# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c114f2d-b4a9-5ec8-bf8f-55c58274869f
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-09-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 11.09.2025 SST.2024.224
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-224_2025-09-11.pdf

## Full Text

Obergericht
Strafgericht, 1. Kammer

SST.2024.224
(ST.2022.194; StA.2021.8455)

Urteil vom 11. September 2025

Besetzung Oberrichter Six, Präsident
Oberrichter Fedier
Oberrichterin Vasvary
Gerichtsschreiberin L. Stierli

Anklägerin Staatsanwaltschaft Baden,
Mellingerstrasse 207, 5405 Baden

Privatklägerin A._____,
[…]
unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin Yvonne Meier,
[…]

Beschuldigter B._____,
geboren am tt.mm.1985, von Birrwil,
[…]
verteidigt durch Rechtsanwalt Burim Imeri,
[…]

Gegenstand Versuchte Vergewaltigung usw.

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Das Obergericht entnimmt den Akten:

1.
Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 8. Dezember 2022 Anklage gegen
den Beschuldigten wegen mehrfach versuchter Vergewaltigung, mehr-
facher sexueller Nötigung, Nötigung, mehrfachen sexuellen Handlungen
mit Kindern, mehrfachen versuchten Inzests und mehrfacher Pornografie.
Sie beantragte die Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe
von 6 Jahren, einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à
Fr. 110.00 sowie einer Busse von Fr. 3'500.00. Weiter beantragte sie ein
lebenslanges Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 StGB.

2.
Das Bezirksgericht Baden verurteilte den Beschuldigten mit Urteil vom
12. Dezember 2023 wegen mehrfacher Pornografie zu einer bedingten
Freiheitsstrafe von 8 Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 120 Tages-
sätzen à Fr. 110.00 und einer Busse von Fr. 2'500.00. Zudem ordnete es
ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot an. Im Übrigen hat es den
Beschuldigten von Schuld und Strafe freigesprochen.

3.
3.1.
Mit Berufungserklärung vom 26. September 2024 (Postaufgabe)
beantragte die Staatsanwaltschaft Baden die Verurteilung des
Beschuldigten gemäss Anklage und die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe
von 6 Jahren, einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à
Fr. 110.00, einer Busse von Fr. 3'500.00 sowie eine den Anträgen
entsprechende Kostenverlegung.

Zusätzlich stellte sie den Beweisantrag, dass über die Privatklägerin
A._____ ein aussagepsychologisches Gutachten einzuholen sei.

3.2.
Der Beschuldigte beantragte mit Berufungserklärung vom 8. Oktober 2024
einen vollständigen Freispruch von Schuld und Strafe.

3.3.
Mit Berufungserklärung vom 8. Oktober 2024 beantragte die Privatklägerin
A._____ die Verurteilung des Beschuldigten gemäss Anklage und die
angemessene Bestrafung. Sodann sei der Beschuldigte zu verpflichten, ihr
eine Genugtuung in Höhe von Fr. 25'000.00 zzgl. Zinsen von 5 % seit
1. Januar 2018 zu bezahlen.

4.
Mit Verfügung vom 10. Oktober 2024 wurde der Privatklägerin A._____ die
unentgeltliche Rechtspflege unter Einsetzung von Rechtsanwältin Yvonne

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Meier als unentgeltliche Rechtsbeiständin gewährt. Weiter wurde der
Beweisantrag der Staatsanwaltschaft betreffend Einholung eines
aussagepsychologischen Gutachtens einstweilen abgewiesen.

5.
Die Berufungsverhandlung fand am 11. September 2025 statt.

Das Obergericht zieht in Erwägung:

1.
Die Berufung der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin richtet sich
gegen die vorinstanzlich ergangenen Freisprüche (Dispositivziffer 1 des
angefochtenen Entscheids), die Berufung des Beschuldigten gegen den
Schuldspruch (Dispositivziffer 2). Entsprechend sind auch die Straf-
zumessung (Dispositivziffern 3 und 4), das Tätigkeitsverbot (Dispositiv-
ziffer 5), die Zivilklage (Dispositivziffer 6) sowie die Kosten- und
Entschädigungsfolgen (Dispositivziffern 8 und 9) angefochten. Nicht
angefochten und daher nicht zu überprüfen ist der Entscheid über die
Einziehung (Dispositivziffer 7; Art. 404 Abs. 1 StPO).

2.
2.1.
Dem Beschuldigten wird in den Anklageziffer 1 bis 5 vorgeworfen, zu
unbekannten Zeitpunkten zwischen dem 8. und dem 15. Lebensjahr von
A._____ (der leiblichen Tochter des Beschuldigten), bei zahlreichen
Gelegenheiten in seinem Wohnhaus, welches er mit seinen Eltern resp.
den Grosseltern von A._____ bewohnt, sich an ihr vergriffen zu haben. So
habe er A._____ bei einer Vielzahl von Gelegenheiten gegen deren Willen
mit den Händen oberhalb wie unterhalb der Kleidung an die Brüste gefasst,
mit dem Mund oder Zunge ihre Brüste berührt, mit seiner Hand den
Intimbereich berührt und habe daran Bewegungen ausgeführt und sei
mindestens drei Mal auch mit dem Finger vaginal eingedrungen. Bei
mindestens einer Gelegenheit im Jahr 2020 oder 2021 habe der
Beschuldigte A._____ gezwungen, ihn sexuell zu befriedigen, indem er ihre
Hand zu seinem Penis geführt habe und sie Auf- und Abbewegungen habe
vollziehen lassen (mehrfache sexuelle Nötigung, mehrfache sexuelle
Handlungen mit Kindern; Anklageziffer 2). Ebenfalls im Jahr 2020 oder
2021 und zuvor habe der Beschuldigte A._____ bei einer unbekannten
Anzahl von Gelegenheiten – höchstens jedoch zehn Mal – mittels
Körperkraft aufs Bett gezwungen, sodass sie auf dem Rücken vor ihm
gelegen sei. In der Folge habe er sich selbst und A._____ teilweise
entkleidet und habe versucht, mit erigiertem Penis in ihre Vagina
einzudringen, was jedoch aufgrund ihres Widerstands nicht gelungen sei
(mehrfache versuchte Vergewaltigung, mehrfache sexuelle Handlungen
mit Kindern, mehrfacher versuchter Inzest; Anklageziffer 1). Bei einer

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Gelegenheit, mutmasslich 2020 oder 2021, habe der Beschuldigte nach
einem gescheiterten Versuch, mit einem Kondom den Geschlechtsverkehr
an A._____ zu vollziehen, sich vor ihr selbst befriedigt und in das Kondom
ejakuliert. Er habe A._____ gezwungen, gegen ihren Willen dabei
zuzusehen. Diese sei aufgrund der vorgängig, zum wiederholten Male
erfolgten Vergewaltigungsversuchen, der körperlichen Unterlegenheit und
aus Erleichterung darüber, nicht weiterhin selbst körperlich in eine sexuelle
Handlung mit ihrem Vater miteinbezogen zu werden, zu weiterem
Widerstand unfähig gewesen und habe den Anblick über sich ergehen
lassen. Der Beschuldigte habe sich damit der Nötigung schuldig gemacht
(Anklageziffer 3).

Schliesslich wird dem Beschuldigten in Anklageziffer 6 mehrfache
Pornografie vorgeworfen, indem er am 13. Oktober 2020 insgesamt
341 Videodateien und 1 Bilddatei mit tatsächlichen sexuellen Handlungen
mit Minderjährigen zum Eigenkonsum besessen habe. Zudem habe er am
11. Oktober 2020 47 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten an eine
unbekannte Drittperson via seinen Account auf dem Filesharing-Dienst
Mega.nz weitergeleitet.

2.2.
Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten wegen mehrfacher Pornografie
schuldig und im Übrigen von den Vorwürfen z.N. von A._____ frei. Ihre
Schilderungen seien nicht von ausreichender Qualität, um Schuldsprüche
betreffend die sexuellen Handlungen zu begründen, weitere Beweismittel
würden nicht vorliegen (vgl. vorinstanzliches Urteil, II A/5.7, S. 28).

2.3.
Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten
Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-
setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den
Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss
abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer
möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass
bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den
Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst
anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen
Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als
Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV
345 E. 2.2.3).

2.4.
2.4.1.
Am 9. November 2021 erschien C._____, die Mutter von A._____, auf dem
Polizeiposten in Baden und erklärte, dass ihr ihre Tochter Anfangs August

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anvertraut habe, von ihrem leiblichen Vater – dem Beschuldigten –
bedrängt worden zu sein und dieser versucht habe, sie an den Brüsten
anzufassen. Zusammen mit den Grosseltern, welche im selben Haus wie
der leibliche Vater wohnen würden, sei versucht worden, A._____ zu
schützen und sie nie mit dem Beschuldigten alleine zu lassen. Zwei Tage
zuvor habe ihr ihre Tochter erneut erzählt, dass der Beschuldigte sie am
Wochenende vom 22. bis 24. Oktober 2021 erneut an die Brüste gefasst
habe, weshalb sie nun die Polizei aufsuche, um ihre Tochter zu schützen.
Weitergehende Berührungen habe ihre Tochter auf ihre Nachfrage hin
verneint. Bereits im Frühling habe C._____ bemerkt, dass sich ihre Tochter
verändert hätte, so sei sie ruhiger und verschlossener geworden. Auch
habe sie nicht mehr so viele Wochenenden bei ihren Grosseltern verbracht
(Untersuchungsakten [UA] act. 115 ff.).

Die damals 14-jährige A._____ wurde am 6. Dezember 2021 per
Videobefragung einvernommen. Dabei erklärte sie, dass es ungefähr in der
1. Klasse angefangen habe (UA act. 120 ff., insb. act. 123). Damit liegen
für die weit zurückreichenden vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum
Nachteil von A._____ keine tatnahen Aussagen vor. Wie sich aus der
rechtspsychologischen Lehre ergibt, sind bei einer erst spät erfolgten
ersten Einvernahme zahlreiche Sekundäreinflüsse in Form von
Gesprächen, Beratungen und Therapien möglich. Weiter besteht die
Möglichkeit von autosuggestiven Prozessen, die von aussen angestossen
werden und ihren Ausgangspunkt häufig in einem schlechten psychischen
Befinden haben. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Aussagen, die auf voll
ausgebildeten Pseudoerinnerungen beruhen, eine ähnlich hohe Qualität
erreichen können wie erlebnisbasierte Aussagen. Wenn in der
Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage suggestive
Prozesse begründbar sind, stellt die Inhaltsanalyse im Einzelfall kein
valides Mittel zur Verifizierung von Aussagen mehr dar (vgl. zum Ganzen:
Urteil des Bundesgerichts 6B_317/2024 vom 5. August 2024 E. 6.1).

A._____ erklärte anlässlich ihrer Videoeinvernahme, dass sie ihrer besten
Freundin flüchtig von den Übergriffen erzählt habe (UA act. 128). Anlässlich
der obergerichtlichen Einvernahme erklärte sie zudem, dass sie das
Vorgefallene auch ihrer Lehrerin erzählt habe, welche schliesslich ihre
Mutter kontaktiert habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 11). Zudem
hat sie kurz nach Anzeigeerhebung durch ihre Mutter, und noch vor ihrer
auf Video aufgezeichneten Einvernahme, eine Psychotherapie begonnen
(vgl. UA act. 214; Gerichtsakten [GA] act. 85 f.). Damit steht auch fest, dass
A._____ zumindest rudimentär unbeteiligten Drittpersonen von den
angeklagten sexuellen Vorfällen erzählt hat bzw. eine Therapie begonnen
hat, welche von der Prämisse der erlittenen sexuellen Gewalt ausgegangen
ist. Somit können Sekundäreinflüsse und insbesondere autosuggestive
Prozesse aufgrund des Umstands, dass bis zur Anzeige mehrere Jahre
verstrichen sind, nicht ohne weiteres ausgeschlossen werden. Die teilweise

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erst viele Jahre nach den angeklagten Vorfällen erfolgten Aussagen von
A._____ sind aufgrund des langen Zeitablaufs und der nicht auszu-
schliessenden Möglichkeit von fremd- und autosuggestiven Prozessen mit
der nötigen Zurückhaltung zu würdigen und eine inhaltliche Analyse
anhand von sogenannten Realkennzeichen ist nur beschränkt möglich,
wobei ihre Aussagen im Rahmen der freien Beweiswürdigung stets auf ihre
Glaubhaftigkeit überprüft werden können (vgl. Art. 10 Abs. 2 StPO).

2.4.2.
A._____ wurde im Untersuchungsverfahren am 6. Dezember 2021
einvernommen (mit Aufzeichnung auf Video; UA act. 120 ff.) und anlässlich
der Berufungsverhandlung vom 11. September 2025 einlässlich zur Sache
befragt. Das Obergericht konnte folglich einen persönlichen Eindruck ihres
heutigen Aussageverhaltens und ihrer Persönlichkeit gewinnen. Weiter
liegen Einvernahmen ihrer Mutter C._____, ihres Grossvaters D._____,
ihrer Grossmutter E._____ sowie des Beschuldigten vor.

Der Beschuldigte bestreitet die ihm vorgeworfenen Handlungen zum
Nachteil von A._____ (UA act. 203 ff.; GA act. 100 ff.; Protokoll
Berufungsverhandlung, S. 20).

2.4.3.
Die leiblichen Eltern von A._____ hatten sich nach ihrer Geburt getrennt
und A._____ verbrachte einen Grossteil ihrer Kindheit bei ihren Grosseltern
väterlicherseits. Bis zum 7. Lebensjahr hat sie praktisch bei ihnen gewohnt,
danach ist sie regelmässig an den Wochenenden bei ihren Grosseltern
gewesen (UA act. 158 und 172; GA act. 55, 69 und 88). Der Beschuldigte
– der leibliche Vater von A._____ – wohnte nach der Trennung von der
Kindsmutter ebenfalls bei seinen Eltern im Haus, an einer Vater-Tochter-
Beziehung zu A._____ hatte er jedoch kein Interesse (UA act. 115 und 138;
GA act. 56, 74 und 96; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 19).

2.4.4.
Die Vorinstanz hat die Aussagen von A._____ anlässlich der Video-
einvernahme ausführlich wiedergegeben, worauf vorab verwiesen werden
kann (vorinstanzliches Urteil, E. II/A. 5.2, S. 17 ff.). Unter Einbezug ihrer
Aussagen vor Obergericht ist zu erkennen, dass ihre Ausführungen in
Bezug auf die Vorwürfe der sexuellen Handlungen wenig differenziert,
vage, pauschal und nicht gänzlich widerspruchsfrei sind. So führte sie
anlässlich der Videoeinvernahme aus, dass der Beschuldigte sie angefasst
habe, und zwar nicht nur über der Kleidung, sondern auch darunter (UA
act. 121). Auf Nachfrage erklärte sie, dass er sie bei den Brüsten oder
zwischen den Beinen angefasst habe (UA act. 122). Während A._____
ihrer Mutter offenbar schilderte, dass der Beschuldigte ihr ins Badezimmer
gefolgt sei (UA act. 115), erklärte sie anlässlich der Videoeinvernahme sehr
generell, dass die Vorfälle meistens im Zimmer des Beschuldigten, aber

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auch im Gang oder «unten», wenn niemand da gewesen sei, stattgefunden
hätten. Manchmal habe es lange gedauert und manchmal sei es schnell
gegangen. Sie habe jeweils einfach versucht, wegzukommen. Sie habe
teilweise um sich geschlagen, aber aufgrund ihrer körperlichen Unterlegen-
heit schnell gemerkt, dass das nicht gegangen sei. Manchmal sei es ihr
auch gelungen, davonzukommen. Es könne auch sein, dass sie einmal
gesagt habe «hör uf oder loh mech los». Sie glaube, der Beschuldigte habe
diese Anweisung jedoch nicht befolgt und sei überrascht gewesen und er
habe versucht, dass sie bleibe. Sonst sei es gewesen, «denn halt» (UA
act. 123 f.). Vor Obergericht blieben die Aussagen von A._____ zum
eigentlichen angeklagten Geschehen erneut sehr oberflächlich. So erklärte
sie, dass die Übergriffe meistens im Zimmer des Beschuldigten
stattgefunden hätten, indem dieser sie an den Armen ins Zimmer gezerrt
habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6). Von Übergriffen an anderen
Orten im Haus oder unangemessene Berührungen während einer
«Spielerei» war nicht mehr die Rede.

Es ist zwar nachvollziehbar, dass A._____ ungern darüber spricht, wie sie
selbst ausführte (UA act. 122) und es ist auch nicht ausser Acht zu lassen,
dass bei einer Vielzahl von Vorfällen, welche sich über Jahre hinweg
ereignet haben, schwierig ist, einzelne Handlungen genau einzuordnen. Es
ist auch durchaus denkbar, dass verschiedene Handlungen in der
Erinnerung zu einer Handlung verschmelzen und aufgrund des Zeitablaufs
nicht jedes Detail wiedergegeben werden kann. Dennoch blieben die
Aussagen von A._____ auch in Bezug auf den letzten Vorfall, welcher keine
zwei Monate vor der ersten Einvernahme zurücklag, sehr pauschal und
vage. Konkret auf den letzten Vorfall angesprochen, welcher gemäss der
Mutter von A._____ am Wochenende vom 22. bis 24. Oktober 2021
passiert sein soll (vgl. UA act. 115), erklärte A._____, dass sie schon
glaube, dass dieser im selben Jahr [wie die Einvernahme am 6. Dezember
2021] stattgefunden habe, es könne sein, dass dies im Herbst gewesen
sei. Aber es könne auch sein, dass es noch im Sommer passiert sei. Der
Beschuldigte habe sie im Badezimmer oder im Gang angefasst. Sie glaube,
er habe sie nur «oben» angefasst. Ob er dabei Bewegungen gemacht
habe, wisse sie nicht mehr. Sie wisse jedoch noch genau, dass sie
schwarze Hosen und ein schwarzes Top angehabt habe (UA act. 123).
Diese oberflächlichen Aussagen erstaunen umso mehr, als A._____ erst
zuvor ihrer Mutter erzählt hatte, dass der Beschuldigte sie anfassen würde
und sie seitdem nur noch wenige Male bei den Grosseltern gewesen sei
(vgl. UA act. 219). A._____ hat von ihrem 4. bis 7. Lebensjahr fast die
ganze Zeit bei ihren Grosseltern gelebt und hat auch danach beinahe jedes
Wochenende bei ihnen verbracht (vgl. UA act. 158 und 172), weshalb das
Ende der bis dahin regelmässigen Aufenthalten bei ihren Grosseltern für
A._____ ein ziemlicher Umbruch gewesen sein muss. Unter diesen
Umständen wäre zu erwarten, dass sie diesen letzten Vorfall zumindest
annähernd in einen zeitlichen Kontext setzen kann. Auch bei den weiteren

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geschilderten Vorfällen fehlt ein zeitlicher Kontext. Andere Vorkommnisse
konnte sie dann jedoch ziemlich genau einordnen. So erzählte sie, dass sie
ihrer Freundin bei ihrem gemeinsamen Wochenende am Q._____ von den
Übergriffen des Beschuldigten erzählt habe. Dies sei wohl am 2. oder 3.
Wochenende nach den Ferien gewesen, als im Tennisclub eine Feier
gewesen sei (UA act. 128).

Im Laufe der Einvernahme wurden die Vorwürfe gegenüber dem
Beschuldigten immer erheblicher, wobei die Handlungen jeweils erst auf
explizite Nachfragen geschildert wurden. So wurde A._____ gefragt, wie
der Beschuldigte sie an der Vagina berührt habe, worauf sie mit «Wie
meinet Sie das?» antwortete. Als die einvernehmende Polizistin daraufhin
fragte, ob mit den Fingern oder einem Gegenstand, erklärte A._____, dass
es mit den Fingern geschehen sei. Auf die darauffolgende Frage, ob auch
mit dem Mund Berührungen stattgefunden hätten, bestätigte A._____ auch
dies (UA act. 124). In der Folge erklärte sie zudem, dass der Beschuldigte
sie auch an den Brüsten mit dem Mund und der Zunge berührt habe (UA
act. 125). A._____ schilderte sodann, dass der Beschuldigte mit den
Fingern auch in sie eingedrungen sei. Während sie genau angeben konnte,
dass er nur mit einem Finger eingedrungen sei, konnte sie nicht angeben,
ob sie dabei Schmerzen verspürt hatte (UA act. 124 und 128). Diese
Angaben weisen nicht unbedingt auf selbst Erlebtes hin. Einerseits wäre
es, wenn auch nicht unmöglich, aber dennoch ungewöhnlich, dass sie
zugesehen hat, wie der Beschuldigte seine Finger resp. seinen Finger
einführte, und daher genau gewusst hat, dass es nur ein Finger war, zumal
dies mehrfach vorgekommen sein soll und sie selbst aussagte, in solchen
Situationen jeweils komplett abgeschaltet zu haben (UA act. 123). So
schilderte sie auch vor Obergericht, dass sie jeweils die Latten an der
Decke oder die Bilder an der Wand angestarrt habe (Protokoll Berufungs-
verhandlung, S. 10). Andererseits wäre zu erwarten, dass sie die
physischen Auswirkungen, ob es ihr Schmerzen bereitete oder nicht,
schildern könnte. Gemütszustände und Empfindungen werden von
A._____ auch nur sehr rudimentär beschrieben. Zwar erklärte sie, dass sie
schon versucht habe, wegzukommen, sie sei panisch gewesen in dieser
Situation, sie habe einfach gequietscht (UA act. 126). Vor Obergericht
beschrieb sie ihre Empfindung während der Übergriffe dann als
«unangenehm» (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 13 und 14). Ihre
Erklärung, weshalb sie nicht nach den Grosseltern gerufen habe, welche
gemäss ihren Aussagen teilweise ebenfalls im Haus anwesend gewesen
seien, überzeugen aber nicht vollständig: Sie habe sich schlicht nicht
getraut (UA act. 126). Dieses Verhalten passt nicht zu den Schilderungen
der ihr nahestehenden Personen, welche sie durchwegs als fröhliches,
offenes und aufgeschlossenes Mädchen beschrieben haben, welches nicht
schüchtern gewesen sei (UA act. 164 und 176; GA act. 56, 71 und 87). Die
Mutter erklärte zudem, dass sie eine Wesensveränderung an A._____ kurz
nach deren 14. Geburtstag habe feststellen können und sie verschlossener

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geworden sei. Früher habe sie mehr mit ihr gesprochen (UA act. 219; GA
act. 86). A._____ hat auch nicht geltend gemacht, dass der Beschuldigte
ihr gedroht habe, dass etwas passieren würde, wenn sie von seinen
Übergriffen erzählen würde. Sie war sogar unsicher, ob der Beschuldigte
ihr überhaupt gesagt habe, dass sie das Vorgefallene niemanden erzählen
soll (UA act. 128). Die Aussagen von A._____ anlässlich der
Berufungsverhandlung, dass der Beschuldigte ihr jeweils gesagt habe,
«psst» und «sag nichts» oder «sei ruhig» (Protokoll Berufungsverhandlung,
S. 8, 9, 15 und 18) stehen im Widerspruch zu ihren ersten Aussagen. Selbst
wenn dem so gewesen wäre und der Beschuldigte A._____ mit einer
«ernsten Stimme» (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 13) gesagt hätte,
sie soll nichts sagen, erscheint immer noch nicht nachvollziehbar, weshalb
sich A._____ nicht an ihre Grosseltern gewandt hat, da nicht ersichtlich ist,
dass ihr negative Konsequenzen vom Beschuldigten angedroht worden
wären. A._____ verneint denn auch, dass der Beschuldigte eine eigentliche
Drohkulisse aufgebaut hätte (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 12 f.).
Unter diesen Umständen lässt sich auch nicht nachvollziehen, weshalb
A._____ weder ihren ihr sehr nahestehenden Grosseltern davon erzählt
noch während der Übergriffe nach ihren Grosseltern gerufen hat.
Insbesondere, da A._____ geltend machte, dass sie erst mit der Zeit
gemerkt habe, dass das Verhalten des Beschuldigten nicht «normal»
gewesen sei (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7) und sie sich jeweils
gewehrt habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 8 und 10). Wenn
A._____ das Verhalten des Beschuldigten jedoch schon immer
unangenehm empfunden hat, sich jedoch nicht bewusst gewesen ist, dass
dies nicht normal ist, vom Beschuldigten aber auch nicht zur
Geheimhaltung aufgefordert wurde, erstaunt es umso mehr, dass ein
Kindergartenkind, welches erfahrungsgemäss noch keine grossen
Hemmungen die Intimsphäre betreffend verspürt, solche Berührungen und
Übergriffe nicht – sei es auch nur beiläufig – mitteilt oder zumindest erwähnt
oder während des körperlichen Wehrens nicht auch noch nach der
Grossmutter schreit.

Die Grosseltern von A._____ bzw. Eltern des Beschuldigten führten aus,
dass diese Vorfälle gar nicht hätten stattfinden können, da sie immer mit
A._____ zusammen gewesen seien und sie nie alleine mit dem
Beschuldigten gewesen sei (UA act. 160 und 173). Ausserdem sei der
Beschuldigte ohnehin nicht oft zuhause gewesen; A._____ und er hätten
sich eigentlich nur kurz gesehen (UA act. 159 und 173). Der Beschuldigte
erklärte ebenfalls, vor allem zum Schlafen zu Hause gewesen zu sein (UA
act. 139 und 193). Selbst A._____ gab an, dass der Beschuldigte meistens
draussen gewesen sei (UA act. 121). Im Rahmen der Aussagewürdigung
ist zu berücksichtigen, dass die Eltern des Beschuldigten ihrem Sohn
grundsätzlich wohlgesonnen sind und ihm die vorgeworfenen Taten nicht
zutrauen, ihn entsprechend auch verteidigen. Allerdings gaben beide auch
glaubhaft zu Protokoll, dass A._____ wie ein eigenes Kind für sie gewesen

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sei (GA act. 55 und 70), weshalb nicht ohne weiteres davon auszugehen
ist, dass sie nur zugunsten des Beschuldigten aussagen würden. Ihren
Schilderungen zufolge sei A._____ nie alleine zuhause gewesen (UA
act. 160 und 173). Auf diese Aussagen angesprochen, erklärte A._____,
dass sie manchmal schon mit dem Beschuldigten alleine gewesen sei,
denn es habe geheissen, sie sei jetzt 14 Jahre alt und könne schon kurz
alleine sein (UA act. 122). Vor Obergericht erklärte sie, dass sie ab und zu
schon mit dem Beschuldigten alleine gewesen sei. Es sei aber auch
vorgekommen, dass es passiert sei, als die Grosseltern im Sommer im
Garten gesessen seien und sie hoch in ihr Zimmer oder ins Badezimmer
gegangen sei. Da habe der Beschuldigte sie in sein Zimmer gezerrt
(Protokoll Berufungsverhandlung, S. 4 und 6). Es mag zutreffen, dass sie
ab einem gewissen Alter für kurze Zeit alleine zuhause gelassen wurde und
sexueller Missbrauch kann zweifellos auch vorkommen, wenn sich weitere
Familienangehörige im selben Haus aufhalten. Aber der von A._____
geschilderte über Jahre hinweg dauernde Missbrauch lässt sich mit den
von den Grosseltern und vom Beschuldigten geschilderten Umständen nur
schwer vereinbaren. A._____ erzählte nämlich auf die Frage, ob sie ihren
Vater auch habe berühren müssen, dass der Beschuldigte sie gezwungen
habe, ihn mit der Hand zu befriedigen. Dies sei meistens in seinem Zimmer
passiert, aber auch im Gang und unten in der Stube oder Wintergarten. Das
letzte Mal, als das passiert sei, sei sie etwas kleiner gewesen. Der
Beschuldigte habe jeweils keine Kleider angehabt (UA act. 125). Nachdem
A._____ selbst ausgeführt hatte, dass sie erst ab 14 Jahren alleine
gelassen worden sei, ist es unwahrscheinlich, dass sich ihr der
Beschuldigte in den Jahren zuvor in der Stube oder beim Wintergarten
nackt genähert hätte und sie ihn dann mit der Hand hätte befriedigen
müssen. Sodann konnte A._____ auch bei diesen Vorwürfen keine
Empfindungen schildern. Die Frage, wie sich der Penis des Beschuldigten
dabei angefühlt habe, konnte sie nicht beantworten (UA act. 125). Vor
Obergericht erklärte A._____, dass sie bei ihren Besuchen bei den
Grosseltern versucht habe, Begegnungen mit dem Beschuldigten zu
vermeiden. Der Beschuldigte habe sie jeweils in sein Zimmer reingezerrt,
wenn sie in ihr Zimmer oder ins Bad gegangen sei und sie habe nicht in
den ersten Stock gehen wollen (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 3, 6
und 7). Ihren weiteren Schilderungen ist aber kein solches auf Vermeidung
eines Kontakts ausgerichtetes Verhalten zu entnehmen. Beispielsweise ist
nicht plausibel, weshalb A._____ das WC im ersten Stock aufgesucht hätte,
wenn sie jederzeit mit einem Übergriff hätte rechnen müssen, wenn es
doch im Erdgeschoss auch ein WC hatte (Protokoll Berufungsverhandlung,
S. 7 und 21). Auch wird weder von den Grosseltern noch von A._____
selber geltend gemacht, dass sie sich der Aufforderung der Grossmutter,
den Beschuldigten in seinem Zimmer fragen zu gehen, ob er auch mitessen
wolle, widerstrebt hätte (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7), was
unter den gegebenen Umständen zu erwarten gewesen wäre.

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Im Verlaufe der Videoeinvernahme wurde A._____ explizit gefragt, ob es
auch mal zu Küssen gekommen sei, was sie dann auch bestätigte. Dabei
schilderte sie die Situation, dass sie sich wegdrehen und er sie dann am
Hals küssen würde (UA act. 127). Diesbezüglich ist zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte selbst eine Situation schilderte, wo er A._____ zur
Begrüssung einen Kuss auf die Wange habe geben wollen, sie sich aber
abgedreht habe, weshalb der Kuss auf den Hals gegangen sei (UA act. 145
und 197). Mithin ist nicht auszuschliessen, dass A._____ dieses erlebte
Ereignis schilderte und weitere Komponenten hinzufügte.

Zur Situation angesprochen, als der Beschuldigte ihr den Finger vaginal
eingeführt habe, erklärte sie, dass sie sich dabei auf seinem Bett befunden
habe. Der Beschuldigte habe sie jeweils draufgetan, da sie das nicht
freiwillig gemacht hätte (UA act. 129). Wiederum sind ihre Schilderungen
nicht gänzlich nachvollziehbar, da ihren Ausführungen nicht entnommen
werden kann, wo der Zwang angefangen hat und wie der Beschuldigte dies
genau ausgeführt hat. Vor Obergericht schilderte sie dies sehr pauschal,
dass der Beschuldigte sie jeweils vom Gang in sein Zimmer gezerrt hätte
(Protokoll Berufungsverhandlung, S. 8 f.). Überdies schilderte sie erst auf
mehrere Nachfragen, dass der Beschuldigte dabei auch versucht habe, mit
seinem Geschlechtsteil in sie einzudringen, was vielleicht zehn Mal
vorgekommen sei. Es sei nur bei den Versuchen geblieben, da sie noch
klein gewesen sei und er daher nicht gut habe eindringen können resp.
gemäss den Aussagen an der Berufungsverhandlung sei das Eindringen
an ihrer Gegenwehr gescheitert (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung,
S. 8). Einmal – im Jahre ihrer Einvernahme oder im Jahr zuvor [2021 oder
2020] – habe er es auch mit einem Kondom versucht, sie sei aber
weggekommen, weil sie ihn mit den Füssen weggestossen habe. Der
Beschuldigte habe sich dann selbst befriedigt (UA act. 129). Auffällig am
Aussageverhalten ist hierbei wiederum, dass je weiter fortgeschritten die
Einvernahme war, je massiver die Vorwürfe gegenüber dem Beschuldigten
wurden. Sodann ist nicht nachvollziehbar, weshalb A._____ den
Beschuldigten nach diesen Erlebnissen noch freiwillig in seinem Zimmer
aufsuchen würde, wenn sie darin mehrfach Opfer erheblichen Missbrauchs
geworden sein sollte. Sie führte aus, dass sie den Beschuldigten jeweils
fragen musste, ob er auch Abendessen möchte und sei dabei einmal ins
Zimmer getreten, als der Beschuldigte einen Porno geschaut und
masturbiert habe. Er sei nackt auf dem Bürostuhl gesessen und – als er sie
wahrgenommen habe – unters Pult gerollt und habe ihr gesagt, dass sie
raus soll (UA act. 128). Diese Szene wird vom Beschuldigten auch bestätigt
(UA act. 143). Wenn der Beschuldigte A._____ über Jahre hinweg sexuell
belästigt und missbraucht hätte, so ist doch zumindest verwunderlich,
weshalb er in dieser Situation peinlich berührt unter den Tisch rollen sollte
und sie nicht etwa zum Zuschauen gezwungen hat.

- 12 -

Nicht zuletzt sind auch die Äusserungen von A._____ zu ihrer Beziehung
zum Beschuldigten nicht schlüssig in Einklang mit den ihm vorgeworfenen
Handlungen zu bringen. Auf die Frage, wie denn die Bindung zwischen ihr
und dem Beschuldigten sei, antwortete sie mit «eigentlich so en mittleri. Es
ghot mal schlecht, mal esch s'guet» (UA act. 130). Wer solche Übergriffe
erdulden musste, wie sie in der Anklage geschildert werden, wird die
Beziehung wohl kaum als mal gut und mal schlecht bezeichnen.
Insbesondere, da A._____ zuvor schilderte, bei den Übergriffen durch den
Beschuldigten jeweils panisch gewesen zu sein und nur gehofft zu haben,
dass es schnell vorübergehen würde (UA act. 126) und gemäss dem
Verlaufsbericht der Psychotherapeutin vom 26. Oktober 2022 unter einer
posttraumatischen Belastungsstörung leide mit mitunter erheblichen
Auswirkungen wie Hypervigilanz, Dissoziationen, Dunkelangst und auch
Flashbacks von den Übergriffen.

2.4.5.
In einer Gesamtwürdigung sind die Aussagen von A._____ teilweise sehr
pauschal und vage, mit ihrem übrigen Verhalten nur teilweise in Einklang
zu bringen und ihr Aussageverhalten zeigt deutliche aggravierende
Tendenzen. Schilderungen über Gefühle und Empfindungen während der
Übergriffe fehlen oder sind sehr oberflächlich und sie konnte selbst den
letzten Vorfall nur zwei Monate später nicht in einen zeitlichen Kontext
setzen. Es bestehen damit erhebliche Zweifel, dass sich die dem
Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum Nachteil von
A._____ gemäss Anklage zugetragen haben. Dies auch vor dem
Hintergrund, dass bei A._____ Motive für eine Falschaussage auszu-
machen sind. Es wird aus den Aussagen der Grosseltern erkennbar, dass
sich A._____ durchaus eine innigere Beziehung zu ihrem leiblichen Vater,
dem Beschuldigten, gewünscht hätte. Ihrer Mutter gegenüber habe sie sich
auch schon dahingehend geäussert, sich einen anderen Vater zu
wünschen, da er keine Zeit für sie habe (GA act. 88). Zusätzlich scheint
A._____ von ihrer Mutter erfahren zu haben, dass der Beschuldigte nach
der ungeplanten Schwangerschaft ihrer Mutter mit ihr eine Abtreibung
gewollt hätte (vgl. UA act. 198). Der Beschuldigte erklärte zudem, dass er
einmal mit einem Kollegen nach Hause gekommen sei und A._____ ihm
daraufhin vorgehalten habe, dass er mit den Kollegen etwas mache, aber
mit ihr nicht (UA act. 199). Diese konstante und offene Ablehnung kann
verständlicherweise eine grosse seelische Belastung sein, welche bei
A._____ die von ihr geschilderte Traurigkeit verursacht haben könnte (vgl.
UA act. 128) und letztlich zu Enttäuschung und Wut führten. Damit sind
auch Rachegefühle nicht auszuschliessen, auch wenn offen bleiben kann,
was schliesslich den Ausschlag für die erhobenen Vorwürfe der sexuellen
Übergriffe gegeben hat.

Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass sich anlässlich der
obergerichtlichen Einvernahme gezeigt hat, dass A._____ ohne weiteres in

- 13 -

der Lage war, klare und verständliche Aussagen zu tätigen. Im Gegensatz
zu auch nur einem einzelnen konkreten Übergriff konnte sie beispielsweise
die Zimmeraufteilung des Hauses ihrer Grosseltern und insbesondere den
Wintergarten detailliert beschreiben (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung,
S. 17). Insofern bestehen an der Aussagetüchtigkeit von A._____ keine
Zweifel. Ein aussagepsychologisches Gutachten betreffend die Aussagen
von A._____ – wie von der Staatsanwaltschaft beantragt – erweist sich
unter diesen Umständen nicht notwendig, zumal die Prüfung der
Glaubhaftigkeit von Aussagen primär Aufgabe des Gerichts ist und ein
Gutachten sich nur bei besonderen Umständen – welche hier nicht
vorliegen – aufdrängt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_203/2024 vom
14. August 2025 E. 3.2.1).

2.4.6.
Zusammenfassend lassen sich die angeklagten Sachverhalte gemäss
Anklageziffern 1 bis 5 nicht erstellen und es hat diesbezüglich ein
Freispruch zu erfolgen. Die Berufungen der Staatsanwaltschaft und der
Privatklägerin erweisen sich in diesen Punkten als unbegründet.

2.5.
Das Gericht entscheidet über eine anhängig gemachte Zivilklage, wenn es
die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist
(Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO).

Vorliegend kann die Täterschaft des Beschuldigten hinsichtlich der ihm in
den Anklageziffern 1 bis 5 gemachten Vorwürfe nicht erstellt werden, was
zu entsprechenden Freisprüchen führt. Damit entfällt die Grundlage für die
von der Privatklägerin A._____ geltend gemachte Genugtuung oder von
Schadenersatz. Damit ist ihre Zivilklage abzuweisen.

3.
3.1.
Dem Beschuldigten wird in Anklageziffer 6 mehrfache Pornografie
vorgeworfen. Er habe 341 Videodateien sowie eine Bilddatei mit verbotener
Pornografie, die auf einer in einem Beamer eingesetzten MicroSD-
Speicherkarte sichergestellt werden konnten, beschafft und zum Eigen-
konsum besessen. Die Dateien würden tatsächliche Darstellungen von
Minderjährigen zeigen, welche sexuelle Handlungen an sich selbst
vornehmen, oder sexuelle Handlungen unter minderjährigen Personen
oder mit Erwachsenen zeigen (Anklageziffer 6.1). Weiter habe der
Beschuldigte am 11. Oktober 2020 um 13:21 Uhr mit seinem Account auf
dem Filesharing-Dienst mega.nz ein Verzeichnis und insgesamt
47 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten an eine unbekannte Person
mit dem Pseudonym «F._____ (…)» freigegeben.

- 14 -

3.2.
Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten anklagegemäss schuldig. Der
Beschuldigte bestreitet nicht, dass der Beamer ihm gehört, er macht jedoch
geltend, dass er von der sich darin befindenden Speicherkarte nichts
gewusst habe und machte in Bezug auf die SD-Karte und den mega-
Account von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Protokoll
Berufungsverhandlung, S. 21 ff.).

3.3.
3.3.1.
Anlässlich der Hausdurchsuchung vom 6. Dezember 2021 wurde beim
Beschuldigten in seinem Beamer eine Micro-SD-Karte sichergestellt und
ausgelesen. Darauf befanden sich 342 Dateien (341 Videos und 1
Bilddatei) mit Kinderpornografie (vgl. UA act. 87 und 90 ff.), was
unbestritten ist.

Der Behauptung des Beschuldigten, dass er nichts von dieser Speicher-
karte in seinem Beamer gewusst haben will, liegt komplett ausserhalb einer
vernünftigen Betrachtungsweise, zumal sich auf der SD-Speicherkarten
gelöschte Bilddateien, auf welchen der Beschuldigte abgebildet war,
befunden haben (vgl. UA act. 88 und 97). Nachdem der Beschuldigte in
Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Pornografie seine Aussagen
verweigert (UA act. 186 ff. und 207 ff.; GA act. 105), was zwar sein gutes
Recht ist (vgl. Art. 113 Abs. 1 StPO), liegt auch keine nachvollziehbare und
überprüfbare Erklärung dafür, wie die gelöschten Fotos, die ihn selbst
zeigen, auf die SD-Speicherkarte gelangt sind, wenn er mit der SD-
Speicherkarte nichts zu tun haben will, vor. Die Auswertung der SD-Karte
ergab sodann, dass sich diese Speicherkarte aufgrund der Speicherpfade
in einem Gerät mit dem Betriebssystem Android befunden hat und 571 der
total 583 auf der Speicherkarte gefundenen Videodateien (341 davon mit
illegalem Inhalt) am 13. Oktober 2020 um 20:47 Uhr und 16 der total 185
auf der Speicherkarten gefundenen Bilddateien (1 davon mit illegalem
Inhalt) am selben Tag um 20:56 Uhr auf dem Datenträger abgespeichert
wurden (UA act. 87 f.). Sodann konnte auf dem Mobiltelefon des
Beschuldigten (Samsung, keine externe SD-Karte eingelegt; UA act. 81)
ein am 13. Oktober 2020 um 15:38 Uhr aufgenommenes Foto gefunden
werden, welches den Bildschirm mit Benachrichtigungen in einem
mega.nz-Kontos zeigt (vgl. UA act. 95). Darauf ist ersichtlich, dass
«aaa@aaa.com» einen Ordner freigegeben hat. Diese zeitliche Nähe legt
zumindest nahe, dass der Ordner dem Beschuldigten freigegeben wurde,
und er anschliessend die erhaltenen Dateien auf die SD-Karte gespeichert
hat. Dass der Beschuldigte über ein mega-Konto verfügt hat, zeigt sich
zudem darin, dass auf dem ausgewerteten Mobiltelefon auch zwei
Screenshots (aufgenommen am 15. Oktober 2020 um 12:08 resp.
12:09 Uhr) gefunden werden konnten, welche die Oberfläche eines mega-
Accounts zeigen (UA act. 96). Bei einer Gesamtwürdigung aller

- 15 -

wesentlichen Umstände bestehen für das Obergericht insgesamt keine
Zweifel daran, dass der Beschuldigte sich die 341 Videodateien sowie 1
Bilddatei mit illegaler Kinderpornografie über den Filehosting-Dienst
beschafft und auf der SD-Karte für den Eigenkonsum gespeichert und
besessen hat. Nachdem es sich bei 341 von insgesamt 583 Dateien um
illegale Kinderpornografie handelte, ist auch auszuschliessen, dass es sich
um ein blosses Versehen gehandelt hat. Wie der Screenshot 1 (UA act. 96)
zeigt, weisen die Dateien jeweils Vorschaubilder auf. Nachdem über die
Hälfte der Dateien illegal war, musste dies dem Beschuldigten bereits
aufgrund dieser Vorschaubilder zweifellos aufgefallen sein, was nur den
Schluss zulässt, dass er diese Dateien bewusst auf die SD-Karte
gespeichert hat. Nach dem Gesagten ist der Sachverhalt gemäss Anklage-
ziffer 6.1 erstellt.

3.3.2.
Ferner lässt sich aufgrund der Screenshots belegen, dass der Beschuldigte
über weitere Dateien mit kinderpornografischen Inhalten verfügt hat (vgl.
Vorschaubilder auf Bildschirmfoto 1; UA act. 96). Ebenso ergeht aus dem
Bildschirmfoto 2 (UA act. 96), dass der Beschuldigte mit einem Chatpartner
namens «F._____…» gechattet und am 9. Oktober 2020 einen Ordner mit
90 Dateien von diesem erhalten und am 11. Oktober 2020 zwei Ordner mit
insgesamt 47 Dateien an diesen gesendet hat. Diese Dateien konnten zwar
nicht sichergestellt werden. Aufgrund des Aufnahmedatums und der
Aufnahmezeit besteht aber augenscheinlich eine Verbindung zwischen den
beiden Screenshots. Sodann weist die Benennung des Ordners «CP»
unter den vorliegenden Umständen unzweifelhaft darauf hin, dass es sich
dabei um «Child Porn», d.h. Kinderpornografie, gehandelt hat. Damit ist für
das Obergericht erstellt, dass die 47 Dateien im Ordner «CP», welches der
Beschuldigte am 11. Oktober 2020 an «F._____…» gesendet hat, illegale
Kinderpornografie zum Inhalt hatten. Somit ist auch der Sachverhalt
gemäss Anklageziffer 6.2 erstellt.

3.4.
Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz wurde mit Berufung nicht
angefochten, weshalb auf diese verwiesen werden kann (vorinstanzliches
Urteil, E. II/3, S. 39 ff.). Der Beschuldigte hat sich demnach der mehrfachen
Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 und Abs. 5 Satz 2 StGB [je in
der bis zum 30. Juni 2024 geltenden Fassung] schuldig gemacht. Die per
1. Juli 2024 erfolgten Änderungen des Art. 197 Abs. 4 und 5 StGB zeitigen
keine Auswirkungen auf den vorliegenden Fall. Damit erweist sich das neue
Recht nicht als milder i.S.v. Art. 2 Abs. 2 StGB, so dass die bis zum 30. Juni
2024 geltende Fassung zur Anwendung gelangt. Die Berufung des
Beschuldigten erweist sich als unbegründet.

- 16 -

4.
4.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die mehrfache Pornografie zu
einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten, einer bedingten Geldstrafe
von 120 Tagessätzen à Fr. 110.00 sowie zu einer Verbindungsbusse von
Fr. 2'500.00 verurteilt.

4.2.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV
217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen).
Darauf kann verwiesen werden.

4.3.
Die Verbreitung von verbotener Pornografie mit tatsächlichen sexuellen
Handlungen mit Minderjährigen gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB [in der
bis zum 30. Juni 2024 geltenden Fassung] wird mit einer Freiheitsstrafe bis
zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Die Beschaffung oder der Besitz
von verbotener Pornografie mit tatsächlichen sexuellen Handlungen mit
Minderjährigen zwecks Eigenkonsum gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB
[in der bis zum 30. Juni 2024 geltenden Fassung] sieht als Strafe eine
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor.

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter
Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die
Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre
Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre
Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen
(BGE 147 IV 241 E. 3).

Der Beschuldigte verfügt über zwei, wenn auch nicht einschlägige,
Vorstrafen. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 16. Mai 2013
wurde er wegen Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand
zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen à Fr. 100.00 und einer
Busse von Fr. 1'100.00 verurteilt. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Baden vom 20. April 2016 wurde der Beschuldigte wegen Führens eines
Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand sowie Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz zu einer unbedingten Geldstrafe von
50 Tagessätzen à Fr. 100.00 sowie einer Busse von Fr. 100.00 verurteilt
(vgl. aktueller Strafregisterauszug). Er hat daraus nicht die notwendigen
Lehren gezogen und erneut delinquiert. Die Strafen haben sich jedoch am
unteren Rand des Strafrahmens bewegt und liegen zudem schon weit
zurück. Angesichts dieser Umstände erscheint eine Geldstrafe noch nicht
per se als unzweckmässig oder mit Blick auf die Prävention ungenügend.
Es kann somit nur hinsichtlich jener Straftaten auf eine Freiheitsstrafe
erkannt werden, bei denen bei einer isolierten Einzelbetrachtung eine

- 17 -

Strafe von mehr als 180 Tagessätzen als dem Verschulden angemessen
erscheint. Dies ist – wie nachfolgend aufgezeigt wird – einzig beim Besitz
(Anklageziffer 6.1) und nicht bei der Verbreitung (Anklageziffer 6.2) von
Kinderpornografie der Fall.

4.4.
4.4.1.
Hinsichtlich der vom Beschuldigten begangenen Pornografiehandlungen
(Beschaffen und Besitz zum Eigenkonsum, Anklageziffer 6.1) gemäss
Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB [in der bis zum 30. Juni 2024 geltenden
Fassung] ergibt sich Folgendes:

Der Tatbestand der Pornografie nach Art. 197 StGB schützt – insoweit es
um Pornografie geht, die tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minder-
jährigen zum Inhalt hat – im Wesentlichen die ungestörte sexuelle
Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Daneben dient die Bestim-
mung auch dem Schutz der Erwachsenen. Dem liegt der Gedanke
zugrunde, dass sich die verbotene Pornografie auf den Verbraucher
korrumpierend auswirken kann, mithin geeignet ist, beim Betrachter unter
anderem die Bereitschaft zu erhöhen, das Geschehen selbst nachzu-
ahmen. In diesem Sinne weckt der Konsum solcher Erzeugnisse die
Nachfrage für die Herstellung kinderpornografischer Inhalte und schafft
einen finanziellen Anreiz zur Begehung von Straftaten. Insofern trägt er
mittelbar zum sexuellen Missbrauch von in solchen Machwerken zur Schau
gestellten Kindern bei. Die Bestimmung von Art. 197 StGB will daher
insbesondere auch die potenziellen «Darsteller» harter Pornografie vor
sexueller Ausbeutung, Gewalt und erniedrigender bzw. menschenunwür-
diger Behandlung bewahren (BGE 131 IV 16 E. 1.2; Urteile des Bundes-
gerichts 7B_250/2022 vom 21. Februar 2024 E. 3.2.1 und 6B_1439/2021
vom 28. November 2022 E. 2.3.4).

Der Beschuldigte hat insgesamt 341 auf einer SD-Karte gespeicherte
kinderpornografische Videos und eine kinderpornografische Bilddatei zum
Eigenkonsum besessen. Inhaltlich zeigen die inkriminierten Dateien
mitunter sehr junge Kinder, an denen sexuelle Handlungen vollzogen
werden. Beispielhaft sei ein Video erwähnt, das einen Mann zeigt, der mit
erigiertem Penis vollständig in den After eines Jungen im Kleinkindalter
eindringt und mehrere Stossbewegungen vollzieht, während das Kleinkind
wimmert. Dabei handelt es sich innerhalb des weiten Spektrums denkbarer
Darstellungen um eine sehr schwere Form verbotener Pornografie.
Entsprechend schwer wiegt das damit einhergehende Tatverschulden.
Was die Art und Weise der Tatbegehung bzw. die Verwerflichkeit des
Handelns des Beschuldigten angeht, ist er nicht wesentlich über die blosse
Erfüllung des Tatbestands von Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB
hinausgegangen, was sich neutral auswirkt. Wie der Beschuldigte zum
einschlägigen Video- und Bildmaterial gekommen ist, ist nicht bekannt. Die

- 18 -

Dateien wurden auf der SD-Speicherkarte abgelegt und der Beschuldigte
hat diese und die entsprechenden Dateien für den Eigenkonsum besessen.
Ein über das Beschaffen und den Konsum hinausgehendes Verhalten ist
betreffend diesen 341 Videodateien sowie einer Bilddatei nicht ersichtlich.
Der Beschuldigte stellt eine pädophile Neigung in Abrede (UA act. 184). Es
gibt auch keine Hinweise darauf, dass hinsichtlich der Pornografie-
handlungen die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten
eingeschränkt gewesen wäre (vgl. Art. 20 StGB) oder er sich aus einem
anderen Grund in einer subjektiv aussichtlos empfundenen Lage oder
Drucksituation gewähnt hätte. Mithin hat er über ein sehr hohes Mass an
Entscheidungsfreiheit verfügt. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, auf
den Besitz der inkriminierten Kinderpornografie-Dateien zu verzichten,
desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit das
Verschulden (vgl. BGE 127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1; Urteil des
Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3).

Insgesamt ist unter Berücksichtigung des breiten Spektrums der vom
Tatbestand der Pornografie erfassten strafbaren Handlungen und der
erheblichen Anzahl Video- und Bilddateien, darunter sehr schwere Formen
von Kinderpornografie, von einem mittelschweren Tatverschulden und in
Relation zum Strafrahmen von Geldstrafe bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe
einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 8 Monaten auszugehen.

4.4.2.
Betreffend die Täterkomponente wirken sich die Vorstrafen leicht zu
Ungunsten des Beschuldigten aus, wobei es zu beachten gilt, dass aus
dem täterbezogenen Strafzumessungskriterium der Vorstrafen nicht
indirekt ein tatbezogenes Kriterium gemacht werden darf. Mithin dürfen
Vorstrafen nicht wie eigenständige Delikte gewürdigt werden (Urteil des
Bundesgericht 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen).
Zusätzlich ist die Verurteilung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom
15. November 2023 wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz
(Begehungszeit: 10. August 2023) zu einer unbedingten Geldstrafe von
30 Tagessätzen à Fr. 100.00 im Rahmen des Nachtatverhaltens negativ zu
werten (vgl. aktueller Strafregisterauszug). Trotz laufenden Strafverfahrens
und drohender mehrjähriger Freiheitsstrafe ist der Beschuldigte erneut
straffällig geworden. Der nicht geständige Beschuldigte hat seine
Täterschaft auch noch vor Obergericht bestritten, was zwar sein gutes
Recht ist (vgl. Art. 113 Abs. 1 StPO). Unter diesen Umständen ist eine
Strafminderung, wie sie bei einem von Beginn an vollständig geständigen,
nachhaltig einsichtigen und aufrichtig reuigen Täter möglich ist, jedoch
ausgeschlossen. Die Strafempfindlichkeit des Beschuldigten erscheint
sodann durchschnittlich.

- 19 -

Bei einer Gesamtbetrachtung rechtfertigt es sich – trotz leicht negativer
Faktoren – die Täterkomponente insgesamt knapp neutral zu berück-
sichtigen.

4.4.3.
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig
erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB).

Der Beschuldigte ist auch noch im Berufungsverfahren nicht geständig und
somit weder nachhaltig einsichtig noch aufrichtig reuig. Er weist zwei
Vorstrafen auf, darunter eine unbedingt ausgesprochene Geldstrafe von
50 Tagessätzen à Fr. 100.00. Diese haben ihn nicht davon abhalten
können, erneut straffällig zu werden. Auch das vorliegende Strafverfahren
hat ihn nicht nachhaltig beeindruckt. Er ist erneut straffällig geworden und
wurde deshalb mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom
15. November 2023 wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu
einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 100.00 verurteilt.
Unter diesen Umständen ist bei einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen
Umstände von einer eigentlichen Schlechtprognose auszugehen, zumal
seine persönlichen und beruflichen Verhältnisse keine so weitgehende
Stabilisierung und Verbesserung erfahren haben, als dass diese die
Schlechtprognose entfallen lassen könnten. Vom Vollzug der Freiheits-
strafe kann vorliegend nur deshalb (knapp) abgesehen werden, weil er
einerseits noch nie zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden ist und
andererseits davon auszugehen ist, dass der unbedingte Vollzug einer
hohen Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 100.00 (siehe dazu unten),
d.h. Fr. 18'000.00, eine genügend starke Warnwirkung auf den
Beschuldigten entfaltet. Damit ist betreffend die Freiheitsstrafe nicht mehr
von einer eigentlichen Schlechtprognose auszugehen und ist diese bedingt
auszusprechen. Den noch verbleibenden Zweifeln an seiner Legal-
bewährung ist mit einer Probezeit von 4 Jahren Rechnung zu tragen
(Art. 44 Abs. 1 StGB).

4.5.
4.5.1.
Hinsichtlich der vom Beschuldigten begangenen Verbreitung von Kinder-
pornografie (Anklageziffer 6.2) gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB [in der
bis zum 30. Juni 2024 geltenden Fassung] ergibt sich Folgendes:

Der Beschuldigte hat am 11. Oktober 2020 seinem Chatpartner
«F._____…» einen Ordner mit 47 Dateien mit kinderpornografischem
Inhalt gesendet und damit zugänglich gemacht. Der Versand dieser
47 Dateien fusste auf einem einzigen Tatentschluss und stellt eine einzige

- 20 -

Tathandlung dar, weshalb von einer tatsächlichen Handlungseinheit
auszugehen ist, welche sämtliche versandte 47 Dateien umfasst.

Der genaue Inhalt dieser Dateien ist nicht bekannt. Es ist jedoch davon
auszugehen, dass es sich dabei um die auf dem Screenshot 1 sichtbaren
Dateien (UA act. 96) oder zumindest um ähnliche Aufnahmen handelte. Auf
den Vorschaubilder ist erkennbar, wie ein junges Mädchen dabei ist, einen
erigierten Penis in den Mund zu nehmen. Ebenfalls ist ein Mädchen
erkennbar, welches mit ihren Händen einen Penis berührt. Zumindest bei
der oralen Befriedigung handelt es sich im Vergleich zum weiten Spektrum
denkbarer Formen kinderpornografischer Darstellungen um eine schwere
Form. Zugunsten des Beschuldigten ist allerdings davon auszugehen, dass
es unter den zugänglich gemachten Dateien auch solche mit weniger
schwer wiegendem Inhalt gehandelt hat. Zu berücksichtigen ist sodann,
dass das Zugänglichmachen der versendeten Videodatei keine der
schwerstmöglichen Tathandlungen, welche durch Art. 197 Abs. 4 StGB
erfasst werden, darstellt, deckt der weite Strafrahmen doch gravierendere
Handlungen, wie beispielsweise das eigenhändige Herstellen solcher
Aufnahmen, ab. Mithin ist die Art und Weise der Tatbegehung und damit
einhergehend die Verwerflichkeit des Handelns – ohne das Vorgehen zu
bagatellisieren – nicht wesentlich über die blosse Tatbestandserfüllung
hinausgegangen. Mit seiner Tathandlung hat der Beschuldigte aber einen
Beitrag geleistet, das Interesse an solchen Erzeugnissen, die illegal und
unter Ausbeutung von Minderjährigen produziert werden, zu wecken.
Mithin hat er die potenziell korrumpierende Wirkung solcher Darstellungen
gefördert, wobei es zu beachten gilt, dass der Beschuldigte die besagten
Dateien – soweit bekannt – nur bei einer Gelegenheit und nur an einen
Empfänger gesendet hat. Dennoch ist die objektive Tatschwere im ganzen
Spektrum von Tathandlungen, die unter den qualifizierten Tatbestand
gemäss Art. 197 Abs. 4 StGB fallen, als nicht mehr nur leicht zu
qualifizieren. Was das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit, über das der
Beschuldigte verfügt hat, betrifft, kann auf die obigen Erwägungen zur
Freiheitsstrafe verwiesen werden.

Insgesamt ist unter Berücksichtigung des breiten Spektrums der vom
Tatbestand der Pornografie erfassten strafbaren Handlungen in Relation
zum Strafrahmen von Geldstrafe bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe und trotz
der nicht unerheblichen Menge von 47 Dateien von einem gerade noch
leichten Tatverschulden auszugehen, weshalb dafür (knapp) noch eine
Geldstrafe im Umfang von 180 Tagessätzen dem Verschulden
angemessen erscheint.

4.5.2.
Betreffend die Täterkomponente kann auf die obigen Ausführungen
verwiesen werden (E. 4.4.2). Es rechtfertigt sich entsprechend – trotz leicht
negativer Faktoren – die Täterkomponente insgesamt knapp neutral zu

- 21 -

berücksichtigen, zumal eine Erhöhung der Geldstrafe auf mehr als 180
Tagessätze ohnehin nicht möglich wäre.

4.5.3.
Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und
wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34
Abs. 2 StGB). Der ledige Beschuldigte arbeitet zu 100 % als Möbellieferant
und verdient dabei monatlich knapp Fr. 5'000.00 netto (x13; vgl.
eingereichte Lohnabrechnungen anlässlich der Berufungsverhandlung).
Davon ausgehend und nach Abzug eines Pauschalabzugs von 20 % für
Krankenkasse, Steuern und notwendige Berufsauslagen, einem Abzug von
15 % für die – nebst der erwerbstätigen Kindsmutter – anteilsmässigen
Unterstützungspflichten seiner Tochter gegenüber (vgl. UA act. 23) sowie
einem weiteren Abzug von 15 % für die hohe Anzahl Tagessätze (BGE 134
IV 60 E. 6.5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_744/2020 vom 26. Oktober
2020 E. 2.2.2) ergibt sich ein Tagessatz von abgerundet Fr. 100.00.

4.5.4.
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der
Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1
StGB). Dem Beschuldigten ist eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen
(siehe dazu oben). Der Vollzug für die Geldstrafe kann nicht aufgeschoben
werden, sondern ist zu vollziehen, zumal dem Beschuldigten für die nebst
der Geldstrafe auszufällenden Freiheitsstrafe nur deshalb (knapp) der
bedingte Strafvollzug gewährt werden kann, weil die Geldstrafe unbedingt
ausgesprochen wird.

5.
5.1.
Die Vorinstanz hat gegenüber dem Beschuldigten ein lebenslängliches
Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. d Ziff. 2 StGB angeordnet (vgl.
vorinstanzliches Urteil, E. IV, S. 47).

Der Beschuldigte äusserte sich für den Fall einer (teilweisen) Verurteilung
nicht zum Tätigkeitsverbot. Dieses scheint ihn nicht zu kümmern, äusserte
er sich doch vor Vorinstanz zur Frage, was er zum Tätigkeitsverbot meine,
dass ihm dieses egal sei, da er Kinder nicht möge (GA act. 105).

5.2.
Gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. d StGB verhängt das Gericht ein lebenslängliches
Verbot von beruflichen und ausserberuflichen Tätigkeiten, die einen
regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfassen, wenn der
Beschuldigte namentlich wegen Pornografie nach Art. 197 Abs. 5 StGB
verurteilt wird, sofern die Gegenstände oder Vorführungen tatsächliche
sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt hatten. In besonders

- 22 -

leichten Fällen kann das Gericht ausnahmsweise von der Anordnung eines
Tätigkeitsverbots absehen, wenn ein solches nicht notwendig erscheint, um
den Täter von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten, wie sie Anlass
für das Verbot sind, es sei denn, der Täter ist gemäss den international
anerkannten Klassifikationskriterien pädophil (vgl. Art. 67 Abs. 4bis lit. b
StGB).

Der Beschuldigte hat sich der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 und 5
StGB schuldig gemacht, wobei die Darstellungen tatsächliche sexuelle
Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt hatten. Es liegt auch kein
besonders leichter Fall vor, was sich bereits an der Strafe von 8 Monaten
Freiheitsstrafe und 180 Tagessätzen Geldstrafe zeigt. Auch spricht die
hohe Anzahl von kinderpornografischen Bild- und Videodateien gegen die
Annahme eines Bagatellfalls (vgl. BGE 149 IV 161 E. 2.6.1, in welchem ein
Bagatellfall bereits bei insgesamt über 150 hartpornografischen Bildern
verneint worden ist). Entsprechend ist das Tätigkeitsverbot anzuordnen.
Dem Beschuldigten ist somit gestützt auf Art. 67 Abs. 3 StGB lebens-
länglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die
einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, zu verbieten.

6.
6.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei
im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon
ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge
gutgeheissen wurden (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_794/2024
vom 8. Januar 2025 E. 2.1.2). Sind mehrere Personen kostenpflichtig, so
werden die Kosten anteilsmässig auferlegt (Art. 418 Abs. 1 StPO).

Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin unterliegen mit ihren
Berufungen, mit denen sie die Verurteilung des Beschuldigten wegen
mehrfacher versuchter Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung,
Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind sowie
mehrfachen versuchten Inzests und damit einhergehend eine Bestrafung
gemäss Anklage beantragt haben. Der Beschuldigte unterliegt mit seiner
Berufung, mit der er einen zusätzlichen Freispruch vom Vorwurf der
mehrfachen Pornografie beantragt hat.

Unter Berücksichtigung der mit Berufung gestellten Anträge und deren
Gewichtung rechtfertigt es sich, die obergerichtlichen Verfahrenskosten
von Fr. 5'000.00 (§ 15 GebührD) zu 1/5 mit Fr. 1'000.00 dem Beschuldigten
aufzuerlegen. Im Übrigen sind die obergerichtlichen Verfahrenskosten
anteilsmässig zu 2/5 auf die Staatskasse zu nehmen, während im Umfang
von 2/5 die Privatklägerin kostenpflichtig wird. Zufolge der ihr gewährten
unentgeltlichen Rechtspflege ist der auf sie entfallende Anteil an der

- 23 -

Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00 einstweilen vorzumerken (Art. 136 Abs. 2
lit. b StPO), ist von ihr jedoch einzufordern, sobald es ihre finanziellen
Verhältnisse erlauben (BGE 141 IV 262 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts
6B_1066/2022 vom 12. Januar 2023 E. 3.3).

6.2.
Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV
47). Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte seine Parteikosten im
Berufungsverfahren für seinen freigewählten Verteidiger im Umfang von
1/5 selbst zu tragen, während seine Aufwendungen im Umfang von je 2/5
aus der Staatskasse bzw. durch die Privatklägerin – die unentgeltliche
Rechtspflege befreit im Berufungsverfahren im Umfang des Unterliegens
nicht von der Bezahlung einer Parteientschädigung an die Gegenpartei
(BGE 147 IV 47) – zu entschädigen sind (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m.
Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). Dabei steht der Anspruch ausschliesslich
der Wahlverteidigung zu (Art. 429 Abs. 3 StPO).

In Bezug auf die Höhe der dem Wahlverteidiger zuzusprechenden
Entschädigung ist – gestützt auf seine anlässlich der Berufungsver-
handlung eingereichten Kostennote – auf seinen angemessenen
Zeitaufwand abzustellen (§ 9 Abs. 1 AnwT). Der geltend gemachte
Aufwand von 22.75 Stunden erscheint in Anbetracht der Bedeutung und
des Umfangs der vorliegenden Strafsache als hoch. Der Verteidiger war
bereits aus dem erstinstanzlichen Verfahren mit dem Sachverhalt und den
sich in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht stellenden Fragen bestens
vertraut. So erscheint ein Aufwand von 13 Stunden für das Plädoyer,
welches knapp 21 sehr gross geschriebene Seiten umfasst, zu hoch und
ist um 3 Stunden zu kürzen. Sodann ist der Stundenansatz an den für
Wahlverteidiger geltenden Stundenansatz von Fr. 240.00 (§ 9 Abs. 2bis
AnwT) anzupassen. Entsprechend resultiert ein Gesamtbetrag von
gerundet Fr. 5'250.00, wovon dem Wahlverteidiger je 2/5, d.h. je
Fr. 2'100.00, aus der Staatskasse bzw. von der Privatklägerin zu bezahlen
sind.

6.3.
Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin ist für das
Berufungsverfahren aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 138 Abs. 1
i.V.m. Art. 135 Abs. 1 StPO und § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). Der mit
Kostennote vom 11. September 2025 geltend gemachte Aufwand von
19.2 Stunden ist allerdings um eine Stunde zu kürzen. Der Aufwand im
Zusammenhang mit dem vorinstanzlichen Urteil sowie die bei der
Vorinstanz erfolgende Berufungsanmeldung ist nicht im Berufungs-
verfahren geltend zu machen und abzugelten (Urteil des Bundesgerichts
6B_469/2015 vom 17. August 2015 E. 5; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts 1B_463/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 2). Im Berufungs-
verfahren kann nur der angemessene Aufwand ab Rechtshängigkeit beim

- 24 -

Berufungsgericht, d.h. aus Sicht der unentgeltlichen Rechtsbeiständin ab
Berufungserklärung, entschädigt werden. Der zuvor anfallende Aufwand ist
im erstinstanzlichen Verfahren geltend zu machen. Dass dieser teilweise
nur geschätzt werden kann, ändert nichts daran, dass er zum
erstinstanzlichen Verfahren gehört. Es resultiert somit eine Entschädigung
von gerundet Fr. 4'580.00 (Aufwand von 18.2 Stunden à Fr. 220.00,
Auslagen von Fr. 233.60 sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer von 8.1 %).

Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist diese
Entschädigung von der Privatklägerin nicht zurückzufordern (Art. 138
Abs. 1bis SPO i.V.m. Art. 136 Abs. 2 lit. c StPO).

7.
7.1.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO). Das vorinstanzliche Urteil erfährt im Schuldpunkt keine
Änderung, weshalb sich die vorinstanzliche Kostenverlegung als zutreffend
erweist und keiner Korrektur bedarf. Die erstinstanzlichen Verfahrens-
kosten sind dem Beschuldigten zu 1/6 im Umfang von Fr. 1'413.80
aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen.

7.2.
Die dem Wahlverteidiger für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene
Entschädigung von Fr. 10'826.60 ist mit Berufung nicht angefochten
worden, weshalb im Berufungsverfahren nicht darauf zurückzukommen ist
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.3).

7.3.
Die der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin zuge-
sprochene Entschädigung von Fr. 4'666.30 wurde mit Berufung nicht
angefochten, weshalb darauf ebenfalls nicht zurückzukommen ist. Die
unentgeltliche Rechtsbeiständin ist gemäss Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135
StPO vom Staat zu entschädigen. Von einer Rückforderung der Kosten ist
gestützt auf Art. 30 Abs. 3 OHG (Art. 138 Abs. 1bis StPO ist erst am
1. Januar 2024 in Kraft getreten) abzusehen.

8.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs.
1 StPO, Art. 81 StPO).

Das Obergericht erkennt:

- 25 -

1.
Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf
- der mehrfachen versuchten Vergewaltigung;
-  der mehrfachen sexuellen Nötigung;
- der Nötigung;
- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind;
- des mehrfachen versuchten Inzests.

2.
Der Beschuldigte ist der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4
Satz 2 und Abs. 5 Satz 2 StGB schuldig.

3.
Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten Gesetzes-
bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 40 StGB, Art. 34
StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 Abs. 1 StGB

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten, Probezeit 4 Jahre, und

zu einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 100.00, d.h.
Fr. 18'000.00,

verurteilt.

4.
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. d Ziff. 2 StGB
lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche
Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst,
verboten.

5.
Die Zivilklage der Privatklägerin wird abgewiesen.

6. [in Rechtskraft erwachsen]
Die beschlagnahmte Micro-SD-Karte SanDisk 4GB wird eingezogen.

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen.

7.
7.1.
Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden zu 1/5 mit
Fr. 1'000.00 dem Beschuldigten auferlegt und im Übrigen auf die Staats-
kasse genommen.

Der auf die Privatklägerin entfallende Anteil von Fr. 2'000.00 wird zufolge
der ihr gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen vorgemerkt.

- 26 -

Sie ist verpflichtet, dem Kanton diesen Betrag zu bezahlen, sobald es ihre
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

7.2.
Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem Verteidiger des
Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von
Fr. 2'100.00 auszurichten.

7.3.
Die Privatklägerin wird verpflichtet, dem Verteidiger des Beschuldigten für
das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 2'100.00 zu bezahlen.

7.4.
Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsbei-
ständin der Privatklägerin für das Berufungsverfahren eine Entschädigung
von Fr. 4'580.00 auszurichten.

8.
8.1.
Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden dem Beschuldigten im
Umfang von Fr. 1'413.80 auferlegt.

8.2.
Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung
erfolgt ist – angewiesen, dem Verteidiger des Beschuldigten für das erst-
instanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 10'826.60 auszurichten.

8.3.
Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung
erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der
Privatklägerin für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von
Fr. 4'666.30 auszurichten.

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der
vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das
Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100
Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen
Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

- 27 -

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die
Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 11. September 2025

Obergericht des Kantons Aargau
Strafgericht, 1. Kammer
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Six L. Stierli