# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** da5d73f6-bbb6-50b1-a46e-d951b5c45fee
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-10
**Language:** de
**Title:** Berechnung IV-Grad eines professionellen Eishockeyspielers (BGE 8C_563/2020)
**Docket/Reference:** UV.2018.00292
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2018.00292.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2018.00292
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiberin Lanzicher
Urteil
vom
1
0.
Juni 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
KSPartner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
diese substituiert durch Rechtsanwältin Annemarie Gurtner
KSPartner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
XL Catlin
Syndicate
2003 at
Lloyd's
, SE, Köln, Zweigniederlassung Zürich
Lloyd's
Versicherer, London, Geschäftsstelle für das gesamte Schweizerische Geschäft
Seefeldstrasse 7, 8008 Zürich
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwältin Nathalie Lang
Kellerhals
Carrard
Zürich
Rämistrasse 5, Postfach, 8024 Zürich
Sachverhalt:
1.
Der
«...»
geborene
X.___
war zuletzt
seit
«...»
als Eis
hockeyspieler bei der
Y.___
AG (
nachfolgend:
Y.___
) a
ngestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der XL Catlin
Syndicate
2003 at
Lloyd’s
, SE, Köln
, Zweigniederlassung Zürich
(nachfolgend: Catlin)
,
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit
undatierter
Schadenmel
dung UVG liess er der
Catlin
mitteilen, dass er am
«...»
im Spiel gegen
O.___
einen Ellenbogencheck gegen den Kopf erlitten
habe (Urk.
10/M1
).
Der am 13. November 2014 konsultie
rte erstbehandelnde Dr. med.
Z.___
stellte die vorläufige Diagnose einer sechsten Commotio cerebri mit Bewusstseinsverlust von maximal einer Minute (Bericht vom
2.
Dezember 2014; Urk. 10/M2).
Die
Catlin
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehand
lung und Taggeld).
Am 1
7.
September 2010 erwarb der Versicherte berufsbegleitend das Handelsdip
lom (
Urk.
13/2)
.
Im Herbst 2014
begann er eine einjährige Weiterbildung
und schloss diese
am 1
0.
November 2015 mit dem
höheren Wirtschaftsdiplom
VSK
HWD
ab
(
Urk.
10/M3
S. 1
und
Urk.
13/1
)
. Ab
1.
September 2015 absolvierte er ein einjähriges Praktikum
in der Bewirtschaftung
bei
der
A.___
AG
, dies zunächst in einem 80
%
- und ab Januar 2016
in
einem Vollpensum (
Urk.
10/K21,
Urk.
1
0/M
9
S.
1
,
Urk.
10/M13 S. 5 und
Urk.
10/M17 S.
1
). Ab
1.
September 2016 wurde er
von
der
A.___
AG
in einem 100
%
-Pensum
als Sachbearbeiter Bewirtschaftung
fest
angestellt (
Urk. 10/K21a)
.
S
eit
1.
September 2017
ist er bei der
B.___
AG
als Junior Immobilienbewirtschafter
mit
einem Beschäf
t
ig
u
n
gsgrad von 90
%
angestellt
u
nd
befindet sich berufsbegleitend in der Ausbildung zu
m Eidgenössischen
Immobilienbewirtschafter
(
Urk.
3 und
Urk.
10/K39 S. 5
)
.
Die Eis
hockey
k
arriere
musste er nach dem Unfall beenden (
Urk.
10/M19 S. 1).
Mit Verfügung vom 1
1.
Oktober 2016 schloss die
Catlin den Fall per
30. Septem
ber 2016
ab und
stellte ihre Leistungen ein
(
Einstellung
Taggeldleistungen per 31. August 2016, Heilungskosten per 3
0.
September 2016)
. Einen Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen verneinte sie mit der Begründung,
der Versi
cherte könne ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen
(Urk.
10/K23
).
Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom
3.
November 2016 und
4.
Oktober 2017
(Urk.
10/K25
und
Urk.
10/K39
) wies die
Catlin am
7.
November 2018 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
7.
Dezember 2018
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei
die Vorinstanz zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen der Unfallversiche
rung, insbesondere eine unbefristete Invalidenrente auszurichten.
Am
2
8.
Februar 2019
beantragte die
Catlin
, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk.
9).
Mit
Replik vom
8.
April 2019
(
Urk.
12
)
und Duplik vom 1
1.
Juli 2019 (
Urk.
18) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Die Duplik wurde dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom
1
2.
Juli 2019 zur Kenntnis gebracht
(Urk.
19
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
1.
November 2014
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8
des
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungs
rechts, ATSG
), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermit
telt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdif
ferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Ein
kommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
der Beschwerdeführer
bei seinem
am
«...»
erlittenen
Unfall
professioneller Eishockeyspieler
der
Y.___
gewesen sei
.
Diese sei
en
«...»
von der Nationalliga A in die Nationalliga B abgestiegen. Er sei zwar ein einsatzfähiger, im Mittelfeld klassifizierter Spieler gewesen
,
es wäre aber von diversen Faktoren abhängig gewesen, ob e
r
ohne Unfall
in einen N
ationalliga A C
lub gewechselt hätte. Dass einer der im näheren Umfeld des Beschwerdeführers liegenden
C
lubs (
C.___
,
D.___
und
E.___
) ein konkretes Interesse an ihm gehabt hätten, habe er nicht geltend gemacht. Zudem entspreche es einer Erfahrungstatsache, dass sich Profi
sportler ein derart hohes Lohniveau nicht längerfristig sichern könn
t
en. Das gel
tend gemachte
E
inkommen vo
n Fr.
250'000.-- sei damit nicht überwiegend wahr
scheinlich.
Überdies
habe er bereits vor dem Unfallereignis im Herbst 2014 ein Betriebswirtschaftsstudium aufgenommen, sei sich also als junger Familienvater bewusst gewesen, dass seine Karriere als Profi-Eishockeyspieler nicht längerfristig andauern könne.
In der NLB h
ätte er einen Lohn zwischen Fr.
80'000 und
Fr.
100'000.-- erzielt. Das
Val
ideneinkommen
sei damit auf Fr.
90'000.-- festzu
setzen (S. 6). Eine Person
mit Fachhochschule ohne Kaderfunktion verdiene gemäss der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE
, TA 11
)
jährlich
Fr.
108'948.--. In dieser Höhe sei das Invalideneinkommen festzusetzen, schöpfe der Beschwerdeführer doch mit seiner Tätigkeit als Junior Immobilienbewirtschafter bei der
B.___
AG
und einem Jahres
einkommen von Fr. 81'800.-- seine Restarbeitsfähigkeit nicht voll aus. Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
90'000.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 108'948.-- ergebe sich keine Einkommensdifferenz und ein Rentenanspruch entfalle (S. 7).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
9
) hielt sie ergänzend fest,
s
ollte von einem NLA-Gehalt ausgegangen werden, so von demjenigen, welches
d
er
Beschwerde
führer
zuletzt bei den
Y.___
erzielt habe, also einem solchen von F
r.
111'000
.--
. Auch ohne
Unfall hätte er seine Eishockeykarriere beendet, weshalb es für die Festlegung des
Valideneinkommens
auch denkbar sei, auf das ermittelte Invali
deneinkommen abzustützen (S. 9-10). Zwischen
dem aktuell erzielten Lohn von
Fr.
81'800.-- und dem auf dem ausgeglichenen Arbeitsmark
t erzielbaren Einkom
men von Fr.
114'396.-- liege eine grosse Diskrepanz vor, womit erstellt sei, dass er seine verbliebene Restarbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise ausschöpfe. Das Invalideneinkommen sei in dieser Höhe, eventualiter auf Fr. 105'928.-- festzusetzen (S. 12).
In allen Fällen resultiere kein Rentenanspruch. Eine Rente wäre überdies zeitlich bis am 3
1.
Dezember
«...»
zu befristen, da die Karriere des Beschwerdeführers als Eishockeyspieler spätestens bei Erreichen seines 35. Altersjahrs geendet hätte (S. 13).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
er habe seine Eishockeykarriere unbestritten unfallbedingt aufgeben müssen. Vor dem am
«...»
erlittenen Unfall habe er als Profi
bei den
Y.___
in der NLA gespielt. Zu diesem Zeitpunkt sei er 27 Jahre alt
und ein
äusserst gefrag
ter
Mittelfeldspieler
gewesen. Zuvor habe er in der U20 an der Weltmeisterschaft teilgenommen und seit der Saison 2006/2007 ununterbrochen in der NLA gespielt. Im Zeitpunkt des Unfalls habe er auf eine erfolgreiche Eishockeykarriere
zurückblicken können, die er
o
h
ne den Unfall hätte weiterverfolgen können. Mit 27 befinde sich ein Eishockeyspieler im idealen Alter, da er aufgrund der Erfah
rung gefestigt sei und körperlich die volle Leistungsfähigkeit zu erbringen ver
möge. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, dass er ohne den Unfall in der NLB gespielt hätte. Für einen Teamwechsel wären für ihn sämtliche NLA-Teams in der Schweiz in Frage gekommen und nicht nur
C.___
,
D.___
und
E.___
. (S. 5).
Ausge
hend vom zuletzt erzielten Lohn von Fr. 186'000.-- unter Berücksichtigung einer wahrscheinlichen Lohnsteigerung bei einem Transfer sowie zuzüglich Prämien sei
von einem Jahresverdiens
t von Fr. 250'000.-- auszugehen. Die vereinbarte Spe
senpauschale sei beim
Valideneinkommen
zu berücksichtigen
.
Eine Karriere als Profi-Eishockeyspieler sei zwar von Vornherein aufgrund der mit zunehmendem Alter abnehmenden
körperlichen
Leistungsfähigkeit begrenzt. Dies sei jedoch kein Indiz dafür, dass er auch ohne Unfall seine Sportlerkarriere vorzeitig aufge
geben hätte. Ein
künftiger
altersbedingter Rücktritt sei nicht im Zeitpunkt des Rentenbeginns, sondern gegebenenfalls im Rahmen einer Renten
revision zu berücksichtigen (S.
6). Für
das Invalideneinkommen sei auf seinen tatsächlichen Verdienst von
Fr.
81'800.-- in einem 100
%
-Pensum abzustellen. Weshalb TA 11 der LSE heranzuziehen sei, sei nicht ersichtlich. Sein Einkommen erscheine weder unangemessen noch bestehe ein Indiz, das für einen Soziallohn sprechen würde. Selbst wenn auf einen Tabellenlohn abzustellen wäre, würde dieser
maximal Fr.
79'088.-- betragen. Er habe ein höheres
Wirtschaftsdiplom und keinen Fach
hochschulabschluss erlangt (S. 7-8). Aus der Gegenüberstellung der Vergleichs
einkommen resultiere ein Invaliditätsgrad von 67.3
%
und
ein
entsprechender Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung (S. 8).
3.
3.1
Es ist unbestritten und ausgewiesen, dass
der medizinische Endzustand
erreicht ist
und dass
der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als profes
sioneller Eishockeyspieler nicht mehr, in einer angepassten Tätigkeit hingegen zu 100
%
arbeitsfähig ist. Zu
beurteilen
bleibt, wie sich
sein
Leistungsvermögen
in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
3.2
3.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen LSE berechnet werden, wobei die für die Entlöh
nung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
3.2.2
Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt des Unfalls rund 27.5 Jahre alt
und seit
acht
Jahren in der NLA als Eishockeyspieler tätig, davon zwei Jahre für den
F.___
und sechs Jahre für die
Y.___
, für welche er zuvor bereits vier Jahre in der U20-Elite gespielt hatte
(
www.eliteprospects.com
,
X.___
, besucht am 1
2.
Mai 2020).
Mit Blick auf das hohe Einkommen als Eis
hockeyspieler sowie darauf, dass er sich mit 27.5 erfahrungsgemäss in einem für den Beruf idealen Alter befand, ist entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin
(vgl. etwa
Urk.
9 S. 10
)
nicht einzusehen, weshalb er seine
Karriere auch ohne Unfall etwa zum selben Zeitpunkt wie mit
dem
Unfall
hätte aufgeben sollen. Dass er im Herbst 2014 mit einer einjährigen Weiterbildung
begann, ändert daran nichts,
wäre ihm diese doch auch
bei einem erst
mehrere Jahre später erfolgten Rücktritt von Nutzen gewesen.
Auch die Geburt der Tochter im Dezember 2013 sprach gegen den vorzeitigen Abbruch der Karriere, dies zumindest aus finan
zieller Sicht.
Die Aussage, er wolle gerade auch wegen seiner Familie «vom Eis weg» (
Urk.
10/K5 S. 2)
,
tätigte er knapp vier Monate nach dem Unfall. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits sechs Hirnerschütterungen erlitten und war nach wie vor kognitiv eingeschränkt
. Es ist damit nachvollziehbar, dass er aus Verantwor
tungsbewusstsein gegenüber seiner Familie keine weitere Gefährdung seiner Gesundheit mehr in Kauf nehmen wollte und seinen Rücktritt zu planen begann. Daraus kann jedoch nicht gefolgert werden, dass er auch ohne Unfall und bei guter Gesundheit diese Überlegungen getätigt und seine Karriere vorzeitig abge
brochen hätte.
3.2.3
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend machte, der Beschwerdeführer wäre ohne Unfall jedenfalls nicht weiterhin in der NLA beschäftigt
gewesen
(vgl. etwa Urk.
9 S. 9-10
)
, kann dem ebenfalls nicht gefolgt werden.
Zwar trifft
zu, dass die
Y.___
nach der Saison
«...»
/
»...»
in die NLB abstiegen
(und im Übrigen
«...»
wieder in die NLA aufstiegen)
, doch
kann daraus nicht geschlossen werden
, dass der Beschwerdeführer weiterhin für sie tätig gewesen wäre. Vielmehr ist davon aus
zugehen, dass er sich nach
einem anderen Club
in der NLA umgeschaut hätte.
Dafür spricht, dass er in den acht Jahren zuvor un
unterbrochen in der NLA gespielt hat und
davon ausgegangen werden kann, dass er solange als möglich weiter in der Profiliga spielen wollte. In den vergangenen acht Jahren hatte er zudem
zweimal
den Club gewechselt
, womit erstellt ist, dass
auch bei anderen Clubs als seinen damaligen Arbeitgebern Interesse an ihm bestand. Er wurde von den
Y.___
als einsatzfähiger Spieler und was die Nachfrage nach ihm betraf als im Mittelfeld klassifiziert bezeichnet (
Urk.
10/K41). Auch kann nicht davon aus
gegangen werden, dass er es lediglich dann vorgezogen hätte, in der NLA weiter
zuspielen, wenn ihm ein Wechsel zu
C.___
,
E.___
oder
D.___
möglich gewesen wäre. Der Beschwerdeführer spielte bereits zwei Saisons für den
F.___
und bewies damit seine
örtliche
Flexibilität. In der NLA kann zudem mit etwa einem doppelt so hohen Einkommen wie in der NLB gerechnet werden. Es ist deshalb davon auszugehen, dass
er
und seine Familie die mit einem Umzug ver
bundenen Unannehmlichkeiten auf sich genommen hätten, wenn er von einem anderen NLA-Club ein Arbeitsangebot erhalten hätte. Nachdem seine Tochter im Zeitpunkt des Abstiegs der
Y.___
gerade einmal 1.5 Jahre alt war, kann auch nicht gesagt werden, dass sie in
G.___
und Umgebung derart verwurzelt war, dass die Familie ihretwegen auf einen Orts- und Arbeitgeberwechsel verzichtet hätte.
Dem Beschwerdeführer standen damit sämtliche NLA-Clubs als potenzielle
neue Arbeitgeber offe
n. Dies und seine bisherige Karriere lassen mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit darauf schliessen, dass er bei guter Gesundheit auch nach dem Abstieg der
Y.___
von einem NLA-Club angestellt worden wäre.
Dass im Zeitpunkt des Unfalls kein konkretes Übernahmeangebot seitens
C.___
,
E.___
oder
D.___
vorhanden war, spricht
nicht
dagegen, werden solche doch wohl nicht bereits zu Beginn einer neuen Saison getätigt.
3.2.4
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers bestehen jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass sich sein Lohn bei einem Verbleib in der NLA von
Fr.
186'000.-- (
Urk.
10/K21b S. 10) auf
Fr.
250'000.-- erhöht hätte. Vielmehr ist davon auszu
gehen, dass
er
sich
als was die Nachfrage nach ihm betraf im Mittelfeld klassifi
zierter Spieler
und aufgrund des drohenden Abstiegs in die NLB schwächere
r
Ver
handlungspartner auch bei
einem Transfer in einen
finanzstarken
NLA-
Club mit seinem bisherigen Einkommen hätte zufriedengeben müssen.
Umgekehrt kann aber insbesondere mit Blick auf
die
langjährige
Erfahrung
des Beschwerdeführers und sein
es
noch während mehreren Jahren
bestehenden
Leistungsp
otenzials
auch nicht davon ausgegangen werden, dass er bei einem Arbeitgeberwechsel eine Lohneinbusse hätte in Kauf nehmen müssen. Vielmehr ist
anzunehmen
, dass er bei einem Clubwechsel weiterhin sein bisheriges Einkommen erzielt hätte, wes
halb für die Berechnung des
Valideneinkommens
auf dieses abzustellen ist.
Davon geht im Übrigen auch die Beschwerdegegnerin aus (vgl.
Urk.
9 S. 10).
3.2.5
Bei seinem Unfall erzielte der Beschwerdeführer bei den
Y.___
ein Einkommen von jährlich
Fr.
186'000.-- (Fixum von
Fr.
166'800.-- und Spesen von Fr. 19'200.--). Das Einkommen wäre im Folgejahr unverändert geblieben, wes
halb auch für den Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (2016) von diesen Zahlen auszugehen ist (
Urk.
10/21b S. 10).
Dass Profisportler ihr hohes Lohnniveau
in der Regel
nicht über Jahrzehnte sichern können,
bedeutet
nicht, dass vorliegend für die Berechnung des
Valideneinkommens
nicht auf das bishe
rige Einkommen
abzustellen ist
. Das von der Beschwerdegegnerin angeführte Urteil des Bundesgerichts 8C_85/2015 vom
28.
Oktober 2015 E. 4.2 ist diesbe
züglich nicht einschlägig. Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei guter Gesundheit noch mehrere Jahre als Spitzensportler tätig gewesen wäre und in dieser Zeit ein hohes Einkommen erzielt hätte. Einer allfälligen Verände
rung des
Valideneinkommens
nach einem altersbedingten Rücktritt kann
jedoch gegebenenfalls
mit einer Rentenrevision Rechnung getragen werden (vgl. dazu unten).
3.2.6
In Bezug auf das
Valideneinkommen
ist zwischen den Parteien auch
umstritten, ob die Spesen als Lohnbestandteil zu berücksichtigen sind.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine
Spesenpauschale insoweit nicht dem
Valideneinkommen
zuzurechnen, als sie einen pauschalisierten Ersatz für tatsächlich entstehende Erwerbsunkosten darstellt
(Urteil des Bundesgerichts I 779/03 vom 2
2.
Juni 2004 E. 4.2.2)
.
Es ist davon auszugehen, dass eine Eis
hockeyunternehmung
der höchsten Spielklasse regelmässig für einen erheblichen Teil der Ausrüstung
ihrer
Spieler aufk
ommt und dass damit die an die Spieler ausbezahlte Spesenpauschale zumindest teilweise als Lohnzahlung zu qualifizie
ren ist.
So stellten auch die
Y.___
dem Beschwerdeführer seine Infrastruktur zur Verfügung, zudem wurden ihm Ausrüstungsgegenstände für Training und Freizeit abgegeben (
Ziff.
5.1 und
Ziff.
6.6 des Spielervertrages, Urk. 10/K21b
S.
3-4).
Gemäss Auskunft der ehemaligen Arbeitgeberin betragen die vom kantonalen Steueramt genehmigten Pauschalspesen
Fr.
6'600.-- pro Jahr (
Urk.
10/K43). Dem Beschwerdeführer wurde jedoch eine Spesenpauschale von Fr. 19'200.-- pro Jahr ausgerichtet (
Urk.
10/K21b S. 10). Gestützt auf die Auskunft der
Y.___
ist davon auszugehen, dass lediglich ein Betrag von
Fr.
6'600.-- pro Jahr steuer- und beitragsrechtlich als Spesenentschädigung
zu
behandeln ist und
der Zahlung nur in diesem Umfang
kein Lohncharakter zukommt
. Im Mehrbetrag von
Fr.
12'600.-- ist hingegen von einer
bei der Berechnung des
Valideneinkommens
zu berück
sichtigenden
Lohnzahlung auszugehen.
Daraus ergibt sich ein
Valideneinkommen
von
Fr.
179
'
400
.-- per 2016.
3.3
3.3.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, ist das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE festzustellen.
3.3.2
Der Beschwerdeführer war ab
1.
September 2016 bei der
A.___
AG tätig und erzielte dabei ein Einkommen von
Fr.
62'400.-- pro Jahr
. Seit
1.
September 2017 ist er bei der
B.___
AG angestellt und verdient hochgerechnet auf ein 100%iges Pensum jährlich
Fr.
81
'
800.--
(
Urk.
10/K21a und
Urk.
3
).
3.3.3
Der Beschwerdeführer schloss am 1
0.
November 2015 eine einjährige Weiterbil
dung mit dem höheren Wirtschaftsdiplom VSK HWD ab (
Urk.
13/1). Dieses baut auf einer kaufmännischen Grundausbildung auf und entspricht dem
1.
Studien
jahr des Bachelor-Studiums
(
www.bvs-bildungszentrum.ch
, Höheres Wirtschafts
diplom HWD VSK, besucht
am 1
2.
Mai 2020). Vom Abschluss einer
Fachhoch
schule, wie dies die Beschwerdegegnerin
annahm
(
Urk.
9 S. 12
)
, kann
damit nicht gesprochen werden, vielmehr entspricht die Weiterbildung einer Höheren Berufs
ausbildung oder dem Abschluss einer Fachschule.
3.3.4
Bei Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids
war der Beschwerdeführer erst rund ein Jahr bei der
B.___
AG angestellt, womit bereits fraglich ist, ob von einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden kann. Dies kann jedoch offen bleiben, nachdem
mit Blick auf die grosse Diskrepanz zwischen dem Ein
kommen bei der
B.___
AG von
Fr.
81'800.--
und dem gemäss LSE auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt mit einer Höheren Berufsausbildung erzielbaren Einkom
men von
Fr.
95'276.15 (vgl. dazu unten) nicht davon ausgegangen werden kann, dass er das ihm verbliebene Leistungsvermögen in zumutbarer Weise
ausschöpft
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_631/2019 vom 1
8.
Dezember 2019 E. 6.2)
.
Auch unter Berücksichtigung des
im Sozialversicherungsrecht geltenden allge
meinen Grundsatz
es
der Schadenminderungspflicht kann vom Beschwerdeführer verlangt werden, eine besser bezahlte Anstellung anzunehmen. Dass ihm ein Stel
lenwechsel nicht zumutbar wäre, ist nicht ersichtlich.
Der tatsächlich erzielte Verdienst kann damit nicht als Invalidenlohn gelten, vielmehr ist das Invaliden
einkommen gestützt auf die LSE festzustellen.
3.3.5
Bei qualifizierten Berufsleuten mit Fach- und Hochschulabschluss wie dem Beschwerdeführer kann für die Berechnung des Invalideneinkommens d
ie Tabelle T
A
11 (
Monatlicher Bruttolohn nach Ausbildung, beruflicher Stellung und Geschlecht
) der LSE herangezogen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_841/2013 vom
7.
März 2014 E. 4.2). Nachdem
er
im Zeitpunkt des früh
est
möglichen Rentenbeginns gerade einmal eine einjährige Praktikumserfahrung im kaufmännischen Bereich und das Wirtschaftsdiplom ebenfalls erst ein Jahr zuvor erworben hatte,
kann entgegen
der Annahme
der
Beschwerdegegnerin
(
Urk.
9 S.
12
)
nicht davon ausgegangen werden, dass es ihm
möglich wäre, eine Anstellung mit Kaderfunktion auszuüben. Für das Invalideneinkommen ist deshalb der Lohn für
Männer ohne Kaderfunktion mit einer Höheren Berufsausbildung/Fachschule (Median)
von monatlich
Fr.
7'
616
.-- heranzuziehen, was
unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
(
Betriebsüb
liche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche T 03.02.03.01.04.01, Total
)
einem Jahreseinkommen von
Fr.
9
5
'
276.15
per 2016
entspricht.
Hinweise darauf, dass ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen wäre, bestehen nicht und wurden auch nicht geltend gemacht.
3.
4
Bei Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr.
1
79
'400.--
mit dem Invalidenein
kommen von
Fr.
95'276.15
ergibt sich ein Invaliditätsgrad von
4
7
%
und
Anspruch auf eine entsprechende Rente der Unfallversicherung ab
1.
September 2016 (Einstellung der Taggeldleistungen per 3
1.
August 2016)
. Dies führt zur Gut
heissung der Beschwerde.
3.
5
Abschliessend ist festzuhalten, dass p
rofessioneller Spitzensport mit hohen Ver
dienstmöglichkeiten in aller Regel nur bis zu einem gewissen Alter betrieben werden
kann
. Von welchem durchschnittlichen Rücktrittsalter bei Eishockeyspie
lern auszugehen ist, wurde von der Beschwerdegegnerin nicht
abgeklärt. Auch in Bezug auf die Höhe des
Valideneinkommens
nach dem Rücktritt wird
sie
Abklä
rungen zu tätigen haben. Einer dadurch bedingten anspruchserheblichen Verän
derung des
Valideneinkommens
wird sie gegebenenfalls im Rahmen einer Rentenrevision Rechnung zu tragen haben (vgl. dazu auch Urteil des Bundesge
richt
s I 779/03 vom 2
2.
Juni 2004 E.
5).
4.
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihm eine solche von Fr. 2‘
7
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird der
Einspracheentscheid
der XL Catlin
Syndicate
2003 at
Lloyd’s
, SE, Köln, Zweigniederlassung Zürich, vom
7.
November 2018 aufgeho
ben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab
1.
September 2016
An
spruch auf eine auf einem Invaliditätsgrad von
4
7
% basierende
In
validenrente hat.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschä
digung von Fr. 2‘
7
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
Annemarie Gurtner
-
Rechtsanwältin Nathalie Lang
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht
Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
ge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLanzicher