# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 779844a4-8a0a-56bc-aede-f00846d5d3e2
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-11
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 11.06.2020 VG.2020.00013 (VG.2020.937)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2020-00013_2020-06-11.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 11. Juni 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2020.00013

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch
    Rechtsanwältin B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt C.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  UVG-Leistungen

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die 1966 geborene A.______ arbeitete als
  Assistenzärztin im Spital D.______ und war dadurch bei der ÖKK Kranken- und
  Unfallversicherung AG (nachfolgend: ÖKK) obligatorisch gegen die Folgen von
  Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 17. Dezember 2010
  einen Unfall erlitt, bei welchem sie auf der Strasse ausrutschte. In der
  Folge kam es zu mindestens einem weiteren Unfall, wobei sich der Heilverlauf
  insgesamt kompliziert gestaltete. Die ÖKK übernahm die Kosten der
  Heilbehandlungen und sprach A.______ Taggelder zu.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 30. August 2016 stellte die ÖKK die
  Taggeldleistungen per 30. November 2016 ein, teilte aber gleichzeitig
  mit, dass sie die Heilungskosten weiterhin übernehme. Dagegen erhob A.______
  am 27. September 2016 Einsprache. Nachdem die ÖKK ein multidisziplinäres
  Gutachten eingeholt hatte, hiess sie die Einsprache am 10. Januar 2020
  teilweise gut. Sie sprach A.______ Taggelder aufgrund einer vollständigen
  Arbeitsunfähigkeit bis am 31. Dezember 2018 zu. Daneben korrigierte sie die
  Taggeldberechnung. Als massgebendes Einkommen nahm sie ab Unfalltag bis
  31. Juli 2011 Fr. 91'290.-, ab 1. August 2011 bis 31. August
  2014 Fr. 100'997.- und ab 1. September 2014 bis Fallabschluss Fr.
  111'925.- an.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Dagegen gelangte A.______ mit Beschwerde vom 6.
  Februar 2020 ans Verwaltungsgericht. Sie beantragte die Aufhebung der
  Verfügung vom 30. August 2016 und des Einspracheentscheids vom 10. Januar
  2020 (Ziff. 1). Über noch streitige Pflegeleistungen und Kostenvergütungen in
  der Taggeldphase sei eine einsprachefähige Verfügung zu erlassen (Ziff. 2).
  Ihr seien die Taggelder aufgrund einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab
  Unfalltag bis mindestens 31. Dezember 2018 in korrekter Höhe zuzusprechen und
  auszurichten (Ziff. 3). Über die Frage, ob das Ende der Taggeldphase und der
  Beginn der Rentenphase auf den 31. Dezember 2018/1. Januar 2019 festzulegen
  seien, seien im Rahmen des Gerichtsverfahrens Vergleichsverhandlungen zu
  führen (Ziff. 4). Eventualiter sei die Sache zum Entscheid über die Frage, ob
  das Ende der Taggeldphase und der Beginn der Rentenphase auf den 31. Dezember
  2018/1. Januar 2019 festzulegen seien, an die ÖKK zurückzuweisen, damit
  diesbezüglich zwischen den Parteien ein Vergleich gefunden werden könne
  (Ziff. 5). Gegebenenfalls sei ihr zu missverständlichen Formulierungen des
  Einspracheentscheids das rechtliche Gehör zu gewähren (Ziff. 6); alles
  unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ÖKK.

  
	
   

  
	
  2.2 Die ÖKK schloss am 31. März 2020 auf Abweisung der
  Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne; unter gesetzlichen
  Kosten- und Entschädigungsfolgen.

  
	
   

  
	
  2.3 Am 9. April 2020 teilte A.______ dem
  Verwaltungsgericht mit, dass sie mit der ÖKK einen Vergleich abgeschlossen
  habe. Gemäss dem Vergleich wurde das Ende der Taggeldphase und der Beginn der
  Rentenphase auf den 31. Dezember 2018 bzw. 1. Januar 2019
  festgelegt (Ziff. 1). Über noch streitige Heilbehandlungen/Heilungskosten,
  Hilfsmittel, Pflegeleistungen und Kostenvergütungen, die in die Taggeldphase
  fallen und für welche die ÖKK zuständig ist, würden die Parteien in einem
  ersten Schritt ebenfalls einen Vergleich zu finden versuchen. Sollte bis am
  20. April 2020 kein Vergleich gefunden sein, erlasse die ÖKK eine
  einsprachefähige Verfügung (Ziff. 2). Die Parteien seien sich darüber einig,
  dass die Sachverhaltsdarstellungen der ÖKK sowie die Würdigung des Gutachtens
  vom 31. Dezember 2018 nur Begründungselemente des Einspracheentscheids
  darstellten, nicht Teil des Dispositivs seien und damit keine Rechtskraft
  erlangten (Ziff. 3). Die Sachverhaltsdarstellungen sowie die formelle und
  materielle Korrektheit und Beweiswertigkeit des Gutachtens bleibe zwischen
  den Parteien umstritten und werde von diesem Vergleich nicht berührt (Ziff.
  4). Mit der beidseitigen Unterzeichnung des Vergleichs seien die Anträge
  gemäss Ziffn. 2, 4, 5 und 6 der Beschwerde erledigt. Das
  Verwaltungsgericht müsse nur noch über die korrekte Höhe der Taggelder sowie
  die Kosten- und Entschädigungsfrage entscheiden (Ziff. 5). 

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 1 Abs. 1 des
  Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 (UVG) i.V.m.
  Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
  Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) i.V.m. Art. 1 des
  Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 3. Mai
  2009 (EG UVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.

  
	
   

  
	
  1.2 

  
	
  1.2.1 Die Parteien schlossen am 6./8. April 2020 einen
  Vergleich. Hauptinhalt des Vergleichs war die Einstellung der Taggelder per
  31. Dezember 2018. Daneben wurde im Wesentlichen lediglich festgehalten, dass
  über die streitige Kostenübernahme in der Taggeldphase ein Vergleich gesucht
  werde bzw. ein Entscheid zu treffen sei und dass sich die Parteien
  hinsichtlich der Beweiskraft des Gutachtens der E.______ vom
  31. Dezember 2018 nicht einig seien.

  
	
   

  
	
  1.2.2 Gemäss Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 und 3
  ATSG können Streitigkeiten über sozialversicherungsrechtliche Streitigkeiten
  durch Vergleich erledigt werden, wobei dies auch während eines hängigen
  Beschwerdeverfahrens möglich ist. Das Gericht muss den Vergleich prüfen und
  summarisch begründen, inwiefern der Vergleich mit Sachverhalt und Gesetz
  übereinstimmt (BGer-Urteil 9C_662/2010 vom 19. Oktober 2010 E. 2.2).

  
	
   

  
	
  1.2.3 Gemäss dem Gutachten der E.______ kann eine namhafte
  Verbesserung der orthopädischerseits festgestellten Unfallfolgen von einer
  Therapie nicht erwartet werden. Operative Massahmen könnten zudem nicht
  empfohlen werden. Der Endzustand könne seit dem Zeitpunkt des aktuellen
  Gutachtens vom 31. Dezember 2018 angenommen werden. Unter Beachtung
  dieses Gutachtens ist es nachvollziehbar, dass die Parteien übereinkamen, die
  Taggelder seien per 31. Dezember 2018 einzustellen und es sei die
  Zusprache einer Invalidenrente ab dem 1. Januar 2019 zu prüfen. Insofern
  ist der Vergleich nicht zu beanstanden. Die übrigen Punkte des Vergleichs
  geben keinen Anlass zu weitergehenden Bemerkungen, da lediglich festgehalten
  wird, dass Uneinigkeit über den Beweiswert des Gutachtens besteht
  bzw. dass über einzelne strittige Leistungen noch ein Vergleich geschlossen
  bzw. entschieden werden muss. 

  
	
   

  
	
  Demgemäss ist die
  Beschwerde antragsgemäss hinsichtlich der Anträge 2, 4, 5 und 6 als
  durch Vergleich erledigt abzuschreiben.

  
	
   

  
	
  1.3 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführerin bis
  zum 31. Dezember 2018 aufgrund einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
  Taggelder zustehen. Strittig und zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren
  einzig die Höhe der Taggelder.

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  2.1 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass das
  Taggeld bis zum 31. Juli 2011 basierend auf einem Einkommen von Fr. 91'290.-
  und ab dem 1. August 2011 auf einem solchen von Fr. 100'997.- zu bemessen
  ist. Strittig ist hingegen, ob und wie das Taggeld in der Folge anzupassen
  ist.

  
	
   

  
	
  2.2 Gemäss Art. 15 Abs. 1 UVG werden Taggelder und
  Renten nach dem versicherten Verdienst berechnet. Nach Art. 15 Abs. 2
  UVG gilt als versicherter Verdienst für die Bemessung der Taggelder der
  letzte vor dem Unfall bezogene Lohn, für die Bemessung der Renten der
  innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bezogene Lohn. Art. 15 Abs. 3 Satz 3
  UVG erteilt dem Bundesrat die Kompetenz zum Erlass von Bestimmungen über den
  versicherten Verdienst in Sonderfällen, namentlich bei langdauernder
  Taggeldberechtigung (lit. a). Gestützt hierauf hat der Bundesrat in Art. 23
  Abs. 7 der Verordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982 (UVV)
  vorgesehen, dass der massgebende Lohn für die Zukunft neu bestimmt wird, wenn
  die Heilbehandlung wenigstens drei Monate gedauert hat und der Lohn der
  versicherten Person in dieser Zeit um mindestens 10 % erhöht worden
  wäre.

  
	
   

  
	
  2.3 Eine Anpassung nach Art. 23 Abs. 7 UVV ist nur bei
  konkreten, sich aus dem Arbeitsverhältnis und den persönlichen Umständen der
  versicherten Person ergebenden Indizien zu prüfen. Im Rahmen der ihnen
  obliegenden Mitwirkungspflichten (BGE 116 V 23
  E. 3c) ist es Sache der versicherten Person, mit dem im
  Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
  Wahrscheinlichkeit darzutun, dass eine solche Erhöhung erfolgt wäre, wenn
  kein Unfall eingetreten wäre (BGer-Urteil U 241/01 vom 4. September 2002
  E. 2.1).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Zwischen den Parteien ist strittig, wie Art. 23
  Abs. 7 UVV auszulegen ist. Die Beschwerdeführerin vertritt die
  Auffassung, dass ab dem Zeitpunkt, in welchem die Heilbehandlung mindestens
  drei Monate gedauert hat und die Lohnerhöhung mindestens 10 % betragen
  hätte, jede mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesene Veränderung
  des Lohns berücksichtigt werden müsse. Die Beschwerdegegnerin hält hingegen
  dafür, dass für jede Anpassung des Lohns eine Lohnerhöhung von mindestens
  10 % erforderlich sei.

  
	
   

  
	
  3.2

  
	
  3.2.1 Nach den üblichen Regeln der Gesetzesauslegung ist
  eine Bestimmung in erster Linie nach ihrem Wortlaut auszulegen. Ist der Text
  nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss nach
  seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller
  Auslegungselemente, namentlich von Sinn und Zweck sowie der dem Text zugrunde
  liegenden Wertung. Vom klaren, d.h. eindeutigen und unmissverständlichen
  Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen werden, unter anderem dann, wenn
  triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der
  Bestimmung wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte
  der Bestimmung, aus ihrem Grund und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit
  anderen Vorschriften ergeben (BGE 141 V 674 E. 2.2, 139 V 148
  E. 5.1, je mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.2.2 Es ergibt sich aus dem Wortlaut der Bestimmung von
  Art. 23 Abs. 7 UVV nicht deutlich, ob, nachdem erstmals eine Anpassung des
  massgebenden Lohns vorgenommen worden ist, für eine weitere Anpassung des
  Lohns erneut eine Lohnerhöhung von mindestens 10 % im Vergleich zum
  letztmals angepassten Lohn erforderlich ist. 

  
	
   

  
	
  Art. 23 Abs. 7 UVV durchbricht
  das Äquivalenzprinzip, wonach der versicherte Verdienst in der Regel nicht
  über dem Einkommen liegen darf, auf dem Prämien erhoben werden. Mit dieser
  Sondernorm werden an der auf den Unfallzeitpunkt abstellenden abstrakten
  Berechnungsmethode der Grundregel von Art. 15 Abs. 2 UVG und Art. 22
  Abs. 3 und 4 UVV Korrekturen vorgenommen, um unbefriedigende Ergebnisse
  auszuschliessen oder zu mildern (BGer-Urteil U 384/01 vom 2. Dezember 2004 E.
  5.2). Dabei geht es nicht darum, die künftig zu erwartende Lohnentwicklung
  bei der Berechnung des Taggelds eins zu eins nachzuvollziehen. Vielmehr zeigt
  die Erheblichkeitsschwelle von 10 %, dass lediglich unbillige Ergebnisse
  vermieden werden sollen. Würde man nun der Beschwerdeführerin folgen, müsste
  der Lohn nach einer erstmaligen Anpassung stets angepasst werden, wenn er
  sich mutmasslich verändert hätte. Selbst wenn der Lohn einzig aufgrund der
  Teuerung gestiegen wäre, wäre er bereits erneut anzupassen. Dies entspricht
  weder dem Sinn von Art. 23 Abs. 7 UVV noch ist eine solche Vorgehensweise
  praktikabel. Erst wenn der angepasste Lohn erneut um 10 % gestiegen
  wäre, erweist es sich nach der bundesrätlichen Konzeption als unbillig,
  diesen nicht anzupassen. Insofern ist der Beschwerdeführerin nicht zu folgen,
  soweit sie eine fortlaufende Anpassung des für die Berechnung der Taggelder
  massgebenden Lohns fordert. Eine weitere Anpassung kommt vielmehr erst in
  Betracht, wenn der Lohn im Vergleich zur letzten Lohnanpassung erneut um
  mindestens 10 % gestiegen wäre.

  
	
   

  
	
  3.3 Der massgebende Lohn wurde erstmals ab dem 1. August
  2011 angepasst und auf Fr. 100'997.- festgesetzt. Es ist unbestritten, dass
  die Beschwerdeführerin bis 31. August 2013 nie einen um 10 % über Fr.
  100'997.- liegenden Lohn erzielt hätte, weshalb sich nach dem Gesagten bis
  zum 31. August 2013 keine weitere Anpassung des Lohns rechtfertigen
  lässt.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Strittig ist, wie sich der Lohn ab dem 1. September
  2013 entwickelt hätte. Die Parteien gelangen dabei übereinstimmend zur
  Auffassung, dass die Beschwerdeführerin den Facharzttitel Allgemeine Innere
  Medizin erworben hätte. Während die Beschwerdeführerin davon ausgeht, dass
  sie diesen Titel Ende August 2013 erworben und danach als Oberärztin
  gearbeitet hätte, sieht dies die Beschwerdegegnerin nicht als überwiegend
  wahrscheinlich an. Sie geht vielmehr davon aus, dass die Beschwerdeführerin
  den Facharzttitel erst ein Jahr später erworben hätte und es höchst ungewiss
  sei, ob sie danach als Oberärztin gearbeitet hätte. 

  
	
   

  
	
  4.2 Die im Jahr […] geborene Beschwerdeführerin
  absolvierte im Land F.______ das Wirtschaftsgymnasium und erlangte im Jahr
  1985 die Fachhochschulreife. Anschliessend liess sie sich bis 1990 zur
  Finanzinspektorin ausbilden. Von 1992 bis 1995 absolvierte sie das Gymnasium
  und erlangte die Hochschulreife. Ab 1998 studierte sie Humanmedizin, wobei
  sie daneben ihre Schwester pflegte und ab 2001 stets berufstätig war. In den
  Jahren 2007 und 2008 legte sie im Land F.______ das Staatsexamen ab. Ab
  August 2008 war sie als Assistenzärztin am Spital G.______ tätig. Im April
  2010 wechselte sie ans Spital D.______, wo sie ebenfalls als Assistenzärztin
  tätig war, ehe sich am 17. Dezember 2010 der Unfall ereignete. Geplant war
  sodann, dass sie vom 1. September 2012 bis am 31. August 2013 als
  Assistenzärztin am Spital H.______ arbeitet. Die Evaluationsprotokolle des
  Spitals D.______ zeigen dabei, dass die Beschwerdeführerin die Anforderungen
  grossmehrheitlich erfüllte. Ihr wird dabei ein ausserordentliches Engagement
  bei ihrer Tätigkeit attestiert. 

  
	
   

  
	
  4.3

  
	
  4.3.1 Das soeben Dargelegte zeigt, dass die
  Beschwerdeführerin nach Abschluss ihres Studiums der Humanmedizin ihre
  berufliche Karriere sorgfältig aufbaute. Unklar bleibt jedoch, wann sie ihren
  Facharzttitel erworben hätte. 

  
	
   

  
	
  In ihrem Schreiben vom 21.
  November 2013 führte sie dazu nichts aus, sondern stützte sich bei der
  Auflistung der geforderten Taggelder auf die Lohnmatrix für Assistenzärzte am
  Spital D.______. Erstmals machte sie in ihrer Einsprache geltend, dass sie
  einen Facharzttitel erworben hätte, wobei sie ausführte, dass dies im Jahr
  2014 gewesen wäre. In ihrer Beschwerde ging sie hingegen von Ende August 2013
  aus, wobei sie eine Begründung für diese Diskrepanz schuldig blieb. Die
  Beschwerdegegnerin geht hingegen – ebenfalls ohne nähere Begründung – davon
  aus, dass die Beschwerdeführerin erst ab dem 1. September 2014 als Fachärztin
  tätig gewesen wäre.

  
	
   

  
	
  4.3.2 Gemäss Anhang 1 der Verordnung über Diplome, Ausbildung, Weiterbildung
  und Berufsausübung in den universitären Medizinalberufen vom 27. Juni 2007
  (Medizinalberufeverordnung, MedBV) dauert die Ausbildung zur Fachärztin
  Allgemeine Innere Medizin fünf Jahre. Die Prüfung kann zweimal pro Jahr
  absolviert werden, wobei die Weiterbildung noch nicht zwingend abgeschlossen
  sein muss (vgl. Art. 23 Abs. 1 der Weiterbildungsordnung der SIWF
  FMH vom 21. Juni 2000 [WBO]).

  
	
   

  
	
  Es wäre zwar
  durchaus denkbar, dass die Beschwerdeführerin die Facharztprüfung während
  ihrer Ausbildung absolviert hätte, indessen wäre es aber ebenso möglich, dass
  sie sich erst nach Ablauf der Anstellung beim Spital H.______ auf die
  Facharztprüfung vorbereitet hätte. Denkbar wäre auch, dass sie ihre
  Kenntnisse noch an einem anderen Spital vertieft hätte. Entscheidend ist
  aber, dass die Beschwerdeführerin in dem Zeitpunkt, in welchem sie sich
  erstmals zur Facharztprüfung äusserte, ausführte, sie hätte diese Prüfung
  (erst) im Jahr 2014 absolviert. Damit kann nicht mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass sie bereits Ende August
  2013 den Facharzttitel erworben hätte. 

  
	
   

  
	
  Der erste Termin
  für die Facharztprüfung ist jeweils Ende Juni
  (vgl. https://www.siwf.ch/files/pdf21/aim_version_internet_ d.pdf).
  Danach braucht es etwas Zeit, bis die Resultate vorliegen. Anschliessend ist
  das Gesuch zur Erteilung eines Facharzttitels zu stellen, wobei dessen
  Beurteilung bis zu zwei Monate dauern kann (Art. 45 Abs. 3 WBO). Damit war
  der Erwerb des Facharzttitels bei Ablegung der Prüfung im Jahr 2014
  frühestens per Ende August 2014 möglich.

  
	
   

  
	
  Unter all diesen
  Umständen ist es bloss möglich, dass die Beschwerdeführerin den Facharzttitel
  bereits im Jahr 2013 erworben hätte. Überwiegend wahrscheinlich erscheint der
  Erwerb des Facharzttitels – wie von der Beschwerdegegnerin angenommen –
  allerdings frühestens Ende August 2014.

  
	
   

  
	
  4.3.3 Hingegen spricht wenig dafür, dass die
  Beschwerdeführerin danach auf unbestimmte Zeit Assistenzärztin geblieben
  wäre. Überwiegend wahrscheinlich ist vielmehr, dass sie eine übliche
  Berufskarriere eingeschlagen hätte und nach Erwerb des Facharzttitels entweder
  als Oberärztin gearbeitet oder eine freie Praxistätigkeit aufgenommen hätte.
  Anderweitiges ist aufgrund der Berufstätigkeit der Beschwerdeführerin nach
  Abschluss des Medizinstudiums und ihrer dabei erworbenen guten
  Qualifikationen nicht anzunehmen. 

  
	
   

  
	
  4.4 Geht man davon aus, dass die Löhne bei einer freien
  Praxistätigkeit über denjenigen einer Oberärztin liegen
  (vgl. Schweizerische Ärztezeitung, Erhebung der Einkommensverhältnisse
  der berufstätigen Ärzteschaft, 2011, S. 1361 ff.), ist es nicht zu beanstanden,
  wenn die Beschwerdeführerin für den massgebenden Lohn denjenigen einer
  Oberärztin heranziehen will.

  
	
   

  
	
  Zu beachten gilt es aber,
  dass sich der versicherte Verdienst nach den Verhältnissen bis zum Zeitpunkt
  des Unfallereignisses zu richten hat. Der Höchstbetrag kann auch im
  Anwendungsbereich von Art. 23 Abs. 7 UVV nicht korrigiert werden
  (vgl. dazu eingehend BGer-Urteil U 384/01 vom 2. Dezember 2014 E. 5.1).
  Im Zeitpunkt des Unfallereignisses (2010) lag der maximal versicherte
  Verdienst bei 126'000.-. 

  
	
   

  
	
  Gemäss des von der
  Beschwerdeführerin ins Recht gelegten Handbuchs Personalrecht des Kantons
  Zürich wird eine Oberärztin ohne Berufserfahrung, aber mit Facharzttitel in
  die Lohnklasse 22, Lohnstufe 11 bis 13, eingereiht. Selbst wenn man die für
  die Beschwerdeführerin ungünstigste Einreihung in der Lohnstufe 11
  annähme, ergäbe sich ein Jahreslohn von Fr. 138'909.-. Damit ist mit
  überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
  Beschwerdeführerin ab dem 1. September 2014 einen über dem maximal versicherten
  Verdienst von Fr. 126'000.- liegenden Lohn erzielt hätte. Die Taggelder
  sind daher ab dem 1. September 2014 auf der Basis eines Jahreseinkommens
  von Fr. 126'000.- auszurichten.

  
	
   

  
	
  4.5 Da für die Berechnung der Taggelder der im Zeitpunkt
  des Unfallereignisses geltende maximale versicherte Verdienst nicht
  überschritten werden darf, ist auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin
  zur mutmasslichen weiteren Lohnentwicklung nicht einzugehen.

  
	
   

  
	
  4.6 Zusammenfassend ist die Beschwerde teilweise
  gutzuheissen, soweit sie nicht als durch Vergleich erledigt abzuschreiben
  ist. Die Disp.-Ziff. 3.3 des Einspracheentscheids vom 10. Januar 2020 ist
  dahingehend zu ändern, als die Taggelder ab dem 1. September 2014 bis
  zum 31. Dezember 2018 aufgrund eines Einkommens von Fr. 126'000.- zu
  berechnen sind.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1. 

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 UVG
  i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Für den durch Vergleich
  erledigten Teil der Beschwerde ist keine Parteientschädigung zuzusprechen,
  wobei darauf hinzuweisen ist, dass insbesondere auf den Antrag gemäss Ziff. 2
  mutmasslich nicht eingetreten hätte werden können, da dieser ausserhalb des
  durch den Einspracheentscheid festgesetzten Streitgegenstands lag. Hinsichtlich
  des Zeitpunkts der Einstellung der Taggelder wurde durch den Vergleich sodann
  nichts am Einspracheentscheid geändert.

  
	
   

  
	
  Hingegen hat die
  Beschwerdeführerin hinsichtlich der Taggeldhöhe als obsiegend zu gelten,
  wobei keine "Überklagung" vorliegt, welche Einfluss auf den
  Prozessaufwand hatte (vgl. BGE 117 V 401 E. 2c). Demzufolge besteht
  hinsichtlich der Höhe der Taggelder Anspruch auf eine volle Entschädigung. Da
  sich diesbezüglich der Aufwand in Grenzen hielt, erweist sich eine
  Parteientschädigung von Fr. 1'200.- (inkl. Mehrwertsteuer) als
  angemessen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, soweit sie nicht als durch
    Vergleich erledigt abgeschrieben wird. Der Einspracheentscheid der
    Beschwerdegegnerin vom 10. Januar 2020 wird dahingehend geändert, als die
    Taggelder ab dem 1. September 2014 bis zum 31. Dezember 2018 aufgrund
    eines Einkommens von Fr. 126'000.- zu berechnen sind.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 1'200.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]