# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 149386d2-40ce-587c-80e4-3efa10e70f88
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-15
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 15.06.2018 SK.2017.47
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2017-47_2018-06-15.pdf

## Full Text

Urteil vom 15. Juni 2018  
Strafkammer 

Besetzung 

 

Bundesstrafrichter Daniel Kipfer Fasciati, Vorsitz, 

Sylvia Frei und Joséphine Contu Albrizio,  

Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács  

Parteien 

 

BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch  

Staatsanwalt des Bundes Johannes Rinnerthaler,  

  

und 

 

als Privatklägerschaft: 

 

SCHWEIZERISCHE BUNDESBAHNEN SBB AG,  

vertreten durch Rechtsanwalt Arno Thürig,  

 

 

gegen 

 

  1. A., amtlich verteidigt durch Fürsprecher Philipp Kunz,  

 

2. B., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Martin Tob-

ler,  

 

3. C., erbeten verteidigt durch Rechtsanwältin Karen 

Schobloch,  

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2017.47 

- 2 - 

4. D., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Patrick Bi-

schoff,  

 

 

Gegenstand 

 

Mehrfache ungetreue Amtsführung sowie Gehilfenschaft 

dazu; mehrfaches Sich bestechen lassen; mehrfaches 

Bestechen; mehrfache Vorteilsannahme; mehrfache Vor-

teilsgewährung; mehrfacher Betrug; gewerbsmässiger 

Betrug; mehrfache Urkundenfälschung; Geldwäscherei  

  

- 3 - 

Inhaltsübersicht Seite 

 

Anträge der Parteien 4 

 

Prozessgeschichte 14 

 

Erwägungen 19 

I.  Vorfragen 19 

II. Beamtenstellung Beschuldigter A. 30 

 

A. Sachverhaltskomplex 1 (Beschuldigter A.) 40 

III. Anklagevorwurf (Übersicht) 40 

IV. Ungetreue Amtsführung 42 

V. Gewerbsmässiger Betrug 53 

VI. Urkundenfälschung 60 

VII. Geldwäscherei 64 

VIII. Zusammenfassung Sachverhaltskomplex 1 66 

 

B. Sachverhaltskomplex 2 (Beschuldigte A., B., C., D.) 67 

IX. Anklagevorwurf (Übersicht) 67 

X. Sich bestechen lassen bzw. Bestechen 67 

XI. Vorteilsannahme bzw. Vorteilsgewährung 90 

XII. Ungetreue Amtsführung; Gehilfenschaft dazu 98 

XIII. Betrug 105 

XIV. Zusammenfassung Sachverhaltskomplex 2 114 

 

XV. Strafzumessung 114 

 1.  Rechtliches 114 

 2.  A. 116 

 3.  B. 123 

 4.  C. 126 

XVI. Einziehung bzw. Ersatzforderung 130 

XVII. Beschlagnahmte Gegenstände und Vermögenswerte 133 

XVIII. Zivilklagen 135 

XIX. Verfahrenskosten 140 

XX. Entschädigungen 144 

 

Dispositiv 150 

 

 

- 4 - 

Anträge der Parteien (alle Anträge redaktionell sinngemäss) 

 

Anträge der Bundesanwaltschaft (pag. 98.925.2-10, 98.920.13): 

 

I. A. 

 

1. A. sei schuldig zu sprechen: 

-  der mehrfachen ungetreuen Amtsführung im Sinne von Art. 314 StGB; 

- des mehrfachen Betrugs und des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von 

Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB; 

- des mehrfachen Sich bestechen lassens im Sinne von Art. 322quater StGB; 

- der mehrfachen Vorteilsannahme im Sinne von Art. 322sexies StGB; 

- der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB; 

- der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis StGB. 

 

2. A. sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren zu bestrafen. Die Untersuchungshaft 

von 30 Tagen sei auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. 

 

3. A. sei mit einer unbedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je Fr. 100.-- zu be-

strafen. Soweit A. die Geldstrafe nicht bezahlt und sie auf dem Betreibungsweg un-

einbringlich ist, so sei an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 80 Tagen zu 

treten. 

 

4. Von der Vergleichsvereinbarung vom 5. Mai 2015 zwischen den Schweizerischen 

Bundesbahnen SBB AG und A. (Schuldanerkennung von Fr. 1 Mio. als teilweise 

Schadenswiedergutmachung) in Bezug auf den Sachverhaltskomplex 1 sei Vor-

merk zu nehmen. 

 

5. Die Zivilforderung der Schweizerischen Bundesbahnen SBB AG im von ihr verlang-

ten Umfang von Fr. 300‘000.-- (Sachverhaltskomplex 2) in solidarischer Haftung mit 

B., C. und D. – exklusiv noch zu bestimmender Kosten für Schadenszins und wei-

terer Parteiauslagen – sei gutzuheissen. 

 

6. Zulasten von A. und zugunsten der Eidgenossenschaft sei eine Ersatzforderung von 

Fr. 1‘300‘000.-- festzusetzen. 

 

7. Beschlagnahmen 

7.1 Folgende beschlagnahmte Dokumente seien in den Akten zu belassen: 

–  Asservaten-Nr. 01.01: 0001, 0002, 0003, 0011, 0012, 0015, 0016, 0017, 0018, 
0040, 0041, 0042, 0043, 0044, 0048; 

- 5 - 

–  Asservaten-Nr. 01.04: 0004, 0005, 0006; 
–  Asservaten-Nr. 03.01.0004. 

7.2 Die Beschlagnahme der folgenden Bankguthaben von A. sowie die Beschlagnahme 

der sichergestellten Fr. 5‘000.-- (Asservat-Nr. 01.01.0045) und des Erlöses von 

Fr. 15‘000.-- aus dem Verkauf von 3 Armbanduhren (Asservaten-Nr. 01.01.0013, 

01.01.0014, 01.05.0003) seien zur Sicherstellung der Ersatzforderung und der For-

derungen der Privatklägerin aufrechtzuerhalten. Werden die Forderungen ohne 

Vollstreckungsmassnahme getilgt, sei die Beschlagnahme dahinzufallen.  

Bankkonten bei der E. AG, in Z. (lautend auf A.):  

–  Nr. 1. Privatkonto; 
–  Nr. 2. Sparkonto; 
–  Nr. 3. Sparkonto; 
–  Nr. 4. Depot (Versicherungspolice F. AG). 

7.3 Die Kontosperre für das Bankkonto Nr. 5. bei der E. AG, in Z., sei aufzuheben. 

7.4 Die Grundbuchsperre folgender Liegenschaft in Y., Grundbuch Y., sei zur Sicher-

stellung der Ersatzforderung und der Forderungen der Privatklägerin aufrechtzuer-

halten. Werden die genannten Forderungen ohne Vollstreckungsmassnahmen ge-

tilgt, sei die Beschlagnahme dahinzufallen: 

– Grundbuch Nr. 6. (Liegenschaft), 7. (Parkplatz) und 8. (Parkplatz),  
Miteigentümer A. und G. zu je 1/2. 

7.5 Folgende beschlagnahmte Dokumente seien in den Akten zu belassen: 

–  Asservaten-Nr. 02.01: 0005, 0006; 
–  Asservaten-Nr. 02.02: 0001, 0002, 0003, 0004, 0005, 0006; 
–  Asservaten-Nr. 02.03: 0001, 0002, 0003; 
–  Asservaten-Nr. 02.05.0002; 
–  Asservaten-Nr. 02.06: 0001, 0002, 0003, 0004. 

 

8. Von den Kosten des Verfahrens in der Höhe von insgesamt Fr. 40‘611.25 (zusätzlich 

der durch das Gericht festzulegenden Gerichtskosten für das Hauptverfahren) seien 

A. gesamthaft Fr. 27‘611.25 aufzuerlegen. 

 

9. Der amtliche Verteidiger, Fürsprecher Philipp Kunz, sei für seine Aufwendungen – 

abzüglich geleisteter Akontozahlungen – zu entschädigen. A. sei im Falle einer Ver-

urteilung zu verpflichten, der Eidgenossenschaft für diese Kosten Ersatz zu leisten, 

sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

10. Es sei der Kanton Zürich als Vollzugskanton zu bestimmen. 

- 6 - 

II.  B. 

 

1. B. sei schuldig zu sprechen: 

-  des mehrfachen Bestechens im Sinne von Art. 322ter StGB; 

- der mehrfachen Vorteilsgewährung im Sinne von Art. 322quinquies StGB; 

- der mehrfachen Gehilfenschaft zu ungetreuer Amtsführung im Sinne von Art. 314 

i.V.m. Art. 25 StGB; 

- des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB. 

 

2. B. sei mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten zu bestrafen, wobei der 

Vollzug mit einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschieben sei. 

 

3. B. sei mit einer unbedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je Fr. 1‘300.-- zu 

bestrafen.  

 

 Soweit B. die Geldstrafe nicht bezahlt und sie auf dem Betreibungsweg uneinbring-

lich ist, so sei an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 80 Tagen zu treten. 

 

4. Die Zivilforderung der Schweizerischen Bundesbahnen SBB AG im von ihr verlang-

ten Umfang von Fr. 300‘000.-- (Sachverhaltskomplex 2) in solidarischer Haftung mit 

A., C. und D. – exklusiv noch zu bestimmender Kosten für Schadenszins und wei-

terer Parteiauslagen – sei gutzuheissen. 

 

5. Folgende beschlagnahmte Dokumente seien in den Akten zu belassen:  

–  Asservaten-Nr. 01.01: 0001, 0002, 0003, 0004, 0005; 
–  Asservaten-Nr. 01.02: 0001, 0002, 0003, 0004, 0005, 0006, 0007, 0008, 0009, 

0010, 0011, 0012, 0013, 0014; 
– Asservaten-Nr. 01.04: 0001, 0002, 0003, 0004, 0005, 0006, 0007, 0008; 
– Asservaten-Nr. 01.05.0001; 
– Asservaten-Nr. 03.01.0006. 

 

6. Von den Kosten des Verfahrens in der Höhe von insgesamt Fr. 40‘611.25 (zusätzlich 

der durch das Gericht festzulegenden Gerichtskosten für das Hauptverfahren) seien 

B. gesamthaft Fr. 6‘500.-- aufzuerlegen. 

 

7. Es sei der Kanton Zürich als Vollzugskanton zu bestimmen. 

III.  C. 

 

1. C. sei schuldig zu sprechen: 

- des mehrfachen Bestechens im Sinne von Art. 322ter StGB; 

- 7 - 

- der mehrfachen Gehilfenschaft zu ungetreuer Amtsführung im Sinne von Art. 314 

i.V.m. Art. 25 StGB; 

- des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB. 

 

2. C. sei mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu bestrafen, wobei der 

Vollzug mit einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschieben sei. 

 

3. C. sei mit einer unbedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 550.-- zu be-

strafen.  

 

 Soweit C. die Geldstrafe nicht bezahlt und sie auf dem Betreibungsweg uneinbring-

lich ist, so sei an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 40 Tagen zu treten. 

 

4. Die Zivilforderung der Schweizerischen Bundesbahnen SBB AG im von ihr verlang-

ten Umfang von Fr. 300‘000.-- (Sachverhaltskomplex 2) in solidarischer Haftung mit 

A., B. und D. – exklusiv noch zu bestimmender Kosten für Schadenszins und weite-

rer Parteiauslagen – sei gutzuheissen. 

 

5. Folgende beschlagnahmte Dokumente seien in den Akten zu belassen: 

– Asservaten-Nr. 02.01: 0006, 0007, 0008, 0009, 0010, 0011; 
– Asservaten-Nr. 02.03.0002. 

 

6. Von den Kosten des Verfahrens in der Höhe von insgesamt Fr. 40‘611.25 (zusätzlich 

der durch das Gericht festzulegenden Gerichtskosten für das Hauptverfahren) seien 

C. gesamthaft Fr. 5‘500.-- aufzuerlegen. 

 

7. Es sei der Kanton Zürich als Vollzugskanton zu bestimmen. 

IV. D. 

 

1. D. sei der Vorteilsgewährung im Sinne von Art. 322quinquies StGB schuldig zu spre-

chen. 

 

2. D. sei mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 290.-- zu bestra-

fen, wobei der Vollzug mit einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschieben sei. 

 

3. D. sei mit einer Verbindungsbusse von Fr. 1‘800.-- zu bestrafen. 

 

 Soweit D. die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so sei an deren Stelle eine Ersatzfrei-

heitsstrafe von 8 Tagen zu treten. 

- 8 - 

 

4. Die Zivilforderung der Schweizerischen Bundesbahnen SBB AG im von ihr verlang-

ten Umfang von Fr. 300‘000.-- (Sachverhaltskomplex 2) in solidarischer Haftung mit 

A., B. und C. – exklusiv noch zu bestimmender Kosten für Schadenszins und weite-

rer Parteiauslagen – sei gutzuheissen. 

 

5. Beschlagnahmen 

 

5.1 Folgende beschlagnahmte Dokumente seien nach Eintritt der Rechtskraft des Ur-

teils an D. herauszugeben: 

–  Asservaten-Nr. 04.01: 0004, 0005. 

5.2 Folgende beschlagnahmte Dokumente seien in den Akten zu belassen: 

–  Asservaten-Nr. 04.01: 0001, 0002, 0003. 

 

6. Von den Kosten des Verfahrens in der Höhe von insgesamt Fr. 40‘611.25 (zusätzlich 

der durch das Gericht festzulegenden Gerichtskosten für das Hauptverfahren) seien 

D. gesamthaft Fr. 1‘000.-- aufzuerlegen. 

 

7. Es sei der Kanton Zürich als Vollzugskanton zu bestimmen. 

Anträge der Privatklägerin (pag. 98.925.73 f., 98.920.14): 

1.  Es seien die Beschuldigten A., B. und C. im Sinne der Anklageschrift vom 8. Sep-

tember 2017 schuldig zu sprechen. 

 

2.  Es sei festzustellen, dass A. der Privatklägerin aufgrund der aussergerichtlichen 

Vereinbarung vom 22./23. April/5. Mai 2015 Fr. 1‘000‘000.-- als Schadenswieder-

gutmachung schuldet. 

 

3. A. sei zu verpflichten, der Privatklägerin auf Fr. 1‘000‘000.-- seit dem 5. Mai 2015 

einen Verzugszins von 5% zu leisten. 

 

4. Es seien A. und B. in solidarischer Haftung in vollem Umfang, C. in solidarischer 

Haftung im Betrag von Fr. 256‘944.34, zu verpflichten, der Privatklägerin Schaden-

ersatz in der Höhe von Fr. 422‘076.80, zu bezahlen. 

 

5. Es seien A. und B. in solidarischer Haftung zu verpflichten, auf Fr. 422‘076.80, C. in 

solidarischer Haftung auf Fr. 256‘944.34, seit dem 17. Februar 2014 einen Scha-

denszins von 5% zu leisten. 

- 9 - 

 

6. Ein allfälliger Restsaldo (nach Abzug von Untersuchungs- und Gerichtskosten) auf 

den bei der E. AG liegenden und derzeit gesperrten Vermögenswerten von A. sei 

der Privatklägerin zuzusprechen. 

 

7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschuldigten A., B. und C. 

 

 

Anträge der Verteidigung von A. (pag. 98.925.106 f., 98.925.129, 98.920.14, 

98.920.17): 

 

1. A. sei freizusprechen von den Vorwürfen: 

1.1 des gewerbsmässigen Betrugs, angeblich begangen gemäss Anklageschrift 

Ziff. 1.1.2; 

1.2 der mehrfachen Urkundenfälschung, angeblich begangen gemäss Anklage-

schrift Ziff. 1.1.3; 

1.3 des mehrfachen Betrugs, angeblich begangen gemäss Anklageschrift 

Ziff. 1.1.8; 

 unter Entschädigung für die angemessene Verteidigung sowie unter Ausscheidung 

der Hälfte der Verfahrenskosten sowie deren Auferlegung auf den Staat. 

 

2. A. sei schuldig zu erklären: 

2.1 der mehrfachen ungetreuen Amtsführung, begangen gemäss Anklageschrift 

Ziff. 1.1.1 und 1.1.7; 

2.2 der Geldwäscherei, begangen gemäss Anklageschrift Ziff. 1.1.4; 

2.3 des mehrfachen Sich bestechen lassens, begangen gemäss Anklageschrift 

Ziff. 1.1.5; 

2.4 der mehrfachen Vorteilsannahme, begangen gemäss Anklageschrift Ziff. 1.1.6. 

 

3.  A. sei in Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zu verurteilen: 

3.1 zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, unter Gewährung des bedingten Voll-

zugs für einen Teil von 24 Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-

ren. Die ausgestandene Untersuchungshaft von 30 Tagen sei im Umfang von 

30 Tagen auf den unbedingten Teil der Strafe anzurechnen; 

3.2 zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à Fr. 90.--. Die Geldstrafe sei bedingt 

zu erlassen bei einer Probezeit von 2 Jahren; 

3.3  zu den anteilsmässigen Verfahrenskosten. 

 

4. 

4.1 Die Zivilklage der SBB AG sei auf den Zivilweg zu verweisen. 

4.2 Es seien die notwendigen Verfügungen zu erlassen. 

- 10 - 

4.3 Es sei das Honorar der amtlichen Verteidigung gerichtlich festzusetzen. 

 

5. 

5.1 Auf die Anordnung einer Ersatzforderung gegen A. sei zu verzichten. 

5.2 Die Grundbuchsperre auf der Liegenschaft von A., Grundbuchamt Y., GBBl-Nr. 

6., 7. und 8., sei aufzuheben. 

Anträge der Verteidigung von B. (pag. 98.925.159, 98.920.15): 

1. B. sei freizusprechen von den Vorwürfen: 

-  des mehrfachen Bestechens im Sinne von Art. 322ter StGB; 

- der mehrfachen Vorteilsgewährung im Sinne von Art. 322quinquies StGB; 

- der mehrfachen Gehilfenschaft zu ungetreuer Amtsführung im Sinne von Art. 314 

i.V.m. Art. 25 StGB; 

- des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB. 

 

2. B. sei für die ihm durch vorliegendes Verfahren entstandenen Kosten ein von B. 

freiwillig reduzierter Betrag in der Höhe von Fr. 70‘000.-- aus der Staatskasse zu 

bezahlen. 

 

3. Die auf B. entfallenden Kosten der Untersuchung sowie des Gerichtsverfahrens 

seien von der Staatskasse zu tragen. 

 

4. Eventualiter sei B. schuldig zu sprechen und mit einer bedingten Geldstrafe von 300 

Tagessätzen zu Fr. 650.-- zu bestrafen, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-

ren. 

 

5. Die Kosten der Untersuchung und des Gerichtsverfahrens seien gestützt auf den 

teilweisen Schuldspruch anteilsmässig auszusondern und B. aufzuerlegen. 

 

6. Die Schadenersatzforderung der SBB AG sei abzuweisen bzw. auf den Zivilweg zu 

verweisen. 

Anträge der Verteidigung von C. (pag. 98.925.548 f., 98.920.16): 

A. Hauptanträge 

 

1. C. sei vollumfänglich freizusprechen. 

 

2. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien, soweit sie C. betreffen, abzuweisen. 

- 11 - 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse. 

 

B.  Eventualanträge 

 

1. C. sei schuldig zu sprechen: 

- der mehrfachen Vorteilsgewährung im Sinne von Art. 322quinquies StGB; 

- der Gehilfenschaft zu mehrfacher ungetreuer Amtsführung im Sinne von Art. 314 

i.V.m. Art. 25 StGB. 

 

Er sei mit einer Geldstrafe von höchstens 50 Tagessätzen à Fr. 320.-- zu bestrafen. 

 

2. Es sei der Vollzug der Geldstrafe bedingt aufzuschieben unter Ansetzung einer Pro-

bezeit von 2 Jahren. 

 

3. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien, soweit sie C. betreffen, abzuweisen. 

 

4. Unter ausgangsgemässer Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

Anträge der Verteidigung von D. (pag. 98.925.631, 98.920.16): 

1. D. sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

2. … (entfällt) 

 

3. Unter ausgangsgemässer Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

Eventualanträge 

 

1. D. sei der Gehilfenschaft zu mehrfacher Vorteilsgewährung im Sinne von Art. 322quin-

quies i.V.m. Art. 25 StGB schuldig zu sprechen. 

 

2. Er sei mit einer Geldstrafe von maximal 45 Tagessätzen à Fr. 150.-- zu bestrafen. 

 

3. Es sei der Vollzug der Geldstrafe bedingt aufzuschieben unter Ansetzung einer Pro-

bezeit von 2 Jahren. 

 

4. … (entfällt) 

 

5. Unter ausgangsgemässer Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

- 12 - 

Prozessgeschichte: 

A. Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB AG (nachfolgend: SBB AG) erstattete 

am 17. Februar 2014 bei der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich, Wirt-

schaftsdelikte, Strafanzeige gegen A. und unbekannte Täterschaft wegen Verun-

treuung, Betrug, ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie allfällige weitere Delikte. 

Gegenstand bildeten Handlungen im Zusammenhang mit Auftragsvergaben an 

die H. AG und die I. GmbH, welche als Sachverhaltskomplex 1 bzw. als „--“ (Ope-

rationsname „--“) erörtert werden (-- pag. 05-00-00-0001 ff.).  

B. Die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich ersuchte die Bundesanwaltschaft 

am 27. Februar 2014 um Verfahrensübernahme gegen A. und unbekannte Tä-

terschaft wegen „Sich bestechen lassen etc.“ (-- pag. 02-00-00-0001). Die Bun-

desanwaltschaft erklärte am 20. März 2014 die Verfahrensübernahme und eröff-

nete gleichentags unter der Geschäftsnummer SV.14.0241 eine Strafuntersu-

chung gegen A. und unbekannte Täterschaft wegen des Verdachts der unge-

treuen Amtsführung (Art. 314 StGB) (-- pag. 01-01-00-0001).  

Am 7. April 2014 dehnte die Bundesanwaltschaft das Verfahren auf J. wegen 

Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs (Art. 146 Abs. 2 StGB) und der Gehil-

fenschaft zu ungetreuer Amtsführung (Art. 314 i.V.m. Art. 25 StGB) und am 27. 

Mai 2014 auf K. wegen Verdachts der Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) aus (-- 

pag. 01-01-00-0002 ff.). Am 18. Mai 2015 dehnte sie das Verfahren gegen A. auf 

den Verdacht des gewerbsmässigen Betrugs (Art. 146 Abs. 2 StGB), der Urkun-

denfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) und der Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 1 

StGB) aus (-- pag. 01-01-00-0006).  

C. Die Bundesanwaltschaft verurteilte mit Strafbefehl vom 26. März 2015 J. wegen 

Gehilfenschaft zu ungetreuer Amtsführung (Art. 314 i.V.m. Art. 25 StGB) zu einer 

bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 100.--, unter Anrechnung 

der Untersuchungshaft von 29 Tagen, und zu einer Busse von Fr. 2‘000.--, und 

auferlegte ihr anteilsmässig Verfahrenskosten von Fr. 2‘212.10. Es wurde Vor-

merk genommen, dass J. eine Zivilforderung der SBB AG im Betrag von 

Fr. 125‘000.-- anerkannt hatte (-- pag. 03-01-00-0001 ff.).  

Mit Strafbefehl vom 19. Juni 2015 verurteilte sie K. wegen mehrfacher Geldwä-

scherei (Art. 305bis Ziff. 1 StGB) zu einer bedingten Geldstrafe von 70 Tagessät-

zen zu je Fr. 80.-- und zu einer Busse von Fr. 600.-- und auferlegte ihr anteils-

mässig Verfahrenskosten von Fr. 800.-- (-- pag. 03-02-00-0001 ff.).  

- 13 - 

D. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 18. August 2014 unter der Geschäftsnum-

mer SV.14.0981 eine Strafuntersuchung gegen B., C. und D. wegen Vorteilsge-

währung (Art. 322quinquies StGB) und gegen A. wegen Vorteilsannahme (Art. 322se-

xies StGB). Diese Verfahrenseröffnung erfolgte unter Hinweis auf den Bericht der 

Bundeskriminalpolizei (BKP) vom 31. Juli 2014 bezüglich Beziehung von A. zur 

Firma L. AG („--“ pag. 01-01-00-0001). Gegenstand dieses Verfahrens bilden im 

Zusammenhang mit Auftragsvergaben der SBB AG an die L. AG stehende Hand-

lungen, welche nachfolgend unter dem Verfahren „--“ bzw. als Sachverhaltskom-

plex 2 erörtert werden. 

Am 18. Mai 2015 dehnte die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen A., B. und 

C. wegen Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB), gegen A. und C. eventuell Gehilfen-

schaft dazu, aus (-- pag. 01-01-00-0002 f.).  

E. Mit Verfügung vom 4. April 2017 vereinigte die Bundesanwaltschaft das Verfah-

ren SV.14.0241 gegen A. und das Verfahren SV.14.0981 gegen A., B., C. und D. 

gemäss Art. 29 Abs. 1 StPO und führte das Verfahren fortan unter der Geschäfts-

nummer SV.14.0981 (-- pag. 01-02-00-0006 ff.; -- pag. 02-00-00-0001 ff.). 

F. Am 31. Mai 2017 dehnte die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen A. wegen 

Sich bestechen lassens (Art. 322quater StGB) und gegen B. und C. wegen Beste-

chens (Art. 322ter StGB) und Gehilfenschaft zu ungetreuer Amtsführung (Art. 314 

i.V.m. Art. 25 StGB) aus. Sie führte aus, dass in Bezug auf A. die Subsumtion 

des Lebenssachverhalts im Zusammenhang mit den Auftragsvergaben an die L. 

AG auch unter dem Tatbestand der ungetreuen Amtsführung (Art. 314 StGB) 

erfolge (-- pag. 01-01-00-0004 f.). 

G. A. liess durch seinen Verteidiger am 23. Mai 2014 im Verfahren SV.14.0241 An-

trag auf Durchführung des abgekürzten Verfahrens nach Art. 358 ff. StPO stellen 

(-- pag. 04-01-00-0001 f.). Die Bundesanwaltschaft teilte dem Verteidiger am 30. 

Juni 2014 mit, sie habe die BKP beauftragt, einen Schlussbericht im Hinblick auf 

das abgekürzte Verfahren für A. zu erstellen. Nach Vorliegen dieses Schlussbe-

richts („voraussichtlich im Laufe des Monats September 2014“) werde sie „über 

den Eintritt auf das von Ihnen beantragte abgekürzte Verfahren entscheiden“ (-- 

pag. 04-01-00-0003). Mit Eingabe vom 18. Juli 2015 führte der Verteidiger zum 

Antrag vom 23. Mai 2014 aus, dass der Genehmigung der Durchführung des 

abgekürzten Verfahrens nichts mehr im Wege stehe, nachdem die Ermittlungen 

nun auch bezüglich „--“ abgeschlossen seien, und machte Ausführungen zum 

Strafmass unter Berücksichtigung der Verfahren (-- pag. 04-01-00-0004 ff.). Mit 

Eingabe vom 29. August 2017 hielt der Verteidiger fest, dass seit seinem Schrei-

ben vom 18. Juli 2015 weder ein schriftlicher Rückzug des Antrags noch eine 

formelle Ablehnung seitens der Bundesanwaltschaft erfolgt sei. Unter Hinweis 

- 14 - 

auf erfolgte Telefonate erklärte er, dass sowohl die Bundesanwaltschaft als auch 

die Verteidigung das abgekürzte Verfahren als gescheitert betrachten würden, 

da keine Einigung zum Strafmass möglich gewesen sei. Der Verteidiger verwies 

dabei auf ein Telefonat vom 21. August 2015, welches nur als Rückzug des Ge-

suchs um Durchführung des abgekürzten Verfahrens verstanden werden könne, 

und machte Ausführungen zur Frage der Verwertbarkeit der Aussagen von A., 

die dieser zwischen dem 23. Mai 2014 und dem 21. August 2015 gemacht habe 

(-- pag. 04-01-00-0001 ff.). Die Bundesanwaltschaft bestätigte mit Schreiben vom 

31. August 2017, dass am 21. August 2015 der Rückzug des Gesuchs um Durch-

führung des abgekürzten Verfahrens im Verfahren SV.14.0241 rechtsgenüglich 

erfolgt sei. Sie hielt fest, dass im Verfahren SV.14.0981 zu keinem Zeitpunkt ein 

solcher Antrag gestellt worden sei (-- pag. 04-01-00-0004). 

H. Die SBB AG konstituierte sich in der Strafanzeige vom 17. Februar 2014 als 

Straf- und Zivilklägerin. Am 25. März 2014 erklärte sie ihre Privatklägerstellung 

im Straf- und Zivilpunkt im Verfahren -- (-- pag. 15-01-00-0007 ff.) und am 3. 

September 2014 im Verfahren -- (-- pag. 15-01-00-0007 ff.). 

I. Die Bundesanwaltschaft erhob am 8. September 2017 Anklage gegen A. betref-

fend den Sachverhaltskomplex 1 und gegen A., B., C. und D. betreffend den 

Sachverhaltskomplex 2.  

J. Am 11. September 2017 wurde den Parteien der Eingang der Anklage und die 

Zusammensetzung des Spruchkörpers angezeigt. Am 26. September 2017 

wurde ihnen mitgeteilt, dass die Hauptverhandlung vom 5. bis 8. Juni 2018 und 

die Urteilseröffnung voraussichtlich am 15. Juni 2018 stattfinden wird. Am 24. Ok-

tober 2017 wurden die Parteien und die Verteidiger entsprechend zur Hauptver-

handlung vorgeladen; die Privatklägerschaft wurde zur Teilnahme eingeladen. 

K. Am 13. September 2017 wurden die Parteien zu Beweisanträgen eingeladen. 

Die Bundesanwaltschaft verzichtete am 14. September 2017 auf Beweisanträge. 

Die Privatklägerin erklärte am 21. September 2017, dass keine Beweisanträge 

gestellt werden. Der Verteidiger von D. verzichtete am 19. September 2017 auf 

Beweisanträge. Die Verteidiger von C. und A. teilten am 10. bzw. am 12. Oktober 

2017 mit, dass keine Beweisanträge gestellt werden.  

L. Der Verteidiger von B. beantragte am 1. November 2017, es seien sämtliche 

Verfahrensakten, welche im Hinblick auf das von A. beantragte abgekürzte Ver-

fahren erstellt wurden, aus den Verfahrensakten auszusondern und bis zum Ab-

schluss des Verfahrens unter Verschluss zu halten. Nach Bereinigung der Ver-

fahrensakten sei ihm erneut Frist zum Stellen von Beweisanträgen anzusetzen. 

Zur Begründung führte er an, die Einvernahmen von A. zwischen seinem Antrag 

- 15 - 

vom 23. Mai 2014 auf Durchführung des abgekürzten Verfahrens und dessen 

Rückzugs am 21. Juli (recte wohl: 21. August) 2015 seien im Hinblick auf das 

abgekürzte Verfahren erfolgt und in Folge dessen Scheiterns in Analogie zu Art. 

362 Abs. 4 StPO nicht verwertbar. Erst nach Bereinigung der Verfahrensakten 

könne beurteilt werden, welche ergänzenden Beweisanträge zu stellen seien. 

Auf Aufforderung der Verfahrensleitung bezeichnete der Verteidiger am 24. No-

vember 2017 die Aktenstücke, die aus den Verfahrensakten zu entfernen seien. 

Die Verteidiger von C. und D. unterstützten den Antrag von B.  

Die Bundesanwaltschaft hielt dafür, dass weder im Verfahren -- noch im Verfah-

ren -- jemals ein abgekürztes Verfahren durchgeführt worden sei. Der diesbezüg-

liche Antrag des Beschuldigten A. habe sich zudem nur auf das Verfahren -- be-

zogen und sei auch zeitlich vor der Eröffnung des Verfahrens -- gestellt worden. 

Der Antrag sei am 21. August 2015 rechtsgenüglich zurückgezogen worden. Es 

gebe daher keine Veranlassung, die Verwertbarkeit von Aussagen von A. im Ver-

fahren -- in Frage zu stellen. 

Der Verteidiger von A. führte unter Hinweis auf die Eingabe an die Bundesan-

waltschaft vom 29. August 2017 aus, über die Verwertbarkeit der Aussagen von 

A. sei von Amtes wegen zu befinden. Sachliche oder prozessökonomische Ge-

sichtspunkte würden eine Entfernung der Aussagen nicht nahelegen. 

Mit Verfügung vom 18. Dezember 2017 wies die Verfahrensleitung den Antrag 

der Verteidigung von B. auf Aussonderung der in der Eingabe vom 24. November 

2017 aufgeführten Aktenstücke ab und setzte Frist für Beweisanträge an. 

M. Mit Eingabe vom 10. Januar 2018 beantragte der Verteidiger von B., sämtliche 

Verfahrensakten, welche die Anklagebehörde unter Verletzung der Teilnahme-

rechte erstellt habe, seien aus den Akten zu entfernen und bis zum Abschluss 

des Verfahrens unter Verschluss zu halten. Die Verteidiger von C. und D. unter-

stützten den Antrag auf Aktenaussonderung in ihren Eingaben vom 10. bzw. 12. 

Januar 2018 und stellten eigene Anträge auf Aktenaussonderung.  

Die Bundesanwaltschaft und die Privatklägerin beantragten die Abweisung des 

Antrags. Der Verteidiger von A. verzichtete auf eine Stellungnahme. 

Die Verfahrensleitung wies am 1. Februar 2018 die Anträge von B., C. und D. ab 

und setzte B. Frist zum Stellen von Beweisanträgen an. 

N. Mit Beweiseingabe vom 15. Februar 2018 beantragte der Verteidiger von B. die 

Einvernahme von Angestellten der SBB AG und des Beschuldigten A.  

- 16 - 

Mit Beweisverfügung vom 7. März 2018 wurde der Beweisantrag in Bezug auf 

drei Angestellte der SBB AG gutgeheissen; im Übrigen wurde der Antrag abge-

wiesen. Auf den Antrag auf Einvernahme von A. wurde nicht eingetreten.  

Von Amtes wegen wurden über die Beschuldigten je ein Strafregister- und ein 

Betreibungsregisterauszug eingeholt und diverse Steuerunterlagen beigezogen. 

O. Mit Eingaben je vom 16. Mai 2018 ersuchten die Verteidiger von B. und C. unter 

Hinweis auf den Antrag des Verteidigers von B. vom 1. November 2017 und des-

sen Ergänzung vom 24. November 2017 sowie auf einen aktuellen Bundesge-

richtsentscheid erneut um Aussonderung von Verfahrensakten.  

Die Bundesanwaltschaft beantragte Abweisung der Anträge, unter Hinweis auf 

ihre frühere Stellungnahme in gleicher Angelegenheit vom 7. Dezember 2017.  

Die Verfahrensleitung verfügte am 24. Mai 2018, gestützt auf die bundesgericht-

liche Rechtsprechung (BGE 144 IV 189 E. 5.2) und in Anwendung von Art. 362 

Abs. 4 StPO würden die Einvernahmen von A. vom 26. August 2014 und 19. Mai 

2015 aus den Verfahrensakten entfernt und separat aufbewahrt. Den Entscheid 

bezüglich weiterer Akten behielt sie sich für die Hauptverhandlung vor.  

Am 29. Mai 2018 verfügte sie auf weitere Anträge der Verteidiger von B., C. und 

D. je vom 25. Mai 2018 hin, dass in Ergänzung der Verfügung vom 24. Mai 2018 

sämtliche Aktenstücke, soweit sie auf den Einvernahmen von A. vom 26. August 

2014 und vom 19. Mai 2015 beruhen, aus den Verfahrensakten entfernt und se-

parat aufbewahrt werden bzw. bei Aktenstücken, die nicht insgesamt unverwert-

bar sind, die betreffenden Stellen abgedeckt werden. Die Gesuche der vorge-

nannten Verteidiger um Abnahme der Vorladung zur Hauptverhandlung und Ver-

tagung derselben wurden gleichzeitig abgewiesen.  

P. Die Verteidiger der Beschuldigten B., C. und D. beantragten je mit Eingaben vom 

25. Mai 2018, dass die Bundesstrafrichter Kipfer, Frei und Contu Albrizio sowie 

der Gerichtsschreiber Lukács vor Beginn der Hauptverhandlung in den Ausstand 

zu treten hätten. Zur Begründung führten sie an, dass die Gerichtsmitglieder in 

Vorbereitung der Hauptverhandlung die ausgesonderten Verfahrensakten ge-

sichtet hätten und damit in der Sache befangen seien. 

Die Strafkammer leitete die Gesuche zusammen mit den Stellungnahmen der 

betroffenen Gerichtsmitglieder zuständigkeitshalber an die Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts zum Entscheid weiter (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO).  

- 17 - 

Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts wies mit Beschlüssen vom 

4. Juni 2018 (Geschäftsnummern BB.2018.94, BB.2018.95, BB.2018.96) die 

Ausstandsgesuche der Beschuldigten B., C. und D. ab. 

Q. Mit Eingaben vom 30. bzw. 31. Mai 2018 beantragten die Verteidiger der Be-

schuldigten B., C. und D. übereinstimmend sinngemäss, es seien sämtliche auf 

den gemäss Verfügung vom 24. Mai 2018 ausgesonderten Akten beruhenden 

weiteren Akten vollständig aus den Verfahrensakten zu entfernen und unter Ver-

schluss zu halten; eventualiter seien die gemäss Verfügung vom 29. Mai 2018 

zu schwärzenden Verfahrensakten genau zu bezeichnen und es sei der Vertei-

digung in die geschwärzten bzw. abgedeckten Akten Einsicht zu gewähren; es 

sei der Verteidigung das nach Aussonderung oder Schwärzung bereinigte Ak-

tenverzeichnis zuzustellen; der Termin der Hauptverhandlung vom 5. bis 8. Juni 

2018 sei abzunehmen und es sei ein neuer Termin anzusetzen. 

Die Gerichtskanzlei kontaktierte am 1. Juni 2018 telefonisch die Verteidiger der 

Beschuldigten B., C. und D. und teilte ihnen im Auftrag des Spruchkörpers mit, 

dass die Hauptverhandlung nicht verschoben und am Dienstag, 5. Juni 2018, 

10.15 Uhr, gemäss Vorladung beginnen werde. Weiter wurde mitgeteilt, dass 

über die weiteren Anträge zu gegebener Zeit entschieden werde. 

R. Die Hauptverhandlung vor der Strafkammer des Bundesstrafgerichts fand am 

5. und 6. Juni 2018 am Sitz des Gerichts in Anwesenheit der Parteien statt. Am 

15. Juni 2018 wurde das Urteil in Anwesenheit der Parteien mündlich eröffnet. 

Die Bundesanwaltschaft (in Bezug auf A.), die Privatklägerin sowie A. verzichte-

ten auf Rechtsmittel gegen dieses Urteil (TPF pag. 98.920.23).  

Die Strafkammer erwägt: 

I. Vorfragen 

1. Bundesgerichtsbarkeit 

1.1 Der Bundesgerichtsbarkeit unterstehen u.a. die Straftaten des achtzehnten und 

neunzehnten Titels des Strafgesetzbuches, sofern sie von einem Behördenmit-

glied oder Angestellten des Bundes oder gegen den Bund verübt wurden (Art. 23 

Abs. 1 lit. j StPO). Diese Bestimmungen umfassen strafbare Handlungen gegen 

die Amts- und Berufspflicht (Art. 312–322bis StGB) und die Bestechung 

(Art. 322ter–322octies StGB), welche Gegenstand der vorliegenden Anklage gegen 

alle vier Beschuldigten bilden. Die sachliche Zuständigkeit des Bundesstrafge-

richts ist gegeben, soweit Bundesbeamteneigenschaft bejaht wird bzw. Delikte 

- 18 - 

gegen den Bund verübt wurden. Wie sich nachfolgend ergibt, ist in Bezug auf 

den Beschuldigten A. Bundesbeamteneigenschaft gegeben (E. II). Die sachliche 

Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts ist für alle Beschuldigten zu bejahen. 

1.2 Die gegen die Beschuldigten A., B. und C. zudem erhobenen Vorwürfe des Be-

trugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB (Anklage Ziff. 1.1.8, 1.2.4, 1.3.3) und die 

gegen den Beschuldigten A. überdies erhobenen Vorwürfe des gewerbsmässi-

gen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB (Anklage Ziff. 1.1.2), der Urkun-

denfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB (Anklage Ziff. 1.1.3) – da laut Ankla-

geschrift keine Urkunden des Bundes betroffen sind (Art. 23 Abs. 1 lit. f StPO) – 

und der Geldwäscherei gemäss Art. 305bis StGB (Anklage Ziff. 1.1.4) unterliegen 

grundsätzlich der kantonalen Gerichtsbarkeit (Art. 22 StPO). Bundesgerichtsbar-

keit kann bei diesen Strafbestimmungen allerdings bei Vorliegen der Vorausset-

zungen von Art. 24 Abs. 1 bzw. Abs. 2 StPO bestehen. Ob und inwieweit diese 

Voraussetzungen zutreffen, kann vorliegend offen gelassen werden.  

1.3 Ist in einer Strafsache sowohl Bundesgerichtsbarkeit als auch kantonale Ge-

richtsbarkeit gegeben, so kann die Staatsanwaltschaft des Bundes die Vereini-

gung der Verfahren in der Hand der Bundesbehörden oder der kantonalen Be-

hörden anordnen (Art. 26 Abs. 2 StGB).  

Mit Verfügung vom 13. Mai 2015 vereinigte die Bundesanwaltschaft im Verfahren 

SV.14.0241 gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO die kantonaler Zuständigkeit unter-

liegenden Vorwürfe und die nach E. I.1.1 erhobenen Vorwürfe gegen A. in der 

Hand der Bundesbehörden (SV.14.0241 pag. 02-00-00-0005 ff.). Mit Verfügung 

vom 4. April 2017 vereinigte sie im Verfahren SV.14.0981 gestützt auf Art. 26 

Abs. 2 StPO die kantonaler Zuständigkeit unterliegenden Vorwürfe und die nach 

E. I.1.1 erhobenen Vorwürfe in der Hand der Bundesbehörden (SV.14.0981 pag. 

02-00-00-0001 ff.). Gleichentags vereinigte sie die Verfahren  (Prozessge-

schichte lit. E). Die sachliche Zuständigkeit der Bundesbehörden ist demnach 

auch in diesen Anklagepunkten gegeben. 

1.4 Die Strafverfolgung von Beamten wegen strafbarer Handlungen, die sich auf ihre 

amtliche Tätigkeit oder Stellung beziehen, ausgenommen wegen Widerhandlun-

gen im Strassenverkehr, bedarf grundsätzlich einer Ermächtigung des Eidgenös-

sischen Justiz- und Polizeidepartements (nachfolgend: EJPD) (Art. 15 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes vom 14. März 1958 über die Verantwortlichkeit des Bundes so-

wie seiner Behördenmitglieder und Beamten [Verantwortlichkeitsgesetz, VG; SR 

170.32]). Den Bestimmungen des Verantwortlichkeitsgesetzes unterstehen alle 

Personen, denen die Ausübung eines öffentlichen Amtes des Bundes übertragen 

ist (Art. 1 Abs. 1 VG), namentlich die Beamten und übrigen Arbeitskräfte des 

- 19 - 

Bundes (Art. 1 Abs. 1 lit. e VG) sowie alle anderen Personen, insoweit sie unmit-

telbar mit öffentlichrechtlichen Aufgaben des Bundes betraut sind (Art. 1 Abs. 1 

lit. f VG). Für die Angestellten der SBB AG gilt zwar das Bundespersonalgesetz 

vom 24. März 2000 (BPG; SR 172.220.1) (Art. 2 Abs. 1 lit. d BPG i.V.m. Art. 15 

Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März 1998 über die Schweizerischen Bun-

desbahnen, SBBG; SR 742.31). Sie erfüllen aber den institutionellen Beamten-

begriff nicht, da mit Erlass des SBBG der Betrieb der Bundesbahn aus der Bun-

desverwaltung herausgelöst wurde. Die Verantwortlichkeit der SBB AG und ihrer 

Angestellten richtet sich nach Art. 19 VG. Gemäss Art. 19 Abs. 2 Satz 1 VG fin-

den auf die strafrechtliche Verantwortlichkeit des Personals der mit Aufgaben des 

Bundes betrauten besonderen Organisationen grundsätzlich die Art. 13 ff. und 

damit auch Art. 15 VG (Ermächtigungsvoraussetzung) entsprechend Anwen-

dung. Gemäss Art. 19 Abs. 2 Satz 2 VG (in Kraft seit 1. Januar 2010) gilt dies 

aber nicht für Angestellte und Beauftragte konzessionierter Transportunterneh-

men und damit nicht für die Angestellten der SBB AG (vgl. zum Ganzen auch: 

TPF 2014 150 E. 2.2). Nach dem Gesagten ist bezüglich des Beschuldigten A. 

keine Ermächtigung des EJPD zur Strafverfolgung erforderlich. 

2. Parteistellung der Privatklägerin 

Die SBB AG konstituierte sich im Vorverfahren gegen die Beschuldigten A., B., 

C. und D. als Privatklägerin im Straf- und Zivilpunkt (Prozessgeschichte lit. H). 

Die Parteistellung ist unbestritten und gibt zu keinen Bemerkungen Anlass (Art. 

104 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 115 Abs. 1 und 118 f. StPO).  

3. Anklageprinzip 

3.1 Eine Straftat kann nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft 

gegen eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts 

beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat (Art. 9 Abs. 1 StPO). Die Ankla-

geschrift bezeichnet möglichst kurz, aber genau: die der beschuldigten Person 

vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der 

Tatausführung (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und 

Art. 32 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und 

nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt 

die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunk-

tion). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in 

ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver 

und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das An-

klageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und 

garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion) (BGE 141 

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- 20 - 

IV 132 E. 3.4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_710/2015 vom 

16. Dezember 2015 E. 1.2). Zu beurteilen ist jeweils die konkrete Anklageschrift. 

Solange für die beschuldigte Person klar ist, welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen 

wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass 

es zu keinem Schuldspruch kommen darf; entscheidend ist, dass für die beschul-

digte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr vorgeworfen 

wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_682/2016 vom 12. Oktober 2016 E. 2.1).  

3.2 Der Beschuldigte B. macht eine Verletzung des Anklageprinzips geltend. Er 

bringt vor, die Anklageschrift lege nicht ansatzweise dar, wann welcher Vorteil 

dem Beschuldigten A. in Zusammenhang mit welchem Auftrag der SBB AG un-

rechtmässig zugekommen sei. Ebenso wenig zeige sie auf, wann welche Offerte 

zu welchem Betrag angeblich auf Initiative von A. hin durch B. unrechtmässig 

„nachgebessert“ worden sei. Es werde nicht eine einzige konkrete Offerte ge-

nannt, welche angeblich nach Bekanntgabe des internen Budgets der SBB AG 

durch A. von B. „gelüpft“ worden sei. Aufgrund der fehlenden konkreten Um-

schreibung von einzelnen Lebenssachverhalten sei eine effektive Verteidigung 

bzw. substanzielle Bestreitung einzelner Positionen unmöglich. Diese Verletzung 

des Anklageprinzips werde durch den Umstand verstärkt, dass sich die Anklage-

schrift gesamthaft in über 140 Fussnoten, im Abschnitt den Beschuldigten B. be-

treffend in rund 35 Fussnoten, auf Verfahrensakten beziehe, welche grösstenteils 

ausgesondert worden seien (TPF pag. 98.925.160).  

3.3 Gemäss Anklage soll der Beschuldigte B. dem Beschuldigten A. von Februar 

2004 bis März 2014 nicht gebührende finanzielle Vorteile in Form von Guthaben 

zukommen lassen haben, welches A. in Form von Unterhaltungselektronikarti-

keln für total Fr. 302‘686.74 (Tabelle 10, Anklageschrift S. 33-39), einer Photo-

voltaikanlage im Wert von Fr. 29‘725.70 und Bargeldzahlungen von Fr. 50‘000.-

- für die Leasingfinanzierung eines Fahrzeugs eingelöst und für private Bedürf-

nisse verwendet habe. Als Gegenleistung habe A. im Zusammenhang mit seiner 

Amtsführung bei der SBB während der genannten Zeit massgeblich Auftrags-

vergaben an die L. AG, deren Geschäftsführer und Mehrheitsaktionär B. sei, be-

einflusst. B. habe sich damit des mehrfachen Bestechens schuldig gemacht (An-

klageschrift S. 61-64).  

Die Anklage legt nicht im Einzelnen dar, wann A. welchen finanziellen Vorteil von 

B. erhalten haben soll und zu welcher Offerte der L. AG bzw. zu welcher Auf-

tragsvergabe der SBB der von B. gewährte Vorteil in Beziehung stehen soll. Der 

bei der Bestechung erforderliche Äquivalenzzusammenhang erfordert indes 

nach der Rechtsprechung – jedenfalls bei länger andauernden Geschäftskontak-

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- 21 - 

ten wie im vorliegenden Fall – nicht, dass jeder einzelne Vorteil exakt einer ein-

zelnen Amtshandlung zugeordnet werden können muss, um den Tatbestand zu 

erfüllen (vgl. E. X.1.4). Deshalb hat die Anklageschrift auch nicht eine Darstellung 

zu enthalten, die jeden Vorteil einer bestimmten Amtshandlung zuordnet. Die An-

klage umschreibt im Übrigen die geldwerten Vorteile, die B. A. zunächst in Form 

von Guthaben gewährt und dann in natura übergeben haben soll. Aus der Auflis-

tung in Tabelle 10 ist – für die Unterhaltungselektronikartikel – anhand der Auf-

tragsnummer ersichtlich, mit welchen konkreten Aufträgen bzw. Projekten der 

SBB die gewährten Vorteile angeblich in Beziehung stehen sollen. Damit ist für 

den Beschuldigten B. hinreichend erkennbar, welcher Lebenssachverhalt ihm 

unter dem Anklagepunkt des Bestechens vorgeworfen wird.  

Fussnoten in der Anklageschrift, welche auf Aktenstellen bzw. einzelne Beweis-

akten verweisen, sind nach der Rechtsprechung der Strafkammer zulässig; diese 

dienen nicht zuletzt auch zur Vorbereitung einer effizienten Verteidigung. Soweit 

einzelne Beweise, auf welche sich die Anklagebehörde unter anderem gemäss 

den Fussnoten in der Hauptverhandlung stützen wollte, unverwertbar sind (vgl. 

E. I.4), führt dies nicht zur Ordnungswidrigkeit der Anklage i.S.v. Art. 329 Abs. 1 

lit. a StPO. Ebenso wenig liegt darin eine Verletzung des Anklageprinzips. Soweit 

Beweise für die in der Anklageschrift aufgestellten Behauptungen nicht (mehr) 

vorliegen und auch nicht anderweitig erbracht worden sind, sind die Behauptun-

gen nicht bewiesen. Nach dem Gesagten ist das Anklageprinzip nicht verletzt. 

3.4 Im Übrigen wird auf die Frage der Beachtung das Anklageprinzips, soweit erfor-

derlich, unter den jeweiligen Anklagepunkten näher eingegangen. 

4. Beweisverwertbarkeit  

4.1 Erklärungen, die von den Parteien im Hinblick auf das abgekürzte Verfahren ab-

gegeben worden sind, sind nach der Ablehnung eines Urteils im abgekürzten 

Verfahren in einem folgenden ordentlichen Verfahren nicht verwertbar (Art. 362 

Abs. 4 StPO). Die Strafprozessordnung regelt unter den Allgemeinen Bestim-

mungen zur Beweisverwertbarkeit, dass ein Beweis, den die Strafprozessord-

nung als unverwertbar bezeichnet, in keinem Falle verwertbar ist (Art. 141 Abs. 1 

Satz 2 StPO). Die Aufzeichnungen über unverwertbare Beweise werden aus den 

Strafakten entfernt, bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens unter se-

paratem Verschluss gehalten und danach vernichtet (Art. 141 Abs. 5 StPO).  

Es geht bei der Regelung von Art. 362 Abs. 4 StPO vor allem um Zugeständnisse, 

die seitens der beschuldigten Person, der Staatsanwaltschaft oder der Zivilkläger 

in schriftlichen oder mündlichen Erklärungen während des gesamten abgekürz-

- 22 - 

ten Verfahrens abgegeben wurden. Solche Erklärungen dokumentierende Ak-

tenstücke sind in analoger Anwendung von Art. 141 Abs. 5 StPO aus den Akten 

zu entfernen und bis zum rechtskräftigen Verfahrensabschluss unter separatem 

Verschluss zu halten. Geständnisse der beschuldigten Person, die ausserhalb 

der im Rahmen von Art. 360 ff. StPO geführten Verhandlungen erfolgten, also 

beispielsweise in der vorausgehenden Voruntersuchung, bleiben aber verwert-

bar. Entscheidend ist der Zeitpunkt, in dem die fraglichen Erklärungen abgege-

ben wurden: Sobald die beschuldigte Person nach Art. 358 Abs.1 StPO den An-

trag auf Durchführung des abgekürzten Verfahrens stellt, können die in diesem 

Gesuch und die anschliessend gemachten Erklärungen nicht verwertet werden 

(SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 

3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 362 N. 11 f., 360 N. 15). Laut Botschaft wer-

den die Zugeständnisse der Parteien, die im Zusammenhang mit dem abgekürz-

ten Verfahren abgegeben worden sind, mit der Nicht-Genehmigung (der Ankla-

geschrift [Urteilsvorschlag] durch das Gericht) hinfällig, binden die Parteien also 

nicht mehr und dürfen nicht weiter verwertet werden (Botschaft zur Vereinheitli-

chung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 1085, 1297).  

Die Strafprozessordnung regelt das Schicksal der Erklärungen der Parteien, 

wenn das abgekürzte Verfahren schon in einem früheren Stadium des Verfah-

rens – d.h. vor der Nicht-Genehmigung durch das Gericht – scheitert, nicht. Das 

Bundesgericht hält in BGE 144 IV 189 fest, dass – übereinstimmend mit der 

Lehre – Art. 362 Abs. 4 StPO analog anzuwenden ist (E. 5.2.2 mit Hinweisen). 

Es führt aus, dass dies dem Zweck des abgekürzten Verfahrens entspreche, wel-

ches zum Ziel habe, dass die Staatsanwaltshaft und die Parteien nach dem Füh-

ren von Verhandlungen zu einer Vereinbarung gelangten. Damit sich die Ver-

handlungen möglichst frei gestalteten und die grössten Chancen für einen posi-

tiven Abschluss bestünden, müsse jede Partei darauf zählen können, dass ihre 

Erklärungen, sei das abgekürzte Verfahren einmal im Gange, im Falle eines 

Scheiterns der Verhandlungen, in welchem Stadium des Verfahrens auch immer 

dies eintrete, nicht verwertet werden würden (E. 5.2.2). Das Bundesgericht hält 

weiter fest, dass das Schicksal der unverwertbaren Beweise durch Art. 141 

Abs. 5 StPO geregelt werde, unabhängig vom Grund der Unverwertbarkeit, mit-

hin auch im Falle von Art. 362 Abs. 4 StPO (E. 5.2.3). Allerdings lässt es – da in 

casu eine Verfügung über die Durchführung des abgekürzten Verfahrens vorlag 

(E. 5.3) und die Verhandlungen zwischen den Parteien nach dessen Eröffnung 

erfolgten (E. 5.4.1) – offen, was bei Verhandlungen zu geschehen hat, die vor 

der formellen Eröffnung eines abgekürzten Verfahrens geführt werden (E. 5.4.1). 

- 23 - 

4.2 Die Verfahrensleitung verfügte gestützt auf die zitierte bundesgerichtliche Recht-

sprechung am 24. Mai 2018 in teilweiser Gutheissung von entsprechenden An-

trägen der Verteidigung, dass in Anwendung von Art. 362 Abs. 4 StPO die Ein-

vernahmen des Beschuldigten A. vom 26. August 2014 (erste Einvernahme als 

beschuldigte Person im Verfahren --, pag. 13-01-00-0003 bis -0046) und 19. Mai 

2015 (Schlusseinvernahme im Verfahren --, pag. 13-01-00-0106 bis -0124; 

Schlusseinvernahme im Verfahren --, pag. 13-01-00-0049 bis -0070) aus den 

Verfahrensakten entfernt und separat aufbewahrt werden. Am 29. Mai 2018 ver-

fügte sie in teilweiser Gutheissung weiterer Anträge der Verteidigung, dass in 

Ergänzung der Verfügung vom 24. Mai 2018 sämtliche Aktenstücke, soweit sie 

auf den Einvernahmen des Beschuldigten A. vom 26. August 2014 und 19. Mai 

2015 beruhen, aus den Verfahrensakten entfernt und separat aufbewahrt werden 

bzw. bei Aktenstücken, die nicht insgesamt unverwertbar sind, die betreffenden 

Stellen abgedeckt werden (vgl. Prozessgeschichte lit. O).  

4.3 In der Hauptverhandlung beantragten die Bundesanwaltschaft und die Privatklä-

gerin als Vorfrage, die ausgesonderten Einvernahmen von A. vom 26. August 

2014 und 19. Mai 2015 sowie sämtliche Akten, welche auf diesen ausgesonder-

ten Einvernahmen beruhen, seien in den Verfahrensakten zu belassen.  

Die Verteidiger von B., C. und D. beantragten, alle auf den ausgesonderten Ein-

vernahmen von A. beruhenden Akten, namentlich näher bezeichnete Einvernah-

men der Beschuldigten B., C. und D. sowie Berichte, seien vollumfänglich aus 

den Akten zu entfernen und unter Verschluss zu halten; eventuell habe das Ge-

richt Einsicht in die abgedeckten bzw. geschwärzten Akten zu gewähren; es sei 

ein aktualisiertes Aktenverzeichnis zu erstellen (siehe auch die vor der Hauptver-

handlung nicht entschiedenen prozessualen Anträge der Verteidigung vom 

30./31. Mai 2018; Prozessgeschichte lit. Q).  

4.4 Das Gericht wies in der Hauptverhandlung am 5. Juni 2018 mit mündlich eröff-

netem Beschluss alle prozessualen Anträge ab. Es präzisierte, dass die von der 

Verfahrensleitung mit Verfügung vom 29. Mai 2018 verfügte Abdeckung von nicht 

verwertbaren Aktenstellen nicht eine physische Abdeckung bedeute, sondern de-

ren Nichtbeachtung im Rahmen der Beweiswürdigung (TPF pag. 98.920.7 f.). 

Zur Begründung dieses Beschlusses kann vorab auf die prozessleitenden Verfü-

gungen der Verfahrensleitung vom 24. und 29. Mai 2018 hingewiesen werden 

(TPF pag. 98.280.10 f., 12 ff.). Im Weitern wird dazu das Folgende festgehalten: 

Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft befanden sich die Parteien zu keinem 

Zeitpunkt in einem abgekürzten Verfahren, weder im Verfahren – in dessen Rah-

men vom Verteidiger des Beschuldigten A. am 23. Mai 2014 ein Gesuch um 

- 24 - 

Durchführung des abgekürzten Verfahrens gestellt wurde noch im Verfahren --. 

Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Auf das Gesuch des Verteidigers 

vom 23. Mai 2014 hin stellte die Bundesanwaltschaft am 30. Juni 2014 einen 

Entscheid betreffend Eintritt auf das abgekürzte Verfahren für Herbst 2014 in 

Aussicht, nach Vorliegen eines von der BKP im Hinblick auf das abgekürzte Ver-

fahren zu erstellenden Schlussberichts. Mit Eingabe vom 18. Juli 2015 hielt der 

Verteidiger dafür, dass nach dem inzwischen erfolgten Abschluss der Ermittlun-

gen im Verfahren -- der Genehmigung der Durchführung des abgekürzten Ver-

fahrens nichts mehr im Wege stehe, und machte Ausführungen zum Strafmass 

für die Sachverhaltskomplexe 1 und 2. Erst im August 2017, nach einer erneuten 

Intervention des Verteidigers, bestätigte die Bundesanwaltschaft, dass das Ge-

such um Durchführung des abgekürzten Verfahrens bereits im August 2015 von 

der Verteidigung anlässlich eines Telefongesprächs zurückgezogen wurde (Pro-

zessgeschichte lit. G). Gemäss dem auch im Strafverfahren zu beachtenden 

Grundsatz von Treu und Glauben (vgl. BGE 144 IV 189 E. 5.1) konnte die Aus-

kunft der Bundesanwaltschaft vom 30. Juni 2014 und ihr nachfolgendes Schwei-

gen vom Beschuldigten nur dahingehend verstanden werden, dass er seine Aus-

sagen im Hinblick auf das beantragte abgekürzte Verfahren machte. Unbestritten 

ist zudem, dass Verhandlungen über das Strafmass geführt wurden. Dass ein 

abgekürztes Verfahren formell nie eröffnet worden war, ist nicht entscheidend. 

Der Einwand muss als überspitzter Formalismus verworfen werden. Zudem 

wurde der Antrag mit Eingabe der Verteidigung vom 18. Juli 2015 sinngemäss 

auf das Verfahren -- ausgedehnt; das erwähnte Schreiben konnte von der Bun-

desanwaltschaft nach Treu und Glauben nur in diesem Sinne verstanden wer-

den. Somit gelten die Einvernahmen des Beschuldigten A. vom 26. August 2014  

und 19. Mai 2015 als im Hinblick auf das abgekürzte Verfahren erfolgt. In Folge 

dessen Scheiterns sind diese Aussagen im Sinne von Art. 362 Abs. 4 StPO un-

verwertbar und nach Art. 141 Abs. 5 StPO aus den Akten zu entfernen und se-

parat aufzubewahren. Diese Aktenaussonderung ist in Ausführung der verfah-

rensleitenden Verfügung vom 24. Mai 2018 bereits vor der Hauptverhandlung 

erfolgt; die entfernten Aktenstücke wurden in den Verfahrensordnern mit Platz-

haltern gekennzeichnet.  

Unter der Marginale „Verwertbarkeit rechtswidrig erlangter Beweise“ bestimmt 

Art. 141 StPO in Abs. 4: „Ermöglichte ein Beweis, der nach Absatz 2 nicht ver-

wertet werden darf, die Erhebung eines weiteren Beweises, so ist dieser nicht 

verwertbar, wenn er ohne die vorhergehende Beweiserhebung nicht möglich ge-

wesen wäre.“ Der Gesetzesentwurf des Bundesrats sah in Art. 139 Abs. 4 EStPO 

(heute Art. 141 Abs. 4 StPO) vor: „Ermöglichte ein unverwertbarer Beweis die 

Erhebung eines weiteren Beweises, so ist dieser nicht verwertbar, wenn er ohne 

die vorhergehende unzulässige Beweiserhebung nicht möglich gewesen wäre“ 

- 25 - 

(BBl 2006 1085, 1429). Art. 141 Abs. 2 StPO bestimmt (wie der Gesetzesentwurf 

des Bundesrats in Art. 139 Abs. 2 EStPO; BBl 2006 1085, 1429): „Beweise, die 

Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung von Gültigkeitsvorschrif-

ten erhoben haben, dürfen nicht verwertet werden, es sei denn, ihre Verwertung 

sei zur Abklärung schwerer Straftaten unerlässlich.“ Die Botschaft führt aus, der 

Entwurf wolle, da die bisherigen Strafprozessordnungen die Frage kaum oder 

überhaupt nicht geregelt hätten, nur Grundsätze der Folgen von Verletzungen 

der Beweiserhebungsvorschriften festlegen und der Praxis den notwendigen 

Raum zur Regelung von Einzelheiten belassen (BBl 2006 1085, 1183). Die im 

Entwurf vorgesehene Regelung zur Fernwirkung von Beweisverboten in Art. 139 

Abs. 4 EStPO beruht auf der conditio sine qua non-Regel. Als Beispiel eines ver-

wertbaren Zweitbeweises nennt die Botschaft die Aussage eines Zeugen, der 

gestützt auf eine – wegen fehlender Belehrung – unverwertbare Aussage der 

beschuldigten Person gefunden werden konnte; unverwertbar sei ein Gutachten, 

das auf unverwertbaren Aussagen der beschuldigten Person beruhe (BBl 2006 

1085, 11184). Der Gesetzgeber scheint aufgrund des klaren Wortlauts in Art. 141 

Abs. 4 StPO die Verwertbarkeit von Sekundärbeweisen nur bei relativen Beweis-

verwertungsverboten (Fälle gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO) zulassen zu wollen, 

also nur dann, wenn der erste, ungültige Beweis nicht conditio sine qua non für 

den zweiten Beweis darstellte (vgl. SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., Art. 141 StPO N. 13 

f.). Das Bundesgericht hat die Frage in BGE 138 IV 171 offen gelassen. Die über-

wiegende Lehre nimmt gestützt auf Art. 141 Abs. 4 StPO – a maiore ad minus 

bzw. argumentum a fortiori – auch für absolute Beweisverwertungsverbote eine 

strikte Fernwirkung an (vgl. etwa SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., Art. 141 StPO N. 12; 

DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-

ordnung, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 141 StPO N. 15; GLESS, Basler 

Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 141 StPO N. 90). Demnach ist von einer 

strikten Fernwirkung von absoluten Beweisverwertungsverboten auszugehen.  

In Bestätigung der verfahrensleitenden Verfügung vom 29. Mai 2018 sind somit 

die auf den beiden ausgesonderten Einvernahmen von A. beruhenden Aktenstü-

cke, namentlich Einvernahmen der Mitbeschuldigten B., C. und D. sowie Be-

richte, als unverwertbar zu bezeichnen und grundsätzlich auszusondern. Aller-

dings sind diese Akten nicht vollumfänglich „kontaminiert“: Die genannten Ein-

vernahmen enthalten auch Aussagen, die nicht auf Vorhalte aus nicht verwert-

baren Einvernahmen von A. hin gemacht worden sind. Auch die Berichte beru-

hen nicht ausschliesslich auf nicht verwertbaren Akten. Es kann nicht Sinn und 

Zweck des Fernwirkungsverbots sein, dass ein erhobener Zweitbeweis – unge-

achtet seines Zustandekommens und Inhalts – stets in vollem Umfang unver-

wertbar und als solcher integral aus den Akten zu entfernen ist. Diese von der 

- 26 - 

Verteidigung vertretene Konzeption des Verwertungsverbots beruht auf einer for-

malen Betrachtungsweise eines Beweismittels. Ein Beschuldigter oder ein Zeuge 

kann jedoch zu verschiedenen Aspekten befragt werden. Werden ihm einzelne 

nicht verwertbare Aussagen von Mitbeschuldigten bzw. Zeugen vorgehalten, 

können die weiteren Aussagen – soweit diese nicht auf nicht verwertbaren eige-

nen Aussagen beruhen (vgl. RA Tobler, Vorfragen S. 6 Satz 1; TPF pag. 

98.925.137) – nicht unverwertbar sein. Gleich verhält es sich mit Berichten, wel-

che Beweisergebnisse bzw. Zwischenergebnisse auswerten. Es muss daher ge-

nügen, dass die unverwertbaren Aktenstellen abgedeckt bzw. diese (ohne 

Schwärzung) vom Gericht im Rahmen der Beweiswürdigung bei der Urteilsfin-

dung nicht berücksichtigt werden (vgl. Entscheide des Bundesstrafgerichts 

BB.2018.94, BB.2018.95, BB.2018.96 je vom 4. Juni 2018, je E. 2.4 und 2.5 [vgl. 

Prozessgeschichte lit. P]). In letzterem Sinne ist die prozessleitende Verfügung 

zu präzisieren. Mit gleicher Begründung ist sodann der Eventualantrag, in die 

geschwärzten Akten sei Einsicht zu gewähren und es sei ein neues, auf den ver-

wertbaren Akten beruhendes Aktenverzeichnis zu erstellen, abzuweisen. Das 

Aktenverzeichnis (Art. 100 Abs. 2 StPO) ist im Übrigen kein Beweismittel. 

4.5 Weitere Beweisfragen 

Das Gericht lud in Gutheissung eines Antrags der Verteidigung von B. drei Zeu-

gen – alles Angestellte der SBB AG – auf den 5. Juni 2018 vor; die Vorladungen 

wurden ordnungsgemäss an die Adresse der Privatklägerin zugestellt (vgl. Pro-

zessgeschichte lit. N; TPF pag. 98.861.1 ff., 98.862.1 ff., 98.863.1 ff.). Die drei 

Zeugen erschienen nicht vor Gericht. In der Folge verzichtete die Verteidigung 

auf die Einvernahme dieser Zeugen (TPF pag. 98.920.9 ff., 98.920.12).  

5. Anwendbares Recht 

Die angeklagten Handlungen erstrecken sich von April 2003 bis März 2014 (A.), 

Februar 2004 bis März 2014 (B. und C.) bzw. Oktober 2013 bis März 2014 (D.). 

Die A., B. und C. vorgeworfenen Handlungen liegen teils vor, teils nach dem In-

krafttreten des revidierten Allgemeinen Teils (Erstes Buch) des Strafgesetzbuchs 

am 1. Januar 2007 (Revision vom 13. Dezember 2002; AS 2006 3459). Am 1. 

Januar 2018 traten weitere Änderungen des Sanktionenrechts in Kraft (Revision 

vom 19. Juni 2015; AS 2016 1249). 

Grundsätzlich ist das im Tatzeitpunkt in Kraft gewesene (materielle) Recht anzu-

wenden (Art. 2 Abs. 1 StGB). Das neue Recht ist anzuwenden, wenn es gegen-

über dem im Tatzeitpunkt geltenden Recht das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). 

Im Zusammenhang mit der Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetz-

buchs vom 13. Dezember 2002 beschränkt sich die Frage nach dem milderen 

- 27 - 

Recht im Wesentlichen auf einen Vergleich der konkret ermittelten Sanktionen. 

Wie sich aus der Gesetzessystematik ergibt, können sie sich in Strafart (Art. 34-

41 StGB), Strafvollzugsmodalität (Art. 42-46 StGB) und Strafmass (Art. 47-48a 

StGB) unterscheiden (BGE 134 IV 82 E. 7.1). Von einer Ausnahme abgesehen 

(Art. 294 StGB) wurden die Strafdrohungen der Tatbestände lediglich neu um-

schrieben, ohne dass der damit verbundene Vorwurf erschwert bzw. der Straf-

rahmen erweitert worden wäre (BGE 134 IV 82 E. 5). Grundsätzlich kann gesagt 

werden, dass das am 1. Januar 2007 in Kraft getretene Sanktionenrecht für den 

Täter günstiger ist; hingegen sind die Änderungen des Sanktionenrechts per 

1. Januar 2018 nicht milder (TRECHSEL/PIETH, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schwei-

zerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018 

[nachfolgend bei sämtlichen Autoren: Praxiskommentar], Art. 2 StGB N. 11). 

Wie sich aus den Erwägungen zur konkreten Strafzumessung ergibt, ist das 

neue, seit dem 1. Januar 2007 in Kraft stehende Sanktionenrecht für die Beschul-

digten A., B. und C. günstiger, aber nicht jenes per 1. Januar 2018. Somit ist auf 

das neue, seit dem 1. Januar 2007 geltende Recht anzuwenden. 

6. Verjährung 

Gemäss Art. 97 Abs. 1 StGB in der bis 31. Dezember 2013 geltenden Fassung 

(bis 31. Dezember 2006: Art. 70 Abs. 1 StGB) tritt die Verfolgungsverjährung bei 

Taten, welche mit einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht ist, nach 

15 Jahren ein (lit. b), und wenn die Tat mit einer anderen (bzw. tieferen) Strafe 

bedroht ist, mit sieben Jahren (lit. c). Seit dem 1. Januar 2014 gilt für Taten, die 

mit drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind, eine Verjährungsfrist von zehn Jah-

ren (lit. c) und für die anderen Strafen eine solche von sieben Jahren (lit. d).  

Das Urteilsdatum ist der 15. Juni 2018. Die dem Beschuldigten A. im Sachver-

haltskomplex 1 vorgeworfenen, angeblich von April 2003 bis März 2014 began-

genen Taten der ungetreuen Amtsführung gemäss Art. 314 StGB, des gewerbs-

mässigen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB und der Urkundenfäl-

schung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB drohen mehr als drei Jahre Freiheitsstrafe 

an und verjähren in 15 Jahren. Die einfache Geldwäscherei nach Art. 305bis Ziff. 1 

StGB ist mit drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht und verjährt in sieben Jahren; die 

seit 1. Januar 2014 geltende längere Verjährungsfrist ist nicht milder. Die als un-

getreue Amtsführung, (gewerbsmässiger) Betrug und Urkundenfälschung ange-

klagten Handlungen, soweit sie vor dem 15. Juni 2003 begangen worden sein 

sollen, und die als Geldwäscherei angeklagten Handlungen, soweit sie vor dem 

15. Juni 2011 begangen worden sein sollen, sind verjährt. Das Verfahren gegen 

A. (Sachverhaltskomplex 1) ist insoweit einzustellen (Art. 329 Abs. 4 StPO). 

- 28 - 

Bei den gemäss Sachverhaltskomplex 2 angeblich ab Februar 2004 begangenen 

Handlungen stellt sich die Verjährungsfrage nicht, ausser die angeklagten Beste-

chungshandlungen wären gemäss dem rechtlichen Würdigungsvorbehalt des 

Gerichts gemäss Art. 344 StPO als Vorteilsgewährung bzw. -annahme zu prüfen.  

II. Beamtenstellung Beschuldigter A. 

1. Rechtliches 

1.1 Die Tatbestände der ungetreuen Amtsführung (Art. 314 StGB), der sogenannten 

aktiven und passiven Bestechung (Art. 322ter und Art. 322quater StGB) und der 

Vorteilsgewährung respektive -annahme (Art. 322quinquies und 322sexies StGB) set-

zen das Vorliegen von Beamteneigenschaft voraus. Den Begriff des Beamten 

verwendet das Gesetz mithin zur Umschreibung einer qualifizierten Tätergruppe, 

wobei im Falle der aktiven Bestechung dieses Tatbestandselement geschütztes 

Angriffsobjekt ist und jedermann sich als Täter schuldig machen kann (TRECH-

SEL/VEST, Praxiskommentar, Art. 110 StGB N. 11; TRECHSEL/JEAN-RICHARD, 

Praxiskommentar, vor Art. 322ter StGB N. 3). Bei den Bestechungsdelikten den 

Amtsträgern ausdrücklich gleichgestellt sind Private, die öffentliche Aufgaben er-

füllen (Art. 322octies Ziff. 3 StGB).  

1.2 Als Beamte gelten die Beamten und Angestellten einer öffentlichen Verwaltung 

und der Rechtspflege sowie die Personen, die provisorisch ein Amt bekleiden 

oder provisorisch bei einer öffentlichen Verwaltung oder der Rechtspflege ange-

stellt sind oder vorübergehend amtliche Funktionen ausüben (Art. 110 Abs. 3 

StGB).  

Der strafrechtliche Beamtenbegriff im Sinne dieser Bestimmung erfasst sowohl 

institutionelle als auch funktionelle Beamte. Erstere sind die Beamten im öffent-

lichrechtlichen Sinn (worunter Angestellte der SBB AG nicht fallen; E. I.1.4) sowie 

Angestellte im öffentlichen Dienst. Bei Letzteren ist nicht von Bedeutung, in wel-

cher Rechtsform diese für das Gemeinwesen tätig sind. Das Verhältnis kann öf-

fentlichrechtlich oder privatrechtlich sein. Entscheidend ist vielmehr die Funktion 

der Verrichtungen. Bestehen diese in der Erfüllung öffentlicher Aufgaben, so sind 

die Tätigkeiten amtlich und die sie verrichtenden Personen Beamte im Sinne des 

Strafrechts. Entscheidend ist, dass der funktionale Beamte Staatsaufgaben 

wahrnimmt (BGE 135 IV 198 E. 3.3; 141 IV 329 E. 1.3; Botschaft über die Ände-

rung des Schweizerischen Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes [Re-

vision des Korruptionsstrafrechts] sowie über den Beitritt der Schweiz zum Über-

einkommen über die Bekämpfung der Bestechung ausländischer Amtsträger im 

internationalen Geschäftsverkehr vom 19. April 1999 [nachfolgend: Botschaft 

- 29 - 

Korruptionsstrafrecht], BBl 1999 5497 ff., 5525 Ziff. 212.12; vgl. zum deutschen 

Recht: BERND HEINRICH, Die Entwicklung des Begriffs des Amtsträgers, in: wistra 

2016 S. 471 ff., insbes. S. 472 f.). 

1.3 Mit dem Erlass des SBBG (in Kraft seit 1. Januar 1999) wurde der Betrieb der 

Bundesbahn aus der Bundesverwaltung herausgenommen. Die SBB ist eine 

spezialgesetzliche Aktiengesellschaft (Art. 2 SBBG). Die SBB ist eine mit öffent-

lichrechtlichen Aufgaben des Bundes betraute Organisation. Sie erbringt als 

Kernaufgabe Dienstleistungen im öffentlichen Verkehr, namentlich in der Bereit-

stellung der Infrastruktur, im Personenfernverkehr, im regionalen Personenver-

kehr und im Güterverkehr sowie in den damit zusammenhängenden Bereichen 

(Art. 3 Abs. 1 SBBG). Die SBB ist als Konzern mit Stammhaus und organisato-

risch getrennten – aber nicht rechtlich verselbständigten – Divisionen (Infrastruk-

tur, Personenverkehr und Immobilien) strukturiert. In eine Tochtergesellschaft 

ausgelagert ist der Güterverkehrsbereich SBB Cargo (vgl. KERN/KÖNIG, in: Biag-

gini/Häner/Saxer/Schott [Hrsg.], Fachhandbuch Verwaltungsrecht, Zürich/Ba-

sel/Genf 2015, N. 9.17). Als eine Kernaufgabe wird im Gesetz die Bereitstellung 

der Infrastruktur genannt. Damit geht auch der ordentliche Unterhalt der Infra-

struktur und das Funktionieren des Bahnverkehrs einher. Um diese Aufgabe zu 

erfüllen, erwirbt die SBB AG bei Privaten gegen Entgelt Güter oder Dienstleis-

tungen, die sie zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben benötigt (HÄNNI/STÖCKLI, 

Schweizerisches Wirtschaftsverwaltungsrecht, Bern 2013, N. 704, 706). Dies ge-

schieht im Rahmen von spezialgesetzlich geregelten Beschaffungsverfahren. 

Das öffentliche Vergabewesen ist bis ins Detail Gegenstand eines ausgeklügel-

ten Regelungssystems, das der Rechtsgleichheit unter Bewerbern und auch dem 

Schutz des staatlichen Budgets dient. Die Vergabe von öffentlichen Aufträgen ist 

zweifelsfrei Staatstätigkeit (Botschaft Korruptionsstrafrecht, S. 5526 Ziff. 212.13).  

Unerheblich ist die Rechtsform der Organisation, die öffentliche Aufgaben wahr-

nimmt. Der Einwand der Verteidigung, die SBB sei mit der Bahnreform seit 1999 

aus der Bundesverwaltung herausgelöst, sie sei eine privatwirtschaftliche Akti-

engesellschaft und damit ein Unternehmen der Privatwirtschaft und positioniere 

sich überdies auch juristisch als solche (RA Tobler, Plädoyer S. 15 f., RA Bi-

schoff, Plädoyer S. 7; TPF pag. 98.925.172 f. bzw. 98.925.635), geht daher fehl. 

Dass ein Eisenbahnunternehmen den Bereich Infrastruktur organisatorisch von 

den übrigen Unternehmensbereichen trennen und verselbständigen muss 

(Art. 64 Abs. 1 Eisenbahngesetz, EBG; SR 742.101) und dieser Bereich nicht 

einem Monopol des Bundes unterliegen soll, ändert – entgegen der Auffassung 

der Verteidigung (RA Tobler, Plädoyer S. 16, RA Schobloch, Plädoyer S. 4; TPF 

pag. 98.925.173 bzw. 98.925.551) – an der Öffentlichkeit der Aufgabe nichts. 

- 30 - 

Nach Art. 1 Abs. 2 EBG umfasst die Eisenbahn die Infrastruktur, auf der konzes-

sionspflichtige Personenbeförderung betrieben wird oder die für den Netzzugang 

geöffnet ist, sowie den darauf durchgeführten Verkehr. Nicht nur für die Perso-

nenbeförderung ist eine Konzession erforderlich (Art. 6 Abs. 1 Personenbeförde-

rungsgesetz, PBG; SR 745.1). Auch wer – als Infrastrukturbetreiber (Art. 2 lit. a 

EBG) – eine Eisenbahninfrastruktur bauen und betreiben will, benötigt eine Kon-

zession (Art. 5 Abs. 1 EBG). Der Bundesrat erteilt diese u.a., wenn ein öffentli-

ches Interesse am Bau und Betrieb der Infrastruktur besteht (Art. 6 Abs. 1 lit. a 

EBG) (zur Konzession vgl. KERN/KÖNIG, a.a.O., N. 9.71 f.). Nicht stichhaltig ist 

der Einwand der Verteidigung, Installation und Unterhalt von Niederspannungs-

anlagen betreffe nicht den Personenverkehr und sei damit nicht eine öffentliche 

Aufgabe des Bundes (TPF pag. 98.925.173 bzw. 98.925.551; vgl. dazu E. II.1.4).  

1.4 Öffentliches Beschaffungsrecht des Bundes 

1.4.1 Das Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen vom 15. Ap-

ril 1994 (GATT/WTO-Übereinkommen [Government Procurement Agreement, 

GPA]; SR 0.632.231.422), für die Schweiz in Kraft seit dem 1. Januar 1996, findet 

Anwendung auf alle Gesetze, Vorschriften, Verfahren und Praktiken betreffend 

die öffentlichen Beschaffungen durch Stellen, die gemäss Anhang I dem Über-

einkommen unterliegen (Art. I Ziff. 1 GPA). Das Bundesgesetz über das öffentli-

che Beschaffungswesen vom 16. Dezember 1994 (BöB; SR 172.056.1) dient, 

zusammen mit der Verordnung des Bundesrates über das öffentliche Beschaf-

fungswesen vom 11. Dezember 1995 (VöB; SR 172.056.11) und weiteren Ver-

ordnungen, der Umsetzung des GATT/WTO-Übereinkommens. BöB und VöB 

traten am 1. Januar 1996 in Kraft (vgl. HÄNNI/STÖCKLI, a.a.O., N. 713 ff., 784; 

zu den Zielsetzungen von GPA und BöB vgl. auch TPF 2016 10 E. 2.8.1a). Das 

BöB will u.a. das Verfahren zur Vergabe von öffentlichen Liefer-, Dienstleistungs- 

und Bauaufträgen regeln und transparent gestalten (Art. 1 Abs. 1 lit. a BöB). Die 

VöB regelt u.a. die Vergabe öffentlicher Aufträge nach dem Gesetz (Art. 1 lit. a 

VöB) und die übrigen Beschaffungen des Bundes (Art. 1 lit. b VöB).  

Das Abkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und der Schweizeri-

schen Eidgenossenschaft über bestimmte Aspekte des öffentlichen Beschaf-

fungswesen vom 21. Juni 1999 (nachfolgend: BilatAbk; SR 0.172.052.68), in 

Kraft getreten am 1. Juni 2002, hat u.a. die Sicherstellung eines gegenseitigen, 

transparenten und nichtdiskriminierenden Zugangs zu den bisher im Rahmen 

des GPA nicht erfassten öffentlichen Beschaffungsmärkten Telekommunikation, 

Schienenverkehr sowie Energieversorgung zum Ziel (Art. 3 Ziff. 1 BilatAbk; 

GALLI/MOSER/LANG/STEINER, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 

- 31 - 

3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, N. 10). Seit dem Inkrafttreten des BilatAbk un-

terstehen die Beschaffungen im Sektorenbereich Eisenbahnen auf Bundesebene 

dem BöB. Vom Gesetz umfasst werden dabei der Bau und Betrieb von Eisen-

bahnanlagen durch die SBB (GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., N. 29, 151 f.).  

Dem Gesetz (BöB) untersteht als Auftraggeberin namentlich die allgemeine Bun-

desverwaltung (Art. 2 Abs. 1 lit. a BöB). Die Verordnung (VöB) gilt für die dem 

Gesetz unterstellten Auftraggeberinnen (Art. 2 Abs. 1 VöB). Der Bundesrat be-

zeichnet die öffentlichrechtlichen und die privatrechtlichen Organisationen, die in 

der Schweiz Tätigkeiten u.a. im Bereich der Verkehrsversorgung ausüben und 

für diese Tätigkeiten nach dem GATT-Übereinkommen und andern völkerrecht-

lichen Verträgen auch unter dieses Gesetz fallen (Art. 2 Abs. 2 BöB). Die Verord-

nung bestimmt in Art. 2a Abs. 1, dass folgende Auftraggeberinnen für bestimmte 

Tätigkeiten und wenn gewisse Schwellenwerte überschritten sind, dem Gesetz 

im Sinne seines Art. 2 Abs. 2 unterstellt sind: a. öffentlichrechtliche oder privat-

rechtliche Organisationen, die unter dem beherrschenden Einfluss des Bundes 

stehen, insbesondere, wenn der Bund die Kapital- oder Aktienmehrheit besitzt 

oder wenn er über die Hälfte der Mitglieder der Geschäftsleitung oder des Kon-

trollorgans stellt; b. die privatrechtlichen Organisationen, die im ganzen Inland 

eine gemeinwirtschaftliche Leistung erbringen und besondere oder ausschliess-

liche Rechte besitzen, die ihnen von einer Behörde erteilt wurden. Sie bezeichnet 

als Tätigkeiten im Sinne von Abs. 1 namentlich den Bau und den Betrieb von 

Eisenbahnanlagen durch die SBB; ausgenommen sind Tätigkeiten, die nicht un-

mittelbar etwas mit dem Bereich Verkehr zu tun haben (Art. 2a Abs. 2 lit. b VöB). 

Die Ausnahme gilt beispielsweise für Finanzbeteiligungen der SBB und Beteili-

gungen an anderen Unternehmen, die nicht unmittelbar im Verkehrsbereich tätig 

sind. Es muss für jede Beschaffung im Einzelfall geprüft werden, ob sie unmittel-

bar etwas mit dem Bereich Verkehr zu tun hat. Der Begrifft „unmittelbar“ ist nicht 

zu eng, sondern im Lichte des übergeordneten Staatsvertragsrechts auszulegen. 

Daher genügt es, wenn die Leistungen dem Bahnbetrieb funktionell dienen. Das 

trifft beispielsweise zu auf die Beschaffung von Büromöbeln für ein Verwaltungs-

gebäude der SBB, nach der Rechtsprechung etwa auch auf die Bearbeitung der 

Sicherheitsstreifen entlang der Bahnstrecken, die Erweiterung einer Service-An-

lage, die primär der Wartung von Zügen des Personenfernverkehrs dient, das 

Erstellen von Lärmschutzwänden entlang der SBB-Geleise, die Lieferung von 

Billettautomaten (GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., N. 158 mit Hinweisen). 

Auch die Installation und der Unterhalt von Niederspannungsanlagen dient funk-

tionell dem Bahnbetrieb und unterliegt demzufolge dem GPA bzw. dem BöB. 

Wenn unter den Auftraggeberinnen im Sinne von Art. 2a VöB Wettbewerb 

herrscht, befreit das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie 

- 32 - 

und Kommunikation (nachfolgend: UVEK) den Tätigkeitsbereich ganz oder teil-

weise von der Unterstellung unter das öffentliche Beschaffungsrecht (Art. 2b 

Abs. 1 VöB). Diese sogenannte „Ausklinkung“ ist u.a. für den Bereich Schienen-

verkehr auf dem Gebiet der Schweizerischen Eidgenossenschaft für den Teilbe-

reich des Güterverkehrs auf Normalspur erfolgt (Verordnung des UVEK über die 

Nichtunterstellung unter das öffentliche Beschaffungsrecht vom 18. Juli 2002, 

Anhang; SR 172.056.111; vgl. TRÜEB, in: Biaggini/Häner/Saxer/Schott [Hrsg.], 

Fachhandbuch Verwaltungsrecht, Zürich/Basel/Genf 2015, N. 25.36 f.).  

Die Verordnung regelt in Art. 2a Abs. 3 VöB die massgeblichen Schwellenwerte 

für Auftraggeberinnen, die – wie die SBB – für bestimmte Tätigkeiten dem Gesetz 

(Art. 2 Abs. 2 BöB) und insoweit der Pflicht zur öffentlichen Ausschreibung unter-

liegen. Dieser Wert beträgt für den Bau und Betrieb von Eisenbahnanlagen 

Fr. 640‘000 für Liefer- und Dienstleistungsaufträge und Fr. 8 Mio. für Bauwerke 

(Art. 2a Abs. 3 lit. b und d VöB; Fassung vom 30. November 2001, in Kraft seit 

1. Juni 2002). Diese Werte werden vom SECO angepasst (Art. 2a Abs. 4 VöB). 

Die SBB regelten ihrerseits Ausführungsbestimmungen zum BöB und zur VöB 

pag. 07-01-01-0187 ff. [Fassung vom 10. Dezember 2001, gültig ab 1. April 

2002], pag. 07-01-01-0080 ff. [Fassung 2011, gültig ab 1. April 2011]).  

1.4.2 Für die übrigen – dem Gesetz nicht unterstehenden – Beschaffungen unterliegen 

die SBB den Beschaffungsvorschriften der Verordnung (Art. 32 lit. b VöB in der 

Fassung vom 1. Dezember 1997, in Kraft ab 1. Januar 1998, bzw. Art. 32 lit. c 

VöB in der Fassung vom 18. November 2009, in Kraft seit 1. Januar 2010). 

Art. 34 Abs. 1 VöB bestimmt, dass die Vergabe eines nicht unter das BöB fallen-

den Auftrags im offenen, selektiven oder unter bestimmten Voraussetzungen im 

Einladungsverfahren oder im freihändigen Verfahren erfolgt. Grundsätzlich müs-

sen die Beschaffungen im Einladungsverfahren erfolgen (HÄNNI/STÖCKLI, a.a.O., 

N. 791), sofern nicht ein höherstufiges Verfahren (offenes oder selektives Ver-

fahren mit öffentlicher Ausschreibung gemäss Art. 13 ff. BöB) gewählt wird. Für 

die Vergaben im offenen oder selektiven Verfahren gelten die Bestimmungen des 

BöB und Art. 9–30 VöB, ausgenommen Art. 16 Abs. 7 VöB (Art. 34 Abs. 2 VöB).  

Im Einladungsverfahren bestimmt die Auftraggeberin, welche Anbieter sie ohne 

Ausschreibung direkt zur Angebotsabgabe einladen will (Art. 35 Abs. 1 VöB). Sie 

muss wenn möglich mindestens drei Angebote einholen (Art. 35 Abs. 2 VöB). 

Das Einladungsverfahren unterscheidet sich vom freihändigen Verfahren darin, 

dass das Gemeinwesen verpflichtet ist, eine Mindestzahl von Offerten – gemäss 

Art. 35 Abs. 2 VöB deren drei – einzuholen (HÄNNI/STÖCKLI, a.a.O., N. 751; Ent-

scheid des Bundesstrafgerichts SK.2015.12 vom 15. September 2015 E. 3.6.1).  

- 33 - 

Das freihändige Verfahren richtet sich nach Art. 13 Abs. 1 VöB (Art. 36 Abs. 1 

VöB). Darin sind die Kategorien aufgelistet, in denen eine freihändige Vergabe 

zulässig ist. Da es sich um Ausnahmen handelt, sind die Tatbestände, unter de-

nen eine freihändige Beschaffung zulässig ist, restriktiv auszulegen (GALLI/MO-

SER/LANG/STEINER, a.a.O., N. 291).  

Das freihändige Verfahren kann zudem bei Bauaufträgen unter Fr. 100‘000.-- und 

bei Liefer- und Dienstleistungsaufträgen unter Fr. 50'000.-- angewandt werden 

(Art. 36 Abs. 2 lit. b und c VöB [bis 31. Dezember 2009 geltende Fassung]). Seit 

1. Januar 2010 beträgt dieser Wert Fr. 150‘000.-- für Bau- oder Dienstleistungs-

aufträge, während er für Lieferaufträge weiterhin Fr. 50‘000.-- beträgt (Art. 36 

Abs. 2 lit. b und c VöB [Fassung vom 18. November 2009; AS 2009 6149]).  

Laut dem Regelwerk der SBB gelten diese Schwellenwerte auch bei Beschaffun-

gen der SBB, indes mit folgender Ergänzung: „Die SBB befürworten auch unter 

diesen Schwellenwerten die Herstellung einer Wettbewerbssituation“ (Ziff. 4.3 

der Ausführungsbestimmungen 2001 bzw. Ziff. 4.5 der Ausführungsbestimmun-

gen 2011; -- pag. 07-01-01-0189 bzw. -0082). Nach der Fassung 2001 war eine 

freihändige Vergabe in diesem Bereich kurz im Dossier zu begründen. 

Das freihändige Verfahren ist das einzige Verfahren, in dem die öffentliche Hand 

nur einen einzigen Anbieter von der Beschaffung in Kenntnis setzen und diesem 

direkt den Auftrag zusprechen darf. Die Vergabestelle entscheidet im Rahmen 

des pflichtgemässen Ermessens grundsätzlich frei, welche Unternehmen zur Ab-

gabe eines Angebots aufgefordert werden und mit welchem Unternehmen der 

Vertrag abgeschlossen wird (HÄNNI/STÖCKLI, a.a.O., N. 750). Wer sich im Ver-

waltungsverfahren auf das Vorliegen eines Ausnahmetatbestands für eine frei-

händige Vergabe beruft, hat nachzuweisen, dass alle Voraussetzungen dafür er-

füllt sind. Die Beweislast für das Vorliegen der die Ausnahme begründenden Tat-

sachen liegt bei der Vergabestelle (GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., N. 301).  

Für die übrigen Beschaffungen nach dem 3. Kapitel der VöB, die im Einladungs- 

oder freihändigen Verfahren vergeben werden können, bestimmt Art. 37 VöB 

(Zuschlagskriterien), dass das wirtschaftlich günstigste Angebot den Zuschlag 

erhält. Dieses wird ermittelt, indem verschiedene Kriterien berücksichtigt werden, 

insbesondere Termin, Qualität, Preis, Wirtschaftlichkeit, Betriebskosten, Kunden-

dienst, Zweckmässigkeit der Leistung, Ästhetik, Umweltverträglichkeit, techni-

scher Wert (Art. 21 Abs. 1 BöB i.V.m. Art. 37 VöB). Anders als im offenen oder 

selektiven Verfahren nach dem Gesetz sind die Zuschlagskriterien nicht bekannt 

zu geben, da Art. 37 VöB nicht ausdrücklich auf Art. 21 Abs. 2 BöB verweist. 

- 34 - 

1.4.3 Es steht fest, dass die SBB dem GPA bzw. dem BöB und der VöB untersteht. 

Unbestritten ist, dass die hier in Frage stehenden Dienstleistungen unter das 

GPA bzw. BöB fallen, sofern der entsprechende Schwellenwert erreicht ist, an-

sonsten unter die Regeln der VöB. Im Übrigen erliess die SBB, wie erwähnt, Aus-

führungsbestimmungen bzw. ein Regelwerk zum BöB sowie zur VöB (E. II.1.4.1). 

2. Anklagevorwurf  

2.1 Gemäss Anklage sei der Beschuldigte A. in der anklagerelevanten Zeit bei der 

SBB als Projektleiter im Bereich von elektrotechnischen Niederspannungsleitun-

gen im Planning Team Elektroanlagen in der Organisationseinheit Telekom Bau 

und Instandhaltung, Region Ost, Division Infrastruktur, tätig gewesen. Aufgrund 

seiner Funktion innerhalb der SBB habe er bei der Auftragsvergabe mass-ge-

benden Einfluss nehmen können. Wenn A. beschlossen habe, dass Bedarf für 

eine Vergabe bestehe, habe er eine Offertanfrage an ein Unternehmen seiner 

Wahl gerichtet und die eingegangene Offerte kontrolliert. Zur Kompetenz von A. 

habe die Prüfung und Genehmigung der diesbezüglichen Rechnungen bzw. der 

Leistungserbringung gehört, wobei die Freigabe der Zahlung durch das Zweitvi-

sum des direkten Vorgesetzten (ab Januar 2007 M. erfolgt sei (Anklageschrift S. 

4; Sachverhaltskomplex 1).  

2.2 Sinngemäss Gleiches wird zu Stellung und Aufgabe von A. bei Auftragsvergaben 

betreffend den Sachverhaltskomplex 2 vorgebracht. Es wird ausgeführt, die L. 

AG habe der SBB überhöhte Offerten und überhöhte Rechnungen eingereicht, 

die A. zuerst zum Schein selbst geprüft habe. Die Genehmigung der überhöhten 

Offerten, wodurch die Bestellungen ausgelöst worden seien, hätten anfangs ver-

schiedene Mitarbeiter von A. erteilt. Ab 2012 sei die Genehmigung durch M., den 

direkten Vorgesetzten, erteilt worden. Der direkte Vorgesetzte (ab Januar 2007 

M.) habe die (überhöhte) Rechnung genehmigt, mit welcher die Zahlung frei ge-

geben worden sei (Anklageschrift S. 30). 

3. Rechtliche Würdigung  

3.1 A. hatte gemäss den zwischen ihm und der SBB abgeschlossenen Arbeitsverträ-

gen folgende Funktionen: Bereichsleiter (-- pag. B1-07-01-0076), technischer 

Fachspezialist, Gruppenleiter Technische Assistenten BET (pag. B1-07-01-01-

0073), technischer Fachspezialist, EA-Ingenieur/Projektleiter (pag. B1-07-01-01-

0070), Projektleiter, Projektleiter II (pag. B1-07-01-01-0062).  

3.2 M. erklärte im Vorverfahren als Auskunftsperson, er sei seit Januar 2007 direkter 

Vorgesetzter von A. gewesen. A. sei als Projektleiter und fachkundiger Leiter für 

das Elektroteam Z.  angestellt. Er sei in der fachlichen Führung; er führe keine 

- 35 - 

Leute. Seine Zuständigkeiten ergäben sich aus dem Stellenbeschrieb. Er sei ge-

mäss Geschäftszeichnungsordnung (GZO) zeichnungsberechtigt. In Bezug auf 

die hier interessierenden Aufträge habe A. als Erster unterschrieben; weiter brau-

che es die Unterschrift des direkten Vorgesetzten, also von ihm (M.). Bei Pla-

nungsarbeiten in kleinerem, nicht nationalem Rahmen verlaufe die Vergabe ver-

einfacht. In diesem Bereich gebe es keinen Vorvertrag mit der SBB. A. habe sel-

ber auf diese Firmen zugehen und die entsprechenden Offerten einholen können 

(-- pag. 12-01-00-0009, -0010, -0013). 

3.3 A. sagte im Vorverfahren aus, er habe am 2. November 1987 bei der SBB ange-

fangen. Er sei in verschiedenen Funktionen tätig gewesen, immer im Bereich 

Elektroanlagen, schwerpunktmässig in Niederspannungsanlagen. Als Projektlei-

ter sei er dort seit 1987 tätig. Er sei immer dabei, wenn es um Sanierungen und 

Neubauten von Elektroanlagen gehe -- pag. 13-01-00-0010). Seine genaue 

Funktion sei Projektleiter von elektrotechnischen Niederspannungsanlagen so-

wie Fachkundiger Leiter für den Perimeter Z. (-- pag. 13-01-00-0006). Zum Be-

schaffungswesen führte A. aus, es sei klar, dass bei einer Vergabe eines Auf-

trags drei Offerten eingeholt werden müssten. Bis zu Fr. 100‘000.-- könne er frei-

händig vergeben, aber generell müsse man auch bei kleineren Beträgen drei Of-

ferten einholen. Aus zeitlichen Gründen habe er viele Aufträge freihändig verge-

ben müssen, vor allem, wenn von der SBB das Geld für ein Projekt nicht schon 

im Frühjahr, sondern erst im Sommer gesprochen werde. Vor einer Bestellung 

müsse er jeweils eine Maske ausfüllen und begründen, warum er eine Arbeit frei-

händig vergebe (-- pag. 13-01-00-0003 f.).  

In der Hauptverhandlung erklärte A., die Bestellungen hätten in der Regel im Ein-

ladungsverfahren durchgeführt werden können, doch habe es immer einen ge-

wissen Termindruck gegeben. Die Schwellenwerte für Vergaben gemäss den 

Richtlinien der SBB habe man mit dieser Begründung quasi umgehen können 

(TPF pag. 98.930.4, 98.930.12). Er habe jeweils eine Firma angefragt und mit 

der Offerte eine Bestellung ausgelöst. Er habe aber nicht eigenhändig unter-

zeichnen können, sondern es sei eine Zweitunterschrift erforderlich gewesen – 

am Anfang jene eines Mitarbeiters, später gemäss einer Weisung der SBB jene 

des Vorgesetzten; das sei immer M. gewesen. Er habe sich immer daran gehal-

ten. Er habe dem Mitarbeiter bzw. dem Vorgesetzten den Sachverhalt und das 

Arbeitsvolumen erklärt. M. sei immer einverstanden gewesen und habe immer 

unterzeichnet. Zum Preis habe M. nie etwas gesagt (TPF pag. 98.930.4). Der 

Beschuldigte erklärte, er habe mit verschiedenen Elektrounternehmen zu tun ge-

habt und freihändige Vergaben immer speditiv erledigt. Bei kleinen Arbeiten für 

Fr. 2‘000.-- wäre das Einholen von drei Offerten administrativ zu aufwändig ge-

wesen. Man habe geschaut, dass man nicht immer zum gleichen Elektriker gehe, 

- 36 - 

so habe man diese Aufträge freihändig vergeben können (TPF pag. 98.930.10). 

Er habe die Baustellen besichtigt, Offerten eingeholt, diese geprüft, mit dem Kos-

tenvoranschlag verglichen und geschaut, dass die Offerte nicht höher war als der 

Kostenvoranschlag. Dann habe er eine Bestellung ausgelöst und sie mit einer 

Doppelunterschrift versehen lassen (TPF pag. 98.930.18). Ausschreibungen 

seien bei ihm nicht oft vorgekommen. Wenn es solche gegeben haben, dann 

habe man einen Ausschreibungsentwurf erstellen und mit der Finanzabteilung 

schauen müssen, ob formell alles richtig dargestellt sei; dann habe man die Aus-

schreibung starten können. Auf 100 Aufträge hätten 5 mit einer Ausschreibung 

erfolgen müssen; vielleicht 95 habe er freihändig oder im Einladungsverfahren 

abgeschlossen (TPF pag. 98.930.18). Es habe bei der SBB Schwellenwerte ge-

geben. Es habe Richtlinien mit Fr. 50‘000.-- bzw. Fr. 100‘000.-- gegeben. Er habe 

sich immer im Bundesbeschaffungsrecht darüber orientiert, wo die Schwellen-

werte liegen würden, und sich immer strikte daran gehalten. Aufträge bis Fr. 

50‘000.-- habe er im Einladungsverfahren erledigen können, aber wenn es ter-

minlich sehr geeilt habe, habe man auch nur eine statt drei Offerten einholen 

können; das sei vom Chef immer bewilligt worden. Er habe sich immer innerhalb 

dieser Limite von Fr. 50‘000.-- befunden. Wenn es darüber gewesen wäre, über 

Fr. 50‘000.-- oder Fr. 100‘000.--, dann hätte man es nicht mehr nur mit einer Of-

ferte machen können; dann habe man ein Ausschreibungsverfahren machen und 

mindestens drei bis vier Firmen anfragen müssen. Die Richtlinien dazu seien vor-

gegeben gewesen (TPF pag. 98.930.10 f.). Es seien aber auch Aufträge mit ho-

hen Beträgen, beispielsweise der Umbau von zwei Bahnhöfen für Fr. 300‘000.--

, wegen Zeitdrucks nicht im Einladungsverfahren gemacht worden. Er habe sehr 

hohe Schwellenwerte direkt bzw. freihändig vergeben müssen; eine Alternative 

habe es nicht gegeben. Das sei erforderlich gewesen, weil die Freigabe der Fi-

nanzierung oft erst im Spätsommer erfolgt sei und das Budget noch im selben 

Jahr habe aufgebraucht werden müssen (TPF pag. 98.930.12 f.).  

3.4 Aus dem Ausgeführten ergibt sich, dass die bei der SBB im Bereich Bau und 

Unterhalt der Bahninfrastruktur tätigen Angestellten, welche wie der Beschuldigte 

die Kompetenz haben, bei Privaten gegen Entgelt Leistungen zu erwerben, im 

Strafrecht den funktionellen Beamtenbegriff erfüllen (BGE 135 IV 198 E. 3.3). 

Bezüglich Art. 314 und 321ter ff. StGB gilt der Beschuldigte A. als Beamter. Im 

Übrigen bestreitet die Verteidigung des Beschuldigten A. nicht, dass die Erstel-

lung der Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs eine öffentliche Aufgabe sei; es 

könne deshalb nicht bestritten werden, dass der Beschuldigte in diesem Sinne 

ein Beamter gewesen sei (RA Kunz, Plädoyer S. 9; TPF pag. 98.925.114). 

- 37 - 

3.5 In subjektiver Hinsicht steht fest, dass A. wusste, dass er in seiner Funktion die 

Kompetenz hatte, Aufträge an externe Firmen zu erteilen, beinhaltend das Ein-

holen von Offerten, deren Prüfung und die Entscheidung betreffend die Vergabe. 

Er wusste, dass die SBB die Regeln des öffentlichen Beschaffungsrechts zu be-

folgen hatte, und dass dazu interne Ausführungsbestimmungen bestanden. Im 

Übrigen wurde er mit Urkunde vom 15. Oktober 1990 als technischer Beamter 

zum Beamten gewählt (-- pag. B1-07-01-01-0171) und mit Datum vom 4. Oktober 

1995 zum technischen Beamten (21.) ernannt (-- pag. B1-07-01-01-0164). In der 

Hauptverhandlung führte der Beschuldigte aus, als nach zehn Jahren seiner Tä-

tigkeit der Beamtenstatus aufgehoben worden sei, sei er „noch ein normaler Mit-

arbeiter der SBB“ gewesen (TPF pag. 98.930.10).  

In der ganzen Zeit, während welcher der Beschuldigte bei der SBB tätig war, 

hatte er praktisch die gleichen Aufgaben; lediglich die Kompetenzen nahmen zu; 

so wurde er Bereichsleiter, Projektleiter etc. Selbst nachdem der Betrieb der Bun-

desbahn aus der Bundesverwaltung herausgenommen wurde, blieb die Kernauf-

gabe dieselbe, nämlich das Erbringen bzw. Beschaffen von Dienstleistungen im 

öffentlichen Verkehr, namentlich die Bereitstellung der Infrastruktur im Personen-

fernverkehr, im regionalen Personenverkehr und im Güterverkehr sowie in damit 

zusammenhängenden Bereichen. Der Beschuldigte war sich bewusst, dass er 

bei der Vergabe von Dienstleistungsaufträgen und damit zusammenhängenden 

Handlungen für die SBB eine öffentliche Aufgabe wahrnahm. Daran ändert 

nichts, dass er die Arbeitseinstellung hatte, nicht wie ein Beamter tätig sein zu 

wollen, sondern privatwirtschaftlich denkend zu handeln (TPF pag. 98.930.10).  

An diesem Beweisergebnis vermöchte die Einvernahme der von der Verteidi-

gung von B. erneut beantragten Zeugin N. nichts zu ändern. N. ist bei der SBB 

erst seit 2014 im Bereich Recht & Compliance tätig; dass sie aus ihrer früheren 

Funktion sachdienliche Angaben machen könnte, wird nicht behauptet und ergibt 

sich auch nicht aus den Ausführungen der Privatklägerin. Es kann ausgeschlos-

sen werden, dass ihre Aussage das Wissen des Beschuldigten A. um seine 

Wahrnehmung von öffentlichen Aufgaben bei der SBB in einem wesentlich an-

deren Lichte erscheinen lassen könnte.  

Demnach ist in subjektiver Hinsicht die Beamtenstellung von A. zu bejahen. 

4. Wissen der Mitbeschuldigten um die Beamtenstellung von A. 

4.1 Beschuldigte B. und C. 

Die L. AG, deren Organe bzw. Vertreter die Beschuldigten B. und C. sind, erhielt 

während Jahren – seit Eintritt von B. und C. im Jahr 2002, aber auch schon zuvor 

- 38 - 

(E. X.3.1.2, X.3.1.3) – Aufträge der SBB. Wie die Verteidigung vorbrachte, ist die 

SBB weiterhin Kundin dieser Firma (RA Tobler, Plädoyer S. 29 und 32, TPF pag. 

98.925.186, 189; RA Schobloch, Plädoyer S. 33, Beilagen 10 und 11, TPF pag. 

98.925.580). Die Beschuldigten B. und C. wussten somit um die Funktion von A. 

bei der SBB, dass dieser Offerten einholen konnte, diese zu prüfen hatte und 

danach Aufträge vergeben konnte. Sie wussten, dass A. unterschriftsberechtigt 

war und für die SBB Aufträge an die L. AG vergab. A. erklärte in der Hauptver-

handlung, es sei mit den Vertretern der L. AG abgesprochen gewesen, die ur-

sprünglich von der L. AG kalkulierte Offerte anhand der Budgetvorgaben der SBB 

immer etwas zu erhöhen (TPF pag. 98.930.11). Aufgrund der jahrelangen Ge-

schäftstätigkeit der L. AG mit der SBB ist das Wissen von B. und C., dass es sich 

beim Bau und Unterhalt von Eisenbahnanlagen um eine öffentliche Aufgabe han-

delt, ohne weiteres zu bejahen. B. und C. wussten mithin, dass A. im Rahmen 

der Vergaben an die L. AG eine öffentliche Aufgabe wahrnahm und als Beamter 

gilt.  

4.2 Beschuldigter D. 

Ob auch D. um die Beamtenstellung A.s wusste, wird hinten geprüft. 

A. Sachverhaltskomplex 1 (Beschuldigter A.) 

III. Anklagevorwurf (Übersicht) 

1. Die Anklageschrift (S. 3) umschreibt die Vorwürfe gegen A. im Zusammenhang 

mit dem Sachverhaltskomplex 1 zusammenfassend wie folgt:  

A., Mitarbeiter der SBB AG (nachfolgend SBB), hat in der Zeit von April 2003 bis 

März 2014 unrechtmässig freihändig Aufträge an die beiden Firmen H. AG und I. 

GmbH für die SBB vergeben und diese – soweit sie überhaupt erbracht wurden 

– in seiner Freizeit ausschliesslich selbst ausgeführt. Ein Grossteil der von den 

beiden Firmen verrechneten Leistungen wurde nicht oder nur teilweise ausge-

führt. Nach einer kurzen Anfangsphase, in der A. die Offerten und Rechnungen 

teilweise gemeinsam mit †O. (nachfolgend: †O.), dem Inhaber der vorgenannten 

Firmen, erstellte, erfolgte jegliche Offert- und Rechnungsstellung der beiden Fir-

men an die SBB durch A. selbst. Dabei wurden der SBB auch nicht erbrachte 

Arbeiten oder tatsächlich erbrachte Leistungen in einem überhöhten Ausmass in 

Rechnung gestellt. Seitens der SBB prüfte A. die von ihm erstellten Rechnungen 

selbst, und das Zweitvisum, wodurch die Zahlung freigegeben wurde, erteilte je-

weils sein direkter Vorgesetzter. Der aus den unrechtmässigen Handlungen ge-

nerierte Ertrag von ca. Fr. 4 Mio. wurde basierend auf der Vereinbarung zwischen 

- 39 - 

†O. und A. hälftig geteilt. A. verbrauchte die unrechtmässig erlangten Gelder im 

Umfang von ca. Fr. 2 Mio. für seine privaten Bedürfnisse. Nach dem Tod von †O. 

verwaltete dessen Witwe, J., die Firmen H. AG und I. GmbH und führte auf Initi-

ative von A. die Geschäfte wie bis anhin weiter, damit jeder weiterhin von der 

50/50-Regelung profitieren konnte. K., Zwillingsschwester von J., hat A. dessen 

Anteil aus den Geschäften jeweils in bar übergeben bzw. ihr Bankkonto für die 

Überweisungen zur Verfügung gestellt. Beide wurden für diese Handlungen je 

mit Strafbefehl verurteilt (vgl. Prozessgeschichte lit. C). 

Für diese Handlungen ist A. der mehrfachen ungetreuen Amtsführung im Sinne 

von Art. 314 StGB, des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

und 2 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 

StGB sowie der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis StGB angeklagt. 

2. Der Beschuldigte A. ist geständig. Er anerkannte in der Hauptverhandlung die in 

der Anklageschrift umschriebenen Handlungen und bezeichnete die Darstellung 

als korrekt; er habe nichts zu ergänzen (TPF pag. 98.930.2). Er anerkannte auch 

die einzelnen Tathandlungen unter den jeweiligen Anklagepunkten (TPF pag. 

98.930.3-6). Bereits im Vorverfahren zeigte sich der Beschuldigte in Bezug auf 

den (zunächst untersuchten) Vorwurf der ungetreuen Amtsführung weitgehend 

geständig und machte detaillierte Angaben zu den Tathandlungen (Einvernah-

men vom 10. April 2014, 25. April 2014, 30. April 2014, 1. Mai 2014 [Konfrontati-

onseinvernahme mit J.] und 1. Mai 2014; pag. 13-01-00-0016 ff., -0030 ff., -0054 

ff., -0068 ff., -0095 ff. Er bestätigte im Wesentlichen die ihn belastenden Aussa-

gen der Mitbeschuldigten J. und K.. Das Verfahren wurde am 18. Mai 2015 auf 

die weiteren strafrechtlichen Vorwürfe ausgedehnt. Die Aussagen in der 

Schlusseinvernahme vom 19. Mai 2015 (pag. 13-01-00-0106 bis -0124) sind 

nicht verwertbar und wurden aus den Akten entfernt.  

Die verwertbaren Aussagen des Beschuldigten A. sind detailliert und weitgehend 

widerspruchsfrei, abgesehen von anfänglichem, teilweisem Bestreiten. Soweit 

die Mitbeschuldigten J. und K. in die Geschehnisse involviert waren, stimmen die 

Aussagen des Beschuldigten mit deren Aussagen überein. Die Aussagen des 

Beschuldigten sind sowohl insgesamt als auch im Einzelnen glaubhaft. Sie er-

bringen den Beweis für die strafrechtlichen Vorwürfe. 

In rechtlicher Hinsicht bestreitet der Beschuldigte, dass er mit seinen Handlungen 

die Tatbestände des gewerbsmässigen Betrugs und der mehrfachen Urkunden-

fälschung erfüllt habe und beantragt einen Freispruch; in den übrigen Anklage-

punkten beantragt er einen Schuldspruch im Sinne der Anklage (siehe Anträge).  

- 40 - 

IV. Ungetreue Amtsführung (Art. 314 StGB) 

1. Rechtliches 

1.1 Nach Art. 314 StGB strafbar sind Mitglieder einer Behörde oder Beamte, die bei 

einem Rechtsgeschäft die von ihnen zu wahrenden öffentlichen Interessen schä-

digen, um sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen.  

1.2 Das tatbestandsmässige Verhalten von Art. 314 StGB setzt ein rechtsgeschäftli-

ches Handeln voraus. Erfasst sind der Abschluss von privatrechtlichen Verträgen 

und die Vergabe von Aufträgen (BGE 101 IV 407 E. 2 f. S. 411 f.). Auch Aktivitä-

ten, welche dem eigentlichen Vertragsabschluss vorangehen, können als solche 

tatbestandsmässig sein. Es genügt, dass in irgendeinem Stadium auf den Ab-

schluss des Rechtsgeschäfts Einfluss genommen wird (STRATENWERTH/BOM-

MER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II, 7. Aufl., Bern 2013, § 59 

N. 28 mit Hinweisen). So stellt die Verleitung eines Entscheidgremiums zu einem 

die öffentlichen Interessen schädigenden Rechtsgeschäft „rechtsgeschäftliches“ 

Handeln dar. Dabei genügt, dass die Wahrung der öffentlichen Interessen im 

Submissionsverfahren in irgendeinem Stadium desselben unterblieb (BGE 109 

IV 168 E. 4 S. 172). Den Tatbestand von Art. 314 StGB kann auch ein Beamter 

erfüllen, der selbst zwar keine endgültigen Entscheidungen trifft, jedoch aufgrund 

seines Fachwissens und seiner Stellung faktische Entscheidungskompetenz hat. 

Wer als Beamter einen Entscheid derart beeinflusst, kann die öffentlichen Inte-

ressen auch schädigen, wenn er formell nicht selbst entscheidet (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_127/2014 vom 23. September 2014 E. 7.2.2; BGE 114 IV 133 

E. 1a S. 135). Der Unrechtsgehalt der Tat besteht darin, dass der Beamte bei 

einem Rechtsgeschäft private Interessen auf Kosten der öffentlichen bevorzugt 

(BGE 141 IV 329 unveröffentlichte E. 2.3; 135 IV 198 unveröffentlichte E. 7.5; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_921/2008 vom 21. August 2009 E. 5.8). Die öffent-

lichen Interessen müssen durch das Rechtsgeschäft selbst und dessen rechtli-

che Wirkungen geschädigt werden (BGE 141 IV 329 unveröffentlichte E. 2.3; 101 

IV 407 E. 2 S. 411 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_127/2014 vom 23. Septem-

ber 2014 E. 7.2.2). Die vom Täter zu wahrenden öffentlichen Interessen können 

gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung materieller oder immaterieller 

Art sein (BGE 141 IV 329 unveröffentlichte E. 2.3; 114 IV 133 E. 1b S. 135 f.; 111 

IV 83 E. 2b S. 85 f.). Trotz teilweiser Ablehnung in der Lehre hält das Bundesge-

richt daran fest, dass die öffentlichen Interessen im Sinne von Art. 314 StGB auch 

ideeller Natur sein können (Urteil des Bundesgerichts 6B_128/2014 vom 23. Sep-

tember 2014 E. 5.3.3). Ein ideeller Schaden kann etwa in der Schädigung des 

Vertrauens der Bürger in die rechtsgleiche Behandlung der Steuerpflichtigen und 

die Objektivität und Unabhängigkeit der Steuerbehörden (BGE 114 IV 133 E. 1b) 

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oder in die rechtsgleiche Behandlung von Konkurrenten bei der Vergabe von 

staatlichen Aufträgen bestehen (Urteil des Bundesgerichts 6B_127/2014 vom 

23. September 2014 E. 7.4.1; 6B_128/2014 vom 23. September 2014 E. 5.3.1). 

Ob auch schon die Eignung einer Beeinträchtigung des Vertrauens Dritter einen 

ideellen Schaden zu begründen vermag, liess das Bundesgericht offen (Urteil 

6B_127/2014 vom 23. September 2014 E. 7.4.2; 6B_128/2014 vom 23. Septem-

ber 2014 E. 5.3.2). Dem Ermessen der zuständigen Behördenmitglieder und Be-

amten ist in Ausübung ihrer Tätigkeit, im Rahmen der für sie bestehenden Vor-

schriften, ein angemessener Spielraum zu lassen. Eine tatbestandsmässige 

Schädigung der öffentlichen Interessen