# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7c849d4-f99b-5e8e-9179-2e1aa2bbd37a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.04.2021 E-2221/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2221-2019_2021-04-06.pdf

## Full Text

U r t e i l  v o m  6 .  A p r i l  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher,  

Richter Lorenz Noli, 

Gerichtsschreiberin Sarah Diack. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Nora Maria Riss,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 5. April 2019 / N (…). 

 

 

 

 

 

 B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2221/2019 

 

E-2221/2019 

 

Seite 2 

 
Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, afghanischer Staatsangehöriger tadschikischer 

Ethnie aus B._______, Provinz Balkh beziehungsweise Mazar-e-Sharif 

verliess sein Heimatland gemäss eigenen Angaben ungefähr im Herbst 

2015 und reiste illegal nach (…) aus. Von dort gelangte er über Griechen-

land, Österreich und Deutschland am 3. November 2015 in die Schweiz, 

wo er am 5. November 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

(…) um Asyl nachsuchte. 

B.  

Am 9. November 2015 wurde der Beschwerdeführer vom SEM zu seiner 

Person und dem Reiseweg befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am  

16. Januar 2018 fand eine ausführliche Anhörung zu den Fluchtgründen 

statt. Er machte dabei im Wesentlichen geltend, er sei mit seiner [Verwand-

ten] aufgewachsen, da seine Eltern im Kampf gegen die Taliban umgekom-

men seien. Er habe den Islam nicht akzeptiert. Vor dem Gebetsruf habe er 

Angst gehabt, da jedes Mal im Anschluss an die-«Allah Akbhar»-Rufe Men-

schen getötet worden seien. Da er nicht zu den Gebeten erschienen sei, 

sei er vom benachbarten Imam bereits als [Kind] geschlagen und gezwun-

gen worden, sich zur Moschee zu begeben, um den Koran zu lernen. Dabei 

sei ihm auch erklärt worden, dass gegen fremde Personen «Jihad» geführt 

werden müsse. Er sei bis zu seiner Ausreise vom Imam belästigt und ge-

schlagen worden, habe sich gegen ihn jedoch nicht wehren können, da 

Afghanistan ein islamischer Staat sei. [Als Teenager] sei er einmal von Sol-

daten des tadschikischen Kommandanten C._______, der zu den Leuten 

von General D._______ gehört habe, vergewaltigt worden. Während der 

Vergewaltigung sei er von den anderen (…) anwesenden Personen mit 

dem Kolben einer Kalaschnikow geschlagen worden. Von diesem Vorfall 

habe er seiner [Verwandten] nie erzählt. Von den Angehörigen des Kom-

mandanten sei er in der Folge stets belästigt worden. Als seine [Verwandte] 

gestorben sei, habe der Imam ihn aus dem Haus jagen wollen, da er be-

hauptet habe, der Eigentümer zu sein. Er habe dann noch dreieinhalb- be-

ziehungsweise vier Jahre alleine in Afghanistan gelebt und in einem (…) 

gearbeitet. Sechs Monate vor seiner Ausreise sei er das letzte Mal vom 

Imam geschlagen worden. 

In der Schweiz habe er via andere Farsi-sprechende Personen zum christ-

lichen Glauben gefunden. Er sei von ihnen zum Kirchenbesuch eingeladen 

E-2221/2019 

 

Seite 3 

worden. Alle Afghanen in E._______ hätten von seiner Konversion Kennt-

nis. Er habe sich in der Reformierten Kirche F._______ taufen lassen. Re-

gelmässig lese er die Bibel und bete viel. Da Bekannte ein Foto von ihm 

mit Kreuz am Hals auf Facebook gepostet hätten, wüssten nun auch Per-

sonen in Afghanistan von seiner Konversion. 

Der Beschwerdeführer reichte seinen Taufschein der Reformierten Kirche 

F._______ (…) zu den Akten.  

C.  

Mit Verfügung vom 5. April 2019 – eröffnet am 11. April 2019 – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte 

sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der 

Schweiz an, schob den Vollzug jedoch infolge Unzumutbarkeit zu Gunsten 

einer vorläufigen Aufnahme auf. 

D.  

Mit Beschwerde vom 9. Mai 2019 beantragte der Beschwerdeführer durch 

seine Rechtsvertreterin, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, es 

sei festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle und es sei ihm 

Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen 

und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, subeventualiter sei die Sa-

che zur hinreichenden Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchte er um Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung der Rechtsvertreterin als 

unentgeltliche Rechtsbeiständin. 

Der Beschwerdeführer reichte den Kurzbericht der bei der Anhörung an-

wesenden Hilfswerksvertretung (HWV) ein. 

E.  

Am 10. Mai 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang 

der Beschwerde. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 14. Mai 2019 hiess die zuständige Instrukti-

onsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte 

MLaw Nora Maria Riss als amtliche Rechtsbeiständin ein. Gleichzeitig lud 

sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.  

E-2221/2019 

 

Seite 4 

G.  

Mit am 11. Juni 2019 (nach gewährter Fristverlängerung) eingereichter Ver-

nehmlassung hielt das SEM mit ergänzenden Ausführungen an den bishe-

rigen Erwägungen fest. 

H.  

Am 25. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein. 

I.  

Auf den Inhalt der vorinstanzlichen Verfügung, der Beschwerde-, Vernehm-

lassungs- und Replikschrift wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in 

den nachstehenden Erwägungen eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998  

(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das 

bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung 

des AsylG vom 25. September 2015).  

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die Beschwerde führende 

Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine sol-

che Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, wes-

halb das Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet. 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und  

E-2221/2019 

 

Seite 5 

aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

 

2.  

Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten einer vorläufigen Aufnahme 

aufgeschoben und bildet deshalb nicht mehr Gegenstand des Beschwer-

deverfahrens. 

3.  

3.1 Zur Begründung seines Entscheides führte das SEM aus, die Ausfüh-

rungen zur Vergewaltigung durch Soldaten von A.S. seien insgesamt ober-

flächlich, äusserst linear und nicht erlebnisgeprägt ausgefallen. Es steche 

heraus, dass der Beschwerdeführer in der freien Schilderung der Asyl-

gründe zunächst nur geäussert habe, Afghanistan verlassen zu haben, weil 

dort sein Leben in Gefahr gewesen sei. Erst auf Nachfrage hin habe er von 

der im [Teenager] erfolgten Vergewaltigung berichtet. Seinen Darstellun-

gen fehle es an typischen Realkennzeichen wie Detailreichtum, Beschrei-

bungen von Emotionen und Gedankengängen sowie der räumlichen und 

zeitlichen Verknüpfung der erzählten Ereignisse. Auch enthielten seine 

Schilderungen keine nebensächlichen und ausgefallenen Einzelheiten, die 

normalerweise die Erzählungen von tatsächlich erlebten Begebenheiten 

prägten. Diese von ihm einfach gehaltene Sachverhaltsdarstellung sei da-

her mit der erfahrungsgemäss um ein Vielfaches komplexeren Wirklichkeit 

nicht zu vereinbaren. Auch die angebliche, durch den Imam erfolgte Bedro-

hung sei auffallend vage, unverbindlich, stereotyp und repetitiv ausgefal-

len. Zudem erstaune, dass diese Bedrohung in der freien Schilderung der 

Asylgründe gänzlich unerwähnt geblieben und erst nach mehrmaligem 

Nachfragen erwähnt worden sei. 

Was den angeblichen christlichen Glauben betreffe, sei dem Beschwerde-

führer zwar ein rudimentäres Wissen darüber nicht abzusprechen. Seine 

Ausführungen zur Abkehr vom Islam seien aber auch auffallend vage und 

oberflächlich ausgefallen. Fragen nach seiner persönlichen Glaubensaus-

übung habe er mit allgemeinen Erklärungen zum Christentum beantwortet 

und – obwohl er angegeben habe, dreimal die Bibel gelesen zu haben –, 

E-2221/2019 

 

Seite 6 

sei er nicht in der Lage gewesen, seine Lieblingsgeschichte daraus detail-

liert zu erzählen. Er habe zudem nicht mit Sicherheit sagen können, inwie-

fern seine Familie beziehungsweise seine Freunde in Afghanistan über 

seine Glaubensausübung in der Schweiz informiert seien. Somit sei anzu-

nehmen, er habe die Konversion angegeben, weil er sich damit einen bes-

seren Ausgang des Asylverfahrens erhoffe. Insgesamt hielten seine Aus-

führungen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand.  

Ungeachtet der Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Konversion gehe das 

Bundesverwaltungsgericht in seiner Rechtsprechung nicht von einer Kol-

lektivverfolgung von konvertierten Christen in Afghanistan aus. Schliesslich 

sei die Ausreisekausalität der ohnehin als unglaubhaft qualifizierten Vor-

bringen zu verneinen, womit der Beschwerdeführer insgesamt die Flücht-

lingseigenschaft nicht erfülle. 

3.2 Diesen Erwägungen hält der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde-

schrift entgegen, es sei irritierend, dass die Vorinstanz davon ausgehe, er 

habe erst auf Nachfrage des befragenden Sachbearbeiters hin die Behel-

ligungen und die Vergewaltigung angesprochen. Im Gegenteil sei aus den 

Akten ersichtlich, wie er bereits zu Beginn der Anhörung festgehalten habe, 

vom Imam der Moschee stets belästigt worden zu sein. Er sei aber in seiner 

Erzählung unterbrochen worden. Die Vergewaltigung habe er in klaren und 

verständlichen Sätzen geschildert, worauf keine einzige Folgefrage gestellt 

worden sei. Es sei auch Pflicht der Vorinstanz, nachzufragen. In diesem 

Sinne habe die HWV auch in ihrem Protokoll vermerkt, der Beschwerde-

führer sei in der freien Schilderung seiner Asylgründe gehindert worden 

und der Sachbearbeiter habe sich ungeduldig und voreingenommen ver-

halten. Der stereotype Charakter der Schilderungen betreffend den Imam 

sei ebenso wenig ersichtlich. Er habe ausgeführt, dass er dreimal am Tag 

gegen seinen Willen habe beten müssen, ansonsten er keine Arbeitsstelle 

bekommen hätte. Vom Imam der Moschee sei er mit dem Tode bedroht 

worden, falls er das nächste Mal nicht zum Gebet erscheine. Er habe stets 

widerspruchsfrei erwähnt, dass er den Islam und das Gebet nicht möge 

und er Afghanistan habe verlassen müssen, weil sein Leben in Gefahr ge-

wesen sei. Auch zu seiner Angst sei er nicht eingehender befragt worden. 

Anstatt Vertiefungsfragen zu stellen, habe ihn der Sachbearbeiter immer 

wieder unterbrochen und zur Identität befragt, obwohl diese nicht in Frage 

gestellt worden sei. Die Tatsache, dass der Sachbearbeiter auf einige Aus-

führungen des Beschwerdeführers überhaupt nicht eingegangen sei, habe 

sich auch in der Begründung der Verfügung niedergeschlagen, die sehr 

E-2221/2019 

 

Seite 7 

kurz ausgefallen sei. In Zusammenhang mit seiner Hinwendung zum Chris-

tentum sei er ebenfalls unterbrochen worden, als er davon habe erzählen 

wollen, wie er mit dem Christentum in Berührung gekommen sei. Auch 

diesbezüglich habe sich der Sachbearbeiter auf Wissensfragen zum Chris-

tentum beschränkt, obwohl gemäss Bundesverwaltungsgericht den Erzäh-

lungen über innere Vorgänge mehr Gewicht beizumessen sei als rein sach-

bezogenem Wissen.  

3.3  Auf Vernehmlassungsebene führte die Vorinstanz aus, dass der Be-

schwerdeführer in der Tat bereits bei der Frage nach den Asylgründen er-

wähnt habe, er sei in Afghanistan von Soldaten des Kommandanten 

C._______ vergewaltigt worden. Indessen habe er in Reaktion auf die 

Frage nach den Asylgründen zunächst nur Allgemeines und keine individu-

elle Bedrohungslage beschrieben. Erst auf Bitte hin, die Asylgründe aus-

zuführen, habe er die Vergewaltigung erwähnt, die diesbezügliche Schilde-

rung sei insgesamt aber oberflächlich ausgefallen. So habe er relativ de-

tailreich erzählt, was sich vor dem Ereignis abgespielt haben soll, den ei-

gentlichen Vorfall und die Ereignisse unmittelbar danach habe er indessen 

in nur drei Sätzen abgehandelt. Dass der damals (…)jährige Beschwerde-

führer am besagten Tag durch die Leute des Kommandanten angehalten 

worden sei, sei zwar nicht auszuschliessen. Indessen leuchte nicht ein, 

weshalb diese ihn ein einziges Mal bestraft haben sollten, ihn jedoch ohne 

jegliche Konsequenzen über Jahre hinweg belästigt und gehänselt hätten, 

weil angeblich bekannt gewesen sei, dass er den Islam und die Gebete 

nicht gemocht habe. Auch wäre bei dieser Sachlage davon auszugehen, 

dass der [Verwandten] des Beschwerdeführers Ärger bereitet worden 

wäre. Es überzeuge weiter nicht, dass der Imam den Beschwerdeführer 

bereits seit dessen siebten Lebensjahr wiederholt belästigt, bedroht und 

geschlagen haben soll, der Beschwerdeführer jedoch nach dem Tod der 

[Verwandten] weiter im Haus des Imams – gegen dessen Willen – habe 

wohnen können. Aufgrund der gesamten geltend gemachten Umstände er-

scheine es nicht plausibel, dass er nach dem Tod seiner [Verwandten] noch 

drei Jahre in Afghanistan gelebt habe. Insgesamt sei es daher legitim, die 

Antworten des Beschwerdeführers zur Art und Weise der Bedrohung durch 

den Imam als stereotyp und repetitiv zu taxieren. 

Sofern die kurze Anhörungsdauer gerügt und der von der HWV geäusserte 

Eindruck erwähnt werde, wonach der Sachbearbeiter dem Beschwerde-

führer keinen Glauben geschenkt habe, gelte Folgendes: Solange der 

Sachverhalt erstellt sei, erweise sich die Dauer der Anhörung als irrelevant. 

E-2221/2019 

 

Seite 8 

Unterbrechungen würden oftmals dann vorgenommen, wenn der Be-

schwerdeführer vom Thema abweiche und die Frage unbeantwortet lasse, 

weshalb der Beschwerdeführer auch bei den Fragen 83, 129 und 153 un-

terbrochen worden sei. Über diese mögliche Vorgehensweise sei er zu Be-

ginn der Anhörung in Kenntnis gesetzt worden. Das Angebot des Be-

schwerdeführers, einen Film zeigen zu wollen, sei abgelehnt worden, weil 

Filme im Protokoll nicht abgebildet werden könnten. Ferner könne weder 

einem Film von einer Taufe noch einem Taufschein entnommen werden, 

inwieweit der Beschwerdeführer deshalb in Afghanistan von asylrelevanter 

Verfolgung betroffen wäre. Dies gelte umso mehr, als er selbst angegeben 

habe, über kein Beziehungsnetz im Heimatstaat zu verfügen, welches von 

einer Konversion hätte Kenntnis erlangen können. 

3.4 In der Replik hält der Beschwerdeführer diesen Erwägungen zunächst 

entgegen, es sei bei der ersten Frage zu den Asylgründen durchaus ver-

ständlich, dass er nicht direkt von der Vergewaltigung erzählt habe. Dies-

bezüglich sei nochmals auf den Kurzbericht der HWV zu verweisen, wel-

cher festhalte, dass er wohl mehr habe sprechen wollen, der Sachbearbei-

ter indessen die Pausen zwischen Erzählung und Übersetzung genutzt 

habe, um Fragen zu stellen. Dadurch habe der Beschwerdeführer nicht frei 

erzählen können. Aufgrund der behaupteten, nicht detailreichen und sach-

lichen Schilderung der Vergewaltigung dürfe nicht darauf geschlossen wer-

den, diese habe nicht stattgefunden. Es entbehre sodann jeglicher Logik, 

die geltend gemachten Bedrohungen durch den Imam mit der Begründung 

als unglaubhaft zu qualifizieren, dass der Beschwerdeführer das Land erst 

verlassen habe, als er genügend Geld gespart habe. Die Vorinstanz habe 

sich noch immer nicht genügend zur Gefahr einer Verfolgung des Be-

schwerdeführers aufgrund seiner Hinwendung zum Christentum geäus-

sert. Es obliege aber ihr abzuklären, inwiefern er aufgrund seiner Taufe in 

Afghanistan asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt sei. Sie hätte namentlich 

gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts überprüfen 

müssen, inwieweit vom Beschwerdeführer vernünftigerweise erwartet wer-

den könne, eine aufgrund der Abkehr vom Islam und der Konversion zum 

Christentum drohende Verfolgung durch sein eigenes Verhalten abzuwen-

den. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer moniert, der Sachverhalt habe aufgrund der 

mangelhaften Befragung an der Anhörung nicht vollständig erstellt werden 

können. Namentlich sei dadurch weder eine asylrelevante Gefährdung in 

E-2221/2019 

 

Seite 9 

Afghanistan noch seine Konversion beziehungsweise Glaubensausübung 

rechtsgenüglich abgeklärt worden. Formelle Rügen sind vorab zu beurtei-

len sind, da sie allenfalls eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung 

bewirken können (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,, Ver-

waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 

2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 

4.2 Das Verwaltungsverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz be-

herrscht (Art. 12 VwVG), wobei dieser auch für das Asylverfahren gilt  

(Art. 6 AsylG). Der Untersuchungsmaxime zufolge hat die Behörde von 

Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes zu sorgen, die Beweise abzunehmen, die asylsu-

chende Person umfassend und korrekt anzuhören und alle Instruktions-

massnahmen vorzunehmen, die für die Erstellung des Sachverhalts und 

für die Wahrheitsfindung erforderlich sind. Unrichtig ist die Sachverhalts-

feststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachver-

halt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vorinstanz nicht alle entscheid- 

wesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts prüfte, etwa weil sie die 

Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneinte. Unvollständig ist 

die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrele-

vanten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. a.a.O. Rz. 1043). Im 

Asylverfahren wird der Untersuchungsgrundsatz durch Art. 13 VwVG in 

Verbindung mit Art. 8 AsylG beschränkt, weil diese im Asylverfahren eine 

Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person bei der Sachverhaltsermitt-

lung verlangen. 

4.3  

4.3.1 Bei einer geltend gemachten Konversion zu einer neuen Religion 

oder einer Apostasie stellt die Beurteilung der Glaubhaftigkeit oft das zent-

rale Element der Prüfung eines Asylgesuches dar, zumal einer glaubhaften 

Apostasie grundsätzlich Asylrelevanz zukommt (vgl. zum Ganzen Refe-

renzurteil des BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 7.6 f). Im ge-

nannten Referenzurteil kam das Gericht zum Schluss, in Afghanistan sei 

bei Personen, deren Apostasie öffentlich bekannt werde, grundsätzlich von 

einer objektiv begründeten Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanten Nach-

teilen auszugehen (vgl. a.a.O. E. 7.5.5). Demnach hat der Beschwerdefüh-

rer im Falle einer glaubhaften Apostasie bei einer Rückkehr nach Afghanis-

tan allenfalls begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen im Sinne 

von Art. 3 AsylG. Bei Vorliegen einer glaubhaften Apostasie ist in einem 

E-2221/2019 

 

Seite 10 

zweiten Schritt der Frage nachzugehen, ob von einer Person erwartet wer-

den kann, eine drohende Verfolgung durch das eigene Verhalten abzuwen-

den, d.h. es wäre zu überprüfen, ob in Anbetracht des Profils des Be-

schwerdeführers ein unerträglicher psychischer Druck vorliegt, sodass von 

ihm nicht erwartet werden kann, bei einer Rückkehr nach Afghanistan einer 

drohenden Verfolgung durch Verheimlichen seiner Abkehr vom Islam res-

pektive durch diskretes Verhalten zu entgehen (vgl. a.a.O. E. 7.6.1). Die 

religiöse Zugehörigkeit kann – im Vergleich zu anderen Asylvorbringen – 

praktisch nur anhand der eigenen Aussagen der asylsuchenden Person 

beurteilt werden (a.a.O. E. 6.2). Aufgrund des inneren Charakters dieses 

Vorbringens ist die Glaubhaftigkeitsprüfung besonders schwierig (vgl. statt 

vieler Urteil BVGer E-690/2020 vom 24. März 2020 E. 6.2). In einer Anhö-

rung sind daher alle entsprechenden Elemente abzuklären, die eine Beur-

teilung dieser Frage erlauben.  

4.3.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung im Zusammen-

hang mit der geltend gemachten Abkehr vom Islam keine Glaubhaftigkeits-

prüfung vorgenommen. Mithin lässt sich aus dem Entscheid nicht ableiten, 

ob die Konversion als solche von der Vorinstanz als glaubhaft befunden 

wurde.  

Bei Durchsicht des Anhörungsprotokolls fällt zunächst auf, dass der Sach-

bearbeiter den Beschwerdeführer bereits zu Beginn unterbrach, als dieser 

sich zu seinen Erlebnissen äussern wollte (vgl. A17 F17). Auf die in der 

Folge vom Beschwerdeführer vorgebrachten Behelligungen durch den 

Imam und seine Abneigung zum Islam ging der Sachbearbeiter nicht ein 

(vgl. A17 F25 und F40). Vor diesem Hintergrund erweist sich der 

vorinstanzliche Vorwurf, der Beschwerdeführer habe erst auf Nachfrage 

hin von der Vergewaltigung berichtet, als nicht stichhaltig. Aus den Proto-

kollen erhellt weiter, dass der Beschwerdeführer – wie von der HWV ange-

merkt – durch die Art der Befragung in seinem freien Redefluss gehindert 

schien. Der Sachbearbeiter wiederholte zwar gewisse Fragen mehrmals  

(vgl. F44f.; F64 ff.), unterliess es aber an anderer Stelle, Vertiefungsfragen 

zu stellen, die zur Klärung des Sachverhalts hätten beitragen können  

(vgl. F28/29 und F63). Dasselbe Vorgehen ist auch bei der Sachverhalts-

erstellung zur Abkehr vom Islam und der behaupteten Zuwendung zum 

Christentum zu beobachten. Der Sachbearbeiter hat den Beschwerdefüh-

rer zwar dazu befragt, wie er seinen christlichen Glauben in der Schweiz 

ausübe (F142 f.). Es fehlen indes Sachverhaltsabklärungen zur inneren 

und äusseren Motivation der Konversion zum Christentum. Die diesbezüg-

lichen Äusserungen des Beschwerdeführers verfolgte der Befrager nicht 

E-2221/2019 

 

Seite 11 

weiter, sondern fokussierte an dieser Stelle vorwiegend auf Wissensfragen 

zur Bibel («Ich möchte Konkretes wissen. Ich möchte nicht wissen, wie Sie 

erleuchtet wurden» vgl. F 144 ff.). In Bezug auf die Glaubensausübung in 

Afghanistan erschöpften sich die Abklärungen an der Anhörung sodann in 

der Frage, ob Personen in Afghanistan von der Konversion des Beschwer-

deführers erfahren hätten (F136 ff.). Weitere Fragen zur christlichen Reli-

gionsausübung in Afghanistan wurden nicht gestellt. Auch in der Vernehm-

lassung beschränkte sich die Argumentation der Vorinstanz darauf, dass 

nicht von einer asylrelevanten Verfolgung in Afghanistan auszugehen sei, 

weil der Beschwerdeführer selbst angegeben habe, über kein Beziehungs-

netz in Afghanistan zu verfügen, welches von seiner Konversion erfahren 

hätte. 

 

4.3.3 Gemäss Rechtsprechung des EGMR ist anlässlich der Anhörung im 

Zusammenhang mit einer Abwendung vom Islam und Zuwendung zum 

Christentum neben der Glaubensausübung in der Schweiz auch zwingend 

abzuklären, wie der Beschwerdeführer seinen Glauben bei einer allfälligen 

Rückkehr im Heimatland auszuüben gedenkt (vgl. Urteil des EGMR A.A. 

gegen die Schweiz vom 5. November 2019, Nr. 32218/17, Ziff. 54 f., zum 

Ganzen auch Referenzurteil des BVGer D-4952/2014 vom 23. August 

2017 E. 7.6 f.). Dazu wurden, wie bereits ausgeführt, in casu an der Anhö-

rung keinerlei Fragen gestellt. 

4.3.4 Eine materielle Überprüfung der für die Beurteilung dieses Falles re-

levanten Frage der Glaubhaftigkeit der Konversion und der allfälligen Glau-

bensausübung in Afghanistan ist bei dieser Sachlage durch das Gericht 

nicht möglich. Diesbezüglich liegt eine mangelhafte Sachverhaltsabklärung 

vor. Die formelle Rüge des Beschwerdeführers erweist sich demnach als 

begründet. 

5.  

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Regel reformatorisch. 

Nur ausnahmsweise wird eine angefochtene Verfügung kassiert und an die 

Vorinstanz zurückgewiesen. Vorliegend liegt der Mangel der angefochte-

nen Verfügung in einer unvollständigen Abklärung des Sachverhalts. Unter 

den vorliegenden Umständen rechtfertigt sich gemäss Praxis des Bundes-

verwaltungsgerichts die Kassation der angefochtenen Verfügung. Dem Be-

schwerdeführer bleibt auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was 

umso wichtiger ist, als im Asylverfahren das Bundesverwaltungsgericht 

letztinstanzlich entscheidet (vgl. dazu BVGE 2009/53 E. 7.3, BVGE 

http://links.weblaw.ch/BVGer-D-4952/2014

E-2221/2019 

 

Seite 12 

2008/47 E. 3.3.4, BVGE 2008/14 E. 4.1). Bei diesem Ergebnis erübrigt sich 

eine Auseinandersetzung mit den übrigen Argumenten des Beschwerde-

führers. 

6.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die Dispositivziffern 

1–3 der angefochtenen Verfügung vom 5. April 2019 sind aufzuheben und 

die Sache ist zur vollständigen Sachverhaltsabklärung und neuen Ent-

scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

7.  

Die Vorinstanz wird angehalten, den Sachverhalt unter Durchführung einer 

erneuten Anhörung vollständig abzuklären. Namentlich muss der Sachver-

halt soweit erfragt werden, dass sowohl die Frage der Glaubhaftigkeit der 

behaupteten Apostasie als auch eine allfällige Gefährdung bei einer Rück-

kehr nach Afghanistan überprüft werden können (vgl. dazu Ausführungen 

unter E. 4.3). Die Anhörung hat zudem unter Berücksichtigung der praxis-

gemässen Verfahrensstandards im Asylverfahren zu erfolgen. Dazu gehö-

ren insbesondere der Aufbau eines Vertrauensklimas zu Beginn der Anhö-

rung und eine wohlwollende Haltung des Befragers. Der freie Redefluss 

der gesuchstellenden Person sollte durch eine offene und nicht geschlos-

sene Formulierung der Fragen gefördert werden. Auch sollte auf ein häufi-

ges Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Themen verzichtet so-

wie die länderspezifischen Fragen auf das Wesentliche beschränkt wer-

den. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird die mit Zwischenverfügung vom 

14. Mai 2019 gewährte unentgeltliche Prozessführung nachträglich gegen-

standslos. 

 

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Damit wird 

die amtliche Rechtsverbeiständung nachträglich gegenstandslos. Die bei 

den Akten liegende Kostennote vom 9. Mai 2019 erscheint angesichts der 

Verfahrensumstände jedoch auch unter Berücksichtigung der Replikschrift 

E-2221/2019 

 

Seite 13 

als zu hoch. Der geltend gemachte Aufwand von insgesamt 10 Stunden ist 

deshalb auf 8 Stunden zu kürzen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) hat die Vorinstanz dem Beschwer-

deführer eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 1'215.- (inkl. Auslagen) 

auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2221/2019 

 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Dispositivziffern 1–3 der angefochtenen Verfügung werden aufgeho-

ben und die Sache im Sinne der Erwägungen zu neuem Entscheid an die 

Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1’215.- auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Sarah Diack 

 

 

Versand: