# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 839a311e-bec9-52f2-b6fc-dcfde5e13933
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-19
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 19.04.2022 200 2021 703
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-703_2022-04-19.pdf

## Full Text

200 21 703 IV
KNB/SCC/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 19. April 2022

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichterin Wiedmer
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 6. September 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1984 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) 
meldete sich im Oktober 2002 erstmals bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. 
Beschwerdegegnerin) zum Bezug von Leistungen an (Akten der Invaliden-
versicherung [act. II] 1). Nach medizinischen Abklärungen und beruflichen 
Abklärungen der Eingliederungs- und Arbeitsfähigkeit, letztere brach der 
Versicherte vorzeitig ab (act. II 16, 21), zog er im Mai 2003 das Leistungs-
gesuch vorbehaltlos zurück (act. II 23). Im Mai 2004 meldete er sich erneut 
an (act. II 30) und die IVB entschied – nach einer bidisziplinären Begutach-
tung (act. II 37 f.) – mit Verfügung vom 18. Februar 2005 über das Leis-
tungsgesuch abschlägig (act. II 39). Die Verfügung wurde nicht angefoch-
ten. Nach einer weiteren Anmeldung gewährte die IVB Berufsberatung und 
Abklärung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen (act. II 48). Der 
Versicherte erkrankte in der Folge an Krebs im Nasenrachenraum und es 
erfolgten Bestrahlung und Chemotherapie (act. II 51 ff.). Nach einer Beur-
teilung durch den Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; act. II 79, 88) ver-
neinte die IVB mit Verfügung vom 13. November 2008 bei einem Invali-
ditätsgrad von 28 % den Anspruch auf eine Invalidenrente (act. II 89). Die 
hiergegen erhobene Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kan-
tons Bern mit Urteil vom 10. Dezember 2009 (IV/70140; act. II 117) gut, 
hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zurück an die 
Verwaltung zur weiteren Abklärung. Die IVB holte Berichte des RAD (act. II 
121 f., 129, 141) sowie ein psychiatrisches Gutachten von Dr. med. 
B.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Juni 
2010 (act. II 127) ein. Mit Verfügung vom 22. Februar 2011 verneinte sie 
bei einem Invaliditätsgrad von 33 % einen Anspruch auf eine Invalidenrente 
(act. II 148), was unangefochten blieb. Nach einer weiteren Neuanmeldung 
im September 2012 (act. II 153) holte die IVB einen Bericht des RAD (act. II 
182) und einen Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende (act. II 184) 
ein und verneinte mit Verfügung vom 12. Dezember 2013 (act. II 188) bei 
einem Invaliditätsgrad von 33 % einen Anspruch auf eine Invalidenrente. 
Die Verfügung blieb unangefochten. Nachdem der Versicherte im Februar 
2014 eine Wiedererwägung (allenfalls ein Revisionsverfahren, Umschu-

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lungsmassnahmen oder andere berufliche Integrationsmassnahmen) bean-
tragt hatte (act. II 191), gewährte die IVB Beratung und Unterstützung bei 
der Stellensuche. Der Versicherte verzichtete sodann auf weitere Arbeits-
vermittlung, woraufhin die IVB die Arbeitervermittlung abschloss. Mit Verfü-
gung vom 1. Dezember 2014 verneinte sie bei einem Invaliditätsgrad von 
30 % einen Anspruch auf eine Invalidenrente (act. II 205), was unangefoch-
ten blieb. Im März 2015 meldete sich der Versicherte abermals bei der IVB 
zum Leistungsbezug an (act. II 208). Die IVB trat mit Verfügung vom 1. Mai 
2015 auf das Leistungsgesuch nicht ein (act. II 216); die Verfügung wurde 
nicht angefochten. Auf eine erneute Anmeldung im August 2016 (act. II 
217) trat die IVB mit Verfügung vom 4. Januar 2017 nicht ein (act. II 226). 
Die hiergegen erhobene Beschwerde wies die Einzelrichterin des Verwal-
tungsgerichts des Kantons Bern mit Urteil vom 11. Mai 2017 ab 
(IV/2017/114; act. II 238).

B.

Im März 2019 meldete sich der Versicherte wegen eines Rückenleidens, 
Beschwerden in der linken Schulter nach Strahlentherapie und psychischen 
Beschwerden erneut zum Bezug von Leistungen an (act. II 240). Die IVB 
holte eine Stellungnahme des RAD vom 17. Oktober 2019 (Akten der Inva-
lidenversicherung, [act. IIA] 250) ein. Mit Verfügung vom 19. Dezember 
2019 trat die IVB auf die Neuanmeldung nicht ein (act. IIA 261). Weil der 
Versicherte parallel bereits am 11. Dezember 2019 berufliche Massnahmen 
beantragt hatte (act. IIA 260), erfolgte vom 10. Februar bis 13. September 
2020 eine berufliche Abklärung in der C.________ (act. IIA 312). Die IVB 
veranlasste in der Folge eine interdisziplinäre (orthopädisch-
traumatologische, psychiatrische, onkologische, internistische) Begutach-
tung durch die MEDAS D.________ (MEDAS-Gutachten vom 23. April 
2021; act. IIA 331.1) und prüfte in der Folge auch den Rentenanspruch 
neu. Gegen den leistungsablehnenden Vorbescheid vom 11. Mai 2021 (act. 
IIA 339) erhob der Versicherte Einwände (act. IIA 340). Der RAD holte eine 
Stellungnahme der MEDAS-Gutachter vom 30. August 2021 ein (act. IIA 
345.1). Mit Verfügung vom 6. September 2021 lehnte die IVB bei einem 
Invaliditätsgrad von 12 % den Anspruch auf eine Rente ab (act. IIA 346).

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C.

Am 7. Oktober 2021 erhob der Versicherte beim Verwaltungsgericht des 
Kantons Bern Beschwerde und beantragte sinngemäss, die angefochtene 
Verfügung vom 6. September 2021 sei aufzuheben und die Sache sei an 
die Verwaltung zurückzuweisen zur Einholung eines neuen Gutachtens.

Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2021 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Der Beschwerdeführer reichte am 20. Dezember 2021 unaufgefordert wei-
tere Arztberichte ein und bestätigte sinngemäss seinen Antrag.

Am 15. Februar 2022 liess der Beschwerdeführer dem Verwaltungsgericht 
einen MR-Untersuchungsbericht vom 14. Februar 2022 zukommen.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. 
Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 

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i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 6. September 2021 
(act. II 346). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Rente.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG (Wei-
terentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) in 
Kraft getreten (AS 2021 705). Weil in zeitlicher Hinsicht – vorbehältlich be-
sonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich sind, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ord-
nenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben 
(BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213) und die ange-
fochtene Verfügung vor dem Inkrafttreten der Gesetzesänderungen vom 
19. Juni 2020 datiert, ist der Rentenanspruch nach den bis 31. Dezember 
2021 geltenden Normen (fortan aArt.) zu prüfen.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-

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werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221). Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss 
Art. 7 Abs. 2 ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivier-
ten Betrachtungsweise von der grundsätzlichen „Validität“ der versicherten 
Person auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295). Gemäss höch-
strichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Ge-
sundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, 
schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 
143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche 
psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429).

Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten 
Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. 
Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine – länger dauernde 
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) – Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage 
keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger 
fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird 
und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Quali-
fikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden 
kann (BGE 145 V 215 E. 7 S. 228).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

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mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG (in der bis 31. Dezember 2021 gültig 
gewesenen Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn 
die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsren-
te, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von 
mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.4 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

2.5

2.5.1 Wurde eine Rente wegen eines fehlenden oder zu geringen Invali-
ditätsgrades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur 
geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad 
der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat 
(Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invali-
denversicherung [IVV; SR 831.201]; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.5.3 
S. 351).

2.5.2 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache 
materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten 
Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch 
tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Er-
lass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren 
hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch 
zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine ren-
tenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) Invalidität zu bejahen, 
und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche mate-

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rielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 
2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

2.5.3 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach aArt. 17 Abs. 1 
ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten 
materiellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

2.5.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren-
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag-
gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali-
ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b 
S. 200; SVR 2019 IV Nr. 39 S. 124 E. 5).

2.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

3.

3.1 Die Beschwerdegegnerin hat im Nachgang zur Anmeldung für be-
rufliche Massnahmen vom 11. Dezember 2019 auch die Rentenfrage (neu) 
geprüft. Folglich ist die Eintretensfrage durch das Gericht nicht zu beurtei-
len (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Zu prüfen ist, ob zwischen der Verfü-
gung vom 1. Dezember 2014 (act. II 204), mit welcher der Anspruch auf 

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eine Rente nach umfassender Prüfung abgelehnt wurde, und der hier an-
gefochtenen Verfügung vom 6. September 2021 (act. IIA 346) eine wesent-
liche Änderung in medizinischer bzw. erwerblicher Hinsicht eingetreten ist, 
welche geeignet ist, den Invaliditätsgrad in anspruchsbegründender Weise 
zu beeinflussen (vgl. E. 2.5.3 hiervor). 

Nicht als Vergleichszeitpunkte zu berücksichtigen sind die Verfügung vom 
1. Mai 2015 (act. II 216), welche unangefochten in Rechtskraft trat, und 
diejenige vom 4. Januar 2017 (act. II 226), welche mit Urteil des Verwal-
tungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Mai 2017 bestätigt wurde 
(IV/2017/114: act. II 238). Denn die Beschwerdegegnerin trat jeweils auf 
die Neuanmeldungen nicht ein (act. II 216).

3.2 Die Verfügung vom 1. Dezember 2014 stützte sich im Wesentlichen 
auf die folgenden medizinischen Berichte:

3.2.1 Im Bericht des E.________ vom 12. Februar 2014 (act. II 189/2) 
wurde eine neue Diskushernie im Segment L4/L5 mit hochgradiger Spinal-
kanalstenose genannt. Im Segment L5/S1 bestünden im Vergleich zu 2013 
unveränderte postoperative Verhältnisse. 

3.2.2 Im Bericht des F.________ vom 13. Februar 2014 (act. II 191/14) 
wurde bei im Vordergrund stehender Instabilitätsproblematik und neuroge-
ner Claudicatio eine operative Intervention empfohlen. 

3.2.3 In der Stellungnahme vom 6. Mai 2014 (act. II 194) diagnostizierte 
Dr. med. G.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, RAD, mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chronische Rückenschmerzen bei ei-
nem Status nach Mikrodiskektomie L5/S1 bei Massenprolaps mit persistie-
rendem Cauda-equina-Syndrom, überwiegend sensibel sowie aktuell radio-
logisch einer Diskushernie L4/5. Es bestehe zwar eine neue Diagnose 
(Diskushernie jetzt auf Höhe L4/5), aber bisher kein nachweislich neuer 
klinischer Zustand bezüglich Auswirkungen. Die Arbeits- und Leistungs-
fähigkeit sei dadurch nicht verändert. Das Röntgenbild allein begründe 
nicht eine Verschlechterung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit, zumal kli-
nisch-neurologisch keine Verschlechterung eingetreten sei. Bei wechselbe-
lastenden leichten Tätigkeiten mit Gewichten bis 10 kg, in einem Milieu 
ohne Dämpfe von Lacken oder Farben und ohne hohe Staubentwicklung 

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sei weiterhin eine Leistung von 90 % zu erwarten. Sofern der Beschwerde-
führer sich mittels der vorgeschlagenen Spondylodese operieren lasse, 
müsse danach aber eine neue Beurteilung erfolgen. 

3.2.4 Laut Bericht des F.________ vom 13. Juni 2014 (act. II 201/3) 
wünschte der Beschwerdeführer zum damaligen Zeitpunkt keine Interventi-
onen. Gemäss Bericht vom 19. November 2014 (act. II 203) klagte er über 
chronische Lumboischialgien, wobei er den empfohlenen fusionierenden 
Eingriff voraussichtlich L4-S1 weiterhin ablehnte. 

3.3 Den weiteren danach erstellten medizinischen Berichten ist im We-
sentlichen das Folgende zu entnehmen:

3.3.1 Gemäss Bericht des F.________ vom 11. August 2016 (act. II 
221/2) zeigte ein MRI einen massiven Bandscheibenvorfall L4/L5 mit einer 
totalen Spinalkanalstenose. Der Beschwerdeführer benötige dringend eine 
operative Sanierung. Laut Bericht vom 8. September 2016 (act. II 221) lei-
de der Beschwerdeführer "wie immer" an starken Schmerzen mit "komi-
schen" Kribbelparästhesien im Gesäss und in beiden Beinen. Es werde 
eine Dekompression L4/5 durchgeführt mit grosszügiger Bandscheibenre-
sektion und Spinalkanaldekompression. 

3.3.2 Die RAD-Ärztin Dr. med. G.________ diagnostizierte im Bericht 
vom 26. Oktober 2016 (act. II 224) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
einen Status nach Cauda equina-Syndrom und nach Mikrodiskektomie 
L5/S1 in der Folge mit persistierendem Ausfall S1-4 rechts und S2/3 links. 
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden aktuell Segementde-
generationen L3/4 und L4/5, bei L4/5 auch Discusprolaps. Sofern der Ver-
sicherte die geplante Operation durchführe, werde er wahrscheinlich vorü-
bergehend einige Monate arbeitsunfähig sein. Danach werde jedoch das 
Problem von L4/5 behoben sein. Ob tatsächlich auch noch eine Spondylo-
dese folgen werde, müsse sich weisen. In einem solchen Fall wäre die Si-
tuation erneut zu prüfen. Wie anlässlich der Verfügung vom 1. Dezember 
2014 sei dem Versicherten unverändert eine angepasste Tätigkeit (wech-
selbelastende leichtere Tätigkeiten mit Gewichten bis 10 kg in einem Milieu 
ohne Dämpfe von Lacken oder Farben und ohne hohe Staubentwicklung) 
in einem vollen zeitlichen Rahmen mit einer 90%-igen Leistung zumutbar.

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3.3.3 Im Bericht vom 28. Mai 2020 (act. IIA 304) führte Dr. med. 
H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, der Be-
schwerdeführer sei mehrfach schwer traumatisiert durch Kriegserlebnisse, 
eigene maligne Tumorkrankheit mit Triggerwirkung früherer traumatischer 
Erlebnisse, Folgeschäden durch die Tumorbehandlung mit traumati-
scher Triggerung, soziale, vor allem auch berufliche Einschränkungen mit 
Triggerwirkung. Diagnostisch liege eine ausgeprägte PTBS mit reaktivem 
depressivem Zustandsbild mittelschwerer bis schwerer Ausprägung vor 
(act. IIA 304/7).

3.3.4 Die angefochtene Verfügung vom 6. September 2021 (act. IIA 246) 
stützt sich auf das MEDAS-Gutachten vom 23. April 2021; act. IIA 331.1); 
darin diagnostizierten die Experten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
das Folgende (act. IIA 331.1/7):

1. Nasopharynxkarzinom mit bilateralen Lymphknotenmetastasen, Stadium cT4, cN3
- Erstmanifestation Frühling 2006
- Diagnose mittels Biopsie 8. Dezember 2006, Histologie: undifferenziertes 

nicht verhornendes Karzinom
- Perkutane Radiotherapie des Nasopharynx und des Lymphabflusses 

beidseits, Gesamtdosis 17 Gy, mit Simultanangabe von drei Zyklen Che-
motherapie mit Cisplatin, gefolgt von drei Zyklen Kombinations-
Chemotherapie mit Cisplatin und Fluorouracil

- Anhaltende komplette Remission
- Aktuell: Folgeschäden: Xerostomie, Ageusie, Hypakusis rechtsbetont mit 

beidseitigem Tinnitus
2. Lähmung des N. accessorius links mit Einschränkung der Motorik des M. stern-

ocleidomastoideus links und des M. trapezius links und konsekutiver Einschrän-
kung der Schultergelenksbeweglichkeit links und der Kraft des linken Armes für das 
Schulterheben

3. Chronische Schmerzen der LWS
- Status nach insgesamt vier LWS Operationen (Mai 2012, März 2019, Ok-

tober 2019 und November 2019)
- Residuelle Wurzelreizsymptomatik L3/L4, L4/L5 und L5/S1 als sensible 

neurologische Ausfälle

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Experten das 
Folgende (act. IIA 331.1/7):

1. Zustand nach möglicher posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 
F41.2), aktuell sind die Kriterien einer PTBS nicht erfüllt

2. Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2) mit gelegentlichen Panikat-
tacken

3. Hypothyreose, postradiogen, substituiert
4. Arterielle Hypertonie (bisher unbehandelt)
5. Übergewicht (BMI 26.6 kg/m2)
6. Nikotinabusus

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Die Gutachter führten aus, der Beschwerdeführer schildere anhaltende 
Schmerzen im Stütz- und Bewegungsapparat, insbesondere im Bereich 
des unteren Rückens mit Ausstrahlung in die Beine. Die klinisch orthopädi-
schen und neurologischen Befunde dokumentierten nach mehrfacher er-
folgten Wirbelsäuleneingriffen auch neurogene Schäden, so dass die vom 
Beschwerdeführer geschilderte Symptomatik im lumbalen Bereich mit 
Ausstrahlung in die Beine sowie die geschilderte inkomplette Reithosen-
symptomatik durch organische Befunde erklärbar seien. Ferner beklage 
sich der Beschwerdeführer über Nackenschmerzen bei HWS-Syndrom 
ohne radikuläre Ausstrahlung, jedoch einhergehend mit offenbar zeitweilig 
verstärkten Nacken-/Hinterkopfschmerzen. Ein Rezidiv des ab Januar 2007 
mit Radio-/Chemotherapie behandelten Nasopharynxkarzinoms mit bilate-
ralen Lymphknotenmetastasen, cT4 cN2c, sei bisher nicht aufgetreten, die 
Nebenwirkungen der Behandlung im Sinne der Mundtrockenheit und Zahn-
probleme bestünden weiter und benötigten regelmässige Kontrollen und 
Behandlung (act. IIA 331.1/5). Durch die Radiotherapie sei es zu einer 
Lähmung des N. accessorius mit entsprechenden muskulären Ausfällen 
gekommen. Diese seien aufgrund einer Bewegungseinschränkung des 
linken Schultergelenkes diagnostiziert worden. Im Vordergrund stünden 
jedoch chronische Schmerzen der LWS aufgrund fortgeschrittener degene-
rativer Veränderungen und multietageren Bandscheibenvorfällen, die zu 
insgesamt vier Operationen geführt hätten. Auch aktuell finde sich eine 
residuelle neurologische Symptomatik, die auf Läsionen der Wurzeln L3/L4 
bis L5/S1 zurückgeführt werden könnten. Diese residuelle neurologische 
Symptomatik sei im Wesentlichen sensibler Natur, es bestünden nur ge-
ringgradige motorische Ausfälle im Sinne einer Fussheber- und Fusssen-
kerschwäche, links Kraftgrad M4. Trotz der vier Operationen der LWS sei 
bis dato keine Spondylodese durchgeführt worden, so dass die degenerati-
ven Veränderungen aller ärztlicher Erfahrung nach fortschreiten würden. 
Anhaltspunkte für eine psychosomatische Schmerzentwicklung im Sinne 
einer anhaltenden somatoformen Schmerstörung bzw. einer chronischen 
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren ergäben sich 
nicht im ausreichenden Umfang. Die Schilderung traumatisierender Erleb-
nisse in Kindheit und Jugend mit in der Vergangenheit bestehenden Ängs-
ten und einzelnen Symptomen einer Traumafolgestörung lasse an eine 
früher durchgemachte PTBS denken. Aktuell seien die Voraussetzungen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 13

für eine PTBS nicht erfüllt. Bereits im Jahr 2005 habe der Gutachter Dr. 
med. B.________ darauf hingewiesen, dass eine PTBS abgeklungen sei. 
Auch die Folgen der Karzinomerkrankung hätten keine nachhaltigen psy-
chischen Folgen hinterlassen. Die klinisch ängstlich depressive Störung 
(ICD-10 F41.2) mit einer Neigung zu gelegentlichen Panikattacken sei nicht 
so gravierend, dass daraus wesentliche Beeinträchtigungen der Erlebnis- 
und Gestaltungsfähigkeit resultierten (act. IIA 331.1/6). Zur Arbeitsfähigkeit 
hielten die Gutachter fest, aufgrund der orthopädischen Gesundheits-
störungen sei die Tätigkeit als ... nicht mehr zumutbar. Eine adaptierte Ar-
beit (körperlich leichte Tätigkeit, überwiegend im Sitzen mit der Möglichkeit 
zum Positionswechsel, keine Leitertätigkeiten, keine Zwangshaltungen der 
LWS; act. IIA 331.1/8 Ziff. 4.5) könne der Beschwerdeführer ausüben, wo-
bei die Arbeitsfähigkeit aufgrund der Spätfolgen der Krebstherapie in leich-
tem Masse (20 %; act. IIA 331.1/8 Ziff. 4.8) eingeschränkt sei. Weder aus 
psychiatrischer noch aus allgemeininternistischer Sicht sei die Arbeitsfähig-
keit eingeschränkt (act. IIA 331.1/8 Ziff. 4.3, 4.8). Der Beschwerdeführer sei 
zu 80 % (8.5 Stunden pro Tag mit Leistungsminderung von 20 %) in einer 
leidensangepassten Tätigkeit arbeitsfähig (act. IIA 331.1/10 Ziff. 4.8). Zum 
zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, die Ar-
beitsfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit sei ab 1. Januar 2019 
durch ein Rezidiv der Bandscheibenhernie L3/L4 aufgehoben gewesen; 
drei Monate nach der Operation vom 6. März 2019 sei die Arbeitsfähigkeit 
in einer angepassten Tätigkeit wieder eingetreten. Ab Anfang Oktober 2019 
sei die Arbeitsfähigkeit wegen der Diskushernie L4/L5 links wieder aufge-
hoben gewesen. Am 25. Oktober 2019 sei eine Mikrodiskektomie und am 
13. November 2019 eine Re-Dekompression bei Frührezidiv erfolgt; ab 
1. April 2020 sei der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit wie-
der arbeitsfähig gewesen (act. IIA 331.1/10 Ziff. 4.8, 331.1/11).

3.3.5 Im Bericht vom 6. Juni 2021 führte Dr. med. H.________ aus, der 
Beschwerdeführer habe kulturbedingt Schwierigkeiten, psychiatrische 
Störungen oder Krankheiten von aussen erkennbar werden zu lassen, da 
dies zu einem Gesichtsverlust führe. Das Gutachten von Dr. med. 
B.________ werde zur Diagnosebestätigung unterstützend erwähnt, der 
Beschwerdeführer sei damals aber nur 15 Minuten befragt worden. Im 
psychiatrischen MEDAS-Teilgutachten fehle eine differenzierte Gesamtbe-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 14

fundbeschreibung, vor allem das depressive Zustandsbild und die PTBS 
betreffend. Es fänden sich auch keine systematischen psychometrischen 
Testuntersuchungen (z.B. AMDP-Modul Depression der Beck’sche- und 
Hamilton-Depressionstest). Das Nichteinnehmen von Schmerzmitteln wer-
de negativ gewürdigt, die Einnahme der Psychopharmaka werde nicht posi-
tiv gewürdigt. Das lasse an eine mögliche negativ gefärbte Grundeinstel-
lung gegenüber dem Beschwerdeführer denken. Eine Gesamtuntersu-
chungszeit von 1 Stunde und 15 Minuten sei zu kurz, um an ein differen-
ziertes fundiertes Untersuchungsresultat zu gelangen (act. IIA 340/7 f.). 

3.3.6 In der Stellungnahme vom 30. August 2020 hielten die MEDAS-
Gutachter fest, die kulturbedingten Schwierigkeiten psychische Störungen 
offenbar werden zu lassen, seien dem Gutachter aus langjähriger Erfah-
rung bekannt und seien in der Diagnosefindung berücksichtigt worden. Das 
psychiatrische MEDAS-Teilgutachten weise eine Befundbeschreibung 
gemäss AMDP-Systematik auf, darin werde eine differenzierte Gesamtbe-
fundbeschreibung geliefert. Zur Diagnosestellung bedürfe es nicht psycho-
metrischer Testuntersuchungen. Die Befunderhebung sei entsprechend 
dem Standard des Fachgebietes erfolgt. Die Symptome einer PTBS hätten 
nicht vollumfänglich bestätigt werden können. Die Nichteinnahme der Anal-
getika müsse negativ als bewusste Fehlangabe des Beschwerdeführers 
gewertet werden. Er habe den Untersucher offenbar ganz bewusst in der 
Annahme gelassen, dass er nicht unerhebliche Mengen von Schmerzmit-
teln einnehme. Zur Dauer der Untersuchung sei festzuhalten, dass der Un-
tersucher sich auf die Berichte im Dossier habe abstützen können, insbe-
sondere habe er sich mit dem Bericht des behandelnden Psychiaters vom 
25. August 2020 auseinandersetzen können, wobei der Gutachter die 
PTBS anlässlich der psychiatrischen Exploration nicht habe bestätigen 
können (act. IIA 345.1) 

3.4

3.4.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 15

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision – 
bzw. hier im Neuanmeldungskontext – erstellten Gutachtens hängt wesent-
lich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche 
Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht (SVR 2018 IV Nr. 13 S. 40 E. 4.2 
und 4.2.1).

3.5 Das MEDAS-Gutachten vom 21. April 2021 (act. IIA 331.1) und die 
Stellungnahme vom 30. August 2021 (act. IIA 345.1) erfüllen die Anforde-
rungen an den Beweiswert einer medizinischen Expertise. Die darin enthal-
tenen Ausführungen und Feststellungen beruhen auf eingehenden 
fachärztlichen Abklärungen und sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter 
Berücksichtigung der geklagten Beschwerden getroffen worden. Basierend 
darauf haben die Gutachter die medizinischen Befunde, die zu stellenden 
Diagnosen und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen nachvollzieh-
bar und einleuchtend dargestellt. Desgleichen haben sie in überzeugender 
Weise zu den Belastungsfaktoren und Ressourcen Stellung genommen, 
wonach der Beschwerdeführer körperlich leichte den Beschwerden ange-
passte Tätigkeiten ausüben kann, wobei dieses Zumutbarkeitsprofil seit 
Beendigung der Krebstherapie gilt und auch die Progredienz der multieta-
geren Bandscheiben berücksichtigt. Die Experten äusserten sich nachvoll-
ziehbar und überzeugend zu den Ressourcen, wonach es dem Beschwer-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 16

deführer gelinge, den Alltag zu planen und zu strukturieren. Auch wenn die 
Widerstands- und Durchhaltefähigkeit leicht beeinträchtigt ist, wiesen Ent-
scheidungs- und Urteilfähigkeit, Proaktivität, Antrieb- und Spontanaktivität 
keine gravierenden Defizite auf und die Selbstbehauptungs-, Interaktions- 
und Kontaktfähigkeit sind erhalten (act. IIA 331.1/9 Ziff. 4.5), was über-
zeugt. Einleuchtend ist auch die Beurteilung zur Konsistenzprüfung, wo-
nach aus orthopädisch-traumatologischer Sicht keine relevanten Wider-
sprüche vorlägen, die vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden 
und Einschränkungen im Bereich des Kopfes, Nackens und der oberen 
Extremitäten als Folge der Krebsbehandlung plausibel und konsistent wirk-
ten. Aus psychiatrischer Sicht erachteten die Gutachter, dass die geschil-
derten Beschwerden im Hinblick auf die Akten und die aktuell durchgeführ-
ten Untersuchungen nachvollziehbar seien (act. IIA 331.1/9 Ziff. 4.6), was 
überzeugt. Mithin kann auf die voll beweiskräftige Expertise grundsätzlich 
(vgl. auch E. 3.8 hiernach) abgestellt werden (vgl. E. 3.4.2 hiervor). Ge-
stützt auf die interdisziplinäre Beurteilung im MEDAS-Gutachten ist somit 
erstellt, dass der Beschwerdeführer aus somatischer und psychischer Sicht 
eine angepasste, körperlich leichte Tätigkeit, sitzend, mit der Möglichkeit 
die Position zu wechseln, zu 80 % (d.h. 8.5 Stunden pro Tag mit einer Leis-
tungsminderung von 20 % wegen der Folgen nach Behandlung der Krebs-
erkrankung) ausüben kann.

3.6 Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, vermag das schlüs-
sige MEDAS-Gutachten vom 23. April 2021 nicht in Zweifel zu ziehen: Ent-
gegen der Meinung des Beschwerdeführers sind die traumatischen Erleb-
nisse in der Kindheit (Tod der Mutter im Krieg, Flucht, Mobbing während 
der Schulzeit in der Schweiz) im Gutachten ausführlich in der psychiatri-
schen und biographischen Anamnese (act. IIA 331.5/4 f.) besprochen wor-
den; es bestehen keine Anhaltspunkte, dass die Schilderung der Kindheit 
und Jugend in der Beurteilung nicht genügend berücksichtigt worden wäre, 
vielmehr geht der psychiatrische Gutachter davon aus, dass eine früher 
durchgemachte PTBS vorgelegen habe; die Voraussetzungen bezüglich 
einer PTBS aktuell nicht mehr erfüllt seien (act. IIA 331.5/11), was ein-
leuchtet. Überzeugend sind auch die Ausführungen der Gutachter, dass 
keine andauernde Persönlichkeitsveränderung mit prägender paranoider 
Symptomatik diagnostiziert werden konnte (act. IIA 331.1/8 Ziff. 4.4). Die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 17

körperlichen Beschwerden (Nervenläsion im Hals, erhebliche Artikulations-
beschwerden, Beschwerden in der Lendenwirbelsäule mit Schmerzatta-
cken) sind vom psychiatrischen Gutachter zur Kenntnis genommen wor-
den, hielt er doch fest, die geschilderte Schmerzsymptomatik sei durch 
organische Befunde weitgehend erklärbar. Ebenso wurden die Nacken-
schmerzen bei HWS-Syndrom mit zeitweilig verstärkten Nacken-
/Hinterkopfschmerzen erwähnt. Dass der Gutachter nicht in ausreichendem 
Umfang Anhaltspunkte für eine psychosomatische Schmerzentwicklung 
bzw. eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 
Faktoren findet, gehört zu seiner Beurteilung (act. IIA 331.5/11) und weckt 
keine Zweifel an der Schlüssigkeit seines Gutachtens und der interdiszi-
plinären Beurteilung. Im Übrigen haben sich die Gutachter Dr. med. 
I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, 
und Dr. med. J.________, Facharzt für Chirurgie, für orthopädische Chirur-
gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, in der Stellungnahme 
vom 30. August 2021 (act. IIA 345.1) ausführlich zur Kritik des Psychiaters 
Dr. med. H.________ geäussert und es ergaben sich keine neuen Ge-
sichtspunkte, auch nicht bezüglich einer PTBS, was überzeugt (act. IIA 
340/7). Dazu gehörte auch die Kritik an der Dauer der Untersuchung; zu 
Recht führten die MEDAS-Gutachter an, sie hätten Kenntnis der Berichte 
der behandelnden Ärzte gehabt. Massgebend ist in erster Linie, ob die Ex-
pertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Immerhin muss 
der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand 
der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen 
sein. Wie hoch dieser im Einzelfall zu veranschlagen ist, unterliegt letztlich 
aber der Fachkenntnis und dem Ermessensspielraum des damit befassten 
Experten (SVR 2021 IV Nr. 12 S. 34 E. 3.2.3.2, 2019 IV Nr. 85 S. 280 E. 6, 
2017 IV Nr. 75 S. 232 E. 4.3). Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, 
dass die psychiatrische Begutachtung diesbezüglich unsorgfältig durchge-
führt worden wäre. Die Beschwerdegegnerin wendet ferner zu Recht ein, 
dass der Beschwerdeführer zurzeit nicht in psychiatrischer Behandlung ist 
und bisher kein stationärer oder teilstationärer Aufenthalt erfolgte (vgl. Be-
schwerdeantwort, Ziff. 4; act. II 304 Ziff. 1.2). Damit kann auch dem Ein-
wand, es sei keine wertfreie Verwendung von Vorbefunden erfolgt, da die 
Ausführungen des Dr. med. H.________ bezüglich der Diagnose einer 
PTBS kritisiert und gleichzeitig das Gutachten von Dr. med. B.________ 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 18

beigezogen worden seien, wobei Letzterer den Beschwerdeführer lediglich 
während 15 Minuten untersucht habe, nicht gefolgt werden. Zudem steht 
die Beurteilung zum "Ich-Bewusstsein" des psychiatrischen Gutachters 
(act. IIA 331.5/9) in Einklang mit der Einschätzung von Dr. med. 
B.________ (act. II 127/6). Der Beschwerdeführer beanstandet weiter die 
Ausführungen zu den Ressourcen (vgl. act. IIA 331.1/9), da seiner Ansicht 
nach keine Untersuchungen stattgefunden hätten. Er berücksichtigt in sei-
ner Kritik jedoch nicht, dass die Gutachter aufgrund der Befunde sowie den 
Angaben des Beschwerdeführers zum Tagesablauf, zur Freizeitgestaltung, 
Hilfe im Haushalt und Alltag (act. IIA 331.5/6 f.) ohne weiteres eine Würdi-
gung vornehmen konnten. Die Gutachter verfügen zudem in ihrem Fach-
gebiet über einen entsprechenden Facharzttitel und es erfolgten Angaben 
zur Entstehung des Konsenses (act. IIA 331.1/11 Ziff. 5), weshalb die dies-
bezügliche Kritik des Beschwerdeführers auch nicht überzeugt. Es ist wei-
ter nicht zu beanstanden, dass sich die Gutachter zur ungenügenden Me-
dikamenteneinnahme äusserten, da dies auf eine Inkonsistenz hindeutet. 
Zwar ist der Einwand des Beschwerdeführers, der onkologische Teilgutach-
ter habe fälschlicherweise erwähnt, der Vater und nicht die Mutter sei im 
Krieg erschossen worden (vgl. act. IIA 331.6/3), richtig. Der orthopä-
disch/traumatologische (act. IIA 331.3/2) und der psychiatrische Gutachter 
(act. IIA 331.5/4) erhoben ihrerseits jedoch die Anamnese korrekt. Die fal-
sche Angabe im onkologischen Gutachten ist denn auch nicht geeignet, die 
schlüssige Beurteilung aus onkologischer Sicht in Frage zu stellen, denn es 
ist nicht erkennbar, inwiefern es sich in diesem Fachgebiet um eine ent-
scheidrelevante Feststellung handeln sollte, welche den Gutachter zu an-
deren Schlussfolgerungen hätte führen müssen. Nach dem Dargelegten 
kann dem sinngemässen Vorbringen des Beschwerdeführers, es lägen 
zahlreiche Hinweise dafür vor, dass die Gutachter nicht konsequent und 
sorgfältig gearbeitet hätten, nicht gefolgt werden.

Die im Beschwerdeverfahren am 20. Dezember 2021 eingereichten und 
nach Verfügungserlass erstellten Berichte von Dr. med. K.________, 
Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-
apparates, vom 25. November 2021 (in den Gerichtsakten) und von Dr. 
med. L.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 17. De-
zember 2021 (in den Gerichtsakten) ändern nichts am Ergebnis, wonach 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 19

auf das überzeugende MEDAS-Gutachten abzustellen ist. Dr. med. 
K.________ berichtet über die (vom Beschwerdeführer subjektiv geklagten) 
Beschwerden im Zusammenhang mit den Folgen der Behandlung der 
Krebserkrankung, welche in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berück-
sichtigt worden waren. Es werden keine neuen Aspekte erwähnt, welche 
die MEDAS-Gutachter nicht bereits beurteilt hätten. Dr. med. L.________ 
bezieht mit der Aussage, der Beschwerdeführer habe aufgrund der Ge-
samtheit aller gesundheitlichen Probleme eindeutig Anspruch auf eine Ren-
te, advokatorisch Stellung zum Rentenanspruch, somit nicht nur zu den 
medizinischen, sondern auch zu den erwerblichen Faktoren; zudem ist da-
von auszugehen, dass er sich vor allem auf die Arbeitsunfähigkeit in der 
bisherigen Tätigkeit als ... bezieht. Auch der Bericht vom 14. Februar 2022, 
betreffend die fünfeinhalb Monate nach der massgebenden Verfügung er-
folgten MR-Untersuchung, ändert an der schlüssigen MEDAS-
Einschätzung nichts. 

3.7 Der psychiatrische Gutachter führte überzeugend aus, dass in psy-
chischer Hinsicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege. Hin-
sichtlich einer allfällig früher durchgemachten PTBS seien die entspre-
chenden Voraussetzungen für eine PTBS aktuell nicht erfüllt. Die klinisch 
ängstlich depressive Störung sei nicht so gravierend, dass daraus wesent-
liche Beeinträchtigungen resultieren würden. Das Zumutbarkeitsprofil und 
die Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % beruht damit einzig und 
allein auf somatischen Gründen. Unter diesen Umständen besteht für das 
Gericht keine Veranlassung zur Durchführung eines strukturierten Beweis-
verfahrens, denn praxisgemäss bleibt ein solches entbehrlich, wenn im 
Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit (in 
psychischer Hinsicht) in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird 
(vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 12. Dezember 2019, 
8C_597/2019, E. 7.2.3, vom 22. November 2019, 9C_568/2019, E. 5.6).

3.8 Die Beschwerdegegnerin führte in der Beschwerdeantwort (S. 3 
Ziff. 7) zutreffend aus, es sei fraglich, ob überhaupt eine revisionsrechtlich 
relevante Veränderung im Sachverhalt vorliege. Gemäss MEDAS-
Gutachten gilt die attestierte Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten 
Tätigkeit seit Abschluss der Behandlungen des Nasopharynxkarzinoms ca. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 20

Mitte 2008. Sie war lediglich aus somatischen Gründen wegen den operati-
ven Eingriffen und während den dreimonatigen Rekonvaleszenzen jeweils 
kurz zu 100 % aufgehoben (vgl. act. IIA 331.1/10). Danach war dem Be-
schwerdeführer eine körperlich leichte Tätigkeit zu 8.5 Stunden pro Tag mit 
einer Leistungseinschränkung von 20 % wieder zumutbar. Im Vergleich zur 
Beurteilung durch Dr. med. G.________ im Mai 2014, wonach bei wech-
selbelastenden leichten Tätigkeiten mit Gewichten bis 10 kg, in einem Mili-
eu ohne Dämpfe von Lacken oder Farben und ohne hohe Staubentwick-
lung weiterhin eine Leistung von 90 % zu erwarten sei (act. II 194), und 
vom 26. Oktober 2016, wonach unverändert eine angepasste Tätigkeit 
(wechselbelastende leichtere Tätigkeiten mit Gewichten bis 10 kg in einem 
Milieu ohne Dämpfe von Lacken oder Farben und ohne hohe Staubent-
wicklung) in einem vollen zeitlichen Rahmen mit einer 90%-igen Leistung 
zumutbar sei (act. II 224), ist nicht von einer wesentlichen Veränderung 
auszugehen; die unterschiedliche Einschätzung der Leistungsminderung 
von 10 % bzw. 20 % weist eher auf eine andere Beurteilung des im We-
sentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts hin. Letztlich kann dies aber 
offenbleiben, denn auch bei Annahme einer wesentlichen tatsächlichen 
Änderung des medizinischen Sachverhalts (leicht höhere Leistungsein-
schränkung) und nach einer allseitigen Prüfung, inklusive eines Einkom-
mensvergleichs, ergibt sich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (vgl. 
E. 4 hiernach).

4.

4.1

4.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat 
so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 
322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 21

4.1.2 Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung – 
gestützt auf die rechtskräftige Verfügung vom 1. Dezember 2014 (GAV ... 
2012, Kategorie B, von Fr. 59'720.--, indexiert auf das Jahr 2014 [Fr. 
59'720 / 2188 x 2204 + 0.7 %]; vgl. act. II 205) – vom Einkommen von 
Fr. 60’579.-- aus, welches der Beschwerdeführer als ... erzielt habe (act. IIA 
346) und was nicht zu beanstanden ist. Aufgerechnet auf das Jahr 2020 
(BFS 2020, Nominallohnindex, Männer, 2011-2020, Bst. F, Ziff. 41-43 Bau-
gewerbe/Bau, 2014: 102.8; 2020: 105.6) ergibt dies ein Einkommen von Fr. 
62'229.-- (Fr. 60'579.-- / 102.8 x 105.6).

4.2

4.2.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange-
zogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2021 Nr. 51 S. 168 
E. 3.2).

4.2.2 Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Per-
sonen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im 
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeit-
nehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unter-
durchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit 
einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 
5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem 
Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persön-
lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidens-
bedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufent-
haltskategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale 
auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamt-
haft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu be-
grenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 
2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 22

Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche 
Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten 
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge-
sichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20).

4.2.3 Da der Beschwerdeführer keine angepasste Tätigkeit ausübt, hat 
die Beschwerdegegnerin zu Recht das hypothetische Invalideneinkommen 
gestützt auf die Tabellenlöhne der LSE ermittelt. Bei einem monatlichen 
Bruttolohn von Fr. 5'417.-- (BFS 2020, Tabelle TA1_tirage_skill_level, mo-
natlicher Bruttolohn [Zentralwert], Kompetenzniveau und Geschlecht, priva-
ter Sektor, 2018, Kompetenzniveau 1, Männer, Total), angepasst an die 
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit (Total, 2018, 41.7 Stunden pro 
Woche), aufgerechnet auf ein Jahr, indexiert auf das Jahr 2020 (BFS 2020, 
Nominallohnindex, Männer, 2011-2020, Bst. B-S, Ziff. 5-96, Total, 2018: 
105.1; 2020: 106.8) und unter Berücksichtigung der Arbeitsfähigkeit von 
100 % mit einer Leistungsminderung von 20 % ergibt dies ein hypotheti-
sches Invalideneinkommen von Fr. 55'090.25 (Fr. 5'417.-- / 40 x 41.7 x 12 / 
105.1 x 106.8 x 0.80). Einen zusätzlichen Abzug vom Tabellenlohn hat die 
Beschwerdegegnerin nicht vorgenommen; die medizinische Einschränkung 
wegen der Folgen der Krebserkrankung ist bereits berücksichtigt worden. 
Selbst bei einem Tabellenlohnabzug von 10 % änderte sich nichts am Er-
gebnis, weil der Beschwerdeführer wegen der Rückenproblematik nunmehr 
lediglich leichte Tätigkeiten ausüben kann, was ein hypothetisches Invali-
deneinkommen von Fr. 49'581.20 (Fr. 55'090.25 x 0.90) ergäbe (vgl. E. 4.3 
hiernach). Weitere Kriterien sind nicht erfüllt, insbesondere werden Hilfsar-
beiten auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt altersunab-
hängig nachgefragt (vgl. BGE 146 V 16 E. 7.2.1 S. 26).

4.3 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 62'229.-- und einem hypothe-
tischen Invalideneinkommen von Fr. 49'581.20 resultiert eine Einbusse von 
höchstens Fr. 12'647.80 und damit ein rentenausschliessender Invaliditäts-
grad von gerundet 20 % (Fr. 12'647.80 / Fr. 62'229.-- x 100 = 20.3 %).

4.4 Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 6. Sep-
tember 2021 (act. IIA 346) nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist 
abzuweisen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 23

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Bezah-
lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent-
nommen.

5.2 Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. April 2022, IV/21/703, Seite 24

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.