# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 280704bc-86e4-5fad-9982-c389eb87a173
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-05
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 05.03.2024 SBK.2023.325
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2023-325_2024-03-05.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2023.325  
(STA.2023.3497)  

Art. 67 

 

 

Entscheid vom 5. März 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichter Lindner 

Oberrichterin Schär  

Gerichtsschreiberin Flütsch 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____, geboren am tt.mm.jjjj, von […], 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Patrick Loeb,  

[…]   

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 6. Oktober 2023 

betreffend Aufrechterhaltung der Beschlagnahme des Mobiltelefons 

 

in der Strafsache gegen A._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Kantonspolizei Aargau rückte am 19. Mai 2023 an den W-weg 18 in 

X._____ aus, nachdem der dort wohnhafte C._____ bei der kantonalen 

Notrufzentrale die Meldung erstattet hatte, D._____ (fortan: Geschädigte) 

habe in seinem Wohnhaus Sachbeschädigungen begangen und randaliere 

nun im Freien. Die vor Ort angetroffene Geschädigte gab sodann gegen-

über der Kantonspolizei Aargau an, zuvor durch C._____ und A._____ 

(fortan: Beschwerdeführer) in einem Schlafzimmer des Wohnhauses fest-

gehalten und von beiden gegen ihren Willen penetriert worden zu sein. 

 

1.2. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eröffnete gleichentags eine Straf-

untersuchung gegen den Beschwerdeführer wegen Schändung, evtl. Ver-

gewaltigung sowie wegen Freiheitsberaubung zum Nachteil der Geschä-

digten. 

 

2. 

2.1. 

Mit Verfügung vom 23. Mai 2023 bestätigte die Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau die am 20. Mai 2023 mündlich angeordnete Durchsuchung und 

Beschlagnahme des Mobiltelefons des Beschwerdeführers zwecks Abklä-

rung des Sachverhalts. 

 

2.2. 

Mit Eingabe an die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 4. Oktober 

2023 beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der Beschlagnahme 

und die unverzügliche Aushändigung des Mobiltelefons an ihn. 

 

2.3. 

Mit Verfügung vom 6. Oktober 2023 wies die Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau den Antrag des Beschwerdeführers auf Aufhebung der Beschlag-

nahme und Aushändigung des Mobiltelefons sinngemäss ab und ordnete 

die Aufrechterhaltung der Beschlagnahme des Mobiltelefons an. 

 

3. 

3.1. 

Gegen die ihm am 10. Oktober 2023 zugestellte Verfügung erhob der Be-

schwerdeführer am 19. Oktober 2023 Beschwerde bei der Beschwerde-

kammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau mit folgen-

den Anträgen: 

 

" 1. 

 - 3 - 

 

 

Es sei die Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 6. Ok-
tober 2023 aufzuheben. 
 
2. 
Es sei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau zu verpflichten, die Be-
schlagnahme aufzuheben. 
 
3. 
Es sei die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau anzuweisen, das Mobiltele-
fon des Beschuldigten unverzüglich herauszugeben. 
 
4. 
Unter o/e-Kostenfolgen." 

 

3.2. 

Mit Beschwerdeantwort vom 17. November 2023 ersuchte die Staatsan-

waltschaft Lenzburg-Aarau um Abweisung der Beschwerde unter Kosten-

folgen. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 4. Dezember 2023 nahm der Beschwerdeführer zur Be-

schwerdeantwort der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Stellung und 

stellte neu die folgenden Anträge: 

 

" 1. 
Es sei die Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 6. Ok-
tober 2023 aufzuheben und die Beschlagnahme des Mobiltelefons aufzu-
heben. 
 
2. 
Es sei die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau anzuweisen, das Mobiltele-
fon des Beschuldigten unverzüglich herauszugeben. 
 
3. 
Eventualiter sei die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau anzuweisen vor 
der Herausgabe des Mobiltelefons des Beschuldigten eine Verfügung zu 
erlassen, in welcher die zu löschenden Dateien spezifiziert werden (mit 
Angabe des Inhaltes). 
 
4. 
Unter o/e-Kostenfolgen." 

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die staatsanwaltliche Verfügung vom 6. Oktober 2023 betreffend die Be-

schlagnahme des Mobiltelefons unterliegt gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a 

StPO der Beschwerde. Beschwerdeausschlussgründe gemäss Art. 394 

StPO liegen keine vor. Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht ein-

gereicht (vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) und der Be-

schwerdeführer hat als Eigentümer des beschlagnahmten Mobiltelefons 

 - 4 - 

 

 

ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung der Beschlagnahme 

(Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

 

2. 

2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führte zur Begründung ihrer die 

Beschlagnahmung des Mobiltelefons des Beschwerdeführers aufrechter-

haltenden Verfügung vom 6. Oktober 2023 im Wesentlichen aus, mit be-

sagtem Mobiltelefon seien in der Tatnacht Videoaufzeichnungen gemacht 

worden, weshalb es als Beweismittel gebraucht werde. Ausserdem sei eine 

spätere Einziehung zu prüfen. 

 

2.2. 

Der Beschwerdeführer führte in seiner Beschwerde zusammengefasst aus, 

die entsprechenden Auswertungen und Sicherungen im Zusammenhang 

mit dem beschlagnahmten Mobiltelefon seien vorliegend bereits abge-

schlossen. Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit sei nicht ein-

zusehen, inwiefern das Mobiltelefon für den weiteren Verlauf der Untersu-

chung von Relevanz sein sollte. Eine Beschlagnahme sei nur so lange wie 

sachlich notwendig aufrechtzuerhalten. Das beurteilende Gericht könne 

sich direkt auf die Datenkopien stützen. Die Beweisführung sei somit nach 

wie vor möglich. Ein durch die Herausgabe drohender Beweismittelverlust 

sei nicht ersichtlich. Die Begründung, wonach eine spätere Einziehung zu 

prüfen sei, überzeuge nicht, da es sich bei einem Mobiltelefon um ein elekt-

ronisches Gerät des alltäglichen Gebrauchs handle und nicht etwa um ein 

einzuziehendes Deliktswerkzeug (Beschwerde, S. 3 f.). 

 

2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verwies in ihrer Beschwerdeant-

wort vorab auf ihre Ausführungen in der Verfügung vom 6. Oktober 2023 

sowie auf die Verfahrensakten. Weiter führte sie aus, es seien anlässlich 

der Durchsuchung Videoaufnahmen aus der Tatnacht aufgefunden wor-

den, welche die Intimsphäre der Geschädigten beträfen. Ausserdem seien 

Videodateien mit mindestens einer qualifiziert groben Verletzung der Ver-

kehrsregeln aufgefunden worden, welche der Beschwerdeführer mutmass-

lich am 12. Mai 2023 begangen habe. Mit diesen Beweisen sei er bislang 

nicht konfrontiert worden. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau sehe die 

spätere Einziehung der auf dem Mobiltelefon befindlichen Beweismittel vor, 

da verhindert werden solle, dass persönlichkeitsverletzende Videoaufnah-

men der Geschädigten wieder in die Hände des Beschwerdeführers fielen. 

Auf einem Mobilgerät bestehe zurzeit keine Garantie einer unwiderruflichen 

Löschung von Daten. Die Aufrechterhaltung der Beschlagnahme erscheine 

zum jetzigen Zeitpunkt ohne Weiteres verhältnismässig. 

 

 - 5 - 

 

 

2.4. 

In seiner Stellungnahme zur Beschwerdeantwort führte der Beschwerde-

führer aus, es sei ihm erst nach Erhebung der Beschwerde mitgeteilt wor-

den, dass auf dem Mobiltelefon belastende Aufnahmen in einer anderen 

Strafsache gefunden worden seien. Dies sei allerdings unerheblich, da 

auch diese Daten durch die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau gesichert 

worden seien. Die Behauptung, wonach Dateien auf einem Mobiltelefon 

nicht unwiderruflich gelöscht werden könnten, sei unzutreffend. Der Be-

schwerdeführer sei selbstverständlich mit der unwiderruflichen Löschung 

persönlichkeitsverletzender Aufnahmen einverstanden. Er gehe davon 

aus, dass die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eine entsprechende Ver-

fügung erlasse, bevor das Mobiltelefon herausgegeben werde. Die Be-

schlagnahme eines Mobiltelefons sei einschneidend, zumal dieses heutzu-

tage weit mehr als nur ein Kommunikationsinstrument sei. Die Staatsan-

waltschaft Lenzburg-Aarau mache – ausser ihrer unzutreffenden Aussage, 

dass Daten nicht unwiderruflich gelöscht werden könnten – keine relevan-

ten Gründe geltend, welche die Aufrechterhaltung der Beschlagnahme 

rechtfertigen würden. 

 

3. 

3.1. 

Strafprozessuale Zwangsmassnahmen wie die Beschlagnahme 

(Art. 263 ff. StPO) dürfen gemäss Art. 197 Abs. 1 StPO nur ergriffen wer-

den, wenn sie gesetzlich vorgesehen sind (lit. a), ein hinreichender Tatver-

dacht vorliegt (lit. b), die damit angestrebten Ziele nicht durch mildere Mas-

snahmen erreicht werden können (lit. c) und die Bedeutung der Straftat die 

Zwangsmassnahme rechtfertigt (lit. d). 

 

3.2. 

Der Beschwerdeführer bestritt den hinreichenden Verdacht, sich der 

Schändung, evtl. Vergewaltigung und Freiheitsberaubung zum Nachteil der 

Geschädigten schuldig gemacht zu haben, weder im Zusammenhang mit 

dem Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl der Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau vom 23. Mai 2023 noch im Zusammenhang mit deren Ver-

fügung vom 6. Oktober 2023. Der hinreichende Tatverdacht ist damit nicht 

in Frage zu stellen und im vorliegenden Beschwerdeverfahren als gegeben 

zu erachten. 

 

3.3. 

Für die Beschlagnahme von Gegenständen findet sich eine gesetzliche 

Grundlage i.S.v. Art. 197 Abs. 1 lit. a StPO in Art. 263 Abs. 1 StPO. Ge-

mäss dieser Bestimmung können Gegenstände und Vermögenswerte ei-

ner beschuldigten Person oder einer Drittperson namentlich beschlag-

nahmt werden, wenn die Gegenstände und Vermögenswerte voraussicht-

lich als Beweismittel gebraucht werden (lit. a; Beweismittelbeschlagnahme) 

oder einzuziehen sind (lit. d; Einziehungsbeschlagnahme).  

 - 6 - 

 

 

Ist der Grund für die Beschlagnahme weggefallen, so hat die Staatsanwalt-

schaft oder das Gericht die Beschlagnahme aufzuheben und die Gegen-

stände oder Vermögenswerte der berechtigten Person auszuhändigen 

(Art. 267 Abs. 1 StPO). Dieser Grundsatz gilt für alle Formen der Beschlag-

nahme. Dabei genügt im Allgemeinen nicht, dass allein der Tatverdacht 

gegen die beschuldigte Person entfällt. Erst wenn der Grund für die Be-

schlagnahme, bspw. der Verdacht auf Deliktsverstrickung, entfällt, ist der 

beschlagnahmte Gegenstand zurückzugeben. Anderes gilt nur dort, wo 

eine Beschlagnahme gegenüber anderen Personen als der beschuldigten 

ausscheidet: Bei der Beschlagnahme zur Kostendeckung (vgl. BOM-

MER/GOLDSCHMID, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessord-

nung, 3. Aufl. 2023, N. 4 zu Art. 267 StPO). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Mit einer Beweismittelbeschlagnahme i.S.v. Art. 263 Abs. 1 lit. a StPO kön-

nen Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder 

einer Drittperson beschlagnahmt werden, wenn diese voraussichtlich als 

Beweismittel gebraucht werden. Die Beschlagnahme dient dazu, dass das 

Sachgericht anlässlich der Hauptverhandlung über die relevanten Beweis-

mittel verfügen kann, welche die Strafverfolgungsbehörden aufgefunden 

haben (vgl. HEIMGARTNER, Strafprozessuale Beschlagnahme, 2011, S. 74). 

Welche Gegenstände als Beweismittel in Frage kommen, bestimmt sich 

vorab nach dem materiellen Recht, insbesondere nach den in Betracht fal-

lenden Tatbeständen und ihren einzelnen Merkmalen (vgl. BOMMER/GOLD-

SCHMID, a.a.O., N. 15 zu Art. 263 StPO). Jedoch ist zu bedenken, dass im 

Zeitpunkt der Untersuchung nicht mit Sicherheit feststeht, ob ein Beweis-

mittel tauglich ist, in irgendwelcher Hinsicht einen Beitrag zur Beweisfüh-

rung zu leisten. Deshalb genügt im Zeitpunkt der Untersuchung eine Wahr-

scheinlichkeit, dass ein Objekt zur Beweisführung gebraucht wird. Das frag-

liche Objekt muss demnach prima facie geeignet erscheinen, im weiteren 

Verlauf des Verfahrens als Beweismittel hinsichtlich der aufzuklärenden Tat 

zu dienen. Regelmässig handelt es sich um Objekte, die wahrscheinlich in 

einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit der zu untersuchenden 

Tat stehen, aber auch um solche, die zur Erhellung der Tatumstände im 

weiteren Sinne dienen oder für die Strafzumessung relevante Informatio-

nen über persönliche Verhältnisse des Täters liefern können (vgl. HEIM-

GARTNER, a.a.O., S. 74 f.). 

 

Sind elektronische Daten zu beschlagnahmen, können diese entweder 

durch Beschlagnahme des Datenträgers, auf dem sie sich befinden, oder 

aber durch blosse Kopie der Daten sichergestellt werden. Der Verhältnis-

mässigkeitsgrundsatz, insbesondere die Erforderlichkeit und die Verhält-

nismässigkeit im engeren Sinne, setzten der Beschlagnahme von ganzen 

Computersystemen Grenzen (vgl. HEIMGARTNER, a.a.O., S. 90). Nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist unter dem Gesichtspunkt der 

 - 7 - 

 

 

sachlichen Notwendigkeit einer Zwangsmassnahme (Art. 197 Abs. 1 lit. c 

StPO) zu beachten, dass in der Regel kein Beweisverlust ersichtlich ist, 

wenn beschlagnahmte Geräte an die betroffene Person zurückgegeben 

werden, deren Datenträger von den Strafverfolgungsbehörden kopiert wur-

den. Die Staatsanwaltschaft kann eine Rückgabe in einem solchen Fall 

nicht mit hypothetischen und konstruierten Bedenken verweigern. Als sol-

che beurteilte das Bundesgericht etwa das Vorbringen, es könne allenfalls 

vorteilhafter sein, wenn das Sachgericht zusätzlich noch auf das Original-

gerät zugreifen könne, so beispielsweise, wenn es die Kopie der sicherge-

stellten Daten nicht als genügendes Beweismittel anerkennen sollte 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_355/2020 vom 19. Mai 2021 E. 5.2, 

vgl. auch E. 3). Um die Auswertung und Verwertung von Daten nicht zu 

gefährden, ist indessen der unversehrte Bestand der Daten sicherzustel-

len. Ebenso ist die Übereinstimmung des Originals mit den Kopien sicher-

zustellen (vgl. HEIMGARTNER, a.a.O., S. 303).  

 

3.4.2. 

Vorliegend ist erstellt und vom Beschwerdeführer unbestritten, dass sich 

auf seinem Mobiltelefon Videoaufnahmen der Tatnacht befinden, welche 

die Geschädigte zeigen und im Zuge des Strafverfahrens gegen ihn als 

Beweismittel dienen können. Auch die Ausführungen in der Beschwerde-

antwort der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, wonach gemäss einem 

Erhebungsbericht der Kantonspolizei Aargau vom 31. Oktober 2023 auf 

dem Mobiltelefon zusätzlich Videoaufnahmen einer vom Beschwerdeführer 

mutmasslich am 12. Mai 2023 begangenen, qualifiziert groben Verkehrsre-

gelverletzung aufgefunden worden seien, bestreitet er nicht (vgl. Be-

schwerde, S. 3 f.; Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 4. Dezem-

ber 2023, S. 2). Eine Beschlagnahme des Mobiltelefons zu Beweiszwecken 

wäre vor diesem Hintergrund an sich nicht zu beanstanden. Wie der Be-

schwerdeführer zu Recht vorbringt, dürfte es sich unter Verhältnismässig-

keitsgesichtspunkten allerdings nicht rechtfertigen, das Mobiltelefon – wie 

vorliegend – über eine Dauer von inzwischen mehr als neun Monate 

(bzw. vier Monate im Falle der nachträglich aufgefundenen Videoaufnahme 

der Verkehrsregelverletzung) zu beschlagnahmen (vgl. Durchsuchungs- 

und Beschlagnahmebefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 

23. Mai 2023; Beschwerdeantwort der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 17. November 2023). Vielmehr genügte es zur Beweismittelsicherung, 

die gemäss Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau sich auf dem Mobiltelefon 

befindlichen Videoaufnahmen zu kopieren. Ein solches Vorgehen wäre im 

Lichte der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung gleichermassen 

zielführend, erwiese sich für den Beschwerdeführer aber als milder, da we-

niger einschneidend. Soweit die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau die 

weitere Beschlagnahme des Mobiltelefons mit der Beweismittelsicherung 

begründet, erweist sie sich folglich als i.S.v. Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO un-

verhältnismässig. 

 

 - 8 - 

 

 

3.5. 

3.5.1. 

Wie oben erwähnt, ist eine Beschlagnahme indessen auch zum Zwecke 

der Einziehung zulässig (Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO). Nach Art. 69 Abs. 1 

StGB verfügt das Gericht ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer be-

stimmten Person die Einziehung von Gegenständen, die zur Begehung ei-

ner Straftat gedient haben oder bestimmt waren oder die durch eine Straftat 

hervorgebracht worden sind, wenn diese Gegenstände die Sicherheit von 

Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ordnung gefährden. 

 

Zum Zwecke der Einziehung können auch Datenträger beschlagnahmt 

werden. Dies auch, wenn es den Strafverfolgungsbehörden nicht auf den 

Datenträger als solchen, sondern auf die darauf abgespeicherten Daten 

ankommt (vgl. BOMMER/GOLDSCHMID, a.a.O., N. 27 zu Art. 263 StPO). 

Denn auch Daten können i.S.v. Art. 69 Abs. 1 StGB der Einziehung unter-

liegen. So können Daten etwa durch eine Straftat hervorgebracht worden 

sein (vgl. BAUMANN, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N. 11 

zu Art. 69 StGB). Zu Beginn und während der Untersuchung genügt für 

eine Beschlagnahme die blosse Wahrscheinlichkeit der Einziehung 

(vgl. BOMMER/GOLDSCHMID, a.a.O., N. 37 zu Art. 263 StPO). 

 

3.5.2. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verweist mit Blick auf die Be-

schlagnahme zur Einziehung darauf, dass die auf dem Mobiltelefon des 

Beschwerdeführers gesicherten Videoaufnahmen der Tatnacht vom 

19. Mai 2023 die Intimsphäre der Geschädigten beträfen und persönlich-

keitsverletzend seien. Aus den Akten erhellt, dass es sich dabei u.a. um 

eine Videoaufnahme handeln dürfte, welche die Geschädigte nackt auf 

dem Bett liegend und schlafend zeigt und vom Beschwerdeführer auf des-

sen Mobiltelefon aufgenommen wurde (vgl. Konfrontationseinvernahme 

des Beschwerdeführers und von C._____ vom 23. Juni 2023, Fragen 139-

149). Von einer diesbezüglichen Einwilligung der Geschädigten ist indes 

nicht auszugehen. So gab sie gegenüber der Kantonspolizei Aargau an, 

nicht zu wissen, ob der Beschwerdeführer Videos von ihr gemacht habe. 

Sollte sich dies bewahrheiten, würde sie ihm dies ebenfalls – neben seinem 

Versuch der Vergewaltigung, Körperverletzung, Beleidigung, Nötigung und 

Freiheitsberaubung – vorwerfen (vgl. Einvernahme der Geschädigten vom 

20. Mai 2023, Frage 266). Da die Aufnahme unbestrittenermassen im Zu-

sammenhang mit den gegen den Beschwerdeführer im Raum stehenden 

strafrechtlichen Vorwürfen steht und diese zudem gegen den Willen der 

darin offenbar nackt und schlafend zu sehenden Geschädigten erstellt 

wurde, dürfte sie (sowie allfällige weitere Aufnahmen derselben Art) ohne 

weiteres der Einziehung unterliegen, worüber das Sachgericht zu befinden 

haben wird.  

 

 - 9 - 

 

 

Analog dem vom Bundesgericht im Urteil 1B_355/2020 vom 19. Mai 2021 

E. 5.2 behandelten Fall, in dem es um die Löschung mutmasslich porno-

grafischer Videos auf einem Laptop ging, ist allerdings im vorliegenden Fall 

nach einer Löschung der besagten Videoaufnahme(n) auf dem beschlag-

nahmten Mobiltelefon des Beschwerdeführers eine weiterhin andauernde 

Persönlichkeitsverletzung zum Nachteil der Geschädigten nicht zu erwar-

ten. Die Löschung der persönlichkeitsverletzenden Daten ist damit notwen-

dig, aber auch ausreichend. Dies kann auch dadurch erreicht werden, dass 

die Daten so gelöscht werden (z.B. durch Überschreiben), dass sie nicht 

mehr betrachtet oder wiederhergestellt werden können. Nicht erforderlich 

ist, dass bei einer forensischen Analyse keinerlei Spuren auf gelöschte 

(aber nicht mehr vorhandene und wiederherstellbare) Dateien vorhanden 

sind. Wie der Beschwerdeführer zu Recht festhält, handelt es sich bei ei-

nem Mobiltelefon zudem nicht um ein zwingend einzuziehendes illegales 

Deliktswerkzeug (anders als z.B. bei Waffen oder Drogen), sondern um ein 

elektronisches Gerät des alltäglichen Gebrauchs. Selbst wenn der Be-

schwerdeführer im Zusammenhang mit den Vorkommnissen der Tatnacht 

gerichtlich verurteilt werden würde, bliebe es ihm jedenfalls unbenommen, 

ein Mobiltelefon zu kaufen und (legal) zu verwenden. Schliesslich ist weder 

ersichtlich noch von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau ausreichend 

dargetan worden, inwiefern eine Sicherungseinziehung des beschlag-

nahmten Mobiltelefons selbst (und nicht nur der in Frage stehenden Da-

teien) mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Eine Aufrecht-

erhaltung der Beschlagnahme zwecks späterer Einziehung (Art. 263 Abs. 1 

lit. d StPO) ist unter diesen Umständen ebenfalls nicht gerechtfertigt. 

 

3.6. 

Zusammenfassend sind die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Auf-

rechterhaltung der Beschlagnahme des Mobiltelefons des Beschwerdefüh-

rers nicht mehr erfüllt. In Gutheissung der Beschwerde ist die Staatsanwalt-

schaft Lenzburg-Aarau deshalb anzuweisen, das Mobiltelefon nach Lö-

schung der mutmasslich persönlichkeitsverletzenden Videoaufnahme(n) 

bzw. Dateien durch die Kantonspolizei Aargau, IT-Forensik, aus der Be-

schlagnahme zu entlassen und dem Beschwerdeführer herauszugeben.  

 

4. 

4.1. 

Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens auf die 

Staatskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO).  

 

4.2. 

Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschwerdeführers ist 

am Ende des Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen Instanz fest-

zulegen (Art. 135 Abs. 2 StPO). 

 

 
   

 - 10 - 

 

 

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau vom 6. Oktober 2023 aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau wird angewiesen, das Mobiltelefon des Beschwerdefüh-

rers nach Löschung der Dateien mit mutmasslich persönlichkeitsverletzen-

den Inhalten durch die Kantonspolizei Aargau, IT-Forensik, aus der Be-

schlagnahme zu entlassen und dem Beschwerdeführer herauszugeben. 

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden auf die Staatskasse ge-

nommen. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

  

 - 11 - 

 

 

   

Aarau, 5. März 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli Flütsch