# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd80784b-a0b6-5177-871b-eda501f0d104
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-08-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.08.2015 D-1130/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1130-2015_2015-08-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1130/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  A u g u s t  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter Gérald Bovier,    

Gerichtsschreiberin Norzin-Lhamo Dotschung. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), 

und seine Ehefrau   

B._______, geboren (…), 

sowie ihr gemeinsames Kind   

C._______, geboren (…), 

Pakistan,   

alle amtlich verbeiständet durch Christian Hoffs,  

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 23. Januar 2015 / N (…). 

 

 

D-1130/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben 

zufolge am 10. November 2013 auf dem Landweg. Über den Iran, die Tür-

kei und Italien gelangten sie schliesslich in die Schweiz, wo sie am 29. No-

vember 2013 um Asyl nachsuchten. Am 13. Dezember 2013 wurden die 

Beschwerdeführenden im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

D._______ unabhängig voneinander summarisch zur Person befragt (Be-

fragung zur Person [BzP]) und am 26. August 2014 einlässlich zu ihren 

Asylgründen angehört. 

Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführenden im 

Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer stamme aus dem Dorf 

E._______ in der Nähe von F._______. Im Jahr (…) hätten sie geheiratet 

und zunächst im Heimtatdorf des Beschwerdeführers gelebt. Nach (…) Mo-

naten sei die Beschwerdeführerin wieder ins Haus ihrer Familie in 

G._______ gezogen, da sie dort eine Praktikumsstelle gefunden habe. Der 

Beschwerdeführer habe seinen Vater beim Bewirtschaften seiner Lände-

reien unterstützt. Im Frühjahr 2013 habe er in der Moschee H._______ und 

I._______ kennengelernt, die ihn ermutigt hätten, als Sozialarbeiter im 

Nachbardorf J._______ unentgeltlich Kinder und Erwachsene in Religion 

und Urdu zu unterrichten. Anfangs August 2013 habe er diese Tätigkeit 

aufgenommen. Später im August sei eine Konferenz mit allen Sozialarbei-

tern einberufen worden, an welcher er teilgenommen habe. Dort habe er 

realisiert, dass diese Sozialarbeiter zur Gruppe Jamaat-ud-Dawa gehören 

würden. Die Jamaat-ud-Dawa sei die Nachfolgeorganisation der Lashkar-

i-Toiba, die von der pakistanischen Regierung verboten worden sei. Deren 

Mitglieder seien Islamisten und würden Leute manipulieren sowie diese 

auffordern, sich gegen die Armee zu erheben. Ende September sei eine 

weitere Konferenz einberufen worden, an welcher er ebenfalls teilgenom-

men habe. Die Organisatoren der Konferenz hätten die Sozialarbeiter auf-

gefordert, ihre Schülerinnen und Schüler gegen die Soldaten und das Mili-

tär in Pakistan aufzuhetzen. Dieser Anordnung habe sich der Beschwerde-

führer widersetzt. Daraufhin hätten ihn Mitglieder dieser Organisation ein-

mal telefonisch und zweimal zu Hause aufgesucht, ihn bedroht und ihm 

mitgeteilt, er solle seine Arbeit als Sozialarbeiter beziehungsweise Lehrer 

weitermachen. Aufgrund dieser Spannungen sei er Ende Oktober 2013 

nach G._______ zu seiner Frau gefahren. Anfangs November 2013 seien 

die Beschwerdeführenden ins Heimatdorf zurückgekehrt. Einige Tage spä-

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Seite 3 

ter seien Unbekannte am Abend ins Haus des Vaters des Beschwerdefüh-

rers eingedrungen und hätten den Vater spitalreif geschlagen. Die örtliche 

Polizei habe aus Angst vor den mutmasslichen Angreifern beziehungs-

weise deren Organisation keine Anzeige entgegengenommen. Tags darauf 

seien die Beschwerdeführenden in K._______ bei einer Hochzeit zu Gast 

gewesen, als sie vom Cousin des Beschwerdeführers darüber informiert 

worden seien, dass der Beschwerdeführer von der Jamaat-ud-Dawa einen 

Drohbrief erhalten habe. In dem Schreiben sei er aufgefordert worden, wie-

der für die Organisation zu arbeiten, ansonsten sie ihn überall in Pakistan 

finden würden. Sie hätten K._______ umgehend verlassen und seien nach 

G._______ zurückgekehrt. Nach etwa einer Stunde Aufenthalt in 

G._______ hätten sie Pakistan auf dem Landweg in Richtung Iran verlas-

sen. Im Dezember 2013 sei der Vater des Beschwerdeführers entführt und 

erst nach mehreren Tagen wieder freigelassen worden. Die Beschwerde-

führerin habe in Pakistan keine Probleme gehabt.  

Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden ihre 

Identitätskarten, den Führerschein des Beschwerdeführers, den Drohbrief 

im Original, zwei Zeitungsartikel sowie eine Kopie eines Gerichtsantrags 

zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 23. Januar 2015 – eröffnet am 27. Januar 2015 – wies 

das SEM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab, verneinte ihre 

Flüchtlingseigenschaft und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz so-

wie deren Vollzug nach Pakistan an. 

C.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 24. Februar 2015 liessen die Be-

schwerdeführenden gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde einreichen. Dabei beantragten sie die Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und 

die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anordnung einer vorläufigen Auf-

nahme wegen Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs, subeventualiter die Rückweisung der Sache an die Vo-

rinstanz. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und der amt-

lichen Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG 

(SR 142.31) sowie um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht.  

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Seite 4 

Zur Untermauerung ihrer Beschwerde legten die Beschwerdeführenden 

drei Wikipedia-Artikel-Ausdrucke, zwei Zeitungsartikel, zwei Polizeirapp-

orte, drei Zeitungsseiten, einen Bericht von Amnesty International sowie je 

ein Online-Artikel der Washington Post und der New York Times als Be-

weismittel ins Recht.  

D.  

Am 27. Februar 2015 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 9. März 2015 stellte die Instruktionsrichterin 

fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten und forderte sie auf, innert Frist eine Fürsorgebestäti-

gung nachzureichen oder einen Kostenvorschuss in der Höhe von 

Fr. 600.– zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen, ansonsten nicht 

auf die Beschwerde eingetreten werde.  

F.  

Mit Eingabe vom 24. März 2015 reichten die Beschwerdeführenden frist-

gerecht eine Fürsorgebestätigung sowie weitere Beweismittel zu den Ak-

ten.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. März 2015 wurde das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

gutgeheissen. Antragsgemäss wurde der bisherige Rechtsvertreter Chris-

tian Hoffs als amtlicher Rechtsbeistand im Sinne von Art. 110a Abs. 1 Bst. a 

AsylG beigeordnet. Gleichzeitig wurde der Vorinstanz Gelegenheit einge-

räumt, eine Vernehmlassung einzureichen.  

H.  

In seiner Vernehmlassung vom 7. April 2015 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. 

I.  

Mit Eingabe vom 24. April 2015 nahmen die Beschwerdeführenden zur 

Vernehmlassung des SEM Stellung. Der Rechtsvertreter reichte zudem 

seine Honorarnote ein.  

 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, die vom Be-

schwerdeführer geschilderten Probleme hätten sich allesamt in seinem 

Heimatort ereignet. Der Beschwerdeführer mache damit Nachteile geltend, 

die sich aus lokal oder regional beschränkten Verfolgungsmassnahmen 

ableiten würden. Bis zum Jahr (…) habe er mehrere Jahre in G._______ 

gelebt und sich seinen Verfolgern im Oktober 2013 auch zeitweise entzo-

gen, indem er sich in G._______ aufgehalten habe. Die Annahme, er würde 

auch in G._______ gesucht werden, sei offensichtlich eine reine Mutmas-

sung. Aus den Akten würden sich keine Hinweise ergeben, dass die Ja-

maat-ud-Dawa auch in G._______ am Beschwerdeführer interessiert ge-

wesen sei. Zudem habe auch die Beschwerdeführerin angegeben, ihre Fa-

milie in G._______ sei nie von diesen Problemen betroffen gewesen. Mit 

der Tätigkeit als Religionslehrer habe der Beschwerdeführer zur Verbrei-

tung religiöser Inhalte beigetragen. Es sei davon auszugehen, dass er da-

mit im Sinne der Organisation gehandelt habe. Dass der Beschwerdeführer 

sich nun lediglich dem Aufruf zum gewaltsamen Widerstand, nicht aber den 

religiösen Inhalten per se widersetzt habe, scheine eine landesweite Ver-

folgung denn auch nicht zu begründen. Auch wenn der Beschwerdeführer 

angegeben habe, die lokalen Behörden im Heimatdorf hätten betreffend 

die geltend gemachten Nachteile nichts unternommen, so könne dieser 

Umstand nicht gleichermassen auf die Metropole G._______ übertragen 

werden. Es sei davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer als Mann 

sunnitischen Glaubens aus gut situierten Verhältnissen der Zugang zu den 

Schutzinstanzen offen stehe. Die Inanspruchnahme einer innerstaatlichen 

Fluchtalternative erweise sich vorliegend als zumutbar. Die Familie der Be-

schwerdeführerin besitze in G._______ ein eigenes Haus. Die Beschwer-

deführenden würden somit über ein gefestigtes Netzwerk verfügen. Zudem 

hätten sie dort studiert und auch gearbeitet, weshalb davon auszugehen 

sei, dass sie mit diesen Kontakten, Erfahrungen und ihrem finanziell gut 

situierten Hintergrund in der Lage seien, sich wieder eine eigene Existenz 

aufzubauen. Da sich die Beschwerdeführenden durch einen Wegzug in ei-

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nen anderen Teil ihres Heimatlandes den geltend gemachten Verfolgungs-

massnahmen entziehen könnten, seien sie nicht auf den Schutz der 

Schweiz angewiesen. Somit erübrige es sich, ausführlich auf die vorhan-

denen Unglaubhaftigkeitselemente einzugehen. Es seien jedoch ausdrück-

lich Vorbehalte demgegenüber anzubringen, dass sich die Verfolgung in 

der von den Beschwerdeführenden geschilderten Weise zugetragen habe. 

Im Übrigen spreche weder die im Heimatstaat herrschende politische Situ-

ation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung nach 

Pakistan, weshalb der Wegweisungsvollzug auch durchführbar sei.  

4.2 In der Beschwerde wurde diesen Ausführungen im Wesentlichen ent-

gegnet, das SEM gehe implizit davon aus, der Beschwerdeführer sei vor 

seiner Flucht ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt 

gewesen. Jedoch sei das SEM zum Schluss gekommen, dass die Verfol-

gung lokal sei und die Beschwerdeführenden sich ihr durch einen Wegzug 

in einen anderen Teil Pakistans entziehen könnten. Es handle sich bei der 

Jamaat-ud-Dawa um eine terroristische Organisation, welche als Nachfol-

georganisation der Lashkar-i-Toiba in Pakistan gegründet worden sei. Sie 

gelte als eine humanitäre Wohlfahrtsorganisation, werde aber mit zahlrei-

chen terroristischen Angriffen in Verbindung gebracht. Sodann sei sie in 

ganz Pakistan tätig. Die Organisation Jamaat-ud-Dawa sei im Stande, Per-

sonen landesweit aufzuspüren und zu verfolgen. Der Beschwerdeführer 

sei in seiner Heimatregion asylrelevant verfolgt worden, was vom SEM 

nicht in Zweifel gezogen worden sei. Es sei davon auszugehen, dass der 

Beschwerdeführer in ganz Pakistan ernsthafte Nachteile im Sinne des 

Asylgesetzes zu befürchten habe. Die Jamaat-ud-Dawa habe auch bereits 

ihren Aktionsradius ausgeweitet und in G._______ nach dem Beschwerde-

führer gesucht. Vertreter der Organisation hätten dort den Cousin bezie-

hungsweise Schwager des Beschwerdeführers, L._______, gekidnappt 

und ihn gefoltert, um Informationen über den Aufenthaltsort des Beschwer-

deführers zu erhalten. Die der Beschwerde beigelegten Polizeirapporte 

würden diesen Vorfall bestätigen. Bereits zuvor sei das gesamte Land von 

L._______ verbrannt und zerstört worden, was mit einem weiteren Polizei-

rapport belegt werde. Über das Kidnapping des Cousins beziehungsweise 

Schwagers sei in der pakistanischen Zeitung Jasarat berichtet worden. Der 

Beschwerdeführer werde im Artikel explizit als Grund für das Kidnapping 

genannt. Sodann sei ein weiterer Zeitungsbericht über eine Person beige-

legt, die im Januar 2015 getötet worden sei, nachdem sie die Organisation 

Jamaat-ud-Dawa verlassen habe. Die Polizei habe zwar diesen Vorfall auf-

genommen, aber, da die Organisation in F._______ sehr stark sei, keine 

weiteren Aktionen wahrnehmen können. Gegen terroristische Angriffe sei 

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Seite 8 

die pakistanische Polizei machtlos. Zudem verhalte sie sich, wie oben zi-

tiert, passiv bei der Aufklärung von Taten, die von terroristischen Organisa-

tionen verübt würden. Der Beschwerdeführer könne somit bei Problemen 

in G._______ beziehungsweise der Furcht vor einem erneuten Angriff ent-

gegen der Ansicht des SEM nicht davon ausgehen, dass die Polizei schutz-

fähig sei. Hinzu komme, dass Personen, die verdächtigt würden, Verbin-

dungen zu terroristischen Organisationen zu haben beziehungsweise ge-

habt zu haben, selbst Ziel der Behörden seien. Gemäss dem Bericht von 

Amnesty International würden solche Personen in Pakistan immer wieder 

inhaftiert, ohne ihre Rechte wahrnehmen zu können. Die Vorbringen des 

Beschwerdeführers sowie die neu eingereichten Beweismittel würden zum 

Schluss führen, dass die Beschwerdeführenden in Pakistan über keine 

Fluchtalternative verfügen würden. Eventualiter sei aufgrund des konkre-

ten Risikos eines Anschlags auf den Beschwerdeführer die Unzulässigkeit 

beziehungsweise die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-

stellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen.  

4.3 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung aus, es habe in der ange-

fochtenen Verfügung sehr wohl ausdrücklich Vorbehalte betreffend die 

Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgung angeführt. Davon be-

troffen sei namentlich auch die Echtheit der eingereichten Beweismittel ge-

wesen. Der Beschwerdeführer werde in den mit der Beschwerde einge-

reichten neuen Beweismitteln (zwei Polizeirapporte [in Form von beglau-

bigten Kopien] sowie zwei Zeitungsartikel [vermeintliche Originale]), wel-

che die Vorbringen stützen sollten, namentlich erwähnt. Der Zeitungsaus-

schnitt der Jasarat vom (…). November 2014 werfe jedoch bereits aufgrund 

seines Erscheinungsbildes, namentlich der schlechten Qualität der ge-

druckten Zeichen, Fragen auf und erwecke anstelle eines Originals viel-

mehr den Anschein einer vergrösserten Kopie oder eines Ausdrucks. Es 

erstaune, dass, obwohl der kurze Zeitungsartikel über die Entführung des 

Schwagers berichten sollte, vorwiegend Informationen über den Be-

schwerdeführer und nicht über das Entführungsopfer wiedergegeben wor-

den seien, was in diesem Kontext viel relevanter gewesen sei. Nachfor-

schungen im Online-Archiv der Zeitung Jasarat hätten indessen eindeutig 

ergeben, dass der eingereichte Zeitungsausschnitt manipuliert worden sei. 

Auch wenn die übrigen Artikel der besagten Seite mit der Originalausgabe 

Jasarat (…) News vom (…). November 2014 übereinstimmen würden, sei 

klar zu erkennen, dass der als Beweismittel eingereichte Beitrag ein ande-

res Schriftbild aufweise und ausgetauscht worden sei. Bei diesem Beweis-

mittel handle es sich somit offensichtlich um eine Fälschung und es sei 

davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden versucht hätten, die 

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Schweizer Behörden vorsätzlich zu täuschen. Vor diesem Hintergrund 

gelte es die Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführenden insgesamt in 

Frage zu stellen. Was die übrigen neuen Beweismittel betreffe, so sei zu 

bedenken, dass Beweismittel aus Pakistan grundsätzlich mit Vorsicht zu 

begegnen sei, selbst wenn sie einen offiziellen Charakter aufweisen wür-

den. Es sei bekannt, dass derartige Dokumente leicht unrechtmässig er-

worben werden könnten, weshalb ihr Beweiswert als äusserst gering ein-

zustufen sei. Aufgrund des oben dargelegten Täuschungsversuchs sowie 

des per se geringen Beweiswertes seien demnach auch die eingereichten 

Polizeirapporte mit Vorbehalten deren Echtheit betreffend behaftet.  

4.4 Die Beschwerdeführenden führten in ihrer Replik aus, sie hätten ihre 

Familienangehörigen gebeten, allfällige Dokumente in die Schweiz zu schi-

cken, welche ihre Gefährdungssituation im Heimatland dokumentieren 

würden. Daraufhin hätten die Familienmitglieder die eingereichten Doku-

mente in die Schweiz gesandt. Aufgrund der amtlichen Beglaubigung der 

Dokumente sei der Beschwerdeführer von deren Echtheit ausgegangen, 

weshalb ihm kein Täuschungsversuch vorgeworfen werden dürfe. Der Ar-

tikel in der Zeitung Jasarat vom (…). November 2014 gehe insbesondere 

auf den Grund ein, weshalb der Schwager entführt worden sei. Deshalb sei 

der Beschwerdeführer namentlich erwähnt worden, und deshalb enthalte 

der Artikel Informationen über ihn. Über den Grund, weshalb der Zeitungs-

ausschnitt, den der Beschwerdeführer eingereicht habe, nicht mit demjeni-

gen übereinstimme, den das SEM im Internet gefunden habe, könne er nur 

mutmassen. Er gehe davon aus, dass die Zeitung die Online-Ausgabe in-

nerhalb eines Tages laufend aktualisiere und einzelne Artikel verändere o-

der austausche, weshalb verschiedene Versionen derselben Zeitungsseite 

existieren würden. Diese Vermutung werde dadurch bestätigt, dass ein Do-

kument nur amtlich beglaubigt werde, nachdem es mit dem Original – im 

vorliegenden Fall die morgens gedruckte Zeitung – verglichen werde.  

5.  

5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar-stellt, im 

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Seite 10 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum 

strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für 

gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. 

Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von 

ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, 

obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht 

es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich 

ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-

gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, 

die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen 

oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. 

BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.2 Die angefochtene Verfügung ist im Ergebnis zu bestätigen. Das SEM 

ging in seiner Verfügung von einer lokalen beziehungsweise regional be-

schränkten Verfolgung des Beschwerdeführers durch die Jamaat-ud-Dawa 

aus und nahm an, dass die Beschwerdeführenden sich den Verfolgungs-

massnahmen durch einen Wegzug in einen anderen Teil ihres Heimatlan-

des entziehen können. Dabei brachte es ausdrücklich Vorbehalte an und 

bezweifelte, dass sich die Verfolgung in der geschilderten Weise zugetra-

gen habe. Das Gericht gelangt zum Schluss, dass diese Vorbehalte zu 

Recht angebracht wurden und es erachtet die geltend gemachte Verfol-

gung durch die Jamaat-ud-Dawa ebenfalls als unglaubhaft.  

5.3 Grundsätzlich wird die Tätigkeit des Beschwerdeführers als Sozialar-

beiter beziehungsweise Urdu- und Religionslehrer als glaubhaft erachtet. 

Ebenfalls denkbar erscheint, dass es im Anschluss an die zwei Konferen-

zen zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Beschwerdeführer und 

den Organisatoren gekommen ist. Der Beschwerdeführer konnte jedoch 

nicht glaubhaft darlegen, dass diese Meinungsverschiedenheiten den Ur-

sprung der geltend gemachten Verfolgung darstellen. Er muss sich vorhal-

ten lassen, dass die unsubstanziierte Schilderung des Telefonanrufs und 

der Hausbesuche der Anhänger der Jamaat-ud-Dawa erste Zweifel an der 

geltend gemachten Bedrohungslage aufkommen liessen (vgl. act. A15/28 

F117 ff.; F212 ff.). Ferner hat der Beschwerdeführer den Angriff auf seinen 

Vater in unterschiedlicher Weise geschildert. An der BzP sagte er aus, die 

Angreifer hätten auf das Haus geschossen (vgl. act. A7/13 S. 9), während 

er anlässlich der Anhörung zu Protokoll gab, die Angreifer hätten an die Tür 

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Seite 11 

geklopft und angefangen den Vater zu verprügeln, als dieser keine Aus-

kunft über den Beschwerdeführer gegeben habe (vgl. act. A15/28 F136 ff.). 

Angesprochen auf diesen Widerspruch führte er aus, er habe gesagt, er 

(der Vater) sei verletzt worden, es habe eine laute Schiesserei gegeben 

(vgl. act. A15/28 F215). Diese Ausführungen respektive das Festhalten an 

der zweiten Version lösen den Widerspruch jedoch nicht auf, sondern er-

härten vielmehr die Zweifel daran, dass die Schilderung des Angriffs tat-

sächlich der Wahrheit entspricht (vgl. act. A15/28 F216). Ausserdem gab 

der Beschwerdeführer den Inhalt des Drohbriefes unterschiedlich wieder 

(vgl. act. A7/13 S. 9; A15/28 F193), obwohl man davon ausgehen müsste, 

der Beschwerdeführer kenne den exakten Inhalt des Schreibens, zumal die 

Beschwerdeführenden den Erhalt dieses Drohbriefes schliesslich als 

fluchtauslösendes Momentum bezeichneten (vgl. act. A15/28 F41; A17/12 

F53 f.).  

5.4 Auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfah-

ren einen manipulierten Zeitungsartikel als Beweismittel einreichte, lässt 

seine diesbezüglichen Vorbringen unglaubhaft erscheinen (vgl. hierzu die 

zutreffenden Ausführungen des SEM in der Vernehmlassung). Das diesbe-

züglich vorgebrachte Argument, er sei davon ausgegangen, dass es sich 

bei der eingereichten Zeitung um ein Original handle, da das Dokument 

amtlich beglaubigt worden sei und die Online-Ausgabe im Laufe des Tages 

aktualisiert worden sein könnte (vgl. Ausführungen in der Replik), über-

zeugt nicht. Viel eher ist davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe 

absichtlich einen manipulierten Zeitungsartikel als vermeintliches Original 

eingereicht, um seine Vorbringen zu stützen. Ausserdem wurden entgegen 

seinen Ausführungen weder das vermeintliche Original der Zeitung Jasarat 

vom (…). November 2014 noch die Kopie mit handschriftlicher deutscher 

Übersetzung amtlich beglaubigt. Die amtliche Beglaubigung bezieht sich 

nämlich auf zwei andere Zeitungsartikel (vgl. Eingabe vom 24. März 2015). 

Jedoch muss auch diesbezüglich festgehalten werden, dass hinsichtlich 

der amtlichen Beglaubigung Vorbehalte anzubringen sind. Denn die einge-

reichten Kopien der Polizeirapporte (vgl. Beschwerdeeingabe vom 

24. Februar 2015) sowie die angeblich amtlich beglaubigten Polizeirapp-

orte (vgl. Eingabe vom 24. März 2015) unterscheiden sich ebenfalls im Er-

scheinungsbild (mit verschiedenen Stempeln versehen). Jedenfalls kann 

der Beschwerdeführer aus den vorgebrachten Argumenten nichts zu sei-

nen Gunsten ableiten und seine diesbezüglichen Vorbringen bleiben un-

glaubhaft.  

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Seite 12 

5.5 Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es zwar grundsätzlich 

glaubhaft erscheint, dass der Beschwerdeführer als Sozialarbeiter bezie-

hungsweise Lehrer tätig gewesen ist. Es ist dem Beschwerdeführer jedoch 

nicht gelungen, die Verfolgung durch die Jamaat-ud-Dawa glaubhaft dar-

zulegen. Folglich ist auch die geltend gemachte Reflexverfolgung der Be-

schwerdeführerin und des Kindes als unglaubhaft einzustufen (vgl. act. 

A17/12 F25; A15/28 F210). Vor diesem Hintergrund erübrigen sich auch 

weitere Ausführungen zur innerstaatlichen Fluchtalternative. An dieser Ein-

schätzung vermögen weder die weiteren Ausführungen auf Beschwerde-

ebene noch die bisher nicht ausdrücklich gewürdigten Beweismittel etwas 

zu ändern, weshalb auch darauf nicht mehr näher einzugehen ist.  

6.  

Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden 

keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im 

Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnten, weshalb das SEM zu 

Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und 

ihre Asylgesuche abgelehnt hat.  

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

D-1130/2015 

Seite 13 

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur 

Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; 

vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be-

schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr («real risk») 

nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung 

Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im 

Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht 

D-1130/2015 

Seite 14 

als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-

weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-

mungen zulässig. 

8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

In Pakistan herrscht grundsätzlich keine Situation allgemeiner Gewalt. Der 

pakistanische Staat vermag indes Minderheiten, wie beispielsweise Ange-

hörige der Ethnie Hazara, insbesondere in der Provinz Belutschistan, nicht 

oder nur gänzlich unzulänglich vor religiös motivierter Gewalt sunnitischer 

Extremisten zu schützen (vgl. BVGE 2014/32 E. 6). Die Beschwerdefüh-

renden gehören jedoch keiner ethnischen Minderheit an und sind Anhä-

nger der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams. Sodann sprechen 

keine persönlichen Gründe wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher 

Natur gegen den Vollzug der Wegweisung. Um Wiederholungen zu ver-

meiden, kann diesbezüglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vo-

rinstanz verwiesen werden. Entsprechend ist nicht davon auszugehen, 

dass die Beschwerdeführenden nach ihrer Rückkehr nach Pakistan in eine 

existenzgefährdende Situation geraten könnten. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

8.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-

digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

D-1130/2015 

Seite 15 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten den Be-

schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da aber ihre Ge-

suche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG und der amtlichen Rechtsverbeiständung im Sinne 

von Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG mit Zwischenverfügung vom 27. März 

2015 gutgeheissen wurden, ist auf die Auferlegung von Verfahrenskosten 

zu verzichten sowie dem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurich-

ten.  

10.2 In der eingereichten Kostennote wird ein zeitlicher Aufwand von 8,25 

Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 200.– und eine Pauschale von 

Fr. 40.– (Auslagenersatz) ausgewiesen. Der geltend gemachte Zeitauf-

wand erscheint angemessen. Dem Rechtsvertreter wird für die unentgeltli-

che Verbeiständung der Beschwerdeführenden eine Entschädigung von 

Fr. 1'690.– ausgerichtet. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dem Rechtsvertreter wird zu Lasten der Gerichtskasse eine Entschädi-

gung von Fr. 1'690.– zugesprochen.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Norzin-Lhamo Dotschung 

 

 

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