# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3c8c9ee6-5598-558d-8f3f-ef8a47271917
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.09.2011 D-5103/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5103-2011_2011-09-21.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­5103/2011

U r t e i l   v om     2 1 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis,
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;   
Gerichtsschreiberin Bettina Schwarz.

Parteien A._______, geboren am (…), 
Staatsangehörigkeit unbekannt, 
alias B._______, geboren am (…), Togo, 
alias C._______, geboren am (…), Nigeria
(…),  

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 2. September 2011 / N (…).

D­5103/2011

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der  von  Italien eingereiste Beschwerdeführer  unter  der B._______ 
aus Togo, geboren (…), erstmals am 31. Mai 2009 ein Asylgesuch in der 
Schweiz einreichte,

dass  das  BFM  am  24.  August  2009  gestützt  auf  Art.  10  Abs.  2  der 
Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur 
Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig  ist  (Dublin  II­VO) einen Antrag um Rückübernahme an  Italien 
stellte,

dass  aus  Italien  innert  Frist  keine  Antwort  betreffend  dieses 
Rückübernahmeersuchens beim Bundesamt einging und somit durch die 
Verfristung  mit  einer  Zustimmung  zur  Rückübernahme  durch  die 
italienischen Behörden ausgegangen werden konnte,

dass das BFM am 5. März 2010 auf das Asylgesuch nicht eintrat und die 
Wegweisung nach Italien verfügte,

dass  am 9. April  2010  eine Meldung des Migrationsamtes  des Kantons 
D._______  bei  der  Vorinstanz  einging,  welche  den  unbekannten 
Aufenthalt des Beschwerdeführers seit dem 2. März 2010 mitteilte,

dass  nach Ablauf  der Rückübernahmefrist  das BFM mit Schreiben  vom 
29.  Juni  2010  den  Nichteintretensentscheid  vom  5.  März  2010  aufhob 
und  wegen  unbekannten  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  das 
Asylverfahren  am  2.  August  2010  als  gegenstandslos  geworden 
abschrieb,

dass der Beschwerdeführer  am 27. April  2011 durch die Kantonspolizei 
Tessin  verhaftet  und  in  der  Folge  dem  Migrationsdienst  D._______ 
zugeführt  wurde,  wobei  er  am  29.  April  2011  erneut  ein  Asylgesuch 
stellte,

dass  er  in  der  Folge  dem  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
E._______ zugeführt und das Asylverfahren wieder aufgenommen wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  summarischen  Befragungen 
vom 22. Juni 2009 und 10. Mai 2011 zur Person in den EVZ F._______ 
und  E._______  und  der  direkten  Bundesanhörung  vom 

D­5103/2011

Seite 3

16.  August  2011  ebenfalls  im  EVZ  E._______,  insbesondere  geltend 
machte,  er  habe  sein  Heimatland  aufgrund  seiner  ehemaligen 
Mitgliedschaft bei einem Geheimbund seines Colleges verlassen müssen,

dass  er  weiter  vorbrachte,  sein  Vater  habe  als Muslim  aus  Togo  seine 
Mutter,  eine  Christin  aus  Nigeria,  aus  familiären  beziehungsweise 
religiösen Gründen nicht offiziell  heiraten können, 

dass  seine  Mutter  nach  dem  Tod  seines  Vaters  von  den 
"Schwiegereltern"   fortgejagt worden sei und sie, als er sechs Monate alt 
gewesen sei, mit ihm von Togo nach Nigeria zurückgekehrt sei,

dass  seine  Mutter  dort  einen  anderen  Mann  geheiratet  habe,  der  ihn 
aufgezogen  habe,  und  er  deshalb  drei  Halbbrüder  und  eine 
Halbschwester in H._______ habe,

dass  sein  leiblicher  Vater  Togolese  gewesen  sei,  und  er  deshalb  die 
togolesische Staatsangehörigkeit habe,

dass er   die  nigerianische Staatsangehörigkeit weder  beantragt  noch  je 
besessen habe,

dass  er  etwa  zehn  Jahre  die  Primar­und  Sekundarschule  in  I._______ 
und danach zwei Jahre das College in H._______ besucht habe,

dass  er  während  seiner  Schulzeit  am  College  einem  Geheimbund 
beigetreten  und  der  Vierte  in  der  Hierarchie  seiner  "Geheimbund­Zelle" 
gewesen sei,

dass  er  später  aufgefordert  worden  sei,  die  Führung  dieser  Zelle  zu 
übernehmen, er dies aber nicht gewollt habe, da der Geheimbund Leute 
getötet und gegen Mitglieder anderer Gemeinbünde gekämpft habe,

dass  seine  Verweigerung  zur  Folge  gehabt  habe,  dass  die  Leute  des 
Geheimbundes auch ihn hätten töten wollen,

dass er bei der Erstbefragung vom 22. Juni 2009 mitteilte, er habe Angst 
um  seine  Mutter,  da  diese  Leute  sich  auch  an  seiner  Familie  rächen 
würden,

dass  der  Geheimbund  illegal  gewesen  sei  und  die  Polizei  dessen 
Mitglieder gesucht habe,

D­5103/2011

Seite 4

dass er aus Angst um sein Leben sein Heimatland verlassen habe und 
nach J._______ gereist sei,

dass er sich dort eine Weile aufgehalten habe, bevor er nach K._______ 
weitergereist sei, wo er sich sechs Monate aufgehalten habe,

dass er sich in der Folge nach L._______ begeben und dort für ein Jahr 
aufgehalten  habe  und  schliesslich  mit  einem  Boot  weiter  nach  Italien 
gereist sei,

dass  er  im  Juni  2005  in  Italien  angekommen  sei,  sich  dort  illegal 
aufgehalten  habe  und  schliesslich  am  31.  Mai  2009  erstmals  in  die 
Schweiz gelangt sei,

dass  er  bei  der  Erstbefragung  vom  10.  Mai  2011  und  bei  der 
Bundesanhörung  vom 16. August  2011 zu Protokoll  gab,  der Schwager 
seiner Mutter  habe diese  nach dem Tod  seines Vaters  heiraten wollen, 
sie habe aber nicht eingewilligt und sei deshalb fortgejagt worden, 

dass  er  anlässlich  der  Bundesanhörung  vorbrachte,  dass  er  mehrfach 
von den Mitgliedern seines Geheimbundes massiv verletzt worden sei, da 
er die Übernahme der Führung seiner Zelle verweigert habe, 

dass  er  auch  aus  diesem Grunde  in  J._______,  L._______  und  Italien 
geschlagen worden sei,

dass  der  Beschwerdeführer  beim  EVZ  E._______  keine  Reise­  oder 
Identitätspapiere abgab,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  2.  September  2011  –  eröffnet  am 
6.  September  2011  –  in  Anwendung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a   des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch 
nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der 
Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  anführte,  vorliegend  seien  keine 
entschuldbaren  Gründe  ersichtlich,  die  es  dem  Beschwerdeführer 
verunmöglicht hätten, rechtsgenügliche Ausweispapiere einzureichen,

dass  die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Erklärungen  zu  seiner 
Staatsangehörigkeit  und  seinen Papieren  stereotyp  seien  und  diese  als 
Standardvorbringen zu werten seien,

D­5103/2011

Seite 5

dass beispielsweise nicht geglaubt werden könne, der Beschwerdeführer 
besitze  die  nigerianische  Staatstaatsangehörigkeit  nicht  oder  zumindest 
verfüge  er  nicht  über  ein  nigerianisches  Aufenthaltsrecht,  zumal  er 
gemäss  seinen  Angaben  dort  aufgewachsen  und  seine  Mutter 
nigerianische Staatsangehörige sei,

dass  der  Beschwerdeführer  die  Schule  in  Nigeria  und  das  College  in 
H._______  habe  besuchen  können,  was  ebenfalls  für  diese  Annahme 
spreche,

dass  die  von  ihm  geltend  gemachte  togolesische  Staatsangehörigkeit 
zudem angezweifelt werden müsse, da er anlässlich der ersten und der 
zweiten  Bundesanhörung  massiv  widersprüchliche  Angaben  dazu 
gemacht  habe,  weshalb  seine  Mutter  kurz  nach  seiner  Geburt  nach 
Nigeria zurückgekehrt sei,

dass aufgrund dieser Widersprüche die Argumente überwiegen würden, 
welche  für  eine  nigerianische  Staatsangehörigkeit  des 
Beschwerdeführers sprächen,

dass  insgesamt  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
Erklärungen  zu  seiner Herkunft,  seiner Papierlosigkeit  und  seiner Reise 
völlig realitätsfremd, widersprüchlich und unglaubhaft seien,

dass es realitätsfremd sei, dass er ohne Reise­ oder Ausweispapiere von 
Nigeria  über  K._______  und  L._______  gereist  sei  und  wegen  deren 
Fehlens nie irgendwelche Probleme gehabt haben soll,

dass  seine  diesbezüglichen  Erklärungen,  er  habe  bei  den  Kontrollen 
einfach  seinen  Namen  angegeben  und  dann  weiterreisen  können,  den 
allgemeinen Erfahrungen völlig widersprechen würden,

dass  sich  der  Beschwerdeführer  auch  hinsichtlich  der  Nennung  seines 
Ausreisedatums aus Nigeria widersprochen habe,

dass  er  anlässlich  der  Erstanhörung  vom  22.  Juni  2009  zu  Protokoll 
gegeben habe, er sei im Juni 2004 aus Nigeria ausgereist, hingegen bei 
der Bundesanhörung vom 16. August 2011 erklärt habe, er habe im Juni 
2003 Nigeria verlassen,

dass er  jedoch bei beiden Befragungen erklärt habe, er habe sich etwa 
sechs  Monate  in  K._______  und  ein  Jahr  oder  dreizehn  Monate  in 

D­5103/2011

Seite 6

L._______ aufgehalten, bevor er  im Juni 2005  in einem Boot  illegal von 
L._______ nach M._______ gereist sei,

dass er aufgrund der Reise­ und Aufenthaltsangaben entweder anfangs 
2005 oder anfangs 2006 nach M._______ hätte weiterreisen müssen,

dass davon ausgegangen werden müsse, er habe zur Verschleierung des 
wahren Reiseweges und seiner wahren Identität und Nationalität und um 
einen möglichen Wegweisungsvollzug zu erschweren oder zu verhindern, 
keine Ausweis­ oder Reisepapiere zu den Akten gereicht,

dass  folglich  davon  ausgegangen  werden  müsse,  er  sei  mit  eigenen 
Reisepapieren legal nach Europa gereist,

dass deshalb keine entschuldbaren Gründe vorliegen würden, die es dem 
Beschwerdeführer  verunmöglich  hätten,  Reise­  oder  Identitätspapiere 
einzureichen,

dass die Erklärungen des Beschwerdeführers  zur Begründung, weshalb 
seine  Mutter   Togo  verlassen  habe  und  er  wieder  nach  Nigeria 
zurückgekehrt sei, widersprüchlich und folglich unglaubhaft seien, 

dass  selbst  wenn  diese  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  geglaubt 
werden  könnten,  er  selber  nicht  verfolgt  gewesen  sei,  womit  keine 
Fluchtgründe  vorliegen  würden,  die  den  Beschwerdeführer  selber 
beträfen, 

dass er bei einer Rückkehr nach Togo nicht befürchten müsse, bedroht 
zu  werden,  zumal  die  Ereignisse  im  Dorf  seines  Vaters  stattgefunden 
hätten  und  er  die  Verwandten  väterlicherseits  nicht  kenne 
beziehungsweise gar keine habe,

dass  er  anlässlich  der  Erstanhörung  vom  22.  Juni  2009  beispielsweise 
angegeben  habe,  er  hätte  im  Jahr  2002  Führer  einer  okkulten 
Vereinigung werden sollen,

dass  er  diese  Aufgabe  angenommen  habe,  um  nicht  enthauptet  zu 
werden, und gleichzeitig die Flucht aus Nigeria organisiert habe,

dass er gleich darauf korrigiert habe, er hätte am 30. Dezember 2003 die 
Funktion als Führer übernehmen sollen, habe aus Angst zugestimmt, sei 
aber dann geflüchtet,

D­5103/2011

Seite 7

dass  er  später  zu  Protokoll  gegeben  habe,  er  habe  nie  die  Führung 
übernehmen wollen und habe sich sogar geweigert, dies zu tun,

dass er erst in der Bundesbefragung vom 16. August 2011 erwähnt habe, 
dass der Geheimbund ihn immer wieder bedroht habe, und er von dessen 
Mitgliedern  viele  Male  geschlagen  worden  sei,  auch  während  seines 
Aufenthaltes in J._______ und L._______,

dass  deshalb  am  Wahrheitsgehalt  dieser  Vorbringen  zu  zweifeln  sei, 
zumal  er  diese  mit  keinem  Wort  in  einer  früheren  Befragung  erwähnt 
habe,

dass  zudem  festzuhalten  sei,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der 
Erstbefragung zu Protokoll gegeben habe, die Leute des Geheimbundes 
könnten seiner Familie nichts antun,

dass  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorbringen  völlig 
widersprüchlich  seien,  zum  Teil  als  nachgeschoben  betrachtet  werden 
müssten,  und  auch  seine  Erklärungsversuche  daran  nichts  ändern 
könnten,

dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 
7 AsylG nicht erfülle und auf das Asylgesuch gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst.a  
AsylG  nicht  einzutreten  sei,  da  aufgrund  der  Aktenlage  keine  weiteren 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses erforderlich seien,

dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  9.  September  2011 
(irrtümlich  an  das  BFM  gerichtet)  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  sinngemäss 
beantragte,  es  sei  auf  das  Asylgesuch  einzutreten  (Art.  21  Abs.  2  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021]), 

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  15.  September  2011  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), 

D­5103/2011

Seite 8

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen 
Verfügungen  (Art.  5 VwVG) des BFM entscheidet,  ausser bei Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 
ff.  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [VGG,  SR 
173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 
2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und 
Art. 6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  ist,  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen 
und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG  und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 
VGG i.V.m. Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer 
selbständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung 
aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

D­5103/2011

Seite 9

dass  indessen  im Falle  des Nichteintretens  auf  ein Asylgesuch gemäss 
Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  und  Abs.  3  AsylG  über  das  Nichtbestehen  der 
Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit 
dies  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE 
2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.),

dass  dementsprechend  in  einem  diesbezüglichen  Beschwerdeverfahren 
ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen 
Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft 
Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73),

dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich 
volle Kognition zukommt,

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den 
Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs 
Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG),

dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn 
Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 
entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), 
aufgrund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die 
Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder 
sich  aufgrund  der  Anhörung  erweist,  dass  zusätzliche  Abklärungen  zur 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  c 
AsylG),

dass  in  der  angefochtenen  Verfügung  überzeugend  dargelegt  wurde, 
weshalb für das Nichteinreichen von Reise­ oder Identitätspapieren keine 
entschuldbaren Gründe vorliegen, 

D­5103/2011

Seite 10

dass  es  dem  Beschwerdeführer  auch  nach  Ansicht  des 
Bundesverwaltungsgerichts  nicht  gelingt,  entschuldbare  Gründe  für  die 
Nichteinreichung der erforderlichen Dokumente glaubhaft zu machen,

dass mithin einzig zu prüfen bleibt, ob das BFM aufgrund der Anhörung 
zu  Recht  weder  die  Flüchtlingseigenschaft  festgestellt  noch  zusätzliche 
Abklärungen  zu  deren  Feststellung  beziehungsweise  derjenigen  von 
Wegweisungsvollzugshindernissen als erforderlich erachtet hat,

dass  auch  hierzu  vollumfänglich  auf  die  ausführlichen  Ausführungen  in 
der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,

dass sich aus der Beschwerdeschrift keine neuen Erkenntnisse ergeben 
und  die  Vorbringen  insgesamt  nicht  geeignet  sind,  zu  einer  von  der 
Vorinstanz abweichenden Beurteilung zu führen, 

dass insbesondere mit der Vorinstanz übereinstimmend festgestellt wird, 
der  Beschwerdeführer  habe  sehr  allgemein  gehaltene  und 
widersprüchliche Angaben zur angeblichen Verfolgungssituation und zum 
Reiseweg gemacht,

dass das BFM somit  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG zu 
Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,

dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art.  44  Abs.  1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine 
Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung 
einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.9),  weshalb  die  verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich  ist  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der 
vormals  zuständigen  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  der 
gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das 

D­5103/2011

Seite 11

heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und 
andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, 
in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl., 
Basel 2009, Rz. 11.148),

dass das BFM zu Recht darauf hingewiesen hat, dass es nicht Aufgabe 
der  Asylbehörden  sei,  die  Staatszugehörigkeit  eines  Asylsuchenden 
nachzuweisen,  wenn  dieser  seiner  diesbezüglichen  Mitwirkungspflicht 
nicht nachkommt, 

dass  deshalb  zutreffenderweise  von  der  nigerianischen 
Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen wurde,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 
Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen 
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, 
da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich 
erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen, 
weshalb  das  in 
Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­
Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet,

dass  darüber  hinaus  keine  Anhaltspunkte  für  eine 
menschenrechtswidrige Behandlung  im Sinne von Art. 3 der Konvention 
vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK, 
SR 0.101) ersichtlich sind, die den Beschwerdeführenden im Heimatstaat 
Nigeria droht,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar 
erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund  von 

D­5103/2011

Seite 12

Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 
Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass weder die allgemeine Lage in Nigeria noch  individuelle Gründe auf 
eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen, 
zumal  dort  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht  und  davon 
auszugehen ist, der junge und gemäss Akten gesunde Beschwerdeführer 
werde  in  seiner  Heimat  eine  neue  Existenz  aufbauen  könne,  da  er 
eigenen  Angaben  zufolge  über  eine  gute  Schulbildung  und  über 
Erfahrungen als N._______ und als O._______ verfügt,

dass  er  im Übrigen  in  seinem Heimatland  über  ein  tragfähiges  soziales 
Beziehungsnetz  (P._______)  verfügt,  welches  ihm  bei  der 
Wiedereingliederung behilflich sein kann,

dass auch keine weiteren persönlichen Gründe ersichtlich sind, aufgrund 
derer  unter  Umständen  geschlossen  werden  könnte,  der 
Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  der  Rückkehr  in  eine 
existenzbedrohende Situation, weshalb der Vollzug der Wegweisung – in 
Übereinstimmung mit der Vorinstanz ­ als zumutbar zu bezeichnen ist,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den 
Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse 
bestehen  (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführenr obliegt, 
bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (Art.  8  Abs.  4 
AsylG),

dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte 
Wegweisungsvollzug insgesamt zu bestätigen ist und eine Anordnung der 
vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG),

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist, 

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­ 
(Art.  16  Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).

D­5103/2011

Seite 13

 (Dispositiv nächste Seite)

D­5103/2011

Seite 14

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Contessina Theis Bettina Schwarz

Versand: