# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f18e6f3-39d0-56f6-acf8-2fb0b76b994e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-04-17
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 17.04.2012 R 2011 129
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2011-129_2012-04-17.pdf

## Full Text

R 11 129

5. Kammer 

URTEIL
vom 17. April 2012

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baugesuch

1. Am 8. April 2011 reichten … das Gesuch um Neubau eines 

Mehrfamilienhauses auf ihrer in der Gemeinde … gelegenen Parzelle Nr. 110 

ein. Das Baugesuch wurde ordentlich publiziert und lag vom 10. bis 30. Juni 

2011 öffentlich auf. Innert Frist erhoben … dagegen Einsprache. Nach Einholen 

einer Stellungnahme bei der Bauherrschaft lehnte der Gemeindevorstand … 

das Baugesuch unter Gutheissung der dagegen erhobenen Einsprache wegen 

Verletzung von Art. 54 BG (maximale Gebäudelänge) und Art. 53 BG 

(maximale Gebäudehöhe) mit Baubescheid vom 4. November 2011 ab. Sie hielt 

fest, das Projekt überschreite die in der Dorferweiterungszone 2 (Zona 

d’ingrondaziun dil vitg 2) maximal zulässige Gebäudelänge von 20 m um 4 m. 

Sodann handle es sich um einen strukturierten Bau gemäss Art. 53 Abs. 3 BG, 

was dazu führe, dass bei einer Verschiebung der Gebäudeteile von 3 m und 

mehr die Gebäudehöhen für jeden Gebäudeteil separat berechnet werden 

müssten. Gebäudeteil 1 und Gebäudeteil 2 dürften entsprechend dieser 

Vorgaben eine Traufhöhe von maximal 7 m bzw. eine Firsthöhe von 10,5 m 

aufweisen. Gemäss den eingereichten Plänen überschreite nun aber 

Gebäudeteil 1 die maximal zulässige Traufhöhe um 0,73 m und die maximal 

zulässige Firsthöhe um 0,77 m. Gebäudeteil 2 seinerseits überschreite die 

maximal zulässige Traufhöhe gar um 2,64 m, wohin hingegen aber die 

maximale Firsthöhe eingehalten werde.

2. Dagegen reichten … beim Verwaltungsgericht am 7. Dezember 2011 

Beschwerde ein und beantragten die Aufhebung des abschlägigen 

Baubescheides vom 4. November 2011. Die Gemeinde sei sodann anzuweisen, 

das Baugesuch unter Auflagen zu bewilligen. Nach Art. 54 Abs. 2 BG sei für die 

Berechnung der Gebäudelänge die längste Gebäudeseite massgebend, d.h. 

die längste Seite des das Gebäude umfassenden Rechtecks. Nebengebäude 

und vorgelagerte Balkone hingegen würden für die Berechnung der 

Gebäudelänge nicht berücksichtigt. Im angefochtenen Entscheid habe die 

Gemeinde die untergeordnete Nebenbaute "Keller" im Norden und den 

vorgelagerten Balkon über der Garage auf der Südseite in die Berechnung der 

Gebäudelänge einbezogen, was falsch sei. Die längste Seite des das Gebäude 

umfassenden Rechtecks betrage lediglich 19 m, sofern lediglich das 

Hauptgebäude und die Garage - jedoch ohne auskragenden Balkon sowie auch 

ohne Keller im Norden, welcher lediglich im Dachgeschoss mit einer Fläche von 

25 m² über dem gewachsenen Terrain zu liegen komme - mitberücksichtigt 

werde. Diesfalls wäre die maximale Gebäudelänge ohne weiteres eingehalten. 

Hinsichtlich der Bemessung der Gebäudehöhe rügten sie eine unzutreffende 

Auslegung von Art. 53 Abs. 3 BG. Richtig ausgelegt, wären die 

Überschreitungen äusserst gering und der Zustand liesse sich, anstelle einer 

Bewilligungsverweigerung auch mittels einer Auflage herstellen. Entsprechend 

sei die Gemeinde anzuweisen, das Gesuch mit der Auflage, dass die 

Gebäudehöhen des ursprünglichen Projekts entsprechend den neu 

eingereichten Plänen zu reduzieren seien, zu bewilligen respektive das Gesuch 

entsprechend den neu eingereichten Plänen zu bewilligen. Als Betroffene sei 

ihnen vor dem Erlass der entsprechenden Auflage noch das rechtliche Gehör 

zu gewähren.

3. a) Die Gemeinde … beantragte Nichteintreten, eventualiter Abweisung der 

Beschwerde. Art. 54 Abs. 2 BG sehe lediglich vor, dass als Gebäudelänge die 

grössere Seite des kleinsten, das Gebäude begrenzenden Rechteckes zu 

gelten habe. Ausnahmen für untergeordnete Nebenbauten oder Balkone seien 

jedoch nicht vorgesehen. Ein Keller, der praktisch vollständig oberirdisch in 

Erscheinung trete, wirke in seiner vollen Länge gegen aussen als Teil der 

Gebäudefassade. Weil die innere Nutzung für die Längenberechnung 

unerheblich sei, müsse der Keller in die Berechnung einbezogen werden, 

woraus bereits eine Gebäudelänge von 22 m resultiere. Zudem müsse auch der 

Balkon mit 3 m berücksichtigt werden. Dabei berief sie sich auf eine von der 

Gemeindeautonomie gedeckte Auslegung einer kommunalen baugesetzlichen 

Norm. Hinsichtlich der dem Bauprojekt entgegen gehaltenen Überschreitungen 

der zulässigen Gebäudehöhen vertiefte sie ihre dem angefochtenen Entscheid 

zugrunde liegenden Überlegungen betreffend die Regelung über gegliederte 

Bauten. Auch diesbezüglich machte sie eine von der Gemeindeautonomie 

gedeckte Auslegung geltend. Art. 53 Abs. 3 BG verlange nämlich entgegen der 

Darstellung der Beschwerdeführer nicht, dass eine "seitlich gestaffelte" Baute 

vorliegen müsse, sondern es genüge auch, wenn die Baute in der Höhe 

gestaffelt sei. Die Anwendung auf in der Höhe gestaffelte Bauten sei jedenfalls 

vom Gesetzeswortlaut gedeckt. Vorliegend umso mehr, als  nicht nur eine in 

der Höhe gestaffelte Baute vorgesehen sei, sondern sich das oberste, 

zurückversetzte Stockwerk aufgrund einer fast rundherum führenden Terrasse 

(ganze SW-Seite und ganze SO-Seite, sowie weitgehend NO-Seite) auch noch 

mehrheitlich als seitlich gestaffelter Bauteil präsentiere.

b) Die Beschwerdegegner sahen von der Einreichung einer Vernehmlassung ab.

4. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels vertieften und ergänzten die 

Beschwerdeführer die von ihnen vertretenen Rechtsstandpunkte. Die 

beschwerdebeklagte Gemeinde und die Beschwerdegegner liessen sich 

dagegen nicht vernehmen.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit 

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt bildet der Baubescheid vom 4. November 2011, mit 

welchem die Beschwerdegegnerin das Baugesuch „Neubau MFH auf 

Grundstück Nr. 110“ zufolge Überschreitung der in der Dorferweiterungszone 2 

zulässigen Gebäudelänge (Art. 54 Abs. 2 BG) und wegen Nichteinhaltung der 

Gebäudehöhen (Art. 53 Abs. 3 BG) bei beiden Gebäudeteilen und der 

Firsthöhe bei Gebäudeteil 1 abgewiesen hat. Die Beschwerdeführer verlangen 

die Aufhebung des abschlägigen Baubescheides, unter gerichtlicher Anweisung 

an die Gemeinde, das Baugesuch unter Auflagen zu bewilligen.

2. a) Gemäss Art. 54 Abs. 2 BG gilt das grössere Mass vom Gebäude in der Breite 

oder Tiefe als Gebäudelänge. Im Zonenschema ist für die 

Dorferweiterungszone 2 eine maximal zulässige Gebäudelänge von 20 m 

vorgesehen. 

b) Vorliegend gehen auch die Beschwerdeführer davon aus, dass die von ihnen 

zur Realisierung vorgesehene Gebäudelänge - unter Nichtanrechnung des von 

ihnen als "Nebenbaute Keller" bezeichneten Gebäudeteils an der 

Nordwestfassade sowie des Balkons an der Südostfassade - 19 m beträgt. E 

contrario ist aber damit auch bereits gesagt, dass wenn einer oder beide der 

genannten „Bauteile“ bei der Bemessung der Gebäudelänge angerechnet 

werden muss, dies zu einer Überschreitung der in der Dorferweiterungszone 2 

geltenden Vorgaben (20 m) führt, mit der Folge, dass diesfalls die 

Baubewilligung bereits daher zu Recht verweigert worden ist.

c) Vorliegend ist mit den Beschwerdeführern davon auszugehen, dass der Balkon 

aufgrund der geltenden kommunalgesetzlichen Vorgaben nicht zur  

Gebäudelänge hinzugerechnet werden muss, weil er als vorspringender 

Gebäudeteil i.S. von Art. 55 Abs. 4 BG zu qualifizieren und entsprechend nicht 

in die Längenberechnung einzubeziehen ist. Anders verhält es sich 

demgegenüber bei dem von den Beschwerdeführern als „Nebenbaute Keller“ 

bezeichneten Gebäudeteil. Zu prüfen ist, ob dieser Gebäudeteil als nicht 

anrechenbare An- und Nebenbaute zu qualifizieren ist. Derartige Gebäudeteile 

werden, wenn sie keine Wohn- und Arbeitsräume enthalten und eine gewisse 

Kubatur oder Fläche nicht überschreiten, in den kommunalen Baugesetzen 

regelmässig mit Bezug auf die Gebäude- und die Grenzabstände privilegiert. So 

müssen sie vielfach nicht in die Berechnung der Gebäudelänge einbezogen 

werden, weil sie für die Nachbarn weniger immissionsträchtig sind als Wohn- 

oder Gewerberäume. Damit eine An- oder Nebenbaute als solche anerkannt 

werden kann, muss sie die Voraussetzungen dafür dauerhaft erfüllen. 

Massgebend ist für solche Bauten, dass es sich bei ihnen um Gebäudeteile 

untergeordneter Natur handelt, die für die jeweiligen Hauptbauten eine 

Hilfsfunktion ausüben. Sie treten gegen aussen nur geringfügig in Erscheinung, 

zumal sie in der Regel eingeschossig sein müssen. Dadurch besitzen sie für die 

Nachbarn nur ein geringfügiges Störpotential, was wiederum die Privilegierung 

bei den Abstandsvorschriften rechtfertigt (VGU R 06 35; R 04 90; vom Kriterium 

der Eingeschossigkeit kann - falls das betreffende Baugesetz keine 

entsprechende Einschränkung enthält - abgesehen werden, vgl. VGU R 07 33). 

d) Im Lichte dieser Vorgaben betrachtet, handelt es sich bei dem von den 

Beschwerdeführern als „Keller“ bezeichneten Gebäudeteil nicht um eine An- 

respektive Nebenbaute, sondern offenkundig um einen Gebäudeteil des 

Hauptgebäudes. Dieser erstreckt sich nämlich von unterhalb des gewachsenen 

Terrains bis unter das nordwestlich gelegene Hauptdach, tritt entsprechend 

praktisch vollständig überirdisch in Erscheinung und bildet insgesamt sowohl 

konstruktiv als optisch Bestandteil des Hauptgebäudes. Entsprechend muss er, 

wie bereits die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Baubescheid zutreffend 

erkannt hat, in die Längenmessung mit einzubeziehen. Die massgebliche 

Gebäudelänge beträgt entsprechend - ohne Balkon - bereits 22 m. Die in der 

Dorferweiterungszone 2 maximal zulässige Gebäudelänge von 20 m wird 

entsprechend um 2 m überschritten. Der von den Beschwerdeführern 

vorgebrachte Hinweis auf eine im früheren, nicht mehr in Kraft stehenden 

Baugesetz enthaltene Skizze und ihre Behauptung, die gemeindliche Praxis 

habe seit damals keine Änderungen erfahren, vermag am geschilderten 

Ergebnis nichts zu ändern, weil die betreffende Skizze, was nicht in die 

Längenbemessung einzubeziehende Gebäudeteile anbetrifft, offenkundig von 

einer An- respektive Nebenbaute im oben erwähnten Sinne ausgeht und nicht 

von einem Hauptgebäudeteil. – Überschreitet aber das Bauvorhaben die in der 

Dorferweiterungszone 2 maximal zulässige Gebäudelänge, erweist sich der 

angefochtene Baubescheid bereits aus diesem Grunde als rechtens. Die 

Beschwerde ist bereits daher abzuweisen.

3. Aus prozessökonomischen Überlegungen rechtfertigen sich noch einige wenige 

Bemerkungen zur Problematik der Gebäudehöhen, welche nach Auffassung 

der Gemeinde nicht eingehalten sein sollen. Sie erachtet das Projekt zufolge 

Verletzung der in der Dorferweiterungszone geltenden Gebäudehöhen als nicht 

bewilligungsfähig. Dabei vertritt sie unter Anrufung des einer Gemeinde 

rechtsprechungsgemäss zustehenden weiten Ermessens- und 

Beurteilungsspielraumes die Auffassung, Art. 53 Abs. 3 BG beschlage sowohl 

vertikal als auch horizontal gegliederte Bauten. Diese Auslegung von Art. 53 

Abs. 3 BG geht fehl. Gemäss dieser Bestimmung werden die Gebäudehöhen 

bei strukturierten Bauten mit einer Verschiebung der Gebäudeteile von 3 m und 

mehr, für jeden Gebäudeteil separat berechnet. Der letzte Satz dieser 

Bestimmung kann nun, entgegen der gemeindlichen Darstellung, nur 

dahingehend verstanden werden, dass die dreimetrige Verschiebung eines 

Gebäudeteils (i.S. eines Vor- oder Rücksprungs) vom Boden bis zum Dach 

reichen muss. Solches ist nun aber bei einer horizontal gegliederten Baute - wie 

der dem vorliegend streitigen Projekt zugrunde liegenden - per se 

ausgeschlossen. Das bedeutet, dass die Bestimmung horizontal gegliederte 

Bauten gar nicht erfasst, mithin dem Projekt nicht entgegen gehalten werden 

könnte, mit der Folge, dass die Gebäude- und Firsthöhen denn auch nicht 

separat für zwei Baukörper ermittelt hätten werden müssen. Auf den Ausgang 

des vorliegenden Verfahrens hat dies jedoch keinen Einfluss, da sich streitige 

die Bewilligungsverweigerung, wie oben dargelegt, zufolge Verletzung von Art. 

54 Abs. 2 BG als rechtens erwies.

4. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der 

Beschwerdeführer (Art. 73 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, 

VRG).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 3‘500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 219.--

zusammen Fr. 3‘719.--

gehen unter solidarischer Haftung zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit 

Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.