# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1113c227-bfc2-5672-9571-36b3a03d0aae
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-13
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 13.08.2020 VG.2020.00024 (VG.2020.961)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2020-00024_2020-08-13.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 13. August 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2020.00024

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    IV-Stelle Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin  

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Invalidenrente

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die am […] geborene A.______ meldete sich am 9.
  April 2018 bei der IV-Stelle Glarus unter Hinweis auf eine kombinierte
  Persönlichkeitsstörung, eine rezidivierende depressive Störung, eine
  chronische Schmerzstörung, Fibromyalgie, beidseitige Nephrolithiasis sowie
  Adipositas zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Die
  IV-Stelle holte Berichte der behandelnden Ärzte ein. Gestützt darauf stellte
  die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 10. August 2018 in Aussicht, das
  Leistungsbegehren abzuweisen. Die dagegen von A.______ am 18. August 2018
  erhobenen Einwände beantwortete die IV-Stelle am 11. Oktober 2018. In der
  Folge erliess sie die leistungsabweisende Verfügung. Die dagegen von A.______
  erhobene Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht mit Urteil vom 20. Dezember
  2018 (Verfahren VG.2018.00117) gut und wies die Sache zur Vornahme weiterer
  Abklärungen an die IV-Stelle zurück.

  
	
   

  
	
  1.2 Die IV-Stelle ordnete am 11. April 2019 eine
  polydisziplinäre Begutachtung an. In der Folge wurde A.______ am 5. und 9.
  Juli 2019 sowie am 8. August 2019 bei der Neurologie Toggenburg AG
  polydisziplinär begutachtet.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Mit Vorbescheid vom 10.
  Oktober 2019 stellte die IV-Stelle in Aussicht, das Leistungsbegehren von
  A.______ abzuweisen. Trotz der am 28. Oktober 2019 dagegen erhobenen Einwände
  hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest und erliess am 29. Januar
  2020 die leistungsabweisende Verfügung.

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  Dagegen gelangte A.______
  mit Beschwerde vom 27. Februar 2020 ans Verwaltungsgericht und beantragte die
  Aufhebung der Verfügung der IV-Stelle vom 29. Januar 2020, die Rückweisung
  der Angelegenheit an die IV-Stelle sowie die Gewährung der unentgeltlichen
  Prozessführung und Rechtsverbeiständung; unter Kosten- und
  Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle. Letztere schloss am 9. April
  2020 auf Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 69 Abs. 1
  lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959
  (IVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die
  übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
  einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ist
  grundsätzlich schriftlich. Das Verwaltungsgericht kann auf Antrag der
  Parteien oder von Amtes wegen eine mündliche Verhandlung anordnen (Art. 96
  Abs. 3 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 [VRG]).
  Nach Art. 6 Ziff. 1 Satz 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte
  und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK) hat jedoch jede Person ein
  Recht darauf, dass über Streitigkeiten in Bezug auf ihre zivilrechtlichen
  Ansprüche und Verpflichtungen oder über eine gegen sie erhobene
  strafrechtliche Anklage von einem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz
  beruhenden Gericht in einem fairen Verfahren, öffentlich und innerhalb
  angemessener Frist verhandelt wird. Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist auf
  sozialversicherungsrechtliche Streitigkeiten anwendbar (BGE 122 V 47 E.
  2a). Damit hat der Beschwerdeführer grundsätzlich Anspruch auf eine
  öffentliche Verhandlung. 

  
	
   

  
	
  Der Grundsatz der
  Öffentlichkeit bezieht sich sowohl auf die Parteiöffentlichkeit als auch auf
  die Publikums- und Presseöffentlichkeit. Der Öffentlichkeitsgrundsatz
  beinhaltet hingegen keinen Anspruch darauf, dass bestimmte Beweismittel
  öffentlich und in Anwesenheit der Parteien abgenommen werden. Die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung setzt daher im
  Sozialversicherungsprozess einen Parteiantrag voraus, aus dem klar und
  unmissverständlich hervorgehen muss, dass eine konventionskonforme
  Verhandlung mit Publikums- und Presseanwesenheit durchgeführt werden soll.

  
	
   

  
	
  Die Beschwerdeführerin beantragt ohne
  weiteren Kommentar eine mündliche Verhandlung. Daraus geht nicht hervor, dass
  sie eine konventionskonforme Verhandlung mit Publikums- und Presseanwesenheit
  beantragt, weshalb auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung
  verzichtet werden kann.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Gemäss Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
  Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) ist
  Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
  oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch
  eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
  verursachte und nach zumutbarer Behandlung sowie Eingliederung verbleibende
  ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
  kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt.

  
	
   

  
	
  2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
  bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine
  Viertelsrente, bei einem solchen von mindestens 50 % auf eine halbe
  Rente, bei mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab mindestens
  70 % auf eine ganze Rente. 

  
	
   

  
	
  2.3 Art und Mass dessen, was einer versicherten Person
  an Erwerbstätigkeit noch zugemutet werden kann, richtet sich nach ihren
  besonderen persönlichen Verhältnissen einerseits und nach den allgemein
  herrschenden Anschauungen andererseits. Für die Beurteilung der Zumutbarkeit
  ist letztlich insofern eine objektive Betrachtungsweise massgebend, als es
  nicht auf eine bloss subjektiv ablehnende Bewertung der infrage stehenden
  Erwerbstätigkeit durch die versicherte Person ankommt (Ulrich Meyer/Marco
  Reichmuth, in Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung
  des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
  Invalidenversicherung, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2014, S. 320).

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  3.1 Art. 43 Abs. 1 ATSG
  statuiert die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen, wobei es grundsätzlich
  im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen
  Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein
  grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit
  von medizinischen Erhebungen zu (BGer-Urteil 8C_815/2012 vom 21. Okto-ber 2013
  E. 3.2.1, mit Hinweisen). Was den für die Invaliditätsbemessung
  erforderlichen medizinischen Sachverstand angeht, kann die IV-Stelle sich
  hierfür auf den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Art. 59 Abs. 2
  und 2bis IVG), die Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte
  (Art. 28 Abs. 3 ATSG) oder auf externe medizinische Sachverständige
  wie die medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) stützen
  (Art. 59 Abs. 3 IVG; vgl. dazu BGE 137
  V 210 E. 1.2.1).

  
	
   

  
	
  3.2 Nach dem für das gesamte
  Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts-beschwerdeverfahren geltenden Grundsatz
  der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte
  die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
  umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet
  dies, dass das Gericht alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
  stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
  Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
  gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
  Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu
  würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die
  andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).

  
	
   

  
	
  Die Verwaltung als verfügende
  Instanz und – im Beschwerdefall – der Richter dürfen eine Tatsache nur dann
  als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
  Sozialversicherungsrecht hat der Richter dabei seinen Entscheid – sofern das
  Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht – nach dem Beweisgrad der überwiegenden
  Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten
  Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter hat vielmehr
  jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die er von allen möglichen
  Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 119 V 7
  E. 3c/aa, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.3 Es ist Aufgabe des Arztes,
  sämtliche Auswirkungen einer Krankheit oder eines Unfalls auf den
  Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu
  nehmen, bezüglich welcher konkreten Tätigkeiten und in welchem Umfang sie
  arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige
  Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
  versicherten Person im Hinblick auf ihre persönlichen Verhältnisse noch
  zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4, mit
  Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.4 Hinsichtlich
  des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die
  Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
  beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie
  dem Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei
  psychischen Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls
  in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es
  in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob
  die Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet
  sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, sowie
  ob der Experte nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche
  ihm die Beantwortung der Fragen erschweren, gegebenenfalls deutlich macht.
  Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft
  eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
  gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).

  
	
   

  
	
  3.5 Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem
  Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf
  bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
  Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
  eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
  Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
  erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
  gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange
  nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen
  (BGE 137 V 210 E. 1.3.4). 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, seit Jahren
  an gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu leiden. Dass diese
  invalidisierenden Charakter hätten, bestätige ihre Hausärztin. Die
  gutachterliche Beurteilung, wonach sie vollständig arbeitsfähig sei,
  widerspreche der übereinstimmenden Auffassung ihrer behandelnden Ärzte,
  welche das Vorliegen von gravierenden somatischen und psychischen
  Beeinträchtigungen attestieren würden. Die Gutachter würden in ungerechtfertigter
  Weise unter dem Hinweis auf ein selbstlimitierendes
  bzw. widersprüchliches Verhalten, welches gerade Teil ihrer Pathologie
  bilde, eine Einschränkung ihrer Leistungsfähigkeit verneinen. Diese hätten
  sich dazu äussern müssen, welche Ressourcen bei ihr vorhanden seien, wenn das
  selbstlimitierende bzw. widersprüchliche Verhalten weggedacht werde.
  Denn es sei willkürlich, gravierende kognitive Beeinträchtigungen
  festzustellen, gleichzeitig aber davon auszugehen, sie sei in sämtlichen
  Verweisungstätigkeiten ganztägig und ohne Einschränkungen arbeitsfähig.
  Aufgrund dieser Mängel sei ein neues Gutachten einzuholen. Schliesslich sei
  zu beachten, dass sie aufgrund ihres Alters, ihres Migrationshintergrunds
  sowie ihrer eingeschränkten Deutschkenntnisse nicht in der Lage sei, eine
  allenfalls vorliegende erwerbliche Leistungsfähigkeit vollumfänglich zu
  verwerten, weshalb ein angemessener leidensbedingter Abzug zu gewähren sei. 

  
	
   

  
	
  4.2 Die Beschwerdegegnerin ist hingegen der Ansicht,
  das eingeholte Gutachten erfülle die von der Rechtsprechung aufgestellten
  Qualitätskriterien und sei daher verwertbar. Der Beschwerdeführerin sei seit
  jeher keine dauerhafte bzw. lang andauernde Arbeitsunfähigkeit
  attestiert worden, was ihre vollständige Arbeitsfähigkeit belege. Zudem ergebe
  sich aus den Akten, dass die Beschwerdeführerin stark auf eine Invalidenrente
  fixiert sei, überdies weise sie eine ungenügende Kooperation im Rahmen der
  therapeutischen Bemühungen auf. Sodann zeigten sich Diskrepanzen bezüglich
  Bewegungsausmass und Mobilität, auch nehme sie die ihr verschriebenen
  Medikamente mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur unregelmässig ein, was
  abermals eine ungenügende Kooperation der Beschwerdeführerin belege. Die
  Symptomausweitung und Selbstlimitierung sei ärztlicherseits mehrfach
  festgestellt worden, weshalb diese ausgewiesen sei. Die Beschwerdeführerin
  sei in der Lage, einfache Hilfsarbeiten, welche auf dem hypothetischen,
  ausgeglichenen Arbeitsmarkt altersunabhängig nachgefragt würden, in einem
  Vollzeitpensum zu erledigen, weshalb eine angepasste Tätigkeit nicht
  notwendig sei. Schliesslich sei nicht ersichtlich, aus welchem Grund die
  Beschwerdeführerin ihre 100%ige Arbeitsfähigkeit nicht verwerten können soll.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Dr. med. C.______, Konsiliararzt Rheumatologie
  Spital D.______, diagnostizierte am 14. November 2017 ein
  Fibromyalgie-Syndrom. Am 8. Dezember 2017 wies er aufgrund der diffusen,
  kaum fassbaren und wechselnden Schmerzproblematik differentialdiagnostisch
  auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung hin. Ebenso befürwortete er
  eine psychiatrische Beurteilung, da er die gesamte Schmerzproblematik vom
  Verhalten der Beschwerdeführerin her als auffallend einstufte. 

  
	
   

  
	
  5.2 E.______, Facharzt FMH für Psychiatrie und
  Psychotherapie, verwies am 22. Dezember 2017 auf seinen Konsilbericht
  vom 14. September 2017. Darin ging er vom Vorliegen einer anhaltenden
  Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) aus. Diese sei vermutlich durch anhaltende,
  psychosoziale Belastungen bei schwieriger Paarbeziehung und dauerhaften
  finanziellen Schwierigkeiten sowie bei einem Migrationshintergrund mit
  wiederholten Entwurzelungserleben verursacht worden. Die gesamte Situation
  sei sehr chronifiziert, weshalb eine ambulante psychotherapeutische
  Behandlung nicht ausreiche, sondern eine intensive psychosomatisch-psychotherapeutische
  Rehabilitation in einer geeigneten Facheinrichtung nötig sei.

  
	
   

  
	
  5.3 Am 26. Januar 2018 diagnostizierten
  Dr. med. F.______, leitender Arzt des Spitals G.______, und H.______,
  Assistenzarzt, eine Fibromyalgie, eine Depression bei anhaltender
  Schmerzstörung und psychosozialer Belastung und eine Adipositas. Aufgrund
  einer Dekompensation der Fibromyalgie sei die Beschwerdeführerin
  notfallmässig zugewiesen worden. Da ein dringender Bedarf an einer
  stationären Behandlung der psychosomatischen Beschwerden bestehe, werde die
  Beschwerdeführerin in die Rehaklinik I.______ zur weiteren Behandlung
  überwiesen.

  
	
   

  
	
  5.4 Vom 27. Januar 2018 bis zum 2. März 2018 befand
  sich die Beschwerdeführerin in stationärer Rehabilitation in der Rehaklinik I.______.
  Dr. med. J.______, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie,
  Dr. phil. K.______, dipl. Psychologin, und Dr. med. L.______,
  Facharzt Neurologie, stellten am 22. März 2018 die nachfolgenden
  Diagnosen: rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwer, ohne
  psychotische Symptome (ICD-10: F33.2), chronische Schmerzstörung mit
  somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), Verdacht auf eine
  kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0), Fibromyalgie,
  Nephrolithiasis beidseits, gemischte Kopfschmerzen sowie Adipositas I
  bei Status nach benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel. Im Rahmen der
  Behandlung seien die stark histrionischen wie auch die emotional-impulsiven
  Seiten der Beschwerdeführerin sehr deutlich geworden. Aufgrund der Beobachtungen
  und Interaktionen sei es wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin nur über
  die klagend und imposant dargebrachte Darstellung ihrer Schmerzen und Ängste
  Aufmerksamkeit zu erhalten glaube. Sie drücke hartnäckig und eindeutig aus,
  dass es ihr nie besser gehen werde und sie aufgrund der Schmerzen nie
  arbeiten könne. Auffällig sei ihre starke Fixierung auf eine Invalidenrente.
  Sie verlasse die Klinik in einem leicht gebesserten Zustand, jedoch hätten
  die sehr starken Funktionalitäten nicht aufgebrochen werden können. Für die
  Dauer des Klinikaufenthaltes bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.

  
	
   

  
	
  5.5 Die Hausärztin der Beschwerdeführerin,
  Dr. med. M.______, verwies am 3. Mai 2018 für die
  Diagnosestellung auf den Bericht der Rehaklinik I.______. Sie hielt fest,
  dass mit Ausnahme der extremen Empfindlichkeit am Körper keine pathologischen
  Befunde erhoben worden seien. Weil die Beschwerdeführerin seit langem nicht
  mehr arbeite und keinen Beruf erlernt habe, sei bis anhin nie eine
  Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, weshalb sie auch die Arbeitsfähigkeit
  in angestammter Tätigkeit nicht beurteilen könne. Es erscheine jedoch nicht
  realistisch, dass die Beschwerdeführerin überhaupt eine Tätigkeit ausüben
  könne, weshalb eine schlechte Prognose zu stellen sei. Leichte Arbeiten im
  Haushalt könne die Beschwerdeführerin ausüben, wobei sie dabei zurzeit noch
  von ihrem Ehemann unterstützt werde. 

  
	
   

  
	
  5.6 N.______, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
  und E.______ diagnos-tizierten am 8. Februar 2019 eine posttraumatische Belastungsstörung
  (ICD-10: F43.1), eine kombinierte Entwicklungsstörung, insbesondere
  schulischer Fertigkeiten und motorischer Funktionen (ICD-10: F83), einen
  Verdacht auf eine leichte Intelligenzminderung sowie eine Fibromyalgie. Die
  Beschwerdeführerin sei bisher zu keinem selbständigen Leben fähig gewesen,
  stattdessen sei sie von der vollumfänglichen Unterstützung ihres Ehemannes
  abhängig. Sie könne keine Hausarbeiten selbständig erledigen und sei daher
  wohl auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht vermittelbar. Daher werde eine der
  Behinderung angepasste niederschwellige Tätigkeit wie etwa die Tätigkeit in
  der Produktion empfohlen.

  
	
   

  
	
  5.7 Am 5. und 7. Juli 2019 sowie am 8. August 2019
  wurde die Beschwerdeführerin durch die Neurologie Toggenburg AG polydisziplinär
  begutachtet. 

  
	
   

  
	
  5.7.1 Lic. phil. O.______, zertifizierter
  neuropsychologischer Gutachter SIM, kam zum Schluss, dass bei der
  Beschwerdeführerin rein formal, also unter Ausklammerung des
  Validitätsaspekts, eine insgesamt mittelgradige bis schwere
  neuropsychologische Störung mit meist schweren, teilweise mittelschweren bis
  schweren Minderleistungen in sämtlichen geprüften kognitiven Bereichen
  bestehe. Es könne jedoch nicht von validen neuropsychologischen Befunden
  ausgegangen werden, da sich Hinweise auf eine wahrscheinliche negative
  Antwortverzerrung im kognitiven Bereich ergeben hätten. Bei den
  durchgeführten Leistungsvalidierungsverfahren, welche auch von Menschen mit
  einer Intelligenzminderung bewältigt werden könnten, seien deutlich auffällige
  Antwortmuster auf Zufallsniveau erkennbar. Daher liege eine nicht
  authentische Störung vor. Das Kommunikations- und Interaktionsverhalten der
  Beschwerdeführerin sei äusserts auffällig. Ebenso seien auch Schwankungen im
  Anwenden der Deutschkenntnisse und in den allgemeinen kommunikativen
  Fähigkeiten wie auch im Handlungsbereich auffällig. Dadurch werde der
  Eindruck des nicht authentischen Gesamtbildes verstärkt. Aus
  neuropsychologischer Sicht sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine
  Intelligenzminderung vorhanden, denn die Beschwerdeführerin verfüge über die
  Fähigkeit, im Gespräch gezielte und präzise, teils kritische Rückfragen zu
  stellen. Wegen der fehlenden Validität der Befunde könne keine
  neuropsychologische Diagnose gestellt werden.

  
	
   

  
	
  5.7.2 Dr. med. P.______, Fachärztin für
  Allgemeine Innere Medizin FMH, stellte in allgemeininternistischer Sicht
  keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, woraus eine
  vollständige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin resultiere. Neben einem
  Gewichtsverlust und einer Optimierung der Lebensgewohnheiten werde eine
  Eisensubstitution empfohlen. Sie wies daraufhin, dass das im Rahmen der
  Untersuchung und Befragung festgestellte Verhalten der Beschwerdeführerin
  auffällig und phasenweise demonstrativ gewesen sei. Immer wieder zeige sie
  das Verhalten eines trotzigen Kindes, wobei sie diskrepant dazu die
  gestellten Fragen zielgerichtet und mit adäquater Stimme beantworte. Auch
  seien Inkonsistenzen zwischen den Antworten der Beschwerdeführerin und den
  Angaben in den Akten vorhanden.

  
	
   

  
	
  5.7.3 Das psychiatrische Teilgutachten erstellte Q.______,
  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er diagnostizierte eine
  Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional-instabilen, impulsiven und
  histrionischen Zügen (ICD-10: Z73.1) sowie einen möglichen Restzustand einer
  posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Eine Einschränkung der
  Arbeitsfähigkeit bedingt durch eine psychische Erkrankung könne mit
  überwiegender Wahrscheinlichkeit jedoch ausgeschlossen werden. Folglich sei
  auch eine angepasste Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht nötig. Weiter
  ergäben sich Inkonsistenzen, Diskrepanzen und eine hochauffällige
  Symptomvalidierung. Das Verhalten der Beschwerdeführerin sei mit
  überwiegender Wahrscheinlichkeit zielgerichtet und diene dem Vermeiden
  äusserer Anforderungen/Ansprüche, womit sie eindeutig eigene Interessen
  verfolge.

  
	
   

  
	
  5.7.4 In rheumatologischer Hinsicht diagnostizierte
  Dr. med. R.______, Facharzt für Rheumatologie FMH und Facharzt für
  Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, ein chronisches generalisiertes
  Schmerzsyndrom, welches die Kriterien einer Fibromyalgie erfülle, jedoch die
  Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht beeinträchtige. Es liege ein
  erhebliches symptomverdeutlichendes und selbstlimitierendes Verhalten vor.
  Die nun bereits jahrelange körperliche Inaktivität mit dem Ziel der Schonung
  und Symptomerweiterung habe zu einer physischen Dekonditionierung geführt,
  welche das diffuse muskuloskelettale Beschwerdebild unterhalte und verstärke.
  Es seien Diskrepanzen bezüglich Bewegungsausmass und Mobilität zu
  verschiedenen Untersuchungszeitpunkten festgestellt worden. Folglich könnten
  die geschilderten Ganzkörperschmerzen sowie die beklagten funktionellen
  Einschränkungen keiner objektivierbaren gesundheitlichen Störung zugeordnet
  werden. Die Beschwerdeführerin sei für sämtliche, ihren Fähigkeiten
  entsprechenden Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig.

  
	
   

  
	
  5.7.5 Im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
  kamen die Gutachter zum Schluss, dass keine Diagnose mit Auswirkungen auf die
  Arbeitsfähigkeit zu stellen sei. Die Beschwerdeführerin sei aktuell wie
  retrospektiv in sämtlichen Fachgebieten vollständig arbeitsfähig, womit keine
  angepasste Tätigkeit notwendig sei. Im Haushalt sei die Beschwerdeführerin
  bei entsprechender Motivation uneingeschränkt leistungsfähig. 

  
	
   

  
	
  5.8 Dr. M.______ bestätigte am 30. Dezember 2019
  die gutachterliche Diagnosestellung, wies jedoch darauf hin, dass das
  Schmerzsyndrom, die Persönlichkeitsakzentuierung wie auch der möglicherweise
  vorhandene Restzustand einer posttraumatischen Belastungsstörung Auswirkungen
  auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen würden. Sie könne mit ihrem gesunden
  Menschenverstand feststellen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
  Persönlichkeitsstörung nicht arbeitsfähig sei. Da kein Arbeitgeber die
  Beschwerdeführerin für eine "normale Arbeitsstelle" einsetzen würde, sei eine
  angepasste Tätigkeit notwendig. Überdies bezweifle sie die gutachterlichen
  Ausführungen zur Motivation und Willensanstrengung.

  
	
   

  
	
  6. 

  
	
  6.1 Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin
  ist das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG verwertbar. 

  
	
   

  
	
  Die von der
  Beschwerdeführerin beklagten Leiden wurden internistisch, rheumatologisch,
  psychiatrisch und neuropsychologisch umfassend untersucht. Die aus den
  genannten Untersuchungen gewonnen Erkenntnisse sind im Gutachten in
  nachvollziehbarer Weise wiedergegeben worden und haben auch in eine
  interdisziplinäre Gesamtbeurteilung Eingang gefunden. Dabei haben sich die
  Gutachter mit dem Verhalten der Beschwerdeführerin anlässlich der jeweiligen
  Untersuchung ausführlich auseinandergesetzt. Die anlässlich der Untersuchung
  von verschiedenen Gutachtern festgestellten Inkonsistenzen sind eingehend
  begründet in den jeweiligen Teilgutachten wiedergegeben worden. So weist
  beispielsweise lic. phil. O.______ im neuropsychologischen
  Teilgutachten auf das äusserts auffällige Kommunikations- und
  Interaktionsverhalten der Beschwerdeführerin hin, welches darin bestehe, dass
  Letztere immer wieder trotzig anmutende Bemerkungen und Zwischenfragen völlig
  ausserhalb des Kontextes stelle, auf der anderen Seite aber in der Lage sei,
  sehr gezielte Fragen zu stellen. Ebenso weist Q.______ im psychiatrischen
  Teilgutachten auf ein auffälliges und widersprüchliches Verhalten der
  Beschwerdeführerin hin. So habe eine demonstrative Symptompräsentation
  festgestellt werden können, während sie in der Lage gewesen sei, wiederholt
  gezielte Fragen an den Gutachter zu stellen. Auch bezüglich Bewegungsausmass
  und Mobilität konnten gemäss Dr. R.______ zu verschiedenen
  Untersuchungszeitpunkten Diskrepanzen festgestellt werden. Im gleichen Sinne
  äusserten sich bereits Dr. J.______, Dr. K.______ und Dr. L.______
  in ihrem Bericht vom 22. März 2018, beschrieben diese doch flüssige und
  schmerzfreie Bewegungsabläufe in unbeobachteten Momenten. Auch wurde im
  genannten Bericht bereits ein nicht gänzlich authentisch wirkendes Verhalten
  der Beschwerdeführerin erkannt, worauf nicht zuletzt Q.______ in
  Auseinandersetzung mit den weiteren ärztlichen Beurteilungen hinweist. Sodann
  hält Q.______ Widersprüche in den aktenkundigen Aussagen der
  Beschwerdeführerin fest, sei dies in Bezug auf die Frage der arrangierten
  Ehe, die Gewaltanwendung ihres Ehemannes, die Vornahme von Rechenaufgaben
  oder das Verlassen der eigenen Wohnung am Tag bzw. in der Nacht. Daraus
  erhellt, dass das entsprechende Teilgutachten in Kenntnis der
  Krankengeschichte und in Auseinandersetzung mit den bereits gemachten
  Ausführungen der Beschwerdeführerin verfasst worden ist, was im Übrigen auch
  für die weiteren Teilgutachten gilt. Ferner sind die verschiedenen
  Zusatzfragen der Beschwerdegegnerin sowohl in den jeweiligen Teilgutachten
  wie auch in der interdisziplinären Zusammenfassung in verständlicher Weise
  beantwortet worden. Sodann schliesst sich auch RAD-Arzt pract. med. S.______
  den gutachterlichen Ausführungen an.  

  
	
   

  
	
  Darüber hinaus ist
  festzuhalten, dass die Gutachter entgegen den Ausführungen der
  Beschwerdeführerin keine massiven kognitiven Beeinträchtigungen diagnostizieren,
  was nicht zuletzt in der fehlenden Validität der neuropsychologischen Befunde
  gründet. Diesbezüglich weist lic. phil. O.______ auf deutliche
  Auffälligkeiten in den beiden durchgeführten Leistungsvalidierungsverfahren
  hin, wobei er zusätzlich die Kriterien von Slick et al. anwendet. Dabei ist
  es vorliegend zulässig, die genannten Kriterien zur Beurteilung einer
  Aggravation in neuropsychologischen Validierungstests anzuwenden, da auch Q.______
  als psychiatrischer Facharzt die festgestellten Inkonsistenzen und
  Diskrepanzen umfassend fachärztlich würdigt (BGer-Urteil 8C_605/2019 vom
  12. November 2019 E. 3.2.2). Überdies setzt sich
  lic. phil. O.______ mit der von den behandelnden Therapeuten N.______
  und E.______ gestellten Diagnose einer leichten Intelligenzminderung
  ausdrücklich auseinander und begründet nachvollziehbar, dass eine solche
  aufgrund der Fähigkeit der Beschwerdeführerin, im Gespräch gezielte und
  präzise, teilweise kritische Rückfragen zu stellen, mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit nicht vorhanden ist. Somit ist auf die gutachterlich
  gestellte Diagnose und die darauf gestützt attestierte volle Arbeitsfähigkeit
  und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt abzustellen. 

  
	
   

  
	
  6.2 Zwar widerspricht die behandelnde Hausärztin
  Dr. M.______ der gutachterlichen Einschätzung der vollen Arbeits- und
  Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin, da ihrer Meinung nach kein
  Arbeitgeber gefunden werden kann, welcher die Beschwerdeführerin anstellen
  würde. Es ist jedoch nicht darauf abzustellen, ob die Beschwerdeführerin
  unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern
  es ist einzig massgebend, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
  wirtschaftlich nützen könnte, wenn – auf dem für sie nach ihren Fähigkeiten
  und Möglichkeiten in Betracht fallenden Arbeitsmarkt – die verfügbaren
  Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (vgl. Art. 7 Abs. 1
  ATSG; Meyer/Reichmuth, S. 358). Davon ist aufgrund der vollen
  Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin ohne Weiteres auszugehen, zumal der
  ausgeglichene Arbeitsmarkt auch Nischenarbeitsplätze mit einem sozialen
  Entgegenkommen des Arbeitgebers umfasst (BGer-Urteil 8C_670/2015 vom
  12. Februar 2016 E. 4.2). Im Übrigen begründet Dr. M.______
  nicht substantiiert, weshalb dem Gutachten und den darin gezogenen
  Schlussfolgerungen nicht gefolgt werden kann. So genügt insbesondere ein
  Hinweis auf den gesunden Menschenverstand nicht, um die gutachterlich
  umfassend begründeten Ausführungen zu entkräften. Schliesslich bleibt
  festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin auch gemäss Einschätzung von
  Dr. M.______ in der Lage ist, leichte Arbeiten zu erledigen. Denn in den
  Akten findet sich keine gegenteilige hausärztliche Einschätzung der
  Arbeitsfähigkeit bzw. der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
  Haushalt. 

  
	
   

  
	
  6.3 Zusammengefasst hat das Gutachten der Neurologie
  Toggenburg AG in überzeugender Weise die medizinische Berichtslage
  berücksichtigt und diese bei seiner Würdigung miteinbezogen. Es beruht auf
  allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die beklagten Beschwerden, setzt
  sich mit dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander, wurde in Kenntnis
  und in Auseinandersetzung mit den Vorakten verfasst, ist in der Darlegung der
  medizinischen Zusammenhänge und Schlussfolgerungen begründet und lässt sich
  von der Rechtsanwenderin nachvollziehen. Das Gutachten der Neurologie
  Toggenburg AG genügt daher den von der Rechtsprechung entwickelten
  Anforderungskriterien (BGE 137 V 210 E. 1.2.2 ff.). Somit
  kann dem Gutachten, insbesondere der darin vorgenommenen Einschätzung der
  Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und deren Leistungsfähigkeit im
  Haushalt gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin ist folglich vollständig
  arbeitsfähig wie auch im Haushalt uneingeschränkt leistungsfähig, was aktuell
  wie auch retrospektiv gilt. Damit ist keine weitere Begutachtung der
  Beschwerdeführerin anzuordnen.

  
	
   

  
	
  6.4 Ist die Beschwerdeführerin aber in ihrer
  Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt, entfällt ein Einkommensvergleich,
  weshalb selbstredend auch ein Tabellenlohnabzug nicht zu prüfen ist.

  
	
   

  
	
  Die Beschwerde ist
  abzuweisen.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung. Gemäss Art. 139 Abs. 1 VRG befreit
  die Behörde eine Partei, der die Mittel fehlen um neben dem Lebensunterhalt
  für sich und ihre Familie die Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin
  ganz oder teilweise von der Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das
  Verfahren nicht aussichtslos ist. 

  
	
   

  
	
  1.2 Die Mittellosigkeit der Beschwerdeführerin erscheint
  aufgrund der Aktenlage als offensichtlich. Zudem kann das vorliegende
  Verfahren nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um
  unentgeltliche Prozessführung ist deshalb gutzuheissen. Da die
  Beschwerdeführerin auf eine rechtliche Vertretung angewiesen war, ist auch
  das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gutzuheissen und ihr ist in
  der Person von Rechtsanwalt B.______ ein
  unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Dieser ist mit Fr. 1'500.-
  (inkl. Mehrwertsteuer) zu entschädigen. 

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG hat die Partei, welche im
  Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Entsprechend
  dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten von pauschal
  Fr. 600.- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Auf deren Erhebung ist
  indessen zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen zu
  verzichten. Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass eine Partei,
  der die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, für den Fall, dass
  sie später in günstige wirtschaftliche Verhältnisse gelangt, zur Nachzahlung
  der Verfahrenskosten verpflichtet werden kann (Art. 139a VRG).
  Ausgangsgemäss ist schliesslich keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1
  Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

  
	
  Demgemäss beschliesst die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Gesuche der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
    und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung werden gutgeheissen. Ihr wird
    in der Person von Rechtsanwalt B.______ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand
    bestellt.

    
	
    2.

    	
    Der Rechtsbeistand wird zu
    Lasten der Gerichtskasse mit Fr. 1'500.-
    (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt.

    
	
    3.

    	
    Die Nachzahlungspflicht gemäss
    Art. 139a VRG bleibt vorbehalten.

    
	
    4.

    	
    Die Gerichtskasse wird
    beauftragt, spätestens im August 2025 zu prüfen, ob die Voraussetzungen für
    die Nachzahlung erfüllt sind.

    

  und erkennt sodann:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Der
    Beschwerdeführerin werden die Gerichtskosten von Fr. 600.- auferlegt,
    auf deren Erhebung einstweilen verzichtet wird.

    
	
    3.

    	
    Eine
    Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]