# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 82ae4725-ef40-5a24-a836-3df5c77dee98
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-05-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 16.05.2006 S 2005 165
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2005-165_2006-05-16.pdf

## Full Text

S 05 165

2. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 16. Mai 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. …, geboren 1963, absolvierte in Bosnien die ordentliche Schulzeit und liess 

sich anschliessend während vier Jahren zum Krankenpfleger ausbilden. Er ist 

geschieden und hat zwei Kinder, geboren 1987 und 1994, von zwei 

verschiedenen Frauen. Im April 1988 kam er in die Schweiz. In den folgenden 

zehn Jahren war er als Psychiatriepfleger bei der Klinik … angestellt.

Am 20. September 1998 erlitt er mit seinem Motorrad einen Unfall und wurde 

an der linken Schulter schwer verletzt. Es kam zu verschiedenen Eingriffen im 

Kantonsspital Chur und zu einem Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik … 

Diagnostiziert wurde eine Humeruskopf-Luxationstrümmerfraktur. 

Posttraumatisch traten eine Axillarisläsion, eine Funktionsstörung des 

Schultergelenks und eine Atrophie der Muskeln an der linken Schulter auf. 

1999 wurde zusätzlich eine Diskushernie im Bereich der HWS diagnostiziert. 

In der Folge war … zu 100% arbeitsunfähig. Am 17. Mai 1999 meldete er sich 

bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden zum Bezug von IV-Leistungen an.

2. Im Rahmen einer IV-Umschulung absolvierte … vom 14. August 2000 bis zum 

7. Juni 2001 an der Kaderschule Chur eine Ausbildung, welche er mit dem 

einjährigen Tageshandelsschul-Diplom abschloss. Vom 18. Juni bis am 15. 

Juli 2001 absolvierte er im Ambulatorium für heroingeschützte Behandlung 

Graubünden ein Praktikum (80%), für welches er ein sehr gutes 

Arbeitszeugnis erhielt. Vom 24. September 2001 bis am 28. Februar 2002 

absolvierte er an der gleichen Arbeitsstelle erneut ein Praktikum (rund 50% 

plus 30% für die praktikumsbegleitende Ausbildung), dessen Verlauf vom 

Arbeitgeber ebenfalls positiv bewertet wurde. Allerdings wurde erwähnt, Herr 

… sei gelegentlich an physische und vor allem psychische Grenzen 

gestossen. Aufgrund seiner nicht eben robusten psychischen Konstitution sei 

eine Anstellung in diesem belastenden Tätigkeitsfeld über 50% eher 

problematisch. Vom 1. November 2001 bis am 31. Oktober 2002 machte … 

eine praktikumsbegleitende Ausbildung am Institut PEQM. Er erlangte 

Zertifikate für die Module "Führen von Mitarbeitern", "Leiten von 

Arbeitsgruppen", "Führen einer Kostenstelle" und "Grundlagen der 

Organisations- und Qualitätsentwicklung". In der Folge fand er eine 

Anstellung in der Heroinabgabe im Gefängnis … (50%), welche er nach rund 

vier Monaten kündigte. Vom 14. Juli bis Ende 2003 arbeitete er in einer 

Wohngruppe für psychisch Behinderte (50%). 

3. Die chronischen Schmerzen nach dem Unfall und der teilweise Verlust seiner 

Arbeits- und Leistungsfähigkeit führten bei … zu einer depressiven 

Entwicklung, so dass er im Februar 2001 von seinem Hausarzt in ambulante 

psychiatrische Behandlung bei Dr. … überwiesen wurde. Dieser attestierte 

ihm mit Zeugnis vom 29. April 2003 eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. 

November 2002 bis auf weiteres.

4. Mit Verfügung vom 20. Juni 2003 wurde … eine volle IV-Rente und zwei 

Kinderrenten aufgrund eines Invaliditätsgrades von 100% für die Zeit vom 1. 

September 1999 bis zum 31. August 2000 zugesprochen. Ein 

Rentenanspruch für die Zeit nach der Umschulung wurde verneint. Ab dem 1. 

November 2002 sei die Ausübung einer adaptierten Tätigkeit zu 100% 

zumutbar, was einen IV-Grad von 11.66% ergebe. Die gegen diese Verfügung 

erhobene Einsprache wurde am 3. September 2003 in Bezug auf die 

Rentenanspruchsberechtigung ab dem 1. November 2002 gutgeheissen, und 

es wurde verfügt, es seien weitere medizinische Abklärungen nötig, 

insbesondere um die psychische Situation zu klären.

5. Mit Zeugnis vom 30. Oktober 2003 attestierte Dr. … dem Versicherten eine 

Arbeitsunfähigkeit als Psychiatriepfleger von 50% von anfangs 2000 bis auf 

weiteres. Er diagnostizierte eine depressive Entwicklung seit Anfang 2000 (mit 

Auswirkung auf die Persönlichkeit) und eine neurotische Persönlichkeit seit 

der Kindheit (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit). Er führte aus, der 

Patient klage weiterhin über Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, 

Schlafstörungen und subdepressive Verstimmung. Er benötige hochdosiert 

Antidepressiva und Schlafmittel.

6. Am 24. März 2004 untersuchte das Ärztliche Begutachtungsinstitut Basel 

(ABI) den Versicherten internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch. Im 

ABI-Gutachten vom 13. Mai 2004 wurde ausgeführt, gesamthaft beurteilt 

müsse somit von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten 

Tätigkeit als Krankenpfleger ausgegangen werden. Adaptierte berufliche 

Tätigkeiten seien aus rheumatologischer Sicht vollumfänglich zumutbar. Auch 

hier bestehe aber eine Leistungseinschränkung aus psychiatrischer Sicht von 

20%.

7. Mit Verfügung vom 28. Januar 2005 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch 

auf IV-Rente ab dem 1. November 2002. Der IV-Grad liege bei 35.02% 

(Valideneinkommen Fr. 86'388; Invalideneinkommen Fr. 56'133). Die gegen 

diese Verfügung erhobene Einsprache wies die IV-Stelle am 10. November 

2005 ab. Sie anerkannte dabei allerdings ein etwas höheres 

Valideneinkommen von Fr.  87'238, was einen Invaliditätsgrad von 35.65% 

ergab.

8. Gegen diesen Entscheid erhob … am 12. Dezember 2005 frist- und 

formgerecht Beschwerde ans Verwaltungsgericht. Er beantragte, der 

angefochtene Entscheid sei aufzuheben, und es sei ihm ab dem 1. November 

2002 mindestens eine halbe Invalidenrente samt entsprechenden 

Kinderrenten zuzusprechen. Er anerkannte die im Einspracheverfahren 

korrigierte Höhe des Valideneinkommens von Fr. 87'238. Im Bezug auf das 

Invalideneinkommen machte er geltend, die Aussage im ABI-Gutachten, 

wonach er im angestammten Beruf als Krankenpfleger zu 50% arbeitsfähig 

sei, stehe im Widerspruch zu den Aussagen der behandelnden Ärzte, welche 

von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit ausgingen. Konventionelle 

Pflegetätigkeit sei nicht mehr möglich. Der funktionell fehlende linke Arm sei 

im Pflegebereich allenfalls durch Erfahrung und Zusatzwissen 

kompensierbar, was zu einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in 

Nischenerwerbstätigkeiten in diesem Bereich führe. Gehe man von der im 

ABI-Gutachten angenommenen 80%-igen Arbeitsfähigkeit in einer 

adaptierten Tätigkeit aus, so müsse als Vergleichsbasis das 

Durchschnittseinkommen Niveau 4 des Sektors Dienstleistungen und nicht 

Niveau 3 des Sektors Gesundheits- und Sozialwesen herangezogen werden, 

da diesfalls Berufserfahrung und Zusatzwissen - weil berufsfremd - nicht mehr 

verwertbar seien. Weiter machte der Beschwerdeführer geltend, es sei ein 

Behindertenabzug von 20% von den Tabellenlöhnen gerechtfertigt, wenn auf 

eine berufsfremde Tätigkeit zu 80% abgestellt werde. Schliesslich beantragte 

er die Einholung einer fachärztlichen Expertise zur Frage der Arbeitsfähigkeit 

aus psychiatrischen Gründen, da diesbezüglich eine massgebliche Differenz 

zwischen dem ABI-Gutachten und der Beurteilung von Dr. … bestehe.

9. Die IV-Stelle beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der Beurteilung 

durch das ABI komme volle Beweiskraft zu. Dr. … hingegen gehe vor allem 

von der subjektiven Krankheitsüberzeugung des Versicherten aus. Es könne 

somit auch ohne ergänzende Abklärungen von einer 80%-igen 

Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsgerechten Tätigkeit ausgegangen 

werden. Es gebe für den Versicherten genug behinderungsgeeignete 

Einsatzmöglichkeiten (z.B. leichte Maschinenbedienung, Kontrollfunktionen, 

leichte Sortier-, Prüf, Verpackungsarbeiten etc.). Das Anforderungsniveau 3 

sei angemessen und ein Leidensabzug nicht gerechtfertigt.

10. … reichte ein ärztliches Zeugnis von Dr. … vom 20. Januar 2006 ein. Die IV-

Stelle blieb auch nach Kenntnisnahme dieses Arztberichtes bei ihrer Ansicht, 

es könne vollumfänglich auf das Gutachten des ABI abgestellt werden. 

Die Parteien erhielten die Gelegenheit, sich nochmals zu den aufgeworfenen 

Fragen zu äussern. Auf diese Ausführungen wird soweit erforderlich in den 

Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gegenstand der Beschwerde ist die Frage, ob der Beschwerdeführer in der 

Zeit ab dem 1. November 2002 Anspruch auf eine halbe IV-Rente habe. Zur 

Beurteilung dieser Frage sind in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen 

Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen 

führenden Tatbestandes Geltung hatten (BGE 127 V 467). Am 1. Januar 2004 

ist die 4. IV-Revision in Kraft getreten. Für den Zeitraum vom 1. November 

2002 bis zum 31. Dezember 2003 sind demnach die altrechtlichen 

Bestimmungen anwendbar. Gemäss Art. 28 Abs. 1 altIVG haben versicherte 

Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 66 2/3% 

invalid sind, auf eine halbe Rente wenn sie mindestens zu 50% invalid sind 

und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid sind. Als 

Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall 

verursachte bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG, Art. 4 Abs. 1 IVG). Für die 

Bemessung der Invalidität wird bei erwerbstätigen Versicherten das 

Erwerbseinkommen, das der Versicherte nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (hypothetisches 

Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das er 

erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (hypothetisches 

Valideneinkommen; Art. 28 Abs. 2 IVG und Art. 16 ATSG).

2. Vorliegend wurde das Valideneinkommen im Einspracheverfahren auf Fr. 

87'238 korrigiert. Dieser Wert wird in der Beschwerde ausdrücklich anerkannt.

3. Streitig ist das Invalideneinkommen. Bei dessen Ermittlung sind Verwaltung 

und Gerichte auf Angaben ärztlicher und berufsberaterischer Experten 

angewiesen. Aufgabe der ärztlichen Experten ist es, den Gesundheitszustand 

zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und 

bezüglich welcher Tätigkeiten der Versicherte noch arbeitsfähig ist (BGE 125 

V 261). Die Fachleute der Berufsberatung geben an, welche konkreten 

beruflichen Tätigkeiten auf Grund der ärztlichen Angaben und unter 

Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten des Versicherten in Frage kommen 

(BGE 107 V 20). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist dabei 

entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf 

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der 

Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet, und ob die Schlussfolgerungen des 

Experten begründet sind (BGE 122 V 160). Die Herkunft eines Beweismittels 

ist nicht ausschlaggebend für dessen Beweiswert. Dennoch hat es die 

Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als 

vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte 

Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. So ist den im Rahmen des 

Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, 

welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie 

nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der 

Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft 

zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der 

Expertise sprechen. In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll der 

Richter der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter 

im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen 

eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen. Dies darf aber nicht so verstanden 

werden, dass das Gericht solchen Berichten in jedem Fall misstrauen solle. 

Im Gegenteil kann es sogar angebracht sein, auf die speziellen, dank der 

langjährigen Betreuung nur einem Hausarzt zugänglichen Kenntnisse 

abzustellen (I 255/96). Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der 

Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt 

und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert. 

Auch ein Parteigutachten enthält Äusserungen eines Sachverständigen, 

welche zur Feststellung eines medizinischen Sachverhalts beweismässig 

beitragen können. Daraus folgt indessen nicht, dass ein solches Gutachten 

den gleichen Rang wie ein im Verwaltungsverfahren nach dem vorgegebenen 

Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten besitzt. Es verpflichtet indessen - wie 

jede substanziiert vorgetragene Einwendung gegen ein solches Gutachten - 

den Richter, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien für die 

Beweiswürdigung folgend, zu prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die 

Auffassungen und Schlussfolgerungen des im Verwaltungsverfahren 

eingeholten Gutachtens derart zu erschüttern vermag, dass davon 

abzuweichen ist (zum Ganzen: BGE 125 V 354).

4. Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers stehen vor allem folgende 

ärztliche Stellungnahmen zur Verfügung:

Klinik …, November 1999:

Der Patient sei für die bisherige Arbeit weiterhin zu 100% arbeitsunfähig. Für 

leichtere Arbeiten ohne Belastung des linken Arms sei er ab Oktober 1999 zu 

100% arbeitsfähig.

Dr. …, Kantonsspital Chur, Februar 2000:

Wegen seiner linken Schulter werde Herr … nie mehr als Krankenpfleger 

schwer arbeiten können.

Dr. …, Hausarzt, Mai 2002:

Zurzeit 100%-ige Arbeitsunfähigkeit in der vorberuflichen Situation

Dr. …, Psychiater, April 2003:

Attestiert eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. November 2002 bis auf 

weiteres

Dr. …, Psychiater, Oktober 2003:

Im bisherigen Beruf als Psychiatriepfleger bestehe eine 100%-ige 

Arbeitsunfähigkeit von Herbst 1998 bis anfangs 2000, und eine 50%-ige ab 

anfangs 2000 bis auf weiteres. Auch in einer anderen Tätigkeit sei zurzeit 

mehr als ein halber Arbeitstag nicht zumutbar.

Gutachten des Ärztlichen Begutachtungsinstituts Basel (ABI), März 2004:

In seinem erlernten Beruf als Krankenpfleger sei aktuell aus 

rheumatologischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von zirka 50% 

auszugehen, wobei folgende Tätigkeiten mit dem linken Arm strikte zu 

vermeiden seien: repetitives Heben/Tragen, Überkopfarbeiten, Durchführung 

von repetitiv ähnlichen Bewegungsmustern. Aus psychiatrischer Sicht sei der 

Explorand in der Lage, ganztags einer seiner somatischen Einschränkungen 

angepassten Tätigkeit nachzugehen. Dabei bestehe eine Einschränkung der 

Leistungsfähigkeit von 20%, welche auf eine leichte depressive Episode mit 

Konzentrationsstörungen, Antriebsstörungen, depressiven Verstimmungen, 

Schlafstörungen und Suizidgedanken zurückzuführen sei. Gesamthaft 

beurteilt müsse somit von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit als Krankenpfleger ausgegangen werden. Adaptierte 

berufliche Tätigkeiten seien aus rheumatologischer Sicht vollumfänglich 

zumutbar. Auch hier bestehe aber eine Leistungseinschränkung aus 

psychiatrischer Sicht von 20%.

Dr. …, Psychiater, Januar 2006:

Anders als der ABI Gutachter beurteile er die Depression mit den 

Antriebsstörungen, den Konzentrationsstörungen, den depressiven 

Verstimmungen, den Suizidgedanken und den hartnäckigen Schlafstörungen 

als mittelschwer. Kurz vor der ABI-Begutachtung habe sich der Patient in 

seiner ursprünglichen Heimat aufgehalten und dabei wohl Abstand zu seinen 

hiesigen existentiellen Schwierigkeiten gefunden, so dass seine Depression 

sich vorübergehend etwas abgeschwächt habe. Der ABI-Gutachter würdige 

die Vorkommnisse an den Arbeitsstellen zu wenig. Vor dem Unfall habe der 

Patient nie Probleme gehabt und sei ein offener lebensfroher Mensch 

gewesen, seit dem Unfall hingegen sei er verschlossen und habe Probleme 

im Team und bei emotionaler Belastung.

Gestützt auf diese ärztlichen Stellungnahmen geht die Vorinstanz zu Recht 

davon aus, dass der Beschwerdeführer seinen bisherigen Beruf als 

Psychiatriepfleger mit seiner funktionellen Einarmigkeit unter "normalen" 

Bedingungen nicht mehr ausüben kann. Dieser Ansicht ist auch der 

Beschwerdeführer, wenn er geltend macht, die im ABI-Gutachten 

vorgesehene 50%-ige Arbeitsfähigkeit in der Pflege lasse sich allein mit 

Nischenarbeitsplätzen begründen, wie er sie als Praktikant inne gehabt habe. 

Die Vorinstanz ist deshalb bei der Berechnung des Invalideneinkommens zu 

Recht von einer adaptierten anderen Tätigkeit ausgegangen. Die 

Arbeitsfähigkeit in einer solchen körperlich leichten und wechselbelastenden 

Tätigkeit wird von allen involvierten Ärzten aus rheumatologischer Sicht als 

100%-ig beurteilt. Bei der Einschränkung der diesbezüglichen Arbeitsfähigkeit 

aus psychiatrischer Sicht liegen widersprüchliche Angaben vor. Während das 

ABI-Gutachen eine ganztägige Einsetzbarkeit mit 20%-iger 

Leistungseinschränkung vorsieht, gibt Dr. … eine nur 50%-ige Arbeitsfähigkeit 

an. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz zu Recht 

auf die psychiatrische Beurteilung im ABI-Gutachten abgestellt. Dieser 

Beurteilung kommt volle Beweiskraft zu. Der psychiatrische ABI-Gutachter 

nimmt umfassend zur Frage der Arbeitsfähigkeit Stellung, sein Bericht beruht 

auf einem ausführlichen Gespräch mit dem Beschwerdeführer und wurde in 

Kenntnis der Vorakten, insbesondere der Arztberichte von Dr. …, abgegeben. 

Von Bedeutung ist aber vor allem, dass seine Beurteilung der medizinischen 

Situation einleuchtender ist als diejenige von Dr. ... Die Diagnose des ABI-

Gutachters (leichte depressive Episode - ICD 10 F32.0) erscheint zutreffender 

als diejenige von Dr. … (mittelschwere depressive Episode - ICD 10 F32.1). 

In der ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheit und 

verwandter Gesundheitsprobleme) definiert sich eine leichte depressive 

Episode unter anderem dadurch, dass der betroffene Patient im allgemeinen 

von den Symptomen (gedrückte Stimmung, Verminderung von Antrieb und 

Aktivität, etc.) beeinträchtigt, aber oft in der Lage ist, die meisten Aktivitäten 

fortzusetzen. Eine mittelschwere Depression liegt vor, wenn der betroffene 

Patient meist grosse Schwierigkeiten hat, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen. 

Letzteres trifft auf den Beschwerdeführer nur schwerlich zu, war er doch in der 

Lage, einer Arbeit nachzugehen, eine Weiterbildung erfolgreich 

abzuschliessen und eine weitere teilweise erfolgreich zu besuchen. Der ABI-

Gutachter führt folgende weitere, absolut nachvollziehbare Gründe dafür an, 

weshalb seiner Ansicht nach nur eine leichte depressive Episode vorliegt: Der 

Explorand besorge den Haushalt selbständig. Bei der Lektüre (Zeitungen, 

natur- und allgemeinwissenschaftliche Bücher) leide er nicht unter 

Konzentrationsstörungen. Er unterhalte zahlreiche soziale Kontakte (treffe 

Freunde und Kollegen in der Stadt zum Kaffee, habe eine intensive Beziehung 

zu seinem Sohn, mache abends und an den Wochenenden Besuche bei 

Freunden und Bekannten). Es falle auf, dass ihn seine depressiven 

Symptome vor allem bei der Arbeit behinderten, er aber im Gegensatz dazu 

den Alltag recht aktiv verbringe. Die Diskrepanz zwischen der 

Selbsteinschätzung und der Beurteilung durch den Experten wird im ABI-

Gutachten nachvollziehbar mit IV-fremden Gründen wie dem schwierigen 

Arbeitsmarkt und der psychosozialen Belastung bei schwieriger familiärer 

Situation, Alimentenforderungen, usw. erklärt. Auch die Diskrepanz zu der 

Beurteilung durch Dr. … wird ausführlich und einleuchtend erklärt. Der ABI-

Gutachter hatte Kenntnis von den Vorkommnissen an den Praktikums- und 

Arbeitsstellen, wertete diese aber anders als Dr. ... Die diesbezüglich von Dr. 

… im Zeugnis vom Januar 2006 vorgebrachten Argumente vermögen deshalb 

die Überzeugungskraft des ABI-Gutachters nicht zu beeinträchtigen. Weitere 

Untersuchungen sind angesichts dieses Ergebnisses nicht angezeigt, da von 

ihnen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse erwartet werden können (BGE 

122 V 162).

5. a) Nach der Praxis des Bundesgerichtes kann das Invalideneinkommen bei 

einem Versicherten, der seine Restarbeitsfähigkeit nicht verwertet, anhand 

der Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen 

Schweizerischen Lohnstrukturerhebung festgelegt werden (BGE 126 V 76). 

Die Vorinstanz hat dies in korrekter Weise getan. Ausgehend vom 

Durchschnittswert aller Wirtschaftszweige der TA 1 der LSE 2002 für Männer 

im Anforderungsniveau 3 von Fr. 5493 errechnete sie bei einer 

Lohnentwicklung von 1.4% im Jahr 2003 und von 0.7% im Jahr 2004 auf der 

Basis der üblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden 

ein Jahresgehalt von Fr. 70'167. Gestützt auf das ABI-Gutachten nahm sie 

eine Arbeitsfähigkeit von 80% an, so dass ein Invalideneinkommen von Fr. 

56'133 resultierte.

b) Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, es müsse auf das Anforderungsniveau 

4 (einfache repetitive Tätigkeiten) statt 3 (Berufs- und Fachkenntnisse 

vorausgesetzt) abgestellt werden. Dies trifft nicht zu. Der Beschwerdeführer 

verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung als Krankenpfleger und 

über jahrelange Berufserfahrung im Gesundheits- und Sozialwesen. Im 

Rahmen der IV-Umschulung hat er ein einjähriges Tageshandelsschuldiplom 

an der Kaderschule Chur und Zertifikate des Instituts PEQM für die Module 

"Führen von Mitarbeitern", "Leiten von Arbeitsgruppen", "Führen einer 

Kostenstelle" und "Grundlagen der Organisations- und Qualitätsentwicklung" 

erworben. Damit verfügt er nicht nur über Berufs- und Fachkenntnisse im 

Gesundheits- und Sozialwesen sondern dank seiner Umschulung auch in 

anderen Wirtschaftsbereichen. Mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten 

vermag er in verschiedenen Wirtschaftsbereichen wesentlich qualifiziertere 

Tätigkeiten auszuführen, als in der LSE mit dem Anforderungsniveau 4 - 

einfache und repetitive Tätigkeiten - gemeint sind. Zu denken wäre zum 

Beispiel an Nachtwachen in einem Alters- und Pflegeheim, administrative 

Tätigkeit, Verkauf im Detailhandel, Bedienung von Maschinen, 

Kontrollfunktionen etc.

c) Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, vom Tabellenlohn müsse ein 

Behindertenabzug von 20% gemacht werden, da ein beruflicher Neuanfang 

zusammen mit Teilzeitbeschäftigung ihm nicht erlaubten, einen 

Durchschnittslohn zu erzielen. Es trifft zu, dass bei der Bemessung des 

Invalideneinkommens nach den Tabellenlöhnen ein Behindertenabzug 

gemacht werden kann. Nach der Praxis des Bundesgerichts ist dieser Abzug 

allerdings nicht schematisch, sondern in Berücksichtigung der gesamten 

Umstände des Einzelfalles vorzunehmen. Hinsichtlich aller in Betracht 

fallender einkommensbeeinflussender Merkmale (leidensbedingte 

Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, 

Nationalität/Aufenthaltskategorie, Beschäftigungsgrad) soll ein Abzug nicht 

automatisch, sondern dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür 

bestehen, dass der Versicherte wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale 

seine gesundheitlich bedingte Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen 

Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten 

kann (BGE 126 V 75). Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz die 

behinderungsbedingte Leistungseinschränkung bereits bei der Festlegung 

der Arbeitsfähigkeit auf 80% berücksichtigt. Nach dem ABI-Gutachten ist der 

Beschwerdeführer nämlich in einer adaptierten Tätigkeit ganztägig, d.h. zu 

100% arbeitsfähig, allerdings mit einer Leistungseinschränkung von 20%. 

Auch ein Abzug für Teilzeitarbeit ist deshalb zum vornherein nicht 

gerechtfertigt. Schliesslich kommt auch ein Abzug wegen beruflichen 

Neuanfangs nicht in Frage. Es ist bekannt, dass die Bedeutung der 

Dienstjahre in dem für den Beschwerdeführer vor allem in Betracht fallenden 

privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist (BGE 126 V 

79). In den ihm offen stehenden Tätigkeiten auf Anforderungsniveau 3 würde 

der Beschwerdeführer deshalb den Durchschnittslohn als Einsteiger nicht in 

wesentlicher Weise unterschreiten. Gründe, weshalb aufgrund der übrigen 

einkommensbeeinflussenden Merkmale ein Abzug gemacht werden sollte, 

sind nicht ersichtlich und werden auch nicht geltend gemacht.

d) Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, statt auf den Durchschnittswert aller 

Wirtschaftszweige hätte auf das Durchschnittseinkommen des Sektors 3 

"Dienstleistungen" abgestellt werden müssen. Dies trifft nicht zu, stehen ihm 

doch auch im Sektor 2 "Produktion" zahlreiche behinderungsgeeignete 

Arbeitsplätze zur Verfügung (Bedienung von Maschinen, Kontrollfunktionen, 

Sortier-, Prüf- und Verpackungsarbeiten etc.). Es besteht deshalb kein Anlass, 

vom Grundsatz abzuweichen, wonach für die Festsetzung des 

Invalideneinkommens aufgrund von Tabellenlöhnen in der Regel die 

Lohnverhältnisse im gesamten privaten Sektor massgebend sind (RKUV 2001 

Nr. U 439).

6. Das von der Vorinstanz ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 56'133.-- 

erweist sich somit als korrekt. Setzt man dieses in Beziehung zum 

(anerkannten) Valideneinkommen von Fr. 87'238 so ergibt sich ein IV-Grad 

von 35.65%, welcher keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründet. Der 

angefochtene Entscheid erweist sich somit als  rechtmässig, und die dagegen 

erhobene Beschwerde ist abzuweisen. Gerichtskosten werden keine 

erhoben, da das kantonale Beschwerdeverfahren in 

Sozialversicherungsstreitigkeiten gemäss Art. 61 lit. a ATSG grundsätzlich 

kostenlos ist.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.