# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1663737-6d1d-5518-a67b-3e406f778eb7
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 24.08.2010 S 2009 178
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2009-178_2010-08-24.pdf

## Full Text

S 09 178

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 24. August 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

1. …, geboren im Jahr 1979, ist gelernte Textilfachverkäuferin. Am 11. Juni 2004 

kam ihr Sohn zur Welt. Nach mehreren abwechselnden Aufenthalten in 

Portugal und in der Schweiz, arbeitete sie seit dem 1. Januar 2008 als 

Servicemitarbeiterin im Restaurant … in …, wo man ihr infolge 

Restrukturierung per 31. Oktober 2008 kündigte. 

2. Im Juni 2008 erlitt die Beschwerdeführerin einen psychischen 

Zusammenbruch und wurde in der Folge von ihrem Hausarzt Dr. med. … am 

27. Juni 2008 in die Klinik … eingewiesen. Nach dem Austritt vom 18. August 

2008 wurde sie seit dem 22. August 2008 ambulant bzw. teilstationär in der 

Klinik … behandelt. Während des Klinikaufenthaltes verfasste Frau Dr. med. 

…, Oberärztin in der Klinik …, am 13. August 2008 einen Arztbericht. Sie 

diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsstörung und 

Anpassungsprobleme an die Übergangsphasen im Lebenszyklus. Dr. med. … 

äusserte zudem den Verdacht auf eine emotional instabile 

Persönlichkeitsstörung. In diesem Schreiben erwähnte sie, dass die 

Beschwerdeführerin seitens des Vaters ihres Kindes körperlich und psychisch 

misshandelt worden sei. Flashbacks und Erinnerungen an diese 

Auseinandersetzungen mit dem ehemaligen Partner, sowie Übererregtheit 

würden im Vordergrund der Symptomatik stehen. Aufgrund der Diagnose sei 

sie seit dem 27. Juni 2008 zu 100% arbeitsunfähig. Aus medizinischer Sicht 

wäre bei guter Prognose eine Tätigkeit in einem anderen Tätigkeitsgebiet als 

bisher zu 100% zumutbar. 

3. Obwohl sich der psychische Zustand während des stationären Aufenthalts 

zunächst stabilisiert hatte, trat die Beschwerdeführerin am 16. September 

2008 erneut in die Klinik … ein. Gemäss Schreiben von Dr. …, Assistenzärztin 

in der Klinik …, vom 21. November 2008 hätten die unveränderte soziale 

Situation der Patientin als alleinerziehende Mutter, die erlebte körperliche und 

psychische Misshandlung und die Auseinandersetzungen bei der 

Arbeitsstelle zu einer erneuten Destabilisierung geführt. Im Bericht erwähnte 

sie „Flashbacks und Erinnerungen“ an einen sexuellen Missbrauch im Alter 

von fünf Jahren durch einen Onkel in Portugal. Die Diagnose lautete auf 

mittelgradige depressive Episode, posttraumatische Belastungsstörung und 

Panikstörung. Neu kam diesem Bericht hinzu, dass psychopathologisch 

Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Grübeln und 

Gedankenkreisen, eine depressive Verstimmung mit „Affektarmut, 

Deprimiertheit, Hoffnungslosigkeit, innerer Unruhe, verminderter Antrieb 

sowie Schlafstörungen“ imponierten. Die Beschwerdeführerin sei daher seit 

dem 27. Juni 2008 bis auf Weiteres zu 100% arbeitsunfähig. Am 22. 

September 2008 wurde die Beschwerdeführerin in die Psychotherapiestation 

der Klinik … verlegt, wo sie bis zum 23. Oktober 2008 blieb. Seitdem besuchte 

sie entweder die ambulante psychiatrische Behandlung oder war in 

teilstationärer Behandlung bei Dr. med. … in der Psychotherapie-Tagesklinik 

...

4. Einen weiteren Arztbericht verfasste Dr. med. … am 11. Februar 2009 mit 

gleichbleibender Diagnostik. Die Beschwerdeführerin würde weiterhin über 

Flashbacks und Panikattacken klagen. Aufgrund nichtbezahlter 

Krankenkassenprämien habe die Krankenkasse die Kosten der Behandlung 

nicht weiter übernommen und so habe die psychiatrische Behandlung am 5. 

Februar 2009 beendet werden müssen. Weiterhin bestehe eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit und auch zukünftig sei mit einer eingeschränkten 

Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit zu rechnen. 

5. Die Beschwerdeführerin meldete sich per 29. Januar 2009 bei der 

Invalidenversicherung des Kantons Graubünden (IV-Stelle) für berufliche 

Massnahmen und Rentenleistungen an. Der von Dr. med. … zuhanden der 

IV-Stelle verfasste ärztliche Bericht vom 17. März 2009 stimmte 

weitestgehend mit dem Bericht vom 11. Februar 2009 überein. So attestierte 

Dr. med. … auch in diesem Bericht bis dato eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

und blieb bei der ursprünglich von ihr gemachten Diagnose. Eine langfristige 

Prognose konnte sie zum damaligen Zeitpunkt noch nicht machen.

6. Aufgrund von Suizidgedanken trat die Beschwerdeführerin am 15. April 2009 

erneut in die Klinik … ein. Sie habe sich während des Aufenthalts bis zum 19. 

Mai 2009 zunehmend von Suizidgedanken distanzieren und dabei die 

berufliche Neuorientierung in Angriff nehmen können. Anlässlich dieses 

Aufenthalts wurde eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine 

rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtiger mittelgradiger Episode 

diagnostiziert (Austrittsbericht Klinik …, 2. Aufenthalt vom 15. April bis 19. Mai 

2009). Anschliessend begab sich die Beschwerdeführerin wieder in 

teilstationäre Behandlung in der Klinik …, welche sie bis zum 25. August 2009 

in Anspruch nahm. 

7. Am 30. April 2009 gab die IV-Stelle Dr. med. …, Facharzt FMH für Psychiatrie 

und Psychotherapie, den Auftrag zur psychiatrischen Begutachtung der 

Beschwerdeführerin. Im Bericht vom 11. August 2009 diagnostizierte Dr. med. 

… eine rezidivierende depressive Störung, die zum Zeitpunkt der 

Untersuchung am 25. Juni 2009 remittiert war. Er stützte sich bei dieser 

Diagnose sowohl auf die vorangegangenen Arztberichte als auch auf eine 

persönliche Untersuchung. Er verneinte eine posttraumatische 

Belastungsstörung, da diese nicht zeitnah zum traumatisierenden Ereignis 

aufgetreten sei. Die Panikattacken hätten sich zu einer gewissen Ängstlichkeit 

zurückentwickelt und seien keine eigentliche, von der Depression 

unabhängige Angsterkrankung. Entgegen der Austrittsberichte der Klinik … 

liesse sich auch keine Persönlichkeitsstörung feststellen. Aufgrund dieser 

Diagnose beurteilte Dr. med. … die Arbeitsfähigkeit ab dem 27. Juni bis zum 

23. Oktober 2008 zu 100% eingeschränkt. Danach wäre bei einer 

mittelgradigen depressiven Episode eine 50%ige Arbeitsfähigkeit möglich 

gewesen und seit dem Zeitpunkt der Untersuchung am 25. Juni 2009 eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit. 

8. Die Abschlussbeurteilung durch …, Facharzt für Allgemeinmedizin, 

zertifizierter medizinischer Gutachter (SIM), RAD Ostschweiz, erfolgte am 13. 

August 2009. Darin schloss sich der RAD, … vollumfänglich dem 

psychiatrischen Gutachten von Dr. med. … an. Die IV-Stelle verfügte in der 

Folge mit Verfügung vom 26. Oktober 2009, dass kein Anspruch auf berufliche 

Massnahmen bestehen würde und dass das Leistungsbegehren abgewiesen 

werde. Ebenso wurde mit Verfügung vom 27. Oktober 2009 das 

Leistungsbegehren um Auszahlung einer Invalidenrente abgewiesen. 

9. Nach einem ersten Schreiben an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons 

Graubünden vom 18. November 2009, in welchem die Beschwerdeführerin 

darlegte, die Feststellung der Arbeitsfähigkeit könne in der Verfügung nicht 

stimmen und dazu ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. … und Dr. med. … 

vom 11. November 2009 beilegte, erhob sie am 25. November 2009 

Beschwerde ans Verwaltungsgericht. Sie stellte die Begehren um Aufhebung 

der Verfügungen vom 26. und 27. Oktober 2009 sowie um erneute 

Überprüfung und Gewährung der Leistungsbegehren. Die Arbeitsfähigkeit, 

welche sich aus den Abklärungen der Sozialversicherungsanstalt 

Graubünden ergeben hätte, würde nicht den Tatsachen entsprechen. Sie sei 

im Zeitraum ab dem 23. Oktober 2008 und ab dem 25. Juni 2009 in stationärer 

und teilstationärer Behandlung gewesen. Die psychiatrische Klinik … belege 

anhand von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (mit Datum vom 24. Juni 

2009 bis 27. Oktober 2009) eine Erwerbsunfähigkeit von 100% bis am 13. 

September 2009. Ab dem 14. September bis 31. Oktober 2009 sei eine 

Erwerbsunfähigkeit von 50% und aktuell eine Erwerbsunfähigkeit von 40% 

ausgewiesen. Zusammen mit der Beschwerde reichte die 

Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ein. 

10. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Dezember 2009 beantragte die IV-Stelle die 

Abweisung der Beschwerde. Die Wartezeit von einem Jahr, während der eine 

durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mind. 40% bestehen müsse, sei bei 

der Beschwerdeführerin nicht erfüllt, so dass sie keinen Anspruch auf eine 

Rente habe. Selbst wenn das Wartejahr erfüllt wäre, hätte die IV-Stelle keine 

Leistungen zu entrichten, da die Beschwerdeführerin nach Ende des 

Wartejahres nicht mind. zu 40% erwerbsunfähig sei. Hinsichtlich der 

ärztlichen Beurteilung könne vorliegend auf das psychiatrische Gutachten von 

Dr. med. … vom 11. August 2009 abgestellt werden. Dieser halte fest, dass 

sowohl in der bisherigen als auch in einer adaptierten Tätigkeit eine 100%ige 

Arbeitsfähigkeit bestehe. Die verschiedenen Diagnosen, welche in den 

jeweiligen Austrittsberichten der Kliniken aufgeführt seien, führten zur 

Vermutung, dass diese nicht immer nach ICD-10-Kriterien erfolgt seien. Die 

Einschätzungen vom RAD, … würden ausserdem mit dem psychiatrischen 

Gutachten von Dr. med. … übereinstimmen. Die mit der Beschwerde 

eingereichten Dokumente, ärztliches Zeugnis vom 11. November 2009 und 

die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vom 24. Juni bis 27. Oktober 2009 

zuhanden der Krankenkasse, würden daher diese medizinischen 

Einschätzungen nicht zu erschüttern vermögen. 

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit 

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gegenstand des Verfahrens bildet die Frage, ob der Anspruch auf berufliche 

Massnahmen und auf eine Rente zu Recht abgewiesen worden ist. 

2. a) Eine IV-Rente kann nur gewährt werden, wenn eine Invalidität vorliegt. Als 

Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere 

Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] i.V.m. Art. 4 Abs. 

1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Bei 

erwerbstätigen Versicherten erfolgt die Ermittlung der Invalidität in der Regel 

nach der Methode des Einkommensvergleiches (Art. 16 ATSG). Bei dieser 

Methode wird das gegenwärtig trotz Behinderung noch zumutbare 

Erwerbseinkommen mit jenem ohne Behinderung verglichen, wobei die 

daraus resultierende Differenz in Prozenten den IV-Grad ergibt. Für die 

Festsetzung des IV-Grades kommt es primär auf die wirtschaftliche 

Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (PVG 

2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132 V 395 E. 2.1). Ohne zuverlässige und 

beweistaugliche Bestimmung der graduellen Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte 

als Beurteilungsgrundlage ist eine seriöse Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit 

(IV-Grad) aber zum voraus gar nicht möglich (BGE 125 V 261 E. 4, 122 V 160 

f. E. 1c, 115 V 134 E. 2). 

b) Nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG hat die Versicherte erst dann Anspruch auf eine 

IV-Rente, wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen ist 

und gemäss lit. c dieser Bestimmung nach Ablauf dieses Jahres mind. 40% 

invalid (Art. 8 ATSG) bleibt.

3. a) Übereinstimmend wird der Beschwerdeführerin in allen ärztlichen 

Beurteilungen ab dem 27. Juni 2008 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

zugesprochen. Entgegen der Berichte der behandelnden Ärzte, bescheinigte 

Dr. med. … in seinem Gutachten vom 11. August 2009 der 

Beschwerdeführerin bereits ab dem 23. Oktober 2008 wieder eine 

Arbeitsfähigkeit von 50%. Bei dieser Beurteilung stützte er sich gemäss 

Gutachten auf die Einschätzungen der Vorbehandler. Aufgrund der von Dr. 

med. … diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode würde er die 

damalige Arbeitsfähigkeit auf 50% einschätzen. Eine solche retrospektive 

Beurteilung im Widerspruch zu den behandelnden Ärzten ist problematisch. 

Gemäss Bundesgericht muss der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit (auch eine 

Änderung) mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

echtzeitlich nachgewiesen werden und dieser Nachweis darf nicht durch 

nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 9C_368/2008 vom 11. September 2008 m.w.H., B 

157/2006 vom 25. Oktober 2007 E. 2.2). Bezüglich der Prüfung der 

Voraussetzungen für eine Rente hat diese Beurteilung vorliegend jedoch 

keinen Einfluss, denn die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin bliebe 

trotz dieser abweichenden Beurteilung durchschnittlich über 40% und würde 

demzufolge die Voraussetzung für einen Anspruch nicht beeinträchtigen. 

Unter diesen Umständen kann die Frage nach dem Beweiswert dieser 

Annahme offen gelassen werden. 

b) Dr. med. … kam anlässlich seiner Untersuchung vom 25. Juni 2009 zum 

Schluss, dass ab dem Zeitpunkt der Untersuchung eine 100%ige 

Arbeitsfähigkeit gegeben war. Obwohl zum Zeitpunkt der Untersuchung noch 

diskrete depressive Symptome vorhanden gewesen seien, seien diese nicht 

mehr so stark ausgeprägt gewesen, dass von einer eigentlichen depressiven 

Episode hätte ausgegangen werden können. Die Beschwerdeführerin leide 

an einer rezidivierenden depressiven Störung, welche zum Zeitpunkt der 

Untersuchung remittiert gewesen sei. Auch Dr. med. … ginge von einer 

mittelgradig depressiven Episode aus, welche zum Zeitpunkt der 

telefonischen Besprechung remittiert gewesen sei (Telefongespräch Dr. med. 

… mit Dr. med. … vom 3. August 2009). Dagegen könne die Diagnose einer 

posttraumatischen Belastungsstörung nicht bestätigt werden, da die Störung 

nicht innerhalb von sechs Monaten nach dem traumatisierenden Ereignis 

aufgetreten sei. Die zu Beginn der Krankheit Mitte 2008 noch stark 

ausgeprägten Panikattacken hätten mittlerweile deutlich nachgelassen, wobei 

noch eine gewisse Ängstlichkeit bestehe. Zudem gebe es keine Hinweise für 

eine eigentliche, von der Depression unabhängige, Angsterkrankung oder für 

das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung. Für eine solche Diagnose 

bedürfte es eines andauernden und gleichförmigen Verhaltensmusters und 

nicht einzelner Episoden psychischer Krankheit. Unter Berücksichtigung 

dieser Ergebnisse könne keine Diagnose mehr gestellt werden, die die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin einschränken würde. Es stellt sich 

nun die Frage, ob Dr. med. … die gesundheitliche Situation der 

Beschwerdeführerin genügend abgeklärt hat und ob auf sein Gutachten 

abgestellt werden kann.

c) Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der 

Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen 

Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 

Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung 

der medizinischen Situation einleuchtend und die Schlussfolgerungen des 

Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Den im Rahmen des 

Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, 

welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie 

nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der 

Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist in der Beweiswürdigung 

volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die 

Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 104 V 212). Bezüglich der 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützte sich Dr. med. … vorliegend auf eine 

schlüssige und in sich widerspruchsfreie Diagnoseableitung, in welcher er 

sowohl die Resultate der persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin 

als auch die Berichte der behandelnden Ärztinnen mit einbezog. Das 

Gutachten legt die medizinische Situation und deren Zusammenhänge 

ausführlich dar. In der Folge wurde das Gutachten auch des RAD Ostschweiz, 

…, anlässlich der Schlussbeurteilung durch die IV bestätigt. Weitere 

umfassende und schlüssige ärztliche Gutachten oder Beurteilungen bezüglich 

der Arbeitsfähigkeit ab diesem Zeitpunkt liegen nicht vor. Die 

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen der behandelnden Ärztin Dr. med. … 

vermögen die Feststellung des Gutachtens nicht zu erschüttern, beinhalten 

sie doch weder eine Begründung noch etwaige Ausführungen zur Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit. Auch das ärztliche Zeugnis der Ärztinnen Dr. med. … und 

Dr. … vom 11. November 2009 stellt einzig fest, dass diverse stationäre und 

teilstationäre Aufenthalte seit dem 27. Juni 2008 bis zum 25. August 2009 

stattgefunden haben, ohne jedoch zur aktuellen Arbeitsfähigkeit Stellung zu 

nehmen. So wird darin zwar bestätigt, dass sich die Beschwerdeführerin am 

25. Juni 2009 noch in teilstationärer Behandlung befunden habe, 

Ausführungen zur damaligen Arbeitsfähigkeit wurden hingegen keine 

gemacht. Das Gericht ist in Würdigung dieser Berichte zur Überzeugung 

gelangt, dass es inhaltlich keine triftigen Gründe gibt, bezüglich der 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab dem 25. Juni 2009 nicht auf das schlüssige 

und diesbezüglich umfassende Gutachten von Dr. med. … vom 11. August 

2009 abzustellen. Dem Gutachten kommt demzufolge voller Beweiswert zu.

d) Gemäss Gutachten von Dr. med. … vom 11. August 2009 ist die 

Beschwerdeführerin seit dem 25. Juni 2009 wieder voll arbeitsfähig. Das 

Wartejahr mit Beginn am 27. Juni 2008, als Voraussetzung für die 

Zusprechung einer IV-Rente, wurde infolgedessen nicht erfüllt, die Dauer der 

Arbeitsunfähigkeit betrug lediglich 363 Tage. Aufgrund der Tatsache, dass die 

Beschwerdeführerin wieder voll arbeitsfähig ist, hat sie keinen Anspruch auf 

eine IV-Rente, auch dann nicht, wenn das Wartejahr als erfüllt gelten würde. 

Grundvoraussetzung für die Zusprechung einer IV-Rente ist auch nach dem 

Wartejahr wie bereits erwähnt ein IV-Grad von mind. 40%. Die 

Voraussetzungen von Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG wurden von der 

Vorinstanz daher zu Recht als nicht erfüllt betrachtet, was einen Anspruch auf 

eine Rente ausschloss. 

4. a) Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Verwaltung 

oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein 

bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten 

und weitere Beweissmassnahmen könnten an diesem feststehenden 

Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Abnahme weiterer Beweise zu 

verzichten (antizipierte Beweiswürdigung, BGE 131 I 157 E. 3, 124 V 94 E. 

4b, 122 III 223 E. 3c). Erachtet der Richter die rechtserheblichen tatsächlichen 

Entscheidungsgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als 

schlüssig, darf er den Prozess ohne Weiterungen abschliessen (BGE 122 V 

162 E. 1d). 

b) Berufliche Massnahmen gelten als Eingliederungsmassnahmen (Art. 8 Abs. 3 

IVG) auf welche nach Art. 8 Abs. 1 IVG nur invalide oder von einer Invalidität 

bedrohte Versicherte Anspruch haben. Aufgrund der wieder vollständig 

zumutbaren 100%igen Arbeitsfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in 

einer adaptierten Tätigkeit besteht gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG keine 

Invalidität mehr. Demzufolge entfällt ein Anspruch auf berufliche 

Massnahmen. Eine erneute Überprüfung erübrigt sich, da dem Gutachten von 

Dr. med. … wie bereits ausgeführt (Ziff. 3a) volle Beweiskraft zukommt. Die 

Beschwerde erweist sich infolgedessen auch in diesem Punkt als 

unbegründet.

5. Die angefochtenen Verfügungen vom 26. und 27. Oktober 2009 sind damit in 

jeder Beziehung rechtmässig, was zu ihrer Bestätigung und zur Abweisung 

der Beschwerde vom 25. November 2009 führt. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist 

das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG – bei 

Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor 

dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden 

nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen 

von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Aufgrund des Ausganges dieses 

Verfahrens wären die Kosten von Fr. 700.-- an sich der unterliegenden 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Dem Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege wird indes nach Art. 76 VRG entsprochen, da die finanzielle 

Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin hinreichend belegt wurde und ihre 

Beschwerde nicht gerade zum vornherein als aussichtslos bezeichnet werden 

muss. Infolgedessen werden die Gerichtskosten von Fr. 700.-- auf die 

Gerichtskasse genommen. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. a) In Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 76 VRG) werden die 

Kosten von Fr. 700.-- zulasten von … von der Gerichtskasse übernommen. 

b) Sollten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin 

verbessern, so steht dem Kanton Graubünden gemäss Art. 77 Abs. 1 VRG ein 

Rückforderungsrecht zu.