# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8899c499-4088-5a39-818a-10e3f7394917
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240306-O1
**Docket/Reference:** SB240306-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240306-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240306-O/U/ad

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. 

Weder und Oberrichter lic. iur. Amsler sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Gitz

Urteil vom 2. April 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,

Anklägerin und Berufungsklägerin

gegen

A._____,

Beschuldigter und Berufungsbeklagter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln (Rückweisung des Schwei-

zerischen Bundesgerichtes)

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in 

Strafsachen, vom 31. August 2020 (GG190042); Urteil des Obergerichtes des 

Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 26. Oktober 2021 (SB200396); Urteil 

des Schweizerischen Bundesgerichtes vom 5. Juni 2024 (6B_92/2022)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Oktober 

2019 (Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

1.

Der Beschuldigte ist einer strafbaren Handlung nicht schuldig und wird frei-

gesprochen.

2.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Ok-

tober 2019 beschlagnahmten Gegenstände, nämlich

-

-

iPhone 6s (A011'956'040);

externe Festplatte "Western Digital", mit Kabel (A011'956'108);

werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils dem Beschuldigten auf 

erstes Verlangen innerhalb von drei Monaten herausgegeben und ansons-

ten durch die Lagerbehörde (Lagerort: Bezirksgerichtkasse …) vernichtet.

3.

Dem Beschuldigten werden als Genugtuung für die zu Unrecht erlittene Haft 

Fr. 200.00aus der Gerichtskasse zugesprochen. Weitergehende 

Schadenersatzforderungen werden abgewiesen.

4.

Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die 

Gerichtskasse genommen.

5.

Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher 

Verteidiger mit Fr. 6'612.75 (inkl. Barauslagen und 7.7 % MwSt.) aus der 

Gerichtskasse entschädigt.

- 3 -

Berufungsanträge:

a)

Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:

(Urk. 69 S. 2 f.)

1.

Der Beschuldigte A._____ sei schuldig zu sprechen der groben Verlet-

zung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbin-

dung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 Satz 1 

SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV.

Die erstandene Haft sei anzurechnen.

Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 9 Mona-

ten sowie einer Busse von Fr. 1'000.–.

2.

3.

4.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung ei-

ner Probezeit von 2 Jahren.

5.

Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen bei schuldhafter Nicht-

bezahlung der Busse festzusetzen.

6.

Es sei über die Rückgabe der einzig als Beweismittel beschlagnahmten 

Gegenstände zu entscheiden.

7.

Es seien die Kosten für das Vor-, Haupt- und Berufungsverfahren dem 

Beschuldigten anteilsmässig aufzuerlegen.

Anträge nach Rückweisung des Bundesgerichts (zweites Berufungsverfahren): 

(Urk. 94 S. 2)

1.

Der Beschuldigte A._____ sei erneut schuldig zu sprechen der groben 

Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Ver-

bindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 

Satz 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV.

2.

Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 12 Mo-

naten, wovon ein Tag Untersuchungshaft anzurechnen sei.

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3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung ei-

ner Probezeit von 2 Jahren.

4.

Es seien die Kosten für das Vor-, Haupt- und Berufungsverfahren dem 

Beschuldigten anteilsmässig aufzuerlegen.

b)

Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._____: 

(Urk. 68 S. 2)

1.

2.

Es sei das Urteil der Vorinstanz vollumfänglich zu bestätigen.

Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens (inkl. der Kosten der 

amtlichen Verteidigung zzgl. 7.7 % MwSt.) auf die Staatskasse zu neh-

men.

Anträge nach Rückweisung des Bundesgerichts (zweites Berufungsverfahren): 

(Urk. 97 S. 2)

1.

2.

Es sei A._____ vollumfänglich freizusprechen.

Es seien die Kosten des gesamten Verfahrens (inkl. Kosten der amtli-

chen Verteidigung zzgl. MwSt.) auf die Staatskasse zu nehmen.

___________________________________

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1.

Gegen  das  Urteil  des  hiesigen  Gerichts  vom  26. Oktober  2021  (Urk. 74) 

erhob der Beschuldigte Beschwerde ans Bundesgericht. Das Bundesgericht hiess 

die Beschwerde des Beschuldigten mit Urteil vom 5. Juni 2024 (6B_92/2022) gut, 

hob das Urteil des hiesigen Gerichts auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung 

zurück (Urk. 85 = 86 S. 21). Mit Vorladung vom 26. September 2024 wurden die 

Parteien auf den 2. April 2025 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 89), wo-

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bei angesichts des engen Sachzusammenhangs gleichzeitig zu den Berufungsver-

handlungen  der  Mitbeschuldigten  B._____  und  C._____  (SB240304  und 

SB240305) vorgeladen wurde. 

2.

Zur  gemeinsamen  Berufungsverhandlung  in  den  drei  genannten  Fällen 

vom  2. April  2025  erschienen  Sonderstaatsanwalt  Dr. iur. D._____  namens  der 

Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland  (nachfolgend:  Staatsanwaltschaft),  der 

Beschuldigte A._____ in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt 

Dr. iur. X._____, der Mitbeschuldigte B._____ in Begleitung dessen amtlichen Ver-

teidigers, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, und der Mitbeschuldigte C._____ in Be-

gleitung dessen amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt MLaw Z._____ (Prot. II S. 2). 

Das  Urteil  wurde  im  Anschluss  an  die  Berufungsverhandlung  beraten  sowie  den 

Parteien schriftlich im Dispositiv mitgeteilt (Prot. II S. 41 ff.). 

II. Prozessuales

1.

Gegenstand des Verfahrens

1.1.

Bindungswirkung des Rückweisungsentscheids

1.1.1. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angele-

genheit  zur  neuen  Beurteilung  an  das  Berufungsgericht  zurück,  darf  sich  dieses 

von Bundesrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundes-

gericht kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in das neue 

Urteil zu übernehmen. Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit seinem Rückwei-

sungsentscheid formell in der Regel das ganze angefochtene Urteil aufhebt. Ent-

scheidend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des bundesge-

richtlichen Entscheids (BGE 150 IV 417 E. 2.4.1; 143 IV 214 E. 5.2.1). 

Die  neue  Entscheidung  der  kantonalen  Instanz  ist  somit  auf  diejenige  Thematik 

beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der 

neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als 

dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rech-

nung zu tragen (BGE 150 IV 417 E. 2.4.1; 143 IV 214 E. 5.2.1; Urteile des Bundes-

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gerichts 6B_216/2020 vom 1. November 2021 E. 1.3.1 [nicht publ. in BGE 148 IV 

66]; 6B_59/2020 vom 30. November 2020; je m.H.). Aufgrund der Bindungswirkung 

bundesgerichtlicher  Rückweisungsentscheide 

ist  es  dem  Berufungsgericht 

abgesehen  von  allenfalls  zulässigen  Noven  verwehrt,  der  Beurteilung  des 

Rechtsstreits  einen  anderen  als  den  bisherigen  Sachverhalt  zu  unterstellen oder 

die  Sache  unter 

rechtlichen  Gesichtspunkten 

zu  prüfen,  die 

im 

Rückweisungsentscheid ausdrücklich abgelehnt oder überhaupt nicht in Erwägung 

gezogen  worden  sind  (BGE  150  IV  417  E. 2.4.2;  143  IV  214  E. 5.3.3).  Diese 

Rechtsprechung beruht auf dem Gedanken, dass das Strafverfahren prinzipiell mit 

dem Urteil der (oberen) kantonalen Instanz abgeschlossen ist (BGE 117 IV 97 mit 

Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_1216/2020 vom 11. April 2022 E. 1.3.3, 

6B_1431/2017 vom 31. Juli 2018 E. 1.3). Muss sich jedoch die Vorinstanz aufgrund 

des  Rückweisungsentscheids  nochmals  mit  der  Beweislage  befassen,  ist  eine 

neue, abweichende Beweiswürdigung durch die Berufungsinstanz ebenso zuläs-

sig, wie die Abnahme neuer Beweise, selbst wenn solche bereits in einem früheren 

Verfahrensstadium  hätten  erhoben  werden  können,  soweit  der  entsprechende 

Sachverhalt  mit  einer  Willkürrüge  vor  Bundesgericht  noch  angefochten  werden 

kann und demnach noch nicht verbindlich feststeht (BGE 143 IV 214 E. 5.3.2 und 

E. 5.4. a.E.).

Das Bundesgericht hob das Urteil vom 26. Oktober 2021 im Schuldpunkt betreffend 

grobe Verletzung der Verkehrsregeln, begangen gleichzeitig mit den Tatvorwürfen 

gegen die beiden Mitbeschuldigten, auf (Urk. 86 S. 3-19). Der Gegenstand des vor-

liegenden Berufungsverfahrens umfasst mithin den Schuldpunkt, die Strafzumes-

sung, den Vollzug, beschlagnahmte Gegenstände und die Kostenfolgen.

1.1.2. Die Verteidigung des Mitbeschuldigten B._____ warf anlässlich der Beru-

fungsverhandlung  vom  2. April  2025  die  Frage  auf,  inwiefern  die  vorliegende 

Videoaufnahme aufgrund der seit dem Urteil der hiesigen Kammer vom 26. Okto-

ber 2021 eingetretenen Änderung der Rechtsprechung verwertet werden dürfe. Die 

vom Bundesgericht im Urteil vom 5. Juni 2024 zitierten Entscheide betreffend den 

Begriff "schwere Straftat" seien nicht nur lange nach der Tat, sondern auch nach 

dem angefochtenen Obergerichtsentscheid ergangen, weshalb sich die Frage nach 

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der lex mitior stelle. Die hiesige Kammer habe in ihrem Entscheid vom 26. Oktober 

2021 zutreffend ausgeführt, dass einfache und grobe Verletzungen der Verkehrs-

regeln keine schweren Straftaten im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO darstellten. In 

der Folge habe es ziemlich lange gedauert, bis das Bundesgericht seine Entschei-

dung getroffen habe. In dieser Zeit habe sich die Rechtslage durch die höchstrich-

terliche Rechtsfortbildung hinsichtlich der Bedeutung des Begriffs "schwere Straf-

tat"  geändert.  Zwar  betreffe  Art. 141  Abs. 2  StPO  die  Strafprozessordnung  und 

nicht das Strafgesetzbuch, jedoch handle es sich bei der Frage, ob eine Straftat 

schwer sei, faktisch um eine materiellrechtliche, also strafrechtliche, und nicht um 

eine verfahrensrechtliche Frage. Wäre die Frage nicht durch Richterrecht normiert, 

wäre sie im StGB zu regeln und nicht in der StPO. Es sei richterlich geschaffenes 

Strafrecht und als solches unterstehe es der lex mitior. Da das Rückwirkungsverbot 

von Gesetzesänderungen auch von Art. 6 und Art. 7 EMRK gedeckt sei, betreffe 

dieses sowohl formell im Zusammenhang mit prozessualen Vorschriften geänderte 

Bestimmungen  und  Praxisänderungen  als  auch  solche,  die  im  materiellen  Recht 

kodifiziert seien. Für den Betroffenen wirke sich die Frage der schweren Straftat in 

materieller und nicht nur in prozessualer Hinsicht aus. Die Rückwirkung einer Än-

derung dieses Begriffs sei daher verboten, sofern die Änderung für den Betroffenen 

nachteilig sei (Urk. 95 S. 4 ff.). 

Nach dem Grundsatz von Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach dem Strafgesetzbuch be-

urteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat. 

Gemäss  Abs. 2  derselben  Bestimmung  gelangt,  wenn  der  Täter  vor  Inkrafttreten 

des Gesetzes ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das neue Recht zur 

Anwendung, wenn es für den Täter das mildere ist. Sowohl das Rückwirkungsver-

bot als auch die Anwendung der lex mitior sind nach bundesgerichtlicher Recht-

sprechung auf Änderungen des materiellen Strafrechts beschränkt und finden auf 

Änderungen der Rechtsprechung keine Anwendung (BGE 117 IV 369 E. 15 = Pra 

81  [1992]  Nr. 220;  77  IV  7  E. 3  =  Pra  40  Nr. 27;  Urteil  des  Bundesgerichts  vom 

18. Januar 1983, veröffentlicht in Pra 72 [1983] Nr. 69 E. 2b; vgl. auch Urteil des 

Bundesstrafgerichts CA.2019.7 vom 28. Mai 2020 E. 1.1.4.6.2; POPP/BERKEMEIER, 

in:  Niggli/Wiprächtiger  [Hrsg.],  Basler  Kommentar,  Strafrecht,  4. Auflage  2019, 

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Art. 2 N 14 m.w.H.). Betreffend das materielle Recht ist festzuhalten, dass der vor-

liegend relevante Art. 90 Abs. 2 SVG seit dem Tatvorwurf nicht geändert wurde. 

Das  Strafprozessrecht  enthält  sodann  eigene  Übergangsbestimmungen,  wobei 

Art. 453 Abs. 2 StPO vorsieht, dass neues Recht anwendbar ist, wenn ein Verfah-

ren  von  der  Rechtsmittelinstanz  oder  vom  Bundesgericht  zur  neuen  Beurteilung 

zurückgewiesen  wird.  Somit  ist  grundsätzlich  das  im  Zeitpunkt  des  neuen  Beru-

fungsverfahrens nach dem Rückweisungsentscheid des Bundesgerichts geltende 

Prozessrecht anwendbar. Im Übrigen ist mit Verweis auf die vorstehend wiederge-

gebene bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. E. II.1.1.1) festzuhalten, dass die 

mit der Neubeurteilung befasste kantonale Instanz im Falle eines Rückweisungs-

entscheids  ihrer  Entscheidung  die  rechtliche  Beurteilung  zugrunde  zu  legen  hat, 

mit der die Rückweisung begründet wird (BGE 150 IV 417 E. 2.4.2). Das Bundes-

gericht wies das hiesige Gericht mit Entscheid vom 5. Juni 2024 im Falle der Qua-

lifikation der Videoaufnahme als rechtswidrigen privaten Beweis mangels Einwilli-

gung an zu prüfen, ob eine Verwertbarkeit dennoch zu bejahen sei, weil die Straf-

behörden  die  Videoaufnahme  hypothetisch  rechtmässig  hätten  erlangen  können 

und die Schwere der im Raum stehenden Straftat ihre Verwertung rechtfertige. In 

diesem Zusammenhang verweist das Bundesgericht ausdrücklich auf seine aktu-

elle Rechtsprechung (Urk. 86 E. 2.1 S. 19 f.). 

Angesichts dieser verbindlichen Weisung des Bundesgerichts im Rückweisungs-

entscheid und mangels Einschlägigkeit des Rückwirkungsverbots und des Grund-

satzes der lex mitior im Hinblick auf Änderungen der Rechtsprechung ist die Ver-

wertbarkeit der Videoaufnahme nachfolgend im Lichte der aktuellen bundesgericht-

lichen Rechtsprechung zu prüfen.

1.2.

Teilrechtskraft

Nachdem der Schuldpunkt vorliegend vollumfänglich neu zu prüfen ist, sind keiner-

lei Teile des Urteils der hiesigen Kammer des Obergerichts vom 26. Oktober 2021 

formell in Rechtskraft erwachsen. Soweit sich letztlich auch unter der Prämisse der 

verbindlichen Feststellungen des Bundesgerichts dieselben Erwägungen aufdrän-

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gen, kann indessen in sinngemässer Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO auf die 

Erwägungen im aufgehobenen Entscheid verwiesen werden.

2.

Formelles

Auf die Argumente der Parteien ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen 

einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen 

Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; vielmehr kann es 

sich  auf  die  für  die  Entscheidfindung  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken 

(vgl. statt vieler: BGE 141 IV 249 E. 1.3.1, mit Hinweisen). 

3.

Verwertbarkeit der Beweismittel, insbesondere der Videoaufnahme

3.1.

Zentrales Beweismittel für die dem Beschuldigten und den Mitbeschuldig-

ten  vorgeworfenen  Tathandlungen  stellt  die  vom  Mitbeschuldigten  C._____  er-

stellte Videoaufnahme (Urk. 10/6 CD-Datenträger FOR) dar. Die einzigen weiteren 

Beweismittel, die Aussagen des Beschuldigten und der beiden Mitbeschuldigten, 

wurden im Urteil vom 26. Oktober 2021 nur insofern herangezogen, als dass dar-

gelegt  wurde,  weshalb  diese  Aussagen  den  aus  der  Videoaufnahme  gezogenen 

Schluss auf ein Beschleunigungsrennen und ein dabei erfolgtes grob verkehrsre-

gelwidriges  Fahrverhalten  nicht  umzustossen  vermochten  (vgl.  Urk. 74  S. 25 ff.; 

Urk. 86 E. 1.2 S. 3 f.). Die Verwertbarkeit der Videoaufnahme wurde im Rahmen 

einer vorfrageweisen Beurteilung bejaht, in der das erkennende Gericht zum Er-

gebnis  gelangte,  es  habe  von  Anfang  an  eine  Einwilligung  der  Gefilmten  in  das 

Erstellen der Videoaufnahme vorgelegen, woraus folge, dass die Videoaufnahme 

ein rechtmässig erlangtes privates Beweismittel darstelle. Es handle sich weder um 

eine heimliche noch um eine rechtswidrige Aufnahme, weshalb die Videoaufnahme 

rechtmässig entstanden und im Sinne der Rechtsprechung uneingeschränkt ver-

wertbar  sei  (vgl.  Urk. 74  S. 13-21;  Urk. 86  E. 1.2.  S. 4).  Das  Bundesgericht  ge-

langte demgegenüber zur Erkenntnis, dass der Beschuldigte A._____ und die Mit-

beschuldigten die Einwilligungen in das Erstellen der Videoaufnahme im Rahmen 

unverwertbarer, da unter Verletzung der Teilnahmerechte erfolgter, Einvernahmen 

gaben, so dass die Verwertbarkeit der Videoaufnahme gestützt auf diesen Grund 

nicht angenommen werden dürfe (Urk. 86 E. 1.3 ff. S. 4 ff.). Auf die Erwägungen 

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des  Bundesgerichts  ist  zur  Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  grundsätzlich 

zu verweisen. Abschliessend hielt das Bundesgericht fest, dass das erkennende 

Gericht im Rahmen der Neubeurteilung zu prüfen habe, ob sich eine strafprozes-

suale Verwertbarkeit der Videoaufnahme ohne die von den zwei Mitbeschuldigten 

an den delegierten polizeilichen und den staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen 

gemachten Aussagen begründen lasse. Für die Beurteilung der Frage, ob eine zur 

Verwertbarkeit führende Einwilligung vorliegt, werde nebst den Aussagen des Be-

schuldigten (nur noch) auf die teilnahmerechtskonform abgehaltenen gerichtlichen 

Einvernahmen der Mitbeschuldigten und allfällige korrekt durchgeführte neue Be-

fragungen abgestellt werden können. Gegebenenfalls und jedenfalls dann, wenn 

sich  eine  Einwilligung  nicht  nachweisen  lasse  und  die  Videoaufnahme  daher  als 

rechtswidrigen  privaten  Beweis  qualifiziert  werden  sollte,  werde  das  erkennende 

Gericht zu prüfen haben, ob eine Verwertbarkeit dennoch zu bejahen sei, weil die 

Strafbehörden die Videoaufnahme hypothetisch rechtmässig hätten erlangen kön-

nen und die Schwere der im Raum stehenden Straftat ihre Verwertung rechtfertige 

(vgl. Urk. 86 E. 1.3.1 S. 4 ff.). Denn je nach den konkreten Umständen könne auch 

ein  Vergehen  wie  die  dem  Beschuldigten  angelastete  grobe  Verletzung  der  Ver-

kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG eine entsprechend schwere, eine Ver-

wertung  rechtfertigende,  Straftat  ausmachen  (Urk. 86  E. 2.1  S. 19  f.  mit  Verweis 

auf  BGE 147 IV 9  E. 1.4;  zur  groben  Verletzung  der  Verkehrsregeln  als  schwere 

Straftat, indes jeweils mit Bezug auf eine unzulässige staatliche Beweiserhebung: 

Urteile  des  Bundesgerichts  7B_184/2022  vom  30. November  2023  E. 2.6; 

6B_821/2021 vom 6. September 2023 E. 1.5.4 ff. [nicht publ. in BGE 149 IV 369]).

3.2.

Die  Staatsanwaltschaft  hielt  im  Rahmen  der  Berufungsverhandlung  vom 

2. April 2025 hinsichtlich der Rechtmässigkeit der privaten Videoaufnahme fest, die 

Beteiligten des Beschleunigungswettbewerbs hätten von der Handyaufnahme von 

C._____ gewusst, da es völlig lebensfremd und unglaubwürdig sei, dass dieser – 

als hinterherfahrender Lenker – angeblich spontan und aus Liebe zu Autos wäh-

rend der Heimfahrt zum Handy greife und ohne Rücksprache mit der Aufzeichnung 

beginne. Dafür wirke die Aufkolonnierung von BMW und Porsche viel zu gestellt. 

Zudem würden die beiden Fahrzeuge im Bereich des Fussgängerstreifens wie auf 

"Achtung-Fertig-los" gleichzeitig anfahren und überdurchschnittlich stark beschleu-

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nigen.  Dass  die  Filmsequenz  von  C._____  an  seinen  Bruder  B._____  geschickt 

worden  sei,  weise  ohne  vernünftige  Zweifel  darauf  hin,  dass  alle  Beteiligten  ge-

wusst und gebilligt hätten, dass gefilmt werde. Damit liege eine zumindest konklu-

dente  Einwilligung  sämtlicher  Beteiligter  vor  und  es  seien  keine  Persönlichkeits-

rechte verletzt worden. Die Videoaufnahme sei somit rechtmässig erlangt worden 

und daher ohne weiteres verwertbar. Angesichts der auf dem Spiel stehenden ge-

wichtigen Interessen der Verkehrssicherheit innerorts würde auch eine Interessen-

abwägung für deren Verwertung sprechen (Urk. 94 S. 7 ff.; vgl. auch Urk. 73 S. 33). 

Selbst wenn für das Erstellen der Videoaufnahme durch C._____ keine ausdrück-

liche  Einwilligung  der  vorausfahrenden  B._____  und  A._____  bestanden  hätte, 

wäre diese ohne Einschränkungen verwertbar, da dieser private Beweis aufgrund 

der abstrakten Gesetzeslage ohne weiteres rechtmässig durch die Polizei hätte er-

langt werden können. So wäre es aus Sicht der Staatsanwaltschaft durchaus rea-

listisch, dass am Tatort zufällig eine mobile oder stationäre Geschwindigkeitsmes-

sung hätte durchgeführt werden können, die das Geschehen hätte aufnehmen kön-

nen. Durch eine öffentliche Lasermessung der Polizei wäre auch der ganze Ablauf 

gefilmt worden, inklusive der Beschleunigung und der Dauer der Fahrt. Anlass für 

eine Aufnahme wäre das verbotene Aufstellen für ein Beschleunigungsrennen auf 

der Gegenfahrbahn gewesen. Die Polizei könne im Rahmen ihres generellen Auf-

trags  im  Strassenverkehr  zur  Gewährleistung  der  Verkehrssicherheit  inner-  und 

ausserorts  ohne  bestimmten  Anlass  gestützt  auf  Art. 9  Abs. 2  und  Abs. 3  SKV, 

Art. 2  bis  Art. 10  VSKV-ASTRA  und  die  Weisungen  des  ASTRA  jederzeit  Ge-

schwindigkeitskontrollen  durchführen.  Die  im  Zusammenhang  mit  Geschwindig-

keitsüberschreitungen erfassten Messwerte seien nach Art. 9 VSKV zusammen mit 

der Verkehrssituation bildlich zu dokumentieren. Damit wäre es der Polizei am vor-

liegenden  Tatort  einer  öffentlichen  Strasse  ohne  weiteres  möglich  gewesen,  im 

Rahmen einer Geschwindigkeitskontrolle mit Video den angeklagten Sachverhalt 

rechtmässig zu dokumentieren und zum Beweis zu erheben, womit die Aufnahme 

hypothetisch  rechtmässig  erlangt  worden  wäre  (Urk. 94  S. 9  und  13;  vgl.  auch 

Urk. 73 S. 34).

3.3.

Die Verteidigung führte zur Frage der Verwertbarkeit der Videoaufnahme 

anlässlich der Berufungsverhandlung vom 2. April 2025 aus, gemäss Bundesge-

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richt seien weder die Videoaufnahme noch die Aussagen des Beschuldigten geeig-

net, den Beweis der Einwilligung zu erbringen und die Aussagen der Mitbeschul-

digten an den delegierten polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen 

– auf welche im ersten Berufungsverfahren abgestellt worden sei – seien gemäss 

der verbindlichen Feststellung des Bundesgerichts unverwertbar (Urk. 97 S. 4 f.). 

Der Beschuldigte habe überzeugend, konsistent und glaubhaft ausgesagt, dass er 

nicht wahrgenommen habe, dass C._____ mit dem Mobiltelefon hantiert bzw. ge-

filmt habe, da er auf das Gespräch mit dem Mitbeschuldigten B._____ konzentriert 

gewesen sei, welcher dasselbe ausgesagt habe. Zudem habe der Beschuldigte das 

Mobiltelefon  auch  gar  nicht  sehen  können.  Ob  im  Rückspiegel  gesehen  werden 

könne, was im hinteren Fahrzeug vor sich gehe, hänge stark von den Umständen 

ab, namentlich ob das Fahrzeug getönte Scheiben habe. Zu berücksichtigen seien 

auch Spiegelungen, welche die Sichtbarkeit eingeschränkt haben könnten. Sodann 

sei über die Seiten- und Rückspiegel schlichtweg nicht zu erkennen, was eine Per-

son im Innenraum eines sich dahinter befindlichen Fahrzeugs tue. Wie sich aus der 

Videoaufnahme ergebe, seien die Fahrzeuge zu keinem Zeitpunkt stillgestanden, 

sondern langsam gerollt. Die Lenker hätten die Seitenfenster runtergelassen und 

durch die geöffneten Fenster kurz miteinander kommuniziert. Diese kurze Phase 

habe weniger als eine Sekunde gedauert und die Konzentration der beiden Lenker 

habe sich auf die Strasse vor ihnen und den Lenker neben ihnen gerichtet. Dass in 

dieser  kurzen  Zeit  ein  längerer  Blick  in  die  Fahrerkabine  des  dahinterliegenden 

Fahrzeugs erfolgte, sei schlichtweg undenkbar. Des Weiteren hätte es für die Ein-

willigung  in  eine  Datenbearbeitung  nicht  ausgereicht,  dass  der  Beschuldigte  ein 

Mobiltelefon wahrgenommen hätte. Es könne somit nicht erstellt werden, dass der 

Beschuldigte in die Videoaufnahme eingewilligt habe, weshalb diese dem Grund-

satz nach unverwertbar sei (Urk. 97 S. 7 ff.). Wenn die Staatsanwaltschaft die hy-

pothetische Erreichbarkeit des Beweismittels mit der Möglichkeit der Durchführung 

einer mobilen oder stationären Geschwindigkeitsmessung oder einer öffentlichen 

Lasermessung am Tatort begründe, wobei der Anlass für die Aufnahme das verbo-

tene Aufstellen für ein Beschleunigungsrennen auf der Gegenfahrbahn gewesen 

wäre, vertausche sie Ursache und Wirkung bzw. Tatverdacht und Beweismittelbe-

schaffung. Verlangt werde vielmehr ein Tatverdacht, der es erlaubt hätte, das so-

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genannte Beschleunigungsrennen zu filmen. Die Beobachtung des im Schritttempo 

auf der korrekten Fahrbahn fahrenden Beschuldigten hätte keinen Tatverdacht ge-

gen ihn begründet (Urk. 97 S. 11 f.). Mangels Tatverdacht scheitere somit die Ver-

wertung der Aufnahme bereits an der hypothetisch legalen Erreichbarkeit des Be-

weismittels (Urk. 97 S. 13). Betreffend die Schwere des dem Beschuldigten vorge-

worfenen Delikts macht die Verteidigung geltend, die gefahrene Geschwindigkeit 

stelle klarerweise bloss eine einfache Geschwindigkeitsüberschreitung dar, es liege 

keine Verletzung des Rechtsfahrgebotes vor und es habe weder Fussgänger in der 

Nähe des Fussgängerstreifens noch Automobilisten in der Nähe der Kreuzung ge-

geben. Zudem sei die Sicht auf der Kreuzung gut gewesen und die Lenker seien 

zum Zeitpunkt, als sie den ersten Fussgängerstreifen gekreuzt hätten, mit 8.4 km/h 

gefahren. Die Sicht auf den zweiten Fussgängerstreifen sei vollkommen frei gewe-

sen. Bei einem Vergleich des vorliegenden Falles mit jenen, welche das Bundes-

gericht zu beurteilen und in denen es die besondere Schwere der Straftat als ge-

geben  erachtet  hatte,  sei  klar  erkennbar,  dass  der  vorliegende  Fall  nicht  in  jene 

Kategorie falle. Die Videoaufnahme sei folglich nicht zulasten des Beschuldigten 

verwertbar, da keine Einwilligung vorliege, die illegale Aufnahme mangels hinrei-

chenden Tatverdachts auch hypothetisch nicht hätte erlangt werden können und 

selbst bei hypothetischer Erreichbarkeit die erforderliche Deliktschwere nicht gege-

ben sei, um auf ein illegales Beweismittel abzustützen (Urk. 97 S. 17 ff.). 

3.4.

Die Strafprozessordnung regelt nur die Erhebung von Beweisen durch die 

staatlichen Strafbehörden, äussert sich aber nicht ausdrücklich zum Umgang mit 

von  Privatpersonen  gesammelten  Beweismitteln.  Nach  der  Rechtsprechung  sind 

von Privaten rechtmässig erlangte  Beweismittel ohne Einschränkungen im Straf-

prozess verwertbar (BGE 147 IV 16 E. 1.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_68/2023 

vom 9. Oktober 2023 E. 2.1.2; 6B_1133/2021 vom 1. Februar 2023 E. 2.3.2 [nicht 

publ. in BGE 149 IV 153]; 6B_902/2019 vom 8. Januar 2020 E. 2.1.2; je mit Hin-

weisen). Von Privaten rechtswidrig erlangte Beweise sind dagegen nur verwertbar, 

wenn sie von den Strafverfolgungsbehörden rechtmässig hätten erhältlich gemacht 

werden können und kumulativ dazu eine Interessenabwägung für deren Verwer-

tung spricht. 

- 14 -

3.4.1.

Im  Rahmen  der  Hypothese  der  rechtmässigen  staatlichen  Erlangbarkeit 

illegaler privater Beweise findet nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein ab-

strakter  Massstab  Anwendung.  In  die  Hypothesenbildung  sind  entsprechend  nur 

solche gesetzlichen Erfordernisse einzubeziehen, die sich abstrakt anwenden las-

sen und keine Würdigung konkreter Umstände der Beweiserlangung erfordern. Zu 

prüfen  ist  demzufolge  stets,  ob  der  private  Beweis  im  zu  beurteilenden  Fall  auf-

grund der abstrakten Gesetzeslage hätte beschafft werden können, d.h. ob er vom 

gesetzlich vorgesehenen Beweisdispositiv umfasst und von keinen Einschränkun-

gen (wie etwa Beschlagnahmeverboten nach Art. 264 StPO oder dem Erfordernis 

der Katalogtat nach Art. 269 Abs. 2 StPO) betroffen ist. Das Vorliegen eines Tat-

verdachts  sowie  Verhältnismässigkeitsgesichtspunkte,  die  eine  Würdigung  der 

konkreten Umstände der Beweiserlangung im Einzelfall bedingen, sind hingegen 

nicht zu beurteilen. Entscheidend ist somit, ob die Beschaffung zulässig gewesen 

wäre, wenn der Tatverdacht bekannt gewesen wäre (Urteile des Bundesgerichts 

6B_385/2024 vom 30. September 2024 E. 2.6.2.1 und 2.6.2.4 [zur Publ. vorgese-

hen];  6B_68/2023  vom  9. Oktober  2023  E. 2.3;  6B_85/2021  vom  26. November 

2021 E. 7.4; 6B_1249/2019 vom 6. Mai 2020 E. 2.4.4; 6B_902/2019 vom 8. Januar 

2020 E. 1.4.1; je mit Hinweisen).

3.4.2. Bei der Interessenabwägung ist derselbe Massstab wie bei von den Straf-

behörden rechtswidrig erhobenen Beweisen anzuwenden. Die Verwertung ist damit 

nur  zulässig,  wenn  sie  im  Sinne  von  Art. 141  Abs. 2  StPO  zur  Aufklärung  einer 

schweren Straftat unerlässlich ist (vgl. BGE 147 IV 16 E. 1.1; 147 IV 9 E. 1.3.1; 146 

IV  226  E. 2;  Urteile  des  Bundesgerichts  6B_385/2024  vom  30. September  2024 

E. 2.3 [zur Publ. vorgesehen]; 6B_219/2022 vom 15. Mai 2024 E. 1.3.1; je mit Hin-

weisen). Je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher überwiegt das öf-

fentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse der beschuldig-

ten  Person  daran,  dass  der  fragliche  Beweis  unverwertet  bleibt  (BGE  147  IV  9 

E. 1.3.1; 146 I 11 E. 4.2; 143 IV 387 E. 4.4; je mit Hinweisen). Als schwere Strafta-

ten  im  Sinne  des  Gesetzes  fallen  vorab  Verbrechen  in  Betracht  (BGE  147  IV  9 

E. 1.3.1; 146 I 11 E. 4.2; 137 I 218 E. 2.3.5.2; je mit Hinweisen). Für die Frage, ob 

eine schwere Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO vorliegt, sind nicht generell 

gewisse Tatbestände und deren abstrakte Strafandrohungen, sondern die gesam-

- 15 -

ten Umstände des konkreten Falls zu berücksichtigen. Entscheidend ist nicht das 

abstrakt angedrohte Strafmass, sondern die Schwere der konkreten Tat (BGE 147 

IV 16 E. 6; 147 IV 9 E. 1.4.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1298/2022 vom 10. Juli 

2023 E. 1.3.3 [zur Publ. vorgesehen]). Dabei kann auf Kriterien wie das geschützte 

Rechtsgut,  das  Ausmass  dessen  Gefährdung  resp.  Verletzung,  die  Vorgehens-

weise und kriminelle Energie des Täters oder das Tatmotiv abgestellt werden (BGE 

147  IV  16  E. 7.2;  147  IV  9  E. 1.4.2  mit  Hinweisen;  Urteile  des  Bundesgerichts 

7B_179/2022  vom  24. Oktober  2023  E. 3.3.2;  6B_821/2021  vom  6. September 

2023  E. 1.5.1;  6B_1298/2022  vom  10. Juli  2023  E. 1.3.3  [zur  Publ.  vorgesehen]; 

6B_1133/2021 vom 1. Februar 2023 E. 1.5.1 [nicht publ. in BGE 149 IV 153]). 

3.5. Wie dargelegt, darf gemäss den für das erkennende Gericht verbindlichen 

Erwägungen des Bundesgerichts zufolge Verletzung der Teilnahmerechte im Rah-

men der Untersuchung nicht basierend auf den Aussagen der Mitbeschuldigten in 

den polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen eine Einwilligung in 

die Erstellung der Videoaufnahme angenommen werden. Ob die Videoaufnahme 

von C._____ rechtmässig erlangt wurde, kann jedoch offenbleiben, da – wie nach-

folgend zu zeigen sein wird – die Aufnahme selbst im Fall ihrer rechtswidrigen Er-

stellung strafprozessual verwertbar ist. 

3.5.1. Unter  Hinweis  auf  die  vorstehend  wiedergegebene  bundesgerichtliche 

Rechtsprechung ist festzuhalten, dass es – entgegen der Ansicht der Verteidigung 

(Urk. 97 S. 10 ff.) – nicht darauf ankommt, ob vor der von C._____ erstellten Vi-

deoaufnahme ein konkreter Tatverdacht bestanden hatte. Der angeklagte Tatvor-

wurf ereignete sich gemäss Anklagesachverhalt auf der E._____-strasse, Verzwei-

gung F._____-strasse, in G._____. An diesem allgemein zugänglichen Ort hätten 

die  Strafbehörden  entsprechende  Videoaufnahmen  rechtmässig  anfertigen  kön-

nen, wenn sie einen Tatverdacht gehabt hätten (vgl. Art. 282 Abs. 1 StPO). Darüber 

hinaus  sind  im  Strassenverkehr  technische  Überwachungsmassnahmen  seitens 

der Verkehrspolizei, insbesondere mittels Videoüberwachungen durchaus verbrei-

tet. Das ASTRA als Verordnungsgeber hat gestützt auf die Verweisung in Art. 106 

SVG  mit  der  Strassenverkehrskontrollverordnung  vom  22. Mai  2008  (Art. 2-10 

VSKV-ASTRA;  SR  741.013.1)  verbindliche  Bestimmungen  hierzu  erlassen.  Die 

- 16 -

Strafbehörden hätten folglich die Videoaufnahme des im Anklagesachverhalt ge-

schilderten Geschehens auf der E._____-strasse, Verzweigung F._____-strasse, 

hypothetisch rechtmässig erlangen können.

3.5.2. Betreffend  die  Schwere  der  vorliegend  zu  beurteilenden  Straftat  und  die 

gesamten sie begleitenden Umstände ist unter dem Vorbehalt, dass sich das an-

geklagte Tatvorgehen erstellen lässt, festzuhalten, dass diese in der Art und Weise 

des Fahrens der drei Beteiligten liegt. Der Beschuldigte versperrte zusammen mit 

dem  Mitbeschuldigten  B._____  durch  dessen  auf  der  Gegenfahrbahn  gelenktes 

Fahrzeug den Durchgang für sämtlichen Verkehr auf der E._____-strasse sowohl 

in gleicher wie in entgegengesetzter Richtung und nahm dadurch eine erhöhte ab-

strakte Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf, die – insbesondere auf-

grund des Rechtsfahrgebots (Art. 34 Abs. 1 SVG) – nicht mit zwei mit 63 km/h bzw. 

64 km/h nebeneinander, d.h. auf der Normalspur und der Gegenfahrbahn fahren-

den Fahrzeugen rechnen mussten. So hätte ein die Fahrbahn überquerender Ver-

kehrsteilnehmer beim Zurückblicken keine Gefahr gesehen, da sich diese von der 

entgegengesetzten Richtung näherte. Darüber hinaus beschleunigten der Beschul-

digte und der Mitbeschuldigte B._____ auf einer nicht richtungsgetrennten Quar-

tierstrasse nach langsamem Heranrollen an einen Fussgängerstreifen nebeneinan-

der, wobei der Mitbeschuldigte B._____ trotz leichten Vorsprungs des Beschuldig-

ten A._____ nicht abbremste und hinter diesen auf die Normalspur einbog bzw. der 

Beschuldigte A._____ weder vom Gas ging noch B._____ sonst wie Platz auf der 

rechten Fahrbahn verschaffte, sondern beide nebeneinander über eine Strecke von 

rund 75 Metern auf einer auf beiden Seiten von Bäumen, Parkplätzen, einem Trot-

toir  und  Wohnhäusern  gesäumten  Strasse  an  mehreren  Einmündungen,  zwei 

Fussgängerstreifen, parkierten Fahrzeugen und einer Bushaltestelle mit wartenden 

Personen vorbei weiter beschleunigten, sodass es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu 

einer Kollision gekommen wäre, wäre ein anderes Fahrzeug entgegengekommen 

oder ein Fussgänger von einmündenden Wegen, Hauseingängen oder vom Trottoir 

auf die Strasse getreten. Insbesondere auf Höhe der Bushaltestelle und den am 

Strassenrand  parkierten  Fahrzeugen  bestand  aufgrund  dieser  Beschleunigungs-

fahrt eine hohe und konkrete Unfallgefahr. Das Fahrverhalten des Beschuldigten 

ist  somit  –  unter  dem  Vorbehalt  der  erfolgten  Sachverhaltsfeststellung  –  als 

- 17 -

schwere Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO einzustufen. Im Ergebnis er-

weist sich die Verwertung der von C._____ erstellten Video-aufnahme in Bezug auf 

den vorliegend zu beurteilenden Tatvorwurf folglich als zulässig.

III. Sachverhalt

1.

Anklage

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  vom  28. Oktober  2019  wirft  dem  Be-

schuldigten A._____ vor, zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zwischen 

dem 25. Juli 2016 und dem 7. September 2016 auf der E._____-strasse in G._____ 

auf  der  Höhe  kurz  vor  der  Verzweigung  mit  der  F._____-strasse  als  Lenker  des 

Porsche 911  Turbo  neben  dem  Mitbeschuldigten  B._____,  der  einen  BMW 328i 

lenkte, mit einer Geschwindigkeit von 8.4 km/h hergefahren zu sein, wobei A._____ 

die  Normalspur  und  der  Beschuldigte  B._____  die  Gegenfahrbahn  in  Fahrtrich-

tung … [Ortschaft] befahren habe. Sie hätten konkludent den gemeinsamen Ent-

schluss gefasst, gleichzeitig Gas zu geben. Auf der Höhe des dortigen ersten Fuss-

gängerstreifens habe A._____ sein Fahrzeug mit einer Beschleunigung von durch-

schnittlich 6.4 m/s2 über eine Strecke von rund 75 Metern auf eine Endgeschwin-

digkeit von 63 km/h statt der dort erlaubten 50 km/h beschleunigt. Der Beschuldigte 

B._____ habe gleichzeitig sein Fahrzeug mit einer Beschleunigung von mindestens 

6.6 m/s2 über dieselbe Strecke von rund 75 Metern auf der Gegenfahrbahn auf eine 

Endgeschwindigkeit von 64 km/h beschleunigt, wobei A._____ schneller gewesen 

sei und sich nach rund 75 Metern vor den Beschuldigten B._____ abgesetzt habe. 

Diese  Fahrt  habe  der  Beschuldigte  A._____  trotz  mehrerer  Zufahrten  links  und 

rechts der E._____-strasse Höhe Liegenschaft Nr. …, zweier Fussgängerstreifen, 

einer linksseitigen Bushaltestelle mit wartenden Fahrgästen und trotz des Umstan-

des, dass sein Kontrahent mit mehr als 60 km/h neben ihm auf der Gegenfahrbahn 

gefahren sei, unternommen. Die übrigen Verkehrsteilnehmer, namentlich die vor-

trittsberechtigten  Fussgänger,  welche  ihre  Aufmerksamkeit  beim  Betreten  des 

Fussgängerstreifens  zunächst  dem  von  links  nahenden  Verkehr  widmen,  hätten 

nicht mit zwei mit 63 km/h resp. 64 km/h nebeneinander fahrenden Fahrzeugen auf 

der  E._____-strasse  rechnen  müssen  und  es  habe  die  Gefahr  bestanden,  dass 

- 18 -

diese in Verkennung der erhöhten Geschwindigkeit der beiden Beschuldigten ihr 

Vortrittsrecht geltend machen würden. Angesichts der genannten gefahrenen Ge-

schwindigkeiten  und  des  gegenüber  einem  korrekt  mit  50 km/h  fahrenden  Fahr-

zeug um 10.6 Metern resp. 11.5 Metern verlängerten Anhalteweges hätten der Be-

schuldigte A._____ und der Mitbeschuldigte B._____ eine erhöhte abstrakte Un-

fallgefahr geschaffen, die er zumindest in Kauf genommen habe. Dadurch habe er 

sich der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in 

Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 Satz 1 SVG 

und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV schuldig gemacht (Urk. 29 S. 2 ff.).

2.

Standpunkt des Beschuldigten

2.1.

Der Beschuldigte bestreitet, dass es um ein Beschleunigungsrennen oder 

dergleichen  ging  und  dass  sie  konkludent  den  gemeinsamen  Entschluss  gefasst 

hätten, gleichzeitig Gas zu geben (Urk. 51 S. 7 und S. 18; Urk. 68 S. 9). Er macht 

zudem geltend, es liege weder Mittäterschaft noch Gehilfenschaft vor und sein Ver-

halten sei demnach gesondert zu prüfen (Urk. 68 S. 9 f.). Ausserdem verneint er 

im Wesentlichen, Personen gefährdet zu haben. Bereits bei der Bushaltestelle hät-

ten sie sich nicht mehr nebeneinander befunden und infolge der Beschleunigung 

hätten sich die wartenden Personen mit Sicherheit auf die sich nähernden Autos 

geachtet,  so  dass  nicht  zu  erwarten  gewesen  sei,  dass  sie  unvermittelt  auf  die 

Strasse laufen. Die gesamte Strecke sei zudem bestens überschaubar gewesen. 

Die Sichtweite auf der beinahe vollkommen geraden Strasse habe rund 200 Meter 

betragen (Urk. 68 S. 10 f.). Unter Verweis auf die Videoaufnahme macht er geltend, 

auf der rechten Seite seien keine Personen zu sehen (Urk. 51 S. 11) und er habe 

nur auf 63 km/h beschleunigt, um B._____ möglichst schnell den Wechsel auf die 

Normalspur zu ermöglichen (Urk. 51 S. 14; Urk. 68 S. 12). In rechtlicher Hinsicht 

sei die Schwelle zur groben Verletzung der Verkehrsregeln mit 25 km/h innerorts 

durch  die  effektive  Geschwindigkeitsüberschreitung  bei  weitem  nicht  erreicht 

(Urk. 51 S. 15 f.). Durch das kurzfristige linksseitige Fahren von B._____ sei kein 

Verkehrsteilnehmer in erhöht abstrakter Weise gefährdet worden und zudem habe 

er selbst keine Tatmacht für das Verhalten von B._____ gehabt (Urk. 51 S. 17). Der 

- 19 -

Beschuldigte blieb anlässlich der beiden Berufungsverhandlungen im Wesentlichen 

bei diesem Standpunkt (Urk. 73 S. 36 ff.; Urk. 97 S. 15 ff.). 

2.2.

Vom Beschuldigten sinngemäss bestritten werden alsdann die ihm in der 

Anklage vorgeworfenen subjektiven Tatumstände, insbesondere, dass es sich um 

ein  Rennen  zwischen  B._____  und  ihm  gehandelt  habe  (Urk. 51  S. 18;  Urk. 5/1 

S. 5; Prot. I S. 23; Urk. 73 S. 38 ff.; Urk. 97 S. 12, 15). Sie hätten nur kurz mitein-

ander kommunizieren wollen und hätten abgemacht, was sie noch zusammen hät-

ten  unternehmen  wollen.  Nachdem  das  Gespräch  abgeschlossen  gewesen  sei, 

hätten  sie  zu  ihm  an  die  H._____-strasse  fahren  wollen,  die  nur  rund  200 Meter 

entfernt gewesen sei. Er habe dann abfahren wollen und weil sie sich nicht sicher 

gewesen seien, wer zuerst abbiege bzw. ob er oder der Beschuldigte B._____ nach 

vorne gehe, habe er gedacht, dass er einmal beschleunige, damit er (sc. B._____) 

hinter  ihm  fahren  könne.  Er  habe  wegen  der  Kommunikation  beschleunigt,  aber 

nicht  voll  und  nicht  gleichzeitig  mit  dem  Beschuldigten  B._____.  Er  kenne  die 

E._____-strasse gut und fahre täglich dort durch. Er wohne seit sechs Jahren dort 

(2020) und sehe keinen Grund, warum er ein Leben gefährden sollte. Er habe ei-

gentlich auf die ganze Strecke von rund 200 Metern freie Sicht gehabt. Sie seien 

dann effektiv nach diesen 200 Metern in die H._____-strasse abgebogen (Prot. I 

S. 20 ff., 23; Urk. 73 S. 36 ff.; Urk. 97 S. 12, 18). 

3.

Sachverhaltswürdigung

3.1.

3.1.1. Aus  der  von  C._____  mit  seinem  Handy  erstellten  Videoaufzeichnung 

(Urk. 10/6  CD-Datenträger  FOR,  kurz  10/6/CD)  ergibt  sich  in  Minuten  der  Auf-

nahme angegeben resp. gemäss den ebenfalls auf dieser CD gespeicherten Ein-

zelframes, was folgt: Zu Beginn der Aufnahme sind über dem oberen Teil des Lenk-

rads das Cockpit und die Motorhaube im Vordergrund auf einer mit Bäumen ge-

säumten Strasse ohne Leitlinie im Hintergrund (also vor dem Filmenden befindlich) 

links (auf der Gegenfahrbahn) ein schwarzer BMW und rechts daneben ein schwa-

rzer Porsche 911 zu sehen, die langsam, im Schritttempo auf einen Fussgänger-

streifen zu rollen, dort fast zum Stillstand kommen (00:00-00:03) und bei Erreichen 

des  Fussgängerstreifens  praktisch  gleichzeitig  voll  beschleunigen  (00:04)  und  – 

- 20 -

leicht versetzt – nebeneinander her fahren bis der BMW die links an der Bushalte-

stelle zu sehenden Personen erreicht (00:08) und die Aufnahme abbricht (00:09). 

Aus der Aufnahme ergibt sich sodann im Detail, dass die Bremslichter des BMW 

bis  zum  Erreichen  des  ersten  Fussgängerstreifens  bis  00:01  aufleuchten  (siehe 

dazu auch Einzelframes IMG_0008.003-0008.060), dann nicht mehr und ab 00:02 

bis  00:03  erneut  aufleuchten  (siehe  dazu  auch  Einzelframes  IMG_0008.061-

0008.101), der Fahrer also die Bremse betätigt hat, und dann definitiv ablöschen, 

als der Fahrer beschleunigt (siehe dazu auch Einzelframes ab IMG_0008.102). Ein 

ähnliches Verhalten ist auch beim Porsche festzustellen: Er rollt ohne Aufleuchten 

der beiden hinteren Bremslichter und des dritten (mittleren) Bremslichts (bis 00:01) 

an den Fussgängerstreifen heran (siehe dazu auch Einzelframes IMG_0008.003-

0008.060), betätigt entsprechend dem Aufleuchten der Bremslichter dann bis 00:02 

die  Bremse  (siehe  dazu  auch  Einzelframes  IMG_0008.061-0008.079),  worauf  er 

sie wieder los lässt und dann bei ca. 00:04 voll beschleunigt. Auf Höhe des Endes 

der  Einmündung  der  F._____-strasse  befindet  sich  der  Porsche  bereits  mit  der 

Front  seines  Fahrzeuges  vor  dem  BMW  (00:05;  siehe  dazu  auch  Einzelframes 

IMG_0008.193-0008.200) und diese Position (rechts vor dem BMW) behält er bis 

zum  Erreichen  der  an  der  Bushaltestelle  wartenden  Personen  (ca.  00:07;  siehe 

dazu auch Einzelframes IMG_0008.249-0008.259) und bis zum Abbruch der Film-

aufnahme (00:09) mittels Absenken des Handys und Grossaufnahme des Touren-

zählers (Einzelframe IMG_0008.272-0008.276) bei.

3.1.2. Die Videoaufnahme hält – was sich anhand der kurzen 9 Sekunden dau-

ernden Sequenz und den Einzelframes ergibt – ungefiltert und offensichtlich unbe-

arbeitet  fest,  wie  die  beiden  vor  dem  Aufnehmenden  fahrenden  Fahrzeuglenker 

beim ersten Fussgängerstreifen vor der Einmündung der F._____-strasse fast aus 

dem Stillstand dem Motorengeräusch und der zurückgelegten Wegstrecke entspre-

chend voll beschleunigen und versetzt nebeneinander bis auf Höhe der an der Bus-

haltestelle  wartenden  Personen  auf  einer  mit  Bäumen  gesäumten  Strasse  ohne 

Mittellinie fahren. Der Filmaufnahme kommt daher als Sachbeweismittel eine sehr 

hohe Beweiskraft zu. An der Authentizität bestehen keine Zweifel.

- 21 -

3.2.

3.2.1. Das  Forensische  Institut  Zürich  zeigt  in  seinem  Gutachten  vom  23. April 

2019  über  die  Auswertung  der  Videoaufzeichnung  (kurz:  Gutachten  FOR; 

Urk. 10/6) auf, wie die Fragestellung und der Auftrag der Staatsanwaltschaft laute-

ten und welche Unterlagen für die Untersuchung zur Verfügung standen (S. 2  f.). 

Die  angewendete  Untersuchungsmethode  der  schrittweisen  Betrachtung  von  Vi-

deos  in  Einzelframes,  der  Zuordnung  von  Fahrzeugen  zu  ortsfesten  Fixpunkten, 

die  Messung  der  dazwischen  zurückgelegten  Wegstrecke  in  Luftaufnahmen  aus 

geometrischen Informationssystemen oder vor Ort und die Berechnung der Durch-

schnittsgeschwindigkeit zwischen den Fixpunkten sowie die Berechnung der Zeit-

basis anhand der Videoaufzeichnungsfrequenz und der Zeitdauer pro Videoframe 

wird im Detail in einfacher und verständlicher Weise beschrieben (S. 3 f.). Sodann 

wird  erklärt,  dass  für  die  Bestimmung  der  Durchschnittsgeschwindigkeit  anhand 

ortsfester Fixpunkte die Videoframes resp. das Fahrzeug derart den ortsfesten Fix-

punkten zugeordnet würden, dass der gewählte Fixpunkt am Beginn der Auswer-

tesequenz vom Fahrzeug sicher noch nicht erreicht war und am Ende der Auswer-

tesequenz vom Fahrzeug sicher passiert war. Damit werde zugunsten eines Be-

schuldigten  einer  bestimmten  Strecke  eine  maximale  Anzahl  Videoframes  resp. 

eine  maximale  Zeitdauer  zugeordnet,  wobei  die  berechnete  Geschwindigkeit  auf 

ganze km/h abgerundet würde (S. 3). Derart eruierte Durchschnittsgeschwindigkei-

ten  zwischen  zwei  ortsfesten  Fixpunkten  seien  unter  Verweis  auf  Art. 7  VSKV-

ASTRA, Gutachten zu amtlichen Geschwindigkeits-Messungen resp. den dazuge-

hörigen Weisungen des ASTRA, als Mindestwert ohne weiteren Toleranzabzug zu 

verstehen. Das Gutachten hält fest, dass die auszuwertende Videosequenz 9.4 s 

resp. 282 Videoframes à 33.33 ms enthalte, die auf der CD ersichtlich seien. Die 

Zuordnungsmöglichkeiten der Fahrzeuge zu ortsfesten Fixpunkten hätten sich auf-

grund der kurzen Videosequenz und der Videoqualität auf die Fussgängerstreifen 

Nr. 1 und Nr. 2 vor und nach der Einmündung der F._____-strasse in die E._____-

strasse  beschränkt.  Das  habe  die  Bestimmung  der  Ausgangsgeschwindigkeiten, 

die Berechnung der durchschnittlichen Geschwindigkeit und Beschleunigungen so-

wie die Berechnung der Endgeschwindigkeiten beim zweiten Fussgängerstreifen 

für die beiden gefilmten Fahrzeuge ergeben (S. 4). Das Gutachten hält in der Folge 

- 22 -

detailliert und nachvollziehbar fest, dass der (sc. von B._____ gelenkte) BMW mit 

durchschnittlich 6.6 m/s2 beschleunigt und bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 

8.4 km/h am Ende der Auswertestrecke von 23.5 m (Distanz zwischen dem ersten 

und zweiten Fixpunkt, d.h. zwischen dem ersten und zweiten Fussgängerstreifen) 

in  einer  Zeitdauer  von  2.333  s  eine  Geschwindigkeit  von  64  km/h  erreicht  habe 

(Seite 5, 6 f. und 8). Der (sc. von A._____ gelenkte) Porsche habe wenige Zehntel-

sekunden vor dem BMW mit durchschnittlich 6.4 m/s2 beschleunigt und bei gleicher 

Ausgangsgeschwindigkeit wie der BMW am Ende der Auswertestrecke von 23.5 m 

in einer Zeitdauer von 2.367 s eine Geschwindigkeit von 63 km/h erreicht (S. 6 f. 

und 8). Auf die Frage, wie die Geschwindigkeitsberechnung zu interpretieren sei, 

wenn der Porsche 911 mit 63 km/h langsamer als der BMW 328i mit 64 km/h un-

terwegs sei und dennoch am Ende der Fahrstrecke vorne liege (Urk. 10/7), erläu-

terte der für die Hauptsachbearbeitung zuständige Gutachter, dass die zur Verfü-

gung stehenden Methoden nur die Berechnung von durchschnittlichen resp. wäh-

rend der Auswertedauer konstanten (Hervorhebung hinzugefügt) Beschleunigun-

gen zulasse, die Beschleunigungen von Fahrzeugen jedoch nicht konstant seien 

und  zudem  die  Gaspedalstellung  in  nicht  rekonstruierbarer  Weise  variiere.  So 

könne  es  sein,  dass  der  Porsche  zunächst  stärker  und  dann  schwächer  als  der 

BMW beschleunigt und so einen Teil des Vorsprungs herausgeholt habe. Wie be-

reits im Gutachten erwähnt, erklärten sich die Gutachter den in der Videoaufnahme 

feststellbaren Vorsprung des Porsches am Ende der Auswertungsstrecke haupt-

sächlich mit dem bereits am Auswertebeginn sichtbaren Vorsprung und mit der et-

was früher einsetzenden Beschleunigung des Porsches (Urk. 10/8).

3.2.2. Das Gericht beurteilt die Schlüssigkeit eines Gutachtens frei (Art. 10 Abs. 2 

StPO) und ist nicht an den Befund oder die Stellungnahme des Sachverständigen 

gebunden. Es hat vielmehr zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel 

und der Parteivorbringen ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutach-

terlichen Darlegungen aufdrängen. Auch wenn das gerichtlich eingeholte Gutach-

ten grundsätzlich der freien Beweiswürdigung unterliegt, darf das Gericht in Fach-

fragen nicht ohne triftige Gründe von ihm abrücken und muss Abweichungen be-

gründen. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf 

die  gebotenen  zusätzlichen  Beweiserhebungen  kann  gegen  das  Verbot  willkürli-

- 23 -

cher Beweiswürdigung verstossen (Art. 9 BV; BGE 142 IV 49 E. 2.1.3; 141 IV 305 

E. 6.6.1; 141 IV 369 E. 6.1; je mit Hinweisen).

3.2.3. Die  Expertise  des  Forensischen  Instituts  Zürich  wurde  gestützt  auf 

Art. 182 ff.  StPO  im  Auftrag  der  Staatsanwaltschaft  vom  Fachbereichsleiter  Un-

fälle/Technik,  dem  Sachverständigen  dipl.  Automobil.-Ing.  FH  I._____  unter  der 

Hauptsachbearbeitung  von  Unfallanalytiker  und  dipl.  Automobil-Ing.  FH/HTL 

J._____ sowie der Kontrolle durch die Leitende Wissenschaftlerin MSc Forens. Sci. 

K._____ erstellt und erläutert (Urk. 10/6 und 10/8). An der Fachkompetenz zu zwei-

feln,  besteht  keinerlei  Anlass.  Das  Gutachten  legt  nachvollziehbar  und  schlüssig 

dar, welche Untersuchungen auf welcher Grundlage stattgefunden hatten und wel-

che Kriterien wie gewichtet und berücksichtigt wurden. Dass die Berechnungen der 

Beschleunigung und der Geschwindigkeiten den Gesetzmässigkeiten aus der klas-

sischen Physik folgen (Urk. 10/6 S. 5), erscheint sachlich und logisch. Die Darle-

gungen  der  Gutachter  überzeugen  in  jeder  Hinsicht,  zumal  die  Bestimmung  der 

durchschnittlichen Geschwindigkeit der gefilmten Fahrzeuge anhand ortsfester Fix-

punkte vorgenommen werden konnte. Wenn die Gutachter aufgrund des Umstan-

des, dass der BMW winklig und im besseren Licht sichtbar war als der Porsche, die 

Zuordnung zu den ortsfesten Fixpunkten anhand des BMW vornahmen, weil er mit 

geringeren Toleranzen zugeordnet werden konnte als der Porsche (Urk. 10/8), ist 

dies nicht zu beanstanden und auf die ermittelte Ausgangs- und Endgeschwindig-

keit des BMW sowie die Beschleunigung mit 6.6 m/s2 kann ohne weiteres abgestellt 

werden.  Dass  sich  die  Zuordnung  des  Porsches  aufgrund  der  Kameraposition 

schwieriger  gestaltete  und  dort  grössere  Toleranzen  zu  berücksichtigen  waren 

(Urk. 10/8), erscheint ebenfalls schlüssig und nachvollziehbar. Aufgrund der Visio-

nierung  der  Filmaufnahme  bestätigt  sich  die  Feststellung  im  Gutachten,  wonach 

der BMW und der Porsche vor dem Beschleunigen praktisch gleich schnell (resp. 

langsam) fuhren, so dass die gutachterliche Feststellung, für den Porsche sei von 

derselben  Ausgangsgeschwindigkeit  auszugehen  (Urk. 10/6  S. 6),  plausibel  und 

vertretbar erscheint und letztlich überzeugt. Die im Gutachten aufgezeigten Berech-

nungen  der  durchschnittlichen  Beschleunigung  und  der  Endgeschwindigkeit  des 

Porsches sind vor dem Hintergrund der physikalischen Gegebenheiten als logisch 

und mathematisch korrekt zu beurteilen. Dass für den Porsche eine minimal klei-

- 24 -

nere Endgeschwindigkeit als für den BMW (63 statt 64 km/h) resultiert, erklären die 

Gutachter ebenfalls schlüssig mit dem bereits am Auswertebeginn sichtbaren Vor-

sprung  des  Porsches  gegenüber  dem  BMW  und  der  etwas  früher  einsetzenden 

Beschleunigung (Urk. 10/6 S. 6 und 10/8). Auf die vom FOR ermittelten Werte be-

züglich Ausgangs- und Endgeschwindigkeit sowie Beschleunigung in Bezug auf die 

Auswertestrecke von 23.5 m zwischen den ortsfesten Fixpunkten kann somit zwei-

felsfrei  abgestellt  werden.  Weiter  ist  festzuhalten,  dass  die  durchschnittliche  Be-

schleunigung  des  vom  Beschuldigten  B._____  gelenkten  BMW  von  6.6 m/s2  ge-

mäss Gutachten im Bereich der maximal möglichen Beschleunigung im eruierten 

Geschwindigkeitsintervall  lag  (Urk. 10/6  S. 6)  und  auch  die  durchschnittliche  Be-

schleunigung des Porsches mit 6.4 m/s2 vom Gutachter als aussergewöhnlich hoch 

beurteilt  wird,  wobei  diese  aber  noch  klar  unterhalb  der  maximal  möglichen  Be-

schleunigung des Porsches lag (Urk. 10/6 S. 7). Auch an der Feststellung im Gut-

achten, wonach an der Stelle, wo ein aus der zulässigen Höchstgeschwindigkeit 

von 50 km/h bremsendes Fahrzeug zum Stillstand komme, ein mit denselben Pa-

rametern  aus  einer  Geschwindigkeit  von  64 km/h  bremsendes  Fahrzeug  noch 

11.5 m bis zum Stillstand zurücklegen resp. ein solches aus einer Geschwindigkeit 

von 63 km/h bremsendes Fahrzeug noch weitere 10.6 m zurücklegen würde, sind 

nachvollziehbar dargelegt (Urk. 10/6 S. 7). Auch auf diese Schlussfolgerungen der 

Gutachter kann somit abgestellt werden. 

3.2.4. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass das ASTRA als Verordnungsge-

ber gestützt auf die Verweisung in Art. 106 SVG mit der Strassenverkehrskontroll-

verordnung vom 22. Mai 2008 (VSKV-ASTRA; SR 741.013.1) verbindlich Bestim-

mungen erlassen hat, welche insbesondere Geschwindigkeitskontrollen im Stras-

senverkehr  bezüglich  der  zulässigen  Messsysteme,  den  Anforderungen  an  das 

Kontroll-  und  Auswertungspersonal  sowie  die  durch  Messsysteme  festgestellten 

Widerhandlungen  regeln  (Art. 2-5).  Entsprechend  der  Anordnung,  dass  in  erster 

Linie  Geschwindigkeitsmessungen  mit  den  in  Art. 6  VSKV-ASTRA  aufgeführten 

verschiedenen Messmethoden durchgeführt werden sollen, werden die bei solchen 

Messungen  vorzunehmenden  Sicherheitsabzüge  in  Art. 8  VSKV-ASTRA  festge-

legt.  Allerdings  wird  bereits  durch  den  Wortlaut  in  Art. 7  VSKV-ASTRA  ("kann") 

deutlich, dass Geschwindigkeitsüberschreitungen auch anders als mit den aufge-

- 25 -

führten Messsystemen und nicht anlässlich einer Verkehrskontrolle festgestellt wer-

den können. Entsprechend hält Ziffer 21 der Weisungen des ASTRA über polizeili-

che Geschwindigkeitskontrollen und Rotlichtüberwachung im Strassenverkehr vom 

22. Mai 2008 fest, dass die Ermittlung der Geschwindigkeit durch Fachexpertisen 

(z.B. bei der Abklärung von Unfällen oder Widerhandlungen im Strassenverkehr) 

und die freie Beweiswürdigung durch die Gerichte von den vorliegenden Weisun-

gen unberührt bleiben (Abs. 3) und die in der Fachexpertise ermittelte Geschwin-

digkeit bzw. die allenfalls zu berücksichtigenden Sicherheitsabzüge abschliessend 

sind, d. h. dass die nachträgliche zusätzliche Anwendung der in der VSKV festge-

legten Sicherheitswerte nicht zulässig ist (Abs. 4). Im Gutachten wird ausdrücklich 

auf den Umstand hingewiesen, dass und weshalb im vorliegenden Fall kein Sicher-

heitsabzug von der festgestellten Geschwindigkeit vorzunehmen ist. Vor dem Hin-

tergrund der aufgeführten Rechtslage erscheint dies zum einen korrekt und zum 

anderen  aufgrund  der  angewandten  Untersuchungsmethode  auch  überzeugend. 

Es besteht daher keinerlei Anlass, davon auszugehen, dass der Gutachter gesetz-

lich vorgeschriebene Toleranzabzüge nicht vorgenommen hätte, wenn solche an-

wendbar gewesen wären. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass der Gutachter stets 

Annahmen zu Gunsten der Beschuldigten respektive einer geringstmöglichen Ge-

schwindigkeit getroffen und die berechnete Geschwindigkeit schliesslich noch ab-

gerundet hat. Auf die Ergebnisse des Gutachtens FOR ist daher uneingeschränkt 

für die Urteilsfindung abzustellen.

3.3.

Bereits  die  einfache  Betrachtung  der  Filmaufnahme  ergibt  ohne  Zweifel, 

dass die beiden Lenker – ohne ersichtliche Absprache aber offensichtlich auf Ver-

abredung hin – den ersten Fussgängerstreifen als Startpunkt für die gleichzeitige 

Beschleunigung  ihrer  Fahrzeuge  abgemacht  haben,  da  sie  augenscheinlich  be-

müht  sind,  dort  gleichzeitig  und  im  Schritttempo  anzukommen,  was  sich  daraus 

ergibt,  dass  der  BMW-Fahrer  schon  mit  gebremstem  Tempo  darauf  zuhält,  aber 

auch der Porschefahrer beim Erreichen des Fussgängerstreifens noch bremst, be-

vor sie dann beide – wiederum ohne erkennbares Zeichen – gleichzeitig entspre-

chend den Motorengeräuschen und wie ersichtlich voll beschleunigen, wobei der 

BMW hinter dem Porsche zurückbleibt, da er – wie sich aus dem Video und noch 

genauer aus den Einzelframes ergibt – länger auf der Bremse geblieben ist als der 

- 26 -

Porschefahrer. Mit letzter Deutlichkeit belegen die Einzelframes wie oben darge-

stellt, dass es weder Zufall war, dass beide gleichzeitig beim ersten Fussgänger-

streifen bremsten und dann voll beschleunigten, noch dass es einfach darum ging, 

irgendetwas wegen eines nachfolgenden Essens bzw. Treffens abzumachen, denn 

dann  wäre  ein  "Extrahalt"  beim  ersten  Fussgängerstreifen  nicht  nötig  gewesen. 

Ausserdem  wäre  in  einem  solchen  Fall  zu  erwarten,  dass  sich  der  Lenker  des 

schwarzen BMW, B._____, nach der Abmachung des Treffpunkts, hinter den sich 

bereits Ende der Einmündung klar vor ihm befindenden von A._____ gelenkten Por-

sche  auf  der  rechten  und  korrekten  Fahrspur  eingereiht  hätte.  Das  tat  er  jedoch 

nicht, wie sich zweifelsfrei aus dem Video ergibt, und er behielt statt dessen seine 

Fahrt auf der Gegenfahrbahn noch mindestens bis zur Höhe der Bushaltestelle mit 

den  wartenden  Personen  bei.  Die  Behauptung  der  Verteidigung,  B._____  sei  zu 

Beginn  neben  dem  Beschuldigten  gefahren  und  dann  hinter  diesen  eingebogen 

(vgl. Urk. 97 S. 17), widerspricht somit dem auf der Videoaufnahme ersichtlichen 

Geschehen. Dem Einwand der Verteidigung, der Beschuldigte habe sich jederzeit 

auf  der  rechten  Fahrbahnhälfte  befunden  und  auf  seiner  Strassenseite  seien  zu 

keinem Zeitpunkt andere Verkehrsteilnehmer gewesen (Urk. 97 S.17), ist sodann 

entgegenzuhalten,  dass  der  Beschuldigte  weder  vom  Gas  ging,  um  sich  von 

B._____ überholen zu lassen noch diesem sonst wie ermöglichte, sich auf der rech-

ten  Fahrspur  einzureihen,  sondern  trotz  mehrerer  Zufahren,  zweier  Fussgänger-

streifen, einer linksseitigen Bushaltestelle und der Fahrt von B._____ mit übersetz-

ter  Geschwindigkeit  auf  der  Gegenfahrbahn  weiter  beschleunigte.  Die  Aussagen 

des Beschuldigten B._____ vor Vorinstanz, wonach er auch schnell beschleunigt 

habe, "nachdem" A._____ gegangen sei, und er nach Letzterem auch schnell be-

schleunigt habe, um einzuspuren, d.h. "um auf die rechte Spur zu gehen" und um 

"einfach weg von der linken Spur" zu kommen (Prot. I S. 14 f.), was er so anlässlich 

der ersten Berufungsverhandlung erneut zu Protokoll gab (Urk. 73 S. 21 f.), schil-

dern  nicht  das  tatsächliche  Geschehen.  Weiter  sagte  der  Beschuldigte  B._____ 

aus,  er  habe  "nicht  gleichzeitig"  mit  A._____  beschleunigt  (Prot.  I  S. 16).  Als  sie 

gesagt hätten, dass sie sich dort treffen würden und A._____ dann losgefahren sei, 

sei er "nach ihm losgefahren" und auf die Frage, ob er die Fussgänger auf dem 

Trottoir auf der linken Seite gesehen habe, antwortete er "als ich rechts war schon, 

- 27 -

ja" (Prot. I S. 16). Auch diese Aussagen erweisen sich gestützt auf die Videoauf-

nahme schlicht als falsch, auch betreffend die Position des Beschuldigten B._____ 

in Bezug auf die wartenden Personen, denn diese erreichte er noch auf der linken 

Seite und damit auf der Gegenfahrbahn. Seine diesbezüglichen Aussagen sind als 

reine Bestreitungen ohne jeden Realitätsbezug zu qualifizieren. Auf sie kann nicht 

abgestellt werden. Ebenso wenig kann auf die Aussagen von A._____ abgestellt 

werden, der in klarem Widerspruch zur Videoaufnahme – insbesondere dem Um-

stand, dass er unmittelbar vor dem Beschleunigen und auf gleicher Höhe mit dem 

BMW beim ersten Fussgängerstreifen noch bremste – vor Vorinstanz angegeben 

hatte, er habe hundertprozentig nicht gleichzeitig mit dem Beschuldigten B._____ 

beschleunigt (Prot. I S. 22), wenngleich er auch anlässlich der ersten Berufungs-

verhandlung an dieser Darstellung festhielt (Urk. 73 S. 43). Vollends unglaubhaft 

ist sodann, dass A._____ deshalb nach dem Stillstand auf der Strasse beschleunigt 

haben  will,  damit  der  Verkehr  nicht  behindert  werde  (Urk. 6/1  S. 6  F/A 36  und 

Urk. 6/2 S. 8 F/A 41). Offensichtlich und keiner weiteren Erklärung bedarf, dass der 

Verkehr bereits durch das Aufstellen der Fahrzeuge von B._____ und A._____ ne-

beneinander  auf  der  gesamten  Breite  der  Fahrbahn  und  der  Positionierung  von 

C._____ dahinter und in der Mitte der Fahrbahn massiv behindert wurde, da ein 

regelkonformes Passieren der Autos weder für nachfolgenden noch entgegenkom-

menden Verkehr möglich war, und zwar auf der gesamten Länge, auf welcher beide 

Fahrzeuglenker  ihre  Autos  beschleunigten.  Der  Einwand  des  Beschuldigten 

A._____,  er  habe  mit  B._____  durch  das  offene  Fenster  kommunizieren  wollen, 

weil er sein Handy nicht während der Fahrt habe benützen wollen (Urk. 6/1 S. 6 

F/A 36 und 37), der, so scheint es, seine Gesetzestreue verdeutlichen sollte, ver-

fängt  jedoch  angesichts  seines  dokumentierten  tatsächlichen  Verhaltens  keines-

wegs und vermag die Aussagekraft der Videoaufnahme nicht zu schmälern. Aus 

der Videoaufnahme sowie aus dem Gutachten FOR ergibt sich ohne unüberwind-

bare Zweifel, dass die Beschuldigten B._____ und A._____ als Lenker des BMW 

resp. des Porsches aus einer Geschwindigkeit im Schritttempo (8.4 km/h) beim ers-

ten Fussgängerstreifen unmittelbar vor der nicht vortrittsberechtigten Einmündung 

der F._____-strasse in die E._____-strasse einen Beschleunigungswettbewerb be-

gonnen  haben,  der  sich  gestützt  auf  die  Videoaufnahme  mindestens  über  einen 

- 28 -

zweiten Fussgängerstreifen und an der Bushaltestelle mit wartenden Personen und 

dem dortigen (dritten) Fussgängerstreifen vorbei über eine Distanz in der Grössen-

ordnung  von  etwa  80 Metern  erstreckte  (Urk. 10/6  S. 4  und  Beilage  [Orthofoto]). 

Aus der Aussage des Beschuldigten A._____ anlässlich der ersten Berufungsver-

handlung ergibt sich indessen, dass sie bis zur Einmündung in die H._____-strasse 

noch  so  weiter  gefahren  sind  (Urk. 73  S. 39).  Auch  vor  Vorinstanz  sagte  er  aus, 

wenn das Video noch ein oder zwei Sekunden länger gegangen wäre, dann würde 

man sehen, wie er und der Beschuldigte B._____ abbremsen, weil sie ziemlich si-

cher  dort  rechts  abgebogen  seien  (Prot.  I  S. 23),  was  sich  mit  der  Aussage  des 

Mitbeschuldigten B._____ deckt, wonach sie sich nachher in der H._____-strasse 

treffen wollten (Prot. I S. 15; Urk. 73 S. 21 f., 25, 28), und wofür A._____ zum Be-

weis das entsprechende Foto eingereicht hat (Foto 2, Beilage zu Urk. 6/2). Daraus 

und  gestützt  auf  die  Videoaufnahme,  auf  welcher  zu  sehen  ist,  dass  sowohl 

B._____ als auch A._____ zuletzt noch ihre Positionen versetzt nebeneinander ein-

genommen hatten und dort keine Bremslichter aufleuchteten (Urk. 10/6/CD Einzel-

frame  IMG_0008.271)  sowie  dass  der  Tourenzähler  des  von  C._____  gelenkten 

BMWs gemäss Einzelframes IMG_0008.272 bis IMG_0008.282 von dem Moment 

an noch von ca. 3'400 Umdrehungen pro Minute auf ca. 3'600/3'700 Umdrehungen 

pro  Minute  steigt  (Urk. 10/6/CD),  lässt  sich  der  Schluss  ziehen,  dass  die  beiden 

Fahrzeuglenker bei Absenken des Handys auf den Tourenzähler des BMW 530d 

xDrive T des Beschuldigten C._____ nochmals bzw. weiterhin beschleunigten und 

erst vor der Verzweigung H._____-strasse ihre Fahrzeuge abbremsten. Damit ist 

die angeklagte Distanz von 75 Metern, über welche sich der Beschleunigungswett-

bewerb erstreckte, in jedem Fall erstellt und die Behauptung der Verteidigung, der 

Beschuldigte  habe  auf  einer  "minimal  kurzen  Strecke"  kurz  beschleunigt  (vgl. 

Urk. 97 S. 16), erweist sich als unzutreffend. Schliesslich ist entgegen der Auffas-

sung der Verteidigung (vgl. Urk. 97 S. 16 f.) festzuhalten, dass die Sicht des Be-

schuldigten durch die am rechten Strassenrand parkierten Fahrzeuge, welche die 

Sicht auf das Trottoir verdeckten, durchaus eingeschränkt war, insbesondere was 

die von rechts einmündende L._____-Strasse betrifft, und somit auf der vorliegend 

relevanten Strecke nicht nur die beiden Fussgängerstreifen Gefahrenstellen dar-

stellten. Der Beschleunigungswettbewerb fand unbestritten an einem sonnigen Tag 

- 29 -

(Urk. 4/1 [Fotobogen]; Urk. 10/6/CD) statt, wobei zugunsten der Beschuldigten von 

einem Wochenende auszugehen ist, da sie werktags gearbeitet hätten und es sich 

aufgrund ihrer diesbezüglich übereinstimmenden Angaben um einen Sonntagnach-

mittag gehandelt haben musste (Urk. 7/1 S. 4; Urk. 7/2 S. 7 [C._____]; Urk. 6/1 S. 7 

[A._____]). Dieser Sonntag muss gestützt auf die übereinstimmenden Zeiträume, 

wann die involvierten Fahrzeuge eingelöst bzw. in Verkehr gesetzt waren, auf die 

Daten zwischen dem 25. Juli 2016 und dem 7. September 2016 eingegrenzt wer-

den (Urk. 1 S. 4 und Urk. 3 S. 2). Der angeklagte Sachverhalt ist somit als erstellt 

der rechtlichen Würdigung zugrunde zu legen.

IV. Rechtliche Würdigung

1.

Rechtsgrundlagen

Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen kann zur Vermeidung unnötiger Wiederho-

lungen  auf  die  Ausführungen  im  Urteil  vom  26. Oktober  2021  verwiesen  werden 

(Urk. 74 S. 34 ff.).

2.

Subsumtion

2.1.

Vorliegend  fand  der  Beschleunigungswettbewerb  zwischen  B._____  und 

A._____  innerorts  auf  einer  nicht  richtungsgetrennten  und  auf  beiden  Seiten  mit 

einem Radstreifen markierten Quartierstrasse statt, die zum einen auf beiden Sei-

ten von Bäumen, einem Trottoir und Wohnhäusern gesäumt war und zum anderen 

nebst  der  F._____-strasse  Einmündungen  von  Wegen  und  (in  Fahrtrichtung 

H._____-strasse  auf  der  rechten  Seite)  auch  Parkplätze  aufwies,  die  unmittelbar 

seitlich an die Fahrbahn grenzen (Urk. 4/1 S. 1, 7 und 8; Urk. 10/6/CD). Unbestrit-

tenermassen und wie mittels Videoaufnahme dokumentiert, hielten sich an der in 

Fahrtrichtung linker Seite befindenden Bushaltestelle zwei Personen stehend auf 

dem Trottoir und eine im Wartehäuschen sitzende Person auf (Urk. 10/6/CD und 

Einzelframes  IMG_0008.267).  In  Anbetracht  dieser  konkreten  Umstände  lag  der 

Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verletzung von Personen nahe, 

zumal  angesichts  des  bebauten  Wohngebietes  und  der  Tageszeit  jederzeit  mit 

Fussgängern, Velofahrern und anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen war, die 

- 30 -

von  den  einmündenden  Häusern  und  Wegen  auf  die  E._____-strasse  einbiegen 

oder diese auf den Fussgängerstreifen unvermittelt betreten könnten. Wegen der 

auf  den  genannten  Parkplätzen  abgestellten  Autos  und  der  Bäume,  welche  die 

Sicht auf das angrenzende Trottoir und die einmündenden Wege teilweise verdeck-

ten, ist – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 68 S. 11; Urk. 97 S. 18) 

–  trotz  geradliniger  Strassenführung  nicht  von  einer  uneingeschränkt  übersichtli-

chen Situation auszugehen. Entsprechend musste der Beschuldigte mit dem Auf-

treten anderer Verkehrsteilnehmer rechnen, nachdem er infolge der teilweisen Ver-

deckung  durch  den  BMW  von  B._____  weder  Einsicht  in  den  von  der  F._____-

strasse herannahenden Verkehr hatte noch voraussehen konnte, ob sich andere 

Verkehrsteilnehmer von dem angrenzenden Gebiet rund um den F._____ näher-

ten.  Diese  Verkehrsteilnehmer  mussten  jedoch  ihrerseits  nicht  davon  ausgehen, 

dass ein Fahrzeug mit übersetzter Geschwindigkeit herannaht, bzw. dass die Fahr-

bahn  von  zwei  nebeneinander  herfahrenden  Fahrzeugen  praktisch  blockiert  ist. 

Entgegen der Ansicht des Beschuldigten geht es auch nicht "nur" um die bei der 

Bushaltestellte wartenden Personen, die trotz lauterem Motorengeräusch nicht mit 

nebeneinander und mit übersetzter Geschwindigkeit herannahenden Autos rech-

nen mussten. Damit bestand in Anbetracht der konkreten Strassensituation nicht 

nur eine theoretische abstrakte, sondern aufgrund der konkreten Umstände eine 

erhöhte abstrakte Gefährdung der übrigen Verkehrsteilnehmer einerseits durch die 

Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um 13 km/h und andererseits durch das 

krass regelwidrige Verhalten seitens des Beschuldigten A._____, der zusammen 

mit B._____ die gesamte Strassenbreite beanspruchte und benützte, um die Be-

schleunigung seines Fahrzeugs mit derjenigen des BMW von B._____ zu messen 

und die beiden Fahrzeuge nebeneinander her auf der E._____-strasse zu lenken. 

Dabei verletzte der Beschuldigte A._____ selbst mehrere grundlegende und we-

sentliche  zum  Schutze  anderer  Verkehrsteilnehmer  erlassene  Verkehrsvorschrif-

ten: Er passte seine Geschwindigkeit weder der Höchstgeschwindigkeit an (Art. 4a 

Abs. 1 lit. a VRV) noch den sich unmittelbar vor ihm befindenden Fussgängerstrei-

fen,  die  ihn  besonders  zu  vorsichtiger  Fahrweise  verpflichteten  (Art. 33  Abs. 2 

SVG), und richtete seine Geschwindigkeit ebenso wenig nach den konkreten Sicht-

verhältnissen aus (Art. 32 Abs. 1 SVG). Der Beschuldigte A._____ hat jedoch ent-

- 31 -

gegen der Anklage das Rechtsfahrgebot (Art. 34 Abs. 1 Satz 1 SVG) nicht verletzt. 

Dass der Beschuldigte A._____ mit der Fahrweise des Beschuldigten B._____ links 

auf  der  Gegenfahrbahn  neben  sich  einverstanden  war  und  dies  auch  wollte,  ist 

beim Verschulden zu berücksichtigen. Da A._____ die Tatmacht fehlte, das Fahr-

zeug des Beschuldigten B._____ auf der linken Fahrspur zu lenken, ist er mit sei-

nem Verteidiger rechtlich nicht als Mittäter zu betrachten, wohl aber als Nebentäter 

(worauf zurückzukommen ist). Da dem angeklagten Tatbestand nicht eine separate 

Handlung  zugrunde  liegt,  hat  kein  Freispruch  zu  erfolgen,  da  das  Verhalten  des 

Beschuldigten lediglich rechtlich anders gewürdigt wird. Es bleibt festzuhalten, dass 

das von ihm und dem Mitbeschuldigten B._____ geschaffene Risiko der konkreten 

Gefährdung von sich im Zeitpunkt des Vorfalls im Bereich des Beschleunigungs-

wettbewerbs  aufhaltenden  Verkehrsteilnehmern  unabhängig  von  Schulferien  als 

hoch zu beurteilen ist, da tagsüber immer auch mit Kindern zu rechnen ist, welche 

sich im Quartier bewegen. Das Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände im Sinne 

der oben zitierten Rechtsprechung ist zu verneinen. Dass vorliegend kein Kind auf 

die Strasse gerannt und kein Velofahrer oder Automobilist auf die E._____-strasse 

eingebogen  ist,  vermag  den  Beschuldigten  nicht  zu  entlasten,  zumal  der  Tatbe-

stand keine konkrete Gefahr verlangt. Diese Umstände stellen letztlich einzig eine 

glückliche Fügung dar. Der Beschuldigte hat durch seine Fahrweise, welche meh-

rere  für  die  Sicherheit  anderer  Verkehrsteilnehmer  wichtige  Regeln  massiv  ver-

letzte, zweifellos den Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung erfüllt. 

2.2.

Die  grobe  Verkehrsregelverletzung  des  Beschuldigten  A._____  ist  aber 

auch  in  subjektiver  Hinsicht  als  rücksichtslos  zu  werten.  Aufgrund  der  erstellten, 

wenn  auch  eventuell  spontan  erfolgten,  Absprache,  ab  dem  ersten  Fussgänger-

streifen  gleichzeitig  mit  B._____  voll  zu  beschleunigen,  ist  zumindest  von  einer 

eventualvorsätzlichen Geschwindigkeitsüberschreitung auszugehen. Bei den wei-

teren Verkehrsregelverletzungen durch das Beschleunigungsrennen ist gar Vorsatz 

anzunehmen, da sich der Beschuldigte B._____ von Anfang an auf der Gegenfahr-

bahn positionierte, um den Wettbewerb zu starten, womit der Beschuldigte A._____ 

konkludent einverstanden war. Da alle Beteiligten den Ort des Geschehens bes-

tens kannten, wusste auch der Beschuldigte A._____ um die Parkfelder sowie die 

einmündenden Wege und Strassen. Er stellte sich auf den Standpunkt, die kurze 

- 32 -

Beschleunigung sei spontan gewesen und aus seiner Sicht nie eine Bedrohung, da 

sie keine grossen Geschwindigkeiten erreicht hätten (Urk. 6/1 S. 6 und 8; Urk. 73 

S. 40) bzw. er habe keine Gefahr gesehen, er habe eigentlich auf die ganze Strecke 

von rund 200 Metern freie Sicht gehabt (Prot. I S. 24; Urk. 73 S. 40 ff.). Die Angabe 

des  Beschuldigten  A._____  erhellt,  dass  er  rücksichtslos  die  Interessen  anderer 

Verkehrsteilnehmer nicht bedacht hatte. Es wird ihm kein direkter Gefährdungsvor-

satz unterstellt, jedoch die Inkaufnahme der Erfüllung des Tatbestands. Besondere 

Umstände,  die  sein  Verhalten  subjektiv  ausnahmsweise  in  einem  milderen  Licht 

erscheinen liessen, sind nicht ersichtlich. Verkehrsregeln sind im Bereich ihrer Gül-

tigkeit  resp.  Signalisation  einzuhalten.  Diese  waren  dem  Beschuldigten  bekannt, 

jedoch hat er sie nach eigenem Gutdünken für sich als nicht relevant erachtet. Da-

mit hat sich der Beschuldigte ohne Zweifel rücksichtslos gegenüber den Interessen 

der anderen Verkehrsteilnehmer verhalten, zu deren Schutz die entsprechenden 

Vorschriften erlassen wurden. Der Beschuldigte erfüllt den Tatbestand von Art. 90 

Abs. 2 SVG damit auch in subjektiver Hinsicht.

2.3.

Der Beschuldigte A._____ ist daher der groben Verletzung der Verkehrs-

regeln  im  Sinne  von  Art. 90  Abs. 2  SVG  in  Verbindung  mit  Art. 32  Abs. 1  SVG, 

Art. 33 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV schuldig zu sprechen.

V. Strafzumessung und Vollzug

1.

Standpunkt der Parteien 

1.1.

Die Staatsanwaltschaft beantragte im  ersten Berufungsverfahren die Be-

strafung  des  Beschuldigten  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  9 Monaten  und  einer 

Busse  von  Fr. 1'000.–  unter  Gewährung  des  bedingten  Strafvollzuges  bei  einer 

Probezeit von 3 Jahren für die Freiheitsstrafe (Urk. 60 S. 2). Im Rahmen der Beru-

fungsverhandlung  nach  Rückweisung  beantragt  die  Staatsanwaltschaft  eine  be-

dingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten unter Anrechnung der erstandenen Haft so-

wie die Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren (Urk. 94 S. 2).

1.2.

Die  Verteidigung  machte  im  ersten  Berufungsverfahren  geltend,  sie  äus-

sere sich nicht gerne zur Strafzumessung, wenn ein Freispruch beantragt werde 

- 33 -

und dieser liege auf der Hand. Es sei allerdings nicht verständlich, weshalb beim 

Beschuldigten A._____ eine Freiheitsstrafe von 9 Monaten und beim Beschuldigten 

B._____, welcher auf der linken Fahrspur gefahren sei, eine solche von 7 Monaten 

beantragt werde. Zudem sei auch nicht nachvollziehbar, wieso eine Freiheitsstrafe 

und keine Geldstrafe beantragt werde, zumal das alte Recht das mildere sei und 

dieses zur Anwendung gelange, sodass eine Geldstrafe bis maximal 360 Tages-

sätze zulässig sei (Urk. 73 S. 50). Im Rahmen der Berufungsverhandlung nach Rü-

ckweisung äusserte sich die Verteidigung nicht mehr zur Strafzumessung (Urk. 97 

S. 18 ff.).

2.

Allgemeine Strafzumessungsregeln 

2.1.

Seit  dem  1. Januar  2018  ist  das  revidierte  Sanktionenrecht  in  Kraft 

(AS 2016 1249; BBI 2012 4721). Der Beschuldigte beging das vorliegende Delikt 

indes  vor  dem  Inkrafttreten  des  neuen  Rechts.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  StGB  wird 

derjenige nach dem neuen Recht beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Ver-

brechen oder Vergehen begeht. Wurde das Verbrechen oder Vergehen bereits vor 

Inkrafttreten des neuen Rechts begangen, so ist dieses nur anwendbar, wenn es 

für  den  Beschuldigten  das  mildere  ist  (Art. 2  Abs. 2  StGB).  Wie  bereits  im  Urteil 

vom  26. Oktober  2021  erwogen  (vgl.  Urk. 74  S. 44),  ist  der  Beschuldigte  nach 

neuem Recht nicht milder zu beurteilen, weshalb Art. 2 Abs. 2 StGB nicht einschlä-

gig und das alte Recht anzuwenden ist.

2.2.

Auch wenn im vorliegenden Fall infolge der Appellation der Staatsanwalt-

schaft  das  Verbot  der  "reformatio  in  peius"  (Art. 391  Abs. 2  StPO)  an  sich  nicht 

greift,  ist  die  Berufungsinstanz  nach  ständiger  Rechtsprechung  zufolge  der  Bin-

dungswirkung an die Parteibegehren auch nach der Rückweisung durch das Bun-

desgericht an das im aufgehobenen Urteil vom 26. Oktober 2021 ausgesprochene 

Maximum  des  Strafmasses  von  12 Monaten  Freiheitsstrafe  gebunden,  nachdem 

nur der Beschuldigte ans Bundesgericht gelangte (BGE 141 II 353 E. 2; 135 IV 87 

E. 6;  Urteile  des  Bundesgerichts  6B_382/2021  vom  25. Juli  2022  E. 3.4; 

6B_1047/2017 vom 17. November 2017 E. 3).

- 34 -

2.3.

Bezüglich  der  allgemeinen  Strafzumessungsregeln  nach  Art. 47 ff.  StGB 

kann auf das aufgehobene Urteil (Urk. 74 S. 40 ff.) und die Praxis des Bundesge-

richts (BGE 144 IV 313 E. 1; 144 IV 217 E. 2.3 ff.; 142 IV 265 E. 2.3 ff; 141 IV 61 

E. 6.1 ff. [Pra 104 (2015) Nr. 68]; 136 IV 55 E. 5.4 ff.) verwiesen werden. 

2.4.

Ergänzend  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  das  Gericht  nach  der  neusten 

Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Ausfällung einer Strafe zuerst die Art 

der Strafe zu bestimmen und danach das Strafmass festzusetzen hat. Bei der Wahl 

der Strafart trägt es neben dem Verschulden des Täters, der Angemessenheit der 

Strafe,  ihren  Auswirkungen  auf  den  Täter  und  auf  seine  soziale  Situation  sowie 

ihrer Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention Rechnung (BGE 147 

IV 241 E. 3; 144 IV 313 E. 1.1.1; 134 IV 97 E. 4.3). Stehen verschiedene Strafarten 

zur Wahl, bildet das Verschulden zwar nicht das entscheidende Kriterium, ist aber 

neben den anderen bestimmenden Kriterien adäquat einzuschätzen ("doit être ap-

préciée"; BGE 147 IV 241 E. 3.2). Systemimmanent impliziert das StGB, dass das 

Verschulden die Wahl der Strafart beeinflusst, weil die schwersten Straftaten prin-

zipiell durch die Freiheitsstrafe und nicht durch die Geldstrafe zu sanktionieren sind 

(BGE 147 IV 241 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_93/2022 vom 24. November 

2022 E. 1.3.8).

3.

Konkrete Strafzumessung 

3.1.

Strafrahmen

Art. 90 Abs. 2 SVG sieht für die grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine Sanktion 

von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Gemäss der zur Zeit der 

Tatbegehung im Jahre 2016 in Kraft stehenden Fassung von Art. 34 Abs. 1 StGB 

(kurz aStGB) beträgt die Geldstrafe höchstens 360 Tagessätze. 

3.2.

Tatkomponenten

3.2.1. Bezüglich des objektiven Verschuldens ist zu berücksichtigen, dass der Be-

schuldigte A._____ anlässlich des Beschleunigungswettbewerbs auf der E._____-

strasse in G._____ die maximale Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 13 km/h 

überschritt.  Damit  alleine  wäre  die  Schwelle  zur  groben  Verkehrsregelverletzung 

- 35 -

nach dem Grenzwert der Rechtsprechung von einer Überschreitung der Höchstge-

schwindigkeit innerorts um 25 km/h noch nicht erreicht (BGE 143 IV 508 E. 1.3). Im 

Unterschied zu einer "normalen" Geschwindigkeitsüberschreitung beging der Be-

schuldigte diese jedoch zusammen mit B._____, der auf der Gegenfahrbahn posi-

tioniert war, nebeneinander herfahrend und damit die gesamte Strassenbreite blo-

ckierend. Der Beschuldigte verletzte dabei wichtige zum Schutz der übrigen Ver-

kehrsteilnehmer, namentlich der Fussgänger, erlassene Verkehrsregeln in objekti-

ver Weise schwer. So fuhr er weder vorsichtig in Bezug auf die Fussgängerstreifen, 

die die Strecke queren, noch in Bezug auf die fehlende Übersicht hinsichtlich des 

Wohnquartiercharakters, der die benutzte Strasse prägt. Im Gegenteil fuhr er mit 

aussergewöhnlich hoher Beschleunigung und ohne Sicht auf die von links einmün-

dende F._____-strasse auf einen weiteren Fussgängerstreifen los. Obwohl die vom 

Beschuldigten A._____ gefahrene Strecke auf der Quartierstrasse infolge fehlender 

Kurven einigermassen übersichtlich war, musste er angesichts der Tageszeit und 

der Wohnbauten rechts und links der Strasse jederzeit mit dem Auftauchen anderer 

Verkehrsteilnehmer, namentlich auch Fussgängern, rechnen. Dass er dennoch mit 

erheblicher Beschleunigung weiter fuhr, wo die übrigen Verkehrsteilnehmer ihrer-

seits nicht mit einem übersetzt daherkommenden Auto rechnen mussten, offenbart 

die  Rücksichtslosigkeit  seines  Verhaltens.  Das  Verschulden  ist  auch  nicht  ver-

gleichbar  mit  demjenigen,  das  einem  "nur"  zu  schnell  fahrenden  Fahrzeuglenker 

zuzuschreiben wäre, denn der Beschuldigte hatte keinen objektiven Grund, mit vol-

ler Beschleunigung resp. mit übersetzter Geschwindigkeit zu fahren, da er weder 

ein Verkehrshindernis überholen musste und B._____ entweder längst hinter ihn 

hätte  einbiegen  oder  ihn  hätte  überholen  können,  hätte  er  (A._____)  seine  Ge-

schwindigkeit wieder reduziert. Aufgrund sämtlicher Umstände und insbesondere 

aufgrund seiner eigenen Aussage ergibt sich, dass die Beschuldigten A._____ und 

B._____ bis zur Einmündung der H._____-strasse ihren Beschleunigungswettbe-

werb abhalten wollten. Das objektive Tatverschulden wiegt mithin keinesfalls leicht. 

3.2.2.

In subjektiver Hinsicht wird das objektive Verschulden noch erhöht, denn 

die  Beweggründe  für  die  Beschleunigungsfahrt  sind  aufgrund  der  Umstände  als 

rein  egoistisch  und  völlig  leichtsinnig  zu  beurteilen.  Offensichtlich  stellte  der  Be-

schuldigte sein Vorhaben, die Beschleunigung seines Porsches mit derjenigen des 

- 36 -

BMW von B._____ zu vergleichen, über alles. Eine derartige massive Gefährdung 

anderer Verkehrsteilnehmer wäre leicht zu verhindern gewesen, wenn ein solcher 

Test nicht auf einer öffentlichen Strasse und schon gar nicht mitten in einem Wohn-

quartier durchgeführt worden wäre. Das gesamte Tatverschulden des Beschuldig-

ten A._____ ist damit bezüglich der groben Verkehrsregelverletzung als keinesfalls 

mehr leicht einzuordnen. 

3.2.3. Aufgrund  des  leichtsinnigen,  rücksichts-  und  verantwortungslosen  Han-

delns, wodurch der Beschuldigte nicht nur eine theoretische abstrakte, sondern auf-

grund der konkreten Umstände eine erhöhte abstrakte Gefahr für die übrigen Ver-

kehrsteilnehmer schuf, erscheint die Ausfällung einer Geldstrafe nicht als adäquate 

Sanktion, weshalb für die grobe Verkehrsregelverletzung eine Freiheitsstrafe aus-

zufällen ist. Angesichts des keinesfalls mehr leichten Tatverschuldens erscheint vor 

dem Hintergrund des Strafrahmens eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten als ange-

messen. Dies entspricht auch der schuldangemessenen Einsatzstrafe beim Mitbe-

schuldigten B._____. Dass dieser von einer Asperation infolge Bestrafung für meh-

rere Delikte profitiert, ändert daran nichts.

3.3.

Täterkomponenten

3.3.1. Der Beschuldigte A._____ wohnte im Zeitpunkt der Berufungsverhandlung 

vom 26. Oktober 2021 mit seiner Ehefrau und seiner damals zweijährigen Tochter 

zusammen. Er arbeitete als Bauführer bei der Firma M._____ und verdiente dort 

Fr. 8'000.– brutto pro Monat und erhielt einen 13. Monatslohn. Seine Frau arbeitete 

in einem Pensum zwischen 50 und 60% als Pharmaassistentin, wodurch sie ein 

zusätzliches  Einkommen  von  Fr. 2'000.–  bis  Fr. 3'000.–  pro  Monat  verdiente 

(Urk. 73  S. 18  f.).  Zu  seinen  persönlichen  Verhältnissen  führte  der  Beschuldigte 

A._____ anlässlich der ersten Berufungsverhandlung des Weiteren aus, dass die 

Wohnungsmiete  zusammen  mit  der  Garage  und  der  Einstellhalle  monatlich 

Fr. 1'800.– betrage und er etwas mehr als Fr. 250'000.– Vermögen habe. Schulden 

habe er keine. Aufgrund des hängigen Strafverfahrens sei sein Einbürgerungsge-

such sistiert worden (Urk. 73 S. 19). Im Rahmen der Berufungsverhandlung vom 

2. April 2025 ergänzte der Beschuldigte, er sei im Jahr 2023 eingebürgert worden. 

Er arbeite nach wie vor bei M._____, wo er zum Projektleiter befördert worden sei, 

- 37 -

monatlich Fr. 10'000.– netto verdiene und einen 13. Monatslohn sowie einen vari-

ablen Bonus erhalte. Seine Frau arbeite nach wie vor in einem 50%-Pensum als 

Pharmaassistentin. Er habe mit seiner Frau eine Eigentumswohnung gekauft, wo-

für er sein Vermögen investiert habe. Die Hypothek betrage ca. Fr. 900.– und die 

Nebenkosten ca. Fr. 200.– (Prot. II S. 13 ff.). Aus den persönlichen Verhältnissen 

des Beschuldigten ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Umstände.

3.3.2. Der Beschuldigte wies bereits anlässlich der ersten Berufungsverhandlung 

vom  26. Oktober  2021  keine  einschlägige  Vorstrafe  mehr  auf  (Urk. 21/2  und 

Urk. 61; Urk. 92), so dass er als nicht vorbestraft gilt.

3.4.

Tatfremde Komponenten

3.4.1. Die beschuldigte Person hat einen verfassungs- und menschenrechtlichen 

Anspruch darauf, dass ein gegen sie eingeleitetes Strafverfahren innert angemes-

sener Frist zum Abschluss gebracht wird (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK). 

Ausdruck davon ist das Beschleunigungsgebot gemäss Art. 5 Abs. 1 StPO. Der re-

levante Zeitraum für die Beurteilung einer vermeidbaren Überlänge der Verfahrens-

dauer beginnt in dem Zeitpunkt, in welchem die beschuldigte Person Kenntnis vom 

Strafverfahren erhält und endet mit Rechtskraft des letztinstanzlichen Urteils. Die 

Beurteilung der angemessenen Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Ob 

sich die Dauer als angemessen erweist, ist in jedem Einzelfall unter Würdigung aller 

konkreten Umstände zu prüfen (BGE 143 IV 373 E. 1.3.1; 130 I 312 E. 5.2; Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1335/2023 vom 20. März 2025 E. 11.2; 7B_540/2023 vom 

6. Februar 2025 E. 18.2.1; 7B_484/2023 vom 3. Juni 2024 E. 2.1.1; je mit Hinwei-

sen). Kriterien für die Angemessenheit der Verfahrensdauer sind etwa die Schwere 

des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die gebotenen Untersuchungs-

handlungen, die Schwierigkeit und Dringlichkeit der Sache, das Verhalten der Be-

hörde  und  dasjenige  der  beschuldigten  Person  sowie  die  Zumutbarkeit  für  diese 

(Urteile  des  Bundesgerichts  7B_540/2023  vom  6. Februar  2025  E. 18.2.1; 

7B_279/2022 vom 24. Juni 2024 E. 2.3.2). Folgen einer Verletzung des Beschleu-

nigungsgebots sind meistens die Strafreduktion, manchmal der Verzicht auf Strafe 

oder, als ultima ratio in Extremfällen, die Einstellung des Verfahrens. Bei der Frage 

nach der sachgerechten Folge ist zu berücksichtigen, wie schwer die beschuldigte 

- 38 -

Person durch die Verfahrensverzögerung getroffen wurde, wie gravierend die ihr 

vorgeworfenen Taten sind und welche Strafe ausgesprochen werden müsste, wenn 

das  Beschleunigungsgebot  nicht  verletzt  worden  wäre.  Rechnung  zu  tragen  ist 

auch den Interessen der Geschädigten und der Komplexität des Falls. Schliesslich 

ist in Betracht zu ziehen, wer die Verfahrensverzögerung zu vertreten hat (BGE 143 

IV 373 E. 1.3.1 m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts 6B_1335/2023 vom 20. März 

2025 E. 11.2; 7B_540/2023 vom 6. Februar 2025 E. 18.2.3). Eine Verfahrensein-

stellung kommt nur in Extremfällen in Betracht, wenn die Verfahrensverzögerung 

dem  Betroffenen  einen  Schaden  von  aussergewöhnlicher  Schwere  verursachte 

(BGE 133 IV 158 E. 8; Urteil des Bundesgerichts 6B_128/2020 vom 16. Juni 2020 

E. 2.2; je mit Hinweisen).

Die Rapportierung seitens der Kantonspolizei Zürich an die Staatsanwaltschaft er-

folgte mit Datum vom 12. Juli 2017 (Urk. 1). Das Vorverfahren wurde mittels Ankla-

geerhebung  am  28. Oktober  2019  (Urk. 29)  abgeschlossen.  Die  Verfahren  der 

Sachgerichte dauerten bis zum ersten Berufungsurteil vom 26. Oktober 2021, das 

der Verteidigung am 15. Dezember 2021 zugestellt wurde (Urk. 76), ebenfalls gut 

zwei Jahre. Bis zu jenem Zeitpunkt lag mithin noch keine übermässige Verfahrens-

dauer vor. Das Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht dauerte dann aber bis zu 

dessen  Urteil  vom  5. Juni  2024  deutlich  länger  als  beide  Verfahren  der  Sachge-

richte zusammen, und durch die Rückweisung sowie das dadurch notwendig ge-

wordene zweite Berufungsverfahren wurde eine Verlängerung des gesamten Ver-

fahrens um knapp ein Jahr bis Versand des begründeten neuen Berufungsurteils 

bewirkt. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung resultiert dadurch mit acht Jahren 

ein doch übermässig langes Verfahren, das sich für den Beschuldigten belastend 

auswirkte, indem u.a. sein Einbürgerungsgesuch vorübergehend sistiert wurde, wo-

bei die übermässige Verfahrensdauer nicht von ihm verursacht wurde. Zudem trifft 

die Verurteilung den nunmehr 35-jährigen Beschuldigten auch in einer gänzlich an-

deren Lebensphase. Die insgesamt übermässig lange Verfahrensdauer ist im Um-

fang von einem Monat strafmindernd anzurechnen.

3.4.2. Nach Art. 48 lit. e StGB mildert das Gericht die Strafe, wenn das Strafbe-

dürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und 

- 39 -

der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Dieser Strafmilderungsgrund ist bei 

Wohlverhalten  in  jedem  Fall  zu  beachten,  wenn  zwei  Drittel  der  Verjährungsfrist 

verstrichen sind. Für die Berechnung ist der Zeitpunkt des Berufungsurteils mass-

gebend. Gesetzlich wohl verhalten hat sich, wer keine strafbare Handlung began-

gen hat. In welchem Mass die Strafe bei Vorliegen dieses Strafmilderungsgrunds 

zu reduzieren ist, hängt davon ab, wie viel Zeit seit der Tat verstrichen ist (BGE 140 

IV  145  E. 3.1;  Urteile  des  Bundesgerichts  6B_481/2024  vom  23. Oktober  2024 

E. 2.3.3;  6B_260/2020  vom  2. Juli  2020  E. 2.3.3;  je  mit  Hinweisen).  Der  Zumes-

sungsgrund  des  verminderten  Strafbedürfnisses  infolge  Zeitablaufs  nach  Art. 48 

lit. e StGB und die Verletzung des Beschleunigungsgebots sind auseinanderzuhal-

ten. Während es beim Beschleunigungsgebot um die Verfahrensdauer und um das 

Verhalten der Behörden geht, welche gehalten sind, ein Strafverfahren innert nütz-

licher  Zeit  anhand  zu  nehmen  und  voranzutreiben,  wird  beim  Zumessungsgrund 

von Art. 48 lit. e StGB auf den Zeitablauf seit der Tat abgestellt. Es liegt ihm somit 

der Verjährungsgedanke zugrunde. Sind die Voraussetzungen beider Bestimmun-

gen erfüllt, das heisst, hat das Verfahren überlange gedauert und liegen die Taten 

weit  zurück,  sind  sie  nebeneinander  anzuwenden  (Urteile  des  Bundesgerichts 

6B_481/2024  vom  23. Oktober  2024  E. 2.3.3;  6B_260/2020  vom  2. Juli  2020 

E. 2.3.5; je mit Hinweisen).

Seit der im Jahr 2016 begangenen groben Verkehrsregelverletzung sind beinahe 

9 Jahre vergangen. Dies entspricht deutlich mehr als zwei Dritteln der Verjährungs-

frist von 10 Jahren, welche für die grobe Verletzung der Verkehrsregeln gilt (Art. 97 

Abs. 1 lit. c StGB). Angesichts des Umstands, dass sich der Beschuldigte in dieser 

Zeit wohl verhalten hat und seit langer Zeit in Ungewissheit betreffend den Ausgang 

des vorliegenden Strafverfahrens lebt, welches auch Auswirkungen auf die Dauer 

seines Einbürgerungsverfahrens hatte, gelangt der Strafmilderungsgrund gemäss 

Art. 48  lit. e  StGB  zur  Anwendung.  Es  rechtfertigt  sich  daher  eine  Reduktion  der 

Freiheitsstrafe um 3 Monate.

3.5.

Verbindungsbusse

3.5.1. Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  vor  Vorinstanz  und  im  ersten  Beru-

fungsverfahren  zusätzlich  zur  Freiheitsstrafe  die  Ausfällung  einer  Verbindungs-

- 40 -

busse in der Höhe von Fr. 1'000.– (Urk. 60 S. 2; Urk. 69 S. 2), ohne dies näher zu 

begründen  (Urk. 69  S. 28;  Urk. 73  S. 45  f.).  Nachdem  im  Urteil  vom  26. Oktober 

2021 von der Ausfällung einer Verbindungsbusse abgesehen wurde, wurde eine 

solche  von  der  Staatsanwaltschaft  anlässlich  des  zweiten  Berufungsverfahrens 

nicht mehr beantragt (Urk. 94 S. 2). 

3.5.2. Wie bereits im Urteil vom 26. Oktober 2021 erwogen, stellt sich vorliegend 

die  sog.  Schnittstellenproblematik  nicht  (bei  der  groben  Verkehrsregelverletzung 

handelt es sich um eine multiple Verletzung wesentlicher Verkehrsvorschriften und 

nicht einzig um eine Geschwindigkeitsüberschreitung), weshalb von der Ausfällung 

einer  Verbindungsbusse  im  Sinne  von  Art. 42  Abs. 4  StGB  abzusehen  ist 

(vgl. Urk. 74 S. 42 f., 48).

3.6.

Fazit

Der Beschuldigte ist damit in Würdigung aller massgeblichen Zumessungsgründe 

mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu bestrafen. Die erstandene Haft von ei-

nem Tag ist gemäss Art. 51 StGB und Art. 110 Abs. 7 StGB anzurechnen.

4.

Vollzug 

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen grundsätzlich auf die Er-

wägungen im Urteil vom 26. Oktober 2021 verwiesen werden (Urk. 74 S. 47 f.).

VI. Beschlagnahmte Gegenstände

Hierzu kann auf die Erwägungen im Urteil vom 26. Oktober 2021 verwiesen werden 

(Urk. 74 S. 48 f.).

VII. Kosten

1.

Bezüglich der Kosten für das erstinstanzliche Verfahren kann auf die Erwä-

gungen im Urteil vom 26. Oktober 2021 verwiesen werden (Urk. 74 S. 49 ff.). Nach-

dem der Beschuldigte verurteilt wird, hat er in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 

in Verbindung mit Art. 428 Abs. 3 StPO die Kosten der Untersuchung und des erst-

- 41 -

instanzlichen Gerichtsverfahrens zu tragen, wobei bezüglich der Kosten der amtli-

chen Verteidigung auf Art. 135 Abs. 4 StPO zu verweisen ist. Unter Hinweis auf die 

ausführliche  Begründung  im  ersten  Berufungsverfahren  (Urk. 74  S. 49  f.)  und  in 

Anwendung von §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG sowie der gleich-

zeitigen Behandlung der Parallelfälle ist die Gerichtsgebühr auf Fr. 1'000.– festzu-

setzen. Die Untersuchungskosten ergeben sich aus den Akten und die Festsetzung 

der  Entschädigung  der  amtlichen  Verteidigung  durch  die  Vorinstanz  mit 

Fr. 6'612.75 (inkl. Barauslagen und 7.7 % MwSt.) ist zu bestätigen.

2.

Zur Festsetzung der Kosten des ersten Berufungsverfahrens inklusive der-

jenigen der amtlichen Verteidigung kann erneut auf die Erwägungen im Urteil der 

hiesigen Kammer vom 26. Oktober 2021 verwiesen werden (Urk. 74 S. 50 f.).

3.

Die  Gerichtsgebühr  für  das  vorliegende  zweite  Berufungsverfahren 

(SB240306) fällt ausser Ansatz, nachdem die Aufhebung des Urteils des Oberge-

richts vom 26. Oktober 2021 durch das Bundesgericht nicht von den Parteien zu 

verantworten ist.

4.

Der  amtliche  Verteidiger  ist  für  das  zweite  Berufungsverfahren  unter  Be-

rücksichtigung  der  Dauer  der  Berufungsverhandlung  und  der  gemäss  § 3  Anw-

GebV geltenden Gebühr für amtliche Rechtsvertretungen von Fr. 220.– pro Stunde 

pauschal mit Fr. 5'000.– (Urk. 93; inkl. 1 Stunde Weg und MwSt.), aus der Gerichts-

kasse zu entschädigen. Die Verteidigungskosten für das zweite Berufungsverfah-

ren sind definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der groben Verletzung der Verkehrs-

regeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 

SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 1 Tag 

durch Untersuchungshaft erstanden ist.

- 42 -

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt. 

4.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Ok-

tober 2019 beschlagnahmte Mobiltelefon iPhone 6s (Ass.-Nr. A011'956'040) 

und die externe Festplatte mit Kabel (Ass-Nr. A011'956'108) werden dem 

Beschuldigten nach Eintritt der Vollstreckbarkeit herausgegeben.

Wird innert 3 Monaten ab Vollstreckbarkeit kein entsprechendes Begehren 

gestellt, wird der Gegenstand der Lagerbehörde (Bezirksgerichtskasse …) 

zur Vernichtung bzw. gutscheinenden Verwendung überlassen.

5.

Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

1'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

1'776.65   Untersuchungskosten

6'612.75   amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.).

6.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr für das erste Berufungsverfahren 

SB200396 wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

2'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

5'000.–   amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.).

7.

Die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen Verfahrens und des 

ersten Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen 

Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die 

Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt 

vorbehalten.

8.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr für das zweite Berufungsverfahren 

SB240306 fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen Fr. 5'000.– 

(inkl. MwSt.) für die amtliche Verteidigung und werden definitiv auf die Ge-

richtskasse genommen.

- 43 -

9.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

sowie in vollständiger Ausfertigung an





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung 
Administrativmassnahmen, Richterliche Fahrverbote, 8090 Zürich (un-
ter Hinweis auf PIN …)

die Kasse des Bezirksgerichts Dietikon betreffend Dispositivziffer 4 (im 
Dispositiv)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A. 

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

- 44 -

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 2. April 2025

Die Präsidentin:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller

MLaw Gitz