# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0bb0b886-12ce-5ce2-a699-17aa35ba3bb5
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-07-13
**Language:** de
**Title:** Rezidivierende depressive Störung (BGE 8C_635/2017)
**Docket/Reference:** IV.2016.00411
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00411.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00411
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiberin Peter-Schwarzenberger
Urteil
vom
13. Juli 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1970,
meldete sich am 12. November 2013 u
nter Hinweis auf
Transsexualismus
bei der Invalidenversicher
ung zum
Leistungsbe
zug
an (Urk. 11/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
.
Mit
Vorbescheid vom 24. Februar 2015 (Urk. 11/28
= Urk. 3/3
) stellte die IV-Stelle der Versi
cherten die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht. Dagegen erhob die Versichere Einw
ä
nd
e
(Urk. 11/33/1).
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
klärte die IV-Stelle die medizinische und erwerbliche Situation erneut ab und holte ein psychiatrisches
Gutachten ein, das am
7. Februar 2016 erstattet wurde (Urk. 11/74
).
Mit Verfügung vom 15. März 2016 (Urk. 11/78 = Urk.
2
) bestätigte die IV-Stelle ihre
n
Vorbescheid und verneinte einen Rentenanspruch der Versi
cherten.
Mit Schreiben vom 15. März 2016 (Urk. 11/77)
wies
die IV-Stelle die Versicherte sodann auf ihre Mitwirkungspflichten für allfällige zukünftige Leistungsansprü
che hin.
2.
Die Versicherte erhob am
8. April 2016
Beschwerde gegen die Verfügung vom
15. März 2016
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Möglichkeit einer Eingliederung
durch die
IV-Stelle
bei der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich (SVA Zürich) als Fachfrau Sozialversicherun
gen zu
prüfen und durchzuführen.
S
e
h
e
sich die SVA Zürich ausser Stande
,
eine solche Eingliederung zu gewährleisten, so solle sie sich diesbezüglich erklären. Sei keine Eingliederung möglich, so
sei ihr ab 1. Januar 2013 eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit
Beschwerde
antwort
vom
12. Mai 2016 (Urk. 10
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit V
erfü
gung vom
4. Juli 2016 (Urk. 12) wurde
antragsgemäss (vgl. Urk.
1
S. 7
Rz
10
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Be
schwerdeantwort zugestellt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.
3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder
Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
ak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
5
Die Rechtsprechung hat die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung seit jeher wie folgt verteilt: Sache des (be
gutachtenden) Mediziners ist es erstens, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe,
wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Fol
genabschätzung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende
Beurtei
lungskompetenz
zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche Ar
beitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
Weil die Arbeitsfähigkeit somit keine medizinische, sondern eine rein juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizi
nischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre (Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung vom 15. März 2016 (Urk. 2) gestützt auf ihre Abklärungen davon aus, dass die Hauptdiagnose, die zur aktuellen Arbeitsunfähigkeit geführt habe, aus
versicherungsmedizini
scher
Sicht behandelbar sei und keine dauerhafte Arbeits- oder Erwerbsunfähig
keit begründe. Die vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten würden derzeit durch die Beschwerdeführerin nicht ausgeschöpft. Die Durchführung von di
versen Behandlungsmöglichkeiten führe gemäss ihrer
versicherungsmedizini
schen
Beurteilung zur Erlangung einer 100%igen Erwerbsfähigkeit. Die Be
schwerdeführerin sei stark durch diverse psychosoziale Faktoren belastet, wel
che als invaliditätsfremd g
ä
lten und daher aus invalidenrechtlicher Sicht keine Einschränkung der Erwerbsfähigkeit begründen würden.
Im Bereich Sozialversi
cherungen habe die Beschwerdeführerin umfassende Berufskenntnisse erwerben und sich ebenfalls in diesem Bereich weiterbilden können. Es sei ihr deshalb aus
invalidenrechtlicher
Sicht möglich, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine entsprechende Anstellung zu finden.
Insgesamt lie
ge somit im
invalidenrechtli
chen
Sinn keine längerdauernde Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähig
keit vor, welche einen Rentenanspruch begründe (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
dass sie bisher erfolgreich Strategien zur Umsetzung ihrer beruflichen Laufbahn als Mann habe anwenden können, weshalb Indikationen
für
medikamentöse
oder
psychiatrische
Heilbehandlungen
nicht
gegeben
gewesen seien. Leider habe sich dies immer mehr ins Gegenteil verkehrt und so sei sie seit dem Jahr 2008
in ständiger
psychiatrischer
Behandlung. Die Therapie habe bis im November 2013 funktioniert, als sie sich verzweifelt an die Beschwerdegegnerin gewandt und um Hilfe gebeten habe. Durch den Zusammenbruch sei sie nun gezwungen, Medikamente zu nehmen. Die Therapie als solche sei keineswegs invalidi
täts- und rentenausschliessend (S. 5
Rz
6). Zudem sei ihre Partnerin schwerbehindert; dieser psychosoziale Faktor werde für immer so bleiben (S. 6
Rz
7). Sie
wolle
bei der SVA eingegliedert werden und
wolle
, dass diese Institution mit gu
tem Beispiel voran
gehe und selber tätig
e
, was sie anderen predige (S. 6
Rz
8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin und dabei insbesondere die Frage, ob in psychischer Hinsicht ein invalidisierende
r
Gesundheitsschaden vorliegt.
3.
3.1
Dr. med.
Y.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 8. August 2014 (Urk. 11/17/2-7) aus, dass sie die Beschwer
deführerin seit dem Jahr 2008 behandle (Ziff. 1.2) und nannte ein
en
primären
Transsexualismus Mann-zu-
Frau mit bisexueller Orientierung (ICD-10 F64.0) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1).
Die Prognose sei gut, sofern die Beschwerdeführerin eine ihrer Fähigkeiten entsprechende Stelle bekomme und die erfahrenen schmerzlichen und diskriminierenden Erlebnisse im Rahmen der zahlreichen Bew
erbungen ein Ende nehmen würden
(Ziff. 1.4).
Die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bei der BVK zu 100 % arbeitsunfähig
. Sie habe damals aus Krank
heitsgründen selber gekündigt, um sich den psychosozialen Belastungen nicht mehr aussetzen zu müssen und weiter zu erkranken (Ziff. 1.6). In einer ange
passten Tätigkeit bestehe ab sofort eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, sofern es eine geeignete Stelle gebe (Ziff. 1.9).
3.2
Die Ärzte des
Z.___
, Klinik für Psychiatrie und Psychothera
pie, führten in ihrem Bericht vom 14. November 2014 (Urk. 11/25) aus, dass sie die
Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2010
in der Sprechstunde für Gender-Dysphorie
behandeln würden (Ziff. 1.2)
,
und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Gender-Dysphorie im Sinne einer Mann-zu-Frau Transsexualität (ICD-10 F64.0), bestehend seit der Kindheit
-
rezidivierende depressive Störung mit suizidalen Krisen (ICD-10 F33.1), aktuell mittelgradige Episode, bestehend seit der Jugendzeit
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Fachperson Sozialversicherungswesen bestehe seit dem Jahr 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in
der männlichen
Rolle, in
der wei
b
lichen
Rolle bestehe hingegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Wenn die Beschwerdeführerin als Frau arbeiten
könne, bestünden keine Ein
schränkungen und sie sei per sofort zu 100 % arbeitsfähig (Ziff. 1.6-1.7, Ziff. 1.9).
3.3
Dr. med.
A.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in ihrer Stellungnahme vom 19. Januar 2015 (Urk. 11/27/4-5) aus, dass, bis die Behandlungen im Rahmen der Transition ab
geschlossen seien, von einem instabilen, aber auch behandelbaren Zustand aus
zugehen sei. Die Prognose werde von den psychiatrischen Behandlern als güns
tig beurteilt. Rein von Seiten des RAD
wäre
allenfalls eine Begleitung und ein Coaching bei der beruflichen Eingliederung zu evaluieren. Mit einer professio
nellen Unterstützung durch die Beschwerdegegnerin könnte
,
neben der
Stel
lensuche
und Arbeitsumsetzung bei einem neuen Arbeitgeber, auch eine nicht sicher auszuschliessende psychische Entwicklung verhindert werden. Die
Leis
tungsbereitschaft
und die kognitiven Fähigkeiten (Berufsbewährung mit Matu
rität im zweiten Bildungsweg und anderen fachlichen Attesten) seien als sehr gut zu beurteilen.
3.4
Aus dem Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung vom 24. Februar 2015 (Urk. 11/29) geht hervor, dass zwischen dem 9. Januar und 11. Februar 2014 Gespräche in der Eingliederungsberatung durchgeführt worden sind. Die Be
schwerdeführerin sei sehr gut qualifiziert, stosse aber als Transfrau bei der
Stel
lensuche
auf Vorbehalte und finde keine ihren Qualifikationen entsprechende Stelle. Aktuell befinde sie si
ch in einer Weiterbildung zur
Pensionskassenl
eite
rin
, die sie voraussichtlich im September 2014 abschliessen werde. In den letz
ten Monaten habe der Fokus der Beschwerdeführerin auf
der
Weiterbildung und
der
Diplomarbeit gelegen, ein
konkreter Beratungs- beziehungsweise
Unterstüt
zungsbedarf
habe nicht bestanden. Es sei
deshalb
mit der Beschwerdeführerin vereinbart worden, dass die Eingliederungsberatung zunächst abgeschlossen werde und sie sich wieder melde, wenn ein konkreter Beratungs- und
Unterstüt
zungsbedarf
vorliege (S. 1 Mitte).
3.5
Die Ärzte des
Z.___
, Klinik für Psychiatrie und Psychothera
pie,
führten in ihrem Schreiben vom 11. Juni 2015 (Urk. 11/41/5) aus, dass sich keine massgeblichen Änderungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ergeben hätten. Die Beschwerdeführerin gehe davon aus, zu 100 % arbeitsfähig zu sein in der weiblichen Rolle. Es sei schwierig, die Arbeitsfähigkeit in Pro
zentangaben zu
beurteilen, da die Beschwerdeführerin seit über einem Jahr nicht mehr gearbeitet habe.
3.6
In ihrem Bericht vom 16. Juni 2015 (Urk. 11/41
/1-
4
) führten die Ärzte des
Z.___
, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, bei unverän
derten Diagnosen (vgl. Ziff. 1.1) aus, dass für eine berufliche Tätigkeit in
der
wei
b
lichen
Rolle keinerlei Einschränkungen bestünden, mithin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Es sei davon auszugehen, dass
sich
eine Wiederein
glie
derung in den Arbeitsmarkt
prognostisch sehr günstig auf die depressive Symptomatik auswirken werde (Ziff. 3.3, Ziff. 4.2).
3.7
Dr.
Y.___
nannte in ihrem Bericht vom 20. August 2015 (Urk. 11/45/5-7) die folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
primärer Transsexualismus Mann
-
zu
-
Frau mit bisexueller Orientierung (ICD-10 F64.0)
-
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.1) mit depressiver Stimmung, Angst
oder Sorge (oder eine Mischung von diesen
)
-
Trauma und
Traumafolgestörungen
Es gebe unverändert grosse Schwierigkeiten für die Beschwerdeführerin bei der Stellensuche. Trotz hohem Ausbildungsniveau im Versicherungsbereich und baldigem Abschluss eines Zusatzstudiums als Pensionskassenleiterin sei sie bei sämtlichen Bewerbungen nicht berücksichtigt worden (S. 1 unten).
Eine befris
tete Rente (0 % Arbeitsfähigkeit) bis die Transition abgeschlossen sei und die Beschwerdeführerin eine genügende Stabilität erreicht habe, wäre aus psychiat
rischer Sicht wichtig. Es bestehe bereits jetzt eine psychische Instabilität mit
dem
Risiko zu einer
chronifizierten
Erkrankung aufgrund der vielen krankma
chenden äusseren und inneren Belastungen (S. 2 unten). Die Arbeitsfähigkeit
a
l
s Mann betrage „%“, gemeint ist wohl 0 %. Bei optimal verlaufender Transition zur Frau könne die vorsichtige Prognose einer 100%igen Arbeitsfähig
keit ge
macht werden (S. 3 Mitte).
3.8
Dr. med.
B.___
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten am 7. Februar 2016 (Urk. 11/74).
Sie nannte folgende psychiatrische Diagnosen
mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 28 f.
):
-
Gender-Dysphorie im Sinne einer Mann-zu-Frau Transsexualität (ICD-10 F64.0) mit
-
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom und Status nach zwei
Suizidversu
chen
(ICD-10 F33.11)
-
psychosoziale Belastungsfaktoren
-
soziale Ausgrenzung oder Ablehnung
(ICD-10 Z60.4)
-
Probleme mit Bezug auf Berufstätigkeit oder Arbeitslosigkeit
(ICD-10 Z56)
-
Probleme mit Bezug auf den engen Familienkreis
-
unselbständige Verwandte
,
die häusliche Betreuung benötigt
(ICD-10 Z63.6)
-
andere belastende Lebensumstände
,
die die Familie oder Haushalts
führung in Mitleidenschaft ziehen
(ICD-10 F63.7)
-
wiederholt Opfer von sexueller Nötigung
(ICD-10 Z65.4)
-
Probleme mit Bezug auf die Wohnbedingungen oder die wirtschaftli
chen Verhältnisse
(ICD-10 Z59)
Die Gender
-
Dysphorie an sich stelle keine krankheitswerte oder arbeitsmedizi
nisch relevante Entität dar. Im Falle der Beschwerdeführerin sei sie aber mit ei
ner chronischen
dysthymen
Entwicklung verbunden, worauf sich eine bis in die 1990er Jahre zurück verfolgbare rezidivierende depressive Störung aufgepfropft habe. Die früheren depressiven Episoden seien sehr kurz gewesen und hätten sich in Suizidhandlungen manifestiert. Die aktuell zur Diskussion stehende Episode bestehe seit (etwa) Januar 2013 beziehungsweise seit
dem
Verlust des letzten Angestelltenverhältnisses per Dezember 2012, wobei der Beschwerde
führerin aus sozialdiskriminierenden Gründen die Kündigung nahegelegt wor
den sei. In die depressive Episode würden sich aber endogene mit exogenen Faktoren vermischen, da es im z
urückliegenden, zu beurteilenden
Zeitraum seit dem Jahr 2013 auch zu erheblichen psychosozialen Belastungen (Schmerzleiden und Invalidisierung der Partnerin mit inzwischen dadurch auch inadäquater Wohnung, Dementierung und Fremdplatzierung der Mutter, finanzielle Prob
leme, Arbeitslosigkeit, Streit mit sozialversicherungsrechtlichen Institutionen) gekommen sei (S. 29
Mitte
).
Soweit abgrenzbar sei dem genuinen depressiven Leiden im Endeffekt eine ar
beitsmedizinisch
e
Invaliditätsrelevanz zuzuordnen, die eine anhaltende 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit 1. Januar 2013 begründe. Wenn auch die psychosozialen Belastungsfaktoren miteinbezogen würden, sei das Leiden der Beschwerdefüh
rerin mittlerwei
le durchaus mit einem um einiges
höheren
Arbeitsunfähigkeits
grad
von 80 % bis 100 % zu verbinden (S. 29 unten). Etwaige berufliche Mass
nahmen würden gegenwärtig noch verfrüht erscheinen. Es sei auf eine Intensi
vierung der psychiatrischen Massnahmen und Sanierung des psychosozialen Belastungsgefüges zu fokussieren. Dazu würden auch die Installation einer psychopharmakologischen Behandlung sowie das Vorantreiben des Mann-zu-Frau
Transitionsprozesses
gehören, zumal die Beschwerdeführerin auch auf
grund ihres gegenwärtigen „zwittrigen“ wirkenden Erscheinungsbildes auf Ab
lehnung stossen dürfte (S. 29 unten f.).
Die arbeitsmedizinische Prognose sei grundsätzlich als sehr positiv zu bezeich
nen. Die Beschwerdeführerin sei vom Charakter und Wesen her leistungsorien
tiert und arbeitsmotiviert. Nach Abklingen der depressiven Episode, Abschluss des
Transitionsprozesses
und Sanierung des psychosozialen Belastungsgefüges sei von
einer
uneingeschränkte
n
Arbeitsfähigkeit im angestammten Bereich als Sozialversicherungsexpertin auszugehen (S. 30 oben).
Unter Intensivierung der psychiatrischen Behandlungsmassnahmen und des
Transitionsprozesses
sei nach Verlauf von ein bis zwei Jahren von einer 100%iger Arbeitsfähigkeit im ange
stammten Bereich auszugehen (S. 30 unten).
3.9
Die RAD-Ärztin Dr.
A.___
legte in ihrer Stellungnahme vom 15. Februar 2016 (Urk. 11/
76/
5-7) dar, dass auf das psychiatrische Gutachten von Dr.
B.___
abgestellt werden könne.
4.
4.1
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass das psychiatrische Gutach
ten von Dr.
B.___
(vorstehend E. 3.
8
) die von der Beschwerdeführerin ge
klagten Beschwerden in angemessener Weise berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
erstattet wurde und der konkreten medizinischen Situation Rechnung trägt. Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet. Die Beurteilung durch Dr.
B.___
ist nach dem Gesagten für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend. Das Gutachten erfüllt damit die praxisgemässen Kriterien für be
weiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (
vgl.
vorstehend
E. 1.4
) voll
umfänglich, so dass für die Entscheidfindung darauf abgestellt werden kann.
4.2
Dem psychiatrischen Gutachten sind nach ausführlicher Anamneseerhebung (vgl.
Urk. 11/74
S. 9 ff.) und psychiatrischer Befundaufnahme (vgl.
Urk. 11/74
S. 21 ff.) eine Gender-Dysphorie im Sinne einer Mann-zu-Frau Transsexualität (ICD-10 F64.0) mit
Dysthymia
(ICD-10 F34.1), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syn
drom und Status nach zwei Suizidversuchen (ICD-10 F33.11)
,
sowie diverse psychosoziale Belastungsfaktoren
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit zu entnehmen (vorstehend E. 3.8).
Dr.
B.___
führte die
attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht primär auf den Trans
sexualismus zurück, sondern auf die damit verbundene
chronische
dys
thyme
Entwicklung
,
worauf sich eine bis in die 1990er Jahre zurück verfolgbare rezidivierende depres
sive Störung aufgepfropft habe (vorstehend E. 3.8).
4.3
Die Diagnose Transsexualismus definiert sich gemäss ICD-10 F64.0 dadurch, dass der Wunsch besteht, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Kör
per dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.
Wie Dr.
B.___
zu Recht ausführte, stellt Transsexualismus an sich keine
krank
hei
tswerte
oder arbeitsmedizinisch
relevante Entität dar (vorstehend E. 3.8). So besteht seit 2015 ein explizite
r
Konsens im Weltärzteverbund, Gen
der-Dysphorie sei nicht als Krankheit zu betrachten, obwohl diese in der Inter
nationalen Klassifikation von Krankheit und Gesundheitsproblemen (ICD-10) derzeit noch in der Liste von Persönlichkeits- und Ver
haltensstörungen aufge
führt ist (vgl. Urk. 11/74 S. 29).
4.4
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, ein
zig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermas
sen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E. 3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung De
pressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich ver
langten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stati
onären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nach
haltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3; BGE
137 V 64
E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1).
Die Beschwerdeführerin ist seit dem Jahr 2008 in psychiatrischer Behandlung (vorstehend E. 3.1) und wird seit dem Jahr 2010 von der psychiatrischen Gen
der-Dysphorie-Sprechstunde des
Z.___
begleitet (vorstehend E. 3.2). Dr.
B.___
kam in ihrem psychiatrischen Gutachten zum Schluss, dass
unter Intensivierung der psychiatrischen Behandlungsmassnahmen und des
Transitionsprozesses
nach Verlauf von ein bi
s zwei Jahren von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit im angestammten Bereich auszugehen sei (vorstehend E. 3.8). So geht aus dem Gutachten hervor,
dass eine Intensivierung der psychiatrischen Behandlung angezeigt sei. Neben einer wöchentlichen Sitzungsfrequenz sei vor allem die
Installation einer psychopharmakologischen Behandlung eindeutig in
diziert. Zudem sei aufgrund des rezidivierenden Charakters der depressiven Störung die Installation eines Phasenprophylaktikums in Erwägung zu ziehen. Auch die Anbindung an der psychiatrischen Sprechstunde für G
ender-Dyspho
rie
am
Z.___
sei zu intensivieren.
Schliesslich
sei zu empfeh
len, den
Transitionsprozess
aktiv anzugehen (vgl. Urk. 11/74 S. 30).
Daraus folgt, dass
die
Behandlungsmöglichkeiten
noch nicht ausgeschöpft
sind
,
weshalb die depressive Symptomatik nicht als therapieresistent im Sinne der Rechtsprechung zu qu
alifizieren ist. Im Gegenteil, nach
Durchführung divers
er Behandlungsmöglichkeiten kann in einem bis zwei Jahren mit
eine
r
100%ige
n
Arbeitsfähigkeit
(in der weiblichen Rolle) gerechnet werden.
Inwiefern psychosoziale Faktoren die depressive Symptomatik ausgelöst
bezie
hungsweise beeinflusst
haben (vgl. vorstehend E.
1.3
, E. 3.8)
,
braucht
deshalb
vorliegend nicht näher geprüft zu werden.
4.5
Eine
Dysthymi
a
ist nach der im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 enthaltenen Umschreibung eine chronische depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Krite
rien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu erfüllen. Findet sich im Psychostatus nur eine
Dysthymie
, so kann dies rechtsprechungsgemäss wohl eine Einbusse an Leistungsfähigkeit mit sich bringen, kommt aber für sich allein betrachtet nicht einem Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes gleich. Diese Schlussfolgerung, die sich auf medizinische Empirie abstützt und damit eine Rechtsfrage darstellt, ist freilich nicht absolut zu setzen; eine
dysthyme
Störung kann die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall er
heblich beeinträchtigen, wenn sie zusammen mit anderen Befunden - wie etwa einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung - auftritt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.2).
Da die attestierte
Dysthymi
a
vorliegend nicht zusammen mit einer anderen
invali
disierenden
Beeinträchtigung aufgetreten ist, ist diese ebenfalls nicht in
validisierend.
4.
6
Zusammenfassend
vermögen
die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, als auch die
Dysthymia
keine Invalidität aus versicherungsrechtlicher Sicht zu begründen.
Da die Arbeitsfähigkeit keine medizinische, sondern eine juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen - wie hier - von der im medi
zinischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist (vgl. vorstehend E. 1.
5
).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin beantragte
primär
die Eingliederung
und auch Anstel
lung durch die SVA Zürich
als Fachfrau Sozialversicherungen
(vorstehend E. 2.2
, vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 1). D
arauf hat sie jedoch keinen
Rechtsanspruch.
In Frage kommen allenfalls
Eingliederungsmassnahmen, insbesondere
eine
Ar
beitsvermittlung.
5.2
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit
.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung
, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
5.3
Die Beschwerdeführerin verfügt über eine gute berufliche Ausbildung. So hat sie eine abgeschlossene Ausbildung im Detailhandel, ein höheres Wirtschaftsdiplom KLZ, ein Diplom Produktmanagement KLZ
,
ist Verwaltungsfachfrau für
Perso
nalvorsorge
mit eidgenössische
m
Fachausweis
und begann eine Weiterbildung zur Pensionskassenleiterin
(vgl. Urk. 11/29 S. 2 obe
n, Urk. 11/74 S. 14 oben).
Die Beschwerdeführerin hatte jedoch Mühe, trotz guter Ausbildung eine An
s
tellung als Frau zu finden (vorstehend
E. 3.4, E. 3.7
).
Aus dem Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung geht hervor, dass die Eingliederungsberatung in Absprache mit der Beschwerdeführerin abgeschlos
sen wurde, da kein konkreter Beratungs- beziehungsweise Unterstützungsbedarf bestand
en habe
, da sich die Beschwerdeführerin auf ihre Weiterbildung und auf die Diplomarbeit fokussiert habe (vorstehend E. 3.4).
Aus dem psychiatrischen Gutachten von Dr.
B.___
geht
sodann
hervor, dass etwaige berufliche Mass
nahmen
während des
Transitionsprozess
zur Frau
noch verfrüht erscheinen würden (vorstehend E. 3.8).
Daraus folgt, dass es im Verfügungszeitpunkt, mithin im März 2016, als sich die Beschwerdeführerin noch im
Transsitionsprozess
zur Frau befand, noch zu früh für allfällige berufliche Massnahmen war.
Sollte die Beschwerdeführerin nach
Abschluss
de
s
Transsitionsprozess
es
zur Frau imme
r noch Mühe bei der
Stel
lensuche
haben, kann sie sich wieder bei der Beschwerdegegnerin
betreffend
Eingliederungsmassnahmen melden.
6.
Zusammenfassend ist
somit
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint hat, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss de
r Beschwerdeführerin
aufzuerle
gen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
.
Das Gericht
erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr. 700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannPeter-Schwarzenberger