# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eb734b87-3ba6-5d67-97a8-fc20323034bc
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 04.05.2022 SB210568
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210568_2022-05-04.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

Geschäfts-Nr.: SB210568-O/U/bs 
 
Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Wenker, Präsident, Ersatzoberrichterin 

lic. iur. Keller und Ersatzoberrichter lic. iur. Vesely sowie 

Gerichtsschreiber MLaw Dharshing 

 
Urteil vom 4. Mai 2022 

 
in Sachen 

 
A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin MLaw X1._____ 
 

gegen 
 
Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. M. Stammbach,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 
 

sowie 
 
B._____, 
Privatklägerin und Anschlussberufungsklägerin 

vertreten durch Rechtsanwältin MLaw Y1._____ 
 
betreffend mehrfache sexuelle Nötigung etc.  
 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 24. Juni 2021 
(DG210003) 
 
 
 
 
 

- 2 - 

Anklageschrift: 

Die Anklage der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 16. Februar 2021 

(Urk. 17) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig  

− der mehrfachen sexuellen Nötigung, teilweise des Versuchs dazu, im Sinne 

von Art. 189 Abs. 1 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, sowie  

− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind, teilweise des Ver-

suchs dazu, im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB. 

2. Bezüglich der Vorfälle in Ziffer 8 der Anklageschrift wird der Beschuldigte freige-

sprochen. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 212 Tage 

durch Haft erstanden sind. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt.  

5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 6 Jahre des Landes verwie-

sen. 

6. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird 

angeordnet. 

7. Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivil-

prozesses verwiesen. 

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % Zins 

ab 26. Dezember 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Ge-

nugtuungsbegehren abgewiesen. 

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9. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 1. Februar 

2021 beschlagnahmte Mobiltelefon Samsung, schwarz mit durchsichtiger Hülle 

(A014'417'324), wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes 

Verlangen herausgegeben. 

Wird das beschlagnahmte Mobiltelefon nicht innert drei Monaten nach Rechtskraft 

des Urteils bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, beansprucht, wird es 

ohne weitere Mitteilung durch die Lagerbehörde vernichtet. 

10. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 4'500.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 1'000.00  Gebühr für das Beschwerdeverfahren 

Fr. 2'100.00  Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 1'287.00  Auslagen 

Fr. 450.00  Auslagen Polizei 

Fr. 43.20  Entschädigung Zeugen 

Fr. 14'474.90  Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Fr. 1'210.90 Barausla-
gen und 7.7 % MwSt)  

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-

schuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Ge-

richtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO. 

12. (Mitteilungen.) 

13.  (Rechtsmittel.)" 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 147 S. 1 f., S. 31) 

1. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen 

Nötigung, teilweise Versuch dazu sowie der mehrfachen sexuellen 

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Handlungen mit einem Kind, teilweise Versuch dazu, vollumfänglich 

freizusprechen; 

2. Von der Anordnung einer Landesverweisung und der Ausschreibung 

derselben im Schengenern Informationssystem sei abzusehen; 

3. Die Zivilklage der Privatklägerin sei abzuweisen; 

4. Dem Berufungskläger sei aufgrund der erstandenen Untersuchungs-

haft eine Entschädigung von Fr. 21'200.– zu bezahlen. 

5. Die Kosten für die Untersuchung, das erstinstanzliche Verfahren sowie 

das Berufungsverfahren und für die amtliche Verteidigung (zzgl. MwSt) 

seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

b) Der Vertretung der Privatklägerin B._____: 

(Urk. 148 S. 1) 

1. Es sei der Freispruch gemäss Dispositiv-Ziffer 2 des vorinstanzlichen 

Urteils aufzuheben und der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage 

schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 

2. Es sei festzustellen und im Dispositiv ausdrücklich festzuhalten, dass 

der Beschuldigte aus den eingeklagten Straftathandlungen dem Grund-

satze nach gegenüber der Privatklägerin schadenersatzpflichtig ist. 

3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtu-

ung in der Höhe von CHF 7'500.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 

26. Dezember 2019 zu bezahlen. 

4. Eventualiter sei das Verfahren betreffend Zivilforderungen auf den Zi-

vilweg zu verweisen. 

5. Der Privatklägerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. 

 Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten. 

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Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Hinwil, Strafsachen, vom 24. Juni 2021 wurde der 

Beschuldigte der mehrfachen, teilweise versuchten sexuellen Nötigung sowie der 

mehrfachen, teilweise versuchten sexuellen Handlungen mit einem Kind schuldig 

gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten bestraft. Der Vollzug 

der  Freiheitsstrafe wurde aufgeschoben, unter Ansetzung einer Probezeit von 

2 Jahren. Vom Vorwurf dreier Vorfälle (Anklageziffer 8) wurde der Beschuldigte 

freigesprochen (Urk. 111 S. 31). 

Die Vorinstanz verwies den Beschuldigten für 6 Jahre des Landes und ordnete 

die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem an. 

Ferner wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung in 

Höhe von Fr. 5'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 26. Dezember 2019 zu bezahlen. 

Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen. Sodann befand 

die Vorinstanz über die Herausgabe von Gegenständen und die Kosten- und Ent-

schädigungsfolgen (Urk. 111 S. 31). 

Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 30. Juni 2021 

Berufung anmelden (Urk. 96) und mit Eingabe vom 8. Oktober 2021 fristgerecht 

die Berufung erklären (vgl. Urk. 103, Urk. 112). Mit Eingabe vom 

4. November 2021 stellte er ein Gesuch um Ausstellung einer Teilrechtskraftsbe-

scheinigung der Dispositivziffern 2 (Freispruch betr. Anklagevorwurf 8), 9 (Be-

schlagnahme Mobiltelefon) und 10 (Kostenfestsetzung; Urk. 118). 

Mit Eingabe vom 26. September 2021 legte die Verteidigerin des Beschuldigten, 

Rechtsanwältin lic. iur. X2._____, das Mandat nieder, weil die Kanzlei nach … 

umziehe. Sie ersuchte in Absprache mit dem Beschuldigten um Bestellung von 

Rechtsanwältin X3._____, Kanzlei Z._____ Rechtsanwälte, als amtliche Verteidi-

gerin (Urk. 104). Mit Eingabe vom 6. Oktober 2021 ersuchte Rechtsanwältin 

X1._____, Z._____ Rechtsanwälte, es sei Rechtsanwältin X2._____ als amtliche 

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Verteidigerin zu entlassen und Rechtsanwältin X1._____ sei als neue amtliche 

Verteidigerin des Beschuldigten zu bestellen (Urk. 105). 

Mit Präsidialverfügung vom 18. Oktober 2021 entliess die Verfahrensleitung der 

Vorinstanz Rechtsanwältin X2._____ als amtliche Verteidigerin und bestellte 

Rechtsanwältin X1._____ als neue amtliche Verteidigerin (Urk. 107). 

Die Privatklägerin erhob mit Eingabe vom 7. Dezember 2021 fristgerecht 

Anschlussberufung (Urk. 123) und beantragte mit Eingabe vom 5. Januar 2022 

die Abweisung des Antrags auf Ausstellung einer Teilrechtskraftsbescheinigung 

hinsichtlich Dispositivziffer 2 (vgl. Urk. 129). 

Die Staatsanwaltschaft verzichtete stillschweigend auf Anschlussberufung. 

Mit Beschluss vom 26. Januar 2022 stellte die hiesige Kammer fest, dass das Ur-

teil des Bezirksgerichts Hinwil vom 24. Juni 2021 hinsichtlich Dispositiv-Ziffern 9 

(Beschlagnahme Mobiltelefon) und 10 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft er-

wachsen sei (Urk. 132). 

Zur Berufungsverhandlung vom 4. Mai 2022 erschienen der Beschuldigte in 

Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin MLaw X1._____ sowie 

Rechtsanwältin MLaw Y2._____ in Vertretung der Privatklägerin (Prot. II S. 9). 

II. Prozessuales 

1. Umfang der Berufung 

In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstinstanzli-

chen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Gemäss Art. 402 StPO 

hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung.  

Der Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch. Damit zusam-

menhängend angefochten ist die Sanktion, die Landesverweisung und deren 

Ausschreibung im Schengener Informationssystem, sowie die Zivilforderung und 

die Kostenverlegung (Urk. 112 S. 2 f.). Demgegenüber beantragt die Privatkläge-

rin mit der Anschlussberufung einen Schuldspruch betreffend Anklageziffer 8. 

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Damit zusammenhängend beantragt sie eine höhere Genugtuung und die Fest-

stellung der grundsätzlichen Schadenersatzpflicht des Beschuldigten (Urk. 123). 

Nachdem mit Beschluss vom 26. Januar 2022 festgestellt wurde, dass die 

Dispositiv-Ziffern 9 und 10 (Beschlagnahme Mobiltelefon und Kostenfestsetzung) 

in Rechtskraft erwuchsen (Urk. 132) bestehen keine weiteren Punkte, die in 

Rechtskraft erwachsen sind. 

2. Anklageprinzip 

Die Verteidigung brachte anlässlich der Berufungsverhandlung vor, dass die An-

klagevorwürfe pauschal geblieben seien und genauere Zeitangaben zu den 

einzelnen Vorfällen fehlen würden, was es dem Beschuldigten verunmöglicht 

habe, sich zu verteidigen (Urk. 147 Rz. 16). Insoweit die Verteidigung damit das 

Anklageprinzip rügen sollte, ist Folgendes festzuhalten: 

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des 

Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 

Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b EMRK). Die Anklage 

hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt 

so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver 

Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den 

Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und garantiert den 

Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 143 IV 63 E. 2.2 S. 

65; 141 IV 132 E. 3.4.1 S. 142 f.; je mit Hinweisen).  

Unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion ist massgebend, dass die 

beschuldigte Person genau weiss, was ihr angelastet wird, damit sie ihre Vertei-

digungsrechte angemessen ausüben kann. Ungenauigkeiten in den Zeitangaben 

sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die beschuldigte Person 

keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird. Bei 

gehäuften und regelmässigen Delikten wird dem Anklagegrundsatz Genüge ge-

tan, wenn die Handlungen in zeitlicher und örtlicher Hinsicht lediglich approximativ 

umschrieben werden. Der Zeitraum ist auf eine bestimmte Dauer einzugrenzen. 

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Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann insbesondere bei 

"Familiendelikten" nicht erwartet werden, dass über jeden einzelnen Vorfall Buch 

geführt wird (Urteile des Bundesgerichts 6B_103/2017 vom 21. Juli 2017 E. 1.5.2; 

6B_228/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3; je mit Hinweisen).  

Vorliegend geht die Anklage in zeitlicher Hinsicht davon aus, dass sich die 

sexuellen Übergriffe des Beschuldigten, dem Grossonkel der Privatklägerin, 

innerhalb von 10 Monaten ereignet hätten. Beginn des Zeitraums ist der Beginn 

der sechsten Primarschulklasse der Privatklägerin. 

In sachlicher Hinsicht beschreibt die Anklage detailliert die Art und Weise der 

vorgenommenen sexuellen Übergriffe und die Vorgehensweise des Beschuldig-

ten. Die konkreten Einzelakte werden auseinandergehalten, wobei angesichts der 

Häufigkeit und Gleichförmigkeit der angeklagten sexuellen Übergriffe ein noch 

höherer Detaillierungsgrad unzumutbar erscheint. Die 11 vorgeworfenen Vorfälle, 

die sich immer wieder über einen Zeitraum von 10 Monaten in vergleichbarer 

Weise ereigneten, lassen sich gerade im familiären Kontext nicht mehr in allen 

Einzelheiten zeitlich und sachlich einordnen. Entscheidend ist, dass die zur An-

klage gebrachten Vorwürfe hinreichend konkretisiert wurden, um die Funktionen 

des Anklageprinzips zu erfüllen. Dem Beschuldigten ist aufgrund der Ausführun-

gen in der Anklageschrift klar, welches Verhalten ihm vorgeworfen wird. Er kann 

seine Verteidigungsrechte angemessen ausüben, zumal seine frühere Verteidi-

gung vor Vorinstanz nicht geltend machte, die Anklageschrift sei unklar (vgl. 

Urk. 88 S. 1). Die Anklageschrift erfüllt die Anforderungen an die Informations-

funktion. Aus der Anklageschrift geht sodann deutlich hervor, dass sämtliche auf-

geführten sexuellen Übergriffe auf die Privatklägerin im angeklagten Zeitraum zur 

Anklage gelangen, womit die Anklageschrift auch der Umgrenzungsfunktion ge-

nügt.  

Zusammenfassend liegt keine Verletzung des Anklagegrundsatzes liegt vor.  

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3. Wirksame Verteidigung 

Die aktuelle amtliche Verteidigung machte an der Berufungsverhandlung geltend, 

der Beschuldigte sei während dem Untersuchungs- und dem erstinstanzlichen 

Gerichtsverfahren ungenügend verteidigt worden. Zur Begründung führte sie an, 

dass die frühere amtliche Verteidigung dem Beschuldigten scheinbar geraten ha-

be, möglichst wenig Aussagen zu machen, statt ihn zu instruieren, das Erlebte so 

detailliert wie möglich zu schildern (Urk. 147 Rz. 10). Der Einwand der Verteidi-

gung geht aus zweierlei Gründen fehl: 

Zum einen ist schon zu bezweifeln, dass eine derartige Instruktion erfolgte: Die 

aktuelle Verteidigung selbst trug anlässlich der Berufungsverhandlung vor, dass 

"die meisten Fragen in Bezug auf die konkreten Vorwürfe so formuliert waren, 

dass diese lediglich mit ja oder nein beantwortet werden konnten […]. Diese Fra-

gen, ob er konkret dies oder jenes mit der Privatklägerin gemacht habe, konnten 

gar nicht anders beantwortet werden" (Urk. 147 Rz. 14). Dass der Standpunkt des 

Beschuldigten, dass es sich um erfundene Vorwürfe handle, keine "detaillierten" 

Schilderungen erlauben, liegt in der Natur der Sache. Bezeichnenderweise waren 

die Aussagen des Beschuldigten zu den einzelnen Vorwürfen anlässlich der 

Berufungsverhandlung keineswegs umfangreicher als seine früheren (vgl. Prot. II 

S. 7 ff.).  

Des Weiteren läge selbst dann, wenn die behauptete Instruktion erfolgt wäre, 

keine ungenügende Verteidigung vor. Der Anspruch des amtlich verteidigten 

Beschuldigten auf eine wirksame Verteidigung wird erst bei einer schweren 

Pflichtverletzung des Verteidigers berührt, wofür nur sachlich nicht vertretbares 

bzw. offensichtlich fehlerhaftes Prozessverhalten in Betracht kommt (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_100/2010 vom 22. April 2010 E. 2.1.). Die Wahl einer Ver-

teidigungsstrategie, die sich in der Folge als nicht zielführend erweist, stellt keine 

ungenügende Verteidigung dar. Dass Beschuldigte, insbesondere in einem frühen 

Stadium eines Strafverfahrens, knappe (oder gar keine) Aussagen treffen, ist ein 

verbreitetes Vorkommnis und kann, genauso wie eine weitreichende Kooperation, 

Teil einer Verteidigungsstrategie sein. Welche Strategie sie für sachgerecht und 

geboten erachtet, liegt im pflichtgemässen Ermessen der amtlichen Verteidigung 

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(Urteile des Bundesgerichts 1B_238/2013 vom 7. Februar 2014 E. 5.1.; 

1B_410/2012 vom 3. Oktober 2012 E.1.2.). Nachdem schwere Pflichtverletzungen 

weder vorgebracht noch ersichtlich sind, ist zusammenfassend festzuhalten, dass 

eine wirksame Verteidigung des Beschuldigten auch im Untersuchungs- und 

erstinstanzlichen Gerichtsverfahren gewährleistet war.  

4. Unentgeltliche Rechtspflege 

Die Vertretung der Privatklägerin beantragte anlässlich der Berufungsverhand-

lung, es sei der Privatklägerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren 

(Urk. 148 S. 1). 

Dem Zweck des verfassungsrechtlich und bundesrechtlich garantierten Rechts 

auf unentgeltliche Rechtspflege ist genüge getan, wenn eine betroffene Person 

grundsätzlich ohne Rücksicht auf ihre finanzielle Situation Zugang zum Gericht 

und Anspruch auf Vertretung durch rechtskundige Vertretung hat (vgl. BGE 135 I 

1 E. 7.1; 131 I 350 E. 3.1). Mithin ist unter den Gesichtspunkten von Art. 136 

StPO und Art. 29 Abs. 3 BV nicht entscheidend, wer die Vertretung der Privatklä-

gerin bestellt und letztlich die Kosten dafür trägt oder inwieweit sich die Voraus-

setzungen für eine allfällige Rückforderung der Kosten (namentlich nach den 

Bestimmungen der StPO oder denjenigen des Kinder- und Jugendhilfegesetz) un-

terscheiden. Ob einer bereits verbeiständeten Privatklägerin in einem Strafverfah-

ren zusätzlich eine unentgeltliche Rechtsbeistandschaft zu gewähren ist, be-

stimmt sich, unter Vorbehalt der weiteren Voraussetzungen von Art. 136 StPO 

resp. Art. 29 Abs. 3 BV, nach der fachlichen Eignung der Vertretungsbeiständin 

zur Vertretung im Strafverfahren. Ist eine Privatklägerin bereits durch eine fachlich 

geeignete Beiständin vertreten, besteht kein Raum für deren Bestellung als un-

entgeltliche Rechtsbeiständin (Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich 

UP160014-O vom 18. Mai 2016, E. 5.3.). 

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bezirk Hinwil (KESB) errichtete mit 

Entscheid vom 26. Mai 2020 für die Privatklägerin eine Beistandschaft nach 

Art. 306 Abs. 2 und ernannte Rechtsanwältin MLaw Y1._____ als Beiständin. Da-

bei beauftragte die KESB die Beiständin, die Privatklägerin im laufenden Strafver-

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fahren zu vertreten (Urk. 8/2). Bei der Beiständin handelt es sich um eine erfahre-

ne Juristin mit Rechtsanwaltspatent, an deren fachlicher Kompetenz zur Vertre-

tung der Privatklägerin im vorliegenden Strafverfahren keine Zweifel bestehen 

(vgl. Urk. 8/2 S. 2). Da die Bestellung eines Rechtsbeistands zur Wahrung der 

Rechte der Privatklägerschaft bereits durch eine andere Behörde erfolgte und der 

Privatklägerin, wie zu zeigen sein wird, keine Kosten aufzuerlegen sind, erweist 

sich der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege als gegen-

standslos. 

III. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe im Zeitraum 

vom 19. August 2019 bis 4. Mai 2020 mit der damals zwölf- bzw. dreizehnjährigen 

Privatklägerin sexuelle Handlungen vorgenommen bzw. sie sexuell genötigt. Bei 

der Privatklägerin handelt es sich um die Grossnichte des Beschuldigten. Die 

Anklage listet insgesamt neun Vorfälle auf, auf welche nachfolgend im Detail 

eingegangen wird. 

Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe in der Untersuchung, vor Vorinstanz und 

anlässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 2/1-3; Prot. I S. 16 f.; Urk. 152 S. 8 ff.). 

2. Rechtliches 

Vorab ist auf die grundsätzlich zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu den 

allgemeinen Beweiswürdigungsregeln zu verweisen (vgl. Urk. 111 S. 5 ff.). Erneut 

ist festzuhalten, dass das Gericht seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde 

legt, den es nach seiner freien und den Untersuchungsakten geschöpften Über-

zeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Eine strafrechtliche 

Verurteilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit hin-

reichender Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger Zweifel 

darüber bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vor-

geworfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das Gericht 

eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vorliegenden 

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Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, das Gericht 

aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Allfällige abstrakte theoretische 

Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute 

Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausreichen, wenn vernünftige 

Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden können. Die 

blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu begründen. Nur 

wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von der 

Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu über-

zeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende Grundsatz "in du-

bio pro reo" zur Anwendung. 

3. Rechtliches 

Die Anklage stützt sich auf die belastenden Aussagen der Privatklägerin, welchen 

die bestreitenden Aussagen des Beschuldigten gegenüberstehen. Es liegen keine 

Sachbeweise bzw. objektiven Beweismittel vor wie Gutachten über körperliche 

Untersuchungen. Ebenso bestehen für die angeklagten Vorfälle keine Zeugen. 

Vorliegend stützt sich der Anklagevorwurf einzig auf die Aussagen der im 

Befragungszeitpunkt zwölfjährigen Privatklägerin. Auch wenn ein Einzelzeugnis 

durchaus als rechtsgenügender Beweis angesehen werden kann, muss eine Aus-

sage in jeder Hinsicht zuverlässig und unbefangen erscheinen und – allenfalls 

durch Indizien besonders unterstützt – letztlich klar glaubhafter sein als jene des 

bestreitenden Beschuldigten. Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind 

dabei die innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung des 

Geschehens sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebten zu 

werten (vgl. im Detail: Arntzen/Michaelis-Arntzen, Psychologie der Zeugen-

aussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Auflage, München 1993). 

Neben der Überprüfung von Motivationslage und kognitiven Fähigkeiten der 

kindlichen Zeugen hat sich die sogenannte Aussageanalyse heute weitgehend 

durchgesetzt. Nach dem empirischen Ausgangspunkt der Aussageanalyse 

erfordern wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche geistige Leistungen. 

Zu lügen stellt eine erhebliche kognitive Leistung der aussagenden Person dar: 

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Sie muss ihre Falschaussage überzeugend darlegen, ohne auf vorhandene Erin-

nerung zurückgreifen zu können. Sie muss sich merken, wie und mit welchen De-

tails sie ihre Geschichte erzählt hat, um auf Nachfragen widerspruchsfrei und 

schnell reagieren zu können. Sie beobachtet verstärkt sich selbst und ihre Wir-

kung auf die vernehmende Person, um auf Irritationen oder fehlende Überzeu-

gungswirkung reagieren zu können. Das führt gegenüber demjenigen, der ein 

wahres Geschehen abrufen und berichten kann, zu einer erhöhten kognitiven Be-

lastung mit der Folge, dass (zu) wenig Ressourcen für die Ausarbeitung der Aus-

sage an sich zur Verfügung stehen: Diese erscheint verarmt, wenig bunt und we-

nig individuell (Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Aufl. 

2014, S. 77). 

Damit eine Aussage als zuverlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere 

auf das Vorhandensein von inhaltlichen Realitätskriterien zu überprüfen. Er-

gänzend sind die Aussagen unter strukturellen Aspekten sowie auf Konstanz und 

Erweiterungen hin zu überprüfen (Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor 

Gericht, 4. Aufl. 2014, S. 101 ff.). Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen 

sind zu werten: 

- spontane, detailreiche Schilderungen (auch ausserhalb des zentralen 
Beweisthemas) 

- individuell geprägte, originelle oder aussergewöhnliche Geschehnisse ent-
haltende Aussagen 

- Verflechtung der Aussage mit bewiesenen, zur Tatzeit vorhandenen äusse-
ren Umständen 

- strukturelle Gleichheit der Aussage, gleiche Erinnerung an Be- und Ent-
lastendes  

- Ineinanderpassen der Aussagen, wenn von verschiedenen Ansatzpunkten 
gefragt wurde 

- inhaltliche Konstanz des für den Befragten subjektiv Wichtigen 

Die Lehre spricht von acht Realitätskriterien, welche in drei Gruppen eingeteilt 

werden: Inhaltsbezogene Realitätskriterien (Detailkriterium, Individualitätskriteri-

um, Prüfkriterium), strukturelle Realitätskriterien (Strukturgleichheitskriterium, 

- 14 - 

Nichtsteuerungskriterium, Homogenitätskriterium) und Wiederholungskriterien 

(Konstanzkriterium, Erweiterungskriterium) (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., S. 91 

ff.). Als Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Aussagen gelten demgegen-

über: 

- Zurückhalten von Aussagen nur in den für den Aussagenden wesentlichen 
Punkten, Abschweifen auf Nebensächliches 

- unangemessene Wortwahl (Freud'sches Signal) 

- Übertreibungen in der Sache und in der Bestimmtheit 

- stereotype Aussagen auch in Einzelheiten 

- Dreistigkeit, Entrüstung des Aussagenden 

- Anfügen von Begründungen statt Fakten 

- abstrakte, kurze Aussagen ohne Details in Nebenpunkten 

- Strukturbrüche in den Schilderungen 

Nach solchen Phantasiesignalen ist zu suchen, wenn das Fehlen von Realitätskri-

terien den Verdacht eines Phantasieproduktes begründet. Wie die Realitätskrite-

rien werden auch die Phantasiesignale in drei Gruppen eingeteilt: Verlegenheits-

signale (Zurückhaltungssignal, Freud'sches Signal, Unterwürfigkeitssignal), Über-

treibungssignale (Bestimmtheitssignal, Dreistigkeitssignal, Begründungssignal) 

und Signale mangelnder Kompetenz (Kargheitssignal, Strukturbruchsignal). Feh-

len Realitätskriterien und finden sich Lügen- bzw. Fantasiesignale, gilt dies als In-

diz für eine Falschaussage. 

Zu Überprüfen in erster Linie die Hypothese, ob die aussagende Person unter Be-

rücksichtigung der Umstände, der intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motiv-

lage eine solche Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund machen könnte. 

Methodisch wird die Prüfung in der Weise vorgenommen, dass das im Rahmen 

eines hypothesengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente 

Qualitätsmerkmale, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Ent-

stehungsgeschichte der Aussage sowie des Aussageverhaltens insgesamt ge-

wonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft und die persönliche Kompetenz 

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der aussagenden Person analysiert werden. Bei der Glaubhaftigkeitsbegutach-

tung ist immer davon auszugehen, dass die Aussage auch nicht realitätsbegrün-

det sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese Unwahrhypothese (Nullhypothese) 

mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird 

sie verworfen. Es gilt dann die Alternativhypothese, dass die Aussage wahr sei. 

Erforderlich ist dafür besonders auch die Analyse der Entstehungs- und Entwick-

lungsgeschichte der Aussage (Aussagegenese). Streng abgegrenzt werden die 

allgemeine Glaubwürdigkeit, die sich auf die Person bezieht, und die Glaubhaftig-

keit, die nur gerade die spezifische Aussage betrifft und eigentlicher Gegenstand 

der aussagepsychologischen Begutachtung ist (vgl. BGE 128 I 81 E. 2). 

4. Glaubwürdigkeit 

Zur Person der Privatklägerin ist zu bemerken, dass sie auf den Aufzeichnungen 

ihrer – verwertbaren und aktenkundigen – Aussagen dreizehn Jahre alt war. Sie 

sprach wechselnd Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Persisch. Der Wechsel 

unter Beizug der Persisch-Dolmetscherin gestaltete sich etwas mühsam, doch 

konnte sich die Privatklägerin stets altersgerecht ausdrücken. Insbesondere konn-

te die Dolmetscherin sprachliche Probleme überbrücken, wenn die Privatklägerin 

sich auf Deutsch nicht gut ausdrücken konnte. Die Privatklägerin wirkte auf den 

Aufnahmen zunächst schüchtern, konnte sich aber im Verlauf der Befragung et-

was öffnen und genauer und ausführlicher berichten. Dabei korrigierte sie die be-

fragende Polizeibeamtin auch, wenn etwas falsch verstanden wurde. Ferner 

machte sie nicht den Eindruck, als ob sie auf die Einvernahme vorbereitet war 

oder bestimmte Aussagen einstudiert hatte. Beispielsweise antwortete sie auf die 

Frage, sie solle von Anfang an erzählen, sie wisse nicht, was sie sagen solle 

(Urk. 3/5 S. 8). Dies ist nicht zu erwarten, wenn einstudierte Aussagen vorliegen. 

Sie belastete den Beschuldigten auch nicht übermässig und gab klar zum Aus-

druck, dass er sie nie verletzt oder ihr Schmerzen zugefügt habe (Urk. 3/5 S. 28). 

Es sind insgesamt keine Hinweise für eine Falschbelastung ersichtlich.  

Zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist festzuhalten, dass ihn keine Pflicht 

trifft, zu seiner Überführung beizutragen. Namentlich unterliegt er nicht der Wahr-

heitspflicht im Sinne von Art. 163 Abs. 2 StPO. Da er ohnehin sämtliche Tatvor-

- 16 - 

würfe pauschal bestritt und geltend machte, der Vater und die Mutter der Privat-

klägerin hätten "die Geschichte erfunden", damit er Probleme bekomme (vgl. 

Prot. I S. 17; Urk. 152 S. 10 f.), liegt keine von ihm geschilderte Tatvariante vor, 

die den Vorwürfen der Privatklägerin gegenübergestellt werden könnte. 

5. Aussagengenese 

Die Privatklägerin legte die Entstehungsgeschichte der Anzeige wie folgt dar: Als 

man im Sexualkundeunterricht in der sechsten Klasse über "solche Sachen" ge-

sprochen habe, sei ihr bewusst geworden, was es mit den Küssen und Be-

rührungen des Beschuldigten auf sich habe. Die Annäherungen des Beschuldig-

ten hätten sie bereits vorher irritiert, sie habe diese zuvor aber noch nicht einord-

nen können (Urk. 3/5 S. 8). Zuerst habe sie ihrer Mutter von den Vorfällen erzählt, 

sie hätten beide anschliessend aber nicht gewusst, an wen sie sich wenden soll-

ten. Dann habe ihre Mutter es dem Sohn des Beschuldigten erzählen wollen, das 

hätten sie aber nicht gut gefunden. Schliesslich hätten sie sich entschlossen, es 

ihrer Lehrerin zu erzählen (Urk. 3/5 S. 22). Sie (die Privatklägerin) habe um ihre 

Ehre Angst gehabt. Der Beschuldigte habe ihr gedroht, der ganzen Familie das zu 

erzählen, daher habe sie Angst gehabt (Urk. 3/5 S. 26). Drohung sei vielleicht 

nicht das richtige Wort. Aber er habe gesagt, dass er das der ganzen Familie sa-

gen würde (Urk. 3/5 S. 26). Sie (die Privatklägerin) möge die ganze Familie, ins-

besondere ihre Tante. Sie seien miteinander sehr gut befreundet. Sie (die Privat-

klägerin) habe Angst gehabt, dass die Tante sie nicht mehr gerne habe, wenn sie 

das wisse. Und sie habe nicht gewollt, dass die Familie wisse, was er gemacht 

habe "und dann schiebt er mir das in die Schuhe" (Urk. 3/5 S. 26). 

Am 19. Mai 2020 deponierte die Lehrerin der Privatklägerin, C._____, bei der Po-

lizei zum Zustandekommen der Anzeige Folgendes (Urk. 4/1): Im Unterricht habe 

man kürzlich das Thema Sexualkunde behandelt, wobei sie erklärt habe, dass es 

in einem Missbrauchsfall wichtig sei, mit einer Vertrauensperson zu sprechen. 

Diese Aussage habe die Privatklägerin offenbar dazu bewegt, ihr die Sache zu 

erzählen (Urk. 4/1 F/A 6). Sie (C._____) habe sich vom Gespräch mit der Privat-

klägerin folgendes notiert: "Brüste angefasst, Scheide gestreichelt, wollte mit dem 

Finger eindringen, hat sich gewehrt." Angeblich habe der Mann die Privatklägerin 

- 17 - 

bedroht und eingeschüchtert, dass ihr sowieso niemand glauben würde und dass 

sie Schuld am Ganzen sei. Die Privatklägerin habe deshalb auch Angst davor ge-

habt, ihrem Vater von den Handlungen zu erzählen (Urk. 4/1 F/A 8). C._____ be-

richtete bei der Staatsanwaltschaft in Gegenwart des Beschuldigten, dass die Pri-

vatklägerin aufgrund des Sexualkundeunterrichts das Vokabular und den Mut ge-

habt habe, mit ihr darüber zu sprechen (Urk. 4/2 F/A 21). Die Privatklägerin und 

ihre Mutter hätten in der Folge Befürchtungen geäussert, dass der Vater von den 

Vorfällen erfahren würde. Es sei ein Hin und Her gewesen um die Frage, den Va-

ter mit einzubeziehen, man habe sich dazu mehrere Szenarien überlegt (Urk. 4/2 

S. 5). Nach mehreren Gesprächen mit der Opferhilfestelle D._____ und dem 

Schulleiter hätten sie sich entschieden, am 12. Mai 2020 die Eltern der Privat-

klägerin zu informieren. Sie hätten sich dabei mit den Eltern geeinigt, dass die 

Privatklägerin am 13. Mai 2020 ein Gespräch bei D._____ besuche. Am 19. Mai 

2020 habe wieder ein Gespräch bei D._____ mit der Übersetzerin und den Eltern 

stattgefunden. Dabei seien die Eltern über die schweizerischen Gesetze informiert 

worden und es sei besprochen worden, wer eine Anzeige erstatte. Die Eltern hät-

ten mit D._____ vereinbart, dass eine Anzeige durch die Schulleitung erfolge 

(Urk. 4/1 F/A 7). Sie habe sich auch die Ängste der Privatklägerin und deren Mut-

ter notiert. Diese Telefonnotizen sind aktenkundig und indizieren deutlich, dass 

die Frage des Einbezugs des Vaters Ängste auslöste (vgl. Urk. 4/2 S. 12, "wer in-

formiert Vater", "Vater weiss es noch nicht  Angst - Wut gegen B._____, - Wut 

gegen Mutter, - Wut gegen Onkel"). Die Privatklägerin und deren Mutter hätten 

befürchtet, dass sich die Wut des Vaters gegen sie richten könnte. "Die Frage 

war, wie geht man vor, damit der Vater nicht eigenmächtig etwas macht, B._____ 

schlägt oder die Mutter." Das sei aber dann gottseidank nicht passiert (Urk. 4/2 

F/A 39). 

Die Aussagen von C._____ wirken glaubhaft. Sie schilderte plastisch und 

realitätsnah, wie die Privatklägerin nach dem Sexualkundeunterricht auf sie zu-

kam und es zur Anzeige kam. Es erklärt auch, weshalb die Privatklägerin über 

das notwendige Vokabular verfügte, um die Vorgänge zu beschreiben. Nach dem 

von C._____ geschilderten Sexualkundeunterricht und der dort erwähnten 

Möglichkeit, Übergriffe zu melden, erscheint der Umstand der Anzeigeerhebung 

- 18 - 

nachvollziehbar. Schliesslich ergibt sich aus den Aussagen von C._____ glaub-

haft, dass die Anzeige letztlich auf Initiative der Privatklägerin hin erfolgte und sie 

von den Eltern nicht manipuliert wurde. Vielmehr resultiert aus ihren Aussagen, 

dass die Privatklägerin sich offenbar davor fürchtete, sich ihrem Vater anzuver-

trauen und die Eltern zuerst über die Rechtslage in der Schweiz aufgeklärt wer-

den mussten. Die Ansicht der Verteidigung, die Eltern hätten die Privatklägerin zu 

ihren Aussagen gedrängt, kann gestützt auf die Ausführungen von C._____ als 

widerlegt gelten. 

Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 5. Januar 2021 be-

richtete E._____, die Mutter der Privatklägerin, in Gegenwart des Beschuldigten, 

"dieser Mann" habe ihrer Tochter die ganze Zeit an die Brüste fassen wollen. Er 

habe gedroht, in den Iran zu telefonieren und zu erzählen, dass sie ein schlechtes 

Mädchen und deshalb in der Schweiz sei. Sie habe von den Übergriffen an einem 

Geburtstagsfest erfahren, welches sie für ihn organisiert habe. Ihre Tochter habe 

gesagt, sie wolle spazieren gehen. Als sie habe gehen wollen, habe er gesagt, er 

gehe auch. Als sie gegangen sei, sei alles normal gewesen und als sie zurückge-

kommen seien, sei sie völlig aufgelöst gewesen. Sie habe ihr auch erzählt, dass 

dieser Mann sich ihr immer nähern möchte und sie das nicht wolle. Ihre Tochter 

habe auch gesagt, dass sie zu ihm gesagt habe, dass sie es seiner Frau erzählen 

werde. Er habe aber gesagt, dass seine Frau ihr das niemals glauben würde, sie 

würde denken, dass ihre Tochter lüge. Einmal habe er ihr (der Mutter der Privat-

klägerin) seine Hand gezeigt und gesagt, eine Katze habe ihn gekratzt. Dann ha-

be er gesagt, nein, F._____ habe ihn gekratzt. Ihre Tochter habe ihr aber gesagt, 

sie habe ihn gekratzt, weil er sich wieder habe nähern wollen und sie das nicht 

gewollt habe. Sein Geburtstag sei an einem … gewesen. Sie (die Mutter der Pri-

vatklägerin) habe richtig Angst gehabt, es ihrem Mann zu erzählen. Sie habe nicht 

gewusst, ob er sich so aufregen würde, dass es eine Schlägerei geben würde. Sie 

habe am Abend noch mit ihrer Tochter gesprochen und sie gefragt, was sie den-

ke, was sie machen könnten. Sie (die Privatklägerin) habe gesagt, sie habe eine 

Lehrerin in der Schule und diese habe mit ihnen über solche Themen gesprochen 

und auch einen Film gezeigt. Die Lehrerin habe gesagt, falls sie mal solche Prob-

leme hätten, könnten sie zu ihr gehen. Die Lehrerin habe gesagt, dass sie es 

- 19 - 

auch dem Vater sagen müssten. Sie (die Mutter der Privatklägerin) habe geweint 

und das nicht gewollt. Die Lehrerin habe gesagt, dass das ein Verbrechen sei und 

dass sie das weitersagen müssten. Dann hätten sie eine Sitzung organisiert mit 

dem Vater der Privatklägerin und auch einen Termin bei einer Psychologin ver-

einbart. Dieser habe zuerst mit der Tochter und dann mit ihr gesprochen. Sie (die 

Mutter der Privatklägerin) habe keine Anzeige erstatten wollen, wegen der 

Schwester ihres Mannes, aber sie hätten zu ihr gesagt, dass es um sexuelle 

Handlungen mit Kindern gehe und deshalb müssten sie eine Anzeige machen. 

Sie seien ein paar Mal bei Ärzten in Zürich gewesen, "bis sie uns überzeugt hat-

ten, dass wir eine Anzeige erstatteten." Sie (die Ärzte) hätten ihnen gesagt, dass 

ihre Tochter psychisch noch stärker darunter leiden würde, sie müssten sie unter-

stützen und sie solle eine Anzeige machen. Es sei für sie, die Mutter der Privat-

klägerin, sehr schwierig gewesen wegen der familiären Situation. Sie sei sehr un-

ter Druck gestanden. Es habe sechs Monate gebraucht, bis sie schliesslich eine 

Anzeige erstattet hätten (Urk. 4/3 S. 4 f.). 

Ihre Tochter habe nicht viel mit ihr darüber gesprochen. Wenn sie (die Mutter der 

Privatklägerin) habe fragen wollen, habe sie geweint und gesagt, sie wolle ihr das 

nicht erzählen. Die Psychologin in Zürich habe gesagt, dass sie sie nicht unter 

Druck setzen sollten und nicht die ganze Zeit nachfragen sollten. Sie (gemeint: 

die Privatklägerin) solle erzählen, was sie möchte und nicht mehr (Urk. 4/3 S. 5). 

In Würdigung dieser Aussagen ist vorab festzuhalten, dass sich E._____ offen-

kundig bemühte, darzulegen, dass sie der Privatklägerin glaube. Ihr Aussagever-

halten mag angesichts der von der Privatklägerin erhobenen Vorwürfe als ver-

ständliche Reaktion einer Mutter erscheinen, trübt jedoch ihre Glaubwürdigkeit 

etwas. So bezeichnete sie den Beschuldigten als "diesen Mann" und nicht mehr 

als ihren Onkel (vgl. Urk. 4/3 F/A 85). Demgegenüber ist zu berücksichtigen, dass 

sie sich nicht erkennbar bemühte, den Beschuldigten in ein schlechtes Licht zu 

rücken. Sie schilderte, keine konkreten Vorfälle konkret beobachtet zu haben, 

sondern lediglich Umstände. Angesprochen auf von ihr nicht geschilderte Aussa-

gen der Privatklägerin blieb sie bei ihrer Sachdarstellung, auch wenn sie die Aus-

sagen der Privatklägerin dadurch nicht bestätigte. So wurde sie darauf hingewie-

- 20 - 

sen, dass die Privatklägerin erzählt habe, sie sei einmal mit dem Beschuldigten im 

Wohnzimmer gewesen. Es sei dort zu einem Vorfall gekommen, der erst geendet 

habe, als die Eltern nach Hause gekommen seien. E._____ erklärte dazu, die Pri-

vatklägerin habe ihr dies nicht erzählt. Sie habe ihr gesagt, sie solle nicht fragen 

(Urk. 4/3 F/A 64). 

Zusammenfassend decken sich Aussagen von E._____ zum Zustandekommen 

der Anzeige mit den Aussagen der Privatklägerin und jenen von C._____. Sie 

schilderte plastisch und glaubhaft, wie sie sich betreffend die Anzeigeerhebung 

hin und hergerissen fühlte, einerseits zu ihrer Tochter und andererseits zum Fami-

lienfrieden und der Beziehung zur Schwester ihres Ehemannes. Ihre Aussagen 

erscheinen auch in zeitlicher Hinsicht plausibel: Der Geburtstag des Beschuldig-

ten ist am tt. April. Im Jahre 2020 war dies ein … , weshalb es naheliegend er-

scheint, dass das Geburtstagsfest am darauffolgenden …, tt. April 2020, stattfand. 

Wenn sich die Privatklägerin am darauffolgenden …, tt. Mai 2020, bei C._____ 

meldete, erscheint dies auch in zeitlicher Hinsicht plausibel. Die von der Verteidi-

gung vorgebrachte These, wonach die Privatklägerin von den Eltern zur Anzeige 

gedrängt bzw. instrumentalisiert worden sei, um den Beschuldigten fälschlich zu 

beschuldigen, muss gestützt auf die glaubhaften Ausführungen der Mutter der 

Privatklägerin als widerlegt gelten. Es erscheint nachvollziehbar, dass die Mutter 

der Privatklägerin sie nach dem Geschehenen fragte. Ebenso nachvollziehbar er-

scheint, dass die Privatklägerin nichts davon erzählen wollte. Solche Aussagen 

wären jedoch nicht zu erwarten, wenn die Privatklägerin von den Eltern beein-

flusst worden wäre. Vielmehr müssten diese genaue Kenntnisse über das Ge-

schehene haben, wenn sie selbst für solche Aussagen gesorgt hätten. Des Weite-

ren wurden die Ängste der Privatklägerin und ihrer Mutter, den Vater über die Vor-

fälle zu informieren, auch von C._____ glaubhaft geschildert. Dass der Vater, der 

erst nach einem "hin und her" und als letzte Person über die Vorwürfe informiert 

wurde, hinter einem Komplott gegen den Beschuldigten stecken sollte, scheint 

abwegig. Auch die weitere Chronologie der Ereignisse, wie die Meldung der Klas-

senlehrerin an die Schulleitung, welche zunächst anonym erfolgte, um einer An-

zeigepflicht zu entgehen, zeigt auf, dass die Privatklägerin und ihre Mutter der 

Klassenlehrerin gegenüber keineswegs von Beginn weg einen ungebrochenen 

- 21 - 

Willen bekundet hatten, ein Strafverfahren einzuleiten (vgl. auch die Telefonnotiz 

der Klassenlehrerin, Urk. 4/2 S. 13, "offizielle Stellen ja / Polizei Nein").  

6. Allgemeines Aussageverhalten der Privatklägerin 

Die Privatklägerin wirkte bei ihren Aussagen zu sexuellen Übergriffen schüchtern, 

stockte bei den Erzählungen bzw. weinte. Es erfolgten kurze Schilderungen zu 

den Übergriffen, die über mehrere Fragen erzählt wurden. Es fiel ihr teilweise 

schwer, die richtigen Worte zu finden. Die Schilderungen selbst wirkten jedoch 

originell und realitätsnah, zumal sie Emotionen und Gedanken der Privatklägerin 

beinhalteten. Beispielsweise führte sie aus: "Ich sah mir in der Stube einen Film 

an. Er sass neben mir und hat mich zuerst auf die Wange geküsst. Dabei habe 

ich mir nichts gedacht, ich dachte, weil er mich gerne hat, hat er das gemacht. Er 

hat dann weitergemacht, hat mir auf den Hals einen Kuss gegeben und hat sich 

an meine Schulter gelehnt. Und ich habe gesagt, mach das nicht. Und nachdem 

ich mich so weggezogen habe, kurz darauf kamen meine Eltern nach Hause" 

(Urk. 3/5 F/A 81). Ferner wurden originelle Nebensächlichkeiten geschildert, was 

die Aussagen weiter glaubhaft erscheinen lässt. Beispielsweise führte sie aus, sie 

habe nicht bemerkt, dass die Eltern einen Spaziergang hätten machen wollen, sie 

habe auch mitgehen wollen, habe aber irgendwie nicht bemerkt, dass sie gegan-

gen seien, weil sie im Zimmer habe Hausaufgaben machen müssen. Und nach-

her, nach ein paar Minuten, sei sie aus dem Zimmer gekommen, habe Wasser 

getrunken und nachher gesagt: "Mama, Papa." Sie habe sie gerufen aber nie-

mand habe etwas gesagt. Ihre kleinen Geschwister seien auch mitgegangen, 

aber sie hätten sie irgendwie vergessen oder gedacht, dass sie nicht mitgehen 

möchte, weil sie habe Hausaufgaben machen müssen. "Und er und ich waren al-

leine zuhause" (Urk. 3/5 F/A 118). 

Nach dem schlimmsten Erlebnis in einem Raum gefragt, erklärte die Privatkläge-

rin, dass diese in der Küche und im Wohnzimmer stattgefunden hätten. Sie habe 

diese Vorfälle noch nicht erzählt und weigerte sich, darüber zu sprechen (Urk. 3/8 

F/A 161 ff.). 

- 22 - 

Es sind keine Übertreibungen erkennbar, wie es bei einer falschen Aussage zu 

erwarten wäre. So stellte sich die Privatklägerin nicht stets als wehrloses Opfer 

und den Beschuldigten auch nicht als unaufhaltsamen Triebtäter dar. Beispiels-

weise führte sie aus, der Beschuldigte habe sie anfassen wollen. Er habe ihren 

Po anfassen wollen. Er habe sie an die Wand geschubst. Dann habe sie ihm ei-

nen Kick ans Bein gegeben, so dass es nachher blau geworden sei. Als sie habe 

weggehen wollen, habe er sie wieder zurückgehalten, ihre Hand gehalten und da 

habe sie ihn dann gekratzt. Sie habe lange Nägel gehabt, deswegen sei es "so 

kratzig" gewesen und es sei "so rot" gewesen und die Haut sei hochgekommen 

(Urk. 3/5 F/A 129 ff.). 

Ebenfalls ist es keineswegs so, wie von der Verteidigung vorgebracht, dass 

"jegliche grossväterliche Zuwendung als sexuelle Handlung und jegliche 

Bewegung als Annäherungsversuch" verstanden wurde (Urk. 147 Rz. 5): Vor dem 

Hintergrund, dass der Beschuldigte bei der Familie der Privatklägerin im Tatzeit-

raum "ein- und ausging" (Urk. 2/2 F/A 28), kann nicht die Rede davon sein, dass 

jegliche Zuwendung als sexuelle Handlung dargestellt wurde. 

Dass die Schilderungen in der zweiten Einvernahme unpräzise waren, beispiels-

weise weil nur noch von "Unterteili" anstatt von "Vagina" oder "Scheide" sprach, 

ist entgegen der Ansicht der Verteidigung kein Widerspruch, der die Glaubhaf-

tigkeit der Schilderungen trübt. So führte die Mutter der Privatklägerin, E._____, 

bei der Staatsanwaltschaft aus, dass bei ihnen den Namen der Geschlechtsteile 

nicht nenne, "das ist schlecht bei uns. Wir nennen es "nas", das ist eine Kinder-

bezeichnung." (Urk. 4/3 F/A 99). Die Privatklägerin beschrieb sich selbst als eher 

isoliert, zeichne viel zuhause und habe keine beste Freundin (Urk. 3/8 F/A 23). 

Offenbar ist in der Familie der Privatklägerin unerwünscht, die Geschlechtsteile 

konkret zu bezeichnen. Weiter scheint sie auch über keine Freudinnen verfügt zu 

haben, mit welchen sie darüber hätte sprechen können. Es erscheint daher, dass 

auch die Privatklägerin die Geschlechtsteile nicht mehr konkret nennen konnte 

oder wollte. Dieser Umstand beschlägt die Glaubhaftigkeit der Aussagen nicht. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin sehr 

glaubhaft wirken. Sie weisen zahlreiche Details und Nebensächlichkeiten auf, wie 

- 23 - 

es nur bei Schilderungen von real Vorgefallenem zu erwarten ist. Dies gilt erst 

recht für die damals dreizehnjährige Privatklägerin, welche im Zeitpunkt der 

Einvernahmen mit sprachlichen Schwierigkeiten kämpfte und zeitweise die Dol-

metscherin in Anspruch nahm. Gleichzeitig war das Thema persönlich, kulturell 

und familiär schambehaftet, welcher Umstand die teilweise Kargheit ihrer Ausfüh-

rungen ohne weiteres erklärbar erscheinen lässt. Trotzdem erfolgten die Schilde-

rungen realitätsnah, in sich stimmig und im Kern widerspruchsfrei.  

Mit der Vorinstanz überzeugen die Aussagen der Privatklägerin und erscheinen 

sehr glaubhaft.  

7. Allgemeines Aussageverhalten des Beschuldigten 

Der Beschuldigte bestritt die Vorfälle in der Untersuchung, vor Vorinstanz und an-

lässlich der heutigen Berufungsverhandlung pauschal. Es liegen keine Aussagen 

zur Sache vor, die einer Würdigung zugänglich wären. 

Der Beschuldigte brachte indes sinngemäss vor, die Privatklägerin erzähle 

erfundene Geschichten, damit er Probleme bekomme. So habe er dem Vater der 

Privatklägerin ein Jahr zuvor Fr. 700.– ausgeliehen. Dieser habe das Geld wegen 

eines negativen Entscheids gebraucht. Am Abend des Geburtstagsfestes habe er 

zum Vater der Privatklägerin gesagt, er solle ihm das Geld, wenn möglich, bald 

zurückzahlen. Der Vater der Privatklägerin habe ihm geantwortet, er schaue, was 

er tun könne. Dann hätten sie (gemeint: die Familie der Privatklägerin) den Kon-

takt zu ihm langsam reduziert (Prot. I S. 20). Anlässlich der Berufungsverhand-

lung äusserte sich der Beschuldigte im gleichen Sinne (Urk. 152 S. 9 ff.) 

Diese Darstellung des Beschuldigten, die Anzeige gehe vom Vater der Privat-

klägerin aufgrund eines zurückgeforderten Darlehens aus, muss angesichts der 

Aussagen von C._____, der Mutter der Privatklägerin und der Privatklägerin 

selbst als widerlegt gelten. Sie schilderten übereinstimmend und glaubhaft, wie 

sich die Privatklägerin zunächst der Mutter und danach C._____ anvertraute und 

welche Befürchtungen bestanden, wie der Vater der Privatklägerin auf die Nach-

richt reagiere.  

- 24 - 

Soweit der Beschuldigte vor Vorinstanz bestritt, mit der Privatklägerin jemals al-

leine in der Wohnung gewesen zu sein und geltend machte, entweder sei ihre 

Mutter oder ihr Vater zu Hause gewesen (Prot. I S. 22), wird diese Aussage von 

der Mutter der Privatklägerin bestätigt. Sie verneinte die Frage, ob der Beschul-

digte mit den Kindern alleine zuhause war, ohne nähere Erläuterung (Urk. 4/3 F/A 

31). Im Verlauf der Einvernahme fiel ihr jedoch ein, dass der Beschuldigte einmal 

gesagt habe, er habe Kopfschmerzen und sei deshalb nicht in die Kirche mitge-

kommen. Sie wisse aber nicht mehr, ob die Kinder damals auch zu Hause geblie-

ben seien oder ob er alleine zu Hause geblieben sei (Urk. 4/3 F/A 82). Demge-

genüber führte der Vater der Privatklägerin aus, möglicherweise sei die Privatklä-

gerin mit dem Beschuldigten am Freitag alleine gewesen, wenn er nicht zuhause 

gewesen sei. "Als wir einkaufen gingen, war er halt zu Hause." Und auch am 

Sonntag, als sie in die Kirche gegangen seien. Er (der Vater), die Mutter und der 

Sohn seien in die Kirche gegangen. Wenn der Beschuldigte gesagt habe, er 

komme nicht und die Kinder gesagt hätten, sie wollten auch nicht, dann hätten sie 

(gemeint: die Eltern) gesagt, sie könnten zu Hause bleiben und schlafen (Urk. 4/4 

F/A 37 ff.). 

Auch wenn der Vater der Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten den 

sexuellen Missbrauch der Privatklägerin vorwirft, was seine Glaubwürdigkeit 

beschlägt, erscheinen die Aussagen zum Aufenthalt des Beschuldigten alleine mit 

den Kindern realitätsnah und glaubhaft. Er legte konkret dar, zu welchen Gele-

genheiten der Beschuldigte die Übergriffe auf die Privatklägerin hätte begehen 

können. Massgeblich bleibt, dass aus diesen Aussagen zu diesem Punkt keine 

Rückschlüsse gezogen werden können betreffend die Glaubhaftigkeit der Bestrei-

tung des Beschuldigten. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz lassen die übrigen Aussagen des Be-

schuldigten keinen Interpretationsspielraum zu und kann das Aussageverhalten 

des Beschuldigten nicht als unglaubhaft bezeichnet werden (Urk. 111 S. 10). Es 

handelt sich bei seinen Ausführungen im Wesentlichen um pauschale Be-

streitungen (vgl. Urk. 2/1 F/A 101 ff., 2/2 F/A 22 ff., 2/3 F/A 9 ff.). Es ist daher 

- 25 - 

nachfolgend zu prüfen, ob die belastenden Aussagen der Privatklägerin zur 

Erstellung des Anklagesachverhalts genügen. 

 

8. Die Anklagevorwürfe im Einzelnen 

8.1. Vorfall 1 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe sich an einem nicht 

näher bekannten Datum im erwähnten Zeitraum im Wohnzimmer der elterlichen 

Wohnung links von der Privatklägerin auf das Sofa gesetzt. Er habe seinen rech-

ten Arm auf die Sofalehne hinter der Privatklägerin gelegt, wobei seine rechte 

Hand auf ihrer rechten Schulter gelegen sei. Seine linke Hand habe er auf das 

Knie der Privatklägerin gelegt und sie in der Folge mehrfach auf die Wange und 

den Hals geküsst (Urk. 17 S. 2). 

Die Privatklägerin beschrieb den Vorfall wie folgt: "Ich war auf dem Sofa, auf 

meinem Tablet am Spielen, Roblox. Danach setzte er sich neben mich für ein 

paar Minuten, nicht so lange. Und ich war am Spielen und auf einmal macht er so 

etwas (zeigt vor, wie er den Arm um sie gelegt habe). Und dann legte er seine 

Hand auf mein Bein. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass er etwas machen woll-

te. Ich war am Spielen und das hat mich genervt, was er gemacht hat, weil ich am 

Spielen war. Und auf einmal küsste er mich an meinem Hals (Urk. 3/5 F/A 81). 

Nachher habe ich ein Angstgefühl bekommen und es hat mich genervt. Danach 

habe ich ihn geschupft" (Urk. 3/8 F/A 49). Sein Handgelenk sei auf ihrer Schulter 

gewesen (Urk. 3/8 F/A 50). Er habe ihr ein bis zwei Küsse gegeben (Urk. 3/8 F/A 

52). Es sei ein normaler Kuss gewesen (Urk. 3/8 F/A 52). Es sei im Salon (Wohn-

zimmer) auf dem Sofa gewesen. Ihr Bruder sei dabei gewesen, aber er habe es 

nicht gesehen. Er sei vorne gesessen und habe fern gesehen oder mit der Pla-

ystation gespielt und habe Kopfhörer angehabt. Er habe mit seinen Freunden ge-

spielt. Deswegen habe er das nicht bemerkt und nicht gesehen (Urk. 3/8 F/A 40 

ff.). Sie habe ihn geschubst "und er hat seine Hände weggemacht und ich bin 

ganz schnell…" Aber sie habe nicht das Gefühl gehabt, dass er etwas mit ihr ha-

- 26 - 

be machen wollen, sondern sie habe nur ein Angstgefühl bekommen. Sonst habe 

sie nicht gedacht, dass er etwas von ihr wolle (Urk. 3/8 F/A 48). 

Die Schilderung der Privatklägerin erscheint realitätsnah, lebendig, mit Emotionen 

verknüpft und damit glaubhaft. Anhand ihrer Aussagen lässt sich der Ablauf ohne 

Weiteres nachvollziehen. Sie schilderte, wie und wo der Vorfall stattfand, insbe-

sondere wie sich der Beschuldigte ihr näherte, dass sie in diesem Zeitpunkt mit 

dem Tablet am Spielen war und dass es sie zunächst nur "nervte", dass er sie 

beim Spielen störte. Offenkundig ging sie trotz der Hand auf ihrem Knie nicht da-

von aus, dass es sich um eine sexuelle Annäherung handelte. Die Wiedergabe 

der Gefühle und die Steigerung der Annäherung sind deutliche Realitätskriterien, 

welche bei einer erfundenen Aussage der damals zwölf- bzw. dreizehnjährigen 

Privatklägerin nicht zu erwarten wären. Vielmehr schilderte sie nachvollziehbar, 

dass sie sich zunächst nichts dabei dachte, der Beschuldigte ihr immer näher kam 

und es schliesslich zum Übergriff kam. Dabei erhellt aus ihren Aussagen auch, 

dass der ebenfalls anwesende Bruder vom Übergriff nichts bemerkte, weil dieser 

durch den Fernseher bzw. die Playstation abgelenkt war.  

Der Einwand der Verteidigung, dass es sich bei diesem Kuss lediglich um einen 

überinterpretierten Begrüssungskuss gehandelt habe (Urk. 147 Rz. 35), ist nicht 

stichhaltig. Der Beschuldigte küsste die Privatklägerin bei seinen Besuchen 

regelmässig zur Begrüssung, ohne dass diese Begrüssungsküsse je Anlass zur 

Beanstandung gegeben hätten. In diesem Zusammenhang ist erneut darauf hin-

zuweisen, dass sich die Privatklägerin erst im Laufe des Vorfalls gewahr wurde, 

dass es sich eben nicht mehr um einen gewöhnlichen Kuss handelte, bei dem sie 

sich nicht weiter gedacht hätte (Urk. 3/5 F/A 81). 

Zusammenfassend ist der erste Vorfall im Sinne der Anklageschrift erstellt. Die 

Privatklägerin berichtete lediglich von "ein bis zwei Küssen", weshalb zu Gunsten 

des Beschuldigten und entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 111 S. 12) von 

lediglich einem Kuss auf den Hals auszugehen ist.  

- 27 - 

8.2. Vorfall 2 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe an einem nicht näher 

bekannten Datum im erwähnten Zeitraum das Schlafzimmer der Eltern der Privat-

klägerin betreten, wo die Privatklägerin bäuchlings auf dem Bett gelegen sei, und 

habe ihr mit der Hand auf das Gesäss geschlagen und ihre Pobacken gedrückt 

(Urk. 17 S. 3). 

Die Privatklägerin schilderte diesen Vorfall, nachdem sie aufgefordert worden war, 

eine Situation zu erzählen, die ihr am leichtesten falle. Sie erklärte, alle seien für 

sie schwierig. Eine dieser Situationen sei in ihrem Zimmer, in der Küche und im 

Salon (Wohnzimmer) gewesen. "Und auch einmal im Schlafzimmer von meinen 

Eltern." Angesprochen auf den letzten Vorfall erklärte sie, sie sei auf dem Bett am 

Spielen gewesen. Sie wisse nicht mehr, was, aber es sei ein Spiel auf dem Tablet 

gewesen. Sie sei auf dem Bauch gelegen. Sie sei "so" gelegen, wobei sie vor-

zeigte, wie sie quer im Bett gelegen sei. Sie sei "gegen die Mitte, aber nicht ganz 

in der Mitte" gelegen. Sie habe Kopfhörer gehabt, weil sie, so glaube sie, ein Spiel 

gespielt habe, in dem man sich habe hören können. "Und ich habe nicht gemerkt, 

dass er reingekommen ist." Er sei mit ihrer kleinen Schwester am Spielen gewe-

sen mit dem Ball. Irgendwie nach 10-15 Minuten sei er zu ihr gekommen, glaube 

sie, und habe das Spiel angeschaut, das sie gespielt habe. "Und auf einmal 

schlägt er mich auf meinen Po." Er habe nicht unbedingt geschlagen, mehr be-

rührt. Sie wisse es nicht mehr genau. Sie wolle es nicht in die Luft vorzeigen. Die 

Berührung habe schnell gedauert, weil ihre Mutter nachher in den Salon gekom-

men sei, er habe Angst bekommen und sei zurückgegangen. Ihre Mutter habe ge-

rufen und er sei schnell…, er habe seine Hand weggenommen und sei schnell 

raus aus dem Schlafzimmer. Und sie sei aus dem Spiel raus und habe sich ge-

dreht, so in der Mitte, und habe sich hingesetzt und habe Angst gehabt. Er habe 

sie auf dem rechten Po berührt. Dabei habe er sie "so" berührt und zeigte, wie sie 

die Hand öffnete und schloss. Er habe dies über der Kleidung gemacht. Sie wisse 

nicht, wie fest er das gemacht habe (Urk. 3/8 F/A 76 ff.). 

Auch hier erscheint die Schilderung der Privatklägerin sehr plastisch und reali-

tätsnah. Insbesondere konnte sie genau beschreiben, wie sie im Bett lag, was sie 

- 28 - 

dort spielte und wie sie davon ausging, dass der Beschuldigte mit ihrer kleinen 

Schwester spielte. Offenkundig erschrak sie, als ihr der Beschuldigte an den Po 

fasste bzw. griff. Auch ihre eigene Reaktion auf das Geschehene und die geschil-

derte Angst ist nachvollziehbar. Übertreibungen und Lügensignale sind nicht er-

kennbar. Ihre Aussagen sind von eigenen Gefühlsbeschreibungen, Details und 

Nebensächlichkeiten durchsetzt. Diese Realitätskriterien lassen die Aussage der 

im Befragungszeitpunkt dreizehnjährigen Privatklägerin sehr glaubhaft erschei-

nen. Angesichts der Vielzahl an Vorfällen vermag daran entgegen der Ansicht der 

Verteidigung nichts zu ändern, dass die Privatklägerin diesen Vorfall anlässlich 

der ersten Einvernahme noch nicht erwähnte (vgl. Urk. 147 F/A 43).  

Zusammenfassend ist dieser Sachverhalt gestützt auf die glaubhaften Schilde-

rungen der Privatklägerin erstellt. Mit der Vorinstanz ist jedoch nicht von einem 

eigentlichen Schlag auf den Po der Privatklägerin auszugehen, sondern vielmehr 

von einer unvermittelten Berührung über den Kleidern und ein Zudrücken der 

Hand des Beschuldigten. 

8.3. Vorfall 3 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er sei sich an einem nicht 

näher bekannten Datum im erwähnten Zeitraum zur Privatklägerin ans Bett ge-

treten und habe versucht, sie über der Kleidung an ihrer Vagina zu berühren. Die 

Privatklägerin habe versucht, den Beschuldigten mit ihren Beinen zu treten, 

weshalb er von ihr abgelassen habe (Urk. 17 S. 3). 

Die Privatklägerin schilderte zu diesem Vorfall, sie sei auf ihrem Bett am Schlafen 

gewesen. Sie sei am Liegen gewesen, ihre Hand sei unter ihrem Kopf gewesen. 

Ein Fuss sei hochgezogen gewesen. Die Decke sei so halb auf ihren Beinen 

gewesen, aber nicht ganz zugedeckt. "Nachher ist er gekommen. Und nachher 

wollte er meine Scheide anfassen, aber zum Glück war ich wach und habe ge-

sehen, dass er reinkommt. Aber ich war so müde, dass ich ihn nicht gefragt habe, 

weshalb er reinkommt. Er habe seine Hand an ihre Scheide bringen wollen, "aber 

ich habe ihn so gegeben", wobei sie zeigte, wie sie mit dem Fuss nach oben 

ausgeschlagen habe. Aber er habe eine Reaktion gezeigt. Er habe sie berühren 

- 29 - 

wollen, aber sie habe das nicht zugelassen. "Also er kam nicht dazu, mich 

anzufassen, weil ich ihm den Kick gegeben habe." Sie habe eine kurze Hose und 

ein T-Shirt getragen. Sie wisse es nicht ganz genau, dass er sie an der Scheide 

habe anfassen wollen, "aber es kam mir so vor, dass er mich dort anfassen 

wollte." "Er wollte seine Hand nach vorne bringen. So habe ich gedacht, dass er 

dort anfassen möchte." "Vorne" sei die Richtung ihrer "unteren Körperhälfte". Sie 

wisse nicht genau, wie weit er davon entfernt gewesen sei, aber er habe sie nicht 

anfassen können. Dann sei er einfach normal rausgegangen. "Ich weiss nicht 

warum aber er ist normal rausgegangen." (Urk. 3/5 F/A 141). Am 5. Januar 2021 

schilderte sie diesen Vorfall erneut und gleichbleibend (vgl. Urk. 3/8 F/A 139 ff.). 

Auch diese Schilderung ist grundsätzlich detailliert und der Schrecken der Privat-

klägerin, als der Beschuldigte ihr Zimmer betrat, nachvollziehbar, da der Be-

schuldigte keinen Grund hatte, ihr Zimmer zu betreten. Ferner kommt aus ihrer 

Schilderung deutlich zum Ausdruck, dass sie erstaunt war, dass ihr versuchter 

Fusstritt den Beschuldigten dazu bewogen habe, "normal" bzw. ohne Weiteres 

das Zimmer zu verlassen. Dies ist als Realitätskriterium zu werten. Ihre Aussagen 

erscheinen glaubhaft und realitätsnah. Aufgrund der glaubhaften Aussagen der 

Privatklägerin ist erstellt, dass der Beschuldigte seine Hand in die Richtung der 

unteren Körperhälfte der Privatklägerin bewegte, als sie auf dem Bett lag.  

Vor dem Hintergrund früherer Vorfälle und der Tatsache, dass der Beschuldigte 

im Zimmer der Privatklägerin nichts verloren hatte, erscheint die Sorge der Privat-

klägerin nachvollziehbar, der Beschuldigte würde versuchen, sie an ihrer Vagina 

zu berühren. Über die Entfernung zwischen den beiden Beteiligten im ent-

scheidenden Zeitpunkt bestehen jedoch keine näheren Angaben. Dahingehend ist 

der Einwand der Verteidigung, dass es sich um eine Spekulation über die 

Absichten des Beschuldigten handle, nicht gänzlich von der Hand zu weisen 

(Urk. 147 Rz. 48). Da weitere Indizien fehlen, bleiben Zweifel bestehen, ob der 

Beschuldigte bei diesem Vorfall tatsächlich versucht hat, die Privatklägerin an der 

Vagina zu berühren. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte betreffend Vorfall 3 gestützt auf den 

Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen. 

- 30 - 

8.4. Vorfall 4 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten weiter vor, er habe sich an einem 

nicht näher bekannten Datum im erwähnten Zeitraum der Privatklägerin in der 

Küche genähert. Er habe sie an ihrem Gesäss und an ihren Brüsten angefasst 

und, als sie sich gewehrt habe, sie an die Wand geschubst und an ihrer Hand 

festgehalten. Die Privatklägerin habe daraufhin den Beschuldigten geschubst, mit 

ihren Fingernägeln am Unterarm gekratzt und ihm einen Tritt ans Bein versetzt, 

woraufhin der Beschuldigte von ihr abgelassen habe (Urk. 17 S. 3). 

Die Privatklägerin bezeichnete diesen Vorfall anlässlich ihrer Einvernahme vom 

13. Oktober 2020 als "sehr schlimm". Ihre Eltern seien während dem Vorfall nicht 

anwesend gewesen und sie habe in der Küche gekocht, als der Beschuldigte ver-

sucht habe, ihr an den Po zu fassen und sie an die Wand geschubst habe. Sie 

habe ihm einen Kick ans Bein gegeben, so dass dieses blau angelaufen sei. Als 

sie versucht habe wegzugehen, habe der Beschuldigte sie an der Hand zurück-

gehalten, woraufhin sie ihn am Unterarm gekratzt habe. Da sie lange Nägel ge-

habt habe, sei die Haut des Beschuldigten zerkratzt worden (Urk. 3/5 F/A 129-

133). Anlässlich der Einvernahme vom 5. Januar 2021 schilderte die Privatkläge-

rin gleichbleibend, wie sie in der Küche gekocht habe und der Beschuldigte sich 

komisch verhalten habe und immer näher gekommen sei, als die Mutter kurz 

weggegangen sei. Sie wisse es nicht mehr genau, aber sie glaube, der Beschul-

digte habe ihr an den Po gefasst, woraufhin sie ihn an der Hand gekratzt habe. Im 

Nachgang des Vorfalls habe die Mutter der Privatklägerin den Beschuldigten auf 

die Kratzer angesprochen, der Beschuldigte habe aber vorgegeben, dass diese 

von ihrer Schwester oder einer Katze stammen würden (Urk. 3/8 F/A 236-240).  

Die Umstände betreffend diesen Vorfall in der Küche sind von der Privatklägerin 

allesamt sehr detailliert und plausibel dargestellt. Es scheint originell, dass der 

Beschuldigte die Privatklägerin gegen die Wand schubste, als sie sich wehrte, 

und sie ihm gegen das Bein trat und ihn am Unterarm kratzte, als er nicht von ihr 

abliess. Diese Realitätskriterien lassen die Schilderung sehr glaubhaft erscheinen. 

Dass die Privatklägerin den Arm des Beschuldigten kratzte, wird gestützt durch 

die Aussage der Mutter der Privatklägerin, welche anlässlich ihrer staatsanwalt-

- 31 - 

schaftlichen Einvernahme angab, im Nachgang des Vorfalls Kratzer vom Ellenbo-

gen bis zum Handgelenk des Beschuldigten gesehen zu haben (Urk. 4/3 F/A 93). 

Entgegen dem Vorbringen der Verteidigung behauptete die Privatklägerin nicht, 

dass sie alleine zu Hause gewesen sei (vgl. Urk. 147 Rz. 55), sondern lediglich, 

dass ihre Eltern während des Vorfalls nicht anwesend gewesen seien. Zugunsten 

des Beschuldigten ist aber zu berücksichtigen, dass die Privatklägerin anlässlich 

der ersten Einvernahme die Aussage, der Beschuldigte habe sie an das Gesäss 

gefasst, erst auf Suggestivfrage der Einvernehmenden traf, nachdem sie zuvor 

noch von einem Versuch sprach (vgl. Urk. 3/5 F/A 132-133). Anlässlich der zwei-

ten Einvernahme erklärte die Privatklägerin dann, sich diesbezüglich nicht mehr 

sicher zu sein (Urk. 3/8 F/A 239). Entgegen dem Anklagesachverhalt und zuguns-

ten des Beschuldigten ist deshalb davon auszugehen, dass er versuchte, die Pri-

vatklägerin am Gesäss anzufassen, ihm dies aber nicht gelang. 

Weiter wendete die Verteidigung ein, die Vorinstanz habe diverse Aussagen 

betreffend verschiedene Vorfälle zu einem eigenen Sachverhalt vermischt 

(Urk. 147 Rz. 54). Der Einwand ist berechtigt: Wie die Vorinstanz in Ziff. III 3.4.h 

hervorhob, wurden mehrere Vorfälle geschildert, die in der Küche stattgefunden 

hätten. Der Vorfall, anlässlich welchem die Privatklägerin den Beschuldigten in 

der Küche gekratzt und getreten habe, schilderte sie namentlich anlässlich der 

Einvernahme vom 13. Oktober 2020 (Urk. 3/5, F/A 129-133) und anlässlich der 

Einvernahme vom 5. Januar 2021 (Urk. 3/8 F/A 235-240). Wie die Vorinstanz 

richtig festhielt, äusserte sich die Privatklägerin am 13. Oktober 2020 noch zu 

einem anderen Vorfall, welcher ebenfalls in der Küche stattfand, und anlässlich 

welchem der Beschuldigte die Brüste der Privatklägerin angefasst habe (Urk. 3/5 

F/A 114-127). In Widerspruch dazu fasste die Vorinstanz diese zwei Vorfälle in 

ihren nachfolgenden Erwägungen aber wieder zusammen und erachtete den 

Sachverhalt auch betreffend das Anfassen der Brüste als erstellt. Mit der 

Verteidigung ist festzuhalten, dass die Privatklägerin in Bezug auf den Vorfall, 

anlässlich dem sie den Beschuldigten kratzte und trat, ein Anfassen der Brüste 

(bzw. einen Versuch diesbezüglich) nie erwähnte (vgl. Urk. 3/5 F/A 129-133; 

Urk. 3/8 F/A 235-240).  

- 32 - 

Zusammenfassend ist gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin 

erstellt, dass der Beschuldigte versuchte, die Privatklägerin an ihrem Gesäss 

anzufassen und diese, als sie sich wehrte, an die Wand schubste und an ihrer 

Hand festhielt, woraufhin die Privatklägerin den Beschuldigten schubste, mit ihren 

Fingernägeln am Unterarm kratzte und ihm einen Tritt ans Bein gab, woraufhin 

der Beschuldigte von ihr abliess. Auf den weiteren Vorfall in der Küche ist bei 

Vorfall 8 näher einzugehen. 

8.5. Vorfall 5 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe an einem nicht näher 

bekannten Datum im erwähnten Zeitraum der auf dem Sessel im Wohnzimmer 

sitzenden Privatklägerin die Hand unter das T-Shirt geschoben, ihre nackten 

Brüste angefasst und diese gedrückt (Urk. 17 S. 3). 

Die Privatklägerin führte zu diesem Vorfall aus, sie sei im "Salon" bzw. 

Wohnzimmer am Playstation spielen gewesen. Sie sei ganz normal auf dem Stuhl 

gesessen. Es sei sonst niemand im Raum gewesen. Ihre Mutter sei am Kochen 

gewesen. "Und er war, soweit ich weiss, am Schlafen gewesen, einen Mittags-

schlaf." Er habe im Zimmer ihres Bruders geschlafen. Sie habe gemerkt, dass er 

aufgewacht sei, weil er auf die Toilette gegangen sei. Aber sie habe nicht 

gemerkt, dass er in den Salon gekommen sei und sich auf das Sofa gesetzt habe 

und am Handy gewesen sei, weil Sie Kopfhörer getragen habe. Es sei aber nicht 

so laut [eingestellt] gewesen, dass sie ihn nicht gehört habe. Sie habe nicht 

bemerkt, dass er ins Wohnzimmer gekommen sei. Aber nachher habe sie das 

gemerkt, weil er etwas laut auf seinem Handy habe laufen lassen. Sie habe 

lockere Kleider angehabt. Das seien solche riesigen T-Shirts gewesen es habe 

einen breiten Schnitt gehabt und sei riesig gewesen. Es sei so wie ein Kleid 

gewesen, aber sie habe es nicht so angehabt. Auf einmal sei er gekommen und 

seine Hand sei darin gewesen. Sie habe nichts angehabt, also oben, unten 

schon, habe sie Leggins gehabt, aber oben nur das T-Shirt. Er sei hinter ihr auf 

dem Sofa gesessen. Sie habe nicht gemerkt… er sei irgendwie zu ihr gekommen, 

sie wisse es nicht genau, wirklich. Er habe seine Hand in ihr "Kleid" bzw. diese Art 

T-Shirt reingetan. Sie wisse nicht, welche Hand es gewesen sei. Er habe sie "auf 

- 33 - 

dieser Seite" berührt, wobei sie auf ihre rechte Seite zeigte. Es sei "so eine 

Berührung" gewesen, wobei sie zeigte, wie sich die Hand öffnet und schliess. Es 

sei nicht so schnell gewesen. Sie habe ihn angeschrien und gesagt "geh weg". 

Sie habe es aber nicht so laut gesagt, dass ihre Mutter es gehört hätte. Diese sei 

am Telefonieren gewesen. Er habe, glaube sie, Angst bekommen. "Weil es war 

halblaut, ja, das kann man so sagen." Ihre Mutter habe es gehört, aber sie sei am 

Telefon gewesen. "Und dann bin ich schnell in mein Zimmer und habe die Türe 

geschlossen." Danach habe die Mutter "Tschüss" gesagt am Handy. Es habe so 

5 Minuten gedauert, weil… sie wisse es nicht mehr so genau. Aber sie wisse 

noch, dass sie am Weinen gewesen sei. Sie sei ins Zimmer gekommen. Sie (die 

Privatklägerin) habe nicht gewusst, was sie sagen sollte. Sie habe Angst gehabt. 

Sie habe gesagt, sie hätte im Spiel verloren. Aber sie (die Mutter) habe gemerkt, 

dass es nicht das Spiel gewesen sei. Weil sie nichts schlimmes gesagt habe, "ich 

habe nur eine Beleidigung gesagt." Er habe Angst bekommen, weil… sie wisse es 

nicht. Aber er habe seine Hand weggenommen und sie habe das "Playstation 

Dings" auf den Boden geschossen und sei in ihr Zimmer [gegangen] (Urk. 3/8 F/A 

112 ff.). 

Die Privatklägerin beschrieb auch hier den Vorfall plastisch und detailliert. Sie 

führte nachvollziehbar aus, dass sie am Spielen mit der Playstation gewesen sei, 

der Beschuldigte ihr zunächst aufgefallen sei, weil er zur Toilette gemusst habe 

und schliesslich auf dem Sofa gesessen sei, wo er das Mobiltelefon kurz laut 

habe laufen lassen. Aus dem Vorfall 1 ist bekannt, dass sich das Sofa hinter dem 

Benutzer der Playstation befindet (vgl. oben). Die Privatklägerin sass demnach 

vor dem Beschuldigten. Sie beschrieb glaubhaft und detailliert, wie sich der Be-

schuldigte ihr von hinten näherte und die Hand in ihr zu grosses T-Shirt steckte 

und sie vorne an der rechten Seite berührte. In der Folge schrie sie ihn an bzw. 

sagte ihm "halblaut", er solle weggehen und der Beschuldigte darauf hin Angst 

bekommen habe. Dies sowie das spätere Verhalten der Privatklägerin, wonach 

sie geweint habe, jedoch der Mutter nicht mitgeteilt habe, was vorgefallen war, 

bilden deutliche Realitätskriterien, welche für den Wahrheitsgehalt der 

Schilderung sprechen. Insbesondere schilderte sie abermals glaubhaft, wie es 

trotz der Anwesenheit der Mutter zu einem weiteren Übergriff des Beschuldigten 

- 34 - 

kommen konnte, ohne dass die Mutter in der kleinen Wohnung etwas davon 

bemerkte. Einerseits war die Mutter am Telefon und andererseits fürchtete oder 

schämte sich die Privatklägerin offensichtlich, ihrer Mutter davon zu berichten. 

Entgegen dem Einwand der Verteidigung vermag an der Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen nichts zu ändern, dass die Privatklägerin anlässlich der ersten 

Einvernahme angab, die Berührungen an den Brüsten hätten (jeweils) über den 

Kleidern stattgefunden (vgl. Urk. 3/5 F/A 216). Es ist kaum zu erwarten, dass die 

damals dreizehnjährige Privatklägerin bei der in Frage stehenden Vielzahl von 

Taten mit ähnlicher Vorgehensweise bei einer allgemein formulierten Frage sofort 

sämtliche Taten und deren genauere Umstände in Erinnerung zu rufen vermag. 

Den konkreten Vorfall 5 konnte sie anlässlich der zweiten Einvernahme jedenfalls 

überzeugend schildern. 

Gestützt auf die erneut sehr glaubhaften Aussagen der Privatklägerin ist auch 

dieser Sachverhalt erstellt. 

8.6. Vorfall 6 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe sich mit der Privat-

klägerin an einem nicht näher bekannten Datum im erwähnten Zeitraum zur Mig-

ros in J._____ begeben, wobei er auf dem Weg zur Migros die Privatklägerin mit 

seinen Händen am Gesäss angefasst habe (Urk. 17 S. 3). 

Die Privatklägerin schilderte, dazu auf die Frage, ob sie vom letzten Mal erzählen 

wolle, dass das letzte Mal "das vom Einkaufen" gewesen sei. Er habe ihren Po 

anfassen wollen. Sie habe das nicht zugelassen und habe gesagt, dass sie das 

dieses Mal sagen werde und er habe gesagt, dass er das der ganzen Familie 

erzählen würde, dass sie ein schlechtes Mädchen sei und niemand würde ihr 

glauben, weil sie ein kleines Mädchen sei. Er habe sie an den Po fassen wollen, 

sie habe das aber nicht zugelassen. "Dort, wo wir einkaufen gehen, gibt es einen 

Weg. Und auf diesem Weg ist es passiert." Sie seien in die Migros in ihrem Dorf 

einkaufen gegangen. Er habe sie mit seiner Hand angefasst. Sie wisse nicht, mit 

welcher. Sie habe eine schwarze Leggins angehabt, keinen Trainer. Kein T-Shirt, 

- 35 - 

aber sie wisse nicht mehr welche Farbe und ein schwarzes Sweatshirt (Urk. 3/5 

F/A 99 ff.).  

Auch diese Schilderungen der Privatklägerin sind sehr detailliert und lebensnah. 

Sie schilderte glaubhaft, wie es wegen der Annäherung des Beschuldigten zu 

einem Wortgefecht gekommen sei und er ihr angekündigt habe, man würde 

seinen Worten glauben, dass sie nicht ein gutes Mädchen sei (ebenso in Urk. 3/8 

F/A 156 f.). Ihre Ausführungen sind originell und doch lebensnah, was als 

Realitätskriterium zu würdigen ist und die glaubhaft geschilderte Reaktion des 

Beschuldigten erweist sich als klares Indiz dafür, dass es zu einem sexuellen 

Übergriff kam.  

Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz der Vorfall 6 gestützt auf die glaubhaf-

ten, detaillierten und realitätsnahen Schilderungen erstellt mit der Präzisierung, 

dass zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen ist, dass es ihm nicht ge-

lang, die Privatklägerin an ihrem Gesäss anzufassen. 

8.7. Vorfall 7 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe an einem nicht näher 

bekannten Datum im erwähnten Zeitraum anlässlich eines Spaziergangs der 

Privatklägerin mit seinen Händen am Gesäss angefasst (Urk. 17 S. 3). 

Die Privatklägerin schilderte, sie sei mit ihrer Schwester spazieren gegangen und 

der Beschuldigte habe mitkommen wollen. Sie (die Privatklägerin) habe das aber 

nicht gewollt. Sie habe die Mutter gefragt, weshalb der Beschuldigte mitkommen 

möchte. Die Mutter habe gesagt, er möchte mit ihnen spazieren gehen. Sie (die 

Privatklägerin) habe der Mutter aber nicht sagen können, dass sie es nicht wolle, 

weil die Mutter nichts davon gewusst habe. Sie (die Privatklägerin) habe ihrer 

Mutter gesagt, dass sie vorgehen würden. Der Beschuldigte habe diese Strecke 

gekannt. Es sei ein Spazierweg, den die Familie kenne und er habe diesen Weg 

auch gekannt, er sei auch schon mit ihren Eltern auf diesem Weg gelaufen. So sei 

sie mit ihrer Schwester vorgegangen und er wäre dann nachher nachgekommen. 

Auf dem Weg habe ihre Schwester angefangen zu weinen. Sie (die Schwester) 

- 36 - 

habe ihn sehr lieb und so habe sie (die Privatklägerin) gedacht, was sie jetzt tun 

solle. Sie habe ihre Schwester nicht alleine lassen können. So sei sie stehen 

geblieben und als er gekommen sei, sei sie so quasi auf der Seite gestanden, ihre 

Schwester in der Mitte und er auf der anderen Seite. Und danach sei sie weiter 

nach vorne gelaufen. Da habe er sie wieder am Po anfassen wollen, aber sie 

habe es ihm nicht erlaubt. Es sei ihr etwas aus der Tasche gefallen. "Ich glaube, 

es war ein Münze." Sie sei ja weiter vorne gewesen und habe sich gebückt, um 

etwas aufzuheben. "So wollte er mich halt anfassen." Als sie dann aufgestanden 

sei, sei sie schneller nach vorne gelaufen (Urk. 3/5 F/A 110 ff.; Urk. 3/8 F/A 164 

ff.). 

Auch diese Schilderungen der Privatklägerin sind sehr detailliert und lebensnah. 

Sie schilderte glaubhaft, wie sie zunächst nicht wollte, dass der Beschuldigte sie 

begleite und deswegen auch bei der Mutter erkundigte. Plausibel scheint es 

weiter, dass sie mit der Schwester vorauslief und sie auf den Beschuldigten 

warten musste, weil die Schwester weinte. Und weiter erscheint es 

nachvollziehbar, dass die Privatklägerin die Schwester zunächst zwischen sich 

und dem Beschuldigten laufen liess, um keine weiteren Übergriffe befürchten zu 

müssen. Offenkundig rechnete sie mit einem weiteren Übergriff. Ihre Schilderung, 

dass sie sich wegen einer aus der Tasche herausgefallenen Münze habe bücken 

müssen und der Beschuldigte dabei versucht habe, ihr an das Gesäss zu fassen, 

erscheint detailliert und originell. Es sind auch keine Übertreibungen erkennbar, 

zumal sie nicht geltend macht, es sei dem Beschuldigten gelungen, ihr an das 

Gesäss zu fassen. Demgegenüber bleibt aufgrund der relativ vagen Aussagen in 

Bezug auf das Kerngeschehen aber offen, inwiefern der Beschuldigte sich konkret 

anschickte, die Privatklägerin an das Gesäss zu fassen. Mit der Verteidigung ist in 

Bezug auf diesen Vorfall ebenfalls auf Ungereimtheiten im Geschehensablauf, 

beispielsweise in Bezug auf die heruntergefallene Münze und das Sitzen auf der 

Bank hinzuweisen (vgl. Urk. 147 Rz. 73, 75). Da auch die Privatklägerin im 

Ergebnis nicht mehr schildern kann, als dass sie das Gefühl beschlichen habe, 

der Beschuldigte wolle ihr an das Gesäss fassen, bestehen unüberwindliche 

Zweifel an der Verwirklichung des Anklagesachverhalts.  

- 37 - 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte in Bezug auf den Vorfall 7 in dubio pro 

reo freizusprechen. 

 

 

 

8.8. Vorfälle 8 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten unter diesem Titel drei weitere 

Vorfälle vor, welche sich an einem nicht näher bekannten Datum im erwähnten 

Zeitraum ereignet hätten. Der Beschuldigte habe der Privatklägerin jeweils unter 

ihrer Kleidung an ihre nackten Brüste gefasst. Dies sei einmal in der Küche, 

einmal im Wohnzimmer und einmal in ihrem Zimmer geschehen (vgl. Urk. 17 S. 

3). 

Die Vorinstanz erachtete es als nicht erstellt, dass sich mehr als ein Vorfall in der 

Küche ereignete (Urk. 111 S. 17). Dem ist zu widersprechen. Wie beim Vorfall 4 

dargelegt, beschrieb die Privatklägerin einen zweiten Vorfall in der Küche. Die 

Privatklägerin bezeichnete diesen Vorfall als "den Schlimmsten" (Urk. 3/5 

F/A 115 ff.). Es sei an einem Samstag oder Sonntag in der Küche gewesen. Ihre 

Eltern seien, glaube sie, in der Kirche gewesen. Es seien alle in der Kirche 

gewesen "und nachher sind wir nachhause zurück." Ihre Eltern hätten auf einen 

Spaziergang gehen wollen. Sie habe auch mitgehen wollen, aber habe irgendwie 

nicht gemerkt, dass die Eltern bereits gegangen seien, weil sie im Zimmer habe 

Hausaufgaben machen müssen. Und nachher, nach ein paar Minuten, sei sie aus 

dem Zimmer gekommen, habe Wasser getrunken, und habe gesagt: "Mama, 

Papa.." Sie habe gerufen, aber niemand habe etwas gesagt. Ihre kleinen 

Geschwister seien auch mitgegangen, aber sie hätten sie irgendwie vergessen 

oder gedacht, dass sie nicht mitgehen möchte, weil sie habe Hausaufgaben 

machen müssen. "Und er und ich waren alleine zuhause." Sie habe nicht 

bemerkt, dass er auch zuhause sei. Nachher sei sie in ihr Zimmer gegangen, um 

weiter Hausaufgaben zu machen. Später habe sie Hunger gehabt und sei aus 

- 38 - 

dem Zimmer gegangen, um sich eine Frucht zu holen, und da sei er aus dem 

Zimmer rausgekommen und sie habe grosse Angst gehabt. Sie sei zum Fenster 

gerannt, um zu schauen, ob ihre Eltern kommen oder nicht. Die Privatklägerin 

stockte an dieser Stelle und erklärte, sie wolle das nicht erzählen. Auf weitere 

Fragen führte sie aus, er habe sie über den Brüsten angefasst. Sie wisse nicht 

ganz genau, wie lange, "aber bis ich ihn weggeschubst habe." Er habe sie weiter 

geschubst "und wollte mehr machen". Er habe noch mehr gewollt. Er habe noch 

mehr anfassen wollen "und noch mehr." Er habe sie zum Beispiel auf dem Po 

anfassen wollen, auf den Brüsten. Die Privatklägerin schilderte hier gegenüber 

dem Vorfall 4 andere Umstände, unter denen sie sich in der Küche befand, bzw. 

wo sich die Mutter befand, wie der Beschuldigte vorging und wo er sie anfasste. 

Entgegen der Vorinstanz handelt es sich hier um einen anderen Vorfall. Das 

Vorgehen beim Vorfall 8 in der Küche wurde anders als der Vorfall 4 geschildert, 

ist aber selbst in sich stimmig und glaubhaft. Es ist insbesondere keine Rede 

davon, dass die Privatklägerin den Beschuldigten mit dem Fuss trat und ihn am 

Unterarm kratzte.  

Mit der Vorinstanz lässt sich jedoch demgegenüber nicht klar erstellen, dass ein 

weiterer Vorfall im Wohnzimmer stattgefunden hat, der nicht schon vom Vorfall 5 

im Wohnzimmer erfasst wurde. Die Anklage ist diesbezüglich nicht präzise genug. 

Dasselbe gilt für den Vorwurf eines weiteren Übergriffs im Schlafzimmer der Pri-

vatklägerin. 

Zusammenfassend ist betreffend die Vorfälle 8 gestützt auf die glaubhaften Aus-

sagen der Privatklägerin erstellt, dass ein weiterer Übergriff in der Küche statt-

fand, bei welchem der Beschuldigte der Privatklägerin über der Kleidung an die 

Brüste fasste. Nicht erstellt ist demgegenüber, dass weitere Übergriffe im Wohn-

zimmer und im Schlafzimmer stattfanden. Einerseits wurden dazu keine näheren 

Angaben gemacht und andererseits ist es wahrscheinlich, dass die Privatklägerin 

frühere, bereits hier beurteilte Übergriffe meinte. 

- 39 - 

8.9. Vorfall 9 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe der Privatklägerin an 

einem nicht näher bekannten Datum im erwähnten Zeitraum mindestens einmal 

unter ihrer Kleidung an ihre Vagina gefasst und habe versucht, mit seinen Fingern 

in ihre Vagina einzudringen (Urk. 17 S. 3). 

Die Privatklägerin wurde im Rahmen der Einvernahme auf die Notiz von C._____ 

angesprochen, wonach der Beschuldigte die Vagina der Privatklägerin angefasst 

habe. Sie wurde gefragt, ob dies stimme, worauf die Privatklägerin dies bejahte. 

Nach dem Raum gefragt erklärte die Privatklägerin: "Sie, ich möchte nicht darüber 

sprechen." Sie möchte nicht sagen, ob das unter oder über den Kleidern passiert 

ist. Aber die befragende Person habe richtig verstanden, dass ihr Onkel (der Be-

schuldigte) ihre Vagina angefasst habe. Auf die Frage, ob dies einmal oder 

mehrmals passiert hat, antwortete die Privatklägerin: "Sie, ich kann nicht mehr." 

und weinte. Sie erklärte, ihre Eltern würden das nicht wissen. Sie möchte es nicht 

sagen, weil sie nicht über diese Situation nachdenken und das alles erzählen 

möchte. Sie habe mit niemandem darüber gesprochen, was sie heute hier sagen 

solle. Auch ihre Eltern hätten sie nicht gefragt. Ihre Eltern hätten gesagt: "Sag ein-

fach alles." (Urk. 3/8 F/A 184 ff.). 

Gestützt auf diese sehr rudimentären Angaben lässt sich kein Handlungsablauf 

erstellen. Es fehlen Ausführungen der Privatklägerin dazu, dass der Beschuldigte 

versucht haben soll, mit seinen Fingern in die Vagina der Privatklägerin einzu-

dringen. Dies lässt sich nicht erstellen.  

Dasselbe gilt für den Vorwurf des Berührens der Scheide der Privatklägerin. Zwar 

sagte die Privatklägerin deutlich, dass dies geschehen sei und kann die genauen 

Umstände wohl aus kulturellen und familiären Gründen nicht schildern zumal die 

Familie offenbar noch keine Kenntnis davon hatte. Dies kann aber dem Be-

schuldigten nicht angelastet werden, zumal die Privatklägerin in den übrigen 

Fällen in der Lage war, diese sehr detailliert und glaubhaft zu berichten.  

- 40 - 

Zusammenfassend erreichen die Aussagen der Privatklägerin zu diesem Punkt 

die Anforderungen an einen Überzeugungsgrad nicht, der für eine strafrechtliche 

Verurteilung notwendig ist. Weitere Beweismittel oder Zeugenaussagen bestehen 

nicht. Der Beschuldigte ist daher gestützt auf den Grundsatz "in dubio pro reo" 

freizusprechen. 

9. Fazit 

Die Aussagen der Privatklägerin sind gesamthaft glaubhaft, detailliert und nach-

vollziehbar. Insbesondere wird auch aus jeder Schilderung deutlich, weshalb trotz 

der engen Platzverhältnisse in der Wohnung die übrigen Familienmitglieder nichts 

mitbekommen haben. Einerseits waren die Übergriffe kurz, andererseits war der 

Bruder der Privatklägerin mit Videospielen bzw. Fernsehen beschäftigt bzw. hatte 

die Mutter der Privatklägerin den Raum kurz verlassen oder war die Familie auf 

einem Spaziergang bzw. war die Privatklägerin mit dem Beschuldigten alleine 

unterwegs. Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich die Vorfälle ausdachte und 

daneben noch jeweils zusätzlich eine Begründung erfand, wieso die übrigen 

Familienmitglieder davon nichts mitbekamen. Die Privatklägerin schilderte diese 

Umstände spontan und ungefragt, was auf real Erlebtes hindeutet. 

Zusammenfassend sind folgende Sachverhalte erstellt: 

− der Beschuldigte gab der Privatklägerin auf dem Sofa einen Kuss auf 

den Hals (Vorfall 1) 

− der Beschuldigte drückte die Pobacken der bäuchlings auf dem Bett 

liegenden Privatklägerin über den Kleidern mit der Hand (Vorfall 2), 

− der Beschuldigte versuchte in der Küche, der Privatklägerin an das 

Gesäss zu fassen und schubste sie, als sie sich wehrte, an die Wand 

und hielt sie an ihrer Hand fest, woraufhin die Privatklägerin den Be-

schuldigten schubste, am Arm kratzte und ihm einen Tritt ans Bein gab, 

woraufhin der Beschuldigte von ihr abliess (Vorfall 4), 

- 41 - 

− der Beschuldigte griff der Privatklägerin im Wohnzimmer unter das  

T-Shirt und drückte ihre nackten Brüste (Vorfall 5) 

− der Beschuldigte versuchte auf dem Weg zur Migros, der Privatklägerin 

an das Gesäss zu fassen (Vorfall 6) 

− der Beschuldigte fasste der Privatklägerin in der Küche über der 

Kleidung an die Brüste (Vorfall 8 in der Küche) 

In Bezug auf die Vorfälle 3, 7, 8 teilweise (Wohnzimmer, Schlafzimmer) und 9 der 

Anklageschrift ist der Beschuldigte freizusprechen. 

IV. Rechtliche Würdigung 

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zur sexuellen Nötigung (Art. 189 

Abs. 1 StGB) und der sexuellen Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB) 

korrekt dargelegt (Urk. 111 S. 20 f.). Präzisierend ist Folgendes festzuhalten: 

Sexuelle Übergriffe auf Kinder unter 16 Jahren fallen sowohl unter den Schutz-

bereich von Art. 187 StGB (Gefährdung der Entwicklung von Minderjährigen: 

Sexuelle Handlungen mit Kindern) als auch unter den Schutzbereich von 

Art. 189 ff. StGB (Angriffe auf die sexuelle Freiheit und Ehre). Art. 187 StGB und 

Art. 189 ff. StGB schützen gemäss Rechtsprechung und herrschender Lehre 

unterschiedliche Rechtsgüter. Zu diesem Schluss führt insbesondere auch die 

Auslegung der Straftatbestände nach der Strafdrohung (BGE 124 IV 154 E. 3a 

S. 157 f. mit Hinweisen). Art. 187 StGB schützt die Entwicklung von 

Minderjährigen und Art. 189 ff. StGB schützen die sexuelle Freiheit. Die 

Verletzung des Rechtsguts der sexuellen Freiheit ist durch die Bestrafung nach 

Art. 187 StGB nicht mitabgegolten (BGE 124 IV 154 E. 3a S. 158 mit Hinweisen). 

Art. 187 StGB schützt als abstraktes Gefährdungsdelikt die seelische Entwicklung 

von Kindern Kinder besitzen sodann gleich wie Erwachsene eine strafrechtlich 

geschützte sexuelle Freiheit (BGE 124 IV 154 E. 3a S. 157 f.). Das Strafrecht 

schützt Minderjährige mit anderen Worten durch Art. 189 ff. StGB wie 

Erwachsene in ihrer sexuellen Integrität und Freiheit, und sieht mit Art. 187 StGB 

- 42 - 

einen zusätzlichen Schutz ihrer Persönlichkeitsentwicklung vor. Dabei handelt es 

sich allerdings nicht um eine Gefahr, sondern um eine Konsequenz daraus, dass 

durch Art. 187 und Art. 189 ff. StGB unterschiedliche Rechtsgüter geschützt 

werden und dass zwischen diesen Straftatbeständen echte Konkurrenz besteht. 

Es handelt sich folglich abhängig von den Umständen des Einzelfalls um 

deliktsinhärentes Unrecht, sofern das Kind urteilsfähig ist und das Verhalten des 

Täters die Intensität einer Nötigung erreicht. Das Strafrecht schützt das Kind 

aufgrund dessen besonderer Schutzbedürftigkeit stärker als ein erwachsenes 

Opfer. Geschützt sind einerseits die sexuelle Freiheit des betroffenen Kindes und 

andererseits auch dessen Persönlichkeitsentwicklung (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2). 

Die Anwendung der Nötigungstatbestände erfordert, dass sich das Opfer bereits 

einen Willen betreffend seine sexuelle Freiheit bilden kann. Es ist unmöglich, in 

denjenigen Fällen, in denen ein Wille betreffend die eigene sexuelle Freiheit 

mangels Einsichtsfähigkeit noch nicht gebildet werden kann, einen solchen (noch 

nicht bestehenden) Willen zu brechen. Der Tatbestand der Schändung (Art. 191 

StGB) ist auf den Fall, in dem ein Kind seinen freien Willen betreffend die 

sexuellen Handlungen noch nicht bilden kann, zugeschnitten (BGE 120 IV 194 E. 

2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung darf eine allein altersbedingte Urteils-

unfähigkeit nur zurückhaltend angenommen werden, zumal sexuelle Handlungen 

das Kind in seiner körperlichen und intimen Sphäre berühren, in welcher es eher 

in anderen Gebieten zum Bewusstsein und zu einer (Abwehr-) Reaktion fähig ist 

(BGE 120 IV 194 E. 2c mit Hinweisen).  

Je älter das Kind ist, desto weniger gross ist die Einflussmöglichkeit des Täters, 

auch eines Täters aus dem Nahbereich mit Erziehungsfunktion, auf seine Willens-

bildung. Das Kind erfährt immer mehr auch aus anderen Quellen, namentlich in 

der Schule, welcher Umgang mit seinem Körper in seinem Alter angebracht wäre. 

Davon ist etwa auszugehen, wenn das Kind in der Pubertät insbesondere in der 

Schule mit Themen und Fragen zur eigenen Sexualität konfrontiert wird. Es sind 

weniger hohe Anforderungen an den zu brechenden Widerstand des Kindes zu 

setzen, je näher der Täter dem Kind steht und desto grösser somit sein Einfluss 

auf die Willensbildung des Kindes ist. Zu berücksichtigen ist eine allfällig gelebte 

- 43 - 

Normalität zwischen dem Täter und dem Kind, die einen Widerstand des Kindes 

länger nicht erwarten lässt und bewirkt, dass an die "tatsituative Zwangssituation" 

keine überhöhten Anforderungen gestellt werden dürfen (BGE 146 IV 153 E. 

3.5.7). 

Die im Tatzeitpunkt zwölf- bzw. dreizehnjährige Privatklägerin hatte einen Willen 

betreffend ihre Intimsphäre und drückte ihn auch aus, indem sie versuchte, sich 

den Übergriffen des Beschuldigten jeweils aktiv zu entziehen. Sie machte bei 

seinen sexuellen Handlungen kein einziges Mal mit und der Beschuldigte konnte 

dies auch nicht erwirken. Daran ändert nicht, dass der Beschuldigte sie psychisch 

unter Druck setzte. Wohl schaffte der Beschuldigte eine Geheimnissituation bzw. 

hielt diese aufrecht, indem er der Privatklägerin mitteilte, wenn sie es ihren Eltern 

erzählen würde, würde ihr niemand glauben weil sie ein kleines Mädchen sei. Und 

er würde in der ganzen Familie erzählen, dass sie ein schlechtes Mädchen wäre 

(Urk. 3/5 F/A 54, F/A 100, Urk. 3/8 F/A 156). Der Beschuldigte stellte damit sicher, 

dass das Kind nicht durch die Eltern erfuhr, dass solche Handlungen keineswegs 

selbstverständlich oder normal sind. Zudem ist das kulturelle und familiäre Umfeld 

zu berücksichtigen, in dem sich die Privatklägerin bewegte. Bei der Sexualität 

(und insbesondere bei sexuellen Übergriffen) handelte es sich um ein Tabuthema, 

über das man nicht sprach (Urk. 4/4 F/A 18). Nebst der Privatklägerin war selbst 

ihre Mutter anlässlich der Einvernahme offensichtlich aus Schamgefühlen nicht 

einmal in der Lage, die Geschlechtsteile zu benennen (Urk. 4/3 F/A 101), und 

auch der Beschuldigte fiel bereits bei wenig intimen Fragen zu seiner Sexualität 

durch ausweichendes Aussageverhalten auf (Urk. 2/1 F/A 36-48). Es lag mithin 

trotz einer Gegenwehr der Privatklägerin letztlich eine tatsituative Ausweglosigkeit 

vor, denn erst durch den Sexualkundeunterricht der Schule erfuhr die 

Privatklägerin, dass die Handlungen des Beschuldigten falsch waren bzw. 

gemeldet werden wollen. Dies war gemäss den glaubhaften Aussagen von 

C._____ der Auslöser, weshalb sich die Privatklägerin bei ihr bzw. bei der Mutter 

anvertraute. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist in solchen Fällen 

ohne Weiteres davon auszugehen, dass die Ausweglosigkeit für das Kind 

andauert (BGE 146 IV 153 E. 3.5.8).  

- 44 - 

Allerdings bewirkte diese Situation kein Nachgeben der Privatklägerin in Bezug 

auf die sexuellen Handlungen. Sie fügte sich dem Willen des Beschuldigten in 

keinem einzigen Fall. Daher ist entgegen der Vorinstanz nicht von vollendeten se-

xuellen Nötigungen, sondern bloss von versuchten sexuellen Nötigungshandlun-

gen auszugehen. Beim Vorfall 2 auf dem Bett kam es nur deshalb zu keiner Ge-

genwehr der Privatklägerin, weil der Beschuldigte bei seinem Tun durch ein Rufen 

der Mutter der Privatklägerin unterbrochen wurde. 

Demgegenüber liegen dort vollendete sexuelle Handlungen mit einem Kind vor, 

wo es dem Beschuldigten gelang, die Privatklägerin anzufassen bzw. zu küssen, 

namentlich bei den Vorfällen 1, 2, 5 und 8 (Küche).  

Demgemäss ist der Beschuldigte der mehrfach versuchten sexuellen Nötigung 

i.S.v. Art. 189 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, sowie der 

mehrfachen, teilweise versuchten sexuellen Handlungen mit einem Kind i.S.v. 

Art. 187 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, schuldig zu 

sprechen.  

V. Strafzumessung 

1. Rechtliches 

Die Vorinstanz hat die anwendbaren gesetzlichen Grundlagen zur Strafzumes-

sung richtig dargelegt (Urk. 111 S. 20 f.). Auf diese zutreffenden Ausführungen 

kann grundsätzlich verwiesen werden.  

2. Strafart 

Das Gesetz bestimmt zwar nicht ausdrücklich, auf welche Art und Weise die Wahl 

der angemessenen Strafart zu erfolgen hat. Es gelten hierfür aber dieselben 

Kriterien, die Art. 63 StGB für die Strafzumessung aufstellt, namentlich das 

Gewicht der Tat und das Verschulden des Täters. Dabei spielen auch 

Gesichtspunkte der Zweckmässigkeit einer bestimmten Form der Sanktion eine 

wichtige Rolle. Die Bestimmung des Strafmasses und die Wahl der Strafart lassen 

sich im Übrigen nicht ohne weiteres trennen, sondern beeinflussen sich 

- 45 - 

gegenseitig. Wichtige Kriterien sind die Zweckmässigkeit einer bestimmten 

Sanktion, ihre Auswirkungen auf die beschuldigte Person, ihr soziales Umfeld 

sowie ihre präventive Effizienz (BGE 134 IV 97 E. 4.2.; BGE 134 IV 82 E. 4.1.). 

Die Taten als solche erfolgten gegen die sexuelle Entwicklung von Minderjährigen 

als auch auf die sexuelle Freiheit und Ehre. Der Beschuldigte verletzte bzw. 

gefährdete damit sehr hohe Rechtsgüter. Angesichts des gleichförmigen Vor-

gehens des Beschuldigten, welcher seine sexuellen Annäherungen über einen 

längeren Zeitraum immer wieder gegen die Privatklägerin richtete, erscheint es 

sachgerecht, für sämtliche Taten eine Freiheitsstrafe auszufällen. Es liegen keine 

Taten vor, die aus dem Rahmen fallen und für welche es angezeigt wäre, eine 

separate Geldstrafe auszufällen. Unabhängig von der Bewertung des Ver-

schuldens bezüglich der einzelnen Taten ist in der Gesamtheit des Vorgehens ein 

schwerer Verstoss gegen die Rechtsordnung zu erblicken. Es handelt es sich um 

schwere Delikte, welche der Beschuldigte rücksichtslos und verantwortungslos 

beging und bei welchen es sich nicht rechtfertigt, auch nur teilweise eine 

Geldstrafe auszufällen.  

3. Einsatzstrafe: Sexuelle Nötigung (Vorfall 4)  

Zum objektiven Tatverschulden ist festzuhalten, dass der Beschuldigte als Onkel 

bzw. Grossonkel im Tatzeitraum in der Wohnung der Familie der Privatklägerin 

willkommen war. Er konnte sich dort ungestört und unbeobachtet aufhalten. Dabei 

nutzte er es aus, dass er alleine mit der Privatklägerin in der Küche war und ver-

suchte dort der Privatklägerin an das Gesäss zu fassen. Als die Beschuldigte 

wegzugehen versuchte, hielt der Beschuldigte sie am Arm fest. Selbst als die 

Privatklägerin den Beschuldigten ans Bein trat, hielt er sie weiter fest. Erst als die 

Privatklägerin den Beschuldigten kratzte, liess er von ihr ab. Ausgehend vom 

vollendeten Delikt und einem bis 10 Jahre Freiheitsstrafe reichenden Strafrahmen 

ist das Verschulden als sehr leicht zu bezeichnen, wenngleich die Tat mit dieser 

technischen Bezeichnung keineswegs verharmlost werden soll. 

In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte vorsätzlich 

und zur eigenen sexuellen Befriedigung handelte. Dies ist dem Straftatbestand 

- 46 - 

jedoch immanent und führt zu keiner weiteren Straferhöhung. Er verfolgte sein 

Ziel jedoch hartnäckig und liess sich auch auf eine tätliche Auseinandersetzung 

mit der Privatklägerin ein. Dies ist straferhöhend zu werten. 

Als verschuldensunabhängige Komponente ist der Versuch zu berücksichtigen. 

Diesbezüglich ist massgebend, dass sich die Privatklägerin gegen den Übergriff 

wehrte und der Beschuldigte sie gleichwohl hartnäckig weiter anfassen wollte, 

wobei er sie auch am Arm hielt. Erst ein Tritt und ein Kratzen am Unterarm durch 

die Privatklägerin brachten ihn von seinem Tun ab. Der Umstand, dass ein 

Versuch vorliegt, führt mithin nur zu einer geringen Strafminderung. 

Dem Verschulden des Beschuldigten erscheint eine Einsatzstrafe von vier Mona-

ten Freiheitsstrafe angemessen. 

4. Einzelstrafen 

4.1. Vorfall 4: Sexuelle Handlungen mit einem Kind  

Zum objektiven Tatverschulden kann auf die Ausführungen der Einsatzstrafe 

verwiesen werden. Ausgehend von einem vollendeten Delikt ist von einem An-

fassen des Gesässes auszugehen. Innerhalb des bis 5 Jahre Freiheitsstrafe 

reichenden Strafrahmens ist das Verschulden als leicht zu erachten. 

In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte vorsätzlich 

und zur Befriedigung seiner sexuellen Lust handelte. Dies ist dem Straftatbestand 

jedoch immanent. Das subjektive Tatverschulden verändert daher das objektive 

Tatverschulden nicht. 

Auch hier ist als verschuldensunabhängige Komponente der Versuch zu berück-

sichtigen. Die Privatklägerin wehrte sich gegen den Übergriff, worauf sie der Be-

schuldigte gleichwohl hartnäckig weiter anfassen wollte und schubste bzw. am 

Arm hielt. Erst ein Tritt und ein Kratzen am Unterarm durch die Privatklägerin 

brachten ihn von seinem Tun ab. Der Umstand, dass ein Versuch vorliegt, führt 

mithin lediglich zu einer geringen Strafminderung. 

- 47 - 

Dem Verschulden erscheint eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten als ange-

messen. 

4.2. Vorfall 1: Sexuelle Nötigung 

Beim objektiven Tatverschulden ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte der 

Privatklägerin auf dem Sofa überraschend einen Kuss auf den Hals gab, nach-

dem er ihr immer näher gekommen war und den Arm um sie gelegt hatte. Inner-

halb des bis 10 Jahre Freiheitsstrafe reichenden Strafrahmens ist das Verschul-

den als äusserst leicht zu erachten. 

In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte vorsätzlich 

und zur Befriedigung seiner sexuellen Lust handelte. Dies ist dem Straftatbestand 

jedoch immanent. Das subjektive Tatverschulden vermag daher das objektive 

Tatverschulden nicht zu relativieren. 

Die Privatklägerin duldete jedoch die Tat des Beschuldigten nicht. Vielmehr 

schubste sieh ihn, woraufhin er seine Hände wegnahm (Urk. 3/8 F/A 48). Die 

versuchsweise Tatbegehung ist als verschuldensunabhängige Tatkomponente 

strafmindernd zu berücksichtigen.  

Dem Verschulden erscheint eine Freiheitsstrafe von einem Monat als angemes-

sen. 

4.3. Vorfall 1: Sexuelle Handlungen mit einem Kind 

Es kann auf die Ausführungen zum objektiven und subjektiven Tatverschulden 

betreffend sexuelle Nötigung zu diesem Vorfall verwiesen werden. Innerhalb des