# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6eace5fb-b028-5441-af38-6a1cea401d0c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-13
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 13.03.2024 SK 2023 408
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-408_2024-03-13.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 23 408

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 13. März 2024 

Besetzung Oberrichterin Schwendener (Präsidentin), Oberrichter Wuillemin, 
Obergerichtssuppleant Cesarov
Gerichtsschreiberin Weissleder

Verfahrensbeteiligte A.________
(amtlich verteidigt durch B.________ [Mandat sistiert])
privat verteidigt durch Rechtsanwalt C.________

Beschuldigter

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin

D.________

Strafkläger 1

E.________

Strafkläger 2

F.________

Strafkläger 3

G.________

Strafkläger 4

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, evtl. einfache Körperverlet-
zung mit gefährlichem Gegenstand, Raub, Entführung etc. sowie 
Widerrufsverfahren

2

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Kolle-
gialgericht) vom 3. Mai 2023 (PEN 22 288)

3

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Oberland, Kollegialgericht in Dreierbesetzung (nachfolgend: 
Vorinstanz), fällte am 3. Mai 2023 folgendes Urteil (pag. 1416 ff.; Hervorhebungen 
im Original): 

I. 

Das Strafverfahren gegen A.________

wegen mehrfachen Tätlichkeiten, angeblich begangen am 07.07.2020 in AG.________, zum Nach-
teil von J.________ wird eingestellt, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausschei-
dung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, begangen am 06.02.2022 in 
AG.________, zum Nachteil von H.________;

2. des Raubs, begangen am 17.04.2021 in AG.________ zum Nachteil von I.________;

3. der Entführung und der Erpressung (Versuch), begangen am 07.07.2020 in AG.________, 
zum Nachteil von J.________;

4. des Angriffs, begangen am 13.04.2019 in AG.________, zum Nachteil von K.________ und 
L.________;

5. der mehrfachen Nötigung, begangen

5.1 am 01.04.2021 in AG.________, zum Nachteil von I.________ und D.________;

5.2 am 03.07.2021 in AG.________, zum Nachteil von E.________, F.________ und 
G.________ (Versuch);

6. der mehrfachen Beschimpfung, begangen

6.1 am 21.06.2020 in AG.________, zum Nachteil von M.________ und N.________;

6.2 am 03.07.2021 in AG.________, zum Nachteil von E.________, F.________ und 
G.________;

7. des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen
7.1 in der Zeit von 01.02.2020 bis 07.07.2020 in AG.________ und Umgebung durch Überg-

abe von 500 Gramm Marihuana und Haschisch zum Verkauf;

7.2 in der Zeit von 01.04.2021 bis 30.04.2021 in AG.________, AH.________ und 
AI.________ und Umgebung durch Übergabe von 500 Gramm Marihuana zum Verkauf;

8. des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen, begangen

8.1 am 23.10.2020 in AG.________
8.2 am 24.10.2020 in AG.________

9. der mehrfachen Übertretung gegen das Kantonale Strafgesetz, begangen 

9.1 am 21.06.2020 in AG.________
9.2 am 03.07.2021 in AG.________
9.3 am 10.07.2021 in AG.________

4

III.

Der A.________ mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland vom 29.10.2018 für eine 
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 30.00 gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen.

Der A.________ mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland vom 26.04.2019 für eine 
Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 30.00 gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen.

IV.

A.________ wird

in Anwendung der Artikel

10, 22 Abs. 1, 30, 34, 40, 47, 49 Abs. 1, 66a Abs. 2, 103, 106, 123 Ziff. 2, 134, 140 Ziff. 1, 156 Ziff. 3, 
177, 181, 183 Ziff. 1, 292 StGB
19 Abs. 1 lit. c und d, 19bis BetmG
12 Abs. 1 lit. b KStrG
426 ff. StPO

sowie unter Einbezug der seinerzeit bedingt ausgesprochenen und nunmehr zu vollziehenden Strafen 
im Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB

verurteilt: 

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 38 Monaten.

Die Untersuchungshaft und Sicherheitshaft von 329 Tagen werden im Umfang von 329 Tagen 
auf die Freiheitsstrafe angerechnet und es wird festgestellt, dass die Strafe am 24.11.2022 vor-
zeitig angetreten worden ist.

2. Zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 4'500.00.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 5 Tage festgesetzt.

4. Auf die Anordnung einer Landesverweisung wird verzichtet.

5. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 27'800.00 (Ge-
bühren Staatsanwaltschaft CHF 17'000.00; Gebühren Gericht CHF 8'000.00; Gebühr Auftritt 
Staatsanwaltschaft CHF 600.00; Gebühren Zwangsmassnahmengericht CHF 400.00; Gebühren 
Widerrufsverfahren CHF 300.00) und Auslagen der Staatsanwaltschaft von CHF 5'495.05, ins-
gesamt bestimmt auf CHF 31'795.05.

V.

[amtliche Entschädigungen]

VI.

Im Zivilpunkt wird weiter verfügt: 

1. Es wird festgestellt, dass H.________ und J.________ ihre Zivilklagen zurückgezogen haben. 
Die Zivilklagen werden insoweit als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

2. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden. 

VII.

Weiter wird verfügt: 

1. A.________ geht in den Strafvollzug zurück.

2. Die beschlagnahmte Waffe Outdoormesser, schwarz, inkl. schwarzer Messerscheide aus Textil 
wird zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB).

3. Folgende Gegenstände werden den berechtigten Personen nach Eintritt der Rechtskraft des vor-
liegenden Urteils zurückgegeben: 

5

H.________:
- 1 Pullover, schwarz, Grösse M, «Divided»
- 1 T-Shirt, schwarz, «Nike»
A.________:
- 1 Umhängetasche, braun, mehrfach bedruckt mit «DD»
- 1 Zigerattenpackung «Marlboro gold»
- 1 Gilet, schwarz, Grösse XXL, «Closure»
- 1 Pullover, schwarz, Grösse XXL «SMOG»
- 1 T-Shirt, schwarz, Grösse XXL, «ICONO»
- 1 Jeanshose, schwarz/grau, Grösse 38
- 1 Paar Freizeitschuhe, schwarz, Grösse 44, «Adidas»

4. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen 
erkennungsdienstlichen Daten und der erstellten DNA-Profile (PCN-Nrn. «.________», 
«.________» und «.________») nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig erteilt (Art. 354 Abs. 
4 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 4 i.V.m. 17 Abs. 1 DNA-ProfilG).

5. [Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft Region Oberland am 
4. Mai 2023 fristgerecht die Berufung an (pag. 1427). 

Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 29. August 2023 (pag. 1439 ff.) und 
wurde den Parteien mit Verfügung vom 31. August 2023 zugestellt (pag. 1500 ff.).

Am 19. September 2023 reichte die Generalstaatsanwaltschaft form- und fristge-
recht ihre Berufungserklärung ein (pag. 1504 ff.). Darin beschränkte sie ihre Beru-
fung auf den Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung mit gefährlichem 
Gegenstand z.N. von H.________ (Ziff. II.1 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs; 
anstelle von versuchter schwerer Körperverletzung), den Schuldspruch wegen 
Nötigung z.N. von I.________ und D.________ (Ziff. II.5.1; anstelle von Raub, bzw. 
versuchtem Raub), den Schuldspruch wegen Nötigung [recte: versuchte Nötigung] 
z.N. von E.________, F.________ und G.________ (Ziff. II.6.2 [recte: II.5.2]; an-
stelle von Nötigung und Drohung), die Strafzumessung sowie den Verzicht auf die 
Landesverweisung. 

Mit Eingabe vom 17. Oktober 2023 teilte Rechtsanwalt C.________ mit, dass we-
der ein Nichteintreten auf die Berufung der Generalstaatsanwaltschaft beantragt 
noch Anschlussberufung erklärt werde (pag. 1519). 

Die Strafkläger 1-4 liessen sich innert Frist nicht vernehmen (pag. 1522). 

Die Berufungsverhandlung fand am 12./13. März 2024 statt (pag. 1693 ff.). Vorfra-
geweise wurde den Parteien mitgeteilt, dass die Kammer sich im Sinne von 
Art. 344 StPO vorbehalte, den unter Ziff. I.2.1 angeklagten Sachverhalt hinsichtlich 
der Taten z.N. von D.________ eventualiter auch unter dem Tatbestand des ver-
suchten Raubes zu prüfen. 

3. Haft 

A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) wurde am 10. Juli 2020 – drei Tage nach 
der Entführung und versuchten Erpressung z.N. von J.________ – am .________ 
in AG.________ vorläufig festgenommen (pag. 13 ff.) und mit Entscheid des Regi-

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onalen Zwangsmassnahmengerichts Oberland (nachfolgend: ZMG) vom 14. Juli 
2020 (pag. 38 ff.) in Untersuchungshaft versetzt. Mit Verfügung vom 17. August 
2020 wurde er sodann aus der Untersuchungshaft entlassen (pag. 97). 

Am 7. Juli 2021 – rund drei Monate nach den Raub- resp. Nötigungsvorwürfen z.N. 
von I.________ und D.________ – wurde der Beschuldigte am .________ in 
AG.________ erneut vorläufig festgenommen und gleichentags wieder entlassen 
(pag. 102 ff.). 

Am 6. Februar 2022 – am Tag der versuchten Körperverletzung z.N. von 
H.________ – wurde der Beschuldigte am .________ in AG.________ erneut vor-
läufig festgenommen (pag. 106 ff.) und mit Entscheid des ZMG vom 9. Februar 
2022 in Untersuchungshaft versetzt (pag. 138 ff.), welche mit weiteren Entscheiden 
des ZMG jeweils verlängert wurde (pag. 165 ff. und 194 ff.). Mit Entscheid vom 
22. September 2022 wurde der Beschuldigte in Sicherheitshaft versetzt 
(pag. 1226 ff.). 

Am 6. Oktober 2022 stellte der Beschuldigte den Antrag auf vorzeitigen Strafvoll-
zug (pag. 1237 f.), welchen die Vorinstanz mit Verfügung vom 1. November 2022 
guthiess. Der Beschuldigte befindet sich seit dem 24. November 2022 im vorzeiti-
gen Strafvollzug (pag. 1299 ff.). 

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Hauptverhandlung wurden von Amtes wegen 
ein aktueller Strafregisterauszug vom 27. Februar 2024 (pag. 1688 ff.), ein Voll-
zugsbericht der JVA O.________ vom 26. Februar 2024 (pag. 1683 ff.) sowie ein 
ergänzender Bericht beim Migrationsdienst der Stadt AG.________ vom 7. Februar 
2024 samt zahlreichen Unterlagen (pag. 1558 ff.) über den Beschuldigten einge-
holt. 

Auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft wurden zudem die Akten des Verfahrens 
PEN .________ gegen P.________ beim Regionalgericht Oberland sowie des Ver-
fahrens O .________ gegen Q.________ bei der Staatsanwaltschaft Oberland bei-
gezogen.

Rechtsanwalt C.________ reichte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
namens des Beschuldigten eine Praktikumsbestätigung des Restaurants 
R.________ vom 8. März 2024 und einen Arbeitsvertrag zwischen dem Beschul-
digten und der S.________ in AG.________ vom 3. Februar 2024 ein. Die einge-
reichten Unterlagen wurden antragsgemäss zu den Akten erkannt (pag. 1718 f.).

Schliesslich wurden der Beschuldigte (pag. 1701 ff.) und der Zeuge H.________ 
(pag. 1696 ff.) anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung erneut einver-
nommen. 

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5. Anträge der Parteien

5.1 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin T.________ stellte und begründete für die Generalstaatsanwalt-
schaft anlässlich der Berufungsverhandlung die folgenden Anträge (pag. 1720 ff.; 
Hervorhebungen im Original): 

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Oberland (Kollegialgericht 
in Dreierbesetzung) vom 3. Mai 2023 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. der Einstellung des Verfahrens wegen mehrfachen Tätlichkeiten, ohne Ausrichtung einer Ent-
schädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten;

2. der Schuldsprüche wegen 

2.1 Raubes, begangen am 17. April 2021 in AG.________ z.N. von I.________; 

2.2 Entführung und Erpressung (Versuch), begangen am 7. Juli 2020 in AG.________ z.N. von 
J.________;

2.3 Angriffs, begangen am 13. April 2019 in AG.________ z.N. von K.________ und 
L.________; 

2.4 Beschimpfung, mehrfach begangen am 21. Juni 2020 in AG.________ z.N. von 
M.________ und N.________ und am 3. Juli 2021 in AG.________ z.N. von E.________, 
F.________ und G.________;

2.5. Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen; 

2.6 Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen, mehrfach begangen;

2.7 Übertretungen gegen das Kantonale Strafgesetz, mehrfach begangen;

3. des Widerrufs des mit Strafbefehl vom 29. Oktober 2018 gewährten bedingten Vollzugs von ei-
ner Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 30.00 sowie des mit Strafbefehl vom 26. April 2019 
gewährten bedingten Vollzugs von einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 30.00; 

4. der Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00; 

5. der Verfügungen über die beschlagnahmten Gegenstände. 

II.

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der schweren Körperverletzung, versucht begangen am 6. Februar 2022 in AG.________ z.N. 
von H.________;

2. des Raubes, mehrfach teilweise versucht begangen

2.1 am 1. April 2021 in AG.________ z.N. von I.________; 

2.2 am 1. April 2021 in AG.________ z.N. von D.________ (Versuch); 

3. der Nötigung, versucht begangen am 3. Juli 2021 in AG.________ z.N. von E.________, 
F.________ und G.________; 

4. der Drohung, mehrfach begangen am 3. Juli 2021 in AG.________ z.N. von E.________, 
F.________ und G.________. 

III.

A.________ sei gestützt hierauf sowie der rechtskräftigen Schuldsprüche in Anwendung von 
Art. 22 Abs. 1, 34, 40, 46 Abs. 1, 47, 49 Abs. 1, 50, 51, 122, 134, 140 Ziff. 1, 156 Ziff. 3, 177, 180, 
181, 183 Ziff. 1, 292 StGB; Art. 19 Abs. 1 Bst. c; Art. 426 ff. StPO 

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zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs-
haft und Sicherheitshaft von 329 Tagen und mit vorzeitigem Strafantritt am 24. November 2022;

2. zu einer Gesamtgeldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total 
CHF 1'800.00, dies unter Einbezug der seinerzeit bedingt ausgesprochenen und nunmehr zu 
vollziehenden Strafen gemäss Ziff. I.3 hiervor (Art. 46 Abs. 1 StGB); 

3. zu einer Landesverweisung von 10 Jahren (mit Ausschreibung im SIS); 

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. A.________ sei zurück in den vorzeitigen Strafvollzug zu schicken. 

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN .________, .________, 
.________) sowie der biometrischen erkennungsdienstlichen Daten sei nach Ablauf der gesetz-
lichen Frist vorzeitig zu erteilen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG; Art. 17 Abs. 4 AFIS-VO).

3. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

5.2 Anträge des Strafklägers 2

E.________ (nachfolgend: Strafkläger 2) beantragte anlässlich der oberinstanzli-
chen Verhandlung implizit die Bestätigung der ihn betreffenden Schuldsprüche des 
vorinstanzlichen Urteils (Ziff. II.5.2 und II.6.2 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs; 
pag. 1711 f.).

5.3 Anträge der Verteidigung 

Fürsprecher C.________ stellte und begründete anlässlich der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung namens und auftrags des Beschuldigten die folgenden Anträge 
(pag. 1723 f.):
I. Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Oberland (Dreierbe-

setzung) vom 3. Mai 2023 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. der Einstellung des Verfahrens wegen mehrfachen Tätlichkeiten, ohne Ausrichtung einer 
Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten;

2. der Schuldsprüche, wonach A.________ schuldig erklärt wurde
a. des Raubs, begangen am 17. April 2021 in AG.________ z.N. von I.________; 
b. der Entführung und Erpressung (Versuch), begangen am 7. Juli 2020 in AG.________ 

z.N. von J.________; 
c. des Angriffs, begangen am 13. April 2019 in AG.________ z.N. von K.________ und 

L.________;
d. der mehrfachen Beschimpfung, begangen am 21. Juni 2020 in AG.________ z.N. von 

M.________ und N.________ und am 3. Juli 2021 in AG.________ z.N. von 
E.________, F.________ und G.________; 

e. des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz; 
f. des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen;
g. der mehrfachen Übertretung gegen das Kantonale Strafgesetz; 

3. der Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00;

4. der Verfügungen über die beschlagnahmten Gegenstände sowie über den Zivilpunkt. 

II. A.________ sei frei zu sprechen vom Vorwurf der Drohung angeblich mehrfach begangen am 3. 
Juli 2021 in AG.________ z.N. von E.________, F.________ und G.________;

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unter Auferlegung der Verfahrenskosten an den Kanton Bern sowie unter Ausrichtung einer Ent-
schädigung für die gebotene Verteidigung. 

III. A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. wegen einfacher Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, begangen am 6. Februar 
2022 in AG.________ z.N. von H.________;

2. wegen Nötigung, begangen am 1. April 2021 in AG.________ z.N. von D.________ und 
I.________ und am 3. Juli 2021 in AG.________ z.N. von E.________, F.________ und 
G.________ (Versuch).

IV. Der mit Strafbefehl vom 29. Oktober 2018 gewährte bedingte Vollzug von einer Geldstrafe von 
20 Tagessätzen zu CHF 30.00 sowie der mit Strafbefehl vom 26. April 2019 gewährte bedingte 
Vollzug von einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 30.00 sei zu widerrufen und die Strafe 
sei zu vollziehen. 

V. A.________ sei in Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von maximal 38 Monaten, unter Anrechnung der bereits ausgestan-
denen Untersuchungs- und Sicherheitshaft; 

2. zur Bezahlung einer Geldstrafe (Gesamtstrafe) in der Höhe von 150 Tagessätzen à 
CHF 30.00, ausmachend total CHF 4'500.00;

3. zu den erstinstanzlichen Verfahrenskosten. 

VI. Auf die Anordnung einer Landesverweisung sei zu verzichten. 

VII. Die Verfahrenskosten für das oberinstanzliche Verfahren seien dem Kanton Bern aufzuerlegen 
und dem Beschuldigten sei eine Entschädigung für die gebotene Verteidigung in der Höhe der 
eingereichten Honorarnote zuzusprechen. 

VIII. Es seien die notwendigen Verfügungen zu erlassen. 

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur in den 
angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]).

In Rechtskraft erwachsen und von der Kammer nicht mehr zu überprüfen sind die 
Einstellung des Verfahrens wegen mehrfachen Tätlichkeiten ohne Ausrichtung ei-
ner Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten (Ziff. I des vor-
instanzlichen Urteilsdispositivs), die Schuldsprüche wegen Raubes (Ziff. II.2), Ent-
führung und versuchter Erpressung (Ziff. II.3), Angriffs (Ziff. II.4), mehrfacher Be-
schimpfung (Ziff. II.6), mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz 
(Ziff. II.7), mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen (Ziff. II.8) sowie 
mehrfacher Übertretung gegen das Kantonale Strafgesetz (Ziff. II.9). Weiter in 
Rechtskraft erwachsen ist die Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von 
CHF 500.00 mit Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung 
(Ziff. IV.3) für die Schuldsprüche wegen mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche 
Verfügungen und mehrfachen Übertretung gegen das Kantonale Strafgesetz. 
Ebenfalls in Rechtskraft erwachsen ist die Abschreibung der Zivilklagen infolge 
Rückzugs samt Kostenfolgen (Ziff. VI) sowie die Verfügungen über die beschlag-
nahmten Gegenstände (Ziff. VII.2 und VII.3). 

Auf die Höhe der amtlichen Entschädigungen der Verteidigungen (Rechtsanwalt 
U.________ und Rechtsanwalt B.________) und der privatklägerischen Rechtsver-
tretung für das erstinstanzliche Verfahren ist nur zurückzukommen, sofern die Vor-

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instanz das ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermessen in unhaltbarer 
Weise ausgeübt haben sollte (Urteile des Bundesgerichts [nachfolgend: BGer] 
6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3 und 6B_349/2016 vom 13. Dezember 
2016 E. 2.4.2). Darüber hinausgehend unterliegt dieser Punkt auf Grund der feh-
lenden diesbezüglichen Berufung durch die Generalstaatsanwaltschaft dem Ver-
schlechterungsverbot (BGer 6B_1231/2022 vom 10. März 2023 E. 2.2.5).

Nicht in Rechtskraft erwachsen kann vorliegend die Frage des Widerrufs (Ziff. III 
des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs). Die Anfechtung der «Bemessung der Stra-
fe» nach Art. 399 Abs. 4 StPO umfasst die gesamte Festlegung der Sanktion für 
die von einem allfälligen Schuldspruch umfassten Delikte. Hierzu gehört insbeson-
dere auch die Frage des Widerrufs. Gegebenenfalls anzuordnende Widerrufe sind 
im Falle von Schuldsprüchen grundsätzlich untrennbar mit den im Rahmen der 
Wahl der Strafart und des bedingten Vollzugs zu stellenden Legalprognose ver-
bunden (vgl. dazu BÄHLER, in: Basler Kommentar zur Strafprozessordnung, 
3. Aufl. 2023, N 13 zu Art. 399). Folglich sind aufgrund der angefochtenen Schuld-
sprüche auch die beiden Widerrufe zu prüfen. 

Der Rechtskraft nicht zugänglich sind weiter die Verfügungen betreffend DNA so-
wie der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. V.1 und V.2 
des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs).

Verfahrensgegenstand bilden somit aufgrund der beschränkten Berufung der Ge-
neralstaatsanwaltschaft die Anklagepunkte wegen versuchter schwerer Körperver-
letzung, ev. einfacher Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand (Ziff. I.1 der 
Anklageschrift), des mehrfach begangenen Raubes, ev. Versuchs dazu, ev. der 
Nötigung (Ziff. I.2.1), die Konkurrenzfrage in Bezug auf die mehrfachen Drohungen 
und die mehrfach versuchten Nötigungen (Ziff. I.5 und I.6), die Widerrufe (Ziff. III 
des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs), die Strafzumessung (Ziff. IV.1 und 2), die 
Landesverweisung samt Ausschreibung im SIS (Ziff. IV.4) sowie die Kostenfolgen 
(Ziff. IV.5) und die Rückzahlungspflichten des Beschuldigten in Bezug auf die amt-
lichen Entschädigungen (Ziff. V).

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen – und/oder der 
Rechtskraft nicht zugänglichen – Punkte über volle Kognition (Art. 398 
Abs. 2 StPO). Aufgrund der eigenständigen Berufung der Generalstaatsanwalt-
schaft ist die Kammer nicht an das Verschlechterungsgebot (Verbot der reformatio 
in peius) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden und darf das Urteil hinsichtlich 
der angefochtenen Punkte auch zu Ungunsten des Beschuldigten abändern. 

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle aufgrund des Einwandes der Vertei-
digung, wonach die Generalstaatsanwaltschaft kein höheres Strafmass als die vor-
instanzliche Anklagebehörde (Freiheitsstrafe von 4 Jahren, vgl. pag. 1406 ff.) for-
dern dürfe (vgl. pag. 1713), darauf hinzuweisen, dass die Generalstaatsanwalt-
schaft nur dann an das vorinstanzlich beantragte Strafmass gebunden 
gewesen wäre, wenn sie lediglich Anschlussberufung erhoben hätte 
(vgl. BGer 6B_1498/2020 vom 29. November 2021 E. 4.4.3). Aufgrund der ei-
genständigen Berufung ist die oberinstanzlich beantragte Überschreitung der erst-
instanzlichen Anträge zulässig.  

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&highlight_docid=aza://29-11-2021-6B_1498-2020

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II. Rechtskräftige Schuldsprüche

7. Vorbemerkungen

Mit Ausnahme des Tatvorwurfes der versuchten schweren Körperverletzung, ev. 
einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, des Raubes, ev. Ver-
suchs dazu, ev. der Nötigung, der mehrfach begangenen Drohung und der mehr-
fach versucht begangenen Nötigung blieben sämtliche Schuldsprüche unangefoch-
ten und sind in Rechtskraft erwachsen. Es ist damit hinsichtlich der rechtskräftigen 
Punkte oberinstanzlich von dem durch die Vorinstanz jeweils als erwiesen erachte-
ten Sachverhalt auszugehen, worauf vollumfänglich verwiesen werden kann 
(pag. 1454-1458; 1459-1461). 

Ebenso kann im Hinblick auf die rechtskräftigen Schuldsprüche bezüglich der 
rechtlichen Würdigung auf die erstinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden 
(pag. 1465-1470; 1472-1474).

Zum besseren Verständnis der nachfolgenden Erwägungen zur Strafzumessung 
und Landesverweisung wird der massgebliche Sachverhalt dieser Tatbestände an 
dieser Stelle kurz zusammengefasst. 

8. Raub (Ziff. II.2 des vorinstanzlichen Urteildispositivs)
Der Beschuldigte hatte sich am 17. April 2021 in der Zeit von 19:00 Uhr bis 
20:00 Uhr in AG.________ an der .________ zu I.________ begeben, welcher ihn 
bereits vom Vorfall des 1. Aprils 2021 kannte und entsprechend durch ihn einge-
schüchtert war sowie mit der Zufügung von Nachteilen bei Nichtbefolgen dessen 
Forderung rechnete. Im Wissen darum verlangte der Beschuldigte von ihm, seine 
Tasche auszupacken. Als I.________ dies nicht tat, sagte er ihm, er werde entwe-
der sein Geld oder die ganze Tasche nehmen. Der Beschuldigte nahm schliesslich 
CHF 70.00 aus dem Portemonnaie von I.________ zu seiner unrechtmässigen Be-
reicherung an sich. Als I.________ sein Geld zurückverlangte, entgegnete ihm der 
Beschuldigte, «nein, nein, dein Geld ist mein Geld». Aus Angst, der Beschuldigte 
würde ihm etwas antun, wenn er sich wehrte, liess er diesen gewähren. Der Be-
schuldigte legte in Bezug auf diesen Tatvorwurf ein Geständnis ab.
Mit diesem Tatvorgehen hat der Beschuldigte den Tatbestand des Raubes gemäss 
Art. 140 Ziff. 1 StGB erfüllt.

9. Entführung und versuchte räuberische Erpressung (Ziff. II.3 des vorinstanzli-
chen Urteildispositivs)
Am 7. Juli 2020 um 22:15 Uhr wartete der Beschuldigte am .________ in 
AG.________ gemeinsam mit Q.________, V.________ und W.________ auf 
J.________ vor dessen Haus. Als J.________ erschien, hielten sich Q.________ 
und W.________ bei dessen Auto auf, währenddem der Beschuldigte und 
V.________ sich mit J.________ trafen. Der Beschuldigte packte J.________ am 
Oberarm und führte ihn zum Auto. Beim Auto angekommen, klappte W.________ 
die Lehne des Fahrersitzes nach vorne. Der Beschuldigte hiess J.________ an 
einzusteigen und auf dem Rücksitz Platz zu nehmen, was J.________ tat, da er 
keine andere Möglichkeit sah. Der Beschuldigte und V.________ nahmen links und 

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rechts auf der Rückbank Platz, Q.________ auf dem Beifahrersitz. Der Beschuldig-
te hiess W.________ an in den AK.________ zu fahren. Auf der Fahrt dorthin be-
fahl der Beschuldigte J.________, sich zu ducken, damit er nicht gesehen wird, 
und im Weiteren in aggressivem Ton den Mund zu halten. Der Beschuldigte packte 
J.________ während der Fahrt zudem am Hals, brüllte ihn an und fragte, wo sein 
Geld sei. J.________ fühlte sich bedroht und hatte Angst. Im AK.________ hielt 
W.________ auf einem .________ ausser Sicht- und Hörweite von Unbeteiligten 
an. Zunächst entfernten sich der Beschuldigte und J.________ vom Fahrzeug. Der 
Beschuldigte forderte von J.________ aus Drogengeschäften stammende ausste-
hende Geldschulden ein. Später kamen auch Q.________, V.________ und 
W.________ dazu und stellten sich im Halbkreis um J.________ auf. V.________ 
stellte mit seiner Hand eine Waffe dar und fragte J.________, ob er eine Kugel wol-
le. Der Beschuldigte sagte zu J.________, wenn er das Geld an diesem Abend 
nicht erhalte, werde er ihn einsperren. Der Beschuldigte schlug J.________ zwei 
bis drei Mal mit der flachen Hand ins Gesicht. J.________ stürzte, stand wieder auf 
und wurde daraufhin von Q.________ zweimal ins Gesicht geschlagen. 
Q.________ befahl J.________ im Weiteren, die Hand auf die Motorhaube zu le-
gen, worauf er ihm in Aussicht stellte, für jede tausend Franken Geldschulden ei-
nen Finger abzuschneiden. Schliesslich wurde J.________ geheissen, das Geld 
innert zwei Tagen vorbeizubringen. Danach fuhr W.________ den Beschuldigten, 
Q.________, V.________ und J.________ zurück. Auf der Fahrt wurde dieser an-
gewiesen, nicht zur Polizei zu gehen. Der Beschuldigte wies W.________ an, ca. 
100 Meter vom Domizil von J.________ anzuhalten, worauf der Beschuldigte die-
sen aussteigen liess. Zum Schluss machte Q.________ J.________ noch einmal 
darauf aufmerksam, was passieren werde, sollte dieser zur Polizei gehen. 
J.________ erlitt Ein- und Unterblutungen am rechten Auge und im Innern des Oh-
res, eine Hautabschürfung am Rücken sowie eine Schorfkruste und eine Unterblu-
tung am linken Ellbogen. Der Beschuldigte, Q.________, V.________ und 
W.________ verbrachten so J.________ wissentlich und willentlich gegen dessen 
Willen von seinem Domizil zum .________ im AK.________. Zudem beabsichtigten 
sie wissentlich und willentlich, durch Einschüchterung und Drohung mit Einsperren 
und Verletzen von J.________ CHF 8’000.00 erhältlich zu machen, auf welche sie 
keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch hatten. Der Beschuldigte legte in Bezug 
auf diesen Tatvorwurf ein Geständnis ab.
Mit diesem Tatvorgehen hat der Beschuldigte den Tatbestand der Entführung nach 
Art. 183 Ziff. 1 StGB und der versuchten räuberischen Erpressung nach Art. 156 
Ziff. 3 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB erfüllt. 

10. Angriff (Ziff. II.4 des vorinstanzlichen Urteildispositivs)
Der Beschuldigte begab sich am 13. April 2019 um ca. 01:50 Uhr mit X.________ 
zu K.________ an den .________ in AG.________. Dort fragte der Beschuldigte 
K.________ zweimal, ob er ihn kenne. Da ihm K.________ nicht schnell genug 
antwortete und seinen Blick abwandte, schlug er ihm mit der flachen Hand kräftig 
auf das linke Ohr. X.________ schlug darauf K.________ auf die rechte Schläfe 
sowie gegen die rechte Seite des Halses, so dass dieser zu Boden ging. 
L.________, welcher K.________ helfen wollte, wurde von P.________ in die rech-

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te Seite getreten, so dass er rückwärts eine Treppe herabstürzte. Als K.________ 
weglaufen wollte, wurde er wieder zu Boden gebracht und mit Schlägen einge-
deckt. Er erlitt durch den Vorfall eine Eindrückungsfraktur der Kieferhöhle und eine 
Wurzelverletzung am Zahn 26. Die Fraktur musste operativ versorgt werden. 
L.________ erlitt eine Prellung am Gesäss. Der Beschuldigte legte in Bezug auf 
diesen Tatvorwurf ein Geständnis ab, wobei er aber geltend machte, dass es sich 
bei seinem Schlag gegen K.________ lediglich um einen Nackenklatscher gehan-
delt habe. Diese Behauptung wertete die Vorinstanz jedoch als Schutzbehauptung 
und ging von einer knallenden Ohrfeige auf die linke Seite aus. Dabei betonte die 
Vorinstanz jedoch, dass nicht relevant sei, ob genau dieser Schlag ursächlich für 
die Verletzungen von K.________ gewesen sei. Wie angeklagt sei erwiesen, dass 
dieser die Verletzungen durch den Vorfall als solches erlitten habe, ohne dass sich 
diese auf eine einzelne Handlung zurückführen liesse. 
Mit diesem Tatvorgehen hat der Beschuldigte den Tatbestand des Angriffs nach 
Art. 134 StGB erfüllt.

11. Beschimpfung (Ziff. II.6 des vorinstanzlichen Urteildispositivs)
Der Beschuldigte bezeichnete die beiden Polizisten M.________ und N.________ 
am 21. Juni 2020 um ca. 03:05 Uhr auf dem .________ in AG.________ mit 
«Scheissbullen» und «Rassisten». Der Beschuldigte war diesbezüglich geständig.
Am 3. Juli 2021 um ca. 03:00 Uhr beschimpfte der Beschuldigte E.________, 
F.________ und G.________ mit den Worten «Nuttensohn», «Arschlöcher», «Pis-
ser» und «Wichser». Der Beschuldigte war diesbezüglich geständig.
Mit diesem Tatvorgehen hat der Beschuldigte den Tatbestand der Beschimpfung 
nach Art. 177 Abs. 1 StGB zweifach erfüllt.

12. Widerhandlungen gegen das BetmG (Ziff. II.7 des vorinstanzlichen Urteildis-
positivs)
Der Beschuldigte übergab J.________ in der Zeit vom 1. Februar 2020 bis 7. Juli 
2020 in AG.________ und Umgebung bei sich im Auto insgesamt 500 g (2 x 100 g, 
1 x 300 g) Marihuana und Haschisch, damit dieser die Drogen gegen eine Provi-
sion für ihn verkauft. J.________ verkaufte davon rund 100 g für CHF 1'000.00 und 
gab dem Beschuldigten davon CHF 500.00. Der Beschuldigte war diesbezüglich 
geständig.
Der Beschuldigte liess Y.________ (geb. 04.07.2004) in der Zeit vom 1. April 2021 
bis 30. April 2021 in AG.________, AH.________ und AI.________ und der Umge-
bung Z.________ (geb. 14.11.2006) 500 g Marihuana übergeben, damit 
Z.________ dieses für einen Lohn zwischen CHF 500.00 und 800.00 für ihn ver-
kauft. Der Beschuldigte war diesbezüglich geständig.
Mit diesem Tatvorgehen hat sich der Beschuldigte der Vergehen gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz (Besitz und Veräussern; Art. 19 Abs. 1 Bst. c und d sowie 
Art. 19bis BetmG) schuldig gemacht.

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III. Beweiswürdigung betreffend angefochtene Schuldsprüche

13. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung und Beweismittel

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen 
und der Aussagenanalyse im Speziellen kann auf die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 1445 ff.). Diese hat im Übrigen die verfüg-
baren Beweismittel treffend aufgeführt (pag. 1449; 1453 f.; 1459). Auch darauf wird 
verwiesen. Was die oberinstanzlich neu erhobenen Beweismittel betrifft, wird auf 
eine vollständige Wiedergabe an dieser Stelle verzichtet. Ausführungen dazu fol-
gen – soweit nötig – direkt im Rahmen der Beweiswürdigung.

14. Versuchte schwere Körperverletzung, ev. einfache Körperverletzung mit ge-
fährlichem Gegenstand

14.1 Vorwurf gemäss Ziff. I.1 der Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 6. Februar 2022 um ca. 01:00 Uhr an der 
.________ in AG.________ AA.________ ein Messer mit einer Klinge von 14,5 cm 
Länge und 3,8 cm Breite aus der Hand gerissen zu haben, damit auf H.________ 
zugerannt zu sein und ihm mit der Faust, in welcher er das Messer gehalten habe, 
gegen die Schulter geschlagen zu haben, worauf ihn H.________ mit dem Fuss 
weggekickt haben soll. Darauf soll er Anlauf genommen und H.________ mit einer 
Schwungbewegung mit dem Messer durch dessen Kleider (Pullover und T-Shirt) in 
den rechten Oberbauch ca. 4 cm unter dem rechten Rippenbogen gestochen ha-
ben, so dass dieser dort eine ca. 0,5 cm lange und 0,2 cm tiefe Wunde erlitten ha-
be, welche habe genäht werden müssen. 

Eventualiter habe er H.________ mit der Faust auf die Schulter geschlagen, worauf 
dieser ihn mit dem Fuss weggekickt habe. Daraufhin soll der Beschuldigte 
AA.________ ein Messer mit einer Klinge von 14,5 cm Länge und 3,8 cm Breite 
aus der Hand gerissen haben, damit auf H.________ zugerannt sein und ihm mit 
einer Schwungbewegung mit dem Messer durch dessen Kleider (Pullover und T-
Shirt) in den rechten Oberbauch ca. 4 cm unter dem rechten Rippenbogen gesto-
chen haben, so dass dieser dort eine ca. 0,5 cm lange und 0,2 cm tiefe Wunde er-
litten habe, welche habe genäht werden müssen.

Indem der Beschuldigte auf den alkoholisierten H.________ (0,98-1,72 ‰) in eben-
falls alkoholisiertem Zustand (0,56-1,45 ‰) zugerannt sei bzw. mit Anlauf mit ei-
nem derart grossen Messer schwungvoll gegen dessen Rumpf gestochen habe, 
habe er weder seine Bewegungen präzise kontrollieren noch vorhersehen oder be-
einflussen können, wie sich H.________ verhalten werde. Er habe entsprechend 
mit dem Stich in dessen rechtsseitigen Rumpf zumindest in Kauf genommen, bei 
H.________ lebenswichtige Organe oder relevante Blutgefässe zu verletzen, so 
dass dieser in eine Lebensgefahr geraten sei. 

14.2 Beweiswürdigung der Vorinstanz

Die Vorinstanz kam bezüglich des Tatvorwurfes der Körperverletzung zusammen-
gefasst beweiswürdigend zu folgenden Schlüssen (pag. 1449 ff.): 

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Die Anwesenheit der Beteiligten am Tatort zum Tatzeitpunkt sei unbestritten. Der 
Beschuldigte habe zudem eingestanden, mit einem Messer in den Bauchbereich 
von H.________ gestochen zu haben. Entgegen der Anklageschrift behaupte er je-
doch, er habe die Klinge des eingesetzten Messers so zugedeckt, dass nur 2-3 cm 
aus der Hand hervorgeragt hätten. Er habe zudem extra geschaut, H.________ 
nicht im Bereich des Herzens oder der Lunge zu treffen. 

Der Beschuldigte habe den Rahmensachverhalt nach anfänglicher Aussagever-
weigerung anlässlich der Schlusseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft einge-
standen. Während er zu diesem Zeitpunkt hinsichtlich einiger der anderen ihm vor-
geworfenen Delikte weiterhin die Aussage verweigert habe, habe er zu diesem 
Vorwurf detaillierte Aussagen gemacht. Das Erzählte habe erlebt und nicht frei er-
funden gewirkt, insbesondere wenn er beschreibe, dass er sich von der Gruppe 
bedroht gefühlt und wirklich Angst gehabt habe. Er habe denn auch seinen eigenen 
Fehler eingestanden, nämlich, dass er «blöderweise das Messer hervorgeholt» ha-
be. Dass er sein Messer mit der Hand abgedeckt habe, so dass nur 2-3 cm der 
Klinge rausgeschaut hätten, um H.________ einzuschüchtern, aber nicht ernsthaft 
zu verletzen, erscheine in Anbetracht der von ihm beschriebenen Angst einleuch-
tend. Er habe anlässlich der Hauptverhandlung denn auch überzeugend vorzeigen 
können, wie er die Messerklinge abgedeckt habe. Diese Version decke sich mit der 
verursachten Wunde von lediglich 0,2 cm Tiefe. Unbestrittenermassen habe er die 
Tathandlung mit Anlauf und vollem Schwung ausgeführt und H.________ in den 
Bauch getroffen. Hätte bei einer solchen Vorgehensweise die Klinge von 14,5 cm 
Länge offen aus der Hand geschaut, hätte es klarerweise zu einer viel tieferen, 
gravierenderen Verletzung kommen müssen, zumal auch die leichte Kleidung von 
H.________ keinen nennenswerten Widerstand gebildet habe. Entgegen der Auf-
fassung der Staatsanwaltschaft komme das Gericht nicht zum Schluss, dass der 
Beschuldigte durch das Abdecken der Klinge zwingend eine Schnittwunde an der 
rechten Hand hätte davontragen müssen. Die eingesetzte Klinge verfüge augen-
scheinlich über genug Griff, um sie zwischen Handballen und Fingern so einzu-
klemmen, dass sie bei einem wie vorliegend verhältnismässig geringfügigen Stich 
mit wenig Rückschlag nicht hin- und her habe rutschen müssen. Die Aussagen des 
Beschuldigten seien somit für sich gesehen glaubhaft und würden sich mit den ob-
jektiven Beweismitteln decken. 

H.________ habe kurz nach dem Vorfall geschildert, dass er die Tathandlung als 
einen Schlag wahrgenommen und ein Messer nicht gesehen habe. Er habe ge-
dacht, es habe sich um einen Schlagstock gehandelt. Dies bestätige die Version 
des Beschuldigten, wonach er die Klinge weitgehend abgedeckt habe, umso mehr, 
als der Beschuldigte anscheinend im Abstand von 1-2 bzw. 2-3 m direkt vor ihm 
gestanden habe, so dass er ihm habe in die Augen schauen können. Dass er eine 
ausgefahrene Klinge von 14,5 cm Länge gar nicht gesehen hätte, erscheine un-
wahrscheinlich. 

Auch AB.________ habe ausgesagt, zu Beginn habe er gedacht, es handle sich 
um einen Schlagstock bzw. um einen knüppelähnlichen Gegenstand. Seine späte-
ren widersprüchlichen Aussagen in Bezug auf die Tatwaffe würden darauf hindeu-

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ten, dass er erst im Nachhinein aus den Verletzungen auf ein Messer geschlossen 
habe. 

Die Aussagen AC.________ würden sich nicht auf selbst Gesehenes, sondern auf 
Erzählungen und nachträgliche Schlussfolgerungen stützen. Er habe aber mehr-
mals unaufgefordert ausgesagt, dass er den Schlag gehört habe, dass es wie ein 
Peitschenschlag und richtig hart geklungen habe. 

Zusammenfassend habe keiner der Anwesenden die Klinge mit Sicherheit in der 
vollen Länge aus der Hand des Beschuldigten ragen sehen. H.________ selber 
habe die Tathandlung als Faustschlag empfunden und auch 
AC.________ habe einen harten Schlag gehört. Dieses Geräusch könne nicht von 
den 0,2 cm stammen, welche die Messerspitze in den Körper von H.________ ein-
gedrungen sei, sondern müsse vom Faustschlag herrühren. Nach dem Grundsatz 
«in dubio pro reo» gehe das Gericht davon aus, dass der Beschuldigte die Klinge 
so mit der rechten Hand abgedeckt habe, dass nur 2-3 cm der Spitze beim Dau-
men herausgeragt seien und er H.________ eine Faust verpasst habe, wobei die-
ser durch die herausragende Messerklinge eine Stichwunde am rechten Oberkör-
per erlitten habe. Da nur ein kleines Stück der Klinge herausgeragt habe, sei auch 
der Rückschlag nicht gross gewesen, weshalb der Beschuldigte keine Verletzun-
gen an der rechten Hand erlitten habe. 

14.3 Oberinstanzliche Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft 

Die Generalstaatsanwaltschaft brachte anlässlich der Berufungsverhandlung zu-
sammengefasst und im Wesentlichen vor, die Feststellung der Vorinstanz, wonach 
der Beschuldigte die Tat mit Anlauf und Schwung ausgeführt habe, stehe in klarem 
Widerspruch zu ihren sonstigen im Rahmen der Beweiswürdigung gezogenen 
Schlussfolgerungen. Namentlich, dass die Klinge des Messers nur 2-3 cm aus der 
Hand des Beschuldigten herausgeschaut habe, er das Opfer nur habe einschüch-
tern, aber nicht ernsthaft verletzen wollen, und es nicht zwingend zu einer Selbst-
verletzung habe kommen müssen, da die Klinge über genügend Griff verfügt habe, 
so dass sie bei einem geringfügigen Stich mit wenig Rückschlag nicht hin und her 
gerutscht sei. Die Annahme, dass es ein geringfügiger Stich mit wenig Rückschlag 
gewesen sei, stehe sodann im Widerspruch zu den Aussagen des Opfers und di-
verser Zeugen. Diese hätten ein schwungvolles Zustechen mit Anlauf erwähnt 
(pag. 650; 671; 675; 683; 695). Es sei daher erstellt, dass der Beschuldigte mit An-
lauf, Schwung und einer gewissen Heftigkeit zugestochen habe. 

Weiter sei nicht erlaubt, vom leichten Verletzungsbild auf die Tathandlung zu 
schliessen. Es sei allein dem Zufall zu verdanken, dass es zu keiner schweren Ver-
letzung gekommen sei. Es sei durchaus möglich, dass das Opfer im Moment des 
Zustechens zurückgewichen sei. Gegen ein vorsichtiges Zustechen spreche auch 
der damalige Gemütszustand des Beschuldigten. Er sei betrunken, auf Streit aus 
und aggressiv gewesen. In diesem Zustand habe er keine Kontrolle darüber ge-
habt, wie stark er zustechen werde. Er habe das Opfer verletzen wollen, um ihm 
einen Denkzettel zu verpassen. Dass er vor der Gruppe des Opfers Angst gehabt 
habe, sei eine Schutzbehauptung. Hätte er Angst gehabt, hätte er spätestens nach 
dem Pushkick des Opfers die Szene verlassen müssen. Er sei daraufhin aber er-

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neut auf das Opfer losgegangen. Das Opfer habe sich nicht nach den Vorstellun-
gen des Beschuldigten verhalten, da es sich nicht habe einschüchtern lassen. Dies 
habe den Beschuldigten noch wütender gemacht. 

Sodann erstaune, dass der Beschuldigte erst anlässlich der staatsanwaltlichen 
Schlusseinvernahme vorgebracht habe, dass im Moment des Zustechens nur 
2-3 cm der Klinge herausgeschaut hätten. Diese Version sei somit erst nach 
Kenntnis der objektiven Beweismittel nachgeschoben und somit dem Verletzungs-
bild angepasst worden. Sie erscheine daher nicht glaubhaft. Der Beschuldigte habe 
anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vorgezeigt, wie er das Messer 
angeblich gehalten habe [die Messerklinge gänzlich mit der Faust umschlossen]. 
Vor der Vorinstanz habe er es noch anders gezeigt [Messerklinge zwischen dem 
Daumenballen und den Fingern gehalten und nicht mit der Faust umschlossen]. 
Wenn er die Klinge tatsächlich mit der Faust umschlossen hätte, hätte er sich 
zwangsläufig daran schneiden müssen. Das Messer rutsche immer ein wenig und 
es gebe einen Rückschlag. Auch die im vorinstanzlichen Verfahren gezeigte Varia-
nte sei nicht möglich. Es habe sich beim Vorfall um ein dynamisches Geschehen 
gehandelt. Der Beschuldigte habe also weder die Zeit noch die Ruhe gehabt, das 
Messer sorgfältig in der Hand zu platzieren. Hätte er das Messer tatsächlich so ge-
halten, hätte das eine gewisse Zeit in Anspruch genommen, um es so zu «bü-
scheln». Dass die Klinge nur 2-3 cm rausgeschaut habe, sei somit – egal in wel-
cher Variante – eine Schutzbehauptung. Der Sachverhalt sei gemäss Anklage-
schrift erstellt (zum Ganzen pag. 1709 ff.). 

14.4 Oberinstanzliche Vorbringen der Verteidigung 

Die Verteidigung brachte dagegen anlässlich der Berufungsverhandlung zusam-
mengefasst vor, dem Beschuldigten könne nicht zur Last gelegt werden, dass ge-
wisse Aussagen erst in der Schlusseinvernahme erfolgt seien. Er habe glaubhaft 
ausgesagt, das Messer nur zur Einschüchterung eingesetzt zu haben. Er habe die 
Klinge des Messers so gehalten, dass nur 2-3 cm herausgeschaut hätten, wobei 
sich seine Aussagen mit den Ergebnissen des Gutachtens über die Stichverletzung 
decken würden. Hätte er das Messer so geführt, wie es in der Anklageschrift um-
schrieben sei [mit Schwung und die Hand am Griff], dann hätte es zwingend zu ei-
ner schlimmeren Verletzung kommen müssen. Es sei weiter nicht unlogisch, dass 
er sich selbst nicht verletzt habe. Schliesslich könne das Messer nicht durch die 
Hand geschoben werden, wenn es nur wenig aus der Hand hervorschaue. Da nur 
die Messerspitze aus der Hand des Beschuldigten rausgeschaut habe, habe es 
beim Aufprall zudem nicht viel Widerstand gegeben. Es sei aber davon auszuge-
hen, dass der Beschuldigte beim Zustechen darauf geachtet habe, sich selber nicht 
zu verletzen und die Klinge daher wohl nicht – wie in der oberinstanzlichen Haupt-
verhandlung vorgezeigt – ganz umfasst habe. Weiter deute das von den Zeugen 
gehörte Geräusch darauf hin, dass der Beschuldigte mit der Faust aufgeprallt sei. 
Auch das Opfer habe ausgesagt, dass es einen Faustschlag gespürt habe. Dieser 
Umstand spreche ebenfalls dafür, dass nur wenige Zentimeter der Klinge hervor-
geschaut hätten. Hätte er das Messer am Griff festgehalten, dann hätte er das 
Opfer nicht mit der Faust erwischt und dieses hätte anstatt eines Schlages den 
Stich gespürt. Das Opfer habe weiter ausgesagt, es habe einen Schlagstock wahr-

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genommen. Während der Beschuldigte das Messer vorne an der Klinge gehalten 
habe, habe hinten der Griff rausgeschaut, und dieser sehe eher wie ein Schlag-
stock aus. Hinzukommend hätten auch mehrere Zeugen (AB.________, 
AD.________, AC.________) anfänglich von einem Schlagstock gesprochen. Es 
sei zwar unbestritten, dass ein Messer eingesetzt worden sei, aber die Aussagen 
der Zeugen würden eher darauf hindeuten, dass der Beschuldigte die Klinge abge-
deckt habe. Weiter sei die Aussage des Beschuldigten, wonach er Angst vor der 
Gruppe des Opfers gehabt habe, weder konstruiert noch eine Schutzbehauptung. 
Schliesslich seien mehrere Leute um den Beschuldigten und das Opfer herumge-
standen, welches ihm dann auch einen Pushkick gegeben habe. Der Beschuldigte 
sei sich gewohnt gewesen, dass die anderen aufgrund seiner verbalen Drohungen 
pariert hätten. Das Opfer habe sich vorliegend davon aber nicht beirren lassen. 
Deshalb sei das Ganze auch in eine Schlägerei übergegangen, und der Beschul-
digte habe schauen müssen, wie er der Situation begegne (zum Ganzen pag. 
1712 ff.).

14.5 Oberinstanzliche Beweiswürdigung 

14.5.1. Rahmengeschehen, unbestrittener Sachverhalt

Der Rahmensachverhalt blieb im Grossen und Ganzen unbestritten. So ergibt sich 
aus den Aussagen der Anwesenden und den weiteren Akten Folgendes: 

H.________ (nachfolgend: Geschädigter H.________), seine beiden Cousins, zwei 
Kollegen dieser Cousins und drei oder vier Frauen trafen sich in AG.________ in 
der .________ auf der unteren Ebene, in der Nähe des Durchgangs zum 
.________, um dort gemeinsam Alkohol zu konsumieren, welchen sie selber mit-
gebracht hatten (pag. 644 Z. 44 f.; 649 Z. 43 f.; 675 Z. 27 ff.). Bei den beiden Cou-
sins des Geschädigten (Jahrgang 1995) handelt es sich um AE.________ (Jahr-
gang 2002) und AB.________ (Jahrgang 2003; pag. 653 Z. 194), bei den beiden 
Kollegen um AD.________ (Jahrgang 2003) und AC.________ (Jahrgang 2003). 
Der Geschädigte H.________ war somit bei weitem der Älteste der Gruppe. 
Gemäss seinen Angaben war er damals von AP.________ hergekommen und ha-
be mit seinem Cousin AE.________ spontan ein Treffen abgemacht, um in der 
Stadt ein Bier trinken zu gehen (pag. 649 Z. 44 ff.; 1697 Z. 3 ff.). AE.________ sei 
der ältere Bruder seines kleinen Cousins, welcher ein halbes Jahr vorher verstor-
ben sei (pag. 1381 Z. 6 f.). Er selber sei mit friedlicher Absicht nach AG.________ 
gekommen und habe einfach mit seiner Familie Zeit verbringen wollen (pag. 1381 
Z. 9 f.). 

Der Beschuldigte (Jahrgang 2000) und dessen Begleiter AA.________ (Jahrgang 
2001) befanden sich in derselben Gasse auf der oberen Ebene (in den Lauben), 
oberhalb der Treppe, an deren unterem Ende sich die Gruppe um den Geschädig-
ten H.________ aufhielt (pag. 1377 Z. 32 f.; 644 Z. 46 f.; 669 Z. 55 f.; 675 Z. 30 f.). 
Einen Blickkontakt zwischen sich und AC.________ empfand der Beschuldigte als 
arge Provokation (pag. 706 Z. 347 f.: «Aber als er nicht aufhörte zu schauen fragte 
ich dann, ob es ein Problem gebe»), was dazu führte, dass der Beschuldigte («di-
ckere Typ») und sein Begleiter AA.________ («dünnere Typ») die Treppe runter 
auf AC.________ zukamen (pag. 644 Z. 47 ff.; 649 Z. 47 ff.; 669 Z. 68 ff.; 675 Z. 34 

19

ff.; 679 Z. 36 ff.; 683 Z. 28 ff.; 686 Z. 36 ff.; 691 Z. 24 f.; 694 Z. 36 f.; 706 Z. 344 ff.; 
1377 Z. 33 ff.; 1380 Z. 33; 1697 Z. 7 ff.; 1703 Z. 14 ff.). Als der Geschädigte 
H.________ im Anschluss schlichtend eingreifen wollte, indem er den Beschuldig-
ten und seinen Begleiter anwies, sich zu entfernen, kam es zu einer tätlichen Aus-
einandersetzung zwischen dem Geschädigten und dem Beschuldigten, welche dar-
in endete, dass der Geschädigte eine kleine Stichwunde von ca. 0,5 cm Länge und 
ca. 0,2 cm Tiefe mit glatten Wundrändern an seinem rechten Oberbauch, ca. 4 cm 
unterhalb des rechten Rippenbogens davontrug, welche im Spital mit einer Einzel-
knopfnaht und einer Tetanusimpfung versorgt werden musste (pag. 811) und fol-
genlos verheilte. 

Der Beschuldigte konnte kurz daraufhin von der Polizei angehalten werden, ver-
weigerte aber in der Tatnacht seine Aussage (pag. 656 ff.). Das Tatmesser, wel-
ches ebenfalls noch in der Tatnacht beim .________ gefunden und in Zusammen-
hang mit dem Beschuldigten gebracht werden konnte (pag. 315), wurde vom Kri-
minaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Bern (KTD) auf DNA-Spuren überprüft. 
Gemäss dem Rapport Forensik vom 28. März 2022 (pag. 816 ff.) konnte ab dem 
Messer Griffhälfte Seite Griffende mit Asservat-Nr. 001.1 eine positive Blutvorprobe 
festgestellt und ein inkomplettes komplexes DNA-Mischprofil erstellt werden, des-
sen Hauptkomponente (12/16 Loci) an vergleichbaren Merkmalen dem Profil des 
Beschuldigten entspricht (pag. 817 und 836; Nebenkomponente nicht interpretier-
bar). Ab Klingenspitze konnte mit Asservat-Nr. 001.4 ebenfalls eine positive Blut-
vorprobe festgestellt und ein inkomplettes komplexes DNA-Mischprofil erstellt wer-
den. Es wurden mindestens drei Spurengeber ersichtlich. Die Hauptkomponente (8 
Loci) entsprach an den vergleichbaren Merkmalen dem Profil des Geschädigten. In 
der von mindestens 2 Personen stammenden Nebenkomponente sind Merkmale 
ersichtlich (an 13 Loci mindestens doppelbestimmt), die mit dem Profil des Be-
schuldigten übereinstimmen (pag. 818 und 837). Eine Auswertung des zusätzlich 
erhobenen DNA-Abriebs ab Messer Griffhälfte Seite Klinge (Asservat-Nr. 001.2) 
und jenes ab Messer Klingenhälfte Griffseite (Asservat-Nr. 001.3) erfolgte nicht 
(pag. 821). Der Beschuldigte räumte in seiner Schlusseinvernahme vom 27. April 
2022, als er erstmals Aussagen zum Vorfall zu machen bereit war, denn auch ein, 
dass es sich um sein Messer handelt und er es gegen den Geschädigten 
H.________ geführt habe (pag. 707 Z. 355 ff.).  

20

14.5.2. Bestrittener Sachverhalt

Nachdem der Beschuldigte anfänglich seine Aussage verweigert hatte 
(pag. 656 ff.) bestritt er anlässlich der staatsanwaltlichen Schlusseinvernahme, den 
Geschädigten H.________ vor dem entscheidenden Stich auch noch gegen die lin-
ke Schulter geschlagen zu haben (pag. 710 Z. 463 f.). Ebenfalls bestritt er, das 
Messer mit der Hand am Griff geführt zu haben. Stattdessen machte er geltend, mit 
der Hand die Klinge bewusst so abgedeckt zu haben, dass nur 2-3 cm der Klinge 
aus der Hand hervorgeragt seien (pag. 707 Z. 358 f.). Wenig später erklärte er, die 
Klinge habe 4-5 cm herausgeschaut (pag. 712 Z. 540 f.). Er habe zudem auch nicht 
mit Anlauf zugestochen (pag. 710 Z. 477 f.). Er habe auch bewusst gegen den 
Bauch, statt gegen den Hals oder die Brust gestochen (pag. 712 Z. 547 ff.). Diese 
Aussagen bestätigte der Beschuldigte sodann in der Einvernahme anlässlich der 
vorinstanzlichen Hauptverhandlung (pag. 1377 Z. 42). Auch oberinstanzlich bestritt 
der Beschuldigte weiterhin, das Messer mit der Hand am Griff geführt zu haben 
und brachte in teilweiser Übereinstimmung mit seinen früheren Aussagen vor, es 
hätten nur 2-3 cm der Messerklinge aus seiner Hand hervorgeschaut. Im Gegen-
satz zur vorinstanzlichen Demonstration, wie er das Messer im Moment des Zuste-
chens in der Hand gehalten haben soll [Klinge zwischen Daumenballen und Fin-
gern eingeklemmt, Messerrücken in der Faust liegend und Klinge nicht umschlos-
sen, pag. 1377 Z. 22 ff. und 1450] sagte er nun oberinstanzlich aus, er habe die 
Klinge mit der Faust umschlossen, wobei die Finger und der Daumen die scharfe 
Messerklinge ganz umfasst hätten und die stumpfe Messerseite die Handinnen-
fläche berührt habe (pag. 1704 ff. Z. 4 ff.). Dies zeigte er den Anwesenden an der 
Berufungsverhandlung anhand einer nachgebauten Messerattrappe aus Karton 
denn auch genau so wiederholt vor (vgl. pag. 1703 Z. 43 ff.; 1704 Z. 4-29). Selbst 
auf kritische Nachfrage der Kammer betreffend das offensichtliche Verletzungspo-
tential dieser Art der Messerführung beharrte er darauf, die Klinge mit der Faust 
wie vorgezeigt umschlossen zu haben: «Ich weiss doch nicht mehr, wie ich es da-
mals [in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung] gezeigt habe. Ich habe es einfach 
so gehalten, dass 2-3 cm der Klinge herausgeschaut haben. Ob der Daumen oben 
oder unten war, weiss ich nicht mehr. Ich war in diesem Moment besoffen und ha-
be nicht gemerkt, ob mir die Klinge wehtut oder nicht. Ich hatte nur im Kopf, dass 
ich nur 2-3 cm rausschauen lassen darf. Ich kann Ihnen nicht mehr genau sagen, 
auf welche der beiden Arten ich die Klinge in der Hand gehalten habe. […] Ich habe 
es einfach zugehalten. Ich kann es Ihnen nochmals vorzeigen. Ich kann auf die 
Klinge drücken und es passiert nichts. Es ist möglich, dass man sich nicht verletzt. 
Ich habe es ja auch nicht mit voller Wucht geführt und habe auch nicht extrem in 
die Klinge gedrückt. Ich habe die Hand einfach zugehalten» (pag. 1704 Z. 21 ff.). 
Weiter machte er im Unterschied zur staatsanwaltschaftlichen Einvernahme auch 
nicht mehr geltend, den Geschädigten bewusst in den Bauch gestochen zu haben. 
Vielmehr gab er auf Frage, ob er ihn gegen die Brust gestochen habe, an: «Ja, ich 
glaube, dass ich ihn im Brustbereich getroffen habe» (pag. 1707 Z. 41 ff.). 

14.5.3. Objektive Beweismittel

Dem vorerwähnten forensischen DNA-Abgleich lässt sich in Bezug auf diese Fra-
gen nichts ableiten. Dort findet sich einzig die Bestätigung, dass der Beschuldigte 

21

mit einer sehr grossen Wahrscheinlichkeit mit dem Messer am Griffende sowie 
auch an der Klingenspitze in Berührung gekommen ist. Dies ist auch nicht weiter 
erstaunlich, da es sich unbestrittenermassen um sein Messer handelt, welches er 
in der Tatnacht auch auf Mann führte. Ebenfalls finden sich an der Klingenspitze 
DNA-Hinweise auf den Geschädigten, was mit der erlittenen Wunde im Einklang 
steht. Über den weiteren genauen Tathergang, insbesondere über die Art, wie der 
Beschuldigte das Messer geführt resp. gehalten hat, lässt sich diesen Spuren 
nichts entnehmen.

14.5.4. Stimmung und Tatablauf

Gemäss den übereinstimmenden Angaben der übrigen Beteiligten ist davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte in einer aggressiven und enthemmten Stimmung 
war. Der Geschädigte H.________ sagte noch in der Tatnacht aus, er habe zum 
Beschuldigten gesagt, dass er seinen Kollegen nehmen und weggehen solle, das 
wäre besser für sie. Diese Aussage habe bei ihnen [dem Beschuldigten und sei-
nem Begleiter] das Energielevel von 1 auf 10 erhöht. Der dickere Typ habe sich vor 
ihm aufgebaut und gefragt «weisst du, wer ich bin.» Er habe ihm gesagt, dass ihn 
das nicht interessiere. Beide Typen hätten daraufhin einen Gegenstand hervorge-
nommen, von wo könne er nicht genau sagen. Er habe nur deren Bewegung gese-
hen und instinktiv an einen Schlagstock gedacht. Der dickere Typ habe ihn mit dem 
Oberarm von oben nach unten auf seine linke Schulter geschlagen und dabei den 
Gegenstand in der Hand gehalten. Daraufhin habe er ihm einen Kick mit dem Bein 
auf die Brust gegeben. Nach dem Kick sei er [der Beschuldigte] zwei bis drei Meter 
nach hinten gegangen, habe Anlauf genommen und sei auf ihn zugekommen 
(pag. 644 Z. 52 ff.). Auch AB.________ bestätigte, dass der Beschuldigte runter 
kam und Streit mit AC.________ gesucht habe und der Geschädigte H.________ 
vergeblich habe schlichten wollen (pag. 675 Z. 36 ff.). Dies sagte auch 
AD.________ aus: «A.________ kam dann zu uns und suchte Stress, wie er es 
immer macht. AC.________ ging auf Distanz. H.________ ging dann auf 
A.________ zu und sagte ihm, dass er weggehen solle und wir keinen Stress wol-
len. Daraufhin reagierte AA.________ stressmildernd und sagte, zu A.________, 
dass sie doch weggehen sollen und es unnötig sei, Stress zu machen. H.________ 
sagte wieder, dass sie weggehen sollten» (pag. 683 Z. 30 ff.). AC.________ sagte 
aus, der Breitere sei etwas aggressiv gewesen, der Kleinere weniger aggressiv. Sie 
hätten nicht zugehört und gesagt «was sollen wir uns beruhigen?» und seien im-
mer aggressiver geworden (pag. 691 Z. 25 ff. und Z. 35). Vor der Staatsanwältin 
sagte er aus, sie seien auf einmal so aggressiv auf sie zugekommen (pag. 694 Z. 
36). Zuletzt bestätigte und konkretisierte der Geschädigte H.________ seine Schil-
derung über den Gemütszustand des Beschuldigten auch im oberinstanzlichen 
Verfahren. Der Beschuldigte sei nach seiner Aussage, wonach er weggehen solle, 
sehr emotional geworden. Er sei plötzlich von 1 auf 10 oben gewesen. Er habe re-
agiert, als hätte er ihm etwas Schlimmes angetan. Er sei durchgedreht und es sei 
eskaliert (pag. 1699 Z. 18 ff.). Er sei halt einfach aggressiv gewesen (pag. 1699 Z. 
14). Dazu passt auch die Art und Weise, wie es dann offenbar weiterging. Nach 
den übereinstimmenden Angaben der Anwesenden habe AA.________ aus dem 
Gürtel des Beschuldigten einen Gegenstand gezogen und damit ohne konkrete 
Stichbewegungen herumgefuchtelt. Daraufhin habe der Beschuldigte AA.________ 

22

den Gegenstand weggenommen, sei dann auf den Geschädigten losgegangen und 
habe diesen mit dem Gegenstand in der Hand gegen seine linke Schulter geschla-
gen (pag. 645 Z. 58 ff.; 669 Z. 77 ff.; 675 Z. 39 ff.; 679 Z. 43 ff.; 683 Z. 34 ff.; 686 Z. 
43 ff.; 1697 Z. 11). Dass es AA.________ war, welcher den Gegenstand (das Mes-
ser) aus dem Gurt des Beschuldigten gezogen hatte, bestätigte auch der Beschul-
digte selber. Er [der Beschuldigte] habe ihm dann das Messer wieder weggenom-
men (pag. 708 Z. 410 ff.). 

Die Kammer geht mit den übereinstimmenden Aussagen der Anwesenden davon 
aus, dass der Beschuldigte dem Geschädigten mit dem Messer in der Hand gegen 
seine linke Schulter geschlagen hatte, dies jedoch, ohne ihn mit dem Messer zu 
verletzen. Es ist nicht ersichtlich, aus welchem Grund der Geschädigte oder einer 
der Umstehenden dem Beschuldigten diesen Schlag wahrheitswidrig hätten an-
hängen sollen, zumal auch niemand geltend machte, der Beschuldigte habe dabei 
versucht, mit dem Messer zuzustechen. 

Dass es in der Anklageschrift noch zu einer Sachverhaltsvariante kam, gemäss 
welcher der erste Schlag durch den Beschuldigten noch vor Behändigung des 
Messers erfolgt sein soll, geht auf Aussagen von AB.________ und AD.________ 
zurück. AB.________ hatte anlässlich der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 26. 
April 2022, mithin zwei Monate nach dem Vorfall, ausgesagt, dass der Beschuldigte 
dem Geschädigten zuerst auf die Schulter geschlagen und erst dann bei 
AA.________ den «knüppelähnlichen» Gegenstand aus der Hand genommen und 
gegen den Geschädigten gestochen habe (pag. 679 Z. 46 ff.). Als ihm die Staats-
anwältin daraufhin seine eigenen Aussagen der Tatnacht (Behändigung Gegen-
stand aus der Hülle, Hinlaufen zum Geschädigten H.________, dieser wollte ihn 
wegstossen, daraufhin Ausholen mit Messer gegen den Geschädigten 
H.________) vorhielt, bestätigte er diese (pag. 680 Z. 56 ff.). Es muss sich somit 
um eine spätere Verwechslung seinerseits gehandelt haben. Auch AD.________ 
hat anlässlich seiner Aussage vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass der Be-
schuldigte noch kein Messer in der Hand gehabt habe, als er mit der Faust gegen 
den Geschädigten H.________ geschlagen habe. Er habe dieses erst nachher von 
AA.________ behändigt, sei auf den Geschädigten H.________ zugerannt und ha-
be ihm diesen Stich mit dem Messer versetzt (pag. 687 Z. 64 ff.). Damit wider-
sprach aber auch er seiner eigenen Erstaussage in der Tatnacht, wonach der Be-
schuldigte AA.________ das Messer weggenommen hatte und auf den Geschädig-
ten H.________ zugerannt war. Dieser habe ihn mit dem Fuss auf Abstand gehal-
ten, woraufhin der Beschuldigte ausgeholt und unterhalb der Brust gestochen habe 
(pag. 683 Z. 37 ff.). Alle anderen bestätigten die erste Version (erster Faustschlag 
nach Behändigen des Messers). Für die Kammer ist nach dem Gesagten die Rei-
henfolge erstellt, dass AA.________ das Messer in seiner Hülle aus dem Gürtel 
des Beschuldigten zog, damit herumfuchtelte, der Beschuldigte es ihm weg- und 
aus der Hülle nahm, mit der Faust, in welcher er das Messer hielt, gegen die linke 
Schulter des Geschädigten schlug, von diesem einen Pushkick kassierte und da-
nach mit dem Messer in der Faust gegen den Bauch des Geschädigten stach. In 
Ergänzung zur Anklageschrift erachtet die Kammer zudem als erstellt, dass der 
Geschädigte H.________ den Beschuldigten nach dem Stich in den Bauch noch 
mit den Händen wegstiess. Der Geschädigte H.________ gab durch das gesamte 

23

Verfahren hindurch an, er habe den Beschuldigten beim ersten Schlag gegen die 
Schulter einen Pushkick gegeben und beim zweiten Mal habe er ihn mit den Hän-
den «weggemüpft» bzw. weggestossen (pag. 645 Z. 67; 650 Z. 72; 1697 Z. 16 f.). 

14.5.5. Insbesondere zur Art der Messerführung

Es stellt sich weiter die Frage, ob der Beschuldigte, wie er geltend machte, das 
Messer nicht am Griff, sondern an der Klinge vorne, mit der Spitze gegen den Ge-
schädigten gerichtet hielt, es damit von einer Klingenlänge von 14,5 cm auf ledig-
lich 3-5 cm verkürzte und so statt eines Messerstichs eher einen Faustschlag mit 
kurzem, spitzem Gegenstand vollzog. Dabei sind im Nachfolgenden beide vom Be-
schuldigten vorgebrachten Versionen [vorinstanzlich: Messerklinge zwischen Dau-
menballen/Daumen und Fingern eingeklemmt; oberinstanzlich: Messerklinge mit 
der ganzen Faust umschlossen] zu prüfen.

Zunächst ist der Verteidigung zuzustimmen, dass aus der anfänglichen Aussage-
verweigerung nichts zu Lasten des Beschuldigten abgeleitet werden darf; der Be-
schuldigte hat ein Aussageverweigerungsrecht. So war es sein gutes Recht, erst 
anlässlich der Schlusseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft erstmals darzule-
gen, wie er die Klinge geführt haben will (pag. 1715). Anzulasten hat er sich aber 
die Widersprüche und Abweichungen der oberinstanzlich vorgebrachten Version 
von dieser früheren Darstellung (pag. 1377 Z. 22 ff.; 1450; 1704 Z. 1 ff.). 

Neben dem Umstand, dass der Beschuldigte selber somit höchst widersprüchliche 
Angaben zum Führen des Messers machte (vgl. Ziff. 14.5.2. hiervor), spricht gegen 
beide von ihm vorgebrachten Versionen sodann Folgendes:

Zum einen sagten alle Beteiligten aus, der Beschuldigte habe mit voller Kraft, mit 
Schwung und Anlauf gegen den Geschädigten gestochen/geschlagen, nachdem er 
auf diesen zugerannt sei (pag. 650 Z. 70; 671 Z. 130 f.; 675 Z. 43 f.; 675 Z. 51 ff.; 
680 Z. 67 f.; 683 Z. 50 f.; 686 Z. 46; 687 Z. 66 f.; 687 Z. 74; 691 Z. 30 f.; 695 
Z. 61 f.). Dabei soll der Beschuldigte – durch den Pushkick des Geschädigten ge-
gen die Brust 1-2 oder 2-3 m zurückgeworfen – mit Anlauf wieder auf den Geschä-
digten zugekommen sein. Es war somit geballte Energie und auch einiges an 
Wucht mit im Spiel. Dafür spricht sodann auch der Umstand, dass diese Aktion 
gemäss dem Zeugen AC.________ zu einem akustisch hörbaren Schlag führte 
(pag. 695 Z. 56 f. und Z. 79). Dass der Beschuldigte hier noch die Kontrolle über 
das Messer und die Art des Zustechens gehabt haben soll, ist bereits schon nur 
aufgrund der raschen, dynamischen Abläufe zwischen Zurückwerfen und erneutem 
Anlaufholen höchst unwahrscheinlich. 

Zum anderen war der Beschuldigte in diesem Zeitpunkt wie bereits einleitend auf-
gezeigt, aggressiv und enthemmt. Er fühlte sich provoziert und von den Anwesen-
den, insbesondere vom ältesten männlichen Mitglied der angetroffenen Gruppe, 
nicht respektiert, weil dieser ihn dazu aufgefordert hatte wegzugehen und offenbar 
nicht wusste, wer er war (pag. 644 Z. 52 ff.; der Beschuldigte nannte sich selber zu 
dieser Zeit «.________», was auch der Polizei bekannt war [pag. 315] und auch im 
Zusammenhang mit anderen Deliktvorwürfen bereits zu Problemen geführt hatte 
[pag. 276; Anklagepunkt Raub z.N. von I.________; vgl. auch dessen Aussage 
pag. 583 Z. 152 f.: «Auch sagte er noch zu mir, dass ich nicht glauben sollte, dass 

24

AG.________ mir gehören würde. AG.________ würde ihm gehören»]). Wie er 
sich in ähnlichen, bereits mehrfach erlebten Situationen auch gegenüber grossen 
Gruppen und der Polizei jeweils verhielt – nämlich komplett ausser sich, respektlos, 
aggressiv, enthemmt, aufbrausend und unkontrollierbar – ist in den Akten umfas-
send dokumentiert (vgl. bspw. Berichtsrapport vom 27. September 2018: «Dabei 
benahm sich Herr A.________ sehr aufmüpfig und frech. […] Als die Effekten von 
Herrn A.________ kontrolliert werden sollten, rastete er beinahe aus», pag. 900; 
oder Anzeigerapport vom 3. März 2019: «verhielt er sich aufmüpfig und frech». Auf 
Fragen nach mitgeführten Waffen teilte er mit, er habe eine «Kalaschnikow» dabei. 
«Als Schreibender dem Beschuldigten erklärte, dass er ihn nun durchsuchen wer-
de, gab Herr A.________ in lauter, frecher und aggressiver Tonart an: ‘Mach doch! 
Lueg!’ Weiter teilte er uns mit, dass er die Polizei hasse und er keinen Respekt vor 
uns habe. Er mache sowieso, was er wolle», pag. 915 f.; oder Nachtrag vom 
25. Juli 2019: «Als wir nach Eingang der Meldung beim Gleiswerk eintrafen, be-
zeichneten mehrere Personen A.________ als Aggressor. Diverse Personen 
machten geltend, dass sie von Herrn A.________ tätlich angegangen worden sind. 
Herr A.________ wurde zur Kontrolle angehalten. Im Gespräch mit der Polizei 
wurde Herr A.________ emotional aufbrausend. […] Auf der Polizeiwache beruhig-
te sich Herr A.________ zusehends», pag. 933; weiter Berichtsrapport vom 24. Ju-
ni 2020: «Eine anschliessende Personenkontrolle konnte nur unter sehr erschwer-
ten Bedingungen erfolgen. Herr A.________ wurde zunehmend ausfälliger und 
suchte die direkte Konfrontation mit der Polizei. Er zeigte dasselbe Verhalten, wie 
kurz zuvor bei den anderen Gruppen am Bahnhof. Schlussendlich lief er aus der 
Kontrolle weg. […] Herr A.________ beschäftigt die Behörden in AG.________ seit 
geraumer Zeit und er sieht nicht ein, dass sein Verhalten fehl am Platz ist. Er sieht 
sich überall in der Opferrolle, er werde dauernd von irgendwelchen Leuten provo-
ziert. Nachher könne er nicht anders, als sich zur Wehr zu setzen», pag. 936). 

Hinzu kommt, dass der Beschuldigte gemäss den Aussagen der Beteiligten offen-
bar nicht unerheblich alkoholisiert war (pag. 663 Z. 41 f.; 669 Z. 73 f.). So sagten 
die Beteiligten auch aus, der Begleiter des Beschuldigten, AA.________, habe zu 
ihnen gesagt, sie sollten seinen Kollegen [den Beschuldigten] ignorieren, er sei be-
soffen (pag. 644 Z. 51 ff.; 650 Z. 56). Er selber gab an, dass er im Verlaufe des 
Abends zwei Flaschen Wodka getrunken habe. Er sei betrunken gewesen. Er habe 
getrunken und sei dadurch besoffen geworden, so wie es halt sei (pag. 711 Z. 515 
ff.). Dies bestätigte er auch anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung 
(pag. 1704 Z. 23). AE.________ gab an, die Alkoholisierung des Beschuldigten ha-
be sich an der trägen Sprache gezeigt, aber auch an «unstabilen» Schritten. Zu-
dem hätten sie von der anderen Gruppe, die vorher eine Konfrontation mit dem Be-
schuldigten gehabt habe, gehört, dass er alkoholisiert gewesen sei (pag. 671 Z. 
144 ff.). Gemäss IRM-Gutachten vom 16. Februar 2022 betrug die rückgerechnete 
BAK mind. 0,56 ‰ und max. 1,46 ‰ (pag. 807). 

Dass der Beschuldigte in dieser Situation, noch dazu innerhalb von Sekunden, 
während einer angeheizten, dynamischen Eskalation (der Beschuldigte war 
gemäss dem Geschädigten nach einer Äusserung auf einem Energielevel von 10 
oben, pag. 644 Z. 53 f. und 1699 Z. 18) genug klar hätte denken können, als dass 
er das hervorgeholte, doch eher massive Messer zuerst sorgfältig in der rechten 

25

Hand zwischen Daumenballen/Daumen und Fingern so positioniert hätte, dass es 
nur gerade ein paar Zentimeter aus der Hand geschaut hätte, und dann mit voller 
Kraft – so, dass es akustisch hörbar war – auf den Beschuldigten eingeschlagen 
hätte, ohne sich dabei an der rechten Hand, namentlich an den Fingern, zu verlet-
zen, ist geradezu lebensfremd. Die Hand wäre ja in dieser Version nicht zur Faust 
geballt gewesen, sondern mindestens der Daumen wäre gestreckt und der Zeige-
finger in ungünstiger Position entweder gestreckt oder leicht gekrümmt mit voller 
Wucht auf den Körper des Geschädigten H.________ geprallt, ansonsten es ja 
keinen Knall gegeben hätte. 

Insbesondere mit Blick auf die fehlende Selbstverletzung beim Beschuldigten an 
seiner rechten Hand (pag. 803) erscheint sodann die oberinstanzliche Version des 
Beschuldigten als genauso lebensfremd. Hätte der Beschuldigte die Klinge des 
Messers beim zweiten Schlag bzw. beim Zustechen gegen den Geschädigten 
H.________ tatsächlich mit der Faust ganz umschlossen gehabt, hätte es nach 
Ansicht der Kammer – welcher das besagte Messer auch zur unmittelbaren Inspek-
tion vorlag und die sich von dessen Grösse und Schärfe ein eigenes Bild machen 
konnte (mit halb so grosser Darstellung trügerisch klein auf pag. 831; grösser, aber 
immer noch nicht Originalgrösse auf pag. 118; zur Erinnerung: Gesamtlänge: 
28 cm und damit fast so lang wie ein DIN-A4-Blatt, Klingenlänge: 14,5 cm; pag. 
817) – aufgrund des erstellten wuchtigen und schwungvollen Vorgehens zwingend 
zu einer Selbstverletzung an der Innenseite der Finger kommen müssen. An dieser 
Stelle ist hervorzuheben, dass selbst die Verteidigung ausdrücklich erwähnte, nicht 
davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Klinge mit der Faust umschlossen 
hielt, sondern vorbrachte, es sei davon auszugehen, er habe beim Zustechen dar-
auf geachtet, sich nicht selbst zu verletzen (pag. 1712). 

Zu guter Letzt spricht deutlich gegen beide vom Beschuldigten vorgebrachten Ver-
sionen, dass es beim geradlinigen und kraftvollen Führen des Messers gegen den 
Oberkörper des Geschädigten H.________ mit knallartigem Aufprall – unabhängig 
davon, ob die Messerspitze von angeblich 2-3 cm aus der geschlossenen Faust 
oder zwischen Daumenballen/Daumen und Fingern hervorschaute – bei diesem 
auch tatsächlich zu einer mindestens 2-3 cm oder wahlweise sogar 4-5 cm tiefen 
Wunde hätte kommen müssen, was aber nicht der Fall war (Eindringen 0.2 mm; 
pag. 811). 

Nach dem Gesagten ist somit davon auszugehen, dass der Beschuldigte das Mes-
ser unkontrolliert behändigte, es – wie es gerade zu liegen kam – am Griff packte 
und mit Schwung gegen den Beschuldigten führte. Dass er dabei «extra geschaut» 
haben soll, «dass es nicht im Bereich des Herzens oder der Lunge ist. Halt zum 
Einschüchtern» (pag. 707 Z. 361 f.), ist höchst unwahrscheinlich und auch auf-
grund der in sich widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten als Schutzbe-
hauptung anzusehen. Im alkoholisierten, enthemmten und aggressiven Zustand, in 
welchem der Beschuldigte war, dürfte eine kaltblütige Planung über die Positionie-
rung des Stiches/Schlags kaum möglich gewesen sein. Somit besteht für die 
Kammer kein Zweifel daran, dass es sich bei beiden Versionen, um reine Schutz-
behauptungen handelte, welche er sich nach anwaltlicher Beratung zugeschnitten 
auf den Ermittlungsstand und die gegen ihn vorliegenden Beweise zurechtgelegt 

26

hatte. 

14.5.6. Argument der Bedrohungslage

Auch dass der Beschuldigte vor der Gruppe Angst gehabt und sich bedroht gefühlt 
haben soll (pag. 707 Z. 365 ff.; 708 Z. 416 f.), nimmt ihm die Kammer nicht ab. 

Er war gemäss den Aussagen der übrigen Beteiligten offensichtlich auf Krawall ge-
bürstet und «suchte Stress» (pag. 669 Z. 68 ff.; 675 Z. 36; 683 Z. 30; 686 Z. 38; 
691 Z. 25 ff.; 694 Z. 36), wohingegen der Geschädigte H.________ versuchte, de-
eskalierend auf die Situation einzuwirken, und sich erst nach dessen erstem Schul-
terschlag körperlich zur Wehr setzte (pag. 644 f. Z. 50 und Z. 59 ff.; 1380 Z. 33 ff.; 
1697 Z. 9 f.). Als der Beschuldigte vom Geschädigten nach dem Schlag gegen 
dessen Schulter einen Pushkick mit dem Bein kassierte und zurücktaumelte, wollte 
er mit dem Messerangriff nichts anderes, als unmittelbare Dominanz markieren und 
die Hackordnung wiederherstellen. Ihm brannten offensichtlich die Sicherungen 
durch. So konnte er selber denn auch nicht erklären, weshalb er nicht einfach weg-
gegangen ist, wenn er sich doch bedroht gefühlt und Angst gehabt haben will 
(pag. 708 Z. 419 f.). Geradezu sinnbildlich dafür, dass die Gefahr entgegen der 
Behauptung des Beschuldigten nicht vom Geschädigten H.________ und seiner 
Gruppe ausging, sondern vielmehr der Beschuldigte Angst und Schrecken verbrei-
tete, erscheint der Umstand, dass eine Mehrzahl der Beteiligten u.a. auch die Cou-
sins des Geschädigten H.________ vor der Situation wegrannten (pag. 1697 Z. 
14 ff. und 36 ff.). 

Auch, dass Personen der Gruppe rund um den Geschädigten H.________ 
während der Auseinandersetzung Glasflaschen in Händen gehalten haben sollen, 
wie dies der Beschuldigte unter Berufung auf eine gleichzeitig aggressive Stim-
mung geltend macht (pag. 709 Z. 430; 1703 Z. 26 f.), wird von keiner der übrigen 
beteiligten Personen bestätigt. Der Geschädigte H.________ führte hingegen be-
reits in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme aus, dass sie aus Plastikbechern 
getrunken hätten (pag. 654 Z. 211), was er zuletzt auch oberinstanzlich nochmals 
bestätigte. So führte er aus, sie hätten Pappbecher in der Hand gehabt und daraus 
getrunken. Die mitgebrachten Glasflaschen hätten 3-4 m entfernt in einer Tasche 
gelegen (pag. 1699 Z. 25 ff.). Dass der Geschädigte und seine Freunde Glasfla-
schen in den Händen gehalten haben und damit bedrohlich gewirkt haben sollen, 
lässt sich gestützt auf die Aktenlage somit nicht erstellen und ist ebenfalls als 
Schutzbehauptung anzusehen. 

Gegen die vom Beschuldigten behauptete Angst spricht sodann auch der Umstand, 
dass der erste Schlag erwiesenermassen von ihm selber ausgegangen ist, und 
dies trotz der deutlichen Überzahl der Gruppe des Geschädigten. So führte er aus 
«Nein, auf mich ist niemand los. Aber sie waren zu 6 oder 7 und ich war nur mit ei-
nem Kollegen unterwegs» (pag. 1705 Z. 12 ff.). Der Geschädigte H.________ hielt 
auf Frage, ob er sich vorstellen könne, dass der Beschuldigte Angst gehabt habe, 
anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung treffend fest «Wenn ich Angst hätte, 
würde ich weggehen» (pag. 1699 Z. 38 ff.). Jedenfalls nicht entlastend wirkt sich 
zudem aus, dass der Beschuldigte gemäss den vorerwähnten zahlreichen akten-
kundigen Vorfällen regelmässig gegen andere, auch grössere Gruppen und sogar 

27

geschulte Polizisten pöbelte, ohne dabei die geringsten Anzeichen von Angst oder 
Einschüchterung zu zeigen. 

Bei der geltend gemachten Bedrohungslage handelt es sich nach dem Gesagten 
offensichtlich um eine reine Schutzbehauptung. 

14.5.7. Verletzungsbild beim Geschädigten 

Die Verteidigung machte geltend, bei einem Messerstich gemäss Anklage hätte es 
bei einer derart langen Klinge zu einer weitaus schlimmeren Verletzung beim Ge-
schädigten kommen müssen. Somit bleibt zu prüfen, ob und wie es in Anbetracht 
der vorgeworfenen Tatausführung zu der lediglich geringfügigen Verletzung des 
Geschädigten H.________ kommen konnte.

Wie bereits erwähnt, berichteten beistehende Zeugen von einem Schlag gegen den 
Geschädigten, welcher akustisch gut hörbar gewesen sei. AC.________ gab an, 
den Schlag gehört und gesehen zu haben und sprach gar von einem Peitschen-
schlag, es habe so «pam» gemacht (pag. 695 Z. 56 f. und Z. 79). Auch der Ge-
schädigte selbst nahm die Einwirkung auf seinen Torso als (Faust-)Schlag wahr 
(pag. 645 Z. 66 f.; 650 Z. 71; 1380 Z. 41). Die Vorinstanz sah darin mit der Vertei-
digung den wesentlichen Beweis für die Version des Beschuldigten, nämlich, dass 
das Geräusch nur dadurch habe entstehen können, dass die Faust mit voller Kraft 
gegen den Geschädigten gekracht sei, was mit einer lang herausragenden Klinge 
nicht zu vereinbaren gewesen wäre, ohne dass der Geschädigte eine massive 
Stichwunde erlitten hätte. Dieser Auffassung kann die Kammer nur insofern folgen, 
als die Wucht der Stech-Schlag-Bewegung letztendlich im akustisch hörbaren Auf-
prall der Faust auf dem Torso des Geschädigten gemündet haben muss. Nicht tei-
len kann die Kammer demgegenüber die Einschätzung, dieser Aufprall der Faust 
sei bei voller Klingenlänge mit der entstandenen geringfügigen Verletzung unver-
einbar. Es handelte sich eben gerade nicht um ein statisches, sondern um ein dy-
namisches Geschehen. Der Beschuldigte führte das Messer unbestrittenermassen 
in seiner rechten Hand. Nachdem er zuerst gegen die linke Schulter des Geschä-
digten geschlagen hatte, stach er nunmehr mit der gleichen Hand in Richtung rech-
te Seite des Torsos des Geschädigten, somit nicht mehr frontal, sondern (aus sei-
ner Perspektive) leicht gegen links geführt: AE.________ sagte aus, er habe gese-
hen, wie der Beschuldigte in der rechten Hand das Messer gehalten habe und die-
ses [zuerst] schräg auf die Schulter des Geschädigten geschlagen habe. Dabei sei 
die Klinge des Messers flach gewesen, also nicht gegen den Körper des Geschä-
digten gerichtet. Es sei wie ein Faustschlag mit dem Messer in der Hand gewesen. 
Das Messer habe beim Daumen herausgeragt (pag. 670 Z. 110 ff.). Der Geschä-
digte habe den Beschuldigten sodann weggekickt. Der Beschuldigte habe ausge-
holt. Die Position des Messers sei ähnlich gewesen, wie beim ersten Mal, nur, dass 
es ihn beim zweiten Mal «verwütscht» habe. Die Klinge sei beim zweiten Mal wohl 
etwas schräger gewesen, so dass sie eben den Körper des Geschädigten getroffen 
habe (pag. 670 Z. 124 ff.). AB.________ erklärte, er habe so wie geradeaus gesto-
chen, so diagonal (pag. 679 Z. 50).  

Daraus erhellt einerseits, dass der Beschuldigte kaum Zeit gehabt haben wird, 
nach dem ersten Schlag mit dem Messer in der Hand noch irgendwie aufwendig 

28

und überlegt die Position dieses Messers in seiner Hand zu ändern. Andererseits 
ergibt sich daraus auch, dass es ohne Weiteres erneut zum (akustisch hörbaren) 
«Schlag» gegen den Geschädigten gekommen sein kann, nur diesmal mit einer 
nicht ganz so flachen Klinge, was sodann (glücklicherweise nur) zur kleinen Verlet-
zung unter dem Rippenbogen führte. Der Beschuldigte stiess wie oben bereits 
ausgeführt mit voller Wucht zu. Es ist höchst wahrscheinlich und auch realistisch, 
dass er dabei mit der geschlossenen Faust den Griff des Messers umklammernd 
unkontrolliert in Richtung des Geschädigten stach und auf Grund der Gesamtdy-
namik (sei es durch eigenen Kontrollverlust, sei es durch leichtes Abdrehen resp. 
Zurückweichen des Geschädigten) «nur» mit der Faust gegen die Rippen des Be-
schuldigten schlug, wobei die Klinge einen Winkel aufwies, welchen es erlaubte, 
dass die gegen rechts hochgebogene Messerspitze oberflächlich in den Bauchbe-
reich des Beschuldigten eindrang. Für diese Version spricht übrigens auch die 
Form der Wundverletzung: der (vom Geschädigten aus gesehen) rechte Wundwin-
kel imponiert spitz, der linke Wundwinkel imponiert stumpf (pag. 811 und Foto auf 
pag. 828). Wenn der Beschuldigte das Messer in der rechten Faust umschlossen 
am Griff in einer herkömmlichen Position mit der scharfen Seite der Klinge Rich-
tung Daumenballen hielt und mit der Faust daraufhin mit dem Handrücken gegen 
oben gegen den Beschuldigten stiess, so ragte das Messer unter dem Daumen 
links-diagonal gegen den Körper des Geschädigten hervor, mit der stumpfen Klin-
genspitzenkante gegen rechts und der scharfen Klingenspitzenkante gegen links. 
Es sei daran erinnert, dass die Klingenspitze des konkret zur Diskussion stehenden 
Messers an ihrer flachen Kante auch noch gegen oben gebogen ist (pag. 118), was 
bei einer diagonal ausgeführten Schlag-Stichbewegung ein Eindringen mit der 
Spitze in den Körper noch begünstigt. Hinzukommend ist nicht auszuschliessen, 
dass der Geschädigte H.________, als der Beschuldigte ein zweites Mal auf ihn 
losging, instinktiv zurückwich und er damit unbewusst zur Verhinderung einer 
schlimmeren Verletzung beitrug. Auch wenn der Geschädigte selbst ausführte, er 
sei in diesem Moment wie erstarrt gewesen (pag. 650 Z. 68; 1700 Z. 5), erachtet 
das Gericht eine instinktive körperliche Reaktion auf einen auf sich zustürmenden 
Gegner als rein körperlichen Reflex geradezu als notorisch. 

14.5.8. Erkennbarkeit des Messers  

Schliesslich ist mit der Vorinstanz und der Verteidigung festzuhalten, dass wohl 
nicht alle Beteiligten während des Vorfalls selber eindeutig ein Messer erkennen 
konnten, selbst wenn sie dies teilweise nachträglich so ausführten. So hatte insbe-
sondere der Geschädigte selber konstant angegeben, lediglich einen Gegenstand 
wahrgenommen zu haben, welcher ihn instinktiv an einen Schlagstock habe den-
ken lassen (pag. 645 Z. 58 ff.; 1381 Z. 3 f.; 1698 Z. 32 f.). Er habe ihnen [dem Be-
schuldigten und AA.________] ins Gesicht geschaut und nicht auf die Gegenstän-
de der beiden geachtet (pag. 645 Z. 75 ff.). Er habe ihm [dem Beschuldigten] nur 
noch in die Augen geschaut (pag. 650 Z. 65). Sein Fokus habe auf dem Beschul-
digten gelegen (pag. 1698 Z. 39). Er habe aus den Augenwinkeln gesehen, dass er 
irgendetwas in der Hand gehalten habe (pag. 650 Z. 68 f.; 1698 Z. 37 f.). Er habe 
etwas Dunkles gesehen und gedacht, dass er einen Schlagstock in der Hand ge-
halten habe (pag. 650 Z. 69 f.). Er habe nie ein Messer gesehen (pag. 645 Z. 80). 
Dass er selber in der Hitze des Gefechts das Messer nicht als solches wahrge-

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nommen hat, heisst jedoch noch nichts. Es war mitten in der Nacht und dunkel. 
Zudem war das Messer zuerst in einer schwarzen Hülle, welche im Dunkeln 
tatsächlich auch als Schlagstock oder Hülle davon wahrgenommen werden kann. 
Als der Beschuldigte das Messer dann aus der Hülle nahm (was sogar der Be-
schuldigte indirekt selber bestätigte; pag. 712 Z. 540 f.), kam zwar die Klinge zum 
Vorschein, diese ist aber ebenfalls mattschwarz und nicht etwa metallisch-
glänzend. Es erstaunt somit wenig, dass der Geschädigte sie im Dunkeln und aus 
den Augenwinkeln ebenfalls nicht als Klinge wahrnahm. Er sagte dazu aus, er habe 
gespürt, wie es ihn getroffen habe. Er sei selber voller Adrenalin gewesen. Er habe 
auch den Stich nicht als solchen wahrgenommen (pag. 651 Z. 104 f.). So habe er 
noch gedacht, dass er [der Beschuldigte] ihn geboxt hatte, aber es sei dann der 
Messerstich gewesen (pag. 1699 Z. 7 f.). 

Dass AB.________ tatsächlich erst nachträglich merkte, dass es sich beim Gegen-
stand um ein Messer gehandelt hatte, erscheint auch der Kammer aus seinen Aus-
sagen wahrscheinlich. So sprach er zwar davon, von Anfang an das Messer gese-
hen zu haben, erklärte aber anlässlich der zweiten Aussage, er habe gar nicht rea-
lisiert, dass es ein Messer gewesen sei, bis er am Pullover des Geschädigten Blut 
gesehen habe (pag. 679 Z. 51 ff.). Auch AD.________ (pag. 686 Z. 47 f.) und 
AC.________ (pag. 691 Z. 27 ff.) äusserten sich eher dahingehend, dass der Ge-
genstand sich für sie erst später als Messer entpuppt hatte. Anders war es aller-
dings beim Cousin des Geschädigten, AE.________. Dieser sagte aus, für ihn sei 
bereits beim Herausziehen aus dem Gürtel klar ersichtlich gewesen, dass es sich 
um ein Messer gehandelt habe (pag. 669 Z. 77 ff.). Der Geschädigte sagte aus, in 
dem Moment als sie (der Beschuldigte und sein Begleiter) weggerannt seien, seien 
seine Cousins und die anderen Leute, die mit ihnen gewesen seien, wieder zu ihm 
zurückgekommen. Sein Cousin habe zu ihm gesagt «H.________, hesch ds Mäs-
ser gseh?». Er habe gesagt, nein, er habe das Messer nicht gesehen. Er habe dar-
auf sein T-Shirt hochgezogen und den Pullover und habe die Wunde gesehen. Da 
habe er erst realisiert, dass er gestochen worden sei (pag. 650 Z. 78 ff.; 1698 
Z. 20 f.). Dies bestätigte er auch anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, 
indem er ausführte, er habe zuerst gedacht, [der Beschuldigte] habe ihm eine 
Faust gegeben. Als sein Cousin gefragt habe, ob er das Messer gesehen habe, 
habe er den Pullover hochgezogen und habe gesehen, dass er am Bluten sei 
(pag. 1380 Z. 41 ff.). Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung war sich 
der Beschuldigte zwar unsicher, welcher der beiden Cousins ihn nach dem Messer 
gefragt habe – was aufgrund der mittlerweile vergangenen Zeitdauer jedoch nicht 
weiter erstaunt – er bestätigte jedoch, dass er erst realisiert habe, dass es ein 
Messer gewesen sei, nachdem er von einem seiner Cousins darauf angesprochen 
worden sei (pag. 1698 Z. 10 ff. und Z. 20 f.). Es ist somit davon auszugehen, dass 
AE.________ bereits vorher selber gesehen hatte, dass es sich beim Gegenstand 
um ein Messer gehandelt hatte. Somit kann auf seine Aussagen abgestützt wer-
den, in welchen er auch detailliert und klar beschreiben konnte, wie der Beschuldig-
te dieses Messer gegen den Geschädigten in zwei Anläufen geführt hatte (pag. 669 
Z. 81 ff.; 670 Z. 107). 

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14.5.9. Fazit Tatablauf  

Letztendlich sprechen die Beweismittel und insb. die Zeugenaussagen bei einer 
Gesamtbetrachtung ein deutliches Bild. Der Beschuldigte verfällt angesichts seines 
entfesselten, enthemmten, alkoholisierten und aggressiven Zustands in Schutzbe-
hauptungen, wenn er geltend macht, unter dem Eindruck von Angst und Bedro-
hung «nur» eine wohldosierte und kontrollierte Stichbewegung mit einem kleinen 
Teil der Klinge gegen den Bauch des Geschädigten gemacht zu haben. Er ver-
strickt sich zudem, wie dargelegt, in massgebliche Widersprüche, versucht eigene 
Handlungen zu beschönigen, die Schuld auf andere abzuschieben und sich gar als 
Opfer der Situation darzustellen. Auf seine Aussagen kann infolgedessen nur inso-
weit abgestützt werden, als sie mit anderen Beweismitteln im Einklang stehen. 
Nach dem Gesagten ist insgesamt davon auszugehen, dass er das Messer am 
Griff gepackt und damit ein erstes Mal gegen die Schulter des Geschädigten ein-
geschlagen hatte, wobei das Messer flach lag und den Geschädigten nicht verletz-
te. Als dieser ihn daraufhin mit einem Pushkick weggestossen hatte, nahm er, in 
seinem Stolz verletzt und umso aggressiver, mit der gleichen Waffenposition in der 
Hand erneut Anlauf, stürzte auf den Geschädigten zu und führte die Waffe erneut – 
mit einem leicht anderen Winkel – mit voller Wucht gegen ihn, diesmal in Richtung 
rechte Bauchgegend, wo er mit der Faust aufprallte und mit dem Messer in die 
Haut eindrang, bevor er vom Beschuldigten abermals mit den Händen weggestos-
sen wurde. Die Annahme, dass er dabei irgendeine Art von Kontrolle über seinen 
Messerstoss gehabt hätte, ist lebensfremd. Es ist dem puren Zufall zu verdanken, 
dass der Angriff so glimpflich ausging und der Geschädigte keine schlimmere Ver-
letzung erlitt. 

14.5.10. Innere Vorgänge 

Was die inneren Vorstellungen des Beschuldigten betrifft kann gestützt auf die obi-
gen Feststellungen geschlossen werden, dass ihm im Moment wichtiger war, sich 
gewaltsam Respekt einzufordern, als irgendwelche Risiken abzuschätzen. Wenn er 
den Geschädigten auch nicht primär und direkt schwer verletzen wollte, so nahm er 
doch ohne Weiteres in Kauf, dass er ihm mit seinem unkontrollierten Vorgehen 
schwere Verletzungen hätte zufügen können. Insbesondere sagte er selber aus, 
dass er – zwar nur als Warnung – so doch aber immerhin mit der Absicht des Ste-
chens handelte («Daher wollte ich mit dem Messerstich ein Zeichen setzen, dass 
wir nun aufhören sollten», pag. 709 Z. 424 f.). Er wollte somit gemäss eigener Ein-
schätzung nicht etwa nur boxen, sondern dem Beschuldigten nach seiner Vorstel-
lung klarerweise einen Messerstich versetzen. Dass dieser wohldosiert und mit ei-
ner stark verkürzten Messerklinge ausgeführt worden sein soll, ist unglaubhaft und 
erscheint als reine Schutzbehauptung. 

Die Kammer erachtet somit den Tatbestand gemäss Anklageschrift in der Hauptva-
riante als erstellt. In Ergänzung zum angeklagten Sachverhalt erachtet die Kammer 
weiter als erstellt, dass der Geschädigte H.________ den Beschuldigten nach dem 
Stich in den Bauch mit den Händen wegstiess.  

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15. Beweiswürdigung mehrfacher Raub, ev. Versuch dazu, ev. Nötigung

15.1 Vorwurf gemäss Ziff. I.2.1 der Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, sich am 1. April 2021 in der Zeit von 
19:00 Uhr bis 20:00 Uhr an der .________ in AG.________ zum 15,5-jährigen 
I.________ und zum knapp 15-jährigen D.________ begeben und sie gefragt zu 
haben, ob sie nicht wüssten, dass er «A.________», der .________ sei. Zudem 
habe er I.________ befohlen, das Mobiltelefon zur Seite zu legen, wenn er mit ihm 
spreche, und er habe ihm befohlen, nicht mehr herumzuschreien. Darauf habe der 
Beschuldigte I.________ mit der flachen Hand gegen die linke Gesichtshälfte ge-
schlagen, so dass dieser am linken Ohr und an der linken Wange geblutet habe 
und habe I.________ und D.________ aufgefordert, ihre Taschen zu leeren, um 
sich mit deren Vermögenswerte unrechtmässig zu bereichern. Die beiden hätten 
den Beschuldigten und dessen Ruf bereits gekannt und seien angesichts ihres 
noch jugendlichen Alters von ihm eingeschüchtert gewesen. Während D.________ 
die Taschen geleert habe, habe sich I.________ zunächst geweigert, dies zu tun, 
er habe es aber auch getan, nachdem ihm D.________ empfohlen habe, sich nicht 
zu wehren. Der Beschuldigte habe das Portemonnaie von D.________ behändigt 
und habe dieses zurückgelegt, da es kein Geld enthalten habe. Aus dem Porte-
monnaie von I.________ habe er sämtliches Bargeld in der Höhe von CHF 220.00 
entnommen. Zudem habe er das Mobiltelefon von I.________ entrissen und ver-
langt, I.________ solle dieses entsperren und zurücksetzen, worauf I.________ 
dieses lediglich entsperrt, aber nicht zurückgesetzt habe. Der Beschuldigte habe 
daraufhin das Mobiltelefon zurückgegeben. In der Folge habe der Beschuldigte 
mehrfach gedroht, er würde die beiden aufschlitzen, sollten sie sich an die Polizei 
wenden. Zudem habe er ihnen verboten, in den herbeifahrenden Bus zu steigen. 
Als er schliesslich von einem Fahrzeug abgeholt worden sei, habe er es sich an-
ders überlegt und habe I.________ das zuvor entwendete Bargeld zurückgegeben. 
Durch sein aggressives Verhalten gegenüber den beiden Jungen und seinen Ruf, 
ein «Schlägertyp» zu sein sowie durch die Anwendung von Gewalt gegenüber 
I.________ habe der Beschuldigte die beiden Jungen absichtlich in Angst und 
Schrecken und dadurch in eine Zwangslage versetzt, von welcher sie keinen ande-
ren Ausweg gesehen hätten, als ihre Vermögenswerte dem Beschuldigten aus-
zuhändigen, bzw. deren Diebstähle zu dulden. 

Eventualiter habe der Beschuldigte beim oben beschriebenen Vorfall ohne un-
rechtmässige Bereicherungsabsicht, sondern in der Absicht, die beiden zu schika-
nieren, gehandelt. 

15.2 Beweiswürdigung der Vorinstanz 

Die Vorinstanz kam bezüglich des Tatvorwurfes des Raubes zusammengefasst 
beweiswürdigend zu folgenden Schlüssen (pag. 1453 f.): 

Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift werde vom Beschuldigten grundsätzlich 
anerkannt. Umstritten sei einzig die Bereicherungsabsicht. Der Beschuldigte habe 
erklärt, er habe den beiden einfach etwas Angst machen wollen und er habe nie die 
Absicht gehabt, «das» zu behalten. Die Aussagen des Beschuldigten seien seinem 
tatsächlichen Handeln gegenüber zu stellen. Erstellt sei, dass er I.________ das 

32

Handy und das Bargeld zurückgegeben habe. Dabei sei er nicht von äusseren Um-
ständen wie bspw. dem Herannahen eines Passanten oder der Polizei beeinflusst 
worden. Vielmehr habe er dies scheinbar aus freiem Willen getan. Eine solche 
Verhaltensweise würde sich unter Annahme einer Bereicherungsabsicht des Be-
schuldigten nicht sinnvoll erklären lassen, zumal er das Handy und das Bargeld be-
reits in seiner Gewalt gehabt habe und nur noch hätte davonlaufen müssen. Nach 
dem Grundsatz «in dubio pro reo» sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte 
gar nie die Absicht gehabt habe, sich an der Beute zu bereichern, sondern dass 
sein Handeln lediglich der Einschüchterung gedient habe. Dazu passe auch, dass 
es sich bei den beiden Geschädigten um männliche Jugendliche handle, welche – 
wie sich in diesem Verfahren gezeigt habe – regelmässig Opfer seiner Einschüch-
terungsversuche geworden seien. Aufgrund ihres jugendlichen Alters habe der Be-
schuldigte auch kaum ernsthaft damit rechnen können, ein Diebesgut von nen-
nenswertem Betrag bei ihnen zu erbeuten, was ebenfalls gegen Bereicherungsab-
sicht spreche. Es sei deshalb auf den eventualiter angeklagten Sachverhalt (unter 
Nötigung) abzustellen. 

15.3 Oberinstanzliche Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft führte anlässlich der Berufungsverhandlung zu-
sammengefasst und im Wesentlichen aus, der Beschuldigte habe erst in der vor-
instanzlichen Hauptverhandlung und damit nach entsprechender anwaltlicher In-
struktion vorgebracht, dass er keine Bereicherungsabsicht gehabt habe; dieses 
Vorbringen sei entsprechend als Schutzbehauptung einzustufen. Es gebe vorlie-
gend zwei mögliche (Tat-)Varianten: Erstens, der Beschuldigte habe das Geld ge-
wollt und sich auch bereichern wollen, habe es sich dann aber anders überlegt und 
das Geld zurückgegeben. Zweitens, er habe das Geld nur zur Einschüchterung der 
beiden Jungen an sich genommen und habe nie vorgehabt, das Geld zu behalten. 
Bei Annahme der zweiten Variante fehle es gemäss der Vorinstanz an der Berei-
cherungsabsicht. Durch das Einstecken des Geldes sei jedoch auch bei der zwei-
ten Variante die Bereicherungsabsicht erfüllt. Die Frage, weshalb er das Geld und 
das Handy abgenommen habe, sei irrelevant, da er das Geld eingesteckt und somit 
den Besitz direktvorsätzlich und mit Bereicherungsabsicht angestrebt habe; anders 
hätte er sein Ziel, die Einschüchterung der beiden Jungen, gar nicht erreichen kön-
nen. Er habe mit Aneignungsabsicht gehandelt, wenn auch nicht für lange (zum 
Ganzen pag. 1709 ff.). 

15.4 Oberinstanzliche Vorbringen der Verteidigung 

Die Verteidigung brachte dagegen anlässlich der Berufungsverhandlung zusam-
mengefasst vor, der Rahmensachverhalt sei erstellt. Bestritten sei hingegen die Be-
reicherungsabsicht des Beschuldigten. Der Beschuldigte hätte das Geld und das 
Handy mitnehmen können, wenn er gewollt hätte, aber er habe es zurückgegeben. 
Hätte er mit Bereicherungsabsicht gehandelt, hätte er dies wohl kaum getan. Es sei 
ihm lediglich darum gegangen, die kleinen Buben zu massregeln und Eindruck zu 
schinden. Ob er das Geld in die Tasche gesteckt habe, spiele keine Rolle. Der Be-
schuldigte habe keine Absicht gehabt das Geld oder das Handy über eine gewisse 
Dauer anzueignen, er habe es genommen und gleich wieder zurückgegeben (zum 
Ganzen pag. 1712 ff.).

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15.5 Oberinstanzliche Beweiswürdigung 

Die Kammer hat im Nachfolgenden einzig noch zu beurteilen, ob der Beschuldigte 
mit Bereicherungsabsicht gehandelt hat. Der restliche angeklagte Sachverhalt war 
bereits vorinstanzlich unumstritten.  

Vorab ist auch hier festzuhalten, dass aus der anfänglichen Aussageverweigerung 
nichts zu Lasten des Beschuldigten abgeleitet werden darf; der Beschuldigte hat 
ein Aussageverweigerungsrecht. So war es sein gutes Recht, erst anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung über seine Absichten zu sprechen. Oberin-
stanzlich machte der Beschuldigte sodann nur wenige Aussagen, die zur Klärung 
der offenen Beweisfrage dienlich sind. So führte er aus, er habe bei dieser Aktion 
«Gangster» spielen wollen (pag. 1705 Z. 24). Auf Frage, weshalb er das Geld von 
I.________ zunächst eingesteckt und nicht sofort zurückgegeben habe, gab er zu 
Protokoll, er habe wohl ein wenig Eindruck machen wollen. Er habe es sich dann ja 
anders überlegt. Er habe das Geld oder das Handy nicht nehmen und damit weg-
gehen wollen, sonst hätte er es auch gemacht (pag. 1705 Z. 31 ff.). Das Handy ha-
be er zurückgegeben, weil er es nicht gebraucht habe. Er habe es nur weggenom-
men, um ihnen ein wenig Angst zu machen. Das Geld habe er auch nicht brauchen 
können, sonst hätte er es ihm nicht zurückgegeben (pag. 1705 Z. 41 ff.). 

Es ist zwar zutreffend, dass der Beschuldigte I.________ (nachfolgend: Geschädig-
ter I.________) letztendlich sowohl das Handy als auch das Bargeld zurückgab. 
Nach Ansicht der Kammer bietet jedoch der zeitliche Ablauf einen entscheidenden 
Hinweis zur Frage der Bereicherungsabsicht des Beschuldigten. Gemäss überein-
stimmenden Aussagen des Geschädigten I.________ und D.________ (nachfol-
gend: Geschädigter D.________) hatte der Beschuldigte sie nach der heftigen Ohr-
feige an den Geschädigten I.________ (dieser blutete danach am Ohr [pag. 591 Z. 
144; 597 Z. 60] und war danach sogar einige Sekunden benommen [pag. 596 Z. 
59; 603 Z. 69]) aufgefordert, ihre Taschen auszupacken (pag. 591 Z. 143 ff.; 583 Z. 
104 ff.; 596 Z. 58 ff.; 597 Z. 61 ff.; 603 Z. 68 ff.). Dabei nahm er die Portemonnaies 
der beiden an sich und durchsuchte diese auf Geld. Im Portemonnaie des Geschä-
digten D.________ fand er kein Geld und gab ihm dieses daraufhin umgehend 
zurück (pag. 597 Z. 66 f. und Z. 105 f.). Im Portemonnaie des Geschädigten 
I.________ fand er aber CHF 220.00, nahm dieses Geld an sich («Dies packte er 
ein», pag. 591 Z. 146 f.) und gab ihm das leere Portemonnaie zurück (pag. 583 Z. 
109 ff.). Nachher wollte er auch noch das Handy des Geschädigten I.________. Er 
verlangte, dass er es entsperre und zurücksetze (pag. 583 
Z. 111 ff.). Als er es entsperrt hatte, riss es ihm der Beschuldigte unmittelbar aus 
der Hand, noch bevor es zur geforderten Rücksetzung hätte kommen können 
(pag. 584 Z. 181 ff.). Er gab ihm das Handy dann aber sofort wieder zurück 
(pag. 591 Z. 147 f.). Der Geschädigte I.________ fragte daraufhin mehrmals, ob er 
sein Geld zurückhaben könne. Der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass so etwas 
halt passiere, wenn er hier so herumschreie (pag. 583 Z. 112 ff.). Der Beschuldigte 
habe auch noch Sachen gefragt wie z.B. wo er das Geld her habe etc. (pag. 597 
Z. 72 f.). Der Geschädigte I.________ habe daraufhin geantwortet, er habe einen 
Wochenplatz (pag. 603 Z. 75 f.). Der Beschuldigte habe noch mit ihnen geredet, als 
sie ihre Sachen zurück in die Taschen gepackt hätten (pag. 603 Z. 76 f.). Daraufhin 

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sei der Bus gekommen, den sie ursprünglich hätten nehmen wollen, was ihnen 
vom Beschuldigten aber verwehrt worden sei (pag. 603 Z. 77; 597 Z. 69 ff.). Er ha-
be gesagt «Dir göht ersch ufe nächscht… i muess no öppis abkläre.» Er habe dann 
telefoniert, wobei es darum gegangen sei, dass ihn jemand abhole oder so. Der 
Geschädigte D.________ habe weinen müssen (pag. 597 Z. 70 ff.). Der Beschul-
digte habe noch etwa 5-10 Minuten mit ihnen geredet (pag. 603 Z. 79), einerseits 
habe er ihnen gedroht (pag. 603 Z. 84; 597 Z. 75 ff. und Z. 86; 591 Z. 149) und an-
dererseits habe er ihnen z.B. von seiner Freundin erzählt, mit der er Stress gehabt 
hatte (pag. 603 Z. 79 ff.; diese war mutmasslich auch die Fahrerin des Audi, aus 
welchem er zuvor ausgestiegen war). Der Geschädigte I.________ habe immer 
weiter nach seinem Geld gefragt. Der Beschuldigte habe dann zu ihm gesagt, dass 
er das Geld um 21:00 Uhr am Bahnhof unter der Uhr abholen könn