# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** caebbb8f-af0f-57b7-8a0b-1886c61e2d35
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-23
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 23.01.2024 VBE.2023.290
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-290_2024-01-23.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.290 / sb / nl 
Art. 7 

 

 

Urteil vom 23. Januar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Jacober  

Gerichtsschreiber Berner  

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____  

unentgeltlich vertreten durch lic. iur. Niklaus Mürner, Rechtsanwalt, 

Waisenhausplatz 14, 3001 Bern 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
   

Beigeladene   ASGA Pensionskasse, Rosenbergstrasse 16, Postfach, 9001 St. Gallen  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 10. Mai 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1970 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 11. März 2015 

erneut bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (Rente, 

berufliche Massnahmen) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) 

an, nachdem ihr die Beschwerdegegnerin auf ein entsprechendes Leis-

tungsbegehren vom 2. November 2012 berufliche Massnahmen zugespro-

chen hatte, die mit Verfügung vom 26. September 2013 beendet worden 

waren. Die Beschwerdegegnerin klärte daraufhin die gesundheitliche sowie 

erwerbliche Situation ab und gewährte der Beschwerdeführer Frühinter-

ventionsmassnahmen. Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen mit 

Mitteilung vom 7. September 2016 holte die Beschwerdegegnerin bei der 

MedExP, Birmenstorf, ein bidisziplinäres Gutachten (Gutachten vom 3. Ja-

nuar 2018) ein und führte ausserdem eine Abklärung betreffend die Leis-

tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich an Ort und 

Stelle durch. Nach Rücksprache mit ihrem internen Regionalen Ärztlichen 

Dienst (RAD) stellte sie der Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 

19. Dezember 2018 die Ablehnung des Leistungsbegehrens betreffend In-

validenrente in Aussicht. Nachdem die Beschwerdeführerin dagegen Ein-

wände erhoben hatte, veranlasste die Beschwerdegegnerin bei der 

MedExP eine orthopädische Verlaufsbegutachtung. Das Verlaufsgutachten 

wurde am 18. Juli 2019 erstattet. Nach Rücksprache mit dem RAD und Ein-

holung einer ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 3. Januar 

2020 gab die Beschwerdegegnerin beim asim, Basel, ein neues orthopädi-

sches Gutachten in Auftrag, welches am 31. August 2020 erstattet wurde. 

Nach neuerlicher Rücksprache mit dem RAD wies die Beschwerdegegne-

rin das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin betreffend Invaliden-

rente schliesslich mit Verfügung vom 31. Mai 2021 ab. Mit Urteil 

VBE.2021.308 vom 5. November 2021 hiess das Versicherungsgericht die 

gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde der Beschwerdeführerin 

teilweise gut, hob die Verfügung auf und wies die Sache zur weiteren Ab-

klärung sowie zur anschliessenden neuerlichen Entscheidung an die Be-

schwerdegegnerin zurück. 

 

1.2. 

In der Folge holte die Beschwerdegegnerin nach Rücksprache mit dem 

RAD bei den Dres. med. B._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-

rapie, und C._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato-

logie des Bewegungsapparates, ein orthopädisch-psychiatrisches Gutach-

ten (Expertise vom 11. August 2022) ein und führte zudem eine weitere 

Abklärung "Haushalt/Rente" an Ort und Stelle durch. Gestützt auf das Er-

gebnis dieser Abklärungen sprach sie der Beschwerdeführerin nach Durch-

führung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 10. Mai 2023 eine 

ganze Invalidenrente für die Zeit vom 1. November 2017 bis 30. Juni 2018, 

 - 3 - 

 

 

eine Dreiviertelsrente für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 2018 sowie 

eine Viertelsrente ab dem 1. Januar 2019 zu.  

 

2. 

2.1. 

Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin am 13. Juni 2023 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

 "1. 
Es sei die Verfügung vom 10. Mai 2023 der IV-Stelle des Kantons Aargau 
anzupassen und eine ganze IV-Rente auszurichten. 
 
2. 
Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung der invalidenversiche-
rungsrechtlich relevanten Erwerbsunfähigkeit an die IV-Stelle zurückzu-
weisen. 
 
3.  
Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewäh-
ren unter Beiordnung des Unterzeichnenden. 

 

- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -" 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 10. Juli 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 11. Juli 2023 wurde die berufli-

che Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin zum Verfahren beigela-

den und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt. Die Beigeladene 

beantragte mit Eingabe vom 9. August 2023 die Abweisung der Be-

schwerde.  

 

2.4. 

Mit Verfügung vom 17. Juli 2023 bewilligte die Instruktionsrichterin der Be-

schwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und ernannte lic. iur. Ni-

klaus Mürner, Rechtsanwalt, Bern, zu deren unentgeltlichem Vertreter. 

 

2.5. 

Mit Eingabe vom 11. September 2023 hielt die Beschwerdeführerin im We-

sentlichen an ihren Anträgen fest.  

 - 4 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

In ihrer Verfügung vom 10. Mai 2023 ging die Beschwerdegegnerin gestützt 

auf das von ihr eingeholte bidisziplinäre Gutachten der Dres. med. B._____ 

und C._____ vom 11. August 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 306) im 

Wesentlichen davon aus, die Beschwerdeführerin sei bei einer 100%igen 

Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab dem Zeitpunkt des Ab-

laufs des Wartejahrs im Oktober 2015 in einer angepassten Tätigkeit zu 

50 %, ab dem 16. November 2017 zu 0 %, ab April 2018 zu 30 % und ab 

Oktober 2018 zu 40 % arbeitsfähig gewesen. Unter Berücksichtigung der 

in den Berichten vom 16. November 2022 (VB 311) und vom 11. Mai 2018 

(VB 127) über die Abklärungen an Ort und Stelle vom 10. November 2022 

beziehungsweise vom 25. April 2018 festgestellten Einschränkung im 

Haushalt bestehe unter Anwendung der gemischten Methode der Invalidi-

tätsbemessung mit einer Aufteilung von 80 % Erwerbstätigkeit und 20 % 

(beziehungsweise 0 % ab Januar 2019) Aufgabenbereich (Haushalt) bei 

einem Invaliditätsgrad von 33 % per 27. Oktober 2015, von 84 % per 

16. November 2017, von 61 % per 1. April 2018 und von 48 % per 1. Ja-

nuar 2019 für die Zeit vom 1. November 2017 bis 30. Juni 2018 Anspruch 

auf ganze Invalidenrente, für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 2018 

Anspruch auf einer Dreiviertelsrente sowie ab dem 1. Januar 2019 An-

spruch auf eine Viertelsrente (VB 342). Die Beschwerdeführerin macht 

demgegenüber zusammengefasst geltend, auf die Ergebnisse der sach-

verhaltlichen Abklärungen der Beschwerdegegnerin könne nicht abgestellt 

werden. Zudem habe diese die Invaliditätsgradberechnung unzutreffend 

vorgenommen. Bei richtiger Betrachtung habe sie durchgehend Anspruch 

auf eine ganze Invalidenrente. 

 

Damit ist streitig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin 

den Invalidenrentenanspruch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 

10. Mai 2023 zutreffend beurteilt hat. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden  

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Für Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 2022 ist 

demnach vorliegend die bis zum 31. Dezember 2021 geltende Rechtslage 

 - 5 - 

 

 

und für Leistungen mit Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 die ab 

diesem Zeitpunkt geltende Rechtslage massgebend (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 8C_744/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.2). 

 

3. 

3.1. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 

Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-

ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztli-

chen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel-

che Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können 

(BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f. mit Hinweisen).  

 

3.2. 

Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG) 

haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-

geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwer-

deverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig 

davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entschei-

den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des 

streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-

ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 

abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; vgl. auch BGE 132 V 393 E. 2.1 

S. 396). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entschei-

dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-

tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 

Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-

lung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation 

einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 und 125 V 351 E. 3a S. 352). Ausschlagge-

bend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines 

Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge-

gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a 

S. 352 und 122 V 157 E. 1c S. 160 f.). Dennoch hat es die Rechtsprechung 

mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in 

Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt-

linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b S. 352). 

 

3.3. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten externer Spezialärzte, welche auf Grund eingehender Beo-

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bachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht 

erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-

lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-

chen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470 und 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Den 

Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozial-

versicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar zum 

Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 

4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8 

S. 105). 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer Verfügung vom 10. Mai 2023 

in medizinischer Hinsicht auf das von ihr eingeholte bidisziplinäre Gutach-

ten der Dres. med. B._____ und C._____ vom 11. August 2022 (VB 306). 

Dieses vereint eine orthopädisch-traumatologische Beurteilung durch 

Dr. med. C._____ und eine psychiatrische Beurteilung durch 

Dr. med. B._____. Es wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit gestellt (vgl. VB 306, S. 9 f.): 

 

"- Arthrofibrose Kniegelenk links nach der Implantation einer Revisions-
endoprothese am 16.11.2017 (ICD-10 M24.56, M17.3 und T84.05) 
mit/bei: 
[…] 
 

- Chronische Beschwerden der Lendenwirbelsäule bei einer skolioti-
schen Fehlhaltung und mehretagigen Abnützungen L2-S1 mit einer de-
generativ bedingten Gefügelockerung (ICD-10 M42.16-17, M47.86-87 
und M41.26) 
[…] 
 

- Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto-
ren (ICD-10 F45.41) 
[…]" 

 

Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten demgegenüber folgende 

Diagnosen (vgl. VB 306, S. 10): 

 

"- Status nach Epicondylitis humeroulnaris und humeroradialis am Ellen-
bogen rechts (ICD-10 M77.0 + 1) 
[…] 
 

- Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)" 

 

Die Gutachter hielten aus gesamtmedizinischer Sicht betreffend die Ar-

beitsfähigkeit fest, die Beschwerdeführerin sei in deren angestammten Tä-

tigkeit seit Oktober 2014 zu 100 % arbeitsunfähig. In einer angepassten 

sehr leichten bis leichten wechselbelastenden und überwiegend sitzenden 

Tätigkeit habe vom 27. Oktober 2014 bis Januar 2015 eine 100%ige 

 - 7 - 

 

 

Arbeitsunfähigkeit, von Februar 2015 bis 12. Juli 2015 eine Arbeitsunfähig-

keit von 70 %, vom 13. Juli bis 31. August 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 

100 %, von September 2015 bis 15. November 2017 eine Arbeitsunfähig-

keit von 50 %, vom 16. November 2017 bis März 2018 eine Arbeitsunfähig-

keit von 100 %, von April 2018 bis 30. Juli 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 

70 %, vom 31. Juli bis September 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % 

bestanden; seit Oktober 2018 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % 

(VB 306, S. 11 f.).  

 

4.2. 

In den Akten liegt ferner das von der Beschwerdegegnerin bei der asim 

eingeholte orthopädische Gutachten von Dr. med. D._____, Facharzt für 

Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, 

vom 31. August 2020 (VB 224, S. 2 ff.). Diesem sind folgende Diagnosen 

mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (vgl. VB 224 S. 16 f.): 

 

 "1. 
Posttraumatische/postoperative Arthrofibrose (Kniegelenksteife) mit 
schmerzhafter Bewegungseinschränkung insbesondere der Flexion […] 
und chronischem Schmerzsyndrom Kniegelenk links 
mit/bei 
[…] 
 
2. 
Chronische lumbovertebrale Schmerzen bei degenerativen Veränderun-
gen der LWS 
mit/bei 
[…]" 

 

Dr. med. D._____ hielt fest, die Beschwerdeführerin sei in ihrer ange-

stammten Tätigkeit spätestens seit der Operation vom 16. November 2017 

voll arbeitsunfähig. Bezüglich einer angepassten Tätigkeit sei etwa drei Mo-

nate nach der Operation vom 16. November 2017 von einer Arbeitsfähig-

keit von 70% auszugehen. Retrospektiv sei – gestützt auf die Einschätzung 

von Dr. med. E._____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie für 

Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 3. Januar 2018 (vgl. dazu 

E. 4.3.1.) – ab Oktober 2015 von einer Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % 

in der angestammten und von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer ange-

passten Tätigkeit ab Oktober 2014 auszugehen. Nicht in allen Punkten ge-

folgt werden könne jedoch der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 

Dr. med. E._____ vom 18. Juli 2019 (vgl. dazu E. 4.3.2.). Zwar sei überein-

stimmend mit der fraglichen Einschätzung ab der erneuten Operation vom 

16. November 2017 neu von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit der Be-

schwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit auszugehen. Jedoch er-

achtete Dr. med. D._____ vor dem Hintergrund des von ihm neu aufgestell-

ten Belastungsprofils ein Arbeitspensum von 70 % in einer leidensange-

passten Tätigkeit als zumutbar (vgl. VB 224 S. 19 ff.). 

 

 - 8 - 

 

 

4.3. 

4.3.1. 

Weiter liegt in den Akten das von der Beschwerdegegnerin eingeholte 

MedExP-Gutachten vom 3. Januar 2018 (VB 121.1). Dieses vereint eine 

orthopädische Beurteilung von Dr. med. E._____ und eine psychiatrische 

Beurteilung von Dr. med. F._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-

rapie. Es wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-

keit gestellt (vgl. VB 121.1, S. 24): 

 

 "Schmerzhafte Knietotalprothese links 
[…] 
 
Agoraphobie mit Panikstörung, ICD 10: F40.01" 

 

Die Gutachter hielten betreffend die Arbeitsfähigkeit aus gesamtmedizini-

scher Sicht zusammenfassend fest, die Beschwerdeführerin sei in ihrer an-

gestammten Tätigkeit seit Oktober 2015 zu 50 % arbeitsunfähig. In einer 

angepassten Tätigkeit habe durchgehend eine Arbeitsfähigkeit von 100 % 

bestanden, bis sich diese per Februar 2017 aus psychischen Gründen auf 

70 % reduziert habe (VB 121.1, S. 27).  

 

4.3.2. 

Schliesslich ist ein von der Beschwerdegegnerin eingeholtes orthopädi-

sches MedExP-Verlaufsgutachten vom 18. Juli 2019 von Dr. med. E._____ 

aktenkundig (VB 186, S. 2 ff.). Diesem sind folgende Diagnosen mit Ein-

fluss auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (vgl. VB 186 S. 19): 

 

 "Kniesteife links mit deutlicher Flexionseinschränkung 
[…] 
 
Lumbovertebrale Schmerzen, verstärkt durch das Hinken 
[…]" 

 

Aus orthopädischer Sicht bestehe in der angestammten Tätigkeit seit der 

Operation im November 2017 keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer ange-

passten Tätigkeit sei seit dem gleichen Zeitpunkt von einer Arbeitsfähigkeit 

von maximal drei bis vier Stunden täglich, über den gesamten Tag verteilt, 

auszugehen (VB 186, S. 21). An dieser Beurteilung hielt Dr. med. E._____ 

in ihrer ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 3. Januar 2020 

im Wesentlichen fest (VB 196, S. 2 ff.). 

 

5. 

5.1. 

In ihrer Verfügung vom 31. Mai 2021 (VB 247) hatte die Beschwerdegeg-

nerin einen Invalidenrentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint und 

war dabei gestützt auf das orthopädische Gutachten der asim vom 31. Au-

gust 2020 und die psychiatrische Beurteilung von Dr. med. F._____ im 

MedExP-Gutachten vom 3. Januar 2018 (psychiatrisches Teilgutachten 

 - 9 - 

 

 

vom 12. Oktober 2017) von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange-

passten Tätigkeit ausgegangen. Das Versicherungsgericht erkannte dies-

bezüglich in seinem Urteil VBE.2021.308 vom 5. November 2021 (VB 256), 

dass in den Akten konkrete Hinweise bestünden, welche gegen die Aktua-

lität der psychiatrischen Beurteilung im MedExP-Gutachten vom 3. Januar 

2018 sprächen, weshalb die Beschwerdegegnerin weitere diesbezügliche 

Abklärungen vorzunehmen habe (vgl. E. 4.1. des nämlichen Urteils in 

VB 256, S. 6 ff.). Zudem hielt es fest, dass in orthopädischer Hinsicht bei 

der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit im Verlauf so-

wie beim Zumutbarkeitsprofil klärungsbedürftige Differenzen zwischen dem 

MedExP-Verlaufsgutachten vom 18. Juli 2019 inklusive ergänzender gut-

achterlicher Stellungnahme vom 3. Januar 2020 und dem asim-Gutachten 

vom 31. August 2020 bestünden. Die Beschwerdegegnerin habe daher ein 

neues bidisziplinäres Gutachten einzuholen, welches sich sowohl über die 

aktuelle Arbeits- und Erwerbsfähigkeit als auch über den retrospektiven 

Verlauf sowie über das Belastungsprofil gesamthaft und mit Bezug auf die 

einzelnen Fachdisziplinen zu äussern habe (vgl. E. 4.2. des nämlichen Ur-

teils in VB 256, S. 8). 

 

5.2. 

Im somatischen Teil des bidisziplinären Gutachtens der Dres. med. 

B._____ und C._____ vom 11. August 2022 wurde der Beschwerdeführerin 

ab Oktober 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer optimal angepass-

ten Tätigkeit attestiert. Weshalb selbst in einer derart angepassten Tätigkeit 

eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in diesem Umfang bestehen soll, 

wurde von den Gutachtern nicht dargelegt und lässt sich aufgrund der er-

hobenen somatischen Befunde beziehungsweise der daraus resultieren-

den funktionellen Defizite auch nicht ohne Weiteres nachvollziehen. Die 

Beurteilung scheint sich (zumindest teilweise) auf die Erfahrung bezie-

hungsweise "de[n] aktuellen Wissensstand[..], [wonach] die kriterienbasier-

ten Diagnosen mit chronischen Schmerzen verbunden" seien, zu stützen 

(VB 306, S. 37 f.). Eine solche vom konkreten Sachverhalt losgelöste Ein-

schätzung ist indes nicht statthaft, zumal zwischen Diagnose und Arbeits-

unfähigkeit rechtsprechungsgemäss gerade keine Korrelation besteht, wel-

che eine solche Zuordnung erlauben würde (Urteil des Bundesgerichts 

9C_636/2018 vom 20. Dezember 2018 E. 6.4 mit Verweis auf BGE 140 V 

193 E. 3.1 S. 195). Auf die Frage nach einer zusätzlichen Einschränkung 

der Leistungsfähigkeit im Rahmen des zumutbaren Pensums gab der Gut-

achter keine konkrete beziehungsweise nachvollziehbare Antwort (vgl. 

VB 306, S. 40). Dem interdisziplinären Konsens ist dann zu entnehmen, 

dass es zu einer "Teilsummation" der aus den jeweiligen Fachgebieten at-

testierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit komme, was unter anderem 

erneut mit dem Bestehen von Schmerzen begründet wurde (VB 306, 

S. 11). Ob es sich dabei wiederum um die bereits erwähnte vom konkreten 

Sachverhalt losgelöste Einschätzung handelt oder gar um eine erneute be-

ziehungsweise doppelte Berücksichtigung der Schmerzproblematik, bleibt 

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unklar. So oder anders ist die "Teilsummation" jedenfalls mangels zu-

reichender Begründung nicht nachvollziehbar, zumal sie offenbar nur für 

den Zeitraum ab Oktober 2018 angenommen wurde, nicht aber beispiels-

wiese für die Periode von April bis 30. Juli 2018 oder von September 2015 

bis 15. November 2017. Für diese Zeiträume entspricht die aus gesamtme-

dizinischer Sicht attestierte Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätig-

keit der orthopädischen Beurteilung (siehe hierzu VB 306, S. 41), obgleich 

auch hier gemäss der psychiatrischen Einschätzung (mindestens teilweise) 

eine psychisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden 

habe (vgl. VB 306, S. 59). Damit erweist sich der anspruchsrelevante me-

dizinische Sachverhalt als nicht hinreichend erstellt, was bereits für sich die 

Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren sachver-

haltlichen Abklärung rechtfertigt (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f. mit 

Hinweisen). 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, die an-

gefochtene Verfügung vom 10. Mai 2023 aufzuheben und die Sache even-

tualantragsgemäss zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.  

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00 und sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.  

 

6.3. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 

215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). Die Parteikosten sind dem unentgeltli-

chen Rechtsvertreter zu bezahlen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 10. Mai 

2023 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Er-

wägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückge-

wiesen.  

 

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2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt.  

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsver-

treter der Beschwerdeführerin die Parteikosten in richterlich festgesetzter 

Höhe von Fr. 3'300.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 23. Januar 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Berner