# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 404bd47e-caa9-5612-a744-95a19c021343
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-10-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 13.10.2004 SF 2004 39
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2004-39_2004-10-13.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 13. Oktober 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 04 39  (mündlich eröffnet)

Urteil
Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Jegen, Riesen-Bienz, Schäfer und Burtscher
Aktuarin ad hoc Ziörjen

——————

In der Strafsache

des X., Angeklagter, amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. Martina Zarn, 
c/o Bardill Advokatur & Notariat, Reichsgasse 71, 7002 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 7. September 2004, 

wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

2

A. X. wurde am 5. Februar 1980 in A. (B.) geboren und wuchs dort in 
einem Waisenhaus, das als Militärschule geführt wurde, auf. Seine Eltern kannte er 
nicht. Er besuchte keine eigentliche Schule, lernte aber trotzdem lesen und schrei-
ben. Am 1. Dezember 2002 reiste er in die Schweiz ein, um sich um Asyl zu bewer-
ben. Seit seiner Einreise wohnte er in D. im Durchgangszentrum an der E.-Strasse 
10/14. Das Asylgesuch wurde durch das Bundesamt für Flüchtlinge mit Entscheid 
vom 13. November 2003 abgelehnt. Von der Asylorganisation erhält der Angeklagte 
alle zwei Wochen Fr. 154.--. Er hat weder Schulden noch Vermögen.

Dem schweizerischen Zentralstrafregister ist zu entnehmen, dass X. am 3. 
Februar 2004 mit Strafmandat des Kreispräsidenten D. wegen Hehlerei zu 7 Tagen 
Gefängnis verurteilt worden ist. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde unter Anset-
zung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben. 

Am 2. Juni 2004 wurde X. in D. festgenommen, und mit Entscheid des Haft-
richters des Haftkreises 3 vom 4. Juni 2004, gleichentags mitgeteilt, in Untersu-
chungshaft versetzt. Als Begründung wurde Kollusions-, Flucht- und Fortsetzungs-
gefahr angegeben. Mit Entscheid vom 23. August 2004, mitgeteilt am 25. August 
2004, hielt der Haftrichter des Haftkreises 3 die Untersuchungshaft aufrecht. Mit 
Verfügung vom 8. September 2004 ordnete der Kantonsgerichtspräsident die Si-
cherheitshaft bis zur Hauptverhandlung an. 

B. X. wird der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a. BetmG sowie der 
mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG angeklagt. Die Staatsan-
waltschaft Graubünden legte dieser Anklage gemäss Anklageschrift vom 7. Sep-
tember 2004 folgenden Sachverhalt zugrunde:

„1. In der Zeit von November 2003 bis am 2. Juni 2004 verkaufte oder ver-
schenkte X. auf der Gasse in D. an diverse Abnehmer insgesamt 173 
Gramm Kokain, welches er von F. erhielt. Ein Gramm verkaufte er für 
Fr. 50.-- bis Fr. 100.--. Die Qualität des abgegebenen Kokains wird als 
mittelmässig bis gut bezeichnet. Da es in Kleinstmengen abgegeben 
wurde, ist davon auszugehen, dass der Reinheitsgrad der 173 Gramm 
Kokain bei 38% lag. Demnach hat der Angeklagte ca. 65,7 Gramm rei-
nes Kokain verkauft oder abgegeben.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Abgabehandlungen:

1.1 Am 5. Februar 2004 verkaufte der Angeklagte eine Kugel à 
1 Gramm Kokain für Fr. 50.-- an G..

1.2 Im Monat April 2004 gab er 2 Gramm Kokain an H. gratis ab. H. 
bestreitet, jemals Kokain von X. gekauft zu haben.

3

1.3 Im Monat April 2004 verkaufte er 1 Gramm Kokain für Fr. 60.-- an 
I..

1.4 Im Monat Mai 2004 verkaufte er 1 Gramm Kokain für Fr. 100.-- 
bzw. gab 3 Gramm Kokain gratis an J. ab. J. will lediglich 3 Gramm 
Kokain gekauft bzw. gratis erhalten haben.

1.5 Im Januar/Februar 2004 verkaufte er 6 Gramm Kokain an K.. 
Diese wiederum will lediglich drei Gramm Kokain bei ihm gekauft 
haben.

1.6 In den Monaten Februar und März 2004 verkaufte er insgesamt 
15 Gramm Kokain für Fr. 1'000.-- bis Fr. 1'100.-- an L..

1.7 An M. und N. sowie an O. verkaufte er im Jahr 2004 15 Gramm 
Kokain für Fr. 1'000.--. M. und N. gaben an, dass sie den Ange-
klagten nicht kennen.

1.8 In den Monaten Februar und März 2004 verkaufte er an O. insge-
samt 4 Gramm Kokain.

1.9 In den Monaten Januar und Februar 2004 verkaufte er insgesamt 
6 Gramm Kokain für Fr. 600.-- an P.. Sie bestreitet jedoch, jemals 
bei ihm Kokain gekauft zu haben.

1.10 In den Monaten November 2003 bis Mai 2004 verkaufte er insge-
samt 20 Gramm Kokain für ca. Fr. 2'000.-- an Q. bzw. an R..

1.11 An S. verkaufte er in den Monaten Februar bis Mai 2004 insge-
samt 15 Gramm Kokain für Fr. 1'500.--.

1.12 In den Monaten November 2003 bis April 2004 verkaufte er ins-
gesamt 4 Gramm Kokain an T..

1.13 In den Monaten April bis Mai 2004 verkaufte bzw. gab er insge-
samt 10 Gramm Kokain gratis an U. ab.

1.14 In den Monaten März bis Mai 2004 verkaufte bzw. gab er mindes-
tens 40 Gramm Kokain gratis an V. für ihren Konsum ab. Zudem 
gab er ihr weitere 20 Gramm Kokain zu Vermittlungszwecken ab.

1.15 An W. verkaufte er insgesamt 10 Gramm Kokain.

2. Seit seiner Einreise in die Schweiz konsumierte der Angeklagte wieder-
holt eine unbestimmte Menge Marihuana.

Akten: Dossier 4 und 5

Am 6. Februar 2004 wurde bei X. ein Mobilfunktelefon der Marke Nokia 
sichergestellt und am 3. Mai 2004 beschlagnahmt.

Anlässlich einer Hausdurchsuchung am 2. Juni 2004 wurden folgende 
Gegenstände sichergestellt und am 27. August 2004 beschlagnahmt:

- Mobilfunktelefon der Marke Nokia, ID-Nr. 350893103604

- Mobilfunktelefon der Marke Siemens, ID-Nr. 350170514273082

- Mobilfunktelefon der Marke Sagem, ID-Nr. 352832001888965

- 1,60 Gramm Kokain (Lager Nr. SD 4: 380/04)

4

- Fr. 1'560.-- (Empfangsschein Nr. 70116 vom 02.06.2004)

Die anlässlich der Hausdurchsuchung vom 2. Juni 2004 sichergestellten 
1,60 Gramm Kokain und Fr. 1'560.-- gehören angeblich weder dem An-
geklagten noch einem anderen Zimmerbewohner.

Akten: 1.4, 1.5, 1.11, 1.7, 4.6

Am 6. Februar 2004 leistete X. ein Depositum in der Höhe von Fr. 100.-- 
(Empfangsschein Nr. 70220).

Akten: 1.2“

C. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht Graubün-
den vom 13. Oktober 2004 waren der Angeklagte und seine amtliche Verteidigerin, 
Rechtsanwältin lic. iur. Martina Zarn, anwesend. Die Anklage wurde von Staatsan-
walt Dr. iur. Alex Zindel vertreten. Ebenfalls anwesend war der Übersetzer Y., der 
vor der Hauptverhandlung vom Vorsitzenden unter Verlesung von Art. 307 Abs. 1 
StGB auf seine Pflichten und die Strafandrohung einer falschen Übersetzung auf-
merksam gemacht worden ist. Gegen die Zuständigkeit und die Zusammensetzung 
des Gerichtes wurden keine Einwände erhoben, so dass sich dieses als in der Sa-
che legitimiert erklärte.

Während der richterlichen Befragung bestätigte der Angeklagte die anläss-
lich der vorherigen Einvernahmen gemachten Angaben zu seinen persönlichen Ver-
hältnissen. Im Rahmen der richterlichen Befragung bestätigte der Angeklagte im 
Wesentlichen die ihm zur Last gelegten Straftaten.

D. Nach Abschluss des Beweisverfahrens stellte und begründete der 
Staatsanwalt Dr. iur. Alex Zindel folgende Anträge:

„1. X. sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei er mit 27 Monaten Gefängnis zu bestrafen, teilweise als Zu-
satz zu der mit Strafmandat des Kreispräsidenten D. vom 3. Februar 
2004 mit einer Probezeit von 2 Jahren ausgesprochenen Strafe von 7 
Tagen Gefängnis, unter Anrechnung der Untersuchungshaft.

3. Der Angeklagte sei für eine vom Gericht zu bestimmende Dauer des 
Landes zu verweisen.

4. Die sichergestellten Drogen seien richterlich einzuziehen und der Ver-
nichtung zuzuführen. 

5. Die sichergestellten Mobiltelefone sowie die Fr. 1'560.-- seien richterlich 
einzuziehen.

6. Gesetzliche Kostenfolge.“

5

Der Staatsanwalt führte aus, dass der Sachverhalt ausgewiesen und gröss-
tenteils unbestritten sei. Die Mengenangaben würden vorwiegend auf den Angaben 
des Angeklagten beruhen. Er habe somit insgesamt rund 65 Gramm reines Kokain 
an Drittpersonen abgegeben. Die für einen schweren Fall erforderliche Menge sei 
damit weit überschritten worden. Es sei von einem ganz erheblichen Verschulden 
auszugehen. Mit der in Umlauf gesetzten Menge von harten Drogen habe der An-
geklagte einen erheblichen kriminellen Willen bewiesen. Beim Angeklagten handle 
es sich nicht um einen Rauschgiftsüchtigen, sondern um einen geschäftsmässig 
handelnden Dealer, allerdings um einen Drogendealer der untersten Stufe. Straf-
milderungsgründe lägen nicht vor. Strafmindernd könne das vollumfängliche Ge-
ständnis gewertet werden. Leicht straferhöhend falle die Vorstrafe von sieben Ta-
gen Gefängnis gemäss Strafmandat des Kreispräsidenten D. vom 3. Februar 2004 
ins Gewicht. 

E. Die amtliche Verteidigerin von X., Rechtsanwältin lic. iur. Martina Zarn, 
stellte und begründete im Namen ihres Mandanten folgende Anträge:

„1. X. sei der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 BetmG schuldig zu spre-
chen.

2. Dafür sei er unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft mit 
einer Gefängnisstrafe von 16 Monaten zu bestrafen.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 
zwei Jahren aufzuschieben.

4. Von einer Landesverweisung sei abzusehen, eventualiter sei diese be-
dingt auszusprechen unter Ansetzung einer 3-jährigen Probezeit.

5. Die gemäss Beschlagnahmeverfügung des Untersuchungsrichteramtes 
D. vom 27. August 2004 sichergestellten 3 Mobilfunktelefone seien dem 
Angeklagten herauszugeben.

6. Kosten- und Entschädigungsfolge sei die gesetzliche.“

Die amtliche Verteidigerin führte aus, dass der Angeklagte in 15 Fällen den 
Verkauf respektive die unentgeltliche Überlassung von Kokain grundsätzlich zuge-
geben habe. Es verbleibe indessen die Frage nach der Menge des verkauften und 
verschenkten Kokains und die Frage, ob bei widersprechenden Angaben der Betei-
ligten das Geständnis des Angeklagten seine Verurteilung zu begründen vermöge. 
Betreffend der Mengenangaben würden mehrfach Differenzen zwischen jenen des 
Angeklagten und jenen verschiedener Abnehmern bestehen. Die Anklageschrift be-
ziehungsweise die zugrunde gelegten Akten vermöchten den hohen Beweisanfor-
derungen nicht in allen Punkten zu genügen; der rechtsgenügliche Nachweis einer 
Straftat fehle teilweise gänzlich, in andern Fällen würde ein rechtsgenüglicher Nach-

6

weis der zur Anklage gebrachten Drogenmenge fehlen. Insgesamt habe der Ange-
klagte somit lediglich 151 Gramm Kokain an diverse Personen abgegeben. Die 
Staatsanwaltschaft gehe von einem Reinheitsgrad von 38% aus, was für die gehan-
delte Menge von 151 Gramm 57,3 Gramm reines Kokain ergäbe. Es sei an dieser 
Stelle aber festzuhalten, dass es die Strafverfolgungsbehörde bislang versäumt 
habe, den konkreten Reinheitsgrad ermitteln zu lassen. Gelegenheit dazu hätte das 
im Durchgangszentrum bei den Sachen des Angeklagten vorgefundene Kokain ge-
boten. Die Aussagen der Drogenabnehmer bezüglich der Qualität würden von gut 
bis schlecht gehen. Mit Hinweis auf SJZ 95/1999, Nr. 21, S. 511 sei deshalb von 
verschiedenen Reinheitsgraden auszugehen. Bezüglich des Eigenkonsums sei von 
einer Strafe abzusehen, allenfalls aus spezialpräventiven Gründen eine Verwar-
nung auszusprechen. Auch wenn das Tatverschulden nicht leicht wiege, sei zu 
Gunsten des Angeklagten jedoch festzuhalten, dass der Deliktszeitraum relativ kurz 
gewesen sei. Strafmindernd sei ihm sein einwandfreies Verhalten während des Un-
tersuchungsverfahrens, sein umfassendes Geständnis sowie die Kooperation mit 
den Untersuchungsorganen zugute zu halten. Der Angeklagte habe zudem Einsicht 
in das Unrecht gezeigt. Der Angeklagte sei ein Gelgenheitsdealer und seine Ver-
käufe würden sich auf Kleinstmengen erstrecken. Es sei eine gewisse Naivität bei 
ihm sichtbar und eine fehlende Professionalität. Straferhöhend wirke indessen die 
Vorstrafe - allerdings nicht im Bereich des Betäubungsmittelgesetzes - und das De-
linquieren während der Probezeit.

F. In seiner Replik hielt der Staatsanwalt fest, dass die Mengenangaben 
nie genau stimmen würden, was allen bewusst sei. Könne man sich aber nicht ein-
mal mehr auf die Angaben des Angeklagten stützen, könne mit der Drogenpolitik 
aufgehört werden. Unabhängig davon, sei im vorliegenden Fall so oder so ein 
schwerer Fall gegeben. Die Menge würde zwischen rund 57 und 65 Gramm reinem 
Kokain liegen. Daher bleibe er bei seinem Antrag, da es ein falsches Zeichen sei, 
wenn solche Leute mit Milde bestraft würden. Eventualiter sei der bedingte Straf-
vollzug objektiv in Ordnung. Subjektiv sei er gar nicht möglich, da sich der Ange-
klagte in jedem Fall strafbar machen würde, da er ein abgewiesener Asylbewerber 
sei. Somit könne er nicht arbeiten und er dürfe auch nicht hierbleiben. Bezüglich der 
Einziehung der Mobiltelefone führte der Staatsanwalt aus, dass diese einzuziehen 
seien, wenn damit Drogenhandel betrieben worden sei.

G. In der Duplik hielt die amtliche Verteidigerin mit Hinweis auf SF 03 15 
fest, dass nicht per se nur auf die Aussagen des Angeklagten abgestellt werden 
dürfe. Zudem gäbe es für abgewiesene Asylbewerber immer noch die Zwangs-

7

massnahmen. Wichtig sei, dass der Angeklagte keinen Handel mehr betreiben 
könne.

H. Der Angeklagte verzichtete auf sein Schlusswort.

Auf die weiteren mündlichen Ausführungen des Staatsanwaltes und der amt-
lichen Verteidigerin zu den Anträgen - das mündliche Plädoyer der amtlichen Ver-
teidigerin wurde schriftlich zu den Akten gereicht - sowie auf die richterliche Befra-
gung des Angeklagten anlässlich der Hauptverhandlung wird, soweit erforderlich, in 
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. a) Art. 19 BetmG stellt den unbefugten Umgang mit Betäubungsmitteln 
unter Strafe, da deren Genuss für die Gesundheit der Menschen als schädlich be-
trachtet wird. Um dieser Gefahr für die menschliche Gesundheit zu begegnen hat 
der Gesetzgeber unter Ziff. 1 der zitierten Gesetzesbestimmung diejenigen Hand-
lungen mit Strafe bedroht, welche letztlich dazu führen oder führen können, dass 
Betäubungsmittel in Verkehr gebracht und so für mögliche Konsumenten zugäng-
lich gemacht werden (BGE 120 IV 337). Als Betäubungsmittel gelten nach Art. 1 
Abs. 1 BetmG abhängigkeitserzeugende Stoffe und Präparate der Wirkungstypen 
Morphin, Kokain und Cannabis. Gemäss Art. 19 Ziff. 1 BetmG macht sich unter an-
derem strafbar, wer unbefugt Betäubungsmittel herstellt, auszieht, umwandelt oder 
verarbeitet (Abs. 2), wer sie unbefugt lagert, versendet, befördert, einführt, ausführt 
oder durchführt (Abs. 3), wer sie unbefugt anbietet, verteilt, verkauft, vermittelt, ver-
schafft, verordnet, in Verkehr bringt oder abgibt (Abs. 4), wer sie unbefugt besitzt, 
aufbewahrt, kauft oder sonstwie erlangt (Abs. 5) oder wer hiezu Anstalten trifft (Abs. 
6). Das Strafmass beträgt, wenn die Tat vorsätzlich begangen wurde, Gefängnis 
oder Busse. In schweren Fällen ist die Strafe Zuchthaus oder Gefängnis nicht unter 
einem Jahr, allenfalls verbunden mit einer Busse bis zu einer Million Franken (Art. 
19 Ziff. 1 Abs. 9 BetmG). Soweit solche Handlungen dem Eigenkonsum dienen, 
erfahren sie gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG eine privilegierte Behandlung; als Strafe 
drohen in diesem Fall, wie für den unbefugten Konsum von Betäubungsmitteln 
selbst, Haft oder Busse.

b) Ein schwerer Fall liegt insbesondere vor, wenn der Täter weiss oder 
annehmen muss, dass sich die Widerhandlung auf eine Menge von Betäubungs-
mitteln bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann (Art. 

8

19 Ziff. 2 lit. a BetmG). Viele Menschen im Sinne dieser Bestimmung sind nach der 
Rechtsprechung zwanzig Personen oder mehr (BGE 121 IV 334), während eine 
Gesundheitsgefährdung bei physischer oder psychischer Abhängigkeit zu bejahen 
ist (BGE 106 IV 277). Nach der Praxis des Bundesgerichtes ist die Annahme eines 
schweren Falles gemäss Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG an eine objektive und an eine 
subjektive Voraussetzung geknüpft. Die objektive Voraussetzung besteht darin, 
dass sich die Widerhandlung auf eine Menge von Betäubungsmittel bezieht, welche 
die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann (BGE 122 IV 362 f.). Mass-
gebend ist dabei allein, wie viele Konsumenten gefährdet werden können und nicht, 
wie viele tatsächlich gefährdet worden sind, ist doch Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG ein 
abstraktes Gefährdungsdelikt. Es spielt keine Rolle, ob neue Abnehmerkreise durch 
die Tathandlung erschlossen werden oder die vermittelten Abnehmer bereits süch-
tig sind (BGE 120 IV 338; 118 IV 205 f.; 111 IV 31 f.). Die Menge an Heroin für 
einen schweren Fall wurde in BGE 109 IV 145 festgelegt. Danach trete eine Gefähr-
dung bei 12 Gramm reinem Heroin ein, weil damit über zwanzig Menschen über 
einen Zeitraum versorgt werden könnten, der ausreiche, um bei drogenunerfahre-
nen Konsumenten das Risiko einer Abhängigkeit zu schaffen (BGE 199 IV 183 f.). 
Für Kokain wurde die Menge vom Kassationshof in BGE 109 IV 143 auf 18 Gramm 
reinen Wirkungsstoff festgelegt. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Täter die Betäu-
bungsmittel in einer einzigen grossen Portion oder in vielen kleinen Teilmengen in 
Verkehr bringt (BGE 109 IV 145; BGE 114 IV 167; BGE 112 IV 363). Bei der Ermitt-
lung der massgeblichen Menge ausser Betracht fallen lediglich die vom Täter für 
den Eigenkonsum verwendeten Mengen (BGE 110 IV 99). Entscheidend für die 
Subsumtion unter Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG ist stets die Menge reinen Stoffes (BGE 
122 IV 363). 

2. Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft verstiess X. während 
seines Aufenthaltes in der Schweiz gegen das Betäubungsmittelgesetz, indem er in 
der Zeit von November 2003 bis am 2. Juni 2004 mindestens 173 Gramm Kokain 
an diverse Abnehmer verkaufte oder verschenkte. Der in der Anklageschrift aufge-
führte Sachverhalt ist insofern unbestritten, als der Angeklagte in 15 Fällen den Ver-
kauf respektive die unentgeltliche Überlassung von Kokain grundsätzlich anerkennt. 
Demgegenüber bestreitet der Angeklagte die Menge des verkauften und verschenk-
ten Kokains in jenen Fällen, bei denen Differenzen zwischen den Angaben des An-
geklagten und jenen der verschiedenen Abnehmer bestehen. Wie die Verteidigung 
richtig ausführte, besteht die Möglichkeit, dass das gegen den Angeklagten gefällte 
Urteil präjudizielle Wirkung auf die gegen die einzelnen Abnehmer geführten Ver-
fahren entfalten kann. Das bedeutet, dass selbst beim geständigen Angeklagten 

9

von Amtes wegen anhand der Verfahrensakten zu prüfen ist, ob seine Angaben 
auch bezüglich der von ihm genannten Abnehmer und der hierbei jeweils angege-
benen Menge ausgewiesen sind. Bekannterweise liegt die Beweislast für die dem 
Beschuldigten zur Last gelegten Tat grundsätzlich beim Staat (Padrutt, Kommentar 
zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, S. 306). 
Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht nach freier, in der 
Hauptverhandlung gewonnener Überzeugung, wobei es sich verbietet, einzelnen 
dieser Beweismittel eine vorrangige Bedeutung zuzumessen (Art. 125 Abs. 2 StPO). 
An den Tatbeweis sind hohe Anforderungen zu stellen; verlangt wird mehr als eine 
blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft, denn 
mit solcher Gewissheit lassen sich infolge der Unzulänglichkeit des menschlichen 
Erkenntnisvermögens Tatsachen kaum je beweisen (Padrutt, a.a.O., S. 306). Wenn 
man aber (Nikolaus Schmid, Strafprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1997, N 613) sagt, 
das Geständnis sei nur ein Beweismittel unter mehreren und es bilde keine wesent-
liche Voraussetzung für eine Verurteilung, auch wenn es in aller Regel als relativ 
sichere Basis für eine solche erscheine, so greift eine solche Aussage zu kurz. Es 
ist vielmehr danach zu fragen, ob Anhaltspunkte und Indizien vorliegen, die ein Ge-
ständnis als glaubhaft erscheinen lassen. Ist dies der Fall und vermag sich der Rich-
ter davon zu überzeugen, so ist das Geständnis sehr wohl eine wesentliche Vor-
aussetzung für eine Verurteilung. Insofern ist die Aussage in SF 03 15 zu ergänzen. 
Geht man nun die Anklageschrift und die Akten unter diesem Aspekt durch, ergibt 
sich, dass entgegen der Ansicht der Verteidigung, an den Aussagen des Angeklag-
ten nicht zu zweifeln ist. Dazu ist im Einzelnen folgendes festzuhalten:

a) In Bezug auf die in der Anklageschrift genannten Abnehmer G., I., L., 
O., Q., R., S., T., U. und V. (vgl. Ziff. 1.1, 1.3, 1.6, 1.8 und 1.10 bis 1.14) kann 
festgehalten werden, dass ihre Aussagen mit denjenigen des Angeklagten überein-
stimmen. In der polizeilichen Aussage vom 6. Februar 2004 machte G. geltend, 
beim Angeklagten einen Tag vorher eine Kugel Kokain für Fr. 50.-- gekauft zu haben 
(vgl. act. 4.04). Anlässlich der polizeilichen Aussage vom 11. Juni 2004 sagte I. aus, 
dass er vom Angeklagten eine Kugel Kokain für Fr. 60.-- gekauft habe (vgl. act. 
5.15). Zudem erkannte er den Angeklagten auf dem Fotoblatt. L. führte in seiner 
polizeilichen Aussage vom 8. Juli 2004 aus, dass er insgesamt 15 Gramm Kokain 
für Fr. 1‘000.-- bis Fr. 1'100.-- gekauft habe (vgl. act. 5.27). Am 4. März 2004 gab 
O. in seiner polizeilichen Einvernahme an, dass er insgesamt vier Mal je 1 Gramm 
Kokain für Fr. 80.-- vom Angeklagten, welchen er auf dem Fotoblatt erkannte, ge-
kauft habe (vgl. act. 5.04). Q. und R. sagten anlässlich ihrer polizeilichen Einver-
nahmen vom 17. Juni 2004 beziehungsweise 26. Juni 2004 aus, dass sie vom An-

10

geklagten, welchen beide auf dem Fotoblatt identifizierten, insgesamt 20 Gramm 
Kokain für ca. Fr. 2'000.-- erworben haben (vgl. act. 5.22 und 5.23). In der polizeili-
chen Einvernahme vom 4. Juni 2004 sagte S. aus, dass sie insgesamt 15 Gramm 
Kokain für Fr. 1'500.-- vom Angeklagten, welchen sie auf dem Fotoblatt erkannte, 
gekauft habe (vgl. act. 5.09). T. gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 
4. Juni 2004 zu Protokoll, dass er vom Angeklagten, den er auf dem Fotoblatt iden-
tifizierte, insgesamt 4 Gramm Kokain erhalten habe (vgl. act. 5.10). U. sagte anläss-
lich der polizeilichen Einvernahme vom 3. Juni 2004 aus, dass sie vom Angeklagten 
insgesamt 10 Gramm Kokain gekauft oder erhalten habe (vgl. act. 5.07). Darüber 
hinaus erkannte sie den Angeklagten auf dem Fotoblatt. In den polizeilichen Einver-
nahmen vom 2. Juni 2004 beziehungsweise 3. Juni 2004 führte V. aus, dass sie 
mindestens 40 Gramm Kokain, und nicht wie von der Verteidigung fälschlicherweise 
angenommen 45 Gramm, vom Angeklagten gekauft beziehungsweise erhalten 
habe (vgl. act. 5.06 und 5.08). Zudem habe er ihr weitere 20 Gramm Kokain zu 
Vermittlungszwecken abgegeben. Darüberhinaus erkannte sie den Angeklagten auf 
dem Fotoblatt. 

Der Angeklagte bestätigte alle diese von den Drogenkonsumenten angege-
benen Mengen anlässlich der polizeilichen Einvernahmen vom 9. Juni 2004 und 12. 
Juni 2004 (vgl. act. 5.12 und 5.17) sowie anlässlich der richterlichen Befragung vor 
der Strafkammer des Kantonsgerichtes Graubünden. Bezüglich der abgegebenen 
Menge an W. (Ziff. 1.15 der Anklageschrift) ist anzuführen, dass von der Staatsan-
waltschaft lediglich 10 Gramm Kokain zur Anklage gebracht wurden, wie dies der 
Angeklagte zugestand und nicht die von der Drogenabnehmerin behauptete Menge 
von 52 Gramm Kokain. Somit wurden, als Zwischenergebnis, von den insgesamt 
zur Anklage gebrachten 173 Gramm Kokain, 140 Gramm Kokain an die vorstehend 
genannten Abnehmer verkauft oder abgegeben. 

b)  In Bezug auf den Verkauf oder die Abgabe der restlichen 33 Gramm 
Kokain kann festgehalten werden, dass an den Angaben des Angeklagten, wie 
nachfolgend aufgezeigt wird, nicht zu zweifeln ist, und auch diese dem Angeklagten 
zugeordnet werden können.

Die in Ziff. 1.4 und 1.5 genannten Personen haben durchwegs eine geringere 
Menge Kokain angegeben, welche sie vom Angeklagten bezogen haben wollen. So 
machte J. geltend, vom Angeklagten lediglich 3 Gramm Kokain gekauft beziehungs-
weise gratis erhalten zu haben, während der Angeklagte angab, ihr 1 Gramm Ko-
kain verkauft und 3 Gramm Kokain gratis abgegeben zu haben (vgl. act. 5.19 und 

11

5.26). J. will lediglich 3 Gramm gekauft haben, während der Angeklagte angab, ihr 
6 Gramm verkauft zu haben (vgl. act. 5.14 und 5.18). 

Daneben gaben H., M. und N. sowie P. (vgl. Ziff. 1.2, 1.7 und 1.9 der Ankla-
geschrift) an, nie etwas vom Angeklagten gekauft zu haben, beziehungsweise den 
Angeklagten nicht zu kennen. In seinen polizeilichen Einvernahmen sagte der An-
geklagte demgegenüber aus, dass er 2 Gramm Kokain an H. gratis abgegeben 
habe und M. und N. mit dabei gewesen seien, als O. die 15 Gramm Kokain gekauft 
habe (vgl. act. 5.12, 5.13 und 5.16).

Der Angeklagte erkannte nicht nur die vorstehend genannten Abnehmer an-
hand von Fotos wieder, sondern gab aus freien Stücken in sämtlichen polizeilichen 
Einvernahmen die Abgabehandlungen und die dazugehörenden Mengenangaben 
zu. Diese Aussagen wiederum bestätigte er auch anlässlich der Hauptverhandlung 
vor dem Kantonsgericht Graubünden und hielt an ihnen fest. Zusammenfassend 
kann daher festgehalten werden, dass an den Aussagen des Angeklagten, einzeln, 
aber auch in ihrer Gesamtheit nicht zu zweifeln ist. Darüber hinaus decken sich die 
Aussagen des Angeklagten hinsichtlich Übergabeort, Übergabezeitpunkt, Preis und 
Verpackung mit den Aussagen der jeweiligen Drogenkonsumenten sowie in neun 
Fällen auch bezüglich der abgegebenen Menge. Es gibt daher keinen Grund dafür, 
dass der Angeklagte gerade in fünf Fällen bezüglich der Menge gelogen haben 
sollte. In einem weiteren Fall (Ziff. 1.15 der Anklageschrift), wurden zu seinen Guns-
ten nur 10 Gramm Kokain zur Anklage gebracht. Gesamthaft gesehen kann festge-
halten werden, dass nach freier Beweiswürdigung keine objektiven Zweifel mehr am 
Umstand bestehen können, dass X. in der Zeit von November 2003 bis am 2. Juni 
2004 an diverse Abnehmer in D. insgesamt 173 Gramm Kokain verkaufte oder ver-
schenkte. 

c) Bezüglich des vom Angeklagten verkauften Kokains liegt keine Ana-
lyse vor. Die Angaben betreffend Qualität des Kokains reichen von nicht gut (W., 
act. 5.03; S., act. 5.09), über immer schlechter (V., act. 5.06) und mehrheitlich gut 
(U., act. 5.07) bis gut (G., act. 4.04; O., act. 5.04; I., act. 5.15; L., act. 5.27). Nach 
den letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen (vgl. SJZ 95 [1999] Nr. 21, S. 511) 
weist Kokain bei Kleinstmengen und guter Qualität einen Reinheitsgehalt von durch-
schnittlich 71%, bei mittlerer Qualität einen solchen von 38% und bei schlechter 
Qualität einen solchen von 13% auf. Geht man zu Gunsten des Angeklagten von 
einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von einem Drittel aus, unter Berücksichti-
gung, dass die Qualität mehrheitlich als eher gut bezeichnet wurde, hat der Ange-

12

klagte demnach rund 57,7 Gramm reines Kokain umgesetzt. Selbst wenn lediglich 
von der Mengenangabe der Verteidigung, das heisst von 146 Gramm Kokain (151 
Gramm abzüglich der im Falle V. zuviel angenommenen 5 Gramm), ausgegangen 
würde, ergäbe dies eine Menge von mindestens 48,7 Gramm reinen Kokains, was 
immer noch erheblich einem schweren Fall nach Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG entspre-
chen würde. 

d) Zu den Ausführungen der Verteidigung seien noch folgende Bemer-
kungen angebracht:

Zur Menge ist zu sagen, dass wohl nur wenige Konsumenten genau Buch 
über ihre Drogenkäufe führen werden. Die Mengenangaben beruhen somit oft weit-
gehend auf Schätzungen. 

Zur Qualität gilt es zu bemerken, dass selbst dann, wenn eine Qualitätsprobe 
vorliegen würde, nicht zwingend auf die gleiche Qualität der übrigen verkauften Teil-
mengen geschlossen werden könnte. Dies könnte allenfalls dann der Fall sein, 
wenn der Drogenverkäufer aus demselben eingekauften Stoff Teilverkäufe dersel-
ben Qualität vornehmen würde. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Drogenkonsumen-
ten recht verlässliche Angaben über die Qualität der Drogen machen können, zumal 
sie in der Regel nicht bereit sind, für schlechte Qualität denselben Preis zu bezahlen 
wie für gute Qualität. Liegen - wie im vorliegenden Fall - Qualitätsangaben vor, wel-
che sich mehr in den Bereich „gut“ als „schlecht“ erstrecken, so rechtfertigt es sich 
zweifellos, einen Durchschnittswert (einen Drittel) anzunehmen, welcher sich im Be-
reich des wissenschaftlich ermittelten Durchschnittswertes von 38% befindet. Die 
Erfahrung zeigt übrigens auch, dass ein Drogenverkäufer in der Regel nicht stets 
schlechte Qualität verkauft, könnte er doch so den Absatz kaum sicherstellen. An-
haltspunkte dafür, dass im vorliegenden Fall X. nur schlechte Qualität verkauft hätte, 
liegen keine vor; die Aussagen von Konsumenten zeigen - wie dargelegt - ein an-
deres Bild.

3. Mit dem Verkauf von insgesamt 57,7 Gramm reinem Kokain an über 
15 Abnehmer hat der Angeklagte den objektiven Tatbestand von Art. 19 Ziff. 2 lit. a 
BetmG zweifellos erfüllt, hat er doch die für die Annahme eines schweren Falles 
festgesetzte Menge von 18 Gramm um mehr als das Dreifache überschritten. In 
subjektiver Hinsicht ist für die Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG Vor-
satz erforderlich. Vorsätzlich handelt gemäss Art. 18 Abs. 2 StGB, wer ein Verbre-
chen oder Vergehen mit Wissen und Willen ausführt. Zum Vorsatz gehört das auf 

13

die objektiven Merkmale des Tatbestandes bezogene Wissen und Wollen, nicht hin-
gegen das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit oder gar dasjenige der Strafbarkeit 
(BGE 107 IV 207), wenn gleich dieses Bewusstsein bei X. zweifellos vorhanden 
war. Der Täter muss wissen, dass der verkaufte Stoff Heroin, Kokain oder ein an-
deres Betäubungsmittel ist (Peter Albrecht, Kommentar zum Schweizerischen Straf-
recht, Sonderband Betäubungsmittelstrafrecht, Art. 19-28 BetmG, Bern 1995, N 85 
f. zu Art. 19). Vorliegend besteht kein Zweifel, dass X. vorsätzlich mit Kokain han-
delte. Aufgrund seiner zahlreich getätigten Verkäufe und Gratisabgaben nahm es 
der Angeklagte zumindest in Kauf, eine solche Menge von Betäubungsmitteln ab-
zusetzen, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann (BGE 
112 IV 113). Damit wurde der subjektive Tatbestand ebenfalls erfüllt, weshalb sich 
X. der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG schuldig gemacht hat.

4. Gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG wird mit Haft oder Busse bestraft, wer 
unbefugt Betäubungsmittel vorsätzlich konsumiert und wer zum eigenen Konsum 
eine Widerhandlung im Sinne von Art. 19 BetmG begeht. Dieser privilegierte Tatbe-
stand erfasst nur jene Beschaffungshandlungen, die ausschliesslich dem eigenen 
Drogenkonsum dienen und somit eine Gefährdung Dritter ausgeschlossen ist. Ins-
besondere schliessen Beschaffungshandlungen, die zum Drogenkonsum Dritter 
führen oder konkret führen können - so etwa Verkauf oder Vermittlung - die Anwen-
dung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG aus (Fingerhuth/Tschurr, Kommentar zum Betäu-
bungsmittelgesetz, Zürich 2002, S. 156). 

Die in der Anklageschrift aufgeführte und durch den Angeklagten an der 
Hauptverhandlung auch zugegebene wiederholte Tatbegehung zum ausschliessli-
chen Eigenkonsum, ist unter den privilegierten Tatbestand von Art. 19a Ziff. 1 
BetmG zu subsumieren. Auch wenn die total konsumierte Menge nicht mehr ermit-
telt werden konnte, hat X. seit seiner Einreise in die Schweiz am 1. Dezember 2002 
wiederholt Marihuana konsumiert. Der regelmässige Konsum während einer Zeit-
spanne von mehr als 1 ½ Jahren macht deutlich, dass vorliegend nicht mehr von 
einer einmaligen Entgleisung und somit nicht von einem leichten Fall im Sinne von 
Ziff. 2 der genannten Bestimmung gesprochen werden kann. Demgemäss ist  der 
Angeklagte der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig 
zu sprechen.

5. a) Bei der Strafzumessung hat der Richter gemäss Art. 63 StGB vom 
Verschulden des Täters auszugehen und insbesondere die Beweggründe, das Vor-
leben und die persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Das Verschulden um-

14

fasst den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat. Der Bemes-
sung der Schuld ist die Schwere der Tat zugrunde zu legen. Weiter wird beim Ver-
schulden zwischen Tat- und Täterkomponente unterschieden. Bei der Tatkompo-
nente werden das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Willensrichtung, mit 
welcher der Täter handelte und seine Beweggründe betrachtet. Die Täterkompo-
nente hingegen umfasst das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters 
sowie das Verhalten nach der Tat oder im Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, 
Einsicht oder Strafempfindlichkeit (BGE 129 IV 20; 117 IV 112 ff. mit Hinweisen). 
Diese in die Waagschale gelegten Elemente wirken strafmindernd oder strafer-
höhend, wobei in der Begründung der Strafzumessung die Überlegungen des Rich-
ters nachvollziehbar sein müssen (BGE 121 IV 56). Liegen keine Strafmilderungs- 
oder Strafschärfungsgründe vor, hat sich der Richter an den vom Gesetzgeber vor-
gesehenen Strafrahmen zu halten. 

Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen mehrere Freiheitsstrafen 
verwirkt, so verurteilt ihn der Richter nach dem Asperationsprinzip zu der Strafe der 
schwersten Tat und erhöht deren Dauer angemessen. Er kann jedoch das höchste 
Mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist er 
zusätzlich an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 68 Ziff. 1 Abs. 
1 StGB). Die schwerste Tat ist diejenige, welche unter den mit der höchsten Strafe 
bedrohten Tatbestand fällt. Grundlage für die Strafzumessung im vorliegenden Fall 
bildet der in Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG vorgesehene Strafrahmen von Zuchthaus 
oder Gefängnis nicht unter einem Jahr, womit eine Busse bis zu einer Million Fran-
ken verbunden werden kann.

b) Das Verschulden von X. wiegt unter den Gesichtspunkten der Tatkom-
ponente schwer. Die umgesetzte Drogenmenge ist zwar für die Strafzumessung 
nicht von ausschlaggebender Bedeutung, sind daneben doch auch das Vorleben, 
die persönlichen Verhältnisse und die Beweggründe relevant (BGE 118 IV 348). Sie 
bildet indessen einen ersten massgeblichen Anhaltspunkt für den kriminellen Willen 
des Täters (BGE 121 IV 193 = Pra 85 Nr. 28). Auch der Gesetzgeber hat bei der 
Umschreibung des schweren Falles dem Aspekt des umgesetzten Stoffes erhebli-
ches Gewicht beigemessen. Dies sicher zu Recht, dokumentiert doch der Täter, 
welcher eine grosse Menge Rauschgift in Umlauf bringt oder dazu Anstalten trifft 
und damit die Gefährdung einer Vielzahl von Menschen in Kauf nimmt, ein bedenk-
liches Mass an Skrupellosigkeit und mangelnde Achtung vor Leib und Leben seiner 
Mitmenschen, was grundsätzlich auf ein schweres Verschulden hinweist. X. ist vor-
zuwerfen, dass er über einen längeren Zeitraum durch seine aktive Rolle eine er-

15

hebliche Menge an Betäubungsmittel in Umlauf gebracht hat und damit einen er-
heblichen kriminellen Willen an den Tag gelegt hat. Erschwerend ist zu berücksich-
tigen, dass er die Betäubungsmittel einzig zum Zwecke der Verbesserung seines 
Lebensunterhaltes verkaufte. Er wollte auf Kosten der Gesundheit anderer seine 
Einnahmen erhöhen. Dies zeigt auf, dass der Angeklagte ein nicht süchtiger, ge-
winnorientierter Kleindealer und Mehrfachtäter und ein in der bisherigen Rechtspre-
chung nicht bekannter Tätertyp ist. Seine Art der „Handelstätigkeit“ wurde bis anhin 
in aller Regel von süchtigen Personen ausgeübt, welche durch den Kleinhandel kei-
nen Gewinn anstrebten, sondern im Wesentlichen ihren eigenen Drogenkonsum 
und darüber hinaus allenfalls noch eine Lebenshaltung auf tiefem Niveau sicher-
stellten. Es leuchtet ein, dass ein Blick auf die Strafzumessung bei jenen Tätern 
nichts für den heute zu beurteilenden Angeklagten hergibt. Das Verhalten des An-
geklagten ist somit losgelöst von irgendwelchen Modellen und Richtlinien allein im 
Rahmen der eingangs angeführten Strafzumessungsregeln des Art. 63 StGB zu be-
urteilen. Kriterien sind dabei insbesondere, wie oben aufgezeigt, die Gewinnorien-
tiertheit, die Menge und das schwere Verschulden. Ausgangspunkt muss sein, dass 
der Gesetzgeber den finanziellen Profit besonders hart treffen wollte und deshalb 
den Tatbestand des Drogenhandels nicht als Übertretung, sondern als Vergehen 
beziehungsweise als Verbrechen ausgestaltet hat. Hintergrund der Überlegungen 
des Gesetzgebers mag gewesen sein, dass die finanzielle Bereicherung auf Kosten 
der Gesundheit anderer Menschen ein ethisch besonders verwerfliches Verhalten 
darstellt (Albrecht, a.a.O., N 140 zu Art. 19 BetmG sowie einlässlich GVP 2002 Nr. 
61). Hinzu kommen die mehrfache Begehung und das Zusammentreffen mehrerer 
strafbarer Handlungen, welche strafschärfend zu berücksichtigen sind. Offensicht-
lich vermochte auch das strafrechtliche Verfahren, welches zum Strafmandat vom 
3. Februar 2004 führte, die nötige Warnwirkung nicht zu entfalten. Strafmindernd 
sind demgegenüber das Geständnis des Angeklagten, seine Einsicht und Reue so-
wie das kooperative Verhalten während der Strafuntersuchung zu werten. Strafmil-
derungsgründe liegen keine vor.

c) Zu beachten ist sodann, dass der Angeklagte die vorliegend zu beur-
teilenden Delikte zum Teil vor seiner Verurteilung zu 7 Tagen Gefängnis durch den 
Kreispräsidenten D. am 3. Februar 2004 begangen hat. So muss für diese neu zu 
beurteilenden Taten eine teilweise Zusatzstrafe ausgefällt werden. Bei der Bemes-
sung der Zusatzstrafe ist darauf zu achten, dass der Täter durch die doppelte Abur-
teilung nicht besser und nicht schlechter gestellt wird, als wenn alle zu einem Zeit-
punkt verfolgbaren Taten in einem Urteil abgehandelt worden wären (Art. 68 Ziff. 2 
StGB).  Dazu ist festzuhalten, dass diese kurze Freiheitsstrafe von geringem Ein-

16

fluss auf das vorliegende Strafmass ist. Schliesslich gilt festzuhalten, dass die 
Frage, ob X. 57,7 Gramm reines Kokain oder 65,7 Gramm reines Kokain verkauft 
hat, für die Strafzumessung ohne Bedeutung ist. In diesem Gesamtmengenbereich 
ist eine Abweichung von rund 10 Gramm nach oben oder nach unten oder von rund 
15% nicht erheblich und deshalb auch nicht geeignet, das Strafmass zu beeinflus-
sen. Anders wäre nur dann zu entscheiden, wenn die Abweichung grösser wäre, 
dergestalt dass sie ins Gewicht fallen würde oder wenn bei Mengen um die 18 
Gramm herum die Frage relevant würde, ob ein schwerer Fall gegeben sei oder 
nicht. Auch diesbezüglich wird also die Aussage in SF 03 15 ergänzt.

Unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe erscheint es als 
angemessen und gerechtfertigt, X. - teilweise als Zusatz zu der mit Strafmandat des 
Kreispräsidenten D. am 3. Februar 2004 ausgesprochenen Strafe von 7 Tagen Ge-
fängnis - eine Gefängnisstrafe von 27 Monaten aufzuerlegen.

d) Nach Art. 69 StGB rechnet der Richter dem Verurteilten die Untersu-
chungshaft auf die Freiheitsstrafe an, soweit der Täter diese nicht durch sein Ver-
halten nach der Tat herbeigeführt oder verlängert hat. Nach der Praxis des Bundes-
gerichts darf von der Anrechnung nur abgesehen werden, soweit der Beschuldigte 
durch sein - nach rechtsstaatlich vertretbaren Verfahrensgrundsätzen vorwerfbares 
- Verhalten nach der Tat die Untersuchungshaft in der Absicht herbeigeführt oder 
verlängert hat, um dadurch den Strafvollzug zu verkürzen oder zu umgehen (BGE 
117 IV 405; Rehberg, Strafrecht II, 6. Aufl., Zürich 1994 S. 88). Als solches Verhalten 
gilt weder die blosse Verweigerung von Aussagen noch die einfache Bestreitung 
der dem Angeschuldigten vorgeworfenen Straftaten, sondern einzig das Aufstellen 
von unwahren oder irreführenden Behauptungen, welche die Behörden zu weiteren 
und unnötigen Erhebungen veranlassen, oder der Missbrauch von Verteidigungs-
rechten zur Erreichung sachfremder Zwecke (BGE 105 IV 241; 103 IV 10; Rehberg, 
a.a.O., S. 88). Ablehnungsgründe im Sinne der aufgeführten Rechtsprechung be-
stehen nicht, weshalb X. die erstandene Untersuchungshaft von 134 Tagen gestützt 
auf Art. 69 StGB an die Strafe anzurechnen ist.

e) Die Gewährung des bedingten Strafvollzuges gemäss Art. 41 Ziff. 1 
StGB fällt bereits aus objektiven Gründen ausser Betracht und ist demnach nicht 
näher zu prüfen.

f) Von einem Widerruf des gemäss Strafmandat des Kreispräsidenten 
D. vom 3. Februar 2004 für die Strafe von 7 Tagen Gefängnis gewährten bedingten 

17

Strafvollzuges wird deshalb abgesehen, weil gemäss Einvernahme vom 5. August 
2004 (act. 1.8) nicht auszuschliessen ist, dass X. erst zu diesem Zeitpunkt vom 
Strafmandat Kenntnis erhalten hat (vgl. Stefan Trechsel, Kurzkommentar zum 
Schweizerischen Strafgesetzbuch, 2. Aufl., 1997, N 46 zu Art. 41 StGB mit Hinwei-
sen).

6. a) Gemäss Art. 55 Abs. 1 StGB kann der Richter eine ausländische Per-
son, welche zu Zuchthaus oder Gefängnis verurteilt wird, für 3 bis 15 Jahre aus dem 
Gebiet der Schweiz verweisen. Die Landesverweisung ist Nebenstrafe und Siche-
rungsmassnahme zugleich (BGE 114 Ib 3 f. ). Obwohl der zweite Gesichtspunkt im 
Vordergrund steht, verlangt ihre Eigenschaft als Nebenstrafe, dass sie in Anwen-
dung von Art. 63 StGB festgesetzt wird, das heisst nach dem Verschulden und den 
persönlichen Verhältnissen des Schuldigen. Der Richter hat sich besondere Zurück-
haltung aufzuerlegen, wenn der Ausländer lange in der Schweiz gelebt hat und hier 
verwurzelt ist, zu der eigenen Heimat aber keine Beziehungen mehr hat (BGE 104 
Ib 233 f.). Anders verhält es sich, wenn er eigens zur Begehung von Delikten in die 
Schweiz einreist (BGE 94 IV 104 f.; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, All-
gemeiner Teil II, Strafen und Massnahmen, Bern 1989, S. 208). Damit ist der Siche-
rungszweck jedoch nicht ausgeschaltet. Es ist Sache des Richters, im Einzelfall 
dem Straf- und Sicherungszweck der Landesverweisung Rechnung zu tragen (BGE 
123 IV 108 f.; 117 IV 118). Bezüglich der Länge des Landesverweises ist anzumer-
ken, dass zwischen der Dauer der Hauptstrafe und jener der Nebenstrafe eine ge-
wisse Übereinstimmung bestehen sollte, weil bei einem schweren Verschulden in 
der Regel ein erhöhtes Sicherungsbedürfnis gegeben ist, bei einem leichten Ver-
schulden ein entsprechend geringeres. Zwar braucht bei einer tiefen Hauptstrafe 
nicht notwendigerweise eine kurze Landesverweisung und bei einer hohen Haupt-
strafe eine lange ausgesprochen zu werden. Besteht bei der Dauer der Hauptstrafe 
und der Landesverweisung keine Übereinstimmung, so hat der Richter dies hinrei-
chend zu begründen (BGE 123 IV 110 f.).

Bei X. erfordert sowohl der Straf- als auch der Sicherungszweck eine Ver-
hängung der Landesverweisung. Wie bereits im Zusammenhang mit der Strafzu-
messung ausgeführt wurde, wiegt das Verschulden des Angeklagten schwer. Die 
Art und der Umfang der getätigten Drogengeschäfte zeigen, dass der Angeklagte 
ein beträchtliches Risiko für die öffentliche Sicherheit darstellen würde. Im Hinblick 
auf die persönliche Bindung zur Schweiz ist festzuhalten, dass er keinerlei Bindung 
zu diesem Land aufweist. So ist er in deren Gesellschaft weder in sozialer noch in 
beruflicher oder schulischer Hinsicht integriert. Vielmehr ist darauf hinzuweisen, 

18

dass der Angeklagte nach Abweisung seines Asylgesuches im November 2003 zum 
Zweck seines Lebensunterhaltes mit dem Drogenhandel begonnen und ihn bis zu 
seiner Festnahme weitergeführt hat. Damit hat er das entgegengebrachte Vertrauen 
missbraucht. Aufgrund des Sicherungszweckes besteht daher ein grosses Inter-
esse, einen erneuten Einstieg in den Drogenhandel durch den Angeklagten zu ver-
meiden. Aufgrund dieses Verhaltens während des Aufenthaltes in der Schweiz, der 
objektiv und subjektiv schweren Verfehlung und des staatlichen Interesses, auslän-
dische Drogendealer von der Schweiz fernzuhalten, ist neben einer Gefängnisstrafe 
von 27 Monaten nicht eine etwa gleich hohe Landesverweisung auszusprechen, 
sondern erscheint im vorliegenden Fall eine Landesverweisung von fünf Jahren als 
angemessen.

b) Unabhängig vom Entscheid über die Hauptstrafe ist zu prüfen, ob für 
die ausgesprochene Landesverweisung der bedingte Vollzug gewährt werden soll. 
Nach Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kann der Richter den Vollzug der Landesverweisung 
aufschieben, wenn Vorleben und Charakter des Verurteilten erwarten lassen, er 
werde dadurch von weiteren Verbrechen oder Vergehen abgehalten. Ob die Lan-
desverweisung bedingt aufgeschoben oder vollzogen werden soll, hängt einzig von 
der Prognose über das zukünftige Verhalten des Verurteilten in der Schweiz ab. Ob 
der bedingte Vollzug geeignet sei, den Angeklagten von der Begehung weiterer 
Straftaten abzuhalten, muss aufgrund einer Gesamtwürdigung entschieden werden 
(BGE 199 IV 195), wobei neben den Tatumständen das Vorleben und der Leumund 
sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters 
und die Aussichten seiner Bewährung zulassen, nicht aber die Schwere der Tat zu 
berücksichtigen sind (BGE 123 IV 112; 118 IV 101).

Vorliegend gilt es zu beachten, dass X. während seines Aufenthaltes in der 
Schweiz erheblich und wiederholt im Drogenhandel tätig war. Wie bereits im Zu-
sammenhang mit der Strafzumessung ausgeführt wurde, wiegt das Verschulden 
des Angeklagten schwer. Die fehlende Verankerung in der Schweiz lassen darüber 
hinaus nicht erwarten, dass sich der Verurteilte durch den bedingten Vollzug der 
Landesverweisung von weiteren Verbrechen oder Vergehen abhalten liesse. Dies 
wird auch aufgrund des Umstandes bekräftigt, dass er bereits in der Schweiz wegen 
Hehlerei verurteilt wurde (vgl. Vorakten). Er liess sich also durch das damalige Ver-
fahren in keiner Weise beeindrucken. Angesichts des Verlaufs der Tatumstände 
kann somit nicht mit guten Gründen ausgeschlossen werden, dass er nicht sofort 
nach Verbüssung der Strafe der Versuchung unterliegen wird, sich in kürzester Zeit 
mit dem Handel von Betäubungsmitteln Geld zu beschaffen. Damit erhalten die An-

19

haltspunkte für eine negative Prognose ein deutliches Übergewicht. Verbieten aber 
die Umstände die notwendige günstige Prognose, so ist die Landesverweisung un-
bedingt auszusprechen.

7. Nach Art. 58 Abs. 1 StGB verfügt der Richter ohne Rücksicht auf die 
Strafbarkeit einer bestimmten Person die Einziehung von Gegenständen, die zur 
Begehung einer strafbaren Handlung gedient haben oder bestimmt waren, oder die 
durch eine strafbare Handlung hervorgebracht worden sind, wenn diese Ge-
genstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ord-
nung gefährden.

Bei der Hausdurchsuchung am 2. Juni 2004 konnten 1,6 Gramm Kokain si-
chergestellt werden. Diese mit Verfügung vom 27. August 2004 beschlagnahmte 
Menge Kokain (act. 1.16) wird gestützt auf Art. 58 StGB gerichtlich eingezogen und 
ist zu vernichten.

8. a) Nach Art. 59 Ziff. 1 StGB verfügt der Richter die Einziehung von Ver-
mögenswerten, die durch eine strafbare Handlung erlangt worden sind oder dazu 
bestimmt waren, eine strafbare Handlung zu veranlassen oder zu belohnen, sofern 
sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes aus-
gehändigt wurden. Auch die Ausgleichseinziehung erfolgt wie die Sicherungseinzie-
hung gemäss Art. 58 Abs. 1 StGB ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer be-
stimmten Person (vgl. Florian Baumann, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Ba-
sel 2003, N 17 zu Art. 59).

Am 6. Februar 2004 konnte bei X. ein Mobiltelefon Nokia ID-Nr. 
351104101114507 mit Simkarte sichergestellt werden. Anlässlich der Hausdurch-
suchung vom 2. Juni 2004 konnte ein Mobiltelefon Nokia ID-Nr. 350893103604, ein 
Mobiltelefon Siemens ID-Nr. 350170514273082, ein Mobiltelefon Sagem ID-Nr. 
352832001888965 und Fr. 1'560.-- sichergestellt werden.

Die mit Verfügung vom 3. Mai 2004 beziehungsweise 27. August 2004 be-
schlagnahmten Mobiltelefone (act. 1.16 und 4.06) werden, zumal mit ihnen offen-
kundig strafbare Handlungen begangen wurden, gestützt auf Art. 59 Ziff. 1 StGB 
gerichtlich eingezogen. Ebenso werden die Fr. 1'560.-- gerichtlich eingezogen. Der 
Angeklagte verfügt über kein Vermögen und keine Arbeit. Ansonsten bekommt er 
lediglich alle zwei Wochen Fr. 154.--. Wären darüber hinaus seine Mitbewohner ehr-
liche Erwerber des Geldes gewesen, hätten sie sich gemeldet. Somit kann dieses 
Geld nur als Erlös aus dem Drogenhandel angesehen werden.

20

Das geleistete Depositum im Betrage von Fr. 100.-- wird an die Untersu-
chungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden angerechnet.

b) Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr 
vorhanden, so erkennt der Richter gemäss Art. 59 Ziff. 2 Abs. 1 StGB auf eine Er-
satzforderung des Staates in gleicher Höhe. Der Richter kann dabei von einer Er-
satzforderung ganz oder teilweise absehen, wenn diese voraussichtlich uneinbring-
lich wäre oder die Wiedereingliederung des Betroffenen ernstlich behindern würde.

Der Bruttoerlös der verkauften Betäubungsmittel betrug etwa Fr. 8'650.-- bis 
Fr. 17'300.--. Ein Nettogewinn konnte nicht ermittelt werden. Die finanziellen Mittel 
konnten nicht vollständig sichergestellt werden, weshalb vorliegend eine Ersatzfor-
derung in Frage kommt. Bei X. wurde kein weiteres Vermögen vorgefunden. Des 
Weiteren ist zu berücksichtigen, dass er nach Verbüssung seiner Strafe aus der 
Schweiz wird ausgewiesen werden müssen. Aufgrund der vermögensrechtlichen 
Situation ist davon auszugehen, dass eine allfällige Ersatzforderung gegenüber 
dem Angeklagten uneinbringlich wäre, weshalb von einer Ersatzabgabe gemäss 
Art. 59 Ziff. 2 Abs. 2 StGB abgesehen wird. 

9. Die Kosten der Strafuntersuchung, des Gerichtsverfahrens sowie der 
amtlichen Verteidigung gehen bei diesem Ausgang des Verfahrens gemäss Art. 158 
Abs. 1 StPO zu Lasten des Angeklagten. Demgegenüber sind die Kosten der ange-
rechneten Untersuchungshaft und diejenigen des Strafvollzuges vom Kanton 
Graubünden zu tragen (Art. 158 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 188 StPO). Die Kosten 
der Übersetzung trägt der Kanton Graubünden (Padrutt, a.a.O., S. 197).

21

Demnach erkennt die Strafkammer :

1. X. ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG und der 
mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.

2. Dafür wird er - teilweise als Zusatz zu der mit Strafmandat des Kreispräsi-
denten D. vom 3. Februar 2004 mit einer Probezeit von 2 Jahren ausgespro-
chenen Strafe von 7 Tagen Gefängnis - mit 27 Monaten Gefängnis abzüglich 
der erstandenen Untersuchungshaft von 134 Tagen bestraft.

3. X. wird gestützt auf Art. 55 Abs. 1 StGB für die Dauer von 5 Jahren des Lan-
des verwiesen.

4. a) Das mit Beschlagnahmeverfügung vom 3. Mai 2004 sichergestellte Mobil-
funktelefon Nokia ID-Nr. 351104101114507 mit Simkarte sowie die mit Be-
schlagnahmeverfügung vom 27. August 2004 sichergestellten              Mobil-
funktelefone Nokia ID-Nr. 350893103604, Siemens ID-Nr. 
350170514273082 und Sagem ID-Nr. 352832001888965 werden gestützt 
auf Art. 59 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu Handen des Kantons Graubünden gericht-
lich eingezogen.

b) Die mit Beschlagnahmeverfügung vom 27. August 2004 sichergestellten 
1,60 Gramm Kokain werden gestützt auf Art. 58 Abs. 1 StGB gerichtlich ein-
gezogen; die Betäubungsmittel sind gestützt auf Art. 58 Abs. 2 StGB zu ver-
nichten.

c) Die mit Beschlagnahmeverfügung vom 27. August 2004 sichergestellten 
Fr. 1‘560.-- werden gestützt auf Art. 59 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu Handen des 
Kantons Graubünden gerichtlich eingezogen.

d) Von der zusätzlichen Erhebung einer Ersatzabgabe wird gestützt auf 
Art. 59 Ziff. 2 Abs. 2 StGB abgesehen.

5. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- den Barauslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden 
von Fr.      1'530.00

- der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft 
Graubünden von

Fr.      2'000.00

- der Gerichtsgebühr von Fr.      3‘000.00
- dem Honorar der amtlichen Verteidigung von Fr.      3'819.00

22

total somit Fr.    10‘349.00

gehen zu Lasten von X.. 

Das geleistete Depositum von Fr. 100.-- wird an die Kosten angerechnet.

Die Kosten der Übersetzung sowie die Kosten der angerechneten Untersu-
chungshaft und des Strafvollzuges gehen zu Lasten des Kantons Graubün-
den.

6. X. bleibt bis zu einer anderslautenden Verfügung in Sicherheitshaft (Verfü-
gung vom 13. Oktober 2004).

7. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

8. Mitteilung an:

__________

Für die Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident:  Die Aktuarin ad hoc: