# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ea12d42b-3495-5887-a0c4-5c0371b98460
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.08.2008 E-6166/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6166-2006_2008-08-22.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6166/2006/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richter Kurt Gysi (Vorsitz),
Richter Blaise Pagan, 
Richterin Marianne Teuscher, 
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A_______, geboren _______,
Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Erich Leuzinger, Rechtsanwalt, 
_______
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
19. September 2006 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6166/2006

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, ein srilankischer Staatsangehöriger tamilischer 
Ethnie  und  hinduistischen  Glaubens  mit  letztem  Wohnsitz  in  (...), 
verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 11. August 
2006 und gelangte über Katar und Italien am 15. August 2006 unter 
Umgehung der Grenzkontrollen in die Schweiz, wo er gleichentags um 
Asyl  nachsuchte.  Die  summarische  Erstbefragung  im  Empfangs-
zentrum Kreuzlingen fand am 22. August 2006 und die direkte Bundes-
anhörung am 4. September 2006 statt. 

Zur  Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer 
im  wesentlichen  geltend,  er  sei  ab  Ende  August  2005  in  einem 
Ausbildungslager der LTTE (Liberation Tigers of  Tamil Eelam) in (...) 
gewesen. Nach drei  Monaten sei  er  jedoch geflohen,  da die Ausbil-
dung sehr  hart  gewesen sei. Am 3. Dezember  2005 sei  sodann die 
Armee bei ihm zu Hause gewesen und habe ihn in ein Camp in (...) 
mitgenommen. Im ersten Monat sei er von den Soldaten befragt und 
geschlagen  worden.  Ausserdem  sei  er  zweimal  in  Ortschaften 
mitgenommen worden,  um Leute  zu  identifizieren,  da  er  verdächtigt 
worden sei, Mitglied der LTTE zu sein. Er habe vorderhand niemanden 
verraten,  doch  sei  er  anschliessend  ins  Camp  zurückgebracht  und 
geschlagen worden. Er habe aber gewusst, dass er beim nächsten Mal 
wieder  Schläge  würde  einstecken  müssen,  falls  er  niemanden 
identifizieren würde. Daher habe er am 6. März 2006 in (...) (...), den er 
von  früher  gekannt  habe,  verraten.  Dieser  habe  sich  in  der  Folge 
jedoch  einer  Verhaftung  durch  die  Armee  entziehen  können.  Am 
14. März 2006 sei  er  aus dem Camp freigelassen worden,  da seine 
Mutter  die  Armee  bestochen  hätte.  Er  habe  gewusst,  dass  er  nun 
aufgrund  der  Identifizierung  Probleme  mit  "den  Tigers"  bekommen 
würde. Daher sei er über Colombo nach (...) gereist und habe dort bei 
Herrn (...), einem Freund der Familie gelebt und gearbeitet. Von seiner 
Mutter habe er erfahren, dass er auch von der Armee gesucht werde, 
weil er "den Tigers" angehöre. Daraufhin habe Herr (...) einen Agenten 
organisiert und den Beschwerdeführer ins Ausland geschickt.

B.
Mit  Verfügung vom 19. September  2006 stellte  das Bundesamt fest, 
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an 
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 

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(AsylG, SR 142.31) nicht standhalten, lehnte das Asylgesuch ab und 
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an.

C.
Mit  Beschwerde  vom  19.  Oktober  2006  an  die  vormals  zuständige 
Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  liess  der  Beschwerde-
führer  durch  seinen  Rechtsvertreter  beantragen,  die  vorinstanzliche 
Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und es sei der Beschwerde 
die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.

D.
Mit  Zwischenverfügung  vom  24.  Oktober  2006  teilte  der  zuständige 
Instruktionsrichter der ARK dem Beschwerdeführer mit, er könne den 
Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. 
Gleichzeitig  wurde  er  unter  Androhung  des  Nichteintretens  auf  die 
Beschwerde  aufgefordert,  innert  Frist  den  Kostenvorschuss  zu 
bezahlen. Dieser wurde fristgerecht geleistet.

E.
Im November 2006 wurde der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, 
dass  die  ARK  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  ersetzt  werde, 
welches seine Tätigkeit  am 1. Januar 2007 auf-  und die Beurteilung 
der  in  diesem  Zeitpunkt  bei  den  Vorgängerorganisationen  hängigen 
Rechtsmittel übernehme.

F.
Mit  Verfügung  vom 13. März  2008 wurde dem BFM aufgrund  neuer 
länderspezifischer  Erkenntnisse innert  Frist  Gelegenheit  für  die  Ein-
reichung einer Vernehmlassung bzw. den allfälligen Erlass einer neuen 
Verfügung gegeben.

G.
Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 17. April 2008 die 
Abweisung der Beschwerde.

H.
Mit  Verfügung vom 24. April  2008 wurde dem Beschwerdeführer  die 
Möglichkeit  eingeräumt,  innert  Frist  eine  Replik  zur  Vernehmlassung 
des BFM einzureichen, welche dieser jedoch in der Folge nicht wahr-
genommen hat.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105 
AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju-
ni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht  hat  am 1. Januar 2007 die Beur-
teilung der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechtsmittel 
übernommen. Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl.  Art.  53 
Abs. 2 VGG).

1.3 Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung 
berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  be-
ziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die 
im  Übrigen  form-  und  fristgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  ein-
zutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG).

1.4 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die 
unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen 
Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 
1 AsylG).

2.  

2.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimat-
staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, 
Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen 
Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nach-
teilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nach-
teilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament-
lich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit  sowie 

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Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 
Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 
AsylG).

2.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  mass-
geblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

3.  

3.1 Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Ent-
scheides im Wesentlichen aus, dass die Glaubhaftigkeit der Vorbringen 
des Beschwerdeführers aus diversen Gründen nicht gegeben sei. Was 
seine Schilderungen im Zusammenhang mit seinem Aufenthalt bei der 
LTTE  angehe,  so  dürfte  kaum  zutreffen,  dass  zur  Sicherung  ihres 
Gebietes unerfahrene und unbewaffnete Leute wie der  Beschwerde-
führer eingesetzt worden seien. Ebenfalls erscheine seine Flucht aus 
dem LTTE-Lager unrealistisch. So wolle er sich von der Truppe entfernt 
haben, ohne dass dies jemandem aufgefallen wäre. Ebenso wolle er 
nach seinem Weggang aus dem Lager problemlos einen Checkpoint 
der LTTE und der Armee passiert haben, was angesichts der bekann-
ten  Tatsache,  dass  an  solchen  Checkpoints  gerade  junge  Männer 
jeweils einer minuziösen Personenkontrolle unterzogen würden, kaum 
möglich  erscheine.  Im  Zusammenhang  mit  seiner  angeblichen  In-
haftierung  bei  der  Armee  würden  folgende  Vorbringen  unrealistisch 
anmuten:  Wenn  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  von  einem  Mit-
bewohner  im  Dorf  denunziert  worden  wäre,  wäre  es  ihm  kaum 
gelungen, die Armee im Glauben zu lassen, dass er gar nie an einer 
LTTE-Ausbildung teilgenommen habe. Auch leuchte nicht ein, dass er 
von der Armee als Kopfnicker eingesetzt worden sein solle, wenn es 
diese nicht als gegeben betrachtet hätte, dass er enge Kontakte zur 
LTTE gehabt  hätte. Sodann sei  festzustellen,  dass der  Beschwerde-
führer nicht mehr mit Bestimmtheit habe angeben können, wie oft er 
als Kopfnicker eingesetzt worden sei und er sich hinsichtlich der Ort-
schaft  widersprochen  habe,  in  welcher  er  einen  LTTE-Zugehörigen 
identifiziert  haben  wolle.  Schliesslich  könne  nicht  nachvollzogen 

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werden, weshalb die Armee den vom Beschwerdeführer identifizierten 
Mann nicht habe anhalten und festnehmen können, obwohl die Kopf-
nickaktion  wohl  gerade das zum Ziel  gehabt  haben  dürfte. Nicht  zu 
überzeugen  vermöge  sodann  das  stereotype  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers,  dass  seine  Mutter  einem  Armeeangehörigen  Geld 
bezahlt  habe,  worauf  er  von  diesem  vorschriftswidrig  aus  der  Haft 
entlassen worden sei. Die Glaubhaftigkeit dieser Behauptung sei ins-
besondere deshalb nicht gegeben, da er überhaupt nicht in der Lage 
gewesen sei zu schildern, wie seine Mutter dabei vorgegangen sei. Im 
übrigen habe der Beschwerdeführer zu seinem angeblich drei Monate 
dauernden  Aufenthalt  bei  der  Armee  hinsichtlich  des  normalen 
Tagesablaufes,  aber  auch  bezüglich  seiner  Gefühle  in  dieser  Zeit-
spanne,  wenig  zu  berichten  gewusst.  Schliesslich  sei  festzustellen, 
dass der Beschwerdeführer diverse ungereimte Aussagen zu seinem 
Reisepass und dessen Verbleib gemacht habe.

Ferner würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, 
dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimat-
staat  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch Art.  3  der  Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung 
drohe.  Vor  dem  Hintergrund  der  Entwicklung  in  Sri  Lanka  sei  eine 
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Norden und Osten stark er-
schwert. Zwar habe sich auch im Süden und Westen des Landes die 
humanitäre  und  politische  Situation  verschärft;  von  einer  generellen 
Unzumutbarkeit einer Wohnsitznahme in diesem Gebiet könne jedoch 
nicht gesprochen werden. Gestützt auf die mit seiner Staatsangehörig-
keit  verbundene  Niederlassungsfreiheit  könne  sich  der  Beschwerde-
führer somit  in einem anderen Teil  seines Heimatlandes – beispiels-
weise im Grossraum Colombo – ansiedeln. Zudem gebe es auch keine 
individuellen Gründe, welche gegen die Zumutbarkeit  eines Wegwei-
sungsvollzuges  in  den Süden Sri  Lankas sprechen  würden. Ausser-
dem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch 
durchführbar.

3.2 In der Beschwerde wird der Argumentation der Vorinstanz Folgen-
des entgegengehalten: Das BFM zitiere im angefochtenen Entscheid 
die Praxis der ARK zu Art. 7 AsylG, wende in der Folge jedoch diese 
Vorgaben  unrichtig  an,  weshalb  auch  die  Rüge  der  unvollständigen 
und  unrichtigen  Sachverhaltsfeststellung  zu  erheben  sei.  Der  Be-
schwerdeführer habe hinsichtlich aller ihm gestellten Fragen detaillier-

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te  und konkrete Angaben gemacht,  weshalb keine Rede davon sein 
könne,  dass  er  widersprüchliche  Angaben  gemacht  hätte. Allgemein 
werde  gerügt,  dass  die  Vorinstanz  willkürlich  einzelne  Sachverhalts-
momente herausgegriffen und diese nicht minder willkürlich einfach als 
unglaubhaft  qualifiziert  habe,  indem sie  die  kohärente  Sachverhalts-
darstellung  des  Beschwerdeführers  nicht  weiter  gewürdigt,  sondern 
völlig ausser acht  gelassen habe. Im Zusammenhang mit  den Schil-
derungen des Beschwerdeführers hinsichtlich seines Aufenthaltes bei 
der  LTTE sei  ein  Einsatz  von  unerfahrenen  beziehungsweise  unbe-
waffneten Leuten zu Sicherungszwecken in Anbetracht der ansonsten 
überzeugenden Ausführungen über  diesen Aufenthalt  ohne Weiteres 
glaubhaft. In der Schweiz könne auch auf die von den Wehrpflichtigen 
während  der  Rekrutenschule  gemachten  Erfahrungen  verwiesen 
werden.  Inwiefern  es  dem  Beschwerdeführer  gelungen  sein  könnte, 
die  Armeeangehörigen  im  Glauben  zu  lassen,  dass  er  nie  bei  der 
LTTE gewesen sei,  betreffe  keine  Glaubhaftigkeitsfrage,  ganz  abge-
sehen  davon,  dass  es  glaubhaft  sei,  wenn  der  Beschwerdeführer 
solches  nie  zugegeben  habe,  weil  er  ja  diesfalls  mit  Folter  hätte 
rechnen  müssen.  Dass  er  als  sogenannter  Kopfnicker  eingesetzt 
worden sei, könne dahingehend verstanden werden, dass ihm seitens 
der Armee enge Kontakte zur LTTE unterstellt worden seien, wie es ja 
auch zugetroffen habe, doch spreche gerade dies für die Glaubhaftig-
keit seiner Darstellungen. Im Weiteren liege eine einfache Erfahrungs-
tatsache  vor,  dass  die  Bewohner  einer  Ortschaft  wüssten,  wer  der 
LTTE nahestehe. Wie oft der Beschwerdeführer als Kopfnicker einge-
setzt worden sei, betreffe ein untergeordnetes Detail, welches heraus-
gegriffen  worden  sei,  um  ihn  in  einen  Widerspruch  zu  verwickeln. 
Schliesslich habe der Beschwerdeführer in allen Einzelheiten geschil-
dert,  weshalb  der  von  ihm identifizierte  Mann  nicht  von  der  Armee 
habe  festgehalten  werden  können.  Weiter  macht  der  Beschwerde-
führer geltend, dass Korruption erfahrungsgemäss zum Alltag in einem 
solchen Staat  gehöre  und es in  der  Natur  der  Sache liege,  dass er 
nicht bezüglich aller Details wisse, wie eine Drittperson dabei vorge-
gangen sei. Ausserdem habe er den Tagesablauf  eines Gefangenen 
erwartungs-  und  erfahrungsgemäss  entsprechend  monoton  geschil-
dert, was auch hinsichtlich seiner Gefühle gelte. Wenn die Ausführun-
gen  des  Beschwerdeführers  kaum  individuelle  und  überraschende 
Fakten enthalten sollten, so spreche dies erst recht für deren Glaub-
haftigkeit,  gehe  es  doch  im  Wesentlichen  gerade  um  zwei  Haupt-
sachverhalte,  die  sich  entsprechend  kennzeichnen  würden,  nämlich 
der  Aufenthalt  bei  der  LTTE und die  Zeit  im Armeelager. Mit  dieser 

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Argumentationsweise widerspreche sich die Vorinstanz gleich selber, 
werte  sie  doch  wie  vorstehend  erörtert  individuelle  und  über-
raschende  Fakten  ansonsten  deswegen  als  unglaubwürdig.  Zudem 
würden sämtliche Ausführungen des Beschwerdeführers mit dem län-
derspezifischen Kontext vollständig im Einklang stehen, und inwiefern 
sie der Logik des Handelns widersprechen sollten, vermöge auch die 
Vorinstanz  nicht  darzutun.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
hinsichtlich seines Reisepasses würden keine Ungereimtheiten bein-
halten. Hätte er die Absicht gehabt, seine wahre Identität zu verheim-
lichen,  so  hätte  er  den  geführten  Pass  ebensowenig  vorgelegt  wie 
seine Identitätskarte.

Entgegen  den  Ausführungen  der  Vorinstanz  bestehe  im  Lichte  der 
Eskalation  des  Bürgerkrieges in  Sri  Lanka  eine  generelle  Unzumut-
barkeit einer Rückreise und Wohnsitznahme; dies gelte auch für den 
Grossraum Colombo. Dass es dem Beschwerdeführer früher gelungen 
sei,  vorübergehend abzutauchen,  könne ihm nicht  entgegengehalten 
werden.

3.3 In ihrer Vernehmlassung begründete die Vorinstanz den Antrag auf 
Abweisung der  Beschwerde damit,  dass es  aufgrund der  generellen 
Unglaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  dem  BFM  nicht  möglich 
sei,  sich in voller  Kenntnis  seiner tatsächlichen persönlichen und fa-
miliären Situation zur Zumutbarkeit  des Vollzugs der Wegweisung zu 
äussern. Zwar seien die Wegweisungsvollzugshindernisse grundsätz-
lich von Amtes wegen zu prüfen; diese Untersuchungspflicht finde je-
doch ihre Grenzen an der Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht des Ge-
suchstellers. Es sei  nach ständiger  Rechtsprechung der  ARK (heute 
Bundesverwaltungsgericht  BVGer)  nicht  Aufgabe  der  Asylbehörden, 
bei  unglaubhaften  bzw.  mangelhaften  Angaben  des  Gesuchstellers 
nach  allfälligen  Wegweisungsvollzugshindernissen  zu  forschen,  falls 
dieser – wie vorliegend – der Wahrheitspflicht im Rahmen der Sach-
verhaltsermittlung  nicht  nachkomme  und  die  Asylbehörden  zu  täu-
schen versuche.

4.

4.1 Wie  bereits  dargelegt  muss,  wer  um  Asyl  nachsucht,  die 
Flüchtlingseigenschaft  zumindest  glaubhaft  machen  (Art.  7  Abs.  1 
AsylG).  Glaubhaft  gemacht  ist  die  Flüchtlingseigenschaft,  wenn  die 
Behörde ihr Vorhandensein mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  für 

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gegeben hält (Art. 7 Abs. 2 AsylG). Im Gegensatz zum strikten Beweis 
genügt  es  daher,  wenn  der  Richter  das  Vorhandensein  der  zu 
beweisenden Tatsache für wahrscheinlich hält, selbst wenn er noch mit 
der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte 
(WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel  1990,  S. 302 f.). 
Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlichen Verfolgung ist 
dabei  durch  Korrektheit,  Originalität,  hinreichende  Präzision  und 
innere  Übereinstimmung  gekennzeichnet  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
1996  Nr.  28  S.  270).  Unglaubhaft  wird  eine  Schilderung  von 
Erlebnissen  insbesondere  bei  wechselnden,  widersprüchlichen, 
gesteigerten oder nach-geschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung 
der  Glaubhaftmachung  geht  es  um  eine  Gesamtbeurteilung  aller 
Elemente  (Übereinstimmung  bezüglich  des  wesentlichen  Sachver-
haltes,  Substanziiertheit  und  Plausibilität  der  Angaben,  persönliche 
Glaubwürdigkeit etc.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. 
Glaubhaft  ist  eine  Sachverhaltsdarstellung  nur,  wenn  die  positiven 
Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach 
nicht  aus,  wenn der  Inhalt  der  Vorbringen zwar  möglich  ist,  aber  in 
Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende 
Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen.

4.2 Entgegen der Darstellung in der Beschwerde hat der Beschwerde-
führer hinsichtlich mehrerer Vorkomnisse keine detaillierten Angaben 
machen  können.  So  stellte  die  Vorinstanz  zutreffend  fest,  dass  er 
bezüglich des normalen Tagesablaufes im Armee-Camp sowie seiner 
Gefühle während des Aufenthaltes nur wenig zu berichten wusste. Es 
trifft zweifelsfrei zu, dass ein durchschnittlicher Tag eines Gefangenen 
mehr  oder  weniger  monoton  abläuft;  gleichwohl  hätte  man vom Be-
schwerdeführer  bei  dessen  Schilderung  mehr  Einzelheiten  erwarten 
können, insbesondere hinsichtlich seiner Gefühlswelt in einer solchen 
Situation. Detailarm erscheint sodann die Aussage des Beschwerde-
führers bezüglich der Bestechung des Armeeangehörigen durch seine 
Mutter. Die  entsprechenden Einwände in  der  Beschwerde sind  zwar 
insoweit  berechtigt,  als  Korruption  in  vielen  Ländern  durchaus  zur 
Tagesordnung gehört  und der Beschwerdeführer nur von einer Dritt-
person vom Ablauf erfahren haben will. Jedoch ist davon auszugehen, 
dass  er,  hätte  es  sich  wirklich  so  zugetragen,  mehr  über  die  Be-
stechung hätte erzählen können; schliesslich wäre es sowohl für ihn, 
als  auch  für  seine  Mutter,  ein  prägendes  Erlebnis  gewesen.  Nicht 
nachvollziehbar ist des Weiteren, dass er nicht genau angeben konnte, 

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wie oft er von der Armee als "Kopfnicker" mitgenommen worden sei. 
Entgegen  den  Ausführungen  in  der  Beschwerde  handelt  es  sich 
hierbei angesichts der geringen Anzahl und des wiederum prägenden 
Charakters nicht um ein untergeordnetes Detail. Ausserdem ist  nicht 
ersichtlich,  weshalb  die  Armeeangehörigen  (...)  nach  dessen  Iden-
tifizierung  durch  den  Beschwerdeführer  nicht  verfolgt  hätten.  Dem 
Argument der Vorinstanz, wonach es unrealistisch sei, dass die LTTE 
zur Sicherung ihres Gebietes unerfahrene und unbewaffnete Leute wie 
der Beschwerdeführer eingesetzt habe, ist allerdings insofern nicht zu 
folgen,  als  dieser  gemäss  den  anlässlich  der  Bundesanhörung  ge-
machten  Angaben  die  Grenze  nicht  bewacht,  sondern  bloss  Wach-
posten errichtet und Sandsäcke gefüllt haben will. Zur Vermeidung von 
Wiederholungen kann jedoch des Weiteren auf die zutreffenden Erwä-
gungen  des  BFM  verwiesen  werden.  Insgesamt  gesehen  erachtet 
daher das Gericht die Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaub-
haft. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch somit zu Recht abgelehnt.

5.  

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

6.

6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheits-
verhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme von Ausländern  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  entgegen-
stehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

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So darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

6.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich 
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann 
das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-
Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden. 
Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat ist  dem-
nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall 
einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat dort  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener 
des  UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine 
konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass 
ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand-
lung  drohen  würde  (vgl.  EMARK  2001  Nr.  16  S.  122,  mit  weiteren 
Hinweisen;  EGMR,  Bensaid  gegen  Grossbritannien,  Urteil  vom 
6. Februar  2001,  Recueil  des arrêts  et  décisions 2001-I,  S. 327 ff.). 

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Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat lässt 
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig 
erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen zulässig.

6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat-  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt,  ist – unter Vorbehalt von 
Art.  83  Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

6.4.1 Zwar trifft es zu, dass es nicht Aufgabe der Asylbehörden sein 
kann,  bei  unglaubhaften  bzw.  mangelhaften  Angaben  des  Gesuch-
stellers  nach  allfälligen  Wegweisungsvollzugshindernissen  zu  for-
schen, falls dieser der Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhalts-
ermittlung nicht  nachkomme und die Asylbehörden zu täuschen ver-
suche. Jedoch kann vorliegend, entgegen der Ansicht der Vorinstanz, 
aufgrund  der  obgenannten  nicht  glaubhaften  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers nicht auf eine generelle Unglaubwürdigkeit geschlos-
sen werden. So reichte er beispielsweise eine Identitätskarte (ausge-
stellt  am  5.  Dezember  2003)  zu  den  Akten,  welche  seine  Angaben 
bezüglich des Wohnortes bestätigen. 

6.4.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  im  Urteil 
BVGE E-2775/2007 vom 14. Februar 2008 ausführlich mit  der Frage 
der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs nach Sri  Lanka befasst. 
Es  gelangte  zu  folgendem  Schluss:  Bei  rückkehrenden  Tamilen, 
welche längere Zeit im Grossraum Colombo selbst gelebt haben, dort 
auf  ein  existierendes,  tragfähiges  Familien-  oder  Beziehungsnetz 
zurückgreifen und mit einer konkreten Unterkunftsmöglichkeit rechnen 
können, ist davon auszugehen, dass sie grundsätzlich die Möglichkeit 
haben,  sich  innert  nützlicher  Frist  und  mit  Unterstützung  ihrer  Ver-
wandten wieder zu integrieren und dass ihnen das wirtschaftliche Fort-
kommen gelingt. Auch gegenüber  den Sicherheitskräften  werden sie 
ihren erneuten Aufenthalt rechtfertigen können und werden somit nicht 
anhaltenden,  unzumutbaren behördlichen Schikanen oder  Repressa-
lien ausgesetzt sein. Bei dieser Konstellation ist jedoch die Dauer der 

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Landesabwesenheit  mitzuberücksichtigen.  Je  kürzer  der  Aufenthalt 
eines  Rückkehrenden  in  Colombo  dauerte  und  je  weiter  er  zeitlich 
zurückliegt, desto höhere Anforderungen sind an das Vorliegen eines 
tatsächlichen  familiären  oder  sozialen  Beziehungsnetzes  zu  stellen. 
Bei  Tamilen,  die  aus  dem  Grossraum  Colombo  selbst  oder  dessen 
Umgebung stammen und dort über Verwandte oder engere Bekannte 
verfügen, ist  mithin grundsätzlich von der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges in diese Gebiete auszugehen.

Für  Tamilen,  die  aus  den  umkämpften  Gebieten  in  der  Nord-  oder 
Ostprovinz stammen, stellt  sich demgegenüber die Situation wesent-
lich schwieriger dar.

Angesichts  der  politischen,  wirtschaftlichen  und  gesellschaftlichen 
Begebenheiten  und  der  auf  Eskalation  und  Verschlechterung  hin-
weisenden Entwicklung in Sri Lanka scheint es nicht angebracht, die 
bisherige von der ARK festgelegte Wegweisungspraxis hinsichtlich des 
Nordens  Sri  Lankas  zu  ändern:  Die  Rückschaffung  abgewiesener 
Asylgesuchstellenden aus Sri Lanka in die Nordprovinz (die Distrikte 
Killinochchi, Mannar, Vavuniya, Mullaitivu und Jaffna) ist nach wie vor 
als unzumutbar zu qualifizieren. 

Auch die Rückschaffung in die Ostprovinz (Distrike Trincomalee, Batti-
caloa und Ampara) muss angesichts der dort herrschenden, oben dar-
gelegten Lage als unzumutbar betrachtet werden. 

Bei abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden, die aus der Nord- oder 
Ostprovinz stammen, ist deshalb die Frage einer zumutbaren Aufent-
haltsalternative im Süden des Landes zu prüfen. Die Rechtsprechung 
der  schweizerischen  Asylbehörden  ist  in  den  vergangenen  Jahren 
stets  vom  Vorliegen  einer  grundsätzlichen  Aufenthaltsalternative  für 
rückkehrende,  abgewiesene  tamilische  Asylgesuchsteller  im  Gross-
raum Colombo ausgegangen (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 6.5). Es gibt 
keine Zahlen oder Schätzungen darüber, wie viele tamilische Bürger-
kriegsflüchtlinge zu Freunden oder Verwandten nach Colombo oder in 
die nicht vom Bürgerkrieg betroffenen Gebiete im Süden des Landes 
geflohen sind. Personen ohne Kontakte in Colombo dürften sich in Co-
lombo  kaum  beziehungsweise  höchstens  für  kurze  Zeit  aufhalten, 
nachdem dort keine Flüchtlingslager existieren und es keine Unterstüt-
zung für diese meist völlig mittellosen Personen gibt. Eine Rückkehr in 
den Grossraum Colombo ist bei dieser tamilischen Bevölkerungsgrup-

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pe  in  noch  erhöhtem  Masse  in  Frage  gestellt  als  bei  den  von  dort 
stammenden Tamilen. Erstere werden in aller Regel über keine enge-
ren Verwandten oder Bekannten in Colombo verfügen,  die ihnen bei 
der Wiederintegration als soziales Netz eine Unterstützung und eine 
Unterkunftsmöglichkeit  zur  Verfügung  stellen  können. Ohne  tragfähi-
ges Beziehungsnetz werden sie auch in aller Regel keiner legalen Ar-
beit nachgehen können, was ihnen den Aufbau einer wirtschaftlichen 
Existenz  praktisch  verunmöglicht.  Hinzu  kommt,  dass  die  aus  dem 
Norden  und  Osten  stammenden  Tamilen  einer  erhöhten  Gefahr  be-
hördlicher Behelligungen ausgesetzt wären, zumal davon auszugehen 
ist, dass sie aus Sicht der Behörden keinen valablen Grund respektive 
keine Rechtfertigung für ihren Aufenthalt vorweisen können.

Bei rückkehrenden Tamilen, die aus der Nord- oder Ostprovinz stam-
men,  kann  nicht  mehr  von  der  generellen  Zumutbarkeit  der  Inan-
spruchnahme  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  Süden 
des Landes,  namentlich  im Grossraum Colombo, ausgegangen wer-
den. Können die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die 
konkreten Möglichkeiten der Existenzsicherung und der Wohnsituation 
nicht als gesichert angenommen werden, ist der Wegweisungsvollzug 
daher  als  unzumutbar  zu  qualifizieren  und  in  der  Folge  als  Ersatz-
massnahme eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. 

6.4.3 Aus den Akten geht hervor, dass sich die Mutter des Beschwer-
deführers in (...) (Nordprovinz) aufhält. Sodann ist davon auszugehen, 
dass  ein  Freund  der  Familie  in  (...)  (Distrikt  Vavuniya)  lebt.  Es  gibt 
keinerlei  konkrete  Hinweise,  dass  der  aus  dem  Norden  Sri  Lankas 
stammende Beschwerdeführer  im  Grossraum Colombo  auf  ein  trag-
fähiges Beziehungsnetz zurückgreifen kann. Seine Existenzsicherung 
und die Wohnsituation können ebenfalls nicht als gesichert betrachtet 
werden,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug als  unzumutbar  qualifiziert 
werden muss. Da sich aus den Akten gleichzeitig keine Hinweise auf 
allfällige Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, 
ist die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers anzuordnen.

7.
Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  bezüglich  der  Nichtaner-
kennung der Flüchtlingseigenschaft  und der Verweigerung des Asyls 
sowie  der  Anordnung  der  Wegweisung  abzuweisen;  soweit  die 
Anordnung des Wegweisungsvollzugs betreffend,  ist  die  Beschwerde 
demgegenüber gutzuheissen. Das BFM ist anzuweisen, den Aufenthalt 

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des  Beschwerdeführers  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über 
die vorläufige Aufnahme zu regeln (Art. 83 Abs. 4 AuG).

8.

8.1 Bei  diesem Verfahrensausgang  ist  die  Hälfte  der  Verfahrenskos-
ten,  ausmachend  Fr.  300.--,  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen 
(Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).

8.2 Obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  eine  Parteient-
schädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnis-
mässig  hohen  Kosten  (Art.  7  Abs.  1  und  4  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Im  vorliegenden 
Fall  ist  der  Beschwerdeführer  mit  seinen  Begehren  im  Sinne  eines 
hälftigen Obsiegens durchgedrungen. Es wurde keine Kostennote zu 
den  Akten  gereicht.  Der  notwendige  Vertretungsaufwand  lässt  sich 
indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die 
Einholung einer solchen verzichtet werden kann (vgl. Art. 14 Abs. 2 in 
fine  VGKE). In  Anwendung der  genannten Bestimmungen und unter 
Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (vgl. 
Art.  8  ff.  VGKE)  wird  die  von  der  Vorinstanz  auszurichtende 
Parteientschädigung  demnach  von  Amtes  wegen  auf  insgesamt 
Fr. 600.-- festgesetzt.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, indem festgestellt  wird, 
dass  der  Wegweisungsvollzug  unzumutbar  ist.  Soweit  weitergehend, 
wird die Beschwerde abgewiesen.

2.
Die Vorinstanz wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig auf-
zunehmen.

3.
Die  Hälfte  der  Verfahrenskosten,  ausmachend  Fr.  300.--,  wird  dem 
Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  dem  geleisteten 
Kostenvorschuss  entnommen.  Die  Hälfte  des  geleisteten  Kostenvor-
schusses,  ausmachend  Fr.  300.--,  ist  dem  Beschwerdeführer  zu-
rückzuerstatten.

4.
Das BFM hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der 
Höhe von Fr. 600.-- zu entrichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)
- das _______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Jonas Tschan

Versand: 

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