# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fa9f8bf1-e710-51a5-a1da-5283eafbfda7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.12.2011 D-8043/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8043-2010_2011-12-16.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­8043/2010

U r t e i l   v om   1 6 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Robert Galliker, Richter Thomas Wespi,   
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

Parteien A._______, geboren am … , und
B._______, geboren am … ,
sowie die Kinder
C._______, geboren am … ,
D._______, geboren am … , und
E._______, geboren am … ,
Russland, 
alle vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern, 
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin­Verfahren);
Verfügung des BFM vom 9. November 2010 / N … .

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Sachverhalt:

A. 
Die Beschwerdeführenden – russische Staatsangehörige aus X._______ 
(Tschetschenien) – ersuchten am 12. August 2010 in der Schweiz um die 
Gewährung  von  Asyl,  worauf  A._______  (der  Beschwerdeführer)  und 
B._______  (die Beschwerdeführerin)  am 18. August  2010  vom BFM zu 
ihrer Person und  ihren persönlichen Verhältnissen,  ihrem Reiseweg und 
summarisch  zu  ihren  Gesuchsgründen  befragt  wurden.  Bereits  vor  der 
Kurzbefragung  hatte  das  Bundesamt  aufgrund  einer  Abfrage  der 
Eurodac­Datenbank festgestellt, dass sich die Beschwerdeführenden vor 
ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  als  Asylsuchende  erst  in  Polen  (Antrag 
verzeichnet per 1. Juli 2007) und danach in Österreich aufgehalten hatten 
(Anträge verzeichnet per 31. Oktober 2007 [die Beschwerdeführerin] bzw. 
per 18. Dezember 2007  [der Beschwerdeführer] sowie per 20. Juli 2009 
und per 14. Mai 2010 [je beide]).

Im  Rahmen  der  Kurzbefragung  gaben  sie  zu  ihrem  Reiseweg  an,  sie 
hätten X._______  im Juni  2007  verlassen und  seien mit  der Eisenbahn 
über  Moskau  nach  Brest  in  Weissrussland  gereist,  von  wo  sie  nach 
Österreich hätten gelangen wollen. Beim Versuch der Weiterreise seien 
sie  jedoch  von  polnischen  Grenzbeamten  angehalten  worden,  weshalb 
sie  in Polen ein Asylgesuch hätten einreichen müssen.  Ihr Ziel aber sei 
weiterhin Österreich gewesen, jedoch seien sie in Polen von angeblichen 
Schleppern  respektive  von  Betrügern  um  ihre  gesamten  Ersparnisse 
gebracht worden. Nachdem der Beschwerdeführer  auf  dem Bau wieder 
zu  etwas  Geld  gekommen  sei,  habe  er  vorab  seine  Ehefrau  und  die 
Kinder nach Österreich schicken können. Einen Monat später sei er ihnen 
nachgefolgt,  in  Österreich  aber  zuerst  wegen  illegalen  Aufenthalts  ins 
Gefängnis  gekommen.  Danach  habe  die  Familie  wieder  zusammen 
gefunden  und  in  den  folgenden  drei  Jahre  seien  sie  an  verschiedenen 
Orten in Österreich untergebracht worden. Ihre Asylgesuche seien jedoch 
abgelehnt  worden,  weshalb  sie  von  Österreich  in  die  Schweiz  gereist 
seien.  Auf  Nachfrage  gaben  sie  an,  in  Polen  hätten  sie  damals  noch 
keinen Entscheid erhalten. 

Zur Begründung  ihrer Gesuche  brachten  sie  vor,  der Beschwerdeführer 
habe im ersten Tschetschenienkrieg die Rebellen unterstützt, weil es um 
die Unabhängigkeit  von Russland  gegangen  sei  und weil  seine  Familie 
zum gleichen Stamm wie der damalige Präsident Dudajew gehört habe. 
Er  sei  deswegen  im  Jahre  2004  und  nochmals  im  Jahre  2005  von 

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maskierten Männern  in  Uniform  von  zuhause  abgeholt  und  beide Male 
schwer misshandelt worden. Bei der ersten Mitnahme sei er fast zu Tode 
geprügelt  und  danach  wie  Müll  am  Strassenrand  entsorgt  worden,  er 
habe  jedoch  überlebt.  Wer  ihn  damals  mitgenommen  habe  –  Russen 
oder  Tschetschenen  – wisse  er  nicht.  Bei  der  zweiten Mitnahme  sei  er 
zusammengeschlagen  und  zur Mitarbeit mit  den  Behörden  aufgefordert 
worden.  Zu  dieser  Zeit  seien  fast  alle  seine  Freunde  bereits 
verschwunden oder tot gewesen, und nachdem er die Namen aller habe 
nennen müssen, die ihm von früher als Rebellen bekannt gewesen seien 
oder  denen  er  je  geholfen  habe,  habe  er  sich  schliesslich  auch  zur 
geforderten  Zusammenarbeit  verpflichtet.  Er  sei  danach  tatsächlich 
wieder  auf  freien  Fuss  gesetzt  worden,  worauf  er  jedoch  nicht  mit  den 
Behörden zusammengearbeitet, sondern sich während der nächsten zwei 
Jahre unter anderem  in  Inguschetien versteckt gehalten habe.  In diesen 
zwei  Jahren  sei  er  wiederholt  zuhause  bei  seiner  Frau  und  auch  bei 
Verwandten gesucht worden. Dabei hätten nicht die russischen, sondern 
die tschetschenischen Behörden nach ihm gesucht, da er dieser Seite als 
Verräter  gelte.  Der  Beschwerdeführer  sei  unentdeckt  geblieben,  jedoch 
sei es zu Übergriffen auf die Beschwerdeführerin gekommen, namentlich 
im Frühjahr 2007. Da schliesslich keine Aussicht auf eine Verbesserung 
bestanden habe und der Beschwerdeführer seine Ehefrau und die Kinder 
vor  erneuten  Übergriffen  habe  schützen  wollen,  habe  er  sich 
entschlossen,  mit  seiner  Familie  die  Heimat  zu  verlassen.  Daneben 
brachten  die  Beschwerdeführenden  vor,  während  des  Krieges  habe  ihr 
mittleres Kind am Bein schwerste Brandverletzungen erlitten, als ihr Haus 
bombardiert  worden  sei.  Das  Kind  sei  traumatisiert  und  brauche 
psychiatrische Behandlung. Zudem hätten alle Kinder bis heute vor jedem 
Menschen  in  Uniform  panische  Angst.  Der  Beschwerdeführer  habe 
aufgrund der erlittenen Schläge keine Zähne mehr, er sei in Österreich in 
psychiatrischer Behandlung gewesen und er sei ständig auf Medikamente 
angewiesen. Die Familie könne wegen seines Zustandes kein normales 
Leben  mehr  führen.  Auch  die  Beschwerdeführerin  sei  gesundheitlich 
angeschlagen,  da  sie  in  ständiger  Angst  lebe  sowie  an Kopfschmerzen 
und  psychischen  Problemen  leide.  Als  Beweismittel  reichten  die 
Beschwerdeführenden  eine  umfangreiche  Sammlung  an  medizinischen 
Berichten  aus  Österreich  sowie  Unterlagen  zu  ihrem  österreichischen 
Asylverfahren  ein.  Heimatliche  Papiere  legten  sie  nicht  vor,  wobei  sie 
übereinstimmend  angaben,  der  Beschwerdeführer  habe  vor  einigen 
Monaten  während  eines  epileptischen  Anfalls  seine  Tasche  und  damit 
ihre heimatlichen Papiere verloren. 

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Aufgrund  der Angaben  zu  ihrem Reiseweg  sowie  ihrer Verzeichnung  in 
der  Eurodac­Datenbank  wurde  den  Beschwerdeführenden  vom  BFM 
eröffnet,  dass mutmasslich  Polen  oder  Österreich  für  die  Durchführung 
des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  zuständig  sei,  weshalb 
gegebenenfalls  auf  ihre  Asylgesuche  nicht  eingetreten  werde.  Der 
Beschwerdeführer  brachte  in  der  Folge  vor,  er  würde  gerne  nach 
Österreich zurückkehren, wenn er mit seiner Familie dort bleiben könne. 
Nach Polen könne er hingegen nicht, da er dort dieselben Probleme wie 
in  Tschetschenien  habe.  Auch  die  Beschwerdeführerin  brachte  vor,  sie 
würde gerne nach Österreich zurückkehren, da sie dort drei Jahre gelebt 
habe.  Wenn  die  dortigen  Behörden  sie  aufnehmen  würden,  gehe  sie 
dorthin  zurück.  Nach  Polen  würde  sie  hingegen  nie  zurückkehren, 
sondern lieber sterben. 

B. 
Am 24. September 2010 sandte das BFM – nach den Bestimmungen der 
Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur 
Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um  Wiederaufnahme  der 
Beschwerdeführenden  an  Österreich.  Von  österreichischer  Seite  wurde 
dem BFM in der Folge am 1. Oktober 2010 mitgeteilt, dem Ersuchen um 
eine Übernahme (recte: Wiederaufnahme) werde nicht zugestimmt, da im 
Falle  der  Beschwerdeführenden  von  der  Zuständigkeit  Polens 
auszugehen sei. Dabei wurde ausgeführt,  die polnische Dublin­Behörde 
habe bereits am 21. Mai 2010 einer Übernahme (recte: Wiederaufnahme) 
der  Beschwerdeführenden  zugestimmt,  worauf  deren  Asylgesuche  in 
Österreich  zurückgewiesen und gleichzeitig  die Ausweisung nach Polen 
verfügt  worden  sei.  Die  Überstellung  nach  Polen  sei  am  9. Juni  2010 
erfolgt.  Der  Antwort  lag  die  erwähnte  Zustimmungserklärung  aus  Polen 
bei,  in  welcher  von  polnischer  Seite  eine  seit  dem  14.  Januar  2008 
rechtskräftige  Ablehnung  der  Asylgesuche  und  Verweigerung  eines 
weiteren Verbleibs im Lande berichtet wurde. 

Das BFM sandte in der Folge am 12. Oktober 2010 – wiederum nach den 
Bestimmungen zur Dublin­II­VO – ein Ersuchen um Wiederaufnahme an 
Polen. Diesem Ersuchen wurde von polnischer Seite mit Schreiben vom 
14. Oktober 2010 ausdrücklich entsprochen. 

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C. 
Mit Verfügung vom 9. November 2010 – eröffnet am folgenden Tag – trat 
das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  die  Asylgesuche  der 
Beschwerdeführenden nicht ein und ordnete deren Wegweisung aus der 
Schweiz  nach Polen  an. Gleichzeitig,  wurde  den Beschwerdeführenden 
eine  Ausreisefrist  auf  den  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist 
angesetzt,  der  zuständige  Kanton  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung 
beauftragt  und  abschliessend  festgehalten,  einer  allfälligen Beschwerde 
gegen  diesen  Entscheid  komme  keine  aufschiebende  Wirkung  zu.  Zur 
Begründung seines Entscheides  führte das Bundesamt  im Wesentlichen 
aus,  gemäss  der  Dublin­II­VO  sei  Polen  für  die  Durchführung  der 
Asylverfahren zuständig, da die Beschwerdeführenden erstmals in Polen 
einen  Asylantrag  gestellt  hätten  und  Polen  mit  Schreiben  vom  14. 
Oktober  2010  einer  Übernahme  (recte:  Wiederaufnahme)  der 
Beschwerdeführenden  gemäss  Art. 16  Abs.  2  Bst.  e  Dublin­II­VO 
ausdrücklich  zugestimmt  habe.  Zwar  sei  vom  Beschwerdeführer 
vorgebracht  worden,  er  habe  in  Polen  die  gleichen  Probleme  wie  in 
Tschetschenien.  Im  Falle  von  Drohungen  oder  Übergriffen  von  Seiten 
Dritter könne er sich  jedoch an die polnischen Behörden wenden. Damit 
seien  von  den  Beschwerdeführenden  keine  Gründe  geltend  gemacht 
worden,  welche  gegen  eine  Rücküberführung  nach  Polen  sprechen 
würden.  Abschliessend  erklärte  das  Bundesamt  die  Wegweisung  nach 
Polen als zulässig, zumutbar und möglich.

D. 
Gegen  diesen  Entscheid  erhoben  die  Beschwerdeführenden  am  17. 
November  2010  –  handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter  und  vorab  per 
Telefax – Beschwerde. In ihrer Eingabe beantragten sie zur Hauptsache 
die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  Rückweisung  der 
Sache ans BFM, verbunden mit der Anweisung an das Bundesamt, sein 
Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben.  In  prozessualer Hinsicht  ersuchten 
sie  um  ein  Aussetzen  des  Wegweisungsvollzuges  und  die  Anordnung 
vollzugshemmender Massnahmen sowie um Erlass der Verfahrenskosten 
und  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht.  Im  Rahmen  der 
Beschwerdebegründung machten  sie  zur Hauptsache  geltend,  aufgrund 
ihrer  persönlichen Umstände  habe  das  BFM  aus  humanitären Gründen 
sein  Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  ihr  Asylgesuch 
zuständig zu erklären. Auf die Beschwerdebegründung im Einzelnen wird 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

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E. 
Nach Eingang der Beschwerde – mit Telefax vom am 18. November 2010 
– ordnete  das  Bundesverwaltungsgericht  vollzugshemmende 
Massnahmen an  (Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]).

F. 
Mit Eingabe vom 19. November 2010 reichten die Beschwerdeführenden 
eine aktuelle Fürsorgebestätigung nach.

G. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Bundeverwaltungsgerichts  vom  23. 
November  2010 wurde  der  Vollzug  der Wegweisung  für  die  Dauer  des 
Verfahrens  ausgesetzt  (Art.  107a  AsylG),  dem  Gesuch  um  Erlass  der 
Verfahrenskosten  entsprochen  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  und  auf  das 
Erheben  eines  Kostenvorschusses  antragsgemäss  verzichtet  (Art.  63 
Abs. 4  VwVG). Gleichzeitig  wurde  das  BFM  unter  Zustellung  der  Akten 
zum Schriftenwechsel eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG). 

H. 
In seiner Vernehmlassung vom 29. November 2010 hielt das BFM an der 
angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  eine  Abweisung  der 
Beschwerde. Dabei gelangte das Bundesamt zum Schluss, aufgrund der 
Akten  lägen  keine  Gründe  vor,  um  von  einer  Überstellung  der 
Beschwerdeführenden  nach  Polen  abzusehen  und  deren  Asylgesuche 
gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO in der Schweiz materiell zu prüfen. 
Auf  den  Inhalt  der  Vernehmlassung  wird  –  soweit  wesentlich  –  in  den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

I. 
Am  15.  Dezember  2010  reichten  die  Beschwerdeführenden  eine 
Stellungnahme  und  drei  spezialärztliche  Berichte  zu  den  Akten.  Darauf 
wird 
– soweit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die 
Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei 

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entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. 
dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2. Auf dem Gebiet des Asyls kann mit Beschwerde die Verletzung von 
Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.3. Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG,  soweit  das VGG oder 
das AsylG nichts anderes bestimmen (vgl. dazu Art. 37 VGG sowie Art. 6 
und 105 AsylG). 

1.4.  Auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  der  legitimierten 
Beschwerdeführenden  ist  einzutreten  (vgl.  dazu  Art.  108  Abs.  2  AsylG 
und Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs.1 VwVG).

2. 
2.1.  Gemäss  der  Bestimmung  von  Art.  34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  –  auf 
welche sich die angefochtene Verfügung stützt – wird auf Asylgesuche in 
der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat 
ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist. 

2.2. Nachdem  die  Beschwerdeführenden  sowohl  gemäss  Verzeichnung 
in der Eurodac­Datenbank als auch  ihren eigenen Angaben  ihren ersten 
Asylantrag  im  europäischen  Raum  in  Polen  eingereicht  haben,  ist 
gemäss den einschlägigen Bestimmungen zum Dublin­Verfahren – neben 
der  Dublin­II­VO  namentlich  die  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der 
Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen 
zur  Dublin­II­VO  (DVO  Dublin)  und  das  Abkommen  vom  26. Oktober 
2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der 
Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem 
Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­
Assoziierungsabkommen; DAA, SR 0.142.392.68]) – grundsätzlich dieser 
Staat  für  die  Prüfung  ihrer  Asylanträge  zuständig.  Dem  Ersuchen  des 

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BFM um eine Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden  (nach Art. 16 
Abs.  1  Bst.  e  Dublin­II­VO)  wurde  von  Polen  ausdrücklich  zugestimmt. 
Damit sind die Grundvoraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid 
in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG erfüllt.

3. 
3.1.  Im  Falle  von  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit 
denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin 
zu  überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  des 
Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob 
das  BFM  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  dazu 
BVGE 2007/8 E. 2.1 mit weiterem Hinweis). 

3.2. Die Frage, ob die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr  in  ihre 
Heimat  einer  asylrelevanten  Verfolgung  ausgesetzt  wären,  bildet  damit 
nicht  Gegenstand  des  Verfahrens.  Auch  die  Frage  einer  vorläufigen 
Aufnahme  aufgrund  einer  eventuellen  Unzulässigkeit  oder 
Unzumutbarkeit der Wegweisung nach Art. 44 Abs. 2 AsylG  ist  im Falle 
von Dublin­Verfahren nicht Prozessgegenstand.  Zu prüfen  ist  hingegen, 
ob das BFM von seinem Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­
VO hätte Gebrauch machen müssen. 

3.3. Nach der Bestimmung  von Art.  3 Abs. 2 Dublin­II­VO – auf welche 
sich  die  Beschwerdeführenden  berufen  –  kann  die  Schweiz  ein 
Asylgesuch  materiell  prüfen,  auch  wenn  gemäss  den  einschlägigen 
Kriterien  der  Dublin­II­VO  ein  anderer  Staat  zuständig  wäre 
(Selbsteintrittsrecht).  Diese  Bestimmung  ist  nicht  direkt  anwendbar, 
sondern kann nur  in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen 
oder  internationalen  Rechts  angerufen  werden  (BVGE  2010/45  E. 5). 
Art. 29a  Abs. 3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über 
Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  sieht  vor,  dass  das  BFM  aus 
humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den 
Kriterien der Dublin­II­VO ein anderer Staat zuständig ist. Es handelt sich 
dabei  um  eine  Kann­Bestimmung,  die  den  Behörden  einen  gewissen 
Ermessensspielraum  lässt  und  grundsätzlich  restriktiv  auszulegen  ist 
(BVGE  2010/45  E. 8.2.2.).  Droht  hingegen  ein  Verstoss  gegen 
übergeordnetes  Recht,  namentlich  ein  Verstoss  gegen  eine  zwingende 
Norm  des  Völkerrechts,  so  besteht  ein  einklagbarer  Anspruch  auf 
Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  (BVGE  2010/45  E. 7.2.;  CHRISTIAN 
FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung,  3.  Aufl.,  Wien/Graz 
2010, K8 zu Art. 3). Erweist  sich demnach  im Einzelfall,  dass durch die 

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Überstellung nach den Bestimmungen der Dublin­II­VO das Refoulement­
Verbot  nach  Art. 33  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), die Garantien nach der 
Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), des Internationalen Paktes über 
bürgerliche  und  politische  Rechte  (UNO­Pakt  II,  SR 0.103.2)  oder  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(Folterkonvention;  FoK,  SR 0.105)  verletzt  würden,  so  muss  vom 
Selbsteintrittsrecht  nach  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  Gebrauch  gemacht 
werden (vgl. zum Ganzen auch BVGE E­7221/2009 E. 4.1 [Entscheid zur 
Publikation bestimmt]).

4. 
4.1. Im Rahmen der angefochtenen Verfügung hat sich das BFM mit der 
Frage  der  Bestimmung  der  Zuständigkeit  nach  der  Dublin­II­VO 
auseinandergesetzt  und  sich  zur  Frage  eines  Selbsteintritts  nach  Art. 3 
Abs. 2 Dublin­II­VO nicht geäussert. 

4.2.  Im Rahmen der Beschwerde bringen die Beschwerdeführenden vor, 
gemäss  Dublin­II­VO  wäre  für  ihr  Asylverfahren  wohl  Polen  zuständig, 
aufgrund  der  gesamten  Aktenlage  respektive  ihrer  persönlichen 
Umstände  sei  jedoch  vom  Recht  auf  Selbsteintritt  aus  humanitären 
Gründen Gebrauch zu machen. Dabei machen sie in ihrer Eingabe unter 
anderem  geltend,  im  Falle  einer  Rückführung  nach  Polen  drohe  ihnen 
dort eine Abschiebung nach Tschetschenien, wo sie mutmasslich erneut 
Verfolgung  und  Folter  zu  gewärtigen  hätten.  Zur  Hauptsache  berichten 
sie  über  massive  gesundheitliche  Probleme  und  insgesamt  schwierige 
persönliche  Umstände,  aufgrund  welcher  auf  eine  Wegweisung  nach 
Polen zu verzichten und ihr Asylgesuch aus humanitären Gründen in der 
Schweiz zu behandeln sei. Dabei berichten sie vorab über die Umstände 
ihrer Rückführung von Österreich nach Polen: Sie seien am 9. Juni 2011 
– nach  drei  Jahren  Aufenthalt  in  Österreich  –  mit  einem  Bus  an  die 
polnische  Grenze  gebracht  und  der  polnischen  Polizei  übergeben 
worden, welche sich jedoch nicht um sie gekümmert, sondern sie auf die 
Strasse  gestellt  habe.  Sie  hätten  sich  deshalb  selbständig  ins 
Auffanglager  Y._______  begeben,  wo  man  ihnen  jedoch  erklärt  habe, 
aufgrund ihres dreijährigen Aufenthalts in Österreich hätten sie ihr Recht 
auf  einen  Verbleib  im  Lager  verwirkt.  Von  zwei  anwesende  Ärzten  sei 
dem Beschwerdeführer zudem mitgeteilt worden, die von  ihm benötigen 
Medikamente könnten ihm nicht zur Verfügung gestellt werden. Aufgrund 

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dieser Umstände hätten  sie  sich  zum Bahnhof  von Warschau begeben, 
wo sich ein Landsmann ihrer angenommen habe. Nachdem dieser Mann 
bei  Landsleuten  Geld  für  sie  gesammelt  und  ihre  Ausreise  organisiert 
habe, seien sie von Polen nach Österreich zurückgekehrt, von wo sie  in 
die  Schweiz  gereist  seien.  Nach  diesen  Schilderungen  zu  ihrem 
Aufenthalt in Polen bringen sie zu ihren persönlichen Umständen vor, der 
Beschwerdeführer werde zurzeit aufgrund seiner schlechten psychischen 
Verfassung …  [in  einer  psychiatrischen Klinik]  ambulant  behandelt,  und 
unter Verweis auf die aktenkundigen Arztberichte aus Österreich  führen 
sie an, er leide an einer posttraumatischen Behandlungsstörung sowie an 
einer  Hepatitis  C.  Da  die  Hepatitis  C  in  Österreich  nicht  zu  Ende 
behandelt worden sei und bei ihm aktuell erhöhte Leberwerte festgestellt 
worden seien, sei von einem Rückfall auszugehen. Im Weiteren sei auch 
der  psychische  Zustand  der  Beschwerdeführerin  besorgniserregend, 
welche  in  der  Heimat  frauenspezifische  Nachstellungen  erlitten  habe, 
über die sie ihrem Ehemann aber nichts berichtet habe. Eines der Kinder 
sei  in  der  Vergangenheit  bei  einem  Bombardement  am  Bein  schwer 
verletzt  worden  und  alle  Kinder  seien  bis  heute  verängstigt.  In  der 
Schweiz  seien  die  drei  Kinder  mittlerweile  eingeschult  worden.  Unter 
Verweis  auf  die  Jahresberichte  2007  ­  2010  von  Amnesty  International 
(AI) zur Frage der Behandlung von Asylsuchenden in Polen führen sie in 
der Folge an, es sei davon auszugehen, dass sie als  traumatisierte und 
gesundheitlich  schwer  angeschlagene  Menschen  in  Polen  keine 
hinreichende  medizinische  psychologische  Unterstützung  erhalten 
würden. Gemäss den AI­Berichten würden sie zudem  in Polen als nicht 
anerkannte  Flüchtlinge  von  Integrationsmassnahmen  ausgeschlossen 
und  die  Kinder  hätten  dort  auch  keinen  Zugang  zur  Schule. 
Abschliessend brachten die Beschwerdeführenden vor, sie und vor allem 
die  Kinder  würden  unter  der  bereits  seit  über  drei  Jahren  unsicheren 
Situation sehr leiden. 

4.3.  In  seiner  Vernehmlassung  hält  das  BFM  vorab  fest,  im  Verfahren 
nach  der  Dublin­II­VO  werde  davon  ausgegangen,  dass  sich  jeder 
Mitgliedstaat  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtung  halte  und 
Asylsuchenden  insbesondere  effektiven  Schutz  vor  Rückschiebung  im 
Sinne  des  Non­Refoulement­Prinzips  gewähre.  Den 
Beschwerdeführenden  gelinge  es  alleine  mit  der  Vorlage  der  bloss 
allgemein  gehaltenen  Berichte  nicht,  diese  Regelvermutung 
umzustossen. Konkrete Hinweise darauf, Polen würde sich in ihrem Falle 
nicht  an  seine Verpflichtungen  halten,  lägen  damit  nicht  vor.  Betreffend 
die  medizinischen  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  führt  das 

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Bundesamt  im Anschluss daran aus, es sei  in allen Dublin­Staaten eine 
adäquate Versorgung aller Krankheitsbilder vorhanden, weswegen – wie 
vom  Bundesverwaltungsgericht  bereits  in  einem  anderen  Verfahren 
aufgezeigt  –  im  Einzelfall  nicht  zu  prüfen  sei,  ob  ein  bestimmtes 
Krankheitsbild  angemessen  behandelt  werden  könne  oder  nicht.  Der 
Zugang  zu  einer  angemessenen  Behandlung  sei  in  Polen  jedenfalls 
sichergestellt,  nachdem  das  Land  die  europäische  Aufnahmerichtlinie, 
laut welcher im Falle von Asylsuchenden auch besondere Bedürfnisse mit 
einer  entsprechenden  medizinischen  Versorgung  abzudecken  sind, 
vollständig  umgesetzt  habe. Ausserdem  sei  bei medizinischen Gründen 
nur  im  Falle  von  ganz  aussergewöhnlichen  Umständen  –  nur  bei 
Vorliegen  eines  "real  risk"  im  Sinne  der  Praxis  zu  Art.  3  EMRK  –  vom 
Wegweisungsvollzug  abzusehen.  Für  die  Frage  der  Überstellung  nach 
Polen  sei  daher  einzig  die Transportfähigkeit  der Beschwerdeführenden 
massgebend,  welche  aufgrund  der  Akten  gegeben  sei,  womit  sie  ihre 
weitere medizinische Behandlung in Polen in Anspruch nehmen könnten. 
Demzufolge  lägen keine Gründe gegen eine Überstellung und  für einen 
Selbsteintritt nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO vor. 

4.4. In ihrer Stellungnahme führen die Beschwerdeführenden vorab an, in 
dem  vom  BFM  zitierten  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  sei 
keineswegs  ausgeführt  worden,  bei  einer Wegweisung  in  einen Dublin­
Staat  bedürfe  es  im  Falle  von  medizinischen  Problemen  keiner 
Einzelfallprüfung.  In  der  Folge  bestreiten  sie  die  vorinstanzlichen 
Erwägungen  betreffend  das  Vorhandensein  eines  hinreichenden 
Behandlungsangebotes  in  Polen.  Vielmehr  dürfe  als  allgemein  bekannt 
gelten,  dass  es  um  das  polnische  Gesundheitssystem  schlecht  bestellt 
sei  und  nicht  einmal  die  eigenen  Staatsangehörigen  genügend  betreut 
würden,  geschweige  denn  Asylsuchende.  Unter  Vorlage  von  drei 
fachärztlichen  Berichten  …  [eines  kantonalen  Spitals]  führen  sie  im 
Anschluss daran aus,  der Beschwerdeführer  leide an einer  chronischen 
Hepatitis  C  sowie  unter  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung, 
welche derzeit … [in einer psychiatrischen Klinik] behandelt werde. Auch 
die Beschwerdeführerin  stehe dort  in Behandlung,  und es  stehe ausser 
Frage,  dass  die  Beschwerdeführenden  auf  diese  Behandlung 
angewiesen  seien  und  sich  ihr  Gesundheitszustand  im  Falle  einer 
Wegweisung nach Polen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 
drastisch verschlechtern würde. Da die dringend benötigte medizinische 
Hilfe  in  Polen  nicht  gewährleistet  sei,  was  einem  Verstoss  nach  Art.  3 
EMRK gleichkommen, sei ausnahmsweise vom Selbsteintrittsrecht nach 
Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO Gebrauch  zu machen.  Daneben  bringen  die 

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Beschwerdeführenden  im  Rahmen  ihrer  Stellungnahme  nochmals  vor, 
anlässlich  ihrer  Rückführung  aus  Österreich  habe  sich  im  Lager 
Y._______ gezeigt, dass Polen nicht gewillt sei, ihnen medizinische Hilfe 
anzubieten und sie  in das Asylverfahren aufzunehmen, und sie machen 
namentlich  das  Vorliegen  schwierigster  persönlicher  Verhältnisse  und 
daraus  folgend  ein  besonderes  Schutzbedürfnis  geltend.  Da  beide 
Elternteile schwer angeschlagen und die bisherige Fluchtgeschichte auch 
an  den  drei  minderjährigen  Kinder  nicht  spurlos  vorbeigegangen  sei, 
seien sie als besonders verletzliche Personen anzuerkennen. 

5. 
5.1. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich  in BVGE E­7221/2009 vom 
10.  Mai  2011  (zur  Publikation  vorgesehen)  –  ein  Urteil  betreffend  eine 
tschetschenische Familie – einlässlich mit der Frage der Zulässigkeit der 
Wegweisung  in  den  Dublin­Staat  Polen  auseinandergesetzt.  Dabei  hat 
das  Bundesverwaltungsgericht  zum  einen  die  Annahme  der 
grundsätzlichen  Verlässlichkeit  des  polnischen  Asylverfahrens  bestätigt 
(vgl. a.a.O. E. 6), zum andern hat es sich namentlich mit der Frage der 
Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzuges  vor  dem  Hintergrund 
schwerwiegender medizinischer Probleme auseinandergesetzt.  In dieser 
Hinsicht  ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gelangt, dass  in 
Polen  die  medizinische  Versorgungslage  für  Asylsuchende  gerade  im 
psychiatrisch­psychologischen  Bereich  ungenügend  ist.  Im  beurteilten 
Fall wurde  jedoch –  trotz der mangelhaften Versorgungslage – die hohe 
Schwelle eines Verstosses gegen Art. 3 EMRK als nicht erreicht erkannt, 
weshalb  das  BFM  nicht  aufgrund  übergeordneten  Völkerrechts 
verpflichtet  gewesen  sei,  vom  Selbsteintrittsrecht  nach  Art.  3  Abs.  2 
Dublin­II­VO Gebrauch  zu machen  und  auf  das  Asylgesuch  einzutreten 
(vgl. zum Ganzen BVGE E­7221/2009 vom 10. Mai 2011 E. 7). 

5.2. Entgegen den anders lautenden Beschwerdevorbringen besteht auch 
im vorliegenden Verfahren kein hinreichender Anlass zur Annahme, den 
Beschwerdeführenden  drohe  in  Polen  ein  Verstoss  gegen  das 
flüchtlingsrechtliche  Refoulement­Verbot,  und  es  ist  im  Weiteren  auch 
nicht zu schliessen, sie wären in Polen – im Sinne eines "real risk" – von 
menschenrechtswidriger  Behandlung  bedroht.  In  erstgenannter  Hinsicht 
muss  zwar  aufgrund  der  Akten  davon  ausgegangen  werden,  die 
Asylgesuche der Beschwerdeführenden seien von Polen am 14. Januar 
2008 rechtskräftig abgewiesen worden, also zu einem Zeitpunkt, als sich 

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die  Beschwerdeführenden  schon  längere  Zeit  in  Österreich  befanden. 
Gleichzeitig  ist  auch  nicht  auszuschliessen,  dass  im  Lager  Y._______ 
versucht  wurde,  den  Beschwerdeführenden  den  erneuten  Zugang  zum 
polnischen Asylverfahren  zu  erschweren,  indem  sie  dort  einfach wieder 
weggeschickt  wurden.  Auch  unter  Berücksichtigung  dieser  Umstände 
besteht  jedoch  kein  hinreichender  Anlass  zur  Annahme,  den 
Beschwerdeführenden  würde  der  erneute  Zugang  zum  polnischen 
Asylverfahren alleine aufgrund ihres Aufenthalts in einem anderen Dublin­
Staat auf Dauer verwehrt, womit sie von einer ordentlichen Prüfung ihrer 
Asylgesuche ausgeschlossen wären. Vor dem Hintergrund der Annahme 
der  grundsätzlichen  Verlässlichkeit  des  polnischen  Asylverfahrens  ist 
vielmehr zu schliessen, dass ihnen – nötigenfalls unter Inanspruchnahme 
rechtlichen  Beistandes  –  ein  Zugang  zum  polnischen  Asylverfahren 
weiterhin  möglich  wäre.  In  zweitgenannter  Hinsicht  ist  zwar  –  wie 
namentlich  nachfolgend  aufgezeigt  –  vom  Vorliegen  schwerwiegender 
medizinischer Probleme auszugehen, und zwar gerade im psychiatrisch­
psychologischen  Bereich,  in  welchem  in  Polen  kein  hinreichendes 
Behandlungsangebot besteht. Entsprechend der Schlüsse im vorstehend 
zitierten  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  jedoch  alleine  von 
daher  die  Schwelle  zur  Annahme  eines  Verstosses  gegen  das 
menschenrechtliche  Refoulement­Verbot  nach  Art.  3  EMRK  nicht 
überschritten. 

5.3.  Eine  völkerrechtliche  Pflicht  für  die  Schweiz,  von  ihrem  Recht  auf 
Selbsteintritt  nach  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  Gebrauch  zu  machen, 
besteht  nach  vorstehenden Feststellungen  nicht.  In  dieser Hinsicht  sind 
die  vorinstanzlichen  Erwägungen  zu  bestätigen.  Im  Übrigen  greift  der 
Entscheid des BFM aber – wie nachfolgend aufgezeigt – zu kurz. 

5.4. 
5.4.1. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 stellt – wie bereits oben erwähnt (E. 3.3) – 
die  Grundlage  dar,  um  im  Einzelfall  aus  humanitären  Gründen  vom 
Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO Gebrauch machen. Da 
es  sich  bei Art. 29a Abs. 3 AsylV 1  um eine Kann­Bestimmung handelt, 
verfügt das BFM bei der Ausübung dieses Rechts über einen gewissen 
Ermessensspielraum.  Das  Bundesamt  geht  daher  fehl,  wenn  es  im 
Rahmen seiner Vernehmlassung im Wesentlichen dafür hält, es gebe nur 
einerseits die Überstellung der Asylsuchenden an den für sie zuständigen 
Staat oder andererseits die Ausübung des Rechts auf Selbsteintritt, weil 
die  Überstellung  gegen  übergeordnetes  Recht  verstossen  würde.  Auch 
ausserhalb  von  Fällen,  wo  der  Selbsteintritt  zur  Pflicht  wird,  ist  die 

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Schweiz  sehr  wohl  berechtigt  und  je  nach  den  Umständen  sogar 
gehalten, auch aus anderen, weniger zwingenden humanitären Gründen 
ihr Ermessen zu Gunsten des Wohls des Asylsuchenden  in Form eines 
Selbsteintritts  auszuüben.  Durch  eine  restriktive  Praxis  der  Auslegung 
von  Art. 29a  Abs. 3  AsylV 1  wird  sichergestellt,  dass  das 
Zuständigkeitssystem  der  Dublin­II­VO  nicht  unterhöhlt  wird  (vgl.  dazu 
namentlich  BVGE  E­7221/2009  vom  10.  Mai  2011  E.  8.1  [mit  weiteren 
Hinweisen]).

5.4.2.  Im Falle der Beschwerdeführenden  ist – wie von diesen zu Recht 
geltend  gemacht  –  von  einer  insgesamt  schwerwiegenden  psychischen 
Schädigung  mit  erheblichem  Krankheitswert  auszugehen.  Namentlich 
betreffend  den  Beschwerdeführer  wurden  drei  fachärztliche  Berichte … 
[in eines kantonalen Spitals] zu den Akten gereicht, wobei  im Bericht … 
[der  psychiatrischen  Klinik]  vom  5.  Oktober  2010  zur  Hauptsache  über 
das Vorliegen einer chronifizierten posttraumatischen Belastungsstörung, 
eine signifikante depressive Entwicklung im Sinne einer mittelgradigen bis 
schweren  Depression,  einer  Panikstörung  mit  Agoraphobie  und  von 
Schlafstörungen  mit  Verdacht  auf  ein  Restless­Legs­Syndrom  berichtet 
wird,  welche  mit  einer  Kombination  mehrerer  antidepressiver 
Medikamente (in teils hoher Dosierung) behandelt werden. Daneben wird 
in  zwei Berichten  der  Inneren Medizin … vom 11. Oktober  2010 und 5. 
November  2010  insbesondere  über  das  Vorliegen  einer  chronischen 
Hepatitis  C­Infektion  berichtet.  Die  Schlüsse  …  [der  psychiatrischen 
Klinik] wurden  von Fachpersonen gezogen,  an  deren Qualifikation  nicht 
zu  zweifeln  ist.  Dies  allerdings  aufgrund  einer  relativ  kurzen 
Untersuchungsphase.  Sie  decken  sich  jedoch  mit  den  von  den 
Beschwerdeführenden aus Österreich vorgelegten Berichten, welche sich 
auf eine mehrjährige Behandlungszeit und intensive Abklärungen stützen. 
Insgesamt  ist  von  einer  schweren  und  behandlungsbedürftigen 
psychischen Schädigung des Beschwerdeführers auszugehen. Zwar sind 
im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  die  Gesuchsgründe  asylsuchender 
Personen  nicht  einer  näheren  Prüfung  zu  unterziehen,  aufgrund  der 
Akten ist  jedoch festzustellen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der 
Kurzbefragung  –  trotz  deren  summarischen  Charakters  –  mit  einer 
grossen  persönlichen  Betroffenheit  über  erlittene  Misshandlungen 
berichtet hat, welche den Grund für seine heutige Schädigung darstellen 
würden.  Betreffend  die  Beschwerdeführerin  wurde  eine  …  [in  der 
gleichen  psychiatrischen  Klinik]  laufende  Behandlung  geltend  gemacht, 
jedoch  keine  entsprechenden  Beweismittel  respektive  fachärztlichen 
Berichte  vorgelegt.  Immerhin  wurden  im  erstinstanzlichen  Verfahren 

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Berichte aus Österreich vorgelegt.  In Berichten vom 2. und 3. November 
2009 wird  von  einem  Internisten  (nach  einer Untersuchung  körperlicher 
Beschwerden)  auf  eine  akute  Belastungsreaktion  bei  bestehender 
Depression  geschlossen,  wie  auch  auf  einen  psychologischen 
Behandlungsbedarf  der Grunderkrankung.  In Schreiben vom 30.  Januar 
2008  und  vom  8. Juli  2008  wird  von  einem  Psychologen  über  das 
Vorliegen einer schweren Anpassungsstörung sowie einer chronifizierten 
posttraumatischen  Belastungsstörung  berichtet.  Diesen  Berichten 
betreffend  die  Beschwerdeführerin  –  welche  nicht  durchwegs  von 
Fachpersonen  erstellt  wurden  –  ist  ein  deutlich  geringeres  Gewicht 
beizumessen, als den qualifizierten Berichten betreffend ihren Ehemann. 
Von  fachärztlicher  Seite  liegt  betreffend  die  Beschwerdeführerin  einzig 
ein Rezept  vom 30.  Juni  2010  vor  (ausgestellt  von  einer  Fachärztin  für 
Psychiatrie  und  Neurologie).  Die  dort  verzeichnete  Medikation  spricht 
jedoch  wiederum  sehr  klar  für  das  Vorliegen  namentlich  einer  akuten 
Angststörung.  Schliesslich  hat  auch  die  Beschwerdeführerin  anlässlich 
der  Kurzbefragung  –  trotz  deren  summarischen  Charakters  –  mit  einer 
grossen  persönlichen  Betroffenheit  über  namentlich  im  Frühjahr  2007 
erlittene  Misshandlungen  respektive  Übergriffe  auf  die  körperliche 
Integrität berichtet, wie auch den Umstand, dass sie nicht in der Lage sei, 
davon ihrem Mann zu berichten. 

5.4.3.  Alleine  die  Notwendigkeit  einer  medizinischen  Betreuung  stellt 
keinen genügenden Grund dar, um vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu 
machen.  Kommen  jedoch  im  Rahmen  einer  Gesamtabwägung  aller 
relevanten  Umstände  im  konkreten  Einzelfall  verschiedene  Gründe 
zusammen,  die  eine Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  problematisch 
erscheinen  lassen,  ist auf die Überstellung des Asylsuchenden an einen 
anderen Dublin­Staat zur Prüfung seines Asylgesuchs zu verzichten und 
auf  das  Asylgesuch  einzutreten.  Dabei  sind  insbesondere  auch  die 
gesundheitlichen  Folgen,  die  eine  Wegweisung  auf  die  psychische 
Verfassung  einer  asylsuchenden  Person  haben  könnte,  zu  beachten 
(BVGE E­7221/2009 vom 10. Mai 2009 E. 8.2 [mit weiteren Hinweisen]). 

Vorliegend  ist  zu  schliessen,  dass  sich  namentlich  der  Zustand  des 
Beschwerdeführers  im  Falle  einer  Wegweisung  deutlich  verschlechtern 
dürfte,  da  dort  eine  Fortsetzung  unter  anderem  der  medikamentösen 
Behandlung  aufgrund  der  Schwächen  des  polnischen  Asylsystems 
gefährdet  ist.  Inwieweit  er  aufgrund  seiner  Erkrankungsbildes  einer 
Therapie  zugänglich  ist,  erscheint  dabei  offen,  jedoch  ist  mit 
hinreichender  Sicherheit  davon  auszugehen,  er  –  aber  auch  die 

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Beschwerdeführerin  –  seien  auf  ein  stabiles  Umfeld  angewiesen,  damit 
es nicht zu einer sprunghaften Verschlechterung des Zustandes kommt. 
Ein  solches  Umfeld  ist  in  Polen  nicht  gegeben.  Vorliegend  kommt 
insbesondere  hinzu,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  und  die 
Beschwerdeführerin  in  Begleitung  ihrer  drei  minderjährigen  Kinder 
befinden,  welche  sich  bereits  seit  Jahren  mit  dem  überaus  schlechten 
Zustand ihrer Eltern konfrontiert sehen (vgl. dazu bspw. die gutachterliche 
Stellungnahme  aus  Österreich  vom  20.  August  2009  [S.  1  Mitte]). 
Nachdem die Beschwerdeführenden über drei Jahre in Österreich waren, 
womit sich die Kinder schon während längerer Zeit im deutschsprachigen 
Raum  aufhalten,  lebt  die  Familie  nunmehr  seit  Mitte  Februar  2011 
selbständig  in  …  [einer  deutschsprachigen  Ortschaft].  Es  darf  davon 
ausgegangen werden, dass die Kinder dort ordentlich eingeschult wurden 
und zumindest in der Schule einen stabilen Rahmen gefunden haben. Für 
sich  alleine  wäre  dieser  Umstand  nicht  bedeutend,  im  Rahmen  einer 
Gesamtbetrachtung ist er aber miteinzubeziehen. 

5.4.4. Das Vorliegen humanitärer Gründe nach Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 ist 
im  vorliegenden  Fall  –  aufgrund  von  Hinweisen  auf  eine  schwere  und 
behandlungsbedürftige  psychische  Schädigung  des  Beschwerdeführers, 
bei  Vorliegen  von  Hinweisen  auf  massive  Gewalterfahrungen  in  der 
Heimat,  aufgrund  von  Hinweisen  auf  eine  Schädigung  auch  der 
Beschwerdeführerin,  sowie  unter  Berücksichtigung  der  in  Polen  kaum 
erhältlichen  Behandlung  und  schliesslich  namentlich  der  Interessen  der 
drei  minderjährigen  Kinder  –  im  Sinne  einer  Gesamtwürdigung  der 
besonderen Umstände zu bejahen.

5.5. Nach vorstehenden Erwägungen hat das BFM den ihm nach Art. 29a 
Abs. 3  AsylV 1  zustehenden  Ermessenspielraum  zu  Unrecht  nicht 
ausgeschöpft. Aufgrund der Beschwerdevorbringen sowie der gesamten 
Aktenlage  ist  vom  Vorliegen  humanitärer  Gründe  auszugehen,  welche 
eine  Behandlung  der  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  in 
Polen,  sondern  in  der  Schweiz  zu  rechtfertigen  vermögen  respektive 
insgesamt als angezeigt erscheinen lassen. 

6. 
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen, die angefochtene 
Verfügung  aufzuheben  und  das  BFM  anzuweisen,  in  Anwendung  von 
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vom Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­
II­VO Gebrauch zu machen. 

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7.  
7.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2. Den vertretenen Beschwerdeführenden ist sodann zulasten des BFM 
eine Parteientschädigung zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 
Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).  Dabei  ist  der  Aufwand  des  Rechtsvertreters  mangels 
Vorliegens einer Kostennote abzuschätzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und die 
Parteientschädigung  unter  Berücksichtigung  der  massgebenden 
Bemessungsfaktoren (Art. 9  ­ 13 VGKE) sowie der Akten auf  insgesamt 
Fr. 600.– (inklusive aller Auslagen) festzusetzen.

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D­8043/2010

Seite 18

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

2. 
Die Verfügung des BFM vom 9. November 2010 wird aufgehoben und die 
Sache wird zur neuen Beurteilung an das BFM zurückgewiesen.

3.  
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Den  Beschwerdeführenden  wird  zulasten  des  BFM  eine 
Parteientschädigung von Fr. 600.– zugesprochen. 

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer

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