# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 697b9b40-a7ab-57d2-ac38-c8e049d77631
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.06.2023 E-3278/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3278-2023_2023-06-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

  
 Abteilung V 

E-3278/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richter Yanick Felley,   

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Yvonne Furrer, Rechtsschutz für Asylsu-

chende, (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 8. Mai 2023 / N (…). 

 

 

 

E-3278/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 15. November 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach und wurde dem B._______ zugewiesen. 

B.  

Im Rahmen der Anhörung vom 27. April 2023 machte der Beschwerdefüh-

rer zur Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend, er sei 

afghanischer Staatsangehöriger und Angehöriger der Ethnie der Hazara. 

Als kleiner Junge sei er mit seiner Familie in den Iran gezogen, wo er neun 

Jahre lang die Schule besucht habe, bevor seine Familie nach Afghanistan 

zurückgekehrt sei (C._______). Ab 2006 sei er Angehöriger der afghani-

schen Armee gewesen, zuletzt im Rang eines Oberleutnants. Er sei in 

D._______, E._______ und F._______ stationiert gewesen. Zwei Monate 

vor dem Fall der Regierung in D._______ habe er die Leiche eines gefal-

lenen Kollegen in seine Heimatprovinz G._______ überführen sollen. Der 

Vater des Getöteten sowie der Getötete selbst seien in einem Auto gewe-

sen, er und drei andere Personen in einem anderen Auto, das ein normales 

Taxi gewesen sei und bei einer Strassensperrung der Taliban in der Provinz 

H._______ kontrolliert worden sei. Es habe sich herausgestellt, dass auch 

ein anderer Passagier Angehöriger der Armee gewesen sei. Er vermute, 

dass die Taliban über diesen Armeeangehörigen informiert gewesen seien 

und deshalb das Auto angehalten worden sei. Sie seien beide von den Ta-

liban zusammengeschlagen worden, nachdem diese ihre Identität festge-

stellt hätten. Am Abend seien der Beschwerdeführer und der andere Ar-

meeangehörige im Kofferraum eines Kombis über eine Seitenstrasse weg-

gefahren worden. Es sei ihm jedoch nach einer gewissen Zeit gelungen, 

die Türe aufzutreten und in die Büsche zu flüchten. Die Taliban hätten das 

bemerkt und herumgeschossen. Nach ein bis zwei Stunden sei er Richtung 

Hauptstrasse zurückgelaufen und habe in der Nacht ein Auto angehalten, 

das ihn nach I._______ gebracht habe. Von dort sei er nach Hause gefah-

ren. Er habe die Armee informiert und sei einen Monat lang zu Hause ge-

blieben. Dann habe ihm seine Familie dazu geraten, das Land zu verlas-

sen. Er sei mit seinem Bruder zusammen in den Iran geflüchtet. Auch seine 

schwangere Ehefrau und die zwei Kinder seien in den Iran gekommen. Im 

Iran habe seine Ehefrau ein Kind geboren. Nach der Machtübernahme der 

Taliban seien diese zu seiner Familie nach Hause gekommen und hätten 

die Eltern geschlagen. Daraufhin seien auch seine Eltern und Geschwister 

in den Iran geflüchtet. Er sei mit der Ehefrau und den Kindern ein halbes 

Jahr nach der Einreise in den Iran in die Türkei weitergereist und über 

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Griechenland und mehrere Balkanländer und Italien am 14. November 

2022 in die Schweiz gelangt.  

Zum Nachweis der Identität und zur Stützung der Vorbringen reichte der 

Beschwerdeführer eine Taskera und Dokumente hinsichtlich der Tätigkeit 

bei der Armee ein. 

C.  

Am 4. Mai 2023 wurde der damaligen Rechtsvertretung der Entscheident-

wurf des SEM zur Stellungnahme zugestellt. Diese ging beim SEM am 

5. Mai 2023 ein. 

D.  

Mit Entscheid vom 8. Mai 2023 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers und wies dessen Asylgesuch wegen 

fehlender Glaubhaftigkeit ab. Gleichzeitig wurde indes der Vollzug der 

Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. 

E.  

Gegen den Entscheid des SEM vom 8. Mai 2023 erhob der Beschwerde-

führer mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 7. Juni 2023 Beschwerde 

beim Bundesverwaltungsgericht. Es wurde die Aufhebung der Dispositiv-

ziffern 1-3 der angefochtenen Verfügung (Asyl und Wegweisung) bean-

tragt. Die Vorinstanz sei anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling 

anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Ver-

zicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses ersucht.  

F.  

Mit Schreiben vom 9. Juni 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 4 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG; Art. 48 Abs. 1 so-

wie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zu-

stimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu behan-

deln, weil sie sich im Ergebnis als offensichtlich unbegründet erweist (Art. 

111 Bst. e AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde 

verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

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Seite 5 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die Asylvorbringen 

des Beschwerdeführers, wegen seiner Zugehörigkeit zur Armee von den 

Taliban kontrolliert und entführt worden zu sein, wobei die Taliban nach sei-

ner Flucht und ihrer Machtübernahme nach ihm gesucht hätten, als nicht 

glaubhaft erachtet. 

5.1.1 Sie führte aus, dass die Schilderung der genannten Vorkommnisse 

wenig sustantiiert ausgefallen sei. So habe der Beschwerdeführer weder 

den Namen des Dorfes, wohin er zur Beerdigung des Soldaten hätte gehen 

sollen noch den Namen des Vaters des Getöteten nennen können, obwohl 

er mit ihm Kontakt gehabt habe (vgl. [...]-19 S. 8). Zudem habe er nicht 

schildern können, wie er zur Ansicht gelangt sei, dass die Taliban das Auto 

gezielt wegen eines Kollegen angehalten hätten (vgl. [...]-19 S.10). Im Wei-

teren habe er weder Angaben zu den anderen Passagieren beziehungs-

weise dem anderen Militärangehörigen machen noch die Taliban konkret 

beschreiben können (vgl. [...]-19 S.11). Der Beschwerdeführer habe die Ta-

liban undifferenziert als einheitliche Masse ohne unterschiedliche Eigen-

schaften beschrieben. Weiter habe er nicht angeben können, wann und 

wie die Taliban gemerkt hätten, dass er aus dem Auto gesprungen sei, ob-

wohl sie dies mitbekommen haben müssten (vgl. [...]-19/S.12). Auch zum 

konkreten Verhalten der Taliban nach seiner Flucht habe er nichts Substan-

tielles nennen können, obwohl er in der Nähe gewesen sei (vgl. [...]-19 S. 

12,13). Weiter habe er auch nicht angeben können, wie lange seine Flucht 

vom Fluchtort zur Hauptstrasse gedauert und wie er konkret den Weg ab-

seits der Strasse gefunden habe (vgl. [...]-19 S.13). Ausserdem sei er nicht 

in der Lage gewesen anzugeben, wann genau die Taliban zu seiner Familie 

gekommen und was dort genau geschehen sei (vgl. [...]-19 S. 15). 

5.1.2 Im Weiteren seien die Aussagen des Beschwerdeführers auch lo-

gisch nicht nachvollziehbar. So müsse als unrealistisch qualifiziert werden, 

dass der Beschwerdeführer im Auto nie mit den anderen Personen geredet 

habe und deshalb nichts über sie wisse (vgl. [...]-19 S.9). Insbesondere sei 

realitätsfremd, dass er nicht daran gedacht habe, während des Nachmit-

tags beim Kontrollpunkt mit dem anderen Militärangehörigen zu reden (vgl. 

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[...]-19 S. 9,10). Er habe auch nicht plausibel erklären können, warum er 

über diesen nur gewusst habe, dass er aus D._______ komme (vgl. [...]-

19 S.9). Es wäre zudem davon auszugehen gewesen, dass die Taliban 

dem Beschwerdeführer bei dessen Entführung die Augen verbunden hät-

ten (vgl. [...]-19 S. 11). Der Beschwerdeführer habe auch nicht plausibel 

erklären können, wie es ihm einfach möglich gewesen sei, die Türe im Auto 

einzutreten und so zu fliehen (vgl. [...]-19 S.12). Im Weiteren sei nicht ein-

zusehen, warum die Taliban herumgeschossen hätten, ohne ihn zu sehen 

(vgl. [...]-19 S.12). Überdies sei kaum möglich, dass er eine Stunde mit 

dem Auto auf einer Nebenstrasse gefahren sei und trotzdem noch die Lich-

ter der Hauptstrasse gesehen habe (vgl. [...]-19 S.13). 

5.2 Ausgehend von der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen, von den Taliban 

behelligt worden zu sein, sei im Weiteren zu prüfen, ob sich die individuelle 

Gefährdungslage des Beschwerdeführers infolge der Machtübernahme 

durch die Taliban dergestalt akzentuiert habe, dass eine Furcht vor künfti-

ger Verfolgung begründet erscheine. Diese Prüfung sei anhand von soge-

nannten Risikofaktoren vorzunehmen.  

Praxisgemäss liessen sich Gruppen von Personen definieren, die in Afgha-

nistan aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko aus-

gesetzt seien (vgl. Urteil des BVGer 1775/2016 vom 3. Dezember 2018 

E. 6). Seit August 2021 seien zahlreiche Übergriffe gegenüber Personen 

aus diesen Risikogruppen dokumentiert. Diese Übergriffe seien jedoch we-

der systematisch noch einheitlich. Ein erhöhtes Risikoprofil vermöge indes-

sen für sich alleine eine Furcht vor flüchtlingsrechtlicher relevanter Verfol-

gung nicht zu begründen. Es bedürfe zusätzlicher risikoschärfender Ele-

mente, um die abstrakte Gefährdung individuell zu konkretisieren.  

Der Beschwerdeführer mache geltend, von 2006 bis 2021 in der afghani-

schen Armee gewesen zu sein. Der Umstand allein, dass der Beschwer-

deführer als Offizier in der afghanischen Armee gedient habe, gefährde 

diesen für sich nicht in asylrelevantem Ausmass. Auch die Tatsache, dass 

der Beschwerdeführer der Ethnie der Hazara angehöre, vermöge an dieser 

Einschätzung nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer habe, wie darge-

legt, nicht glaubhaft machen können, dass er wegen seiner Tätigkeit als 

Offizier und als Hazara von den Taliban verfolgt worden sei. Nach dem Ge-

sagten sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer 

Rückkehr nach Afghanistan mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-

sehbarer Zukunft flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen 

ausgesetzt sein werde. Die subjektive Furcht des Beschwerdeführers, 

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künftig Nachteile im Sinne von Art. 3 AsyIG zu erleiden, erweise sich nicht 

als objektiv begründet.  

Aus den eingereichten Bestätigungen hinsichtlich der Tätigkeit in der Ar-

mee gingen keine Hinweise für eine aktuelle Verfolgung hervor. 

Die Rechtsvertretung habe in ihrer Stellungnahme erklärt, die Aussagen 

des Beschwerdeführers seien entgegen der Behauptung des SEM nach-

vollziehbar und substantiiert und damit glaubhaft. Jedoch sei es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen, sein Unwissen über elementare Fragen im 

Zusammenhang mit seinen Vorbringen überzeugend zu erklären. Teilweise 

handle es sich um nachgeschobene Erklärungen, teils auch um Wiederho-

lungen aus der Anhörung. Realitätsfremd sei auch die Behauptung, auf-

grund des Erlebten könne sich der Beschwerdeführer an vieles nicht mehr 

erinnern. Es gelinge ihm nicht, die mangelnde Realitätsnähe seiner Aussa-

gen vor allem hinsichtlich der Flucht überzeugend zu erklären. 

6.  

6.1 In der Beschwerde wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass die 

«inneren Merkmale der vorliegenden Aussagen des Beschwerdeführers» 

(Schlüssigkeit, Konsistenz, Substanziiertheit, Plausibilität) für deren Glaub-

haftigkeit sprechen würden. Sie seien geprägt von zahlreichen Details und 

jeweils in den zeitlichen, örtlichen und politischen Kontext eingebettet. Zu-

dem seien die Aussagen widerspruchsfrei. Ferner seien auch die äusseren 

Merkmale (Beweismittel, Dokumente) zu berücksichtigen.  

6.1.1 Die Vorinstanz habe im Entscheid die Aussagen des Beschwerdefüh-

rers äusserst schematisch dargestellt. Sämtliche durch den Gesuchsteller 

geschilderten Einzelheiten beziehungsweise Realkennzeichen seien aus-

geklammert worden. Dies sowohl in der Darstellung des Sachverhalts als 

auch in der Begründung betreffend der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen 

(Entscheid, Ziff. II, S. 3f.). Gleiches gelte bei der Wiedergabe des Inhalts 

der Stellungnahme der Rechtsvertretung zum Entscheidentwurf (Ent-

scheid, Ziff. II, S. 5). Die Erklärungen des Beschwerdeführers im Rahmen 

der Stellungnahme habe die Vorinstanz als nachgeschoben dargestellt und 

behauptet, dass sein Unwissen in elementaren Fragen nicht überzeugend 

erklärt worden sei. Elemente, welche für die Glaubhaftigkeit der Aussagen 

sprächen, seien von der Vorinstanz im Entscheid zudem nicht gewürdigt 

worden (Entscheid, Ziff. II S. 4 Mitte und S. 5 unten). Die Glaubhaftigkeits-

prüfung falle demnach sehr einseitig aus. 

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6.1.2 Der Beschwerdeführer habe mit vielen Details und Realkennzeichen 

von seinen Fluchtgründen erzählt. In Bezug auf den Namen des Herkunft-

sortes des gefallenen Kollegen habe es ein Missverständnis gegeben, wel-

ches bereits im Rahmen der Stellungnahme zum Entscheidentwurf erklärt 

worden sei: Aus dem Anhörungsprotokoll sei ersichtlich, dass sein Kollege 

aus G._______ stamme und somit der Beschwerdeführer sehr wohl seinen 

Heimatort gekannt habe. Im Weiteren seien die Erklärungen des Be-

schwerdeführers für das Nichtwissen des Namens des Vaters nachvoll-

ziehbar. Er habe den Vater im Spital in D._______ zum ersten und einzigen 

Mal getroffen. Er sei dort als Vater des Märtyrers vorgestellt worden. Es sei 

durchaus nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer in dieser schwieri-

gen Situation (als der Vater seinen gefallenen Sohn zum ersten Mal gese-

hen habe) nicht nach seinem Namen gefragt habe. Anschliessend seien 

sie in verschiedenen Wagen in Richtung G._______ gefahren.  

6.1.3 Anlässlich der Entwurfsbesprechung sei der Beschwerdeführer mit 

den Vorhalten des SEM konfrontiert worden. Auf Nachfrage habe er ohne 

Weiteres Ergänzungen zum Thema machen können. Er habe erklärt, dass 

er mit dem Vater des Gefallenen die Telefonnummer ausgetauscht habe. 

Die Abmachung sei es gewesen, dass er den Vater kontaktieren würde, 

sobald er in G._______ angekommen sei. Der Beschwerdeführer habe zu 

dieser Zeit noch nicht gewusst, in welcher Moschee die Beerdigung statt-

finden würde. Danach sei er auf der Fahrt nach G._______ von den Taliban 

festgehalten worden. 

6.1.4 Die Vorinstanz halte dem Beschwerdeführer weiter vor, seine Aussa-

gen seien unsubstantiiert hinsichtlich der Frage, wie der Beschwerdeführer 

darauf komme, dass die Taliban das Linientaxi gezielt wegen eines Kolle-

gen angehalten hätte. Dabei handle es sich lediglich um eine Vermutung 

des Beschwerdeführers und das Aufführen von Nichtwissen und Aufstellen 

von Vermutungen sei gerade als Realkennzeichen zu werten. Auch lasse 

die Vorinstanz das Naturell des Beschwerdeführers und den afghanischen 

Kontext bei der Würdigung der Glaubhaftigkeit unberücksichtigt, wenn sie 

ausführe, es sei unrealistisch, dass er im Auto nie mit den anderen Perso-

nen geredet habe und nichts über sie und den anderen Militärangehörigen 

wüsste. Der Beschwerdeführer habe auf Nachfrage nachvollziehbar er-

klärt, dass er ein zurückhaltender und ruhiger Mensch sei, der nicht schnell 

mit jemandem ins Gespräch komme (F67).  

6.1.5 Nach Ansicht der Vorinstanz sollte eine Person, welche von den Tali-

ban festgenommen, bewacht und wiederholt zusammengeschlagen 

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werde, mit einem anderen, ihm unbekannten Gefangenen vor den Augen 

der Taliban reden, obwohl es ihm verboten worden sei. Diese Ansicht der 

Vorinstanz werde seitens der Rechtsvertretung entschieden abgelehnt und 

als realitätsfremd eingestuft. Er habe Todesangst gehabt und auch kurz 

das Bewusstsein verloren. Deshalb falle es dem Beschwerdeführer 

schwer, sich an alle Details zu erinnern. Auch schäme er sich als Mann, 

von diesen traumatischen Erlebnissen zu berichten.  

6.1.6 Die Vorinstanz stütze sich bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit zu-

dem zu einem Teil auf das Verhalten der Taliban (beispielsweise Schüsse 

in die Luft). Dieses Verhalten könne als angeblich unlogisch oder willkürlich 

dargestellt, jedoch nicht dem Beschwerdeführer angelastet werden. Inso-

fern dem Beschwerdeführer vorgehalten werde, er habe über den Besuch 

der Taliban bei ihm zuhause nach seiner Flucht nicht ausführlich berichtet, 

sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer das Erzählte nicht sel-

ber erlebt habe, weshalb er die Details dieses Besuchs der Taliban nicht 

wiedergeben könne.  

6.1.7 Der Beschwerdeführer habe den gleichen Sachverhalt mehrfach 

ohne Widersprüche geschildert (Grund für seine Fahrt, Kontrolle der Fahr-

gäste, Verschleppung durch die Taliban). Es habe einzig zwei sprachliche 

Missverständnisse zwischen dem Beschwerdeführer und dem Dolmet-

scher gegeben, welche mittels Nachfragen hätten aufgeklärt werden kön-

nen. Im Weiteren habe er den Sachverhalt jeweils durch weitere Bemer-

kungen ergänzt. Auch habe er seine Aussagen immer wieder in den zeitli-

chen, räumlichen und politischen Kontext eingebettet. 

6.1.8 Schliesslich habe der Beschwerdeführer zu seiner Arbeitstätigkeit als 

Minenentschärfer bei der Armee sowie zur Ausbildung durch die NATO ein-

gereicht. Er habe glaubhaft dargelegt, warum er keine Originaldokumente 

beziehungsweise keine weiteren Beweismittel wie Fotos oder Videos von 

seiner Arbeitstätigkeit vorlegen können. Während der Festnahme am 

Check-Point der Taliban seien ihm sein Handy sowie seine Militärdoku-

mente durch die Taliban abgenommen worden. Einige Unterlagen befän-

den sich zudem im Haus in Afghanistan und bei seiner Frau in der Türkei, 

welche über keine finanzielle Mittel verfüge. Die Tätigkeit des Beschwer-

deführers als Oberleutnant in der afghanischen Armee werde von der Vo-

rinstanz nicht in Zweifel gezogen.  

6.2 Aufgrund seiner Tätigkeit in der afghanischen Armee als Oberleutnant 

und Minenentschärfer, der Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara und der 

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Seite 10 

glaubhaft geschilderten Vorverfolgung sei die Furcht des Beschwerdefüh-

rers, nach der Machtübernahme durch die Taliban bei einer Rückkehr er-

neut Verfolgung zu erleiden, sowohl in objektiver als auch subjektiver Hin-

sicht begründet, weshalb er als Flüchtling anzuerkennen sei. 

7.  

7.1 Die Vorinstanz hat die Asylvorbringen des Beschwerdeführers, wegen 

seiner Zugehörigkeit zur Armee von den Taliban kontrolliert und entführt 

worden zu sein, zu Recht als nicht glaubhaft und das Vorliegen einer be-

gründeten Furcht vor künftiger Verfolgung zutreffend und, wie sich aus 

nachfolgenden Erwägungen ergibt, entgegen der Auffassung in der Be-

schwerde mit hinreichender Begründung verneint.  

7.2 In der Beschwerde wird sinngemäss gerügt, die Vorinstanz habe das 

rechtliche Gehör verletzt, indem es sich mit den Vorbringen des Beschwer-

deführers nicht eingehend befasst und nicht ausreichend begründet habe, 

aus welchen Gründen die Asylvorbringen unglaubhaft seien. Das SEM 

habe vom Beschwerdeführer genannte Realkennzeichen nicht berücksich-

tigt und Elemente, welche für die Glaubhaftigkeit der Aussagen sprächen, 

zudem nicht gewürdigt. Die Glaubhaftigkeitsprüfung sei sehr einseitig aus-

gefallen. Hierzu ist festzuhalten, dass sich das SEM in der angefochtenen 

Verfügung vertieft mit den einzelnen Elementen der Vorbringen auseinan-

dergesetzt hat. Aus der umfassenden Begründung wird in aller Deutlichkeit 

ersichtlich, aus welchen Gründen das SEM die zentralen Vorbringen des 

Beschwerdeführers als nicht glaubhaft erachtet hat. Die Behauptung in der 

Beschwerde, das SEM habe vom Beschwerdeführer genannte Realkenn-

zeichen nicht genannt, ist eine Frage der Würdigung, ob solche überhaupt 

vorliegen und welche Bedeutung ihnen zukommt. Darauf wird in den nach-

folgenden Erwägungen einzugehen sei. Die sinngemässe Rüge der Verlet-

zung der Begründungspflicht erweist sich als unbegründet. 

7.3  

7.3.1 Hinsichtlich des allgemeinen Aussageverhaltens des Beschwerde-

führers fällt als erstes auf, dass dessen Schilderung Strukturbrüche auf-

weisen. So waren die Aussagen im Rahmen der freien Rede vorerst aus-

führlich ausgefallen. In Kontrast hierzu war er auf Nachfrage hin oft nicht in 

der Lage Vorbringen zu konkretisieren oder näher darzustellen. Es ist somit 

ein Strukturbruch feststellbar zwischen jenen Aspekten, von denen ein Be-

troffenen weiss, dass diese gefragt werden (und somit vorbereitbar sind) 

und jenen die erst auf Nachfragen thematisiert werden. Ferner ist mit der 

Vorinstanz festzuhalten, dass Realkennzeichen oftmals fehlten, obwohl 

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Seite 11 

entsprechende Angaben gemeinhin zu erwarten gewesen wären, hätte der 

Betroffene das Geschilderte effektiv selber erlebt.  

7.3.2 So hat der Beschwerdeführer, wie das SEM zutreffend ausgeführt 

hat, weder den Namen des Dorfes, wohin er zur Beerdigung des Soldaten 

hätte gehen sollen, noch den Namen des Vaters des Getöteten nennen 

können, obwohl er mit ihm Kontakt gehabt haben will (vgl. [...]-19 S. 8). 

Weder die Entgegnung in der Beschwerde, wonach es in Bezug auf den 

Namen des Herkunftsortes des gefallenen Kollegen ein Missverständnis 

gegeben habe, noch diejenige, dass er den Vater des Getöteten im Spital 

in D._______ zum ersten und einzigen Mal getroffen und daher nicht nach 

dessen Namen gefragt habe, vermögen zu überzeugen. Auch vermochte 

er nicht anzugeben, wann und wie die Taliban bemerkt haben sollten, dass 

er aus dem Auto gesprungen sei. Ebensowenig war er in der Lage, sich 

zum konkreten Verhalten der Taliban nach seiner Flucht zu äussern, ob-

wohl er sich in der Nähe aufhielt. Schliesslich konnte er nicht angeben, wie 

lange seine Flucht vom Fluchtort zur Hauptstrasse gedauert und wie er 

konkret den Weg abseits der Strasse gefunden haben will. In der Be-

schwerde wird behauptet, der Beschwerdeführer habe den Ablauf seiner 

Flucht minutiös geschildert. Sobald er aus dem Auto habe springen kön-

nen, sei er weggerannt. Er habe keine Zeit gehabt, sich umzudrehen und 

zu schauen, was die Taliban tun würden. Er habe keine exakten zeitlichen 

Angaben zum Fluchtweg machen können, da er weder ein Handy noch 

eine Uhr bei sich gehabt und zudem unter Schock gestanden habe. Diese 

Entgegnungen vermögen die fehlende Substantiierung nicht plausibel zu 

erklären. So sind ungefähre zeitliche Angaben auch ohne Handy oder Uhr 

möglich und auch beim Wegrennen erscheint es wahrscheinlich, dass sich 

der Flüchtende kurz umsieht, um zu sehen, was seine Verfolger tun, um 

sein Verhalten danach ausrichten zu können. 

7.3.3 Mit der Vorinstanz ist im Weiteren festzuhalten, dass die Aussagen 

des Beschwerdeführers auch logisch nicht nachvollziehbar sind. So er-

scheint ungewöhnlich, dass der Beschwerdeführer im Auto nie mit den an-

deren Personen geredet und deshalb nichts über sie wissen will (vgl. [...]-

19 S.9) und auch nicht daran gedacht hat, während des Nachmittags beim 

Kontrollpunkt mit dem anderen Militärangehörigen zu reden (vgl. [...]-19 S. 

9,10). Insbesondere vor dem Hintergrund, weshalb er diese Fahrt über-

haupt habe durchführen müssen, erscheint ein solches Verhalten kaum le-

bensnah. Die Entgegnung in der Beschwerde, wonach der Beschwerde-

führer ein zurückhaltender Mensch sei, der nicht schnell mit jemandem ins 

Gespräch komme, vermag ein solches Verhalten nicht glaubhafter 

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erscheinen zu lassen. Auch vermochte der Beschwerdeführer nicht plausi-

bel darzulegen, wie es ihm gelungen sein sollte, die Autotür mit Gewalt zu 

öffnen und zu fliehen, so dass die Taliban dies erst nach zwei Minuten be-

merkt haben sollten. Auch das Nachfolgeverhalten der Taliban, dass diese 

einfach blind herumgeschossen hätte, erscheint kaum lebensnah; insbe-

sondere da ja schon mehrere Minuten verstrichen sind, bis diese überhaupt 

gemerkt haben, dass er aus dem Auto geflohen ist und so keinerlei Kennt-

nis von seinem Aufenthaltsort haben konnten, so dass eine Schussabgabe 

in einer solchen Situation keinen Sinn macht. Die Hinweise in der Be-

schwerde, wonach das Schiessen in die Luft zu den von den Taliban ge-

zeigten Handlungsweisen zur Einschüchterung gehöre und das fragwürdig 

anmutende Verhalten der Taliban ohnehin nicht dem Beschwerdeführer an-

gelastet werden könne, vermögen die realitätsfremden Angaben des Be-

schwerdeführers nicht nachvollziehbarer erscheinen zu lassen. Schliess-

lich hat die Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass es kaum mög-

lich sei, dass der Beschwerdeführer eine Stunde mit dem Auto auf einer 

Nebenstrasse gefahren sei und trotzdem noch die Lichter der Hauptstrasse 

gesehen habe (vgl. [...]-19 S.13). 

7.3.4 Aus diesen Gründen ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, 

die behaupteten Behelligungen durch die Taliban glaubhaft darzulegen. 

Die Argumente in der Beschwerde vermögen die zu bestätigenden Erwä-

gungen des SEM in der angefochtenen Verfügung nicht in Frage zu stellen.  

7.4 Es ist abschliessend die Frage zu klären, ob der Beschwerdeführer auf-

grund der geltend gemachten Tätigkeit als Oberleutnant in der afghani-

schen Armee begründete Furcht vor künftiger Verfolgung durch die Taliban 

hat.  

7.4.1 Praxisgemäss lassen sich Gruppen von Personen definieren, die in 

Afghanistan aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko 

ausgesetzt sind (vgl. Urteil des BVGer E-1775/2016 vom 3. Dezember 

2018 E. 6). Ein erhöhtes Risikoprofil vermag indessen für sich alleine eine 

Furcht vor flüchtlingsrechtlicher relevanter Verfolgung nicht zu begründen. 

Es bedarf zusätzlicher risikoschärfender Elemente, um die abstrakte Ge-

fährdung individuell zu konkretisieren. 

7.4.2 Der Beschwerdeführer gab an, von 2006 bis 2021 in der afghani-

schen Armee gedient zu haben. Zur Stützung dieser Vorbringen reichte er 

mehrere Dokumente in Kopie ein, die seine Tätigkeit in der afghanischen 

Armee belegen sollen (u.a. Zertifikate betreffend Nato-Training und 

E-3278/2023 

Seite 13 

Teilnahme an einer militärischen Ausbildung, Anerkennungsschreiben des 

afghanischen Verteidigungsministers, Militärbestätigung hinsichtlich des 

geleisteten Dienstes). Hierzu ist festzuhalten, dass die genannten Doku-

mente nur in Kopie vorliegen und damit von bloss geringer Beweiskraft 

sind. Zudem fällt auf, dass sie nur den Zeitraum von 2006 bis 2014 betref-

fen, obwohl der Beschwerdeführer angab, bis 2021 in der afghanischen 

Armee gedient zu haben. Die Behauptung, dass die Taliban seine militäri-

schen Dokumente mitgenommen hätten, erscheint wenig realitätsnah, 

kann doch nicht davon ausgegangen werden, dass er alle militärischen Do-

kumente der letzten Jahre im Auto mit sich trug, als er angeblich von den 

Taliban aufgegriffen worden sein soll (vgl. Anhörung F 143). Ferner würde 

es auch wenig Sinn machen, diese Dokumente auf sich zu tragen und 

gleichzeitig in ziviler Kleidung zu reisen. Ferner fällt auf, dass – wie bereits 

die Vorinstanz darauf hingewiesen hat (vgl. Anhörung F. 143) – der Be-

schwerdeführer für den Zeitraum von 2006 bis 2014 zahlreiche Dokumen-

tenkopien vorlegt, während er in Kontrast hierzu für die Zeitperiode von 

2014 bis 2021 praktisch keinerlei Belege vorzuweist. Auch dieses Ausei-

nanderfallen in Bezug auf die Beweislage gibt Anlass zu Zweifeln an den 

Angaben des Beschwerdeführers und kann von ihm nicht befriedigend er-

klärt werden. Es ist insgesamt fraglich, ob der Beschwerdeführer tatsäch-

lich beziehungsweise im behaupteten Umfang bei der afghanischen Armee 

gedient hat; diese Frage kann aber im Resultat offen gelassen werden.  

7.4.3 Selbst wenn der Beschwerdeführer als Offizier in der afghanischen 

Armee gedient hätte, ergibt sich daraus allein keine begründete Furcht vor 

künftiger Verfolgung, bestehen doch keine zusätzlich risikoschärfenden 

Elemente, um die abstrakte Gefährdung individuell zu konkretisieren. 

Selbst bei Wahrunterstellung der entsprechenden Angaben wäre darauf 

hinzuweisen, dass er gemessen an der behaupteten Dauer seiner Dienst-

zeit einen doch relativ tiefen Dienstgrad aufwies und auch sein Tätigkeits-

feld kaum als bedeutend eingestuft werden könnte. Ferner ist nicht nach-

vollziehbar, inwiefern die angebliche Tätigkeit als Minenräumer das Miss-

fallen der Taliban auf sich gezogen haben sollte. Hinsichtlich der geltend 

gemachten Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara ist zwar nicht in Abrede zu 

stellen, dass sich die Situation der Hazara in Afghanistan nach der Macht-

übernahme der Taliban schwierig präsentieren kann. Gemäss der Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist indessen nach wie vor nicht 

von einer Kollektivverfolgung von Hazara in Afghanistan auszugehen (vgl. 

Urteil des BVGer E-1060/2022 vom 22. März 2022 E. 6.2.1). Die blosse 

Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara ist daher auch unter Berücksichtigung 

E-3278/2023 

Seite 14 

der aktuellen Machtverhältnisse in Afghanistan nicht ausreichend, um zur 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft zu führen. 

8.  

Damit ist nach Würdigung der gesamten Umstände als Ergebnis festzuhal-

ten, dass der Beschwerdeführer die Voraussetzungen der Flüchtlingsei-

genschaft nicht erfüllt. Folgerichtig bleibt ihm die Gewährung von Asyl ver-

sagt. Die Ablehnung des entsprechenden Gesuchs durch die Vorinstanz ist 

zu bestätigen. 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.2 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung 

aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-

tritt. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht-

liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. 

BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.3 Mit der angefochtenen Verfügung wurde der Beschwerdeführer vorläu-

fig in der Schweiz aufgenommen. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse 

alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51), besteht kein schutzwürdiges 

Interesse an der Überprüfung, aus welchen Gründen die Vorinstanz den 

Vollzug aufgeschoben hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). 

10.  

Insgesamt ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht 

verletzt, und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig 

feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen 

11.  

11.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf das Er-

heben eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 

11.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

der amtlichen Rechtsverbeiständung ist abzuweisen, da die Begehren als 

aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

E-3278/2023 

Seite 15 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3278/2023 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– werden dem Beschwerde-

führer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vor-

liegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

 

Versand: