# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0a4cf0df-30d8-548f-9d86-71a1983fc077
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.02.2012 E-6153/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6153-2011_2012-02-01.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­6153/2011

U r t e i l   v om   1 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichter Bruno Huber,
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; 
Gerichtsschreiberin Laura Wayllany.

Parteien A._______, geboren (…),
Kongo,  
vertreten durch Oliver Weber, Fürsprecher,
(…),
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 11. Oktober 2011 / N (…).

E­6153/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin  –  eine  Staatsangehörige  der  Demokratischen 
Republik  Kongo  mit  angeblich  letztem Wohnsitz  in  B._______  (Provinz 
C._______)  –  verliess  ihren  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  im 
März 2009 auf  dem Luftweg und gelangte über G._______ am 5. März 
2009  in  die  Schweiz.  Gleichentags  suchte  sie  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ) D._______ um Asyl nach. Am 13. März 2009 
wurde sie summarisch befragt; die Anhörung erfolgte am 3. April 2009.

Bei  der  Befragung  gab  die  Beschwerdeführerin  weder  einen Reisepass 
noch eine Identitätskarte oder andere Dokumente zu den Akten.

B. 
Zur  Begründung  des  Asylgesuches  machte  die  Beschwerdeführerin 
geltend,  sie  sei  eines  Tages  in  Begleitung  von  (…)  Frauen  und  einem 
Mädchen  nach  E._______  geflogen,  um  dort  (…)  einzukaufen.  In  der 
Nacht  seien Männer  in  (…)  gekommen, wo  sie  untergebracht  gewesen 
seien.  Sie  sei  von  diesen  mehrmals  vergewaltigt  worden.  Schliesslich 
habe sie einen der Vergewaltiger, der eine (…) gewesen sei, gestossen; 
er  sei mit  dem Kopf  an  (…)  geflogen  und  gestorben.  Daraufhin  sei  sie 
weggebracht  und  in  einem  Gefängnis  erneut  vergewaltigt  worden.  Ein 
(…) habe sie schliesslich  in einem (…) nach F._______ gebracht und in 
einem  seiner  Häuser  untergebracht.  Niemand  habe  sie  sehen  dürfen. 
Jede Nacht habe er sie vergewaltigt. Schliesslich habe er ihr gesagt, sie 
müsse das Land verlassen, denn die (…) des getöteten Mannes würden 
alles über sie wissen. Er habe zu ihr gesagt, weil sie (…) und (…) ähnlich 
sehe  und  er  Christ  sei,  würde  er  sie  nicht  umbringen.  Er  habe  sie  an 
einem  (…)  einem Mann  anvertraut.  In  dessen  Begleitung  habe  sie  das 
Land verlassen. Sie werde dort gesucht, weshalb sie nicht zurück könne.

C.
Mit  Verfügung  vom  11.  Oktober  2011  stellte  das  BFM  fest,  die 
Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte 
das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz  und  ordnete  deren  Vollzug  an.  Zur  Begründung  führte  die 
Vorinstanz  aus,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  würden 
insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  standhalten, 
weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Demzufolge 
erfülle  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  das  Asylgesuch 

E­6153/2011

Seite 3

abzulehnen sei. Das Bundesamt erachtete den Vollzug der Wegweisung 
gestützt auf die allgemeine Lage in der Demokratischen Republik Kongo 
und  die  individuellen Gegebenheiten  betreffend  die  Beschwerdeführerin 
als zulässig, zumutbar, technisch möglich und praktisch durchführbar.

D.
Gegen diesen Entscheid  liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe  ihres 
Rechtsvertreters  vom  11.  November  2011  beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen,  es  sei 
ihr  Asyl  zu  erteilen.  Eventualiter  sei  sie  vorläufig  in  der  Schweiz 
aufzunehmen,  subeventualiter  sei  der  angefochtene  Entscheid 
aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  das  BFM 
zurückzuweisen.  Allfällige  Wegweisungs­  und  Vollzugsmassnahmen 
seien  im  Sinne  einer  vorsorglichen Massnahme  per  sofort  zu  sistieren, 
und der Beschwerdeführerin  sei  der Aufenthalt  in  der Schweiz während 
der Rechtshängigkeit des vorliegenden Verfahrens zu bewilligen. Es sei 
ihr unter Beiordnung des Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt das Recht 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  zu  gewähren,  alles  unter  Kosten­  und 
Entschädigungsfolge und unter Vorbehalt des Rechts zur unentgeltlichen 
Prozessführung.

E.
Mit  Zwischenverfügung  vom  23. November  2011  bestätigte  der 
Instruktionsrichter  der Beschwerdeführerin  das  ihr  von Gesetzes wegen 
zustehende  Recht,  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz 
abwarten  zu  dürfen.  Den  Antrag  auf  Anordnung  einer  vorsorglichen 
Massnahme  gegenüber  den  Vollzugsbehörden  und  das  Gesuch  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
und  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021) wies  er  ab und  forderte  die 
Beschwerdeführerin  auf,  einen  Kostenvorschuss  zu  leisten.  Dieser  ging 
innert der angesetzten Frist beim Gericht ein. 

F.
Vom  Gericht  mit  Verfügung  vom  5.  Januar  2012  zur  Stellungnahme 
eingeladen  hielt  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  ohne  nähere 
Begründung vollumfänglich an seinem Entscheid vom 11. Oktober 2011 
fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

Die Vernehmlassung wird der Beschwerdeführerin mit dem vorliegenden 
Urteil zur Kenntnis gebracht.

E­6153/2011

Seite 4

E­6153/2011

Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Es  liegt kein solches Auslieferungsbegehren vor, weshalb 
das Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet.

1.2  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Be­
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz­
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 
ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  und 
Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).

E­6153/2011

Seite 6

4. 
4.1  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 
Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für 
gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in 
wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte 
oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

5.
5.1  Zur  Begründung  seines  ablehnenden Entscheides  vom 11. Oktober 
2011 führte das BFM aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien 
widersprüchlich.  Dies  gelte  für  Einzelheiten  bezüglich  jenes 
Vergewaltigers,  den  sie  zu  Boden  gestossen  habe,  und  ebenso 
hinsichtlich der Reise nach E._______.

Weiter  seien  die  Ausführungen  zur  angeblichen  Haft  in  E._______ 
unglaubhaft.  So  wolle  sie  nicht  wissen,  in  welches  Gefängnis  sie 
verbracht  worden  sei.  Zudem  habe  sie  unlogische  Aussagen  über  die 
Gründe gemacht, weshalb ihr jemand geholfen habe, aus dem Gefängnis 
zu entkommen, und sie nach F._______ gebracht habe. 

Aufgrund dieser unlogischen und erfahrungswidrigen Vorbringen würden 
schon  bestehende  Zweifel  an  der  Glaubwürdigkeit  der  Vorbringen 
bestätigt. 

Vorbringen  seien  dann  nicht  hinreichend  begründet,  wenn  sie  in 
wesentlichen  Punkten  zu  wenig  konkret,  detailliert  und  differenziert 
dargelegt wür­den und den Eindruck vermittelten, Gesuchstellende hätten 
das Geschilderte nicht selbst erlebt.

E­6153/2011

Seite 7

Dies  gelte  sowohl  für  Einzelheiten  zum  Gefängnis  und  zum  Haus  in 
F._______, in welchem sie (…) festgehalten worden sei, als auch für die 
vorgebrachten Vergewaltigungen. Die gesamten Vorbringen würden zum 
Schluss führen, dass es sich dabei um ein Konstrukt handle.

Somit  hielten  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  insgesamt  den 
Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7  AsylG  nicht  stand, 
weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Demzufolge 
erfülle  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  das  Asylgesuch 
abzulehnen sei.

5.2  In  ihrer  Rechtsmitteleingabe  vom  11.  November  2011  brachte  die 
Beschwerdeführerin  nach  einlässlicher  Wiederholung  von  bereits  im 
erstinstanzlichen Verfahren zur Glaubhaftigkeit ihrer Angaben hinsichtlich 
des Vorfalls mit dem Vergewaltiger, den sie zu Boden gestossen haben 
will, geltend Gemachtem vor, sie habe nicht im Detail überprüfen können, 
ob  dieser  tatsächlich  tot  sei,  was  man  ihr  nicht  zum  Vorwurf  machen 
könne. Weiter sei zwar  richtig, dass sie bezüglich der Angaben zu  ihrer 
Reise  einen  Ort  verwechselt  habe,  aber  das  reiche  nicht  aus,  um  ihre 
Unglaubwürdigkeit zu begründen.

In Bezug auf das Gefängnis gehe es zu weit, von einer Ortsunkundigen 
Einzelheiten  zu  erwarten.  Tatsächlich  habe  der  (…),  der  ihr  aus  dem 
Gefängnis geholfen habe, eine seltsames Verhalten an den Tag gelegt. 
Es  sei  jedoch  nicht  Sache  der  Beschwerdeführerin,  dieses  zu  deuten. 
Überhaupt  falle  auf,  dass  das  BFM  die  zahlreichen  übereinstimmenden 
Ausführungen nicht würdige. Das gelte etwas  für  (…)  in E._______ und 
Einzelheiten der ersten Vergewaltigung.

Es  sei  der  Vorinstanz  nicht  gelungen,  ein  widersprüchliches 
Aussageverhalten  aufzuzeigen.  Die  angefochtene  Verfügung  sei 
unausgewogen und müsse deshalb aufgehoben werden.

In  Ihrem Heimatstaat müsse die Beschwerdeführerin mit der Rache von 
(…)­  und  von  Familienangehörigen  des  Getöteten  rechnen.  Sie  könne 
nicht auf den Schutz der Behörden des Heimatstaates zählen. Nach der 
Schutztheorie erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG. 
Ein Vollzug der Wegweisung  sei  nicht  zumutbar,  andernfalls  gegen das 
Nonrefoulement­Gebot verstossen werde. Sie sei deshalb in der Schweiz 
vorläufig aufzunehmen.

E­6153/2011

Seite 8

6.
6.1. Das Gericht hält vorweg fest:

Wie  vorstehend  in  Erwägung  3  ausgeführt,  wird  die  Beschwerde  vom 
Gericht  als  offensichtlich  unbegründete  qualifiziert,  weshalb  sein 
Entscheid  nur  summarisch  begründet  wird.  Die  nachstehenden 
Ausführungen  sind  denn  auch  als  Ergänzungen  der  vorinstanzlichen 
Erwägungen zu verstehen, welche in der angefochtenen Verfügung vom 
11.  Oktober  2011  ausführlich,  überzeugend  und  substanziiert  die 
Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin 
dargelegt und vor diesem Hintergrund  festgestellt hat, deren Vorbringen 
genügten  den  Anforderungen  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht.  Für  das 
Bundesverwaltungsgericht  besteht  nach  Überprüfung  der  Akten  keine 
Veranlassung,  den  Entscheid  in  formeller  oder  materieller  Hinsicht  in 
Zweifel zu ziehen.

6.2  Sodann  kommt  das  Gericht  zum  Schluss,  dass  die 
Beschwerdeführerin  über  das  Ganze  gesehen  das  Bild  einer  Person 
abgibt,  der  daran  gelegen  ist,  ihre  Identität  wegen  eines  allfälligen 
Wegweisungsvollzuges  nicht  zu  belegen.  Den  Akten  ist  nicht  zu 
entnehmen, dass sie sich seit  ihrer Ankunft  in der Schweiz auch nur  im 
geringsten um die Beschaffung entsprechender Dokumente bemüht hat. 
Mithin ist  ihr vorzuhalten, dass sie ihrer Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 
AsylG in grober Weise nicht nachkommt.

6.3  Ihr  stereotypes  "Ich  weiss  es  nicht."  anlässlich  der  Befragung  (vgl. 
Akten BFM A 1/11 S.  7)  ist  umso  unverständlicher,  als  sie  nicht  einmal 
wissen  will,  mit  welcher  Fluggesellschaft  sie  gereist  ist,  obwohl 
Passagierflugzeuge  an  zahlreichen  Stellen  aussen  und  innen  den 
Schriftzug  der  Gesellschaft  tragen.  Auch  ist  es  eine  Tatsache,  dass 
Reisepapiere  persönlich  vorgezeigt  werden  müssen;  trotzdem  gibt  die 
Beschwerdeführerin an, keine Details zum Visum zu wissen (vgl. a.a.o.). 
Geradezu kurios mutet schliesslich an, dass sie auf entsprechende Frage 
nach ihrem Begleiter angibt, dieser sei  in G._______ geblieben, und auf 
die  Zusatzfrage,  weshalb  sie  nicht  früher  gesagt  habe,  dass  sie  in 
H._______  gewesen  sei,  angibt,  sie  habe  nicht  gewusst,  dass  es 
H._______  sei,  und  sie  wisse  auch  nicht,  ob  es  wirklich  G._______ 
gewesen sei (vgl. A 1/11 S. 8). Dieses Verhalten und so viel angebliches 
Nichtwissen  ist  dem  Gericht  von  Personen  her  bekannt,  welche  die 
tatsächlichen Umstände ihrer Ausreise nicht preisgeben wollen. 

E­6153/2011

Seite 9

6.4  Des  weiteren  hat  die  Beschwerdeführerin  bei  der  Befragung  zu 
Protokoll gegeben, sie habe den Vergewaltiger zu Boden gestossen: "Er 
war tot, […]" (vgl. A 1/11 S. 5). Anlässlich der Anhörung äusserte sie sich 
diesbezüglich wie  folgt:  "Er  blutete  stark  und  bewegte  sich  nicht mehr." 
(vgl.  B  9/24  F49).  Die  Erklärung  dazu,  sie  habe  dies  ja  nicht  im  Detail 
überprüfen können (vgl. Beschwerde S. 5) ist umso unbehelflicher, als sie 
zweifellos spätestens  in den  folgenden Tagen erfahren haben dürfte, ob 
er noch lebte oder gestorben sei.

Schliesslich  erscheint  das  zentrale  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin, 
der (…), welcher sie zuvor vergewaltigt habe, habe sie am (…) Tag aus 
der  Gefangenschaft  befreit,  mit  einem  (…)  nach  F._______  gebracht, 
über  (…)  bei  sich  zu  Hause  festgehalten,  täglich  vergewaltigt  und  ihr 
schliesslich,  um sie  zu  schützen,  die Ausreise  organisiert  und  finanziert 
(vgl.  A  9/24  S.  6  f.  und  8),  in  keiner  Weise  nachvollziehbar  und 
widerspricht jeglicher Logik des Handelns.

6.5  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren Ausführungen bezüglich Flüchtlings­ und Asylpunkt einzugehen, 
da  sie  am  Ergebnis  der  vorgenommenen  Würdigung  nichts  zu  ändern 
vermögen.  Nach  dem  Gesagten  erfüllt  die  Beschwerdeführerin  die 
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Das Bundesamt hat ihr 
Asylgesuch demnach zu Recht abgewiesen.

7.
7.1  Lehnt  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510 
Nr. 21).

8.
8.1  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht  zulässig,  nicht  zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 

E­6153/2011

Seite 10

vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der 
vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche 
Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind 
zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls 
wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in: 
Uebersax/Ru­din/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl., 
Basel 2009, Rz. 11.148).

8.2.
8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

8.2.2  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf  hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Nonrefoulement 
nur Personen schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da es der 
Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der 

E­6153/2011

Seite 11

Beschwerdeführerin  nach  Kongo  (Kinshasa)  ist  demnach  unter  dem 
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3 
EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt 
wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung 
Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR 
[Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008, 
Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). 

8.2.3  Für  die  allgemeine  Lage  in  Kongo  (Kinshasa)  kann  auf  die 
detaillierte,  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  EMARK  2004  Nr.  33  E.  8.1  –  8.3  S.  232  ff. 
publizierte  Lageanalyse  verwiesen  werden,  welche  das 
Bundesverwaltungsgericht  als  im  Wesentlichen  weiterhin  zutreffend 
erachtet  (vgl.  diesbezüglich  beispielsweise  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­1177/2010  vom  24. März  2010,  D­
7028/2008 vom 14. Juni 2008 und D­1005/2010 vom 24. August 2010). 

8.3.3 Gemäss  ihren  zum Teil widersprüchlichen Angaben  ist  zwar  nicht 
vollends auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin einer  in EMARK 
2004  Nr.  33  definierten  Risikogruppe  angehört.  Vorliegend  ist  aber  zu 
beachten, dass es die Pflicht der Asyl suchenden Person ist, im Rahmen 
des ihr Zumutbaren und Möglichen an der Feststellung des Sachverhalts 
mitzuwirken  und  ihre  Aussagen  zu  substanziieren. 
Wegweisungshindernisse sind grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen, 
doch  findet  diese  Untersuchungspflicht  nach  Treu  und  Glauben  ihre 
Grenzen  an  der  Mitwirkungspflicht  der  Beschwerde  führenden  Person 
(Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 
AsylG);  die Beschwerdeführerin  hat  nicht  die  geringsten Anstrengungen 
unternommen,  um  ihre  Herkunft  zu  dokumentieren.  Es  kann  indessen 
nicht  Sache  der  Asylbehörden  sein,  nach  allfälligen 
Wegweisungshindernissen zu forschen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2).

E­6153/2011

Seite 12

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 
zumutbar,  zumal  auch  keine  individuellen 
Wegweisungsvollzugshindernisse ersichtlich sind.

8.4  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

8.5  Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

9.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  der 
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Sie sind 
mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen und damit gedeckt.

(Dispositiv nächste Seite)

E­6153/2011

Seite 13

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Kosten  des  Verfahrens  in  der  Höhe  von  Fr.  600.–  werden  der 
Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten 
Kostenvorschuss verrechnet und sind damit gedeckt.

3.
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und I._______.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Laura Wayllany

Versand: