# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1470a9fc-07f4-52c6-ab8c-3975a9dfd667
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2010 D-4758/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4758-2010_2010-08-30.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4758/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann.

A._______, geboren (...),
Eritrea,
vertreten durch Daniel Habte,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 2. Juni 2010 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4758/2010

Sachverhalt:

A.
Mit Eingabe vom 20. Oktober 2009 liess der Beschwerdeführer – ein 
eritreischer  Staatsangehöriger  tigrinischer  Ethnie,  welcher  sich  zur 
Zeit  in  Khartum (Sudan)  aufhält  –  durch  seinen  Rechtsvertreter  ein 
Asylgesuch aus dem Ausland einreichen. Darin  wird  beantragt,  dem 
Beschwerdeführer  sei  zwecks Durchführung eines ordentlichen Asyl-
verfahrens  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen,  es  sei  seine 
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm als Folge davon Asyl zu 
gewähren.

B.
Die  Vorinstanz  forderte  mit  Schreiben  vom 11.  November  2009  die 
Schweizer Vertretung in  Khartum auf,  den Beschwerdeführer zu sei-
nen Asylgründen zu befragen. Diese Anhörung fand am 25. März 2010 
statt.  Das  entsprechende  Protokoll  wurde  am 28.  März  2010  (beim 
BFM eingegangen am 6. April 2010) ans Bundesamt übermittelt.

C.
Anhand des eingereichten Asylgesuches, des Protokolls der Anhörung 
und der übrigen Akten ergibt sich zur Begründung des Gesuches im 
Wesentlichen folgender  Sachverhalt,  der  Beschwerdeführer  sei  ledig 
und im Dorf B._______ (C._______, Eritrea) geboren worden. Im Juli 
2007 sei er für den eritreischen Militärdienst im Rahmen der 21. Re-
krutierungsrunde  nach  D._______  aufgeboten  worden.  Er  habe 
erwartet, dort  das 12. Schuljahr absolvieren zu können, habe jedoch 
mehrere Monate militärische Ausbildung durchlaufen müssen. Als zwei 
seiner  Freunde  aus  D._______  geflohen  seien,  sei  er  verhört  und 
bestraft worden. Als er im September 2008 Urlaub erhalten habe, um 
nach E._______ zu gehen, habe er die Gelegenheit genutzt und sei in 
die Grenzregion zum Sudan geflohen. In  der  Region um D._______ 
habe  er  sich  sechs  Monate  bei  einem  Verwandten  aufgehalten, 
welcher  Chef  einer  staatlichen  Plantage  sei.  Zusammen  mit  fünf 
anderen Personen habe er dann die Reise Richtung Sudan fortgesetzt 
und im März 2009 den Sudan erreicht, wo er sich seither aufhalte.

Im Sudan habe sich der Beschwerdeführer am 22. März 2009 bei den 
zuständigen  Flüchtlingsbehörden  gemeldet,  wo er  einen Flüchtlings-
ausweis erhalten habe (eine Kopie davon liegt bei den Akten) und dem 
Flüchtlingslager Shegerab zugeteilt worden sei. Zurzeit halte er sich in 

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Khartum auf, wo er gelegentlich auch arbeite. Im Sudan sei er wegen 
seiner  eritreischen  Herkunft  und  seines  christlich-orthodoxen  Glau-
bens Diskriminierungen durch die sudanesische Bevölkerung ausge-
setzt. Auch die wirtschaftliche Situation sei schwierig,  und er fürchte 
sich zudem vor einer Deportation nach Eritrea. Da es sich beim Be-
schwerdeführer um einen Cousin mütterlicherseits (...) handle, habe er 
in der Schweiz ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt.

Zur  Untermauerung  seiner  Aussagen  reichte  der  Beschwerdeführer 
eine  Kopie  seiner  eritreischen  Identitätskarte,  eine  Kopie  seines 
UNHCR-Ausweises,  eine  Kopie  seines  eritreischen  Passierscheines 
(für den Urlaub in E._______), drei Fotos, die Zulassungskarte für die 
Sekundarabschlussprüfungen  in  Eritrea,  sowie  ein  Bericht  des 
UNHCR  mit  dem  Titel  "Verbindlichkeit  der  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  und  Schutzmöglichkeiten  durch  UNHCR"  zu 
den Akten.

D.
Mit  Verfügung  vom 2. Juni  2010  –  eröffnet  am 4. Juni  2010  –  ver -
weigerte  das  BFM die  Bewilligung  zur  Einreise  in  die  Schweiz  und 
lehnte das Asylgesuch ab. Zur Begründung führte es ausführlich unter 
Hinweise auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgericht und 
der ehemals zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission aus, 
dass das Gesuch des Beschwerdeführers zunächst als eigenständiges 
Asylgesuch aus dem Ausland zu beurteilen sei (Art. 20 Abs. 2 und 3 
des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]).  Gemäss 
Art. 20  Abs.  2  AsylG  bewillige  das  Bundesamt  Asylsuchenden  die 
Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen 
nicht zugemutet werden könne, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu 
bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Art. 20 Abs. 3 AsylG 
halte  fest,  dass  einem  Gesuchsteller  die  Einreise  bewilligt  werden 
könne,  wenn  er  glaubhaft  mache,  für  ihn  bestehe eine unmittelbare 
Gefahr  für  Leib,  Leben  oder  Freiheit  aus  einem Grund  nach  Art.  3 
Abs. 1 AsylG. Die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes er-
fordere vorliegend jedoch nicht die Anwesenheit des Beschwerdefüh-
rers in der Schweiz. Wie nachfolgend darzulegen sei, könne aufgrund 
des vollständig erstellten Sachverhaltes davon ausgegangen werden, 
dass  keine  unmittelbare  Gefahr  vorliege,  die  eine  sofortige  Einreise 
des Beschwerdeführers als notwendig erscheinen lasse. Die Erteilung 
einer Einreisebewilligung nach Art. 20 Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 3 AsylG 
sei  grundsätzlich an restriktive Voraussetzungen geknüpft. Den Asyl-

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behörden komme dabei ein weiter Ermessensspielraum zu. Neben der 
Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG seien mit  Blick auf  den Aus-
schlussgrund  von  Art.  52  Abs. 2  AsylG  namentlich  die  Beziehungs-
nähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit 
und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie 
die voraussichtlichen Eingliederungs-  und Assimilationsmöglichkeiten 
in  Betracht  zu ziehen. Ausschlaggebend sei  mit  anderen Worten die 
Schutzbedürftigkeit  der  betreffenden  Person,  das  heisst  die  Beant-
wortung  der  Frage,  ob  eine  Gefährdung  im Sinne  von Art.  3  AsylG 
glaubhaft erscheine und der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer 
der  Sachverhaltsabklärungen  zugemutet  werden könne,  beziehungs-
weise ob den betreffenden Personen – ohne nähere Prüfung einer all -
fälligen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG – zuzumuten sei, sich in  
einem  anderen  Staat  um  Aufnahme  zu  bemühen  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E-1561/2008  vom  31.  März  2008  unter 
Hinweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f., 2004 Nr. 
20 E. 3 S. 130 f. und Nr. 21 E. 2 S. 136 f., 2005 Nr. 19 E. 4 S. 174 f.). 
Halte sich die Person,  die ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt  
habe, in einem Drittstaat auf, bedeute dies zwar nicht zwingend, dass 
es ihr auch zuzumuten sei, sich dort um Aufnahme zu bemühen (vgl.  
EMARK 2004 Nr. 21 E. 4). Jedoch sei in einem solchen Falle im Sinne 
einer  Regelvermutung  davon  auszugehen,  die  betreffende  Person 
habe in diesem Drittstaat bereits anderweitig Schutz gefunden, was in 
der Regel zur Ablehnung des Asylgesuches und der Verweigerung der 
Einreisebewilligung  führe  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
E-7996/2008  vom  10.  Dezember  2008  E.  2.2).  In  jedem  Fall  seien 
allerdings die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem 
Drittstaat als zumutbar erscheinen liessen, und diese seien mit einer 
allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es gelte also zu 
prüfen,  ob es aufgrund der  gesamten Umstände geboten erscheine, 
dass es gerade die Schweiz sei, die den erforderlichen Schutz einer 
Person gewähren solle  (vgl.  EMARK 2004  Nr. 21 E. 4; 1997 Nr. 15 
E. 2f).

Die Schilderungen des Beschwerdeführers bei der Anhörung durch die 
Schweizer  Vertretung in  Khartum liessen darauf  schliessen,  dass  er 
ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden ge-
habt habe. Ferner attestiere auch der für ihn ausgestellte Flüchtlings-
ausweis  der  sudanesischen  Behörden  (COR)  beziehungsweise  des 
UNHCR die bestehende Flüchtlingseigenschaft. Im Folgenden bleibe 

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zu  prüfen,  ob  einer  Asylgewährung durch  die  Schweiz  der  Asylaus-
schlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe. Danach könne 
einer Person das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet wer-
den könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. 
Der Beschwerdeführer befinde sich sei März 2009 im Sudan und sei 
dort  vom UNHCR registriert  worden. Er verfüge über  einen entspre-
chenden sudanesischen Flüchtlingsausweis, welcher in Kopie bei den 
Akten  liege.  Die  sudanesischen  Behörden  hätten  ihm  damit  Schutz 
und  Aufenthalt  gewährt.  Er  habe  anlässlich  der  Befragung  vom 
25. März  2010  die  Gelegenheit  gehabt,  näher  auszuführen,  weshalb 
für ihn ein weiterer Verbleib im Sudan nicht möglich beziehungsweise 
nicht zumutbar sein solle (vgl. A6, S. 4). Er habe dazu angegeben, die 
Situation im Sudan sei für ihn schwierig, und er befürchte, nach Eritrea 
deportiert  zu werden. Er habe zwischenzeitlich als Fahrer eines Rik-
schataxis gearbeitet, sei jedoch mehrmals von der sudanesischen Ver-
kehrspolizei  angehalten  und  zu  Schmiergeldzahlungen  aufgefordert 
worden. Generell sei die wirtschaftliche Situation im Sudan schwierig. 
Laut  einem Bericht  des "United States Committee for Refugees and 
Immigrants, World Refugee Survey 2009 - Sudan" vom 17. Juni 2009 
würden rund 165'800 eritreische Flüchtlinge und Asylbewerber im Su-
dan  leben  (www.unhcr.org/refworld/docid/4a40s2b285.html  ).  Vor  die-
sem Hintergrund  sei  nicht  zu  verkennen,  dass  die  Lage  vor  Ort  für 
diese Menschen wie auch für den Beschwerdeführer nicht einfach sei. 
Dennoch bestünden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, 
für ihn sei ein weiterer Verbleib im Sudan schlechterdings nicht zumut -
bar  oder  nicht  möglich.  Er  halte  sich  gemäss  eigenen  Angaben  in 
Khartum auf, obwohl er dem Flüchtlingslager Shegerab zugeteilt wor-
den sei (vgl. A6, S. 4). Die zahlreichen eritreischen Flüchtlinge im Su-
dan  verfügten  nicht  über  ein  freies  Aufenthaltsrecht  für  das  ganze 
Land,  sondern  würden  einem Flüchtlingslager  zugeteilt,  wo  sie  sich 
aufzuhalten hätten und  die  nötige  Versorgung erhielten. Es  sei  dem 
Beschwerdeführer zuzumuten, zu diesem Zweck wieder in das ihm zu-
geteilte Flüchtlingslager zurückzukehren. In diesem Sinne habe auch 
das  Bundesverwaltungsgericht  kürzlich  in  einem  ähnlich  gelagerten 
Fall entschieden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-45/2010 
vom 11. Februar 2010: für somalische Flüchtlinge sei der Aufenthalt in 
äthiopischen  Flüchtlingslagern  grundsätzlich  zumutbar).  Diese 
Schlussfolgerung müsse auch für die Flüchtlinge im Sudan gelten, weil 
diese den gleichen Aufenthaltspflichten unterstünden wie die Flücht-
linge in Äthiopien. Seine Befürchtungen, von den sudanesischen Be-
hörden  in  sein  Heimatland  zurückgeschafft  zu  werden,  seien  unbe-

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http://www.unhcr.org/refworld/docid/4a40d2b285.html

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gründet: Nach gesicherten Kenntnissen des Bundesamtes sei das Ri-
siko  einer  Deportation  für  Eritreer,  die  im  Sudan  vom UNHCR  be-
ziehungsweise COR als Flüchtlinge anerkannt seien, sehr gering. Das 
UNHCR registriere vor Ort sämtliche Eritreer, die sich in einem Flücht -
lingslager meldeten, unabhängig davon, weshalb sie Eritrea verlassen 
hätten.  In  jüngster  Vergangenheit  seien  denn  auch  keine  Rück-
führungen von Flüchtlingen nach Eritrea bekannt geworden. Der Be-
schwerdeführer  stehe  bereits  dann  unter  dem  Schutz  des  UNHCR 
respektive der sudanesischen Behörden, wenn er registriert und einem 
Flüchtlingslager  zugeteilt  worden  sei.  Es  treffe  zwar  zu,  dass  das 
aktuelle  sudanesische  Asylgesetz  kein  ausdrückliches  Refoulement-
Verbot  kenne.  Dieses  Gesetz  werde  jedoch  gegenwärtig  unter  der 
Leitung  des  UNHCR  revidiert,  wobei  die  neue  Fassung  mit  einem 
Refoulement-Verbot noch dieses Jahr in Kraft treten solle. Wie bereits 
erwähnt,  könne  auch  unter  den  heutigen  Rahmenbedingungen  klar 
gesagt  werden,  dass  die  Gefahr  für  eritreische  Asylbewerber  und 
Flüchtlinge, nach Eritrea zurückgeschoben zu werden, sehr gering sei. 
Auch das Bundesverwaltungsgericht  komme in einem vergleichbaren 
Fall bezüglich der Situation eritreischer Flüchtlinge und Asylsuchender 
im Sudan zum Schluss, dass die sudanesischen Behörden zwar tat -
sächlich  teilweise  eritreische  Asylsuchende  sowie  Flüchtlinge  de-
portierten,  diese  Rückführungen  indessen  nicht  flächendeckend 
erfolgten (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2047/2010 vom 
29. April  2010 S. 9). Nach dem Gesagten benötige der Beschwerde-
führer  den  zusätzlichen  Schutz  der  Schweiz  nicht  (Art.  52  Abs.  2 
AsylG). Es sei ihm zuzumuten, im Sudan zu verbleiben.

Schliesslich prüfte das BFM, ob aufgrund von Beziehungen zu in der  
Schweiz lebenden Familienangehörigen allenfalls die Voraussetzungen 
für einen Familiennachzug gemäss Art. 51 AsylG erfüllt seien. In sei-
nem schriftlichen Asylgesuch vom 20. Oktober 2009 und anlässlich der 
Befragung führte der Beschwerdeführer aus, dass es sich bei (...) um 
einen Cousin mütterlicherseits handle (vgl. A1, S. 4 f. und A6, S. 3). 
Aus den Akten seien jedoch keine "besonderen Umstände" im Sinne 
der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu Art. 51 Abs. 2 
AsylG  zu  entnehmen  (vgl.  BVGE  2009/8  zur  Thematik  der  nahen 
Angehörigen  sowie  der  engen  Beziehung  von  Asyl  suchenden 
Personen und einer in der Schweiz lebenden Bezugsperson), die eine 
Familienzusammenführung  rechtfertigen  könnten.  Somit  seien  die 
gesetzlichen Voraussetzungen für eine Familienzusammenführung im 
vorliegenden Fall nicht erfüllt.

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Nach  dem Gesagten  sei  dem Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die 
Schweiz zu verweigern und sein Asylgesuch abzulehnen.

E.
Am 1. Juli 2010 (Poststempel) erhob der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter gegen den Entscheid des BFM Beschwerde und 
beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und dem Be-
schwerdeführer die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. Es sei die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  festzustellen,  und  es 
sei ihm Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht sei die unentgelt-
liche  Prozessführung  zu  bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Zur  Begründung  seiner  Rechts-
begehren  liess  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  ausführen, 
entgegen der Einschätzung des Bundesamtes insbesondere aufgrund 
der guten politischen Beziehungen zwischen dem Sudan und Eritrea 
drohe ihm sehr wohl eine Rückschaffung. In diesem Zusammenhang 
verwies der Beschwerdeführer auf einen Lagebericht der Schweizeri-
schen Flüchtlingshilfe, in welchem festgehalten werde, dass eritreische 
Sicherheitskräfte  innerhalb  des  Sudans  für  Entführungen  und  Tö-
tungen  von  eritreischen  Flüchtlingen  verantwortlich  seien.  Im 
Dezember 2007 solle es im Sudan zum ersten Mal zu Deportationen 
von 4'000 eritreischen Flüchtlingen durch eritreische Sicherheitskräfte 
gekommen sein. Es  sei  davon auszugehen,  dass  eritreische Sicher-
heitsdienste  die  Exilgemeinschaft  auch  im  Sudan  kontrollierten  und 
überwachten.  Dies  verdeutliche,  dass  die  Einflussspähre  des  eri-
treischen  Regimes  nicht  nur  auf  dessen  Territorium beschränkt  und 
der sudanesische Staat nicht willens und fähig sei, den Beschwerde-
führer zu schützen.

Das  aktuelle  sudanesische  Asylgesetz  kenne  kein  Refoulement-
Verbot. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer aufgrund eines su-
danesischen  Flüchtlingsausweises  mitnichten  ein  gefestigtes  Aufent-
haltsrecht im Sudan habe. Dieser Ausweis werde gestützt auf Art. 13 
des sudanesischen Asylgesetzes sowie gestützt auf Art. 27 der UNO-
Flüchtlingskonvention  ausgestellt.  Asylsuchenden  Personen  und  an-
erkannten Flüchtlingen würden von den sudanesischen Behörden der 
gleiche Ausweis ausgestellt. Es werde nicht unterschieden, ob die be-
treffende Person Asylsuchende oder anerkannter Flüchtling sei. Dies 
ergebe die englische Übersetzung des sudanesischen Asylgesetzes. 
Beim eingereichten Flüchtlingsausweis handle es sich somit nicht um 
einen Ausweis für  anerkannte  Flüchtlinge,  sondern im Falle  des Be-

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schwerdeführers um einen Ausweis für eine asylsuchende Person. Er 
befinde sich im Sudan nicht  als  anerkannter Flüchtling. Sein Aufent-
haltsstatus  sei  mithin  nicht  als  gefestigt  zu  qualifizieren.  In  diesem 
Zusammenhang  sei  auf  einen  Bericht  des  UNHCR  zu  verweisen, 
welcher  festhalte,  dass  die  rechtliche  Situation  vieler  aus  Eritrea 
stammender Personen ungeklärt  sei,  was mit  der Überbelastung der 
Behördenstrukturen  im  Sudan  zusammenhänge.  Asylsuchende  be-
ziehungsweise Flüchtlinge seien in hohem Masse auf humanitäre Hilfe 
angewiesen.  Dazu  komme  eine  einschneidende  Einschränkung  der 
Bewegungsfreiheit  für  eritreische  Asylsuchende.  Ein  Verlassen  des 
Flüchtlingslagers Shegerab sei verboten. Zur empfindlichen Einschrän-
kung der Bewegungsfreiheit komme ein Arbeitsverbot hinzu.

Als asylsuchende Person im Sudan habe der Beschwerdeführer gros-
se  Angst,  dass  er  nach  Eritrea  ausgewiesen  werden  könnte.  Asyl -
suchende Personen aus Eritrea seien nämlich  trotz  ihres  Status  als 
"Asylsuchende" beziehungsweise trotz Besitzes eines von den suda-
nesischen Behörden ausgestellten Ausweises nicht davor gefeit, wie-
der  nach  Eritrea  ausgewiesen  zu  werden. Es komme immer  wieder 
vor, dass die sudanesische Regierung sich über das – im Sudan ohne-
hin  nicht  bestehende  –  Refoulement-Verbot  hinwegsetze  respektive 
das eritreische Regime stillschweigend Rückschaffungen  vornehmen 
lasse.  Vor  diesem  Hintergrund  entbehre  die  Behauptung  der  Vor-
instanz,  wonach  der  Beschwerdeführer  als  angeblich  registrierter 
Flüchtling vor einer Rückschaffung geschützt sei, jeglicher Grundlage. 
Auch  die  Behauptung,  wonach  die  sudanesischen  Behörden  ihm 
Schutz und Aufenthalt gewährt hätten, sei in diesem Sinne schlichtweg 
tatsachenwidrig.  Auch  wenn  wider  Erwarten  davon  ausgegangen 
werden  sollte,  der  Beschwerdeführer  verfüge  über  die  Flüchtlings-
eigenschaft,  werde  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  dass  auch  an-
erkannte Flüchtlinge deportiert würden. Dies gehe rechtsgenüglich aus 
dem  beigelegten  Artikel  der  Sudan  Tribune  hervor.  Überdies  werde 
ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  dass  nicht  nur  eine  drohende  De-
portation  seinen  Verbleib  im  Sudan  unzumutbar  und  unzulässig 
mache, sondern auch der  Umstand, dass er  auch dort  grossen und 
willkürlichen Repressalien ausgesetzt sei. Der Sudan sei kein sicheres 
Drittland, und der Beschwerdeführer sei auch schon Opfer von willkür-
lichen Übergriffen geworden. Er sei zudem wegen seiner Herkunft und 
aufgrund  seines  christlichen  Glaubens  ungeschützt  der  Dis-
kriminierung  durch  die  sudanesischen  Bevölkerung  und  Regierung 

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ausgesetzt,  was für ihn mit  einem unerträglichen psychischen Druck 
einhergehe.

Der Beschwerdeführer sei im Sudan von massiven Verfolgungsmass-
nahmen sowie in höchstem Masse von einer Rückschaffung nach Eri -
trea bedroht. Bei einer zwangsweisen Rückkehr in seine Heimat sei er 
aufgrund der von der Vorinstanz nicht  bestrittenen Fluchtgründe von 
massiven Verfolgungsmassnahmen seitens des eritreischen Regimes 
bedroht. Es  werde  nochmals  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  dass 
die  Verfolgungsmassnahmen  des  eritreischen  Regimes  nachweislich 
nicht nur auf eritreischem, sondern auch auf sudanesischem Territori -
um stattfänden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in die-
sem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutz-
würdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung 
und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  108 
AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 
52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Das Bundesamt  kann  ein  im Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ab-
lehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft 
machen  können  oder  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zu-
gemutet werden kann. Glaubhaft machen heisst, wenn die Behörde ihr 
Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben 
hält.  Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen,  die  in  wesentlichen 
Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den 
Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder 
verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (vgl.  Art.  3,  Art.  7  und 
Art. 52 Abs. 2 AsylG).

3.3 In formeller Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass die schweizeri -
sche Vertretung mit  der  asylsuchenden Person aus dem Ausland in 
der Regel  eine Befragung durchführt  (Art. 10 Abs. 1 der Asylverord-
nung  1  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR 
142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von 
der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten 
(Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die schweizerische Vertretung überweist dem 
Bundesamt das Befragungsprotokoll – in casu wurde das schriftliche 
Asylgesuch von seinem in der Schweiz wohnhaften Rechtsvertreter di-
rekt ans BFM gesendet – sowie unter anderem weitere zweckdienliche 
Unterlagen (Art. 10 Abs. 3 AsylV 3).

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3.4 Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt  das BFM Asylsuchenden 
die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes,  wenn ihnen nicht  zu-
gemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben 
oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen.  Gestützt  auf  Art.  20  Abs.  3 
AsylG  kann  das  Eidgenössische  Justiz-  und  Polizeidepartement 
(EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die 
Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare 
Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach 
Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe.

3.5 Bei  diesem Entscheid  gelten restriktive  Voraussetzungen  für  die 
Erteilung einer Einreisebewilligung, wobei den Behörden ein weiter Er-
messensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im 
Sinne  von  Art.  3  AsylG  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur 
Schweiz, die Möglichkeit  der Schutzgewährung durch einen anderen 
Staat,  die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Mög-
lichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche so-
wie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs-  und  Assimilationsmöglich-
keiten in Betracht zu ziehen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2e-g S. 131 
ff.; die dort akzentuierte Praxis hat nach bloss redaktionellen Änderun-
gen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültig -
keit).

3.6 Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt  
hat, in einem Drittstaat auf, bedeutet dies nicht zwingend, dass es ihr 
auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen (vgl. EMARK 
2004 Nr. 21 E.4). In einem solchen Falle ist aber im Sinne einer Regel-
vermutung davon auszugehen, die betreffende Person habe in diesem 
Drittstaat bereits anderweitig Schutz gefunden, was in der Regel zur 
Ablehnung  des  Asylgesuchs  und  der  Verweigerung  der  Einreise-
bewilligung  führt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E-
7996/2008  vom 10.  Dezember  2009  E.2.2).  In  jedem Falle  sind  die 
Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als 
zumutbar  erscheinen  lassen,  und  diese  sind  mit  einer  allfälligen 
Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es gilt also zu prüfen, ob es 
aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es gerade 
die Schweiz ist, die den erforderlichen Schutz einer Person gewähren 
soll (vgl. EMARK 2004 Nr. 21 E.4; EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f).

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4.
4.1 Vorab  ist  festzuhalten,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in 
Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  davon  ausgeht,  dass  der  Be-
schwerdeführer  ernstzunehmende  Schwierigkeiten  mit  den  eri trei-
schen  Behörden  gehabt  hat  beziehungsweise diese  bei  einer  Rück-
kehr  in  seine  Heimat  aufgrund  der  Desertion  aus  dem Militärdienst 
hätte. Diese  Feststellung  wird  mit  dem von  den  sudanesischen  Be-
hörden  (COR)  beziehungsweise  dem  UNHCR  ausgestellten  Flücht-
lingsausweis gestützt.

4.1.1 Der  Beschwerdeführer  brachte  in  seiner  Eingabe  vom  1.  Juli 
2010 zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, dass 
er in höchstem Masse von einer Rückschaffung nach Eritrea bedroht 
sei. Es würden auch anerkannte Flüchtlinge vom Sudan nach Eritrea 
deportiert. Bei einer zwangsweisen Rückkehr nach Eritrea sei er auf-
grund der von der Vorinstanz nicht bestrittenen Fluchtgründe massiven 
Verfolgungsmassnahmen  seitens  des  eritreischen  Regimes  aus-
gesetzt.  Zudem  sei  er  wegen  seiner  Herkunft  und  aufgrund  seines 
christlichen  Glaubens  an  seinem  jetzigen  Aufenthaltsort  im  Sudan 
auch  schon  Opfer  von  willkürlichen  Übergriffen  geworden. Überdies 
werde  er  von  der  sudanesischen  Bevölkerung  und  Regierung  unter 
anderem wegen seines christlichen Glaubens diskriminiert, was für ihn 
mit einem unerträglichen psychischen Druck einhergehe.

4.1.2 Nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts ist das Risi-
ko  einer  Deportation  für  Eritreer,  die  im  Sudan  als  Flüchtlinge  an-
erkannt sind, gering. Das UNHCR registriert vor Ort sämtliche Eritreer, 
die sich in einem Flüchtlingslager melden, unabhängig davon, weshalb 
sie  Eritrea  verlassen  haben.  Weiter  besuchen  Anwälte  des  lokalen 
UNHCR  Eritreer,  die  im  Sudan  mit  dem Gesetz  in  Konflikt  geraten 
sind, im Gefängnis, klären deren Status ab und intervenieren bei dro-
hender  Deportation.  Verantwortliche  des  UNHCR bestätigen  zudem, 
dass  ihnen  keine  Deportationen  eritreischer  Flüchtlinge  in  jüngster 
Vergangenheit bekannt seien. Es besteht zwar grundsätzlich das Risi-
ko, dass Personen ohne Wissen des UNHCR deportiert  werden. Die 
Erfahrungen  haben  aber  gezeigt,  dass  davon  vorwiegend  Personen 
mit  einem hohen  politischen  Profil  betroffen  sind.  Der  Beschwerde-
führer  verfügt  aber  wie  die  allermeisten  der  165'800  eritreischen 
Flüchtlinge  und  Asylbewerber  im  Sudan  offensichtlich  über  kein 
solches  politisches  Profil  und  gehört  deshalb  nicht  zu  jenem  Per-
sonenkreis, der allenfalls akut  von einer Rückschaffung bedroht sein 

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könnte. Diese Feststellungen folgen dann auch der bisherigen Praxis 
des  Bundesverwaltungsgerichts,  wonach  Rückführungen  von  eritrei-
schen Flüchtlingen aus dem Sudan nicht flächendeckend erfolgen wür-
den  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D-2047/2010  vom 
29. April  2010 S. 9) oder angesichts der grossen Zahl der im Sudan 
lebenden  eritreischen  Asylsuchenden  und  Flüchtlinge  sich  keine 
generelle Gefahr einer Rückschiebung nach Eritrea ableiten lasse (vgl. 
Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  D-4548/2009 vom 18. Februar 
2009 E. 6.2. S. 14).

4.1.3 Im  Sudan  stellt  das  UNHCR  in  Zusammenarbeit  mit  lokalen 
Partnerbehörden  die  nötigen  existenzsichernden  Grundlagen  in  den 
Flüchtlingslagern wie beispielsweise Obdach, Nahrung, medizinische 
Behandlung usw. bereit. Der alleinstehende und gemäss Akten gesun-
de Beschwerdeführer ist  also gehalten,  von Khartum in das ihm zu-
geteilte  Flüchtlingslager  Shegerab  zurückzukehren  (da  er  im  Sudan 
ohnehin nicht über ein freies Aufenthaltsrecht verfügt), was wiederum 
die Gefahr einer Deportation nach Eritrea minimiert.

4.1.4 Schliesslich ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer gestützt auf 
die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  und  die  entsprechenden  Einglie-
derungs- und Assimilationsmöglichkeiten die Einreise in die Schweiz 
zu  bewilligen  ist  oder  gestützt  auf  diese  Kriterien  der  Verbleib  im 
Sudan  und  die  weitere  Unterschutzstellung  durch  diesen  Drittstaat 
aufrechterhalten bleiben kann (vgl. E. 3.5 oben). Für den Weiterverb-
leib  des Beschwerdeführers  im Sudan spricht  zweifelsohne,  dass  er 
sich bereits seit  Monaten dort  aufhält, einer Arbeit  nachgeht und ein 
Beziehungsnetz aufgebaut  hat. Das nicht  sehr enge verwandtschaft-
liche Verhältnis zu seinen in  der Schweiz lebenden Cousins als  ein-
ziger Bezugspunkt zur Schweiz vermag die eben erwähnten Faktoren 
nicht aufzuwiegen. An dieser Einschätzung vermag auch sein christ -
licher Glaube nichts zu ändern. Gemäss gesicherten Kenntnissen des 
Bundesverwaltungsgerichts  ist  im  Sudan  die  Religionsfreiheit  in  der 
Verfassung  verankert  und  es  wird  keine  Gruppenverfolgung  von 
Christen betrieben. Etwa 5 - 10% der Gesamtbevölkerung im Sudan 
sind Christen. Die christlichen Gemeinschaften sind grundsätzlich an-
erkannt und die christlichen Kirchen dürfen sich nach dem Gesetz bei 
Seelsorge,  Ausbildung,  Schulen,  Kindergärten  und  sozialen  Ein-
richtungen frei  betätigen. Zwar können vereinzelte Diskriminierungen 
von Christen im Sudan – vor allem in den mehrheitlich von Muslimen 
bewohnten  Regionen  –  nicht  ausgeschlossen  werden,  diesen  kann 

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sich der Beschwerdeführer durch eine Rückkehr in das ihm zugeteilte 
Flüchtlingslager  Shegerab  (wo  eine  grosse  Zahl  der  Flüchtlinge 
christlichen  Glaubens  sein  dürften)  jedoch  weitgehend  entziehen. 
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdefüh-
rer den subsidiären Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG 
nicht benötigt.

4.1.5 Vor diesem Hintergrund  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer zuzumuten ist, weiterhin 
den Schutz des sudanesischen Staates in  Anspruch zu nehmen, im 
Sudan  zu  verbleiben  und  ins  Flüchtlingslager  Shegerab  zurückzu-
kehren.

4.2 Auch die  weiteren  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom 
1. Juli  2010 sind nicht  geeignet,  eine Änderung der  vorinstanzlichen 
Verfügung  zu  bewirken.  Der  Argumentation  des  BFM werden  keine 
stichhaltigen  und  substanziierten  Gründe  entgegengesetzt.  Die  Aus-
führungen des Beschwerdeführers vermögen die in den wesentlichen 
Punkten substanziierten und nachvollziehbaren Erwägungen der Vor-
instanz nicht umzustossen.

4.3 Schliesslich  hat  die  Vorinstanz  unter  Hinweis  auf  BVGE 2009/8 
ausgeführt,  weshalb  der  Beschwerdeführer  und  sein  Cousin  mütter-
licherseits (...) nicht als nahe Angehörige im Sinne von Art.  51 AsylG 
angesehen  werden  könnten  und  deshalb  die  Voraussetzungen  für 
einen  Familiennachzug  nicht  gegeben  seien.  Es  ist  jedoch  festzu-
halten, dass der Beschwerdeführer gar nie geltend gemacht hat, er sei 
in  die  Flüchtlingseigenschaft  seines  Cousins  einzubeziehen,  zumal 
Letzterer  ohnehin  Schweizer  und  nicht  Flüchtling  ist.  Somit  hat  das 
BFM zu Unrecht den Familiennachzug gemäss Art. 51 AsylG geprüft,  
weshalb darauf nicht näher einzugehen ist.

4.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die 
weiteren Vorbringen in  der  Beschwerde sowie  die eingereichten Be-
weismittel  im Einzelnen einzugehen,  das  sie  am Ergebnis  nichts  zu 
ändern vermögen.

5.
Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  es  dem Beschwerdeführer 
nicht gelungen ist, eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzu-
weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Schutzbedürftigkeit 
des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 20 i.V.m. Art. 3 AsylG ist mit-

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hin als nicht gegeben zu qualifizieren, und es liegen auch keine ande-
ren Gründe vor, welche die Erteilung einer Einreisebewilligung indizie-
ren  würden.  Das  BFM  hat  demnach  zu  Recht  die  Einreise  in  die 
Schweiz nicht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt.

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.-- 
an sich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1VwVG); in-
dessen  wird  in  Anwendung  von  Art.  6  Bst.  b  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2)  auf  das  Erheben  von 
Verfahrenskosten verzichtet. Somit ist mit vorliegendem Urteil und dem 
Erlass  der  Verfahrenskosten  das  Gesuch  um unentgeltliche  Rechts-
pflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos geworden.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Stadelmann

Versand:

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