# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 679ad4d4-2afd-52b2-b513-ce583570baed
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.02.2012 E-350/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-350-2012_2012-02-01.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­350/2012

U r t e i l   v om   1 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richter Bendicht Tellenbach, Richter Jean­Pierre Monnet,   
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

Parteien A._______,
Türkei,  
vertreten durch lic. iur. Mehmet Sigirci, Advokat, 
(…),
Gesuchsteller, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist; 

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin­Verfahren), 
Verfügung des BFM vom 21. November 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 21. November 2011 in Anwendung von 
Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 
142.31)  nicht  auf  das  Asylgesuch  des Gesuchstellers  vom  14.  Oktober 
2011 eintrat und diesen nach Deutschland wegwies,

dass  diese Verfügung  am  23. November  2011  per  Einschreiben  an  die 
zuletzt  bekannte  Adresse  des  Gesuchstellers  verschickt,  vom 
Gesuchsteller  nicht  abgeholt  und am 2. Dezember 2011 durch die Post 
als  unzustellbar  (Vermerk  "Nicht  abgeholt")  an  das  BFM  retourniert 
wurde,

dass  der  Rechtsvertreter  des  Gesuchstellers  am  4.  Januar  2012  beim 
BFM  seine  (undatierte)  Vollmacht  einreichte  und  um  Einsicht  in  die 
Verfahrensakten  ersuchte,  weil  sein  Mandant  erfahren  habe,  dass  auf 
sein Asylgesuch offenbar nicht eingetreten worden sei,

dass  das  BFM  dem  Gesuchsteller  mit  Verfügung  vom  5.  Januar  2012 
Akteneinsicht gewährte, 

dass  der Gesuchsteller mit  Eingabe  an  das BFM vom 16.  Januar  2012 
ein  Gesuch  um  Herstellung  der  Beschwerdefrist  samt 
Beschwerdebegehren stellte und das BFM dieses Schreiben in der Folge 
ohne  jeden  Kommentar  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weiterleitete, 
wo es am 20. Januar 2012 eintraf,

dass  der  Instruktionsrichter  mit  superprovisorischer  Verfügung  vom 
20. Januar 2012 den Vollzug der Wegweisung einstweilen stoppte,

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass  die  Nichteintretensverfügung  vom  21.  November  2011 
unbestrittenermassen  an  die  zuletzt  bekannte  Adresse  des 
Gesuchstellers  verschickt  worden  war,  in  der  Folge  jedoch  als  nicht 
abgeholt retourniert wurde,

dass  gemäss  Art.  12  Abs.  1  AsylG  eine  postalische  Zustellung  oder 
Mitteilung  an  die  letzte  den  Behörden  bekannte  Adresse  von 
Asylsuchenden  nach  Ablauf  der  ordentlichen  siebentägigen  Abholfrist 

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rechtsgültig  wird,  auch  wenn  die  Sendung  als  unzustellbar  retourniert 
wird,

dass die Verfügung vom 21. November 2011 damit als (am 2. Dezember 
2011) eröffnet gelten muss, 

dass  die  Beschwerdefrist  von  fünf  Arbeitstagen  (vgl.  Art.  108  Abs.  2 
AsylG)  demnach  am  9.  Dezember  2011  endete  und  innert  dieser  Frist 
keine Beschwerde eingereicht wurde,

dass  die  –  insoweit  korrekt  bezeichnete  –  Eingabe  des  Gesuchstellers 
vom  16.  Januar  2012  bei  dieser  Sachlage  ein  Gesuch  um 
Wiederherstellung  der  Beschwerdefrist  gemäss  Art.  24  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) darstellt,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls – 
vorbehältlich des Vorliegens eines Auslieferungsersuchens des Staates, 
vor welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz  sucht  –  endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM  entscheidet  (Art.  105 
AsylG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. 
Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass  das  Gericht  –  sofern  in  der  Hauptsache  zuständig  –  auch  über 
Begehren  um  Wiederherstellung  der  Beschwerdefrist  entscheidet  (vgl.    
URSINA BEERLI­BONORAND,  Die  ausserordentlichen  Rechtsmittel  in  der 
Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes  und  der  Kantone,  Zürich  1985, 
S. 233)  und  das  BFM  die  Eingabe  des  Gesuchstellers  damit  zu  Recht 
überwiesen hat,

dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das AsylG oder 
das  VGG  nichts  anderes  bestimmen  (vgl.  dazu  Art.  6  und  105  AsylG 
sowie Art. 37 VGG),

dass über nicht offensichtlich unzulässige Gesuche um Wiederherstellung 
einer  Frist  nach  Art.  24  Abs.  1  VwVG  ein  Spruchgremium  aus  drei 
Richtern  oder  Richterinnen  entscheidet  (vgl.  Art.  21  Abs.  1  VGG), 
wogegen über die Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid des 
BFM  aufgrund  der  Verspätung  im  einzelrichterlichen  Verfahren  zu 
entscheiden wäre (vgl. Art. 111 Abs. 2 Bst. b AsylG),

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dass aus prozessökonomischen Gründen der gleiche Spruchkörper in der 
Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  über  das  Gesuch  um 
Wiederherstellung der Beschwerdefrist und die Frage der Unzulässigkeit 
der Beschwerde (zufolge Verspätung) entscheidet,

dass  auf  das  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  Beschwerdefrist 
einzutreten  ist,  da  der  Beschwerdeführer  legitimiert  ist  und  die Eingabe 
vom  16.  Januar  2012  den  formellen  Anforderungen  an  ein  Gesuch  um 
Wiederherstellung einer Frist entspricht (Art. 24 Abs. 1 VwVG sowie Art. 
48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass  gemäss  Art.  24  Abs.  1  VwVG  Voraussetzung  für  die 
Wiederherstellung  der  Beschwerdefrist  ist,  dass  ein  Gesuchsteller 
unverschuldet davon abgehalten worden  ist,  innert Frist zu handeln und 
dass er binnen 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses die versäumte 
Rechtshandlung nachholt,

dass die Wiederherstellung von Fristen dazu dient, die Prozessnachteile 
aus  einer  unverschuldet  versäumten  Prozesshandlung  zu  beheben, 
wobei  beispielsweise  eine  plötzliche,  schwere  Erkrankung  einen 
Wiederherstellungsgrund  darstellen  kann  (vgl.  etwa  FRITZ  GYGI, 
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 62), 

dass  gemäss  Lehre  und  Rechtsprechung  zu  Art.  24  Abs.  1  VwVG  ein 
Fristversäumnis  nur  dann  unverschuldet  ist,  wenn  der  Partei  keine 
Nachlässigkeit vorgeworfen werden kann und objektive Gründe vorliegen 
(vgl. ALFRED  KÖLZ  /  ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und 
Verwaltungsrechtsprechung des Bundes, 2. Aufl. Zürich 1998, Rz. 345, S. 
124  f.;  BGE  112  V  255,  BGE  108  V  109;  Verwaltungspraxis  der 
Bundesbehörden [VPB] 60.39, S. 367), 

dass  dem  behördlichen  Ermessen  bei  der  Beurteilung  eines  geltend 
gemachten  Wiederherstellungsgrunds  zwar  ein  weiter  Spielraum 
eingeräumt  ist,  im  Interesse der Rechtssicherheit  und eines geordneten 
Verfahrensgangs  ein  Hinderungsgrund  jedoch  nicht  leichthin 
angenommen werden darf,

dass der Gesuchsteller zur Begründung seiner Eingabe im Wesentlichen 
geltend macht, er könne sich nicht erklären, weshalb ihm der Abholschein 
der Einschreibesendung von den Mitarbeitenden des  ihm zugewiesenen 
Durchgangsheims nicht ausgehändigt worden sei,

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dass  er  sich  dort  "jeweils  abgemeldet  (…)  und  nach  einer  Woche 
zurückgekehrt"  sei  und  offensichtlich  die  Verantwortlichen  des 
Durchgangsheims  die  geeigneten  Massnahmen  nicht  ergriffen  hätten, 
welche  für  ihn die Möglichkeit einer  fristgerechten Beschwerdeerhebung 
zur Folge gehabt hätten,

dass Verantwortliche von Asyl­Durchgangszentren und ähnlichen Wohn­ 
und  Betreuungsinstitutionen  erfahrungsgemäss  täglich  behördliche 
Einschreibesendungen für Asylsuchende entgegenzunehmen haben und 
der  vom Gesuchsteller  behauptete Geschehnisablauf  –  letztlich  handelt 
es  sich  offensichtlich  um  blosse  Mutmassungen  von  seiner  Seite – 
deshalb grundsätzlich wenig plausibel erscheint,

dass gemäss Art. 8 ZGB (vorbehältlich einer anderen spezialgesetzlichen 
Regelung) derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu 
beweisen hat, der aus ihr Rechte ableitet,

dass  die  Gründe  gemäss  Art.  24  Abs.  1  VwVG  deshalb  vom 
Gesuchsteller  grundsätzlich  nachzuweisen  sind  (vgl.  STEFAN VOGEL,  in: 
Auer/Müller/  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum Bundesgesetz  über  das 
Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2008,  Rz. 18  zu  Art. 24,  mit 
weiteren Hinweisen),

dass  die  Vorbringen  des  durch  einen  patentierten  Rechtsanwalt 
vertretenen  Gesuchstellers  diesen  Anforderungen  offensichtlich  nicht 
gerecht werden,

dass objektive Gründe gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG demnach vorliegend 
nicht dargetan worden sind,

dass damit die Voraussetzung für eine Wiederherstellung der versäumten 
Beschwerdefrist nicht erfüllt sind und bei der vorliegenden Aktenlage kein 
Grund  zur  Annahme  besteht,  der  Beschwerdeführer  sei  unverschuldet 
davon  abgehalten  worden,  seine  Beschwerde  fristgerecht  einzureichen, 
respektive sich nicht schliessen lässt, er sei aus objektiven Gründen nicht 
zur  rechtzeitigen  Beschwerdeerhebung  in  der  Lage  gewesen  und  es 
könne ihm keine Nachlässigkeit vorgeworfen werden,

dass  das  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  Beschwerdefrist  somit 
abzuweisen ist,

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dass  nach  Abweisung  des Wiederherstellungsgesuchs  auf  die  mit  dem 
Gesuch  eingereichte  Beschwerde(erklärung)  zufolge  Verspätung  nicht 
einzutreten ist,

dass der Gesuchsteller eventualiter den Antrag stellt, es seien im Fall der 
Abweisung  des  Wiederherstellungsbegehrens  wenigstens  die 
Überstellung  nach  Deutschland  vorübergehend  auszusetzen,  damit  ein 
Eheschliessungsverfahren  in  der  Schweiz  durchgeführt  und 
abgeschlossen werden könne,

dass der Antrag auf eine Änderung der sofortigen Ausreiseverpflichtung 
gemäss  Dispositivziffer  3  der  Nichteintretensverfügung  vom 
21. November  2011  hinausläuft  und  das Bundesverwaltungsgericht  sich 
angesichts  des  Nichteintretens  auf  die  Beschwerde  auch  mit  diesem 
Eventualbegehren nicht befassen kann,

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung 
gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  zufolge  Aussichtslosigkeit  der  Begehren 
abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dem Gesuchsteller die Kosten 
aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1­3 des Reglements 
vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]),  wobei  die  Kosten 
aufgrund des mässigen Aufwandes  in der Sache angemessen  reduziert 
werden (Art. 2 Abs. 3 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Eingabe des Gesuchstellers  vom 16.  Januar  2012 wird  als Gesuch 
um  Wiederherstellung  der  Beschwerdefrist  vom 
Bundesverwaltungsgericht entgegengenommen und behandelt.

2. 
Das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist wird abgewiesen.

3. 
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

4. 
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

5. 
Die Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden dem Gesuchsteller auferlegt. 
Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  zugunsten  der  Gerichtskasse  zu 
überweisen.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Gesuchsteller,  das  BFM  und  die  kantonale 
Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

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