# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e15c8dc2-45a8-57fc-a2ea-58ec34ddc2b1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-02-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.02.2025 D-3565/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3565-2024_2025-02-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3565/2024 

law/gnb 

 

 
 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  F e b r u a r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihre Kinder 

B._______, geboren am (…), und 

C._______, geboren am (…), 

Türkei, 

(…), 

Beschwerdeführende, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 27. Mai 2024 / N (…). 

 

 

D-3565/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder, Angehörige der türkischen 

Ethnie und der Religionsgemeinschaft der arabischen Aleviten, verliessen 

die Türkei am 3. Mai 2023 und reisten mit einem von Deutschland ausge-

stellten Schengen-Visum via Deutschland am 6. Mai 2023 in die Schweiz 

ein. Hier suchte die Beschwerdeführerin für sich und die Kinder am 4. März 

2024 um Asyl nach. Am 11. März 2024 mandatierte sie die Mitarbeitenden 

des HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren D._______ mit der Rechts-

vertretung. In der Folge wurde mit der Beschwerdeführerin am 28. März 

2024 das Dublin-Gespräch durchgeführt, worauf das SEM am 15. April 

2024 das Dublin-Verfahren beendete und das nationale Asyl- und Wegwei-

sungsverfahren aufnahm. Am 15. Mai 2024 hörte das SEM die Beschwer-

deführerin einlässlich zu ihren Asylgründen an. 

A.b Zum Nachweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin ihr türki-

sches Familienbüchlein zu den Akten. Zudem liess ihre Rechtsvertretung 

dem SEM am 7. Mai 2024 einen Bericht von Dr. med. E._______, 

F._______, vom 28. März 2024 zukommen. 

A.c Die Beschwerdeführerin führte zu ihrem persönlichen Hintergrund und 

zur Begründung ihres Asylgesuchs aus, sie sei in G._______ in der Provinz 

H._______ geboren und aufgewachsen. Während ihrer Schulzeit und Ju-

gend sei sie aufgrund ihres alevitischen Glaubens benachteiligt worden. Im 

Alter von etwa 18 Jahren sei sie für einen Deutschkurs in die Schweiz ge-

kommen. In der Folge habe sie etwa zehn Jahre in der Schweiz gelebt und 

hier eine Ausbildung als (…) absolviert. Nachdem sie ihren jetzigen Ehe-

mann kennengelernt habe, sei sie mit ihm in die Türkei nach G._______ 

zurückgekehrt, wobei das erste Kind noch in der Schweiz auf die Welt ge-

kommen sei. Ihr Ehemann sei (…), weshalb sie ein (…)geschäft eröffnet 

hätten. Bei den Erdbeben am 6. Februar 2023 sei das Gebäude, in dem 

sich ihr Geschäft befunden habe, zerstört worden, und sie hätten alles ver-

loren. Ihre Mietwohnung hätten sie danach auch verlassen müssen. We-

nige Tage nach den Erdbeben seien sie zunächst nach I._______ und dann 

in ein Dorf bei J._______ gezogen. Dort hätten sie im Haus eines Bekann-

ten wohnen können und die Kinder eingeschult. Aufgrund ihres alevitischen 

Glaubens seien die Kinder in der Schule ausgelacht worden und ihr Ehe-

mann habe keine Arbeit gefunden. Sie hätten deshalb beschlossen, in die 

Schweiz zu reisen. Sie wünsche sich, dass ihre Kinder nicht den Benach-

teiligungen, die sie selber aufgrund ihres alevitischen Glaubens erlebt 

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Seite 3 

habe, ausgesetzt seien. Ihr Ehemann sei mit ihr zusammen in die Schweiz 

gereist, sei jedoch nach etwa drei Monaten wieder in die Türkei zurückge-

kehrt und lebe bei seinen Eltern im Dorf K._______ bei G._______ (Provinz 

H._______). Er arbeite derzeit gelegentlich als (…). Aktuell hätten sie und 

ihr Ehemann sich getrennt. Die Erdbeben und die Erlebnisse in diesem 

Zusammenhang würden sie und ihre Kinder psychisch stark belasten. Des-

halb sei sie in der Schweiz in psychiatrischer Behandlung. Ein neuer An-

fang in der Türkei wäre sehr schwer und sie hätte keine Kraft dafür. 

B.  

Das SEM gewährte der Rechtsvertretung am 23. Mai 2024 das rechtliche 

Gehör zum Entscheidentwurf. Diese reichte gleichentags ihre Stellung-

nahme ein. 

C.  

Mit Verfügung vom 27. Mai 2024 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM 

fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht er-

füllen (Dispositivziffer 1), lehnte ihre Asylgesuche ab (Dispositivziffer 2), 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3), verpflichtete 

sie, das Staatsgebiet der Schweiz sowie den Schengen-Raum bis am Tag 

nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, dies zur Rück-

reise in ihren Heimatstaat beziehungsweise ihren Herkunftsstaat oder zur 

Weiterreise in ein Land, das sich ausserhalb des Schengen-Raumes be-

finde und in dem sie aufgenommen würden, verbunden mit dem Hinweis, 

wenn sie ihrer Verpflichtung nicht innert Frist nachkämen, könne die Weg-

weisung unter Zwang vollzogen werden (Dispositivziffer 4), beauftragte 

den Kanton L._______ mit dem Vollzug der Wegweisung (Dispositivzif-

fer 5) und händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis 

aus (Dispositivziffer 6). 

D.  

Die Rechtsvertretung teilte dem SEM am 27. Mai 2024 die Niederlegung 

ihres Mandates mit. 

E.  

Das Amt (…) liess dem SEM mit Schreiben vom 4. Juni 2024 die Reise-

pässe der Beschwerdeführenden zukommen. 

  

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Seite 4 

F.  

F.a Mit Eingabe vom 5. Juni 2024 erhob die Beschwerdeführerin für sich 

und ihre Kinder beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In dieser 

wurde beantragt, die Verfügung des SEM vom 27. Mai 2024 sei aufzuhe-

ben, ihre Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und ihr sei Asyl zu ge-

währen, eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventu-

aliter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung und vertieften Abklärung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde 

beantragt, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen 

und der Vollzug sei superprovisorisch auszusetzen. Zudem sei zufolge Mit-

tellosigkeit die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 

F.b Der Beschwerde lagen – nebst der angefochtenen Verfügung – zwei 

Arztberichte von Dr. med. E._______, F._______, vom 28. März 2024 und 

3. Juni 2024, ein Referenzschreiben von M._______, N._______, vom 

3. Juni 2024 sowie ein Schreiben der (…) vom 5. Juni 2024 bei. 

G.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 6. Juni 2024 den Eingang 

der Beschwerde. 

H.  

Mit Verfügung vom 19. Juni 2024 trat der Instruktionsrichter auf den Antrag, 

es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, nicht ein 

und stellte fest, die Beschwerdeführenden könnten den Ausgang des Ver-

fahrens in der Schweiz abwarten. Im Weiteren hiess er das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt einer 

nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse der Beschwerde-

führenden gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und 

lud das SEM ein, eine Vernehmlassung einzureichen. 

I.  

Das SEM liess sich am 4. Juli 2024 zur Beschwerde vernehmen. 

J.  

Mit Verfügung vom 12. Juli 2024 lud der Instruktionsrichter die Beschwer-

deführenden ein, eine Replik einzureichen. Die Sendung wurde dem Bun-

desverwaltungsgericht am 24. Juli 2024 mit dem Vermerk «nicht abgeholt» 

retourniert. 

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Seite 5 

K.  

Die Beschwerdeführerin teilte dem Gericht mit Schreiben vom 5. August 

2024 mit, die Abholungseinladung der Post sei zwischen den Zeitungen 

übersehen worden, und es werde um erneute Zustellung der Sendung er-

sucht. 

L.  

Mit Verfügung vom 27. August 2024 lud der Instruktionsrichter die Be-

schwerdeführenden erneut ein, eine Replik einzureichen. 

M.  

Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 9. September 2024. 

Beigelegt war – neben den beiden bereits aktenkundigen Arztberichten 

(vgl. Sachverhalt Bst. A.b und F.b) – ein weiterer Bericht von 

Dr. med. E._______ vom 9. September 2024. 

N.  

Am 16. September 2024 suchte der Ehemann beziehungsweise Vater der 

Beschwerdeführenden, O._______ (ebenfalls N […]), in der Schweiz um 

Asyl nach. Dessen Asylgesuch wurde mit Verfügung des SEM vom 18. De-

zember 2024 abgelehnt. Die gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-

tungsgericht erhobene Beschwerde wird unter der Verfahrensnummer  

D-8061/2024 geführt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist – vorbehältlich der Erwägung 2 – einzutreten. 

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Seite 6 

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerde in Verwaltungssachen 

aufschiebende Wirkung; die Vorinstanz hat der Beschwerde diese nicht 

entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Mit Instruktionsverfügung vom 19. Juni 

2024 wurde deshalb auf den Antrag, es sei der Beschwerde die aufschie-

bende Wirkung zu erteilen, nicht eingetreten (vgl. Sachverhalt Bst. H). Ent-

sprechend ist auch auf den Antrag, der Vollzug sei superprovisorisch aus-

zusetzen, nicht einzutreten. 

3.  

Das vorliegende Verfahren wird mit jenem des Ehemannes beziehungs-

weise Vaters der Beschwerdeführenden (D-8061/2024) koordiniert geführt 

(vgl. Sachverhalt Bst. N). Dessen Asylakten wurden von Amtes wegen bei-

gezogen. 

4.  

4.1  

4.1.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht gerügt, die Vorinstanz 

hätte die (…)- beziehungsweise (…)jährigen Kinder zur Türkei und zu den 

von ihnen erlebten Diskriminierungen anhören müssen. Diese Unterlas-

sung stelle eine Verletzung von Art. 3 und 12 des Übereinkommens über 

die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 (KRK, SR 0.107) dar, da 

ohne die Gewährung des rechtlichen Gehörs das beste Interesse des Kin-

des gar nicht eruiert werden könne. Verletzt würden zudem Art. 22 und 39 

KRK, welche den Kindern Schutz durch die Vertragsstaaten und eine an-

gemessene Rehabilitation gewährleisten würden. Auf nationaler Ebene 

liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor (vgl. Beschwerde 

Ziff. 21). 

4.1.2 Gemäss Art. 12 Abs. 1 KRK haben Kinder, die fähig sind, sich eine 

Meinung zu bilden, das Recht auf Respektierung ihrer Meinung. Zu diesem 

Zweck ist dem Kind insbesondere Gelegenheit zu geben, in allen das Kind 

berührenden Gerichts- oder Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar 

oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle im Einklang mit den 

innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gehört zu werden (Art. 12 Abs. 2 

KRK). Eine gesetzliche Bestimmung zum Anhörungsrecht des Kindes im 

Verwaltungsverfahren findet sich im Schweizer Recht nicht. Das Bundes-

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Seite 7 

gericht hat aber anerkannt, dass Art. 12 KRK im fremdenpolizeilichen Ver-

fahren unmittelbar anwendbar ist (vgl. BGE 147 I 149 E. 3.2; 124 III 90 

E. 3a). Das Kind ist jedoch nicht in jedem Fall persönlich anzuhören. So-

weit sich die Interessenlage des Kindes mit derjenigen seiner Eltern deckt 

und der rechtserhebliche Sachverhalt auch ohne persönliche Anhörung 

rechtsgenüglich festgestellt werden kann, kann auf eine gesonderte Anhö-

rung des Kindes (bzw. dessen Vertreters) verzichtet werden (vgl. 

BGE 144 II 1 E. 6.5; Urteil des BGer 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015 

E. 5.1; Urteil des BVGer E-3831/2024 vom 27. Juni 2024 E. 5.3.2). Vorlie-

gend wurden die Interessen der (…)- beziehungsweise (…)jährigen Kinder 

anlässlich der mündlichen Anhörung der Beschwerdeführerin von ihr hin-

reichend dargelegt. Sie decken sich weitgehend mit ihren eigenen Interes-

sen. Zusätzlich hatten die beiden Kinder auch die Möglichkeit, über ihre 

Vertretung schriftliche Eingaben zu machen. Im Übrigen weist das SEM zu 

Recht darauf hin, dass die Beschwerdeführenden nicht um eine Anhörung 

der Kinder ersuchten. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist insoweit rechts-

genüglich festgestellt. Die Vorinstanz durfte demnach im Einklang mit 

Art. 12 KRK auf die Anhörung der minderjährigen Beschwerdeführenden 

verzichten. Eine Verletzung von Art. 22 und Art. 39 KRK kann aus diesem 

Verzicht ebenfalls nicht abgeleitet werden. 

4.2  

4.2.1 Sodann wird eingewendet, der Sachverhalt sei nicht abschliessend 

geklärt, zumal der gesundheitliche Zustand der Kinder zu keinem Zeitpunkt 

gehörig untersucht worden sei. Dies, obwohl die Beschwerdeführerin wie-

derholt berichtet habe, es gehe den Kindern nicht gut, sie seien sehr ängst-

lich, wollten noch immer bei ihr schlafen und hätten Angst vor Dunkelheit 

und Gewittern. Vor diesem Hintergrund wären weitere Untersuchungen an-

gezeigt gewesen (vgl. Beschwerde Ziff. 22). 

4.2.2 Auch dieser Einwand ist unbegründet. Wie das SEM in seiner Ver-

nehmlassung zutreffend ausführt, berücksichtigte es in der angefochtenen 

Verfügung den psychischen Zustand der Kinder. Anlässlich des Dublin-Ge-

sprächs führte die Beschwerdeführerin aus, es gehe ihren Kindern gut, 

wenngleich sie Angst in der Dunkelheit und vor Gewittern hätten (vgl. SEM-

act. […]-27/3 S. 2 f.). In der Anhörung gab sie zu Protokoll, das Erdbeben 

habe die Kinder sehr schlimm beeinflusst. Sie würden immer noch bei ihr 

schlafen wollen und hätten Angst im Dunkeln und vor Blitz und Donner (vgl. 

[…]-36/13 F7 und F62). Vor diesem Hintergrund hatte das SEM keine Ver-

anlassung, den medizinischen Sachverhalt die Kinder betreffend von Am-

tes wegen weiter abzuklären. Die Beschwerdeführerin reichte schliesslich 

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mit ihrer Replik einen psychiatrischen Bericht von Dr. med. E._______ vom 

9. September 2024 zu den Akten, der sich zum Gesundheitszustand der 

Kinder äussert (vgl. Sachverhalt Bst. M).  

4.3 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die Verfügung aus 

formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Der entsprechende Eventualantrag ist abzuweisen. 

5.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Hei-

matstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, 

Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder we-

gen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist 

oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben 

oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen 

Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

6.  

6.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, die Behelligun-

gen der Kinder in der Schule wegen ihres alevitischen Glaubens während 

der kurzen Zeit in J._______ vermöchten den Voraussetzungen an die In-

tensität einer Verfolgung nicht zu genügen, zumal diese ein menschenwür-

diges Leben in der Türkei nicht grundsätzlich verunmöglichen würden. Zu-

dem sei auch in Zukunft nicht von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver-

folgung auszugehen, zumal die Beschwerdeführenden in ihrer Heimatpro-

vinz zuletzt keine solche Nachteile erlebt hätten. Da die Beschwerdeführe-

rin angegeben habe, sie hätte ihre Heimat nicht verlassen, wenn die Erd-

beben nicht gewesen wären, sei zwischen ihrer Ausreise und den Ereig-

nissen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Aleviten weder ein sachlicher 

noch ein zeitlicher Kausalzusammenhang ersichtlich. Sodann handle es 

sich beim Umstand, dass die Erdbeben ihren Heimatort zerstört hätten, 

nicht um eine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes. 

6.2 In ihrer Beschwerde hält die Beschwerdeführerin dem entgegen, die 

Situation für Personen alevitischen Glaubens sei in der Türkei nach wie vor 

extrem schwierig. Sie würden auf unterschiedlichen Ebenen diskriminiert 

und benachteiligt und würden regelmässig Opfer von Gewalt und Unter-

drückung, dies auch seitens der Polizei. Auf dem Arbeitsmarkt sei eine 

klare Diskriminierung von Aleviten festzustellen. Auch üble Beleidigungen 

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und Hassreden seien nicht ungewöhnlich. Eine juristische Ahndung bleibe 

oft aus. Überdies gelte das Alevitentum derzeit nicht einmal als Glaubens-

richtung, sondern lediglich als Kulturgemeinschaft. Sie sei bereits im jun-

gen Alter in der Schule diskriminiert und gezwungen worden, das Gebet 

fünf Mal täglich zu praktizieren und zu fasten. Ihren Glauben habe sie ge-

heim halten müssen, um schlimmere Folgen zu vermeiden. Ihre Kinder hät-

ten diese Abneigung gegenüber Aleviten ebenfalls in der Schule gespürt. 

So sei etwa der Tochter, als Alevitin, die Schuld gegeben worden an den 

Erdbeben. Die bei den Angriffen angewandte Gewalt sei besonders her-

vorzuheben, zumal sie und ihre Kinder extrem vulnerabel seien. Sie seien 

einer erhöhten individuellen Gefährdung ausgesetzt. Das Argument, sie 

hätten an ihrem Heimatort keinerlei Verfolgung erlitten, gehe fehl, da eine 

Rückkehr nach G._______ aufgrund der Erdbeben nicht möglich sei. Die 

nach dem Wegzug aus G._______ erlebte Diskriminierung sei deshalb re-

levant. Sie hätten zuerst versucht, in der Türkei zu bleiben, was jedoch 

aufgrund der schwerwiegenden Diskriminierung und Verfolgung nicht mög-

lich gewesen sei. Sie hätten demnach G._______ aufgrund der Erdbeben 

verlassen, die Türkei jedoch aufgrund der nach ihrem Wegzug vom Hei-

matort erlebten Diskriminierung und der Unmöglichkeit, sich an einem an-

deren Ort in der Türkei niederzulassen. Der Europäische Gerichtshof für 

Menschenrechte (EGMR) habe festgestellt, die türkischen Behörden wür-

den die Religionsfreiheit von Personen alevitischen Glaubens verletzen. 

Die Diskriminierung alevitischer Personen komme sehr vielschichtig vor 

und ziehe sich durch die ganze Gesellschaftsstruktur. Gewalt sei nicht aus-

zuschliessen und es sei nicht möglich, gerichtlich gegen die Diskriminie-

rung vorzugehen. 

6.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seinen Erwägungen fest 

und ergänzt, der Beschwerde könne keine konkrete und aktuelle respek-

tive künftig mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit drohende landesweite Dis-

kriminierung im flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass entnommen wer-

den. Das SEM erachte den Vollzug der Wegweisung in die Heimatprovinz 

H._______ als zumutbar, weshalb die Beschwerdeführenden nicht mehr 

nach J._______, wo sie die Diskriminierungen erlebt hätten, zurückkehren 

müssten. 

6.4 Die Beschwerdeführerin führt in ihrer Replik aus, die Diskriminierung 

von Aleviten in der Türkei sei weit verbreitet. Dies werde etwa illustriert 

durch die in den Regionen, wo primär Minderheiten leben würden, beinahe 

vollständig ausgebliebene beziehungsweise erst viel später als in anderen 

Regionen eingetroffene Erdbebenhilfe. Die staatlichen Vertreter seien nur 

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Seite 10 

für die Berichterstattung gekommen, hätten aber keinerlei humanitäre Hilfe 

geleistet. Dieses Verhalten betreffe auch H._______, welches erheblich 

von den Erdbeben getroffen worden sei. Die Diskriminierung komme nicht 

nur in Einzelfällen vor, sondern werde systematisch durch sämtliche staat-

liche Organe und auch durch Privatpersonen ausgeübt. Insbesondere be-

treffe dies, wie der EGMR festgestellt habe, auch die Ausübung ihrer Reli-

gion. Oft gehe diese Diskriminierung über in Gewalt und Angriffe, weswe-

gen nicht nur die psychische, sondern auch die physische Integrität der 

Familie auf dem Spiel stehe. Sie hätten die Unterdrückung bereits selbst 

erlebt, was klar indiziere, dass sie bei einer Rückkehr erneut demselben 

Risiko ausgesetzt wären. 

7.  

7.1 Das SEM stellte in seiner Verfügung zu Recht fest, dass die von den 

Beschwerdeführenden erlebten Behelligungen und Diskriminierungen auf-

grund ihrer Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft der arabischen Alevi-

ten keine flüchtlingsrechtlich relevante Intensität erreichen. Zur Vermei-

dung von Wiederholungen kann auf die die entsprechenden Erwägungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. E. 6.1 und 6.3). Diese gehen viel-

mehr – ohne diese zu negieren oder zu bagatellisieren – nicht über die 

Nachteile hinaus, welche weite Teile der alevitischen Bevölkerung in der 

Türkei in ähnlicher Weise treffen können. Für die Annahme einer Kollektiv-

verfolgung gelten praxisgemäss jedoch sehr hohe Anforderungen (vgl. 

BVGE 2014/32 E. 7.2 und 2013/21 E. 9.1), welche im Falle der Aleviten – 

auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Entwicklungen in der 

Türkei – nicht erfüllt sind (vgl. das Referenzurteil des BVGer E-4103/2024 

vom 8. November 2024 E. 7.1 m.w.H.). Die Ausführungen der Beschwer-

deführerin im Rahmen des Beschwerdeverfahrens zu den erlebten Diskri-

minierungen und zur allgemeinen Situation von Aleviten vermögen an die-

ser Einschätzung nichts zu ändern. Vor diesem Hintergrund kann die Frage 

des Bestehens eines sachlichen und zeitlichen Kausalzusammenhangs 

zwischen der Ausreise und der Religionszugehörigkeit offengelassen wer-

den. 

7.2 Das SEM hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Be-

schwerdeführenden verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

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Seite 11 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2  

9.2.1 Das SEM hält in seiner Verfügung fest, es würden sich aus den Akten 

keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass den Beschwerdeführenden im 

Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Ein 

Wegweisungsvollzug sei unter dem Blickwinkel der KRK nur dann unzu-

lässig, wenn er auf einer Bestimmung des schweizerischen Rechts oder 

auf einer Behördenpraxis beruhe, die mit den allgemeinen Richtlinien der 

KRK, namentlich mit dessen Art. 22, nicht vereinbar sei. Die Bestimmun-

gen des innerstaatlichen Rechts würden den internationalen Verpflichtun-

gen der Schweiz genügen. Hinsichtlich der Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs sei festzuhalten, dass seit den Erdbeben mittlerweile ein 

Jahr vergangen sei und der türkische Staat wie auch verschiedene Hilfsor-

ganisationen finanzielle und materielle Unterstützung leisten würden. Zwar 

hätten die Beschwerdeführenden ihre Mietwohnung aufgrund der steigen-

den Mietzinse verlassen müssen, jedoch würden Familienangehörige wei-

terhin in ihren Häusern in der Provinz H._______ leben. Der Ehemann der 

Beschwerdeführerin sei bei seinen Eltern wohnhaft und ihre eigenen Eltern 

würden mit ihrem jüngeren Bruder, dessen Frau und deren Kind zusam-

menleben. Der ältere Bruder habe mit seiner Familie ein eigenes Zuhause. 

Ein Bruder habe einen (…) und der andere arbeite als (…). Ihr Vater und 

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der Schwiegervater würden Renten beziehen. Ihr Ehemann habe noch 

keine Festanstellung, arbeite jedoch gelegentlich als (…). Auch wenn die 

Beschwerdeführerin angebe, wegen unterschiedlicher Ansichten nicht mit 

ihren Eltern oder Schwiegereltern zusammenwohnen zu wollen, erscheine 

es zumutbar, dass sie zumindest während einer gewissen Zeit bei ihrem 

älteren Bruder, ihren Eltern oder ihren Schwiegereltern lebe, bis sie wieder 

eine eigene Existenz aufbaue. Aufgrund ihrer Arbeit im (…) und ihrer in der 

Schweiz absolvierten Ausbildung als (…) seien begünstigende Umstände 

für eine Integration in den Arbeitsmarkt gegeben. Zudem verfüge sie über 

gute Deutschkenntnisse, was bei der Arbeitssuche ebenfalls nützlich sein 

könne. Während der ersten Zeit nach der Rückkehr könne sie allenfalls auf 

– wenn auch nur geringe – finanzielle Hilfeleistungen von ihren Brüdern 

oder ihrer in der Schweiz wohnhaften Schwester zurückgreifen. Zudem be-

stehe die Möglichkeit, Rückkehrhilfe zu beantragen. Insgesamt würden be-

günstigende Umstände hinsichtlich der wirtschaftlichen Reintegration und 

Wohnsituation vorliegen. Es sei deshalb nicht davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr in die Türkei in eine existenzielle 

Notlage geraten würden. Im Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass sie in 

J._______ im Haus eines Bekannten hätten wohnen können. Sollte die Be-

schwerdeführerin also nicht bei ihrem Bruder, ihren Eltern oder ihren 

Schwiegereltern wohnen wollen, stehe es ihr zusammen mit ihrem Ehe-

mann offen, sich zumindest vorübergehend nach einer Aufenthaltsalterna-

tive umzusehen. Was das Kindeswohl anbelange, seien die (…)- bezie-

hungsweise (…)jährigen Kinder im schulpflichtigen Alter. Gemäss Angaben 

der Beschwerdeführerin seien sie grundsätzlich gesund, würden jedoch 

seit den Erdbeben an Angstzuständen leiden, vor allem dann, wenn es 

blitze und donnere. Die Sorgen der Beschwerdeführerin um ihre Kinder und 

ihr Wunsch, ihnen eine bessere Zukunft in der Schweiz zu ermöglichen, 

seien berechtigt und sehr gut nachvollziehbar. Tatsächlich sei die Zerstö-

rung in der Provinz H._______ nach den Erdbeben derart gross gewesen, 

dass der Zugang (unter anderem) zu Schulbildung und Gesundheitsver-

sorgung teilweise nicht gegeben oder erschwert gewesen sei. Neusten Be-

richten über die Lage im Erdbebengebiet in der Türkei sei jedoch zu ent-

nehmen, dass in G._______ respektive in der Provinz H._______ mittler-

weile der Zugang zu Schulbildung für Kinder gegeben sei. Aufgrund des 

Erlebten im Zusammenhang mit den Erdbeben seien die Beschwerdefüh-

renden verständlicherweise psychisch stark belastet. Dem psychiatrischen 

Bericht sei im Wesentlichen zu entnehmen, dass eine Rückkehr an den 

Ort, wo die Erdbeben vieles zerstört hätten, ein posttraumatisches Syn-

drom bei der Beschwerdeführerin auslösen könnte. Eine Diagnose sei im 

Bericht nicht explizit gestellt worden. Die Kinder würden insbesondere bei 

D-3565/2024 

Seite 13 

Blitz und Donner unter Angstzuständen leiden und der Ehemann habe jeg-

liche Hoffnung verloren. Die Behandlung psychischer Probleme sei in der 

Türkei grundsätzlich gewährleistet. Von der Zerstörung durch die Erdbeben 

seien zwar auch medizinische Einrichtungen betroffen gewesen, jedoch 

gebe es in der Provinz H._______ ein staatliches Spital mit einer psychiat-

rischen Abteilung, welches gemäss aktuellen Informationen des SEM der-

zeit in Betrieb sei. Zudem würden auch Hilfsorganisationen psychologische 

Betreuung für Kinder und Erwachsene anbieten. Es sei deshalb davon aus-

zugehen, dass die geltend gemachten medizinischen Probleme in der Tür-

kei adäquat behandelt werden könnten und bei Bedarf eine entsprechende 

Behandlung faktisch zugänglich sei. Allenfalls seien psychologische Bera-

tungen auch online möglich. Ausserdem könnten die Beschwerdeführen-

den medizinische Rückkehrhilfe beantragen. Insgesamt sei der Wegwei-

sungsvollzug als zumutbar zu erachten. 

9.2.2 In ihrer Beschwerde weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass 

sie und ihre Kinder aufgrund der Situation für alevitische Personen in der 

Türkei bei einer Rückkehr einer erheblichen Gefahr von Gewalt und kör-

perlichen Angriffen ausgesetzt seien. Dies gelte umso mehr, als sie auf-

grund der Erdbeben nicht mehr an ihren Heimatort zurückkehren könnten. 

Nach ihrem Wegzug seien sie täglich diskriminiert und beleidigt worden. 

Selbst die Kinder seien hiervon nicht verschont geblieben. Bei einer Rück-

kehr wären sie somit unmenschlicher und erniedrigender Behandlung und 

im Falle von physischen Angriffen sogar Folter ausgesetzt, was eine Ver-

letzung von Art. 3 EMRK beziehungsweise von Art. 3 CAT (Deutsch: Über-

einkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, 

SR 0.105]) darstelle. Behördliche Unterstützung sei nicht möglich, zumal 

die Diskriminierungen auch von deren Seite ausgeübt würden. Hinzu-

komme, dass sie nicht mehr mit ihrem Mann zusammen sei und deshalb 

in der Türkei komplett auf sich alleine gestellt wäre. Als alleinerziehende 

Mutter mit zwei jungen Kindern sei sie besonders vulnerabel. Da ihre Hei-

mat von den Erdbeben zerstört worden sei, sei eine Rückkehr an ihr altes 

Zuhause nicht mehr möglich, was die Situation noch desolater mache. 

Nach ärztlicher Ansicht habe sie eine besonders schwerwiegende Form 

der posttraumatischen Belastungsstörung erlitten, welche inzwischen so-

gar zu einer Suizidalität geführt habe. Ihre und ihrer Kinder Reaktion auf 

das erlebte Erdbeben sei besonders stark ausgefallen und ins Pathologi-

sche übergegangen. Die blosse Vorstellung, an den Ort der Erdbeben zu-

rückzukehren, habe bei ihr eine solche Panik ausgelöst, dass diese selbst 

mit Medikamenten schwer in den Griff zu bekommen gewesen sei. Eine 

D-3565/2024 

Seite 14 

Rückführung hätte für sie aufgrund ihrer Angstzustände mit nicht latenter 

Suizidalität fatale Folgen. Die Kinder, welche ohnehin besonders gefährdet 

seien, zumal sie bereits in der Schule Opfer von Diskriminierung geworden 

seien, müssten dann plötzlich ohne ihre engste Bezugsperson leben. So-

dann sei davon auszugehen, dass sie (die Beschwerdeführerin) aufgrund 

ihrer Krankheit in der Türkei beinahe vollständig funktionsunfähig wäre und 

sich nicht angemessen um ihre Kinder kümmern könnte. Eine Wegweisung 

in die Türkei würde somit gegen Art. 3 KRK verstossen. Insgesamt sei der 

Wegweisungsvollzug unzulässig und unzumutbar. 

9.2.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, der Umstand, dass 

sich die Beschwerdeführerin von ihrem Ehemann getrennt habe, vermöge 

nichts an seiner Einschätzung zu ändern, zumal sie mit ihren Kindern vor-

erst zu anderen Familienmitgliedern ziehen könne. Des Weiteren könnten 

die Kinder trotz der angeblichen Trennung die Beziehung zum Vater weiter 

pflegen. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten gesundheitli-

chen Beschwerden würden nicht gegen die Zulässigkeit des Wegwei-

sungsvollzugs sprechen. Trotz der Zerstörung durch die Erdbeben seien in 

der Heimatregion der Beschwerdeführenden weiterhin medizinische Ein-

richtungen vorhanden. Eine bestehende Suizidalität verstosse nicht gegen 

Art. 3 EMRK, wenn der wegweisende Staat Massnahmen ergreife, um die 

Umsetzung einer Suiziddrohung zu verhindern. Allfälligen suizidalen Ten-

denzen könne im Falle einer (zwangsweisen) Rückführung bei der Ausge-

staltung der Modalitäten durch angemessene und sorgfältige Vorbereitung 

mit geeigneten medizinischen und anderen Massnahmen Rechnung getra-

gen werden. Einer allfällig erneut auftretenden akuten Suizidalität könne 

medikamentös und therapeutisch entgegengewirkt werden. Eine posttrau-

matische Belastungsstörung (PTBS) könne zwar eine nicht zu verken-

nende gesundheitliche Beeinträchtigung darstellen, führe aber in der Regel 

nicht zu einer lebensbedrohlichen medizinischen Notlage. Eine allenfalls 

fortgeschrittene Integration der Beschwerdeführenden in der Schweiz ver-

möge an der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die Türkei nichts 

zu ändern, zumal der rund einjährige Aufenthalt in der Schweiz noch keine 

Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge habe. Ohne gewisse, jedoch nicht 

unüberwindbar erscheinende Reintegrationsschwierigkeiten nach einer 

Rückkehr in die Heimat in Abrede stellen zu wollen, erscheine eine Rück-

kehr respektive ein Neuanfang in der Türkei – insbesondere aufgrund des 

vorhandenen Familiennetzes – für die Beschwerdeführenden als zumut-

bar. Die eingereichten Referenzschreiben vermöchten die Einschätzung 

des SEM nicht umzustossen. 

D-3565/2024 

Seite 15 

9.2.4 In ihrer Replik weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass die Si-

tuation in der Türkei für ihren Ehemann inzwischen unaushaltbar geworden 

sei, weshalb er sich wieder in Europa befinde. Sie wäre deshalb bei einer 

zwangsweisen Rückkehr in die Türkei komplett auf sich alleine gestellt, zu-

mal ihr Ehemann seine väterlichen Pflichten nicht wahrnehmen könnte. Die 

dringend benötigte Betreuung vor Ort würde allein auf ihr lasten, weshalb 

eine Rückkehr in die Türkei umso schwieriger wäre. Was den Gesundheits-

zustand der Kinder anbelange, habe sie aktiv versucht, für sich und ihre 

Kinder Hilfe zu holen nach den traumatischen Erlebnissen im Zusammen-

hang mit den Erdbeben und den erlittenen Diskriminierungen. Hierbei sei 

festgestellt worden, dass sich die Kinder inzwischen zwar gut in der 

Schweiz integriert und die Sprache erlernt hätten, jedoch weiterhin an den 

Nachwirkungen ihrer Vergangenheit leiden würden. So hätten sie regel-

mässig Flashbacks am Tag und Angstanfälle in der Nacht und seien ver-

schüchtert, dekonzentriert und gestört in den Denkabläufen. Ihr erlittenes 

Trauma sei inzwischen so ausgeprägt, dass ein normales Funktionieren im 

Alltag nicht möglich sei. Eine Rückführung der Kinder in die Türkei sei da-

her nicht zumutbar und ihre Behandlungsbedürftigkeit sei klarerweise ge-

geben. Auch sie (die Beschwerdeführerin) wäre bei einer Rückkehr einer 

starken Retraumatisierung ausgesetzt. Es sei zudem eine immense Ver-

zweiflung festgestellt worden. Es wäre sogar denkbar, dass sie sich bei 

einer Rückkehr nicht mehr richtig um ihre Kinder kümmern könnte. Der Zu-

gang zu medizinischer Versorgung sei in der Türkei nicht gewährleistet. 

Besonders problematisch sei der Mangel an Psychiatern und Psychologen, 

der weit unter dem europäischen Standard liege. Aleviten, die nach einer 

Rückkehr in die Türkei psychische Unterstützung benötigten, würden sich 

einem stark unterversorgten Gesundheitssystem gegenübersehen. Die so-

ziale Ausgrenzung und religiöse Diskriminierung könnten die psychischen 

Belastungen verstärken. Auch historische Traumata und anhaltende politi-

sche Spannungen würden die Situation weiter verschärfen. Hinzu komme, 

dass Aleviten, die in ländlichen oder konservativen Regionen der Türkei 

leben würden, noch stärkeren Zugangsbeschränkungen und Diskriminie-

rungen ausgesetzt seien. Der Zugang zu qualifizierter Hilfe werde zusätz-

lich erschwert, indem die Gesundheitsversorgung oft nicht auf die spezifi-

schen kulturellen und religiösen Bedürfnisse dieser Gruppe eingehe. Eine 

Rückkehr in die Türkei für alevitische Asylsuchende mit erhöhtem psychi-

schen Unterstützungsbedarf sei deshalb äusserst riskant. Das SEM ver-

kenne, dass sie (die Beschwerdeführerin) nicht nur suizidale Tendenzen 

aufweise, sondern auch zusätzliche Risikofaktoren vorliegen würden. So 

seien die psychisch angeschlagenen Kinder dringend auf ein stabiles Le-

bensumfeld und ihre Mutter angewiesen. Zudem wäre sie in ihrem 

D-3565/2024 

Seite 16 

Heimatland wieder üblen Diskriminierungen ausgesetzt und würde wohl 

keine Möglichkeit erhalten, einer ordentlichen beruflichen Tätigkeit nach-

zugehen. Auf die Unterstützung ihrer Familienmitglieder in der Türkei 

könne sie nicht zählen, weil die Beziehung zu ihnen nicht habe aufrecht-

erhalten werden können. Aufgrund der insgesamt erheblichen Gefährdung 

würde eine Rückführung in die Türkei gegen Art. 3 EMRK, Art. 5 Bst. d vii 

des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminie-

rung vom 21. Dezember 1965 (CERD, SR 0.104) und Art. 3 KRK verstos-

sen. Im Übrigen wird für die weiteren Ausführungen auf die vorstehende 

Erwägung 6.4 verwiesen. 

9.3  

9.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.3.2 Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrecht-

lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann 

der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorlie-

genden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwer-

deführenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 

AsylG rechtmässig. 

9.3.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdefüh-

renden für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 

D-3565/2024 

Seite 17 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis 

des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener 

des UN-Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine 

konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass 

ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung 

drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 

2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt der 

Beschwerdeführerin auch unter Berücksichtigung der vorgebrachten Be-

helligungen und Diskriminierungen aufgrund der Religionszugehörigkeit 

nicht. Ebenso wenig liegt mit Verweis auf die zutreffenden Erwägungen des 

SEM eine Verletzung der Bestimmungen der KRK vor (vgl. E. 9.2.1 und 

9.4). Soweit in der Replik argumentiert wird, der Vollzug der Wegweisung 

sei aus medizinischen Gründen unzulässig, ist auf die nachfolgende Erwä-

gung 9.4.6 zu verweisen. Schliesslich lässt auch die allgemeine Men-

schenrechtssituation in der Türkei den Wegweisungsvollzug zum heutigen 

Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

9.3.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.4  

9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.4.2 In der Türkei ist nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder 

bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen auszugehen (vgl. die Referenzurteile 

des BVGer E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 E. 7.3 und E-4103/2024 vom 

8. November 2024 E. 13, je m.w.H.). Der Vollzug der Wegweisung in die 

von den Erdbeben vom Februar 2023 betroffenen Gebiete ist praxisge-

mäss ebenfalls nicht als generell unzumutbar zu erachten; vielmehr ist die 

Beurteilung der Zumutbarkeit im Rahmen einer einzelfallweisen Prüfung 

der individuellen Lebenssituation der Betroffenen vorzunehmen (vgl. dazu 

das Referenzurteil des BVGer E-1308/2023 vom 19. März 2024 E. 11.3.1). 

9.4.3 Was das Vorbringen anbelangt, die Beschwerdeführenden seien, da 

sie aufgrund der Erdbeben nicht mehr an ihren Heimatort zurückkehren 

könnten, als Aleviten einer erheblichen Gefahr von Gewalt und 

D-3565/2024 

Seite 18 

körperlichen Angriffen ausgesetzt, ist darauf hinzuweisen, dass – überein-

stimmend mit dem SEM – auch das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug 

der Wegweisung in die Heimatprovinz H._______, wo sie kaum Diskrimi-

nierungen ausgesetzt gewesen seien (vgl. SEM-act. […]-36/13 F7 und 

F78), als zumutbar erachtet. Auf weitere Ausführungen zu den in 

J._______ erlebten Diskriminierungen kann deshalb verzichtet werden. 

9.4.4 Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie wäre bei einer Rückkehr als 

alleinerziehende Mutter völlig auf sich alleine gestellt und könnte sich auf-

grund ihrer psychischen Probleme nicht angemessen um ihre Kinder küm-

mern. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass ihr Ehemann am 16. September 

2024 in der Schweiz um Asyl nachsuchte (vgl. Sachverhalt Bst. N und 

E. 3). Am 4. Oktober 2024 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das 

rechtliche Gehör zur Beziehung zu ihrem Ehemann (vgl. SEM-act. […]-

53/2). Die Beschwerdeführerin ersuchte das SEM mit Schreiben vom 

7. Oktober 2024, ihren Ehemann bei sich und den Kindern leben zu lassen. 

Sie seien wieder zusammen und würden einander verstehen und unter-

stützen (vgl. SEM-act. […]-54/1). In ihrem Schreiben vom 10. Oktober 2024 

teilte sie mit, sie seien wieder eine Familie, die Kinder seien glücklich und 

sie sei erleichtert. Während der Trennung sei für sie alles schwieriger ge-

wesen. Mit Unterstützung und Liebe gehe alles einfacher (vgl. SEM-act. 

[…]-55/3). Die Beschwerdeführerin wird somit in Begleitung ihres Eheman-

nes, der ebenfalls aus der Schweiz weggewiesen wird (vgl. Urteil des 

BVGer D-8061/2024 vom 19. Februar 2025), und der beiden gemeinsa-

men Kinder in die Türkei zurückkehren und nicht alleine die Verantwortung 

für die Kinder zu tragen haben. Vor diesem Hintergrund ist davon auszu-

gehen, dass sich die Eltern gemeinsam um ihre Kinder kümmern werden 

und können. Eine Verletzung des Kindeswohls mangels adäquater Für-

sorge ist daher zu verneinen. 

9.4.5 G._______ wurde von den Erdbeben (…). Es ist denn auch zu erwar-

ten, dass eine Rückkehr in die Heimatregion für die Beschwerdeführenden 

durchaus mit Schwierigkeiten verbunden sein wird. Ihr Wunsch nach einem 

Verbleib in der Schweiz ist vor diesem Hintergrund durchaus nachvollzieh-

bar. Jedoch liegen, wie das SEM ausführlich und überzeugend aufzeigt, 

angesichts des vorhandenen familiären Netzes sowie der Ausbildung und 

Berufserfahrung der Beschwerdeführerin begünstigende Umstände hin-

sichtlich der wirtschaftlichen Reintegration und Wohnsituation in der Hei-

matregion vor. Auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz in der 

angefochtenen Verfügung und Vernehmlassung kann vollumfänglich ver-

wiesen werden (vgl. E. 9.2.1 und 9.2.3). Hinzu kommt, dass die 

D-3565/2024 

Seite 19 

Beschwerdeführenden zusammen mit dem Ehemann beziehungsweise 

Vater in die Türkei zurückkehren werden und mit dessen Beistand rechnen 

können. Beim Einwand in der Replik, die Beschwerdeführenden könnten 

nicht auf die Unterstützung ihrer Familienmitglieder in der Türkei zählen, 

weil die Beziehung zu ihnen nicht habe aufrechterhalten werden können, 

handelt es sich um eine unbelegte und überdies nicht nachvollziehbare Be-

hauptung. 

9.4.6  

9.4.6.1 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen 

Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis dann zu schliessen, wenn 

eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü-

gung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden 

Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen 

würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizini-

sche Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschen-

würdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls 

dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem 

schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung mög-

lich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1, je m.w.H.). 

9.4.6.2 Die Beschwerdeführerin reichte drei Berichte von 

Dr. med. E._______ vom 28. März 2024, 3. Juni 2024 und 9. September 

2024 zu den Akten (vgl. Sachverhalt Bst. A.b, F.b und M). Diesen ist zu 

entnehmen, dass die Beschwerdeführerin und ihre Kinder – Letztere habe 

die Psychiaterin kennengelernt – auf die Erdbeben mit einer eigenen Er-

schütterung reagiert hätten, deren Ausmass ins extrem Pathologische 

gehe. Die blosse Vorstellung, an den Ort der Apokalypse zurückzukehren, 

habe bei der Beschwerdeführerin eine Panik ausgelöst, der mit Medika-

menten kaum beizukommen gewesen sei. Aufgrund ihres psychischen Zu-

standes sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, eine Existenz in ihrer 

total zerstörten Heimat aufzubauen. Eine Rückführung sei in der psychi-

schen Krise eines äusserst schweren posttraumatischen Syndroms und 

auch unter den gegebenen realen Umständen medizinisch nicht zumutbar, 

sondern würde zu einem schwersten mentalen Kollaps führen (vgl. psychi-

atrischer Bericht vom 28. März 2024). Nach dem negativen Asylentscheid 

sei sie in eine psychiatrische Akutsituation gestürzt und leide unter Angst-

zuständen, die ihr Denken und Handeln beeinträchtigen würden, mit laten-

ter oder auch nicht latenter Suizidalität. Es sei bekannt, dass die Suizidali-

tät bei jungen Müttern massiv erhöht sei, wenn sie sich nicht mehr in der 

Lage sähen, ihre Kinder vor realen oder eingebildeten Gefahren zu 

D-3565/2024 

Seite 20 

schützen (vgl. psy-chiatrischer Bericht vom 3. Juni 2024). In ihrem Bericht 

vom 9. September 2024 weist die Psychiaterin darauf hin, dass sich der 

Zustand der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder in besorgniserregendem 

Masse verschlechtert habe. Die Kinder seien zunehmend am Dekompen-

sieren. Ihre Angst, an die Quelle ihres massiven Erdbebentraumas und in 

die nach wie vor total zerstörte Stadt zurückkehren zu müssen, nun jedoch 

ohne den verlorenen Vater, übersteige ihre besten Ressourcen. Flash-

backs am Tag und Angstanfälle in der Nacht seien zu ihrem Alltag gewor-

den und würden ein normales Funktionieren am Tag verhindern. Die Kinder 

seien dekonzentriert, gestört in ihren Denkabläufen und verschüchtert vor 

menschlichen Begegnungen. Eine Rückführung in die zerstörte Heimat, 

die für sie keine Heimat mehr sei, bedeute eine massive Retraumatisierung 

und sei medizinisch unzumutbar. Beide Kinder seien, wie auch die Be-

schwerdeführerin, dringend behandlungsbedürftig. Letztere befinde sich in 

einem Zustand der Verzweiflung. Eine Rückkehr sei in ihrem posttraumati-

schen Zustand nicht möglich. Den ablehnenden Entscheid des SEM erlebe 

sie wie eine weitere Vertreibung, eine Retraumatisierung, die ihre psychi-

schen Ressourcen übersteige. Sie befinde sich in einem permanenten de-

pressiv-agitierten Angstzustand. Ihre Suizidalität sei ernst zu nehmen. Der 

Wegweisungsvollzug der Familie sei aus medizinischer Sicht unverant-

wortbar. 

9.4.6.3 Diesen Berichten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin 

und ihre Kinder offensichtlich einer psychiatrischen Behandlung bedürfen. 

Gleichwohl ist mit Verweis auf die Erwägungen des SEM in der angefoch-

tene Verfügung und der Vernehmlassung, in welcher auf die in der Türkei 

beziehungsweise der Heimatregion der Beschwerdeführenden bestehen-

de Gesundheitsversorgung und die dortige Behandelbarkeit von psychi-

schen Erkrankungen sowie die Möglichkeit der Gewährung spezifischer 

medizinischer Rückkehrhilfe hingewiesen wird, nicht von einer medizini-

schen Notlage im Sinne der vorgenannten Rechtsprechung auszugehen 

(vgl. E. 9.2.1, 9.2.3 und 9.4.6.1). An dieser Einschätzung vermögen die 

Einwände in der Beschwerde und der Replik (vgl. E. 9.2.2 und 9.2.4) nichts 

zu ändern. Es ist vielmehr davon auszugehen, den Beschwerdeführenden 

sei trotz ihrer Zugehörigkeit zu den arabischen Aleviten eine weiterfüh-

rende psychiatrische Behandlung in ihrer Heimatregion, wo sie kaum Dis-

kriminierungen erlebt hätten, möglich (vgl. E. 9.4.3). Hinsichtlich der Suizi-

dalität der Beschwerdeführerin ist festzuhalten, dass vom Vollzug der Weg-

weisung gemäss konstanter Rechtsprechung nicht Abstand zu nehmen ist, 

solange Massnahmen zur Verhütung der Umsetzung einer Suiziddrohung 

getroffen werden können (vgl. etwa die Urteile des BVGer E-6921/2023 

D-3565/2024 

Seite 21 

vom 12. Januar 2024 E. 7.5; D-172/2021 vom 5. Januar 2023 E. 9.3.3; vgl. 

auch Urteil des BGer 2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1). Soll-

ten sich die suizidalen Tendenzen der Beschwerdeführerin (erneut) ver-

schärfen, wäre dem mit entsprechenden Massnahmen bei der Vollzugsor-

ganisation, beispielsweise durch fachärztliche sowie medikamentöse Vor-

bereitung und Begleitung, Rechnung zu tragen. Über die Transportfähigkeit 

werden die Vollzugsbehörden im gegebenen Zeitpunkt befinden. 

9.4.7  

9.4.7.1 Auch unter Berücksichtigung des Kindeswohls ist der Wegwei-

sungsvollzug nicht unzumutbar. Nach geltender Rechtsprechung sind bei 

der Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AlG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 KRK unter 

dem Aspekt des Wohls des Kindes namentlich folgende Kriterien im Rah-

men einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung: Alter, Reife, Ab-

hängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Ei-

genschaften seiner Bezugspersonen, Stand und Prognose bezüglich Ent-

wicklung/Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem 

längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.). 

9.4.7.2 B._______ und C._______ leiden offensichtlich unter den Folgen 

der Erdbeben und es ist aufgrund des psychiatrischen Berichts vom 

9. September 2024 offensichtlich, dass die Kinder auf eine adäquate psy-

chiatrische Behandlung angewiesen sind (vgl. E. 9.4.6.2). Der Zugang zu 

einer solchen ist mit Verweis auf die Erwägung 9.4.6.3 gewährleistet. Zu-

dem werden sie zusammen mit beiden Eltern in die Türkei zurückkehren. 

Es wird deren Aufgabe sein, für die notwendige Behandlung ihrer Kinder 

zu sorgen. Im Weiteren ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführe-

rin zusammen mit ihrem Mann und dem erweiterten familiären Beziehungs-

netz den beiden Kindern trotz der zweifellos schwierigen Lebensumstände 

in ihrer Heimat ein ausreichend stabiles Lebensumfeld werden bieten kön-

nen. Auch im Aufenthalt und der damit verbundenen Integration der (…)- 

und (…)jährigen Kinder in der Schweiz kann kein Verstoss gegen das Kin-

deswohl im Falle des Vollzugs der Wegweisung erblickt werden. Sie halten 

sich seit bald zwei Jahren in der Schweiz auf, was als nicht besonders 

lange erscheint. Zwar haben sich laut dem Referenzschreiben der Schule 

beide ausserordentlich schnell sowohl in sprachlicher als auch sozialer 

Hinsicht integriert. Sie hätten starke soziale und emotionale Fähigkeiten 

und seien verantwortungsvolle, friedvolle und intelligente Kinder. Ausser-

schulisch seien sie in einem (…) aktiv und damit Teil einer weiteren Ge-

meinschaft. Ungeachtet der offensichtlich schnellen und guten Integration 

der Kinder in der Schweiz ist jedoch aufgrund ihres Alters und ihres erst 

D-3565/2024 

Seite 22 

knapp zweijährigen Aufenthaltes in der Schweiz nicht davon auszu-gehen, 

dass sie sich derart an die schweizerische Kultur und Lebensweise ange-

passt hätten, dass der Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz eine Ent-

wurzelung darstellen würde. Sie werden zudem zusammen mit beiden El-

tern in ihre Heimatregion zurückkehren, wo überdies zahlreiche Verwandte 

leben.  

9.4.8 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten nicht 

als unzumutbar. 

9.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-

digen Vertretung des Heimatstaates die allenfalls für eine Rückkehr not-

wendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und 

dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung 

auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im 

Lichte von Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden 

ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem mit 

Instruktionsverfügung vom 19. Juni 2024 das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutge-

heissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3565/2024 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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