# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2bd6cf20-c9ab-59be-a10d-e3ad3e1aadd5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.11.2010 A-5654/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-5654-2009_2010-11-26.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-5654/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Richter Michael Beusch (Vorsitz), 
Richter Pascal Mollard, Richterin Charlotte Schoder, 
Gerichtsschreiberin Nadine Mayhall.

A._______, ...,
vertreten durch ...,
Beschwerdeführer,

gegen

Oberzolldirektion (OZD),
Sektion Mehrwertsteuer, Monbijoustrasse 40, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Erlass von Zoll und Einfuhrmehrwertsteuer.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-5654/2009

Sachverhalt:

A.
Mit  Verfügung  vom  16. August  2006  erklärte  die  Zollkreisdirektion 
Basel A._______ für den Betrag von Fr. 89'996.-- (davon Fr. 84'544.-- 
Zoll  und Fr. 5'452.--  Mehrwertsteuer)  leistungspflichtig. Des Weiteren 
erklärte die besagte Behörde die X._______ AG für  einen Betrag in 
gleicher  Höhe,  B._______  für  den  Betrag  von  Fr. 71'644.55  und 
C._______  für  den  Betrag  von  Fr. 18'171.45  als  solidarisch 
leistungspflichtig. 

Mangels Anfechtung erwuchs diese Verfügung in formelle Rechtskraft.

B.
Mit  Strafbescheid  wegen  Zoll-  und  Mehrwertsteuerwiderhandlungen 
vom  25. Januar  2008  auferlegte  die  Oberzolldirektion  (OZD) 
A._______ eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 50.--, unter Ge-
währung des bedingten Vollzugs, sowie zusätzlich eine Busse in der 
Höhe von Fr. 41'000.-- und eine Spruchgebühr von Fr. 3'400.--.

Gegen diesen Strafbescheid erhob A._______ Einsprache.

C.
Mit  Strafverfügung  vom  24. September  2008  verurteilte  die  OZD 
A._______  wegen  Zollhehlerei  nach  Art. 78  des  Zollgesetzes  vom 
1. Oktober 1925 (aZG,  BS 6 465 und nachträgliche Änderungen)  zu 
einer  Geldstrafe  von 90  Tagessätzen  à  Fr. 50.--  sowie  zusätzlich  zu 
einer  Busse  von  Fr. 13'500.--  und  reduzierten  Verfahrenskosten 
(Spruch- und Schreibgebühr) von Fr. 820.--.

Die Strafverfügung vom 24. September 2008 wurde nicht angefochten.

D.
Mit  Zahlungsaufforderung  vom  14. Januar  2009  ersuchte  die  Zoll-
kreisdirektion  Basel  A._______,  die  mit  Verfügung  vom  16. August 
2006  (oben,  A),  mit  Strafbescheid  vom  25. Januar  2008  (oben,  B) 
sowie  mit  Strafverfügung  vom  24. September  2008  festgesetzten 
Beträge,  soweit  noch  ausstehend,  zu  bezahlen.  Die  noch  aus-
stehenden  Beträge  beliefen  sich  auf  Fr. 75'196.25  (Zollabgaben), 
Fr. 4'799.75  (Einfuhrsteuer),  Fr. 13'500.--  (Busse)  und  Fr. 820.-- 
(Kosten und Gebühren).

Seite 2

A-5654/2009

E.
Mit Schreiben vom 18. Februar 2009 erklärte A._______ sinngemäss, 
er  sei  aus  persönlichen,  gesundheitlichen  und  wirtschaft lichen 
Gründen nicht in der Lage, den eingeforderten Betrag von insgesamt 
Fr. 92'316.-- zu bezahlen. Er erklärte sich jedoch bereit, einen Betrag 
von Fr. 5'000.-- in monatlichen Raten von Fr. 200.-- zu leisten. 

Die Zollkreisdirektion Basel nahm dieses Schreiben als Erlassgesuch 
entgegen und leitete es an die OZD weiter. Die OZD qualifizierte die -
ses Schreiben vom 18. Februar 2009 mit Entscheid vom 6. Juli  2009 
als Gesuch um mehrere Teilerlasse und trat darauf nicht ein. 

Am 20. August 2009 erklärte sich A._______ bereit, die ausstehende 
Busse samt Kosten und Gebühren von insgesamt Fr. 14'320.-- (Busse: 
Fr. 13'500.--  und  Verfahrenskosten  von  Fr. 820.--)  in  monatlichen 
Raten à Fr. 350.-- zu tilgen.

F.
Mit  Eingabe  vom  7. September  2009  erhob  A._______  (Be-
schwerdeführer)  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Er 
beantragte, es sei der Entscheid der OZD vom 6. Juli 2009 in Bezug 
auf  Zoll  und Mehrwertsteuer unter Kosten- und Entschädigungsfolge 
aufzuheben und es seien ihm die Zoll-  und Mehrwertsteuerschulden 
im Betrag von derzeit noch total Fr. 77'996.-- zu erlassen. Eventualiter 
stellte er den Antrag, es sei der Entscheid der OZD vom 6. Juli 2009 in 
Bezug auf Zoll und Mehrwertsteuer aufzuheben und es sei die Sache 
zur weiteren Abklärung (von Revision und Erlass) an die OZD zurück-
zuweisen. 

Mit  Vernehmlassung  vom 16. November  2009  schloss  die  OZD  auf 
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.

Auf die Begründung der Anträge wird – soweit entscheidwesentlich – 
im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Entscheide  der  OZD betreffend  den  Erlass  von  Einfuhrabgaben 
können beim Bundesverwaltungsgericht  angefochten werden (Art.  31 
und Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni  2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht  [Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG, 

Seite 3

A-5654/2009

SR 173.32]  in  Verbindung  mit  Art. 116  Abs. 4  des  Zollgesetzes  vom 
18. März 2005 [ZG, SR 631.0] bzw. Art. 64 Abs. 2 und Art. 92 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  12. Juni  2009  über  die  Mehrwertsteuer 
[Mehrwertsteuergesetz,  MWSTG,  SR 641.20]  sowie  dem  zum  Zeit-
punkt  der Einreichung der Beschwerde gültigen Art. 84 des Bundes-
gesetzes vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer [aMWSTG, 
AS 2000 1300]). Das Verfahren richtet  sich – soweit  das VGG nichts 
anderes bestimmt – nach den Vorschriften  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). 

1.2 Das  Beschwerdeverfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  wird 
grundsätzlich  von  der  Dispositionsmaxime  beherrscht.  Die  Be-
stimmung  des  Streitgegenstandes  obliegt  demnach  den  Parteien 
(ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem 
Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  N. 1.56,  3.198).  Der  Streit-
gegenstand definiert  sich durch den Gegenstand des angefochtenen 
Entscheids  und  durch  die  Parteibegehren,  wobei  der  angefochtene 
Entscheid den möglichen Streitgegenstand begrenzt (BGE 133 II 181 
E. 3.3;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Ver-
waltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, N. 403 f.).

Nach  der  Rechtsprechung  ist  derjenige,  auf  dessen  Begehren  bzw. 
Rechtsmittel nicht eingetreten worden ist, befugt, durch die ordentliche 
Beschwerdeinstanz überprüfen zu lassen,  ob dieser  Nichteintretens-
entscheid zu Recht ergangen ist (BGE 124 II 499 E. 1; [anstelle vieler] 
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1276/2008 vom 1. September 
2009  E. 1.2).  In  einer  Beschwerde  gegen  einen  Nichteintretens-
entscheid  kann  somit  nur  geltend  gemacht  werden,  die  Vorinstanz 
habe  zu  Unrecht  das  Vorliegen  der  Eintretensvoraussetzungen  ver-
neint. Damit ist der mögliche Streitgegenstand auf die Eintretensfrage 
beschränkt  (BGE  132  V  74  E. 1.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungs-
gerichts A-855/2008 vom 20. April 2010 E. 2.1 und A-1642/2006 vom 
15. September 2008 E. 1.3).

Der  Beschwerdeführer  hat  sich  nach  Erlass  des  angefochtenen 
Nichteintretensentscheids der OZD vom 6. Juli 2009 bereit erklärt, die 
ausstehende Busse sowie die ausstehenden Kosten und Gebühren in 
monatlichen  Raten  zu  tilgen  (oben,  E).  Entsprechend  stellte  er  den 
auch  in  seiner  Beschwerde  lediglich  den  Antrag,  der  angefochtene 
Entscheid sei in Bezug auf die nachgeforderten Einfuhrabgaben auf-

Seite 4

A-5654/2009

zuheben und ihm sei der noch ausstehende Betrag in der Höhe von 
Fr. 77'996.-- zu erlassen, eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz 
zur weiteren Abklärung zurückzuweisen.

Da  vorliegend  ein  Nichteintretensentscheid  und  dieser  lediglich  in 
Bezug auf  die  nachgeforderten Einfuhrabgaben angefochten worden 
ist, bleibt der Streitgegenstand auf die Frage beschränkt, ob die Vor-
instanz zu Recht auf  das Erlassgesuch des Beschwerdeführers vom 
18. Februar 2009 mit Bezug auf die genannten Einfuhrabgaben nicht 
eingetreten  ist.  Eine  materielle  Prüfung  des  Erlassgesuchs  ist  hin-
gegen  ausgeschlossen  und  ist  insoweit  auf  entsprechende  Rügen 
nicht einzutreten.

Der  Beschwerdeführer  ist  durch  den  angefochtenen  Entscheid  der 
OZD  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen  Auf-
hebung  (Art. 48  VwVG).  Auf  die  form-  und  fristgerecht  eingereichte 
Beschwerde ist deshalb – mit den eben dargelegten Einschränkungen 
– einzutreten.

1.3 Im  Beschwerdeverfahren  vor  dem Bundesverwaltungsgericht  gilt 
der  Grundsatz  der  Rechtsanwendung  von  Amtes   wegen.  Die  Be-
schwerdeinstanz  ist  demzufolge  verpflichtet,  auf  den –  unter  Mit-
wirkung  der  Verfahrensbeteiligten –  festgestellten  Sachverhalt  die 
richtige Rechtsnorm,  d.h. jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als 
den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der 
es überzeugt ist (BGE 135 V 39 E. 2.2; statt vieler Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts A-3579/2008 vom 17. Juli  2010 E. 1.4). Dies be-
deutet,  dass  eine  Beschwerde  auch  aus  einem  anderen  als  den 
geltend  gemachten  Gründen  gutgeheissen  oder  ein  angefochtener 
Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen werden kann, 
die von jener der Vorinstanz abweicht (sog. Motivsubstitution, vgl. statt 
vieler:  BVGE 2007/41  E. 2  mit  weiteren  Hinweisen;  MOSER/BEUSCH/ 
KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 3.197).

2.
2.1 Das ZG sowie die Zollverordnung vom 1. November 2006 (ZV, RS 
631.01)  sind am 1. Mai  2007 in  Kraft  getreten. In  zeitlicher  Hinsicht 
sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Er-
füllung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhaltes Geltung haben. 
Neues Recht wirkt somit weder zurück noch voraus; weder erfasst das 
neue Recht früher vollendete Sachverhalte, noch hat neues Recht Be-
deutung,  bevor  es  in  Kraft  tritt.  Altes  Recht  bleibt  weiterhin  mass-

Seite 5

A-5654/2009

geblich für Sachverhalte, die sich vor der Aufhebung erfüllt haben. Auf 
altrechtliche Veranlagungen ist deshalb nach wir vor das alte – formell  
aufgehobene – Recht anwendbar, auch wenn die Weitergeltung dieses 
bisherigen  Rechts  nicht  ausdrücklich  vorgesehen  ist  (vgl.  MARKUS 
WEIDMANN,  Das intertemporale  Steuerrecht  in  der  Rechtsprechung,  in 
Archiv  für  Schweizerisches Abgaberecht  [ASA] 76 S. 633 ff.,  S. 638, 
mit  weiteren Hinweisen). Indessen  ist  eine  Rückwirkung  zum Vorteil 
des betroffenen Privaten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 
ausnahmsweise  möglich,  sofern  dies  im  Gesetz  ausdrücklich  vorge-
sehen ist. Ein Anspruch auf eine begünstigende Rückwirkung besteht 
nicht  (BGE 105  Ia  36  E. 3,  vgl.  dazu  ausführlich  WEIDMANN,  a.a.O., 
S. 641 f.). 

Das  neue  Zollgesetz  legt  in  Art. 132  Abs. 1  ZG  fest,  dass  Zollver-
anlagungsverfahren,  die  bei  Inkrafttreten  des  ZG  hängig  sind,  nach 
bisherigem Recht und innerhalb der nach diesem gewährten Frist ab-
geschlossen  werden. Diese  Bestimmung  erfasst  auch  Verfahren  der 
Zollvollstreckung  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
1701/2006 vom 1. Oktober 2007 E. 1.2) und damit den Zollerlass, wel-
cher nach der Rechtsprechung eine Massnahme der Vollstreckung an 
sich rechtskräftiger Zollentscheide darstellt  (Urteil  des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1766/2006 vom 25. September 2008 E. 1.2 und 3.2.1). 
Das vorliegende Verfahren untersteht damit noch der alten Zollrechts-
ordnung.

2.2 Am  1. Januar  2010  ist  das  MWSTG  in  Kraft  getreten.  Die  bis-
herigen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt  er-
lassenen Vorschriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während 
ihrer  Geltungsdauer  eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen 
Rechtsverhältnisse  anwendbar  (Art. 112  Abs. 1  MWSTG).  Das  vor-
liegende  Verfahren  untersteht  deshalb  in  materieller  Hinsicht  dem 
aMWSTG.  Unter  Vorbehalt  der  die  Bezugsverjährung  betreffenden 
Bestimmungen  ist  dagegen  das  neue  Verfahrensrecht  im  Sinn  von 
Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkrafttretens 
hängigen Verfahren anwendbar. Beim Steuererlass handelt es sich je-
doch nicht um Verfahrensrecht (so PASCAL MOLLARD/XAVIER OBERSON/ANNE 
TISSOT BENEDETTO, Traité  TVA,  Basel  2009,  Annexe  3  Commentaire 
article par article de la nouvelle LTVA, N. 673), sondern um ein spe-
zielles  Verfahren  –  das  Vollstreckungsverfahren  –,  welches  dem or-
dentlichen Verfahren (Veranlagungsverfahren) folgt (Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-6898/2009  vom  29. April  2010  E. 1.3).  Das 

Seite 6

A-5654/2009

neue Erlassrecht  findet daher auf das vorliegende, im Zeitpunkt des 
Inkrafttretens  des  MWSTG  bereits  hängige  Verfahren  keine 
Anwendung.

3.
3.1
3.1.1 Steht  nach  Abschluss  des  Veranlagungsverfahrens  die 
Zollschuld rechtskräftig fest, kann diese aus den in Art. 127 aZG ge-
nannten Gründen ganz oder teilweise erlassen werden. Der Zollerlass 
gehört  dabei  nicht  zur  Veranlagung,  sondern  bildet  Teil  des  Bezugs 
bzw. der Vollstreckung rechtskräftiger Zollschulden (zum Zollnachlass 
gemäss  Art. 127  aZG  vgl.  ausführlich  Urteile  des  Bundesverwal-
tungsgerichts  A-1554/2007  vom 25. Januar  2010  E. 2,  A-1766/2006 
und A-55/2007 vom 25. September 2008 E. 3.2).

3.1.2 Die Erhebung der Mehrwertsteuer auf  der Einfuhr von Gegen-
ständen  bestimmt  sich  vorab nach  den  entsprechenden Vorschriften 
der  Mehrwertsteuergesetzgebung  (Art. 72  -  84  aMWSTG).  Die  Zoll-
gesetzgebung  gilt  überall  dort,  wo das  Mehrwertsteuergesetz  nichts 
anderes anordnet (so ausdrücklich Art. 72 aMWSTG). Der Erlass der 
Mehrwertsteuer  auf  der  Einfuhr  von  Gegenständen  ist  in  Art.  84 
aMWSTG geregelt  (vgl. dazu anstatt  vieler  Urteil  des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1554/2007 vom 25. Januar 2010 E. 2.4).

3.2 Das Erlassgesuch ist  innerhalb  eines Jahres seit  Ausstellen der 
Veranlagungsverfügung bzw. seit  der  Steuerfestsetzung einzureichen 
(Art. 127 Abs. 2 aZG; Art. 84 Abs. 2 aMWSTG). Die in Art. 127 Abs. 2 
aZG bzw. Art. 84 Abs. 2 aMWSTG statuierte Jahresfrist  wird mit  der 
formell rechtskräftigen Abgabenfestsetzung ausgelöst und beginnt am 
folgenden  Tag zu  laufen  (BVGE 2009/11  E. 2.2).  Die  Einhaltung  der 
Frist  ist  von  der  gesuchstellenden  Person  nachzuweisen  (so  zur 
inhaltlich  unveränderten  Regelung  von  Art. 86  Abs. 2  ZG  MICHAEL 
BEUSCH, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Zollgesetz, Bern 2009, N. 39 
zu Art. 86).

Als Verwirkungsfrist kann die Jahresfrist von Art. 127 Abs. 2 aZG bzw. 
von Art. 84 Abs. 2 aMWSTG weder gehemmt noch unterbrochen, bei 
unverschuldetem  Versäumnis  allerdings  wiederhergestellt  werden 
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  A-1699/2006 vom 13. Septem-
ber 2007 E. 1.3.2; BEUSCH, a.a.O., N. 38 zu Art. 86).  Aus Gründen der 
Rechtssicherheit  und  eines  geordneten  Verfahrens  darf  ein  Hinde-
rungsgrund nicht leichthin angenommen werden. Die Rechtsprechung 

Seite 7

A-5654/2009

zur Wiederherstellung der Frist ist allgemein sehr restriktiv (Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-5612/2007 vom 1. März  2010  E. 2.2.3; 
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 2.136 ff.). 

Zuständig  für  den  Entscheid  über  den  Einfuhrabgabenerlass  ist  die 
OZD (Art. 127 Abs. 2 aZG; Art. 84 Abs. 2 aMWSTG). 

4.
4.1 Die noch ausstehenden Beträge, welche die Zollkreisdirektion Ba-
sel  mit  Zahlungsaufforderung vom 14. Januar  2009 geltend gemacht 
hat  (vgl. dazu oben, D),  wurden mit  unangefochten gebliebener Ver-
fügung  vom  16. August  2006  (oben,  A)  bzw. mit  ebenfalls  unange-
fochten  gebliebener  Strafverfügung  vom 24. September  2008  (oben, 
C)  festgesetzt.  Der  Beschwerdeführer  hat  mit  seinen  Anträgen  den 
Streitgegenstand  auf  die  Einfuhrabgaben  beschränkt  (oben,  E. 1.2), 
weshalb lediglich auf  die  formell  rechtskräftige Veranlagung der  Ein-
fuhrabgaben abzustellen ist (oben, A).

Die Verfügung vom 16. August 2006 wurde mangels Anfechtung noch 
im Jahre 2006 formell rechtskräftig. Es wurde weder dargelegt noch ist 
ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  seinem  Gesuch  vom 
18. Februar 2009 die Jahresfrist gemäss Art. 127 Abs. 2 aZG bzw. von 
Art. 84 Abs. 2 aMWSTG eingehalten hätte. Ebenso wurden keine zu-
reichenden  Gründe  für  eine  Wiederherstellung  dieser  Frist  geltend 
gemacht. Die  OZD ist  somit  mangels  Einhaltung der  Jahresfrist  von 
Art. 127 Abs. 2 aZG bzw. von Art. 84 Abs. 2 aMWSTG zu Recht nicht 
auf das Gesuch vom 18. Februar 2009 eingetreten.

4.2 Im Rahmen der  Rechtsanwendung von Amtes wegen (vgl. dazu 
oben, E. 1.3) stellt sich grundsätzlich die Frage, ob die OZD das Ge-
such allenfalls als Gesuch um Revision oder als Gesuch um Wieder-
erwägung der Verfügung vom 16. August 2006 (oben, A) hätte prüfen 
müssen  (vgl. dazu  ausführlich  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1791/2009 vom 28. September 2009 E. 3). Da jedoch die Verfügung 
vom 16. August  2006 von der  Zollkreisdirektion Basel  und nicht  von 
der OZD erlassen worden ist, gilt diesbezüglich, dass die OZD weder 
für  eine Behandlung  eines Gesuchs um Revision noch für  eine Be-
handlung  eines  Gesuchs  um  Wiedererwägung  zuständig  gewesen 
wäre  (vgl.  zur  Zuständigkeit  anstatt  vieler  Urteil  des  Bundesverwal-
tungsgerichts  A-2391/2008 vom 22. März 2010 E. 2). Auch unter die-
sem Gesichtspunkt  kann  der  angefochtene  Nichteintretensentscheid 
somit nicht beanstandet werden.

Seite 8

A-5654/2009

4.3 Anzumerken  ist  dazu,  dass  der  Beschwerdeführer  das  Gesuch 
vom 18. Februar 2009 an die Zollkreisdirektion Basel und nicht an die 
OZD gerichtet hat. Die Zollkreisdirektion Basel nahm dieses Schreiben 
weder als Wiedererwägungs- noch als Revisionsgesuch, sondern als 
Erlassgesuch entgegen und leitete es an die  OZD weiter  (oben, E). 
Die  Frage,  ob diese Weiterleitung in  – allenfalls  analoger  (vgl. dazu 
NADINE MAYHALL, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar 
zum  VwVG,  Zürich/Basel/Genf  2009  [nachfolgend  Praxiskommentar 
VwVG], N. 38 ff. zu  Art. 3) – Anwendung von Art. 8 f. VwVG zulässig 
war oder die Zollkreisdirektion Basel allenfalls einen formellen Nicht -
eintretensentscheid gemäss Art. 9  Abs. 2 VwVG hätte fällen müssen 
(vgl.  dazu  THOMAS FLÜCKIGER,  in:  Praxiskommentar  VwVG,  N. 11  zu 
Art. 8,  N. 10  ff.  zu  Art. 9),  liegt  jedoch  ausserhalb  des  Streitgegen-
standes  dieses  Verfahrens  (vgl.  dazu  oben,  E. 1.2)  und  muss  somit 
nicht weiter vertieft werden.

4.4 Es ergibt sich, dass die OZD mit Entscheid vom 6. Juli 2009 auch 
unter den eben dargelegten Aspekten zu Recht nicht auf das Gesuch 
des Beschwerdeführers vom 18. Februar 2009 eingetreten ist. 

4.5 Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht bleibt nach dem 
Dargelegten unter keinem Titel Raum, um der vom Beschwerdeführer 
geltend  gemachten  schwierigen  Situation  Rechnung  zu  tragen.  Die 
Beschwerde  ist  abzuweisen  und  der  angefochtene  Entscheid  zu 
bestätigen.

5.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  dessen  Kosten  an  sich 
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Gemäss 
diesem  Artikel  können  die  Verfahrenskosten  aber  ausnahmsweise 
erlassen werden. Nach Art. 6 Bst. b VGKE des Reglements vom 21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  kann  ein  solcher 
Erlass unter anderem dann Platz greifen, wenn Gründe in der Sache 
oder  in  der  Person der  Partei  es  als  unverhältnismässig  erscheinen 
lassen, ihr Verfahrenskosten aufzuerlegen. Von einer solchen Konstel-
lationen  ist  vorliegend  angesichts  der  finanziellen  Lage  des  Be-
schwerdeführers auszugehen. Eine Auferlegung der Kosten erschiene 
unverhältnismässig; der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist 
nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils  zurückzuer-

Seite 9

A-5654/2009

statten.  Eine  Parteientschädigung  ist  nicht  zuzusprechen  (Art. 64 
Abs. 1 VwVG e contrario).

6.
Entscheide  über  den  Erlass  von  Abgaben  können  nicht  mit  Be-
schwerde  in  öffentlich-rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundes-
gericht  weitergezogen  werden  (Art. 83  Bst. m  des  Bundesgesetzes 
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110]; Urteil 
des Bundesgerichts 2C_49/2007 vom 9. März 2007 E. 2.1).

Seite 10

A-5654/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der Kostenvorschuss von 
Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer nach Rechtskraft  des vorlie-
genden Urteils zurückerstattet.

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Einschreiben)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Michael Beusch Nadine Mayhall

Versand: 

Seite 11