# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6eda7cde-98b9-578f-b6df-843851099793
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-11-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.11.2016 F-3784/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3784-2016_2016-11-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3784/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  N o v e m b e r  2 0 1 6  

Besetzung 
 Einzelrichter Antonio Imoberdorf, 

mit Zustimmung von Richter Blaise Vuille, 

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

Beschwerdeführerin, 

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

 
 

 
 

Gegenstand 
 Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone. 

 

 

 

F-3784/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die aus Russland stammende Beschwerdeführerin (geb. […]) gelangte am 

14. März 2016 in die Schweiz und ersuchte im Empfangs- und Verfahren-

szentrum in Altstätten gleichentags um Asyl. 

B.  

Am 21. April 2016 stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die 

Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 

verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zustän-

digen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Eine am 20. Mai 2016 da-

gegen erhobene Beschwerde ist beim Bundesverwaltungsgericht hängig 

(siehe Verfahren E-3190/2016). 

C.  

Mit Verfügung vom 8. Juni 2016 wies die Vorinstanz die Beschwerdeführe-

rin für die weitere Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._______ zu. In 

seinem Formularentscheid verwies das SEM auf die im Empfangs- und 

Verfahrenszentrum getroffenen Abklärungen sowie darauf, dass nach er-

folgter Rechtsbelehrung keine spezifischen schützenswerten Interessen 

der um Asyl nachsuchenden Person ersichtlich geworden seien, die für 

eine Zuweisung in einen bestimmten Kanton sprechen würden. 

D.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. Juni 2016 an das Bundesverwaltungsge-

richt beantragt die Beschwerdeführerin, der Stadt X._____/D.____ oder 

Umgebung zugewiesen zu werden. Die Zuweisung in den Kanton C._____ 

focht sie mit der Begründung an, eine enge Beziehung zu einem ihrer Brü-

der, der mit seiner Familie in X._____ lebe, zu haben. Als Tante und wich-

tige Bezugsperson seiner acht Kinder möchte sie auch an deren Erziehung 

und Entwicklung teilhaben bzw. die Eltern in der Betreuung unterstützen. 

Aus finanziellen und reisetechnischen Gründen lasse sich dies von 

Y._______ aus nicht bewerkstelligen. 

Der Beschwerde lag u.a. ein vom 9. April 2016 datierendes Schreiben je-

nes Bruders und dessen Gattin bei, worin die beiden ebenfalls um Zuwei-

sung der Beschwerdeführerin nach X._______ oder zumindest in den Kan-

ton D._______ ersucht hatten. 

F-3784/2016 

Seite 3 

E.  

Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung vom 25. August 2016 an ihrem 

Kantonszuweisungsentscheid fest. 

Die Beschwerdeführerin liess sich trotz gewährtem Replikrecht nicht mehr 

vernehmen. 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 

142.31]). 

1.2 Beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden Person an 

einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG handelt es sich um eine beim 

Bundesverwaltungsgericht selbständig anfechtbare Zwischenverfügung 

(Art. 107 Abs. 1 AsylG). 

1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach 

dem VwVG, soweit das AsylG oder das VGG nichts anderes bestimmen 

(Art. 37 VGG, Art. 2 Abs. 4 VwVG, Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-

führung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 

VwVG), soweit sie sich gegen die angefochtene Verfügung richtet. Nicht 

verlangt werden kann in diesem Zusammenhang die Zuweisung in eine 

bestimmte Gemeinde oder Region. Ihr entsprechender Antrag (Zuweisung 

nach X._______ oder in eine umliegende Gemeinde) ist daher als sinnge-

mässes Begehren um Zuweisung in den Kanton D._______ entgegenzu-

nehmen. 

2.  

Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – als 

offensichtlich unbegründet, weshalb das Urteil in Anwendung von Art. 111 

F-3784/2016 

Seite 4 

Bst. e AsylG in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters ergeht. Es ist gestützt auf Art. 111a Abs. 2 AsylG nur sum-

marisch zu begründen. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das SEM die Asylsuchenden den 

Kantonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kantone 

und der Asylsuchenden Rechnung. Die Verteilung erfolgt nach einem 

Schlüssel gemäss Art. 21 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

(AsylV 1, SR 142.311), wobei das SEM bei der Verteilung bereits in der 

Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit der Asylsu-

chenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksichtigt (Art. 22 

Abs. 1 AsylV 1). 

3.2 Ein Entscheid des SEM über die Zuweisung in einen Kanton bezie-

hungsweise den Kantonswechsel (Art. 27 Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 22 

Abs. 2 AsylV 1) kann gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG – welcher als lex spe-

cialis der allgemeinen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht (Art. 106 

Abs. 2 AsylG) – in materieller Hinsicht nur mit der Begründung angefochten 

werden, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie (vgl. BVGE 

2008/47 E. 1.2). 

3.3 Der Begriff der Familieneinheit gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG orientiert 

sich grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne 

von Art. 1a Bst. e AsylV 1 und umfasst mithin die Kernfamilie (Ehegatten 

und minderjährige Kinder). Über diesen engen Kern hinausgehende ver-

wandtschaftliche Bande – wie vorliegend die Beziehung unter Geschwis-

tern – fallen demgegenüber nur dann unter den Schutz der Einheit der Fa-

milie, wenn zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängigkeitsver-

hältnis besteht (BVGE 2008/47 E. 4.1.1 und E. 4.1.4). Gemäss Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts kann ein derartiges Abhängigkeits-

verhältnis unter Verwandten beispielsweise dann gegeben sein, wenn die 

einzubeziehenden Angehörigen behindert oder aus einem anderen Grund 

auf die Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, angewiesen sind 

(BVGE 2008/47 E. 4.1.1 und 4.1.2). 

4.  

Im dargelegten Rahmen bleibt vorliegend zu prüfen, ob das SEM zu Recht 

davon ausgegangen ist, es lägen keine schützenswerten Interessen der 

Beschwerdeführerin an einer Zuweisung in einen bestimmten Kanton vor 

(Art. 27 Abs. 3 AsylG). 

F-3784/2016 

Seite 5 

4.1 Die Beschwerdeführerin verweist auf ihre enge familiäre Beziehung zu 

ihrem sich in der Schweiz in einem anderen Kanton aufhaltenden Bruder 

B._______ und dessen Familie und beruft sich damit zumindest sinnge-

mäss auf den Grundsatz der Einheit der Familie. 

4.2 Gemäss den Akten des Asylverfahrens hat die Beschwerdeführerin 

mehrere Geschwister. Mit einer Ausnahme leben sie alle in ihrem Heimat-

staat, ein Bruder soll bereits verstorben sei. Der Wunsch der Beschwerde-

führerin, in der Nähe ihres hierzulande ansässigen Bruders und dessen 

Familie mit den inzwischen acht Kindern zu leben, ist zwar verständlich, 

stellt aber keinen Grund für einen Kantonswechsel dar, denn die betreffen-

den Personen fallen offensichtlich nicht unter den Begriff der Kernfamilie 

(vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1). 

4.3 Wie eben erwähnt, werden über diesen engen Kern hinausgehende 

verwandtschaftliche Bande nur dann vom Schutz der Einheit der Familie 

erfasst, sofern zwischen diesen Personen ein Abhängigkeitsverhältnis be-

steht (siehe E. 3.3 hiervor). Für eine solche Annahme bestehen keinerlei 

Anhaltspunkte. B._______ ist nämlich bereits im März 2005 als Asylsu-

chender in die Schweiz eingereist (siehe hierzu Verfahren  

E-7985/2007) und hält sich mit seiner Familie mittlerweile mehr als elf 

Jahre hierzulande auf. In dieser Zeitspanne hat er sich mit der Beschwer-

deführerin nie getroffen. Es ist nicht ersichtlich, in welcher Art und Weise 

ihre erst in diesem Frühjahr erfolgte Einreise ein besonderes Abhängig-

keitsverhältnis zu begründen vermöchte. Dass sie bei einer Zuweisung in 

den Kanton D._______ besser im Stande wäre, die Entwicklung ihrer Nich-

ten und Neffen mitzuverfolgen und deren Eltern bei der Betreuung zu un-

terstützen, kann unter besagtem Blickwinkel jedenfalls nicht entscheidend 

sein. Sonstige Gründe werden keine genannt. Im Übrigen ist es den Be-

troffenen auch ohne Kantonswechsel möglich, die Kontakte mittels gegen-

seitiger Besuche und via Kommunikationsmittel (Telefon, WhatsApp, E-

Mail-Verkehr, etc.) zu pflegen. Die Vorinstanz hat in der Vernehmlassung 

überdies auf die Möglichkeit hingewiesen, die Beschwerdeführerin könne 

mit der Leitung des Durchgangszentrums allenfalls Vereinbarungen über 

längere Aufenthalte bei ihrem Bruder und dessen Familie treffen. 

4.4 Die Zuweisung der Beschwerdeführerin in den Kanton C._______ hat 

den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG 

somit nicht verletzt. 

F-3784/2016 

Seite 6 

5.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass sich die angefochtene Verfügung 

als bundesrechtskonform erweist und nicht zu beanstanden ist (Art. 106 

AsylG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 

6.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

 

 

 

Dispositiv Seite 7 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

F-3784/2016 

Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Sie sind durch den am 20. Juli 2016 in gleicher Höhe geleisteten Kos-

tenvorschuss gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) 

– das Amt für Migration des Kantons C._______ ad […] (in Kopie) 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Antonio Imoberdorf Daniel Grimm 

 

 

 

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