# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1bc2b0e3-aa82-5176-b5e6-9a0ae56f5813
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-10-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.10.2009 D-6209/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6209-2009_2009-10-30.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6209/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  O k t o b e r  2 0 0 9

Einzelrichter Fulvio Haefeli, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

A._______, geboren _______,
Irak,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
28. August 2009/ N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6209/2009

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge reiste der Beschwerdeführer – ein irakischer 
Staatsbürger  kurdischer  Ethnie  aus  der  Provinz  Dohuk  mit  letztem 
Wohnsitz in seiner Heimat in B._______ – über die Türkei sowie ihm 
unbekannte Länder in die Schweiz, wo er am 2. März 2008 ankam. Am 
3. März 2008 reichte er  im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 
C._______ ein Asylgesuch ein.

B.
Zur Begründung seines Asylgesuches brachte der  Beschwerdeführer 
anlässlich der Befragung vom 14. März 2008 und der Anhörung vom 
16. Juli 2008 jeweils durch die Bundebehörden im Wesentlichen vor, er 
habe  mit  seiner  Familie  in  B._______  gelebt,  dort  habe  er  aber 
Schwierigkeiten  mit  seinem  Vater  gehabt.  Obwohl  sich  seine  Eltern 
getrennt hätten, hätten er und seine Mutter nach wie vor bei seinem 
Vater  gelebt.  In  diesem  Zusammenhang  erklärte  der 
Beschwerdeführer bei der Befragung im EVZ, sein Vater habe mit der 
zweiten Ehefrau nur eine Tochter gehabt. Gleichzeitig wies er darauf 
hin,  dass  seine Eltern  geschieden seien. Bei  der  direkten Anhörung 
durch  das  BFM  sprach  er  auch  noch  von  einem  vierjährigen 
Halbbruder und führte aus, er wisse nicht, ob seine leiblichen Eltern 
noch verheiratet seien oder nicht (vgl. A1, S. 3 f.; A10, S. 5). Es habe 
regelmässig  Streit  zwischen  seiner  Mutter  und  der  neuen  Ehefrau 
seines Vaters gegeben. Am Abend des 5. Januar 2008 hätten seine 
Stiefmutter und seine Halbschwester seine Mutter geschlagen. Bei der 
Befragung im EVZ erklärte er diesbezüglich, seine Halbschwester sei 
zu  diesem Zeitpunkt  15 Jahre alt  gewesen,  währenddem er  bei  der 
direkten  Anhörung  angab,  seine  Stiefschwester  sei  im  Jahr  1991 
geboren (vgl. A1, S. 5; A10, S. 11). Er sei dazwischen gegangen und 
habe seine Halbschwester geschlagen. Diese habe sich am nächsten 
Morgen  im  Badezimmer  angezündet.  Als  sein  Vater  von  der  Arbeit 
nach Hause zurückgekehrt sei, habe er ihn und dessen Mutter für den 
Tod  seiner  Halbschwester  verantwortlich  gemacht  und  beide  unter 
Todesdrohungen aus dem Haus gejagt. Gemeinsam mit seiner Mutter 
habe er sich in das Dorf Risse zu einem Onkel begeben. Als sein Vater 
von ihrem neuen Aufenthaltsort Kenntnis erlangt habe, habe der Onkel 
ihn, den Beschwerdeführer, ins Ausland geschickt. Seine Mutter habe 
mangels Geld nicht mitreisen können.

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C.
Mit Verfügung vom 28. August 2009 – eröffnet am 31. August 2009 – 
wies das BFM das Asylgesuch des  Beschwerdeführers vom 3. März 
2008 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Voll-
zug an. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers würden der allgemeinen Lebenserfah-
rung widersprechen. So könne ausgeschlossen werden, dass sich sei-
ne Halbschwester im Badezimmer der Zweizimmerwohnung, die er mit 
seiner  Mutter,  seinem  Vater,  seiner  Stiefmutter  und  seinen  Halbge-
schwistern geteilt habe, habe anzünden können, ohne dass er etwas 
davon gehört  habe und ihn erst die Schreie der Stiefmutter  geweckt 
hätten, als diese ihre Tochter entdeckt habe. Ebenso erfahrungswidrig 
sei, dass er sich den angeblichen Todesdrohungen seines Vaters ein-
zig  durch Wegzug nach Europa habe entziehen können. Im Zusam-
menhang mit dieser Reise sei erfahrungswidrig, dass er dabei weder 
im Iran noch in der Türkei oder in den Ländern auf dem Weg in die 
Schweiz  kontrolliert  worden  sei.  Überdies  sei  es  erfahrungswidrig, 
dass sein Onkel ihn auf die Reise geschickt habe, ohne ein Reiseziel 
anzugeben. Die Vorbringen des Beschwerdeführer seien aber auch wi-
dersprüchlich. Somit  gelangte das BFM aufgrund der  nicht  abschlie-
ssend  aufgezählten  Ungereimtheiten  in  zentralen  Bereichen  zum 
Schluss,  dass  die Vorbringen des  Beschwerdeführers insgesamt un-
glaubhaft seien und den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss 
Art. 7  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht 
genügten. Zudem stamme der  Beschwerdeführer aus  einer  der  drei 
von  der  kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen 
Provinzen Dohuk, Erbil und Suleymania. Aufgrund der Sicherheits- und 
Menschenrechtslage herrsche in diesen Provinzen keine Situation all-
gemeiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug sei daher grundsätzlich zu-
mutbar. Auch würden im vorliegenden Fall keine individuellen Gründe 
gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  sprechen.  Auf-
grund der Aktenlage könne davon ausgegangen werden, dass der Be-
schwerdeführer bei guter Gesundheit sei und sich in seinem Heimat-
land  auf  ein  breites  soziales  und  familiäres  Beziehungsnetz  stützen 
könne.

D.
Mit Beschwerde vom 30. September 2009 an das Bundesverwaltungs-
gericht beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung des BFM vom 
28. August  2009  sei  aufzuheben. Es  sei  festzustellen,  dass  der  Be-
schwerdeführer die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft erfül-

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le. Es sei auch festzustellen, dass eine Wegweisung in den Irak unzu-
mutbar und unzuverlässig (recte: unzulässig)  und die vorläufige Auf-
nahme des  Beschwerdeführers anzuordnen sei. In prozessualer  Hin-
sicht sei  ihm die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen,  insbe-
sondere sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 
Auf die Begründung der Beschwerde wird soweit entscheidwesentlich, 
in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist  durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer ist  daher  zur  Einrei-
chung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  AsylG  sowie  Art.  105 
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die 
Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.

4.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

5.

5.1 Die  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  30.  September 
2009 sind  nicht  geeignet,  eine  Änderung der  vorinstanzlichen Verfü-
gung zu bewirken. Der Argumentation des BFM werden keine stichhal-
tigen und substanziierten Gründe entgegengesetzt. Eine diesbezügli-
che Auseinandersetzung unterbleibt zwar nicht grundsätzlich. Die Aus-
führungen des  Beschwerdeführers vermögen jedoch die substanziiert 
vorgebrachten  und  einwandfrei  nachvollziehbaren  Erwägungen  des 

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BFM  nicht  umzustossen.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht  besteht 
nach Überprüfung der Akten keine Veranlassung, die Erwägungen des 
BFM  zu  beanstanden,  zumal  sie  sich  mit  der  Lagebeurteilung  des 
Gerichts  decken  (vgl.  BVGE  2008/4).  Um  Wiederholungen  zu 
vermeiden,  kann  daher  auf  die  diesbezüglich  zutreffenden 
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. 
Art. 4 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG und Art. 109 Abs. 3 BGG). Nach dem 
Gesagten  erfüllt  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft 
gemäss Art. 3 AsylG nicht.

5.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die 
weiteren Ausführungen in der Eingabe des Beschwerdeführers im Ein-
zelnen einzugehen, da sie am Ergebnis der  vorgenommenen Würdi-
gung nichts zu ändern vermögen. Das Bundesamt hat das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt.

6.

6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).

7.

7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist,  eine asylrecht-
lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, 
kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  fin-
den.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat ist 
demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner  Ausschaffung  in  den Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des 
UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit  weiteren Hinwei-
sen;  EGMR,  Bensaid  gegen  Grossbritannien,  Urteil  vom  6. Februar 
2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die all-
gemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat  lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung so-
wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen 
zulässig.

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7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

7.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Grundsatzurteil BVGE 
2008/5 ausführlich mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs  in  den  kurdisch  verwalteten  Nordirak  befasst.  Es  gelangte 
zum Schluss, dass in den drei kurdischen Provinzen Dohuk, Erbil und 
Suleimaniya keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die dorti-
ge  politische  Lage  nicht  dermassen  angespannt  ist,  als  dass  eine 
Rückführung dorthin als generell unzumutbar betrachtet werden müss-
te. Zudem ist  die  Region mit  Direktflügen  aus  Europa und  aus  den 
Nachbarstaaten erreichbar. Damit entfällt das Element der unzumutba-
ren Rückreise via Bagdad und anschliessend auf dem Landweg durch 
den von Gewalt heimgesuchten Zentralirak.

7.5.1 Zusammenfassend wurde im erwähnten Entscheid festgehalten, 
dass die Anordnung des Wegweisungsvollzugs in der Regel für allein-
stehende, gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus 
einer der drei Provinzen stammen oder längere Zeit dort gelebt haben 
und dort nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibeziehungen 
verfügen, zumutbar ist (vgl. a.a.O. E. 7.5 und insbesondere 7.5.8).

7.5.2 Der Beschwerdeführer, von dem keine gesundheitlichen Proble-
me aktenkundig  sind,  hat  von Anfang 2008 bis  im Februar  2008 im 
Dorf Risse in der Provinz Dohuk gelebt. Davor lebte er in B._______. 
Er ist demnach mit B._______ beziehungsweise mit der Provinz Dohuk 
vertraut  und  seine  Muttersprache  ist  Kurdisch  beziehungsweise 
Bardini (vgl. A1, S. 2) oder Behdini  (vgl. A10, S. 1). Bei einem solch 
langen Aufenthalt ist zudem davon auszugehen, dass er in B._______ 
nach  wie  vor  über  ein  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz  verfügt. 
Angesichts des jugendlichen Alters des Beschwerdeführers und seiner 
beruflichen Erfahrungen als ungelernter Arbeiter auf dem Bau im Irak 
beziehungsweise in B._______ ist davon auszugehen, dass in seiner 
Heimat  eine  Reintegration  in  den  Arbeitsmarkt  möglich  sein  wird. 
Zudem sind keine weiteren persönlichen Gründe ersichtlich, aufgrund 

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derer  unter  Umständen  geschlossen  werden  könnte,  der  Be-
schwerdeführer  gerate  im Falle  der  Rückkehr  in  eine  existenzbedro-
hende Situation,  weshalb der  Vollzug der Wegweisung – in  Überein-
stimmung mit der Vorinstanz – auch diesbezüglich als zumutbar zu be-
zeichnen ist.

7.6 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

8.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10.

10.1 Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist  abzuweisen,  da die Beschwerde aufgrund 
vorstehender Erwägungen als aussichtslos erscheint. Das Gesuch um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist angesichts des 
Entscheides in der Hauptsache gegenstandslos geworden.

10.2 Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf ins-
gesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- (die zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

Versand: 

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