# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 585eaa39-3315-5c98-847d-0cc26e349bce
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-27
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 27.04.2022 SK 2021 352
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-352_2022-04-27.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 21 352

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 27. April 2022 

Besetzung Obergerichtssuppleantin Salzmann (Präsidentin i.V.), 
Oberrichterin Bratschi, 
Oberrichter Bettler
Gerichtsschreiberin Baillif

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Drohung, 
Hinderung einer Amtshandlung sowie Rückversetzung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 16. Februar 2021 (PEN 20 291)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Einzelgericht; nachfolgend Vorinstanz) 
erkannte mit Urteil vom 16. Februar 2021 (pag. 288 ff.) Folgendes: 

«I.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der Konsumwiderhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, angeblich 
begangen in der Zeit vom 12.06.2019 bis 01.10.2019 in S.________, Bern und andernorts

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen, wie folgt:

1.1. mengenmässig qualifiziert begangen in der Zeit von Ende Oktober 2018 bis Anfang April 
2019 in S.________, T.________, Ostermundigen und Bern oder im Zug bzw. auf Bahn-
höfen auf diesen Strecken durch Veräusserung von 65 Gramm Kokaingemisch (Kokain-
base: 40 Gramm);

1.2. in der Zeit vom 01.12.2018 bis am 11.06.2019 und vom 02.10.2019 bis am 09.12.2019 in 
S.________, Bern und andernorts durch Konsum von Marihuana, Kokain- und Heroinge-
misch;

2. der Drohung, begangen am 02.02.2020 im Zug zwischen S.________ und H.________ z.N. von 
C.________;

3. der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 09.12.2019 in Bern;

III.

Bezüglich der bei A.________ mit Verfügung des Amtes für Straf- und Massnahmenvollzug vom 
23.09.2019 aufgeschobenen Reststrafe von 52 Tagen wird die Rückversetzung in den Strafvollzug 
angeordnet.

IV.

A.________ wird

in Anwendung der Art. 19 Ziff. 1 lit. c i.V.m. 19 Abs. 2 lit. a und Abs 3 lit. b, 19a BetmG, 
Art. 40, 47, 49 Abs. 1 und 2, 106, 180 Abs. 1, 286 StGB, Art. 426 ff. StPO 

sowie unter Einbezug der seinerzeit aufgeschobenen und nunmehr zu vollziehenden Reststrafe im 
Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 89 Abs. 6 StGB

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

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2. Zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu CHF 10.00, ausmachend total CHF 150.00.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 28. Februar 2019. 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung wird auf 2 Tage festgesetzt,

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 9'450.00 und Ausla-
gen (exkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 1'000.00, insgesamt bestimmt auf 
CHF 10’450.

Kosten der Untersuchung CHF 6’450.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 3’000.00
Total CHF 9’450.00

Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 1’000.00
Total CHF 1’000.00

Total Verfahrenskosten CHF 10’450.00

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1'000.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 9'450.00 

V.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ 
durch Fürsprecher D.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 36.00 200.00 CHF 7’200.00
Reisezuschlag CHF 75.00

CHF 223.35
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 7’498.35 CHF 577.35

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 8’075.70

volles Honorar CHF 9’000.00
Reisezuschlag CHF 75.00

CHF 223.35
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 9’298.35 CHF 715.95

CHF 0.00
Total CHF 10’014.30

nachforderbarer Betrag CHF 1’938.60

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecher D.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 8'075.70. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Fürsprecher D.________ die Differenz von CHF 1'938.60 zwischen der amtlichen Entschädigung 
und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 
135 Abs. 4 StPO).

[…]»

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2. Berufung und Anschlussberufung

Gegen dieses Urteil meldete die Verteidigung mit Eingabe vom 25. Februar 2021 im 
Namen und Auftrag des Beschuldigten A.________ (nachfolgend Beschuldigter) 
fristgerecht die Berufung an (pag. 296). Die Berufungserklärung der Verteidigung 
datiert vom 30. August 2021 und ging ebenfalls innert Frist am 31. August 2021 beim 
Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 380 ff.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte ihrerseits mit Schreiben vom 10. Septem-
ber 2021 kein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten, erhob aber An-
schlussberufung (pag. 386 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Blick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden von Amtes wegen ein Bericht 
der Stiftung für Suchthilfe CONTACT (datierend vom 24. März 2022, pag. 398), ein 
Strafregisterauszug (datierend vom 12. April 2022, pag. 404 ff.), ein Leumunds-
bericht samt Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse (datierend vom 
8. April 2022, pag. 400 ff.) sowie ein Betreibungsregisterauszug samt 
Verlustscheinübersicht (datierend vom 12. April 2022, pag. 411 ff.) eingeholt. Zudem 
wurden bei der Kantonspolizei Bern, Regionalpolizei MEOA, Überwachungsbilder 
der BLS AG (pag. 421 ff.), bei der BLS AG das zugehörige Überwachungsvideo (pag. 
453.2) sowie bei der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland die Akten der 
beiden Verfahren BM 21 12526 und BM 21 18309 ediert. 

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ beantragte und begründete für den Beschuldigten in der 
oberinstanzlichen Verhandlung Folgendes (pag. 459): 

«1. Herr A.________ sei freizusprechen von der Beschuldigung der Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz, angeblich mengenmässig qualifiziert begangen in der Zeit von ca. Ende Okto-
ber 2018 bis Anfang April 2019 durch Erwerb, Besitz und Veräusserung von 113 Gramm, evtl. 63 
Gramm Kokaingemisch an E.________. 

2. Herr A.________ sei freizusprechen von der Beschuldigung der Drohung, angeblich begangen 
am 2. Februar 2020 im Zug zwischen S.________ und H.________ z.N. von C.________.

3. Herr A.________ sei schuldig zu sprechen wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel-
gesetz, begangen durch Erwerb, Besitz und Veräusserung von 2 Gramm Kokaingemisch an 
E.________. 

4. Infolge des Schuldspruchs wegen Konsumwiderhandlungen gemäss Ziff. II.1.2 des Urteils vom 
16. Februar 2021, des Schuldspruchs wegen Hinderung einer Amtshandlung gemäss Ziff. 1I.3 
des Urteils vom 16. Februar 2021 und des beantragten Schuldspruchs wegen Widerhandlung 
gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Erwerb, Besitz und Veräusserung von 2 Gramm Ko-
kaingemisch (dem Konsum dienender Widerhandlung) sei Herr A.________ zu einer Geldstrafe 
von 3 Tagessätzen zu Fr. 10.00 und zu einer Busse von höchstens Fr. 200.00 zu verurteilen, unter 
Gewährung des bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von 2 Jahren.

5. Bezüglich der bei Herrn A.________ mit Verfügung vom 23. September 2019 aufgeschobenen 
Reststrafe von 52 Tagen sei die Rückversetzung nicht anzuordnen. 

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6. Von den erstinstanzlichen Verfahrenskosten sei ein Betrag von Fr. 500.00 auszuscheiden und 
Herrn A.________ aufzuerlegen. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien im Üb-
rigen vom Kanton zu tragen. 

7. Herrn A.________ sei eine Entschädigung für die Verteidigungskosten im erstinstanzlichen und 
im oberinstanzlichen Verfahren zuzusprechen.»

Staatsanwältin G.________ stellte und begründete in der oberinstanzlichen Ver-
handlung ihrerseits die folgenden Anträge (pag. 460 f.): 

« I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau (Einzelgericht) vom 
16. Februar 2021 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. des Freispruchs von der Anschuldigung der Konsumwiderhandlung gegen das 
Betäubungsmittelgesetz, angeblich begangen in der Zeit vom 12.06.2019 bis 01.10.2019 in 
S.________, Bern und anderswo, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung 
von Verfahrenskosten; 

2. der Schuldsprüche wegen Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 09.12.2019 in Bern und 
wegen Konsumwiderhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Zeit vom 
01.12.2018 bis am 11.06.2019 und vom 02.10.2019 bis am 09.12.2019 in S.________, Bern und 
andernorts; 

3. der Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00, teilweise als Zusatzstrafe zum 
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 28. Februar 2019 unter Festsetzung der 
Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung auf 2 Tage.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mengenmässig qualifiziert begangen 
in der Zeit von Ende Oktober 2018 bis Anfang April 2019 in S.________, T.________, 
Ostermundigen und Bern oder im Zug bzw. auf Bahnhöfen auf diesen Strecken durch 
Veräusserung von mindestens 115 Gramm Kokaingemisch (87.8 Gramm reines Kokain); 

2. der Drohung, begangen am 02.02.2020 im Zug zwischen S.________ und H.________ z.N. von 
C.________.

III.

Bezüglich der bei A.________ mit Verfügung des Amtes für Straf- und Massnahmenvollzug vom 
23. September 2019 aufgeschobenen Reststrafe von 52 Tagen sei die Rückversetzung in den 
Strafvollzug anzuordnen. 

IV.

A.________ sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen sowie unter Einbezug der 
nunmehr zu vollziehenden Reststrafe im Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 89 Abs. 6 StGB

zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten; 

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2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

V. 

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

2. Das Urteil sei dem Bundesamt für Polizei mitzuteilen (Art. 28 Abs. 3 BetmG)»

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Berufung des Beschuldigten beschränkt sich gemäss Berufungserklärung vom 
30. August 2021 (pag. 380 ff.) auf die erstinstanzlichen Schuldsprüche wegen men-
genmässig qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 
(Ziff. II.1.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) und Drohung (Ziff. II.2. des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs), die Bemessung der Strafe (Ziff. IV.1., 2. und 3. des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; vgl. betreffend die Ziff. IV.3. allerdings auch die 
entsprechenden Erwägungen hiernach), die Rückversetzung in den Strafvollzug 
(Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie die Auferlegung der erstin-
stanzlichen Verfahrenskosten (Ziff. IV.4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Die Generalstaatsanwaltschaft ihrerseits beschränkte ihre Anschlussberufung mit 
Eingabe vom 10. September 2021 (pag. 386 f.) auf den Schuldspruch wegen Wider-
handlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz betreffend die in Ziff. II.1.1. des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs angenommene Kokainmenge sowie die Strafzumes-
sung (Ziff. IV. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Damit sind die Ziff. II.1.1. (Schuldspruch wegen mengenmässig qualifizierter Wider-
handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz), II.2. (Schuldspruch wegen Drohung), 
III. (Rückversetzung des Beschuldigten in den Strafvollzug), IV.1. (Verurteilung zu 
einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten), IV.2. (Verurteilung zu einer Geldstrafe von 15 
Tagessätzen zu CHF 10.00, ausmachend CHF 150.00), IV.4. (Verurteilung zu den 
erstinstanzlichen Verfahrenskosten) des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs durch 
die Kammer neu zu beurteilen. Ebenso die nicht der Rechtskraft zugängliche Ziff. V. 
(Honorar der amtlichen Verteidigung). 

Demgegenüber sind die Ziff. I. (Freispruch von der Anschuldigung der Konsumwi-
derhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, ohne Ausscheidung von Verfah-
renskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung), II.1.2. (Schuldspruch we-
gen Konsumwiderhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz), II.3. (Schuld-
spruch wegen Hinderung einer Amtshandlung) des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs unangefochten geblieben und somit in Rechtskraft erwachsen. Ebenfalls nicht 
mehr Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bzw. bereits in Rechtskraft 
erwachsen ist Ziff. IV.3. (Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00, 
teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland 
vom 28. Februar 2019) des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs. Zwar wurde diese 
Ziffer von der Verteidigung mit Berufungserklärung vom 30. August 2021 (pag. 380 
f.) explizit angefochten und es wurde beantragt, dem Beschuldigten sei auch in Be-
zug auf die Übertretungsbusse der bedingte Vollzug zu gewähren (vgl. pag. 381). Da 

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in Bezug auf eine Übertretungsbusse die Gewährung des bedingten Vollzugs jedoch 
ausgeschlossen ist und der Beschuldigte ohnehin dieselbe Bussenhöhe beantragt, 
wie von der Vorinstanz ausgesprochen wurde, er mithin in diesem Punkt ohnehin 
nicht beschwert ist, ist er in Bezug auf diese Ziffer des erstinstanzlichen Urteilsdis-
positivs nicht zur Berufung legitimiert. 

Die Kammer verfügt über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Zufolge Anschluss-
berufung der Generalstaatsanwaltschaft darf das erstinstanzliche Urteil in Bezug auf 
den Schuldspruch wegen mengenmässig qualifizierter Widerhandlungen gegen das 
Betäubungsmittelgesetz (Ziff. II.1.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) – kon-
kret betreffend die Menge des veräusserten Kokaingemischs – sowie bezüglich der 
Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten (Ziff. IV.1. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs) auch zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden 
(Art. 391 Abs. 2 StPO e contrario). Betreffend die Ziff. IV.2. (Verurteilung zu einer 
Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu CHF 10.00, ausmachend CHF 150.00) des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs gilt hingegen das Verschlechterungsverbot (Art. 391 
Abs. 2 StPO).

6. Anklagegrundsatz

Die Verteidigung rügte im Rahmen ihres Parteivortrages in der oberinstanzlichen 
Verhandlung sinngemäss eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Konkret machte 
Rechtsanwalt B.________ geltend, der Tatzeitpunkt betreffend den Vorwurf der ein-
maligen Veräusserung einer grösseren Menge Kokaingemisch an E.________ habe 
sich nicht eruieren lassen bzw. sei in der Anklageschrift ungenügend präzis um-
schrieben (vgl. pag. 459). 

Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügt die Angabe eines bestimmten 
Zeitraums, wenn sich die zeitlichen Verhältnisse (wie die Daten der einzelnen Dro-
genverkäufe), nicht exakt rekonstruieren lassen, solange für die beschuldigte Person 
kein Zweifel besteht, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird (Urteil 6B_720/2018 
vom 3. Oktober 2018 E. 1.3). Gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO kann eine Straftat nur 
«wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts» gerichtlich beurteilt werden. Die 
Anklageschrift bezeichnet daher «möglichst kurz, aber genau: die der beschuldigten 
Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen 
der Tatausführung» (Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO). Die Anklagebehörde hat also u.a. 
die «Zeit [...] der Tatausführung» zu beschreiben. Das Gesetz verlangt mithin nicht 
das (präzise) Datum, sondern die «Beschreibung von [...] Zeit», die üblicherweise in 
der Angabe eines Datums erfolgen kann. Der Wortlaut von Art. 325 Abs. 1 Bst. f 
StPO impliziert eine nicht formalistische Auslegung, was nicht bedeutet, dass die 
Zeit nicht «möglichst kurz, aber genau» anzugeben wäre. Mit dieser offenen Geset-
zestechnik trägt der Gesetzgeber vielfältigen Fallkonstellationen Rechnung. Eine an-
dere Auslegung würde dazu führen, dass eine Tat nicht angeklagt werden kann, 
wenn sich die «Zeit» der Tatausführung nicht präzise bestimmen liesse. Die Zeit-
Angabe ist indes nur eine der Angaben zur Umschreibung der Tatausführung. Es 
hängt wesentlich von Beweissituation und Gewährleistung effektiver Verteidigungs-
möglichkeiten und damit von der Verfahrensfairness ab, ob ein längerer Zeit-Rah-
men noch als im Sinne von Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO genügend bestimmt beurteilt 

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werden kann. Mit anderen Worten bestimmt sich die (noch) zulässige Zeit-Angabe 
nach Massgabe des konkreten Anklagesachverhalts (Urteil 6B_489/2018 vom 31. 
Oktober 2018, E. 2.3.).

Vorliegend umschreibt der Anklagesachverhalt die «Zeit» der Tatausführung so prä-
zis, wie dies in casu möglich erscheint. Konkret wirft die Anklage dem Beschuldigten 
vor, er habe einmal in der Zeit von ca. Ende Oktober 2018 bis Anfang April 2019 auf 
Anfrage von E.________ eine grössere Menge Kokaingemisch organisiert und da-
nach 100 g, evtl. 50 g an diesen weitergegeben (pag. 221 f.). Damit ist der Umgren-
zungs- und Informationsfunktion der Anklageschrift nach Ansicht der Kammer 
Genüge getan, zumal der Beschuldigte genau wusste, was ihm zum Vorwurf ge-
macht wird und seine effektive Verteidigung zu keinem Zeitpunkt behindert oder in 
Frage gestellt war. Die Verfahrensfairness ist mit anderen Worten nicht tangiert und 
die angeklagte Straftat kann wegen eines hinreichend genau umschriebenen Sach-
verhalts gerichtlich beurteilt werden. Der Anklagegrundsatz ist somit nicht verletzt. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

7.1 Mengenmässig qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz

Dem Beschuldigten wird mit Anklageschrift vom 20. November 2020 (pag. 221 ff.) 
zum Vorwurf gemacht, er habe sich der mengenmässig qualifizierten 
Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Zeit von ca. 
Ende Oktober 2018 bis Anfang April 2019 in S.________, T.________, 
Ostermundigen, Solothurn und Bern oder im Zug auf diesen Strecken sowie 
andernorts, schuldig gemacht. Konkret wird ihm mehrfacher Erwerb und Besitz 
(mengenmässig qualifiziert) von insgesamt 115 Gramm, evtl. mind. 65 Gramm 
Kokaingemisch (Reinheitsgrad unbekannt, Annahme Kokain-Hydrochlorid: 78% bei 
100 - 1'000 Gramm sowie 77% bei 10 - 100 Gramm, d.h. 89.7 Gramm, evtl. 
50.05 Gramm reines Kokain) zu einem unbestimmten Grammpreis vorgeworfen. Er 
soll dieses von unbekannten Personen gekauft und danach bei sich zuhause 
gelagert haben. Weiter wird ihm Veräusserung vorgeworfen, indem er das 
erworbene Kokain zu einem Grammpreis von ca. CHF 70.00 - CHF 80.00 an 
E.________ weiterverkauft oder es bei diesem gegen unbekannte Mengen 
Marihuana eingetauscht habe (pag. 221). 

Der Beschuldigte und E.________ sollen sich mehrmals pro Woche, insgesamt 
mind. 30 Mal, insbesondere in S.________, am Bahnhof, bei der Autowaschanlage 
neben der U.___-schule oder beim Beschuldigten zu Hause getroffen haben. Dabei 
sei es hauptsächlich darum gegangen, dass der Beschuldigte regelmässig 
Kleinmengen von ca. 0.5 oder gelegentlich auch 1 Gramm Kokaingemisch an 
E.________ für dessen Eigenkonsum weitergegeben habe. Die Drogenübergaben 
hätten meistens gegen Barbezahlung und teilweise in Form einer Zinsrückzahlung 
des von E.________ am 5. Dezember 2019 erhaltenen Darlehens von CHF 3'500.00 
stattgefunden. Der Beschuldigte habe insbesondere am 24. November 2018, am 3. 
Dezember 2018 und am 25. Dezember 2018 auch einen Drogentausch mit 

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E.________ beschlossen, indem er für das veräusserte Kokaingemisch im 
Gegenzug Marihuana zum Eigenkonsum erhalten habe (pag. 221 f.).

Einmal in der gleichen Zeit habe der Beschuldigte auf Anfrage von E.________ eine 
grössere Menge Kokaingemisch organisiert und danach 100 Gramm, evtl. 
50 Gramm an diesen weitergegeben. Das Geld dafür, CHF 7'600.00, evtl. ca. 
CHF 4'000.00, habe er ca. ein bis zwei Tage vorher von E.________ erhalten. Die 
Drogenübergabe habe wahrscheinlich am 3. Dezember 2018 um ca. 19.00 Uhr am 
Bahnhof S.________ oder am 6. Dezember 2018 um ca. 09.00 Uhr bei der 
Autowaschanlage neben der U.___-schule in S.________ stattgefunden (pag. 222). 

7.2 Drohung

Weiter wird dem Beschuldigten in der Anklageschrift vom 20. November 2020 
vorgeworfen, er habe sich der Drohung schuldig gemacht, begangen am 
2. Februar 2020, ca. 15 Uhr, im Zug zwischen S.________ und H.________, indem 
der Beschuldigte aus unbekannten Gründen eine verbale Auseinandersetzung mit 
mehreren Personen begonnen habe, in deren Rahmen er diesen, u.a. auch dem 
Opfer gegenüber sehr aggressiv, impulsiv und drohend aufgetreten sei. Das 12-
jährige Opfer, welches alleine im Zug unterwegs gewesen sei, habe er durch sein 
geschildertes Verhalten, aber vor allem durch seine diesem gegenüber gemachte 
Aussage, dass sein Vater «eine Schwuchtel» sein müsse, er letzteren verprügeln 
wolle, und er schon herausfinde, wo dieser wohne, in Angst und Schrecken versetzt 
(pag. 222). 

8. Sachverhalt

8.1 Unbestrittener Sachverhalt

Was den Vorwurf der mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das 
Betäubungsmittelgesetz anbelangt, so ist der Beschuldigte geständig, gelegentlich 
Kleinmengen von insgesamt ca. 2 g Kokaingemisch an E.________ zu dessen 
Eigenkonsum veräussert oder gegen Marihuana eingetauscht zu haben (pag. 111 Z. 
84 f., Z. 119 f., pag. 269 Z. 37 ff., pag. 381). 

In Bezug auf den Vorwurf der Drohung bestreitet der Beschuldigte nicht, dass es 
zum fraglichen Zeitpunkt im Zug zwischen S.________ und H.________ zu einer 
Auseinandersetzung zwischen ihm und einer erwachsenen Person kam. 

8.2 Bestrittener Sachverhalt und Beweisfragen

Den Vorwurf der mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz betreffend bestreitet der Beschuldigte zunächst die angeklagte 
einmalige grössere Veräusserung von 100 g, evtl. 50 g Kokaingemisch. Es gilt daher 
zu prüfen, ob der Beschuldigte an diesem grösseren Geschäft beteiligt war und falls 
ja, welche Menge durch ihn veräussert wurde. Was den weiter angeklagten Handel 
mit Kleinmengen Kokaingemisch betrifft, so ist der Sachverhalt nur teilweise – soweit 
eine Menge von 2 g übersteigend – bestritten. Konkret bestreitet der Beschuldigte 
die angeklagte Häufigkeit und Menge, sowohl was Erwerb und Besitz, als auch was 
die Veräusserungen anbelangt (pag. 269 Z. 37 ff., pag. 270 Z. 4 ff., pag. 381). Weiter 

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ist somit beweismässig zu erörtern, wie oft und mit welchen Kleinmengen der Be-
schuldigte Kokainhandel betrieb. 

Betreffend den Vorwurf der Drohung bestreitet der Beschuldigte mit einem Kind bzw. 
konkret mit C.________ gesprochen zu haben. Und erst recht stellt er den ihm vor-
geworfenen Wortlaut in Abrede. 

9. Beweiswürdigung

9.1 Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Betreffend die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung kann integral auf die 
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. pag. 330 ff., S. 5 ff. 
erstinstanzliche Urteilsbegründung). 

9.2 Beweismittel

Der Kammer liegen in Bezug auf den Vorwurf der mengenmässig qualifizierten Wi-
derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zunächst die folgenden Beweismit-
tel zur Würdigung vor: Der Berichtsrapport der Kantonspolizei Bern vom 29. Au-
gust 2019 (pag. 4 ff.), die Anzeigerapporte der Kantonspolizei Bern vom 
25. März 2020 (pag. 8 ff.) und vom 19. Dezember 2019 (pag. 13 ff.), die Kontoaus-
züge von E.________ bei der I._____-Bank (pag. 84 ff.) sowie der WhatsApp-Chat-
verlauf zwischen E.________ und dem Beschuldigten (alias J.________) und zwi-
schen E.________ und dessen Schwester, F.________ (pag. 128/2). Weiter sind in 
der Folge die Aussagen der Beteiligten dieses Deliktskomplexes einer Würdigung 
zu unterziehen. Der Beschuldigte selber wurde zu diesem Vorwurf insgesamt drei 
Mal einvernommen; am 4. Oktober 2019 (pag. 108 ff.) und am 10. März 2020 
(pag. 120 ff.) durch die Polizei sowie am 16. Februar 2021 in der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung (pag. 269 ff.). E.________ seinerseits wurde fünf Mal befragt: Am 
11. Juni 2019 (pag. 30 ff.), am 15. Juli 2019 (pag. 36 ff.), am 6. November 2019 
(pag. 58 ff.), am 28. Februar 2020 (pag. 67 ff.) und in der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung vom 16. Februar 2021 (pag. 274 ff.). F.________ schliesslich wurde am 
9. Dezember 2019 als Auskunftsperson einvernommen (pag. 19 ff.). 

Betreffend den Vorwurf der Drohung sind die folgenden Beweismittel einer Würdi-
gung zu unterziehen: Der Anzeigerapport vom 25. Mai 2020 mit den bei der BLS AG 
sichergestellten Kameraaufnahmen (pag. 16 ff.), die oberinstanzlich zusätzlich bei 
der Kantonspolizei edierten Bilder der Überwachungskamera der BLS AG (pag. 421 
ff.), das bei der BLS AG eingeholte Überwachungsvideo (pag. 453.2), die Aussagen 
des Beschuldigten in der Einvernahme vom 12. Mai 2020 (pag. 123 ff.) und in der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 16. Februar 2021 (pag. 269 ff.) sowie die 
Aussagen von C.________ (Einvernahme vom 17. März 2020; pag. 103 ff.).

Vorab kann auf die korrekte Zusammenfassung der Beweismittel durch die Vorin-
stanz verwiesen werden (pag. 334 ff. S. 9 ff. erstinstanzliche Urteilsbegründung und 
pag. 344 f., S. 19 f. erstinstanzliche Urteilsbegründung). Es wird darauf verzichtet 
den Inhalt der oberinstanzlich ergänzten Beweismittel zusammengefasst wiederzu-
geben. Sofern von Relevanz, wird darauf direkt im Rahmen der konkreten Beweis-
würdigung hiernach eingegangen. 

11

9.3 Gesamtheitliche Würdigung betreffend den Vorwurf der mengenmässig qualifizierten 
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz

9.3.1 Veräusserung von 100 g, evtl. 50 g Kokaingemisch

Die Vorinstanz hat die Analyse der Aussagen von E.________ und derjenigen des 
Beschuldigten korrekt und vollständig wiedergegeben, es wird vorab darauf verwie-
sen (pag. 337 ff., S. 12 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Verdeutlichend 
und ergänzend hält die Kammer fest was folgt:

E.________ und der Beschuldigte kennen sich gemäss ihren übereinstimmenden 
Angaben (vgl. pag. 33 Z. 120 ff., pag. 53 Z. 826 ff. und pag. 270 Z. 16 f.) schon seit 
Jugendzeiten. E.________ machte von Beginn weg konstante, detaillierte und mit 
vielen Nebensächlichkeiten gespickte Aussagen, wie es dazu kam, dass er den Be-
schuldigten nach Kokain fragte. So sagte er aus, dass er in der Zeit von August bis 
ca. Oktober 2018 für seine Schwester von K.________ Kokain bezogen habe, letz-
terer aber plötzlich im Gefängnis in Norwegen gewesen sei, weshalb er einen neuen 
Kokainlieferanten benötigt habe (pag. 31 Z. 38 f., Z. 49 ff., pag. 32 Z. 88 ff., pag. 33 
Z. 118 ff., pag. 52 Z. 774 ff., pag. 54 Z. 832 ff.). Er habe in der Folge den Beschul-
digten gegen Ende 2018, nach ca. 4 bis 5 Jahren, zufälligerweise im Zug nach 
S.________ getroffen, wobei er damals in L.________ und der Beschuldigte in 
S.________ gewohnt habe. Man habe sich ausgetauscht, dabei sei schnell klarge-
worden, dass der Beschuldigten deale (pag. 59 Z. 32 ff.). E.________ machte diese 
tatnächsten Angaben von sich aus und in freier Rede, die Entstehungsgeschichte 
spricht mithin klar für die Glaubhaftigkeit der Aussagen. Dass der Beschuldigte zu 
diesem Zeitpunkt tatsächlich dealte, geht aus den Akten bezüglich dessen Anhaltung 
am 30. November 2018 im M.________ (Lokal) hervor. Dort wurde er zusammen mit 
seiner Lebenspartnerin, N.________, angehalten, als er 8.3 g brutto Kokaingemisch, 
verteilt auf 21 Minigrips, bei sich hatte. Seine Lebenspartnerin trug CHF 390.00 in 
auffälliger Stückelung auf sich. Weiter kamen in der gleichentags erfolgten Haus-
durchsuchung beim Beschuldigten ein Kokainstein von 10.5 g, drei Minigrips mit 1 g 
brutto Kokaingemisch und ein Säcklein mit 1.5 g brutto Kokaingemisch zum Vor-
schein (Anzeigerapport vom 7. Februar 2019 [pag. 132 ff.], Strafbefehl vom 28. Fe-
bruar 2019 [pag. 139 f.]). Damit übereinstimmend ist gestützt auf die WhatsApp-
Chatverläufe zwischen E.________ und dem Beschuldigten (bei E.________ als 
J.________ abgespeichert; pag. 54 Z. 849 ff., pag. 112 Z. 131) erstellt, dass 
E.________ und der Beschuldigte in der Zeit vom 30. Oktober 2018 bis zum 20. Mai 
2019 intensiven Kontakt hatten («Extraction Report»: pag. 128/2). 

E.________ belastete den Beschuldigten nicht nur in den Einvernahmen vom 11. 
Juni 2019 (pag. 33 Z. 120 ff.) und vom 15. Juli 2019 (pag. 54 Z. 832 ff.) im eigenen 
Strafverfahren, mithin als beschuldigte Person. Sondern auch als Auskunftsperson 
im Verfahren gegen den Beschuldigten, konkret in den Einvernahmen vom 6. No-
vember 2019 (pag. 59 Z. 32 ff., pag. 60 Z. 72 ff.), vom 28. Februar 2020 (pag. 68 Z. 
30 ff., pag. 71 Z. 188 f., Z. 198 ff.) sowie in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
(pag. 275 Z. 1 ff., Z. 7, Z. 12 f.). Seinen Aussagen lässt sich insbesondere detailliert 
und nachvollziehbar entnehmen, wie die Übergabe des Kokains durch den Beschul-
digten an ihn vonstattenging. Er gab konstant zu Protokoll, dass der Beschuldigte 
zuerst das Geld gewollt und er das Kokain erst später am Bahnhof in S.________ 

12

erhalten habe (pag. 33 Z. 120 ff., pag. 54 Z. 840 ff., pag. 60 Z. 90 ff., pag. 65 Z. 324, 
pag. 276 Z. 34 ff., pag. 277 Z. 1 ff.). Kleinere Divergenzen finden sich in den Aussa-
gen von E.________ betreffend Ort der Geldübergabe (im Zug von L.________ nach 
S.________ bzw. mit dem Auto gebracht) und betreffend den Zeitpunkt des Erhalts 
des Kokains (am gleichen Abend bzw. eineinhalb bis zwei Tage später), was sich 
jedoch ohne Weiteres mit dem längeren Zeitablauf zwischen Vorfall und Einvernah-
men erklären lässt (vgl. dazu auch die Aussagen von E.________, wonach die Dro-
genübergaben immer an einem anderen Ort stattgefunden hätten; in Bern, 
S.________ und einmal sei er, E.________, zum Beschuldigten nach Hause gegan-
gen [pag. 54 Z. 877 f.], bzw. wonach sie sich mehrheitlich in der Region S.________ 
getroffen hätten [pag. 275 Z. 35 f.]; «Extraction Report», pag. 128/2). Schliesslich 
ordnete E.________ den Kokainbezug vom Beschuldigten entgegen der Argumen-
tation der Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung (vgl. pag. 459) auch 
zeitlich plausibel ein. Konkret gab er an, vor dem Beschuldigten (in der Zeit von Au-
gust bis ca. Oktober 2018) von K.________ Kokain bezogen und nach dem Beschul-
digten von O.________ (November oder Dezember 2018) Kokain gekauft zu haben 
(pag. 32 Z. 87 ff., pag. 33 Z. 118 ff., pag. 33 Z. 135 ff., pag. 52 Z. 774 f., pag. 54 Z. 
840 ff., pag. 55 Z. 887 ff.). Schliesslich schilderte E.________ stets gleichbleibend, 
dass der Beschuldigte zweimal von ihm Geld geliehen habe (pag. 54 Z. 861 ff., pag. 
60 Z. 64 ff.), was auch vom Beschuldigten bestätigt wird (pag. 110 Z. 48 ff.) und 
durch die edierten Kontoauszüge zusätzlich untermauert wird. Eine Darlehenszah-
lung an den Beschuldigten geht aus dem Kontoauszug des Privatkontos von 
E.________ bei der I._____-Bank hervor. Gemäss diesem Kontoauszug bezog 
E.________ am 5. Dezember 2018 einen Betrag von CHF 3‘500.00, bezeichnet mit 
«Darlehen A.________ Re» (pag. 97). Den WhatsApp-Chatverläufen zwischen 
E.________ und dem Beschuldigten ist schliesslich zu entnehmen, dass der Be-
schuldigte am 4. Dezember 2018 für ein Darlehen von CHF 3‘500.00 bis Mitte Januar 
2019 fragte und E.________ ihm am 5. Dezember 2018 diesen Betrag übergab 
(«Extraction Report», pag. 128/2, S. 86 ff.).

Die Aussagen der Schwester von E.________, F.________, stimmen insofern mit 
denjenigen von E.________ überein, als dass auch sie zu Protokoll gab, E.________ 
habe einmal 50 g oder 100 g Kokain von einem «A.________» in S.________ bezo-
gen und ihr zum Weiterverkauf übergeben (pag. 20 Z. 25 ff., pag. 22 Z. 110 f.). 
F.________ gab zwar an, dass sie das Kokain von ihrem Bruder jeweils vakumiert 
oder in «Chräschelsäckli» oder «Robidogsäckli» in Pulverform konsumfertig erhalten 
habe (pag. 23 Z. 177 ff.), wohingegen E.________ am 6. November 2019 auf Frage 
hin erklärte, er habe das Kokain vom Beschuldigten glaublich in einem Robidog-
Säckchen mit mehreren Steinen, aber auch mit Pulversatz erhalten (pag. 61 Z. 116 
ff.). Diese teilweise in Details voneinander abweichenden Aussagen lassen sich 
durch den langen Zeitablauf ohne Weiteres erklären. Anlässlich der Hausdurchsu-
chung beim Beschuldigten am 30. November 2018 kamen wie bereits erwähnt Mini-
grips mit weissen Steinen zum Vorschein, was den Aussagen von E.________ ent-
spricht (vgl. dazu den Anzeigerapport vom 7. Februar 2019 [pag. 132 ff.]). 

Den im Kern übereinstimmenden, glaubhaften Aussagen von E.________ und 
F.________ stehen die Aussagen des Beschuldigten diametral gegenüber. Dieser 
wurde dreimal zum Vorwurf des Verkaufs einer grösseren Menge Kokaingemisch an 

13

E.________ einvernommen, wobei er in seiner Einvernahme vom 10. März 2020 die 
Aussage verweigerte. In seinen Aussagen vom 4. Oktober 2019 und in der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung bestritt er, eine grössere Menge Kokaingemisch an 
E.________ übergeben zu haben (pag. 111 Z. 91 ff.; pag. 121 Z. 15 ff.; pag. 270 
Z. 43 ff., pag. 282). Was den Kernvorwurf des Verkaufes von Kokaingemisch an 
E.________ betrifft, blieb er – wie die Vorinstanz richtig feststellte (pag. 338 f., 
S. 13 f. erstinstanzliche Urteilsbegründung) – ausweichend, schwammig und wider-
sprüchlich. Er bestätigte, von E.________ zwei Darlehen erhalten zu haben, gab 
aber als Zeitpunkt April und Juni 2019 an (pag. 110 Z. 48 ff.). Als ihm vorgehalten 
wurde, dass er in der Zeit von 30. Oktober 2018 bis zum 20. Mai 2019 mit 
E.________ intensiven WhatsApp-Chatverkehr gehabt habe, erklärte er, es sei da-
bei um die Rückzahlung der Darlehen gegangen (pag. 112 Z. 122 ff.). Diese Aussage 
steht jedoch in Widerspruch zu seiner eigenen Aussage, wonach er im April und Juni 
2019 die Darlehen erhalten haben will. Dem WhatsApp-Chatverkehr lässt sich zu-
dem entnehmen, dass sich die Kontakte nur am Rande und erst ab Ende Januar 
2019 um die Rückzahlung des zweiten Darlehens gedreht haben. Vielmehr ging es 
in den WhatsApp-Chatverläufen entgegen den Vorbringen der Verteidigung in der 
oberinstanzlichen Verhandlung (vgl. pag. 464) vor allem um den Bezug von Drogen 
durch E.________ (z.B.: «ich komme schnell vorbei»; «ich brauche deine Hilfe»; 
«können wir uns kurz treffen»; «ich brauche etwas aus deiner Apotheke»), teilweise 
im Tausch von Drogen für den Beschuldigten («Extraction Report», pag. 128/2). 
Weiter ist die Antwort des Beschuldigten auf den Vorhalt, dass er E.________ 
gemäss dessen Aussagen 100 g Kokain für CHF 7'000.00 verkauft habe, nicht 
glaubhaft. Er gab u.a. an, er habe keine Ahnung, wieviel «der Scheiss» koste 
(pag. 111 Z. 96 f.). Dass der Beschuldigte als aktenkundig langjähriger Drogenkon-
sument keine Ahnung haben will, wieviel Kokaingemisch auf der Gasse kostet, ist 
lebensfremd. Zudem wurde der Beschuldigte, wie bereits erwähnt, nachgewiesener-
massen am 30. November 2018 im M.________(Lokal) angehalten, als er Kokain-
gemisch verkaufen wollte (siehe Anzeigerapport vom 7. Februar 2019 [pag. 132 ff.]; 
vgl. auch den Strafbefehl vom 28. Februar 2019 [pag. 139 f.]). Aufgrund dessen ist 
davon auszugehen, dass er die handelsüblichen Kokainpreise sehr wohl kennt. Im 
Übrigen verwendete er im telefonischen Austausch mit E.________ ein Synonym 
(J.________). Als Grund dafür gab er an, dass nicht jeder wissen müsse, wie er 
heisse (pag. 112 Z. 131). Auch dies spricht eher dafür, dass die beiden sich auch 
über den Verkauf einer grösseren Menge unterhielten und nicht bloss um «keine 2 
ganze Gramm» (pag. 269 Z. 37). Auf die Frage, weshalb ihn E.________ zu Unrecht 
belasten sollte, gab der Beschuldigte an, er habe E.________ einmal etwas zuleide 
getan. Er wollte in der Folge aber nicht erzählen, aus welchem Grund E.________ 
ihn fälschlicherweise belasten sollte (pag. 271 Z. 4 ff.). Aus den Akten ist denn auch 
gerade kein solcher Grund ersichtlich. Insbesondere deshalb nicht, weil E.________ 
und F.________ sich mit ihren Aussagen erheblich selbst belasteten (vgl. dazu auch 
die Ausführungen von Staatsanwältin G.________ in der oberinstanzlichen Verhand-
lung, pag. 462); E.________ machte die ersten Belastungen gegen den Beschuldig-
ten aus eigenem Antrieb, als er selber als beschuldigte Person im eigenen Strafver-
fahren einvernommen wurde und belastete sich damit gleichzeitig selber stark. Vor 
diesem Hintergrund verfängt die Argumentation von Rechtsanwalt B.________ in 

14

der oberinstanzlichen Verhandlung, wonach E.________ den Beschuldigten als 
langjährigen Drogenkonsumenten zu Unrecht bezichtigt habe, weil er selber gut 
habe dastehen wollen (vgl. pag. 459 und pag. 464), gerade nicht. Hätte er selber 
bloss gut dastehen wollen, hätte er sich sicher kaum von sich aus als Abnehmer 
einer grösseren Menge Kokaingemisch zum Weiterverkauf bezichtigt. Der Kammer 
erscheint denn auch die Erklärung von E.________, weshalb er nun Angaben zu 
seinen Lieferanten mache, nachvollziehbar. So gab dieser an, es mit der Koopera-
tion im eigenen Strafverfahren ernst zu meinen, und dass ihm in der Vergangenheit 
auch niemand, den er gedeckt habe, geholfen oder ihn besucht habe (pag. 34 Z. 196 
ff.). Schliesslich geht aus den WhatsApp-Chatverläufen zwischen E.________ und 
dem Beschuldigten hervor («Extraction Report», pag. 128/2), dass E.________ und 
der Beschuldigte in der Zeit vom 30. Oktober 2018 bis Ende Januar 2019 intensiven 
Kontakt hatten und E.________ für den Beschuldigten zahlreiche Gefälligkeits-
dienste machte. So fuhr er den Beschuldigten verschiedene Male mit dem Auto 
(nach Bern, zum Zahnarzt etc.). Weiter besorgte er dem Beschuldigten Hundefutter, 
Hundesachen, Schmerzmittel, Milch und Zigaretten. Schliesslich borgte E.________ 
dem Beschuldigten unbestrittenermassen zweimal Geld. Auch nachdem der Be-
schuldigte die zweite Darlehenszahlung nicht wie vereinbart Ende Januar 2019 
zurückbezahlen konnte, hatten die beiden weiterhin Kontakt. Insofern verfängt auch 
die vom damaligen Verteidiger des Beschuldigten im erstinstanzlichen Plädoyer 
geäusserte Vermutung, dass die Falschbelastung von E.________ in Zusammen-
hang mit den Darlehen an den Beschuldigten liegen könnte (pag. 281), nicht. Die in 
der oberinstanzlichen Verhandlung vorgebrachte Argumentation der Verteidigung 
schliesslich, wonach der Beschuldigte in der Vergangenheit die zahlreichen Verur-
teilungen wegen Widerhandlungen gegen das BetmG nie angefochten, sondern nun 
erstmalig ein erstinstanzliches Urteil weitergezogen habe, und wonach dies dafür 
spreche, dass der Schuldspruch im vorliegenden Fall zu Unrecht erfolgt sei (vgl. pag. 
459), zielt selbstredend ins Leere. Im Übrigen trifft nicht zu, dass der Beschuldigte 
noch nie andere Urteile angefochten hat bzw. nicht anficht; aus den bei der Staats-
anwaltschaft Bern-Mittelland edierten Akten BM 21 18309, konkret der handschrift-
lich verfassten Einsprache des Beschuldigten geht hervor, dass er auch in diesem 
Verfahren geltend macht, «zum ersten Mal in seinem Leben eine Einsprache zu 
schreiben» bzw. sich zuvor noch nie gegen eine Verurteilung gewehrt zu haben. 

Zusammengefasst gab E.________ sowohl im eigenen Strafverfahren als beschul-
digte Person als auch im Strafverfahren gegen den Beschuldigten als Auskunftsper-
son in insgesamt fünf Einvernahmen konstant und glaubhaft an, vom Beschuldigten 
in der Zeit von Oktober bis Dezember 2018 einmal eine grössere Menge Kokain 
bezogen und diese an seine Schwester zum Weiterverkauf übergeben zu haben. 
Seine bereits in sich stimmigen und gleichbleibenden, mithin glaubhaften Angaben 
werden durch diejenigen von F.________, die WhatsApp-Chatverläufe sowie die 
edierten Kontoauszüge gestützt. Die gegenteiligen, oberflächlichen und in sich mit 
Widersprüchen behafteten Bestreitungen des Beschuldigten vermögen sie nicht zu 
entkräften. Gestützt auf diese Ausführungen geht die Kammer wie bereits die Vorin-
stanz (pag. 338, S. 13 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung) davon aus, dass es 
in der Zeit von Ende Oktober bis Dezember 2018 zu einem einmaligen Verkauf einer 
grösseren Menge Kokain vom Beschuldigten an E.________ kam. 

15

Betreffend die Beweisfrage nach der Kokainmenge, welche der Beschuldigte an 
E.________ verkaufte, berücksichtigt die Kammer Folgendes: Dafür, dass es sich 
um 100 g Kokaingemisch handelte, spricht vordergründig, dass E.________ in sei-
nen beiden tatnächsten, detailliertesten und nachvollziehbarsten, mithin glaubhaf-
testen Aussagen vom 11. Juni 2019 und vom 15. Juli 2019 als Beschuldigter im ei-
genen Strafverfahren jeweils von 100 g Kokain sprach, welches er vom Beschuldig-
ten im Oktober/November 2018 für glaublich CHF 7‘000.00 bezogen habe (pag. 33 
Z. 120 ff., pag. 54 Z. 840 ff.). Erst anlässlich der Einvernahme vom 6. Novem-
ber 2019, als E.________ nicht mehr im eigenen Strafverfahren als beschuldigte 
Person, sondern im Strafverfahren gegen den Beschuldigten als Auskunftsperson 
befragt wurde, relativierte E.________ plötzlich seine bisherigen Aussagen bezüg-
lich der bezogenen Menge Kokaingemisch. Dies nota bene, nachdem er vom Be-
schuldigten kontaktiert worden war und dieser ihm gedroht hatte (vgl. pag. 63 Z. 237 
ff.). E.________ sagte in der Folge nunmehr aus, es könnten auch 50 g Kokainge-
misch gewesen sein, er könne es nicht mehr sagen (pag. 60 Z. 72 ff.). Von 50 g ging 
er zunächst auch in seiner Einvernahme vom 28. Februar 2019 aus, erklärte aber 
auf Vorhalt seiner Kontoauszüge im relevanten Zeitraum, dass er wohl am 4. De-
zember 2018 Geld für den Kokaindeal mit dem Beschuldigten bezogen habe, wes-
halb es sich eher um 100 g Kokain gehandelt habe (pag. 71 Z. 188 ff.). Er wisse nicht 
mehr, ob er 50 g oder 100 g Kokain beim Beschuldigten bezogen habe (pag. 72 
Z. 214). Dass E.________ in seinen zwei Einvernahmen als Auskunftsperson im 
Strafverfahren gegen den Beschuldigten angeblich nicht mehr wissen wollte, ob er 
vom Beschuldigten 50 g oder 100 g Kokaingemisch gekauft hatte, schadet nach Auf-
fassung der Kammer nicht. Wie bereits ausgeführt, lässt sich dies einerseits mit dem 
Zeitablauf und andererseits auch damit erklären, dass der Beschuldigte E.________ 
unterdessen kontaktiert und ihm gedroht hatte und E.________ den Beschuldigten 
infolgedessen im Strafverfahren gegen den Beschuldigten schlicht nicht belasten 
wollte und sich evtl. auch schuldig fühlte (vgl. dazu auch die Ausführungen von 
Staatsanwältin G.________ im oberinstanzlichen Parteivortrag, pag. 462).

Weiter spricht für eine Menge von 100 g, dass E.________ in seinen beiden tat-
nächsten Einvernahmen im eigenen Strafverfahren angab, in der Zeit von August bis 
Dezember 2018 bei K.________ und bei O.________ immer 100 g Kokain zu jeweils 
CHF 7'000.00 bezogen zu haben, wobei das Geld in bar bezahlt oder mit Geldschul-
den gegenüber E.________ verrechnet worden sei. Es liegt daher auf der Hand, 
dass E.________ auch beim Beschuldigten 100 g Kokain zu CHF 7'000.00 bezogen 
hat, wie er es in diesen beiden ersten Einvernahmen auch entsprechend aussagte. 
Weiter bezog E.________ gemäss diesen beiden Aussagen von August bis ca. Ok-
tober 2018 von K.________ und im November oder Dezember 2018 von 
O.________ Kokain. Seine Angabe, wonach er dazwischen, also im Oktober oder 
November 2018, vom Beschuldigten Kokain bezogen hat, ist also nachvollziehbar. 
E.________ konnte die Bezüge von K.________ («es war noch recht warm»: pag. 
32 Z. 57) und von O.________ («dann, als es richtig kalt war»: pag. 33 Z. 120) nicht 
nur zeitlich plausibel einordnen, sondern überdies auch stimmig mit Temperaturan-
gaben hinterlegen. Er konnte auch sagen, dass er in der Zeit von Juli/August bis 
Dezember 2018 total 600 g Kokain bezog (pag. 35 Z. 208 f.; pag. 40 Z. 156 ff.; pag. 
55 f. Z. 925 ff.), wovon 400 g von K.________ und je 100 g von O.________ und 

16

vom Beschuldigten gewesen seien (pag. 32 Z. 87 ff.; pag. 33 Z. 124 ff.; pag. 53 
Z. 782 ff.; pag. 54 Z. 840 ff.; pag. 55 Z. 887 ff.), und dass er dafür von seiner Schwes-
ter pro Lieferung CHF 1'000.00, total CHF 6'000.00 aus den 6 x 100 g, erhalten habe 
(pag. 35 Z. 212 f.; pag. 41 Z. 204 ff.). Auch diese Aussagen sprechen dafür, dass 
E.________ vom Beschuldigten 100 g Kokaingemisch erhielt. 

Auch F.________ bestätigte, dass es eher 100 g Kokain gewesen seien, dies sei ihr 
Bauchgefühl (pag. 22 Z. 127, Z. 130). Sowohl E.________ als auch F.________ be-
lasteten sich selber mit der Aussage, es habe sich um 100 g Kokaingemisch gehan-
delt, stärker, als wenn sie ausgesagt hätten, sie hätten «nur» 50 g Kokaingemisch 
vom Beschuldigten bezogen. Sie hätten mit anderen Worten eher ein Interesse ge-
habt, die zum Weiterverkauf bezogene Kokainmenge tief zu halten. Ihre Angaben 
betreffend die vom Beschuldigten bezogene Kokainmenge sind daher sehr glaubhaft 
und es kann beweiswürdigend darauf abgestellt werden. 

Daran vermögen auch die gegenteiligen Aussagen des Beschuldigten nichts zu än-
dern. Dieser gab am 4. Oktober 2019 zu Protokoll, E.________ habe ihn zwar einmal 
gefragt, ob er ihm 100 g Kokain organisieren könne, was er, der Beschuldigte, aber 
verneint habe (pag. 111 Z. 86 f.). Zu diesem Zeitpunkt hatte der Beschuldigte jedoch 
noch keine Kenntnis von den Aussagen von E.________ (vgl. dazu die Schlussbe-
merkung von Rechtsanwalt D.________ in der delegierten Einvernahme vom 4. Ok-
tober 2019, wonach er nicht im Besitz der Einvernahmeprotokolle von E.________ 
sei [pag. 113 Z. 186 f.]). Dem Beschuldigten war damals auch noch nicht vorgehalten 
worden, dass ihn E.________ konkret mit 100 g belastete, sondern lediglich, dass 
er unter Verdacht stehe, Ende 2018 eine grössere Menge Kokain an E.________ 
geliefert zu haben (pag. 109 Z. 2 ff.). Dennoch sprach er explizit nur von 100 g Ko-
kain, ohne 50 g auch nur zu erwähnen. Es ist indessen davon auszugehen, dass der 
Beschuldigte es auch ausdrücklich gesagt hätte, hätte er E.________ trotz den ge-
forderten 100 g aus irgendeinem Grund bloss 50 g Kokaingemisch verkauft. Die 
Kammer pflichtet Staatsanwältin G.________ zudem bei, dass schlicht keine An-
haltspunkte dafür vorliegen, weshalb der Beschuldigte E.________ «nur» 50 g hätte 
verkaufen sollen, nachdem dieser ihn um die doppelte Menge gebeten hatte. 

Schliesslich lässt sich aus den Kontoauszügen von E.________ kein klarer Hinweis 
finden, der eindeutig für 50 g oder 100 g spricht. Geht man davon aus, dass der 
Geldbezug von CHF 7‘600.00 vom 4. Dezember 2018 den Kokainkauf beim Beschul-
digten betraf, dann spricht dies für eine Menge von 100 g. E.________ gab diesbe-
züglich in der Einvernahme vom 28. Februar 2020 auf Vorhalt des Bargeldbezuges 
vom 4. Dezember 2018 in Höhe von CHF 7‘600.00 zu Protokoll, er würde vom Betrag 
her sagen, dass das Geld für Drogen gewesen sei und wenn, dann für 100 g und 
nicht für 50 g. Demnach habe er dem Beschuldigten im Oktober das erste Mal Geld 
geliehen, dieser habe es ihm Ende November 2018 zurückgegeben. Und am 4. De-
zember 2018 habe er dem Beschuldigten das Geld für den Kokaindeal sowie am 5. 
Dezember 2018 das zweite Darlehen gegeben (pag. 71 Z. 188 ff. und Z. 198 ff.). 
Was den Zeitpunkt des Kaufs der grösseren Menge Kokaingemisch anbelangt, so 
sprechen die tatnächsten Aussagen von E.________ dafür, dass der Kokainkauf 
beim Beschuldigten wohl schon im Oktober/November 2018 und nicht erst anfangs 

17

Dezember 2018 stattfand. Konkret sagte E.________ aus, er habe beim Beschuldig-
ten noch ein zweites Mal beziehen wollen. Dieser habe aber zwischenzeitlich die 
Polizei im Haus gehabt und ihn nach Geld gefragt, weshalb er ihm CHF 4‘500.00 
geliehen habe (pag. 33 Z. 11129 ff.). Die Hausdurchsuchung beim Beschuldigten 
fand gemäss den Akten am 30. November 2018 statt (pag. 151 ff.). Zudem ist den 
Kontoauszügen von E.________ zu entnehmen, dass dieser am 5. Dezember 2018 
einen Bezug von CHF 3‘500.00, bezeichnet mit «Darlehen A.________», machte 
(pag. 97). Auch der WhatsApp-Chatverkehr von E.________ mit seiner Schwester 
vom 26. Oktober 2018 (pag. 74 ff.) spricht eher für einen Kokainkauf beim Beschul-
digten zu diesem Zeitpunkt und nicht erst anfangs Dezember 2018. Dasselbe geht 
aus den WhatsApp-Chatverläufen von E.________ mit seiner Schwester («Extrac-
tion Report» [pag. 128/2]) Ende November und Anfang Dezember 2018 hervor; kon-
kret lässt sich daraus schliessen, dass E.________ seiner Schwester am 4. Dezem-
ber 2018 eine grössere Menge Drogen brachte. Am 23. November 2018 fragte 
F.________, ob E.________ «per Zufall schon in S.________» gewesen sei. 
E.________ antwortete ihr daraufhin gleichentags, er sei noch nicht in S.________ 
gewesen. Wenn er ihr persönlich helfen sollte, könne er das. «Anders» könne er 
noch nicht. Sie wisse schon, was er meine. Am 3. Dezember 2018 meldete 
E.________ seiner Schwester: «Das Andere wird morgen Abend erledigt». Und am 
4. Dezember 2018 um 10.00 Uhr sagte er, dass er «grösser» am Organisieren sei. 
Sie erfahre es als erste. Der nächste Stopp sei bei ihr, 19.30 Uhr bis 20.00 Uhr. Um 
19.23 Uhr meldete er F.________ schliesslich, dass er unterwegs zu ihr sei. Er sei 
in 15 Minuten bei ihr («Extraction Report» [pag. 128/2]). Sieht man sich weiter die 
WhatsApp-Chatverläufe von E.________ mit dem Beschuldigten vom 4. Dezember 
2018 an, dann ist es an diesem Tag wohl zu keinem Treffen zwischen den beiden 
gekommen. So fragte der Beschuldigte am 4. Dezember 2018 um 05.59 Uhr, ob im 
E.________ CHF 3‘500.00 ausleihen könne. Die beiden tauschten danach mehrere 
Sprachnachrichten bezüglich einer möglichen Übergabezeit des Geldes aus. Um 
20.13 Uhr teilte E.________ dem Beschuldigten mit, dass er «versecklet» worden 
sei von jemandem, der ihm CHF 3‘000.00 hätte geben sollen. Er habe nur 
CHF 1‘000.00 im Portemonnaie, weshalb es keinen Sinn mache, heute Abend zum 
Beschuldigten zu gehen. Gemäss den Sprachnachrichten fand die Geldübergabe 
von E.________ an den Beschuldigten schliesslich am 5. Dezember 2018 um ca. 
11.50 Uhr statt. Die WhatsApp-Chatverläufe vom 4./5. Dezember 2018 sprechen 
also gegen ein Treffen und somit gegen eine Drogenübergabe des Beschuldigten an 
E.________ am 4. Dezember 2018 («Extraction Report», pag. 128/2, S. 86-92). Zu-
dem gab E.________ an, er habe vor seiner Indienreise Ende Dezember 2018 – 
gemäss den WhatsApp-Chatnachrichten fand die Reise vom 27. Dezember 2018 bis 
am 3. Januar 2019 statt – noch einmal 100 g bei O.________ bezogen. Nach dem 
4. Dezember 2018 fanden jedoch bis Ende Dezember 2018 keine grösseren Geld-
bezüge mehr statt (pag. 97). Dies und die oben gemachten Ausführungen zu den 
WhatsApp-Chatverläufen zwischen E.________ und seiner Schwester sowie zwi-
schen E.________ und dem Beschuldigten am 4. Dezember 2018 deuten wohl dar-
auf hin, dass der Geldbezug am 4. Dezember 2018 in der Höhe von CHF 7‘600.00 
den Drogenkauf bei O.________ betraf. 

18

Geht man gestützt darauf davon aus, dass der Kokainkauf beim Beschuldigten wohl 
schon am 26. Oktober 2018 bzw. vor dem 4. Dezember 2018 stattfand, dann finden 
sich in den Kontoauszügen von E.________ in diesem Zeitraum keine Bezüge von 
Beträgen um die CHF 7‘000.00. So bezog E.________ am 26. Oktober 2018 und am 
30. Oktober 2018 je einen Betrag von CHF 4‘000.00 (pag. 94). Und am 19. Novem-
ber 2018 bezog er CHF 4‘660.00 sowie am 26. November 2018 CHF 3‘850.00 (pag. 
96). Diese Beträge würden auf den ersten Blick zwar eher für eine Kokainmenge von 
CHF 50 g sprechen. Es kann aber sein, dass E.________ am 26. Oktober 2018 nur 
einen Teil des Geldes für den Drogenkauf beim Beschuldigten von seinem Konto 
bezog und seine Schwester ebenfalls einen Teil des Geldes beisteuerte. Dieser hatte 
er kurz zuvor, am 22. Oktober 2018, ein Darlehen von CHF 12‘000.00 gewährt (pag. 
93) und am 26. Oktober 2018 um 15.22 Uhr schrieb F.________ an E.________ 
«Und geld ja sicher wenn wo?» (pag. 75); dies nachdem sie ihn gleichentags um 
13.51 Uhr gefragt hatte, ob er nicht wieder einmal nach S.________ gehe (pag. 74). 
F.________ sagte auf Vorhalt ihrer Nachricht aus, es sei hierbei ziemlich sicher um 
eine Lieferung Kokain gegangen. Und auf Vorhalt der Nachricht von E.________ 
vom 26. Oktober 2018 um 15.21 Uhr erklärte sie, ihr Bruder habe Geld für eine Lie-
ferung Kokain benötigt (pag. 21 Z. 56 ff.). Den gleichentags ausgetauschten 
WhatsApp-Chatnachrichten zwischen E.________ und seiner Schwester ist zu ent-
nehmen, dass F.________ um 15.47 Uhr fragte, ob E.________ das Geld im Voraus 
haben müsse. Er könne es auch erst mitnehmen, wenn er «es» bringe. Sie habe es 
bereit. Ihr Bruder könne es sonst auch morgen erledigen. Sie habe gedacht, sie sage 
ihm mal, dass sie nichts mehr hätten. E.________ antwortete ihr um 15.48 Uhr, er 
müsse sich organisieren, da er noch in Solothurn sei. Er müsse das Geld haben, 
sonst müsse er noch «auf die Bank springen». Nachdem F.________ ihm mitteilte, 
er könne es sonst auch morgen oder nächste Woche besorgen, tauschten die beiden 
mehrere Sprachnachrichten aus. Schliesslich vereinbarten sie ein Treffen für glei-
chentags, d.h. am 26. Oktober 2018, um ca. 16.45 Uhr bei F.________ zu Hause 
(«Extraction Report», pag. 128/2). Den zwischen V.________ und E.________ am 
26. Oktober 2018 ausgetauschten Sprachnachrichten ist somit zu entnehmen, dass 
E.________ am Nachmittag des 26. Oktober 2018 bei seiner Schwester Geld für 
einen Drogenkauf abholte. Dies spricht – zusammen mit dem von E.________ am 
26. Oktober 2018 getätigten Geldbezug von CHF 4‘000.00 (pag. 94) dafür – dass 
E.________ Ende Oktober 2018 vom Beschuldigten 100 g Kokain bezog. 

Zusammenfassend hält die Kammer fest, dass gestützt auf die Aussagen von 
E.________ in seinen beiden tatnächsten Einvernahmen als Beschuldigter im eige-
nen Strafverfahren, welche durch die übereinstimmenden Aussagen von 
F.________ untermauert werden, von einer Menge von 100 g Kokaingemisch aus-
zugehen ist. Dafür spricht auch die Tatsache, dass sich E.________ mit seinen Aus-
sangen in seinen ersten beiden Einvernahmen aus eigenem Antrieb heraus schwer 
belastete. Dasselbe gilt in Bezug auf F.________. Weiter deutet auch die eigene 
Aussage des Beschuldigten, wonach E.________ ihn für 100 g Kokain angefragt 
habe, auf einen Verkauf von 100 g Kokaingemisch hin. Dass E.________ in seinen 
beiden Einvernahmen als Auskunftsperson im Strafverfahren gegen den Beschul-
digten, konkret am 6. November 2019 und am 28. Februar 2019, nicht mehr sicher 
wusste, ob es sich um 50 g oder um 100 g Kokaingemisch handelte, weckt keine 

19

rechtserheblichen Zweifel an seinen früheren tatnäheren und glaubhaften Aussagen, 
zumal er vor seiner Einvernahme durch den Beschuldigten bezüglich seiner Belas-
tungen kontaktiert worden war. Auch dass nicht eindeutig eruiert werden kann, wann 
genau der Drogenkauf zeitlich stattgefunden hat, schadet entgegen den Vorbringen 
der Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung (vgl. pag. 459) nicht. Die tat-
nächsten Aussagen von E.________ sowie die mit seiner Schwester am 26. Oktober 
2018 ausgetauschten Sprachnachrichten sprechen für einen Drogenkauf beim Be-
schuldigten Ende Oktober 2018. Im WhatsApp-Chatverkehr zwischen F.________ 
(pag. 74 ff., «Extraction Report» [pag. 128/2]) und in den Kontoauszügen von 
E.________ (pag. 94) finden sich genügend Anhaltspunkte dafür, dass E.________ 
einen Teil des Geldes für den Drogenkauf beim Beschuldigten von seinem Bank-
konto bei der I._____-Bank bezog und F.________ einen Teil des Geldes für den 
Drogenkauf beim Beschuldigten beisteuerte.

9.3.2 Handel mit Kleinmengen

Der Beschuldigte ist geständig, E.________ bei sich zu Hause ab und zu ein Brieflein 
von 0.2 g Kokaingemisch gegen Marihuana abgegeben zu haben, insgesamt seien 
es ca. 2 g Kokaingemisch gewesen (pag. 111 Z. 84 f., Z. 119 f., pag. 284, pag. 381). 
Er stellt hingegen in Abrede, E.________ 30 Mal getroffen und ihm insgesamt 15 g 
Kokaingemisch (30 x 0.5 g) veräussert zu haben (pag. 270 Z. 4 ff. und Z. 20 f.). Die 
Aussagen des Beschuldigten sind angesichts des intensiven WhatsApp-Chatver-
kehrs, den er mit E.________ in der Zeit von Ende Oktober 2018 bis am 20. Mai 
2019 führte (vgl. «Extraction Report», pag. 128/2), wenig glaubhaft. Die Vorinstanz 
hat zutreffend und umfassend dargelegt, dass die WhatsApp-Chatverläufe in der Zeit 
von Ende Oktober bis Ende Dezember 2018 die Aussagen von E.________ in den 
Einvernahmen vom 6. November 2019 und vom 16. Februar 2021 stützen, wonach 
er den Beschuldigten durchschnittlich zwei bis drei Mal pro Woche zum Kokainkauf 
für den Eigenkonsum getroffen habe (pag. 59 Z. 41 ff., pag. 275 Z. 26 ff.; vgl. 
pag. 340 f., S. 15 f. erstinstanzliche Urteilsbegründung). So lässt sich den WhatsApp-
Chatverläufen zwischen E.________ und dem Beschuldigten entnehmen, dass es 
in der Zeit vom 2. November 2018 bis zum 25. Dezember 2018 zu vielen – rund 20 
– Treffen in S.________, am Bahnhof Bern, in der Stadt Bern, bei der Waschanlange 
S.________, beim Beschuldigten zu Hause und im Zug gekommen ist («Extraction 
Report», pag. 128/2). Auch der Berichtsrapport vom 29. August 2019 stützt die Aus-
sagen von E.________; daraus geht hervor, dass der Polizeiwache S.________ im 
Dezember 2018 gemeldet wurde, das Fahrzeug von E.________ befinde sich seit 
zwei bis drei Wochen oft, aber unregelmässig beim Beschuldigten (pag. 5). Es kann 
diesbezüglich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Wenn die Vor-
instanz berechnet, dass sich E.________ und der Beschuldigte während zwei Mo-
naten bzw. acht Wochen durchschnittlich 2.5 Mal pro Woche getroffen hätten und 
E.________ vom Beschuldigten jeweils 0.5 g Kokaingemisch, insgesamt also 10 g 
bezogen habe, so entspricht auch dies den Aussagen von E.________ und den 
WhatsApp-Chatverläufen, aufgrund welcher rund 20 Treffen von Anfangs November 
2018 bis Ende Dezember 2018 erstellt sind. Rechnet man mit einer Menge von 0.5 g 
Kokaingemisch pro Treffen, so ist dies stark zu Gunsten des Beschuldigten. 

20

Der WhatsApp-Chatverlauf zwischen dem Beschuldigten und E.________ in der Zeit 
von Januar 2019 bis Anfang April 2019 beweist, dass es auch in dieser Zeit zu wei-
teren Kontakten und Treffen zwischen den beiden kam. Die Treffen waren aber we-
niger zahlreich, was zum einen mit Krankheiten auf beiden Seiten (sowie der erneu-
ten Vaterschaft von E.________) und zum anderen damit zu tun hat, dass der Be-
schuldigte E.________ das geliehene Geld nicht wie vereinbart per Ende Januar 
2019 zurückbezahlen konnte. Dies führte dazu, dass er sich bei E.________ weniger 
meldete und vereinbarte Treffen immer wieder verschob. Aus den Chatverläufen las-
sen sich nichtsdestotrotz mindestens acht Treffen mit Bezug zu Drogengeschäften 
eruieren («Extraction Report», pag. 128/2; so am 10./11./15. Januar 2019, am 
11./26. Februar 2019, am 8./9. März 2019 und am 1. April 2019). Geht man von 0.5 g 
Kokaingemisch pro Treffen aus, ergeben sich 4 g Kokaingemisch, welche der Be-
schuldigte in dieser Zeitperiode an E.________ verkaufte. E.________ gab zwar in 
seiner Einvernahme vom 16. Februar 2021 an, er habe den Beschuldigten nach sei-
ner Indienreise (27. Dezember 2018 bis 3. Januar 2019) nicht mehr gesehen (pag. 
275 Z. 23 ff.). Dies steht aber im Widerspruch zu seinen Angaben in der Einver-
nahme vom 6. November 2019, wonach er mit dem Beschuldigten bis Februar 2019 
Kontakt gehabt habe (pag. 64 Z. 285). Wie bereits dargelegt, lässt sich zudem den 
WhatsApp-Chatverläufen zwischen E.________ und dem Beschuldigten entneh-
men, dass es bis zum 1. April 2019 noch zu Treffen zwischen den beiden kam. Es 
ist deshalb betreffend die Kleinmengen gestützt auf die WhatsApp-Chatverläufe zwi-
schen dem Beschuldigten und E.________ sowie die Aussagen von E.________ 
vom 6. November 2019 (pag. 62 Z. 185 ff.) von insgesamt ca. 14 g Kokaingemisch 
auszugehen, welches E.________ beim Beschuldigten in Form von Kleinmengen 
zum Eigenkonsum bezog. 

Die Kammer kommt somit zum beweismässigen Schluss, dass der Beschuldigte in 
der Zeit von ca. Ende Oktober 2018 bis Anfang April 2019 insgesamt 114 g Kokain-
gemisch an E.________ verkaufte, mit dem an E.________ geschuldeten Darlehen 
verrechnete oder gegen Marihuana tauschte. Die Veräusserung der Drogen fand in 
S.________ (teilweise beim Beschuldigten zu Hause), T.________, Ostermundigen 
und Bern oder im Zug oder auf Bahnhöfen auf diesen Strecken statt 

9.3.3 Reinheitsgrad des Kokains

Es liegt keine Analyse des vom Beschuldigten an E.________ verkauften Kokainge-
mischs vor. E.________ machte in seinen Einvernahmen vom 11. Juni 2019 und 
vom 6. November 2019 Angaben zum Reinheitsgrad. Konkret bezeichnete er die von 
ihm bezogenen Kleinmengen als von guter Qualität und gab an, er gehe davon aus, 
dass die grössere Kokainlieferung vom Beschuldigten auch gut gewesen sei, da er 
von seiner Schwester keine Rückmeldung erhalten habe (pag. 61 Z. 136 ff.). Im Ver-
gleich zu den Lieferungen von K.________ und von O.________ gehe er von einer 
Reinheit von ca. 70% aus (pag. 34 Z. 177 ff.).

Die Vorinstanz stellte bei dieser Ausgangslage zu Recht auf die Betäubungsmittel-
statistik für Kokain und Heroin der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin 
(nachfolgend SGRM) im Jahr 2018 ab (vgl. pag. 342, S. 17 erstinstanzliche Urteils-
begründung). Ebenfalls ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz zu Gunsten 

21

des Beschuldigten auf den Mittelwert bei Einzelkonfiskatgrössen von 1 bis 100 g ab-
stellte (pag. 342, S. 17 erstinstanzliche Urteilsbegründung). Von den vorinstanzli-
chen Erwägungen abweichend ist jedoch gemäss der neuesten obergerichtlichen 
Rechtsprechung möglich und mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verein-
bar, anstatt auf den tieferen Kokainbasewert auf den höheren Kokainhydrochlorid-
wert abzustellen (Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 20 310/311 vom 
18. Februar 2021, E. 8.1 mit Hinweisen; vgl. auch SK 21 52 vom 27. Oktober 2021, 
E. 11.13.5); dies jedenfalls dann, wenn wie vorliegend bereits in der Anklage der 
Kokainhydrochloridwert genannt wird. Es ist demzufolge von einem Reinheitsgrad 
von 70% Kokainhydrochlorid für das vom Beschuldigten an E.________ verkaufte 
Kokain auszugehen, was im Übrigen auch den Aussagen von E.________ ent-
spricht. Somit ergibt sich bei einer Menge von 114 g Kokaingemisch eine reine 
Menge von 79.8 g Kokainhydrochlorid.

9.3.4 Beweisfazit

Der Beschuldigte erwarb und besass eine Menge von insgesamt 114 g 
Kokaingemisch bzw. 79.8 g reinem Kokainhydrochlorid, welche er in der Zeit von ca. 
Ende Oktober 2018 bis Anfang April 2019 in S.________, T.________, Ostermundi-
gen und Bern oder im Zug oder auf Bahnhöfen auf diesen Strecken an E.________ 
veräusserte. Die Veräusserung erfolgte durch Entgegennahme von Bargeld von 
E.________ oder durch Tausch gegen Marihuana oder durch Verrechnung mit der 
Darlehensrückzahlungsforderung von E.________ oder als Zinszahlung für dieses 
Darlehen.

9.4 Gesamtheitliche Würdigung betreffend den Vorwurf der Drohung

Wie unter II.8.1. Unbestrittener Sachverhalt und II.8.2. Bestrittener Sachverhalt und 
Beweisfragen hiervor ausgeführt, bestritt der Beschuldigte in seiner Einvernahme 
vom 12. Mai 2020 und anlässlich der Einvernahme in der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung vom 16. Februar 2021 nicht, sich zum angeklagten Zeitpunkt im ent-
sprechenden Zug aufgehalten zu haben. Er bestätigte ebenfalls, mit einem Mann 
gesprochen und mit diesem ein Problem gehabt zu haben. Er bestritt jedoch, mit 
einem Kind gesprochen zu haben, und will schon gar nicht in der ihm vorgeworfenen 
Art mit diesem geredet haben (pag. 123/1 Z. 26 ff., pag. 271 Z. 28 ff.). 

Erstellt ist gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten (pag. 123/1 Z .19 ff.), die 
Aussagen von C.________ (pag. 104), die Bildaufnahmen aus dem Zug (siehe Foto 
auf pag. 107 sowie die neu edierten Bildaufnahmen auf pag. 421 ff.), die Videoauf-
nahmen der BLS AG (pag. 453.2) und den Anzeigerapport (pag. 17 «Massnah-
men»), dass sich der Beschuldigte am 2. Februar 2020 um ca. 15.00 Uhr im Zug von 
S.________ nach H.________ befand und dort eine verbale Auseinandersetzung 
hatte. Zu eruieren ist in der Folge, ob der Beschuldigte sich mit seinen Äusserungen 
auch gegen C.________ wandte und wenn ja, wie dieser die Äusserungen auffasste. 
Hierzu kann vorweg auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (pag. 344 f., S. 19 f. erstinstanzliche Urteilsbegründung). 

Ergänzend und präzisierend hält die Kammer fest, dass die Aussagen von 
C.________ detailliert und nachvollziehbar darlegen (pag. 104 Z. 28 ff.), wie es dazu 

22

kam, dass er sich vis-à-vis des Mannes im weissen Jäckchen, welcher auf dem Bild-
material (siehe Foto auf pag. 107) und dem edierten Überwachungsvideo der 
BLS AG (pag. 453.2) zusammen mit dem Beschuldigten und C.________ ersichtlich 
ist, hinsetzte (vgl. dazu insbes. die Videosequenz 0659.asf der Kamera 03, auf wel-
cher erkennbar ist, wie C.________ gegen Ende der Sequenz in den vorderen Wa-
gon kommt, zunächst unsicher stehen bleibt und zu beobachten scheint, was sich 
im hinteren Wagon abspielt. Dann setzt er sich ins gegenüberliegende Abteil vom 
Mann im weissen Jäckchen). Die von C.________ geschilderte Vorgeschichte, wo-
nach der Beschuldigte mit zwei jugendlichen Ausländern eine Auseinandersetzung 
hatte, wird durch letztere bestätigt. So gaben Herr P.________ und Herr Q.________ 
gegenüber der Polizei an, sie hätten mit dem unbekannten Mann einen verbalen 
Streit gehabt und dieser sei sehr aggressiv aufgetreten (Anzeigerapport: pag. 17 
«Massnahmen»; vgl. auch pag. 422). Damit übereinstimmend geht auch aus dem 
edierten Bildmaterial aus dem entsprechenden BLS-Zug hervor, dass der Beschul-
digte sowohl mit den zwei Jugendlichen als auch mit dem Mann im weissen Jäck-
chen eine verbale Auseinandersetzung hatte (vgl. Bildaufnahmen ab 15.07 Uhr [pag. 
422 ff.]). Konkret wurde durch die Kamera 01 aufgezeichnet, wie die beiden Jugend-
lichen zuerst in den Wagon kamen und der Beschuldigte hinterherkam und zügig auf 
die beiden Jugendlichen zuging. Kurz scheint es, als wäre er sogar ein paar Schritte 
gerannt, dann gestikulierte er recht wild mit den Armen und kam den beiden Jugend-
lichen dabei recht nahe (Sequenz 0657.asf; pag. 453.2). Weiter geht aus den Auf-
nahmen hervor, dass die Jugendlichen gegen Ende der Sequenz den Wagon ver-
liessen und der Beschuldigte ihnen folgte (Sequenz 0660.asf; pag. 453.2).

Gestützt auf die Aufnahmen der Kameras des fraglichen Zuges ist zudem eindeutig 
erstellt, dass der Beschuldigte auch in Richtung von C.________ sprach und gesti-
kulierte (vgl. dazu auch die zutreffenden Ausführungen von Staatsanwältin 
G.________ in der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 463). Die gegenteiligen Be-
hauptungen der Verteidigung (vgl. pag. 460) sind klar widerlegt. Die Kamera 03 (pag. 
453.2) bildete den gesamten Verlauf des Kerngeschehens ab. In der Sequenz 
0661.asf ist ersichtlich, wie der zweite Jugendliche den vorderen Wagon in Fahrt-
richtung des Zuges verlässt, er dabei halb über die Schulter zurückschaut. Der Be-
schuldigte folgt, setzt sich zum Mann im weissen Jäckchen gegenüber ins Abteil und 
spricht mit diesem. Der Mann im weissen Jäckchen antwortet. C.________ im Abteil 
vis-à-vis scheint den Beschuldigten zu beobachten, während er auf den Fingernä-
geln kaut. Es ist nicht ganz deutlich erkennbar, scheint aber, als ob der Beschuldigte 
das Opfer schon hier von der Seite anspricht. Die Situation wirkt hier ruhig. In der 
Sequenz 0662.asf spricht der Beschuldigte zum Mann im weissen Jäckchen. Dieser 
hört ihm zu und nickt. Die Situation scheint hier immer noch ruhig zu sein. Der Mann 
im weissen Jäckchen antwortet etwas, woraufhin der Beschuldigte aufsteht, von 
oben herab zum Mann im weissen Jäckchen spricht und gestikuliert. Er scheint hier 
etwas aufgeregt zu sein. Der Mann im weissen Jäckchen nickt. In der Sequenz 
0663.asf schliesslich spricht der Beschuldigte C.________ direkt an, er steht ihm 
zugewandt. Dabei gestikuliert er. C.________ antwortet. Der Beschuldigte sagt noch 
einmal etwas zum Opfer, dreht sich dann um, zieht sein Gilet an, dreht sich abermals 
um und spricht wiederum gestikulierend zum Mann im weissen Jäckchen. 

23

C.________ gab in seiner Einvernahme zu Protokoll, dass der Beschuldigte, nach-
dem er mit ihm gesprochen habe, kurz das Zugabteil verlassen habe, danach aber 
wieder zurückgekehrt sei. Dies wird ebenfalls durch die Videoaufnahmen des ent-
sprechenden BLS-Zuges gestützt. In der Sequenz 0664.asf der Kamera 03 
(pag. 453.2) verlässt der Beschuldigte den vorderen Wagon in Fahrtrichtung des Zu-
ges. C.________ blickt ihm über die Schulter nach, sein Gesichtsausdruck ist ver-
ängstigt. Der Mann im weissen Jäckchen blickt dem Beschuldigten ebenfalls nach 
und spricht dann mit C.________, welcher daraufhin den Kopf in die rechte Hand 
stützt bzw. sich mit der Hand über das Gesicht fährt bzw. beide Hände vors Gesicht 
hält. Dass C.________ lächeln würde, wie dies die Verteidigung in der oberinstanz-
lichen Verhandlung behauptete (vgl. pag. 460), ist jedoch nicht erkennbar. Ansch-
liessend kommt der Beschuldigte zurück, geht zügig direkt auf den Mann im weissen 
Jäckchen zu und spricht gestikulierend zu ihm. Der Mann im weissen Jäckchen sagt 
etwas zu ihm und deutet dann auf C.________, woraufhin sich der Beschuldigte zu 
diesem hindreht. Diese Szene stützt die Aussage von C.________, wonach der 
Mann im weissen Jäckchen zum Beschuldigten gesagt habe, er habe den Jungen 
zum Weinen gebracht (pag. 105 Z. 63 ff.). Der Beschuldigte dreht sich in der Folge 
dann sehr aggressiv und drohend um den Mann im weissen Jäckchen, welcher un-
terdessen erstmals aufgestanden ist. Wenn die Verteidigung in der oberinstanzlichen 
Verhandlung geltend machte, der Beschuldigte habe im Zug zwar mit mehreren Per-
sonen gesprochen aber kein drohendes Verhalten an den Tag gelegt habe (vgl. pag. 
459 und pag. 464), so ist dies vor diesem Hintergrund schlicht falsch. Der Mann im 
weissen Jäckchen bleibt auch im weiteren Verlauf sehr ruhig, obschon die Situation 
bedrohlich gewesen zu sein scheint. An dieser Stelle erhebt sich C.________, nimmt 
seinen Rucksack und verlässt den vorderen Wagon Richtung Tür. In der Sequenz 
0065.asf wirkt der Beschuldigte nach wie vor sehr aufgeregt und aggressiv; er fuch-
telt rum und spricht zum Mann im weissen Jäckchen. Dieser setzt sich wieder hin. 
C.________ steht bei der Türe und blickt in den Wagon bzw. zum Beschuldigten. 
Der Beschuldigte spricht und gestikuliert weiter. Er kommt dem Mann im weissen 
Jäckchen immer wieder sehr nahe und wirkt nach wie vor bedrohlich und aggressiv. 
Der Mann im weissen Jäckchen verhält sich demgegenüber deeskalierend. Die Se-
quenz 0666.asf schliesslich zeigt, wie der Beschuldigte zunächst noch weiter in Rich-
tung des Mannes im weissen Jäckchen spricht und gestikuliert und dann den vorde-
ren Wagon in Fahrtrichtung des Zuges verlässt. In Bezug auf die Kamera 02 ist 
schliesslich die Sequenz 0665.asf erwähnenswert; daraus ist ersichtlich, wie 
C.________ aus dem vorderen Wagon kommt und im Eingangsbereich bzw. bei der 
Tür stehen bleibt (man sieht ihn von hinten). Zu Beginn der Sequenz schaut er mehr-
mals in den Wagon zurück. Als der Zug schliesslich hält, verlässt C.________ diesen 
und entfernt sich über die Gleise (Sequenz 0666.asf. der Überwachungskamera 02).

In Bezug auf den genauen Wortlaut des Gesagten ist auf die glaubhaften Angaben 
von C.________ abzustellen. Ebenso in Bezug auf die Wirkung, welche die Worte 
des Beschuldigten auf C.________ hatten. Letzterer schilderte mit vielen Details und 
Realkennzeichen (Gesprächs- und Gefühlswiedergabe; Nebensächlichkeiten etc.) 
versehen, was der Beschuldigte zu ihm sagte und wie er sich danach fühlte 
(pag. 104 f. Z. 55 ff.; pag. 106 Z. 111 ff.). Er gab an, dass er aufgrund des Verhaltens 
und der Aussagen des Beschuldigten Angst gehabt habe, weshalb er habe weinen 

24

müssen. Dies sei dem Mann im weissen Jäckchen aufgefallen, dem Beschuldigten 
aber egal gewesen (pag. 105 Z. 63 ff.). Die Kammer erachtet diese erlebnisbasierten 
Angaben als sehr glaubhaft. Dafür, dass C.________ die Äusserungen des Beschul-
digten nicht ernst genommen hätte, wie dies die Verteidigung in der oberinstanzli-
chen Verhandlung geltend machte (vgl. pag. 460), liegen demgegenüber keinerlei 
Anhaltspunkte vor. Die Ausführungen von C.________, wonach der Beschuldigte 
impulsiv und drohend gewesen sei, was ihm grosse Angst gemacht habe, und wo-
nach er danach eine Zeit lang Angst gehabt habe, alleine Zug zu fahren, und einige 
Tage nicht gut habe schlafen können, lassen sich auch in Einklang bringen mit den 
Angaben seiner Mutter. Im Rahmen der Einvernahme von C.________ gab diese 
auf Frage, in welcher Verfassung ihr Sohn gewesen sei, als er nach Hause gekom-
men sei und vom Vorfall erzählt habe, an, C.________ sei «total durch den Wind» 
bzw. «total von der Rolle» gewesen, habe geweint, die Geschichte sehr emotional 
erzählt und um die anderen Männer Angst gehabt (pag. 105 Z. 74 ff.). Schliesslich 
stimmen die Aussagen von C.________ auch mit dem Eingang der Meldung überein; 
aktenkundig meldete der Vater von C.________ kurze Zeit nach dem Ereignis, am 
2. Februar 2020 um 15.34 Uhr, den Vorfall telefonisch der Polizei und gab an, sein 
Sohn sei von einem unbekannten Mann bedroht worden und sehr verängstigt zu 
Hause angekommen (Anzeigerapport «1. Eingang der Meldung» [pag. 17]). Absch-
liessend hält die Kammer fest, dass keine Gründe ersichtlich sind, warum 
C.________ den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. So lässt sich den Akten 
entnehmen, dass sich C.________ erst mehr als einen Monat nach dem Vorfall zu 
einer Anzeige entschloss (Anzeigerapport: pag. 17 «2. Eingang der Meldung») und 
insbesondere auf die Parteistellung als Privatkläger verzichtete (pag. 18/1 und 18/2). 

Demgegenüber sind die Aussagen des Beschuldigten zum Vorfall sehr vage. So er-
klärte er nicht weiter, weshalb ihn der Mann im Zug «genervt» und er mit diesem 
«ein Problem» gehabt habe (pag. 123/1 Z. 26 ff.). Weiter ist seine Aussage, wonach 
er angeblich nicht realisiert habe, dass dort ein Kind gesessen sei, angesichts des 
betreffend das edierte Bildmaterial der BLS AG hiervor bereits Ausgeführten schlicht 
unglaubhaft (vgl. insbes. pag. 437 sowie die entsprechende Videosequenz [Überwa-
chungskamera 03, Sequenz 0063.asf], worauf ersichtlich ist, dass der Beschuldigte 
sich direkt C.________ zuwandte). Der Beschuldigte vermochte denn auch nicht 
nachvollziehbar zu erklären, wie es zu den glaubhaften Aussagen von C.________ 
betreffend die Frage des Beschuldigten nach seinem Alter und Namen sowie nach 
dem Wohnort und dem Namen seines Vaters (pag. 104 Z. 56 f.) und dessen Aus-
sage, wonach er seinen Sohn nie alleine Zug fahren lassen würde (pag. 105 Z. 62 f.), 
kam. 

Die Kammer stellt somit beweiswürdigend auf die stimmigen, nachvollziehbaren, de-
tailreichen und erlebnisbasierten, mithin glaubhaften Aussagen von C.________ ab, 
welche zusätzlich durch das edierte Bild- und Videomaterial der BLS AG untermauert 
werden bzw. mit Ausnahme des gesprochenen Wortes objektiviert sind, und geht 
von folgendem rechtserheblichem Sachverhalt aus: C.________ befand sich am 
2. Februar 2020 im Zug von S.________ nach H.________, als der Beschuldigte 
eine verbale Auseinandersetzung zuerst mit zwei Jugendlichen und danach mit dem 
Mann im weissen Jäckchen hatte. Der Beschuldigte sprach in der Folge auch 
C.________ an, der sich vis-à-vis des Mannes im weissen Jäckchen hingesetzt 

25

hatte, und fragte ihn nach seinem Alter, seinem Namen, dem Namen seines Vaters 
sowie nach dem Wohnort. Weiter sagte der Beschuldigte zu C.________, dass er 
sein Kind in diesem Alter nie alleine Zug fahren lassen würde. Sein Vater sei eine 
Schwuchtel, weil er ihn alleine reisen lasse. Er werde schon herausfinden, wo dieser 
wohne und ihn zusammenschlagen. C.________ hatte aufgrund dieser Äusserun-
gen und des sonstigen impulsiven sowie aggressiven Verhaltens des Beschuldigten 
Angst und musste weinen. Er konnte danach einige Tage nicht gut schlafen und 
hatte einige Zeit lang Angst, alleine Zug zu fahren.

III. Rechtliche Würdigung

10. Mengenmässig qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelge-
setz

10.1 Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 BetmG

Betreffend den objektiven und subjektiven Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 i.v.m. 
Abs. 2 BetmG wird auf die korrekten Ausführungen der Vorisntanz verwiesen (vgl. 
pag. 346 ff., S. 21 ff. Urteilsbegründung): 

«Gemäss Art. 19 Abs. 1 BetmG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer 
Betäubungsmittel u.a. erwirbt oder besitzt (lit. d) und unbefugt veräussert oder einem anderen auf an-
dere Weise verschafft (lit. c). Veräussern bedeutet die vorsätzliche Übertragung der Verfügungsmacht 
über Betäubungsmittel an eine andere Person; der Rechtsgrund ist dabei nicht massgebend (FINGER-
HUTH/SCHLEGEL/JUCKER, BetmG Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2016, Art. 19 N 52). Die Veräusserung 
umfasst auch das früher in aArt. 19 Ziff. 1 Abs. 4 BetmG enthaltene Abgeben. Diese Handlung besteht 
im unbefugten und unentgeltlichen (sonst liegt ein Verkauf vor) Einräumen der Verfügungsgewalt sei-
tens des Täters an einen anderen durch körperliche Überlassung von Betäubungsmitteln. Der Zweck 
der Veräusserung, d.h. zum Verbrauch oder zur Weitergabe, ist gleichgültig. Auch ein Tausch gegen 
andere Betäubungsmittel ist Abgabe (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., Art. 19 N 54 m.w.H.). Be-
sitz im Sinne des BetmG meint nicht den Zustand als solchen, sondern ein dafür kausales Verhalten, 
nämlich die Herbeiführung und Aufrechterhaltung des illegalen Zustands (BGE 119 IV 266 E. 3c). Er-
werb ist das auf einem Rechtsgeschäft beruhende Erlangen der tatsächlichen Verfügungsgewalt über 
Betäubungsmittel gegen Entgelt (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., Art. 19 N 77 m.w.H.). 

Obwohl den in Art. 19 Abs. 1 lit. a-e BetmG geregelten Tatbeständen die Bedeutung von selbstständi-
gen Tathandlungen zukommt, schützen sie das gleiche Rechtsgut gegen verschiedene Angriffe oder 
verschiedene Angriffsstadien. Begeht der Täter mehrere Widerhandlungen im Sinne von Art. 19 Abs. 1 
lit. a-e BetmG, so ist demnach zu prüfen, ob (echte) Realkonkurrenz im Sinne einer wiederholten De-
liktsbegehung vorliegt. Echte Idealkonkurrenz ist demgegenüber grundsätzlich nicht möglich. Die Er-
werbshandlungen stehen zu den anschliessenden Weitergabehandlungen im Verhältnis der Subsidia-
rität. Die Tathandlung des Besitzes ist als Auffangtatbestand konzipiert und gelangt deshalb im Verhält-
nis zu anderen vom Gesetz erfassten Erwerbs- und Weitergabehandlungen bloss subsidiär zur Anwen-
dung (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., Art. 19 N 155, 157 und 159).

Eine Bestrafung nach Art. 19 Abs. 1 BetmG verlangt Vorsatz, wobei dolus eventualis genügt. Der Vor-
satz muss sämtliche objektiven Tatbestandsmerkmale umfassen. Gegenstand des Vorsatzes sind ins-
besondere die Art, die Menge und die Qualität der in den Verkehr gebrachten Betäubungsmittel (FIN-
GERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., Art. 19 N 114, 116 und 119).»

26

[…]

«Gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr, womit eine Gelds-
trafe verbunden werden kann, bestraft, wer weiss oder annehmen muss, dass die Widerhandlung (i.S. 
von Art 19 Abs. 1 BetmG) mittelbar oder unmittelbar die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen 
kann. Aufgrund der gesetzlichen Formulierung „in Gefahr bringen kann“ ergibt sich, dass es sich um 
ein abstraktes Gefährdungsdelikt handelt (HUG-BEELI, Kommentar zum BetmG, Basel 2016, Art. 19 
N 860). Die Widerhandlung muss geeignet sein, die Gesundheit von mindestens 20 Personen in Gefahr 
zu bringen, wobei das Bundesgericht in Bezug auf Kokain in konstanter Praxis davon ausgeht, dass 
18 Gramm (reine Menge) die mengenmässige Qualifikation gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG erfüllt 
bzw. eine solche Menge 20 Personen in Gefahr zu verbringen vermag (BGE 109 IV 143 E. 3b; HUG-
BEELI, a.a.O., Art. 19 N 915 f. m.w.H.; FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., Art. 19 N 176 und 180 ff.). 

In Bezug auf die Qualifikation nach Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG wird ebenfalls Vorsatz verlangt, wobei 
Eventualvorsatz genügt (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., Art. 19 N 201).»

10.2 Subsumtion

Die Beweiswürdigung hat ergeben, dass der Beschuldigte in der Zeit von ca. Ende 
Oktober 2018 bis Anfang April 2019 eine Menge von insgesamt 114 g Kokainge-
misch bzw. 79.8 g reinem Kokain-Hydrochlorid erworben, besessen und anschlies-
send unter verschiedenen Malen an E.________ veräussert hat. Die Vorinstanz 
nahm zu Recht bezüglich aller Beschaffungs- und Veräusserungshandlungen des 
Beschuldigten aufgrund des engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhanges so-
wie aufgrund des einheitlichen Willensaktes eine Handlungseinheit an (pag. 348, 
S. 23 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Sein Handeln ist objektiv als Erwerb 
und Besitz (Art. 19 Abs. 1 Bst. d BetmG) sowie als Veräussern (Art. 19 Abs. 1 Bst. c 
BetmG) zu qualifizieren, wobei die Tathandlung des Veräusserns den Tathandlun-
gen des Erwerbs und Besitzes vorgeht (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, Kommentar 
zum BetmG, 3. Aufl., 2016, Art. 19 N 157 und 164). Auch der teilweise Tausch von 
Marihuana gegen Kokain fällt unter die Tathandlung des Veräusserns nach Art. 19 
Abs. 1 Bst. c BetmG (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., Art. 19 N 54). Der Be-
schuldigte handelte direktvorsätzlich. Damit ist der objektive und subjektive Tatbe-
stand von Art. 19 Abs. 1 Bst. c BetmG erfüllt. 

Ab einer Menge von 18 g reinen Kokains ist der qualifizierte Tatbestand von Art. 19 
Abs. 2 Bst. a BetmG erfüllt. Mit einer veräusserten Menge von gesamthaft 79.8 g 
reinen Kokain-Hydrochlorids erfüllt der Beschuldigte den qualifizierten Tatbestand 
deutlich und um mehr als ein Vierfaches. Auch in Bezug auf den qualifizierten Tat-
bestand handelte der Beschuldigte direktvorsätzlich, zumal ihm bewusst gewesen 
sein muss, dass eine solch grosse Menge Kokaingemisch (und insbesondere die 
einmalige Veräusserung von 100 g Kokaingemisch) geeignet war, die Gesundheit 
vieler Menschen in Gefahr zu bringen. 

Rechtfertigungs- oder Schuldausschliessungsgründe sind keine ersichtlich. Der Be-
schuldigte ist entsprechend in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 Bst. c i.V.m. Art. 19 
Abs. 2 Bst. a BetmG schuldig zu sprechen. 

27

11. Drohung

11.1 Art. 180 Abs. 1 StGB

Den Tatbestand der Drohung nach Art. 180 Abs. 1 StGB erfüllt, wer jemanden durch 
schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Der Täter wird auf Antrag 
bestraft. 

In Bezug auf den objektiven und subjektiven Tatbestand von Art. 180 Abs. 1. StGB 
kann ebenfalls auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen 
werden (pag. 349 f., S. 24 f. erstinstanzliche Urteilsbegründung): 

«Der objektive Tatbestand der Drohung setzt voraus, dass der Täter jemandem einen schweren Nach-
teil in Aussicht stellt, der geeignet ist, ihn in Angst oder Schrecken zu versetzen, was bei der Androhung 
von strafbaren oder rechtswidrigen Handlungen von einigem Gewicht regelmässig der Fall sein dürfte 
(BSK StGB II-DELNON/RÜDY, 4. Aufl. 2019, Art. 180 N 19; DONATSCH, Strafrecht III, Delikte gegen den 
Einzelnen, 11. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2018, § 51 S. 442). Eine Drohung im hier interessierenden Sinn 
liegt nur vor, wenn der Eintritt des angekündigten Übels in irgendeiner Weise als vom Drohenden ab-
hängig hingestellt wird. Das Gesetz versteht unter einer Drohung nicht bloss eine ausdrückliche Er-
klärung des Drohenden, sondern jegliches Verhalten, durch welches das Opfer vom Drohenden be-
wusst in Schrecken oder Angst versetzt wird. Dies kann durch Worte, aber auch durch Gesten oder 
konkludentes Verhalten geschehen (BSK StGB II-DELNON/RÜDY, 4. Aufl. 2019, Art. 180 N 14). Die An-
drohung des Übels kann sich sowohl gegen die Rechtsgüter des Bedrohten richten als auch gegen jene 
eines Dritten, sofern die Androhung geeignet ist, das Opfer in Angst und Schrecken zu versetzen (BSK 
StGB II-DELNON/RÜDY, 4. Aufl. 2019, Art. 180 N 17). Unwesentlich ist es, ob der Drohende seine Dro-
hung ernst meint, ob er zur Verwirklichung des angedrohten Übels überhaupt in der Lage wäre oder ob 
er sich zur Drohung sonst wie einer Täuschung bedient (z.B. Bedrohung mit einer Spielzeugpistole). 
Entscheidend ist, dass sie als ernst gemeint in Erscheinung tritt (BSK StGB II-DELNON/RÜDY, 4. Aufl. 
2019, Art. 180 N 18). Der Bedrohte muss die Verwirklichung des angedrohten Übels befürchten. Dies 
bedeutet einerseits, dass er die Zufügung des Übels für möglich hält oder tatsächlich damit rechnet, 
und anderseits, dass der angedrohte Nachteil von solcher Schwere ist, dass er Schrecken oder Angst 
auszulösen vermag (BSK StGB II-DELNON/RÜDY, 4. Aufl. 2019, Art. 180 N 24). Dabei kann bei Drohun-
gen gegenüber Kindern das altersbedingte subjektive Moment nicht ausser Acht gelassen werden (BSK 
StGB II-DELNON/RÜDY, 4. Aufl. 2019, Art. 180 N 21). Der Tatbestand ist vollendet, wenn das Opfer 
tatsächlich in Angst (beklemmendes, banges Gefühl, bedroht zu sein) oder Schrecken (heftige Erschüt-
terung des Gemüts) versetzt wird (BSK StGB II-DELNON/RÜDY, 4. Aufl. 2019, Art. 180 N 12 und 31).

Subjektiv ist Vorsatz respektive Eventualvorsatz gefordert. Der Täter muss den Willen haben, sein Op-
fer in Schrecken oder Angst zu versetzen und er muss sich bewusst sein, dass seine Drohung diese 
Wirkung hervorruft oder dies zumindest in Kauf nehmen (BSK StGB II-DELNON/RÜDY, 4. Aufl. 2019, 
Art. 180 N 33).»

11.2 Subsumtion

Ein rechtsgültiger Strafantrag i.S.v. Art. 30 Abs. 1 und 3 StGB liegt vor. Er datiert 
vom 17. März 2020 und erging damit innert der dreimonatigen Frist gemäss 
Art. 31 StGB (vgl. pag. 18/1 f.). 

Gemäss Beweisergebnis sagte der Beschuldigte zu C.________, dass sein Vater 
eine Schwuchtel sei, dass er schon herausfinden werde, wo dieser wohne, und er 

28

ihn zusammenschlagen werde. Damit stellte er C.________ einen schweren Nach-
teil in Aussicht, wobei es für die Erfüllung des objektiven Tatbestandes keine Rolle 
spielt, dass sich die Androhung des Übels gegen den Vater und somit einen Dritten 
richtete. C.________ wurde dadurch und durch das impulsive sowie aggressive Ver-
halten des Beschuldigten sowie die vorangehenden verbalen Auseinandersetzun-
gen mit dem Mann im weissen Jäckchen und den beiden Jugendlichen in Angst und 
Schrecken versetzt. Er weinte während der Zugfahrt, war danach völlig aufgelöst und 
konnte in der Folge einige Tage nicht gut schlafen. Zudem hatte er einige Zeit lang 
Angst, alleine Zug zu fahren. Der objektive Tatbestand der Drohung nach Art. 180 
Abs. 1 StGB ist offensichtlich erfüllt. 

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte zumindest eventualvorsätzlich, zu-
mal er in Kauf nahm, mit seinem Auftreten und seiner drohenden Äusserung den 12-
jährigen C.________ in Angst und Schrecken zu versetzen. Der objektive und sub-
jektive Tatbestand der Drohung ist somit erfüllt. Rechtfertigungs- oder Schuldaus-
schliessungsgründe sind keine ersichtlich, weshalb der Beschuldigte in Anwendung 
von Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig zu erklären ist. 

IV. Strafzumessung

12. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung

Betreffend die allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung wird auf die zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 352 ff., S. 27 ff. erstinstanzliche 
Urteilsbegründung). 

13. Konkrete Strafzumessung für die mengenmässig qualifizierte Widerhandlung 
gegen das Betäubungsmittelgesetz

13.1 Strafrahmen

Mengenmässig qualifizierter Betäubungsmittelhandel gemäss Art. 19 Abs. 2 
Bst. a BetmG wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft. Die Höchst-
dauer der Freiheitsstrafe beträgt 20 Jahre (Art. 40 Abs. 2 StGB), es handelt sich 
mithin um ein Verbrechen. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, sind keine ausser-
gewöhnlichen Umstände ersichtlich, aufgrund derer der ordentliche Strafrahmen zu 
verlassen wäre (pag. 354, S. 29 erstinstanzliche Urteilsbegründung). 

13.2 Tatkomponenten

13.2.1 Objektive Tatschwere

Unter dem Titel Ausmass des verschuldeten Erfolgs bzw. Schwere der Verletzung 
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts gilt es zu berücksichtigen, dass das 
Betäubungsmittelstrafrecht dem Schutz der Volksgesundheit dient (BGE 122 IV 211 
E. 4). Als Anhaltspunkt für das Gefährdungspotenzial ist zunächst von der umge-
setzten Drogenmenge auszugehen. Der Beschuldigte hat während ungefähr fünf 
Monaten unter verschiedenen Malen (ca. 28 Geschäfte) insgesamt 114 g Kokainge-
misch bzw. 79.8 g reines Kokain-Hydrochlorid an E.________ veräussert. Er hat so-
mit eine relativ grosse Menge Betäubungsmittel umgesetzt und mehr als vier Mal 

29

den schweren Fall erfüllt (vgl. die Erwägungen unter III.10.2  Subsumtion hiervor). 
Auf Grund des Doppelverwertungsverbots darf die Drogenmenge zwar nicht noch 
einmal straferhöhend berücksichtigt werden, soweit sie schon zur Anwendung des 
mengenmässig qualifizierten Falls gemäss Art. 19 Abs. 2 Bst. a BetmG führt. Umge-
kehrt muss aber innerhalb des qualifizierten Strafrahmens berücksichtigt werden, in 
welchem Ausmass die Grenze zur mengenmässig qualifizierten Widerhandlung 
überschritten worden ist. Die Vorinstanz hat zur Bemessung des Ausmasses des 
verschuldeten Erfolges auf die Strafmasstabelle FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER ab-
gestellt (pag. 355 f., S. 30 f. erstinstanzliche Urteilsbegründung), was nicht zu bean-
standen ist. Ausgehend von einer umgesetzten Kokainmenge von 79.8 g reinem 
Kokain-Hydrochlorid ist von einer Strafe von rund 20 Monaten auszugehen. 

Zur Art und Weise der Herbeiführung der Rechtsgutverletzung bzw. der Verwerflich-
keit des Handelns hält die Kammer fest, dass der grösste Teil des vom Beschuldigten 
veräusserten Kokaingemisches, nämlich 100 g, auf ein einziges Geschäft zurückzu-
führen ist, wobei dieses Kokain für weitere (End-)Abnehmer bestimmt war. Die rest-
liche Menge von 14 g Kokaingemisch hat er aber in einer Vielzahl von Geschäften 
(ca. 28 Treffen mit E.________) umgesetzt, was verschuldenserhöhend zu berück-
sichtigen ist. Auch in Bezug auf diese Menge hatte er mit E.________ jedoch nur 
einen Abnehmer, was wiederum zu seinen Gunsten ins Gewicht fällt, bzw. die Viel-
zahl der Einzelgeschäfte, wie die Vorinstanz zu Recht ausführte (vgl. pag. 356, S. 31 
erstinstanzliche Urteilsbegründung), wiederum etwas relativiert.

In einem ersten Zwischenfazit hält die Kammer fest, dass sich unter dem Titel der 
objektiven Tatkomponenten die verschuldenserhöhenden und verschuldensmin-
dernden Faktoren insgesamt die Waage halten. Die Kammer gewichtet das objektive 
Tatverschulden angesichts des weiten Strafrahmens von bis zu 20 Jahren Freiheits-
strafe noch als leicht und veranschlagt dafür eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

13.2.2 Subjektive Tatschwere

Betreffend Willensrichtung und Beweggründe hält die Kammer fest, dass der Be-
schuldigte direktvorsätzlich und aus finanziellen, mithin egoistischen Beweggründen 
handelte. Dies ist allerdings tatbestandsimmanent, wirkt sich deshalb neutral aus.

13.2.3 Fakultative Strafminderungsgründe

Die Vorinstanz gewährte dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 19 Abs. 3 Bst. b 
BetmG einen Abzug von einem Drittel bzw. 5 Monaten (pag. 356 f., S. 31 f. erstin-
stanzliche Urteilsbegründung). Art. 19 Abs. 3 Bst. b BetmG sieht vor, dass das Ge-
richt die Strafe nach freiem Ermessen mildern kann, wenn der Täter von Betäu-
bungsmitteln abhängig ist und die Widerhandlung nach Art. 19 Abs. 2 BetmG zur 
Finanzierung des eigenen Betäubungsmittelkonsums hätte dienen sollen. Wie die 
Vorinstanz korrekt ausgeführte (vgl. pag. 356, S. 31 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung), reicht ein bloss schädlicher Gebrauch zur Anwendung des fraglichen Ar-
tikels nicht aus. Wer in den Genuss der Strafmilderung kommen soll, muss selbst 
von Betäubungsmitteln abhängig sein und nicht nur gelegentlich solche auch selbst 
konsumieren (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N. 247 zu Art. 19 BetmG mit 
Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_27/2013 vom 5. März 2013 
E. 2.2).

30

Dem forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. W.________ vom 27. Dezember 
2013 ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte zum Begutachtungszeitpunkt nicht 
unter einem Abhängigkeitssyndrom, jedoch unter schädlichem Konsum von Canna-
bis und Kokain litt (pag 1498). Dasselbe geht aus dem forensisch-psychiatrischen 
Gutachten vom 17. Dezember 2012 von Dr. R.________ hervor (pag. 11). Seit dem 
Jahr 2006 ergingen gegen den Beschuldigten zudem mehrere Verurteilungen wegen 
Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Übertretungen). Schliesslich 
ist unbestritten, dass der Beschuldigte ab dem 1. Dezember 2018 regelmässig Ma-
rihuana und Heroin sowie gelegentlich Kokain konsumierte (rechtskräftige Verurtei-
lung betreffend Ziff. I.1.2. der Anklageschrift). Er gab diesbezüglich an, er sei von 
Mai 2018 bis 12. Juni 2019 süchtig gewesen und habe danach einen kalten Entzug 
gemacht (Anm.: der Beschuldigte befand sich ab dem 12. Juni 2019 in Haft; pag. 
113 Z. 181). Diese Ausführungen sowie die Tatsache, dass der Beschuldigte von 
April 2020 bis Mitte Dezember 2021 im Ambulatorium der Stiftung für Suchthilfe 
CONTACT Substitutionsmedikamente erhielt (vgl. die Schreiben der Stiftung für 
Suchthilfe CONTACT vom 24. September 2020 [pag. 219] und vom 24. März 2022 
[pag. 398]), sprechen zwar für die Annahme einer Suchtproblematik. Der Beschul-
digte selber gab zudem an, Kokain veräussert zu haben, um den eigenen Betäu-
bungsmittelkonsum zu finanzieren (pag. 110 Z. 47 ff.). Die hiervor zitierten Gutach-
ten sind jedoch bereits sehr alt und äussern sich überdies nicht zu einer Abhängigkeit 
bzw. einer verminderten Schuldfähigkeit. Im vorliegenden Strafverfahren wurde der 
Beschuldigte nicht begutachtet und auch sonst liegen keine Indizien vor, welche ak-
tuell auf eine Drogenabhängigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 3 Bst. b BetmG hindeu-
ten würden. Nach Auffassung der Kammer ist Art. 19 Abs. 3 Bst. b BetmG infolge-
dessen entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen nicht anwendbar. Vielmehr ist 
dem ausgeprägten Suchtmittelkonsum des Beschuldigten im Rahmen von Art. 47 
StGB strafmindernd Rechnung zu tragen. Konkret erachtet die Kammer eine Strafre-
duktion von 20% bzw. um 5 Monate als angemessen.

Auch nach Berücksichtigung der subjektiven Tatkomponenten ist das Tatverschul-
den somit im leichten Bereich anzusiedeln. Für das gesamte Tatverschulden er-
scheint eine Strafe von 15 Monaten verschuldensangemessen.

14. Konkrete Strafzumessung für die Drohung

14.1 Strafrahmen

Für eine Drohung i.S.v. Art. 180 Abs. 1 StGB sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe 
von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.

14.2 Tatkomponenten

14.2.1 Objektive Tatschwere

Es kann hierbei vorab auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (pag. 357, S. 32 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Der vorliegende Fall 
ist grundsätzlich vergleichbar mit dem Referenzsachverhalt in den Richtlinien für die 
Strafzumessung des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwäl-
tinnen und Staatsanwälte vom 8. Dezember 2006 (Stand per 1. Januar 2021; nach-
folgend: VBRS-Richtlinien). Die Drohung löste beim 12-jährigen C.________ grosse 

31

Angst aus und dieser traute sich danach eine Zeit lang nicht mehr, alleine Zug zu 
fahren. Die Kammer erachtet das objektive Tatverschulden mit der Vorinstanz als 
gerade noch leicht. Aufgrund des jugendlichen Alters des Opfers leicht von der durch 
die VBRS-Richtlinien vorgeschlagenen Referenzstrafe abweichend, veranschlagt 
die Kammer für das objektive Tatverschulden 70 Strafeinheiten. 

14.2.2 Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte zumindest eventualvorsätzlich, was sich leicht bzw. im 
Umfang von 10 Strafeinheiten strafmindernd auswirkt. Die Beweggründe und das 
Tatmotiv des Beschuldigten sind unklar, dies ist neutral zu gewichten. Nach Berück-
sichtigung der sich insgesamt leicht strafmindernd auswirkenden subjektiven Tat-
komponenten resultiert eine Strafe von 60 Strafeinheiten. 

14.3 Verminderte Schuldfähigkeit

Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen, welche dem Beschuldigten wegen der 
Drogensucht eine leicht verminderte Schuldfähigkeit attestieren und eine Reduktion 
von 15 auf 45 Strafeinheiten vornehmen (vgl. pag. 357, S. 32 erstinstanzliche Ur-
teilsbegründung), sind für die Kammer in Bezug auf die Drohung keine Anzeichen 
für eine verminderte Schuldfähigkeit ersichtlich. Bei isolierter Betrachtung der Dro-
hung würde die Kammer somit eine Strafe von 60 Strafeinheiten als schuldangemes-
sen erachten.

14.4 Strafart und asperierte Tatkomponentenstrafe

An dieser Stelle ist zu prüfen, ob für den Schuldspruch wegen Drohung eine Gelds-
trafe oder eine Freiheitsstrafe auszufällen ist. Die Vorinstanz hat nach Auffassung 
der Kammer zu Recht auf eine Freiheitsstrafe erkannt, es kann vorab auf die ent-
sprechenden Erwägungen verwiesen werden (vgl. pag. 355, S. 30 erstinstanzliche 
Urteilsbegründung und pag. 358, S. 33 erstinstanzliche Urteilsbegründung). Die ein-
schlägigen Vorstrafen des Beschuldigten (siehe Strafregisterauszug vom 
12. April 2022 [pag. 404 ff.]: Urteile vom 21. Dezember 2006, vom 4. Juni 2009, vom 
5. Juni 2009 [siehe gelöschte Strafregistereinträge auf pag. 228 f.] und vom 
29. Juni 2012), die Tatsache, dass eine Geldstrafe voraussichtlich nicht einbringlich 
wäre (siehe Akten Strafvollzug [pag. 1575], wonach 164 Tage Ersatzfreiheitsstrafe 
aus Bussenumwandlungen ausgesprochen wurden) und der Präventivgedanke 
führen in Anwendung von Art. 41 Abs. 1 StGB auch für den Schuldspruch wegen 
Drohung zur Ausfällung einer Freiheitsstrafe. 

Somit ist zufolge gleicher Strafart für die Schuldsprüche wegen mengenmässig qua-
lifizierter Betäubungsmittelwiderhandlung und wegen Drohung in Anwendung des 
Asperationsprinzips nach Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtfreiheitsstrafe zu bilden. 
Konkret bildet die hiervor für die mengenmässig qualifizierte Widerhandlung gegen 
das Betäubungsmittelgesetz ausgefällte Freiheitsstrafe von 15 Monaten die Einsatz-
strafe. Diese ist in der Folge um die für den Schuldspruch wegen Drohung ausge-
fällte Strafe von 60 Strafeinheiten, angemessen, konkret um 45 Strafeinheiten, zu 
erhöhen. Es resultiert eine Gesamtfreiheitsstrafe von 16.5 Monaten (450 Strafeinhei-
ten + 45 Strafeinheiten = 495 Strafeinheiten). 

32

15. Täterkomponenten

15.1 Vorleben, Vorstrafen und persönliche Verhältnisse

Die Vorinstanz hat die sich aus den Akten ergebenden und neutral zu gewichtenden 
persönlichen Verhältnisse richtig zusammengefasst und wiedergegeben. Auf diese 
Ausführungen wird verwiesen (pag. 358, S. 33 erstinstanzliche Urteilsbegründung). 
Ergänzend dazu hält die Kammer fest, dass der Beschuldigte von April 2020 bis am 
12. Dezember 2021 in ambulanter Substitutionstherapie bei der Stiftung für Sucht-
hilfe CONTACT war. Die Substitutionsbehandlung wurde infolge Kontaktabbruchs 
des Beschuldigten per 28. Februar 2022 abgemeldet (Schreiben der Stiftung für 
Suchthilfe CONTACT vom 24. September 2020 [pag. 219] und vom 24. März 2022 
[pag. 398]). Im oberinstanzlich eingeholten aktuellen Strafregisterauszug vom 
12. April 2022 (pag. 404 ff.) sind zudem in der Zeit vom 21. Dezember 2006 bis zum 
21.Oktober 2021 elf Vorstrafen verzeichnet. Darunter finden sich auch zahlreiche 
einschlägige Vorstrafen wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelge-
setz (Urteile vom 4. Juni 2009, vom 29. Juni 2