# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 160e8e3d-9250-591c-bff7-00379cf19789
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-25
**Language:** de
**Title:** psychiatrisches Obergutachten überzeugend, Beweislosigkeit
**Docket/Reference:** IV.2012.00522
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00522.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00522
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Kreyenbühl
Urteil
vom
25. September 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
Goecke Laur Reger-
Wyttenbach
Zürcher & Meier Rhein Rechtsanwälte
Ankerstrasse 24, Postfach 2250, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, gebo
ren 1949, gelernte Postbeamtin
, arbeitete
zuletzt
von September 2001 bis
August 2003 als Ver
waltungssekretärin beim
Spital Y.___
(
Urk.
8/1 und
Urk.
8/18/1
). Am 27. August 2004 meldete sie sich wegen eines Spiralbruchs am linken Oberarm, eines Kieferknochenbruchs rechts, einer Schilddrüsenunterfunktion sowie einer seit 10. August 2003 beste
henden Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an
(
Urk.
8/2
). Nach durchgeführten medizinischen und erwerblichen Abklärungen sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versi
cherten mit Verfügungen vom
16. Juni 2005
für die Zeit vom 1. August
bis 31. Dezember 2004 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente und
für die Zeit vom 1. Januar
bis 28. Februar 2005 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 50 % eine halbe Rente zu
(
Urk.
8/37)
.
Dagegen erhob die Versicherte m
it Eingabe
n
vom 2
2.
respektive 3
0.
Juni
2005
Einsprache (
Urk.
8/38 und
Urk.
8/41
), welche von der IV-Stelle
mit Entscheid vom 21.
September 2005 (
Urk.
8/56
) abgewiesen wurde.
Mit Urteil vom
9.
August 2006 (
Urk.
8/71; Prozess Nr. IV.2005.01197) hiess das hiesige Gericht die von
X.___
erhobene Beschwerde (
Urk.
8/61) in dem Sinne gut, als es
in Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids
vom 2
1.
September 2005
die Sache zwecks Durchführung weiterer Abklärungen sowie erneutem Entscheid über den Rentenanspruch an die IV-Stelle zurückwies.
1.2
Die IV-Stelle
holte bei
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Psychiatri
e und Psychotherapie FMH,
ein
Gutachten ein
(Expertise vo
m 29. Dezember 2006,
Urk.
8/84
).
Mit Verfügungen vom 24. Mai 2007 wurde der Versicherten
für die Zeit vom 1. Januar
bis 28. Februar 2005 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente und ab 1. März 2005 basierend auf einem
I
nvalidi
täts
grad
von 50 % eine halbe Rente zu
gesprochen (
Urk.
8/117
). Am 7. Juni 2007 sprac
h die IV-Stelle
X.___
für die Zeit vom 1. August
bi
s 31. Dezember 2004
– ausgehend von einem
Invaliditätsgrad von 100 %
-
eine gan
ze Rente zu
(
Urk.
8/120)
. Gegen
die Ve
rfügung vom 24. Mai 2007
, womit der Versicherten ab 1. März 2005 eine halbe Rente zugesprochen worden war
(Urk. 8/117/1-2)
,
erhob die Versicherte am
2
5.
Juni 2007 Beschwerde (
Urk.
8/125
).
Mit Urteil vom 3
0.
April 2009 hiess das
hiesige Gericht
die Beschwerde teilweise gut und hob die angefochtene Verfügung insoweit auf, als sie den Anspruch auf eine die halbe Rente übersteigende Invalidenrente ver
neinte
,
und
wies
die Sache zwecks Durchführung weiterer Abklärungen und erneutem Entscheid wiederum an die IV-Stelle zurück (
Urk.
8/137; Prozess Nr. IV.2007.00923).
1.3
Die
IV-Stelle
holte
den Bericht von
Dr.
med.
A.___
vom 2
2.
August 2009 (
Urk.
8/142/1-10) ein
und
versuchte
vergeblich, Berichte von
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Chirurgie FMH, (
Urk.
8/149) und von
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, (
Urk.
8/159) erhältlich zu machen.
Mit Verfügung
en
vom
8.
Oktober 2009 sprach sie
X.___
– im Umfang des bereits feststehenden Rechtsanspruchs (
Urk.
8/155) -
mit Wirkung ab
1.
August 2004 bis 3
1.
März 2005 eine ganze und
mit Wirk
ung ab
1.
April 2005
eine halbe Re
nte zu
(
Urk.
8/148
)
.
Nachdem die IV-Stelle
daraufhin
bei
Dr.
med.
D.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera
pie sowie Neurologie FMH, ein psychiatrisches Obergutachten in Auftrag gege
ben hatte und die Versicherte am
4.
November 2010 untersucht worden war (
Urk.
8/167),
erhoben
Dr.
A.___
und die Versicherte
am
2
2.
November (
Urk.
8/1
69) respektive 2
3.
November 2010
(
Urk.
8/170)
Vorwürfe gegenüber der Gutachterin
. Am
6.
Mai 2011 erstattete
Dr.
D.___
ihre psychi
atrische Exper
tise (
Urk.
8/178) und
nahm am
2
5.
Juli 2011
Stellung
zu den Vorwürfen
(
Urk.
8/181).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
6.
Januar 2012,
Urk.
8/184, und Einwand vom
8.
Februar 2012,
Urk.
8/191)
verfügte
die IV-Stelle
am 2
8.
März 2012, dass
das Erhöhungsgesuch der Versi
cherten – ausgehend von einem seit 2005 unveränderten Invaliditätsgrad von 50
%
- abgewiesen werde
ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X.___
, vertreten durch Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
, am 1
5.
Mai 2012 Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 2
8.
März 2012 aufzuheben und die Beschwe
rdegegnerin zu verp
flichten, ihr
ab
1.
September 2005 eine ganze Invalidenrente auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zessführung
und Rechtsvertretung (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Juni 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin am
2.
Juli 2012 angezeigt wurde (
Urk.
10). Am 2
5.
Juni 2012 zog die Beschwerdeführerin das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege zurück (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen i
st der Renten
anspruch der Beschwerdeführerin ab Septem
ber 2005.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ga
nze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Gemäss
Art.
88a
Abs.
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) ist bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen oder bei einer Zunahme der Hilflosigkeit oder
Erhöhung des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes
oder Hilfebedarfs die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat.
Art.
29
bis
IVV ist sinn
gemäss anwendbar.
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.6
Der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess ist vom
Untersuchungsgrund
satz
beherrscht (Art. 61
lit
. c ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125  V 193 E. 2;  122  V 157 E. 1a; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachver
halt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf
grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirk
lichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
Die Verwaltung als verfügende Instanz und
im Beschwerdefall
das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög
lichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
Gemäss Entscheid des hiesigen Gerichts vom 3
0.
April 2009 war - aufgrund einer Verbesserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin ab dem
6.
Dezember 2004 - ab
1.
April 2005 nur, aber immerhin noch ein Anspruch auf mindestens eine halbe Rente ausgewiesen. Ab 2
0.
Juni 2005 sei die Beschwer
deführerin erneut vollständig arbeitsunfähig geworden, weshalb sich die Frage des Rentenanspruchs für die Zeit ab
1.
September 2005 stelle (Art. 88a Abs. 2 IVV). Entsprechend wurde die angefochtene Verfügung insoweit aufgehoben, als sie den Anspruch auf eine die halbe Rente übersteigende Invalidenrente ab
1.
September 2005 verneinte (E. 7). Im Folgenden ist daher der gesundheitliche Verlauf ab 2
0.
Juni 2005 zu prüfen.
3
.
3
.1
Dr.
med.
E.___
, Spezialarzt
FMH
Ps
ychiatrie und Psychotherapie
,
diagnosti
zierte
in seinem Gutachten vom 3
0.
Oktober 2005 zuhanden der Helsana Versicherungen AG
eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwär
tig mittelgradige Episode mit einem somatischen Syndrom gemäss ICD-10 F33.1
1.
Weiter sei es sicher gerechtfertigt
, von akzentuierten
abhängigen und selbstunsicheren Persönlichkeitszügen z
u reden, ohne dass
eine
Persönlich
keitsstörung
gänzlich ausgeschlossen werden könne.
Es sei
davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin eine deutliche depressive Symptomatik vorder
gründig sei, welche
derzeit
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit rechtfertige. In Anbetracht der durchgeführten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behand
lung sollte
aber
erwartet werden können, dass
sich die depressive Symptomatik
innert nützlicher Frist, vielleicht innert Wochen, vielleicht innert w
eniger
Monate
soweit bessere, dass
die Ar
be
itsfähigkeit
gesteigert
werden könne (
Urk.
8/63/5-6).
3
.2
Dr.
Z.___
führte
in ihrem psychiatrischen Gut
achten vom 2
9.
Dezember 2006 als
Diagnosen (1)
eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-
10 F33.11);
Dysthymia
(ICD-10 F
34.1)
,
im Sinne einer „double
depression
“ und (2) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit neurasthenischen, selbstunsicheren und abhängigen Zügen (ICD-10 F61.0)
an
. In ihrer bisherigen Tätigkeit als
Schalter
angestellte
am Empfang einer Klinik sei die Beschwerdeführerin dauerhaft
zu
50
%
arbeitsunfähig. Dies gelte auc
h für die zurückliegende Zeit
zumindest
ab
Dezember 200
4.
Bei äusserlichen Belastungen, Enttäuschungen etc. reagiere
die Beschwerdeführerin
jeweils mit vorübergehender Zuspitzung der depressiven Vitalitätsstörung
, was dann eine mehrwöchige, maximal aber dreimonatige 100%ige Arbeitsunfähigkeit zu sich ziehe. Dies sei soweit
retrospektiv
rekon
struierbar im Sommer 2005
der Fall gewesen
sowie
auch seit November 200
6.
Es
handle sich dabei aber nicht um eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
8/84/18-19).
3
.
3
Im Austrittsbericht der Klinik
F.___
vom
1.
Februar 2008 erklärten die behan
delnde Ärztin
und die behandelnde Psychotherapeutin
, dass die Beschwerde
führerin vom
9.
Oktober 2007 bis zum 3
0.
Januar 2008 in ihrer Klinik hospita
lisiert gewesen sei. Als Diagnosen nannten sie (1) einen Status nach schwerer depressiver Episode mit psychoti
schen Symptomen
(ICD-10 F32.3)
und
(2) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
anankastischen
und ängstlich-vermei
denden Anteilen (ICD-10 F61.0;
Urk.
8/142/11).
3
.
4
Dr.
A.___
stellte
in ihrem Bericht vom 2
2.
August 2009 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/142/2):
(1)
eine rezidivierende depressive Störung
, mittelgradige bis schwer
e Episoden mit
somatischem Syndrom und psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.11/21,
F33.3)
(2)
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
anankastischen
und ängstlich-
vermeidenden Anteilen (ICD-10 F61.0)
(3)
Probleme durch negative Kindhe
itserlebnisse (ICD-10 Z61.2/
5)
(4)
eine Hypo
t
hyreose infolge Hashimoto Thyreoiditis, substituiert,
euthyreot
(5)
eine Eisenmangelanämie
(6)
ein
körperlicher
E
rschöpfungszustand
Ohne Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit sei ein
Status nach Oberarmfraktur links durch Sturz am 1
7.
August
200
4.
In der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
medizinische Sekretärin
und auch
in einer behinde
rungsangepassten Tätig
keit bestehe folgende Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
8/142/2
-7):
100
%
vom 2
0.
Juni
2005
bis
4.
September 2006
50
%
vom
5.
September
bis
1
6.
November 2006
100
%
vom 1
6.
November 2006 bis
1.
April 2008
90
%
vom
2.
April
bis
5.
Juli 2008
50
%
vom
6.
Juli
bis
6.
August 2008
100
%
seit
7.
August 2008
bis auf
Weiteres
3
.
5
Dr.
D.___
diagnostizierte in ihrem psychia
trischen Oberg
utachten vom
6.
Mai 2011
(1) einen somatisch begründeten psycho-physischen Erschö
pfungszustand, (2) eine
histrionische
, teilweise dissoziale
Persönlichkeitsstörung
und (3
) eine Hypothyreose.
Dr.
D.___
gab an,
dass die seit 2005 durchgängig vorhandene 50%ige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin insofern auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zurückzuführen sei, als eine Persönlichkeitsstörung vorliege
. Einzelne Phasen, in denen es
ihr
schlechter oder besser gegangen sei, würden sich anhand der Aktenlage nicht sicher rekonstruieren lassen. A
nge
sichts des psycho-physischen Erschöpfungszustandes, in dem sich die Beschwerdeführerin
während der
gutachterlichen
Untersuchung befunden habe,
müsse
für diesen Zeitpunkt von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit im bisheri
gen Arbeitsverhältnis, in angepasster Tätigkeit und auch im Aufgabenbere
ich ausgegangen werden
.
E
ine dauerhafte 100%ige Arbeitsunfähigkeit auf dieser Grundlage
sei
jedoch
unwahrscheinlich
(
Urk.
8/178/31
-36
).
3
.
6
Am
6.
Februar 2012 berichtete
Dr.
A.___
, dass die Beschwerdeführerin unter sehr langen depressiven Phasen mit viel kürzeren Episoden von guter Stim
mung und Lebensenergie leide. Von November 2009 bis April 2011 (18 Monate) sei es ihr sehr schlecht gegangen. In di
ese Zeit sei auch die gutachterliche Untersuchung
durch
Dr.
D.___
gefallen. Von Mitte April bis anfangs November 2011 sei es ihr besser gegangen. Dann hätten sich als Vorboten körperliche Probleme mit Schwindel, Übelkeit, enormer Müdigkeit und Herzbeschwerden, die bei der hausärztlichen Kontrolle keine pathologischen Befunde ergeben hätten, gemeldet. Seither sei die Beschwerdeführerin wieder im Rückzug, see
lisch gelähmt und ohne Lebens- und Leistungskraft. Der psycho-physische Zustand habe sich über die vielen Jahren verschlechtert, obwohl medizinische, psychiatrische und medikamentöse Behandlungen korrekt eingesetzt und befolgt worden seien. Auch in den besseren Phasen würden die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit dauernd eingeschränkt bleiben (
Urk.
3/3).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
März 2012
davon aus
, dass die Beschwerdeführerin seit 2005 weiterhin zu durch
schnittlich 50
%
arbeitsunfähig
gewesen sei
.
Sie berief
sich
dabei
auf das psy
chiatrische Obergutachten von
Dr.
D.___
vom
6.
Mai 2011 (
Urk.
2).
4
.2
4
.2.1
Dr.
D.___
hat
ihre psychiatrische Expertise vom
6.
Mai 2011
in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Die geklagten Beschwerden hat sie berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführe
rin auseinandergesetzt (
Urk.
8/178
).
4
.2.2
Dr.
D.___
legte
überzeugend dar
,
dass
bei der Beschwerdeführerin aller Wahr
scheinlichkeit nach eine spezifische Persönlichkeitsstörung, also eine schwere Störung der charakterlichen Konstitution und des Verhaltens, die mehrere Bereiche der Persönlichkeit betreffe, bestehe.
Dabei würden
Persönlichkeitszüge
vorliegen
, wie sie zu einer
histrionischen
, zum Teil auch dissozialen
Persönlich
keitsstörung
passen würden.
Anhand der eigenen Untersuchung
,
aber auch
anhand
der Durchsicht der Vorgutachten imponiere eine Neigung, andere zu beschuldigen
bzw.
das eigene Verhalten vordergründig zu rationalisieren
.
W
ahrscheinlich
bestünden
ein Unvermögen zur Beibehaltung längerfristiger Beziehungen und eine geringe Frustrationstoleranz. Die Af
fektivität wirke oberflächlich und
das Verhalten weise
zum Teil th
eatralische Züge auf. Weiter
würden Egozentrik sowie erhöhte Kränkbarkeit imponieren. Während der Untersuchungssituation
sei
der Eindruck entstanden
, dass die im
Kontaktver
halten
sehr freundliche Beschwerdeführerin manipulative Tendenzen aufweise.
Hierzu passe die durch die Ergebnisse der Laboruntersuchung aufgeworfene Frage nach einer möglicherweise krankheitsbedingten, aber eventuell auch gezielten Herbeiführung eines somatisch reduzierten Zustandsbildes. So sei das
Thyreoidea
-stimulierende Hormon
(
TSH
)
am Untersuchungstag deutlich erhöht gewesen, was für eine vorangegangene fehlerhaft
e
Einnahme der verordneten Schilddrüsenhormone spreche und klinisch die Auslösung der Symptome der eigentlich behandelten Hypothyreose bewirke. Schon bei TSH-Werten im obe
ren Normbereich könnte
eine sogenannte latente
Hypothyreose Symptome wie Müdigkeit, Antriebsreduktion und auch
eine
depressive Verstimmung
bewirken
. Zum Untersuchungszeitpunkt im Herbst 2010
habe jedenfalls eine
hypothyreot
e
Stoffwechsellage bestanden
. Zusätzlich hätten die Labor-Ergebnisse einen
Vitamin-B12-
und einen Vitamin-D-Mangel ausgewiesen. All diese somati
schen Probleme seien geeignet, eine deutliche Reduktion des
Allgemeinzustan
des
herbeizuführen, insbesondere aber auch eine somatisch begründete depres
sive Verstimmung. Bei Bearbeitu
ng der Akten falle auf, dass
diese somatischen
Probleme
in der Vergangenheit schon untersucht und – wie
ein ebenfalls
bereits
aufgefallener Eisenmangel – behandelt worden seien. Bei allen Begutachtungen sei
en
auch ein reduzierter Allgemeinzust
and bzw.
Bleichheit
, Müdigkeit
und
Antriebsreduktion festgestellt worden, wobei im Nachhinein nicht
eruierbar
sei, inwieweit diese Symptome zum jeweiligen Zeitpunkt mehr auf die genannten somatischen Probleme der Beschwerdeführerin oder auf d
ie von den
Vorgut
achtern
diagnostizierte affektive Erkrankung in Form von depressiv
en Episoden zurückzuführen gewesen seien
. Nach dem eigenen Eindruck der Unterzeichnen
den habe bei der Beschwerdeführerin zum Untersuchungszeitpunkt keine eigenständige oder zusätzliche depressive Störung vorgelegen, sondern ein somatisch begründeter psycho-physischer Erschöpfungszustand in Kombination mit einer Persönlichkeitsstörung überwiegend
histrionischen
Charakters.
Diffe
rentialdiagnostisch
sei auch an das Vorhandensein einer artifiziellen Störung
zu denken
, eine Frage, die im Rahmen dieser Begutacht
ung allerdings
nicht ausrei
chend beurteilt werden könne.
Die
von der Beschwerdefüh
rerin geschilderten Symptome mit
Müdigkeit und Schwäche
seien
im Rahmen der Hypothyreose zu verstehen, ohne dass eine zusätzliche endogene oder reaktive depressive Epi
sode diagnostiziert werden müsse. Vom psychopathologischen Befund her liege eine solche nicht vor. Soweit Symptome geschildert würden, die auf ein „psy
chisches Geschehen“ hindeuteten – wie Sorgen um den Sohn oder Vorstellun
gen von einer Gottesstrafe – würden diese anders wirken als bei Patienten, die effektiv unter solchen Sorgen und Vorstellungen leiden würden. Sie hätten etwas
Holzschnitthaftes
, hätten sich bei genauerer Nachfrage verloren und seien nicht in Einklang mit der emotionalen Ausdrucksweise der Beschwerdeführerin gestanden. Gerade an diesen Stellen sei bei Nachfrage der Eindruck einer Unechtheit und gewissen Theatralik aufgefallen, wie er zu einer
histrionisc
hen
Persönlichkeitsstörung passe
, die ja manchmal auch schwere psychia
trische Erkrankungen „imitiere“
und bei der Auto- und Fremdsuggestion gleichermas
sen ausgeprägt seien. Das Vorliegen einer in den Vorgutachten diskutierten
Dysth
ymie
erscheine möglich, sei allerdings
anhand der Datenlage nicht sicher ausgewiesen.
Dr.
D.___
kam dementsprechend zum Schluss,
dass die Beschwer
deführerin aufgrund der Persönlichkeitsstörung zu 50% in ihrer Arbeitsfähig
keit eingeschränkt sei und
dass
bei
adäquater Behandlung der Hypothyreose, des Vitamin-B12- und des Vitamin-D-Mangels sowie gegebenenfalls eines erneut auftretenden Eisenmangels von einer Besserung d
es während der Untersuchung noch bestehenden psycho-physischen
Erschöpfungszustandes auszugehen
sei
(
Urk.
8/178/31-33
). Diese Schlussfolgerung von
Dr.
D.___
ist gestützt auf die von ihr genannten Befunde und unter Einbezug ihrer Erläute
rungen ohne
Weiteres
nachvollziehbar.
4
.2.3
Was
die Arbeits
un
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
seit
Juni 2005
betrifft, erach
tete
Dr.
D.___
eine
mehr als
50
%
ige
Einschränkung als nicht erwiesen
.
Sie führte
dazu
schlüssig
aus
, es leide zwar
keinen Zweifel
,
dass die Beschwerde
führerin
– jeweils nach Enttäuschungen über das Fehlschlagen von Plänen oder andere Belastungen – vorübergehend eine Verschlechterung ihrer gesundheitli
chen Situation erlebt habe, die sie zum Beispiel dazu gebracht habe, gerade angefangene Unte
rnehmungen wieder einzustellen
. Allerdings lasse sich anhand der aus der Aktenlage möglichen Rekonstruktion hieraus nicht unmit
telbar schliessen, dass in den jeweiligen Situationen auch eine tatsächliche 100%ige Arbeitsunfähigkeit durch Verschlechterung des Gesundheitszustands verursacht gewesen sei (
Urk.
8/178/36
). Auf die
von der
behandelnden Psy
chi
aterin
überlassene Dokumentation allein könn
e nicht abgestellt werden (
Urk.
8/178/33
). Auch der Bericht aus der r
elativ spät aufgesuchten
Klinik
F.___
spiegle für den damaligen Behandlungszeitraum über drei Monate hinweg nicht das Bild einer akuten Erkrankung an einer schweren depressiven Episode. Weder der psychopathologische Befund (der zum Teil nicht zwischen eigenen Untersuchungen und Angaben der Beschwerdeführerin unterschieden habe) habe ein derartig schweres Zustandsbild aufgewiesen
,
noch lasse sich dies aus der Beschreibung des Verlaufs der stationären Behandlung belegen. Beim kli
nischen Bild einer schweren depressiven Episode mit somatischem Syndrom und psychotische
n Symptomen wäre sicherlich
eher eine Einweisung in eine psychiatrische Akutklinik als in ein psychotherapeutisches Behandlungssetting erfolgt, bei dem zu Beginn des stationären Aufenthalts schon „dynamisch auf
deckend“
habe v
orgegangen werden können (
Urk.
8/178/36).
Dr.
D.___
überzeugende
Einschätzung hinsichtlich der retrospektiven Arbeitsfä
higkeit
der Beschwerdeführerin
deckt sich
somit
weitgehend mit derjenigen von
Dr.
Z.___
in deren
Gutachten vom 2
9.
Dezember 2006
(
Urk.
8/84)
,
die das
hiesige
Gericht im
Urteil vom 3
0.
April 2009
als n
icht nachvol
lziehbar erachtete (
Urk.
8/137, vgl. E. 5.5.1
)
. Dies stellt
allerdings
nur ein
en scheinbaren
Wider
spruch
dar. Denn
die Begründung
von
Dr.
D.___
ist eine andere
. Wä
hrend
Dr.
Z.___
nämlich grundsätzlich
von einer
andauernden
50%igen Arbeits
unfähigkeit für den Zeitrau
m ab Dezember 2004
ausging, zielt die
Argumenta
tion
von
Dr.
D.___
im Wesentlichen darauf ab
, dass
sich
für die Zeit ab Juni 2005
eine
50
%
übersteigende, dauerhafte
Ar
beitsunfähigkeit
nicht sicher
rekonstruieren lasse
.
Dr.
D.___
schloss also
nicht
aus, dass
möglicherweise
eine länger als drei Monate dauernde
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit vor
gelegen haben könnte. A
ufgrund der Aktenlage
sei dies indessen
nicht erwiesen. Mit anderen Worten
liegt gemäss
Dr.
D.___
für den besagten
Zeitraum
letztlich
Beweislosigkeit vor.
Dies ist zunä
chst deshalb plausibel, weil d
er
Bericht
von
Dr.
A.___
vom 2
2.
August 2009
(
Urk.
8/142/1-10
)
die Anforderungen an ein taugliches Beweismittel – wie bereits
deren
Bericht vom 1
6.
März 2007 (vgl. E. 5.5.2 des Urteils vom 3
0.
April 2009,
Urk.
8/137/17) – nicht
erfüll
t
.
So enthält der
Bericht vom 2
2.
August 2009
zwar
eine ausführliche S
childerung des Behandlungsverlaufs
. Angesichts der
wenigen
Angaben zu den er
hobenen Befunden
(
Urk.
8/142/7)
lässt sich jedoch
nicht
prüfend
nachvollziehen,
inwie
fern und wann genau
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im von
Dr.
A.___
behaupteten Ausmass verschlechtert
bzw. teilweise wieder verbessert haben soll
.
Weiter
darf und soll das Gericht -
auch wenn den Beur
teilungen
Dr.
A.___
als langjährige behandelnde Ärztin selbstverständlich
Bedeutung be
izumessen ist -
in Bezug auf Berichte
von
behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung
tragen
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc)
.
Nebst
d
en Berichten der Klinik
F.___
betreffend den
stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin zwis
chen dem
9.
Oktober 2007 und dem
3
0.
Januar 2008 (
Urk.
8/142/11-17)
liegen zudem
keine
weiteren
Berichte behandelnder Ärzte vor.
Dr.
B.___
, der die Beschwerdeführerin von O
ktober 2005 bis Februar 2006
kurzzeitig
behan
delt
e, sah
vom
Einreichen
eines B
erichts ab
(
Urk.
8/149)
.
Z
u den Terminen bei
Dr.
C.___
ist die Beschwerdeführerin
anscheinend nicht
erschienen
(
Urk.
8/159)
.
4
.2.
4
Entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 10)
ist
Dr.
D.___
auf die Berich
te von
Dr.
A.___
eingegangen.
Ihre teilweise von den behandeln
den Ärzten und Vorgutachtern abwei
chende Diagnosestellung hat sie
hinrei
chend begründet
. Das Vorliegen einer
depressiven Symptomatik bzw.
Dysthy
mie
hat
sie
nicht verneint
, sondern als möglich, aber nicht sicher ausgewiesen bezeichnet
(
Urk.
8/178/31-36).
Der von der Beschwerdeführerin (
Urk.
8/170) und
Dr.
A.___
(
Urk.
8/169) erhobene Vorwurf,
Dr.
D.___
habe sich bei der Exploration demütigend verhalten und untragbare Bemerkungen gemacht, wu
rde von ihr
vehement bestritten (
Urk.
8/181). Der Rechtsdienst der Beschwer
degegnerin hielt dazu fest,
Dr.
D.___
habe
in ihrer Stellungnahm
e erklärt
, dass diese Vorbringen der Beschwerdeführerin wohl auf die gestellte Diagnose zurückzuführen seien. Vom Zeitpunkt der Begutachtung (
4.
November 2010) bis zur Meldung der angebl
ichen Verfehlungen
Dr.
D.___
(2
2.
bzw. 2
3.
November 2010) seien fast drei Wochen vergangen. Sofern die Äusserungen der begutachtenden Psychiaterin tatsächlich derart tiefgreifend gewesen wären, mute es fragwürdig an, weshalb nicht umgehend eine Meldung bei der Beschwerdegegnerin erfolgt sei. Zudem sei fraglich, weshalb die Beschwerde
führerin die Begutachtung nicht abgebrochen habe, sondern
Dr.
D.___
weiter
hin
Auskünfte erteilt habe. Ebenso wäre es erstaunlich, dass die
Beschwerdeführerin einer Blutuntersuchung am Ende der Begutachtung zugestimmt hätte. In Wür
digung dieser Umstände könne daher auf das Gutachten abgestellt werden (
Urk.
8/182/5). Diese Begründung des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin erscheint – auch angesichts dessen, dass sich aus dem Gutachten selbst keiner
lei Anzeichen für ein pflichtwidriges oder unkorrektes Verhalten
Dr.
D.___
ergeben
–
ohne
Weiteres
nachvollziehbar.
Aus
dem Zwischenbericht von
Dr.
A.___
vom
6.
Februar 2012
ergeben sich sodann
nicht genügend Anhaltspunkt
e
für eine nach der Begutachtung
von
Dr.
D.___
am
4.
November 2010 e
ingetretene wesentliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin.
Dr.
A.___
erklärte
selbst, dass die neu hinzu
gekomme
nen somatischen Probleme bei der hausärztlichen Kontrolle keine pathologi
schen Bef
unde ergeben hätten (
Urk.
3/3).
4
.2.
5
Wie die Beschwerdeführerin zutreffend darlegte (
Urk.
1 S. 12), wird d
as fortge
schrittene Alter
, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Recht
sprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönli
chen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versi
cherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungs
p
flicht nicht mehr zumutbar ist
. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren
Resterwerbsfähig
keit
, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt ab von den Umständen, die mit Blick auf die Anfor
derungen der Verweistätigkeiten m
assgebend sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_145/2011 vom 3
0.
Mai 2011 E. 3.3 mit Hinweisen).
Gemäss
dem psychiatrischen G
utachten von
Dr.
D.___
ist die
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
März 2012 (
Urk.
2)
62-jährige
Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit –
wie
erwähnt - seit
Juni
2005 grundsätzlich
nicht
zu mehr als
50
%
eingeschränkt
(
Urk.
8/178/36
)
.
Die Beschwerdeführerin verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung als Postbeamtin (
Urk.
8/1) und war während mehr als 30 Jahren erwerbstätig (
Urk.
8/7).
Zumindest im Jahr 2008 war sie gemäss Bericht von
Dr.
A.___
vom 2
2.
August 2009
Teilzeit als Aufsicht
sperson
im Museum
G.___
in
H.___
tätig (
Urk.
89/142/5).
Auch wenn sich die Stellensuche
ange
sichts ihres
fortgeschrittenen Alters als schwierig gestalten dürfte, kann mit
Bezug auf den hypothetisc
hen ausgeglichenen Arbeitsmarkt
doch
nicht gesagt werden, d
ass eine Anstellung in einem 50
%-Pensum
unter diesen Umständen
als nicht mehr realistisch zu bezeichnen wäre.
4
.3
Zusammenfassend ist somit
festzuhalten, dass eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit Juni 2005 als ausgewiesen gelten kann. Für die Zeit vor der Begutachtung durch
Dr.
D.___
am
4.
November 2010 liegt insofern Beweislosigkeit vor, als sich nicht erstellen lässt, dass die Beschwerdeführerin seit Juni 2005 jemals länger als drei Monate ohne wesent
liche Unterbrechung (vgl.
Art.
88a
Abs.
2 IVV) zu mehr als 50
%
arbeitsunfähig war.
Auch eine neuerliche fachärztliche Begutachtung könnte darüber keinen Aufschluss bringen.
Dies wirkt sich zu Lasten der Beschwerdeführerin aus, da sie aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt ein Recht – nämlich den Anspruch auf eine höhere IV-Rente – ableiten will (vgl. E. 1.6).
Nicht zu bean
standen (und nicht bestritten) ist schliesslich auch der von der
Beschwerdegeg
nerin
in der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
März 2012 vorgenommene
Ein
kommensvergleich
.
Die Beschwerde erweist sich demnach als
unbegründet und ist abzuweisen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstKreyenbühl
RH/TK/IKversandt