# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eb325769-01a4-51f2-84d4-52673c27d67d
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-22
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 22.06.2018 BG.2018.17
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2018-17_2018-06-22.pdf

## Full Text

Entscheid vom 22. Juni 2018 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Giorgio Bomio-Giovanascini, Vorsitz, 

Emanuel Hochstrasser und Tito Ponti,  

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja 

 

 

   
Parteien  KANTON ZÜRICH, Oberstaatsanwaltschaft,  

Gesuchsteller 

 

 

 gegen 

   

KANTON BERN, Generalstaatsanwaltschaft,  

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2018.17 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. A. wird vorgeworfen, in den Monaten August/September 2016 zweimal zu-

sammen mit dem Mitbeschuldigten B. und einmal mit einer unbekannten Tä-

terschaft „C.“ im Kanton Zürich gewerbsmässigen Diebstahl begangen zu 

haben. Zudem wird A. in fünf weiteren Fällen gewerbsmässige Hehlerei im 

Kanton Zürich, begangen im August 2017, vorgeworfen (vgl. Deliktszusam-

menstellung in act. 1 S. 2 ff.). Schliesslich wird gegen A. wegen einfachen 

Raubes im Kanton Bern, begangen am 11. Dezember 2016, ermittelt. 

 

 

B. Am 14. September 2017 wurde A. in Z. polizeilich festgenommen und mit 

Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts Pfäffikon in Untersuchungshaft 

versetzt (Verfahrensakten Kt. ZH, Ordner 2, Urk. 1.8).  

 

 

C. Die Staatsanwaltschaft See/Oberland des Kantons Zürich gelangte mit 

Schreiben vom 20. September 2017 an die Staatsanwaltschaft Bern-Mittel-

land und ersuchte um Verfahrensübernahme, was diese am 21. Septem-

ber 2017 ablehnte (Verfahrensakten Kt. ZH, Ordner 1, Urk. 1.1 und 1.3). Mit 

Schreiben vom 26. Januar 2018 gelangte die Staatsanwaltschaft See/Ober-

land mit einem erneuten Gesuch um Verfahrensübernahme an die General-

staatsanwaltschaft des Kantons Bern, welches diese am 12. Februar 2018 

wiederum abwies (Verfahrensakten Kt. ZH, Ordner 1, Urk. 1.4 und 1.5). 

 

 

D. Seit dem 9. März 2018 befindet sich A. im vorzeitigen Strafvollzug (Verfah-

rensakten Kt. ZH, Ordner 2, Urk. 1.12 und 1.13).  

 

 

E. Im Rahmen des abschliessenden Meinungsaustausches vom 23. April und 

15. Mai 2018 zwischen der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich und 

der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern konnte keine Einigung er-

zielt werden (act. 1.1 und 1.2). 

 

 

F. Mit Gesuch vom 25. Mai 2018 gelangt die Oberstaatsanwaltschaft des Kan-

tons Zürich an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und bean-

tragt, es seien die Behörden des Kantons Bern zur Verfolgung und Beurtei-

lung der den beschuldigten A. und B. zur Last gelegten Straftaten als be-

rechtigt und verpflichtet zu erklären (act. 1 S. 2).  

 

- 3 - 

 

 

 Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern beantragt in ihrer Ge-

suchsantwort vom 7. Juni 2018 die Abweisung des Gesuchs (act. 3 S. 2), 

was der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich am 11. Juni 2018 zur 

Kenntnis gebracht wurde (act. 4). 

 

 Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-

schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und Form, 

vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.7 vom 21. März 2014 E. 1) 

sind vorliegend erfüllt und geben zu keinen Bemerkungen Anlass. 

 

 

2. 

2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or-

tes zuständig, an dem die Tat verübt worden ist. Liegt nur der Ort, an dem 

der Erfolg der Straftat eingetreten ist, in der Schweiz, so sind die Behörden 

dieses Ortes zuständig (Art. 31 Abs. 1 StPO). Der Ausführungsort befindet 

sich dort, wo der Täter gehandelt hat (BGE 86 IV 222 E. 1).  

 

Ist eine Straftat von mehreren Mittätern verübt worden, so sind die Behörden 

des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen 

worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO). Hat eine beschuldigte Person mehrere 

Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die Verfolgung und 

Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zuständig, an dem die 

mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen worden ist. Bei gleicher 

Strafdrohung sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfol-

gungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 34 Abs. 1 StPO).  

 

Begehen mehrere Beschuldigte zusammen in verschiedenen Kantonen 

mehrere Delikte, so sind Art. 33 und Art. 34 Abs. 1 StPO so miteinander zu 

kombinieren, dass in der Regel alle Mitwirkenden an dem Orte verfolgt wer-

den, wo von einem Mittäter die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat verübt 

worden ist. Bei gleich schweren Strafdrohungen bestimmt sich der Gerichts-

stand für alle Beteiligten nach dem Ort, wo die Verfolgungshandlungen zu-

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erst vorgenommen worden sind (vgl. hierzu u. a. die Beschlüsse des Bun-

desstrafgerichts BG.2011.49 vom 19. Januar 2012, E. 2.1; BG.2011.33 vom 

28. September 2011, E. 2.2.1; BG.2011.4 vom 10. August 2011, E. 2.2.2). 

 

2.2 Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-

dachtslage. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten letztlich nachge-

wiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der Unter-

suchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als haltlos 

oder sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand bestimmt sich also nicht 

nach dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was ihm vorge-

worfen wird, das heisst, was aufgrund der Aktenlage überhaupt in Frage 

kommt. Es gilt der Grundsatz in dubio pro duriore, wonach im Zweifelsfall auf 

den für den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt abzustellen bzw. das 

schwerere Delikt anzunehmen ist (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BG.2014.10 vom 10. Juni 2014, E. 2.1). 

 

 

3.  

3.1 Unter den Parteien ist umstritten, ob die von A., teils mit B., teils mit einer 

unbekannten Täterschaft im August/September 2016 verübten Einbruchs-

diebstähle unter den qualifizierten Tatbestand des bandenmässigen Dieb-

stahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 3 Abs. 2 StGB zu subsumieren sind. Der 

Kanton Zürich stellt sich auf den Standpunkt, A. habe lediglich zweimal mit 

B. zusammengewirkt und mit der unbekannten Täterschaft gar nur einmal, 

sodass es bereits an dem von Lehre und Rechtsprechung geforderten Erfor-

dernis der mehr als zwei gemeinsamen selbständigen Straftaten zur Beja-

hung der Bandenmässigkeit fehle. Aus der Aktenlage ergebe sich sodann 

auch nicht, dass sich die beiden Beschuldigten und die unbekannte Täter-

schaft mit dem Willen, künftig gemeinsam Straftaten zu begehen, zusam-

mengefunden hätten. Schliesslich fehle es auch an der geforderten Intensität 

der Beziehung unter den Bandenmitgliedern im Sinne einer Stabilität und 

Festigkeit der Gruppe (act. 1 S. 6). Demgegenüber hält der Kanton Bern fest, 

A. seien nicht nur drei Diebstähle im Kanton Zürich vorzuwerfen, sondern 

weitere fünf, begangen im August 2017. Bei allen Delikten sei der modus 

operandi der gleiche gewesen, wobei die Täterschaft ein hochprofessionel-

les und organisiertes Vorgehen an den Tag gelegt habe. Gestützt auf den 

Grundsatz in dubio pro duriore sei daher der Tatbestand des bandenmässi-

gen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 3 StGB massgebend (act. 3 

S. 3 f.). 

 

- 5 - 

 

 

3.2 Nach Art. 139 Ziff. 3 Abs. 2 StGB ist der qualifizierte Tatbestand des Dieb-

stahls gegeben, wenn der Dieb den Diebstahl als Mitglied einer Bande aus-

führt, die sich zur fortgesetzten Verübung von Raub oder Diebstahl zusam-

mengefunden hat.  

 

Nach der Rechtsprechung ist Bandenmässigkeit gegeben, wenn zwei oder 

mehrere Täter sich mit dem ausdrücklich oder konkludent geäusserten Wil-

len zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbständiger Straf-

taten zusammenzuwirken. Es macht hierbei keinen Unterschied, ob zwei 

oder mehrere Täter vorhanden sind. Haben sich nur zwei Personen zur fort-

gesetzten Begehung von Straftaten zusammengefunden, so kann eine ban-

denmässige Tatbegehung nicht ausgeschlossen werden, wenn gewisse 

Mindestansätze einer Organisation und die Intensität des Zusammenwirkens 

ein derartiges Ausmass erreichen, dass von einem bis zu einem gewissen 

Grade fest verbundenen und stabilen Team gesprochen werden kann (BGE 

135 IV 158). Ist demgegenüber schon die Zusammenarbeit derart locker, 

dass von Anfang an nur ein sehr loser und damit völlig unbeständiger Zu-

sammenhalt besteht, liegt keine Bande vor (BGE 124 IV 86, 88 f. E. 2b). 

 

3.3 Unter den Parteien ist zunächst unbestritten, dass A. die drei Einbruchdieb-

stähle vom August und September 2016 zweimal mit B. und einmal mit einer 

unbekannten Täterschaft verübt hat. Den Einvernahmen von A. und B. vom 

27. November 2017 und 11. Dezember 2017 ist zu entnehmen, dass die bei-

den Beschuldigten im Zeitraum vom 6. bis 8. September 2016 mit einem 

Lieferwagen in eine Sammelgarage in Y. und X. eingedrungen sind und zwei 

Motorräder gestohlen haben (Verfahrensakten Kt. ZH, Ordner 2, Urk. 4.5 und 

4.13). Ebenso sei auf Videoaufnahmen ersichtlich, wie A. am 9. August 2016 

mit einer unbekannten Person mit einem Lieferwagen in eine Sammelgarage 

in Schlieren gefahren sei und dort diverse Autoräder und ein Kinderfahrzeug 

gestohlen habe (Verfahrensakten Kt. ZH, Ordner 2, Urk. 4.4). Gemäss Aus-

sagen von B. würden er und A. aus dem gleichen Dorf in Serbien stammen 

(Verfahrensakten Kt. ZH, Ordner 2, Urk. 4.13). 

 

 Entgegen der Auffassung des Gesuchstellers ist für die Bejahung der Ban-

denmässigkeit nicht vorausgesetzt, dass mehr als zwei Bandenmitglieder 

gemeinsam zusammenwirken. Vielmehr genügt ein Zusammenschluss von 

bereits zwei Bandenmitgliedern. Dies gilt umso mehr, wenn diese Personen 

freundschaftlich oder familiär besonders verbunden sind, da der psychische 

Druck bzw. der Zusammenhalt bei solchen Tätern grösser sei als etwa bei 

einem Trio ohne besonderen Zusammenhalt (BGE 135 IV158).  

 

- 6 - 

 

 

3.4 Gestützt auf die von A. und B. gemachten Aussagen und die vorliegenden 

Akten kann nicht ausgeschlossen werden, dass A. als Mitglied einer Bande, 

bestehend aus mindestens ihm selbst und B., an den Einbruchdiebstählen 

mitgewirkt hat. Ebensowenig kann ein arbeitsteiliges Vorgehen von A. und 

B. ausgeschlossen werden. Damit ist hinsichtlich der Einbruchsdiebstähle 

vom August und September 2016 in Anwendung des Grundsatzes in dubio 

pro duriore von Bandenmässigkeit auszugehen.  

 

 

4. Während gewerbsmässige Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 2 StGB mit 

einer Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe nicht unter 90 Ta-

gessätzen bestraft wird, sehen Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB sowie bandenmässiger Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 2 Abs. 2 

StGB je eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren vor.  Der Ge-

richtsstand bestimmt sich vorliegend somit danach, wo die ersten Verfol-

gungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 33 Abs. 2 und Art. 34 

Abs. 1 StPO). Dies ist vorliegend im Kanton Zürich mit der Anzeige des Ein-

bruchsdiebstahls in Schlieren bei der Einsatzzentrale Zürich vom 10. Au-

gust 2016 geschehen (Verfahrensakten Kt. ZH, Urk. 6/1, S. 5), während die 

im Kanton Bern verfolgte Straftat (Raub) erst am 11. Dezember 2016 began-

gen wurde.  

 

 

5. Nach dem Gesagten liegt der gesetzliche Gerichtsstand hinsichtlich der vor-

liegenden Delikte im Kanton Zürich. Der Antrag des Gesuchstellers ist daher 

abzuweisen, und es sind die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich 

für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die A. und B. zur Last gelegten 

Delikte zu verfolgen und zu beurteilen.  

 

 

6. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).  

 

  

- 7 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich sind berechtigt und ver-

pflichtet, die B. und A. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 

 

Bellinzona, 22. Juni 2018 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern (unter Beilage der eingereich-

ten Verfahrensakten) 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.