# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 10ec55a6-f632-55ea-991c-9002b5c0fdce
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-25
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 25.10.2022 SST.2022.86
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-86_2022-10-25.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2022.86 
(ST.2020.102; StA.2018.6479) 

 

 

Urteil vom 25. Oktober 2022 
 
 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Cotti  

Gerichtsschreiberin Döbeli        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

[…] 

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1980, von Nordmazedonien, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Urs Oswald,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Misswirtschaft 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der Sachverhalt gemäss Strafbefehl der Anklägerin vom 20. Juli 2021 lau-

tete wie folgt: 

 

Sachverhalt 
 
Straftatendossier 1 
 
Misswirtschaft 
(Art. 165 Ziff. 1 StGB) 
 
Der Beschuldigte hat als Gesellschafter einer GmbH, über welche der Kon-
kurs eröffnet wurde, durch Misswirtschaft bzw. durch arge Nachlässigkeit 
in der Berufsausübung deren Überschuldung herbeigeführt oder ver-
schlimmert. 
 
Begangen: 
Ort: R. 
Zeit: Donnerstag, tt.mm.jjjj bis Mittwoch, tt.mm.jjjj 
 
Vorgehen: 
Über die D. wurde durch das Gerichtspräsidium Lenzburg am tt.mm.jjjj der 
Konkurs eröffnet. Mit Verfügung des Gerichtspräsidiums Lenzburg vom 
tt.mm.jjjj wurde das Konkursverfahren als geschlossen erklärt und die Ge-
sellschaft wurde von Amtes wegen gelöscht. Der Beschuldigte war seit 
dem tt.mm.jjjj bis zur Auflösung der Gesellschaft am tt.mm.jjjj alleiniger Ge-
sellschafter und Geschäftsführer und leitete die Geschicke des Unterneh-
mens im Alleingang. 
 
Der Beschuldigte missachtete als verantwortlicher Gesellschafter der 
GmbH die gesetzlichen Bestimmungen der Unternehmensführung 
(Art. 725 Abs. 2 i.V.m. Art. 810 Abs. 2 OR), indem er es als alleiniger Ge-
sellschafter und Geschäftsführer trotz seit Juli 2014 erkannter Überschul-
dung unterliess, die Bilanzen beim Konkursrichter zu deponieren. Spätes-
tens zu jenem Zeitpunkt wusste er um das Bestehen von Schulden in der 
Höhe von CHF 44'662.10, denen keinerlei Aktiven gegenüberstanden. Das 
Gesellschaftskapital in der Höhe von CHF 20'000.00 war aufgebraucht und 
die Überschuldung eingetreten. Trotzdem verschleppte der Beschuldigte 
die Bilanzdeponierung bzw. die Benachrichtigung des Konkursrichters bis 
zur Konkurseröffnung am tt.mm.jjjj. Dadurch bewirkte er, was er zumindest 
für möglich hielt und in Kauf nahm, dass die in der Folge im Konkursver-
fahren beteiligten Gläubiger geschädigt wurden. 
 
Unterlassung der Buchführung 
(Art. 166 StGB) 
 
Der Beschuldigte hat als Gesellschafter einer GmbH, über welche der Kon-
kurs eröffnet wurde, die ihm gesetzlich obliegende Pflicht zur ordnungsge-
mässen Führung und Aufbewahrung von Geschäftsbüchern sowie zur Auf-
stellung einer Bilanz verletzt, sodass deren Vermögensstand nicht oder 
nicht vollständig ersichtlich war. 
 

 - 3 - 

 

 

Begangen: 
Ort: R. 
Zeit: tt.mm.jjjj 
 
Vorgehen: 
Über die D. wurde durch das Gerichtspräsidium Lenzburg am tt.mm.jjjj der 
Konkurs eröffnet. Mit Verfügung des Gerichtspräsidiums Lenzburg vom 
tt.mm.jjjj wurde das Konkursverfahren als geschlossen erklärt und die Ge-
sellschaft wurde von Amtes wegen gelöscht. Der Beschuldigte war seit 
dem tt.mm.jjjj bis zur Auflösung der Gesellschaft am tt.mm.jjjj alleiniger Ge-
sellschafter und Geschäftsführer und leitete die Geschicke des Unterneh-
mens im Alleingang. 
Der Beschuldigte wusste kraft seiner Stellung als Gesellschafter und Ge-
schäftsführer, dass er für die Führung der Buchhaltung und der Geschäfts-
bücher verantwortlich war. Trotzdem verletzte er diese ab dem Jahre 2016, 
indem er es unterliess, für die ordnungsgemässe, ständig geführte Buch-
haltung und deren Aufbewahrung besorgt zu sein. Im Geschäftsjahr 2016 
wurden keine Bücher geführt.  

 
Gläubigerschädigung 
(Art. 164 Ziff. 1 Abs. 3 StGB) 
 
Der Beschuldigte hat als Schuldner zum Schaden der Gläubiger sein Ver-
mögen vermindert, indem er Vermögenswerte unentgeltlich oder gegen 
eine Leistung mit offensichtlich geringerem Wert veräussert hat. 
 
Begangen: 
Ort: T. 
Zeit: tt.mm.jjjj 
 
Vorgehen: 
Über die D. wurde durch das Gerichtspräsidium Lenzburg am tt.mm.jjjj der 
Konkurs eröffnet. Mit Verfügung des Gerichtspräsidiums Lenzburg vom 
tt.mm.jjjj wurde das Konkursverfahren als geschlossen erklärt und die Ge-
sellschaft wurde von Amtes wegen gelöscht. Der Beschuldigte war seit 
dem tt.mm.jjjj bis zur Auflösung der Gesellschaft am tt.mm.jjjj alleiniger Ge-
sellschafter und Geschäftsführer und leitete die Geschicke des Unterneh-
mens im Alleingang. 
 
Am 08.12.2018 bezog der Beschuldigte vom Postkonto […] der D. CHF 
20'000.00 und CHF 30'000.00 für private Verbindlichkeiten. Dies im Wis-
sen darum, dass es sich bei diesen CHF 50'000.00 um Teile der Konkurs-
masse der D. handelte. Der Beschuldigte wusste zu diesem Zeitpunkt, 
dass am tt.mm.jjjj der Konkurs über die D. eröffnet wurde und er wusste 
somit, dass er mit dem privaten Geldbezug die Haftungsmasse gegenüber 
seinen Gläubigern verringerte. Durch sein Verhalten nahm er zumindest in 
Kauf, dass die Gläubiger der D. in Liquidation dadurch geschädigt wurden, 
indem sie zumindest auf einen Teil ihrer Forderung verzichten mussten. 
 
 
Straftatendossier 2 
 
Betrug 
(Art. 146 Abs. 1 StGB) 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, und in der 
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden 

 - 4 - 

 

 

durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irrege-
führt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu ei-
nem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am 
Vermögen schädigte. 
 
Begangen: 
Ort:   R. 
Zeit:   tt.mm.jjjj 
Zivil- und Strafklägerin:  N. 

handelnd durch H. 
Deliktsumme:  CHF 1'637.85 
 
Vorgehen: 
Der Beschuldigte erhielt anfangs tt.mm.jjjj von C. den Auftrag, die Wind-
schutzscheibe seines Personenwagen F. zu reparieren. Der Beschuldigte 
nahm den F. in seiner Garage entgegen und machte im Wissen darum, 
dass er die Windschutzscheibe des F. gar nicht repariert bzw. ersetzt hatte, 
bei der N. einen Schaden in der Höhe von CHF 1'637.85 (Windschutz-
scheibe ersetzen) geltend, indem er der N. die Rechnung des Schadenfalls 
und ein Foto eines Fahrzeugs mit einer Windschutzscheibe mit einem 
Sprungschaden einreichte, wobei es sich beim Fahrzeug bzw. der Wind-
schutzscheibe auf diesem Bild nicht um den F. von C. handelte. 
Im Wissen darum, dass er einen Schaden geltend machte bzw. eine Rech-
nung mit Aufwendungen einreichte, die er nie hatte, und ein falsches Foto, 
aber die Windschutzscheibe des F. von C. nicht ersetzte, sondern das 
Fahrzeug ohne Vornahme einer Reparatur an C. zurückgab, machte der 
Beschuldigte bei der N. einen Geldbetrag in der Höhe von CHF 1'637.85 
geltend. Im Glauben daran, dass der Beschuldigte am Fahrzeug von C. 
eine Windschutzscheibe ersetzte und ihm dafür Kosten entstanden sind, 
überwies ein Mitarbeiter der N. den vorgenannten Betrag auf Aufforderung 
des Beschuldigten an die N. auf dessen Konto […], lautend auf A., da die 
ursprüngliche Überweisung auf das Konto der D. ([…] Postfinance AG) 
nicht klappte bzw. der Betrag an die N. rücküberwiesen wurde. 
 
 
Dieses Verfahren ist strafbar gemäss: 
 
Den vorgenannten Gesetzesartikeln sowie Art. 40 StGB, Art. 47 StGB, 
Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 2 StGB. 
 
Der Beschuldigte wird verurteilt zu: 
 
1. Einer Freiheitsstrafe von 6 Monate (unbedingt) 
 
2. Den Kosten 
 
 - Strafbefehlsgebühr CHF 1'700.00 

 
 Rechnungsbetrag   CHF 1'700.00 
 
Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen, 
wird separat verfügt.  

 
3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 
4. Allfällige Zivilforderungen der Zivil- und Strafklägerin werden auf den 
Zivilweg verwiesen.  

 - 5 - 

 

 

 
5. Dieser Strafbefehl gilt als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts des 
Kantons Aargau vom 23.01.2019. 
 
6. Das Urteil wird im Strafregister eingetragen. 

 

1.2. 

Gegen diesen ihm am 21. Juli 2020 zugestellten Strafbefehl erhob der Be-

schuldigte am 23. Juli 2020 Einsprache. Die Staatsanwaltschaft hielt am 

Strafbefehl fest und überwies diesen samt den Akten zur Durchführung des 

Hauptverfahrens an das Bezirksgericht Lenzburg.  

 

2. 

2.1. 

Am 24. Juni 2021 fand die Hauptverhandlung vor dem Präsidenten des Be-

zirksgerichts Lenzburg statt. Dieser erkannte gleichentags: 

 

1. 
Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 
- der Unterlassung der Buchführung,  
- der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung und 
- des Betrugs. 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 
StGB. 
 
3. 
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbe-
stimmungen sowie Art. 47 StGB und aArt. 40 StGB, 
 
als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 
23.01.2019 und (Art. 49 Abs. 2 StGB) 
 
zu einer Freiheitsstrafe von 2 Monaten verurteilt. 
 
4. 
Der Beschuldigte hat die Verfahrenskosten, bestehend aus der Staatsge-
bühr von CHF 1'200.00, sowie den Auslagen von CHF 99.95, insgesamt 
CHF 1'299.95 zu ½ mit CHF 650.00 zu bezahlen. 

 
5. 
Der Beschuldigte hat die Anklagegebühr von CHF 1'700.00 zu ½ mit CHF 
850.00 zu bezahlen. 
 

 
6. 
Die Gerichtskasse Lenzburg wird angewiesen, dem Beschuldigten die ge-
richtlich auf CHF 4'077.85 festgesetzten Parteikosten zu ½ mit CHF 
2'038.90 (inkl. 7.7% MwSt von CHF 145.75) zu ersetzen. 
 
7. 
Der Schadenersatzanspruch der N. wird auf den Zivilweg verwiesen. 
 

 - 6 - 

 

 

8. 
Die N. hat die Parteikosten selber zu tragen." 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte beantragte mit Berufungserklärung vom 19. April 2022: 

 

1. 
Es sei festzustellen, dass das Urteil in den folgenden Urteilsdispositivzif-
fern nicht angefochten wird: 
 
Ziff. 1:  Freispruch betr. Unterlassung der Buchführung, der Gläubiger-

schädigung durch Vermögensverminderung sowie des Betrugs 
 
Ziff. 7: (Verweisung der Schadenersatzansprüche der N. auf den Zivil-

weg 
 
Ziff. 8: (Parteikosten der Zivilklägerin) 
 
2. 
Das Urteil sei in den folgenden Dispositivziffern aufzuheben und durch 
folgende Bestimmungen zu ersetzen: 
 
Ziff. 2: Der Beschuldigte sei (auch) vom Vorwurf der Misswirtschaft ge-

mäss Art. 165 Ziff. 1 StGB freizusprechen. 
 
Ziff. 3: (Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Monaten) 
  
Ziff. 4: Diese Bestimmung sei dahin abzuändern, dass die gesamten 

Verfahrenskosten auf die Staatskasse genommen werden. 
 
Ziff. 5: Diese Bestimmung sei vollständig und ersatzlos aufzuheben. 
 
Ziff. 6: Diese Bestimmung sei dahin abzuändern, dass dem Beschuldig-

ten die gesamten gerichtlich auf CHF 4'077.85 festgesetzten 
erstinstanzlichen Parteikosten aus der Staatskasse ersetzt wer-
den.  

 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

3.2. 

Der Verfahrensleiter ordnete im Einverständnis der Parteien mit Verfügung 

vom 10. Mai 2022 das schriftliche Verfahren an (406 Abs. 2 StPO). 

 

3.3. 

Der Beschuldigte reichte innert erstreckter Frist am 8. Juni 2022 die Beru-

fungsbegründung ein und hielt darin an seinen bereits gestellten Anträgen 

fest.  

 

4. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragte mit Berufungsantwort 

vom 15. Juni 2022 die kostenfällige Abweisung der Berufung. 

 - 7 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch we-

gen Misswirtschaft. Unangefochten geblieben sind demgegenüber die Frei-

sprüche vom Vorwurf der Unterlassung der Buchführung, der Gläubiger-

schädigung durch Vermögensminderung und des Betrugs, sowie die Ver-

weisung der Zivilforderung auf den Zivilweg. Diese Punkte sind mithin in 

Rechtskraft erwachsen und nicht erneut zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 

StPO). 

 

2. 

2.1 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der Misswirtschaft i.S.v. Art. 165 

StGB schuldig gesprochen, wobei sie dies im Wesentlichen damit begrün-

dete, dass der Beschuldigte trotz begründeter Besorgnis einer Überschul-

dung der D. nicht die Bilanz beim Konkursrichter deponierte und dass der 

Beschuldigte in subjektiver Hinsicht ein Übernahmeverschulden trifft, be-

ziehungsweise dass sein Verhalten – sich praktisch in keiner Art und Weise 

selber um die geschäftlichen Belange zu kümmern – als (eventual-)vorsätz-

liches Verhalten zu werten ist.  

 

2.2 

Der Beschuldigte macht mit Berufung geltend, der objektive Tatbestand der 

Misswirtschaft sei anerkannt. Der subjektive Tatbestand sei jedoch nicht 

erfüllt. Der Beschuldigte sei zwar ein fleissiger Arbeiter, der in der Lage sei, 

an Fahrzeugen Unterhalts- und Reparaturarbeiten auszuführen, hingegen 

habe er nicht die geringsten Kenntnisse von irgendwelchen gesetzlichen 

Bestimmungen des Obligationenrechts. Damit liege seinerseits weder 

eventualvorsätzliches Handeln, geschweige denn direkter Vorsatz vor. 

 

3. 

3.1 

3.1.1 

Gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB macht sich der Misswirtschaft strafbar, wer 

als Schuldner namentlich durch arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung 

seine Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, seine Zahlungsunfä-

higkeit herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähigkeit seine 

Vermögenslage verschlimmert, sofern über ihn der Konkurs eröffnet oder 

gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt wird. Nach der Rechtsprechung 

liegt eine arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung vor, wenn gesetzliche 

Bestimmungen der Unternehmensführung missachtet werden. Dazu gehö-

ren insbesondere die Vernachlässigung der Rechnungslegung oder die 

Verletzung der Pflicht des Verwaltungsrats einer Aktiengesellschaft, im 

 - 8 - 

 

 

Falle der Überschuldung den Richter zu benachrichtigen (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_985/2016 vom 27. Februar 2017 E. 4.1.1 mit weiteren Hin-

weisen). Ein Schuldspruch setzt ferner den Nachweis eines Kausalzusam-

menhanges zwischen der Bankrotthandlung und der Vermögenseinbusse 

voraus (Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2009 vom 18. Januar 2010 

E. 2.2; HAGENSTEIN, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, 

N. 60 ff. zu Art. 165 StGB).  

 

3.1.2 

Dass der objektive Tatbestand der Misswirtschaft erfüllt ist, ist unbestritten 

(Berufung S. 3). So ist erstellt, dass der Beschuldigte als Geschäftsführer 

und alleiniger Gesellschafter trotz Überschuldung der D. den Geschäftsbe-

trieb weiterführte und keine Sanierungsmassnahmen einleitete, insbeson-

dere nicht die Bilanz beim Konkursrichter deponierte. Die weiteren Schul-

den und damit die Schädigung weiterer Gläubiger hätten indessen durch 

eine Bilanzdeponierung verhindert werden können. Damit ist der objektive 

Tatbestand von Art. 165 Ziff. 1 StGB erfüllt.  

 

3.2 

3.2.1 

Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz hinsichtlich der Bankrotthand-

lung; in Bezug auf die Vermögenseinbusse genügt grobe Fahrlässigkeit 

(vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_985/2016 vom 27. Februar 2017 

E. 4.1.1 mit weiteren Hinweisen; 6B_199/2016 vom 8. Dezember 2016 

E. 2.3.3; 6B_54/2008 vom 9. Mai 2008 E. 7.3; je mit Hinweisen; NADINE 

HAGENSTEIN, Die Schuldbetreibungs- und Konkursdelikte nach Schweize-

rischem Strafgesetzbuch, 2013, S. 178 ff.).  

 

Wer im Wissen um seine fehlenden Sach- und Rechtskenntnisse ein Ver-

waltungsratsmandat annimmt, begeht (mindestens) eventualvorsätzlich 

eine arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung und Vermögensverwal-

tung im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB (Urteil des Bundesgerichts 

6B_242/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 1.4).  

 

3.2.2 

Anlässlich der Einvernahme vom 28. Februar 2019 durch die Kantonspoli-

zei Aargau führte der Beschuldigte aus, er habe sich vor der Übernahme 

ein Bild über die finanzielle Situation der D. gemacht. Er habe gewusst, 

dass es nicht 100% gut sei (Untersuchungsakten [UA] act. 461). Er glaube, 

sei aber nicht 100% sicher, dass er vor der Übernahme einen Betreibungs-

registerauszug eingefordert habe (UA act. 461). Er habe im Jahr 2016 fest-

gestellt, dass er mehr Ausgaben als Einnahmen habe. Er habe dann ein-

fach mehr gearbeitet und habe Telefonate getätigt und Ratenzahlungen 

vereinbart. Er habe immer gedacht, dass es wieder besser kommen würde 

(UA act. 463). Auf Vorhalt der Tatsache, dass gemäss den polizeilichen 

 - 9 - 

 

 

Ermittlungen seit dem 3. Dezember 2013 begründete Besorgnis der Über-

schuldung bestand und der Beschuldigte damit bei der Geschäftsüber-

nahme am tt.mm.jjjj eine überschuldete Firma übernommen habe, hielt der 

Beschuldigte (erneut) fest, er habe gedacht, dass er selber arbeite, einen 

Mitarbeiter einstelle und so die finanzielle Situation verbessert werde (UA 

act. 465). Bei der Geschäftsübernahme durch den Beschuldigten waren 

gegen die D. bereits 19 Betreibungen in der Höhe von Fr. 44'662.10 einge-

leitet worden. Der Beschuldigte hatte von den Betreibungen Kenntnis, der 

vorherige Geschäftsführer, P., habe vor der Übernahme alle Betreibungen 

offengelegt (UA act. 465). Er habe sich gedacht, dass er etwa zwei bis drei 

Jahre arbeiten müsse, um dann auf 0 zu sein und alle Ausstände beglichen 

zu haben (UA act. 465). 

 

Anlässlich der Befragung vor Vorinstanz am 24. Juni 2021 führte der Be-

schuldigte aus, er habe Fr. 80'000.00 bis Fr. 90'000.00 Schulden, weil er 

es zweimal mit einer Firma versucht habe, es aber nicht geklappt habe 

(Gerichtsakten [GA] act. 638). Weiter gab er an, er habe während seiner 

Ausbildungszeit zum Mechaniker Betriebswirtschaftslehre gehabt (GA 

act. 639). Er fügte an, Betriebswirtschaft heisse, man gehe vier Tage in die 

Schule und ein Tag ins Praktikum. Über Buchhaltung, Jahresrechnung und 

Erfolgsrechnung habe er nichts gelernt (GA act. 643). 

 

3.2.3 

Der Treuhänder und Zeuge, B., führte anlässlich seiner Einvernahme am 

28. Februar 2019 durch die Kantonspolizei Aargau aus, er habe im Laufe 

des Jahres 2016 festgestellt, dass die D. finanzielle Schwierigkeiten habe, 

als nämlich die Rechnungen, die seine Firma der D. gestellt habe, nicht 

mehr bezahlt worden seien (UA act. 472). Er habe dann den Beschuldigten 

auf die Situation angesprochen. Dieser habe immer gekämpft und Teilzah-

lungen vereinbart. Sanierungslösungen seien indessen keine angestrebt 

worden (UA act. 472 und 473). 

 

3.2.4 

Vor Vorinstanz (GA act. 646 ff.) und mit Berufung wird ausgeführt, der Be-

schuldigte sei zwar ein fleissiger Berufsmann, verfüge aber offensichtlich 

nicht über die für eine selbständige Berufsausübung notwendigen kauf-

männischen und rechtlichen Kenntnisse (GA act. 646). Er verfüge bis heute 

nicht über eine betriebswirtschaftliche, an einer Universität absolvierten 

Ausbildung (Berufung S. 4). Er sei der "Dumme" gewesen, der seinem 

früheren Arbeitgeber und dessen Treuhänder blindlings geglaubt und ver-

traut habe. Diese Vertrauensseligkeit möge letztlich fahrlässig sein, von ei-

nem eventualvorsätzlichen Handeln, geschweige denn von einem direkten 

Vorsatz, könne aber nicht ansatzweise gesprochen werden (Berufung S. 7 

f.). 

 - 10 - 

 

 

 

3.2.5 

Mit der Vorinstanz (E. 4.4.3) kann festgestellt werden, dass der Beschul-

digte den subjektiven Tatbestand in zweifacher Hinsicht erfüllte. Einerseits 

hat der Beschuldigte bereits bei der Übernahme von den verschiedenen 

Betreibungen gegen die D. und damit von der schwierigen finanziellen Si-

tuation gewusst und auch danach waren ihm diese und die weiteren Betrei-

bungen bekannt (siehe vorne E. 3.2.2). Bei dieser Ausgangslage hätte der 

Beschuldigte sofort tätig werden, sich regelmässig ein Bild über die Situa-

tion machen und nach Hilfemassnahmen Ausschau halten müssen. Dies 

gerade dann, wenn ihm, wie er ausführt, die rudimentärsten kaufmänni-

schen Kenntnisse fehlten. Indem er sich nicht um die Finanzen und die sich 

ihm präsentierte heikle finanzielle Situation kümmerte, hat er eventualvor-

sätzlich gehandelt. Kommt hinzu, dass der Beschuldigte trotz Fehlens von 

kaufmännischen und rechtlichen Kenntnissen die Funktion des Geschäfts-

führers der D. übernahm, was in sich (ebenfalls) eine eventualvorsätzliche 

Erfüllung des Tatbestandes darstellt. Zusammenfassend hat der Beschul-

digte den subjektiven Tatbestand durch seine eventualvorsätzliche Bege-

hung erfüllt.  

 

3.2.6 

Im Übrigen hätte in Bezug auf die Vermögenseinbusse bereits grobe Fahr-

lässigkeit gereicht (siehe vorne E. 3.2.1). 

 

3.3 

Misswirtschaft setzt weiter als objektive Strafbarkeitsbedingung die Kon-

kurseröffnung voraus. Diese erfolgte vorliegend am tt.mm.jjjj (UA act. 337 

ff.). Damit hat sich der Beschuldigte gestützt auf die gemachten Ausführun-

gen der Misswirtschaft schuldig gemacht.  

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte hat sich der Misswirtschaft i.S.v. Art. 165 Ziff. 1 StGB 

schuldig gemacht. Dafür kommt eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder 

eine Geldstrafe in Frage. 

 

4.2. 

4.2.1. 

Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau 

vom 23. Januar 2019 wegen mehrfacher Veruntreuung, einfacher Körper-

verletzung, mehrfachen Ungehorsam des Schuldners im Betreibungs- und 

Konkursverfahren, Fahrenlassen ohne Haftpflichtversicherung, Fahrenlas-

sen ohne Fahrzeugausweis oder Kontrollschilder, Nichtabgabe von Aus-

weisen, Erschleichen eines Ausweises und/oder einer Bewilligung und 

fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Freiheitsstrafe von 20 

Monaten verurteilt, wovon 8 Monate unbedingt zu vollziehen waren, einer 

 - 11 - 

 

 

Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 70.00 und einer Busse von 

Fr. 1'000.0 (Urteil vom 23. Januar 2019, UA act. 3). Die vorliegend zu be-

urteilende Misswirtschaft hat der Beschuldigte vor dem Urteil des Oberge-

richts des Kantons Aargau, namentlich vom tt.mm.jjjj (Tagebucheintrag im 

Handelsregister) bis am tt.mm.jjjj (Konkurseröffnung) begangen. Damit 

liegt ein Fall von retrospektiver Konkurrenz gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB 

vor. Zu klären ist dabei in einem ersten Schritt, ob eine Zusatzstrafe zum 

Urteil des Obergerichts gebildet werden kann oder ob die Strafen kumulativ 

zu verhängen sind. Eine Zusatzstrafe kann dann verhängt werden, wenn 

mehrere gleichartige Strafen vorliegen (BGE 142 IV 265 E. 2.4.2; BGE 141 

IV 61 E. 6.1.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2). 

 

4.2.2. 

Für die Frage der Strafart kann vorweg auf die korrekten Ausführungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (E. 8.4). Der Beschuldigte wurde bereits 

2013, 2014 und 2017 mehrfach zu Geldstrafen verurteilt (UA act. 1 ff.). Das 

Aussprechen einer weiteren Geldstrafe ist damit sowohl unter general- als 

auch unter spezialpräventiven Gesichtspunkten nicht sinnvoll, liess sich der 

Beschuldigte doch bislang durch die ausgesprochenen Strafen nicht von 

weiteren Straftaten abhalten. Es ist deshalb vorliegend eine Freiheitsstrafe 

auszusprechen. Entsprechend ist die Gleichartigkeit der Strafen gemäss 

Art. 49 Abs. 1 StGB gegeben. Für die Freiheitsstrafe gilt aArt. 40 StGB, 

nachdem die bis zum tt.mm.jjjj andauernde Tat vor dem Inkrafttreten der 

Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches am 1. Januar 2018 

stattfand und das revidierte Recht nicht milder ist. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Liegen die Voraussetzungen für eine Zusatzstrafe vor, setzt das Gericht 

zunächst eine hypothetische Gesamtstrafe fest. Es hat sich zu fragen, wel-

che Strafe es ausgesprochen hätte, wenn es sämtliche Delikte gleichzeitig 

beurteilt hätte. Dabei hat es nach den Grundsätzen von Art. 49 Abs. 1 StGB 

zu verfahren. Bei retrospektiver Konkurrenz hat der Richter ausnahms-

weise mittels Zahlenangaben offenzulegen, wie sich die von ihm zugemes-

sene Strafe quotenmässig zusammensetzt (BGE 142 IV 265 E. 2.3.3 mit 

Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_1138/2020 vom 2. November 

2021 E. 1.2.1).  

 

Die Zusatzstrafe ist die infolge Asperation mit der Grundstrafe reduzierte 

Strafe für die neu zu beurteilenden Taten. Um bei der Zusatzstrafenbildung 

dem Prinzip der Strafschärfung gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB Rechnung zu 

tragen, hat das Zweitgericht die rechtskräftige Grundstrafe und die von ihm 

für die neu zu beurteilenden Taten auszusprechenden Strafen nach den 

Grundsätzen von Art. 49 Abs. 1 StGB zu schärfen. Die Einsatzstrafe bildet 

die Strafe der (abstrakt) schwersten Straftat sämtlicher Delikte. Es ist zu 

unterscheiden, ob die Grundstrafe oder die neu zu beurteilenden Delikte 

 - 12 - 

 

 

die schwerste Straftat enthalten. Im ersten Fall ist die Grundstrafe aufgrund 

der Einzelstrafen der neu zu beurteilenden Delikte angemessen zu erhö-

hen. Anschliessend ist von der (gedanklich) gebildeten Gesamtstrafe die 

Grundstrafe abzuziehen, was die Zusatzstrafe ergibt (BGE 142 IV 265 

E 2.4.4.). 

 

4.3.2. 

Abstrakt am schwersten wiegen einerseits die Veruntreuung gemäss 

Art. 138 Ziff. 1 StGB (Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe; vgl. 

Urteil vom 23. Januar 2019), die in der Grundstrafe enthalten ist, und an-

dererseits die Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB (ebenfalls Frei-

heitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe; vorliegendes Verfahren). 

Auszugehen ist von der in der Grundstrafe (Urteil vom 23. Januar 2019) 

enthaltenen Veruntreuung als die schwerste Straftat, weshalb die Grund-

strafe unter Anwendung des Asperationsprinzips angemessen um die 

Strafe für die Misswirtschaft zu erhöhen ist. 

 

4.3.3. 

Der Beschuldigte hat sich vom tt.mm.jjjj (Tagebucheintrag im Handelsre-

gister) bis zum tt.mm.jjjj (Konkurseröffnung) der Misswirtschaft schuldig ge-

macht. So hatte er während der ganzen Zeit Kenntnis von der schwierigen 

finanziellen Situation der D., hat jedoch keine Sanierungsmassnahmen er-

griffen. Bis zur Konkurseröffnung am tt.mm.jjjj lagen gesamthaft 78 Betrei-

bungen in der Höhe von Fr. 217'589.95 vor (UA act. 479 ff.), wovon mut-

masslich Fr. 23'191.15 beglichen wurden (UA act. 327). Insgesamt ist in 

Anbetracht des breiten Spektrums möglicher Misswirtschaftshandlungen 

und Deliktsbeträge von einem im Verhältnis zum Strafrahmen noch leichten 

Tatverschulden auszugehen. Insgesamt erscheint eine Freiheitsstrafe von 

5 Monaten für die Misswirtschaft als angemessen. Somit ist in Anwendung 

des Asperationsprinzips eine angemessene Erhöhung der Grundstrafe um 

3 Monate vorzunehmen. Es ergibt sich damit eine hypothetische Gesamt-

strafe von 23 Monaten. 

 

Von dieser ist die bereits rechtskräftige Freiheitsstrafe von 20 Monaten 

Freiheitsstrafe des Obergerichts des Kantons Aargau vom 23. Januar 2019 

in Abzug zu bringen, so dass der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 

3 Monaten als Zusatzstrafe zu bestrafen wäre. Aufgrund des Verschlech-

terungsverbots bleibt es allerdings bei einer Zusatzstrafe von 2 Monaten. 

Damit ist der Beschuldigte mit einer Zusatzstrafe von 2 Monaten zu bestra-

fen. 

 

5. 

5.1. 

Für die Prüfung, ob für die auszusprechende Freiheitsstrafe die Vorausset-

zungen der Gewährung des bedingten oder teilbedingten Strafvollzuges er-

 - 13 - 

 

 

füllt sind, hat das Gericht sämtliche Zusatzstrafen, Grundstrafen und zu ku-

mulierenden Strafen zu addieren und hernach zu entscheiden, ob diese 

hypothetische Gesamtstrafe die Anwendung von Art. 42 oder 43 StGB er-

laubt (BGE 145 IV 377). 

 

5.2. 

Die hypothetische Gesamtstrafe beträgt vorliegend 22 Monate (Grund-

strafe von 20 Monaten und Zusatzstrafe von 2 Monaten). Möglich ist mit 

Blick auf die hypothetische Gesamtstrafe damit grundsätzlich eine be-

dingte, eine teilbedingte oder eine unbedingte Zusatzstrafe. 

 

5.3. 

Der Beschuldigte hat zahlreiche, teilweise einschlägige Vorstrafen, die er-

hebliche Bedenken an seiner Legalbewährung aufkommen lassen. Indes-

sen ist er bisher einzig mit Geldstrafen sanktioniert worden. Er sah sich 

noch nie mit einer Freiheitsstrafe als Sanktion konfrontiert (ausgenommen 

die Freiheitsstrafe, die ihm das Obergericht am 23. Januar 2019 und damit 

nach der begangenen Misswirtschaft auferlegte). Zu seiner Zeit im Gefäng-

nis an der AB. sagte der Beschuldigte aus, er wolle nie mehr im Leben in 

Haft (GA act. 642). Es ist deshalb zu erwarten, dass auch der bedingte 

Vollzug einer Freiheitsstrafe beim Beschuldigten eine spezialpräventive 

Wirkung erzeugt. Eine eigentliche Schlechtprognose kann dem Beschul-

digten einzig aufgrund der bereits ausgesprochenen Geldstrafen jedenfalls 

nicht gestellt werden. Die 2 Monate Freiheitsstrafe sind deshalb bedingt 

auszusprechen. 

 

Bei dieser Ausgangslage, und insbesondere mit Blick auf die zahlreichen 

Vorstrafen des Beschuldigten, ist dem Beschuldigten im Sinne einer Warn-

wirkung eine Probezeit von 4 Jahren anzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

6. 

6.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung im Schuldpunkt, er obsiegt 

jedoch insofern, als ihm für die Zusatzstrafe der bedingte Vollzug gewährt 

wird. Entsprechend werden ihm die Kosten des Berufungsverfahrens zur 

Hälfte auferlegt. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 1'500.00 festzusetzen (§ 18 

VKD). 

 

6.2. 

Unter diesen Umständen hat der Beschuldigte für das Berufungsverfahren 

Anspruch auf Ersatz der Hälfte seiner Parteikosten (Art. 429 Abs. 1 lit. a 

StPO i.V.m. Art. 436 Abs. 1 StPO). 

 

 - 14 - 

 

 

Nach § 9 Abs. 1 des Dekrets über die Entschädigung der Anwälte (Anwalts-

tarif, AnwT, SAR 291.150) bemisst sich die Entschädigung des frei gewähl-

ten Verteidigers nach dem angemessenen Zeitaufwand, wobei der Stun-

denansatz in der Regel Fr. 220.00 beträgt. Auslagen und Mehrwertsteuer 

werden separat entschädigt (§9 Abs. 2bis AnwT). Der Verteidiger des Be-

schuldigten reichte keine Kostennote ein, womit sein Aufwand zu schätzen 

ist. Die Berufungserklärung erfolgte mit Eingabe vom 19. April 2022 und 

umfasste vier Seiten. Die Berufungsbegründung erfolgte mit Eingabe vom 

8. Juni 2022 und umfasste knapp 10 Seiten. Im vorliegenden Fall erscheint 

unter Mitberücksichtigung der notwendigen Kontakte mit dem Beschuldig-

ten und dem Aufwand mit prozessleitenden Verfügungen ein Aufwand von 

6 Stunden angemessen. Zuzüglich der Auslagen von praxisgemäss 3% 

(ausmachend Fr. 39.60) und 7.7% MWST (ausmachend Fr. 92.40) ergibt 

sich damit ein Betrag von Fr. 1'452.00. 

 

Von diesem Betrag ist dem Beschuldigten die Hälfte, somit Fr. 726.00 zu 

ersetzen. 

 

6.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Der Beschuldigte wird in drei Punkten (Unterlassung der Buchführung, 

Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung und Betrug) freige-

sprochen und in einem Punkt (Misswirtschaft) schuldig gesprochen. Die 

erstinstanzliche Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist dem 

Verfahrensausgang entsprechend nach wie vor zutreffend (Art. 428 Abs. 3 

i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, 

welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, Art. 81 StPO). 

Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung abgewiesen wird (BGE 141 IV 

244 E. 1.3.3, Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 2018 

E. 4 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf  

-  der Unterlassung der Buchführung;  

- der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung; und 

- des Betrugs. 

 

 - 15 - 

 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 

StGB. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss der in Ziff. 2 genannten Gesetzesbe-

stimmung sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 2 StGB, 

aArt 40 StGB, aArt. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 StGB  

 

als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 

23. Januar 2019  

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 2 Monaten, Probezeit 4 Jahre, ver-

urteilt.  

 

4. 

Die Zivilforderung der Privatklägerin N. wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

5. 

5.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'500.00 sowie den Auslagen von Fr. 118.00, gesamthaft 

Fr. 1618.00, werden dem Beschuldigten zur Hälfte mit Fr. 809.00 auferlegt. 

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten für das Beru-

fungsverfahren eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 726.00 (inkl. Aus-

lagen und MWST) auszurichten.  

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 2'999.95 (inkl. Anklagege-

bühr von Fr. 1'700.00) werden dem Beschuldigten zur Hälfte mit 

Fr. 1'500.00 auferlegt. 

 

6.2. 

Die Gerichtskasse Lenzburg wird, insoweit noch keine Auszahlung erfolgt 

ist, angewiesen, dem Beschuldigten für das erstinstanzliche Verfahren die 

gerichtlich auf Fr. 4'077.85 festgesetzten Parteikosten zur Hälfte mit 

Fr. 2'038.90 (inkl. Auslagen und MwSt.) zu ersetzen. 

 

6.3. 

Die Privatklägerin N. trägt ihre Parteikosten selbst.  

 

 

 Zustellung an: […] 

 - 16 - 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 25. Oktober 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Plüss Döbeli