# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7cddb3c-f186-52bb-be88-8a445a72f844
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-10-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.10.2014 D-4479/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4479-2014_2014-10-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-4479/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  O k t o b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

China (Volksrepublik),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 11. Juli 2014 / N_______. 

 

 

D-4479/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin verliess gemäss eigenen Angaben ihren Heimat-

staat am 20. Mai 2012 beziehungsweise am 19. Juni 2012 und reiste 

über Nepal und ihr unbekannte Länder am 22. August 2012 in die 

Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Anlässlich der 

Kurzbefragung vom 5. September 2012 sowie der einlässlichen Anhörung 

vom 7. Mai 2014 zu ihren Ausreise- und Asylgründen trug die Beschwer-

deführerin im Wesentlichen Folgendes vor: 

Sie sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie. Sie stamme aus 

dem Dorf B._______, Gemeinde C._______, Bezirk D._______, Präfektur 

E._______ in F._______, Autonome Region Tibet. Am 18. Januar 2009 

habe sie an einer Demonstration in E._______ teilgenommen. Dort sei 

sie von der chinesischen Polizei verhaftet worden und habe ungefähr 

eineinhalb Jahre im Gefängnis verbracht, beziehungsweise sei sie am 11. 

Juni 2011 wieder freigelassen worden. Während ihrer Haft sei sie mehr-

mals befragt und misshandelt worden. Einmal habe ein Wärter versucht, 

sie zu vergewaltigen. Nach ihrer krankheitsbedingten Freilassung sei die 

Polizei immer wieder zu ihr nach Hause gekommen. Aus diesem Grund 

hätten ihr ihre Eltern geraten, das Dorf zu verlassen.  

B.  

Mit Verfügung vom 11. Juli 2014 – eröffnet am 14. Juli 2014 wies das 

BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 22. August 2012 ab 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der 

Wegweisung – unter Ausschluss des Vollzugs in die Volksrepublik China 

– an. Auf die Begründung wird – sofern entscheidwesentlich – in den Er-

wägungen eingegangen.  

C.  

Gegen diese Verfügung richtet sich die durch die Beschwerdeführerin am 

11. August 2014 (Datum Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht 

erhobene Beschwerde mit den Anträgen auf Aufhebung der Verfügung 

des BFM, Neubeurteilung der Sache, Anordnung einer Herkunftsanalyse 

durch einen gerichtlichen Sachverständigen beziehungsweise einen un-

abhängigen Tibet-Experten, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei festzustellen, dass bei 

der Beschwerdeführerin subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 

AsylG vorliegen würden und ihr infolgedessen die vorläufige Aufnahme 

als Flüchtling zu gewähren sei. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit und 

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Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und infolgedessen 

die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin anzuordnen. In prozes-

sualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses ersucht. Der Beschwerde sei die aufschieben-

de Wirkung zu gewähren. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ei-

nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde-

führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig 

entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch 

die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi-

ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

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Seite 4 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden 

(Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-

fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, 

die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifi-

schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Die 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt voraus, dass die betroffene 

Person landesweiter Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem 

anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann (vgl. BVGE 

2011/51). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG, vgl. BVGE 

2010/57 E. 2.6). 

4.  

4.1 In einem ersten Schritt ist die Rüge zu prüfen, ob das BFM zu Un-

recht kein LINGUA-Gutachten durchgeführt habe, und das Bundesamt 

aus diesem Grund zu falschen Schlüssen bezüglich der Herkunft der Be-

schwerdeführerin gelangt sei.  

4.2 Eine sogenannte LINGUA-Expertise dient dem Zweck, die landes-

kundlich-kulturellen und sprachlichen Kenntnisse sowie die entsprechen-

de Sozialisierung zu analysieren, um so spezifische Schlüsse zur Her-

kunft der betreffenden Person zu gewinnen. Dabei werden neben Länder- 

und Ortskenntnissen im Rahmen einer Sprachanalyse auch verschiedene 

linguistische Merkmale untersucht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1998 Nr. 34 E. 4b 

und 10f, EMARK 2005 Nr. 1).  

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4.3 Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung zur Herkunft der Be-

schwerdeführerin im Wesentlichen Folgendes aus: Die Beschwerdeführe-

rin habe weder Ausweispapiere noch sonstige Beweismittel vorgelegt, die 

ihre Identität oder ihr Herkunftsland belegen könnten. Zudem seien ihre 

Aussagen zu ihren Ausweispapieren widersprüchlich und unglaubhaft 

ausgefallen. So habe sie bei der Kurzbefragung angegeben, der Schlep-

per habe ihr kurz vor dem Grenzübertritt die Identitätskarte abgenommen 

(vgl. BFM-Akten A4/13 S. 7), um dann bei der Anhörung zu erklären, ihre 

Identitätskarte befinde sich noch zu Hause, sie habe jedoch keine Mög-

lichkeit, nun an die Karte zu kommen (vgl. A11/21 F. 10 f.), und auf den 

entsprechenden Vorhalt hin entgegnet, sie habe das nie gesagt (vgl. 

A11/21 F. 190). Diese Erklärung könne den Widerspruch jedoch nicht aus 

dem Weg räumen. Bereits der Kurzbefragung habe sie angegeben, kein 

Chinesisch zu sprechen (vgl. A4/13 S. 4) und sie habe weder die chinesi-

sche Währung noch die Stückelung ihrer Noten oder Münzen korrekt 

wiedergeben können (vgl. A4/13 S. 9). Insgesamt würden die länderspe-

zifischen Antworten der Beschwerdeführerin und ihre Beschreibung der 

Umgebung nicht überzeugen. Daher dränge sich der Verdacht auf, sie 

habe rein geografische Aussagen wie die Situierung ihres Heimatdorfes 

und einiger wichtiger nahegelegener Städte gelernt beziehungsweise in 

Erfahrung gebracht, und es sei davon auszugehen, dass sie vor ihrer An-

kunft in der Schweiz nicht in Tibet, sondern in der exiltibetischen Diaspora 

gelebt habe. 

4.4 Diesen Ausführungen der Vorinstanz ist insofern zu folgen, als auf-

grund der durchgeführten Anhörungen der Beschwerdeführerin offensicht-

lich nicht glaubhaft erscheint, dass sie, wie von ihr geltend gemacht, von 

Geburt an in ihrem Dorf B._______ gelebt haben will, zumal sie weder 

klarstellen konnte, wo sich ihr Dorf innerhalb von China befinde (vgl. 

A4/13 S. 9), noch in der Lage war, die Umgebung ihres Dorfes zu be-

schreiben (vgl. A 4/13 S.9; A11/21 F. 27 – 32). Ihren Angaben gemäss will 

sie das Dorf B._______ nur selten verlassen haben (vgl. A11/21 F. 27 ff., 

wonach es jeweils ihre Eltern oder ihr Ehemann gewesen seien, die das 

Dorf verlassen hätten). In Übereinstimmung mit der Vorinstanz geht auch 

das Gericht davon aus, dass sie aus diesem Grund ihr Dorf umso besser 

kennen müsste und auch um so besser dessen Details minutiös hätte be-

schreiben können. Dies ist jedoch nicht der Fall gewesen. Anlässlich der 

Kurzbefragung erklärte sie lediglich, in ihrem Dorf gebe es eine öffentliche 

Privatschule, ein Kloster und keinen Markt. Bereits die Frage nach dem 

Namen des Klosters konnte sie nicht beantworten, und liess verlauten, in 

ihrem Dorf befinde sich kein Kloster, aber kurz vor E._______ seien eini-

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ge Klöster zu finden (vgl. A4/13 S. 9). Auch konnte sie weder ihr Dorf kor-

rekt in die administrative Gliederung der Präfektur E._______ einbetten, 

noch den Bezirk, in welchem sich ihr Dorf befinden soll, nennen, und bei 

der Kurzbefragung und der Anhörung gab sie verschiedene Reihenfolgen 

zwischen den einzelnen Verwaltungsstufen an (vgl. A4/13 S. 3; A11/21 

F. 22 – 26). Die Fahrtdauer von ihrem Dorf B._______ nach E._______ 

setzte sie bei der Kurzbefragung auf zwei Stunden an (vgl. A4/13 S. 5), 

bei der Anhörung auf vier Stunden (vgl. A11/21 F. 70 und F. 167). Ihre 

Entgegnung auf Beschwerdeebene, wonach die reine Fahrzeit zwei 

Stunden betrage, währendem man mit Pausen auf eine vierstündige 

Fahrzeit komme, vermag den Eindruck, dass die Beschwerdeführerin 

diese Strecke nie selber zurückgelegt hat, nicht zu korrigieren.  

4.5 Angesicht der offensichtlichen Unzulänglichkeit sämtlicher Angaben 

der Beschwerdeführerin zu ihrer Herkunft beziehungsweise zu ihrer an-

geblichen Aufenthaltsregion bestand für das BFM kein Anlass, diesbezüg-

lich weitere Abklärungen zu treffen, etwa mittels einer LINGUA-Analyse 

im oben erwähnten Sinn. Vielmehr ist festzustellen, dass aufgrund der 

Erkenntnisse aus den bereits durchgeführten Anhörungen mit genügen-

der Sicherheit darauf geschlossen werden kann, dass die Beschwerde-

führerin ihre wahre Herkunft zu verschleiern sucht.  

4.6 Somit erweist sich die Rüge, das BFM habe zu Unrecht keine LIN-

GUA-Analyse durchgeführt und sei deshalb zu falschen Schlüssen be-

züglich der Herkunft der Beschwerdeführerin gelangt, als nicht gerechtfer-

tigt. Infolgedessen ist auch der Antrag auf Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung und auf Neubeurteilung der Sache abzuweisen, zumal der 

rechtserhebliche Sachverhalt erstellt ist. 

4.7 Ferner bestritt die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitteleingabe, 

widersprüchlich beziehungsweise unsubstanziiert ausgesagt oder ihre 

Identität verschleiert zu haben. Bei der Kurzbefragung habe sie noch im-

mer das Bewusstsein gehabt, heikle Probleme nicht mit Fremden disku-

tieren zu wollen. Die aufgezeigten Unstimmigkeiten zwischen ihren Aus-

sagen bei der Kurzbefragung und der Anhörung seien auf die dazwi-

schenliegende lange Zeitspanne zurückzuführen; die Aussagen bei der 

Anhörung würden gelten. Die Beschwerdeführerin beharrte darauf, die 

chinesische Staatsbürgerschaft zu besitzen und beantragte, ihre flücht-

lingsrechtlich relevante Gefährdung in Bezug auf ihr Heimatland Tibet be-

ziehungsweise China zu prüfen. In diesem Zusammenhang verwies sie 

auf zwei Urteile des Bundesverwaltungsgerichts (D-4874/2007 vom 

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Seite 7 

31. März 2010 sowie E-163/2012 vom 7. August 2012), in welchen das 

Gericht auf das Grundsatzurteil EMARK 2005 Nr. 1 zurückgegriffen und 

die damalige Rechtsprechung bestätigt habe. Auch habe die Vorinstanz 

zur Unrecht das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen verneint. 

Diesbezüglich verweist die Beschwerdeführerin auf BVGE 2009/29. 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die von der Vorinstanz vertretene 

Auffassung, wonach die Beschwerdeführerin auch ihre Asylgründe rudi-

mentär, unsubstantiiert und widersprüchlich geschildert hat. So erklärte 

die Beschwerdeführerin bei der Kurzbefragung, sie habe in E._______ 

vor dem Verwaltungsgebäude protestiert (vgl. A4/13 S. 10), währendem 

sie bei der Anhörung weder den Ort der Demonstration in E._______ 

nennen noch diesen beschreiben konnte (vgl. A11/21 F. 85 – F. 89). Sie 

war auch nicht in der Lage, ihre Verhaftung glaubhaft zu schildern. Insge-

samt findet sich in den Aussagen der Beschwerdeführerin kein quantitati-

ver Detailreichtum. Die befragende Person musste immer wieder nach-

haken, um detaillierte Angaben zu erhalten. So hat die Beschwerdeführe-

rin bei der Anhörung unter anderem zu Protokoll gegeben, sie habe sich 

mit ihren Begleitern während der mehrstündigen Fahrt zur Demonstration 

in E._______ über die Freiheit Tibets unterhalten. Auf die Frage, was 

denn in den Gesprächen thematisiert worden sei, erschöpft sich ihre Ant-

wort in der Aussage, ihre Freunde hätten sie darüber informiert, dass sich 

heute viele Tibeter das Leben nehmen würden (vgl. A11/21 F. 81 f.). Im 

Übrigen kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwie-

sen werden. 

5.2 Hinzu kommt, dass sich das Personalienblatt des Empfangszentrums 

(BFM-Akten, A1/2) mit tadelloser Schrift ausgefüllt in den Akten befindet. 

Auf dem Personalienblatt bestätigte die Beschwerdeführerin, dass sie die 

entsprechenden Angaben in tibetischer Sprache selbstständig ausgefüllt 

habe (vgl. A1/2 S. 1). Anlässlich der Kurzbefragung sowie der Anhörung 

sagte die Beschwerdeführerin jedoch aus, sie sei lediglich zwei Jahre von 

einem Mönch unterrichtet worden, der den Bewohnern ihres Dorfes das 

Lesen und Schreiben beigebracht habe (vgl. A 4/13 S. 4 sowie A11/21 

F. 39). Diese Erklärung trägt jedoch angesichts der erforderlichen Lese- 

und Schreibfähigkeit zum Ausfüllen eines Personalienblatts nicht zur 

Stärkung ihrer Glaubhaftigkeit bei.  

5.3 Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass das BFM zu Recht fest-

stellte, dass die Beschwerdeführerin über ihre Herkunft täuschende An-

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Seite 8 

gaben gemacht hat. Aufgrund der ausführlich und schlüssig begründeten 

Verfügung der Vorinstanz ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der 

Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen 

Diaspora gelebt hat. Namhafte exiltibetische Gemeinschaften gibt es – 

nebst der Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es 

ist daher vermutungsweise anzunehmen, dass sie in Indien oder Nepal 

aufgewachsen ist respektive dort gelebt hat. Folglich wäre grundsätzlich 

zu prüfen, ob sie über die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt, was 

eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 AsylG 

mit sich bringen würde, oder ob sie die Staatsangehörigkeit von Indien 

oder Nepal erlangt hat, was zur Folge hätte, dass das Vorliegen asylrele-

vanter Gefährdung hinsichtlich jenes Staates zu prüfen wäre. 

5.4 Das Gericht erachtet die Feststellung der Vorinstanz, wonach die Be-

schwerdeführerin die Mitwirkungspflicht in nicht entschuldbarer Weise 

verletzt hat, als zutreffend. Diese Feststellung ist angesichts einer jüngst 

erfolgten Änderung der zuvor gültigen Praxis relevant, gemäss welcher 

auf eine chinesische Staatsangehörigkeit geschlossen wurde, wenn die 

Zugehörigkeit einer asylsuchenden Person zur tibetischen Ethnie als er-

stellt galt (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.1–4.3). Mit zur Publikation vorge-

sehenem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2981/2012 vom 

20. Mai 2014 wurde die bisherige Rechtsprechung dahingehend präzi-

siert, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die in Verletzung der Mitwir-

kungspflicht ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermu-

tungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings- oder wegwei-

sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf-

enthaltsort bestehen (Urteil E-2981/2012 E. 5.8 ff., insb. 5.10). 

5.5 Die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet ihre Grenze in der Mit-

wirkungspflicht der asylsuchenden Person (Urteil E-2981/2012 E. 5.9). 

Verunmöglicht eine asylsuchende Person tibetischer Ethnie durch die 

Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen rechtlichen 

Status (ausländerrechtlicher Aufenthaltstitel oder gegebenenfalls Staats-

bürgerschaft) sie in den wahrscheinlichsten bisherigen Aufenthaltslän-

dern, nämlich Nepal oder Indien (vgl. diesbezüglich Urteil E-2981/2012 

E. 5.3), effektiv innehat, so kann namentlich keine Drittstaatenabklärung 

im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Durch die Verheim-

lichung und Verschleierung der wahren Herkunft wird ferner auch die Prü-

fung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ih-

ren tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. 

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Seite 9 

5.6 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführe-

rin keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG in Bezug auf die Volksre-

publik China nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag 

und deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Die Vorinstanz 

hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch ab-

gelehnt. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, weiter auf die übrigen Be-

schwerdevorbringen im Asylpunkt einzugehen. 

6.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwei-

sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge-

such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin verfügt 

weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über ei-

nen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 

E. 9). Die Wegweisung ist nicht zu beanstanden. 

7.  

7.1 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs stellt sich die Vorinstanz vorlie-

gend auf den Standpunkt, da die von der Beschwerdeführerin geltend 

gemachte Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft sei, müsse diese als unbe-

kannt gelten. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem Punkt als 

auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägungen. Zwecks 

Vermeidung von Wiederholungen kann auf den Entscheid des Bundes-

amtes verwiesen werden. 

7.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungs-

pflicht findet, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mit-

wirkungspflicht der Beschwerdeführerin. Es ist nicht Sache der Behörden, 

bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen nach etwai-

gen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftslän-

dern zu forschen. Vermutungsweise ist vorliegend davon auszugehen, ei-

ner Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sin-

ne entgegen, was insbesondere für Nepal und Indien gilt, welche als 

mögliche Herkunftsstaaten in Frage kommen. Ein Vollzug der Wegwei-

sung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid aus-

drücklich ausgeschlossen worden (vgl. BFM-Verfügung vom 11. Juli 2014, 

Dispositiv Ziff. 5). An dieser Stelle ist, im Sinne einer Klarstellung und in 

Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfügung, 

darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen ein Vollzug der Weg-

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Seite 10 

weisung nach China auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls 

eine menschenunwürdige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 

7.3 Mit dem Vorenthalten von Informationen und dem Fehlen jeglicher 

Bemühungen, Ausweispapiere und Beweismittel zu beschaffen, die ihre 

Identität, Herkunft und Vorbringen beweisen könnten, ist die Beschwerde-

führerin selber dafür verantwortlich, weshalb sich zuerst die Vorinstanz 

und nun auch das Gericht mit den Fragen der Wegweisung und deren 

Vollzugs nur in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise gemäss den 

vorstehenden Ausführungen befasst. Sie entzieht mit ihrem Verhalten die 

für genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, und es ist nicht Sache 

des Gerichts, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu ergehen. 

7.4 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allen-

falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

9.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da sich die Rechtsbegehren wegen 

der verweigerten Mitwirkungspflicht als aussichtslos erwiesen haben. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-

rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona-

le Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy 

 

 

Versand: