# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac428ee7-c817-5b23-858c-4509d4717b65
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-09-29
**Language:** de
**Title:** Zürich Kassationsgericht 29.09.2004 AA040078
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AA040078_2004-09-29.pdf

## Full Text

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AA040078/U/mb

Mitwirkende: die Kassationsrichter Herbert Heeb, Vizepräsident, Hans Michael

Riemer, Dieter Zobl, Karl Spühler und Rudolf Ottomann sowie der

Sekretär Roland Götte

Zirkulationsbeschluss vom 29. September 2004

in Sachen

A.-Versicherung,
Beklagte und Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt X.

gegen

B.,
Kläger und Beschwerdegegner
vertreten durch Rechtsanwalt Y.

betreffend

Forderung

Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil des Handelsgerichts des Kantons
Zürich vom 8. April 2004 (HG960406/U/bl)

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Das Gericht hat in Erwägung gezogen:

 I.

1. Am 18. Juni 1988 stürzte C. mit einem Motorrad, welches er von D.

ausgeliehen hatte, in einer Kurve bei Fällanden. In der Folge schlitterte das Mo-

torrad über die Fahrbahn und kollidierte mit dem Personenwagen von B. (künftig:

Beschwerdegegner), welcher daraufhin von der Strasse geriet. Auch wenn der

Beschwerdegegner zunächst nicht über Kniebeschwerden klagte (wohl aber über

verschiedene andere Beschwerden), fand im September 1988 eine erste Unter-

suchung seines linken Knies statt; dieser Untersuchung sollten diverse Begut-

achtungen und Behandlungen folgen.

Am 27. Juni 1992 erlitt der Beschwerdegegner sodann einen Unfall mit

einem von ihm gelenkten Motorrad, bei welchem er gemäss Polizeirapport

Schürfungen und Prellungen am linken Knie, eine zweifache Fraktur des linken

Fusses sowie Schürfungen am linken Arm davontrug (HG act. 116 S. 2-4 = KG

act. 2 S. 2-4; künftig: KG act. 2).

2. Unter Einreichung der friedensrichterlichen Weisung gelangte der

Beschwerdegegner mit Klageschrift vom 1. Oktober 1996 ans Handelsgericht und

verlangte von der A.-Versicherung (Haftpflichtversicherung von D.; künftig: Be-

schwerdeführerin) Schadenersatz für die beim Unfall vom 18. Juni 1988 erlittene

Verletzung am linken Knie. Im Rahmen eines Eventualantrages bezifferte er den

Schaden auf Fr. 543'764.40 (HG act. 1 S. 2).

Anlässlich der am 18. März 1997 durchgeführten Referentenaudi-

enz/Vergleichsverhandlung konnte keine Einigung erzielt werden (HG Prot.

S. 17). In der Folge wurde ein Beweisverfahren durchgeführt, wobei unter ande-

rem ein medizinisches Gutachten eingeholt und Zeugen einvernommen wurden

(vgl. HG act. 66/76 bzw. HG Prot. S. 61 ff.). Sodann bezifferte der Beschwerde-

gegner mit Eingabe vom 10. Oktober 2001 aufforderungsgemäss seine Klage und

verlangte dabei Fr. 712'300.35 (HG act. 92). Nach einer Praxisänderung des

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Bundesgerichtes zum Rentenschaden wurde er vom Handelsgericht aufgefordert,

die Forderung neu zu berechnen. Dieser Aufforderung kam er mit Eingabe vom

20. Mai 2003 nach; diesmal bezifferte er seinen Schaden auf Fr. 679'296.40 (HG

act. 106A).

Mit Urteil des Handelsgerichtes vom 8. April 2004 wurde die Be-

schwerdeführerin verpflichtet, dem Beschwerdegegner Fr. 30'365.30 nebst Zins

zu 5% seit dem 13. Juni 2003 zu bezahlen (Dispositivziffer 1.). Sodann wurde die

Gerichtsgebühr auf Fr. 37'300.-- festgesetzt und die Kosten zu einem Viertel dem

Beschwerdegegner und zu drei Vierteln der Beschwerdeführerin auferlegt (Dispo-

sitivziffern 2. und 3.). Schliesslich wurde die Beschwerdeführerin verpflichtet, dem

Beschwerdegegner eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 23'700.-- zzgl.

MwSt zu bezahlen (Dispositivziffer 4.).

3. Gegen dieses Urteil hat die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom

17. Mai 2004 fristgerecht Nichtigkeitsbeschwerde erhoben. In ihrer Beschwerde-

schrift stellt sie den Antrag, es seien die Dispositivziffern 2., 3. und 4. des ange-

fochtenen Entscheides aufzuheben und die Gerichtsgebühr neu festzusetzen so-

wie die Kosten- und Entschädigungsfolgen neu zu verlegen. Dabei seien dem Be-

schwerdegegner die vorinstanzlichen Gerichtskosten vollumfänglich oder zumin-

dest zu 19/20 aufzuerlegen, und es sei dieser zur Bezahlung einer um 1/10 redu-

zierten doppelten Prozessentschädigung zu verpflichten. Eventualiter sei die Sa-

che diesbezüglich zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (KG

act. 1 S. 2 bzw. S. 8/9 Ziff. 3).

Mit Präsidialverfügung vom 4. Juni 2004 wurde der Beschwerde die

aufschiebende Wirkung verliehen (KG act. 6). Die der Beschwerdeführerin gleich-

zeitig auferlegte Kaution von Fr. 9'000.-- wurde fristgerecht geleistet (KG act. 9).

Während die Vorinstanz auf Vernehmlassung verzichtete (KG act. 8),

beantragt der Beschwerdegegner in seiner Beschwerdeantwort vom 9. Juli 2004

die Abweisung der Beschwerde (KG act. 10).

II.

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1.1 Die Beschwerdeführerin wirft dem Handelsgericht zunächst vor, es

habe den Nichtigkeitsgrund von § 281 Ziff. 3 ZPO gesetzt, indem es mit einer un-

genügenden Begründung gegen die Vorschrift von § 157 lit. b Ziff. 9 GVG versto-

ssen habe:

So habe das Handelsgericht die Gerichtsgebühr auf Fr. 37'300.-- und

die einfache Prozessentschädigung auf Fr. 23'700.-- festgesetzt, doch werde

nicht dargelegt, auf welchem Streitwert diese Beträge basieren würden. In den

Erwägungen fände sich zwar die Angabe, dass die Erhöhungsgründe von § 3

Abs. 2 (Erhöhung der einfachen Gebühr um 1/3) und von § 5 Abs. 2 der Verord-

nung über die Gerichtsgebühren berücksichtigt worden seien, doch führe die Um-

setzung dieser Vorschriften nicht zur Bestimmung des Streitwertes. Wie das Han-

delsgericht richtig vermerke, habe der Beschwerdegegner seine Klage zunächst

nicht bzw. lediglich im Eventualantrag beziffert. Im Verlaufe des Verfahrens habe

er dann Fr. 712'300.35 bzw. Fr. 679'296.40 verlangt. Eine Rückrechnung ergäbe

zwar, dass das Handelsgericht von einem Streitwert von Fr. 712'000.-- ausgehe,

doch werde nicht gesagt, weshalb gerade dieser Wert massgebend sein solle.

Ebenso werde nicht erwähnt, weshalb die Erhöhungsgründe gemäss §§ 3 Abs. 2

und 5 Abs. 2 der VO über die Gerichtsgebühren voll und nicht nur zum Teil aus-

geschöpft worden seien (KG act. 1 S. 3/4 Ziff. 2.1).

1.2 a) Gemäss § 157 lit. b Ziff. 9 GVG sind die Entscheide über die Ko-

sten- und Entschädigungsfolgen zu begründen, wenn von der gesetzlichen Regel

abgewichen wird. Diese so statuierte Begründungspflicht betrifft allerdings nur

diejenigen Fälle, in welchen die Kosten und Entschädigungen in Abweichung von

§§ 64 Abs. 2 bzw. 68 Abs. 1 ZPO nicht entsprechend des Verhältnisses von Ob-

siegen und Unterliegen verteilt werden; hinsichtlich der Bemessung der Gerichts-

gebühr bzw. der Prozessentschädigung lässt sich dem Gesetz keine entspre-

chende Begründungspflicht entnehmen (Kass.-Nr. 140/85 i.S. S., Entscheid vom

5.5.1986, Erw. 3; vgl. auch Hauser/Schweri, Kommentar zum zürcherischen Ge-

richtsverfassungsgesetz, Zürich 2002, N 36 zu § 157 GVG). Aus der Vorschrift

von § 157 lit. b Ziff. 9 GVG vermag die Beschwerdeführerin folglich nichts zu ihren

Gunsten abzuleiten.

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Aus dem Gebot der Gewährung des rechtlichen Gehörs von Art. 29

Abs. 2 BV folgt jedoch die grundsätzliche Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu

begründen - insbesondere muss dieser so abgefasst sein, dass er vom Betroffe-

nen sachgerecht angefochten werden kann. Aus verfassungsrechtlicher Sicht

dürfen an die Begründung eines Entscheides jedoch keine zu hohen Anforderun-

gen gestellt werden, denn dem Anspruch nach Art. 29 BV kommt gegenüber dem

kantonalen Verfahrensrecht nur subsidiäre Bedeutung zu. Zurückhaltung ist ins-

besondere dann geboten, wenn das kantonale Recht selbst keine Pflicht zur Be-

gründung vorsieht. Sind bezüglich eines Kosten- und Entschädigungsentscheides

die tatbeständlichen und rechtlichen Berechnungsgrundlagen klar, so muss der

Entscheid nicht begründet werden (BGE vom 9.8.2002, 1P.284/2002, mit Hinwei-

sen, abgedruckt in: AnwRev 10/2002, S. 15/16).

b) Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, es lasse sich dem

angefochtenen Entscheid nicht entnehmen, von welchem Streitwert die Vorin-

stanz ausgegangen sei, so lässt sich dieser - wie die Beschwerdeführerin selbst

einräumt - mittels einer Rückberechnung ermitteln (Die Rückrechnung ergibt,

dass das Handelsgericht von einem Streitwert von Fr. 712'000.-- ausgegangen

ist, und sowohl die diesem Betrag entsprechende Gerichtsgebühr [vgl. § 3 Abs. 1

der Verordnung über die Gerichtsgebühren] als auch die entsprechende Prozes-

sentschädigung [vgl. § 2 Abs. 1 der Verordnung über die Anwaltsgebühren] ver-

doppelt hat). Hinsichtlich des Vorbringens, wonach nicht ersichtlich sei, weshalb

gerade ein Streitwert von Fr. 712'000.-- gewählt worden sei, ist festzuhalten, dass

dieser offensichtlich auf der beschwerdegegnerischen Schadensbezifferung vom

10. Oktober 2001 basiert. Wenn die Beschwerdeführerin der Ansicht gewesen

wäre, die Vorinstanz habe bei der Streitwertbestimmung das falsche Rechtsbe-

gehren berücksichtigt, so wäre eine sachgerechte Anfechtung aufgrund der klar

ersichtlichen Grundlagen ohne Weiteres möglich gewesen, womit von einer Ver-

letzung von Art. 29 Abs. 1 BV nicht die Rede sein kann.

Ähnlich verhält es sich bei der Erhöhung der einfachen Gerichtsgebühr:

Das Handelsgericht führte aus, diese sei in Anwendung der §§ 3 Abs. 2 und 5

Abs. 2 der Verordnung über die Gerichtsgebühren zu erhöhen, weil der Fall "sehr

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aufwendig und komplex" gewesen sei (KG act. 1 S. 59). Damit sind nicht nur die

rechtlichen (die erwähnten Paragraphen), sondern auch die tatsächlichen Grund-

lagen (Aufwand bzw. Komplexität des Verfahrens als Kriterium) ersichtlich. Aus

diesem Grund wäre eine sachgerechte Anfechtung der Bemessung/Erhöhung der

Gerichtsgebühr durchaus möglich gewesen, so dass die Rüge der ungenügenden

Begründung auch in dieser Hinsicht abzuweisen ist.

2.1 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, die Vorinstanz ha-

be im Rahmen der Verlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen gegen die

§§ 64 Abs. 2 bzw. 68 Abs. 1 ZPO verstossen und damit klares materielles Recht

i.S.v. § 281 Ziff. 3 ZPO verletzt:

a) Wenn man zugunsten des Beschwerdegegners von einem Streitwert

von lediglich Fr. 680'000.-- ausgehe und diesen Betrag in Relation zum zugespro-

chenen Betrag von Fr. 30'000.-- setze, so stelle man fest, dass der Beschwerde-

gegner zu 1/20 obsiege und zu 19/20 unterliege. Bei einem derart krassen Ver-

hältnis von Obsiegen und Unterliegen erscheine es angezeigt, dem Beschwerde-

gegner in Anwendung von § 64 Abs. 2 ZPO die gesamten Verfahrenskosten auf-

zuerlegen. Ebenso sei der Beschwerdegegner unter diesen Umständen zur Be-

zahlung einer (nur) leicht reduzierten Prozessentschädigung zu verpflichten. Trotz

des klaren und eindeutigen Unterliegens des Beschwerdegegners seien ihr - der

Beschwerdeführerin - Kosten auferlegt worden; zudem sei sie gar zur Bezahlung

einer Prozessentschädigung verpflichtet worden, womit die klare Bestimmung von

§ 64 Abs. 2 ZPO verletzt worden sei. Es erwecke den Anschein, dass die Vorin-

stanz den "armen" Beschwerdegegner zu Lasten der "reichen" Versicherungsge-

sellschaft habe schadlos halten wollen (KG act. 1 S. 4/5 Ziff. 2.2.1).

b) Soweit die Vorinstanz das Abweichen von der Regel von § 64 Abs. 2

ZPO damit rechtfertigen wolle, dass der Beschwerdegegner dem Grundsatz nach

durchgedrungen sei, weil die geltend gemachte Knieverletzung als erwiesen und

unfallkausal beurteilt worden sei, so sei diese Ansicht nicht zu teilen: Sie - die Be-

schwerdeführerin - habe nicht nur die Unfallkausalität und die Auswirkungen der

Verletzung bestritten, sondern auch auf die Schadensdeckung der Sozialversiche-

rer hingewiesen. Damit habe sie auch für den Fall einer nachgewiesenen körperli-

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chen Beeinträchtigung das Vorhandensein eines Direktschadens bestritten. Da

der Beschwerdegegner - wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten - mit sei-

ner Forderung betreffend Erwerbsausfall, welche den grössten Teil der Klage

ausgemacht habe, gänzlich unterlegen sei, könne folglich nicht gesagt werden, er

sei im Hauptpunkt durchgedrungen (KG act. 1 S. 6 Ziff. 2.2.2 lit. a).

c) Zudem sei die Chronologie des Verfahrens zu beachten: Anlässlich

einer Referentenaudienz sei festgestellt worden, dass die Leistungen der Sozial-

versicherer den Schaden - wenn auch nicht ganz, so doch zumindest weitgehend

- gedeckt hätten. Aus diesem Grunde wäre es dem Beschwerdegegner - so die

Beschwerdeführerin weiter - bereits im Zeitpunkt der Replik möglich gewesen, die

Klage zu korrigieren und sich dem Vorwurf der massiven Überklagung zu entzie-

hen. Stattdessen habe er die im Eventualantrag geltend gemachte Forderung gar

auf Fr. 712'300.-- erhöht, nachdem bereits ein Teil des Beweisverfahrens statt-

gefunden habe. Nach Abschluss des Beweisverfahrens habe der Beschwerde-

gegner die Klage schliesslich auf den Betrag von Fr. 679'296.40 "aktualisiert". Die

Chronologie des Verfahrens zeige, dass der Beschwerdegegner seine Klage-

chancen völlig verkalkuliert habe, zumal ihm von Anfang an bekannt gewesen sei,

dass die Leistungen des Sozialversicherers einen Direktschaden wahrscheinlich

zunichte machen würden. Der Beschwerdegegner habe einzig hinsichtlich des

Haushaltsschadens dem Grundsatze nach obsiegen können, doch habe der dies-

bezüglich geltend gemachte Betrag lediglich einem Zehntel bzw. Fünftel der Ge-

samtforderung entsprochen (KG act. 1 S. 6/7 Ziff. 2.2.2 lit. b).

Weil der Beschwerdegegner völlig überklagt habe - was von Beginn

weg oder spätestens nach der abgehaltenen Referentenaudienz offenkundig ge-

wesen sei -, könne nicht gesagt werden, der Beschwerdegegner habe sich "in

guten Treuen" zur Prozessführung in dieser immensen Höhe veranlasst gesehen

(KG act. 1 S. 6 Ziff. 2.2.2 lit. a).

In diesem Zusammenhang sei sodann darauf hinzuweisen, dass ihr -

der Beschwerdeführerin - verrechnungshalber eine Gegenforderung zuerkannt

worden sei, welche aus einem vom Beschwerdegegner ihr gegenüber begange-

nen Betrug resultiert habe. Auch wenn dieser Betrug nicht direkt mit dem vorlie-

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gend zu beurteilenden Sachverhalt zusammenhänge, so sei gestützt darauf doch

mit Vorsicht zu beurteilen, ob der Beschwerdegegner wirklich Anlass zum Pro-

zess gehabt habe. Vor diesem Hintergrund falle es schwer, sein forsches "Drauf-

gehen" mit einem überrissenen Klagebetrag als Handeln in Treu und Glauben zu

werten. Auch in dieser Hinsicht sei ein Abweichen von der Regel von § 64 Abs. 2

ZPO nicht angezeigt gewesen (KG act. 1 S. 8 lit. d).

d) Die Vorinstanz bringe im Zusammenhang mit der Kostenverlegung

nach § 64 Abs. 3 ZPO sodann zu Unrecht die Bemerkung an, die genaue Beziffe-

rung des Anspruchs sei aufgrund der richterlichen Schadensschätzung schwierig

gewesen. Der Beschwerdegegner - so die Beschwerdeführerin weiter - könne

sich nicht darauf berufen, eine genaue Bezifferung sei ihm nicht zuzumuten ge-

wesen, auch wenn er sich anfänglich auf diesen Standpunkt gestellt habe. In der

Folge habe er selber eine Bezifferung vorgenommen - und zwar in einem Um-

fang, von welchem realistischerweise nicht habe erwartet werden können, dass er

damit durchdringen würde. Im Übrigen habe sie - die Beschwerdeführerin - in ih-

rer Klageantwort darauf hingewiesen, dass man auch im Rahmen von Art. 46

Abs. 2 OR von der Beibringung des ziffernmässigen Nachweises nur dann dis-

pensiert sei, wenn der Schadensumfang von künftigen Ereignissen abhänge, so

dass der (unbestimmte) Hauptantrag unzulässig sei. Das Handelsgericht habe

sich dazu nicht geäussert - wahrscheinlich sei es davon ausgegangen, der Be-

schwerdegegner habe ihre Argumentation akzeptiert, nachdem dieser in der Re-

plik ausgeführt habe, die Substantiierung der Klage sei mit dem Eventualbegeh-

ren erfolgt (KG act. 1 S. 6/7 lit. b und S. 7/8 lit. c).

2.2 a) Die Gerichtskosten sind grundsätzlich entsprechend dem Ver-

hältnis von Obsiegen und Unterliegen zu verteilen, doch kann von dieser Regel

insbesondere dann abgewichen werden, wenn sich die unterliegende Partei in

guten Treuen zur Prozessführung veranlasst gesehen hat oder wenn dem Kläger

die genaue Bezifferung des Anspruchs nicht zuzumuten war und seine Klage

grundsätzlich gutgeheissen wurde (§ 64 Abs. 2 und 3 ZPO). Im Sinne dieser Be-

stimmung ist in Lehre und Rechtsprechung seit langem anerkannt, dass es sich in

Haftpflichtprozessen rechtfertigen kann, sogar bei lediglich teilweiser Klagegut-

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heissung die Kosten vollumfänglich der beklagten Partei aufzuerlegen und diese

zur Zahlung einer vollen Prozessentschädigung an den Kläger zu verpflichten,

wenn die genaue Bezifferung der Klage auf erhebliche Schwierigkeiten stösst - im

Interesse der Durchsetzung des Anspruches auf vollen Schadenersatz und mit

Blick auf das "Veranlasserprinzip" sowie die mit der richterlichen Schätzung des

Schadens nach Art. 42 Abs. 2 OR verbundenen Unsicherheiten dürfe dem Kläger

ein gewisses Mass an "Überklagen" nicht zum Nachteil gereichen (vgl. Kass.-

Nr. 2003/035Z i.S. W., Entscheid vom 23.5.2003, Erw. II.3.b; BGE 112 Ib 322

Erw. 7; Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessord-

nung, 3.A., Zürich 1997, N 29 zu § 64 ZPO; Eugen Bucher, Hundert Jahre

schweizerisches Obligationenrecht, in: ZSR 102 [1983] II, S. 293; Peter Stein,

Wer zahlt die Anwaltskosten im Haftpflichtfall?, in: ZSR 106 [1987] I, S. 635 ff.

und 658; Gauch, recht 1994 S. 194; Schaffhauser/Zellweger, Grundriss des

schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band II, Bern 1988, N 966 m.H.). Die

Frage, wann dieses "gewisse Mass" überschritten ist, beurteilt sich nicht in erster

Linie nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen; vielmehr kommt es

darauf an, aus welchen Gründen der Kläger unterlegen ist bzw. auf welche Um-

stände das "Überklagen" zurückzuführen ist. Ein Abweichen von der allgemeinen

Regel kann unter Umständen auch bei deutlichem Unterliegen gerechtfertigt sein,

zumal dem Gesetz nichts Gegenteiliges zu entnehmen ist. Soweit die Beschwer-

deführerin sinngemäss geltend macht, das krasse Unterliegen des Beschwerde-

gegners lasse die vorinstanzliche Verlegung der Kosten- und Entschädigungsfol-

gen von vornherein als unzulässig erscheinen, ist die Rüge folglich abzuweisen.

b) Aus der Natur des Beschwerdeverfahrens, das keine Fortsetzung

des Verfahrens vor dem Sachrichter darstellt, folgt, dass sich der Nichtigkeitsklä-

ger konkret mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und den be-

haupteten Nichtigkeitsgrund in der Beschwerdeschrift selbst nachweisen muss

(§ 288 Ziff. 3 ZPO). In der Beschwerdebegründung sind insbesondere die ange-

fochtenen Stellen des vorinstanzlichen Entscheides zu bezeichnen und diejenigen

Aktenstellen, aus denen sich ein Nichtigkeitsgrund ergeben soll, im Einzelnen an-

zugeben. Es ist nicht Sache der Kassationsinstanz, in den vorinstanzlichen Akten

nach den Grundlagen des geltend gemachten Nichtigkeitsgrundes zu suchen.

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Wer die vorinstanzliche Beweiswürdigung als willkürlich rügt, muss in der Be-

schwerde genau darlegen, welche tatsächlichen Annahmen des angefochtenen

Entscheides auf Grund welcher Aktenstellen willkürlich sein sollen. Wird Akten-

widrigkeit einer tatsächlichen Annahme behauptet, so sind ebenfalls die Be-

standteile der Akten, die nicht oder nicht in ihrer wahren Gestalt in die Beweis-

würdigung einbezogen worden sein sollen, genau anzugeben. Wer vorbringt, an-

gerufene Beweismittel seien nicht abgenommen worden, hat zu sagen, wo und zu

welchen Behauptungen er sich auf diese berufen hat (ZR 81 Nr. 88 Erw. 6;

Frank/Sträuli/Messmer, a.a.O., N 4 zu § 288; Spühler/Vock, Rechtsmittel in Zivil-

sachen im Kanton Zürich und im Bund, Zürich 1999, S. 72 f.; von Rechenberg,

Die Nichtigkeitsbeschwerde in Zivil– und Strafsachen nach zürcherischem Recht,

2.A., Zürich 1986, S. 16 ff.).

Indem die Beschwerdeführerin vorbringt, der Beschwerdegegner sei

entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht im Hauptpunkt durchgedrungen, da

dessen Forderung nicht nur wegen fehlender Unfallkausalität des Schadens, son-

dern auch mit dem Hinweis auf die Schadensdeckung der Sozialversicherer be-

stritten worden sei, wird den erwähnten Anforderungen an eine Nichtigkeitsbe-

schwerde nicht Genüge getan: Die Beschwerdeführerin müsste - unter Hinweis

auf die entsprechenden Stellen im angefochtenen Entscheid - zumindest darle-

gen, inwiefern der Einwand der Schadensabdeckung durch den Sozialversicherer

im angefochtenen handelsgerichtlichen Urteil eine Rolle gespielt habe, so dass

beurteilt werden könnte, ob die Frage der Unfallkausalität tatsächlich nicht den

Hauptpunkt der Klage dargestellt hat. In dieser Hinsicht ist auf die Beschwerde

folglich nicht einzutreten.

c) In der Beschwerdeschrift wird vorgebracht, dem Beschwerdegegner

habe spätestens nach der Referentenaudienz bewusst sein müssen, dass die

Leistungen des Sozialversicherers einer Leistungspflicht der Beschwerdeführerin

entgegenstehen würden, doch wird in keiner Weise dargelegt, woraus sich dies

ergeben soll. Nach dem unter lit. b vorstehend Gesagten ist es nicht Sache des

Kassationsgerichtes, in den vorinstanzlichen Akten nach Stellen zu suchen, wel-

che die Ansicht der Beschwerdeführerin bestätigen würden, so dass auf diese

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Rüge nicht einzutreten ist. Der in diesem Zusammenhang erwähnte Umstand,

wonach sich der Beschwerdegegner gegenüber der Beschwerdeführerin eines

Betruges schuldig gemacht habe, vermöchte sodann ohnehin nichts darüber aus-

zusagen, ob die Klageeinleitung bzw. -Bezifferung im vorliegenden Fall in guten

Treuen erfolgt ist oder nicht.

d) Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich vorbringt, die Beziffe-

rung des Schadens habe entgegen der Ansicht der Vorinstanz keine Schwierig-

keiten bereitet, welche eine von der allgemeinen Regel abweichende Verlegung

der Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss § 64 Abs. 3 ZPO rechtfertigen

würden, gilt Folgendes: Im Rahmen der Nichtigkeitsbeschwerde genügt es nicht,

eine bestimmte vorinstanzliche Annahme im Sinne einer appellatorischen Kritik

als falsch zu bezeichnen, ohne im Einzelnen aufzuzeigen, inwiefern damit ein

Nichtigkeitsgrund gesetzt worden sei (vgl. Ausführungen unter lit. b vorstehend).

Weil die Beschwerdeführerin nicht darlegt, weshalb es für den Beschwerdegegner

ein Leichtes gewesen wäre, die Klage zu beziffern bzw. aufgrund welcher Um-

stände es ihm möglich gewesen wäre, ein Überklagen zu vermeiden, ist auch auf

diese Rüge nicht einzutreten.

III.

Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet, so-

weit darauf einzutreten ist. Ausgangsgemäss wird die Beschwerdeführerin kosten-

und entschädigungspflichtig (§§ 64 Abs. 2 bzw. 68 Abs. 1 ZPO).

Bei der Festsetzung der Gerichtsgebühr sowie der Prozessentschädi-

gung ist von einem Streitwert von rund Fr. 107'000.-- auszugehen (3/4 der vorin-

stanzlichen Gerichtskosten von insgesamt Fr. 47'757.50 [= Fr. 35'818.--] plus die

dem Beschwerdegegner zugesprochene Prozessentschädigung von Fr. 23'700.--

zzgl. MwSt [= Fr. 25'317.55] plus Weisungskosten [= Fr. 537.--] plus die von der

Beschwerdeführerin für das vorinstanzliche Verfahren geforderte, um einen

Zehntel reduzierte doppelte Prozessentschädigung zzgl. MwSt [= Fr. 45'571.60].

Im Rahmen des vorliegenden Nichtigkeitsverfahren sind sodann die Reduktions-

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gründe von § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Anwaltsgebühren bzw. § 9 Abs. 2

der Verordnung über die Gerichtsgebühren zu beachten.

Das Gericht beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

Damit entfällt die der Beschwerde erteilte aufschiebende Wirkung.

2. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf:

Fr. 4'000.-- ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 273.--   Schreibgebühren,

Fr. 114.--   Zustellgebühren und Porti.

3. Die Kosten des Kassationsverfahrens werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt.

4. Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, dem Beschwerdegegner für das

Kassationsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'500.-- (zzgl. 7.6%

MwSt.) zu entrichten.

5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und das Handelsgericht, je gegen

Empfangsschein.

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KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH
Der juristische Sekretär: