# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d1bba888-63d2-524f-86a8-efc27f2d4c86
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-07-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.07.2019 D-2206/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2206-2017_2019-07-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2206/2017 
lan 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  J u l i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger,  

Richter Walter Lang,    

Gerichtsschreiberin Sara Steiner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch MLaw Nicole Scheiber,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 13. März 2017 / N (…). 

 

 

 

D-2206/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess Somalia eigenen Angaben zufolge im Juni 

2015 und gelangte über Kenia, den Südsudan, den Sudan, Ägypten und 

Italien am 11. Juni 2016 in die Schweiz, wo er am 12. Juni 2016 ein Asyl-

gesuch stellte. Am 30. Juni 2016 wurde er summarisch befragt und am 

7. März 2017 einlässlich angehört. 

Zur Begründung seines Gesuches gab er im Wesentlichen an, er habe zu-

sammen mit seinem Cousin ein Ton- und Filmstudio geführt, welches von 

den Al-Shabab kritisiert worden sei. Nach etlichen telefonischen Drohun-

gen ab (…) 2015 seien diese im (…) 2015 im Studio aufgetaucht und hätten 

seinen Cousin ermordet. Am folgenden Tag sei auch er erneut von den Al-

Shabab bedroht worden, indem sie ihm 20 Dollar auf sein Handy geladen 

und ihm anschliessend mitgeteilt hätten, diese seien für sein Leichentuch. 

Zudem sei im (…) 2014 sein Vater von den Al-Shabab ermordet worden, 

weil er für die Regierung gearbeitet habe. 

B.  

Mit Verfügung vom 13. März 2017 – eröffnet am 14. März 2017 – lehnte 

das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-

weisung an, nahm ihn aber wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs in der Schweiz vorläufig auf. 

C.  

Mit Eingabe vom 13. April 2017 erhob der Beschwerdeführer – handelnd 

durch seine Rechtsvertreterin – gegen diesen Entscheid beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der Dispositiv-

ziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flücht-

lingseigenschaft und die Asylgewährung. In formeller Hinsicht ersuchte er 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. April 2017 hiess die damals zuständige 

Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und Verbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses. 

D-2206/2017 

Seite 3 

E.  

In ihrer Vernehmlassung vom 25. April 2017, welche dem Beschwerdefüh-

rer am 26. April 2017 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt die Vorinstanz 

vollumfänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung 

der Beschwerde. 

F.  

Mit Eingabe vom 8. Mai 2017 (Poststempel) reichte der Beschwerdeführer 

weitere Beweismittel in Form verschiedener Fotografien zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

D-2206/2017 

Seite 4 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM fest, die Vorbringen 

des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. So schildere er zwar seine 

Gründe für die Flucht sehr ausführlich und detailreich, verschiedene Ele-

mente sprächen aber dennoch gegen die Glaubhaftigkeit. So habe er ge-

mäss seinen Aussagen an der Befragung die Beerdigung seines Cousins 

organisiert, laut seinen Aussagen an der Anhörung, hätten dies aber an-

dere Personen gemacht und er habe bestenfalls an der Waschung teilge-

nommen, was er aber zunächst auch nicht erwähnt habe. Zur Beerdigung 

sei er aufgrund seines Schockzustandes nicht gegangen. Gemäss seinem 

Bericht an der Befragung sei er sofort von der Tat informiert worden und 

anschliessend habe man die Mutter des Cousins informiert. An der Anhö-

rung habe er hingegen angegeben, er sei von der Mutter des Cousins in-

formiert worden und dann ins Krankenhaus gefahren. Diese Aussagen 

habe er jeweils unterschriftlich bestätigt, weshalb seine Erklärung, er habe 

dies an der Befragung nicht so gesagt, nicht zu überzeugen vermöge. Auch 

in Bezug auf den Verkauf der Sachen aus dem Studio habe er sich wider-

sprochen, indem er an der Anhörung zunächst gesagt habe, er, bezie-

hungsweise ein Freund, habe diese verkauft, während er später ausgesagt 

D-2206/2017 

Seite 5 

habe, die Mutter des Cousins habe die Sachen verkauft. Weiter habe er 

zentrale Elemente seiner Vorbringen erst im Laufe des Verfahrens erwähnt. 

So habe er insbesondere weder an der Befragung noch zunächst in freier 

Rede an der Anhörung erwähnt, dass bei der Ermordung des Cousins eine 

Zeugin im Tonstudio anwesend gewesen sei und ihm anschliessend bei 

ihm zu Hause darüber berichtet habe. Weiter erscheine es eigenartig, dass 

die trauernde Mutter des ermordeten Cousins am Tag nach dessen Tod 

den Verkauf des Studiomaterials und die Ausreise des Beschwerdeführers 

organisiere. Dass diese wie eine Mutter für ihn gewesen sei, vermöge an-

gesichts der Tatsache, dass er über weitere Verwandte in Mogadischu ver-

füge, nicht zu überzeugen. Angesichts der zahlreichen Bestrafungen der 

Al-Shabab, von denen der Beschwerdeführer Zeuge gewesen sei, der Er-

mordung des Vaters und der Bedrohungen gegen ihn und seinen Cousin, 

sei es schwer verständlich, dass sie das Studio trotzdem weitergeführt hät-

ten. Zwar sei der Beschwerdeführer in der Lage gewesen, die Bedrohung 

durch die Al-Shabab substantiiert zu schildern. Es sei aber einzuräumen, 

dass er durch sein Aufwachsen in Mogadischu mit unzähligen Berichten 

über Bedrohungen durch die Al-Shabab beziehungsweise mit deren Gräu-

eltaten selber konfrontiert gewesen sei, weshalb das Schildern einer tat-

sächlichen oder erfundenen Bedrohung für ihn keine grosse Herausforde-

rung darstelle. Die vorübergehenden Festnahmen durch die Behörden 

habe er lediglich an der Befragung nicht jedoch an der Anhörung erwähnt, 

weshalb diese als nicht kausal für seine Ausreise zu bewerten seien. 

4.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, er habe seine Vorbringen 

überaus detailliert und substantiiert vorgebracht, chronologisch erläutern 

können und auch sämtliche Fragen beantworten können. Dies gelte insbe-

sondere für eine minderjährige Person. Er habe die Ereignisse von sich 

aus detailliert geschildert und die Gefühle, die diese ausgelöst hätten, be-

schrieben. Die Ausführlichkeit seiner Vorbringen halte denn auch das SEM 

an zwei Stellen seiner Verfügung fest, komme aber dennoch unter Verweis 

auf einzelne Elemente, die gegen die Glaubhaftigkeit sprächen, zum 

Schluss, seine Vorbringen seien insgesamt nicht glaubhaft. Hierzu gelte es 

festzuhalten, dass das Beweismass der Glaubhaftmachung durchaus 

Raum für gewisse Zweifel und Einwände offenlasse. Seine präzisen und 

ausführlichen Erzählungen würden die einzelnen Elemente gegen die 

Glaubhaftigkeit überwiegen, dies insbesondere da er noch minderjährig 

sei. In Bezug auf die Waschung des Leichnams gehe aus seinen Aussagen 

zu Beginn der Anhörung nicht hervor, dass er daran nicht teilgenommen 

habe, sondern nur, dass diese bereits begonnen habe, als er ins Kranken-

haus gekommen sei. Später habe er präzisierend ausgeführt, dass er sich 

D-2206/2017 

Seite 6 

dann ebenfalls daran beteiligt habe. Es handle sich also viel mehr um eine 

Präzisierung denn um einen Widerspruch. Da er an der Waschung teilge-

nommen habe, habe er die Beerdigung auch mitorganisiert. Dass er an der 

Beerdigung nicht teilgenommen habe, habe er an mehreren Stellen so ge-

sagt, sodass nicht ersichtlich sei, weshalb die Vorinstanz dies im Zusam-

menhang mit den Widersprüchen erwähne. Weiter habe er an der Anhö-

rung die Ereignisse in Bezug auf seine Benachrichtigung über den Tod des 

Cousins chronologisch wiedergegeben, während er an der Befragung auf-

grund seiner Nervosität nicht klar strukturiert erzählt habe. Er habe immer 

wieder Sachen erwähnt, die sich auf Vorheriges bezogen hätten und die er 

vergessen habe. Nachdem er gesagt habe, dass er umgehend informiert 

worden sei, habe er gemerkt, dass er vergessen habe zu sagen, dass es 

zwei bewaffnete Täter gewesen seien und die Mutter nach der Tat infor-

miert worden sei. Nachdem er dies angemerkt habe, sei er mit der Erzäh-

lung vom Moment im Krankenhaus an weitergefahren. In Bezug auf den 

Verkauf des Materials aus dem Studio möchte er präzisieren, dass die Mut-

ter des Cousins den Entschluss zum Verkauf gefasst habe, diesen aber ein 

Freund durchgeführt habe, weil weder er noch die Mutter dies hätten ma-

chen können. Dass ein Freund die Sachen verkauft habe, habe er verdeut-

lichend ausgeführt, als er gemerkt habe, dass die befragende Person da-

von ausgegangen sei, dass er dies selber gemacht habe. Wenn es weiter 

auch tatsächlich leicht irritierend erscheinen möge, dass sich seine Tante 

einen Tag nach dem Tod ihres Sohnes um seine Ausreise gekümmert 

habe, seien doch die Familienverhältnisse zu berücksichtigen. Nach dem 

Tod des Vaters und dem Verschwinden des Bruders habe sich die Bezie-

hung zur Tante, zu welcher er schon vorher eine enge Bindung gehabt 

habe, noch vertieft, zumal sich seine Mutter in der Trauer nicht richtig um 

ihn habe kümmern können. Die Arbeitstätigkeit im Studio habe er schliess-

lich fortführen müssen, weil er mit dem Verdienst für sich und seine Mutter 

habe sorgen müssen. Er habe beschrieben, dass die Familie aus armen 

Verhältnissen stamme, was sich mit dem Tod des Vaters und dem Ver-

schwinden des Bruders noch verschlimmert habe. Auch auf den Rückhalt 

aus einem Clan hätten sie nicht zählen können. Aufgrund der Drohungen 

hätten sie denn auch gewisse Vorsichtsmassnahmen ergriffen und nur 

noch in ihrem Quartier gearbeitet. Schliesslich sei es nicht nachvollziehbar, 

wenn das SEM aus dem Umstand, dass er viele Berichte über die Taten 

der Al-Shabab gehört und diese auch selber mitbekommen habe, 

schliesse, dass die detaillierte Schilderung eigener Erfahrungen aufgrund 

von kleinen Widersprüchen unglaubhaft sei.  

 

D-2206/2017 

Seite 7 

5.   

5.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit 

der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Bei der Be-

urteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller 

Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, 

Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-

keit usw.), die für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaft 

ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. 

Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt 

der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte 

wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach-

verhaltsdarstellung sprechen (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 

2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.2 Vorliegend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass 

die Vorbringen des Beschwerdeführers insgesamt als glaubhaft zu bewer-

ten sind. Dabei gilt es insbesondere dezidiert darauf hinzuweisen, dass der 

Beschwerdeführer seine Vorbringen ausgesprochen ausführlich und detail-

reich über 2 Seiten des Protokolls und insgesamt auch überwiegend über-

einstimmend schilderte. Zudem konnte er Fragen beantworten und seine 

Gefühle schildern. Dieses Aussageverhalten ist insbesondere für einen 

minderjährigen Jugendlichen bemerkenswert. Die vereinzelten Elemente, 

welche gemäss der angefochtenen Verfügung gegen die Glaubhaftigkeit 

der Aussagen sprechen, vermögen diese detailreiche Erzählung, wie in der 

Beschwerde richtig angemerkt, nicht aufzuwiegen. In Bezug auf die Orga-

nisation der Beerdigung des Cousins gilt es festzuhalten, dass ein (…)-

jähriger Junge diese kaum allein organisieren muss, weshalb der Be-

schwerdeführer mit der entsprechenden Bemerkung an der Befragung le-

diglich gemeint haben kann, dass er bei einzelnen Schritten so etwa bei 

der Waschung mitgeholfen hat. Dass er die Mithilfe bei der Waschung erst 

im zweiten Schritt erwähnte, kann durchaus als Präzisierung wahrgenom-

men werden. Dass er an der Beerdigung selber nicht teilgenommen hat, 

gab er stets übereinstimmend an, sodass kein Widerspruch erkannt wer-

den kann und nicht nachvollziehbar ist, weshalb das SEM dies hier er-

wähnte. Auch in Bezug auf die Benachrichtigung des Beschwerdeführers 

und der Mutter des Cousins nach der Tat überzeugen – insbesondere an-

gesichts der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers – die Einwände in 

der Beschwerde, wonach er an der Anhörung die Ereignisse chronologisch 

D-2206/2017 

Seite 8 

erzählt habe, während er an der Befragung aufgrund seiner Nervosität 

nicht klar strukturiert habe erzählen können und immer wieder Sachen er-

wähnt habe, die sich auf Vorheriges bezogen hätten und die er vergessen 

habe. So ist es denn auch logisch nachvollziehbar, dass zuerst die Mutter 

des Cousins informiert wurde. Dass der Beschwerdeführer die Zeugin im 

Tonstudio erst auf Nachfrage erwähnte, scheint dem Gericht angesichts 

der sonst sehr ausführlichen Erzählungen nicht diametral. Weiter scheinen 

die Ausführungen im Zusammenhang mit dem Verkauf des Studiomaterials 

und der Ausreise des Beschwerdeführers nachvollziehbar. Das Studioma-

terial des Cousins gehörte nach seinem Tod wohl dessen Eltern. Da der 

Vater nicht in der Stadt weilte (vgl. A19 F67 S. 10 Mitte), ist nicht unplausi-

bel, dass die Mutter den Verkauf initiieren musste. Dass der Beschwerde-

führer, als er den Irrtum der befragenden Person bemerkt habe, verdeutli-

chend ausgeführt habe, dass ein Freund die Sachen verkauft habe, über-

zeugt, zumal er diese Aussage auf Rückfrage der befragenden Person un-

mittelbar nachher machte (vgl. A19 F64 f.). Dass die trauernde Mutter oder 

der bedrohte Beschwerdeführer die Sachen nicht selber verkauft haben, ist 

nachvollziehbar. Angesichts der familiären Situation des Beschwerdefüh-

rers und der offenbar engen Beziehung zu seiner Tante, ist denn auch nicht 

auszuschliessen, dass diese einen Tag nach dem Tod ihres Sohnes, ver-

suchte, nun wenigstens noch ihren Neffen zu beschützen. Dass der Be-

schwerdeführer und der Cousin trotz der Drohungen und der Erfahrungen 

mit den Al-Shabab das Studio weitergeführt haben, scheint angesichts des-

sen, dass der Beschwerdeführer mit seinem Einkommen den Unterhalt der 

Familie bestreiten musste, verständlich, zumal er und sein Cousin gewisse 

Vorsichtsmassnahmen getroffen und nur noch in ihrem Quartier gearbeitet 

hätten. Die Erwähnung dieser Vorsichtsmassnahmen kann denn wiederum 

auch als Realitätskennzeichen gewertet werden. Gleiches gilt für die Aus-

sage, dass er bei den telefonischen Bedrohungen zunächst angenommen 

habe, es handle sich um einen Scherz und wie er anschliessend vorging, 

um herauszufinden, dass es sich offenbar um die Al-Shabab handeln 

musste (vgl. A19 F67 S. 9). Als der Cousin ermordet wurde, hat der Be-

schwerdeführer dann auch die letzte Konsequenz gezogen und ist ausge-

reist. In Bezug auf die Behauptung des SEM, aufgrund seines Aufwach-

sens in Mogadischu und den Erfahrungen mit den Al-Shabab stelle das 

Schildern einer tatsächlichen oder erfundenen Bedrohung durch diese für 

den Beschwerdeführer keine grosse Herausforderung dar, kann wiederum 

auf die überzeugenden Einwände in der Beschwerde verwiesen werden. 

Aus diesem Umstand kann nicht darauf geschlossen werden, dass die de-

taillierte Schilderung der eigenen Erfahrungen des Beschwerdeführers 

D-2206/2017 

Seite 9 

nicht glaubhaft ist. Inwiefern ihm die allgemeine Situation und die Greuel-

taten der Al-Shabab die Erzählung der eigenen konkreten Geschichte er-

leichtern soll, ist nicht ersichtlich, zumal er die Hinrichtung seines Freundes 

gar nicht detailliert beschrieb, sondern vielmehr die Begleitumstände, die 

er, der im Studio gar nicht anwesend war, mitbekommen hat. Auch als Re-

alitätskennzeichen kann gewertet werden, dass der Beschwerdeführer in 

Bezug auf die Ausreise aus Mogadischu angab, er habe vom Chauffeur die 

Information erhalten, die Al-Shabab hätten in den Dörfern nicht so viel Kon-

takt mit jenen in Mogadischu und wüssten somit nicht, wer gesucht werde, 

sodass er die Flucht gewagt habe (vgl. A19 F67 S. 10). Zuletzt gilt es zu 

erwähnen, dass der Beschwerdeführer verschiedene Fotografien ein-

reichte, die eine Tätigkeit in einem Tonstudio, wie sie der Beschwerdefüh-

rer beschrieb, belegen könnten, was als weiteres Indiz für die Glaubhaf-

tigkeit seiner Vorbringen insgesamt zu werten ist. Schliesslich sind seine 

Vorbringen auch vor dem Hintergrund der allgemeinen Situation in Moga-

dischu glaubhaft. Zwar kontrolliert die somalische Armee die Hauptstadt 

Mogadischu und die Al-Shabab wurden im August 2011 aus dieser vertrie-

ben (vgl. BVGE 2013/27 E. 8.5.4). Dies beschrieb auch der Beschwerde-

führer an der Anhörung so, indem er ausführte, im Dezember 2011 habe 

die Regierung die Kontrolle der Stadt übernommen. Gleichzeitig wies er 

aber darauf hin, dass die Al-Shabab seither begonnen hätten, junge Leute 

in den Schulen zu jagen und zum Eintritt in ihre Miliz zu zwingen (vgl. A19 

F50). Ihre Vertretung in den verschiedenen Quartieren sei unterschiedlich 

stark gewesen (vgl. A19 F67 S. 9). Die Bedrohung gegen sie und schliess-

lich die Ermordung seines Cousins seien von zivil gekleideten Jugendli-

chen ausgegangen, welche der Al-Shabab angehört hätten (vgl. A8 S. 8). 

Dem Gericht scheint es denn aufgrund entsprechender Berichte der Situa-

tion vor Ort auch plausibel, dass die Al-Shabab, wenn sie auch die Kon-

trolle über Mogadischu nicht mehr innehaben, weiterhin in den Quartieren 

auf diese Weise agieren können (vgl. etwa Deutschlandfunk, Lage in So-

malia: Drohnen, Dschihad und lukrative Geschäfte, 10. Juni 2018). 

5.3 Nach Abwägung der Argumente, die für die Glaubhaftigkeit, und denje-

nigen, die dagegen sprechen, kommt das Bundesverwaltungsgericht ins-

gesamt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Ver-

folgungsgeschichte entspreche in den wesentlichen Punkten den Tatsa-

chen, höher ist, als die – wenn auch nicht restlos auszuschliessende – 

Möglichkeit, sie sei vom Beschwerdeführer bloss erfunden worden. Bei ei-

ner Gesamtbeurteilung aller massgeblichen Aspekte überwiegen die für die 

Richtigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers sprechenden Ele-

mente gegenüber den Unglaubhaftigkeitsindizien. Dem Beschwerdeführer 

D-2206/2017 

Seite 10 

ist es demnach gelungen, den zur Begründung seines Asylgesuches vor-

getragenen Sachverhalt in den wesentlichen Punkten glaubhaft zu ma-

chen.  

6.  

6.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer auf-

grund des von ihm glaubhaft dargelegten Sachverhalts die Flüchtlingsei-

genschaft erfüllt, ihm mithin Asyl zu gewähren ist. 

6.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung 

der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine 

Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die 

Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. 

Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen dem 

Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind deshalb zu-

gunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. dazu 

BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.). 

6.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt 

vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – 

aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger 

Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk-

lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-

drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage 

Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen 

würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten 

Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der be-

troffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in ver-

gleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmass-

nahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub-

jektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen). 

D-2206/2017 

Seite 11 

6.4 Der Beschwerdeführer wohnte in Mogadischu und führte zusammen 

mit seinem Cousin ein Musikstudio. Da die Al-Shabab unter anderem das 

Hören von Musik verbieten (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], Afrikas ge-

fährlichste Terrormiliz, 15. Februar 2019), kann die Betätigung des Be-

schwerdeführers von diesen als politisches Engagement aufgefasst wer-

den. Der Beschwerdeführer und sein Cousin wurden denn auch von der 

Al-Shabab über Monate hinweg verschiedene Male bedroht und aufgefor-

dert, das Musikstudio zu schliessen, was sie nicht befolgt haben. Sie haben 

sich somit den Befehlen der Al-Shabab widersetzt, was als politische Op-

position betrachtet wird. Sein Cousin wurde in der Folge umgebracht. Der 

Beschwerdeführer hatte damit im Zeitpunkt seiner Ausreise begründete 

Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG, zumal er auch 

nach dem Tod des Cousins weiter bedroht wurde. Auch im heutigen Zeit-

punkt ist seine Furcht vor Verfolgung begründet, zumal sich die Situation 

in Somalia seit seiner Ausreise im Jahr 2015 nicht massgeblich verändert 

hat. Vor diesem Hintergrund ist von einer andauernden und konkreten Ge-

fährdung des Beschwerdeführers durch die Al-Shabab auszugehen, wel-

che als asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu werten ist. Angesichts 

der Verhältnisse in Somalia, ist auch nicht davon auszugehen, dass der 

Beschwerdeführer durch die staatlichen Behörden Schutz vor dieser Ver-

folgung erlangen könnte. Bereits angesichts des vom SEM als unzumutbar 

erachteten Wegweisungsvollzugs ist eine innerstaatliche Schutzalternative 

für den Beschwerdeführer nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer erfüllt 

demzufolge die Flüchtlingseigenschaft. Den Akten sind schliesslich keine 

Hinweise auf Gründe im Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen, weshalb 

dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren ist.  

7.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die angefochtene 

Verfügung des SEM vom 13. März 2017 ist aufzuheben. Der Beschwerde-

führer ist als Flüchtling anzuerkennen und das SEM anzuweisen, ihm Asyl 

zu gewähren. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Der obsiegenden Partei wäre eine Parteientschädigung für die ihr not-

wendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 

VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  

https://www.nzz.ch/international/afrika-terrormiliz-al-shabab-wuetet-in-kenya-und-somalia-weiter-ld.1456723
https://www.nzz.ch/international/afrika-terrormiliz-al-shabab-wuetet-in-kenya-und-somalia-weiter-ld.1456723

D-2206/2017 

Seite 12 

SR 173.320.2]). Die letzte Rechtshandlung der Rechtsvertretung erfolgte 

vor Erreichen des Erwachsenenalters des Beschwerdeführers. Die Rechts-

vertreterin hat ihr Mandat im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Dienststelle 

Asyl- und Flüchtlingswesen des Kantons (…) – und somit staatlich besoldet 

– ausgeführt, sodass davon auszugehen ist, für den Beschwerdeführer 

seien keine Vertretungskosten angefallen, weshalb keine Parteientschädi-

gung zuzusprechen ist. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2206/2017 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt. Das SEM wird ange-

wiesen, ihm Asyl zu erteilen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung entrichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner 

 

 

Versand: