# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 39ad079a-28cf-58b7-a5b3-0f416fa3d11f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.01.2024 E-6277/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6277-2023_2024-01-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6277/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer,  

Richterin Regina Derrer, 

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), 

alle Russland,   

alle vertreten durch MLaw Lea Fritsche,  

(…),  

Beschwerdeführende,  

  

   
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Rechtsverzögerung / Rechtsverweigerung 

(Asylverfahren N […]). 

 

 

E-6277/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden suchten am 16. September 2019 in der 

Schweiz um Asyl nach. Am 20. September 2019 wurden ihre Personalien 

auf- 

genommen, und am 10. Oktober 2019 fanden die sogenannten Dublin- 

Gespräche mit ihnen statt. 

B.  

Am (…) brachte die Beschwerdeführerin ihr (…) Kind E._______ zur Welt. 

C.  

Am 31. Oktober 2019 wurden die Erstbefragungen gemäss Art. 26 Abs. 3 

AsylG (SR 142.31) mit den Beschwerdeführenden durchgeführt.  

D.  

Am 3. Dezember 2019 reisten die beiden minderjährigen Kinder der  

Beschwerdeführenden, C._______ und D._______, in die Schweiz ein und 

wurden in die Asylverfahren ihrer Eltern einbezogen. 

E.  

Die Anhörungen der Beschwerdeführenden zu ihren Asylgründen erfolgten 

am 5. und 6. Dezember 2019. 

F.  

Das SEM wies die Beschwerdeführenden am 11. Dezember 2019 dem er-

weiterten Verfahren zu. 

G.  

Die ergänzende Anhörung des Beschwerdeführers im erweiterten Verfah-

ren wurde am 31. August 2020 durchgeführt. Dabei erkundigte sich die 

Rechtsvertretung nach den Gründen für die lange Zeitdauer zwischen der 

Anhörung vom 5. Dezember 2019 und der ergänzenden Anhörung. Die 

SEM-Mitarbeitende erklärte, dass viele Faktoren dazu beigetragen hätten, 

unter anderem die Bürosituation aufgrund der COVID-19-Pandemie. 

H.  

Mit Verfügung vom 24. März 2021 lehnte das SEM die Asylgesuche der 

Beschwerdeführenden ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz so-

wie den Wegweisungsvollzug an.  

E-6277/2023 

Seite 3 

I.  

Die gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe 

vom 26. April 2021 erhobene Beschwerde wurde mit Urteil E-1920/2021 

vom 9. September 2021 gutgeheissen und die Sache zur Wiederaufnahme 

des erstinstanzlichen Verfahrens sowie zur Neubeurteilung an die Vor- 

instanz zurückgewiesen. 

J.  

Am 9. Dezember 2021 legten die Beschwerdeführenden weitere Beweis-

mittel ins Recht. 

K.  

Mit Schreiben vom 24. Mai 2022 reichten die Beschwerdeführenden beim 

SEM weitere Beweismittel ein und beantragten, sie seien bis Ende Juni 

2022 über den Verfahrensstand zu informieren oder es sei bis dahin ein 

Asylentscheid zu fällen, ansonsten werde eine Rechtsverzögerungs- 

beschwerde in Betracht gezogen. 

L.  

L.a Mit einer weiteren Eingabe vom 23. August 2022 baten die Beschwer-

deführenden erneut um Bekanntgabe des Verfahrensstands oder um einen 

baldmöglichen Entscheid in der Sache. 

L.b Das SEM informierte die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 

14. September 2022 darüber, dass die Übersetzung der eingereichten Be-

weismittel aufgrund der hohen Geschäftslast noch nicht abgeschlossen 

sei, weshalb kein bestimmtes Datum für den Abschluss des Verfahrens in 

Aussicht gestellt werden könne. Das SEM bemühe sich um einen Ver- 

fahrensabschluss vor Jahresende. 

M.  

Die Beschwerdeführenden ersuchten das SEM mit Schreiben vom 23. Mai 

2023 erneut um einen Abschluss ihres Asylverfahrens bis zum 15. Juli 

2023. Ansonsten würden sie sich gezwungen sehen, eine Rechtsverzöge-

rungsbeschwerde einzureichen.  

N.  

Am 31. Oktober 2023 gab das SEM eine amtsinterne Analyse der einge-

reichten Beweismittel in Auftrag. 

  

E-6277/2023 

Seite 4 

O.  

Mit Eingabe vom 15. November 2023 liessen die Beschwerdeführenden 

beim Bundesverwaltungsgericht eine Rechtsverzögerungsbeschwerde 

einreichen. Sie beantragten die Feststellung, dass das Verhalten des SEM 

eine Rechtszögerung im Sinn von Art. 64a VwVG darstelle, und die Anwei-

sung des SEM, ihr Asylgesuch vom 16. September 2019 ohne weitere Ver-

zögerung zu behandeln. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf  

Erhebung eines Kostenvorschusses) und der unentgeltlichen Rechtsver-

beiständung. Als Beweismittel legten die Beschwerdeführenden unter an-

derem die Verfahrensstandanfragen respektive Beschleunigungsgesuche 

vom 5. April, 31. Mai und 15. November 2022 sowie vom 13. Februar, 

19. April und 23. Mai 2023 ins Recht. 

P.  

Mit Verfügung vom 21. November 2023 hiess der Instruktionsrichter das 

Gesuch der Beschwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung inklusive Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses 

gut, lehnte aber das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

verbeiständung ab. Gleichzeitig lud er die Vorinstanz zur Vernehmlassung 

ein. 

Q.  

Die Vernehmlassung des SEM vom 29. November 2023 liess der Instruk-

tionsrichter den Beschwerdeführenden mit Instruktionsverfügung vom 

30. November 2023 zur Stellungnahme zukommen. 

R.  

Die Replik der Beschwerdeführenden datiert vom 13. Dezember 2023.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

  

E-6277/2023 

Seite 5 

1.2 Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfecht-

baren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung 

einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu-

ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. MARKUS 

MÜLLER / PETER BIERI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum 

Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 3 

zu Art. 46a). 

1.3 Mithin ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegen-

den Rechtsverzögerungsbeschwerde zuständig. 

2.  

2.1 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass 

einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, 

dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer 

Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist 

anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han-

deln und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG 

Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.). 

2.2 Die Beschwerdeführenden suchten am 16. September 2019 in der 

Schweiz um Asyl nach. Über dieses Gesuch hat das SEM in Form einer 

anfechtbaren Verfügung zu befinden. Die Beschwerdeführenden sind da-

her zur Beschwerdeführung legitimiert. 

3.  

3.1 Gegen das unrechtmässige Verzögern einer Verfügung kann grund-

sätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Den-

noch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht völlig im Belieben 

der beschwerdeführenden Person, ist doch der Grundsatz von Treu und 

Glauben stets zu beachten. Die beschwerdeführende Person muss zudem 

darlegen, dass sie zur Zeit der Beschwerdeerhebung ein schutzwürdiges 

– mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzö-

gerten Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden 

Rechtsverzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER ET AL., Prozessieren vor dem 

Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 5.23). 

3.2 Das schutzwürdige Interesse der Beschwerdeführenden an der Vor-

nahme der allenfalls verzögerten Amtshandlung ergibt sich einerseits aus 

den vielen bei den Akten liegenden Eingaben, mit denen sie um beförder-

liche Verfahrenserledigung gebeten haben, und andererseits aus der Tat-

sache, dass das SEM bis anhin nicht in der Sache entschieden hat. Der 

Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstanden. 

E-6277/2023 

Seite 6 

4.  

Auf die formgerecht (Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Rechtsverzöge-

rungsbeschwerde ist nach dem Gesagten einzutreten.  

Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts ande-

res bestimmt (Art. 37 VGG). 

5.  

Die Prüfung des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich auf die Be-

antwortung der Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot 

verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist das Gericht 

die Sache mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 

Abs. 1 VwVG). Hingegen ist es nicht befugt, sich dazu zu äussern, wie ein 

unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sollen, da 

es – Spezialkonstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig geblie-

benen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug verkürzt 

und möglicherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden (vgl. 

BVGE 2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.). 

6.  

6.1 Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der 

allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede 

Person unter anderem Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert 

angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsga-

rantie gilt für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung  

(vgl. BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.). 

6.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinn des Gesetzes ist nach Lehre und 

Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei einer 

Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, die Behörde aber nicht 

innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objektiv noch als 

angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfahrens 

ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu beur-

teilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Komplexität der  

Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Behörden, die 

Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie einzelfallspezifi-

sche Entscheidungsabläufe (vgl. MÜLLER/BIERI, a.a.O., Rz. 16 zu Art. 46a; 

BGE 130 I 312 E. 5.1 f. m.w.H.). 

  

E-6277/2023 

Seite 7 

6.3 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge-

setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt, 

wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes-

sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 103 V 190 

E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Beurteilung der 

Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen. 

7.  

7.1 Zur Begründung ihrer Rechtsverzögerungsbeschwerde liessen die Be-

schwerdeführenden ausführen, seit der Aufhebung der Verfügung des 

SEM vom 24. Mai 2021 und der Wiederaufnahme des erstinstanzlichen 

Verfahrens mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Sep-

tember 2021 seien zwei Jahre vergangen, ohne dass das SEM weitere 

Verfahrensschritte unternommen habe. In dieser Zeit hätten sie sich mehr-

mals nach dem Stand ihres Asylverfahrens erkundigt; mit Ausnahme einer 

einzigen Anfrage seien sämtliche Schreiben unbeantwortet geblieben. In 

seinem Antwortschreiben vom 14. September 2022 habe das SEM vorwie-

gend auf die hängigen Übersetzungsarbeiten hingewiesen und einen Ver-

fahrensabschluss vor Ende des Jahres 2022 in Betracht gezogen. Seither 

sei bereits ein Jahr vergangen, in welchem das SEM weder Verfahrens-

schritte unternommen noch Verfahrensstandanfragen beantwortet habe. 

Es seien keine objektiven Gründe denkbar, welche die vorliegende Verfah-

rensdauer erklären könnten. Die vierjährige Verfahrensdauer sowie die  

Ungewissheit über den Ausgang des Verfahrens setze der fünfköpfigen  

Familie psychisch zu und drohe auch das Kindeswohl zu verletzen. 

7.2 In ihrer Vernehmlassung vom 29. November 2023 drückte die Vor- 

instanz ihr Verständnis aus für die Schwierigkeiten der Beschwerdeführen-

den mit der unbefriedigenden Dauer ihres Asylverfahrens von mehr als 

zwei Jahren seit der Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens.  

Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass die hohe Anzahl an Asyl- und 

Schutzgesuchen in den Jahren 2022 und 2023 zu einem erheblichen Rück-

stau der zu erledigen Asylgesuche und damit zu einem Anstieg der übli-

chen Verfahrensdauer geführt habe. Zwar sei die Verfahrensstandanfrage 

vom 23. Mai 2023 unbeantwortet geblieben, aber es sei am 31. Oktober 

2023 eine interne Analyse von Beweismitteln in Auftrag gegeben worden; 

deren Resultate nicht vor Anfang des Jahres 2024 zu erwarten seien. Trotz 

der vergleichsweise langen Verfahrensdauer sei das SEM somit nicht un-

tätig geblieben, weshalb keine Rechtsverzögerung vorliege. 

E-6277/2023 

Seite 8 

7.3 In ihrer Replik liessen die Beschwerdeführenden darauf hinweisen, es 

sei nicht verständlich, aus welchen Gründen die Vorinstanz die interne 

Analyse von Beweismitteln erst am 31. Oktober 2023 in Auftrag gegeben 

habe. Sie hätten die letzten Beweismittel mit den Eingaben vom 9. De-

zember 2021 und 24. Mai 2022 eingereicht. Das SEM habe die interne 

Analyse der Dokumente erst 17 Monate nach ihrer zweiten Eingabe in Auf-

trag gegeben. Dies sei auch deshalb stossend, weil das SEM in seinem 

Schreiben vom 14. September 2022 bereits auf diese anstehenden Verfah-

rensschritte hingewiesen habe. 

8.  

8.1 Das vorliegende erstinstanzliche Asylverfahren wird im sogenannten 

erweiterten Verfahren gemäss Art. 26d AsylG behandelt. Entscheide im er-

weiterten Verfahren sind innerhalb von zwei Monaten nach Abschluss der 

Vorbereitungsphase zu treffen (Art. 37 Abs. 4 AsylG); letztere dauert 

höchstens 21 Tage (Art. 26 Abs. 1 Satz 2 AsylG). 

8.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat Kenntnis von der hohen Arbeitslast 

des SEM. Es ist deshalb grundsätzlich für das Gericht nachvollziehbar, 

dass nicht alle Verfahren innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Behand-

lungsfristen abgeschlossen werden können. Insbesondere ist eine längere 

Verfahrensdauer dann gerechtfertigt, wenn sich Abklärungsmassnahmen 

aufdrängen (vgl. etwa Urteile des BVGer E-1923/2023 vom 22. Mai 2023 

E. 6.4 oder D-5493/2022 vom 27. März 2023 E. 4.2). Das SEM darf und 

muss Priorisierungen vornehmen (Art. 37b AsylG), was – gerade unter  

Berücksichtigung der ausserordentlichen Situation im Zuge der Ukraine-

Krise – unweigerlich zur Überschreitung gewisser Behandlungsfristen führt 

(vgl. u.a. Urteil des BVGer E-2715/2023 vom 14. Juni 2023 E. 6.2). 

8.3  

8.3.1 Aus den Verfahrensakten der Beschwerdeführenden geht hervor, 

dass seit Einreichung des Asylgesuchs eineinhalb Jahre bis zum aufgeho-

benen Asylentscheid vom 24. März 2021 verstrichen sind. Seit der mit Ur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts E-1920/2021 vom 9. September 2021 

verfügten Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens erfolgten sei-

tens des SEM gemäss Akten keine Verfahrenshandlungen bis zum Auftrag 

zur Dokumentenanalyse vom 31. Oktober 2023 (vgl. SEM-Akten N […]  

A87). Das SEM blieb folglich während zweier Jahre untätig. Ausserdem 

reagierte das SEM weder auf die Eingabe der Beschwerdeführenden vom 

9. Dezember 2021 noch auf deren Anfragen vom 24. Mai 2022 und 23. Mai 

2023. In seiner Antwort vom 14. September 2022 wies es zwar auf noch 

E-6277/2023 

Seite 9 

hängige Übersetzungsarbeiten hin. In der Folge verstrich aber wiederum 

ein ganzes Jahr bis zur Erteilung des Auftrags zur Dokumentanalyse. Diese 

betraf zudem Dokumente, die bereits anlässlich der Erstbefragung der Be-

schwerdeführenden vom 31. Oktober 2019 eingereicht worden waren (vgl. 

SEM-Akten A39 ad F5 und A87). 

8.3.2 Das SEM hat das Asylgesuch der Beschwerdeführenden folglich 

nicht mit der notwendigen Beförderlichkeit behandelt, weshalb unter dem 

Blickwinkel von Art. 29 Abs. 1 BV eine das Beschleunigungsgebot verlet-

zende Rechtsverzögerung zu bejahen ist. 

9.  

Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge der Rechtsverzögerung als  

begründet, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist. Das SEM ist anzu-

weisen, die Asylgesuche der Beschwerdeführenden zu behandeln und  

zügig einem Entscheid zuzuführen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.2 Obsiegende und teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf 

eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten 

(Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb 

die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind 

(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist den Beschwerdeführenden zu-

lasten des SEM eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 550.– (inkl. 

Auslagen) zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6277/2023 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Rechtsverzögerungsbeschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, die Asylverfahren der Beschwerdeführenden 

beförderlich weiterzuführen und die Asylgesuche einem baldigen Ent-

scheid zuzuführen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von 

Fr. 550.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark 

 

 

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