# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2d2dd660-af95-5ab2-a7f3-bbdf8f0119ad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-09-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.09.2025 F-2576/2025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2576-2025_2025-09-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2576/2025 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  S e p t e m b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Einzelrichterin Christa Preisig, 

mit Zustimmung von Richter Yannick Antoniazza-Hafner;   

Gerichtsschreiberin Joana Maria Mösch. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geb.  (…),  

B._______, geb. (…), 

C._______, geb. (…), 

alle aus der Türkei, 

alle vertreten durch lic. iur. Mustafa Ates, Advokat, 

Advokatur ATES,  

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone;  

Verfügung des SEM vom 4. April 2025. 

 

 

 

F-2576/2025 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden (eine Mutter [Beschwerdeführerin 1] und ihre 

beiden minderjährigen Kinder) ersuchten am (…) 2025 in der Schweiz um 

Asyl. Am (…) 2025 fand die Asylanhörung statt (vgl. Art. 29 AsylG 

[SR 142.31]), und mit Zwischenverfügung vom  (…) 2025 wurden sie ge-

mäss Art. 26d AsylG dem erweiterten Verfahren zugeteilt.  

B.  

Mit Verfügung der Vorinstanz vom 4. April 2025 (zugestellt am 7. April 2025) 

wurden die Beschwerdeführenden dem Kanton D._______ zugewiesen. 

Gleichzeitig hielt die Vorinstanz fest, dass eine allfällige Beschwerde keine 

aufschiebende Wirkung habe. 

C.  

Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden am 11. April 2025 Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten die Aufhebung 

der vorinstanzlichen Verfügung und die Zuweisung der Beschwerdeführen-

den an den E._______. Prozessual beantragten sie die Erteilung der auf-

schiebenden Wirkung und im Sinn einer vorsorglichen Massnahme die 

einstweilige Zuweisung in den Kanton E._______. Weiter ersuchten sie um 

den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. April 2025 wies das Bundesverwaltungs-

gericht die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung sowie auf 

vorsorgliche Zuweisung an den Kanton E._______ ab. Hingegen hiess es 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und 

verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

E.  

Die Vorinstanz liess sich am 21. Mai 2025 vernehmen und beantragte die 

Abweisung der Beschwerde. 

F.  

Am 21. Mai 2025 wies die Vorinstanz die Asylgesuche ab, verneinte die 

Flüchtlingseigenschaft und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. 

Mit dem Vollzug der Wegweisung betraute sie den Kanton D._______. Ge-

gen diesen Entscheid legten die Beschwerdeführenden ebenfalls Be-

schwerde ein (vgl. noch hängiges Beschwerdeverfahren D-4335/2025). 

F-2576/2025 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Kantonszuweisung unterliegen 

der Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht (Art. 27 Abs. 3 i.V.m. 

Art. 107 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Verfahren 

richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder das AsylG nichts an-

deres bestimmt (Art. 6 AsylG, Art. 37 VGG). Die Beschwerdeführende sind 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf 

die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. 

Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.2 Am (…) 2025 erging der vorinstanzliche Asylentscheid betreffend die 

Beschwerdeführenden (vgl. Sachverhalt, F.). Dagegen haben sie Be-

schwerde erhoben; das entsprechende Verfahren ist noch hängig. Die 

Frage betreffend die Zuweisung an einen Kanton stellt sich entsprechend 

weiterhin, womit ein schutzwürdiges Interesse der Beschwerdeführenden 

an der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Verfügung besteht 

(vgl. Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). 

1.3 Die Beschwerde erweist sich – wie sich aus den nachfolgenden Erwä-

gungen ergibt – als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren 

einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin 

beziehungsweise eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) und mit 

summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 

AsylG). 

2.  

2.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das SEM die Asylsuchenden den 

Kantonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kantone 

und der Asylsuchenden Rechnung. Die Verteilung geschieht nach einem 

Schlüssel gemäss Art. 21 AsylV 1, wobei das SEM bei der Verteilung be-

reits in der Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit 

der Asylsuchenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksich-

tigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1). 

2.2 Der Begriff der «Einheit der Familie» gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG wird 

im Asylgesetz einheitlich verwendet und entspricht dem Schutzbereich von 

Art. 8 EMRK (BVGE 2008/47 E. 4.1). Er umfasst in erster Linie die Kernfa-

milie, also die Ehegatten und deren minderjährige Kinder (vgl. Art. 1a Bst. e 

AsylV 1). Andere familiäre Verhältnisse fallen bloss dann in den Schutzbe-

reich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK, sofern eine genügend nahe, echte und 

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tatsächlich gelebte Beziehung besteht. Hinweise für solche Beziehungen 

sind das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, eine finanzi-

elle Abhängigkeit, speziell enge familiäre Bande, regelmässige Kontakte 

oder die Übernahme von Verantwortung für eine andere Person. Bei hin-

reichender Intensität sind auch Beziehungen zwischen nahen Verwandten, 

namentlich solche von erwachsenen Kindern zu ihren Eltern oder unter 

Geschwistern, wesentlich. In diesem Fall setzt die Berufung auf Art. 8 

Abs. 1 EMRK aber voraus, dass zwischen den beteiligten Personen ein 

über die normalen affektiven Bindungen hinausgehendes Abhängigkeits-

verhältnis besteht (BGE 147 I 268 E. 1.2.3; 144 II 1 E. 6.1; 137 I 154 

E. 3.4.2, je m. H.). 

2.3 Besondere Elemente der Abhängigkeit können sich unabhängig vom 

Alter, namentlich aus besonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen 

wie bei körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden 

Krankheiten, ergeben (vgl. BGE 147 I 268 E. 1.2.3; 145 I 227 E. 3.1; 120 

Ib 257 E. 1e; Urteil des BGer 2C_339/2019 vom 14. November 2019 E. 3.4; 

Urteil des EGMR Belli und Arquier-Martinez gegen Schweiz vom 11. De-

zember 2018, 65550/13, § 65). Die betroffene Person muss für die Bewäl-

tigung des täglichen Lebens auf fremde Hilfe angewiesen sein, die sinn-

vollerweise nur von einem nahen Angehörigen geleistet werden kann. Eine 

lediglich moralische Unterstützung genügt dabei nicht, um ein Abhängig-

keitsverhältnis im Sinn der Rechtsprechung zu begründen (vgl. Urteile des 

BGer 2C_339/2019 E. 3.5; BVGE 2008/47 E. 4.1.1 f.; Urteil des EGMR I.M. 

gegen Schweiz vom 9. April 2019, 23887/16, § 62). Das besondere Abhän-

gigkeitsverhältnis muss gewachsen sein und im Zeitpunkt der Geltendma-

chung des Anspruchs fortbestehen (vgl. Urteile des BGer 2C_396/2021 

vom 27. Mai 2021 E. 3.2; 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.2). 

3.  

3.1 Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich um eine Mutter (Be-

schwerdeführerin 1) mit ihren beiden minderjährigen Kindern (Beschwer-

deführende 2 und 3). Sie machen eine über die Kernfamilie hinausgehende 

Beziehung zu ihrem in der Schweiz lebenden Bruder beziehungsweise On-

kel geltend. Die Beschwerdeführerin 1 trägt vor, dass ihr Bruder sie bereits 

vor der Ausreise aus der Türkei sowohl finanziell als auch moralisch unter-

stützt habe. Aufgrund häuslicher Gewalt durch ihren in der Türkei verblie-

benen Ehemann leide sie an schweren psychischen Belastungen, Panikat-

tacken, Schlafstörungen sowie Herz- und Kopfschmerzen und sei derzeit 

nicht in der Lage, ihre Kinder angemessen zu betreuen. Sie sei deshalb 

auf die Unterstützung ihres Bruders angewiesen, insbesondere im 

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Rahmen einer vom Arzt empfohlenen psychiatrischen Behandlung, wobei 

er sie zu Terminen begleiten und als Dolmetscher fungieren könne, wäh-

rend seine Frau die Kinder betreue. Eine Zuweisung in den Kanton 

D._______ und die Trennung vom Bruder würde ihren Gesundheitszu-

stand nachweislich verschlechtern und damit eine Verletzung von 

Art. 8 EMRK darstellen. Zudem führten die Beschwerdeführenden aus, 

dass der gewalttätige Ehemann respektive Vater über bekannte Fluchtrou-

ten leicht in den Kanton D._______ gelangen könne, wo sie ihm schutzlos 

ausgeliefert wären. Die Beschwerdeführerin 1 gibt weiter an, ihr Bruder sei 

bereit, sie nach Erhalt der kantonalen Bewilligung vollzeitig in seinem Un-

ternehmen anzustellen. Schliesslich sei eine Unterbringung beim Bruder 

angesichts der langen Verfahrensdauer kostensparend und daher im öf-

fentlichen Interesse. 

3.2 Die Beziehung der Beschwerdeführenden zu ihrem Bruder bezie-

hungsweise Onkel fällt nicht unter den Begriff der Kernfamilie (vgl. E. 2.2); 

dies bestreiten die Beschwerdeführenden denn auch nicht. Fraglich ist so-

mit einzig, ob ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinn der Rechtsprechung 

(vgl. E. 2.3) vorliegt. 

Aus den medizinischen Unterlagen und den übrigen Akten ergeben sich 

weder Hinweise auf eine Gefährdung des Kindeswohls noch darauf, dass 

der psychische Zustand der Beschwerdeführerin 1 einer Zuweisung in den 

Kanton D._______ entgegenstehen würde. Sollten sie entsprechende Un-

terstützung benötigen, könnte diese auch dort in Anspruch genommen wer-

den; sie ist nicht an die Person des Bruders gebunden. 

Eine räumliche Nähe mag emotional und moralisch von Vorteil sein, be-

gründet jedoch kein Abhängigkeitsverhältnis. Zwar ist nachvollziehbar, 

dass die Beschwerdeführenden das Asylverfahren beziehungsweise das 

noch hängige Beschwerdeverfahren betreffend die Asylabweisung in der 

Nähe ihres Bruders beziehungsweise Onkels abwarten möchten.  

Weder aus den Akten noch aufgrund substanziierter Vorbringen ist ersicht-

lich, dass alltägliche Aufgaben ohne Hilfe des Bruders beziehungsweise 

Onkels der Beschwerdeführenden nicht selbständig bewältigt werden 

könnten. Aus den Akten ergibt sich lediglich, dass der Bruder der Be-

schwerdeführerin 1 gegebenenfalls als Übersetzer sowie als moralische 

Unterstützung beigezogen werden und seine Ehefrau die Kinder während 

allfälliger Therapiesitzungen betreuen könnte. Solche Therapien sind den 

medizinischen Unterlagen bislang jedoch nicht zu entnehmen. Der Wunsch 

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nach moralischer, sprachlicher oder finanzieller Unterstützung allein reicht 

zudem ohnehin nicht aus, um ein Abhängigkeitsverhältnis zu begründen. 

Die familiären Beziehungen, die gemäss den Aussagen der Beschwerde-

führenden bereits gepflegt wurden, als sie noch in der Türkei lebten und 

insoweit nicht infrage gestellt werden, rechtfertigen keine abweichende Zu-

weisung, zumal sie bereits über grössere Distanzen aufrechterhalten wer-

den konnten.  

Schliesslich überzeugt auch der Einwand, der gewalttätige Ehemann be-

ziehungsweise Vater könne die Beschwerdeführenden im Kanton 

D._______ aufspüren, nicht; naheliegender ist, dass er sie zunächst im fa-

miliären Umfeld in E._______ suchen würde. Auch dieses Vorbringen 

rechtfertigt daher keine Abweichung von der regulären Zuweisung. 

3.3 Zusammenfassend bestehen keine verwandtschaftlichen Beziehun-

gen, welche anspruchsrelevant von Art. 8 EMRK erfasst werden. Die Zu-

weisung der Beschwerdeführenden an den Kanton D._______ verletzt da-

her den Grundsatz der Einheit der Familie nicht. 

4.  

Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden 

und die Beschwerde ist abzuweisen. 

5.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der 

Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung wurde jedoch mit Zwischenverfügung vom 23. April 2025 gut-

geheissen. Es sind ihnen daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

Eine Parteientschädigung fällt ausgangsgemäss ausser Betracht (Art. 64 

Abs. 1 VwVG). 

6.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, die Vorinstanz und die 

zuständige Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Preisig Joana Maria Mösch 

 

 

 

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