# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 747b7f22-3bdd-5c11-b346-a0877dc70ba6
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230577-O1
**Docket/Reference:** SB230577-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230577-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230577-O/U/sm

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Bertschi, Präsidentin, Oberrichter lic. iur.

Wenker und Ersatzoberrichterin Dr. iur. Schoder sowie der Gerichts-

schreiber Dr. iur. Harisberger

Urteil vom 26. Juni 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Fürsprecher X1._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

sowie

1.

2.

3.

B._____, 

C._____, 

D._____, 

Privatklägerinnen

1, 2, 3 unentgeltlich vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Y._____, 

betreffend Mord und Widerruf

-   2   -

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 

4. Oktober 2023 (DG230023)

-   3   -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 15. Februar 

2023 ist diesem Urteil beigeheftet. (Urk. 42)

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 94 S. 222 ff.)

1.

2.

Der Beschuldigte ist schuldig des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB.

Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg 

vom 14. März 2019 ausgefällten Freiheitsstrafe von einem Jahr wird widerru-

fen.

3.

Der  Beschuldigte  wird  unter  Einbezug  der  widerrufenen  Strafe  bestraft  mit 

18 ¼ Jahren Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon bis und mit heute 1'522 

Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind.

4.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 15. Februar 2023 

beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen ausgehändigt und bei Nich-

tabholung innert drei Monaten durch die Lagerbehörde vernichtet:

A012'887'284

Mobiltelefon Samsung in transparenter Schutzhülle inkl. SIM-

Karte LycaMobile

A012'887'364

Mobiltelefon WIKO Y80 in Verpackung inkl. Netzteil

A012'887'422

LycaMobile SIM-Karte

A012'887'444

grüne Sichtmappe mit diversen persönlichen Dokumenten

A012'887'499

Versandbeleg Western Union vom 17. Juni 2019

A012'887'502

zwei unbenutzte SIM-Karten Sunrise, drei leere SIM-Kartenhalter 

Sunrise, leerer SIM-Kartenhalter Salt

A012'898'338

div. Dokumente 

A012'977'810

Rechnung und Quittung

-   4   -

A012'977'854

Kaufvertrag Mercedes Benz A180

A012'940'362

Herrentasche Marke Gucci 

A013'015'797

CH-Reisepass Beschuldigter (einschliesslich türkische Formulare)

A013'018'412

Kleiner Kartenhalter mit CH-ID, CH-Führerausweis, Krankenkas-

senkarte, Bankkarten ZKB, PostFinance, VISA, Mavi Kartus, Cu-

mulus-Karte, Altinyildiz-Karte, diverse Visitenkarten mit Notizen, 

Passfotos, Notizzettel, drei türkische Gewinnlose

5.

Die  folgenden,  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich 

vom 15. Februar 2023 beschlagnahmten Gegenstände werden den Privatklä-

gerinnen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen aus-

gehändigt und bei Nichtabholung innert drei Monaten durch die Lagerbehörde 

vernichtet:

A012'642'324

leeres Couvert mit einer Unterschrift sowie der Aufschrift "100 Fr." 

versehen

A012'887'319

Mobiltelefon Samsung

A012'887'353

div. Papierunterlagen/Dokumente/Ordner etc.

A012'888'801

Grundbuchauszüge/Kaufverträge/Schenkungen

A012'888'812

Bewertungen Immobilien Zürich/E._____

A012'888'823

Steuererklärung 2017 Fam. B._____C._____D._____

A012'887'455

div. Bankbelege CS/div. Notizen

A012'887'557

Mobiltelefon Apple iPhone 7 rot

A012'888'221

div. Unterlagen (Schrankfachmiete ZKB F._____ [Ort] Nr. 1 [recte 

wohl: CS]/Vollmacht G._____/Kundenbeleg ZKB/div. Quittungen)

A012'888'243

Schlüssel zum Schrankfach Nr. 1 ZKB F._____ "H._____ AG Zü-

rich"

A012'888'276

div. Hängeregister inkl. Dokumente/Unterlagen

-   5   -

A012'888'425

Tresorschlüssel "T" zu Tresor

A012'888'458

div. Unterlagen (Immobilien)

A012'889'520

div. Unterlagen Immobilien Deutschland

A012'915'945

Dokumente betr. Liegenschaft in E._____ an der I._____-strasse 

2

A012'915'967

1 Schlüsselbund mit 3 Schlüsseln

A012'977'218

Ordner blau "Auto-Manie"

A012'977'230

Ordner blau "J._____"

A012'977'241

Ordner rot "De Bello ITA"

A012'977'274

Notizbuch "Rubrica Telefonica"

A012'977'285

Tablet iPad weiss

A012'977'296

diverse Schriftlichkeiten

A012'977'309

diverse Schriftlichkeiten

A012'977'321

div. Notizen

A012'977'332

div. Schriftlichkeiten

A012'977'376

Urkunde Geschäftsgründung K._____ [Gemeinde in Deutschland]

A012'977'398

div. Quittungen, Schriftlichkeiten

A012'977'650

Notizzettel

A013'062'083

Quittung Hauskauf K._____

A013'062'118

Dokumente Umbau Liegenschaft K._____

A013'062'130

Rechnungen Umbau Liegenschaft K._____

A013'062'152

Belege Volksbank, div. Dokumente Liegenschaft K._____

-   6   -

A013'015'855

Schreibmappe schwarz

A013'016'585

Couvert weiss, Stempel 05.07.2019, adressiert, enthaltend Ge-

schwindigkeitsbusse vom 13.06.2019/19:07 Uhr, BMW i8

A013'017'248

Schriftliche Unterlagen, Couverts, Visitenkarten

A012'289'145

Bauchtasche schwarz

A013'017'577

Italienischer Reisepass, Niederlassungsbewilligung C

A012'898'532

Portemonnaie dunkelbraun, "Vera Pelle"

A013'017'486

Bargeld CHF 145.50

A013'017'453

Diverse Kontokarten, Karten, Visitenkarten

A012'902'500

Ticket "ZVV Anschluss Tageskarte"

A013'015'866

Couvert braun C5 mit div. schriftlichen Notizen

A013'015'888

Fahrzeugausweis ZH3, Audi Q7 3.0 TDI

A013'016'018

Visitenkarte "Ristorante L._____"

A012'898'156

Quittungsbuch und div. Schriftstücke

6.

Die  folgenden,  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich 

vom 15. Februar 2023 beschlagnahmten Gegenstände werden den Privatklä-

gerinnen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen aus-

gehändigt und bei Nichtabholung innert drei Monaten bei den Akten belassen 

bzw. zu den Akten genommen:

A012'888'083

Reservationsvereinbarung für die Liegenschaft 4, Plan 5, M._____ zwi-

schen †N._____ und O._____ vom 29. Juni 2019 inkl. Grundbuchaus-

zug

A012'888'390

div. Unterlagen: Quittung Erhalt CHF 200'000 Reservationsgebühr von 

O._____ für Liegenschaft M._____ vom 29.6.2019, öffentliche Ur-

kunde/Konventionalstrafe iS O._____/Liegenschaft M._____ vom 

29.6.2019

-   7   -

7.

Die  folgenden,  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich 

vom 15. Februar 2023 beschlagnahmten Gegenstände werden bei den Akten 

belassen bzw. zu den Akten genommen:

A013'016'472

Braunes Couvert C5 mit handschriftlichen Notizen

A013'016'483

Drei Belastungsanzeigen datiert 21. Mai 2019, eine Gutschriftsanzeige 

vom 24. Juni 2019 mit handschriftlichem Vermerk "200'000"

8.

Die  folgenden,  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich 

vom 15. Februar 2023 beschlagnahmten Gegenstände werden durch die La-

gerbehörde vernichtet:

A012'887'648

Schreckschusspistole der Marke Malgora

A012'887'411

Couvert mit Damenslip in Knittersack "Ristorante - P._____"

A012'887'433

Knittersack mit Klebeband mit Damenslip "Q._____"

9.

Der sichergestellte Personenwagen Audi Q7 (A012'931'623) wird den Privat-

klägerinnen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen 

ausgehändigt und bei Nichtabholung innert sechs Monaten zu Gunsten der 

Staatskasse verwertet.

10. Auf den Antrag der Privatklägerinnen betreffend Herausgabe der Personen-

wagen Mercedes A180 sowie BMW i8 wird nicht eingetreten.

11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 15. Fe-

bruar  2023  beschlagnahmten  CHF 3'080  und  CHF 537.50  werden  zur  De-

ckung der Verfahrenskosten verwendet. 

12. Auf den Antrag der Privatklägerinnen auf Zusprechung von Schadenersatz im 

Betrag von CHF 350'000 wird nicht eingetreten.

13. Der  Beschuldigte  wird  verpflichtet,  den  Privatklägerinnen  folgende  Beträge 

zuzüglich 5 % Zins ab 5. August 2019 als Genugtuung zu bezahlen:

a)

B._____: CHF 45'000

-   8   -

b)

C._____: CHF 19'000

c)

D._____: CHF 19'000

Im Mehrbetrag werden die Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen ab-

gewiesen. 

14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

CHF

15'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

57'000.00   Gebühr Anklagebehörde;

1'200.00   Gebühr Beschwerdeverfahren G.Nr. UB210009-O;

1'200.00   Gebühr Beschwerdeverfahren G.Nr. UB230043-O;

2'681.00   Kosten Kantonspolizei;

53'805.60   Gutachten/Expertisen;

834.95   Zeugenentschädigung;

46'265.75   Auslagen Untersuchung;

69'988.95   ehemalige amtliche Verteidigung (RA X2._____);

38'948.65   amtliche Verteidigung;

34'980.95   unentgeltlicher Rechtsbeistand Privatklägerinnen.

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men  diejenigen  der  amtlichen  Verteidigung  und  der  unentgeltlichen  Vertre-

tung der Privatklägerinnen, werden dem Beschuldigten auferlegt.

16. Die  Kosten  der  Beschwerdeverfahren  UB210009  sowie  UB230043  von  je 

CHF 1'200 (insgesamt CHF 2'400) werden dem Beschuldigten auferlegt.

17. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genom-

men;  vorbehalten  bleibt  eine  Nachforderung  gemäss  Art. 135  Abs. 4  StPO. 

Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerinnen werden defi-

nitiv auf die Gerichtskasse genommen.

-   9   -

18. Fürsprecher X1._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger 

des  Beschuldigten  mit  CHF 38'948.65  (inkl.  MwSt.)  aus  der  Gerichtskasse 

entschädigt.

19. Fürsprecher lic. iur. Y._____ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher 

Rechtsbeistand  der  Privatklägerinnen  mit  CHF 34'980.95  (inkl.  MwSt.)  aus 

der Gerichtskasse entschädigt.

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 127 S. 35)

1.

Es sei A._____ vom Vorwurf des Mordes freizusprechen.

2.

Es sei ein Antrag auf Widerruf abzuweisen bzw. auf einen Widerruf sei 

zu verzichten.

3.

4.

Es sei A._____ unverzüglich aus der Haft zu entlassen.

Es sei A._____ aus der rechtswidrigen und ungerechtfertigten Haft eine 

angemessene Entschädigung von Fr. 241'255.00 (68.93 Monate x 

Fr. 3'500.00) und eine Genugtuung von Fr. 493'800.00 (Anzahl Tage 

Haft x Fr. 200.00), je unter Verzinsung zu 5 % ab mittlerem Verfall zu 

bezahlen.

5.

Es seien die Zivilforderungen abzuweisen, soweit darauf einzutreten 

6.

7.

ist.

Es sei über die Einziehungen zu entscheiden.

Es seien die Verfahrenskosten und die Kosten der amtlichen Verteidi-

gung beider lnstanzen, inkl. der Kosten der Beschwerdeverfahren 

U8210009 und U8230043 vollumfänglich und definitiv auf die Staats-

kasse zu nehmen.

-   10   -

b)

Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:

(Prot. S. 34)

Abweisung der Berufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils sowie 

Fortsetzung der Haft.

c)

Der Vertretung der Privatklägerinnen:

(Urk. 128 S. 2 ff.)

Die Berufung sowie sämtliche Anträge des Beschuldigten seien abzuweisen. 

Die Anträge der Staatsanwaltschaft seien gutzuheissen.

Das angefochtene Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 

4. Oktober 2023 (mit der Geschäfts-Nr. DG230023) sei vom Obergericht 

vollumfänglich zu bestätigen, insbesondere

-

-

-

-

-

-

-

die Ziffer 5 (beschlagnahmte Gegenstände gemäss Verfügung der 

Staatsanwaltschaft I vom 15. Februar 2023; Seiten 223 bis 225),

die Ziffer 6 (beschlagnahmte Gegenstände gemäss Verfügung der 

Staatsanwaltschaft I vom 15. Februar 2023; Seiten 225 bis 226),

die Ziffer 9 (sichergestellter Personenwagen Q7, A012'931'623; Seite 

226),

die Ziffer 13 (Genugtuung zuzüglich Zins von 5 Prozent seit dem 5. Au-

gust 2019, nämlich Fr. 45'000.00 für B._____, die Privatklägerin 1; 

Fr. 19'000.00 für C._____, die Privatklägerin 2; Fr. 19'000.00 für 

D._____, die Privatklägerin 3),

die Ziffer 14 al. 11 (Fr. 34'980.95 unentgeltlicher Rechtsbeistand Privat-

klägerinnen),

die Ziffer 17 2. Satz (Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privat-

klägerinnen definitiv auf Gerichtskasse genommen), und

die Ziffer 19 (Entschädigung von Fürsprecher lic. iur. Y._____ mit 

Fr. 34'980.95 aus der Gerichtskasse).

1.

Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklageschrift der Anklägerin vom 

15. Februar 2023 wegen

-   11   -

- Mordes im Sinne von Art. 112 StGB

schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe, unter Anrechnung 

der Untersuchungshaft, zu bestrafen.

2.

Der Beschuldigte sei zu verpflichten,

-

-

-

der Privatklägerin 1 (Ehegattin) eine Genugtuung im Betrage von 

Fr. 45'000.00 zuzüglich Zins von 5 % seit dem 5. August 2019,

der Privatklägerin 2 (Tochter) eine Genugtuung im Betrage von 

Fr. 19'000.00 zuzüglich Zins von 5 % seit dem 5. August 2019 und

der Privatklägerin 3 (ebenfalls eine Tochter) eine Genugtuung im 

Betrage von Fr. 19'000.00 zuzüglich Zins von 5 % seit dem 5. Au-

gust 2019

zu bezahlen.

Den Privatklägerinnen 1 bis 3 seien alle beschlagnahmten und sicher-

gestellten Mobilien (Audi Q7) von N._____ gemäss den Ziffern 5, 6 und 

9 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich vom 4. Oktober 2023 nach 

Abschluss des Strafverfahrens auf erstes Verlangen der Privatklägerin-

nen 1 bis 3 hin herauszugeben.

3.

Der Privatklägerschaft sei das Strafurteil mit dem Dispositiv und bei 

Verlangen einer Partei mit der vollständigen Begründung zuzustellen.

4.

Der Privatklägerschaft sei weiterhin die unentgeltliche Rechtspflege zu 

gewähren und der Sprechende sei der Privatklägerschaft weiterhin als 

unentgeltlicher Rechtsbeistand beizuordnen (mit Verweis auf die Be-

stellung der unentgeltlichen Rechtsbeistandschaft vom 10. Januar 

2020), wobei der beschuldigte Berufungskläger zu Gunsten der Staats-

kasse zu verpflichten sei, die Parteikosten und Umtriebskosten der Pri-

vatklägerschaft (zuzüglich Mehrwertsteuer à zurzeit 8,1 %) ab zweiter 

Instanz zu bezahlen.

-   12   -

Der beschuldigte Berufungskläger sei zu sämtlichen Verfahrenskosten 

(inklusive Kosten für die Rechtsbeistandschaft der Privatklägerschaft) 

zu verurteilen, nicht aber die Privatklägerschaft.

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1.

A._____  wurde  mit  Urteil  des  Bezirksgerichts  Zürich  vom  4. Oktober  2023 

(Urk. 91 = Urk. 94) des Mordes zum Nachteil von †N._____ schuldig gespro-

chen. Der bedingte Vollzug einer mit Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg vom 

14. März 2019 ausgefällten einjährigen Freiheitsstrafe wurde widerrufen und 

der  Beschuldigte  mit  einer  (Gesamt-)Freiheitsstrafe  von  18 ¼ Jahren  unter 

Anrechnung  der  erstandenen  Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  bestraft. 

Des Weiteren wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Ehefrau und den bei-

den Töchtern des Opfers, die sich als Privatklägerinnen konstituiert hatten, je 

Genugtuung zu bezahlen.

2.

Der Beschuldigte meldete gegen das Urteil des Bezirksgerichts Berufung an 

(Urk. 92/1) und reichte beim Obergericht des Kantons Zürich rechtzeitig die 

Berufungserklärung ein (Urk. 102).

3.

Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Anschlussberufung und beantragte die 

Bestätigung des angefochtenen Urteils (Urk. 110).

4.

Die Privatklägerinnen stellten keine Anträge.

5. Mit Präsidialverfügung vom 14. Dezember 2023 wurde der Verbleib des Be-

schuldigten in Sicherheitshaft angeordnet (Urk. 108).

6.

Die Parteien wurden auf den 17. und 18. Dezember 2024 zur Berufungsver-

handlung vorgeladen (Urk. 113). Infolge Krankheit des Verteidigers wurde die 

Vorladung am 16. Dezember 2024 abgenommen (Urk. 117-119). Die Parteien 

-   13   -

wurden auf den 24. April 2025 erneut zur Berufungsverhandlung vorgeladen 

(Urk. 120).

7. Mit Eingabe vom 16. April 2025 (Urk. 121) reichte die Verteidigung einen Be-

richt  von  Prof.  R._____,  Universität  S._____,  vom  14. April  2025,  Kopien 

zweier  Fachbeiträge  und  eine  E-Mail  von  Prof.  R._____  zu  den  Akten 

(Urk. 122/1-4). Sodann erneuerte die Verteidigung die bereits vor Vorinstanz 

gestellten Beweisanträge. Demnach seien zum einen ein Ergänzungsgutach-

ten zum Bericht zur Legalinspektion (D1/27/4) zwecks genauerer Bestimmung 

des Todeszeitpunkts und zum andern ein Ergänzungsgutachten zum Gutach-

ten des FOR betreffend interdisziplinäre spurenkundliche und rechtsmedizini-

sche  rekonstruktive  Untersuchungen  vom  27. Februar  2020  (D1/28/18)  zu 

den  Schmauchspuren,  dem  Blutspurenbild  und  der  Tatwaffe  einzuholen 

(Urk. 121 S. 5, 8 m.V.a. Urk. 86 S. 31, 36 sowie Prot. I S. 7-8, 14).

Des Weiteren stellte die Verteidigung folgende zusätzliche Beweisanträge: Es 

sei Prof. R._____ als Sachverständiger zum Bericht vom 14. April 2025 und 

zu den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu befragen; es sei der Bericht 

von Prof. R._____ vom 14. April 2025 dem FOR zur Stellungnahme zu unter-

breiten, eventuell sei der Vertreter des FOR als Sachverständiger zum akten-

kundigen Spurenbild, dem Bericht und den Schlussfolgerungen des Berichts 

von  Prof.  R._____  vom  14. April  2025  zu  befragen;  und  es  sei  analog  zum 

Bericht von Prof. R._____ vom 14. April 2025 betreffend Schmauchspuren ein 

gerichtliches  Gutachten  bei  T._____  (Forensischer  Dienst  der  Polizei 

Neuchâtel) oder bei Dr. U._____ zur Frage der beim Beschuldigten und im 

Mercedes Benz fehlenden Blutmikrospuren in Auftrag zu geben bzw. T._____ 

oder Dr. U._____ sei als Sachverständiger zu bestellen und zur Problematik 

der fehlenden Spuren zu befragen (Urk. 121 S. 7 ff.).

8.

Am  23. April  2025  reichte  die  Verteidigung  zwei  weitere  Eingaben  ein.  Die 

eine  Eingabe  enthält  eine  ergänzende  Begründung  zum  mit  Eingabe  vom 

16. April  2025  gestellten  Beweisantrag  zur  wissenschaftlichen  Auswertung 

des Blutspurenbildes (d.h. des dritten zusätzlichen Beweisantrags; Urk. 124). 

An der Berufungsverhandlung vom 24. April 2025 erläuterte die Verteidigung 

-   14   -

diesen Antrag (Prot. II S. 12 ff.). Die andere Eingabe enthält einen Antrag, wo-

nach die Anklägerin aufzufordern sei, folgende Fragen zu beantworten und 

sämtliche im jeweiligen Kontext vorhandenen Berichte, Aufschriebe etc. der 

Kantonspolizei Zürich bzw. des FOR zu edieren (Urk. 125): 

War das FOR anlässlich der Hausdurchsuchung gegen den Beschuldigten an 

dessen Wohnort (V._____, W._____-strasse 6) aktiv? Welche Untersuchun-

gen wurden an welchen Gegenständen/Objekten durch die Polizei/das FOR 

vorgenommen  am  Wohnort  des  Beschuldigten,  ohne  dass  belastende  Indi-

zien  erhoben  werden  konnten?  Bezüglich  dieses  Antrags  trug  die  Verteidi-

gung an der Berufungsverhandlung vom 24. April 2025 eine "Differenzierung" 

vor (Urk. 126; Prot. II S. 11-12). Demnach seien das FOR und die Untersu-

chungsbehörde aufzufordern, im Detail darzulegen, respektive zu dokumen-

tieren,  welche  Untersuchungen  mit  welchen  Mitteln  (beispielsweise  chemi-

sche  Verfahren  zur  Hervorhebung  von  Blutspuren,  früher  Luminol-Test)  zu 

welchem  Zeitpunkt  der  Spurensicherung  durch  wen  an  welchen  Objekten 

(Mercedes 320, Mobiltelefon, Gucci Tasche und Bekleidung des Beschuldig-

ten, Wohnung an der W._____-strasse 6 in V._____ etc.) respektive am Be-

schuldigten vorgenommen wurden.

9.

Die  Berufungsverhandlung  fand  am  24. April  2025  in  Anwesenheit  des  Be-

schuldigten, der Staatsanwaltschaft, des amtlichen Verteidigers und des un-

entgeltlichen Vertreters der Privatklägerinnen bzw. zweier Privatklägerinnen 

persönlich statt (Prot. II S. 6 ff.). Der Beschuldigte, die Anklägerin und die Pri-

vatklägerinnen  stellten  die  eingangs  aufgeführten  Anträge  (Prot. II  S. 6 ff.; 

Urk. 127 S. 35; Urk. 128 S. 2-4).

10. Mit Beschluss vom 24. April 2025 wurde dem von der Verteidigung mit Ein-

gabe vom 16. April 2025 erneuerten Beweisantrag bezüglich genauerer Be-

stimmung  des  Todeszeitpunkts  stattgegeben  (Urk. 129).  Nicht  zu  folgen  ist 

dagegen dem anlässlich der Berufungsverhandlung gestellten Antrag der Ver-

teidigung,  das  FOR  und  die  Untersuchungsbehörde  zu  zusätzlicher  Doku-

mentation zu verpflichten. Welche Spuren gesichert und welche Untersuchun-

gen getätigt wurden, ergibt sich aus den Akten, namentlich dem Spurenbericht 

-   15   -

des FOR vom 17. Februar 2020 (D1/28/15) sowie den Rapporten und Proto-

kollen der Hausdurchsuchung (insbesondere D1/25/3-5; D1/25/18-19). Es be-

steht kein Anlass, an der Vollständigkeit dieser Dokumentation zu zweifeln. 

Im Übrigen sind die weiteren Beweisanträge des Beschuldigten mit Verweis 

auf die Erwägungen zur Sachverhaltserstellung (vgl. E. III/4.4.5-III/4.4.6 her-

nach) abzuweisen.

11. Am 8. April 2025 erstattete das IRM ein Ergänzungsgutachten bezüglich Be-

stimmung des Todeszeitpunkts (Urk. 133). Mit Beschluss vom 12. Mai 2025 

wurde dieses Ergänzungsgutachten den Parteien zugestellt und ihnen Frist 

zur Stellungnahme angesetzt (Urk. 135). 

12. Die  Staatsanwaltschaft  verzichtete  auf  Stellungnahme  zum  Ergänzungsgut-

achten  (Urk. 137).  Die  Privatklägerinnen  beantragten  die  Bestätigung  des 

vorinstanzlichen Urteils (Urk. 138). Die amtliche Verteidigung des Beschuldig-

ten nahm zum Ergänzungsgutachten Stellung und beantragte die Edition der 

fallrelevanten Unterlagen der Rettungskräfte, die parteiöffentliche Befragung 

der Rettungskräfte zur vorgefundenen Situation und den Gründen der einge-

leiteten Wiederbelebungsmassnahmen am Geschädigten, die Edition der No-

tizen der involvierten Ärzte und der Kommunikation zwischen dem Institut für 

Rechtsmedizin und der Staatsanwaltschaft sowie ein Entscheid darüber, ob 

die involvierten Ärzte mündlich zu befragen und ein Obergutachten einzuho-

len sei (Urk. 141).

Die  Staatsanwaltschaft  verzichtete  auf  eine  weitere  Stellungnahme 

(Urk. 145).  Die  Privatklägerinnen  liessen  sich  zur  Eingabe  der  Verteidigung 

(Urk. 141)  nochmals  vernehmen  (Urk. 147).  Die  amtliche  Verteidigung  des 

Beschuldigten  nahm  zur  Eingabe  der  Privatklägerinnen  (Urk. 138)  Stellung 

(Urk. 146).

13. Die Stellungnahmen des Beschuldigten (Urk. 146) und der Privatklägerinnen 

(Urk. 147)  sowie  der  Verzicht  der  Staatsanwaltschaft  auf  Stellungnahme 

(Urk. 145) wurden je im Doppel den jeweils anderen Parteien zur Kenntnis-

nahme zugestellt (Urk. 148).

-   16   -

14. Sowohl der Beschuldigte als auch die Privatklägerinnen und die Staatsanwalt-

schaft verzichteten auf eine mündliche Eröffnung des Urteils (vgl. Urk. 152-

153).

II. Prozessuales

1.

Berufungsumfang

1.1 Der  Beschuldigte  liess  folgende  Dispositiv-Ziffern  anfechten:  1  (Schuld-

spruch); 2 (Widerruf); 3 (Strafe); 4-9 (Herausgabe oder Vernichtung diverser 

Gegenstände); 11 (Einziehung); 12-13 (Schadenersatz und Genugtuung); 14-

17 (Kostendispositiv und Kostenverlegung).

1.2 Demnach ist das angefochtene Urteil hinsichtlich folgender Dispositiv-Ziffern 

in Rechtskraft erwachsen: 10 (Nichteintretensentscheid auf die Anträge der 

Privatklägerinnen auf  Herausgabe  beschlagnahmter  Fahrzeuge, i.e.  Merce-

des A180 und BMW i8); 18 (Entschädigung des amtlichen Verteidigers); 19 

(Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands der Privatklägerinnen).

2.

Rechtsmittellegitimation

2.1 Zur Einlegung eines Rechtsmittels ist nur diejenige Partei legitimiert, die ein 

rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des ange-

fochtenen  Entscheids  hat  (Art. 382  Abs. 1  StPO).  Ist  diese  Voraussetzung 

nicht erfüllt, wird auf das Rechtsmittel nicht eingetreten.

Die das Rechtsmittel einlegende Person hat das Rechtsschutzinteresse dar-

zutun,  sofern  dieses  nicht  offensichtlich  gegeben 

ist  (BGer,  Urteile 

7B_112/2022 vom 22.11.23 E. 2.1; 1B_339/2016 vom 17.11.16 E. 2.1).

2.2 Der Beschuldigte liess Dispositiv-Ziffer 4 des erstinstanzlichen Urteils anfech-

ten, worin das Gericht anordnete, dass ihm eine Reihe von beschlagnahmten 

Gegenständen auf erstes Verlangen herauszugeben seien. Das Urteil lautet 

in diesem Punkt zu Gunsten des Beschuldigten. Er ist nicht beschwert und 

-   17   -

hat folglich kein rechtlich geschütztes Interesse, das Urteil in diesem Punkt 

anzufechten.

2.3 Die Dispositiv-Ziffer 5-6, 9 und 12 betreffen ausschliesslich die Privatklägerin-

nen. Der Beschuldigte zeigte nicht auf, inwiefern er durch die gerichtliche An-

ordnung zur Herausgabe beschlagnahmter Gegenstände an die Privatkläge-

rinnen (Dispositiv-Ziffern 5-6, 9) einen Nachteil zu gewärtigen hätte. Dasselbe 

gilt betreffend den Nichteintretensentscheid auf den Antrag der Privatkläge-

rinnen auf Zusprechung von Schadenersatz (Dispositiv-Ziffer 12).

2.4 Ebenso  wenig  legte  der  Beschuldigte  dar,  inwiefern  er  durch  Dispositiv-Zif-

fern 7-8, wonach diverse beschlagnahmte Gegenstände bei den Akten zu be-

lassen oder zu vernichten sind, einen Nachteil zu gewärtigen hätte. Mangels 

Beschwer ist der Beschuldigte auch in diesen Punkten nicht befugt, das erst-

instanzliche Urteil anzufechten.

2.5 Somit ist mit Beschluss auf die Berufung des Beschuldigten bezüglich der Dis-

positiv-Ziffern 4-9 und 12 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, 

vom 4. Oktober 2023 nicht einzutreten.

3.

Verwertbarkeit der Beweismittel

Die Vorinstanz prüfte die Verwertbarkeit von sämtlichen im Recht liegenden 

Beweisen. Sie stellte in Übereinstimmung mit den Akten fest, dass die rück-

wirkende Teilnehmeridentifikation und die Erhebung von Verbindungs-Rand-

daten  per  Antennensuchlauf  vom  Zwangsmassnahmengericht  am  Oberge-

richt  Zürich  genehmigt  wurden  (Urk. 94  S. 17-18,  22-23).  Weiter  hielt  die 

Vorinstanz aktenkonform fest, dass der Beschuldigte und/oder sein Verteidi-

ger bei allen für die Urteilsfindung relevanten Einvernahmen anwesend gewe-

sen war oder auf sein Teilnahmerecht verzichtet hatte, dass ihm Gelegenheit 

zum  Stellen  von  Ergänzungsfragen  eingeräumt  worden  war  (Urk. 94  S. 21) 

und dass ihm auch sämtliche weiteren Beweise (WhatsApp-Chats, Audio-Pro-

tokolle,  Fotos,  Gutachten)  vorgehalten  worden  waren  (Urk. 94  S. 22).  Die 

-   18   -

Vorinstanz erachtete die Beweise als verwertbar. Dem ist nichts beizufügen 

und wird von der Verteidigung auch nicht in Frage gestellt.

4.

Kognition / Verschlechterungsverbot

4.1 Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den ange-

fochtenen  Punkten  (Art. 404  Abs. 1  StPO).  Vorbehalten  bleibt  die  Überprü-

fung  nicht  angefochtener  Punkte  zu  Gunsten  der  beschuldigten  Person 

zwecks  Verhinderung  gesetzwidriger  oder  unbilliger  Entscheide  (Art. 404 

Abs. 2 StPO). In den angefochtenen Punkten überprüft das Berufungsgericht 

das  erstinstanzliche  Urteil  umfassend  (Art. 404  Abs. 1  in  Verbindung  mit 

Art. 398 Abs. 2 StPO). Mit Berufung können Rechtsverletzungen (einschliess-

lich  Ermessensüberschreitung  und 

-missbrauch,  Rechtsverweigerung, 

Rechtsverzögerung), unvollständige oder unrichtige Sachverhaltsfeststellun-

gen sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 398 Abs. 3 StPO).

4.2 Das  Verschlechterungsverbot  verbietet  es,  das  angefochtene  Urteil  zum 

Nachteil der beschuldigten Person abzuändern, wenn das Rechtsmittel nur zu 

deren Gunsten ergriffen worden ist (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Vorliegend 

hat einzig der Beschuldigte Berufung erhoben. Das angefochtene Urteil kann 

folglich nur zu dessen Gunsten abgeändert werden. Vorbehalten bleibt eine 

strengere Bestrafung aufgrund von Tatsachen, die dem erstinstanzlichen Ge-

richt nicht bekannt sein konnten (Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO).

5.

Rügepflicht / Begründungsdichte

5.1 Die Partei,  die bei der ersten Instanz  Berufung  angemeldet hat, reicht  dem 

Berufungsgericht zunächst eine Berufungserklärung mit den Anträgen nach 

Massgabe von Art. 399 Abs. 3 StPO ein. Die Begründung der Berufung erfolgt 

danach  im  mündlichen  oder  schriftlichen  Berufungsverfahren  (vgl.  Art. 405 

und Art. 406 Abs. 3 StPO). In der Berufungsbegründung hat der Berufungs-

kläger gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO genau anzugeben, welche Punkte des 

Entscheids er anficht (lit. a), welche Gründe einen anderen Entscheid nahe-

legen (lit. b) und welche Beweismittel er anruft (lit. c). Dies impliziert eine Aus-

-   19   -

einandersetzung mit dem Entscheid und dessen Motivation (BGE 143 IV 40 

E. 3.4.1; vgl. auch BGer, Urteil 6B_1093/2022 vom 2.8.23 E. 1.4). Der Beru-

fungskläger hat aufzuzeigen, inwiefern die Vorinstanz die Beweise falsch ge-

würdigt,  den  Sachverhalt  unrichtig  festgestellt  oder  das  Recht  falsch  ange-

wendet hat. Pauschale Kritik am angefochtenen Urteil bleibt unbeachtlich.

5.2 Das Berufungsgericht hat die Vorbringen des Berufungsklägers zu hören, zu 

prüfen und bei der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Jedoch ist nicht er-

forderlich, dass sich das Gericht mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-

einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr 

kann es sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. 

BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 141 IV 249 E. 1.3.1; 141 III 28 E. 3.2.4).

III. Sachverhalt

1.

Anklagevorwurf

1.1 Laut Anklageschrift (Urk. 42) habe †N._____ dem Beschuldigten am 21. Mai 

2019 auf dessen Konto bei der ZKB CHF 150'000 für ein angebliches, nicht 

näher  bekanntes  Investment-Geschäft  überwiesen  und  als  Zahlungsgrund 

"Kurzfristig Darlehen" angegeben. Der Beschuldigte habe dieses Geld in der 

Folge aber für eigene Zwecke verwendet und den Geschädigten hinsichtlich 

der Rückzahlung immer wieder vertröstet, insbesondere mit der Lüge, ein an-

geblicher Banker, welcher das Geld hätte übergeben müssen, sei abwesend 

oder habe keine Zeit und das Geld sei geraubt worden.

Am 29. Juli 2019 habe der Geschädigte dem Beschuldigten aus dem Verkauf 

einer  seiner  Immobilien  einen  weiteren  Betrag  von  CHF 200'000  in  bar  als 

Nachzahlung in das angebliche Investment-Geschäft ausbezahlt.

Am 31. Juli 2019 habe der Geschädigte den Beschuldigten in fünf WhatsApp-

Nachrichten aufgefordert, ihm das Geld von insgesamt CHF 350'000 zurück-

zuzahlen,  wobei  er  dieser  Aufforderung  Fotos  der  Überweisungsquittungen 

-   20   -

und  einen  Bankbeleg,  auf  welchem  er  handschriftlich  den  Betrag  von 

CHF 200'000 notiert gehabt habe, beigelegt habe.

1.2 Im Wissen darum, dass er der Aufforderung zur Rückzahlung des erhaltenen 

Geldbetrags  von  CHF 350'000  nicht  werde  nachkommen  können  und  der 

Banker,  welchen  er  "AA._____"  genannt  habe,  in  Wahrheit  nicht  existiere, 

habe der Beschuldigte dem Geschädigten wahrheitswidrig vorgegeben, der 

Banker  sei  am  4. August  2019  in  AB._____  bereit,  ihm  das  Geld  bzw.  den 

Gewinn aus dem Investment-Geschäft auszuschütten.

Am Abend des 4. August 2019 um ca. 21.23 Uhr sei der Beschuldigte mit dem 

Geschädigten an den angeblichen Wohnort des nicht existierenden Bankers 

am AC._____ [Adresse] 7 in AB._____ gefahren. Dort angekommen habe der 

Beschuldigte den angeblichen Banker alleine aufgesucht, sei dann zum war-

tenden  Geschädigten  zurückgekehrt  und  habe  diesem  wahrheitswidrig  er-

klärt, man habe ihn weggeschickt, der Banker sei derzeit nicht verfügbar, er 

käme aber später nach Zürich. Der Beschuldigte habe den Geschädigten da-

durch erneut im Glauben gelassen, dass er noch am selbigen Tag sein Geld 

erhalte.

Um ca. 23.15 Uhr seien der Beschuldigte und der Geschädigte zurück nach 

Zürich gefahren, um auf den angeblichen Banker "AA._____" zu warten. Die 

Fahrt habe zunächst an die AD._____-strasse 8 und hernach an den Wohnort 

der Eltern des Beschuldigten in V._____ geführt, wo der Beschuldigte angeb-

lich sein zweites Telefon an sich genommen habe. Anschliessend hätten der 

Beschuldigte  und  der  Geschädigte  einen  Halt  im  McDonald's  an  der 

AE._____-strasse 9 in ... Zürich eingelegt und seien in der Folge erneut an 

die AD._____-strasse 8 gefahren, wo der Beschuldigte in sein dort parkiertes 

Fahrzeug umgestiegen sei. Der Beschuldigte und der Geschädigte seien da-

nach je im eigenen Fahrzeug auf den Parkplatz AF._____ in ... Zürich gefah-

ren.

Zwischen ca. 01.35 Uhr und 03.15 Uhr habe sich der Beschuldigte in das par-

kierte Fahrzeug (Audi Q7) des Geschädigten begeben, sich rechts von dem 

-   21   -

am Steuer sitzenden Geschädigten auf die Rückbank gesetzt und mit einer 

Faustfeuerwaffe (9 mm Projektil) insgesamt zwei Schüsse, den einen gegen 

die rechte Wange und den anderen gegen den Rücken rechts des Geschä-

digten abgefeuert. Durch diese Schüsse sei der Geschädigte dermassen ver-

letzt worden, dass er noch vor Ort verstorben sei. Beide Schüsse seien je für 

sich todesursächlich gewesen.

Der Beschuldigte habe gewusst, dass Schüsse gegen den Kopf und den Rü-

cken den Tod des Geschädigten hätten bewirken können, wobei er dessen 

Tötung gewollt oder zumindest in Kauf genommen habe.

2.

Unbestrittene / bestrittene Sachverhaltselemente

2.1 Folgende Elemente des Geschehensablaufs am Abend des 4. August 2019 

bis zur Tötung des Geschädigten in der Nacht resp. in den frühen Morgen-

stunden des 5. August 2019 sind erstellt und vom Beschuldigten anerkannt: 

Gemeinsame Fahrt des Beschuldigten und des Geschädigten nach AB._____ 

(AC._____  7)  im  Auto  des  Geschädigten;  gemeinsame  Rückfahrt  Richtung 

Zürich an die AD._____-strasse 8, wo sich das Büro/Lager des Geschädigten 

befand; gemeinsame Weiterfahrt nach V._____ an den Wohnort des Beschul-

digten; gemeinsame Fahrt zum McDonald's AG._____; erneut gemeinsame 

Fahrt ins Büro/Lager des Geschädigten an der AD._____-strasse 8 und Um-

steigen des Beschuldigten in das eigene Auto (resp. das Auto seines Vaters); 

Fahrt auf den Parkplatz des AF._____, wobei der Geschädigte und der Be-

schuldigte  je  im  eigenen  Auto  dorthin  fuhren;  Wegfahrt  des  Beschuldigten 

vom Parkplatz des AF._____; Rückkehr des Beschuldigten auf den Parkplatz 

des AF._____; Absetzen des Notrufs durch den Beschuldigten am 5. August 

2019 um 04.47 Uhr.

2.2 Als bestritten gelten dagegen die in der Anklageschrift beschriebene Vorge-

schichte  des  Tötungsdelikts,  der  Geschehensablauf  auf  dem  Parkplatz 

AF._____ bis zur Absetzung des Notrufs sowie die Täterschaft des Beschul-

digten.

-   22   -

3.

Vorhandene Beweismittel / Grundsätze der Beweiswürdigung

3.1 Vorliegend existieren keine direkten Beweise für das Tötungsdelikt. Der vor-

instanzliche Schuldspruch beruht auf indirekten Beweisen (Indizien).

Der  Beschuldigte  wurde  19-mal  im  Untersuchungsverfahren  einvernommen 

und anschliessend an der Hauptverhandlung befragt. Hinzu kommen weitere 

Personalbeweise sowie objektive Beweismittel (Quittungen, Schuldanerken-

nungen, Bankunterlagen, Tonaufzeichnung des Notrufs, rückwirkende Über-

wachung von Telefonnummern, Verbindungs-Randdaten in der Nähe des Tat-

orts  im  Zeitraum  des  Tötungsdelikts,  diverse  Gutachten  des  IRM  und  des 

FOR,  interdisziplinäres  Gutachten  des  IRM  und  des  FOR,  Auswertung  der 

Navigationssysteme und diverser WhatsApp-Chats, Audio-Protokolle).

3.2 Die  Vorinstanz  stellte  die  theoretischen  Grundsätze  der  Beweiswürdigung 

rechtskonform  dar  (vgl.  Urk. 94  S. 26-28).  Sie  hielt  in  Übereinstimmung  mit 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung fest, dass es bei Indizienprozessen 

auf das Gesamtbild ankommt. Indizien, welche für sich allein betrachtet nur 

mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Tä-

terschaft hindeuten und insoweit Zweifel offenlassen, können in ihrer Gesamt-

heit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen rechtsgenügenden Be-

weis von Tat oder Täter erlaubt (Urk. 94 S. 27 mit Verweis auf BGer, Urteil 

6B_1168/2020 vom 11.10.22 E. 1.1, bestätigt in BGer, Urteil 6B_1353/2024 

vom 6.11.24 E. 7.2.2).

-   23   -

4.

Beweiswürdigung im Einzelnen

4.1 Urteil der Vorinstanz

Die  Vorinstanz  setzte  sich  eingehend  und  sorgfältig  mit  den  Aussagen  des 

Beschuldigten, den Aussagen der Zeugen und Auskunftspersonen sowie den 

weiteren  Beweismitteln  auseinander.  Die  Sachverhaltserstellung  durch  die 

Vorinstanz  ist  überzeugend.  Darauf  kann  vorab  uneingeschränkt  verwiesen 

werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen sind lediglich 

wiederholender und teilweise ergänzender Natur.

4.2 Aussagen des Beschuldigten

Wie die Vorinstanz ausführlich aufzeigte, stehen die Aussagen des Beschul-

digten in ganz zentralen Punkten im Widerspruch zu den Aussagen von Dritt-

personen. Sie sind auch in sich widersprüchlich, da der Beschuldigte sie dem 

Ermittlungsstand anzupassen versuchte. So weichen seine Aussagen in den 

ersten sieben Einvernahmen (August 2019 bis Mai 2020) ganz erheblich von 

denjenigen ab Oktober 2020 ab. Negativ fällt des Weiteren auf, dass der Be-

schuldigte auf unangenehme Fragen nur ausweichend oder gar keine Antwort 

gab, obschon angesichts der belastenden Beweiselemente Erklärungsbedarf 

bestand. Die Vorinstanz hielt unter Verweis auf die bundesgerichtliche Recht-

sprechung zu Recht fest, dass das Schweigerecht es nicht verbietet, die punk-

tuelle Aussageverweigerung des Beschuldigten zu seinen Ungunsten zu wür-

digen, wenn von ihm eine Erklärung vernünftigerweise zu erwarten gewesen 

wäre (Urk. 94 S. 76 mit Verweis auf BGer, Urteil 6B_1009/2017 vom 26.4.18 

E. 1.4.2, bestätigt in BGer, Urteil 6B_1385/2021 vom 29.8.23 E. 2.4.1).

Das  Aussageverhalten  des  Beschuldigten  ist  insbesondere  in  den  nachfol-

genden Punkten für das Beweisergebnis zentral:

4.2.1 Zunächst  schilderte  der  Beschuldigte  das  Verhältnis  zum  Geschädigten  als 

eine Art Geschäftsbeziehung. Der Geschädigte habe mit Immobilien gehan-

delt. Er und der Geschädigte hätten sich jeweils gegenseitig Geld ausgelie-

hen. Er habe vom Geschädigten CHF 150'000 erhalten, diesen Betrag unge-

-   24   -

fähr am 29. Mai 2019 wieder zurückbezahlt und zeitgleich mit der Rückzah-

lung dem Geschädigten ein Darlehen von CHF 200'000 bis CHF 250'000 ge-

währt.  Der  Geschädigte  schulde  ihm  diesen  Betrag  immer  noch  (D1/11/1 

F/A 39-43; D1/11/2 F/A 80-98).

Anhand von Bankunterlagen ist erstellt, dass der Geschädigte dem Beschul-

digten am 21. Mai 2019 einen Betrag von CHF 150'000 auf dessen Konto bei 

der  ZKB  überwies.  Das  besagte  Konto  lag  damals  im  Minus  (- CHF 4'698). 

Weiter liess sich erstellen, dass der Beschuldigte am Tag der Überweisung 

CHF 40'000 und CHF 20'000 ab seinem ZKB-Konto abhob und in der Folge 

insgesamt  CHF 136'107  für  persönliche  Bedürfnisse  und  drei  Reisen  in  die 

Türkei verbrauchte. Am 5. August 2019 lag der Stand des betreffenden ZKB-

Kontos bei CHF 9'195 (vgl. D1/2/2 S. 3 ff.). Gemäss seinen Angaben verdi-

ente der Beschuldigte damals monatlich CHF 4'000 bis CHF 6'000 als Chauf-

feur bei einem Limousinen-Service und verfügte über keine finanziellen Re-

serven, sondern hatte im Gegenteil anfangs 2019 sogar Schulden (D1/11/1 

F/A 22-26; D1/11/5 F/A 4).

Angesichts  seiner  finanziellen  Lage  bleibt  völlig  im  Dunkeln,  aus  welcher 

Quelle der Beschuldigte die erwiesenermassen aufgebrauchten CHF 150'000 

zurückgezahlt und dem Geschädigten obendrein ein namhaftes Darlehen von 

CHF 250'000 gegeben haben könnte. Laut Aussagen des Beschuldigten habe 

er dem Geschädigten CHF 70'000 bis CHF 80'000 zur Verfügung gestellt und 

den Restbetrag von einem Investor erhältlich machen können. Der Beschul-

digte wollte allerdings weder den Namen des Investors bekanntgeben noch 

sagen, woher er am 29. Mai 2019 plötzlich CHF 400'000 zur Verfügung hatte 

(D1/11/2 F/A 81-82, 93; D1/11/3 F/A 199-203; D1/11/6 F/A 138-139).

Zur  Untermauerung  seiner  Aussagen  berief  sich  der  Beschuldigte  auf  eine 

Quittung für  die Rückzahlung von CHF 150'000 sowie eine Schuldanerken-

nung von CHF 250'000, die er – was er einräumte (D1/11/4 F/A 233; D1/11/6 

F/A 130) – selber handschriftlich abgeändert hatte, so dass nicht er, sondern 

der  Geschädigte  als  Darlehensschuldner  erschien  (vgl.  Beilage 4  zu 

D1/11/16).  Der  Beschuldigte  erklärte  die  Abänderung  damit,  dass  dem  Ge-

-   25   -

schädigten bei der Ausstellung der Schuldanerkennung ein Fehler unterlaufen 

sei (D1/11/4 F/A 232). Diese Aussage des Beschuldigten konnte indessen als 

unwahr entlarvt werden, da die Schuldanerkennung gar nicht vom Geschä-

digten, sondern – im Auftrag des Beschuldigten (vgl. D1/2/2 S. 8) – von einem 

gewissen AH._____ verfasst worden war (vgl. D1/11/6 F/A 99). Dem Geschä-

digten konnte daher kein Versehen unterlaufen sein.

Auffallend  ist  auch,  dass  die  genannten  Schriftstücke  nur  im  Fahrzeug  des 

Beschuldigten,  nicht  aber  beim  Geschädigten  aufgefunden  wurden  (vgl. 

D1/2/2 S. 7), obschon dieser – wie die Vorinstanz feststellte (Urk. 94 S. 143) – 

sämtliche Geschäftsunterlagen normalerweise sorgfältig aufbewahrt und ab-

gelegt hatte. Sodann ist nicht eruierbar, wie die Unterschrift des Geschädigten 

auf die Quittung über CHF 150'000 gekommen war. Die Vorinstanz hielt zu 

Recht fest, dass diesbezüglich diverse Möglichkeiten denkbar sind (Urk. 94 

S. 145). Für die angebliche Rückzahlung von CHF 150'000 fanden sich in den 

edierten Bankunterlagen des Geschädigten jedenfalls keine Belege. Keinem 

seiner Konten wurde im tatrelevanten Zeitraum ein Betrag von CHF 150'000 

gutgeschrieben (D1/2/2 S. 4).

Die Vorinstanz wies auch zu Recht darauf hin, dass in der gegenseitigen Ge-

währung von Darlehen innerhalb der kurzen Zeitspanne vom 21. bis 29. Mai 

2019 kein Sinn erkennbar ist.

4.2.2 15 Monate nach seiner Festnahme brachte der Beschuldigte eine völlig an-

dere  Version  vor.  Laut  seinen  Aussagen  soll  ihm  der  Geschädigte  eine  Ar-

beitsstelle zu einem monatlichen Lohn von CHF 5'000 angeboten haben. Da-

bei sei es um Fahrdienste, Geldtransporte und die Vertretung des Geschädig-

ten  bei  der  Abwicklung  von  Falschgeldgeschäften  gegangen.  Er  habe  dem 

Geschädigten daraufhin von seinen Geldproblemen erzählt, worauf ihm die-

ser  CHF 150'000  auf  sein  ZKB-Konto  überwiesen  habe.  Davon  habe  er 

CHF 40'000 und eventuell CHF 10'000 behalten dürfen und CHF 100'000 an 

einen gewissen AI._____ geben müssen. Er sei deshalb mit AI._____ zur ZKB 

gefahren und habe diesem zunächst CHF 40'000 und am darauf folgenden 

Tag CHF 20'000 ausgehändigt. An der Behauptung, dem Geschädigten sel-

-   26   -

ber CHF 250'000 beschafft zu haben, hielt der Beschuldigte weiterhin fest. Bei 

der Schuldanerkennung über diesen Betrag soll es sich um ein Dokument zur 

Vertrauensbildung  mit  einem  Geschäftspartner  (Banker)  gehandelt  haben 

(D1/11/12  F/A 3-21;  D1/11/13  F/A 32-35,  39-44,  60-67,  79-115;  D1/11/16 

F/A 33).

Diese  neuen  Aussagen  stimmen  zunächst  mit  dem  Grund  für  die  Überwei-

sung von CHF 150'000 auf das ZKB-Konto des Beschuldigten nicht überein. 

Der  Geschädigte  vermerkte  als  Zahlungsgrund  "kurzfristig  Darlehen".  Der 

Vorinstanz ist zuzustimmen, dass dies klarerweise für die Vereinbarung einer 

Rückzahlungspflicht  spricht,  der  Beschuldigte  die  erhaltenen  CHF 150'000 

somit hätte zurückzahlen müssen (Urk. 94 S. 136). Sodann geht aus diversen 

Zeugenaussagen  und  einem  Audio-Protokoll  hervor,  dass  der  Geschädigte 

von der Rückzahlung des Geldbetrags ausging und vom Beschuldigten dies-

bezüglich immer wieder vertröstet wurde (vgl. E. III/4.3 hernach). Bezeichnen-

derweise wollte der Beschuldigte diese Zeugenaussagen und das ihm vorge-

haltene  Audio-Protokoll  nicht  kommentieren  (D1/11/8  F/A 79,  93,  95; 

D1/11/10 F/A 58, 79, 101; D1/11/14 F/A 131-132). Schliesslich wollte der Be-

schuldigte auch im Rahmen seiner abgeänderten Aussagen nicht angeben, 

woher er den dem Geschädigten angeblich zur Verfügung gestellten Betrag 

von CHF 250'000 hernahm und wollte auch keine Angaben zu den angebli-

chen Investoren machen (D1/11/16 F/A 31-32).

4.2.3 Ebenfalls  erstmals  nach  15 Monaten  in  Untersuchungshaft  machte  der  Be-

schuldigte Aussagen zu einem angeblichen Raubüberfall im Lager/Büro des 

Geschädigten. Am 18. Juni 2019 hätte er in dessen Vertretung mit einem Ban-

ker  aus  AB._____,  der  vom  Geschädigten  manchmal  "AA._____"  genannt 

worden sei, ein Falschgeldgeschäft (Tausch von 10 Mio. Euro Falschgeld in 

3.5 Mio. echte Schweizer Franken) abwickeln sollen. Man habe sich im Lager 

des Geschädigten an der AD._____-strasse 8 getroffen. Bei der Abwicklung 

des Geschäfts seien nur er selbst, AI._____ und der erwähnte Banker dabei 

gewesen. Der Geschädigte sei bei sich zu Hause geblieben. Dann sei plötz-

lich eine gewisse AJ._____ mit fünf oder sechs bewaffneten Männern in ei-

-   27   -

nem dunklen Van vorgefahren. Diese hätten das echte und das falsche Geld 

an sich genommen und seien damit weggefahren. AI._____ habe dabei ge-

lacht. Nachdem der Geschädigte vom Raub erfahren gehabt habe, habe er 

AI._____ frühmorgens am 19. Juni 2019 zur Rede gestellt, ihn mit einer Waffe 

bedroht und ein Kissen auf dessen Gesicht gedrückt. Der Geschädigte habe 

ihn, den Beschuldigten, daraufhin gebeten, AI._____ nicht mehr aus den Au-

gen zu lassen, damit er sich nicht nach Italien absetzen könne. Sodann habe 

der Geschädigte Kalabresen zur Familie von AJ._____ geschickt. Diese habe 

sich  aus  Angst  nach  AK._____  [Stadt  in  Frankreich]  abgesetzt.  Er,  der  Be-

schuldigte, sei in der Folge gemeinsam mit AI._____ zu ihr nach AK._____ 

gefahren (D1/11/12 F/A 23-33; D1/11/13 F/A 155-181).

Der  Beschuldigte  berichtete  von  diesem  Raubüberfall  erst  auf  Vorhalt  der 

Zeugenaussagen  von  AL._____,  welche  die  Raubgeschichte  vom  Geschä-

digten erfahren hatte. Dieser habe ihr erzählt, dass bei einem Treffen des Be-

schuldigten  mit  einem  Banker  Geld  verschwunden  sei.  Es  sei  um 

CHF 150'000 gegangen, die er dem Beschuldigten gegeben habe und die ge-

stohlen worden seien. AJ._____ solle mit dem Geld abgehauen und danach 

gestorben sein. Auch AI._____ solle daraufhin gestorben sein (vgl. E. III/4.3.1 

hernach).

Die Aussagen des Beschuldigten decken sich indessen in erheblichen Punk-

ten nicht mit den Zeugenaussagen und weiteren Ermittlungsergebnissen. Den 

RTI-Daten  lässt  sich  entnehmen,  dass  der  Geschädigte  am  Tag  nach  dem 

Überfall, dem 19. Juni 2019, um 08.32 Uhr nach K._____ [Deutschland] fuhr. 

Ein Zusammentreffen des Geschädigten mit dem Beschuldigten und AI._____ 

am  frühen  Morgen  des  19. Juni  2019,  um  Letzteren  zur  Rede  zu  stellen, 

wurde nicht verzeichnet (vgl. D1/2/2 S. 26-27). AI._____ und AJ._____, beide 

– entgegen der Version, die der Beschuldigte dem Geschädigten erzählt ha-

ben musste – lebend, verneinten, je von einem Raubüberfall gehört zu haben 

(vgl. E. III/4.3.4 f.). Die Aussagen des Beschuldigten zum Banker "AA._____", 

der beim Überfall verletzt und dessen Geld ebenfalls geraubt worden sei, lies-

sen sich ebenfalls nicht bewahrheiten (vgl. E. III/4.2.5 hernach).

-   28   -

Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, der Beschuldigte habe die Geschichte 

mit dem Raubüberfall, bei dem der fällige Darlehensbetrag von CHF 150'000 

weggekommen sei, erfunden, um den Geschädigten hinzuhalten, ist überzeu-

gend (vgl. Urk. 94 S. 139). Sie deckt sich zum einen mit diversen Zeugenaus-

sagen, wonach der Geschädigte sich beklagt habe, dass der Beschuldigte ihn 

mit der Rückzahlung des erhaltenen Geldes ständig vertröste (vgl. E. III/4.3 

hernach).  Bezeichnenderweise  wollte  der  Beschuldigte  die  Vorhalte  dieser 

Zeugenaussagen,  sichergestellten  WhatsApp-Chats  und  Audio-Protokolle 

nicht  kommentieren  (vgl.  D1/11/16  F/A 62 ff.,   76 ff.;  D1/11/17  F/A 192 ff.). 

Zum andern steht mit der vorinstanzlichen Schlussfolgerung in Einklang, dass 

der Beschuldigte AJ._____ und AI._____ nachfolgend in diversen Hotels in 

AK._____ und in der Umgebung von Zürich unterbrachte und mit ihnen Rei-

sen  in  die  Türkei  unternahm  (vgl.  D1/2/2  S. 29-39,  46-55),  wobei  er  ihnen 

ohne plausiblen Grund das Flugticket bezahlte (vgl. D1/11/12 F/A 34). Mit der 

Vorinstanz ist anzunehmen, dass es dem Beschuldigten ganz offensichtlich 

darum ging, die genannten Personen vom Geschädigten fernzuhalten, damit 

sein Lügengebäude nicht aufflog. Damit korreliert weiter, dass der Beschul-

digte dem Geschädigten die Schweizer Rufnummer von AJ._____ nicht an-

geben wollte (vgl. D1/2/2 S. 29) und das Mobiltelefon von AI._____ behän-

digte (vgl. D1/2/2 S. 19-20).

4.2.4 Laut Aussagen des Beschuldigten habe er dem Geschädigten CHF 250'000 

als Darlehen beschafft, weil dieser ein Haus habe kaufen wollen und hierzu 

Geld benötigt habe (D1/11/4 F/A 228). Die Ermittlungen brachten allerdings 

keine Hinweise darauf an den Tag, dass der Geschädigte im damaligen Zeit-

punkt  ein  Haus  hätte  kaufen  wollen.  Im  Gegenteil  verkaufte  er  am  29. Juni 

2019 eine seiner Liegenschaften unter ihrem Wert und erhielt einen "Reser-

vationsbetrag" von CHF 200'000 in bar als Anzahlung (D1/2/2 S. 8; Beilage 28 

zu D1/11/17).

Aufgrund von Zeugenaussagen ist davon auszugehen, dass der Geschädigte 

die Anzahlung von CHF 200'000 – mutmasslich im Zusammenhang mit dem 

infolge  des  angeblichen  Raubüberfalls  schief  gelaufenen  Falschgeldge-

-   29   -

schäft – dem Beschuldigten zwecks Weitergabe an den Banker "AA._____" 

aushändigte (vgl. E. III/4.3.3). Dies ergibt sich auch aus dem Umstand, dass 

der Geschädigte den Beschuldigten am 31. Juli 2019 in fünf WhatsApp-Nach-

richten  unmissverständlich  aufforderte,  ihm  CHF 350'000  zurückzuzahlen 

(vgl. D1/2/2 S. 64-65; Beilage 3 zu D1/11/14). Dieser Betrag entspricht exakt 

der Gesamtsumme der Geldbeträge, welche der Geschädigte dem Beschul-

digten übergeben hatte (CHF 150'000 plus CHF 200'000). Der Beschuldigte 

bestritt, den Betrag von CHF 200'000 je erhalten zu haben. Er konnte aber 

nicht plausibel erklären, weshalb ihn der Geschädigte in den fünf WhatsApp-

Nachrichten  zur  Rückzahlung  von  CHF 350'000  aufgefordert  hatte  (vgl. 

D1/11/14 F/A 131). Die Vorinstanz hielt zu Recht fest, dass die betreffenden 

WhatsApp-Nachrichten nicht anders denn als Aufforderung zur Rückzahlung 

von CHF 350'000 verstanden werden können (Urk. 94 S. 144).

4.2.5 Völlig unglaubhaft sind auch die Aussagen des Beschuldigten zur Person des 

Bankers "AA._____", welchen er über den Geschädigten im Hotel AM._____ 

in Zürich kennengelernt haben will. Am Abend des 4. August 2019 sei er mit 

dem  Geschädigten  wegen  des  Falschgeldgeschäfts  nach  AB._____  gefah-

ren. Er habe das Treffen mit dem Banker organisiert und diesen am Abend 

des 4. August 2019 über dessen deutsche Rufnummer zu erreichen versucht. 

Als er mit dem Geschädigten an der Wohnadresse des Bankers in AB._____ 

angekommen sei, habe er das Fahrzeug alleine verlassen und beim Banker 

klingeln wollen. Der Name des Bankers sei an der Wohnadresse aber nicht 

angeschrieben gewesen (D1/11/3 F/A 36 ff.; D1/11/6 F/A 200-202; D1/11/12 

F/A 11; D1/11/14 F/A 84-88, 92).

Gemäss Zeugenaussagen hatte der Geschädigte die Sachlage ihnen gegen-

über in wesentlichen Punkten anders geschildert. In den Gesprächen habe er 

verlauten lassen, dass er den Banker "AA._____" nie selber getroffen habe. 

Er habe mit dem Beschuldigten nach AB._____ fahren wollen, um das inves-

tierte  Geld  zurückzuholen.  Dort  angekommen,  habe  der  Beschuldigte  beim 

Banker geklingelt, sei aber – laut Angaben des Beschuldigten gegenüber dem 

Geschädigten – weggeschickt worden, weil der Banker gerade nicht verfügbar 

-   30   -

gewesen sei. Man habe dem Beschuldigten gesagt, dass der Banker mit dem 

Geld etwas später nach Zürich kommen werde (vgl. E. III/4.3.1 hernach).

Zu den Widersprüchen in den Aussagen des Beschuldigten zu den Depositi-

onen der Zeugen kommt hinzu, dass der Beschuldigte keine Angaben zum 

Namen, der genauen Adresse und der Herkunft des Bankers machte. Dies, 

obschon er das Treffen mit dem Banker organisiert und diesen am Abend des 

4. August  2019  angerufen  haben  will  (vgl.  D1/11/3  F/A 59-65;  D1/11/6 

F/A 193-199; D1/11/13 F/A 163-166). Die dafür vorgebrachte Erklärung, die 

Kontaktdaten  von  "AA._____"  auf  seinem  Mobiltelefon  gelöscht  zu  haben 

(D1/11/6 F/A 205-206), ist fadenscheinig. Die Auswertung der RTI-Daten er-

gab schliesslich, dass der Beschuldigte am 4. August 2019 entgegen seinen 

Aussagen niemanden mit einer deutschen Rufnummer kontaktiert hatte.

Bei dieser Sachlage schloss die Vorinstanz zu Recht, dass die Person des 

Bankers "AA._____" gar nicht existiert resp. der Beschuldigte diese Person 

erfand, um dem Geschädigten vorzugaukeln, der Banker sei bereit, dem Ge-

schädigten das dem Beschuldigten gegebene Geld samt einem Gewinn am 

fraglichen Abend des 4. August 2019 zu übergeben.

4.2.6 Schliesslich sind in den Aussagen des Beschuldigten zur Tatnacht vom 4. auf 

den  5. August  2019  diverse  Ungereimtheiten  feststellbar.  Dies  betrifft  zu-

nächst den Grund der Fahrt an seinen Wohnort in V._____ auf der Rückreise 

von AB._____ nach Zürich. Der Beschuldigte gab zunächst an, er habe sein 

zweites Mobiltelefon holen wollen, um dem Geschädigten eine darin gespei-

cherte  Rufnummer  geben  zu  können,  wobei  er  die  betreffende  Rufnummer 

mittlerweile  gelöscht  habe  (D1/11/2  F/A 44-45;  D1/11/3  F/A 68-70).  Seine 

Aussage  ist  mit  der  Auswertung  der  Schrittzähler  der  beiden  Mobiltelefone 

nicht kompatibel. Aufgrund der Anzahl aufgezeichneter Schritte ist davon aus-

zugehen, dass der Beschuldigte seine beiden Mobiltelefone bereits auf sich 

getragen hatte, als er in V._____ eintraf (vgl. Beilage 18 zu D1/11/18). Für die 

Fahrt an seinen Wohnort musste es demnach einen anderen Grund gegeben 

haben, den der Beschuldigte aber nicht bekanntgeben wollte. In einer späte-

ren Einvernahme wechselte er zur Version, er habe ein dem Geschädigten 

-   31   -

gehörendes  Blackberry  holen  wollen,  das  er  am  Vortag  erhalten  und  nach 

AB._____ mitzunehmen vergessen habe (D1/11/14 F/A 96). Gemäss der RTI-

Auswertung der Mobiltelefone des Geschädigten und des Beschuldigten ver-

blieb Letzterer am Vortag jedoch bei sich zu Hause. Er konnte das Blackberry 

an dem von ihm bezeichneten Tag vom Geschädigten deshalb gar nicht er-

halten haben (vgl. D1/2/2 S. 96).

Weitere  Ungereimtheiten  betreffen  die  Zeitangaben  des  Beschuldigten.  Er 

wollte  zusammen  mit  dem  Geschädigten  rund  eineinhalb  Stunden  auf  dem 

Parkplatz beim AF._____ auf den Banker aus AB._____ gewartet haben. Zwi-

schen 02.45 Uhr und 03.15 Uhr habe er den Geschädigten verlassen, weil er 

eine Kollegin (AN._____) um 04.45 Uhr in AO._____ hätte abholen und zum 

Flughafen  bringen  sollen  und  die  Zeit  hierfür  knapp  geworden  sei  (D1/11/2 

F/A 62-63;  D1/11/3  F/A 118).  Die  Ermittlung  der  Wegstrecken  ergab  indes-

sen,  dass  genügend  Zeit  zur  Verfügung  gestanden  hätte,  um  die  Kollegin 

rechtzeitig zum Flughafen zu bringen. Der Beschuldigte bot AN._____ sogar 

an, sie früher als abgemacht zu fahren. Als Grund gab er ihr an, dass er den 

Geschädigten nicht erreichen könne und sich Sorgen um ihn mache (D1/11/2 

F/A 63; D1/11/3 F/A 134). Die Vorinstanz hielt mit Recht fest, dass dies keinen 

Sinn  ergebe,  da  der  Beschuldigte  laut  seinen  Aussagen  den  Geschädigten 

um 03.15 Uhr bei bester Gesundheit verlassen und demnach kein Grund zur 

Sorge bestanden habe (Urk. 94 S. 156). Gegenüber AN._____ und der Not-

rufzentrale machte der Beschuldigte denn auch entsprechend andere Zeitan-

gaben.  Ihnen  gegenüber  gab  er  an,  dass  er  den  Geschädigten  bereits  vor 

zwei bis drei Stunden, also zwischen 01.47 Uhr und 02.47 Uhr verlassen habe 

(Beilage 17 zu D1/11/18).

Nicht  schlüssig  sind  schliesslich  auch  die  Aussagen  des  Beschuldigten  be-

treffend seiner in der Tatnacht getragenen Kleider. Auf den um 00.50 Uhr er-

stellten  Aufnahmen  der  Videoüberwachung  beim  McDonald's  in  AG._____, 

wo er mit dem Geschädigten einen Imbiss genommen hatte, trug der Beschul-

digte ein helles Langarmhemd. Beim Eintreffen der Polizei um 04.55 Uhr am 

Tatort trug er dagegen eine schwarze Trainerjacke. Der Beschuldigte gab an, 

-   32   -

das helle Hemd auf dem Rückweg von AB._____ ausgezogen zu haben, weil 

ihm warm geworden sei. Er habe es im Fahrzeug des Geschädigten (Audi Q7) 

auf  die  Mittelkonsole  der  Rückbank  gelegt  (D1/11/4  F/A 138).  Im  besagten 

Auto konnte dagegen kein helles Hemd sichergestellt werden. Die Vorinstanz 

folgerte  daraus  zu  Recht,  dass  der  Beschuldigte  das  helle  Hemd,  das  auf-

grund  der  aus  nächster  Nähe  abgegebenen  Schüsse  mit  höchster  Wahr-

scheinlichkeit Blutspritzer aufgewiesen hatte, irgendwo entsorgte und ansch-

liessend  an  seinem  Wohnort  duschte,  um  weitere  Spuren  zu  beseitigen 

(Urk. 94 S. 161-162).

4.3 Aussagen von Drittpersonen

Im Untersuchungsverfahren wurden 101 Personen aus dem Umfeld des Be-

schuldigten  und  des  Geschädigten  befragt.  7 Personen  lieferten  Informatio-

nen, die zur Sachverhaltserstellung beitrugen. Deren 4 Personen (AL._____, 

AP._____, AQ._____, AR._____) wurden von der Staatsanwaltschaft als Zeu-

gen  einvernommen.  Weitere  3 Personen  (AJ._____,  AI._____,  AS._____), 

welche  für  die  Sachverhaltserstellung  wesentlich  waren,  wurden  als  Aus-

kunftspersonen befragt, da unklar war, wie sie zum Beschuldigten und zum 

Geschädigten standen und ob sie auf irgendeine Art in die Strafsache verwi-

ckelt waren.

4.3.1 Gewichtiges  indirektes  Beweismittel  sind  die  Aussagen  von  AL._____ 

(D1/12/15). Bei ihr handelt es sich um eine Geschäftspartnerin und Freundin 

des Geschädigten. Die Zeugin gab an, den Beschuldigten ungefähr dreimal 

getroffen zu haben. Gründe für eine falsche Belastung sind nicht erkennbar. 

Die Aussagen der Zeugin sind konstant und widerspruchsfrei und stimmen mit 

den Ermittlungsergebnissen überein. Zudem gab die Zeugin an, wenn sie et-

was nicht oder nicht mehr genau wusste oder wenn sie etwas nicht verstand. 

Dies erhöht die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.

AL._____ gab zu Protokoll, was sie vom Geschädigten über den Beschuldig-

ten wusste. Anhand ihrer Aussagen lässt sich deutlich erkennen, welche "Ge-

schichten"  der  Beschuldigte  dem  Geschädigten  aufgetischt  haben  musste. 

-   33   -

Zudem hörte sie einige Telefongespräche des Geschädigten mit AJ._____ mit 

(D1/2/2 S. 69 ff.). Ihre Aussagen sind deshalb besonders erhellend.

Die Zeugin berichtete, dass der Geschädigte dem Beschuldigten einen Geld-

betrag von CHF 150'000 gegeben und dieser das Geld an einen Banker über-

wiesen habe. Dieser Banker hätte dem Geschädigten das Geld später zurück-

zahlen müssen. Weiter habe ihr der Geschädigte von einem Raubüberfall er-

zählt, bei dem er selber nicht dabei gewesen sei und CHF 150'000 wegge-

kommen  seien.  Den  Erzählungen  des  Geschädigten  zufolge  habe  der  Be-

schuldigte  ihm  gesagt,  dass  AJ._____  und  AI._____  hinter  dem  Überfall 

steckten und beide gestorben oder entführt worden seien. Weiter berichtete 

die Zeugin, dass der Geschädigte sich wiederholt beklagt habe, vom Beschul-

digten bezüglich der Rückzahlung der geschuldeten CHF 150'000 auf ein spä-

teres  Datum  vertröstet  zu  werden.  Der  Geschädigte  habe  ihr  auch  erzählt, 

dass er ein Haus verkaufen müsse und das Geld für den Banker bestimmt sei. 

Er habe ihr aber nicht offenlegen wollen, welche Art von Geschäften er mit 

diesem Banker getätigt habe. Die Zeugin berichtete sodann von einem mitge-

hörten  Telefonanruf  von  AJ._____,  welche  sich  plötzlich  gemeldet  und  den 

Geschädigten eindringlich gewarnt und gesagt habe, er solle mit seiner Fami-

lie verschwinden. Die Zeugin gab schliesslich zu Protokoll, der Geschädigte 

habe ihr am Abend des 4. August 2019 per Telefon mitgeteilt, dass er sich 

zusammen  mit  dem  Beschuldigten  wegen  CHF 150'000  mit  dem  Banker  in 

AB._____ treffe. Bezeichnenderweise konnte die Zeugin keine näheren An-

gaben zum Banker machen. Sie habe ihn nie zu Gesicht bekommen und der 

Geschädigte habe nie einen Namen genannt, sondern nur vom "Banker" ge-

sprochen (vgl. insb. D1/12/15 F/A 44, 48, 111). In AB._____ angekommen, 

habe ihr der Geschädigte per WhatsApp mitgeteilt, der Beschuldigte sei al-

leine zu diesem Banker gegangen und von einem Wächter weggeschickt wor-

den, weil der Banker angeblich keine Zeit habe und später am Abend nach 

Zürich in sein (des Geschädigten) Büro kommen wolle. Der Geschädigte habe 

den Eindruck gehabt, dass etwas nicht stimme und ihr deshalb für die Dauer 

von 8 Stunden den Standort seines Mobiltelefons freigeschaltet.

-   34   -

Der Beschuldigte wollte weder die Aussagen von AL._____ noch ihre mit dem 

Geschädigten geführten WhatsApp-Chats noch das Audio-Protokoll des Ge-

sprächs  zwischen  dem  Geschädigten  und  AJ._____  kommentieren  (vgl. 

D1/11/16 und D1/11/17).

4.3.2 Ebenfalls  aufschlussreich  sind  die  Aussagen  von  AP._____  (D1/12/117). 

Auch er war ein Freund des Geschädigten. Den Beschuldigten kannte er nur 

aus den Erzählungen des Geschädigten. Hinweise darauf, dass er den Be-

schuldigten absichtlich falsch belasten wollte, sind auch bei ihm nicht erkenn-

bar.

Gleich wie AL._____ konnte der Zeuge zur Vorgeschichte lediglich wiederge-

ben, was er vom Geschädigten erfahren hatte. Seinen Aussagen zufolge er-

zählte ihm der Geschädigte recht offenherzig von einem Falschgeldgeschäft, 

das  er  mit  einem  Türken  abgeschlossen  und  ihm  hierfür  einen  namhaften 

Geldbetrag gegeben habe. Mit dem "Türken" war erkennbar der Beschuldigte 

gemeint, obgleich AP._____ dessen Namen nicht kannte (D1/12/117 F/A 14-

15, 21, 42). Der Zeuge äusserte sich auch zur Figur des Bankers, über den 

das  Falschgeldgeschäft  hätte  abgewickelt  werden  sollen.  Der  Geschädigte 

habe diesen Banker nicht gekannt und nie gesehen, weil alle Termine geplatzt 

seien. Er habe sich deswegen am Abend des 4. August 2019 mit dem Banker 

treffen wollen. Weiter äusserte sich der Zeuge zu den Sorgen des Geschä-

digten wegen der ausbleibenden Rückzahlung des investierten Geldes, eines 

allfälligen  Hausverkaufs  im  Falle  des  Ausbleibens  der  Rückzahlung  und  zu 

den ständigen Vertröstungen. Die Geschichte mit dem Raubüberfall, bei dem 

sowohl das echte als auch das falsche Geld weggekommen sei, erfuhr der 

Zeuge  von  AL._____,  welche  ihrerseits  vom  Geschädigten  davon  erfahren 

hatte.

Die Aussagen von AP._____ sind plausibel, widerspruchsfrei und decken sich 

mit den Aussagen von AL._____.

-   35   -

4.3.3 Bei  AQ._____  (D1/12/31)  handelt  es  sich  ebenfalls  um  einen  langjährigen 

Freund des Geschädigten. Er hatte den Beschuldigten nie getroffen. Es gibt 

keine Hinweise, dass er den Beschuldigten zu Unrecht hätte belasten wollen.

Gemäss seinen Aussagen hatte AQ._____ keine Kenntnisse vom Falschgeld-

geschäft. Er erwähnte aber, dass der Geschädigte ihm ein bis zwei Wochen 

vor dem Tötungsdelikt erzählt habe, einem Türken CHF 150'000 geliehen und 

dann  nochmals  CHF 200'000  gegeben  zu  haben.  Der  Geschädigte  habe 

Geldsorgen gehabt und habe eine Immobilie verkaufen wollen. Der Zeuge gab 

an, er glaube, dass der Geschädigte den Betrag von CHF 200'000 erst nach 

dem Hausverkauf geliehen habe (D1/12/31 F/A 140).

Die Aussagen von AQ._____ sind plausibel. Ungereimtheiten hinsichtlich ge-

wisser Zeitangaben konnte der Zeuge in der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme ausräumen. Dass er nichts vom Falschgeldgeschäft wusste, stellt die 

Glaubhaftigkeit  seiner  Aussagen  nicht  per  se  in  Frage.  Schliesslich  wusste 

auch AL._____, obschon enge Geschäftspartnerin des Geschädigten, nichts 

Genaues über das betreffende Geschäft mit dem Beschuldigten.

4.3.4 AJ._____ (D1/12/129) lernte den Beschuldigten und den Geschädigten unge-

fähr zur gleichen Zeit kennen. Sie bezeichnete den Geschädigten als Freund, 

wobei unklar ist, wie nah sie ihm stand. Dasselbe gilt betreffend ihr Verhältnis 

zum Beschuldigten, mit dem sie allenfalls eine gewisse Zeit lang liiert war (vgl. 

D1/2/2 S. 85).

AJ._____ wurde lediglich als Auskunftsperson befragt. Es wurden ihr diverse 

Audio-Protokolle von Gesprächen zwischen ihr und dem Geschädigten und 

ihre WhatsApp-Chats mit dem Geschädigten und dem Beschuldigten vorge-

halten. AJ._____ antwortete über weite Strecken ausweichend oder gab an, 

sich nicht erinnern zu können. Dies gilt namentlich bezüglich der Frage, wes-

halb sie dem Geschädigten am 2. August 2019, mithin in zeitlicher Nähe zum 

Tötungsdelikt,  vorgeschlagen  habe,  zur  Polizei  zu  gehen,  und  weshalb  sie 

den Geschädigten eindringlich gewarnt und ihm empfohlen habe, die Schweiz 

mit  seiner  Familie  zu  verlassen  (D1/12/129  F/A 67 ff.).  Die  Vorinstanz  ver-

-   36   -

merkte zu Recht, dass angesichts der Tötung einer als Freund bezeichneten 

Person die vielen Erinnerungslücken als vorgeschoben erscheinen und viel-

mehr  anzunehmen  ist,  dass  die  Auskunftsperson  –  aus  welchen  Gründen 

auch immer – sich nicht erinnern wollte. Die Aussagen von AJ._____ sind für 

die Sachverhaltserstellung daher nur begrenzt hilfreich.

Immerhin erwähnte AJ._____, ebenfalls gehört zu haben, dass der Geschä-

digte  einen  Geldbetrag  von  CHF 150'000  (oder  EUR 150'000)  ausgeliehen 

und nicht zurückbekommen habe (D1/12/129 F/A 65, 88). Zudem räumte sie 

ein, dass der Geschädigte Sorgen und Angst gehabt habe. Von einem Raub-

überfall im Büro/Lager des Geschädigten wusste sie nichts.

4.3.5 AI._____ (D1/12/141) ist der Sohn von AS._____. Er war mit dem Geschädig-

ten  nicht  verwandt,  wurde  von  diesem  aber  laut  seinen  Aussagen  wie  ein 

Sohn behandelt. Mit dem Beschuldigten verband ihn zur Tatzeit eine Freund-

schaft, die ein Jahr zuvor begonnen hatte.

AI._____ wurde als Auskunftsperson befragt. Seine Aussagen tragen, gleich 

wie die Aussagen von AJ._____, nur beschränkt zur Sachverhaltsermittlung 

bei.  Wie  die  Vorinstanz  festhielt,  war  der  Einvernommene  stets  darum  be-

müht, sich als Unbeteiligten darzustellen. Er will zwar gehört haben, dass der 

Geschädigte dem Beschuldigten einen Betrag von CHF 150'000 geliehen und 

anschliessend zurückverlangt habe. Er betonte aber diverse Male, dass der 

Geschädigte ihm nichts von seinen finanziellen Problemen erzählt habe und 

sowohl der Geschädigte wie auch der Beschuldigte ihn aus allem Geschäftli-

chen rausgehalten hätten (D1/12/141 F/A 161, 172, 233). Es ist jedenfalls an-

zunehmen, dass AI._____ – aus welchen Gründen auch immer – nicht alles 

zu Protokoll gab, was er wusste.

Aufschlüsse liefern immerhin seine Aussagen über die Türkeireisen und die 

Hotelübernachtungen in der Umgebung von Zürich. AI._____ bestätigte, im 

Juli 2019 – mithin nach dem angeblichen Raubüberfall – zusammen mit dem 

Beschuldigten  und  AJ._____  zweimal  ferienhalber  und  auf  Kosten  des  Be-

schuldigten in die Türkei gereist zu sein, wobei er und AJ._____ sich nur mit 

-   37   -

dem Cousin des Beschuldigten hätten fortbewegen können und sich wie Gei-

seln  vorgekommen  seien  (D1/12/141  F/A 227-230).  Weiter  bestätigte 

AI._____, dass der Beschuldigte ihm Hotelübernachtungen bezahlt habe. Der 

Beschuldigte habe ihm gesagt, er solle seine Wohnung verlassen, er werde 

ihm  eine  neue  Wohnung  finden  und  ihn  bis  dahin  in  Hotels  unterbringen 

(D1/12/141 F/A 262-263). 

Festzuhalten ist, dass AI._____ die Aussagen des Beschuldigten in zentralen 

Punkten nicht bestätigte. Er verneinte, dass ihm der Beschuldigten bei einem 

Treffen bei der ZKB je CHF 40'000 und CHF 20'000 ausbezahlt habe. Gleich 

wie AJ._____ wusste AI._____ nichts von einem Raubüberfall im Büro/Lager 

des  Geschädigten,  bei  dem  Geld  weggekommen  sein  soll.  Er  sei  vom  Ge-

schädigten auch nie mit einer Waffe oder einem Kissen bedroht worden. Der 

Geschädigte sei ein guter Mensch gewesen (D1/12/141 F/A 18).

4.3.6 Bei  AS._____,  welcher  ebenfalls  als  Auskunftsperson  befragt  wurde 

(D1/12/139),  handelt  es  sich  um  den  Vater  von  AI._____.  Seine  Aussagen 

werfen zahlreiche Fragen auf und lassen den Schluss zu, dass der Befragte 

nicht alles sagte, was er weiss. Die zu Protokoll gegebenen Aussagen geben 

mit Bezug auf den Geschehensablauf nicht viel her.

AS._____ will den Geschädigten nicht gekannt, sondern nur einmal über sei-

nen Sohn von ihm gehört haben. Er sei im Juli 2019 in die Schweiz gereist, 

weil er seinen Sohn nicht habe erreichen können und habe wissen wollen, wo 

sich dieser aufhalte. Zu diesem Zweck habe er sich mit dem Beschuldigten 

getroffen. Die Vorinstanz bezeichnete diese Aussagen zu Recht als seltsam, 

da viele Mitglieder der Familie AI._____AS._____ in der Schweiz wohnen und 

es naheliegender gewesen wäre, sich an sie zu wenden statt an den Beschul-

digten.  Zudem  hätte  AS._____  den  Beschuldigten  telefonisch  kontaktieren 

können, um zu erfahren, dass sich sein Sohn ferienhalber in der Türkei auf-

halte. Eine Reise in die Schweiz einzig mit dem Zweck, nach dem Aufenthalt 

des  Sohnes  zu  fragen,  erscheint  realitätsfern.  Ebenfalls  eigenartig  sind  die 

Aussagen, wonach AS._____ vom Beschuldigten in einen Erotik-Club einge-

laden worden  sei  und dieser  ihm  –  ohne  Bindung  an  eine  Gegenleistung  – 

-   38   -

EUR 4'000 für seine kranke Frau und ein Flugticket zurück nach Italien ge-

schenkt  habe.  Zudem ist  fraglich,  ob sich der  Zeuge  tatsächlich  nicht mehr 

daran erinnerte, dass er nachgewiesenermassen auch nach dem Treffen mit 

dem Beschuldigten noch weitere Male mit diesem in Kontakt gestanden war 

(vgl. D1/2/2 S. 60).

4.3.7 AR._____ wurde als Zeuge einvernommen (D1/12/78). Er hatte den Beschul-

digten und den Geschädigten nur ein einziges Mal aus geschäftlichen Grün-

den getroffen. Der Zeuge legte offen, dass er weder den Beschuldigten noch 

den  Geschädigten  sympathisch  fand  und  ihm  das  Treffen  suspekt  vorkam. 

Anhaltspunkte dafür, dass AR._____ den Beschuldigten hätte falsch belasten 

wollen, liegen aber nicht vor.

AR._____  konnte  nur  das  zu  Protokoll  geben,  was  ihm  der  Beschuldigte 

sagte, da er sich mit diesem auf Türkisch unterhalten und der Geschädigte 

mangels  Sprachkenntnissen  am  Gespräch  nicht  aktiv  teilgenommen  hatte. 

Dabei sei es um den Verkauf eines dem Neffen des Geschädigten (gemeint 

AI._____)  gehörenden  Fahrzeugs  (BMW  i8)  und  um  ein  Restaurant  in 

AB._____ gegangen. Der Beschuldigte habe ihm auch von einem Geldwech-

selgeschäft mit dem Geschädigten und einem Raubüberfall erzählt, bei dem 

der Neffe des Geschädigten dahinterstecke und das Geld weggekommen sei 

(D1/12/78 F/A 94-97). Die Vorinstanz erachtete die Aussagen von AR._____ 

zu Recht als plausibel. Sie sind ein weiterer Beleg dafür, dass der Beschul-

digte die Geschichte eines Raubüberfalls zu verbreiten suchte.

4.4 Weitere Beweismittel

4.4.1 Vorab ist festzuhalten, dass die im Recht liegenden Gutachten des Instituts 

für  Rechtsmedizin  (IRM)  und  des  Forensischen  Instituts  Zürich  (FOR)  voll-

ständig, nachvollziehbar und schlüssig sind. In Fachfragen ist die Berufungs-

kammer an die Gutachten folglich gebunden (BGer, Urteil 6B_376/2024 vom 

5.6.24 E. 2.2.3). 

-   39   -

4.4.2 Gemäss dem Bericht zur Legalinspektion (D1/27/4) und dem Gutachten des 

IRM zum Todesfall (D1/27/5) kam der Geschädigte zweifelsfrei durch ein De-

likt ums Leben. An der Leiche wurden zwei Schussverletzungen festgestellt, 

i.e. ein relativer Nahschuss an der Wange rechts und ein Einschuss am Rü-

cken rechts auf Höhe des mittleren Brustkorbs. Beide Schüsse waren je für 

sich todesursächlich. Der Eintritt des Todes konnte nur grob geschätzt werden 

und muss zwischen 01.00 Uhr und 04.30 Uhr des 5. August 2019 gelegen ha-

ben. Im Ergänzungsgutachten vom 8. Mai 2025 erläuterte das IRM, dass eine 

nähere Eingrenzung der Todeszeit mangels Idealbedingungen nicht möglich 

sei  (Urk. 133  S. 2-3).  Die  Ausführungen  des  IRM  sind  nachvollziehbar  und 

schlüssig. Der Kritik der Verteidigung am Ergänzungsgutachten (Urk. 141) ist 

nicht zu folgen. Die Abnahme der neu beantragten Beweise (Befragung der 

Rettungskräfte; Edition medizinischer Unterlagen etc.) würde den Todeszeit-

punkt  nicht  näher  eingrenzen,  da  die  Durchführung  einer  Reanimation  bei 

nicht klar einsehbaren Todeszeichen (bspw. bei durch die getragene Beklei-

dung  verdeckten  Todesflecken)  dem  standardmässigen  Vorgehen  der  Ret-

tungskräfte entspricht (vgl. Urk. 133 S. 3). Der Beschuldigte gab an, den Ge-

schädigten  auf  dem  Parkplatz  beim  AF._____  zwischen  02.45 Uhr  und 

03.15 Uhr verlassen zu haben (D1/11/3 F/A 118). Diese Zeitangabe liegt in-

nerhalb des gutachterlich festgestellten Zeitraums des Todeseintritts.

4.4.3 Die  Ergebnisse  der  Schussbahnrekonstruktion  sprechen  äusserst  stark  auf 

eine Schussabgabe im Fahrzeuginnenraum des Geschädigten, wobei sich die 

Waffe  bei  beiden  Schussabgaben  im  Bereich  des  Fahrzeugs  hinten  rechts 

befunden haben musste (Interdisziplinäres Gutachten, D1/28/18 S. 8). Genau 

an dieser Stelle – am Türöffnungshebel an der Fahrzeugtüre hinten rechts, 

Innenseite – wurde die DNA des Beschuldigten gefunden (Spurenbericht des 

FOR, D1/28/15). Auf Vorhalt dieses Ermittlungsergebnisses lieferte der Be-

schuldigte keine Erklärung, wie seine DNA dorthin hätte gelangt sein können, 

sondern machte stets geltend, neben dem Geschädigten auf dem Beifahrer-

sitz gesessen zu sein (D1/11/18 F/A 185-187).

-   40   -

4.4.4 Gemäss  den  Videoaufzeichnungen  beim  McDonald's  in  AG._____,  wo  der 

Beschuldigte und der Geschädigte nach der Rückfahrt von AB._____ einen 

Imbiss nahmen, trug der Beschuldigte am Abend des 4. August 2019 ein hel-

les Langarmhemd. Dieses will er später in der Nacht ausgezogen und auf die 

Mittelkonsole  der  Rückbank  im  Fahrzeug  des  Geschädigten  gelegt  haben, 

weil es ihm zu warm gewesen sei (D1/11/4 F/A 138). Das betreffende Hemd 

wurde indessen nie gefunden. Die Vorinstanz ging davon aus, dass das Hemd 

aufgrund der nahen Schussabgabe Blut- und Schmauchspuren aufgewiesen 

habe und der Beschuldigte das Hemd habe verschwinden lassen.

4.4.5 Die Auswertung der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation (RTI) ergab, dass 

der  Beschuldigte  zeitlich  die  Möglichkeit  hatte,  um  nach  dem  Tötungsdelikt 

Blut-  und  Schmauchspuren  zu  beseitigen.  Er  befand  sich  nachgewiesener-

massen zwischen 04.00 Uhr und 04.30 Uhr an seinem Wohnort in V._____. 

In  dieser  Zeitspanne  konnte  er  entgegen  der  Verteidigung  (Urk. 127  S. 22) 

duschen, die Kleider wechseln und sein eigenes Fahrzeug reinigen. Zudem 

ist denkbar, dass der Beschuldigte bereits vor der Wegfahrt mit dem eigenen 

Fahrzeug  vom  Parkplatz  AF._____  bzw.  vor  dem  Einsteigen  seine  Kleider 

(helles Langarmhemd, Hosen etc.) auszog oder wechselte, um allfällige Blut- 

und Schmauchspuren von seiner Person zu entfernen und deren Weiterüber-

tragung zu vermeiden. Am Parkplatz des AF._____ führt ein Bach vorbei, wo 

das Mobiltelefon des Geschädigten gefunden wurde und wo ohne Weiteres 

Blut- und Schmauchspuren abgewaschen werden konnten.

Diesbezüglich ergibt sich aus dem von der Verteidigung ins Recht gelegten 

Bericht von Prof. R._____, dass allein das Reiben der Hände oder das Hän-

dewaschen  zum  Verlust  von  Schmauchpartikeln  beitragen  kann  bzw.  dass 

das  Händewaschen  zum  teilweisen  Verlust  oder  gar  zur  Abwesenheit  von 

Schmauchspuren führen kann und bei einem Zeitintervall von sechs Stunden 

und  mehr  zwischen  Schussabgabe  und  Probeentnahme  mit  einem  hohen 

Verlust an Schmauchpartikeln zu rechnen ist (Urk. 122/1 S. 11, FN 10). Der 

von der Verteidigung eingereichte Fachbeitrag besagt sogar, dass, wenn der 

Schütze nach der Schussabgabe dusche oder die Hände und das Haar wa-

-   41   -

sche, das Sicherstellen von Schmauchspuren auf Händen oder Haar beinahe 

unmöglich sei (Urk. 122/3 S. 2). Mithin stützen weder Bericht noch Beitrag die 

Annahme der Verteidigung, dass eine vollumfängliche Beseitigung der Spu-

ren durch Duschen oftmals nicht möglich sei (Prot. II S. 31). Die Vorinstanz 

wies ausserdem darauf hin, dass der Beschuldigte aufgrund einer einschlägi-

gen Vorstrafe aus dem Jahr 2013 jedenfalls wusste, worauf man beim Besei-

tigen von Schmauchspuren achten muss. In Anbetracht dessen, dass der Be-

schuldigte  Möglichkeiten  hatte,  sich  von  Schmauch-  und  Blutspuren  zu  be-

freien, ist der Umstand, dass an seinem Körper, seinen Kleidern und seinem 

Fahrzeug  keine  solchen  Spuren  in  hinreichender  Deutlichkeit  sichergestellt 

werden konnten (vgl. D1/28/15), beweismässig neutral, d.h. weder zu seinen 

Gunsten noch zu seinen Ungunsten zu werten.

Vor  diesem  Hintergrund  könnten  die  von  der  Verteidigung  beantragten  Be-

weisabnahmen  (Ergänzungsgutachten  des  FOR  zu  den  Schmauchspuren, 

dem Blutspurenbild und der in Frage kommenden Tatwaffe; Bestellung von 

Prof. R._____ als Sachverständiger und Befragung zu seinem Bericht; Einho-

lung einer Stellungnahme des FOR zum Bericht von Prof. R._____) nichts zur 

Sachverhaltsklärung beitragen. Ohnehin zielt die Verteidigung mit diesen An-

trägen nicht auf ein Beibringen zusätzlicher Entscheidungsgrundlagen, son-

dern vielmehr auf eine Würdigung der bestehenden Beweislage. Allerdings ist 

die Beweiswürdigung, namentlich die Würdigung der Ergebnisse der Spuren-

analysen  im  Gesamtzusammenhang,  allein  Sache  des  Gerichts,  nicht  der 

Gutachter. Daher sind die im Bericht von Prof. R._____ enthaltenen Probabi-

litätsüberlegungen unbehelflich und würde selbiges auch für das von der Ver-

teidigung beantragte Gutachten zur Interpretation fehlender Blutmikrospuren 

bzw. zur Problematik der fehlenden Spuren oder ein diesbezügliches Ergän-

zungsgutachten des FOR gelten (vgl. E. I/8 hiervor). Die entsprechenden Be-

weisanträge der Verteidigung sind demnach abzuweisen.

4.4.6 Weitere Indizien für die Täterschaft des Beschuldigten liefert sein Verhalten 

im Tatzeitraum. Dazu gehört, dass der Beschuldigte während seines Aufent-

halts auf dem Parkplatz des AF._____ ab 01.15 Uhr seine Mobiltelefone auf 

-   42   -

Flugmodus  gestellt  oder  ausgeschaltet  hatte.  Das  eine  Mobiltelefon  loggte 

sich erst wieder um 03.25 Uhr, das andere ab 03.30 Uhr bei einer Mobilfunk-

antenne ein. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 127 S. 12-

13) bestehen an der Genauigkeit der erhobenen Randdaten der Mobiltelefone 

des Beschuldigten keine Zweifel. Das Einschalten des Flugmodus resp. das 

Ausschalten der Mobiltelefone ergäbe keinen Sinn, wenn sich der Beschul-

digte auf dem Parkplatz AF._____ tatsächlich nur mit dem Geschädigten un-

terhalten und dabei auf dem Beifahrersitz in dessen Fahrzeug gesessen hätte. 

Ein weiteres Indiz für das Verwischen von Tatspuren findet sich darin, dass 

der  Beschuldigte  seinen  WhatsApp-Chat  mit  dem  Geschädigten  bis  zum 

22. Juli 2019 und die Anrufverbindungen bis zum 2. August 2019 sowie sämt-

liche  Verbindungen  ab  dem  4. August  2019,  12.39 Uhr,  bis  zum  5. August 

2019, 04.33 Uhr, (mit Ausnahme des Anrufs an AN._____ um 04.31 Uhr) ge-

löscht hatte (D1/2/2 S. 13, 48). Dies spricht ebenfalls dafür, dass der Beschul-

digte darum bemüht war, Rückschlüsse auf seine Täterschaft zu verhindern. 

Eigenartig  ist  schliesslich,  dass  das  Mobiltelefon  des  Geschädigten  um 

03.17 Uhr  letztmals  mit  der  Firewall  des  Providers  Sunrise  in  Verbindung 

stand, was darauf hindeutet, dass das Mobiltelefon just im Moment zerstört 

wurde, als der Beschuldigte den Parkplatz AF._____ um 03.15 Uhr verliess, 

und  dass  der  Beschuldigte  bei  seiner  Rückkehr  an  seinem  Wohnort  um 

04.00 Uhr nicht auf seinen Vater treffen wollte. Auch diese Umstände spre-

chen dafür, dass der Beschuldigte etwas zu verbergen hatte. 

4.4.7 Damit  korreliert,  dass  der  Beschuldigte  den  Verdacht  von  sich  zu  lenken 

suchte,  indem  er  dem  Geschädigten  bereits  kurz  nach  dem  Verlassen  des 

AF._____s eine – wie die Vorinstanz festhielt – sinnlose WhatsApp-Nachricht 

schrieb, um sich nach dessen Befinden zu erkundigen. Weiter versuchte er 

den Verdacht zu zerstreuen, indem er daraufhin AL._____ anrief, sich nach 

dem  (freigeschalteten)  Standort  des  Geschädigten  erkundigte,  aus  angebli-

cher Sorge zum Parkplatz AF._____ zurückfuhr und den Notruf absetzte.

4.4.8 Dass die Tatwaffe nie gefunden wurde, vermag den Beschuldigten nicht zu 

entlasten,  da  es  genügend  Zeit  und  Möglichkeiten  gab,  die  Schusswaffe, 

-   43   -

gleich wie das helle Langarmhemd, vor dem Absetzen des Notrufs zum Ver-

schwinden zu bringen. 

4.5 Fehlende Hinweise auf Drittpersonen

Der  Beschuldigte hat  für den  Tatzeitraum kein Alibi. Daran würden die neu 

beantragten Beweise nichts ändern können (vgl. E. III/4.4.2 hiervor). Er war 

der Letzte, der den Geschädigten lebend gesehen hatte, und auch derjenige, 

der  den  Geschädigten  mit  Schussverletzungen  vorfand  und  den  Notruf  ab-

setzte.  Zudem  hatte  der  Beschuldigte  ein  klares  Tatmotiv.  Er  war  dem  Ge-

schädigten eine namhafte Geldsumme schuldig und konnte oder wollte diese 

Schulden  nicht  bezahlen.  Hinweise  auf  andere  Personen,  die  als  Täter  in 

Frage kommen, fehlen gänzlich. Insbesondere fehlen Hinweise darauf, dass 

die vom Beschuldigten bzw. der Verteidigung als Täter ins Spiel gebrachten 

Personen  (vgl.  Urk. 127  S. 31-32)  von  der  Anwesenheit  des  Geschädigten 

mitten  in  der  Nacht  auf  dem  Parkplatz  des  AF._____  wussten.  Im  Übrigen 

erscheint die Darstellung des Beschuldigten unglaubhaft, wonach er zunächst 

mit dem Geschädigten auf dem Parkplatz wartete, dann aber, als endlich an-

dere Personen vor Ort eintrafen, den Tatort verliess und den Geschädigten 

alleine liess.

4.6 Beweisergebnis

Mit  der  Vorinstanz  ist  vorliegend  von  einer  Indizienkette  auszugehen,  die 

keine  Zweifel  an  der  Täterschaft  des  Beschuldigten  offen  lässt,  wobei  den 

nachfolgenden Indizien besondere Bedeutung zukommt. Zunächst lässt sich 

das  Tatmotiv  erkennen.  Der  Geschädigte  forderte  den  Beschuldigten  am 

31. Juli  2019,  mithin  zeitnah  zur  Tat,  unmissverständlich  zur  Zahlung  von 

CHF 350'000 auf. Was es mit der Vorgeschichte dieser Forderung im Detail 

auf sich hatte, kann entgegen den Ausführungen der Verteidigung an der Be-

rufungsverhandlung (vgl. Urk. 127 S. 5-6, 11-12, 29; Prot. II S. 43) offenblei-

ben. Entscheidend ist, dass der Geschädigte von der Rückzahlungspflicht des 

Beschuldigten ausging und jener sich mit nachdrücklichen Zahlungsaufforde-

rungen konfrontiert sah (vgl. E. III/4.2.4 hiervor). Entgegen der Verteidigung 

-   44   -

ändert daran nichts, dass der Geschädigte dem Beschuldigten kein Ultimatum 

setzte (vgl. Urk. 127 S. 11). Wohlgemerkt bestätigte der Beschuldigte das Be-

stehen einer Rückzahlungspflicht, indem er aussagte, er und der Geschädigte 

hätten sich jeweils gegenseitig Geld ausgeliehen und er habe dem Geschä-

digten geliehenes Geld zurückbezahlt (vgl. E. III/4.2.1 hiervor). Dass der Ge-

schädigte von der Rückzahlungspflicht des Beschuldigten ausging, ergibt sich 

auch  aus  diversen  Zeugenaussagen  (vgl.  E. III/4.3.1-4.3.3  hiervor).  Um  die 

fehlende  Zahlungsfähigkeit  resp.  den  fehlenden  Zahlungswillen  zu  vertu-

schen, spies der Beschuldigte den Geschädigten mit Vertröstungen ab und 

erstellte  und  verbreitete  in  mehrfacher  Hinsicht  ein  Lügengebäude  (Raub-

überfall,  bei  dem  alles  Geld  wegkam;  Existenz  eines  Bankers  namens 

"AA._____"; Tod oder Entführung von AJ._____ und AI._____, die angeblich 

hinter dem Raubüberfall steckten). Auch dies lässt sich anhand diverser Zeu-

genaussagen erkennen (vgl. E. III/4.3.1-4.3.2 und E. III/4.3.7 hiervor).

Ein gewichtiges Indiz für die Täterschaft des Beschuldigten liegt sodann im 

Umstand, dass seine DNA just an der Position des Schützen gefunden wurde. 

Eine Erklärung hierfür lieferte er, wie gesagt, nicht (vgl. E. III/4.4.3 hiervor). 

So machte er nicht geltend, jemals auf der Rückbank des Fahrzeugs des Ge-

schädigten mitgefahren zu sein und auf diese Weise eine DNA-Spur hinter-

lassen  zu  haben,  wie  die  Verteidigung  an  der  Berufungsverhandlung  vor-

brachte (Urk. 127 S. 16). Entgegen der Verteidigung (Urk. 127 S. 17) ist so-

dann nicht aussagekräftig, dass auf der Aussenseite der Fahrzeugtür keine 

DNA-Spur des Beschuldigten verzeichnet wurde (Urk. 127 S. 17). Denn sel-

biges gilt für die Aussenseite der Beifahrertür (D1/28/14 S. 17), obschon der 

Beschuldigte in der Tatnacht längere Zeit auf dem Beifahrersitz gesessen ha-

ben will.

Ein weiteres gewichtiges Indiz ist der vom Beschuldigten vollzogene Kleider-

wechsel.  Obschon  der  Beschuldigte  das  helle  Langarmhemd  auf  die  Rück-

bank im Fahrzeug des Geschädigten gelegt haben will (vgl. E. III/4.2.6 hier-

vor),  wurde  das  besagte  Hemd  dort  nicht  gefunden.  Ein  allfälliger  Dritttäter 

hätte keinerlei Anlass gehabt, dieses Hemd von dort zu entfernen. Dass das 

-   45   -

Hemd  nicht  sichergestellt  werden  konnte,  deutet  auf  eine  Verschleierungs-

handlung des Beschuldigten hin und indiziert dessen Täterschaft. 

Zusätzliche  Indizien  liegen  zum  einen  darin,  dass  der  Beschuldigte  seinen 

WhatsApp-Chat mit dem Geschädigten und die Anrufverbindungen bis zum 

2. August  2019  sowie  sämtliche  Verbindungen  ab  dem  4. August  2019, 

12.39 Uhr, bis zum 5. August, 04.33 Uhr, löschte. Dieses Verhalten kann ent-

gegen der Verteidigung (Urk. 127 S. 25) nicht als alltäglich bezeichnet wer-

den, da die Daten selektiv gelöscht wurden. So blieb der eingegangene Anruf 

von  AN._____  bestehen,  während  alle  Daten  gelöscht  wurden,  die  für  die 

Strafverfolgungsbehörden relevant gewesen wären (vgl. E. III/4.4.6 hiervor). 

Zum andern stand das Mobiltelefon des Geschädigten letztmals um 03.17 Uhr 

mit der Firewall des Providers in Kontakt, was indiziert, dass es im Zeitpunkt 

zerstört wurde, als der Beschuldigte um 03.15 Uhr den Parkplatz AF._____ 

verliess (vgl. E. III/4.4.6 hiervor). Diese zeitliche Korrelation deutet ebenfalls 

auf eine Verschleierungshandlung des Beschuldigten hin.

An der Berufungsverhandlung wies die Verteidigung darauf hin, dass der Be-

schuldigte die Zugangsdaten zu seinem Mobiltelefon ohne Weiteres preisge-

geben habe (vgl. Urk. 127 S. 7, 26). Daraus kann indessen nichts zu Gunsten 

des Beschuldigten abgeleitet werden. Dass der Beschuldigte die Zugangsda-

ten bekanntgab, kann damit erklärt werden, dass er sich durch die Löschung 

tatrelevanter Daten in Sicherheit wähnte, zumal das Mobiltelefon des Geschä-

digten mit den darauf gespeicherten Daten in der Tatnacht vernichtet worden 

war, und dass er überdies seine Aussagen hinsichtlich seines Kontakts mit 

AN._____ stützen wollte. Dafür spricht, dass er sowohl in der Einvernahme 

vom  5. August  2019  als  auch  in  der  Hafteinvernahme  vom  6. August  2019 

speziell betonte, dass die Nachrichten mit AN._____ nach wie vor auf seinem 

Mobiltelefon gespeichert seien (D1/11/2 F/A 63 und D1/11/3 F/A 106). 

Des Weiteren hatte der Beschuldigte nachweislich die Möglichkeit, sich der 

Tatwaffe und weiterer belastender Objekte zu entledigen. Wo sich der Ort der 

Entsorgung genau befand, ist letztlich nicht entscheidend, weshalb sich die 

Vorbringen  der  Verteidigung  hinsichtlich  Genauigkeit  der  ausgewerteten 

-   46   -

Schrittzähler der Mobiltelefone des Beschuldigten erübrigen (Urk. 127 S. 24-

25). Wie dargetan, konnte oder wollte der Beschuldigte die Frage, wo er diese 

Schritte  gemacht  habe,  nicht  beantworten  (vgl.  E. III/4.2.6  hiervor).  Auch 

machte er nicht geltend, sich beim Warten vor dem Haus die Füsse vertreten 

zu haben, wie es die Verteidigung an der Berufungsverhandlung vorbrachte 

(Urk. 127 S. 25). 

Sodann hielt sich der Beschuldigte nach der Tat bei sich zu Hause auf und 

hatte genügend Zeit, um zu duschen, die Kleider zu wechseln und sein eige-

nes Fahrzeug zu reinigen (vgl. E. III/4.4.5 hiervor). Entgegen den Ausführun-

gen  der  Verteidigung  an  der  Berufungsverhandlung  (vgl. Urk. 127  S. 23; 

Prot. II S. 31) ist unwahrscheinlich, dass die ausgerückten Polizeibeamten be-

merkt hätten, dass der Beschuldigte allfällig geduscht haben könnte, zumal 

dessen kurz geschnittene Haare schnell trocknen. Der Hinweis der Verteidi-

gung auf möglicherweise bestehende Sekundärspuren auf benutzten Hand-

tüchern (Urk. 121 S. 5) ist ebenfalls unbehelflich, da keine Handtücher sicher-

gestellt wurden. Gleiches gilt hinsichtlich der Hinweise auf allfällige Feuchtig-

keit, eine laufende Waschmaschine etc. (Urk. 121 S. 5), zumal die erste Haus-

durchsuchung in der Wohnung der Eltern des Beschuldigten ohnehin erst am 

Nachmittag des 5. August 2019 stattfand (D1/25/3). Der entsprechende Be-

weisantrag der Verteidigung (Urk. 125 bzw. Urk. 126) ist abzuweisen.

Bezüglich des Tatzeitraums vom 4. auf den 5. August 2019 sind die Aussagen 

des Beschuldigten in mehrfacher Hinsicht nicht stimmig (Grund für den Ab-

stecher  nach  V._____,  zeitlicher  Ablauf,  Unauffindbarkeit  des  hellen  Lang-

armhemds, Löschen aller Verbindungsdaten auf dem Mobiltelefon, keine Er-

klärung  für  die  sichergestellte  DNA-Spur;  vgl.  E. III/4.2.6  hiervor).  Dass  an 

Körper, Kleider und Fahrzeug des Beschuldigten keine Schmauch- und Blut-

spuren gefunden werden konnten, ist angesichts der Möglichkeiten zur Spu-

renverwischung neutral zu werten und vermag entgegen den Vorbringen der 

Verteidigung an der Berufungsverhandlung (Urk. 127 S. 29-30) das Gesamt-

bild der Indizien nicht in Frage zu stellen. Für den Tatzeitraum resp. für den 

gutachterlich geschätzten Todeszeitpunkt (vgl. Urk. 133) hatte der Beschul-

-   47   -

digte kein Alibi. Hinweise auf die Täterschaft von Drittpersonen fehlen gänz-

lich (vgl. E. III/4.5 hiervor).

Hinzu kommt das Aussageverhalten des Beschuldigten. Er weigerte sich na-

mentlich, offenzulegen, woher er das Geld zur angeblichen Rückzahlung von 

CHF 150'000 und zur angeblichen Gewährung eines Darlehens in der Höhe 

von CHF 250'000 nahm resp. wer ihm dieses Geld zur Verfügung stellte, und 

machte  auch  keine  überprüfbaren  Angaben  zum  Banker  "AA._____".  Dies, 

obschon ihn entsprechende Aussagen entscheidend entlastet hätten. Die be-

lastenden Zeugenaussagen und die vorgehaltenen WhatsApp-Chats und Au-

dio-Protokolle  wollte  er  ebenfalls  nicht  kommentieren.  Wie  erwähnt  (vgl. 

E. III/4.2 hiervor), verbietet es das Schweigerecht nicht, die punktuelle Aussa-

geverweigerung des Beschuldigten zu seinen Ungunsten zu würdigen, wenn 

von ihm eine Erklärung vernünftigerweise zu erwarten gewesen wäre. Daran 

vermag  der  vage  Hinweis  des  Beschuldigten  auf  Angst  vor  Repressalien 

(Urk. 127 S. 3, 7; Prot. II S. 24-25) nichts zu ändern, zumal geeignete Mass-

nahmen  zu  seinem  Schutz  denkbar  wären  (vgl.  das  Bundesgesetz  vom 

23. Dezember 2011 über den ausserprozessualen Zeugenschutz [SR 312.2]). 

Ebenfalls unbehelflich ist der kryptische Hinweis anlässlich der Berufungsver-

handlung, der Beschuldigte habe sich "geldmässig schützen" müssen (Prot. II 

S. 19 f.).

Vor diesem Hintergrund kann an der Täterschaft des Beschuldigten nicht ge-

zweifelt werden.

4.7 Wissen und Willen des Beschuldigten

Es kann nicht ernsthaft bezweifelt werden, dass der Beschuldigte – wie jeder 

Durchschnittsmensch – wusste, dass die Abgabe von Schüssen in den Kopf 

und den Rücken eines Menschen zu dessen Tod führen können. Indem er die 

Schüsse im Fahrzeuginnenraum von der Rückbank aus abgab, mithin zwei 

relative  Nahschüsse  abfeuerte,  zeigte  der  Beschuldigte  in  aller  Deutlichkeit 

seinen direkt auf die Tötung des Geschädigten gerichteten Willen.

-   48   -

IV. Rechtliche Würdigung

1.

Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten auf Antrag der Staatsanwaltschaft 

des Mordes schuldig. Sie bezeichnete das Vorgehen des Beschuldigten als 

heimtückisch und dessen Beweggründe als krass egoistisch und als Ausdruck 

einer ganz ausserordentlichen Geringschätzung menschlichen Lebens.

2.

Tatbestandselemente des Mordes

2.1 Die Vorinstanz stellte die Tatbestandsvoraussetzungen des Mordes (Art. 112 

StGB) in Übereinstimmung mit Lehre und Rechtsprechung dar. Rekapitulie-

rend und ergänzend ist Folgendes festzuhalten:

Art. 112 StGB statuiert das schwerste Tötungsdelikt. Es müssen der Tatbe-

stand der vorsätzlichen Tötung (Art. 111 StGB) erfüllt und zusätzlich die be-

sonderen Mordqualifikationen gegeben sein. Der Tatbestand des Mordes er-

fasst den skrupellosen, gemütskalten, krass und primitiv egoistischen Täter 

ohne soziale Regungen, der sich zur Verfolgung seiner Interessen ausserge-

wöhnlich  krass  über  das  Leben  anderer  Menschen  hinwegsetzt  (STEFAN 

TRECHSEL/CHRISTOPHER GETH, in: Praxiskommentar zum StGB, 4. Aufl. 2021, 

Art. 112  N. 5).  Die  Generalklausel  "besondere  Skrupellosigkeit"  wird  durch 

eine  nicht  abschliessende  Aufzählung  qualifizierender  Merkmale  –  Beweg-

grund des Täters, der damit verbundene Zweck der Tat, Art der Tatausfüh-

rung – konkretisiert (BGE 144 IV 345 E. 2.1.1). Die gegen aussen in Erschei-

nung tretende Art der Tatausführung muss ebenfalls Ausdruck einer beson-

ders  skrupellosen  Haltung  des  Täters  sein  (BGE  144  IV  345  E. 2.1.1  und 

E. 2.4.2; 141 IV 61 E. 4.1).

Nach  der  Rechtsprechung  liegt  ein  besonders  verwerflicher  Beweggrund 

resp. Zweck der Tat beispielsweise darin, dass die Tötung zu einer wirtschaft-

lichen  Entlastung  des  Täters  führt  (BGer,  Urteil  6B_136/2014  vom  21.7.14 

E. 1.3.1). Als besonders verwerflich gelten auch Fälle des sog. Eliminations-

-   49   -

mords,  in  denen  sich  der  Täter  einer  ihm  lästigen  Person  entledigen  will 

(BGer, Urteil 6B_685/2017 vom 20.9.17 E. 3.4).

Die Art der Tatausführung ist rechtsprechungsgemäss besonders verwerflich, 

wenn  sie  unmenschlich,  aussergewöhnlich  grausam  oder  heimtückisch  ist 

(BGE 144 IV 345 E. 2.4.1). Darunter fällt die Ausnutzung einer besonderen 

Arg- oder Wehrlosigkeit des Opfers oder das Locken des Opfers in einen Hin-

terhalt (BGer, Urteil 6B_55/2015 vom 7.4.15 E. 2.1).

Entscheidend  ist  eine  Gesamtwürdigung  der  inneren  und  äusseren  Um-

stände.  Dabei  können  besonders  belastende  Momente  durch  entlastende 

ausgeglichen  werden.  Umgekehrt  kann  die  Tötung  auch  erst  aufgrund  des 

Zusammentreffens mehrerer belastender Umstände, die je einzeln womöglich 

nicht ausgereicht hätten, als besonders skrupelloses Verbrechen erscheinen 

(BGE 144 IV 345 E. 2.1.2; 141 IV 61 E. 4.1).

2.2 Mord ist ein Vorsatzdelikt, wobei sich der Vorsatz auch auf die Elemente der 

Skrupellosigkeit  erstrecken  muss  (CHRISTIAN  SCHWARZENEGGER,  in:  Basler 

Kommentar zum Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, Art. 112 N. 27). Ob bereits Even-

tualvorsatz  genügt,  gilt  als  umstritten  (vgl.  TRECHSEL/GETH,  a.a.O.,  Art. 112 

N. 3 mit Hinweisen).

3.

Prüfung der Tatbestandsvoraussetzungen

3.1 Es  ist  erstellt,  dass  der  Beschuldigte  den  Geschädigten  auf  dem  Parkplatz 

des AF._____ wissentlich und willentlich tötete, mithin der Tatbestand der vor-

sätzlichen Tötung erfüllt wurde (vgl. E. III/4.7).

Vordergründiger Beweggrund und Zweck des Tötungsdelikts lag darin, dass 

der Beschuldigte dem Geschädigten CHF 350'000 hätte zurückzahlen müs-

sen und dazu nicht fähig oder nicht willens war. Mit der Tötung des Geschä-

digten  entledigte  sich  der  Beschuldigte  seiner  finanziellen  Schulden.  Die 

Vorinstanz bezeichnete den pekuniären Beweggrund des Tötungsdelikts zu 

Recht als absolut nichtig und extrem egoistisch (Urk. 94 S. 179).

-   50   -

Mit der Staatsanwaltschaft kann gar von einem eigentlichen Eliminationsmord 

gesprochen werden. Der Beschuldigte schritt ausgerechnet an dem Tag zur 

Tat, als AJ._____ am 4. August 2019 nach Zürich zurückkehrte und dem Be-

schuldigten angedroht hatte, sich an den Geschädigten zu wenden. Der Be-

schuldigte musste unweigerlich damit rechnen, dass sein Lügengebäude rund 

um den vorgetäuschten Raubüberfall aufflog. Mit der Tötung des Geschädig-

ten beseitigte er eine ihm lästig gewordene Person. 

Die Beweggründe des Tötungsdelikts – pekuniäre Interessen, Elimination des 

Geschädigten – sprechen für die Qualifikation als Mord.

Hinzu kommt, dass die Art der Tatausführung überaus heimtückisch war. Der 

Beschuldigte verstand es, innerhalb kurzer Zeit das Vertrauen des Geschä-

digten  für  sich  zu  gewinnen.  Zunächst  hätte  der  Beschuldigte  eine  Geld-

summe  von  CHF 500'000,  welche  der  Geschädigte  im  Zuge  der  Gründung 

einer Gesellschaft mit einem gewissen AT._____ verloren hatte, aus der Tür-

kei zurückholen sollen. Dafür hätte er einen Anteil dieser Geldsumme erhalten 

(vgl. D1/2/2 S. 10 ff.). Weiter war der Geschädigte kurz nach dem gegenseiti-

gen Kennenlernen im April/Mai 2019 bereit, dem Beschuldigten am 21. Mai 

2019  eine  beträchtliche  Geldsumme  anzuvertrauen,  welche  dieser  in  ein 

(Falschgeld-)Geschäft  mit  einem  (in  Wahrheit  nicht  existierenden)  Banker 

hätte  investieren  sollen.  Der  Beschuldigte  baute  das  Lügengebäude  in  der 

Folge weiter aus, indem er dem Geschädigten weis machte, das Geld sei bei 

einem Raubüberfall gestohlen worden, AJ._____ und AI._____ würden hinter 

dem Raubüberfall stecken und beide seien tot oder entführt. Nach dem vor-

getäuschten Raubüberfall war der Geschädigte ein weiteres Mal bereit, dem 

Beschuldigten einen grossen Geldbetrag zu übergeben. Darin zeigte sich wie-

derum  deutlich,  wie  vertrauensselig  der  Geschädigte  gegenüber  dem  Be-

schuldigten war.

Anhand der Zeugenaussagen von AL._____ und AP._____ lässt sich erken-

nen, dass der Geschädigte relativ lange arglos war, wenngleich er sich ob der 

ständigen Vertröstungen des Beschuldigten bezüglich der Rückzahlung des 

investierten Geldes enervierte (vgl. D1/12/15 F/A 106; D1/12/116 F/A 5). Am 

-   51   -

31. Juli 2019 ging dem Geschädigten die Geduld allmählich aus und er ent-

schloss sich, den Beschuldigten zur Rückzahlung des investierten Geldes auf-

zufordern.  AL._____  berichtete,  dass  sie  sich  am  2. August  2019  im  Nach-

gang zu den Warnungen von AJ._____ mit dem Geschädigten darüber unter-

halten habe, wer ihn "über den Tisch" ziehen wollte. Der Geschädigte habe 

vermutet,  dass  es  entweder  der  Banker  oder  der  Beschuldigte  sei  (vgl. 

D1/12/15 F/A 44). Mit der Vorinstanz ist allerdings festzustellen, dass der Ver-

dacht des Geschädigten in erster Linie den Banker betroffen haben musste 

(vgl.  Urk. 94  S. 177).  Selbst  als  der  Beschuldigte  dem  Geschädigten  in 

AB._____ vorgaukelte, er habe beim Banker geklingelt, dieser habe ihn weg-

geschickt  und  wolle  mit  dem  Geld  etwas  später  nach  Zürich  kommen,  er-

kannte der Geschädigte nicht, wie brenzlig die Situation für ihn wurde. Zwar 

schaltete er für AL._____ im Falle, dass etwas passiere, seinen Standort frei. 

Dennoch war er bereit, mit dem Beschuldigten mitten in der Nacht auf einen 

menschenleeren Parkplatz zu fahren, um dort auf den Banker zu warten. Der 

Beschuldigte vermochte den Geschädigten regelrecht in eine Falle zu locken. 

Vor dem Hintergrund dieses heimtückischen Vorgehens drängt es sich eben-

falls auf, das Tötungsdelikt als Mord zu qualifizieren.

Wie die Vorinstanz festhielt (Urk. 94 S. 178), handelte der Beschuldigte aus-

sergewöhnlich gefühlskalt. Er gab die Schüsse von der Rückbank im Fahr-

zeuginneren aus nächster Nähe ab. Der Geschädigte hätte keine auch noch 

so kleine Chance gehabt, das Fahrzeug rechtzeitig zu verlassen und zu flie-

hen. Auch durch die Ausnutzung der Wehrlosigkeit des Geschädigten ist das 

Vorgehen des Beschuldigten als Mord einzustufen.

3.2 Wie gesagt ging der Beschuldigte mit direktem Tötungsvorsatz vor. Sein Wis-

sen und Wollen erstreckte sich aber zusätzlich auch auf die Tatbestandsele-

mente des Mordes. Dies muss mindestens ab dem Zeitpunkt der Planung der 

Tat am Abend des 4. August 2019 gelten, wenngleich nicht erstellbar ist, wann 

genau der Beschuldigte sich zur Tötung des Geschädigten entschloss. Der 

Beschuldigte  gaukelte  dem  vertrauensseligen  Geschädigten  zunächst  vor, 

der (nicht existierende) Banker würde das Geld noch in derselben Nacht nach 

-   52   -

Zürich bringen. Daraufhin nahm er mit dem Geschädigten bei McDonald's in 

AG._____ einen Imbiss ein, was zweifelsohne dazu beitrug, dass der Geschä-

digte ihm weiterhin vertraute. Mit einer Schusswaffe ausgestattet lockte er den 

Geschädigten anschliessend an einen menschenleeren Ort, wo er die Tat mit-

ten in der Nacht unter Ausnutzung der Wehrlosigkeit des Geschädigten unbe-

merkt ausführen konnte. Der subjektive Tatbestand des Mordes wurde damit 

ebenfalls erfüllt.

3.3 Die Vorinstanz zog in Betracht, dass der Tat noch andere Beweggründe zu-

grunde liegen könnten. Sie liess diese Frage aber offen, weil solches nur ver-

mutet und nicht erstellt werden kann (Urk. 94 S. 180). Dem ist nichts beizufü-

gen.

3.4 Nach dem Gesagten erfüllte der Beschuldigte den objektiven und subjektiven 

Tatbestand des Mordes. Es liegen weder Rechtfertigungs- noch Schuldaus-

schliessungsgründe vor. Der Beschuldigte ist demnach des Mordes im Sinne 

von Art. 112 StGB schuldig zu sprechen.

V. Strafzumessung, inkl. Widerruf

1.

Urteil der Vorinstanz

Die  Vorinstanz  bestrafte  den  Beschuldigten  wegen  Mordes  mit  17 Jahren 

Freiheitsstrafe und hob diese Sanktion mit Widerruf einer vom Bezirksgericht 

Lenzburg  am  14. März  2019  bedingt  ausgesprochenen  Freiheitsstrafe  auf 

18 ¼ Jahre an. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine lebenslängliche Frei-

heitsstrafe.

2. Grundsätze

2.1 Das  Bundesgericht  hat  die  Grundsätze  der  Strafzumessung  nach  Art. 47 ff. 

StGB  und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  und 

ausführlich dargelegt (BGE 147 IV 241 E. 3.1 f.; 144 IV 313 E. 1; 144 IV 217 

E. 2 f.; 142 IV 137 E. 9.1; 141 IV 61 E. 6.1; 136 IV 55 E. 5.4 ff., je mit Hinwei-

sen). Entsprechendes gilt für die Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe 

-   53   -

nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Asperationsprinzips (BGE 144 

IV 313 E. 1.1; 144 IV 217 E. 2.2 und E. 3; 141 IV 61 E. 6.1.2, je mit Hinwei-

sen). Darauf kann verwiesen werden.

Die Regeln der Gesamtstrafenbildung kommen auch zur Anwendung im Falle 

des Widerrufs einer (älteren) bedingten Strafe, vorausgesetzt, es handelt sich 

um gleichartige Strafen (BGE 145 IV 146 E. 2.1-2.3). Dabei ist die neue Strafe 

als  "Einsatzstrafe"  in  sinngemässer  Anwendung  des  Asperationsprinzips 

durch  die  widerrufene  Strafe  angemessen  zu  erhöhen  (BGE  145  IV  146 

E. 2.4).

Die Vorinstanz stellte diese Grundsätze rechtsprechungsgemäss dar (Urk. 94 

S. 181 ff., 192 ff.).

2.2 Gemäss den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ist bei der Strafzumes-

sung im Falle von Mord des Weiteren das Doppelverwertungsverbot zu be-

achten (vgl. BGE 149 IV 395 E. 3.7.1; 142 IV 14 E. 5.4). Merkmale, die für die 

Qualifikation des Tötungsdelikts als Mord berücksichtigt werden, dürfen we-

gen  des  Doppelverwertungsverbots  nicht  zusätzlich  innerhalb  des  Strafrah-

mens straferhöhend gewichtet werden. Allerdings ist es nach der Rechtspre-

chung zulässig, bei der Strafzumessung einzubeziehen, in welchem Ausmass 

das inkriminierte Handeln aufgrund der genannten Umstände besonders skru-

pellos ist. So kann die besondere Skrupellosigkeit mehr oder weniger gross 

sein. Je ausgeprägter sie ist, desto höher hat die Strafe auszufallen (BGE 141 

IV 61 E. 6.1.3; BGer, Urteile 6B_685/2017 vom 20.9.17 E. 5.2; 6B_748/2016 

vom 22.8.16 E. 7.3).

3.

Strafzumessung im Einzelnen

3.1 Strafrahmen

Ausgangspunkt der Strafzumessung ist der ordentliche Strafrahmen gemäss 

Art. 112  StGB.  Bei  Mord  liegt  der  Strafrahmen  zwischen  10  und  20 Jahren 

Freiheitsstrafe. Die Freiheitsstrafe kann lebenslänglich sein. Vorliegend gibt 

-   54   -

es keine Gründe, um den ordentlichen Strafrahmen (gegen unten) zu verlas-

sen.

3.2 Objektive Tatschwere

Im konkreten Fall ist die Art der Tatausführung im oberen Drittel der Verschul-

densbandbreite anzusiedeln. Die Vorinstanz sah im professionellen, zielstre-

bigen und äusserst gefühlskalten Vorgehen des Beschuldigten, das die Tö-

tung des Geschädigten als eigentliche Hinrichtung habe erscheinen lassen, 

ein  erschwerendes  Element.  Erschwerend  gewichtete  die  Vorinstanz  auch 

das Ausnutzen der Wehrlosigkeit des Geschädigten in den beengten Verhält-

nissen von dessen Fahrzeug. Schliesslich erachtete die Vorinstanz das Ver-

wischen von Tatspuren als Ausdruck hoher krimineller Energie. Im Umstand, 

dass ein schlimmeres Tatwerkzeug als eine Schusswaffe hätte zum Einsatz 

kommen können, der Geschädigte nicht lange habe leiden müssen und nicht 

gequält worden sei, erkannte die Vorinstanz dagegen ein verschuldensmin-

derndes Element (Urk. 94 S. 184 f.).

Diesen Erwägungen der Vorinstanz ist zu folgen. Wie aufgezeigt, ist die Tö-

tung des Geschädigten durchaus als Eliminationsmord zu sehen, den er just 

beging,  als  das  Lügengebäude  um  den  angeblichen  Raubüberfall  und  den 

nicht existierenden Banker aufzufliegen drohte. Hingegen war die Art der Tö-

tung  nicht  besonders  grausam,  wenngleich  es  sich  um  zwei  relative  Nah-

schüsse in den Kopf und den Rücken des Geschädigten handelte.

Zu den von der Vorinstanz als erschwerend erkannten Faktoren tritt das be-

sonders heimtückische Verhalten des Beschuldigten hinzu. Zwischen ihm und 

dem Geschädigten bestand ein Vertrauensverhältnis. Der Beschuldigte hätte 

dem Geschädigten helfen sollen, eine bei einer früheren Geschäftstätigkeit in 

der Türkei verlorene Geldsumme zurückzuholen. Er unternahm mit dem Ge-

schädigten Reisen nach Deutschland (vgl. Urk. 94 S. 176) und plante mit ihm 

ein Falschgeldgeschäft, für das ihm der Geschädigte zweimal eine namhafte 

Geldsumme anvertraut hatte. Auch am Abend des 4. August 2019 war das 

Vertrauen des Geschädigten in den Beschuldigten nochmals deutlich sicht-

-   55   -

bar. So liess sich der Geschädigte vom Beschuldigten nach AB._____ beglei-

ten. Nach der Rückkehr in Zürich nahmen er und der Beschuldigte – nur we-

nige Stunden vor der Tat – gemeinsam einen Imbiss ein. Der Beschuldigte 

musste erkannt haben, dass der Geschädigte von den bösen Absichten nichts 

ahnte,  als  er  ihn  anschliessend  auf  den  menschenleeren  Parkplatz  beim 

AF._____ lockte. Vor diesem Hintergrund ist die Heimtücke des Beschuldig-

ten als besonders ausgeprägt einzustufen.

Nach  dem  Gesagten  ist  das  objektive  Tatverschulden  als  "mittelschwer  bis 

sehr  schwer"  einzustufen  und  die  Einsatzstrafe  auf  17 Jahre  Freiheitsstrafe 

festzusetzen.

-   56   -

3.3 Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Wie sehr er sein Ziel errei-

chen  wollte,  zeigt  sich  darin,  dass  er  zwei  Schüsse  auf  den  Geschädigten 

abgab, mit dem zweiten Schuss quasi "nachdoppelte". Das objektive Tatver-

schulden wird durch die subjektive Tatschwere keinesfalls relativiert. Die Ein-

satzstrafe bleibt unverändert.

3.4 Täterkomponente

3.4.1 Die  Vorinstanz  schilderte  die  Biographie  und  die  Lebensumstände  des  Be-

schuldigten ausführlich (Urk. 94 S. 186-187). Darauf kann wiederum verwie-

sen  werden.  Die  persönlichen  Verhältnisse  sind  strafzumessungsneutral  zu 

werten.

3.4.2 Der Beschuldigte ist nicht geständig und zeigte deshalb weder Einsicht noch 

Reue. Das fehlende Geständnis wirkt sich bei der Strafzumessung ebenfalls 

neutral aus. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass der Beschuldigte sich kei-

nesfalls selber belasten musste und ihm deshalb nicht vorgeworfen werden 

kann, er habe die Untersuchung erschwert (vgl. Urk. 94 S. 189).

3.4.3 Der  Beschuldigte  ist  dreifach  vorbestraft.  Keine  der  drei  Vorstrafen  ist  ein-

schlägig und bei den ersten beiden Vorstrafen aus den Jahren 2013 und 2014 

handelte  es  sich  zudem  "nur"  um  Bagatelldelikte  (Irreführung  der  Rechts-

pflege, Vergehen gegen das Waffengesetz). Die dritte Verurteilung betraf da-

gegen Straftaten von gewisser Schwere (Veruntreuung und Gehilfenschaft zu 

Diebstahl).  Das  Bezirksgericht  Lenzburg  bestrafte  den  Beschuldigten  am 

19. März 2019 mit einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr unter An-

setzung einer fünfjährigen Probezeit. Der Beschuldigte beging bereits weniger 

als  ein  halbes  Jahr  nach  dieser  dritten  Verurteilung  später,  mithin  während 

laufender Probezeit, das vorliegend zu beurteilende Tötungsdelikt.

Die Vorinstanz wertete die drei Vorstrafen und die erneute Delinquenz wäh-

rend laufender Probezeit als in mittlerem Mass straferhöhend (Urk. 94 S. 188-

189). Dem ist zu folgen.

-   57   -

3.5 Beschleunigungsgebot

Eine  die  Strafzumessung  wesentlich  beeinflussende  Verletzung  des  Be-

schleunigungsverbots ist nicht auszumachen. Dabei ist rekapitulierend fest-

zuhalten, dass das Beschleunigungsgebot nicht bereits verletzt ist, wenn die 

eine oder andere Untersuchungshandlung rascher hätte durchgeführt werden 

können  (BGE  130  IV  54  E. 3.3.3;  BGer,  Urteil  6B_16/2023  vom  17.5.24 

E. 5.3.3.2).

Wie die Vorinstanz aufzeigte, wurde die Strafuntersuchung zügig vorangetrie-

ben.  Die  Abklärungen  nahmen  3 ½  Jahre  in  Anspruch,  was  angesichts  der 

schieren Menge der Einvernahmen – es wurden 101 Personen aus dem Um-

feld des Beschuldigten und des Geschädigten befragt –, der Auswertung von 

Mobiltelefonen und von RTI-Daten sowie der Einholung diverser Gutachten 

nicht zu erstaunen vermag. Zudem ist einzubeziehen, dass die Corona-Pan-

demie  die  Durchführung  der  Strafuntersuchung  teilweise  erschwerte.  Eine 

wesentliche Verfahrensverzögerung lässt sich in keinem Verfahrensabschnitt 

ausmachen.  Einzig  die  Zeitspanne  zwischen  der  Schlusseinvernahme  am 

5. Juli 2022 und der Anklageerhebung am 15. Februar 2023 erscheint etwas 

zu lang. Die Vorinstanz berücksichtigte dies als leicht strafreduzierend.

3.6 Festsetzung der hypothetischen Einsatzstrafe

Die Vorstrafen und die erneute Delinquenz während laufender Probezeit er-

höhen die Einsatzstrafe. Die etwas zu lange Dauer zwischen Schlusseinver-

nahme und Anklageerhebung reduzieren die Strafe nur leicht. Die Vorinstanz 

setzte die Einsatzstrafe auf 17 ½ Jahre Freiheitsstrafe fest. Diese Strafe er-

scheint tat- und täterangemessen.

3.7 Widerruf 

3.7.1 Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen 

und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so wi-

derruft  das  Gericht  die  bedingte  Strafe  oder  den  bedingten  Teil  der  Strafe 

-   58   -

(Art. 46  Abs. 1  Satz 1  StGB).  Andernfalls  verzichtet  es  auf  den  Widerruf 

(Art. 46 Abs. 2 Satz 1 StGB).

Der  Widerruf  setzt  eine  negative  Einschätzung  der  Bewährungsaussichten 

voraus,  d.h.  es  muss  aufgrund  der  erneuten  Straffälligkeit  eine  eigentliche 

Schlechtprognose  vorliegen  (BGE  134  IV  140  E. 4.3).  Die  Prüfung  der  Be-

währungsaussichten des Täters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller we-

sentlichen Umstände vorzunehmen (BGE 144 IV 277 E. 3.2). Die Prognose 

für  den  Entscheid  über  den  Widerruf  wird  umso  eher  negativ  ausfallen,  je 

schwerer die während der Probezeit begangenen Delikte wiegen (BGE 134 

IV 140 E. 4.5). 

3.7.2 Die Vorinstanz ging von einer Schlechtprognose aus. Dies trifft zu. Der Be-

schuldigte beging während laufender Probezeit ein schweres Verbrechen ge-

gen Leib und Leben. Er ist dreifach vorbestraft und sass vor der dritten Verur-

teilung wegen Veruntreuung und Gehilfenschaft zu Diebstahl während 45 Ta-

gen in Untersuchungshaft. Weder die Vorstrafen noch der Haftaufenthalt ver-

mochten ihn von einer schlimmen Straftat abzuhalten. Hinzu kommt, dass der 

Beschuldigte  vor  seiner  Verhaftung  wegen  des  Tötungsdelikts  weder  über 

eine Arbeitsstelle noch über eine eigene Wohnung verfügte und keine engen 

Beziehungen zu anderen Personen pflegte. Vor diesem Hintergrund erschei-

nen  die  Bewährungsaussichten  als  derart  schlecht,  dass  die  mit  Urteil  des 

Bezirksgerichts Lenzburg bedingt ausgesprochene Vorstrafe von einem Jahr 

Freiheitsstrafe zu widerrufen ist.

3.8 Gesamtstrafenbildung

Die Einsatzstrafe für Mord und die zu widerrufende Strafe des Bezirksgerichts 

Lenzburg  sind  beides  Freiheitsstrafen,  mithin  gleichartige  Strafen.  Die  Ein-

satzstrafe ist folglich in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu 

erhöhen. Der Vorinstanz kann gefolgt werden, dass sich das Asperationsprin-

zip nicht stark auswirken kann, da sich der Beschuldigte von den drei Vorstra-

fen nicht beeindrucken liess und bereits ein halbes Jahr nach Beginn der 5-

jährigen Probezeit erneut straffällig wurde. Die Einsatzstrafe von 17 ½ Jahren 

-   59   -

Freiheitsstrafe ist deshalb um ¾ Jahre Freiheitsstrafe zu erhöhen. Daraus re-

sultiert eine Gesamtstrafe von 18 ¼ Jahren Freiheitsstrafe. Der Beschuldigte 

ist demnach mit 18 ¼ Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen.

VI. Vollzug

Die ausgesprochene Freiheitsstrafe von 18 ¼ Jahren ist zu vollziehen (vgl. 

Art. 42  Abs. 1  und  Abs. 2  StGB).  Die  erstandene  Untersuchungs-  resp.  Si-

cherheitshaft, einschliesslich der erstandenen Untersuchungshaft im Strafver-

fahren, das dem widerrufenen Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg zugrunde 

liegt, ist darauf anzurechnen (Art. 51 StGB).

VII. Zivilforderungen

1. Grundsätze

Die Vorinstanz stellte die Grundsätze der Geltendmachung von Zivilforderun-

gen im Adhäsionsprozess rechtskonform dar (Urk. 94 S. 211-214). Darauf ist 

zu verweisen.

2. Genugtuungsansprüche

2.1 Die  Vorinstanz  sprach  der  Witwe  des  Geschädigten  (Privatklägerin 1)  eine 

Genugtuung von CHF 45'000 samt 5 % Zins ab dem 5. August 2019 zu. Den 

beiden  Töchtern  des  Geschädigten  (Privatklägerinnen 2  und  3)  sprach  die 

Vorinstanz eine Genugtuung von je CHF 19'000 samt 5 % Zins seit dem 5. Au-

gust 2019 zu. Die Privatklägerinnen akzeptierten das Urteil. Der Beschuldigte 

liess zwar die Zusprechung einer Genugtuung an die Privatklägerinnen an-

fechten,  monierte  aber  nicht  die  Höhe  der  erstinstanzlich  zugesprochenen 

Summen,  sondern  erklärte,  deren  Festlegung  dem  Gericht  zu  überlassen 

(Prot. II S. 44).

2.2 Die Festsetzung der Höhe der Genugtuung ist eine Entscheidung nach Billig-

keit. Massgebend sind die Schwere der Beeinträchtigung und die Möglichkeit, 

die  Beeinträchtigung  durch  Zahlung  einer  Geldsumme  zu  mildern.  Die  Ge-

-   60   -

richte sind in der Wahl der Bemessungsmethode frei. Häufig wird nach der 

sog. Zweiphasentheorie vorgegangen. Danach wird anhand von Präjudizien 

in  einem  ersten  Schritt  ein  Basisbetrag  festgelegt  (Phase 1)  und  anschlies-

send in einem zweiten Schritt (Phase 2) der Basisbetrag den besonderen Um-

ständen des Einzelfalls entsprechend nach oben oder unten angepasst (MAR-

TIN A. KESSLER, in: Basler Kommentar zum Obligationenrecht I, 7. Aufl. 2020, 

Art. 47 N. 20). Die Vorinstanz nahm auf die Zweiphasen-Methode Bezug (vgl. 

Urk. 94 S. 214 ff.). 

Nach  der  in  der  aktuellsten  Auflage  des  Basler  Kommentars  aus  dem  Jahr 

2020 aufgeführten Gerichtspraxis liegt die Basisgenugtuung im Falle des Ver-

lusts des Ehepartners bei CHF 30'000 bis CHF 40'000 und im Falle des Ver-

lusts eines Elternteils bei CHF 25'000 (KESSLER, a.a.O., Art. 47 N. 20, mit Hin-

weisen). Gemäss der Zusammenstellung der Präjudizien und der Rechtslehre 

bei HARDY LANDOLT (Genugtuungsrecht, 2. Auflage 2021, S. 265 ff.) liegt die 

Basisgenugtuung  beim  Verlust  des  Ehegatten  zwischen  CHF 30'000  und 

CHF 50'000  und  beim  Verlust  eines  Elternteils  zwischen  CHF 10'000  und 

CHF 40'000, wobei zu berücksichtigen ist, ob das Kind bereits mündig ist und 

ob es in Hausgemeinschaft mit dem getöteten Elternteil lebte.

2.3 Die Vorinstanz setzte die Basisgenugtuung der Privatklägerin 1 für den Ver-

lust deren Ehegatten auf CHF 35'000 fest. Dieser Betrag liegt innerhalb der 

Bandbreite der Genugtuungssummen gemäss der Gerichtspraxis bei Verlust 

des Ehegatten (Phase 1) und trägt gleichzeitig einem Teil der Umstände des 

Einzelfalls Rechnung (Phase 2). Dabei berücksichtigte die Vorinstanz das Al-

ter  der  Privatklägerin 1  und  die  sehr  lange  Ehedauer  von  40 Jahren,  aber 

auch die Tatsache, dass die Ehe nicht konfliktfrei verlief und die Privatkläge-

rin 1 von ihren beiden Töchtern inskünftig unterstützt werden kann. Aufgrund 

des Verschuldens und der besonderen Verwerflichkeit der Straftat erhöhte die 

Vorinstanz den Basisbetrag auf CHF 45'000. Der damals 60-jährigen Privat-

klägerin wurde die Zeit des gemeinsamen Lebensabends mit ihrem Ehemann 

genommen. Darüber hinaus hat sie nicht nur den Tod ihres Ehemannes zu 

überwinden, sondern muss auch damit fertig werden, dass er direktvorsätzlich 

-   61   -

auf  hinterhältige  Art  umgebracht  wurde.  Die  zugesprochene  Genugtuungs-

summe von CHF 45'000 (samt 5 % Zins ab dem Tatzeitpunkt) erscheint vor 

diesem Hintergrund als angemessen.

2.4 Die  Basisgenugtuung  für  die  beiden  Töchter  setzte  die  Vorinstanz  auf  je 

CHF 15'000 fest. Dabei floss ein, dass beide Töchter ein sehr gutes Verhältnis 

zu ihrem Vater unterhielten, zur Tatzeit jedoch bereits 38-jährig bzw. 32-jährig 

waren, somit nicht mehr auf väterliche Unterstützung angewiesen waren und 

schon lange nicht mehr bei den Eltern wohnten. Aus denselben Gründen wie 

bei der Privatklägerin 1 – Tatverschulden, besondere Verwerflichkeit der Tat – 

erhöhte die Vorinstanz die Basisgenugtuung auf CHF 19'000. Dieser Betrag 

erscheint angesichts des innigen Verhältnisses der Töchter zu ihrem Vater als 

angemessen,  zumal  die  Töchter  nicht  nur  den  Verlust  des  Vaters,  sondern 

auch das Wissen um die Art dessen Tötung zu verkraften haben. Den Privat-

klägerinnen 2 und 3 ist demnach je ein Betrag von CHF 19'000 (samt 5 % Zins 

ab dem Tatzeitpunkt) als Genugtuung zuzusprechen.

VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens

Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziffern 14-18) zu 

bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

2.

Kosten des Berufungsverfahrens

Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-

liegt im Berufungsverfahren vollumfänglich mit seinen Anträgen. Ausgangs-

gemäss  sind  ihm  deshalb  die  Kosten  des  Berufungsverfahrens,  mit  Aus-

nahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung im Betrag von Fr. 21'000.– (entsprechend den einge-

reichten Honorarnoten [Urk. 127A bzw. Urk. 151] zzgl. des Aufwands für die 

Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung) sind auf die Gerichtskasse 

zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten ist gemäss Art. 135 

-   62   -

Abs. 4 StPO vorzubehalten. Die Privatklägerinnen sind entsprechend der ein-

gereichten  Honorarnote  ihrer  Rechtsvertretung  (Urk. 128A  bzw.  Urk. 150; 

zzgl. des Aufwands für die Nachbesprechung) mit Fr. 9'500.– zu entschädi-

gen.  Die  Entschädigung  ist  definitiv  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen 

(Art. 138 Abs. 1bis StPO).

Es wird beschlossen:

1.

Auf die Berufung des Beschuldigten bezüglich der Dispositiv-Ziffern 4-9 und 

12 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 4. Oktober 2023 

wird nicht eingetreten.

2.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Okto-

ber 2023 bezüglich Dispositivziffern 4 (Herausgabe beschlagnahmter Ge-

genstände an den Beschuldigten); 5-6 sowie 9 (Herausgabe beschlagnahm-

ter Gegenstände an die Privatklägerinnen); 7 (Ablage beschlagnahmter Ur-

kunden); 8 (Zerstörung beschlagnahmter Gegenstände); 10 (Nichteintre-

tensentscheid auf die Anträge der Privatklägerinnen auf Herausgabe be-

schlagnahmter Fahrzeuge, i.e. Mercedes A180 und BMW i8); 12 (Nichtein-

tretensentscheid auf den Antrag der Privatklägerinnen auf Zusprechung von 

Schadenersatz); 18 (Entschädigung des amtlichen Verteidigers); 19 (Ent-

schädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands der Privatklägerinnen) in 

Rechtskraft erwachsen ist.

3.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

4. Gegen diesen Beschluss kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

-   63   -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Es wird erkannt:

1.

2.

Der Beschuldigte ist schuldig des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB.

Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg 

vom 14. März 2019 ausgefällten Freiheitsstrafe von einem Jahr wird widerru-

fen.

3.

Der  Beschuldigte  wird  unter  Einbezug  der  widerrufenen  Strafe  bestraft  mit 

18 ¼ Jahren Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon bis und mit heute 2198 

Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind.

4.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 15. Fe-

bruar  2023  beschlagnahmten  CHF 3'080  und  CHF 537.50  werden  zur  De-

ckung der Verfahrenskosten verwendet. 

5.

Der  Beschuldigte  wird  verpflichtet,  den  Privatklägerinnen  folgende  Beträge 

zuzüglich 5 % Zins ab 5. August 2019 als Genugtuung zu bezahlen:

a)

B._____: CHF 45'000;

b)

C._____: CHF 19'000;

c)

D._____: CHF 19'000.

Im Mehrbetrag werden die Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen ab-

gewiesen. 

6.

Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 14-17) wird bestätigt.

-   64   -

7.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

5'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

232.75   Ergänzungsgutachten IRM;

21'000.–   amtliche Verteidigung (inkl. 8,1 % MWST);

9'500.–   unentgeltliche Rechtsvertretung (inkl. 8,1 % MWST).

8.

Die  Kosten  des  Berufungsverfahrens,  mit  Ausnahme  der  Kosten  der  amtli-

chen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amt-

lichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzah-

lungspflicht bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.

Die  Kosten  der  unentgeltlichen  Rechtsvertretung  der  Privatklägerschaft  für 

das Berufungsverfahren werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.

9.

Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an







-

die  amtliche  Verteidigung  im  Doppel  für  sich  und  zuhanden  des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

die  unentgeltliche  Rechtsvertretung  der  Privatklägerschaft  vierfach  für 
sich und zuhanden der Privatklägerinnen 1-3

den  Justizvollzug  des  Kantons  Zürich,  Abteilung  Bewährungs-  und 
Vollzugsdienste 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an













die Vorinstanz

den  Justizvollzug  des  Kantons  Zürich,  Abteilung  Bewährungs-  und 
Vollzugsdienste

die Kasse des Bezirksgerichts Zürich hinsichtlich Dispositivziffer 4

das  Bezirksgericht  Lenzburg  hinsichtlich  Dispositivziffer 2  (Geschäfts-
Nr. ST.2016.126)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung des 
DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung des 
DNA-Profils

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A und B.

-   65   -

10. Gegen  diesen  Entscheid  kann  bundesrechtliche  Beschwerde  in  Strafsa-

chen erhoben werden.

Die  Beschwerde  ist  innert  30  Tagen,  von  der  Zustellung  der  vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des  Bundesgerichtes  (1000  Lausanne  14)  in  der  in  Art.  42  des  Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die  Beschwerdelegitimation  und  die  weiteren  Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 26. Juni 2025

Die Präsidentin:

Der Gerichtsschreiber:

Oberrichterin lic. iur. Bertschi

Dr. iur. Harisberger