# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5600fa2a-6061-580e-97f0-eb760749e983
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-11-25
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsrekurskommission 25.11.2010 IV-2010/87
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VWEK_001_IV-2010-87_2010-11-25.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV-2010/87

Stelle: Verwaltungsrekurskommission

Rubrik: Verkehr

Publikationsdatum: 02.08.2019

Entscheiddatum: 25.11.2010

Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 25.11.2010
Art. 15a Abs. 1, 4 und 5, Art. 36 Abs. 4 SVG (SR 741.01); Art. 35 Abs. 1 VZV 
(SR 741.51). Der Fahrzeuglenker beging während der ordentlichen Probezeit 
von drei Jahren zwei Widerhandlungen gegen die 
Strassenverkehrsvorschriften, welche zu insgesamt zwei 
Führerausweisentzügen führten; dies hat die Annullierung des 
Führerausweises auf Probe zur Folge. Die Sperrfrist im Hinblick auf die 
Wiedererlangung des Führerausweises auf Probe beginnt mit der Begehung 
der zweiten Widerhandlung zu laufen. Sie dauert im Minimum ein Jahr, kann 
aber länger sein, wenn die nötigen Massnahmen zur Abklärung der 
Fahreignung innerhalb dieser Frist nicht getroffen werden können 
(Verwaltungsrekurskommission, Abteilung IV, 25. November 2010, 
IV-2010/87).

Präsident Urs Gmünder, Mitglieder Urs Früh und Beat Fritsche; Gerichtsschreiberin

Susanne Schmid Etter

X, Rekurrent,

vertreten durch lic.iur. Christoph Anwander, Rechtsanwalt, Bahnhofstrasse 21,

Postfach 21, 9100 Herisau,

gegen

Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt, Abteilung Administrativmassnahmen, 

Moosbruggstrasse 11, 9001 St. Gallen, Vorinstanz,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Annullierung des Führerausweises auf Probe

Sachverhalt:

A.- X erwarb den Führerausweis auf Probe am 20. April 2007. Am 1. Juli 2007 

verursachte er mit dem Motorrad einen Selbstunfall, weshalb ihm der Führerausweis 

auf Probe mit Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 22. Oktober 2007 für die 

Dauer von einem Monat entzogen wurde (Entzug vom 6. März bis 5. April 2008). Die 

Probezeit wurde nicht verlängert.

B.- Am Montag, 11. Januar 2010, wollte X mit einem Lieferwagen vom Vorplatz der 

Post Langgasse in St. Gallen nach links in die Splügenstrasse einbiegen, welche dort 

dreispurig verläuft. Zwei Fahrspuren führen hinauf zur Langgasse und sind durch eine 

Sicherheitslinie getrennt von der Fahrspur, welche von der Langgasse herkommt. Bei 

diesem Manöver stiess X mit einem von links nahenden vortrittsberechtigen Fahrzeug 

zusammen, welches sich daraufhin drehte und mit einem Sattelschlepper kollidierte. Es 

entstand hoher Sachschaden.

Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 15. Februar 2010 wurde 

X wegen Verletzung von Verkehrsregeln (Nichtgewähren des Vortritts beim Einfügen in 

den Verkehr) zu einer Busse von Fr. 500.-- verurteilt.

C.- Aufgrund dieses Vorfalls stellte das Strassenverkehrsamt X mit Schreiben vom 7. 

Juli 2010 eine Verlängerung der Probezeit um ein Jahr sowie einen viermonatigen 

Führerausweisentzug in Aussicht. Mit Schreiben vom 16. Juli 2010 teilte das 

Strassenverkehrsamt X mit, es sei versehentlich nicht berücksichtigt worden, dass 

bereits der erste Führerausweisentzug im Jahr 2007 eine Verlängerung der Probezeit 

hätte zur Folge haben sollen. Mit der jetzigen zweiten Widerhandlung verfalle der 

Führerausweis auf Probe. X wurde dazu erneut das rechtliche Gehör gewährt. Mit 

Verfügung vom 27. Juli 2010 annullierte das Strassenverkehrsamt den mittlerweile 

ausgestellten unbefristeten Führerausweis von X und entzog einem allfälligen Rekurs 

die aufschiebende Wirkung.

D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 26. 

August 2010 und Ergänzung vom 30. August 2010 Rekurs bei der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und der Führerausweis dem Rekurrenten unverzüglich wieder 

auszuhändigen; ferner sei dem Rekurs die aufschiebende Wirkung zu erteilen; alles 

unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

E.- Mit Vernehmlassung vom 18. Oktober 2010 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung des Rekurses. Auf die Ausführungen der Parteien zur Begründung ihrer 

Anträge und die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die 

Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur 

Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 26. August 2010 ist rechtzeitig 

eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen 

Anforderungen (Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.

2.- Strittig ist, ob die erneute Widerhandlung des Rekurrenten gegen die 

Strassenverkehrsvorschriften gestützt auf Art. 15a Abs. 4 SVG zur Annullierung des 

Führerausweises führt.

a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, entgegen Art. 15a Abs. 3 SVG sei ihm 

die Probezeit mit der ersten Entzugsverfügung vom 22. Oktober 2007 nicht verlängert 

worden. In jener Verfügung sei zudem nicht auf die Folgen einer zweiten 

Widerhandlung, namentlich den Verfall des Führerausweises auf Probe, hingewiesen 

worden. Aus dieser Unterlassung dürfe ihm kein Nachteil entstehen. Die Probezeit 

habe am 20. April 2010 geendet. Per 20. April 2010 sei ihm der unbefristete 

Führerausweis ausgestellt worden. Für den Einzug dieses Führerausweises fehle es an 

einer gesetzlichen Grundlage. Art. 15a Abs. 4 SVG sei nicht anwendbar. Art 35a Abs. 2 

VZV, wonach eine Annullierung auch möglich sei, wenn inzwischen der unbefristete 

Führerausweis erteilt worden sei, könne nur auf Fälle angewendet werden, in denen die 

Vorinstanz den unbefristeten Ausweis ausgestellt habe, bevor sie von der zweiten 

Widerhandlung erfahren habe. Er habe darauf vertrauen dürfen, dass die Verfahren zu 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

den Vorfällen vom 1. Juli 2007 und 11. Januar 2010 korrekt durchgeführt würden. Für 

die Fehler der Vorinstanz sei er nicht verantwortlich.

Die Vorinstanz hält dem entgegen, der Rekurrent habe innerhalb der ordentlichen 

Probezeit zwei Widerhandlungen begangen, die zum Entzug geführt hätten. 

Irrtümlicherweise sei in der Entzugsverfügung vom 22. Oktober 2007 die Probezeit 

nicht um ein Jahr verlängert worden. Dies habe jedoch keine Auswirkungen auf die 

angefochtene Verfügung. Nach Art. 15a Abs. 4 SVG verfalle der Führerausweis mit der 

zweiten Widerhandlung, die zum Entzug führe. Dabei sei unerheblich, ob der 

Führerausweis zwischenzeitlich unbefristet erteilt worden sei oder nicht.

3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) 

wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das 

Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03) 

ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung 

ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), 

mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine 

leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe 

Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden 

trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch 

Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in 

Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und 

wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in 

Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).

Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird zunächst 

auf Probe erteilt. Die Probezeit beträgt drei Jahre (Art. 15a Abs. 1 SVG). Er wird 

unbefristet erteilt, wenn die Probezeit abgelaufen ist und der Inhaber an den vom 

Bundesrat vorgeschriebenen, in erster Linie praktischen Weiterbildungskursen zur 

Erkennung und Vermeidung von Gefahren sowie zu umweltschonendem Fahren 

teilgenommen hat (Art. 15a Abs. 2 SVG). Wird dem Inhaber der Ausweis auf Probe 

wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die Probezeit um ein Jahr verlängert. 

Dauert der Entzug über die Probezeit hinaus, so beginnt die Verlängerung mit der 

Rückgabe des Führerausweises (Art. 15a Abs. 3 SVG). Der Führerausweis auf Probe 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

verfällt mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des Ausweises führt (Art. 15a 

Abs. 4 SVG).

Der Führerausweis auf Probe wurde als Massnahme zur Bekämpfung der stark 

ansteigenden Unfallzahlen eingeführt. Der Gesetzgeber wollte damit den Erwerb von 

Führerausweisen erheblich erschweren. Die Probezeit dient dazu, die Tauglichkeit des 

Fahrzeuglenkers in seinem ersten Einsatz zu überprüfen. Der Schwerpunkt der 

Neuerung liegt in der Zweiphasenausbildung. Die Führerprüfung verschafft zunächst 

einmal nur einen auf drei Jahre gültigen Fahrausweis, den "Führerausweis auf Probe". 

Die drei Jahre stellen eine eigentliche Bewährungsfrist dar, in welcher der Neulenker 

seine Tauglichkeit unter Beweis stellen muss, indem er im Strassenverkehr nicht 

negativ auffällt. Ferner besteht eine obligatorische Weiterbildungspflicht mit dem Ziel, 

in zwei sich ergänzenden Kursen die theoretischen Kenntnisse zu vertiefen und 

standardisierte Fahrsituationen zu absolvieren (vgl. zum Ganzen H. Giger, Kommentar 

zum Strassenverkehrsgesetz, 7. Aufl. 2008, N 3 f. zu Art. 15a SVG). Die 

Bewährungszeit gilt als nicht bestanden, wenn während der Probezeit eine zweite 

Widerhandlung begangen wird, die zu einem Ausweisentzug führt (Urteil des 

Bundesgerichts 1C_542/2009 vom 10. September 2010, E. 6.1)

c) Der Rekurrent besass den Führerausweis auf Probe seit 20. April 2007. Am 1. Juli 

2007 verursachte er mit dem Motorrad einen Selbstunfall. Wegen Nichtanpassens der 

Geschwindigkeit wurde ihm der Führerausweis mit Verfügung vom 22. Oktober 2007 

für einen Monat entzogen. Entgegen Art. 15a Abs. 3 SVG wurde die Probezeit jedoch 

fälschlicherweise nicht um ein Jahr verlängert. Aus dieser Unterlassung ist dem 

Rekurrenten aber kein Nachteil erwachsen. Der zweite Vorfall vom 11. Januar 2010 

ereignete sich noch innerhalb der ordentlichen Probezeit von drei Jahren. Auch aus der 

fehlenden Aufklärung über die Folgen einer weiteren Widerhandlung, namentlich den 

Verfall des Führerausweises auf Probe, lässt sich nichts zugunsten des Rekurrenten 

ableiten. Eine entsprechende vorgängige Androhung ist gesetzlich nicht 

vorgeschrieben. Hinzu kommt, dass die Folgen von Widerhandlungen in der Probezeit 

bereits im Rahmen der theoretischen Führerausbildung thematisiert sowie bei 

Aushändigung des Führerausweises auf Probe bekannt gegeben werden; dies ist 

allgemein bekannt.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Der Rekurrent bestreitet nicht, am 11. Januar 2010 in St. Gallen den Vortritt eines 

anderen Fahrzeugs missachtet und einen Verkehrsunfall verursacht zu haben. Damit 

hat er Art. 36 Abs. 4 SVG verletzt, wonach der Führer, der sein Fahrzeug in den Verkehr 

einfügen, wenden oder rückwärts fahren will, andere Strassenbenützer nicht behindern 

darf. Im Rekurs wird zu Recht auch nicht beanstandet, dass die Vorinstanz eine 

mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsbestimmungen angenommen 

hat. Damit liegt innerhalb der dreijährigen Probezeit eine zweite Widerhandlung vor, die 

zu einem Ausweisentzug führt. Die Voraussetzungen von Art. 15a SVG Abs. 4 SVG für 

den Verfall des Führerausweises auf Probe sind damit erfüllt. Nach Art. 35a Abs. 1 der 

Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr 

(SR 741.51, abgekürzt: VZV) gilt diese Annullierung auch, wenn inzwischen der Ausweis 

unbefristet erteilt wurde. Denn der Neulenker, der innerhalb der Probezeit zwei 

Widerhandlungen begangen hat, die einen Führerausweisentzug nach sich ziehen, hat 

sich nicht bewährt und entsprechend sind die Voraussetzungen für den Erwerb des 

unbefristeten Ausweises nicht erfüllt. Im vorliegenden Fall hat der Rekurrent die zweite 

Widerhandlung bereits begangen, als ihm die Vorinstanz trotz Kenntnis dieses 

Verfahrens den unbefristeten Führerausweis zugestellt hatte. Im Informatikzeitalter ist 

nicht leicht verständlich, weshalb die Vorinstanz dem Rekurrenten den unbefristeten 

Führerausweis ausstellte. Letztlich ändert dies aber nichts daran, dass er sich während 

der Probezeit nicht bewährt hat und der Führerausweis auf Probe deshalb zu 

annullieren ist. In Zukunft sollte es möglich sein, das Verfahren der Abteilung 

Administrativmassnahmen bei Annullierung des Führerausweises auf Probe jeweils 

beförderlich zu behandeln und mit jenem der Abteilung Verkehrszulassung frühzeitig zu 

koordinieren.

d) In Ziff. 5 der angefochtenen Verfügung hat die Vorinstanz festgelegt, dass dem 

Rekurrenten frühestens in einem Jahr, ab 27. Juli 2011, und nur aufgrund eines 

verkehrspsychologischen Gutachtens, das die Fahreignung bejahe und nicht älter als 

drei Monate sei, ein neuer Lernfahrausweis erteilt werden könne. Nach Art. 15a Abs. 5 

SVG kann ein neuer Lernfahrausweis frühestens ein Jahr nach Begehung der 

Widerhandlung und nur auf Grund eines verkehrspsychologischen Gutachtens erteilt 

werden, das die Eignung bejaht. In der Botschaft zum Strassenverkehrsgesetz wird 

dazu ausgeführt, dass eine Sperrfrist dieser Länge insbesondere zur Klärung der 

Fahreignung geboten sei (BBl 1999 S. 4485). Sollten weitere Untersuchungen im 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Hinblick auf die Beurteilung der Fahreignung notwendig sein, würde sich die Sperrfrist 

entsprechend verlängern. Gemäss Gesetzeswortlaut beginnt die Sperrfrist mit der 

Begehung der Widerhandlung zu laufen. Die minimale Sperrfrist für den Erwerb eines 

neuen Lernfahrausweises endet für den Rekurrenten damit am 10. Januar 2011. Die 

Vorinstanz verwies zur Begründung der Verlängerung dieser minimalen Sperrfrist ohne 

nähere Ausführungen auf die Rechtsgleichheit. Wie der Botschaft zu entnehmen ist, 

geht es jedoch nicht darum, den fehlbaren Fahrzeuglenker in jedem Fall für mindestens 

ein Jahr vom Strassenverkehr fernzuhalten. Vielmehr soll damit sichergestellt werden, 

dass die nötigen Massnahmen zur Abklärung der Fahreignung innerhalb dieser Frist 

getroffen werden können, was beim Rekurrenten bei einer einjährigen Frist ab 

Unfallzeitpunkt sicher möglich ist. Weshalb im vorliegenden Fall vom Gesetzeswortlaut 

abgewichen werden soll, ist nicht ersichtlich. Dass der Rekurrent bis Ende Juli 2010 im 

Besitz des Führerausweises war, hat nicht er zu vertreten; vielmehr ist dies auf das 

Verhalten der Vorinstanz zurückzuführen. Seit 1. Februar 2010 war ihr bekannt, dass 

der Rekurrent innerhalb der Probezeit eine zweite Widerhandlung gegen die 

Strassenverkehrsvorschriften begangen hatte (act. 12/1). Am 11. März 2010 erhielt sie 

Kenntnis von der rechtskräftigen Bussenverfügung (act. 12/3). Trotzdem stellte sie dem 

Rekurrenten am 20. April 2010 den unbefristeten Führerausweis aus. Erst am 7. Juli 

2010 wurde das Administrativmassnahmeverfahren eröffnet. Allerdings wurden vorerst 

fälschlicherweise eine Verlängerung der Probezeit und ein Ausweisentzug von vier 

Monaten in Aussicht gestellt. Als dieser Irrtum erkannt wurde, musste mit Schreiben 

vom 16. Juli 2010 das rechtliche Gehör bezüglich der Annullierung des 

Führerausweises neu gewährt werden, was eine weitere Verfahrensverzögerung nach 

sich zog. Schliesslich hätte auch die Möglichkeit eines vorsorglichen 

Führerausweisentzugs bestanden (Art. 30 VZV).

e) Der Rekurs ist demzufolge teilweise gutzuheissen und Ziff. 5 der angefochtenen 

Verfügung der Vorinstanz vom 27. Juli 2010 wie folgt abzuändern: "Ein neuer 

Lernfahrausweis kann frühestens ab 10. Januar 2011 und nur aufgrund eines 

verkehrspsychologischen Gutachtens erteilt werden, das die Fahreignung bejaht und 

nicht älter als drei Monate ist." Mit der Entscheidung in der Hauptsache wird das 

Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.- Mit der Annullierung des Führerausweises auf Probe soll sichergestellt werden, 

dass der Rekurrent ohne Nachweis seiner Fahrfähigkeit zum Schutz der Sicherheit der 

übrigen Verkehrsteilnehmer keine Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, 

würde ihm der Führerausweis während eines Beschwerdeverfahrens wiedererteilt. 

Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende 

Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).

5.- a) Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu 

tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der 

Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens oder Unterliegens 

(Hagmann, a.a.O., S. 267 f.). Kosten, die ein Beteiligter durch Trölerei oder anderes 

ungehöriges Verhalten oder durch Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften 

veranlasst hat, gehen zu seinen Lasten (Art. 95 Abs. 2 VRP). Der Rekurrent hat in einem 

Nebenpunkt (Sperrfrist für den Erwerb des Lernfahrausweises) obsiegt. Zudem ist zu 

berücksichtigen, dass das vorinstanzliche Verfahren mehrere Unzulänglichkeiten 

aufweist, die den Rekurrenten in guten Treuen zum Rekurs veranlasst haben. Die 

amtlichen Kosten sind daher den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen. Eine 

Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist angemessen (vgl. Art. 13 Ziff.  522 des 

Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist bis zum 

Betrag von Fr. 600.-- zu verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem 

Rekurrenten Fr. 600.-- zurückzuerstatten.

b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist keine ausseramtliche Entschädigung 

zuzusprechen (Art. 98  und 98  VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. 

gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.).

Entscheid:

1.  Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen und Ziff. 5 der angefochtenen

 Verfügung der Vorinstanz vom 27. Juli 2010 wie folgt geändert:

 "Ein neuer Lernfahrausweis kann frühestens ab 10. Januar 2011 und nur

 aufgrund eines verkehrspsychologischen Gutachtens erteilt werden, das

bis ter

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

 die Fahreignung bejaht und nicht älter als drei Monate ist."

 Im Übrigen wird der Rekurs abgewiesen.

2.  Einer allfälligen Beschwerde wird die aufschiebende Wirkung entzogen.

3.  Der Rekurrent bezahlt die amtlichen Kosten von Fr. 1'200.-- zur Hälfte unter

 Verrechnung des Kostenvorschusses bis zum Betrag von Fr. 600.--; die

andere Hälfte der Kosten trägt der Staat.

4.  Die Finanzverwaltung wird angewiesen, dem Rekurrenten Fr. 600.--

zurückzuerstatten.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 25.11.2010
	Art. 15a Abs. 1, 4 und 5, Art. 36 Abs. 4 SVG (SR 741.01); Art. 35 Abs. 1 VZV (SR 741.51). Der Fahrzeuglenker beging während der ordentlichen Probezeit von drei Jahren zwei Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, welche zu insgesamt zwei Führerausweisentzügen führten; dies hat die Annullierung des Führerausweises auf Probe zur Folge. Die Sperrfrist im Hinblick auf die Wiedererlangung des Führerausweises auf Probe beginnt mit der Begehung der zweiten Widerhandlung zu laufen. Sie dauert im Minimum ein Jahr, kann aber länger sein, wenn die nötigen Massnahmen zur Abklärung der Fahreignung innerhalb dieser Frist nicht getroffen werden können (Verwaltungsrekurskommission, Abteilung IV, 25. November 2010, IV-2010/87).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T13:11:49+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen