# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f6f26959-0826-5ee8-94fd-fb319409da77
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-04-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.04.2025 E-423/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-423-2021_2025-04-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-423/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  A p r i l  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Mathias Lanz (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger,  

Richterin Gabriela Freihofer,    

Gerichtsschreiber Janic Lombriser. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

China (Volksrepublik),   

vertreten durch Lea Schlunegger, Rechtsanwältin,  

Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung  

(Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft);  

Verfügung des SEM vom 29. Dezember 2020 / N (…). 

 

 

 

E-423/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Ehemann der Beschwerdeführerin, B._______ (N […]), wurde am 

1. September 2014 in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommen. 

Ihm wurde im Rahmen einer Härtefallregelung am 23. April 2018 eine Auf-

enthaltsbewilligung und am 20. November 2023 eine Niederlassungsbewil-

ligung erteilt. 

B.  

Am 12. Juli 2018 suchte die Beschwerdeführerin in der Schweiz um Asyl 

nach. 

C.  

C.a Am 7. August 2018 beauftragte das SEM die amtsinterne Fachstelle 

LINGUA mit der Einholung einer Herkunftsabklärung. Am 5. September 

2019 wurde zwecks Herkunfts- und Sprachabklärung ein telefonisches In-

terview mit der Beschwerdeführerin durchgeführt. Auf der Grundlage der 

Aufzeichnung dieses Interviews erstellte eine sprach- und länderkundige 

Person am 8. Oktober 2018 eine «Evaluation des Alltagswissens». Die 

sachverständige Person kam zum Schluss, dass aufgrund der inhaltlichen 

Evaluation des Gesprächs beziehungsweise der Angaben der Beschwer-

deführerin die Wahrscheinlichkeit klein sei, dass sie im behaupteten geo-

grafischen Raum (C._______) gelebt haben könnte. Es sei daher davon 

auszugehen, dass sie ausserhalb Tibets sozialisiert worden sei. 

C.b Zum Abklärungsergebnis nahm die Beschwerdeführerin am 22. Ja-

nuar 2019 Stellung. 

D.  

Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin am 29. Januar 2019 die Ge-

legenheit, ihre Herkunft offenzulegen und überprüfbare Angaben zu ihrem 

Lebenslauf zu machen. Im Unterlassungsfall stellte es ihr zufolge Verlet-

zung der Mitwirkungspflicht die Abweisung ihres Gesuchs um Familienasyl 

in Aussicht. Die Beschwerdeführerin verwies daraufhin mit Schreiben vom 

22. Februar 2019 auf ihre Stellungnahme zum Herkunftsgutachten und er-

klärte unter anderem, die «Chinesen» hätten ihre Papiere entwendet, als 

ihr Ehemann Tibet verlassen habe. Bis heute habe sie ihre Identitätspa-

piere nicht zurückerhalten.  

E.  

Mit Verfügung vom 11. März 2019 verneinte das SEM sowohl die originäre 

E-423/2021 

Seite 3 

als auch die derivative Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und 

lehnte ihr Asylgesuch vom 12. Juli 2018 ab. Gleichzeitig hielt es fest, dass 

der Entscheid über den weiteren Aufenthalt in der Schweiz oder eine allfäl-

lige Wegweisung in die Zuständigkeit der kantonalen Migrationsbehörden 

falle. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

F.  

Die kantonale Migrationsbehörde erteilte der Beschwerdeführerin am 

29. Januar 2020 eine Aufenthaltsbewilligung. Seit dem 10. März 2025 ist 

sie im Besitz einer Niederlassungsbewilligung. 

G.  

Mit Eingabe vom 16. November 2020 ersuchte die Beschwerdeführerin 

beim SEM um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes. 

H.  

Vom SEM erneut zur Offenlegung ihrer Identität aufgefordert, erklärte die 

Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 14. Dezember 2020 unter ande-

rem, in Tibet als Nomadin gelebt zu haben. Ausserhalb ihres Haushaltes 

habe sie nie gearbeitet und habe nie eine Schule besucht, weshalb sie 

keinerlei Dokumente bezüglich ihrer Identität ins Recht legen könne. 

I.  

Das SEM lehnte mit Verfügung vom 29. Dezember 2020 das Gesuch der 

Beschwerdeführerin um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehe-

mannes ab. 

J.  

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 29. Januar 2021 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, die angefoch-

tene Verfügung sei aufzuheben und sie sei gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG 

(SR 142.31) in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes einzubezie-

hen. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Abklärung und Würdi-

gung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt die Beschwerdeführerin den 

Beizug des Asyldossiers sie und ihren Ehemann betreffend (N […]), die 

Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie die Bei-

ordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin. 

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Seite 4 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. Februar 2021 trat die damals zuständige 

Instruktionsrichterin auf das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden 

Wirkung nicht ein und forderte die Beschwerdeführerin auf, innert Frist ei-

nen Kostenvorschuss zu leisten. Dieser ging fristgerecht ein. 

L.  

Die Vorinstanz liess sich am 17. März 2021 vernehmen, woraufhin die Be-

schwerdeführerin am 7. April 2021 replizierte. 

M.  

Mit Eingabe vom 15. Mai 2023 reichte die Beschwerdeführerin einen Brief 

an das nepalesische Konsulat in Genf vom 27. April 2023 ein, womit sie 

um Auskunft darüber ersuchte, ob sie in Nepal eine Aufenthaltsbewilligung 

gehabt habe oder dort anderweitig registriert sei. Zudem teilte die rubri-

zierte Rechtsvertreterin dem Gericht ihre Mandatsübernahme mit. 

N.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2023 wies das Bundesverwaltungs-

gericht den Antrag der Beschwerdeführerin um amtliche Rechtsverbeistän-

dung ab und forderte die Rechtsvertreterin auf, eine Vollmacht einzu-

reichen. Eine solche wurde mit Eingabe vom 26. Mai 2023 zu den Akten 

gelegt. 

O.  

Aus organisatorischen Gründen wurde im Januar 2025 der vorsitzende 

Richter im Spruchkörper aufgenommen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 105 

AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

E-423/2021 

Seite 5 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und die 

Beschwerdeführerin ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung hält die Vorinstanz im 

Wesentlichen fest, dass die Beschwerdeführerin nicht in die Flüchtlingsei-

genschaft ihres Ehemannes einzubeziehen sei. Das Asylgesuch der Be-

schwerdeführerin sei abgelehnt worden, weil sie im ordentlichen Asylver-

fahren ihre Mitwirkungspflicht schwer verletzt habe. Sowohl eine Prüfung 

der Drittstaatenklausel als auch eine Prüfung der Flüchtlingseigenschaft in 

Bezug auf ihren effektiven Heimatstaat seien dadurch verunmöglicht wor-

den. Diese Mitwirkungspflichtverletzung und die Tatsache, dass die Be-

schwerdeführerin weiterhin nicht ihre effektive Herkunft offenlege, bewirke 

im vorliegenden Verfahren, dass die Frage, ob sie ihre familiären Bezie-

hungen in ihrem Heimatstaat oder einem Drittstaat leben könne und damit 

besondere Umstände einem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres 

Ehemannes entgegenstehen würden, nicht geklärt werden könne. Zudem 

gelinge es der Beschwerdeführerin nicht, der LINGUA-Alltagsevaluation 

den erhöhten Beweiswert abzusprechen, weshalb sie ihre Hauptsozialisie-

rung in der Volksrepublik China nicht habe glaubhaft machen können. Ge-

mäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung werde in solchen 

Fällen wegen der Verunmöglichung der Prüfung, ob die Einbezugsvoraus-

setzungen gegeben seien, das entsprechende Gesuch abgelehnt. 

3.2 Die Beschwerdeführerin wendet mit Rechtsmitteleingabe vom 29. Ja-

nuar 2021 im Wesentlichen ein, dass sie als chinesische Staatsangehörige 

und Tibeterin gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft ih-

res Ehemannes einzubeziehen sei. Sie habe im Asylverfahren zahlreiche, 

konkrete und nachvollziehbare Angaben zu ihrer Herkunft und Sozialisie-

rung in Tibet gemacht. Ein Vergleich mit den Asylakten ihres Ehemannes 

hätte ergeben, dass ihre Angaben zuträfen. Das SEM habe ihr die Staats-

angehörigkeit der Volksrepublik China stets belassen. Die Würdigung ihrer 

Vorbringen anlässlich der Alltagsevaluation sowie des ihr gewährten recht-

lichen Gehörs sei willkürlich erfolgt. Weil die Vorinstanz auf ihre 

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Seite 6 

Erklärungen und Aussagen nicht eingegangen sei, habe es ihr rechtliches 

Gehör verletzt. Eine Gruppe von vier Expertinnen und Experten in Tibeto-

logie habe ein ihnen vorliegendes LINGUA-Gutachten in einer Gegenana-

lyse vom 29. September 2020 untersucht und sei zum Schluss gekommen, 

dass Herkunftsanalysen im Rahmen der Asylverfahren nicht über alle 

Zweifel erhaben seien. Die Qualität des ursprünglichen Asylentscheides 

erweise sich betreffend die Herkunftsanalyse zumindest als fragwürdig. Zu-

dem sei es der Beschwerdeführerin nicht zuzumuten, sich bei der Vertre-

tung der Volksrepublik China um Reisepapiere zu bemühen und der Nach-

weis einer fehlenden Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsbewilligung in 

Indien oder Nepal sei praktisch unmöglich. Mit Blick auf das Recht auf ein 

Familienleben seien die Anforderungen der Vorinstanz an die Erfüllung des 

Kriteriums zur Offenlegung der Identität unverhältnismässig hoch. Damit 

werde das Prinzip der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV) verletzt. In 

Anlehnung an das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1706/2018 sei 

die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering, dass sie eine andere als die 

chinesische Staatsangehörigkeit habe. Auch könne nicht von einem gesi-

cherten Aufenthaltsrecht in einem Drittstaat ausgegangen werden, zumal 

sie bereits mehrere Jahre in der Schweiz lebe und ein allfälliges Aufent-

haltsrecht entsprechend erloschen wäre. Noch fraglicher wäre schliesslich, 

weshalb ihr Ehemann ein gesichertes Aufenthaltsrecht in diesem Drittstaat 

erhalten könnte. Die Familie könne nur in der Schweiz zusammenleben, 

weshalb sie in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes einzubeziehen 

sei. 

3.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz im Wesentlichen aus, 

dass sich die Gegenanalyse nicht auf das vorliegende Verfahren beziehe 

und daher in keinem Zusammenhang mit dem ordentlichen Asylverfahren 

der Beschwerdeführerin stehe. Zudem seien die angebrachten Kritikpunkte 

in der Gegenanalyse oft widersprüchlich, wissenschaftlich fragwürdig so-

wie im Allgemeinen wenig ausgewogen und nicht neutral. Es bestehe da-

her kein Anlass, an der Kompetenz der in der Gegenanalyse kritisierten 

sachverständigen Person und am Resultat ihrer Analyse zu zweifeln. Die 

Evaluation des Alltagswissens sei im vorliegenden Verfahren indes von ei-

ner anderen Person verfasst worden. Mit dem eingereichten Beweismittel 

könne der erhöhte Beweiswert der Evaluation der Fachstelle LINGUA nicht 

in Frage gestellt werden. Der Beschwerdeführerin sei es nicht gelungen, 

ihre Hauptsozialisierung in der Volksrepublik China mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit glaubhaft zu machen. 

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Seite 7 

3.4 Dagegen replizierte die Beschwerdeführerin, dass aufgrund der auch 

für das vorliegende Verfahren zu berücksichtigenden Gegenanalyse vom 

29. September 2020 der Beweiswert der Evaluation des Alltagswissens der 

Fachstelle LINGUA, dem im vorliegenden Fall eine massgebliche Rolle zu-

komme, als Instrument der Herkunftsabklärung äusserst zweifelhaft sei 

und die Evaluation generell in Frage zu stellen sei. Die Herkunftsgutachten 

seien grundlegend zu kritisieren, weshalb ein erhöhtes Interesse an einer 

Einsicht in diese Gutachten bestehe. Es müsse mittels Akteneinsicht mög-

lich gemacht werden, ein Zweitgutachten erstellen zu lassen, um zu eruie-

ren, inwiefern die in der Gegenanalyse genannten Rügen auch in ihrem 

persönlichen Fall zuträfen.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und 

ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, 

wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen. Das Kriterium der 

besonderen Umstände dient gemäss ständiger Praxis insbesondere dem 

Zweck, Missbräuche zu verhindern (vgl. BVGE 2015/40 E. 3.4.4.3).  

4.2 In der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts wurde in ver-

schiedenen Konstellationen das Vorliegen von besonderen Umständen be-

jaht. So ist ein Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft namentlich dann aus-

geschlossen, wenn die in der Schweiz als Flüchtling anerkannte Person 

ihre Flüchtlingseigenschaft selbst derivativ erworben hat, wenn die eheli-

che Gemeinschaft während einer längeren Zeit nicht mehr gelebt bezie-

hungsweise aufgegeben wurde oder wenn die in die Flüchtlingseigenschaft 

einzubeziehende Person eine andere Staatsangehörigkeit besitzt als die 

als Flüchtling anerkannte Person und die Familie in diesem Staat nicht ge-

fährdet ist (vgl. BVGE 2020 VI/6 E. 5.3; 2012/32 E. 5.1). Soll der Einbezug 

in die Flüchtlingseigenschaft des Ehepartners aufgrund unterschiedlicher 

Nationalitäten verweigert werden, ist – in hypothetischer Weise – zu prüfen, 

ob sich die ganze Familie gegebenenfalls im Heimatland des nicht verfolg-

ten Ehepartners niederlassen könnte (vgl. BVGE 2020 VI/6 E. 9.2; Urteile 

des BVGer E-5686/2019 vom 11. Dezember 2023 E. 8.2; E-1683/2013 vom 

21. April 2015 E. 6.2.4 m.w.H.). Der Einbezug des Ehegatten in die Flücht-

lingseigenschaft stellt gemäss der gesetzlichen Konzeption von Art. 51 

Abs. 1 AsylG den Regelfall dar. Das Bejahen besonderer Umstände, die 

einem Einbezug entgegenstehen, ist somit als Ausnahmeklausel zu ver-

stehen und hat entsprechend restriktiv zu erfolgen (vgl. Urteil des BVGer 

D-696/2018 vom 28. Februar 2018 E. 6.2). Die Beweislast für das Vorliegen 

besonderer Umstände liegt bei den Asylbehörden, wobei die betroffenen 

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Seite 8 

Personen eine Mitwirkungspflicht trifft (vgl. BVGE 2020 VI/6 E. 5.2, E. 8.5 

und E. 9.5; Urteil des BVGer E-6677/2014 vom 29. Dezember 2016 E. 4.5). 

4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Grundsatzurteil (vgl. 

BVGE 2020 VI/6) einen weiteren «besonderen Umstand» definiert, welcher 

dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft entgegensteht. Wird das SEM 

an der Überprüfung gehindert, ob die um Einbezug in die Flüchtlingseigen-

schaft ersuchende Person eine weitere Staatsangehörigkeit besitzt als die 

ihres Familienangehörigen, dem die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt 

wurde, so kann dies einen «besonderen Umstand» darstellen. Dies ist der 

Fall, wenn die gesuchstellende Person ihre Mitwirkungspflichten im Verfah-

ren betreffend Familienasyl beziehungsweise Einbezug in die Flüchtlings-

eigenschaft schwer verletzt. Im Weiteren hat es festgehalten, dass das 

SEM zwar die Tatsachen und Beweismittel – beziehungsweise die Mitwir-

kungsverletzung – des ersten, abgeschlossenen Asylverfahrens berück-

sichtigen könne, jedoch der gesuchstellenden Person im zweiten Verfah-

ren – betreffend Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft beziehungsweise 

Familienasyl – erneut die Möglichkeit geben müsse, sich zu diesen zu äus-

sern und allenfalls ihre ursprünglichen Aussagen zu ändern. Danach habe 

das SEM die Gesamtheit der Aussagen der gesuchstellenden Person und 

alle in den Akten vorhandenen Beweismittel im Hinblick auf die Frage zu 

würdigen, ob sie ihre qualifizierte Mitwirkungspflicht auch im Verfahren be-

treffend Familienasyl beziehungsweise Einbezug in die Flüchtlingseigen-

schaft (schwer) verletzt habe.  

5.  

5.1 Die Vorinstanz ist ihren Pflichten im Zusammenhang mit der Gewäh-

rung des rechtlichen Gehörs beim nachgelagerten Verfahren auf Einbezug 

in die Flüchtlingseigenschaft des Ehegatten vorliegend nachgekommen. 

Sie eröffnete der Beschwerdeführerin am 24. November 2020 die Gelegen-

heit, ihre Identität offenzulegen und überprüfbare Angaben zu ihrem Le-

benslauf zu machen. Unter Berücksichtigung der Stellungnahme der Be-

schwerdeführerin vom 14. Dezember 2020 nahm die Vorinstanz sodann 

eine umfassende (Neu-) Beurteilung der Mitwirkungspflichtverletzung res-

pektive des Vorliegens von dem Familienasyl entgegenstehenden, beson-

deren Gründen vor. Der vertretenen Beschwerdeführerin waren die Konse-

quenzen einer Mitwirkungspflichtverletzung in Bezug auf den Entscheid 

betreffend Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft somit bekannt (vgl. 

BVGE 2020 VI/6 E. 8.3.5).  

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Seite 9 

5.2 Zutreffend ist, dass die Vorinstanz von der chinesischen Staatsange-

hörigkeit der Beschwerdeführerin ausgeht. Allerdings ist eine solche pra-

xisgemäss auch bei längeren Aufenthalten in Nepal oder Indien nicht aus-

geschlossen (vgl. BVGE 2020 VI/6 E. 6.3). Jedenfalls kann aus der ange-

nommenen Staatsangehörigkeit nicht auf den Ort der Hauptsozialisierung 

geschlossen werden. Folglich kann die Beschwerdeführerin aus der ihr zu-

geschriebenen, chinesischen Staatsangehörigkeit nichts für sich ableiten 

(vgl. auch Urteil des BVGer E-2218/2022 vom 4. September 2023 E. 5.7). 

5.3 Die Vorinstanz lehnte in ihrer Verfügung vom 11. März 2019 – welche 

unangefochten in Rechtskraft erwuchs – das Asylgesuch der Beschwerde-

führerin ab und führte dabei aus, es sei ihr nicht gelungen, ihre Hauptsozi-

alisierung in der Volksrepublik China glaubhaft zu machen. Mit Verweis auf 

das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2014/12 sei grundsätz-

lich davon auszugehen, dass eine Person tibetischer Ethnie, welche un-

glaubhafte Angaben über ihren angeblichen Sozialisierungsraum in der 

Volksrepublik China mache, eine Aufenthaltsbewilligung oder eine Duldung 

in einem Drittstaat, oder sogar eine andere Staatsangehörigkeit besitze. 

5.4 In einem dem Asylverfahren nachgelagerten Verfahren auf Gewährung 

von Familienasyl sind im Rahmen der freien Beweiswürdigung nicht nur 

das Ergebnis eines LINGUA-Berichts, sondern auch das Fehlen von neuen 

Beweismitteln oder konkreten Indizien betreffend die Identität der gesuch-

stellenden Person, das Fehlen von Belegen zum Ort ihrer Hauptsozialisie-

rung, ihre Aussagen im ersten ordentlichen Asylverfahren und im Verfahren 

betreffend das Familienasyl sowie ihr Verhalten während dieser Verfahren 

im Hinblick auf das Prinzip von Treu und Glauben zu berücksichtigen (vgl. 

BVGE 2020 VI/6 E. 9.8).  

5.4.1 Die Beschwerdeführerin vermochte im Verfahren betreffend Fami-

lienasyl zu keinem Zeitpunkt Neues vorzubringen und taugliche Doku-

mente oder Unterlagen einzureichen, welche ihre Herkunft respektive eine 

allfällige Unmöglichkeit dieses Nachweises belegen könnten. Insbeson-

dere kann die von ihr eingereichte Gegenanalyse nichts an dieser Ein-

schätzung ändern, zumal sich diese nicht konkret auf das vorliegende Ver-

fahren bezieht und das entsprechende LINGUA-Gutachten von einer an-

deren sachverständigen Person erfasst wurde. Im Übrigen ist anzumerken, 

dass das Bundesverwaltungsgericht – unter Berücksichtigung der im vor-

liegenden Verfahren eingereichten Gegenanalyse – sich im Referenzurteil 

D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 mit der teilweise auch medialen Kritik an der 

mit der Erstellung der LINGUA-Analysen vom 12. März 2018 betrauten 

E-423/2021 

Seite 10 

sachverständigen Person «AS19» auseinandergesetzt hat und darin zum 

Schluss kam, dass die Qualität und Aussagekraft der von «AS19» erstell-

ten LINGUA-Gutachten nicht zu beanstanden sei. Die Methode der Fach-

stelle LINGUA entspreche – im internationalen Vergleich – den besten 

Standards derartiger Sprach- und Herkunftsanalysen (vgl. Referenzurteil 

D-2337/2021 E. 7.9). Somit gelingt es der Beschwerdeführerin nicht, den 

erhöhten Beweiswert der vorinstanzlichen Evaluation des Alltagswissen zu 

entkräften. Ihre in diesem Zusammenhang erhobene, nicht weiter substan-

ziierte Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs zielt ins Leere, soweit 

sie damit im vorliegenden Verfahren überhaupt noch zu hören ist. Der all-

gemeinen Beanstandung der behördlichen Praxis zur Einsichtnahme in 

Herkunftsgutachten sowie der damit eingehenden Erschwerung der Erstel-

lung eines Zweitgutachtens (siehe auch oben E. 3.4) lassen sich für das 

vorliegende Verfahren keine konkreten Verfahrens- oder Beweisanträge 

der Beschwerdeführerin entnehmen, wobei auch diese ohnehin verspätet 

wären.   

5.4.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin, welche sich in einer gene-

rellen Kritik an der Erstellung von Herkunftsgutachten erschöpfen, sind 

auch unter Berücksichtigung der Angaben ihres Ehemannes im Asylverfah-

ren – das Dossier des Ehemannes N (…) wurde für das vorliegende Ver-

fahren beigezogen – nicht geeignet, die Verfügung vom 11. März 2019 in 

einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Schliesslich kann die Be-

schwerdeführerin aus der angeblich bisher unbeantwortet gebliebenen An-

frage an die nepalesische Botschaft vom 27. April 2023 betreffend Aufent-

haltsbewilligung und Registrierung in Nepal ebenfalls nichts zu ihren Guns-

ten ableiten (vgl. Urteil des BVGer E-497/2020 vom 3. Juli 2023 E. 5.5.5). 

5.5 Folglich ist vorliegend weder belegt noch ausgeschlossen, dass die Be-

schwerdeführerin chinesische Staatsangehörige ist oder eine andere 

Staatsangehörigkeit erworben hat. Dies ist auf ihre nach wie vor beste-

hende schwere Verletzung der Mitwirkungspflicht zurückzuführen. Somit 

vermochte sie die zutreffende Einschätzung des SEM im ordentlichen Asyl-

verfahren, dass sie nicht in Tibet hauptsozialisiert worden sei, nicht zu wi-

derlegen. Wie bereits dargelegt, ist das Vorliegen von besonderen Umstän-

den grundsätzlich zwar durch die Asylbehörde zu beweisen und müsste im 

Fall der Beweislosigkeit zulasten der Vorinstanz entschieden werden (vgl. 

oben E. 4.2). Dies würde im vorliegenden Fall aber dazu führen, dass die 

Beschwerdeführerin durch ihre mangelhaften Angaben und schwere Mit-

wirkungspflichtverletzung die Situation der Beweislosigkeit herbeiführen 

und daraus einen Vorteil ziehen könnte. Durch ihr unkooperatives 

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Seite 11 

Verhalten wird die Prüfung der Frage, ob sie und ihr Ehemann eine unter-

schiedliche Staatsangehörigkeit besitzen und ob sich die Familie in ihrem 

Heimatland niederlassen könnte, verunmöglicht. Damit würde sie gegen-

über Personen, die ihre Herkunft glaubhaft offenlegen und bei denen eine 

entsprechende Prüfung durchgeführt werden kann, bevorzugt behandelt. 

Unter diesen Umständen erweist es sich zwar als unmöglich, in hypotheti-

scher Weise zu prüfen, ob ein Leben der gesamten Familie in einem Dritt-

staat, dessen Staatsangehörigkeit die Beschwerdeführerin möglicherweise 

besitzt, realisierbar und zumutbar ist. Es wäre aber stossend, wenn sie sich 

durch das Verschweigen erheblicher Tatsachen und durch widersprüchli-

che Angaben gegenüber den schweizerischen Behörden dieser Prüfung 

entziehen könnte und dadurch gegenüber Gesuchstellenden, die ihrer Mit-

wirkungspflicht nachkommen, bessergestellt wäre (vgl. Urteil des BVGer 

E-5398/2018 vom 2. November 2020 E. 6.5). 

5.6 Somit ist vorliegend davon auszugehen, dass besondere Umstände im 

Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG vorliegen, welche einem Einbezug der Be-

schwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes entge-

genstehen. Die Annahme einer fortdauernden Mitwirkungspflichtverletzung 

ist dabei selbst dann angezeigt, wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, 

dass die Beschwerdeführerin eine andere Staatsangehörigkeit als ihr Ehe-

mann besitzt (vgl. BVGE 2020 VI/6 E. 9.10). Dass der Nachweis einer So-

zialisierung in China oder das Fehlen einer indischen oder nepalesischen 

Staatsangehörigkeit nicht möglich oder unverhältnismässig schwierig sein 

soll, ist nicht anzunehmen. Entgegen ihrer Auffassung erscheint es sodann 

nicht als ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin und ihre Angehö-

rige das Familienleben in einem sicheren Drittstaat aufnehmen könnten.  

5.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM das Gesuch der Be-

schwerdeführerin um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehe-

mannes zu Recht abgelehnt hat. Eine Rückweisung der Sache an die Vo-

rinstanz zur Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung ist nicht angezeigt. 

Es bleibt darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin jederzeit die 

Möglichkeit hat, ihre tatsächliche Herkunft offenzulegen und in der Folge 

ein neues Gesuch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehe-

mannes zu stellen. Dieses könnte von der Vorinstanz dann in Kenntnis aller 

relevanten Tatsachen geprüft werden. 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

E-423/2021 

Seite 12 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-

lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der am 18. Februar 2021 geleistete Kostenvorschuss ist 

zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens-

kosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Mathias Lanz Janic Lombriser 

 

 

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