# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6f125240-96bb-50c6-9fb9-28ef6b58bbca
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-10-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.10.2008 A-1578/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1578-2006_2008-10-02.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1578/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  O k t o b e r  2 0 0 8

Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, 
Richterin Marianne Ryter Sauvant, 
Gerichtsschreiberin Nadine Mayhall.

X._______, ...,
vertreten durch ..., 
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (1. Quartal 2001 bis 4. Quartal 2002).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1578/2006

Sachverhalt:

A.
X._______ betreibt in ... ein Coiffeurgeschäft für Damen und Herren. 
Am 20. Juni 2003 führte ein Inspektor der Eidgenössischen Mehrwert-
steuerverwaltung  (ESTV)  eine  Kontrolle  im  Betrieb  von  X._______ 
durch. Dabei kam er zum Ergebnis, dass X._______ in den Geschäfts-
jahren 1998 bis 2002 eine  "ungenügende Bruttogewinnmarge" erzielt 
habe. Dies veranlasste den Inspektor der ESTV dazu, die steuerbaren 
Umsätze nach pflichtgemässem Ermessen durch Schätzung festzule-
gen. Nach Darstellung der ESTV ging er dazu vom verbuchten Mate-
rialaufwand aus, den er um das Hilfsmaterial und die Mehrwertsteuer 
bereinigte und auf 15 % des Umsatzes exkl. Mehrwertsteuer ansetzte. 
Vom hochgerechneten Umsatz exkl. Mehrwertsteuer berechnete er die 
Mehrwertsteuer zum Normalsatz,  addierte sie zum hochgerechneten 
Umsatz  und  legte  so  den  kalkulierten  Umsatz  inkl.  Mehrwertsteuer 
fest. Zur Berechnung der kalkulierten Steuerzahllast brachte er von der 
– auf Grundlage des kalkulierten Umsatzes berechneten – Mehrwert-
steuer die Vorsteuer auf dem Materialaufwand zuzüglich der Pauscha-
le in Höhe von 0.7 % bzw. von 0.6 % des Umsatzes für den übrigen 
Aufwand in Abzug. Die so kalkulierten Umsätze und Steuerzahllasten 
lagen in den Jahren 1997, 1999 und 2000 unter Fr. 75'000.-- bzw. un-
ter Fr. 4'000.--,  während in den Jahren 1998, 2001 und 2002 sowohl 
die Umsatzlimite wie  auch die Steuerzahllastlimite überschritten wa-
ren. 
Gestützt auf dieses Ergebnis ging die ESTV davon aus, dass die Vor-
aussetzungen für eine Eintragung ins Mehrwertsteuerregister seit dem 
1. Januar 1998 erfüllt  waren und nahm auf diesen Zeitpunkt hin eine 
rückwirkende Eintragung vor. Mit  Ergänzungsabrechnung  (EA)  Nr. ... 
machte die ESTV am 1. Juli 2003 für die Abrechnungsperiode 1. Se-
mester  1998  bis  2. Semester  2000  eine  Steuerforderung  von 
Fr. 13'525.-- zuzüglich Verzugszins ab 31. Dezember 1999 geltend. Für 
die Abrechnungsperiode 1. Semester  2001 bis  2. Semester  2002 er-
hob die  ESTV gleichentags mit  EA Nr. ...  einen Steuerbetrag in  der 
Höhe von Fr. 11'004.-- zuzüglich Verzugszins ab 31. Mai 2002. Der zu-
ständige Inspektor der ESTV forderte X._______ zudem auf, die Un-
terstellungsunterklärung unter die Saldosteuersätze sowie das Formu-
lar für die Abrechnung nach vereinnahmten Entgelten auszufüllen, zu 
unterzeichnen und einzureichen.

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B.
Nach durchgeführter Korrespondenz teilte der inzwischen mandatierte 
Rechtsvertreter von X._______ der ESTV am 29. August 2003 mit, er 
sei  aufgrund der ihm vorliegenden Akten zum Schluss gelangt,  dass 
die im Betrieb von X._______ erzielten Umsätze keine Mehrwertsteu-
erpflicht  nach sich  ziehen würden. Infolgedessen bestehe auch kein 
Grund  zur  Einreichung  einer  Unterstellungserklärung.  Für  den  Fall, 
dass die ESTV an ihrer Ermessenseinschätzung festhalte, sei eine an-
fechtbare  Verfügung  zu  erlassen  und  seiner  Mandantin  vorab  das 
rechtliche Gehör zu gewähren. Im Übrigen könne es nicht Sache sei-
ner Mandantin sein, das Nichterzielen von Umsätzen zu beweisen; der 
Nachweis für den geltend gemachten Steueranspruch bzw. die zugrun-
de gelegten Umsätze sei vielmehr von der Steuerverwaltung zu erbrin-
gen.

C.
Angesichts der fehlenden Unterstellungserklärung unter die Saldosteu-
ersätze stornierte die ESTV am 3. September 2003 die EA Nr. ... mit 
der Gutschriftsanzeige (GS) Nr. ... bzw. die EA Nr. ... mit der GS Nr. ... 
und berechnete die Steuer neu zum Normalsatz. Mit EA Nr. ... erhob 
sie  gleichentags  für  die  Abrechnungsperiode  1. Semester  1998  bis 
2. Semester 2000 eine Steuerforderung in Höhe von Fr. 15'949.-- zu-
züglich Verzugszins ab 31. Dezember 1999 bzw. mit EA Nr. ... für die 
Abrechnungsperiode  1. Semester  2001  bis  2. Semester  2002  eine 
Steuerforderung  in  Höhe  von  Fr. 12'954.--  zuzüglich  Verzugszins  ab 
15. April 2002. Zudem forderte die ESTV X._______ auf, die Vorsteuer 
nachträglich  anhand einer  Liste und den Originalbelegen geltend zu 
machen.
Mit  Verfügung vom 22. September 2003 bestätigte die ESTV sowohl 
die Steuerpflicht ab dem 1. Januar 1998 wie auch die Steuernachfor-
derung  in  Höhe  von  Fr. 15'949.--  zuzüglich  Verzugszins  gemäss 
EA Nr. ... . Ebenso bestätigte die ESTV mit  Verfügung vom 22. Sep-
tember 2003 die Steuernachforderung in Höhe von Fr. 12'954.-- zuzüg-
lich Verzugszins gemäss EA Nr. ... . 

D.
Am 23. Oktober 2003 erhob X._______ Einsprache gegen diese bei-
den Verfügungen der ESTV vom 22. September 2003. Sie beantragte, 
die jeweils angefochtene Verfügung sei – unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen – aufzuheben. Zudem sei X._______ nicht in das Register 
der Steuerpflichtigen einzutragen. Zur Begründung brachte X._______ 

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im Wesentlichen vor, dass die Voraussetzungen für eine Ermessens-
taxation nicht erfüllt seien und die ESTV mit der Übernahme schemati-
scher Werte ohne Berücksichtigung der Besonderheiten des in Frage 
stehenden Betriebs in Willkür verfallen sei.
Auf entsprechende Einladung der ESTV eine Liste der in der Abrech-
nungsperiode  2002  angefallenen  Vorsteuern  samt  den  entsprechen-
den  Belegen  einzureichen,  reichte  X._______  22. Februar  2006  die 
einverlangte Liste und die Originalbelege ein. 

E.
E.a Mit Entscheid vom 14. März 2005 (recte: 14. März 2006; fortan un-
ter  dem  korrekten  Datum)  hiess  die  ESTV  die  Einsprache  von 
X._______ betreffend die Abrechnungsperioden 1. Semester 1998 bis 
2. Semester 2000 gut und stellte fest, dass X._______ in den Jahren 
1998 bis 2000 nicht steuerpflichtig gewesen sei. Zur Begründung gab 
die ESTV an, die ESTV nehme eine rückwirkende Eintragung ins Steu-
erregister nur dann vor, wenn die Umsatz- und die Steuerzahllastlimite 
während  einer  Mehrzahl  der  relevanten  Abrechnungsperioden  über-
schritten worden sei; dies sei für den erwähnten Zeitraum jedoch nicht 
der Fall.

E.b Gleichentags wies die ESTV die Einsprache von X._______ be-
treffend die Abrechnungsperioden 1. Semester 2001 bis 2. Semester 
2002 teilweise ab. Sie hielt fest, dass sowohl die Umsatz- wie auch die 
Steuerzahllastlimite  in  der  Abrechnungsperiode  2001  überschritten 
worden  sei;  entsprechend  sei  somit  eine  Steuerpflicht  ab  1. Januar 
2002 gegeben. Die ESTV setzte sodann die Steuerforderung für  die 
Abrechnungsperiode 2002 auf Fr. 5'845.30 zuzüglich Verzugszins seit 
15. Oktober 2002 fest.

F.
Mit (innert Nachfrist verbesserter) Beschwerde vom 24. April 2006 an 
die  Eidgenössische  Steuerrekurskommission  (SRK)  beantragte 
X._______  (Beschwerdeführerin)  die  kostenpflichtige  Aufhebung  des 
Einspracheentscheids  der  ESTV vom 14. März  2006  betreffend  Ab-
rechnungsperiode 1. Semester 2001 bis 2. Semester 2002, soweit die 
Einsprache  der  Beschwerdeführerin  abgewiesen  und  überhaupt  ein 
Mehrwertsteuerbetrag festgesetzt worden sei. Des Weiteren sei festzu-
stellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Abrechnungsperiode 
1. Semester 2001 bis 2. Semester 2002 nicht mehrwertsteuerpflichtig 

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gewesen  sei  und  sie  somit  auch  keine  Mehrwertsteuer  schulde. 
Zusätzlich ersuchte sie um Zusprechung einer Parteientschädigung.

Mit Vernehmlassung vom 12. Juni 2006 schloss die ESTV auf kosten-
pflichtige Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Bis  zum  31. Dezember  2006  unterlagen  Einspracheentscheide  der 
ESTV der Beschwerde an die SRK (Art. 65 des Bundesgesetzes vom 
2. September 1999 über die Mehrwertsteuer [MWSTG, SR 641.201], 
in der Fassung vom 1. Januar 2001 [AS 2000 1300], aufgehoben per 
31. Dezember  2006).  Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  so-
fern es zuständig ist, die zu diesem Zeitpunkt bei der SRK hängigen 
Rechtsmittel. 

Das  Verfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  richtet  sich  nach  dem 
Bundesgesetz  vom 20. Dezember  1968 über  das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG, SR 172.021), soweit das Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 
über das Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, 
SR 173.32)  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 2  Abs. 4  VwVG;  Art. 37 
VGG);  die  Beurteilung  der  noch  hängigen  Rechtsmittel  erfolgt  nach 
neuem Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VGG). Gemäss Art. 31 VGG be-
urteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügun-
gen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968  über 
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnah-
me nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor. Die Vor-
instanz ist zudem als eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG zu quali-
fizieren. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  für  die  Beurteilung 
der vorliegenden Beschwerde sachlich wie funktionell  zuständig. Auf 
die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist ein-
zutreten.

2.
2.1 Am  1. Januar  2001  sind  das  Bundesgesetz  vom  2.  September 
1999 über die Mehrwertsteuer  (MWSTG, SR 641.20)  sowie die dazu 
gehörige Verordnung vom 29. März 2000 (MWSTGV, SR 641.201) in 
Kraft getreten. Die vorliegende Beschwerde richtet sich nur noch ge-
gen den Einspracheentscheid der ESTV vom 14. März 2006 betreffend 
Abrechnungsperiode  1. Semester  2001  bis  2. Semester  2002.  Der 
massgebliche Sachverhalt hat sich somit im zeitlichen Geltungsbereich 

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dieser Gesetzgebung ereignet und ist demnach auch nach dieser zu 
beurteilen.

2.2 Der  Mehrwertsteuer  unterliegen  insbesondere  die  Umsätze,  die 
durch  steuerpflichtige  Personen  im  Inland  mit  entgeltlich  erbrachten 
Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen getätigt werden 
(Art. 5 lit. a und b MWSTG). 

Steuerpflichtig  ist  in  diesem Zusammenhang grundsätzlich,  wer  eine 
mit der Erzielung von Einnahmen verbundene gewerbliche oder beruf-
liche Tätigkeit selbstständig ausübt, sofern seine Lieferungen und sei-
ne Dienstleistungen im Inland jährlich  gesamthaft  Fr. 75'000.--  über-
steigen (Art. 21 Abs. 1 MWSTG). Eine Ausnahme von der Steuerpflicht 
besteht insofern, als die nach Abzug der Vorsteuer verbleibende Steu-
er (Steuerzahllast) regelmässig nicht mehr als Fr. 4'000.-- beträgt; die-
se  Ausnahme  bleibt  auf  Jahresumsätze  bis  zu  Fr. 250'000.--  be-
schränkt  (Art. 25  Abs. 1  lit. a  MWSTG; vgl.  dazu  ESTV,  Spezialbro-
schüre Nr. 02, Steuerpflicht bei der Mehrwertsteuer, gültig mit Einfüh-
rung  des  MWSTG  per  1. Januar  2001  bis  31. Dezember  2007, 
Ziff. 2.2.3). Bei bestehenden Betrieben, für welche bei Aufnahme der 
Tätigkeit keine Steuerpflicht gegeben war, beginnt die Steuerpflicht am 
1. Januar, wenn im vorangehenden Jahr die oben erwähnten Betrags-
grenzen kumulativ überschritten worden sind (Art. 28 Abs. 1 MWSTG). 
Massgebend  für  die  Steuerpflicht  ist  das  vereinnahmte  Entgelt  des 
Vorjahres; dieses ist wie folgt zu ermitteln: Einnahmen zuzüglich Ent-
gelt  aus  Verrechnung  und  Warenhingabe  an  Zahlungs  statt  (ESTV, 
Spezialbroschüre Nr. 02,  Steuerpflicht  bei  der Mehrwertsteuer,  gültig 
mit  Einführung  des  MWSTG  per  1. Januar  2001  bis  31. Dezember 
2007, Ziff. 3.3).

2.3 Die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer erfolgt nach 
dem Selbstveranlagungsprinzip (Art. 46 f. MWSTG; ERNST BLUMENSTEIN/
PETER LOCHER,  System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zü-
rich 2002, S. 421 ff.; ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER, 
Handbuch zum Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], Bern 2003, 2. Aufl., 
S. 38  Rz. 78).  Dies  bedeutet  vorab,  dass  der  Leistungserbringer  be-
reits  für  die  Feststellung  seiner  Mehrwertsteuerpflicht  selbst  verant-
wortlich  ist  und  sich  gegebenenfalls  unaufgefordert  anzumelden  hat 
(Art. 56 Abs. 1 MWSTG; vgl. Urteile des Bundesgerichts 2A.109/2005 
vom  10. März  2006  E. 2.1,  2A.304/2003  vom  14. November  2003 
E. 3.5;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1544/2006  vom 

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11. September  2008  E. 3.1  mit  zahlreichen  Hinweisen).  Bei  fest-
gestellter Steuerpflicht hat er sodann selbst und unaufgefordert  über 
seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und innerhalb von 60 Ta-
gen nach Ablauf der Abrechnungsperiode den geschuldeten Mehrwert-
steuerbetrag (Steuer vom Umsatz abzüglich Vorsteuern) an die ESTV 
abzuliefern. Die ESTV ermittelt die Höhe des geschuldeten Mehrwert-
steuerbetrages nur dann an Stelle des Steuerpflichtigen, wenn dieser 
seinen  Pflichten  nicht  nachkommt  (Art. 60  MWSTG;  vgl.  CAMENZIND/ 
HONAUER/VALLENDER, a.a.O., S. 569, Rz. 1680). Ein Verstoss des Steuer-
pflichtigen gegen diesen Grundsatz ist als schwerwiegend anzusehen, 
da der Steuerpflichtige durch das Missachten dieser Vorschrift die ord-
nungsgemässe  Erhebung  der  ihn  betreffenden  Mehrwertsteuer  ge-
fährdet  ([anstelle  vieler]  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1572/2006 vom 21. August 2008 E. 2.5.1; Entscheid der SRK vom 
19. Mai 2004, veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden 
[VPB] 68.131 E. 2b mit weiteren Hinweisen).

2.4
2.4.1 Zu den Obliegenheiten des Steuerpflichtigen gehört insbesonde-
re die Buchführungspflicht  (vgl. dazu die Urteile  des Bundesgerichts 
2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.1, 2A.109/2005 vom 10. März 
2006 E. 2.1 f.). Gemäss Art. 58 Abs. 1 MWSTG hat der Mehrwertsteu-
erpflichtige seine Geschäftsbücher ordnungsgemäss zu führen und so 
einzurichten,  dass sich aus ihnen die für  die Feststellung der Mehr-
wertsteuerpflicht sowie für die Berechnung der Steuer und der abzieh-
baren Vorsteuern massgebenden Tatsachen leicht und zuverlässig er-
mitteln lassen. 

Die mehrwertsteuerliche Buchführungspflicht knüpft nach dem klaren 
Wortlaut von Art. 58 Abs. 1 MWSTG und sachgerechterweise an eine 
bestehende  Mehrwertsteuerpflicht  an  ("Die  steuerpflichtige 
Person...."). Insofern missverständlich, da logisch nicht denkbar, ist da-
mit  die  Aussage,  das  Mehrwertsteuerrecht  gebiete  die  Führung  von 
Geschäftsbüchern in oberwähntem Sinn schon betreffend Feststellung 
der Steuerpflicht, besteht doch vor Entstehung der Steuerpflicht eben 
gerade noch keine steuerpflichtige Person, welche unter den Anwen-
dungsbereich von Art. 58 Abs. 1 MWSTG fallen könnte. Da indessen 
die  Selbstveranlagung  auch  die  Anmeldepflicht  umfasst  (Art. 56 
MWSTG),  sind  auch  Unternehmerinnen  und  Unternehmer,  die  noch 
nicht  mehrwertsteuerpflichtig  sind,  gehalten,  durch  geeignete  Mass-
nahmen  periodisch  zu  überprüfen,  ob  sie  der  Mehrwertsteuerpflicht 

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unterliegen (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1544/2006 vom 
11. September 2008 E. 3.2 mit Hinweisen).

2.4.2 Über  die  Buchführungspflicht  kann  die  ESTV  nähere  Bestim-
mungen aufstellen. Von dieser Befugnis hat sie im Rahmen des Erlas-
ses der Wegleitung für Mehrwertsteuerpflichtige (in erster Auflage er-
schienen im Herbst 1994; im Frühling 1997 für Mehrwertsteuerpflichti-
ge  neu herausgegeben,  neu herausgegeben per  1. Januar  2001 als 
Wegleitung 2001 zur Mehrwertsteuer [Wegleitung 2001] und per 1. Ja-
nuar  2008  als  Wegleitung  2008  zur  Mehrwertsteuer)  Gebrauch  ge-
macht. In der – vorliegend einschlägigen – Wegleitung 2001 sind ge-
nauere Angaben enthalten, wie eine derartige Buchhaltung auszuge-
stalten  ist  (Rz. 878 ff.).  Alle  Geschäftsvorfälle  müssen  fortlaufend, 
chronologisch und lückenlos aufgezeichnet werden (Rz. 884) und alle 
Eintragungen  haben  sich  auf  entsprechende  Belege  zu  stützen,  so 
dass die einzelnen Geschäftsvorfälle von der Eintragung in die Hilfs- 
und Grundbücher  bis  zur  Steuerabrechnung  und bis  zum Jahresab-
schluss  sowie  umgekehrt  leicht  und  genau  verfolgt  werden  können 
(«Prüfspur»; vgl. Rz. 893 f.).

3.
3.1 Liegen  keine  oder  nur  unvollständige  Aufzeichnungen  vor  oder 
stimmen die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachver-
halt  offensichtlich  nicht  überein,  so  nimmt  die  ESTV  nach  Art. 60 
MWSTG  eine  Schätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen  vor.  Mit 
Art. 60  MWSTG  hat  der  Gesetzgeber  die  vorgängige  Regelung  von 
Art. 48  der  Verordnung  vom 22. Juni  1994  über  die  Mehrwertsteuer 
(MWSTV, AS 1994 1464) übernommen, die ihrerseits bereits auf der 
zur Warenumsatzsteuer (WUST) ergangenen Rechtsprechung basiert 
(PASCAL MOLLARD, TVA et taxation par estimation, veröffentlicht in Archiv 
für  Schweizerisches  Abgaberecht  [ASA]  69  S. 512).  Die  zu  Art. 48 
MWSTV sowie zur Ermessenstaxation unter der Herrschaft der WUST 
etablierte Rechtsprechung bleibt somit auch für die Auslegung und An-
wendung von Art. 60 MWSTG anwendbar (Urteil  des Bundesgerichts 
2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.2). Diese Bestimmung ist auch 
heranzuziehen, falls mangels Aufzeichnungen – worunter nicht nur Ge-
schäftsbücher im Sinne von Art. 58 Abs. 1 MWSTG zu verstehen sind 
(vgl. dazu  MOLLARD, a.a.O., S. 518) –  die tatbeständlichen Grundlagen 
zur Beantwortung der Frage, ob überhaupt eine Steuerpflicht vorliegt, 
nicht einwandfrei ermittelt werden können (zur Ermessensveranlagung 
als  Sachverhaltsermittlung  durch  Schätzung  vgl.  grundlegend 

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BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 404 und zur Rechtslage bei den direkten 
Steuern  THOMAS STADELMANN,  Beweislast  oder  Einschätzung  nach 
pflichtgemässem Ermessen, veröffentlicht in SteuerRevue [StR] 2001, 
S. 258 ff., S. 260).

3.2 Art. 60 MWSTG unterscheidet nach dem Gesagten zwei voneinan-
der unabhängige Konstellationen, welche zu einer Ermessenstaxation 
führen. Die erste ist diejenige der ungenügenden Aufzeichnung. In die-
sem  Fall  hat  eine  Schätzung  insbesondere  auch  dann  zu  erfolgen, 
wenn – bei feststehender Steuerpflicht – die Verstösse gegen die for-
mellen Buchhaltungsvorschriften als derart gravierend zu qualifizieren 
sind, dass sie die materielle Richtigkeit der Buchhaltungsergebnisse in 
Frage stellen ([anstelle vieler] BGE 105 Ib 181 E. 4a; Urteil des Bun-
desgerichts 2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.1; Urteile des Bundes-
verwaltungsgerichts A-1527/2006 und A-1528/2006 vom 6. März 2008 
E. 2.3). Zweitens  kann selbst  eine  formell  einwandfreie  Buchführung 
die Durchführung einer Schätzung erfordern, wenn die ausgewiesenen 
Ergebnisse mit  dem wirklichen Sachverhalt  offensichtlich  nicht  über-
einstimmen. Dies ist  nach der Rechtsprechung der  Fall,  wenn die in 
den Büchern enthaltenen Geschäftsergebnisse von den von der Steu-
erverwaltung erhobenen  branchenspezifischen Erfahrungszahlen  we-
sentlich abweichen, vorausgesetzt der Steuerpflichtige ist nicht in der 
Lage, allfällige besondere Umstände, auf Grund welcher diese Abwei-
chung erklärt  werden kann,  nachzuweisen oder  zumindest  glaubhaft 
zu machen ([anstelle vieler] Urteil des Bundesgerichts vom 28. August 
1985, veröffentlicht in ASA 58 S. 380 E. 2b; Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1527/2006 und A-1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.3, 
A-1454/2006 vom 26. September 2007 E. 2.5; Entscheid der SRK vom 
3. Dezember 2003, veröffentlicht in VPB 68.73 E. 2b). 

3.3
3.3.1 Während  für  die  Beurteilung,  ob  die  erste  Konstellation  von 
Art. 60 MWSTG vorliegt, insbesondere durch Ausführungsvorschriften 
klare und auch für die Frage der Feststellung der Steuerpflicht durch-
aus  brauchbare  Kriterien  etabliert  worden  sind  (vgl.  dazu  oben, 
E. 2.4),  hängt die zweite Konstellation davon ab, ob die ausgewiese-
nen Ergebnisse mit  dem wirklichen Sachverhalt  "offensichtlich" nicht 
übereinstimmen. Die tatbeständliche Voraussetzung der Ermessensta-
xation wird damit  in  besonders offener  Weise umschrieben,  so dass 
der Schluss, der Tatbestand sei erfüllt, nach einer wertenden Konkreti-
sierung verlangt. Dieses normative Konzept wird in der Lehre als un-

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bestimmter  Gesetzesbegriff  bezeichnet  (PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIM-
MERLI, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, § 26 Rz. 25; 
ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines  Verwaltungs-
recht, 5. Aufl.,  Zürich/Basel/Genf 2006 Rz. 445). Dasselbe gilt  für die 
oben erwähnte Konkretisierung dieser Konstellation durch die Recht-
sprechung  (dargelegt  in  E. 3.2):  Die  tatbestandsmässige  Voraus-
setzung  der  "wesentlichen"  Abweichung  von  den  branchenspezifi-
schen Erfahrungszahlen ist  ebenfalls als  unbestimmter Rechtsbegriff 
zu  qualifizieren. Zusammenfassend kann  somit  festgehalten  werden, 
dass Art. 60 MWSTG die Voraussetzungen der Ermessenstaxation zu-
mindest  für  die zweite Konstellation in unbestimmt gehaltener Weise 
umschreibt.

3.3.2 So genannte offene Normen, welche durch Offenheit oder Unbe-
stimmtheit charakterisiert sind und mit Generalklauseln, unbestimmten 
Rechtsbegriffen und Ermessensbefugnissen arbeiten, deren "Freiräu-
me" die Verwaltung aufzufüllen hat, sind in der Regel auf die Komplexi-
tät und Veränderlichkeit der zu regelnden Sachverhalte sowie auf die 
entsprechend  gewandelten  Anforderungen  an  die  öffentliche  Verwal-
tung, von welcher flexibles und zeitgerechtes Reagieren auf sich wan-
delnde Sachverhalte und Erkenntnisse verlangt  wird,  zurückzuführen 
(BGE 127 V 431 E. 2b/bb; für die Lehre vgl. TSCHANNEN/ZIMMERLI, a.a.O., 
§ 19 Rz. 27;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 428). Die für flexibles 
Verwaltungshandeln  notwendige  Verminderung  der  Normdichte  steht 
ihrerseits im Spannungsfeld zum Bestimmtheitserfordernis des Legali-
tätsprinzips von Art. 5 Abs. 1 BV, das die Gewährleistung der Rechts-
sicherheit  und  der  Rechtsgleichheit  bezweckt  (BGE  127  V  431 
E. 2b/cc;  TSCHANNEN/ZIMMERLI,  a.a.O.,  § 19  Rz. 26;  HÄFELIN/MÜL-
LER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz. 427). Zwar  darf  das Gebot der Bestimmtheit 
rechtlicher Normen gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 
nicht in absoluter Weise verstanden werden; verlangt ist lediglich eine 
den  jeweiligen  Verhältnissen  angemessene  optimale  Bestimmtheit 
bzw. eine unter Berücksichtigung aller massgebenden Gesichtspunkte, 
namentlich auch der Voraussehbarkeit der Verhältnisse, optimale De-
terminierung  (BGE  127  V  431  E. 2b/aa,  unter  Verweis  auf  MARTIN 
WIRTHLIN, Das  Legalitätsprinzip  im  Bereich  des  Planungs-  und  Bau-
rechts, veröffentlicht in Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 2001 S. 516; 
BGE 117 Ia 472 E. 3e). Der Verminderung der Voraussehbarkeit  der 
Verhältnisse und damit der Rechtssicherheit,  die mit  der Anwendung 
von offenen Normen einhergeht,  ist gemäss herrschender Lehre und 
bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  jedoch  mit  materiellrechtlichen 

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und verfahrensrechtlichen Sicherungen sowie  mit  besonderen Anfor-
derungen an die Begründungspflicht zu begegnen (TSCHANNEN/ZIMMERLI, 
a.a.O., § 26 Rz. 2 in fine; BGE 127 V 431 E. 2b/cc unter Verweis auf 
THOMAS COTTIER,  Die Verfassung und das Erfordernis der gesetzlichen 
Grundlage,  Diss.  Bern  1983,  2.  erg.  Aufl.,  Chur  1991,  S. 206);  die 
Unbestimmtheit  der anzuwendenden Norm ist  durch verfahrensrecht-
liche  Garantien  gewissermassen  zu  kompensieren  (BGE 127  V  431 
E. 2b/cc,  unter  Verweis  auf  BGE  109  Ia  284  E. 4d;  COTTIER,  a.a.O., 
S. 213; MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf recht-
liches  Gehör  im  Verwaltungsverfahren  des  modernen  Staates,  Diss. 
Bern  1999,  S. 74 f.;  PIERRE MOOR,  Principes  de  l'activité  étatique  et 
responsabilité de l'Etat, in: Thürer/Aubert/Müller, Verfassungsrecht der 
Schweiz, Zürich 2001, S. 265 ff., S. 271; WIRTHLIN, a.a.O., S. 516).

3.3.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind somit umso 
strengere Anforderungen an die Begründung zu stellen, je grösser die 
den Behörden durch unbestimmte Gesetzesbegriffe und Ermessens-
spielräume  eingeräumten  Freiräume  und  je  vielfältiger  die  tatsächli-
chen  Voraussetzungen  sind,  die  bei  deren  Ausfüllen  berücksichtigt 
werden müssen (grundlegend: BGE 112 Ia 107 E. 2b; vgl. auch BGE 
129 I 232 E. 3.3 in fine, unter Verweis auf BGE 112 Ia 107 E. 2b; BGE 
104 Ia 201 E. 5g; MARK VILLIGER, Die Pflicht zur Begründung von Verfü-
gungen,  veröffentlicht  in  Schweizerisches  Zentralblatt  [ZBl]  90/1989 
S. 137 ff., insbesondere S. 154; LORENZ KNEUBÜHLER, Die Begründungs-
pflicht: Eine Untersuchung über die Pflicht der Behörden zur Begrün-
dung ihrer Entscheide, Diss. Bern 1998, S. 33 und 186 f.; BGE 128 I 
327 E. 4.1 und BGE 127 V 431 E. 2b/cc: Kompensierung der Unbe-
stimmtheit der Rechtsgrundlage durch eine Stärkung der Verfahrens-
rechte). Ebenso ist die Begründungsdichte abhängig von der Eingriffs-
intensität  des  Entscheides:  Je  stärker  ein  Entscheid  in  individuelle 
Rechte eingreift,  desto höher sind die Anforderungen an die Begrün-
dung zu stellen (grundlegend: BGE 112 Ia 107 E. 2b). 

Gerade in solchen Fällen kann die Begründungspflicht im Sinne einer 
Selbstkontrolle  zur  Rationalisierung  der  Entscheidfindung  beitragen 
und verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Erwägungen 
leiten lässt (BGE 129 I 232 E. 3.3 in fine unter Verweis auf BGE 112 Ia 
107  E. 2b;  näher  zur  Selbstkontrollfunktion  der  Begründung  KNEU-
BÜHLER, a.a.O., S. 95 ff.). Schliesslich ist auch zu bedenken, dass eine 
sachgerechte  Anfechtung  und  Überprüfung  von  Entscheiden,  die  in 
Anwendung von offenen Normen ergangen sind, nur möglich ist, wenn 

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die zuständige Instanz die Gründe für  ihren Entscheid darlegt  (BGE 
133 I 270 E. 3.1, 129 I 232 E. 3.3).

4.
4.1 Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt,  sei 
es betreffend die Feststellung der Steuerpflicht, sei es bezüglich Höhe 
des  zu  versteuernden  Umsatzes  und  damit  betreffend  Höhe  der  zu 
entrichtenden Steuer,  so  ist  die  ESTV nicht  nur  berechtigt,  sondern 
verpflichtet,  eine  solche  nach  pflichtgemässem Ermessen  vorzuneh-
men. Die Fälle, in denen die Steuerpflichtigen ihre Mitwirkungspflich-
ten nicht  wahrnehmen bzw. keine,  unvollständige oder ungenügende 
Aufzeichnungen  über  ihre  Umsätze  (bzw.  hinsichtlich  Feststel-
lung/Überprüfung  der  Steuerpflicht)  führen,  dürfen  keine  Steueraus-
fälle  zur  Folge  haben  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.552/2006  vom 
1. Februar 2007 E. 3.2). 

4.2 Die  Vornahme  der  Schätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen 
bedeutet  insbesondere,  dass  die  ESTV dabei  diejenige Schätzungs-
methode zu wählen hat, die den individuellen Verhältnissen im Betrieb 
des Steuerpflichtigen soweit als möglich Rechnung trägt, auf plausib-
len Angaben beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situation mög-
lichst  nahe  kommt  (Urteile  des  Bundesgerichts  2C_426/2007  vom 
22. November 2007 E. 3.2, 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.3, 
2A.253/2005 vom 3. Februar 2006 E. 4.1; Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts  A-1572/2006  vom  21. August  2008  E. 2.5.3, 
A-1549/2006  vom  16. Mai  2008  E. 4.1;  CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, 
S. 570  Rz. 1682).  In  Betracht  kommen  einerseits  Schätzungsmetho-
den, die auf eine Ergänzung oder Rekonstruktion der ungenügenden 
Buchhaltung hinauslaufen, andererseits Umsatzschätzungen aufgrund 
unbestrittener  Teil-Rechnungsergebnisse  in  Verbindung  mit  Erfah-
rungssätzen (Urteile des Bundesverwaltungsgericht A-1572/2006 vom 
21. August  2008  E. 2.5.3,  A-1549  vom  16. Mai  2008  E. 4.2; 
A-1527/2006 und A-1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.3, A-1454/2006 
vom 26. September  2007 E. 2.6.1  mit  Hinweisen; vgl.  auch  MOLLARD, 
a.a.O., S. 530 ff.). Bei der Anwendung von Erfahrungszahlen ist aller-
dings deren Streubreite zu beachten, wenn eine den individuellen Ver-
hältnissen gerecht werdende Schätzung erfolgen soll (Urteile des Bun-
desgerichts vom 4. Mai 1983, veröffentlicht in ASA 52 S. 234 E. 4, vom 
31. März  1983,  veröffentlicht  in  ASA 50  S. 669  E. 2;  Entscheid  der 
SRK vom 24. Oktober 2005, veröffentlicht in VPB 70.41 E. 2d/aa und 
E. 4e/bb/aaa).  Die  brauchbaren  Teile  der  Buchhaltung  und  allenfalls 

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vorhandene Belege sind soweit als möglich bei der Schätzung mitzu-
berücksichtigen. Sie können durchaus als Basiswerte der Ermessens-
taxation  fungieren  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1572/2006  vom  21. August  2008  E. 2.5.3,  A-1527/2006  und 
A-1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.3,  A-1406/2006 vom 30. Januar 
2008 E. 2.3; HANS GERBER, Die Steuerschätzung [Veranlagung nach Er-
messen], in Steuer Revue [StR] 1980, S. 307).

5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einspra-
cheentscheid  grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Die  Be-
schwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 
lit. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des 
rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49 lit. b VwVG) auch die Rüge 
der Unangemessenheit erheben (Art. 49 lit. c VwVG;  ANDRÉ MOSER,  in 
André Moser/Peter Uebersax, Prozessieren vor eidgenössischen Re-
kurskommissionen, Basel und Frankfurt am Main 1998, Rz. 2.59).

5.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  das  Vorliegen  der  Vor-
aussetzungen  für  die Vornahme  einer  Ermessenstaxation  –  als 
Rechtsfrage – uneingeschränkt  ([anstelle vieler]  Urteile  des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-1572/2006  vom  21. August  2008  E. 2.5.4, 
A-1636/2006 und A-1637/2006 vom 2. Juli  2008 E. 2.5). Als  ausser-
halb der Verwaltungsorganisation und Behördenhierarchie stehendes, 
von  der  richterlichen  Unabhängigkeit  bestimmtes  Verwaltungsgericht 
auferlegt dieses sich trotz des möglichen Rügegrundes der Unange-
messenheit bei der Überprüfung von zulässigerweise erfolgten Ermes-
sensveranlagungen jedoch eine gewisse Zurückhaltung  und reduziert 
dergestalt  seine Prüfungsdichte. Grundsätzlich  setzt  das Bundesver-
waltungsgericht – wie vormals die SRK – nur dann sein eigenes Er-
messen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei der 
Schätzung grössere Ermessensfehler unterlaufen sind ([anstelle vieler] 
Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1572/2006 vom 21. August 
2008  E. 2.5.4,  A-1527/2006  und  A-1528/2006  vom  6. März  2008 
E. 1.4;  Entscheide  der  SRK  vom 24. Oktober  2005,  veröffentlicht  in 
VPB 70.41  E. 2d/cc).  Diese  Praxis  wurde  am  22. November  2007 
höchstrichterlich  bestätigt  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_426/2007 
vom 22. November 2007 E. 4.3). 

5.3 Gemäss der allgemeinen Beweisleistregel trägt die Steuerbehörde 
die  Beweislast  für  steuerbegründende  und  steuererhöhende  Tatsa-

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chen,  während  der  Steuerpflichtige  für  die  steueraufhebenden  und 
steuermindernden  Tatsachen  beweisbelastet  ist  (anstelle  vieler  vgl. 
dazu das Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2005, veröffentlicht in 
ASA  75  S. 495  ff.  E. 5.4;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1572/2006  vom  21. August  2008  E. 2.5.4,  A-1527/2006  und 
A-1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.4, je mit Hinweisen; Entscheid der 
SRK  vom  18. November  2002,  veröffentlicht  in  VPB 67.49  E. 3b/bb; 
BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O.,  S. 454). Für  das  Vorliegen der  Vorausset-
zungen zur Vornahme einer Ermessenseinschätzung ist nach den all-
gemeinen  Regeln  die  ESTV beweisbelastet  (Urteile  des  Bundesver-
waltungsgerichts  A-1527/2006  und  A-1528/2006  vom  6. März  2008 
E. 2.4,  A-1531/2006  vom 10. Januar  2008  E. 2.4,  A-1454/2006  vom 
26. September 2007 E. 2.5; vgl.  MOLLARD, a.a.O., S. 527). Gelangt das 
Gericht somit in freier Beweiswürdigung nicht zur Überzeugung, eine 
der  beiden  tatbestandsmässig  vorausgesetzten  Konstellationen  von 
Art. 60 MWSTG (vgl. dazu oben, E. 3.2) habe sich verwirklicht, so ist 
gemäss  der  objektiven  Beweislastregel  zu  Ungunsten  der  ESTV zu 
entscheiden (vgl. dazu ausführlich die Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts A-1527/2006 und A-1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.4).

Nachdem sich das Bundesverwaltungsgericht bei der Überprüfung der 
Zweckmässigkeit des angefochtenen Entscheids Zurückhaltung aufer-
legt  (vgl.  dazu  oben,  E. 5.2  in  fine),  kann  sich  der  Steuerpflichtige 
gegen  eine  zulässigerweise  (vgl.  zu  den  Voraussetzungen  oben, 
E. 3.1 f.) durchgeführte Ermessenseinschätzung nicht mit allgemeiner 
Kritik zur Wehr setzen. Der Steuerpflichtige hat vielmehr darzulegen, 
dass die von der ESTV vorgenommene Schätzung offensichtlich feh-
lerhaft ist und auch den Beweis für ihre vorgebrachten Behauptungen 
erbringen (anstatt vieler: Urteil des Bundesgerichts 2A.437/2005 vom 
3. Mai 2006 E. 3.3 unter Verweis auf  MOLLARD,  a.a.O., S. 559 und die 
dort zitierte Rechtsprechung).

Waren die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation im Einzelfall 
erfüllt  und hat die ESTV damit zulässigerweise eine Schätzung nach 
Ermessen durchgeführt, so obliegt es somit – in Umkehr der allgemei-
nen Beweislastregeln – dem Steuerpflichtigen, den Beweis für die Un-
richtigkeit der Schätzung zu erbringen (anstatt vieler: Urteil des Bun-
desgerichts 2A.642/2004 vom 14. Juli 2005 E. 5.4; Entscheid der SRK 
vom 18. November 2002, veröffentlicht in VPB 67.49 E. 3b/bb; Urteile 
des  Bundesverwaltungsgericht  A-1572/2006  vom  21. August  2008 
E. 2.5.4, A-1527/2006 und A-1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.4). 

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6.
6.1 In einem ersten Schritt ist somit darüber zu befinden, ob die Vor-
instanz zu Recht das Vorliegen der Voraussetzungen für eine Ermes-
senstaxation bejaht hat. Erst und nur falls dies bejaht werden kann, gilt 
es in einem zweiten Schritt zu überprüfen, ob sich die Ermessensver-
anlagung in ihrer Höhe als korrekt erweist. 

6.2 Gemäss dem Kontrollbericht des Inspektors der ESTV vom 4. Juli 
2003 (Kontrollbericht) hat dieser am 20. Juni 2003 die Buchhaltungen 
und die entsprechenden Geschäftsabschlüsse der Beschwerdeführerin 
für die Periode 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 2002 einer vertieften 
Kontrolle unterzogen; den formellen Zustand der Geschäftsbücher be-
zeichnete er als ordentlich. Diese Feststellung blieb während des gan-
zen Verfahrensablaufs unbestritten. Als Grund für die Ermessensein-
schätzung  wird  dementsprechend  nicht  ein  Verstoss  gegen  formelle 
Buchführungsvorschriften, sondern eine  "ungenügende Bruttogewinn-
marge" in  den Geschäftsjahren 1998 bis  2002 angegeben. Dem be-
sagten Kontrollbericht  lässt  sich weiter  entnehmen, dass der Brutto-
gewinn mit dem Erlös aus Service/Handel abzüglich Materialaufwand 
gleichzusetzen  ist  (Kontrollbericht,  Bemerkungen,  Ziff. 4).  Mit  Ent-
scheid vom 22. September 2003 wurde die Beschwerdeführerin rück-
wirkend auf den 1. Januar 1998 der Mehrwertsteuer unterstellt und zu 
Steuernachzahlungen verpflichtet; als Begründung wird im Schreiben 
der ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, vom 22. September 2003, 
wiederum eine "ungenügende Bruttogewinnmarge" angegeben. 

6.3 Mit Einsprache vom 23. Oktober 2003 brachte die Beschwerdefüh-
rerin dagegen sinngemäss vor, die ESTV habe die Erfüllung der Vor-
aussetzungen von Art. 60 MWSTG nicht dargelegt. Zu diesem Punkt 
hält  die  Vorinstanz  in  ihrem  Entscheid  vom 14. März  2006  lediglich 
fest:

"Die  Geschäftsbücher  des  Einsprechers  wiesen  vor  allem  in  den  Jahren 
1998 und 2002 weit über dem Erfahrungswert liegende Materialanteile aus. 
Die  ESTV  sah  sich  deshalb  veranlasst,  die  steuerbaren  Umsätze  nach 
pflichtgemässem Ermessen kalkulatorisch zu ermitteln." 

Gemäss Art. 60 MWSTG kann selbst  eine einwandfreie Buchhaltung 
die Durchführung einer Schätzung erfordern, wenn die ausgewiesenen 
Ergebnisse mit  dem wirklichen Sachverhalt  offensichtlich  nicht  über-
einstimmen; dies ist nach der Rechtsprechung insbesondere dann der 
Fall,  wenn die in den Büchern enthaltenen Geschäftsergebnisse von 
den von der Steuerverwaltung erhobenen branchenspezifischen Erfah-

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rungszahlen wesentlich abweichen (vgl. dazu oben, E. 3.2). Diese Vor-
aussetzung der Ermessenseinschätzung ist unter Verwendung von un-
bestimmten  Gesetzesbegriffen  formuliert  worden,  was  gemäss  der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Erhöhung der  Anforderun-
gen  an  die  Begründungspflicht  nach  sich  zieht  (siehe  dazu  oben, 
E. 3.3). Ebenso ist vorliegend zu berücksichtigen, dass eine Bejahung 
dieser  Voraussetzung – trotz  Vorliegen einer formell  korrekten Buch-
haltung – zu einer Schätzung der Umsätze des Steuerpflichtigen führt, 
für deren Unrichtigkeit – in Umkehr der allgemeinen Beweislastregeln 
–  der  Steuerpflichtige  beweisbelastet  ist  (vgl.  oben,  E. 5.3  in  fine). 
Auch diese verfahrensrechtliche Schlechterstellung des Steuerpflichti-
gen  rechtfertigt  hohe  Anforderungen  an  die  Begründung  des  Vorlie-
gens der oben genannten Voraussetzungen für eine Ermessenstaxa-
tion (siehe dazu oben, E. 3.3 in fine). 

Die  Ausführungen  der  Vorinstanz  genügen  den  mit  der  Verwendung 
von offenen Normen einhergehenden Anforderungen an die  Begrün-
dungsdichte klar nicht. So wird anlässlich der Behandlung der Voraus-
setzungen  der  Ermessenstaxation  die  Höhe  des  Prozentsatzes  von 
ausgewiesenen  Materialanteilen  gemessen  am  Gesamtumsatz  nicht 
dargelegt. Ebenso fehlt  im Rahmen der Prüfung, ob eine Ermessen-
staxation zulässig sein soll, der Massstab, gemessen an welchem der 
für die Begründung einer Abweichung erfolgende Vergleich stattfinden 
soll. Im Rahmen der Festlegung dieses Massstabes darf sich die Ver-
waltungsbehörde im Übrigen nicht an Durchschnittswerten ausrichten, 
sondern hat dabei die gesamte Streubreite der branchenspezifischen 
Erfahrungszahlen zu beachten: Um namentlich dem Rechtsgleichheits-
gebot Rechnung zu tragen, kann für den besagten Vergleich nur die 
gesamte Bandbreite (zwischen Minimal- und Maximalwert) der Erfah-
rungszahlen massgebend sein (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1454/2006 vom 26. September 2007 E. 3.4.5). Keine Ausführungen 
finden  sich  sodann  zur  Abweichung  der  Geschäftszahlen  der  Be-
schwerdeführerin von diesem der gesamten Streubreite der branchen-
spezifischen Erfahrungszahlen Rechnung tragenden Wert, welchen die 
Verwaltung als Masstab ihrem Vergleich zugrunde gelegt hat.

Von  zusätzlich  ausschlaggebender  Bedeutung  ist  vorliegend  jedoch, 
dass die Begründung des angefochtenen Entscheids keinerlei Ausfüh-
rungen zur  Erfüllung  der  tatbeständlich  vorausgesetzten  Wesentlich-
keit der Abweichungen enthält, die eine im Sinne von Art. 60 MWSTG 
"offensichtliche" Nichtübereinstimmung der Buchhaltung mit dem wirk-

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lichen Sachverhalt begründen würde. Der angefochtene Entscheid ist 
somit  bereits  aufgrund der Verletzung der Begründungspflicht  (Art. 5 
Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 35 Abs. 1 VwVG; Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 29 
Abs. 2 BV) aufzuheben.

6.4 Die  Begründungspflicht  dient  insbesondere  auch  der  Selbstkon-
trolle  der  Behörden. Eine den verfassungsrechtlichen Anforderungen 
genügende Begründungsdichte hätte vorliegend aller Voraussicht nach 
auch die Widersprüchlichkeit der Begründung des angefochtenen Ent-
scheids zu Tage gebracht (vgl. unten E. 7.2)

7.
7.1 Ausführlich  dargelegt  hat  die  Vorinstanz  hingegen  die  Methode, 
welche bei der Durchführung der Ermessenstaxation angewendet wor-
den ist. Selbst wenn die vorinstanzlichen Ausführungen zur Methode 
der Ermessenstaxation als solche zur Beantwortung der Frage, ob die 
Voraussetzungen der Ermessenstaxation vorliegend erfüllt seien, her-
angezogen  werden  könnten,  was  vorliegend  offen  bleiben  kann, so 
vermöchten diese das Gericht in freier Beweiswürdigung nicht davon 
zu überzeugen, dass sich vorliegend eine der beiden tatbestandsmä-
ssig vorausgesetzten Konstellationen von Art. 60 MWSTG verwirklicht 
hat. 

7.2
7.2.1 Ausgangspunkt der Veranlagung nach Ermessen bildete der ver-
buchte Materialaufwand, der um das Hilfsmaterial und die Mehrwert-
steuer bereinigt und auf 15 % des Umsatzes exkl. Mehrwertsteuer an-
gesetzt  wurde.  Vom  hochgerechneten  Umsatz  exkl.  Mehrwertsteuer 
wurde anschliessend die Mehrwertsteuer zum Normalsatz berechnet, 
zum hochgerechneten Umsatz addiert  und so der kalkulierte Umsatz 
inkl. Mehrwertsteuer festgesetzt. 

Wie bereits ausgeführt (E. 4.2), hat die ESTV bei der Anwendung von 
Erfahrungszahlen deren Streubreite zu beachten, wenn eine den indi-
viduellen Verhältnissen gerecht werdende Schätzung erfolgen soll. Im 
angefochtenen Entscheid  finden  sich  neben  der  Angabe des durch-
schnittlichen  Warenaufwandes  von  12 %  bis  13 %  (exklusive  Mehr-
wertsteuer)  des  Gesamtumsatzes  für  Damen-  und  Herrencoiffeurbe-
triebe in  ländlichen Gebieten keine weiteren Angaben zur  gesamten 
Bandbreite. Die ESTV hat jedoch berücksichtigt, dass der Materialan-
teil  der  Beschwerdeführerin  aufgrund  des  Umstandes,  dass  sie  nur 
einen geringen Anteil ihres Umsatzes mit Dienstleistungen an Herren 

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und Kindern erbringt, über dem Durchschnitt von 12 % bis 13 % liegen 
muss und diesen für ihre Umsatzkalkulation auf 15 % angesetzt. Vor-
liegend kann somit  davon ausgegangen werden, dass die ESTV ge-
mäss ihren Erfahrungswerten für den Betrieb der Beschwerdeführerin 
– unter Berücksichtigung ihrer besonderen Verhältnisse – einen Mate-
rialanteil in der Höhe von 15 % des Gesamtumsatzes als angemessen 
betrachtet:

"Insofern hat die ESTV mit der Annahme eines Materialanteils (Materialauf-
wand exkl. MWST in % des verbuchten Umsatzes) von 15 % das ihr aufer-
legte Ermessen offensichtlich pflichtgemäss ausgeübt."

Die  ESTV  führt  im  angefochtenen  Entscheid  weiter  aus,  dass  die 
Buchhaltung der Beschwerdeführerin für die Jahre 1999 bis 2001 auch 
einen Materialanteil ausweist, der sich in diesem Rahmen bewegt:

"(Hierfür  spricht  die  Tatsache,  dass)  die  Einsprecherin  gemäss  ihren  Auf-
zeichnungen in den drei Jahren 1999 bis 2001 einen Materialanteil  ausge-
wiesen hat, der nur wenig über 15 % liegt, nämlich im doppelten Geschäfts-
jahr 1999/2000 bei 15.2 % und im Jahr 2001 bei 16.5 %." 

Die  Abweichung  der  verbuchten  Angaben  vom Wert,  den  die  Vorin-
stanz aufgrund der Verhältnisse im Einzelfall der Beschwerdeführerin 
als angemessen betrachtet – vorliegend 15 % Anteil des Materials am 
verbuchten Umsatz – bezeichnet  die Vorinstanz ausdrücklich als ge-
ring:

"(Ausserdem) hat die Einsprecherin selbst in den Jahren 1999 bis 2001 Ma-
terialanteile (Materialaufwand exkl. MWST in Prozent  des verbuchten Um-
satzes) ausgewiesen, die nur ganz wenig über diesen 15 % lagen."

7.2.2 Werden diese Überlegungen auf die Beurteilung der Frage über-
tragen,  ob vorliegend  die  Voraussetzungen einer  Ermessenstaxation 
als erfüllt angesehen werden können, so ist diese Frage zu verneinen. 

Liegt der den individuellen Verhältnissen im Betrieb der Beschwerde-
führerin Rechnung tragende und vorliegend nach Darstellung der Vor-
instanz massgebende Materialanteil  in Prozent des Gesamtumsatzes 
bei 15 %, so rechtfertigt eine ausdrücklich als gering bezeichnete Ab-
weichung davon in der Höhe von 1.5 % für das vorliegend interessie-
rende  Geschäftsjahr  2001  noch  keine  Ermessenstaxation.  Gemäss 
Art. 60 MWSTG ist eine solche nur unter der Voraussetzung möglich, 
dass die ausgewiesenen Ergebnisse mit  dem wirklichen Sachverhalt 
offensichtlich nicht übereinstimmen, was gemäss der Rechtsprechung 
dann  der  Fall  ist,  wenn  die  in  den  Büchern  enthaltenen  Geschäfts-

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ergebnisse von den von der  Steuerverwaltung erhobenen branchen-
spezifischen  Erfahrungszahlen  –  die  in  ihrer  ganzen  Bandbreite 
gemäss  den  individuellen  Verhältnissen  des  Steuerpflichtigen  zu 
würdigen sind – wesentlich abweichen. 

Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass das Gericht 
auch unter diesem Gesichtspunkt  in freier Würdigung der vorinstanz-
lich festgehaltenen Sachverhaltselemente nicht zur Überzeugung ge-
langt ist, dass im vorliegend interessierenden Geschäftsjahr 2001 die 
Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation gemäss Art. 60 MWSTG 
als erfüllt angesehen werden können. Nachdem für das Vorliegen der 
Voraussetzungen  zur  Vornahme  einer  Ermessenseinschätzung  nach 
den allgemeinen Regeln die ESTV beweisbelastet ist, muss entspre-
chend  der  objektiven  Beweislastregel  zu  Ungunsten  der  ESTV  ent-
schieden werden.

7.3 Bei bestehenden Betrieben, für welche bei der Aufnahme der Tä-
tigkeit  keine Steuerpflicht  gegeben war, beginnt die Steuerpflicht  am 
1. Januar, wenn im vorangehenden Jahr die massgebenden Beitrags-
grenzen überschritten worden sind (Art. 28 Abs. 1 MWSTG; vgl. dazu 
oben, E. 2.2). Nachdem vorliegend die Voraussetzungen einer Ermes-
senstaxation für das Jahr 2001 nicht erfüllt waren, ist für die Frage, ob 
die Beschwerdeführerin  für  das Geschäftsjahr 2002 mehrwertsteuer-
pflichtig war und die dafür geforderten Steuernachzahlungen schuldet, 
nicht  auf  die  kalkulatorische  Umsatzberechnung  des  Inspektors  der 
ESTV,  sondern  auf  die  von  der  Beschwerdeführerin  gemäss  ihrer 
Geschäftsbuchhaltung  vereinnahmten  Entgelten  des  Vorjahres  bzw. 
des Geschäftsjahres 2001 abzustellen (vgl. dazu oben, E. 2.2). Der für 
das  Geschäftsjahr  2001  ausgewiesene  Umsatz  der  Beschwerde-
führerin aus Produkteverkauf und aus Erlös aus Serviceleistungen be-
läuft  sich  auf  Fr. 74'527.60 und liegt  damit  unterhalb der  massgebli-
chen Grenze von Art. 21 Abs. 1 MWSTG. Daraus folgt,  dass die Be-
schwerdeführerin am 1. Januar 2002 nicht steuerpflichtig war und für 
die  Steuerperiode  1. Quartal  2002  bis  4. Quartal  2002  die  entspre-
chende Steuernachforderung in  der  Höhe von Fr. 5'845.30 zuzüglich 
Verzugszins seit 15. Oktober 2002 nicht schuldet.

8.
Dem Gesagten zufolge ist  die Beschwerde vollumfänglich gutzuheis-
sen. Es wird festgestellt,  dass die Beschwerdeführerin  am 1. Januar 
2002  nicht  steuerpflichtig  war  und  die  Steuernachforderung  für  die 

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Steuerperiode 1. Quartal  2002 bis  4. Quartal  2002 in  der  Höhe von 
Fr. 5'845.30 zuzüglich Verzugszins seit 15. Oktober 2002 nicht schul-
det. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zu den Vorbringen der 
Beschwerdeführerin  betreffend  Materialaufwand  in  den  Jahren  1998 
und  2002  sowie  zu  der  von  der  ESTV  angewendeten  Methode  zur 
Durchführung der Ermessenseinschätzung.

9.
9.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind der obsiegenden Beschwer-
deführerin  und  der  Vorinstanz  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen 
(Art. 63  VwVG).  Der  einbezahlte  Kostenvorschuss  in  Höhe  von 
Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des 
vorliegenden Entscheides zurückzuerstatten. 

9.2 Im Übrigen hat die Vorinstanz die obsiegende Beschwerdeführerin 
für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  Kosten  zu  entschädigen.  Die 
Parteientschädigung umfasst die Kosten der Vertretung und allfällige 
weitere  Auslagen  der  Partei,  inklusive  Mehrwertsteuer;  das  Gericht 
setzt die Parteientschädigung aufgrund der eingereichten Kostennoten 
oder, mangels Einreichung einer solchen, aufgrund der Akten fest. Das 
Anwaltshonorar  wird  dabei  nach  dem  notwendigen  Zeitaufwand  be-
messen,  wobei  der  Stundenansatz mindestens Fr. 200.--  und höchs-
tens Fr. 400.-- beträgt. Die Auslagen der Vertretung werden aufgrund 
der  tatsächlichen  Kosten  ausbezahlt  (Art. 64  Abs. 1  und  2  VwVG; 
Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

Mit Kostennote vom 18. September 2008 hat die Beschwerdeführerin 
für  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  einen  Zeitaufwand  von  ... 
Stunden geltend gemacht, für die Höhe des Honorars jedoch auf das 
richterlichen  Ermessen  verwiesen.  Die  Vorinstanz  hat  die  Be-
schwerdeführerin demnach für das vorliegende Beschwerdeverfahren 
mit  Fr. ...  (inkl.  Mehrwertsteuer)  zu  entschädigen.  Für  die  –  für  das 
gesamte Verfahren – geltend gemachten Auslagen in Höhe von Fr. ... 
(inkl.  Mehrwertsteuer)  erscheint  ein  Ersatz  von  Fr. ...  (inkl. 
Mehrwertsteuer) als angemessen.

9.3 Ferner hatte die Beschwerdeführerin im Verfahren vor der ESTV 
eine Parteientschädigung beantragt. Da die ESTV die Einsprache ab-
gewiesen hat, wurde dem Antrag entsprechend auch nicht stattgege-
ben. Es ist angesichts der vorliegenden Gutheissung zu prüfen, ob der 

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Beschwerdeführerin auch für das Verfahren vor der ESTV eine Partei-
entschädigung zuzusprechen ist. 

Art. 68 Abs. 1 MWSTG (zur Anwendbarkeit  von Art. 68 MWSTG vgl. 
Urteile des Bundesgerichts 2A.68/2003 und 2A.69/2003 vom 31. Au-
gust  2004,  je  E. 9;  ausführlich:  Entscheid  der  SRK  vom  10. Januar 
2006, veröffentlicht in VPB 70.56, E. 4a) sieht – unabhängig vom Ver-
fahrensausgang – die Kostenlosigkeit des Veranlagungs- und des Ein-
spracheverfahrens  vor. Gemäss  Art. 68  Abs. 2  MWSTG können  hin-
gegen Kosten von Untersuchungshandlungen derjenigen Person auf-
erlegt werden, die sie schuldhaft verursacht hat; dies ist insbesondere 
dann der Fall,  wenn ein Steuerpflichtiger seinen Mitwirkungspflichten 
nicht  nachgekommen  ist  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1452/2006  vom  24. Januar  2008  E. 2.2,  A-1435/2006  und 
A-1584/2006  vom  8. Februar  2007  E. 2.1).  Praxisgemäss  hat  um-
gekehrt auch die ESTV eine Parteikostenentschädigung nur dann aus-
zurichten, wenn ihr ebenfalls ein solches schuldhaftes Verhalten vor-
geworfen  werden  kann  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1385/2006 vom 3. April 2008 E. 9.2; Entscheid der SRK vom 8. Juni 
2004, VPB 68.161 E. 5). 

Eine Pflichtverletzung der ESTV kann vorliegend in der mangelhaften 
Begründung des angefochtenen Entscheids erblickt werden (vgl. oben 
E. 6). Die Vorinstanz hat somit die Beschwerdeführerin in Abweichung 
von der Regel gemäss Art. 68 Abs. 1 MWSTG für das vorinstanzliche 
Einspracheverfahren  zu  entschädigen.  Mit  Kostennote  vom  18. Sep-
tember 2008 hat die Beschwerdeführerin für das vorinstanzliche Ein-
spracheverfahren einen Zeitaufwand von ... Stunden geltend gemacht; 
die  Höhe  des  Honorars  solle  jedoch  nach  richterlichem  Ermessen 
bestimmt werden. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin demnach 
für  das  vorinstanzliche  Einspracheverfahren  mit  Fr. ...  (inkl.  Mehr-
wertsteuer)  zu entschädigen. Für die – für das gesamte Verfahren – 
geltend gemachten Auslagen in Höhe von Fr. ... (inkl. Mehrwertsteuer) 
erscheint ein Ersatz von Fr. ... (inkl. Mehrwertsteuer) als angemessen.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  der 
ESTV vom 14. März 2006 wird aufgehoben. Es wird im Sinne der Er-
wägungen  festgestellt,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  1. Januar 
2002  nicht  mehrwertsteuerpflichtig  war  und  die  von  der  Vorinstanz 

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geltend gemachte Steuernachforderung für die Steuerperiode 1. Quar-
tal  2002 bis  4. Quartal  2002 in  der  Höhe von Fr. 5'845.30 zuzüglich 
Verzugszins seit 15. Oktober 2002 nicht schuldet.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der von der Beschwerde-
führerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird ihr nach Eintritt 
der Rechtskraft dieses Entscheids zurückerstattet. 

3.
Die  Vorinstanz  hat  die  Beschwerdeführerin  für  das  vorliegende  Be-
schwerdeverfahren  und  für  das  vorinstanzliche  Einspracheverfahren 
mit insgesamt Fr. ... zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Michael Beusch Nadine Mayhall

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift  ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

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