hund dabei ge-
habt. Etwas später seien der Beschuldigte und W.________ gekommen und hätten 
sich auf eine Bank in der Nähe hingesetzt. Der Beschuldigte sei dann aufgestan-
den und habe ihren herumlaufenden Hund gepackt, zu Boden gedrückt, dass er 
gejault habe, und ihn am Brustgeschirr hochgehoben. Dabei sei der Hund aus dem 
Geschirr gerutscht und habe zu ihr zurücklaufen können (pag. 61 Z. 42-65). Der 
Beschuldigte habe keine Anstalten gemacht, ihr das Brustgeschirr wieder zurück-
zugeben, worauf sie zu ihm gegangen sei und dieses zurückverlangt habe. Nach 
einem kurzen Wortwechsel habe der Beschuldigte sie mit der Faust mehrmals ge-

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gen den Kopf geschlagen. Ab dem zweiten Schlag könne sie sich nicht mehr genau 
erinnern, wie oft, wie und wo und wie lange er sie geschlagen habe, sie wisse nur 
noch, dass sie ca. viermal wieder aufgestanden sei, nachdem sie am Boden gele-
gen habe (pag. 61 f. Z. 67-74). Frau Q.________ oder Herr W.________ hätten ihr 
nachträglich gesagt, der Beschuldigte habe sie am Boden noch mit den Füssen ge-
treten (pag. 62 Z. 75-78). Zu den erlittenen Verletzungen verwies die Privatklägerin 
auf die bei Dr. S.________ erhobenen Diagnosen (pag. 62 Z. 96-101). Diesen in 
sich stimmigen Ablauf schilderte die Privatklägerin auch in den folgenden Einver-
nahmen konstant und im Kerngeschehen übereinstimmend (vgl. insb. pag. 66 
Z. 72-90 und pag. 966 Z. 13 – pag. 967 Z. 15 und auch oberinstanzlich pag. 1429 
f.). 

Wie bereits die Vorinstanz – auf deren Erwägungen (S. 10 ff. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 1130-1132) ergänzend zu verweisen ist – zutreffend aus-
geführt hat, ist die Entstehungsgeschichte der Aussagen der Privatklägerin unver-
dächtig. Die Privatklägerin begab sich unmittelbar nach dem Vorfall zur Polizei, um 
Anzeige zu erstatten. Wer so handelt, hat keine Zeit, sich eine Geschichte zurecht-
zulegen, die dann in späteren Einvernahmen immer wieder anders, inhaltlich aber 
konstant wiedergegeben werden muss. Daran ändert auch nichts, dass die Privat-
klägerin dann tatsächlich erst am Folgetag, dem 8. März 2014, befragt wurde, weil 
sie vorher durch die Polizei in ärztliche Behandlung geschickt worden war. Darüber 
hinaus erblickt die Kammer in den Aussagen der Privatklägerin diverse Realkenn-
zeichen. Eine grosse Anzahl von Realkennzeichen in Form von detaillierten Schil-
derungen der Geschehnisse spricht dafür, dass eine Person über Selbsterlebtes 
berichtet; denn es ist wesentlich schwieriger, eine nicht erlebte Geschichte selber 
mit lebhaften Elementen so zu schmücken, dass sie als selbst erlebt erscheint 
(ROLF BENDER/ARMIN NACK/WOLF-DIETRICH TREUER, Tatsachenfeststellung vor Ge-
richt, 4. Aufl. 2014, N 370 f. bzw. 317; REVITAL LUDEWIG/ SONJA BAUMER/ DAPHNA 
TAVOR, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern und Staatsan-
wälten helfen?, in: Ludewig/Baumer/Tavor [Hrsg.] Aussagepsychologie für die 
Rechtspraxis, 2017, S. 44 ff.). Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang 
zunächst, dass die Privatklägerin das Geschehen verschiedentlich anhand von 
wechselseitigen Gesprächsteilen wiedergab (vgl. dazu etwa BEN-
DER/NACK/TREUER, a.a.O., N 375 f.; LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, a.a.O., S. 49). Teils 
gar mit Einschüben von direkter Rede rekapitulierte die Privatklägerin das Gesche-
hene anlässlich der Erstbefragung: Sie habe das Brustgeschirr ihres Hundes 
zurückgefordert, worauf der Beschuldigte geantwortet habe: «Komm es holen und 
ich brätsche dir eine» (pag. 61 Z. 67 f.). Sie sei dann zu ihm hingegangen und habe 
gesagt: «Also, schlag mich doch, ich habe vor dir keine Angst. Ich will einfach das 
Brustgeschirr zurück» (pag. 62 Z. 69 f.). Nachdem er sie mehrfach geschlagen ha-
be, sei sie aufgestanden und habe ihm gesagt: «Gib mir einfach bitte das Brustge-
schirr zurück und lass mich in Ruhe», worauf er verneint habe und sie zu ihm ge-
sagt habe: «Bubi, wird endlich mal erwachsen» (pag. 62 Z. 85-87). 

Selbst ein Jahr später erinnerte sie sich noch an einzelne Gesprächsfetzen des 
Vorfalls und gab an, der Beschuldigte habe sie, kurz bevor er sie geschlagen habe, 
mit den Worten «Chums cho holä» aufgefordert das Brustgeschirr des Hundes zu 
holen (pag. 68 Z. 133-135). Nach dem ersten Schlag, so die Privatklägerin ergän-

17

zend, habe der Beschuldigte zu ihr gesagt: «U scho ligsch am Bode», worauf sie 
ihm geantwortet habe «U scho stahni widr» (pag. 68 Z. 138 f.). Damit ergänzte sie 
nicht nur ihre bisherigen Schilderungen auf eine stimmige Art und Weise, sondern 
beleuchtete auch einen bereits früher aufgenommen Umstand – dass sie nämlich 
verschiedentlich zu Boden gegangen und wieder aufgestanden sei – aus einer an-
deren Perspektive. 

In der Lehre zur Aussageanalyse ist weiter anerkannt, dass auch in der spontanen 
Verbesserung bzw. Ergänzung der eigenen Aussagen unter Umständen ein Hin-
weis auf deren Realitätsbezug liegt. Eine falschaussagende Person ist nämlich 
meist bemüht, ihrer Aussage viel Überzeugungskraft zu verleihen und sich selber in 
ein möglichst positives Licht zu rücken; sie wird es entsprechend vermeiden, Lü-
cken oder Ungereimtheiten in ihre Geschichte einzubauen, um beim Gegenüber 
möglichst keine Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schilderungen zu erwecken (Stra-
tegische Selbstdarstellung, vgl. dazu etwa LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, a.a.O., S. 52). 
Umgekehrt steht für eine Person, welche die Wahrheit sagt, das tatsächlich Erlebte 
bzw. dessen möglichst präzise Schilderung im Vordergrund; sie lässt sich damit 
weniger von strategischen Überlegungen leiten. Spontane Präzisierungen und Kor-
rekturen der eigenen Aussagen, sowie das Eingestehen von Erinnerungslücken 
oder Selbstbelastungen sprechen darum meist für eine wahrheitsgeleitete Aussage 
bzw. stellen ein inhaltliches Realzeichen dar (vgl. LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, a.a.O., 
S. 44 und 50 f.). Wenn also die Privatklägerin ausführt, sie habe dem Beschuldig-
ten ins Gesicht gespuckt (pag. 62 Z. 85) und ihm gegenüber nach dem Vorfall klat-
schend erwähnt, «Bravo A.________, jitz chasch zahle» (pag. 70 Z. 226 f.), spricht 
auch dies für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Bemerkenswert ist in diesem Zu-
sammenhang, dass diese selbstbelastenden Aussagen der Privatklägerin auch 
vom Beschuldigten aufgenommen wurden (die Privatklägerin habe ihn angespuckt  
[pag. 100 Z. 52 ff.] und ihm gesagt «iz chasch zahlä» [pag. 101 Z. 59 f.]). Anders 
als bei der Privatklägerin, wo sich letztgenannte Äusserung stimmig in das geschil-
derte Gesamtgeschehen einordnen lässt und von ihr später noch dahingehend 
konkretisiert wird, dass sie dies wörtlich gemeint habe, weil sie gesehen habe, wie 
ihre rechte Hand immer mehr angeschwollen sei (pag. 70 Z. 227 f.), ist sie beim 
Beschuldigten Teil einer pauschalen und wenig überzeugenden Alternativversion 
(dazu Ziff. 10.6 sogleich). 

Die Privatklägerin differenzierte im Übrigen sehr genau zwischen ihren persönli-
chen Wahrnehmungen und dem, was Q.________ oder W.________ ihr gegenü-
ber zum Vorgefallenen gesagt hätten, nämlich dass der Beschuldigte sie (die Pri-
vatklägerin) zusätzlich zwei bis drei Mal mit den Füssen getreten habe, als sie am 
Boden gelegen habe (pag. 62 Z. 76-78). Sie räumt allerdings ohne Umschweife 
ein, dass sie sich selber nicht mehr an die Fusstritte erinnern könne (pag. 68 
Z. 151) und belastet den Beschuldigten so nicht übermässig. Konstant gibt sie an, 
sich lediglich daran zu erinnern, wie sie mehrmals zu Boden gegangen sei und 
dem Beschuldigten nach dem Vorfall an den Kopf gespuckt habe (so zuletzt in der 
oberinstanzlichen Hauptverhandlung, pag. 1430 Z. 4 ff.). 

Insgesamt weisen die Aussagen der Privatklägerin eine hohe Konstanz auf, ohne 
dadurch auswendig gelernt zu wirken. Ihre Schilderungen wirken lebendig und da-
mit selbsterlebt. Die Privatklägerin gewährte zudem verschiedentlich Einblick in ihre 

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Gedankengänge während dem Geschehen (z.B., dass sie sich gewundert habe, 
wie W.________ nicht zu ihnen rüber gekommen sei, als der sich mit dem Be-
schuldigten auf einer Sitzbank in der Nähe niedergelassen habe [pag. 61 Z. 46 f.]; 
oder dass sie so wütend auf den Beschuldigten gewesen sei, ihn aber nicht habe 
angehen wollen und ihn darum angespuckt habe [pag. 68 Z. 142 f.]) und gestand 
eigene Fehler ein (mit dem Anspucken habe sie nicht sehr erwachsen reagiert 
[pag. 67 Z. 95]), was dagegen spricht, dass sie den Beschuldigten zu Unrecht be-
schuldigt. Ihre Aussagen stimmen insofern mit denjenigen von Q.________ übe-
rein, als auch diese klar erzählte, dass die Aggression ausschliesslich vom Be-
schuldigten ausgegangen sei und für sie kein Grund für einen Angriff auszumachen 
gewesen sei (dazu Ziff. 10.5.1 sogleich). Schliesslich passt das von der Privatklä-
gerin geschilderte Geschehen zu den von Dr. S.________ unmittelbar nach dem 
Vorfall festgestellten Verletzungen und stimmt damit mit den objektiven Beweismit-
teln überein.

10.5 Aussagen Dritter

Massgeblich für die Beurteilung des Vorgefallenen sind im Weiteren die Aussagen 
von Q.________ und von W.________, die beide vor Ort waren und das Gesche-
hen mitverfolgten. Auch deren Aussagen sind von der Vorinstanz richtig zusam-
mengefasst worden (S. 13 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1133 f.). 
Darauf kann verwiesen werden. 

10.5.1 Die Zeugin Q.________ 

Q.________ beschrieb in ihrer ersten Aussage bei der Polizei ca. vier Wochen 
nach dem Vorfall im Wesentlichen die gleiche Vorgeschichte wie die Privatklägerin 
(pag. 87 Z. 26-42). Als die Privatklägerin den Beschuldigten um die Rückgabe des 
Brustgeschirrs gebeten habe, sei sie von diesem sogleich mit der Faust geschla-
gen worden, dies an den Kopf und gegen die Rippen. Mit den Füssen habe der Be-
schuldigte sie dagegen nicht getreten, er sei eher dagestanden wie ein Boxer und 
habe gewartet, bis sie wieder aufgestanden sei (pag. 87 Z. 42-54). Demgegenüber 
sagte sie ein Jahr später vor der Staatsanwaltschaft aus, nachdem die Privatkläge-
rin zu Boden gegangen sei, habe der Beschuldigte noch zwei bis drei Mal mit den 
Füssen auf sie eingetreten (pag. 91 Z. 53-56). Die Faustschläge seien Richtung 
Kopf und Schultern gegangen (pag. 92 Z. 64), die Fusstritte Richtung Bauch 
(pag. 92 Z. 66 f.). Angesprochen auf die unterschiedlichen Aussagen zu den an-
geblichen Fusstritten präzisierte die Zeugin, sie sei sicher, dass der Beschuldigte 
die Privatklägerin getreten habe, als sie am Boden gelegen habe. Dagegen habe er 
sie nicht getreten, als sie noch gestanden sei (pag. 93 Z. 93-97).

Soweit die Faustschläge betreffend, bestätigen und ergänzen die Aussagen von 
Q.________ die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin. Sie wirken ähnlich 
zurückhaltend und wenig darauf bedacht, den Beschuldigten übermässig zu belas-
ten. Anders verhält es sich einzig mit den erstmals in der zweiten Einvernahme 
vorgebrachten Fusstritten. Wenn ein Jahr nach der ersten Befragung in einer er-
neuten Einvernahme neue belastende Details auftauchen, wirkt dies widersprüch-
lich und wirft zudem die Frage einer Aggravation auf; denn mit zunehmendem Zeit-
ablauf wird die Erinnerung eher blasser als detaillierter. Umgekehrt sind nachträg-

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lich neu vorgebrachte Belastungen nicht per se unglaubhaft. Sie können bei einer 
ersten Einvernahme aus unterschiedlichen Gründen vergessen bzw. weggelassen 
worden sein, z.B. weil sie in diesem Zeitpunkt gegenüber anderen Handlungen in 
den Hintergrund traten oder nicht von Bedeutung erschienen. Sofern ein guter 
Grund vorliegt, kann damit unter Umständen auch eine nachträglich korrigierte 
Version als glaubhaft erscheinen. 

Die Vorinstanz sah diesen Grund als gegeben an, weil die Zeugin die Diskrepanz 
ihrer Aussagen damit erklärt habe, dass sich die Fusstritte auf eine andere Phase 
des Geschehens bezogen hätten, nämlich auf den Zeitpunkt, in dem die Privatklä-
gerin am Boden gelegen habe. Demgegenüber habe der Beschuldigte die Füsse 
nicht zum Treten benützt, während die Privatklägerin gestanden sei. Diese Aus-
führungen sind grundsätzlich überzeugend und nachvollziehbar, zumal auch die 
Privatklägerin in ihrer ersten Befragung bereits auf eine Erzählung von Q.________ 
und W.________ zu angeblichen Fusstritten des Beschuldigten Bezug nahm und 
diese mit dem beschriebenen heftigen Einwirken auf den Körper der Privatklägerin 
vereinbar wären. Zu beachten ist aber gleichzeitig, dass sich die anlässlich der ers-
ten Einvernahme an Q.________ gestellte Frage nach den Fusstritten nicht auf ei-
nen speziellen Abschnitt des Geschehens richtete, sondern offen gestellt war 
(pag. 87 Z. 51). Gleichzeitig brachte sie das damalige Verneinen von Fusstritten 
ausdrücklich mit dem Aufstehen der Privatklägerin in Verbindung und führte aus, 
der Beschuldigte habe jeweils «wie ein Boxer» gewartet, bis die Privatklägerin wie-
der auf die Beine gekommen sei (pag. 87 Z. 51-54). Unmittelbar zuvor machte sie 
sodann Ausführungen zu den verschiedenen Angriffsmitteln und gab an, neben 
den Fusstritten habe der Beschuldigte die Privatklägerin auch in den «Schwitzkas-
ten» genommen und ihr mit der Faust in die Rippen geschlagen (pag. 87 Z. 46-49). 
Für die Kammer ist nicht vollends nachvollziehbar, wie Q.________ unter diesen 
Umständen die später vorgebrachten Fusstritte vorerst verneinen konnte bzw. die-
se versehentlich auf einen anderen Handlungsabschnitt hätte beziehen können. 
Dies bedeutet indessen nicht, dass ihre Aussagen gesamthaft angezweifelt werden 
müssten (vgl. dazu Ziff. 10.7 hiernach). 

10.5.2 Der Zeuge W.________

Vorgeladen als Zeuge des Vorfalls, verweigerte W.________ bei der Staatsanwalt-
schaft am 22. April 2015 die Aussage weitgehend (pag. 96 ff.). Er könne sich sicher 
noch an den Vorfall erinnern, wolle aber keine Aussagen diesbezüglich machen, da 
er sonst seitens des Beschuldigten mit Konsequenzen rechnen müsse, obwohl er 
dessen Kollege sei (pag. 97 Z. 36-40). W.________ konkretisierte, der Beschuldig-
te wisse zu viel über ihn und er könne ihn nicht richtig einschätzen. Er habe Angst 
um sich selber und seinen Hund (pag. 97 Z. 43-49).

Daraus schloss die Vorinstanz nach Ansicht der Kammer zu Recht, die Aussagen 
von W.________ wären für den Beschuldigten wohl belastend ausgefallen (S. 14 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1134). Zwar kann daraus für den 
konkreten Ablauf des zu beurteilenden Vorfalls nichts abgeleitet werden, es er-
scheint aber wenig wahrscheinlich, dass der Zeuge eine den Beschuldigten entlas-
tende Version des Vorfalls geschildert hätte, wie dies nun nachträglich vom Be-
schuldigten geltend gemacht wird. Mit Blick auf das tatsächliche Gesehen liefern 

20

die Aussagen des Zeugen W.________ weder belastende, noch entlastende Indi-
zien.

10.6 Aussagen des Beschuldigten 

Der Beschuldigte wurde erst am 2. April 2015, mithin über ein Jahr nach dem Vor-
fall, erstmals von der Staatsanwaltschaft zu den Geschehnissen des 7. März 2014 
befragt (pag. 99 ff.). Früheren Vorladungen von der Polizei hatte er keine Folge ge-
leistet (vgl. pag. 32 und 37 f.). Für die richtige und vollständige Zusammenfassung 
der Aussagen des Beschuldigten bis zur oberinstanzlichen Hauptverhandlung kann 
auf die Ausführungen der Vorinstanz (S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 1129) verwiesen werden. 

Der Beschuldigte begnügte sich im Wesentlichen damit, die Vorwürfe zu bestreiten 
und schilderte eine den äusseren Umständen angenäherte Geschichte, die ihn als 
Opfer einer Aggression der Privatklägerin zeigt. So soll sie ihn mit dem Zusatz, er 
sei nicht schnell genug, aufgefordert haben, ihren Hund zu fangen. Wider ihrer 
Prognose habe er das Tier aber gefangen und am Geschirr in die Luft gehoben, 
worauf der Hund herausgefallen sei. Dies habe die Privatklägerin dazu veranlasst, 
mit grossen Schritten und den Worten «Jetzt geits dir de genau glich wie denn bim 
Z.________» auf ihn zuzulaufen. Aus einer Entfernung von ungefähr 30 cm habe 
ihm die Privatklägerin direkt in den Mund gespuckt und ihm gedroht (pag. 100 
Z. 44-53). Als er sie an den Schultern weggestossen habe, so der Beschuldigte 
weiter, sei sie hingefallen. Sie habe sich wieder erhoben und ihn gefragt, ob sie das 
Geschirr haben könne, welches er ihr ausgehändigt habe (pag. 101 Z. 57 ff.) Sie 
habe ganz freundlich gefragt und sogar «bitte» gesagt (pag. 102 Z. 119). Daraufhin 
habe sie ihm zugerufen «A.________ iz chasch zahlä» und sei direkt zur Polizei 
gegangen (pag. 101 Z. 59 f.). Mit Einzelheiten der Aussagen der Privatklägerin 
konfrontiert, gab der Beschuldigte zudem an, er sei Kickboxer und habe seit 15 
Jahren Bodybuilding trainiert. Wenn er sie mit der Faust geschlagen hätte, wäre sie 
nicht mehr aufgestanden und es wäre alles voll Blut gewesen (pag. 102 Z. 108 ff.). 

Auch in oberer Instanz führte der Beschuldigte erneut aus, er habe dieser Frau 
nichts gemacht. Es gebe weder ein Motiv, noch Beweise für seine Täterschaft. So-
weit die Privatklägerin wirklich verletzt gewesen wäre, hätte dies bereits von der 
Polizei protokolliert und fotografiert werden müssen (pag. 1435 f.). 

Die Darstellung des Beschuldigten ergibt wenig Sinn. Es ist nicht ersichtlich, warum 
sich die Privatklägerin – träfe die Version des Beschuldigten zu – überhaupt hätte 
zur Polizei begeben und die erlittenen Verletzungen anschliessend ärztlich doku-
mentieren lassen sollen. Die Verletzungen der Privatklägerin scheinen denn auch 
den Beamten aufgefallen zu sein; sonst wäre die Privatklägerin nicht zur medizini-
schen Abklärung zu einem Arzt geschickt, sondern direkt befragt worden. Weiter 
fällt auf, dass der Beschuldigte diverse Elemente der von der Privatklägerin und der 
Zeugin Q.________ zu Protokoll gegebenen Versionen aufnahm und seine Ge-
schichte einbaute. Anders als bei der Privatklägerin, wo sich die Elemente stimmig 
in das Gesamtgefüge ihrer Schilderungen einordnen, wirken sie beim Beschuldig-
ten wenig nachvollziehbar und konstruiert. So erscheint bereits fragwürdig, weshalb 
die körperlich deutlich unterlegene Privatklägerin einfach auf den Beschuldigten 

21

hätte losgehen und diesen – ohne ersichtlichen Grund – hätte anspucken sollen. 
Geradezu abwegig erscheint es der Kammer, wenn der Beschuldigte beschreibt, 
wie die Privatklägerin – unmittelbar nachdem sie vom Beschuldigten zu Boden ge-
stossen worden war – zunächst ganz nett nach dem Geschirr gefragt haben soll, 
um im nächsten Moment mit der Ankündigung «jetzt chasch zahle» Richtung Poli-
zei aufzubrechen. Indem der Beschuldigte die Privatklägerin als Aggressorin dar-
stellt, die ihn ohne ersichtlichen Grund angegangen sei, ihn angespuckt habe und 
damit unter Umständen gar eine Ansteckung mit Hepatitis C beabsichtigt habe, 
bringt er sich zudem in eine übertriebene Opferrolle, was seine Ausführungen zu-
sätzlich als unglaubhaft erscheinen lässt.

Wie von der Privatklägerin und der Generalstaatsanwaltschaft zutreffend ausge-
führt, ist auch das vom Beschuldigten oberinstanzlich vorgebrachte Rachemotiv, 
das die Privatklägerin dazu getrieben haben könnte, den Beschuldigten zu Unrecht 
zu belasten, abwegig. Diesbezüglich ist zu beachten, dass sich die Privatklägerin 
beim Vorfall tatsächlich schwerwiegende Verletzungen zuzog; andererseits bat sie 
anlässlich ihrer ersten Einvernahme explizit darum, ihren Ehemann nicht über das 
Vorgefallene zu informieren (pag. 61 Z, 23 f.). Was der Beschuldigte aus dem Um-
stand, dass die Verletzungen nicht von der Polizei selber aufgenommen, sondern 
von einem Arzt dokumentiert wurden, den die offenbar körperlich sichtbar ange-
schlagene Privatklägerin auf Geheiss der Polizei unmittelbar nach dem Vorfall auf-
suchte, ist für die Kammer nicht ersichtlich. 

10.7 Abschliessende Beweiswürdigung

Gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin und der Zeugin 
Q.________ einerseits und die völlig oberflächlichen und unglaubhaften Aussagen 
des Beschuldigten andererseits ist für die Kammer erstellt, dass der Beschuldigte 
am 7. März 2014 bei einer Auseinandersetzung am Y._____-weg massiv auf den 
Körper der Privatklägerin einwirkte. Er schlug ihr dabei mindestens zwei bis drei 
Mal mit der Faust ins Gesicht bzw. in den Kopfbereich, wobei die Privatklägerin 
mehrmals zu Boden ging und sich wieder erhob. Ob der Beschuldigte zusätzlich 
mehrmals auf die Privatklägerin eintrat, als diese am Boden lag, erscheint ange-
sichts des heftigen und dynamischen Auseinandersetzung durchaus möglich, ist für 
die Kammer aber aufgrund der Widersprüche in den Aussagen der Zeugin 
Q.________ nicht zweifelsfrei erstellt. 

Auch wenn die Privatklägerin nie rechtsmedizinisch untersucht wurde, lässt sich 
das von Dr. S.________ festgestellte Verletzungsbild grundsätzlich mit den von der 
Privatklägerin beschriebenen Handlungen des Beschuldigten vereinbaren. Wenn 
man weiter berücksichtigt, dass Dr. S.________ noch am 7. März 2014 um 15.00 
Uhr frische von einer Schlägerei herrührende Verletzungen dokumentierte, lassen 
sich diese nach Ansicht der Kammer ohne Weiteres den zwei bis drei Faustschlä-
gen gegen das Gesicht bzw. den Kopfbereich zuordnen, die der Beschuldigte der 
Privatklägerin gleichentags zwischen 14.30 und 15.00 Uhr verabreichte. Die Verlet-
zungen an der Hand und Schulter können Abwehrverletzungen sein oder auch bei 
einem der wiederholten Stürze entstanden sein. Insgesamt verbleiben aber keine 
Zweifel daran, dass der Beschuldigte die kurz nach dem Vorfall ärztlich festgestell-
ten Verletzungen der Privatklägerin verursacht hat. Hinweise darauf, dass sich die 

22

Privatklägerin nach dem Vorfall weitere Verletzungen zugezogen haben könnte, die 
dann von Dr. S.________ erst am 12. März 2014 diagnostiziert wurden, sind keine 
ersichtlich, zumal es sich bei den Ergänzungen um Verletzungen handelt, die ge-
eignet sind, erst nach einer gewissen Zeit in Erscheinung zu treten (z.B. Hämato-
me).

Was die Auswirkungen der Verletzungen angeht, äusserte sich die Privatklägerin 
verschiedentlich zu den vom Vorfall herrührenden Einschränkungen. Erstmals wur-
de sie am 27. Mai 2015 ausführlich zu ihrer gesundheitlichen Situation befragt 
(pag. 73 ff.). Dort führte sie zusammengefasst aus, sie könne seit dem Vorfall vom 
7. März 2014 nicht mehr in ihrem angestammten Bereich – Reinigung und Räu-
mungen – arbeiten. Während sie vor dem Vorfall zu 80% angestellt gewesen sei, 
sei sie momentan nach wie vor krank geschrieben. Sie habe zwei Arbeitsversuche 
bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber gestartet, die aber beide gescheitert seien, weil 
ihre rechte Hand immer wieder angeschwollen sei. Mittlerweile habe es sich aber 
gebessert und sie hoffe das Beste (pag. 75 Z. 59 ff.). Weiter habe sie auch 
Schmerzen in der linken Schulter (pag. 75 Z. 84 ff.). Detailliert schilderte sie die 
verschiedenen schmerzhaften Aktivitäten und die nach wie vor vorhandenen Funk-
tionsbeschränkungen (pag. 76 ff.). Problematisch sei, so die Privatklägerin weiter, 
dass die Entlastung der rechten Hand zur Belastung der aufgrund des Vorfalls 
ebenfalls lädierten linken Schulter führe (pag. 77 Z. 154 ff.). Anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung vom 26. Januar 2016 bestätigte die Privatklägerin 
ihre bisherigen Ausführungen zu ihrer körperlichen Verfassung und führte zusätz-
lich aus, der kleine Finger der rechten Hand und die linke Schulter würden nicht 
mehr gut. Den kleinen Finger könne sie nur noch minim bewegen, da das Band ka-
putt sei. Bei der Schulter sei ebenfalls das Band kaputt, weshalb sie z.B. keinen 
Rucksack tragen und keine schweren Lasten mehr heben könne. Von einer Opera-
tion der Schulterbänder werde bei Chancen um 50% eher abgeraten. (pag. 967 Z. 
20-27). Sie dürfe mit der rechten Hand nur noch Lasten bis 5 kg heben, da sie ei-
nen schrägen Bruch gehabt habe. Seit dem Vorfall sei sie dauernd arbeitsunfähig 
geblieben, mit Ausnahme von wenigen Arbeitsversuchen (pag. 967 Z. 43-47). Zu-
sammengefasst schilderte die Privatklägerin auch in oberer Instanz, sie könne als 
Folge des Vorfalls vom 7. März 2014 ihre rechte Hand und ihre linke Schulter nur 
sehr eingeschränkt belasten und sei darum nach wie vor nicht fähig, uneinge-
schränkt in ihrem angestammten Beruf als Reinigungskraft zu arbeiten. Sie bringe 
es auf zwei Tage Arbeit die Woche (pag. 1428 Z. 13-15). Bei der Arbeit schwelle 
die Hand an. Zudem bereite sie ihr auch bei tieferen Temperaturen Probleme. 
Teilweise werde die Hand steif und sie könne sie nicht mehr richtig brauchen, ins-
besondere die Feinmotorik sei eingeschränkt (pag. 1428 Z. 27-35). Je nach dem, 
wie stark sie die Hand nutze, schmerze sie (pag. 1428 Z. 38 f.). Mit der linken 
Schulter gehe es, solange sie nicht schwer heben müsse (pag. 1429 Z. 1-4). Sie 
könne grundsätzlich auch einen Rucksack tragen. Sobald dieser aber ein gewisses 
Gewicht habe (sechs Dosen oder Hundefutter), gehe es alleine nicht mehr und sie 
müsse ihren Mann mitnehmen (pag. 1429 Z. 6-8). Sie bestätigte sodann, dass sie 
mit ihrer rechten Hand weiterhin nur 5 kg heben könne und dass dies auch so blei-
ben werde (pag. 1430 Z. 26 ff.). 

23

Die Aussagen der Privatklägerin sind differenziert und nachvollziehbar. Wie bereits 
im Zusammenhang mit der tätlichen Auseinandersetzung, zeigte sie sich auch bei 
der Schilderung ihrer körperlichen Einschränkungen nicht als aggravierende und 
übertreibende Person. Vielmehr äusserte sie sich mit Blick auf die künftige Entwick-
lung vorsichtig positiv und zuversichtlich und zeigte sich motiviert, trotz den Hand- 
und Schulterbeschwerden weiterhin, wenn auch eingeschränkt, als Reinigungskraft 
zu arbeiten. Das Geschilderte spiegelt sich zudem in den Arztberichten und Arzt-
zeugnissen wieder und lässt sich somit weitgehend objektivieren: Aus den Zeug-
nissen von Dr. S.________ geht zunächst hervor, dass die Privatklägerin teilweise 
wegen Krankheit – vom 1. Juli 2014 bis zum 31. Juli 2014 (pag. 1080) und vom 
1. Juni 2015 bis zum  31. Mai 2016 (pag. 1077 und 1078) – und teilweise wegen 
Unfall – so vom 12. März 2014 bis zum 31. März 2014 (pag. 1082), vom 1. Juni 
2014 bis zum 30. Juni 2014 (pag. 1081) und vom 1. Januar 2015 bis zum 30. April 
2015 – über längere Zeit zu 100% arbeitsunfähig war. Den Arztberichten von 
Dr. S.________ lässt sich sodann entnehmen, dass es sich bei den diagnostizier-
ten Hand- und Schulterbeschwerden um bleibende Einschränkungen handelt 
(pag. 42 Frage 2 und 3, sowie pag. 51 Frage 2 und 5). 

10.8 Erstellter Sachverhalt

Nach dem Gesagten erachtet es die Kammer als erstellt, dass die Privatklägerin 
am 7. März 2014 mit der Zeugin Q.________ auf einer Sitzbank am Y._____-weg 
in G._____ (Ortschaft) sass, als der Beschuldigte zusammen mit W.________ auf-
tauchte und sich auf eine nahe gelegene Parkbank setzte. Nachdem sich der Be-
schuldigte zwischenzeitlich mit seinem Fahrrad entfernt hatte, packte er den Hund 
der Privatklägerin, hob ihn hoch, so dass dieser aus seinem Geschirr fiel und zur 
Privatklägerin zurückrannte. Als sich die Privatklägerin zum Beschuldigten begab 
und von diesem das Hundegeschirr zurückverlangte, schlug er ihr unvermittelt min-
destens zwei bis drei Mal mit der Faust ins Gesicht bzw. den Kopfbereich, wobei 
die Privatklägerin mehrmals hinfiel und sich wieder aufrichtete. Anschliessend be-
gab sich die Privatklägerin zur Polizei, welche sie zur medizinischen Abklärung an 
einen Arzt weiterleitete. Anlässlich der Untersuchungen vom 7. und 12. März 2014 
dokumentierte Dr. S.________ die in der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen, 
die von der körperlichen Einwirkung des Beschuldigten auf die Privatklägerin 
herrühren. 

Als Folge des Vorfalls leidet die Privatklägerin unter anderem an einer bleibenden 
verminderten Belastungsfähigkeit der rechten Hand und der linken Schulter und 
kann aufgrund des bleibenden Schadens an ihrer Hand ihre angestammte Tätigkeit 
(Reinigungs- und Räumungsarbeiten) – der sie zuletzt zu 80% nachging – nicht 
mehr voll ausüben und ist zudem in ihrem Alltag eingeschränkt.

11. Rechtliche Würdigung durch die Kammer

11.1 Allgemeines

Dem Beschuldigten wird eine schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 
Abs. 2 und 3 des Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) vorgeworfen (S. 6 der An-
klageschrift, pag. 524). Danach wird bestraft, wer vorsätzlich den Körper, ein wich-

24

tiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder 
Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich 
oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt 
(Art. 122 Abs. 2 StGB) oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des 
Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verur-
sacht (Art. 122 Abs. 3 StGB). Zu den allgemeinen Voraussetzungen für die An-
wendbarkeit dieser Strafbestimmung wird auf die korrekten Ausführungen der Vor-
instanz (S. 38 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1158 f.) verwiesen.

11.2 Objektiver Tatbestand

Die Vorinstanz erblickte in der Verletzung der rechten Hand und der linken Schulter 
eine «Beeinträchtigung wichtiger Glieder» im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB und 
stützte ihren Schuldspruch ausschliesslich auf diesen Absatz von Art. 122 StGB. 
Sie erachtete die eingeschränkte Belastungsfähigkeit der rechten Hand (Heben von 
nur noch max. 5 kg möglich) als erhebliche und dauernde Störung in der Grund-
funktion. Dazu gewichtete sie den Umstand, dass diese Einschränkung wegen der 
gleichzeitig entstandenen Schulterverletzung der Privatklägerin kaum mit einer 
stärkeren Belastung der anderen Seite kompensiert werden könne (S. 39 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1159 f.). 

Dieser Einschätzung ist grundsätzlich zuzustimmen. Im Zeugnis vom 12. Mai 2015 
attestiert Dr. S.________ der Privatklägerin eine «bleibende verminderte Belast-
barkeit der Hand und Schulter rechts und links» (Ziff. 2) und führt aus, dass sie seit 
dem Vorfall in ihrer angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig gewesen war 
(pag. 51). Auch das Zeugnis vom 16. September 2014 dokumentiert eine Arbeits-
unfähigkeit vom 7. März 2014 bis Ende Juli 2014 sowie einen gescheiterten Ar-
beitsversuch als Raumpflegerin (pag. 42). Anlässlich der oberinstanzlichen Haupt-
verhandlung reichte die Privatklägerin ein weiteres Zeugnis von Dr. S.________ zu 
den Akten (Zeugnis vom 12. November 2018, pag. 1466), in welchem dieser 
bestätigt, dass sich die Handverletzung der Privatklägerin in den letzten Monaten 
nicht verbessert, aber auch nicht verschlechtert habe. 

Für die Kammer ist erstellt, dass die Privatklägerin aufgrund der Faustschläge des 
Beschuldigten für längere Zeit arbeitsunfähig war bzw. teilweise nach wie vor ist. 
Gleichzeitig hat sie vom Vorfall auch bleibende Schäden an ihrer rechten Hand und 
der linken Schulter davongetragen, die ihr die Arbeit in ihrer angestammten Tätig-
keit verunmöglichen. Welcher Art und Intensität die Einschränkungen aber derzeit 
genau sind, erschliesst sich aus keinem der Zeugnisse restlos. Für die Kammer 
steht darum die von der Vorinstanz ebenfalls erwähnte «Gesamtbeeinträchtigung», 
welche sich aus der Kombination der Beeinträchtigungen der rechten Hand einer-
seits und der linken Schulter andererseits ergibt, im Vordergrund. So führte das 
Bundesgericht in einem Fall, in welchem die rechte Hand des Opfers nicht mehr 
voll funktionsfähig war, aus (Urteil des Bundesgerichts 6B_26/2011 vom 20. Juni 
2011 E. 2.4): 

Im Übrigen sind die Vorbringen des Beschwerdeführers auch deshalb unbehelflich, weil eine Kombi-
nation verschiedener Beeinträchtigungen, die für sich allein noch nicht als schwere Körperverletzung 
gelten, diese Qualifikation in der gesamtheitlichen Würdigung im Rahmen der Generalklausel nach 

25

Art. 122 Abs. 3 StGB rechtfertigen kann (ANDREAS A. ROTH/ANNE BERKEMEIER, a.a.O., Art. 122 
StGB N. 20 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend der Fall. Neben der dargelegten Verletzung war die 
Geschädigte aufgrund der verminderten Belastbarkeit ihrer rechten Hand während mindestens zehn 
Monaten arbeitsunfähig (mehrheitlich zu 90 % und 100 %). Dies gilt gemäss der Rechtsprechung als 
lang dauernde Arbeitsunfähigkeit (BGE 124 IV 53 E. 2 S. 57 mit Hinweisen; Urteil 6P.54/2002 vom 
22. November 2002 E. 2.1.1 und E. 2.1.4; Urteil 6S.212/1998 vom 17. August 1999 E. 2b und E. 2c). 
Hinzu kommen der lange Heilungsprozess mit den zwei Operationen, die zahlreichen weiteren Verlet-
zungen an den Armen, Händen und auf der Stirn der Geschädigten sowie die Beeinträchtigungen 
(konstanter Sensibilitätsverlust und allfällig bleibende bewegungs- sowie belastungsabhängige 
Schmerzen) des Zeige- und Mittelfingers ihrer rechten Hand, die sie im Alltag relevant behindern (vor-
instanzliche Akten, HD I, act. 11/24). Die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen vollendeter 
schwerer Körperverletzung verletzt kein Bundesrecht. 

Bereits die bleibende Beeinträchtigung der rechten Hand behindert die Privatkläge-
rin nicht nur in ihrem Beruf, sondern auch im Alltag. Diese Behinderung wiegt umso 
schwerer, als einer Kompensation mit der linken Körperseite die Verletzung der lin-
ken Schulter entgegensteht. Unter Berücksichtigung der dadurch bedingten langen 
Arbeitsunfähigkeit, überschreiten die Beschränkungen der Privatklägerin insgesamt 
ohne Weiteres die Schwelle von Art. 122 Abs. 3 StGB. Der objektive Tatbestand ist 
damit erfüllt. 

11.3 Subjektiver Tatbestand

Der Tatbestand von Art. 122 StGB verlangt Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. 
Eventualvorsätzlich agiert nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein 
Täter, der den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirklichung 
für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Ein-
tritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Aus 
dem Wissen des Täters um den möglichen Erfolgseintritt darf auf das Wollen ge-
schlossen werden, wenn sich dem Täter der Erfolg als so wahrscheinlich aufdräng-
te, dass sein Verhalten vernünftigerweise nicht anders denn als Billigung jenes Er-
folges ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweisen).

Vorliegend schlug der Beschuldigte derart wuchtig auf den Kopfbereich der Privat-
klägerin ein, dass diese zu Boden ging, wieder aufstand und gleich den nächsten 
Schlag kassierte (vgl. diesbezüglich auch die Aussage der Zeugin Q.________: 
«für mich sah es brutal aus», pag. 94 Z. 151). Es ist allgemein bekannt, dass wuch-
tige Schläge gegen den Kopf schwere Verletzungen hervorrufen können. Wer ein 
Opfer nicht nur mit mehreren Schlägen eindeckt, sondern wie hier der Beschuldigte 
die Privatklägerin gleich mehrfach zu Boden befördert, ist, wenn nicht gerade von 
einem Vernichtungswillen, so doch von einem offenbaren Verletzungswillen getrie-
ben. Ein solcher Täter kann nicht geltend machen, er habe auf den Nichteintritt ei-
ner schweren Verletzung gehofft. Vielmehr muss aus den unablässig fortgesetzten 
Schlägen des Beschuldigten gefolgert werden, dass er die möglichen schweren 
Verletzungsfolgen billigte und sie damit in Kauf nahm. Auch der subjektive Tatbe-
stand ist daher erfüllt. 

26

11.4 Fazit

Der Beschuldigte ist wegen (eventualvorsätzlicher) vollendeter schwerer Körperver-
letzung schuldig zu sprechen. 

III. Zum Vorwurf der versuchten Nötigung

12. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in Ziff. I.4 der Anklageschrift (pag. 521) vorgeworfen, er 
habe versucht, I.________ am Aussteigen aus dem Zug zu hindern, als sie diesen 
am 31. Mai 2014, zwischen ca. 18:55 und ca. 19:01 Uhr, am Bahnhof H.____ 
(Ortschaft) habe verlassen wollen, dadurch dass er sich ihr im Zug vor der Aus-
gangstüre in den Weg gestellt habe und ihr trotz mehrfacher Aufforderung nicht aus 
dem Weg gegangen sei.

13. Das Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhalt als erstellt und stützte sich 
dabei auf die aus ihrer Sicht glaubhaften Aussagen von I.________. Die Schilde-
rungen des Beschuldigten erachtete sie dagegen als nicht plausibel (insb. S. 22 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1142). 

14. Die Argumente der Parteien

14.1 Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung liess der Beschuldigte aus-
führen, es sei nicht bestritten, dass es vor dem Ausgang des Bahnwagens zu ei-
nem Missverständnis zwischen ihm und Frau I.________ gekommen sei, bei wel-
chem er sich Frau I.________ in den Weg gestellt habe. Genauer, so Rechtsanwalt 
B.________ weiter, habe sich der Beschuldigte auf die rechte Seite des Ausgangs 
gestellt, so dass sich Frau I.________ beim Aussteigen an ihm habe vorbeidrücken 
müssen. Dabei habe der Beschuldigte sie aber nicht am Aussteigen hindern, son-
dern lediglich ihre Aufmerksamkeit erlangen wollen. Es gehe zu weit, aus dieser Si-
tuation eine Nötigungsabsicht des Beschuldigten abzuleiten. Die Schwelle zum 
Versuch hätte bloss als überschritten angesehen werden können, wenn sich der 
Beschuldigte in die Mitte der Tür gestellt und so ein Aussteigen massgeblich er-
schwert hätte. Allein gestützt auf die Aussagen von Frau I.________ könne auch 
hier kein Schuldspruch erfolgen.

14.2 Demgegenüber führte die Generalstaatsanwaltschaft aus, die Aussagen des Be-
schuldigten seien auch zu diesem Vorfall wenig überzeugend und teilweise wider-
sprüchlich. Dies betreffe beispielsweise die Angabe, wonach er beim Aussteigen 
von Frau I.________ in den Rücken geboxt worden sei. Bezeichnenderweise su-
che er die Schuld für das Vorgefallene nicht bei sich selber, sondern bei anderen. 
Es leuchte überdies nicht ein, weshalb man nach einem derartigen Vorfall gemein-
sam auf die Polizei hätte warten sollen. Sehr überzeugend seien dagegen die 
zurückhaltenden und völlig unauffälligen Aussagen der Zeugin I.________, auf 
welche für die Beurteilung abzustellen sei. 

27

15. Beweiswürdigung durch die Kammer

15.1 Unbestrittenes und bestrittenes Geschehen

Der Beschuldigte bestreitet nicht, zusammen mit I.________ im gleichen Abteil der 
S-Bahn Bern - AB.____ (Ortschaft) von Bern nach H.____ (Ortschaft) gefahren und 
dort gemeinsam mit ihr ausgestiegen zu sein. Er habe I.________ aber nicht am 
Aussteigen gehindert. 

Bestritten ist, ob der Beschuldigte I.________ am Aussteigen aus dem Zug zu hin-
dern versuchte, indem er ihr mit seinem Körper den Ausgang versperrte. Objektive 
Beweismittel sind zu diesem Anklagepunkt keine vorhanden. Es bleibt daher die 
Würdigung der Aussagen der direkt Beteiligten. Der Melder, der auf dem Perron 
aus dem Zug heraus ein Handgemenge festgestellt hatte und angab ein Mann 
schlage auf eine Frau ein (pag. 110), wurde nie einer Befragung unterzogen. Ande-
re Zeugen konnten nicht ausfindig gemacht werden. 

15.2 Aussagen von I.________

Frau I.________ wurde erstmals am 16. Februar 2015 polizeilich befragt (pag. 139 
ff.) und äusserte sich später anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung am 
26. Januar 2016 erneut zum Vorfall (pag. 977 f.). Die Aussagen wurden von der 
Vorinstanz korrekt und ausführlich zusammengefasst, worauf vorab zu verweisen 
ist (S. 18 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1138 f.). Kurz zusam-
mengefasst führte die Zeugin I.________ aus, sie sei am besagten Tag gut gelaunt 
auf dem Weg zu ihrem Freund im oberen Teil des doppelstöckigen Zuges geses-
sen, als der Beschuldigte in G._____ (Ortschaft) zugestiegen sei (pag. 140 Z. 23 f.; 
pag. 977 z. 16 ff.). Kurz bevor sie aufgestanden sei, um den Zug zu verlassen, hät-
ten sich ihre Blicke gekreuzt, wobei sowohl sie als auch er gelächelt bzw. gegrinst 
hätten (pag. 140 Z. 28 ff.; pag. 977 Z. 20 f.) Als sie sich in Richtung Ausgang bege-
ben habe, sei er ihr gefolgt und habe sie mehrfach gefragt, weshalb sie ihn ausla-
che (pag. 140 Z. 32 ff.; pag. 977 Z. 21 f.). Als der Zug angehalten habe und sich die 
Türe geöffnet habe, habe sich der Beschuldigte ihr in den Weg gestellt und sie 
nicht aussteigen lassen. Nachdem sie ihn mehrmals vergeblich aufgefordert habe, 
sie aussteigen zu lassen, habe sie schliesslich den Beschuldigten mit ein wenig 
Druck beiseitegeschoben und sei ausgestiegen. Darauf sei der Beschuldigte auch 
noch ausgestiegen und habe sich ihr auf dem Perron genähert und es sei zu einem 
kleinen Handgemenge gekommen (pag. 140 Z. 34-40). Schliesslich sei sie über die 
Gleise geflüchtet (pag.141 Z. 48 f.; pag. 977 Z. 37 f.).

15.3 Aussagen des Beschuldigten

Bei der Polizei verweigerte der Beschuldigte am Tag des Vorfalls die Aussage und 
gab lediglich an, er habe an diesem Tag keine Delikte begangen (pag. 144 ff.). An-
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. April 2015 führte er 
aus, er habe in H.____ (Ortschaft) aussteigen wollen, als ihm die Zeugin 
I.________ in den Rücken geboxt bzw. ihn gestossen habe (pag. 147 Z. 264 f.). 
Darauf hin seien sie gemeinsam ausgestiegen und es habe ein «Gestürm» gege-
ben, weshalb sie beschlossen hätten, die Polizei anzurufen und auf die Polizei zu 
warten (pag. 147 Z. 257 f. bzw. 265 ff.). Als er diese habe kommen sehen, sei er 

28

übers Gleis weggerannt, weil er sich mit der Polizei damals nicht gut verstanden 
habe (pag. 147 Z. 259 bzw. 279 f.). 

15.4 Würdigung der Aussagen und erstellter Sachverhalt

Den Aussagen des Beschuldigten mangelt es an logischer Konsistenz und Plausi-
bilität. Weder kann er ein Motiv angeben, weshalb ihn die Zeugin I.________ hätte 
von hinten «boxen», «stossen» oder ihm «ankommen» sollen. Ein solches ist auch 
für die Kammer nicht ersichtlich. Mit Blick auf die stetige Weigerung des Beschul-
digten wegen dem Vorfall vom 7. März 2014 zur Polizei zu gehen (vgl. dazu 
pag. 32 und 37 f.), scheint kaum denkbar, dass er zusammen mit der Zeugin 
I.________ beschlossen haben soll, die Polizei zu alarmieren und mit ihr auf diese 
zu warten. Vor diesem Hintergrund erstaunt denn auch nicht, dass bei der Polizei 
nie ein entsprechender Anruf einging, der Beschuldigte über die Gleise flüchtete, 
als er die Polizeibeamten erblickte und bei seiner späteren Befragung die Aussa-
gen verweigerte. Wie bereits im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 7. März 2014 
schilderte der Beschuldigte eine der Version des Opfers angenäherte Geschichte 
und ändert diese dahingehend ab, dass nicht er das Opfer, sondern – jeweils ohne 
ersichtlichen Grund – das Opfer ihn angegriffen haben soll. Dies überzeugt nicht. 
Zudem bringt sich der Beschuldigte damit in eine übertriebene Opferrolle, was sei-
ne Aussagen als wenig glaubhaft erscheinen lässt. 

Im Unterschied zum Beschuldigten schilderte die Zeugin I.________ das Gesche-
hen anlässlich beider Befragungen im Kern konstant, widerspruchfrei und nachvoll-
ziehbar. Ihre Aussagen enthalten zahlreiche Realitätskennzeichen: So schilderte 
sie den Ablauf nicht nur sehr detailliert, sondern schmückte ihn zudem mit zahlrei-
chen wechselseitigen Gesprächsabschnitten aus, welche dazu geführt hätten, dass 
sich der Beschuldigte ihr in den Weg gestellt habe. Logisch konstant gab sie wie-
der, wie sich das «Handgemenge» entwickelt habe, sie unbeteiligte Personen um 
Hilfe gebeten habe und schliesslich über die Gleise geflüchtet sei. Stimmig ergänz-
te sie die Ausführungen mit ihren damaligen Gedankengängen und führte aus, wie 
es ihr «chribbelig» geworden sei und wie sie noch nie so etwas erlebt habe 
(pag. 977 Z. 25 f.). Originell gibt sie beispielsweise wieder, wie sie sich überlegt 
habe, ob der Beschuldigte unter Umständen ihr Grinsen falsch verstanden haben 
könnte (pag. 142 Z. 143 f.). Hervorzuheben ist weiter das sehr zurückhaltende 
Aussageverhalten der Zeugin I.________. So gab sie an, zwar blaue Flecken am 
rechten Unterarm gehabt zu haben, diese würden aber nicht von Schlägen seitens 
des Beschuldigten herrühren (pag. 140 Z. 43). Der Beschuldigte sei mehr auf sie 
zugekommen und sie habe versucht, ihn zurückzustossen (pag. 141 Z. 72 f.). 
Selbstkritisch gibt sie weiter an, sie habe wohl auch Sachen gesagt, die den Be-
schuldigten provoziert hätten (pag. 977 Z. 30 f.). 

Insgesamt erachtet die Kammer die Aussagen der Zeugin I.________ als äusserst 
glaubhaft. Auf sie ist darum abzustellen. Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte, 
nachdem die Zeugin I.________ ihm gesagt hatte, sie wolle mit ihm nichts zu tun 
haben und nichts mit ihm trinken gehen, am Aussteigen hinderte, indem er bei der 
Ausgangstüre des Zuges vor sie hin stand. Nach mehreren vergeblichen Aufforde-
rungen, sie aussteigen zu lassen, schob ihn I.________ mit Händedruck zur Seite 
und konnte aussteigen. 

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16. Rechtliche Würdigung durch die Kammer

16.1 Objektiver Tatbestand

Eine Nötigung begeht, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher 
Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas 
zu tun, unterlassen oder zu dulden (Art. 181 StGB).

Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Verge-
hens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur Vollen-
dung der Tat gehörende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so kann 
das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). 

Die Vorinstanz hat die massgeblichen theoretischen Grundlagen erörtert und den 
Sachverhalt korrekt subsumiert; darauf ist vorab zu verweisen (S. 42 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1162 ff.). 

Das Sich-in-den-Weg-Stellen des Beschuldigten beim Ausgang eines Zugwagens, 
um das Aussteigen einer Person zu verhindern, stellt weder eine Gewalthandlung, 
noch eine Drohung dar. In Frage kommt dagegen eine «andere Beschränkung der 
Handlungsfreiheit». Damit ist gemeint, dass der Täter mit anderen, im Gesetz nicht 
näher umschriebenen Mitteln auf das Opfer einwirkt. Nicht erforderlich ist, dass die 
betreffenden Nötigungsmittel das Opfer völlig widerstandsunfähig machen 
(BGE 101 IV 167 E. 2). Als andere Beschränkung der Handlungsfreiheit anerkann-
te das Bundesgericht beispielsweise die Störung eines Vortrags durch Nieder-
schreien mittels eines Megafons, die Bildung eines Menschenteppichs, die Sabota-
ge einer geschlossenen Bahnschranke mit Sekundenkleber zwecks einer Demons-
tration gegen den Golfkrieg, die Blockierung des Zutritts zu Gebäuden oder des Au-
toverkehrs (DELNON/RÜDY, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2018, N 43 mit 
Verweis auf BGE 134 IV 216 E. 4.2). Angesichts der weiten Formulierung ist die 
Generalklausel der «anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit» restriktiv aus-
zulegen (BGE 137 IV 326 E. 3.3.1). Indem sich der Beschuldigte der Zeugin 
I.________ in den Weg stellte, wollte er das Opfer zwingen, im Zug zu verbleiben 
bzw. das Aussteigen zu unterlassen. Wenn auch die Intensität der Hinderung nur 
von kurzer Dauer war, wären die Folgen für die Verletzung der freien Willensbetäti-
gung langandauernder gewesen; hätte doch die Zeugin I.________ bis mindestens 
zur nächsten Station mitfahren müssen, um dort auszusteigen und auf einen ent-
gegenkommenden Zug in die Gegenrichtung zu warten. Entscheidend ist weiter, 
dass sich der Beschuldigte in der Weise vor dem Opfer aufbaute, dass dieses nur 
unter physischer Druckeinwirkung auf den Beschuldigten tatsächlich aussteigen 
konnte; ob dies nun in der Mitte oder am Rande des Ausgangs geschah, ist entge-
gen der Ansicht der Verteidigung nicht entscheidend. Damit ist der objektive Tatbe-
stand erfüllt. 

Da dem Beschuldigten sein Vorhaben nicht gelang, weil sich die Geschädigte er-
folgreich zur Wehr setzte, liegt lediglich der Versuch einer Nötigung vor (Art. 22 
Abs. 1 i.V.m. Art. 181 StGB). 

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16.2 Subjektiver Tatbestand

Der Beschuldigte wollte offensichtlich verhindern, dass die Zeugin I.________ an 
dem von ihr gewählten Ort aussteigen konnte. Es liegt direkter Vorsatz vor. Der 
Tatbestand von Art. 181 StGB ist damit auch subjektiv erfüllt. 

16.3 Rechtswidrigkeit

Ist der Tatbestand der Nötigung erfüllt, muss deren Rechtswidrigkeit im Unter-
schied zu den andern Delikten des StGB positiv begründet werden. Nach der 
Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine Nötigung nur strafbar, wenn der damit 
verfolgte Zweck oder das verwendete Mittel gegen die Rechtsordnung oder die gu-
ten Sitten verstösst. Eine rechtswidrige Nötigung liegt überdies dann vor, wenn die 
Verknüpfung zwischen einem zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck als 
rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig erscheint BGE 101 IV 167 E. 5 mit Hinwei-
sen).

Beim Vorgehen des Beschuldigten ist bereits der Zweck unerlaubt, ebenso wie das 
dafür gewählte Mittel. Das sich körperliche Aufpflanzen vor einer schwächeren 
Person, um deren Bewegungsfreiheit einzuschränken, geht über das sozial-übliche 
Mass hinaus und ist damit widerrechtlich. Auch die Rechtswidrigkeit der Nötigung 
ist gegeben.

16.4 Fazit

Der Beschuldigte ist der versuchten Nötigung schuldig zu sprechen.

IV. Zum Vorwurf der Störung des Eisenbahnverkehrs evtl. der Störung von Be-
trieben, die der Allgemeinheit dienen

17. Vorwurf gemäss Anklageschrift

In Ziff. I.2 der Anklageschrift (S. 2 f. der Anklageschrift, pag. 520 f.) wird dem Be-
schuldigten eine Störung des Eisenbahnverkehrs, evtl. Störung von Betrieben, die 
der Allgemeinheit dienen, vorgeworfen. Am 31. Mai 2014 soll der Beschuldigte ei-
nen der Tatbestände verwirklicht haben, 

indem [er] am Bahnhof H.____ (Ortschaft) um ca. 19.03 Uhr mit einer vermutlich mit Metallkügelchen 
geladenen Gas-Luftdruckpistole auf den aus Bern kommenden Richtung AB.____ (Ortschaft) durch-
fahrenden Zug _______ der J.________ [AG] schoss und dabei an vier Wagons des Zuges insge-
samt bei fünf Fensterscheiben die jeweils äussere Sicherheitsscheibe beschädigte (Einschusslöcher 
in der äusseren Schicht der Doppelverglasung mit einem Durchmesser von ca. 2-3 mm; Sachschaden 
in der Höhe von insgesamt CHF 9'259.70).

Der Beschuldigte wusste, dass er durch sein Verhalten den Eisenbahnverkehr und das Eigentum der 
J.________ AG gefährdete. 

18. Das Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz stützte sich bei ihrer Beurteilung auf die ihrer Ansicht nach glaub-
haften Aussagen des Lokführers und Zeugen AA.________ ab. Ihres Erachtens 
musste dieser sowohl wegen der präzisen Beschreibung der Person als auch we-

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gen der zeitlichen Verhältnisse den Beschuldigten beobachtet haben, als er einen 
Mann auf dem Perron beschrieb, der sich zuerst eine Pistole in den Hosenbund 
steckte, kurz danach mit einer Pistole gegen den im Bahnhof vorbeifahrenden Re-
gio-Express Bern – AB.____ (Ortschaft) zielte und den Rückstossbewegungen 
nach zu urteilen auch mehrere Schüsse abgab. 

19. Argumente der Parteien im Berufungsverfahren

19.1 Rechtsanwalt B.________ führte aus, es sei nicht bestritten, dass sich der Be-
schuldigte am besagten Tag am Bahnhof H.____ (Ortschaft) aufgehalten habe. Es 
werde aber vehement bestritten, dass er dort mit einer Pistole auf einen Zug ge-
schossen habe. 

Es würden keine objektiven Beweise vorliegen, die für die Täterschaft des Be-
schuldigten sprächen und die Verurteilung würde sich ausschliesslich auf die Aus-
sage des Lokführers AA.________ stützen. Dieser habe ausgesagt, den Beschul-
digten mit einer schwarzen Pistole gesehen zu haben. Eine entsprechende Pistole 
habe der Beschuldigte aber weder auf sich getragen, noch habe sie – trotz intensi-
ven Nachsuchen – nachträglich sichergestellt werden können. Es sei damit nicht 
einmal erwiesen, dass der Beschuldigte je eine entsprechende Waffe besessen 
habe. Die bei ihm später sichergestellte Waffe sei silbrig und habe sich zum angeb-
lichen Tatzeitpunkt nachweislich in Reparatur befunden. 

Der Zeuge AA.________ habe weiter ausgesagt, er glaube bloss, dass die Person, 
die er gesehen habe, Schüsse abgegeben habe. Er habe weder Schüsse gehört, 
noch ein Mündungsfeuer gesehen. Er habe weiter angegeben, die Person nicht 
derart präzise wahrgenommen zu haben, dass er sie bei einer Gegenüberstellung 
wiedererkennen würde. 

Zu beachten sei weiter, dass dem Beschuldigten zwischen der Auseinanderset-
zung mit Frau I.________ und der Durchfahrt des Zuges bloss wenige Minuten Zeit 
geblieben wären, die Waffe vor dem Eintreffen der Polizei derart gut zu verstecken, 
dass sie nicht hätte gefunden werden können. Mit einem Anrücken der Polizei habe 
der Beschuldigte sodann gar nicht rechnen müssen. Frau I.________ habe über-
dies ausgesagt, sie habe den Beschuldigten während der Durchfahrt des Zuges 
gesehen und dieser habe sich passiv verhalten (pag. 141 Z. 93 f.). 

Insgesamt würden die Aussagen des Lokführers damit nicht nur keine Stütze in 
anderen Beweismitteln finden, sie würden diesen vielmehr widersprechen, weshalb 
darauf nicht abgestützt werden könne. Auch hier würden im Ergebnis erhebliche 
Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten bestehen, weshalb er sowohl mit 
Blick auf die Störung des Eisenbahnverkehrs, als auch die Sachbeschädigung frei-
zusprechen sei.

19.2 Für die Generalstaatsanwaltschaft führte Staatsanwalt X.________ aus, die Aus-
sagen des Beschuldigten seien auch zu diesem Vorwurf wenig überzeugend und 
teilweise widersprüchlich. Nachweislich falsch sei beispielsweise seine Äusserung, 
er habe das Gilet seines Vaters aufgrund seiner Figur nicht zuknöpfen können; dies 
werde durch die vorhandenen Polizeifotos direkt widerlegt. Zu präzise, um erfun-
den zu sein, seien dagegen die Aussagen des Zeugen AA.________, welcher das 

32

Wahrgenommene äusserst genau schildere und sich dabei zusätzlich um Objekti-
vität bemühe. Vor diesem Hintergrund könnten die an den Zugwagons nachgewie-
senen Schäden keinen anderen als den in der Anklageschrift erwähnten Ursprung 
haben. 

Entgegen den Ausführungen des Beschuldigten stehe der Umstand, dass man die 
Tatwaffe nicht gefunden habe, einer Verurteilung nicht zwingend entgegen; dies sei 
bereits in verschiedenen Verfahren vorgekommen. 

Auch aus den Aussagen von Frau I.________ lasse sich nichts anderes ableiten. 
Sie habe angegeben, sich zeitweise vom Bahnhof entfernt zu haben und erst 
später wieder zurückgekehrt zu sein. Es sei also durchaus möglich, dass der be-
sagte Zug in der Zwischenzeit durchgefahren sei und sich ihre Aussage (der Be-
schuldigte habe sich während der Durchfahrt des Zuges ruhig verhalten) auf einen 
anderen Zug bezogen habe. 

Rechtlich sei der Tatbestand der Störung des Eisenbahnverkehrs bereits erfüllt, 
wenn keine konkrete Gefährdung von Leib und Leben stattgefunden habe. Die al-
ternativ vorausgesetzte Gefährdung des fremden Eigentums sei aber ohne Weite-
res gegeben. Dieses sei nicht nur gefährdet, sondern sogar beeinträchtigt worden.

20. Beweiswürdigung durch die Kammer

20.1 Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Es ist unbestritten, dass sich der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt in der Nähe des 
Bahnhofs H.____ (Ortschaft) aufhielt. Unbestritten bzw. anhand der vorhandenen 
objektiven Beweismittel hinlänglich belegt ist, dass bei vier Wagen des von Bern 
nach AB.____ (Ortschaft) verkehrenden Regio-Expresszuges _______ nach An-
kunft in AB.____ (Ortschaft) Einschusslöcher in total fünf verschiedene Scheiben 
festgestellt wurden. 

Bestritten und abzuklären ist, ob es der Beschuldigte war, der den Schaden an den 
fünf Bahnwaggonfenstern verursachte und darüber hinaus wissentlich Leib und Le-
ben von Menschen oder fremdes Eigentum in Gefahr brachte (Tatbestand von Art. 
238 Abs. 1 StGB) oder ob der Beschuldigte (eventualiter) den Eisenbahnbetrieb 
gefährdete.

20.2 Objektive Beweismittel

Es liegen die Schadensmeldung der J.________ AG mit fünf Fotos von beschädig-
ten Bahnwaggonfenstern sowie die Interventionsrapporte der Bahnpolizei mit der 
Darstellung der Ereignisse vor (pag. 126 ff). Daraus ergeben sich mit Ausnahme 
der Schadenshöhe für die Reparatur (pag. 126) keine über den Polizeirapport vom 
18. Juni 2014 (pag. 108 ff.) hinausgehenden Informationen. Offenbar gingen die 
Bahnpolizeiorgane nach den ersten Meldungen von einer Schlägerei im Zug aus, in 
deren Folge eine Person Steine gegen den Zug geworfen habe (pag. 130 f.). 

Dem erwähnten Anzeigerapport der Polizei (pag. 108 ff.) liegen weitere 12 Fotos 
mit beschädigten Bahnwaggonfenstern bei (pag. 116-119). Darauf ist jeweils ein 
Loch in der ersten Sicherheitsscheibe zu erkennen, um welches herum sich spin-
nenwebenförmig Splitter über die gesamte Scheibe ziehen. Ausser dem Datum 

33

(dem 31. Mai 2014) lassen sich dem Fotodossier keine weiteren Informationen 
oder Beschriftungen entnehmen, so dass daraus z.B. nicht klar wird, wie viele 
Fenster defekt waren, in welchem Abstand sich die beschädigten Scheiben befan-
den und welche Grösse die Einschusslöcher aufwiesen. 

Nachdem der Lokführer des zu dieser Zeit in H.____ (Ortschaft) anhaltenden Zu-
ges eine Person beobachtet hatte, die mit einer Pistole auf den vorbeifahrenden 
Regio-Express _______ gezielt hatte, wurde am Bahnhof H.____ (Ortschaft) noch 
gleichen Abends eine Nachsuche vorgenommen (pag. 112). Eine Waffe wurde 
nicht gefunden, indessen zwei Metallkügelchen mit einem Durchmesser von ca. 
3,5 mm (pag. 114). Gemäss Polizeirapport «dürften» diese von einer Gas-
Luftdruckpistole stammen (pag. 110).

Da die Scheiben durch die J.________ AG bereits abgeklebt worden waren und im 
Zwischenraum zwischen den äusseren defekten und den inneren intakten Sicher-
heitsscheiben keine Projektile ersichtlich waren, verzichtete die Polizei auf den Bei-
zug des Kriminaltechnischen Dienstes der Kantonspolizei Bern (nachfolgend KTD). 
Auch von einer genaueren Untersuchung der Metallkügelchen wurde nach Rück-
sprache mit dem Fachbereich Waffen, Sprengstoff und Gewerbe abgesehen. Dort 
brachte die Polizei allerdings gemäss Rapport in Erfahrung, dass eine Gas-
Luftdruck-Pistole [bzw. wohl Gas-Druckluft-Pistole], wenn sie mit Metallkügelchen 
geladen wird, durchaus die nötige Kraft aufbringen könne, um eine Scheibe zu 
durchdringen und Menschen ernsthaft zu gefährden (Anzeigerapport pag. 112). 

Den Fotos des Anzeigerapports können im Weiteren auch zwei Fotos des ca. 
15 Minuten nach dem Vorfall auf dem Bahnhof H.____ (Ortschaft) angehaltenen 
Beschuldigten entnommen werden. Sie zeigen ihn in auffallenden dunkelblauen ¾ 
Hosen mit weissem grossen Blumenmuster und einem dunklen Gilet mit Knöpfen 
(pag. 115 f.). 

20.3 Subjektive Beweismittel

20.3.1 Aussagen des Zeugen AA.________

Bei AA.________ handelt es sich um den Lokführer eines S-Bahn-Zuges, der zum 
Zeitpunkt der Durchfahrt des Regio-Express _______ im Bahnhof H.____ (Orts-
chaft) einfuhr und dann gleich wieder Richtung Bern abfahren wollte. Er wurde 
schon drei Stunden nach dem Vorfall polizeilich und später als Zeuge von der 
Staatsanwaltschaft befragt (pag. 132 ff. bzw. 135 ff.). Auf die vollständige und rich-
tige Zusammenfassung seiner Aussagen durch die Vorinstanz kann vorab verwie-
sen werden (S. 19 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1139 f.). 

Als AA.________ als Lokführer mit seiner S-Bahn von AB.____ (Ortschaft) her-
kommend in den Bahnhof H.____ (Ortschaft) einfuhr, fiel ihm eine Person auf dem 
Perron neben der Sitzbank auf. Diese stand mit nacktem Oberkörper dort (pag. 133 
Z. 18-20). Dann habe er gesehen, wie sich diese Person eine Pistole (diese habe 
er genau gesehen) in den Hosenbund gesteckt und ein dunkles Gilet übergezogen 
habe, womit die Pistole im Hosenbund kaschiert worden sei (pag. 133 Z. 20-23). 
Während die Fahrgäste aus- und eingestiegen seien, habe er im Rückspiegel die 
Person weiter beobachtet und gesehen, dass sie breitbeinig mit der Pistole in der 
Hand auf den vorbeifahrenden Schnellzug Bern - AB.____ (Ortschaft) gezielt habe. 

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Es habe einfach so ausgesehen, als schiesse die Person, gehört habe er aber 
nichts und er habe auch kein Mündungsfeuer oder Rauch gesehen (pag. 133 Z. 24-
27). Die Distanz zu dieser Person habe ca. 20 Meter betragen und sie habe sich 
ruhig verhalten, bis alle Personen ein- oder ausgestiegen seien, dann habe er auf 
den Zug gezielt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls habe es keine anderen Personen auf 
dem Perron gehabt. Er habe seine Hupe betätigt, als er das gesehen habe. Da er 
bereits ein wenig am Rollen gewesen sei, sei die Distanz immer grösser geworden. 
Er habe aber den Eindruck, dass die Person danach gegangen sei (pag. 133 Z. 27-
32). Ob die Person wirklich geschossen habe oder nur den Rückstoss simuliert ha-
be, so AA.________ weiter, wisse er nicht. Er habe einfach die Pistole gesehen 
und die Bewegung die ein Rückstoss gemacht hätte. Dies habe die Person mindes-
tens zwei bis dreimal gemacht, die genaue Anzahl könne er aber nicht sagen 
(pag. 31-35). Der andere Zug sei mit ca. 90 km/h durchgefahren, die Person sei mit 
einem Abstand von ca. 1,5 Meter davon entfernt gestanden, in einem Winkel von 
ca. 45 Grad, wobei der Abstand ca. zwei bis drei Meter gewesen sei (pag. 133 
Z. 37-39). AA.________ sagte weiter aus, die Person habe sehr kurze rasierte 
Haare und einen Dreitagebart gehabt, evtl. einen Sonnenbrand am Kopf. Er habe 
helle Hosen mit einem geometrischen schwarzen Muster und ein ärmelloses dunk-
les Gilet mit Knöpfen in der Mitte getragen. Dieses habe unten «so Zacken» gehabt 
und sei über den Hosenbund geragt, so dass man die Pistole nicht mehr gesehen 
habe.