# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ebe27712-2152-5246-9737-2d6def067aae
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2003-10-03
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Steuerrekurskommission 03.10.2003 JAAC 68.59
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_015_JAAC-68-59--_2003-10-03.pdf

## Full Text

JAAC 68.59

Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission
vom 3. Oktober 2003 in Sachen X AG [SRK 2002-100]).

Impôt anticipé. Exigibilité de la prestation imposable respectivement
de la créance de l’impôt. Déclaration de la prestation imposable.
Annulation rétroactive de la créance de l’impôt anticipé.

Art. 4 al. 1 let. b, art. 12, art. 16 al. 2 LIA. Art. 20 al. 1, art. 26a OIA.
Art. 55, art. 62 PA.

- Font partie des prestations pécuniaires au sens des art. 4 al. 1 let. b
LIA et art. 20 al. 1 OIA, en particulier les dividendes distribués par
les sociétés anonymes sur la base d’une décision de répartition des
bénéfices (consid. 2a).

- Pour les revenus de capitaux mobiliers, la créance de l’impôt anticipé
prend naissance ex lege au moment où échoit la prestation imposable;
la décision de l’Administration fédérale des contributions dans laquelle
est notifiée la créance de l’impot anticipé n’a ainsi pas d’effet constitutif,
elle est de nature déclarative (consid. 2b).

- En ce qui concerne les dividendes qui sont versés au sein d’un groupe,
le paiement de l’impôt peut, selon certaines circonstances, être remplacé
par une simple déclaration. Cependant, cette disposition n’est entrée en
vigueur que le 1er janvier 2001 (consid. 2d et 3).

- Une fois que la créance de l’impôt anticipé a été fondée, elle garde
la même date d’échéance, même en cas de conventions ulterieures
des parties - privées - allant dans un autre sens. Ainsi, en l’espèce, la
décision de l’assenblée générale extraordinaire du 30 décembre 2000
ne peut pas avoir pour conséquence que l’échéance des dividendes, en
ce qui concerne le droit de l’impôt anticipé, soit reportée au 1er janvier
2001 (consid. 3b).

1

Verrechnungssteuer. Fälligkeit der steuerbaren Leistung bzw. der
Steuerforderung. Meldung der steuerbaren Leistung. Rückwirkende
Aufhebung der Verrechnungssteuerforderung.

Art. 4 Abs. 1 Bst. b, Art. 12, Art. 16 Abs. 2 VStG. Art. 20 Abs. 1, Art. 26a
VStV. Art. 55, Art. 62 VwVG.

- Zu den geldwerten Leistungen im Sinne der Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG
und Art. 20 Abs. 1 VStV gehören bei Aktiengesellschaften insbesondere
die auf Grund eines Gewinnverteilungsbeschlusses ausgerichteten
Dividenden (E. 2a).

- Bei Kapitalerträgen entsteht die Verrechnungssteuerforderung
ex lege im Zeitpunkt der Fälligkeit der steuerbaren Leistung; der
Entscheid der Eidgenössischen Steuerverwaltung, in welchem die
Verrechnungssteuerforderung eröffnet wird, hat dementsprechend
keine konstitutive Wirkung, sondern ist bloss deklaratorischer Natur
(E. 2b).

- Bezüglich Dividenden im Konzernverhältnis kann unter bestimmten
Umständen anstelle der Steuerentrichtung eine blosse Meldung
vorgenommen werden. Diese Bestimmung ist jedoch erst per 1. Januar
2001 in Kraft getreten (E. 2d und 3).

- Ist die Verrechnungssteuerforderung einmal begründet worden, so
bleibt sie mit gleichem Fälligkeitsdatum bestehen, ungeachtet späterer
abweichender Vereinbarungen der - privaten - Beteiligten. Der Beschluss
der ausserordentlichen Generalversammlung vom 30. Dezember 2000
kann vorliegend demnach nicht zur Folge haben, dass die Fälligkeit der
Dividenden, soweit das Verrechnungssteuerrecht betroffen ist, auf den
1. Januar 2001 verschoben wird (E. 3b).

Imposta preventiva. Esigibilità della prestazione imponibile
rispettivamente del credito dell’imposta. Dichiarazione della
prestazione imponibile. Annullamento retroattivo del credito
dell’imposta preventiva.

Art. 4 cpv. 1 lett. b, art. 12, art. 16 cpv. 2 LIP. Art. 20 cpv. 1, art. 26a OIP.
Art. 55, art. 62 PA.

- Fanno parte delle prestazioni pecuniarie ai sensi degli art. 4 cpv. 1
lett. b LIP e 20 cpv. 1 OIP, in particolare i dividendi distribuiti dalle
società anonime sulla base di una decisione di ripartizione dei benefici
(consid. 2a).

- Per i redditi di capitali mobiliari, il credito dell’imposta prevenita
sorge ex lege al momento in cui scade la prestazione imponibile; la
decisione dell’Amministrazione federale delle contribuzioni, nella quale
è notificato il credito dell’imposta preventiva, non ha quindi effetto
costitutivo ed è di natura dichiaratoria (consid. 2b).

- Per quanto concerne i dividendi versati in seno ad un gruppo, il
pagamento dell’imposta può, in determinate circostanze, essere
sostituito da una semplice dichiarazione. Tuttavia, questa disposizione
è entrata in vigore solo il 1° gennaio 2001 (consid. 2d e 3).

2

- Una volta che il credito dell’imposta preventiva è fondato, esso
mantiene la stessa data di scadenza, anche in caso di accordi ulteriori
fra le parti - private - che stabiliscono altro. Nella fattispecie, la
decisione dell’assemblea generale straordinaria del 30 dicembre 2000
non può prevedere che la scadenza dei dividendi, per quanto riguarda
il diritto dell’imposta preventiva, sia spostata al 1° gennaio 2001
(consid. 3b).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Die X AG wurde gestützt auf die Statuten vom 19. Dezember 1996 mit
Handelsregistereintrag vom 23. Dezember 1996 mit Sitz in S. gegründet. Sie
bezweckt den Erwerb, die Verwaltung sowie den Verkauf von Beteiligungen.
Die Gesellschaft kann Liegenschaften erwerben, überbauen, verwalten und
veräussern. Das Grundkapital betrug bei der Gründung Fr. 100’000.-, eingeteilt
in 100 voll liberierte Namenaktien zu je Fr. 1’000.-. Mit Statutenänderung vom
12. Februar 1997 wurde das Aktienkapital erhöht auf Fr. 150’000.-, eingeteilt in
150 voll liberierte Namenaktien.

B.Mit Schreiben vom 26. April 2000 reichte die Vertreterin der X AG
das Formular 103 (Verrechnungssteuer auf dem Ertrag inländischer
Aktien) über die Gewinnverwendung des Geschäftsjahres 1999 bei der
Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) ein. Dabei führte die Gesellschaft
aus, die Verrechnungssteuer von Fr. 490’000.- werde der Verwaltung bei
Fälligkeit von der Gesellschaft direkt überwiesen. Im Formular 103 wurde
als Dividendenfälligkeit der 31. Dezember 2000 bezeichnet. Grundlage
dafür war der Beschluss der ordentlichen Generalversammlung der X
AG vom 24. Februar 2000 über das Geschäftsjahr 1999, an welcher die
Dividendenfälligkeit entsprechend festgesetzt wurde.

Am 26. November 2001 stellte die ESTV ein Betreibungsbegehren gegen die X
AG über den Betrag von Fr. 490’000.- nebst Zins zu 5% seit 1. Februar 2001. Am
28. November 2001 wurde der Zahlungsbefehl des Betreibungsamtes B. der
Gesellschaft zugestellt, worauf diese am 6. Dezember 2001 Rechtsvorschlag
erhob.

C. In der Folge erliess die ESTV am 17. Januar 2002 einen Entscheid
nach Art. 41 des Bundesgesetzes über die Verrechnungssteuer vom
13. Oktober 1965 (VStG, SR 642.21). Die Verwaltung hielt fest, dass die X
AG ihr auf der Dividende für das Geschäftsjahr 1999 von Fr. 1’400’000.-
die Verrechnungssteuer von 35% schulde, ausmachend Fr. 490’000.- sowie
die Betreibungskosten von Fr. 200.-. Ferner schulde die X AG einen Zins
von 5% auf dem Verrechnungssteuerbetrag von Fr. 490’000.-, berechnet
für die Zeit vom 1. Februar 2001 bis zum Tage der Steuerentrichtung. Die
Gesellschaft habe die Verrechnungssteuer von Fr. 490’000.-, den Zins und
die Betreibungskosten unverzüglich zu entrichten; die Verrechnungssteuer
sei auf die Begünstigten zu überwälzen. Schliesslich werde der erhobene
Rechtsvorschlag beseitigt. Zur Begründung wurde imWesentlichen auf die
Deklaration nach Formular 103 der Schuldnerin vom 25. April 2000 sowie das
Begleitschreiben vom 26. April 2000 verwiesen.

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Am 28. Februar 2002 ersuchte die ESTV das Betreibungsamt B. um Vornahme
der Pfändung.

D.Mit Eingabe vom 18. Februar 2002 liess die X AG gegen den Entscheid der
ESTV vom 17. Januar 2002 Einsprache erheben. ImWesentlichen beantragte
sie dabei, auf den Bezug und die Erstattung der Verrechnungssteuer sei infolge
Meldung (Art. 26a der Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über die
Verrechnungssteuer vom 19. Dezember 1966, Verrechnungssteuerverordnung
[VStV], SR 642.211) zu verzichten. Zur Begründung führte sie aus, sie habe
am 10. Januar 2001 das entsprechende Gesuch gestellt. Im gleichzeitig in
Kopie aufgelegten Formular 106 bestätigte die X AG, die Bardividende von
Fr. 1’400’000.- sei mit Ertragsfälligkeit per 1. Januar 2001 von der Empfängerin,
der Y GmbH, geltend gemacht worden.

Am 20. März 2002 zog die ESTV das Pfändungsbegehren zurück. Mit Schreiben
vom 2. April 2002 an die X AG stellte die ESTV sodann fest, die Einsprache
sei fristgerecht erfolgt und ersuchte um Nachreichung einer Kopie des
Generalversammlungsprotokolls betreffend die Gewinnverteilung für das
Geschäftsjahr 1999, einer Kopie des Beschlusses der Aktionäre der X AG, die
Dividende per 1. Januar 2001 fällig zu stellen, des Gesuchs um Durchführung
des Meldeverfahrens, sowie einer Vollmacht. Mit Schreiben vom 14. Mai
2002 sowie am 11. Juni 2002 telefonisch wurden die fehlenden Unterlagen
durch die ESTV angemahnt, mit dem Hinweis, dass andernfalls aufgrund der
vorliegenden Akten entschieden werden müsse. Am 11. Juni 2002 wurde die
fehlende Vollmacht per Fax übermittelt.

Mit Einspracheentscheid vom 24. Juli 2002 wies die ESTV die Einsprache
vollumfänglich ab. Zur Begründung wurde imWesentlichen ausgeführt,
die Dividende für das Geschäftsjahr 1999 sei gemäss Beschluss der
dafür zuständigen Generalversammlung vom 24. Februar 2000 am
31. Dezember 2000 fällig geworden. In diesem Zeitpunkt sei die
Verrechnungssteuerforderung entstanden. Die einmal entstandene
Verrechnungssteuerforderung bleibe bestehen, auch wenn die
Voraussetzungen, welche sie entstehen liessen, nachträglich weggefallen seien.
Das Meldeverfahren könne vorliegend nicht zur Anwendung kommen, da
die dafür massgebliche Regelung des Art. 26a VStV erst per 1. Januar 2001
in Kraft getreten sei und ausschliesslich auf die nach dem 31. Dezember
2000 fällig werdenden steuerbaren Leistungen Anwendung finde. Weiter
sei zu bemerken, dass die X AG das nachträglich geltend gemachte Datum der
steuerbaren Leistung - trotz mehrmaliger Aufforderung durch die ESTV - nicht
rechtsgenüglich nachgewiesen habe.

E.Mit Eingabe vom 26. August 2002 erhebt die X AG (Beschwerdeführerin)
gegen den Einspracheentscheid der ESTV vom 24. Juli 2002 Beschwerde
an die Eidgenössische Steuerrekurskommission (SRK). Sie beantragt, der
angefochtene Einspracheentscheid sei kostenpflichtig aufzuheben und an die
ESTV zur Neuveranlagung zurückzuweisen. Auf den Bezug und die Erstattung
der Verrechnungssteuer sei infolge Meldung (Art. 26a VStV) zu verzichten. Es
sei der Verrechnungssteuerpflichtigen der in Rechnung gestellte Betrag bis
zum Ergehen eines endgültigen Entscheides zu stunden.

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In ihrer Vernehmlassung vom 25. Oktober 2002 beantragt die ESTV die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.

Aus den Erwägungen:

1.a. (Formelles)

b. Im streitigen Verwaltungsverfahren herrscht grundsätzlich der
Verfügungsgrundsatz. Die Parteien verfügen über den Streitgegenstand und
die Beschwerdeinstanz befindet in der Regel nur über die Rechtsbegehren, die
der Beschwerdeführer vorbringt (vgl. René Rhinow/Heinrich Koller/Christina
Kiss, Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel
1996, S. 172. f. Rz. 897; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl.,
Bern 1983, S. 214 f.). Allerdings besteht im Beschwerdeverfahren vor der SRK -
ebenso wie im bundesgerichtlichen Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren
in abgaberechtlichen und gewissen sozialversicherungsrechtlichen
Streitigkeiten aufgrund von Art. 114 Abs. 1 und Art. 132 des Bundesgesetzes
über die Organisation der Bundesrechtspflege vom 16. Dezember 1943
(Bundesrechtspflegegesetz [OG], SR 173.110; vgl. BGE 108 Ib 228 E. 1b;
Rhinow/Koller/Kiss, a.a.O., S. 259 Rz. 1353 f.) - die Möglichkeit, einen Entscheid
unter gewissen Voraussetzungen dem objektiven Recht anzupassen, ohne
an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (Art. 62 Abs. 1 bis 3 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968
[VwVG], SR 172.021; vgl. Gygi, a.a.O., S. 204 f. und S. 249 ff.). Nach Art. 62 Abs. 4
VwVG bindet ferner die Begründung der Begehren die Beschwerdeinstanz in
keinem Fall. Dies bedeutet, dass der Richter sich nicht an die rechtlichen
Überlegungen zu halten braucht, welche die Parteien zur Begründung
ihrer Anträge vorbringen. Es gilt der Grundsatz iura novit curia. Diese
Maxime vermag indessen den sich aus dem Verfügungsgrundsatz ergebenden
Prozessgegenstand nicht zu sprengen, das heisst für Rechtsanwendung -
ebenso wie für Sachverhaltsermittlung - von Amtes wegen ist nur Raum im
Rahmen des durch das Verfügungsprinzip festgelegten (allenfalls bis zu einen
gewissen Grad kraft Offizialprinzips ausgeweiteten) Streitgegenstandes (Gygi,
a.a.O., S. 211 ff.).

Da die Auswahl und Auslegung der auf den festgestellten Sachverhalt
anwendbaren Rechtssätze nach dem Grundsatz iura novit curia Richterpflicht
ist, kommt im Verfahren vor der SRK - anders als im Verfahren der
staatsrechtlichen Beschwerde vor Bundesgericht (vgl. Art. 90 Abs. 1 Bst. b
OG; BGE 110 Ia 3 E. 2a;Walter Kälin, Das Verfahren der staatsrechtlichen
Beschwerde, Bern 1994, S. 365) - das sogenannte Rügeprinzip (vgl. dazu Gygi,
a.a.O., S. 214 ff.) nur in stark abgeschwächter Form zur Anwendung, und zwar
in dem Sinne, dass rechtliche Grundlagen oder Einwendungen, welche nicht in
die Augen springen und nach den Sachverhaltsfeststellungen auch nicht nahe
liegen, nicht zu berücksichtigen sind, jedenfalls soweit die tatbeständlichen
Vorbringen für solche rechtlichen Gesichtspunkte unvollständig sind (Gygi,
a.a.O., S. 215), und dass die Beschwerdeinstanz nicht gehalten ist, nach allen
möglichen Rechtsfehlern zu suchen; für entsprechende Fehler müssen
sich mindestens Anhaltspunkte aus den Parteivorbringen oder den Akten
ergeben (BGE 110 V 54; Entscheid der SRK vom 30. April 1996 in Sachen S. [SRK
1995-010], E. 3b, veröffentlicht in MWST-Journal 1/1996 S. 3 ff.; André Moser
in Moser/Uebersax, Prozessieren vor eidgenössischen Rekurskommissionen,

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_108_Ib_228&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_110_Ia_3&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_110_V_54&resolve=1

Basel und Frankfurt am Main 1998, S. 17 f. Rz. 1.8; Alfred Kölz/Isabelle Häner,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,
Zürich 1998, S. 39 f. Rz. 112 ff.; Gygi, a.a.O., S. 211 ff.; Kälin, a.a.O., S. 287 Fn. 33).

2. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides, da in casu das Meldeverfahren gemäss Art. 26a VStV
zur Anwendung gelange.

a. Gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG unterliegen der Verrechnungssteuer
unter anderem die Zinsen, Renten, Gewinnanteile und sonstigen Erträge
der von einem Inländer ausgegebenen Aktien. Nach Art. 20 Abs. 1
VStV gilt als steuerbarer Ertrag von Aktien jede geldwerte Leistung der
Gesellschaft an die Inhaber gesellschaftlicher Beteiligungsrechte oder
an ihnen nahestehende Dritte, die sich nicht als Rückzahlung der im
Zeitpunkt der Leistung bestehenden Anteile am einbezahlten Grundkapital
darstellt. Zu den geldwerten Leistungen in diesem Sinne gehören bei
Aktiengesellschaften insbesondere die auf Grund eines entsprechenden
Gewinnverteilungsbeschlusses ausgerichteten Dividenden.

Der Verrechnungssteuer unterliegen unterschiedslos alle Arten von
Dividenden, ungeachtet darum, ob es sich um eine feste Dividende, eine
Vorzugs- oder Prioritätsdividende, Zusatzdividende, Superdividende oder
eine Interimsdividende usw. handelt (Robert Pfund, Die Eidgenössische
Verrechnungssteuer, I. Teil, Basel 1971, S. 102 N. 3.29). Auch die Form der
steuerbaren Leistung ist unerheblich. Insbesondere ist die Verrechnungssteuer
auch dann geschuldet, wenn die Dividende nicht effektiv ausgerichtet, sondern
lediglich in den Konti der Gesellschaft verbucht wird (vgl. Entscheid der SRK
vom 13. April 2000 in Sachen I. SA [SRK 1998-093], E. 3c, mit Hinweisen).

b. Bei Kapitalerträgen entsteht die Verrechnungssteuerforderung im
Zeitpunkt, in dem die steuerbare Leistung fällig wird (Art. 12 Abs. 1
VStG, 1. Satz). Jede inländische Aktiengesellschaft oder Gesellschaft mit
beschränkter Haftung hat unaufgefordert der ESTV innert 30 Tagen
nach Genehmigung der Jahresrechnung den Geschäftsbericht oder eine
unterzeichnete Abschrift der Jahresrechnung (Bilanz und Gewinn- und
Verlustrechnung) sowie eine Aufstellung nach amtlichem Formular
einzureichen, woraus der Kapitalbestand am Ende des Geschäftsjahres, das
Datum der Generalversammlung, die beschlossene Gewinnverteilung und
ihre Fälligkeit ersichtlich sind, und die Steuer auf den mit Genehmigung der
Jahresrechnung fällig gewordenen Erträgen zu entrichten (Art. 21 Abs. 1 VStV).
Die Steuer auf Erträgen, die nicht mit Genehmigung der Jahresrechnung
fällig oder nicht auf Grund der Jahresrechnung ausgerichtet werden
(Interimsdividenden, Bauzinsen, Gratisaktien, Liquidationsüberschüsse,
Ablösung von Genussscheinen, geldwerte Leistungen anderer Art) ist aufgrund
der Abrechnung nach amtlichem Formular innert 30 Tagen nach Fälligkeit
des Ertrages unaufgefordert der ESTV zu entrichten (Art. 21 Abs. 2 VStV). Ist
für den Ertrag ein Fälligkeitstermin nicht bestimmt, so beginnt die 30-tägige
Frist am Tage, an dem die Ausrichtung beschlossen oder, mangels eines
solchen Beschlusses, an dem der Ertrag ausgerichtet wird, zu laufen (Art. 21
Abs. 3 VStV). Die Verrechnungssteuerforderung ist eine Obligation ex lege; der
Entscheid der ESTV, in welchem die Verrechnungssteuerforderung eröffnet

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wird, hat dementsprechend keine konstitutive Wirkung, sondern ist bloss
deklaratorischer Natur (vgl. zum Ganzen Entscheid der SRK vom 13. April
2000 in Sachen I. SA [SRK 1998-093], E. 3c, mit Hinweisen).

c. Die Verrechnungsteuer auf Kapitalerträgen beträgt 35% der steuerbaren
Leistung (Art. 13 Abs. 1 Bst. a VStG). Steuerpflichtig ist der Schuldner der
steuerbaren Leistung (Art. 10 Abs. 1 VStG). Die steuerbare Leistung ist bei
der Auszahlung, Überweisung, Gutschrift oder Verrechnung ohne Rücksicht
auf die Person des Gläubigers um den Steuerbetrag zu kürzen (Art. 14 Abs. 1
VStG, 1. Satz). Die Steuer wird 30 Tage nach Entstehung der Steuerforderung
fällig (Art. 16 Abs. 1 Bst. c VStG). Auf Steuerbeträgen, die nach Ablauf dieses
Fälligkeitstermins ausstehen, ist gemäss Art. 16 Abs. 2 VStG ohne Mahnung
ein Verzugszins geschuldet. Der Zinssatz wird gemäss dieser Bestimmung
vom Eidgenössischen Finanzdepartement bestimmt. Die Verordnung über
die Verzinsung ausstehender Verrechnungssteuern vom 29. November 1996
(SR 642.212) legt in Art. 1 Abs. 1 fest, dass der Verzugszins bei verspäteter
Entrichtung der Verrechnungssteuer ab dem 1. Januar 1997 jährlich 5%
beträgt.

d. Bezüglich Dividenden im Konzernverhältnis gestattet Art. 26a VStV unter
bestimmten Umständen anstelle der Steuerentrichtung eine blosse Meldung
wie folgt: Ist eine Kapitalgesellschaft oder eine Genossenschaft unmittelbar
zu mindestens 20% am Grund- oder Stammkapital einer anderen Gesellschaft
beteiligt, kann sie diese mittels eines amtlichen Gesuchformulars anweisen,
ihr die Bardividende ohne Abzug der Verrechnungssteuer auszurichten
(Abs. 1). Die steuerpflichtige Gesellschaft ihrerseits vervollständigt das Gesuch
und reicht dieses der ESTV innert 30 Tagen nach Fälligkeit der Dividende
zusammen mit dem amtlichen Formular zur Jahresrechnung unaufgefordert
ein. Art. 21 VStV findet Anwendung (Abs. 2).

Diese Bestimmungen wurden in die Verrechnungssteuerverordnung durch die
Änderung vom 22. November 2000 (AS 2000 2994 ff., in Kraft seit 1. Januar
2001), eingefügt. Nach Abs. 1 der Übergangsbestimmungen gelten die
geänderten Bestimmungen für die nach dem 31. Januar 2000 fällig werdenden
Leistungen.

3.a. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin
Inländerin im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. a VStG ist. Ferner ist unbestritten,
dass sie für das Geschäftsjahr 1999 Dividenden im Betrage von Fr. 1’400’000.-
ausgerichtet hat, welche grundsätzlich der Verrechnungssteuer unterliegen.
Umstritten ist dagegen, ob diese Dividenden am 31. Dezember 2000 fällig
wurden, oder aber am 1. Januar 2001. Unbestritten ist hingegen wiederum,
dass das von der Beschwerdeführerin verlangte Meldeverfahren nach Art. 26a
VStV lediglich dann zur Anwendung kommen könnte, wenn die Dividenden
am 1. Januar 2001 fällig wurden.

b. Die ordentliche Generalversammlung der Beschwerdeführerin
hat am 24. Februar 2000 beschlossen, die vorliegend zur Diskussion
stehende Dividendenausrichtung werde per 31. Dezember 2000 fällig.
Damit ist nach dem unter Ziff. 2.b der Erwägungen Ausgeführten die
Verrechnungssteuerforderung per 31. Dezember 2000 entstanden.

Nach Rechtsprechung und Verwaltungspraxis bleibt die einmal entstandene
Verrechnungssteuerforderung - bis zum Untergang infolge Erfüllung,
Verjährung und dergleichen - bestehen, auch wenn die Voraussetzungen,

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die sie entstehen liessen, nachträglich - mit Wirkung ex nunc - wegfallen
(Pfund, a.a.O. S. 338 N. 1.11, mit Hinweisen). Da die Verrechnungssteuer eine
formale Natur aufweist (vgl. Pfund, a.a.O., S. 337 N. 1.8), gilt nach den von der
Praxis entwickelten Grundsätzen die Regel, dass das Rückgängigmachen
der steuerbaren Leistung die ex lege entstandene Steuerforderung nicht
aufhebt, wie diese überhaupt von einer nachträglichen Vereinbarung
zwischen den Beteiligten unberührt bleibt (Pfund, a.a.O., S. 344 N. 1.18,
mit Hinweisen). Die Regelung von Art. 12 VStG sieht grundsätzlich vor,
dass die Verrechnungssteuerforderung im Zeitpunkt der Fälligkeit der
steuerbaren Leistung entsteht, Ausnahmen von diesem Grundsatz sind nur
restriktiv zuzulassen (vgl. Entscheid der SRK vom 13. April 2000 in Sachen
I. SA [SRK 1998-093], E. 4, auch zum Folgenden). Es liegt allerdings in der
Natur der Sache, dass eine Rechtsverkehrssteuer nicht ohne jede Rücksicht
darauf erhoben werden kann, ob der steuerbare Tatbestand rechtsgültig
zustande gekommen ist, sich vollendet und verwirklicht hat, oder ob er
als (rechtlich) ungültig angesehen werden muss. Gemäss Rechtsprechung
und Verwaltungspraxis zieht daher ein Rechtsgeschäft, welches aufgrund
seiner Natur grundsätzlich steuerbar wäre, unter drei - kumulativen -
Voraussetzungen nicht die Entstehung der Verrechnungssteuerforderung
nach sich:

- das Rechtsgeschäft muss nichtig oder anfechtbar sein;

- die Beteiligten müssen das nichtige oder anfechtbare Rechtsgeschäft
rückwirkend aufheben;

- die Beteiligten müssen gutgläubig gehandelt haben (vgl. auch Pfund, a.a.O.,
S. 341 N. 1.14).

Vorliegend macht die Beschwerdeführerin zu Recht nicht geltend,
diese Voraussetzungen seien gegeben. Es ist denn auch aufgrund der
Akten nicht ersichtlich, inwiefern der Generalversammlungsbeschluss
vom 24. Februar 2000 nichtig oder anfechtbar gewesen sein sollte. Die
Beschwerdeführerin beruft sich lediglich darauf, die ausserordentliche
Generalversammlung vom 30. Dezember 2000 habe beschlossen, die
Fälligkeit der Dividenden des Geschäftsjahres 1999 auf den 1. Januar 2001
zu verschieben. Nach dem vorstehend Ausgeführten können nachträgliche
Vereinbarungen zwischen den - privaten - Beteiligten nicht dazu führen,
dass eine Verrechnungssteuerforderung aufgehoben wird. Dies gilt aus
den dort aufgeführten Gründen in gleicher Weise in Bezug auf die Fälligkeit
einer Verrechnungssteuerforderung: ist diese einmal begründet worden,
so bleibt sie mit gleichem Fälligkeitsdatum bestehen, ungeachtet späterer
abweichender Vereinbarungen der - privaten - Beteiligten. Der Beschluss
der ausserordentlichen Generalversammlung vom 30. Dezember 2000 kann
vorliegend demnach nicht zur Folge haben, dass die Fälligkeit der Dividenden,
soweit das Verrechnungssteuerrecht betroffen ist, auf den 1. Januar 2001
verschoben wird.

c. Es ist damit festzuhalten, dass die Verrechnungssteuerforderung betreffend
die Dividenden für das Geschäftsjahr 1999 im Betrage von Fr. 1’400’000.- am
31. Dezember 2000 fällig wurde. Bei dieser Sachlage ist nicht relevant, welche
Unterlagen der ESTV beim Erlass des angefochtenen Einspracheentscheides
bereits vorgelegen haben, insbesondere ob ihr der Beschluss über die
ausserordentliche Generalversammlung vom 30. Dezember 2000 - wie von

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der Beschwerdeführerin behauptet - zugestellt worden war. Massgeblich
ist, dass der angefochtene Einspracheentscheid rechtens ist. Insoweit als
die Beschwerdeführerin gegen diesen Einspracheentscheid einwendet,
er verletzte das Gleichheitsgebot nach Art. 8 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) bzw.
Art. 4 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
29. Mai 1874 (aBV[102]), hält die ESTV zu Recht fest, für eine rechtsungleiche
Behandlung liessen sich den Akten keinerlei Anhaltspunkte entnehmen. Die
Beschwerdeführerin begründet denn auch diese Rüge nicht weiter, so dass
darauf nicht näher eingegangen werden muss. Schliesslich erübrigt es sich
bei diesem Ergebnis zu prüfen, ob das Verhalten der Beschwerdeführerin als
Steuerumgehung zu qualifizieren wäre, ist doch der allenfalls zu beurteilende
Akt, der Generalversammlungsbeschluss vom 30. Dezember 2000, nach dem
Gesagten nicht von Relevanz.

4. Auf Steuerbeträgen, die nach Ablauf des Fälligkeitstermins, das heisst
30 Tage nach Entstehung der Verrechnungssteuerforderung, ausstehen, ist
gemäss Art. 16 Abs. 2 VStG ohne Mahnung ein Verzugszins geschuldet. Der
massgebende Zinssatz beträgt gemäss der Verordnung des Eidgenössischen
Finanzdepartements vom 29. November 1996 für die Zeit seit dem 1. Januar
1997 5% jährlich.

Die ESTV hat die Verzugszinsforderung im angefochtenen Einspracheentscheid
korrekt gemäss diesen Bestimmungen festgesetzt. Die Beschwerdeführerin
setzt sich denn auch nicht damit auseinander. Der Einspracheentscheid ist
daher auch in diesem Punkt zu bestätigen.

5. Die Beschwerdeführerin stellt unter anderem den Antrag, der in Rechnung
gestellte Betrag an Verrechnungssteuer sei bis zum Erlass eines endgültigen
Entscheides zu stunden.

Im Verwaltungsverfahren des Bundes kommt der Beschwerde im allgemeinen
von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG).
Vorbehalten bleiben Bestimmungen in anderen Bundesgesetzen nach denen
eine Beschwerde keine aufschiebende Wirkung hat (Art. 55 Abs. 5 VwVG).
In Bezug auf die ordentliche Erhebung der Verrechnungssteuer, wie sie
vorliegend zu beurteilen ist, bestehen keine derartigen abweichenden
Bestimmungen. Das bedeutet, dass die in der Verfügung der ESTV
angeordneten und mit dem angefochtenen Einspracheentscheid bestätigten
Rechtsfolgen bereits von Gesetzes wegen vorläufig nicht eintreten,
sondern bis zum Eintritt der formellen Rechtskraft vollständig gehemmt
werden (vgl. Moser, a.a.O., S. 91 Rz. 3.14 f.). Damit ist dieses Begehren der
Beschwerdeführerin gegenstandslos.

6. Dem Gesagten zufolge ist die Beschwerde in allen Punkten abzuweisen,
soweit darauf eingetreten werden kann. Bei diesem Verfahrensausgang
hat die Beschwerdeführerin als unterliegende Partei die Kosten des
Beschwerdeverfahrens vor der SRK zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).

[102] Zu lesen auf der Internetseite des Bundesamtes für Justiz unter
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/
bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf

9

http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 68.59 - Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 3. Oktober

2003 in Sachen X AG [SRK 2002-100]).

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2004
Année

Anno

Band 68
Volume

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Ref. No 150 006 584

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 3. Oktober 2003 in Sachen X AG [SRK 2002-100]).