# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6e7b8037-2c3b-5bad-bf3c-b64a19ef325e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-27
**Language:** de
**Title:** Keine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit (Arbeitsfähigkeit von 35 %, fortgeschrittenes Alter); Anspruch auf eine ganze Rente.
**Docket/Reference:** IV.2015.00026
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00026.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00026
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Locher
Urteil
vom
27. September 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Rechtsanwalt Oliver
Streiff
, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1954 geborene
X.___
meldete sich unter Hinweis auf Rücken-, Be
cken- und Armbeschwerden am 7. Januar 2004 bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (
Urk.
7/3). Die IV-Stelle traf daraufhin medizinische und er
werbliche Abklärungen und verneinte – bei einem Invaliditätsgrad von 11 % - mit Verfügung vom 17. Juni 2004 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/12).
Am
29. August 2013 meldete sich der Versicherte erneut zum
Leistungsbezug an (
Urk.
7/16). In der Folge zog die IV-Stelle einen Auszug aus dem individuel
len Konto bei (
Urk.
7/19 und
Urk.
7/21) und holte einen Bericht von
Dr.
med.
Y.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, vom 29. September 2013 ein (
Urk.
7/22). Mit Vorbescheid vom 15. November 2013 stellte sie
dem Versi
cherten
die Abweisung des Leistungsbegehrens (Rente und berufliche Massnah
men) in Aussicht. Nachdem
dieser
hiegegen
opponiert
hatte
(
Urk.
7/32), liess
die Verwaltung
ihn
am 29. April
2014 von
Dr.
sc. nat.
Z.___
, zertifizierte neu
ropsychologische Gutachterin SIM
,
und
Prof.
Dr.
rer
. nat.
A.___
, zertifizierter neurops
ychologischer Gutachter SIM, sowie
am 13.
Mai 2014 von
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Neurologie,
untersuchen
(Expertisen vom 8. und 13. Mai 2014 [
Urk.
7/42]).
Gestützt darauf kündigte die IV-Stelle mit neuem Vorbescheid vom 28. Mai 2014 die
Zusprache
einer
Dreiviertelsrente
der Invali
denversicherung mit Wirkung ab 1. Juni 2014 an (
Urk.
7/45). Daran hielt sie
– auf Einwand von
X.___
hin (
Urk.
7/53 und
Urk.
7/61) – mit Verfügung vom 5. Dezember 2014 fest (
Urk.
2, 7/68 und 7/71-75).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 9. Januar 2015 Beschwerde und beantragte die
Zusprache
einer ganzen Rente der Invalidenversicherung mindestens ab 1. Juni 2014; eventuell sei die Sache zur Nachbegründung an
die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
16. Februar 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Replik vom 11. März 2015 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (
Urk.
13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (
Urk.
16), was dem Beschwerdeführer am 23. März 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien u
nd die eingereichten Unterlagen
wird
,
so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
In
fo
rmellrechtlich
er
Hinsicht rügte der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begründungspflicht (
Urk.
1 S. 5).
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (Art. 49
Abs.
3 Satz 2 ATSG).
Die
Begründung ei
nes Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gegebe
nenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
denden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1).
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtli
chen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnöti
gen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhö
rung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
be
förderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120
V 357 E. 2b, 116 V 182 E. 3c und d).
1.
2
Es trifft zwar zu, dass sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfü
gung nicht explizit mit der Frage auseinandersetzte,
ob die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wirtschaftlich noch verwertbar sei. Aus der Verfügung gehen indes die Überlegungen hervor, von denen sich die Beschwerdegegnerin leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützte.
Eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs
liegt
insoweit
nicht
vor
.
Soweit
im Übrigen
der Anspruch auf rechtliches Gehör durch das vorangegan
gene Verfahren
tangiert
worden
wäre,
wäre ein solcher Mangel jedenfalls ohne
hin im Rahmen des vorliegenden Prozesses geheilt, da sich die
Beschwerdegeg
nerin
in der Beschwerdeantwort vom 16. Februar 2015 mit den betreffenden Einwendungen befasste
, der Beschwerdeführer sich
dazu im Rahmen der Replik
äussern konnte
und das hiesige Gericht als Beschwerdeinstanz den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG
.
2
.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2
.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
, so ist im
Beschwerdeverfah
ren
zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch re
levante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
2
.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin ging – unter Hinweis auf die Ergebnisse der neurologi
schen und neuropsychologischen Begutachtung durch
Dr.
B.___
beziehungs
weise
Prof.
Dr.
rer
. nat.
A.___
und
Dr.
sc. nat.
Z.___
– in der angefochtenen Verfügung davon aus,
dass nach Ablauf der einjährigen Wartezeit im Juni 2014 eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leidensangepassten Tätig
keit von 35 % best
and
. Da weder das Alter noch das eingeschränkte
Tätigkeits
profil
einen leidensbedingten Abzug begründen würden, betrage das
Invaliden
einkommen
Fr. 21‘690.00. Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 62‘768.50 re
sultiere ein Invaliditätsgrad von 65 %, was Anspruch a
uf eine
Dreiviertelsrente
gebe (
Urk.
2). In der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin ergän
zend aus, dem Beschwerdeführer seien intellektuell nicht sonderlich beanspru
chende, leicht zu erlernende und gut strukturierte Tätigkeiten zumutbar. Auf
grund dessen sei
e
r zwar nicht leicht vermittelbar, es würden jedoch in Bezug auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt weiterhin Möglichkeiten bestehen, eine Stelle zu finden (
Urk.
6 S. 2).
3
.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgege
nüber auf den Standpunkt, aufgrund seiner gesundheitlichen Beschwerden und der Tatsache, dass er bereits 60-jährig sei, nie eine
n
Beruf erlernt habe und seit 2003 keiner Berufstätigkeit mehr nachgehe, könne er sich nicht mehr oder
nur
mit grössten Schwierigkeiten in den Arbeitsprozess integrieren. Er sei daher als vollständig erwerbsunfähig an
zusehen, was Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung gebe. Zu keinem anderen Ergebnis führe
im Übrigen
die Gewährung eines angesichts seiner Limitierungen ausgewiesenen leidensbedingten Abzugs
von 15 % (
Urk.
1 S. 4 ff. und
Urk.
13).
4
.
4
.1
Gestützt auf das Ergebnis seiner neurologischen Untersuchung diagnostizierte
Dr.
B.___
in seiner Expertise
vom 13. Mai 2014 (
Urk.
7/42/1-14) mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
ein
en
ischämische
n
Hirninfarkt im
Mediaterrito
rium
rechts am 7. Juni 2013 bei hochgradiger Stenose der rechten
Arteria
caro
tis
interna
(TEA [
Thrombendarteriektomie
] und
Stenteinlage
am 8. Juni 2013) mit persistierender homonymer Hemianopsie nach links und mittelschweren Defiziten
attentionaler
, exekutiver und mnestischer Funktionen (ICD-10 I63.5;
S. 10)
. Die Gutachter Prof.
Dr.
rer
. nat.
A.___
und
Dr.
sc. nat.
Z.___
stellten
nach Durchführung einer neuropsychologischen Untersuchung des Beschwer
deführers (vgl. Expertise vom 8. Mai 2014 [Urk.
7/42/15-
22])
als Diagnose
eine mittelschwere kognitive Störung (ICD-10 F07.8) fest (S. 6). Sie berichteten er
gänzend, aus der Wechselwirkung neuropsychologischer Beeinträchtigungen und bereits prämorbid bestandenen geringen intellektuellen und
Bildungsres
sourcen
resultiere ein allgemeines kognitives Leistungsniveau im Bereich einer leichten Intelligenzminderung (WIE Gesamt-IQ 69; ICD-10 F70.0; S. 6). Nach einer interdisziplinären Konsensbildung kamen die involvierten Gutachter zum Schluss, die zuletzt ausgeführte Tätigkeit als Lagerist und Staplerfahrer sei dem Beschwerdeführer seit der Entlassung aus
der
Klinik C.___
am 22.
August 2013 zu 20 % zumutbar.
In einer angepassten, intellektuell nicht sonderlich beanspr
uchenden, leicht zu erlernenden und
gut strukturierten Tätig
keit könne aus neurologisch-neuropsychologischer Sicht bei einer maximal 70%igen zeitlichen Präsenz durch die bestehende Verlangsamung nur eine 50%ige qualitative Leistung (Produktivität) erzielt werden. Es resultiere daher eine Arbeitsfähigkeit von 35 % seit Abschluss der medizinischen Rehabilitation in
C.___
. Zu bevorzugen seien eher handwerklich-manuelle Tätigkeiten, zum Beispiel in der Montage/Produktion, ohne Einsatz von verletzungsträchtigen Werkzeugen und Maschinen (
Urk.
7/42/1-14 S. 12 f.).
4
.2
Das Gutachten
entspricht
den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische E
ntscheidungsgrundlage (vgl. E. 2
.5
hievor
). Es
leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die
gezo
genen
Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden überzeugend begründet. Damit ist von einer Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Arbeit von 20 % und in leidensangepasster Tätigkeit von 35 % aus
zugehen, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird (
Urk.
1 S. 3).
4
.3
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer
im Vergleich
zu den
im Rahmen der rentenablehnenden Verfügung vom 17. Juni 2004 (
Urk.
7/12) festgestellten
Leiden
(vgl.
Urk.
7/7 und
Urk.
7/9/3-4) gesundh
eitliche Beein
trächtigungen hinnehmen musste und
im massgeblichen Beurteilungszeitraum eine Minderung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist
.
Zu prüfen bleibt, wie sich diese auf die Rentenhöhe auswirkt.
5
.
5
.1
Zwischen den Parteien ist
strittig, ob der
Beschwerde
führer
angesichts seines
Gesundheitsschadens
und seines fortgeschrittenen Alters
in einem als ausgegli
chen unterstellten Arbeitsmarkt (vgl.
Art. 7
Abs.
1 und Art. 16 ATSG)
noch als vermittelbar gelten und die ihm verbliebene Leistungsfähigkeit erwerblich ver
werten kann.
Sofern von einer Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit
ausge
gangen werden kann, stellt sich die Frage nach der Gewährung eines
leidensbe
dingten
Abzugs bei der Ermittlung des Invalideneinkommens.
5
.2
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaussich
ten
keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesge
richts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.1 mit Hinweis auf SVR 2008
IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium aner
kannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegeben
heiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene
Rester
werbsfähigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. Der Einfluss des Lebensal
ters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Re
gel bemessen, sondern hängt ab von den Umständen, die mit Blick auf die An
forderungen der Verweisungstätigkeiten massgebend sind (Urteil
des Bundesge
richts 9C_954/2012 vom 10. Mai 2013 E. 2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 107 V 17 E. 2c).
Massgebend können die Art und Beschaffenheit des
Ge
sundheitsschadens
und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einar
beitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.1 mit Hinwei
sen).
Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt auch davon ab, welcher Zeit
raum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Die im gesamten Bereich des Sozialversicherungsrechts geltende Schadenminderungspflicht und die daraus abgeleitete Selbsteingliederungslast gebieten grundsätzlich, die Frage nach der
Verwert
-
barkeit
der Restarbeitsfähigkeit möglichst früh zu beantworten. Gemäss BGE 138 V 457 E. 3.4 steht die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbs
-
tätigkeit
fest, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine
zuver
-
lässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
5
.3
Der am 18. August 1954 geborene
Beschwerdeführer war in dem für die Beurtei
lung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit massgebenden Zeitraum der Erstattung des
bidisziplinären
Gutachtens
von
Dr.
B.___
, Prof
.
Dr.
rer
. nat.
A.___
und
Dr.
sc. nat.
Z.___
(8. / 13. Mai 2014) knapp 60 Jahre alt, was für sich allein die Verwertbarkeit noch nicht ausschliesst, zumal der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeits
angebote
, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitsgebers rechnen können, umfasst (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 5.11 mit Hinweisen). Vorliegend gilt es jedoch zu bedenken,
dass der Beschwerdeführer
keine Berufsausbildung
aus
weist
(
Urk.
7/18 S. 2) und
seit Auflösung seines Arbeitsverhältnisses bei der
D.___
per 31. Mai 200
3 (
Urk.
7/6 S. 4) keine dauerhafte Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr inne hatte (vgl.
Urk.
7/19).
Angesichts seiner neuropsychologischen Defizite
verfügt er offenkundig über keine Ressourcen, einer
anspruchsvolleren Tätigkeit nachzugehen (vgl.
Urk.
7/42/15-22 S. 6).
Aus diesem Grund
fällt jedenfalls das gesamte Spektrum
an
kaufmännisch
en
Arbei
ten
weg (vgl.
hiezu
auch das Urteil des damaligen Eidgenössischen
Versiche
rungsgerichts
U 425/00 vom 29. Januar 2003 E. 4.4).
Damit verbleibt
lediglich
eine Einsatzmöglichkeit in einfachen und repetitiven Tätigkeiten handwerkli
cher Art.
Die
hiefür
nötige Einarbeitungs- und Angewöhnungszeit erscheint aus der Sicht eines potentiellen Arbeitgebers im Verhältnis zu der nur verhältnis
mässig kurzen verbleibenden Aktivitätsdauer
und zum Grad der Arbeitsfähigkeit von 35 % - bei einer jedoch 70%igen zeitlichen Präsenz –
kaum wirtschaftlich. Diesbezüglich fällt zudem ins Gewicht, dass d
er Beschwerdeführer
Störungen in der Informationsaufnahme, des Gedächtnisses sowie der Handlungsplanung auf
weist
und ihn die psychomotorische Verlangsamung, die erhöhte Ermüdbar
keit und die halbseitigen Gesichtsfeldeinschränkungen
limitieren
(
Urk.
7/42/
1-14 S. 12).
Vor diesem Hintergrund ist zu bezweifeln, dass der Beschwer
-
deführer
noch über die für einen Berufswechsel erforderliche Anpassungs
-
fähigkeit
ver
fügt.
5
.4
Angesichts dieser persönlichen und beruflichen Gegebenheiten ist davon auszuge
hen, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keinen Arbeitgeber mehr finden würde, der ihn für eine geeignete
Verwei
sungstätigkeit einstellt
. Namentlich der Umstand, dass er im massgebenden Zeitpunkt nur noch rund fünf Jahre vor seiner Pensionierung stand
und bei ei
ner 70%igen zeitlichen Präsenz
einzig eine
Arbeitsfähigkeit von 35 %
aufweist
, dürfte einen durchschnittlichen Arbeitgeber
realistischerweise
davon abhalten, die mit seiner Beschäftigung verbundenen Risiken wie
krankheitsbedingte Aus
fälle, berufliche Unerfahrenheit sowie alters-, bildungs- und krankheitsbedingt geringe Anpassungsfähigkeit einzugehen, zumal behindertengerechte Arbeits
plätze von Behinderten in jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark nachge
fragt werden
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_95
4/2012 vom 10. Mai 2013
E. 3.2.2
).
Ist damit die Restarbeitsfähigkeit
wirtschaftlich nicht mehr verwertbar, liegt eine vollständige Invalidität im Sinne von Art. 8
Abs.
1 ATSG vor.
5.5
Damit kann offen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Gewäh
rung eines leid
ensbedingten Abzugs
bei der Ermittlung des
Invalideneinkom
mens
verzichtet hat, nachdem sie im Rahmen der Erstanmeldung noch einen solchen von 10 % zugestanden hatte (
Urk.
7/12).
6.
Zu prüfen bleibt der Beginn des Rentenanspruchs.
Nach Art. 28
Abs.
1 IVG
haben Versicherte, die während
eines Jahres ohne we
sentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewe
sen und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind, Anspruch auf eine Rente, sofern ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede
rungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann. Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer am 7.
Juni 2013 einen ischämi
schen Hirninfarkt erlitten hat, der
zur
nun rentenbegründende
n
Arbeitsunfähig
keit
geführt hat
,
und der Tatsache, dass
er am 29. August 2013 (Eingang bei der Beschwerdegegnerin am 3. September 2013) seinen Leistungsanspruch geltend gemacht hat (Urk. 7/16
; vgl. Art. 29
Abs.
1 IVG
)
, ist die Ausrichtung von Leis
tungen ab 1. Juni 2014 nicht zu bemängeln.
7.
Nach dem Gesagten
ist die Verfügung vom 5. Dezember 2014 – in Gutheissung der Beschwerde – insoweit abzuändern, als festzustellen ist, dass der Beschwer
deführer ab 1. Juni 2014 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
8.
Gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von
Fr.
200.-- und
Fr.
1‘000.-- festgelegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von
Fr.
800.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2) erweist sich damit als obsolet.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der
Beschwerde
wird
die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
5.
Dezember 2014
insoweit abgeändert
,
als festgestellt wird, dass
d
er Beschwerdeführer
ab
1.
Juni 2014 Anspruch auf eine ganze
Rente der Invalidenversicherung hat
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLocher