# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c03c490c-245d-56e2-b8f6-097602712cfb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.10.2010 D-7107/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7107-2010_2010-10-22.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7107/2010
D-7106/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima;
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

A._______, Syrien,
Beschwerdeführer 1,

und

B._______, Syrien,
Beschwerdeführer 2,

vertreten durch Nicole Hohl, Advokatin, 
Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone; Zwischen-
verfügungen des BFM vom 22. September 2010 /
N [...] und N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7107/2010
D-7106/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die  Beschwerdeführer  am 24. August  2010 in  der  Schweiz  um 
Asyl nachsuchten,

dass sie mit  an das BFM gerichteter  Eingabe ihrer Rechtsvertreterin 
vom 7. September 2010 um Zuteilung an die Kantone C._______ oder 
D._______  ersuchten,  mit  der  Begründung,  in  diesen  Kantonen 
würden  ihre  als  Flüchtlinge  anerkannten  Brüder  E._______  und 
F._______ leben,

dass das BFM die  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügungen vom 
22. September  2010  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton 
G._______ zuwies,

dass das Bundesamt zur Begründung im Wesentlichen anführte, be-
sonders schützenswerte verwandtschaftliche Beziehungen ausserhalb 
der Kernfamilie, die bei der Kantonszuteilung zu berücksichtigen seien, 
lägen nur dann vor, wenn – neben einer nahen, echten und tatsächlich 
gelebten Beziehung zwischen den Familienangehörigen – ein beson-
deres Abhängigkeitsverhältnis vorliege,

dass jedoch im Falle der Beschwerdeführer zum einen aufgrund der 
langjährigen Trennung von ihren Brüdern nicht  von einer  nahen und 
tatsächlich gelebten Beziehung gesprochen werden könne,

dass zum anderen kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis vorliege, 
zumal  die  Beschwerdeführer  gemeinsam  dem  Kanton  G._______ 
zugeteilt  würden,  seit  Jahren  ohne  die  direkte  Hilfe  ihrer  Brüder 
ausgekommen seien und bei allfällig auftretenden Problemen mit der 
Unterstützung  der  zuständigen  kantonalen  Asylbehörden  rechnen 
könnten,

dass die  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom 
30. September 2010 gegen diese Zwischenverfügungen beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde erhoben und die Aufhebung der ange-
fochtenen  Zwischenverfüngen  sowie  die  Zuteilung  an  den  Kanton 
D._______, eventualiter an den Kanton C._______ beantragten,

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dass sie in prozessualer Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege und Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1  und 2  des 
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG, SR 172.021) ersuchten,

dass  der  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  5.  Oktober 
2010  die  Gesuche um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege 
und Verbeiständung wegen Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren ab-
wies und die Beschwerdeführer unter Androhung des Nichteintretens 
im Unterlassungsfall aufforderte, bis zum 20. Oktober 2010 einen Kos-
tenvorschuss von Fr. 600.-- zu leisten,

dass  die  Beschwerdeführer  den  einverlangten  Kostenvorschuss  am 
11. Oktober 2010 fristgerecht leisteten,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM entscheidet  (Art. 105  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-33 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

dass die  Beschwerdeführer  durch die angefochtenen Zwischenverfü-
gungen besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass sie ferner eine Verletzung des Grundsatzes der Einheit der Fami-
lie rügen und damit den in Art. 27 Abs. 3 AsylG genannten zulässigen 
Rügegrund anrufen (vgl. BVGE 2008/47 E. 1.2 S. 672),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 1  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG),

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dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art.  111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  im  vorliegenden  Fall  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf 
einen Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass das BFM die Asylsuchenden gemäss Art. 27 Abs.3 AsylG den 
Kantonen zuweist und dabei den schützenswerten Interessen der Kan-
tone und der Asylsuchenden Rechnung trägt, wobei es gemäss Art. 22 
Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfra-
gen (AsylV 1, SR 142.311) bereits in der Schweiz lebende Familienan-
gehörige, Staatsangehörigkeiten und eine allfällige Betreuungsintensi -
tät berücksichtigt,

dass sich das Bundesamt dabei in formeller Hinsicht mit einem aus-
drücklichen  und  eingehend  begründeten  Gesuch  um  Zuweisung  in 
einen bestimmten Kanton aus familiären Gründen konkret  auseinan-
dersetzen muss und in der Zuweisungsverfügung eine Abwägung vor-
zunehmen und diese zu begründen hat  (vgl. BVGE 2008/47 E. 3 S. 
674 ff.),

dass  das  BFM  im  vorliegenden  Fall  den  formellen  Anforderungen 
Rechnung getragen hat, indem es den Beschwerdeführern am 8.  Sep-
tember 2010 mündlich das rechtliche Gehör zur Frage der Kantonszu-
teilung gewährte und sich in den Zwischenverfügungen vom 22. Sep-
tember 2010 einlässlich mit ihren Vorbringen auseinandersetzte,

dass mit  Blick auf  das Beschwerderecht  bei  Kantonszuteilungen der 
Schutzbereich  des  in  Art.  27  Abs.  3  letzter  Satz  AsylG  erwähnten 
Grundsatzes der Einheit der Familie nicht über denjenigen hinausgeht, 
der sich aus den entsprechenden Begriffen in Art. 44 Abs. 1 und Art.  
51 Abs. 1 und 2 AsylG sowie Art. 8  der Konvention vom 4. November 
1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, 
SR 0.101) ergibt (BVGE 2008/47 E. 4.1 S. 677 ff.),

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dass mithin für die Berufung auf diesen Grundsatz bei nahen Angehö-
rigen, die nicht der Kernfamilie zuzurechnen sind, nach der Rechtspre-
chung  ein  Abhängigkeitsverhältnis  gegeben  sein  muss  (vgl.  dazu 
BVGE 2008/47 E. 4.1.2 S. 678, mit weiteren Hinweisen),

dass die volljährigen Beschwerdeführer und ihre in der Schweiz leben-
den, ebenfalls mündigen Brüder keine Kernfamilie darstellen,

dass sodann E._______ und F._______ ihren Heimatstaat  bereits  in 
den Jahren 2002 beziehungsweise 2007 verlassen haben, mithin eine 
tatsächlich gelebte Beziehung mit den Beschwerdeführern bereits seit 
längerer Zeit nicht mehr besteht,

dass das BFM ferner – wie in der Zwischenverfügung des Bundesver-
waltungsgerichts vom 5. Oktober 2010 bereits ausgeführt – zu Recht 
das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses im Sinne der zitierten 
Rechtsprechung verneint hat,

dass die Beschwerdeführer über eine 12- beziehungsweise 9-jährige 
Schulausbildung verfügen und sich aus ihren ausführlichen und klaren 
Äusserungen  anlässlich  der  Befragungen  durch  das  BFM  keinerlei 
Hinweise auf etwelche physischen oder psychischen Beeinträchtigun-
gen  ergeben,  die  auf  eine  ausgeprägte  Unterstützungsbedürftigkeit 
schliessen liessen,

dass in der Beschwerdeeingabe vom 30. September 2010 diesbezüg-
lich zwar vorgebracht wird, der knapp volljährige Beschwerdeführer 2 
sei  äusserst  sensibel  und psychisch labil  und auch der etwas ältere 
Beschwerdeführer 1 sei aufgrund eines 5-monatigen Gefängnisaufent-
haltes psychisch angeschlagen (vgl. Beschwerdeeingabe, Ziff. I/1,  S. 
2),

dass  indessen  damit  alleine  eine  besondere  Abhängigkeit  der  Be-
schwerdeführer von ihren in der Schweiz lebenden Brüdern nicht ge-
geben ist, zumal das BFM in den angefochenen Zwischenverfügungen 
zu Recht auf die Zuteilung in denselben Kanton hinweist, wo im Übri-
gen  bei  gegebener  Notwendigkeit  adäquate  psychiatrische  bezie-
hungsweise psychologische Behandlungsangebote bestehen,

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dass  schliesslich  auch  der  Einwand der  fehlenden  Kenntnisse  einer 
schweizerischen Landessprache zu keinem anderen Ergebnis führt, da 
sich die Beschwerdeführer diesbezüglich nicht von der Mehrzahl der 
Asylsuchenden in der Schweiz unterscheiden,

dass es den Beschwerdeführern demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern die angefochtenen Zwischenverfügungen den Grundsatz der 
Einheit der Familie verletzen, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführern  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1 
VwVG) und mit dem von ihnen am 11. Oktober 2010 in der gleichen 
Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen sind.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  den  Beschwerdeführern 
auferlegt und mit dem von ihnen am 11. Oktober 2010 in gleicher Höhe 
geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführer  (Einschreiben;  Beila-
gen: Zwischenverfügungen des BFM vom 22. September 2010 im 
Original)

- das BFM, Abteilung Asylverfahren, mit den Akten Ref.-Nr. N [...] und 
N [...] (per Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

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