# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df5b93ba-8800-5a30-826a-8b542d3523a2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-10-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.10.2009 D-3650/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3650-2006_2009-10-09.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3650/2006
law/joc/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  9 .  O k t o b e r  2 0 0 9

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter Gérald Bovier, 
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A._______, geboren (...),
Kamerun,
vertreten durch lic. iur. Dominique Wetli, Rechtsanwalt, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFF vom 
15. September 2004 / N (...). 

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3650/2006

Sachverhalt:

A.
Mit Verfügung vom 15. September 2004 - eröffnet am 17. September 
2004 - stellte das BFF fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht-
lingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch vom 3. September 
2003 ab. Gleichzeitig  verfügte  es die  Wegweisung des Beschwerde-
führers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.

B.
Am  7.  Oktober  2004  orientierte  der  zwischenzeitlich  mandatierte 
Rechtsvertreter  das  BFF  über  einen  im  September  2004  erfolgten 
Spitalaufenthalt des Beschwerdeführers.

C.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. Oktober 2004 liess der 
Beschwerdeführer bei der damals zuständigen Schweizerischen Asyl-
rekurskommission (ARK) Beschwerde gegen die Verfügung des BFF 
vom  15.  September  2004  erheben  und  beantragen,  die  Dispositiv-
ziffern 3 bis 5 der Verfügung der Vorinstanz seien aufzuheben, es sei 
festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  unzulässig  even-
tualiter unzumutbar sei, und der Beschwerdeführer sei vorläufig aufzu-
nehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er beantragen, es sei 
ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und von der Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sei abzusehen.

Der Beschwerde lag - nebst einer Vollmacht des Rechtsvertreters und 
einer  Bestätigung  über  die  Fürsorgeabhängigkeit  des  Beschwerde-
führers  -  ein  Arztbericht  vom  30.  September  2004  von  Dr. med. 
B._______ sowie ein Schreiben der Schweizerischen Flüchtlingshilfe 
(SFH/OSAR) vom 8. September 2004 bei. 

D.
Mit Verfügung vom 4. November 2004 stellte der Instruktionsrichter der 
ARK fest, dass der Beschwerdeführer lediglich den durch das BFF an-
geordneten Vollzug der Wegweisung anfechte und daher die Disposi-
tivziffern 1 und 2 der Verfügung des BFF vom 15. September 2004 in 
Rechtskraft erwachsen seien. Das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen  Rechtspflege  hiess  der  Instruktionsrichter  gut;  gleichzeitig 
verzichtete er auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

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E.
Mit Vernehmlassung vom 18. November 2004 beantragte das BFF die 
Abweisung der Beschwerde.

F.
Mit  Eingabe vom 6. Dezember 2004 liess der Beschwerdeführer  zur 
Vernehmlassung Stellung nehmen.

G.
Mit Urteil des Strafgerichts C._______ vom 4. August 2005 wurde der 
Beschwerdeführer  wegen Gewalt  und Drohung gegen Behörden und 
Beamte sowie wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittel-
gesetz zu 30 Tagen Gefängnis - als Zusatzstrafe zum Urteil des Straf-
befehlsrichters C._______ vom 6. April 2005 - verurteilt. 

H.
Mit  Verfügung  vom  9.  Juli  2009  forderte  der  Instruktionsrichter  den 
Beschwerdeführer  auf,  innert  Frist  einen aktuellen  ärztlichen Bericht 
sowie eine Erklärung einzureichen, mit welcher er die ihn behandeln-
den Ärzte  dem Bundesverwaltungsgericht  und dem BFM gegenüber 
von der ärztlichen Schweigepflicht entbinde. 

I.
Mit  Schreiben  seines  Rechtsvertreters  vom 10. August  2009 reichte 
der Beschwerdeführer einen Arztbericht von Dr. med. B._______ und 
Dr. med. D._______ vom 5. August 2009 zu den Akten. 

J.
Ein  weiteres  ärztliches  Zeugnis  derselben  Ärzte  datierend  vom 
10. August 2009 sowie ein Ausdruck einer Internet-seite betreffend die 
Verfügbarkeit  von Medikamenten  in  Kamerun  liess  der  Beschwerde-
führer mit Eingabe vom 20. August 2009 einreichen.

K.
Am 3. September 2009 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerde-
führers eine Kostennote zu den Akten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM (ehemals BFF) gehört zu den Behör-
den nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im 
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; 
es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung  der  bei  der  ARK  am  31.  Dezember  2006  hängig  gewesenen 
Rechtsmittel  übernommen. Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar 
(vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  und hat  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise Änderung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG 
sowie Art. 48 Abs. 1, Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 
Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Wie bereits  in  der Verfügung vom 4. November  2004 festgestellt,  ist 
davon  auszugehen,  dass  sich  die  vorliegende  Beschwerde  aus-
schliesslich gegen den angeordneten Vollzug der Wegweisung richtet. 
In der Beschwerde wird zwar formell auch die Aufhebung der Ziffer 3 
des Dispositivs der angefochtenen Verfügung beantragt, in welcher die 
Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz verfügt wird. In-
dessen wird in der Beschwerde nicht dargelegt, weshalb das BFF die 

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Wegweisung, welche als solche Regelfolge der Ablehnung eines Asyl-
gesuches bildet (Art. 44 Abs. 1 AsylG), zu Unrecht verfügt haben soll. 
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet somit die Frage, ob das 
BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  angeordnet  hat  (vgl. 
Art. 44  Abs.  2  AsylG),  bzw.,  ob  entsprechend  der  Rechtsbegehren 
infolge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit an Stelle des Vollzugs der 
Wegweisung die vorläufige Aufnahme anzuordnen ist  (Art. 44 Abs. 2 
AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  1,  3  und  4  des  Bundesgesetzes  vom 
16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]). 

4.
4.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1-4 AuG.

4.2 Die  vorstehend  erwähnten  Bedingungen  für  die  Anordnung  der 
vorläufigen  Aufnahme  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglich-
keit)  sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt  ist,  ist  der 
Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die 
weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über 
die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  Entscheidungen  und  Mittei-
lungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006 
Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.; EMARK 2001 Nr. 1 E. 6a S. 2). Gegen eine all-
fällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht der weggewiesenen 
asylsuchenden Person wiederum die Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht  offen  (Art. 31-34  VGG,  Art. 83  Bst.  c  Ziff.  3  BGG), 
wobei  in  jenem  Verfahren  sämtliche  Vollzugshindernisse  von  Amtes 
wegen und nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse 
(vgl. EMARK 1997 Nr. 27) zu prüfen sind.

5.
5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  entgegen-
stehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form 
zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr 
Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG ge-
fährdet  ist  oder in dem sie Gefahr läuft,  zur  Ausreise in  ein solches 
Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 

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Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 
Flüchtlinge [FK,  SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3  der  Bundes-
verfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April 
1999 (BV, SR 101),  Art.  3  des Übereinkommens vom 10. Dezember 
1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis 
zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand 
der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe oder  Be-
handlung unterworfen werden.

5.2 In der Beschwerde wird betreffend die Frage der Zulässigkeit des 
Vollzugs der Wegweisung geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei 
- wie durch Befund vom 31. August 2004 bestätigt - an AIDS erkrankt, 
werde deswegen seit dem 23. September 2004 antiretroviral behandelt 
und  befinde  sich  bereits  im  Stadium  C3.  Bei  einer  Rückkehr  nach 
Kamerun sei die notwendige Behandlung nicht gewährleistet, weshalb 
der Vollzug seiner Wegweisung eine gemäss Art. 3 EMRK verbotene 
unmenschliche  und erniedrigende  Behandlung  darstellen  würde  und 
daher unzulässig sei.

5.3 Die Vorinstanz stellt sich demgegenüber in ihrer Vernehmlassung 
vom 18. November 2004 hauptsächlich auf den Standpunkt, die HIV-
Erkrankung  des  Beschwerdeführers  befinde  sich  noch  nicht  in  der 
terminalen Phase und stelle damit  kein Unzulässigkeitskriterium dar. 
Infolge  seines  deliktischen  Verhaltens  stelle  der  Beschwerdeführer 
eine Gefahr für  die öffentliche Sicherheit  und Ordnung dar. Die Prü-
fung der  Frage,  ob sich  der  Wegweisungsvollzug aus  medizinischen 
Gründen als unzumutbar erweise, erübrige sich daher. 

5.4
5.4.1 Nach der Klassifikation des amerikanischen Center for Disease 
Control and Prevention wird eine HIV-Infektion in verschiedene Stadien 
unterteilt.  Im  Stadium A  leidet  der  Betroffene  unter  keinerlei  Be-
schwerden,  während  im  Stadium B  Erkrankungen  auftreten,  welche 
auf  eine  Störung des Immunsystems hinweisen,  und das Stadium C 
die eigentliche Erkrankung an AIDS bedeutet. Die Stadien A-C werden 
nach  dem  jeweiligen  CD4-Wert  (Anzahl  "Helferzellen"  pro  Mikroliter 
Blut) jeweils in die Stufen 1 (mehr als 500 "Helferzellen" pro Mikroliter 
Blut), 2 (zwischen 200 und 499 "Helferzellen" pro Mikroliter Blut) und 
3 (weniger als 300 "Helferzellen" pro Mikroliter Blut unterteilt (vgl. Ent-

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scheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE] 
2009/2 E. 9.1.4).

5.4.2 Gemäss dem Arztbericht vom 30. September 2004 von Dr. med. 
B._______ wurde beim Beschwerdeführer eine HIV-Infektion Stadium 
C3 (AIDS), ein  chronisch exulzerierender Herpes genitalis im Scham-
haarbereich,  genitale  Condylomata  acuminata,  kryotherapiert  08/04, 
der Status nach Zoster 2001 sowie eine unklare Konjuktivitis/Episkleri-
tis am linken Auge diagnostiziert. Als CD4-Zellzahl wurden im Bericht 
61/µl  (6%)  genannt  und  ausgeführt,  der  Beschwerdeführer  sei  auf-
grund der weit fortgeschrittenen HIV-Infektion mit schwerstem Immun-
defekt auf eine kontinuierliche antiretrovirale Therapie respektive eine 
antiretrovirale Kombinationsbehandlung angewiesen. Ebenfalls bedürfe 
es  einer  Weiterführung  der  suppressiven  Behandlung  des  Herpes 
genitalis  und  einer  Prophylaxe  von  Pneumocystis-Pneumonie  und 
zerebraler  Toxoplasmose  mit  Bactrim. Ohne  Therapie  müsse  ange-
sichts des schweren Immundefektes unmittelbar mit dem Auftreten von 
lebensbedrohlichen  opportunistischen  Infektionen  oder  Tumorleiden 
gerechnet werden. Auch mit Therapie bestünde ein solches Risiko für 
opportunistische  Infektionen  in  den  ersten  Behandlungswochen; 
dieses  werde  jedoch  rasch  abnehmen  und  mit  ansteigenden  CD4-
Zellen  und  allgemeiner  Immunrekonstitution  werde  der  Beschwerde-
führer  unter  fortgesetzter  längerfristiger  Therapie  gegen  opportunis-
tische  Infektionen  geschützt  sein.  Zwar  dürften  aus  ärztlicher  Sicht 
antiretrovirale Medikamente in Kamerun punktuell  erhältlich sein. Von 
einer Verfügbarkeit, die eine kontinuierliche Behandlung gewährleisten 
würde, könne jedoch keinesfalls ausgegangen werden. Aufgrund der in 
der  Regel  für  die  Durchschnittsbevölkerung  unerschwinglichen 
Medikamentenpreise  und  dem  hohen  Risiko  von  Medikamenten-
fälschungen  mit  fehlender  oder  abgeschwächter  Wirkung  sei  eine 
adäquate medizinische Behandlung im Heimatstaat des Beschwerde-
führers nicht gegeben.

5.4.3 Dem aktuellen  medizinischen  Bericht  von Dr. med. B._______ 
vom  5. August  2009  lässt  sich  sodann  entnehmen,  dass  die  AIDS-
Erkrankung (HIV-Infektion Stadium CDC 3) des Beschwerdeführers zu 
schweren  opportunistischen  Erkrankungen,  insbesondere  einem 
Kaposi-Sarkom der Bindehaut am linken Auge sowie im Mundbereich, 
geführt  habe. Im  Weiteren  bestehe  eine  chronische  Herpes  simplex 
Ulkus-Infektion  im  Genitalbereich  mit  mehreren  Rezidiven.  Zudem 
führt  der  behandelnde  Arzt  aus,  die  am  23.  September  2004  be-

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gonnene antiretrovirale Therapie habe am 14. Dezember 2007 wegen 
virologischen Versagens auf eine Zweitlinien-Therapie umgestellt wer-
den müssen. Unter der HIV-Therapie habe sich die Abwehrlage stabili-
siert, was zum vollständigen Verschwinden des Kaposi-Sarkoms ohne 
erneutes  Auftreten  von  opportunistischen  Erkrankungen  oder  Infek-
tionen  geführt  habe.  Der  Allgemeinzustand  des  Beschwerdeführers 
habe sich seit Beginn der HIV-Therapie 2004 normalisiert und die Ver-
träglichkeit  der  derzeit  eingenommenen  Medikamente  sei  sehr  gut. 
Trotz der  konsequenten Einnahme der  Medikamente bestehe jedoch 
seit  Monaten  keine  vollständige  Virusunterdrückung,  weshalb  in 
nächster Zeit allenfalls eine erneute Resistenztestung mit Umstellung 
der  HIV-Therapie  notwendig  sein  werde.  Gemäss  dem  aktuellen 
Wissensstand sei  die antiretrovirale Therapie  lebenslänglich notwen-
dig. Bei  einem Weglassen  der  HIV-Therapie  würde  es  innert  kurzer 
Zeit  (Monate)  zu  einer  deutlichen  Verschlechterung  der  Abwehrlage 
kommen,  was  sich  im  Auftreten  schwerer  opportunistischer  Infektio-
nen,  beim  Beschwerdeführer  im  Speziellen  im  Auftreten  des  bösar-
tigen Tumors Kaposisarkom, zeigen würde. 

5.4.4 In  der  ergänzenden  ärztlichen  Stellungnahme vom 10. August 
2009  erklären  die  Fachärzte  Dr.  med.  B.______  und  Dr.  med. 
D._______  zudem,  aufgrund  des  virologischen  Versagens  unter 
Combivir und Stocir Ende 2007 bestehe eine nachweislich vollständige 
Resistenz  auf  die  meisten  Vertreter  der  Klasse  NNRTI  (nicht 
nukleosidale Reverse Transktriptase Hemmer) darunter insbesondere 
Efavirenz  und  Nevirapin.  Auch  seien  Vertreter  der  nukleosidischen 
Retrotranskriptasehemmer  -  zumindest  Lamivudin  und Emtricitabin  - 
nicht mehr wirksam. Im Weiteren führen die Ärzte aus, dass es leider 
nie zu einer vollständigen Virussuppression gekommen sei und bisher 
bei  niedrigem  Virustiter  keine  Resistenzprüfung  habe  durchgeführt 
werden  können.  Es  scheine  eine  Frage  der  Zeit,  bis  es  zu  einem 
etablierten Therapieversagen komme und es sei anzunehmen, dass zu 
diesem  Zeitpunkt  eine  breite  Kreuzresistenz  des  Virus  gegen  die 
meisten  nukleosidischen  Retrotranskriptasehemmer  vorliegen  werde, 
also auch gegen Zidovudin, Abacavir, Didanosin und Tenofovir. Ausser-
dem würden Resistenzen in der Klasse der Proteasehemmer nicht un-
wahrscheinlich scheinen, so dass dann auf ein komplexes Drittlinien-
regime  ausgewichen  werden  müsse.  Medikamente  wie  Raltegravir, 
Darunavir, Etravirin oder Enfuvirtid, die in dieser Situation zum Einsatz 
kommen  würden,  seien  ihres  Wissens  in  Drittweltländern,  auch  im 
Rahmen von Programmen, nicht erhältlich. Es sei  damit zu rechnen, 

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dass  der  Beschwerdeführer  in  absehbarer  Zeit  (Monate  bis  wenige 
Jahre)  auf  eine  nur  in  westlichen  Industriestaaten  und  gewissen 
Schwellenländern  verfügbare  komplexe  antriretrovirale  Therapie  und 
das entsprechende Spezialwissen vital angewiesen sein werde.

5.4.5 Aufgrund dieser  ärztlichen Berichte steht  somit  fest,  dass sich 
die  HIV-Infektion  des  Beschwerdeführers  im Stadium C3 (AIDS)  und 
damit in der terminalen Phase befindet.

5.5 Der  Europäische  Gerichtshof  für  Menschenrechte  (EGMR)  hat 
sich schon mehrfach mit der Frage der Vereinbarkeit der Abschiebung 
Kranker in einen anderen Staat mit Art. 3 EMRK befasst. Dabei hat er 
unter anderem mehrmals festgehalten, dass die Wegweisung von HIV-
infizierten  Personen,  die  noch  nicht  an  AIDS  erkrankt  sind,  Art. 3 
EMRK nicht verletze (vgl. EGMR N. gegen Grossbritannien, Urteil vom 
27. Mai  2008,  Grosse  Kammer,  Beschwerde  Nr. 26565/05  mit  einer 
Hinweisen  auf  die  bisherige  Rechtsprechung  des  EGMR).  Dem-
gegenüber kann gemäss Auffassung des EGMR die Wegweisung einer 
in  der  terminalen  Phase  an  AIDS  erkrankten  Person  unter  ganz 
aussergewöhnlichen  Umständen  als  unmenschliche  Behandlung  im 
Sinne von Art. 3 EMRK erscheinen. Solche besonderen Umstände be-
jahte  der  EGMR im Falle  an  einer  im  fortgeschrittenen  Stadium an 
AIDS  erkrankten  Person,  die  durch  die  Abschiebung  einem  realen 
Risiko ausgesetzt worden wäre, unter qualvollen Umständen zu ster-
ben  (vgl.  Urteil  vom  2.  Mai  1997  i.S.  D.  gegen  Grossbritannien 
[Beschwerde Nr. 30240/96]). 

5.6
5.6.1 In  Kamerun  kommen  bei  einer  antiretroviralen  Therapie  vor 
allem  die  Medikamentenkombinationen  Zidovudine,  Lamivudine  und 
Efavirenz;  Zidovudine,  Lamivudine  und  Nevirapine;  Lamivudine, 
Stavudine und Nevirapine sowie Lamivudine, Stavudine und Efavirenz 
zum Einsatz. Nebst einer Erstlinien-Medikation sind zudem grundsätz-
lich  auch  Medikamente  zur  Durchführung  einer  Zweitlinien-Therapie 
erhältlich.  Personen,  die  sich  wie  der  Beschwerdeführer  im  Krank-
heitsstadium  C3  befinden,  haben  in  Kamerun  zudem  Zugang  zum 
nationalen  HIV/AIDS-Programm,  das  heisst  diese  können  sich  in 
einem der  zahlreichen Behandlungszentren für  eine  kostenlose anti-
retrovirale Therapie registrieren lassen. Da nur sogenannte First-Line-
Medikamente kostenlos sind und aufgrund der herrschenden Korrup-
tion im Gesundheitswesen Medikamente oftmals nur gegen Bezahlung 

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abgegeben  werden,  kann  eine  solche  Therapie  aber  dennoch  mit 
Kosten verbunden sein. Zudem sind sämtliche Labortests grundsätz-
lich kostenpflichtig und es können im Weiteren hohe Transportkosten 
anfallen,  da die Durchführung spezieller  Tests nicht  in  allen  Zentren 
möglich ist (vgl. SFH/OSAR, Kamerun: Behandlungsmöglichkeiten von 
HIV/AIDS,  22.  Mai  2008  [S. 2  ff.]);  SFH/OSAR,  Kamerun:  Behand-
lungsmöglichkeiten  von  HIV/AIDS,  30.  Juni  2006  [S. 4];  La  nouvelle 
expression  (Cameroun)  „Cameroun:  543 000  malades  en  difficulté“ 
[www.survrivreausida.net  ], 11. März 2008) .

5.6.2 Allfällige vom Beschwerdeführer für eine medizinische Behand-
lung  zu  tragende  Kosten  stellen  für  sich  allein  betrachtet  -  ebenso-
wenig  wie  ein  allenfalls  erschwerter  Zugang  oder  qualitativ  minder-
wertige Behandlungsmöglichkeiten - keine unmenschliche Behandlung 
im Sinne von Art. 3 EMRK dar. Zu berücksichtigen gilt  es aber, dass 
bei Versagen einer Erst- und Zweitlinien-Therapie respektive entspre-
chender Resistenzentwicklung ein AIDS-Patient in Kamerun nicht auf 
eine  Drittlinien-Therapie  umstellen  kann,  da  die  dafür  erforderlichen 
Medikamente überhaupt nicht zur Verfügung stehen (vgl. SFH/OSAR, 
Kamerun:  Behandlungsmöglichkeiten  von  HIV/AIDS,  22.  Mai  2008 
[S. 2];  Irin  humanitarian  news  and  analysis  [www.irinnews.org] 
„Cameroon:  Desperately  seeking  third-line  medication“,  28.  August 
2009).  Für  den  Beschwerdeführer,  der  gemäss  ärztlichem  Zeugnis 
eine Zweitlinien-Therapie durchführt  und bereits gegen die Wirkstoffe 
Efavirenz und Nevirapin sowie auch Lamivudin und Emtricitabin resis-
tent  ist,  ist  es  nach  ärztlicher  Auffassung  lediglich  eine  Frage  von 
Monaten bis wenigen Jahren bis es zu einem etablierten Therapiever-
sagen  kommt  und  der  Beschwerdeführer  daher  auf  eine  komplexe 
Drittlinien-Therapie zwingend angewiesen sein wird (vgl. vorstehende 
Ziffer  5.4.4).  Es  ist  demzufolge  davon  auszugehen,  dass  dem  Be-
schwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  die  für  ihn 
lebensnotwendige  Drittlinien-Therapie  und  damit  faktisch  die  nötige 
medizinische Versorgung versagt bliebe. Der Beschwerdeführer würde 
daher  im  Falle  seiner  Ausschaffung  dem  realen  Risiko  ausgesetzt, 
lebensbedrohliche  opportunistische  Infektionen  und  Tumore  erleiden 
zu müssen. Unter diesen besonderen Umständen erscheint eine Weg-
weisung des Beschwerdeführers nach Kamerun unter dem Aspekt von 
Art. 3 EMRK als nicht zulässig.

Seite 10

http://www.suvrivreausida.net/

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6.
6.1 Aus diesen Erwägungen ergibt  sich,  dass das  BFM den Vollzug 
der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Kamerun  zu  Unrecht 
als zulässig erachtet hat und die Verfügung vom 15. September 2004, 
soweit  sie angefochten wurde,  Bundesrecht  verletzt  (Art. 106 Abs. 1 
Bst.  a  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  demnach  gutzuheissen  und  die 
Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung sind aufzuhe-
ben  und das BFM ist  anzuweisen,  den Aufenthalt  des  Beschwerde-
führers nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme zu regeln (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 3 AuG).

6.2 Infolge der Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zuges  findet  Art.  83  Abs. 7  AuG keine  Anwendung. Es  kann  daher 
offen bleiben, ob der Beschwerdeführer - wie vom Bundesamt in der 
Vernehmlassung angenommen - durch sein deliktisches Verhalten die 
öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gefährdet. 

7.
7.1 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  zu 
sprechen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 Als  obsiegender  Partei  ist  dem  Beschwerdeführer  zulasten  der 
Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwen-
digen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 
Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]). Der in der Kostennote vom 3. September 2009 
geltend gemachte Arbeitsaufwand von 9 Stunden sowie die Auslagen 
von  Fr.  50.--  erscheinen  als  angemessen.  Der  Stundenansatz  von 
Fr. 180.-- bewegt sich zudem im Rahmen von Art. 10  Abs. 2 VGKE. 
Das  BFM  ist  demzufolge  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung von Fr. 1'670.-- (inkl. Auslagen) auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

D-3650/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung vom 15. September 
2004 werden aufgehoben.

3.
Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  vorläufig  aufzu-
nehmen. 

4.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

5.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 1'670.-- zu entrichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
angefochtene Verfügung im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

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