# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2d66f42f-62b4-5bbb-835a-dc1b25ba2ca5
**Source:** Uri (UR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-14
**Language:** de
**Title:** Uri Obergericht Strafrechtliche Abteilung 14.08.2015 2015_OG S 14 8
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/UR_Gerichte/UR_OG_003_2015-OG-S-14-8_2015-08-14.pdf

## Full Text

OBERGERICHT DES KANTONS URI 
Strafrechtliche Abteilung 

OG S 14 8 

 

 
 
 

Beschluss 
 
 
 

14. August 2015 
 
 
 

Unter Mitwirkung von: Oberrichterin Beatrice Epp-Iseli, Vorsitz, Mitglieder Margret 

Planzer-Zurfluh, Toni Z‘graggen, Max Gisler-Zgraggen und Werner Baumann sowie 

Gerichtsschreiber Matthias Jenal 
 
 
 

In Sachen 
 
 
 

Obergericht des Kantons Uri, Strafrechtliche Abteilung Rathausplatz 2, 6460 

Altdorf 

 
 Gesuchstellerin 
 

gegen 
 
 
Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, (Zweigniederlassung SRF 

Schweizer Radio und Fernsehen, Fernsehstrasse 1-4, 8052 Zürich), Giacomet-

tistrasse 1, 3006 Bern, vertr. durch RA lic. iur. Rudolf Mayr von Baldegg, Töpferstras-

se 5, 6004 Luzern 

 
 Gesuchsgegnerin 
 
 

betreffend 
Entsiegelung 

(Gesuch vom 14.07.2015) 
__________________________________ 

- 2 - 

hat sich ergeben: 

 

 

 

A. 

 

Vor dem Obergericht des Kantons Uri (Strafrechtliche Abteilung) ist in Sachen I.W., 

betreffend versuchte Tötung, evtl. Gefährdung des Lebens, Mord (Versuch) in Mittä-

terschaft ein Berufungsverfahren hängig (OG S 14 8). Im Zusammenhang mit diesem 

Verfahren erschienen in der „Rundschau“ des Schweizer Radio und Fernsehens 

(SRF) mehrere Beiträge, zuletzt in der Sendung vom 24. Juni 2015. In diesen Beiträ-

gen schildert S.S., zur Zeit Strafanstalt Thorberg, Krauchthal, seine Version des 

Tatablaufs hinsichtlich des Vorfalls vom 12. November 2010 (Schussabgabe auf Y) 

und äussert sich ausführlich zur diesbezüglichen Planung, Ausführung und Täter-

schaft. In der Sendung vom 24. Juni 2015 wurde sodann unter anderem bekannt ge-

geben, dass S.S. gegenüber der „Rundschau“ die Identität des mutmasslichen 

Schützen genannt habe, ohne aber die Identität in der Sendung zu veröffentlichen.  

 

 

B. 

 

Mit Editionsverfügung vom 9. Juli 2015 verlangte die Verfahrensleitung der Straf-

rechtlichen Abteilung des Obergerichtes des Kantons Uri vom SRF die Herausgabe 

von Unterlagen und Aufzeichnungen im Zusammenhang mit den von der „Rund-

schau“ mit S.S. geführten Gespräche und Korrespondenzen. 

 

 

C. 

 

Das SRF weigerte sich in der Folge mit Eingabe vom 10. Juli 2015 die verlangten 

Unterlagen herauszugeben. Mit Berufung auf den Quellenschutz gemäss Art. 172 

StPO wurde unter anderem im Falle einer Zwangsmassnahme die Siegelung nach 

Art. 248 StPO verlangt. Das anschliessende Siegelungsverfahren habe sodann 

durch eine neutrale Instanz durchgeführt zu werden. 

 

 

 

 

 

- 3 - 

 

D. 

 

Mit Entsiegelungsgesuch vom 14. Juli 2015 beantragte die Verfahrensleitung der 

Strafrechtlichen Abteilung des Obergerichtes des Kantons Uri beim Obergericht des 

Kantons Uri (Strafrechtliche Abteilung), es sei das SRF zur Herausgabe der in der 

Editionsverfügung vom 9. Juli 2015 herausverlangten Unterlagen und Aufzeichnun-

gen zu verpflichten. 

 

Auf die Begründung dieses Antrags wird - soweit erforderlich - in den nachstehenden 

Erwägungen eingegangen. 

 

 

E. 

 

Mit Stellungnahme vom 20. Juli 2015 stellte das SRF den Antrag, es sei das Entsie-

gelungsgesuch vom 14. Juli 2015 unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten 

der Gesuchstellerin abzuweisen und es sei festzustellen, dass betreffend die mit Edi-

tionsverfügung vom 9. Juli 2015 herausverlangten Unterlagen der Quellenschutz der 

Medienschaffenden nach Art. 28a Abs. 1 StGB sowie Art. 172 Abs. 1 StPO zur An-

wendung gelange und diesbezüglich keine Ausnahme im Sinne von Abs. 2 der vor-

genannten Bestimmung vorliege.  

 

Auf die Begründung dieser Anträge wird - soweit erforderlich - ebenfalls in den nach-

stehenden Erwägungen eingegangen. 

 

 

F. 

 

Mit Verfügung des Obergerichtes des Kantons Uri (Strafrechtliche Abteilung) vom 31. 

Juli 2015 wurde den Parteien mitgeteilt, dass die Strafrechtliche Abteilung über das 

vorliegende Gesuch in Nachachtung konventions- und verfassungsrechtlicher 

Grundsätze in ausserordentlicher Besetzung entscheiden wird und gab die entspre-

chende Besetzung bekannt. 

- 4 - 

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

 

 

 

1. Unabhängigkeit des Gerichts / Prozessvoraussetzungen: 

 

1.1 Nach Art. 248 Abs. 1 StPO sind Aufzeichnungen und Gegenstände, die nach 

Angaben der Inhaberin oder des Inhabers wegen eines Aussage- oder 

Zeugnisverweigerungsrechts oder aus anderen Gründen nicht durchsucht 

oder beschlagnahmt werden dürfen, zu versiegeln und dürfen von den Straf-

behörden weder eingesehen noch verwendet werden. Stellt die Strafbehörde 

nicht innert 20 Tagen ein Entsiegelungsgesuch, so werden die versiegelten 

Aufzeichnungen und Gegenstände der berechtigten Person zurückgegeben 

(Art. 248 Abs. 2 StPO). 

 

1.2.1 Zuständig für die Beurteilung von Entsiegelungsgesuchen ist im Vorverfahren 

das Zwangsmassnahmengericht (Art. 248 Abs. 3 lit. a StPO). In allen ande-

ren Fällen ist dafür das Gericht, bei dem der Fall hängig ist, zuständig (Art. 

248 Abs. 3 lit. b StPO). Diese Zuständigkeitsregelung wird von der Gesuchs-

gegnerin bemängelt (Stellungnahme vom 20.07.2015, S. 6 ad. 1.4) und gab 

auch in der Lehre Anlass zur Kritik. So wird vorgebracht, es sei zu bedauern, 

dass der Gesetzgeber vorsehe, dass die in der Strafsache selbst befasste 

Gerichtsbehörde gleichzeitig über die Zulässigkeit der Durchsuchung ent-

scheide, zumal es gerade darum gehe zu verhindern, dass die im Strafver-

fahren zuständige Behörde von Geheimnissen Kenntnis erhalte, die später 

ungerechtfertigterweise in das Strafverfahren Eingang finden und letztlich in 

die Entscheidfindung einfliessen könnten (Olivier Thormann/Beat Brechbühl, 

in Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., 2014, 

N. 30 zu Art. 248). 

 

1.2.2 Nach Art. 30 Abs. 1 BV hat jede Person, deren Sache in einem gerichtlichen 

Verfahren beurteilt werden muss, Anspruch auf ein durch Gesetz geschaffe-

nes, zuständiges, unabhängiges und unparteiisches Gericht. Die Garantie 

des verfassungsmässigen Richters wird verletzt, wenn bei objektiver Be-

trachtung Gegebenheiten vorliegen, die den Anschein der Befangenheit oder 

die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen, wenn also 

Umstände bestehen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des 

Richters zu erwecken (BGE 140 I 242 E. 2.2). Solche Umstände können in 

- 5 - 

einem bestimmten Verhalten des betreffenden Richters oder in gewissen 

äusseren Gegebenheiten funktioneller und organisatorischer Natur begrün-

det sein (BGE a.a.O. E. 2.2). Bei der Beurteilung solcher Umstände ist nicht 

auf das subjektive Empfinden einer Partei abzustellen (BGE a.a.O. E. 2.2). 

Dass für das Entsiegelungsverfahren ausserhalb des Vorverfahrens das mit 

der Strafsache befasste Gericht, also just jenes Gericht, welches Kenntnis 

der versiegelten Aufzeichnungen erhalten möchte, als zuständig bezeichnet 

wird, ist in der Tat unter den dargelegten verfassungs- aber auch konventi-

onsrechtlichen Gesichtspunkten (Art. 30 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK) so-

wie mit Blick auf den schon binnenrechtlich verfolgten Zweck des Entsiege-

lungsverfahrens (vergleiche dazu Botschaft des Bundesrats zur Vereinheitli-

chung des Strafprozessrechts vom 21.12.2005, BBl 2006, S. 1239 hinsicht-

lich der Zuständigkeit des Zwangsmassnahmengerichts sowie E. 1.2.6 her-

nach) durchaus fragwürdig. Die in der Lehre teilweise vorgeschlagene „Be-

schwerde-Lösung“, gemäss welcher, um den Rechtsschutz dennoch zu ga-

rantieren, vorgeschlagen wird, gegen Entsiegelungsentscheide des mit der 

Strafsache befassten Gerichts sei ausnahmsweise die Beschwerde nach Art. 

393 ff. StPO unter Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung zuzulassen (so 

Niklaus Schmid, Die Rechtsmittel der Schweizerischen Strafprozessordnung 

- Einige Randbemerkungen, in FS Franz Riklin, Zürich 2007, S. 519; in Ni-

klaus Schmid, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl., 

Zürich 2013 N. 1079, will Schmid für das Entsiegelungsverfahren die „Be-

schwerde-Lösung“ aber gerade nicht (mehr) gelten lassen) befriedigt in 

zweierlei Hinsicht nicht: Abstrakt betrachtet, dürfte die Lösung mit der Recht-

sprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) 

kaum kompatibel sein, nachdem dieser eine post factum Überprüfung als 

ungenügend erachtete, weil eine solche die einmal zerstörte Vertraulichkeit 

der journalistischen Quelle nicht wiederherstellen könne (EGMR, 22.11.2012, 

Nr. 39315/06, Telegraaf Media u.a./Niederlande, Ziff. 101, ebenso: EGMR, 

14.09.2010, Nr. 38224/03, Sanoma Uitgevers/Niederlande, Ziff. 99). Im kon-

kreten Fall überzeugt die Lösung schliesslich deshalb nicht, weil sie offen-

sichtlich für Fälle gedacht ist, in welchen unter dem Begriff des „Gerichts“ im 

Sinne von Art. 248 Abs. 3 lit. b StPO ein erstinstanzliches Gericht verstanden 

wird (vergleiche Niklaus Schmid, Rechtsmittel, a.a.O., S. 518, Olivier Thor-

mann/Beat Brechbühl, a.a.O., N 30 zu Art. 248). So ist denn auch nur gegen 

Verfügungen und Beschlüsse erstinstanzlicher Gerichte die Beschwerde zu-

lässig (Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO). Ob ein doppeltes Abweichen von der ge-

setzlichen Grundlage (Beschwerde gemäss Art. 393 ff. StPO entgegen Art. 

248 Abs. 3 StPO sowie Beschwerde gegen einen oberinstanzlichen Be-

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schluss entgegen Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO) dem gesetzgeberischen Willen 

entsprechen dürfte, erscheint fraglich. Auch die von Olivier Thormann/Beat 

Brechbühl vorgeschlagene modifizierte „Beschwerde-Lösung“, wonach die 

Beschwerde gegen die Anordnung der Durchsuchung unter Zuerkennung der 

aufschiebenden Wirkung zugelassen werden solle (Olivier Thormann/Beat 

Brechbühl, a.a.O., N 30 zu Art. 248), überzeugt nicht, da die Überprüfung der 

Durchsuchung nur ein Aspekt der Überprüfung im Entsiegelungsverfahren 

darstellt (vergleiche E. 1.3.3 hernach) und sich ansonsten die gleichen Prob-

leme stellen wie bei der „Beschwerde-Lösung“ gegen den Entsiegelungsent-

scheid. 

  

1.2.3 Nachdem die Bestimmung gemäss Art. 248 Abs. 3 lit. b StPO somit in Kon-

flikt mit konventions- und verfassungsrechtlichen Grundsätzen zu geraten 

droht, ist sie nach Möglichkeit verfassungskonform auszulegen (BGE 129 II 

263 E. 5.4). Es ist mit anderen Worten danach zu fragen, wie der Terminus 

„Gericht“ nach Art. 248 Abs. 3 lit. b. StPO verstanden werden und wie das 

„Gericht“ beschaffen sein muss, damit es sowohl im Einklang mit der gesetz-

lichen Ordnung als auch mit konventions- und verfassungsrechtlichen 

Grundsätzen entscheiden kann. 

 

1.2.4 Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung (BGE 

131 II 702 f. E. 4.1). Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Inter-

pretationen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden 

unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente (BGE a.a.O. E. 4.1). Abzu-

stellen ist dabei namentlich auf die Entstehungsgeschichte der Norm und ih-

ren Zweck sowie auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen 

Bestimmungen zukommt. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittel-

bar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu er-

kennen (BGE a.a.O. E. 4.1 mit Hinweisen). Namentlich bei neueren Texten 

kommt den Materialien eine besondere Stellung zu, weil veränderte Umstän-

de oder ein gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger na-

he legen (BGE a.a.O. E. 4.1 mit Hinweisen). Das Bundesgericht und mit die-

sem das Obergericht (Entscheid Obergericht des Kantons Uri vom 

10.04.2015, OG V 14 34, E. 2) hat sich bei der Auslegung von Erlassen stets 

von einem Methodenpluralismus leiten lassen und nur dann allein auf das 

grammatische Element abgestellt, wenn sich daraus zweifelsfrei die sachlich 

richtige Lösung ergab (BGE a.a.O. E. 4.1 mit Hinweisen). Sind mehrere Lö-

sungen denkbar, ist jene zu wählen, die der Verfassung entspricht (BGE 

a.a.O. E. 4.1 mit Hinweisen). Allerdings findet die verfassungskonforme Aus-

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legung - auch bei festgestellter Verfassungswidrigkeit - im klaren Wortlaut 

und Sinn einer Gesetzesbestimmung ihre Schranke (BGE a.a.O. E. 4.1 mit 

Hinweisen). 

 

1.2.5 Abgesehen von der Behandlungsfrist von einem Monat sehen die Bestim-

mungen der StPO betreffend das Verfahren bei Entsiegelungen nichts vor 

(so auch BGE 1B_424/2013 vom 22.07.2014 E. 2.4, nicht publ. in BGE 140 

IV 108). Der Wortlaut von Art. 248 Abs. 3 lit. b StPO beschränkt sich denn 

auch darauf, lediglich das „Gericht“, bei welchem der Fall hängig ist, als zu-

ständig zu bezeichnen, ohne den näheren Verfahrensablauf oder Verfah-

rensregeln zu umschreiben. Der Wortlaut ist insofern nicht hinreichend klar. 

Hilfsweise sind daher allenfalls die Bestimmungen über die Beschwerde (Art. 

393 ff. StPO) heranzuziehen (BGE a.a.O. E. 2.4), wo dies mit Blick auf die 

Besonderheiten des konkreten Falls überhaupt möglich ist (vergleiche E. 

1.2.2 hievor). 

 

1.2.6 Der Sinn und Zweck der Siegelung ist es, geheimnisgeschützte Aufzeich-

nungen einstweilen der Kenntnisnahme durch die Strafbehörden zu entzie-

hen (Botschaft a.a.O. S. 1239). Um dem Gedanken der Unabhängigkeit 

nachzuleben und zu verhindern, dass die Strafverfolgungsbehörde trotz der 

Siegelung Kenntnis vom Inhalt der Aufzeichnungen erhält, wurde im Vorver-

fahren für den Entsiegelungsentscheid denn auch die Zuständigkeit des 

Zwangsmassnahmengerichts vorgesehen (Botschaft a.a.O. S. 1239). Wes-

wegen der Gesetzgeber in Art. 248 Abs. 3 lit. b StPO für alle anderen Fälle 

das mit der Strafsache befasste Gericht als zuständig erklärte, wird dagegen 

nicht restlos klar. Möglicherweise haben prozessökonomische Gründe eine 

Rolle gespielt. Jedenfalls kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass 

der Gesetzgeber auf eine unabhängige Prüfung verzichten und den eminen-

ten Grundsatz, dass die befasste Strafbehörde keine Kenntnis der vorerst 

versiegelten Aufzeichnungen erhalten sollte (vergleiche E. 1.2.2 hievor), nicht 

einhalten wollte. Auch in systematischer Hinsicht spricht durch die Lokalisie-

rung der Siegelung im 5. Kapitel „Zwangsmassnahmen“ einiges dafür, dass 

auf eine unabhängige Prüfung nicht verzichtet werden wollte. So entspricht 

es der gängigen Ordnung der StPO im Bereich der schwerwiegenden 

Zwangsmassnahmen - quasi als Ausgleich zur mächtigen Stellung der Straf-

verfolgungsbehörden (vergleiche Niklaus Oberholzer, Grundzüge des Straf-

prozessrechts, 3. Aufl., Bern 2012, N. 42) - die gerichtliche (und damit unab-

hängige) Prüfung zu ermöglichen (vergleiche Art. 226, Art. 256, Art. 272 und 

nicht zuletzt Art. 248 Abs. 3 lit. a StPO). 

- 8 - 

 

1.2.7 Die richterliche Unabhängigkeit und Unparteilichkeit wird im Wesentlichen 

durch die Ausstandsvorschriften (Art. 56-60 StPO) sichergestellt (vergleiche 

Niklaus Oberholzer, a.a.O., N. 117 und 130f.). So tritt eine in einer Strafbe-

hörde tätige Person in den Ausstand, wenn der objektive Anschein der Un-

abhängigkeit nicht (mehr) gegeben ist. Ausstandsgesuche gegen Behörden 

als solche sind dagegen unzulässig (Niklaus Schmid, Schweizerische Straf-

prozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich 2013, N. 1 zu Art. 58). In 

den Kantonen ist es schliesslich üblich, dass beispielsweise die Berufungs- 

und Beschwerdeinstanzen organisatorisch bei ein und demselben (Ober-) 

Gericht angesiedelt sind (vergleiche für viele: Kanton Bern, Art. 27 und 29 

Organisationsreglement des Obergerichts [OrR OG, BSG 162.11]). Die ge-

forderte Unabhängigkeit (Art. 21 Abs. 2 StPO) wird schliesslich dadurch er-

reicht, dass einzelne Mitglieder des Gerichts jeweils entweder der Berufungs- 

oder der Beschwerdeinstanz angehören. Es ergibt sich somit, dass die rich-

terliche Unabhängigkeit nicht von der Behördenorganisation an sich abhängt, 

sondern essentiell personenbezogen ist. 

 

1.2.8  Mit Blick auf die bisherigen Überlegungen erscheint es daher sachgerecht, 

Art. 248 Abs. 3 lit. b StPO in konventions- und verfassungskonformer Ausle-

gung dahingehend zu verstehen, dass gemäss Wortlaut dieser Bestimmung 

das mit der Sache befasste Gericht zwar über die Entsiegelung entscheidet, 

dies indes in einer anderen Besetzung als im eigentlichen Berufungsverfah-

ren in der Hauptsache. Damit wird insbesondere verhindert, dass das mit der 

Hauptsache befasste Richtergremium von den versiegelten Aufzeichnungen 

vorab Kenntnis erhält, womit die richterliche Unabhängigkeit gewahrt bleibt 

(vergleiche E. 1.2.7). Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass das 

Obergericht des Kantons Uri (Strafrechtliche Abteilung) für den Entsiege-

lungsentscheid zuständig bleibt. Der Spruchkörper setzt sich jedoch aus den 

im Rubrum genannten, vom Berufungsgericht in der Hauptsache verschiede-

nen Richtern aus anderen Abteilungen zusammen. 

 

1.3.1 Damit das Siegelungsverfahren nach Art. 248 StPO faktisch durchgeführt 

werden kann, hat die Verfahrensleitung nach der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung bei streitigen Editionsbefehlen nötigenfalls gestützt auf Art. 265 

Abs. 4 i.V.m. Art. 263 Abs. 3 und Art. 244 ff. StPO vorzugehen (BGE 

1B_136/2012 vom 25.09.2012 E. 3.2): Falls die vom Editionsbefehl betroffe-

ne Person, welche sich auf schutzwürdige Geheimhaltungsinteressen beruft, 

sich auch einer Herausgabe zu Siegelungszwecken (beziehungsweise zur 

- 9 - 

richterlichen Prüfung eines Entsiegelungsgesuches) widersetzen sollte, kann 

die Verfahrensleitung die fraglichen Gegenstände (gestützt auf einen ent-

sprechenden Hausdurchsuchungsbefehl) vorläufig sicherstellen und sofort 

siegeln (BGE a.a.O. E. 3.2). Andernfalls sind die Gegenstände unmittelbar 

nach ihrer (freiwillig erfolgten) Edition zu siegeln. Anschliessend kann das 

Entsiegelungsverfahren beim zuständigen Gericht eingeleitet werden (Art. 

248 Abs. 2-4 StPO), wobei die Verfahrensleitung ihr allfälliges Entsiege-

lungsgesuch innert 20 Tagen nach der Siegelung einzureichen hat (Art. 248 

Abs. 2 StPO, BGE a.a.O. E. 3.2, vergleiche E. 1.1 hievor). 

 

1.3.2 Im vorliegenden Verfahren ergibt sich insofern eine Besonderheit, als dass 

dem Entsiegelungsgericht die verlangten Unterlagen und Aufzeichnungen 

nicht vorliegen. Es hat weder eine freiwillige Edition noch eine zwangsweise 

Sicherstellung stattgefunden. Die Gesuchstellerin bringt dazu vor, das in E. 

1.3.1 hievor aufgeführte Vorgehen beziehe sich auf Konstellationen, in denen 

das mit dem Entsiegelungsgesuch befasste Gericht in die herausverlangten 

beziehungsweise versiegelten Unterlagen Einsicht nehmen muss, um über 

das Gesuch entscheiden zu können (Entsiegelungsgesuch vom 14.07.2015, 

S. 2 Ziff. 1.3). Vorliegend könne das Gericht jedoch auch ohne Einsicht ent-

scheiden, da grundsätzlich unbestrittenermassen ein Zeugnisverweigerungs-

recht (Quellenschutz) bestehe und es einzig darum gehe, ob eine Ausnahme 

von diesem Zeugnisverweigerungsrecht vorliege (Entsiegelungsgesuch vom 

14.07.2015, S. 2 Ziff. 1.3). 

 

1.3.3 Die Siegelung stellt eine Sofortmassnahme dar, mit welcher der Inhaber die 

Kenntnisnahme und Verwendung von Aufzeichnungen einstweilen verhin-

dern kann (Botschaft a.a.O. S 1239, vergleiche auch: Olivier Thormann/Beat 

Brechbühl, a.a.O., N 1 zu Art. 248). Die Siegelung erwirkt damit ein suspen-

siv bedingtes Verwertungsverbot bis zum Entscheid des Entsiegelungsrich-

ters (Olivier Thormann/Beat Brechbühl, a.a.O., N 1 zu Art. 248). Es ist so-

dann das Wesen der Siegelung, dass Unterlagen unter besonderem Ver-

schluss liegen, aber in amtliche Verwahrung genommen werden (Niklaus 

Schmid, Handbuch, a.a.O., N 1076, BGE 141 IV 81 E. 4.1). Ein wesentliches 

Merkmal des Entsiegelungsverfahrens ist es schliesslich, unabhängig von 

der freiwillig erfolgten Edition beziehungsweise der zwangsweisen Sicherstel-

lung, über die Freigabe der fraglichen Unterlagen zu Handen der Strafbehör-

den zu entscheiden (vergleiche BGE 138 IV 228 E. 6.2). Namentlich geht es 

darum zu prüfen, ob keine schützenswerten Geheimhaltungsinteressen einer 

Entsiegelung entgegenstehen (BGE 1B_231/2013 vom 25.11.2013 E. 6.4, 

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nicht publ. in BGE 140 IV 28, vergleiche sodann BGE 141 IV 81 E. 4.1) und, 

sofern notwendig, eine Aussonderung vorzunehmen ist (Olivier Thor-

mann/Beat Brechbühl, a.a.O., N 41 zu Art. 248). Allenfalls wird eine Triage 

der Unterlagen nötig (BGE 141 IV 85 E. 5.5.1). Insbesondere gilt es auch, die 

vorangegangene Durchsuchung - welche damit eine Vorbedingung in streiti-

gen Fällen ist - auf ihre Rechtmässigkeit hin zu überprüfen (Olivier Thor-

mann/Beat Brechbühl, a.a.O., N 41 zu Art. 248). All diese Merkmale spre-

chen dafür, dass die zu entsiegelnden Unterlagen dem Entsiegelungsgericht 

vorliegen müssen. Auch die gesetzlichen Bestimmungen implizieren diese 

Notwendigkeit: So verlangt Art. 248 Abs. 2 StPO, dass die versiegelten Auf-

zeichnungen und Gegenstände zurückgegeben werden müssen, falls nicht 

innert 20 Tagen ein Entsiegelungsgesuch gestellt wird. Nach Art. 248 Abs. 4 

StPO kann das Entsiegelungsgericht zur Prüfung des Inhalts der Aufzeich-

nungen und Gegenstände sodann eine sachverständige Person beiziehen. 

Auch die Rechtsprechung geht - soweit ersichtlich - stets von bereits sicher-

gestellten, einstweilen versiegelten Aufzeichnungen aus, welche vorliegen 

(so unter anderen BGE 140 IV 28, BGE 138 IV 225).  

 

1.3.4 Der Auffassung der Gesuchstellerin, es gebe Konstellationen, in denen über 

eine Entsiegelung entschieden werden könne, ohne dass die versiegelten 

Unterlagen vorliegen, kann mit Blick auf das bisher Ausgeführte nicht gefolgt 

werden. Das Entsiegelungsgericht darf nicht zum verlängerten Arm der Ver-

fahrensleitung in der Hauptsache werden, indem es die Herausgabe der Un-

terlagen anordnet. Vielmehr hat es, sind die Unterlagen einmal vorhanden, 

unabhängig zu prüfen, ob die Aufzeichnungen ganz oder teilweise für die 

Strafuntersuchung freigegeben werden können. So wäre auch im vorliegen-

den Fall beispielsweise nicht auszuschliessen, dass sich unter den freiwillig 

edierten beziehungsweise zwangsweise sichergestellten Unterlagen auch 

solche befänden, welche für die Strafuntersuchung als irrelevant auszuson-

dern wären. Dass ein Zeugnisverweigerungsrecht der Gesuchsgegnerin un-

bestrittenermassen grundsätzlich besteht, legt schliesslich nicht nahe, dass 

die Unterlagen nicht vorliegen müssten. Es dürfte regelmässig der Fall sein, 

dass das Zeugnisverweigerungsrecht grundsätzlich nicht streitig ist, war doch 

beispielsweise das grundsätzliche Zeugnisverweigerungsrecht des Anwalts 

aufgrund seines Berufsgeheimnisses in BGE 140 IV 28 auch nicht umstritten. 

Inwiefern das Zeugnisverweigerungsrecht in Bezug auf die herausverlangten 

Aufzeichnungen zum Zuge kommt, muss gerade anhand dieser Aufzeich-

nungen im Entsiegelungsverfahren geprüft werden. 

 

- 11 - 

1.4 Nach dem bisher Erwogenen ergibt sich, dass es dem Entsiegelungsgericht 

an der wesentlichen Grundlage fehlt, über das vorliegende Gesuch materiell 

befinden zu können. Damit fehlt eine Prozessvoraussetzung und auf das Ge-

such ist entsprechend nicht einzutreten (vergleiche BGE 1B_503/2012 vom 

25.01.2013 E. 2.2). Es steht dem Berufungsgericht im Verfahren OG S 14 8 

frei zu entscheiden, ob die Gesuchsgegnerin doch noch zur freiwilligen Editi-

on bewegt werden will oder allenfalls die benötigten Aufzeichnungen 

zwangsweise sicherzustellen sind. 

 

2. Kosten und Entschädigung: 

 

2.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, die Verfahrenskos-

ten festgesetzt auf Fr. 1‘200.-- (Art. 424 StPO i.V.m. Art. 15 Abs. 1 lit. b Ge-

richtsgebührenreglement) der Staatskasse Uri aufzuerlegen (Art. 423 Abs. 1 

StPO). 

 

2.2.1 Die Gesuchsgegnerin hat im vorliegenden Entsiegelungsverfahren einen An-

spruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Aus-

übung ihrer Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO analog). Der 

Rechtsvertreter der Gesuchsgegnerin hat für das vorliegende Entsiegelungs-

verfahren eine Kostennote eingereicht. Diese kann jedoch aus den nachfol-

genden Gründen nur teilweise berücksichtigt werden. In der unaufgeforder-

ten Eingabe der Gesuchsgegnerin vom 14. Juli 2015 wird im Wesentlichen 

wiederholt, was bereits in der Eingabe der Gesuchsgegnerin vom 10. Juli 

2015 vorgebracht wurde (vergleiche Eingabe der Gesuchsgegnerin vom 

14.07.2015 S. 1 „Wir sind nach wie vor der Meinung […]“, „Insbesondere […] 

sei erneut betont […]“). Wesentliche neue Erkenntnisse gehen aus dieser 

Eingabe nicht hervor. Die geltend gemachten Bemühungen vom 14. Juli 

2015 (3,5 Stunden) werden deshalb nur im Umfange eines angemessenen 

Aktenstudiums, ausmachend 0,5 Stunden, anerkannt. Ebenso werden in der 

Stellungnahme der Gesuchsgegnerin vom 20. Juli 2015 wesentliche Argu-

mente der Eingabe vom 10. Juli 2015 wiederholt. Der geltend gemachte 

Aufwand für die Stellungnahme vom 20. Juli 2015 (gesamthaft 13 Stunden) 

ist daher überhöht und eine Kürzung um 5,5 Stunden erscheint angemessen. 

Vergleicht man schliesslich den geltend gemachten Aufwand für Telefonate 

und E-Mails mit der Klientschaft am 20. Juli 2015 (3,5 Stunden) mit den 

nachfolgenden Telefonaten und E-Mails (5 x 0,25 Stunden = 1,25 Stunden) 

so erscheint auch diese Position als überhöht, auch wenn zum Zeitpunkt des 

20. Juli 2015 erhöhter Bedarf an Kommunikation bestanden haben dürfte. 

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Geht man für den 20. Juli 2015 von der doppelten Anzahl Telefonate und E-

Mails der nachfolgenden Periode (22.07.2015 - 03.08.2015, 1,25 Stunden x 

2) aus, ergibt sich ein angemessener Aufwand von 2,5 Stunden. Damit ergibt 

sich gesamthaft eine Kürzung des Stundenaufwands von 9,5 Stunden (3 

Stunden + 5,5 Stunden + 1 Stunde), was einen angemessenen Gesamtstun-

denaufwand von 20,25 Stunden (29,75 Stunden - 9,5 Stunden) ergibt.  

 

2.2.2 Die Anwaltsentschädigung wird sodann gestützt auf übliche kantonale Tarife 

festgesetzt (Niklaus Schmid, Handbuch, a.a.O., N 1811, BGE 6B_392/2013 

vom 04.11.2013 E. 2). Gestützt auf den Beschluss des Gesamtobergerichtes 

vom 22. Oktober 2008 wird bei der Bemessung der Anwaltsentschädigung 

von einem Honoraransatz von Fr. 260.-- pro Stunde (eingeschlossen die 

Mehrwertsteuer) ausgegangen. Dazu kommen die Auslagen (z.B. Porti, Tele-

fonate, Kopien, Reisespesen [hinzu kommt die Mehrwertsteuer]). Die Sekre-

tariats- bzw. Kanzleiarbeiten sind mit dem erwähnten Stundenansatz abge-

golten. Für Kopien werden max. Fr. 0.50 pro Kopie entschädigt. Dieser Ent-

schädigungsansatz bezieht sich nur auf den Sachaufwand (BGE 

1P.373/2001 vom 03.07.2001). Nach dem Gesagten ist der Gesuchsgegne-

rin für das vorliegende Entsiegelungsverfahren eine Parteientschädigung von 

Fr. 5‘395.70 (Anwaltshonorar: 20,25 Stunden à Fr. 260.-- [eingeschlossen die 

Mehrwertsteuer] = Fr. 5‘265.-- plus Barauslagen: Fr. 130.70 [eingeschlossen 

die Mehrwertsteuer]) zu entrichten (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO analog). 

 

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Das Obergericht beschliesst: 

 

 

 

 

1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten. 

 

2. Die Verfahrenskosten, bestehend aus: 
 
 Fr. 1'200.-- Gerichtsgebühr Entsiegelungsverfahren 
 Fr. 245.-- Auslagen und Kanzleigebühr 

 

 Fr. 1ꞌ445.-- Total, 
 

 
 werden der Staatskasse Uri auferlegt. 

 

3. Der Gesuchsgegnerin wird für das vorliegende Entsiegelungsverfahren eine Par-

teientschädigung von Fr. 5ꞌ395.70 zugesprochen. 

 

4. Die Rechtsmittelbelehrung ergibt sich aus dem Anhang. 

 

5. Mitteilung an: 
 

- Parteien 

- Parteien im Berufungsverfahren OG S 14 8  
 (zur Kenntnisnahme) 

 

  

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OBERGERICHT DES KANTONS URI 

Strafrechtliche Abteilung 

 

 

 

 Die Vorsitzende Der Gerichtsschreiber 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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