# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 88a7171d-676a-5cb5-93d3-808b06bb91a5
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-12-10
**Language:** de
**Title:** Baubewilligung für Recyclingsammelstelle
**Docket/Reference:** BRGE III Nrn. 0164-0165/2025
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/auszug_r3.2025.00051-52.pdf

## Full Text

Baurekursgericht
des Kantons Zürich
3. Abteilung

G.-Nrn.
BRGE III Nr.

R3.2025.00051 und R3.2025.00052
0164/2025 und 0165/2025

Entscheid vom 10. Dezember 2025

Mitwirkende

Abteilungspräsidentin Gabriele Kisker, Baurichter Martin Farner, Baurichte-
rin Sabine Ziegler, Gerichtsschreiber Mario Gasser

in Sachen

Rekurrierende

R3.2025.00051
A AG

vertreten durch […]

R3.2025.00052
1.  B
2.  C
3.  D
4.  E
5.  F

alle vertreten durch […]

gegen

Rekursgegnerschaft

1.  Gemeinderat X
2.  Baudirektion Kanton Zürich
3.  G AG

vertreten durch […]

Mitbeteiligte

R3.2025.00051
4.  Gebäudeversicherung Kanton Zürich

betreffend

Beschluss des Gemeinderats vom 11. März 2025 und Gesamtverfügung der
Baudirektion Kanton Zürich Nr. BVV 24-3347 vom 6. Januar 2025; Baube-
willigung für Umbau Recyclingsammelstelle, […]
______________________________________________________

hat sich ergeben:

A.

Der Gemeinderat X erteilte der G AG mit Beschluss vom 11. März 2025 die

baurechtliche  Bewilligung  für  den  Umbau  der  bestehenden  Halle  zu  einer

Recyclingsammelstelle auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 an der H-Strasse 13

in X. Mit dem kommunalen Entscheid wurde die im koordinierten Verfahren

ergangene Gesamtverfügung vom 6. Januar 2025 eröffnet, mit welcher die

Baudirektion Kanton Zürich das Bauvorhaben in lärmschutz- und gewässer-

schutzrechtlicher Hinsicht bewilligte.

B.

Hiergegen wandte sich die A AG mit Rekursschrift vom 16. April 2025 an das

Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  und  beantragte  die  Aufhebung  der

Baubewilligung  inkl.  kantonaler  Gesamtverfügung,  unter  Kosten-  und  Ent-

schädigungsfolgen zu Lasten der Rekursgegnerschaft.

Mit  gemeinsamer  Eingabe vom 16. April  2025 erhoben sodann  B, C,  D,  E

sowie  F  Rekurs  gegen  die  beiden  erwähnten  Entscheide  und  stellten  fol-

gende Anträge:

"1. Der angefochtene Beschluss und die angefochtene Verfügung seien
aufzuheben. Die nachgesuchte Baubewilligung sei zu verweigern.

 2. Eventuell sei die Bewilligung um die folgenden Auflagen zu ergänzen:

-  die  Lärmschutzwände  im  Aussenbereich  seien  bis  zu  den  Grund-

stücksgrenzen zu verlängern und auf 5 m zu erhöhen.

-  Die  Lärmschutzwände  im  Aussenbereich  seien  mit  Paneelen  der
höchsten Schallabsorptionsklasse (Absorptionsgrad 1) zu erstellen.

-  auch die Hallenwände, insbesondere die südliche Hallenwand, seien
lärmdämmend  auszukleiden, mit mindestens  demselben lärmdäm-
menden Material wie die seitlichen Lärmschutzwände.

-  die  kritischen  Lärmquellen  (Pressmulden,  Glassammelmulde  u.a.)
seien mit schalldämmendem Material einzuhausen und zudem von
den kritischen Toröffnungen weg weiter nach Norden zu verlegen.

-  die Tore seien so einzurichten, dass sie sich nur zweitweise, bei Be-
darf, öffnen. Ausserdem seien im Bereich der Toröffnungen Schall-
schutzvorhänge zu installieren.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 2

 
 
 
 
 
-  Der  Betrieb sei mit  einem Rotlichtsystem  an der  I-Strasse oder  an
sonst einem geeigneten Ort zu versehen, sodass bei übermässigem
Andrang  verhindert  wird,  dass  sich  der  Nutzverkehr  aus  dem  Be-
triebsareal hinaus in die H-Strasse zurückstaut.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Rekursgegner."

C.

Mit  Verfügungen vom 22. bzw.  23. April  2025  wurden  die Rekurseingänge

unter den Geschäfts-Nrn. R3.2025.00051 (A AG, nachfolgend Rekurrentin 1)

und R3.2025.00052 (B etc., nachfolgend Rekurrierende 2) vorgemerkt und

die Vernehmlassungsverfahren eröffnet.

D.

Im  Verfahren  G.-Nr. R3.2025.00051  beantragte  die  Baudirektion  mit  Ver-

nehmlassung vom 14. Mai 2025 die Abweisung des Rekurses und verwies

zur  Begründung  auf  den  Mitbericht  des  Amtes  für  Wirtschaft  vom  5. Mai

2025. Mit Vernehmlassung vom 23. Mai 2025 beantragte der Gemeinderat

die Abweisung des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei, unter Kostenfol-

gen zu Lasten der Rekurrentschaft. Am 26. Mai 2025 beantragte die G AG,

der Rekurs sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und

Entschädigungsfolgen zu Lasten der Rekurrentin. Am 11. Juni 2025 nahm

sodann die Gebäudeviersicherung Kanton Zürich (GVZ) Stellung zur Rekurs-

schrift, wobei sie sich der Stellungnahme des Gemeinderats vollumfänglich

anschloss.

In  ihrer  Replik  vom  8.  Juli  2025  hielt  die  Rekurrentin 1  an  ihren  gestellten

Anträgen fest. Auch die private Rekursgegnerin hielt mit Duplik vom 29. Juli

2025 an ihren Anträgen fest. Die GVZ verzichtete am 16. Juni 2025 [recte:
Juli] explizit auf die Einreichung einer Duplik. Die übrige Rekursgegnerschaft

liess sich nicht mehr vernehmen.

E.

Im Verfahren G.-Nr. R3.2025.00052 stellte die Baudirektion mit Rekursant-

wort vom 8. Mai 2025 wiederum den Antrag, der Rekurs sei abzuweisen und

verwies  zur  Begründung  auf  den  Mitbericht  des  Amtes  für  Wirtschaft  vom

5. Mai  2025.  Der  Gemeinderat  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 3

 
23. Mai 2025 ebenfalls die Abweisung des Rekurses, soweit darauf einzutre-

ten sei, unter Kostenfolgen zu Lasten der Rekurrentschaft. Die private Re-

kursgegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 26. Mai 2025 die Abwei-

sung  des  Rekurses,  soweit  darauf  einzutreten sei;  unter  Kosten-  und Ent-

schädigungsfolgen zu Lasten der Rekurrierenden.

Mit Replik vom 17. Juni 2025 hielten die Rekurrierenden sinngemäss an ih-

ren Anträgen fest. Auch die Baudirektion blieb in ihrer Duplik vom 3. Juli 2025

unter Verweis auf den Mitbericht des Amtes für Wirtschaft vom 23. Juni 2025

bei  ihrem  Antrag. Die  private  Rekursgegnerin  hielt  mit  Duplik  vom  11. Juli

2025 ebenfalls an ihren Anträgen fest. Am 23. Juli 2025 reichten die Rekur-

rierenden eine weitere Stellungnahme ein.

F.

Am 17. September 2025 führte eine Delegation der 3. Abteilung des Baure-

kursgerichts im Beisein der Parteien aus beiden Rekursverfahren einen Au-

genschein auf dem Lokal durch.

Im Anschluss an den Augenschein wurden die beiden Rekursverfahren sis-

tiert.  Auf  Ersuchen  der  privaten  Rekursgegnerin  wurden  die  Verfahren

schliesslich je mit Verfügung vom 9. Oktober 2025 fortgesetzt.

G.

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  und  die  anlässlich  des  Lokaltermins  ge-

machten Feststellungen wird, soweit zur Entscheidbegründung erforderlich,

in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 4

Es kommt in Betracht:

1.

Die  Rekurse  beziehen  sich  auf  dasselbe  Bauprojekt  und  dieselben  Ent-

scheide.  Die  Verfahren  sind  daher  aus prozessökonomischen Gründen  zu

vereinigen.

2.

Gemäss § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) ist zum Rekurs be-

rechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt ist und ein schutz-

würdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat. Ein Nachbar ei-

nes Bauvorhabens ist dann zum Rekurs berechtigt, wenn er über eine hin-

reichend nahe räumliche Beziehung zum Baugrundstück verfügt und wenn

er darüber hinaus durch die Erteilung der Baubewilligung mehr als die Allge-

meinheit in eigenen Interessen berührt ist (BGE 103 Ib 144, E. 4; 104 Ib 245,

E. 7 d).

Bei allen Rekurrierenden handelt es sich um Eigentümer und Eigentümerin-

nen  von  Grundstücken,  die  in  der  unmittelbaren  Nachbarschaft  des  Bau-

grundstücks  liegen.  Aufgrund  der  engen  räumlichen  Beziehung  und  der  –

noch  darzulegenden  –  vorgebrachten  Rügen  sind  die  Rekurrierenden  zur

Rekurserhebung legitimiert.  Da auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen

erfüllt sind, ist auf ihren Rekurs einzutreten.

3.

Das Baugrundstück liegt in der Industriezone I gemäss Bau- und Zonenord-

nung der Gemeinde X (BZO). Es ist derzeit mit einer Lagerhalle / Bootswerft

überstellt, welche zu einem neuen Recyclinghof umgenutzt werden soll. Ge-

mäss Nutzungskonzept vom 21. November 2024 soll dieser Recyclinghof im

Auftrag der Gemeinde X von der privaten Rekursgegnerin betrieben werden

und der Bevölkerung von X für die Entsorgung von allerlei Abfällen und Wert-

stoffen dienen.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 5

4.1.

Die Rekurrentin 1 und die Rekurrierenden 2 machen in erster Linie geltend,

die Erschliessung sei in verkehrlicher Hinsicht ungenügend. Zusammenge-

fasst wird vorgebracht, die dem Verkehrskonzept zugrunde liegende Schät-

zung von unter der Woche 150 Hin- und Wegfahrten und am Wochenende

300 Hin- und Wegfahrten sei zu tief. Bei anderen Sammelstellen sei die Fre-

quenz weit höher. Zudem sei unverständlich, warum man sich auf Schätzun-

gen berufe, wenn sich mittels Zählungen bei bestehenden Anlagen und ei-

nem Vergleich der Ergebnisse mit den jeweiligen Einzugsgebieten eine ge-

naue  Prognose  erstellen  liesse.  Ferner  sei  der  für  die  übrigen  an  die  H-

Strasse angebundenen Betriebe eingesetzte Durchschnittswert von 2,5 täg-

lichen Fahrten pro Parkplatz zu tief. Auch seien die potenziellen Nutzungen

auf den noch unüberbauten Flächen, die Anhebung der Baumassenziffer in

der Industriezone I um mehr als 20 % und der Schwerverkehrsanteil zu be-

rücksichtigen.  Die  Rekurrierenden 2  halten  dafür,  dass  in  der  H-Strasse

deutlich über 1’000 Fahrten pro Tag zu veranschlagen seien. Gemäss der

Verkehrserschliessungsverordnung  sei  damit  ein  Ausbaugrad  einer  Er-

schliessungsstrasse gefordert, welchen Anforderungen die H-Strasse nicht

genüge.  Da  die  H-Strasse  auch  als  Fussweg  benützt  werde,  sei  die  Ver-

kehrssicherheit beeinträchtigt. Zudem würden regelmässige Rückstausitua-

tionen in der H-Strasse drohen wegen fehlenden Kapazitäten für wartende

Fahrzeuge  auf  dem  Baugrundstück,  was  die  Zufahrt  zum  Grundstück  der

Rekurrentin 1 tangiere. Schliesslich liege  ein Betrieb  vor,  der unverhältnis-

mässigen Verkehr auslöse, was gemäss Art. 28 Abs. 2 BZO unzulässig sei.

Die Rekurrierenden 2 reichen zudem ein Fachgutachten ins Recht, gemäss

welchem  die  Abbieger  von  der  I-Strasse  in  die  H-Strasse  und  von  der  H-

Strasse Ost in die H-Strasse West für Lastwagen nur erschwert benützt wer-

den könnten. Die Lastwagen würden im östlichen Teil im Begegnungsfall auf

das  Trottoir  ausweichen.  Dabei  sei  zu  bemerken,  dass  dieser  Teil  der  H-
Strasse auch als Zubringer zum südlich gelegenen Wohnquartier diene und

das Trottoir entsprechend von Fussgängern ohne Bezug zum Industriegebiet

benützt werde. Überdies seien die Zustände gemäss Gutachter bereits aktu-

ell relativ chaotisch. Auf jeden Fall ergäben sich an den Samstagen und spä-

ten  Nachmittagen  Spitzen,  die  die  vorgesehenen  Parkplätze  in  der  Halle

nicht aufnehmen könnten und die deshalb zu ausgedehnten Rückstaus füh-

ren würden.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 6

4.2.

Der Gemeinderat entgegnet in diesem Zusammenhang, das Fachgutachten

der  K AG  sei  plausibel  und  schlüssig,  weshalb  darauf  verwiesen  werden

könne. Die Verkehrssicherheit sei auf der kurzen, übersichtlichen und breiten

Strasse auch ohne Trottoir gewährleistet. Die geschätzten 300 Fahrten pro

Arbeitstag würden plausibel und nachvollziehbar erscheinen. Effektive Mes-

sungen der erzeugten Fahrten seien für eine geplante Anlage nicht möglich.

Der Vergleich mit der nahegelegenen Sammelstelle L sei sachgerecht, denn

das  kommunale  Einzugsgebiet  erscheine  vergleichbar.  Das  erhöhte  Fahr-

tenaufkommen an Samstagen erfolge antizyklisch zur übrigen Nutzung in der

Industriezone, sodass sich die Nutzungen mit Bezug auf den Verkehr optimal

ergänzten. Bei einer durchschnittlichen Abladezeit von 5 Minuten von gleich-

zeitig  acht  Fahrzeugen  könnten  in  der  geplanten  Sammelstelle  96 Fahr-

zeuge pro Stunde abladen. Die erwarteten Fahrzeuge könnten damit ohne

weiteres aufgenommen werden.

4.3.

Die private Rekursgegnerin verweist ebenfalls auf das eingeholte Verkehrs-

gutachten. Ergänzend bringt sie vor, wenn dem Nutzungskonzept und dem

Verkehrsgutachten die Erfahrungswerte der Sammelstelle L zugrunde gelegt

würden, sei damit eine  erhebliche  Reserve berücksichtigt,  zumal diese ei-

nem massiv grösseren Nutzerkreis offen stehe, als die vorliegend geplante

Sammelstelle. Die bestehende Sammelstelle L stehe insgesamt rund 42'000

Einwohnern zur Verfügung, wohingegen die streitbetroffene neue Sammel-

stelle einzig der Bevölkerung von X diene.

4.4.

Die Rekurrierenden 2 bringen in der Replik ergänzend vor, das Einzugsge-

biet der geplanten Sammelstelle beschränke sich nicht auf die Gemeinde X.
Die  umliegenden  Gemeinden  hätten  alle  entweder  keine  oder  nur  einge-

schränkt betriebene Sammelstellen. M oder N hätten am Samstag geschlos-

sen,  sodass  von  dort  am  Tag  mit  der  höchsten  Nutzungsfrequenz  einige

kommen würden.

4.5.1.

Bei der genügenden Erschliessung einer Parzelle handelt es sich um eine

Grundanforderung,  welcher  alle  Bauvorhaben  zu  genügen  haben  (vgl.

§§ 233 ff.  PBG).  Erschlossen  ist  ein  Grundstück  unter  anderem,  wenn  es

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 7

selbst und die darauf vorgesehenen Bauten und Anlagen genügend zugäng-

lich  sind.  Die  genügende  Zugänglichkeit  bedingt  in  tatsächlicher  Hinsicht

eine der Art, Lage und Zweckbestimmung der Bauten oder Anlagen entspre-

chende Zufahrt für die Fahrzeuge der öffentlichen Dienste und der Benützer

(§ 237  Abs. 1  Satz 1  PBG). Zufahrten  sollen für  jedermann verkehrssicher

sein (§ 237 Abs. 2 Satz 1 PBG).

Die  technischen  Anforderungen  an  Zufahrten  werden  in  der  Verkehrser-

schliessungsverordnung (VErV) geregelt. Als Zufahrten gelten Strassen der

Feinerschliessung als Verbindung ab der Grundstücksgrenze mit dem Stras-

sennetz der Groberschliessung (§ 3 lit. b VErV). Zufahrten sind so zu gestal-

ten, dass sie ihren Zweck erfüllen und der vollständigen Nutzung der Grund-

stücke genügen und die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmerinnen

und Verkehrsteilnehmer jederzeit gewährleistet ist (§ 4 lit. a und b VErV). Der

Einsatz der öffentlichen Dienste, insbesondere für Notfalleinsätze, muss je-

derzeit gewährleistet sein (§ 4 lit. c VErV). Die technischen Anforderungen

an Zufahrten finden sich in den Anhängen 1–6 der Verkehrserschliessungs-

verordnung (§ 5 Abs. 1 VErV).

Unter den Voraussetzungen von § 6 Abs. 1 und 2 VErV können in Einzelfäl-

len in Abweichung von § 5 VErV geringere Anforderungen an eine Zufahrt

oder Ausfahrt gestellt werden. Vorbehalten bleiben in jedem Fall die Notzu-

fahrt und die Verkehrssicherheit (§ 6 Abs. 3 VErV).

4.5.2.

Bei der Beurteilung der hinreichenden strassenmässigen Erschliessung und

insbesondere der Gewährung von Erleichterungen von den technischen An-

forderungen der Verkehrserschliessungsverordnung kommt den Gemeinden

ein von der Rekursinstanz zu beachtender Ermessensspielraum zu. Geprüft
wird daher nur, ob der angefochtene Entscheid auf einer richtigen und voll-

ständigen Feststellung des massgeblichen Sachverhalts beruht und ob die

bewilligte Erschliessungslösung verkehrssicher und unter dem Gesichtswin-

kel der Zweckmässigkeit vertretbar erscheint (VB.2019.00058 vom 18. Sep-

tember 2019, E. 3.3.1 mit weiteren Hinweisen).

4.5.3.

Zum Baugrundstück gelangen Fahrzeuge über den ersten Abschnitt der H-

Strasse.  Dieser  ist  im  östlichen  Teil  knapp  150 m  lang  und  verläuft  völlig

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 8

gerade. Die Fahrbahn ist 6 m breit und weist am westlichen Rand ein Bankett

und am östlichen Rand ein 2 m breites Trottoir auf. Abgesehen davon, dass

die  Fahrbahn  gemäss  amtlicher  Vermessung  6 m  und  nicht  6,10 m  misst,

entspricht die östliche H-Strasse einer Erschliessungsstrasse im Typ 4 ge-

mäss Anhang 1 VErV. Ferner muss rechts abgebogen werden, in den west-

lichen Teil der H-Strasse. Dieser Teil weist eine 6 m breite Fahrbahn ohne

seitliches  Bankett  oder  Trottoir  auf  und  entspricht  damit  einer  Zufahrts-

strasse 2 des Typs 2 gemäss Anhang 1 VErV, wobei auch hier 10 cm Breite

fehlen. Der Strassenabschnitt verläuft ebenfalls gerade, bis nach 100 m auf

der linken Seite das Baugrundstück erreicht wird. Gemäss dem Plan "Erdge-

schoss"  sind  entlang  der  Ostfassade  der  Halle  zwei  Wartezonen  geplant,

welche die PKWs zum Eingang in die Sammelstelle an der südöstlichen Hal-

lenecke führen. Die Wartezone bietet Platz für ca. 15 wartende Fahrzeuge.

In  der Halle  selbst sind  acht Ausladeplätze  vorgesehen.  In der nordwestli-

chen Ecke der Halle gelangen PKWs wieder aus der Halle heraus auf den

westlichen Teil der H-Strasse. Die Fahrzeuge werden somit im Uhrzeigersinn

durch die Sammelstelle geführt und müssen nirgends wenden.

4.5.4.

In den Baugesuchsunterlagen findet sich ein Fachgutachten von der K AG

vom 17. Februar 2025. Dieses geht aufgrund des Anwendungsbereichs einer

Erschliessungsstrasse für bis zu 600 Wohneinheiten von einer Belastbarkeit

von bis zu 1'800 täglichen Fahrten aus bei einer wie vorliegend gewerblichen

Nutzung. Für die Zufahrtsstrasse 2 wird von einer Belastbarkeit von bis zu

900 Fahrten pro Tag ausgegangen. Eine Messung der K AG in der östlichen

H-Strasse ergab einen durchschnittlichen täglichen Verkehr (DTV) von 812

Fahrzeugen. An Samstagen wurde ein DTV von 166 Fahrzeugen gemessen.

Für die H-Strasse West nahm die Gutachterin aufgrund der ca. 105 Parkfel-

der in diesem Strassenabschnitt ein Verkehrsaufkommen von ca. 260 Fahr-
ten pro Tag an (2,5 Fahrten pro Parkfeld).

Weiter wird im Gutachten ausgeführt, das nach Erstellung der Sammelstelle

erwartete Verkehrsaufkommen sei gemäss den Erfahrungen mit der beste-

henden  Sammelstelle  L  abgeschätzt  worden.  Unter  der  Woche  werde  mit

rund 300 zusätzlichen Autofahrten (150 Hin- und Wegfahrten) pro Tag ge-

rechnet, was durchschnittlich 25 Fahrten pro Stunde entspreche. Am Sams-

tag  seien  es  mit  600  zusätzlichen  Autofahrten  (300  Hin-  und  Wegfahrten)

etwa doppelt so viele Fahrten, dies entspreche durchschnittlich 85 Fahrten

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 9

pro Stunde. Zusätzlich zu den Autofahrten seien maximal 3 Lastwagenfahr-

ten pro Tag zu erwarten für den Austausch der Mulden und Behälter. Durch

die Öffnungszeiten der Sammelstelle (Mo. bis Fr. von 09:00 bis 12:00 Uhr

und  von 14:00  bis  17:00 Uhr  und Sa.  von 09:00 bis  16:00 Uhr) werde der

zusätzliche  Verkehr  die  Spitzenstunden  des  Verkehrs  nicht  belasten.  Ge-

samthaft ist die Gutachterin daher der Auffassung, dass das zusätzliche Ver-

kehrsaufkommen von der bestehenden Strasseninfrastruktur aufgenommen

werden könne.

4.5.5.

Diesen  plausiblen  und  schlüssigen  Erhebungen  und  Schlussfolgerungen

vermögen die Rekurrierenden nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. In Be-

zug auf das bestehende Verkehrsaufkommen ist festzuhalten, dass die ge-

schätzten 2,5 Fahrbewegungen pro Parkfeld bzw. ca. 260 Fahrten pro Tag

in der H-Strasse West angesichts des gemessenen DTV von 812 Fahrten in

der H-Strasse Ost realistisch sein dürfte, zumal nur ein Teil der über die H-

Strasse Ost erschlossenen Grundstücke auch noch über die H-Strasse West

erschlossen werden.

Hinsichtlich der baulichen Reserven entlang der H-Strasse ist zu erwähnen,

dass diejenigen brachliegenden Grundstücke, die als Parkplätze gebraucht

werden, zu Recht in die Beurteilung miteingeflossen sind. In Bezug auf das

grosse,  noch unbebaute Grundstück Kat.-Nr.  2  ganz  im  Westen ist  höchst

fraglich, ob dieses dereinst über die H-Strasse erschlossen wird, zumal die-

ses heute über die I-Strasse erschlossen wird und deren Eigentümerschaft

nicht an der privaten Strassenparzelle H-Strasse West beteiligt ist. Zu Recht

blieb dieses bei der Kapazitätsermittlung unberücksichtigt.

Hinsichtlich des erwarteten Verkehrsaufkommens der Sammelstelle wurden
ebenfalls plausible Annahmen getroffen. Bei einem Einzugsgebiet von X mit

15'100 Einwohnenden sind 150 Besuche an einem Werktag und 300 Besu-

che an einem Samstag, mithin 1’050 Besuche pro Woche, sehr grosszügig

bemessene Zahlen. Dies würde bedeuten, dass jede in X wohnhafte Person

(inkl.  Kinder,  Betagte  usw.)  die  Sammelstelle  im  Durchschnitt  alle  drei  bis

vier  Monate  anfahren  würde,  was  nach  der  allgemeinen  Lebenserfahrung

unrealistisch ist. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass in X nebst

Hauskehricht, Papier und Karton wöchentlich auch zu entsorgendes Sperr-

gut  am  Strassenrand  abgeholt  wird  (gegen  Gebührenmarken,  vgl.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 10

Abfallkalender der Gemeinde X, […]). Gemäss Auskunft der Gemeinde wird

dieses  System  auch  nach  Eröffnung  der  Sammelstelle  beibehalten  (Prot.

S. 7). Die rekurrentischen Befürchtungen, dass die Sammelstelle auch von

Personen aus anderen Gemeinden aufgesucht wird, erscheinen sodann un-

begründet.  Selbstredend  kann  dieses  Phänomen  nicht  gänzlich  ausge-

schlossen  werden.  Allerdings betreiben alle umliegenden  Gemeinden eine

eigene  Sammelstelle,  welche  entgegen  den  rekurrentischen  Vorbringen

auch samstags geöffnet haben: […].

Wie die Rekursgegnerschaft zutreffend erklärt, erfolgt das erhöhte Fahrten-

aufkommen an Samstagen antizyklisch zur übrigen Nutzung in der Industrie-

zone.  An den  übrigen  Werktagen  führen  die beschränkten  Öffnungszeiten

(09:00 bis 12:00 Uhr und 14:00 bis 17:00 Uhr) dazu, dass die bestehenden

verkehrlichen Spitzenauslastungen nicht zusätzlich  belastet  werden.  Sollte

sich der Verkehr wider Erwarten tatsächlich aus dem Baugrundstück heraus

auf die H-Strasse stauen, dürfte sich dies auf wenige jährliche Spitzentage

beschränken,  an  welchen  im  Übrigen  wenig  Verkehr  im  Industriegebiet

herrscht (vgl. der am Samstag erheblich niedrige DTV). Angesichts der prog-

nostizierten Fahrten, der zahlreichen Park- und Wartefeldern auf dem Bau-

grundstück sowie  der speditiven  Abwicklung der abzuladenden  Fahrzeuge

ohne  Wendemanöver,  ist  mit  der  Rekursgegnerschaft  nicht  anzunehmen,

dass sich der Verkehr aus dem Baugrundstück heraus stauen wird.

Gesamthaft ist mit der Rekursgegnerschaft davon auszugehen, dass der er-

wartete zusätzliche Verkehr auf dem vorhandenen Strassennetz problemlos

aufgenommen werden kann. Es ist folglich nicht zu beanstanden, wenn der

Gemeinderat den Ausbaugrad der H-Strasse als genügend qualifiziert. Der

Umstand, dass die Fahrbahn 6 m und nicht 6,10 m beträgt, wie im Anhang 1

VErV gefordert wird, ändert daran nichts, zumal in Einzelfällen von Richtli-
nien und Normalien abgewichen werden kann und der Bewilligungsbehörde

in solchen Fragen ein Ermessensspielraum zusteht, solange die Notzufahrt

und  die  Verkehrssicherheit  gewährleistet  sind  (vgl.  § 360  Abs. 3  PBG  und

VB.2024.00227 vom 16. Mai 2025, E. 4.6.6 mit weiteren Hinweisen).

4.5.6.

Wie am  Augenschein  erkannt werden  konnte, ist  die H-Strasse sehr über-

sichtlich. In den vergangenen fünf Jahren hat sich in der H-Strasse ausser

einem  Parkierunfall  mit  Sachschaden  kein  einziger  polizeilich  registrierter

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 11

Verkehrsunfall  ereignet  (vgl.  Karte  "Polizeilich  registrierte  Verkehrsunfälle"

im Geoportal des Kantons Zürich [www.geo.ktzh.ch]). Obwohl in der westli-

chen H-Strasse kein Trottoir vorhanden ist, bestehen für Fussgänger im sel-

tenen  Bedarfsfall  überall  Ausweichmöglichkeiten  im  seitlichen  Strassen-

raum. Auch das von den Rekurrierenden 2 eingereichte Privatgutachten vom

14. Januar 2025 vermag keine ins Gewicht fallende Sicherheitsmängel auf-

zuzeigen. Der Begegnungsfall LKW/LKW kann bei einer Fahrbahn von 6 m

noch immer ohne Beanspruchung des Trottoirs erfolgen, wie auch der Pri-

vatgutachter einräumt. Zusammenfassend ist  mit dem Gemeinderat  davon

auszugehen, dass die Verkehrssicherheit auch bei zusätzlichem Verkehrs-

aufkommen, ausgehend von der geplanten Sammelstelle, gewährleistet ist.

Im Ergebnis ist die geplante Sammelstelle in tatsächlicher Hinsicht ausrei-

chend  erschlossen.  Die  rekurrentischen  Vorwürfe  erweisen  sich  als  unbe-

gründet.

4.5.7.

Art. 28 Abs. 2 BZO besagt, dass Betriebe, die unverhältnismässigen Verkehr

auslösen, nicht zulässig sind. Wie der Gemeinderat in dieser Hinsicht zutref-

fend ausführt und wie vorstehend aufgezeigt wurde, löst das Bauvorhaben

keinen übermässigen Verkehr aus, sondern ist vergleichbar mit anderen In-

dustrie- oder Gewerbebetrieben. Es ist unter Berücksichtigung des dem Ge-

meinderat bei der Anwendung von kommunalem Recht zustehenden Ermes-

sensspielraums nicht zu beanstanden, wenn er Art. 28 Abs. 2 BZO nicht als

verletzt erachtete.

5.1.

Die Rekurrentin 1 und die Rekurrierenden 2 stellen auch die rechtliche Er-
schliessung in Frage, da die Zustimmung der übrigen Miteigentümer der Pri-

vatstrasse (H-Strasse West) zur Erschliessung der Sammelstelle über diese

Strassenparzelle nicht vorliege. Eine übermässig intensive Nutzung des ge-

meinschaftlichen Eigentums durch einen Miteigentümer bedürfe aber der Zu-

stimmung  durch  alle  übrigen  Eigentümer.  Die  durchschnittlich  erwarteten

300 bis 600 Fahrten seien bei einer angeblichen Kapazität von 900 Fahrten

weit überanteilig. Die Rekurrentin 1 als Miteigentümerin der Strassenparzelle

verweigere hierzu ihre Zustimmung. Auch verweigere sie ihre Zustimmung

zur  Dienstbarkeit  zugunsten  der  Öffentlichkeit,  mit  welcher  der

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 12

Wendehammer gesichert werden solle. Der Wendehammer funktioniere nur

in Kombination mit der Strasse, die als Manövrierfläche dienen müsse, was

eine Zweckänderung darstelle, welcher sie nicht zustimme. Da es sich bei

der  Sammelstelle  zudem  um  eine  öffentliche  Anlage  handle,  benötige  die

Öffentlichkeit auch eine Berechtigung zum Befahren der Privatstrasse. Einer

solchen Dienstbarkeit würde die Rekurrentin 1 ihre Zustimmung aber eben-

falls nicht erteilen.

5.2.

Der Gemeinderat erklärt in seiner Vernehmlassung, das Baugrundstück sei

an der H-Strasse dinglich mitberechtigt. Für die vertiefte Auslegung der ding-

lichen  Berechtigung  habe  es  im  Rahmen  des  Baubewilligungsverfahrens

keine Veranlassung gegeben, zumal eine unzumutbare Belastung der Stras-

senparzelle durch das Bauvorhaben nicht erkennbar gewesen sei.

5.3.

Zufahrten müssen für den bestimmungsgemässen Gebrauch rechtlich gesi-

chert sein. Diese rechtliche Sicherung umfasst den Nachweis, dass der Bau-

herr über dauernde und für die vorgesehene Bewerbung einer Baute ausrei-

chende  Benützungsrechte  an  einer  Zufahrt  verfügt  oder  dass  ihm  für  den

Ausbau die nötigen dinglichen Rechte zustehen. Der Nachweis kann durch

Eigentum,  Dienstbarkeit  oder  aber  durch  einfache  schriftliche  Zustimmung

des berechtigten Eigentümers geleistet werden. Mit einem Revers muss so-

dann noch gewährleistet sein, dass die Erschliessung dem fraglichen Bau-

vorhaben dauernd zur  Verfügung  steht  (für  die  Zufahrt  ausdrücklich  § 237

Abs. 4 PBG).

Dem  Bauherrn  steht  in  diesem  Zusammenhang auch  der  Nachweis  offen,

dass  die ihm dienende Zufahrt im fraglichen Bereich  dem öffentlichen  Ge-
brauch  offensteht,  das  heisst,  dem  Gemeingebrauch  gewidmet  ist.  Damit

dies der Fall ist, bedarf es im Kanton Zürich einer (in der Regel formlosen)

Widmung zum Gemeingebrauch. Diese setzt voraus, dass dem Gemeinwe-

sen  die  Verfügungsmacht  über  das  betreffende  Strassengebiet  zukommt.

Das ist regelmässig dann der Fall, wenn das Gemeinwesen das Strassenge-

biet zu Eigentum erworben hat, sei es freihändig oder durch Expropriation.

Die Verfügungsmacht kann aber auch auf einer privatrechtlichen Dienstbar-

keit zugunsten der Öffentlichkeit oder einer öffentlich-rechtlichen Eigentums-

beschränkung  beruhen.  Ferner  lassen  Lehre  und  Rechtsprechung  für  die

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 13

Begründung der Verfügungsmacht auch die blosse Zustimmung des Eigen-

tümers zur Widmung genügen. Eine besondere Form dieser Zustimmung ist

in keinem Fall erforderlich. So kann ein jahrelanger, widerspruchsloser Ge-

brauch durch die Öffentlichkeit eine entsprechende Widmung bewirken (zum

Ganzen: VB.2020.00612 vom 18. März 2021, E. 4.1 mit zahlreichen weiteren

Hinweisen).

5.4.

Die  Strassenparzelle  Kat.-Nr. 3  (H-Strasse  West)  steht  im  subjektiv-dingli-

chen Eigentum der jeweiligen Eigentümer zahlreicher anstossender Grund-

stücke. Der Eigentümer des Baugrundstücks ist zu 18/100 an der Strassen-

parzelle beteiligt. Die dauernde und jederzeitige bestimmungsgemässe Be-

nützung  der Zufahrt ist  damit  rechtlich gesichert  (vgl.  VB.2020.00574  vom

19.  Mai  2021,  E. 5.,  wo  dies  gerade  nicht  der  Fall  war). Zu  Recht  hat  der

Gemeinderat diese Voraussetzung vorfrageweise geprüft und bejaht. Ohne-

hin ist der an sich private, westliche Teil der H-Strasse als öffentlich zu qua-

lifizieren. Dieser erschliesst zahlreiche Grundstücke und ist vor Ort nicht als

privat zu erkennen oder gar gekennzeichnet (vgl. Prot. S. 10, Foto Nr. 5). Es

ist folglich davon auszugehen, dass dieser Strassenabschnitt konkludent der

Öffentlichkeit gewidmet ist. Eine Dienstbarkeit zugunsten der Öffentlichkeit

ist nicht von Nöten.

Da die Erschliessung rechtlich und tatsächlich sichergestellt ist, ist die Re-

kurrentin 1  im  Übrigen  an  das  Zivilgericht  zu  verweisen,  sofern  sie  den

Standpunkt  vertritt,  das  Bauvorhaben  beanspruche  die  Strassenparzelle

übermässig und darin eine Verletzung von Art. 648 Abs. 1 des Zivilgesetz-

buches (ZGB) sieht (§ 1 VRG).

Was  den  geplanten Wendehammer  am  Ende  der H-Strasse anbelangt,  ist
festzuhalten,  dass  in  Dispositiv-Ziffer  4.4  des  angefochtenen  Beschlusses

die  Eintragung  der  Dienstbarkeit  für  die  öffentliche  Wendemöglichkeit auf

dem  Baugrundstück  gefordert  wurde. Für  die  Strassenparzelle wurde  dies

nicht gefordert, weshalb die Rekurrentin 1 von dieser Auflage nicht tangiert

wird. Da einzelne Wendemanöver von Fahrzeugen in einer Stichstrasse üb-

lich  sind,  liegt  keine  Zweckänderung  der  Strassenparzelle  vor,  welche  die

Zustimmung der Miteigentümerschaft erforderte.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 14

Die Einwände der Rekurrierenden in Bezug auf die rechtliche Erschliessung

erweisen sich gesamthaft als unberechtigt.

6.1.

In beiden Rekursen wird sodann bemängelt, dass für das streitgegenständ-

liche Vorhaben kein Richtplaneintrag vorliege. Die Abfallplanung sei aber als

raumwirksam zu qualifizieren, da ein Koordinationsbedarf bestehe. Das aus-

gewählte Baugrundstück könne sich weder auf eine Koordination noch auf

eine Planung abstützen. Die Abfallverordnung (VVEA) sehe vor, dass raum-

wirksame  Ergebnisse der Abfallplanung  in der  Richtplanung  berücksichtigt

werden  müssten.  § 25  Abs. 1  lit. e  PBG  verlange  ebenfalls  einen  Richt-

planeintrag, genauso wie § 24 Abs. 1 AbfG ZH. Als Abfallanlage sei die ge-

plante Sammelstelle zumindest auf regionaler Ebene richtplanungsbedürftig.

Derartige Anlagen hätten nicht nur jede für sich erhebliche Raumwirksam-

keit, sondern die verschiedenen Anlagen seien auch gesamthaft aufeinander

abzustimmen.

6.2.

Nach Art. 8 Abs. 2 des Raumplanungsgesetzes (RPG) bedürfen Vorhaben

mit  gewichtigen  Auswirkungen  auf  Raum  und  Umwelt  einer  Grundlage  im

Richtplan. Gewichtige Auswirkungen auf Raum und Umwelt liegen vor, so-

bald angesichts der weitreichenden Auswirkungen des Vorhabens eine vor-

gängige  umfassende  Interessenabwägung  notwendig  erscheint,  die  nur

durch den Prozess der Richtplanung garantiert werden kann. Die Schwelle

zum Richtplanvorbehalt überschreiten insbesondere Vorhaben, welche: aus-

gedehnte Flächen beanspruchen;  bedeutenden  Einfluss  auf die  Nutzungs-

und  Versorgungsstrukturen  des  Kantons  zeitigen;  erhebliche  Verkehrs-

ströme erzeugen; grosse Kulturlandverluste oder hohe Umwelt-, Natur- und
Landschaftsbelastungen  verursachen  oder  sich  erheblich  auf  den  Unter-

grund auswirken (vgl. BGE 147 II 164, E. 3.1)

6.3.

Der Versorgungsplan als Teilrichtplan des kantonalen Richtplans enthält die

bestehenden  und vorgesehenen  Anlagen und Flächen von  kantonaler  Be-

deutung  u.a.  für  die  Beseitigung,  Aufbereitung  und  Wiederverwertung  von

Abfällen und Schadstoffen (§ 20 Abs. 1 PBG und § 25 Abs. 1 lit. e PBG).

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 15

Gemäss Ziffer 5.7.2 des kantonalen Richtplans werden in der Richtplankarte

bestehende Kehrichtverbrennungsanlagen sowie bestehende und geplante

Deponien festgelegt. Damit sollen genügend Verbrennungskapazitäten so-

wie geeignete Standorte mit ausreichendem Deponievolumen gesichert wer-

den.  Andere  Anlagen  für  die  Behandlung  und  das  Rezyklieren  von  Sied-

lungs-, Betriebs- und Bauabfällen (Kompostier-, Vergärungs- und Bauabfall-

anlagen, Recyclingbetriebe und Abfallsammelstellen) sind grundsätzlich in-

nerhalb des Siedlungsgebiets zu realisieren. Damit wird dem von den Rekur-

rierenden  erwähnten  Art.  5  der Abfallverordnung  (VVEA)  Rechnung  getra-

gen,  welcher  u.a.  bestimmt,  dass  die  Kantone  die  raumwirksamen  Ergeb-

nisse der Abfallplanung in ihrer Richtplanung berücksichtigen.

Der regionale Richtplan erfasst Gebiete, die nach ihrer Lage, nach den wirt-

schaftlichen  und  sozialen  Verhältnissen,  nach  der  Erschliessung,  Versor-

gung und Ausstattung sowie nach ihrer mutmasslichen Entwicklung einer ab-

gestimmten  Raumordnung  bedürfen  und  zugänglich  sind.  Er  umfasst  die

gleichen Bestandteile und ordnet sinngemäss die nämlichen Sachbereiche

wie der kantonale Richtplan; er kann jedoch die räumlichen und sachlichen

Ziele enger umschreiben oder bei Bedarf weiter gehende Angaben enthalten

(§ 30 Abs. 1 und 2 PBG).

6.4.

Die streitgegenständliche Sammelstelle wird innerhalb des Siedlungsgebiets

erstellt und stellt typischerweise keine Anlage von regionaler oder gar kanto-

naler Bedeutung dar, zumal sie sich lediglich an die Bevölkerung von X rich-

tet. Wie bereits aufgezeigt, bestehen auch in den umliegenden Gemeinden

derartige  Sammelstellen.  Ein  Koordinationsbedarf  auf  regionaler  oder  gar

kantonaler  Ebene  ist  daher  nicht  erkennbar.  Es  wird  vorliegend  auch  kein

Abfall verarbeitet, verbrannt oder deponiert, sondern lediglich gemeindeweit
gesammelt  bzw.  entgegengenommen  und  sortiert.  Der  Flächenverbrauch
der Anlage ist mit rund 1'000 m2 keineswegs ausgedehnt und sie wird auch
keine  erheblichen  Verkehrsströme  erzeugen  (vgl.  E. 4.5  vorstehend  sowie

Ziff. 4.5.1.  lit. a.  des  kantonalen  Richtplans,  wonach  als  verkehrsintensive

Einrichtungen im Grundsatz Einzelobjekte und Anlagen gelten, die an min-

destens  100  Tagen  pro  Jahr  mehr  als  3000  Fahrten  von  Personenwagen

erzeugen). Es liegen auch sonst keine gewichtigen Auswirkungen auf Raum

und Umwelt vor, aufgrund welcher ein Eintrag im Richtplan zu fordern wäre.

§ 24 Abs. 1 des Abfallgesetzes (AbfG), der vorsieht, dass der Standort von

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 16

Deponien und Abfallanlagen, soweit erforderlich, in den Richtplänen festge-

legt wird, wird ebenfalls nicht verletzt: Einerseits ist fraglich, ob es sich bei

einer Sammelstelle überhaupt und eine Abfallanlage im Sinne des Gesetzes

handelt.  Jedenfalls aber  ist  die richtplanerische  Festlegung nach dem Ge-

sagten nicht erforderlich.

Zusammengefasst hat das umstrittene Vorhaben nicht derart weitreichende

Auswirkungen,  dass  es  eine  vorgängige  umfassende  planerische  Interes-

senabwägung auf kantonaler oder regionaler Ebene erfordert. Entgegen den

rekurrentischen Ausführungen kann die Richtplanpflicht verneint werden.

7.1.

Die Rekurrierenden rügen weiter, das Bauvorhaben sei nicht zonenkonform.

Bei der Sammlung von Siedlungsabfällen handle es sich um eine öffentliche

Aufgabe, welche in eine Zone für öffentliche Bauten gehöre. Der Staat dürfe

Grundstücke der Industrie und Gewerbezone nicht für sich beanspruchen.

Die  Rekurrierenden 2  machen  ergänzend  geltend,  im  Zusammenhang  mit

den südlich angrenzenden Wohngebieten stehe die funktionale Zonenkon-

formität in Frage. Der geplante Betrieb erweise sich im Verhältnis zu diesen

Gebieten als "stark störend", wobei gemäss Art. 28 Abs. 2 BZO noch nicht

einmal "mässig störende" Betriebe zulässig seien. Wenn ein Industriegrund-

stück an die Wohnzone angrenze, sei auch auf die Wohnzone Rücksicht zu

nehmen.

7.2.

Gemäss Art. 22 Abs. 2 lit. a RPG müssen Bauten und Anlagen dem Zweck

der  Nutzungszone  entsprechen.  Das  kantonale  Recht  regelt  die  Industrie-
und Gewerbezonen in den §§ 56 f. PBG. Danach sind Industrie- und Gewer-

bezonen in erster Linie für die Ansiedlung industrieller und gewerblicher Be-

triebe der Produktion,  der  Gütergrossverteilung,  der Lagerhaltung und des

Transportes bestimmt (§ 56 Abs. 1 PBG). In Abs. 2 wird die Zulässigkeit wei-

terer, hier nicht interessierender Nutzungen (etwa Wohlfahrtseinrichtungen

oder  kleinere  Läden  für  den  täglichen  Bedarf  der  Beschäftigten)  geregelt.

Nach Abs. 3 kann die Bau- und Zonenordnung auch Handels- und Dienst-

leistungsgewerbe  zulassen; aus  planerischen oder  infrastrukturellen  Grün-

den  kann  sie  bestimmte  Betriebsarten  ausschliessen.  Die  Gemeinde  X

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 17

machte  von  dieser  Möglichkeit  Gebrauch  und  lässt  gemäss  Art. 28  Abs. 2

BZO  mässig  störende  Betriebe  (Gewerbe-,  Handels-,  Produktions-  und

Dienstleistungsbetriebe)  zu.  Ausgeschlossen  werden  wie  bereits  erwähnt

Betriebe, die unverhältnismässigen Verkehr auslösen.

7.3.

Wie der Gemeinderat in seiner Vernehmlassung zutreffend vorbringt, passt

das  Bauvorhaben seinem  Wesen  nach klar  in  die  Industriezone,  weist  die

Recycling-Sammelstelle doch Aspekte der Lagerhaltung und des Transports

auf. Sie ist mit einem herkömmlichen Gewerbebetrieb vergleichbar und wirkt

sich nur während der üblichen Arbeitszeiten auf ihre Umgebung aus. Indust-

rie- und Gewerbezonen sind typischerweise die am wenigsten immissions-

empfindlichen kommunalen Bauzonen und somit für Anlagen wie die Vorlie-

gende geeignet.

Der Sinn der Zone für öffentliche Bauten besteht darin, mit grosszügigeren

Bauvorschriften  (§  60  Abs.  3  PBG)  die  Erfüllung  öffentlicher  Aufgaben  zu

ermöglichen,  die  nach  den  Bestimmungen  der  umgebenden  Zonen  nicht

oder  nur  erschwert  zulässig wären  (Michael Steiner/Thomas  Wipf, in: Zür-

cher  Planungs-  und  Baurecht,  7.  Auflage  2024,  Hrsg.  Christoph  Fritz-

sche/Peter Bösch/Thomas Wipf/Daniel Kunz, Bd. 1, S. 180 mit Hinweis auf

§ 60 Abs. 3 PBG). Folglich muss eine Baute, mit welcher öffentliche Aufga-

ben erfüllt werden, nicht zwingend in der Zone für öffentliche Bauten realisiert

werden  –  kann  es  aber,  wenn  Bedarf  besteht.  Ob  die  vorliegend  geplante

Anlage (auch) in der Zone für öffentliche Bauten zonenkonform wäre, kann

letztlich mangels Relevanz dahingestellt bleiben.

Nach der Rechtsprechung ist einzig von Belang, ob das Bauvorhaben dem

Zweck der entsprechenden Zone und der in dieser erlaubten Nutzweise ent-
spricht.  Die  Zoneneinteilung  des PBG bezweckt eine in  Bezug  auf Städte-

bau, Erschliessung und Emissionen geordnete Ansiedlung von Bauten und

Anlagen.  Eine  allfällige  Gewinnorientierung  ist  aus  raumplanerischer  Sicht

nicht von Belang. Für die Beurteilung der Zonenkonformität einer Nutzung ist

von einem weiten Betriebsbegriff auszugehen. Dieser umfasst auch öffent-

lich-rechtliche Anstalten (VB.2012.00136 vom 7. November 2012, E. 4.2).

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 18

Vor diesem Hintergrund ist zur Beurteilung der Frage, ob das Bauvorhaben

in der Industriezone zonenkonform ist, nicht relevant, ob mit dem Betrieb ei-

ner öffentlichen Aufgabe nachgekommen wird.

7.4.

Das Baugrundstück grenzt im Süden an die Wohnzone, wie die Rekurrieren-

den 2 richtig erwähnen. Hinsichtlich der von ihnen im Wohngebiet befürchte-

ten Immissionen gilt was folgt:

Ein Bauvorhaben kann nicht  wegen mangelnder  Zonenkonformität  verwei-

gert werden, (allein), weil es etwa Lärm, Staub, Gestank oder Strahlung ver-

ursacht. Diesbezüglich ist das Bundesumweltrecht massgeblich. Unter dem

Titel Zonenkonformität ist daher nicht zu prüfen, ob bzw. welche Emissionen

von  der  Anlage  ausgehen.  Diese  Aspekte  sind  bei  der  umweltrechtlichen

Prüfung zu thematisieren (dazu E. 9). Hingegen ist die Zonenkonformität zu

verneinen, wenn bei einem Bauvorhaben die funktionale Übereinstimmung

mit dem Zonenzweck fehlt (zum Ganzen: VB.2012.00136 vom 7. November

2012, E. 4.1). Die Frage der funktionalen Vereinbarkeit ist allein mit Bezug

auf  diejenige  Nutzungszone  relevant,  in  welchem  eine  Baute  bzw.  Anlage

belegen ist. Die Zonierung umliegender Nutzungszonen ist bei der Beurtei-

lung  der 

funktionalen  Zonenkonformität  nicht 

relevant 

(BRGE I

Nr. 0011/2019 vom 8. Februar 2019, E. 4.6; vgl. auch VB.2012.00860 vom

29. Mai 2013, E. 4.2).

Nachdem  vorstehend  aufgezeigt  wurde,  dass  die  Recycling-Sammelstelle

funktional mit dem Zweck der Industriezone übereinstimmt, kann offen blei-

ben, ob dies auch in Bezug auf die Wohnzone der Fall ist. Im Hinblick auf die

rekurrentische Argumentation bleibt zu bemerken, dass auch eine Zone für

öffentliche  Bauten  direkt  an  eine  Wohnzone  angrenzen  könnte  (vgl.
VB.2012.00136 vom 7. November 2012, E. 4.2.5).

7.5.

Zusammengefasst ist nicht zu beanstanden, dass der Gemeinderat das Bau-

vorhaben als zonenkonform qualifiziert hat.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 19

8.1.

Die Rekurrentin 1 moniert sodann einen ungenügenden Brandschutz. Es sei

unzulässig,  dass  die  Baubewilligung  dieses  Thema  in  ein  nachgelagertes

Verfahren verschiebe. Es würden auch Fragen des technischen, abwehren-

den und organisatorischen Brandschutzes offen bleiben. Es sei nicht festge-

legt, ob es eine Sprinkleranlage geben müsse und werde. Offen sei auch, wo

und in welchen Behältnissen die Akkus und brennbare Materialien gelagert

würden. Aus dem Brandschutzplan gehe sodann nicht hervor, wo die Feuer-

wehrstellfläche liegen solle und wie die Zugänglichkeit des rekurrentischen

Grundstücks im Brandfall aussehen würde. Unklar sei weiter, wie die Über-

wachung in der Nacht aussehen würde. Es genüge nicht, wenn im Zusam-

menhang mit Pneus und Batterien in den Erwägungen auf Richtlinien oder

Merkblätter verwiesen werde.

8.2.

Der Gemeinderat führt in diesem Zusammenhang aus, es sei regelmässig

der Fall, dass Feuerwehrstellflächen auf Verkehrsflächen vorgesehen seien.

Dass  der  Verkehr  im  tatsächlichen  Brandfall  zeitweilig  und  lokal  einge-

schränkt werde,  sei hinzunehmen  und  beim betroffenen  Abzweiger  der  H-

Strasse als kurze Stichstrasse ohnehin nicht problematisch. Sodann sei mit

dem Bauvorhaben bereits ein korrekter Brandschutzplan eingereicht und im

Baubewilligungsverfahren  geprüft  worden.  Das  Projekt  sei  mit  den  Brand-

schutzvorschriften konform. Zudem halte Dispositiv-Ziffer 6.1 fest, dass das

Projekt der Brandschutznorm und den Brandschutzrichtlinien zu entsprechen

habe.

8.3.

Die GVZ schloss sich in ihrer Vernehmlassung im Rahmen der feuerpolizei-

lichen Beurteilung der Stellungnahme des Gemeinderates vollumfänglich an.

8.4.

Die private Rekursgegnerin ergänzt, sie habe diesbezüglich geschultes Per-

sonal. Akkus würden in Fässern gelagert, die mit feuerhemmendem Material

ausgekleidet seien und abends mit einem feuerfesten Deckel fest verschlos-

sen würden.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 20

8.5.

In der Replik führt die Rekurrentin 1 aus, von der Abfallanlage gehe ein er-

höhtes Brandrisiko im Sinne von § 3 lit. b VVB aus. Der Gemeinderat müsse

daher das Baugesuch der kantonalen Feuerpolizei übermitteln, was nicht er-

folgt  sei.  Zudem  werde  eine  Expertise  beantragt  im  Zusammenhang  mit

Brandfällen bei bedienten Sammelstellen mit Personal.

8.6.1.

Im angefochtenen Entscheid wurde festgehalten, dass mit der Baueingabe

ein Brandschutzkonzept mit Brandschutzplänen sowie ein Nutzungskonzept

eingereicht  wurde.  Sodann  wurde  u.a.  verfügt,  dass  das  Projekt  brand-

schutztechnisch  der  Brandschutznorm  und  den  Brandschutzrichtlinien  der

Vereinigung  Kantonaler  Feuerversicherungen  (VKF)  zu  entsprechen  habe

(Dispositiv-Ziff. 6.1). Es sei eine Qualitätssicherung der QSS 2 gemäss VKF-

Brandschutzrichtlinie zu erbringen (Dispositiv-Ziff. 6.2). Vor Baufreigabe sei

ein Betriebskonzept mit Standort / Lagerplatz der Sonderabfälle einzureichen

(Dispositiv-Ziff. 6.4).  Vor  Bezug  sei  die  vom  QS-Verantwortlichen  Brand-

schutz unterzeichnete Übereinstimmungserklärung Brandschutz der Feuer-

polizei einzureichen (Dispositiv-Ziff. 6.5).

8.6.2.

Aufgrund  der  Zuordnung  des  Bauvorhabens  in  die  Qualitätssicherungs-

stufe 2 handelt es sich vorliegend um eine Baute oder Anlage mit erhöhtem

Brandrisiko,  wie  die  Rekurrentin 1  zu  Recht erwähnt  (§ 4 lit. b  der  Verord-

nung über den vorbeugenden Brandschutz [VVB]). Soll für eine Baute oder

Anlage mit erhöhtem Brandrisiko gemäss § 3 eine Baubewilligung erteilt wer-

den, so prüft die Gemeindefeuerpolizei das Baugesuch und legt dar, welche

feuerpolizeilichen  Bedingungen  und  Auflagen  sie  für  angezeigt  hält.  Sie

übermittelt das Baugesuch zusammen mit den von ihr vorgesehenen Anord-
nungen der Kantonalen Feuerpolizei.

Ob das Baugesuch vorliegend der Kantonalen Feuerpolizei übermittelt wor-

den ist, wird aus den Stellungnahmen des Gemeinderates und der GVZ nicht

klar. Es ergibt sich aber daraus, dass sowohl der Brandschutzplan sowie das

Formular Brandschutznachweis einen Stempel "Prüfung Feuerpolizei" trägt.

Demgemäss hat die GVZ am 18. Februar 2025 beide Dokumente bewilligt

(das Formular Brandschutznachweis nur unter Auflagen).

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 21

8.6.3.

Vorliegend wurde wie gesagt ein Brandschutzplan eingereicht und bewilligt.

Dennoch  sind  noch mehrere  Brandschutzaspekte  offen (vgl.  Dispositiv-Zif-

fer 6. des angefochtenen Entscheids). Die Genehmigung von feuerpolizeili-

chen Nachweisen in einem späteren Zeitpunkt als im baurechtlichen Haupt-

verfahren ist jedoch üblich (vgl. VB.2022.00539 vom 31. August 2023, E. 3.3)

und auch vorliegend nicht zu beanstanden. Mit Dispositiv-Ziffer 6.1 wird fest-

gehalten, dass das Projekt der Brandschutznorm und den Brandschutzricht-

linien  zu  entsprechen  hat.  Da  zudem  der  Feuerpolizei  die  von  dem  QS-

Verantwortlichen  Brandschutz  unterzeichnete  Übereinstimmungserklärung

Brandschutz einzureichen ist, wird die Einhaltung dieser Anforderungen si-

chergestellt: Mit dieser Erklärung wird vor Bezug einer Baute bzw. Inbetrieb-

nahme  einer Anlage  der  Eigentümerschaft  sowie  der  Brandschutzbehörde

die ordnungsgemässe Umsetzung aller ihr durch die Brandschutzvorschrif-

ten  auferlegten  Qualitätssicherungsmassnahmen  bescheinigt  (vgl.  VKF-

Brandschutzrichtlinie 11-15 "Qualitätssicherung im Brandschutz", Ziff. 4.1.3,

lit. e).

8.6.4.

Damit ist die Übereinstimmung des Projektes mit der Brandschutznorm und

den  Brandschutzrichtlinien  sichergestellt.  Welchen  Normen  das  Bauvorha-

ben nicht entsprechen sollte, legt die Rekurrentin 1 im Übrigen nicht substan-

tiiert dar. Sie unterlässt es gänzlich, sich mit den einschlägigen Regelwerken

und Richtlinien auseinanderzusetzen:

Hinsichtlich der Sprinkleranlage ist festzuhalten, dass gemäss Brandschutz-

nachweis keine vorgesehen ist. Die Rekurrentin 1 erklärt nicht, weshalb vor-

liegend die Notwendigkeit einer solchen vorliegen würde (vgl. dazu Ziff. 2.2.1

der VKF-Brandschutzrichtlinie 19-15 "Sprinkleranlagen").

Bezüglich der Lagerung von Batterien hat der Gemeinderat im angefochte-

nen Entscheid konkret erwähnt, dass das VKF-Brandschutzmerkblatt 2005-

15  "Lithium-Ionen-Batterien"  massgebend  ist.  Weshalb  das  Bauvorhaben

diesen Anforderungen nicht gerecht werden sollte, wird von der Rekurren-

tin 1 nicht dargelegt.

Inwiefern die nötigen Feuerwehrstellflächen nicht vorliegen sollten, zeigt die

Rekurrentin 1 ebenfalls nicht auf. Dies ist auch nicht ersichtlich, zumal die H-

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 22

Strasse um das fragliche Gebäude führt und die nötigen Dimensionen auf-

weist (insbesondere die Breite von 6 m, vgl. Richtlinie der Feuerwehr Koor-

dination  Schweiz  [FKS]  für  Feuerwehrzufahrten,  Bewegungs-  und  Stellflä-

chen  vom  14. November  2024,  S. 13).  Es  ist  auch  nicht  zu  beanstanden,

dass  die  Einsatzfahrzeuge  der  Feuerwehr  im  Bereich  der  öffentlichen

Strasse aufgestellt werden müssen und der Einsatz von dort aus erfolgt (vgl.

VB.2024.00038 vom 16. April 2025, E. 5.5).

Bezüglich der gerügten Zugänglichkeit des rekurrentischen Grundstücks im

Brandfall  ist  festzuhalten,  dass  die  Platzverhältnisse  in  der  betroffenen  H-

Strasse  sehr  grosszügig  sind  (vgl.  Prot.  S. 10,  Foto  Nr. 6).  Zudem  ist  das

rekurrentische Grundstück primär über die I-Strasse und über den vor dem

Baugrundstück liegenden Abschnitt der H-Strasse erschlossen. Sollte es in-

folge eines Feuerwehreinsatzes dennoch zu unausweichlichen Verkehrsbe-

hinderungen in der H-Strasse kommen, ist dies selbstredend hinzunehmen.

8.6.5.

Gesamthaft erweisen sich die Rügen der Rekurrentin 1 zur Brandschutzthe-

matik als unbegründet.

Die von der Rekurrentin 1 in der Replik zusätzlich verlangte Expertise erüb-

rigt sich bei diesem Ergebnis. Ohnehin wurde bereits sowohl im Baubewilli-

gungs- als auch im Rekursverfahren mit der GVZ eine Fachstelle in Brand-

schutzfragen beigezogen und diese hält das Bauvorhaben in feuerpolizeili-

cher Hinsicht als rechtmässig.

9.1.

Die  Rekurrierenden 2  beanstanden  in  lärmrechtlicher  Hinsicht  das  einge-
holte  Lärmgutachten.  Es  sei  in  Anbetracht  von  stehenden  Kolonnen,  die

ganztägig mit laufendem Motor vor den rekurrentischen Grundstücken stün-

den, kaum vorstellbar, dass die Grenzwerte der Empfindlichkeitsstufe II ein-

gehalten seien. Das angenommene Verkehrsaufkommen  von  300 Fahrten

pro Tag sei zu tief. Die Fahrten würden sich ausserdem auf die 6-stündige

Betriebszeit konzentrieren, was bei der Pegelkorrektur zu gewichten wäre.

lm Gutachten würden als Lärmquelle Pressmulden erwähnt, nicht aber z.B.

die sehr lärmintensive Altglasentsorgung. Überhaupt sei unklar, inwiefern die

zahlreichen  Entsorgungsvarianten  gemäss  dem  Nutzungskonzept 

im

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 23

Lärmgutachten berücksichtigt worden seien. Es sei davon auszugehen, dass

sich  nach der Korrektur des  Gutachtens eine  Grenzwertüberschreitung er-

gebe. Selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, seien im Rahmen des Vor-

sorgeprinzips längst nicht alle technisch möglichen und wirtschaftlich zumut-

baren Massnahmen ergriffen worden.

Auch die Rekurrentin 1 macht geltend, lärmreduzierende Massnahmen ge-

stützt  auf  das  Vorsorgeprinzip  seien  nicht  in  Erwägung  gezogen  worden,

weshalb die Baubewilligung Bundesrecht verletze. Auch in Bezug auf mögli-

che Erschütterungen seien keinerlei Abklärungen getätigt oder Massnahmen

in Erwägung gezogen worden. In Anbetracht dessen, dass Pressmulden ein-

gesetzt werden sollten und dass pro Tag drei LKW die Abfallbehälter abholen

würden, könne dieser Annahme nicht gefolgt werden. Erschütterungen könn-

ten bei den benachbarten Labors und Büros erhebliche Beeinträchtigungen

und Schäden verursachen, da dort hörtechnische Geräte hergestellt würden.

9.2.

Der Gemeinderat entgegnet, die Sammelstelle werde – anders als diverse

andere Sammelstellen – in einer geschlossenen Halle situiert, was einer wir-

kungsvollen Schallschutzmassnahme entspreche. Es seien zudem keine re-

levanten Erschütterungen zu erwarten. Wenn überhaupt, sei von einem um-

weltrechtlichen Bagatellfall auszugehen.

9.3.

Die Baudirektion führt aus, das Lärmgutachten sei verständlich und nachvoll-

ziehbar. Die Wahl der Empfangspunkte sei korrekt und die angewandten Be-

rechnungsmethoden  und  die  getroffenen  Annahmen  seien  plausibel.  Die

Lärmauswirkungen seien korrekt ermittelt und dargestellt worden.

9.4.

Die private Rekursgegnerin reicht ein revidiertes Lärmgutachten vom 20. Mai

2025 ins Recht und führt aus, die vom Altglascontainer herrührenden Immis-

sionen seien nun explizit mitberücksichtigt worden. Selbst bei einer unwahr-

scheinlich hohen Annahme von täglich 1'500 Flascheneinwürfen würden die

Planungswerte in der Umgebung noch immer eingehalten.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 24

9.5.

Die Rekurrierenden 2 machen in der Replik ergänzend geltend, es fehlten im

Lärmgutachten wichtige Details, wie zum Beispiel der Schalldämpfungskoef-

fizient  der Aussenwand,  der für die  angepriesene  Effektivität der  Halle  zur

Minderung  der  Immissionen  massgeblich  sei.  Die  3D-Modellierungen  der

Umgebung zu den offenen Teilen der Halle hin seien nicht klar im Screenshot

zu erkennen.

9.6.

Die Baudirektion bringt in ihrer Duplik vor, es sei nicht erforderlich, auf den

Schalldämpfungskoeffizienten  einzugehen,  da  im  Lärmgutachten  erwähnt

werde, dass die Wände mindestens der Schallabsorptionsklasse B zu ent-

sprechen hätten. Zu berücksichtigen sei schliesslich, dass in der angefoch-

tenen  Gesamtverfügung  festgehalten  werde,  dass  ergänzende  oder  ver-

schärfte  Lärmbegrenzungen  vorbehalten  seien,  sollte  zu  einem  späteren

Zeitpunkt feststehen, dass übermässige Lärmeinwirkungen verursacht wür-

den.

9.7.

Die  private  Rekursgegnerin  reicht  in  diesem  Zusammenhang  ein  Ergän-

zungsschreiben der Lärmgutachterin vom 2. Juli 2025 ins Recht und erklärt,

das Lärmgutachten sei in jeder Hinsicht verständlich und nachvollziehbar.

9.8.

Die Rekurrierenden 2 führen in der Triplik aus, sie würden bemängeln, dass

die  Gebäudeaussenwand nicht schalldämmend verkleidet  werde.  Der Ver-

weis der Baudirektion beziehe sich indessen auf die Schallschutzwände links

und rechts des Gebäudes. Im Ergänzungsschreiben vom 2. Juli 2025 halte

der Gutachter nun explizit fest, dass die Wand aus typischen Materialien be-
stehe, also nicht schallabsorbierend ausgestaltet sei. Diese sei aber fachge-

recht und damit möglichst schalldämmend (vgl. dazu die SIA 181) auszufüh-

ren.

9.9.1.

Das Bauvorhaben stellt eine Aussenlärm erzeugende neue ortsfeste Anla-

gen im Sinn von Art. 2 Abs. 1 und Art. 7 der Lärmschutz-Verordnung (LSV)

dar.  Als  solche  hat  sie  einerseits  die  Planungswerte  einzuhalten  (Art.  7

Abs. 1 lit. b und Anhang 6 Ziffer 2 LSV) und anderseits darf nach dem in den

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 25

Art. 11 Abs. 2 des Umweltschutzgesetzes (USG) und Art. 7 Abs. 1 lit. a LSV

statuierten  Vorsorgeprinzip  verlangt  werden,  dass  die  Emissionen  so  weit

begrenzt werden, als dies technisch machbar und betrieblich möglich sowie

wirtschaftlich tragbar ist.

9.9.2.

Aus  dem  Lärmgutachten  der  O  AG  vom  23. September  2024  ergibt  sich,

dass die Planungswerte der massgebenden Empfindlichkeitsstufe III in der

Industriezone bzw. II in der Wohnzone bei allen berechneten Empfangspunk-

ten eingehalten werden. Dies ist auch dann noch der Fall, wenn zusätzlich

noch  Altglaseinwürfe  berücksichtigt  werden,  wie  aus  dem  revidierten  Gut-

achten  vom  20. Mai  2025 herausgelesen  werden  kann. Für  eine  Korrektur

der der Berechnung zugrunde liegenden Anzahl Fahrten, welche die Anlage

erzeugt, besteht zudem kein Anlass (vgl. E. 4. vorstehend). Weshalb wegen

der  Fahrten  der  Kunden  eine  Pegelkorrektur  angezeigt  wäre,  erklären  die

Rekurrierenden 2 nicht. Für Lärm des Verkehrs auf dem Betriebsareal von

Industrie- und Gewerbeanlagen sieht die LSV eine Pegelkorrektur K1 von 0

vor,  was  im  Lärmgutachten  so  angesetzt  wurde  (Anhang  6  Ziff. 33  Abs. 1

lit. b LSV in Verbindung mit Anhang 6 Ziff. 1 Abs. 1 lit. c LSV). Weiter gibt es

auch  keine  Anzeichen  dafür,  dass  die  Tonhaltigkeit  der  im  Lärmgutachten

aufgeführten Lärmereignisse falsch berücksichtigt worden, oder sonst eine

Pegelkorrektur K2 oder K3 nötig wäre (vgl. Anhang 6 Ziff. 33 Abs. 2 und 3

LSV; vgl. auch die vom Bundesamt für Umwelt [BAFU] herausgegebene Voll-

zugshilfe Ermittlung und Beurteilung von Industrie- und Gewerbelärm [Bern

2024], S. 18 f.).

Im Übrigen konnte die Gutachterin die rekurrentische Kritik in ihrem Ergän-

zungsschreiben vom 2. Juli 2025 entkräften. In der Lärmberechnung wurde

die  effektive  Beschaffenheit  der  bestehenden  Hallenwände  berücksichtigt.
Auch wurden die offenen Tore in der Modellierung der Halle miteinbezogen.

Für den Strassenverkehrslärm auf den Zufahrtsstrassen gilt Art. 9 LSV. Dem-

nach darf der Betrieb neuer oder wesentlich geänderter ortsfester Anlagen

nicht dazu führen, dass a) durch die Mehrbeanspruchung einer Verkehrsan-

lage die Immissionsgrenzwerte überschritten werden oder b) durch die Mehr-

beanspruchung einer sanierungsbedürftigen Verkehrsanlage wahrnehmbar

stärkere Lärmimmissionen erzeugt werden. Dies ist vorliegend offensichtlich

nicht der Fall.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 26

Gesamthaft bestehen keine Zweifel, dass die geplante Anlage die Planungs-

werte an den umliegenden Empfangspunkten einhält.

9.9.3.

Auch wenn ein Projekt die Planungswerte einhält, bedeutet dies nicht ohne

Weiteres,  dass  alle  erforderlichen  vorsorglichen  Emissionsbegrenzungen

getroffen worden sind. Vielmehr ist anhand der in Art. 11 Abs. 2 USG und

Art. 7 Abs. 1 lit. a LSV genannten Kriterien zu prüfen, ob das Vorsorgeprinzip

weitergehende  Beschränkungen  erfordert  (BGr  1C_389/2019  vom  27. Ja-

nuar 2021, E. 2.2; BGE 141 II 476, E. 3.2). Solche weitergehenden Mass-

nahmen müssen  jedoch verhältnismässig sein;  dies  setzt in  der Regel vo-

raus,  dass  mit  relativ geringem  Aufwand  eine wesentliche  zusätzliche  Re-

duktion der Emissionen erreicht werden kann (BGE 141 II 476, E. 3.2; 127 II

306, E. 8). Die Baubewilligungsbehörde hat sich für jene Massnahme zu ent-

scheiden, welche im Rahmen des Vorsorgeprinzips und des Verhältnismäs-

sigkeitsprinzips (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV]) den besten Lärm-

schutz gewährleistet (zum Ganzen: VB.2021.00741 vom 8. September 2022,

E. 4.4).

9.9.4.

Wie der Gemeinderat zutreffend ausführt, wird dem Vorsorgeprinzip entge-

gen den rekurrentischen Ausführungen bereits mit der Situierung der Anlage

in  einer  geschlossenen  Halle,  mit  der  Errichtung  einer  neuen  Lärmschutz-

wand sowie mit den stark eingeschränkten Öffnungszeiten Rechnung getra-

gen.  Die  vorinstanzliche Auffassung,  wonach  keine weiteren Massnahmen

angezeigt sind, ist nicht zu beanstanden, zumal sehr zweifelhaft ist, ob und

auf welche Weise mit geringem Aufwand eine wesentliche zusätzliche Re-

duktion der Emissionen erreicht werden kann.

9.9.5.

Das Vorsorgeprinzip gilt auch für Erschütterungen (vgl. Art. 11 Abs. 1 und 2

USG). Da Belastungsgrenzwerte fehlen, sind im Rahmen der Einzelfallbeur-

teilung der Charakter der Einwirkung, Zeitpunkt und Häufigkeit ihres Auftre-

tens sowie die Empfindlichkeit bzw. Vorbelastung zu berücksichtigen. Dabei

ist nicht auf das subjektive Empfinden einzelner Personen abzustellen, son-

dern eine objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von Personen mit

erhöhter Empfindlichkeit (Art. 13 Abs. 2 USG) vorzunehmen (vgl. BGE 126

II  366,  E.  2c.).  Wie  erwähnt 

liegen  das  Baugrundstück  und  das

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 27

Nachbargrundstück der Rekurrentin 1 in der Industriezone, welche naturge-

mäss eine verminderte Empfindlichkeit gegen Einwirkungen aufweist und wo

mässig störende Einwirkungen zulässig sind. Nur weil die Rekurrentin 1 ei-

nen Betrieb führt, der sensibel auf Erschütterungen reagiert, können keine

zusätzliche Massnahmen zur Emissionsreduktion verlangt werden. Die ge-

planten drei täglichen LKW-Fahrten sowie die vorgesehene Pressmulde im

Innern  des  Gebäudes  liegen  objektiv  betrachtet  bei  weitem  innerhalb  des

üblichen und zumutbaren Rahmens einer Industriezone, soweit dabei über-

haupt merkliche Erschütterungen verursacht werden. Gestützt auf das Vor-

sorgeprinzip sind jedenfalls keine Massnahmen angezeigt.

9.9.6.

Zusammenfassend  erweisen  sich  auch  die  rekurrentischen  Einwände  zur

Thematik der Immissionen als unbegründet.

10.1.

Die Rekurrierenden 2 machen weiter geltend, mit der Einrichtung eines Wen-

deplatzes auf dem Baugrundstück werde in ein bestehendes Quartierplan-

konzept  eingegriffen  bzw.  einem  noch  durchzuführenden  Quartierplanver-

fahren  vorgegriffen.  Der  gemäss  Anhang  1  VErV  bei  Stichstrassen  gefor-

derte Wendeplatz fehle bei der H-Strasse West. Mutmasslich sei die Wen-

deplatzposition bei der Quartierplanung offengelassen worden, da eine Fort-

setzung  der  Strasse  in  die  Parzelle  Kat.-Nr.  2  vorgesehen  sei.  Es  sei  ein

Quartierplanverfahren  durchzuführen,  da  nur  damit  die  Mitwirkungsrechte

der übrigen Grundeigentümer gewahrt würden.

lm Übrigen liege kein hinreichend dimensionierter Wendeplatz im Sinne der

Norm SN 640 052 vor, weshalb ein Erschliessungsmangel bestehe.

10.2.

Den Unterlagen aus dem amtlichen Quartierplanverfahren "P", der vom Re-

gierungsrat am 24. Juni 1992 genehmigt wurde, lassen sich keine Anhalts-

punkte entnehmen, welche für den Standpunkt der Rekurrierenden 2 sprä-

chen. Es handelt sich seitens der Rekurrierenden 2 nur um Mutmassungen,

wie die damalige Festsetzung zu interpretieren sei. Wie sich allerdings aus

einem Luftbild aus dem Jahr 1991 (abrufbar im kantonalen Geoportal unter

der  Karte  "historische  Luftbilder"  [www.geo.ktzh.ch])  ergibt,  bestand  der

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 28

fragliche westliche Teil der H-Strasse bereits vor der Quartierplanfestsetzung

in  seiner  heutigen Form.  Das  Quartierplanverfahren  wurde damals  wegen

Erschliessungsdefiziten in der J-Strasse eingeleitet (vgl. S. 1 f. des Berichts

zum  Quartierplan  [act. 6.21  in  G.-Nr. R3.2025.00052]).  Jedenfalls  ist  das

Baugrundstück  hinreichend  erschlossen  und  es  sind  keine  Abweichungen

vom damaligen Quartierplan zu erkennen, weshalb kein Quartierplanverfah-

ren und auch kein Revisionsverfahren nötig ist.

10.3.

Gemäss  Anhang  1  VErV  ist  bei  Stichstrassen  ein  Wendeplatz  oder  eine

Wendemöglichkeit notwendig. Die VSS-Norm/SN 640 052 "Wendeanlagen"

ist  weiter  lediglich  eine  Richtlinie,  deren  Anwendung  im  Einzelfall  vor  den

allgemeinen Rechtsgrundsätzen, insbesondere vor dem Grundsatz der Ver-

hältnismässigkeit,  standhalten  muss.  Sie  darf  daher  nicht  unbesehen  der

konkreten  Verhältnisse  der  Entscheidung  zugrunde  gelegt  werden

(VB.2021.00375 vom 10. Februar 2022, E. 6.2 mit Hinweisen).

Im vorliegenden Fall ist im südwestlichen Teil des Baugrundstücks ein Wen-

dehammer vorgesehen. Wie dem nachgereichten vermassten Schema der

K AG vom 20. Mai 2025 entnommen werden kann, entsprechen die Dimen-

sionen des Wendeplatzes exakt jenen von Abbildung 5 der genannten VSS-

Norm (19 m x 22,40 m) und genügen daher für einen 10-m-Lastwagen. Die

Rekurrierenden 2 gehen von grösseren Dimensionen aus, welche für einen

Sattelschlepper nötig wären. Es ist fraglich, ob im vorliegenden Fall eine so

grosse Wendemöglichkeit nötig ist. Die Anlieferung der Sammelstelle erfolgt

mit Lastwagen, welche auf der Nordseite der Halle rückwärts reinfahren und

an gleicher Stelle vorwärts wieder rausfahren. Hierfür ist genügend Rangier-

fläche vorhanden (vgl. Verkehrsgutachten der K AG vom 17. Februar 2025,

S. 3 und 4). Der geplante Wendehammer im Südwesten wird für die tägliche
Anlieferung gar nicht  benötigt.  Auch  die übrigen  Grundstücke besitzen auf

ihren eigenen Grundstücken viel Platz für Wendemanöver (vgl. Prot. S. 13 f.,

Fotos  Nrn. 11  und  13).  Die  Platzverhältnisse  erweisen  sich  vorliegend  als

genügend, damit in der Stichstrasse verkehrssicher gewendet werden kann.

Die Rekurrierenden 2 zeigen nicht auf, inwiefern dies nicht der Fall sein soll.

Für die Forderung nach einer noch grösseren Wendemöglichkeit besteht so-

mit kein Anlass.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 29

11.1.

Letztlich wird von der Rekurrentin 1 eine mangelhafte Einordnung und Ge-

staltung gerügt. § 238 Abs. 1 PBG gelte auch in der Industriezone. Sie selbst

habe ihren Geschäftssitz in direkter Nachbarschaft, womit der baulichen Um-

gebung  ein  repräsentativer  Charakter  zukomme.  Sie  stelle  technologisch

hochwertige Hörgeräte her. Die Abfallsammelstelle, die Lebenszyklusenden

von  Gegenständen  nach aussen  in den  Vordergrund  stelle,  verunkläre  je-

doch diese Situation und setze die Repräsentativität der rekurrentischen Lie-

genschaft herab.

11.2.

Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich

und in ihrem Zusammenhang mit der baulichen und landschaftlichen Umge-

bung  im  Ganzen  und in  ihren  einzelnen  Teilen so  zu  gestalten,  dass  eine

befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird; diese Anforderung gilt auch für

Materialien und Farben.

Diese Vorschrift enthält eine Grundanforderung an Bauten, Anlagen und Um-

schwung. Verlangt wird sowohl eine gewisse Qualität der Gestaltung in sich

als auch der Einordnung in die bauliche und landschaftliche Umgebung. So

kann namentlich die Gleichförmigkeit wesentliches Gestaltungsmerkmal ei-

ner  bestehenden Überbauung sein. Die  genügende  Einordnung  fehlt aller-

dings nicht bereits bei der Einführung einer neuen Formensprache in ein ein-

heitliches Bild einer älteren Überbauung; vielmehr ist ein Einordnungsman-

gel  erst  gegeben,  wenn  die  entsprechende  Baute  oder  Anlage  gegenüber

der  Ausgestaltung  von  Gebäuden,  Häusergruppen  oder  Strassenzügen  in

störenden Widerspruch tritt oder sonst einen stossenden Gegensatz zu den

die  Umgebung  prägenden  Merkmalen  oder  zum  Quartiercharakter  bildet.

Eine  Einordnung  gemäss  §  238  Abs.  1  PBG  muss  nicht  ideal  bzw.  "gut",
sondern lediglich "genügend" sein. Dies ist auch dann erfüllt, wenn eine an-

dersartige Gestaltung als besser bzw. als wünschenswert qualifiziert würde.

Die Frage, ob eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird, ist gestützt

auf objektive, nachvollziehbare Kriterien zu beantworten. Blosses Empfinden

rechtfertigt keinen Eingriff in das Eigentum (vgl. VB.2018.00395 vom 7. Feb-

ruar 2019, E. 4.2. ff.).

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 30

11.3.

Die von der Rekurrentin 1 befürchtete negative Wirkung des Bauvorhabens

ist eher ideeller als ästhetischer Natur. An der bereits bestehenden Gewer-

behalle wird denn auch baulich nichts verändert, was optisch einen massge-

benden  Einfluss  auf  die  bauliche  und  landschaftliche  Umgebung  haben

könnte. Ideelle Immissionen sind aber grundsätzlich keine baupolizeilich re-

levanten Einwirkungen und das Baupolizeirecht bietet davor keinen Schutz

(VB.2004.00480 vom 9. März 2005, E. 3.2). Weshalb dies vorliegend anders

sein sollte, legt die Rekurrentin 1 nicht dar und ist nicht ersichtlich. Ohnehin

liegt der Haupteingang zu ihrem Geschäftssitz rund 150 m Luftlinie entfernt

und vom Baugrundstück abgewandt an der I-Strasse 28, weshalb kein enger

ortsbaulicher Zusammenhang zur Sammelstelle besteht. Zudem ist die Sam-

melstelle zonenkonform, wie bereits aufgezeigt wurde. Der Einwand erweist

sich als haltlos.

12.

Die rekurrentischen Rügen sind allesamt nicht stichhaltig. Die Rekurse sind

daher abzuweisen.

13.

Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten den beiden Rekurrentschaften

je  zur  Hälfte  aufzuerlegen  (§ 13  VRG).  Die  fünf  im  Verfahren  G.-

Nr. R3.2025.00052 rekurrierenden Parteien haften für ihren Kostenanteil so-

lidarisch.

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-
nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-

baren  Streitwert  oder  dem tatsächlichen  Streitinteresse fest. Liegt  wie  hier

ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr

in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV

VGr).  Bei  der  Bemessung  der  Gebührenhöhe  steht  der  Rekursinstanz  ein

grosser  Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,

3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.).

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 31

Im Lichte des vorliegend gegebenen tatsächlichen Streitinteresses, des ge-

tätigten Verfahrensaufwandes (mehrere Schriftenwechsel, Durchführung ei-

nes  Referentenaugenscheins),  des  Umfangs  des  vorliegenden  Urteils  und

der  Vereinigung  zweier  Rekursverfahren  ist  die  Gerichtsgebühr  auf

Fr. 7’000.-- festzusetzen.

14.1.

Die privaten Parteien beantragen allesamt die Zusprechung einer Umtriebs-

entschädigung.

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte oder

den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Um-

triebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr.

14.2.

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung einer  Umtriebsentschädigung einzustufen  (VB.2003.00093 vom

16. Oktober 2003, E. 3.1). Demnach ist vorliegend der anwaltlich vertretenen

privaten  Rekursgegnerin  zulasten  der  beiden  Rekurrentschaften  eine  Um-

triebsentschädigung zuzusprechen. Angemessen erscheint ein zu bezahlen-

der Betrag von gesamthaft Fr. 3’000.-- (Fr. 1’500.-- je Rekurrentschaft). Da

die  Umtriebsentschädigung  pauschal  festgelegt  wird,  entfällt  die  Zuspre-

chung  eines  Mehrwertsteuerzusatzes  von  vornherein  (BRKE II  Nrn. 0247

und 0248/2007 in BEZ 2007 Nr. 56).

14.3.

Den unterliegenden Rekurrierenden steht keine Umtriebsentschädigung zu

(§ 17 Abs. 2 VRG).

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 32

Das Baurekursgericht erkennt:

I.
Die  Rekursverfahren  G.-Nrn.  R3.2025.00051  und  R3.2025.00052  werden
vereinigt.

II.
Die Rekurse werden abgewiesen.

III.
Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus

Fr.  7'000.--  Gerichtsgebühr
Fr.  460.--  Zustellkosten
Fr.  7‘460.--  Total
=========
werden zur Hälfte der A AG und zu je 1/10 den fünf für die Hälfte der Verfah-
renskosten  solidarisch  haftenden  Rekurrentschaften  im  Verfahren  G.-Nr.
R3.2025.00052 auferlegt. Rechnungen und Einzahlungsscheine werden den
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides zugestellt.
Die Kosten sind innert 30 Tagen ab Zustellung der Rechnung zu bezahlen.

IV.
Die beiden Rekurrentschaften werden verpflichtet, der G AG eine Umtriebs-
entschädigung von je Fr. 1'500.-- (insgesamt Fr. 3'000.--) zu bezahlen.

R3.2025.00051 und R2.2025.00052

Seite 33