# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bbe88480-2d31-5640-b7da-10322c026cb0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-185/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-185-2012_2012-01-16.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­185/2012

U r t e i l   v om     1 6 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 
mit Zustimmung von Richter Walter Lang, 
Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe.

Parteien A._______, geboren am (…),
Eritrea, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 7. November 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer mit in englischer Sprache verfasster Eingabe 
vom 20. Januar 2011 bei der Schweizer Vertretung  in Khartum  (Sudan) 
um Asyl in der Schweiz und um Bewilligung der Einreise ersuchte,  

dass  er  zur  Begründung  des  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend 
machte, er habe sein Heimatland Eritrea verlassen, um der Gefahr einer 
Inhaftierung  zu entgehen,  und habe  sich  in  den Sudan begeben, wo er 
aber mangels  Arbeitsmöglichkeiten  nicht  bleiben  könne,  weshalb  er  die 
Schweiz um Hilfe ersuche,

dass ihm das BFM mit Schreiben vom 6. Juni 2011 mitteilte, dass er von 
der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum mangels  Kapazitäten  nicht  befragt 
werden  könne,  weshalb  der  weitere  Sachverhalt  mittels  Fragebogen 
erhoben  werde,  der  ihm  gleichzeitig  zugestellt  werde,  womit  er  innert 
angesetzter  Frist  Gelegenheit  erhalte,  sich  zu  den  darin  befindenden, 
konkreten  Fragen  und  zu  einem  allfälligen  negativen  Entscheid  zu 
äussern,  

dass der Beschwerdeführer mit in englischer Sprache verfasster Eingabe 
vom  5.  Juli  2011  zu  den  Fragen  Stellung  nahm,  wobei  er  eine  Kopie 
seines  angeblichen  (in  arabischer  Sprache  verfassten) 
Flüchtlingsausweises beilegte, 

dass  er  dabei  ergänzend  angab,  dass  er  im  Juli  2010  aus  Eritrea 
geflohen  sei  und  sich  vom  26.  August  bis  15.  Dezember  2010  im 
Flüchtlingslager Shegerab (Sudan) aufgehalten habe, 

dass  es  indessen  im  Sudan  keine  Sicherheit  für  ihn  gebe;  er  sei  vor 
sechs Monaten von drei Sudanesen angegriffen und seines Mobiltelefons 
beraubt worden,

dass der Hauptgrund, warum er nicht im Sudan bleiben könne, indessen 
religiöser  Natur  sei,  da  er  als  Christ  in  diesem  "andersgläubigen"  Land 
seine Religion nicht richtig ausüben könne,  

dass das BFM mit Verfügung vom 7. November 2011 – eröffnet am 24. 
November  2011  –  die  Einreise  des  Beschwerdeführers  in  die  Schweiz 
verweigerte und das Asylgesuch ablehnte,

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dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, es bestehe die 
Regelvermutung,  dass  Asylsuchende,  die  sich  in  einem  Drittstaat 
befinden würden, dort bereits Schutz gefunden hätten, 

dass  im  Wissen  darum,  dass  das  UNHCR  alle  Eritreer,  die  im  Sudan 
Zuflucht  suchten,  ungeachtet  ihrer  Fluchtgründe,  registriere  und  einem 
Flüchtlingslager  zuweise,  sowie  zusammen  mit  den  sudanesischen 
Behörden  für  die  Grundversorgung  besorgt  sei,  der  Verbleib  für 
Schutzsuchende  dort  als  zumutbar  erachtet  werde,  auch  wenn  nicht 
verkannt werde, dass die Lage vor Ort nicht einfach sei, 

dass keine unmittelbare Gefährdung vorliege und der Beschwerdeführer 
sich  zurück  in  das  Flüchtlingslager  begeben  könne,  weshalb  er  den 
subsidiären  Schutz  gemäss  Art.  52  Abs.  2  AsylG  in  der  Schweiz  nicht 
benötige, und die Einreise in die Schweiz nicht als notwendig erscheine, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  23.  Dezember  2011 
(Eingang  Bundesverwaltungsgericht  12.  Januar  2012)  gegen  diesen 
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei 
sinngemäss beantragte, es sei ihm die Einreise in die Schweiz und  Asyl 
zu gewähren, 

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 
[BGG, SR 173.110]),

dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,

dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und 
Art. 6 AsylG),

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dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass die Beschwerde nicht  in einer Amtssprache des Bundes abgefasst 
ist,  auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Übersetzung  jedoch  aus 
prozessökonomischen  Gründen  verzichtet  werden  kann,  da  die 
englischsprachige  Beschwerdeeingabe  verständlich  ist,  so  dass  ohne 
weiteres darüber befunden werden kann,

dass  der  vorliegende  Entscheid  indessen  in  deutscher  Sprache  ergeht 
(Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  –  bis  auf  den  sprachlichen  Mangel 
–formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2 
AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 
111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass vorliegend die Anforderungen von Art. 10 Abs. 1 AsylV 1 als erfüllt 
erachtet werden, wonach die  schweizerische Vertretung  im Ausland mit 
der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt, davon 
hingegen  abgewichen  werden  kann,  wenn  eine  Anhörung  faktisch,  aus 
organisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen unmöglich ist, 

dass  in  diesem  Fall  die  asylsuchende  Person  mittels  eines 
individualisierten  und  konkretisierten  Schreibens  aufgefordert  werden 

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muss,  ihre  Gründe  für  das  Asylgesuch  schriftlich  einzureichen,  was 
vorliegend geschah, 

dass  gemäss  Art.  18  AsylG  jede  Äusserung,  mit  der  eine  Person  zu 
erkennen  gibt,  dass  sie  die  Schweiz  um  Schutz  vor  Verfolgung 
nachsucht, als Asylgesuch zu gelten hat, 

dass  aufgrund  der  Aktenlage  davon  ausgegangen  werden  muss,  der 
Beschwerdeführer  habe  um  Beurteilung  seiner  Verfolgungssituation  in 
Eritrea und des mangelnden Schutzes im Sudan ersucht,

dass  das  BFM  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen  kann, 
wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann 
oder  ihr  die Aufnahme  in  einem Drittstaat  zugemutet werden  kann  (vgl. 
Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG),

dass gemäss Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG die Einreise  in die Schweiz zu 
bewilligen  ist,  wenn  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  aus  einem Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  glaubhaft  gemacht 
wird oder wenn es dem Asylsuchenden nicht zuzumuten ist, für die Dauer 
der Sachverhaltsabklärung im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben 
oder in ein anderes Land zu reisen,

dass  ein  Verbleib  namentlich  dann  unzumutbar  ist,  wenn  die 
asylsuchende  Person  schutzbedürftig  ist,  d.h.  wenn  sie  in  ihrem 
Heimatstaat oder im Land in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, 
Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe 
oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen 
ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt 
zu werden,

dass als ernsthafte Nachteile namentlich die Gefährdung von Leib, Leben 
oder Freiheit  sowie Massnahmen,  die  einen unerträglichen psychischen 
Druck bewirken, gelten (Art. 3 AsylG),

dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  –  ohne  auf  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich seiner Verfolgung in Eritrea 
näher einzugehen – festhielt, die Ausführungen im Asylgesuch und in der 
Stellungnahme vom 6. Juli 2011 liessen darauf schliessen, dass die (vom 
Beschwerdeführer  geschilderten)  Schwierigkeiten  in  Eritrea 
asylbeachtlich  seien,   womit  die Vorinstanz  implizit  vom Vorliegen einer 
Gefährdung  des  Beschwerdeführers  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  im 

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Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea  in den Sudan ausging, ansonsten sie 
nicht zur Prüfung des Art. 52 Abs. 2 AsylG geschritten wäre,

dass sie bei dieser Prüfung des Asylausschlussgrundes von Art 52 Abs. 2 
AsylG jedoch die Zumutbarkeit des Verbleibs des Beschwerdeführers im 
Sudan bejahte, 

dass  sich  das  Bundesgericht  dieser  Einschätzung  vollumfänglich 
anschliesst, 

dass  nämlich,  hält  sich  die  asylsuchende  Person  wie  im  vorliegenden 
Verfahren in einem Drittstaat auf,  im Sinne einer Regelvermutung davon 
auszugehen ist, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits 
Schutz  vor Verfolgung gefunden oder  könne  ihn dort erlangen, weshalb 
auch  anzunehmen  ist,  es  sei  ihr  zuzumuten,  dort  zu  verbleiben 
beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen, 

dass  sich  diese  Vermutung  zwar  sowohl  in  Bezug  auf  die 
Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 
176  f.)  wie  auch  auf  die  Zumutbarkeit  der  Inanspruchnahme  des 
Schutzes  im Drittstaat als unzutreffend erweisen kann, und die Kriterien 
zu  prüfen  sind,  welche  die  Zufluchtnahme  in  diesem  Drittstaat  als 
zumutbar  erscheinen  lassen,  wobei  diese  mit  einer  allfälligen 
Beziehungsnähe  zur  Schweiz  abzuwägen  sind  (vgl. BVGE  2011/10  E. 
5.1, mit weiteren Hinweisen),

dass  vorliegend  keine  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  besteht,  weshalb 
keine Abwägung im obigen Sinne stattzufinden hat,  

dass die vom Beschwerdeführer genannten Gründe, weshalb er nicht im 
Sudan verbleiben könne  (Religionsfreiheit, Sicherheit und wirtschaftliche 
Unabhängigkeit) nicht als  im Sinne von Art. 3 AsylG   asylrelevant gelten 
können, und  im Einklang mit dem BFM von der Schutzfähigkeit Sudans 
auszugehen  ist,  zumal  der  Beschwerdeführer  gemäss  seinen  Angaben 
bereits  im Besitz eines Flüchtlingsausweises  ist, welcher  ihm zumindest 
Schutz vor einer Rückführung in seinen Heimatstaat gewährt, 

dass  die  Gefahr  einer  Deportation  des  Beschwerdeführers  im 
vorliegenden Fall eh als sehr gering einzuschätzen ist, da diese erst auf 
Beschwerdeebene  geltend  gemacht  wird,  weshalb  sie  als 
nachgeschoben erachtet werden kann, 

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dass es  dem Beschwerdeführer  –  sollte  er  sich  in Khartum nicht  sicher 
fühlen  –  frei  steht,  in  das  Flüchtlingslager  zurückzukehren,  wo  er  sich 
gemäss seinen Angaben registrieren liess,

dass wirtschaftliche Faktoren weder die Einreise in die Schweiz noch die 
Gewährung von Asyl begründen können, 

dass  zusammenfassend  feststeht,  dass  es  dem  Beschwerdeführer 
zuzumuten ist, weiterhin im Sudan zu leben und den ihm dort gewährten 
Schutz als Flüchtling zu beanspruchen,

dass  nach  dem  Gesagten  weder  die  Voraussetzungen  für  eine 
Asylgewährung  noch  für  eine  Einreisebewilligung  nach  Art.  20  AsylG 
erfüllt sind,

dass  die  Vorinstanz  demnach  das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  zu 
Recht abgewiesen hat, 

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  wären  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  aus 
verwaltungsökonomischen  Gründen  indessen  darauf  zu  verzichten  ist 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 6 Bst. b VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Es werden kein Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
Schweizerische Vertretung in Khartum.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe

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