# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0f58e094-d09e-521d-b426-9f4a69cfd39a
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-20
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 20.09.2016 SK 2016 186
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2016-186_2016-09-20.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 16 186

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 20. September 2016 

Besetzung Oberrichterin Bratschi (Präsidentin), Oberrichter Kiener, Oberrich-
ter Aebi
Gerichtsschreiber Erismann

Verfahrensbeteiligte A.________, Staatsangehörigkeit Serbien-Montenegro
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt X.________ (sistiert)
privat verteidigt durch Rechtsanwalt Y.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

und

B.________, 
vertreten durch Fürsprecherin Z.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Raub, mehrfach begangen, sexuelle Nötigung, mehrfach, evtl. 
teilweise qualifiziert begangen, und Widerhandlungen gegen das 
Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 18. März 2016 (PEN 2015 229)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 18. März 2016 erkannte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau 
in Fünferbesetzung, was folgt (pag. 583 ff.):

«I.

Das Strafverfahren gegen A.________ wegen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch 
und Führen eines entwendeten Motorfahrzeuges, angeblich begangen am 11.01.2009 und danach 
bis längstens am 09.02.2009 in R.________ und Solothurn SO, z.N. B.________, wird eingestellt, 
ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der qualifizierten sexuellen Nötigung, begangen am 11.01.2009 in R.________, z.N. 
B.________ ;

2. der sexuellen Nötigung, begangen am 11.01.2009 in R.________, z.N. B.________ ;

3. des Raubes, mehrfach begangen 

3.1. am 03.12.2008 in T.________, gemeinsam mit C.________ und D.________, z.N. 
Coop Nordwestschweiz, H.________ und I.________ (Deliktsbetrag: ca. CHF 
15‘689.85);

3.2. am 11.01.2009 in R.________, z.N. Tankstellenshop BP und B.________  (Delikts-
betrag: CHF 30.00 z.N. B.________ und mind. CHF 72.00 z.N. Tankstellenshop 
BP);

und in Anwendung der 
Art. 40, 47, 49 Abs. 1, 140 Ziff. 1, 189 Abs. 1 und 3 StGB, 
Art. 41 und 49 OR,
Art. 126, 426 ff. und 433 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 7 ½ (siebeneinhalb) Jahren.

Es wird festgestellt, dass die Strafe am 17.01.2016 vorzeitig angetreten worden ist.

2. Zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 18‘000.00 zuzüglich 5 % Zins seit dem 
12.01.2009 an die Straf- und Zivilklägerin B.________.

3. Zur Bezahlung der Interventionskosten der Straf- und Zivilklägerin B.________ in der Höhe 
von CHF 7‘007.10.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 15‘385.00 und 
Auslagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 15‘066.70, insgesamt be-
stimmt auf CHF 30‘451.70 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung auf CHF 20‘123.00).

[Zusammensetzung der Gebühren und Auslagen]

3

 5. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden.

III.

Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ 
durch Fürsprecher X.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 40.25 200.00 CHF 8'050.00
Reisezuschlag CHF 950.00

CHF 563.60
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 9'563.60 CHF 765.10

CHF
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 10'328.70

volles Honorar CHF 10'062.50
Reisezuschlag CHF 950.00

CHF 563.60
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 11'576.10 CHF 926.10

CHF 0.00
Total CHF 12'502.20

nachforderbarer Betrag CHF 2'173.50

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecher X.________ für die amtliche Verteidigung von A.________ 
mit CHF 10‘328.70. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Fürsprecher X.________ die Differenz von CHF 2‘173.50 zwischen der amtlichen Entschädigung und 
dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 
4 StPO).

IV.

Weiter wird verfügt:

1. A.________ geht in den Strafvollzug zurück.

2. Die Zustimmung zur Löschung der erstellten DNA-Profile (PCN-Nr. 15 514275 45 /               
15 549416 10) ist nach Ablauf der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 
Abs. 4 DNA-ProfilG).

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
ist nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 
19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

4. [Eröffnungs- und Mitteilungsformel]»

2. Berufung

2.1 Gegen dieses Urteil meldete der amtliche Verteidiger namens von A.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) mit Eingabe vom 24. März 2016 beim Regionalgericht 
Emmental-Oberaargau fristgerecht die Berufung an (pag. 591).

2.2 Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 23. Mai 2016 (pag. 602 ff.).

2.3 Am 14. Juni 2016 reichte der private Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt 
Y.________, beim Obergericht fristgerecht die Berufungserklärung (pag. 693 ff.) 
ein. Darin beschränkte er die Berufung im Wesentlichen auf die Schuldsprüche 

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wegen qualifizierter sexueller Nötigung und ("einfacher") sexueller Nötigung, auf 
die sich daraus ergebenden Sanktions- und Kostenfolgen sowie auf die Zivilklage.

2.4 Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 4. Juli 2016 (pag. 700 f.) mit, 
sie verzichte auf eine Anschlussberufung.

2.5 Die Straf- und Zivilklägerin (nachfolgend: Privatklägerin) führte weder Berufung 
noch Anschlussberufung. Sie liess sich innert der gesetzlichen Fristen nicht ver-
nehmen (vgl. pag. 703).

2.6 Die Berufungsverhandlung fand am 20. September 2016 statt (pag. 737 ff.).

3. Amtliche / Private Verteidigung

3.1 Mit Verfügung vom 7. Januar 2015 (pag. 402) hatte die Staatsanwaltschaft Rechts-
anwalt X.________ als amtlichen Verteidiger des Beschuldigten eingesetzt. 

3.2 Nach Anmeldung der Berufung durch Rechtanwalt X.________ gelangte mit Ein-
gabe vom 20. Mai 2016 (pag. 598) Rechtsanwalt Y.________ an das Regionalge-
richt Emmental-Oberaargau und teilte unter Beilage einer Vollmacht mit, der Be-
schuldigte habe ihn mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt. 

Rechtsanwalt Y.________ erhielt in der Folge Akteneinsicht und wurde mit der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung bedient.

Mit Eingabe vom 2. Juni 2016 (pag. 659) ersuchte Rechtsanwalt Y.________ im 
Namen des Beschuldigten um Wechsel der amtlichen Verteidigung. Der bisherige 
amtliche Verteidiger hielt in seiner Stellungnahme vom 7. Juni 2016 (pag. 677 f.) 
dafür, es sei nicht ersichtlich, inwiefern das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und 
dem Beschuldigten gestört sein könnte, er widersetze sich allerdings einem Wech-
sel der amtlichen Verteidigung nicht. 

3.3 Mit Verfügung vom 8. Juni 2016 (pag. 684 ff.) wies die Verfahrensleitung das Ge-
such um Wechsel der amtlichen Verteidigung ab. Hingegen wurde das amtliche 
Mandat von Rechtsanwalt X.________ vorläufig sistiert. Die Kosten von 
CHF 400.00 wurden zur Hauptsache geschlagen.

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

In oberer Instanz wurden von Amtes wegen ein aktueller Strafregisterauszug vom 
19. September 2016 (pag. 718 ff.) sowie ein aktueller Führungsbericht der Justiz-
vollzugsanstalt S.________ vom 19. September 2016 (pag. 722 ff.) eingeholt. 

An der Berufungsverhandlung wurde zudem eine vom Beschuldigten eingereichte 
Bestätigung vom 30. August 2016 betreffend seine Teilnahme an der Suchtgruppe 
(pag. 744) zu den Akten erkannt.

5. Anträge der Parteien

5.1 Der Beschuldigte beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung vom 20. Sep-
tember 2016, was folgt (pag. 739/745 f.):

5

«I.

Es sei festzustellen, dass die Ziffern I., II.3.1 und 3.2 und III. des erstinstanzlichen Urteils in Rechts-
kraft erwachsen sind.

II.

Der Beschuldigte sei freizusprechen

1. der qualifizierten sexuellen Nötigung, angeblich begangen am 11. Januar 2009 in 
R.________, z.N. B.________ ;

2. der sexuellen Nötigung, angeblich begangen am 11. Januar 2009 in R.________, z.N.  
B.________.

III.

Der Beschuldigte sei hingegen schuldig zu sprechen

des Raubes, mehrfach begangen

1.1. am 3. Dezember 2008 in T.________, gemeinsam mit C.________ und D.________, z.N. 
Coop Nordwestschweiz, H.________ und I.________ (Deliktsbetrag: ca. CHF 15‘689.85)

1.2. am 11. Januar 2009 in R.________, z.N. Tankstellenshop BP und B.________ (Deliktsbe-
trag: CHF 30.00 z.N. B.________ und mind. CHF 72.00 z.N. Tankstellenshop BP)

und in Anwendung von Art. 13 Abs. 1, Art. 40, Art. 47, Art. 49 Abs. 1 und Art. 140 Ziff. 1 StGB sowie 
Art. 126, Art. 426 ff und 429 StPO

zu verurteilen:

zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten (3 ½ Jahren), wobei die seit dem 17. Januar 2016 verbrachte 
Zeit im vorzeitigen Strafvollzug gem. Art. 236 StPO anzurechnen sei.

IV.

Die Zivilklage sei [...] die Freisprüche wegen qualifizierter sexueller und einfacher sexueller Nötigung 
betreffend ohne Ausscheidung von Gerichtskosten zurückzuweisen bzw. [...] den Schuldspruch we-
gen Raubes vom 11. Januar 2009 betreffend auf den Zivilweg zu verweisen.

V.

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien zur Hälfte gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO dem Beschul-
digten aufzuerlegen.

VI.

Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO dem Kanton Bern aufzu-
erlegen.

VII.

Dem Beschuldigten sei oberinstanzliche für die Freisprüche eine Entschädigung in der Höhe der An-
waltskosten zuzusprechen.

VIII.

6

Die Entschädigung der privaten Verteidigung sei gemäss der anlässlich der Berufungsverhandlung 
einzureichende[n] Kostennote gerichtlich zu bestimmen.»

5.2 Die Generalstaatsanwaltschaft stellte anlässlich der Berufungsverhandlung folgen-
de Anträge (pag. 740/748 f.):

«I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 18. März 2016 
insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als

1. das Strafverfahren gegen A.________ wegen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Ge-
brauch und Führens eines entwendeten Motorfahrzeuges eingestellt wurde, ohne Entschädi-
gung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten;

2.  A.________ schuldig erklärt wurde des Raubes, mehrfach begangen

2.1. am 2. Dezember 2008 in T.________ gemeinsam mit C.________ und 
D.________ z.N. Coop Nordwestschweiz; 

2.2. am 11. Januar 2009 in R.________ z.N. des Tankstellenshops BP und von 
B.________.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der qualifizierten sexuellen Nötigung,

2. der sexuellen Nötigung,

beides begangen am 11. Januar 2009 z.N. von B.________, 

und er sei deswegen sowie gestützt auf die rechtskräftigen Schuldsprüche

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 7 ½ Jahren mit vorzeitigem Strafantritt am 17. Januar 2016;

2. zu den erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr von CHF 500.00 
gemäss Art. 21 VKD).

III.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1.  A.________ sei in den Strafvollzug zurückzuversetzen.

2. Die Zustimmung zur Löschung der DNA-Profile und der biometrischen erkennungsdienstli-
chen Daten sei nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen.»

5.3 Die Privatklägerin beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung Folgendes 
(pag. 741/750):

«1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom       
18. März 2016 in Bezug auf die Ziffern I., II. Ziffern 3.1 und 3.2, III. und IV. in Rechtskraft er-
wachsen ist.

2. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen und das erstinstanzliche Urteil in allen Punkten 
zu bestätigen.

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3. Der Berufungsführer sei zur Bezahlung einer Parteientschädigung für das erst- und ober in-
stanzliche Verfahren an die Privatklägerin gemäss eingereichter Honorarnote zu verurteilen.

4. Der Berufungsführer sei zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu verurtei-
len.»

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

6.1 Das Urteil des Regionalgerichts wird vom Beschuldigten nur teilweise angefochten. 

6.2 Nicht angefochten ist die Einstellung des Verfahrens in Bezug auf die Anschuldi-
gungen wegen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch und Führens 
eines entwendeten Motorfahrzeuges, die diesbezüglichen Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen (Ziff. I. des Urteils des Regionalgerichts) sowie – trotz der diesbezüg-
lich widersprüchlichen, auch reformatorischen Anträge des Beschuldigten – die 
Schuldsprüche wegen mehrfachen Raubes gem. Ziff. II.3. des Urteils des Regio-
nalgerichts. Es kann deshalb insoweit dessen Rechtskraft festgestellt werden. 

6.3 Die übrigen Punkte des erstinstanzlichen Urteils sind dagegen angefochten und 
von der Kammer mit voller Kognition zu prüfen (Art. 398 Abs. 2 und 3 der Schwei-
zerischen Strafprozessordnung [StPO, SR 312.0]).

Gegenstand des oberinstanzlichen Verfahrens bilden somit

- die Anschuldigungen der qualifizierten sexuellen Nötigung und der sexuellen 
Nötigung z.N. der Privatklägerin (Ziff. I.2.1 und 2.2. der Anklageschrift);

- die allenfalls hierfür und für die rechtskräftigen Schuldsprüche wegen mehrfa-
chen Raubes auszusprechende Sanktion;

- die Verlegung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (unter Einbe-
zug der Kosten der amtlichen Verteidigung);

- die Zivilklage;

- allfällige Entschädigungsfolgen (private Verteidigung, Privatklägerschaft);

- das Schicksal der erhobenen DNA-Profile und biometrischen erkennungs-
dienstlichen Daten.

Nachdem einzig der Beschuldigte ein Rechtsmittel ergriffen hat, ist die Kammer an 
das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) gebunden. Ausgeschlossen 
ist namentlich eine strengere Bestrafung des Beschuldigten.

II. Sachverhalt

7. Rechtskräftige Schuldsprüche wegen mehrfachen Raubes

7.1 Raubüberfall auf die Coop-Filiale in T.________

Dem Beschuldigten wird in Ziffer I.1.1. der Anklageschrift vom 21. August 2015 
vorgeworfen, er habe sich am 3. Dezember 2008 an einem Raubüberfall auf eine 
Coop-Filiale in T.________ beteiligt. Er soll gemeinsam mit seinen Mittätern 
C.________ und D.________ in einem von C.________ organisierten Auto zum 
Tatort gefahren sein. Er und D.________ hätten ihr Gesicht maskiert und sich 

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durch den Hintereingang in das Ladeninnere begeben. Dort hätten sie zwei Ver-
käuferinnen mit Spielzeugpistolen bedroht und eine davon gezwungen, den Tresor 
zu öffnen. Sie hätten das Bargeld aus dem Tresor sowie den Inhalt des Portemon-
naies und das Mobiltelefon einer Verkäuferin behändigt. Sie hätten die beiden Ver-
käuferinnen gezwungen, sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu legen, 
anschliessend das Geschäft fluchtartig verlassen und seien mit C.________ im 
Fahrzeug geflüchtet (pag. 443).

Nachdem der Beschuldigte die Tat zunächst lange vehement bestritten hatte, zeig-
te er sich schliesslich anlässlich der Schlusseinvernahme vom 2. Juli 2015 insofern 
geständig, als er zugab, gemeinsam mit D.________ maskiert die Coop-Filiale be-
treten und Geld aus dem Tresor genommen zu haben. Allerdings behauptete er 
u.a., er sei lange gegen die Tat gewesen und habe sich erst im Auto und unter Al-
koholeinfluss von D.________ und C.________ dazu überreden lassen. Weiter be-
hauptete er, die Verkäuferinnen hätten sich von alleine auf den Boden gelegt und 
die Tür des Tresors sei bereits offen gestanden (pag. 319 f.).

Die Vorinstanz erachtete indessen den angeklagten Sachverhalt als erstellt. Insbe-
sondere kam sie zum Schluss, der Beschuldigte sei von Anfang an zum Raubüber-
fall entschlossen gewesen. Er habe die Verkäuferin I.________ mit vorgehaltener 
Waffe zur Öffnung des Tresors gezwungen und dieser sowie der anderen Verkäu-
ferin H.________ anschliessend befohlen, sich auf den Boden zu legen. Insgesamt 
habe der Beschuldigte bei dem Überfall keineswegs nur eine untergeordnete Rolle 
inne gehabt (pag. 612 ff.).

Den entsprechenden Schuldspruch hat der Beschuldigte nicht angefochten, dieser 
ist in Rechtskraft erwachsen. 

In Zusammenhanghang mit den Vorbringen der Verteidigung zu den angeklagten 
Sexualdelikten ist festzuhalten, dass an der Berufungsverhandlung nicht – jeden-
falls nicht explizit – bestritten wurde, dass der Beschuldigte anlässlich des Überfalls 
auf die Coop-Filiale tatsächlich eine Spielzeugpistole eingesetzt hatte. Selbst wenn 
dies aber noch bestritten wäre, müsste der Einsatz der Waffenattrappen aufgrund 
der eindeutigen diesbezüglichen Aussagen des Mittäters D.________ (pag. 254 
Z. 22, pag. 265 Z. 94) und der beiden Opfer (pag. 199 Z. 20 ff., pag. 200 Z. 27 ff., 
pag. 248 Z. 23, pag. 250 Z. 2 ff.) als erstellt gelten. 

Soweit die Verteidigung an der Berufungsverhandlung hingegen explizit vorbrachte, 
es sei nicht abwegig, dass nicht der Beschuldigte den Angestellten befohlen habe, 
sich auf den Boden zu legen, sondern dass diese sich aufgrund eines bestehenden 
Sicherheitskonzepts so verhalten hätten, kann dieser Auffassung nicht gefolgt wer-
den. Es mag zwar sein, dass eine derartige Reaktion in einem bei Coop bestehen-
den Sicherheitskonzept so vorgesehen ist und die Angestellten entsprechend ge-
schult werden. Beide hier betroffenen Verkäuferinnen gaben jedoch zu Protokoll, 
ihnen sei vom Beschuldigten im vorliegenden Fall explizit befohlen worden, sich – 
mit dem Kopf vom Tresor abgewandt – auf den Boden zu legen (pag. 199 Z. 23, 
pag. 249 Z. 9 f.). Die Kammer hat keinen Grund, an diesen Aussagen und am Um-
stand zu zweifeln, dass die beiden Frauen der Aufforderung gerade unter dem Ein-

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druck der vom Beschuldigten und seinem Mittäter eingesetzten Waffenattrappen 
gehorchten. 

Hinsichtlich der Rolle des Beschuldigten bei diesem Raub schliesst sich die Kam-
mer in Hinblick auf die Strafzumessung vollumfänglich der Würdigung der Vorin-
stanz an. Der Beschuldigte hatte zwar bei der Tatplanung nur eine Nebenrolle inne, 
nachdem D.________ bestätigte, dass die Idee zum Raub von C.________ (und 
ihm) gestammt habe und der Beschuldigte erst später hinzugekommen sei (pag. 
253 Z. 3 ff. und 41 ff., pag. 254 Z. 3 ff., pag. 264 Z. 77 f.). Der Beschuldigte gab 
aber an der Hauptverhandlung selbst zu, dass er bereits am Tag vor dem Überfall 
angefragt worden sei, ob er bei einem Raub mitmachen wolle (pag. 561 Z. 16 f.). 
Seine Behauptung, dass er nicht gewusst habe, dass es um einen bevorstehenden 
Raub ging, als er am Tag der Tat wieder angerufen und dann von den beiden an-
deren Mittätern mit dem Auto abgeholt wurde (vgl. pag. 319 Z. 27 ff., pag. 561 Z. 
13), ist deshalb völlig unglaubhaft. Sodann war der Beschuldigte gemäss seinen 
eigenen Aussagen in der Folge auch mit dabei, als in R.________ die Waffenat-
trappen und das Vermummungsmaterial besorgt wurden (pag. 319 Z. 32 ff.). Der 
Beschuldigte war mithin bei der Tatvorbereitung und später auch bei der Tatdurch-
führung massgeblich beteiligt.

Schliesslich ist im Hinblick auf die Strafzumessung auch festzuhalten, dass der Be-
schuldigte an der Hauptverhandlung zugab, an Alkohol gewöhnt und nicht stark be-
trunken gewesen zu sein (pag. 561 Z. 22 ff.). Es finden sich denn auch weder in 
seinen eigenen noch in den Aussagen der übrigen befragten Personen Hinweise 
dafür, dass der Beschuldigte bei der Durchführung des Überfalls in einem relevan-
ten Ausmass in seiner Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen 
wäre.

7.2 Raubüberfall auf den BP Tankstellenshop in R.________

Dem Beschuldigten wird in Ziffer I.1.2. der Anklageschrift vorgeworfen, am 11. Ja-
nuar 2009 einen weiteren Raubüberfall, diesmal auf den Shop der BP Tankstelle in 
R.________, verübt zu haben. Er habe mit maskiertem Gesicht beim Hintereingang 
des Tankstellenshops die Verkäuferin B.________ abgefangen, sie mit einem 
Messer, ähnlich einem Gemüse- oder Fleischmesser, mit einer ca. 20 cm langen 
Klinge bedroht, in den Laden zurück gedrängt und von ihr die Öffnung des Tresors 
verlangt. Weil die Verkäuferin dem Beschuldigten gesagt habe, dass dieser mit ei-
ner Zeitschaltuhr gekoppelt sei, sei der Tresor allerdings nicht geöffnet worden. Der 
Beschuldigte habe verlangt, dass die Verkäuferin die Kasse öffnen solle, was diese 
auch getan habe. Die Kasse sei allerdings leer gewesen. Daraufhin habe der Be-
schuldigte Geld und Waren verlangt. Die Verkäuferin habe ihm aus ihrem eigenen 
Portemonnaie Bargeld in der Höhe von CHF 30.00 sowie aus dem Laden eine un-
bestimmte Anzahl Zigaretten, sechs Dosen alkoholischer Getränke und eine unbe-
kannte Anzahl Lose im Wert von insgesamt mindestens CHF 72.00 ausgehändigt. 
Die ganze Zeit habe der Beschuldigte das Messer gegen B.________, insbesonde-
re gegen ihre Hals-, Gesichts- und Bauchregion, gehalten und mehrfach sinn-
gemäss gedroht, sie zu fesseln und abzustechen (pag. 444).

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Der Beschuldigte ist grundsätzlich geständig, diesen Überfall begangen zu haben 
(pag. 298 Z. 46 ff., pag. 299 Z. 68 ff., pag. 311 Z. 26 ff., pag. 318 Z. 20 f., pag. 561 
Z. 30 ff.). Hingegen hat er stets bestritten, ein Messer mit sich geführt und einge-
setzt zu haben (zuletzt an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, pag. 561 
Z. 32 f.).

Die Vorinstanz kam gestützt auf die gegenteiligen, von ihr als glaubhaft bewerteten 
Aussagen der Privatklägerin hingegen zu einem anderen Schluss. Sie erachtete 
den angeklagten Sachverhalt als erstellt und sprach den Beschuldigten auch in 
diesem Anklagepunkt des Raubes schuldig.

Der Beschuldigte hat diesen Schuldspruch akzeptiert. Er blieb unangefochten und 
ist damit in Rechtskraft erwachsen. 

Im Zusammenhang mit den ihm ebenfalls vorgeworfenen, angeblich während des 
Überfalls getätigten sexuellen Übergriffen auf die Tankstellenshop-Verkäuferin be-
stritt der Beschuldigte allerdings auch im oberinstanzlichen Verfahren noch, an je-
nem Abend ein Messer mit sich geführt zu haben. 

Deswegen und auch im Hinblick auf die Strafzumessung wird deshalb nachstehend 
– trotz Rechtskraft des Schuldspruchs wegen Raubes – noch einmal vertieft auf 
den Ablauf des gesamten Überfalls und insbesondere den Messereinsatz einzuge-
hen sein.

8. Mehrfache, ev. teilweise qualifizierte sexuelle Nötigung

8.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in Ziffer I.2.2 der Anklageschrift vorgeworfen, er habe an-
lässlich des Raubüberfalls vom 11. Januar 2009 auf den Tankstellenshop die Ver-
käuferin B.________ mit einem Messer, ähnlich einem Gemüse- oder Fleischmes-
ser, mit einer ca. 20 cm langen Klinge bedroht und ihr befohlen, ihn oral zu befrie-
digen. Der Beschuldigte habe seine Hosen etwas runtergelassen, seinen Penis 
hervorgenommen und von der Verkäuferin verlangt, dass sie ihm „eins blase“. Die-
se habe daraufhin sein Glied in die Hände und schliesslich in den Mund genommen 
und den Beschuldigten oral befriedigt, wobei der Beschuldigte zeitweise mit beiden 
Händen gewaltsam ihren Kopf festgehalten habe. Zwischenzeitlich habe er sein 
Glied aus ihrem Mund genommen und sie daraufhin erneut gezwungen, ihn oral zu 
befriedigen. Danach habe der Beschuldigte den Penis wieder eingepackt und der 
Verkäuferin befohlen, in das Getränkelager zu gehen. 

Eventuell habe der Beschuldigte durch die Bedrohung und Nötigung der Verkäufe-
rin mit dem genannten Messer besonders grausam gehandelt, indem er eine Waffe 
oder einen anderen gefährlichen Gegenstand benutzt habe, zumal er dem Opfer 
das Messer mit der Spitze voran entgegen gehalten und ihm zeitweise die Klinge 
an den Hals bzw. derart nahe an den Hals gehalten habe, dass die Klinge den Hals  
zeitweise berührt habe.

Dem Beschuldigten wird schliesslich in Ziffer I.2.2. der Anklageschrift vorgeworfen, 
nach den hiervor beschriebenen Handlungen habe er der Verkäuferin befohlen, 
sich in das Getränkelager zu begeben, sie gezwungen, sich in Bauchlage auf den 

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Boden zu legen, und sie mit einer mitgebrachten Schnur gefesselt. Er habe ihr mit 
der Hand in die Hose hineingegriffen, ihr Gesäss berührt, ihre Vagina berührt und 
ausgegriffen und eventuell einen oder mehrere Finger in die Vagina eingeführt. 
Weiter habe er eventuell in den Ausschnitt ihres Pullovers gegriffen und ihre Brüste 
berührt (pag. 444).

8.2 Bestrittener / Unbestrittener Sachverhalt

Wie bereits erwähnt hat der Beschuldigte den Überfall auf den Tankstellenshop 
grundsätzlich eingestanden. Er hat zugegeben, den Shop maskiert betreten und 
nach Geld verlangt, jedoch nur Waren und etwas Bargeld von der Privatklägerin 
genommen bzw. erhalten zu haben (pag. 299 Z. 78 ff.). Weiter hat der Beschuldigte 
eingestanden, die Privatklägerin gefesselt zu haben und anschliessend mit ihrem 
PW geflüchtet zu sein. 

Es wird vom Beschuldigten auch nicht bestritten, dass es anlässlich des Raubüber-
falls zu Oralverkehr zwischen ihm und der Privatklägerin gekommen ist (pag. 299 
Z. 95 ff.). Hingegen stellt der Beschuldigte die Situation so dar, dass die Initiative 
dazu von der Privatklägerin ausgegangen sei, sie dies gewollt, darauf bestanden, 
ja ihn regelrecht dazu verführt habe (pag. 299 Z. 5 ff., pag. 301 Z. 204 ff., pag. 311 
Z. 53, pag. 315 Z. 259, pag. 316 Z. 262 ff., 272 f. und 276 f., pag. 321 Z. 99 f., pag. 
561 Z. 38 ff., pag. 562 Z. 5 ff.). Er bestreitet mithin, dass der Oralverkehr unter 
Zwang zustande gekommen ist.

Weiter bestreitet der Beschuldigte, dass er die Privatklägerin im Getränkelager 
ausgegriffen habe (pag. 302 Z. 211 ff., pag. 321 Z. 117).

Schliesslich wird vom Beschuldigten bestritten, dass er beim Raubüberfall auf den 
Tankstellenshop ein Messer oder eine andere Waffe mit sich geführt habe 
(pag. 300 Z. 155, pag. 301 Z. 160 ff., pag. 311 Z. 45, pag. 320 Z. 90, pag. 321 
Z. 93 und 113, pag. 561 Z. 32 ff.). 

8.3 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, die Aussagen des Beschuldigten seien 
nicht glaubhaft. Er habe immer nur soviel zugegeben, wie ihm habe nachgewiesen 
werden können. Seine Aussagen seien zudem widersprüchlich, etwa in Bezug auf 
die angeblich lockere Stimmung im Shop und die Frage, ob das Opfer nun Angst 
vor ihm gehabt habe oder nicht. Seine Aussagen würden zum Teil rein taktisch er-
scheinen; er sei sehr wohl in der Lage, zielgerichtet und zweckorientiert auszusa-
gen. Ausserdem habe der Beschuldigte sich – im Unterschied zu seiner Reaktion 
auf andere, nachträglich erwiesenermassen falsche Vorhalte – nur sehr zurückhal-
tend gegen die ihm vorgeworfenen Sexualdelikte gewehrt. Auch habe er offensicht-
lich gelogen, als er behauptet habe, vor dem Überfall auf den Tankstellenshop kei-
ne anderen Raubtaten begangen zu haben. Schliesslich seien die Erklärungsver-
suche des Beschuldigten für die Anschuldigungen der Privatklägerin auch unlo-
gisch. Auf seine Aussagen könne deshalb nicht abgestellt werden.

Die Privatklägerin habe hingegen – insbesondere anlässlich ihrer ersten, tatnahen 
Einvernahme – detailliert, nachvollziehbar, anschaulich und wirklichkeitsnah ge-
schildert, was an jenem Abend im Tankstellenshop vorgefallen sei. Sie habe dabei 

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auch originelle Einzelheiten erwähnt, Erinnerungslücken eingestanden und sich 
emotional sehr aufgewühlt gezeigt. Die Privatklägerin habe den Beschuldigten nicht 
unnötig belastet. Gründe für eine Falschbeschuldigung seien nicht ersichtlich. Zwar 
seien auch in den Aussagen der Privatklägerin gewisse Differenzen zu finden, die-
se liessen sich jedoch mit dem Zeitablauf zwischen den Einvernahmen und der 
Verdrängung des Geschehenen durch die Privatklägerin erklären und änderten 
nichts an ihrer Glaubwürdigkeit. Bei Unstimmigkeiten sei auf die ersten, tatnäheren 
Aussagen abzustellen. Dies gelte insbesondere auch hinsichtlich des Messerein-
satzes durch den Beschuldigten. Der Umstand, dass der Ehemann der Privatkläge-
rin bei den Einvernahmen dabei gewesen sei, ändere nichts an der Glaubhaftigkeit 
ihrer Aussagen, zumal man mit einem Sachverhalt wie dem von ihr geschilderten, 
gemeinhin nicht vor seinem Partner zu «hausieren» pflege.

Die Vorinstanz kam gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin deshalb zum 
Schluss, dass der Beschuldigte beim Raubüberfall auf den Tankstellenshop ein 
Messer mit sich geführt und dieses auch einsetzt habe, indem er die Privatklägerin 
mit vorgehaltenem Messer zum Oralverkehr gezwungen habe, nachdem sie sich 
geweigert habe, sich auszuziehen. Die Privatklägerin habe "das Schlimmste", näm-
lich eine drohende Vergewaltigung, verhindern wollen und deshalb dem Beschul-
digten schliesslich gehorcht. Von einer Einigung aus freien Stücken respektive ei-
ner freiwilligen oder gar aus eigenem Antrieb erfolgten Handlung könne hingegen 
keine Rede sein. Es sei völlig realitätsfremd, dass ein Opfer eines Raubüberfalls 
durch einen bewaffneten und maskierten Täter, diesen sozusagen "zum Dank" 
auch noch sexuell befriedige wolle. Die dahingehenden Aussagen des Beschuldig-
ten seien geradezu absurd. Auch seine Vermutung, dass die Privatklägerin da-
durch nur seine DNA hab sichern wollen, überzeuge angesichts des Umstands, 
dass sie den Beschuldigten ja sofort erkannt habe, nicht. In dubio pro reo müsse 
hingegen davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte der Privatklägerin 
das Messer während des Oralverkehrs nicht an den Hals gehalten habe, ansonsten 
sie dies anlässlich der ersten, tatnahen Einvernahme wohl (expliziter) erwähnt hät-
te. Erwiesen sei jedoch, dass der Beschuldigte die Privatklägerin vorgängig zum 
Oralverkehr mit dem Messer bedroht, ihr dieses an den Hals gehalten und damit 
vor ihrer Bauchgegend herumgefuchtelt habe. Er habe das Messer mithin einge-
setzt, um die Privatklägerin gefügig zu machen.

Gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin sei weiter erwiesen, dass der Be-
schuldigte ihr befohlen habe, sich in das Getränkelager zu begeben. Dort habe er 
sie gezwungen, sich in Bauchlage auf den Boden zu legen. Anschliessend habe er 
sie mit einer mitgebrachten Packschnur gefesselt, mit der Hand ich ihre Hose ge-
griffen, ihr Gesäss und ihre Vagina berührt und mehrere Finger in ihre Vagina ein-
geführt. Zudem habe er der Privatklägerin in den Ausschnitt des Pullovers gegriffen 
und ihre Brüste berührt.

8.4 Vorbringen der Parteien

8.4.1 Die Verteidigung machte an der Berufungsverhandlung geltend, es sei zu beach-
ten, dass beim Überfall auf den Tankstellenshop keine für einen Raub typische, 
sondern vielmehr eine lockere Atmosphäre geherrscht habe, auch wenn die Situa-
tion für die Privatklägerin sicherlich durch Angst geprägt gewesen sei. Es sei vor 

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diesem Hintergrund durchaus möglich, dass es zu "Verhandlungen" gekommen 
sei, in deren Rahmen die Privatklägerin dem Beschuldigten Oralverkehr angeboten 
habe. Die Privatklägerin habe denn auch ausgesagt, sie hätten sich darauf «geei-
nigt». Sie habe, in der Absicht, sich zu schützen, klug gehandelt, zumal sie ge-
wusst habe, wer der Täter sei. Das «unmoralische Angebot» habe den Beschuldig-
ten überrascht und verunsichert. Er habe dieses nicht ablehnen können und spon-
tan angenommen. Gehe man von diesem Sachverhalt aus, würden das Aussage-
verhalten und die Aussagen beider Parteien erklärbar. So auch die widersprüchli-
chen Angaben der Privatklägerin zu den sexuellen Handlungen und der Umstand, 
dass sie  anlässlich der Einvernahme in Anwesenheit ihres Ehemanns geweint ha-
be. Sie habe in dessen Gegenwart verständlicherweise nicht zugeben können, dem 
Beschuldigten ein solches «unmoralisches Angebot» gemacht zu haben.

Der Messereinsatz sei vom Beschuldigten stets bestritten worden. Ein Messer sei 
von der Polizei weder gesucht noch aufgefunden worden. Es gebe auch keine 
Aussagen darüber und damit keine Beweise dafür, dass der Beschuldigte das 
Messer wieder eingesteckt und mitgenommen hätte. Dies erkläre sich daher, weil 
es eben gar nie ein Messer gegeben habe. Die Privatklägerin habe mit ihren Aus-
sagen zum Messereinsatz lediglich die angebliche Bedrohlichkeit der Situation 
steigern wollen, um so den von ihr – zur Beruhigung des Beschuldigten – angebo-
tenen Oralverkehr vor ihrem Ehemann nachträglich zu rechtfertigen. 

Hinsichtlich der angeblichen sexuellen Handlungen im Getränkelager falle schliess-
lich auf, dass die Privatklägerin bereits bei ihrer Ersteinvernahme, nur wenige 
Stunden nach der angeblichen Tat, dazu keine genaueren Angaben mehr habe 
machen können. Ihre diesbezüglichen Aussagen seien vielmehr vage und wirkten 
nicht wie selbst erlebt. So habe die Privatklägerin z.B. nicht angeben können, wel-
che Brust der Beschuldigte berührt habe. Es sei daher nicht erstellt, dass es im Ge-
tränkelager zu sexuellen Handlungen gekommen sei.

8.4.2 Stv. Generalstaatsanwalt V.________ führte an der Berufungsverhandlung hinge-
gen aus, ein Raub ohne Messereinsatz würde – wie von der Vorinstanz ausgeführt 
– ein kriminalistisches Novum darstellen und bereits der Raubüberfall auf die Coop-
Filiale in T.________ habe gezeigt, dass der Beschuldigte durchaus Waffen bzw. 
zumindest Waffenattrappen einsetze.

Hinsichtlich der Aussagen der Privatklägerin könne weitergehend auf die Würdi-
gung der Vorinstanz verwiesen werden. Diese stelle grundsätzlich zu Recht auf die 
tatnächsten Opferaussagen ab. In Bezug auf den Messereinsatz während des Ora-
lverkehrs sei hingegen auf die Aussagen der Privatklägerin anlässlich ihrer Einver-
nahme vom 9. Juni 2015 abzustellen. Diese stünden nur prima vista in einem Wi-
derspruch zu ihren Erstaussagen. Bei genauerer Betrachtung habe die Privatkläge-
rin nämlich anlässlich ihrer ersten Einvernahme nicht ausgesagt, dass sie während 
des Oralverkehrs nicht mit dem Messer bedroht worden sei oder dass der Beschul-
digte zu diesem Zeitpunkt das Messer bereits weggelegt gehabt habe. Es sei denn 
auch durchaus möglich, dass der Beschuldigte das Messer während des Oralver-
kehrs in seiner Faust gehalten und die Privatklägerin dieses einfach nicht habe se-
hen können. 

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Die Aussagen des Beschuldigten seien dagegen nicht nur unglaubhaft, sondern 
auch respektlos gegenüber dem Opfer. In seinen Aussagen fänden sich nicht ein-
mal die am einfachsten zu simulierenden Glaubhaftigkeitsmerkmale. Der Beschul-
digte habe zwar zugegebenermassen eine originelle Erklärung für die von ihm be-
hauptete Freiwilligkeit des Oralverkehrs abgegeben, doch sei auch diese wenig 
durchdacht, skurril und völlig lebensfremd. 

Hinsichtlich der noch strittigen Punkte müsse man folglich zum Schluss gelangen, 
dass der Oralverkehr nicht freiwillig stattgefunden habe. Vielmehr habe der Be-
schuldigte die Privatklägerin mit dem Messer dazu gezwungen. Er habe dieses 
gemäss ihren glaubhaften Aussagen anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 9. Juni 2015 zumindest zu Beginn des Oralverkehrs noch an ihren 
Hals gehalten. Schliesslich sei erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin im 
Getränkelager gefesselt und gegen ihren Willen an Vagina, Gesäss und an der 
Brust berührt habe, nachdem die Privatklägerin hierzu mitnichten kurze oder bloss 
vage, sondern ebenfalls glaubhafte Angaben gemacht habe.

8.4.3 Fürsprecherin Z.________ schloss sich in ihrem Parteivortrag grundsätzlich den 
Ausführungen von Stv. Generalstaatsanwalt V.________ an. 

Die Aussagen der Privatklägerin seien glaubhaft. Es sei deshalb erstellt, dass der 
Beschuldigte ein Messer mit sich geführt habe, dies präge sich bei Opfern regel-
mässig stark ein. Stv. Generalstaatsanwalt V.________ habe auch richtig ausge-
führt, dass die Privatklägerin anlässlich ihrer ersten Einvernahme eigentlich nichts 
ihren späteren Aussagen zum Einsatz des Messers beim Oralverkehr Widerspre-
chendes zu Protokoll gegeben habe. Vielmehr habe sie bei ihrer Ersteinvernahme 
schlicht gar nichts dazu gesagt. Allerdings lasse sich beweismässig wohl nicht 
mehr erstellen, wie der Beschuldigte das Messer beim Oralverkehr genau einge-
setzt habe. 

Die Erstaussagen der Privatklägerin zum Griff an ihre Brust im Getränkelager seien 
entgegen den Ausführungen der Verteidigung detailliert und gerade auch deshalb 
glaubhaft, weil sie zugegeben habe, nicht genau sagen zu können, welche Brust 
der Beschuldigte berührt habe. 

Die Aussagen des Beschuldigten seien dagegen unglaubhaft. Seine Behauptun-
gen, die Privatklägerin habe ihm freiwillig Geld gegeben und ihn bloss deshalb oral 
befriedigt, weil sie seine DNA habe sichern wollen, seien schlicht nicht nachvoll-
ziehbar. Seine Aussage, sozusagen selbst Opfer eines Sexualdeliktes geworden 
zu sein, sei nicht nur respektlos, sondern auch dumm. 

8.5 Erwägungen der Kammer

8.5.1 Allgemeines zur Beweiswürdigung

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussa-
geanalyse kann vorab auf die zutreffenden allgemeinen Ausführungen der Vorin-
stanz verwiesen werden (Ziff. III. 1.1. und 1.2. ihrer Erwägungen, pag. 606 ff.). 

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8.5.2 Vorbemerkung – keine objektiven Beweismittel

Die noch nicht rechtskräftig beurteilten Vorwürfe der mehrfachen, eventuell teilwei-
se qualifizierten sexuellen Nötigung basieren weitestgehend auf den Aussagen der 
Privatklägerin. 

Objektive Beweise in Bezug auf die noch strittigen Sachverhaltselemente liegen 
nicht vor. Die Auswertung der gesicherten DNA-Spuren (pag. 147 ff., 179 ff. und 
186 ff.) belegt einzig, dass der Beschuldigte mit der zur Fesselung der Privatkläge-
rin verwendeten Packschnur sowie mit PET-Flaschen und Zigarettenstummeln, 
welche schliesslich im Auto der Privatklägerin aufgefunden wurden, in Berührung 
gekommen ist. Sowohl die Fesselung der Privatklägerin wie auch die Entwendung 
von deren Fahrzeug werden allerdings vom Beschuldigten nicht bestritten. 

Wie die Verteidigung zutreffend ausführte, gibt es namentlich keine objektiven Be-
weismittel, welche den angeklagten Messereinsatz oder die Unfreiwilligkeit der se-
xuellen Handlungen untermauern würden. Insbesondere liegen weder Bilder einer 
Überwachungskamera noch ärztliche Berichte über die Privatklägerin vor. Diese er-
litt – abgesehen von den wohl durch die Fesselung verursachten Hautrötungen an 
den Handgelenken (pag. 151), – nach eigenen Angaben auch keine Verletzungen 
(pag. 213 Z. 23 f.). Selbst wenn das Vorliegen bzw. das Nichtvorliegen von Verlet-
zungen ärztlich dokumentiert wäre, würde dies im Übrigen noch keine eindeutigen 
Rückschlüsse auf das Tatgeschehen zulassen. 

Immerhin stellt das Fehlen objektiv dokumentierter oder zumindest geschilderter 
Verletzungen am Hals der Privatklägerin ein Indiz dafür dar, dass ihr ein allfällig 
eingesetztes Messer nicht direkt bzw. jedenfalls höchstens mit geringem Kraftein-
satz an den Hals gehalten wurde.

Für die Urteilsfindung zentral erweist sich im vorliegenden Fall deshalb mangels 
objektiver Beweise die Würdigung der Aussagen der Parteien, allen voran jener der 
Privatklägerin.

8.5.3 Aussagen der Privatklägerin
Erstaussagen

Die Privatklägerin wurde am 12. Januar 2009, rund 13 Stunden nach dem Vorfall, 
ein erstes Mal polizeilich einvernommen (pag. 211 ff.). Anwesend waren auch ihr 
Ehemann, ihre Schwester sowie eine Person des Care-Teams.

Die Privatklägerin gab zu Protokoll, als sie nach Feierabend den Shop durch die 
Hintertür habe verlassen wollen, sei ihr dort ein unbekannter Mann mit einem Mes-
ser gegenüber gestanden. Er habe sie zurück in den Shop gestossen und dort 
Bargeld von ihr verlangt. Sie habe ihm gesagt, dass sie den Tresor nicht öffnen 
könne, da dieser mit einem Zeitschloss versehen sei. Sie seien danach nach vorne 
zur Kasse gegangen, diese sei jedoch leer gewesen und sie habe ihm CHF 30.00 
aus ihrem eigenen Portemonnaie angeboten. Der Unbekannte habe gefragt, was 
dies auf der Theke alles sei und sie habe ihm geantwortet, dass es sich um Lose 
handle. Er habe gefragt: «Was isch no Gäud?». Sie habe ihm geantwortet, die Zi-
garetten und der Alkohol. Er habe sie nach hinten gewiesen und dort erneut Geld 
von ihr gefordert. Sie habe ihm wirklich nichts geben können, worauf er gesagt ha-

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be, dass sie sich auf den Boden legen und sich ausziehen solle. Sie habe ihm ge-
antwortet, dass er dass nicht wirklich wolle. Doch er habe erwidert, aber ja, das 
wolle er. Sie habe erneut verneint und so habe der Mann von ihr gefordert, dass sie 
ihm «eines blasen» solle. Er habe seine Hosen etwas nach unten gezogen und da-
bei seinen «Schwanz» herausgenommen. Sie habe also seinen «Schwanz» in die 
Hände genommen und ihn mit dem Mund befriedigt. Dabei habe sie gesehen, dass 
er an seinem linken Beckenknochen eine Art rotes Bibeli gehabt habe. Sie habe 
auch festgestellt, dass er in seinem Intimbereich glatt rasiert gewesen sei. Der Un-
bekannte habe selber zu ihr gesagt, er sei sauber, soeben rasiert. Zum Orgasmus 
sei er nicht gekommen, er habe seinen Penis vorher wieder eingepackt. Da habe er 
zu ihr gesagt, sie solle sich auf den Boden legen und sich ausziehen, er wolle ihre 
Schamlippen sehen. Sie habe ihm geantwortet, dass sie dies nicht machen werde. 
Er habe daraufhin nochmals seinen «Schwanz» ausgepackt und sie habe ihm 
nochmals «einen blasen» müssen. Der Unbekannte sei aber auch nun nicht zum 
Orgasmus gelangt. Er habe seinen Schwanz wieder eingepackt und von ihr ver-
langt, dass sie sich hinten im Getränkelager mit dem Bauch nach unten auf den 
Boden legen solle. Die Hände habe sie hinten auf den Rücken legen müssen und 
er habe diese mit einer Schnur gefesselt, aber nicht sehr fest. Der Mann habe sie 
gefragt, wo sie ihren Autoschlüssel habe. Dieser habe sich unter ihr befunden, da 
sie diesen ständig in der Hand gehalten habe. Er habe zu ihr gesagt, dass sie lie-
gen bleiben und sich ruhig verhalten solle. So habe der Mann den Raum wieder 
durch die Tür verlassen, durch welche er auch herein gekommen sei (pag. 211 f. Z. 
19 ff.). 

Auf Frage führte die Privatklägerin aus, das Messer habe eine ca. 20 cm lange 
Klinge gehabt. Der Griff könne eine graue Farbe aufgewiesen haben, daran könne 
sie sich aber nicht mehr genau erinnern. Es sei eine Art Fleischermesser gewesen. 
Der Beschuldigte habe ihr das Messer auf Gesichtshöhe hingehalten, als sie die 
Tür geöffnet habe. Im Shop bei den Losen habe er ihr das Messer «vor den Hals» 
gehalten und «später» habe er damit vor ihrer Bauchgegend herumgefuchtelt. Sie 
könne nicht mehr mit Sicherheit sagen, in welcher Hand der Mann das Messer ge-
halten habe, glaublich in der rechten. Als er noch Lose behändigt habe, habe er 
das Messer glaublich auch einmal in die linke Hand genommen. Wo er das Messer 
hingetan habe, als sie ihm eines habe «blasen» müssen, wisse sie nicht. Sie könne 
nur sagen, dass er da das Messer nicht in den Händen gehalten habe, da er ab 
und zu mit beiden Händen ihren Kopf festgehalten habe. Nachdem sie ihm diese 
zwei Male eines habe «blasen» müssen, habe sie das Messer nicht mehr gesehen 
(pag. 212 f. Z. 45 ff.). 

Weiter führte die Privatklägerin aus, als sie hinten im Getränkelager auf dem Bauch 
gelegen habe und ihre Hände auf dem Rücken fixiert gewesen seien, habe der 
Mann ihr noch in die Hose gelangt. Er habe hinten beim Po reingegriffen und ihre 
Schamgegend berührt. Sie könne nicht mehr genau sagen, ob er versucht habe, 
mit einem Finger vaginal in sie einzudringen. Sie könne auch nicht sagen, mit wel-
cher Hand er dies getan habe. Zudem habe der Mann ihr vorne in den Pullover 
reingegriffen und ihre Brust berührt. Welche Brust es gewesen sei, könne sie nicht 
mehr sagen. Etwas Konkretes habe er zu dieser Zeit nicht gesagt, es sei lediglich 
ein Stöhnen von seiner Seite gekommen (pag. 213 Z. 9 ff.). 

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Woher der Mann die Schnur genommen habe, könne sie nicht sagen. Er habe die-
se jedoch bereits in der Hand gehabt, als sie vorne im Shop gestanden seien 
(pag. 213 Z. 17 ff.).

Der Mann habe sich ihr gegenüber nicht aggressiv verhalten. Er sei schon etwas 
fordernd gewesen, aber mehr nicht (pag. 213 Z. 28 f.).

Auf Frage, was sie zu dem Mann gesagt und ob sie sich gewehrt habe, meinte die 
Privatklägerin, ganz am Anfang habe sie zu ihm gesagt: «Warum machsch du das, 
du chunsch ja jede Tag hie ine» (pag. 213 Z. 34 f.). Als sie seine Augen gesehen 
habe, sei sie überzeugt gewesen, dass es sich um den Typen von vis-à-vis han-
deln müsse. Auch die Stimme passe (pag. 213 Z. 45 ff.). Er habe nur geantwortet, 
dass sie ihn verwechsle. Hinten, als sie sich habe ausziehen sollen, habe sie ge-
sagt: «Nei, das wosch nid würklech». Die Privatklägerin fügte an: «So einigten wir 
uns darauf, dass ich ihm nur eins blasen musste» (pag. 213 Z. 34 ff.). 

Auf Frage bestätigte die Privatklägerin, dass sie Angst gehabt habe, obwohl sie 
sehr ruhig mit dem Mann habe reden können. Der Unbekannte habe ab und zu ge-
sagt, dass er sie fesseln und abstechen werde. Er habe keinen gestressten, son-
dern eher einen ruhigen Eindruck auf sie gemacht (pag. 213 Z. 40 ff.).

Auf Frage, ob sie noch etwas anzufügen habe, meinte die Privatklägerin, dass sie 
nur wisse, dass sie den Mann ohne Probleme habe anfassen können. Er sei nicht 
aggressiv geworden oder sonstwie zurückgewichen. Ansonsten komme ihr gerade 
nichts mehr in den Sinn (pag. 214 Z. 30 ff.).

Würdigung: Den ersten Aussagen kommt aufgrund ihrer Tatnähe, der damit ein-
hergehenden Präsenz der Ereignisse im Bewusstsein des Beobachters bei gleich-
zeitig weitgehender Absenz beeinflussender äusserer Elemente regelmässig ein 
erhöhter Beweiswert zu. Vorliegend sind die Erstaussagen der Privatklägerin auch 
deshalb besonders wichtig, weil bis zur zweiten einlässlichen Einvernahme mehr 
als sechseinhalb Jahre vergingen.

Die Privatklägerin schilderte bei dieser ersten Einvernahme – zunächst auf offene 
Frage hin – in detaillierter und anschaulicher Weise einen stimmigen, nachvollzieh-
baren und lebensnahen Ablauf eines Raubüberfalls, in dessen Rahmen ein offen-
sichtlich über die geringe Beute frustrierter Täter dazu überging, sexuelle Handlun-
gen vom Opfer zu erzwingen.

Dabei hielt die Privatklägerin in räumlicher und zeitlicher Hinsicht klar vier Phasen 
auseinander: In einer ersten Phase drängte der Beschuldigte die Privatklägerin, 
welcher er bei der Hintertür abgepasst hatte, zurück in den Tankstellenshop und 
verlangte dort sogleich nach Bargeld. Nachdem die Privatklägerin ihm mitgeteilt 
hatte, dass sie den Tresor nicht mehr öffnen könne, begaben sich die beiden in ei-
ner zweiten Phase nach vorne zur Kasse. Diese war jedoch leer, weshalb die Pri-
vatklägerin dem Beschuldigten von ihrem eigenen Geld anbot und ihn zudem auf 
seine Frage hin, was sonst noch geldwert sei, auf die Lose, die Alkoholika und die 
Zigaretten hinwies. Der Beschuldigte wies die Privatklägerin danach in einer dritten 
Phase wieder nach hinten in den Lagerraum, wo er ein weiteres Mal Geld von ihr 
forderte. Die Privatklägerin wies ihn erneut darauf hin, dass sie ihm nicht mehr ge-
ben könne, worauf der Beschuldigte nun plötzlich (unter zwei Malen) von ihr ver-

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langte, dass sie sich auf den Boden legen und ausziehen solle. Als die Privatkläge-
rin sich mit den Worten, das wolle er nicht wirklich, weigerte dies zu tun, wurde sie 
vom Beschuldigten aufgefordert, ihn oral zu befriedigen. Er zog seine Hose herun-
ter und packte sein Glied aus. Die Privatklägerin gehorchte und nahm dieses in die 
Hände und in den Mund. Nach einer gewissen Weile packte der Beschuldigte sein 
Glied wieder ein und verlangte von der Privatklägerin mit der Begründung, er wolle 
ihre Schamlippen sehen, ein drittes Mal, sie solle sich ausziehen und auf den Bo-
den legen. Erneut weigerte sich die Privatklägerin, dies zu tun, worauf der Be-
schuldigte sein Glied wieder auspackte und sie ihn ein zweites Mal oral befriedigen 
musste. Ohne zum Orgasmus gekommen zu sein, packte der Beschuldigte seinen 
Penis nach einer gewissen Zeit schliesslich wieder ein und befahl der Privatkläge-
rin, in einer vierten Phase, sie solle sich hinten im Getränkelager mit dem Bauch 
nach unten auf den Boden legen. Er fesselte ihre Hände hinter ihrem Rücken und 
verlangte nach ihrem Autoschlüssel, der sich unter ihrem Bauch befand. Der Be-
schuldigte griff der Privatklägerin beim Gesäss in die Hose und berührte auch ihre 
Schamgegend. Weiter griff ihr vorne in ihren Pullover und berührte ihre Brust. Da-
nach verliess er den Tankstellenshop durch dieselbe Tür, durch welche er ihn be-
treten hatte, und machte sich mit dem Auto der Privatklägerin davon.

Diese Berührungen im Getränkelager (vierte Phase) schilderte die Privatklägerin 
zwar zunächst auf offene Frage hin nicht, sondern erst später im Verlauf der Befra-
gung. Allerdings sind keine suggestiven Einflüsse zu erkennen und die geschilder-
ten sexuellen Handlungen fügen sich zeitlich und räumlich problemlos in den von 
der Privatklägerin zuvor beschriebenen Ablauf, was für ihre Erlebnisbasiertheit 
spricht.

Für die Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen sprechen auch die von der Privatkläge-
rin – teilweise sogar in direkter Rede – wiedergegebenen Gesprächsinhalte. Diese 
sind nicht nur originell (etwa der Wunsch des Beschuldigten, die Schamlippen der 
Privatklägerin zu sehen), sondern beschreiben auch Komplikationen im Hand-
lungsablauf (namentlich die Reaktion der Privatklägerin auf den Befehl des Be-
schuldigten, sich auszuziehen und auf den Boden zu legen: «Das wotsch nid 
würklech»). Bei einer erfundenen Geschichte bzw. einer Falschbeschuldigung wäre 
die Schilderung eines reibungsloseren Ablaufs zu erwarten, d.h. die Privatklägerin 
hätte viel eher ausgesagt, natürlich habe sie dem Befehl des Beschuldigten sofort 
gehorcht und sich schon bei der ersten Aufforderung ausgezogen und auf den Bo-
den gelegt, anstatt ihm zu widersprechen.

Die Privatklägerin schildert auch weitere originelle Details, wie etwa, dass der Be-
schuldigte im Intimbereich rasiert und ein rotes «Bibeli» am Beckenknochen gehabt 
habe. Auch wenn sich daraus noch nicht auf die Unfreiwilligkeit oder aber Einver-
nehmlichkeit der sexuellen Handlungen schliessen lässt, ist dies doch ein weiteres 
sog. Realkennzeichen, welches für die Erlebnisbasiertheit ihrer Aussagen spricht. 

Dabei belastet die Privatklägerin den Beschuldigten nicht unnötig. So sagte sie et-
wa aus, er habe sich ihr gegenüber nicht aggressiv verhalten. Auch hier wäre bei 
einer Falschbelastung, etwa zwecks Rechtfertigung eines freiwilligen Oralverkehrs 
vor dem Ehemann, zu erwarten, dass das Vorgehen des Beschuldigten als beson-
ders bedrohlich dargestellt würde.

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Gleichzeitig zeigt die Wortwahl der Privatklägerin auch, dass dieser Oralverkehr ih-
rerseits keineswegs aus freien Stücken erfolgte. Dass sie sich gemäss ihren eige-
nen Worten darauf «geeinigt» hatten, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass 
der Beschuldigte den Oralverkehr laut der Privatklägerin «gefordert» hatte und sie 
ihn oral befriedigen «musste». Auch ihre Aussage, sie habe ihn «ohne Probleme 
anfassen» können, ist nicht so zu verstehen, dass sie den Beschuldigten freiwillig 
im Intimbereich berührt hätte.

Die Privatklägerin gab schliesslich auch Erinnerungs- und Wissenslücken zu, wenn 
sie etwa aussagte, sie wisse nicht mehr mit Sicherheit, an welcher Brust sie vom 
Beschuldigten im Getränkelager berührt worden sei; ob er versucht habe, mit ei-
nem Finger vaginal in sie einzudringen; in welcher Hand er das Messer gehalten 
habe und welche Farbe dessen Griff gehabt habe. Dies sind weitere Glaubhaftig-
keitsmerkmale. Während sie die Berührung im Intimbereich klar bejahte, spricht es 
gerade gegen eine Falschbezichtigung, dass sie dem Beschuldigten nicht unter-
stellte, er habe mit Bestimmtheit mit dem Finger in sie eindringen wollen. In Bezug 
auf die Berührung an der Brust ist weiter verständlich, dass es für die Privatklägerin 
angesichts der restlichen Geschehnisse keine grosse Rolle spielte, welche ihrer 
Brüste der Beschuldigte nun genau anfasste; ganz abgesehen davon, dass eine 
kurze Berührung im Rahmen eines solchen, für das Opfer stressvollen Gesche-
hens nicht ohne Weiteres genau zu lokalisieren sein dürfte. Auch die Farbe des 
Messergriffs war für die Privatklägerin verständlicherweise von beschränkter Wich-
tigkeit.

Zusammengefasst weisen die Erstaussagen der Privatklägerin eine Vielzahl von 
Realkennzeichen auf, während Lügensignale bzw. Fantasiemerkmale fehlen. Diese 
tatnahen Aussagen erweisen sich mithin – für sich alleine betrachtet – als glaub-
haft.

Was insbesondere das Messer und dessen konkreter Einsatz anbelangt, sagte die 
Privatklägerin von allem Anfang an, schon ganz zu Beginn der Einvernahme und 
auf offene Frage hin aus, dass der Beschuldigte beim Überfall ein solches dabei 
gehabt habe. Er sei ihr beim Hinterausgang mit einem Messer gegenüber gestan-
den. Im Verlauf der Befragung konkretisierte die Privatklägerin den Messereinsatz 
in dieser ersten Phase des Überfalls dahingehend, dass er ihr das Messer auf Ge-
sichtshöhe hingehalten habe, als sie die Tür geöffnet habe. Sodann kam das Mes-
ser gemäss den Erstaussagen der Privatklägerin auch in der zweiten Phase des 
Geschehens zum Einsatz, indem der Beschuldigte ihr dieses «im Shop, bei den 
Losen», also im Kassenbereich, vor den Hals gehalten und es zum Ergreifen der 
Lose glaublich auch einmal in die linke Hand genommen habe. An gleicher Stelle 
sagte die Privatklägerin weiter aus, «später» habe der Beschuldigte mit dem Mes-
ser vor ihrer Bauchgegend herumgefuchtelt. Dieses spätere Herumfuchteln wurde 
von der Privatklägerin aber anlässlich ihrer Ersteinvernahme weder zeitlich noch 
örtlich näher konkretisiert. Sie gab ausserdem weiter an, der Beschuldigte habe ihr 
ab und zu gesagt, dass er sie fesseln und abstechen werde. Auch im Zusammen-
hang mit diesen – in zeitlicher und örtlicher Hinsicht im Übrigen ebenfalls nicht 
näher definierten – Drohungen schilderte die Privatklägerin aber keinen konkreten 
Einsatz des Messers durch den Beschuldigten mehr. Unmissverständlich gab sie 

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dagegen an, sie wisse nicht, wo dieser das Messer hingetan habe, als sie ihn oral 
habe befriedigen müssen, jedenfalls habe er das Messer zu diesem Zeitpunkt nicht 
in den Händen gehalten, da er ja ihren Kopf festgehalten habe. Auch nach dem 
Oralverkehr nahm die Privatklägerin das Messer nicht mehr wahr. 

Gemäss ihren Erstaussagen wurde das Messer also vom Beschuldigten nur in den 
ersten beiden Phasen des Überfalls eindeutig konkret eingesetzt. Während es so-
dann für den Beginn der dritten Phase (Verschiebung nach hinten in das Lager, 
Aufforderung zum Ausziehen und schliesslich zum Oralverkehr) keine klaren Aus-
sagen gibt, verneinte die Privatklägerin eindeutig einen von ihr wahrgenommenen 
Messereinsatz während des Oralverkehrs und auch während der vierten und letz-
ten Phase im Getränkelager.
Weitere Aussageentwicklung

Anlässlich der zweiten polizeilichen Einvernahme/Fotokonfrontation vom 15. Janu-
ar 2009 – diese fand ebenfalls in Begleitung ihres Ehemannes statt – ergänzte die 
Privatklägerin das bereits zuvor abgegebene (pag. 212 Z. 33 ff.) Signalement des 
Täters und erkannte sodann den Beschuldigten auf dem vorgelegten Fotoblatt 
(pag. 216 ff.). Gegen Ende der Befragung begann die Privatklägerin zu weinen, 
und gab an, dass dieser Mann doch sonst immer freundlich und nett zu ihr gewe-
sen sei (pag. 217 Z. 43 ff.).

Nachdem der Beschuldigte, der seit Januar 2009 untergetaucht war, am 25. De-
zember 2014 bei der Einreise in die Schweiz hatte verhaftet werden können (pag. 5 
f.), wurde die Privatklägerin zu einer parteiöffentlichen Einvernahme vorgeladen. 

Kurz vor dieser dritten Befragung erhielt die Privatklägerin am 15. Mai 2015 einen 
persönlichen Brief vom Beschuldigten (datiert vom 12. Mai 2015, Kopie pag. 140). 
Darin schrieb dieser u.a., er wolle sich bei ihr entschuldigen, er bereue es zutiefst, 
was damals bei der Tankstelle alles vorgefallen sei. Er sei froh, dass es gut ausge-
gangen sei mit ihm und ihr – der Privatklägerin. Er hoffe, dass es ihr und ihrer Fa-
milie gut gehe und sie mit ihrem Mann und den Kindern glücklich sei.

Dieser Brief war offenbar der Auslöser dafür, dass die Privatklägerin aufgebracht 
die Polizei aufsuchte und sich erkundigte, woher der Beschuldigte ihre Privatadres-
se kenne. Gemäss Rapport gab sie an, nach langer Zeit habe sie diesen Raubü-
berfall und was der Täter ihr sonst noch angetan habe endlich einigermassen ver-
gessen resp. verdrängen können. Mit der Vorladung zur Befragung sei das Ganze 
nun wieder hochgekommen und sie könne seither nur noch schlecht schlafen. Die 
Entschuldigung des Beschuldigten empfinde sie als Frechheit und könne sie nicht 
annehmen. Das, was er ihr beim Raubüberfall angetan habe, sie mit einem Messer 
bedroht und zu sexuellen Handlungen gezwungen, könne sie ihm nicht verzeihen. 
Die Privatklägerin, die diesmal offenbar alleine und nicht ihn Begleitung ihres Ehe-
manns auf dem Polizeiposten erschienen war, musste gemäss Rapport bei ihren 
Schilderungen weinen (pag. 138 f.).

Am 9. Juni 2015, also beinahe sechseinhalb Jahre nach dem Überfall, wurde die 
Privatklägerin schliesslich ein drittes Mal, nun staatsanwaltlich und parteiöffentlich 
einvernommen. An dieser Befragung war ihr Ehemann wieder anwesend. 

21

Die Privatklägerin gab zu Protokoll, als sie nach Ladenschluss zur Tür habe hin-
ausgehen wollen, sei der am Boden kauernde Beschuldigte aufgestanden. Sie ha-
be das Messer und die weisse Schnur gesehen und er habe sie wieder in das La-
ger, zurück gedrängt. Er habe nach Geld verlangt und sie habe ihm erklärt, dass 
der Tresor schon geschlossen sei und sie ihn nicht mehr öffnen könne. Dann habe 
sie ihm erklärt, dass sie ihm von ihrem eigenen Geld geben könne. Sie habe dem 
Beschuldigten auch gesagt, dass es im Laden vorne Lose und Zigaretten gebe. Sie 
seien dann zusammen nach vorne in den Laden gegangen.

Die Frage, ob er sie bedroht habe, bejahte die Privatklägerin. Er habe das Messer 
gegen sie gerichtet gehabt. Auf entsprechende Frage konnte die Privatklägerin 
nicht mehr sagen, in welcher Hand der Beschuldigte das Messer gehabt habe, 
führte aber aus, er habe das Messer gegen ihre Brust, auf Brusthöhe gehabt. Auf 
Frage, wie weit er sich dabei von ihr entfernt befunden habe, meinte sie, er sei et-
wa die Länge eines Einvernahme-Tischs (ca. 1m) von ihr entfernt gestanden und 
habe das Messer gegen sie gerichtet gehabt. Die Spitze habe nach vorne gezeigt. 
Das Messer sei ihr nicht angekommen, aber sehr nahe gewesen (pag. 223 
Z. 49 ff.). Sie sei in den Laden vorausgegangen und er sei ihr gefolgt. Das Messer 
habe er immer in der Hand gehabt. Sie wisse, dass er es dann in der linken Hand 
gehabt habe, weil er sie die ganze Zeit in Schach gehalten habe (pag. 224 Z. 54 f.).

Zuerst habe sie ihm ihre 20 Franken gegeben. Er habe mit der rechten Hand dann 
selber die Lose genommen, bis der Ständer umgefallen sei. Der Beschuldigte habe 
auch noch Zigaretten genommen und alles in seine Umhängetasche gepackt 
(pag. 224 Z. 59 f.).

Danach habe er sie wieder in das Lager zurückgedrängt. Dort habe der Beschul-
digte verlangt, dass sie still stehe und vor ihn auf den Boden knie. Dann habe er 
seine Hose geöffnet, worauf sie ihm gesagt habe: «Nein, das willst du sicher 
nicht». Er habe gesagt, er sei ein Fetischist, sein Geschlechtsteil ausgepackt und 
verlangt, dass sie ihn zweimal mit dem Mund befriedige. An dieser Stelle musste 
die Privatklägerin bei der Einvernahme weinen (pag. 224 Z. 64 ff.). 

Auf entsprechende Frage bestätigte die Privatklägerin, dass der Beschuldigte das 
Messer in der Hand gehabt habe, als sie auf den Knien gewesen sei. Er habe ihr 
das Messer rechts an den Hals gehalten. Auf Frage führte sie weiter aus, das Mes-
ser sei relativ nahe an ihrem Hals gewesen und sei ihr zeitweise angekommen 
(pag. 224 Z. 73 ff.).

Auf Vorhalt ihrer früheren Aussage bei der Polizei, wonach der Beschuldigte das 
Messer plötzlich nicht mehr in der Hand gehabt habe, meinte die Privatklägerin, sie 
habe keine Ahnung, wann dieser das Messer weggeräumt habe. Sie nehme an, 
dass er dieses in seine Tasche gepackt habe. Irgendwann habe der Beschuldigte 
das Messer nicht mehr in der Hand gehabt. Aber als er verlangt habe, dass sie ihn 
befriedige, habe er es noch in der Hand gehabt. Währendem sie ihn befriedigt ha-
be, habe der Beschuldigte sie dann zeitweise mit beiden Händen am Kopf gehal-
ten. Daran habe sie gemerkt, dass er das Messer nicht mehr in der Hand gehalten 
habe (pag. 224 Z. 79 ff.). 

22

Als sie dann in das zweite Lager [= Getränkelager] gegangen seien, habe der Be-
schuldigte das Messer plötzlich wieder in der Hand gehabt. Dort habe er sie gefes-
selt und ihr in ihre Hose, an den Intimbereich gefasst. Danach sei er gegangen 
(pag. 224 Z. 84 ff.). Bevor sie sich habe hinlegen müssen, habe der Beschuldigte 
ihren Autoschlüssel verlangt. Sie habe diesen in ihrer Handtasche gehabt und ihn 
dem Beschuldigten gegeben (pag. 225 Z. 93 f.). Auf Frage, wo der Beschuldigte 
das Messer gehabt habe, gab die Privatklägerin zu Protokoll, nach dem «Blasen» 
habe er verlangt, dass sie aufstehe. Der Beschuldigte habe das Messer in der 
Hand gehabt und von ihr verlangt, dass sie ihm den Autoschlüssel gebe. Er habe 
sie mit vorgehaltenem Messer in den zweiten Lagerraum gedrängt (pag. 231 f. 
Z. 355 ff.).

Der Beschuldigte habe nicht viel gesagt, sie ansonsten [gemäss Fragestellung ab-
gesehen von der Forderung nach Geld und sexuellen Handlungen] nicht verbal be-
droht (pag. 225 Z. 115 ff.). 

Das «Blasen» habe geschätzt ein oder zwei Minuten gedauert, für sie eine gefühlte 
Ewigkeit. Der Beschuldigte habe dies ein erstes Mal verlangt, dann habe er ihren 
Kopf zurückgezogen. Dann habe er es noch ein zweites Mal verlangt. Der ganze 
Ablauf habe etwa diese ein oder zwei Minuten gedauert. Es sei alles am genau 
gleichen Ort passiert, sie hätten die Position nicht verändert (pag. 225 Z. 123 ff.). 
Der Beschuldigte habe seine Hose etwas heruntergezogen und sein Glied selber 
ausgepackt (pag. 226 Z. 131 ff.). 

Er sei nicht zum Orgasmus gekommen. Auf Frage gab die Privatklägerin an, sie 
denke, er habe aufgehört, damit es keine Spuren gebe. Darauf komme sie, weil er 
mehrmals vorbestraft gewesen sei, weil man dies mit Spuren sicher hätte nachwei-
sen können. Diese Überlegungen habe sie sich schon damals, nachdem alles vor-
bei gewesen sei, gemacht (pag. 226 Z. 138 ff.).

Auf Frage, wie man sich das vorstellen müsse, dass sie sich gemäss ihren Worten 
darauf «geeinigt» hätten, dass sie ihm nur eines habe «blasen» müssen, führte die 
Privatklägerin aus, sie hätten sich gar nicht darauf geeinigt, der Beschuldigte habe 
sie mit dem Messer gezwungen. Das habe sie sicher nie gesagt, dass sie sich ge-
einigt hätten (pag. 227 Z. 180 ff.).

Auf Vorhalt ihrer früheren Aussage, wonach der Beschuldigte zunächst gewollt ha-
be, dass sie sich ausziehe, meinte die Privatklägerin, sie habe sich nicht ausgezo-
gen. An diese Aussage könne sie sich nicht erinnern, sie könne sich aber auch 
täuschen (pag. 227 Z. 187 ff.).

Auf Frage, ob er sie beim «blasen» an intimen Stellen berührt habe, meinte die Pri-
vatklägerin, zu diesem Zeitpunkt nicht. Auf Vorhalt ihrer früheren Aussagen zu den 
Vorkommnissen im Getränkelager, gab sie zu Protokoll dass der Beschuldigte ihr in 
die Hose gefasst und in sie habe eindringen wollen. Dass er ihre Brust angefasst 
habe, sei ihr hingegen nicht mehr präsent (pag. 226 Z. 154 ff.). Auf Frage gab sie 
weiter an, der Beschuldigte habe versucht, mit der behandschuhten Hand in ihre 
Vagina einzudringen. Er sei allerdings nicht «rein» gekommen (pag. 226 Z. 163 f.). 
Dass der Beschuldigte den Finger tatsächlich eingeführt hätte, sagte die Privatklä-
gerin so selbst nicht aus. Vielmehr war es der Staatsanwalt, welcher fragte, ob die-

23

ser einen oder mehrere Finger eingeführt habe. Die Privatklägerin antwortete, es 
sei mit einem Finger gewesen und die Berührung sei direkt auf ihrer Haut passiert 
(pag. 227 Z. 168 ff.). 

Auf Frage bestätigte die Privatklägerin weiter, dass sie Angst gehabt habe. Davor, 
dass er mit dem Messer zusteche und sie verletze, auch wenn er so etwas nicht 
angedroht habe (pag. 228 Z. 208 ff.). 

Auf Frage nach der Art des Messers führte die Privatklägerin aus, es sei ein grös-
seres Messer mit einer Gesamtlänge von vielleicht etwa 30 cm gewesen, sie würde 
es als grösseres Gemüsemesser beschreiben. Es sei nicht ganz spitzig, sondern 
etwas abgerundet gewesen, aber auch nicht rund wie ein Brotmesser. Sie denke 
schon, dass er sie damit hätte erstechen können (pag. 229 Z. 257 ff.). 

Von der persönlichen Einvernahme an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
wurde die Privatklägerin dispensiert und folglich nicht mehr richterlich einvernom-
men.

Würdigung: Zunächst fällt auf, dass die Privatklägerin – nachdem sie anlässlich ih-
rer Ersteinvernahme (soweit dies aus dem schriftlichen Protokoll ersichtlich ist) 
noch einen relativ robusten Eindruck gemacht hatte – bereits anlässlich der wenige 
Tage später erfolgten Fotokonfrontation sowie auch bei ihrer Jahre später erfolgten 
Einvernahme bei der Staatanwaltschaft emotional offenbar (noch) deutlich von der 
Tat gezeichnet war. Auch wenn dies grundsätzlich auch Folge eines "blossen" 
Raubüberfalls sein könnte, sprechen insbesondere ihr Erscheinen bei der Polizei 
nach Erhalt des Briefes des Beschuldigten und etwa ihre Aussage, wonach sie 
dem Beschuldigten nicht verzeihen könne, was er ihr angetan habe, dafür, dass es 
damals eben auch zu erzwungenen sexuellen Handlungen gekommen war. In Be-
zug auf die Vorbringen der Verteidigung ist im Übrigen zu betonen, dass die Privat-
klägerin diesen emotional betroffenen Eindruck auch in Abwesenheit ihres Ehe-
mannes machte.
Die Privatklägerin beschrieb den Ablauf des Raubüberfalls auch sechseinhalb Jah-
re nach der Tat weitgehend gleich wie anlässlich ihrer Erstbefragung. Sie schilderte 
gleichbleibend nicht nur die erwähnten vier Phasen des Überfalls, sondern auch, 
dass es zu zweimaligem Oralverkehr im Lager (Phase 3) und zum Griff in die Hose 
mit Anfassen des Intimbereichs im zweiten Lager [= Getränkelager] (Phase 4) ge-
kommen sei. Konstant sagte die Privatklägerin sodann insbesondere auch aus, der 
Beschuldigte habe ein Messer mit sich geführt und dieses auch eingesetzt.

Die Verteidigung führt allerdings zu Recht an, dass es im Detail zu gewissen Ab-
weichungen von den Erstaussagen kam:

So erwähnte die Privatklägerin von sich aus nicht mehr, dass der Beschuldigte sie 
im Lager (Phase 3) zunächst mehrfach aufgefordert habe, sich auszuziehen, bevor 
es zum Oralverkehr gekommen sei. Neu sagte sie hingegen aus, er habe im Lager 
[nur] von ihr verlangt, stillzustehen und vor ihn auf den Boden zu knien. Angesichts 
des Umstands, dass sie sich aber auch gemäss ihren Erstaussagen eben tatsäch-
lich nicht ausgezogen hatte – was sie erneut bestätigte – erscheint es durchaus 
möglich, dass sich die Privatklägerin mehr als sechs Jahre nach der Tat schlicht 
nicht mehr an diese Aufforderung des Beschuldigten erinnern konnte. Es spricht für 

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ihre Glaubhaftigkeit, dass sie auf Vorhalt ihrer früheren Aussagen auch nicht be-
hauptete, es sei sicherlich so gewesen, wie sie es damals ausgesagt hatte, son-
dern grundsätzlich dabei blieb, sich nicht daran erinnern zu können, wobei sie sich 
aber auch täuschen könne. Für die Erlebnisbasiertheit ihrer Erstaussagen spricht 
weiter der Umstand, dass die Privatklägerin gleichbleibend ihre spezielle Reaktion 
auf die Forderungen des Beschuldigten («Nein, das willst du sicher nicht») schilder-
te, auch wenn sie diese nun als Antwort auf die Aufforderung zum Oralverkehr (und 
auf den Befehl, sich ausziehen und auf den Boden zu legen) darstellte. 

Ebenfalls nicht mehr erinnern konnte sich die Privatklägerin daran, dass der Be-
schuldigte ihre Brust angefasst habe. Dass ihr dieser Umstand nach mehr als 
sechs Jahren nicht mehr präsent war, erscheint der Kammer nachvollziehbar, zu-
mal das relativ harmlose Berühren der Brust für die Privatklägerin wohl schon da-
mals keinen grossen eigenständigen Stellenwert neben den weiteren sexuellen 
Handlungen gehabt hatte. Wie die Vorinstanz zudem zu Recht erwägt, hätte es die 
Privatklägerin bei einer gewollten Falschbeschuldigung schon bei ihren Erstaussa-
gen eher bei der Schilderung des wesentlich gravierenderen Oralverkehrs und der 
Berührungen im Schambereich belassen.

Ein gewisser Widerspruch zu ihren Erstaussagen ist darin zu sehen, dass der Be-
schuldigte gemäss den späteren Aussagen der Privatklägerin im Getränkelager 
versucht habe, mit einem Finger der behandschuhten Hand in ihre Vagina einzu-
dringen. Dabei handelt es sich nach Ansicht der Kammer allerdings um eine durch 
den Zeitablauf erklärbare Scheinerinnerung im Zusammenhang mit dem Umstand, 
dass der Beschuldigte die Privatklägerin – wie sie dies schon bei ihrer Ersteinver-
nahme aussagte – eben im Intimbereich berührt hatte, zumal die spätere Aussage 
nur auf Vorhalt der früheren Aussagen erfolgte. Dass der Beschuldigte tatsächlich 
in ihre Vagina eingedrungen ist, sagte die Privatklägerin selbst nie aus.

Ein weiterer kleiner Widerspruch findet sich in Bezug auf den Autoschlüssel. 
Während die Privatklägerin bei ihrer Ersteinvernahme ausgesagt hatte, dieser habe 
sich unter ihrem Bauch befunden – was dem Beschuldigten auch gewissermassen 
einen Anlass geboten hätte, die gefesselten Privatklägerin unsittlich zu berühren, – 
gab diese nun zu Protokoll, sie habe die Autoschlüssel schon vorher aus ihrer 
Handtasche genommen und dem Beschuldigten übergeben. Dabei handelt es sich 
jedoch – abgesehen von dem den Beweiswert der späteren Aussage ohnehin rela-
tivierenden Zeitablauf – um einen derart unwichtigen Nebenpunkt, dass sich daraus 
bei der Kammer keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Erstaussagen der Privat-
klägerin zum Kerngeschehen ergeben.

Ernsthaft zu diskutieren bleiben somit die sich zum Messereinsatz ergebenden 
Diskrepanzen in den Aussagen der Privatklägerin: 

Dass der Beschuldigte überhaupt ein Messer mitgeführt und dieses auch einge-
setzt habe, gab die Privatklägerin gleichbleibend auch bei ihrer letzten Einvernah-
me zu Protokoll. Auch Art und Aussehen dieses Messers beschrieb sie einiger-
massen konstant. Soweit sich diesbezüglich überhaupt kleine Ungereimtheiten er-
geben (20 oder 30 cm Klingenlänge, etwas abgerundete oder spitzige Klinge, Flei-
scher-, Küchen- oder Gemüsemesser), lässt sich deren Zustandekommen – abge-

25

sehen vom Zeitablauf – auch durch die Befragungsweise (wiederholtes Nachhaken 
und entsprechendes Drängen nach Antworten) erklären. 

In Bezug auf den Einsatz des Messers gab die Privatklägerin bei der Staatsanwalt-
schaft zunächst zu Protokoll, der Beschuldigte habe dieses im Lager und vorne im 
Laden aus ca. 1m Entfernung mit der Spitze gegen ihre Brust gerichtet. Dabei sei 
es ihr nicht angekommen, aber sehr nahe gewesen. Insofern handelt es sich um 
eine mit den Erstaussagen durchaus in Einklang stehende Konkretisierung des 
Messereinsatzes in den Phasen 1 und 2 des Überfalls. Sodann sagte die Privatklä-
gerin aber neu aus, der Beschuldigte habe sie mit dem Messer zum Oralverkehr 
gezwungen. Er habe dieses nicht nur in der Hand gehabt, als sie vor ihm auf dem 
Boden gekniet habe, sondern es sei derart nahe an ihren Hals gewesen, dass es 
ihr zeitweise sogar angekommen sei. Während sie weiter gleichbleibend angab, 
während des Oralverkehrs habe der Beschuldigte das Messer nicht mehr in den 
Händen gehabt, gab sie neu auch zu Protokoll, der Beschuldigte habe sie ansch-
liessend mit vorgehaltenem Messer in das Getränkelager gedrängt.

Letztere Aussage steht klar im Widerspruch zu den Erstaussagen der Privatkläge-
rin, wonach sie das Messer nach dem Oralverkehr nicht mehr gesehen habe. Die 
spätere Aussage kann aber z.B. darin gründen, dass die Privatklägerin – auch vor 
sich selbst – nach einer Rechtfertigung für den Umstand gesucht hatte, dass sie 
sich anschliessend im Getränkelager auf den Boden legte und fesseln liess, so 
dass es überhaupt erst zu den Berührungen in Intim- und Brustbereich kommen 
konnte. Mit der gleichen Argumentation erklärbar ist auch die Aussage der Privat-
klägerin, wonach ihr das Messer vor dem Oralverkehr an den Hals gehalten wor-
den sei. Ein solches Vorgehen des Beschuldigten würde es noch nachvollziehbarer 
erscheinen lassen, dass sie nach vergleichsweise geringer Gegenwehr den Oral-
verkehr mit diesem vollzog. 

Hätte die Privatklägerin allerdings tatsächlich die Klinge an ihrem Hals gespürt, 
müsste sich dieser Umstand nach Ansicht der Kammer aufgrund seiner Bedroh-
lichkeit bei der Privatklägerin von Anfang an derart eingeprägt haben, dass sie ihn 
auch schon bei ihrer Ersteinvernahme erwähnt hätte. Hinzu kommt, dass die neuen 
Aussagen erst auf Fragen des Staatsanwaltes hin zustande kamen, in zeitlicher 
Hinsicht («zeitweise angekommen») aber trotzdem unscharf blieben.

Objektive Hinweise, insbesondere ein dokumentiertes Verletzungsbild, welches 
darauf hinweisen würde, dass es tatsächlich zu solchen Berührungen des Messers 
am Hals der Privatklägerin kam, gibt es – wie bereits ausgeführt  – nicht. Dass kei-
ne Verletzungen dokumentiert wurden, spricht eher gegen ein solches «zeitweises 
Ankommen» (vgl. vorstehend E.II.8.5.2). 

Die Privatklägerin konnte sich ausserdem gemäss ihren Erstaussagen erfolgreich – 
zunächst zweimal vor dem ersten Oralverkehr und dann noch ein drittes Mal vor 
dem zweiten – dagegen wehren, sich auszuziehen und auf den Boden zu legen. 
Hätte der Beschuldigte tatsächlich das Messer dergestalt eingesetzt, wie von der 
Privatklägerin an der späteren Einvernahme geschildert, wäre zu erwarten gewe-
sen, dass er mit dem Messer auch die Umsetzung dieser – für ihn offensichtlich 
zunächst im Vordergrund stehenden – Forderungen erzwungen hätte. 

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Weiter hätte die Privatklägerin mit hoher Wahrscheinlichkeit sehen können, wann 
und wohin der Beschuldigte das Messer weglegt oder einsteckt gehabt hätte, wenn 
er es tatsächlich noch in den Händen gehalten hätte, als sie vor ihm auf dem Bo-
den kniete. 

Schliesslich ist auch schlecht vorstellbar, wie der Beschuldigte das Messer noch in 
den Händen hätte halten können, während er mit diesen beim Oralverkehr zeitwei-
se den Kopf der Privatklägerin festhielt. Die Privatklägerin selbst kam ebenso zum 
impliziten Schluss, dass sie das Messer irgendwie hätte spüren oder sonstwie 
wahrnehmen können müssen, wenn der Beschuldigte es zu diesem Zeitpunkt noch 
in den Händen gehalten hätte. 

Es ergeben sich daher für die Kammer erhebliche Zweifel an der Erlebnisbasiert-
heit der späteren Aussagen der Privatklägerin zum konkreten Messereinsatz. Da-
bei dürfte es sich um Scheinerinnerungen handeln, welche allerdings ihre Erstaus-
sagen nicht etwa unglaubhaft erscheinen lassen. Bei Betrachtung dieser tatnahen 
Aussagen ist aber weitgehend unklar, inwieweit der Beschuldigte das Messer in 
den Phasen 3 und 4 des Überfalls, in welchen es zu den sexuellen Handlungen 
kam, noch einsetzte. Klar und gleichbleibend ausgesagt hat die Privatklägerin le-
diglich, dass sie das Messer während des Oralverkehrs nicht wahrgenommen hat.

Zusammenfassend ergeben sich für die Kammer aufgrund der späteren Aussagen 
der Privatklägerin keine Gründe, an deren Erstaussagen zu zweifeln. Die Privatklä-
gerin schilderte den Ablauf des Raubüberfalls inklusive den wesentlichen sexuellen 
Handlungen weitgehend gleichbleibend. Die wenigen Ungereimtheiten und Wider-
sprüche sind insbesondere durch den Zeitablauf von mehr als sechs Jahren zwi-
schen Tat und Einvernahme erklärbar. Namentlich in Bezug auf den Messereinsatz 
darf deshalb aber – soweit sich Unstimmigkeiten ergaben – in dubio pro reo nur auf 
die ersten, tatnahen Aussagen der Privatklägerin abgestellt werden.

8.5.4 Aussagen des Beschuldigten
Erstaussagen (Delegierte Einvernahme vom 28. April 2015)

Da der Beschuldigte nach dem Raubüberfall auf den  BP Tankstellenshop unterge-
taucht war, konnte erst am 28. April 2015 erstmals zur Sache befragt werden. 

Er gab den Raubüberfall als solches sofort zu (pag. 298 Z. 46 ff.). Hingegen bestritt 
er auch auf wiederholte Frage, in der Zeit von Ende 2008 bis zu seiner Ausreise im 
Frühling 2009, vor oder nach dem Raubüberfall auf den Tankstellenshop, noch wei-
tere strafbare Handlungen gemacht zu haben (pag. 299 Z. 68, pag. 303 Z. 283, 
pag. 304. Z. 310 f.). 

Bei Raubüberfall auf den Tankstellenshop sei er «vermutlich ein wenig angetrun-
ken» gewesen (pag. 299 Z. 72). Er habe «klar etwas getrunken» gehabt (pag. 300 
Z. 147). Es sei nicht geplant gewesen, sondern alles ganz spontan, vermutlich wie 
von selber, passiert, auch «wegen dem Alkoholrausch» (pag. 301 Z. 168 ff.). Er 
habe «sicher Alkohol getrunken» gehabt, sei aber «sicher nicht betrunken», «sicher 
nicht randvoll» gewesen, sondern «vermutlich ein wenig angetrunken», also «nicht 
100% nüchtern» (pag. 302 Z. 236 ff.).

27

Er habe die Tankstelle durch die hintere Eingangstür betreten. Er habe sich mit ei-
ner Mütze, einer Kapuze und einem Schal maskiert gehabt (pag. 299 Z. 73 ff.). Er 
schäme sich, dafür, was er dann gemacht habe. Er habe Geld gewollt, aber das 
hätten sie nicht gehabt (pag. 78 f.). Sie [die Verkäuferin] habe gesagt, dass es kein 
Geld habe. Er habe nur Zigaretten und vielleicht auch noch Getränke genommen. 
Es stimme, dass er auch Lose genommen habe, so 10 oder 20 Stück (pag. 299 
Z. 82 ff.).

Auf Frage, wie es danach weiter gegangen sei, führte der Beschuldigte aus, er ha-
be die Sachen in eine kleine Tasche getan. Dann fügte er nahtlos an «ihr habe ich 
nichts gemacht». Er habe den Shop wieder durch den Hinterausgang verlassen 
wollen. Die Verkäuferin habe dann zu ihm gesagt, dass er ihr nichts machen solle 
und ihm noch 50 Franken mitgegeben. Dann habe ihn die Frau plötzlich gefragt, ob 
sie ihm «eins blasen» dürfe. Er habe ihr wirklich nichts gemacht. Er habe sich in 
dem Moment gefragt, wieso die Verkäuferin das frage. Sie habe ihm gesagt, dass 
er die Hosen herunter lassen solle und er «dummer Siech» habe es gemacht. Sie 
habe gewollt, dass er nicht in ihren Mund onaniere, sondern auf den Boden. In die-
sem Moment habe er gecheckt, dass die Verkäuferin das mit dem «Blasen» alles 
geplant gehabt habe. Sie habe überhaupt keine Angst vor ihm gehabt, sondern nur 
seine DNA gewollt. Das sei ihm ganz plötzlich klar geworden und er habe deshalb 
die Sache sofort beendet. Er habe die Verkäuferin überhaupt nicht berührt. Dann 
habe er sie auf den Boden getan und ihr die Füsse und die Hände zusammen ge-
bunden (pag. 299 Z. 32 ff.). Danach habe er ihr Auto behändigt und sei weggefah-
ren (pag. 300 Z. 109). Er sei raus gegangen und habe dort das Auto stehen sehen. 
Er habe die Verkäuferin gefragt, ob das ihr Auto sei und wo sich der Schlüssel be-
finde. Sie habe gesagt, auf dem Tisch, und er habe den Schlüssel behändigt 
(pag. 302 Z. 220 ff.).

Auf entsprechende Frage verneinte der Beschuldigte, eine Waffe dabei gehabt zu 
haben (pag. 300 Z. 155). Er habe noch nie in seinem Leben eine Waffe bei sich 
gehabt, schon nur weil er diese vielleicht im Rahmen einer Schlägerei benutzen 
würde (pag. 301 Z. 160 ff.). Er brauche doch für einen Überfall auf eine Frau oder 
einen einzelnen Mann keine Waffe. Die Frau sei schon genügend eingeschüchtert 
gewesen (pag. 301 Z. 175 f.). 

Auf Vorhalt der Belastungen der Privatklägerin gab der Beschuldigte zu Protokoll, 
deren Aussagen würden nicht stimmen. Sie seien die ganze Zeit in diesem Lager-
raum gewesen. Er sei selbst die Lose und Zigaretten holen gegangen, die Frau sei 
die ganze Zeit im Lagerraum geblieben. Sie sei es gewesen, die auf die Idee ge-
kommen sei, ihm «eins zu blasen», er habe es nicht nötig gehabt. Er wisse, dass 
dies komisch töne, aber es sei so, wie er es geschildert habe (pag. 301 Z. 191 ff.).

Wieso die Frau den Lagerraum nicht verlassen bzw. nicht geflohen sei, als er sich 
alleine in den Shop [= Kassenbereich] begeben habe, wisse er nicht. Er habe nicht 
den Eindruck, dass sie vor ihm Angst gehabt habe. Sie hätten einen lockeren Um-
gang miteinander gehabt. Wenn sie Todesangst gehabt hätte, hätte sie ihm ja nicht 
noch «eins blasen» wollen. Ihm sei es ja auch nicht um ihr [privates] Geld gegan-
gen, die Verkäuferin habe ihm das von alleine gegeben. Das habe er noch nie er-
lebt (pag. 301 Z. 203 ff.).

28

Mit der lockeren Atmosphäre meine er, dass die Frau es einfach locker genommen 
habe, dies im Vergleich zu Filmen, in welchen stets eine hektische Atmosphäre 
herrsche und immer etwas Schlimmes passiere. Sie habe vermutlich keine Angst 
gehabt. Darum sei sie vermutlich auch auf die Idee mit dem «Blasen» gekommen 
und dazu, ihm freiwillig Geld zu geben. Aus dem Nichts habe sie ihm gesagt, dass 
er ihr nichts antun solle, sie werde ihm dafür «eins blasen» (pag. 304 Z. 332 ff.). 

Auch habe er die Privatklägerin im Getränkelager nicht hinten in die Hose gegriffen, 
sie in der Schamgegend und unter dem Pullover an ihrer Brust berührt. Da habe 
sie vermutlich eine blühende Fantasie. Er habe es gar nicht nötig gehabt (pag. 302 
Z. 212 ff.). 

Sonst habe er nichts mehr gemacht (pag. 304 Z. 310). Er habe die Wahrheit ge-
sagt. Er bereue alles, was er gemacht habe, und wolle endlich damit abschliessen 
(pag. 304 Z. 310 f.).

Delegierte Einvernahme vom 12. Mai 2015

Am 12. Mai 2015 wurde der Beschuldigte erstmals zum Raubüberfall auf die Coop-
Filiale in T.________ einvernommen. Der Beschuldigte bestritt – trotz Vorhalt der 
gegenteiligen Aussagen seines Mittäters D.________ und des Umstands, dass das 
gestohlene Handy mit einer auf ihn lautenden SIM-Card benutzt worden war, etwas 
mit diesem Raub zu tun zu haben (z.B. pag. 312 Z. 94, pag. 313 Z. 114 f., pag. 313 
Z. 153 ff.). Er sei zum Tatzeitpunkt im Ausland gewesen und wisse nichts von der 
ganzen Sache (z.B. pag. 313 Z. 131 ff.).

In Bezug auf den Raubüberfall auf den Tankstellenshop gab der Beschuldigte an, 
seine früheren Aussagen nicht ändern oder ergänzen zu wollen (pag. 311 Z. 14 
und 32). Die Frau habe ihm all die Sachen freiwillig gegeben, das sei ja der Witz 
am Ganzen (pag. 311 Z. 37 ff.). Eine Waffe habe er zu 100% nicht dabei gehabt, 
das erzähle die Privatklägerin vielleicht wegen dem «Schock» (pag. 311 Z. 45 ff.). 
Zu den sexuellen Sachen habe sie ihn «verführt». Er selber wäre als Letzter darauf 
gekommen, bei einem Raubüberfall etwas Derartiges zu machen. Er sei in dem 
Augenblick «baff» gewesen. Sie habe «es» sogar zweimal zu ihm gesagt 
(pag. 311 f. Z. 53 ff.). Er habe sich verführen lassen. Sie habe dies nur wegen der 
DNA gemacht (pag. 312 Z. 65 f.). Er sei so dumm gewesen und darauf herein ge-
fallen (pag. 316 Z. 262 ff.). Das mit den sexuellen Handlungen habe die Privatklä-
gerin vielleicht nur deshalb erwähnt, weil es ihr peinlich sei, weil sie damit habe 
rechnen müssen, dass er dies gegenüber der Polizei auch erwähne. Deshalb habe 
sie das vermutlich auf ihn abgeschoben, er finde das unfair von ihr (pag. 312 
Z. 70 ff.). Er sei das Opfer des sexuellen Vorfalls und nicht sie (pag. 312 Z. 80 f.). 
Er könne sich noch bildlich erinnern, wie sie ihn verführt habe. Sie habe einfach 
plötzlich gesagt: «Mach mir nüt, ich blase dir eines» (pag. 316 Z. 272 f.). Sie habe 
dann alles gemacht, die Kleider geöffnet etc. (pag. 316 Z. 276). Er sei nicht wirklich 
erregt gewesen, sonst wäre er doch nicht zu einer Tankstelle gegangen, sondern 
dorthin, wo er «das» erhalten hätte, er habe schliesslich eine Freundin, zwei, drei 
(pag. 316 Z. 280 f.). Auf entsprechenden Vorhalt bestritt der Beschuldigte aber, 
dass es zu zweimaligem Oralverkehr gekommen ist (pag. 316 Z. 287 f.).

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Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 2. Juli 2015

Anlässlich der Schlusseinvernahme gab der Beschuldigte einleitend zu Protokoll, 
zum Überfall auf den Tankstellenshop habe er nichts zu ergänzen, da habe er die 
Wahrheit gesagt (pag. 319 Z. 20 ff.). Hingegen gestand er nun ein, gemeinsam mit 
D.________ und C.________ die Coop-Filiale in T.________ überfallen zu haben 
(pag. 319 Z. 21 ff.).

Der Beschuldigte bestritt sodann ein weiteres Mal, beim Überfall auf die BP-
Tankstelle ein Messer oder eine (andere) Waffe dabei gehabt zu haben (pag. 320 
Z. 90, pag. 321 Z. 93 ff.). So etwas, wie mit vorgehaltenem Messer den Oralverkehr 
zu erzwingen, würde er nie tun, das sei die blühende Fantasie der Privatklägerin 
(pag. 321 Z. 99 ff.). Auf Vorhalt ihrer entsprechenden Aussagen, gab er an, auch 
die angeblichen sexuellen Handlungen im Getränkelager habe er nicht gemacht, 
weshalb sie so einen «Scheissdreck» erzähle (pag. 321 Z. 117). Auf Frage sei er 
sicher nicht so besoffen gewesen. Er gehe doch nicht in eine Tankstelle, um Sex 
zu haben (pag. 321 Z. 117 f.). 

Einvernahme anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 15. März 
2016

Schliesslich wurde der Beschuldigte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
noch einmal zur Sache befragt. 

In Bezug auf den Raubüberfall auf den BP Tankstellenshop gab er an, er wisse 
nicht, wieso er diesen gemacht habe. Eine Erklärung könne sein, dass der erste 
Überfall [auf die Coop-Filiale in T.________] gut rentiert gehabt habe. Der Alkohol 
habe auch einen Einfluss gehabt (pag. 561 Z. 30 ff.). Der Alkohol habe ihn «schon 
enthemmt». Es gebe verschiedene Grade: «Enthemmt, besoffen, total besoffen». 
Auf allen Vieren sei er nicht gegangen, aber tipptopp [beieinander] sei er auch nicht 
mehr gewesen (pag. 562 Z. 21 ff.).

Ein Messer habe er nicht bei sich gehabt. So etwas, wie von der Privatklägerin ge-
schildert, würde er nie machen. Sie habe ihn mehrmals «darauf» [Oralverkehr] an-
gesprochen. Er habe zwei oder drei Mal «Nein» gesagt und sich dann verführen la-
sen. Er habe es nicht gewollt. Die Privatklägerin habe darauf bestanden. Es stimme 
nicht, dass er auf die Idee [der Vornahme sexueller Handlungen] gekommen sei, 
weil der Raub finanziell nicht rentiert habe (pag. 561 Z. 32 ff.).

Solange es um die Wahrheit gehe, werde er dazu stehen. Wenn es anders gewe-
sen wäre, hätte er das gesagt. Er wolle einfach mit dem Ganzen abschliessen 
(pag. 561 Z. 44 ff.). Es wisse nicht, wieso er den Raub auf die Coop-Filiale bis zur 
Schlusseinvernahme abgestritten habe (pag. 562 Z. 40 ff.). 

Würdigung: 

Während der Beschuldigte von Anfang an eingestand, den Raubüberfall auf die BP 
Tankstelle begangen zu haben, und auch von sich aus zu Protokoll gab, dass es zu 
(einmaligem) Oralverkehr mit der Privatklägerin gekommen sei, bestritt er 
grundsätzlich gleichbleibend, beim Raubüberfall ein Messer mitgeführt, die Privat-
klägerin zum Oralverkehr gezwungen und sie schliesslich im Getränkelager an in-
timen Stellen berührt zu haben.

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Seine Version der Geschichte ist dabei mit der Generalstaatsanwaltschaft zwar zu-
gegebenermassen als originell zu bezeichnen, allerdings erscheint sie völlig wirk-
lichkeitsfremd:

Was zunächst den angeblichen nicht stattgefundenen Messereinsatz anbelangt, 
würde es – in den Worten der Vorinstanz – tatsächlich ein kriminalistisches Novum 
darstellen, dass jemand ohne Waffe oder Einsatz irgendwelcher anderen Nöti-
gungsmittel einen Raubüberfall auf einen Tankstellenshop o.ä. verübt. Es ist im 
konkreten Fall denn auch nicht ersichtlich, weshalb die Privatklägerin den Beschul-
digten hätte eintreten lassen, von diesem im Lagerraum alleine gelassen nicht flie-
hen, diesem sogar noch von ihrem eigenen Geld anbieten und sich schliesslich 
hätte fesseln lassen sollen, wenn sie vom Beschuldigten nicht in irgendeiner Form 
bedroht worden wäre. Während die Privatklägerin mit der von ihr geschilderten Be-
drohung mit dem Messer bzw. mit der Drohung des Beschuldigten, sie abzuste-
chen, eine plausible Erklärung für ihr Verhalten liefert, erweist sich die Darstellung 
des Beschuldigten als nicht nachvollziehbar. Dies umso mehr, als dieser ja den 
Schuldspruch wegen Raubes nicht angefochten hat und er zudem beim nur kurz 
zuvor verübten Raubüberfall auf die Coop-Filiale in T.________ nachweislich eine 
Waffe bzw. zumindest eine Waffenattrappe verwendet hat.

Auch die Aussagen des Beschuldigten zum Zustandekommen des Oralverkehrs 
sind völlig lebensfremd. Es ist kein plausibler Grund ersichtlich, weshalb die Privat-
klägerin – gemäss der Version des Beschuldigten nachdem der Überfall eigentlich 
schon zu Ende und er bereits im Begriff war, den Tankstellenshop zu verlassen – 
ihm, dem maskierten Räuber, der sich eben unrechtmässig an Waren aus dem 
Shop und auch an ihrem privaten Geld bereichert hatte, von sich aus unvermittelt 
hätte Oralverkehr anbieten sollen.

Wirklichkeitsfremd und geradezu skurril erscheint in diesem Zusammenhang weiter 
auch die Vermutung des Beschuldigten, die Privatklägerin habe ihn zum Oralver-
kehr überredet, weil sie Spermaspuren und so – zwecks späterer Überführung – 
DNA von ihm habe sichern wollen. Die Privatklägerin gab zwar selbst zu Protokoll, 
dass der Beschuldigte wohl nicht ejakuliert, sondern den Oralverkehr vorher abge-
brochen habe, damit es keine Spuren gebe. Daraus kann aber mitnichten ge-
schlossen werden, die Privatklägerin habe die sexuellen Handlungen selbst aus 
diesem Grund freiwillig initiiert, zumal sie selbst angab, dass sei ihr zwar schon 
damals, aber erst nach dem Ganzen in den Sinn gekommen sei. 

Selbst wenn man aber zum Schluss kommen wollte, dass die Privatklägerin dem 
Beschuldigten den Oralverkehr tatsächlich von sich aus angeboten hätte, würde 
dies im Übrigen noch nicht die von der Privatklägerin glaubhaft geschilderten sexu-
ellen Handlungen des Beschuldigten im Getränkelager erklären und ebenfalls zu 
freiwillig erduldeten sexuellen Handlungen machen.

Im Detail fällt denn auch auf, dass die Aussagen des Beschuldigte zum Zustande-
kommen des Oralverkehrs Ungereimtheiten aufweisen und sich in ihrer Intensität 
steigern: So gab er zunächst zu Protokoll, die Privatklägerin habe ihn «gefragt», ob 
sie ihn oral befriedigen «dürfe». Später sagte er dann aus, die Privatklägerin habe 
ihn «verführt», indem sie ihn gleich mehrmals darauf angesprochen und ihm dann 

31

die Hose heruntergezogen habe. Schliesslich gab er an, er habe sogar noch zwei- 
oder dreimal Nein gesagt, sich also verbal gegen den Oralverkehr gewehrt, die Pri-
vatklägerin habe jedoch regelrecht darauf «bestanden», so dass er schliesslich 
gewissermassen nachgegeben habe. Diese Tendenz des Beschuldigten, die Initia-
tive zum Oralverkehr über seine Einvernahmen hinweg mehr und mehr der Privat-
klägerin zuzuschreiben, gipfelte in der Aussage, eigentlich sei er das Opfer des se-
xuellen Übergriffs. Auffällig ist auch, dass der Beschuldigte von sich aus und ohne 
entsprechenden Vorhalt ausführte, er habe der Privatklägerin nichts gemacht.

Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, widerspricht sich der Beschuldigte in seinen 
Aussagen zu der angeblichen Lockerheit der Situation und des Gefühlszustandes 
der Privatklägerin: Während er einerseits ausführte, dass sie es locker genommen 
und «überhaupt keine Angst» vor ihm gehabt habe, begründete er andererseits den 
Umstand, angeblich keine Waffe für den Überfall gebraucht zu haben, gerade da-
mit, dass die Privatklägerin ja schon «genügend eingeschüchtert» gewesen sei. Ih-
re gegenteilige Aussage zum Einsatz einer Waffe erklärte er mit dem «Schock», in 
welchem sie sich wohl befunden habe.

Dass der Umgang zwischen ihm und der Privatklägerin eben keineswegs so locker 
war, wie vom Beschuldigten behauptet, legte er mit seiner wiederholten Aussage, 
wonach sie ihm den Oralverkehr anbot, damit er ihr nichts tue gleich selber dar 
(«Sie sagte dann zu mir, dass ich ihr nichts machen soll [...] dann fragte mich die 
Frau plötzlich ob sie mir eins blasen dürfe», pag. 299 Z. 93 ff.; «Aus dem Nichts 
sagte sie, dass ich ihr nichts antun solle, sie werde mir dafür eins blasen», 
pag. 304 Z. 336; «Mach mir nüt, ich blase dir eines», pag. 316 Z. 272 f.).

Es wurde vom Beschuldigten bzw. von seiner Verteidigung an der Berufungsver-
handlung denn auch nicht mehr behauptet, dass der Oralverkehr objektiv betrach-
tet freiwillig bzw. zwanglos zustande gekommen sei. Doch auch die oberinstanzlich 
vorgebrachte Argumentation, wonach der Beschuldigte subjektiv von einem freiwil-
ligen «unmoralischen Angebot» zur Vornahme sexueller Handlungen ausgegangen 
sei, ist angesichts seiner soeben zitierten Aussagen klar widerlegt. Selbst wenn 
tatsächlich die Privatklägerin als Erste den Oralverkehr erwähnt, diesen dem Be-
schuldigten quasi von sich aus angeboten hätte, hätte sie dies – auch in der Wahr-
nehmung des Beschuldigten – nur getan, damit er ihr nichts antut. 

Im Übrigen fällt auf, dass die Aussagen des Beschuldigten zum Raubüberfall gene-
rell und insbesondere in Bezug auf den von ihm zugegebenen (einmaligen) Oral-
verkehr – abgesehen von dem originell geschilderten angeblichen Angebot der Pri-
vatklägerin hierzu – sehr karg ausfielen. Meistens beschränkte sich der Beschuldig-
te auf die Bestätigung, mehr aber noch auf das Bestreiten von Vorhalten.

Dabei ist mit der Vorinstanz feststellen, dass sich der Beschuldigte eher nüchtern 
und zurückhaltend gegen die Vorwürfe der Privatklägerin wehrte und z.B. lediglich 
ausführte, dass er seine Sicht schon erklärt habe und weil diese Frau es so sage, 
heisse es noch lange nicht, dass es auch so passiert sei. Es besteht somit eine 
gewisse Diskrepanz etwa zu seiner Reaktion auf den Vorwurf des Einbruchdieb-
stahls in Uetendorf (vgl. pag. 307 Z. 45 ff.), bei welchem sich später herausstellte, 
dass er nicht vom Beschuldigten verübt worden war (vgl. pag. 311 Z. 18 ff.).

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Ohnehin kann aber den Beteuerungen des Beschuldigten, die ganze Wahrheit ge-
sagt zu haben und einfach nur abschliessen zu wollen, kein grosser Wert beige-
messen werden. Er hat dies bereits bei seiner ersten Einvernahme behauptet, je-
doch den Raubüberfall auf die Coop-Filiale in T.________ – für welchen er inzwi-
schen rechtskräftig schuldig gesprochen wurde – in der Folge bis zur Schlussein-
vernahme vehement bestritten. 

Zusammenfassend erscheint die Darstellung des Beschuldigten nicht nur völlig 
wirklichkeitsfremd, sondern es finden sich in seinen Aussagen auch Ungereimthei-
ten und eigentliche Widersprüche. Auf seine Aussagen kann deshalb hinsichtlich 
des Tatablaufs und insbesondere in Bezug auf die angebliche Einvernehmlichkeit 
des Oralverkehrs nicht abgestellt werden.

8.5.5 Aussagen weiterer Personen
D.________, einer der beiden Mittäter des Beschuldigten beim Raubüberfall auf die 
Coop-Filiale, gab am 27. Januar 2009 zu Protokoll, der Beschuldigte habe ihn etwa 
zwei oder drei Tage vor dem BP-Tankstellen-Raub angerufen und ihn gefragt, ob 
er einen Überfall mit ihm machen wolle. Er beobachte diese Tankstelle seit gut 
zwei Wochen und wisse, wann die Frauen den Shop verlasse würden etc. Den An-
ruf habe er glaublich am Samstag erhalten und am Sonntag sei dann der Shop 
überfallen worden. Er (D.________) habe dem Beschuldigten aber gesagt, dass er 
nicht mitmachen wolle (pag. 247 Z. 37 ff.). 

Anlässlich seiner parteiöffentlichen Einvernahme als Zeuge vom 2. Juli 2015 be-
stritt D.________ dann zwar zunächst, vom Beschuldigten etwas über diesen Raub 
erfahren zu haben. Auf Vorhalt seiner anderslautenden früheren Aussagen meinte 
er dann aber, wenn er das damals so gesagt habe, werde es wohl so sein. Er habe 
damals die Wahrheit erzählt (pag. 266 Z. 150 ff.). 

Würdigung: Die Kammer hat keinen Grund, an der ersten, später parteiöffentlich 
bestätigten Aussage von D.________ zu zweifeln, wonach der Beschuldigte ihm 
vom geplanten Raubüberfall berichtete und ihn als Mittäter anfragte. Für die 
Glaubhaftigkeit dieser Aussage spricht insbesondere, dass sich D.________ 
gleichzeitig im Zusammenhang mit dem Raubüberfall auf die Coop-Filiale massiv 
selbst belastete. 

8.5.6 Zusammenfassende Beweiswürdigung und erstellter Sachverhalt
Gestützt auf die soeben zitierten, glaubhaften Aussagen von D.________ geht die 
Kammer mit der Vorinstanz davon aus, dass der Beschuldigte den Raubüberfall auf 
den BP Tankstellenshop entgegen seinen Behauptungen im Voraus geplant hatte. 
Der Überfall erfolgte also mitnichten spontan, sondern nachdem der Beschuldigte 
die Tankstelle seit ca. 2 Wochen beobachtet, sich ein Bewegungsbild von den Ver-
käuferinnen gemacht und ausserdem nach einem Mittäter gesucht hatte. Nachdem 
sich D.________ allerdings geweigert hatte beim Raub mitzumachen, schritt der 
Beschuldigte am Abend des 11. Januar 2009 alleine zur Tat.

Der Beschuldigte hatte zuvor Alkohol getrunken, was ihn etwas enthemmt haben 
dürfte. Gemäss seinen eigenen Angaben war er bei der Tat «ein wenig angetrun-
ken», jedoch nicht richtig betrunken. Auch gemäss den Aussagen der Privatkläge-
rin machte der Beschuldigte keinen betrunkenen Eindruck. Die Kammer geht ge-

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stützt auf diese Angaben davon aus, dass der Beschuldigte jedenfalls nicht in ei-
nem die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit einschränkendem Mass alkoholisiert 
war.

In Bezug auf den Ablauf des Überfalls und insbesondere hinsichtlich der sexuellen 
Handlungen ist auf die glaubhaften Erstaussagen der Privatklägerin abzustellen: 

Demnach lauerte der maskierte, mit einer Packschnur ausgerüstete und mit einem 
Messer (Klingenlänge ca. 20 cm) bewaffnete Beschuldigte der Privatklägerin beim 
Hinterausgang des Tankstellenshops auf, als diese den Shop nach Ladenschluss 
um ca. 21:10 Uhr verlassen wollte. Als sie die Tür öffnete, hielt er ihr das Messer 
auf Gesichtshöhe hin und drängte sie mit vorgehaltenem Messer in den Shop 
zurück. Dort verlangte der Beschuldigte nach Geld. Nachdem die Privatklägerin ihn  
auf den mit einem Zeitschloss versehenen und daher unzugänglichen Tresor hin-
gewiesen hatte, drängte der Beschuldigte sie in den vorderen Bereich des Shops, 
wo die Privatklägerin ihm angesichts der ebenfalls leeren Kasse zunächst 30 Fran-
ken aus ihrem eigenen Portemonnaie aushändigte und er anschliessend Alkoholi-
ka, Zigaretten und Lose behändigte. In dieser Phase hielt der Beschuldigte der Pri-
vatklägerin das Messer aus einem Abstand von ca. 1m, also relativ nahe, mit der 
Spitze voran vor ihren Hals und fuchtelte damit auch vor ihrem Bauch herum. Zu-
dem drohte er der Privatklägerin wiederholt, sie zu abzustechen und sie zu fesseln.

Danach drängte der Beschuldigte die Privatklägerin wieder in das Lager zurück, wo 
er erneut nach Geld verlangte. Als die Privatklägerin ihm ein weiteres Mal mitteilte, 
sie könne ihm nicht mehr geben, der Raub also weitgehend erfolglos verlaufen war, 
forderte der Beschuldigte die Privatklägerin plötzlich auf, sich auszuziehen und auf 
den Boden zu legen. Die Privatklägerin weigerte sich mit den Worten, dass wolle er 
sicher nicht, dies zu tun. Der Beschuldigte antwortete, aber ja, das wolle er. Den-
noch weigerte sich die Privatklägerin weiterhin, der Forderung des Beschuldigten 
nachzukommen. Da verlangte der Beschuldigte von der Privatklägerin, dass sie 
ihm «eins blase». Er zog seine Hose ein bisschen herunter und packte sein Glied 
aus. Die Privatklägerin nahm dieses in die Hände und in den Mund und befriedigte 
den Beschuldigten oral. Nach einer gewissen Weile packte der Beschuldigte seinen 
Penis wieder ein und verlangte von der Privatklägerin nochmals, sie solle sich auf 
den Boden legen, er wolle ihre Schamlippen sehen. Erneut weigerte sich die Pri-
vatklägerin dies zu tun, worauf der Beschuldigte sein Glied wieder auspackte und 
sie ihn ein zweites Mal oral befriedigen musste. Während des insgesamt etwa ein 
bis zwei Minuten dauernden Oralverkehrs hielt der Beschuldigte den Kopf der Pri-
vatklägerin zeitweise mit den Händen fest. Ohne zum Orgasmus gekommen zu 
sein, packte der Beschuldigte schliesslich seinen Penis wieder ein. Dies gemäss 
seinen Aussagen, weil er Angst davor hatte, DNA-Spuren zu hinterlassen. 

Entgegen seinen völlig lebensfremden und zudem widersprüchlichen Aussagen ist 
die Kammer davon überzeugt, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten nicht un-
vermittelt und ohne ersichtlichen Grund von sich aus Oralverkehr anbot. Sie kam 
vielmehr unter dem Eindruck des zuvor beim Raub verwendeten und immer noch 
irgendwo vorhandenen Messers sowie den zuvor geäusserten Drohungen des Be-
schuldigten, er werde sie abstechen und f