# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d0b9ca3-0dc5-5fde-975f-055a1d2da7ba
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-04
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Beschwerdeabteilung 04.11.2022 BS 2022 35
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_003_BS-2022-35_2022-11-04.pdf

## Full Text

20220928_114709_ANOM.docx

I. Beschwerdeabteilung BS 2022 35

Oberrichter lic.iur. St. Scherer, Abteilungspräsident
Oberrichter lic.iur. P. Huber
Oberrichter lic.iur. M. Siegwart
Gerichtsschreiberin MLaw J. Berweger

Beschluss vom 4. November 2022 [rechtskräftig]

in Sachen

B.________,
vertreten durch RA MLaw C.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, I. Abteilung, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug,
vertreten durch STA lic.iur. E.________,
Beschwerdegegnerin,

betreffend

amtliche Verteidigung

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Sachverhalt

1. Die Staatsanwaltschaft Zug führt gegen den B.________ (nachfolgend: Beschwerdeführer) 
eine Strafuntersuchung betreffend Pornografie. Am 13. April 2022 beantragte die erbetene 
Verteidigerin RA MLaw C.________, als amtliche Verteidigerin des Beschwerdeführers 
gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO eingesetzt zu werden.

2. Mit Verfügung vom 28. April 2022 wies die Staatsanwaltschaft das Gesuch um amtliche 
Verteidigung ab.

3. Dagegen erhob der Beschwerdeführer Beschwerde beim Obergericht und stellte folgende 
Anträge:

1. Die Verfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 28. April 2022 sei aufzuheben.

2. Es sei dem Beschwerdeführer die amtliche Verteidigung durch RA C.________ rückwirkend auf 
den Mandatsantritt zu gewähren.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.

4. Die Staatsanwaltschaft beantragte am 13. Mai 2022 die Abweisung der Beschwerde unter 
Kostenfolge zulasten des Beschwerdeführers.

5. Am 19. Mai 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Rechnung des kantonalen Sozialamts in 
der Höhe von CHF 19'086.90 für die bevorschussten Wohnkosten zu den Akten.

6. Mit Schreiben vom 6. September 2022 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass sie am 
5. September 2022 ein Verfahren gegen den Beschwerdeführer wegen Landfriedensbruchs 
zuständigkeitshalber von der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl übernommen habe.

Erwägungen

1. Die Staatsanwaltschaft begründete die Abweisung des Antrags um amtliche Verteidigung 
zusammengefasst wie folgt:

1.1 Dem Beschwerdeführer werde vorgeworfen, insgesamt 167 Dateien mit verbotener 
Pornografie (Bilder/Videos mit Kinder-, Tier- und Gewaltpornografie) teilweise 
heruntergeladen und teilweise verbreitet zu haben. Es liege kein Fall von notwendiger 
Verteidigung vor, was vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht werde. Im Falle 
einer Verurteilung drohten dem nicht vorbestraften Beschwerdeführer wohl eine Geldstrafe 
von deutlich unter 120 Tagessätzen bzw. sei eine allfällige Geldstrafe von unter der Hälfte 
von 120 Tagessätzen zu erwarten. Es liege deshalb klar ein Bagatellfall vor.

1.2 Aus dem drohenden Tätigkeitsverbot folge ebenfalls nicht, dass kein Bagatellfall vorliege. 
Der Beschwerdeführer arbeite als Unterhaltspraktiker, weshalb ein allfälliges Tätigkeitsverbot 

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sein berufliches Fortkommen nicht tangieren würde. Auch gehe er gemäss eigenen 
Aussagen keiner Freizeitbeschäftigung nach, welche einen regelmässigen oder organisierten 
Kontakt mit Minderjährigen beinhalte, weshalb auch sein privates Fortkommen nicht fühlbar 
tangiert würde.

Auch aus dem Umstand, dass beim Beschwerdeführer die Erstellung eines DNA-Profils 
angeordnet worden sei, könne nicht darauf geschlossen werden, dass kein Bagatellfall 
vorliege. Die Profilerstellung werde damit begründet, dass der Beschwerdeführer aufgrund 
seines Interesses für verbotene Pornografie verglichen mit der Gesamtbevölkerung eine 
erhöhte Wahrscheinlichkeit aufweise, zukünftig ausserhalb des Bagatellbereichs 
Sexualstraftaten zu begehen. Der Ausdruck "Bagatellcharakter" habe für 
Zwangsmassnahmen gemäss Art. 197 lit. d StPO nicht dieselbe Bedeutung wie bei der 
amtlichen Verteidigung gemäss Art. 132 StPO.

1.3 Die amtliche Verteidigung sei nur anzuordnen, wenn die beschuldigte Person nicht über 
ausreichende finanzielle Mittel verfüge. Der Beschwerdeführer habe anlässlich der 
Einvernahme vom 4. April 2022 angegeben, über Vermögen von CHF 34'000.00 zu verfügen, 
welchem Schulden in der Höhe von CHF 12'000.00 gegenüberstünden. Er verfüge somit 
über genügend eigene finanzielle Mittel, um einen allfälligen – aufgrund des überschaubaren 
Sachverhalts wohl geringen – Verteidigungsaufwand selber zu bestreiten. Der 
Beschwerdeführer habe es zudem in der Hand, durch eine neue Anstellung oder die 
Beantragung von Arbeitslosenentschädigung seine finanzielle Lage zu stabilisieren. Vor 
diesen Hintergrund sei nicht ersichtlich, weshalb dem Beschwerdeführer ein "Notgroschen" 
belassen werden solle.

2. Dagegen bringt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde zusammengefasst Folgendes 
vor:

2.1 Es liege kein Bagatellfall vor. Die Staatsanwaltschaft habe in der Verfügung vom 12. April 
2022 betreffend DNA-Profilerstellung selbst bestätigt, dass den zu untersuchenden Straftaten 
"nicht lediglich Bagatellcharakter" zukomme. Es gehe nicht an, dass die Staatsanwaltschaft 
ihre Argumentation je nach Art des Gegenstands anpasse, um einen für sie passenden 
Entscheid zu erwirken. 

Vorliegend sei es zudem nicht angezeigt, einzig auf die zu erwartende Geldstrafe abzustellen 
und ein allfälliges Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. c StGB ausser Acht zu lassen. 
Durch dieses würde das beruflich und private Fortkommen des Beschwerdeführers für die 
nächsten zehn Jahre massgeblich eingeschränkt. Der Beschwerdeführer sei zurzeit auf 
Stellensuche, welche durch ein Tätigkeitsverbot zusätzlich erschwert würde. Dass ein 
drohendes Tätigkeitsverbot keine Bagatelle mehr sei, zeige sich auch darin, dass bei einem 
im Raum stehenden Tätigkeitsverbot kein Strafbefehl mehr erlassen werden könne.

Es sei zudem noch ungewiss, ob sich die Strafuntersuchung einzig auf den 
Pornografietatbestand beschränke. Auch wenn die Staatsanwaltschaft der Ansicht sei, sie 
werde deutlich unter 120 Tagessätzen beantragen, liege die Beurteilung letztlich beim 
Gericht und sei deshalb weitgehend ungewiss.

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2.2 Der vorliegende Fall biete zudem tatsächliche und rechtliche Schwierigkeiten für den 
Beschwerdeführer. So stünden etwa Versuchsdelikte bzw. deren Abgrenzung zu straflosen 
Vorbereitungshandlungen im Raum. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass die 
Staatsanwaltschaft die Anklage verschärfen bzw. ausweiten könnte. Zudem sei möglich, 
dass neue Elemente zu zusätzlichen Schwierigkeiten bei der Feststellung des Sachverhalts 
oder der rechtlichen Einordnung der Straftat führen könnten. 

Unabhängig von der künftigen Entwicklung der Strafuntersuchung könne dem 
Beschwerdeführer nicht zugemutet werden, sich im vorliegenden Strafverfahren 
zurechtzufinden. Gemäss Entscheid der KESB vom tt.mm.2021 sei es dem 
Beschwerdeführer nicht möglich, administrative Angelegenheiten mit Behörden eigenständig 
zu erledigen und finanzielle Angelegenheiten zu regeln. Ihm sei deshalb eine 
Beistandsperson bestellt worden. Die Vertretungsbeiständin habe sodann dargelegt, dass die 
Vertretung in rechtlichen Angelegenheiten ein separates Aufgabenfeld darstelle und von 
ihrem Mandat nicht umfasst sei. Es sei dabei schlicht nicht ersichtlich, wie sich der 
Beschwerdeführer vor Gericht solle kompetent vertreten können, wenn es ihm nicht möglich 
sei, gewöhnliche Angelegenheiten des täglichen Lebens eigenständig zu regeln.

2.3 Der Beschwerdeführer sei zudem mittellos. Er erhalte aktuell CHF 1'700.00 pro Monat von 
der Arbeitslosenversicherung. Der Vermögensstand habe am 30. April 2022 CHF 21'943.10 
betragen. Gleichzeitig liege eine Rückforderung des kantonalen Sozialamts in der Höhe von 
CHF 19'086.90 für bevorschusste Wohnkosten vom 1. September 2021 bis 28. Februar 2022 
vor. Das Budget, welches mit dem Mandatszentrum Zug am 5. Mai 2022 erstellt worden sei, 
weise klar ein Manko auf. Eine Integration im Arbeitsmarkt scheine schwierig, da dem 
Beschwerdeführer bei einem Arbeitspensum vom 80 % lediglich eine Leistungsfähigkeit von 
30 % attestiert werde. Sollte es dem Beschwerdeführer dennoch gelingen, sich im 
Arbeitsmarkt wieder zu integrieren, müsste er die Kosten für die amtliche Verteidigung 
zurückerstatten. Aufgrund der beschriebenen finanziellen Verhältnisse sei schlicht nicht 
ersichtlich, wie der Beschwerdeführer in der Lage sein solle, den Aufwand für seine 
Verteidigung selbst zu bezahlen.

3. Nach Art. 130 lit. c StPO muss die beschuldigte Person u.a. verteidigt werden, wenn sie 
wegen ihres körperlichen oder geistigen Zustands oder aus anderen Gründen ihre 
Verfahrensinteressen nicht ausreichend wahren kann. Die Verhandlungsfähigkeit ist dabei 
nur ganz ausnahmsweise zu verneinen; etwa wenn eine beschuldigte Person nicht in der 
Lage ist, der Verhandlung zu folgen, die gegen sie erhobenen Vorwürfe zu verstehen und zu 
diesen vernunftgemäss Stellung zu nehmen (Urteile des Bundesgerichts 1B_332/2012 vom 
15. August 2012 E. 2.4; 1B_279/2014 vom 3. November 2014 E. 2.1.1; 1B_318/2014 vom 
27. Oktober 2014 E. 2.1).

Vorliegend besteht eine Vertretungsbeistandschaft des Beschwerdeführers für die 
Vermögensverwaltung (act. 1/2). Aus dieser allein ergibt sich jedoch nicht, dass der 
Beschwerdeführer nicht in der Lage wäre, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu verstehen. 
Aus den Einvernahmeprotokollen der Zuger Polizei (Vi act. 2/1 und 2/2) ist zudem ersichtlich, 
dass der Beschwerdeführer zu den Vorwürfen vernunftgemäss Stellung nehmen konnte. Der 
Beschwerdeführer selbst macht auch nicht geltend, dass ein Fall von notwendiger 

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Verteidigung vorliegen würde. Eine amtliche Verteidigung gestützt auf Art. 130 StPO ist 
deshalb nicht anzuordnen.

4. Liegt kein Fall notwendiger Verteidigung gemäss Art. 130 StPO vor, ordnet die 
Verfahrensleitung eine amtliche Verteidigung an, wenn die beschuldigte Person nicht über 
die erforderlichen Mittel verfügt und die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten 
ist (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO). 

4.1 Zur Wahrung der Interessen der beschuldigten Person ist die Verteidigung namentlich 
geboten, wenn es sich nicht um einen Bagatellfall handelt und der Straffall in tatsächlicher 
oder rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, denen die beschuldigte Person allein nicht 
gewachsen wäre (Art. 132 Abs. 2 StPO). Ein Bagatellfall liegt jedenfalls dann nicht mehr vor, 
wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Monaten oder eine Geldstrafe von mehr als 
120 Tagessätzen zu erwarten ist (Art. 132 Abs. 3 StPO). 

Mit den gesetzlichen Bestimmungen von Art. 132 StPO wurde die bisherige 
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 29 Abs. 3 BV und Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK 
kodifiziert (BGE 139 IV 113 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 1B_448/2012 vom 17. Oktober 
2012 E. 2.2; je mit Hinweisen). Wie sich aus dem Gesetzeswortlaut ("jedenfalls dann nicht") 
deutlich ergibt, sind die Nicht-Bagatellfälle nicht auf die in Art. 132 Abs. 3 StPO beispielhaft 
genannten Fälle beschränkt. Bei der Prüfung, ob eine amtliche Verteidigung sachlich 
geboten ist, sind die konkreten Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Falls das in 
Frage stehende Verfahren besonders stark in die Rechtsposition der betroffenen Person 
eingreift, ist die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters grundsätzlich geboten. 
Droht zwar ein erheblicher, nicht aber ein besonders schwerer Eingriff, müssen zur relativen 
Schwere des Eingriffs besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, 
denen die betroffene Person – auf sich allein gestellt – nicht gewachsen wäre. Als besondere 
Schwierigkeiten, die eine Verbeiständung rechtfertigen können, fallen auch in der betroffenen 
Person liegende Gründe in Betracht, insbesondere deren Unfähigkeit, sich im Verfahren 
zurechtzufinden. Auch familiäre Interessenkonflikte oder mangelnde Schulbildung können 
massgebliche tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten begründen (Urteil des 
Bundesgerichts 1B_224/2013 vom 27. August 2013 und 1B_170/2013 vom 30. Mai 2013 E. 
4.3 je m.H.).

4.2 Im vorliegenden Verfahren ist – insbesondere auch aufgrund der neusten Entwicklungen – 
eine Verteidigung für die Wahrung der Interessen des Beschwerdeführers geboten. Dem 
Beschwerdeführer wird nicht mehr allein das Herunterladen und Verbreiten von verbotener 
Pornografie vorgeworfen, sondern gegen ihn wird neu auch ein Verfahren wegen 
Landfriedensbruchs geführt (act. 6). Beide Vorwürfe mögen für sich genommen Bagatellfälle 
gemäss Art. 132 Abs. 3 StPO darstellen, zusammen ist es jedoch zumindest möglich, dass 
dem Beschwerdeführer eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen droht. Mit der 
Hausdurchsuchung vom 15. September 2021 (vgl. Vi act. 5) und der Erstellung eines DNA-
Profils (Vi act. 13/4) wurde ausserdem nicht unerheblich in die Rechtssphäre des 
Beschwerdeführers eingegriffen (vgl. hierzu auch Urteil des Bundesgerichts 1B_263/2013 
vom 20. November 2013 E. 4.5). Berücksichtigt man zudem, dass neben der eigentlichen 
Sanktion auch eine Massnahme gemäss Art. 67 Abs. 3 StGB (Tätigkeitsverbot) verhängt 
werden könnte, erscheint der Eingriff in die Rechtsposition des Beschwerdeführers nicht 

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mehr eindeutig als Bagatelle. Der Tatvorwurf des Landfriedensbruchs ist aufgrund der 
Beteiligung mehrerer Personen und deren allfällig unterschiedlicher Tatbeiträge sodann 
rechtlich komplexer als der ursprüngliche Tatvorwurf betreffend verbotene Pornografie. Hinzu 
kommt, dass der Beschwerdeführer gemäss Verfügung der KESB im Umgang mit Behörden, 
der Organisation seiner finanziellen Angelegenheiten, der Sorge für eine geeignete 
Wohnsituation sowie der Sorge um eine geeignete Arbeit bzw. Tagesstruktur auf 
Unterstützung angewiesen ist (act. 1/2). Es ist deshalb naheliegend, dass der 
Beschwerdeführer auch im Rahmen eines Strafverfahrens eher auf Unterstützung 
angewiesen ist als voll handlungsfähige Personen, wobei die Vertretungsbeiständin diese 
Unterstützung nicht leisten kann (vgl. Ruckstuhl, Basler Kommentar, 4. A. 2014, Art. 130 
StPO N 27). Es erscheint deshalb sachgerecht, dem Beschwerdeführer im Rahmen des 
vorliegenden Strafverfahrens einen rechtlichen Beistand zu gewähren. Die amtliche 
Verteidigung des Beschwerdeführers ist somit sachlich geboten.

4.3 Mittellosigkeit oder Bedürftigkeit ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dann 
gegeben, wenn die beschuldigte Person die Leistung der erforderlichen Prozess- und 
Parteikosten nur erbringen kann, wenn sie die Mittel angreift, die sie zur Deckung des 
Grundbedarfs für sich und ihre Familie benötigt. Die prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich 
nach der gesamten wirtschaftlichen Situation im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs. 
Dazu gehören einerseits sämtliche finanzielle Verpflichtungen, andererseits die 
Einkommens- und Vermögensverhältnisse, wobei die Anrechnung eines hypothetischen 
Einkommens unzulässig ist. Dabei ist der Begriff der Bedürftigkeit nicht deckungsgleich mit 
jenem nach SchKG und ist nicht schematisch auf das betreibungsrechtliche 
Existenzminimum abzustellen, sondern die beschuldigte Person hat Anspruch darauf, dass 
ihr der erweiterte zivilprozessuale Notbedarf verbleibt. Dieser umfasst i.d.R. einen um 25 % 
erhöhten Grundbedarf zuzüglich der ausgewiesenen privat- und öffentlich-rechtlichen 
Verpflichtungen (Ruckstuhl, Basler Kommentar, 2. A. 2014, Art. 132 StPO N 23 m.H.). 
Schulden sind sodann zumindest dann zu berücksichtigen, wenn diese zur Bestreitung des 
Lebensunterhalts eingegangen worden sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_745/2010 
vom 4. April 2011 E. 8.5).

4.4 Der Beschwerdeführer erhält unbestrittenermassen monatlich CHF 1'700.00 von der 
Arbeitslosenversicherung. Er wohnt in einer Wohngemeinschaft für betreutes Wohnen, in 
welcher er monatlich CHF 900.00 an Mietkosten zu bezahlen hat (act. 1/4). Berücksichtigt 
man den betreibungsrechtlichen Grundbetrag, ist deshalb offensichtlich, dass der 
Beschwerdeführer unter dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum lebt. Aus dem Bericht 
"Arbeitsversuch A.________" (act. 1/3) lässt sich zudem schliessen, dass in absehbarer 
Zukunft nicht mit einem wesentlich höheren Einkommen des Beschwerdeführers gerechnet 
werden kann. Der Beschwerdeführer ist somit nicht in der Lage, die Verteidigungskosten mit 
seinem Einkommen zu finanzieren.

Der Beschwerdeführer könnte die Kosten seiner Verteidigung deshalb einzig aus seinem 
Vermögen bezahlen. In den Akten finden sich keine Belege zum Vermögen des 
Beschuldigten. Die Staatsanwaltschaft stütze sich in ihrer Verfügung vom 28. April 2022 
einzig auf die Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der polizeilichen Befragung vom 
4. April 2022, wonach er Vermögen von CHF 34'000.00 und Schulden von 12'000.00 habe 
(Vi act. 13/3). Im vorliegenden Verfahren behauptete die Verteidigung, der Vermögensstand 

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des Beschwerdeführers betrage CHF 21'943.10. Allerdings liege auch eine angeblich noch 
offene Rechnung in der Höhe von CHF 19'086.90 vor (act. 1 und 4/1). 

Die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Vermögen sind somit widersprüchlich. Eine 
Auskunft über das Vermögen bzw. Schulden des Beschwerdeführers bei der Beiständin oder 
den Steuerbehörden wurde nicht eingeholt. Die Angaben des Beschwerdeführers wurden 
somit nicht geprüft und der Beschwerdeführer nicht aufgefordert, entsprechende Unterlagen 
einzureichen. Dies wäre aufgrund der widersprüchlichen Angaben jedoch angezeigt, zumal 
der Beschwerdeführer für finanzielle Angelegenheiten verbeiständet und es deshalb 
zweifelhaft ist, ob er seine Vermögensverhältnisse (insbesondere betreffend offene bzw. 
bezahlte Rechnungen) genau kennt. Im vorliegenden Verfahren ist entsprechend unklar, ob 
der Beschwerdeführer bedürftig ist. Die Sache ist deshalb zur Abklärung der 
Vermögensverhältnisse des Beschwerdeführers und anschliessendem Entscheid über die 
amtliche Verteidigung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen.

5. Die Beschwerde erweist sich damit als begründet und ist gutzuheissen. Die Verfügung der 
Staatsanwaltschaft vom 28. April 2022 ist deshalb aufzuheben und das Verfahren an die 
Staatsanwaltschaft zurückzuweisen.

6. Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens auf die Staatskasse zu 
nehmen (Art. 428 Abs. 4 StPO). Der Beschwerdeführer ist für die notwendigen 
Aufwendungen im Beschwerdeverfahren aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 436 
Abs. 3 StPO).

Beschluss

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 28. April 
2022 im Verfahren 1A 2021 1213 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung der 
Vermögensverhältnisse des Beschwerdeführers an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

2. Die Kosten dieses Verfahrens betragen

CHF 800.00 Gebühren
CHF 30.00 Auslagen
CHF 830.00 Total

und werden auf die Staatskasse genommen.

3. Der Beschwerdeführer wird für das Beschwerdeverfahren mit CHF 1'000.00 (inkl. MWST) aus 
der Staatskasse entschädigt.

4. Gegen diesen Entscheid ist die Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 78 ff. des 
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) zulässig; die Beschwerdegründe richten sich nach Art. 95 ff. 
BGG. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Entscheids schriftlich, 
begründet und mit bestimmten Anträgen sowie unter Beilage des Entscheides und der 

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Beweismittel (vgl. Art. 42 BGG) beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, 
einzureichen.

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5. Mitteilung an:
- Parteien (an die Staatsanwaltschaft unter Rückgabe der eingereichten Akten)
- Gerichtskasse (im Dispositiv)

Obergericht des Kantons Zug 
I. Beschwerdeabteilung

lic.iur. St. Scherer MLaw J. Berweger
Abteilungspräsident Gerichtsschreiberin

versandt am: