# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 59573ec7-6ebb-54c5-8cd9-5503e378c835
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2002-08-21
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 21.08.2002 JAAC 67.25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_008_JAAC-67-25--_2002-08-21.pdf

## Full Text

JAAC 67.25

Entscheid des Bundesrates vom 21. August 2002

Subventions fédérales du Fonds de sécurité routière (FSR). Violation de
règles de procédure. Egalité dans l’illégalité.

Art. 8 al. 1 du Règlement concernant l’utilisation des capitaux du Fonds
de sécurité routière. Publication seulement après assentiment de la
commission administrative du FSR.

- Lorsque le recours a une portée supérieure au montant accordé par
le FSR, il doit être considéré comme une demande complémentaire et
soumis, par conséquent, à la décision de la commission administrative
en tant qu’autorité de première instance (consid. 2.2).

- Les décomptes sur les subventions du Fonds divergent le plus souvent
des montants accordés à l’origine; la subvention définitive est alors
fixée par le FSR, selon une pratique constante, dans la décision relative
au décompte. Or le montant du décompte peut être supérieur à la
subvention accordée; pour cette raison et pour des raisons d’économie
de la procédure, dans de tels recours le Conseil fédéral se prononce
aussi sur la question relative au montant qui dépasse celui de la
subvention accordée (consid. 2.2).

- Mis à part les vérifications auxquelles procèdent les autorités en vertu
de la maxime d’office, seules les parties participent à la procédure
administrative; les critiques extérieurs d’un projet pour lequel
une subvention fédérale est demandée n’ont pas qualité de parties
(consid. 2.3).

- Etant donné que certains bénéficiaires - en particulier de grandes
organisations - ont souvent contrevenu à l’art. 8 al. 1 du règlement et
que d’habitude le FSR leur a quand-même attribué des subventions
fédérales si leurs projets ne soulevaient pas d’objections de fond,
d’autres requérants se trouvant dans une situation semblable ont droit
à l’égalité dans l’illégalité (consid. 3.3-3.5).

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Bundesbeiträge des Fonds für Verkehrssicherheit (FVS). Verletzung von
Verfahrensvorschriften. Gleichbehandlung im Unrecht.

Art. 8 Abs. 1 des Reglements über die Verwendung der Mittel des Fonds
für Verkehrssicherheit. Veröffentlichung erst nach Einwilligung der
Verwaltungskommission des FVS.

- Insoweit ein Beschwerdeantrag über den vom FVS zugesicherten
Betrag hinausgeht, ist die Beschwerde als ergänzendes Gesuch zu
betrachten, welches grundsätzlich von der Verwaltungskommission des
FVS als erstinstanzlich zuständige Behörde zu beurteilen ist (E. 2.2).

- Abrechnungen über Fondsbeiträge weichen regelmässig von
den ursprünglich zugesicherten Beträgen ab; der definitive
Bundesbeitrag wird dann vom FVS gemäss konstanter Praxis in der
Abrechnungsverfügung festgesetzt. Dabei kann der Abrechnungsbetrag
den zugesicherten Bundesbeitrag auch übersteigen; daher und aus
Gründen der Verfahrensökonomie entscheidet der Bundesrat in
solchen Beschwerdesachen grundsätzlich auch hinsichtlich des den
zugesicherten Bundesbeitrag übersteigenden Betrages in der Sache
selbst (E. 2.2).

- Abgesehen von Abklärungen, welche Behörden im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vornehmen, sind am
Verwaltungsverfahren nur Parteien beteiligt; aussenstehenden
Kritikern eines Projektes, für welches um einen Bundesbeitrag
nachgesucht wird, kommt keinerlei Parteistellung zu (E. 2.3).

- Da Art. 8 Abs. 1 des Reglements von Gesuchstellern - insbesondere von
grösseren Organisationen - häufig missachtet worden ist und der FVS
in der Regel dennoch einen Bundesbeitrag ausgerichtet hat, wenn keine
inhaltlichen Einwände gegen die Projekte zu erheben waren, besteht
in vergleichbaren Fällen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht
(E. 3.3-3.5).

Sussidi federali del Fondo di sicurezza stradale (FSS). Violazione di
disposizioni di procedura. Parità di trattamento nell’illegalità.

Art. 8 cpv. 1 del Regolamento concernente l’impiego dei mezzi del
Fondo di sicurezza stradale. Pubblicazione solo dopo l’assenso della
Commissione amministrativa del FSS.

- Nella misura in cui una richiesta ricorsuale superi la cifra
originariamente attribuita dal FSS, il ricorso deve essere considerato
come una richiesta complementare che, in linea di principio, deve essere
giudicata dalla Commissione amministrativa del FSS quale autorità
competente in prima istanza (consid. 2.2).

- Calcoli inerenti i sussidi del FSS e che sono regolarmente differenti
dalle cifre inizialmente garantite; secondo la costante prassi, il sussidio
federale definitivo viene stabilito nella decisione di calcolo del FSS.
Tale cifra può anche essere superiore al sussidio federale inizialmente
garantito; per questo motivo e per motivi di economia procedurale,

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in simili procedure ricorsuali il Consiglio federale di principio decide
nel merito anche per quanto concerne la somma che supera il sussidio
federale garantito (consid. 2.2).

- A parte gli accertamenti che le autorità effettuano d’ufficio nel quadro
del principio inquisitorio, alla procedura amministrativa partecipano
solo le parti; persone critiche, ma non coinvolte in un progetto per il
quale viene chiesto un sussidio, non hanno qualità di parte (consid. 2.3).

- Poiché l’art. 8 cpv. 1 del Regolamento viene spesso ignorato dai
richiedenti - in particolare da organizzazioni importanti - e il Fondo
di regola ha comunque attribuito loro un sussidio federale, se non
dovevano essere sollevate opposizioni nei confronti del contenuto
del progetto, sussiste in casi paragonabili il diritto ad una parità di
trattamento nell’illegalità (consid. 3.3-3.5).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Am 28. Dezember 1999 reichte T. dem Fonds für Verkehrssicherheit (FVS)
sein Beitragsgesuch für das Jahr 2000 ein, welches im Anhang unter Ziff. 1.2.1
auch eine geplante «Broschüre für Eltern» mit Kosten von 73’110 Franken
umfasste. Als Ziel der Broschüre wurde angeführt, Eltern zu überzeugen, dass
eine bewusste Erziehung positive Auswirkungen auf das Verhalten im Verkehr
mit sich bringe und sie für die Zusammenhänge allgemeine Erziehung /
Verkehr zu sensibilisieren.

Bei einem Beitragssatz von 80% bewilligte die Verwaltungskommission des
FVS am 8. März 2000 unter der Rubrik «Nouvelles créations (1.2.1 Brochure
pour parents)» und unter Verweis auf das Beitragsgesuch einen Betrag von
58’488 Franken.

Am 20. März 2000 reichte T. dem Sekretär des FVS unaufgefordert den
deutschen Textentwurf der Elternbroschüre ein («Sind so kleine Füsse
[…]»). Am 12. April 2000 erteilte T. für diese Broschüre den Druckauftrag;
die Ablieferung der Broschüre durch die Druckerei erfolgte am 13. Juni 2000.
Nach drei Monaten gab T. wegen der grossen Nachfrage einen Nachdruck in
Auftrag. Am 14. März 2001 wurde die Broschüre «Sind so kleine Füsse […]»
sowie die Erfolgsbilanz den Mitgliedern der Fondskommission verteilt. Die
Abrechnung reichte T. am 30. März 2001 ein, wobei unter der Rubrik 1.2.1 als
zu subventionierender Betrag 91’225 Franken angeführt werden.

B. An der Sitzung der Verwaltungskommission des FVS vom 13. Juni 2001,
bei welcher die Abrechnung geprüft wurde, lehnte dann die Mehrheit eine
Finanzierung der Broschüre ab.

Da keine Einigkeit darüber herrschte, ob T. - wie dies die grosse Mehrheit
annahm - reglementswidrig gehandelt habe, gab der Sekretär des FVS dem T.
mit Schreiben vom 15. Juni 2001 noch Gelegenheit zu einer entsprechenden
Stellungnahme. T. machte daraufhin am 19. Juni 2001 geltend, das
Beitragsgesuch sei vom FVS ohne Bemerkungen genehmigt worden. Zudem sei
das Sekretariat vor der Drucklegung mit einem Exemplar bedient worden. Das

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Sekretariat könne zwar weitere Exemplare verlangen (Art. 4 des Reglements),
habe dies vorliegend indes nicht getan. Das Vorgehen von T. entspreche dem
seit eh und je gehandhabten Prozedere.

C. In der ablehnenden Verfügung des FVS vom 5. Juli 2001 wird -
soweit sie den hier zu beurteilenden Sachverhalt betrifft - angeführt,
dass vom Fonds finanzierte Arbeiten nach Art. 8 des Reglementes der
Verwaltungskomission vom 5. Dezember 1989 über die Verwendung der
Mittel des Fonds für Verkehrssicherheit (im Folgenden: Reglement, SR
741.816) nur mit Einwilligung, das heisst erst nach dem «Gut zum Druck» -
der Verwaltungskommission veröffentlicht werden dürften. Dazu seien nach
Art. 5 Abs. 4 des Reglementes 20 Exemplare einzureichen. Unabhängig davon
sei dem Sekretariat des FVS sobald als möglich, spätestens jedoch mit der
Abrechnung (zu Dokumentationszwecken) ein Belegexemplar einzureichen.

Würden Auflagen oder Korrekturwünsche der Verwaltungskommission
nicht eingehalten, entrichte der Fonds keinen Beitrag und könnten
bereits ausbezahlte Beiträge zurückgefordert werden (Art. 11 Abs. 2
des Reglementes). Der Inhalt der Broschüre wird in den rechtlichen
Erwägungen nicht angesprochen, obwohl im Beschlussprotokoll der Sitzung
der Verwaltungskommission des FVS vom 13. Juni 2001 dazu Folgendes
festgehalten wird:

«Der Inhalt dieser Broschüre wurde in der Öffentlichkeit zum Teil heftig kritisiert.
Die Broschüre wurde daraufhin verschiedenen Verkehrspsychologen unterbreitet.
Frau B. stellt fest, dass die Broschüre unbedingt überarbeitet werden müsste, weil
sie Thesen enthalte, die zu Fehlschlüssen führen können.»

D. Gegen die Verfügung des FVS vom 5. Juli 2001 erhob T. am 29. August 2001
Verwaltungsbeschwerde beim Bundesrat. Er beantragte, Ziff. 2 der Verfügung
aufzuheben und ihm einen Betrag von 91’225 Franken auszurichten,
eventualiter das Gesuch zur verbindlichen Behandlung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.

Die jährlichen Gesuche (samt Unterlagen und Spezifikationen) dienten
einerseits dem FVS für die Budgetierung und brächten anderseits T. die
Bewilligungen, auf welche er seine Arbeit aufbauen könne. Eine solche
Bewilligung sei ihm auf sein Gesuch vom 28. Dezember 1999 hin vom FVS
am 8. März 2000 ohne weitere Bemerkungen erteilt worden.

Vor dem Erlass der Verfügung sei nur einmal Kritik an der Elternbroschüre
geäussert worden, und zwar in einer Notiz des Sekretärs des FVS, welche mit
der Einladung zur Sitzung der Verwaltungskommission vom 13. Juni 2001
versandt worden sei. Darin habe der Sekretär darauf hingewiesen, dass die
Broschüre in der Öffentlichkeit zum Teil heftig kritisiert worden und die
Veröffentlichung ohne Einwilligung der Verwaltungskommission bereits
erfolgt sei. Frau B. und Herr P. würden darüber an der Sitzung noch mündlich
referieren.

Die angefochtene Verfügung enthalte eine formelle und eine materielle
Begründung. Zummateriellen Aspekt, der Kritik am Inhalt der Broschüre,
verwies T. auf die Erfolgsbilanz. Die Kritik sei erst rund ein Jahr nach
der Veröffentlichung der Broschüre erfolgt und seitens des Fonds nie
begründet worden. Schliesslich sei die Grundidee der Broschüre vom
Fonds bereits genehmigt worden. In formeller Hinsicht wies T. auf die

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Auffassungsunterschiede hin, welche hinsichtlich der Elternbroschüre
zwischen T. und der Verkehrspsychologin Frau B. bestehen und die wegen
deren Eigeninteressen zum Ausstand hätten führen sollen. Das Gleiche gelte
für Herrn H. von der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung
(bfu).

Die angefochtene Verfügung sei zudem willkürlich, weil das Beitragsgesuch
am 15. März 2000 bereits - ohne Auflage - bewilligt worden sei. Die geltend
gemachten Verfahrensfehler würden bestritten. Nachgewiesen sei, dass
das Sekretariat als vollziehendes Organ des Fonds vor der Drucklegung ein
Exemplar der Broschüre erhalten habe und das Vorgehen jenem in früheren
Jahren entsprochen habe. Der Hinweis auf die zu liefernden 20 Exemplare sei
zynisch, da eine solche Zahl einen Druck voraussetze.

Das Reglement enthalte keine Verpflichtung, ein «Gut zum Druck» der
Verwaltungskommission einzuholen. Eine nachträgliche Verweigerung des
Beitrages sei zwar möglich, doch nur, wenn die Veröffentlichung nicht dem
bewilligten Projekt entspreche. Eine solche Abweichung werde hier nicht
dargetan.

E. Der FVS beantragte am 29. November 2001 die Abweisung der Beschwerde
und hielt daran fest, dass vom Fonds finanzierte Arbeiten nicht ohne
Einwilligung der Verwaltungskommission veröffentlicht werden dürften.
Die Dokumente seien 20-fach einzureichen. Wenn Gesuchsteller - was bei
grossen Organisationen häufig der Fall sei - nicht vorschriftsgemäss vorgingen,
täten sie dies auf eigenes Risiko. Bei leichteren Fällen von Verstössen, z. B. bei
Formfehlern, könne auf eine Kürzung oder Rückzahlung verzichtet werden
und bloss eine Rüge ausgesprochen werden.

Das Sekretariat unterbreite alle Drucksachen, die ihm zur Genehmigung und
Freigabe eingereicht würden, der Verwaltungskommission, und zwar auch
wenn sie in ungenügender Zahl eingereicht würden. Ohne Kommentar oder
bloss «zur Ansicht» eingereichte Exemplare würden als blosse Belegexemplare
betrachtet. Eine Kontrolle aller eingehenden Drucksachen darauf, ob sich
darunter solche befinden, welche der Verwaltungskommission zu unterbreiten
wären, sei nicht möglich.

Die nachträgliche Anhörung von T. habe dazu gedient, abzuklären, ob die
Sache der Verwaltungskommission erneut zur Prüfung zu unterbreiten sei,
was aber nicht der Fall gewesen sei.

F. Mit Replik vom 22. Januar 2002 hielt T. an seinen Beschwerdeanträgen fest
und rügte die Beteiligung eines Dritten am Verfahren, welche sich aus den
Vorakten des Fonds ergebe. Aus diesen Akten ergebe sich imWeiteren, dass
das Sekretariat die Anlaufstelle der Verwaltungskommission sei, welche dieser
die für sie bestimmten Akten weiterleite.

Inhaltliche Mängel würden offenbar nicht mehr geltend gemacht.

Aus den Erwägungen:

(…)

2.1. Die beiden Verfügungen des FVS vom 8. März 2000 beziehungsweise vom
5. Juli 2001 betreffen zwar sämtliche T. für das Jahr 2000 zugesprochenen
Beiträge aus dem FVS, doch wird mit der vorliegenden Beschwerde die

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Abrechnungsverfügung nur bezüglich des Beitrags für die Elternbroschüre
angefochten. Für diese Broschüre hatte die Verwaltungskommission des FVS T.
am 8. März 2000 einen Betrag von 58’488 Franken zugesichert.

Anknüpfend an diese Zusicherung macht T. in seiner Abrechnung -
unter Berufung auf Mehrkosten - einen Anspruch auf einen Beitrag von
91’225 Franken geltend. In ihrer Abrechnungsverfügung vom 5. Juli
2001 wies die Verwaltungskommission des FVS nicht nur die geltend
gemachten Mehrkosten ab, sie verweigerte T. jeglichen Bundesbeitrag für
die Elternbroschüre.

2.2. Insoweit der Beschwerdeantrag über den Betrag von 58’488 Franken
hinausgeht, stützt sich dieser auf keine Zusicherung des FVS. Diesbezüglich ist
die Beschwerde als ergänzendes Gesuch zu betrachten, welches grundsätzlich
von der Verwaltungskommission des FVS als erstinstanzlich zuständige
Behörde zu beurteilen ist.

Nun weichen aber die Abrechnungen über Fondsbeiträge in der Regel
von den ursprünglich zugesicherten Beträgen ab. In solchen Fällen wird
der definitive Bundesbeitrag gemäss konstanter Praxis des FVS in der
Abrechnungsverfügung festgesetzt, und zwar auch dann, wenn der
Abrechnungsbetrag den zugesicherten Bundesbeitrag übersteigt. Aus diesem
Grund wie auch aus Gründen der Verfahrensökonomie kann der Bundesrat
in solchen Beschwerdesachen grundsätzlich auch hinsichtlich eines den
zugesicherten Bundesbeitrag übersteigenden Betrages in der Sache selbst
entscheiden.

2.3. In verfahrensrechtlicher Hinsicht rügt der Beschwerdeführer die
Verletzung der Ausstandsregeln.

Nach Art. 10 Abs. 1 Bst. d des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) treten Personen, die eine
Verfügung zu treffen oder sie vorzubereiten haben (dazu gehören auch
Personen, welche in Gutachtergremien tätig sind), in Ausstand, wenn sie aus
anderen (als den in den Bst. a-c genannten [und hier nicht in Frage stehenden])
Gründen in der Sache befangen sein könnten. Dabei ist nicht erforderlich, dass
sie in der Sache tatsächlich befangen sind, sondern nur, ob sie es hätten sein
können, das heisst es müssen Tatsachen vorhanden sein, die ein Misstrauen
in die Objektivität ihrer Person rechtfertigen (BGE 97 I 91, BGE 107 Ia 135). Es
genügt, wenn die Befangenheit glaubhaft gemacht wird; nicht nötig ist, dass
die betreffenden Personen tatsächlich befangen sind.

Bloss allgemeine Vorwürfe der Befangenheit, beispielsweise andere Ansichten
in Grundsatzfragen gelten nicht als konkrete Anhaltspunkte für eine
Befangenheit.

Wie den Vorakten zu entnehmen ist, wurde die Elternbroschüre in der
Öffentlichkeit kontrovers aufgenommen, wobei zu den Kritikern auch die
Vertreterin der bfu gehörte. Es stellt sich daher die Frage, ob es sich bei den
Meinungsverschiedenheiten zwischen T. und der Vertreterin der bfu um
einen Disput in einer konkreten Streitfrage handelt. Träfe dies zu, wäre die
Vertreterin der bfu in der Verwaltungskommission des FVS beim Entscheid
über einen Bundesbeitrag für die Elternbroschüre von T. wegen des Interesses
der bfu nach Art. 10 Abs. 1 Bst. a VwVG zum Ausstand verpflichtet gewesen.

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_107_Ia_135&resolve=1

Da die Beschwerde - wie im Folgenden ausgeführt wird - im Sinne der
Erwägungen gutgeheissen und zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz
zurückgewiesen wird, bleibt die Verletzung der Ausstandspflicht vorliegend
ohne Folgen.

Keiner näheren Begründung bedarf, dass aussenstehenden Kritikern eines
Projektes, für welches um einen Bundesbeitrag nachgesucht wird, keinerlei
Parteistellung zukommt. Korrespondenzen des Sekretariats mit Dritten
über laufende Verfahren haben daher zu unterbleiben. Abgesehen von
Abklärungen, welche Behörden im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
von Amtes wegen vornehmen, sind am Verwaltungsverfahren nur Parteien
beteiligt (Art. 6 VwVG).

2.4. Inhaltliche Kritik an der Elternbroschüre wird mit der angefochtenen
Verfügung nicht erhoben. Es ist daher in erster Linie zu prüfen, ob
der FVS berechtigt war, die Auszahlung des am 8. März 2000 unter der
Rubrik «Nouvelles créations» - ohne ausdrückliche Erwähnung - für die
Elternbroschüre zugesicherten Betrags wegen reglementswidrigen Verhaltens
von T. zu verweigern.

3. Wie dargelegt hat die Verwaltungskommission des FVS dem T. die
Elternbroschüre gemäss näherer Beschreibung im Beitragsgesuch einen
Bundesbeitrag von 58’488 Franken zugesichert. Diesen Bundesbeitrag kann
die Verwaltungskommission im Abrechnungsverfahren nur dann in Frage
stellen, wenn die Zusicherungsverfügung - was hier nicht der Fall war - mit
Bedingungen oder Auflagen versehen worden wäre und T. diese verletzt hätte,
oder wenn der T. zwingende Verfahrensvorschriften nicht beachtet hätte,
deren Verletzung derart schwer wiegen würde, dass sie ein Rückkommen auf
die Zusicherungsverfügung rechtfertigte.

3.1. In diesem Sinne wirft der FVS T. in mehrfacher Hinsicht
reglementswidriges Verhalten vor. Den zentralen Punkt bildet der Vorwurf der
Verletzung von Art. 8 Abs. 1 des Reglementes.

3.2. Nach Art. 8 Abs. 1 des Reglements dürfen vom Fonds finanzierte
Arbeiten und damit auch Broschüren wie die Elternbroschüre von T. nur
mit Einwilligung der Verwaltungskommission veröffentlicht werden. Dabei ist
nach Art. 9 Abs. 1 des Reglements auf die Unterstützung des FVS hinzuweisen.

Diese Einwilligung ist erforderlich um sicherzustellen, dass die
finanzierten Arbeiten den Angaben im Subventionsgesuch und damit der
Zusicherungsverfügung entsprechen und um eigenmächtiges Verhalten
der Gesuchsteller zu verhindern. Neue, über die Zusicherungsverfügung
hinausgehende Forderungen dürfen an die Einwilligung nicht geknüpft
werden.

3.3. Der FVS hat in seiner Vernehmlassung festgehalten, dass die Vorschrift
von Art. 8 Abs. 1 des Reglements von Gesuchstellern - insbesondere von
grösseren Organisationen - häufig missachtet wird. Dies geschehe allerdings
auf eigenes Risiko.

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Damit gibt der FVS kund, dass in solchen Fällen - im Sinne einer allgemeinen
Praxis - dennoch ein Bundesbeitrag ausgerichtet wird, wenn keine inhaltlichen
Einwände gegen die Projekte zu erheben sind.

3.4. Während die Verwaltungskommission des FVS einen Beitrag an die
Elternbroschüre anlässlich ihrer Sitzung vom 13. Juni 2001 vorerst aus
inhaltlichen Gründen ablehnte, wird die Verweigerung des nachgesuchten
Bundesbeitrags in der angefochtenen Verfügung ausschliesslich mit der
Verletzung des Fondsreglements begründet. Dass es sich dabei nicht
um ein Versehen handelt, zeigt sich daraus, dass der FVS auch in seiner
Vernehmlassung vom 29. November 2001 die inhaltliche Kritik an der
Elternbroschüre von T. nicht wieder aufgenommen hat.

3.5. Diese Begründung der angefochtenen Verfügung erweist sich als nicht
stichhaltig. Sie widerspricht der vom FVS dargelegten Praxis offensichtlich,
und der FVS führt auch keine Gründe an, weshalb in Bezug auf T. andere
Grundsätze zur Anwendung gelangen sollten.

T. hat daher Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht (vgl. BGE 112 Ib 387,
BGE 110 II 400 E. 2, BGE 108 Ib 214; Arthur Haefliger, Alle Schweizer sind vor
dem Gesetze gleich, Bern 1985, S. 73) und Tolerierung der Missachtung des
Reglements auch im vorliegenden Fall.

3.6. Wie vorne dargelegt (vgl. Ziff. II.2.2), könnte der Bundesrat grundsätzlich
in der Sache selbst entscheiden. Er tut dies aber in der Regel dann nicht,
wenn Ermessensfragen zu entscheiden sind, bei deren Beurteilung das
Fachwissen der Vorinstanz von Bedeutung ist. Da letztere zu den geltend
gemachten Mehrkosten noch nicht Stellung genommen hat, sieht der
Bundesrat vorliegend von einer materiellen Beurteilung ab und weist die
Sache insgesamt zu neuem Entscheid an den FVS zurück.

3.7. Der Bundesrat fordert den FVS aber auf, die erlassenen Reglemente in
Zukunft vollumfänglich anzuwenden. Die Gesuchsteller sind auf die Folgen
von Reglementsmissachtungen aufmerksam zu machen, damit solche künftig
in gleicher Weise geahndet werden können.

3.8. Auf die weiteren, nicht entscheidrelevanten Vorwürfe von
Reglementsverstössen braucht bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht mehr
eingegangen zu werden.

(Der Bundesrat hiess daher die Beschwerde von T. im Sinne der Erwägungen
gut und wies die Sache im Sinne der Erwägungen zu neuem Entscheid an die
Verwaltungskommission des Fonds zurück. Der FVS wurde aufgefordert, die
Abrechnung sowie die geltend gemachten Mehrkosten materiell zu prüfen und
T. verfügungsweise den sich daraus ergebenden Bundesbeitrag zuzusprechen.)

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_Ib_387&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_110_II_400&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_108_Ib_214&resolve=1

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 67.25 - Entscheid des Bundesrates vom 21. August 2002

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2003
Année

Anno

Band 67
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Ref. No 150 005 942

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid des Bundesrates vom 21. August 2002