# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9488b635-c419-5fbd-a4eb-35a5bdd3b86e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.01.2024 F-5128/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5128-2023_2024-01-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5128/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Gregor Chatton, 

mit Zustimmung von Richter Yannick Antoniazza-Hafner;   

Gerichtsschreiber Matiu Dermont. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, 

2. B._______, 

beide vertreten durch MLaw Ruedy Bollack, 

BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel, 

(…),  

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone; Verfügung 

vom 22. August 2023. 

 

 

 

F-5128/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die ukrainischen Beschwerdeführenden A._______ (geboren 1934) und 

dessen Ehefrau B._______ (geboren 1940) ersuchten zusammen mit ihrer 

Tochter C._______ (geboren 1970) am 26. Juli 2022 im Bundesasylzent-

rum Basel um vorübergehenden Schutz (Schutzstatus S). Am 30. Juli 2022 

reichten sie ein Gesuch um Kantonswechsel ein, um dem gleichen Kanton 

– nämlich Basel-Stadt – zugeteilt zu werden, in welchem der Lebens-

partner der Tochter wohnhaft ist. Mit Verfügung vom 10. August 2022 ge-

währte die Vorinstanz der Familie einen vorübergehenden Schutzstatus, 

wies diese aber dem Kanton Aargau zu. Mit Verfügung vom 25. August 

2022 hiess die Vorinstanz das Kantonswechselgesuch der Tochter gut. Mit 

Verfügung vom 22. September 2022 verweigerte die Vor- 

instanz hingegen das Kantonswechselgesuch der Beschwerdeführenden. 

B.  

Daraufhin reichten die Beschwerdeführenden am 9. Mai 2023 abermals ein 

Gesuch um Kantonswechsel ein, welches die Vorinstanz mit Verfügung 

vom 22. August 2023 wiederum ablehnte. 

C.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 22. September 2023 (Poststempel) erhoben 

die Beschwerdeführenden dagegen Beschwerde vor dem Bundesverwal-

tungsgericht und beantragten die Aufhebung der Verfügung, die Bewilli-

gung des Kantonswechselgesuchs, eventualiter eine Rückweisung der Sa-

che an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. Zur Begründung wiesen sie auf 

ihre im Kanton Basel-Stadt wohnhafte Tochter sowie dessen Lebens-

partner hin, die sie unter anderem medizinisch unterstützen würden. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. November 2023 gab das Bundesverwal-

tungsgericht der Vorinstanz Gelegenheit zur Stellungnahme, die sich aber 

innert der ihr anberaumten Frist nicht vernehmen liess. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG).   

F-5128/2023 

Seite 3 

1.2 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-

gericht zur Beurteilung von Beschwerden, die ein Gesuch um Bewilligung 

eines Kantonswechsels von Schutzbedürftigen zum Gegenstand haben, 

zuständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Die Beschwerdeführenden sind zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht ein-

gereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Entscheide über die Zuweisung von asylsuchenden Personen an einen 

Kanton können gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG – letzterer geht als spezielle 

Bestimmung der allgemeinen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vor (Art. 106 

Abs. 2 AsylG) – nur mit der Begründung angefochten werden, sie verletz-

ten den Grundsatz der Einheit der Familie. Gemäss Art. 72 AsylG sind 

diese Bestimmungen wie vorliegend auch für Personen mit Schutzstatus S 

anwendbar (vgl. Art. 4 und 68 AsylG). Da die Beschwerdeführenden zwi-

schen ihnen und ihrer in einem anderen Kanton lebenden Tochter ein Ab-

hängigkeitsverhältnis geltend machen, ist dieser Rügegrund erfüllt. Auf die 

Beschwerde ist diesen Ausführungen entsprechend einzutreten. 

2.  

Die Beschwerde erweist sich indes als offensichtlich begründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG) mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

3.  

3.1 Das SEM weist die Schutzbedürftigen den Kantonen zu. Es trägt dabei 

den schützenswerten Interessen der Kantone und der schutzbedürftigen 

Personen Rechnung (Art. 27 Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 72 AsylG). Ein Kan-

tonswechsel wird bei Zustimmung beider Kantone, bei Anspruch auf Ein-

heit der Familie oder bei schwerwiegenden Gefährdungen von Personen-

verfügt (Art. 22 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 

1, SR 142.311] i.V.m. Art. 44 AsylV 1). 

 

3.2 Der Begriff der «Einheit der Familie» gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG wird 

im Asylgesetz einheitlich verwendet und entspricht dem Schutzbereich von 

Art. 8 EMRK (BVGE 2008/47 E. 4.1). Er umfasst demnach die Kernfamilie, 

d.h. Ehegatten, eingetragene Partnerinnen und Partner, in dauernder 

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eheähnlicher Gemeinschaft zusammenlebende Personen sowie deren 

minderjährige Kinder (vgl. Art. 1a Bst. e AsylV 1). Andere familiäre Bezie-

hungen stehen nur in besonderen Fällen unter dem Schutz dieser Garan-

tie. Ist die Beziehung zwischen Eltern und ihren volljährigen Kindern oder 

zwischen erwachsenen Geschwistern betroffen, muss ein Abhängigkeits-

verhältnis dargetan werden, das über die normalen familiären Bindungen 

hinausgeht (BGE 147 I 268 E. 1.2.3; 144 II 1 E. 6.1). 

3.3 Besondere Elemente der Abhängigkeit können sich unabhängig vom 

Alter, namentlich aus besonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen 

wie bei körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden 

Krankheiten ergeben (vgl. BGE 147 I 268 E. 1.2.3; 145 I 227 E. 3.1; 120 Ib 

257 E. 1e; Urteil des BGer 2C_339/2019 vom 14. November 2019 E. 3.4; 

Urteil des EGMR Belli und Arquier-Martinez gegen Schweiz vom 11. De-

zember 2018, 65550/13, § 65). Die betroffene Person muss für die Bewäl-

tigung des täglichen Lebens auf fremde Hilfe angewiesen sein, die sinn-

vollerweise nur von einem nahen Angehörigen geleistet werden kann. Eine 

lediglich moralische Unterstützung genügt nicht, um ein Abhängigkeitsver-

hältnis im Sinne der Rechtsprechung zu begründen (Urteile des BGer 

2C_339/2019 E. 3.5; BVGE 2008/47 E. 4.1.1 f.; Urteil des EGMR I.M. ge-

gen Schweiz vom 9. April 2019, 23887/16, § 62). Das besondere Abhän-

gigkeitsverhältnis muss gewachsen sein und im Zeitpunkt der Geltendma-

chung des Anspruchs fortbestehen (Urteile des BGer 2C_396/2021 vom 

27. Mai 2021 E. 3.2; 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.2). 

3.4 Mit Rundschreiben vom 22. April 2022, Schutzstatus S: Aktuelle Infor-

mationen zu Kantonszuweisung und Kantonswechsel (nachfolgend: Rund-

schreiben) erweiterte die Vorinstanz spezifisch für Personen mit dem 

Schutzstatus S den Kreis der Familie, dem ein Anspruch auf Kantonszu-

weisung respektive Kantonswechsel zukommt. So entschied die Vor- 

instanz, fortan bei Personen mit Schutzstatus S entsprechende Gesuche 

auch zur Vereinigung der erweiterten Kernfamilie zu bewilligen. Unter der 

erweiterten Kernfamilie fallen gemäss dem Rundschreiben: Ehepartner, El-

tern und deren minderjährige Kinder; Eltern und deren volljährige Kinder, 

sofern sich diese ohne eigene Familie in der Schweiz aufhalten; sowie 

Grosseltern (vgl. Rundschreiben, S. 3). 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführenden bringen in Ihrer Beschwerdeschrift zu-

nächst mit Verweis auf das Rundschreiben der Vorinstanz vor, sie würden 

zur erweiterten Kernfamilie ihrer Tochter gehören. Demnach hätte die 

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Vorinstanz den Kantonswechsel bereits aufgrund dieses Umstands bewil-

ligt müssen. Zwar ist den Beschwerdeführern diesbezüglich insofern zuzu-

stimmen, als dass es sich bei ihnen eindeutig um eine Zusammenführung 

von Eltern mit ihren erwachsenen Kindern handelt. Jedoch ist die Präzisie-

rung im Rundschreiben zu beachten, wonach volljährige Kinder nur zur er-

weiterten Familie gezählt werden, sofern sich diese ohne eigene Familie in 

der Schweiz aufhalten. Da die Tochter der Beschwerdeführenden vorlie-

gend mit ihrem Lebenspartner in der Schweiz aufhältig ist, andererseits 

aber aus dem Rundschreiben nicht hervorgeht, ob dies bereits eine Familie 

im Sinne des Rundschreibens begründet, oder ob dazu auch Kinder vor-

handen sein müssen, kann diese Frage ohne eine vertiefte Auseinander-

setzung mit dem Rundschreiben nicht abschliessend beurteilt werden. 

Diese Frage kann hier indes angesichts der nachfolgenden Ausführungen 

unbeantwortet bleiben. 

 

4.2 Die Beschwerdeführenden befinden sich in einem hohen Alter (89 und 

85 Jahre). Wie die Vorinstanz bereits im Jahr 2022 ausführte, waren sie 

damals bereits auf eine Gehhilfe angewiesen und bedurften kontinuierli-

cher Unterstützung zur Alltagsbewältigung. Zudem ist der Beschwerdefüh-

rer in Zusammenhang mit einem Katheter auf medizinische Unterstützung 

des Lebenspartners der Tochter der Beschwerdeführenden angewiesen 

(vgl. SEM-act. 1/7, Beilage 2; Kantonswechselgesuch vom 30. Juli 2022, 

SEM-act. 2/5). Wie auch vom Gehörlosen-Fürsorgeverein der Region Ba-

sel glaubhaft bestätigt (vgl. Kantonswechselgesuch vom 30. Juli 2022, 

SEM-act. 6/4), verantworten die Tochter und der Lebenspartner für die Be-

schwerdeführenden intensive Pflegearbeiten. Zwar sind letztere gemäss 

Eingabe vom 19. Oktober 2022 in einem Gesundheitszentrum unterge-

bracht, doch nehmen die Tochter und der Lebenspartner weiterhin für sie 

Pflegeaufgaben wahr.  Ausserdem sind die veränderten Umstände teil-

weise der Verweigerung des Kantonswechsels durch das SEM zuzuschrei-

ben und entsprechen nicht den Vorstellungen der Familie (vgl. Kantons-

wechselgesuch vom 30. Juli 2022, SEM-act. 12/16). Darüber hinaus sind 

die Tochter und der Lebenspartner beide gehörlos, was einen telefonischen 

Austausch mit ihren Eltern respektive Schwiegereltern verunmöglicht (vgl. 

Kantonswechselgesuch vom 30. Juli 2022, SEM-act. 12/16). Angesichts 

dessen sowie der besonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnisse der Be-

schwerdeführenden ist somit von einem unter dem Schutzbereich von  

Art. 8 EMRK fallenden Abhängigkeitsverhältnis auszugehen (vgl. E. 3.3). 

 

4.3 Schliesslich ist nicht zu verkennen, dass die Vorinstanz ihren Sorgfalts-

pflichten vorliegend nicht nachgekommen ist. Die Vorinstanz stellt sich in 

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Seite 6 

der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, es handle sich bei den 

Beschwerdeführenden um die Grosseltern von Frau C._______ (vgl. SEM-

act. 12/4). Dies, obwohl die Beschwerdeführenden sich bereits bei ihrem 

ersten Kantonswechselgesuch als deren Eltern identifizierten und dies 

auch belegten (vgl.  Kantonswechselgesuch vom 30. Juli 2022, SEM-act. 

11/26 ff.). Auch ist die Vorinstanz der Aufforderung des Bundesverwal-

tungsgerichts (siehe dessen Zwischenverfügung vom 24. November 2023) 

zur Einreichung einer Stellungnahme nicht nachgekommen und hat sie ih-

ren Verzicht darauf weder mitgeteilt noch begründet. 

 

5.  

Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz durch ihr Vorgehen gegen Bundes-

recht verstossen. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und das Gesuch 

um Kantonswechsel zu bewilligen.  

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind den Beschwerdeführenden 

keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz ist von 

der Kostentragung befreit (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 

6.2 Den rechtskundig vertretenen Beschwerdeführenden ist ferner zu Las-

ten der Vorinstanz für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnis-

mässig hohen Kosten eine angemessene Parteientschädigung zuzuspre-

chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 4 des Reglements vom 21. 

Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-

waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht. Auf die 

Nachforderung einer solchen kann indes verzichtet werden, da im vorlie-

genden Verfahren der Aufwand zuverlässig abgeschätzt werden kann (vgl. 

Art. 14 Abs. 2 VGKE). Die Parteientschädigung ist mit Blick auf die Kom-

plexität der Sache, den aktenkundigen Aufwand und die Bemessungskrite-

rien von Art. 7 ff. VGKE auf Fr. 1‘000.– festzusetzen.  

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

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Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben 

3.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Ver-

fahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von 

insgesamt 1‘000.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. 

 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gregor Chatton Matiu Dermont 

 

 

 

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