# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** adca9ad2-7042-54f5-8e0c-d7dd39603aca
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-30
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 30.09.2014 FO.2014.12
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_FO-2014-12_2014-09-30.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: FO.2014.12

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 30.09.2014

Entscheiddatum: 30.09.2014

Entscheid Kantonsgericht, 30.09.2014
Art. 125 ZGB: Eine kurze Ehe, der ein gemeinsames Kind entsprang, gilt in 
der Regel als lebensprägend (Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 30. September 
2014, FO.2014.12).

 

Sachverhalt:

Die Ehegatten waren bis zur Trennung 1 ½ Jahre verheiratet und haben ein 

gemeinsames 7-jähriges Kind. Umstritten war einzig der nacheheliche Unterhalt.

Aus den Erwägungen:

1. …

2. Ist es einem Ehegatten nicht zuzumuten, für den ihm gebührenden Unterhalt unter 

Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufzukommen, besteht Anspruch 

auf einen nachehelichen Unterhalt (Art. 125 Abs. 1 ZGB). Entscheidend für die 

Bemessung des Unterhalts ist, ob die Ehe lebensprägend geworden ist (FamKomm 

Scheidung/Schwenzer, Art. 125 ZGB, N 47). Kurze Ehen, die weniger als fünf Jahre 

gedauert haben, gelten in der Regel nicht als lebensprägend, es sei denn, der Familie 

würden Kinder geboren (BGE 135 III 59, E. 4.1; BGer 5A_177/2010, E. 6.4; 5A_95/2012, 

E. 3.1; FamKomm Scheidung/Schwenzer, Art. 125 ZGB, N 48 m.w.H.). Hier waren die 

Ehegatten bis zur Trennung nur eineinhalb Jahre verheiratet. Der Ehe entsprang aber 

ein gemeinsames Kind. Zudem arbeitete der Ehemann während der Ehe weiterhin voll 

und nahm, wenn auch kurz vor der Trennung, sogar eine dreijährige Weiterbildung in 

Angriff. Die Ehefrau kümmerte sich demgegenüber nach der Geburt vorwiegend um 

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den gemeinsamen Sohn sowie den Haushalt und war nur noch aushilfsweise 

erwerbstätig. Bis heute konnte sie deswegen eigene Berufspläne (…) nicht 

verwirklichen. Es liegt somit eine lebensprägende Ehe vor, bei der die Eheleute noch 

immer familiale Leistungen austauschen, also Kinderbetreuung gegen Erwerb. Damit 

hat die Ehefrau grundsätzlich Anspruch auf einen nachehelichen Unterhalt, welcher 

sich nach dem zuletzt gemeinsam erreichten Lebensstandard bemisst (BGer 

5A_363/2010 = ius.focus 2011, Heft 2, 4; FamKomm Scheidung/Schwenzer, Art. 125 

ZGB, N 5, 42; Raselli/Möckli, Aktuelle Fragen des nachehelichen Unterhalts, in: 

Schwenzer/Büchler, Dritte Schweizer Familienrecht§tage, 11; Schwenzer, 

Betreuungsunterhalt - Gretchenfrage des Unterhaltsrechts, FamPra.ch 2010, 18, 29 f.).

3. Zu prüfen ist sodann, nach welcher Methode der nacheheliche Unterhalt zu 

bestimmen ist. Die Vorinstanz wandte die Methode der Grundbedarfsberechnung mit 

hälftiger Überschussteilung an. Soweit dies der Ehemann für verfehlt hält, ist ihm 

zuzugestehen, dass das Gericht an keine bestimmte Berechnungsweise gebunden ist, 

sondern diesbezüglich über ein grosses Ermessen verfügt (BGE 128 III 411, E. 3.2 = 

Pra 2003 Nr. 5; 127 III 136, E. 3; BGer 5A_589/2009, E. 2.3; 5C.53/2007, E. 3.1). In 

wirtschaftlich durchschnittlichen Verhältnissen wie hier, ohne nachweisbare Sparquote, 

führt regelmässig die Grundbedarfsberechnung mit hälftiger Überschussteilung aber zu 

den tauglichsten Ergebnissen; diese Ansicht bekräftigte das Bundesgericht auch in 

neueren Urteilen (BGE 134

III 577, E. 3; BGer 5A_323/2012 = teilw. publ. in BGE 138 III 672 = ius.focus 2012, Heft 

10, 5; BGer 5A_363/2010 = ius.focus 2011, Heft 2, 4; BGer 5A_748/2012 = FamPra.ch 

2013, 759 ff.; Hausheer, Die privatrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts 

2007, ZBJV 2008, 553, 568 ff.; FamKomm Scheidung/Schwenzer, Art. 125 ZGB, N 75 

ff. m.w.H.; Schwenzer, Betreuungsunterhalt – Gretchenfrage des Unterhaltsrechts, 

Fampra.ch 2010, 18, 29 ff.; Schwenzer, Nachehelicher Unterhalt oder: Vor der 

Änderung ist nach der Änderung, in: Mitteilungen zum Familienrecht Nr. 10, 11, 13, 

www.gerichte.sg.ch; Aeschlimann, Urteilsanmerkung, FamPra.ch 2008, 395 f.; Vetterli, 

Zur Bemessung des nachehelichen Unterhalts – ein Klärungsversuch, AJP 2009, 575 

ff.). Die besagte Methode bietet denn auch mehrere Vorteile: Sie berücksichtigt die 

trennungsbedingten Mehrkosten und gewährleistet, dass beide Parteien das eheliche 

Lebensniveau nach der Trennung gleichermassen fortführen können und der 

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haushaltführende wie der erwerbstätige Ehegatte weiterhin gleich behandelt werden. 

Dabei ist zu beachten, dass der eheliche Lebensstandard nicht allein aufgrund der 

Erwerbseinkünfte der Ehegatten berechnet werden darf, vielmehr ist aufgrund der 

Gleichwertigkeit von Erwerbs- und Familienarbeit bei dessen Bestimmung 

grundsätzlich ein Betrag für geleistete Familienarbeit zu addieren (FamKomm 

Scheidung/Schwenzer, Art. 125 ZGB, N 5). Zudem ist die Berechnungsweise der 

Grundbedarfsberechnung mit Überschussteilung klar und verständlich und leistet 

daher einen wichtigen Beitrag an die Rechtssicherheit (vgl. Hausheer, Die 

privatrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts 2007, ZBJV 2008, 553, 568 ff.; 

Spycher, Urteilsanmerkung, ZBJV 2008, 514 ff.; Aeschlimann, Urteilsanmerkung, 

FamPra.ch 2008, 395 f.; Vetterli, Zur Bemessung des nachehelichen Unterhalts – ein 

Klärungsversuch, AJP 2009, 575 ff.; Gabathuler, Unterhalt nach Scheidung: 

Rechtsgleichheit nicht verletzen, plädoyer 1/12, 34 ff.; Kommentar zu BGer 

5A_323/2012, ius.focus 2012, Heft 10, 5).

4. Das Argument des Ehemanns, die Methode der Grundbedarfsberechnung mit 

Überschussteilung sei deshalb unangemessen, weil seine Einkommenssteigerung erst 

nach Auflösung der ehelichen Gemeinschaft eingetreten sei, ist nicht stichhaltig. Der 

Ehemann ist gelernter kaufmännischer Angestellter. Seine Ausbildung zum Fachmann 

im Finanz- und Rechnungswesen, welche er 2008 begann und 2011 abschloss und 

welche ihm danach ein höheres Einkommen bescherte, plante er schon während 

gelebter Ehe (…). Die Ausbildungsvereinbarung unterzeichnete er zugestanden 

ebenfalls in dieser Zeit, nämlich bereits am (…). Entsprechend machte er bei den 

Steuern schon für das Jahr 2008 Weiterbildungsabzüge geltend (…). Der Ehemann 

hätte die intensive und mehrjährige Weiterbildung, die er neben der Arbeitszeit 

besuchen musste (…), weder planen noch betreiben können, wenn ihm die Ehefrau 

nicht die Hauptverantwortung für das gemeinsame Kleinkind abgenommen, sondern 

selbst eine berufliche Karriere verfolgt hätte (…). Entsprechend heisst es im 

Eheschutzentscheid, der Ehemann könne (auch) wegen der Weiterbildung das Kind 

nicht in seine Obhut nehmen (…), obwohl er früher nach eigener Angabe einen 

massgebenden Betreuungsanteil übernommen gehabt hätte (…). Die Ehefrau durfte 

also darauf vertrauen, dass sie und das Kind bei einer Unterstützung des Ehemanns -

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durch Übernahme der Familienarbeit und der Ermöglichung eines beruflichen 

Weiterkommens - im Gegenzug auch von dessen voraussehbarer 

Einkommenssteigerung profitieren würden. In diesem Sinne bzw. in einer solchen 

Situation kann ein gebührender Unterhalt folglich sogar über dem ehelichen Standard 

liegen (FamKomm Scheidung/Schwenzer, Art. 125 ZGB, N 6).

Ohnehin scheint es aber offensichtlich, dass der Mehrverdienst der Eheleute seit der 

Trennung von knapp Fr. 2'000.00 (…) durch die trennungsbedingten Mehrkosten bei 

weitem aufgezehrt wird (u.a. Erhöhung Grundbetrag rund Fr. 700.00, zusätzliche 

Wohnkosten Fr. 1'200.00, zusätzliche Kinderbetreuung Fr. 120.00; 

Erwerbstätigenbonus; …). Dabei ist (…) der wirtschaftliche Stand während der Ehe mit 

der heutigen Situation zu vergleichen. Im Übrigen hielt der Eheschutzrichter fest, der 

(damalige) Unterhaltsbeitrag decke (nur) knapp den Bedarf der Ehefrau (…). Der 

Existenzbedarf bzw. Grundbedarf ist aber nicht mit dem gebührenden Unterhalt zu 

verwechseln, auf den die Ehefrau nach der Scheidung Anspruch hat und der ihr eine 

angemessene, gleichwertige Lebensweise garantieren soll.

Insgesamt zeigt sich, dass die Vorinstanz mit der Berechnungsmethode der 

Grundbedarfsberechnung mit hälftiger Überschussteilung eine angemessene 

Vorgehensweise wählte. Bezeichnenderweise berechnet dann auch der Ehemann den 

Unterhaltsanspruch - wenn auch mit anderen Zahlen - ebenfalls nach dieser Methode.

5. Danach sind nun zunächst die massgebenden Einkommen der Familienmitglieder zu 

bestimmen; in einem zweiten Schritt sind ausgehend vom betreibungsrechtlichen 

Existenzminimum die individuellen familienrechtlichen Grundbedürfnisse der Parteien 

festzulegen; in einem dritten Schritt ist der Gesamtbedarf dem Gesamteinkommen 

gegenüberzustellen und ein Überschuss gleichmässig aufzuteilen (BGer 5A_288/2008, 

E. 5; KGer SG, FamPra.ch 2002, 375, 379; Raselli/Möckli, Aktuelle Fragen des 

nachehelichen Unterhalts, in: Schwenzer/Büchler, Dritte Schweizer Familienrecht§tage, 

19).

Anzumerken bleibt, dass das Gericht im Rahmen des Dispositionsgrundsatzes nur an 

die formellen Parteianträge gebunden ist, nicht hingegen an die einzelnen Einnahme- 

und Aufwandpositionen der Unterhaltsberechnung (BGE 119 II 396, E. 2; BGer 

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5A_310/2010, E. 6.4.3; Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, N 

4.3).

6. Die Vorinstanz nahm an, der Ehemann arbeite voll als kaufmännischer Angestellter 

bei der (…) und verdiene dabei, nach seiner Weiterbildung zum Fachmann im Finanz- 

und Rechnungswesen und nach seiner Beförderung (…), rund Fr. 7'700.00 netto im 

Monat (…). Dieser macht nun geltend, er erreiche wegen eines Stellenwechsels nur 

noch ein monatliches Einkommen von etwa Fr. 7'300.00; ein höherer Beitrag sei nicht 

zu berücksichtigen. Die Ehefrau möchte dem Ehemann demgegenüber weiterhin das 

ursprüngliche Gehalt gemäss Vorinstanz anrechnen lassen, weil dieser die frühere, gut 

bezahlte Stelle freiwillig aufgegeben habe.

Der Ehemann trat am 1. Februar 2014 eine neue Stelle bei der Firma (…) als 

Abteilungsleiter an und verdiente dabei netto rund Fr. 8'100.00 im Monat (…). Weil ihm 

nach seinen Angaben der Einstieg in den Detailhandel missglückte (…), verliess er 

diese Arbeitsstelle noch während der Probezeit, nämlich per (…). Mit Arbeitsvertrag 

vom (…) wurde er ab 1. April 2014 wieder von seiner ehemalige Arbeitgeberin (…) 

angestellt, allerdings, wegen Wegfalls der Kaderstellung, nur noch zu einem Nettolohn 

von etwa Fr. 7'300.00 im Monat (…).

7. Es stellt sich nun die Frage, ob sich der Ehemann mit diesem Einkommen zufrieden 

geben darf oder ob ihm ein hypothetisches höheres Einkommen bzw. das frühere 

Gehalt anzurechnen ist. Der Unterhaltsbemessung darf dann ein hypothetisches 

Einkommen zu Grunde gelegt werden, wenn der Pflichtige bei gutem Willen und 

hinreichender Anstrengung mehr zu verdienen vermöchte (BGE 128 III 4, E. 4; 127 III 

136, E. 2b; 117 II 16, E. 1b; FamKomm Scheidung/Wullschleger, Art. 285 ZGB, N 26 

ff.). Das hypothetische Einkommen muss einerseits zumutbar und andererseits 

tatsächlich erzielbar sein (BGer 5C.112/2005, E. 2.2; 5A_194/2009, E. 2.4).

Das Gebaren des Ehemanns, eine besser bezahlte Stelle anzunehmen, ohne das im 

laufenden Scheidungsverfahren offenzulegen (…), diese dann wieder selber zu 

kündigen und eine schlechter entgeltete Arbeit beim ehemaligen Arbeitgeber 

anzunehmen, erweist sich als wenig vertrauenerweckend. Dennoch ist es dem 

Ehemann nicht zumutbar, die aktuelle, immer noch recht gut bezahlte Stelle 

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aufzugeben, für einen zu erwartenden Mehrverdienst von bloss wenigen Hundert 

Franken. Zudem lässt es sich nachvollziehen, dass der Ehemann eine Beschäftigung 

mit einem kürzeren Arbeitsweg bevorzugt, zumal damit eine deutliche Kostenersparnis 

einhergeht, von der im Ergebnis auch die Unterhaltsberechtigten profitieren. 

Schliesslich ist anzuerkennen, dass sich der Ehemann stets um Arbeit bemühte. Die 

Anrechnung eines hypothetischen Einkommens lässt sich daher nicht begründen.

8. Die Ehefrau ist gelernte Hotelfachassistentin und arbeitete bis zur Geburt des Kindes 

zu 100% im Service. Während der Ehe war sie, und zwar ab Februar 2008, nur noch 

gelegentlich als Aushilfskraft beschäftigt und erzielte so ein Einkommen von Fr. 

1'100.00 im Monat, plus Trinkgeld von Fr. 300.00 (…). Mit der Trennung gab sie ihre 

Arbeitsstelle zunächst auf, weil die Mithilfe des Ehemanns bei der Kinderbetreuung 

weggefallen war (…). Sie bemühte sich, wieder eine Beschäftigung zu finden, was ihr 

bis zum Eheschutzentscheid (…) aber noch nicht gelang. Spätestens seit dem Jahr 

2010 (…) arbeitet die Ehefrau in einem Café als Servicefachangestellte im Stundenlohn, 

zu einem Pensum von etwa 50% (…). Dabei verdient sie monatlich Fr. 2'050.00 im 

Monat, inklusive Trinkgeld. Das blieb unbestritten.

Ab Juli 2017, nachdem das Kind das 10. Altersjahr vollendet haben wird, rechnete die 

Vorinstanz der Ehefrau ein Einkommen von Fr. 2'500.00 an und mutete ihr zu, zu einem 

Pensum zwischen 60% und 65% zu arbeiten. Die Ehefrau akzeptiert das. Der Ehemann 

macht

hingegen geltend, die Ehefrau müsse ab Juli 2017 zu 65% arbeiten und dabei ein 

Einkommen von Fr. 3'010.00 erwirtschaften.

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt unter heutigen gesellschaftlichen 

Verhältnissen nach wie vor als Grundregel, dass dem betreuenden Elternteil die 

(Wieder-)Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 50% erst zumutbar ist, wenn 

das jüngste Kind 10-jährig ist, und zu 100% erst dann, wenn das jüngste Kind das 16. 

Altersjahr erreicht (BGer 5A_95/2012, E. 4.2). Die unmittelbare persönliche Betreuung 

und Pflege der im obligatorischen Schulalter stehenden Kinder dient nämlich deren 

Interesse und bildet einen wesentlichen Gesichtspunkt für die Zuteilung der elterlichen 

Sorge (BGE 137 III 102, E. 4.2.2.2; BGer 5A_592/2011, E. 5.1; 5A_618/2011, E. 5.2). 

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Freilich handelt es sich hierbei lediglich um Richtlinien, die auf mittlere Verhältnisse 

zugeschnitten sind und in jedem Einzelfall auf ihre Anwendbarkeit hin überprüft werden 

müssen (BGer 5A_95/2012, E. 4.2; 5A_241/ 2010, E. 5.4.3). Das Gericht hat diese 

Leitsätze nicht wie starre Regeln, sondern in pflichtgemässer Ausübung seines weiten 

Ermessens in Unterhaltsfragen und unter Berücksichtigung der konkreten Umstände 

des Einzelfalles anzuwenden (BGE 137 III 102, E. 4.2.2.2; 134 III 577, 580; BGer 

5A_618/2011, E. 5.2; FamKomm Scheidung/Schwenzer, Art. 125 ZGB, N 59 m.w.H.).

Die Ehefrau ist auf der einen Seite noch jung und gesund. Zudem hat sie bereits 

während der Ehe gearbeitet, den Zugang zur Berufswelt also nie ganz verloren. Für 

eine angemessene Fremdbetreuung des Kindes ist anscheinend gesorgt. Auf der 

anderen Seite handelt es sich bei der Arbeit im Gastgewerbe um eine anstrengende 

Tätigkeit. Die Mutter soll sich zudem - weiterhin - in einem erheblichen Mass persönlich 

um ihr Kind kümmern können, was umso mehr gilt, als es während der Ehe offenbar 

beiden Eltern wichtig war, das Kind möglichst selber und zu Hause betreuen zu können 

(…). Die Anordnung der Vorinstanz, die Mutter müsse ihr Pensum ab Sommer 2017 um 

10% bis 15% erhöhen, erweist sich daher insgesamt als angemessen, zumal sich die 

finanzielle Situation der Familie weiterhin als ausreichend präsentiert. Rechnet man den 

jetzigen Lohn, welcher auf einem 50%-Pensum basiert, auf ein Pensum zwischen 60% 

und 65% auf, ergibt sich das vom Kreisgericht berücksichtigte Einkommen von Fr. 

2'500.00. Dieser Betrag lässt sich auch mit Blick auf die gastgewerblichen Löhne 

gemäss L-GAV rechtfertigen (www.gastrosuisse.ch; brutto rund Fr. 4'100.00 bei 

Vollzeit, Fr. 2'500.00 bei 60%-65%, netto und mit Anteil am 13. Monatslohn Fr. 

2'300.00 [hinzu kommt das Trinkgeld]; …). Die Forderung des Ehemanns nach 

Aufrechnung eines Einkommens von mehr als Fr. 3'000.00 erscheint demgegenüber als 

widersprüchlich, weil dieser anerkennt, dass die Ehefrau aktuell bei einem 50%-

Pensum nur Fr. 2'050.00 verdienen kann, und er nicht begründet, warum sie künftig bei 

einem 65%-Pensum plötzlich von einer anderen Lohnbasis soll profitieren können. 

Damit hat es ab Juli 2017 bei einem Eigenverdienst der Ehefrau von Fr. 2'500.00 sein 

Bewenden.

9. Beim Bedarf räumt der Ehemann ein, dass sich seine Arbeitswegkosten auf rund Fr. 

110.00 reduziert hätten (…). Dabei ist ihm zuzugestehen, dass er ein 

Monatsabonnement statt ein kostengünstigeres Jahresabonnement löst, da er über 

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kein Vermögen verfügt und (prozess-)bedürftig ist. Der Ehemann wohnt und arbeitet 

gleich beim Bahnhof. Die Zugfahrt dauert nicht einmal 10 Minuten. Ihm ist es somit 

zumutbar, über Mittag heimzukehren. Demzufolge entstehen ihm keine Mehrkosten für 

auswärtige Verpflegung. Die Krankenkasse des Ehemanns kostet rund Fr. 370.00 (…). 

Zudem dürften seine Steuern wegen des geringeren Einkommens und nach Abzug der 

Unterhaltsbeiträge auf rund Fr. 520.00 im Monat sinken (www.steuern.sg.ch). Aufgrund 

der Unterlagen scheint sodann ausgewiesen, dass der Ehemann nicht mehr im 

Konkubinat lebt (…), auch wenn seine Beziehung weiter besteht. Der vereinbarte 

Kinderunterhalt erweist sich mit Blick auf die neuen Einkommens- und Bedarfszahlen 

weiterhin als angemessen und ist in die Unterhaltsberechnung aufzunehmen.

Ab Juli 2017, nach Reduktion des nachehelichen Unterhalts, wird die Steuerbelastung 

des Ehemanns auf schätzungsweise Fr. 620.00 ansteigen.

10. Der Bedarf der Ehefrau ist unbestritten geblieben. Eine Anpassung der 

Fremdbetreuungskosten wegen der Erhöhung des Arbeitspensums ab Sommer 2017 

wurde nicht thematisiert. Unter Umständen wird es wegen des höheren Alters des 

Kindes auch zu keinem Anstieg kommen (…). Anzurechnen ist demgegenüber, 

aufgrund der Doppelbelastung der Ehefrau mit Erwerbsarbeit und Betreuung eines 

minderjährigen Kindes, ein Erwerbstätigenbonus (KGer SG, FamPra.ch 2001, 369, 370; 

Vetterli, Scheidungshandbuch, 101), welcher ermessensweise auf Fr. 200.00 

festgesetzt wird.

11. Es ergibt sich folgende Übersicht: Ehemann

Ehemann

ab Juli 2017

Ehefrau

Ehefrau

ab Juli 2017

Einkommen 7'300 7'300 2'050 2'500

Bedarf

Grundbetrag 1'230 1'230 1'230 1'230

Wohnen 1'200 1'200 850 850

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Krankenkasse 370 370 250 250

Risikoversicherung 50 50 50 50

Berufskosten 110 110 0 0

Kinderbetreuung 0 0 120 120

Steuern 520 620 250 250

Erwerbstätigenbonus 0 0 200 200

Kinderunterhalt 1'000 1'000 0 0

Vorsorge 0 0 400 400

Total 4'480 4'580 3'350 3'350

Stellt man den Einkommen der Ehegatten ihren Bedarf gegenüber, ergibt sich in der 

ersten Phase ein Überschuss von Fr. 1'520.00. Der Ehemann fordert nun, dieser 

Freibetrag sei nicht hälftig aufzuteilen. Das widerspräche aber dem Grundsatz der 

Gleichbehandlung der Ehegatten, wonach der Unterhaltsberechtigte eine gleichwertige 

Lebensweise führen darf wie der Unterhaltspflichtige (BGE 129 III 7 = Pra 2003 Nr. 85, 

E. 3.1 m.w.H.), und liesse sich schon deshalb nicht rechtfertigen, weil sich die Ehefrau 

bereits heute beim Wohnen und der Krankenkasse mehr einschränkt als der Ehemann. 

Zudem liefe eine überhälftige Teilung des Überschusses dem Grundgedanken zuwider, 

dass die Ehefrau mit der Betreuung des Kindes auch eine Aufgabe des Ehemanns 

übernimmt, die zu entschädigen ist. Eine solche lässt sich daher nicht begründen. 

Schlägt man den hälftigen Freibetrag zum Bedarf der Ehefrau hinzu und zieht ihren 

Eigenverdienst ab, zeigt sich, dass der vorinstanzlich verfügte und von der Ehefrau 

akzeptierte Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'900.00 ohne weiteres ausgewiesen ist. 

Dasselbe ergibt sich für die Unterhaltsphase ab Juli 2017 (Unterhaltsbeitrag Fr. 

1'500.00) und ändert sich auch nicht, wenn der Ehemann ab Sommer 2019 für das 

Kind einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'100.00 zu leisten hat. Dabei darf nicht vergessen 

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werden, dass die Festsetzung eines Unterhaltsbeitrags nie nur das Ergebnis einer 

reinen Rechenoperation ist, sondern Ermessenssache bleibt. 

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