# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7a2008f6-9367-53d5-9f30-c021338f20f4
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-05-30
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 30.05.2023 SK.2022.55
**Docket/Reference:** SK.2022.55
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2022-55_2023-05-30

## Full Text

Widerhandlungen gegen Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen "Al-Qaïda" und "Islamischer Staat" sowie verwandter Organisationen, Gewaltdarstellungen;;Widerhandlungen gegen Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen "Al-Qaïda" und "Islamischer Staat" sowie verwandter Organisationen, Gewaltdarstellungen;;Widerhandlungen gegen Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen "Al-Qaïda" und "Islamischer Staat" sowie verwandter Organisationen, Gewaltdarstellungen;;Widerhandlungen gegen Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen "Al-Qaïda" und "Islamischer Staat" sowie verwandter Organisationen, Gewaltdarstellungen

Urteil vom 30. Mai 2023 
Strafkammer 

Besetzung  
Bundesstrafrichter Martin Stupf, Vorsitz 

Stefan Heimgartner und Maric Demont, 

Gerichtsschreiberin Elena Inhelder  

Parteien  
BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staatsanwalt 

des Bundes Daniel Spycher 

  

 
gegen 

  A., 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Beat Luginbühl 

 

Gegenstand  
Widerhandlungen gegen Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes 

über das Verbot der Gruppierungen «Al-Qaïda» und «Isla-

mischer Staat» sowie verwandter Organisationen, 

Gewaltdarstellungen 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2022.55 

- 2 - 

SK.2022.55 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. A. sei schuldig zu sprechen 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes 

über das Verbot der Gruppierungen «AI-Qaida» und «lslamischer Staat» so-

wie verwandter Organisationen; 

− der mehrfachen Herstellung von Gewaltdarstellungen nach Art. 135 Abs. 1 

StGB; 

− des Zugänglichmachens einer Gewaltdarstellung nach Art. 135 Abs. 1 StGB. 

2. A. sei zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten zu verurteilen. 

3. Die ausgestandene Untersuchungshaft sei an die Freiheitsstrafe gemäss Ziff. 2 

anzurechnen. 

4. A. sei für die Dauer von 10 Jahren des Landes zu verweisen (Art.66a Abs. 1 lit. l 

StGB). 

5. Für den Vollzug des Urteils sei der Kanton Schaffhausen als zuständig zu erklä-

ren (Art. 74 Abs. 2 StBOG i.V.m. Art. 31 StPO). 

6. Die in der Anklageschrift vom 16. Dezember 2022 aufgeführten Asservate seien 

einzuziehen und zu vernichten (Art. 69 Abs. 1 und 135 Abs. 2 StGB). 

7. Die Kosten des Verfahrens (Fr. 44'259.-- für das Vorverfahren, zzgl. der Kosten 

der Hauptverhandlung) seien A. aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

8. Die amtliche Verteidigung sei für ihre Aufwendungen in gesetzlicher Höhe zu ent-

schädigen. 

9. A. sei zu verpflichten, dem Bund die Kosten der amtlichen Verteidigung in vollem 

Umfang zurückzuerstatten, sobald er dazu in der Lage ist (Art. 426 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 135 Abs. 4 StPO). 

  

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SK.2022.55 

Anträge der Verteidigung: 

1. A. sei schuldig zu erklären: 

− den Widerhandlungen gegen Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das 

Verbot der Gruppierungen «AI-Qaïda» und «lslamischer Staat» sowie ver-

wandter Organisationen gemäss Ziff. 1.1.1, 1.1.2 und 1.1.3 der Anklage-

schrift; 

− des Besitzes von Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1bis StGB) gemäss 

Ziff. 1.2.1 der Anklageschrift; 

− des Zugänglichmachens einer Gewaltdarstellung nach Art. 135 Abs. 1 StGB. 

2. Er sei zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten unter Gewährung 

des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie unter An-

rechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft und 50% der Dauer der ver-

fügten Ersatzmassnahmen. 

3. Die Verfahrenskosten seien A. aufzuerlegen. 

4. Von einer Landesverweisung sei abzusehen. 

5. Es seien die weiteren Verfügungen von Amtes wegen zu treffen; insbesondere 

sei das Honorar der amtlichen Verteidigung gerichtlich zu bestimmen. 

  

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SK.2022.55 

Prozessgeschichte: 

A. Gestützt auf einen Zufallsfund, der aus Überwachungsmassnahmen in einem 

von der Bundesanwaltschaft gegen B., u.a. wegen des Verstosses gegen Art. 2 

des Bundesgesetzes vom 12. Dezember 2014 über das Verbot der Gruppierun-

gen «AI-Qaïda» und «Islamischer Staat» sowie verwandter Organisationen (SR 

122; in Kraft bis 31. Dezember 2022; nachfolgend: aAQ/IS-Gesetz) geführten 

Strafverfahrens resultierte und vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons 

Bern mit Entscheid vom 25. September 2019 genehmigt wurde (BA 

pag. 10.1.0004 ff.; 9.1.001 ff.; -0004 ff.; -0008 ff.), eröffnete die Bundesanwalt-

schaft am 17. Oktober 2019 eine Strafuntersuchung (Geschäftsnummer: 

SV.19.1210) gegen den Beschuldigten wegen des Verdachts der Beteiligung an 

bzw. der Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB) sowie 

des Verstosses gegen Art. 2 aAQ/IS-Gesetz (BA pag. 01.01.0001 f.).  

B. Am 22. Oktober 2019 informierte die österreichische Polizei, die zwei Tage zuvor 

die damals noch minderjährige C. an der Ausreise aus Österreich, mit dem Ziel, 

sich dem Islamischen Staat (nachfolgend: IS) anzuschliessen, hinderte und eine 

Strafuntersuchung gegen Vorgenannte einleitete, über die in diesem Zusammen-

hang ermittelte Schweizer Telefonnummer, lautend auf den Beschuldigten (BA 

pag. 18.1.0002; -0098 ff.). 

C. Mit Verfügung vom 3. Dezember 2020 dehnte die Bundesanwaltschaft das Straf-

verfahren gegen den Beschuldigten auf den Tatbestand der Gewaltdarstellungen 

gemäss Art. 135 StGB aus (BA pag. 01.01.0003) und vereinigte am 3. Januar 

2021 gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO die Strafverfolgung gegen den Beschul-

digten in der Hand der Bundesbehörden (BA pag. 02.01.0009 f.). 

D. Im Zuge der Ermittlungen führte die Bundesanwaltschaft umfangreiche Beweis-

erhebungen durch. Am 29. Oktober 2019 fand am Domizil des Beschuldigten in 

U. eine Hausdurchsuchung statt, anlässlich derer diverse Datenträger sicherge-

stellt wurden (BA pag. 8.1.0007 ff.). Gleichentags wurde der Beschuldigte fest-

genommen und befand sich bis am 16. März 2020 in Untersuchungshaft (BA pag. 

6.1.0001 ff.; -0014 ff.; -0024 ff.; -0059 ff.; 0067 ff.; -0085 ff.). Die im Nachgang 

zur Haft angeordneten Ersatzmassnahmen dauerten bis zum 15. Januar resp. 

15. Juni 2021 (BA pag. 6.1.0122 ff.; -180 ff.). 

E. Am 16. Dezember 2022 erhob die Bundesanwaltschaft bei der Strafkammer des 

Bundesstrafgerichts Anklage gegen A. wegen Verstosses gegen Art. 2 aAQ/IS-

Gesetz sowie mehrfachen Herstellens von Gewaltdarstellungen und Zugänglich-

machens einer Gewaltdarstellung (Art. 135 Abs. 1 StGB). 

F. Mit Verfügungen vom 4. Februar 2023, 16. Februar 2023 und 5. April 2023 ent-

schied der Vorsitzende über Beweismassnahmen (TPF pag. 9.250.001; -002 f.; 

-004 f.) 

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SK.2022.55 

G. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte das Gericht von Amtes wegen die er-

forderlichen Beweismittel zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen des 

Beschuldigten ein (Formular betr. persönliche und finanzielle Verhältnisse 

[TPF pag. 9.231.4.007 ff.]; Straf- und Betreibungsregisterauszug [TPF pag. 

9.231.1.001; 9.231.3.002]; aktuelle Steuerunterlagen [TPF pag. 9.231.2.001 ff.]) 

sowie einen Führungsbericht des Regionalgefängnisses V. [TPF pag. 

9.231.7.002]). Vom Nachrichtendienst des Bundes liess es einen Amtsbericht zur 

Situation des Islamischen Staates in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2019, 

zum Flüchtlingscamp «J.» und der Organisation der Grauen Wölfe erstellen, wel-

cher am 23. März 2023 erstattet wurde (TPF pag. 9.262.3.004 ff.). Zudem er-

suchte das Gericht die für die Umsetzung der Ersatzmassnahme der Meldeer-

stattung und Begleitung durch den Gewaltschutz zuständige Schaffhauser Poli-

zei um Erstellung eines Gewaltschutzberichtes, unter Einreichung der diesbe-

züglich relevanten Akten (TPF pag. 9.262.1.002 f.; -004 ff.). 

H. Die Hauptverhandlung fand am 9. Mai 2023 in Anwesenheit der Parteien am Sitz 

des Bundesstrafgerichts in Bellinzona statt. Das Urteil wurde am 30. Mai 2023 

mündlich eröffnet und begründet (TPF pag. 9.720.001 ff.). 

I. Am 5. Juni 2023 meldete die Bundesanwaltschaft fristgerecht Berufung gegen 

das Urteil an (Art. 399 Abs. 1 i.V.m. Art. 398 Abs. 1 StPO; TPF pag. 9.940.001 f.). 

  

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SK.2022.55 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Prozessuales und Vorfragen 

1.1 Bundesgerichtsbarkeit 

Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet auf 

Widerhandlung gegen Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz, mehrfache Herstellung von 

Gewaltdarstellungen und Zugänglichmachen einer Gewaltdarstellung gemäss 

Art. 135 Abs. 1 und Abs. 1bis StGB. Die Bundesgerichtsbarkeit ergibt sich vorlie-

gend zum Teil originär (Art. 24 Abs. 1 StPO, Art. 2 Abs. 3 aAQ/IS-Gesetz) und 

zum Teil aus der Vereinigung der Verfahren in der Hand der Bundesbehörden 

(Art. 26 Abs. 2 StPO, vgl. Prozessgeschichte lit. C). Die sachliche Zuständigkeit 

der Strafkammer des Bundesstrafgerichts ist somit für sämtliche angeklagten 

Straftatbestände gegeben (Art. 19 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 35 Abs. 1 des Bundes-

gesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bun-

des [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]). 

Die Kompetenz des Kollegialgerichts der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 StPO e contrario i.V.m. Art. 36 Abs. 1 StBOG. 

1.2 Anwendbares Recht 

1.2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach geltendem Recht beurteilt, wer nach des-

sen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat. Massgebend ist 

der Zeitpunkt der Vornahme der tatbestandsmässigen Handlung (POPP/BERKE-

MEIER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 2 StGB N. 5). Als Ausnahme be-

stimmt Art. 2 Abs. 2 StGB, dass eine Tat, welche vor Inkrafttreten des Gesetzes 

begangen wurde, nach dem neuen Recht zu beurteilen ist, wenn dieses für den 

Täter das mildere ist (lex mitior). 

1.2.2 Im Hauptanklagepunkt werden dem Beschuldigten Widerhandlungen gegen 

Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz, begangen in der Zeit von Mai 2019 bis 28. Oktober 

2019, vorgeworfen. Art. 1 aAQ/IS-Gesetz enthält ein Verbot für die Gruppierun-

gen Al-Qaïda (lit. a), Islamischer Staat (lit. b) sowie Tarn- und Nachfolgegruppie-

rungen der Al-Qaïda und IS sowie Organisationen und Gruppierungen, die in 

Führung, Zielsetzung und Mitteln mit der Gruppierung Al-Qaïda oder IS überein-

stimmen oder in ihrem Auftrag handeln (lit. c). Nach Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz 

wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer sich auf 

dem Gebiet der Schweiz an einer nach Art. 1 des aAQ/IS-Gesetzes verbotenen 

Gruppierung oder Organisation beteiligt, sie personell oder materiell unterstützt, 

für sie oder ihre Ziele Propagandaaktionen organisiert, für sie anwirbt oder ihre 

Aktivitäten auf andere Weise fördert. 

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SK.2022.55 

Das am 1. September 2017 in Kraft getretene Nachrichtendienstgesetz (SR 121; 

nachfolgend: NDG) stellt in Art. 74 Abs. 4 NDG die gleichen Handlungen wie 

Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz unter Strafe. Die Strafandrohung der an sich gleich-

lautenden Strafbestimmung von Art. 74 Abs. 4 NDG lautete in der bis am 30. Juni 

2021 geltenden Fassung noch auf Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geld-

strafe. Mit Inkrafttreten des Bundesbeschlusses vom 25. September 2020 über 

die Genehmigung des Übereinkommens des Europarates zur Verhütung des 

Terrorismus wurde die Sanktion an jene von Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz ange-

glichen. Folglich ist der Gesetzeswortlaut von Art. 74 Abs. 4 NDG seit dem 1. Juli 

2021 identisch mit jenem von Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz und stellt insofern eine 

Verstetigung des Letzteren dar (BGE 148 IV 298 E. 6.4.2; vgl. auch HEIM-

GARTNER/INHELDER, Strafbarkeit dschihadistischer Propaganda, AJP 2022, 

S. 1217 ff., 1222 f.). 

Die Geltungsdauer des aAQ/IS-Gesetzes wurde vom Parlament am 15. Juni 

2018 trotz des per 1. September 2017 in Kraft getretenen NDG bis zum 31. De-

zember 2022 verlängert, womit das aAQ/IS-Gesetz im hier zu beurteilenden An-

klagezeitraum nach wie vor in Kraft war. Zur Verhinderung der Kollision der bei-

den Bestimmungen bestand Art. 74 Abs. 4 NDG indes gemäss der Botschaft vom 

22. November 2017 ausdrücklich bloss auf Papier, solange die auf Art. 74 Abs. 1 

NDG gestützte Verfügung über das Organisationsverbot des Bundesrates nicht 

in Kraft trat (BBl 2018 87 ff., 100; BGE 148 IV 298 E. 6.4.2; HEIMGARTNER/INHEL-

DER, a.a.O., S. 1217 ff., 1222 f.). Damit brachte der Bundesrat klar zum Ausdruck, 

dass Art. 74 Abs. 4 NDG dem Art. 2 aAQ/IS-Gesetz solange nicht vorgehe, als 

noch kein bundesrätliches Verbot im Sinne von Art. 74 Abs. 1 NDG erlassen 

wurde und das aAQ/IS-Gesetz noch in Kraft ist. Die vom Bundesrat am 19. Ok-

tober 2022 erlassene Allgemeinverfügung betreffend das Verbot der Gruppierun-

gen Al-Qaïda und Islamischer Staat sowie verwandter Organisationen trat 

schliesslich per 1. Dezember 2022 in Kraft (BBl 2022 2548). 

1.2.3 Der Beschuldigte hat die unter dem Gesichtspunkt der Unterstützung verbotener 

terroristischer Gruppierungen in materieller, personeller und propagandistischer 

Hinsicht zu beurteilenden Taten (Anklageziffer 1.1) zwar nach Inkrafttreten von 

Art. 74 Abs. 4 aNDG (in seiner bis zum 30. Juni 2021 geltenden Fassung) be-

gangen, jedoch noch vor Erlass des bundesrätlichen Verbotes der terroristischen 

Gruppierungen Al-Qaïda und IS i.S.v. Art. 74 Abs. 1 NDG. Insofern stellt sich in 

casu einzig die Frage, ob der neue Art. 74 Abs. 4 NDG (in seiner seit dem 1. Juli 

2021 geltenden Fassung) infolge des seit 1. Dezember 2022 in Kraft getretenen 

Verbots der Gruppierungen Al-Qaïda und IS sowie verwandter Organisationen 

Art. 2 aAQ/IS-Gesetz vorgehe, obschon letzteres nun nicht mehr in Kraft ist, es 

im Tatzeitpunkt aber noch war. Wie bereits erläutert, sehen Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-

Gesetz und Art. 74 Abs. 4 NDG identische Strafbestimmungen vor, womit letzte-

rer Straftatbestand und damit das neue Recht zum vornherein nicht milder ist. 

Dies gilt umso mehr, als Art. 74 Abs. 4 NDG im Gegensatz zu Art. 2 Abs. 1 

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SK.2022.55 

aAQ/IS-Gesetz im Straftatenkatalog der obligatorischen Landesverweisung ge-

mäss Art. 66a Abs. 1 lit. p StGB aufgeführt ist. Insofern ist Art. 74 Abs. 4 NDG 

offensichtlich nicht milder (vgl. dazu auch E. 6.2). Infolgedessen ist mit Art. 2 

aAQ/IS-Gesetz das im mutmasslichen Tatzeitpunkt geltende Recht anzuwenden. 

1.3 Anklagegrundsatz 

1.3.1 Die Verteidigung macht in ihrem Parteivortrag eine Verletzung des Anklage-

grundsatzes geltend. Sie rügt, dass die Anklageschrift unter Ziff. 1.2.1 (Herstel-

lung und Zugänglichmachen von Gewaltdarstellungen per Mobiltelefon Samsung 

Galaxy) keinen Herstellungsvorgang schildere und der Vorwurf des Zugänglich-

machens zu wenig präzis sei, da sich der Anklageschrift nicht entnehmen lasse, 

wann der Beschuldigte, welche Gewaltdarstellung, wem zugänglich gemacht ha-

ben soll (TPF pag. 9.721.102). 

1.3.2 Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und 

Ziff. 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen 

Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsver-

fahrens (Umgrenzungsfunktion). Das Gericht ist an den in der Anklage wiederge-

gebenen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen 

rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (Art. 350 Abs. 1 StPO). In der 

Anklageschrift sind (unter anderem) die der beschuldigten Person vorgeworfenen 

Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung 

möglichst kurz, aber genau zu bezeichnen (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Zugleich 

bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschul-

digten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informations-

funktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a, je m.w.H.). Durch klare Um-

grenzung des Prozessgegenstands und Vermittlung der für die Verteidigung not-

wendigen Informationen soll dem Betroffenen ein faires Verfahren garantiert wer-

den. Entscheidend ist, dass der Beschuldigte genau weiss, was ihm konkret vor-

geworfen wird (Urteile des Bundesgerichts 6B_209/2010 vom 2. Dezember 2010 

E. 2.4; 6B_794/2007 vom 14. April 2008 E. 2.1, je m.w.H.). Solange für die be-

schuldigte Person klar ist, welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen wird, kann eine 

fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem Schuld-

spruch kommen darf; entscheidend ist, dass für die beschuldigte Person keine 

Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1253/2022 vom 26. April 2022 E. 1.1; 6B_114/2019 vom 

26. Februar 2020 E. 2.1; 6B_1319/2016 vom 22. Juni 2017 E. 2.1.2, nicht publ. 

in: BGE 143 IV 347; je mit Hinweisen). 

1.3.3 Bei Delikten, bei denen sich die Strafbarkeit aus einer (elektronischen oder bild-

lichen) Darstellung resp. einer Kommunikation ergibt, sog. content related cri-

mes, wie namentlich Gewaltdarstellungen, kommt der konkreten Umschreibung 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22Ungenauigkeiten+sind+solange+nicht+von+entscheidender+Bedeutung%2C+als+f%FCr+die+beschuldigte+Person+keine+Zweifel+dar%FCber+bestehen%2C+welches+Verhalten+ihr+angelastet+wird%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-347%3Ade&number_of_ranks=0#page347

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des Inhalts entscheidende Bedeutung zu, weil diese für die Subsumtion unter 

den einschlägigen Straftatbestand erforderlich ist. Der strafrechtlich relevante In-

halt der inkriminierten Dateien hat sich mithin aus der Anklageschrift selbst zu 

ergeben, wobei regelmässig eine tabellarische, stichwortartige Umschreibung 

ausreicht (HEIMGARTNER/INHELDER, a.a.O., S. 1217 ff., 1231). Bei sehr grossen 

Datenmengen kann eine exemplarische Darstellung resp. eine Zusammenfas-

sung der Inhalte dann genügen, wenn sich die Tatbestandmässigkeit der inkrimi-

nierten Dateien zweifelsfrei aufgrund einer Indexierung ergibt, wie dies in Fällen 

von Kinderpornografie der Fall ist (HEIMGARTNER/INHELDER, a.a.O., S. 1217 ff., 

1231; vgl. ferner NIKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 

4. Aufl., Bern 2020, N.826).  

1.3.4 Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten unter anderem mehrfaches 

Herstellen von Gewaltdarstellungen durch Abspeichern von 221 Videodateien 

und 30 Bilddateien auf seinem persönlichen Mobiltelefon Samsung Galaxy S9 

(Asservat 04.06.0001) bzw. im dazugehörigen Telegram Cloudspeicher vor, in 

denen Menschen oder Tiere namentlich durch Erschiessen, Verbrennen, Explo-

sionen mittels Sprengstoff, Enthauptungen, Abschlachten oder Erhängen gequält 

und getötet oder in denen auf solche Weise getötete Menschen oder Tiere abge-

bildet werden. Die Anklageschrift bezeichnet und umschreibt diesbezüglich 

exemplarisch 60 Videos als «Teil der Grundgesamtheit aller angeklagten Gewalt-

darstellungen». 

1.3.5 Mangels konkreter Nennung, Umschreibung und Spezifikation in der Anklage-

schrift bleibt unklar, ob und inwiefern die weiteren 161 Videodateien und 30 Bild-

dateien tatsächlich inkriminierte Darstellungen von Gewalt enthalten. Die in den 

Fussnoten der Anklageschrift (Anklageschrift Fn. 100 verweist auf BA pag. 

10.04.0422 ff. [recte 10.1.422 ff.]) aufgeführten pauschalen Verweise auf den Be-

richt zur Identifizierung von Gewaltdarstellungen der Bundeskriminalpolizei 

(nachfolgend: BKP) vom 15. September 2022 samt Beilage erfüllen die Anforde-

rungen des Anklageprinzips nicht. Ebenso wenig genügen die pauschalisierten 

Angaben, dass auf den 221 Video- und 30 Bilddateien Menschen oder Tiere, 

namentlich durch Erschiessen, Verbrennen, Explosionen mittels Sprengstoff, 

Enthaupten, Abschlachten oder Erhängen gequält und getötet oder auf diese 

Weise getötete Menschen oder Tiere abgebildet werden; fehlt es doch an einer 

individualisierenden Spezifikation der einzelnen Dateien und einer wenigstens 

stichwortartigen Umschreibung des Inhalts einer jeden Datei, aus welcher sich 

die Tatbestandmässigkeit ergibt (analog der 60 in der Anklageschrift umschrie-

benen Videodateien). Mit Ausnahme der 60 konkret umschriebenen Videoda-

teien weiss der Beschuldigte mangels konkreter Bezeichnung in der Anklage-

schrift nicht, welche weiteren Videos und Bilder ihm angelastet werden und das 

Gericht vermag nicht nachzuvollziehen, welche Videos und Bilder es konkret zu 

prüfen hat. Insofern hat das Gericht vorliegend lediglich die 60 in der Anklage 

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speziell bezeichneten und umschriebenen Videodateien zu würdigen und zu be-

urteilen. 

1.3.6 Hinsichtlich des Einwands der Verteidigung, ist festzuhalten, dass dem Beschul-

digten in der Überschrift von Anklageziffer 1.2 zwar «Herstellen und Zugänglich-

machen von Gewaltdarstellungen» vorgeworfen wird; im Ingress der Anklagezif-

fer 1.2.1 «Mobiltelefon Samsung Galaxy» indes einzig die «mehrfache Herstel-

lung von Gewaltdarstellungen» Erwähnung findet, begangen dadurch, dass der 

Beschuldigte «die Videos mit Gewaltdarstellungen über Telegram erhielt und auf 

seinem Mobiltelefon (Asservat 04.06.0001) abspeicherte, [...]» (Anklagezif-

fer 1.2.1; S. 25, 30). Der Verteidigung ist insofern beizupflichten, als in Anklage-

ziffer 1.2.1 ein eigentliches «Zugänglichmachen» nicht umschrieben ist. Da dem 

Beschuldigten gemäss Ingress der Anklageziffer 1.2.1 einzig die Tatvariante des 

Herstellens vorgeworfen wird, kann sich das in der Überschrift zur übergeordne-

ten Anklageziffer 1.2 erwähnte «Zugänglichmachen» bloss auf die Unterzif-

fer 1.2.2 – bei welcher die Verteidigung indes im Übrigen keine Verletzung des 

Anklageprinzips geltend macht – und nicht auf Unterziffer 1.2.1 beziehen. Im Üb-

rigen genügen die Ausführungen in der Anklageschrift unter Ziffer 1.2.1, wonach 

der Beschuldigte die Videos auf seinem Mobiltelefon abgespeichert haben soll, 

als Umschreibung der Tatvariante des Herstellens. Eine Verletzung des Ankla-

geprinzips liegt in dieser Hinsicht nicht vor. 

1.4 Würdigungsvorbehalt 

1.4.1 Will das Gericht den Sachverhalt rechtlich anders würdigen als die Staatsanwalt-

schaft in der Anklageschrift, so eröffnet es dies den anwesenden Parteien und 

gibt ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme (Art. 344 StPO). Ein solcher Würdi-

gungsvorbehalt will sicherstellen, dass das Gericht nicht eine rechtliche Würdi-

gung des Sachverhalts vornimmt, zu der der Beschuldigte nicht hat Stellung neh-

men können. 

1.4.2 Die Strafkammer gab den Parteien mit Schreiben vom 16. Februar 2023 bekannt, 

dass sie sich vorbehalte, den unter dem Vorwurf des Herstellens von Gewaltdar-

stellungen dargestellten Sachverhalt (Anklageziffer 1.2.1) als Besitz von Gewalt-

darstellungen gemäss Art. 135 Abs. 1bis StGB zu würdigen (TPF 

pag. 9.400.002 f.). 

Mit Schreiben vom 13. April 2023 teilte die Strafkammer den Parteien zudem mit, 

dass sie sich vorbehalte, den unter dem Vorwurf der Unterstützung bzw. Förde-

rung der verbotenen Gruppierungen Al-Qaïda, IS und verwandter Organisationen 

dargestellten Sachverhalt als mehrfache Widerhandlung gegen Art. 2 Abs. 1 

aAQ/IS-Gesetz zu würdigen, da sich dieser zumindest teilweise (siehe Anklage-

ziffer 1.1.2.1) auf die verbotenen Gruppierungen Al-Qaïda und IS bezieht (TPF 

pag. 9.400.004). 

- 11 - 

SK.2022.55 

Mit Versand der beiden Schreiben lud das Gericht die Parteien gleichzeitig ein, 

im Rahmen der Parteivorträge zu den Würdigungsvorbehalten Stellung zu neh-

men. 

Die beiden Würdigungsvorbehalte hatten keine wesentliche Neuausrichtung der 

Verteidigung zur Folge. Die Parteien konnten anlässlich der Hauptverhandlung 

im Plädoyer umfassend Stellung beziehen. 

1.5 Beweisverwertbarkeit  Teilnahmerechte 

1.5.1 Die Parteien haben nach Art. 147 StPO das Recht, bei Beweiserhebungen durch 

die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen 

Personen Fragen zu stellen (Art. 147 Abs. 1 StPO). Den Teilnahmerechten der 

Parteien ist gemäss Art. 148 StPO bei Beweisen, die im Rahmen eines Rechts-

hilfegesuchs im Ausland erhoben werden, Genüge getan, wenn die Parteien zu-

handen der ersuchten ausländischen Behörde Fragen formulieren können (lit. a), 

nach Eingang des erledigten Rechtshilfegesuchs Einsicht in das Protokoll erhal-

ten (lit. b) und schriftliche Ergänzungsfragen stellen können (lit. c). Art. 148 StPO 

verleiht den Parteien mithin keinen Anspruch auf persönliche Teilnahme an im 

Ausland durchgeführten Beweiserhebungen, steht einem solchen aber auch 

nicht entgegen. Beweise, die in Verletzung dieser Bestimmungen erhoben wor-

den sind, dürfen nicht zulasten der Partei verwertet werden, deren Teilnahme-

recht nicht gewährt worden ist (Art. 148 Abs. 2 i.V.m. Art. 147 Abs. 4 StPO). 

1.5.2 Die Einvernahmen von D. als Auskunftsperson durch die Bundesanwaltschaft 

und die BKP (BA pag. 12.2.4 ff.; -51 ff.) und E. als Zeuge durch die BKP (BA pag. 

12.3.1 ff.) sowie die rechtshilfeweisen Einvernahmen der Zeugen F. und G. durch 

das Polizeipräsidium Südhessen (BA pag. 18.3.8 ff.) erfolgten alle in Anwesen-

heit des damaligen Verteidigers des Beschuldigten, wobei sich Letzterer zum 

Zeitpunkt der Einvernahmen in Untersuchungshaft befand. Insofern sind die Teil-

nahme- und Konfrontationsrechte des Beschuldigten gewährt worden. 

1.5.3 Die erste Einvernahme von C. am 20. Oktober 2019 sowie die folgende Einver-

nahme vom 29. November 2019 erfolgten jeweils durch die österreichischen Be-

hörden und ohne Anwesenheit des Beschuldigten bzw. seines damaligen Vertei-

digers. Bei der ersten Einvernahme bestand offensichtlich kein Teilnahmerecht 

des Beschuldigten, da gegen ihn hinsichtlich des in Zusammenhang mit C. zu 

beurteilenden Sachverhalts noch gar kein Strafverfahren eröffnet war (vgl. Pro-

zessgeschichte B). Zudem bestand auch bei der zweiten Einvernahme kein Teil-

nahmerecht des Beschuldigten, da es sich nicht um Beweiserhebungen im Rah-

men eines Rechtshilfegesuchs im Sinne von Art. 148 StPO handelte, sondern 

um Verfahrenshandlungen im österreichischen Strafverfahren gegen C. (BA pag. 

18.1.17 ff.; -50 ff.). Anlässlich der dritten Einvernahme von C., die auf entspre-

chendes Rechtshilfeersuchen der Bundesanwaltschaft am 16. Januar 2020 er-

folgte, wurde dem Verteidiger zunächst die Möglichkeit zur Zustellung von 

- 12 - 

SK.2022.55 

allfälligen Ergänzungsfragen eingeräumt (BA pag. 16.1.009; -0012). Die Einver-

nahme fand schliesslich in Anwesenheit des Verteidigers des Beschuldigten, un-

ter Einräumung des Ergänzungsfragerechts und somit unter Wahrung der Teil-

nahmerechte statt, anschliessend wurde ihm das Einvernahmeprotokoll zuge-

stellt (BA pag. 18.1.0072 ff.). Da die Teilnahmerechte des Beschuldigten stets 

gewahrt wurden, sind folglich sämtliche Einvernahmen von C. verwertbar. 

2. Ideologische Einstellung des Beschuldigten im Deliktszeitraum 

2.1 Vorab gilt es aufzuzeigen, welche ideologische und religiöse Einstellung der Be-

schuldigte im angeklagten Zeitraum (Anklageziffer 1.1 vom Mai 2019 bis 28. Ok-

tober 2019; Anklageziffer 1.2 vom 24. Oktober 2016 bis 29. Oktober 2019) ver-

trat. 

2.2 Der Beschuldigte war im anklagerelevanten Zeitraum – und ist nach wie vor – 

gläubiger Muslim sunnitischer Glaubensausrichtung, der grundsätzlich nach den 

fünf Säulen des Islams zu Leben versucht (BA pag. 13.1.0014 f.; -0026; -0073; 

TPF pag. 9.731.013). Allgemein zu seiner religiösen Gesinnung im anklagerele-

vanten Zeitraum befragt, gab er anlässlich der Hauptverhandlung zu Protokoll, 

es sei ihm bewusst, dass er damals «sehr schlechte Sachen» machte, mit «die-

sen Leuten in Winterthur» sympathisierte und einer islamistischen Religionside-

ologie, dem Salafismus, nahestand. Auch befürwortete er damals die Scharia 

und befasste sich mit dem Jihad (dem heiligen Krieg gegen Ungläubige), indem 

er die die Dschihadisten lobte und in Chats schrieb, dass er «Jihad machen» 

würde. Insgesamt befürwortete der Beschuldigte den Wertekanon des IS sowie 

(in minderem Masse) auch jenen der «Al-Qaïda» und er bestätigte, diese beiden 

Terrororganisationen damals bewusst unterstützt zu haben (TPF pag. 

9.731.014 f.; -023). 

2.3 Radikalisierungsprozess des Beschuldigten und die Rolle des «Dschamaat» 

Winterthur 

2.3.1 Seine Anfänge hin zur radikal-islamistischen Ideologie reichen bis ins Jahr 2015 

zurück. Beeinflusst vom «Hype» um den IS, beteiligte sich der Beschuldigte nach 

eigenen Angaben bereits 2015 an der Koranverteilungsaktion «LIES!», welche 

vor allem von Anhängern extremistischer Kreise des Islams, darunter IS-Sympa-

thisanten und IS-Mitgliedern, organisiert wurde und die insbesondere in Deutsch-

land letztlich der Rekrutierung von IS-Dschihadisten diente (BA pag. 10.1.333; 

13.1.170; -366). Diese Zeit bezeichnete er als die Beste seines Lebens (BA pag. 

13.1.206; TPF pag. 9.731.016). Bereits im Jahr darauf begann er sich für den IS 

zu interessieren (TPF pag. 9.731.017).  

2.3.2 Der Beschuldigte war zunächst Anhänger der fundamentalistischen Gemein-

schaft rund um den kurdisch-türkischen Prediger Ebu Hanzala (gebürtiger Name 

- 13 - 

SK.2022.55 

Halis Bayancuk, auch unter dem Namen «Abu Hanzala» bekannt, ein kurdisch-

türkischer Imam, welcher wegen seiner Aktivitäten als Befehlshaber des IS in der 

Türkei zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten verurteilt 

wurde; https://en.wikipedia.org/wiki/Halis_Bayancuk; letztmals besucht am 

31.07.2023). Diesen besuchte er eigenen Angaben zufolge einmal in der Türkei 

(BA pag. 13.1.109; -164, dort «Abu Hamzala»), woraufhin seine Mutter die türki-

sche Polizei informierte, aus Angst, er gehe zum IS nach Syrien (BA pag. 

13.1.206, Beilage 4). Von dieser, nach der Verhaftung Ebu Hanzalas, «immer 

extremer» werdenden Gruppierung wandte sich der Beschuldigte nach eigenen 

Angaben ab (BA pag. 13.1.109: -164). Virtuell folgte er auf YouTube weiteren 

radikal-salafistischen Predigern, darunter «Ebu Tejma» (alias Mirsad Omerovic, 

der von der österreichischen Justiz wegen terroristischer Aktivitäten für den IS zu 

20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde; TPF pag. 9.731.021). Des Weiteren 

bezeichnete er den rechtsradikalen türkischen Prediger I. aus Konya als seinen 

«Lieblingsprediger» (BA pag. 13.1.14, 76; TPF pag. 9.731.014). 

2.3.3 In einer Phase der Einsamkeit, nach erfolgtem Ausschluss aus einer extremisti-

schen Gruppierung, verlor er nach eigenen Angaben beinahe seinen Glauben 

und bezeichnete diesen rückblickend als schwach mit der Begründung, er habe 

auch «Frauen die Hand geschüttelt» (BA pag. 13.1.109; -165; -172). Im März 

2019 lernte er anlässlich eines Besuchs der Arabischen Moschee in U. B. aus 

Winterthur kennen, welcher ihn nach eigenen Angaben mit seinem Wissen be-

einflusst und in seinen Bann gezogen habe, woraufhin er sich (wieder) für den IS 

interessierte (BA pag. 13.1.220; TPF pag. 9.731.020). In der Folge wurde er zum 

Fastenbrechen im Rahmen des Ramadans ins «Dschamaat» (zu Deutsch Ge-

meinschaft) Winterthur, d.h. in die Gemeinschaft der IS-Anhänger (um B.) in Win-

terthur, eingeladen (BA pag. 13.1.165; -220). Im «Dschamaat» Winterthur sprach 

er mit den dort anwesenden, meist gleichaltrigen jungen Erwachsenen über den 

IS und konsumierte mit diesen Propaganda- und Gewaltvideos (BA pag. 

13.1.0110; -0165; -321). Er fühlte sich in dieser Gemeinschaft aufgenommen und 

bemühte sich um die Sympathie und Akzeptanz dieser Leute, indem er (Propa-

ganda-)Videos des IS bearbeitete und untertitelte (TPF pag. 9.731.019 f.). «Zur 

Suche nach der Wahrheit» wurde dem Beschuldigten von B. − als selbsternann-

tem «Emir» (Befehlshaber oder Herrscher; https://de.wikipedia.org/wiki/Emir; 

letztmals besucht am 31.07.2023) des «Dschamaat» Winterthur (BA pag. 

13.1.321) − empfohlen, die IS-Propagandamagazine Dabiq, Rumiyah und Kon-

stantine zu lesen, wobei es auch B. war, der ihn für die Ideologie des IS letztlich 

gewonnen hat (BA pag. 13.1.0028; -115; -165; -220; TPF pag. 9.731.020). Letz-

terer wirkte auf den Beschuldigten authentisch und beeindruckte ihn mit seinem 

Wissen. Zudem erfuhr er, dass B. in Syrien (beim IS) war, jedoch nie erzählen 

wollte, was er dort gemacht habe (TPF pag. 9731.020). In B. fand er schliesslich 

einen Freund, mit dem er sympathisierte und viel Zeit verbrachte (TPF pag. 

9.731.021). Der Beschuldigte radikalisierte sich weiter, bezog IS-Propaganda-

materialien übers Internet und befürwortete und unterstützte schliesslich die 

https://en.wikipedia.org/wiki/Halis_Bayancuk
https://de.wikipedia.org/wiki/Emir

- 14 - 

SK.2022.55 

Terrororganisationen IS und Al-Qaïda sowie deren Ideologien (BA pag. 13.1.217; 

-220; TPF pag. 9.731.022 f.). Streng nach Mohammed lebend, erachtete er zu 

dieser Zeit die Gesetzgebung Allahs als die Beste, den Mann der Frau überlegen, 

befürwortete Körperstrafen wie Handabschlagen und Steinigungen und wertete 

die Demokratie als Mensch gemachtes Recht (BA pag. 13.1.0015; -0028; -

0073 f.). Im Streben zur besagten Winterthurer IS-Szene dazu zu gehören und 

geblendet von diesem neuen Freundeskreis, sehnte er sich nach Anerkennung, 

setzte sich schliesslich aktiv, namentlich mittels Verbreitung von Propagandama-

terialien, für die gewaltverherrlichende Ideologie verbotener Gruppierungen, vor-

ranging des IS, ein (siehe nachfolgend E. 3) und verschrieb sich dem IS gänzlich 

(BA pag. 13.115; -172; -398 f.; TPF pag. 9.731.022).  

2.3.4 Seine Radikalisierung erreichte spätestens im Sommer 2019 ihren Höhepunkt, 

intensivierte sich zu diesem Zeitpunkt doch nicht nur das Herstellen und Verbrei-

ten propagandistischer Medien im Internet, sondern auch seine Vorbereitungs-

arbeiten für eine Hijrah (religiös motivierte Ausreise aus einem nicht-islamischen 

Territorium in ein islamisches Land; https://de.wikipedia.org/wiki/Hidschra; letzt-

mals besucht am 31.07.2023) zeigen, wie insbesondere der Download von die 

Hijrah propagandierenden Materialien und die Suche nach einer heiratswilligen 

Frau, um mit ihr die Hijrah zu vollziehen, (BA pag. 13.1.219). Dass die Heirat 

dabei dem höheren Ziel der Hijrah dienen sollte, ergibt sich bereits aus einem 

mittels akustischer Überwachung aufgenommenen, zwischen ihm und M. geführ-

ten Gespräch vom 25. Mai 2019, in welchem u.a. über «Brüder» die in Syrien 

waren gesprochen wurde und demzufolge der Beschuldigte so rasch wie möglich 

zu heiraten beabsichtigte, mit dem Zweck der Hijrah, um sich dem IS anzu-

schliessen (BA pag. 10.1.333 f.). Zu diesem Sinne schrieb der Beschuldigte am 

19. September 2019 dem User «N.», dass die Heirat «die Türe zur Hijra direkt 

öffne» (BA pag. 10.1.333 f.; 13.1.178) und unterhielt sich mit F. alias «F1.» über 

eine möglichst unauffällige Ausreise mit einer Frau nach Syrien (BA pag. 

13.1.258 ff.; -219). In diesem Zusammenhang stand er zwischen dem 5. und 6. 

Oktober 2019 mit D., die er bereits zu Beginn des Jahres kennengelernt hatte, in 

Kontakt, tauschte mit ihr IS-Propagandamaterial – u.a. die erste Ausgabe des IS-

Propagandamagazins Dabiq – aus, in welchem die «Hijra zur Khilafah» themati-

siert wird, wobei die Heirat letztlich mangels geeignetem «wali» (zu Deutsch: Vor-

mund, Bevollmächtigter der Braut bei der Schliessung des Ehevertrags) nicht 

stattfand (BA pag. 10.1.332 f.; 13.1.171 ff.; -206, Beilage 3; 12.2.10). D. gab zu 

Protokoll, sich vom Beschuldigten bezüglich der Heirat und Hijrah bedrängt ge-

fühlt zu haben (BA pag. 12.2.53; 10.1.334). Daraufhin nahm der Beschuldigte 

den Kontakt zu C., einer minderjährigen, in Österreich lebenden IS-Unterstütze-

rin, mit der er bereits zuvor in Kontakt stand, wieder auf mit dem Ziel, diese zu 

heiraten und mit ihr die Hijrah zum IS zu vollziehen (siehe dazu E. 3.3). 

  

https://de.wikipedia.org/wiki/Hidschra

- 15 - 

SK.2022.55 

2.4 «Street-Dawa» 

2.4.1 Die damalige ideologische Einstellung des Beschuldigten kam auch durch Missi-

onierungstätigkeiten in Konnotation mit dem IS resp. seiner Bereitschaft dazu 

zum Ausdruck: 

2.4.2 Am 9. April 2019 wurde der Beschuldigte zum «Emir» (Chef, Leiter) der «Street 

Dawa» (Missionierung zum Islam) in U. ernannt (BA pag. 13.1.365 f.; TPF pag. 

9.731.017). Den Aussagen des Beschuldigten entsprechend soll es sich dabei 

nicht um eine Koranverteilungsaktion im Sinne der Aktion «LIES!» gehandelt ha-

ben, sondern vielmehr um eine Flyer-Verteilaktion (BA pag. 13.1.366). Im zuge-

hörigen WhatsApp-Gruppenchat teilte der Beschuldigte am 17. April 2019 einen 

entsprechenden Flyer, auf welchem ein Zitat des IS-Exponenten «Abu Walaa» 

(Ahmad Abdulaziz Abdullah, genannt Abu Walaa, ist ein aus dem Irak stammen-

der salafistischer Prediger, der in Deutschland junge Muslime für den IS ange-

worben hat und am 24. Februar 2021 wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in 

einer terroristischen Vereinigung zu zehneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt 

wurde; https://de.wikipedia.org/wiki/Abu_Walaa; letztmals besucht am 

31.07.2023) sowie dessen Name abgedruckt ist (BA pag. 13.1.367; -375; 

WhatsApp Chat Dawa Team U., Zeile 40). Folglich handelte es sich dabei nicht 

um eine blosse Missionierungstätigkeit zugunsten des Islams, sondern vielmehr 

um eine unter diesem Vorwand verdeckte Verbreitung der Ideologie des IS. Letz-

teres zeigt sich auch anhand des im Rahmen der akustischen Innenraumüber-

wachung der Räumlichkeiten «P.», […], aufgenommenen Gesprächs zwischen 

dem Beschuldigten und M. (BA pag. 13.1.206), anlässlich dessen das Verständ-

nis des Begriffs «Dawa machen» im «Dschamaat» Winterthur besprochen 

wurde. M. erklärte, dass es beim «Dawa» machen einzig darum gehe, die Ideo-

logie des IS zu verbreiten bzw. den IS in ein gutes Licht zu rücken und Propa-

ganda zu betreiben (BA pag. 10.1.333; 13.1.169 f.; -206).  

2.5 Gründung der Medienagentur «Q.» 

2.5.1 Der von der Ideologie des IS − und in geringerem Masse auch vom Wertekanon 

der Al-Qaïda − geprägte Beschuldigte strebte als neueres Mitglied des «Dscha-

maat» Winterthur nach Aufmerksamkeit und Anerkennung und gründete diesem 

Zweck entsprechend seine eigene «Medienagentur» namens «Q.» (aus dem 

arabischen «rayat at-tauhid», zu Deutsch «die Fahne des Monotheismus»; BA 

pag. 10.1.232; -336). Die «Fahne des Monotheismus» bezeichnet eine Fahne, 

auf der das islamische Glaubensbekenntnis, die «shahada», abgebildet ist. Auch 

die IS-Fahne wird als «rayat at-tauhid» bezeichnet. Insofern wählte der Beschul-

digte für seine neugegründete «Medienagentur» einen Namen, der im gegenwär-

tigen Kontext und mit Blick auf seine damalige Ideologie offensichtlich Nähe zum 

IS evozieren soll. Dies ergibt sich auch aus dem, in den elektronischen Sicher-

stellungen vorgefundenen, vom Beschuldigten in diesem Zusammenhang in vi-

sueller Anlehnung an das Siegel der Terrororganisation IS erstellten Logo. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Abu_Walaa

- 16 - 

SK.2022.55 

Dieses enthält denselben kalligraphischen Schriftzug «al-daula al-islamiya» (zu 

Deutsch «Der Islamische Staat»), wobei die Worte «Islamic State» unter dem 

Siegel mit den Worten «Q.» ersetzt wurden (BA pag. 10.1.232 f.; 13.1.316). In 

den von ihm bearbeiteten bzw. produzierten propagandistischen Material zu-

gunsten des IS, welches er unter dem Label seiner Medienagentur auf verschie-

denen Social-Media-Accounts verbreitete (dazu nachfolgend E. 3.4), verwendete 

der Beschuldigte anstellte des besagten Logos ein schlichteres, bestehend aus 

dem Schriftzug «Q.» in grossen, weissen Lettern vor schwarzem Hintergrund. 

Zumindest von der Farbgebung her weist das von ihm verwendete Logo eine 

deutliche Ähnlichkeit mit dem Siegel des IS auf (BA pag. 10.1.257 ff.). 

2.5.2 Unter dem Label seiner Medienagentur verbreitete der Beschuldigte fortan Pro-

pagandamaterialien des IS und − wenn auch in deutlich geringerem Umfang − 

der Al-Qaïda, welches er teilweise vor der Veröffentlichung bearbeitete, derge-

stalt, als er das Logo seiner «Medienagentur» sowie einen Vor- und/oder Nach-

spann, mitunter durch einen Naschid unterlegt, einfügte und die arabischen oder 

türkischen Inhalte deutsch untertitelte (siehe dazu E. 3.4). Im Vor- und/oder 

Nachspann verwies der Beschuldigte regelmässig auf seine Social-Media-Ac-

counts. Die von ihm bearbeiteten Propagandavideos bezog er u.a. über einschlä-

gige IS-Propagandakanäle auf Telegram, wie namentlich «S.» (abonniert am 

15. Oktober 2019, 12:48 Uhr), «T.» (abonniert am 19. Oktober 2019, 12:31 Uhr), 

«AA.» (abonniert am 22. Oktober 2019, 22:05 Uhr) und «BB.» (abonniert am 

25. Oktober 2019, 21:52; [BA pag. 10.1.335]) oder via YouTube (TPF pag. 

9.731.043). Zur Bearbeitung der Videos verwendete er zu Beginn seiner Online-

aktivitäten die Mobiltelefonapplikation «LLL.» (BA pag. 13.1.312; -326). Zur Pro-

fessionalisierung der Erzeugnisse auch in technischer Hinsicht erwarb der Be-

schuldigte die spezialisierte Videobearbeitungssoftware «MMM.» (zum Preis von 

ca. 50 bis 60 Euro), weshalb ab diesem Zeitpunkt ein deutlicher Qualitätsgewinn 

in den so von ihm bearbeiteten Videos festzustellen ist (BA pag. 10.1.335; 

13.1.327; -310). Dabei war der Beschuldigte nach eigenen Angaben bemüht, ein-

deutige Kennzeichen der Terrororganisationen IS und Al-Qaïda in den von ihm 

bearbeiteten resp. hergestellten Propagandamaterialien – zumindest in den Vi-

deos – zu entfernen, damit diese nicht gleich als solche erkennbar waren und er 

eine Löschung seines Accounts umgehen konnte (BA pag. 13.1.0310: -0317; -

0320; TPF pag. 9.731.036). 

 

2.6 Nutzung von Social-Media-Accounts zur Verbreitung von Propaganda 

Unter dem Label seiner Medienagentur «Q.» führte der Beschuldigte als Admi-

nistrator diverse Social-Media-Accounts, um die neu gewonnene Ideologie zu 

verbreiten. Anklagerelevant sind insbesondere die folgenden Social-Media-Ac-

counts des Beschuldigten: 

- 17 - 

SK.2022.55 

2.6.1 In der Instant-Messenger-App Telegram erstellte der Beschuldigte am 29. Mai 

2019 den Telegram-Kanal mit der ID […] und dem Namen «CC.», welchen er am 

22. Juli 2019 auf «DD.» umbenannte und schliesslich ab Oktober 2019 unter dem 

Namen «Q1.» als alleiniger Administrator führte, nachdem sein zuvor unter die-

sem Namen geführter Kanal mutmasslich gelöscht wurde (BA pag. 10.1.231). 

Auf diesem Kanal verbreitete der Beschuldigte einschlägige IS/Al-Qaïda-Propa-

ganda (siehe dazu E. 3.4). Zur Zeit der Sicherstellung der Asservate zählte der 

öffentliche und somit jedem auf Telegram zugängliche Kanal 74 Abonnenten (BA 

pag. 10.1.233). Spätestens ab August 2019 betrieb der Beschuldigte einen zwei-

ten Telegram-Kanal mit dem Namen «Q2.» und der ID  […]. Dieser Kanal zählte 

am 27. August 2019 117 Abonnenten (BA pag. 10.1.283) und diente ebenfalls 

dazu, von ihm bearbeitete bzw. hergestellte IS-Propagandamaterialien zu ver-

breiten (siehe dazu E. 3.4). Der Kanal wurde im Oktober 2019 gelöscht, worauf-

hin der Beschuldigte fortan den hier erstgenannten Telegram-Account für die 

Verbreitung seiner vornehmlich propagandistischen Inhalte verwendete (BA 

pag. 10.1.282 f.). 

2.6.2 Neben den unter dem Label seiner Medienagentur geführten Telegram-Kanälen 

verfügte der Beschuldigte noch über einen privaten Telegram-Account (ID [...]). 

Er verwendete dabei den Benutzernamen «Sayfullah O1.», zu Deutsch «der 

höchste Soldat des Propheten» und den Nicknamen «O2.» (BA pag. 10.1.102; 

13.1.26). Mittels dieses Kanals kommunizierte er mitunter mit Gleichgesinnten 

und tauschte regelmässig propagandistische Materialien des IS aus (siehe dazu 

E. 3.3.2; 3.3.3). 

2.6.3 Auf Instagram führte der Beschuldigte ebenfalls ein Konto unter dem Label seiner 

Medienagentur «Q.», wobei er in den von ihm bearbeiteten bzw. hergestellten 

Videos regelmässig für diesen Account warb (BA pag. 10.1.293). So teilte er am 

21. Oktober 2019 den Link zu diesem Konto auch in seinem Telegram-Kanal 

«Q1.». Den hier gegenständlichen Instagram-Account nutzte der Beschuldigte, 

um unter dem Label seiner Medienagentur diverse Videos mit propagandisti-

schen Inhalten des IS zu verbreiten (siehe dazu E. 3.4). Stand 14. Oktober 2019 

wies dieses Instagram-Konto 242 Abonnenten auf (BA pag. 10.1293). 

2.6.4 Auf YouTube verfügte der Beschuldigte über einen einschlägigen Account unter 

dem Pseudonym «Q.» (BA pag. 10.1.291), welchen er mitunter dazu nutzte, um 

ein Propagandavideo des IS zu veröffentlichen, welches er zuvor durch Einfügen 

seines Logos «Q.» in der linken oberen Ecke mittels der Software «LLL.» oder 

«MMM.» bearbeitete und den fremdsprachigen Inhalt deutsch untertitelte (siehe 

dazu E. 3.4.2.4). Infolge Verstosses gegen die Nutzungsrichtlinien von YouTube 

zu «gewalttätigen kriminellen Organisationen» wurde das vom Beschuldigten 

kurz zuvor veröffentlichte Video (betrifft Anklageziffer 1.1.2.1, Beitrag Nr. 23) am 

3. September 2019 seitens YouTube gelöscht, worüber er informiert wurde (BA 

pag. 10.1.291; 13.1.336 ff.). Am Folgetag wurde der Beschuldigte erneut aus 

demselben Grund seitens YouTube verwarnt; gleichentags folgten zwei weitere 

- 18 - 

SK.2022.55 

Informations-E-Mails seitens YouTube, mit denen der Beschuldigte über die voll-

zogene Löschung seiner hochgeladenen Inhalte informiert wurde (BA 

pag. 10.1.291 f.; 13.1.336 ff.). Anschliessend wurde das YouTube-Konto des Be-

schuldigten wegen Verstosses gegen die Richtlinien vorläufig gesperrt (BA 

pag. 13.1.305; -339). 

2.6.5 Auf all diesen Social-Media-Accounts verherrlichte der Beschuldigte − in jeweils 

unterschiedlichem Ausmass − die Ideologie des IS und der Al-Qaïda (dazu nach-

folgend E. 3.4). Die Inhalte dieser Social-Media-Accounts lassen keinen Zweifel 

daran, dass sich der Beschuldigte die Ideologie des IS und der Al-Qaïda sowie 

verwandter Organisationen zu eigen gemacht hatte und selbst eine eigentliche 

«Online»-Propagandamaschinerie zugunsten dieser terroristischen Gruppierun-

gen betrieb. Durch die vom Beschuldigten vorgenommenen Übersetzungen auf 

Deutsch erhielt der IS eine Plattform im deutschsprachigen Raum (BA pag. 

10.1.275). Seinem Bestreben entsprechend brachten die Onlineaktivitäten dem 

Beschuldigten zudem die ersehnte Anerkennung; wurden seine Beiträge doch 

von bis zu 849 Personen gesichtet, was die weitreichende Resonanz seiner pro-

pagandistischen Aktivität verdeutlicht (BA pag. 10.1.275; 13.1.329 ff.). Im Okto-

ber 2019 wurde er über B. von einem internationalen, inoffiziellen IS-Propagan-

dakanal («EE.») im Hinblick auf eine mögliche Zusammenarbeit angefragt. Kon-

kret wurde der Beschuldigte angefragt, türkisch- oder arabischsprachige Videos 

oder PDF-Dokumente auf Deutsch zu übersetzen, was er nach eigenen Angaben 

indes ablehnte (BA pag. 10.1.296 f.; -396; 13.1.308 f.; 13.2.1526; -112). Dennoch 

bekräftigen diese Anfragen die transnationale Ausstrahlung seiner Medienagen-

tur «Q.» in der deutschsprachigen IS-Sympathisantenszene. 

2.7 Bezeichnung als «munasirin» und Mujahideen 

2.7.1 Aus den forensischen Sicherstellungen geht hervor, dass der Beschuldigte am 

18. August 2019 den Link «t.me/Q.» über seinen Telegram-Kanal «Q1.» versen-

dete und diesen mit den Worten «WE ARE MUNASIREEN» betitelte (BA pag. 

10.1.229; -309, Beilagen, Kapitel 2, Telegram-Kanal Q1., Zeile 130). Den glei-

chen Link versendete er am 8. Oktober 2019 an «FF.» (BA pag. 13.1.196; -198). 

Unter dem Begriff «munasireen» (Mehrzahl für munasirin, aus dem arabischen 

munasir: Unterstützer; anfängliche Bezeichnung in IS-Gebieten für Anhänger des 

IS, die den Treueeid noch nicht formell abgelegt haben im Gegensatz zu den IS-

Kämpfern «mujahidin»; mit dem Gebietsverlust des IS erhielt der Begriff eine 

neue Bedeutung und bezeichnet heutzutage die Anhänger des «virtuellen Kali-

fats», die durch die anhaltende Produktion und Verbreitung von Propagandama-

terial auf den sozialen Netzwerken dafür sorgen, dass die IS-Präsenz aufrecht-

erhalten wird um den Anschein zu wahren, dass das Kalifat nicht verschwunden 

ist, und um neue Anhänger für die Sache zu gewinnen; BA pag. 10.01.0229 

m.w.H.; HEIMGARTNER/INHELDER, a.a.O., S. 1217 ff., 1222). Der Beschuldigte 

räumte im Vorverfahren ein, diese Formulierung bringe zum Ausdruck, dass sie 

«Unterstützer des IS» seien (BA pag. 13.1.174). Ferner bezeichnete er in einer 

- 19 - 

SK.2022.55 

Nachricht vom 6. Oktober 2019 seine Chatpartnerin D. als «munasira» (weibliche 

Form von «muansir»; Zitat: «Ha garned gwüsst dass du so e munasira bisch»), 

d.h. als Unterstützerin des IS (BA pag. 13.1.172; 10.1.309, Beilagen, Kapitel 1, 

Telegram-Chat mit D., Zeile 102). Aufgrund seiner (damaligen) Ideologie ist über-

dies unzweifelhaft, dass der Beschuldigte um den IS-Konnex dieses Begriffes in 

der so verwendeten Art wusste und beabsichtigte, eben dies auch auszudrücken. 

2.7.2 Ferner bezeichnete sich der Beschuldigte am 18. Oktober 2019 seiner Chatpart-

nerin C. (siehe dazu E. 3.3.7.3) gegenüber als «Mujahideen» (englisch für Mud-

schahid, Personen die im Dschihad kämpfen, sog. Gotteskrieger; https://de.wi-

kipedia.org/wiki/Mudschahid, letztmals besucht am 31.07.2023 (BA pag. 

10.1.107; 10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 38). Damit gab er seine damalige 

ideologische Überzeugung erneut offen kund. Dieses Selbstbild des Beschuldig-

ten wird zudem durch die Sicherstellungen auf seinem Mobiltelefon unterstri-

chen, befanden sich darunter namentlich Fotografien seiner selbst in Anlehnung 

an Abbildungen von IS-Kämpfern (Kleidung mit Tarnmuster; dunkle, tief ins Ge-

sicht gezogene Mützen mit der «shahada»; Kinnbart wie er von IS-Mitgliedern 

regelmässig getragen wird; Aufnahme mit verpixelten Augen), die im Gesamtbild 

den Eindruck erwecken, dass sich der Beschuldigte als Gotteskrieger fühlte oder 

zumindest versuchte einen solchen darzustellen (BA pag. 13.1.49 ff.). Der Be-

schuldigte selbst tat dies als «Style-Sache» ab, beteuerte aber gleichzeitig, in 

einem solchen Aufzug nicht nach draussen zu gehen (BA pag. 13.1.113 f.). 

2.8 Bezug des Beschuldigten zum Dschihad 

2.8.1 Aus den Sicherstellungen geht hervor, dass der Beschuldigte über seinen Tele-

gram-Kanal «Q1.» am 18. August 2019, 22:32:32 Uhr (siehe dazu nachfolgend 

E. 3.4.1) die Datei mit dem Namen «[...] » (zu Deutsch: […]) teilte. Bei besagtem 

Dokument handelt es sich um eine türkische Übersetzung der Schrift «[…]» (on-

line abrufbar unter: https://ebooks.worldofislam.info/ebooks/Jihad/An-

war_Al_Awlaki_-[...].pdf; letzmals besucht am 31.07.2023), die 2009 von Anwar 

Al-Awlaki, der bis zu seiner Tötung im Jahr 2011 als Hauptideologe der Al-Qaïda 

galt, veröffentlicht wurde. In dieser Schrift werden insbesondere nicht-arabisch-

sprachige Muslime (Muslims of the West) darüber aufgeklärt, wie sie die «Pflicht 

des Jihad» unterstützen können. Zu den «[…]» gehören – der Aufforderung von 

Anwar al-Awlaki entsprechend – insbesondere folgende Punkte: 

 

Punkt 3:  Jihad with your wealth / Betreibe Dschihad mit deinem Vermögen 

Punkt 4: Fundraising for Mujahideen / Spendensammlung 

Punkt 15: Encouraging others to fight Jihad / Andere zu motivieren im Dschihad zu 

kämpfen 

Punkt 18: Following the news of Jihad and spreading it / Neuigkeiten zum Dschihad 

verfolgen und diese verbreiten, da es motivierend sei, wenn die 

https://de.wikipedia.org/wiki/Mudschahid
https://de.wikipedia.org/wiki/Mudschahid

- 20 - 

SK.2022.55 

heroischen Taten der Gotteskrieger verfolgt werden und dabei verfolgt 

werden kann, wie Allah seine Diener beschützt und zum Sieg führt 

Punkt 19: Spreading the writings of the mujahideen and their scholars / Verbreitung 

der Schriften der Gotteskrieger und deren Schüler. Exemplarische Auf-

zählung, wie dies vorgenommen werden kann: Verbreitung im Internet, 

andere Personen zu Webseiten mit solchen Inhalten zu leiten resp. darauf 

aufmerksam zu machen sowie das Abhalten von privaten Treffen, um 

diese Dinge zu studieren 

Punkt 22: Physical fitness / Körperliche Fitness als Teil der Vorbereitung für den 

Dschihad  

Punkt 29: www Jihad / Online-Dschihad 

Nennung von Wegen, wie Brüder und Schwestern als «internet muja-

hideen» etwas beitragen können: Posting von Dschihad-Literatur und 

News, Erstellung von Foren oder Webseiten zu bestimmten Bereichen 

des Jihads, wie bspw. «mujahideen news» und «jihad» Literatur 

Punkt 36: Preparing for Hijrah / Vorbereitung für die Hijrah 

Muslime sollen sich vorbereiten und die Hijrah vollziehen, wenn sich die 

Möglichkeit bietet, weil es illegal ist, mit Ungläubigen zu leben und der 

Dschihad selbst die Hijrah verlangt 

Punkt 40: Nasheeds / Anhören von Naschids, um für den Dschihad die nötige Inspi-

ration mitzubringen, wobei Naschids als wichtiges Element in der Schaf-

fung einer «jihad Kultur» bezeichnet werden 

Punkt 42: Learning Arabic / Arabisch, als die Sprache des internationalen Dschihad 

lernen 

Punkt 43: Translating Jihad literature into other languages / Übersetzung von 

Dschihad-Literatur in andere Sprachen 

 

Im Ingress der besagten Schrift wird zudem ausgeführt, es sei die Pflicht eines 

jeden Muslims Wege zu finden, den Dschihad auszuüben und zu unterstützen. 

2.8.2 Die vorgenannten 11 Wege zur Unterstützung des Dschihads treffen – wie nach-

folgend zu zeigen sein wird (E. 3.2 ff.) – auf den Beschuldigten zu. Damit trug er 

zum Ziel der terroristischen Organisationen (insbesondere des IS) bei, mittels 

Produktion und Verbreitung von Propagandamaterial neue Anhänger für «die Sa-

che» zu akquirieren. 

2.9 Der «Traum» des Märtyrertods 

2.9.1 Auf dem persönlichen Mobiltelefon Samsung Galaxy S9 (Asservat 04.06.0001) 

wurde eine dreiteilige Videoserie von «GG.» über die «Herstellung eines Spreng-

stoffgürtels» sichergestellt, welche der Beschuldigte am 20. Juni 2019 via Tele-

gram bezog. Das die Tötung von Ungläubigen mit allen verfügbaren Mitteln 

- 21 - 

SK.2022.55 

propagierende Video beginnt mit einer Einleitung zur Rechtfertigung der Tötung 

von Ungläubigen, danach folgt eine detaillierte Erklärung über die Sprengstoff-

herstellung (Teil 1), die übergeleitet wird in die Anleitung zur Herstellung eines 

Sprengstoffgürtels (Teil 2) und schliesslich mit der Herstellung des Zündmecha-

nismus endet (BA pag. 13.1.162). Der Beschuldigte bestreitet, das auf seinem 

Mobiltelefon abgespeicherte Video (an)gesehen zu haben (BA pag. 13.1.12). 

Aus dem sichergestellten Telegram-Chat zwischen dem Beschuldigten und F. 

alias «F1.», anlässlich dessen sie sich unter anderem über Frauen, die Hijrah 

und den Märtyrertod unterhielten, schrieb der Beschuldigte am 15. Oktober 2019, 

dass er, wenn er nicht weggehen könne, «etwas herumfummeln» werde. F. 

fragte daraufhin nach mit den Worten «sowas z.B.» und sandte eine Videonach-

richt, welche Selbstmordattentate auf westliche Ziele propagiert (BA pag. 

13.1.255 ff.; - 259; -302), woraufhin der Beschuldigte antwortete «Ja, Bruder» 

(BA pag.13.1.259). Dazu befragt, gab der Beschuldigte an, dass er das nicht 

ernst gemeint habe; er habe nie die Absicht gehabt, ein Attentat zu verüben und 

das in diesem Chat sei nur dummes Gerede gewesen (BA pag. 13.1.218 f.; -222 

f.). Bemerkenswerterweise bezeichnete er jedoch den Märtyrertod anlässlich der 

Einvernahme vom 23. September 2019 als «Traum eines IS-Kämpfers» (BA pag. 

13.1.218). Am 18. August 2019 teilte der Beschuldigte über seinen Telegram-

Kanal «Q1.» zudem die Datei «[...]» (siehe dazu E. 3.4.1 f.), in welcher die Leser 

dazu ermuntert werden, Anschläge in ihrem eigenen Land zu verüben (BA pag. 

10.1.345; -246). 

2.9.2 Insgesamt ist festzustellen, dass sich der Beschuldigte durchaus mit dem Märty-

rertod – insbesondere begangen durch (Selbstmord-)Attentate – auseinanderge-

setzt, was seine den IS und dessen gewaltverherrlichende, extremistische Ideo-

logie bejahende Einstellung abermals verdeutlicht. 

2.10 Schliesslich lässt auch das beim Beschuldigten zahlreich sichergestellte Beweis-

material (Fotos, Videos etc.) ohne Weiteres auf seine (damalige) ideologische 

Einstellung für verbotene Gruppierungen, namentlich den IS und die Al-Qaïda, 

schliessen, wie die nachfolgende Auswahl zeigt: insgesamt neun Ausgaben des 

IS-Onlinepropagandamagazins «Dabiq» (darunter die erste Ausgabe, in welcher 

die «Hijra zur Khilafah» behandelt wird) sowie sechs Ausgaben des IS-Propa-

gandamagazins «Rumiyah» (BA pag. 10.1.333; 13.1.110); diverse Videos des IS 

mit Erschiessungs- und Enthauptungsszenen (BA pag. 10.1.346 ff.); das Doku-

ment mit dem Titel «[...]», eine Ausgabe des offiziellen IS-Verlags «HH.» (pag. 

10.1.373; 13.1.108); eine Collage mit Abbildungen der IS-Flagge sowie Portraits 

von Exponenten des IS und der Al-Qaïda, darunter Osama Bin Laden und Abu 

Bakr al-Baghdadi (BA pag. 13.1.161; 13.1.115). 

  

- 22 - 

SK.2022.55 

2.11 Deradikalisierung 

2.11.1 Rund ein Jahr nach seiner Verhaftung und damit bereits im Vorverfahren – sowie 

auch anlässlich der Hauptverhandlung – beteuerte der Beschuldigte, sich zwi-

schenzeitlich vollständig von der IS-Ideologie abgewendet zu haben. Er habe 

sich nicht nur von den Leuten aus Winterthur, sondern von der IS-Ideologie ge-

trennt, sich sogar in den sozialen Medien kritisch zum IS geäussert und sei in der 

Folge als ein «vom Glauben Abgefallener» bezeichnet worden (BA pag. 

13.1.208 f.). Sein Umdenken, so der Beschuldigte, habe während der Untersu-

chungshaft begonnen; er habe reflektiert, wobei ihm klar geworden sei, dass er 

in diesem Kreis (Winterthurer IS-Szene) ein falsches Weltbild bekommen habe 

(BA pag. 13.1.228; TPF pag. 9.731.050). Es habe ihn auch keiner seiner «frühe-

ren Brüder» besucht (BA pag. 13.1.318). Zu seinem Deradikalisierungsprozess 

befragt, gab der Beschuldigte an, er habe den Koran und Bücher aus «richtigen» 

Quellen gelesen, die ihm seine Mutter zugesendet habe, eine Dokumentation 

über einen IS-Aussteiger im TV gesehen und mit einem Imam, der ins Gefängnis 

kam, gesprochen. Es sei ein langer Prozess gewesen, aber er habe es geschafft 

(TPF pag. 9.731.050; -51). Gleichzeitig gab er auf Nachfrage an, dass er sich 

schon während des ersten oder zweiten Tags in Untersuchungshaft vom IS ab-

gewendet habe, dies weil er schon vor seiner Verhaftung «verwirrt» gewesen sei 

(TPF pag. 9.731.051). Nach seiner Entlassung habe er dann mit diversen Perso-

nen, u.a. aus der türkischen Moschee, gesprochen und eine Kampfsportschule 

in der Türkei, die seine Mutter für seinen dortigen Aufenthalt organisiert habe, 

besucht (TPF pag. 9.731.051; -52; 9.761.007). Dadurch habe er erkannt, dass er 

mit den falschen Leuten Kontakt gehabt habe und diese Personen die Religion 

falsch praktizieren würden (TPF pag. 9.731.051; -52). Er habe jedoch nach der 

Haftentlassung (am 16. März 2020) weder jemals professionelle Hilfe in An-

spruch genommen noch sich bei einer Institution gemeldet oder an einem Dera-

dikalisierungsprogramm teilgenommen. Er habe Derartiges schlicht nicht bzw. 

nicht mehr für notwendig befunden und habe immer daran geglaubt, dass er den 

Ausstieg selber schaffen werde (TPF pag. 9.731.052). 

2.11.2 Die Aussagen des Beschuldigten hinsichtlich seiner Abkehr vom IS und dessen 

Gewaltideologie erscheinen für das Gericht nicht vollends glaubhaft, will er der 

terroristischen Ideologie des IS und der Al-Qaïda doch bereits wenige Tage nach 

seiner Verhaftung abgeschworen haben, obwohl er während mindestens vier 

Jahren (2015 bis 2019) mehr oder minder für diese Gruppierungen, in erster Linie 

für den IS, sympathisierte und sich diesem, auf dem Höhepunkt seiner Radikali-

sierung ab Sommer 2019, letztlich ganz verschrieb. So räumt auch der Beschul-

digte selbst ein, dass es ein langer Prozess gewesen sei und er sich auch nach 

seiner Entlassung noch in diesem Prozess befunden habe. Ob dieser zwischen-

zeitlich vollständig und nachhaltig abgeschlossen ist und sich der Beschuldigte 

von extremistischem Gedankengut gelöst hat, bleibt fraglich. Schliesslich be-

fasste sich der Beschuldigte seit 2015 weitgehend ununterbrochen mit dieser 

- 23 - 

SK.2022.55 

radikal-islamistischen Glaubenslehre. Zudem zeigte er sich anlässlich der letzten 

Einvernahme vor der Kriminalpolizei in Kleidung mit dem Emblem der extremis-

tischen Gruppierung «Graue Wölfe». Abklärungen beim Nachrichtendienst des 

Bundes (NDB) haben ergeben, dass es sich dabei um eine rechtsextremistische, 

nationalistische Organisation handelt, die eng mit der türkischen Partei der Nati-

onalistischen Bewegung (MHP) verbunden ist. Die «Grauen Wölfe» seien be-

kannt für ihre früheren Mordanschläge und Gewalttaten (TPF pag. 9.262.3.006). 

Insgesamt steht für das Gericht aufgrund dieser Erkenntnisse fest, dass der Be-

schuldigte seinen Hang zu extremistischen, radikalisierten Gruppierungen entge-

gen seinen Aussagen (noch) nicht gänzlich überwunden hat. Dem wird in Form 

einer Weisung (nach Art. 94 StGB) zu begegnen sein (siehe nachfolgend unter 

E. 7). 

2.12 Für das Gericht ist anhand der sichergestellten Beweismittel in Form von Fotos, 

Videos, Chats und Beiträgen auf sozialen Medien, den Erkenntnissen aus gehei-

men Überwachungsmassnahmen, den Aussagen des Beschuldigten und seines 

«elektronischen Fussabdrucks» zweifellos erstellt, dass sich der Beschuldigte im 

Anklagezeitraum (29. Mai 2019 bis 29. Oktober 2019) die Ideologie des IS und 

damit insbesondere dessen Wertekanon, Einstellung zum Dschihad sowie die 

Errichtung eines weltumspannenden Kalifats zu eigen machte und inhaltlich voll-

umfänglich teilte. Er bediente sich der virtuellen Kampfführung für den IS und war 

bereit, dem Ruf des IS zu folgen, die Hirjah zu vollziehen, sich dem IS anzu-

schliessen und unter dem Kalifat zu leben. In seiner Gesamtheit steht fest, dass 

es sich beim Beschuldigten im Anklagezeitraum um einen glühenden Anhänger 

der Werteideologie und Glaubenslehre des IS und in geringerem Mass der Al-

Qaïda handelte und er diesen Wertekanon mit all seinen radikalen, menschen-

verachtenden Ausprägungen kompromiss- und kritiklos teilte. 

 

3. Widerhandlungen gegen Art. 2 Abs. 1 des «Al-Qaïda/IS»-Gesetzes 

3.1 Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten zusammengefasst vor, die ver-

botenen Gruppierungen Al-Qaïda und IS oder verwandte Organisationen im Zeit-

raum von Mai 2019 bis 28. Oktober 2019 unterstützt bzw. gefördert zu haben, 

indem er: 

− die zum Tatzeitpunkt minderjährige C. in ihrer Befürwortung der Ideologie des 

IS und in ihrem Entschluss, sich in dessen Herrschaftsgebiet in Syrien zu 

begeben und sich diesem anzuschliessen, bestärkt habe (Anklagezif-

fer 1.1.1); 

− Propagandamaterial für die verbotenen Gruppierungen Al-Qaïda und IS oder 

verwandte Organisationen hergestellt und verbreitet habe (Anklagezif-

fer 1.1.2); 

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SK.2022.55 

− Spendengelder zur Befreiung gefangener IS-Exponenten im Konfliktgebiet 

Syrien gesammelt und weitergeleitet habe (Anklageziffer 1.1.3). 

3.2 Rechtliches 

3.2.1 Nach Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz macht sich strafbar, wer sich auf dem Gebiet 

der Schweiz an einer nach Art. 1 verbotenen Gruppierung oder Organisation be-

teiligt, sie personell oder materiell unterstützt, für sie oder ihre Ziele Propagan-

daaktionen organisiert, für sie anwirbt oder ihre Aktivitäten auf andere Weise för-

dert. Nach Art. 1 des Gesetzes sind namentlich verboten die Gruppierungen Al-

Qaïda (lit. a), IS (lit. b) und Tarn- und Nachfolgegruppierungen derselben sowie 

Organisationen und Gruppierungen, die in Führung, Zielsetzung und Mitteln mit 

jenen übereinstimmen oder in ihrem Auftrag handeln (lit. c) (nachfolgend: verbo-

tene Gruppierungen). 

3.2.2 Die Strafbestimmung bewirkt eine Vorverlagerung der Strafbarkeit, indem sie 

schon das Unterstützen und Fördern der in Art. 1 des Gesetzes benannten ver-

botenen Gruppierungen unter Strafe stellt, ebenso wie alle Handlungen, die da-

rauf abzielen, diese materiell oder personell zu unterstützen. Die vorgenannten 

Tathandlungen des Untersützens und Förderns stellen verselbständigte 

Teilnahmehandlungen dar (mit Bezug auf den gleichlautenden Art. 2 Abs. 1 Al-

Qaïda-Verordnung der Bundesversammlung vom 23. Dezember 2011; vgl. Urteil 

des Bundesstrafgerichts SK.2021.22 vom 11. November 2021 E. 3.2.1 m.w.H.). 

Voraussetzung ist, dass eine der im Straftatbestand benannten Tatvarianten auf 

dem Gebiet der Schweiz (gemäss Abs. 2 auch im Ausland) ausgeführt wird (EI-

CKER, Zur Interpretation des Al-Qaïda- und IS-Gesetzes durch das Bundesstraf-

gericht im Fall eines zum Islamischen Staat Reisenden, Jusletter 21. Novem-

ber 2016, Rz. 11).  

Die Bestimmung bezweckt den Schutz der öffentlichen Sicherheit schon im Vor-

feld von Straftaten. Die Bedrohung manifestiert sich dabei in einer aggressiven 

Propaganda, die Personen in der Schweiz zur Verübung von Anschlägen oder 

zum Anschluss an andere terroristische Organisationen verleitet (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_948/2016 vom 22. Februar 2017 E. 4.1 m.w.H.). Propagandaak-

tionen für die Al-Qaïda, den IS und deren verwandten Organisationen sind somit 

nicht von der Meinungsäusserungs- oder Medienfreiheit (Art. 16 und Art. 17 BV) 

geschützt, denn das Gesetz drängt diesbezüglich Grundrechte Einzelner im 

Sinne von Art. 36 BV zum Schutz der Allgemeinheit zurück.  

3.2.2.1 Den Tatbestand von Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz erfüllt insbesondere, wer Pro-

paganda für verbotene Gruppierungen in objektiv erkennbarer Weise bewusst 

verbreitet (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_169/2019 vom 26. Februar 2020 

E. 2.4 und 6B_948/2016 vom 22. Februar 2017 E. 4.2.2; Urteile des Bundesstraf-

gerichts SK.2019.63 vom 18. Dezember 2019 E. 2.2.2 und SK.2019.23 vom 

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SK.2022.55 

15. Juli 2019 E. 3.2.2 und E. 5.1 f.). Beim Verbreiten von Propaganda wird Pro-

paganda für verbotene Gruppierungen oder deren Ziele vom Täter an Drittperso-

nen mitgeteilt. Bereits die Mitteilung an einen Dritten erhöht die Wahrscheinlich-

keit, dass die Propaganda bzw. die Propagandaaktion weitere Beachtung findet. 

In der Regel ist somit nicht erforderlich, dass die Propaganda an eine Vielzahl 

von Personen verbreitet wird (Urteile des Bundesstrafgerichts SK.2019.74 vom 

7. Oktober 2020 E. 2.2.2.4; SK.2019.71 vom 11. September 2020 E. II. 4.2.3.4). 

3.2.2.2 Propaganda im allgemeinen Sinne äussert sich – genau wie Werbung – in Mass-

nahmen, die darauf abzielen, den Adressaten zu einem bestimmten Denken, 

Verhalten oder Handeln zu veranlassen. Der Unterschied der Begriffe Werbung 

und Propaganda liegt grundsätzlich nicht in deren Ziel oder Art; Werbung und 

Propaganda unterscheiden sich vielmehr im Anwendungsbereich. Als Propa-

ganda wird im Allgemeinen jene Werbung bezeichnet, die sich nicht auf kommer-

zielle, sondern auf ideologische Bereiche bezieht. Das sind z.B. kulturelle, sozi-

ale, politische oder religiöse Bereiche (vgl. DAVID/REUTTER, Schweizerisches 

Werberecht, 3. Aufl. 2015, N. 10 f. und 15). 

Nach konstanter Rechtsprechung und Lehre zum strafrechtlichen Propaganda-

begriff besteht Propaganda objektiv in irgendwelchen von den Mitmenschen 

wahrnehmbaren Handlungen und subjektiv sowohl im Bewusstsein, dass eine 

bestimmte Handlung von Mitmenschen wahrgenommen wird, als auch in der Ab-

sicht, damit zu werben, d.h. so auf die Mitmenschen einzuwirken, dass sie für die 

geäusserten Gedanken und Werte gewonnen oder, falls sie ihnen bereits zuge-

tan sind, in ihrer Überzeugung gefestigt werden (vgl. BGE 140 IV 102 E. 2.2.2; 

143 IV 308 E. 5.2; NIGGLI, Rassendiskriminierung, 2. Aufl. 2007, N. 1222 f.; VEST, 

in: Martin Schubarth [Hrsg.], Delikte gegen den öffentlichen Frieden, 2007, zu 

Art. 261bis StGB N. 62). Propaganda ist damit auf die Beeinflussung vieler gerich-

tet (LANDSHUT, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 275bis StGB N. 2), ist also 

inhaltlich auf eine Öffentlichkeit bezogen. Die Art und Weise oder der Weg der 

Kommunikation sind nicht bedeutsam. Die möglichen Propagandamittel sind da-

her grundsätzlich unbeschränkt (vgl. DAVID/REUTTER, a.a.O., N. 18). Insbeson-

dere Videos können Propaganda darstellen, wenn deren Inhalt die vorgenannten 

Voraussetzungen erfüllt (vgl. Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2017.49 vom 

15. Juni 2018 E. 3.3.11.1, bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 

6B_169/2019 vom 26. Februar 2020 E. 2.3 f.). 

3.2.2.3 Hinsichtlich des Erfordernisses der Öffentlichkeit gilt es, dieses in dreifacher Hin-

sicht zu unterscheiden: 1.) Die Öffentlichkeit der Tathandlung, wie sie beispiels-

weise von Art. 261bis Abs. 1 und 2 StGB (Rassendiskriminierung) verlangt wird, 

2.) die Öffentlichkeit als inhaltliche Adressatin und 3.) die Öffentlichkeit als tat-

sächliche, «wahrnehmende» Empfängerin der Handlung. Hinsichtlich des ersten 

Kriteriums gilt für das Verbreiten von Propaganda als Unterstützungshandlung 

- 26 - 

SK.2022.55 

(im Sinne von Art. 260ter Ziff. 1 Abs. 2 StGB) – wie beim Tatbestand von Art. 261bis 

Abs. 3 StGB (Rassendiskriminierung durch Propagandaaktionen) – dass die Tat-

handlung selbst nicht in der Öffentlichkeit vorgenommen werden muss, solange 

die Propaganda, zu der Hilfe geleistet wird, inhaltlich an die Öffentlichkeit gerich-

tet ist (Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2019.74 vom 7. Oktober 2020 E. 2.2.2.3 

mit Hinweis auf SCHLEIMINGER METTLER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, 

Art. 261bis StGB N. 43; NIGGLI, a.a.O., N. 1223, 1225, 1244). Entsprechend fällt 

gemäss der Judikatur selbst das Verstecken von Propaganda einer verbotenen 

Gruppierung, was naturgemäss nie öffentlich vorgenommen werden kann, unter 

die Strafnorm von Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz (vgl. Urteil des 

Bundesstrafgerichts SK.2021.22 vom 11. November 2021 E. 3.2.4 m.w.H.; ENG-

LER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 260ter StGB N. 32). Das dritte 

Kriterium der Öffentlichkeit als tatsächliche Empfängerin der Handlung (z.B. der 

Propaganda) ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum 

Rassendiskriminierungsartikel dann erfüllt, wenn Letzere an einen grösseren, 

durch persönliche Beziehungen nicht zusammenhängenden Kreis von Personen 

gerichtet ist bzw. von diesem wahrgenommen werden kann (BGE 130 IV 111 

E. 3.1 m.w.H.). Massgeblich ist damit, ob der Täter eine Kontrolle über den 

Wirkungskreis seiner Äusserungen hatte (SCHLEIMINGER METTLER, a.a.O., 

Art. 261bis StGB N. 22, m.w.H.; NIGGLI, a.a.O., N. 977). Im Lichte der bereits ge-

nannten Rechtsprechung, welche selbst das Verstecken von Propagandamate-

rial, bei dem es an einer Öffentlichkeit als Empfängerin der Handlung 

offensichtlich fehlt, als tatbestandsmässige Förderung einer Propagandaaktion 

qualifiziert hat, kann für Propagandahandlungen zugunsten verbotener 

Organisationen oder deren Ziele an diesem dritten Kriterium nicht festgehalten 

werden. Mit Rücksicht auf das Bestimmtheitsgebot sind gemäss der Judikatur 

jedenfalls Verhaltensweisen erfasst, welche eine gewisse «Tatnähe» zu den ver-

brecherischen Aktivitäten der verbotenen Gruppierungen aufweisen (Urteil des 

Bundesstrafgerichts SK.2017.43 vom 15. Dezember 2017 E. 2.3.1; mit Hinweis 

auf Urteil SK.2016.9 vom 15. Juli 2016 E. 1.14.3, bestätigt durch Urteil des Bun-

desgerichts 6B_948/2016 vom 22. Februar 2017 E. 4.2.1). 

3.2.2.4 Die gemäss Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz verbotene Propaganda umfasst die 

Werbung für die Ideologie und den Wertekanon sämtlicher in Art. 1 aAQ/IS-Ge-

setz genannten Gruppierungen oder Organisationen oder für deren Ziele, inkl. 

der Anwerbung. Diese Tatvariante erfasst das Verbreiten des Gedankenguts die-

ser Gruppierungen, beispielsweise indem Bilder, Fotos, Texte, Videos etc. via 

Internetkanäle und soziale Medien (wie bspw. Facebook, Twitter) veröffentlicht 

werden (vgl. Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2019.23 vom 15. Juli 2019 E. 

3.2.2). Für die Beantwortung der Frage, welche Handlungen als Förderung der 

Aktivitäten der verbotenen Organisationen zu würdigen sind, muss auf den je-

weiligen Kontext abgestellt werden. So wird etwa der IS in seiner verbrecheri-

schen Tätigkeit auch dann gefördert, wenn sich eine Einzelperson von ihm so 

beeinflussen lässt, dass sie dessen radikalisierende Propaganda in objektiv 

- 27 - 

SK.2022.55 

erkennbarer Weise bewusst weiterverbreitet oder sich im vom IS propagierten 

Sinn gezielt aktiv verhält. Ob dieses Verhalten unter die Tathandlung der «Unter-

stützung» oder unter die Generalklausel der «Förderung auf andere Weise» ge-

fasst wird, ist einerlei (Urteil des Bundesgerichts 6B_948/2016 vom 22. Februar 

2017 E. 4.2.2; EICKER, a.a.O., Rz. 16). 

3.2.3 Den Tatbestand von Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz erfüllt auch, wer diese personell 

oder materiell unterstützt. Im Gegensatz zu aArt. 260ter Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

braucht die Unterstützung einer verbotenen Organisation nach Art. 2 Abs. 1 

aAQ/IS-Gesetz diese nicht in ihrer verbrecherischen Tätigkeit zu fördern. Die un-

ter Strafe gestellten Tathandlungen sind insofern weiter gefasst als bei Art. 260ter 

Ziff. 1 Abs. 2 StGB. Somit sind personelles und materielles Unterstützen jeglichen 

Handelns der Organisation – und nicht bloss des explizit verbrecherischen – 

strafbar (vgl. TODESCHINI, Terrorismusbekämpfung im Strafrecht, 2019, S. 52 f. 

Rz 75).  

3.2.4 Von der Tatvariante der Förderung der Aktivitäten der Organisation auf andere 

Weise werden schliesslich jegliche Handlungsweisen, die den Fortbestand und 

die Aktivitäten verbotener (terroristischer) Gruppierungen fördern, erfasst, wobei 

– wie bereits in E. 3.2.2.3 erwähnt – mit Blick auf das Bestimmtheitsgebot eine 

gewisse Tatnähe des Handelns zu den verbrecherischen Aktivitäten der verbo-

tenen Gruppierungen vorausgesetzt ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_948/2016 

vom 22. Februar 2017 E. 4.2.1; vgl. auch Botschaft vom 22. November 2017 zur 

Verlängerung des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen Al-Qaïda 

und Islamischer Staat sowie verwandter Organisationen, BBl 2018 87 ff., 98). 

Das blosse Sympathisieren mit oder das Bewundern von kriminellen oder terro-

ristischen Organisationen fällt indessen – analog zur bundesgerichtlichen Recht-

sprechung, wonach solches Verhalten nicht als Unterstützung einer kriminellen 

Organisation gemäss aArt. 260ter Ziff. 1 Abs. 2 StGB gilt (vgl. BGE 133 IV 58 E. 

5.3.1; 131 II 235 E. 2.12.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1104/2016 vom 7. März 

2017 E. 1.3.3) – nicht unter die Generalklausel von Art. 2 Abs. 1 aAQ/IS-Gesetz 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_948/2016 vom 22. Februar 2017 E. 4.2.2 

m.H.).  

3.2.5 In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt. Der 

Täter muss im Bewusstsein handeln, dass seine Förderungshandlungen für Al-

Qaïda und den IS auch tatsächlich wahrgenommen werden. Er muss die Absicht 

haben, mit seinem Tun auf die Mitmenschen einzuwirken, um sie für die geäus-

serten Gedanken oder Ideologien der genannten Organisationen zu gewinnen, 

oder, falls sie ihnen bereits zugetan sind, sie in ihrer Überzeugung zu stärken. 

  

- 28 - 

SK.2022.55 

3.3 Fördern der verbotenen Gruppierung IS durch Bestärken von C. (Anklage-

ziffer 1.1.1) 

3.3.1 Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe die verbotene Gruppierung IS 

unterstützt bzw. gefördert, indem er die zum Tatzeitpunkt noch minderjährige C. 

im Zeitraum vom 5. September 2019 bis 20. Oktober 2019 in ihrer Befürwortung 

der Ideologie des IS und ihrem Entschluss, sich in dessen Herrschaftsgebiet in 

Syrien zu begeben sowie sich diesem anzuschliessen, bestärkt habe. Dabei soll 

er mit ihr im Zeitraum vom 5. September 2019 bis 13. September 2019 insgesamt 

1'044 Chatnachrichten und im Zeitraum vom 18. Oktober 2019 bis 20. Oktober 

2019 insgesamt 1'537 Chatnachrichten über die Instant-Messenger-App Tele-

gram ausgetauscht und sie dabei zu überzeugen versucht haben, ihn nach isla-

mischem Recht zu heiraten, gemeinsam mit ihm die «Hijrah» nach Syrien zu voll-

ziehen und sich dort dem IS anzuschliessen. Er habe durch das Bestärken von 

C. in ihrem Entschluss, sich in das Herrschaftsgebiet des IS in Syrien zu bege-

ben, um sich diesem anzuschliessen, beabsichtigt, die verbotene Terrororgani-

sation IS zu unterstützen, indem er auf deren Primärziel der Etablierung eines 

weltumspannenden Kalifates hinwirkte. In diesem Zusammenhang habe er C. 

einen ersten Zufluchtsort bei einer «Schwester» in W., Deutschland organisiert. 

Er habe den IS dabei wissentlich und willentlich unterstützt resp. gefördert. 

3.3.2 Über die Instant-Messenger-App Telegram tauschten der Beschuldigte (Tele-

gram Benutzername «Sayfullah O1.», Telegram Nickname «O2.», ID: O.) und 

die in Österreich lebende C. (Telegram Benutzername «C1.», Telegram Nikname 

«C2.») in der Zeit vom 5. September 2019 bis 13. September 2019 insgesamt 

1'044 Chatnachrichten (ausschliesslich Textnachrichten) aus, wobei die entspre-

chenden Chatverläufe auf dem persönlichen Mobiltelefon Apple iPhone 6S resp. 

im dazugehörigen Cloudspeicher (lautend auf «II.@hotmail.com») sichergestellt 

wurden (BA pag. 10.1.101). 

Anlässlich des ersten Kontakts in diesem Telegram Chat bat C. den Beschuldig-

ten, den Link ihres Telegramkanals auf seinem Kanal zu verbreiten, wobei der 

Beschuldigte ihr zusicherte, dies in den kommenden Tagen zu tun (BA pag. 

10.1.102; 10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 4). Ab dem 8. September 2019 tausch-

ten die beiden persönliche Informationen (Herkunft, Wohnort, Alter, physische 

Merkmale) aus. Auf Frage des Beschuldigten hin, gab C. an, dass sie die Religion 

seit fünf Monaten praktiziere und einen Khimar (Kopfschleier, der auch als Niqab 

getragen werden kann) trage (BA.10.1.102; 10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 9 f.). 

Sie schrieb in der Folge, dass ihre Familie «Kuffare» (zu Deutsch: Ungläubige) 

seien. Weiter gab sie an, dass sie sich unter anderem mit Vorträgen von «Ebu 

Tejma» (gebürtiger Name Mirsad Omerovic, der 2016 in Österreich wegen terro-

ristischer Verbrechen zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde; BA pag. 

10.1.289) und «JJ.» befasse sowie den Koran konsultiere (BA pag. 10.1.124, 

PDF-Datei iPhone, S. 11). In der Folge schrieb der Beschuldigte, dass er Kontakt 

zu einem Bruder habe, welcher in der Zelle neben «Ebu Tejma» sitze (BA pag. 

- 29 - 

SK.2022.55 

10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 14). Gleichentags äusserte sich der Beschul-

digte erstmals über Heiratsabsichten, wobei C. ihm mitteilte, dass sie zunächst 

einmal mehr über seine Ansichten über die Ehe erfahren und wissen wolle, ob er 

die «Hijrah» vollziehen möchte (BA pag. 10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 16 f.).  

Tags darauf, am 9. September 2019, fragte der Beschuldigte, was ihr neben der 

«Hijrah» noch wichtig sei, was C. unter anderem mit den Worten «zusammen 

nach Wissen zu streben» beantwortete. Auf entsprechende Rückfrage gab der 

Beschuldigte an, dass es ihm wichtig sei, nach «Ilm» (Wissen) zu streben und 

irgendwann nach dem «Ji..» zu «suchen» (BA pag. 10.1.103; 10.1.124, PDF-

Datei iPhone, S. 32 f.). Auf die Frage, ob C. gerne raus gehe, antwortete diese, 

sie würde nie alleine rausgehen wollen, woraufhin der Beschuldigte dies mit den 

Worten kommentierte, dass eine Frau nicht alleine raus dürfe (BA pag. 10.1.124, 

PDF-Datei iPhone, S. 26). Ab dem 10. September 2019 fragte der Beschuldigte 

C. konkret über ihren Aufenthaltsstatus und ihre Ausweispapiere in Österreich, 

wobei er ihr die Optionen erklärte, wie sie in die Schweiz kommen könnte (BA 

pag. 10.1.103; 10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 40 ff.). C. antwortete, dass ihr 

Pass bei der Polizei sei, weil sie vor vier Monaten versucht habe, in die Türkei zu 

reisen, um von dort «Hijrah» zu machen, sie sei aber vor zwei Monaten trotzdem 

in Deutschland gewesen (BA pag. 10.1.103; 10.1.124, PDF-Datei iPhone, 

S. 41 ff.). Später fragte der Beschuldigte C. alias «C1.», ob sie das «Wilayat X.» 

(Provinz des IS in Afghanistan; https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_State_% 

E2%80%93_X._Province; letztmals besucht am 31.07.2023) gesehen habe (BA 

pag. 10.1.103; 10.1.124, PDF-Datei iPhone S. 53) und erkundigte sich, ob sie 

noch einmal in der Türkei wohnen würde, was Letztere bejahte (BA pag. 

10.1.103; 10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 58). Daraufhin schrieb der Beschul-

digte, dass es in Istanbul alles gäbe, auch viele Brüder und Schwestern, die bes-

ten Orte um «normal» zu leben aber Konya oder Gaziantep seien, wobei die 

«halbe dawla» (gemeint: der halbe IS) in Konya sei, und Gaziantep ein Grenz-

übergang (für IS-Reisende) sei (BA pag. 10.1.103; 10.1.124, PDF-Datei iPhone, 

S. 60 ff.). C. erzählte dem Beschuldigten, der Wunsch ihrer Eltern sei, dass sie 

in Zukunft entweder Richterin, Anwalt oder Medizin studiere, woraufhin der Be-

schuldigte schrieb, dass Richterin oder Anwalt eine grosse «Kuffr» (zu Deutsch 

Sünde) wäre (BA pag. 10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 82 f.). 

Am Abend unterhielten sie sich darüber, dass an diesem Tag im Irak 200 Schiia 

(Schiiten) gestorben seien. C. präzisierte, dass ein Dach eingestürzt und 100 von 

ihnen dadurch «verreckt» seien, was der Beschuldigte mit dem Ausspruch «Al-

hamdulillah» (zu Deutsch etwa «Allah sei Dank» oder «Lob gehört Allah») kom-

mentierte. C. schrieb schliesslich sinngemäss, dass es so besser sei, als wenn 

man sich die Arbeit machen müsste, um jeden einzelnen zu verletzen bzw. zu 

töten, wobei der Beschuldigte dem zustimmte (BA pag. 10.1.104; 10.1.124 PDF-

Datei iPhone, S. 84 ff.). 

- 30 - 

SK.2022.55 

Am Folgetag kam die Heirat wieder zur Sprache und der Beschuldigte erkundigte 

sich bei C., ob ihr die Nationalität wichtig sei, woraufhin diese antwortete, dies 

sei ihr egal, «Hauptsache Muwahid» (ein auf den Tauhid fokussierter Muslim; 

m.a.W. ein Monotheist, d.h. einer, der die Einheit Gottes bezeugt, wobei dies 

einer der häufigsten Begriffe ist, mit dem sich IS-Anhänger untereinander be-

zeichnen; siehe dazu https://en.wiktionary.org/wiki/Muwahhid, letztmals besucht 

am 31.07.2023); [BA pag. 10.1.104; 10.1.333 Fn. 73; 10.1.124 PDF-Datei iPhone 

S. 91]). Nachdem C. dem Beschuldigten ein Bild von sich zugesandt hatte, der 

Beschuldigte dies kaum kommentierte und sich dann bis zum Abend des nächs-

ten Tages nicht mehr meldete, schrieb C., er solle ihr sagen, wenn er sie nicht 

heiraten wolle, damit sie den Kontakt löschen könne, denn sie habe «die Ehe 

nötig». Der Beschuldigte erklärte ihr daraufhin, dass er am Arbeiten gewesen sei 

und sich Gedanken gemacht habe, wie das mit der Heirat funktionieren könne, 

da C. minderjährig sei (BA pag. 10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 95 ff.). Auf Frage 

von C., ob er sie heiraten wolle, gab der Beschuldigte an, dass sie beide auf der 

gleichen «Aqida und Manhaj» (zu Deutsch; Doktrin und religiöses Programm/re-

ligiöser Weg) seien (BA pag. 10.1.124, PDF-Datei iPhone, S. 98). Der Chat en-

dete mit der Nachricht des Beschuldigten, in welcher er C. mitteilte, der nächste 

Schritt sei, dass er nach Y., Österreich komme (BA pag. 10.1.124, PDF-Datei 

iPhone, S. 97). 

3.3.3 Auf dem (zum sichergestellten Mobiltelefon Samsung Galaxy S9 zugehörigen) 

Telegram-Cloud-Speicher betreffend den vorgenannten Telegram-Account des 

Beschuldigten (ID O.) wurde der Telegram-Chatverlauf zwischen ihm und C. in 

der Zeit vom 18. Oktober 2019 bis 20. Oktober 2019, mit insgesamt 1’537 Nach-

richten (Text-, Archiv-, Audio, Video- und Bilddateien) sichergestellt (BA pag. 

10.1.105). 

Der Chat beginnt am 18. Oktober 2019, 13:26:34 Uhr mit der Bitte des Beschul-

digten um erneute Zusendung eines Videos mit dem Titel «[...]» (BA pag. 

10.1.106; 10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 2). Kurz darauf sandte er ihr ein von 

ihm im Namen seiner Medienagentur «Q.» bearbeitetes Video zu, betitelt «[…]», 

in welchem der IS-Exponent «KK.» eine Rede hält, wobei das Video mit einem 

das IS-Kalifat zelebrierenden Naschid untermauert ist (BA pag. 10.1.106; 

10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 3). Das betreffende Video ist in Anklageziffer 

1.1.2.1 unter Nr. 33 aufgeführt (dazu nachfolgend E. 3.4.1). 

Um 16:12:22 Uhr warnte der Beschuldigte seine Chatpartnerin, dass sie aufpas-

sen solle, da in Deutschland ein «paar Schwestern» festgenommen worden 

seien (BA pag. 10.1.106; 10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 4). C. beschwerte 

sich in der Folge, dass er sich früher hätte melden sollen und nicht erst nach 

Wochen, woraufhin der Beschuldigte sie um Verzeihung bat und ihr schrieb, er 

wolle, das alles klappt, wie er es plane (BA pag. 10.1.106; 10.1.124, PDF-Datei 

Samsung, S. 5 ff.). C. teilte ihm mit, dass es noch einen anderen Mann (LL.) 

gebe, der sie heiraten wolle, und dieser es sehr ernst meine, sie aber noch an 

https://en.wiktionary.org/wiki/Muwahhid

- 31 - 

SK.2022.55 

ihm (gemeint dem Beschuldigten) hänge (BA pag. 10.1.106; 10.1.124, PDF-Datei 

Samsung, S. 9). Der Beschuldigte schrieb ihr daraufhin «ich will dich» (BA pag. 

10.1.106; 10.1.124, PDF-Datei, S. 9). C. offenbarte ihm im Verlaufe des Chats, 

dass sie in den offiziellen Papieren in Österreich erst 16 Jahre alt sei (BA pag. 

10.1.107; 10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 21). Um 23:16:33 Uhr sandte ihr der 

Beschuldigte ein Video zu, betitelt «[…]», in welchem eine, den gewaltsamen 

Dschihad glorifizierende Ansprache von MM. sowie der IS-Nashid «[...]» zu hören 

ist. Dazu schrieb er: «bei allah, wahrlich, wenn sie die sonne in meine rechte 

hand und den mond in meine linke hand legen würden, so würde mich dies nicht 

davon abbringen, bis zu meinem tod meine botschaft weiter zu verkünden.» (BA 

pag. 10.1.106; 10.1.124, PDF-Datei, S. 28). Das betreffende Video ist in Ankla-

geziffer 1.1.2.1 unter Nr. 35 aufgeführt (nachfolgend E. 3.4.1). C. kommentierte 

dies mit «Allah Akbar» und «Haqq» (arabisch für Wahrheit, wird oft als Synonym 

für «richtig» oder «wahr» verwendet; https://de.wikipedia.org/wiki/Ahl-e_Haqq, 

letztmals besucht am 31.07.2023; die Begrifflichkeit wird vom IS mitunter genutzt, 

um zu bekräftigen, dass nur dessen Ideologie der Wahrheit entspricht; [BA pag. 

10.1.106; 10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 28]).  

Um 23:57:46 Uhr erkundigte sich der Beschuldigte bei C., ob diese die Mehrfach-

ehe akzeptiere, was Letztere verneinte (BA pag. 10.1.107; 10.1.124, PDF-Datei 

Samsung, S. 37 f.). Der Beschuldigte fügte an, dass «Mujahideen» (englisch für 

Mudschahid, Personen die im Dschihad kämpfen, sog. Gotteskrieger; 

https://de.wikipedia.org/wiki/Mudschahid, letztmals besucht am 31.07.2023) 

mehrere Frauen hätten und sie das irgendwann schon akzeptieren würde (BA 

pag. 10.1.107; 10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 38). In der Folge unterhielten 

sie sich weiter über die Heiratsplanung, wobei der Beschuldigte schrieb, dass es 

mit dem Studium sowieso nichts mehr werde, weil sie am Ende in Raqqa (ehe-

malige IS-Hauptstadt in Syrien) lande (BA pag. 10.1.124, PDF-Datei Samsung, 

S. 46; 10.1.330). 

Am 19. Oktober 2019, 15:09:46 Uhr, bat C. den Beschuldigten um Rat. Sie schil-

derte ihm, dass sie Probleme habe mit einem anderen Mann, welcher sie eben-

falls heiraten möchte, der aber, im Gegensatz zu ihr, gegen den IS sei und in 

Österreich bleiben wolle und ihr gedroht habe, dass sie Probleme bekommen 

würde, wenn sie ihn nicht heiraten werde (BA pag. 10.1.107). Der Beschuldigte 

antwortete, dass «der seine Schnauze» halten solle (BA pag. 10.1.107; 10.1.124, 

PDF-Datei Samsung, S. 84). C. schrieb daraufhin, dass sie im Gefängnis landen 

würde, falls dieser Mann zur Polizei gehe und informierte den Beschuldigten in 

der Folge, dass sie eine Möglichkeit hätte, in dieser oder der nächsten Woche zu 

einer «Schwester» nach Deutschland zu gehen und dort auf den Beschuldigten 

zu warten (BA pag. 10.1.107; 10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 86; 94 ff.). Der 

Beschuldigte schrieb darauf hin, dass sie gehen solle, wenn sie möchte und er 

sie dort holen werde (BA pag. 10.1.108; 10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 94 f.). 

Noch am selben Abend belehrte er C. darüber, es sei ein Fehler gewesen, dass 

https://de.wikipedia.org/wiki/Ahl-e_Haqq
https://de.wikipedia.org/wiki/Mudschahid

- 32 - 

SK.2022.55 

sie dem anderen Mann gesagt habe, sie sei für «dewle» (recte: «dawla»; ge-

meint: der IS) und am Ende alles auch noch auf ihn zurückfalle (BA pag. 

10.1.108; 10.1.124, PDF- Datei Samsung, S. 98 ff.). Im Verlaufe des Chats 

sandte der Beschuldigte C. zwei Weblinks mit Wohnungsinseraten auf R. zu und 

schrieb daraufhin «such dir eins aus» (BA pag. 10.1.124, PDF-Datei Samsung, 

S. 123 f.). In der Nacht des 20. Oktober 2019 unterhielten sich die beiden über 

«Ebu Tejma» (Mirsad Omerovic), wobei der Beschuldigte ihr einen Screenshot 

eines Bildes aus dem Telegram-Kanal vom User «abu Walaa» über den Ver-

gleich von «Ebu Tejma» mit Anders Breivik zusandte (BA pag. 10.1.108; 

10.1.124, PDF-Datei Samsung, S. 132 ff.; 144). Am 20. Oktober 2019, 20:20:02 

Uhr, erfolgte der letzte Kontaktversuch zwischen dem Beschuldigten und C., die 

sich zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits in Polizeigewahrsam befand, wobei er 

sie fragte, wohin sie nach Deutschland genau gehe (BA pag. 10.1.108; 10.1.124, 

PDF-Datei Samsung, S. 148). 

3.3.4 Die Chatnachrichten waren primär auf Deutsch verfasst; u.a. verwendeten so-

wohl der Beschuldigte als auch C. Begriffe aus dem Arabischen. Textnachrichten 

auf Türkisch fanden sich nur vereinzelt und wenn, dann ausschliesslich vom Be-

schuldigten, da C. nach eigenen Angaben kein Türkisch spricht (BA pag. 

10.1.124, PDF-Datei, S. 17). 

3.3.5 C. wurde am 20. Oktober 2019 durch die österreichische Polizei verhaftet und 

gleichentags erstmals befragt. Das entsprechende Einvernahmeprotokoll sowie 

der zugehörige Polizeibericht wurden rechtshilfeweise am 24. Oktober 2019 bei-

gezogen (BA pag. 18.1.1 ff.). 

3.3.5.1 Gemäss Polizeibericht vom 20. Oktober 2019 (tatsächlich auf den 20. September 

2019 datiert) verständigten Familienangehörige von C. am 20. Oktober 2019 die 

Polizei über deren bevorstehende Ausreise in die Gebiete des IS, nachdem der 

Bruder von einem Freund darüber informiert wurde, dass die Ausreise einer jun-

gen muslimischen Frau aus Y., Österreich bevorstehe und es sich dabei um 

seine Schwester handeln könnte. Die Mutter von C. durchsuchte daraufhin deren 

Zimmer und fand einen von ihrer Tochter selbst verfassten Abschiedsbrief vor. 

C. wurde daraufhin gleichentags um 18:30 Uhr verhaftet, wobei sie einräumte, 

dass sie die Absicht hatte, am kommenden Montag aus Österreich auszureisen, 

um sich dem IS anzuschliessen und ihren Reisepass deshalb im Spind in der 

Schule bereitgelegt habe (BA pag. 18.1.7 ff.). 

3.3.5.2 Zusammengefasst äusserte sich C. anlässlich ihrer ersten Einvernahme dahin-

gehend, dass sie sich entschlossen habe, den Beschuldigten alias «Sayfullah» 

nach islamischen Recht zu heiraten und mit ihm in die Gebiete des IS auszurei-

sen, um damit den IS zu unterstützen, weil sie sich der Gesinnung des IS ange-

schlossen habe (BA pag. 18.1.22 ff.). Sie habe sich in radikalen Kreisen («Brü-

dern und Schwestern») aufgehalten und sich insbesondere über Telegram radi-

kalisiert (BA pag. 18.1.22 f.; -24). Der Beschuldigte sei ihrer Meinung nach auch 

- 33 - 

SK.2022.55 

ein Anhänger des IS und habe sich unbedingt der Organisation anschliessen 

wollen, weshalb er ihr den Vorschlag gemacht habe, sie nach islamischem Recht 

zu heiraten und in die Gebiete des IS bzw. nach Syrien zu reisen. Er habe dabei 

ein Kämpfer des IS werden wollen und sie habe als seine Ehefrau den IS unter-

stützen wollen. Sie habe vorgehabt, am 25. Oktober 2019 nach W., Deutschland, 

auszureisen, wobei sie die genaue Adresse von «Sayfullah» noch erhalten hätte 

und dieser sie dann von Deutschland aus in die Schweiz habe holen wollen (BA 

pag. 18.1.24 f.). «Sayfullah» hätte sie dann in Deutschland nach islamischem 

Recht geheiratet; danach wären sie in die Schweiz gereist und anschliessend − 

wenn die Wege frei gewesen wären − nach Afghanistan oder nach Syrien wei-

tergereist. Sie hätte «Sayfullah» nur geheiratet, um den IS damit zu unterstützen 

(BA pag. 18.1.25). Weiter gab sie zu Protokoll, dass sie eigentlich einen anderen 

Mann liebe, der stundenlang versucht habe, sie zu belehren und ihr die Augen 

zu öffnen, dass der IS schlecht sei. Daraufhin habe sie auch aufgehört, sich für 

den IS zu interessieren, aber als «Sayfullah» ihr wieder geschrieben habe, seien 

ihre «Gefühle zum IS» wieder angestiegen (BA pag. 18.1.25). Zur Planung ihrer 

bevorstehenden Ausreise habe sie ihren Reisepass im Spind ihrer Schule zwi-

schendeponiert und einen zweiseitigen handgeschriebenen Abschiedsbrief mit 

dem Logo des IS verfasst, in welchem sie die Lehre des IS als die einzig wahre 

Lehre gepriesen und geschrieben habe «...Macht euch Bitte keine Sorgen und 

Trauert nicht um mich, Bitte. Sondern seits Stolz, Stolz das ich als Schuhadah 

(Märtyrerin) falleh» (BA pag. 18.1.26; 13.1.88 f.).  

3.3.5.3 C. wurde am 28. November 2019 erneut durch die österreichischen Behörden 

einvernommen, wobei das Protokoll am 14. Januar 2020 rechtshilfeweise über-

mittelt wurde (BA pag. 18.1.49 ff.). 

C. führte in ihrer zweiten Einvernahme aus, dass sie sich als IS-Anhängerin be-

zeichnen würde, zwischenzeitlich aber immer wieder vom Glauben abgefallen 

sei, insbesondere wegen eines anderen Mannes. Ihre Ausreiseabsichten habe 

sie mit «Sayfullah» intensiviert (BA pag. 18.1.56 f.). Sie habe den Beschuldigten 

etwa im September 2019 über Instagram kennengelernt, wobei sie danach via 

Telegram geschrieben hätten (BA pag. 18.1.58). Der Beschuldigte habe sie nach 

ihrem islamischen Wissen gefragt und sie hätten sich über Prediger ausge-

tauscht, die eindeutig dem IS zugeordnet werden können, unter anderem über 

«Ebu Tejma». Der Beschuldigte habe die von ihr genannten Prediger gut gefun-

den, weshalb sie gleich gewusst habe, dass auch er ein Anhänger des IS sei. Er 

habe ihr erklärt, dass er früher «Takfir» (arabisch, bedeutet in der islamischen 

Rechtswissenschaft einen Muslim der Apostasie zu bezichtigen bzw. ihm das 

Muslim sein abzusprechen, also ihn zum «Ungläubigen» zu erklären oder ihn des 

Unglaubens zu bezichtigen; https://de.wikipedia.org/wiki/Takf%C4%ABr, letzt-

mals besucht am 31.07.2023) gewesen sei, nun aber zu den richtigen Leuten, 

dem IS, gekommen sei. Den IS habe er immer als «Dawla» bezeichnet (BA pag. 

18.1.59). Der Beschuldigte habe ihr dann geschrieben, ob sie gemeinsam 

https://de.wikipedia.org/wiki/Takf%C4%ABr

- 34 - 

SK.2022.55 

«Hijrah» machen wollten, womit natürlich die Ausreise in ein Gebiet des IS ge-

meint gewesen sei (BA pag. 18.1.59). Nachdem die gemeinsame Absicht konkret 

wurde, habe der Beschuldigte sie aufgefordert in den geheimen Telegram-Modus 

zu wechseln, so dass die Nachrichten automatisch gelöscht werden (BA pag. 

18.1.0059). Nach dem Wechsel in den geheimen Modus habe der Beschuldigte 

ihr genau erklärt, wie es aktuell mit einer Ausreise nach Syrien oder in den Irak 

zum IS sei, dass die syrisch-türkische Grenze geschlossen sei und man über-

haupt nicht durchkommen würde. Ein anderes Mal habe er ihr geschrieben, dass 

er mit ihr in seine Heimatstadt nach Gaziantep reisen könnte, es dort viele IS-

Prediger gebe und sie dort warten könnten, bis die Grenzen wieder offen sind. 

Das konkrete Ziel sei aber immer gewesen, dass sie sich in Syrien dem IS an-

schliessen (BA pag. 18.1.59 ff.). 

Auf die Frage, wer die treibende Kraft war, die sie dazu bewegte, sich dem IS 

anzuschliessen, gab C. zu Protokoll, dass dies «NN1.» bzw. «NN2.» war, die im 

Chat zwischen ihr und dem Beschuldigten als «Anstandsdame» fungierte (BA 

pag. 18.1.60; -63). Beim Beschuldigten habe es sich von selbst ergeben; es sei 

ihr von vornherein klar gewesen, dass er ein IS-Anhänger war und sich unbedingt 

dem IS in Syrien als Kämpfer habe anschliessen wollen. Er sei aber viel zu vor-

sichtig gewesen, um das in einem Chat so konkret zu erwähnen (BA pag. 

18.1.60). Zur Heirat befragt, gab C. an, dass es ursprünglich geplant gewesen 

sei, dass sie zu einer «Schwester» namens OO., die sie eine Woche vor ihrer 

Festnahme auf Instagram kennengelernt habe, nach W., Deutschland reise, der 

Beschuldigte sie dann in ein bis zwei Monaten dort nach islamischem Recht ge-

heiratet hätte und sie danach in die Schweiz gereist wären, bis die Wege nach 

Syrien wieder offen gewesen wären. Sobald dies der Fall gewesen wäre, wären 

sie über die Türkei nach Syrien gereist (BA pag. 18.1.0060 f.). Sie habe dem 

Beschuldigten absolut vertraut und sich, was die Ausreiseplanung betraf, voll auf 

ihn verlassen (BA pag. 18.1.0063). Die Frage, wie sie sich den Anschluss an den 

IS zusammen mit dem Beschuldigten vorgestellt habe, gab sie zu Protokoll, dass 

er ihr dies zwar nicht genau geschrieben hätte, er habe aber dort kämpfen wollen. 

Sie selber hätte nicht gekämpft, sie hätte immer den Gedanken gehabt, dass sie 

schon kurz nach ihrer Ankunft in Syrien und ihrem Anschluss an den IS bei einem 

gegnerischen Angriff sterben und somit als «Shahida», als Märtyrerin, fallen 

würde. Dann hätte sie ihre Pflicht als Muslima erfüllt und wäre ins Paradies ge-

kommen (BA pag. 18.1.61). 

3.3.5.4 Am 16. Januar 2020 wurde C. rechtshilfeweise in Österreich in Anwesenheit der 

Bundesanwaltschaft, Mitarbeitern des Fedpol und dem damaligen Verteidiger 

des Beschuldigten ein drittes Mal einvernommen (BA pag. 18.1.0072 ff.). 

Anlässlich der besagten Einvernahme bestätigte C. ihre bisherigen Aussagen 

(BA pag. 18.1.76). Sie sei per Zufall, wegen des Algorithmus, auf den Instagram-

Account des Beschuldigten gestossen, als sie nach Videos mit IS-Inhalten ge-

sucht habe (BA pag. 18.1.76). Auf Frage, weshalb für sie gemäss ihren 

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SK.2022.55 

bisherigen Aussagen immer konkreter geworden sei, dass es sich beim Beschul-

digten um einen Anhänger des IS handle, gab sie zu Protokoll, dass sich das 

anhand seiner geposteten Videos und Bilder aus Instagram herauskristallisiert 

habe, wobei dies im Telegram-Chat noch konkreter geworden sei. Es sei um das 

Thema Hijrah gegangen. Der Beschuldigte habe ausführlich darüber gespro-

chen, wie die Situation an der türkisch-syrischen Grenze zu diesem Zeitpunkt 

gewesen sei, nämlich, dass es zu diesem Zeitpunkt aufgrund der geschlossenen 

Grenzen schwierig gewesen wäre auszuwandern. Der Beschuldigte habe auch 

über das «J.»-Camp gesprochen (BA pag. 18.1.77). Er habe ihr zudem gesagt, 

dass seine Brüder ebenfalls im Dschihad gewesen seien, einige sich wieder in 

der Schweiz befinden, andere im Dschihad gefallen seien (BA pag. 18.1.77). Für 

sie habe sich aus der Gesamtheit der Nachrichten ergeben, dass der Beschul-

digte sich dem IS anschliessen wollte (BA pag. 18.1.78). Sie habe zu Beginn der 

Bekanntschaft zudem ein Video von PP. gepostet, der jedes Mal vor einer IS-

Flagge gesessen sei, woraufhin der Beschuldigte sie aufgefordert habe, dies zu 

unterlassen, weil «Schwestern» deshalb verhaftet worden seien (BA pag. 

18.01.78). Der Beschuldigte habe ihr zudem Sticker mit klarer IS-Symbolik zuge-

sandt (BA pag. 18.1.81). 

Auf die konkreten Pläne zur Hijrah angesprochen, gab C. an, der Beschuldigte 

habe gesagt, sie sollten dort hingehen, wo die Leute wie der IS seien. In diesem 

Zusammenhang habe er die Türkei erwähnt und erst wenn die Wege frei seien, 

hätten sie nach Syrien weiterreisen sollen (BA pag. 18.1.78). Er habe ihr zudem 

gesagt, dass Kämpfer mehrere Frauen hätten (BA pag. 18.1.78 f.). Auf Nach-

frage, über was sie sich unterhalten hätten, nachdem sie in den geheimen Chat-

Modus bei Telegram gewechselt haben, verwies C. auf ihre bisherigen Aussagen 

(BA pag. 18.1.79). Die Frage, ob der Beschuldigte auf sie eingewirkt habe, um 

sie zu einer Ausreise zum IS in Syrien oder Afghanistan zu bewegen, bejahte sie 

und präzisierte, wenn sie ihn geheiratet hätte, hätten sie die Hijrah vollzogen (BA 

pag. 18.1.80). Auf Frage, ob der Beschuldigte eine Vorstellung gehabt habe, wie 

das Leben im IS Gebiet mit ihr ausgesehen hätte, gab sie an, er habe ihr mitge-

teilt, dass er ein Kämpfer und sie für den Haushalt zuständig gewesen wäre (BA 

pag. 18.1.80). Sie habe sich für die Weiterreise aus der Schweiz zum IS auf den 

Beschuldigten verlassen (BA pag. 18.1.81). Die Frage, ob der Beschuldigte