# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2b5e4935-16d9-5ccd-9e02-4fbfbd370d84
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240534-O1
**Docket/Reference:** SB240534-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240534-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB240534-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

die Oberrichterin lic. iur. V. Keller sowie der Gerichtsschreiber

MLaw J. Stegmann

Urteil vom 5. Mai 2025

in Sachen

A._____,

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, 

Einzelgericht, vom 21. Juni 2024 (GG240035)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 4. März 2024 

(Urk. 11) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

(Urk. 29 S. 23 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Hinsichtlich des Vorwurfs der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB 

(Anklageziffern 3 und 4) wird das Verfahren eingestellt. 

2.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 

im Sinne von Art. 187 StGB.

3.

4.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-

setzt.

5.

Es wird für den Beschuldigten ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot (Verbot jeder berufli-

chen und jeder organisierten ausserberuflichen Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt 

zu Minderjährigen umfasst) im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB angeordnet.

6.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 5. Februar 2024 be-

schlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, lagernde Mobiltelefon, 

Marke "Empuria", mit Ladestecker (Asservat-Nr. A-017'831'662), wird dem Beschuldigten 

auf erstes Verlangen herausgegeben.

Dem Beschuldigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Entscheides ange-

setzt, um den herauszugebenden Gegenstand selbst (oder durch eine bevollmächtigte Per-

son) unter Vorlage dieses Entscheides und eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer 

Voranmeldung, bei der genannten Lagerbehörde abzuholen.

Wird der herauszugebende Gegenstand nicht innert Frist abgeholt, wird er vernichtet. Die 

Lagerbehörde wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu vollziehen und zu 

dokumentieren.

- 3 -

7.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 1'100.– als Schadenersatz 

zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird der Privatkläger mit seiner Schadenersatzforderung auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

8.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ eine Genugtuung von 

Fr. 900.– zu bezahlen.

9.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr.

Fr.

Fr.

1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

800.00   Gebühr für das Vorverfahren

6'250.40

  Entschädigung amtliche Verteidigung 
  (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)

Fr. 

8'850.40   Total

Verlangt keine der Parteien eine Begründung des Urteils, ermässigt sich die Entscheidge-

bühr auf zwei Drittel.

10.

Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden zu vier Fünfteln dem Beschuldigten auferlegt. Ein Fünf-

tel der Kosten wird auf die Staatskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

werden indessen einstweilen vollständig auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten 

bleibt die Verpflichtung des Beschuldigten, dem Kanton diese Entschädigung im Umfang 

von vier Fünfteln zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO).

11.

[Mitteilungen]

12.

[Rechtsmittel]"

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 46 und Prot. II S. 7 f.; vgl. auch Urk. 31)

1.

Das  Urteil  des  Bezirksgerichts  Winterthur  vom  21. Juni  2024 
(GG240035-K) sei betreffend die folgenden Dispositivziffern aufzu-
heben:
- Ziffer 2 (Schuldspruch wegen mehrfacher sexueller Handlungen 

mit Kindern
- Ziffer 3 (Strafe)
- Ziffer 5 (Tätigkeitsverbot)

  
- 4 -

- Ziffer 10 (Kostenauflage).

2.

3.

4.

Betreffend Anklagesachverhalt 1 sei das Verfahren einzustellen.

Der Berufungskläger sei der (einmaligen) sexuellen Handlung mit 
einem  Kind  i.S.v.  Art. 187  StGB  (Anklageziffer 2)  schuldig  zu 
sprechen.

Der Berufungskläger sei mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen 
zu CHF 100.00 zu bestrafen, bedingt vollziehbar mit einer Probe-
zeit von 2 Jahren.

5.

Von der Anordnung eines Tätigkeitsverbots sei abzusehen.

Eventualiter sei die aktuelle Tätigkeit des Berufungsklägers bei der 
C._____ AG im D._____ vom Tätigkeitsverbot auszunehmen.

6.

Die  Kosten  und  Gebühren  des  Vorverfahrens  sowie  des  erstin-
stanzlichen  Gerichtsverfahrens  seien  zu  einem  Drittel  auf  die 
Staatskasse zu nehmen und zu zwei Dritteln dem Berufungskläger 
aufzuerlegen. Die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens seien 
vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 35)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

c)

Des Privatklägers:

Verzicht auf Anträge.

Erwägungen:

I.  Verfahrensgang und Prozessuales

1. Verfahrensgang

1.1 Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts 

Winterthur,  Einzelgericht  in  Strafsachen,  vom  21. Juni  2024  meldete  die  Vertei-

digung mit Eingabe vom 1. Juli 2024 rechtzeitig Berufung an (Urk. 24). Nach Erhalt 

des  begründeten  Urteils  reichte  die  Verteidigung  am  25. November  2024  innert 

Frist die Berufungserklärung ein (Urk. 31).

- 5 -

1.2 Mit  Präsidialverfügung  vom  10. Dezember  2024  wurde  dem  Privatkläger 

sowie der Staatsanwaltschaft die Berufungserklärung des Beschuldigten zugestellt 

und  Frist  für  Anschlussberufung  oder  einen  Nichteintretensantrag  angesetzt 

(Urk. 33). Mit Eingabe vom 12. Dezember 2024 verzichtete die Staatsanwaltschaft 

auf  Anschlussberufung  und  beantragte  die  Bestätigung  des  vorinstanzlichen 

Urteils;  gleichzeitig  ersuchte  sie  um  Dispensation  von  der  Teilnahme  an  der 

Berufungsverhandlung (Urk. 35). Der Privatkläger liess sich nicht vernehmen. Mit 

Eingabe vom 20. Dezember 2024 liess der Beschuldigte das Datenerfassungsblatt 

samt  Beilagen  zu  seinen  aktuellen  finanziellen  Verhältnissen  einreichen  (Urk. 36 

und 37/1-5). Mit Präsidialverfügung vom 8. Januar 2025 wurde den Parteien Frist 

angesetzt,  um  sich  zur  Durchführung  des  schriftlichen  Verfahrens  zu  äussern 

(Urk. 38); die amtliche Verteidigung zeigte sich mit Eingabe vom 30. Januar 2025 

nicht  mit  der  Durchführung  des  schriftlichen  Verfahrens  einverstanden,  da  im 

Rahmen der Berufung u.a. die Aufhebung des vorinstanzlich verhängten Tätigkeits-

verbots beantragt werde und es dafür sinnvoll bzw. gar erforderlich erscheine, dass 

sich  das  Gericht  einen  persönlichen  Eindruck  des  Beschuldigten  machen  könne 

(Urk. 41).

1.3 Am 17. Februar 2025 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 5. Mai 2025 

vorgeladen.  Heute  nun  erschien  zur  Berufungsverhandlung  der  Beschuldigte  in 

Begleitung seines amtlichen Verteidigers. Vorfragen waren keine zu entscheiden 

und  abgesehen  von  der  Einvernahme  des  Beschuldigten  waren  auch  keine 

Beweise abzunehmen (Prot. II S. 6 f.).

Das Verfahren ist spruchreif.

2. Umfang der Berufung

2.1 Die Berufungserklärung des Beschuldigten richtet sich gegen die Verurteilung 

wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern (Dispositivziffer 2 [hinsicht-

lich  der  Anklageziffer 1]),  die  Sanktion  (Dispositivziffer  3),  das  Tätigkeitsverbot 

(Dispositivziffer 5) sowie die Kostenauflage (Dispositivziffer 10). Gemäss Art. 402 

StPO wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung 

gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft nur die angefochtenen Punkte des erst-

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instanzlichen  Entscheids  (Art. 404  Abs. 1  StPO).  Wohl  blieb  der  Aufschub  der 

Sanktion  (Dispositivziffer  4)  formell  unangefochten,  doch  gilt  dieser  als  Teil  der 

Sanktion mitangefochten. Damit blieben die (teilweise) Einstellung des Verfahrens 

(Dispositivziffer 1), der Schuldspruch wegen (einmaliger) sexuellen Handlungen mit 

Kindern  (Dispositivziffer 2  [hinsichtlich  der  Anklageziffer 2]),  die  Verfügung  über 

beschlagnahmte Gegenstände (Dispositivziffer 6), die Entscheide über die Zivilfor-

derungen  (Dispositivziffern  7  und  8)  sowie  die  Kostenfestsetzung  (Dispositiv-

ziffer 9) unangefochten (vgl. zum Ganzen auch Urk. 31 und Prot. II S. 6 f.). Mittels 

Vorabbeschluss ist festzustellen, dass in diesem Umfang das vorinstanzliche Urteil 

in Rechtskraft erwachsen ist.

2.2 Der Beschuldigte beantragte mit Bezug auf die Anklageziffer 2 die Verurtei-

lung wegen (einmaliger) sexueller Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

StGB. Überdies wird eine Sanktion in Form einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen 

zu Fr. 100.–, unter Aufschub des Vollzugs bei einer Probezeit von 2 Jahren und 

das  Absehen  von  einem  Tätigkeitsverbot  –  eventualiter  sei  die  aktuelle  Tätigkeit 

des Beschuldigten bei der C._____ AG im D._____ vom Tätigkeitsverbot auszu-

nehmen – beantragt (Urk. 31 und Prot. II S. 5 und 7 f.). In prozessualer Hinsicht 

macht der Beschuldigte geltend, dass mangels Strafantrag das Verfahren hinsicht-

lich Anklageziffer 1, wie schon hinsichtlich der Anklageziffern 3 und 4, einzustellen 

sei, da diese Taten als sexuelle Belästigungen und nicht als sexuelle Handlungen 

zu qualifizieren seien (Urk. 31 S. 4; Prot. II S. 5 und 7 f.). Da dieser prozessuale 

Antrag von der rechtlichen Würdigung abhängt, ist in jenem Zusammenhang darauf 

einzugehen.

3. Formelles

3.1 Soweit  für  die  tatsächliche  und  die  rechtliche  Würdigung  des  eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

3.2 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO) folgt die Pflicht des Gerichts, seinen Entscheid zu begründen. Die Begrün-

dung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich  das 

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Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich aber 

auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht ausdrück-

lich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinan-

dersetzen  und  diese  widerlegen.  Es  kann  sich  mithin  auf  die  für  den  Entscheid 

wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in 

der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument gefordert 

würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2, mit Hinweisen).

II.  Rechtliche Würdigung

1.

Zu  überprüfen  bleibt  einzig  die  rechtliche  Würdigung  von  Anklageziffer 1, 

nachdem  sich  der  Beschuldigte  mit  Bezug  auf  den  Sachverhalt  vollumfänglich 

geständig gezeigt hat (Urk. 29 S. 5 m.H.; Urk. 45 S. 4 ff.).

2.

Die  Vorinstanz  qualifiziert  die  Handlungen  des  Beschuldigten  als  sexuelle. 

Denn  es  bestünden  aufgrund  der  Dauer  von  fünf  oder  zehn  Sekunden  und  der 

Tatumstände,  namentlich  dass  es  lediglich  zu  Übergriffen  gekommen  sei,  wenn 

keine weiteren Personen zugegen gewesen seien, keine Zweifel, dass es sich beim 

Verhalten  des  Beschuldigten  nicht  um  blosse  Ungeschicklichkeiten,  Unbeholfen-

heiten oder einmalige Entgleisungen gehandelt habe. Vielmehr habe es sich aus 

der Sicht des aussenstehenden Betrachters um klar sexualbezogene Taten gehan-

delt. Auch der Altersunterschied und das Machtgefälle sprächen für eine Erheblich-

keit.  Zudem  habe  er  um  das  Unrecht  seiner  Taten  gewusst,  weshalb  der  Tatbe-

stand der sexuellen Handlungen mit Kindern erfüllt sei (Urk. 29 S. 8 f.).

3.

Dem  hielt  die  Verteidigung  entgegen,  dass  die  Berührung  der  Hosen  eine 

sexuelle Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB darstelle. Unter Verweis auf einen 

Entscheid, in welchem das Berühren über den Kleidern nur deshalb als sexuelle 

Handlung qualifiziert worden sei, weil es bereits früher zu schwereren Übergriffen 

gekommen sei, müsse vorliegend im Umkehrschluss von einer sexuellen Belästi-

gung  ausgegangen  werden.  Zudem  hätte  die  tätliche  sexuelle  Belästigung  fast 

keine denkbaren Anwendungsfälle mehr, wenn bereits das Berühren der Genitalien 

über den Kleidern als sexuelle Handlung qualifiziert werde (Urk. 20 S. 3; Urk. 46 

- 8 -

S. 3 ff.). Insgesamt halte er es – so der Verteidiger weiter unter Berücksichtigung 

der Gesamtumstände – mindestens für vertretbar, die Handlungen gemäss Ankla-

geziffer 1, also die Berührungen über der Kleidung, als sexuelle Belästigungen zu 

würdigen (Urk. 46 S. 5).

4.

Die Vorinstanz hat den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern um-

fassend dargestellt (Urk. 29 S. 7 f.). Darauf kann verwiesen werden. Die Verteidi-

gung  wirft  mit  ihren  Anträgen  die  Frage  der  Konkurrenz  zwischen  Art. 198  StGB 

und Art. 187 StGB auf. Aufgrund der Subsidiarität von Art. 198 StGB zu Art. 187 

StGB ist vorab zu überprüfen, ob die Handlungen des Beschuldigten unter den Tat-

bestand von Art. 187 StGB fallen.

5.

Vorab  kann  dazu  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  der  Vorinstanz  ver-

wiesen werden, welche den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern als 

erfüllt sieht. Ergänzend und teilweise rekapitulierend gilt es festzuhalten, dass nur 

Verhaltensweisen tatbeständlich sind, die im Hinblick auf das Rechtsgut erheblich 

sind (Urteile des Bundesgerichts  6B_1102/2019 vom 28. November 2019 E. 2.2; 

6B_1260/2019  vom  12. November  2020  E.  2.2.3;  6B_1/2021  vom  10. Mai  2021 

E. 2.2), wobei diese Erheblichkeit im Zweifelsfall etwa nach dem Alter des Opfers 

oder dem Altersunterschied zum Täter bestimmt wird (Urteile des Bundesgerichts 

6B_597/2007  vom  22. April  2008  E. 4.4.1;  7B_250/2022  vom  21. Februar  2024 

E. 2.3.1). Beurteilungskriterien für die Erheblichkeit bilden zudem qualitativ die Art 

und quantitativ die Intensität und Dauer der Handlung (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1260/2019  vom  12. November  2020  E. 2.2.3).  Ambivalente  Handlungen,  die 

äusserlich weder neutral noch eindeutig sexualbezogen erscheinen, sind im Licht 

der gesamten Umstände zu beurteilen: Namentlich eine erhebliche Altersdifferenz 

zwischen  Täter  und  Opfer,  qualitativ  die  Art  und  quantitativ  die  Dauer  sowie  die 

Intensität des Vorgehens und weitere Umstände können äusserlich zunächst am-

bivalent  erscheinende  Handlungen  eindeutig  sexualbezogen  erscheinen  lassen 

(Urteile des Bundesgerichts 6B_549/2021 vom 18. Mai 2022 E. 1.4; 6B_702/2009 

vom 8. Januar 2010 E. 5.4). So sind Zungenküsse von Erwachsenen an Kindern 

als sexuelle Handlungen zu qualifizieren, währenddem Küsse auf Mund, Wangen 

usw.  grundsätzlich  keine  solchen  Handlungen  darstellen  (BGE  125  IV  58  E. 3b; 

- 9 -

Urteile  des  Bundesgerichts  6B_1102/2019  vom  28. November  2019  E. 2.2; 

6B_1260/2019  vom  12. November  2020  E.  2.2.3).  Annäherungsversuche  oder 

Zudringlichkeiten,  die  noch  nicht  als  sexuelle  Handlungen  erscheinen,  etwa  ein 

kurzer,  feuchter,  aber  ohne  Zunge  vorgenommener  Kuss  gegenüber  einem 

10-jährigen Mädchen (Urteil des Bundesgerichts 6B_7/2011 vom 15. Februar 2011 

E. 1.4) oder unerwünschte, kurz dauernde Berührungen insbesondere an Brust und 

Gesäss sowie Küsse mit geschlossenem Mund auf Mund, Hals, Wange, Stirn und 

Nase des 14-jährigen Opfers an einem frühen Abend in der Öffentlichkeit und in 

Anwesenheit zahlreicher Personen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1102/2019 vom 

28. November 2019 E. 2.4), können sexuelle Belästigungen i.S. von StGB Art. 198 

darstellen (BGE 137 IV 266 E. 3.1). Die Vornahme einer sexuellen Handlung erfor-

dert in jedem Fall einen körperlichen Kontakt mit dem Kind (BGE 131 IV 103 E. 7.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_727/2013 vom 7. Oktober 2014 E. 3.3). Neben dem 

Geschlechtsverkehr  (nach  BGE 77  IV  170  die  «naturgemässe  Vereinigung  der 

Geschlechtsteile» ohne Notwendigkeit des Samenergusses) werden v.a. erfasst: 

Einführung des männlichen Gliedes in den After, in den Mund oder zwischen die 

Oberschenkel der Partnerin oder des Partners (vgl. BGE 86 IV 177, BGE 87 IV 124, 

BGE 91  IV  65),  die  manuelle  oder  anderweitige  Reizung  der  Geschlechtsteile 

(vgl. BGE 87 IV 126), deren Belecken (vgl. BGE 84 IV 101) oder deren Betasten 

(i.d.R. auch über den Kleidern), Zungenkuss eines Erwachsenen oder anhaltendes 

Umarmen und An-sich-pressen, verbunden mit kräftigem Ergreifen des Gesässes 

und  Küssen  auf  den  Mund  durch  einen  Unbekannten  (BGE  125  IV  63;  vgl.  zur 

Qualifikation  als  sexuelle  Handlung  auch  BSK  StGB-MAIER,  Art. 187  N 11),  nicht 

aber  weniger  weitgehende  Zärtlichkeiten,  gemeinsames  Nacktbaden  oder  ein 

kurzer,  feuchter  Kuss  (Urteil  des  Bundesgerichts  6B_7/2011  vom  15. Februar 

2011), welcher indessen als sexuelle Belästigung i.S. von Art. 198 StGB zu quali-

fizieren  ist.  Als  Vornahme  einer  sexuellen  Handlung  gilt  auch  das  sich  fesseln 

lassen eines nur in Unterhosen bekleideten, sexuell erregten Mannes durch leicht 

bekleidete Knaben, die teilweise das erigierte Glied des Täters sahen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_727/2013 vom 7. Oktober 2014 E. 3.4).

6.

Im Lichte dieser Auslegeordnung sind die Taten des Beschuldigten klar als 

sexuelle Handlungen zu qualifizieren. So lautet der anerkannte Vorwurf auf Berüh-

- 10 -

ren des Geschlechtsteils. Dass diese Berührung über der Hose war ist lediglich ein 

gradueller Unterschied, ändert aber nichts am klar sexuellen Charakter der Berüh-

rung. Dies vor allem auch aufgrund der jeweiligen Dauer der Griffe von mehreren 

Sekunden. Die Beteuerungen des Beschuldigen anlässlich der Berufungsverhand-

lung –, dass es kaum eine Berührung gewesen sei und er ihm (dem Privatkläger) 

nur mit dem Finger an die Hose gekommen sei (Urk. 45 S. 4 f. [vgl. dazu insbe-

sondere die dem entgegenstehenden Aussagen des Beschuldigten anlässlich der 

ersten polizeilichen Einvernahme [Urk. 3/1 F/A 80 ff.]) – vermögen an dieser Ein-

schätzung nichts zu ändern. Damit haftete den Berührungen auch nichts Zufälliges 

an.  Vielmehr  handelt  es  sich  dabei  um  gezielte  und  regelmässige  Handlungen, 

welche ausschliesslich bei bestimmten Gelegenheiten, von fremden Blicken abge-

schirmt  erfolgt  sind.  Insbesondere  im  Kontext  des  Altersunterschiedes  und  des 

Machtgefälles zwischen Täter und Opfer geht den Handlungen jegliche Ambivalenz 

ab. Sie sind vielmehr eindeutig, sexueller Natur und letztlich Ausdruck der sexuellen 

Anziehung, welche der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger verspürt hat. So 

bat er ihn mehrmals um Zusendung eines Penisbildes und gab ihm ebenso mehr-

mals  zu  verstehen,  dass  er  gerne  dessen  Penis  in  den  Mund  nehmen  und  sein 

"Löchli" gerne lange lecken würde (Urk. 3/2 S. 6). Das Ganze gipfelte schliesslich 

darin, dass der Beschuldigte dem Privatkläger am 29. März 2023 in die Hose und 

an  dessen  nacktes  Geschlechtsteil  griff  (Anklageziffer 2).  Das  Vorbringen  des 

Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung, dass dieser Griff in die Hose 

des Privatklägers viel später gewesen sei und somit keinen Zusammenhang zu den 

mehreren  Berührungen  über  den  Kleidern  gehabt  habe  (Urk. 45  S. 6;  vgl.  dazu 

auch  die  Vorbringen  der  Verteidigung  in  Urk. 46  S. 5),  vermag  daran  nichts  zu 

ändern, da dieser zwar am Ende aber ebenfalls in den Anklagezeitraum von ca. 

einem  halben  Jahr  bezüglich  Anklageziffer 1  fiel  und  somit  sicherlich  nicht  viel 

später  erfolgte.  Am  sexuellen  Charakter  der  hier  zu  beurteilenden  Handlungen 

bestehen somit nicht die geringsten Zweifel.

7. Wenn  die  Verteidigung  ausführt,  dass  fast  keine  Anwendungsfälle  der 

tätlichen sexuellen Belästigung von Kindern denkbar seien, so trifft dies nicht zu. 

Darunter fallen beispielsweise Streicheleien an den Extremitäten oder ein kurzer 

Kuss auf den Mund (Urteil des Bundesgerichts 6B_7/2011 vom 15. Februar 2011). 

- 11 -

Von dieser Art Berührungen unterscheiden sich diejenigen des Beschuldigten klar. 

Der  Verweis  der  Verteidigung  auf  das  Urteil  des  Bundesgerichts  6B_1008/2010 

vom 8. September 2011 vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern, da dort 

eine völlig unterschiedliche Ausgangslage zu beurteilen war: Dort ging es um kurze, 

gegen  aussen  als  zufällig  erscheinende  Berührungen  der  Geschlechtsteile  über 

den Kleidern. Diese wurden als sexuelle Handlungen qualifiziert, weil es früher zu 

zahlreichen sexuellen Übergriffen gekommen war. Vorliegend ist die Ausgangslage 

jedoch eine ganz andere, geht es doch nicht um die Beurteilung von kurzen, gegen 

aussen auch als zufällige interpretierbare Berührungen, sondern um längere und 

mehrfache intensive Berührungen am Glied und damit um eindeutig sexuell moti-

vierte Taten geht.

8.

In objektiver Hinsicht ist somit der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit 

Kindern erfüllt. 

9.

Dies gilt auch in subjektiver Hinsicht. Der Beschuldigte hat eingestandener-

massen um die Minderjährigkeit des Privatklägers und um das Verbot seines Tuns 

gewusst und trotzdem mit Wissen und Willen gehandelt (Urk. 3/2 S. 4, 6). Damit ist 

der  Tatbestand  auch  in  subjektiver  Hinsicht  erfüllt.  Rechtfertigungs-  und/oder 

Schuldausschlussgründe  liegen  nicht  vor.  Der  Beschuldigte  ist  somit  der  mehr-

fachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB (Anklage-

ziffer 1) schuldig zu sprechen.

Da  es  sich  hierbei  um  Offizialdelikte  handelt,  ist  auf  die  anwaltliche  Rüge  des 

mangelnden  Strafantrags  nicht  weiter  einzugehen  (Urk. 31  S. 4  und  Prot. II  S. 5 

und 7 f., Art. 187 StGB).

III.  Sanktion

1.

Die  Vorinstanz  hat  die  Grundlagen  der  Strafzumessung  umfassend  und 

zutreffend  dargestellt.  Darauf  kann  vorab  verwiesen  werden  (Urk.  29  S.  9  ff.). 

Ebenso  kann  vorab  auf  die  ausführlichen  und  sorgfältigen  Erwägungen  der 

Vorinstanz zur Startart verweisen werden (Urk. 29 S. 12 ff.).

- 12 -

2.

Ebenso  wenig  zu  beanstanden  ist,  dass  die  Vorinstanz  für  die  mehrfachen 

sexuellen Handlungen mit Kindern (Anklageziffer 1) eine Gesamtstrafe ausgefällt 

und  nicht,  wie  grundsätzlich  bei  mehrfacher  Tatbegehung  vorgesehen,  für  jedes 

weitere  einzelne  Delikt  eine  Einzelstrafe  festgesetzt  und  mit  der  Einsatzstrafe 

asperiert hat (Urk. 29 S. 15 f.).

2.1 Die mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern stellen keinen eigenstän-

digen  Tatbestand  dar,  welcher  mehrere  Einzeldelikte  umfasst,  wie  dies  etwa  bei 

gewerbsmässigen  Delikten  der  Fall  ist.  Vielmehr  hat  der  Beschuldigte  mit  jeder 

Einzelhandlung, sprich jedem einzelnen Griff, den Tatbestand erfüllt und sich mithin 

mehrerer Einzeltaten schuldig gemacht.

Das Bundesgericht hat zu den Grundsätzen zur Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 

Abs. 1 StGB bei mehrfacher Delinquenz festgehalten, dass eine Gesamtfreiheits-

strafe nur zulässig ist, wenn für jede einzelne Straftat, unter Berücksichtigung der 

Priorität der Geldstrafe (vgl. dazu Art. 41 StGB), eine Freiheitsstrafe erforderlich ist, 

weil der Täter im Rahmen von Art. 49 Abs. 1 StGB nicht strenger bestraft werden 

darf, als wenn die Straftaten einzeln abgeurteilt worden wären (konkrete Methode; 

BGE 144 IV 313 E. 1.1.1 und E. 1.1.3; BGE 134 IV 97 E. 4.2.1). Namentlich nicht 

zulässig  ist  deshalb,  eine  Gesamtgeldstrafe  in  eine  Gesamtfreiheitsstrafe  umzu-

wandeln,  wenn  die  Asperation  von  mehreren  im  Einzelfall  angemessenen  Geld-

strafen das zulässige Höchstmass der Geldstrafe von 180 Tagessätzen übersteigt. 

Mit ausführlicher Begründung wandte sich das Bundesgericht im BGE 144 IV 217 

von den von ihm bis dahin diesbezüglich zugelassenen Ausnahmen ab und hielt 

ausdrücklich  fest,  dass  der  Gesetzgeber  weder  eine  gesetzliche  Grundlage  zur 

Bildung einer Gesamtstrafe aus Geld- und Freiheitsstrafe geschaffen, noch einen 

Wechsel von der Gesamtstrafe aus mehreren Einzelstrafen zu einer Einheitsstrafe 

im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller zu beurteilenden Delikte in Erwägung ge-

zogen habe. Dass das insbesondere bei mehrfach begangener leichter Kriminalität 

zu unbilligen Ergebnissen führen werde, sei hinzunehmen (a.a.O. E. 3.6; vgl. zum 

Ganzen auch Urteil des Obergerichts SB240139-O vom 20. Februar 2025 E. 6.4).

2.2 Die  strikte  Nachachtung  dieser  Grundsätze  erweist  sich  indes  gerade  in 

Konstellationen wie der vorliegenden als nicht praktikabel, alleine schon deshalb, 

- 13 -

weil über den gesamten Zeitraum mehrere identische Taten begangen wurden. Es 

müssen  in  Konstellationen  wie  der  vorliegenden  deshalb  weiterhin  Ausnahmen 

vom  strikten  System  der  aus  Einzelstrafen  zusammengesetzten  Gesamtstrafe 

möglich sein.

2.3 Das Bundesgericht hat diese Problematik in jüngerer Rechtsprechung auch 

erkannt  und  im  Urteil  6B_432/2020  vom  20. September  2021  (E. 1.4)  unter 

bestimmten  Umständen  die  Festsetzung  einer  hypothetischen  Strafe  für  eine 

Tatgruppe  zugelassen.  Diesem  Entscheid  lag  ebenfalls  eine  Verurteilung  wegen 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern zugrunde, wozu das Bundesgericht 

erwog: "Der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern weist Züge eines 

Dauerdelikts auf, wenn die Handlungen, wie im vorliegenden Fall, in einer Paarbe-

ziehung  erfolgen.  Mit  der  Vorinstanz  ist  daher  die  Gesamtheit  der  (einvernehm-

lichen)  Handlungen  im  Blick  zu  behalten.  Die  Beschwerdeführerin  verlangt  zu 

Recht  nicht,  dass  für  jede  Handlung  gesondert  nach  Art. 49  Abs. 1  StGB  zu 

verfahren und etwa für jeden Kuss oder für jede Berührung eine separate Strafe 

festzusetzen sei. Jeden Kuss einzeln zu asperieren wäre auch deswegen gar nicht 

möglich, weil die Anzahl der einschlägigen Handlungen nicht bestimmbar ist. […]. 

Der  Anklageschrift  entsprechend  sind  indessen  in  qualitativer  und  zeitlicher  Hin-

sicht zwei Tatgruppen (Handlungen in den Zeiträumen September 2015 bis Mitte 

Januar 2016 in Form von Küssen und ab Mitte Dezember 2016 in Form von Küssen 

und Berührungen) und eine Einzelhandlung (versuchter Geschlechtsverkehr vom 

7. Januar 2016) zu identifizieren. Die letztere Einzelhandlung hebt sich qualitativ 

ab, die Ersteren stellen sich infolge ihrer zeitlichen Distanz und der Intensität der 

Handlungen als zu unterscheidende Phasen dar […]". Diese Erwägungen gelten 

– mutatis mutandis – auch vorliegend. Auch die Griffe des Beschuldigten über den 

Kleidern an das Geschlechtsteil des Privatklägers, welche über ca. ein halbes Jahr 

immer  wieder  vorkamen,  weisen  in  der  vorliegenden  Konstellation  Züge  eines 

Dauerdelikts auf. Es ist deshalb auch hier unerlässlich, die Gesamtheit aller Taten 

(hinsichtlich  der  Anklageziffer 1)  im  Blick  zu  behalten;  nur  so  ist  eine  adäquate, 

schuldangemessene Sanktionierung möglich (vgl. zum Ganzen Urteil des Oberge-

richts SB240139-O vom 20. Februar 2025 E. 6.6.1).

- 14 -

2.4 Betreffend die Wahl der Strafart hat das Bundesgericht im Urteil 6B_93/2022 

vom  24. November  2022  ebenfalls  erkannt,  dass  auch  nach  der  neusten  Recht-

sprechung  eine  Gesamtfreiheitsstrafe  ausgesprochen  werden  dürfe,  wenn  viele 

Einzeltaten zeitlich sowie sachlich eng miteinander verknüpft seien und eine blosse 

Geldstrafe  bei  keinem  der  in  einem  engen  Zusammenhang  stehenden  Delikte 

geeignet sei, in genügendem Masse präventiv auf den Täter einzuwirken; das Urteil 

berücksichtigte damit bei der Wahl der Strafart die mehrfache und kontinuierliche 

gleichartige  Delinquenz  (a.a.O.  E. 1.3.5  m.H.).  Weiter  erwog  das  Bundesgericht, 

dass eine "allzu abstrakte Lesart der einschlägigen bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung"  zur  Gesamtstrafenbildung  den  "Fundamentalsatz  des  materiellen  Straf-

rechts" tangieren könnte, "das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden zu 

(Art. 47 Abs. 1 Satz 1 StGB)". Zwar bilde das Verschulden nicht das entscheidende 

Kriterium, wenn verschiedene Strafarten zur Wahl stehen, es sei aber neben den 

anderen  bestimmenden  Kriterien  adäquat  einzuschätzen  ("doit  être  appréciée"; 

BGE 147 IV 241 E. 3.2; vgl. dazu auch Urk. 29 S. 12 ff.). Nur wenn sowohl eine 

Geldstrafe  wie  eine  Freiheitsstrafe  in  Betracht  kämen  und  beide  Strafarten  in 

äquivalenter Weise das Verschulden sanktionierten, sei generell dem Verhältnis-

mässigkeitsprinzip folgend der Geldstrafe die Priorität einzuräumen. Systemimma-

nent impliziere das StGB, dass das Verschulden die Wahl der Strafart beeinflusse, 

weil die schwersten Straftaten prinzipiell durch die Freiheitsstrafe und nicht durch 

die  Geldstrafe  zu  sanktionieren  seien.  Zu  diesen  schwerwiegenden  Straftaten 

zählen grundsätzlich die sexuellen Handlungen mündiger Personen mit Kindern im 

Schutzalter  (Art. 187  Ziff. 1  StGB).  Der  Unrechtsgehalt  dieser  verbotenen  Hand-

lungsweisen dürfe nicht bagatellisiert werden (a.a.O. E. 1.3.8 m.H.). Damit gibt es 

Konstellationen, bei welchen mehrfache Tatbegehungen aufgrund ihrer Gesamtheit 

eine  Geldstrafe  als  der  Schwere  eines  jeden  der  einzelnen  Delikte  nicht  mehr 

angemessen erscheinen lassen (vgl. a.a.O. E. 1.4.6; vgl. zum Ganzen auch Urteil 

des Obergerichts SB240139-O vom 20. Februar 2025 E. 6.6.2).

Eine  solche  Sachlage  ist  vorliegend  gegeben:  Der  Beschuldigte  beging  viele 

Einzeltaten, welche zeitlich sowie sachlich eng miteinander verknüpft waren. Zwar 

dürfte gerade beim nicht vorbestraften Beschuldigten ein einzelner Griff über den 

Kleidern  an  das  Geschlechtsteil  des  sich  damals  im  Schutzalter  befindlichen 

- 15 -

Privatklägers mit einer Geldstrafe ausreichend geahndet sein. Dasselbe gilt für die 

weiteren  (einzelnen)  Griffe  des  Beschuldigten  über  den  Kleidern  an  das 

Geschlechtsteil des Privatklägers. In einer Gesamtbetrachtung muss aber klar fest-

gehalten werden, dass für den Beschuldigten – der über ca. ein halbes Jahr hinweg 

den  Privatkläger  wiederholt  an  dessen  Geschlechtsteil  über  den  Kleidern  fasste 

und diesem zuletzt auch in die Hose und an dessen nacktes Geschlechtsteils griff – 

nur eine Bestrafung mit Freiheitsstrafe verhältnismässig sein kann. Eine Geldstrafe 

würde  angesichts  der  Gesamtheit  der  wiederholten  sexuellen  Handlungen  mit 

Kindern der Schwere jeder Einzeltathandlung nicht gerecht.

Im Lichte dieser Grundsätze erweist sich die Ausfällung einer Sanktion für sämtli-

che Delikte gemäss Anklageziffer 1 – als eine "Tatgruppe" im Sinne der vorstehend 

wiedergegebenen Rechtsprechung – als korrekt. Für diese ist, als schwerste der 

begangenen  Taten,  vorab  eine  hypothetische  Einsatzstrafe  festzusetzen  und 

danach für die weitere Tat (Anklageziffer 2) eine zu asperierende Einzelstrafe fest-

zusetzen. Aus der vorstehend wiedergegebenen Rechtsprechung und nach dem 

Dargelegten erhellt damit – mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 29 S. 12 ff.) – auch, dass 

der Beschuldigte für die mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern (Anklage-

ziffer 1 und 2) mit einer Freiheitsstrafe zu bestrafen ist.

3.

Einsatzstrafe sexuelle Handlungen mit Kindern (Anklageziffer 1)

3.1 Vorab gilt es zu berücksichtigen, dass es sich bei den sexuellen Handlungen 

mit Kindern um ein schweres Delikt handelt, welches dementsprechend eine hohe 

Strafrahmenobergrenze von 5 Jahren hat. Auch deshalb gilt es bei der individuellen 

Strafzumessung innerhalb des Strafrahmens besonderes Augenmerk auf das Ver-

bot der Doppelverwertung zu richten. Innerhalb dieses weiten Strafrahmens kommt 

damit  der  Wertung  der  einzelnen  Tatkomponenten  grosse  Bedeutung  zu,  umso 

mehr als bei den sexuellen Handlungen mit Kindern viele verschiede Erscheinungs-

formen  mit  sehr  unterschiedlichen  Schweregraden  möglich  sind,  dies  etwa  im 

Gegensatz zu Tötungstatbeständen, welche erheblich spezifischer sind. In erster 

Linie gilt es zu berücksichtigen, dass die Handlungen innerhalb des sehr breiten 

Spektrums an möglichen sexuellen Handlungen im eher unteren Bereich der mög-

lichen Eingriffsintensitäten liegen. Wohl handelte es sich nicht um beischlafsähnli-

- 16 -

che Handlungen aber doch um solche unter Einbezug primärer Geschlechtsteile, 

wobei diese von vergleichsweise kurzer Dauer waren und über den Kleidern erfolg-

ten. Auf der anderen Seite fällt aber die hohe Anzahl – der Beschuldigte spricht von 

rund  10  Übergriffen  (Prot. I  S. 11),  wovon  im  Rahmen  der  Strafzumessung  zu 

seinen Gunsten auszugehen ist – auf. Dem Ganzen haftet mithin nichts Zufälliges 

an,  vielmehr  ist  von  einem  planmässigen  Handeln  auszugehen,  welches  der 

Beschuldigte deshalb einstellte, weil der Privatkläger dem Ganzen ein Ende setzte. 

Wohl stand letzterer damals in seinem sechzehnten Lebensjahr und damit kurz vor 

Ende  des  Schutzalters.  Trotzdem  bestand  ein  erheblicher  Altersunterschied  und 

ein erhebliches Machtgefälle, insbesondere auch aufgrund des arbeitsrechtlichen 

Subordinationsverhältnisses. Zudem schien der Privatkläger das Ganze einfach zu 

erdulden, treibende Kraft war der Beschuldigte. Insgesamt ist mit der Vorinstanz 

von einem gerade noch leichten Tatverschulden auszugehen. Diese Qualifikation 

dient weder der Relativierung und schon gar nicht der Verharmlosung der Taten, 

sondern einzig der individuellen Verankerung des Tatverschuldens im weiten Straf-

rahmen. Eine hypothetische Einsatzstrafe von 9 Monaten Freiheitsstrafe erscheint 

als angemessen.

3.2 Die  subjektiven  Elemente  wirken  sich  nicht  zu  Gunsten  des  Beschuldigten 

aus. Der Beschuldigte spricht von einer gegenseitigen Faszination, kann sich aber 

seine Handlungen nicht erklären. Es sei einfach so passiert, was ihm sehr leid tue 

(Urk. 3/1 S. 11, Prot. I S: 12 ff.; Urk. 45 S. 4 ff. und Prot. II S. 8). In Anbetracht der 

ausgetauschten SMS-Nachrichten ist dies wenig überzeugend, den die Konversa-

tion wurde vonseiten des Beschuldigten oft sexualisiert. So schrieb der Beschul-

digte beispielsweise, dass er seinen Hotdog (denjenigen des Privatklägers) wolle 

(Urk. 1/3 S. 2) oder dass er ihn (den Privatkläger) wolle (Urk. 1/3 S. 4). Dies und 

die  gezielte  Handlungsweise  lassen  keine  Zweifel  daran,  dass  der  Beschuldigte 

vorsätzlich handelte und sich der Tragweite und des Unrechtsgehalts seiner Hand-

lungen bewusst war. So qualifizierte er im Rahmen einer Einvernahme sein eigenes 

Verhalten als jenseits von Gut und Böse (Urk. 3/2 S. 6). Damit steht ausser Zweifel, 

dass seine Handlungen sexuell motiviert waren. Insgesamt wirken sich die subjek-

tiven Tatkomponenten strafzumessungsneutral aus.

- 17 -

3.3 Täterkomponente

Der Beschuldigte ist als eines von 13 Geschwistern in E._____ aufgewachsen. Er 

hat  dort  die  Schulen  besucht.  Eine  berufliche  Ausbildung  oder  weiterführende 

Schulen hat er nicht absolviert. Stattdessen hat er schweizweit als Monteur gear-

beitet und dann vor rund 20 Jahren seine Arbeit auf der Gokart-Bahn "D._____" 

begonnen. Er lebt alleine – in einer Wohnung im Haus seiner Schwester –, unter-

hielt aber immer wieder Beziehungen zu Männern und Frauen. Aktuell lebt er nicht 

in einer Beziehung. In seiner Jugend sei er während fast zehn Jahren sehr schwer 

sexuell missbraucht worden. Er sei nicht pädophil (Urk. 3/1 F/A 35 ff.; Prot. I S. 8 

ff.; Urk. 45 S. 1 ff.). Sein monatliches Einkommen beträgt Fr. 5'685.95 (x 13) und er 

verfügt über ein Vermögen von Fr. 60'000.– (Urk. 37/1). Im Strafregister sind keine 

Vorstrafen  verzeichnet  (Urk. 32).  Seine  persönlichen  Verhältnisse  wirken  sich 

damit strafzumessungsneutral aus.

Der Beschuldigte hat sich von Anfang an vollumfänglich geständig und im ganzen 

Verfahren  sehr  kooperativ  gezeigt  (Urk. 3/1-3,  Prot. I  S. 11  ff.;  Urk. 45  S. 4  ff.). 

Damit hat er das Verfahren erheblich vereinfacht. Dies ist ihm stark, vorliegend im 

Umfange von einem Drittel, anzurechnen. Eine darüber hinausgehende Reue oder 

ein anderweitiges strafreduzierendes Nachtatverhalten ist indes nicht zu erkennen.

Zusammenfassend ergibt sich somit  eine Einsatzstrafe von 6 Monaten Freiheits-

strafe.

4.

Asperation wegen sexuellen Handlungen mit Kindern (Anklageziffer 2)

4.1 In objektiver Hinsicht wiegt das Verschulden bereits erheblich. Wohl steht hier 

nur eine einmalige Handlung zur Beurteilung, doch wiegt diese erheblich schwerer 

als  die  unter  E. III/3  beschriebene.  Der  Griff  in  die  Hose  und  an  das  nackte 

Geschlechtsteil  erfordert  eine  weit  höhere  Überwindung  als  das  Ausgreifen  über 

den Kleidern und damit auch eine höhere kriminelle Energie. Im Übrigen gilt das 

bereits oben unter E. III/3.1 Gesagte. Auch in diesem Punkt ist das Verschulden als 

gerade  noch  leicht  zu  qualifizieren,  zumal  eine  einmalige  Tatbegehung  vorliegt. 

Trotzdem  handelt  es  sich  dabei  nicht  um  einen  einmaligen  Ausrutscher,  die  Tat 

- 18 -

reiht sich vielmehr in die Serie der übrigen Handlungen ein. Auch für die subjektive 

Seite kann auf das vorstehend unter E. III/3.2 (zu Anklageziffer 1) Gesagte verwie-

sen  werden.  Eine  Einzelstrafe  von  9  Monaten  Freiheitsstrafe  erscheint  somit  als 

angemessen.

4.2 Bezüglich der tatunabhängigen Strafzumessungsfaktoren kann ebenfalls auf 

das oben unter E. III/3.3 (zu Anklageziffer 1) Gesagte verweisen werden. Die Ein-

zelstrafe ist somit auf 6 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

5.

Festsetzung der Gesamtstrafe

5.1 Da  für  die  mehrfachen  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  (Anklageziffer 1) 

und  die  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  (Anklageziffer 2)  –  wie  vorstehend 

dargelegt – gleichartige Strafen, nämlich Freiheitsstrafen auszusprechen sind, ist 

in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtstrafe auszufällen.

5.2 Vorliegend gilt es zu berücksichtigen, dass die Unterschiede der Handlungen 

der beiden Tatkomplexe rein gradueller Natur sind. Im Übrigen reiht sich die Tat 

gemäss Anklageziffer 2 nahtlos in die übrigen Taten gemäss Anklageziffer 1 ein. 

Die  Einsatzstrafe  (Anklageziffer 1)  von  6 Monaten  Freiheitsstrafe  ist  somit  in 

Anwendung des Asperationsprinzips um 4 Monate Freiheitsstrafe (Anklageziffer 2) 

zu erhöhen.

6.

Somit resultiert eine Gesamtstrafe von 10 Monaten Freiheitsstrafe.

IV.  Strafvollzug

Die Vorinstanz hat den Vollzug der Strafe aufgeschoben und eine Probezeit von 

2 Jahren  festgesetzt  (Urk. 29  S. 17).  Die  Erwägungen  erweisen  sich  als  in  jeder 

Hinsicht zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden kann und der 

vorinstanzliche Aufschub samt Probezeit von 2 Jahren zu bestätigen ist.

V.  Tätigkeitsverbot

1.

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einem lebenslänglichen Tätigkeits-

verbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b. StGB belegt. Dies mit der Begründung, 

- 19 -

dass sich der Beschuldigte der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im 

Sinne von Art. 187 StGB schuldig gemacht hat und es sich bei den zu beurteilenden 

Taten nicht um besonders leichte handelt, weshalb ein ausnahmsweises Absehen 

von einem Tätigkeitsverbot von vornherein nicht in Betracht falle (Urk. 29 S. 18 f.).

2.

Die  Verteidigung  sah  vor  Vorinstanz  im  vorliegenden  "gerade  noch  knapp" 

einen Bagatellfall. Diese Argumentation fusste jedoch auf der These, dass es einzig 

zu einer Bestrafung wegen dem Vorwurf gemäss Anklageziffer 2 kommt. Da der 

Beschuldigte nicht pädophil sei, er in den rund 20 Jahren seiner Tätigkeit bei der-

selben Kartbahn nie übergriffig geworden sei und er sein Fehlverhalten realisiert 

und  bereut  habe,  sei  es  äusserst  unwahrscheinlich,  dass  es  wieder  zu  einer 

solchen Situation komme, zumal er auch um den guten Ruf seiner Arbeitgeberin 

besorgt sei. Er werde zudem bald pensioniert und mit einem Berufsverbot wäre es 

ihm kaum mehr möglich, eine Anstellung zu finden, weshalb er voraussichtlich bis 

zur  Erreichung  des  Pensionsalters  arbeitslos  bleiben  würde  (Urk.  20  S.  8  f.;  vgl. 

auch Urk. 46 S. 7 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die Verteidi-

gung ergänzend vor, dass es vorliegend wohl aber schwierig sei, den vorliegenden 

Fall als besonders leichten Fall im Sinne der Ausnahmebestimmung zu bezeich-

nen. Man könne aber ohne zu bagatellisieren sagen, dass dieser Fall im Rahmen 

aller denkbarer Konstellationen, die unter diesen Tatbestand fallen, im unteren Ver-

schuldensbereich  anzusiedeln  sei.  Dennoch  sprenge  es  wahrscheinlich  den 

Rahmen,  der  nötig  wäre,  um  von  einem  Tätigkeitsverbot  Umgang  zu  nehmen. 

Dieses Resultat sei im vorliegenden Fall aber unbefriedigend. Das Tätigkeitsverbot 

würde niemandem etwas bringen, wäre für den Beschuldigten aber verheerend. Es 

dürfe  hier  in  besonderem  Mass  darauf  vertraut  werden,  dass  an  der  aktuellen 

Arbeitsstelle des Beschuldigten keine Gefahr von Übergriffen durch den Beschul-

digten auf Jugendliche bestehe – nämlich aufgrund der Kenntnis des Arbeitgebers 

von  den  Taten  des  Beschuldigten,  der  Zusicherung,  keine  Aushilfsschüler  mehr 

einzustellen,  und  auch  der  lediglich  kurzen  noch  verbleibenden  Dauer  bis  zur 

Pensionierung des Beschuldigten. Und auf der anderen Seite würde der Beschul-

digte  –  so  der  Verteidiger  weiter  –  durch  den  Verlust  dieser  Arbeitsstelle  auch 

besonders  hart  getroffen,  indem  er  aller  Voraussicht  nach  für  den  Rest  seines 

Erwerbslebens arbeitslos werden und bleiben würde. Deshalb werde (eventualiter) 

- 20 -

beantragt – obwohl man eher nicht sagen könne, es liege eine besonders leichte 

Tat  vor  –,  dass  die  aktuelle  Tätigkeit  des  Beschuldigten  bei  der  C._____  AG  im 

D._____ vom Tätigkeitsverbot auszunehmen sei (Urk. 46 S. 11).

3. Wird  jemand  wegen  sexuelle  Handlungen  mit  Kindern  (Art. 187  StGB)  ver-

urteilt, so hat das Gericht gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB zwingend ein lebens-

längliches Tätigkeitsverbot auszusprechen, welches dem Täter lebenslänglich jede 

berufliche  und  organisierte  ausserberufliche  Tätigkeit  verbietet,  die  einen  regel-

mässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst.

4.

In  besonders  leichten  Fällen  kann  das  Gericht  ausnahmsweise  von  der 

Anordnung  eines  solchen  Tätigkeitsverbots  absehen,  wenn  ein  solches  nicht 

notwendig  erscheint,  um  den  Täter  von  der  Begehung  weiterer  gleichartiger 

Straftaten abzuhalten (Art. 67 Abs. 4bis StGB). Von der Anordnung eines Tätigkeits-

verbotes darf jedoch nicht abgesehen werden, wenn der Täter wegen eines der in 

Art. 67  Abs. 4bis  lit. a  StGB  aufgeführten  Delikte  verurteilt  worden  ist  oder,  wenn 

dieser gemäss den international anerkannten Klassifikationen pädophil ist (Art. 67 

Abs. 4bis lit. b). Die Voraussetzungen für das Absehen von einem zwingend lebens-

länglichen  Tätigkeitsverbot  gemäss  Art. 67  Abs. 4bis  StGB  sind  eng  ausgestaltet. 

Es muss sich kumulativ um einen besonders leichten Fall einer bestimmten Sexu-

alstraftat  handeln,  und  das  Tätigkeitsverbot darf nicht  notwendig  erscheinen,  um 

den Täter von der Begehung weiterer einschlägiger Sexualstraftaten am geschütz-

ten  Personenkreis  abzuhalten.  Nicht  notwendig  erscheint  ein  Tätigkeitsverbot 

gestützt  auf  die  Botschaft  dann,  wenn  dem  Täter  eine  gute  Prognose  gestellt 

werden  kann,  weil  Anhaltspunkte  für  eine  Wiederholungsgefahr  fehlen.  Die 

Botschaft hält dazu fest, dass die Frage, ob ein Verbot nicht notwendig erscheine, 

um den Täter von der Begehung weiterer Sexualstraftaten abzuhalten, vom Gericht 

– wie bei der Frage des bedingten Strafvollzuges (Art. 42 Abs. 1 StGB) – aufgrund 

einer  Gesamtwürdigung  beantwortet  werden  müsse.  Für  eine  Einschätzung  des 

Rückfallrisikos  sei  ein  möglichst  vollständiges  Bild  der  Täterpersönlichkeit 

unabdingbar; falls nötig, auch mittels eines psychiatrischen Gutachtens. Seien die 

Voraussetzungen erfüllt, so liege der ausnahmsweise Verzicht auf die Anordnung 

eines lebenslänglichen Tätigkeitsverbotes im Ermessen des Gerichtes (BBl 2016 

- 21 -

6161  f.;  Urteile  des  Obergerichts  des  Kantons  Zürich  SB210115-O  E. IV/2; 

SB210131  E.  V.1.).  Die  Botschaft  nennt  einige  Konstellationen,  in  denen  das 

Gericht gestützt auf Art. 67 Abs. 4bis StGB ausnahmsweise von einem Tätigkeits-

verbot nach Art. 67 Abs. 3 und 4 StGB absehen könnte (BBl 2016 6162 f.): Eine 

20-jährige  Person  hat  im  Rahmen  einer  Liebesbeziehung  mit  einer  15-jährigen 

Person einvernehmlich sexuelle Kontakte (z.B. Zungenküsse), eine Kioskverkäufe-

rin verkauft einem Minderjährigen ein "Sexheftli", in einer "WhatsApp-Gruppe" von 

mehreren  15-  bis  18-jährigen  Personen  wird  ein  Kurzvideo  mit  pornografischem 

Inhalt, das von anderen, unter 16 Jahre alten Schulkollegen selbst gedreht wurde, 

geteilt und auf dem Mobiltelefon belassen oder eine Frau lässt zu, dass ihr Ehe-

mann  sie  vor  der  minderjährigen  Babysitterin  demonstrativ  "begrapscht",  bzw. 

wehrt sich nicht dagegen.

5.

Der  Beschuldigte  wurde  wegen  mehrfachen  sexuellen  Handlungen  mit 

Kindern  verurteilt.  Dies  ist  eine  Katalogtat  gemäss  Art. 67  Abs. 3  lit. b  StGB. 

Entsprechend  ist  zwingend  ein  Tätigkeitsverbot  auszusprechen.  Zu  prüfen  bleibt 

jedoch,  ob  von  einem  solchen  aufgrund  von  Art.  67  Abs.  4bis  StGB  abgesehen 

werden kann. 

Wie  erwähnt  wiegt  zwar  das  objektive  Tatverschulden  gerade  noch  leicht.  Doch 

weisen  die  Taten  klarerweise  keinen  Bagatellcharakter  auf,  weder  einzeln  und 

schon gar nicht in ihrer Gesamtheit. Es handelt sich somit weder um einen einma-

ligen  Ausrutscher  noch  sind  sie  auch  nur  im  Ansatz  vergleichbar  mit  den  in  der 

Botschaft aufgezählten Beispielfällen für das Absehen eines Tätigkeitsverbots. Es 

liegt  kein  besonders  leichter  Fall  vor.  Da  die  beiden  Voraussetzungen  für  das 

Absehen  vom  Tätigkeitsverbot  kumulativ  erfüllt  sein  müssen  und  ein  besonders 

leichter Fall vorliegend zu verneinen ist, erübrigt sich eine Prüfung, ob das lebens-

längliche  Tätigkeitsverbot  geeignet  und  erforderlich  ist,  den  Beschuldigten  von 

weiteren Straftaten abzuhalten, wie sie Anlass für das Verbot sind. Anzufügen ist 

lediglich, dass das Tätigkeitsverbot allgemein den Schutz von Minderjährigen vor 

Sexualstraftätern vorsieht und grundsätzlich dazu geeignet ist, Sexualstraftaten zu-

lasten von Minderjährigen zu verhindern bzw. zu erschweren (BBl 2016 6158; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1027/2021 vom 5. Juni 2023 E. 2.5.1). Ob dem Beschul-

- 22 -

digten  keine  pädophile  Neigung  zu  attestieren  ist,  wie  von  der  Verteidigung  und 

dem  Beschuldigten  vorgebracht,  ist  letztlich  nicht  geklärt  und  kann  nach  dem 

Gesagten offen bleiben.

Die  von  der  Verteidigung  vorgebrachten  beruflichen  und  damit  wirtschaftlichen 

Konsequenzen vermögen an dieser Beurteilung nichts zu ändern (vgl. Urk. 46 S. 7 

ff.).  Weder  aus  Art. 67  StGB  noch  aus  anderen  Rechtsquellen  kommt  diesen 

Faktoren eine rechtfertigende Wirkung zu, zumal beim in eineinhalb Jahren pensio-

nierten Beschuldigten diesbezüglich gerade auch keine besondere Härte – wie von 

der Verteidigung vorgebracht – zu sehen ist. Auch das von der Verteidigung even-

tualiter beantragte Ausnehmen der aktuellen Tätigkeit des Beschuldigten vom Tä-

tigkeitsverbot  ist  nach  dem  Dargelegten  nicht  angezeigt,  eine  solche  Ausnahme 

würde denn auch dem Schutzzweck von Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB zuwiderlaufen. 

Auch dem Vorbringen der Verteidigung, dass hier in besonderem Mass darauf ver-

traut  werden  dürfe,  dass  an  der  aktuellen  Arbeitsstelle  des  Beschuldigten  keine 

Gefahr von Übergriffen durch den Beschuldigten auf Jugendliche bestehe, ist nicht 

zu  folgen,  nachdem  der  Beschuldigte  bei  seiner  aktuellen  Tätigkeit  –  gemäss 

Aussagen an der Berufungsverhandlung (Urk. 45 S. 2 ff.) – täglich mit Kindern in 

Kontakt  steht.  Im  Übrigen  gilt  anzufügen,  dass  es  für  eine  solche  –  wie  von  der 

Verteidigung vorgeschlagene – Ausnahme denn auch keine Grundlage gäbe. Nach 

dem Gesagten liegt keine Ausnahme bzw. kein besonders leichter Fall im Sinne 

von Art. 67 Abs. 4bis StGB vor und es ist nach Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB zwingend 

ein lebenslanges Tätigkeitsverbot anzuordnen.

VI.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschä-

digungsdispositiv (Dispositivziffer 10) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

2.

Kosten des Berufungsverfahrens / Entschädigung der amtlichen Verteidigung

2.1 Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  auf  Fr. 3'600.–  festzu-

setzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 GebV OG). Die Kosten des Rechtsmittelver-

- 23 -

fahrens  tragen  die  Parteien  nach  Massgabe  ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens 

(Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Berufungsanträgen 

vollumfänglich,  weshalb  ihm  ausgangsgemäss  die  Kosten  des  Berufungsverfah-

rens aufzuerlegen sind.

2.2 Der  amtliche  Verteidiger  des  Beschuldigten  machte  für  das  Berufungsver-

fahren einen Aufwand von Fr. 3'601.55 geltend (Urk. 44), welcher Aufwand ausge-

wiesen ist und angemessen erscheint, weshalb er antragsgemäss mit Fr. 3'601.55 

(inkl. 8,1 % MwSt. und Barauslagen) zu entschädigen ist.

2.3 Somit  sind  dem  Beschuldigten  die  Kosten  des  Berufungsverfahrens,  mit 

Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen. Die Kosten der 

amtlichen  Verteidigung  sind  einstweilen  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Die 

Rückzahlungspflicht  des  Beschuldigten  bleibt  gemäss  Art. 135  Abs. 4  StPO 

vorbehalten.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzel-

gericht in Strafsachen, vom 21. Juni 2024 wie folgt in Rechtskraft erwachsen 

ist:

"Es wird erkannt:

1.

Hinsichtlich des Vorwurfs der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 

StGB (Anklageziffern 3 und 4) wird das Verfahren eingestellt.

2.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der sexuellen Handlungen mit Kindern im 

Sinne von Art. 187 StGB (Anklageziffer 2).

3.

4.

5.

6.

[…]

[…]

[…]

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 5. Februar 2024 

beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, lagernde 

- 24 -

Mobiltelefon, Marke "Empuria", mit Ladestecker (Asservat-Nr. A-017'831'662), wird 

dem Beschuldigten auf erstes Verlangen herausgegeben.

Dem Beschuldigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Entscheides 

angesetzt, um den herauszugebenden Gegenstand selbst (oder durch eine bevoll-

mächtigte Person) unter Vorlage dieses Entscheides und eines amtlichen Ausweises, 

nach telefonischer Voranmeldung, bei der genannten Lagerbehörde abzuholen.

Wird der herauszugebende Gegenstand nicht innert Frist abgeholt, wird er vernichtet. 

Die Lagerbehörde wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu vollziehen 

und zu dokumentieren.

7.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 1'100.– als Scha-

denersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird der Privatkläger mit seiner Schadener-

satzforderung auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

8.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ eine Genugtuung von 

Fr. 900.– zu bezahlen. 

9.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

800.00   Gebühr für das Vorverfahren

6'250.40

  Entschädigung amtliche Verteidigung 
  (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)

8'850.40   Total

Verlangt keine der Parteien eine Begründung des Urteils, ermässigt sich die Ent-

scheidgebühr auf zwei Drittel.

10.

[…]

11.

[Mittelungen]

12.

[Rechtsmittel]"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

- 25 -

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist weiter schuldig der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB (Anklageziffer 1).

2.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt.

4.

Es wird für den Beschuldigten ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot (Verbot 

jeder beruflichen und jeder organisierten ausserberuflichen Tätigkeit, die ei-

nen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst) im Sinne von Art. 67 

Abs. 3 lit. b StGB angeordnet.

5.

Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 10) wird 

bestätigt.

6.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:

3'601.55   amtliche Verteidigung (inkl. 8,1 % MwSt.).

7.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten 

der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-

nommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO vorbehalten.

8. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)

die gesetzliche Vertreterin des Privatklägers im Doppel für sich und zu-
handen des Privatklägers (versandt)

- 26 -

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich

die gesetzliche Vertreterin des Privatklägers im Doppel für sich und zu-
handen des Privatklägers

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an









die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten.

9. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

- 27 -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 5. Mai 2025

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. S. Volken

MLaw J. Stegmann

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vorerst nicht 

bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe de-

finitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 

bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.