# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74f7c828-9e86-550b-931d-4d5663a767b3
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-10
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 10.03.2022 SK 2021 104
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-104_2022-03-10.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 21 104

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 10. März 2022 

Besetzung Oberrichter Vicari (Präsident), Oberrichter Horisberger, 
Oberrichter Gerber
Gerichtsschreiberin Bucher

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigte/Berufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

 

Gegenstand Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 3. Dezember 2020 (PEN 19 61)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 03. Dezember 2019 (PEN 2019 61) wurde die Beschuldigte und Be-
rufungsführerin A.________ (nachfolgend Beschuldigte) durch das Regionalgericht 
Emmental-Oberaargau (Einzelgericht; nachfolgend Vorinstanz) der Widerhandlung 
gegen das Strassenverkehrsgesetz durch Führen eines Motorfahrzeugs in fahrun-
fähigem Zustand, begangen am 19. September 2018, 13:10 Uhr in .________ 
D.________, E.________ (Strasse) .________ (Fahrtrichtung L.________), schul-
dig erklärt. Die Vorinstanz verurteilte die Beschuldigte in Anwendung der einschlä-
gigen Gesetzesbestimmungen zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu CHF 
290.00, ausmachend total CHF 11'600.00, wobei der Vollzug der Geldstrafe aufge-
schoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt wurde. Weiter verurteilte sie 
die Vorinstanz zu einer Verbindungsbusse von CHF 2'900.00 und setzte die Er-
satzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung auf zehn Tage fest. Schliesslich 
wurden der Beschuldigten die Verfahrenskosten von CHF 7'397.30 zur Bezahlung 
auferlegt (pag. 399 f., Ziff. I des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Mit Verfügung vom 15. Oktober 2019 wurde das Verfahren wegen fahrlässiger 
Körperverletzung zum Nachteil von C.________ (nachfolgend vormalige Privatklä-
gerin) zufolge Einigung und Rückzugs des Strafantrags (pag. 276) eingestellt (pag. 
277 f.).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt B.________ mit Eingabe vom 04. De-
zember 2020 namens und im Auftrag der Beschuldigten fristgerecht die Berufung 
an (pag. 404). Die schriftliche Urteilsbegründung, datierend vom 01. März 2021 
(pag. 412 ff.), wurde den Parteien mit Verfügung vom 02. März 2021 zugestellt 
(pag. 446 f.). In der Folge ging die Berufungserklärung, datierend vom 24. März 
2021, gleichentags form- und fristgerecht beim Obergericht des Kantons Bern ein, 
wobei das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich angefochten wurde (pag. 462 f.).

Mit Verfügung vom 25. März 2021 gewährte die Verfahrensleitung der General-
staatsanwaltschaft Gelegenheit, innert 20 Tagen Anschlussberufung zu erklären 
oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (pag. 469 f.). Die 
Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 01. April 2021 mit, dass sie auf 
eine Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren verzichte (pag. 472 f.). 

3. Schriftliches Verfahren

Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens ist das Urteil eines Einzelge-
richts. Art. 406 Abs. 2 Bst. b der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 
312.0) sieht für diesen Fall die Möglichkeit der Durchführung eines schriftlichen 
Verfahrens vor.

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Mit Verfügung vom 06. April 2021 wurde der Beschuldigten die Durchführung eines 
schriftlichen Verfahrens in Aussicht gestellt und gleichzeitig Gelegenheit zur Stel-
lungnahme eingeräumt (pag. 474 f.). Mit Schreiben vom 27. April 2021 erklärte sich 
die Beschuldigte mit der Durchführung eines schriftlichen Verfahrens einverstanden 
(pag. 475). 

Die Durchführung des schriftlichen Verfahrens wurde mit Verfügung vom 28. April 
2021 angeordnet und den Parteien mitgeteilt, dass vorgesehen sei, nach Einlangen 
der schriftlichen Begründung ohne weiteren Schriftenwechsel zu entscheiden sowie 
die Beschuldigte zur Einreichung einer schriftlichen Begründung innert 30 Tagen 
aufgefordert (pag. 481 f.). Die schriftliche Urteilsbegründung gelangte nach zwei-
maliger Fristerstreckung am 30. Juli 2021 beim Obergericht des Kantons Bern ein 
(pag. 498 ff.). Mit Verfügung vom 02. August 2021 erachtete die Verfahrensleitung 
den Schriftenwechsel als abgeschlossen und stellte den schriftlichen Entscheid der 
Kammer in Aussicht (pag. 547 f.), mit Verfügung vom 13. Dezember 2021 wurde 
die geänderte Kammerbesetzung bekannt gegeben (pag. 549 f.).

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden über die Beschuldigte ein aktueller Strafregisterauszug 
(datierend vom 28. April 2021; pag. 483) sowie ein aktueller ADMAS-Auszug (da-
tierend vom 28. April 2021; pag. 484) eingeholt. Seitens der Beschuldigten wurden 
im oberinstanzlichen Verfahren keine Beweisanträge gestellt.

5. Anträge der Beschuldigten

Rechtsanwalt B.________ stellte namens und im Auftrag der Beschuldigten die fol-
genden Anträge (pag. 499):

1. A.________ sei vollumfänglich freizusprechen von den Vorwürfen gemäss Strafbefehl vom 
09.01.2019, soweit das Strafverfahren gegen sie nicht bereits eingestellt wurde.

2. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien durch den Kanton Bern zu tragen.

3. Die Entschädigung der Wahlverteidigung sei für das erstinstanzliche Verfahren gemäss der im 
erstinstanzlichen Verfahren eingereichten Honorarnote vom 03.12.2020 resp. für das oberin-
stanzliche Verfahren gemäss der noch beiliegenden Honorarnote festzusetzen.

4. A.________ sei im Sinne von Art. 429 Abs. 1 Bst. c StPO eine Genugtuung von CHF 500.00 
auszurichten.

5. Weiter sei zu verfügen, was rechtens.

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das erstinstanzliche Urteil ist vollumfänglich angefochten (pag. 498 ff.) und somit 
durch die Kammer gesamthaft zu überprüfen. 

Die Kammer verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Mangels ei-
genständiger Berufung oder Anschlussberufung seitens der Generalstaatsanwalt-
schaft darf das erstinstanzliche Urteil nicht zum Nachteil der Beschuldigten abge-

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ändert werden; es gilt das Verschlechterungsverbot (Verbot der sog. «reformatio in 
peius», Art. 391 Abs. 2 StPO).

7. Rüge der Verletzung des Anklagegrundsatzes

7.1 Vorbringen der Beschuldigten

Wie bereits vor erster Instanz rügt die Verteidigung der Beschuldigten auch oberin-
stanzlich eine Verletzung des Anklagegrundsatzes (pag. 501 f.). Vorab weist die 
Verteidigung im Wesentlichen darauf hin, dass der Würdigungsvorbehalt der Vor-
instanz anlässlich der Fortsetzungsverhandlung, wonach der aufgeführte Sachver-
halt unter dem Aspekt der vorsätzlichen und mitunter auch eventualvorsätzlichen 
sowie der fahrlässigen Begehung geprüft werde, im Lichte des rechtlichen Gehörs 
problematisch sei und der Hinweis spätestens zu Beginn der ersten Hauptverhand-
lung hätte angebracht werden müssen (pag. 503 f.).

Die Verteidigung beanstandet im Rahmen ihrer Berufungsbegründung zusammen-
gefasst, die Sachverhaltsdarstellung wie auch der Strafbefehl an sich enthielten 
keine Hinweise auf eine eventualvorsätzliche oder fahrlässige Begehung, sondern 
schilderten nur objektive Tatbestandselemente. Dies möge in einfachen Fällen di-
rekt-vorsätzlicher Tatbegehung genügen. Der Beschuldigten werde aber ein Even-
tualvorsatz zur Last gelegt und wie die seitens der Vorinstanz ergriffenen Beweis-
massnahmen zeigten, handle es sich vorliegend nicht um einen klaren Fall, was 
den Sachverhalt und insbesondere die subjektive Seite der Tatbegehung betreffe, 
sondern es stellten sich diffizile Fragen in sachverhaltsmässiger Hinsicht. Die 
Schilderung objektiver Tatbestandselemente reiche in der vorliegenden Konstellati-
on demnach nicht aus. Dies müsse umso mehr gelten, als sich der vorliegende 
Sachverhalt in den Grenzbereichen zwischen generell fehlender subjektiver Tatbe-
standsmässigkeit, Fahrlässigkeit und Eventualvorsatz bewegen könne (pag. 505). 
Bei einer Verurteilung wegen Fahrlässigkeit fehlten jegliche Ausführungen zu den 
Umständen, aus denen sich die Pflichtwidrigkeit des vorgeworfenen Verhaltens 
sowie die Vorhersehbarkeit und Vermeidbarkeit des eingetretenen Erfolges ergebe. 
Der Sachverhalt liesse folglich nur eine Subsumtion unter direkt-vorsätzliche Tat-
begehung zu. Bei einer Verurteilung wegen eventualvorsätzlicher oder fahrlässiger 
Tatbegehung werde Art. 9 StPO klar verletzt (pag. 506).

Schliesslich moniert die Verteidigung der Beschuldigten, in der Anklageschrift wer-
de der Umstand, dass die Beschuldigte durch Passanten auf ihre schlechte Fahr-
weise angesprochen worden und in der Folge dennoch weitergefahren sei, nicht 
erwähnt, obwohl es sich hierbei um objektive Sachverhaltsfeststellungen handle, 
aufgrund derer auf den subjektiven Tatbestand geschlossen werden könne. Man-
gels Einfluss in die Anklageschrift dürfe demnach auf diesen Sachverhaltsteil nicht 
abgestellt werden (pag. 507).

7.2 Erwägungen der Kammer

Betreffend die theoretischen Grundlagen des Anklagegrundsatzes kann vorab auf 
die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (pag. 420 f., S. 9 
f. der vorinstanzlichen Urteilsbegründung):

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«Nach dem in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift 
den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; vgl. auch Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 
Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Gericht ist an den in der Anklage wieder-
gegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung 
durch die Anklagebehörde (Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-
legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und 
subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Dabei muss aus der Anklageschrift selbst hervorge-
hen, welcher konkrete Lebensvorgang zur Beurteilung steht (zum Ganzen statt vieler Urteil des Bun-
desgerichts 6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 2.3.3; BGE 143 IV 63 E. 2.2). Zugleich hat das Ankla-
geprinzip eine Informationsfunktion, weil es den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten 
Person bezweckt und den Anspruch auf rechtliches Gehör garantiert (BGE 143 IV 63 E. 2.2; BGE 141 
IV 132 E. 3.4.1; je mit Hinweisen). 

Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO hält die gesetzlichen Minimalanforderungen an die Formulierung des 
Sachverhalts in inhaltlicher Hinsicht fest. Demnach bezeichnet die Anklageschrift die der beschuldig-
ten Person vorgeworfenen Taten möglichst kurz, aber genau mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, 
Art und Folgen der Tatausführung. Dennoch sind an eine Anklageschrift keine überspitzten Anforde-
rungen zu stellen. Das Bundesgericht hielt in zahlreichen Entscheiden fest, die Anklageschrift sei 
nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Umgrenzung des Prozessgegenstandes und der In-
formation des Beschuldigten, damit dieser die Möglichkeit habe, sich zu verteidigen. Etwaige Unge-
nauigkeiten seien nicht von entscheidender Bedeutung, solange für die beschuldigte Person keine 
Zweifel darüber bestünden, welches Verhalten ihr angelastet werde (Urteile des BGer 6B_28/2018 
vom 07.08.2018 E. 6.3; 6B_760/2017 vom 23.03.2018 E. 1.3; 6B_684/2017 vom 13.03.2018 E. 2; je 
mit Hinweisen). In Bezug auf den subjektiven Tatbestand sind die Anforderungen an die Umschrei-
bung der Sachverhaltselemente in der Anklageschrift gering (BGE 143 IV 63 E. 2.3; mit Hinweisen). 
So genügt hinsichtlich der Vorsatzelemente grundsätzlich der Hinweis auf den gesetzlichen Straftat-
bestand im Anschluss an die Darstellung des Sachverhalts als zureichende Umschreibung der sub-
jektiven Merkmale, wenn der betreffende Tatbestand nur vorsätzlich begangen werden kann. Nach 
langjähriger Rechtsprechung muss indessen klar sein, ob dem Beschuldigten fahrlässige oder vor-
sätzliche Begehung vorgeworfen wird, denn beide Varianten verlangen durchaus ein unterschiedli-
ches Vorgehen der Verteidigung (BGE 120 IV 348 E. 3c, mit Hinweisen; Urteile des BGer 
6B_638/2019 vom 17.10.2019 E. 1.4.2; 6B_870/2018 vom 29.04.2019 E. 2.3). Die Schilderung des 
objektiven Tatgeschehens reicht aus, wenn sich daraus die Umstände ergeben, aus denen auf einen 
vorhandenen Vorsatz geschlossen werden kann (Urteile des BGer 6B_654/2019 vom 12.03.2020 E. 
1.3; 6B_638/2019 vom 17.10.2019 E. 1.4.2; 6B_266/2018 vom 18.03.2019 E. 1.2; 6B_510/2016 vom 
13.07.2017 E. 3.1, nicht publ. in: BGE 143 IV 483; je mit Hinweisen). Wird dem Beschuldigten ein 
Eventualvorsatz vorgeworfen, sind die äusseren Umstände, die auf Eventualvorsatz schliessen las-
sen, in der Anklageschrift aufzuführen (BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, 2. Aufl. 2014, Art. 325 N 
33). Je komplexer und gravierender ein Vorwurf wiegt, desto spezifischer muss der Sachverhalt um-
schrieben werden (BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, 2. Aufl. 2014, Art. 325 N 26). Erhebt der Be-
schuldigte Einsprache gegen den Strafbefehl und die Staatsanwaltschaft hält daran fest, übernimmt 
der Strafbefehl vor Gericht die Funktion der Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1 StPO). Praxisgemäss sind 
die Anforderungen an den Anklagegrundsatz im Falle eines Strafbefehls herabgesetzt.»

Ergänzend und präzisierend ist erneut Folgendes festzuhalten: Der Strafbefehl gilt, 
sofern die Staatsanwaltschaft an diesem festhält und die Angelegenheit an das Ge-
richt überweist, als Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1 StPO). Das Gericht ist an den in 
der Anklage umschriebenen Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene 

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rechtliche Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Welcher Tatbestand durch 
den Anklagesachverhalt erfüllt wird, stellt eine Rechtsfrage dar und das Gericht ist 
frei, den Anklagesachverhalt unter einen anderen Tatbestand zu subsumieren (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2014 vom 4. Dezember 2014, E. 6.4). Solange 
für die beschuldigte Person klar ist, welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen wird, 
könnte demnach selbst eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, 
dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf; entscheidend ist, dass für die be-
schuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr vorge-
worfen wird (Urteile des Bundesgerichts 6B_111/2016 vom 26. April 2016, E. 1; 
6B_719/2017 vom 10. September 2018, E. 1.2; 6B_720/2018 vom 3. Oktober 
2018, E. 1.2). Massgebend ist insoweit der reale Lebenssachverhalt (BGE 140 IV 
188 E. 1.6 S. 191 f.). 

Wird der eingeklagte Sachverhalt in Abweichung von der rechtlichen Würdigung in 
der Anklageschrift lediglich anders beurteilt, hat kein Freispruch zu erfolgen (Urteile 
des Bundesgerichts 6B_941/2018 vom 6. März 2019, E. 1.3.4; 6B_682/2016 vom 
12. Oktober 2016, E. 2.1). Gemäss Lehre und Rechtsprechung kann das Gericht 
jedoch nur dann eine andere rechtliche Würdigung vornehmen, wenn das rechtli-
che Gehör gewährt wurde und der angeklagte Sachverhalt sämtliche Tatbe-
standsmerkmale der neu hinzugezogenen Strafnorm umfasst (BGE 126 I 23 E. 
2c/bb S. 23; NIGGLI/HEIMGARTNER in: Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 
2014, N 56 zu Art. 9 StPO mit weiteren Hinweisen). 

Indem die Vorinstanz anlässlich der Fortsetzungsverhandlung vom 03. Dezember 
2020 unter Hinweis auf Art. 344 StPO die Würdigung des angeklagten Sachver-
halts sowohl als vorsätzliche als auch fahrlässige Begehung bekannt gab, und sich 
die Verteidigung anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs (pag. 375) wie 
auch im Rahmen des Parteivortrags dazu äusserte (pag. 379), war es für die Be-
schuldigte klar, dass ihr sowohl vorsätzliche wie auch fahrlässige Tatbegehung 
vorgeworfen wurde. Dass und inwiefern ihr diesbezüglich eine wirksame Verteidi-
gung nicht möglich gewesen sein sollte, ist unter dem Gesichtspunkt des Anklage-
grundsatzes und insofern auch hinsichtlich des Gehörsanspruchs weder aufgezeigt 
noch ersichtlich. Der Einwand der Verteidigung, der Hinweis hätte anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung erfolgen sollen, zielt folglich ins Leere.

In Bezug auf die Umschreibung des vorgeworfenen Sachverhalts reicht für die vor-
sätzliche (und eventualvorsätzliche) Tatbegehung die Schilderung des objektiven 
Tatgeschehens aus, wenn sich daraus die Umstände ergeben, aus denen auf ei-
nen vorhandenen Vorsatz geschlossen werden kann. Anders verhält es sich nur 
dann, wenn dem Beschuldigten Eventualvorsatz vorgeworfen wird und sich in Be-
zug auf die Wissens- und Willenselemente diffizile Fragen in sachverhaltsmässiger 
Hinsicht stellen (Urteil des Bundesgerichts 6B_638/2019 vom 17. Oktober 2019, E. 
1.4.2 mit weiteren Hinweisen).

Gemäss der Sachverhaltsdarstellung des Strafbefehls vom 09. Januar 2019 wird 
der Beschuldigten – soweit vorliegend noch von Relevanz – Folgendes vorgewor-
fen: «Die Beschuldigte lenkte trotz Einnahme von Medikamenten (Schlafmittel und Antidepressivum) 
und damit in fahrunfähigem Zustand einen Personenwagen F.________, verlor die Beherrschung 
über ihr Fahrzeug, geriet rechts neben die Fahrbahn, prallte dort an die nahe der Fahrbahn gelegene 

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Aussentreppe aus Beton, wodurch das Fahrzeug in die Luft geschleudert wurde und sich in der 
Längsachse drehte und kollidierte in der Folge mit dem korrekt entgegenkommenden Fahrzeug der 
Privatklägerin. In der Folge der Kollision geriet die Privatklägerin rechts ab der Fahrbahn und prallte 
dort in einen Strassenkandelaber […]» (pag. 108). Zutreffend ist, dass dem Strafbefehl in 
Bezug auf die Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG; SR 
741.01) keine Ausführungen zum subjektiven Tatbestand zu entnehmen sind. Den-
noch ergibt sich aus dem Strafbefehl, was der Beschuldigten konkret vorgeworfen 
wird, nämlich das Führen eines Personenwagens trotz Medikamenteneinnahme 
und als Folge hiervon in fahrunfähigem Zustand. Sofern die Kammer zum Ergebnis 
gelangt, die Beschuldigte habe (eventual)vorsätzlich gehandelt, vermag die Formu-
lierung im Strafbefehl vom 09. Januar 2019 zu genügen. Daran ändert insbesonde-
re auch die Tatsache nichts, dass der Sachverhaltsteil, wonach die Beschuldigte 
von einem Passanten auf ihre Fahrweise angesprochen wurde und die Fahrt trotz-
dem fortsetzte, nicht im Strafbefehl enthalten ist. Der Vorwurf des Führens eines 
Personenwagens in fahrunfähigem Zustand enthält, namentlich in Verbindung mit 
Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 
741.11), bereits eine rechtliche Würdigung. Demnach ist, wer nicht über die erfor-
derliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, während dieser Zeit 
fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen. Die vorerwähnten, einschlägigen Ge-
setzesbestimmungen sind dem Strafbefehl, nachfolgend der Sachverhaltsum-
schreibung, denn auch zu entnehmen. Für die Beschuldigte war folglich auch in 
dieser Hinsicht klar, was ihr vorgeworfen wird.

Hinsichtlich der eventualvorsätzlichen Tatbegehung sei der Ordnung halber darauf 
hingewiesen, dass zum Vorsatz nach Art. 12 Abs. 2 des Schweizerischen Strafge-
setzbuches (StGB; SR 311.0) auch der Eventualvorsatz gehört. Letzterer ist mithin 
eine Unterform des Vorsatzes und nicht der (bewussten) Fahrlässigkeit, so dass es 
im Übrigen auch nicht schadet, dass sich der Strafbefehl nicht dazu äussert, wel-
che Sorgfaltspflichtverletzung der Beschuldigten allenfalls vorzuwerfen wäre. Mit 
der Schilderung des objektiven Tatgeschehens sind auch die wesentlichen Um-
stände ersichtlich, aufgrund derer der Strafbefehl auf einen vorhandenen Vorsatz 
der Beschuldigten schliesst. Dass sich darüber hinaus in Bezug auf die Wissens- 
und Willenselemente diffizile Fragen, jedenfalls in sachverhältnismässiger Hinsicht 
stellen, ist für die Kammer – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – letztlich nicht 
ersichtlich.

Die Vorbringen der Verteidigung vermögen nach Ansicht der Kammer auch in die-
ser Hinsicht keine Verletzung des Anklagegrundsatzes aufzuzeigen. Handelt es 
sich – wie im vorliegenden Fall – um einen simplen Lebensvorgang und wiegt der 
Tatvorwurf nur leicht, ist eine kurze Sachverhaltsschilderung ausreichend, soweit 
diese eine Individualisierung der Tat zulässt und für die beschuldigte Person keine 
Zweifel darüber bestehen, welches strafbare Verhalten ihr vorgeworfen wird. Dies 
ist vorliegend der Fall. Für die Beschuldigte konnten keine Zweifel darüber beste-
hen, welches strafbare Verhalten ihr in sachlicher, räumlicher und zeitlicher Hin-
sicht vorgeworfen wird, davon zeugen auch ihre ausführlichen Aussagen zur Sache 
anlässlich ihrer Einvernahmen. Entsprechend war auch eine wirksame Verteidi-
gung möglich, etwas Gegenteiliges brachte die Verteidigung denn auch anlässlich 
der Gewährung des rechtlichen Gehörs und im Parteivortrag nicht vor (pag. 375, 

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pag. 379). Die Sachverhaltsumschreibung im Strafbefehl vom 09. Januar 2019 
genügt somit den Anforderungen von Art. 9 Abs. 1 StPO.

Diese Schlussfolgerung kann aus Sicht der Kammer jedoch nicht für die fahrlässige 
Tatbegehung gelten. Denn handelt es sich um ein Fahrlässigkeitsdelikt, hat die An-
klageschrift insbesondere die gesamten Umstände anzugeben, nach welchen das 
Verhalten des Täters als unvorsichtige Pflichtwidrigkeit erscheint und inwieweit der 
Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges für den Beschuldigten voraussehbar und 
vermeidbar war (Urteile des Bundesgerichts 6B_638/2019 vom 17. Oktober 2019, 
E. 1.4.2; 6B_434/2019 vom 5. Juli 2019, E. 2.1 mit Hinweisen). Diese gesamten 
Umstände lassen sich dem Strafbefehl – entgegen dem vorinstanzlichen Fazit 
(pag. 422, S. 11 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung) – aber nicht entnehmen. 
Das Gericht ist nicht Anklagebehörde, sondern hat den ihm unterbreiteten Ankla-
gesachverhalt rechtlich zu würdigen. Lässt sich eine neue rechtliche Qualifikation 
nicht mehr unter den angeklagten Sachverhalt subsumieren, ist eine abweichende 
rechtliche Würdigung i.S.v. Art. 344 StPO nicht mehr möglich. In einem solchen 
Fall hat das Gericht der Staatsanwaltschaft unter Wahrung der Parteirechte der be-
schuldigten Person die Möglichkeit zur Klageänderung oder -ergänzung nach Art. 
333 Abs. 1 StPO (und nicht nach Art. 329 StPO, wie dem Protokoll der erstinstanz-
lichen Fortsetzungsverhandlung zu entnehmen ist [pag. 375]) zu geben (vgl. Urteil 
des Bundesgerichts 6B_638/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1.6.1.), was grundsätz-
lich auch noch im Berufungsverfahren möglich ist (Art. 379 StPO; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_904/2015 vom 27. Mai 2016, E. 1.4.1. mit weiteren Hinweisen). 
Vorliegend verzichtete die Vorinstanz anlässlich der Fortsetzungsverhandlung dar-
auf, den Strafbefehl an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen, resp. die Anklage 
abzuändern (pag. 375). Der erstinstanzliche Würdigungsvorbehalt im Sinne einer 
fahrlässigen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz durch Führen ei-
nes Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand ist damit unbeachtlich.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Sachverhalt

8.1 Vorwurf gemäss Strafbefehl

Der Beschuldigten wird mit Strafbefehl vom 09. Januar 2019 – soweit nach den 
Ausführungen in Ziff. I.1. hiervor oberinstanzlich noch relevant – vorgeworfen, sie 
habe am 19. September 2018 um 13:10 Uhr in .________ D.________ auf der 
E.________(Strasse) .________ in Fahrtrichtung L.________ trotz Einnahme von 
Medikamenten (Schlafmittel und Antidepressivum) und damit in fahrunfähigem Zu-
stand einen Personenwagen F.________ gelenkt, die Beherrschung über ihr Fahr-
zeug verloren, sei rechts neben die Fahrbahn geraten, dort an die nahe der Fahr-
bahn gelegene Aussentreppe aus Beton geprallt, wodurch das Fahrzeug in die Luft 
geschleudert wurde und sich in der Längsachse gedreht habe und in der Folge mit 
dem korrekt entgegenkommenden Fahrzeug der Privatklägerin kollidiert sei. In der 
Folge der Kollision sei die Privatklägerin rechts ab der Fahrbahn geraten und dort 
in einen Strassenkandelaber geprallt. Die Privatklägerin habe aufgrund des Unfalls 

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einen handgelenksnahen Bruch der Speiche erlitten, der mit einem Gipsverband 
über sechs Wochen behandelt worden sei (pag. 108). 

8.2 Unbestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist zunächst, was die Vorinstanz diesbezüglich zutreffend festhielt 
(pag. 423, S. 12 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung):

«Vorliegend ist das Rahmengeschehen und der Ablauf des Unfalls unbestritten, namentlich auch, 
dass die Beschuldigte unter Medikamenteneinfluss gestanden hat, d.h. bei ihr im Blut Zolpidem 
(Schlafmittel) in übertherapeutischer Menge und Trimipramin (Antidepressivum) in therapeutischer 
Menge nachgewiesen wurde (p. 25), von der Strasse abgekommen ist und sich Verletzungen zuge-
zogen hat (vgl. auch p. 377). Grundsätzlich ist auch nicht bestritten, dass die Beschuldigte im Zeit-
punkt des Unfalls nicht fahrfähig gewesen ist, so gibt sie selbst an, dass sie ein Blackout gehabt habe 
(p. 268 Z. 33). Ebenfalls gibt die Beschuldigte an, am Unfalltag erkältet gewesen zu sein und dagegen 
Medikamente genommen zu haben (p. 268 Z. 27; p. 269 Z. 20 ff.).»

Ergänzend und in Übereinstimmung mit dem Vorbringen der Verteidigung im Rah-
men der Berufungsbegründung (pag. 508) ist festzuhalten, dass seitens der Be-
schuldigten auch das Eintreten der Fahrunfähigkeit während der Fahrt nicht in Ab-
rede gestellt wird (vgl. dazu auch die Ausführungen von Rechtsanwalt B.________ 
anlässlich des erstinstanzlichen Parteivortrags, pag. 377). Weiter unbestritten ist, 
dass sich die Beschuldigte während der Fahrt nicht gut gefühlt und aus diesem 
Grund das Fahrzeug gewendet hatte, um wieder nach Hause zu fahren. Dies gab 
sie so auch anlässlich ihrer Einvernahme an der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung an (pag. 270 Z. 31). 

8.3 Bestrittener Sachverhalt

Bestritten und im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung zu prüfen ist, ob 
die Beschuldigte um ihre Fahrunfähigkeit wusste oder ob sie Zweifel um die feh-
lende Fahrfähigkeit hegte, mithin mit der Fahrunfähigkeit rechnete. In diesem Zu-
sammenhang ist beweismässig offen, ob die Beschuldigte während der Fahrt von 
einem Passanten auf ihre Fahrweise angesprochen wurde, wann die Beschuldigte 
die Medikamente zuletzt einnahm und ob die empfohlene Ruhezeit eingehalten 
wurde. Unklar ist schliesslich auch, ob das Unwohlsein der Beschuldigten einzig 
mit der Erkältung in Zusammenhang stand und sie deshalb umkehrte.

9. Beweiswürdigung

9.1 Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Betreffend die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussagen-
analyse kann integral auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
werden (pag. 417 f., S. 6 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

9.2 Beweismittel

Ebenfalls wurden sämtliche objektiven und subjektiven Beweismittel korrekt aufge-
listet und ausführlich wiedergegeben (pag. 423 f., S. 12 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Die Kammer berücksichtigt überdies die fotografischen Aufnah-
men der Unfallstelle vom 19. September 2018 (pag. 174 ff.). Es wird darauf ver-
zichtet, den Inhalt der Beweismittel an dieser Stelle zusammengefasst wiederzuge-

10

ben. Sofern von Relevanz, wird darauf direkt im Rahmen der Beweiswürdigung 
hiernach eingegangen.

9.2.1 Zur Verwertbarkeit des Unfallaufnahmeprotokolls vom 19. September 2018 

9.2.2 Vorbringen der Beschuldigten

Die Verteidigung macht, wie bereits vorinstanzlich, im Rahmen ihrer Berufungsbe-
gründung erneut die Unverwertbarkeit des Unfallaufnahmeprotokolls vom 19. Sep-
tember 2018 geltend (pag. 510 f.). Sie beanstandet im Wesentlichen einerseits, das 
Protokoll enthalte einzig einen Hinweis, die Aussagen seien nach Belehrung «gem. 
BBK» erfolgt und dabei sei ein Kreuz bei «für BP (Beschuldigte)» gesetzt worden. 
Die Unterschrift der Beschuldigten auf dem Unfallaufnahmeprotokoll könne aber 
nicht als bestätigende Erklärung betreffend die «Belehrung gem. BBK» gelten (pag. 
511). So sei nicht nachgewiesen, dass der befragende Polizist die Beschuldigte vor 
ihrer Ersteinvernahme im Spital hinreichend belehrte, etwas Anderes ergebe sich 
auch aus den Aussagen der Polizisten nicht. Demnach seien die Aussagen der Be-
schuldigten im Unfallaufnahmeprotokoll vom 19. September 2018 in Anwendung 
von Art. 158 Abs. 2 StPO nicht verwertbar. Insbesondere seien die Erstaussagen 
(oder Spontanaussagen) vor Ort auf dem Unfallplatz sicherlich ohne Belehrung im 
Sinne von Art. 158 Abs. 1 StPO erfolgt und zu Lasten der Beschuldigten nicht ver-
wertbar (pag. 511 f.). 

Andererseits bringt die Verteidigung zusammengefasst vor, es müsse davon aus-
gegangen werden, dass die Beschuldigte anlässlich ihrer Ersteinvernahme nach 
dem Unfall im Spital nicht einvernahmefähig gewesen sei (pag. 514). Auf dem Un-
fallplatz sei die Beschuldigte «stark verwirrt» gewesen, anlässlich der ärztlichen 
Untersuchung im Spital noch «verwirrt» und habe zudem unter Ereignisschock ge-
standen (pag. 512). Es sei zu bezweifeln, dass die Beschuldigte in ihrem Zustand 
in der Lage gewesen sei, den Inhalt des Protokolls auf dessen Richtigkeit hin zu 
prüfen und ggf. Korrekturen oder Ergänzungen anzubringen. Auch habe die Vor-
instanz willkürliche Annahmen getroffen, indem sie davon ausgegangen sei, dass 
der Chef der Beschuldigten bei fehlender Einvernahmefähigkeit eingegriffen hätte 
und dass die Polizisten vor der Befragung die Ärzte konsultiert hätten (pag. 513 f.). 
Schliesslich seien aufgrund der Unverwertbarkeit des Unfalleinvernahmeprotokolls 
auch sämtliche gestützt darauf erhobenen Folgebeweise unverwertbar (pag. 514).

9.2.3 Erwägungen der Kammer

Das Gericht prüft die Verwertbarkeit von Beweismitteln von Amtes wegen. Vorlie-
gend ist zunächst die Vernehmungsfähigkeit der Beschuldigten während der Ein-
vernahme im Spital zu prüfen, anschliessend die Verwertbarkeit des Unfallaufnah-
meprotokolles an sich und schliesslich, ob und inwieweit die Erstaussagen der Be-
schuldigten unmittelbar nach dem Unfall, die Eingang in das Unfallaufnahmeproto-
koll fanden, gerichtsverwertbar sind. 

9.2.4 Vernehmungsfähigkeit der Beschuldigten

Die Vorinstanz führte betreffend der Vernehmungsfähigkeit Folgendes aus (pag. 
424 f., S. 13 f. der vorinstanzlichen Urteilsbegründung): 

11

«Es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Beschuldigte im Spital nicht einvernahmefähig gewesen 
sein soll. So beschreibt sie der einvernehmende Polizist I.________ als ruhiger als noch auf der Un-
fallstelle (p. 252 Z. 4 f.). Auch der Polizist J.________ gab an, dass der Zustand der Beschuldigten bei 
der Aufnahme des Protokolls gedämpfter gewesen sei. Sie habe ihm die gestellten Fragen beantwor-
ten können, z.B. was sie beruflich mache etc. Sie sei somit doch wieder fähig zu einer Einvernahme 
bzw. Befragung gewesen (p. 266 Z. 32 ff.). Ebenfalls bestätigte Polizist I.________, dass sie im Spital 
vor einer Einvernahme vorher den Arzt fragen, ob man zum Patienten gehen könne (p. 252 Z. 16 ff.). 
In casu liegt nichts vor, was darauf schliessen lässt, dass vorliegend von dieser Routine abgewichen 
worden wäre. Es ist folglich davon auszugehen, dass sich der befragende Polizist zuerst bei den Ärz-
ten erkundigt hat und die Beschuldigte bei der Befragung in einvernahmefähigem Zustand gewesen 
ist. Zumal die Ärzte im Untersuchungsbefund bereits um 14:20 Uhr ihren Zustand nur als leicht beein-
trächtigt angeben (p. 30) und die Befragung erst später um 16:50 Uhr begann und sie bereits um 
17.00 Uhr das Spital verlassen konnte (p. 8 und p. 271 Z. 16). Die Beschuldigte selber hat zudem 
ausgesagt, dass es ihrem Chef gelungen sei, sie ein wenig zu beruhigen. Je länger sie im Spital ge-
wesen sei, desto mehr habe sich ihr Zustand gebessert bzw. normalisiert (p. 271 Z. 10 ff.).»

Die Kammer schliesst sich diesen Ausführungen sowie der Schlussfolgerung der 
Vorinstanz an. Weder die Polizei noch die untersuchenden Ärzte konnten eine 
übermässige Beeinträchtigung feststellen, welche grundsätzliche Zweifel an der 
Vernehmungsfähigkeit der Beschuldigten begründen würden. I.________ gab zwar 
an, die Beschuldigte habe auf der Unfallstelle einen verwirrten Eindruck gemacht, 
was seitens J.________ bestätigt wurde (pag. 265 Z. 43), konnte sich aber trotz-
dem und ohne etwaige Schwierigkeiten mit ihr unterhalten (pag. 249 Z. 32 f.). Den 
Aussagen von I.________ anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung kann 
entnommen werden, dass die Beschuldigte auf entsprechende Fragen antworten 
und beschreiben konnte, was sie vor dem Unfall erlebt hatte und wie es ihr gegan-
gen sei (pag. 249 Z. 33 f.). Im Spital dann sei die Beschuldigte ein wenig gefasster 
gewesen (pag. 250 Z. 37) und vermochte während der Einvernahme ausführlich 
das Geschehene wiederzugeben (pag. 8). Das Verhalten der Beschuldigten wird 
nach Ansicht der Kammer von beiden Zeugen nicht beschönigt, sondern konstant 
als «verwirrt» beschrieben. Den Zeugenaussagen lässt sich demgegenüber aber 
auch nicht entnehmen, dass sich die Beschuldigte in einem schlechten Zustand be-
funden oder den Gesprächen nicht hätte folgen können. Weiter war die Beschuldig-
te fähig, detailliert über die Geschehnisse des Unfalltages zu berichten. Sie be-
schrieb ihre Fahrt nach Bern sowie das Umkehren, die Krankschreibung bis am 
Freitag, 21. September 2018, wie sich mehrere Personen um sie gekümmert hätten 
und zudem ein silberfarbenes Auto in den Unfall verwickelt gewesen sei (pag. 8). 
Schliesslich vermochte sie auch korrekte Angaben zum Erhebungsformular wirt-
schaftliche Verhältnisse zu machen (pag. 72 f.). Wie nachfolgend noch dargelegt 
wird, sind die protokollierten Aussagen der Beschuldigten auch widerspruchsfrei 
und stimmen mit den objektiven Beweismitteln überein (vgl. Ziff. 9.3.1 hiernach). 
Auffällig ist zudem, dass die Unterschriften der Beschuldigten auf dem Unfallauf-
nahmeprotokoll und dem Erhebungsformular (pag. 8 und pag. 73) unter Berück-
sichtigung des Schriftbildes, so insbesondere der Bewegungsführung und Formge-
bung, mit jener auf dem Protokoll, welches sie anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung unterzeichnete (pag. 274), übereinstimmen, was nach Ansicht 
der Kammer zumindest nicht gegen ihre Vernehmungsfähigkeit spricht. Obwohl die 

12

Beschuldigte gemäss behandelndem Arzt um 14:20 Uhr, mithin eine Stunde nach 
dem Unfall, ein verwirrtes Verhalten an den Tag legte und ihr eine leichte Beein-
trächtigung attestiert wurde, war sie bei klarem Bewusstsein sowie zeitlich und ört-
lich orientiert (pag. 30). Folglich war sie nicht dermassen beeinträchtigt, dass die 
Vernehmungsfähigkeit verneint werden müsste. Aus den vorgenannten Gründen 
gelangt auch die Kammer zum Schluss, dass die Beschuldigte im Zeitpunkt der Er-
steinvernahme vernehmungsfähig war. Damit sind die Aussagen der Beschuldigten 
im Unfallaufnahmeprotokoll (pag. 8) verwertbar.

9.2.5 Rechtliche Grundlagen zur Verwertbarkeit

Gemäss Art. 78 Abs. 1 StPO sind die Aussagen der Parteien, Zeuginnen, Zeugen, 
Auskunftspersonen und Sachverständigen laufend zu protokollieren (Dokumentati-
onspflicht). Die entsprechenden Bestimmungen über die Protokollierung stellen 
Gültigkeitsvorschriften dar (BGE 143 IV 408 E. 8.2). Die Nichtbeachtung der Proto-
kollierungsvorschriften hat grundsätzlich die Nichtverwertbarkeit der jeweiligen Ein-
vernahme zur Folge (Art. 141 Abs. 2 StPO). 

Weiter ist die einzuvernehmende Person zu Beginn der Einvernahme in einer ihr 
verständlichen Sprache über ihre Rechte und Pflichten zu belehren (Art. 143 Abs. 1 
Bst. c StPO). Art. 158 Abs. 1 StPO konkretisiert diese Bestimmung für die beschul-
digte Person dahingehend, dass sie von Polizei und Staatsanwaltschaft zu Beginn 
der ersten Einvernahme in einer ihr verständlichen Sprache auf ihre Rechte als be-
schuldigte Person hingewiesen werden muss. Einvernahmen ohne diesen Hinweis 
sind nicht verwertbar (Art. 158 Abs. 2 i.V.m. Art. 141 Abs. 1 StPO). Die Beweis-
pflicht über die Vornahme der Belehrung kommt dabei der zuständigen Behörde zu 
(RUCKSTUHL, in: Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N 7 zu Art. 158 
StPO).

9.2.6 Zur Rechtsbelehrung

Dem Unfallaufnahmeprotokoll ist vorliegend zu entnehmen, dass die Aussagen der 
Beschuldigten von 16:50 Uhr bis 17:05 Uhr im Spital L.________ «nach Belehrung 
gem. BBK für BP (Beschuldigte)» protokolliert und das Protokoll von I.________ 
wie auch der Beschuldigten unterzeichnet wurde (pag. 8). Die Beschuldigte selbst 
machte anlässlich ihrer Einvernahme an der Hauptverhandlung keine Angaben da-
zu, ob sie belehrt worden sei oder nicht. Sie bringt demgegenüber auf Vorhalt des 
Unfallaufnahmeprotokolles lediglich vor, dieses sage ihr nichts (pag. 271 Z. 22), auf 
Nachfrage dann, das Protokoll trage ihre Unterschrift, aber sie glaube, sie hätte 
damals so ziemlich alles unterschrieben (pag. 271 Z. 24 f.). Auf weitere Nachfrage, 
ob sie sich an eine Aussage im Spital erinnern könne, gibt die Beschuldigte an, sie 
habe im Spital einen Durchschlag erhalten, wo das mit der Treppe gestanden habe 
und es sei so etwas wie ein Unfallbericht gewesen (pag. 271 Z. 29 f.). Auch 
I.________ gibt einzig an, er habe das Protokoll verfasst (pag. 250 Z. 18), der Be-
schuldigten im Spitalbett vorgelegt und sie habe dieses unterzeichnet (pag. 251 Z. 
6 f.). J.________ konnte diesbezüglich keine Angaben machen, da er bei der Auf-
nahme der Aussagen durch I.________ nicht zugegen war (pag. 266 Z. 22). 

Aus Sicht der Kammer sind vorliegend keine Hinweise ersichtlich, wonach die Be-
lehrung nicht, wie auf dem Unfallaufnahmeprotokoll entsprechend vermerkt, erfolg-

13

te. Daran vermag auch der Umstand, dass der Verteidigung die Belehrungskarte 
bis anhin unbekannt war, nichts zu ändern. Weshalb der einvernehmende Polizist 
oder gar eine Drittperson das Protokoll nachträglich mit einem Kreuz versehen und 
mithin eine Urkunde verfälscht haben sollte, was die Verteidigung zumindest an-
deutet (pag. 511), erhellt der Kammer nicht. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz 
geht auch die Kammer davon aus, dass die Belehrung der Beschuldigten im Rah-
men der Aufnahme der Aussagen auf dem Unfallaufnahmeprotokoll korrekt erfolg-
te. Die Belehrung erfolgte damit rechtsgenüglich. 

9.2.7 Zur Verwertbarkeit der Aussagen der Beschuldigten

Die vor gehöriger Belehrung und unmittelbar nach dem Unfall getätigten Äusserun-
gen der Beschuldigten sind demgegenüber differenziert zu betrachten und zu be-
werten. Anlässlich seiner Einvernahme führte I.________ aus, dass er sich nach 
der Ankunft am Unfallplatz zur Beschuldigten begeben habe, und diese auf die 
Frage, was passiert sei, gesagt habe, sie wisse nichts und auf die zweite Frage, 
von wo nach wo sie gefahren sei und warum, es zu dieser Erstaussage gekommen 
sei, wonach sie habe arbeiten gehen wollen und es ihr nicht gut gegangen sei (pag. 
249 Z. 34 f.). Zudem sei ihm bei dieser Erstaussage im Speziellen aufgefallen, 
dass die Beschuldigte irgendwo unterwegs von einem Passanten angesprochen 
oder angehalten und auf ihre schlechte, langsame, schlangenlinienförmige Fahr-
weise angesprochen worden sei (pag. 249 Z. 37 f.). Auf weitere Nachfrage, wo dies 
gewesen sei, habe die Beschuldigte ihm dies nicht sagen können und auch nicht, 
welchen Weg sie jeweils nehme, um nach Bern zu fahren (pag. 249 Z. 40 f.). Auch 
habe sie sich nicht erinnern können, wo sie angesprochen worden sei und ob es 
sich bei der Person um einen Mann oder eine Frau gehandelt habe (pag. 250 Z. 1 
f.). Da die Beschuldigte somit keine Angaben mehr habe machen können, was vor 
dem Unfall gewesen und wie es zum Unfall gekommen sei, habe gemäss den Aus-
sagen von I.________ von einer medizinischen Ursache, einem Blackout oder Se-
kundenschlaf, ausgegangen werden müssen, und es sei entsprechend interner 
Weisung die Staatsanwaltschaft und das IRM informiert worden (pag. 250 Z. 3 f.). 

Die Belehrungs- und Protokollierungspflichten gelten ab der ersten Einvernahme 
auch für die Polizei. Fraglich ist allerdings, was als erste Einvernahme gilt bzw. 
wann diese stattfindet. Der Begriff der Ersteinvernahme (resp. der Einvernahme 
generell) ist in der StPO nicht definiert, bezieht sich aber gemeinhin auf die erste 
protokollarische Befragung (Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 16 169 
E. 6.2; RUCKSTUHL, in: Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N 7 zu Art. 
158 StPO). Anders als Staatsanwaltschaft und Gerichte darf die Polizei im Zuge ih-
rer Ermittlungen (Art. 306-308 StPO) vor Aufnahme eigentlicher Einvernahmen in-
formelle Gespräche zur Klärung eines allenfalls deliktsrelevanten Sachverhalts 
pflegen, die nicht wörtlich zu protokollieren, sondern allenfalls im Polizeirapport 
(Art. 307 Abs. 3 StPO) zu erwähnen sind. Bei solchen Befragungen kann auf die 
Präliminarien von Art. 143 Abs. 1 StPO verzichtet werden (SCHMID/JOSITSCH, in: 
Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 7 zu Art. 
142 StPO). Der Wiederholung einer Einvernahme mit korrekter Rechtsbelehrung 
steht auch der Grundsatz der Unverwertbarkeit von Aussagen bei Verletzung der 
Belehrungspflicht grundsätzlich nicht entgegen. Jedoch ist das Beweisverbot nach 

14

Art. 158 Abs. 2 i.V.m. Art. 141 Abs. 1 StPO, welches bei formellen Einvernahmen 
ohne Belehrung besteht, mit einer Fernwirkung ausgestattet und beschlägt jene 
Beweise, die aufgrund dieser Einvernahme erlangt werden (RUCKSTUHL, in: Basler 
Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N 34 f. zu Art. 158 StPO).

Bereits im Urteil SK 18 260 vom 30. April 2019 äusserte sich die 2. Strafkammer 
zum zulässigen Umfang von informellen Befragungen resp. deren Abgrenzung vom 
Einvernahmebegriff. Darauf ist zu verweisen (E. 8.1.3):

«Eine Einvernahme setzt einerseits einen vorbestehenden «Gegenstand des Strafverfahrens» vor-
aus, zu dem sich die einzuvernehmende Person äussern soll, andererseits muss die Eigenschaft be-
nannt werden, in der die Person einvernommen werden soll. Beim Eintreffen an einem Tatort oder an 
einer Unfallstelle lässt sich nun aber vielfach noch gar nicht sagen, welche Rolle anwesende Perso-
nen haben könnten. Vom Einvernahmebegriff auszunehmen sind dementsprechend sog. informelle 
Befragungen, mit der sich die Polizei zuerst einen Überblick über das Geschehen verschaffen muss, 
um überhaupt feststellen zu können, worum es geht und wer allenfalls für die Begehung eines Delikts 
in Frage kommen könnte. Unter solchen Umständen ist die Polizei befugt, formlose Orientierungsfra-
gen an die Anwesenden zu richten. Sodann liegt noch keine Einvernahme vor bei Spontanäusserun-
gen gegenüber den Polizei- oder Strafverfolgungsbehörden, die staatlicherseits nicht provoziert wor-
den sind und einen Tatverdacht erst begründen, wie z.B. Strafanzeigen, Notrufe oder Ad-hoc-
Geständnisse (anders verhält es sich bei Spontanaussagen im Falle einer Festnahme; vgl. Godenzi, 
a.a.O., N. 12 zu Art. 158 StPO, Ruckstuhl, a.a.O., N. 8 zu Art. 158 StPO). Sobald sich im Verlauf des 
Gespräches jedoch konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen einer bestimmten Straftat ergeben und 
zugleich objektiv erkennbar wird, dass der aussagenden Person diesbezüglich – bei materieller Be-
trachtung – die Stellung einer beschuldigten Person, einer Auskunftsperson oder eines Zeugen zu-
kommt, ist das Gespräch als Einvernahme zu qualifizieren (Godenzi, a.a.O., N. 6 ff. zu Art. 143 StPO; 
Ruckstuhl, a.a.O., N. 8 f. zu Art. 158 StPO; Häring, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 142 StPO).»

Einleuchtend ist, dass die Polizei die Beteiligten eines Verkehrsunfalls zunächst 
mal fragt, was genau passiert sei und sich ein Bild der Situation macht. Dies muss 
sie formlos tun können, alles andere wäre realitätsfremd. So kann von der Polizei 
nicht erwartet werden, vor dem Verschaffen des Überblickes als erstes eine 
Rechtsbelehrung vorzulesen und sodann alles Weitere in einem Protokoll festzu-
halten. Ab Bestehen eines Tatverdachtes sind informelle Gespräche und Befra-
gungen dann grundsätzlich unzulässig; sie müssen diesfalls protokolliert werden 
(Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 2012 223 vom 15. Mai 2013, E. 6.2 
mit Hinweisen). Da bei bloss informellen polizeilichen Befragungen die Verfahrens-
rechte der betroffenen Personen nicht ausreichend geschützt werden (oftmals feh-
lende Information, Rechtsbelehrung, Teilnahmerechte), dürfen solche formlose 
Äusserungen zumindest dann nicht verwertet werden, wenn die beschuldigte Per-
son nachfolgend anlässlich der förmlichen Einvernahme die Aussage verweigert 
oder widersprechende Aussagen tätigt (Urteile des Obergerichts des Kantons Bern 
SK 16 196 vom 30. April 2017 E. 6.3.; SK 2015 319 vom 06. Juli 2016 E. 11.1 mit 
Hinweis auf HÄRING, in: Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N 6 zu Art. 
142 StPO). Verwertbar sind hingegen spontane Äusserungen einer beschuldigten 
Person auch vor den Hinweisen nach Art. 158 StPO (Urteil des Obergerichts des 
Kantons Bern SK 2019 113 vom 16. Dezember 2019, E. 9.4.3; SCHMID/JOSITSCH, 

15

in: Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 12 zu 
Art. 158 StPO).

Auch vorliegend durfte sich die Polizei nach dem Geschehen und den Umständen, 
die zum Unfall geführt hatten, erkundigen. Gemäss den glaubhaften Aussagen von 
I.________ (vgl. Ziff. 9.3.1 hiernach) gab die Beschuldigte anlässlich dieser Kon-
versation, welche sich nach Eintreffen der Polizei auf dem Unfallplatz zutrug, auf 
die Frage, von wo nach wo sie gefahren sei und warum, spontan und von sich aus 
an, sie habe sich nicht gut gefühlt und sei von einem Passanten auf ihre Fahrweise 
angesprochen worden (pag. 249 Z. 34 f.). Aufgrund der formlosen Orientierungs-
fragen von I.________ und der spontanen Aussagen seitens der Beschuldigten ist 
nach Ansicht der Kammer davon auszugehen, dass es sich hierbei um eine infor-
melle Befragung gehandelt hatte, weshalb die Einvernahmestandards (noch) nicht 
beachtet werden mussten. So war zu diesem Zeitpunkt durchaus denkbar, dass die 
Unfallursache in einem gesundheitlichen Problem ausserhalb des Einflussberei-
ches der Beschuldigten hätte bestehen können. Die Medikamenteneinnahme, wel-
che Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet, wurde erst nachträglich an-
lässlich des Spitalaufenthalts und aufgrund der Blut- und Urinproben festgestellt. 
Ab dem Moment, ab dem für die Unfallursache eine medizinische Ursache, ein 
Blackout oder ein Sekundenschlaf als Unfallursache in Frage kam, beendete 
I.________ das Gespräch mit der Beschuldigten, leitete die entsprechenden Mass-
nahmen (Information der Staatsanwaltschaft und des IRM) ein (pag. 250 Z. 3 f.) 
und füllte das Polizeiprotokoll bei Verdacht auf Fahrunfähigkeit und die Auftrags-
bestätigung zur Blut-/Urinentnahme aus (pag. 17 f.). Denn ab diesem Zeitpunkt be-
standen – in objektiver Hinsicht – Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Wider-
handlung gegen das SVG, wobei die Aussagen der Beschuldigten im Spital 
L.________ dann sowohl in Form eines schriftlichen und unterzeichneten Proto-
kolls wie auch nach gehöriger Belehrung (vgl. Ziff. 9.2.6 hiervor) festgehalten wur-
den. 

I.________ gab an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zu Protokoll, dass sich 
die Beschuldigte anlässlich dieser Einvernahme – und somit nach rechtsgenügli-
cher Belehrung – hinsichtlich der Frage, wie es zum Unfall kam, erneut geäussert 
habe. Insbesondere habe die Beschuldigte auf Vorhalt ihrer Erstaussage die Aus-
sage wiederholt, dass sie von einem Passanten auf ihr schlechtes Fahrverhalten 
angesprochen worden sei, aber nicht wisse, wo dies örtlich gewesen sei (pag. 250 
Z. 23 f.). Hinsichtlich der Verwertbarkeit dieser zuvor formlos getätigten Äusserung 
ist nicht relevant, dass die Beschuldigte diese erst auf Nachfrage des Polizisten 
und nicht von sich aus zu Protokoll gab (pag. 251 Z. 45). Entscheidend ist vorlie-
gend vielmehr, dass sie die Aussage anlässlich der förmlichen Einvernahme weder 
verweigerte noch widersprüchlich zu den informellen Äusserungen aussagte, son-
dern die Sequenz bezüglich des Passanten wiederholte und demgegenüber noch 
näher konkretisierte. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gelangt die Kammer 
zum Schluss, dass auch diese Sequenz ihrer Aussage verwertbar ist.

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9.3 Konkrete Würdigung

9.3.1 Zum Unfallhergang

Bezüglich der Angaben zum Unfallhergang kann vorab auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Aussagen von 
I.________ und J.________ verwiesen werden (pag. 425 f., S. 14 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Die Vorinstanz hat sich differenziert mit den Aus-
sagen der Zeugen auseinandergesetzt und daraus die richtigen Schlussfolgerun-
gen hinsichtlich der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen gezogen. Zutreffend ist, wie 
auch die Verteidigung vorbringt (pag. 517), dass die Aussagen vor dem Hinter-
grund zu würdigen sind, dass die Zeugen vorgängig das Protokoll des Unfalls 
durchgelesen resp. die schriftlichen Unterlagen konsultiert haben (pag. 251 Z. 25, 
pag. 265 Z. 25 f.). Jedoch finden sich, wie die Vorinstanz richtig ausführt, bei bei-
den Zeugen Aussagen zu Nebensächlichkeiten, die auf eigenen Erinnerungen 
gründen, wie beispielsweise die im Auto der Beschuldigten herumliegenden Medi-
kamente (pag. 265 Z. 38 f.) oder, dass die Beschuldigte barfuss war (pag. 265 Z. 
42). I.________ erinnert sich, dass die Einvernahme in einem Untersuchungszim-
mer stattfand (pag. 250 Z. 22) und beschreibt eindrücklich, dass er sich heute noch 
dort stehen und mit der Beschuldigten sprechen sehe (pag. 251 Z. 39 f.). Dass sich 
I.________ demgegenüber zum wesentlichen Detail der konkreten Verfassung der 
Beschuldigten nicht mehr genau erinnern können soll, wie die Verteidigung vor-
bringt (pag. 515, pag. 517), erhellt der Kammer nicht. So gab er zwar an, den kon-
kreten medizinischen Ausdruck nicht zu wissen, beschrieb aber detailliert und le-
bensnah, dass die Beschuldigte auf der Unfallstelle recht verwirrt (pag. 249 Z. 32) 
und weinerlich (pag. 252 Z. 4 f.), im Spital dann ein wenig gefasster (pag. 250 Z. 
37) und ruhiger war (pag. 252 Z. 5). Auch diese Aussagen zum Zustand der Be-
schuldigten erachtet die Kammer als glaubhaft.

Bezüglich der Aussagen der Beschuldigten zum Unfallhergang verweist die Kam-
mer vorab auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz (pag. 427 f., S. 16 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Die Kammer kann sich insbesondere den 
Schlussfolgerungen der Vorinstanz, wonach sich in den Aussagen der Beschuldig-
ten anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung Widersprüche finden, und 
sie sich nur an Dinge erinnern können will, die für den bestrittenen Sachverhalt von 
geringer Relevanz zu sein scheinen, anschliessen. Exemplarisch sei an dieser 
Stelle auf die Aussagen der Beschuldigten verwiesen, wonach sie auf Vorhalt ihrer 
Angaben im Unfallaufnahmeprotokoll zunächst vorbrachte, dieses sage ihr nichts 
(pag. 271 Z. 22) und auf Nachfrage, dass sie sich echt nicht mehr daran erinnern 
könne, im Spital eine Aussage gemacht zu haben (pag. 271 Z. 34), sich demge-
genüber aber an die Befragung hinsichtlich des Erhebungsformulars wirtschaftliche 
Verhältnisse, die am gleichen Tag und im Anschluss an die Einvernahme zur Sa-
che stattfand (pag. 72 f.), erinnern konnte (pag. 268 Z. 16 f.). Auch vermochte die 
Beschuldigte weitere detaillierte Angaben zu ihrem Aufenthalt im Spital sowie zur 
Zeitspanne unmittelbar nach dem Unfall zu machen. Sie gab beispielweise an, 
dass die Krankenschwester zu ihr ins Zimmer gekommen sei und sie darüber in-
formiert habe, dass ihr Chef im Wartezimmer warte (pag. 271 Z. 7 f.). Weiter sagte 
sie aus, sie habe nach dem Unfall ihr Handy aus dem Auto geholt, ihren Chef an-

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gerufen und ihm gesagt, dass sie einen Unfall gehabt habe und deshalb nicht er-
scheinen werde (pag. 271 Z. 4 f.). Aus den Aussagen der Beschuldigten geht dem-
nach hervor, dass sie sich an die Zeitspanne unmittelbar nach dem Unfall und 
während ihres Aufenthalts im Spital in L.________ gut, klar und auch sehr detail-
liert erinnern konnte, aber von einer Einvernahme zur Sache und dem Lesen sowie 
Unterzeichnen des Unfallaufnahmeprotokolls nichts wissen wollte. 

Dieses Aussageverhalten der Beschuldigten ist vor dem Hintergrund des konkreten 
Inhalts des Protokolls zu sehen; es enthält insbesondere die Angaben der Be-
schuldigten, wonach es ihr während der Fahrt nicht gut gegangen und sie von ei-
nem Passanten auf ihre schlechte Fahrweise angesprochen worden sei. In Verbin-
dung mit der Tatsache, dass die Beschuldigte unbestrittenermassen unter Medi-
kamenteneinfluss ein Fahrzeug lenkte, sind diese Aussagen für sie mithin belas-
tend. Es fällt zudem auf, dass sich die Beschuldigte gerade an dieses Protokoll und 
diese Aussagen nicht mehr erinnern können will, aber an andere, nebensächlichere 
Gegebenheiten, die sich in der gleichen Zeitspanne und gar an den gleichen Ört-
lichkeiten zugetragen haben, dagegen schon. Dass es sich hierbei um übliche 
punktuelle Erinnerungslücken handeln soll, wie die Verteidigung vorbringt (pag. 
518), macht bereits deshalb keinen Sinn, da es sich hierbei um ein ganzes Ge-
schehnis (die Einvernahme an sich) handelt, an das sich die Beschuldigte nicht 
mehr erinnern können will. Wichtige Details, wie die fragliche Einvernahme, gehen 
erfahrungsgemäss nicht vergessen, sondern werden absichtlich verschwiegen. Mit 
der Vorinstanz gelangt die Kammer zum Schluss, dass es sich beim Einwand der 
Beschuldigten, sie könne sich nicht an das Unfallaufnahmeprotokoll oder ihre dies-
bezüglichen Aussagen im Spital erinnern, um eine Schutzbehauptung handelt. Die 
Kammer erachtet diese anlässlich der Hauptverhandlung vorgebrachten Aussagen 
der Beschuldigten als nicht glaubhaft. 

Gleich verhält es sich nach Ansicht der Kammer mit den an der Hauptverhandlung 
gemachten Aussagen der Beschuldigten bezüglich des Passanten, der sie auf ihr 
schlechtes Fahren aufmerksam gemacht haben soll. Auf Vorhalt dieser Aussage 
gab sie zu Protokoll, sie habe den Beamten damals sicher drei Mal gesagt, dass 
sie nicht wisse, ob diese Erinnerung mit dem Passanten reell sei. Sie habe das Ge-
fühl gehabt, sie habe dies bloss geträumt (pag. 270 Z. 31 f.). Gleich zu Beginn der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte die Beschuldigte demgegenüber aus: 
«Ich kann mich noch erinnern, dass ich bei L.________ durchgefahren bin und dann die Schnellstras-
se genommen habe. Auf Höhe K.________ hatte ich dieses Blackout. Ab da fehlt mir eine halbe 
Stunde von meinem Leben. […] Das nächste, woran ich mich erinnern kann, ist, dass es im Auto ge-
dreht hat.» (pag. 268 Z. 32 f.). Es mutet eigenartig an, dass sich die Beschuldigte, 
wie sie eingangs ihrer Einvernahme angab, weder an das Wenden noch an das 
Zurückfahren erinnern kann. Denn dann müsste konsequenterweise ebenfalls jegli-
che Erinnerung an den Passanten, ob nun geträumt oder nicht, fehlen. Diese Aus-
sage der Beschuldigten ist deshalb vielmehr als Schutzbehauptung zu werten. 
Nach Ansicht der Kammer sind auch keine Gründe ersichtlich, weshalb I.________ 
eine derartige Aussage der Beschuldigten erfunden haben sollte. Sie blieb ihm gar 
derart im Gedächtnis, dass er anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
angab, sich speziell an diesen Unfall erinnern zu können, gerade weil die Beschul-
digte aussagte, dass sie unterwegs von einem Passanten angesprochen worden 

18

sei, aber zu den Ereignissen vorher und nachher keine Angaben machen konnte 
(pag. 251 Z. 27 f.). 

Für die Kammer ist es, entgegen den Vorbringen der Verteidigung (pag. 516), 
durchwegs vorstellbar, dass ein Fahrzeugführer während seiner Fahrt von einem 
Passanten angesprochen wird. Wie I.________ richtig ausführt, gibt es zwei Mög-
lichkeiten, vom damaligen Domizil der Beschuldigten nach Bern zu fahren. Einer-
seits besteht eine Route von L.________ via M.________ nach N.________ oder 
eine via D.________ nach O.________. Gemäss der Angabe der Beschuldigten 
nahm sie jeweils die Route via L.________ – P.________ – M.________ (pag. 8), 
also jene über die Schnellstrasse, was mit ihrer Aussage übereinstimmt, sie könne 
sich noch an die Fahrt auf der Schnellstrasse ausgangs L.________ erinnern (pag. 
268 Z. 32 f.). Der Unfall ereignete sich dann nachweislich in D.________ auf der 
E.________(Strasse) in Richtung L.________, somit auf der anderen Route in 
Richtung Bern (via D.________ nach O.________). Für ein Wenden oder einen 
Wechsel quer auf die andere Route bestehen mehrere Möglichkeiten (vgl. den Kar-
tenausschnitt auf Google Maps htt-
ps://www.google.ch/maps/@46.9609046,7.6763976,12z?hl=de, zuletzt abgerufen 
am 19.01.2022), was auch I.________ bestätigt (pag. 249 Z. 45 f.). Auf beiden 
Routen nach Bern passieren Fahrzeugführer jeweils mehrere kleinere Ortschaften 
mit Fussgängerstreifen, Kreiseln und Trottoirs sowie reduzierten Höchstgeschwin-
digkeiten. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Beschuldigte, während sie durch ei-
ne Ortschaft fuhr oder vor einem Fussgängerstreifen anhielt, von einem Passanten 
angesprochen wurde. So wechselt die Strasse erst kurz vor Bern auf eine Auto-
bahn und die vorerwähnte Schnellstrasse mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 
km/h endet erstmals bereits bei der Ortseinfahrt Q.________. Wenn die Beschul-
digte nun angibt, dass sie eine vorsichtige Fahrerin sei und wenn ihr jemand unter-
wegs so etwas gesagt hätte, sie sicher nicht weitergefahren wäre (pag. 271 Z. 40 
f.), so handelt es sich ebenfalls um eine Schutzbehauptung. Wie die Vorinstanz zu-
treffend ausführt, versuchte die Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung, mit 
diesen Ausführungen ihr Verhalten zu erklären. Dies im Wissen darum, dass diese 
Aussage anlässlich der ersten Einvernahme für sie belastend war.

Schliesslich ist der Vorinstanz dahingehend zuzustimmen, dass die Aussage der 
Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung, sie habe während der Fahrt einen 
Hustenanfall erlitten und aufgrund der verstopften Nase plötzlich Mühe gehabt, 
richtig atmen zu können (pag. 270 Z. 39 f.), als Schutzbehauptung zu werten ist. 
Befindet sich ein Fahrzeugführer aufgrund eines überraschenden Hustenanfalls in 
der Situation, nicht mehr richtig atmen zu können, so kann dies durchwegs zu ei-
nem (mithin nicht im Machtbereich des Fahrzeugführers liegenden) Unfall führen. 
Dass die Beschuldigte gegenüber den anwesenden Polizisten und auch anlässlich 
der Ersteinvernahme ein für sie nachvollziehbar prägendes und derart wesentliches 
Detail verschwiegen haben sollte, ist nicht vorstellbar. So ist die Erinnerung unmit-
telbar nach einem Ereignis resp. dem Tatzeitpunkt noch «frisch» und die Aussagen 
aufgrund der Tatnähe erfahrungsgemäss sehr detailliert und lebensnah. Es wäre 
aus Sicht der Kammer schlichtweg lebensfremd, ein solches Detail zu vergessen 
und im Rahmen der Ersteinvernahme direkt nach dem Unfall nicht zu erwähnen. 
Die Beschuldigte gab einzig an, dass sie sich nicht wohl gefühlt habe (pag. 8), 

19

konnte dies gemäss den Aussagen von I.________ dann aber nicht näher spezifi-
zieren (pag. 250 Z. 31 f.). Es fällt auf, dass sich der Zustand der Beschuldigten in-
nerhalb der kurzen Zeit (Abfahrt zwischen 12:00 Uhr und 12:15 Uhr [pag. 268 Z. 
31] und dem Unfallzeitpunkt um 13:10 Uhr) von einer wenig laufenden Nase bei der 
Abfahrt (pag. 270 Z. 26) bis hin zu einem derart schlimmen Hustenanfall mit 
Schwierigkeiten bei der Atmung verschlechtert haben soll. Dem ärztlichen Untersu-
chungsprotokoll, welches nur wenige Stunden nach dem Unfall erstellt wurde, ist 
dann aber nicht zu entnehmen, dass die Beschuldigte eine verstopfte Nase oder 
Husten gehabt hatte. Gemäss Protokoll wurde kein «schniefen» festgestellt und 
das Nasenseptum als unauffällig beschrieben (pag. 30). Die Kammer erachtet die-
se Aussage der Beschuldigten zum Grund ihres Unwohlseins als nicht glaubhaft 
und stellt folglich nicht darauf ab. Vielmehr geht die Kammer davon aus, dass das 
Unwohlsein der Beschuldigten durch die vorgängige Medikamenteneinnahme – 
gegebenenfalls in Kombination mit der Erkältung – verursacht wurde, da auf diese, 
wie nachfolgend noch dargelegt wird (vgl. Ziff. 9.3.2 hiernach), ebenfalls das 
Blackout und die Amnesie zurückzuführen sind.

Demgegenüber sind die anlässlich der Unfallaufnahme protokollierten Aussagen 
der Beschuldigten detailliert und stimmen sowohl mit den objektiven Beweismitteln 
wie auch mit den Aussagen der Zeugen überein. So gab die Beschuldigte an, sie 
sei am Mittag von ihrem Domizil aus in Richtung Bern losgefahren, wobei sie nor-
malerweise die Route via L.________ – P.________ – M.________ nehme. Auf-
grund einer Erkältung sei sie bis am Freitag, 21. September 2018 krankgeschrie-
ben gewesen. Auf halber Strecke habe sie sich dann entschieden, doch nicht zur 
Arbeit zu fahren. Sie habe gewendet, um wieder nach Hause zu fahren, könne aber 
nicht sagen, wo sie gewendet habe und wie sie auf die E.________(Strasse) in 
D.________ gekommen sei. Anschliessend sei sie auf der E.________(Strasse) in 
Richtung L.________ gefahren, als sie plötzlich einen Knall vernommen habe und 
ihr Fahrzeug herumgewirbelt worden sei. Sie habe aussteigen wollen, dies aber nur 
beifahrerseitig gekonnt. Auf der Unfallstelle sei noch ein silberfarbenes Auto ge-
standen, welches wohl auch in den Unfall verwickelt gewesen sei (pag. 8). Die 
Krankschreibung bis am 21. September 2018 aufgrund einer Erkältung wurde an-
lässlich der Einvernahme an der Hauptverhandlung durch R.________ bestätigt 
(pag. 263 Z. 40 f.), der Unfall hatte sich unbestrittenermassen auf der 
E.________(Strasse) in Richtung L.________ ereignet (pag. 4) und beim in den 
Unfall verwickelten Auto der vormaligen Privatklägerin handelte es sich um einen 
grauen S.________, resp. um ein silberfarbenes Auto (pag. 10, pag. 176). Auch 
bestätigte die Beschuldigte anlässlich ihrer Einvernahme an der Hauptverhandlung, 
dass sich das Auto beim Unfall gedreht und sie dieses nur auf der Beifahrerseite 
habe verlassen können (pag. 268 Z. 36 f.). Wie bereits dargelegt, bestätigte 
I.________ ebenfalls den Umstand, dass sich die Beschuldigte nicht gut gefühlt 
habe und von einem Passanten auf ihr «schlechtes Fahren» angesprochen worden 
sei (pag. 250 Z. 24 f.). Aufgrund der Tatnähe der Aussagen sowie der Überein-
stimmung mit den übrigen Beweismitteln erachtet die Kammer diese Aussagen der 
Beschuldigten im Unfallaufnahmeprotokoll anlässlich der ersten Einvernahme als 
glaubhaft und stellt hinsichtlich dem Unfallgeschehen auf diese ab. 

20

9.3.2 Zur Medikamenteneinnahme

Auf die Ausführungen der Vorinstanz hinsichtlich der Aussagen der Zeugen 
T.________ und R.________ sowie der Beschuldigten kann grundsätzlich verwie-
sen werden (pag. 429 f., S. 18 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Ergän-
zend ist festzuhalten, dass die Aussagen von T.________, gerade im Hinblick auf 
den Gesundheitszustand der Beschuldigten, über weite Teile detailliert und aus-
führlich sind. Für die Kammer sprechen die teils eher allgemein gehaltenen Antwor-
ten von R.________, so namentlich bei der Frage, ob sie mit der Beschuldigten 
über den Zeitpunkt der Einnahme von Zolpidem gesprochen habe (pag. 263 Z. 16 
f.), die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht ab. So gab denn auch T.________ an, 
nicht mit der Beschuldigten über den genauen Einnahmezeitpunkt gesprochen zu 
haben, sondern es sei selbstverständlich, ein Schlafmittel nur auf die Nacht hin zu 
nehmen (pag. 259 Z. 43 f.). Der von der Vorinstanz diskutierte Widerspruch hin-
sichtlich der genauen Dosierung des Zolpidems zum Unfallzeitpunkt dürfte auch 
damit zusammenhängen, dass T.________ Ende Februar 2018 in Pension ging 
(pag. 261 Z. 24) und seither keinen Zugang zu den Patientendossiers hatte. Dass 
er sich nicht mehr genau an die letztmalige Dosierung erinnern kann, ist vor diesem 
Hintergrund nachvollziehbar, zumal die der Beschuldigten abgegebene Dosis seit 
Beginn der Behandlung, aufgrund des Entzugs mit entsprechender Reduktion und 
anschliessender erneuter Erhöhung, auch variierte. Darüber hinaus vermag die 
Kammer keine Widersprüche in den Aussagen der Zeugen zu erkennen, weshalb 
nachfolgend auf diese abgestellt wird.

Die Aussagen der Beschuldigten zur Medikamenteneinnahme stimmen, wie die 
Vorinstanz zutreffend festhielt (pag. 432, S. 21 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung), grundsätzlich mit jenen von T.________ und R.________ sowie mit den ob-
jektiven Beweismitteln überein. Ein Widerspruch findet sich einzig im Protokoll der 
ärztlichen Untersuchung, dem hinsichtlich Medikamentenkonsum weder ein Hin-
weis auf U.________® oder den Wirkstoff Zolpidem noch auf das Antidepressivum 
V.________® oder den Wirkstoff Trimipramin zu entnehmen ist, sondern einzig auf 
den Blutdrucksenker und die «Erkältung» (pag. 30). Auf entsprechende Nachfrage 
hin antwortete die Beschuldigte, sie habe immer sofort angegeben, dass sie Zolpi-
dem nehme und habe nie verschwiegen oder versucht, dies zu verstecken oder zu 
verheimlichen (pag. 269 Z. 29 f.). Dass die Beschuldigte ihren Medikamentenkon-
sum anlässlich der ärztlichen Untersuchung nach dem Unfall nicht angab, dürfte 
wiederum darauf zurückzuführen sein, dass sie sich nicht übermässig belasten 
wollte, gerade vor dem Hintergrund ihrer Suchtthematik in der Vergangenheit (so 
begab sich die Beschuldigte im Jahre 2016 aufgrund einer Abhängigkeit vom Wirk-
stoff Zolpidem in ambulante Therapie [pag. 258 Z. 36 f.]). Wenn die Beschuldigte 
nun angibt, sie habe nie die Einnahme von Zolpidem verschwiegen, so handelt es 
sich hierbei um eine Schutzbehauptung. Darüber hinaus sind die Aussagen der 
Beschuldigten zur Medikamenteneinnahme detailliert und in sich widerspruchsfrei. 
Sie gab an, in der Nacht vor dem Unfall ungefähr 5 Tabletten Zolpidem (pag. 269 
Z. 17 f.), letztmalig morgens um 04:00 Uhr, eingenommen zu haben (pag. 269 Z. 
16 f. und pag. 273 Z. 20). Auch die Hausärztin R.________ bestätigte, dass die 
Beschuldigte in dieser Zeit zwischen 4-5 Tabletten pro Nacht benötigte (pag. 263 Z. 
3 f.) und ihr hierfür wöchentlich eine Packung mit 30 Tabletten abgegeben worden 

21

sei (pag. 263 Z. 4 f.). Demnach konnte die Beschuldigte in einer Woche pro Nacht 
rund 4,5 Tabletten Zolpidem einnehmen, was zu ihrer Angabe passt, wonach sie in 
der fraglichen Nacht ungefähr 5 Tabletten eingenommen hatte. Diese Aussagen 
der Beschuldigten erachtet die Kammer als glaubhaft und stellt nachfolgend darauf 
ab.

Hinsichtlich der Nachtruhe ist dem Polizeiprotokoll zu entnehmen, dass die Be-
schuldigte in der Nacht vom 18. September auf den 19. September von 22:00 Uhr 
bis 11:00 Uhr letztmalig geschlafen haben soll (pag. 17). Auf diesen Umstand hin 
angesprochen führte die Beschuldigte aus, dass dies nicht möglich sei, da sie nie 
länger als eine Stunde am Stück – mit Einnahme eines Zolpidems – habe schlafen 
können (pag. 273 Z. 39 f.). Sie gab weiter an, sie habe in der Nacht vor dem Unfall 
nach der Einnahme des letzten Zolpidem noch etwa eine Stunde geschlafen und 
sei dann wach im Bett gelegen (pag. 273 Z. 45). Nach der Einnahme einer Tablette 
Zolpidem habe sie ca. eine Dreiviertelstunde bis eine Stunde schlafen können. 
Wenn sie dann wieder erwacht sei, habe sie versucht, wieder einzuschlafen und 
wenn dies nicht gelang, habe sie wieder eine Tablette Zolpidem eingenommen. 
Ungefähr morgens um 04:00 Uhr habe sie die letzte Tablette Zolpidem genommen, 
insgesamt seien es in dieser Nacht ungefähr 5 Zolpidemtabletten gewesen (pag. 
269 Z. 14 f.). Die Angabe zum Schlaf gemäss dem Polizeiprotokoll entspräche ei-
nem der beiden Ergebnisse des Aktengutachtens, wonach die Beschuldigte ab 
22:00 Uhr bis ca. 11:30 Uhr alle 2 Stunden eine Tablette, mithin insgesamt 9 Ta-
bletten hätte nehmen müssen, um den anlässlich der ärztlichen Untersuchung am 
Unfalltag gemessenen Wert zu erreichen (pag. 311). Wie nachfolgend noch darge-
legt wird, kann die Kammer jedoch nicht auf diese Schlussfolgerung im Aktengut-
achten abstützen. Es ist in Bezug auf die Nachtruhe infolgedessen von der Sach-
verhaltsdarstellung der Beschuldigten auszugehen, zumal sie in Bezug auf ihre 
Nachtruhe oder eben der Schwierigkeiten mit derselben einen hohen Erfahrungs-
wert aufzuweisen vermag. So passt die Aussage der Beschuldigten zum Schlaf zu 
ihrer Angabe, wonach sie den Blutdrucksenker um 10:00 Uhr und nicht unmittelbar 
vor Antritt der Fahrt eingenommen habe (pag. 269 Z. 24 f.). Wenn die Beschuldigte 
angibt, sie könne nach der Einnahme einer Zolpidemtablette nur maximal eine 
Stunde schlafen und sie habe nach der letztmaligen Einnahme einer Tablette um 
04:00 Uhr noch eine Stunde geschlafen, dann muss davon ausgegangen werden, 
dass die Beschuldigte vor dem Tag des Unfalls zwar einige Stunden geschlafen 
hatte, in jedem Fall aber nicht 13 Stunden, wie im Polizeiprotokoll angegeben. 

Bezüglich der Würdigung des forensisch-toxikologischen Abschlussberichts und 
des Gutachtens sowie der Anschlussfragen kam die Vorinstanz zum Ergebnis, 
dass das Gutachten bzw. die Beantwortung der Ergänzungsfragen mehr Dunkel ins 
Licht gebracht hätten als umgekehrt und letztlich offenbleiben könne, wie genau es 
zum festgestellten Zolpidem-Wert im Blut der Beschuldigten gekommen sei (pag. 
432 f., S. 21 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Dieser Schlussfolgerung 
kann sich die Kammer nicht anschliessen. 

Die einzige Unklarheit, die sich aus Sicht der Kammer aus dem Gutachten bzw. 
aus der Beantwortung der Ergänzungsfragen ergibt, ist jene hinsichtlich der Frage 
nach der Halbwertszeit, resp. des Zeitpunkts der letztmaligen Einnahme und der 

22

eingenommenen Dosis Zolpidem in der Nacht vor dem Unfall. Das Aktengutachten 
gelangte aufgrund der Berechnung mittels eines Pharmakokinetik-Programms un-
ter Berücksichtigung des Körpergewichts der Beschuldigten zum Schluss, dass, um 
einen Wert der nach dem Unfall gemessenen Zolpidem-Konzentration von 379 
µg/L zu erreichen, entweder mehr Tabletten oder diese später als von der Be-
schuldigten angegeben eingenommen werden mussten (pag. 311). Dieser Berech-
nung wurde ein Abbau des Wirkstoffes im Normalfall, mit einer Plasmaeliminati-
onshalbwertszeit von 2.2 bis 2.9 Stunden, zugrunde gelegt (pag. 310). Nicht 
berücksichtigt wurde jedoch die Möglichkeit eines «Sockelwertes», der beispielwei-
se bei längerzeitiger Verschreibung des Medikaments (in hoher Dosierung) entste-
hen kann. Zur Ermittlung eines selbigen «Sockelwertes» wären gemäss Aktengut-
achten demgegenüber konkrete Angaben nötig gewesen, wieviel Zolpidem in den 
Tagen und Wochen vor dem Ereignis verschrieben und eingenommen worden sei-
en. Mangels Vorliegen dieser Angaben sei eine Langzeitdosierung nicht in die Be-
rechnung mit dem Pharmakokinetik-Programm und damit für die Bestimmung der 
letztmaligen Einnahme und Höhe der Dosis (pag. 310) eingeflossen (pag. 341). 

Daraus folgt, dass die Berechnung der Wirkstoffkonzentration nicht unter Berück-
sichtigung der Werte der Beschuldigten, die zu dieser Zeit 4 bis 5 Tabletten pro 
Tag einnahm, sondern eines «Normalwerts», bei Einnahme von einer Tablette pro 
Tag, bestimmt wurde. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen sowie der Tatsa-
che, dass das Aktengutachten die Dosierung der Beschuldigten zum Unfallzeit-
punkt unberücksichtigt liess, bestehen für die Kammer erhebliche Zweifel an den 
Schlussfolgerungen hinsichtlich der letztmaligen Einnahme und der Dosierung des 
Zolpidems. Stattdessen ist in dubio pro reo von den Angaben der Beschuldigten 
auszugehen, wonach sie in der Nacht vor dem Unfall 5 Tabletten Zolpidem einge-
nommen hatte und die letzte Einnahme um 04:00 Uhr morgens erfolgte. Hiervon 
abgesehen sind das Gutachten sowie das darauf gestützte Aktengutachten aus 
Sicht der Kammer schlüssig, vollständig und nachvollziehbar. Es ist – unter Aus-
nahme der vorerwähnten Unklarheit – im Folgenden darauf abzustützen. 

So geht die Kammer infolgedessen auch davon aus, dass der maximale therapeu-
tische Wert von Zolpidem im Blut 218 µg/L beträgt und aufgrund des bei der Be-
schuldigten festgestellten Werts von 379 µg/L im Unfallzeitpunkt ein «überthera-
peutischer» Wert mit den im Gutachten bezeichneten Folgen bestand. So sind 
gemäss dem Aktengutachten therapeutische Konzentrationen nach Einnahme der 
empfohlenen Tagesdosis, mithin von 10 mg Zolpidem, zu erwarten (pag. 309). 
Zwar ist der «übertherapeutische» Wert der Beschuldigten mit der langfristigen 
Einnahme des Vier- bis Fünffachen der empfohlenen Tagesdosis erklärbar, jedoch 
findet sich weder in den Gutachten noch den Aussagen von T.________ und 
R.________ ein Hinweis darauf, dass die Wahrscheinlichkeit von unerwünschten 
Wirkungen und Nebenwirkungen mit höherer Konzentration nicht ebenfalls steige.

Demgegenüber verfängt der hartnäckig vorgebrachte Einwand seitens der Vertei-
digung, für die Halbwertszeit sei eine Leber- oder Niereninsuffizienz zu berücksich-
tigen (pag. 378, pag. 527, pag. 530), auch aus Sicht der Kammer nicht. Weder der 
langjährige Hausarzt T.________, der zu Beginn seiner Einvernahme ausführlich 
die Anamnese der Beschuldigten zu Protokoll gab (pag. 258 Z. 17 ff.), noch die 

23

heutige Hausärztin R.________ noch die Beschuldigte selbst gaben je an, dass die 
Beschuldigte an einer derartigen Insuffizienz leide. Auch die umfassende ärztliche 
Untersuchung anlässlich des Unfalls trug kein solches Ergebnis zutage (pag. 21 
ff.). Dieser Einwand entzieht sich mithin jeglicher Grundlage und ist folglich nicht zu 
hören.

Dem Gutachten ist in Bezug auf den Wirkstoff Zolpidem zu entnehmen, dass es 
gemäss dem Arzneimittelkompendium bei dessen Einnahme in Bezug auf die Fahr-
fähigkeit zu unerwünschten Wirkungen kommen könne, die eine Gefahr darstellten. 
Aufgeführt werden namentlich Schläfrigkeit, verlängerte Reaktionszeit, Benom-
menheit, Müdigkeit, Sehstörungen / verschwommenes Sehen, verminderte Auf-
merksamkeit, verminderte Fahrtüchtigkeit (pag. 26 f.). Zur Begegnung dieser Ge-
fahren führt das Gutachten aus was folgt: «Um dieses Risiko zu vermindern, und wegen der 
langen Wirkungszeit des Medikamentes […] ist eine ganze Nacht an Schlaf (7-8 Stunden) empfeh-
lenswert. Weiterhin erhöht die gemeinsame Verabreichung von Zolpidem […] oder anderen ZNS-
dämpfenden Substanzen das Risiko für derartige Wirkungen. Die Patienten müssen entsprechend in-
formiert werden, um die gleichzeitige Einnahme von […] anderen psychoaktiven Substanzen während 
der Behandlung mit Zolpidem zu vermeiden. Das mit der anterograden Amnesie zusammenhängende 
Risiko ist ebenfalls zu berücksichtigen.» (pag. 27). Weiter wird festgestellt, dass die im Po-
lizei- und Arztprotokoll angegebenen verkehrsrelevanten Auffälligkeiten, Blackout 
und Amnesie, durch die Wirkung von Zolpidem in Kombination mit einem weiteren 
zentral wirksamen Medikament erklärbar seien. Das Gutachten gelangt mithin zum 
Schluss, dass die Beschuldigte aufgrund der Medikamenteneinnahme (Schlafmittel 
und Antidepressivum) nicht fahrfähig gewesen sei (pag. 27). Das daraufhin erstellte 
Aktengutachten hielt fest, dass auch nach der Einnahme von 4 bis 5 Tabletten Zol-
pidem bis 04:00 Uhr dieses um 12:00 Uhr noch in therapeutischer Form vorliegen 
würde und sowohl ein Blackout durch Einschlafen als auch eine Amnesie möglich 
seien. Zudem führte das Aktengutachten weiter aus: «Der Mischkonsum von Zolpidem 
und Trimipramin (Wirkstoff des V.________®) kann zur Verstärkung der sedierenden Wirkung 
führen.» (pag. 311). Auch das Aktengutachten bestätigt schliesslich die Empfehlung 
hinsichtlich der Ruhezeit: «[…] Es wird gemäss Fachinformation darauf hingewiesen, dass eine 
ganze Nacht geschlafen werden soll, bevor z.B. ein Fahrzeug geführt wird. Die Richtigkeit der Ver-
schreibung von 5 x 10 mg Zolpidem zur Einnahme im Abstand von je ca. 1 Stunde wäre deshalb 
zunächst zu überprüfen.» (pag. 310). Gleiches führt schliesslich auch das Compendium 
in Bezug auf die Patienteninformation aus (htt-
ps://compendium.ch/product/1033567-U.________-cr-ret-tabl-6-25-mg/mpub, zu-
letzt abgerufen am 19.01.2022). 

Auf die Frage, ob die Einnahmezeit und Ruhezeit nach der Einnahme von Zolpi-
dem mit den Ärzten besprochen worden sei, gab die Beschuldigte an, dies sei nicht 
der Fall gewesen, da alle gewusst hätten, dass sie die Tabletten nicht miteinander, 
sondern eine nach der anderen bei Bedarf einnehme (pag. 270 Z. 15 f.). Beide 
Zeugen gaben bezüglich dem Zeitpunkt der Einnahme an, Zolpidem dürfe logi-
scherweise nur auf die Nacht hin genommen werden. Gemäss T.________ sei dies 
nicht explizit so verschrieben worden, sondern es sei selbstverständlich, ein 
Schlafmittel erst auf die Nacht hin zu nehmen (pag. 259 Z. 43 ff., pag. 263 Z. 16 f.). 
Bei Bedarf könne man es noch im Verlauf der Nacht einnehmen (pag. 263 Z. 17). 
Hinsichtlich der Ruhezeit gab T.________ an, er habe sich in dem Sinne mit der 

24

Beschuldigten darüber unterhalten, als sie über die Wirkdauer des Medikaments 
(4-6 Stunden) gesprochen hätten (pag. 260 Z. 18 f.). Für ihn sei klar gewesen, dass 
sie fahrfähig sei, wenn sie Zolpidem nur auf die Nacht hin einnehme (pag. 260 Z. 
11 f.). Daraus folgt, dass Zolpidem grundsätzlich nur auf die Nacht hin einzuneh-
men ist und, gemäss ärztlicher Verordnung im vorliegenden Fall, nur bei Bedarf im 
Verlaufe der Nacht. Weiter muss gemäss dem Gutachten und den Angaben des 
Herstellers eine ganze Nacht (7-8 Stunden) geschlafen werden, bevor ein Fahr-
zeug geführt werden darf.

Schliesslich kam das Aktengutachten, in Übereinstimmung mit den Angaben von 
T.________ (pag. 261 Z. 6) und R.________ (pag. 264 Z. 27 f.) zum Schluss, dass 
die regelmässige Einnahme von Zolpidem zu einem Gewöhnungseffekt führen 
könne. Bestätigt wurde weiter die Möglichkeit, dass bei häufigem am Tag einge-
nommenem Zolpidem die Akkumulation zu einem «Sockelwert» führen könne, bei 
dem sich der Wirkstoff nicht oder nicht vollständig abbaue (pag. 312). Schliesslich 
bestätigte das Aktengutachten auch die Angabe von T.________ (pag. 260 Z. 39 
f.), dass der Spiegel von Zolpidem im Blut nicht zwingend etwas über die Wirkung 
des Medikaments aussage, sondern diese je nach Patient und abhängig von der 
Toleranzentwicklung sei (pag. 312). 

Zum V.________® gab die Beschuldigte an, sie habe täglich zwei Tabletten ein-
nehmen müssen (pag. 269 Z. 39), wobei R.________ angibt, der im V.________® 
enthaltene Wirkstoff Trimipramin sei der Beschuldigten von ihr nicht regelmässig 
verschrieben worden, sondern es habe sich um eine «Einnahme bei Bedarf» ge-
handelt. Regelmässig seien bei ihr nur Zolpidem und das Bluthochdruckmittel ver-
ordnet worden (pag. 262 Z. 35 f. und 41 f.). T.________ sagte hierzu aus, er habe 
der Beschuldigten Trimipramin als Schlafmittelergänzung verschieben (pag. 259 Z. 
19 f.). Zur Wirkung von Trimipramin gab er an, diese sei extrem unterschiedlich, 
aber eine eigentliche Gewöhnung trete seiner Erfahrung nach nicht ein (pag. 261 Z. 
10 f.). Aus dem Umstand, dass die Hausärztin den Wirkstoff Trimipramin nicht re-
gelmässig, sondern nur auf Bedarf hin verordnet hatte, und die Beschuldigte dem-
gegenüber angab, sie habe täglich zwei Tabletten eingenommen, muss geschlos-
sen werden, dass sich die Beschuldigte nicht an die ärztlich verordnete Einnahme 
des Medikaments V.________® «bei Bedarf» gehalten hatte. Sie nahm dieses, wie 
sie sagt, demgegenüber «täglich» ein.

Vorliegend ist für die Kammer aufgrund der Aussagen, sowohl der Beschuldigten 
selbst wie auch der Zeugen T.________ und R.________, erstellt, dass die Be-
schuldigte im Zeitraum des Unfalls pro Nacht 4-5 Zolpidem-Tabletten und mithin 
nicht nur vor dem Schlafengehen, sondern auch noch während der Nacht einnahm. 
Hinzu kam die Einnahme von täglich zwei Tabletten des Wirkstoffs Trimipramin. Da 
der Beschuldigten die Packungsbeilage bekannt war und sie den Wirkstoff Zolpi-
dem bereits seit mehreren Jahren einnahm, musste sie um die möglichen Neben-
wirkungen der kombinierten Einnahme von Zolpidem und Arzneimitteln zur Be-
handlung psychischer Probleme, wie beispielsweise Trimipramin, sowie um die Ri-
siken, die sich daraus für das Führen eines Fahrzeuges ergaben, wissen. Dies 
muss umso mehr gelten, als die Beschuldigte, zwar auf ärztliche Verschreibung hin 
aber entgegen der Empfehlung des Herstellers, mehr als eine Tablette pro Nacht 

25

eingenommen und sich insbesondere nicht an die empfohlene Einnahmezeit vor 
dem Zubettgehen gehalten hatte. Hinzu kommt, dass die Beschuldigte den Wirk-
stoff Trimipramin nicht wie verordnet bei Bedarf einnahm, sondern täglich, was 
konsequenterweise zu einer Erhöhung der Wirkstoffkonzentration führte. Ob in der 
Nacht vor dem Unfall überdies die empfohlene Nachtruhe von 7 bis 8 Stunden ein-
gehalten worden war, ist nach Ansicht der Kammer zumindest fraglich, jedoch letzt-
lich nicht von Belang. Denn gemäss den Gutachten vermochte das Schlafen 
während einer ganzen Nacht die Risiken von Nebenwirkungen nicht gänzlich aus-
zuschliessen, sondern lediglich zu vermindern (pag. 27 und pag. 310). 

Die Kammer geht weiter, gestützt auf die Ergebnisse der Gutachten, davon aus, 
dass das von der Beschuldigten zum Unfallzeitpunkt erlittene Blackout und die im 
ärztlichen Untersuchungsprotokoll festgestellte Amnesie eine Folge der kombinier-
ten Einnahme der Wirkstoffe Zolpidem und Trimipramin waren. Eine zusätzliche 
medizinische Unfallursache ergibt sich weder aus den objektiven Beweismitteln 
noch aus den Aussagen. Die Kammer geht mit der Vorinstanz einig, dass mit der 
Erkältung, unter der die Beschuldigte zum Unfallzeitpunkt litt, ein weiterer Faktor 
hinzugetreten war, aufgrund dessen die Beschuldigte nicht von voller Leistungs-
fähigkeit hinsichtlich des Führens eines Fahrzeuges ausgehen durfte. 

Auch gereicht die Annahme, dass aufgrund der langjährigen Einnahme und hoher 
Dosierung des Wirkstoffes Zolpidem bei der Beschuldigten ein Gewöhnungseffekt 
eingetreten war, aus Sicht der Kammer nicht zum Vorteil der Beschuldigten. Im 
Gegenteil kam das Aktengutachten gar zum Schluss, dass mit steigender Konzen-
tration des Wirkstoffes, wovon bei einer Einnahme von 4-5 Tabletten pro Nacht 
zweifellos ausgegangen werden kann, auch die Wahrscheinlichkeit von uner-
wünschten Wirkungen und Nebenwirkungen steige und die gewünschte sedierende 
Wirkung ebenfalls stärker werde (pag. 309). Zudem nehmen mit der Einnahme-
dauer erfahrungsgemäss auch Beeinträchtigungen verkehrsrelevanter Leistungs-
funktionen zu. Wie alle zentraldämpfenden Medikamente können Benzodiazepine 
(wie Trimipramin) und Z-Hypnotika (wie Zolpidem) zu Müdigkeit, Benommenheit, 
Muskelschwäche, verlängerter Reaktionszeit und verminderter Aufmerksamkeit 
führen. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf die Fahrfähigkeit haben (STEINDL, 
Verkehrsmedizin und Verkehrspsychologie / Problematik der Sedativa und Hypno-
tika, mit Fokus auf Benzodiazepine und Z-Hypnotika, aus verkehrsmedizinischer 
Sicht, in: LANDOLT/DÄHLER (Hrsg.), Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2021, 
Zürich/St. Gallen 2021, S. 253). Weshalb es unwahrscheinlich sein sollte, dass die 
jahrelange resp. jahrzehntelange Einnahme von Medikamenten zur Fahrunfähigkeit 
führen könne, wie die Verteidigung vorbringt (pag. 525), ist demnach nicht belegt. 

Folglich durfte sich die Beschuldigte weder auf einen Gewöhnungseffekt noch auf 
einen allfälligen «Sockelwert» des Zolpidem-Spiegels im Blut verlassen. Ebenso-
wenig ausschlaggebend ist aus Sicht der Kammer der Umstand, dass die Beschul-
digte mit ihren Hausärzten nicht über den Einfluss der Medikamente auf die Fahr-
fähigkeit gesprochen hatte (pag. 270 Z. 9 f.). So müssen sich Fahrzeugführer stets 
vor Antritt der Fahrt oder in Ausnahmefällen während der Fahrt auf ihre Fahrfähig-
keit hin kontrollieren (FAHRNI/HEIMGARTNER, in: Basler Kommentar Strassenver-
kehrsgesetz, 1. Aufl. 2014, N 38 zu Art. 91 SVG). 

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Mit Blick auf die rechtliche Würdigung geht die Kammer somit beweismässig davon 
aus, dass die Beschuldigte, im Wissen um die Risiken hinsichtlich des Führens ei-
nes Fahrzeuges bei der Einnahme von Zolpidem, aufgrund Nichtberücksichtigung 
der Vorgaben des Herstellers bei dessen Einnahme (Höchstdosis, Einnahmezei-
ten) und des Mischkonsums mit Trimipramin, welches die Beschuldigte zudem 
nicht wie verordnet einnahm, bereits bei Antritt der Fahrt damit rechnen musste, 
dass unerwünschte Nebenwirkungen in Bezug auf die Fahrfähigkeit auftreten könn-
ten. 

Hinsichtlich der Frage nach dem Zustand, in dem sich die Beschuldigte bei Antritt 
der Fahrt befand, ist der vorinstanzlichen Urteilsbegründung kein konkretes Fazit 
zu entnehmen, jedoch geht diese davon aus, dass die Beschuldigte wusste, dass 
ihre Fahrfähigkeit beeinträchtigt ist bzw. fehlt (pag. 429, S. 18 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). Die Beschuldigte äusserte sich anlässlich der erstinstanzlichen 
Einvernahme dahingehend, dass es ihr im Verlaufe des Morgens viel besser ge-
gangen sei. So sei die Nase nicht mehr gelaufen, das Halsweh sei besser gewesen 
und Ohren- und Kopfweh habe sie nicht mehr gehabt (pag. 268 Z. 27 f.). Bei der 
Abfahrt habe sie sich gut gefühlt, einfach die Nase sei ein wenig gelaufen aber 
sonst sei es ihr gut gegangen, sie habe sich fit gefühlt (pag. 270 Z. 26). Anlässlich 
der ersten Einvernahme am Unfalltag gab die Beschuldigte nur an, dass sie sich 
auf halber Strecke entschieden habe, doch nicht zur Arbeit zu fahren. Sie habe sich 
nicht gut gefühlt (pag. 8). Weiter finden sich keine Hinweise auf den Zustand der 
Beschuldigten vor Antritt der Fahrt, so insbesondere zur Frage der spürbaren Wir-
kung des Zolpidems und des Mischkonsums mit Trimipramin. T.________ führte 
anlässlich der Einvernahme einzig aus, dass der (Zolpidem-)Spiegel im Blut nicht 
zwingend etwas über die Wirkung des Medikaments aussage, da diese Wirkung 
von Patient zu Patient unterschiedlich sei (pag. 260 Z. 40 f.). 

Demgegenüber stehen die Werte der Beschuldigten, welche auch rund drei Stun-
den nach der Abfahrt hinsichtlich Zolpidem im «übertherapeutischen» und bezüg-
lich Trimipramin im «therapeutischen» Bereich vorlagen (pag. 25). Diese mussten 
aus Sicht der Kammer, auch unter Berücksichtigung einer allfälligen Gewöhnung, 
zum Zeitpunkt des Fahrtantritts im gleichen wenn nicht gar im höheren Bereich ge-
legen haben. Zudem attestierte die ärztliche Untersuchung nach dem Unfall, in 
Übereinstimmung mit den glaubhaften Darstellungen von I.________ und 
J.________, ein verwirrtes Verhalten der Beschuldigten sowie eine leichte Beein-
trächtigung (pag. 30). Auch wenn sich die Beschuldigte bei Fahrtantritt noch «fit» 
fühlte, so musste sie die körperlichen Auffälligkeiten bemerken und jedenfalls auf-
grund ihrer Medikamenteneinnahme zumindest daran zweifeln, das Fahrzeug 
während der gesamten Fahrt nach Bern sicher führen zu können. 

10. Beweisergebnis der Kammer

Die Kammer geht gestützt auf die vorstehende Würdigung von folgendem, rechts-
erheblichen Sachverhalt aus: 

Die Beschuldigte nahm in der Nacht vor dem Unfall mehrmals, letztmalig morgens 
um 04:00 Uhr, insgesamt ungefähr 5 Zolpidemtabletten und am Morgen des Unfall-
tages eine Tablette Trimipramin ein. Die Beschuldigte hatte in der Vergangenheit 

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die Packungsbeilage von Zolpidem gelesen und wusste um die Risiken hinsichtlich 
des Führens eines Fahrzeuges bei gleichzeitiger Einnahme von Zolpidem. So 
wusste sie namentlich, auch aufgrund ihrer eigenen Suchtproblematik, um die hohe 
Dosierung (empfohlene Höchstdosis des Herstellers liegt bei einer Tablette pro 
Tag), um die Empfehlung bezüglich der Einnahmezeit (am Abend vor dem Zubett-
gehen) sowie um die Risiken der kombinierten Einnahme eines Antidepressivums. 
Überdies war die Beschuldigte aufgrund einer Erkältung krankgeschrieben. Für die 
Kammer ist beweismässig erstellt, dass der Beschuldigten die Wirkung der Medi-
kamente vor Antritt und während der Fahrt bewusst war. Aufgrund dieser Umstän-
de musste die Beschuldigte mit Nebenwirkungen in Bezug auf die Fahrfähigkeit 
rechnen und zudem zumindest daran zweifeln, aufgrund ihres Zustandes am fragli-
chen Tag das Fahrzeug während der gesamten Dauer der Fahrt sicher führen zu 
können.

Die Beschuldigte fuhr anschliessend zwischen 12:00 Uhr und 12:15 Uhr von ihrem 
Wohnort im G.________ in Richtung ihrer Arbeitsstelle in Bern, um am Nachmittag 
an einer wichtigen Sitzung teilzunehmen. Aufgrund der vorherigen Medikamenten-
einnahme fühlte sich die Beschuldigte im Verlauf der Fahrt nicht mehr gut. Irgend-
wo auf der Strecke von L.________ nach Bern sprach ein Passant die Beschuldig-
te auf ihre «schlechte Fahrweise» an, woraufhin sie wendete und sich auf den Weg 
zurück zu ihrem Domizil machte. In D.________ in Fahrtrichtung L.________ erlitt 
die Beschuldigte dann ein Blackout, woraufhin es zum Unfall kam. Auch litt die Be-
schuldigte in der Folge unter Amnesie, da sie sich nicht mehr an eine Zeitspanne 
kurz vor dem Unfall und an den Grund des Unfalls erinnern konnte. 

III. Rechtliche Würdigung

11. Theoretische Grundlagen 

Gemäss Art. 91 Abs. 2 Bst. b SVG ist zu bestrafen, wer aus anderen Gründen 
fahrunfähig ist und ein Motorfahrzeug führt. Nach Art. 31 Abs. 2 SVG gilt, wer we-
gen Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss oder aus anderen Grün-
den nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, 
während dieser Zeit als fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen (vgl. auch Art. 2 
Abs. 1 VRV). 

Für die theoretischen Grundlagen kann vorab auf die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 434 f., S. 23 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung):

«Im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG ist fahrunfähig, wer wegen Betäubungsmittel- oder Arzneimit-
teleinflusses oder aus anderen Gründen nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leis-
tungsfähigkeit verfügt, um ein Fahrzeug während der gesamten Fahrt sicher zu führen (Art. 31 Abs. 2 
SVG; vgl. auch Art. 2 Abs. 1 VRV). Dabei muss die Gesamtleistungsfähigkeit erhalten sein, welche 
neben der Grundleistung auch eine für das Bewältigen plötzlich auftretender schwieriger Verkehrs-, 
Strassen- und Umweltsituationen notwendige Leistungsreserve umfasst. Der Fahrzeuglenker muss in 
der Lage sein, sein Fahrzeug auch in einer nicht voraussehbaren, schwierigen Verkehrslage sicher zu 
führen.

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Der Begriff «Fahrunfähigkeit» bezieht sich dabei stets auf den Zustand des Fahrzeugführers und nicht 
auf sein Verhalten während der Fahrt (BSK SVG-FAHRNI/HEIMGARTNER, 1. Aufl. 2014, Art. 91 N 
21 f.; vgl. dazu auch Urteil des BGer 6B_999/2017 vom 25.04.2018, E. 1.3.3; BGE 130 IV 32 E. 3.1).

Bei der Fahrunfähigkeit aus anderen Gründen (wie z.B. bei vorgängiger Einnahme von Arznei- oder 
Heilmitteln, wegen extremer Übermüdung oder gesundheitlichen Problemen) muss die relevante Be-
einträchtigung der Fahrfähigkeit bewiesen werden. Hinsichtlich Arzneimitteln, die keine im Katalog 
gemäss Art. 2 Abs. 2 VRV aufgeführten Substanzen enthalten, bestehen (noch) keine Grenzwerte. Zu 
den Medikamenten, welche die Fahrfähigkeit u.U. zu beeinträchtigen vermögen, gehören namentlich 
Schlaf- und Beruhigungsmittel der sog. Benzodiazepine (BSK SVG-FAHRNI/HEIMGARTNER, 1. Aufl. 
2014, Art. 91 N 27). Grundsätzlich ist für den Nachweis der Fahrunfähigkeit bei in Art. 2 Abs. 2 VRV 
nicht aufgeführten Substanzen wie Arzneimittel (z.B. Schlaf- oder Schmerzmittel) eine Begutachtung 
durch ein Rechtsmedizinisches Institut erforderlich (vgl. dazu BSK SVG-FAHRNI/HEIMGARTNER, 1. 
Aufl. 2014, Art. 55 N 40 sowie auch WEISSENBERGER, in: Kommentar Strassenverkehrsgesetz und 
Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 31 SVG N 27). Ist die Annahme von 
Fahrunfähigkeit z.B. gestützt auf Zeugenaussagen über den Zustand einer Person und auf Beobach-
tungen der konkreten Fahrt nicht zu beanstanden, ist nicht erforderlich, dass auch die Ursache für die 
fehlende Fahrfähigkeit erstellt worden ist (Urteil des BGer 6B_582/2009 vom 05.09.2009 E. 3.5). So 
kann die Beurteilung der Fahrunfähigkeit neben Testergebnissen aus Blut, Urin und Speichel insb. 
auch aufgrund von Beobachtungen einer Fahrt durch die Polizei oder durch Drittpersonen erfolgen. 
Die Fahrunfähigkeit im konkreten Fall kann etwa auf Grund des äusseren Verhaltens des Fahrzeug-
lenkers, namentlich auf Grund von Ausfallerscheinungen, Fahrfehlern oder besonderes sorglosen und 
leichtsinnigen Fahrweise nachgewiesen werden (BGE 130 IV 32 E. 3.2; BGer 6B_999/2017 vom 
25.04.2018 E. 1.3.3). Auch die eigenen Angaben des Lenkers, wie eingestandener Konsum von Arz-
neimitteln und angegebene Dauer der letzten Schlafphase, sind u.U. als Beweismittel verwertbar. Der 
exakte Grund für die Fahrunfähigkeit bzw. deren eigentliche Ursache muss nicht bewiesen werden 
(BSK SVG-FAHRNI/HEIMGARTNER, 1. Aufl. 2014, Art. 91 N 27).»

Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass «Führen» das Bedienen eines Fahrzeugs 
durch einen Fahrzeugführer im öffentlichen Verkehr bedeutet. Diese Handlung be-
ginnt in der Regel mit dem in Bewegung Setzen eines Fahrzeugs, auf welches 
dessen nachfolgendes Lenken folgt. Im aussergewöhnlichen Fall, dass ein Fahr-
zeugführer erst während der Fahrt in einen fahrunfähigen Zustand gerät, beginnt 
das tatbeständliche Führen mit dem Fortsetzen der Fahrt, d.h. dem fehlenden An-
halten (FAHRNI/HEIMGARTNER, in: Basler Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 1. 
Aufl. 2014, N 32 zu Art. 91 SVG).

In subjektiver Hinsicht kann der Tatbestand von Art. 91 SVG einerseits mit Vorsatz 
(inklusive Eventualvorsatz), andererseits auch fahrlässig erfüllt werden. Mit direk-
tem Vorsatz handelt derjenige, welcher im Wissen um die Überschreitung der 
Grenzwerte eine entsprechend hohe Menge alkoholischer Getränke oder inkrimi-
nierte Substanzen einnimmt und in diesem Zustand die anschliessende Fahrt an-
tritt. Eventualvorsätzlich handelt, wer Zweifel über seine Fahrfähigkeit hegt, mithin 
mit einer Fahrunfähigkeit rechnet und trotzdem in betreffendem Zustand ein Fahr-
zeug führt (FAHRNI/HEIMGARTNER, in: Basler Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 
1. Aufl. 2014, N 35 f. zu Art. 91 SVG). Mit Bezug auf Art. 91 SVG muss sich der 
Vorsatz insbesondere auf die Fahrunfähigkeit beziehen (Urteile des Bundesge-
richts 6B_999/2017 vom 25. April 2018, E. 1.3.5 und 1.4.2; 6B_743/2012 vom 14. 

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Februar 2013, E. 1.1). Die Kammer verweist zudem auf die bundesgerichtliche 
Rechtsprechung, wonach eventualvorsätzliches Verhalten nicht dadurch ausge-
schlossen wird, dass sich der Beschuldigte subjektiv fahrfähig fühlt (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_282/2021 vom 23. Juni 2021 E. 7.3.2, mit Hinweis auf 
6B_244/2011 vom 20. Juni 2011, E. 4.2).

12. Subsumtion

Sachverhaltsmässig ist erstellt, dass die Beschuldigte am 19. September 2018 
zunächst von G.________ in Richtung Bern und anschliessend auf der 
E.________(Strasse) in Richtung L.________ fuhr und sich aufgrund der Einnah-
me einer übertherapeutischen Menge Zolpidem und der Kombination mit Trimipra-
min in therapeutischer Menge während der Fahrt nicht mehr gut fühlte, um 13:10 
Uhr auf der E.________(Strasse) .________ in D.________ ein Blackout erlitt und 
in der Folge die Beherrschung über ihr Fahrzeug verlor, rechts neben der Fahrbahn 
an die nahe gelegene Aussentreppe aus Beton prallte, wodurch das Fahrzeug 
durch die Luft geschleudert und, sich in der Längsachse drehend, mit einem korrekt 
entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte. Beide Fahrzeuge erlitten infolgedessen 
einen Totalschaden und sowohl die Beschuldigte wie auch die vormalige Privatklä-
gerin trugen Verletzungen davon. Es steht demnach vorab ausser Frage, dass die 
Beschuldigte aufgrund ihres Unwohlseins und in der Folge des Blackouts ihr Fahr-
zeug nicht mehr beherrschte, woraufhin es zum Unfall kam. 

Bereits eine Verminderung der Gesamtleistungsfähigkeit ist für die Annahme der 
Fahrunfähigkeit ausreichend, welche, wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, vor-
liegend durch den Unfall belegt ist. Die Kammer erachtet den Nachweis der 
Fahrunfähigkeit überdies gestützt auf den forensisch-toxikologischen Abschlussbe-
richt und das Gutachten des IRM (pag. 21 ff.), welche wiederum auf die Ergebnisse 
der Blut- und Urintests sowie auf die Feststellungen der Polizei und die ärztlichen 
Untersuchungen abstellen, wie auch gestützt auf die Zeugenaussagen von 
I.________ und J.________ und dem Protokoll der ärztlichen Untersuchung (pag. 
30), die der Beschuldigten direkt nach dem Unfall ein verwirrtes Verhalten attestier-
ten, als erbracht. Demnach verfügte die Beschuldigte nicht über die erforderliche 
körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, um ein Fahrzeug führen zu können. 
Überdies geht die Kammer davon aus, dass die Fahrunfähigkeit nicht während der 
Fahrt eintrat, sondern bereits bei deren Antritt bestand, zumal die Beschuldigte 
zum damaligen Zeitpunkt unter dem Einfluss der Medikamente stand. Für die 
Kammer ist erstellt, dass die Beschuldigte am Unfalltag aufgrund der Einnahme 
von Medikamenten mit den Wirkstoffen Zolpidem und Trimipramin in fahrunfähigem 
Zustand ein Fahrzeug lenkte. Der objektive Tatbestand von Art. 31 Abs. 2 i.V.m. 
Art. 91 Abs. 2 Bst. b SVG ist somit erfüllt.

Auch verweist die Kammer hinsichtlich des subjektiven Tatbestands vorab auf die 
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (pag. 437 f., S. 26 f. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). Insbesondere kann sich die Kammer den Überlegungen 
anschliessen, wonach zwischen dem vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt und 
jenem im, von der Verteidigung im Rahmen der Berufungsbegründung oberinstanz-
lich erneut vorgebrachten, Urteil des Bundesgerichts 6B_999/2017 vom 25. April 

30

2018, E. 1.4.2 wesentliche Unterschiede in sachverhaltsmässiger Hinsicht vorlie-
gen. So nahm der Beschuldigte im referenzierten Urteil das Beruhigungsmittel be-
reits am Vorabend ein, schlief rund 8 Stunden und gab an, er habe sich vor und 
während der Fahrt gut gefühlt (Urteil des Bundesgerichts 6B_999/2017 vom 25. 
April 2018, E. 1.4.2). Zudem finden sich im Urteil keine Hinweise darauf, dass der 
Beschuldigte das Beruhigungsmittel, wie die Beschuldigte vorliegend, in hoher Do-
sierung oder in Kombination mit einem anderen Medikament einnahm. Auch aus 
dem Umstand, dass der Beschuldigte im referenzierten Urteil das fragliche Medi-
kament bereits seit 23 Jahren einnahm und vorstrafenfrei am Strassenverkehr teil-
nahm, kann die Beschuldigte nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zwar durfte der Be-
schuldigte gemäss bundesgerichtlichem Urteil darauf vertrauen, dass er an diesem 
Tag fahrfähig war, mithin ihm dies unter Berücksichtigung der Medikation vorgängig 
ausdrücklich ärztlich attestiert wurde, dies konnte die Beschuldigte aber aufgrund 
der nachfolgend dargelegten Umstände gerade nicht. 

Die Beweiswürdigung hat ergeben, dass die Beschuldigte aufgrund der Konsultati-
on der Packungsbeilage von Zolpidem um die Problematik aufgrund der hohen Do-
sierung des Wirkstoffes und der Kombination mit Trimipramin in Bezug auf das 
Führen eines Fahrzeugs wusste. Da gerade mehrere Umstände vorlagen, bei de-
nen gemäss Herstellerangaben mit unerwünschten Nebenwirkungen gerechnet 
werden musste, bestand aus Sicht der Kammer ein hohes Risiko, dass es zu Be-
einträchtigungen der für das Führen eines Fahrzeuges erforderlichen Fähigkeiten 
kommen würde. Daran ändert auch aus Sicht der Kammer nichts, dass die Be-
schuldigte mit ihren Hausärzten nie konkret über die Auswirkungen der Medika-
menteneinnahme auf ihre Fahrfähigkeit gesprochen hatte. Denn es oblag letztend-
lich der Beschuldigten selbst, ihre Fahrfähigkeit einer Selbstkontrolle zu unterzie-
hen.  

Da die Beschuldigte um die konkreten Risiken hinsichtlich des Führens eines Fahr-
zeuges unter Einnahme der fraglichen Medikamente wusste, war ihre Sorgfalts-
pflicht, nicht in fahrunfähigem Zustand ein Motorfahrzeug zu führen, umso grösser. 
Eine Verletzung dieser Sorgfaltspflicht erachtet die Kammer insbesondere darin, 
dass die Beschuldigte, obwohl sie um die hohe Dosierung des Zolpidems wusste, 
die empfohlene Einnahmezeit vor dem Zubettgehen nicht einhielt und darübe