# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d725259-7e0f-575b-aafb-4c124b929775
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-28
**Language:** de
**Title:** Gestützt auf das orthopädisch-neurologische Gutachten ist der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig, in einer angepassten Tätigkeit besteht dagegen eine volle Arbeitsfähigkeit, ein psychisches Leiden ist nicht ausgewiesen, kein Rentenanspruch; Abweisung. (BGE 8C_552/2024)
**Docket/Reference:** IV.2023.00606
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00606.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00606
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Meierhans
Urteil
vom
28. Juni 2024
in Sach
en
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Markus Zimmermann
DFP & Z, Advokatur
Stadtturmstrasse 10, Postfach 43, 5401 Baden
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1988,
gelernter Plattenleger,
meldete sich am
3.
August 2018
unter Hinweis auf
ein
im Rahmen eines am
6.
April 2018 erlitte
nen Unfalls (
Urk.
10/6/3)
traumatisiertes
Acromioclavicular
(
AC
)
-Gelenk
links
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/1 S. 6
Ziff.
6
.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische sowie erwerbliche Situation ab
, zog insbesondere die Akten der Suva (
Urk.
10/6;
Urk.
10/14;
Urk.
10/26
-27;
Urk.
10/31
) bei
.
Gemäss Unfallmeldung vom 1
9.
April 2019 (
Urk.
10/27/206) erlitt
der Versicherte
am
1
7.
April 2019
einen weiteren Unfall, bei dem er sich
eine Kopf
- und Halswirbel
verletzung zuzog
(
Urk.
10/50
S. 6
). Die IV-Stelle
veranlasste eine
bidisziplinäre
orthopädisch-neurologische
Begutachtung, über welche am
5.
Juli 2021
berichtet wurde (
Urk.
10/50
).
Die Suva richtet dem Versicherten seit dem
1.
Mai 2021 ausgehend von einer Erwerbsunfähigkeit von 13
%
eine Rente
aus
(vgl.
Urk.
10/66/2-7).
Am 1
7.
Mai 2022 erteilte d
ie IV-Stelle
dem Versicherten
Kostengutsprache für eine
Potential
abklärung
(
Urk.
10/72)
. Diese trat der Versicherte
in der Folge
jedoch
nicht an
(
vgl.
Urk.
10/74
)
, weshalb die berufliche Massnahme m
it Mitteilung vom 1
4.
Juli 2022 (
Urk.
10/75) per 2
3.
Mai 2022 abgebrochen
wurde
.
Daraufhin veranlasste d
ie IV-Stelle weitere Abklärungen.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/89;
Urk.
10/101
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
9.
Oktober 2023 (
Urk.
10/110
=
Urk.
2) einen Rentenanspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 1
5.
November 2023 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
9.
Oktober 2023 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente, zuzusprechen. Eventualiter seien weitere Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Januar 2024 (
Urk.
9) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
3.
Januar 2024 (
Urk.
11) zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechts
vertretung bewilligt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
August 2018
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invali
denversicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab
Februar 2019
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massge
bend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2023 vom 30. November 2023 E. 4.2.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit der Begründung,
dass ihm
die bisherige Tätigkeit als Plattenleger
gemäss den umfangreichen Abklärungen seit April 2018 nicht mehr zumutbar sei.
D
ie
vorgesehene
Potentialabklärung
habe er
nicht angetreten, da er sich psychisch nicht in der Lage
fühle
,
um
eine berufliche Massnahme in Angriff zu nehmen. Eine genügende psychiatrische Behandlung finde
allerdings
nicht statt, weshalb nicht von einem erheblichen Leidensdruck aus psychiatrischer Sicht auszugehen sei. Bei der Beurteilung der zumutbaren Erwerbsfähigkeit werde deshalb
ausschliesslich die somatische Seite
berücksichtigt. In einer angepassten Tätigkeit sei de
r
Beschwerdeführer
voll arbeitsfähig. Nach Vornahme des Einkommens
vergleichs resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 13
%
. Die beantragte Fristverlängerung von zwei bis vier Monaten zur Aufgleisung einer psychiatrischen Behandlung werde nicht gewährt
(vgl.
Urk.
2 S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt
(
Urk.
1)
,
bei der Beurteilung seines Gesundheitszustandes seien nebst den somatischen auch die psychischen beziehungsweise neuropsychologischen Einschränkungen zu würdigen (S. 5).
E
ntgegen der Ansicht der Gutachter
treffe es
nicht zu, dass er in einer angepassten Tätigkeit
vollständig
arbeitsfähig sei
(S. 6). Die Beschwerdegegnerin habe es
trotz der Ergebnisse einer im Kantons
-
spital
Y.___
erfolgten neuropsychologischen Testung
unterlassen, die neuropsycholo
gischen Einschränkungen näher abzuklären
. Auch sein aktuell behandelnder Psychiater bestätige das Vorhandensein von neuropsychologischen Defiziten. Schliesslich sei aktenkundig, dass er auch unter psychischen Beeinträchtigungen leide (S. 7). Die Beschwerdegegnerin sei ihrer Abklärungs
pflicht nicht nachge
kommen. Obwohl der behandelnde Psychiater eine Persönlichkeits- und Verhaltensstörung nach
erlittenem
Unfall mit Schäde
lh
irn
t
rauma
(SHT)
diagnos
tiziert und ihm auch in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von zwei Stunden pro Tag attestiert habe, habe die Beschwerdegegnerin das Vorhandensein eines psychischen Leidens einzig unter Hinweis auf eine nicht genügende psychiatrische Behandlung verneint
. Gestützt auf die Akten sei eine rentenrele
vante psychische Beeinträchtigung ausgewiesen. Die Beschwerdegegnerin hätte unter diesen Umständen den psychischen
Gesundheitszustand abklären müssen. Er leide an massiven psychischen Beeinträchtigungen, weshalb er Anspruch auf eine Invalidenrente habe (S. 9 f.). Überdies liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor,
da
ihm
die beantragte
Fristverlängerung
im
Vorbescheidverfahren
verweigert
worden sei
(S. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
Umstritten ist dabei insbesondere, ob ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden vorliegt.
3.
3.1
Vorab gilt es die vom Beschwerdeführer gerügte Gehörsverletzung zu beurteilen, wonach die Beschwerdegegnerin
ihm
die
im
Vorbescheidverfahren
beantragte Fristverlängerung zur Aufnahme einer psychiatrischen Behandlung verweigert habe (vgl.
Urk.
1 S. 11).
3.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer einzelnen Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass eines solchen Entscheids zur Sache zu
äussern
, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern
, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beein
flussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3, 143 V 71 E. 4.1, je
m.w.H
.).
3.3
Gemäss
Art.
57a
Abs.
1
IVG
teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren, den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung sowie den vorgesehen
en Entscheid über die vorsorgliche Einstellung von Leistungen mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art.
42
ATSG
.
Die Parteien können innerhalb einer Frist von 30 Tagen Einwände zum Vorbescheid vorbringen. Bis zum
1.
Januar 2021 war dies in
Art.
73
ter
Abs.
1 IVV geregelt. Dabei handelte es sich
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
um eine behördliche Frist, die auf schriftliches Gesuch hin erstreckt werden konnte (vgl. hierzu BGE 143 V 71 E. 4.3).
Im Rahmen der ATSG-Revision im Jahr 2021 ist die
30-tägige Frist zur Einreichung eines Einwandes gegen den
Vorbescheid
nach
Art.
57a
Abs.
3 IVG
überführt worden, womit es sich
um eine gesetzliche
und
folglich
gemäss
Art.
40
Abs.
1 ATSG nicht erstreckbare
Frist
handelt
.
Die Einwände müssen innerhalb dieser Frist erhoben werden, wobei in begründeten Fällen der versicherten Person eine einmalige Nachfrist zur Substan
tiierung oder Nachbesserung der eingereichten Einwände gewährt werden kann
. Im Übrigen gelten die
Art.
38 bis 41 ATSG
(vgl. Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung, KSVI, gültig ab
1.
Januar 2022, Stand
1.
Februar
202
3
,
Rz
. 6021).
3.4
Aus den Akten geht hervor, dass
der
am
2
2.
August 2023 datierte Einwand des Beschwerdeführers gegen den Vorbescheid vom 2
9.
Juni 2023 (
Urk.
10/89) am
8.
September 2023
versandt (vgl.
Urk.
10/101/3) beziehungsweise per E-Mail (
Urk.
10/104/1)
bei der Beschwerdegegnerin einging (vgl.
Urk.
101-104).
Da
das
Feststellungsblatt beim Aktenversan
d
nicht
mitgeschickt w
orden sei
,
reichte
die Beschwerdegegnerin
dieses dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 1
5.
Sep
tember 2023 (
Urk.
10/106) unter Gewährung einer einmaligen, nicht erstreck
baren Frist von 30 Tagen ab Erhalt dieses Schreibens zur
allfälligen ergänzenden Begründung des Einwandes
nach.
Am
6.
Oktober 2023 ersuchte
Z.___
von den Sozialen Diensten der Gemeinde
A.___
telefonisch
um eine Fristver
längerung von zwei bis vier Monaten zur Aufgleisung einer genügenden psychi
atrischen Behandlung
, wobei ihm e
ine Mitarbeiterin der Beschwerdegegnerin entgegnete, dass
solch lange Fristverlängerungen grund
sätzlich nicht erteilt würden
(vgl. Telefonnotiz in
Urk.
10/107).
Am 1
9.
Oktober 2023 erliess
die Beschwerdegegnerin ohne Gewährung einer
weiteren
Nachfrist die vorliegend angefochtene
rentenabweisende Verfügung (
Urk.
2).
I
n Anbetracht der geltenden Regelung (vorstehend E. 3.3)
kann in diesem Vorgehen keine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers erkannt werden, zumal eine solch lange Fristverlängerung zur Aufnahme einer psychiatrischen Behandlung dem gesetzgeberischen Willen zur Verfahrensstraffung widerspricht.
4
.
4.1
In den Akten finden sich die folgenden, wesentlichen medizinischen Berichte:
4.
2
Mit Bericht vom 2
7.
Juni 2018 (
Urk.
10/6/71-72) diagnostizierte
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Ärztezentrum
C.___
, einen Status nach
Supinationstrauma
des oberen Sprunggelenks (OSG)
im Februar 2018 links (in Thailand) mit initial verpasster
un
dislozierter
Volkmann-Fraktur und Ruptur des vorderen
Syndesmosenbandes
sowie des Lig
amentum
fibulotalare
anterius (LFTA).
Bei
fehlender Frakturdislokation, welche bereits in Ko
n
solidation begriffen sei
,
und kongruentem OSG-Gelenkspalt unter Belastung und somit fehlenden Hinweisen für eine
Syndesmoseninsuffizienz
empfehle er
eine
konser
vative Therapie mit physiotherapeutischer Behandlung (S.
1 f.
).
4.
3
Dem Bericht der Ärzte der
Klinik D.___
vom
5.
Juli 2018 (
Urk.
10/35/11-12) sind als Diagnosen ein Status nach Schultertrauma links am
6.
April 2018 mit Traumatisierung des linken AC-Gelenks bei bereits bekannten leichten degenera
tiven Veränderungen sowie ein Status nach Steroid-Infiltration
des
AC-Gelenk
s
links am
4.
Mai 2018 zu entnehmen.
Der Beschwerdeführer sei weiterhin vollständig arbeitsunfähig. Die Schmerzen würden drei Monate nach
erlittenem
Trauma persistieren. Durch die Infiltration habe eine kurzzeitige Beschwerde
linderung erreicht werden können.
Es werde ein
operative
s
Vorgehen mittels arthroskopischer AC-Gelenksresektion empfohlen (S. 1).
4.
4
Am 2
4.
August 2018 erfolgte bei diagnostizierter traumatischer
Pulley
-Läsion lateral mit geringer anteriorer PASTA-Läsion der Supraspinatussehne, traumati
sierter AC-Gelenksarthrose sowie Bursitis subacromialis nach Schultertrauma vom
6.
April 2018 eine Arthroskopie, eine Tenotomie der langen Bizepssehne, eine subacromiale Dekompression mit
Bursektomie
und
Akromioplastik
sowie AC-Gelenksresektion und eine subpe
k
torale Bizepstenod
e
se. Der
peri
- und post
operative Verlauf habe sich insgesamt regelrecht gestaltet (vgl. Operationsbericht vom 2
4.
August 2018,
Urk.
10/35/13-15 S. 1; Austrittsbericht vom 2
7.
August 2018,
Urk.
10/35/16-17 S. 1).
4.
5
Dem Bericht von
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Kantonsspital
F.___
, vom 1
3.
Dezember 2018 (
Urk.
10/14/38-39) ist folgende Diagnose zu entnehmen
(S. 1):
-
Status nach OSG-
Supinationstrauma
links vom
Februar 2018 (in Thailand) mit/bei:
-
Differentialdiagnose (
DD
)
: Irritation
Talonavikulargelenk
, ant
eriores
Tarsaltunnelsyndrom
-
initial verpasster
undislozierter
Volkmann-Fraktur und LFTA-Ruptur
sowie
Ruptur des vorderen
Syndesmosenbandes
links
-
Status nach diagnostisch-therapeutischer Infiltration
des
OSG links am 2
2.
August 2018
-
Status nach diagnostisch-therapeutischer Infiltration
des
Sinus
tarsi
links am 1
0.
Oktober 2018
Es komme
differentialdiagnostisch eine Irritation des
T
alonavikulargelenks
in Frage
, weshalb
diesbezüglich
eine diagnostisch-therapeutische Infiltration durch
geführt
werde
(S. 1).
4.
6
Mit Bericht vom
7.
März 2019 (
Urk.
10/35/32-33)
nannte
Dr.
med.
G.___
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates,
Klinik D.___
,
die folgende Diagnose (S. 1):
-
persistierende starke AC-Gelenksschmerzen sechs Monate nach Schulter
arthroskopie links mit subpe
k
to
r
aler Bizepstenodese, subacromialer Dekompression,
Akromioplastik
und AC-Resektion mit/bei:
-
Status nach AC-Gelenksinfiltration mit Steroiden vom 2
1.
November 2018 mit leichter Besserung
-
Status nach ACP-Infiltration der anterioren Kapsel und des AC-Gelenks vom
3.
Januar 2019 mit leichter Besserung
Das MRI zeige eine Restflüssigkeitskollektion im AC-Gelenk sowie ein Ödem am lateralen
Claviculaende
. Dies sei oft postoperativ zu sehen und stelle nicht per se eine Pathologie dar. Auch die Zielaufnahme zeige keine ossäre Brücke.
Dennoch
sei der Beschwerdeführer stark schmerzgeplagt
, weshalb
ihm eine Revisions
arthroskopie angeboten
werde
. Aktuell sei er nicht arbeitsfähig (S. 1).
4.
7
Der in Englisch verfassten
Discharge
Summary der Ärzte des S
pitals H.___
in
I.___
(Thailand) vom 2
6.
April 2019 (
Urk.
10/27/157-160) ist Folgendes zu entnehmen: «16/4/2019 jump
from
the
boat
and
head
hit
the
rock
and
got
laceration
wound
at
head
,
no
lost
of
consciousness
,
no
vomiting
,
pain
at
Lt
shoulder
,
went
to
J.___
Hospital and CXR and
Xray
Lt
shoulder
showed
no
fx
then
refer
to
SIH
for
CT
brain
» (S. 1). Als
Principal
Diagnosis nannten die Ärzte «Head
injury
» und als
Comorbidity
«
Scalp
laceration
».
Hinsichtlich der Prozedur w
urde
Folgendes erwähnt: «
debridement
and
suture
wound
» (S.
2
).
4.
8
Am 2
3.
Mai 2019 erfolgte im Kantonsspital
Y.___
eine neuropsychologische Untersuchung des Beschwerdeführers (
Urk.
10/27/125-128). Im Vordergrund stehe eine altersentsprechend leicht- bis mittelschwer eingeschränkte Belastbar
keit im Sinne erhöhter Ermüdbarkeit und abnehmender Konzentrationsleistung, welche sich bei sehr motiviertem und auch konsistentem Testverhalten (sowie unauffälligem Beschwerdevalidierungsverfahren) testspezifisch durch eine deutlich abnehmende Konzentrationsleistung über den zweistündigen Testzeit
raum manifestiere. Testspezifisch würden sich eine alters- und ausbildungs
angepasst als leicht bis mittelschwer ausgeprägt zu beurteilende verbale
Lern- und Abrufstörung bei intakter Speicherfähigkeit sowie eine leicht eingeschränkte geteilte Aufmerksamkeitsleistung beschreiben lassen. Die darge
legten Befunde entsprächen aktuell einer leichten neuropsychologischen Störung mit vor allem leichten Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefiziten im Rahmen einer leicht- bis mittelschwer eingeschränkten Belastbarkeit multi
faktorieller Ätiologie. Bei vorbekannten Hinweisen auf ein ADHS, bereits seit einem Jahr schmerzbedingt stark gestörtem Nachtschlaf und konsekutiver
Tagesmüdigkeit sei eine deutliche Akzentuierung dieser vorbestehenden Defizite durch die Folgen des SHT anzunehmen. Ebenso sei die verbale Lern- und Abrufstörung am ehesten als vorbestehend bei bekannter Legasthenie zu werten, aktuell akzentuiert durch die reduzierte Belastbarkeit.
D
er eher langsame Genesungsprozess
sei dadurch
grund
sätzlich zu erklären (S. 3).
Ein MRI des Schädels
mit der Frage nach
Shearing-Injuries
werde
empfohlen, um strukturelle Schäden
nach erlittenem
SHT au
s
zu
schliessen. Aus rein kognitiver Sicht sei die Arbeitsfähigkeit bei einer leichten neuropsychologischen Störung lediglich um
10 bis 30
%
eingeschränkt
(S. 4).
4.
9
Dipl. med.
K.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, hielt mit Schreiben vom 2
4.
Juni 2019 (
Urk.
10/27/105-106) fest, dass der Beschwerde
führer am 1
6.
April 2019
in Thailand
einen Unfall erlitten habe. Er sei von einem Boot ins Wasser gesprungen und habe den Kopf angeschlagen. Er wisse
davon
nichts mehr
und erinnere sich erst
an die Fahr
t
ins Spital. Er habe eine grosse
Rissquetschwunde (
RQW
)
im Bereich der Stirn erlitten. Schmerzen im Brust- und Nackenbereich seien erst später
hinzuge
kommen. Die veranlassten röntgenolo
gischen Untersuchungen hätten Frakturen des Proc
essus
Styloideus
der Halswir
belkörper (
HWK
)
6 und 7 mit möglicher
Fazettengelenksbeteiligung
ergeben
.
A
ufgrund der beklagten Ermüdbarkeit und Konzentrationsschwäche
sei auch
eine neuropsychologische Untersuchung veranlasst worden, welche vor allem Defizite im Bereich der Konzentration gezeigt habe. Das MRI des Schädels habe keine Hinweise auf Verletzungen ergeben. Aufgrund palpabler Irregularitäten im Bereich
der
rechten
Orbita
und persistierender Lidschwellung rechts sei nochmals ein CT des Schädels erfolgt
, wobei sich d
er Palpitationsbefund als Verkalkungen
und
nicht als Fraktur erwiesen
habe
(S. 1).
4.
10
Dem Bericht
von
Dr.
med.
L.___
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
F.___
,
vom 2
9.
August 2019 (
Urk.
10/27/20-21) ist folgende Diagnose zu entnehmen
(S. 1)
:
-
Status nach Fraktur des Proc
essus
s
pinosus
C6/7 mit umschriebenem
B
one
bruise
des Proc
essus
s
pinosus
und des Wirbelbogens auf dieser Segment
höhe mit Ausbreitung bis in das rechte
Fazettengelenk
mit/bei:
-
r
echtsbetont mit
Diskusprotrusion
, Asymmetrie des
Myelons
und reaktiver
Foramenstenose
-
kein
em
Hinweis auf
ein
Myelonödem
Der initiale Unfall
habe sich
am 1
6.
April 2019 er
eignet
. Seither bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführer sei bezüglich eine
s
operativen Vorgehen
s
äusserst zurückhaltend
und kläre
z
unächst die Schulter
problematik
nochmals
ab
(S. 1 f.).
4.
11
M
it Bericht vom 1
7.
September 2019 (
Urk.
10/35/41-43)
diagnostizierte
Dr.
G.___
,
Klinik D.___
,
posttraumatische Schulterschmerzen rechts nach
am
1
6.
April 2019
erlittenem Sturz
. Als Nebendiagnosen erwähnte sie eine posttrau
matische zervikale Diskushernie C5/6 vom selben Sturz sowie in Bezug auf die linke Schulter einen Status nach AC-Gelenksresektion und subacromiale
r
Dekompression, subpe
k
torale
r
Bizepstenodese nach Trauma, Operation vom April
(richtig: August)
2018 mit deutlich persistierenden AC-Gelenksbeschwerden. Im Vordergrund stehe nun die rechte Schulter, wobei auch die linke Schulter nie ganz gut geworden sei. Der Beschwerdeführer sei im April
2019 von
einem Boot mit dem Kopf auf den
Meeresb
oden gefallen. Dabei
habe er eine
tiefe Wunde über die ganze Stirn und Kopfhaut
erlitten
, welche mit 30 Stichen
habe
genäht werden m
üssen
. Seither
beklage
er
auch starke Nackenschmerzen mit Ausstrahlung, wo
bei
sich eine Diskushernie C5/6 gezeigt habe. Die Schmerzen seien nicht nur zervikal, sondern würden über das rechte Schulterblatt in den rechten Oberarm gehen (S. 1).
A
n der rechten Schulter
zeige sich
ein Springen, welches theoretisch intraartikulär durch eine SLAP-Läsion, extraartikulär durch das AC-Gelenk, aber meistens durch die
Scapulastellung
ausgelöst werde. Die
Scapulastellung
des Beschwerdeführers
sei eindrücklich.
Er
könne diese jedoch auf Aufforderung
hin
stabilisieren, so dass nicht von einem Nervenschaden auszugehen sei. Das
AC-Gelenk zeige eine Schmerzhaftigkeit (S. 2).
4.
12
Dem Bericht der Ärzte des Kantonsspitals
Y.___
vom 1
4.
Oktober 2019 (
Urk.
10/27/22-25) sind folgende Diagnosen zu entnehmen (S. 1):
-
leichte neuropsychologische Störung mit Aufmerksamkeits- und Konzent
rationsdefiziten
sowie
Lern- und Abrufstörung, Erstdiagnose (ED) 2
3.
Mai 2019, mit/bei:
-
am ehesten multifaktoriell bei vorbestandenem ADHS-Verdacht, chronischer Schlafstörung
und
Akzentuierung durch SHT
-
keine
Shearing
-
Injuries
, einzelne unspezifische Marklagerverände
rungen (MRI
des
Schädel
s vom
4.
Juni 2019)
-
zervikales/
zervikoradikuläres
Schmerzsyndrom mit/bei:
-
Dysästhesien und Schmerzausstrahlung bei
Halswirbelsäule (
HWS
)
-Extension und -Rotation nach rechts
-
p
osttraumatisch bei Proc
essus
s
pinosus
Fraktur HWK 6/7 nach Kopf
anprall am 1
6.
April 2019
-
d
iskoligamentäre
r
Verletzung rechtsbetont mit
Diskusprotrusion
, Asymmetrie Myelon und relativer
Foramenstenose
rechts HWK 6/7, kein
em
Hinweis auf
ein
Myelonödem
-
S
HT vom
1
6.
April 2019
mit/bei:
-
Sturz vom Boot mit Kopfanprall, RQW frontal
-
Amnesie
bezüglich
Ereignis
, fremdanamnestisch keine Bewusstlosig
keit
-
Schulterverletzung links
(
ED März 2018
) bei
Status nach operativer Versorgung
im Jahr
2018
Der Beschwerdeführer habe sich zur neurologischen Beurteilung vorgestellt.
Die röntgenologische Untersuchung
zeige
eine Fraktur im Bereich des Processus
spinosus
HWK 6/7 mit Ausweitung bis in
das
rechte
Fazettengelenk
mit Asymmetrie des
Myelons
und relativer
Foramenstenose
rechts. Eine orthopä
dische Abklärung sei bereits erfolgt, wobei gemäss Aussage des Beschwerde
führers eine operative Versorgung empfohlen w
erde
. Im Mai 2019 sei zudem eine neuropsychologische Abklärung erfolgt
, welche
eine leichte neuropsychologische Störung ergeben
habe
. Das MRI
des Schädels zeige
bis auf einzelne unspezifische Marklagerveränderungen keine Auffälligkeiten. In der heutigen neurologischen Untersuchung lasse sich bei HWS
-
Extension und -Rotation nach rechts ein Schmerz im Bereich des Nackens mit Ausstrahlung in den Oberarm,
den
ulnaren Unterarm und
Dig
. III-V
der rechten
Hand provozieren. Die restliche neurolo
gische Untersuchung zeige einen unauffälligen Befund, insbesondere bestünden keine Hinweise auf eine Muskelschwäche oder eine Reflexasymmetrie (S. 2).
4.
13
Mit Bericht vom 2
5.
Oktober 2019 (
Urk.
10/35/44-45) diagnostizierte
Dr.
G.___
,
Klinik D.___
,
posttraumatische Schulterschmerzen rechts nach Sturz vom 1
6.
April 2019
ohne
relevante strukturelle Läsionen sowie bei auffälliger Koordi
nationsstörung der S
c
apula mit Myogelosen
periskapulär
. Eine Operationsindi
kation bestehe nicht.
Es werde e
ine physiotherapeutische
s
c
apulothorakale
Stabilisierung, Wahrnehmungsförderung und Rumpfkräftigung empfohlen (S. 1).
4.
14
Dem Bericht
von
Dr.
G.___
,
Klinik D.___
,
vom 2
8.
Mai 2020 (
Urk.
10/35/
48-49) sind folgende Hauptdiagnosen zu entnehmen (S. 1):
-
Schulter rechts: AC-Gelenksarthrose, aktuell oligosymptomatisch bei ausgeprägter
S
c
apuladyskinesie
beidseits
-
Status nach Schulterarthroskopie links im August 2018 bei anteriorer PASTA-Läsion sowie AC-Gelenksarthrose mit mässigem Ergebnis und persistierenden AC-Gelenksschmerzen
Als Nebendiagnosen nannte
sie
eine zervikale Diskushernie C5/6, einen Verdacht auf ein
Thoracic
-outlet-Syndrom sowie ein
Karpaltunnelsyndrom (
CTS
)
rechts.
Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass die letzte AC-Gelenksinfiltration an seinen Beschwerden nichts geändert habe. In Anbetracht der Gesamtsituation, der Erfahrungen
bezüglich
der linken Schulter sowie der nicht wirksamen Infiltration am rechten AC-Gelenk
werde
von weiteren chirurgischen Behandlungen an der rechten Schulter
Abstand
genommen (S. 1 f.).
4.
15
Dr.
med.
M.___
, Facharzt für Chirurgie sowie für Gefässchirurgie,
F.___
, gab mit Bericht vom 1
3.
Oktober 2020 (
Urk.
10/37/1-6) an, dass er den Beschwerdeführer
seit Juni 2020 behandle (S. 2
Ziff.
1.1)
. Der Quick-Dash-Score im Juni 2020 habe 22 Punkte betragen, was für eine schwere Einschränkung im täglichen Leben spreche (S. 4 f.
Ziff.
3.4, 4.5).
I
n erster Linie
gehe es
um die Behebung der Schmerzquelle (S. 5
Ziff.
4.4).
4
.
16
Am
5.
Juli 2021 erstatteten die Ärzte des
N.___
ihr orthopädisch-neurologisches Gutachten
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
10/50).
Dabei konnten sie folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stellen (S.
6
Ziff.
4.2):
-
chronisch rezidivierende Schulter-Nacken-Symptomatik mit ausgepräg
ten Muskelspannungsstörungen nach Fraktur der Dornfortsätze HWK6
/
7 sowie
diskoligamentäre
Verletzungen rechtsbetont mit
Diskusprotrusion
bei relativer
Foraminalstenose
am 1
7.
April 2019
-
chronisch rezidivierende
Zervikozephalgie
Sodann nannten sie die folgenden Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6 f.
Ziff.
4.2):
-
Abheilung einer nicht dislozierten Volkmann-Fraktur des vorderen
Syndesmosenbandes
und des Lig
amentum
fibulotalare
anterius nach OSG-
Supinationstrauma
links vom Februar 2018 mit freier Funktion des OSG
-
f
ortbestehende Schultergelenksschmerzsymptomatik links
bei
Status nach AC-Gelenksresektion,
subakromialer
Dekompression, subpektoraler Bizepstenodese bei persistierenden AC-Gelenksbeschwerden nach Trauma vom
6.
April 2018
-
Läsion des
N
ervus
ophthalmicus
rechts nach Trauma vom 1
7.
April 2019
-
Verdacht auf Migräne ohne Aura
Aus orthopädischer Sicht
würden Unfallereignisse die Gesundheitsstörungen bestimmen.
Der Beschwerdeführer habe ein
OSG-
Supinationstrauma
links
erlitten mit einer
nicht dislozierte
n
Volkmann-Fraktur und
einer
Ruptur des vorderen
Syndesmosenbandes
sowie des Lig
amentum
fibulotalare
anterius.
Nach konser
vativer Therapie sei d
as Sprunggelenk mit vollständiger Wiederherstellung der Funktion verheilt. Bei der
aktuellen
klinischen Untersuchung sei
weder eine
Funktionseinschränkung
noch eine
Schwellung oder Deformierung des Sprung
gelenks aufgefallen. Der Beschwerdeführer habe keinerlei Beschwerden im Sprunggelenk beklagt.
Am
6.
April 2018 habe der Beschwerdeführer ausserdem einen Sturz mit Prellung der linken Schulter erlitten, wobei
eine leichtgradige Unregelmässigkeit an der Unterfläche der Supraspinatussehne ohne eigentlichen Einriss
habe
festgestellt werden können. Am linken AC-Gelenk l
ägen
leichte degenerative Veränderung
en
vor.
Es seien Infiltrationen sowie eine
Arthroskopie,
eine Tenotomie der langen Bizepssehne, eine
subakromiale
Dekompression mit
Bursektomie
und
Akromioplastik
sowie eine AC-Gelenksresektion erfolgt. Ein im März 2019
veranlasstes
MRI habe Flüssigkeit in der Bursa subacromialis
subdeltoidea
mit ödematösen Veränderungen im lateralen
C
lavikulaende
sowie
Suszeptibilitätsartefakte
bis
subakromial
gezeigt. Die
Rotatorenmanschette
sei intakt. Die daraufhin angebotene Revisionsarthroskopie habe der Beschwerde
führer nicht durchführen lassen. Im April 2019
habe der Beschwerdeführer
sodann
in Thailand eine grosse Kopfplatzwunde, Frakturen der Processus spinosi HWK6
/
7 sowie eine
diskoligamentäre
Verletzung rechtsbetont mit
Diskusprotru
sion
bei relativer
Foramenstenose
erlitten.
Das MRI vom
Juli 2019 habe eine stationäre
Diskusprotrusion
HWK5/6 mit konsekutiv mässiger bis höhergradige
r
Spinalkanalstenose und rechtsseitig betonter foraminaler Enge gezeigt. Das Ödem in den
Fazettengelenken
habe sich zurückgebildet. Bei rechtsseitiger Schulter-Nacken-Arm-Symptomatik sei im Juli 2019 eine beidseitige Nervenwurzelin
filtration C6 durchgeführt worden, wovon der Beschwerdeführer nicht profitiert habe. Auch eine Infiltration in das rechte AC-Gelenk habe nicht zu einer Linderung der Beschwerden geführt
. Zuletzt habe der Beschwerdeführer eine partielle Durchtrennung der
Extensor pollicis longus (
EPL
)
-Sehne des rechten Daumens erlitten, welche genäht worden sei. Bei der aktuellen klinischen Unter
suchung
seien
die
HWS-
Funktionen nicht eingeschränkt
gewesen, wobei sich s
owohl Rotation, Inklination als auch Seitenneigung nahezu frei dargestellt
hätten
. Es bestehe jedoch eine deutliche
Druckdolenz
am
zervikothorakalen
Über
gang. Muskulär lasse sich in der Fossa supraspinatus recht
s
eine deutliche Myogelose tasten und eine erhebliche
Druckdolenz
sei auslösbar. Die Messungen der Armumfänge seien seitengleich, eine Kraftminderung in den Armen
sei
nicht feststellbar. Bei der Prüfung der Schultergelenksfunktion stelle sich diese nahezu vollständig frei dar. Eine
Impingementsymptomatik
könne nicht ausgelöst werden. D
ie
beklagte
rezidivierend auftretende Gefühllosigkeit in beiden Armen könne orthopädisch nicht erklärt werden (S. 32 f.
Ziff.
6).
D
ie Behandlung der HWS-Verletzung
sei aus orthopädischer Sicht
günstig verlaufen
, wogegen
d
ie Operation des Schultergelenks suboptimal
gewesen sei
. Bei fortbestehenden Beschwerden werde eine Revisionsoperation empfohlen (S. 34
Ziff.
7.2).
Einschränkungen für schwere Tätigkeiten in und über Kopfhöhe als auch in Vorhalte könnten nachvollzogen werden. Das Ausmass der beklagten Schmerzen in der HWS
-
und Schulterregion könn
e dagegen
bei nahezu freier Funktion nicht gänzlich nachvollzogen werden
(S. 34
Ziff.
7.3). Der Beschwerdeführer sei seit der im April 2018 erlittenen HWS-Verletzung (zervikale Diskusverlagerung C5/6) in der bisherigen Tätigkeit als Plattenleger nicht mehr arbeitsfähig. Eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten bis zu 15 kg ohne
Tätigkeiten in oder über Kopfhöhe sei
ihm
dagegen vollständig
zumutbar
.
Die Arbeitsfähigkeit sei s
pätestens
acht
Wochen nach dem ersten Schultereingriff am 2
4.
August 2018 wieder hergestellt gewesen.
A
b
dem
1
7.
April 2019 (Kopf- und HWS-Verletzung)
habe
für drei bis vier Monate
eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen
(S. 35 f.
Ziff.
7.4,
Ziff.
8). Es sei möglich, dass die Arbeitsfähigkeit durch eine Revisionsoperation der Schulter relevant verbessert werden könne. Es sei allerdings fraglich, ob dadurch eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf erreicht werden könne (S. 36).
In neurologischer Hinsicht
würden sich normale Hirnwerkzeugfunktionen zeigen. Bei der Untersuchung der Hirnnerven sei eine Minderung für Oberflächen- und Schmerzempfinden bei gerade erhaltender Spitz-Stumpf-Diskrimination ohne statische und dynamische
Berührungsallodynie
im Versorgungsgebiet des
Nervus
ophthalmicus
angegeben worden. Manifeste oder latente Paresen lägen nicht vor, die Muskeleigenreflexe würden sich seitengleich nicht sicher auslösen lassen. Hinweise auf eine Rückenmarksschädigung lägen nicht vor. Bei der Überprüfung der Sensibilität am Körper sei für alle Qualitäten ein normales Empfinden angegeben worden. Die vegetativen Funktionen seien insgesamt regelrecht und auch die koordinativen Eigenschaften würden sich insgesamt normal darstellen. Es lägen weder zervikal noch lumbal nervale Dehnungszeichen vor. Aus neuro
logischer Sicht
bestünden
eine Affektion des
Nervus
ophthalmicus
rechts sowie verdachtsweise eine Migräne ohne Aura (S. 48
Ziff.
6). Bei der Läsion des
Nervus
ophthalmicus
handle es sich um einen Dauerschaden ohne Therapiemöglich
keiten. Die Nervenschädigung führe
jedoch
zu keiner Einschränkung der Leistungsfähigkeit.
Bei leitliniengerechter Behandlung
der
verdachtsweise bestehende
n
Migräne
ohne Aura
sei
die Prognose grundsätzlich gut und
es bestehe
in der Regel keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 49
Ziff.
7.2). Die Angaben zur Sensibilitätsstörung im Bereich der rechten Stirn seien aufgrund des Verletzungsmusters des
Nervus
ophthalmicus
grundsätzlich plausibel. Die angegebenen Nacken- und Schulterschmerzen mit Ausstrahlung bis zum Hinterkopf fänden keine neurologische Erklärung
. Es ergäben sich keine Hinweise auf das Vorliegen nervaler Dehnungszeichen beziehungsweise einer Nervenwurzel- oder Rückenmarksaffektion. Die angegebene Erschöpfung und Müdigkeit f
änden
keine neurologische Erklärung. Der im April 2019 erlittene Unfall ohne substantielle Hirnschädigung sei nicht geeignet,
um
die angegebenen Beschwerden ursächlich zu erklären. Dieser Unfall habe nicht einmal mit Wahr
scheinlichkeit zu einer Commotio cerebri geführt. Eine sichere Unterbrechung des Bewusstseinskontinuums sei nicht beschrieben worden. Die Frakturen der Processus spinosi HWK6/7 würden zu keinen neurologischen Ausfällen führen.
Die in der neuropsychologischen Untersuchung im Kantonsspital
Y.___
detektierten leichtgradigen neuropsychologischen Störungen fänden keine organneurologische Erklärung und würden für sich genommen auch noch keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründen. Hinweise auf ein
Thoracic
-outlet-Syndrom fänden sich ebenfalls nicht (S. 49 f.
Ziff.
7.3). Aus neurologischer Sicht ergebe sich insgesamt keine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen oder in einer angepassten Tätigkeit seit jeher zu 100
%
arbeitsfähig (S. 50 f.
Ziff.
7.4,
Ziff.
8).
Zusammenfassend hielten die Gutachter fest,
dass die orthopädischen Diagnosen ursächlich mit den Unfallereignissen vom
6.
April 2018 und 1
7.
April 2019 zusammenhängen würden (S. 5
Ziff.
4.1). Es lägen keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung vor (S. 7
Ziff.
4.4). Einschränkungen für schwere Tätig
keiten in und über Kopfhöhe als auch in Vorhalteposition könnten nachvollzogen werden. Das Ausmass der beklagten Schmerzen in der HWS- und Schulterregion könne bei beinahe freier Funktion nicht gänzlich nachvollzogen werden.
Neuro
logisch seien die Angaben zu den Sensibilitätsstörungen im Bereich der rechten Stirn aufgrund des Verletzungsmusters des
Nervus
ophthalmicus
grundsätzlich plausibel. Die beklagten Nacken- und Schulterschmerzen fänden organneuro
logisch keine Erklärung. Nervale Dehnungszeichen beziehungsweise eine Nerven
wurzel- oder Rückenmarksaffektion lägen nicht vor. Die angegebene Erschöpfung und Müdigkeit fänden keine organneurologische Erklärung (S. 7
Ziff.
4.6). Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit als Plattenleger seit dem
6.
April 2018 vollständig arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit liege eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vor. Dabei sei die Arbeitsfähigkeit spätestens acht Wochen nach dem ersten Schultereingriff am 2
4.
August 2018 wieder hergestellt gewesen. Ab dem 1
7.
April 2019 sei für drei bis vier Monate eine Arbeitsun
fähigkeit ausgewiesen. Danach sei die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit gegeben (S. 8
Ziff.
4.7-4.8). Die Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich orthopädisch-
traumatologisch
eingeschränkt (S. 8
Ziff.
4.9).
4.
17
Mit Stellungnahme vom
3.
August 2021 empfahl
Dr.
med.
O.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, regionaler ärztlicher Dienst (RAD), für die Beurteilung auf das
N.___
-
Gutachten abzustellen.
Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lägen
eine chronisch rezidivierende Schulter-Nacken-Sympto
matik sowie e
ine
chronisch rezidivierende
Zervikozephalgie
vor. In der bisherigen Tätigkeit als Plattenleger bestehe seit April 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit. Aus neurologischer Sicht
liege keine
relevante
Erkrankung
vor
. Die Arbeits
fähigkeit sei ausschliesslich orthopädisch-
traumatologisch
eingeschränkt. Eine angepasste
körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit
(bis 15 kg) nicht über Kopf sei dem Beschwerdeführer – abgesehen von zwei kurz
zeitigen vollständigen Arbeitsunfähigkeiten – vollständig zumutbar. Eine Revisionsoperation an der Schulter
verbessere
möglicherweise d
eren
Funktion.
Es sei allerdings fraglich, ob dadurch eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit erreicht werden könne. Das Ausmass der beklagten Schmerzen
an
der HWS und
in der
Schulterregion könne bei nahezu freier Funktion nicht gänzlich nachvollzogen werden. Die Angaben zur Sensibilitäts
störung im Bereich der rechten Stirn seien aufgrund des Verletzungsmusters des
Nervus
opht
h
almicus
grundsätzlich plausibel. Die angegebenen Nacken- und Schulterschmerzen mit Ausstrahlung bis zum Hinterkopf sowie die Erschöpfung und Müdigkeit fänden keine organneurologische Erklärung (vgl.
Urk.
10/105
S. 9 f.).
4
.
18
Die am 1
0.
November 2021
durchgeführte
Computertomographie
(
CT
)
der HWS zeigte alte
pseudoarthrotisch
verheilte
gering
dislozierte Frakturen
des
Processus
spinosus
HWK6
/
7 ohne Beteiligung der
Fazettengelenke
,
Osteochondrosen
und
Unkovertebralart
hr
osen
HWK3
-
6, eine
Retrolisthese
HWK5/6 sowie eine zervikale Lymphadenopathie beidseits (vgl. Bericht vom 1
0.
November 2021,
Urk.
10/64
S. 2).
4
.
19
D
as
am 3
0.
November 2021 erfolgte MRI der HWS
zeigte
auf Höhe C3/4 eine
osteodiskäre
, moderate bis schwere
Foraminalstenose
rechts mit Kompression der Wurzel C4 rechts und eine leichte Verlagerung der Wurzel C4 links
intraforami
nal
, auf Höhe C4/5 eine
osteodiskäre
, mässige bis hochgradige
Foraminalstenose
rechts mit Kompression der Wurzel C5 rechts, auf Höhe C5/6 eine
osteodiskäre
, hochgradige
Foraminalstenose
rechts mit Wurzelkompression C6 sowie eine moderate
Foraminalstenose
mit leichter Verlagerung und Kompression der Wurzel C6 links sowie auf Höhe C6/7 eine
osteodiskäre
, moderate
Foraminalste
nose
beidseits ohne fassbare Beeinträchtigung der Nervenwurzeln C7 (vgl. Bericht vom 3
0.
November 2021,
Urk.
10/62
S. 1
).
4.
20
Mit RAD-Stellungnahme vom 2
8.
Februar 2022 erklärte
Dr.
O.___
, dass die vorgelegten medizinischen Unterlagen im Wesentlichen die im
N.___
-Gutachten getroffenen Annahmen bestätigen würden. Aktuell
seien
akute Schmerzexazer
bationen behandlungsbedürftig gewesen. Es werde an der
vorherigen
RAD-Stellungnahme festgehalten (vgl.
Urk.
10/105 S. 11).
4
.
21
Dipl. med.
K.___
gab mit Bericht vom 2
5.
November 2022 (
Urk.
10/83/2-8) an, dass sie die aktuelle medizinische Situation nicht beurteilen könne. Es seien viele Spezialisten involviert. Sie habe daher ab Ende
des Jahres
2019 keine
Arbeitsunfähigkeit mehr a
ttestiert
,
da
dies durch die Spezialisten erfolgt
sei
(S. 2
Ziff.
1.3,
Ziff.
2.2). Bei dieser komplexen Situation könne sie die Prognose zur Arbeitsfähigkeit unmöglich beurteilen (S. 3
Ziff.
2.7). Sie könne nicht beurteilen, wie viele Stunden pro Tag
dem Beschwerdeführer
die bisherige oder eine angepasste Tätigkeit zumutbar seien (S. 5
Ziff.
4.1-4.2). Es sei bereits ein Gutachten erstellt worden. Seither seien ihr keine
Zustandsä
nderungen bekannt (S. 5
Ziff.
5).
4
.
22
Dr.
med.
P.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Bericht vom 3
0.
Mai 2023 (
Urk.
10/87) an
, dass er den Beschwerdeführer seit dem 1
9.
Oktober 2022
für vier Konsultationen
behand
elt habe
(S. 2
Ziff.
1.1), und
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
stellen könne
(S. 3
Ziff.
2.5):
-
Persönlichkeits- und Verhaltensstörung (ICD-10 F68.8) nach Unfall mit
SHT
(künstliches Koma)
-
Schulterbelastung 5 kg bis waagerecht (eigenanamnestisch)
Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er ein Asthma (S. 3
Ziff.
2.6).
Der Beschwerdeführer komme nur sporadisch in die Behandlung und habe die Therapie beendet. Eine stationäre Einrichtung wäre besser (S. 3
Ziff.
2.8). Der Beschwerdeführer könne sich schlecht konzentrieren, sei vergesslich, habe Nacken-/Schulter- und Kopfschmerzen sowie eine einge
schränkte Schulterbeweglichkeit (S. 4
Ziff.
3.4). Die bisherige Tätigkeit als Plattenleger sei aufgrund der eingeschränkten Schulterbeweglichkeit nicht mehr möglich. Eine angepasste Tätigkeit sei zu
zwei
Stunden pro Tag zumutbar (S. 5
Ziff.
4.1-4.2).
5
.
5
.1
Zur Beurteilung des
somatischen
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers erfolgte eine eingehende Begutachtung durch die Ärzte des
N.___
(vorstehend
E.
4.16
)
mit den notwendigen Untersuchungen in orthopädischer und neuro
logischer Hinsicht mit jeweils ausführlicher Befundaufnahme (vgl.
Urk.
10/50
S. 30 f.
Ziff.
4.3, S. 39 ff., S. 46 f.
Ziff.
4.3). Das in Kenntnis der sowie in Auseinander
setzung mit den umfangreichen
Vorakten
(vgl.
Urk.
10/50 S. 11 ff.) erstellte Gutachten erweist sich als umfassend, wobei
insbesondere
sowohl
die
im Anschluss an die
im Februar 2018 (OSG-
Supinationstrauma
in Thailand
), April 2018 (Sturz von Leiter) und April 2019 (Sturz von Boot in Thailand) erlittenen Unfälle erhobenen Befunde
als
auch die
geklagten Beschwerden
(vgl.
Urk.
10/50 S. 26 f.
Ziff.
3.1-3.2
, S. 43 f.
Ziff.
3.1-3.2
)
in angemessener Weise berücksichtigt
wurden.
Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers wurden umfassend sowie in nachvollziehbarer und schlüssiger Weise dargelegt
.
Die gutachterliche
Schlussfolgerung
, wonach der Beschwerdeführer aufgrund der chronisch rezidivierenden Schulter-Nacken-Symptomatik sowie der chronisch rezidivierenden
Zervikozephalgie
in der bisherigen Tätigkeit als Plattenleger seit April 2018
zwar
nicht mehr arbeitsfähig ist, in einer angepassten
leichten bis mittelschweren
Tätigkeit
mit Heben und Tragen von Lasten bis zu 15 kg
und
ohne Tätigkeiten in oder über Kopfhöhe
dagegen seit jeher – abgesehen von zwei kurzzeitigen Phasen vollständiger Arbeitsunfähigkeit – eine vollständige Arbeits
fähigkeit besteht
(vgl.
Urk.
10/50 S. 6 ff.
Ziff.
4.2,
Ziff.
4.7-4.8; S. 35 f.
Ziff.
7.4,
Ziff.
8)
, vermag demnach vollumfänglich zu überzeugen.
Damit erfüllt
das Gut
-
achten
die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vorstehend E.
1.6
), weshalb – der RAD-Stellungnahme folgend (vorstehend E.
4.17, E. 4.20
) – darauf abgestellt werden kann.
Soweit der Beschwerdeführer
demgegenüber
ohne
weitergehende
Begründung festhielt, er sei auch in einer angepassten Tätigkeit nicht zu 100
%
arbeitsfähig (vgl.
Urk.
1 S. 6),
vermag dies keine Zweifel an der gutachterlichen Beurteilung aufkommen zu lassen,
zumal aus somatischer Sicht keine der gutachterlichen Einschätzung entgegenstehenden Arztberichte vorliegen
, wird von den behan
delnden Ärzte zwar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit erwähnt, jedoch nicht zwischen der bisherigen und einer leidensangepassten Tätigkeit unterschieden (vgl. etwa
Urk.
10/27/20-21 S.
1
;
Urk.
10/35/32-33 S.
1
).
5
.2
In Bezug auf ein allfälliges psychisches Leiden des Beschwerdeführers liegt einzig ein Bericht von
Dr.
P.___
(vorstehend E. 4.22)
bei
den Akten
.
Diesem lässt sich
unter anderem entnehmen, dass d
er Beschwerdeführer nur sporadisch
alle paar Monate
in die Behandlung gekommen sei und die Therapie beendet habe (vgl.
Urk.
10/87 S.
2 f.
Ziff.
1.2,
Ziff.
2.8
). Die Beschwerdegegnerin verneinte
das Vorliegen eines relevanten psychischen Leidens
mit dem Verweis auf keine genügende psychiatrische Behandlung
und einem fehlenden erheblichen Leidens
druck
(vgl.
Urk.
2 S. 2).
Der Umstand, dass eine leitliniengerechte Behandlung eines allfälligen psychischen Leidens fehlt,
steht
durchaus
einem ausgewiesenen Leidensdruck entgegen
. Dass der Beschwerdeführer im
massgebenden
Zeitpunkt des Verfügung
serlasses
am 1
9.
Oktober 2023 (
Urk.
2) die psychiatrische Behand
lung bei einem anderen Therapeuten fortgesetzt und die Beschwerdegegnerin
somit
einen entsprechenden Bericht hätte einholen müssen, ergibt sich aus den vorhandenen Akten nicht
zweifelsfrei
. Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
wurde lediglich angemerkt, dass eine
genügende
psychiatrische Behandlung
aufgegleist werde (vgl.
Urk.
10/107). Etwaige Belege hierüber wurden
jedoch
auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht eingereicht.
D
er Beschwerdegegnerin
ist allerdings
entgegenzuhalten
, dass eine invalidenver
sicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen ist und grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (
BGE 143 V 418
E.
6 und
7
).
D
ie Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens
im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG sowie
Art.
3
Abs.
1 und
Art.
6 ATSG
setzt
jedoch
eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vorau
s
(vorstehend
E. 1.4). Eine solch verlässliche Beurteilung fehlt vorliegend
, erweist sich der
durch
Dr.
P.___
erstellte
Bericht
diesbezüglich
als nicht
genügend
beweiskräftig.
Denn s
oweit
Dr.
P.___
eine Persönlichkeits- und Verhaltensstörung (ICD-10 F68.8) nach Unfall mit SHT (künstliches Koma) diagnostizierte (vgl.
Urk.
10/87
S. 3
Ziff.
2.5), ist festzuhalten, dass die gestellte Diagnose in
keiner
Weise begründet wurde
und demnach
auch
nicht nachvollzogen werden kann. Eine eingehende psychopathologische Befunderhebung erfolgte nicht. Überdies stützt sich die Diagnose auf einen aktenwidrigen Sachverhalt,
wurde
der Beschwerdeführer nach dem im April 2019 erlittenen Unfall
augenscheinlich
nie i
ns
künstliche Koma
versetzt
, sondern erlitt dabei
allenfalls
ein leichtes SHT, wobei
nie
ein Bewusst
seinsverlust vorlag
und der neurologische Gutachter d
emzufolge
sogar das Vorliegen einer Commotio Cerebri für unwahrscheinlich erachtete
(vgl.
Urk.
10/27/203
;
Urk.
10/50 S. 49
Ziff.
7.3
). Ferner begründete
Dr.
P.___
die
attestierte
vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Platten
leger mit der eingeschränkten Schulterbeweglichkeit und damit einzig aufgrund fachfremder somatische
r
Beschwerden.
Eine
nachvoll
ziehbare
Begründung, weshalb der Beschwerdeführer auch in einer angepassten Tätigkeit lediglich zu zwei Stunden pro Tag arbeitsfähig sei (vgl.
Urk.
10/87
S. 5
Ziff.
4.1-4.2)
, fehlt
sodann
.
D
er
Bericht
von
Dr.
P.___
vermag
entsprechend
das Vor
liegen
eines
invalidenversicherungsrechtlich
relevanten psychischen
Gesundheitsschadens
nicht schlüssig und widerspruchsfrei nachzuweisen
. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass es zwar wünschenswert gewesen wäre,
dass die Beschwerde
gegnerin den durch
Dr.
P.___
erstellten Bericht dem RAD zur Prüfung vorgelegt und nicht einzig eine Stellungnahme
durch
eine
n sogenannten
Fachexperten
eingeholt hätte
(vgl. hierzu
Urk.
10/105 S. 14)
. Ein unbedingter gesetzlicher Anspruch
hierauf
besteht indessen nicht (vgl.
Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung,
4.
Auflage 2022,
Rz
. 7 zu
Art.
54a).
Weitere Berichte
aus psychiatrischer Sicht
liegen nicht vor und wurden auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht eingereicht
. Soweit der Beschwer
-
deführer
nun im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
darauf hinw
eist
, dass die Therapie durch
Dr.
med.
Q.___
weitergeführt werde (vgl.
Urk.
1
S. 10)
,
bestanden hierfür im Zeitpunkt
des Verfügungserlasses – mithin am 1
9.
Oktober 2023 – keine
rlei
Anhaltspunkte. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ohne weitere Abklärungen das Vorhandensein eines
invalidenversicherungsrechtlich relevanten
psychischen Leidens verneint hat.
5.3
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich rügt,
dass es
die Beschwerdegegnerin unterlassen
habe
, die neuropsychologischen Einschränkungen näher abzuklären (vgl.
Urk.
1 S. 7), ist ihm entgegenzuhalten, dass die neuropsychologische Abklärung lediglich eine Zusatzuntersuchung darstellt und es Aufgabe des psychiatrischen oder allenfalls des neurologischen Facharztes bleibt, die Arbeits
fähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_282/2023 vom 2
8.
August 2023 E. 4.2.8, 8C_380/2022 vom 2
7.
Dezember 2022 E. 10.2.1 und 9C_752/2018 vom 1
2.
April 2019 E. 5.3). Aufgrund der neurologischen Untersuchung im Rahmen des
N.___
-Gutachtens
ergaben sich keine Hinweise auf kognitive Defizite des Beschwerdeführers und die neuropsychologischen Funktionen wurden als störungsfrei beschrieben (vgl.
Urk.
10/50 S. 47). Der neurologische Gutachter
äusserte
sich überdies explizit zu den Ergebnissen der neuropsycholo
gischen Untersuchung im Kantonsspital
Y.___
(vorstehend E. 4.8)
und gab an
, dass die damals detektierten leichtgradigen neuropsychologischen Störungen keine organneurologische Erklärung fänden und für sich genommen auch noch keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründen würden (vgl.
Urk.
10/50 S. 49 unten). Entsprechend ist es
auch
nicht zu beanstanden, dass die Beschwer
degegnerin diesbezüglich keine weitergehenden Abklärungen veranlasst hat.
5
.
4
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gestützt auf das beweiskräftige orthopädisch-neurologische
N.___
-
Gutachten
(vorstehend E. 4.16)
seit
April 2018
in der bisherigen Tätigkeit als Plattenleger vollständig arbeitsunfähig ist
.
I
n einer angepasste
n
Tätigkeit
gemäss Belastungsprofil
besteht
dagegen sei jeher
– abgesehen von zwei kurzzeitigen
Phasen
vollständige
r
Arbeitsunfähigkeit
–
eine
vollständige Arbeitsfähigkeit. Ein invalidisierendes psychisches Leiden ist nicht ausgewiesen.
6
.
6.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen, wobei der Beschwerdeführer
unbestrittenermassen
als zu 100
%
Erwerbstätiger zu qualifizieren ist. Somit ist ein Einkommensvergleich nach
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG vorzunehmen (vorstehend E. 1.5).
Angesichts der medizinischen Akten ist seit
dem Unfall
ereignis
vom
6.
April 2018
ununterbrochen eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen, womit das Wartejahr im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG (vorstehend E. 1.3) am
6.
April 2019
erfüllt war. Angesichts der am
1
0.
August 2018
bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen Anmeldung (vgl.
Urk.
10/
1
; Aktenverzeich
nis zu
Urk.
10 S.
1
) ist die sechsmonatige Frist gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG im Februar 2019 abgelaufen. Ein Rentenanspruch würde somit frühestens ab
April 2019
bestehen. Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns, mithin auf das Jahr
2019
, abzustellen (BGE 129 V 222)
.
6.2
Das hypothetische
Valideneinkommen
(vgl. BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28
E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1) ermittelte die Beschwerdegegnerin gestützt auf die
Taggeld
berechnung
der Suva
sowie
unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
und ging von einem
Valideneinkommen
in der Höhe von
Fr.
76'028.65
aus
(vgl.
Urk.
2 S. 2;
Urk.
10/88).
D
iesem Vorgehen
kann
– wie sich nachfolgend zeigen wird -
nicht gefolgt werden.
Den Akten lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer nach Abschluss seiner Lehre im Jahr 2006 meist temporär gearbeitet hat und wiederholt für längere Zeit auf privaten Auslandsreisen war (vgl. etwa
Urk.
10/19). Entsprechend sind dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) auch sehr schwan
kende Einkommen zu entnehmen (
Urk.
10/9
;
Urk.
10/38
).
Am
6.
April 2018 verletzte sich der Beschwerdeführer während eines solchen temporären Einsatzes an der Schulter, wobei er seither nach Lage der Akten nicht mehr gearbeitet hat. Gemäss dem Einsatzvertrag der
R.___
AG
wurde
bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 42 Stunden und einem vorgesehenen Einsatz vom
4.
b
is
6.
April 2018 ein
Brutto-Stundenlohn von
Fr.
38.50 (
Fr.
31.04 Basislohn,
Fr.
1.11 Feier
tagsentschädigung,
Fr.
3.40 Ferienentschädigung und
Fr.
2.95 Entschädigung 1
3.
Monatslohn) vereinbart (vgl.
Urk.
10/6/36).
Dieselben Angaben sind auch dem Arbeitgeberfragebogen vom 1
3.
September 2018 zu entnehmen (vgl.
Urk.
10/12 S. 2 f.
Ziff.
2.10-2.11). Die Suva ging
entsprechend
von einem versicherten Jahreslohn in der Höhe von
Fr.
74'234.16 (Basislohn von
Fr.
31.04 + Entschädigung 1
3.
Monatslohn
Fr.
2.95 =
Fr.
33.99 x 42 Stunden x
52 Wochen)
aus und berechnete gestützt darauf das
dem Beschwerdeführer
auszurichtende
Taggeld (vgl.
Urk.
10/6/40;
Urk.
10/6/56;
Urk.
10/6/94).
Am
7.
Mai 2019 gab die
R.___
AG
an, dass der Beschwerdeführer ohne Unfallereignis mutmasslich
im Jahr 2019
einen Stundenlohn brutto von
Fr.
38.77 (inkl. 1
3.
Monats
lohn/Ferien/Feiertage) erzielen würde (vgl
.
Urk.
10/26/93-96 S. 3
Ziff.
7).
Bei der rentenzusprechenden Verfügung vom 2
1.
Februar 2022
stellte
die Suva schliesslich
fest
, dass
der Beschwerdeführer im Jahr 2021 ohne Unfallfolgen mutmasslich
Fr.
75'763.-- (
Fr.
31.70 +
Fr.
2.99 Gratifikation x 42 Stunden x 52 Wochen) verdienen würde
(vgl.
Urk.
10/
66
/2-
7 S. 2
)
.
Es trifft zwar zu, dass zur Bemessung des hypothetischen
Valideneinkommens
grundsätzlich an den zuletzt erzielten Verdienst anzuknüpfen ist, da es empirischer
E
rfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheits
schaden fortgesetzt worden wäre (vgl. BGE 139 V 28 E. 3.3.2).
Vorliegend
ist jedoch
von Relevanz
, dass es sich dabei lediglich um einen dreitägigen
Temporäreinsatz
im Rahmen eines Personalverleihs
gehandelt hat und der Beschwerde
führer
diese Tätigkeit mithin auch ohne den am letzten Tag des
Temporäreinsatzes
am
6.
April 2018 erlittenen Unfall
offensichtlich
nicht mehr weitergeführt hätte (vgl.
Urk.
10/6/36;
Urk.
10/12 S. 1
Ziff.
2.1-2.2).
Ausserdem
ist zu beachten
, dass der Beschwerdeführer den der Taggeldberechnung der Suva zugrunde gelegte Jahresverdienst zu keinem Zeitpunkt seiner Erwerbstätigkeit je erzielt hatte (vgl. IK-Auszug in
Urk.
10/9
;
Urk.
10/38).
Vielmehr erzielte er in den fünf Jahren vor Eintritt der Invalidität (2013-2017) gemäss IK-Auszug ein weitaus geringeres Durchschnittseinkommen von effektiv rund
Fr.
29'385.-- (vgl.
Urk.
10/38 S. 2).
Entscheidend ist, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt als Gesunde tatsächlich verdienen würde und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte (BGE 135 V 58 E. 3.1; vgl. auch Art. 26 Abs. 1 IVV).
Mithin käme ein Abstellen auf den in den fünf Jahren vor Eintritt der Invalidität erzielten durch
schnittlichen Lohn in Betracht, begnügte er sich doch mit einem vergleichs
-
weise bescheidenen Einkommen. Wie nachfolgen zu zeigen ist, resultiert jedoch auch bei der Berechnung anhand der
statistischen Werte kein anspruchs
-
begründender Invaliditätsgrad.
6.3
Der Beschwerdeführer ist gelernter Plattenleger
(vgl.
Urk.
10/11/8
)
.
Somit
rechtfertigt
es sich
vorliegend
für die Bestimmung des hypothetischen
Validen
einkommens
auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) und dabei auf den Zentralwert der Löhne für Männer im  Kompetenzniveau
2
im Sektor «Baugewerbe» abzustellen, welcher im Jahr 2018
Fr.
5'
96
2.-- betrug (vgl. LSE 2018, TA1_tirage_skill_level,
Ziff.
41-43, Kompetenzniveau
2
). Der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Baugewerbe im Jahr 2019 von
41.3 Stunden sowie der entsprechenden Nominallohnentwicklung dieses Sektors bei den Männern im Jahr 2019 von 1.0
%
angepasst, ergibt dies im Jahr 2019 ein hypothetisches
Valideneinkommen
von rund
Fr.
7
4
'
608
.
--
(
Fr.
5'
96
2.
-- x
12 :
40 x 41.3 + 1.0
%
).
6.
4
Da der Beschwerdeführer nach Lage der Akten seit
dem im April 2018 erlittenen Unfall
keine Tätigkeit mehr ausgeübt hat
(vgl.
Urk.
10/50 S. 28 und S. 44;
Urk.
10/61;
Urk.
10/105 S. 2 oben)
, ist für die Bestimmung des hypothetischen Invalideneinkommens (
vgl.
BGE
139 V 592 E.
2.3
)
ebenfalls
auf die
LSE-
Tabellenlöhne und dabei mit der Beschwerdegegnerin auf den Zentralwert
der Löhne für Männer in der untersten Kategorie in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzustellen,
was vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird. Dieser betrug im
Jahr 2018
Fr.
5'417.-- (LSE 2018,
TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1). Der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2019 von 41.7 Stunden sowie der Nominallohnentwicklung bei den Männern im Jahr 2019 von
0.9
%
angepasst, ergibt dies ein hypothetisches Invalideneinkommen von rund
Fr.
68'377.--
im massgebenden Jahr 2019
bei einem zumutbaren Pensum von 100
%
(
Fr.
5'417.-- : 40 x 41.7 x 12 + 0.9
%
)
.
Ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug
(vgl.
zum Ganzen BGE
126 V 75)
wurde von der Beschwerdegegnerin nicht gewährt.
Dabei ist zu beachten, dass
die gesundheitlichen Einschränkungen bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthalten
sind
und r
echt
s
prechungsgemäss der Umstand allein, dass nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidens
bedingten Abzug
ist
, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (
vgl. BGE 146 V 16 E. 4.1;
Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 2
9.
Oktober 2020
E. 3.3.3.2). Angesichts des beschriebenen Zumutbarkeitsprofils ist von einem genügend breiten Spektrum an Verweisungstätigkeiten auszugehen.
Damit besteht keine Veranlassung, in die Ermessensausübung der Beschwerdegegnerin einzugreifen.
6.
5
Wird das
Valideneinkommen
von
Fr.
7
4
'
608
.--
dem Invalideneinkommen von
Fr.
68'377.--
gegenübergestellt, resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr.
6
’
231
.
--
und somit ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von
gerundet
8
%
(
8.35
%
, BGE 130 V 121
)
.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers somit zu Recht verneint.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahren
s
sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
7
.2
Mit Verfügung vom 2
3.
Januar 2024 (
Urk.
11) wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht die Möglichkeit besteht, dem Gericht vor Fällung des Endentscheides eine detail
lierte Zusammenstellung über den bisherigen Zeitaufwand und die bisher angefallenen Barauslagen einzureichen, und dass das Gericht im Unterlassungs
fall die Entschädigung nach Ermessen festsetzt.
Bis dato wurde keine entsprechende Honorarnote eingereicht, weshalb der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Markus Zimmermann, Baden, beim gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich MWST) ermessensweise mit
Fr.
2'
8
00.--
(inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer von 7.7
%
für Aufwendungen vor dem
1.
Januar 2024 sowie 8.1
%
für Aufwendungen ab dem
1.
Januar 2024
) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist. Der Beschwerdeführer wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Markus Zimmermann, Baden,
wird mit
Fr.
2’800
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Markus Zimmermann
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensMeierhans