# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 365548b6-8a11-5bc0-80d8-d6685fd2fd8e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** GG240074-K5
**Docket/Reference:** GG240074-K5
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/GG240074-K5.pdf

## Full Text

Bezirksgericht Winterthur
Einzelgericht Strafsachen 

Geschäfts-Nr.: GG240074-K/Ubegr/fg

Mitwirkend: Bezirksrichter lic. iur. D. Siegwart

Gerichtsschreiber MLaw J. Löffel

Urteil vom 17. März 2025
(begründete Fassung)

in Sachen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 

Anklägerin

gegen

A._____, 

Beschuldigter

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,

betreffend Fahrlässige Körperverletzung etc.

Privatklägerin

B._____, 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____, 

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

8. August 2024 (act. 23) ist diesem Urteil beigeheftet.

An der Hauptverhandlung anwesende Parteien:

Der Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers Rechtsanwalt 

lic. iur. X._____.

1.

Der Anklagebehörde: (act. 23)

Anträge:

















Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklageschrift

Bestrafung mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu CHF 40.00 

(entsprechend CHF 2'000.00), wovon 2 Tagessätze durch Haft 

erstanden sind, sowie einer Busse von CHF 500.00

Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen bei schuldhafter 

Nichtbezahlung der Busse

Gewährung des bedingten Vollzuges der Geldstrafe unter Ansetzung 

einer Probezeit von 2 Jahren

Entscheid über die Rückgabe der einzig als Beweismittel 

beschlagnahmten Gegenstände

Entscheid über Sicherstellung, Asservate, Spuren und Spurenträger

Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft

Kostenauflage (Kosten, inkl. Gebühr für das Vorverfahren von 

CHF 2'500.00)

2.

Des erbetenen Verteidigers: (act. 56)



Der Beschuldigte sei des fahrlässigen pflichtwidrigen Verhaltens bei 

Unfall gemäss Art. 92 Abs. 1 i.V.m. 100 Ziffer 1 SVG schuldig zu 

sprechen.

Von den übrigen Vorwürfen sei der Beschuldigte freizusprechen.

- 3 -









Der Beschuldigte sei mit einer Busse von höchstens CHF 500.00 zu 

bestrafen.

Der beschlagnahmte Personenwagen Marke Mercedes-Benz sei dem 

Beschuldigten unbelastet herauszuzgeben.

Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten in der Höhe von 

CHF 430.00 aufzuerlegen und im Rest definitiv auf die Staatskasse zu 

nehmen.

Dem Beschuldigten seien aus der Staatskasse eine Entschädigung 

seiner Verteidigungskosten und eine angemessene Genugtuung 

auszurichten.

3.

Des Beschuldigten: (sinngemäss) 



Entscheid gemäss den Anträgen des erbetenen Verteidigers

4.

Der Privatklägerin: (act. 47) 





Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen.

Dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. MWST zulasten des 

Beschuldigten.

- 4 -

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte und Prozessuales

1.

Am  3. Mai  2024  ging  die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Winter-

thur/Unterland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 2. Mai 2024 beim hiesigen 

Gericht ein (act. 21/1, Verfahren GG240049-K). In der Folge wurde die Anklage-

schrift  mit  Hinweis  auf  die  Missachtung  einer  der  Verteidigung  angesetzten  Frist 

und  unter  dem  Vorbehalt  der  Wiedereinbringung  zurückgezogen  (act.  21/5; 

act. 21/6). Mit Verfügung vom 7. Mai 2024 wurde das Verfahren GG240049-K an-

schliessend  als  erledigt  abgeschrieben  (act.  21/8).  Im  vorliegenden  Verfahren 

(GG240074-K) ging die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 8. August 2024 

am 14. August 2024 beim hiesigen Gericht erneut ein (act. 23). 

2.

Mit Schreiben vom 9. August 2024 beantragte die Ehefrau des Beschuldig-

ten, es sei das Fahrzeug Mercedes ZH 1 herauszugeben (act. 28). Nachdem Stel-

lungnahmen  der  Parteien  eingeholt  wurden  (act. 29;  act. 31;  act. 33),  wurde  der 

Antrag mit Verfügung vom 9. Oktober 2024 abgewiesen (act. 36).

3.

Mit Strafantrag vom 19. April 2023 konstituierte sich B._____ im vorliegenden 

Verfahren als Privatklägerin im Sinne von Art. 118 Abs. 2 StPO in Verbindung mit 

Art. 30 Abs. 4 StGB (act. 53). Hiermit ist die Voraussetzung für die Verfolgung des 

Antragsdelikts der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB er-

füllt. In der Folge wurde der Privatklägerin Frist zur Bezifferung und Begründung 

ihrer Zivilforderungen angesetzt (act. 39). Mit Eingabe vom 10. März 2025 bean-

tragte die Privatklägerin fristgemäss die Schuldigsprechung des Beschuldigten im 

Sinne der Anklage, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.) zu sei-

nen Lasten (act. 47 S. 2).

4.

Die öffentliche Hauptverhandlung, an welcher der Beschuldigte und sein Ver-

teidiger teilnahmen, fand am 17. März 2025 statt (Prot. S. 6). Im Anschluss an die 

Verhandlung  wurde  das  Urteil  mündlich  eröffnet  sowie  mündlich  begründet  und 

dem Beschuldigten und seinem Verteidiger schriftlich im Dispositiv ausgehändigt 

(act. 59; Prot. S. 23 ff.).

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II. Sachverhalt

1.

Vorwurf der Staatsanwaltschaft

Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  den  in  der  Anklageschrift  um-

schriebenen Sachverhalt vor (act. 23 S. 3 ff.). Es kann diesbezüglich vollumfänglich 

auf die Anklageschrift verwiesen werden.

2.

Standpunkt des Beschuldigten

2.1 Der  Beschuldigte  erklärte  anlässlich  der  staatsanwaltschaftlichen  Einver-

nahme, er weise "den Vorwurf" (insb. jener der fahrlässigen Körperverletzung) zu-

rück (act. 7/2 F/A 6 und 25). Vor diesem Hintergrund muss angenommen werden, 

dass der Beschuldigte grundsätzlich den gesamten Sachverhalt bestreitet. Hinge-

gen anerkennt der Beschuldigte, am Abend des 12. April 2023 den Personenwagen 

Mercedes (ZH 1) bei schlechten Wetterverhältnissen (starker Regen und Dunkel-

heit) auf der C._____-strasse in Fahrtrichtung Winterthur über D._____ gefahren 

zu haben (act. 7/1 F/A 24 ff. und 86; act. 7/2 F/A 24 f.; Prot. S. 13 ff.). Zudem aner-

kennt der Beschuldigte, nach der Kollision mit D._____ nicht angehalten zu haben 

(act. 7/1 F/A 29; Prot. S. 14 und 18). Demnach ist der Sachverhalt in dieser Hinsicht 

erstellt, zumal diese Eingeständnisse auch im Einklang mit den übrigen Akten ste-

hen. Der Beschuldigte bestreitet jedoch, mit übersetzter Geschwindigkeit und un-

genügender Aufmerksamkeit gefahren zu sein (act. 7/2 F/A 24 f.; Prot. S. 16). Zu 

den  von  D._____  erlittenen  Verletzungen  äusserte  sich  der  Beschuldigte  nicht 

(vgl. act. 7/2  F/A 17),  wies  aber  den  Vorwurf  der  fahrlässigen  Körperverletzung 

nach  Vorhalt  des  Anklagesachverhaltes  ausdrücklich  zurück  (act. 7/2  F/A 25). 

Schliesslich bestreitet der Beschuldigte sinngemäss, er hätte damit rechnen müs-

sen, dass die Polizei eine Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit anord-

nen würde (Prot. S. 18).

2.2 Angesichts dieser Ausgangslage ist nachfolgend zu prüfen, ob dem Beschul-

digten mit rechtsgenügender Sicherheit der angeklagte Sachverhalt – sofern dieser 

nicht  bereits  vom  Beschuldigten  eingestanden  wurde  –  nachgewiesen  werden 

kann, oder ob erhebliche und unüberwindbare Zweifel verbleiben.

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3.

Allgemeines zur Sachverhaltserstellung

3.1 Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach 

seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten geschöpften 

Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). 

3.2 Gemäss  diesem  Grundsatz  der  freien  richterlichen  Beweiswürdigung  ent-

scheidet das Gericht, ob es die eingeklagten Tatsachen für erwiesen hält oder nicht. 

In einem Strafprozess sind an den Beweis von Täterschaft und Schuld besonders 

hohe Anforderungen zu stellen. Ein Schuldspruch darf nur dann erfolgen, wenn die 

Schuld des Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erstellt ist, mit anderen Wor-

ten,  wenn  Beweise  dafür  vorliegen,  dass  der  Beschuldigte  mit  seinem  Verhalten 

objektiv und subjektiv den ihm zu Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. 

3.3 Bestehen nach abgeschlossener Beweiswürdigung unüberwindliche Zweifel 

an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht 

das Gericht von der für den Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 

StPO). Erheblich sind Zweifel, die bei objektiver Betrachtungsweise angebracht ge-

wesen  wären  (JOSITSCH/SCHMID,  StPO  Praxiskommentar,  4.  Aufl.,  2023,  Art.  10 

N 10).

4.

Beweismittel

Von den zu beurteilenden Tatvorwürfen liegen als relevante Beweismittel die Aus-

sagen  des  Beschuldigten  (act. 7/1-2;  Prot. S. 9  ff.),  Videoaufnahmen  des  Tatge-

schehens (act. 3; act. 5/1) und ein rechtsmedizinisches Gutachten vor (act. 13/9). 

Das rechtsmedizinische Gutachten (siehe act. 13/9 S. 2) berücksichtigt unter ande-

rem die vorliegenden medizinischen Akten (act. 13/1-8) sowie die Akten des FOR 

Zürich (act. 11/1 2), weshalb auf diese Akten nicht im Einzelnen eingegangen wird. 

Die im Recht liegenden Einvernahmen der Auskunftspersonen (act. 8/1-3) können 

nichts zur Sachverhaltserstellung beitragen, wobei diese aufgrund des fehlenden 

Konfrontationsrechts des Beschuldigten ohnehin nicht zu seinen Lasten verwertbar 

wären (Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK, vgl. BSK StPO-SCHLEIMINGER/SCHAFFNER, 3. Aufl., 

2023, Art. 147 N 12). Weitere vorliegende Aktenstücke (bspw. act. 12/1-2) tragen 

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ebenfalls nicht zur Sachverhaltserstellung bei. Im Folgenden werden die Beweis-

mittel einzeln näher betrachtet und gewürdigt, sofern und soweit sie für die Erstel-

lung des Sachverhalts von Relevanz sind.

5. Würdigung der Beweismittel

5.1 Aussagen des Beschuldigten

5.1.1 Glaubwürdigkeit des Beschuldigten

Der Beschuldigte hat in seiner Rolle als vom Verfahren direkt Betroffener ein – in-

sofern legitimes – Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen 

Licht darzustellen. Es trifft ihn keine Pflicht, zu seiner Überführung beizutragen; na-

mentlich unterliegt er nicht der Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 163 Abs. 2 StPO. 

Über  den  Beschuldigtenstatus  hinausgehende  besondere  Interessen  im  Hinblick 

auf den konkreten Vorwurf oder den Ausgang des Strafverfahrens sind keine er-

sichtlich. Entsprechend sind seine Aussagen zwar mit Vorsicht zu würdigen, jedoch 

ändert diese Ausgangslage nicht grundsätzlich etwas an seiner allgemeinen Glaub-

würdigkeit. 

5.1.2 Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten

5.1.2.1 Der Beschuldigte wurde am 18. April 2023 durch die Polizei und am 8. April 

2024 durch die Staatsanwaltschaft einvernommen. Zudem wurde der Beschuldigte 

anlässlich der Hauptverhandlung vom 17. März 2025 gerichtlich befragt (act. 7/1; 

act. 7/2; Prot. S. 9 ff.).

5.1.2.2 Zur Frage der gefahrenen Geschwindigkeit äusserte sich der Beschuldigte 

anlässlich der polizeilichen Befragung wie folgt: Auf der C._____-strasse dürfe man 

80 km/h schnell fahren, er sei am besagtem Abend aufgrund des schlechten Wet-

ters aber zwischen 60 und 70 km/h gefahren (act. 7/1 F/A 27). Anlässlich der Haupt-

verhandlung bestätigte der Beschuldigte seine Aussage. Er schätze, zwischen 60 

oder 65 km/h und aufgrund der schlechten Sicht sicher langsamer als 80 km/h ge-

fahren zu sein. Zudem führte der Beschuldigte aus, er habe nicht das Gefühl ge-

habt, in Anbetracht der schlechten Sichtverhältnisse zu schnell gefahren zu sein, 

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da  er  die  ganze  Strasse  bis  zur  Abzweigung  Richtung  Winterthur  gesehen  habe 

(Prot. S. 16).

5.1.2.3 Zur Frage der Unaufmerksamkeit während des Fahrens führte der Beschul-

digte aus, er sei auf keine Art und Weise abgelenkt gewesen, sondern habe nur 

Radio gehört. Im Zeitpunkt des von ihm verspürten heftigen Schlages sei sein Blick 

auf die Strasse gerichtet gewesen (act. 7/1 F/A 28, 34 und 63). Indes relativierte 

der Beschuldigte letztere Aussage anlässlich der Hauptverhandlung, indem er zu 

Protokoll gab, er könne nicht mehr genau sagen, ob er den Blick auf die Strasse 

vor sich oder schon auf die Auffahrt gerichtet gehabt habe (Prot. S. 17).

5.1.2.4 Hinsichtlich der Frage, ob er davon ausgehen musste, dass die Polizei mit 

hoher  Wahrscheinlichkeit  eine  Massnahme  zur  Feststellung  der  Fahrunfähigkeit 

anordnen würde, erklärte der Beschuldigte Folgendes: Bei seiner Weiterfahrt habe 

er  nicht  an  eine  möglicherweise  stattfindende  polizeiliche  Kontrolle  gedacht.  Er 

habe in seinem Leben schon etliche Alkoholproben hinter sich gebracht, wobei er 

nie bestraft worden sei (Prot. S. 18).

5.1.2.5 Die Aussagen des Beschuldigten erscheinen nicht unglaubhaft. Insbeson-

dere kann der Beschuldigte wiederholt und nachvollziehbar schildern, dass er die 

Geschwindigkeit (bis zu einem gewissen Grad) den schlechten Sichtverhältnissen 

angepasst und er während des Fahrens seinen Blick auf die Strasse (entweder vor 

sich oder schon auf die Auffahrt) gerichtet gehabt habe.

5.2 Videoaufnahmen

5.2.1 Es  bestehen  Videosequenzen  von  Überwachungskameras  vom  12. April 

2023, welche die Autobahn A1 und die C._____-strasse bei schlechten Sicht- und 

Wetterverhältnissen (Dunkelheit und Regen) zeigen (act. 3; act. 5/1). Auf den Auf-

nahmen ist zu einem gegebenen Zeitpunkt eine sprunghafte vertikale Bewegung 

eines auf der C._____-strasse fahrenden Autos zu sehen (act. 3, Video 20_37_59, 

oben  rechts,  ca. Minute  7  Sekunde  35).  Ob  damit  eine  Person  überfahren  oder 

überrollt wurde, ist darauf nicht zu erkennen.

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5.2.2 Die  Videoaufnahmen  bestätigen  den  vom  Beschuldigten  eingestandenen 

Sachverhalt betreffend des Überfahrens von D._____. Hingegen erlauben die Vi-

deoaufnahmen keine Rückschlüsse darüber, ob der Beschuldigte den Umständen 

entsprechend mit angemessener Geschwindigkeit sowie mit genügender Aufmerk-

samkeit gefahren ist und ob durch das (zumindest) Touchieren eine Körperverlet-

zung im Sinne von Art. 125 StGB eingetreten ist.

5.3 Rechtsmedizinisches Gutachten

5.3.1 In  Bezug  auf  den  gesamten  Unfallverlauf  auf  der  Autobahn  A1  und  der 

C._____-strasse am Abend des 12. April 2023 und den von D._____ erlittenen Ver-

letzungen besteht ein rechtsmedizinisches Gutachten vom 31. Oktober 2023, wel-

ches  sich  unter  anderem  zum  vorliegend  zu  beurteilenden  Vorfall  äussert 

(act. 13/9).

5.3.2 Zum Ablauf des gegenständlichen Vorfalles postuliert das Gutachten, dass 

die Lochbeschädigungen an der Jacke von D._____ zusammen mit den Befunden 

am Unterboden des auf der C._____-strasse gefahrenen Mercedes Benz in Form 

von Blutanhaftungen am Auspuff und Fasern, welche D._____ zugeordnet hätten 

werden  können,  sowie  die  Schmutzverletzungen  am  Unterboden  ein  Überfahren 

von D._____ durch den Mercedes Benz als wahrscheinlich erscheinen lassen wür-

den (act. 13/9 S. 10). 

5.3.3 Das  Gutachten  äussert  sich  zu  den  möglicherweise  durch  das  Überfahren 

erlittenen Verletzungen wie folgt: "Die insbesondere an Armen und Beinen festge-

stellten Hautabschürfungen und Blutergüsse wiesen keine geformten Komponen-

ten auf. Es kann letztlich keine genaue Aussage diesbezüglich getroffen werden, 

wie und wann genau im Zusammenhang mit dem Unfallhergang diese entstanden." 

(act. 13/9 S. 10). 

5.3.4 Gutachten im Sinne von Art. 182 ff. StPO unterliegen grundsätzlich der freien 

Beweiswürdigung nach Art. 10 Abs. 2 StPO. Jedoch weicht das Gericht von den 

Schlussfolgerungen des Gutachtens nur ab, wenn triftige Gründe vorliegen (BGE 

128 I 81 E. 2; BGE 102 IV 225 E. 7b; JOSITSCH/SCHMID, StPO Praxiskommentar, 

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4. Aufl., 2023, Art. 10 N 9). Im gegenständlichen Verfahren sind keine Gründe er-

sichtlich, welche ein Abweichen von der Sachverhaltsfeststellung des Gutachtens 

rechtfertigen würden.

6.

Beweisergebnis

6.1 In Bezug auf die fahrlässige Körperverletzung ist angeklagt, der Beschuldigte 

habe den auf der Strasse liegenden D._____ (zumindest) touchiert, wodurch dieser 

Einblutungen und Abschürfungen erlitten habe (act. 23 S. 3). Aus rechtsmedizini-

scher Sicht kann jedoch gerade nicht festgestellt werden, ob diese Verletzungen 

im Zusammenhang mit dem vom Gutachten postulierten Überfahren (oder bereits 

beim vorherigen Unfall auf der Autobahn) entstanden sind (siehe E. II./5.3.3). Dem-

nach ist der Sachverhalt in dieser Hinsicht nicht erstellt, zumal es auch durchaus 

nicht  ausgeschlossen  werden  kann,  dass  bei  dem  vom  Gutachten  postulierten 

Überfahren bzw. bei einem "blossen" Touchieren im Gegensatz zu einem eigentli-

chen  Überrollen  keine  Verletzungen  im  Sinne  der  Anklage  entstanden  sind.  Der 

Beschuldigte ist damit vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 125 StGB freizusprechen.

6.2 Betreffend der  eventualiter angeklagten fahrlässigen  groben  Verkehrsregel-

verletzung ist zunächst festzuhalten, dass am Abend des 12. April 2023 schlechte 

Sicht- und Wetterverhältnisse vorherrschten. So sprach der Beschuldigte selbst da-

von, dass es "wirklich wolkenbruchmässig geregnet" habe und dass die Sicht wirk-

lich schlecht gewesen sei bzw. es gestrahlt und gespiegelt habe (Prot. S. 13 und 

S. 16). Nicht klar ist jedoch, ob es aufgrund fehlender Aufmerksamkeit (z.B. Richten 

des Blickes bereits auf die weiter vorne liegende Auffahrt anstatt auf den Fahrbahn-

abschnitt unmittelbar vor dem Auto) oder wegen nicht ausreichend den Sicht- und 

Wetterverhältnissen angepasster Geschwindigkeit (oder sogar aufgrund von Bei-

dem) zum Übersehen des auf der Fahrbahn liegenden D._____ kam. Wie dies bei 

der nachfolgenden rechtlichen Würdigung zu zeigen sein wird, kann diese Frage 

jedoch schlussendlich offen gelassen werden. 

6.3 Zum  Vorwurf  des  vorsätzlich  bzw.  fahrlässig  pflichtwidrigen  Verhaltens  bei 

Unfall  hat  der  Beschuldigte  den  Sachverhalt  sinngemäss  anerkannt  (act. 7/1 

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F/A 29; Prot. S. 14 und 18). Hierzu ist auch auf die Ausführungen der Verteidigung 

(in Bezug auf den Sachverhalt) zu verweisen (act. 56 S. 11 ff.). Das diesbezügliche 

Verhalten des Beschuldigten ist nachfolgend zu würdigen.

6.4 Hinsichtlich der vorsätzlichen Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung 

der Fahrunfähigkeit ist festzustellen, dass der Beschuldigte aufgrund des von ihm 

verspürten heftigen Schlages (welchen er als "Erwischen" eines Randsteins inter-

pretierte;  Prot.  S. 13)  davon  ausgehen  musste,  dass  die  Polizei  (wenn  er  denn 

diese  sofort  über  den  Vorfall  informiert  hätte)  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  eine 

Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit angeordnet hätte. Die Aussagen 

des Beschuldigten vermögen diesen Tatvorwurf in Bezug auf den Sachverhalt nicht 

entkräften. Im Folgenden wird dieses Verhalten gewürdigt und insbesondere fest-

gehalten, ob wie angeklagt  Eventualvorsatz ("in Kauf nahm") vorliegt (vgl. act. 23 

S. 7). 

III. Rechtliche Würdigung

1.

Fahrlässige grobe Verletzung der Verkehrsregeln

1.1 Standpunkt der Staatsanwaltschaft sowie der Verteidigung

Die  Staatsanwaltschaft  würdigt  das  Verhalten  des  Beschuldigten  unter  anderem 

(im  Eventualstandpunkt)  als  fahrlässige  grobe  Verletzung  der  Verkehrsregeln  im 

Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 100 

Abs. 1 SVG. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung äussern sich zur 

rechtlichen Würdigung.

1.2 Objektiver Tatbestand

1.2.1 Nach  Art. 90  Abs. 2  SVG  wird  mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  drei  Jahren  oder 

Geldstrafe bestraft, wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche 

Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Gemäss Art. 31 

Abs. 1 SVG muss der Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen 

Vorsichtspflichten nachkommen kann.

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1.2.2 Ausfluss  aus  Art. 31  Abs. 1  SVG  ist  die  Aufmerksamkeit,  welche  der  Fahr-

zeugführer der Strasse und dem Verkehr zu widmen hat. Eine besondere Aufmerk-

samkeit ist namentlich bei schlechtem Wetter geboten (OFK SVG-GIGER, 9. Aufl., 

2022,  Art. 31  N 8).  Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  muss  sodann 

selbst  auf  der  Autobahn  mit  unbeleuchteten  Hindernissen  –  etwa  auch  mit  einer 

verunfallten  Person  –  gerechnet  werden.  Auf  gewöhnlichen  Strassen  wie  vorlie-

gend ist die Gefahr, auf unbeleuchtete Hindernisse zu treffen, sogar noch grösser 

als auf der Autobahn (BGE 93 IV 115 E. 2). Art. 4 Abs. 1 VRV schreibt denn auch 

vor,  dass  der  Fahrzeugführer  nur  so  schnell  fahren  dürfe,  dass  er  innerhalb  der 

überblickbaren Strecke halten könne.

1.2.3 Vorliegend ist erstellt, dass am Abend des 12. April 2023 schlechte Sicht- und 

Wetterverhältnisse  vorherrschten.  Demzufolge  war  besondere  Aufmerksamkeit 

und eine ausreichende Anpassung der Geschwindigkeit an die schlechten Verhält-

nisse  geboten.  Wie  soeben ausgeführt,  musste  der  Beschuldigte  damit  rechnen, 

dass eine verunfallte Person auf der Fahrbahn liegt und dem Streckenverlauf des-

halb stets ausreichend Aufmerksamkeit widmen. Da der Beschuldigte den auf der 

Strasse liegenden D._____ nun aber übersah, liess er entweder die bei prekären 

Verhältnissen  in  besonderem  Masse  notwendige  Aufmerksamkeit  nicht  walten 

(möglicherweise, weil er seinen Blick bereits auf die weiter vorne liegende Auffahrt 

gerichtet hatte anstatt auf den Fahrbahnabschnitt unmittelbar vor dem Auto) oder 

passte die Geschwindigkeit nicht ausreichend den schlechten Sicht- und Wetter-

verhältnisses an (oder sogar beides). Fehlende Aufmerksamkeit bzw. nicht ausrei-

chende Anpassung der Geschwindigkeit an die Wetter- und Sichtverhältnisse stellt 

aufgrund der dadurch ernstlich geschaffenen Gefahr (die sich sodann auch verwirk-

lichte) eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. 

Art. 31 Abs. 1 SVG dar. Damit ist der objektive Tatbestand erfüllt.

1.3 Subjektiver Tatbestand

1.3.1 Der subjektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG umfasst die Inkaufnahme 

– im Sinne der groben Fahrlässigkeit – der groben Verkehrsregelverletzung sowie 

der Schaffung der Gefahr für die Sicherheit anderer (BGE 106 IV 49; OFK SVG-

GIGER, 9. Aufl., 2022, Art. 90 N 13; BSK SVG-FIOLKA, 1. Aufl., 2014, Art. 90 N 92).

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1.3.2 In Anbetracht der schlechten Wetter- und Sichtverhältnisse hätte der Beschul-

digte  bei  der  Fahrbahnbeobachtung  und  der  Wahl  der  Geschwindigkeit  (60–65 

km/h  erscheinen  bei  derart  schlechten  Verhältnissen  immer  noch  als  zu  schnell) 

besondere Vorsicht walten lassen müssen, zumal er mit Hindernissen auf der Fahr-

bahn jederzeit rechnen musste. Die vorsichtige Fahrweise stellt bei schlechter bzw. 

prekärer Sicht in Anbetracht der Gefährdungslage, die in solchen Fällen bei unauf-

merksamer oder zu schneller Fahrweise geschaffen wird, eine elementare Sorg-

faltspflicht dar, wobei die infolge Verletzung dieser Pflicht geschaffene Gefahr (die 

sich sodann ja auch verwirklichte) bei ausreichender Aufmerksamkeit bzw. genü-

gender Anpassung der Geschwindigkeit auch vermeidbar gewesen wäre. Somit ist 

auch der subjektive Tatbestand im Sinne einer groben Fahrlässigkeit erfüllt.

1.4 Fazit

Da  vorliegend  weder  Rechtfertigungs-  noch  Schuldausschlussgründe  ersichtlich 

sind, ist der Beschuldigte zusammenfassend der fahrlässigen groben Verkehrsre-

gelverletzung  im  Sinne  von  Art. 90  Abs. 2  SVG  in  Verbindung  mit  Art. 31  Abs.  1 

SVG und Art. 100 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.

2.

Pflichtwidriges Verhalten bei Unfall

2.1 Standpunkt der Staatsanwaltschaft sowie der Verteidigung

2.1.1 Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten unter ande-

rem als vorsätzliches – eventualiter als fahrlässiges – pflichtwidriges Verhalten bei 

Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 2 SVG (in Verbindung mit Art. 100 Abs. 1 SVG) 

und  subeventualiter  als  pflichtwidriges  Verhalten  bei  Unfall  im  Sinne  von  Art. 92 

Abs. 1  SVG  –  subsubeventualiter  in  Verbindung  mit  Art. 100  Abs. 1  SVG.  Die 

Staatsanwaltschaft äussert sich nicht zur rechtlichen Würdigung. 

2.1.2 Die  Verteidigung  bringt  vor,  aufgrund  der  "verwirrenden  Eventualvarianten" 

betreffend  des  vorsätzlichen  –  eventualiter  fahrlässigen  –  pflichtwidrigen  Verhal-

tens  bei  Unfall  im  Sinne  von  Art. 92  Abs. 2  SVG  könne  die  Verteidigung  gegen 

diese Anklagevorwürfe nicht wahrgenommen werden. Die Anklage würde den An-

forderungen von Art. 325 Abs. 1 lit. f und g StPO nicht genügen, womit eine Verlet-

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zung des Anklageprinzips vorliegen würde und eine Verurteilung gestützt auf diese 

Rechtsgrundlage nicht in Frage komme (act. 56 S. 11 f.; Prot. S. 21). In Bezug auf 

die  Anwendung  von  Art. 92  Abs. 1  SVG  wirft  die  Verteidigung  auf,  dass  der  Be-

schuldigte davon ausgegangen sei, einen Randstein überfahren zu haben, weshalb 

er sich in einem Sachverhaltsirrtum nach Art. 13 Abs. 1 StGB befunden habe und 

deshalb eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Widerhandlung gegen Art. 92 Abs. 1 

SVG ausser Betracht falle. Hingegen habe sich der Beschuldigte des fahrlässigen 

pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG strafbar ge-

macht, da er aufgrund der Heftigkeit des von ihm festgestellten Schlages nicht hätte 

davon ausgehen dürfen, dass kein Fremdschaden entstanden sei (act. 56 S. 12 ff.; 

Prot. S. 21 f.).

2.2 Objektiver Tatbestand

2.2.1 Nach  Art. 92  Abs. 1  SVG  wird  mit  Busse  bestraft,  wer  bei  einem  Unfall  die 

Pflichten verletzt, die ihm das SVG auferlegt. Gemäss Art. 92 Abs. 2 SVG wird mit 

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre oder Geldstrafe bestraft, wer als Fahrzeugführer 

bei einem Verkehrsunfall einen Menschen getötet oder verletzt hat und die Flucht 

ergreift.

2.2.2 Die Anwendung von Art. 92 Abs. 2 SVG setzt die Verletzung oder Tötung ei-

nes  Menschen  voraus,  welche  durch  den  Fahrzeugführer  unmittelbar  verursacht 

wurde  (SVG  OFK  SVG-GIGER,  9.  Aufl.,  2022,  Art. 92  N 6;  BSK  SVG-UNSELD, 

1. Aufl., 2014, Art. 92 N 36 und 40). Diese fällt vorliegend ohnehin ausser Betracht, 

da in rechtsmedizinischer Hinsicht keine Verletzungen dem Handeln des Beschul-

digten rechtsgenügend zugeordnet werden können (siehe E. II./6.1).

2.2.3 Somit bleibt ohnehin nur die Anwendung von Art. 92 Abs. 1 SVG zu prüfen. 

In objektiver Hinsicht wird vorausgesetzt, dass sich ein Strassenverkehrsunfall im 

Sinne von Art. 51 SVG ereignet hat und der Beschuldigte eine den Unfall betref-

fende Verhaltenspflicht verletzt hat (BSK SVG-UNSELD, 1. Aufl., 2014, Art. 92 N 18). 

Als Unfall im Sinne von Art. 51 SVG gilt jedes Ereignis, das geeignet ist, einen Per-

sonen- oder Sachschaden herbeizuführen (BGE 122 IV 356 E. 3a; BGE 83 IV 46 

E. 1). Im vorliegenden Fall war das Überfahren von D._____ ohne Weiteres geeig-

- 15 -

net,  einen  Personenschaden  zu  verursachen.  Der  Eintritt  des  (Personen-)  Scha-

dens  ist  nicht  vorausgesetzt  (BSK  SVG-UNSELD,  1. Aufl.,  2014,  Art. 92  N 19). 

Art. 51 Abs. 1 SVG statuiert unter anderem die Verhaltenspflicht, bei einem Unfall 

sofort anzuhalten. Da der Beschuldigte nach der Kollision mit D._____ nicht ange-

halten hat bzw. weiterfuhr, ist diese Voraussetzung gegeben. Zusammenfassend 

hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von Art. 92 Abs. 1 SVG erfüllt. 

2.3 Subjektiver Tatbestand

2.3.1 Das pflichtwidrige Verhalten bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG kann 

sowohl  vorsätzlich  wie  auch  fahrlässig  begangen  werden  (Art. 100  Abs. 1  SVG). 

Vorsätzlich handelt diejenige Person, welche erkannt hat, an einem Unfall beteiligt 

gewesen  zu  sein,  und  in  Kenntnis  dieses  Unfalls  dennoch  untätig  bleibt  (BGer 

6B_1027/2013, E. 3.1). Fahrlässig handelt jene Person, die nicht bemerkt, einen 

Unfall verursacht zu haben, und weiterfährt, obwohl der Unfall erkennbar gewesen 

wäre  (BSK  SVG-UNSELD,  1. Aufl.,  2014,  Art. 92  N 31).  Fahrlässigkeit  liegt  insbe-

sondere vor, wenn der Fahrzeugführer eine Kollision oder einen ungewöhnlichen 

Lärm  wahrnimmt  und  nicht  sorgfältig  prüft,  ob  ein  Sach-  oder  Personenschaden 

entstanden ist (BGE 93 IV 43 E. 3).

2.3.2 Im vorliegenden Fall war der Beschuldigte der Überzeugung, einen Randstein 

– und nicht etwa eine auf der Fahrbahn liegende Person – überfahren zu haben 

(vgl. act. 7/1 F/A 28). Demnach hat er den Unfall nicht erkannt, weshalb eine vor-

sätzliche Tatbegehung ausser Betracht fällt. Hingegen hat der Beschuldigte einen 

heftigen Schlag am linken Vorderreifen verspürt. Wie die Verteidigung zurecht vor-

bringt (act. 56 S. 14), konnte der Beschuldigte aufgrund der Heftigkeit des von ihm 

verspürten Schlages nicht davon ausgehen, dass kein Fremdschaden entstanden 

ist. Der Beschuldigte hätte sorgfältig prüfen müssen, ob nicht ein Sach- oder Per-

sonenschaden entstanden ist. Somit ist der subjektive Tatbestand in Bezug auf die 

fahrlässige Tatbegehung erfüllt.

2.4 Fazit

- 16 -

Da  vorliegend  weder  Rechtfertigungs-  noch  Schuldausschlussgründe  ersichtlich 

sind, ist der Beschuldigte zusammenfassend des fahrlässigen pflichtwidrigen Ver-

haltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 100 Abs. 1 

SVG schuldig zu sprechen.

3.

Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit

3.1 Standpunkt der Staatsanwaltschaft sowie der Verteidigung

3.1.1 Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten unter ande-

rem  als  Vereitelung  einer  Massnahme  zur  Feststellung  der  Fahrunfähigkeit  im 

Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG. Die Staatsanwaltschaft äussert sich nicht zur recht-

lichen Würdigung. 

3.1.2 Die Verteidigung bringt vor, nach dem ausdrücklichen Wortlaut von Art. 91a 

SVG könne der Tatbestand nur vorsätzlich, nicht aber fahrlässig erfüllt werden. Der 

Beschuldigte habe den Vorfall komplett falsch interpretiert. Dass er von der Unfall-

stelle wegfuhr, sei lediglich seiner Fahrlässigkeit geschuldet. An eine Polizeikon-

trolle habe der Beschuldigte nie gedacht. Somit habe der Beschuldigte nicht vor-

sätzlich gehandelt, weshalb er vom Vorwurf der Vereitelung einer Massnahme zur 

Feststellung  der  Fahrunfähigkeit  nach  Art. 91a  SVG  freizusprechen  sei  (act. 56 

S. 14).

3.2 Objektiver Tatbestand

3.2.1 Nach  Art. 91a  Abs. 1  SVG  wird  mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  drei  Jahren  oder 

Geldstrafe bestraft, wer sich als Motorfahrzeugführer vorsätzlich einer Blutprobe, 

einer Atemalkoholprobe oder einer anderen vom Bundesrat geregelten Vorunter-

suchung,  die  angeordnet  wurde  oder  mit  deren  Anordnung  gerechnet  werden 

musste, oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt oder entzogen 

hat oder den Zweck dieser Massnahmen vereitelt hat.

3.2.2 Die objektiven Voraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Wie 

zu  zeigen  ist,  scheitert  die  Anwendung  von  Art. 91a  Abs. 1  SVG  am  subjektiven 

Tatbestand.

- 17 -

3.3 Subjektiver Tatbestand

3.3.1 In subjektiver Hinsicht wird für die Anwendung von Art. 91a Abs. 1 SVG Vor-

satz, zumindest Eventualvorsatz, vorausgesetzt (BSK SVG-RIEDO, 1. Aufl., 2014, 

Art. 91a N 234). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist (Eventual-)Vor-

satz jedoch nur dann gegeben, wenn der Fahrzeugführer die die hohe Wahrschein-

lichkeit der Anordnung einer Massnahme begründende Tatsache kannte (BGE 131 

IV 36 E. 2.2.1). Der subjektive Tatbestand ist demnach nicht erfüllt, wenn der Fahr-

zeugführer  den  Drittschaden  nicht  bemerkte,  selbst  wenn  diese  Unkenntnis  auf 

eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit zurückzuführen ist (BGE 114 IV 148 E. 2b.; BSK 

SVG-RIEDO, 1. Aufl., 2014, Art. 91a N 235).

3.3.2 Im vorliegenden Fall hat der Beschuldigte nicht bemerkt, den auf der Strasse 

liegenden  D._____  überfahren  zu  haben.  Ebenfalls  ging  er  davon  aus,  keinen 

Sachschaden verursacht, sondern eben bloss einen Randstein überfahren zu ha-

ben. Dem Beschuldigten war somit die Tatsache, die die Anordnung einer Mass-

nahme  begründet  hätte,  nicht  bekannt,  weshalb  er  nicht  vorsätzlich  handelte.  Er 

handelte  jedoch  pflichtwidrig  unvorsichtig,  indem  er  nach  dem  Verspüren  des 

Schlages keine Abklärungen in Bezug auf die Entstehung eines Sach- oder Perso-

nenschadens vornahm (vgl. E. III./2.3.2). Da die fahrlässige Tatbegehung straflos 

bleibt (BGE 106 IV 397; BSK SVG-RIEDO, 1. Aufl., 2014, Art. 91a N 235), ist der 

subjektive Tatbestand nicht erfüllt und der Beschuldigte ist vom Vorwurf der Verei-

telung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit im Sinne von Art. 91a 

Abs. 1 SVG freizusprechen.

4.

Fazit

Der  Beschuldigte  ist  im  Sinne  der  obenstehenden  Erwägungen  der  fahrlässigen 

groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung 

mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 100 Abs. 1 SVG sowie des fahrlässigen pflichtwid-

rigen  Verhaltens  bei  Unfall  im  Sinne  von  Art.  92  Abs.  1  SVG  in  Verbindung  mit 

Art. 100  Abs.  1  SVG  schuldig  zu  sprechen.  Von  den  Vorwürfen  der  fahrlässigen 

Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB (siehe bereits E. II./6.1) sowie 

- 18 -

der  Vereitelung  einer  Massnahme  zur  Feststellung  der  Fahrunfähigkeit  im  Sinne 

von Art. 91a Abs. 1 SVG ist der Beschuldigte freizusprechen.

1.

Allgemeines

IV. Strafzumessung

1.1 Bei der Strafzumessung ist zunächst der anwendbare Strafrahmen zu bestim-

men (vgl. BSK StGB-WIPRÄCHTIGER/KELLER, 4. Aufl., 2019, Art. 47 N 19). Innerhalb 

des ermittelten Strafrahmens bemisst sich die Strafe nach dem Verschulden des 

Täters, wobei das Gericht das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse und die Wir-

kung der Strafe auf das Leben des Täters berücksichtigt (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das 

Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffe-

nen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und 

Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und 

äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermei-

den (Art. 47 Abs. 2 StGB).

1.2 Für die Zumessung der Strafe innerhalb des Strafrahmens ist zwischen der Tat- 

und der Täterkomponente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist als Aus-

gangspunkt die objektive Schwere des Delikts festzulegen und zu bewerten. Dabei 

ist anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie aufgrund der Art und Weise des Vor-

gehens zu beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beeinträch-

tigt worden ist. Ebenfalls von Bedeutung sind die kriminelle Energie sowie der Tat-

beitrag bei Tatausführung durch mehrere Täter. Hinsichtlich des subjektiven Ver-

schuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweggründe, die Willensrichtung so-

wie  das  Mass  an  Entscheidungsfreiheit  des  Täters  zu  beurteilen  (Art. 47  Abs. 2 

StGB). Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem weiteren Schritt 

aufgrund  wesentlicher  Täterkomponenten  sowie  wegen  eines  allfälligen  blossen 

Versuchs  im  Sinne  von  Art. 22  Abs. 1  StGB  verändert  werden  (BGE  136  IV  55 

m.w.H.). Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse, das Vorle-

ben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, und das Verhalten nach der 

Tat und im Strafverfahren, insbesondere gezeigte Reue und Einsicht, oder ein ab-

- 19 -

gelegtes Geständnis (Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zum Ganzen: OFK StGB-HEIMGART-

NER, 21. Aufl., 2022, Art. 47 N 5 ff. m.w.H.).

2.

Konkrete Strafzumessung

2.1 Vorbemerkung zur Deliktsmehrheit

Vorliegend hat sich der Beschuldigte sowohl der fahrlässigen groben Verkehrsre-

gelverletzung sowie des fahrlässigen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall schuldig 

gemacht (siehe E. III./4.). Während die Verletzung von Art. 90 Abs. 2 SVG mit Frei-

heits-  oder  Geldstrafe  sanktioniert  wird,  kann  bei  Verstoss  gegen  Art. 92  Abs. 1 

SVG lediglich eine Busse ausgesprochen werden. Es liegen keine Strafmilderungs-

gründe im Sinne von Art. 48a Abs. 2 StGB vor, welche das Erkennen auf eine an-

dere  Strafart  rechtfertigen  würden.  Somit  liegen  keine  gleichartigen  Strafen  im 

Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB vor, weshalb eine Gesamtstrafenbildung ausser Be-

tracht fällt.

2.2 Fahrlässige grobe Verkehrsregelverletzung

2.2.1 Strafrahmen

Der  Beschuldigte  hat  sich  der  fahrlässigen  groben  Verkehrsregelverletzung  im 

Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 100 

Abs. 1 SVG schuldig gemacht. Der Strafrahmen beträgt hierfür Freiheitsstrafe bis 

zu drei Jahren oder Geldstrafe. Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe, die 

ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens rechtfertigen würden, sind vorliegend 

keine ersichtlich. 

2.2.2 Objektive Tatschwere

Der Beschuldigte missachtete die Verkehrsregel, wonach ein Fahrzeugführer das 

Fahrzeug jederzeit so beherrschen muss, dass er seinen Vorsichtspflichten nach-

kommen kann (Art. 31 Abs. 1 SVG), in grober Weise. Zu bemerken ist, dass sich 

die Umstände des vorliegenden Falles als aussergewöhnlich präsentieren. Es ge-

staltet sich bei derart schlechten Sichtverhältnissen, gemessen an einem objekti-

ven Massstab, als schwierig, die notwendigen Vorsichtspflichten ständig in ausrei-

- 20 -

chendem  Umfang  aufrechtzuerhalten.  Insgesamt  erweist  sich  die  objektive 

Tatschwere, bemessen an den Tatumständen und allen erdenklichen Begehungs-

möglichkeiten einer Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 31 Abs.1 SVG, noch 

als sehr leicht. 

2.2.3 Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte fahrlässig. Zu den Motiven seiner unvorsichtigen Fahr-

weise äusserte sich der Beschuldigte nicht, da er diese bestritt. Auch aus objektiver 

Sicht  sind  die  Beweggründe  des  Beschuldigten  nicht  erkennbar.  Die  subjektive 

Tatschwere  vermag  somit  die  objektive  Tatschwere  nicht  zu  relativieren  oder  zu 

erhöhen.

2.2.4 Hypothetische Strafe

Insgesamt ist unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen von einem 

noch  sehr  leichten  Verschulden  auszugehen.  Vorliegend  rechtfertigt  es  sich,  als 

hypothetische Strafe eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen anzusetzen.

2.2.5 Täterkomponente

2.2.5.1 Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten präsentieren sich gemäss 

dessen Aussagen zusammengefasst wie folgt: Der Beschuldigte sei in Zürich ge-

boren und aufgewachsen. Er habe die Matura gemacht und dann studiert. Das Stu-

dium habe er jedoch abgebrochen, da er bereits als Journalist tätig gewesen sei. 

Danach habe er ein Übersetzerdiplom an der Dolmetscherschule gemacht und sei 

ins Schweizer Fernsehen (E._____ [Sendung]) eingetreten. Dort sei er für 33 Jahre 

bis zu seiner Pensionierung angestellt geblieben. Nach seiner Pensionierung habe 

der Beschuldigte als freier Autor verschiedene Filme gedreht und sei viel gereist 

(Prot. S. 10 f.). Der Beschuldigte habe zwei erwachsene Söhne und lebe derzeit 

nicht  in  einer  Partnerschaft  bzw.  getrennt  von  seiner  Ehefrau  (act. 7/1  F/A 91; 

act. 7/2 F/A 32 f.; Prot. S. 11). Sein monatliches Einkommen aus AHV- und Pensi-

onskassenrente  beziffert  der  Beschuldigte  auf  netto  Fr. 7'400.–  bis  Fr. 7'500.– 

(act. 7/1 F/A 90; act. 7/2 F/A 29; Prot. S. 12). Vermögen habe der Beschuldigte in 

Form eines Ferienhauses im F._____ und Sparkontoguthabens in der Höhe von 

- 21 -

Fr. 30'000.– bis Fr. 40'000.– (act. 7/1 F/A 92; act. 7/2 F/A 36; Prot. S. 12). Aus den 

persönlichen Verhältnissen lässt sich nichts zugunsten des Beschuldigten schlies-

sen, weshalb dieser Aspekt sich neutral auf die Strafzumessung auswirkt.

2.2.5.2  Der  Beschuldigte  hat  keine  im  Strafregister  eingetragenen  Vorstrafen 

(act. 49). Diese Vorstrafenlosigkeit ist neutral zu werten (BGE 136 IV 1).

2.2.5.3 Der Beschuldigte bestritt, unvorsichtig gefahren zu sein. Von Reue und Ein-

sicht oder zumindest einer Erleichterung des Vorverfahrens kann bei dieser Aus-

gangslage keine Rede sein. Das Nachtatverhalten hat damit keinen Einfluss auf die 

Strafzumessung.

2.2.5.4 Es liegen keine Strafminderungs- oder erhöhungsgründe vor, weshalb die 

Strafe aufgrund der Täterkomponente weder zu mindern noch zu schärfen ist. 

2.2.6 Fazit

Der  Beschuldigte  verfügt  über  ein  Nettoeinkommen  von  monatlich  ungefähr 

Fr. 7'500.– sowie liquides Vermögen von ca. Fr. 30'000.– (siehe E. IV./2.2.5.1). Vor 

diesem Hintergrund erscheint eine Tagessatzhöhe von Fr. 170.– angemessen. Zu-

sammenfassend ist für die fahrlässige grobe Verkehrsregelverletzung eine Gelds-

trafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 170.– (entsprechend Fr. 2'550.–) auszusprechen.

2.3 Anrechnung der Untersuchungshaft

Gemäss  Art.  51  StGB  rechnet  das  Gericht  die  vom  Täter  während  diesem  oder 

einem anderen Verfahren ausgestandene Untersuchungshaft auf die Strafe an. Der 

Beschuldigte befand sich für 3 Tage in Untersuchungshaft (act. 9/1; act. 9/6), wel-

che folglich an die Geldstrafe anzurechnen sind.

2.4 Fahrlässiges pflichtwidriges Verhalten bei Unfall

2.4.1 Der Beschuldigte hat sich des Weiteren des fahrlässigen pflichtwidrigen Ver-

haltens  bei  Unfall  im  Sinne  von  Art. 92  Abs. 1  SVG  in  Verbindung  mit  Art. 100 

- 22 -

Abs. 1 SVG schuldig gemacht, indem er nach dem Unfall, welchen er hätte erken-

nen müssen, nicht angehalten hat. 

2.4.2 Bei Art. 92 Abs. 1 SVG handelt es sich um eine Übertretung, welche mit einer 

Busse bis zu Fr. 10'000.– geahndet wird (Art. 106 Abs. 1 StGB). Die Busse hat sich 

nach  den  Verhältnissen  des  Täters  und  seinem  Verschulden  zu  bemessen 

(Art. 106  Abs. 3  StGB).  Angesichts  der  guten  finanziellen  Verhältnisse  des  Be-

schuldigten  und  unter  Berücksichtigung  des  geringen  Verschuldens  (Annahme, 

dass bloss ein Randstein ohne Schadensfolgen überfahren worden sei) erscheint 

eine Busse von Fr. 500.– als angemessen.

V. Strafvollzug

1. Geldstrafe

1.1 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine 

unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung wei-

terer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Materiell ist für 

den Aufschub der Strafe das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt, 

wobei die günstige Prognose vermutet wird. Bei der Beurteilung der Frage, ob die 

Voraussetzung des Fehlens einer ungünstigen Prognose vorliegt, ist eine Gesamt-

würdigung aller Umstände vorzunehmen, wobei insbesondere Vorleben, Leumund, 

Charaktermerkmale und Tatumstände einzubeziehen sind (BGE 134 IV 140 E. 4.4; 

OFK StGB-HEIMGARTNER, 21. Aufl., 2022, Art. 42 N 6 f.).

1.2 Der Beschuldigte hat einen einwandfreien Leumund, so sind namentlich 

keine Vorstrafen im Strafregister und keine Administrativmassnahmen im IVZ-Re-

gister verzeichnet (siehe act. 49 und act. 52). Aus den Tatumständen kann keine 

Wiederholungsgefahr abgeleitet werden. Zudem ist zu berücksichtigen, dass der 

Beschuldigte offenbar nicht mehr Auto fährt (siehe Prot. S. 11 f.). Dem Beschul-

digten ist bei einer Gesamtwürdigung eine günstige Prognose zu attestieren und 

somit der bedingte Vollzug der Geldstrafe zu gewähren, unter Ansetzung einer 

Probezeit von 2 Jahren.

- 23 -

2.

Busse

Art. 105 Abs. 1 StGB sieht für Bussen keinen bedingten Vollzug vor. Die Busse ist 

entsprechend  zu  bezahlen,  wobei  für  den  Fall  der  schuldhaften  Nichtbezahlung 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen zu vollziehen ist.

VI. Beschlagnahmungen und Sicherstellungen

1.

Das Gericht hebt eine Beschlagnahme auf und händigt die Gegenstände oder 

Vermögenswerte der berechtigten Person aus, wenn der Grund für die Beschlag-

nahme  weggefallen  ist  (Art. 267  Abs. 1  StPO).  Über  die  Beschlagnahme  ist  im 

Endentscheid zu befinden, wurde diese vorher nicht aufgehoben (Art. 267 Abs. 3 

StPO).

2.

In Bezug auf das vorliegende Verfahren wurden die folgenden Gegenstände 

sichergestellt bzw. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

15. September 2023 (act. 10/9) beschlagnahmt (siehe act. 10/5):





iPhone 7 Rosé mit Gummihülle und Ladekabel 

(Asservat-Nr. A017'302'602)

Personenwagen Mercedes-Benz C-Klasse (ZH 1)

(Asservat-Nr. A017'299'079)

Der  Personenwagen  Mercedes-Benz  lagert  bei  der  Garage  G._____  AG  zur  Si-

cherstellung mit Spurenschutz. Hierzu ist festzuhalten, dass der Personenwagen 

Mercedes-Benz  extensiv  analysiert  und  begutachtet  wurde  (siehe  act. 11/1-2; 

act. 13/1-9),  weshalb  Gründe  für  eine  weitere  Beweisabnahme  ab  diesem  Fahr-

zeug nicht ersichtlich sind. Weiter führt die besondere Sicherstellung des Perso-

nenwagens zu Kosten von monatlich Fr. 376.95 bzw. Fr. 378.35 (vgl. act. 27a). Im 

Hinblick auf ein allfälliges Rechtsmittelverfahren lassen sich die weiter anfallenden 

Lagerkosten aus prozessökonomischer Sicht nicht rechtfertigen. Es ist gerichtsno-

torisch, dass sich (mehrinstanzliche) Rechtsmittelverfahren über eine längere Zeit 

hinweg ziehen können. Angesichts der hohen Lagerungskosten und der möglicher-

weise langen Verfahrensdauer erscheint es gerechtfertigt, den nicht mehr als Be-

- 24 -

weismittel gebrauchten Personenwagen Mercedes-Benz vor Rechtskraft dieses Ur-

teils an den Beschuldigten herauszugeben. 

In Bezug auf das iPhone 7, welches bei der Asservatentriage der Kantonspolizei 

Zürich lagert, ist nicht ersichtlich, inwiefern es im vorliegenden Verfahren als Be-

weismittel gebraucht werden könnte, weshalb es ebenfalls bereits vor Rechtskraft 

dieses Urteils herauszugeben ist.

Im Sinne der vorstehenden Erwägungen sind die obgenannten Gegenstände per 

sofort, mithin vor Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils, unter Vorlage dieses Urteils 

sowie  eines  amtlichen  Ausweises,  nach  telefonischer  Voranmeldung,  auf  erstes 

Verlangen hin an den Beschuldigten (oder einer bevollmächtigten Person) heraus-

zugeben.  Sollten  die  herauszugebenden  Gegenstände  nicht  innert  30  Tagen  ab 

Eröffnung dieses Urteils abgeholt werden, gilt die Lagerbehörde als angewiesen, 

die  Gegenstände  zu  verwerten.  Der  Verwertungserlös  ist  in  diesem  Fall  zu  be-

schlagnahmen und zur Kostendeckung zu verwenden. Ein Mehrbetrag ist nach Ab-

zug  der  Verwertungskosten  dem  Beschuldigten  herauszugeben.  Sollte  eine  Ver-

wertung nicht möglich sein, würden die Gegenstände einer karitativen Organisation 

übergeben oder vernichtet werden können.

3.

Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass im Zusammenhang mit dem zeitlich 

früher erfolgten Unfall am 12. April 2023 auf der Autobahn A1 weitere Gegenstände 

und  Spuren  sichergestellt  wurden.  Da  nicht  ausgeschlossen  werden  kann,  dass 

diese Asservate (act. 10/6 und 10/7; je Geschäftsnummer 85087269) im Parallel-

strafverfahren  (Geschäft  GG240050-K)  als  Beweismittel  benötigt  werden,  sind 

diese erst mit Rechtskraft des hiesigen als auch des Parallelverfahrens zu vernich-

ten, soweit sie das vorliegende Verfahren betreffen.

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten

1.1 Unter Berücksichtigung von § 2 Abs. 1 lit. b-d in Verbindung mit § 14 Abs. 1 

GebV OG ist die Entscheidgebühr auf Fr. 1'800.– festzusetzen. Die Gebühr für das 

- 25 -

Vorverfahren  beträgt  Fr. 2'500.–  (act. 25).  Hinzu  kommen  Auslagen  für  die  Ab-

schleppung  und  Standkosten  in  Bezug  auf  den  Personenwagen  Mercedes-Benz 

während  des  Vorverfahrens  in  der  Höhe  von  Fr. 6'935.35  sowie  Standgebühren 

während  des  Gerichtsverfahrens  im  Betrag  von  Fr. 2'648.45  (act. 25;  act. 27a; 

act. 32; act. 32a/1-2; act. 35; act. 38; act. 41; act. 42; act. 43; act. 46).

1.2 Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrens-

kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird die beschuldigte Person bei einer Mehrzahl 

strafbarer Handlungen teilweise schuldig gesprochen und teilweise freigesprochen 

(Teilfreispruch), so sind die Verfahrenskosten anteilsmässig der beschuldigten Per-

son,  dem  Staat  und  gegebenenfalls  der  Privatklägerschaft  aufzuerlegen.  Es  hat 

eine quotenmässige Aufteilung zu erfolgen. Bei einer Aufteilung der Kosten nach 

der Schwere der freigesprochenen und verurteilten Taten ist zu begründen, welcher 

Massstab  für  die  Beurteilung  angewendet  worden  ist  (BSK  StPO-DOMEISEN, 

3. Aufl., 2023, Art. 426 N 6). Hierzu wird dem erkennenden Sachgericht ein gewis-

ses Ermessen eingeräumt (statt vieler: BGer 6B_112/2020, E. 6.3).

1.3 Vorliegend  ist  der  Beschuldigte  vom  Vorwurf  der  fahrlässigen  Körperverlet-

zung im Sinne von Art. 125 StGB freizusprechen und in Bezug auf die fahrlässige 

grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig zu spre-

chen (vgl. E. III./4.). Im Vergleich zur fahrlässigen groben Verkehrsregelverletzung 

handelt es sich bei der fahrlässigen Körperverletzung um das weitaus schwerwie-

gendere Delikt. Während das abstrakte Gefährdungsdelikt der Verkehrsregelver-

letzung vorliegend das Rechtsgut Leib und Leben nur mittelbar schützt (vgl. BSK 

SVG-FIOLKA, 1. Aufl. 2014, Art. 90 N 7 ff.), wird Leib und Leben durch die fahrläs-

sige Körperverletzung als konkretes Verletzungsdelikt unmittelbar geschützt. In Be-

zug auf den Schuldspruch zum fahrlässigen pflichtwidrigen Verhalten bei Unfall und 

dem Freispruch zur Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfä-

higkeit  wiegen  die  Vorwürfe  ungefähr  gleichschwer  –  wenngleich  diese  Tatbe-

stände von ihrem Inhalt her nicht unmittelbar miteinander vergleichbar sind –, wes-

halb diesbezüglich Kostenneutralität besteht. Es erscheint gestützt auf das Ausge-

führte insgesamt angemessen, das Verhältnis auf ca. einen Drittel Schuldspruch 

und  ca.  zwei  Drittel  Freispruch  festzusetzen,  weshalb  von  der  Entscheidgebühr 

- 26 -

Fr. 600.– und von der Gebühr für das Vorverfahren Fr. 800.– dem Beschuldigten 

aufzuerlegen sind. Die dem Beschuldigten aufzuerlegende Gerichtsgebühr ist so-

dann von Fr. 600.– auf zwei Drittel bzw. Fr. 400.– zu reduzieren, sollte keine Partei 

eine schriftliche Begründung des vorliegenden Urteils verlangen.

1.4 Hinsichtlich  der  Auslagen  für  die  Abschleppung  und  die  Standgebühren  für 

den Personenwagen Mercedes-Benz ist festzuhalten, dass die Lagerung dessel-

ben bis zur Erstellung des rechtsmedizinischen Gutachtens notwendig war. Erst in 

diesem  Zeitpunkt  waren  die  diesbezüglichen  Beweise  vollständig  und  abschlies-

send  erhoben.  Danach  bestand  keine  Notwendigkeit  mehr,  den  Personenwagen 

weiter sichergestellt zu halten (vgl. E. VI./2.). Die Lagerung des Personenwagens 

nach Erstellung des Gutachtens stellt in diesem Sinne eine unnötige Verfahrens-

handlung im Sinne von Art. 426 Abs. 3 lit. a StPO dar, weshalb die ab diesem Zeit-

punkt entstandenen Lagerkosten auf die Gerichtskasse zu nehmen sind. Die La-

gerkosten  betrugen  bis  zur  Erstellung  des  rechtsmedizinischen  Gutachtens  am 

31. Oktober  2023  bzw.  bis  zu  dessen  Zustellung  an  die  Parteien  Fr. 3'531.60 

(vgl. act. 27a,  Belege  22006402,  22007150,  22009141,  22009837,  22011506, 

22012955,  22014938,  22016079).  Somit  sind  die  Auslagen  im  Umfang  von 

Fr. 3'531.60 dem Beschuldigten aufzuerlegen.

2.

Entschädigung Privatklägerin

2.1 Nach Art. 433 Abs. 1 StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber der beschul-

digten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwen-

dungen im Verfahren, wenn sie obsiegt (lit. a) oder die beschuldigte Person nach 

Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig ist (lit. b). Gemäss Art. 433 Abs. 2 StPO hat 

die Privatklägerschaft ihre Entschädigungsforderung bei der Strafbehörde zu bean-

tragen, zu beziffern und zu belegen. Kommt sie dieser Pflicht nicht nach, so tritt die 

Strafbehörde auf den Antrag nicht ein.

2.2 Die  Privatklägerin  bzw.  deren  Vertreterin  beantragte  mit  Eingabe  vom 

10. März  2025  die  Schuldigsprechung  des  Beschuldigten  im  Sinne  der  Anklage, 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.) zu seinen Lasten (act. 47). 

Zugleich reichte sie ihre Honorarnote ein (act. 48), womit die Eintretensvorausset-

- 27 -

zungen im Sinne von Art. 433 Abs. 2 StPO erfüllt sind (vgl. OGer ZH vom 27. Fe-

bruar 2020, SB190090, E. 3.3). 

2.3 Die Privatklägerin hat sich hinsichtlich der fahrlässigen Körperverletzung als 

Strafklägerin konstituiert. Da der Beschuldigte von diesem Anklagevorwurf freizu-

sprechen ist, unterliegt die Privatklägerin vollständig, weshalb eine Anwendung von 

Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO ausser Betracht fällt. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschul-

digte im Sinne von Art. 433 Abs. 1 lit. b StPO zur Entschädigung für die notwendi-

gen Auslagen der Privatklägerin zu verpflichten ist.

2.4 Wird der Beschuldigte freigesprochen, kann er dennoch zu einer Entschädi-

gungszahlung an die Privatklägerschaft verpflichtet werden, wenn er das Verfahren 

rechtswidrig  und  schuldhaft  eingeleitet  oder  dessen  Durchführung  erschwert  hat 

(Art. 433  Abs. 1  lit. b  StPO  in  Verbindung  mit  Art. 426  Abs. 2  StPO).  Einem  Be-

schuldigten dürfen bei Freispruch somit unter anderem dann Kosten auferlegt wer-

den, wenn er durch ein unter rechtlichen Gesichtspunkten vorwerfbares Verhalten 

die Einleitung des Strafverfahrens veranlasst hat, was als prozessuales Verschul-

den im weiteren Sinne bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich nicht um eine Haf-

tung  für  ein  strafrechtliches  Verschulden,  sondern  um  eine  den  zivilrechtlichen 

Grundsätzen angenäherte Haftung für ein fehlerhaftes Verhalten, durch das insbe-

sondere die Einleitung eines Prozesses verursacht wurde (BGE 116 Ia 162 E. 2c). 

Wer  Verkehrsregeln  missachtet  und  dabei  einen  Unfall  verursacht,  muss  damit 

rechnen, dass seine allfällige strafrechtliche Verantwortlichkeit für die Unfallfolgen 

(namentlich  eine  Körperverletzung)  untersucht  wird.  Stellt  sich  heraus,  dass  der 

Kausalzusammenhang zwischen der Missachtung der Verkehrsregel und der un-

tersuchten  Körperverletzung  nicht  gegeben  ist,  erfolgt  diesbezüglich  ein  Frei-

spruch. Indessen ist es zulässig, den Fahrzeuglenker für die Verletzung der Ver-

kehrsregel zu bestrafen und ihm wegen Veranlassung des Strafverfahrens (prozes-

suales Verschulden im weiteren Sinne) gleichzeitig die Verfahrenskosten aufzuer-

legen (Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 1996, zusammengefasst abge-

druckt in SZIER 1997, 525; BSK StPO-DOMEISEN, 3. Aufl., 2023, Art. 426 N 42).

2.5 Das Verhalten des Beschuldigten (unvorsichtige Fahrweise) und der durch ihn 

verursachte Unfall haben dazu geführt, dass das vorliegende Strafverfahren einge-

- 28 -

leitet  wurde  und  unter  anderem  der  Vorwurf  der  Körperverletzung  untersucht 

wurde. Infolgedessen sind der Privatklägerin Kosten für ihre rechtliche Vertretung 

entstanden. Da unklar war, welcher Unfallvorgang die Verletzungen und letztend-

lich die Tötung von D._____ verursacht hat, war die Privatklägerin für das Stellen 

ihrer  allfälligen  Zivilforderungen  auf  eine  rechtliche  Vertretung  angewiesen.  Not-

wendig war die Rechtsvertretung der Privatklägerin bis zur Anklageerhebung, mit 

welcher sich definitiv herausstellte, dass der Beschuldigte lediglich der fahrlässigen 

Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB und nicht etwa der fahrlässigen Tö-

tung im Sinne von Art. 117 StGB angeklagt wurde. Im vorliegenden gerichtlichen 

Verfahren hat die Privatklägerin denn auch keine Zivilforderungen gestellt, welche 

ihre rechtliche Vertretung erforderlich gemacht hätten. Da etwa die Hälfte des Stun-

denaufwandes der Rechtsvertretung von 9:10 Stunden à Fr. 280.– (total inkl. Bar-

auslagen und MwSt. Fr. 2'856.05) vor Anklagerhebung anfielen (vgl. act. 48), ist die 

Höhe der notwendigen Auslagen der Privatklägerin auf Fr. 1'400.– zu beziffern.

2.6 Zusammenfassend  ist  der  Beschuldigte  zu  verpflichten,  der  Privatklägerin 

eine Prozessentschädigung von Fr. 1'400.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) zu be-

zahlen, zahlbar zufolge Abtretung zahlungshalber direkt an deren Rechtsvertreterin 

Rechtsanwältin lic. iur. Y._____.

3.

Entschädigung und Genugtuung Beschuldigter

3.1 Entschädigung

3.1.1 Gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat die beschuldigte Person Anspruch 

auf eine nach dem Anwaltstarif festgelegte Entschädigung ihrer Aufwendungen für 

die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte, wenn die beschuldigte Person 

ganz oder teilweise freigesprochen wird.

- 29 -

3.1.2 Wie sich aus den Honorarnoten der Verteidigung ergibt, fielen zur Ausübung 

der Verfahrensrechte des Beschuldigten im gegenständlichen Verfahren Anwalts-

kosten bei einem Stundenansatz von Fr. 320.– pro Stunde in der Höhe von total 

Fr. 16'750.90  (inkl.  Barlauslagen  und  MwSt.)  an  (act. 58/1-3).  Wie  bereits  unter 

E. VII./1.3  festgehalten,  wurde  der  Beschuldigte,  bemessen  an  der  Schwere  der 

Anklagevorwürfe,  im  Umfang  von  ca.  zwei  Dritteln  freigesprochen.  Dementspre-

chend rechtfertigt es sich, (etwa) zwei Drittel der Aufwendungen und Auslagen der 

Verteidigung  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen,  wobei  der  Stundenansatz  leicht 

tiefer auf Fr. 300.– anzusetzen ist. In diesem Sinne ist dem Beschuldigten eine Ent-

schädigung in der Höhe von Fr. 10'000.– für die Kosten seines erbetenen Verteidi-

gers  aus  der  Gerichtskasse  zuzusprechen,  wobei  der  Anspruch  im  Sinne  von 

Art. 429 Abs. 3 StPO unter Vorbehalt der Abrechnung mit seiner Klientschaft aus-

schliesslich dem Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X._____, zusteht.

3.2 Genugtuung

Der Beschuldigte befand sich für 3 Tage in Untersuchungshaft (act. 9/1; act. 9/6). 

Die Anordnung der Untersuchungshaft ist vorliegend nur im Hinblick auf den Vor-

wurf der fahrlässigen Körperverletzung rechtfertigbar. Da der Beschuldigte von die-

sem Vorwurf freizusprechen ist, erscheint eine Genugtuung im Sinne von Art. 429 

Abs. 1  lit. c  StPO  angezeigt.  Die  Genugtuung  entspricht  gerichtsüblich  Fr. 200.– 

pro Tag. Dem Beschuldigten sind somit Fr. 600.– für die Haft vom 17. April 2023 

bis zum 19. April 2023 als Genugtuung aus der Gerichtskasse zuzusprechen.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

 der fahrlässigen groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 

Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 100 Abs. 1 

SVG,

 des fahrlässigen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von 

Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 100 Abs. 1 SVG.

- 30 -

2.

Von den folgenden Vorwürfen wird der Beschuldigte freigesprochen:

 der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB,

 der Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit 

im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 

Fr. 170.– (entsprechend Fr. 2'550.–), wovon bis und mit heute 3 Tagessätze 

als durch Haft geleistet gelten, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–. 

4.

Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

5.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.

6.

Die folgenden, sichergestellten bzw. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland vom 15. September 2023 (act. 10/9) beschlagnahmten 

und bei den nachfolgend genannten Stellen lagernden Gegenstände werden 

dem Beschuldigten (oder einer bevollmächtigten Person) per sofort, unter 

Vorlage dieses Urteils sowie eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer 

Voranmeldung, auf erstes Verlangen hin herausgegeben:

bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage (+41 58 648 27 10):



iPhone 7 Rosé mit Gummihülle und Ladekabel 

(Asservat-Nr. A017'302'602)

bei der Garage G._____ AG, … [Adresse]:



Personenwagen Mercedes-Benz C-Klasse (ZH 1)

(Asservat-Nr. A017'299'079)

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert 30 Tagen ab Er-

öffnung dieses Urteils abgeholt, gilt die Lagerbehörde als angewiesen, die 

Gegenstände zu verwerten. Der Verwertungserlös wird beschlagnahmt und 

zur Kostendeckung verwendet. Ein Mehrbetrag wird nach Abzug der Ver-

- 31 -

wertungskosten dem Beschuldigten herausgegeben. Sollte eine Verwertung 

nicht möglich sein, können die Gegenstände einer karitativen Organisation 

übergeben oder vernichtet werden. 

7.

Die Asservate gemäss act. 10/6 und 10/7 (je Geschäftsnummer 85087269) 

werden, soweit das vorliegende Verfahren betreffend, erst mit Rechtskraft 

des hiesigen als auch des Parallelverfahrens (Geschäft GG240050-K) ver-

nichtet.

8.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:

2'500.–   Gebühr für das Vorverfahren;

6'935.35

  Auslagen 
  (Abschlepp- und Standgebühren während Vorverfahren);

2'648.45   Auslagen (Standgebühren während Gerichtsverfahren);

13'883.80   Total.

9.

Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 8 werden dem Beschuldigten wie folgt 

auferlegt:







Die Entscheidgebühr wird dem Beschuldigten im Umfang von Fr. 600.– 

auferlegt;

Die Gebühr für das Vorverfahren wird dem Beschuldigten im Umfang 

von Fr. 800.– auferlegt;

Die Auslagen werden dem Beschuldigten im Umfang von Fr. 3'531.60 

auferlegt.

Verlangt keine Partei eine schriftliche Begründung des Urteils, ermässigt 

sich der dem Beschuldigten auferlegte Teil der Entscheidgebühr von 

Fr. 600.– auf zwei Drittel bzw. auf Fr. 400.–.

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Prozessentschädi-

gung von Fr. 1'400.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) zu bezahlen, zahlbar zu-

- 32 -

folge Abtretung zahlungshalber direkt an deren Rechtsvertreterin Rechtsan-

wältin lic. iur. Y._____.

11. Dem Beschuldigten wird eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 10'000.– 

für die Kosten seines erbetenen Verteidigers aus der Gerichtskasse zuge-

sprochen, wobei der Anspruch im Sinne von Art. 429 Abs. 3 StPO unter Vor-

behalt der Abrechnung mit seiner Klientschaft ausschliesslich dem Verteidi-

ger, Rechtsanwalt lic. iur. X._____, zusteht.

12. Dem Beschuldigten werden Fr. 600.– für die Haft vom 17. April 2023 bis 

zum 19. April 2023 als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen.

13. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an











den erbetenen Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X._____, im Doppel für 
sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben);

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, im Doppel (gegen Emp-
fangsschein);

an die Vertreterin der Privatklägerin Rechtsanwältin lic. iur. Y._____, im 
Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerschaft (eingeschrieben 
gegen Empfangsschein);

die Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, Güterstrasse 33, Post-
fach, 8010 Zürich, Polis-Geschäfts-Nr. 85087554 (hinsichtlich Disp.-
Ziff. 6 und 7, per E-Mail an asservate@kapo.zh.ch);

die Bezirksgerichtskasse Winterthur (überbracht);

sowie nach Eintritt der Rechtskraft an









die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A, unter Beilage 
des Formulars "Löschung DNA-Profil und Vernichtung ED-Materials" 
(per E-Mail an vostra-pdf@ji.zh.ch);

das Strassenverkehrsamt Kanton Zürich, Abteilung Administrativmass-
nahmen (gegen Empfangsschein);

die Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, Güterstrasse 33, Post-
fach, 8010 Zürich, Polis-Geschäfts-Nr. 85087554 (hinsichtlich Disp.-
Ziff. 6 und 7, per E-Mail an asservate@kapo.zh.ch);

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD-DR, mit separatem Schreiben gem. 
§ 54a PolG.

- 33 -

14. Gegen dieses Urteil kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Be-

zirksgericht Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, Lindstrasse 10, 8400 

Winterthur, mündlich oder schriftlich Berufung angemeldet werden.

Ein vollständig begründetes Urteil wird nur zugestellt, wenn dies ein Verfah-

rensbeteiligter binnen 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils verlangt oder 

wenn ein Rechtsmittel gegen den Entscheid eingelegt worden ist.

Mit der Berufung kann das Urteil in allen Punkten umfassend angefochten 

werden. Mit der Berufung können gerügt werden:

Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung des Ermessens, 

Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige und unrich-

tige Feststellung des Sachverhaltes oder Unangemessenheit.

Die Berufung erhebende Partei hat binnen 20 Tagen nach Zustellung des 

begründeten Entscheids dem Obergericht des Kantons Zürich, Strafkammer, 

Postfach, 8021 Zürich, eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 

Sie hat darin anzugeben, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen 

anficht, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt. 

Werden nur Teile des Urteils angefochten, ist verbindlich anzugeben, auf 

welche sich die Berufung beschränkt.

Bei offensichtlich verspäteten Berufungsanmeldungen oder Berufungserklä-

rungen wird auf die Berufung ohne Weiterungen nicht eingetreten.

Winterthur, 17. März 2025

BEZIRKSGERICHT WINTERTHUR

Der Bezirksrichter:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. D. Siegwart

MLaw J. Löffel

- 34 -

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.