# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b0accbb4-9f93-5629-8780-4d8755646096
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-05-09
**Language:** de
**Title:** Endzustand erreicht, kein verfrühter Fallabschluss; Kein Anspruch auf Invalidenrente bei fehlender Erwerbseinbusse; Bemessung der IE nicht zu beanstanden; Abweisung.
**Docket/Reference:** UV.2022.00193
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00193.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00193
V. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Philipp, Vorsitzende i.V.
Sozialversicherungsrichter Kübler
Ersatzrichterin Curiger
Gerichtsschreiberin Sherif
Urteil
vom
9. Mai 2023
in Sach
en
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Michael Grimmer
Peyer Partner Rechtsanwälte
Löwenstrasse 17, Postfach, 8021 Zürich
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 2000 geborene
X.___
arbeitete bei der
Y.___
AG und war bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend AXA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen
v
ersichert. Mit Unfallmeldung vom
26
. Januar 2021 wurde der AXA mitgeteilt, die Versicherte sei
am 14. Januar 2021
auf dem Fuss
gängerstreifen von einem Auto
mit
einer Geschwindigkeit von
circa 50 bis 60
km/h
angefahren worden und habe sich Verletzungen a
n den
Rückenwirbel
n
sowie Platzwunden im Gesicht zugezogen (Urk. 1
0
/A3).
Im
Spital Z.___
wurde ein natives CT erstellt und eine komplette Berstungsfraktur LWK 1 mit Verlagerung der Hinterkante nach intraspinal
sowie eine
Kompression des Dural
sacks ventral diagnostiziert (Urk. 11/M2). Nach der Verlegung ins Universitäts
spital
A.___
(vgl. Urk. 11/M3) wurde die Versicherte gleichentags operativ behandelt (
vgl. Urk. 11/M4)
und v
om 14. bis 25. Januar 2021 hospitalisiert
(Urk. 11/M6).
Das Arbeitsverhältnis wurde seitens der Arbeitgeberin per 30. Juni 2021 gekündigt (Urk. 10/A28). Am 11. Juni 2021 meldete sich die Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/A33).
Die A
XA
teilte der Versicherten a
m 2. November 2021 mit, zur Festlegung der weiteren Leis
tungspflicht sei eine Untersuchung beim beratenden Arzt
,
Dr. med.
B.___
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates, erforderlich (Urk. 10/A54).
Dieser erstattete seine Beurteilung am 4.
Dezember 2021 (Urk. 11/M19).
Am 10. Februar 2022 verfügte die AXA, der medizinische Endzustand sei
erreicht, das Taggeld werde ab dem 30. September 2021 noch zu 40 % ausgerichtet und per 28. Februar 2022 eingestellt; ein Anspruch auf eine Invalidenrente der obligatorischen Unfallversicherung bestehe nicht.
I
m Übrigen sprach die AXA der Versicherten eine Integritätsentschädigung aufgrund einer Integritätseinbusse von 5 % im Betrag von Fr. 7'410.-- zu (Urk. 10/A67).
Gegen die Verfügung vom 10. Februar 2022
liess die Versicherte am
16. März 2022
Einsprache erheben (Urk.
10/A77
).
In teilweiser Gutheissung der erhobenen Einsprache sprach die AXA der Versicherten
mit Entscheid vom 14. September 2022
bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %
bis am 30. November 2021
ein Taggeld
zu
;
im Übrigen
wies sie die Einsprache ab (Urk. 2 [=
Urk.
10/A87
]).
2.
Dagegen liess die Versicherte am 17. Oktober 2022 Beschwerde erheben und beantragen, in (teilweiser) Aufhebung des angefochtenen Entscheides seien ihr die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, wobei ihr insbesondere für die Zeit ab 1. Dezember 2021 Taggeldleistungen auf der Basis einer 100%igen Arbeitsunfä
higkeit auszurichten seien und es seien auch weiterhin Heilbehandlungskosten zu übernehmen. Eventualiter sei ihr eine Invalidenrente sowie eine angemessene
Integritätsentschädigung zuzusprechen;
subeventualiter
sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 8. Februar 2023 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (Urk. 9 S. 2)
.
Darüber wurde
die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 9. Februar 2023 (Urk. 12) in Kenntnis gesetzt. Am 17. Februar 2023 liess sich die Beschwerdeführerin erneut vernehmen (Urk. 13), was der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 20. Februar 2023 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 14).
3.
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden –
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Ren
tenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbe
ginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl.
Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_527/2020 vom 2. November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
674/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.1).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicher
ten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beur
teilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_64/2021 vom 14. April 2021 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3). Grundlage für die Beurtei
lung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_299/2022 vom 5. September 2022 E. 2.3 und 8C_682/2021 vom 13. April 2022 E. 5.1, je mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1).
1.4
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versi
cherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versi
cher
ungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall
jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
, der
b
era
tende Arzt habe sich erst für die Zeit ab dem 1. Dezember 2021 zur Arbeitsfähig
keit geäussert, weshalb der Beschwerdeführerin beizupflichten sei, dass die Tag
geldreduktion per 30. September 2021 mangels nachvollziehbaren medizinischen Beurteilungen zu Unrecht erfolgt sei; sie habe
bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %
für den Zeitraum vom 30. September 2021 bis 30. November 2021 Anspruch auf Taggeldleistungen. Der beratende Arzt habe am 31. Juli 2022 jedoch präzisierend dargelegt, dass
im
Zeitpunkt der
Untersuchung
für die aus
schliesslich
traumatologischen
Folgen ein Wiedereinstieg
zumutbar gewesen sei
mit
einer
Arbeitsfähigkeit von zunächst
60%. Es sei zudem mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit im
Z
wei
-
Wochenabstand
und
dem Erreichen des Endzustan
des
12 Monate nach dem Unfallereignis mit
einer vollumfänglichen Arbeitsfähig
keit auszugehen. Sie habe die Taggeldleistungen ohne sukzessive Reduktion des Arbeitsunfähigkeitsgrades bis am 28. Februar 2022 und damit bis zum
E
rreichen des Endzustandes ausgerichtet.
Von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung beziehungsweise von therapeutischen Behandlungen sei keine namhafte Besse
rung mehr zu erwarten, weshalb ab Mitte Januar 2022 wieder von einer
vollstän
digen
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen sei. Des Wei
teren habe die Beschwerdeführerin keine Einwände gegen die Ablehnung einer Invalidenrente und die Höhe des Integritätsschadens vor
ge
bracht, weshalb die Verfügung in diesen Punkten in Rechtskraft erwachsen sei (Urk. 2 S. 8-9).
2.2
Demgegenüber
bringt die Beschwerdeführerin vor
,
dem Bericht des Behandlers sei zu entnehmen, dass sich ihr Gesundheitszustand durch weitere medizinische Massnahmen weiter
verbessern
könne und zwar deshalb, weil die Therapien
in den
letzten sechs Monaten noch nicht beziehungsweise nur teilweise durchge
führt worden seien. Im Hinblick auf
das Erreichen des
medizinischen Endzustan
d
es
sei
zudem
zu beachten, dass die Behandler einen Low-Grade-Infekt nicht hät
ten ausschliessen können.
Die Behandler
hätten darauf hingewiesen, dass eine erneute computertomographische Untersuchung der operierten Region zwei Jahre
postoperativ im Januar 2023 erfolgen müsse
. Falls dann die ossäre Fusion fort
geschritten sein sollte, könne eine dorsale Metallentfernung und ein bakteriolo
gisches Sampling zum Ausschluss eines solchen Infektes in Erwägung gezogen werden. Entsprechend sei der medizinische Endzustand noch nicht erreicht, weshalb die kurzfrist
ig
en gesetzlichen Leistungen im Sinne von Taggeldleistun
gen und Heilbehandlungskosten auch über den Zeitraum vom 1. Dezember 2021 beziehungsweise für die Zeit ab dem 1. März 2022 zu erbringen seien (
Urk. 1 S. 6
8
).
3
.
3
.
1
Gemäss Verlegungsbericht
des
Spitals Z.___
vom 14. Januar 2021 wurde die Beschwerdeführerin notfallmässig
de
m Schockraum zugewiesen
,
nachdem sie am
M
orgen von einem Auto mit 50 km/h auf dem Fussgängerstreifen angefahren worden
sei
.
Die Beschwerdeführerin
sei nicht bewusstlos gewesen
und
habe
von
keine
r
Amnesie, Übelkeit oder Erbrechen
berichtet
.
Sie
habe starke Schmerzen über der gesamten Wirbelsäule mit
p
u
nctum
maximum über der LWS beklagt. Die periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität seien intakt
gewesen
. Ansonsten sei die Beschwerdeführerin gesund und ohne Dauermedikation (Urk. 11/M3).
Aus
einem weiteren Bericht vom 14. Januar 2021 des
Spitals Z.___
geht hervor,
dass das native CT des
Neurokranium
und der HWS eine komplette Berstungsfraktur LWK 1 mit Verlagerung der Hinterkante nach intraspinal, eine Kompression des Duralsacks ventral, eine knöcherne Einengung des Spinalkanals auf 1.2 cm sowie eine kleine knöcherne Absprengung dorsal am Wirbelbogen LWK 1 bis 3 als Hinweis auf eine
ligamentäre
Verletzung zeigte. Weitere
Traumafolgen
seien nicht nachweisbar gewesen (Urk. 11/M2).
3
.
2
Am 14. und 19. Januar 2021 wurde die Beschwerdeführerin im
Universitätsspital
A.___
operativ behandelt (Urk. 11/M4-5). Im Austrittsbericht vom 25. Januar 2021 berichteten die Behandler des
A.___
,
die Beschwerdeführerin sei aus dem
Spital Z.___
zugewiesen worden. Sie habe direkt nach dem Ereig
nis über Rückenschmerzen in der Lendenwirbelsäule geklagt.
Mittels
CT-
Traumaspirale
sei
eine
komplette Berstungsfraktur LWK 1 mit
Hinterkantenbetei
ligung
diagnostiziert worden. Sensibilitätsausfälle hätten nicht bestanden und die Motorik sei seitengleich vorhanden gewesen. Die Beschwerdeführerin habe jedoch von einer Missempfindung im rechten Fuss berichtet. Der Kreislauf sei stabil gewesen und sie habe keine weiteren Verletzungen gehabt.
Der intra- und post
operative Verlauf habe sich komplikationslos gezeigt.
Die
Redondrainage
habe nach Sistierung der Fördermenge zeitgerecht am zweiten postoperativen Tag ent
fernt werden können. Am 14. Januar 2021 sei die dorsale Stabilisierung und am 19. Januar 202
1
die ventrale Versorgung
durchgeführt worden. Bei einem erhöh
ten Leidensdruck sei intermittierend die WHO-stufengerechte Schmerztherapie mittels
Mophin-Infusor
exazerbiert
worden,
welche
nach definitiver Versorgung erfolgreich habe ausgeschlichen werden können. In der Vorbereitung für den Austritt sei auf eine orale Applikationsform umgestellt worden. Zudem habe unter physiotherapeutischer Begleitung eine verzögerte Mobilisation durchgeführt wer
den können. Die postoperative Stellungskontrolle habe nach abgeschlossener ventraler Versorgung regelrechte Stellungsverhältnisse ohne Anzeichen auf eine sekundäre Lockerung gezeigt. Die angeschnittenen basalen Anteile des primären linken Lungenflügels hätten einen dezenten Pleuraerguss ohne klinische Präsen
tation gezeigt, der bei normwertigen Inflammationsparametern, Absenz respira
torischer Auffälligkeiten im Rahmen der perifokal einliegenden Thoraxdrainage sowie auch möglicher Aspiration im Laufe der operativen Versorgung habe interpretiert werden können. In dem vor Austritt aufgenommenen Röntgenbild des Thorax habe sich weiterhin kein Hinweis für ein
en
Pneumoth
o
rax gezeigt. Der Erguss sei
regredient
. Die Operationswunden hätten sich stets reizlos
und bei Austritt trocken
gezeigt. Aufgrund der teils noch eingeschränkten Alltagsfähig
keit mit benötigter medizinischer Versorgung im häuslichen Umfeld
solle
die Beschwerdeführerin durch die Spitex unterstützt
werden
.
Die Beschwerdeführerin
habe in gutem Allgemeinzustand und angepasster Analgesie am 25. Januar 2021 in ihr häusliches Umfeld und mit Unterstützung durch die Spitex entlassen wer
den können (Urk. 11/M6).
Am
16. März 2021 berichteten die Behandler des
A.___
über die klinisch-radiologische Verlaufskontrolle vom 10. März 2021. Die Beschwerdeführerin habe von weiterhin bestehenden Schmerzen im Bereich der dorsalen
Instrumentierung
sowie distal des seitlichen
Zugangweges
berichtet.
Die Schmerzen
seien bei Belastung stärker. Auch bei längerem Sitzen habe die Beschwerdeführerin noch Schmerzen.
Aktuell werde als Analgesie zweimal täg
lich 1 g Dafalgan eingenommen. Die Physiotherapie werde regelmässig durchge
führt. Die Beschwerdeführerin habe keine Harnblasen- oder Mastdarmstörungen. Befundmässig hätten sich die Operationsnarben
thorakal
und dorsal reizlos gezeigt.
I
m Bereich des dorsalen
Zugangweges
paravertebral
bestehe eine deutli
che
Druckdolenz
mit muskulärem Hartspann. Es hätten auch leichte Schmerzen distal des lateralen
Zugangweges
festgestellt werden können. Verglichen mit der CT
der
Voruntersuchung vom 21. Januar 2021 hätten sich
jedoch
stationäre Stellungsverhältnisse bei Status nach dorsaler Spondylodese BWK12-LWK2 mit Cage
-
Interponat
LWK 1 gezeigt. Das Osteosynthesematerial sei intakt und ohne Lockerungszeichen. Es habe ein soweit zufriedenstellender Heilungsverlauf fest
gestellt werden können. Bezüglich der Schmerzen sei mit der Beschwerdeführerin
bei Bedarf zur Nacht
eine Umstellung der Therapie auf
Sirdalud
besprochen
wor
den. Ausserdem sei
Nexium
zur Magenprotektion verordnet und als Analgesie
B
r
ufen
bis zu drei Mal täglich empfohlen worden. Die Physiotherapie sollte aus
serdem intensiviert weitergeführt werden (Urk. 11/M9).
Im
Bericht
vom 23. Juni 2021 hielten die Behandler
fest,
es
sei erneut eine klinisch und konventionell-radiologische Verlaufskontrolle fünf Monate postoperativ durchgeführt worden. Die Beschwerdeführer
in
habe über eine deutliche Besserung der Schmerzen
berichtet
. In Ruhe habe sie keine Schmerzen mehr
, sie
spüre
jedoch
die Schrau
ben. Bei Belastung habe sie
noch Schmerzen mit einer Stärke von
VAS 5/10. Die Beschwerdeführerin sei normalerweise im Büro tätig, aktuell aber noch zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Ausstrahlende Schmerzen würden nicht bestehen.
Klinisch und computertomographisch habe sich ein regelrechter Heilungsverlauf mit guter Konsolid
ation ohne sekundäre Dislokation oder Schraubenlockerung gezeigt.
Der Beschwerdeführerin
sei der Ausbau der Schmerztherapie empfohlen worden. Zudem sei ein Arbeitswiedereingliederungsversuch mit 20 % für nicht körperliche Tätigkeiten mit rein sitzender oder stehender Tätigkeit
angeraten
wor
den.
In
einem Monat
sei erneut
eine klinische und konventionell-radiologische Verlaufskontrolle geplant, an
der
gegebenenfalls eine frühzeitige Metallentfer
nung geplant werden könne und der Arbeitswiedereingliederungsversuch beur
teilt werde. Die Beschwerdeführerin habe
jedoch
angegeben
,
weiterhin durch den Unfall schmerzgeplagt zu sein und Angst zu haben, auf der Strasse zu laufen oder zu arbeiten. Ein Gespräch mit einem Psychologen zur möglichen Abklärung einer posttraumatischen Belastungsstörung oder Unterstützung zur Wiedereingliede
rung in den Alltag sei von der Beschwerdeführerin
hingegen
abgelehnt worden.
Die Behandler attestierten ihr v
om 1. Juni bis 13. Juni 2021
eine
100%
ige
A
rbeitsunfähig
keit
. Ab dem 14. Juni bis 14. Juli 2021 sei sie zu 80 % teilweise arbeitsunfähig (Urk. 11/M10).
3
.
3
Dem Bericht
der
Klinik C.___
vom 9. Juli 2021 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin von der letzten Konsultation im Juni 2021 im
A.___
berichtet habe,
welche
nicht erfreulich
ver
laufen
sei
.
Von den Behandlern des
A.___
sei ihr weder ein Schein noch ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis ausgestellt worden. Sie sei
vielmehr
von der Ärztin persönlich angegangen wor
den. Aktuell habe die Beschwerdeführerin berichtet, die Implantate im Bereich des Rückens unter der Haut zu spüren, was sie sehr störe. Zudem habe sie beid
seitig im Bereich der Flanke bis zum Gesässansatz und in die Leiste ausstrahlende Schmerzen
, vor allem bei stärkerer axialer Belastung.
Sie könne
ungefähr zehn Minuten laufen, danach seien die Schmerzen so stark, dass sie eine Pause einlegen müsse. Beim Einkaufen übernehme ihr Freund das Tragen von schweren Lasten. Sie selber
könne ein Gewicht von ungefähr acht bis zehn Kilogramm die Treppe hinauftragen
. Die Behandler
der
Klinik C.___
hielten in ihrer Beurteilung fest, dass aktuell keine Fusion des einliegenden
Implantatma
terials
mit den angrenzenden Wirbelkörpern habe festgestellt werden können. Die Resektion der Gelenke beim dorsalen Eingriff sowie das Nichteinbringen einer kurzen
Pedikelschraube
in LWK1 vor geplanter lateraler
Korporektomie
habe nicht zur Stabilität des Konstrukts beigetragen. Das Konstrukt scheine nur in axialer Belastung stabil zu sein. Bei Reklination und Ausbeugen könne dies aktuell nicht bestätigt werden. Mit der Beschwerdeführerin sei besprochen wor
den, dass sie zunächst ein Korsett für die nächsten drei Monate tragen
würde
. Parallel dazu solle eine
Calcimagon
-medikamentöse Therapie durchgeführt wer
den. Physiotherapeutische Anwendungen seien vorerst zu unterlassen. Nach erfolgter 2-Monatskontrolle könne entschieden werden, ob mit einer physiothe
rapeutischen Anwendung begonnen werden könne, respektive inwieweit die Integration des Wirbelkörperersatzes vorangeschritten sei. Die Beschwerdefüh
rerin sei sehr beunruhigt
gewesen
, da ihr von der sie zuletzt behandelnden Ärztin mitgeteilt worden sei, dass das
Pedikelschrauben
-Stabsystem nach drei Monaten entfernt werden müsse.
Der Beschwerdeführerin
sei
daher
mitgeteilt worden,
dass die Explantation auch noch neun respektive
zwölf
Monate nach einer Operation durchgeführt werden könne (Urk. 11/M12).
Am 30. September 2021 berichteten die Behandler
der
Klinik C.___
von der Verlaufsuntersu
chung.
Die Beschwerdeführerin habe seit anfangs September 2021 das Korsett getragen.
Die Beschwerdeführerin habe beklagt, dass sie
durch das Tragen des Korsetts im Bereich der Schulterpartie und der Hüftmuskulatur Schmerzen
habe
und eine Verspannung
verspüre
, vor allem in der Schulterpartie beidseits. Auch habe sie das Gefühl, die Schrauben im Bereich der Flanke zu spüren. Das Geh
pensum auf ebener Strasse könne sie problemlos bewältigen und sie habe dabei keinerlei Einschränkungen. Beim bergauf und bergab
L
aufen verspüre sie vor allem in der Gesässmuskulatur eine gewisse Verspannung. Schmerzmedikamente müsse sie nur gelegentlich am Abend einnehmen.
Aus dem Bericht geht weiter hervor, dass a
us radiologischer Sicht ein stabiler Befund
erhoben wurde
. Das
Implantatmaterial
liege ruhig und zeige keine Zeichen einer Lockerung oder Überbeweglich
k
eit des Segmentes weder bei Flexion, Extension noch bei Beuge
aufnahmen. Allerdings habe sich noch keine definitive Integration des Wirbel
körperersatzes in die Grundplatte BWK12 und Deckplatte LWK2 gezeigt. Der Beschwerdeführerin sei mitgeteilt worden, dass aus wirbelsäulen-orthopädischer Sicht das Tragen schwerer Lasten von mehr als 10
Kilogramm
derzeit noch nicht empfohlen werde, da auch die Physiotherapie die letzten Monate pausiert worden sei.
Ferner sei ihr geraten worden, die Korsett
t
herapie bis zur Jahreskontrolle im
Januar weiterzuführen. Aktuell hätten sich die Sensorik, Motorik und Beweglich
k
eit der Wirbelsäule komplett intakt gezeigt ohne wesentliche Druck- und Klopf
schmerzen. Gegen eine Wiedereingli
e
derung in den Arbeitsalltag spreche von dieser Seite her nichts. Die Beschwerdeführerin sei insgesamt psychisch jedoch sehr überlagert. Sie habe eine weitere psychotherapeutische respektive psycho
logische Abklärung erb
eten
, was sehr zu empfehlen sei (Urk. 11/
M
14).
3
.
4
Am 4. Dezember 2021 erstattete Dr.
B.___
seinen Bericht zur durchgeführten orthopädisch-
traumatologischen
Untersuchung vom 1. Dezember 2021. In der Untersuchung habe die Beschwerdeführerin berichtet, an
S
chmerzen zu leiden und von allen Ärzten bisher ignoriert und beleidigt worden
zu sein
. Die erste post-OP-Untersuchung
im
A.___
habe noch der Operateur selbständig durchge
führt, die zweite Untersuchung habe eine andere Ärztin gemacht. Die Beschwer
deführerin
habe berichtet, sie
und die Ärztin hätten sich angeschrien und
sie sei von letzterer
beschimpft worden. Daraufhin habe sie die
Klinik D.___
auf
gesucht. Der dortige Behandler habe ihr zunächst die
Physiotherapie
verboten und für zwei Monate ein Korsett
empfohlen
. Bei der Zweituntersuchung im Sep
tember habe er sie nicht wiedererkannt und sei ein völlig neuer Mensch gewesen. Er habe ihr gesagt, es sei alle
s
in Ordnung, sie müsse das Korsett noch bis Ende des Jahres tragen
.
Nach der Vorstellung bei ihrem Hausarzt sei nun eine Dritt
meinung in der Universitätsklinik
E.___
erforderlich. Zu ihren Beschwerden be
f
ragt habe die Beschwerdeführerin erklärt, sie habe Angst um ihre Gesundheit. Vor ein bis zwei Monaten habe sie eine
Hämatemesis
(Erbrechen von Blut)
bemerkt. Der Hausarzt habe ihr erklärt, dass die
se
wahrscheinlich stress- und medikamentenbedingt sei. Sie beklage Schmerzen über dem OP-Gebiet und habe an
ge
geben, sie spüre die
S
chrauben. Ferner habe sie Muskelschmerzen über den Flanken nach inguinal ausstrahlend sowie bis in die Schulter- und Nackenmus
kulatur
beklagt
.
Sie habe zudem
eine gewisse Erschöpfungssymptomatik und eine Belastungsintoleranz beschrieben. Die Physiotherapie sei aktuell noch sistiert,
sie
würde diese jedoch gerne beanspruchen
(Urk. 11/
M
19 S. 1-2)
.
Dr.
B.___
hielt fest, d
ie Beschwerdeführerin habe während der Untersuchung extrem angespannt und gereizt gewirkt, die Bewegungen seien von einem erreg
ten Tremor begleitet gewesen. Auch die Sprachmelodik habe zwischen zittrig erregt bis teilweise überschlagend gewechselt. Zwischenzeitlich habe die Beschwerdeführerin auch zu weinen begonnen. Die gesamte Untersuchung sei durch autosuggesti
v
e, aggravierte und hypochondrische Befundäusserungen gekennzeichnet gewesen.
Selbst harmlose Untersuchungen wie die Stabilitätstes
tung am Kniegelenk, leichtes Berühren des Na
r
benumfeldes zur Feststellung einer
Hyposensibiliät
seien durch die Beschwerdeführerin verstärkt wahrgenommen
worden und hätten zu Überreaktion
en
geführt (Urk. 11/M19 S. 3). Radiologisch habe sich ein unauffälliger postoperativer Verlauf gezeigt. Das
Implantatmaterial
habe sich intakt und
undisloziert
d
argestellt.
E
s habe sich keine höhergradige
Kyphosierung
oder skoliotische Abwei
ch
ung gezeigt.
Dr.
B.___
stellte fest, dass m
it Blick auf die ursprüngliche Schwere der Läsion ein sehr gutes OP-Ergebnis
eingetreten sei
. In der Untersuchung seien paravertebrale, muskuläre Beschwerden über dem gesamten Dorsum sowie über der
ventrolateralen
Zugangsnarbe beklagt worden. Relevante lumbale Druck- oder
Klopfdolenz
en
sowie radikuläre Ausstrahlungen hätten sich hingegen nicht finden lassen. Auch hätten sich keine Hinweise auf eine Einschränkung der Atemexkursion gezeigt. Darüber hinaus habe sich eine massiv psychisch überlagerte Beschwerdeführerin mit dem Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung und gestörter Auto
suggestion präsentiert. Dies
e Symptomatik
in Verbindung mit einem Reha
-
Defi
zit, muskulärer Atrophie und Rumpfhaltungsschwäche erkläre die momentane Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus rein orthopädischer Sicht zeige sich jedoch ein guter
bis normale
r
postoperative
r
Verlauf
mit radiologisch stabil ein
geheiltem
Spondylodesematerial
. Es bestehe nur eine
geringgradige
Hyperalgesie und Hypästhesie im direkten Wundbereich sowie ferner paravertebrale Schmer
zen über dem gesamten Rücken
(Urk. 11/M19 S. 5)
.
Dr.
B.___
kam zum Schluss, aufgrund der aktuellen psychischen Überlage
rung und entsprechend der Instabilität sei eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht realistisch. Für die ausschliesslich
traumatolo
gischen
Folgen des Unfalls vom 14. Januar 2021 bestehe ebenfalls keine vollum
fängliche Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Es sei ein Wiederein
stieg mit 60%iger Arbeitsfähigkeit zu empfehlen. In einer angepassten Tätigkeit bestehe für die ausschliesslich
traumatologischen
Folgen des Unfalls eine voll
umfängliche Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Gewichtsbelas
tung
von mehr
als 10 kg, Tätigkeiten in kniender, hockender, kauernder Position oder mit ähnlichen Zwangshaltungen, Gang- und Standzeiten von über
einer Stunde ohne Unterbrechung, Sitzen über zwei Stunden ohne Unterbrechung, das Gehen auf unebenen oder instabilen Untergründen, das Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie repetitive Tätigkeiten
,
die eine Rumpfrotation oder Flexion des Rumpfes benötigen, seien aus dem Tätigkeitsprofil auszuschliessen. Der medizinische Endzustand sei nach 12 Monaten
,
am 15. Januar 2022
,
eingetreten. Die aktuelle Physiotherapie könne zum Erhalt des aktuellen Zustandes über das Jahr 2022 fortgeführt werden. Der Integritätsschaden liege bei 5 %
, da g
emäss Tabelle 7.2 der Suva geringe Dauerschmerzen mit Verstärkung bei Belastung bei
Kyphosierung
unter 10° nach Spondylodese mit 5-10 % beurteilt
würden
. Im vor
liegenden Fall sei eine Dauermedikation notwendig, es habe sich jedoch keine Deformation oder Achsabweichung gezeigt. Die Beschwerden seien ubiquitä
r
-
un
spezifisch über das Dorsum verteilt, weshalb 5 % gerechtfertigt seien
(Urk. 11/M19 S. 5-6)
.
3
.
5
Aus dem Bericht vom 27. Januar 2022 der Universitätsklinik
E.___
geht hervor, dass die Beschwerdeführerin für eine Zweitmeinung zugewiesen worden war. Die Beschwerdeführerin habe über chronische thorakale
S
chmerzen mit intermittie
render Ausstrahlung in beide Beine sowie nach hochthorakal seit der operativen Versorgung der Berstungsfraktur LWK 1 mittel
s
Spondylodese BWK12-LWK1 berichtet. Die Beschwerden würden durch längeres Sitzen
exazerbieren
. Zudem habe sie berichtet, aufgrund der Schmerzen und fehlender Kraft Mühe zu haben, sich aufrecht zu halten. Die Behandler kamen in ihrer Beurteilung zum Schluss, die Beschwerdeführerin leide an einer chronischen
Thorakalgie
bei Status nach Spondylodese Th12-L2 nach Berstungsfraktur LWK1 am 14. Januar 2021. Bei starkem Leidensdruck sei mit der Beschwerdeführerin die Ausweitung der Diag
nostik und die Veranlassung eines CT mit der Frage nach der Fusion der Segmente sowie eine
Leukozyten
s
zintigraphie
besprochen worden, um ein Low-Grade-Infekt zu prüfen (Urk. 11/M20). Im Sprechstundenbericht vom 22. April 2022 ergänzten die Behandler, es sei am 4. April 2022 ein CT der LWS angefertigt worden. Zum Vergleich würden mehrere Voruntersuchungen vorliegen.
Bei Sta
tus
n
ach dorsaler Spondylodese Th12 bis L2 sowie
Teilcorpektomie
und Cage-Implantation auf Höhe L1 sei das Material intakt und ohne Lockerungszeichen. Im C
T
habe sich eine gute anteriore und
posteriore
Segmentfusionierung
darge
stellt
. In der Leukozyten-Szintigraphie hätten sich keine Hinweise auf einen Materialinfekt gezeigt. Die Behandler hielten fest, sie würden die Symptomatik am ehesten im Rahmen einer muskulären Komponente
werten
, weshalb das Fort
führen der Physiotherapie, Wassertherapie und neu auch MTT empfohlen worden sei. Zudem sei empfohlen worden, das störende Schraubenmaterial rechtsseitig vorerst nicht zu entfernen (Urk. 11/M22).
Im Sprechstundenbericht vom 13. Juli 2022 notierten die Behandler, die Beschwerdeführerin habe von einem positiven Verlauf berichtet, die Schmerzen seien
regredient
. Vor allem die Physiotherapie und der muskuläre Aufbau würden ihr sehr guttun. In Rücksprache mit ihrem
Hausarzt
sei nun die Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag vorgesehen. Die Beschwerdeführerin
habe
sich eine erneute Physiotherapieverordnung
gewünscht
, um den weiteren muskulären Aufbau fortzusetzen sowie eine schmerztherapeutische Anbindung, um zu lernen, mit dem persistierenden Schmerz umzugehen. Der weitere muskuläre Aufbau sowie die Stabilisierung der Rumpfmuskulatur mittels Physiotherapie
sei
unterstützt
worden
, weshalb
eine
Verordnung ausgestellt
worden sei
. Eine schmerztherapeutische Anbindung sei nicht unbedingt notwendig, könne aber aufgrund des Wunsches der Beschwer
deführerin in einem dafür vorgesehenen Zentrum erfolgen. Die Beschwerdefüh
rerin werde si
ch
um eine Angliederung selbst bemühen (Urk. 11/M
2
3).
3
.
6
Am
31. Juli 2022 nahm Dr.
B.___
eine Aktenbeurteilung vor und hielt fest,
die Beschwerden seien in den neu vorgelegten medizinischen Dokumenten am ehesten für muskulär
bedingt gehalten
worden
. Die CT und SPECT hätten im Ver
gleich zu den Voruntersuchungen keine neuen Erkenntnisse präsentiert. Insbe
sondere sei kein Korrelat für die beklagten Beschwerden festgestellt worden und es handle sich um einen regulären Verlauf mit stabiler segmentaler Fusion. Zu den Einwendungen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin nahm Dr.
B.___
ebenfalls Stellung und erläuterte, ein Reha
-
Defizit bezeichne einen funktionellen Zustand, der im vorliegenden Fall verschiedenste Ursachen habe. Die von der Beschwerdeführerin präsentierten Defizite, wie insuffiziente Propriozeption und generelle Schwäche, die dazu führ
t
e
n
, dass sie sich kaum ste
hend
habe
halten könne
n
, die Gleichgewichtsstörungen sowie der muskuläre Hartspann seien – wie bereits im Untersuchungsbericht vom 1. Dezember 2021 erwähnt – keine Folgen einer LWK 1 Fraktur.
Von der Beschwerdeführerin seien
generalisierte Rückenbeschwerden
angegeben worden. Eine relevante Druck- oder
Klopfdolenz
sowie Zeichen einer Radikulopathie hätten sich jedoch nicht finden lassen. In der nachträglich erfolgten Untersuchung in der Universitätskli
nik
E.___
am 26. Januar 2022 sei zwar eine relevante
Klopfdolenz
angegeben worden, dabei handle es sich jedoch um einen subjektiven Befund. Eine relevante Pathologie (Radikulopathie, Instabilitätszeichen, neurogene Paralyse,
Infektzei
chen
, etc.) sei hingegen ebenfalls ausgeschlossen worden. Die Behandler hätten im Januar 2022 eine muskuläre Komponente vermutet, der CT Befund vom 4. April 2022 habe sich betreffend die
perivertebralen
Weichteile jedoch ebenfalls unauffällig präsentiert. Eine strukturelle Muskelläsion, muskuläre Dystrophie- oder -
atrophiezeichen
hätten nicht nachgewiesen werden können. Ob die generelle Schwäche Folge einer Adynamie,
einem
Aggravationsverhalten oder einem adynamischen oder anaeroben Lebensstil geschuldet sei, könne nicht dif
ferenziert werden. Eine Besserung durch eine Reha sei nachvollziehbar, aber weise keine Ursache nach. Die strukturellen Unfallfolgen seien gemäss CT
-
Befund verheilt und eine vermutete Komplikation habe mittels SPECT CT ausgeschlossen werden können. Zum Zeitpunkt seiner Untersuchung hätten die
se
radiologischen Befunde
bereits
vorgelegen. Der Behandler
der Beschwerdeführerin
habe
bereits
am 30. September 2021
notiert
, das
s das
Implantat radiologisch stabil
sei
mit noch nicht ganz kompletter Einheilung des Cages. Dies erkläre die von ihm beurteilte
Zumutbarkeit, die sich auch mit kompletter
Cagefusion
oder nach erfolgter OSME nicht mehr ändern würde. Bei ausgeheilter Fraktur, eingeheiltem
Spondylodesematerie
und sich
nebenbefundlich
präsentier
endem
unauffälligen Muskelmantel seien keine höhergradigen Besserungen des objektiven Zustandes zu erwarten gewesen. Eine Physiotherapie diene
vorliegend
dem Erhalt des Ist-Zustandes respektive der Besserung der muskulären Funktion. Der Endzustand sei damit eingetreten (Urk. 11/M24 S. 2-3). Die OSME habe zudem keinen Einfluss auf den Endzustand, sie erfolge unabhängig davon planmässig oder auf Wunsch zur gegebenen Zeit. Mit weiteren therapeutischen Massnahmen könne mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszu
standes erreicht werden
. Für die ausschliesslich
traumatologischen
Folgen des Unfalls vom 14. Januar 2021 habe zum Zeitpunkt der Beurteilung eine Arbeits
fähigkeit von 60 % mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit im
Abstand
von zwei Wochen
und eine
r
vollumfängliche
n
Arbeitsfähigkeit mit Erreichen des End
zustandes
bestanden
(Urk. 11/M24 S. 4
-5
)
.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist das Vorliegen des medizinischen Endzustandes und damit die Frage der Rechtsmässigkeit der Leistungseinstellung per 28. Februar 2022. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob für die Zeit ab 1. März 2022 noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten war (vgl. E. 1.2).
4.2
Gemäss
der medizinischen Aktenlage ist im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per
28. Februar 2022
keine Therapieoption vorgeschlagen worden, die eine nam
hafte Besserung der Beschwerdesituation im Sinne einer ins Gewicht fallenden Steigerung der Arbeitsfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 4.3) erwarten liesse.
Dr.
B.___
führte nachvollziehbar aus,
dass bei radiologisch unauffälligem post
operativem Verlauf sowie intaktem
Implantatmaterial
der medizinische Endzu
stand nach 12 Monaten am 15. Januar 2022 eingetreten
ist
. Eine namhafte Bes
serung des Gesundheitszustand
s
war
nicht zu erwarten, die durchgeführte Physi
otherapie
wurde
lediglich
zum Erhalt des aktuellen Zustandes weitergeführt (E. 3.4). Dies
e Einschätzung
steht denn auch im Einklang mit den Untersuchungs
befunden der behandelnden Ärzte. Sowohl die Behandler der
Klinik C.___
wie auch
die zuletzt behandelnden Ärzte der Universitäts
klinik
E.___
hielten fest, dass der radiologische Befund keine Lockerungszei
chen zeige und das Material intakt sei (E. 3.3 und 3.5).
Zwar hielten die Behandler der
Klinik C.___
im Juli 2021 noch fest, das Konstrukt scheine nur in axialer Belastung stabil zu sein, bei Reklination
und Ausbeugen habe dies jedoch nicht bestätigt werden können. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Beschwerdeführerin das Tragen eines Korsetts empfohlen. Im September 2021 kamen die Behandler jedoch zum Schluss, dass die Sensorik, Motorik und Beweg
lichkeit der Wirbelsäule komplett intakt sei
en
und keine wesentliche
n
Druck- und Klopfschmerzen bestehen würden. Nach ihrer Beurteilung
stand
der Wiederein
gliederung in den Arbeitsalltag nichts entgegen (E. 3.3). Die weitere Behandlung durch die Ärzte der Universitätsklinik
E.___
beinhaltete denn auch einzig die Verordnung von Physio- und Wassertherapie
, wobei der muskuläre Aufbau zur Stabilisierung der Rumpfmuskulatur beitragen sollte (vgl. E. 3.5).
Die Beschwer
deführerin reichte im Rahmen des Beschwerdeverfahrens sodann weitere Arbeits
unfähigkeitszeugnisse zu den Akten (vgl. Urk. 3/4). Die unterschiedliche Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit insbesondere durch die behandelnden Hausärzte der
Praxis F.___
vermag keine Zweifel an der Einschätzung von Dr.
B.___
zu erwecken, vielmehr lässt sie die Verschiedenheit von
Behand
lungs
- und Begutachtungsauftrag (BGE 137 V 210 E. 1.2.4, 124 I 170 E. 4) erken
nen und die Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte und Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrecht
liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Die Beschwerdeführerin machte
weiter
geltend, dem Bericht der Universitätsklinik
E.___
vom 13. Oktober 2022 könne entnommen werden, dass sich ihr Gesund
heitszustand durch weitere medizinische Massnahmen und eine Behandlung in einem Schmerzambulatorium weiter verbesser
n
könne
, ihr Gesundheitszustand würde von weiteren Heilbehandlungsmassnahmen wesentlich und nicht nur im Sinne der Aufrechterhaltung  einer Ist-Situation profitieren
(Urk. 1 S. 7
-8
).
Damit vermag sie
jedoch
nicht durchzudringen.
Die Behandler der Universitätsklinik
E.___
hielten im Bericht vom 13. Oktober 2022 lediglich fest,
dass die weiteren Behandlungen gegebenenfalls zu einer Verbesserung führen könnten (vgl.
Urk. 3/7).
Diesbezüglich ist
jedoch
festzuhalten, dass eine allfällige blosse Ver
besserung alleine des Leidens an sich, eine nur kurzfristige Linderung, eine blosse Verbesserung der Befindlichkeit oder dass die versicherte Person etwa von Phy
siotherapie profitieren kann, einem Fallabschluss nicht entgegensteht (Urteil des Bundesgerichts 8C_172/2018 vom 4. Juni 2018 E. 4.3).
Dass mit der Weiterfüh
rung der Physiotherapie oder einer Behandlung im Schmerzzentrum eine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustandes
im Sinne der Rechtsprechung (E. 1.2) zu
erwarte
n ist
, ist nicht
belegt
.
Die Beurteilung von Dr.
B.___
genügt den von der Rechtsprechung an den Beweiswert versicherungsinterner Stellung
nah
men gestellten Anforderungen (vgl. E. 1.4).
Auf
seine Beurteilung
kann
ohne
Weiteres
abgestellt werden
.
Die rein
traumatologischen
Unfallfolgen waren gemäss CT
-
Befund verheilt und eine vermutete Komplikation konnte mittels SPECT CT ausgeschlossen werden (vgl. E. 3.6)
. Der Endzustand
war
spätestens 12 Monate nach dem Unfallereignis am 15. Januar 2022 erreicht und die Beschwer
degegnerin hat den
Fallabschluss daher nicht verfrüht vorgenommen.
Nicht zu beanstanden ist überdies die Reduktion der Taggeldleistungen auf 60 % per 1.
Dezember 2021.
5
.
5.1
Weiter ist zu prüfen, ob im
Z
eitpunkt der Leistungseinstellung noch ein unfall
bedingter Gesundheitsschaden vorlag.
5.2
Gemäss den überzeugenden Ausführungen von Dr.
B.___
waren die unmit
telbaren Unfallfolgen abgeheilt
.
In somatischer Hinsicht ist gestützt auf seine Beurteilung davon auszugehen
, dass d
er
Beschwerdeführerin sowohl
ihre
Tätig
keit als Büroangestellte, welche dem von ihm erstellten Belastbarkeitsprofil ent
spricht, sowie auch Arbeiten im Stehen oder Sitzen im Rahmen einer angepassten Tätigkeit
im Zeitpunkt der Leistungseinstellung zumutbar
waren
.
Die vorliegenden Akten liefern jedoch verschiedentlich Hinweise auf
ein
psychi
sche
s
Leiden der Beschwerdeführerin.
Dr.
B.___
hielt in seiner versicherungs
medizinischen Beurteilung fest, dass aufgrund der psychischen Überlagerung und der entsprechenden Instabilität eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit nicht rea
listisch sei (vgl. Urk. 11/M19 S. 5). Aus der Krankengeschichte der Beschwerde
führerin geht sodann hervor, dass sie am 25. Oktober 2021 ihrer Hausärztin mit
geteilt hatte, dass sie eine Psychiaterin gefunden habe (vgl. Urk. 11/M17).
Eine fachärztlich gestellte Diagnose
findet sich in den Akten jedoch nicht
. Unklar bleibt auch, ob und inwiefern die psychischen Leiden als natürlich unfallkausal zu betrachten sind. Dies kann indessen offengelassen werden,
da
die Adäquanz nach Massgabe von BGE 115 V 133 («Psycho-Praxis») – entgegen den Einwen
dungen der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 8
f.
) – zu verneinen ist, wie nachfol
gend auf
gezeigt
wird.
5.3
5.3.1
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraf
ten als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versiche
rungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_493/2021 vom 4. März 2022 E. 3.3.3 mit Hinweisen).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenom
men wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
5.3.2
Ausgangspunkt der Adäquanzprüfung bildet das (objektiv erfassbare) Unfaller
eignis. Im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Abhängig von der Unfallschwere sind je nachdem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen. Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (BGE 140 V 356 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_387/2018 vom 16. November 2018 E. 4.4.2 mit Hinweisen). Irrelevant sind die Unfallfolgen oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Solchen Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen (BGE 148 V 301 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
5.3.
3
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwieri
gen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
5
.4
Im Hinblick auf die Prüfung der Adäquanz ist zunächst der Unfall nach seiner Schwere zu qualifizieren, welche sich nach dem augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften bestimmt.
Gemäss Unfallmeldung wurde
die Beschwerdeführerin beim Überqueren eines Fussgängerstreifens von
einem Auto mit etwa 50-60 km/h angefahren, ein paar Meter durch die Luft geschleudert und
prallte
schliesslich auf der Strasse auf
(Urk. 10/A2)
.
Das Bundesgericht qualifizierte einen Unfall
,
bei dem die versicherte Person auf dem Fussgängerstreifen angefahren wurde und sich dabei eine Gehirnerschütte
rung, eine HWS-Distorsion, diverse Prellungen sowie eine Partialruptur der Sup
raspinatussehne zuzog
,
als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leich
ten Fällen (Urteil des Bundesgerichts 8C_359/2012 vom 20. Juli 2012 E. 6). Ebenso qualifizierte das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht einen Unfall, bei welchem die versicherte Person
beim Überqueren eines Fussgänger
streifens von einem Auto angefahren wurde, ohne Kopfanprall stürzte und ein Rückentrauma erlitt, als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Fällen
(Urteil des Bundesgerichts U 34/03 vom 28. Januar 2004 E. 3.4.2).
Mit Blick auf die Rechtsprechung kann angesichts des objektiv erfassbaren Unfallhergangs vorliegend
- entgegen der Behauptungen der Beschwerdeführe
rin, wonach es sich um einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen handle (Urk. 1 S. 8) –
höchstens
von einem mittelschweren
U
nfall
im engeren Sinn
ausgegangen werden (
als mittelschwerer Unfall im Grenz
bereich zu den schweren Unfällen wurde ein Unfallgeschehen qualifiziert, bei dem die Versicherte zuerst vom Pferd abgeworfen und danach von einem Personen
wagen überfahren wurde, dabei zog sich die Versicherte schwere, lebensbedroh
liche Verletzungen zu
,
Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich UV.2021.00084;
vgl. auch Kasuistik in:
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallver
sicherung, 4. Auflage 2012, S. 64 ff.). Ein adäquater Kausalzusammenhang kann somit nur bejaht werden, wenn
drei
der Adäquanzkriterien erfüllt sind oder eines der Kriterien besonders ausgeprägt vorliegt (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_363/2012 vom 27. Juni 2012 E. 4.3 mit Hinweisen
).
5.5
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens beziehungsweise
des
Angstgefühls der versicherten Person.
Den vor
handenen Akten sind keinerlei Hinweise zu entnehmen, dass
es bei der Kollision vom 14. Januar 2021 zu
besonders dramatische
n
Begleitumstände
n
gekommen
und/oder das Unfallgeschehen besonders eindrücklich gewesen wäre.
Soweit die Beschwerdeführerin mit Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_134/2015 vom 14. September 2015 geltend macht, dieses Kriterium sei erfüllt, kann ihr nicht gefolgt werden.
Die Beschwerdeführerin wurde nach eigenen Angaben zwar einige Meter durch die Luft geschleudert, jedoch geht aus dem beschriebenen Unfallhergang nicht hervor, dass sie
rund zehn Meter
über das Fahrzeug
geschleudert worden wäre. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass jedem min
destens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, die somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann.
Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin von einem
Fahrzeug
angefahren wurde, vermag das Kri
terium der Eindrücklichkeit aus objektiver Sicht jedenfalls für sich allein nicht zu erfüllen.
Die Beschwerdeführerin zog sich anlässlich des Unfalls vom
14. Januar 2021 eine komplette Berstungsfraktur
LWK1 mit
Hinterkantbeteiligung
zu (Urk. 11/M6).
Diese Verletzung ist erfahrungsgemäss nicht geeignet,
psychische
Fehlentwick
lungen auszulösen.
Sodann liegen weder ärztliche Fehlbehandlungen noch erhebliche Komplikatio
nen vor. Im Gegenteil ist in Bezug auf die operative Behandlung ein sehr gutes Resultat dokumentiert
(vgl. Urk. 11/M/3-10)
. Die Einnahme von Medikamenten und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung des Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapie keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte (vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer, a.a.O., S. 73 f. mit weiteren Hinweisen).
Die postoperative Behandlung erschöpfte sich im Wesentlichen in medikamentöser Therapie und Physiotherapie.
Damit fehlt es an einer fortgesetzten spezifischen belastenden ärztlichen Behandlung. Unter die
sen Umständen kann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztli
chen Behandlung nicht als erfüllt gelten. Die Behandlung der
psychischen
Leiden hat im Rahmen der Adäquanzbeurteilung
sodann
unberücksichtigt zu bleiben.
Die Beschwerdeführerin
litt
unter
belastungsabhängigen Schmerzen
. Anlässlich der
versicherungsmedizinischen
Untersuchung
gab die Beschwerdeführerin para
vertebrale, muskuläre Beschwerden über dem gesamten Dorsum sowie über der
ventrolateralen
Zugangsnarbe an
.
Relevante lumbale Druck- oder
Klopfdolenzen
sowie radikuläre Ausstrahlungen hätten
hingegen nicht erhoben werden können
(Urk. 11/M19 S. 5).
Psychische
Beschwerden sind in diesem Zusammenhang nicht miteinzubeziehen, auch wenn sie körperlich imponieren (Urteil des Bundesge
richts 8C_394/2022 vom 8. November 2022 E. 8.1 mit Hinweisen). Zu verneinen ist sodann das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsun
fähigkeit, gilt das Kriterium doch rechtsprechungsgemäss erst bei einer vollen Arbeitsunfähigkeit während fast drei Jahren als erfüllt
(
vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_627/2019 vom 10. März 2020 E. 5.4.5 mit Hinweis). Das Kriterium bezieht sich zudem nicht allein auf das Leistungsvermögen im angestammten Beruf, sondern auch auf leidensadaptierte Tätigkeiten (Urteil des Bundesgerichts 8C_627/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 4.1.5 mit Hinweisen).
Die von
den
Haus
ä
rzt
en weiterhin attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit mit Verweis auf einen
Unfall ist weder begründet noch nachvollziehbar (vgl. Urk. 3/4).
Eine
leidensan
gepasste Tätigkeit war
der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht gemäss der nachvollziehbaren Beurteilung
des beratenden Arztes
der Beschwerdegegnerin
ab dem Untersuchungszeitpunkt vollumfänglich
zumutbar
(vgl. Urk. 11/M19 S. 6)
.
Insgesamt ist keines der massgebenden Adäquanzkriterien erfüllt
, insbesondere
nicht in besonders ausgeprägter Weise.
5.6
D
ieses Ergebnis hat zur Folge, dass allenfalls
über den Fallabschluss hinaus
bestehende
psychische
Beschwerden dem Unfall vom
14. Januar 2021
jedenfalls nicht rechtlich zugeordnet werden können.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin unterliess es, ihre Begehren auf Zusprache einer Invali
denrente sowie auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Urk. 1 S. 2) hin
reichend zu begründen. Soweit sie einzig geltend machte, es wäre zu berücksich
tigen, dass die Behandler der Universitätsklinik
E.___
von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit aus somatischen Gründen ausgingen (Urk. 1 S. 9), vermag sie nicht durchzudringen. Im Schreiben vom 13. Oktober 2022 legten die Behandler der Universitätsklinik
E.___
in Beantwortung der von der Beschwerdeführerin an sie gestellten Fragen dar, gewisse Restbeschwerden seien nach thorakolumba
len Frakturen und deren Operation denkbar. Je nach Ausmass der Beschwerden könne entweder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit oder aber auch eine par
tielle Arbeitsunfähigkeit von «bis zu in etwa 20 %» vorliegen (Urk. 3/7). Eine solchermassen vage, einzig auf die subjektiven Beschwerdeangaben abstellende Einschätzung ist nicht geeignet, die Beurteilung von Dr.
B.___
, wonach bei Erreichen des Endzustandes unter Beachtung des von ihm formulierten Belas
tungsprofils eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit bestand (E. 3.4 und 3.6), in Frage zu stellen. Anhaltspunkte dafür, dass die Ermittlung des Invaliditätsgrades nicht korrekt vorgenommen worden wäre, finden sich nicht in den Akten und wurden von der Beschwerdeführerin denn auch mit keinem Wort geltend gemacht, geschweige denn substantiiert. Anlass, den von der Beschwerdegegne
rin ermittelten rentenausschliessenden Invaliditätsgrad (Urk. 10/A67 S. 3) zu bemängeln, besteht damit nicht.
6.2
Mangels Begründung lässt sich im Weiteren auch nicht erkennen, weshalb der Sachverhalt bezüglich der Integritätseinbusse oder deren rechtliche Zuordnung unzutreffend sein sollten (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 89 zu Art. 61 ATSG). Insbesondere hat die Beschwerdeführerin keinen Arztbericht zu den Akten gereicht, der die Einschätzung der Integritätseinbusse durch Dr.
B.___
(Urk. 11/M19 S. 6) in Frage stellen würde. Nachdem der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin nachvollziehbar dargelegt hatte, es lägen zwar geringe Dauerschmerzen mit Verstärkung bei Belastung und
Kyphosierung
vor, Deforma
tion oder Achsabweichung bestünden demgegenüber aber nicht, weshalb der Integritätsschaden mit 5 % zu bemessen sei (Urk. 11/M19 S. 6), ist auch die von der Beschwerdegegnerin hierauf gestützte Integritätsentschädigung von 5 % beziehungsweise von Fr. 7'410.-- (Urk. 10/A67 S. 4) nicht zu beanstanden.
7
.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
14. September 2022 (Urk. 2) erweist sich damit als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Michael Grimmer
-
AXA Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die Vorsitzende i.V.Die Gerichtsschreiberin
PhilippSherif