# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ff82ccf2-61e9-5f93-a41d-dade7af98521
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-03-25
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 25.03.2010 SK 2009 348
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2009-348_2010-03-25.pdf

## Full Text

SK-Nr. 2009 348

Urteil der 1. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern,
unter Mitwirkung von Obergerichtssuppleant Kiener (Präsident i.V.), Oberrichter Zihlmann und 

Oberrichter Stucki sowie Kammerschreiberin Jungo

vom 21. Januar 2010

in der Strafsache gegen

A. 
vertreten durch Fürsprecher X.

Angeschuldigter/Appellant

wegen SVG-Widerhandlung

Regeste:
Das Rechtsüberholen ist auch bei reduzierter Geschwindigkeit in der Regel objektiv als gro-

be Verkehrsregelverletzung zu qualifizieren. 

Redaktionelle Vorbemerkungen:
Die Vorinstanz sprach den Angeschuldigten schuldig der groben Verkehrsregelverletzung, 

begangen durch Rechtsüberholen auf der Autobahn, und verurteilte ihn zu einer bedingten 

Geldstrafe von 7 Tagessätzen à Fr. 110.00 sowie einer Verbindungsbusse von Fr. 330.00. 

Dagegen erklärte der Angeschuldigte die Appellation. Die Kammer bestätigte das erstin-

stanzliche Urteil.

Auszug aus den Erwägungen:

(...)

IV. RECHTLICHE WÜRDIGUNG

(...)

2. Einfache oder schwere Verkehrsregelverletzung?

2

Zum objektiven Tatbestand hielt die Vorinstanz Folgendes fest (Motiv S. 5 f. = pag. 84 

f.):

Damit hat der Angeschuldigte gegen das Verbot des Rechtüberholens verstossen. Die 

Straffolge regelt Art. 90 SVG. Dabei unterschieden werden einfache (Art. 90 Ziff. 1 SVG) 

und grobe (Art. 90 Ziff. 2 SVG) Verkehrsregelverletzungen. Nach Art. 90 Ziff. 2 SVG wird 

bestraft, wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die 

Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Der Tatbestand ist nach der Recht-

sprechung dann objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in ob-

jektiver Weise missachtet und dabei die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet (Urteil 

6B_109/2008 des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008). Rechtsüberholen stellt regelmäs-

sig eine rücksichtslose, verwegene Fahrweise mit hohem Gefährdungspotential dar und 

ist seit jeher zumindest in der Regel objektiv eine grobe Verkehrsregelverletzung (vgl. 

z.B. BGE 95 IV 91 f.; 105 IV 135 f. und dazu BGE 106 IV 389, 126 IV 196 f.). „Wer auf 

der Autobahn fährt, muss sich darauf verlassen können, dass er nicht plötzlich rechts 

überholt wird“, „das Rechtsüberholen auf der Autobahn, wo hohe Geschwindigkeiten ge-

fahren werden, stellt eine erhöht abstrakte Gefährdung anderer Verkehrteilnehmer dar“ 

(BGE 126 IV 197). An dieser grundsätzlichen Feststellung ändert nichts, dass in diesem 

letztgenannten BGE 126 IV 192 ff. der fragliche Lenker auf der Autobahn im Feier-

abend- und Kolonnenverkehr mit reduzierter Geschwindigkeit durch Ausschwenken und 

Wiedereinbiegen in einem Zuge zwei Fahrzeuge rechts überholt hatte. Gemäss Urteil 

des Bundesgerichtes vom 6B_343/2008 vom 15.07.2008 ist das Rechtsüberholen auch 

dann als grobe Verkehrsverletzung zu qualifizieren, wenn es mit geringer Differenzge-

schwindigkeit geschieht. Da der Angeschuldigte den Lastwagen von E. auf der Auto-

bahn rechts überholt hat, ist der objektive Tatbestand der groben Verkehrsregelverlet-

zung erfüllt. 

Diesen zutreffenden Erwägungen kann sich die Kammer anschliessen. Daran ändert 

auch die reduzierte Geschwindigkeit von 11-30 km/h nichts. Wie im zitierten BGE 126 IV 

192 war auch hier die reduzierte Geschwindigkeit der Fahrzeuge auf äussere Umstände 

(Spurreduktion bei Baustelle) zurückzuführen, die von allen Verkehrsteilnehmern eine 

erhöhte Disziplin, Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme erforderte. Dies würde im vor-

liegenden Fall umso mehr gelten, wenn tatsächlich auf der Normalspur – wie der Ange-

schuldigte geltend macht – Fahrzeuge mit einer wesentlich höheren Geschwindigkeit 

zirkuliert hätten. Das Verbot des Rechtsüberholens stellt eine objektiv wichtige Vorschrift 

dar, deren Missachtung eine erhebliche Gefährdung der Verkehrssicherheit mit beträcht-

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licher Unfallgefahr nach sich zieht und daher objektiv schwer wiegt (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_343/2008 vom 15. Juli 2008). Wer in dieser Situation wie der Angeschuldig-

te eine solche fundamentale Vorschrift verletzt, schafft eine Gefahr für die Sicherheit 

anderer. Diese Gefährdung verwirklichte sich denn auch tatsächlich, wenn auch glückli-

cherweise mit glimpflichen Folgen. In einem anderen Szenario hätte bei der Kollision – 

gerade in den engen Verhältnissen bei der Baustelle – durchaus ein beteiligtes Fahr-

zeug quergestellt werden können – mit unabsehbaren Folgen für die nachfolgenden 

Verkehrsteilnehmer. 

In diesem Sinne hat der Angeschuldigte durch sein ungewöhnliches und verbotenes 

Verhalten die Kollision mitverursacht. Es scheint völlig plausibel, wenn der Zeuge E. 

ausführte, er sei vom Verhalten des Angeschuldigten überrascht worden und habe nicht 

damit gerechnet (vgl. pag. 59 Z. 27). Genau aus diesem Grund ist das Rechtsüberholen 

nur in engen Grenzen gestattet.

Der Tatbestand der schweren Verkehrsregelverletzung ist damit objektiv erfüllt (so auch 

die a.o. Prokuratorin, schriftlicher Parteivortrag, S. 4 f.; pag. 106 f.).  

(...)