# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9463a769-a363-5415-99d4-40198821add3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.09.2009 B-2379/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-2379-2009_2009-09-22.pdf

## Full Text

Abtei lung II
B-2379/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Philippe Weissenberger (Vorsitz), Richter Jean-
Luc Baechler, Richter Stephan Breitenmoser, 
Gerichtsschreiberin Anita Kummer.

X._______, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Schweizerische Maturitätskommission, 
Staatssekretariat für Bildung und Forschung, 
Maturitätsprüfungen,
Vorinstanz

Ergänzungsprüfung "Passerelle Berufsmaturität - 
universitäre Hochschulen".

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

B-2379/2009

Sachverhalt:

A.
Mit Verfügung vom 17. März 2009 teilte die Schweizerische Maturitäts-
kommission SMK (nachfolgend: Vorinstanz) X._______ (nachfolgend: 
Beschwerdeführerin) mit, dass sie die Prüfung "Passerelle Berufsma-
turität – universitäre Hochschulen", Prüfungssession, nicht bestanden 
habe, wobei sie die folgenden Noten erzielt habe:

Deutsch 4,5
Englisch 6,0
Mathematik 2,5
Bereich Naturwissenschaften 2,5
Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften 3,5
Total           19,0

B.
Mit Beschwerde vom 9. April 2009 hat die Beschwerdeführerin die Ver-
fügung vom 17. März 2009 angefochten. Sie beantragt die Durchfüh-
rung einer Zweitkorrektur  und die Anhebung der Noten,  so dass die 
Prüfung als bestanden gelte. Des Weiteren habe die Vorinstanz dem 
Bundesverwaltungsgericht  die  für  die  Prüfung  verwendeten  Noten-
schlüssel und Bewertungsskalen auszuhändigen. Nach Eingang dieser 
Unterlagen sei ihr eine Frist zur ergänzenden Beschwerdebegründung 
anzusetzen. Sie macht geltend, dass in den Fächern Physik und Ma-
thematik  sowie  in  der  Teilprüfung Geschichte/Geografie  teilweise  für 
richtige Antworten keine Punkte erteilt worden seien. Eine Beurteilung 
der Prüfungsleistungen sei ihr aber mangels Vergleichsmöglichkeiten, 
Notenschlüssels  und  Musterantworten  der  Fachexperten  nicht  mög-
lich, weshalb der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt sein könnte. 
Da es ein langgehegter Wunsch von ihr sei, ein Studium der Geistes-
wissenschaften an der Universität aufzunehmen, habe sie für die Vor-
bereitung der zweiten Passerellen-Prüfung viel Zeit investiert und ihre 
Berufstätigkeit  aufgegeben. Ein  Ausschluss  habe  für  sie  schwerwie-
gende Konsequenzen. In formeller Hinsicht ersucht sie um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege.

C.
Mit  Verfügung vom 16. April  2009 hat  das Bundesverwaltungsgericht 
die  Beschwerdeführerin  aufgefordert,  das  Formular  "Gesuch um un-
entgeltliche Rechtspflege" auszufüllen und mit den nötigen Beweismit-
teln versehen bis zum 27. April 2009 einzureichen. Gleichzeitig wurde 
die Vorinstanz aufgefordert, innert gleicher Frist die verwendeten No-

Seite 2

B-2379/2009

tenschlüssel  sowie  Bewertungsskalen  (Musterantworten)  zusammen 
mit den gesamten Vorakten einzureichen. 

Mit Eingabe vom 28. April 2009 hat die Beschwerdeführerin das For-
mular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" eingereicht und ihre fi-
nanzielle  Situation  mit  einem  Mietvertrag,  Lohnabrechnungen,  einer 
Krankenkassenprämienrechnung  und  der  Steuererklärung  2008  be-
legt.

Mit Schreiben vom 27. und 29. April  2009 hat die Vorinstanz die ver-
langten Akten dem Bundesverwaltungsgericht zukommen lassen.

Mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2009 hat das Bundesverwaltungs-
gericht das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechts-
pflege abgewiesen,  einen Kostenvorschuss einverlangt,  die  Vorakten 
der Beschwerdeführerin  zugestellt  und sie  eingeladen,  eine allfällige 
ergänzende  Beschwerdeeingabe  einzureichen.  Innert  der  gesetzten 
Frist ist beim Bundesverwaltungsgericht keine ergänzende Beschwer-
deeingabe eingegangen.

D.
Mit Vernehmlassung vom 7. Juli 2009 hat die Vorinstanz zu den bean-
standeten  Prüfungen  Stellung  genommen.  Sie  stützt  sich  dabei  auf 
Stellungnahmen  der  Prüfungsexperten.  Diese  äussern  sich  zu  den 
Vorbringen der Beschwerdeführerin und den einzelnen beanstandeten 
Aufgaben. Nach Auffassung der Vorinstanz und der Experten habe die 
Nachkorrektur keine zusätzlichen Punkte ergeben, welche zu einer Er-
höhung der Noten führen würde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und auf eine Beschwerde 
einzutreten ist, prüft das Bundesverwaltungsgericht von Amtes wegen 
und mit freier Kognition (BVGE 2007/6 E. 1).

Der angefochtene Entscheid vom 17. März 2009 ist eine Verfügung im 
Sinne von Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das Beschwer-
deverfahren gegen Verfügungen der  Schweizerischen Maturitätskom-
mission betreffend das Ergebnis von Ergänzungsprüfungen "Passerel-
le  Berufsmaturität  -  universitäre  Hochschulen"  richtet  sich  gemäss 

Seite 3

B-2379/2009

Art. 29  der  Verordnung vom 7. Dezember  1998  über  die  schweizeri-
sche  Maturitätsprüfung  (Maturitätsprüfungsverordnung,  SR 413.12) 
nach  den  allgemeinen  Bestimmungen  der  Bundesrechtspflege.  Ge-
mäss  Art. 31  und  33  Bst. f  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  zuständig,  da  keine  Aus-
nahme nach Art. 32 VGG vorliegt.

Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Ver-
fügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an 
deren Aufhebung oder Änderung (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Eingabefrist 
und -form sind gewahrt (Art. 50 und 52 Abs. 1 VwVG) und die übrigen 
Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 44 ff. VwVG).

Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.

2.
Nach Art. 49 VwVG kann mit der Beschwerde an das Bundesverwal-
tungsgericht die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich die Über-
schreitung oder  der  Missbrauch des Ermessens,  die  unrichtige oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  so-
wie die Unangemessenheit der angefochtenen Verfügung gerügt wer-
den.

Das Bundesverwaltungsgericht kann Entscheide über die Ergebnisse 
von Prüfungen grundsätzlich frei überprüfen. Ebenso wie das Bundes-
gericht (BGE 131 I 467 E. 3.1, BGE 121 I 225 E. 4b, mit weiteren Hin-
weisen),  der  Bundesrat  (Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden 
[VPB] 62.62  E. 3,  VPB 56.16  E. 2.1)  sowie  die  ehemaligen  Rekurs- 
und Schiedskommissionen des Bundes (VPB 66.62 E. 4, VPB 64.122 
E. 2) auferlegt es sich dabei aber in ständiger Rechtsprechung Zurück-
haltung, indem es in Fragen, die seitens der Justizbehörden naturge-
mäss schwer überprüfbar sind, nicht ohne Not von den Beurteilungen 
der  erstinstanzlichen  Prüfungsorgane  und  Experten  abweicht.  Der 
Grund dafür  liegt  darin,  dass der  Rechtsmittelbehörde zumeist  nicht 
alle massgebenden Faktoren der Bewertung bekannt sind und es ihr in 
der Regel nicht möglich ist,  sich ein zuverlässiges Bild über die Ge-
samtheit der Leistungen des Beschwerdeführers sowie der Leistungen 
der  übrigen  Kandidaten  zu  machen.  Hinzu  kommt,  dass  Prüfungen 
Spezialgebiete zum Gegenstand haben, in denen die Rechtsmittelbe-
hörde in der Regel  über keine eigenen Fachkenntnisse verfügt. Eine 
freie Überprüfung der Examensbewertung in materieller Hinsicht wür-

Seite 4

B-2379/2009

de zudem die Gefahr von Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten ge-
genüber anderen Kandidaten in sich bergen. Die Bewertung von aka-
demischen Leistungen und Fachprüfungen wird aus diesen Gründen 
von den Rechtsmittelbehörden nicht frei,  sondern nur mit  Zurückhal-
tung überprüft  (BVGE 2008/14 E. 3.1  und BVGE 2007/6  E. 3,  je  mit 
weiteren Hinweisen).

Die dargelegte Zurückhaltung gilt nur für die materielle Bewertung der 
Prüfungsleistungen. Sind hingegen die Auslegung und Anwendung von 
Rechtsvorschriften  streitig  oder  werden  Verfahrensmängel  im  Prü-
fungsablauf  gerügt,  hat  die  Rechtsmittelbehörde die  erhobenen  Ein-
wendungen in freier Kognition zu prüfen, andernfalls sie eine formelle 
Rechtsverweigerung beginge (BVGE 2008/14 E. 3.3 und BVGE 2007/6 
E. 3, je mit weiteren Hinweisen).

3.
Die Verordnung vom 19. Dezember  2003 über  die  Anerkennung von 
Berufsmaturitätsausweisen  für  die  Zulassung  zu  den  universitären 
Hochschulen (Anerkennungsverordnung,  SR 413.14)  regelt  die  Aner-
kennung von Berufsmaturitätsausweisen in Verbindung mit Ausweisen 
über  Ergänzungsprüfungen  für  die  Zulassung  zu  den  universitären 
Hochschulen  (Art. 1  Abs. 1  Anerkennungsverordnung).  Inhaberinnen 
und Inhaber von Berufsmaturitätsausweisen haben vor der Schweizeri-
schen Maturitätskommission Ergänzungsprüfungen abzulegen (Art. 3 
Anerkennungsverordnung). Es werden fünf Fächer geprüft (Art. 8 An-
erkennungsverordnung), wobei die Leistung in jedem der fünf Fächer 
in ganzen und halben Noten ausgedrückt wird. 6 ist die höchste, 1 die 
tiefste Note; Noten unter 4 stehen für ungenügende Noten. Die Punkt-
zahl ist die Summe der Noten in den fünf Fächern. Alle Noten haben 
das gleiche Gewicht (Art. 10 Abs. 1 und 3 Anerkennungsverordnung). 
Gemäss Art. 11 Anerkennungsverordnung ist  die Prüfung bestanden, 
wenn die Kandidatin oder der Kandidat mindestens 20 Punkte erreicht 
und nicht mehr als zwei Noten unter 3.5 sowie keine Note unter 2 vor-
weist. Die Prüfung kann einmal  wiederholt  werden (Art. 13 Anerken-
nungsverordnung).  Für  den  Prüfungszweck,  die  Prüfungssessionen, 
die Anmeldung, die Zulassung und die Gebühren gelten die Bestim-
mungen  der  Maturitätsprüfungsverordnung  sinngemäss  (Art. 4  Aner-
kennungsverordnung). 

Gestützt auf Art. 6 Anerkennungsverordnung erliess die Vorinstanz für 
die Jahre 2005 bis 2006 die Richtlinien "Passerelle Berufsmatur - uni-

Seite 5

B-2379/2009

versitäre Hochschulen" (Version vom 2. September 2004), welche ge-
mäss den Übergangsbestimmungen der Richtlinien 2008, in Kraft seit 
dem 1. Juli 2008, für die Passerelle-Prüfungen bis und mit Winterses-
sion 2009 gelten. Sie beinhalten die Bildungsziele, das Prüfungsver-
fahren und die Bewertungskriterien für jedes der fünf Prüfungsfächer.

4.
Die Beschwerdeführerin beantragt, die Vorinstanz habe dem Bundes-
verwaltungsgericht  die  für  die  Prüfung  verwendeten  Notenschlüssel 
und Bewertungsskalen auszuhändigen. Nach Eingang dieser Unterla-
gen sei ihr eine Frist zur ergänzenden Beschwerdebegründung anzu-
setzen. Mangels  Vergleichsmöglichkeiten,  Notenschlüssels  und  Mus-
terantworten der Fachexperten sei ihr eine Beurteilung ihrer Prüfungs-
leistungen nicht möglich. Der Anspruch auf rechtliches Gehör könnte 
dadurch verletzt worden sein. 

Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfas-
sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, 
SR 101])  als selbständiges Grundrecht umfasst das Recht des Priva-
ten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten Ver-
fahren mit seinem Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten 
zu  erhalten  und  zu  den  für  die  Entscheidung  wesentlichen  Punkten 
Stellung  nehmen  zu  können  (ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX 
UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/Basel/Genf 
2006, Rz. 1672 ff.).  Das Recht  auf  Akteneinsicht bezieht  sich grund-
sätzlich auf alle für den Entscheid erheblichen Akten. Verweigert wer-
den darf nur die Einsicht in verwaltungsinterne Akten (BGE 125 II 473 
E. 4).

Der Gehörsanspruch ist nach feststehender Rechtsprechung formeller 
Natur, mit der Folge, dass seine Verletzung ungeachtet der Erfolgsaus-
sichten der Beschwerde grundsätzlich zur Aufhebung des mit dem Ver-
fahrensmangel behafteten Entscheids führt (statt vieler: BGE 126 I 19 
E. 2d/bb).  Eine  Verletzung  des  Gehörsanspruchs  kann  in  einem 
Rechtsmittelverfahren jedoch geheilt werden, wenn die Beschwerdein-
stanz  in  rechtlicher  und  tatsächlicher  Hinsicht  über  die  gleiche  Prü-
fungsbefugnis  verfügt  wie  die  Vorinstanz. Eine  solche  Heilung  muss 
die  Ausnahme bleiben  und  dem Beschwerdeführer  darf  daraus  kein 
Nachteil  erwachsen. Bei  schweren oder  regelmässigen Verletzungen 
ist die Heilung jedoch ausgeschlossen (BGE 129 I 129 E. 2.2.3, BGE 
126 V 130 E. 2b, BGE 126 I 68 E. 2). 

Seite 6

B-2379/2009

Ob der Anspruch auf rechtliches Gehör vorliegend verletzt worden ist, 
kann offen  gelassen werden. Das Bundesverwaltungsgericht  hat  der 
Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2009 die von 
der Vorinstanz mit Schreiben vom 27. und 29. April 2009 eingereichten 
Prüfungsaufgaben, Lösungen, Bewertungsraster sowie angewendeten 
Notenschlüssel  zugestellt  und  sie  eingeladen,  eine  ergänzende  Be-
schwerdeingabe  einzureichen.  Demnach  wäre  eine  allfällige  Verlet-
zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Verfahren vor Bundes-
verwaltungsgericht als geheilt anzusehen.

5.
Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren eine Unterbewertung ihrer 
Leistungen in den Fächern Naturwissenschaften (Physik), Mathematik 
sowie  Geistes-  und  Sozialwissenschaften  der  Ergänzungsprüfungen 
"Passerelle  Berufsmaturität  -  universitäre  Hochschulen"  geltend.  Die 
Noten in diesen Fächern seien anzuheben. Insbesondere weist sie auf 
die Aufgabe 7.1 der Physikprüfung hin, welche nicht vollständig korri-
giert und bewertet worden sei, da ein Aufgabenteil auf hinten angehef-
teten Lösungsblättern trotz eines Verweises nicht berücksichtigt  wor-
den sei. Im Fach Mathematik  sei  die  Korrektur  mangels  schlüssiger 
Markierungen,  Hinweise  und  Kommentare  nicht  nachvollziehbar.  Es 
sei  lediglich die Endpunktzahl  am Rand vermerkt  worden. Bezüglich 
der  Teilprüfungen Geschichte  und Geografie  bringt  die  Beschwerde-
führerin vor, dass viele Begriffe und Sätze mittels Wellenlinien markiert 
worden seien, obwohl diese im gegebenen Kontext Sinn machten und 
in der Literatur auch so verwendet würden. Die Aufgabe 1b der Teilprü-
fung Geschichte habe sie vollumfänglich beantwortet,  weshalb diese 
Antwort eine höhere Punktzahl verdiene. Im fächerübergreifenden Teil 
seien  ihr  für  die  Lösung  bei  der  Aufgabe 1d  keine  Punkte  gegeben 
worden,  obwohl  sie  alle  drei  Teilaufgaben  vollständig  und  auf  dem 
Quellentext basierend beantwortet  habe. Zudem  hätten die Experten 
zur Ausübung des pflichtgemässen Ermessens eine detaillierte Bewer-
tungsskala erarbeiten müssen und ihren Ermessensspielraum bei ei-
ner Kandidatin nicht durchgehend zu deren Lasten ausüben dürfen. 

5.1 Der  Experte  im  Fach  Mathematik  hält  in  seiner  Stellungnahme 
vom 17. Juni 2009 fest, auf den Lösungsblättern seien rote Korrektur-
zeichen vorhanden. Demnach sei die Behauptung der Beschwerdefüh-
rerin, es seien keine Korrekturen vorhanden,  unbegründet. In der Fol-
ge führt  er bezüglich jeder einzelnen Aufgabe aus, inwiefern die Be-
rechnungen falsch und die vergebene Punktzahl gerechtfertigt seien. 

Seite 7

B-2379/2009

Die Beschwerdeführerin beherrsche den Passerellenprüfungsstoff klar 
nicht. Die Gesamtnote 2.5 sei durch eine grosszügige Punktevergabe 
und letztlich durch Aufrunden entstanden. Eine Erhöhung der Mathe-
matiknote sei aus fachlicher Sicht völlig ausgeschlossen. 

Der Experte im Bereich Naturwissenschaften macht mit Stellungnah-
me vom 15. Juni 2009 im Wesentlichen geltend, die Beschwerdeführe-
rin  habe  von  maximal  möglichen  220 Punkten  65.5 Punkte  erreicht, 
was der Note 2.5 entspreche. Für die Note 3 fehlten 4.5 Punkte. Die 
Lösungen der Beschwerdeführerin seien nach dem gleichen Massstab 
beurteilt worden wie diejenigen der anderen Kandidaten und Kandida-
tinnen. Zur Aufgabe 7 hält er insbesondere fest, der Nachtrag am Ende 
der Prüfungsserie sei bei der Korrektur tatsächlich nicht beachtet wor-
den. Die nachträgliche Korrektur ergebe, dass er der Beschwerdefüh-
rerin für diese Aufgabe einen oder maximal 2 Punkte erteilen könnte, 
was aber nicht zu einer Erhöhung der Note führen würde. 

Das Fachteam im Bereich Geistes-  und Sozialwissenschaften erklärt 
mit  Stellungnahme vom 24. Juni 2009, die Wellenlinien kennzeichne-
ten falsche, ungenaue oder unvollständige Antworten und dienten da-
mit der Orientierung. Die Experten nehmen sodann zu jedem mit einer 
Wellenlinie gekennzeichneten Wort und Satz Stellung und zeigen auf, 
inwiefern die Antworten zu ungenau, falsch oder unvollständig seien. 
Es seien keine zusätzlichen Punkte zu erteilen.

5.2 In einem Beschwerdeverfahren nehmen die Experten, deren No-
tenbewertung beanstandet wird, im Rahmen der Vernehmlassung der 
Prüfungskommission Stellung. In der Regel überprüfen sie ihre Bewer-
tung nochmals und geben bekannt, ob sie eine Korrektur als gerecht-
fertigt  erachten oder nicht.  Den Experten kommt dabei  grundsätzlich 
ein grosser Ermessensspielraum in Bezug auf die Gewichtung der ver-
schiedenen Aufgaben, der Überlegungen oder Berechnungen zu, die 
zusammen die korrekte und vollständige Antwort  auf eine bestimmte 
Prüfungsfrage darstellen sowie bei der Frage, wie viele Punkte in der 
Folge für nur teilweise richtige Antworten zu vergeben sind. Das Bun-
desverwaltungsgericht  geht  daher  davon aus,  dass  es  ihm verwehrt 
ist, bei Rügen bezüglich solcher Fragen sein Ermessen an die Stelle 
desjenigen der Erstinstanz zu setzen (Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts B-2207/2006 vom 23. März 2007 E. 5.4.2).  Solange konkrete 
Hinweise auf Befangenheit fehlen und die Beurteilung nicht als fehler-
haft oder völlig unangemessen erscheint, ist auf die Meinung der Ex-

Seite 8

B-2379/2009

perten abzustellen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Stellung-
nahme insofern vollständig ist, als darin die substantiierten Rügen der 
beschwerdeführenden Person beantwortet werden, und dass die Auf-
fassung  der  Experten,  insbesondere  soweit  sie  von  den  erhobenen 
Rügen abweicht, nachvollziehbar und einleuchtend ist. Den Experten 
ist insbesondere auch bei der Frage, ob für eine konkrete, von der Vor-
lage abweichende oder unvollständige Antwort Punkte erteilt werden, 
ein  grosses  Ermessen  einzuräumen  (BVGE  2008/14  E. 4.3.2  und 
BVGE 2007/6 E. 3; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-2207/2006 
vom 23. März 2007 E. 5.4.2).

5.3 Die Beschwerdeführerin hat  ihre Vorbringen in ihrer Beschwerde 
vom 9. April  2009  pauschal und allgemein gehalten. Sie hielt  zudem 
fest,  ihr  sei  eine  Beurteilung  der  Prüfungsleistungen  mangels  Ver-
gleichsmöglichkeiten,  Notenschlüssels  und  Musterantworten  nicht 
möglich. Trotz Einladung des Bundesverwaltungsgerichts  hat  die Be-
schwerdeführerin aber später darauf verzichtet, gestützt auf die ihr zu-
gestellten Unterlagen (Notenschlüssel und Musterantworten) eine er-
gänzende Beschwerdeeingabe einzureichen.

Nachfolgend  ist  somit  einzig  die  Nachvollziehbarkeit  der  Bewertung 
der  Prüfungsleistung der  Beschwerdeführerin  durch die  Experten zu 
beurteilen. Die Experten haben sich mit den Rügen der Beschwerde-
führerin sehr eingehend und gewissenhaft auseinandergesetzt. Sie le-
gen bei den fraglichen und teilweise auch bei den von der Beschwer-
deführerin nicht explizit gerügten Aufgaben dar, aus welchen Gründen 
der  Beschwerdeführerin  keine  zusätzlichen  Punkte  erteilt  werden 
könnten. Sie weisen auf Fehler hin und benennen Stichworte, Zusam-
menhänge  oder  Abläufe,  die  von  der  Beschwerdeführerin  nicht  er-
wähnt, zu oberflächlich abgehandelt oder ungenügend dargestellt wor-
den seien. Sie stützen sich bei der Korrektur auf klare Bewertungsras-
ter und Notenskalen. Es kann insoweit durchgehend auf die Begrün-
dung der (Nach-) Korrektur verwiesen werden. Die Bewertung der Prü-
fung erscheint in allen Punkten als nachvollziehbar und überzeugend. 
Dass  der  Experte  aufgrund  der  Überprüfung  der  Korrektur  im  Fach 
Physik zu einer Erhöhung der Gesamtpunktzahl um 1 bis 2 zusätzliche 
Punkte gekommen ist, was jedoch nicht zu einer besseren Note führe, 
zeigt, dass die Leistung fair beurteilt wurde. Anhaltspunkte dafür, dass 
maximal 2 Punkte für die ursprünglich nicht berücksichtigte Teilantwort 
der  Leistung  der  Beschwerdeführerin  nicht  gerecht  wären  oder  mit 
dem Bewertungsraster und der Notenskala nicht im Einklang stünden, 

Seite 9

B-2379/2009

sind keine ersichtlich. Im Übrigen ist nicht zu beanstanden, wenn die 
Experten nicht für jede Teilantwort voraussetzungslos Punkte erteilen. 
Vielmehr bedarf  es für  die Erteilung von zusätzlichen Punkten einer 
Antwort,  die  inhaltlich korrekt  ist  und auf  die sich  in  der  Frage stel-
lenden Probleme genügend Bezug nimmt. 

Die Beschwerde ist somit als unbegründet abzuweisen.

6.
Bei  diesem  Verfahrensausgang  sind  die  Verfahrenskosten  der  Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie werden auf 
Fr. 500.– festgesetzt und mit dem am 25. Mai 2009 geleisteten Kosten-
vorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 

Als unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch 
auf eine Parteientschädigung (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

7.
Dieser Entscheid kann nicht mit  Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 
Bst. t  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Er ist somit endgültig.

Seite 10

B-2379/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 500.– werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher 
Höhe verrechnet. 

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Akten zurück)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. P407.4 / REP 1+2 / Ausschluss; Einschrei-

ben; Akten zurück)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Philippe Weissenberger Anita Kummer

Versand: 24. September 2009

Seite 11