# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9fd39829-ec88-54d0-969e-41860085ff4e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240054-O1
**Docket/Reference:** SB240054-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240054-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240054-O/U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

M. Knüsel und Oberrichter lic. iur. R. Faga sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw A. Donatsch

Urteil vom 20. März 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und I. Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und II. Berufungsklägerin

betreffend Mord etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur 

vom 22. September 2023 (DG220055)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 6. Dezember 

2022 (Urk. 24/1) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 108 S. 108 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig













der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB,

der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in 

Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB,

der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne 

von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG,

der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. a 

StGB sowie

der Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.

2.

Vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Ver-

bindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB betreffend den Anklagesachverhalt I lit. d wird der 

Beschuldigte freigesprochen.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 3 Mona-

ten, wovon 223 Tage durch Haft erstanden sind, einer Geldstrafe von 20 Tages-

sätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 600.–) sowie mit einer Busse von Fr. 700.–.

4.

a)

b)

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt.

- 3 -

c)

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen.

5.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 11 Jahre des Landes verwie-

sen.

6.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

1. Juni 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-

Triage, lagernden Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien werden einge-

zogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung überlas-

sen:





1 Minigrip, enthaltend ca. 7.7 Gramm Marihuana (A015 '335'087),

Feinwaage klein (A015'335'134).

7.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

1. Juni 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-

Triage, lagernden Gegenstände werden den jeweiligen Berechtigten herausgege-

ben:







Mobiltelefon Samsung Galaxy S10 der Privatklägerin 1 (A015'334'493)

Mobiltelefon Samsung dem Beschuldigten (A015'334'926)

Notebook Microsoft dem Beschuldigten (A015'334'960)

Den Berechtigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch 

eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage dieses Entscheids und eines amtlichen 

Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der genannten Lagerbehörde ab-

zuholen.

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, ist die 

Lagerbehörde berechtigt, die Gegenstände gutscheinend zu verwenden bzw. zu 

vernichten.

8.

a)

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 

(B._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grund-satze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatz-

anspruches wird die Privatklägerin 1 auf den Weg des Zivilprozesses verwie-

sen.

- 4 -

b)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 (B._____) Fr. 75'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 12. Juni 2021 als Genugtuung zu bezahlen.

9.

a)

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 2 

(C._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatz-

anspruches wird der Privatkläger 2 auf den Weg des Zivilprozesses verwie-

sen.

b)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 (C._____) 

Fr. 55'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 12. Juni 2021 als Genugtuung zu bezah-

len.

10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

12'500.00   Gebühr für das Vorverfahren; 

17'374.03   Auslagen (Gutachten); 

Kosten Kantonspolizei

14'458.25   Obduktion;

3'600.00   Telefonkontrolle;

502.60   Auslagen;

1'010.00   Auslagen Polizei;

49'028.90

  Entschädigung amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt  
  lic. iur. X._____ (inkl. Barauslagen und MwSt.)

Fr.

8'579.90

Fr.

15'847.00

  Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand der Pri-
  vatklägerin 1, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ (inkl.
  Barauslagen und MwSt.)

  Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand des Pri-
  vatklägers 2, Rechtsanwalt lic. iur. Z._____ (inkl.
  Barauslagen und MwSt.)

Fr.

128'900.68   Total

Über die Kosten, die im Verfahren gegen B._____ angefallen sind (Auslagen Ober-

gericht, III. Strafkammer, Geschäfts-Nr. UB210138-O: Beschluss vom 14. Septem-

ber 2021 und Auslagen Zwangsmassnahmengericht des Bezirksgerichts Zürich, 

Geschäfts-Nr. GT210102-L: Verfügung vom 6. September 2021) ist im Verfahren 

gegen B._____ zu entscheiden.

- 5 -

11. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 10 werden dem Beschuldigten auferlegt. Die 

Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretungen 

werden indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforde-

rung dieser Kosten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO sowie Art. 138 Abs. 1 StPO bleibt 

vorbehalten.

12. Das Gesuch des Beschuldigten um Zusprechung einer Genugtuung wird abgewie-

sen.

13.

(Mitteilungen)

14.

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:
(Prot. II S. 5 ff.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 133 S. 1 f.)

1.

Der Beschuldigte sei der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG sowie der Über-

tretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  im  Sinne  von  Art. 19a  Ziff. 1  BetmG 

schuldig zu sprechen.

2.

3.

Von den weiteren Vorwürfen sei der Beschuldigte freizusprechen.

Der Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.00 

sowie mit einer Busse von Fr. 300.00 zu bestrafen.

4.

Für die Geldstrafe sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren unter Ansetzung 

einer Probezeit von zwei Jahren.

Von einer Landesverweisung sei abzusehen.

Die  beschlagnahmten  Betäubungsmittel  und  Betäubungsmittelutensilien 

seien einzuziehen und zu vernichten.

5.

6.

- 6 -

7.

Es  sei  davon  Vormerk  zu  nehmen,  dass  das  beschlagnahmte  Mobiltelefon 

Samsung sowie das beschlagnahmte Notebook Microsoft dem Beschuldigten 

bereits herausgegeben worden sind.

8.

Die von den Privatklägern gestellten Zivilansprüche seien vollumfänglich ab-

zuweisen.

9.

Dem Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuung zuzusprechen.

10. Die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens seien mit 

Ausnahme einer angemessenen Gebühr für das Vorverfahren im Zusammen-

hang mit den Betäubungsmitteldelikten auf die Gerichtskasse zu nehmen.

11. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 134 S. 1)

1.

Es sei der Beschuldigte in Aufhebung von Dispositiv Ziff. 2 des angefochtenen 

Urteils  zusätzlich  wegen  vorsätzlicher  einfacher  Körperverletzung  im  Sinne 

von Art. 123 Ziff.1 in Verbindung mit Zift.2 Abs. 3 StGB (Anklagesachverhalt I 

lit. d) schuldig zu sprechen.

2.

Es sei der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren sowie einer 

Busse von Fr. 700.00 zu bestrafen.

3.

4.

c)

Es sei eine Landesverweisung von 13 Jahren anzuordnen.

Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.

Der Vertretung der Privatklägerin B._____:

Die  Anträge  des  Beschuldigten  seien  abzuweisen  und  das  Urteil  der 

Vorinstanz zu bestätigen.

- 7 -

d)

Der Vertretung des Privatklägers C._____:

(Urk. 129)

Das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Winterthur sei im Schuldpunkt 

und in Ziff. 9 lit. a mit der grundsätzlichen Anerkennung der Schadenersatz-

pflicht des Beschuldigten gegenüber C._____ und in Ziff. 9 lit. b mit der Ver-

pflichtung des Beschuldigten, C._____ eine Genugtuung in der Höhe von 

CHF 55'000.00 zuzüglich 5 % Zins ab dem 12. Juni 2021 zu bezahlen, zu be-

stätigen.

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte, Berufungsumfang

1.

Prozessgeschichte

1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 22. September 2023 wurde den 

Parteien gleichentags mündlich eröffnet (Urk. 71; Prot. I S. 91 ff.). Der Beschuldigte 

meldete am 25. September 2023 innert Frist Berufung an, ebenso die Staatsan-

waltschaft am 2. Oktober 2023 (Urk. 73 und Urk. 76).

1.2. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 103 und Urk. 104) reichten 

die Staatsanwaltschaft am 25. Januar 2024 und der Beschuldigte am 9. Februar 

2024  fristgerecht  die  Berufungserklärungen  ein  (Urk. 109  und  Urk. 112).  Mit 

Präsidialverfügung  vom  12.  Februar  2024  wurden  die  Berufungserklärungen  in 

Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und Art. 401 StPO dem Beschuldigten, der 

Staatsanwaltschaft  und  den  Privatklägern  zugestellt,  um  gegebenenfalls 

Anschlussberufung zu erheben oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung 

zu  beantragen.  Gleichzeitig  wurde  der  Beschuldigte  aufgefordert,  Unterlagen  zu 

seinen finanziellen Verhältnissen einzureichen (Urk. 113). Die Staatsanwaltschaft 

verzichtete auf die Erhebung einer Anschlussberufung (Urk. 115). B._____ (Privat-

klägerin) verzichtete ebenfalls auf Anschlussberufung und beantragte die Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 116). Der Beschuldigte sowie C._____ 

(Privatkläger) liessen sich nicht vernehmen. Am 20. März 2024 wurde der Privat-

- 8 -

klägerin  die  unentgeltliche Rechtspflege  gewährt  und  es  wurde  ihr Rechtsanwalt 

lic. iur. Y._____ als unentgeltlicher Rechtsbeistand beigegeben (Urk. 119). 

1.3. Am 6. Januar 2025 wurde auf den 20. März 2025 zur Berufungsverhandlung 

vorgeladen (Urk. 123). 

1.4. Mit  Eingabe  vom  19.  Februar  2025  erklärte  die  Staatsanwaltschaft  einen 

Teilrückzug ihrer Berufung. Sie beschränkte ihre Berufung auf den Freispruch vom 

Vorwurf  der  einfachen  Körperverletzung  (vorinstanzliche  Dispositivziffer  2)  und 

beantragte, der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren und einer 

Busse  von  Fr. 700.–  zu  bestrafen.  Zudem  sei  eine  Landesverweisung  von 

13 Jahren anzuordnen (Urk. 127).

1.5. Am 20. März 2025 fand die Berufungsverhandlung statt. Es erschienen der 

Beschuldigte  in  Begleitung  seines  amtlichen  Verteidigers,  Rechtsanwalt  lic.  iur. 

X._____,  die  Leitende  Staatsanwältin  Dr.  iur.  D._____,  Assistenz-Staatsanwalt 

lic. iur. E._____ sowie der unentgeltliche Vertreter der Privatklägerin, Rechtswalt 

lic. iur. Y._____. Vorfragen waren keine zu entscheiden und – abgesehen von der 

Einvernahme  des  Beschuldigten  (Urk.  132)  –  auch  keine  Beweise  abzunehmen 

(Prot. II S. 7 f.). 

1.6. Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 17 

ff.).

2.

Umfang der Berufung

2.1. Der  Beschuldigte  wendet  sich  gegen  den  Schuldspruch  der  vorsätzlichen 

Tötung, der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung, der mehrfachen 

einfachen Körperverletzung und der Tätlichkeiten (Dispositivziffer 1, 1., 2., 3. und 5. 

Spiegelstrich),  das  Strafmass  (Dispositivziffer  3),  den  Vollzug  (Dispositivziffer  4), 

die Landesverweisung (Dispositivziffer 5), die Regelung der Zivilansprüche (Dispo-

sitivziffern 8 und 9), die Kostenfolgen (Dispositivziffer 11) und die Abweisung seiner 

Genugtuungsforderung (Dispositivziffer 12). Die Staatsanwaltschaft ficht (nur noch) 

den  Freispruch  vom  Vorwurf  der  einfachen  Körperverletzung  (Dispositivziffer  2), 

das Strafmass (Dispositivziffer 3) und die Dauer der Landesverweisung (Disposi-

- 9 -

tivziffer  5)  an.  Unangefochten  blieben  respektive  durch  den  Teilrückzug  der 

Berufung nicht mehr beanstandet sind die Verurteilung wegen mehrfacher Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen Übertretung des Betäu-

bungsmittelgesetzes (Dispositivziffer 1, 4. und 6. Spiegelstrich), der Entscheid über 

beschlagnahmte  Betäubungsmittel  und  Gegenstände  (Dispositivziffern  6  und  7) 

sowie die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 10). Der vorinstanzliche Entscheid ist 

insoweit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschlusses vorzumerken ist 

(Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437 StPO). 

2.2.

Im  Übrigen  steht  der  angefochtene  Entscheid  unter  Berücksichtigung  des 

Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.

I. Prozessuales

1.

Am 1. Januar 2024 traten die revidierten Bestimmungen der StPO in Kraft (AS 2023 

468;  BBl  2019  6697).  Gemäss  Art. 453  Abs. 1  StPO  werden  Rechtsmittel  gegen 

Entscheide,  die  vor  Inkrafttreten  der  neuen  Regelungen  gefällt  wurden,  nach 

bisherigem Recht beurteilt. Infolgedessen ist für das vorliegende Rechtsmittelver-

fahren das frühere Prozessrecht massgebend.

2.

Verwertbarkeit der Aussagen der Auskunftspersonen F._____ und G._____

2.1. Die  Befragung  von  F._____,  Rettungssanitäter  beim  Rettungsdienst  

H._____,  fand  einzig  in  einer  polizeilichen  Einvernahme  statt  ohne  spätere 

Wahrung des Konfrontationsanspruchs des Beschuldigten (Urk. 5/5). Gleiches gilt 

betreffend die Einvernahme von G._____, Leiterin der Kindertagesstätte (Urk. 5/2).

2.2. Der  in  Art. 6  Ziff. 3  lit. d  EMRK  garantierte  Anspruch  der  beschuldigten 

Person, den Belastungszeugen Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des 

Rechts auf ein faires Verfahren. Er wird als Konkretisierung des rechtlichen Gehörs 

(Art. 29 Abs. 2 BV) auch durch Art. 32 Abs. 2 BV gewährleistet. Eine belastende 

Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn der Beschuldigte wenigs-

tens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichend Gelegenheit 

 
- 10 -

hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen zu 

stellen (BGE 148 I 295 E. 2 S. 298 ff.; 133 I 33 E. 3.1 S. 41; je mit Hinweisen). Dies 

gilt  auch  betreffend  die  Einvernahme  von  Auskunftspersonen  (BGE  150  IV  345 

E. 1.6.3.2 S. 349 mit Hinweis). Damit die Verteidigungsrechte gewahrt sind, muss 

der Beschuldigte namentlich in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer Aussage 

prüfen und den Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe und infrage 

stellen zu können. Dies setzt in aller Regel voraus, dass sich der Einvernommene 

in Anwesenheit des Beschuldigten (nochmals) zur Sache äussert (BGE 150 IV 345 

E. 1.6.3.2  S. 349  f.  mit  Hinweisen).  Von  einer  Konfrontation  der  beschuldigten 

Person mit dem Belastungszeugen oder auf dessen ergänzende Befragung kann 

nur  abgesehen  werden,  wenn  besondere  Umstände  vorliegen,  mithin  wenn  eine 

persönliche  Konfrontation  nicht  (mehr)  möglich  oder  eine  Beschränkung  des 

Konfrontationsrechts dringend notwendig ist (Urteil 6B_920/2023 vom 22. August 

2024  E. 2.1.2  mit  Hinweisen).  In  solchen  Fällen  ist  gestützt  auf  Art. 6  Ziff. 1  und 

Ziff. 3  lit. d  EMRK  erforderlich,  dass  der  Beschuldigte  zum  streitigen  Zeugnis 

hinreichend Stellung nehmen kann, die Aussagen sorgfältig geprüft werden und der 

Schuldspruch  nicht  alleine  darauf  abgestützt  wird,  das  heisst  der  belastenden 

Aussage nicht ausschlaggebende Bedeutung zukommt bzw. sie nicht den einzigen 

oder einen wesentlichen Beweis darstellt. Ausserdem darf der Umstand, dass die 

beschuldigte  Person  ihre  Rechte  nicht  (rechtzeitig)  wahrnehmen  konnte,  nicht  in 

der Verantwortung der Behörde liegen. Ausnahmsweise kann ein streitiges Zeugnis 

von ausschlaggebender Bedeutung ohne Konfrontation mit Belastungszeugen ver-

wertbar  sein  (BGE  150  IV  345  E. 1.6.3.2  S. 350  mit  Hinweisen;  vgl.  Urteil 

6B_1137/2020 vom 17. April 2023 E. 1.4.2.1 ff.; zum Ganzen: BGE 148 I 295 E. 2 

S. 298 ff. mit Hinweisen).

Die  Rechtsprechung  hat  wiederholt  betont,  dass  auf  das  Konfrontationsrecht 

vorgängig  oder  auch  im  Nachhinein  ausdrücklich  oder  stillschweigend  verzichtet 

werden kann, wobei der Verzicht des Beschuldigten auch von seinem Verteidiger 

ausgehen kann. Die beschuldigte Person kann den Behörden grundsätzlich nicht 

vorwerfen, gewisse Zeugen zwecks Konfrontation nicht vorgeladen zu haben, wenn 

sie  es  unterlässt,  rechtzeitig  (das  heisst  spätestens  im  Berufungsverfahren)  und 

formgerecht  entsprechende  Anträge  zu  stellen  (vgl.  anstatt  vieler  die  Urteile  des 

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Bundesgerichts  6B_1110/2023  vom  23. Mai  2024  E.3.3.5;  7B_259/2022  vom 

8. April 2024 E. 2; 7B_253/2022 vom 8. Februar 2024 E. 2.3.5; je mit Hinweisen). 

Entscheidend  ist  nämlich,  dass  es  sich  beim  Konfrontationsrecht  um  ein 

Mitwirkungsrecht der beschuldigten Person handelt. Dessen Ziel ist die Wahrung 

der Waffengleichheit und die Gewährung eines fairen Verfahrens (BGE 131 I 476 

E. 2.2 mit Hinweis). Nicht eigentlicher Sinn und Zweck des Konfrontationsrechts ist 

es  dagegen,  der  beschuldigten  Person  bei  unterlassener  Konfrontation  die 

Entfernung  eines  womöglich  belastenden  Beweismittels  aus  den  Akten  zu 

ermöglichen.  Ob  die  beschuldigte  Person  das  Recht  auf  Konfrontation  effektiv 

wahrnehmen  will,  steht  ihr  demnach  frei  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 

7B_253/2022 vom 8. Februar 2024 E. 2.3.5 mit weiteren Hinweisen).

2.3. Eine  Konfrontation  mit  den  Auskunftspersonen  F._____  und  G._____  hat 

der  Beschuldigte  im  Untersuchungsverfahren  und  vor  Vorinstanz  nicht  verlangt 

(vgl. Urk. 17/5, Urk. 17/8, Urk. 70, Prot. I S. 73). Entsprechende Anträge erfolgten 

auch  nicht  im  zweitinstanzlichen  Beweisverfahren.  Damit  sind  die  Aussagen  von 

F._____ und G._____ anlässlich der kantonspolizeilichen Einvernahmen vom 27. 

Juni 2021 und 21. Juni 2021 auch zulasten des Beschuldigten verwertbar.

3.

Verwertbarkeit der Aussagen weiterer Auskunftspersonen

C._____,  I._____  und  J._____  wurden  einzig  als  Auskunftspersonen  respektive 

nicht parteiöffentlich befragt (Urk. 5/1, Urk. 5/6, Urk. 5/9). Wie noch zu zeigen sein 

wird, sind deren Aussagen für die Erstellung des Sachverhalts entbehrlich, weshalb 

sich weitere Erwägungen zur Verwertbarkeit erübrigen. 

II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung

1.

1.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweis-

würdigung  dargelegt  (Urk. 160  S. 17  ff.).  Darauf  kann  verwiesen  werden  (Art. 82 

Abs. 4  StPO).  Das  Konzept  einer  "allgemeinen  Glaubwürdigkeit"  wird  in  der 

Aussagepsychologie als wenig brauchbar bewertet. Der allgemeinen Glaubwürdig-

keit im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft einer Person kommt nach 

- 12 -

heutiger Erkenntnis bei der Würdigung von Aussagen daher kaum mehr relevante 

Bedeutung zu (BGE 147 IV 534 E. 2.3.3 S. 538 f., 409 E. 5.4.3 S. 422; je mit Hin-

weisen). In diesem Sinne legt denn auch die Vorinstanz zu Recht den Fokus auf 

die Aussagenanalyse. 

1.2. Die Berufungsinstanz kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen 

Punkte beschränken (vgl. BGE 146 IV 297 E. 2.2.7 S. 308; 141 IV 249 E. 1.3.1 

S. 253; 141 III 28 E. 3.2.4 S. 41; je mit Hinweisen).

2.

2.1. B._____  (Privatklägerin)  und  der  Beschuldigte  waren  ab  Januar  2021  ein 

Paar (Urk. 3/1 F/A 7, Urk. 4/1 F/A 10). Aus einer früheren Beziehung zwischen der 

Privatklägerin  und  C._____  (Privatkläger)  entsprang  ein  Sohn  namens  K._____ 

(geb. tt.mm.2019). K._____ (nachfolgend: K._____) starb am 12. Juni 2021 nach 

einem  irreversiblen  Funktionsausfall  des  Gehirns  als  Folge  eines  Schädel-Hirn-

Traumas (Urk. 9/19 S. 35). Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (nachfol-

gend: Staatsanwaltschaft) wirft dem Beschuldigten in der Hauptsache vor, K._____ 

wiederholt geschlagen und geschüttelt zu haben und für dessen Tod verantwortlich 

zu sein. 

2.2.

2.2.1. Unter  den  Titeln  "Aussageverhalten  des  Beschuldigten  im  Rahmen  der 

Untersuchung"  und 

"Aussageverhalten  von  B._____ 

im  Rahmen  der 

Untersuchung" hält die Vorinstanz zusammengefasst fest, der Beschuldigte habe 

bereits zu Beginn der Untersuchung zu vielen Fragestellungen, die für die Klärung 

des Todes von K._____ wesentlich gewesen seien, nur beschränkt Auskunft gege-

ben. Sämtliche Verletzungen von K._____ habe er überhaupt nicht erklären kön-

nen. Seine Antworten seien stets auffallend vage, pauschalisierend und wenig de-

tailreich  ausgefallen.  Bereits  zu  Beginn  der  Untersuchung  habe  er  sich  an  viele 

Einzelheiten  nicht  mehr  erinnern  können.  Auffallend  oft  seien  Antworten  wie  "Es 

kann schon möglich sein", "Ich weiss es nicht mehr", "Ich kann mich nicht erinnern" 

und "Keine Ahnung" gefallen, was eher seltsam anmute. Übertrieben wirkten seine 

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Aussagen zur eigenen Person, indem der Beschuldigte sich selbst lediglich positive 

Charaktereigenschaften  zuschreibe.  Gesamthaft  sei  festzuhalten,  dass  die  Aus-

sagen des Beschuldigten generell unglaubhaft wirken würden. Im Gegensatz dazu 

habe die Privatklägerin detailreiche Ausführungen zu den Geschehnissen rund um 

den Tod von K._____ machen können. So habe sie im Rahmen ihrer ersten Be-

fragung etwa erklärt, K._____ habe ab dem 31. Mai 2021 nicht mehr auf dem linken 

Bein  stehen  können  und  ab  Anfang  mm.2021  abwesend,  schläfrig  und  müde 

gewirkt. Ihre teilweise Überforderung als junge Mutter habe sie offen zugegeben 

und  erklärt,  Unterstützung  von  der  Sozialpädagogischen  Familienbegleitung 

erhalten zu haben. Ihre Aussagen wirkten im Allgemeinen glaubhaft. In der Folge 

setzt sich die Vorinstanz mit den Schilderungen verschiedener Personen aus dem 

Umfeld  des  Beschuldigten  auseinander.  L._____ 

(frühere  Partnerin  des 

Beschuldigten und Mutter des gemeinsamen Sohnes M._____), N._____ (ebenfalls 

frühere  Partnerin  des  Beschuldigten  und  Mutter  des  gemeinsamen  Sohnes 

O._____), P._____ (Vater des Beschuldigten) sowie die Privatklägerin hätten den 

Beschuldigten als lieb und hilfsbereit beschrieben, gleichzeitig ihn aber als schnell 

aufbrausend und aggressiv bezeichnet. Auch der Beschuldigte habe festgehalten, 

eigentlich lieb und anständig zu sein. Er könne aber schon einmal ausrasten und 

habe Gewalttätigkeiten gegenüber seiner eigenen Mutter und gegenüber N._____ 

eingeräumt (Urk. 108 S. 10 ff.; Urk. 133 S. 8).

2.2.2. Diese einleitenden Bemerkungen der Vorinstanz bedürfen teilweise einer Re-

lativierung. Zwar ist richtig, dass der Beschuldigte am 25. August 2021 gegenüber 

der Kantonspolizei nicht mehr exakt bestätigen konnte, die Nacht vom 28. Mai 2021 

auf  den  29.  Mai  2021  bei  der  Privatklägerin  und  K._____  verbracht  zu  haben 

(Urk. 4/2  F/A  28).  Ebenso  wenig  war  er  am  7.  Oktober  2021  in  der  Lage  zu  be-

ziffern, wie oft er K._____ zwischen dem 29. Mai 2021 und dem 9. Juni 2021 in 

Abwesenheit der Privatklägerin gehütet hatte (Urk. 4/8 F/A 57 ff.). Dass entspre-

chende Angaben zu einem rund drei respektive vier Monate zurückliegenden Zeit-

punkt nicht eindeutig ausfallen, kann grundsätzlich auch dem Zeitablauf und Erin-

nerungsvermögen geschuldet sein. Hingegen bestätigte der Beschuldigte etwa, er 

sei bei der Untersuchung in der Kinder Permanence vom 29. Mai 2021 wegen der 

Gehschwierigkeiten dabei gewesen (Urk. 4/2 F/A 23). An diese Konsultation, als in 

- 14 -

der H._____ Kinder Permanence die Diagnose eines (in der Folge nicht bestätig-

ten) Verdachts auf Hüftschnupfen links gestellt wurde (Urk. 8/10/10), konnte sich 

der Beschuldigte mithin klar erinnern. Gleichwohl richtig ist, dass der Beschuldigte 

in Bezug auf zahlreiche Fragen keine näheren Erklärungen abgeben konnte. Dass 

aber dessen Aussagen "generell unglaubhaft wirken" (Urk. 108 S. 13), kann – wie 

auch die Verteidigung vorbringt (Urk.133 S. 5) – nicht übernommen werden, dies, 

soweit  damit  zum  Ausdruck  gebracht  werden  sollte,  dass  die  Aussagen  des 

Beschuldigten grundsätzlich und von vornherein nicht überzeugen. Vielmehr lässt 

sich  die  Überzeugungskraft  der  einzelnen  Schilderungen  nur  eingebettet  in  das 

jeweilige Beweisfundament beurteilen.

2.3.

Zutreffend ist, wie die Vorinstanz das Verhalten des Beschuldigten im Allge-

meinen beleuchtet (Urk. 108 S. 14 ff.). Der Beschuldigte wird von seinen früheren 

Partnerinnen und von seinen Eltern als gute, freundliche, liebevolle und verständ-

nisvolle Person charakterisiert (Urk. 5/16 F/A 28, Urk. 5/7 F/A 23, Urk. 5/19 F/A 18, 

Urk. 5/9 F/A 14, Urk. 5/14 F/A 32 f., Urk. 5/15 F/A 17). Gleichzeitig lässt aufhorchen, 

dass sämtliche Personen auch ein aggressives Verhalten umschreiben (L._____: 

Urk. 5/7 F/A 14, 25, 33, 40, 44, 55 f., Urk. 5/19 F/A 27 f., 34, 38 ff., 65 f.; N._____: 

Urk. 5/9 F/A 14 ff., 28 ff., Urk. 5/16 F/A 42 ff., 46; P._____: Urk. 5/14 F/A 45 ff., 64; 

Q._____: Urk. 5/15 F/A 22 ff.). Dies klammert die Verteidigung aus, indem sie fest-

hält, von den Müttern der beiden Kinder seien Vorwürfe aktenkundig, wonach sich 

der Beschuldigte an den Besuchswochenenden nur ungenügend um die Kinder ge-

kümmert  habe  (Urk. 70  S. 4).  L._____  hatte  "Aggressionen  ausgehend  von 

A._____ gegenüber von M._____ festgestellt […], deswegen wollte ich dann, dass 

M._____ nur noch unter der Aufsicht der Eltern von A._____ sein sollte" (Urk. 5/7 

F/A 14). Der Umgang des Beschuldigten mit M._____ sei mehrheitlich von Aggres-

sionen psychischer Art geprägt gewesen (Urk. 5/7 F/A 40). Der Beschuldigte habe 

mit M._____ wenig Geduld gezeigt und sei jeweils weggelaufen oder wütend ge-

worden  (Urk. 5/7  F/A  47  ff.,  Urk. 5/19  F/A  22).  Etwa  jedes  zweite  Mal,  als  sie 

M._____  bei  den  Eltern  des  Beschuldigten  abgeholt  habe,  habe  ihr  M._____  er-

zählt, dass sein Vater (der Beschuldigte) ihn geschlagen habe (Urk. 5/7 F/A 55). 

M._____ habe "Papi hat mich so gehauen" gesagt und sich dabei an den Hinterkopf 

gefasst (Urk. 5/19 F/A 66). Laut N._____ frage sie O._____ jeweils beim Abholen, 

- 15 -

ob der Beschuldigte ihn während der Obhut geschlagen habe, dies, "weil ich weiss, 

dass er ein Aggressionspotential hat" (Urk. 5/9 F/A 21 f.). Sie selbst sei im Haus 

der Eltern des Beschuldigten gewesen, um O._____ abzuholen, als M._____ ihr 

drei bis fünf Mal gesagt habe, "de Papi hät mich ghaue" und "er hät mich a de Ohre 

zoge"  (Urk. 5/9  F/A  37  f.;  vgl.  auch  Urk. 5/16  F/A  55  ff.,  ).  Diese  verschiedenen 

Aussagen widerspiegeln mit der Vorinstanz insgesamt ein beträchtliches Gewalt-

potenzial. 

2.4.

2.4.1. Zum Verhalten des Beschuldigten gegenüber K._____ erwägt die Vorinstanz 

insbesondere,  der  Beschuldigte  habe  angegeben,  dass  er  K._____  wie  seinen 

eigenen Sohn sehe. Er habe ihm nie etwas angetan, sondern ihn über alles geliebt. 

Die Privatklägerin habe ihn auch einmal gefragt, ob er K._____ adoptieren würde, 

worauf er ohne zu zögern ja gesagt habe. Die Privatklägerin ihrerseits habe zum 

Verhältnis  zwischen  dem  Beschuldigten  und  K._____  ausgeführt,  sie  sei  jeweils 

eingeschritten, wenn der Beschuldigte gegenüber K._____ laut geworden sei. Der 

Beschuldigte habe aber K._____ weder geschüttelt noch geschlagen. Bemerkens-

wert sei, dass die Privatklägerin bereits zu Beginn der Untersuchung geschildert 

habe,  dass  K._____  einige  Wochen  vor  seinem  Tod  begonnen  habe,  sich  vom 

Beschuldigten  abzugrenzen.  K._____  habe  zu  weinen  begonnen,  sobald  der 

Beschuldigte den Raum betreten oder die Privatklägerin berührt habe, er sei nicht 

mehr zum Beschuldigten hingegangen. Nach dem Auftreten der Gehverweigerung 

sei dies noch schlimmer geworden. K._____ habe regelrecht Angst gehabt vor dem 

Beschuldigten und habe sich nicht mehr von ihm baden oder wickeln lassen. Die 

Privatklägerin habe laut eigenen Aussagen im mm./mm.2021 den Verdacht gehegt, 

dass der Beschuldigte K._____ etwas angetan habe könnte. Dazu habe sie eine 

Situation Ende mm. oder anfangs mm. 2021 geschildert, als sie in der Küche ge-

wesen sei und plötzlich aus dem Nichts gehört habe, dass K._____ angefangen 

habe zu weinen. Sie sei dann ins Wohnzimmer gegangen und habe festgestellt, 

dass K._____ einen ganz roten Arm gehabt habe. Den Beschuldigten, der auf den 

Balkon hinausgegangen sei um zu Rauchen, habe sie nicht zur Rede gestellt, dies 

aus Angst, dass es eine Diskussion geben würde. Auch der Beschuldigte habe be-

- 16 -

stätigt, dass K._____ sich von ihm distanziert habe, er habe aber dafür keine Er-

klärung gehabt. Die Aussagen der Privatklägerin betreffend ihren Verdacht, der Be-

schuldigte könnte K._____ etwas angetan habe, wie auch ihre Schilderungen zur 

Distanzierung von K._____ gegenüber dem Beschuldigten erschienen laut Vorin-

stanz überaus glaubhaft (Urk. 108 S. 17 ff.).

2.4.2. Diese  vorinstanzlichen  Erwägungen  können  übernommen  werden.  Insbe-

sondere die Schilderungen der Privatklägerin, dass sich K._____ Ende mm./Anfang 

mm. 2021 vom Beschuldigten distanziert habe, hat die Privatklägerin ab der Haf-

teinvernahme vom 25. August 2021 in sämtlichen Befragungen wiederholt zu Pro-

tokoll gegeben. Dabei gab sie konkret an, in welchen Situationen K._____ ein sol-

ches Verhalten gezeigt habe, dass dies nach dem Auftreten der Gehverweigerung 

zudem noch ausgeprägter gewesen sei und sie sich Gedanken gemacht habe über 

den Zusammenhang zwischen dem (sich verschlechternden) körperlichen Zustand 

von  K._____  und  dessen  abweisende  Reaktion  gegenüber  dem  Beschuldigten 

(Urk. 3/3 F/A 13, 103; Urk. 3/5 F/A 22, 94 f.; Urk. 3/7 F/A 144 f., 179; Urk. 3/9 S. 4 

f., 9, 23). Auch die Beschreibung des Vorfalls, als die Privatklägerin K._____ plötz-

lich weinend und mit einem roten Arm im Wohnzimmer vorfand, wirkt anschaulich. 

Insbesondere fällt bereits an dieser Stelle auf, dass sich das von ihr beschriebene 

Verhalten des Beschuldigten, indem er auf den Balkon und der Situation aus dem 

Weg  ging,  sich  in  Erzählungen  einer  früheren  Partnerin  wiederfindet  (Urk. 5/7 

F/A 49, 59, 74; Urk. 5/19 F/A 22). Diese konkreten und anschaulichen Aussagen 

der Privatklägerin zum veränderten Verhalten K._____s gegenüber dem Beschul-

digten und betreffend ihren Verdacht gegenüber dem Beschuldigten wirken authen-

tisch und lebensnah. Mit der Vorinstanz sind sie als glaubhaft zu qualifizieren. Auch 

der Beschuldigte gab an, dass sich K._____ gegen den Schluss von ihm distanziert 

habe (Urk. 4/3 F/A 38, 94; Prot. I S. 26). Zwar trifft entgegen der Vorinstanz nicht 

zu, dass der Beschuldigte dazu keine Erklärung lieferte (Urk. 108 S. 19). Vielmehr 

stellte  er  sich  auf  den  Standpunkt,  K._____  habe  mitbekommen,  wie  er  (der 

Beschuldigte) seine eigenen Kinder scharf gemassregelt ("zusammengeschissen") 

habe, vielleicht habe K._____ deswegen Angst gehabt (Urk. 4/8 F/A 27). Nicht nur 

widerspricht sich der Beschuldigte mit dieser Erklärung (Prot. I S. 30). Sie ist zudem 

mit  Blick  auf  das  von  K._____  gezeigte  Verhalten  nur  schwer  nachvollziehbar. 

- 17 -

Ungeklärt bleibt dabei auch, weshalb K._____ erst in den letzten Wochen gegen-

über dem Beschuldigten auf Distanz ging. Der Beschuldigte bringt nicht etwa vor, 

er habe (anders, als dies sein Umfeld im Haus seiner Eltern wahrnahm) erst in der 

besagten Phase ein entsprechendes Verhalten gegenüber den eigenen Kindern in 

Anwesenheit von K._____ an den Tag gelegt. Die Verteidigung bringt hierzu so-

dann vor, ein "Fremdeln" im Alter von K._____ stelle nichts Aussergewöhnliches 

dar.  Die  Gründe  könnten  mannigfaltig  sein,  beispielsweise  eine  laute  oder  tiefe 

Stimme,  ein  ernster  Gesichtsausdruck  oder  auch  verbale  Streitigkeiten  mit  einer 

näheren  Bezugspersonen,  beispielsweise  der  Kindsmutter.  Aus  dem  "Fremdeln" 

von K._____ gegenüber dem Beschuldigten könne nichts abgeleitet werden (Urk. 

133 S. 6). Dem ist entgegen zu halten, dass K._____ den Beschuldigten im rele-

vanten Zeitraum bereits einige Monate kannte und letzterer viel Zeit mit ihm und 

der Kindsmutter verbrachte, entsprechend ein "fremdeln" in dieser Form sehr un-

gewöhnlich erscheint, und dass – wie die Staatsanwaltschaft zu recht betont (Prot. 

II S. 10) – K._____ nicht bloss "gefremdelt" hat, er hatte regelrecht Angst vor dem 

Beschuldigten.

2.5.

2.5.1. Das Mobiltelefon Samsung Galaxy der Privatklägerin sowie das Mobiltelefon 

Samsung des Beschuldigten wurden am 25. respektive 26. August 2021 sicherge-

stellt  (Urk. 10/5,  Urk. 10/8).  Am  1.  Juni  2022  wurden  beide  Geräte  (nach  einem 

zurückgezogenen  Siegelungsgesuch, 

vgl.  Urk. 10/15/5) 

beschlagnahmt 

(Urk. 10/13) und in der Folge ausgewertet (Urk. 7/2, Urk. 7/3). Aus der Mobiltele-

fonauswertung  der  Privatklägerin  ergibt  sich  eine  umfangreiche  WhatsApp-

Kommunikation mit dem Beschuldigten aus der Zeit vor und nach K._____s Tod. 

Die Vorinstanz erwägt dazu, die Privatklägerin und der Beschuldigte hätten täglich, 

teilweise im Minutentakt miteinander kommuniziert, wobei die Privatklägerin dem 

Beschuldigten jeweils ihren aktuellen Gemütszustand mitgeteilt habe. Bemerkens-

wert sei eine Nachricht vom 14. Mai 2021, als die Privatklägerin gegenüber dem 

Beschuldigten  die  Vermutung  geäussert  habe,  möglicherweise  eine  Fehlgeburt 

erlitten  zu  haben.  An  dieser  Unterhaltung  sei  eindrücklich,  dass  sich  die  Privat-

klägerin grosse Vorwürfe gemacht und sich die Schuld an der Fehlgeburt zugewie-

 
- 18 -

sen  habe,  da  sie  im  Kantonsspital  Winterthur  ihre  Vermutung  einer  Schwanger-

schaft für sich behalten und deswegen falsch medikamentiert worden sei. Da die 

Privatklägerin  und  der  Beschuldigte  praktisch  ununterbrochen  über  WhatsApp 

kommuniziert hätten und die Privatklägerin über derartige Gefühlslagen sich dem 

Beschuldigten anvertraut habe, könne geschlossen werden, dass sie dem Beschul-

digten wohl auch mitgeteilt hätte, wenn sie K._____ versehentlich oder absichtlich 

etwas angetan hätte. Aufgrund der Art der Kommunikation sei zudem davon aus-

zugehen,  dass  die  Privatklägerin  dem  Beschuldigten  wohl  umgehend  mitgeteilt 

hätte, wenn K._____ einen Sturz oder Unfall gehabt hätte. Aus den Nachrichten 

gehe  weiter  hervor,  wie  die  Privatklägerin  über  den  Verlust  ihres  Kindes  gelitten 

und Suizidgedanken gehabt habe und sie ab dem 12. Juni 2021 immer grössere 

Schuldzuweisungen  gegen  dem  Beschuldigten  erhoben  habe.  Auf  diese  sei  der 

Beschuldigte gar nicht eingegangen oder habe pauschal erklärt, K._____ nie etwas 

angetan zu haben. Zusammenfassend hätte die Privatklägerin dem Beschuldigten 

mutmasslich ein allfälliges Fehlverhalten ihrerseits gegenüber K._____ mitgeteilt. 

Da  diesbezüglich  keine  einzige  derartige  Textnachricht  vorhanden  sei,  liege  die 

Vermutung nahe, dass die Privatklägerin K._____ tatsächlich nichts angetan habe 

(Urk. 108 S. 19 ff.). 

2.5.2. Die auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin sichergestellte WhatsApp-Kom-

munikation erstreckt sich über einen Zeitraum von rund sieben Monaten respektive 

über 1'300 Seiten. Hebt die Vorinstanz eine Nachricht vom 14. Mai 2021 hervor, tut 

sie  das  mit  gutem  Grund.  Die  Privatklägerin  befand  sich  am  8.  und  9.  Mai  2021 

aufgrund  einer  Nierenbeckenentzündung  im  Kantonsspital  Winterthur  (Urk. 3/5 

F/A 38).  Offenbar  vermutete  sie  damals,  vom  Beschuldigten  schwanger  zu  sein, 

legte dies aber gegenüber dem Spitalpersonal nicht offen. Ihre Nachrichten an den 

Beschuldigten ("[…] ich weiss ned wie ich mit dem umgah söll"; "Ich cha nid mit 

dem  gwüsse  lebe  es  chind  umbracht  zha…  ich  bin  schuld";  Urk. 7/3,  Dokument 

"Liste WhatsApp B._____ - A._____", S. 372 und 376) bringen klar zum Ausdruck, 

wie sie sich selbst vorwarf, für die Fehlgeburt verantwortlich zu sein und wie stark 

sie unter der Vorstellung litt, den Tod eines Embryos verantworten zu müssen. Die 

diesbezüglichen  vorinstanzlichen  Erwägungen  fallen  sorgfältig  und  überzeugend 

aus. Nichts anderes gilt, soweit die Vorinstanz aus Inhalt und Art der Kommunika-

- 19 -

tion den zutreffenden Schluss zieht, dass die Privatklägerin den Beschuldigten als 

Vertrauensperson  sah,  ihm  offen  und  ungefiltert  begegnete  und  ihm  gegenüber 

auch  ein  (zumindest  in  ihrer  Wahrnehmung)  eigenes  Fehlverhalten  mit  dramati-

schen Folgen offenlegte. Ein solcher Umgang legt in der Tat die Vermutung nahe, 

dass  die  Privatklägerin  einen  Sturz  oder  Unfall  von  K._____  sowie  ein  allfälliges 

Fehlverhalten ihm gegenüber dem Beschuldigten anvertraut hätte. Entsprechende 

Textnachrichten liegen nicht vor. Dies schliesst die Privatklägerin als mögliche Tä-

terin selbstverständlich nicht aus, sondern ist nur (aber immerhin) ein Indiz, dass 

die  Privatklägerin  als  Urheberin  der  angeklagten  Misshandlungen  nicht  in  Frage 

kommt.

2.6.

Zusammenfassend  können  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  unter  dem 

Titel  "Vorbemerkungen"  (Urk. 108  S. 6  ff.)  mit  oben  genannten  Ergänzungen 

respektive Relativierungen übernommen werden.

3.

3.1. Dem  Beschuldigten  wird  im  Wesentlichen  vorgeworfen,  das  Kind  seiner 

damaligen Partnerin ab dem 1. Mai 2021 bis zum 3. Juni 2021 wiederholt geschla-

gen  und  stark  geschüttelt  zu  haben.  Durch  die  Misshandlungen  habe  K._____ 

nebst verschiedenen Verletzungen am Kopf und einem Bruch des 8. Brustwirbel-

körpers ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, welches am 10. Juni 2021 zu einem re-

animationsbedürftigen Herz-Kreislaufstillstand und zwei Tage später zum Tod von 

K._____ geführt habe.

3.2. Der  Beschuldigte  bestreitet  sämtliche  Vorwürfe.  Vor  Vorinstanz  führte  er 

aus, es sei zutreffend, dass er ab und zu alleine auf K._____ aufgepasst habe. Er 

habe aber niemals körperliche Gewalt ausgeübt. Ebenso wenig sei er in Gegenwart 

von  K._____  aggressiv  oder  laut  geworden.  Zum  schwerwiegendsten  Vorwurf, 

K._____ derart stark geschüttelt zu haben, was zu einem Herz-Kreislaufstillstand 

und  zum  Tod  von  K._____  geführt  habe,  hielt  der  Beschuldigte  fest,  als  Täter 

komme nur die Privatklägerin oder er in Frage. Er selbst habe sich wegen eines 

Bandscheibenvorfalls nicht gross bewegen können (Prot. I S. 21 ff.), worauf auch 

die Verteidigung hinwies (Prot. I S. 77). 

- 20 -

4.

Einfache Körperverletzung vom 9. Mai 2021 (Anklage-Ziffer I lit. b)

4.1. Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  vor,  am  9.  Mai  2021 

K._____ mit der Hand kräftig gegen die Stirne und das Ohr geschlagen zu haben, 

eventuell habe der Beschuldigte das Kleinkind zusätzlich kräftig an dessen linkem 

Ohr  gerissen.  Dadurch  habe  er  K._____  an  der  Stirne  und  am  Ohr  längere  Zeit 

sichtbare und schmerzhafte Hämatome zugefügt (Urk. 24/1 S. 3).

4.2.

Zum  Anklagevorwurf  liegen  verschiedene  Beweismittel  vor:  Fotos  von 

K._____ auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten vom 8. Mai 2021 (vgl. Urk. 7/2) 

und auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin vom 10. Mai 2021 (vgl. Urk. 7/3), ein 

Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bonn von Prof. Dr. med. 

R._____ vom 12. Januar 2022 (Urk. 9/19, nachfolgend: Gutachten R._____), die 

Aussagen der Privatklägerin (Urk. 3/5 F/A 38 ff.) und des Beschuldigten (Urk. 4/5 

F/A 66 ff.; Urk. 4/12 F/A 45 f.; Prot. I S. 35 f.) betreffend den zweimaligen Aufenthalt 

der Privatklägerin im Kantonsspital Winterthur vom 8. Mai 2021 (bis abends, ohne 

Übernachtung) und 9. Mai 2021 sowie zwei Sprachnachrichten des Beschuldigten 

an  die  Privatklägerin  vom  9.  Mai  2021  um  20.26  Uhr  und  20.51  Uhr  (Urk. 7/2, 

"Sprachmemo zwischen A._____ und B._____ [2] und [4]"). In Würdigung dieser 

Beweismittel erwägt die Vorinstanz, auf den Fotos vom 8. Mai 2021 ab dem Mobil-

telefon des Beschuldigten seien keine Verletzungen erkennbar. Hingegen würden 

Fotos vom 10. Mai 2021 ab dem Mobiltelefon der Privatklägerin deutliche Verlet-

zungen am linken Ohr und eine Beule an der Stirne zeigen. Gebe der Beschuldigte 

zu,  am  Nachmittag  des  8.  Mai  2021  und  am  Abend  des  9.  Mai  2021  respektive 

während des Spitalaufenthalts der Privatklägerin alleine auf K._____ aufgepasst zu 

haben, decke sich dies mit den erwähnten zwei Sprachnachrichten. Bis zum Wie-

dereintritt der Privatklägerin ins Spital am 9. Mai 2021 habe K._____ keine Verlet-

zungen aufgewiesen, sondern diese seien erst am 10. Mai 2021 festgestellt wor-

den. Somit sei klar, dass diese Verletzungen am 9. Mai 2021 während der Abwe-

senheit der Privatklägerin entstanden sein müssten. Laut Gutachten R._____ sei 

die  Verletzung  am  Ohr  durch  Gewalteinwirkung  entstanden,  während  die  Verlet-

zung an der Stirne auch durch einen Unfall verursacht sein könnte. Einen solchen 

habe der Beschuldigte hingegen nie behauptet. Da er für diese Verletzung an der 

- 21 -

Stirne keine schlüssige unfallbedingte Erklärung habe abgeben können, müsse da-

von ausgegangen werden, dass auch diese misshandlungsbedingt sei. Die Privat-

klägerin  habe  glaubhaft  ausgeführt,  die  Verletzung  erst  am  Morgen  des  10.  Mai 

2021 entdeckt zu haben. Wäre K._____ bereits verletzt gewesen, als die Privatklä-

gerin am 9. Mai 2021 am Nachmittag die Wohnung in Richtung Spital verlassen 

habe, wäre die Verletzung wohl bereits am Nachmittag des 9. Mai 2021 fotografisch 

dokumentiert worden (Urk. 108 S. 30).

4.3. Auf diese vorinstanzlichen Erwägungen kann abgestellt werden. Es bleibt zu 

wiederholen,  dass  die  Privatklägerin  die  Verletzungen  am  10.  Mai  2021  um 

8.55 Uhr mit ihrem Mobiltelefon fotografierte (Urk. 3/6/1; Urk. 3/6/2; Urk. 7/3, Fotos 

20210510_085451,  20210510_085519,  20210510_085542).  Damit  übereinstim-

mend  führte  die  Privatklägerin  aus,  sie  habe  die  Verletzungen  am  10.  Mai  2021 

morgens festgestellt und fotografiert. Der Beschuldigte habe darauf angesprochen 

gemeint, die Verletzungen seien auf dem Spielplatz passiert (Urk. 3/5 F/A 43 ff.). 

Entgegen  der  Verteidigung  (Urk.  133  S. 7,  14)  hat  die  Privatklägerin  denn  auch 

nicht an anderer Stelle angegeben, die Verletzungen am Sonntagabend festgestellt 

zu haben (vgl. Urk. 3/7 F/A 58). Zwar ist theoretisch denkbar, dass sich K._____ 

die Verletzungen in Anwesenheit der Privatklägerin bereits am 8. Mai 2021 (nach 

dem Besuch des Spielplatzes und nach der Rückkehr der Privatklägerin aus dem 

Spital) oder am 9. Mai 2021 (bevor die Privatklägerin erneut das Spital aufsuchte 

respektive nach ihrer Rückkehr) zuzog. Dies stünde aber im Widerspruch zu den 

anschaulichen Schilderungen der Privatklägerin. Insbesondere müsste die Privat-

klägerin die Verletzungen am 8. oder 9. Mai 2021 festgestellt oder K._____ zuge-

fügt und sie erst am 10. Mai 2021 dokumentiert haben. Hätte die Privatklägerin die 

Verletzungen verursacht, hätte sie den Beschuldigten mit einem vorgeschobenen 

Grund nach der Ursache fragen müssen. Dass sie den Beschuldigten tatsächlich 

konfrontierte, wird vom Beschuldigten nicht in Abrede gestellt (Prot. I S. 38 f). Oder 

aber  die  Privatklägerin  hätte  die  entsprechende  Schilderung,  vom  Beschuldigten 

eine  Erklärung  verlangt  zu  haben  (Urk. 3/5  F/A  43  ff.),  frei  erfunden.  Gleichwohl 

hätte der Beschuldigte eine mit ihrer Version übereinstimmende Darlegung parat 

gehabt,  K._____  habe  sich  auf  dem  Spielplatz  den  Kopf  angeschlagen  (Prot. I 

S. 39). Beides ist nicht plausibel. Aus dem gleichen Grund wird der Beschuldigte 

- 22 -

entgegen seinem Dafürhalten (Urk. 70 S. 8 f. und 44 f.) durch einen Eintrag in die 

Krankenakte der Hausarztpraxis nicht entlastet (Urk. 8/10/20 S. 6). Aus dem Ein-

trag geht hervor, dass die Kindsmutter den Sturz nicht gesehen habe. Die Privat-

klägerin gab der medizinischen Praxisassistentin offensichtlich nur die Informatio-

nen weiter, die sie vom Beschuldigten erhalten hatte.

Der Gutachter Prof. Dr. med. R._____ qualifiziert die Verletzung am Ohr als eine 

typische  misshandlungsbedingte,  nicht-akzidentelle  Verletzung,  während  betref-

fend die Verletzung an der Stirn eine Differenzierung zwischen akzidenteller und 

nicht-akzidenteller Entstehungsursache (Schlagwirkung) nicht möglich sei. Die Ver-

letzung am Ohr lasse sich auf ein Quetschen der Ohrmuschel und Reissen am Ohr, 

aber auch auf einen Schlag auf das Ohr zurückführen. Auch beide Gewaltformen 

könnten vorgelegen haben. In Kombination mit der Ohrverletzung sei das auffällig 

grossflächige Hämatom an der Stirn zumindest als verdächtig auf eine nicht-akzi-

dentelle Entstehung anzusehen (Urk. 9/19 S. 43 und 46 f.). Diese gutachterliche 

Einschätzung wird von keiner Seite konkret kritisiert (vgl. Urk. 70 S. 40 ff.). Die 

Verteidigung  argumentiert,  die  Verletzungen  könnten  auch  bei  einem  heftigen 

Anstossen  infolge  eines  Sturzes  passiert  sein.  Es  leuchte  nicht  ein,  wie  dies 

forensisch unterschieden werden könne (Urk. 70 S. 42; Urk. 133 S. 14). Damit 

vermag die Verteidigung die anderslautende gutachterliche Einschätzung nicht 

zu erschüttern. Triftige Gründe, die ein Abweichen von der Expertise nahelegen 

würden (vgl. dazu BGE 150 IV 1 E. 2.3.3 S. 5 mit Hinweisen), sind deshalb keine 

ersichtlich. Schliesst die Vorinstanz gestützt darauf auch beim Hämatom an der 

Stirn einen Unfall aus, kann ihr gefolgt werden. Der Beschuldigte konnte sich die 

Verletzung nicht näher erklären (Urk. 4/1 F/A 70; Urk. 4/5 F/A 88; Prot. I S. 39), 

was  bei  einem  Unfall  zu  erwarten  gewesen  wäre.  Auch  bei  einem  nicht  beob-

achteten  Sturz  hätte  der  Beschuldigte  zumindest  von  einem  Weinen  oder 

Schreien  berichten  können.  Wurde  K._____  die  Verletzung  am  Ohr  willentlich 

zugefügt, bestehen keine Zweifel, dass dies auch auf das gleichzeitig aufgetre-

tene Hämatom an der Stirn gilt.

4.4. Aus  den  oben  dargelegten  Gründen  kommt  die  Privatklägerin  als  Täterin 

nicht in Frage. Dies stimmt mit dem eingangs erwähnten (wenn auch schwachen) 

- 23 -

Indiz  zusammen,  wonach  die  Privatklägerin  als  Täterin  ausser  Betracht  fällt 

(E. III.2.5.). In Bezug auf eine Dritttäterschaft fehlen jegliche Anhaltspunkte. Weder 

der Beschuldigte noch die Privatklägerin geben an, K._____ sei in der fraglichen 

Zeit in der Obhut einer dritten Person gewesen (vgl. Urk. 3/3 F/A 23 ff.). Damit über-

einstimmend geht aus den Untersuchungsakten hervor, dass K._____ am 10. Mai 

2021 nicht in der Kindertagesstätte war (Urk. 5/2, Beilage; der 8. und 9. Mai 2021 

fielen auf ein Wochenende). 

4.5. Damit  ist  der  Tathergang  im  Sinne  der  Anklage  erstellt.  Rechtserhebliche 

Zweifel  bestehen  keine.  Sie  wären  durch  den  Umstand,  dass  K._____  Ende 

April/Anfang  Mai  2021  zum  Beschuldigten  auf  Distanz  ging,  der  im  Übrigen  von 

seinem näheren Umfeld teilweise als gewalttätig beschrieben wird (E. III.2.3. und 

III.2.4.), weggeräumt. Zu Gunsten des Beschuldigten ist in Bezug auf die Ohrver-

letzung von einem Schlag auf das Ohr auszugehen (und nicht von einem zusätzli-

chen Reissen am Ohr), was die Anklage im Hauptpunkt formuliert und sich auch 

mit dem Gutachten R._____ deckt. Nicht zweifelhaft ist zudem, dass der Beschul-

digte wusste, dass kräftige Schläge gegen die Stirne und das Ohr eines Kleinkindes 

schmerzhafte Hämatome bewirken können. Die K._____ zugefügten Verletzungen 

nahm er in Kauf. 

4.6.

4.6.1. Eine einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 aZiff. 1 StGB begeht, 

wer  vorsätzlich  einen  Menschen  in  anderer  als  schwerer  Weise  im  Sinne  von 

Art. 122 StGB an Körper oder Gesundheit schädigt. Begeht der Täter die Tat an 

einem Wehrlosen oder an einer Person, die unter seiner Obhut steht oder für die 

er  zu  sorgen  hat,  namentlich  an  einem  Kind,  wird  er  von  Amtes  wegen  verfolgt 

(Art. 123 aZiff. 2 Abs. 3 StGB). 

Bei Blutergüssen, Schürfungen, Kratzwunden oder Prellungen ist die Abgrenzung 

der einfachen Körperverletzung zum Tatbestand der Tätlichkeiten (Art. 126 StGB) 

begrifflich nur schwer möglich. Für die Abgrenzung kommt dem Mass des verur-

sachten Schmerzes entscheidendes Gewicht zu (BGE 134 IV 189 E. 1.3 S. 191 f. 

mit Hinweisen). Wenn vom Eingriff keine äusseren Spuren bleiben, genügt schon 

 
- 24 -

das Zufügen erheblicher Schmerzen als Schädigung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

StGB  (BGE  107  IV  40;  Urteil  6B_1079/2022  vom  8.  Februar  2023  E. 6.2;  je  mit 

Hinweisen).

4.6.2. Der Beschuldigte schlug kräftig mit der Hand gegen die Stirne und das linke 

Ohr  von  K._____,  wodurch  der  damals  rund  1  2/3  Jahre  junge  und  wehrlose 

K._____ je ein Hämatom an der Stirne und am Ohr erlitt. 

Diese objektiven Verletzungsfolgen sind nicht sehr erheblich, überschreiten aber 

die Grenze zwischen Tätlichkeit und Körperverletzung gleichwohl. Das Bundesge-

richt hat einen Faustschlag ins Gesicht, der einen Bluterguss unterhalb des linken 

Auges zur Folge hatte (BGE 119 IV 25), zwei je ca. 2 x 5 cm grosse Schwellungen 

und Rötungen im Bereich der Augenbraue und des Ohrs sowie eine Druckschmerz-

haftigkeit am unteren Rippenbogen (BGE 127 IV 59), einen harten Faustschlag ins 

Gesicht, der Schmerzen unterhalb des Auges und ein Schwindelgefühl zur Folge 

hatte (Urteil 6S.386/2003 vom 18. Mai 2004), einen Faustschlag auf die Stirn, der 

zur  Anschwellung  der  Augen  und  der  Stirn  führte  (Urteil  6B_149/2017  vom 

16. Februar 2018 E. 9.4), eine schmerzhafte Prellung des Unterkiefers, welche eine 

gewisse  Behandlung  und  Heilungszeit  erforderte  (Urteil  6B_1079/2022  vom 

8. Februar 2023 E. 6.3), Hautabschürfungen an der Nase und der rechten Wange 

sowie eine Einblutung und Schleimhautabtragung in der Mundschleimhaut (Urteil 

6B_675/2018 vom 26. Oktober 2018 E. 4.3), einen Faustschlag in das Gesicht, der 

zu Nasenbluten und Druck in Kopf sowie Nase führte (Urteil 6B_1232/2021 vom 

27. Januar 2022 E. 1.3.4) und zwei Schläge mit der flachen Hand ins Gesicht, die 

eine  leichte  Schwellung  und  Rötung  des  Gesichts,  Schmerzen  am  Fortsatz  des 

Schläfenbeins,  Blutungen  im  Trommelfell  sowie  eine  kleine  Schleimhautplatz-

wunde an der Oberlippe bewirkten (Urteil 6B_706/2011 vom 3. April 2012 E. 4.4.2), 

als einfache Körperverletzungen eingestuft. Durch die Schläge des Beschuldigten 

erlitt K._____ zwei Hämatome, die mindestens am Folgetag noch ersichtlich waren. 

Beim Kopf handelt es sich um eine sensible Region, dies gilt umso mehr bei einem 

Kleinkind. Keine Zweifel bestehen, dass K._____ Schmerzen zugefügt wurden, die 

mehrere Tage anhielten. Der Beschuldigte beging nicht nur ein niederschwelliges 

- 25 -

Gewaltdelikt.  Ein  (altrechtlich)  leichter  Fall  im  Sinne  von  Art. 123  Ziff. 1  aAbs. 2 

StGB liegt nicht vor.

4.6.3. Den  Taterfolg  –  die  bei  K._____  verursachten  Hämatome  –  nahm  der 

Beschuldigte gestützt auf das Beweisergebnis in Kauf. Damit handelte er eventua-

lvorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB (vgl. zum Eventualvorsatz BGE 149 

IV 248 E. 6.3 S. 254 mit Hinweisen). Aufgrund eines einzigen Tatentschlusses liegt 

entgegen  der  Vorinstanz  (Urk. 108  S. 35)  eine  einfache  Tatbegehung  vor.  Der 

Beschuldigte ist demnach schuldig zu sprechen der einfachen Körperverletzung im 

Sinne von Art. 123 aZiff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 123 aZiff. 2 Abs. 3 StGB 

(zum Übergangsrecht vgl. E. IV.1.2. nachfolgend).

5.

Einfache Körperverletzung vom 1. Juni 2021 (Anklage-Ziffer I lit. e)

5.1. Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  vor,  am  1.  Juni  2021 

K._____ mit der Faust kräftig gegen das rechte Auge geschlagen zu haben. Da-

durch habe K._____ eine Einblutung in das Augenweiss des Augapfels und eine 

Einblutung des Augenoberlids erlitten (Urk. 24/1 S. 5).

5.2.

Zum  Anklagevorwurf  liegen  verschiedene  Beweismittel  vor.  Ein  Foto  auf 

dem Mobiltelefon des Beschuldigten vom 1. Juni 2021 um 19.44 Uhr zeigt das ver-

letzte Auge K._____s (Urk. 3/6/8; Urk. 7/2, Foto 20210601_194429). Weiter ist auf 

einem Video ab dem Mobiltelefon der Privatklägerin vom 31. Mai 2021 um 12.51 

Uhr  keine  Einblutung  am  Auge  erkennbar  (Urk. 7/3,  "Aufnahme  von  K._____"). 

Beweisgrundlage  bilden  auch  das  Gutachten  R._____  (Urk. 9/19),  die  Aussagen 

der Privatklägerin (Urk. 3/5 F/A 78 ff., 89 ff.; Urk. 3/7 F/A 65 ff., 169; Urk. 3/9 S. 15 

f.) und des Beschuldigten (Urk. 4/3 F/A 95 ff.; Urk. 4/8 F/A 70 f., 75; Urk. 4/10 F/A 

148 ff., 230; Urk. 4/12 F/A 80 ff., 88; Prot. I S. 50 f.) sowie die WhatsApp-Kommu-

nikation  zwischen  der  Privatklägerin  und  dem  Beschuldigten  vom  1.  Juni  2021 

(Urk. 7/3,  Dokument  "Liste  WhatsApp  B._____  -  A._____",  S. 459  ff.).  Die 

Vorinstanz erwägt, bei der Verletzung handle es sich laut Gutachten R._____ um 

eine nicht-akzidentelle, welche durch Einwirkung stumpfer Gewalt entstanden sei. 

Mit Blick auf die WhatsApp-Kommunikation seien der Beschuldigte und die Privat-

klägerin am 1. Juni 2021 am früheren Nachmittag sowie zwischen 20.32 Uhr und 

- 26 -

23.40 Uhr nicht zusammen gewesen. Die Verletzung müsse nach der Aufnahme 

des Videos vom 31. Mai 2021 entstanden sein. Der Beschuldigte sei am 1. Juni 

2021 frühestens gegen 17.00 Uhr bei der Privatklägerin angekommen. Das Foto 

habe er um 19.44 Uhr aufgenommen und um 20.32 Uhr seien erste Nachrichten 

zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin ergangen. Es sei davon aus-

zugehen, dass sich die Privatklägerin und der Beschuldigte nicht unmittelbar nach 

dem  Verabschieden  Nachrichten  gesandt  hätten  und  der  Beschuldigte  deshalb 

zum Zeitpunkt des Fotos bereits alleine mit K._____ gewesen sei. Unwahrschein-

lich sei, dass K._____ die Verletzung bereits am 31. Mai 2021 erlitten habe, an-

sonsten sie der Privatklägerin am 1. Juni 2021 aufgefallen wäre und sie die Verlet-

zung auch selbst aufgenommen hätte. Für eine Täterschaft der Privatklägerin be-

stünden  keinerlei  Indizien.  Da  die  Verletzung  durch  einen  Faustschlag  und  nicht 

durch einen Unfall verursacht worden sei, komme niemand anders als der Beschul-

digte für die Tat in Frage (Urk. 108 S. 46 ff.). 

5.3. Es ist aufgrund der Videoaufnahme vom 31. Mai 2021 um 12.51 Uhr erstellt, 

dass  die  Verletzung  später  entstanden  sein  muss  (Urk. 7/3,  "Aufnahme  von 

K._____").  Mit  Blick  auf  die  Häufigkeit  der  Kommunikation  via  WhatsApp  und 

mangels Nachrichten vom 31. Mai 2021 kann weiter der Schluss gezogen werden, 

dass  die  Privatklägerin  und  der  Beschuldigte  den  besagten  Tag  zusammen 

verbrachten. Am 1. Juni 2021 war die Privatklägerin abends im Stadtpark, während 

der Beschuldigte alleine auf K._____ aufpasste (Prot. I S. 54; Urk. 4/7 F/A 69). Die 

Privatklägerin  erklärte  betreffend  die  Verletzung  am  Auge,  sie  habe  diese  am 

1. Juni 2021 bemerkt und sich gefragt, ob sich K._____ mit dem Griff des Schop-

pens  verletzt  habe.  Das  habe  sie  am  7.  Juni  2021  so  den  Kinderarzt  gefragt 

(Urk. 3/5 F/A 78 ff.). Laut Arzt habe es ausgesehen, als sei ein Äderchen im Auge 

geplatzt (Urk. 3/7 F/A 66). Der Beschuldigte schilderte dazu, sie hätten beide die 

Verletzung gesehen. Weshalb man am 7. Juni 2021 mit K._____ zum Kinderarzt 

gegangen sei, wisse er nicht (Urk. 4/3 F/A 95 ff., 103). Sie seien wohl wegen der 

Augenverletzung  zum  Arzt  gegangen,  er  wisse  es  nicht  genau  (Urk. 4/10 

F/A 148ff.).  Er  erinnere  sich  an  das  fragliche  Foto.  Immer,  wenn  er  bei  K._____ 

etwas gesehen habe, habe er das der Privatklägerin mitgeteilt (Urk. 4/8 F/A 70). 

Das  mit  dem  Auge  sei  ihm  aufgefallen,  darum  habe  er  es  fotografiert  und  der 

- 27 -

Privatklägerin  gezeigt  (Urk. 4/12  F/A  80).  Diese  Darstellungen  der  Privatklägerin 

und des Beschuldigten wirken grundsätzlich konkret und anschaulich. Nicht nach-

vollziehbar ist aber, dass der Beschuldigte die Verletzung sah und fotografierte, 

aber  keinerlei  Angaben  dazu  machen  konnte,  wer  diese  (nicht  unfallbedingte) 

Verletzung  K._____  mittels  Faustschlag  hätte  zufügen  können.  Eine  solche 

Darstellung ist nur schwer nachvollziehbar und setzt bei der Glaubhaftigkeit der 

Schilderungen ein Fragezeichen. Denn aus den Erklärungen des Beschuldigten 

wird  klar,  dass  der  Beschuldigte  die  Verletzung  fotografierte,  um  sie  der  Privat-

klägerin zu zeigen (vgl. auch Urk. 4/8 F/A 116). Dafür hätte keine Notwendigkeit 

bestanden,  wäre  die  Privatklägerin  vor  Ort  gewesen.  Wäre  die  Privatklägerin 

anwesend gewesen, hätte sie die Verletzung unmittelbar begutachten können und 

wäre es nicht nötig gewesen, diese für sie fotografisch festzuhalten. Entgegen der 

Verteidigung belastet diese Aufnahme den Beschuldigten (Urk. 70 S. 13; Urk. 133 

S. 19).  Die  Ausführungen  des  Beschuldigten  anlässlich  der  Befragung  vor 

Berufungsgericht, er habe die Verletzungen für einen allfälligen Arztbesuch fotodo-

kumentiert  (Urk. 132  S. 18,  Urk.  133  S. 19),  vermögen  an  dieser  Stelle  nicht  zu 

überzeugen. Auch das Argument, es sei realitätsfremd, dass jemand von ihm ver-

ursachte Verletzungen unmittelbar nach deren Begehung selber festhalten und da-

durch gegen ihn verwendbare Beweismittel schaffen würde (Urk. 133 S. 19) dringt 

nicht durch. Vielmehr ist darin die Motivation zur vermeintlichen Transparenz und 

zur Beschwichtigung der Privatklägerin zu sehen, mit dem Ziel, den antizipierten 

Argwohn  zu  entkräften.  Damit  passt  überein,  dass  ein  entsprechendes  Foto  auf 

dem Mobiltelefon der Privatklägerin nicht vorhanden war (vgl. Urk. 7/3; Urk. 7/1). 

Aus  der  WhatsApp-Kommunikation  lässt  sich  schlussfolgern,  dass  der  Beschul-

digte am Nachmittag des 1. Juni 2021 frühestens gegen 17.00 Uhr bei der Privat-

klägerin erschien (Urk. 7/3, Dokument "Liste WhatsApp B._____ - A._____", S. 459 

ff.). Die Augenverletzung wurde um 19.44 Uhr fotografisch festgehalten (Urk. 7/2, 

Foto 20210601_194429) und zwischen 20.32 Uhr bis 23.54 Uhr wurde die Kom-

munikation  via  WhatsApp  fortgeführt  (Urk. 7/3,  Dokument  "Liste  WhatsApp 

B._____ - A._____", S. 462 ff.; vgl. etwa die Nachricht der Privatklägerin an den 

Beschuldigten um 23.40 Uhr: "Bi ufem weg"). Die Privatklägerin hatte am besagten 

Abend die Wohnung (in Richtung Stadtpark) bereits verlassen, wobei nicht anzu-

- 28 -

nehmen ist, dass die Privatklägerin und der Beschuldigte gleich unmittelbar nach 

dem Verlassen der Wohnung ihre Kommunikation wieder aufnahmen. Mit der Vor-

instanz  kann  deshalb davon ausgegangen werden, dass  der Beschuldigte (auch 

seiner Erklärung folgend) zum Zeitpunkt des Fotos bereits alleine mit K._____ war. 

Diese  zeitliche  Koinzidenz  ist  bemerkenswert.  Unwahrscheinlich  ist  weiter,  dass 

K._____ die Verletzung bereits am 31. Mai 2021 (nach der Videoaufnahme und in 

Gegenwart der Privatklägerin) oder am 1. Juni 2021 erlitt, bevor die Privatklägerin 

abends in den Stadtpark ging. In diesem Fall wäre bereits gestützt auf die Erklä-

rungen des Beschuldigten nicht notwendig gewesen, die Verletzungen für die Pri-

vatklägerin zu dokumentieren. Und diese hätte wohl selbst die Verletzungen aufge-

nommen. 

Der Gutachter Prof. Dr. med. R._____ qualifiziert die Verletzung am linken Auge 

als  eine  klassische  durch  Misshandlung  verursachte  Verletzung.  Sie  entspreche 

dem  typischen  Bild  einer  Faustschlagverletzung.  Der  Augapfel  liege  in  der 

knöchernen Augenhöhle und werde bei Anstössen und Stürzen in der Regel nicht 

verletzt  (Urk. 9/19  S. 44  f.).  Gründe,  welche  ein  Abweichen  von  der  Expertise 

nahelegen würden (vgl. dazu BGE 150 IV 1 E. 2.3.3 S. 5 mit Hinweisen), sind 

auch hier keine ersichtlich. Die Argumentation der Verteidigung, wonach anstatt 

eines  Faustschlags  ebenso  ein  Hinfallen  mit  erheblicher  Krafteinwirkung  auf 

einen Gegenstand denkbar sei (Urk. 70 S. 42; Urk. 133 S. 18), vermag die Über-

zeugungskraft  der  Expertise  nicht  in  Frage  zu  stellen.  Ein  Unfall  kann  mithin 

ausgeschlossen werden. 

5.4.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass K._____ die Verletzung 

am Auge durch einen Faustschlag zugefügt wurde, als sich dieser in der Obhut des 

Beschuldigten  befand.  Die  Privatklägerin  kommt  aufgrund  der  dargelegten  Um-

stände als Täterin nicht in Frage. Dies stimmt mit dem eingangs erwähnten (wenn 

auch schwachen) Indiz zusammen, wonach die Privatklägerin als Täterin ausser 

Betracht fällt (E. III.2.5.). In Bezug auf eine Dritttäterschaft fehlen jegliche Anhalts-

punkte. Die Privatklägerin hatte K._____ für den 1. Juni 2021 in der Kindertages-

stätte abgemeldet (Urk. 3/3 F/A 96 f.; vgl. Urk. 5/2, Beilage). Weder der Beschul-

- 29 -

digte  noch  die  Privatklägerin  geben  an,  K._____  sei  in  der  fraglichen  Zeit  in  der 

Obhut einer dritten Person gewesen (vgl. Urk. 3/3 F/A 23 ff.). 

5.5. Damit  ist  der  Tathergang  im  Sinne  der  Anklage  erstellt.  Rechtserhebliche 

Zweifel  bestehen  keine.  Sie  wären  durch  den  Umstand,  dass  K._____  Ende 

April/Anfang  Mai  2021  zum  Beschuldigten  auf  Distanz  ging,  der  im  Übrigen  von 

seinem näheren Umfeld teilweise als gewalttätig beschrieben wird (E. III.2.3. und 

III.2.4.), weggeräumt. Nicht zweifelhaft ist zudem, dass der Beschuldigte wusste, 

dass  ein  kräftiger  Faustschlag  gegen  das  Auge  Einblutungen  im  und  rund  ums 

Auge bewirken können. Indem er derart auf K._____ einschlug, wollte er ihm die 

fraglichen Verletzungen zufügen.

5.6.

In Bezug auf die theoretischen Erwägungen zum Tatbestand der einfachen 

Körperverletzung  kann  auf  die  oben  stehenden  Erwägungen  verwiesen  werden 

(vgl.  E. III.4.6.1.  und  4.6.2.).  Der  Beschuldigte  fügte  K._____  die  Verletzungen 

durch einen starken Faustschlag ins Gesicht zu. Damit wirkte er auf eine sensible 

Region ein. Noch viel mehr muss dies bei einem Kleinkind bejaht werden. Ein nur 

niederschwelliges  Gewaltdelikt  und  damit  ein  (altrechtlich)  leichter  Fall  im  Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 aAbs. 2 StGB liegt nicht vor. Gestützt auf das Beweisergebnis 

wollte  der  Beschuldigte  den  Taterfolg,  weshalb  er  mit  direktem  Vorsatz  handelte 

(widersprüchlich  die  Vorinstanz  in  Urk. 108  S. 49  und  88).  Der  Beschuldigte  ist 

demnach  schuldig  zu  sprechen  der  einfachen  Körperverletzung  im  Sinne  von 

Art. 123 aZiff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 123 aZiff. 2 Abs. 3 StGB (zum Überg-

angsrecht vgl. E. IV.1.2. nachfolgend).

6.

Versuchte schwere Körperverletzung vom 1. Mai 2021 (Anklage-Ziffer I lit. a)

6.1. Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  vor,  am  1.  Mai  2021 

K._____ mit einem nicht bekannten Gegenstand wuchtig gegen die linke Wange 

geschlagen  zu  haben.  Dadurch  habe  er  K._____  in  eine  nahe  Todesgefahr  ver-

setzt, da der ungeschützte Kopf stark beschleunigt worden sei und das Risiko von 

Einblutungen  in  die  Schädelhöhle,  Verletzungen  der  Halsschlagadern  oder  auch 

Verletzungen  oder  gar  Brüche  der  Halswirbelsäule  bestanden  habe  (Urk. 24/1 

S. 3).

- 30 -

6.2. Der  Anklagevorwurf  fusst  auf  verschiedenen  Beweismitteln:  ein  Foto  von 

K._____ auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten vom 1. Mai 2021 um 13.16 Uhr 

(Urk. 7/3,  Fotos  20210501_131558;  Urk. 4/9/6),  das  Gutachten  R._____ 

(Urk. 9/19), die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 3/9 S. 7 ff.) und des Beschuldig-

ten (Urk. 4/8 F/A 115; Urk. 4/12 F/A 28 ff.; Urk. 4/16 F/A 56 ff.; Prot. I S. 32 f.), die 

WhatsApp-Kommunikation  zwischen  der  Privatklägerin  und  dem  Beschuldigten 

vom 1. Juni 2021 (Urk. 7/3, Dokument "Liste WhatsApp B._____ - A._____", S. 294 

ff.) und ein Verlaufsbericht der Praxis S._____ betreffend die Krankengeschichte 

(Urk. 8/10/20  S. 5).  Die  Vorinstanz  hält  zusammengefasst  fest,  laut  Gutachten 

R._____ lasse sich auf eine körperliche Misshandlung mit einem Gegenstand so-

wie  auf  eine  abstrakte  Lebensgefahr  schliessen.  Vor  dem  1.  Mai  2021  habe  die 

Verletzung noch nicht bestanden, da K._____ am 30. April 2021 laut Verlaufsbe-

richt der Praxis S._____ im bestem Allgemeinzustand beschrieben worden sei. Auf-

grund der fehlenden WhatsApp-Kommunikation zwischen dem 30. April 2021 um 

12.07 Uhr und dem 1. Mai 2021 um 15.07 Uhr sei grundsätzlich zu schliessen, dass 

die Privatklägerin und der Beschuldigte in dieser Zeit zusammen gewesen seien. 

Erstellt  sei  gestützt  auf  das  Gutachten  R._____,  dass  K._____  mit  einem 

Gegenstand geschlagen worden sei und dass dieser hätte lebensbedrohlich ver-

letzt werden können. Der Beschuldigte habe das Foto vom 1. Mai 2021 aufgenom-

men. Da er laut eigenen Aussagen immer, wenn er etwas Auffälliges festgestellt 

habe,  sofort  ein  Foto  aufgenommen  habe,  sei  davon  auszugehen,  dass  der 

Beschuldigte alleine mit K._____ gewesen sei, als das Foto entstanden sei. Nicht 

nachvollziehbar  sei,  dass  der  Beschuldigte  K._____s  Verletzung  aufgenommen 

habe, aber zu deren Entstehung nichts sagen könne. Dies lasse stark an der Glaub-

haftigkeit seiner Aussagen zweifeln. Da der Beschuldigte K._____ im Zeitpunkt der 

Entstehung des Fotos betreut habe, komme ausser ihm niemand als Täter in Frage 

(Urk. 108 S. 23 ff.).

6.3. Diese  vorinstanzlichen  Erwägungen  können  mehrheitlich  übernommen 

werden.  Präzisierend  und  ergänzend  kann  Folgendes  festgehalten  werden.  Die 

Privatklägerin konnte die Verletzung nicht erklären (Urk. 3/9 S. 7 ff.). Gleiches hielt 

der  Beschuldigte  fest.  Wenn  das  Bild  in  seinem  Mobiltelefon  gewesen  sei,  dann 

bedeute  dies,  dass  er  die  Aufnahme  gemacht  habe  (Urk. 4/12  F/A  28  ff.).  Den 

- 31 -

Grund  der  Aufnahme  konnte  er  klar  angeben  (Urk. 4/8  F/A  115  ff.:  "[…]  immer, 

wenn ich etwas festgestellt hatte, hatte ich es fotografiert und wenn sie anwesend 

war, hatte ich ihr das immer sofort gezeigt, wenn ich bei K._____ etwas festgestellt 

habe"; "Und wenn sie nicht da war, hatte ich Fotos gemacht und ihr dann gezeigt 

oder geschickt, damit sie nicht etwas behaupten kann"; "Ich wollte einfach, dass sie 

zum  Beispiel  so  eine  Rötung  wie  auf  diesem  Bild  [gemeint:  die  Aufnahme  vom 

1. Mai  2021]  auch  sofort  sieht.  Deshalb  hatte  ich  immer  alles  bei  K._____,  Ver-

letzungen  oder  was  ich  sonst  gesehen  habe,  fotografiert  und  ihr  immer  gleich 

Bescheid gegeben"). Zwar wird nicht übersehen, dass der Beschuldigte später vor 

Vorinstanz  –  wie  auch  vor  Berufungsgericht  –  relativierend  festhielt,  sie  hätten 

manchmal auch zusammen Fotos gemacht, beispielsweise, um sie dem Kinderarzt 

zu zeigen (Prot. I S. 33 f.; Urk. 132 S. 18). Diese Erklärung wirkt zum einen nach-

geschoben.  Zum  andern  wäre  bei  Anwesenheit  der  Privatklägerin  zu  erwarten, 

dass sich entsprechende Aufnahmen auch auf ihrem Mobiltelefon finden liessen. 

Dies ist nicht der Fall (vgl. Urk. 7/3; Urk. 7/1). Dass das Foto für die Privatklägerin 

und nicht für den Kinderarzt bestimmt war, zeigt schliesslich auch der Verlaufsbe-

richt der Praxis S._____. Die Verletzung vom 1. Mai 2021 blieb unerwähnt. Nach 

dem  Besuch  des  Kinderarztes  am  Nachmittag  des  30.  April  2021  ("bester  AZ 

[Allgemeinzustand]") folgt am 10. Mai 2021 die Mitteilung an die Praxisassistentin 

betreffend die Verletzungen vom 9. Mai 2021 (Urk. 8/10/20 S. 5 f.). Damit kann mit 

der  Vorinstanz  und  entgegen  der  Verteidigung  (Urk. 70  S. 43;  Urk.  133  S. 11  f.) 

festgehalten  werden,  dass  der  Beschuldigte  mit  K._____  alleine  war,  als  er  das 

Foto aufnahm. Dem steht nicht entgegen, dass die Aufnahme am 1. Mai 2021 um 

13.16 Uhr entstand (Urk. 7/3, Foto 20210501_131558; vgl. Urk. 4/8 F/A 64 betref-

fend die koordinierte Weltzeit UTC) und ab dem 30. April 2021 um 14.07 Uhr bis 1. 

Mai  2021  um  17.07  Uhr  keine  WhatsApp-Nachrichten  ausgetauscht  wurden 

(Urk. 7/3, Dokument "Liste WhatsApp B._____ - A._____", S. 294; unzutreffend in 

Urk. 108 S. 25). Zwar ist das Fehlen von Nachrichten dahingehend zu würdigen, 

dass die Privatklägerin und der Beschuldigte während der besagten Zeit grundsätz-

lich zusammen waren. Hingegen schliesst dies selbstredend nicht aus, dass dies 

zwischendurch  nicht  der  Fall  war  und  sich  K._____  kurzweilig  in  der  Obhut  der 

Privatklägerin oder des Beschuldigten befand. 

- 32 -

Richtig ist, dass das Gutachten R._____ betreffend die Verletzung an der linken 

Wange  die  Diagnose  einer  körperlichen  Misshandlung  stellt.  Die  Aufnahme  vom 

1. Juni  2021  um  13.15  Uhr  (gemeint:  1.  Mai  2021  um  13.15  Uhr)  zeige  einen 

Negativabdruck des einwirkenden Objektes auf die Haut und lasse den Schluss zu, 

dass  K._____  mit  einem  Gegenstand  massiv  gegen  die  linke  Gesichtshälfte 

geschlagen worden sei. Diese Gewalteinwirkung sei als abstrakt lebensbedrohlich 

zu werten, da bei Säuglingen und Kleinkindern eine derartige Schlageinwirkung zur 

abrupten erheblichen Kopfbeschleunigung mit Einblutungen in die Schädelhöhle, 

Verletzungen  der  Halsschlagadern  oder  auch  Verletzungen  der  Halswirbelsäule 

führen könne (Urk. 9/19 S. 41 f., 44).

Nach den überzeugenden Ausführungen von Prof. Dr. R._____ wurde K._____ 

mithin  misshandelt  und  lassen  sich  seine  Verletzungen  nicht  auf  einen  Unfall 

zurückführen.  Die  gegenteilige  Ansicht  der  Verteidigung,  wonach  ebenso  ein 

Hinfallen  mit  erheblicher  Krafteinwirkung  auf  einen  Gegenstand  denkbar  sei 

(Urk. 70 S. 42; Urk. 133 S. 10 f.), vermag die Überzeugungskraft der Expertise 

nicht in Frage zu stellen. Auch hier ist mit der Vorinstanz nicht nachvollziehbar, 

dass der Beschuldigte die Verletzung sah und in Abwesenheit der Privatklägerin 

fotografierte,  aber  keinerlei  Angaben  dazu  machen  konnte,  wer  diese  (nicht 

unfallbedingte)  Verletzung  K._____  mit  einem  Gegenstand  hätte  zufügen 

können. Eine solche Darstellung ist nur schwer nachvollziehbar und belastet den 

Beschuldigten.

6.4.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass K._____ mit einem nicht 

bekannten  Gegenstand  wuchtig  gegen  die  linke  Wange  geschlagen  wurde.  Der 

Beschuldigte sah und fotografierte die Verletzung an der Wange, als er alleine auf 

K._____  aufpasste.  Dies  belastet  den  Beschuldigten.  Belastet  wird  der  Beschul-

digte zudem durch die Tatsache, dass er K._____ wenig später am 9. Mai 2021 

und 1. Juni 2021 Schläge gegen den Kopf verabreichte und ihn somit in ähnlicher 

Art und Weise misshandelte (E. III.4. und III.5.). Auf der anderen Seite deutet nichts 

auf eine Urheberschaft der Privatklägerin. In Bezug auf eine Dritttäterschaft fehlen 

abermals jegliche Anhaltspunkte. Am 1. Mai 2021 war K._____ nicht in der Kinder-

tagesstätte  (Urk. 5/2,  Beilage).  Weder  der  Beschuldigte  noch  die  Privatklägerin 

- 33 -

geben  an,  K._____  sei  in  der  fraglichen  Zeit  in  der  Obhut  einer  dritten  Person 

gewesen (vgl. Urk. 3/3 F/A 23 ff.).

6.5. Damit  ist  der  Tathergang  im  Sinne  der  Anklage  erstellt.  Rechtserhebliche 

Zweifel bestehen keine. Sie wären durch den Umstand, dass K._____ just ab der 

fraglichen  Zeit  zum  Beschuldigten  auf  Distanz  ging,  der  im  Übrigen  von  seinem 

näheren Umfeld teilweise als gewalttätig beschrieben wird (E. III.2.3. und III.2.4.), 

weggeräumt. Nicht zweifelhaft ist zudem, dass der Beschuldigte wusste, dass ein 

kräftiger Schlag mit einem Gegenstand gegen den Kopf eines Kleinkindes lebens-

gefährlich sein kann. Der Beschuldigte erklärte vor Schranken, bei Schlägen gegen 

den Kopf könne vieles passieren. "Das Hirn wackelt fest hin und her und dann gibt 

es Hirnfehler" (Prot. I S. 31). Indem er K._____ im Wissen darum gleichwohl kräftig 

gegen den Kopf schlug, nahm er in Kauf, ihn lebensgefährlich zu verletzen. 

6.6.

6.6.1. Gemäss aArt. 122 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen 

lebensgefährlich  verletzt,  wer  vorsätzlich  den  Körper,  ein  wichtiges  Organ  oder 

Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauch-

bar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank 

macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt oder wer vorsätzlich 

eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen 

Gesundheit eines Menschen verursacht.

6.6.2. K._____ erlitt abgesehen von einer grossflächigen Verletzung an der linken 

Wange keine weiteren Verletzungen und schwebte nicht in Lebensgefahr. Somit ist 

der Taterfolg, eine Schädigung im Sinne von aArt. 122 StGB, nicht eingetreten und 

der objektive Tatbestand ist nicht erfüllt. Zu prüfen ist, ob eine versuchte schwere 

Körperverletzung gemäss aArt. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zu 

bejahen ist.

6.6.3. Ein Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter, nachdem 

er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die straf-

bare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder wenn der zur Vollendung der Tat gehörende 

 
- 34 -

Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht eintreten kann. Schlägt der Täter ein Kleinkind 

wuchtig mit einem Gegenstand gegen das Gesicht, hat er offensichtlich den ent-

scheidenden Schritt zu einer möglichen schweren Körperverletzung vollzogen und 

auch alles dafür getan, den verpönten Erfolg eintreten zu lassen. Deshalb ist von 

einem  vollendeten  Versuch  einer  schweren  Körperverletzung  auszugehen.  Die 

objektiven Voraussetzungen sind erfüllt.

6.6.4. Ein  Versuch  gemäss  Art. 22  Abs. 1  StGB  setzt  Vorsatz  in  Bezug  auf  die 

Erfüllung aller objektiven Merkmale des betreffenden Tatbestands voraus. Even-

tualvorsatz  genügt  den  Anforderungen,  soweit  der  Straftatbestand  nicht  eine 

abweichende Vorsatzform erfordert (DONATSCH/GODENZI/TAG, Strafrecht I, Verbre-

chenslehre,  10.  Aufl.  2022,  S. 140).  Der  Tatbestand  der  schweren  Körperver-

letzung setzt mindestens Eventualvorsatz voraus (ANDREAS  DONATSCH, Strafrecht 

III, Delikte gegen den Einzelnen, 11. Aufl. 2018, S. 54).

6.6.5. Nach  ständiger  Rechtsprechung  ist  Eventualvorsatz  gegeben,  wenn  der 

Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirklichung für 

möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts 

in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 149 

IV 248 E. 6.3 S. 254 mit Hinweisen). Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich 

das Gericht – soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich 

feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von 

den äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Zu den 

äusseren  Umständen,  aus  denen  der  Schluss  gezogen  werden  kann,  der  Täter 

habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, zählt auch die Grösse des 

dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der 

Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser dieses Risiko ist und je schwerer die Sorg-

faltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die 

Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 147 IV 439 E. 7.3.1 S. 448; 

135 IV 12 E. 2.3.2 S. 17; 134 IV 26 E. 3.2.2 S. 28 f.; je mit Hinweisen).

6.6.6. Bei der Kopfregion handelt es sich um einen besonders sensiblen Bereich 

des  menschlichen  Körpers.  Kopfverletzungen,  insbesondere  Verletzungen  der 

Hirnregion, können gravierende Folgen nach sich ziehen. Nach der bundesgericht-

- 35 -

lichen Rechtsprechung ist für die Erfüllung des Tatbestandes der schweren Körper-

verletzung nicht vorausgesetzt, dass neben den eigentlichen Schlägen gegen den 

Kopf  ein  aggravierendes  Moment,  etwa  eine  besondere  Heftigkeit  der  Tritte,  die 

Wehrlosigkeit des Opfers, die Traktierung mit weiteren Gegenständen oder die Ein-

wirkung mehrerer Personen, hinzutreten muss (Urteil 6B_402/2022 vom 24. April 

2023  E. 1.5  mit  Hinweisen).  Die  Rechtsprechung  bejahte  verschiedentlich  eine 

(versuchte) schwere Körperverletzung, dies insbesondere bei wiederholten Faust-

schlägen,  bei  einem  heftigen  Schlag  ins  Gesicht  von  körperlich  beeinträchtigten 

bzw.  in  ihrem  Reaktionsvermögen  eingeschränkten  Opfern  sowie  beim  (sich 

verwirklichten)  Risiko  eines  unkontrollierten  Sturzes  auf  den  Boden  (Urteil 

6B_321/2023 vom 16. Juni 2023 E. 3.2.5 mit Hinweisen). 

6.6.7. Die  Vorinstanz  gelangt  zur  Überzeugung,  dass  für  K._____  aufgrund  des 

heftigen  Schlages  gegen  die  linke  Gesichtshälfte  eine  abstrakte  Lebensgefahr 

bestand (Urk. 108 S. 28 f.). Diese Schlussfolgerung ist zu übernehmen. Sie basiert 

auf den Erklärungen des Gutachters, wonach bei Säuglingen und Kleinkindern eine 

derartige  Schlageinwirkung  zur  abrupten  erheblichen  Kopfbeschleunigung  mit 

Einblutungen  in  die  Schädelhöhle,  Verletzungen  der  Halsschlagadern  oder  auch 

Verletzungen der Halswirbelsäule führen könne (Urk. 9/19 S. 44).

Der Beschuldigte schlug K._____ wuchtig mit einem unbekannten Gegenstand ins 

Gesicht. Schlag und Gegenstand waren derart, dass sie im Gesicht von K._____ 

einen Negativabdruck des Objekts hinterliessen. Die Handlung des Beschuldigten 

wiegt schwer. Es bedarf keiner besonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass ein 

solcher  Schlag  gegen  das  Gesicht  eines  Kleinkinds,  welches  den  Schlag  nicht 

abwehren  und  nicht  ausweichen  kann,  einen  lebensgefährlichen  Zustand  oder 

schwere  bleibende  Schädigungen  verursachen  kann.  Der  Beschuldigte  wusste, 

dass ein kräftiger Schlag mit einem Gegenstand gegen den Kopf eines Kleinkindes 

lebensgefährlich sein kann (s. vorstehend). Nicht entlastet wird der Beschuldigte, 

indem Prof. Dr. med. R._____ die geschaffene Gefahr als abstrakt lebensgefährlich 

bezeichnet.  Dass  die  vorhandene  und  erkennbare  Gefahr  letztlich  nicht  in  eine 

schwere  Verletzung  umgeschlagen  ist,  der  Taterfolg  der  schweren  Körperverlet-

zung nicht eingetreten ist, belegt nicht, dass die Gefahr lediglich theoretisch und für 

- 36 -

den Beschuldigten nicht vorhersehbar war.  Gegenteiliges anzunehmen hätte zur 

Folge, dass ein Vorsatz bei einer nur versuchten schweren Körperverletzung nie 

denkbar  wäre.  Ein  Eventualvorsatz  muss  hier  selbst  für  den  Fall  bejaht  werden, 

wenn  man  annimmt,  das  Risiko  einer  schweren  Körperverletzung  sei  nicht  hoch 

gewesen. Eventualvorsatz kann auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestands-

mässigen Erfolgs nicht sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich war. Doch darf 

nicht allein aus dem Wissen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf 

dessen  Inkaufnahme  geschlossen  werden.  Vielmehr  müssen  weitere  Umstände 

hinzukommen (BGE 133 IV 9 E. 4.1 S. 17 mit Hinweisen; BGE 133 IV 1 E. 4.5 S. 6 

f.). Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der Täter das ihm bekannte Ri-

siko nicht kalkulieren und dosieren kann und das Opfer keine Abwehrchancen hat 

(BGE 133 IV 1 E. 4.5 S. 7 mit Hinweisen). Indem der Beschuldigte wuchtig mit ei-

nem unbekannten Gegenstand gegen das Gesicht von K._____ schlug, konnte er 

das  geschaffene  Risiko  (etwa  das  Risiko  von  Einblutungen  in  die  Schädelhöhle) 

nicht  kalkulieren  und  kontrollieren.  Darüber  hinaus  hatte  der  damals  rund  1  2/3 

Jahre junge K._____ keine Möglichkeit, dem Schlag auszuweichen oder ihn abzu-

wehren. Es ist nicht erkennbar, inwiefern der Beschuldigte die Gefahr durch eige-

nes Verhalten hätte abwenden können. Das wuchtige Schlagen mit einem Gegen-

stand gegen den Kopf verdeutlicht vielmehr, dass er das Geschehen preisgab und 

nicht ernsthaft auf einen glimpflichen Ausgang vertrauen konnte. Der Nichteintritt 

des Erfolgs hing überwiegend von Glück und Zufall ab. 

Dem Beschuldigten musste sich bei seinem Übergriff die Möglichkeit schwerer 

Körperverletzungen als so wahrscheinlich aufdrängen, dass sein Verhalten – ent-

gegen der Verteidigung (Urk. 133 S. 11) – vernünftigerweise als Billigung dieses 

Erfolgs ausgelegt werden muss.

6.7. Der Beschuldigte ist schuldig zu sprechen der versuchten schweren Körper-

verletzung  im  Sinne  von  aArt. 122  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB 

(zum Übergangsrecht vgl. E. IV.1.2. nachfolgend).

- 37 -

7.

Versuchte schwere Körperverletzung vom 28./29. Mai 2021 (Anklage-Ziffer I 
lit. c)

7.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, K._____ zwischen dem 

28. und 29. Mai 2021 am Oberkörper respektive an den Oberarmen gepackt und 

äusserst gewaltsam geschüttelt zu haben, so dass sich der Rücken extrem gebeugt 

und  überstreckt  habe.  Eventuell  habe  der  Beschuldigte  K._____  an  den  Füssen 

oder Beinen gepackt und ihn hin und her geschleudert. Dadurch habe der Beschul-

digte  den  8.  Brustwirbelkörper  des  Kleinkindes  gebrochen.  Es  habe  die  Gefahr 

einer invalidisierenden Querschnittslähmung, cerebraler Nervenverletzungen oder 

schwerer (damit tödlicher) inneren Blutungen und damit gesamthaft invalidisieren-

der  und  lebensbedrohlicher  Verletzungen  bestanden.  Als  Folge  des  Bruchs  des 

8. Brustwirbelkörpers  habe  K._____  in  den  kommenden  Wochen  starke,  in  die 

Hüfte ausstrahlende Schmerzen gehabt, welche dazu geführt hätten, dass K._____ 

nicht mehr habe gehen wollen und nur eingeschränkt gekrabbelt habe (Urk. 24/1 

S. 4).

7.2.

Zum Anklagevorwurf liegen verschiedene Beweismittel vor: ein Gutachten 

des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich von Prof. Dr. med. T._____ 

vom 24. August 2021 (Urk. 9/3, nachfolgend: Gutachten T._____), das Gutachten 

R._____  (Urk. 9/19),  die  Aussagen  der  Privatklägerin  (Urk. 3/9  S. 11  ff.;  Urk. 3/5 

F/A 53) und des Beschuldigten (Urk. 4/2 F/A 23 ff.; Urk. 4/8 F/A 34 ff.; Urk. 4/12 F/A 

57 ff.; Urk. 4/15 S. 14 f.; Urk. 4/16 F/A 69 ff.; Prot. I S. 41 ff.), die Aussagen von 

G._____  als  Leiterin  der  Kindertagesstätte  (Urk. 5/2)  sowie  die  WhatsApp-

Kommunikation  zwischen  der  Privatklägerin  und  dem  Beschuldigten  (Urk. 7/3, 

Dokument "Liste WhatsApp B._____ - A._____", S. 449 ff.). In Würdigung dieser 

Beweismittel erwägt die Vorinstanz, laut Gutachten könne die Impressionsfraktur 

des  8.  Brustwirbelkörpers  durch  peitschenschlagartige  Bewegungen  der  Wirbel-

säule  bei  einem  Schüttelvorgang  entstehen  und  komme  zusammen  mit  einem 

Schütteltrauma vor. Laut Gutachten sei es wahrscheinlich, dass K._____ unmittel-

bar  vor  dem  erstmaligen  Auftreten  der  Gehverweigerung  am  29.  Mai  2021  das 

Trauma  der  Wirbelsäule  erlitten  habe.  Derartige  Verletzungen  der  Wirbelsäule 

könnten mit Schädigungen des Rückenmarks und von Nervenfasern einhergehen, 

so dass das Risiko einer schweren Gesundheitsschädigung mit körperlicher Behin-

- 38 -

derung bestehe. Die Vorinstanz unterstreicht, dass die Gehverweigerung erstmals 

am 29. Mai 2021 aufgefallen sei. Diese sei laut Gutachten R._____ unmittelbare 

Folge des Bruchs der Brustwirbelsäule gewesen, wobei dieser durch einen Schüt-

telvorgang entstanden sei. In der Kindertagesstätte seien am 28. Mai 2021 keine 

Besonderheiten festgestellt worden. Am Abend des 28. Mai 2021 sei K._____ min-

destens eine kürzere Zeit alleine mit dem Beschuldigten gewesen. Für die Verlet-

zung  des  Brustwirbels  lägen  keine  Anhaltspunkte  vor,  dass  die  Privatklägerin 

K._____ diese Verletzung hätte zufügen können. Mangels Anhaltspunkte für einen 

Unfall sei davon auszugehen, dass die Verletzung misshandlungsbedingt sei. Da 

der  Beschuldigte  am  Vorabend  der  aufgetretenen  Gehverweigerung,  mithin  am 

28. Mai 2021 alleine mit K._____ gewesen sei und keine Indizien für eine Dritttä-

terschaft vorlägen, komme als Täter lediglich der Beschuldigte in Frage (Urk. 108 

S. 36 ff.).

7.3. K._____  erlitt  laut  Gutachten  T._____  und  R._____  einen  Deckplattenim-

pressionsbruchs des 8. Brustwirbelkörpers (Urk. 9/19 S. 38; Urk. 9/3 S. 24). Dieser 

Bruch fiel erst nach erneuter Durchsicht der Kernspintomographie im Kinderspital 

Zürich  auf  und  wurde  dem  IRM  Zürich  nach  der  Obduktion  mitgeteilt  (Urk. 9/3 

S. 34).

Unbestritten und erstellt ist, dass K._____ den Freitag, 28. Mai 2021 in der Kinder-

tagesstätte  verbrachte  (Prot. I  S. 44;  Urk. 3/9  S. 12;  Urk. 5/2,  Beilage).  Dies  trifft 

auch auf die unmittelbar vorangegangenen Betreuungstage am Dienstag und Don-

nerstag (25. und 27. Mai 2021) zu (Urk. 3/1 F/A 34 f.; Urk. 5/2, Beilage). K._____s 

Verhalten  in  der  besagten  Woche  in  der  Kindertagesstätte  wurde  als  unauffällig 

bezeichnet (Urk. 5/2 F/A 52 ff.). Die Gehverweigerung fiel der Privatklägerin und 

dem  Beschuldigten  am  Morgen  des  29.  Mai  2021  auf  (Urk. 3/9  S. 11;  Urk. 4/2 

F/A 25  ff.).  Am  gleichen  Tag  wurde  in  der  Kinder  Permanence  der  Verdacht  auf 

einen  Hüftschnupfen  (eine  vorübergehende  Entzündung  eines  Hüftgelenks  mit 

typischerweise  deutlicher  Ergussbildung  und  laborchemischem  Anstieg  von 

Entzündungsparametern, Urk. 9/19 S. 48) gestellt, nachdem berichtet wurde, dass 

K._____ seit dem Morgen Probleme mit dem rechten Fuss habe, das Draufstellen 

und Belasten verweigere und im Rahmen der Untersuchung deutliche Schmerzen 

- 39 -

beim Beugen der Hüfte links festgestellt wurden (Urk. 8/11/6). Diese am 29. Mai 

2021  aufgetretene  Gehverweigerung  sei  laut  Gutachten  R._____  hochgradig 

verdächtig  auf  eine  unmittelbare  Reaktion  von  K._____  auf  die  Verletzung  der 

Brustwirbelsäule.  Aus  rechtsmedizinischer  Sicht  sei  es  deshalb  wahrscheinlich, 

dass K._____ unmittelbar vor dem erstmaligen Auftreten der Gehverweigerung am 

29. Mai  2021  das  Trauma  der  Wirbelsäule  erlitten  habe  (Urk. 9/19  S. 49).  Diese 

überzeugende  gutachterliche  Einschätzung  wird  durch  das  Gutachten  T._____ 

nicht umgestossen. Danach könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Sym-

ptome auf einen Bruch der Brustwirbelsäule hinweisen könnten. Als weitere Mög-

lichkeit könnten die Auffälligkeiten des Gangbildes unabhängig und zufällig vor dem 

Zuzug  des  Brustwirbelkörperbruches  bestanden  haben  (Urk. 9/3  S. 35).  Gestützt 

darauf  stellt  sich  die  Verteidigung  auf  den  Standpunkt,  die  Gehverweigerung  sei 

unabhängig von der Brustwirbelfraktur aufgetreten (Urk. 70 S. 46; Urk. 133 S. 15 

f.). Diese im Gutachten T._____ aufgeworfene, aber nicht näher begründete wei-

tere Möglichkeit scheint eher theoretischer Natur zu sein. Prof. Dr. med. R._____ 

unterstreicht, bei K._____ habe zu keinem Zeitpunkt eine konkret fassbare Ursache 

für  die  Gehverweigerung 

in  Form  eindeutiger  klinischer  Befunde  oder 

Laborparameter festgestellt werden können (Urk. 9/19 S. 48). Auf dessen schlüs-

sige  Einschätzung,  die  sich  grundsätzlich  auch  im  Gutachten  T._____  findet,  ist 

abzustellen.

Erstellt ist damit, dass K._____ die Gehverweigerung nach dem Besuch der Kin-

dertagesstätte am Freitag, 28. Mai 2021, entwickelte und diese am nächsten Mor-

gen festgestellt wurde. Erstellt ist weiter, dass die Gehverweigerung eine unmittel-

bare Reaktion auf die Verletzung der Brustwirbelsäule darstellte. Die Privatklägerin 

führte aus, sie sei am 28. Mai 2021 abends in den Stadtpark gewesen, während 

der  Beschuldigte  zuhause  K._____  gehütet  habe.  Sie  sei  höchstens  30  Minuten 

weg  gewesen,  möglicherweise  sei  sie  auch  länger  abwesend  gewesen  (Urk. 3/9 

S. 12). Der Beschuldigte hielt dazu fest, es sei möglich, dass er vom Freitag, 28. 

Mai  2021,  auf  Samstag,  29.  Mai  2021,  bei  der  Privatklägerin  übernachtet  habe 

(Urk. 4/2 F/A 28). Ebenfalls sei es möglich, dass er am besagten Abend alleine mit 

K._____ gewesen sei, er wisse es nicht mehr (Prot. I S. 45). Die Darstellung der 

Privatklägerin  stellt  der  Beschuldigte  mithin  nicht  in  Abrede.  Sie  wird  durch  die 

- 40 -

WhatsApp-Kommunikation gestützt. Diese zeigt in einer ersten Phase, dass die Pri-

vatklägerin und der Beschuldigte am besagten Tag zwischen 12.39 Uhr und 20.31 

Uhr keine WhatsApp-Nachrichten austauschten, was dafür spricht, dass sie in die-

ser  Zeit  zusammen  waren  (Urk. 7/3,  Dokument  "Liste  WhatsApp  B._____  - 

A._____", S. 451). Dies wird durch den Auswertungsbericht der Kantonspolizei vom 

21. Juni 2022 nicht umgestossen. Gemäss RTI-Daten wurde das Mobiltelefon der 

Privatklägerin  am  28.  Mai  2021  zwischen  ca.  16.09  Uhr  und  ca.  17.07  Uhr  im 

Stadtpark  beim  Spielplatz  lokalisiert.  Das  Mobiltelefon  des  Beschuldigten  wurde 

(entgegen dem unzutreffenden Vorhalt durch die Staatsanwaltschaft anlässlich der 

Befragung des Beschuldigten am 5. Oktober 2022, Urk. 4/16 F/A 69) um 16.56 Uhr 

und 17.01 Uhr ebenfalls am besagten Ort lokalisiert, ohne dass im Übrigen längere 

Zeitbereiche festgestellt werden konnten (Urk. 1/5 S. 7 f.). In einer zweiten Phase 

tauschten die Privatklägerin und der Beschuldigte aber ab 20.31 Uhr bis spätnachts 

um 02.21 Uhr WhatsApp-Nachrichten aus. Solches zeigt, dass die Privatklägerin 

und der Beschuldigte damals getrennt waren. Dies geht einher mit der Schilderung 

der Privatklägerin, am Abend sei eine Kollegin auf Besuch gekommen, die sie in 

den  Stadtpark  zurückbegleitet  habe.  Sie  sei  höchstens  30  Minuten  respektive 

möglicherweise  auch  länger  abwesend  gewesen  (Urk. 3/9  S. 12).  Entgegen  der 

Verteidigung  (Urk. 133  S.  17)  impliziert  sodann  der  Umstand,  dass  die  Privat-

klägerin dem Beschuldigten um 20.31 Uhr folgende WhatsApp-Nachricht schrieb: 

"26.6.2020  folg  48  staffel  2"  (Urk. 7/3,  Dokument  "Liste  WhatsApp  B._____  - 

A._____", S. 451) nicht, dass die Privatklägerin gerade TV schaute und sich ent-

sprechend mit K._____ alleine zuhause aufhielt. Es ist diesbezüglich – wie bereits 

ausgeführt – auf die glaubhaften Schilderungen der Privatklägerin abzustellen, wel-

che  durch  die  WhatsApp-Kommunikation  gestützt  und  vom  Beschuldigten  selbst 

auch nicht in Abrede gestellt werden.

Zur  Entstehung  der  Verletzung  wird  im  Gutachten  R._____  dargelegt,  unfallbe-

dingte Brüche der Wirbelsäule fänden sich bei Kindern ausgesprochen selten, näm-

lich nur nach erheblichen Gewalteinwirkungen wie beispielsweise schweren Stür-

zen aus der Höhe oder Verkehrsunfällen. Ohne plausible Anamnese seien Verlet-

zungen  der  Wirbelsäule  hochsuspekt  auf  eine  misshandlungsbedingte  Ursache. 

Derartige  Verletzungen  seien  die  Folgen  massiver  Gewalteinwirkung  durch  ex-

- 41 -

treme Beugungs- und Überstreckungsbewegungen der Wirbelsäule, wie sie auch 

beim Schütteltrauma auftreten würden. Der bei K._____ festgestellte Bruch lasse 

auf  eine  massive  Peitschenschlagbewegung  der  Wirbelsäule  schliessen.  Dass 

K._____  zwischen  zwei  Erwachsenen  Personen  über  eine  kurze  Distanz  in  auf-

rechter Position einige Male hin- und hergeworfen worden sei, sei nicht geeignet, 

die festgestellte Wirbelsäulenverletzung hervorzurufen (Urk. 9/19 S. 47 ff.). Triftige 

Gründe,  die  ein  Abweichen  von  diesen  gutachterlichen  Erklärungen  nahelegen 

würden, sind auch hier keine ersichtlich. Ein Unfall wird von keiner Seite konkret 

behauptet und kann mithin ausgeschlossen werden. 

7.4. Damit  kann  festgehalten  werden,  dass  der  Deckplattenimpressionsbruch 

des 8. Brustwirbelkörpers K._____ in der Zeitspanne zwischen dem Verlassen der 

Kindertagesstätte am 28. Mai 2021 und dem folgenden Morgen vom 29. Mai 2021 

zugefügt wurde. In dieser Phase war K._____ zeitweise in der alleinigen Obhut des 

Beschuldigten.  Dies  belastet  den  Beschuldigten.  Belastet  wird  der  Beschuldigte 

zudem durch die Tatsache, dass er K._____ bereits am 1. und 9. Mai 2021 massive 

Schläge gegen den Kopf verabreicht hatte und die Misshandlungen wenige Tage 

später am 1. Juni 2021 fortsetzte (E. III.6., III.4., III.5.). Auf der anderen Seite deutet 

nichts auf eine Urheberschaft der Privatklägerin, selbst wenn sie selbstredend auch 

die Gelegenheit gehabt hätte, K._____ die entsprechende Verletzung zuzufügen. 

In  Bezug  auf  eine  Dritttäterschaft  fehlen  –  entgegen  der  Verteidigung  (Urk. 133 

S. 17) – abermals jegliche Anhaltspunkte. Weder der Beschuldigte noch die Privat-

klägerin geben an, K._____ sei nach dem Verlassen der Kindertagesstätte am 28. 

Mai 2021 in der Obhut einer dritten Person gewesen. Soweit die Verteidigung fest-

hält, es sei auch möglich, dass K._____ die Gewalttätigkeiten in der Kindertages-

stätte zugefügt worden seien (Urk. 70 S. 3 und 47), ist dies richtig. Konkrete An-

haltspunkte dafür liegen aber mit der Vorinstanz keine vor (Urk. 108 S. 56), weshalb 

der  Einwand  des  Beschuldigten  nicht  über  eine  theoretische  Möglichkeit  hinaus-

geht.  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  führte  der  Beschuldigte  denn  hierzu 

auch an, es sei noch alles gut gewesen und K._____ sei noch gelaufen, als sie ihn 

am 28. Mai 2021 von der Kindertagesstätte abgeholt hätten; am nächsten Tag sei 

dem nicht mehr so gewesen (Urk. 132 S. 20).

- 42 -

7.5. Damit  ist  der  Tathergang  im  Sinne  der  Anklage  erstellt.  Rechtserhebliche 

Zweifel  bestehen  keine.  Sie  wären  durch  den  Umstand,  dass  K._____  Ende 

April/Anfang Mai zum Beschuldigten auf Distanz ging, der im Übrigen von seinem 

näheren Umfeld teilweise als gewalttätig beschrieben wird (E. III.2.3. und III.2.4.), 

weggeräumt.  Zu  Gunsten  des  Beschuldigten  ist  davon  auszugehen,  dass  er 

K._____ nicht an Füssen oder Beinen packte und ihn derart gewaltsam hin und her 

schleuderte,  sondern  dass  er  K._____  am  Oberkörper  packte  und  ihn  äusserst 

gewaltsam  schüttelte.  Wie  bereits  ausgeführt,  wusste  der  Beschuldigte,  was  bei 

einem Schlag gegen den Kopf eines Kleinkindes passieren kann (E. III.6.5.). Auch 

war  ihm  bekannt,  dass  kräftiges  Schütteln  eines  Kleinkindes  Verletzungen  von 

Rücken  und  Gehirn,  vor  allem  auch  zu  Nervenverletzungen  und  Blutungen  im 

Gehirn führen und schliesslich tödlich enden können (Prot. I S. 60 f.). Der Beschul-

digte erklärte, kleine Kinder seien zerbrechlich und ihre Knochen seien noch nicht 

stabil (Urk. 4/8 F/A 12). Indem er K._____ im Wissen darum gleichwohl äusserst 

gewaltsam schüttelte, nahm er in Kauf, ihm invalidisierende und lebensbedrohliche 

Verletzungen zuzufügen. 

7.6.

7.6.1. Zum  Tatbestand  der  schweren  Körperverletzung  im  Sinne  von  aArt. 122 

StGB kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden (E. III.6.6.1).

7.6.2. Durch die Misshandlung zeigte K._____ in der Folge eine Gehverweigerung. 

Der Deckplattenimpressionsbruch des 8. Brustwirbelkörpers bewirkte keine lebens-

gefährliche Verletzung (Urk. 9/19 S. 48). Der Taterfolg, eine Schädigung im Sinne 

von  aArt. 122  StGB,  ist  nicht  eingetreten  und  der  objektive  Tatbestand  ist  nicht 

erfüllt. Zu prüfen ist, ob eine versuchte schwere Körperverletzung gemäss aArt. 122 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zu bejahen ist.

7.6.3. Zur  Strafbarkeit  des  Versuchs  und  zum  Eventualvorsatz  kann  auf  die  vor-

stehenden Erwägungen verwiesen werden (E. III.6.6.3.-6.6.5.). 

7.6.4. Es  wurde  im  Zusammenhang  mit  der  Misshandlung  vom  1.  Mai  2021 

(Anklage-Ziffer I lit. a) ausgeführt, dass der Beschuldigte durch das wuchtige Schla-

 
- 43 -

gen mit einem Gegenstand gegen den Kopf eines Kleinkindes die Zufügung einer 

schweren  Körperverletzung  in  Kauf  genommen  hat  (E. III.6.6.7.).  Nichts  anderes 

gilt,  wenn  der  Täter  ein  Kleinkind  äusserst  gewaltsam  schüttelt.  Prof.  Dr.  med. 

R._____  unterstreicht,  das  Schütteltrauma  zähle  zu  den  schwersten  Formen  der 

Kindesmisshandlung.  Es  bestehe  wissenschaftlicher  Konsens  darüber,  dass  das 

Schütteln so gewaltsam sei, dass die Gefährlichkeit und Lebensbedrohlichkeit der 

Gewalteinwirkung auch für den medizinischen Laien unmittelbar erkennbar seien 

(Urk. 9/19 S. 37). Die Handlung des Beschuldigten wiegt schwer. Auch bei miss-

handelten Kindern finden sich Verletzungen der Wirbelsäule nur in 2 bis 3 % der 

Fälle, was offenbart, dass die K._____ zugefügte Verletzung die Folge massiver 

Gewalt war (Urk. 9/19 S. 47 f.). Der Beschuldigte wusste, dass ein starkes Schüt-

teln  eines  Kleinkinds  invalidisierende  und  lebensbedrohliche  Verletzungen  zur 

Folge haben kann. Auch bei diesem Vorfall gilt es zu unterstreichen, dass die Ge-

fahr  nicht  nur  theoretischer  Natur  und  für  den  Beschuldigten  nicht  vorhersehbar 

war. Indem der Beschuldigte derart auf K._____ einwirkte, konnte er das geschaf-

fene  Risiko  (etwa  einer  Querschnittlähmung  durch  Schädigungen  des  Rücken-

markes  und  von  Nervenfasern)  nicht  kalkulieren  und  kontrollieren.  Es  ist  nicht 

erkennbar, inwiefern der Beschuldigte, während er K._____ massiv schüttelte, die 

Gefahr durch eigenes Verhalten hätte abwenden können. Vielmehr verdeutlichen 

die  Misshandlungen,  dass  der  Beschuldigte  das  Geschehen  preisgab  und  nicht 

ernsthaft  auf  einen  glimpflichen  Ausgang  vertrauen  konnte.  Der  Nichteintritt  des 

Erfolgs hing abermals überwiegend von Glück und Zufall ab.

Dem  Beschuldigten  musste  sich  bei  seinem  Übergriff  die  Möglichkeit  schwerer 

Körperverletzungen  als  so  wahrscheinlich  aufdrängen,  dass  sein  Verhalten  ver-

nünftigerweise als Billigung dieses Erfolgs ausgelegt werden muss.

7.7. Der Beschuldigte ist schuldig zu sprechen der versuchten schweren Körper-

verletzung  im  Sinne  von  aArt. 122  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB 

(zum Übergangsrecht vgl. E. IV.1.2. nachfolgend). 

- 44 -

8.

Einfache Körperverletzung vom 30. Mai 2021 (Anklage-Ziffer I lit. d)

8.1. Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, am 30. Mai 2021 K._____ mit der 

Hand  oder  Faust,  eventuell  mit  einem  Gegenstand,  heftig  gegen  dessen  Stirne 

geschlagen zu haben. Dadurch habe er K._____ ein grosses und schmerzhaftes 

Hämatom auf der Stirne zugeführt (Urk. 24/1 S. 4 f.).

8.2. Betreffend  den  Anklagevorwurf  liegen  verschiedene  Beweismittel  vor:  ein 

Video von K._____ auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin vom 31. Mai 2021 um 

12.51 Uhr (Urk. 7/3, "Aufnahme von K._____"), das Gutachten R._____ (Urk. 9/19), 

die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 3/7 F/A 169) und des Beschuldigten (Urk. 4/8 

F/A 63 ff.; Prot. I S. 54), die WhatsApp-Kommunikation zwischen der Privatklägerin 

und dem Beschuldigten vom 30. Mai 2021 (Urk. 7/3, Dokument "Liste WhatsApp 

B._____  -  A._____",  S. 453  ff.)  sowie  die  Akten  der  Kinder  Permanence 

(Urk. 8/11/6).  Die  Vorinstanz  erwägt  zusammengefasst,  die  Videoaufnahme  vom 

31.  Mai  2021  zeige  K._____  mit  einer  Beule  auf  der  Stirn.  Gemäss  Gutachten 

R._____ gehöre die Stirn bei einem Kleinkind zu den sturz- und anstosstypischen 

Regionen. In Kombination mit der Verletzung an Auge und Wange sei sie zumin-

dest als verdächtig für eine nicht-akzidentelle Entstehung durch Schlageinwirkung 

anzusehen. Die WhatsApp-Kommunikation vom 30. Mai 2021 ab 22.46 Uhr zeige, 

dass die Privatklägerin und der Beschuldigte am besagten Abend nicht zusammen 

gewesen seien. Dies entspreche auch der Darstellung des Beschuldigten, wonach 

er K._____ am Abend vom 30. Mai 2021 alleine gehütet habe. Von einem Hämatom 

sei am 29. Mai 2021 beim Besuch der Kinder Permanence nichts vermerkt worden. 

Mithin müsse das Hämatom nach diesem Besuch entstanden sein. Das Gutachten 

R._____ gehe davon aus, dass das Hämatom insbesondere in Kombination mit der 

Verletzung an Auge und Wange verdächtig für eine nicht-akzidentelle Entstehung 

sei. Die Verletzung an der Wange stamme jedoch vom 1. Mai 2021 und nicht, wie 

vom Gutachter angenommen, vom 1. Juni 2021. Da die Kombination der Verlet-

zung an der Stirn mit der Verletzung an der Wange nicht für die Begründung für 

eine Misshandlung herangezogen werden könne, lasse sich der Sachverhalt nicht 

abschliessend erstellen (Urk. 108 S. 44 f.).

- 45 -

8.3. Diese  vorinstanzlichen  Erwägungen  können  grundsätzlich  übernommen 

werden. Richtig ist, dass Prof. Dr. med. R._____ das Hämatom an der Stirn in Kom-

bination  mit  weiteren  Verletzungen  am  Auge  und  Wange  als  verdächtig  für  eine 

nicht-akzidentelle Entstehung durch Schlageinwirkung qualifiziert (Urk. 9/19 S. 45). 

Die Verletzung an der Wange stammt jedoch bereits vom 1. Mai 2021 und die Ver-

letzung am Auge wurde K._____ erst am 1. Juni 2021 zugefügt (E. III.6. und III.5.). 

Dies zeigt auch die Videoaufnahme vom 31. Mai 2021 um 12.51 Uhr (Urk. 7/3, "Auf-

nahme von K._____"). Beide vom Gutachter erwähnten Verletzungen an Auge und 

Wange sind in den Aufnahmen nicht erkennbar. Damit kann die Kombination der 

Verletzung an Stirn mit den Verletzungen an Wange und Auge nicht für die Begrün-

dung herangezogen werden. Nicht auszuschliessen ist deshalb, dass sich K._____ 

die auf der Videoaufnahme vom 31. Mai 2021 erkennbare Verletzung an der Stirn 

durch einen Sturz oder ein Anstossen zugezogen hat. An dieser Einschätzung ver-

mögen denn auch die Ausführungen der Staatsanwaltschaft (Urk. 134 S. 2) nichts 

zu  ändern.  Auch  wenn  K._____  aufgrund  des  Bruchs  des  8. Brustwirbelkörpers 

grundsätzlich das Laufen und Krabbeln verweigerte, hat er sich in den folgenden 

Tagen  dennoch  bewegt  und  es  wurden  mit  ihm  (wie  auch  die  Verteidigung  vor-

bringt; Prot. II S. 13) Dinge unternommen, bei welchen es zu einem entsprechen-

den Sturz bzw. Anstossen mit entsprechender Verletzungsfolge hätte kommen kön-

nen. Der diesbezügliche Anklagesachverhalt lässt sich nicht zweifelsfrei erstellen.

8.4. Der Beschuldigte ist vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 123 aZiff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 123 aZiff. 2 Abs. 3 StGB freizu-

sprechen. 

9.

Vorsätzliche  Tötung  zwischen  dem  30.  Mai  2021  und  dem  3.  Juni  2021 
(Anklage-Ziffer I lit. f)

9.1. K._____ erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, welches am 12. Juni  2021 zu einem 

reanimationsbedürftigen  Herz-Kreislaufstillstand  und  zwei  Tage  später  zum  Tod 

führte.  Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  vor,  er  habe  K._____  zu 

einem  nicht  bekannten  Zeitpunkt  zwischen  dem  30.  Mai  2021  und  3.  Juni  2021, 

eventuell am 3. Juni 2021 zwischen 21.30 Uhr und 23.30 Uhr, eine oder mehrere 

Male  am  Oberkörper  gepackt  und  äusserst  kräftig  geschüttelt.  Damit  habe  er 

- 46 -

K._____ schmale Blutungen unter der harten Hirnhaut entlang der Brückenvenen 

der Hirnsichel sowie Blutungen unter der weichen Hirnhaut, Netzhautblutungen und 

Umblutungen der Sehnerven sowie mehrere Einblutungen in der Kopfschwarte und 

unter  der  Knochenhaut  des  Schädeldaches  zugefügt.  Dies  habe  gesamthaft  zu 

einem Schädel-Hirn-Trauma und am 10. Juni 2021 zu einem reanimationsbedürf-

tigen Herz-Kreislaufstillstand geführt. Dadurch sei K._____ am 12. Juni 2021 ver-

storben. Der Beschuldigte habe K._____ letztlich töten wollen respektive dies durch 

sein Tun zumindest in Kauf genommen. Beweggrund und Vorgehen des Beschul-

digten seien zudem äusserst grausam und skrupellos gewesen (Urk. 24/1 S. 5 f.).

9.2. Der  Tatvorwurf  stützt  sich  in  erster  Linie  auf  die  Gutachten  T._____  und 

R._____, die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 3/1 F/A 19 ff., 32 f.; Urk. 3/3 F/A 93 

ff.; Urk. 3/5 F/A 96 ff.; Urk. 3/7 F/A 69 ff., 169 ff., 214; Urk. 3/9 S. 16 ff.) und des 

Beschuldigten (Urk. 4/2 F/A 46 ff.; Urk. 4/8 F/A 73 ff., 77 ff.; Urk. 4/10 F/A 151 ff., 

169 ff., 255 ff.; Urk. 4/12 F/A 89 ff., 107 ff.; Urk. 4/15 S. 18 f.; Urk. 4/16 F/A 85 ff.; 

Prot. I  S. 54  ff.),  die  WhatsApp-Kommunikation  zwischen  der  Privatklägerin  und 

dem Beschuldigten vom 3. und 4. Juni 2021 (Urk. 7/3, Dokument "Liste WhatsApp 

B._____ - A._____", S. 475 ff.), zwei Audionachrichten vom 3. Juni 2021 um 19.42 

Uhr und 19.46 Uhr (Urk. 7/2, "Sprachmemo zwischen A._____ und B._____ [10] 

und [12]"), ein Foto von K._____ auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin vom 2. 

Juni 2021 (Urk. 3/6/10; Urk. 7/3, Foto 20210602_160935) sowie die Dokumentati-

onen  respektive  Schilderungen  des  Rettungssanitäters  F._____  (Urk. 1/6  S. 8; 

Urk. 8/9/17 S. 1; Urk. 5/5). Die Vorinstanz setzt sich in einem ersten Schritt mit dem 

Gutachten  T._____  auseinander,  wonach  sich  ein  Fremdverschulden  respektive 

ein Tötungsdelikt im Rahmen einer Kindesmisshandlung und ein Schüttel-Trauma-

Syndrom belegen liessen. Der Entstehungszeitraum sei zwischen dem 4. und dem 

10. Juni 2021 einzugrenzen, gestützt auf die klinische Symptomatik (Erbrechen) sei 

die  Entstehung  der  Verletzungen  am  3.  Juni  2021  ebenso  wahrscheinlich.  Auch 

das Gutachten R._____ bestätige die gemäss Anklage entstandenen Verletzungen 

sowie ein Schütteltrauma als deren Ursache. Nach diesem Gutachten könne ein 

geschütteltes  Kind,  welches  im  weiteren  Verlauf  mit  neurologischen  Symptomen 

auffalle oder sogar versterbe, nicht unauffällig gewesen sein. Derartige Symptome 

wie Erbrechen, Kopfschmerzen und Verhaltensänderungen seien bei K._____ ab 

- 47 -

dem 3. Juni 2021 dokumentiert. Daher gehe das Gutachten R._____ davon aus, 

dass K._____ am 3. Juni 2021 geschüttelt worden sei. In der Folge verweist die 

Vorinstanz auf verschiedene Beweismittel: Ein Foto von K._____ vom 2. Juni 2021 

um  16.09  Uhr,  zwei  Sprachnachrichten  des  Beschuldigten  an  die  Privatklägerin 

vom 3. Juni 2021 um 19.42 Uhr und 19.46 Uhr, eine WhatsApp-Nachricht des Be-

schuldigten an die Privatklägerin vom 4. Juni 2021 um 08.30 Uhr, die Schilderungen 

der  Privatklägerin  und  des  Beschuldigten  betreffend  den  3.  Juni  2021  und  die 

Frage, wann K._____ angefangen habe, sich zu übergeben, die internen Abklärun-

gen beim Rettungsdienst  H._____ und die Erklärungen des Beschuldigten dazu. 

In Würdigung dieser Beweismittel erwägt die Vorinstanz zusammengefasst, Verlet-

zungen und Kausalverlauf, die zum Tod von K._____ geführt hätten, seien durch 

beide Gutachten erstellt. Eine (theoretisch mögliche) Misshandlung in der Kinder-

tagesstätte könne ausgeschlossen werden. Ebenso sei die Privatklägerin, bei der 

nie in irgendeiner Weise Gewalt gegen K._____ oder gegen eine Drittperson fest-

gestellt worden sei und zudem keinerlei Indizien für ein Tötungsdelikt vorlägen, als 

Täterin  auszuschliessen.  Aufgrund  ihrer  teilweisen  Überforderung  habe  sie  sich 

denn auch Unterstützung geholt, was die Vermutung nahelege, dass sie eine po-

tenzielle Eskalation wie beispielsweise ein Schütteln eben gerade habe vermeiden 

wollen. Laut Gutachten R._____ müsse das Schütteln stattgefunden haben, bevor 

K._____ das erste Mal erbrochen habe. Dies sei gemäss übereinstimmenden Aus-

sagen der Privatklägerin und des Beschuldigten während oder nach dem Abend-

essen am 3. Juni 2021 der Fall gewesen. Mithin könne ausgeschlossen werden, 

dass K._____ geschüttelt worden sei, als der Beschuldigte (am Abend des 3. Juni 

2021) mit ihm allein gewesen sei. In der Folge setzt sich die Vorinstanz mit mögli-

chen Tatzeitpunkten auseinander. Fest stehe jedenfalls, dass der Beschuldigte ge-

nügend Möglichkeiten gehabt habe, K._____ zu schütteln (vgl. Urk. 108 S. 57 ff.). 

Mit  der  Aussage  gegenüber  dem  Rettungssanitäter  am  10.  Juni  2021,  K._____ 

habe eine Woche zuvor einen Unfall erlitten, habe der Beschuldigte bewusst gelo-

gen. In Würdigung aller Indizien könne nur die Schlussfolgerung gezogen werden, 

dass der Beschuldigte K._____ am 3. Juni 2021 geschüttelt haben müsse (Urk. 108 

S. 51 ff.).

- 48 -

9.3. Auf  diese  vorinstanzlichen  Erwägungen  kann  vorab  verwiesen  werden. 

Präzisierend und ergänzend kann Folgendes festgehalten werden. 

9.3.1. Laut Gutachten T._____ habe die Obduktion Einblutungen der Hirnsichel und 

Blutungen unter die harte Hirnhaut über dem linken Scheitel- und Schläfenhirnlap-

pen (Subduralhämatom), eine deutliche Schwellung des Gehirns, Blutauflagerung 

über  der  harten  Rückenmarkshaut  und  Blut  unter  der  harten  Rückenmarkshaut 

ergeben.  Laut  neuropathologischer  Untersuchung  bestünden  zudem  unter  ande-

rem  zahlreiche  Netzhauteinblutungen.  Es  lägen  globale,  sauerstoffmangel-  und 

minderdurchblutungsbedingte  Schädigungen  des  Gehirns  und  des  Hirnstamms 

vor. Daneben sei davon auszugehen, dass vor allem die Nervenschädigungen im 

verlängerten Mark, in welchem sich lebenswichtige Zentren für die Regulation der 

Atmung  und  des  Blutkreislaufs  befänden,  todesursächliche  Relevanz  besässen. 

Die  Unterversorgung  der  vitalen  Herz-,  Atmung-  und  Kreislaufzentren  des  Hirn-

stamms habe zu einem todesursächlichen zentralen Regulationsversagen geführt 

(Urk. 9/3  S. 24  f.).  Bei  K._____  hätten  keine  Erkrankungen  vorgelegen,  die  eine 

nicht-traumatische  Ursache  der  Befunde  zuliessen.  Mechanismen  respektive 

Bagatelltraumen  wie  Anschlagen  des  Kopfes  beim  Spielen  oder  Zusammenprall 

aus kniender Position mit einem Hund seien nicht geeignet, die bei K._____ fest-

gestellten  Verletzungen  im  Schädelinneren  und  an  der  Wirbelsäule  zu  erklären. 

Hinsichtlich der Todesart liege aus rechtsmedizinischer Sicht ein Tötungsdelikt im 

Rahmen  einer  Kindesmisshandlung  vor  (Urk. 9/3  S. 25  ff.).  Ursache  der  nicht-

akzidentellen Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen sei ein Schütteltrauma-Syndrom 

(Urk. 9/3 S. 31 f.). Der Entstehungszeitraum der Subduralblutungen sei zwischen 

dem 4. und dem 10. Juni 2021 einzugrenzen, gestützt auf die klinische Symptoma-

tik (Erbrechen) müsse der Entstehungszeitraum gegebenenfalls noch etwas weiter 

geöffnet werden (Urk. 9/3 S. 32 f.). Diese gutachterlichen Erwägungen werden im 

Wesentlichen durch Prof. Dr. med. R._____ bestätigt. Die von der Anklage aufge-

führten  Verletzungen  (Urk. 24/1  S. 5)  finden  sich  in  dessen  Expertise  (Urk. 9/19 

S. 37).  Todesursache  sei  ein  Schädel-Hirn-Trauma  durch  exzessives  Schütteln 

(Schütteltrauma). Das Auftreten subduraler Blutungen gemeinsam mit Einblutun-

gen  in  die  Netzhaut  der  Augen  sei  eine  typische  Symptomkonstellation  des  ge-

schüttelten Kindes (Urk. 9/19 S. 38). In der Vorgeschichte fänden sich rechtsmedi-

- 49 -

zinisch nachvollziehbar konkrete Anhaltspunkte für ein Schütteltrauma am 3. Juni 

2021. Gestützt auf die Wundalterschätzung des Instituts für Neuropathologie des 

Universitätsspitals Zürich sei ein Zeitraum ab 4. Juni 2021 bis 8. Juni 2021 anzu-

nehmen. Jedoch könnten die Verletzungen, da an das geschätzte zeitliche Intervall 

angrenzende Zeiträume eingeschlossen blieben, auch am 3. Juni 2021 entstanden 

sein (Urk. 9/19 S. 39 f.). Die Expertisen äussern sich mithin übereinstimmend über 

die  Ursache  der  Verletzungen.  Auch  den  Zeitpunkt  des  gewaltsam  zugefügten 

Schütteltraumas  ordnen  die  Gutachten  in  etwa  gleich  ein,  wobei  Prof.  Dr.  med. 

R._____ konkrete Anhaltspunkte für ein entsprechendes Ereignis am 3. Juni 2021 

sieht. Diese gutachterlichen Einschätzungen sind überzeugend. Triftige  Gründe, 

die ein Abweichen von den Expertisen nahelegen würden (vgl. dazu BGE 150 

IV 1 E. 2.3.3 S. 5 mit Hinweisen), sind keine ersichtlich. Dies trifft insbesondere 

auf  die  Ausführungen  der  Verteidigung  zu,  eine  gewaltsame  Einwirkung  habe 

sich für die Gutachter erst aufgedrängt, als man die Brustwirbelfraktur bemerkt 

habe. Es sei deshalb nicht einmal erwiesen, dass der Tod K._____s tatsächlich 

auf ein gewaltsames Schütteln zurückzuführen sei (Prot. I S. 78). Dies ist unzu-

treffend.  Weder  das  Gutachten  R._____  noch  das  Gutachten  T._____  ziehen 

aus  dem  Deckplattenimpressionsbruchs  des  8.  Brustwirbelkörpers  einen  ent-

sprechenden Schluss (vgl. etwa Urk. 9/19 35 ff., 42, 49; Urk. 9/3 S. 25 ff., 34 f.).

9.3.2. Der  Beschuldigte  war  am  Abend  des  1.  Juni  2021  alleine  mit  K._____ 

(E. III.5),  ebenso  am  3.  Juni  2021  (vgl.  die  zwei  Audionachrichten  vom  3.  Juni 

2021 um 19.42 Uhr und 19.46 Uhr, Urk. 7/2, "Sprachmemo zwischen A._____ und 

B._____ [10] und [12]"; Urk. 3/9 S. 17 f.; Urk. 4/10 F/A 182; Prot. I S. 54 f.). 

9.3.3. Richtig  ist,  dass  K._____  laut  den  übereinstimmenden  Aussagen  der 

Privatklägerin  und  des  Beschuldigten  am  Abend  des  3.  Juni  2021  anfing  zu 

erbrechen (Urk. 4/15 S. 18 f.). Dies entspricht auch dem Eintrag in die Kranken-

akte der Hausarztpraxis vom 7. Juni 2021, wonach K._____ seit fünf Tagen ab und 

zu  erbreche  (Urk. 8/10/20  S. 6;  vgl.  auch  den  Notfallbericht  des  Kantonsspitals 

Winterthur, Urk. 8/9/11 S. 1). Anknüpfend an diese klinische Symptomatik sieht das 

Gutachten  R._____  konkrete  Anhaltspunkte  für  ein  Schütteltrauma  am  3.  Juni 

2021. Es seien nach dem Besuch der Kindertagesstätte am 3. Juni 2021 "begin-

- 50 -

nende und im Verlauf zunehmende gesundheitliche Beschwerden von K._____ ge-

schildert (worden), die zwanglos einer neurologischen Symptomatik eines Schädel-

Hirn-Traumas zuzuordnen sind" (Urk. 9/19 S. 39). Dass am 3. Juni 2021 massive 

gesundheitliche  Beschwerden  auftraten,  macht  auch  die  Sprachnachricht  des 

Beschuldigten an die Privatklägerin vom 3. Juni 2021 um 19.42 Uhr klar: "[…] dänn 

bin i schnäll zu ihm gange go luege, dänn isch er huere voll derb verchrampft döte 

gläge […]" (Urk. 7/2, "Sprachmemo zwischen A._____ und B._____ [10]"). Der Be-

schuldigte, damals alleine mit K._____ zu Hause, schildert offensichtlich einen hef-

tigen Krampfanfall von K._____. Ein vergleichbarer Vorfall findet sich weder in den 

übrigen  Sprachnachrichten  (vgl.  Urk. 7/2),  noch  in  den  WhatsApp-Nachrichten 

(Urk. 7/3, Dokument "Liste WhatsApp B._____ - A._____") und muss deshalb als 

aussergewöhnlich  bezeichnet  werden.  Es  kann  mit  Fug  angenommen  werden, 

dass dem Beschuldigten die (wohl dramatische) Szene, als er K._____ "voll derb 

verchrampft" in seinem Bett vorfand, in Erinnerung blieb. Dies gilt umso mehr, als 

die  Privatklägerin  am  Folgetag  –  mithin  entgegen  der  Verteidigung  nicht  erst  im 

Zusammenhang mit der durchgeführten Reanimation (Urk. 133 S. 9) – offensicht-

lich massive Vorwürfe an seine Adresse erhob (Nachricht des Beschuldigten an die 

Privatklägerin vom 4. Juni 2021 um 08.30 Uhr: "Ez verstani nur bahnhof. Wegä setti 

üam  chline  es  gaar  [gemeint  wohl:  haar]  krümme??",  Urk. 7/3,  Dokument  "Liste 

WhatsApp B._____ - A._____", S. 477). Gleichwohl wird der Vorfall in sämtlichen 

zehn Einvernahmen vom Beschuldigten nicht thematisiert. Vielmehr kommt der Be-

schuldigte einzig auf Vorhalt darauf zu sprechen (Urk. 4/12 F/A 124, 137, 147 ff.; 

Urk. 4/15 S. 23). Auch im Rahmen der ersten polizeilichen Einvernahme vom 12. 

Juni 2021 hielt der Beschuldigte auf die einfache Frage, ob ihm bei K._____ in den 

letzten Wochen oder Tagen etwas aufgefallen sei, einzig fest, K._____ sei seit dem 

3. Juni 2021 immer ruhiger und immer weniger ansprechbar geworden, ohne den 

am gleichen Tag erlebten Vorfall zu erwähnen (Urk. 4/1 FA/ 72). Anlässlich der Be-

rufungsverhandlung konnte sich der Beschuldigte weder an die aussergewöhnliche 

Situation  noch  an  die  an  die  Privatklägerin  verschickte  Sprachnachricht  erinnern 

(Urk. 132  S. 25  f.).  Dieses  Aussageverhalten  setzt  ein  Fragezeichen  was  die 

Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen anbelangt.

- 51 -

9.3.4. Am  10.  Juni  2021  war  unter  anderem  der  Rettungssanitäter  F._____  zur 

Wohnung der Privatklägerin ausgerückt. Im Einsatzprotokoll des Rettungsdienstes 

wurde  vermerkt:  "Vorgeschichte:  Am  Donnerstag  3.6.21  gemäss  Stiefvater  SHT 

[Schädel-Hirn-Trauma] mit Aufprall Stirn und Hämatom frontal, Unfallhergang und 

Höhe unklar" (Urk. 8/9/17 S. 1; Urk. 1/6 S. 8). F._____ führte als Auskunftsperson 

aus,  der  Beschuldigte  habe  ihm  gegenüber  nach  wiederholter  Nachfrage  erklärt, 

dass sich K._____ genau vor einer Woche den Kopf angeschlagen habe, wobei der 

Beschuldigte über die genauen Umstände keine Auskunft gegeben habe (Urk. 5/5 

F/A 12 ff.). Auch dieser so gegenüber dem Rettungssanitäter geschilderte Vorfall 

wurde vom Beschuldigten in seinen zahlreichen Befragungen zu keinem Zeitpunkt 

konkret geschildert. Dies ist bemerkenswert. Hätte K._____ am 3. Juni 2021 einen 

Unfall erlitten, hätte dies der Beschuldigte in seinen Befragungen konkret geschil-

dert. Dies hätte ihn massgeblich entlasten können. Der Beschuldigte liess es aber 

damit bewenden zu behaupten, K._____ habe sich "ab und zu beim Spielen ange-

schlagen" respektive "recht oft den Grind angeschlagen" (Urk. 4/2 F/A 46; Urk. 4/8 

F/A 71; vgl. auch Urk. 132 S. 22). Ein solches pauschales Aussageverhalten lässt 

sich mit den konkreten Schilderungen gegenüber dem Rettungssanitäter – entge-

gen der Verteidigung (Urk. 133 S. 24) – nur schwer vereinbaren. Bemerkenswert in 

diesem  Zusammenhang  sind  zwei  weitere  Umstände.  Vier  Tage  nach  dem  vom 

Beschuldigten behaupteten Unfall erfolgte am 7. Juni 2021 eine Konsultation beim 

Kinderarzt,  wobei  "Beule  am  Kopf,  keiner  weiss  woher"  vermerkt  wurde 

(Urk. 8/10/20 S. 6). Selbst wenn der Beschuldigte angab, den Grund für den Arzt-

besuch  nicht  zu  wissen  und  sich  nicht  zu  erinnern,  ob  er  dabei  gewesen  sei 

(Urk. 4/3 F/A 102 f.; Prot. I S. 63): Entspräche die gegenüber dem Rettungssanitä-

ter behauptete Geschichte der Wahrheit, hätte der Beschuldigte sie wohl auch der 

Privatklägerin erzählt. In den Schilderungen der Privatklägerin ist davon keine Rede 

und  auch  gegenüber  dem  Kinderarzt  blieb  sie  wie  aufgezeigt  unerwähnt.  Gleich 

verhält es sich mit einem Eintrag des Kantonsspitals Winterthur, nachdem K._____ 

am  7.  Juni  2021  vom  Kinderarzt  ins  Spital  überwiesen  wurde.  Zwar  will  der  Be-

schuldigte im Kantonsspital nicht dabei gewesen respektive (nach Vorhalt einer ge-

genteiligen Schilderung der Privatklägerin) erst später dazugekommen sein (Prot. I 

S. 64).  Aber  auch  dort  blieb  der  behauptete  Unfall  vom  3.  Juni  2021  unerwähnt 

- 52 -

("Kein Trauma erinnerlich"; Urk. 8/9/11 S. 1). Dass die Informationen von der Kinds-

mutter stammten, wie die Verteidigung betont (Prot. I S. 77), entlastet den Beschul-

digten aus diesen Umständen nicht. Damit bestehen keine Zweifel, dass der Be-

schuldigte  gegenüber  dem  Rettungssanitäter  F._____  bewusst  falsche  Angaben 

machte.

9.3.5. Zum Vorfall, als die Privatklägerin in der Küche gewesen sei und K._____ im 

Wohnzimmer plötzlich zu weinen begonnen und einen ganz roten Arm aufgewiesen 

habe, hält die Vorinstanz fest, es sei denkbar, dass es sich um eine Szene vom 

Abend  des  3.  Juni  2021  nach  dem  Restaurantbesuch  gehandelt  habe  (Urk. 108 

S. 59 f.). Diese Erwägungen treffen – wie auch die Verteidigung ausführt (Urk. 133 

S. 24  f.)  –  nicht  zu.  Die  Privatklägerin  hielt  wiederholt  fest,  dies  sei  vor  ihrem 

Geburtstag gewesen (Urk. 3/5 F/A 23 ff.; Urk. 3/7 F/A 140 ff.). Hätte sich die Szene 

tatsächlich am 3. Juni 2021 abgespielt, wäre dies der Privatklägerin aufgrund ihres 

Geburtstages wohl so in Erinnerung geblieben. Zudem schilderte die Privatklägerin 

wiederholt, sie sei damals in der Küche am Kochen gewesen. Dies ist nach einem 

Restaurantbesuch sicherlich nicht ausgeschlossen, liegt aber nicht ohne Weiteres 

auf  der  Hand.  Hingegen  kann  der  vorinstanzliche  Schluss  übernommen  werden, 

wonach  ein  Schüttelereignis  keine  längere  Abwesenheit  der  Privatklägerin  be-

durfte. Bemerkenswert ist zudem, wie der Beschuldigte die von der Privatklägerin 

beim  fraglichen  Vorfall  angetroffene  Szene  und  den  roten  Arm  von  K._____  er-

klärte. Er habe nicht fest zugepackt, sondern "nur meine Hand aufgelegt und dann 

ist es rot geworden". Wenn er selber warme Hände habe und sich irgendwo an-

fasse, werde die Stelle nach kurzer Zeit rot, ohne, dass er Druck ausübe (Urk. 4/10 

F/A 189 ff.). Der Beschuldigte räumt damit ein, K._____ derart angefasst zu haben, 

dass  sein  Arm  grossflächig  gerötet  wurde.  Dabei  wirken  seine  Erklärungen 

verharmlosend  und  wenig  überzeugend.  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung 

wollte er sich sodann nicht mehr an seine bisherigen Depositionen erinnern können 

(Urk. 132 S. 24).

9.3.6. Zwischen  dem  28.  Mai  2021  und  29.  Mai  2021  packte  der  Beschuldigte 

K._____  am  Oberkörper  und  schüttelte  ihn  äusserst  gewaltsam,  was  zu  einem 

Deckplattenimpressionsbruch des 8. Brustwirbelkörpers führte (E. III.7.). Am 1. Mai 

- 53 -

2021  schlug  er  ihm  einen  nicht  bekannten  Gegenstand  wuchtig  gegen  die  linke 

Wange  (E. III.6).  Bei  beiden  Misshandlungen  nahm  der  Beschuldigte  in  Kauf, 

K._____  schwere  Verletzungen  zuzufügen.  Am  9.  Mai  2021  und  1.  Juni  2021 

verabreichte er ihm weitere massive (Faust-)Schläge gegen den Kopf (E. III.4. und 

III.5.).  Führt  man  sich  solches  vor  Augen,  dann  lässt  bereits  dies  vernünftige 

Zweifel,  wer  K._____  wenige  Tage  später  in  ähnlicher  Art  misshandelte,  kaum 

aufkommen.  Verbleibende  Zweifel  am  Urheber  des  durch  die  Expertisen  festge-

stellten gewaltsam zugefügten Schütteltraumas verstummen in Würdigung obge-

nannter Momente (E. III.9.2. ff.) – das heisst die von K._____ am 3. Juni 2021 und 

in den Folgetagen manifestierten Symptome (Krampfanfall und Erbrechen), die von 

der Privatklägerin am 4. Juni 2021 gegenüber dem Beschuldigten erhobenen Vor-

würfe, der vom Beschuldigten gegenüber dem Rettungssanitäter wahrheitswidrig 

behauptete  Unfall  am  3.  Juni  2021,  das  vom  Beschuldigten  in  den  Befragungen 

gezeigte Aussageverhalten, insbesondere das Verschweigen der am 3. Juni 2021 

beobachten massiven Krämpfe – gänzlich. In Bezug auf den Zeitpunkt ist mit der 

Vorinstanz  festzustellen,  dass  der  Beschuldigte  K._____  am  3.  Juni  2021  schüt-

telte, kurz bevor K._____ am 3. Juni 2021 erbrach. Eine Misshandlung wenig früher 

wäre im Übrigen vom Anklagevorwurf umfasst. Hierzu ist ferner anzumerken, dass 

die Anklageschrift – entgegen der Verteidigung (Urk. 133 S. 21 f.) – nicht festhält, 

dass die Taten und insbesondere das Tötungsdelikt begangen worden seien, als 

die Privatklägerin ausser Haus gewesen sei. Es wird lediglich festgehalten, dass 

diese in ihrer Abwesenheit stattfanden. Mithin schliesst die Anklage nicht aus, dass 

sich die Privatklägerin beispielsweise im Zeitpunkt der Misshandlung in einem an-

deren Zimmer der  Wohnung  befunden  hat.  Entgegen der  Verteidigung  (Urk. 133 

S. 22  ff.)  hatte  der  Beschuldigte  denn  auch  die  Gelegenheit  zur  anklagegegen-

ständlichen Misshandlung von K._____. Die diesbezüglichen Vorbringen der Ver-

teidigung betreffend Verletzung des Anklageprinzips und Alibi dringen nicht durch. 

9.3.7. Damit ist der Tathergang im Sinne der Anklage erstellt. Zu wiederholen bleibt, 

dass K._____ in der fraglichen Zeit und damit auch in der letzten Woche vor seinem 

Tod zum Beschuldigten auf Distanz ging und dieser von seinem näheren Umfeld 

teilweise als gewalttätig beschrieben wird (E. III.2.3. und III.2.4.). Nicht zweifelhaft 

ist zudem, dass der Beschuldigte wusste, dass ein gewaltsames Schütteln zum Tod 

- 54 -

führen kann. Der Beschuldigte erklärte vor Vorinstanz, es sei ihm bekannt gewe-

sen,  dass  das  kräftige  Schütteln  eines  Kleinkindes  Nervenverletzungen  und 

Blutungen im Gehirn und diese Verletzungen tödlich enden können (Prot. I S. 60 

f.). Indem er K._____ im Wissen darum gleichwohl kräftig schüttelte, nahm er die 

dadurch von K._____ erlittenen Verletzungen und dessen Tod in Kauf. Im Übrigen 

können die vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen unter dem Titel "Sachver-

halt betreffend Skrupellosigkeit" übernommen werden (Urk. 108 S. 62 ff.). Mit der 

Vorinstanz lässt sich nicht erstellen, dass der Beschuldigte, wie ihm die Anklage-

behörde  vorwirft,  K._____  als  "lästig"  empfand  und  er  sich  seiner  "entledigen" 

wollte.  Ebenso  wenig  kann  dem  Beschuldigten  zur  Last  gelegt  werden,  er  habe 

dem  bereits  geschwächten  K._____  bewusst  noch  mehr  Leiden  oder  eine  lange 

Leidenszeit zufügen wollen. Vielmehr ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass der 

Beschuldigte  K._____  in  einer  Überforderungssituation  schüttelte.  Hätte  der  Be-

schuldigte K._____ eliminieren wollen, hätte er nicht versucht, K._____ am 10. Juni 

2021 vor dem Eintreffen der Ambulanz zu reanimieren. 

9.4.

9.4.1. Wer  vorsätzlich  einen  Menschen  tötet,  ohne  dass  eine  der  besonderen 

Voraussetzungen der Art. 112 ff. StGB vorliegen, erfüllt den Grundtatbestand der 

vorsätzlichen Tötung von Art. 111 StGB.

9.4.2. Die  Staatsanwaltschaft  klagte  den  Beschuldigten  wegen  Mordes  an 

(Urk. 24/1 S. 5 f. und 7; Urk. 65 S. 2 und 16 ff.). An dieser Qualifikation hält sie im 

Berufungsverfahren  nicht  mehr  fest  (Urk. 127;  Urk.  134  S.  1).  Damit  fällt  eine 

Verurteilung wegen Mordes von vornherein ausser Betracht (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

9.4.3. Handelt  der  Täter  in  einer  nach  den  Umständen  entschuldbaren  heftigen 

Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung, so ist die Strafe Frei-

heitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren (Art. 113 StGB). Die heftige Gemüts-

bewegung und die grosse seelische Belastung müssen entschuldbar sein (vgl. zum 

Begriff der Entschuldbarkeit Urteil 6B_1272/2023 vom 30. Oktober 2024 E. 4.3.2, 

zur Publikation bestimmt; BGE 119 IV 202 E. 2a S. 204 ff.; 118 IV 233 E. 2a S. 236 

ff.; je mit Hinweisen).

- 55 -

Die Vorinstanz schliesst den privilegierenden Tatbestand des Totschlags aus. Es 

liege weder eine heftige Gemütsbewegung noch ein Handeln unter grosser seeli-

scher Belastung vor. Selbst wenn man von einer Tat im Affekt ausginge, wäre die 

Gemütsbewegung  des  Beschuldigten  nicht  entschuldbar  (Urk. 108  S. 69  ff.).  Auf 

diese zutreffenden Erwägungen kann verwiesen werden.

9.4.4. Der  objektive  Tatbestand  der  vorsätzlichen  Tötung  im  Sinne  von  Art. 111 

StGB ist hier erfüllt. Gestützt auf die Gutachten T._____ und R._____ erlitt K._____ 

durch  das  massive  Schütteln  ein  Schädel-Hirn-Trauma,  an  deren  Folgen  er  ver-

starb  (Urk. 9/19  S. 35  ff.;  Urk. 9/3  S.  24  ff.).  Dass  der  Beschuldigte  den  Tod 

K._____s (im Sinne eines direkten Vorsatzes) wollte, kann ihm nicht nachgewiesen 

werden. Hingegen nahm er in Kauf, durch das starke Schütteln K._____ die ent-

sprechenden Verletzungen zuzufügen und dadurch dessen Tod zu bewirken. Damit 

handelte er eventualvorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB.

9.4.5. Der Beschuldigte ist schuldig zu sprechen der vorsätzlichen Tötung im Sinne 

von Art. 111 StGB.

10. Tätlichkeiten einige Tage vor dem 10. Juni 2021 (Anklage-Ziffer I lit. g)

10.1. Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  (unter  dem  Titel  "Tätlich-

keiten am 10. Juni 2021") vor, einige Tage vor dem 10. Juni 2021 K._____ mit der 

Hand  gegen  das  ungeschützte  Gesäss  geschlagen  zu  haben.  Dadurch  habe  er 

K._____ ein Hämatom auf der rechten Gesässhälfte zugefügt (Urk. 24/1 S. 6).

10.2. Zum Anklagevorwurf liegen das Gutachten R._____ sowie die Aussagen der 

Privatklägerin  (Urk. 3/9  S. 25  f.)  und  des  Beschuldigten  (Urk. 4/12  F/A  165  ff.; 

Urk. 4/15 S. 25 f.; Prot. I S. 67) vor. Die Vorinstanz erwägt, laut Gutachten sei das 

Hämatom auf eine stumpfe Gewalteinwirkung zurückzuführen. Es imponiere nicht 

frisch und sei am ehesten einige Tage alt. Deshalb könne es nicht im Rahmen der 

Reanimation  K._____s  entstanden  sein.  Es  sei  zwanglos  der  Misshandlung  des 

Kindes  durch  nicht-akzidentelle  Gewalteinwirkung  zuzuordnen.  Da  der  Beschul-

digte  seine  eigenen  Kinder  mit  leichten  Schlägen  auf  das  Gesäss  gemassregelt 

- 56 -

habe und keine Drittperson für eine derartige Misshandlung in Frage komme, lasse 

sich der Sachverhalt im Sinne der Anklage erstellen (Urk. 108 S. 72 f.).

10.3. Weder der Beschuldigte noch die Privatklägerin hatten für die Entstehung 

des Hämatoms eine Erklärung. Dieses wurde laut Gutachten R._____ am 10. Juni 

2021 bei der körperlichen Untersuchung von K._____ im Kinderspital Zürich fest-

gestellt und sei am ehesten einige Tage alt (Urk. 9/19 S. 46). Zwar trifft zu, dass 

der Beschuldigte einräumte, seinem Sohn M._____ leichte Schläge gegen das Ge-

säss (und möglicherweise gegen den Kopf) zugefügt zu haben (Urk. 4/5 F/A 22 f. 

und 28). Daraus allein können spätere Schläge gegen K._____ selbstredend nicht 

hergeleitet werden. Im Gegensatz zu den übrigen Anklagevorwürfen liegen hier kei-

nerlei weitere Beweismittel vor. Der Anklagevorwurf kann nicht rechtsgenügend er-

stellt werden. 

10.4. Der  Beschuldigte  ist  vom  Vorwurf  der  Tätlichkeiten  im  Sinne  von  Art. 126 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 126 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 

lit. a StGB freizusprechen. Damit kann dahingestellt bleiben, ob diesbezüglich ein 

Strafbedürfnis bestanden hätte (Art. 8 StPO in Verbindung mit Art. 52 StGB).

III. Strafzumessung

1.

Ausgangslage, anwendbares Recht und Grundsätze der Strafzumessung

1.1. Die  Vorinstanz  bestrafte  den  Beschuldigten  mit  einer  Freiheitsstrafe  von 

12 Jahren und 3 Monaten, einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– und 

einer Busse von Fr. 700.– (Urk. 108 S. 108).

Die  Verteidigung  beantragt,  der  Beschuldigte  sei  aufgrund  der  Widerhandlungen 

gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  mit  einer  Geldstrafe  von  20  Tagessätzen  zu 

Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 300.– zu bestrafen (Urk. 112 S. 1; Urk. 133 

S. 1, 26 f.). 

Die  Staatsanwaltschaft  beantragt  eine  Freiheitsstrafe  von  14  Jahren  sowie  eine 

Busse von Fr. 700.– (Urk. 134 S. 1).

- 57 -

1.2. Die seit 1. Juli 2023 geltende Harmonisierung der Strafrahmen für Gewalt-

taten (Bundesgesetz vom 17. Dezember 2021 über die Harmonisierung der Straf-

rahmen; AS 2023 259, BBl 2018 2827) wirkt sich in Bezug auf die vorliegend rele-

vanten Straftatbestände nicht milder auf den Beschuldigten aus. Der Tatbestand 

der schweren Körperverletzung sah altrechtlich einen Strafrahmen von Freiheits-

strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor (aArt. 122 Abs. 4 StGB), während 

neurechtlich der Strafrahmen ein Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe beträgt 

(Art. 122  StGB).  Ebenso  wenig  wirkt  sich  die  Gesetzesrevision  in  Bezug  auf  die 

Straftatbestände der einfachen Körperverletzung (Art. 123 StGB) und der Wider-

handlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz milder auf den Beschuldigten aus. 

Deshalb gelangt hier das alte Recht zur Anwendung.

1.3. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB  und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  dargelegt 

(BGE  149  IV  217  E. 1.1  S. 220;  136  IV  55  E. 5.4  ff.  S. 59  ff.;  je  mit  Hinweisen). 

Entsprechendes gilt für die Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 

Abs. 1 StGB in Anwendung des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1 S. 316 

ff.,  217  E. 2.2  und  E. 3  S. 219  ff.;  141  IV  61  E. 6.1.2  S. 67  f.;  je  mit  Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden.

Die  Bildung  einer  Gesamtstrafe  ist  nur  bei  gleichartigen  Strafen  möglich. 

Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip 

nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Mehrere 

gleichartige  Strafen  liegen  vor,  wenn  das  Gericht  im  konkreten  Fall  für  jeden 

einzelnen  Normverstoss  gleichartige  Strafen  ausfällen  würde.  Dass  die  anzu-

wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt 

nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1 S. 316 ff., 217 E. 2.2 und E. 3 S. 219 ff.; 141 IV 61 

E. 6.1.2  S. 67  f.;  je  mit  Hinweisen).  Wie  noch  zu  zeigen  ist,  sind  die  Voraus-

setzungen für die Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe gegeben.

Das  Bundesgericht  unterstreicht  in  seiner  jüngeren  Rechtsprechung,  dass 

Art. 49  Abs. 1  StGB  keine  Ausnahme  von  der  konkreten  Methode  erlaubt.  Es 

schliesst die Ausfällung einer Einheitsstrafe im Sinne einer Gesamtbetrachtung 

aus (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 S. 235 f. mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung 

- 58 -

wurde  wiederholt  bestätigt  (BGE  144  IV  313  E. 1.1.2  S. 317  f.;  Urteile 

6B_244/2021 vom 17. April 2023 E. 5.3.2; 6B_496/2020 vom 11. Januar 2021 

E. 3.4.1; 6B_1033/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 5.2 f.). Damit sind nach der 

"konkreten Methode" für sämtliche Delikte gedanklich Einzelstrafen zu bilden.

2. Wahl der Sanktionsart und Strafrahmen

2.1. Das Gericht trägt bei der Wahl der Strafart dem Verschulden des Täters, der 

Zweckmässigkeit  der  Strafe,  ihren  Auswirkungen  auf  die  Täterschaft  und  auf  ihr 

soziales Umfeld sowie ihrer Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention 

Rechnung (BGE 147 IV 241 E. 3.2 S. 244 ff.; Urteil 6B_658/2021 vom 27. Januar 

2022 E. 2.3.1; je mit Hinweisen).

Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll nach konstanter Rechtsprechung 

bei  alternativ  zur  Verfügung  stehenden  und  hinsichtlich  des  Schuldausgleichs 

äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark 

in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; 

Urteil 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018 E. 1.3.2; je mit Hinweis).

Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2 S. 101). Sie 

wiegt  als  Vermögenssanktion  prinzipiell  weniger  schwer  als  ein  Eingriff  in  die 

persönliche Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; 134 IV 97 E. 4.2.2 S. 101, 

82 E. 7.2.2 S. 90). Am Vorrang der Geldstrafe hat der Gesetzgeber im Rahmen 

der erneuten Revision des Sanktionenrechts entgegen der ursprünglichen Sto-

ssrichtung festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 S. 237 f. mit Hinweisen). Art. 41 

StGB statuiert diese Priorität. Eine kurze Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe 

von höchstens 180 Tagessätzen ist unter anderem zulässig, wenn eine solche ge-

boten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Verge-

hen abzuhalten (Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB).

Stehen verschiedene Strafarten zur Wahl, bildet mithin das Verschulden des Täters 

zwar nicht das entscheidende Kriterium. Es ist aber gleichwohl adäquat einzuschät-

zen. Nur wenn sowohl eine Geldstrafe wie eine Freiheitsstrafe in Betracht kommen 

und beide Strafarten in äquivalenter Weise das Verschulden sanktionieren, ist dem 

- 59 -

Verhältnismässigkeitsprinzip  folgend  der  Geldstrafe  die  Priorität  einzuräumen 

(Urteil 6B_93/2022 vom 24. November 2022 E. 1.3.8 mit Hinweisen).

2.2.

Für die vorsätzliche Tötung und die versuchten schweren Körperverletzun-

gen stehen einzig Freiheitsstrafen zur Diskussion. Ob bei den übrigen Delikten mit 

Blick auf die Zweckmässigkeit der Sanktion und den Schuldausgleich jeweils eine 

Geld- oder eine Freiheitsstrafe angemessen erscheint, wird bei der Würdigung der 

einzelnen  Delikte  zu  prüfen  sein.  Für  die  Übertretung  des  Betäubungsmittelge-

setzes wird eine Busse auszufällen sein.

2.3.

 Das Gesetz sieht für die vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB 

eine  Strafandrohung  von  Freiheitsstrafe  nicht  unter  fünf  Jahren  vor.  Strafschär-

fungs- und Strafmilderungsgründe führen nur bei aussergewöhnlichen Umstän-

den dazu, die Grenzen des ordentlichen Strafrahmens zu verlassen und sie nach 

oben oder unten zu erweitern (BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63 mit Hinweisen). Straf-

schärfungsgründe sind aber straferhöhend und Strafmilderungsgründe strafmin-

dernd zu berücksichtigen. 

Für die Bildung der Gesamtfreiheitsstrafe erweist sich die Tötung als schwerste 

Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB.

3.

Vorsätzliche Tötung (Anklage-Ziffer I lit. f)

3.1. Mit seiner Tat hat sich der Beschuldigte über das höchste Rechtsgut, das 

menschliche Leben, hinweggesetzt und damit an sich schon eine niederträchtige 

Handlung  manifestiert.  Dem  objektiv  schweren  Unrecht  wird  durch  die  hohe 

Strafandrohung  –  Freiheitsstrafe  von  5  bis  20  Jahren  –  für  vorsätzliche  Tötung 

Rechnung getragen (Art. 111 in Verbindung mit Art. 40 StGB). Im Folgenden ist die 

objektive  Tatschwere  der  vom  Beschuldigten  verübten  Tat  innerhalb  dieses  zur 

Verfügung stehenden Strafrahmens zu bemessen und damit zum breiten Spektrum 

von denkbaren Tötungshandlungen in Relation zu setzen. 

3.2. Der Beschuldigte schüttelte K._____ äusserst kräftig und fügte ihm dadurch 

ein  Schädel-Hirn-Trauma  zu,  an  deren  Folgen  K._____  wenige  Tage  später 

verstarb.  Bei  der  objektiven  Tatschwere  ist  zu  berücksichtigen,  dass  die  Tat  an 

- 60 -

einem wehrlosen Kind begangen wurde, welches sich zumindest teilweise in der 

alleinigen  Obhut  des  Täters  befand.  Der  Beschuldigte  war  seit  Januar  2021  der 

Partner der Mutter von K._____ und pflegte eine einigermassen enge Beziehung 

zu  diesem.  Indem  ihm  die  Privatklägerin  das  Kind  immer  wieder  in  die  alleinige 

Obhut überliess, genoss der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin und wohl 

auch gegenüber K._____ ein gewisses Vertrauen. K._____ war dem Beschuldigten 

mithin  anvertraut,  aber  auch  ausgeliefert.  Die  Deliktsverübung  an  das  im  anver-

traute Kind stellt deshalb einen Vertrauensmissbrauch dar, was sich verschulden-

serhöhend  auswirkt.  Ebenfalls  verschuldenserhöhend  Rechnung  zu  tragen  ist, 

dass K._____ eine rund siebentägige Leidenszeit erdulden musste. Die kriminelle 

Energie relativierend fällt aus, dass die Tat nicht von langer Hand geplant wurde, 

sondern wie ausgeführt affektakzentuierte Züge trägt. Die objektive Tatschwere ist 

insgesamt als mittelschwer einzustufen, was eine Einsatzstrafe von etwa 12 ½ Jah-

ren (im mittleren Bereich des mittleren Drittels des zur Verfügung stehenden Straf-

rahmens) angemessen erscheinen lässt.

3.3. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschuldigte im Tatzeit-

punkt  in  seiner  Einsichts-  respektive  Steuerungsfähigkeit  eingeschränkt  war.  Bei 

der Verschuldensbewertung fällt relativierend ins Gewicht, dass der Beschuldigte 

die  Tat  eventualvorsätzlich  verübte.  Da  der  Beschuldigte  den  Anklagevorwurf 

konsequent in Abrede stellte, sind Erwägungen zum Motiv kaum möglich. Entgegen 

der Staatsanwaltschaft kann nicht erstellt werden, dass K._____ dem Beschuldig-

ten lästig gewesen sein soll und er sich dieses Problems habe entledigen wollen 

(Prot. II  S.  9).  Dem  Beschuldigten  ist  eine  Überforderungssituation  zuzubilligen. 

Gleichwohl sprach bei objektiver Betrachtung nichts dagegen, die Betreuung von 

K._____  der  Privatklägerin  ganz  zu  überlassen  respektive  professionelle  Hilfe 

beizuziehen. Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte bereits mehrfach mit ver-

gleichbaren herausfordernden Situationen mit K._____ konfrontiert wurde und mit 

Gewaltanwendung  reagierte.  Der  Beschuldigte  hatte  gegenüber  K._____  keine 

Vaterpflichten.  Damit  kommt  man  nicht  umhin,  die  Tat  als  aus  nichtigem  Anlass 

begangen  zu  qualifizieren.  Insgesamt  vermögen  die  Elemente  der  subjektiven 

Tatkomponente die objektive Tatschwere nur leicht zu relativieren. Die von der 

- 61 -

Vorinstanz in Würdigung der subjektiven Tatschwere vorgenommene Reduktion 

der Strafe um einen Drittel ist nicht geboten.

3.4.

Insgesamt  ist  das  Gesamtverschulden  als  mittelschwer  zu  bezeichnen. 

Damit  rechtfertigt  es  sich,  die  Einsatzstrafe  im  mittleren  Bereich  des  mittleren 

Strafrahmendrittels auf 11 ½ Jahre festzusetzen. 

3.5. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des 

Beschuldigten korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 108 

S. 83 ff.). Diese wirken sich strafzumessungsneutral aus. Eine erhöhte Strafemp-

findlichkeit liegt zudem nicht vor.

Aufgrund des Verbots des (unter anderem in Art. 14 Ziff. 3 lit. g UNO-Pakt II und 

Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten) Selbstbelastungszwangs ist es das prozessuale 

Recht des Beschuldigten, die Vorwürfe abzustreiten. Gleichzeitig kann er unter 

diesem Titel für sich keine Strafreduktion reklamieren. Damit ist ihm keine auf-

richtige  Reue  zuzubilligen  (Art. 48  lit. d  StGB).  Keine  Strafminderung  ist  dem 

Beschuldigten  bezüglich  des  Reanimationsversuchs  und  der  Alarmierung  der 

Rettungssanität zuzubilligen. 

3.6.

Im Rahmen der Gesamtwürdigung ist für die vorsätzliche Tötung von einer 

Einsatzstrafe von 11 ½ Jahren Freiheitsstrafe auszugehen.

4.

Versuchte schwere Körperverletzung vom 28./29. Mai 2021 (Anklage-Ziffer I 
lit. c)

4.1. Die objektive Tatschwere ist zunächst für das vollendete Delikt der schwe-

ren  Körperverletzung  zu  erheben.  Nach  der  Würdigung  der  objektiven  und 

subjektiven  Tatschwere  ist  zu  berücksichtigen,  dass  eine  versuchte  Tatbege-

hung vorliegt. 

4.2. Der  Beschuldigte  packte  K._____  am  Oberkörper  und  schüttelte  ihn  äus-

serst gewaltsam, so dass sich der Rücken stark beugte und überstreckte. Dadurch 

brach er ihm den 8. Brustwirbelkörper. Es ist zu vergegenwärtigen, dass ein derar-

tiges Schütteln zu einem Schädel-Hirn-Trauma führen kann, was zu den schwers-

ten Formen der Kindesmisshandlung zählt. Die von K._____ aufgewiesene Verlet-

- 62 -

zung ist die Folge massiver Gewalteinwirkung durch extreme Beugungs- und Über-

streckungsbewegungen (Urk. 9/19 S. 37 und 47 f.). Zu betonen und erschwerend 

zu berücksichtigen ist, dass die Tatausführung, indem der Beschuldigte K._____ 

massiv  schüttelte,  unkontrolliert  erfolgte,  der  Beschuldigte  den  Übergriff  nicht 

dosieren konnte und brachiale Gewalt anwendete. Zudem beging er die Tat an 

einem  wehrlosen  Kind,  welches  sich  zumindest  teilweise  in  seiner  alleinigen 

Obhut befand. Es bleibt zu wiederholen, dass K._____ dem Beschuldigten aus-

geliefert war und der Beschuldigte das ihm eingeräumte Vertrauen missbrauchte 

(E. IV.3.2.).  Bei  diesem  Vorgehen  lagen  lebensbedrohende  oder  invalidi-

sierende Verletzungen, beispielsweise eine Querschnittlähmung, im Bereich des 

zu Erwartenden (Urk. 9/19 S. 48). Dies fällt stark erschwerend aus. Zu Gunsten 

des  Beschuldigten  ist  auch  hier  in  Rechnung  zu  stellen,  dass  die  Tat  nicht 

geplant  war,  sondern  affektakzentuierte  Züge  trägt.  In  objektiver  Hinsicht  ist 

deshalb  für  das  vollendete  Delikt  von  einem  mittelschweren  Verschulden  des 

Beschuldigten auszugehen. 

4.3.

Zur subjektiven Tatschwere können die vorstehenden Erwägungen heran-

gezogen werden (E. IV.3.3.). Der Beschuldigte verübte die Tat eventualvorsätzlich 

und  aus  einer  Überforderungssituation  heraus.  Auch  hier  hätte  der  Beschuldigte 

die Betreuung von K._____ der Privatklägerin ganz überlassen respektive profes-

sionelle Hilfe beiziehen können, weshalb die Misshandlungen aus nichtigem Anlass 

begangen  wurden.  Das  objektive  Tatverschulden  wird  durch  die  Elemente  der 

subjektiven Tatkomponente nur leicht relativiert. 

4.4. Bei  einer  Gesamtbetrachtung  des  Tatverschuldens  wird  das  mittel-

schwere Verschulden durch das subjektive Tatverschulden nur leicht relativiert. 

Damit erscheint für die vollendete Tat eine Freiheitsstrafe von 5 ½ Jahren ange-

messen.

4.5. Betreffend den Versuch sind die Nähe des Taterfolgs und die tatsächlichen 

Folgen  der  Tat  von  Bedeutung  (BGE 121  IV  49  E. 1.b).  Durch  den  Bruch  des 

8. Brustwirbels litt K._____ ohne Zweifel unter Schmerzen, was sich in der Gehver-

weigerung manifestierte. Zwar hing der Nichteintritt des Erfolgs überwiegend von 

Glück und Zufall ab. Mit Blick auf die tatsächlichen Folgen und unter Berücksichti-

- 63 -

gung des Umstands, dass Nähe und Ausmass des tatbestandsmässigen Erfolgs 

nicht bekannt sind, ist zugunsten des Beschuldigten von einer spürbaren Strafre-

duktion auszugehen. In Anbetracht aller strafzumessungsrelevanten Faktoren er-

scheint es dem Verschulden des Beschuldigten angemessen, eine Freiheitsstrafe 

von drei Jahren festzusetzen.

4.6. Betreffend  die  Täterkomponente  kann  auf  die  vorstehenden  Erwägungen 

verwiesen werden (E. IV.3.5.). Diese wirken sich strafzumessungsneutral aus.

4.7. Als  Einzelstrafe  ist  gedanklich  eine  Freiheitsstrafe  von  drei  Jahren  festzu-

setzen.  Eine  Erhöhung  der  hypothetischen  Einsatzstrafe  um  zwei  Jahre  trägt 

dem  Tatverschulden  angesichts  des  weiten  Strafrahmens  angemessen 

Rechnung.

5.

Versuchte schwere Körperverletzung vom 1. Mai 2021 (Anklage-Ziffer I lit. a)

5.1. Die objektive Tatschwere ist zunächst für das vollendete Delikt der schwe-

ren Körperverletzung zu erheben. Nach der Würdigung der objektiven und sub-

jektiven  Tatschwere  ist  zu  berücksichtigen,  dass  eine  versuchte  Tatbegehung 

vorliegt.

5.2. Der  Beschuldigte  schlug  K._____  mit  einem  unbekannten  Gegenstand 

wuchtig  gegen  die  linke  Wange.  Dadurch  fügte  er  K._____  ein  Hämatom  sowie 

einen Negativabdruck des einwirkenden Objektes auf der Wange zu. Vorab ist zu 

vergegenwärtigen, dass es sich beim Kopf und Gesicht um eine besonders sen-

sible Körperregion handelt und Verletzungen folgenschwere Beeinträchtigungen 

nach sich ziehen können. Dies gilt umso mehr bei einem Kleinkind. Eine derartige 

Schlageinwirkung kann bei Säuglingen und Kleinkindern zur abrupten erheblichen 

Kopfbeschleunigung mit Einblutungen in die Schädelhöhle, Verletzungen der Hals-

schlagadern oder auch Verletzungen der Halswirbelsäule führen (Urk. 9/19 S. 44). 

Selbst  wenn  unbekannt  blieb,  wie  und  mit  welchem  Gegenstand  K._____  ins 

Gesicht  geschlagen  wurde:  Der  Gegenstand  hinterliess  einen  klaren  Abdruck 

(Urk. 7/3,  Fotos  20210501_131558;  Urk. 4/9/6),  weshalb  auch  hier  von  einer 

massiven  Gewaltanwendung  gesprochen  werden  muss.  Zudem  beging  der 

- 64 -

Beschuldigte die Tat an einem wehrlosen Kind, für das er zumindest teilweise zu 

sorgen hatte. Es bleibt zu wiederholen, dass K._____ dem Beschuldigten ausge-

liefert  war  und  der  Beschuldigte  das  ihm  eingeräumte  Vertrauen  missbrauchte 

(E. IV.3.2.).  Bei  diesem  Vorgehen  lagen  ein  lebensgefährlicher  Zustand  und 

schwere  bleibende  Schädigungen  im  Bereich  des  zu  Erwartenden,  dies  gilt  bei 

entsprechenden  Schlägen  mit  einem  Gegenstand  auch  für  Verletzungen  der 

Augen. Zu Gunsten des Beschuldigten ist auch hier in Rechnung zu stellen, dass 

die  Tat  nicht  geplant  war,  sondern  affektakzentuierte  Züge  trägt.  In  objektiver 

Hinsicht  ist  deshalb  für  das  vollendete  Delikt  von  einem  nicht  mehr  leichten 

Verschulden des Beschuldigten auszugehen.

5.3.

Zur subjektiven Tatschwere können die vorstehenden Erwägungen heran-

gezogen werden (E. IV.3.3.). Der Beschuldigte verübte die Tat eventualvorsätzlich 

und  aus  einer  Überforderungssituation  heraus.  Auch  hier  hätte  der  Beschuldigte 

die Betreuung von K._____ der Privatklägerin ganz überlassen respektive profes-

sionelle Hilfe beiziehen können, weshalb die Misshandlungen aus nichtigem Anlass 

begangen  wurden.  Das  objektive  Tatverschulden  wird  durch  die  Elemente  der 

subjektiven Tatkomponente nur leicht relativiert.

5.4. Bei  einer  Gesamtbetrachtung  des  Tatverschuldens  wird  das  nicht  mehr 

leichte  Verschulden  durch  das  subjektive  Tatverschulden  nur  leicht  relativiert. 

Damit erscheint für die vollendete Tat eine Freiheitsstrafe von vier Jahren ange-

messen.

5.5. Betreffend den Versuch sind die Nähe des Taterfolgs und die tatsächlichen 

Folgen  der  Tat  von  Bedeutung  (BGE 121  IV  49  E. 1.b).  K._____  erlitt  einzig  ein 

Hämatom. Mangels gegenteiliger Anhaltspunkte und zugunsten des Beschuldigten 

ist davon auszugehen, dass die Verletzungen folgenlos ausheilten. Mit Blick auf die 

tatsächlichen Folgen und unter Berücksichtigung des Umstands, dass Nähe und 

Ausmass  des  tatbestandsmässigen  Erfolgs  nicht  bekannt  sind,  ist  zugunsten 

des  Beschuldigten  von  einer  spürbaren  Strafreduktion  auszugehen.  In  Anbe-

tracht  aller  strafzumessungsrelevanten  Faktoren  erscheint  es  dem  Verschulden 

des Beschuldigten angemessen, eine Freiheitsstrafe von 1 ½ Jahren festzusetzen.

- 65 -

5.6. Betreffend  die  Täterkomponente  kann  auf  die  vorstehenden  Erwägungen 

verwiesen werden (E. IV.4.6.). Diese wirken sich strafzumessungsneutral aus.

5.7. Als  Einzelstrafe  ist  mit  der  Vorinstanz  gedanklich  eine  Freiheitsstrafe  von 

1 ½  Jahren  festzusetzen.  Eine  Erhöhung  der  hypothetischen  Einsatzstrafe  um 

ein Jahr trägt dem Tatverschulden angesichts des weiten Strafrahmens ange-

messen Rechnung.

6.

Einfache Körperverletzung vom 1. Juni 2021 (Anklage-Ziffer I lit. e)

6.1. Entgegen  der  Vorinstanz  (Urk. 108  S. 87  f.)  sind  nicht  drei,  sondern  zwei 

Körperverletzungen  zu  beurteilen  (E. III.4.6.3.).  Zudem  ist  die  Ausfällung  einer 

Einheitsstrafe im Sinne einer Gesamtbetrachtung mehrerer Delikte entgegen der 

Vorinstanz nicht möglich (E. IV.1.3.).

6.2. Der  Beschuldigte  schlug  K._____  mit  der  Faust  kräftig  gegen  das  rechte 

Auge. Dieser erlitt eine Einblutung in das Augenweiss des Augapfels und eine Ein-

blutung des Augenoberlids. Die Verletzung hat zweifelsohne erhebliche Schmerzen 

verursacht. Mit Blick auf alle denkbaren Körperverletzungen ist sie als nicht mehr 

leichte Verletzung zu qualifizieren. K._____ war ein wehrloses Kind in der teilweise 

alleinigen Obhut des Beschuldigten. Es bleibt zu wiederholen, dass K._____ dem 

Beschuldigten  ausgeliefert  war  und  der  Beschuldigte  das  ihm  eingeräumte  Ver-

trauen  missbrauchte  (E. IV.3.2.).  Zu  Gunsten  des  Beschuldigten  ist  auch  hier  in 

Rechnung  zu  stellen,  dass  die  Tat  nicht  geplant  war,  sondern  affektakzentuierte 

Züge trägt. In objektiver Hinsicht ist deshalb von einem noch leichten Verschulden 

des Beschuldigten auszugehen.

6.3.

Zur  subjektiven  Tatschwere  können  mit  Ausnahme  des  Vorsatzes  die 

vorstehenden  Erwägungen  herangezogen  werden  (E. IV.3.3.).  Der  Beschuldigte 

verübte die Tat direktvorsätzlich aus einer Überforderungssituation heraus. Auch 

hier  hätte  der  Beschuldigte  die  Betreuung  von  K._____  der  Privatklägerin  ganz 

überlassen  respektive  professionelle  Hilfe  beiziehen  können,  weshalb  die  Miss-

handlung  aus  nichtigem  Anlass  begangen  wurde.  Das  objektive  Tatverschulden 

wird durch die Elemente der subjektiven Tatkomponente nicht relativiert.

- 66 -

6.4. Betreffend  die  Täterkomponente  kann  auf  die  vorstehenden  Erwägungen 

verwiesen werden (E. IV.4.6.). Diese wirken sich strafzumessungsneutral aus.

6.5. Als Einzelstrafe ist gedanklich eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen respek-

tive eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten festzusetzen. Bei der Wahl der Sank-

tionsart (vgl. E. IV.4.2.) gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte wiederholt 

K._____ körperlich misshandelte und ihn schliesslich tötete. Er demonstrierte eine 

völlige Gleichgültigkeit gegenüber der körperlichen und psychischen Integrität des 

Opfers. Seine Delinquenz muss in diesem Sinne als hartnäckig bezeichnet werden. 

Es  bestehen  erhebliche  Zweifel  an  der  spezialpräventiven  Wirkung  einer  Gelds-

trafe.  Auch  wäre  sie  in  Bezug  auf  die  hier  zur  Diskussion  stehende  Körperver-

letzung weder schuldangemessen noch zweckmässig. Mithin kommt sie auch un-

ter dem Gesichtspunkt des Schuldausgleichs nicht in Frage. Es scheint deshalb 

geboten, für das vorliegende Delikt eine Freiheitsstrafe auszufällen. 

6.6. Als Einzelstrafe ist gedanklich eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten fest-

zusetzen. Eine Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe um vier Monate trägt 

dem  Tatverschulden  angesichts  des  weiten  Strafrahmens  angemessen  Rech-

nung.

7.

Einfache Körperverletzung vom 9. Mai 2021 (Anklage-Ziffer I lit. b)

7.1. Der Beschuldigte schlug K._____ mit der Hand kräftig gegen die Stirne und 

das  Ohr.  Dadurch  fügte  er  ihm  an  der  Stirne  und  am  Ohr  längere  Zeit  sichtbare 

Hämatome zu. Die Verletzungen haben zweifelsohne nicht unerhebliche Schmer-

zen verursacht. Mit Blick auf alle denkbaren Körperverletzungen sind sie gleichwohl 

als  leichte  Verletzungen  zu  qualifizieren.  K._____  war  ein  wehrloses  Kind  in  der 

teilweise  alleinigen  Obhut  des  Beschuldigten.  Es  bleibt  zu  wiederholen,  dass 

K._____ dem Beschuldigten ausgeliefert war und der Beschuldigte das ihm einge-

räumte  Vertrauen  missbrauchte  (E. IV.3.2.).  Zu  Gunsten  des  Beschuldigten  ist 

auch hier in Rechnung zu stellen, dass die Tat nicht geplant war, sondern affekt-

akzentuierte Züge trägt. In objektiver Hinsicht ist deshalb von einem leichten Ver-

schulden des Beschuldigten auszugehen.

- 67 -

7.2.

Zur subjektiven Tatschwere können die vorstehenden Erwägungen heran-

gezogen werden (E. IV.3.3.). Der Beschuldigte verübte die Tat eventualvorsätzlich 

und  aus  einer  Überforderungssituation  heraus.  Auch  hier  hätte  der  Beschuldigte 

die Betreuung von K._____ der Privatklägerin ganz überlassen respektive profes-

sionelle Hilfe beiziehen können, weshalb die Misshandlungen aus nichtigem Anlass 

begangen  wurden.  Das  objektive  Tatverschulden  wird  durch  die  Elemente  der 

subjektiven Tatkomponente nur leicht relativiert.

7.3. Betreffend  die  Täterkomponente  kann  auf  die  vorstehenden  Erwägungen 

verwiesen werden (E. IV.4.6.). Diese wirken sich strafzumessungsneutral aus.

7.4. Als  Strafart  ist  auf  eine  Freiheitsstrafe  zu  erkennen  (vgl.  E. IV.4.2.  und 

IV.6.5.). Als Einzelstrafe ist gedanklich eine Freiheitsstrafe von drei Monaten fest-

zusetzen. Eine Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe um zwei Monate trägt 

dem  Tatverschulden  angesichts  des  weiten  Strafrahmens  angemessen  Rech-

nung.

8.

Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Anklage-Ziffer II)

8.1. Der Beschuldigte erwarb und verkaufte insgesamt 240 Gramm Marihuana 

innerhalb  von  fünf  Monaten.  Teilweise  konsumierte  er  das  Marihuana  selbst. 

Gemeinsam  mit  der  Privatklägerin  verkaufte  er  Portionen  von  30  bis  40  Gramm 

oder liess diese über Drittpersonen veräussern. Der Beschuldigte handelte vorsätz-

lich  und  aus  finanziellen  Motiven,  hauptsächlich  zur  Finanzierung  des  eigenen 

Konsums.

8.2. Der Beschuldigte erklärte sich im Laufe der Untersuchung geständig. Setzt 

die Vorinstanz insgesamt eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen fest, kann dies über-

nommen werden. Entgegen der Staatsanwaltschaft (Urk. 134 S. 4) erscheint denn 

in  Bezug  auf  diese  Delinquenz  auch  eine  Geldstrafe  schuldangemessen  und 

zweckmässig. Mit der Vorinstanz ist mit Blick auf die finanziellen Verhältnisse des 

Beschuldigten der Tagessatz auf Fr. 30.– festzulegen (Urk. 108 S. 89).

8.3. Der Beschuldigte ist mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu 

bestrafen.

- 68 -

9.

Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (Anklage-Ziffer II)

Innerhalb der oben genannten fünfmonatigen Zeitspanne konsumierte der Beschul-

digte zusammen mit der Privatklägerin alle ein bis zwei Wochen ungefähr 10 bis 20 

Gramm  Marihuana.  Die  Vorinstanz  setzt  dafür  eine  Busse  von  Fr. 300.–  fest 

(Urk. 108 S. 90), was angemessen ist und übernommen werden kann.

10. Fazit

Der  Beschuldigte  ist  zu  bestrafen  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  15  Jahren,  einer 

Geldstrafe  von  20  Tagessätzen  zu  Fr. 30.–  und  einer  Busse  von  Fr. 300.–.  Die 

erstandene Haft von 223 Tagen ist anzurechnen (Art. 51 StGB). 

Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfrei-

heitsstrafe von drei Tagen auszusprechen (Art. 106 Abs. 2 StGB).

IV. Vollzug

1.

1.1. Nach Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe 

oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine 

unbedingte  Strafe  nicht  notwendig  erscheint,  um  den  Täter  von  der  Begehung 

weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Für den bedingten Vollzug nach 

Art. 42 Abs. 1 StGB genügt das Fehlen einer ungünstigen Prognose, das heisst die 

Abwesenheit der Befürchtung, der Täter werde sich nicht bewähren (BGE 134 IV 1 

E. 4.2.2  S. 5  f.).  Die  Prüfung  der  Bewährungsaussichten  des  Täters  ist  anhand 

einer  Gesamtwürdigung  aller  wesentlichen  Umstände  vorzunehmen  (BGE  144 

IV 277 E. 3.2 S. 282 f.; vgl. dazu im Einzelnen: BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 S. 5; 134 

IV 140 E. 4.5 S. 144; je mit Hinweisen).

1.2. Die Frage eines bedingten Strafvollzugs stellt sich einzig in Bezug auf die 

Geldstrafe. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 128). Es ist davon auszuge-

hen, dass das vorliegende Strafverfahren, die ausgestandene Untersuchungshaft 

und die heute auszufällende Sanktion den Beschuldigten so beeindrucken, dass er 

 
- 69 -

in Zukunft nicht wieder straffällig werden wird. Der Vollzug der Geldstrafe ist aufzu-

schieben unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit. 

V. Landesverweisung

1.

Ausgangslage

1.1. Der Beschuldigte ist deutscher Staatsangehöriger und Inhaber einer Aufent-

haltsbewilligung B (Urk. 13/52/6). Er hat mit der vorsätzlichen Tötung im Sinne von 

Art. 111  StGB  und  der  mehrfachen  versuchten  schweren  Körperverletzung  im 

Sinne  von  aArt. 122  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB  Katalogtaten 

begangen,  die  grundsätzlich  zu  einer  obligatorischen  Landesverweisung  führen 

(Art. 66a Abs. 1 lit. a und b StGB). Diese muss unabhängig davon ausgesprochen 

werden,  ob  es  beim  Versuch  geblieben  ist  (BGE  146  IV  105  E. 3.4.1  S. 108  mit 

Hinweisen). Von einer Landesverweisung kann nur abgesehen werden, wenn dies 

für den Täter eine schwere persönliche Härte bedeuten würde und eine Abwägung 

zwischen  seinen  persönlichen  Interessen  an  einem  Verbleib  in  der  Schweiz  und 

den Interessen der Öffentlichkeit an einer Wegweisung zu seinen Gunsten ausfällt 

(Art. 66a Abs. 2 StGB).

1.2. Die  Vorinstanz  verneint  einen  persönlichen  schweren  Härtefall.  Im  Sinne 

einer  Eventualbegründung  bemisst  sie  das  öffentliche  Interesse  an  einer  Weg-

weisung des Beschuldigten aus der Schweiz höher als die persönlichen Interessen 

des Beschuldigten an einem Verbleib (Urk. 108 S. 93 f.).

1.3. Vor Vorinstanz stellte die amtliche Verteidigung im Zusammenhang mit einer 

Landesverweisung  keine  Anträge  und  liess  sich  auch  nicht  dazu  vernehmen 

(Urk. 70; Prot. I S. 77 ff. und 86 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt die 

Verteidigung fest, eine Landesverweisung rechtfertige sich nicht (Urk. 133 S. 27).

2.

Persönlicher Härtefall

2.1. Hinsichtlich  des  bisherigen  Werdegangs  des  heute  rund  30-jährigen 

Beschuldigten kann auf die vorinstanzlichen Erwägungen zu den Täterkomponen-

ten  verwiesen  werden  (Urk. 108  S. 83  f.).  Hieraus  ergibt  sich  zusammengefasst, 

- 70 -

dass der Beschuldigte bis zu seinem 11. oder 12. Lebensjahr in U._____ [Deutsch-

land] aufwuchs. Etwa im Jahre 2007 reiste er gemeinsam mit seiner Mutter in die 

Schweiz ein, wo sein Vater bereits seit vier Jahren lebte. Der Beschuldigte verfügt 

über keinen Schul- und keinen Lehrabschluss, da er in der 3. Oberstufe von der 

Schule  flog  und  eine  Lehre  als  Heizungsinstallateur  abbrach.  Danach  war  er  als 

Monteur angestellt gewesen. Im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 

war der Beschuldigte auf Arbeitssuche und lebte vom Sozialamt. Der Beschuldigte 

ist  Vater  von  zwei  Söhnen  (M._____  [Jahrgang  2014]  und  O._____  [Jahrgang 

2017])  von  jeweils  zwei  unterschiedlichen  Müttern.  Vor  Vorinstanz  hielt  der  Be-

schuldigte zu seiner Person zudem fest, er habe im Jahre 2021 als Fensterbauer 

respektive Zimmermann gearbeitet und im Mai/Juni 2021 einen Bandscheibenvor-

fall gehabt. In der Folge sei er zu 100 % krankgeschrieben gewesen. Nach einer 

Rückenoperation sei er wieder voll arbeitsfähig. Hingegen arbeite er momentan aus 

persönlichen Gründen nicht und lebe vom Sozialamt. Er habe kein Vermögen und 

Schulden in unbekannter Höhe. Er wohne bei seinen Eltern. Seinen Sohn M._____ 

sehe er jedes Wochenende, seinen Sohn O._____ einmal im Monat. Unterhaltsbei-

träge  müsse  er  in  der  Höhe  von  Fr. 950.–  für  M._____  und  von  Fr. 350.–  für 

O._____  bezahlen.  Die  Unterhaltsbeiträge  würden  vom  Sozialamt  bevorschusst 

(Prot. I S. 11 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte ak-

tualisierend  bzw.  ergänzend  aus,  er  habe  zwischenzeitlich,  von  2013  bis  Ende 

2024, im Lebensraum (einem Arbeitsprogramm vom Sozialamt) in der Gartenab-

teilung sowie im UHZ in der Zügelabteilung gearbeitet; auch da sei er auf Sozialhilfe 

angewiesen gewesen. Nun sei er (wieder) auf Stellensuche und möchte eine Lehre 

machen. Er lebe nach wie vor vom Sozialamt. Sein Sohn M._____ sei jedes Wo-

chenende bei ihm, O._____ nur einmal im Monat mit Besuchsbegleitung. Das Sor-

gerecht sei bei beiden Söhnen geteilt, die Obhut jeweils bei den Müttern, mit wel-

chen er je ca. ein bis eineinhalb Jahre zusammengelebt habe (Urk. 132 S. 2 ff.). 

2.2. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk.128).

2.3. Der Beschuldigte hat in der Schweiz seine Jugendjahre und jungen Erwach-

senenjahre verbracht und damit den grössten Teil seines Lebens in der Schweiz 

gelebt. Ob aber ein Härtefall vorliegt, entscheidet sich weder anhand von starren 

- 71 -

Altersvorgaben,  noch  führt  eine  bestimmte  Anwesenheitsdauer  automatisch  zur 

Annahme eines Härtefalls (BGE 146 IV 105 E. 3.4 S. 108 ff. mit Hinweisen). Zur 

sozialen  Integration  des  Beschuldigten  gilt  es  festzuhalten,  dass  er  hier  seine 

Familie (Eltern) hat. Über sein sonstiges soziales Umfeld ist wenig bekannt. In einer 

gefestigten  Beziehung  lebt  der  Beschuldigte  nicht.  Anlässlich  der  Berufungsver-

handlung führte er dazu aus, er lerne gerade jemanden kennen (Urk. 132 S. 3 f.). 

Weiter  ist  seine  berufliche  Situation  insgesamt  als  instabil  zu  beurteilen.  Der 

Beschuldigte verfügt weder über eine abgeschlossene Ausbildung noch über eine 

langjährige Arbeitserfahrung. Aktuell ist er arbeitslos, wird vom Sozialamt finanziell 

unterstützt und hat Schulden in unbekannter Höhe. Die Unterhaltsbeiträge für seine 

zwei Kinder werden vom Sozialamt bevorschusst. Eine wirtschaftliche Integration 

des Beschuldigten kann deshalb nicht angenommen werden und der Beschuldigte 

würde bei einer Landesverweisung somit nicht aus einem stabilen (Arbeits-) Umfeld 

herausgerissen werden. Er verfügt einzig über eine Aufenthaltsbewilligung B, "weil 

ich so keine Steuererklärung ausfüllen muss" (Urk. 4/3 F/A 7). Trotz einer langen 

Anwesenheit in der Schweiz ist nur von einer höchstens durchschnittlichen sozialen 

Integration  auszugehen.  Besonders  intensive,  über  eine  normale  Integration 

hinausgehende private Beziehungen gesellschaftlicher Natur liegen nicht vor. Von 

einer Beteiligung am hiesigen Kultur- oder Vereinsleben ist nichts bekannt. Ferner 

kann mit Blick auf die zahlreichen mit dem vorliegenden Strafverfahren ausgespro-

chenen Verurteilungen nicht von einer gelungenen Integration des Beschuldigten 

in  die  Schweizer  Werte-  und  Rechtsordnung  gesprochen  werden.  Was  eine 

mögliche Reintegration in Deutschland betrifft, so ist davon auszugehen, dass eine 

solche dem Beschuldigten zuzumuten wäre. Der Beschuldigte ist ein junger Mann, 

der die Landessprache spricht und der auf dem deutschen Arbeitsmarkt mit den 

hiesigen Verhältnissen vergleichbare Möglichkeiten hat, beruflich Fuss zu fassen. 

2.4. Der Beschuldigte verfügt über keine eigentliche Kernfamilie, die im Bestand 

allenfalls von Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 f. BV geschützt wäre. Zwar ist er Vater 

zweier in der Schweiz wohnhafter, minderjähriger Kinder. Er unterhält aber keine 

Partnerschaft  und  hat  weder  mit  den  Kindern  noch  mit  deren  Müttern  länger 

zusammengelebt.  Der  Beschuldigte  ist  zwar  sorge-  nicht  aber  obhutsberechtigt. 

Seiner Vorbildfunktion als Vater ist er durch sein kriminelles Verhalten bislang nicht 

- 72 -

nachgekommen.  M._____  verbringt  jedes  Wochenende  beim  Beschuldigten  und 

dessen Eltern, das Besuchsrecht von O._____ wird gemäss Angaben des Beschul-

digten  einmal  im  Monat  mit  Besuchsbegleitung  ausgeübt.  Auch  andere  familiäre 

Verhältnisse, die in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallen könnten, bestehen 

nicht. Damit ist festzustellen, dass der Beschuldigte mit M._____ einen regelmäs-

sigen, mit O._____ einen nur sporadischen Kontakt pflegt. Diese Kontakte können 

nach den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen auch bei einer Landesverwei-

sung nach Deutschland aufrechterhalten werden. Mithin können die Beziehungen 

im Rahmen von Kurzaufenthalten, Ferienbesuchen oder über die modernen Kom-

munikationsmittel vom Ausland her gepflegt werden. Die Unterhaltsbeiträge leistet 

der Beschuldigte nicht, weshalb die Kinder diesbezüglich bei einer Ausweisung des 

Beschuldigten  keine  Schlechterstellung  erfahren.  Im  Übrigen  können  die  Kinder-

rechte nicht instrumentalisiert werden, um den gesetzlichen Folgen der Straftat zu 

entgehen (vgl. BGE 146 IV 267 E. 3.4.2 S. 277; Urteil 6B_1123/2020 vom 2. März 

2021 E. 3.3.5; je mit Hinweisen). 

2.5.

Insgesamt  kann  dem  Beschuldigten  kein  persönlicher  Härtefall  attestiert 

werden.

3.

Selbst  wenn  gegenteilig  entschieden  und  dem  Beschuldigten  ein  persönlicher 

Härtefall zugebilligt würde, spricht das öffentliche Interesse für die Anordnung einer 

Landesverweisung.  Dieses  Interesse  besteht  darin,  künftige  Straftaten  des 

Beschuldigten zu verhindern. Den Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der 

Schweiz  stehen  erhebliche  öffentliche  Interessen  an  einer  Landesverweisung 

gegenüber, dies nicht zuletzt in Anbetracht der "Zweijahresregel", wonach es bei 

einer  Verurteilung  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  zwei  Jahren  oder  mehr  ausser-

ordentlicher  Umstände  bedarf,  damit  die  privaten  Interessen  des  Betroffenen  an 

einem  Verbleib  in  der  Schweiz  die  öffentlichen  Interessen  an  einer  Ausweisung 

überwiegen. Dies gilt grundsätzlich sogar bei bestehender Ehe mit einer Schwei-

zerin oder einem Schweizer und gemeinsamen Kindern (vgl. Urteile des Bundes-

gerichts 6B_1248/2023 vom 9. April 2024 E. 3.4; 6B_694/2023 vom 6. Dezember 

2023  E. 3.3.5;  je  mit  Hinweisen).  Der Beschuldigte beging  mehrere  Katalogtaten 

- 73 -

und wird zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Dieses Strafmass spricht 

für  ein  relevantes  Tatverschulden,  woraus  bereits  ein  beträchtliches  öffentliches 

Interesse  an  einer  Wegweisung  des  Beschuldigten  folgt.  Ausserordentliche  Um-

stände im genannten Sinne bestehen keine. Insgesamt überwiegt das gewichtige 

öffentliche Interesse an der Landesverweisung das private Interesse des Beschul-

digten am Verbleib in der Schweiz.

4.

4.1. Angesichts  der  Staatsangehörigkeit  des  Beschuldigten  und  der  Mitglieds-

chaft von Deutschland in der EU stellt sich die Frage, ob das Freizügigkeitsabkom-

men vom 21. Juni 1999 (FZA; SR 01.142.112.681) einer Landesverweisung entge-

gensteht.

4.2. Das  FZA  gibt  Staatsangehörigen  der  Mitgliedstaaten  der  EU  und  der 

Schweiz  unter  anderem  das  Recht  auf  Einreise,  Aufenthalt,  Zugang  zu  einer 

unselbständigen Erwerbstätigkeit und Verbleib im Hoheitsgebiet der Vertragspar-

teien (Art. 1 lit. a). Das Recht auf Aufenthalt und Zugang zu einer Erwerbstätigkeit 

wird (unter Vorbehalt) gewährt (Art. 4). Personen, die keine Erwerbstätigkeit aus-

üben, wird das Aufenthaltsrecht unter spezifischen Voraussetzungen eingeräumt 

(Art. 2 Abs. 2 und Art. 24 Anhang I FZA). 

Nach Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA dürfen die im Abkommen eingeräumten Rechte 

nur durch Massnahmen, die aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und 

Gesundheit gerechtfertigt sind, eingeschränkt werden. Die Landesverweisung nach 

Art. 66a ff. StGB ist als Institut des Strafrechts und nach der Intention des Verfas-

sungs-  und  Gesetzgebers  primär  als  sichernde  Massnahme  zu  verstehen  (Urteil 

6B_75/2020  vom  19.  Januar  2021  E. 2.5.1  mit  weiteren  Hinweisen).  Das  FZA 

berechtigt lediglich zu einem doppelt bedingten Aufenthalt in der Schweiz, nämlich 

einerseits  nach  Massgabe  der  spezifischen  Vertragsvereinbarungen  als  Voraus-

setzung  eines  rechtmässigen  Aufenthalts  und  andererseits  nach  Massgabe  des 

rechtskonformen Verhaltens im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA (BGE 145 

IV 55 E. 3.3 S. 59).

- 74 -

Ob die öffentliche Ordnung und Sicherheit durch einen Täter (weiterhin) gefährdet 

ist, folgt aus einer Prognose des künftigen Wohlverhaltens. Es ist nach Art und Aus-

mass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzieren: Je schwerer die Ge-

fährdung, desto niedriger die Anforderungen an die in Kauf zu nehmende Rückfall-

gefahr. Ein geringes, aber tatsächlich vorhandenes Rückfallrisiko kann für eine auf-

enthaltsbeendende Massnahme im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA genügen, 

sofern dieses Risiko eine schwere Verletzung hoher Rechtsgüter wie z.B. die kör-

perliche  Unversehrtheit  beschlägt  (BGE  145  IV  364  E. 3.5.2  S. 371  f.,  55  E. 4.4 

S. 63; Urteil 6B_75/2020 vom 19. Januar 2021 E. 2.5.1; je mit Hinweisen). Die Pro-

gnose  über  das  Wohlverhalten  und  die  Resozialisierung  gibt  in  der  fremden-

polizeilichen Abwägung, in der das allgemeine Interesse der öffentlichen Ordnung 

und Sicherheit im Vordergrund stehen, nicht den Ausschlag. Ausgangspunkt und 

Massstab  für  die  ausländerrechtliche  Interessenabwägung  ist  die  Schwere  des 

Verschuldens,  die  sich  in  der  Dauer  der  verfahrensauslösenden  Freiheitsstrafe 

niederschlägt (BGE 145 IV 364 E. 3.5.2 S. 372 mit Hinweisen).

4.3. Der Beschuldigte ist Ersttäter und es besteht entsprechend kein Grund, ihm 

mit  Blick  auf  Art. 42  StGB  eine  ungünstige  Prognose  zu  stellen  (dazu  vorne 

E. V.1.2). Allerdings hat der Beschuldigte mit den mehrfach versuchten schweren 

Körperverletzungen und der Tötung die wohl massivsten Delikte gegen Leib und 

Leben verübt. Damit ist auch ein geringes (aber tatsächlich vorhandenes) Rückfall-

risiko nicht in Kauf zu nehmen. Ein solches zumindest geringes Rückfallrisiko kann 

beim  nicht  geständigen  und  uneinsichtigen  Beschuldigten  nicht  verneint  werden. 

Ein rechtskonformes Verhalten im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA liegt nicht 

vor. 

4.4. Das FZA steht einer Landesverweisung vorliegend nicht entgegen. Entspre-

chend kann offen bleiben, ob der Beschuldigte sich überhaupt auf das FZA berufen 

kann, was mit Blick auf die Vorbehalte gemäss Art. 2 Abs. 2 und Art. 24 Anhang I 

FZA  in  casu  (der  Beschuldigte  bezieht  seit  längerer  Zeit  Sozialhilfe)  zumindest 

fraglich erscheint.

- 75 -

5.

5.1. Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB ist die Landesverweisung für 5 bis 15 Jahre 

auszusprechen. Die Vorinstanz hat die Dauer auf elf Jahre festgesetzt.

5.2. Die Dauer der ausgesprochenen Landesverweisung muss verhältnismässig 

sein  (vgl.  Art. 5  Abs. 2  BV,  Art. 36  Abs. 3  BV,  Art. 8  Ziff. 2  EMRK).  Dabei  ist 

namentlich  einer  aus  einer  langen  Anwesenheit  in  der  Schweiz  folgenden  Härte 

Rechnung  zu  tragen  (Urteil  6B_249/2020  vom  27.  Mai  2021  E. 6.2.1).  Unter 

Berücksichtigung  der  schweren  Katalogtaten  im  Sinne  von  Art. 66a  Abs. 1  lit.  a 

und b  StGB,  des  Verschuldens  des  Beschuldigten,  der  heute  auszufällenden 

Freiheitsstrafe,  welche  den  Strafrahmen  zu  zwei  Dritteln  ausschöpft,  und  des 

moderaten  Interesses  des  Beschuldigten  am  Verbleib  ist  die  Dauer  der  Landes-

verweisung – wie die Staatsanwaltschaft beantragt (Urk. 134 S. 1, 4) – auf 13 Jahre 

festzusetzen.

1.

Allgemeines

VI. Zivilforderungen

Aufgrund  des  Schuldspruchs  ist  über  die  adhäsionsweise  geltend  gemachten 

zivilrechtlichen  Ansprüche  zu  entscheiden  (Art. 126  Abs. 1  lit. a  StPO).  Die 

Voraussetzungen betreffend den Anspruch auf Leistung von Schadenersatz und 

Genugtuung  sowie  die  Bemessungskriterien  dieser  Leistungen  finden  sich  im 

angefochtenen Urteil (Urk. 108 S. 95 ff.).

2.

Schadenersatzforderung der Privatklägerin

2.1. Die  Privatklägerin  liess  vor  Vorinstanz  ausführen,  die  Bestattungskosten 

seien vom Sozialamt H._____ getragen worden. Dabei handle es sich aber lediglich 

um einen Vorschuss, den das Sozialamt bei der Privatklägerin zurückfordern könne 

und voraussichtlich auch werde. Zudem habe die Privatklägerin den erforderlichen 

Betrag  für  einen  Grabstein  bisher  nicht  aus  eigenen  Mitteln  aufbringen  können. 

Auch diese Kosten seien ersatzfähige Bestattungskosten (Urk. 60 S. 2).

- 76 -

2.2. Die Vorinstanz erwägt, die Privatklägerin habe ihr Schadenersatzbegehren 

weder beziffert noch belegt. Die amtliche Verteidigung habe sich zum Schadener-

satzbegehren nicht geäussert und dieses insbesondere nicht bestritten. In Bezug 

auf  die  geltend  gemachten  Kosten  ist  die  adäquate  Kausalität  zwischen  dem 

haftungsbegründenden  Umstand  und  dem  Schaden  ohne  Weiteres  zu  bejahen. 

Der  Beschuldigte  hat  widerrechtlich  und  schuldhaft  gehandelt.  Die  Privatklägerin 

hat einen grundsätzlichen Entschädigungsanspruch gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR. 

Die grundsätzliche Schadenersatzpflicht ist festzustellen und die Privatklägerin zur 

genauen  Feststellung  des  Umfangs  des  Schadenersatzanspruchs  auf  den  Weg 

des Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).

3. Genugtuungsforderung der Privatklägerin

3.1. Die Privatklägerin beantragte vor Vorinstanz die Zusprechung einer Genug-

tuung von Fr. 75'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 12. Juni 2021 (Urk. 60 S. 1). Dazu 

liess  sie  zusammengefasst  ausführen,  beim  Verlust  eines  Kindes  sei  die  Basis-

genugtuung auf einen Betrag zwischen Fr. 15'000.– und Fr. 35'000.– festzulegen. 

Dabei gelange bei Kleinkindern in der Regel der Maximalbetrag zur Anwendung. 

Erhöhend  wirke  sich  aus,  dass  der  Beschuldigte  das  von  ihm  abhängige,  ihm 

ausgelieferte und wehrlose Opfer mehrfach sehr schwer verletzt habe, bevor der 

Tod  eingetreten  sei.  Mit  seinem  Verhalten  habe  der  Beschuldigte  auch  das 

Vertrauen der Privatklägerin massiv missbraucht. Diese habe die Betreuung von 

K._____ weitgehend alleine besorgt. K._____ sei für die noch junge Privatklägerin 

das erste Kind gewesen und habe ihr alles bedeutet. Sie habe zu ihm eine enge 

und liebevolle Beziehung gepflegt. Der Tod von K._____ habe bei der Privatkläge-

rin ein schweres Trauma ausgelöst. Sie habe grosse Hoffnungen und Erwartungen 

in K._____ gesetzt und sie sei in diesen Hoffnungen und Erwartungen enttäuscht 

worden. Auch die Anklage, die Vorbereitung der Hauptverhandlung und die mediale 

Berichterstattung seien nicht spurlos an der Privatklägerin vorbeigegangen (Urk. 60 

S. 2 ff.).

3.2. Bei  der  Tötung  eines  Menschen  oder  Körperverletzung  kann  der  Richter 

unter Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den Angehörigen 

des  Getöteten  eine  angemessene  Geldsumme  als  Genugtuung  zusprechen 

- 77 -

(Art. 47  OR).  Bemessungskriterien  sind  vor  allem  die  Art  und  Schwere  der  Ver-

letzung,  die  Intensität  und  Dauer  der  Auswirkungen  auf  die  Persönlichkeit  des 

Betroffenen, der Grad des Verschuldens des Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbst-

verschulden des Geschädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmerzes 

durch die Zahlung eines Geldbetrags (BGE 132 II 117 E. 2.2.2 S. 119). Es kommen 

nur Personen in Frage, die vom Tod schwer getroffen werden, namentlich weil sie 

zum Getöteten enge, in der Regel familiäre Beziehungen unterhalten haben. Die 

Festsetzung  der  Höhe  der  Genugtuung  ist  eine  Entscheidung  nach  Billigkeit 

(vgl. Art. 4  ZGB;  MARTIN  KESSLER,  in:  Basler  Kommentar,  Obligationenrecht  I, 

7. Aufl. 2020, N. 9 f. zu Art. 47 OR). 

3.3. Wie  hoch  der  seelische  Schmerz  über  den  Verlust  eines  Kindes  ist,  lässt 

sich kaum objektiv belegen. Es braucht nicht näher begründet zu werden, dass ein 

solcher Verlust ausserordentlich schwer wiegt. In der Rechtsprechung finden sich 

ganz unterschiedliche Genugtuungssummen für Eltern von getöteten Kindern. Er-

folgt die Bewertung der immateriellen Beeinträchtigung in zwei Phasen, ist in einem 

ersten Schritt ein Basisbetrag als Orientierungspunkt festzulegen und daran ansch-

liessend  eine  Anpassung  dieses  Betrages  unter  Berücksichtigung  der  konkreten 

Umstände des Einzelfalles (Haftungsgrundlage, [Selbst-]Verschulden, individuelle 

Lebenssituation  des  Geschädigten)  vorzunehmen  (Urteil  6B_1145/2018  vom  28. 

Mai 2019 E. 3.1 mit Hinweisen). In der Lehre werden Basisgenugtuungen zwischen 

Fr. 20'000.– und Fr. 40'000.– formuliert (vgl. HARDY LANDOLT, Genugtuungsrecht, 2. 

Aufl. 2021, N. 935 ff.). Die Höhe der Genugtuung hängt nach LANDOLT von den Um-

ständen des Einzelfalls ab, namentlich von der Anzahl der Kinder, dem Alter des 

getöteten Kindes und seiner Beziehung zu den Eltern im Todeszeitpunkt sowie den 

Tatumständen, insbesondere der rechtlichen Qualifikation der Straftat. Der Tod des 

einzigen Kindes hat in der Regel eine grössere immaterielle Unbill zur Folge (LAN-

DOLT, a.a.O., N. 905). 

3.4. Als K._____ starb, war er rund 20 Monate alt. Für die Privatklägerin als Mut-

ter von K._____ rechtfertigt sich eine Basisgenugtuung von Fr. 35'000.–. K._____ 

war das einzige Kind der alleinerziehenden Privatklägerin. Es bestehen keine Zwei-

fel, dass die emotionale Bindung zwischen der Privatklägerin und K._____ sehr eng 

- 78 -

war.  Dies  verlangt  nach  einer  Erhöhung  der  Basisgenugtuung.  Vorliegend  fällt 

weiter das Verschulden ins Gewicht. K._____ wurde vorsätzlich getötet. Ebenfalls 

ins  Gewicht  fällt,  dass  K._____  die  Wochen  zuvor  teilweise  schwer  misshandelt 

wurde.  Die  Misshandlungen  erfolgten  teilweise  direktvorsätzlich.  Auch  diese 

Umstände  führen  zu  einer  Erhöhung  der  Basisgenugtuung.  Mit  der  Vorinstanz 

scheint es nachvollziehbar, dass sich die Privatklägerin grosse Vorwürfe macht, die 

Misshandlungen  ihres  Kindes  nicht  eher  bemerkt  zu  haben  und  nicht  rechtzeitig 

eingeschritten zu sein. Diese Umstände führen zu einer zusätzlichen Gefühlsunbill 

und rechtfertigen eine Erhöhung der Basisgenugtuung um insgesamt Fr. 40'000.–. 

Es  ist  von  einer  massiven  Lebensqualitätseinbusse  auszugehen.  Insgesamt 

erscheint  die  von  der  Vorinstanz  zugesprochene  Genugtuung  von  Fr. 75'000.– 

nebst 5 % Zins seit 12. Juni 2021 angemessen. 

4.

Schadenersatzpflicht des Privatklägers

4.1. Der Privatkläger liess vor Vorinstanz ausführen, es sei noch offen, welche 

Kosten für den Versuch einer seelischen Bewältigung der Tat an seinem Sohn noch 

anfallen würden. Deshalb sei die Schadenersatzpflicht des Beschuldigten gegen-

über dem Privatkläger im Grundsatz anzuerkennen (Urk. 63 S. 2).

4.2. Die Vorinstanz erwägt, es sei nachvollziehbar, dass im Zusammenhang mit 

einer  seelischen  Aufarbeitung  Kosten  anfallen  könnten,  welche  allenfalls  im 

Rahmen  eines  Schadenersatzbegehrens  ersatzfähig  wären.  Zudem  sei  die 

Geltendmachung des Schadenersatzbegehrens von der Verteidigung nicht bestrit-

ten  worden.  Deshalb  sei  die  Schadenersatzpflicht  des  Beschuldigten  gegenüber 

dem Privatkläger im Grundsatz anzuerkennen. Im Übrigen sei der Privatkläger mit 

seinem  Schadenersatzbegehren  auf  den  Weg  des  Zivilprozesses  zu  verweisen 

(Urk. 108 S. 100).

4.3.

In Bezug auf allfällige zukünftige Behandlungs- und Therapiekosten ist die 

adäquate  Kausalität  zwischen  dem  haftungsbegründenden  Umstand  und  dem 

Schaden  ohne  Weiteres  zu  bejahen.  Der  Beschuldigte  hat  widerrechtlich  und 

schuldhaft gehandelt. Für allfällige Therapiekosten, die im Zusammenhang mit der 

Behandlung der durch die Straftaten hervorgerufenen psychischen Problemen des 

- 79 -

Privatklägers  entstehen,  hat  Letzterer  einen  grundsätzlichen  Entschädigungsan-

spruch gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR. Die grundsätzliche Schadenersatzpflicht ist 

festzustellen  und  der  Privatkläger  zur  genauen  Feststellung  des  Umfangs  des 

Schadenersatzanspruchs auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 

Abs. 3 StPO).

5. Genugtuungsforderung des Privatklägers

5.1. Der Privatkläger führte vor Vorinstanz aus, er habe K._____ einzig nach den 

Launen und den Bedürfnissen der Kindsmutter betreut. Die Konflikte zwischen den 

Eltern  hätten  eine  regelmässige  Betreuung  von  K._____  durch  ihn  verhindert. 

Gleichwohl sei K._____ ein grosser Bestandteil seine Lebens gewesen. Er habe 

immer  wieder  versucht,  bei  der  Privatklägerin  Betreuungszeiten  mit  K._____  zu 

erhalten.  Ihm  fehlten  aber  "die  Mittel  und  die  Kraft,  Besuchszeiten  via  die  KESB 

durchzusetzen".  Der  Grad  des  Verschuldens  des  Beschuldigten  wirke  sich  stark 

erhöhend  aus.  Er  (der  Privatkläger)  habe  sich  immer  wieder  vorgestellt,  wie 

K._____  heranwachsen  und  wie  er  einen  wichtigen  Bestandteil  im  Leben  von 

K._____ werde. Er habe ständig versucht, mehr Kontakt zu seinem Sohn zu erhal-

ten, was oft an der Kindsmutter gescheitert sei. Nach dem Tod von K._____ habe 

er  sein  Berufspraktikum  und  sämtliche  Sozialkontakte  abgebrochen  und  sich  ca. 

ein halbes Jahr in seiner Wohnung verschanzt (Urk. 63 S. 2 ff.).

5.2. Betreffend  die  Voraussetzungen  für  die  Zusprechung  einer  Genugtuungs-

summe bei der Tötung eines Menschen kann auf die obenstehenden Erwägungen 

verwiesen werden (E. VII.3.2. f.).

5.3. Es ist unbestritten, dass der Privatkläger K._____s Vater ist. Damit steht ihm 

grundsätzlich die Basisgenugtuung zu, unabhängig von den konkreten Umständen. 

Ein zusätzlicher Gefühls- oder Lebensqualitätsschaden ist demgegenüber substan-

tiiert darzulegen und zu beweisen (LANDOLT, a.a.O., N. 932). Die Basisgenugtuung 

ist nach Massgabe der konkreten Umstände des Einzelfalles nach oben oder unten 

anzupassen. Ist die im konkreten Fall zu beurteilende immaterielle Unbill geringer 

als  diejenige  eines  durchschnittlich  empfindenden  Angehörigen,  ist  die  Basisge-

nugtuung angemessen zu reduzieren. Dies rechtfertigt sich etwa bei einem getrüb-

- 80 -

ten  persönlichen  Verhältnis  oder  einer  fehlenden  Hausgemeinschaft  (LANDOLT, 

a.a.O.,  N. 946  und  949).  Bei  getrenntem  Wohnsitz  besteht  eine  widerlegbare 

tatsächliche  Vermutung,  dass  keine  genugtuungsbegründende  nahe  Beziehung 

vorliegt.  Eine  besonders  intensive  Beziehung  widerlegt  diese  Vermutung,  etwa, 

wenn  unmündige  Kinder  bei  dem  anderen  Elternteil  wohnhaft  sind  (LANDOLT, 

a.a.O., N. 971).

5.4. Die Privatklägerin hielt fest, der Privatkläger habe K._____ seit Januar 2021 

nicht  mehr  gesehen,  da  er  seine  Besuche  nicht  wahrgenommen  habe  (Urk. 3/1 

F/A 37). Der Privatkläger habe zwar die Vaterschaft anerkannt und sie hätten ein 

gemeinsames Sorgerecht. Er sei aber nie da (Urk. 3/3 F/A 6). 

5.5. Soweit  für  die  Beurteilung  des  Zivilanspruchs  nicht  bereits  auf  die  im 

Strafverfahren gewonnenen Erkenntnisse abgestellt werden kann, hat die Privat-

klägerschaft die hierfür notwendigen Sachverhaltselemente, wie beispielsweise die 

Schwere  einer  immateriellen  Unbill,  zu  substantiieren  und  dazu  Beweismittel  zu 

nennen, ansonsten keine hinreichende Begründung und Bezifferung vorliegt. Be-

züglich Beweislast und Beweiswürdigung ist das Strafgericht im Adhäsionsprozess 

an seine Feststellungen zum Schuldpunkt gebunden (VIKTOR LIEBER, in: Kommen-

tar  zur  Schweizerischen  Strafprozessordnung  (StPO),  3.  Aufl.  2020,  N  4b  ff.  zu 

Art. 122 StPO).

5.6. Auch für den Privatkläger als Vater von K._____ rechtfertigt sich eine Basis-

genugtuung  von  Fr. 35'000.–.  Die  Basisgenugtuung  erhöhend  fällt  auch  hier  in 

Betracht, dass K._____ vorsätzlich getötet und die Wochen zuvor teilweise schwer 

misshandelt  wurde.  Die  Misshandlungen  erfolgten  teilweise  direktvorsätzlich. 

Relativierend fällt aus, dass der Privatkläger K._____ laut der Kindsmutter seit rund 

einem  halben  Jahr  nicht  mehr  gesehen  hatte.  Der  Privatkläger  behauptet  nichts 

Gegenteiliges oder gar das Bestehen einer intensiven Beziehung zu K._____. Aber 

auch wenn er für die von ihm behaupteten Umstände, wonach er nach dem Tod 

von  K._____  sein  Berufspraktikum  und  sämtliche  Sozialkontakte  abgebrochen 

habe, den Beweis schuldig bleibt: K._____ war erst 20 Monate alt und der Privat-

kläger  stand  am  Anfang  einer  Vaterbeziehung.  War  sie  im  Zeitpunkt  des  Ver-

sterbens von K._____ loser Natur, so muss dies unter Würdigung der konkreten 

- 81 -

Umstände  gleichwohl  als  Momentaufnahme  bezeichnet  werden.  Setzt  die 

Vorinstanz  unter  Würdigung  der  Gesamtumstände  eine  Genugtuung  von 

Fr. 55'000.– nebst 5 % Zins seit dem 12. Juni 2021 fest, ist dies zu bestätigen.

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten- und Entschädigungsfolgen im erstinstanzlichen Verfahren

1.1. Wie bereits ausgeführt, ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung in Rechts-

kraft  erwachsen.  Die  erstinstanzliche  Kostenauflage  (Dispositivziffer  11)  ist 

ausgangsgemäss zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

2.

Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren

2.1. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 5'000.– zu veranschlagen (Art. 424 Abs. 1 

StPO  in  Verbindung  mit  § 16  Abs. 1  und  § 14  der  Gebührenverordnung  des 

Obergerichts).  Weitere  Kosten  betragen  Fr. 50.–  für  die  EDV-Datensicherung 

der Kantonspolizei Zürich.

2.2. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens  (Art. 428  Abs. 1  StPO).  Ob  eine  Partei  im 

Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in 

welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten 

Anträge gutgeheissen wurden (THOMAS DOMEISEN, in: Basler Kommentar, Schwei-

zerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 6 zu Art. 428 StPO).

2.3. Der  Beschuldigte  strebte  mit  seiner  Berufung  –  abgesehen  von  den 

Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz – einen Freispruch an. Er 

unterliegt  mit  Ausnahme  vom  Vorwurf  der  Tätlichkeiten  und  damit  ganz  mehr-

heitlich. Die Staatsanwaltschaft unterliegt, soweit sie ihre Berufung zurückgezo-

gen hat (das heisst, betreffend die Mordqualifikation, die zusätzlich beantragte 

Verurteilung  wegen  Gefährdung  des  Lebens  und  die  Übertretung  des  Betäu-

bungsmittelgesetzes).  Sie  unterliegt  zudem  hinsichtlich  des  Freispruchs  vom 

Vorwurf  der  einfachen  Körperverletzung  und  der  Höhe  der  Busse.  Ausgangs-

gemäss rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme 

- 82 -

der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretungen der 

Privatkläger,  dem  Beschuldigten  zu  sieben  Achteln  aufzuerlegen  und  zu  einem 

Achtel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretungen der Privatkläger für 

das Berufungsverfahren sind zu sieben Achteln einstweilen und zu einem Achtel 

definitiv  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Es  ist  die  Rückzahlungspflicht  des 

Beschuldigten gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO im Umfang 

von sieben Achteln dieser Kosten vorzubehalten.

2.4. Die amtliche Verteidigung macht im Berufungsverfahren einen Aufwand von 

Fr. 11'416.90  (inkl.  MwSt.)  geltend,  was  ausgewiesen  ist  und  angemessen 

erscheint  (Urk. 130).  Unter  Berücksichtigung  der 

tatsächlichen  Dauer  der 

Berufungsverhandlung rechtfertigt es sich daher, Rechtsanwalt lic. iur. X._____ für 

seine  Aufwendungen  im  Berufungsverfahren  pauschal  und  gesamthaft  mit 

Fr. 12'000.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.

Der  unentgeltliche  Rechtsbeistand  der  Privatklägerin,  Rechtsanwalt  lic.  iur. 

Y._____,  macht 

im  Berufungsverfahren  einen  Aufwand  von  Fr. 3'692.37 

(inkl. MwSt.)  geltend  (Urk. 131).  Unter  Berücksichtigung  der  tatsächlichen  Dauer 

der Berufungsverhandlung rechtfertigt es sich daher, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

für  seine  Aufwendungen  im  Berufungsverfahren  pauschal  und  gesamthaft  mit 

Fr. 4'500.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.

Der unentgeltliche Rechtsbeistand des Privatklägers, Rechtsanwalt lic. iur. Z._____ 

für  seine  Aufwendungen  im  Berufungsverfahren  pauschal  und  gesamthaft  mit 

Fr. 500.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.

2.5.

Für  die  vom  Beschuldigten  beantragte  Genugtuung  bleibt  aufgrund  der  in 

der Hauptsache erfolgten Schuldsprüche kein Raum (Art. 429 Abs. 1 StPO e con-

trario).

- 83 -

Es wird beschlossen:

1.

Vom teilweisen Rückzug der Berufung der Staatsanwaltschaft I des Kantons 

Zürich vom 19. Februar 2025 betreffend die Dispositivziffer 1, 1. und 6. Spie-

gelstrich, wird Vormerk genommen.

2.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

22. September 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

(…),

(…),

(…),

der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im 

Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG,

(…) sowie

der Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.













2.-5.  (…)

6.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 1. Juni 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asser-

vaten-Triage, lagernden Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien 

werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur 

Vernichtung überlassen:





1 Minigrip, enthaltend ca. 7.7 Gramm Marihuana (A015 '335'087),

Feinwaage klein (A015'335'134).

7.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 1. Juni 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asser-

- 84 -

vaten-Triage, lagernden Gegenstände werden den jeweiligen Berechtigten 

herausgegeben:

 Mobiltelefon Samsung Galaxy S10 der Privatklägerin 1 (A015'334'493)

 Mobiltelefon Samsung dem Beschuldigten (A015'334'926)



Notebook Microsoft dem Beschuldigten (A015'334'960)

Den Berechtigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft 

dieses Entscheids angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst 

(oder durch eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage dieses Entscheids 

und eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der 

genannten Lagerbehörde abzuholen.

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, ist 

die Lagerbehörde berechtigt, die Gegenstände gutscheinend zu verwenden 

bzw. zu vernichten.

8.-9. (…)

10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

12'500.00   Gebühr für das Vorverfahren; 

17'374.03   Auslagen (Gutachten); 

Kosten Kantonspolizei

14'458.25   Obduktion;

3'600.00   Telefonkontrolle;

502.60   Auslagen;

1'010.00   Auslagen Polizei;

49'028.90

  Entschädigung amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt  
  lic. iur. X._____ (inkl. Barauslagen und MwSt.)

Fr.

8'579.90

Fr.

15'847.00

  Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand der Pri-
  vatklägerin 1, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ (inkl.
  Barauslagen und MwSt.)

  Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand des Pri-
  vatklägers 2, Rechtsanwalt lic. iur. Z._____ (inkl.
  Barauslagen und MwSt.)

Fr.

128'900.68   Total

- 85 -

Über die Kosten, die im Verfahren gegen B._____ angefallen sind (Auslagen 

Obergericht, III. Strafkammer, Geschäfts-Nr. UB210138-O: Beschluss vom 

14. September 2021 und Auslagen Zwangsmassnahmengericht des Bezirks-

gerichts Zürich, Geschäfts-Nr. GT210102-L: Verfügung vom 6. September 

2021) ist im Verfahren gegen B._____ zu entscheiden.

11.-12. (…)

13.

(Mitteilungen)

14.

(Rechtsmittel)"

3. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

4. Gegen Ziffer 1 dieses Entscheids kann bundesrechtliche Beschwerde in 

Strafsachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

- 86 -

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist zudem schuldig







der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB,

der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von 

aArt. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

aZiff. 1 in Verbindung mit aZiff. 2 Abs. 3 StGB.

2.

Der Beschuldigte A._____ wird freigesprochen von den Vorwürfen





der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 aZiff. 1 in Ver-

bindung mit aZiff. 2 Abs. 3 StGB (Anklagesachverhalt I lit. d),

der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 in Verbindung mit 

Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB (Anklagesachverhalt I lit. g).

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren 

(wovon 223 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 

20 Tagessätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 600.–) und einer Busse von 

Fr. 300.–.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei 

Jahre festgesetzt.

4.

5.

6.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen.

7.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a für 13 Jahre des Landes ver-

wiesen.

8.

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

B._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

- 87 -

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Schadenersatzanspruches 

wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

9.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 75'000.– 

zuzüglich 5 % Zins seit 12. Juni 2021 als Genugtuung zu bezahlen.

10. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 

C._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Schadenersatzanspruches 

wird der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._____ Fr. 55'000.– 

zuzüglich 5 % Zins seit 12. Juni 2021 als Genugtuung zu bezahlen. 

12. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 11) wird bestätigt.

13. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

5'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

12'000.–   amtliche Verteidigung

4'500.–   unentgeltliche Vertretung Privatklägerin B._____

500.–   unentgeltliche Vertretung Privatkläger C._____

50.–   Kantonspolizei Zürich; EDV-Datensicherung

14. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretungen der Privat-

kläger, werden zu sieben Achteln dem Beschuldigten auferlegt und zu einem 

Achtel auf die Gerichtskasse genommen. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretungen 

der Privatkläger werden zu einem Achtel definitiv und zu sieben Achteln 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des 

Beschuldigten bleibt im Umfang von sieben Achteln gemäss Art. 135 

aAbs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten.

15. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

- 88 -











die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (übergeben)

die Vertretung der Privatklägerin B._____, im Doppel für sich und zu-
handen der Privatklägerin (übergeben)

die Vertretung des Privatklägers C._____, im Doppel für sich und zu-
handen des Privatklägers (versandt)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an













die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich

die Vertretung der Privatklägerin B._____, im Doppel für sich und zu-
handen der Privatklägerin

die Vertretung des Privatklägers C._____, im Doppel für sich und zu-
handen des Privatklägers

die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Winterthur-Andelfingen, 
Bahnhofplatz 17, 8403 Winterthur

die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Horgen, Dammstrasse 
12, 8810 Horgen

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an













die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A

die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Winterthur-Andelfingen, 
Bahnhofplatz 17, 8403 Winterthur

die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Horgen, Dammstrasse 
12, 8810 Horgen

16. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

- 89 -

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 20. März 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. Ch. Prinz

MLaw A. Donatsch

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vorerst nicht 

bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe de-

finitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 

bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.