# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c5344cbc-4dcc-51f9-a455-00db9122abe7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-07-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.07.2023 F-3733/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3733-2023_2023-07-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3733/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  J u l i  2 0 2 3   

Besetzung  Einzelrichterin Susanne Genner, 

mit Zustimmung von Richterin Deborah D’Aveni;   

Gerichtsschreiberin Youlo Wujohktsang. 

   

Parteien  A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

Beschwerdeführer,  

  

  gegen 

  Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand  Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 23. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

F-3733/2023 

Seite 2 

Sachverhalt 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 2. Juni 2023 in der Schweiz um Asyl. 

Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Finger- 

abdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 22. Mai 2023 in Kroatien 

ein Asylgesuch gestellt hatte.  

B.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 14. Juni 2023 das rechtli-

che Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglich-

keit der Überstellung nach Kroatien, dessen Zuständigkeit für die Behand-

lung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Der Beschwerdefüh-

rer führte aus, an der bosnisch-kroatischen Grenze sehr schlecht behan-

delt worden zu sein. Er sei von kroatischen Polizisten dabei gefilmt worden, 

wie er versucht habe, den Fluss zu überqueren. Sie hätten ihn in den reis-

senden Fluss gestossen und gesagt, es sei egal, ob er tot oder lebendig 

herauskommen würde, solange er nicht wieder nach Kroatien komme. Die 

Polizisten hätten ihn angeschrien, lauthals ausgelacht, mit Stöcken ge-

schlagen, geklatscht und sich bespasst. Er habe heute noch psychische 

Schäden davon. Nach Kroatien wolle er nicht zurück, da man ihn dort nicht 

haben wolle und nicht leben lassen würde. Ihm seien «Scheine» ausge-

stellt worden, mit denen er habe ausreisen müssen. An der slowenischen 

Grenze hätten afghanische Diebe ihn festgehalten, ebenfalls gefilmt und 

«sehr respektlos» behandelt. Der Beschwerdeführer wollte hierzu – auch 

auf Nachfrage, ob es an der Anwesenheit von Frauen am Gespräch liege, 

was der Beschwerdeführer verneinte – keine näheren Ausführungen ma-

chen und erklärte, dass «diese Dinge» «sehr schlecht» gewesen seien. Die 

Diebe hätten zudem kroatische Ausweise und würden ihn bei einer Rück-

kehr nach Kroatien unter Druck setzen und für sie arbeiten lassen, sodass 

er seiner Familie kein Geld schicken könne. Zum medizinischen Sachver-

halt befragt, gab er an, an psychischen Problemen, Angstzuständen sowie 

an Schlafproblemen und extremen Kopfschmerzen zu leiden. Ansonsten 

habe er keine anderen Beschwerden oder Krankheiten. Der Arzt im 

«Camp» (gemeint: BAZ) habe ihm gesagt, dass er ihn zu einem Psychiater 

ausserhalb des Camps schicken werde. Im System des SEM war kein Arzt-

termin vermerkt, weshalb der Beschwerdeführer aufgefordert wurde, sich 

nochmals beim Gesundheitspersonal zu melden. Der Beschwerdeführer 

gab schliesslich an, er habe in London und Irland Verwandte sowie einen 

Onkel in Deutschland. Weitere Verwandte befänden sich auch in der 

Schweiz. 

F-3733/2023 

Seite 3 

C.  

Die kroatischen Behörden hiessen das Übernahmeersuchen des SEM vom 

8. Juni 2023 am 22. Juni 2023 gut.  

D.  

Mit Verfügung vom 23. Juni 2023 (eröffnet am 26. Juni 2023) trat das SEM 

auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Über-

stellung nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aus-

händigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

E.  

Am 3. Juli 2023 (Poststempel) gelangte der Beschwerdeführer an das Bun-

desverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzu-

treten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter 

sei die Angelegenheit für weitere Sachverhaltsabklärungen an die Vor-

instanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, 

von den zuständigen (kroatischen) Behörden Zusicherungen einzuholen, 

dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft umgehend Obdach, Nahrung sowie 

eine adäquate und regelmässige medizinische und psychologische Be-

handlung zur Verfügung stehe. Der Beschwerde sei im Sinne vorsorglicher 

Massnahmen die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbe-

hörden seien anzuweisen, bis zum Entscheid über die Beschwerde von 

einer Überstellung nach Kroatien abzusehen. Des Weiteren ersuchte er um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses.  

F.  

Am 4. Juli 2023 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisorischen 

Vollzugsstopp an.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die üb-

rigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], 

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Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind offen-

sichtlich erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1. Der Beschwerdeführer moniert, die Vorinstanz habe den rechtserheb-

lichen Sachverhalt unvollständig erhoben. Sie habe insbesondere die dro-

hende Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Kettenabschiebung, den 

Zugang zu einer Unterkunft und medizinischer Betreuung in Kroatien in 

keiner Weise berücksichtigt. 

3.2. Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG) betrifft die Abklärungs-

pflicht der Behörde. Der entsprechende Beschwerdegrund erscheint in 

Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG. Er ist 

erfüllt, wenn die Behörde den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abge-

klärt, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände be-

rücksichtigt hat (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 

2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29). 

3.3. Die Vorinstanz hat den rechtserheblichen Sachverhalt hinreichend ab-

geklärt. Insbesondere hat sie unter Bezugnahme auf die Schilderungen 

des Beschwerdeführers und die vorliegenden Unterlagen dessen individu-

elle Situation, die von ihm angeführte Behandlung durch die kroatischen 

Behörden sowie die allgemeine Situation in Kroatien inklusive der Push-

Back-Problematik, der Unterbringungsmöglichkeiten und der medizini-

schen Versorgung – unter Hinweis auf mehrere Abklärungen der Schwei-

zer Vertretung in Kroatien – abgeklärt. An den daraus gewonnenen Er-

kenntnissen vermag auch die vorübergehende Einstellung der Tätigkeit 

von Médecins du Monde als eine von mehreren karitativen Einrichtungen 

zur medizinischen Versorgung von Asylsuchenden in Kroatien nichts zu 

ändern. Zudem wurde der Beschwerdeführer in der Schweiz mit Blick auf 

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seine geltend gemachten Beschwerden aufgefordert, sich beim medizini-

schen Pflegedienst zu melden. Er hat dies jedoch bis dato nicht getan, 

weshalb davon auszugehen ist, dass kein weiterer Abklärungsbedarf be-

steht. Demnach ist keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes fest-

zustellen.  

3.4. Es besteht keine Veranlassung, die Sache an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. Das entsprechende Eventualbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-

schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem 

Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(nachfolgend: Dublin-III-VO) wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mit-

gliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-

III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-

III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates 

wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag ge-

stellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahme-

verfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zu-

ständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Gan-

zen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

4.3. Nachdem der Beschwerdeführer bereits am 22. Mai 2023 in Kroatien 

ein Asylgesuch gestellt hatte, handelt es sich um ein «take back»-Verfah-

ren gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die kroatischen Behörden 

stimmten innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist dem 

Übernahmeersuchen der Vorinstanz gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dub-

lin-III-VO zu, womit die Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben ist. 

5.   

5.1. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

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bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-

rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-

gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-

zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden 

kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund 

der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten 

Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so 

wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Staat 

(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

5.2. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts liegen zum heutigen 

Zeitpunkt – unabhängig davon, ob es sich dabei um ein «take charge»- 

oder ein «take back»-Verfahren handelt, keine konkreten Gründe für die 

Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-

tragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen (vgl. dazu 

das Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023, welches 

die seit dem Referenzurteil D-1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende 

Praxis bestätigt, wonach Dublin-Überstellungen nach Kroatien grundsätz-

lich zulässig sind). Die Vorbringen des Beschwerdeführers erweisen sich 

vor dem Hintergrund dieser Rechtsprechung als unbehelflich. Insbeson-

dere ist auf die zitierten Berichte zu Push-Backs an der kroatischen 

Grenze, zur Verweigerung des Zugangs zum Asylverfahren, zur Gesund-

heitsversorgung von Asylsuchenden sowie zur Rechtsprechung des Ver-

waltungsgerichts Stuttgart nicht näher einzugehen, gab der Beschwerde-

führer doch zu Protokoll, dass er in Kroatien gar nicht habe um Asyl nach-

suchen wollen und gegen seinen Willen registriert worden sei. 

5.3. Gemäss Rechtsprechung sind systemische Schwachstellen im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO in Bezug auf Kroa-

tien zu verneinen.  

6.  

6.1. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

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Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

6.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei von kroatischen Polizis-

ten in einen reissenden Fluss gestossen, gefilmt und mit Stöcken geschla-

gen, ausgelacht und beklatscht worden. Er sei zudem für eine Nacht in 

einen «völlig überfüllten Raum» gesperrt worden. Zu essen habe er nur 

einen kleinen Riegel bekommen. Die Behörden hätten ihm sein Telefon ab-

genommen und kaputt gemacht. Diese Misshandlungen seitens der kroa-

tischen Polizei hätten bei ihm psychische Probleme ausgelöst. Auch hätten 

afghanische Diebe ihm an der kroatisch-slowenischen Grenze EUR 80.– 

sowie seine «Scheine» gestohlen und ihn «sehr respektlos» behandelt so-

wie gefilmt. Er fürchte sich davor, dass die afghanischen Diebe ihn mit den 

Videos unter Druck setzen und ihn zur Arbeit zwingen würden, sollte er 

nach Kroatien überstellt werden. 

6.2.1. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Misshandlungen 

seitens der kroatischen Polizei werden weder belegt noch weiter 

substantiiert. Auch ist unklar, weshalb die «afghanischen Diebe» ihn im 

Falle einer Überstellung nach Kroatien wieder ausfindig machen und zur 

Arbeit zwingen sollten. Auch wird nicht erläutert, was für schlechte «Dinge» 

die Diebe ihm angetan hätten. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs wurde 

er von der Vorinstanz sodann gefragt, ob er aufgrund der Anwesenheit von 

Frauen am Gespräch keine konkreteren Ausführungen machen wolle. Dies 

verneinte der Beschwerdeführer und gab zur Begründung lediglich an, 

dass die Erlebnisse «sehr schlecht» gewesen seien. Auf Beschwerde-

ebene macht er hierzu keine weiteren Ausführungen.  

6.2.2. Der Beschwerdeführer vermag somit nicht darzutun, dass die ihn bei 

einer Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingungen derart 

schlecht sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könn-

ten. Es bestehen auch keine Gründe für die Annahme, Kroatien werde den 

Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein 

Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen 

würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Bei einer 

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allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnah-

mebedingungen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die kroatischen 

Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern 

(vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [Aufnahme-

richtlinie]). Dies gilt auch in Bezug auf ein allfälliges Fehlverhalten der kro-

atischen Polizei. Des Weiteren steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort 

tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren.  

6.2.3. Weiter liegen keine Hinweise vor, wonach die Gesundheit des Be-

schwerdeführers bei einer Überstellung nach Kroatien ernsthaft gefährdet 

würde. Die von ihm angeführten Beschwerden (Schlafprobleme, Kopf-

schmerzen und Angstzustände) dürften einer Behandlung in Kroatien zu-

gänglich sein. Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass er sich trotz Auffor-

derung der Vorinstanz nicht beim medizinischen Pflegedienst gemeldet 

hat. Es sind dementsprechend keine ärztlichen oder therapeutischen Ter-

mine durchgeführt oder angesetzt worden. Sollte er nach der Rückkehr 

nach Kroatien eine medizinische Behandlung benötigen, ist darauf hinzu-

weisen, dass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern die 

erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung 

und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-

ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 

Aufnahmerichtlinie). Entgegen den Ausführungen in der Rechtsmittelein-

gabe ist auch der Zugang zu psychologischer Behandlung grundsätzlich 

gewährleistet (vgl. bspw. Urteile D-516/2023 vom 11. April 2023 E. 6.5.2; 

F-12/2023 vom 27. März 2023 E. 7.4.3).  

6.3. Die Vorinstanz hat das Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Dublin-III-

VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die 

Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch 

liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen wür-

den. 

6.4. Vor diesem Hintergrund ist auch der Eventualantrag, die Vorinstanz 

sei anzuweisen, individuelle Zusicherungen von den kroatischen Behörden 

bezüglich des Zugangs des Beschwerdeführers zum Asylverfahren, adä-

quater medizinischer und psychologischer Versorgung und Unterbringung 

einzuholen, abzuweisen.  

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Seite 9 

6.5.  

Der Beschwerdeführer gab im Dublin-Gespräch an, dass er u.a. in der 

Schweiz «weitere Verwandte» habe. 

6.5.1. Gemäss Art. 2 Bst. g Dublin-III VO gelten nur Ehegatten, nicht ver-

heiratete Partner, welche eine dauerhafte Beziehung führen, und minder-

jährige Kinder als Familienangehörige. «Weitere Verwandte» fallen somit 

nicht darunter.  

6.5.2. Die Beziehung des Beschwerdeführers zu seinen Verwandten wird 

auch nicht von den in Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO aufgeführten Verwandt-

schaftsverhältnissen (namentlich zwischen dem Antragsteller und seinen 

Kindern, Geschwistern oder Elternteilen) erfasst. 

7.  

Die Vorinstanz ist zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Weg-

weisung nach Kroatien angeordnet. 

8.  

Die Beschwerde ist abzuweisen.  

9.  

Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der 

aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und um Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

Der am 4. Juli 2023 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vor-

liegenden Urteil dahin. 

10.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 

Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorste-

henden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Ver-

fahrenskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

11.   

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

(Dispositiv nachfolgende Seite)  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Youlo Wujohktsang 

 

 

Versand: