# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3a493fe5-b708-5490-b1eb-fe8d05af0a23
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-20
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 20.06.2024 SK1 2023 74
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2023-74_2024-06-20.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 20. Juni 2024

Referenz SK1 23 74

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Moses, Vorsitzender
Cavegn und Michael Dürst
Bernhard, Aktuarin

Parteien A._____ 
Beschuldigter
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Joseph Sutter
Zeltweg 64, Postfach, 8032 Zürich Neumünster 

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur

Gegenstand grobe Verletzung der Verkehrsregeln

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Viamala vom 13.09.2023, mitgeteilt am 
13.10.2023 (Proz. Nr. 515-2023-8)

Mitteilung 21. Oktober 2024

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Sachverhalt

A. Das Regionalgericht Viamala sprach A._____ (im Folgenden: Beschuldig-
ter) am 13. September 2023 der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss 
Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 36 Abs. 4 SVG, Art. 36 Abs. 4 VRV und Art. 14 Abs. 1 
VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig (Dispositivziffer 1). Es bestraf-
te ihn mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 100.00 (Dispositivzif-
fer 2). Die Kosten des Verfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt (Disposi-
tivziffer 3).

B. Der Beschuldigte meldete am 19. September 2023 Berufung an. Die Beru-
fungserklärung erfolgte am 2. November 2023.

C. Die Berufungsverhandlung fand am 20. Juni 2024 in Anwesenheit des Be-
schuldigten und seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt Joseph Sutter, statt.

D. Der Beschuldigte beantragt einen Schuldspruch wegen einfacher Verlet-
zung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 36 Abs. 4 SVG, Art. 36 
Abs. 4 VRV und Art. 14 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG. Dafür 
sei er mit einer angemessenen Busse zu bestrafen. Eventualiter sei dem Beschul-
digten im Falle einer Verurteilung wegen grober Verkehrsregelverletzung für die 
auszufällende Geldstrafe der bedingte Vollzug unter Ansetzung einer angemesse-
nen Probezeit zu gewähren. Die Verfahrenskosten seien zwischen dem Beschul-
digten und der Staatskasse aufzuteilen. Für seine Verteidigung sei dem Beschul-
digten eine angemessene Entschädigung aus der Staatskasse zuzusprechen.

Erwägungen

1. Prozessuales

Die Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die 
Berufung ist einzutreten.

2. Sachverhalt

2.1. Anklagevorwurf

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten zusammengefasst vor, am 
14. April 2022 als Lenker seines Lieferwagens Dodge RAM 1500 vom Beschleuni-
gungsstreifen herkommend äusserst knapp (Abstand von ca. 1-2 Meter) vor einen 
Sattelschlepper samt Anhänger auf die Autostrasse A13 eingefahren zu sein, so-
dass der Lenker des Sattelschleppers sein Fahrzeug stark habe abbremsen müs-

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sen, um eine Kollision mit dem Beschuldigten zu verhindern (Anklage vom 3. Mai 
2023, StA act. 1.23).

2.2. Standpunkt des Beschuldigten

Unbestritten ist, dass das Sattelmotorfahrzeug bereits auf der A13 in Richtung Sü-
den fuhr. Der Beschuldigte lenkte einen voll beladenen Pickup (drei erwachsene 
Personen und ein Baby im Fahrzeug; StA act. 4.8, Antwort auf Frage 11; RG 
act. III.1, Antwort auf Frage C.16). Er kam von Sufers und bog vom Beschleuni-
gungsstreifen vor dem Sattelmotorfahrzeug ebenfalls in Richtung Süden auf die 
A13 ein. Der Beschuldigte stellt in Abrede, dass sein Einfahrmanöver äusserst 
knapp gewesen sei und der Lenker des Lastkraftwagens seinetwegen habe ab-
bremsen müssen. Es ist zu klären, ob der Beschuldigte mit seinem Fahrverhalten 
die Verkehrsregeln (Vortrittsrecht) in einfacher (so der Beschuldigte und die Ver-
teidigung) oder in grober (so die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz) Weise 
verletzt hat.

2.3. Grundsätze der Beweiswürdigung

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren 
gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen unüberwindliche 
Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, 
so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus 
(in dubio pro reo; Art. 10 Abs. 3 StPO).

2.4. Beweismittel und Verwertbarkeit

Als Beweismittel befinden sich der Polizeirapport (StA act. 4.1) und ein Fotoblatt 
der örtlichen Situation in den Akten (StA act. 4.2). Die Situation hat auch der Ver-
teidiger mittels Bildmontage dargestellt (act. B.1-8). Der Beschuldigte wurde 
mehrmals zur Sache befragt (StA act. 4.5; 4.8; RG act. II.1; act. H.4). Weiter lie-
gen Aussagen von B._____ (Kollege des Beschuldigten, fuhr im Fahrzeug hinter 
diesem; StA act. 4.6; 4.7), C._____ (Partnerin des Beschuldigten, sass in dessen 
Fahrzeug auf der Rückbank hinter ihm; StA act. 4.9) und D._____ (Lenker des 
Sattelschleppers; StA act. 4.4) vor. Die Befragungen von B._____, D._____ sowie 
C._____ fanden ohne Teilnahme bzw. Konfront mit dem Beschuldigten statt. De-
ren Aussagen dürfen demnach nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden 
(vgl. Plädoyer Verteidigung vor Vorinstanz, RG act. III.3 Rz. 7.1; vgl. auch 
Schlussbericht StA act. II.2, Ziff. II.1 Abs. 6). Darauf wies bereits das Regionalge-
richt hin (act. E.1 E. 2.3).

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2.5. Erstellung des Sachverhalts

2.5.1. Kein Vortritt

Bei der Einfahrt auf die Autostrasse steht ein Signal "Kein Vortritt" (Fotoblatt, StA 
act. 4.2 S. 3 unten). Auf die Frage, wer Vortritt gehabt habe, antwortete der Be-
schuldigte, solange er auf dem Beschleunigungsstreifen gewesen sei, habe er 
keinen Vortritt gehabt. Er sei aber bereits auf der Autostrasse gewesen und habe 
deshalb auch Vortritt gegenüber dem Sattelschlepper gehabt (StA act. 4.8, Ant-
wort auf Frage 7). Der Beschuldigte anerkennt grundsätzlich, beim Einbiegen auf 
die Autostrasse gegenüber dem Sattelmotorfahrzeug vortrittsbelastet gewesen zu 
sein. 

2.5.2. Geschwindigkeit

Alle befragten Fahrzeuglenker gaben an, an der fraglichen Stelle (Autostrasse 
bzw. Beschleunigungsstreifen) mit rund 70 km/h gefahren zu sein (StA act. 4.4 
S. 3; 4.5 S. 3; 4.6, Antwort auf Frage 4; 4.7, Antwort auf Frage 2; 4.8, Antworten 
auf Fragen 4 f.; RG act. III.1, Antwort auf Frage C.2).

2.5.3. Bremsmanöver

Gemäss Anklage der Staatsanwaltschaft musste der Lenker des Sattelschleppers 
sein Fahrzeug stark abbremsen, um eine Kollision mit dem Lieferwagen des Be-
schuldigten zu verhindern (StA act. 1.23).

Der Lenker des Sattelmotorfahrzeugs, D._____, hatte gegenüber der Polizei aus-
gesagt, er habe bremsen müssen, um eine Kollision zu verhindern (StA act. 4.4 
S. 3 Mitte). Der Zeuge B._____ sagte aus, dass der Beschuldigte vor das Sattel-
motorfahrzeug auf die Autostrasse einfuhr. Wahrscheinlich habe das Sattelmotor-
fahrzeug ein wenig abbremsen müssen (StA act. 4.6, Antwort auf Frage 2). Auf 
konkrete Nachfrage führte er dann aus, dass er nicht sagen könne, ob das Sattel-
motorfahrzeug habe abbremsen müssen (StA act. 4.6, Antwort auf Frage 8). An-
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme wusste der Zeuge nicht mehr, 
ob der Sattelschlepper abbremsen musste oder nicht (StA act. 4.7, Antworten auf 
Fragen 8 und 11). Er (der Zeuge) selbst habe sich hinter dem Sattelmotorfahrzeug 
eingegliedert (StA act. 4.6, Antwort auf Frage 2; 4.7, Antwort auf Frage 5).

Der Beschuldigte bestritt, dass der Lenker des Sattelschleppers aufgrund seines 
Einbiegemanövers habe bremsen müssen. Er (der andere Lenker) habe im Ge-
genteil sogar beschleunigt (StA act. 4.8, Antwort auf Frage 9). Vor Regionalgericht 

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wiederholte der Beschuldigte, dass der Lenker des Sattelschleppers nicht ge-
bremst habe (RG act. III.1, Antwort auf Frage C.11).

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, wonach der Lenker des Sattelschleppers sein 
Fahrzeug stark habe abbremsen müssen, um eine Kollision mit dem Lieferwagen 
des Beschuldigten zu verhindern, findet keine Stütze in den Akten. Zunächst ein-
mal sprach nicht einmal der Lenker des Sattelschleppers selbst von einem "star-
ken" Abbremsen. Der Zeuge B._____ konnte ein Bremsmanöver des Lastwagens 
nicht bestätigen. Wie die Verteidigung zutreffend ausführt, hätte ein starkes 
Bremsmanöver des Lastwagens auch Auswirkungen auf die Fahrt des Zeugen 
gehabt (act. H.1 Rz. 6.7 ff.). Dieser fügte sich jedoch einfach hinter dem Sattel-
schlepper auf die Autostrasse ein.

Der Beschuldigte gab konstant über die Einvernahmen hinweg an, den Sattel-
schlepper schon von Weitem wahrgenommen zu haben. Dieser sei noch genug 
weit weg gewesen, damit der Beschuldigte problemlos vor ihm hätte auf die Auto-
strasse einbiegen können. Als er (der Beschuldigte) dann habe einfahren wollen, 
sei der Sattelschlepper plötzlich sehr nahe gewesen (StA act. 4.5 S. 4 f.; 4.8, Ant-
worten auf Fragen 4 ff.; RG act. III.1, Antworten auf Fragen C.5 ff.). Der Lenker 
des Sattelschleppers habe keine Anstalten gemacht, vom Gas zu gehen und den 
Beschuldigten einfahren zu lassen (StA act. 4.5 S. 3 unten). Er gab an, den Ein-
druck gehabt zu haben, er habe gar beschleunigt (StA act. 4.8, Antwort auf Fra-
ge 9). Der Zeuge B._____ teilte diesen Eindruck (StA act. 4.6, Antwort auf Fra-
ge 2). Der Sattelmotorfahrzeuglenker habe sich wahrscheinlich vor sie positionie-
ren wollen und habe deshalb die Geschwindigkeit erhöht (StA act. 4.6, Antwort auf 
Frage 7). Die Vermutung, dass der Lastwagenfahrer es eilig gehabt haben muss 
bzw. es ihm nicht passte, dass der Beschuldigte vor ihm auf die Autostrasse fuhr, 
findet ihre Bestätigung darin, dass der Lenker des Sattelschleppers den Beschul-
digten später überholte (und zwar, nachdem er dies zuvor mit Lichthupe avisiert 
hatte; StA act. 4.4 S. 3 unten). Die Überholgeschwindigkeit lag bei ungefähr 
100 km/h (StA act. 1.3). Obwohl bei dem entsprechenden Fahrzeug lediglich eine 
bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h zulässig ist, fand eine Straf-
verfolgung wegen Verletzung von Art. 5 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 und Abs. 4 VRV nicht 
statt.

Ein Bremsmanöver des Lastwagenfahrers lässt sich anhand der vorhandenen 
Beweismittel nicht erstellen.

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2.5.4. Knappes Einbiegen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, "äusserst knapp (in einem 
Abstand von einem bis zwei Metern)" vor dem Sattelschlepper auf die Autostrasse 
eingebogen zu sein (StA act. 1.23).

Den Abstand von einem bis zwei Metern gab der Beschuldigte selbst an (StA 
act. 4.5 S. 5). Weil Distanzschätzungen erfahrungsgemäss schwierig sind, kann 
der Beschuldigte einzig darauf nicht behaftet werden. 

Der Zeuge B._____ antwortete bei der Polizei auf die Frage, mit welchem Abstand 
zum Sattelmotorfahrzeug der Beschuldigte auf die Autostrasse gefahren sei, mit: 
"Es war sehr knapp. Mein Kollege musste sich sozusagen zwischen der Leitplanke 
und dem Sattelmotorfahrzeug 'durchquetschen'" (StA act. 4.6, Antwort auf Fra-
ge 5). Dass es knapp gewesen sei und dass er Beschuldigte sich quasi habe 
"durchquetschen" müssen, bestätigte der Zeuge vor der Staatsanwaltschaft (StA 
act. 4.7, Antworten auf Fragen 9 f.). 

Gegenüber der Polizei sagte der Beschuldigte aus, er habe das Fahrzeug stark 
beschleunigen müssen, um vor dem Sattelmotorfahrzeug einscheren zu können, 
da dieser weder verlangsamt noch ihm Platz gelassen habe (StA act. 4.5 S. 3 un-
ten). Ansonsten hätte er eine Notbremsung einleiten müssen, was aber aufgrund 
der Platzverhältnisse nicht möglich gewesen wäre (StA act. 4.5 S. 5 oben). Dies 
bestätigte er vor der Staatsanwaltschaft im Wesentlichen (StA act. 4.8, Antworten 
auf Fragen 5 f.). Die Einschätzung des Zeugen B._____, wonach sein Abstand 
zum Sattelschlepper sehr knapp gewesen sei, bestätigte der Beschuldigte (StA 
act. 4.8, Antwort auf Frage 10). Es treffe zu, dass er sich sozusagen habe "durch-
quetschen" müssen. Er sei aber mit seinem Fahrzeug schon zum Teil auf der Au-
tostrasse gewesen und habe deshalb beschleunigen müssen, da abzubremsen 
viel gefährlicher gewesen wäre (StA act. 4.8, Antwort auf Frage 11; ebenso auf 
Frage 14). Die Aussage betreffend "Durchquetschen" bestätigte er vor Regional-
gericht (RG act. III.1, Antwort auf Frage C.15).

Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte mit knappem Abstand vor den Sattel-
schlepper auf die Autostrasse A13 eingebogen ist.

2.5.5. Fazit Sachverhalt

Aus dem Ausgeführten ergibt sich folgender Sachverhalt: Der Beschuldigte fuhr 
auf den Beschleunigungsstreifen, wissend, dass sich auf der Autostrasse von hin-
ten ein vortrittsberechtigter Sattelschlepper näherte. Der Beschuldigte hatte den 

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Abstand zu diesem als genügend eingeschätzt, um noch vor ihm auf die Auto-
strasse einzubiegen. Der Beschuldigte wurde von der Geschwindigkeit des Sattel-
schleppers überrascht und musste sich kurzfristig entscheiden, Gas zu geben 
oder abzubremsen. Zu beschleunigen und vor dem Sattelschlepper einzufahren 
schien ihm die sicherere Variante. Diese Entscheidung ist nachvollziehbar, zumal 
der Beschuldigte bereits auf rund 70 km/h beschleunigt hatte, um auf die Auto-
strasse einzubiegen. Auch in Anbetracht seines voll beladenen Fahrzeugs und im 
Hinblick auf die Tatsache, dass sein Kollege, Zeuge B._____, hinter ihm fuhr, er-
scheint diese Entscheidung der Situation angemessen. Der Lenker des Sattel-
schleppers machte seinerseits keine Anstalten, den Beschuldigten einfahren zu 
lassen. Es ist gar davon auszugehen, dass er beschleunigte, als er den Beschul-
digten auf dem Beschleunigungsstreifen wahrnahm. Dies führte dazu, dass der 
Abstand, mit dem der Beschuldigte vor dem Lastwagen auf die Autostrasse ein-
bog, ziemlich knapp war. Mit den vorhandenen (verwertbaren) Beweisen lässt sich 
jedoch nicht erstellen, dass dieser so knapp war, dass der Lastwagenfahrer sein 
Fahrzeug stark abbremsen musste, um eine Kollision zu verhindern.

3. Rechtliches

3.1. Verkehrsregeln

Signale und Markierungen sowie die Weisungen der Polizei sind zu befolgen 
(Art. 27 Abs. 1 Satz 1 SVG). Der Führer, der sein Fahrzeug in den Verkehr einfü-
gen, wenden oder rückwärts fahren will, darf andere Strassenbenützer nicht be-
hindern; diese haben den Vortritt (Art. 36 Abs. 4 SVG). Benützer der Autobahnen 
und Autostrassen haben den Vortritt vor Fahrzeugen auf den Zufahrtsstrecken 
(Art. 36 Abs. 4 Satz 1 VRV). Wer zur Gewährung des Vortritts verpflichtet ist, darf 
den Vortrittsberechtigten in seiner Fahrt nicht behindern. Er hat seine Geschwin-
digkeit frühzeitig zu mässigen und, wenn er warten muss, vor Beginn der Verzwei-
gung zu halten (Art. 14 Abs. 1 VRV).

Indem der Beschuldigte sich bei der Einfahrt auf die Autostrasse vor dem vortritts-
berechtigten Sattelmotorfahrzeug "durchquetschte", verstiess er gegen Art. 27 
Abs. 1 SVG, Art. 36 Abs. 4 SVG, Art. 36 Abs. 4 VRV und Art. 14 Abs. 1 VRV.

3.2. Strafbarkeit

Nach Art. 90 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer durch grobe Verletzung der 
Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in 
Kauf nimmt.

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Die Vorinstanz bestätigte die Einschätzung der Staatsanwaltschaft, wonach der 
Beschuldigte mit seinem Fahrverhalten eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln 
begangen habe (act. E.1 E. 4.3 ff.). 

Da dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden kann, ein derart knappes Ein-
biegemanöver durchgeführt zu haben, dass der Lenker des Sattelschleppers hatte 
abbremsen müssen, kann dem Beschuldigten nicht vorgeworfen werden, durch 
sein Manöver eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder 
in Kauf genommen zu haben. Damit mangelt es an der objektiven Voraussetzung 
zur Erfüllung des Tatbestandes der groben Verkehrsregelverletzung. Dem Be-
schuldigten kann einzig eine einfache Verkehrsregelverletzung im Sinne von 
Art. 90 Abs. 1 SVG angelastet werden. Dafür ist er zu bestrafen (Art. 90 Abs. 1 
SVG in Verbindung mit Art. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 36 Abs. 4 SVG, Art. 36 Abs. 4 
VRV und Art. 14 Abs. 1 VRV).

4. Strafzumessung

4.1. Rechtliche Grundlagen

Art. 90 Abs. 1 SVG sieht als Strafe Busse vor. Bestimmt es das Gesetz nicht an-
ders, so ist der Höchstbetrag der Busse CHF 10'000.00 (Art. 106 Abs. 1 StGB). 
Das Gericht spricht im Urteil für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt 
wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens einem Tag und höchstens drei 
Monaten aus. Es bemisst Busse und Ersatzfreiheitsstrafe je nach den Verhältnis-
sen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden ange-
messen ist. Dabei hat es das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse wie auch die 
Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichtigen (Art. 47 Abs. 1 
StGB i.V.m. Art. 104 StGB). Das Verschulden wird dabei nach der Schwere der 
Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit 
des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, 
wie weit dieser nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die 
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 104 
StGB). Bei der Strafzumessung können Richtlinien als Orientierungshilfe dienen 
(vgl. BGer 6B_355/2021 v. 22.3.2023 E. 4.4.2 m.w.H.).

4.2. Busse

Der Verband Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staats-
anwälte (VBRS) empfiehlt in seinen Richtlinien für die Missachtung des Vortritts 
eine Busse von CHF 300.00. Dies erscheint für die vorliegend zu beurteilende Tat 
angemessen. Angesichts der zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten ist die 

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Strafe zu erhöhen (act. D.17). Die finanziellen Verhältnisse (das Geschäft des Be-
schuldigten befindet sich im Aufbau, er kommt alleine für seine vierköpfige Familie 
auf; act. H.4 Ziff. IV) sind leicht bussenmindernd zu berücksichtigen. Insgesamt 
erscheint eine Busse von CHF 500.00 angemessen. Diese ist zu bezahlen.

4.3. Ersatzfreiheitsstrafe

Ausgehend von einem monatlichen Nettoeinkommen von CHF 5'000.00, abzüglich 
10% pauschal für Steuern und Krankenkasse sowie Unterstützungsbeiträgen von 
je 15% für die Partnerin und das erste Kind und 12.5% für das zweite Kind, er-
rechnet sich ein Tagessatz von CHF 80.00. Daraus ergibt sich eine Ersatzfrei-
heitsstrafe für die schuldhafte Nichtbezahlung der Busse von sechs Tagen.

5. Kosten und Entschädigungen

5.1. Untersuchungsverfahren und erste Instanz

Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv 
zu bestätigen (Art. 426 StPO). Dementsprechend sind die Untersuchungskosten 
von CHF 2’030.00 dem Beschuldigten aufzuerlegen. Das gleiche gilt für die Kos-
ten des erstinstanzlichen Verfahrens in der Höhe von CHF 6'000.00 (Gerichtsge-
bühr). Da die Kostenfrage die Entschädigungsfrage präjudiziert, ist für das erstin-
stanzliche Verfahren keine Parteientschädigung zu sprechen.

5.2. Berufungsverfahren

Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf CHF 4'000.00 festzusetzen. 
Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Ob-
siegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung einen Schuldspruch wegen einfacher 
Verkehrsregelverletzung. Diesem Antrag wird stattgegeben. Er obsiegt demnach 
mit seiner Berufung vollumfänglich. In der Folge hat der Kanton Graubünden (Kan-
tonsgericht) die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen.

Dem Beschuldigten bzw. seinem Verteidiger steht für die Aufwendungen im Beru-
fungsverfahren eine angemessene Entschädigung zu (Art. 429 StPO). Der private 
Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Joseph Sutter, macht einen Aufwand 
von 30.3 Stunden für das Berufungsverfahren geltend (Honorarnoten vom 9. Ja-
nuar 2024 und vom 19. Juni 2024; act. G.2 und G.3). Der im Zusammenhang mit 
dem Plädoyer erfasste Zeitaufwand von beinahe 25 Stunden erscheint unverhält-
nismässig hoch. Er ist um 13 Stunden zu kürzen. Die erfassten Stunden sind um 

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eine Stunde für die Berufungsverhandlung zuzüglich drei Stunden für die An- und 
Rückfahrt zu ergänzen. Insgesamt sind damit 21.3 Stunden zu entschädigen. 
Mangels Honorarvereinbarung ist der Stundenansatz praxisgemäss mit 
CHF 240.00 zu veranschlagen (vgl. PKG 2022 Nr. 11 E. 3.3.2). Hinzu kommen 
Barauslagen von insgesamt CHF 27.00. Die Mehrwertsteuer ist hinzuzurechnen 
(7.7% bis 31. Dezember 2023; 8.1% ab 1. Januar 2024). Rechtsanwalt Joseph 
Sutter ist im Ergebnis mit CHF 5'552.60 zu entschädigen.

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Demnach wird erkannt:

1. A._____ ist schuldig der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss 
Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 36 Abs. 4 SVG, Art. 36 Abs. 4 VRV und Art. 14 
Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.

2.1. A._____ wird bestraft mit einer Busse von CHF 500.00. Die Busse ist zu 
bezahlen.

2.2. Bezahlt A._____ die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine 
Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.

3. Die Untersuchungskosten von CHF 2’030.00 gehen zulasten von A._____.

4.1. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 6'000.00 gehen zu-
lasten von A._____.

4.2. Für das erstinstanzliche Verfahren wird keine Parteientschädigung gespro-
chen.

5.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 4'000.00 gehen zulasten des 
Kantons Graubünden (Kantonsgericht).

5.2. Rechtsanwalt Joseph Sutter wird für das Berufungsverfahren mit 
CHF 5'552.60 zulasten des Kantons Graubünden (Kantonsgericht) ent-
schädigt.

6. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 
30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

7. Mitteilung an: