# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04bbb79e-1386-5b28-8ff8-2d7d1655ac84
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.07.2009 C-6811/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-6811-2008_2009-07-08.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-6811/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  8 .  J u l i  2 0 0 9  

Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Elena Avenati-
Carpani, Richter Bernard Vaudan, 
Gerichtsschreiberin Viviane Eggenberger.

X._______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Einreisebewilligung für Y._______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-6811/2008

Sachverhalt:

A.
Der 1990 geborene kosovarische Staatsangehörige Y._______ (nach-
folgend: Gesuchsteller) hielt sich seit dem Jahre 1993 zusammen mit 
seinen Eltern und Geschwistern in der Schweiz auf. Seinem Vater wur-
de im Jahre 1994 die Aufenthaltsbewilligung im Kanton Luzern nicht 
mehr verlängert und in der Folge eine Ausreisefrist angesetzt. Weitere 
darauffolgende Bemühungen, eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen, 
blieben ohne Erfolg. Schliesslich wurde eine Beschwerde gegen eine 
Verfügung des Bundesamtes für Flüchtlinge (BFF; heute: Bundesamt 
für Migration [BFM]) vom 14. Oktober 2003 betreffend Abweisung ei-
nes im selben Jahr eingereichten Asylgesuchs und Wegweisung sowie 
Anordnung von deren Vollzug mit  Urteil  der Schweizerischen Asylre-
kurskommission (ARK) vom 5. April 2004 abgewiesen. Am 26. August 
2004 wurde der Gesuchsteller zusammen mit seinen Eltern ins damali-
ge Serbien und Montenegro ausgeschafft.

B.
Am 14. August 2008 beantragte der Gesuchsteller bei der Schweizer 
Botschaft  in  Pristina  die  Erteilung  eines  Einreisevisums  für  einen 
zweimonatigen  Besuchsaufenthalt  bei  seiner  Schwester  X._______ 
(nachfolgend:  Gastgeberin  bzw.  Beschwerdeführerin)  sowie  seinen 
drei  weiteren,  ebenfalls  in  der  Schweiz  wohnhaften  Geschwistern. 
Nach formloser Verweigerung übermittelte die Vertretung das Gesuch 
der Vorinstanz zum Entscheid.

C.
Nachdem das Amt für Migration des Kantons Luzern bei der Gastge-
berin weitere Abklärungen hinsichtlich des beabsichtigten Besuchsauf-
enthalts vorgenommen hatte, wies die Vorinstanz das Gesuch um Be-
willigung der Einreise mit Verfügung vom 26. September 2008 ab. Zur 
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass eine Einreisebewilli-
gung  insbesondere  dann  zu  verweigern  sei,  wenn  die  anstandslose 
und fristgerechte  Wiederausreise  der  gesuchstellenden  Person  nicht 
als gesichert angesehen werden könne, sei es als Folge der in ihrem 
Ursprungsland herrschenden politischen oder sozioökonomischen Ver-
hältnisse  oder  aufgrund  ihrer  persönlichen  Situation.  Aufgrund  der 
wirtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse im Kosovo sei  dies 
vorliegend der Fall. Dem Gesuchsteller  würden in seinem Herkunfts-
land  zudem  weder  zwingende  berufliche  oder  gesellschaftliche  Ver-

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pflichtungen  noch familiäre  Verantwortlichkeiten  obliegen,  welche  für 
eine fristgerechte Wiederausreise Gewähr bieten könnten.

D.
Gegen diese Verfügung erhob die Gastgeberin am 26. Oktober 2008 
beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  mit  dem sinngemässen 
Antrag auf Aufhebung der Verfügung und auf Bewilligung der Einreise. 
Als  Begründung  bringt  sie  im  Wesentlichen  vor,  der  Gesuchsteller 
habe während 13 Jahren in der Schweiz gelebt, bevor er 2004 mit den 
Eltern in den Kosovo zurückgekehrt und dort  sesshaft geworden sei. 
Er lebe mit den Eltern zusammen und nehme daher entsprechende fa-
miliäre Verpflichtungen wahr. Ausserdem lasse er sich derzeit an der 
Technischen Fachschule in I._______ zum Automechaniker ausbilden, 
was seinen Traumberuf darstelle. Demzufolge habe der Gesuchsteller 
auch berufliche Verpflichtungen in seinem Herkunftsland. Ihm gehe es 
einzig darum, noch einmal die Schweiz sowie seine ehemaligen Schul-
kollegen besuchen zu können. Auch mit einem 30-tägigen Besuchervi-
sum würden sie sich daher bereits zufrieden geben.

E.
In ihrer Vernehmlassung vom 22. Dezember 2008 spricht sich die Vor-
instanz unter Erläuterung der bereits erwähnten Gründe für die Abwei-
sung der Beschwerde aus. Viele insbesondere jüngere Personen ver-
suchten,  sich vorzugsweise im westlichen Ausland eine aussichtsrei-
chere Zukunft aufzubauen. Beim Gesuchsteller handle es sich um ei-
nen jungen und ledigen Mann. Angesichts seiner „Vorgeschichte“ ge-
nügten  die  in  der  Beschwerdeschrift  geltend  gemachten  beruflichen 
und familiären Verpflichtungen nicht, um das Risiko einer nicht fristge-
rechten  Wiederausreise  massgeblich  herabzusetzen,  zumal  er  die 
Ausbildung als Automechaniker eben erst begonnen habe.

F.
Mit Replik vom 5. Februar 2009 führt  die Beschwerdeführerin ergän-
zend aus, der Kosovo sei zwischenzeitlich in die Liste der "Safe Coun-
tries",  also  der  verfolgungssicheren  Länder,  aufgenommen  worden. 
Die dortige Lage habe sich somit erwiesenermassen verbessert, wes-
halb zum heutigen Zeitpunkt keine mehr Rede davon sein könne, der 
Zuwanderungsdruck  aus  jener  Region  sei  als  hoch einzustufen. Zu-
dem sei der Gesuchsteller in seinem Herkunftsland beruflich und fami-
liär fest verankert. Schliesslich wird vorgebracht, als er im Alter von 14 
Jahren  zusammen  mit  seinen  Eltern  aus  der  Schweiz  habe  ausge-

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schafft  werden müssen, habe er diese anstandslos verlassen. Damit 
habe er den Tatbeweis dafür erbracht, dass er willens sei, die schwei-
zerische Rechtsordnung zu beachten. In rechtlicher Hinsicht wird zu-
dem in grundsätzlicher Weise bestritten, dass es zulässig sei, für die 
Bewilligung der  Einreise  in  die  Schweiz  auf  das  Kriterium der  gesi-
cherten Wiederausreise abzustellen, da es sich dabei um eine in der 
Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des 
Rates  vom 15.  März  2006  über  einen  Gemeinschaftskodex  für  das 
Überschreiten der Grenzen durch Personen (nachfolgend: Schengener 
Grenzkodex [SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32])  nicht vorge-
sehene Einreisevoraussetzung handle.

G.
Am 16. Juni 2009 zog das Bundesverwaltungsgericht die kantonalen 
Akten  sowie  die  Asylakten  betreffend  den  Vater  des  Gesuchstellers 
bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von 
einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter 
fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Verweigerung  der  Ein-
reisebewilligung,  welche  vom  Bundesverwaltungsgericht  endgültig 
beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach 
dem VwVG (Art. 37 VGG).

1.3 Der Beschwerdeführer  ist  gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur  Be-
schwerde berechtigt. Auf  die  frist-  und formgerechte Beschwerde ist 
einzutreten (Art. 50–52 VwVG).

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2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde 
als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-
schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich  die  Rechts-  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur-
teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003).

3.
Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines 
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf 
Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa-
ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän-
dern  die  Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Ver-
pflichtungen  handelt  es  sich  dabei  um  einen  autonomen  Entscheid 
(vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189).

4.
Der Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die Genehmigung 
und die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz 
und der  EU über  die Assoziierung an Schengen und an Dublin (SR 
362) wurde in der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 angenommen. 
Die  entsprechenden  Assoziierungsabkommen  (darunter  das 
Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eid-
genossenschaft,  der  Europäischen Union und der Europäischen Ge-
meinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, 
Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen-Besitzstands  [SAA,  SR 
0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 de-
finitiv  in  Kraft  getreten. Durch die Übernahme des Schengen-Besitz-
standes wurden im Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über ddie 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) entsprechende An-
passungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestim-
mungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur 

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gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun-
gen enthält).  Im Weiteren  ist  die  Verordnung vom 24. Oktober  2007 
über das Einreise- und Visumverfahren (VEV, AS 2007 5537) total re-
vidiert worden (vgl. Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einrei-
se und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204]). Art. 57 VEV sieht vor, 
dass  hängige  Verfahren  nach  dem  neuen,  übergeordneten  (Schen-
gen-)Recht fortgeführt werden. 

5.
5.1 Bezüglich  der  Einreisevoraussetzungen  für  einen  Aufenthalt  von 
höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf den Schenge-
ner Grenzkodex (SGK). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert  die  Einreisevor-
aussetzungen für Drittstaatsangehörige. Diese benötigen zur Einreise 
ein  oder  mehrere  gültige  Reisedokumente  und  –  sofern  sie  der  Vi-
sumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie müs-
sen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts be-
legen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Bst. c). 
Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssystem (SIS) 
zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben sein  und  keine  Gefahr  für 
die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesund-
heit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstel-
len (Bst. d und e).

5.2 Die  Einreisevoraussetzungen  gemäss  Schengener  Grenzkodex 
entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 
Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge-
planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit 
erwähnt.  Demgegenüber  verlangt  Art. 5  Abs. 2  AuG,  dass  im  Falle 
eines nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederaus-
reise Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im na-
tionalen Recht  verankertes Erfordernis  dar  und steht  daher  nicht  im 
Widerspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüber-
gehenden Aufenthaltszwecks stellt  nämlich zugleich eine Absichtser-
klärung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. 
Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent-
haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je-
weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf-
enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne 
äussert  sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die 
diplomatischen  Missionen  und  die  konsularischen  Vertretungen,  die 
von  Berufskonsularbeamten  geleitet  werden  (GKI,  ABl.  C 326  vom 

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22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI 
verlangt  hinsichtlich  des Entscheids über  den Visumsantrag die Ein-
schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An-
tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit 
Hilfe  eines  zu  Touristik-,  Studien-,  Geschäfts-  bzw.  zu  Familienbe-
suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie-
derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10).  Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur 
Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele-
ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf-
gelistet.

5.3 Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ist  somit  festzuhalten, 
dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des 
Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung 
des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder-
ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung 
bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 

6.
Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Vi-
sumspflicht  von  Drittstaatsangehörigen  vor.  Die  Verordnung  (EG) 
Nr. 539/2001  des  Rates  vom  15. März  2001  (ABl.  L 81  vom 
21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I 
und  II,  welche  jeweils  eine  Liste  von  Drittländern  enthalten.  In  An-
hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige 
beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten 
im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni-
gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be-
freit sind. Als kosovarischer Staatsangehöriger unterliegt der Gesuch-
steller damit der Visumspflicht.

7.
Das Bundesamt  verweigerte  dem Gesuchsteller  die  Visumserteilung 
insbesondere mit  der Begründung, dass angesichts der im Vergleich 
zur Schweiz schlechteren Lebensbedingungen im Kosovo keine genü-
gende Gewähr für seine gesicherte Wiederausreise bestehen würde.

7.1 Geht es um die Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wieder-
ausreise, so können bezüglich eines solchen künftigen Verhaltens kei-
ne gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen getroffen 
werden. Anhaltspunkte für die Beurteilung der gesicherten Wiederaus-
reise können sich aus der allgemeinen Lage im Herkunftsland der Be-

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sucherin oder des Besuchers ergeben. In diesem Rahmen ist bei Ein-
reisegesuchen von Personen aus Staaten beziehungsweise Regionen 
mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise ungünstigen Verhält-
nissen zu berücksichtigen,  dass deren persönliche Interessenlage in 
solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich be-
fristeten Einreisebewilligung in Einklang steht.

7.2 Der Gesuchsteller lebt im inzwischen unabhängigen und von der 
Schweiz als Staat anerkannten Kosovo. Die Sicherheitslage in dieser 
Region konnte zwar im Verlaufe der letzten Jahre weitgehend stabili-
siert werden und der Wiederaufbau von Administration und Infrastruk-
tur ist unter Beteiligung internationaler Organisationen und Staatenge-
meinschaften in Gang gekommen. In wirtschaftlicher Hinsicht ist  das 
Land jedoch eines der ärmsten in Europa. Das Wirtschaftswachstum 
hat sich nach einem zunächst starken Aufschwung ab dem Jahre 2000 
(21.2 %) auf ein längerfristig haltbares Niveau abgeflacht (2007: 3.9 %; 
geschätzte 5.4 % für 2008). Die Arbeitslosigkeit ist weit verbreitet und 
die entsprechende Rate bleibt  hartnäckig hoch: Gemäss den letzten 
offiziellen Zahlen betrug sie im Jahre 2007 immer noch 43.6 % (2006: 
44.9 %). Besonders problematisch ist sie dabei insbesondere bei der 
jungen Bevölkerung. Zudem stellt die Armut ein weitverbreitetes Phä-
nomen dar: Der Anteil der in Armut lebenden Bevölkerung lag im Jahr 
2008 bei hohen circa 45%, wobei 15% der Staatsbürger gar von extre-
mer  Armut  betroffen  sind  (Quelle:  Weltbank, 
<http://www.worldbank.org>,  Countries  >  Europe and Central  Asia  > 
Kosovo  >  Overview  >  Kosovo  Brief,  Stand:  April  2009,  besucht  am 
2. Juli  2009). Vor diesem Hintergrund besteht  ein  vielfacher  Wunsch 
zur Auswanderung, der sich vor allem bei denjenigen manifestiert, die 
bereits über ein minimales soziales Beziehungsnetz im Ausland verfü-
gen. Im Falle der Schweiz führt dies angesichts der restriktiven auslän-
derrechtlichen Zulassungsregelung nicht selten zur Umgehung auslän-
derrechtlicher Bestimmungen. Dabei geht es nicht etwa allein um die 
Einreichung  von  Asylgesuchen  nach  erfolgter  Einreise,  sondern  es 
wird oftmals versucht, den Aufenthalt zu verlängern oder – beispiels-
weise durch Ausbildung oder Heirat – auf eine andere migrationsrecht-
liche Grundlage zu stellen.

8.
Die  geschilderten  Umstände  im  Herkunftsland  des  Gesuchstellers 
deuten zwar auf ein latentes Risiko einer nicht fristgerechten Wieder-
ausreise hin; sie entbinden die Vorinstanz bei der Analyse des Migrati-

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onsrisikos jedoch nicht von einer einzelfallbezogenen Beurteilung. Na-
mentlich können berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verpflich-
tungen die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünsti-
gen. Umgekehrt  muss bei  einer  gesuchstellenden Person,  die  keine 
der  erwähnten  Verpflichtungen  hat,  welche  sie  von  einer  möglichen 
Emigration  abhalten  könnten,  aufgrund  entsprechender  Erfahrungen 
das Risiko eines ausländerrechtlich nicht vorschriftsgemässen Verhal-
tens  nach  bewilligter  Einreise  zu  einem Besuchsaufenthalt  als  hoch 
eingeschätzt werden.

Der Gesuchsteller ist 19-jährig, ledig und kinderlos. Zwar geht aus ei-
ner  mit  Beschwerde  eingereichten  Bestätigung  hervor,  dass  er  im 
Schuljahr 2008/2009 als Schüler in der Fachrichtung Automechaniker 
an der Technischen Fachschule in der Nähe seines Wohnortes einge-
schrieben ist. Daraus kann jedoch nicht auf zwingende berufliche Ver-
pflichtungen seinerseits in seinem Herkunftsland geschlossen werden, 
die ihn verlässlich  von einer  Emigration abzuhalten vermöchten. Zu-
dem lebt  er  gemäss den Angaben der  Beschwerdeführerin  zwar  mit 
seinen Eltern zusammen. Auch wenn ihm in diesem Zusammenhang 
gewisse familiäre Verpflichtungen obliegen sollten – in der Beschwerde 
werden „entsprechende“ familiäre Verpflichtungen geltend gemacht –, 
so ist doch aus dem Umstand, dass er im Visumsantrag vom 14. Au-
gust  2008  eine  Einreisebewilligung  für  einen  Besuchsaufenthalt  von 
zwei Monaten beantragt hat, zu schliessen, dass die Eltern nicht aus-
schliesslich auf Betreuung und Pflege durch ihn angewiesen sind. Ins-
gesamt  lassen die  Akten daher  weder  auf  besondere  familiäre  oder 
gesellschaftliche noch auf berufliche Verpflichtungen des Gesuchstel-
lers  im Herkunftsland schliessen,  welche  eine  günstige  Prognose in 
Bezug auf seine gesicherte Wiederausreise nach einem Besuchsauf-
enthalt zulassen würden.

Angesichts des Umstands, dass der Gesuchsteller zum Zeitpunkt sei-
ner Ausschaffung im August 2004 erst 14-jährig und damit sein Verhal-
ten weitestgehend von demjenigen seiner Eltern abhängig war, kann 
aus dem dieser vorangehenden Verhalten, welches den klaren Willen 
Letzterer erkennen liess, in der Schweiz zu bleiben, und auch aus dem 
Umstand, dass die Ausreise nicht freiwillig und folglich – entgegen den 
Ausführungen der Beschwerdeführerin in der Replik – nicht "anstands-
los" erfolgte, in Bezug auf seinen eigenen allfälligen Emigrationswillen 
nichts geschlossen werden.

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Jedoch fällt in Betracht, dass die vier Geschwister des Gesuchstellers 
in der Schweiz leben und auch er den bis anhin überwiegenden Teil 
seines Lebens hier zugebracht hat. Entsprechend dürfte er hierzulan-
de auch über  zahlreiche während seiner  Kindheit  und Schulzeit  ge-
knüpfte  persönliche  Bindungen  und  damit  über  ein  ausgedehntes 
Beziehungsnetz verfügen. Der Besuch von ehemaligen Schulkollegen 
ist  denn gemäss Angaben der Beschwerdeführerin  (vgl. Beschwerde 
S. 2) mit ein Grund für den beabsichtigten Aufenthalt in der Schweiz. 
Es ist daher davon auszugehen, dass nach wie vor eine entsprechend 
starke Bindung des Gesuchstellers zur Schweiz besteht.

In  Anbetracht  insbesondere  dieses  langen  Voraufenthalts  und  des 
umfassenden  Beziehungsnetzes  des  Gesuchstellers  in  der  Schweiz 
sowie des Fehlens besonderer Verpflichtungen im Herkunftsland, wel-
che die Wiederausreise als wahrscheinlich erscheinen lassen würden, 
kann dem Gesuchsteller  hinsichtlich  der  gesicherten Wiederausreise 
keine günstige Prognose gestellt werden.

9.
Unter  den  geschilderten  Umständen  durfte  die  Vorinstanz  somit  zu 
Recht davon ausgehen, es bestehe nicht genügend Gewähr für eine 
gesicherte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt. Daran än-
dert auch nichts, dass die Beschwerdeführerin diese zugesichert hat, 
ist doch eine solche Garantie weder faktisch noch rechtlich durchsetz-
bar. Gastgeber können für gewisse finanzielle Risiken im Zusammen-
hang mit einem Besuchsaufenthalt garantieren, nicht jedoch für ein be-
stimmtes Verhalten des Gastes (vgl. anstelle vieler: Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts C-6950/2007 vom 7. November 2008, E. 8).

10.
Aus diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  im 
Lichte von Art. 49 VwVG rechtmässig ist. Die Beschwerde ist daher ab-
zuweisen.

11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die auf Fr. 600.– festzuset-
zenden  Verfahrenskosten  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen 
(Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Regle-
ments vom 21. Februar  2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Beschwerdeführerin  (Einschreiben;  Unterlagen  im Original  re-
tour)

- die Vorinstanz (Akten [...] retour)
- das Amt für Migration des Kantons Luzern (Akten [...] retour)

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Ruth Beutler Viviane Eggenberger

Versand:

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