# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b97ee6f-b119-5edc-8df2-25f432ac8ba3
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-29
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 29.08.2023 BG.2023.34
**Docket/Reference:** BG.2023.34
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2023-34_2023-08-29

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO)

Beschluss vom 29. August 2023 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 
Roy Garré, Vorsitz, 
Daniel Kipfer Fasciati und Felix Ulrich,  
Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

   
Parteien   

KANTON ZÜRICH, Oberstaatsanwaltschaft,  

Gesuchsteller 
 

 gegen 
   

KANTON AARGAU, Oberstaatsanwaltschaft,  

Gesuchsgegner 
 
 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2023.34 
 
 
 
 

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Sachverhalt: 
 

A. Mit Schreiben vom 31. August 2022 erstattete die A. AG bei der Kantonspo-
lizei Zürich in Z. gegen ihre ehemalige Arbeitnehmerin B. Strafanzeige. B. 
habe ihre Zahlungsbefugnis dazu genutzt, um Gelder im Umfang von 
CHF 261'367.75 vom Konto der A. AG auf ihr eigenes Konto bzw. auf Konten 
von diversen weiteren Personen ungerechtfertigt zu überweisen (Verfahren-
sakten Kt. ZH, Urk. 2/1).   

 
 Den Akten ist zu entnehmen, dass B. im Rahmen der Hafteinvernahme vom 

6. April 2023 ausgeführt habe, sie habe die Taten unter Druck ihres Ex-
Freundes C. begangen, weshalb die Kantonspolizei Zürich in der Folge auch 
gegen C. rapportiert habe (Verfahrensakten Kt. ZH, Urk. 3 und Urk. 9/1). 

 
 
B. Mit Schreiben vom 11. Mai 2023 gelangte die Staatsanwaltschaft Limmat-

tal/Albis an die Kantonale Staatsanwaltschaft Aargau und ersuchte um Über-
nahme der Strafuntersuchung gegen B. und C. B. sei bereits am 
16. Juni 2020 vom Bezirksgericht Baden u.a. wegen gewerbsmässigen be-
trügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage verurteilt wor-
den. Aus den beigezogenen Akten ergebe sich, dass B. im damaligen im 
Kanton Aargau geführten Verfahren zum Nachteil der D. AG das gleiche Tat-
vorgehen wie im Verfahren A-5/2022/10039644 vorgeworfen worden sei. 
Dabei habe B. in Mittäterschaft mit C. gehandelt. Da letzterer unbekannten 
Aufenthalts gewesen sei, sei er am 2. September 2019 zur Verhaftung aus-
geschrieben worden. Entsprechend sei gemäss Strafregisterauszug gegen 
C. bei der Kantonalen Staatsanwaltschaft Aargau seit dem 26. März 2019 
eine Strafuntersuchung wegen betrügerischen Missbrauchs einer Datenver-
arbeitungsanlage hängig (Verfahrensakten Kt. ZH, Urk. 9/2). 

 
 
C. Die Kantonale Staatsanwaltschaft Aargau lehnte mit Schreiben vom 

17. Mai 2023 die Verfahrensübernahme ab (Verfahrensakten Kt. ZH, 
Urk. 9/3). Im Rahmen des abschliessenden Meinungsaustausches zwischen 
den Oberstaatsanwaltschaften der involvierten Kantone verneinten jene ihre 
jeweilige Zuständigkeit, zuletzt der Kanton Aargau mit Schreiben vom 
27. Juli 2023 (Verfahrensakten Kt. ZH, Urk. 9/5 und 9/6).  

 
 
D. Mit Gesuch vom 4. August 2023 gelangte die Oberstaatsanwaltschaft des 

Kantons Zürich an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Sie be-
antragt, es seien die Strafbehörden des Kantons Aargau für berechtigt und 
verpflichtet zu erklären, die B. und C. zur Last gelegten Straftaten zu verfol-

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gen und zu beurteilen (act. 1 S. 2). Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons 
Aargau beantragt in ihrer Gesuchsantwort vom 10. August 2023, es seien 
die Strafbehörden des Kantons Zürich für berechtigt und verpflichtet zu er-
klären, das Strafverfahren gegen die Beschuldigten zu verfolgen und zu be-
urteilen. Eventualiter sei der Kanton Zürich für berechtigt und verpflichtet zu 
erklären, das Strafverfahren gegen die Beschuldigte B. zu verfolgen und zu 
beurteilen. Eventualiter seien die Strafbehörden des Kantons Aargau für be-
rechtigt und verpflichtet zu erklären, nach der erfolgten Verhaftung des Be-
schuldigten C. das Verfahren gegen diesen zu verfolgen und zu beurteilen 
(act. 3). Die Gesuchsantwort wurde der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons 
Zürich am 14. August 2023 zur Kenntnis gebracht (act. 4) 

 
 Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 
 
 
 
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-
schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und Form, 
vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.7 vom 21. März 2014 E. 1) 
geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf das Gesuch ist einzutreten. 

 
 
2. Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-

dachtslage. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten letztlich nachge-
wiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der Untersu-
chung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als haltlos oder 
sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand bestimmt sich also nicht nach 
dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was ihm vorgeworfen 
wird, das heisst, was aufgrund der Aktenlage überhaupt in Frage kommt. Es 
gilt der Grundsatz «in dubio pro duriore», wonach im Zweifelsfall auf den für 
den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt abzustellen bzw. das schwe-
rere Delikt anzunehmen ist (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts 
BG.2014.10 vom 10. Juni 2014 E. 2.1). 

 
 
3. 
3.1  Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or-

tes zuständig, an dem die Tat verübt worden ist (Art. 31 Abs. 1 StPO). Der 
Ausführungsort befindet sich dort, wo der Täter gehandelt hat (BGE 86 IV 

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222 E. 1; Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2015.48 vom 23. Dezem-
ber 2015 E. 2.1). 

 
3.2 Ist eine Straftat von mehreren Mittätern verübt worden, so sind die Behörden 

des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen 
worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO). Hat eine beschuldigte Person mehrere 
Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die Verfolgung und 
Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zuständig, an dem die 
mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen worden ist. Bei gleicher 
Strafdrohung sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfol-
gungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 34 Abs. 1 StPO).  

 
3.3 Begehen mehrere Beschuldigte zusammen in verschiedenen Kantonen 

mehrere Delikte, so sind Art. 33 und Art. 34 Abs. 1 StPO so miteinander zu 
kombinieren, dass in der Regel alle Mitwirkenden an dem Orte verfolgt wer-
den, wo von einem Mittäter die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat verübt 
worden ist. Bei gleich schweren Strafdrohungen bestimmt sich der Gerichts-
stand für alle Beteiligten nach dem Ort, wo die Verfolgungshandlungen zu-
erst vorgenommen worden sind (vgl. hierzu u. a. die Beschlüsse des Bun-
desstrafgerichts BG.2011.49 vom 19. Januar 2012 E. 2.1; BG.2011.33 vom 
28. September 2011 E. 2.2.1; BG.2011.4 vom 10. August 2011 E. 2.2.2). 

 
3.4 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un-

tereinander auch) einen andern als den in den Art. 31 – 37 StPO vorgesehe-
nen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tätig-
keit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person es erfor-
dern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein solches 
Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand soll indes die Ausnahme blei-
ben. Die Überlegungen, welche den gesetzlichen Gerichtsstand als un-
zweckmässig erscheinen lassen, müssen sich gebieterisch aufdrängen; die 
Anforderungen, um vom gesetzlichen Gerichtsstand abzuweichen, sind ent-
sprechend hoch anzusetzen. Überdies kann ein Kanton entgegen dem ge-
setzlichen Gerichtsstand nur für zuständig erklärt werden resp. sich selber 
als zuständig erklären, wenn dort tatsächlich ein örtlicher Anknüpfungspunkt 
besteht (TPF 2018 38 E. 3.1; TPF 2012 66 E. 3.1; TPF 2011 178 E. 3.1 und 
3.3). 

 
 
4.  
4.1 Unter den Parteien ist unbestritten, dass in den beiden Strafverfahren in den 

Kantonen Aargau und Zürich gegen B. gewerbsmässiger betrügerischer 
Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 2 
StPO als schwerste Straftat vorliegt. Dabei gehen die Parteien offenbar über-

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einstimmend davon aus, dass B. die strafbaren Handlungen am Arbeitsplatz 
und am Hauptsitz der A. AG in Z. vorgenommen hat. Die Parteien stellen 
ferner nicht in Frage, dass in beiden Kantonen von einem mittäterschaftli-
chen Handeln von C. auszugehen ist. Ebenso räumt der Gesuchsgegner ein, 
dass die erste Verfolgungshandlung betreffend C. im Kanton Aargau durch 
dessen Ausschreibung erfolgt und das Verfahren gegen C. nach wie vor im 
Kanton Aargau hängig ist. Damit ist grundsätzlich gestützt auf Art. 33 Abs. 2 
StPO und Art. 34 Abs. 1 StPO der Kanton Aargau für die Verfolgung der B. 
und C. im Kanton Zürich vorgeworfenen Delikte zuständig. 

 
4.2 Der Gesuchsgegner ist jedoch der Ansicht, dass der Gesuchsteller zufolge 

unbekannten Aufenthalts von C. und daher aus Zwecksmässigkeitsgründen 
das Strafverfahren gegen die Beschuldigte B. ohne den Beschuldigten C. zu 
führen und im Kanton Zürich zur Anklage zu bringen habe, da die örtliche 
Zuständigkeit hierfür gegeben sei und im Kanton Aargau kein örtlicher An-
knüpfungspunkt bestehe (act. 3 S. 2). Es ist zwar im vorliegenden Verfahren 
nicht Aufgabe der Beschwerdekammer, dem Gesuchsteller vorzuschreiben, 
wie er das Verfahren gegen C. und B. zu führen hat. Allerdings dürfte vorlie-
gend tatsächlich unklar sein, wann und ob der offenbar wieder unterge-
tauchte italienische Staatsangehörige C. gefasst und den Strafverfolgungs-
behörden zugeführt werden kann. Daran dürfte entgegen der Ansicht des 
Gesuchstellers auch eine internationale Ausschreibung nicht viel ändern. 
Das Beharren auf dem ordentlichen Gerichtsstand würde daher unter Um-
ständen dazu führen, dass der Gesuchsgegner das Verfahren gegen B. al-
leine zu führen hätte, wobei jedoch im Kanton Aargau keinerlei örtliche An-
knüpfungspunkte bestehen. Zudem erscheinen die Untersuchungshandlun-
gen betreffend B. sehr fortgeschritten, wenn nicht sogar anklagereif, sodass 
es sich auch aus prozessökonomischen Gründen rechtfertigt, vorliegend 
vom ordentlichen Gerichtsstand ausnahmsweise abzuweichen. 

 
 
5. Nach dem Gesagten ist das Gesuch abzuweisen, und es sind die Strafver-

folgungsbehörden des Kantons Zürich berechtigt und verpflichtet zu erklä-
ren, die B. und C. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 

 
 
6. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO). 

  

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Die Strafbehörden des Kantons Zürich sind berechtigt und verpflichtet, die B. 

und C. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 
 
2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. 

 
 

Bellinzona, 29. August 2023 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 
- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau 
 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.