# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a7dec3a8-bb62-5c8d-9f48-df798acf04c9
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-07
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 07.10.2020 SK 2019 393
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-393_2020-10-07.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 19 393

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 7. Oktober 2020 

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), 
Obergerichtssuppleantin Schaer, 
Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiberin Gerber

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
a.v.d. Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Vergewaltigung (mehrfach), sexuelle Nötigung und Tätlichkeiten 
(mehrfach)

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Kolle-
gialgericht) vom 28. Mai 2019 (PEN 19 47)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Oberland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung; nachfolgend 
Vorinstanz) erklärte A.________ (Beschuldigter/Berufungsführer; nachfolgend Be-
schuldigter) wie folgt schuldig (Ziff. I.1.-3.2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 480):

1. der Vergewaltigung, mehrfach begangen in der Zeit zwischen April 2018 und 3. August 2018 in 
E.________(Ort) z.N.v. C.________;

2. der sexuellen Nötigung, begangen in der Zeit zwischen April 2018 und 3. August 2018 in 
E.________(Ort) z.N.v. C.________;

3. der Tätlichkeiten, mehrfach begangen 

3.1. anfangs Juli 2018 in E.________(Ort) z.N.v. C.________;

3.2. am 4. August 2018 in E.________(Ort) z.N.v. C.________.

In Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen verurteilte die Vorinstanz 
den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wobei sie für eine Teil-
strafe von 24 Monaten den Vollzug bei einer Probezeit von 2 Jahren aufschob und 
die Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft von 266 Tagen an die zu vollziehende 
Teilstrafe (12 Monate) anrechnete (Ziff. I.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 480). Sodann wurde er zu einer Übertretungsbusse von CHF 1'000.00 und ei-
ner Landesverweisung von 7 Jahren verurteilt, wobei die Ersatzfreiheitsstrafe bei 
schuldhafter Nichtbezahlung der ebengenannten Busse auf 10 Tage festgesetzt 
wurde (Ziff. I.2.-3. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 480). Weiter aufer-
legte die Vorinstanz dem Beschuldigten die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von 
insgesamt CHF 21’981.45 (inkl. Gebühren von CHF 19'975.00 und Auslagen von 
CHF 2'006.45; Ziff. I.4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 480) und ver-
urteilte ihn zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 14'212.65 an C.________ 
(Straf- und Zivilklägerin, nachfolgend: Privatklägerin) für ihre Aufwendungen im 
erstinstanzlichen Verfahren (Straf- und Zivilpunkt; Ziff. I.5. des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs, pag. 480). Schliesslich legte die Vorinstanz die amtliche Entschädi-
gung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten durch 
Rechtsanwältin B.________ sowie für die unentgeltliche Rechtsvertretung der Pri-
vatklägerin durch Rechtsanwältin D.________ im erstinstanzlichen Verfahren fest 
(Ziff. II. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 481 f.). Im Zivilpunkt verurteilte 
die Vorinstanz den Beschuldigten in Anwendung von Art. 49 Obligationenrecht 
(OR; SR 220) und Art. 126 Schweizerische Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) 
ohne Ausscheidung von Kosten zur Bezahlung einer Genugtuung von 
CHF 18'000.00 zzgl. Zins von 5 % seit dem 2. Juni 2018 an die Privatklägerin 
(Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 482). Letztlich traf sie die 
notwenigen Verfügungen und ordnete dabei insbesondere an, den Beschuldigten – 
vorerst für 3 Monate – in Sicherheitshaft zu belassen (Art. 231 i.V.m. 

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Art. 227 StPO) und dass das beschlagnahmte Mobiltelefon htc, desire 10 lifestyle 
(weiss) nach Eintritt der Rechtskraft an den Beschuldigten zu retournieren sei 
(Ziff. IV des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 482 f.).

2. Berufung

Am 28. Mai 2019 (Tag der Urteilseröffnung, vgl. pag. 479) meldete der Beschuldig-
te, weiterhin verteidigt durch Rechtsanwältin B.________, fristgerecht die Berufung 
gegen das erstinstanzliche Urteil an (pag. 639). 

Die Urteilsbegründung des Regionalgerichts datiert vom 14. Oktober 2019 
(pag. 592 ff.).

Ebenfalls form- und fristgerecht reichte der Beschuldigte mit Eingabe vom 29. Ok-
tober 2019 die schriftliche Berufungserklärung ein (pag. 648 f.). Darin beschränkte 
er die Berufung auf die Schuldsprüche wegen mehrfacher Vergewaltigung (Ziff. I.1. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 480) sowie sexueller Nötigung 
(Ziff. I.2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 480), auf die Straffolgen be-
treffend die Freiheitsstrafe (Ziff. I.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 480), die Landesverweisung (Ziff. I.3. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 480), die Verfahrenskosten (Ziff. I.4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 480), die Entschädigung an die Privatklägerin (Ziff. I.5. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs, pag. 480), die Genugtuung (Zivilpunkt, Ziff. III.1. des erstinstanz-
lichen Urteilsdispositivs, pag. 482) sowie auf die angeordnete Ausschreibung der 
Landesverweisung im Schengener Informationssystem (nachfolgend SIS; Ziff. IV.5. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 483). 

Die Generalstaatsanwaltschaft, vertreten durch den stv. Generalstaatsanwalt 
F.________, teilte mit Eingabe vom 11. November 2019 mit, dass aus ihrer Sicht 
kein Grund für ein Nichteintreten auf die Berufung bestehe. Zeitgleich verzichtete 
sie auf die Erklärung der Anschlussberufung (pag. 655 f.). 

Die Privatklägerin, weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin D.________, liess sich 
innert Frist nicht dazu vernehmen (pag. 671).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden vom Amtes wegen aktuel-
le Straf- und Leumundsberichte inkl. Erhebungsformular wirtschaftliche Verhältnis-
se (datierend vom 9. resp. 1. September 2020, pag. 696 und pag. 688 ff.) über den 
Beschuldigten eingeholt. 

Weiter wurde den Parteien kurz vor Verhandlungsbeginn je eine Kopie der edierten 
Akten des M.________(Frauenhaus), Journalausdruck betreffend die Privatkläge-
rin, erstellt zwischen 9. und 13. August 2018 (pag. 709 ff.), sowie der Fachstelle 
J.________(Anlaufstelle) bei sexueller und häuslicher Gewalt, 
J.________(Anlaufstelle), erstellt zwischen 9. und 31. August 2018 (pag. 719 ff.) 
inkl. unterzeichneter Entbindungserklärung (pag. 704) abgegeben.

Ausserdem wurden der Beschuldigte sowie die Privatklägerin in der oberinstanzli-
chen Hauptverhandlung vom 6. Oktober 2020 erneut einvernommen (pag. 726 ff., 
736 ff.).

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4. Anträge der Parteien

Rechtsanwältin B.________ beantragte und begründete in der oberinstanzlichen 
Verhandlung für den Beschuldigten Folgendes (pag. 744):

Schuldsprüche 

1. Ziff. 1.1. Schuldspruch wegen Vergewaltigung, mehrfach begangen in der Zeit zwischen 
April 2018 und 3. August 2018 in E.________(Ort) z.N.v. C.________;

2. Ziff. 1.2. Schuldspruch wegen sexueller Nötigung, begangen in der Zeit zwischen April 2018 
und 3. August 2018 in E.________(Ort) z.N.v.C.________; 

Straffolgen 

3. Ziff. 1.1. Freiheitsstrafe von 36 Monaten; 

4. Ziff. 1.3. Landesverweisung von 7 Jahren; 

5. Ziff. 1.4. Verfahrenskosten; 

6. Ziff. 1.5. Entschädigung zu Gunsten von C.________ in der Höhe von CHF 14'212.65;

7. Ziff. III. 1. Genugtuung in der Höhe von CHF 18'000.00; 

Verfügung 

8. Ziff IV.5. Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem.

Das erstinstanzliche Urteil sei wie folgt abzuändern: 

1. A.________ sei vom Vorwurf der Vergewaltigung, mehrfach, und der sexuellen Nötigung, 
beide angeblich zum Nachteil von C.________ in der Zeit zwischen April 2018 und 3. 
August 2018 in E.________(Ort), freizusprechen; 

2. Die anteilsmässigen erstinstanzlichen und die vollen oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien 
dem Staat aufzuerlegen; 

3. A.________ sei eine angemessene Entschädigung in der Höhe der Verteidigungskosten 
auszurichten; 

4. A.________ sei eine Entschädigung für die zu Unrecht ausgestandene Untersuchungs- und 
Sicherheitshaft vom 5. September 2018 bis 3. September 2019 (364 Tage) in der Höhe von CHF 
36'400.00 auszurichten; 

Die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin auf Ausrichtung einer Genugtuung und Ausrichtung einer 
Entschädigung für deren Aufwendungen sei abzuweisen.

Der stv. Generalstaatsanwalt beantragte und begründete seinerseits für die Gene-
ralstaatsanwaltschaft, was folgt (pag. 760 f.):

I.
Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Oberland vom 28. Mai 2020 insoweit 
in Rechtskraft erwachsen ist, als A.________ 

1. schuldig erklärt wurde der Tätlichkeiten, mehrfach begangen Anfang Juli 2018 und am 4. Au-
gust 2018 in E.________(Ort) z.N.v. C.________;

2. verurteilt wurde zu einer Busse von CHF 1'000.00, unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe 
von 10 Tagen bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse. 

l l .

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der Vergewaltigung, mehrfach begangen in der Zeit zwischen April 2018 und 3. August 2018 
in E.________(Ort) z.N.v. C.________;

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2. der sexuellen Nötigung, begangen in der Zeit zwischen April 2018 und 3. August 2018 in 
E.________(Ort) z.N.v. C.________; 

und zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Davon seien 12 Monate zu vollziehen. Für eine 
Teilstrafe von 24 Monaten sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren bei einer Probezeit von 
2 Jahren. Die ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft sei auf die zu 
vollziehende Teilstrafe anzurechnen. 

2. zu einer Landesverweisung von 7 Jahren. 
3. zu den erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

Es seien die weiteren Verfügungen zu treffen und die Ausschreibung der Landesverweisung im 
Schengener Informationssystem anzuordnen.

Rechtsanwältin D.________ stellte für die Privatklägerin folgende Anträge 
(pag. 762):

Im Namen meiner Mandantin stelle ich folgende Anträge: 

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Oberland vom 28. Mai 2019 insoweit 
in Rechtskraft erwachsen ist, als Herr A.________, geb. 6. März 1988 in 
G.________(Stadt)/Somalia, aus Somalia, H.________(Adresse) E.________(Ort) schuldig 
erklärt wurde wegen der Tätlichkeiten, mehrfach begangen: 

1. anfangs Juli 2018 in E.________(Ort), z.N.v. C.________;

2. am 4. August 2018 in E.________(Ort), z.N.v. C.________.

Herr A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 StGB), mehrfach begangen, in der Zeit zwischen April 
2018 und 3. August 2018 in E.________(Ort), I.________(Adresse), z.N.v. C.________

2. der sexuellen Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB), begangen in der Zeit zwischen April 2018 und 
3. August 2018 in E.________(Ort), I.________(Adresse), z.N.v. C.________ 

und zu verurteilen: 

1. zu einer angemessenen Strafe 

2. zu den gesamten Verfahrenskosten 

3. zur Bezahlung von CHF 18'000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 2. Juni 2018 an 
Frau C.________.

4. zur Bezahlung der gesamten Interventionskosten der Straf- und Zivilklägerin für das erst- 
und zweitinstanzliche Verfahren, für das erstinstanzliche Verfahren gemäss bereits 
eingereichter Kostennote und für das zweitinstanzliche Verfahren gemäss heutiger 
Kostennote.

Im Weiteren sei das Honorar der amtlichen Vertreterin der Straf- und Zivilklägerin zu verfügen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil in Teilen angefochten (siehe Ziff. 2. 
hiervor). Konkret richtete er seine Berufung gegen die Schuldsprüche nach 
Ziff. I.1.-2. (Schuldspruch wegen mehrfacher Vergewaltigung und wegen sexueller 
Nötigung), gegen das Strafmass nach Ziff. I.1., Ziff. I.3.-5. sowie gegen den Zivil-
punkt nach Ziff. III.1. und die verfügte Ausschreibung der Landesverweisung im SIS 

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nach Ziff. IV.5 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs. Weiter beantragte er eine 
angemessene Entschädigung für seine Verteidigungskosten sowie eine solche für 
die angeblich zu Unrecht ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 
364 Tagen (5. September 2018 bis 3. September 2019) von insgesamt 
CHF 36'400.00.

Damit sind die Ziff. I.1.-2. (Schuldsprüche wegen mehrfacher Vergewaltigung und 
sexueller Nötigung), Ziff. I.1. (Verurteilung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 
36 Monaten bei einer Probezeit von 2 Jahren), Ziff. I.3.-5. (Verurteilung zu einer 
Landesverweisung von 7 Jahren, Kostenverlegung und Entschädigung der Privat-
klägerin), Ziff. III. (Zivilpunkt) sowie Ziff. IV.5. (Ausschreibung der Landesverwei-
sung im SIS) des erstinstanzlichen Urteils durch die Kammer neu zu beurteilen. 

Die Ziff. I.3. (Schuldsprüche wegen mehrfacher Tätlichkeiten), Ziff. I.2. (Übertre-
tungsbusse von CHF 1'000.00 inkl. Ersatzfreiheitsstrafe) sowie Ziff. IV.2. (Retour-
nierung des beschlagnahmten Mobiltelefons htc) des erstinstanzlichen Urteilsdis-
positivs sind demgegenüber in Rechtskraft erwachsen. 

Die Kammer verfügt hinsichtlich der angefochtenen Urteilspunkte über volle Kogni-
tion (Art. 398 Abs. 3 StPO). Da die Generalstaatsanwaltschaft weder Berufung führt 
noch Anschlussberufung erhoben hat, darf die Kammer das Urteil grundsätzlich 
nicht zum Nachteil des Beschuldigten abändern (sog. Verschlechterungsverbot 
oder Verbot der reformatio in peius). Vorbehalten bleibt eine strengere Bestrafung 
aufgrund von Tatsachen, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt sein 
konnten (Art. 391 Abs. 2 StPO).

6. Zur angeklagten Drohung (Ziff. I.3 der Anklageschrift)

Angeklagt wurde der Beschuldigte u.a. wegen Drohung, mehrfach / ev. tw. versucht 
begangen (Art. 180 Abs. 1 und 2a StGB, ev. i.V.m. Art. 22 StGB) in der Zeit zwi-
schen ca. April 2018 und 4. August 2018 in E.________(Ort), I.________(Adresse) 
z.N.v. C.________ (Ziff. I.3 der Anklageschrift, pag. 362). Gemäss erstinstanzli-
chem Urteilsdispositiv vom 28. Mai 2019 bildete die angeklagte Drohung (mehr-
fach/ ev. tw. versucht) zwar Verfahrensgegenstand (pag. 479), blieb jedoch im Dis-
positiv des Entscheids vom 28. Mai 2019 unbehandelt (pag. 479 ff.). In der Urteils-
begründung erwog die Vorinstanz, dass der Beschuldigte den Tatbestand der Dro-
hung im Sinne von Art. 180 StGB mehrfach erfüllt habe (S. 23 f. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung, pag. 614 f.). 

Unter dem Titel «Konkurrenz Drohung und sexuelle Nötigungstatbestände» be-
trachtete die Vorinstanz die angeklagten Drohungen als Teil des Eheregimes der 
Parteien und kam zu folgendem Schluss (S. 34 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 625):

Sie [gemeint: die Drohungen] waren Teil der Umstände bzw. der Verhältnisse in denen die Privatklä-
gerin lebte und massgeblich dafür verantwortlich, dass sich die Privatklägerin nicht mehr bzw. [nicht] 
heftiger gegen die Übergriffe zur Wehr setzte. Sie sind daher als Nötigungsmittel oder zumindest Teil 
davon zu betrachten. Art. 190 und Art. 189 StGB konsumieren somit Art. 180 StGB (TRECH-
SEL/BERTOSSA, Praxiskommentar, 3. Aufl., Art. 190 N 13).

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Dieses Vorgehen hält bei näherer Betrachtung nicht stand, geht es doch dabei um 
die im Hinblick auf eine konkrete sexuelle Nötigung und Vergewaltigung ausge-
sprochene Drohung. Dieser Sachverhalt ist hier indessen gerade nicht erwiesen 
und im Übrigen auch nicht angeklagt. Dem Beschuldigten wird nicht vorgeworfen, 
er habe die Privatklägerin mit dem Tod bedroht, um mit ihr den Geschlechtsverkehr 
zu vollziehen. Vielmehr wird ihm vorgeworfen, mit den mehrfach geäusserten Dro-
hungen ein Klima der Angst geschaffen zu haben, weshalb das Nachgeben der 
Privatklägerin nachvollziehbar gewesen sei (vgl. pag. 362). Richtigerweise hätte 
der Beschuldigte deshalb für die mehrfachen Drohungen selbständig verurteilt wer-
den müssen. 

Möglich ist dagegen, die nachgewiesenen Drohungen bei der angeklagten Tatbe-
standsvariante «Gewalt» dahingehend zu berücksichtigen, dass die Schwelle des 
hinreichenden und zumutbaren Widerstandes etwas tiefer angesetzt werden kann, 
als dies ohne diese nachgewiesenen Umstände der Fall wäre (siehe Ziff. 10.2 hier-
nach).

Die zwar angeklagte, jedoch im Urteilsdispositiv nicht behandelte «Drohung, mehr-
fach / ev. tw. versucht» blieb unangefochten. Anlässlich der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung nahm der stv. Generalstaatsanwalt dazu zusammengefasst wie 
folgt Stellung (pag. 751).

Die Drohungen seien im erstinstanzlichen Urteil unbehandelt geblieben. Dies sei grundsätzlich berich-
tigungswürdig i.S.v. Art. 83 StPO, da die Vorinstanz im Motiv dazu Stellung genommen habe. Es 
handle sich vorliegend um einen typischen Verfahrensmangel (Art. 401 StPO), welcher jedoch nicht 
durch die obere Instanz geheilt werden könne. Der stv. Generalstaatsanwalt verweist auf BSK StPO, 
N. 1 zu Art. 409 sowie auf das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 19 434. Eine Kassation 
des erstinstanzlichen Urteils sei vorliegend wenig sinnvoll, da die Generalstaatsanwaltschaft weder 
Berufung noch Anschlussberufung eingelegt habe und folglich das Verschlechterungsverbot greife. 
Dieses Verbot sei/wäre auch für die Vorinstanz im Falle einer Kassation bindend. Unzulässig wäre 
konkret auch ein zusätzlicher Schuldspruch, die Erhöhung der Strafe oder das Erkennen eines weite-
ren Schuldspruches bei gleichbleibender Strafe. Kurzum seien die Drohungen vorliegend nicht Ver-
fahrensgegenstand, womit nicht weiter darüber zu befinden sei. 

Die vorinstanzliche Behandlung der anklagten Drohung, mehrfach / ev. tw. versucht 
begangen geht wie dargelegt grundsätzlich fehl. Weil diesbezüglich das Ver-
schlechterungsverbot gilt (siehe Ziff. 5 hiervor), ist es der Kammer vorliegend ver-
wehrt, oberinstanzlich hierauf zurückzukommen. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Sachverhalt

7.1 Zum Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung

In der Anklageschrift vom 14. Februar 2019 wird dem Beschuldigten unter Ziff. I.1. 
Folgendes vorgeworfen (pag. 359 f.):

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Vergewaltigung, mehrfach (ca. fünf bis sechs Mal) begangen in der Zeit zwischen ca. April 2018 und 
3. August 2018 in E.________(Ort), I.________(Adresse), z.N. C.________, indem A.________ fol-
gendes tat:

A.________ zog sich in alkoholisiertem Zustand tagsüber einmal und abends vier bis fünf Mal die 
Kleider aus, begab sich in die Küche, ölte seinen Penis ein und ging nachfolgend nackt zu seiner sich 
abends im Schlafzimmer und tagsüber im Wohnzimmer befindlichen und mit einem somalischen Ge-
wand (ohne Unterwäsche) bekleideten, stehenden oder im Bett liegenden Ehefrau C.________. In 
der Folge stiess A.________ seine Ehefrau anlässlich eines Vorfalls auf das Sofa des Wohnzimmers 
und anlässlich der weiteren vier bis fünf Vorfälle auf das Bett bzw. hielt seiner bereits auf dem Rücken 
im Bett liegenden Ehefrau C.________ mit einer Hand deren Arme fest und schob deren somalisches 
Gewand nach oben. Anschliessend ergriff A.________ mit einer Hand ein Bein seiner Ehefrau und 
drückte es nach oben gegen den Oberkörper, worauf er sie in der Folge mit den Händen an einem 
Arm und einem Bein festhielt und mit seinem Penis vaginal in sie eindrang. A.________ tat dies, ob-
schon ihm seine Ehefrau C.________ mehrmals generell erklärt hatte, keine sexuellen Handlungen 
mit ihm zu wollen, wenn er in alkoholisiertem Zustand ist und sie ihm auch in der jeweiligen Situation 
sagte, dass „sie das nicht will“, dass „sie das nicht möchte" und dass „sie nicht dazu bereit ist". Über-
dies versuchte C.________ jeweils, mit den Füssen gegen A.________ zu treten oder ihn wegzustos-
sen und ihre Beine zusammenzupressen, wenn er sie festhielt, worauf der ihr körperlich überlegene 
A.________ ihre Schienbeine ergriff und diese gegen ihren Oberkörper und dann nach unten gegen 
die Ohren drückte, so dass die Beine angewinkelt waren und sie sich in dieser Position nicht mehr 
körperlich gegen das vaginale Eindringen zur Wehr setzen konnte. Trotz den Aufforderungen seiner 
Ehefrau, die Handlungen zu beenden und deren körperlicher Gegenwehr, kam A.________ diesen 
Aufforderungen jeweils nicht nach und drang mit seinem Penis in seine Ehefrau ein, bis er zu einem 
Samenerguss kam. A.________ tat dies entgegen dem deutlich geäusserten Willen seiner Ehefrau 
C.________ und obschon ihm aufgrund der für ihn erkennbaren und von ihm verstandenen Aussagen 
seiner Ehefrau sowie aufgrund ihres Verhaltens klar war, dass sie in diesen fünf bis sechs Situationen 
keinen Geschlechtsverkehr mit ihm wollte. Überdies erklärte ihm C.________ nach jedem der Über-
griffe, dass er zuvor gegen ihren Willen mit ihr den Geschlechtsverkehr vollzog und sie mit ihm keine 
sexuellen Handlungen vornehmen will, wenn er betrunken ist. Dabei war es C.________ einesteils 
aufgrund der Tatumstände und ihrer Angst nicht möglich, sich noch stärker gegen die erzwungenen 
sexuellen Handlungen zur Wehr zu setzen, weil sie sich gemeinsam mit A.________ alleine im eheli-
chen Domizil befand, weil sie keine Hilfe herbeirufen konnte und weil sich A.________ in alkoholisier-
tem Zustand nicht zureichend kontrollieren konnte, weswegen C.________ befürchtete, dass er zuvor 
geäusserte Drohungen, wonach er sie schlagen oder umbringen werde, im Rahmen körperlicher Aus-
einandersetzungen realisieren könnte, sollte sie sich ihm widersetzen. Andernteils sah sich 
C.________ aufgrund der sozialen Dominanz des A.________ in der gelebten islamisch-somalischen 
Kultur nicht in der Lage, sich noch stärker körperlich und verbal gegen die erzwungenen sexuellen 
Handlungen zur Wehr zu setzen, als sie es tat. Obschon A.________ diese tatsächlichen, sozialen 
und kulturellen Umstände bekannt waren, setzte er sich fünf bis sechs Mal über den klar geäusserten 
Willen seiner Ehefrau C.________ hinweg und vollzog mit ihr den Geschlechtsverkehr.

Weiter wird dem Beschuldigten gemäss Ziff. I.2. der Anklageschrift vorgeworfen, 
die Privatklägerin in der Zeit zwischen ca. April 2018 und 3. August 2018 in 
E.________(Ort), ein bis zwei Mal sexuell genötigt zu haben. Die Anklage lautet 
wie folgt (pag. 361 f.):

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A.________ führte während des gegen den Willen seiner Ehefrau C.________ vollzogenen Ge-
schlechtsverkehrs ein bis zwei Mal seinen Finger anal in seine Ehefrau C.________ ein, obschon sie 
ihm bereits zu Beginn der Beziehung und nachfolgend mehrmals erklärt hatte, Analverkehr „nicht zu 
wollen", „dies zu hassen" und sie ihm auch in der jeweiligen Situation sagte, dass er „damit aufhören 
soll" und „sie nicht will, dass er seinen Finger anal in sie einführt". Dabei versuchte C.________ je-
weils im Rahmen des gegen ihren Willen vollzogenen Geschlechtsverkehrs (vgl. Ziff. 1 der Anklage-
schrift) und des gegen ihren Willen vollzogenen Einführens des Fingers in den Anus, mit den Füssen 
gegen A.________ zu treten oder ihn wegzustossen und ihre Beine zusammenzupressen, wenn er 
sie festhielt, worauf der ihr körperlich überlegene A.________ ihre Schienbeine ergriff und diese ge-
gen ihren Oberkörper und nach unten gegen die Ohren drückte, so dass die Beine angewinkelt waren 
und sie sich in dieser Position nicht mehr körperlich gegen das anale Eindringen zur Wehr setzen 
konnte. A.________ tat dies gegen den geäusserten Willen seiner Ehefrau C.________ und obschon 
ihm aufgrund der deutlich geäusserten und von ihm auch verstandenen Aussagen seiner Ehefrau so-
wie aufgrund ihres Verhaltens klar war, dass sie nicht wollte, dass er seinen Finger in ihren Anus ein-
führte. Dabei war es C.________ einesteils aufgrund der Tatumstände aufgrund ihrer Angst nicht 
möglich, sich noch stärker gegen die erzwungenen sexuellen Handlungen zur Wehr zu setzen, weil 
sie sich gemeinsam mit A.________ alleine im ehelichen Domizil befand, weil sie keine Hilfe herbeiru-
fen konnte und weil sich A.________ in alkoholisiertem Zustand nicht zureichend kontrollieren konnte, 
weswegen C.________ befürchtete, dass er zuvor geäusserte Drohungen, wonach er sie schlagen 
oder umbringen werde, im Rahmen körperlicher Auseinandersetzungen realisieren könnte, sollte sie 
sich ihm widersetzen. Andernteils sah sich C.________ aufgrund der sozialen Dominanz des 
A.________ in der gelebten islamisch-somalischen Kultur nicht in der Lage, sich noch stärker körper-
lich oder verbal gegen die erzwungenen sexuellen Handlungen zur Wehr zu setzen, als sie es tat. 
Obschon A.________ diese tatsächlichen, sozialen und kulturellen Umstände bekannt waren, setzte 
er sich ein bis zwei Mal über den klar geäusserten Willen seiner Ehefrau C.________ hinweg und 
führte einen Finger anal in sie ein.

7.2 Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet nicht, mit seiner Ehefrau in der angegebenen Zeit Ge-
schlechtsverkehr gehabt zu haben. Dies sei jedoch immer in ihrem Einverständnis 
erfolgt. Er stellt in Abrede, jemals gegen den Willen seiner Frau Sex mit ihr gehabt 
und überhaupt eine anale Penetration mit dem Finger vorgenommen zu haben. Der 
zur Anklage gebrachte Sachverhalt wird in den genannten Punkten vollumfänglich 
bestritten.

8. Beweiswürdigung

8.1 Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung und Vorbemerkung

Die Kammer verweist hinsichtlich der allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdi-
gung auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (S. 4 ff. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung, pag. 595 ff.). 

Vorab hält die Kammer fest, dass es sich bei den zu beurteilenden Vorwürfen um 
Delikte innerhalb der Ehe handelt. Nachfolgend wird die Beweiswürdigung für beide 
Delikte gemeinsam vorgenommen. 

10

8.2 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt die Aussagen der Privatklägerin für glaubhaft, während sie die 
Aussagen des Beschuldigten zwar als konstant, jedoch teilweise bis häufig inkon-
sistent (z.B. zum Grund für eine eventuelle falsche Beschuldigung) und mit Lügen-
signalen (Schlechtmachen der Privatklägerin) durchsetzt qualifizierte (S. 27 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 618 ff.). Insgesamt erachtete sie die bei-
den angeklagten Sachverhalte als erstellt. Dem Grundsatz in dubio pro reo folgend 
ging sie von fünf Vergewaltigungen und einer sexuellen Nötigung aus (S. 30 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 621). 

8.3 Vorbringen der Parteien vor oberer Instanz

8.3.1 Argumente der Verteidigung

Im Frauenhaus wie auch bei der J.________(Anlaufstelle) sei der Vorfall vom 
4. August 2018 ernst genommen worden. Aus den Berichten gehe jedoch keine 
sexuelle Gewalt hervor (pag. 745). In ihren tatnächsten und damit aussagekräftigs-
ten Aussagen habe die Privatklägerin keine sexuellen Handlungen erwähnt. Erst 
auf das Nachhaken der Polizistin und deren Hinweis, wonach Sex gegen den Wil-
len in der Schweiz nicht zulässig sei, habe sie angeblich erzwungenen Ge-
schlechtsverkehr im Umfang von fünf- bis sechsmal erwähnt. Details und Angaben 
zum Tatgeschehen seien ihn ihren Aussagen rar. Sie habe lediglich konkretisiert, 
der angeblich erzwungene Geschlechtsverkehr habe einmal tagsüber im Wohn-
zimmer sowie viermal im Schlafzimmer stattgefunden. Es fehle an Realkennzei-
chen. Weiter sei sie nicht als (sexuell) traumatisiertes Opfer zu betrachten; sie ha-
be die Scheidung mit Verweis auf pag. 137 insbesondere deshalb angestrebt, um 
wieder mit einem anderen Mann schlafen zu können (pag. 746, 754). Auch die 
geäusserten Schamgefühle seien angesichts der spontanen Demonstration (Bein 
hochheben) anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung wenig glaubhaft. Hätte 
sie die sexuellen Handlungen als Übergriffe aufgefasst, hätte sie nicht lediglich eine 
Entschuldigung für die Tätlichkeiten (Schlagen) eingefordert und die Einstellung 
des Verfahrens erwogen. Demgegenüber seien die Aussagen des Beschuldigten 
zum Kerngeschehen stringent und konstant. Vereinzelte Beschönigungen würden 
daran nichts ändern. Schliesslich habe auch die Polizei vermerkt, dass die Privat-
klägerin der englischen Sprache nur begrenzt mächtig sei, was bei der Würdigung 
ihrer Aussagen zu berücksichtigen sei (pag. 747, 754).

Die Privatklägerin habe den Geschlechtsverkehr jeweils über sich ergehen lasse. 
Einen entgegengesetzten Willen habe sie nicht zu erkennen gegeben. Bezweifelt 
werde von der Verteidigung, dass der Beschuldigte beim sexuellen Akt Hände und 
Arme der Privatklägerin nach hinten und zeitgleich ihr Bein nach oben gedrückt ha-
be. Diese Form von Gewalt erschliesse sich ihr nicht (pag. 747).

Letztlich stünden die angeblichen intimen Gespräche zu sexuellen Bedürfnissen 
(keinen Analverkehr) der Ehepartner im Widerspruch zu ihren angeblich wenigen 
sexuellen Kontakten (pag. 748). Als Motiv für die Anzeige der Privatklägerin nennt 
die Verteidigung die angestrebte Scheidung sowie den «Gesichts- oder Ehrverlust» 
im Kreise der Familie aufgrund der erlittenen Tätlichkeiten (pag. 747).

11

8.3.2 Argumente der Generalstaatsanwaltschaft

Der stv. Generalstaatsanwalt führte im oberinstanzlichen Plädoyer aus, die Global-
bestreitungen des Beschuldigten, wonach Analsex aufgrund seiner Religion un-
zulässig sei, weshalb er dies nie gemacht habe und weshalb die Privatklägerin lü-
ge, seien nicht glaubhaft. Dies gelte insgesamt für seine Aussagen. Dass die 
Scheidung Grund für die schweren Belastungen der Privatklägerin sein sollte oder 
sie von anderen Personen beeinflusst worden sei, überzeuge nicht. Hingegen 
zeichneten sich die Aussagen der Privatklägerin durch Plastizität, Konstanz und 
Detailreichtum aus. Hierzu werde auf die geschilderten Übergriffe und wie sie die 
Privatklägerin über sich habe ergehen lassen müssen, die anerzogene Unterwür-
figkeit, Schamgefühle, die fehlende Rücksichtnahme auf den Willen der Ehefrau, 
der Gang ins Badezimmer, das Abspülen des Spermas verwiesen. Sodann habe 
die Privatklägerin den Beschuldigten nie übermässig belastet. Wäre nicht nachge-
fragt worden, was mit «Problemen beim Schlafen» gemeint sei, hätte die sie wohl 
keine Aussagen dazu gemacht. Insgesamt sei von einer analen Penetration sowie 
fünf gegen den Willen der Privatklägerin erfolgten Geschlechtsverkehren auszuge-
hen (pag. 749).

8.3.3 Argumente der Privatklägerin

Zusammengefasst wurde oberinstanzlich dargelegt, die Aussagen der Privatkläge-
rin seien lebhaft und detailliert. Dies zeigten insbesondere ihre Ausführungen zum 
eingeölten Penis, zu den ekelerregenden Gefühlen, zur Fixierung der Beine, zur 
Reinigung nach dem Höhepunkt des Ehemannes sowie zur Wahl eines anderen 
Schlafortes nach einem erzwungenen Vorfall. Von der Machtdemonstration, der 
Lustbefriedigung, dem Hochschieben des somalischen Gewandes, dem Eindrin-
gen, bis hin zum Orgasmus und des Missbrauches – dies alles seien stringente, 
chronologisch aufeinander abgestimmte Angaben zum Tatgeschehen, auf welche 
abzustellen sei. Vereinzelt zurückhaltende Angaben seien auf Hemmungen bzw. 
Scham der Privatklägerin zurückzuführen. Dies gehe auch aus dem Journaleintrag 
des Frauenhauses sowie dem Bericht der J.________(Anlaufstelle) hervor und sei 
als Realkennzeichen zu werten. Weiter stützten die Angaben im Familienchat des 
Beschuldigten die Aussagen der Privatklägerin zu dessen Alkoholkonsum. Kleine 
Ungereimtheiten seien durch Übersetzungsbarrieren bedingt. Insgesamt seien ihre 
Aussagen zur Anzahl der geschilderten Vorfälle wie auch zum Ort des Geschehens 
konsistent und ohne übertriebene Opferdarstellungen oder Aggravationen 
(pag. 752 ff.). 

Demgegenüber enthielten die Aussagen des Beschuldigten Widersprüche und Ge-
genanschuldigungen, wie der angebliche Messervorfall, der Kokainkonsum der Pri-
vatklägerin und deren psychische Probleme. Er weiche den Fragen mit Verweis auf 
seine Religion und allgemeine Gebote aus, beschönige die Situation stark und ver-
suche, ein durchwegs harmonisches Ehebild zu vermitteln. Der Beschuldigte sei 
nicht glaubwürdig. Bestritten würden insbesondere seine Äusserungen zur Beein-
flussung der Privatklägerin durch Dritte (pag. 753).

12

8.4 Beweisfragen 

Folgende Beweisfragen sind im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung zu 
klären:

 Kam es zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin zwischen 
April 2018 und dem 3. August 2018 zu sexuellen Handlungen, mit denen sie 
nicht einverstanden war? Wenn ja, zu welchen sexuellen Handlungen in wel-
cher Häufigkeit?

 Welche Zwangsmittel wandte der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 
an, damit diese die sexuellen Handlungen geschehen liess?

 Wie äusserte die Privatklägerin dieses Nichteinverständnis?

 Erkannte der Beschuldigte, dass die Privatklägerin die sexuellen Handlungen 
nicht wollte?

8.5 Beweismittel

Die Vorinstanz hat die zur Verfügung stehenden Beweismittel auf pag. 600 f. kor-
rekt aufgelistet und kurz zusammengefasst. Darauf kann verwiesen werden (S. 9 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 600 f.). Ein Grossteil dieser Beweis-
mittel kann allerdings zu den Beweisfragen in den Anklagepunkten der angeblich 
durchgeführten sexuellen Handlungen gegen den Willen der Privatklägerin direkt 
nichts beitragen. Immerhin liegen ein Arztzeugnis zu ihrem Gesundheitszustand 
vom 5. August 2018 (pag. 178) sowie ein Dokumentationsbogen bei häuslicher 
Gewalt (pag. 179 ff.) vor, der gleichzeitig von der untersuchenden Ärztin erstellt 
worden ist. Weiter sind wie in Vieraugendelikten üblich vorrangig die Aussagen der 
Beteiligten zu würdigen. Hierzu liegen der Kammer primär Aussagen der Privatklä-
gerin (polizeiliche Einvernahme vom 27. August 2018 [pag. 120 ff.] sowie vom 
28. August 2018 [pag. 130 ff.], staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 12. De-
zember 2018 [pag. 144 ff.], Einvernahme anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung vom 27. Mai 2019 [pag. 446 ff.] sowie der oberinstanzlichen Haupt-
verhandlung vom 6. Oktober 2020 [pag. 726 ff.]) sowie des Beschuldigten (dele-
gierte Einvernahme vom 5. September 2018 [pag. 85 ff.], Einvernahme durch die 
Staatsanwaltschaft vom 6. September 2018 [pag. 93 ff.] und vom 17. Dezem-
ber 2018 [pag. 106 ff.], Einvernahme anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung vom 27. Mai 2019 [pag. 440 ff.] und oberinstanzlichen Hauptverhandlung 
vom 6. Oktober 2020 [pag. 736 ff.]) vor. Weiter zur Verfügung stehen die Aussagen 
der Nachbarn der Parteien (delegierte Einvernahmen vom 17. Oktober 2018 von 
K.________ [pag. 164 ff.] sowie von L.________ [pag. 171 ff.], je als Auskunftsper-
son) vor, welche beim vorliegend strittigen Kerngeschehen jedoch nicht anwesend 
waren. Auf die Aussagen dieser letztgenannten Personen wird nur Bezug genom-
men, soweit für die Beantwortung der Beweisfragen erheblich. 

In die nachfolgende Beweiswürdigung miteinzubeziehen sind sodann die oberin-
stanzlich edierten Akten des M.________(Frauenhaus), Journalausdruck betref-
fend die Privatklägerin, erstellt zwischen 9. und 13. August 2018 (pag. 709 ff.), so-
wie der J.________(Anlaufstelle) bei sexueller und häuslicher Gewalt, 
J.________(Anlaufstelle), erstellt zwischen 9. und 31. August 2018 (pag. 719 ff.).

13

8.5.1 Zum Dokumentationsbogen bei häuslicher Gewalt des O.________(Notfall) vom 
5. August 2018

Am 5. August 2018 untersuchte Frau Dr. med. N.________ die Privatklägerin und 
erstellte darüber einen «Dokumentationsbogen häusliche Gewalt», der von ihr und 
der Privatklägerin unterzeichnet wurde. Dort wird vorerst die Anlasstat vom 4. Au-
gust 2018 beschrieben und zwar wie folgt: «Am 04.08.2018 um ca. 21h wurde die 
Patientin während ca. 20 Minuten von ihrem alkoholisierten Ehemann geschlagen 
und verbal mit dem Tode bedroht. Floh in die Wohnung der Nachbarin, wohin der 
Ehemann folgte und weiter auf sie einschlug» (pag. 179).

Unter dem Titel «Berichtet die Patientin von sexuellen Gewalttaten, psychischen 
Misshandlungen oder ökonomischer Gewalt?» schrieb Dr. med. N.________ Fol-
gendes: «Die Patientin heiratete im November 2017. Seit 2 Monaten sei sie täglich 
bedroht oder geschlagen worden. Wurde angeblich auch wiederholt zum Sex ge-
zwungen (aber nicht gestern). Wiederholt habe er ihr gedroht, sie umzubringen». 
Unter «Angaben zur Täterschaft» ist der Beschuldigte aufgeführt (pag. 180).

Im Übrigen stellte die Ärztin bei der Privatklägerin die gleichen Verletzungen fest, 
die die Privatklägerin tags zuvor gegenüber der Polizei geltend gemacht hatte, ins-
besondere Schwellungen um die Augen und Bauchkontusionen (pag. 181 ff.).

Das Amnesegespräch fand auf Englisch statt (pag. 180). Für die Kammer ergeben 
sich keinerlei Hinweise, dass die Englischkenntnisse der Privatklägerin für eine 
ordnungsgemässe Amnese unzureichend gewesen wären. Sie zweifelt nicht an 
den Kernaussagen dieser Zusammenfassung.

8.5.2 Zu den Journaleinträgen der Kantonspolizei Bern

Dem Journaleintrag vom 4. August 2018 der Kantonspolizei Bern zufolge, welcher 
betreffend häusliche Gewalt / «mein Mann will mir was antun» erfolgte, gab die Pri-
vatklägerin an, der Beschuldigte habe sie tätlich angegangen. Er sei alkoholisiert 
gewesen. Sie habe in diesem Zustand Probleme mit ihm. Sie könne nicht in diesem 
Zustand mit ihm in derselben Wohnung übernachten. Demgegenüber habe der Be-
schuldigte angegeben, seine Frau sei ihm gegenüber tätlich geworden, er habe sie 
von sich gestossen. Mehr sei nicht passiert. Gemäss Atemlufttest befand sich die 
Privatklägerin in nüchternem Zustand, der Beschuldigte hingegen war alkoholisiert 
oder mindestens angetrunken (0.37 mg/l [ARHC-0341], pag. 78). Während der Be-
schuldigte im Domizil am I.________(Adresse) zurückgelassen worden sei, sei die 
Privatklägerin zwecks Trennung und Übernachtung an einen anderen Ort verbracht 
worden. Abschliessend hielt die Polizei fest, beide Parteien hätten «nur ein wenig 
deutsch und englisch» gekonnt (pag. 78).

Aus dem Journaleintrag vom 20. August 2018 geht hervor, die Privatklägerin sei 
nach einem Gespräch beim Sozialdienst auf der Wache E.________(Ort) erschie-
nen, um häusliche Gewalt mit mehrfacher Vergewaltigung zu melden. Nach der 
Heirat im November 2017 habe der Beschuldigte im Frühling 2018 begonnen, ihr 
gegenüber Gewalt mittels Schlägen wie auch sexuelle Gewalt auszuüben. Sie sei 
wiederholt durch ihren alkoholisierten Mann zum Sex gezwungen worden. Das Ge-
spräch habe sich aufgrund ihrer muslimischen Religionszugehörigkeit als schwierig 
gestaltet, sie habe sich geschämt. Eine Unterhaltung sei nur auf Englisch möglich 

14

gewesen. Im Gespräch habe sie den Bericht des O.________(Notfall) vom 5. Au-
gust 2018 vorgewiesen, worin die Vorfälle protokolliert gewesen seien. Die zustän-
dige Sozialarbeiterin habe bei der polizeilichen Nachfrage angegeben, die Privat-
klägerin habe am 16. August 2018 anlässlich des Termins bei der Beratungsstelle 
J.________(Anlaufstelle) eine entsprechende Meldung abgegeben. Abschliessend 
vermerkt ist, dass der Beschuldigte seit dem Vorfall vom 5. August 2018 im 
P.________(Unterkunft) sei und keinen Schlüssel zum Domizil am 
I.________(Adresse) mehr habe (pag. 77).

Dass die auf Englisch erfolgte Konversation und deshalb die Einträge sprachbe-
dingt mangelhaft wären, ist für die Kammer nicht ersichtlich. Zudem sind keine 
Hinweise auf eine übermässige Belastung des Beschuldigten durch die Privatklä-
gerin zu erkennen.

8.5.3 Zu den Aussagen des Beschuldigten

Die Vorinstanz hat diese Aussagen korrekt – getrennt nach Vorwürfen – zusam-
mengefasst (Tätlichkeiten: S. 10-12 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 601-603; Drohung: S. 20 der der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 611; Vergewaltigung und sexuelle Nötigung: S. 24 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 615 f.). Darauf kann verwiesen werden. 

Der Beschuldigte macht zusammengefasst geltend, in sexueller Hinsicht sei das 
Zusammenleben problemlos gewesen. Er habe die Privatklägerin nie zu Ge-
schlechtsverkehr gezwungen und ihr schon gar nicht einen Finger in ihren Anus 
gesteckt, denn dies dürfe er schon aus religiösen Gründen nicht machen. 

Da der Beschuldigte bestreitet, den von der Privatklägerin geltend gemachten 
Zwang ausgeübt zu haben, ist die Aussageanalyse wenig hilfreich. Denn niemand 
kann detailreich über etwas berichten, was er nicht getan hat (BEN-
DER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und Be-
weislehre, Vernehmungslehre, 4. Aufl., München 2014, N 334). Dies ist weder zu-
gunsten noch zulasten des Beschuldigten zu werten. 

Dennoch hält die Kammer die Aussagen des Beschuldigten für wenig glaubhaft: 

 Das Schlechtmachen der Privatklägerin und die Gegenangriffe sind Lügensi-
gnale (so z.B.: alles, was sie sage, sei gelogen [pag. 90 Z. 167 f., 172; 
pag. 100 Z. 241]; sie sei mental nicht so in der Lage und habe psychische Pro-
bleme [pag. 100 Z. 261 f.]; «Für mich ist diese Frau [gemeint: die Privatkläge-
rin] jemand, der mich falsch angeschuldigt hat» [pag. 737 Z. 29]; «Meine Frau 
redet mit mir nur Ende Monat, wenn der Lohn auf mein [recte: meinem] Konto 
eingegangen ist» [pag. 98 Z. 170 f.]; sie habe sich ihre Verletzungen selber 
zugefügt [pag. 100 Z. 248 ff.], er habe die Privatklägerin nie geschlagen oder 
bedroht [pag. 88 Z. 102, 108, pag. 99 Z. 196 f., 200]; um im Lauf der Untersu-
chung das Gegenteil zu gestehen; die Privatklägerin konsumiere Alkohol und 
Kokain [pag. 89 Z. 136-141], er habe hingegen kein Alkoholproblem [pag. 101 
Z. 296, pag. 736 Z. 39]; sie habe ihm mit einem Messer das T-Shirt im Schul-
terbereich aufgeschnitten bzw. ihn einmal damit bedroht [pag. 89 Z. 113 f. bzw. 
pag. 99 Z. 196 f.]; «Die Leute sagten, dass Frau C.________ Anzeige macht, 
damit Herr Hassan eine Landesverweisung bekomme» [pag. 741 Z. 9 f.]); 

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 Das Bagatellisieren und Beschönigen der Gegebenheiten ist ein weiteres Lü-
gensignal («Wenn es um Sex geht, haben wir keine Probleme. Wenn [es] um 
mein Schnarchen geht, dann haben wir ein Problem. Meine Frau stört, dass 
ich schnarche» [pag. 90 Z. 161 f.]; «Wir waren zwei Personen, die sich liebten. 
Ich gelobe, dass Frau C.________ von anderen Leuten beeinflusst wurde, 
damit sie die Anzeige machte» [pag. 737 Z. 41 ff.]; «Ja, es [gemeint: die sexu-
ellen Kontakte] war romantisch. Wir hatten Freude und ich habe sie auch be-
schenkt. Ich brachte Essen und Süsses aus meinem Restaurant mit – um ihr 
eine Freude zu machen» [pag. 741 Z. 39 f.]; auch am I.________(Adresse) in 
E.________(Ort) hätten sie Freude und ein gutes Leben gehabt [pag. 741 
Z. 29 f.], sie hätten jede Woche einmal mit Freude sexuell verkehrt [pag. 741 
Z. 44]; «Wir haben uns unterhalten, sind zusammengesessen, es war roman-
tisch. So hatte ich das Gefühl, es [gemeint: sie] sei bereit und ich war auch be-
reit.» [pag. 742 Z. 3 f.]); 

 Das kategorische Abstreiten sowie das Verneinen von Fragen mit blossem 
Verweis auf angeblich religiöse oder kulturelle Grundsätze überzeugt nicht (so 
z.B. auf Frage, ob seine Frau, als er am I.________(Adresse) in 
E.________(Ort) wohnte und Lust auf sexuelle Kontakte mit ihr gehabt habe, 
sie ihm einmal gesagt habe, dass sie das jetzt gerade nicht wolle oder keine 
Lust habe, antwortete der Beschuldigte mit «Nein.» [pag. 742 Z. 6 ff.; vgl. auch 
pag. 742 Z. 19]; «Nein, wir haben uns nicht über die Sexbeziehung unterhal-
ten. Nach unserer Religion ist es verboten, Analsex zu haben zwischen Ehe-
leuten.» [pag. 741 Z. 25 f.]; «Am Freitag haben wir Sex gehabt. Das ist von der 
Kultur her, dass die Familie [gemeint: Partner] am Freitag Sex hat» [pag. 741 
Z. 33 f.];

 Die Versuche sich als Opfer darzustellen («Wegen dieser Anzeige bzw. den 
Anschuldigungen musste ich 360 Tage ins Gefängnis. Sie hat mir meine Frei-
heit genommen. Nun schaue ich, dass ich wieder normal leben kann» 
[pag. 737 Z. 29 ff.]); 

 Die Gründe für die angebliche Falschbezichtigung sind nicht nachvollziehbar 
(«Diese Frau lügt. Sie hat ein Problem mit ihrem Alter. Ich bin einfach zu jung» 
[pag. 90 Z. 167 f.]; die Privatklägerin lüge, weil sie Angst um ihren Sohn habe 
[vgl. auch pag. 111 Z. 174 ff.]; Sie sei von früheren Nachbarn aus Luzern bzw. 
anderen Leuten dazu angestiftet worden, unter Angabe von Namen, die nicht 
eruiert werden konnten [pag. 75, 103 f. Z. 385 f., pag. 740 f. Z. 41 ff., 1]); 

 Die Konstanz ist bei Bestreitungen ohnehin nicht ein Glaubhaftigkeitsmerkmal. 
Hier kommt hinzu, dass der Beschuldigte zuerst alle Vorwürfe bestritt, ehe er 
dort, wo die Beweislage offensichtlich eindeutig war, nämlich bei den Tätlich-
keiten, nach dreimonatiger Untersuchungshaft einräumte, die Privatklägerin 
geschlagen zu haben (pag. 113 Z. 251 f.). Dieses Lügensignal lässt Rück-
schlüsse auf die Glaubwürdigkeit der Person, nicht aber automatisch auf die 
Glaubhaftigkeit der Aussagen zu den anderen Vorwürfen zu («Wer einmal 
lügt…»), indessen wirkt sich dies aber dennoch zumindest nicht positiv aus;

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Fazit: Auf die Aussagen des Beschuldigten kann in dieser Situation nicht abgestellt 
werden. Massgeblich für die Beantwortung der Beweisfragen ist allerdings ohnehin 
die Würdigung der Aussagen der Privatklägerin.

8.5.4 Aussagen der Privatklägerin – Allgemeines

Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin ausführlich und korrekt wieder-
gegeben, wobei sie jeweils zwischen den einzelnen Vorwürfen unterschieden hat. 
Auch darauf kann verwiesen werden (Tätlichkeiten: S. 12-15 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 603-606; Drohung: S. 20 f. der der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 611 f.; Vergewaltigung und sexuelle Nötigung: S. 25-27 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 616-618).

Die Aussagen der Privatklägerin sind vorab nach der Entstehungsgeschichte der 
Aussagen (der «Geburtsstunde» der Aussagen), nach logischer Konsistenz, nach 
inhaltlichen Realkennzeichen und schliesslich nach Konstanz, Strukturgleichheit 
und Homogenität zu überprüfen. Ausgangspunkt ist die sog. Nullhypothese, die zu 
widerlegen ist. Hauptfrage ist, ob die befragte Person mit ihren Fähigkeiten die zu 
untersuchende Aussage hätte machen können, ohne dass sie auf einem selbst er-
lebten Hintergrund beruht (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O. N. 292 ff.). Ist die Frage 
zu verneinen, erscheint eine Aussage aufgrund inhaltlicher Realkriterien als glaub-
haft. Weiter ist zu prüfen, inwiefern sich die Aussagen mit anderen Beweismitteln in 
Übereinstimmung bringen bzw. durch sie widerlegen lassen. 

Die Privatklägerin wurde wie erwähnt insgesamt fünfmal zur Sache befragt (siehe 
Ziff. 8.5 hiervor), woraus Einvernahmeprotokolle von insgesamt 57 Seiten entstan-
den. Damit besteht quantitativ eine hinreichende Grundlage für eine Analyse der 
Aussagen (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O. N 333 ff.).

8.5.5 Zentralste Aussagen der Privatklägerin
Dass sexuelle Handlungen erfolgt sind, ist an sich unbestritten. Der Beschuldigte 
erklärt jedoch, es sei alles im gegenseitigen Einvernehmen ohne Probleme ge-
schehen. Der Fokus der Kammer richtet sich deshalb insbesondere auf die Frage 
des manifestierten Nichteinverständnisses der Privatklägerin.

Hervorzuheben sind folgende wichtigsten Aussagen der Privatklägerin:

Erste Einvernahme 27. August 2018 (pag. 120 ff.):

 Probleme beim Sex habe es immer dann gegeben, wenn der Beschuldigte be-
trunken gewesen sei und von ihr Sex gewollt habe. Dann ziehe er seine Klei-
der aus, komme zu ihr und versuche, mit dem Finger anal einzudringen. 
«Nein» könne man nicht sagen, das führe immer zu Streit (pag. 126 Z. 242-
252).

Das «Nein» ist im Gesamtkontext zu betrachten und nicht lediglich bezogen 
auf das anale Einführen des Fingers zu verstehen (vgl. pag. 126 Z. 248 ff. als 
Ganzes);

 Sie habe ihm mehrmals gesagt, dass sie nicht mit ihm ins Bett wolle, wenn er 
betrunken sei (pag. 126 Z. 256 f.); 

17

 Auf Frage, ob neben dem Einführen des Fingers noch andere Sachen passiert 
seien: «Nein» (pag. 126 Z. 259 ff.); Auf Frage, ob es nie zum Geschlechtsver-
kehr gekommen sei: «Er versucht es immer mit Gewalt» (pag. 126 Z. 264 ff.);

 Dem Verbal kann entnommen werden, dass die Privatklägerin die Polizistin 
fragte, ob der Ehemann mit ihr Sex haben darf, wenn er sie mit beiden Händen 
hält. Die Polizistin erklärte der Privatklägerin, was in der Schweiz Geschlechts-
verkehr ist und dass der Ehemann in der Schweiz ohne ihre Einwilligung kei-
nen Geschlechtsverkehr haben darf (pag. 126 Z. 268-270); 

 Wenn das so sei, sei es schon fünf- bis sechsmal vorgekommen, er habe sie 
dabei jeweils festgehalten, immer wenn er wieder neu betrunken gewesen sei. 
Es sei jeweils einmal pro Nacht geschehen (pag. 126 Z. 272-282);

 Während sie auf dem Rücken liege, halte er sie an den Armen fest. Sie habe 
ihn manchmal mit den Füssen getreten und ihm gesagt, dass sie es nicht wol-
le. Dann habe er ihre Beine nach oben an ihren Oberkörper gedrückt und sie 
an Armen und Beinen festgehalten, so dass die Knie angewinkelt fast bei den 
Ohren gewesen und nach unten gedrückt worden seien. So habe sie keine 
Chance mehr gehabt, sich zu wehren (pag. 127 Z. 291-300); wobei die Privat-
klägerin die Position auf dem Boden liegend zeigt (pag. 127 Z. 295); 

 Der Beschuldigte komme immer zum Samenerguss, sie habe in solchen Situa-
tionen – wenn er betrunken sei – nie einen Orgasmus. Dann mache er es mit 
Gewalt (pag. 127 Z. 320-327);

 Nach dem Samenerguss schlafe der Beschuldigte sofort ein, er ziehe seinen 
Penis aus der Vagina und drehe sich um; sie müsse dann sofort auf die Toilet-
te und wasche sich, sie ekle sich und suche dann einen anderen Ort in der 
Wohnung, wo sie schlafen könne (pag. 128 Z. 339-341);

 Zudem habe der Beschuldigte seinen Finger in ihren Anus gesteckt, was sie 
nicht gern habe und weswegen sie immer Streit gehabt hätten. Dagegen sei er 
nie mit dem Penis in ihren Anus eingedrungen (pag. 128 Z. 348-354);

Zweite Einvernahme 28. August 2018 (pag. 130 ff.):

 Die sexuellen Übergriffe hätten immer zuhause am I.________(Adresse) und 
dabei einmal im Wohnzimmer und die übrigen Male im Schlafzimmer stattge-
funden (pag. 138 Z. 380 f.);

 Auf Frage hin, ob sie einen sexuellen Übergriff etwas genauer schildern könne, 
sagte sie, sich nicht so genau erinnern zu können. Auf Frage hin gab sie an, 
bis auf den Vorfall tagsüber im Wohnzimmer hätten sich die Vorfälle in der 
Nacht zugetragen (pag. 138 Z. 383-390);

 Zeitlich sei dies zwischen April und vor dem 4. August 2018 geschehen, an 
das genaue Datum erinnere sie sich nicht (pag. 138 Z. 394 f.).

Dritte Einvernahme 12. Dezember 2018 (pag. 144 ff.):

 Die Privatklägerin gab zu Protokoll, die Sache mit der Vergewaltigung nicht 
weiterverfolgen, sondern die Sache abschliessen zu wollen. Sie habe mit der 
ganzen Familie und ihren Kindern deshalb Streit. Die Sache sei bis nach So-

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malia zu ihrer Familie getragen worden und werde für sie schwere Konse-
quenzen haben; auch wenn der Beschuldigte hier bestraft werde und ins Ge-
fängnis komme, werde sie Probleme wegen ihm haben. Sie möchte nur in Si-
cherheit vor ihm leben, dass er sie in Ruhe lasse und sich von ihr fernhalte und 
sich bei ihr entschuldige (pag. 146 Z. 50-65);

 Es sei in ihrer Kultur nicht schlimm, wenn der Mann die Frau sexuell nötige 
oder vergewaltige. Somalische Männer könnten von ihrer Frau Sex verlangen, 
umgekehrt gelte dies nicht (pag. 147 Z. 88-91);

 Der Beschuldigte habe gewusst, dass sie keinen Sex mit ihm gewollt habe, sie 
habe es ihm gesagt, habe es aber dann geschehen lassen müssen. Sie habe 
es ihm immer wieder gesagt, dass sie nicht bereit dazu sei (pag. 147 
Z. 102-114);

 Die Privatklägerin bestätigte ihre bisherigen Aussagen, «ich habe das gesagt, 
was mir geschehen ist» (pag. 147 Z. 124);

 Der Beschuldigte habe sie einen Monat vor dem 4. August 2018 einmal geohr-
feigt und auch immer wieder bedroht. Diese Drohungen habe sie aber damals 
nicht so ernst genommen, es sei nicht so schlimm gewesen, sie habe ge-
glaubt, er sage das nur so. Zweck sei gewesen, dass sie sich ängstige und al-
les geschehen lasse (pag. 152 f. Z. 292-326);

 Immer, wenn er betrunken gewesen sei, sei er stark erregt gewesen und habe 
unbedingt Sex von ihr gewollt. Er habe die Kleidung ausgezogen und sei zu ihr 
gekommen. Sie habe mitmachen müssen, auch wenn sie keine Lust gehabt 
habe. Sie habe Angst gehabt. Sie sei alleine mit ihm in der Wohnung gewesen 
und er habe sich im betrunkenen Zustand nicht kontrollieren können. Dies sei 
ca. fünfmal passiert. Nach ihrer Kultur sei das keine Vergewaltigung, vielleicht 
eine sexuelle Nötigung. Aber weil sie seine Frau sei, habe sie auch nicht mei-
nen dürfen, dass sie sexuell genötigt werde, sie habe einfach mitmachen müs-
sen, das sei normal in ihrer Kultur (pag. 153 Z. 333-342);

 Einmal sei es tagsüber im Wohnzimmer vorgekommen, sie habe noch den 
Vorhang schliessen wollen, denn das Fenster sei offen gewesen; sie habe 
aber solche Angst vor ihm gehabt, dass sie nicht einmal gewagt habe, ihm zu 
sagen, dass sie den Vorhang schliessen wolle. «Ich weiss, dass es einmal in 
der Stube geschah und es Tag war». Ein Datum könne sie nicht nennen 
(pag. 153 f. Z. 349-353);

 Wenn sie bemerkt habe, dass er Sex gewollt habe und sie nicht dazu bereit 
gewesen sei, habe sie Panik bekommen. Sie habe Schlimmeres verhindern 
wollen, weil sie allein mit ihm in der Wohnung gewesen sei, habe sich schüt-
zen wollen und habe alles geschehen lassen. Sie habe einfach einen Streit 
verhindern wollen, weil er betrunken gewesen sei und sich nicht habe kontrol-
lieren können und sie dabei schlage. Es sei normal, dass die Frau Schläge be-
komme, wenn sie ihrem Mann im Bett nicht gehorche, er habe immer wieder 
die Worte benutzt: «Ich bin Dein Mann, Du musst mir gehorchen» 
(pag. 154 Z. 356-374);

19

 Am Tag des Vorfalls im Wohnzimmer habe er auch Sex gewollt, sie aber nicht. 
Sie habe mit ihm ein wenig gesprochen, habe ihm gesagt, dass es noch Tag 
sei und sie doch bis zum Abend warten könnten, bis es dunkel sei. Der Be-
schuldigte habe nur getrunken gehabt, nicht gegessen, sei aufgeregt gewesen, 
sie habe ihn beruhigen wollen, habe mit ihm gesprochen, ihm etwas zu essen 
geben wollen, das habe aber alles nichts genützt. Er habe Sex gewollt und sie 
habe dann halt mitgemacht. Sie habe mitmachen müssen und keine Wahl ge-
habt, (pag. 154 Z. 376-389); 

 Weiter zum Tagvorfall führte die Privatklägerin aus, während dieser Zeit habe 
sie sich viele Gedanken gemacht. Sie habe gedacht, dass er ihr Mann sei und 
das haben müsse; aber sie habe auch Wut verspürt und sich gefragt, ob sie 
etwas machen müsse, was sie selber nicht wolle, (pag. 155 Z. 412-416);

 Weiter zum Tagvorfall: Sie habe körperlich nicht mitgemacht, weil sie nicht be-
reit gewesen sei und nicht gewollt habe. Es habe aber auch Zeiten gegeben, 
zu welchen sie das mit ihm genossen habe. Dann sei es im Bett und friedlich 
gewesen und sie habe Lust gehabt, sie hätten ein Vorspiel gehabt und dann 
guten Sex (pag. 155 Z. 418-422);

 Weiter zum Tagvorfall: Auf Frage, ob sie sich gewehrt habe: Sie habe einfach 
gewartet, bis er gekommen sei. Sie habe dann sofort ins Badezimmer gehen 
und duschen wollen, um sein Sperma abzuwaschen. Sie habe sich so dreckig 
gefühlt (pag. 155 Z. 424-428); 

 Weiter zum Tagvorfall: Auf Frage, ob sie ihn weggestossen habe oder sich 
gewehrt habe: «Ich hatte Angst davor, mich zu wehren. Deshalb habe ich auch 
nicht geschrien oder die Polizei gerufen» (pag. 156 Z. 430-432);

 Auf Vorhalt ihrer Aussagen pag. 126 f. Z. 280-300 sagt sie, das sei im Bett (al-
so einer der vier anderen Vorfälle, vgl. pag. 153 Z. 349) so gewesen. Sie habe 
ihn einfach mit den Beinen wegstossen wollen und mit den Füssen gestram-
pelt, habe auch versucht die Beine zusammenzupressen, damit er nicht ein-
dringen könne, dann habe er aber die Beine nach oben geschoben, so dass 
sie sich nicht habe wehren können, in dieser Situation habe er viel Kraft ge-
habt, nicht nur, weil er schon kräftig an sich sei, sondern auch weil er erregt 
gewesen sei. Sie habe ihm auf dem Bett auch gesagt, dass sie das nicht wolle, 
aber er habe getan, als würde er nichts hören, es sei ihm egal gewesen, was 
sie sage oder wie sie sich verhalte, er habe einfach Sex gewollt und fertig 
(pag. 156 Z. 434-456);

 Sie habe dem Beschuldigten immer wieder gesagt, dass sie zwar jetzt nicht 
Sex haben möchte, aber ein anderes Mal schon, weil sie ihm nicht gewagt ha-
be zu sagen, dass sie keinen Sex mehr mit ihm habe haben wollen, wenn er 
betrunken gewesen sei (pag. 156 Z. 461-464); der Beschuldigte habe das aber 
nie beachtet, sondern sei in die Küche gegangen, habe seinen Penis eingeölt, 
sei zu ihr gekommen, habe ihr Bein nach oben gedrückt und sei in sie einge-
drungen (pag. 157 Z. 470-472);

 Sie sei während dem Geschlechtsverkehr, der immer in der gleichen Position 
stattgefunden habe, einfach nur auf dem Rücken dagelegen und habe nicht 

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aktiv mitgemacht. Wenn sie Schmerzen in einem Bein gehabt habe, habe sie 
ihn gebeten, das Bein runterzunehmen, was er gestattet habe und dann das 
andere Bein angehoben habe (pag. 157 Z. 481-501);

 Sie denke, dass der Beschuldigte trotz seiner Betrunkenheit schon mitbekom-
men habe, dass sie keinen Geschlechtsverkehr haben wolle (pag. 158 
Z. 503-507);

 Das anale Eindringen mit dem Finger sei ein- oder zweimal anlässlich der fünf 
Vorfälle des Geschlechtsverkehrs gegen ihren Willen passiert, immer im Bett, 
(pag. 158 Z. 513-523);

 Sie habe ihm auch dabei gesagt, sie wolle das nicht, er nehme es aber zu die-
sem Zeitpunkt gar nicht wahr, was sie sage (pag. 160 Z. 587-590);

 Nach dem ersten Mal Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen habe sie nie 
mehr mit dem Beschuldigten einvernehmlichen Sex gehabt (pag. 159 
Z. 557-559).

Vierte Einvernahme vom 27. Mai 2019 (erstinstanzliche Hauptverhandlung; 
pag. 446 ff.):

 Sie habe sich vom Beschuldigten gewünscht, dass er, wenn er trinke, nicht mit 
ihr Sex habe und habe ihm gesagt, wenn er trinke, dürfe er nicht mit ihr schla-
fen. Bei allen Vorfällen sei er dennoch betrunken gewesen (pag. 449 Z. 32-36);

 Sie habe den Beschuldigten mehrmals informiert, dass sie den Sex nicht wolle, 
sie habe auch manchmal während des Geschlechtsverkehrs versucht, den 
Fuss zu drehen, aber sie habe das nicht gekonnt, weil er zu stark gewesen sei 
(pag. 450 Z. 1-5);

 Sie habe sich nur einmal gewehrt, das sei im Bett gewesen, sie habe starke 
Schmerzen gehabt und habe gedacht, dass sie sich nicht schützen könne, 
(pag. 450 Z. 27-30);

 Auf Frage des Gerichtspräsidenten, ob er dies richtig verstanden habe, dass 
sie sich einmal auf dem Bett gewehrt habe, gesagt, dass sie es nicht wolle, 
habe sie aber jedes Mal: Ja, es sei nur einmal auf dem Bett gewesen. Da habe 
sie sich körperlich geschützt. Sonst habe sie immer mit ihm gesprochen, dass 
sie nicht wolle und dass sie nicht einverstanden sei. Sie habe ihm immer vor-
her und auch nachher und auch im nüchternen Zustand gesagt, dass sie nicht 
Sex wolle, wenn er angetrunken sei (pag. 450 Z. 42-46 und pag. 451 Z. 1-6). 

 Im Bett habe sie es jedes Mal gesagt, dass sie dies nicht wolle, er glaube aber 
nicht, dass eine Frau Rechte habe (pag. 451 Z. 11).

Fünfte Einvernahme vom 6. Oktober 2020 (oberinstanzliche Hauptverhandlung; 
pag. 723 ff.)

 Als sie ins Frauenhaus gekommen sei, habe sie unter Schock gestanden. Sie 
habe viele Probleme gehabt und sich geschämt. Und dennoch habe sie nicht 
gewollt, dass diese Probleme bis vor Gericht gehen würden. Sie habe im 
Frauenhaus mit «U.________» nicht über den erzwungenen Sex gesprochen 
(pag. 728 Z. 42-45, pag. 729 Z. 1 f.; «Ich wollte, dass wir [gemeint: der Be-

21

schuldigte und sie] zusammen eine Lösung finden würden. Sie habe nicht ge-
wollt, dass die somalische Gemeinschaft erfahren würde, was zwischen ihnen 
geschehen sei [pag. 729 Z. 2-4, 7 f.]. Im Frauenhaus habe sie noch keine An-
zeige machen wollen, sie habe das Vorgefallene mit dem Beschuldigten klären 
wollen und ihre Sicherheit haben wollen [pag. 729 Z. 23 f.]; Erst als sie die Sa-
che nicht hätten klären können, habe sie Anzeige gemacht [pag. 729 Z. 28 f.]);

 Genossen habe sie sexuellen Handlungen mit ihrem Mann nur vor der Zeit in 
E.________(Ort) (pag. 729 Z. 32-35); Das Verhalten des Beschuldigten habe 
sich von April 2018 bis zum Zeitpunkt, als er sie geschlagen habe, verändert 
und der Sex mit ihm sei eine Belastung für sie gewesen. Dies weil er zu dieser 
Zeit getrunken habe. Sie habe ihm gesagt, sobald er trinken würde, dürfe er 
sich weder mit ihr treffen noch mit ihr Sex haben. Sie habe ihn mehrmals darü-
ber informiert. Sie habe mit ihm vier- bis sechsmal darüber gesprochen, dass 
er nicht versuchen müsse, mit ihr Sex zu haben (pag. 729 Z. 40-45); «Darauf 
antwortete er, er sei mein Herr und ich sei seine Frau. Ich müsse ihm gehor-
chen bzw. müsse tun, was er sage» (pag. 730 Z. 2 f.);

 Der ungewollte Geschlechtsverkehr sei viermal im Schlafzimmer und einmal im 
Wohnzimmer in der Zeit zwischen April 2018 und Anfang August 2018 vorge-
fallen (pag. 730 Z. 5-8). Gefragt, warum sie wisse, dass es insgesamt genau 
fünf Vorfälle gegeben habe, antwortete sie: «An diese schmerzliche Zeit erin-
nert man sich immer», wobei sie mit dem Zeigefinger auf ihr Herz zeigte 
(pag. 730 Z. 15-17);

 Nicht vorgekommen sei, dass der Beschuldigte betrunken Sex von ihr gewollt 
habe, dann aber von ihr abgelassen hätte, weil sie dies nicht wollte (pag. 730 
Z. 10-12);

 Auf Frage ob bei einem oder mehreren Vorfällen – viermal im Bett, einmal im 
Wohnzimmer – einmal etwas Sonderbares erfolgt sei, sagte sie, bei einem die-
ser Vorfälle besonders starke Schmerzen gehabt zu haben. Er habe gegen 
das operierte und das zu operierende Knie gedrückt, ihr beide Arme und Hän-
de nach hinten gehalten, ihre Beine nach oben gedrückt und ihr den Finger in 
den Anus gesteckt, wobei sie starke Schmerzen im Rücken gehabt habe 
(pag. 730 Z. 21-32); 

 Sie könne sich an den genauen Zeitpunkt der Vorfälle nicht erinnern, hingegen 
wisse sie, dem Beschuldigten immer, als er wieder zur Ruhe gekommen sei, 
gesagt zu haben, dies künftig nicht mehr zu wollen. Diese Art Gespräch habe 
viermal stattgefunden (pag. 730 Z. 36-38); Er habe daraufhin geäussert, er sei 
der Mann zuhause und sie müsse machen, was er sage (pag. 730 Z. 42); Ver-
standen habe er sehr gut, dass sie das nicht gewollt und was sie ihm mitgeteilt 
habe. Sie hätten zusammen gesprochen, als er wieder nüchtern gewesen sei 
und er habe zugehört (pag. 730 Z. 44 f., pag. 731 Z. 1 f.); 

 Während des erzwungenen Sexes habe der Beschuldigte nicht mit ihr gespro-
chen, ausser wenn sie aufgrund von Schmerzen «Aaah…» gesagt habe; 
«Wenn er Sex wollte, kam er, zog seine Kleider aus, machte Öl auf seinen Pe-
nis und begann. Er hat niemanden gefragt» (pag. 731 Z. 9-15);

22

 Auf Vorhalt eigene Aussagen pag. 450 Z. 1-5 demonstrierte sie, wie der Be-
schuldigte ihr Bein leicht nach aussen geneigt nach oben gedrückt habe. Sie 
gab an, manchmal – trotz des nach oben über den Kopf gedrückten Fusses – 
versucht zu haben, den Beschuldigten mit dem anderen Fuss und Bein nach 
hinten und von ihr weg zu schieben, was ihr nicht gelungen sei. Für sie sei es 
sehr unangenehm, wenn ihr jemand – insbesondere ungefragt (pag. 732 Z. 28) 
– den Finger in den Anus stecke, «ich wusste nicht, was tun» (pag. 731 
Z. 17-27). Sie habe Angst gehabt, er würde sie schlagen, hätte sie ihn mit dem 
Fuss getreten oder sich zur Wehr gesetzt, da sie mit ihm alleine und er betrun-
ken gewesen und stärker als sie sei. Er habe ihr gesagt, er würde sie und sich 
ermorden, würde sie sich stark bewegen (pag. 731 Z. 29-37);

 Auf Frage, ob sie beschreiben könne, wie sie versucht habe, während dem 
Sex ihren Fuss zu drehen, fragte sie: «Meinen Sie drehen oder, dass ich die 
Beine versucht habe, zu schliessen; […] Ich versuchte manchmal, die Beine zu 
schliessen. Und ich fühlte Schmerzen. Die Angst war immer da» (pag. 731 
Z. 39-45);

 Auf Vorhalt eigener Aussagen pag. 450 Z. 29-30 und auf Vorhalt, es stehe 
dort, sie habe sich nur einmal und nicht wie heute geschildert immer gewehrt 
sagte sie: «Das ist auch richtig. Weil dieses Mal war meine Entscheidung, dass 
ich mich schütze. Ich hatte diese Schmerzen» (pag. 732 Z. 10-14). Sie habe 
nur einmal versucht, den Beschuldigten wegzustossen, aber ihm gesagt, 
«dass ich dies nicht möchte, nicht möchte, nicht möchte» (pag. 732 Z. 19-24); 

 Sie habe dem Beschuldigten gesagt, es zu hassen, anal penetriert zu werden, 
er habe dies gewusst, bevor er es getan habe (pag. 732 Z. 30-32). Sie habe 
gemerkt, dass er das mit dem Anus probiert habe. Deshalb habe sie darüber 
mit ihm im Voraus gesprochen. Zudem sei es als Paar normal, einander mitzu-
teilen, was man möge und was nicht (pag. 734 Z. 40 f., pag. 735 Z. 1 ff.). 

 Auf Vorhalt der Unterschiede in ihren Aussagen vom 4. und 28. August 2018 
sowie vom Dezember 2018 hinsichtlich Drohungen sagte sie, nicht zu wissen, 
warum die Angaben unterschiedlich seien, für sie sei die Angst sehr gross ge-
wesen, als der Beschuldigte bei ihr zuhause gelebt habe, die Angst habe sie 
immer begleitet, andernfalls hätte sie sich nicht scheiden lassen wollen 
(pag. 732 Z. 34-45, pag. 733 Z. 9 f.);

 Insgesamt hätten sie und der Beschuldigte von April bis August 2018 fünfmal 
Sex gehabt. Am Tag nach dem Vorfall habe sie ihm jeweils mitgeteilt, dass 
dies nicht richtig sei und habe ihm «gesagt und gezeigt – Stopp» (pag. 735 
Z. 7 f.); Seit der Heirat 2016 bis zum Zeitpunkt als sie im April 2018 zusam-
mengezogen seien, hätten sie einmal pro Woche normal Sex und keine Pro-
bleme gehabt. Die Probleme hätten begonnen, als er sie sexuell das erste Mal 
gezwungen habe (pag. 733 Z. 17-29);

 Für sie seien die gesamten Vorfälle sehr problematisch, sie habe den Schei-
dungsantrag gestellt und erwogen, nach Somalia zurückzukehren und hierzu 
die Gemeinde angefragt. Sie habe hier niemanden, mit dem sie über ihre Pro-
bleme sprechen könne. Eine Therapie mache sie nicht, es sei schwierig mit 

23

der Sprache und sie wolle nicht, dass jeder ihre Geschichte kenne (pag. 733 
Z. 31-44).

8.6 Würdigung der Aussagen der Privatklägerin
Die Kammer hält die Aussagen der Privatklägerin insgesamt für glaubhaft, dies aus 
folgenden Gründen:

8.6.1 Die Entstehungsgeschichte der Aussagen ist unverdächtig:

Die Privatklägerin begab sich am 20. August 2020 auf die Polizeiwache 
E.________(Ort) und erklärte, sie wolle nach Rücksprache beim Sozialdienst 
E.________(Ort) eine Anzeige wegen häuslicher Gewalt und Vergewaltigung ein-
reichen. Für den 27. August 2020 wurde die Privatklägerin zu einer Befragung mit 
einer somalischen Übersetzerin aufgeboten (Anzeigerapport pag. 71; pag. 120 ff.). 
Den darauf durch die Privatklägerin gemachten Aussagen gingen die nachfolgend 
aufzuzeigenden Ereignisse voraus:

 Anlass für die Privatklägerin, die Polizei beizuziehen, war ohne Zweifel der am 
4. August 2018 eskalierte Streit mit dem Beschuldigten in ihrer gemeinsamen 
Wohnung am I.________(Adresse) in E.________(Ort). Sie flüchtete daraufhin 
in die Wohnung der Nachbarn, wo sie schliesslich vom Beschuldigten gesucht 
und geschlagen wurde, was von den Nachbarn als Auskunftspersonen 
bestätigt und vom Beschuldigten mittlerweile auch eingestanden worden ist 
(pag. 442 Z. 42 f., pag. 443 Z. 3 f.; vgl. S. 16 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 607);

 Die Privatklägerin rief noch gleichentags um 21:17 Uhr die Polizei und gab an, 
sie habe Angst, dass ihr Mann ihr etwas antun wolle (Anzeigerapport pag. 70, 
pag. 78). Die Polizei rückte aus und die beiden Ehegatten wurden getrennt be-
fragt. Dabei gab die Privatklägerin an, sie sei heute vom Beschuldigten ge-
schlagen worden. Er habe alkoholische Getränke konsumiert, weswegen sie 
schon öfters Probleme mit ihm gehabt habe. Er habe sie ins Gesicht und in 
den Bauch geschlagen, dies mit Händen und Füssen. Durch den Schlag ins 
Gesicht habe sie eine Schwellung davongetragen. Es sei das erste Mal gewe-
sen, dass sie von ihrem Mann derart geschlagen worden sei. Sie habe Angst, 
die Nacht mit ihrem Mann gemeinsam in ihrer Wohnung zu verbringen, da er 
alkoholisiert sei (Berichtsrapport Kantonspolizei Bern, pag. 79 ff.);

 Demgegenüber sagte der Beschuldigte aus, seine Ehefrau habe ihn geschla-
gen. Sie hätten Streit gehabt und er habe sie nur weggestossen (pag. 78);

 Daraufhin wurden die beiden Parteien auf die Möglichkeiten, Strafantrag zu 
stellen, aufmerksam gemacht und anschliessend sicherheitshalber getrennt 
untergebracht. Die Privatklägerin wurde dann durch die Kantonspolizei ins 
M.________ überführt, wo sie die Nacht verbrachte. Während der Fahrt und 
auch vorher habe sie gemäss polizeilichen Angaben mehrfach spontan er-
wähnt, die Polizei müsse die Scheidung zwischen ihr und dem Beschuldigten 
zivilrechtlich und nach somalischem Recht vollziehen (pag. 83). Die Alkohol-
teste ergaben beim Beschuldigten einen Alkoholwert von 0,37 mg/l, bei der 

24

Privatklägerin einen solchen von 0,00 mg/l (Berichtsrapport Kantonspolizei 
Bern, pag. 81 ff.);

 Den oberinstanzlichen Abklärungen zufolge befand sich die Privatklägerin vom 
4. bis 10. August 2018 im M.________. Nahegelegt worden ist ihr dort, den 
Termin vom 16. August 2018 bei der J.________(Anlaufstelle) 
(J.________(Anlaufstelle) bei sexueller und häusliche Gewalt; nachfolgend 
J.________(Anlaufstelle)) wahrzunehmen. Da der Beschuldigte per 10. Au-
gust 2018 ins P.________(Unterkunft) eintrat, konnte sie nach Hause in ihre 
Wohnung zurückkehren, was zentral für sie war (pag. 710 f.);

 Die Privatklägerin begab sich am nächsten Morgen, 5. August 2018, 
08.50 Uhr, in Bern in den O.________(Notfall), um sich untersuchen zu lassen. 
Die dortige Ärztin, Dr. N.________, bestätigte, dass die Privatklägerin seit dem 
5. August 2018 in ihrer Behandlung stehe und die Arbeitsunfähigkeit vom 
6.-10.8.2018 100% betrage (pag. 178). Im Dokumentationsbogen bei häusli-
cher Gewalt erhob Frau Dr. N.________ auf Englisch die Anamnese (pag. 179 
ff.) und notierte die oberwähnten Angaben der Privatklägerin. Als medizinische 
Befunde erwähnte die Ärztin Verletzungen im Gesicht, im Abdomen und an 
den Händen, wobei sich die Gesichtsverletzungen als «periorbitale Hämatome 
und Schwellung rechtsbetont beidseits» darstellten, während die Bauchverlet-
zungen als abdominale Kontusionen (epigatrisch und Unterbauch) bezeichnet 
wurden (pag. 180). Auf pag. 182 f. wurden die Verletzungen noch zeichnerisch 
lokalisiert;

 Am 16. August 2020 begab sich die Privatklägerin gemäss Angabe der Polizei 
(pag. 71; Aussagen Privatklägerin: pag. 121 Z. 31 f.) zur 
J.________(Anlaufstelle). Am 20. August 2020 suchte sie die Polizei auf, um 
Anzeige wegen häuslicher Gewalt und Vergewaltigung zu erstatten (Anzeige-
rapport, pag. 70 f.).

Zu dieser Entstehungsgeschichte ist Folgendes festzustellen:

 Die Zeit zwischen der Meldung an die Polizei und dem Anlass dazu beträgt 
16 Tage (vom 4. bis 20. August 2020). Die Privatklägerin sagte aus, sie habe 
nach einer ersten Ohrfeige in den Wochen davor die Polizei nicht informiert, 
weil sie Angst gehabt habe, der Beschuldigte werde ihr etwas antun, wenn sie 
zur Polizei gehe. Nach dem 4. August 2018 habe die Polizei gesagt, sie solle 
am nächsten Montag, 6. August 2018, Anzeige erheben. Sie habe aber zuerst 
von einer Anzeige abgesehen, weil sie Angst gehabt habe, der Beschuldigte 
würde ihr etwas antun, wenn er eine Geldstrafe bekommen und dann wieder 
trinken würde. Zudem hätten somalische Leute ihr geraten, dass sie sich 
scheiden lassen solle (pag. 125 Z. 193-204);

 Die Privatklägerin zeigte Vorfälle an, die maximal auf den April 2018 zurückge-
hen; diese Zeitspanne ist relativ kurz für Vorkommnisse häuslicher Gewalt; 

 Anlass für die Privatklägerin, zur Polizei zu gehen, war offenbar der Streit vom 
4. August 2018, bei der die Privatklägerin Drohungen und Schlägen ausgesetzt 
wurde und die Situation nicht mehr anders zu meistern wusste, als mit dem 
Beizug der Polizei. Dies umso mehr, als ihr der Nachbar K.________ aus-

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drücklich dazu geraten hatte (vgl. pag. 168 Z. 167-172) und die Privatklägerin 
und der Beschuldigte die Angelegenheit auch nicht mithilfe somalischer Leute 
klären konnten (pag. 729 Z. 27-29);

 Aufgrund der polizeilichen Intervention kam sie erstmals in Kontakt mit fachli-
cher Beratung bei häuslicher Gewalt – gleichentags im M.________ und an-
schliessend in der J.________(Anlaufstelle) (pag. 139 Z. 450-452);

 Zudem liess sie sich auch ärztlich untersuchen, was sie gegenüber der Polizei 
am Vorabend noch abgelehnt hatte (pag. 83); bei dieser Untersuchung am 
Vormittag des 5. August 2018, mithin bloss 12 Stunden nach dem Vorfall, gab 
sie gegenüber der Ärztin des O.________(Notfall) an, geschlagen, bedroht und 
vergewaltigt worden zu sein (pag. 179 f.);

 Die durch die Ärztin festgehaltenen Befunde entsprechen exakt den gegenüber 
der Polizei am Abend zuvor angegebenen Verletzungen – auch wenn die Poli-
zei – anders als das Gericht – real und auf dem gemachten Foto auf pag. 84 
keine Schwellung/Rötung erkennen wollte (pag. 83, 179 ff.);

 Eine wie auch immer geartete Beeinflussung der Aussagen der Privatklägerin 
durch Dritte in dieser Phase ist nicht erkennbar; eine Suggestion (bei deren 
Vorliegen die Aussageanalyse untauglich ist, (RÖDER/NACK/TREUER, a.a.O., 
N. 321) durch Dritte kann ausgeschlossen werden.

Die Kammer kommt deshalb zum Schluss, dass die Entstehungsgeschichte der 
Erstaussagen der Privatklägerin unverdächtig ist. Es bestehen keine Hinweise, 
dass die Privatklägerin die Anzeige nicht aus eigener Motivation erstattete. 

8.6.2 Die Aussagen sind logisch konsistent:

Auch die logische Konsistenz wird als Vorbedingung für die Beurteilung einer Aus-
sage als glaubhaft angesehen: Unauflösliche innere Widersprüche in den Aussa-
gen können zum Vornherein nicht glaubhaft erscheinen, so detailreich sie auch da-
herkommen mögen. Dabei geht es nicht um Logik im Sinne des landläufig zu Er-
wartenden oder Plausiblen, weil Menschen in vielen Situationen nicht in diesem 
Sinne logisch handeln. Vielmehr geht es um die Nachvollziehbarkeit der Aussagen, 
worunter natürlich auch gehört, dass die Schilderung nicht Naturgesetzen wider-
spricht (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O. N 330 ff.).

Für die Kammer erscheinen die Aussagen der Privatklägerin in diesem Sinne lo-
gisch konsistent. Dies aus folgenden Gründen:

 Der äusserliche Ablauf des erzählten Geschehens ist nachvollziehbar. Die Pri-
vatklägerin schildert die Situation einer Ehe, die von 2016 bis zum Zeitpunkt 
des Zusammenzug unproblematisch verlief (pag. 733 Z. 21-24). Seit dem die 
Privatklägerin und der Beschuldigte ab April 2018 zusammen in 
E.________(Ort) wohnten, gab es häusliche Gewalt während ca. vier Monaten 
durch Drohungen und leichte Tätlichkeit (Ohrfeige) und dies immer dann, wenn 
der Beschuldigte Alkohol getrunken hat. Die Tätlichkeiten gipfelten schliesslich 
im Ereignis vom 4. August 2018 und führten zur polizeilichen Intervention. In 
deren Verlauf erwähnte die Privatklägerin auch, dass sie trotz ihres ausdrück-

26

lich geäusserten Willens ca. fünfmal zum Geschlechtsverkehr gezwungen 
worden sei;

 Die Aussage widerspricht keinen Naturgesetzen. Die Privatklägerin schilderte 
z.B. die Gewalteinwirkung so, dass sie der Beschuldigte aufs Bett gedrückt 
und sie so festgehalten habe, dass ihre Versuche, sich mit den Beinen dage-
gen zu wehren oder die Beine zu schliessen, ohne Erfolg geblieben seien 
(pag. 731 Z. 17 ff.);

 Die Frage der Motivation zur Anzeige ist äusserlich klar: Die Tätlichkeiten und 
Drohungen eskalierten am 4. August 2018 erstmals, was dazu führte, dass 
sich die Privatklägerin vom Beschuldigten konkret bedroht fühlte und sie sich 
von ihm trennen wollte (pag. 150 Z. 212-221);

 Erstmals wurde ihr in den darauffolgenden Gesprächen (am 4./5. August 2018 
im M.________ und am 16. August 2018 bei der J.________(Anlaufstelle) 
[pag. 139 Z. 450-452]) klar, dass sie sich das nicht gefallen lassen musste. Of-
fensichtlich wollte sie diesen Zustand beenden. Auch die geltend gemachten 
Gründe, wieso sie bis dahin auf eine Anzeige verzichtet hatte, sind plausibel: 
Die Angst vor dem Beschuldigten, er würde ihr etwas antun, (pag. 125 
Z. 193-204, pag. 148 Z. 148 f.) und Scham (pag. 729 Z. 1 ff.);

 Merkwürdig scheint auf den ersten Blick die Äusserung der Privatklägerin, sie 
sei zur Polizei gegangen, damit diese ihr helfe, die Trennung zu vollziehen. Bei 
näherer Betrachtung erscheint indessen auch dies nachvollziehbar: Die Privat-
klägerin ist bestrebt, dass alles friedlich ablaufen solle. Dazu gehört auch die 
ihr von solmalischen Leuten geratene Trennung vom Beschuldigten. Mit der 
Polizei könnte so eine friedliche Trennung erreicht werden (pag. 137 
Z. 315-323). In diesem Sinne erscheint es nicht unlogisch, wenn sie von der 
Polizei auch erwartete, dass diese sich um die Trennung kümmern und diese 
vollziehen solle (so vermerkt im Interventionsbericht der Polizei, pag. 83 letzter 
Absatz sowie Aussage der Privatklägerin, pag. 137 Z. 331-337).

Insgesamt sind keine unauflöslichen Widersprüche in den Aussagen der Privatklä-
gerin erkennbar.

8.6.3 Die Aussagen der Privatklägerin sind in den ersten zwei Befragungen konstant:

 Die Privatklägerin erklärte mehrfach, es sei vier- bis fünfmal auf dem Bett und 
einmal im Wohnzimmer auf dem Sofa zum durch den Beschuldigten erzwun-
genen Geschlechtsverkehr gekommen, wobei der Beschuldigte immer ange-
trunken gewesen sei; 

 Zudem sei es während den oben erwähnten Vorfällen insgesamt ein- bis 
zweimal zu analen Penetrationen mit dem Finger des Beschuldigten gekom-
men;

 Sie habe dem Beschuldigten immer wieder erklärt, dass sie keinen Sex mit ihm 
wolle, wenn er Alkohol getrunken habe; dies habe nichts genützt;

 Sie habe sich auch körperlich zu wehren versucht, insbesondere durch Weg-
stossen mit den Beinen;

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 Der Beschuldigte habe sie immer wieder, wenn er angetrunken gewesen sei, 
bedroht mit Schlägen oder mit Umbringen, weshalb sie vor ihm Angst gehabt 
habe und sich nicht gewagt habe zu schreien oder die Polizei zu rufen; zudem 
sei sie mit ihm alleine gewesen;

 Die Aussagen der Privatklägerin sind auch konstant, was den hier formell 
rechtskräftigen Teil der Tätlichkeiten anbelangt.

Die Aussagen der Privatklägerin stimmen insbesondere zum Kerngeschehen in 
den ersten beiden Befragungen überein und sind damit konstant.

8.6.4 Die Abschwächungen der Aussagen in den Befragungen 3 und 4 sind erklärbar:

 Im Unterschied zu früheren Einvernahmen erklärte die Privatklägerin am 
12. Dezember 2018 plötzlich, sie sei zwar immer wieder von ihrem Mann mit 
Schlägen oder mit dem Tod bedroht worden, und er habe ihr dazu ein Messer 
aus der Küche gezeigt. Dies sei aber für sie nicht so schlimm gewesen 
(pag. 152 Z. 292-314);

 Demgegenüber hatte sie der Polizei schon am 4. August 2018 am Telefon ge-
sagt, sie befürchte, dass ihr Mann ihr etwas antun wolle (Journaleintrag, 
pag. 78). In der Einvernahme vom 27. August 2018 sagte sie dann, sie habe 
«immer Angst vor ihm gehabt», er habe sie immer wieder terrorisiert, wenn sie 
Streit gehabt hätten. In der Küche habe es eine Schublade mit Messern drin 
und wenn sie Streit hätten, öffne er jeweils die Schublade und sie kriege Angst. 
Sie befürchte, dass er sie umbringe. Sie habe nach einer ersten Ohrfeige nicht 
die Polizei informiert, weil sie Angst gehabt habe, dass er ihr dann deswegen 
irgendetwas antue. Und obwohl die Polizei ihr geraten habe, am Montag, 
6. August 2018 zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten, habe sie es 
nicht gemacht aus Angst, dass der Beschuldigte ihr dann etwas antue 
(pag. 125 Z. 189-201). Er sage auch, dass er sich selber umbringen werde, 
nehme dann ein Messer und fuchtle damit in der Luft herum, sage einfach Sa-
chen, wo sie dann Angst bekomme (pag. 125 Z. 209-212). Er habe mehrmals 
gesagt, dass er sie und sich selber umbringen werde, immer dann, wenn er 
getrunken habe (pag. 125 Z. 217-219). Tags darauf bestätigte sie die mehrfa-
chen Drohungen in der Zeit ab April 2018. Besonders glaubhaft wirkt dabei, 
dass die Privatklägerin in keiner Weise aggraviert und bei den Messerfuchte-
lungen aus der Küchenschubladen erklärt, dass er damit nur in der Luft her-
umgefuchtelt habe, aber nie mündlich direkt gesagt habe, dieses Messer ge-
gen sie einzusetzen und nie Stichbewegungen gegen sie ausgeführt habe 
(pag. 139 Z. 406-409), und sie nicht sicher einschätzen könne, ob der Be-
schuldigte die Drohung, sich selbst umzubringen, wirklich in die Tat umsetzen 
würde (pag. 139 Z. 433-435). Jedoch war sie sich sicher, dass er die Drohung 
vom 4. August 2018 ernst gemeint habe (pag. 139 Z. 419 f.);

 Die Änderung der Aussage ergab sich offensichtlich aus dem Druck, unter den 
die Privatklägerin seit Einreichung der Anzeige geriet und den sie in der Ein-
vernahme vom 12. Dezember 2018 zu Beginn erwähnte. In der Befragung vom 
12. Dezember 2018 gab die Privatklägerin nämlich erstmals zu Protokoll, dass 
sie die «Verhandlung» und die Anzeige wegen Vergewaltigung nicht mehr wei-

28

terverfolgen wolle (pag. 146 Z. 52 ff.). Auf den Einwand hin, dass diese Delikte 
von Amtes wegen verfolgt würden, erklärte sie, das Verfahren wegen Drohung 
und Tätlichkeiten einstellen lassen zu wollen, weil sie viele Probleme und viel 
Druck habe (pag. 146 Z. 67-76). Deutlich auch ihre Aussage vom 12. Dezem-
ber 2018 am Ende der Befragung, wo sie ausführte, die Familienmitglieder des 
Beschuldigten hätten sie gebeten, die Anzeige zurückzuziehen, und auch die 
somalische Gemeinschaft versuche, sie zum Rückzug der Anzeige zu bewe-
gen. Jeden Samstag kämen Leute zu ihr, sie könne nicht ruhig zuhause sein. 
Die Familie des Beschuldigten hatte sie offenbar dazu gedrängt, die Anzeige 
zurückzuziehen, was auch vom Beschuldigten bestätigt wurde (pag. 115 
Z. 313-316).

 Eine weitere Abschwächung ihrer Aussagen nahm die Privatklägerin in der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung vor, indem sie nun erklärte, sie habe sich 
bloss einmal körperlich gegen einen erzwungenen Sex gewehrt und bei den 
übrigen Vorfällen habe sie lediglich verbal protestiert (pag. 450 Z. 27-30, 42-
46). 

8.6.5 Die Aussagen der Privatklägerin in der Befragung vor der Kammer sind differen-
ziert und wirken erlebt:

 In der oberinstanzlichen Befragung führte sie dazu aus, sie habe manchmal 
versucht, obwohl er ihren nach oben gedrückten Fuss über den Kopf gehalten 
habe, ihn mit dem anderen Fuss oder Bein nach hinten und weg von ihr zu 
schieben. Dies sei aber erfolglos geblieben. Sie habe Angst gehabt, dass es 
für sie Folgen haben würde, wenn sie ihn mit dem Fuss getreten hätte. Sie sei 
mit ihm alleine zuhause, niemand anders sei dort gewesen. Sie habe Angst 
gehabt, dass er sie schlagen würde, wenn sie sich mehr zur Wehr gesetzt hät-
te, was sie aus Angst nicht getan habe. Sie habe Angst gehabt, weil er ihr ge-
sagt habe, er würde sie und sich umbringen, würde sie sich stark bewegen. 
Sie habe versucht die Beine zu schliessen, die Angst sei aber immer da gewe-
sen (pag. 731 Z. 23-45). Auf Vorhalt eigener Aussagen und dass dort stehe, 
sie habe sich nur einmal gewehrt und nicht wie heute geschildert, immer, sagte 
die Privatklägerin: «Das ist auch richtig. Weil dieses Mal war meine Entschei-
dung, dass ich mich schützte» (pag. 732 Z. 10-13). Sie habe nur einmal ver-
sucht ihren Mann wegzustossen, habe aber immer gesagt, dies nicht zu wollen 
(pag. 732 Z. 23 f.).

8.6.6 Die Aussagen der Privatklägerin sind detailreich:

Die Privatklägerin machte im Laufe der Einvernahmen mehrere Aussagen, die 
kaum erfunden werden könnten, wenn sie nicht so erlebt worden wären:

 Die Verwendung der direkten Rede durch den Beschuldigten («Ich bin Dein 
Mann, Du musst mir gehorchen», pag. 154 Z. 372 ff.);

 Hinsichtlich des Vorfalls im Wohnzimmer auf dem Sofa, wo sie unbedingt habe 
den Vorhang zuziehen wollen, da das Fenster offen gestanden sei (pag. 153 
Z. 350 f.);

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 Dass der Beschuldigte dort unbedingt Sex gewollt habe, sie aber nicht, und 
dass sie ihn deshalb habe ablenken wollen, mit ihm gesprochen habe, dass 
man den Abend abwarten solle, dass er etwas essen solle, dies aber nichts 
genützt habe (pag. 154 Z. 376-382);

 Die Darstellung, wie sich der Geschlechtsverkehr jeweils immer abgespielt ha-
be, mit körperlicher Darstellung auf dem Boden (pag. 127 Z. 291-300) sowie 
Demonstration im Gerichtssaal (pag. 734 Z. 16 ff.); 

 Dass der Beschuldigte nach dem Samenerguss sofort einschlafe und sich 
wegdrehe (pag. 127 f. Z. 333-340);

 Dass sie sich danach habe waschen wollen, weil sie sich schmutzig gefühlt 
habe (pag. 128 Z. 340 f.; pag. 154 Z. 427 f.);

 Dass sie danach in der Wohnung einen anderen Ort zum Schlafen aufgesucht 
habe und ins Wohnzimmer gegangen sei, wo sie geweint habe und sich hilflos 
gefühlt habe (pag. 158 Z. 528-530);

 Dass sie sich an diese schmerzliche Zeit der erzwungenen sexuellen Hand-
lungen immer erinnere, wobei die Privatklägerin mit dem Zeigefinger auf ihr 
Herz zeigte (pag. 730 Z. 17-19);

 Dass sie nicht gern in der Küche sei, weil dort eine Messerschublade sei und 
der Beschuldigte beim Streit manchmal Messer hervornehme oder die Schub-
lade öffne und schliesse, was ihr Angst mache (pag. 446 f. Z. 40 f., 1 ff.);

 Dass sie sich überlegt habe, dem Beschuldigten diesen Sex zu schulden, aber 
dabei auch Wut bekommen habe, weil sie es nicht gewollt habe (pag. 155 
Z. 412 ff.); 

 Dass sie mit ihrem Verzicht auf weiteren Widerstand habe verhindern wollen, 
dass sich etwas Schlimmeres ereigne (pag. 154 Z. 356-358, pag. 731 
Z. 35-37, 43-45);

 Dass sie den Beschuldigten nicht richtig getreten hatte, weil sie Angst gehabt 
habe, geschlagen zu werden (pag. 731 Z. 31 f.);

8.6.7 Ein Motiv für eine Falschaussage ist nicht erkennbar:

 Der Beschuldigte kann keine plausiblen Gründe für eine Falschbezichtigung 
nennen (siehe dazu Ziff. 8.5.3 hiervor); Ein Motiv dazu ist nicht erkennbar;

 Der Nutzen einer solchen Falschbezichtigung ist nicht erkennbar; im Gegenteil 
hat sich die Privatklägerin mit ihren Aussagen in eine schwierige Situation in 
der somalischen Gemeinschaft manövriert (pag. 149 Z. 168 ff.; pag. 153 
Z. 338 ff., pag. 729 Z. 6 ff.);

 Bei einer Falschbezichtigung würden bei einer Einvernahme die groben Vorfäl-
le – hier die sexuellen Handlungen gegen ihren Willen – als erstes erwähnt 
und nicht nur beiläufig im Nachgang. Zudem würde die Privatklägerin auch of-
fensiver erzählen und nicht sagen, dass sie Mühe habe, darüber zu sprechen, 
was in der Art und Weise ihrer Erzählungen nachvollziehbar erscheint. Eine 

30

raffinierte Verschleierung durch karge, erfundene Aussagen, wird für unwahr-
scheinlich gehalten);

 Die vom Beschuldigten angegebenen Nachbarn aus Luzern, die offenbar sug-
gestiv auf die Privatklägerin eingewirkt hätten (siehe Ziff. 8.5.3 hiervor), konn-
ten nicht eruiert werden;

Eine Falschbezichtigung durch die Privatklägerin fällt ausser Betracht. 

8.6.8 Die Aussagen der Privatklägerin sind nicht übertrieben oder aggravierend:

 Am 4. August 2018 sei der Beschuldigte nicht schwer betrunken, aber ange-
trunken gewesen (pag. 123 Z. 93 f.); dies stimmt überdies mit den polizeilichen 
Messungen des Alkoholtests überein (0,37mg/l; pag. 78);

 Ausser Füssen und Händen habe der Beschuldigte keine Gegenstände bei 
den Tätlichkeiten gebraucht (pag. 124 Z. 165);

 Bei den 5-6 Vorfällen von erzwungenem Sex sei es nur einmal pro Nacht pas-
siert (pag. 126 Z. 277 f.);

 Bisher habe der Beschuldigte noch nie seinen Penis in ihren Anus eingeführt 
(pag. 128 Z. 353 f.);

 Bisher sei das Zusammenleben sehr gut gewesen; seit drei Monaten habe er 
sich aber stark verändert (pag. 132 Z. 69, 82; Vor E.________(Ort) habe sie 
die sexuellen Handlungen mit dem Beschuldigten auch gewollt und genossen, 
pag. 729 Z. 32-35; «Die Probleme begannen, als er mich sexuell das erste Mal 
gezwungen hatte. Unserer Beziehung ging es zusehends schlechter», 
pag. 733 Z. 28 f.; «Unser Leben war zuerst gut. Wir haben viel gemacht und 
dafür gekämpft, zusammen leben zu können», pag. 734 Z. 31 f.); 

 Bei den Drohungen mit dem Messer habe er keine Stichbewegungen gegen 
sie ausgeführt (pag. 139 Z. 408).

Diese Darstellungen sprechen für eine wahrheitsgemässe Schilderung. 

8.6.9 Strukturgleichheit der Aussagen

Dieses Kriterium gibt hier mit Ausnahme der Entlastung des Beschuldigten und der 
Nichtaggravierung nicht viel her. Die Privatklägerin schilderte die Vorfälle beim Ge-
schlechtsverkehr nicht sonderlich detailliert, wenn man von der ausführlichen Dar-
stellung ihrer Position absieht. Allerdings führte sie auch aus, der Geschlechtsver-
kehr sei immer in der genau gleichen Position vollzogen worden, zudem immer am 
gleichen Ort resp. im Schlaf- oder Wohnzimmer (pag. 730 Z. 7 f.), weshalb auch 
nicht zu erwarten ist, dass sich dabei ausführliches Erzählen aufdrängen müsste.

8.6.10 Homogenität der Aussagen

Dieses Kriterium bezieht sich darauf, dass sich verschiedene Teile einer Schilde-
rung wechselseitig bestätigen. Dies ist hier insofern der Fall, als der Auslöser für 
die Privatklägerin, die Polizei beizuziehen, auf das Grundproblem zurückführt: auch 
dort war der Auslöser der, dass der Beschuldigte angetrunken war und von der Pri-
vatklägerin den Geschlechtsverkehr verlangte, was diese diesmal ablehnte, worauf 
sie vom Beschuldigten geschlagen wurde.

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Obwohl also am Tag des Vorfalles vom 4. August 2018 keine sexuellen Handlun-
gen erzwungen wurden, bestätigt sich das Hauptthema dieses Verfahrens bereits 
in den Aussagen der Privatklägerin zu den Tätlichkeiten vom 4. August 2018.

8.6.11 Fazit und Beantwortung der Hauptfrage der Aussageanalyse
Die Aussagen der Privatklägerin erscheinen glaubhaft, wobei kleinere Ungereimt-
heiten erklärt können werden und unauflösliche Widersprüche nicht vorliegen. 
Ausgeschlossen erscheint, dass die Privatklägerin in ihrer Situation und mit ihren 
Fähigkeiten die geschilderten Vorgänge so hätte aussagen können, ohne sie sel-
ber erlebt zu haben. Ein Motiv für eine falsche Bezichtigung ist schliesslich nicht 
erkennbar. 

8.6.12 Fazit zur Beweiswürdigung und rechtserheblicher Sachverhalt 

Die Kammer erachtet die angeklagten Sachverhalte gemäss Ziff. I.1 sowie Ziff. I.2 
(pag. 359-361) wie folgt als erstellt:

In der Zeit zwischen April 2018 und 3. August 2018 kam es in E.________(Ort), 
I.________(Adresse), zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin zu min-
destens sechs sexuellen Handlungen, mit denen sie nicht einverstanden war. Da-
bei ging es fünfmal um erzwungenen Geschlechtsverkehr und einmal (jeweils in 
dubio pro reo) um anales Eindringen mit einem Finger durch den Beschuldigten.

Der Beschuldigte zog sich in alkoholisiertem Zustand einmal tagsüber und viermal 
abends die Kleider aus, begab sich in die Küche, ölte seinen Penis ein und ging 
nackt zu seiner sich tagsüber im Wohnzimmer und abends im Schlafzimmer befind-
lichen, mit einem somalischen Gewand (ohne Unterwäsche) bekleideten, stehen-
den oder im Bett liegenden Ehefrau. Anlässlich des Vorfalles im Wohnzimmer 
stiess der Beschuldigte die Privatklägerin auf das Sofa. Bei den weiteren vier Vor-
fällen im Schlafzimmer stiess bzw. drückte er sie aufs Bett oder legte sich direkt auf 
die sich bereits in Rückenlage befindlichen Privatklägerin, hielt mit einer Hand ihre 
Arme fest und schob ihr somalisches Gewand nach oben. Anschliessend ergriff der 
Beschuldigte – während die Privatklägerin vergeblich versuchte, die Beine zu 
schliessen, zusammenzuklemmen oder sich mit den Beinen wegstossen – mit ei-
ner Hand eines ihrer Beine und beugte sie derart, dass ein Bein nach oben gegen 
ihren Oberkörper und ihre Knie neben ihren Ohren zu liegen kamen. Sodann hielt 
er sie mit den Händen an einem Arm und einem Bein fest und drang mit seinem 
Penis vaginal in sie ein. Dabei konnte er darauf zählen, dass sie keinen massiven 
Widerstand leisten würde, da er ihr körperlich überlegen war. Zudem hatte er sie 
regelmässig in den Wochen zuvor mit Drohungen, sie zu schlagen oder umzubrin-
gen, konfrontiert. Die Privatklägerin hatte Angst vor dem Beschuldigten, wenn er 
betrunken war und verzichtete in dieser ausweglosen Situation auf weiteren Wider-
stand, um Schlimmeres zu verhindern und sich so zu schützen. 

Der Beschuldigte tat dies, obschon die Privatklägerin mehrmals verbal gegen die-
ses Vorgehen protestierte, indem sie ihm erklärte, dass «sie das nicht will», «sie 
das nicht möchte», «sie nicht bereit dazu ist» und zwar deshalb nicht, weil er bei 
diesem Vorgehen jeweils Alkohol konsumiert hatte. Sie sagte ihm dies bei jedem 
der fünf Vorfälle, sagte es ihm aber auch nachher – es gab mindestens vier dies-
bezügliche Gespräche – und zwischendurch, wenn der Beschuldigte wieder nüch-

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tern war. Überdies manifestierte die Privatklägerin ihr Nichteinverständnis auch 
körperlich, indem sie versuchte, sich oder den Beschuldigten mit den Beinen weg-
zustossen, ihre Beine zu schliessen, diese zusammenklemmte und strampelte, um 
ein Eindringen zu verhindern. Daraufhin ergriff der ihr körperlich überlegene Be-
schuldigte ihre Schienbeine und drückte diese gegen ihren Oberkörper und dann 
nach unten gegen die Ohren, so dass die Beine angewinkelt waren und sie sich in 
dieser Position nicht mehr körperlich gegen das vaginale Eindringen zur Wehr set-
zen konnte.

Einer der Vorfälle im Schlafzimmer war besonders schmerzhaft für die Privatkläge-
rin. Nebst dem vollzogenen Geschlechtsverkehr drang er dabei mit einem Finger 
anal in die Privatklägerin ein. Dies, obschon sie ihm bereits zu Beginn der Bezie-
hung bzw. vor dem Vorfall, als sie merkte, dass er dies probierte und nachfolgend 
mehrmals erklärt hatte, Analverkehr «nicht zu wollen», «dies zu hassen» und sie 
ihm auch in der Situation sagte, dass er «damit aufhören soll» und «sie nicht will, 
dass er seinen Finger anal in sie einführt». Der Beschuldigte drückte bei diesem 
besonders schmerzhaften Vorfall insbesondere gegen ihr operiertes Bein, worauf-
hin sie versuchte, sich mit ihren Beinen physisch zur Wehr zu setzen und stärkeren 
Widerstand leistete. Mehr Widerstand zu leisten, z.B. zu schreien oder die Polizei 
zu rufen, getraute sich die Privatklägerin aus Angst vor anschliessenden Repressa-
lien durch den Beschuldigten durch Schläge wegen ständiger Drohungen nicht. 
Zudem befand sie sich mit dem Beschuldigten alleine im ehelichen Domizil und 
konnte keine Hilfe herbeirufen. Darüber hinaus sah sich die Privatklägerin aufgrund 
der gelebten sozialen Dominanz des Beschuldigten in der gelebten islamisch-
somalischen Kultur nicht in der Lage, sich stärker zur Wehr zu setzen, als sie dies 
tat.

Unbesehen der Aufforderungen der Privatklägerin, die Handlungen zu beenden 
und deren Gegenwehr, drang er mit seinem Penis in sie ein, bis er zu einem Sa-
menerguss kam. Der Beschuldigte spricht die gleiche Sprache und verstand zwei-
fellos, wenn ihm die Privatklägerin sagte, sie wolle in diesem Moment keinen Sex 
mit ihm. Zudem musste er den von der ihr geschilderten Widerstand mitbekommen 
haben. Dies auch, wenn er jeweils angetrunken war, zumal er nach den Aussagen 
der Privatklägerin dies auch unter diesen Umständen mitbekommen haben muss. 
Und schliesslich wusste der Beschuldigte auch von den gemeinsamen einverständ-
lichen Intimkontakten mit der Privatklägerin, wie diese mitzumachen pflegte, wenn 
dieses Zusammensein für sie auch erwünscht war. Er vollzog damit den Ge-
schlechtsverkehr sowie die Analpenetration entgegen dem deutlich geäusserten 
und ihm bekannten Willen der Privatklägerin.

Schliesslich wusste der Beschuldigte nach seiner damals knapp 10-jährigen Anwe-
senheit in der Schweiz, dass in Bezug auf Sexualität in der Schweiz der Massstab 
der Selbstbestimmung der Frau gilt, dessen Verletzung strafrechtlich geahndet 
wird. Der Beschuldigte macht im Übrigen nicht geltend, er habe gar nicht gewusst, 
dass die Frau jeweils einverstanden sein müsse, sondern geht wie selbstverständ-
lich ebenfalls von dieser Prämisse aus.

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III. Rechtliche Würdigung

9. Zum Vorwurf der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung

9.1 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete die Tatbestände von Art. 190 Abs. 1 und Art. 189 
Abs. 1 StGB primär in der Form des psychischen Druckes als erfüllt. Sie sah die 
Privatklägerin in einer kulturell bedingten, aber auch durch den Beschuldigten 
durch Drohungen geschaffenen Zwangssituation, in der ihre Angst es ihr unmöglich 
machte, sich dagegen zu wehren oder zumindest noch mehr zu wehren, als sie es 
tat. Die Privatklägerin habe zudem dem Beschuldigten vor diesen Vorfällen in aller 
Deutlichkeit zu verstehen gegeben, im jetzigen Moment keinen Sex mit ihm haben 
zu wollen. Damit bestehe die Nötigungshandlung in der durch den Beschuldigten 
durch seine Drohungen und seine soziale Dominanz erschaffenen Situation. Zu-
sätzlich sei aber auch das Tatbestandsmerkmal der Gewalt (durch Halten und Nie-
derdrücken) erfüllt, weil in Anbetracht der Umstände der Privatklägerin nicht mög-
lich gewesen sei, noch mehr Widerstand als den von ihr geschilderten zu leisten 
(S. 33 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 624). 

Subjektiv habe der Beschuldigte die abwehrende Haltung der Privatklägerin wahr-
genommen, sich aber dennoch über deren Willen hinweggesetzt. Damit ging die 
Vorinstanz von direktem Vorsatz aus und sprach den Beschuldigten der mehrfa-
chen Vergewaltigung schuldig (S. 34 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 625). 

Zudem hielt die Vorinstanz wegen der erwiesenen analen Penetration mit einem 
Finger auch den objektiven und subjektiven Tatbestand der sexuellen Nötigung für 
erfüllt (S. 33 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 624 f.). 

In rechtlicher Hinsicht sah die Vorinstanz den aus ihrer Sicht erfüllten Straftatbe-
stand der Drohung als durch die Delikte gegen die sexuelle Integrität als konsu-
miert an. Demgegenüber hielt sie die sexuelle Nötigung nicht für eine blosse Be-
gleiterscheinung der Vergewaltigung und gelangte zu einem gesonderten Schuld-
spruch wegen Art. 189 Abs. 1 StGB (S. 34 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 625).

9.2 Vorbringen der Parteien

9.2.1 Argumente der Verteidigung

Die Verteidigung brachte oberinstanzlich zusammengefasst vor, die Strafbarkeit 
der angeklagten Handlungen sei vor dem Hintergrund des gelebten muslimischen 
Glaubens und der somalischen Lebensweise der Ehegatten zu beurteilen. Die so-
malische Kultur, Ethik sowie die fremde Sprache hätten ihren Alltag wie auch Intim-
verkehr stark geprägt (pag. 746). Der Beschuldigte sei der Privatklägerin intellektu-
ell unterlegen und sein Verständnis begrenzt (pag. 754). Der Privatklägerin sei 
nicht bewusst gewesen, dass sie nach Schweizer Recht nicht zum Geschlechts-
verkehr mit ihrem Ehemann verpflichtet sei, weshalb kaum Widerstand geleistet 
worden sei, sie vielmehr einfach mitgemacht habe, weshalb von Einvernehmlichkeit 
auszugehen sei. Die Ausübung von Gewalt oder psychischem Druck seitens des 

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Beschuldigten seien nicht gegeben und darüber hinaus erst später mit den sexuel-
len Handlungen in Verbindung gebracht worden. Es fehle damit am objektiven wie 
auch subjektiven Tatbestand. Der kulturelle Druck und das Leben nach muslimi-
schem Standard seien Grund für das Unterordnungsverhältnis gewesen 
(pag. 747 f.). Eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung habe der Beschuldigte 
nicht begangen.

9.2.2 Argumente der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft führte oberinstanzlich zusammengefasst aus, es sei 
ein individueller Massstab anzulegen und die gesamte Persönlichkeit des Opfers 
miteinbeziehen. Dabei müsse das Nachgeben bzw. Über-sich-ergehen-Lassen un-
ter den konkreten Umständen nachvollziehbar gewesen sein. Der Vorfall vom 
4. August 2018 habe gezeigt, dass die Befürchtungen der Privatklägerin, wonach 
eine Verweigerung von erzwungenem Geschlechtsverkehr Gewalt zur Folge hätte, 
plausibel seien. Für eine ausweglose Situation und Furcht spreche sodann, dass 
der Beschuldigte seiner Ehefrau gegenüber dominant aufgetreten und Hi