# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f935e59-28c0-5118-9513-8ab9f31f155c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.06.2009 A-6980/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-6980-2008_2009-06-17.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-6980/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  J u n i  2 0 0 9  

Richterin Marianne Ryter Sauvant (Vorsitz), 
Richter André Moser, Richterin Kathrin Dietrich, 
Gerichtsschreiber Cesar Röthlisberger.

M._______

gegen

Billag AG,
av. de Tivoli 3, 1700 Freiburg,
Erstinstanz,
Bundesamt für Kommunikation BAKOM,
Zukunftstrasse 44, Postfach, 2501 Biel,
Vorinstanz.

Radio- und Fernsehempfangsgebühr.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-6980/2008

Sachverhalt:

A. Mit  Verfügung  vom  5. April  2006  stellte  die  Sozialversicherungs-
anstalt  des Kantons Zürich für  M._______ einen Invaliditätsgrad von 
100% fest und sprach ihm infolgedessen eine volle Invalidenrente ab 
dem 1. Dezember 2004 zu.

B. Am  18.  April  2006  stellte  M._______  bei  der  Billag  AG  (nach-
folgend: Billag)  ein erstes Gesuch um Befreiung von der  Gebühren-
pflicht  für  den Empfang von Radio-  und Fernsehprogrammen wegen 
geringen  Einkommens  im  Sinne  von  Art. 45  Abs. 2  der  Radio-  und 
Fernsehverordnung vom 6. Oktober 1997 (aRTVV von 1997, AS 1997 
2903). Auf der Rückseite des Gesuchs vermerkte er handschriftlich, er 
wolle rückwirkend seit Dezember 2004 von der Gebührenpflicht befreit 
werden, da die Invalidenrente auch rückwirkend gewährt worden sei. 
Mit Verfügung vom 31. August 2006 stellte die Billag fest, dass sie auf 
das  Gesuch mangels  Einreichung der  zur  Beurteilung erforderlichen 
Verfügung  seiner  Ausgleichskasse  betreffend  Ergänzungsleistungen 
nicht eintreten könne. Diese Verfügung blieb unangefochten.

C. Mit  Schreiben  vom  17.  September  2006  wiederholte  resp. 
präzisierte M._______ sein Begehren, rückwirkend ab dem 1. Januar 
2005 von der Gebührenpflicht für den Empfang von Radio- und Fern-
sehprogrammen  befreit  werden  zu  wollen.  Diesmal  legte  er  die  er-
forderliche Bestätigung betreffend Ergänzungsleistungen seiner  Aus-
gleichskasse  resp.  des  Amtes  für  Zusatzleistungen  zur  AHV/IV  der 
Stadt  Zürich  bei.  Er  kritisierte  dabei  sinngemäss,  dass  er  die  Be-
stätigung nicht früher habe einreichen können und er es nicht zu ver-
antworten habe, dass das Amt die Bestätigung erst am 15. September 
2006 ausgestellt habe.

Die Billag  nahm dieses Schreiben als  neues Gesuch um Gebühren-
befreiung  entgegen  und  befreite  M._______  aufgrund  der  neu  ein-
gereichten  Unterlagen  mit  Verfügung  vom  3. Oktober  2006  ab  dem 
1. Oktober  2006  von  der  Gebührenpflicht  für  den  Radio-  und  Fern-
sehempfang. Auch diese Verfügung blieb unangefochten.

D. Die noch offenen Gebühren für den Zeitraum vom 1. April  bis am 
30. September  2006  bezahlte  M._______  in  der  Folge  nicht.  Aus 
diesem  Grund  leitete  die  Billag  am  15. Februar  2007  nach  mehr-
maligen  Mahnungen  die  Betreibung  für  die  ausstehenden  Radio-

Seite 2

A-6980/2008

empfangsgebühren  von  Fr. 84.50  und  Mahn-  und  Betreibungs-
gebühren von Fr. 30.- beim Betreibungsamt Zürich 1 ein. Mit Verfügung 
vom 10. Juli 2007 beseitigte die Billag (nachfolgend: Erstinstanz) den 
von M._______ am 23. Februar 2007 erhobenen Rechtsvorschlag und 
erteilte  die  definitive  Rechtsöffnung  für  die  genannten  Beträge  von 
insgesamt Fr. 114.50.

E. Am  10. August  2007  erhob  M._______  beim  Bundesamt  für 
Kommunikation (BAKOM) eine Beschwerde gegen die Verfügung der 
Erstinstanz vom 10. Juli 2007. Darin verlangte er sinngemäss die Auf-
hebung dieser Verfügung sowie auch der Verfügungen der Erstinstanz 
vom 31. August und 3. Oktober 2006 verbunden mit  dem Antrag, ihn 
rückwirkend  (per  1. Dezember  2004  oder  1. Januar  2005)  von  der 
Gebührenpflicht zu befreien.

F. Mit Entscheid vom 29. September 2008 wies das BAKOM die Be-
schwerde ab und beseitigte  den von M._______ erhobenen Rechts-
vorschlag  in  der  obgenannten  Betreibung.  Gegen  diesen  Entscheid 
des  BAKOM  (nachfolgend:  Vorinstanz)  erhebt  M._______  (nach-
folgend:  Beschwerdeführer)  am  29. Oktober  2008  Beschwerde  beim 
Bundesverwaltungsgericht.  Er  beantragt  sinngemäss  die  Aufhebung 
des Entscheides der Vorinstanz sowie der Verfügungen der Erstinstanz 
vom 31. August und 3. Oktober 2006. Die Empfangsgebühr sei  rück-
wirkend (per 1. Dezember 2004 oder 1. Januar 2005) zu erlassen.

Die  Vorinstanz  beantragt  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  4. Februar 
2009  die  Abweisung  der  Beschwerde,  soweit  darauf  eingetreten 
werden könne.

G. Mit  Zwischenverfügung  vom  15. Januar  2009  wurde  dem  Be-
schwerdeführer das Recht zur unentgeltlichen Prozessführung erteilt.

H. Auf die übrigen Ausführungen und Unterlagen wird – soweit  ent-
scheiderheblich  –  im  Rahmen  der  nachfolgenden  Erwägungen  ein-
gegangen.

Seite 3

A-6980/2008

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht  (Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG, 
SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern 
keine  Ausnahme nach  Art. 32 VGG vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten 
die  in  Art. 33  und 34 VGG genannten Behörden. Da im Bereich  der 
Radio-  und  Fernsehgebühren  keine  Ausnahme  vorliegt  und  das 
BAKOM eine Behörde im Sinne von Art. 33 Bst. d  VGG ist,  befindet 
das Bundesverwaltungsgericht über Beschwerden gegen Verfügungen 
des BAKOM im Bereich der Radio- und Fernsehgebühren.

1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesver-
waltungsgericht nach dem VwVG, soweit dieses Gesetz nichts anderes 
bestimmt.

1.3 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor 
der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur 
Teilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder 
Änderung  hat.  Als  formeller  Adressat  hat  der  Beschwerdeführer  ein 
aktuelles,  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung  des 
angefochtenen Entscheides der Vorinstanz vom 29. September 2008. 
Er ist zur Beschwerde legitimiert.

1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 
(Art. 50 und 52 VwVG) ist einzutreten.

2.
Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss die Aufhebung des vor-
instanzlichen Entscheides vom 29. September 2008. Gegenstand des 
vorinstanzlichen Entscheides war nur die Überprüfung der Verfügung 
der Erstinstanz vom 10. Juli 2007. In dieser Verfügung stellte die Erst-
instanz den Bestand der in Betreibung gesetzten Forderung von ins-
gesamt Fr. 114.50 für die Radioempfangsgebühren vom 1. April bis am 
30. September  2006  inkl.  Mahn-  und  Betreibungsgebühren  fest  und 
beseitigte den vom Beschwerdeführer am 23. Februar 2007 erhobenen 
Rechtsvorschlag.  Gegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens  bildet 
somit  erstens  die  Frage,  ob  die  Erstinstanz  den  Bestand  der 

Seite 4

A-6980/2008

Forderung zu Recht bejaht hatte, zweitens, ob sie berechtigt war, den 
Rechtsvorschlag zu beseitigen. 

3.
Am  1. April  2007  sind  das  neue  Bundesgesetz  vom 24. März  2006 
über Radio und Fernsehen (RTVG, SR 784.40) und die neue Radio- 
und  Fernsehverordnung  vom  9. März  2007  (RTVV,  SR  784.401)  in 
Kraft  getreten.  Grundsätzlich  sind  jene  Normen  anwendbar,  die  im 
Zeitpunkt  der  Verwirklichung  des  rechtlich  zu  ordnenden  oder  zu 
Rechtsfolgen  führenden  Tatbestandes  in  Kraft  waren.  Anders  aus-
gedrückt, sind Erlasse auf jene Sachverhalte anwendbar, die zwischen 
Inkraftsetzung  und  Ausserkraftsetzung  entstanden  sind  (vgl.  RENÉ 
RHINOW / BEAT KRÄHENMANN, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 
Ergänzungsband,  Basel  und  Frankfurt  a.M. 1990,  Nr. 15 B I;  PIERRE 
TSCHANNEN /ULRICH ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  2. Auflage, 
Bern 2005, § 24 Rz. 9). Der vorliegende Streit dreht sich materiell be-
trachtet  um eine Forderung der Erstinstanz gegen den Beschwerde-
führer. Der  dafür  massgebende Sachverhalt  sowie  die  diesen  Sach-
verhalt beurteilenden Verfügungen der Erstinstanz vom 31. August und 
3. Oktober 2006 spielten sich vor Inkrafttreten des neuen Rechts ab. 
Die Verfügung der Erstinstanz vom 10. Juli 2007 sowie der Entscheid 
der Vorinstanz vom 29. September 2008 ergingen zwar nach Inkraft-
treten  des  neuen  Rechts,  beschränken  sich  jedoch  in  ihrem Gehalt 
darauf, den vor Inkrafttreten des neuen Rechts abgeschlossenen und 
rechtkräftig  beurteilten Sachverhalt,  d.h. den Bestand der  Forderung 
festzustellen  und  die  daraus  resultierenden  betreibungsrechtlichen 
Folgen  (Beseitigung  des  Rechtsvorschlages)  zu  ziehen.  Folglich 
kommt für die materielle  Beurteilung – entgegen der Auffassung der 
Vorinstanz – altes Recht zur Anwendung. (vgl. hierzu die Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 2. Juli 2007 A-7510/2006 E. 3.1 und 
A-7511/2006 E. 3.1). Zuzustimmen ist der Vorinstanz insofern, als die 
Anwendung des alten und neuen Rechts vorliegend zum gleichen Er-
gebnis führen.

4.
4.1 Wer Radio- und Fernsehempfangsgeräte zum Betrieb vorbereitet 
oder  betreibt,  muss  dies  der  Inkassostelle  melden  und  Gebühren 
zahlen  (Art. 41  Abs. 1  und  Art. 44  aRTVV).  Die  Gebührenpflicht 
beginnt  am ersten  Tag des  Monats  nach  der  Vorbereitung  oder  der 
Inbetriebnahme des Empfangsgerätes und endet am letzten Tag des 
Monates, in dem die Einstellung des Betriebes mitgeteilt wird (Art. 44 

Seite 5

A-6980/2008

Abs. 2 aRTVV). Die Höhe der Empfangsgebühren ist in Art. 44 Abs. 1 
aRTVV geregelt. Die Erstinstanz erfüllt die Aufgabe der Inkassostelle 
im Sinne von Art. 48 aRTVV. Auf schriftliches Gesuch hin werden AHV- 
oder  IV-Berechtigte,  die  Leistungen  nach  dem  Bundesgesetz  vom 
19. März 1965 über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- 
und  Invalidenversicherung  (ELG;  SR  831.30)  erhalten  und  einen 
rechtskräftigen Entscheid über den Anspruch auf Ergänzungsleistung 
beibringen,  von  der  Gebührenpflicht  befreit  (Art. 45  Abs. 2  und  4 
aRTVV). Wird  das  Gesuch  gutgeheissen,  endet  die  Gebührenpflicht 
am  letzten  Tag  des  Monats,  in  dem  das  Gesuch  um 
Gebührenbefreiung eingereicht worden ist (Art. 45Abs. 3 aRTVV).

4.2 Der  Beschwerdeführer  bestreitet  nicht,  seit  dem  1. Januar  1998 
bei  der  Erstinstanz  als  Gebührenpflichtiger  für  den  privaten  Radio-
empfang angemeldet gewesen zu sein. Damit ist unbestritten, dass der 
Beschwerdeführer bis zum Eintritt der gebührenbefreienden Umstände 
der  Gebührenpflicht  unterlag.  Unbestritten  ist  auch,  dass  der  Be-
schwerdeführer  seit  dem  1. Dezember  2004  IV-Berechtigter  mit  An-
spruch  auf  Ergänzungsleistungen  ist  und  er  damit  die  Voraus-
setzungen zur Befreiung von der Gebührenpflicht grundsätzlich erfüllt 
(Art. 45 Abs. 2 aRTVV). Strittig ist hingegen, ab welchem Zeitpunkt der 
Beschwerdeführer  Anspruch  auf  Befreiung  von  der  Gebührenpflicht 
hat.  Den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  ist  zu  entnehmen, 
dass er der Ansicht ist, analog zur Gewährung der Invalidenrente seit 
dem 1. Dezember 2004 (allenfalls seit 1. Januar 2005) nicht mehr der 
Gebührenpflicht  zu  unterliegen.  Gemäss  Verfügung  der  Erstinstanz 
vom  3. Oktober  2006  ist  die  Befreiung  hingegen  erst  ab  dem 
1. Oktober 2006 wirksam.

4.3 Auf das erste Gesuch des Beschwerdeführers vom 18. April 2006 
ist die Erstinstanz mit  Verfügung vom 31. August 2006 mangels Ein-
reichung  der  zur  Beurteilung  erforderlichen  Unterlagen  nicht  ein-
getreten. Das zweite Gesuch vom 17. September 2006 wurde mit Ver-
fügung vom 3. Oktober 2006 gutgeheissen und der Zeitpunkt der Ge-
bührenbefreiung  auf  den  1. Oktober  2006  festgelegt.  Beide  Ver-
fügungen  blieben  unangefochten  und  sind  nach  Ablauf  der  Rechts-
mittelfrist  in  formelle  Rechtskraft  erwachsen.  Formell  rechtskräftige 
Verfügungen  können  mit  ordentlichen  Rechtsmitteln  grundsätzlich 
nicht  mehr  angefochten  werden  (ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX 
UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/Basel/Genf 

Seite 6

A-6980/2008

2006, Rz. 990 ff.; PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI, a.a.O., 2. Aufl., Bern 
2005, § 31 Rz. 5). 

4.4 Es  stellt  sich  hingegen  die  Frage,  ob  die  Erstinstanz  ihre  Ver-
fügung  nicht  in  Wiedererwägung  hätte  ziehen  müssen,  weil  der  Be-
schwerdeführer  wiederholt  geltend  machte,  die  Anspruchsvoraus-
setzungen seien schon früher gegeben gewesen, ihm seien bloss die 
Hände  gebunden  gewesen,  weil  die  zuständige  Behörde  die  not-
wendigen Unterlagen nicht  beigebracht  habe. Zudem stellte  sich an-
lässlich des zweiten Gesuchs vom 17. September 2006 heraus, dass 
das  Amt für  Zusatzleistungen zur  AHV/IV der  Stadt  Zürich dem Be-
schwerdeführer  tatsächlich  erst  am 15. September  2006  seinen  An-
spruch auf Ergänzungsleistungen bescheinigte.

4.5 Nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  können  Ver-
waltungsbehörden  ihre  Verfügungen  unter  bestimmten  Voraus-
setzungen  in  Wiedererwägung  ziehen.  Sie  sind  dazu  aber  nur  ge-
halten, soweit sich eine entsprechende Pflicht aus einer gesetzlichen 
Regelung  oder  einer  konstanten  Verwaltungspraxis  ergibt.  Dem 
Einzelnen steht überdies gestützt auf Art. 4 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 (aBV) ein An-
spruch auf Wiedererwägung zu, wenn sich die Verhältnisse seit  dem 
ersten  Entscheid  erheblich  geändert  haben  oder  wenn  der  Gesuch-
steller  Tatsachen und Beweismittel  anführt,  die  ihm im früheren Ver-
fahren nicht bekannt waren oder die schon damals geltend zu machen 
für  ihn  rechtlich  oder  tatsächlich  unmöglich  war  oder  keine  Ver-
anlassung  bestand  (BGE  120  Ib  42  E.  2b).  Damit  besteht  –  trotz 
formeller  Rechtskraft  einer  Verfügung  –  unter  bestimmten  Voraus-
setzungen  ein  Anspruch  auf  Wiedererwägung. Dieser  Anspruch  fällt 
hingegen dahin, wenn es für den Betroffenen zumutbar gewesen wäre, 
seine Rügen im ordentlichen Beschwerdeverfahren vorzubringen (vgl. 
zum Ganzen  PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI,  a.a.O.,  § 31 Rz. 21 ff., 
inbesondere 48).

4.6 Die Verfügungen der Erstinstanz vom 31. August  und 3. Oktober 
2006  waren  je  mit  einer  korrekten  und  vollständigen  Rechtsmittel-
belehrung versehen und wurden ordnungsgemäss eröffnet. Dem Be-
schwerdeführer wäre es deshalb zumutbar gewesen, den ordentlichen 
Beschwerdeweg  zu  beschreiten.  Ein  Anspruch  auf  Wiedererwägung 
bestand somit nicht. Die Erstinstanz war nicht gehalten, ihre Verfügung 
in Wiedererwägung zu ziehen.

Seite 7

A-6980/2008

4.7 Es ist  dem Bundesverwaltungsgericht  als  Rechtsmittelinstanz im 
Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens folglich verwehrt, zu 
überprüfen,  ob  einerseits  das  Nichteintreten  der  Erstinstanz  vom 
31. August  2006  und  andererseits  die  Gebührenbefreiung  per 
1. Oktober 2006 rechtmässig waren. Zum besseren Verständnis wird 
nachfolgend  dennoch  kurz  auf  die  in  diesem  Zusammenhang  ge-
machten Vorbringen des Beschwerdeführers eingegangen.

5.
5.1 Es  ist  entgegen  der  Ansicht  des  Beschwerdeführers  gesetzlich 
nicht  vorgesehen,  dass  mit  Eintritt  des  Anspruches  auf  eine 
Invalidenrente die betroffene Person automatisch auch von der Pflicht, 
Gebühren  für  den Radio-  und  Fernsehempfang  zu  bezahlen,  befreit 
würde. Vielmehr muss zur Gebührenbefreiung ein schriftliches Gesuch 
gestellt  und  der  Anspruch  auf  Ergänzungsleistungen  mit  einem 
rechtskräftigen  Entscheid  der  zuständigen  Stelle  nachgewiesen 
werden  (Art. 45  aRTVV).  Angesichts  der  Beweispflicht  des 
Gesuchstellenden ist  es nicht  zu beanstanden,  dass  die Erstinstanz 
auf das erste Gesuch nicht eingetreten ist. Daran ändert nichts, dass 
der  Beschwerdeführer  im Gesuch vom 18. April  2006 entgegen  den 
Tatsachen angab, eine rechtskräftige Verfügung der Ausgleichskasse 
betreffend  Ergänzungsleistungen  liege  bei.  Die  Erstinstanz  ersuchte 
den  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  21.  April  2006  die 
angegebene  Verfügung  der  Ausgleichskasse  nachzureichen;  offen-
sichtlich kam der Beschwerdeführer dieser Aufforderung jedoch nicht 
nach. Die  erforderliche Bestätigung betreffend Ergänzungsleistungen 
lag  erst  dem  zweiten  Gesuch  vom  17. September  2006  bei.  Damit 
konnte der Beschwerdeführer erst aufgrund des zweiten Gesuchs auf 
den letzten Tag des Monats, in dem dieses Gesuch eingereicht worden 
ist,  von der  Gebührenpflicht  befreit  werden (vgl. den  ausdrücklichen 
Wortlaut  von  Art. 45  Abs. 3  aRTVV;  vgl.  auch  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-2276/2006  vom  1. März  2007  und  A-
2349/2006  vom  14. August  2007).  Die  Gebührenbefreiung  per 
1. Oktober 2006 entspricht somit den gesetzlichen Vorschriften.

5.2 Damit  steht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  bis  am 
30. September  2006  der  Gebührenpflicht  für  den  privaten  Radio-
empfang unterlag und ihm zu Recht die Radioempfangsgebühren für 
den Zeitraum vom 1. April  bis  am 30. September  2006 in  Rechnung 
gestellt  worden sind. Die Erstinstanz resp. die Vorinstanz haben den 

Seite 8

A-6980/2008

Bestand  der  Forderung  von  insgesamt  Fr. 84.50  für  Empfangs-
gebühren zu Recht bejaht.

5.3 Gemäss  Art. 44  Abs. 4  und  5  aRTVV  kann  die  Gebührener-
hebungsstelle für schriftliche Mahnungen Fr. 5.- und für eine zu Recht 
angehobene  Betreibung  Fr. 20.-  Gebühren  erheben,  wenn  der  Ge-
bührenpflichtige vorgängig  darüber  informiert  worden ist. In  den von 
der Erstinstanz dem Beschwerdeführer zugesandten Mahnungen wird 
auf  die genannten Gebühren hingewiesen. Damit  hat die Erstinstanz 
resp. die  Vorinstanz dem Beschwerdeführer  zu Recht  Fr. 10.-  Mahn-
gebühren  und  Fr. 20.-  Gebühren  für  die  angehobene  Betreibung  in 
Rechnung gestellt.

5.4 Im Ergebnis ist  der Bestand der dem Beschwerdeführer von der 
Vorinstanz  auferlegten  Forderung  von  insgesamt  Fr. 114.50  zu  be-
stätigen.

6.
6.1 Des  Weiteren  ist  zu  prüfen,  ob  die  Beseitigung  des 
Rechtsvorschlages vom 23. Februar 2007 in der Betreibung Nr. 28113 
des Betreibungsamtes Zürich  1  durch die  Verfügung der  Erstinstanz 
vom 10. Juli 2007 rechtens war.

6.2 Der  Rechtsvorschlag  bewirkt  die  Einstellung  der  Betreibung 
(Art. 78 Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuld-
betreibung und Konkurs [SchKG, SR 281.1]). Um die Betreibung fort-
setzen  zu  können,  muss  der  Betreibende  den  Rechtsvorschlag  ge-
mäss  Art. 79  ff.  SchKG  beseitigen.  Ist  die  betriebene  Forderung 
öffentlich-rechtlicher  Natur,  kann die  zuständige  Verwaltungsbehörde 
zusammen  mit  ihrem  materiellen  Entscheid  über  den  Bestand  der 
Forderung  auch  gleichzeitig  den  Rechtsvorschlag  beseitigen,  ohne 
dass dazu das Rechtsöffnungsverfahren durchlaufen werden müsste. 
Voraussetzung  ist  dabei,  dass  die  materielle  Verfügung  der  Ver-
waltungsbehörde  im Rechtsöffnungsverfahren zur  definitiven Rechts-
öffnung berechtigen würde und im Dispositiv mit Bestimmtheit auf die 
hängige Betreibung Bezug genommen und der Rechtsvorschlag aus-
drücklich als  aufgehoben erklärt  wird (BGE 119 V 329 E. 2b;  ADRIAN 
STAEHLIN/THOMAS BAUER/DANIEL STAHELIN,  Kommentar  zum  Bundesgesetz 
über  Schuldbetreibung  und  Konkurs,  Basel/Genf/München  1998, 
Art. 79 N. 14 f.). 

Seite 9

A-6980/2008

6.3 Die Erstinstanz gilt als Behörde im Sinne von Art. 1 Abs. 2 Bst. e 
VwVG  und  Art. 79  SchKG  und  war  somit  berechtigt,  den  vom 
Beschwerdeführer erhobenen Rechtsvorschlag mit einer Verfügung zu 
beseitigen (Art. 69 Abs. 1 RTVG; BGE 128 III 39). Die auf Geldzahlung 
gerichtete Verfügung vom 10. Juli  2007 stellt  zudem nach Eintritt  der 
Rechtskraft einen definitiven Rechtsöffnungstitel im Sinne von Art. 80 
Abs. 2  Ziff. 2  SchKG  dar.  Im  Dispositiv  wird  ausreichend  auf  die 
hängige  Betreibung  Bezug  genommen  und  der  Rechtvorschlag 
ausdrücklich als beseitigt erklärt.

6.4 Damit  hat  die  Vorinstanz  die  Verfügung  der  Erstinstanz  vom 
10. Juli 2007 auch in diesem Punkt zu Recht bestätigt.

7.
Angesichts  der  vorstehenden  Erwägungen  ist  die  Beschwerde 
abzuweisen.

8.
Dem Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 15. Januar 
2009  das  Recht  zur  unentgeltlichen  Prozessführung  erteilt.  Aus 
diesem Grund sind ihm – unabhängig vom Ausgang des Verfahrens – 
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 65 Abs. 1 VwVG).

9.
Als  unterliegende  und  anwaltlich  nicht  vertretene  Partei  hat  der 
Beschwerdeführer  keinen Anspruch auf  Parteientschädigung (Art. 64 
i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 
173.320.2]).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

Seite 10

A-6980/2008

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die Erstinstanz (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. 1000220711/prs; Gerichtsurkunde)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Marianne Ryter Sauvant Cesar Röthlisberger

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 
Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die 
Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die 
Beweismittel  sind,  soweit  sie  die  beschwerdeführende  Partei  in 
Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

Seite 11