# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f110c8b2-195e-528b-8d29-71a30a481b90
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-28
**Language:** de
**Title:** Einstellung der Heilbehandlung nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit korrekt
**Docket/Reference:** UV.2013.00035
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00035.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00035
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Möckli
Urteil
vom
28. August 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG
Direktion Bern
Bundesgasse 35, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
,
geboren
1952, ist als Klärwärter beim
Y.___
angestellt und damit bei der
Schweizerische
n
Mobiliar Versiche
rungsgesellschaft AG
(nachfolgend: Mobiliar) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (Urk. 7/3). Am 3
1.
Mai 2010 bohrte er sich mit der Bohrmaschine in das
Endglied
des linken Zeigefingers. Der erstbehandelnde Arzt,
Dr.
med.
Z.___
verordnete Ruhigstel
lung und Antibiotika und schrieb den Versicherten zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 7/
M1).
In der Folge entwickelte
dieser
eine schwer
e allergische Reaktion auf Penic
illin
und musste am
8.
Juni 2010 mit einem Erythema
exsudativum
multiforme notfallmässig für drei Tage im
A.___
hospitali
siert werden (Austrittsbericht vom 1
6.
Juni 2010, Urk. 7/M4).
Danach wurde er vom Hausarzt,
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt Allgemeine Medizin FMH, wegen depressiven Symptomen und Schlafstörungen mit Antide
pressiva behandelt (Bericht vom 1
9.
August 2010, Urk. 7/M5).
Auf dessen Ver
anlassung hin (vgl. Urk. 7/M7) war der Versicherte vom 1
2.
November bis
9.
Dezember 2010 zur stationären psychosomatischen Rehabilitation in der
C.___
hospitalisiert (Austrittsbericht vom
1
4.
Februar 2011, Urk. 7/M17).
Die Arbeit nahm er anfangs 2011 wieder zu 100 % auf (Bericht
Dr.
B.___
vom
7.
Februar 2011 [Urk. 7/
M
16]; vgl. auch Urk. 7/20).
Nachdem der V
ertrauen
sarzt der Mobiliar, Dr. med.
D.___
,
die noch vorwiegend psy
chogenen Beschwerden als nicht mehr unfallkausal beurteilt hatte (vgl. Urk. 7/M25),
stellte die Mobiliar ihre Leistungen rückwirkend per 1.
Februar 2012 ein (Verfügung vom 3
0.
August 2012, Urk. 7/K24), Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin (Urk. 7/K28) mit
Einspracheentscheid
vom 1
7.
Dezember 2012
fest
(Urk.
2)
.
2.
Hiergegen erhob
X.___
mit Eingabe vom 2
8.
Januar 2013 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte sinngemäss die weitere Übernahme von
Heilungs
kosten
.
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Februar 2013 (Urk. 6) ersuchte die
Beschwerde
gegnerin
um Abweisung der Beschwerde
(Urk. 6; dem Beschwerdeführer zu
ge
stellt mit Verfügung vom 1
5.
Februar 2013, Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die für die Beurteilung der Streitsache massgebenden gesetzlichen Bestimmun
gen und die
hiezu
von der Rechtsprechung weiter konkretisierten Grundlagen hat
die
Beschwerdegegnerin
zutreffend dargelegt, worauf verwiesen wird
(Urk. 2 S.
6 f.
)
. Es betrifft dies namentlich die Ausführungen über den für einen
Leis
tungsanspruch
unabdingbar erforderlichen natürlichen und (kumulativ ver
langten) adäquaten Kausalzusammenhang zwischen eingetretenem
Gesund
heitsschaden
und vorangegangenem Unfallereignis (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen). Das Gleiche gilt für den Beweiswert ärztlicher Unterlagen im A
llgemeinen (BGE 125 V 351 E. 3a
)
, wobei n
achzutragen ist, dass auch Expertisen
versicherungsinterner und -externer Fachärzte
Beweiswert zukommt, solange
nicht konkrete Indizien gegen
deren
Zuverlässigkeit
sprechen
(vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
und 3b/
ee
).
1.2
Zu ergänzen ist weiter, dass die versicherte Person den gesetzlich umschriebe
nen Anspruch auf Heilbehandlung (
Art.
10
des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung, UVG)
so lange hat
, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu und sind allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen, geht die Unfallversicherung zur Berentung über, wenn der Unfall eine Invalidität im Sinne von
Art.
8
Abs.
1
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
hinterlässt (
Art.
19
Abs.
1 UVG e
contrario
; BGE 116 V 41 E. 2c)
.
Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes des Versicher
ten zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet ist (vgl. etwa
Art.
1a und
Art.
4 UVG), wird sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstel
lung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht
(BGE 134 V 109 E. 4.3).
2.
2.1
Rund drei Monate nach dem Aufenthalt im
A.___
wegen der akuten
Penicillinallergie
untersuchte der Neurologe
Dr.
med.
E.___
,
den Be
schwerdeführer. Im Bericht vom
9.
September 2010 (Urk. 7/M6) führte der Arzt aus,
dieser
leide an einer
leichte
n
Depression mit psychovegetativer Instabilität und Schlafstörungen. Zudem bestünden persistierende
Dysästhesien
an allen Extremitäten (betont an Händen und Füssen). Er sehe diese Beschwerden in einem direkten Zusammenhang mit dem
Erythema
exsudativum
multiforme
(Status nach Schädigung der Haut vorwiegend an Händen und Füssen). Als
Be
handlungsmassnahme
schlug er eine medikamentöse symptomatische Therapie vor.
Die Ärzte der
C.___
beschrieben die Symptome des Beschwerdeführers als massive innere Unruhe und Anspannung, plötzliches Erschrecken, nächtliches Schwitzen, Ein- und Durchschlafstörungen, intermit
tierende Par- und
Hypost
h
äsien
sowie Hitzeempfindlichkeit beidseits, alle beste
hend seit der Bohrverletzung bzw. der
Penicillinallergie
im Juni 201
0.
Als Diag
nose hielten sie eine Anpassungsstörung mit Angst und Depressi
on gemischt (ICD-10 F43.22) mit Differentialdiagnose Posttraumatische Belastungsstörung und persistierende
Dys
- und
Hyposthäsieen
der Extremitäten fest und empfah
len ambulante Psychotherapie (Urk. 7/M17).
Am 2
2.
März 2012
berichtete
Dr.
B.___
,
eine
Neubeurteilung
vom
8.
Januar 2012
durch den Neurologen
Dr.
E.___
(vgl. Urk.
7/M23) habe ergeben, dass die Probleme des Beschwerdeführers (aktuell noch Juckreiz und Hitzegefühl in bei
den Füssen) einem
Restless-legs
Syndrom entsprechen könnten. Die empfohlene Behandlung habe der Beschwerdeführer aber nicht wahrgenommen. Er habe ihm berichtet, dass es ihm nun deutlich besser gehe
. L
ediglich ein
Reizdarm
problem
beschäftige ihn noch. Im Übrigen arbeite er voll (Urk. 7/M20).
Nach
dem die Beschwerdegegnerin die Einstellung ihrer Leistungen per 1. Februar 2012 angekündigt hatte (Schreiben vom 5. Juli 2012, Urk.
7/K20
)
,
wandte sich
Dr.
B.___
am 1
9.
Juli 2012 (Urk. 7/M24)
nochmals an die
Beschwerdegegne
rin
und machte geltend, die
Restb
eschwerden könnten im Rahmen einer Anpassungsstörung oder einer posttraumatischen Belastungsstörung gesehen werden, welche durchaus noch als Unfallfolge interpretiert werden könnten. Der Beschwerdeführer sei deshalb mit der Beurteilung des Vertrauensarztes
Dr
.
D.___
(wonach
zwischen den Folgen der allergischen
Penicillinreaktion
und den heutigen Beschwerden kein Kausalzusammenhang mehr bestehe; vgl. Urk. 7/M25) nicht einverstanden.
2.2
Festzuhalten ist zunächst, dass die allergische Reaktion auf die Behandlung der ursprünglichen Bohrverletzung mit Penicillin
von der Beschwerdegegnerin
ohne weiteres als Unfallfolge
anerkannt wurde
.
Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per
1.
Februar 2012 litt der Beschwerdeführer noch an verschiedenen, diagnos
tisch nicht klar einzuordnenden psychogenen Symptomen.
Er
war indessen zu diesem Zeitpunkt bereits über ein Jahr wieder voll arbeitsfähig
(Urk. 7/M16).
Aufgrund der vorstehend dargelegten Rechtsprechung (E. 1.2), wonach
nicht mehr
der Unfallversicherer
,
sondern der
Krankenpflegeversicherer
eine allfällige weitere
Heilbehandlung zu übernehmen
hat, wenn
eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes, insbesondere
eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit
nicht
mehr zu erwarten ist
, ist der Fallabschluss per
1.
Februar 2012 nicht zu bean
standen. E
ine Rente
steht
ausser Frage und bei voller Arbeitsfähigkeit
ist
natur
gemäs
s keine Steigerung mehr möglich.
Zu erwähnen
bleibt
, dass der Kranken
versicherer diesen Umstand akzeptiert und die vorsorglich erhobene Einsprache zurückgezogen hat (Urk. 7/K35). Ob die heutigen Restbeschwerden noch natür
lich und/oder kausal zum Unfallereignis stehen, ist von untergeordneter Bedeutung, weshalb auf
eine
Prüfung verzichtet
beziehungsweise
auf die dies
bezüglichen korrekten Erwägungen der Beschwerdeführerin verwiesen werden
kann (Urk. 2 S. 10)
.
3.
Gestützt auf diese Erwägungen erweist sich die Beschwerde in jeder
Hinsicht
als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstMöckli