# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 65bf307d-cffa-5dd8-abdb-3e0dfa1403e0
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-05-23
**Language:** de
**Title:** Solothurn Versicherungsgericht 23.05.2018 VSBES.2016.274
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VSG_001_VSBES-2016-274_2018-05-23.html

## Full Text

Urteil vom 23. Mai 2018

 

Es wirken mit:

Vizepräsidentin Weber-Probst 

Oberrichter Marti 

Oberrichter Kiefer    

Gerichtsschreiberin Jäggi

In Sachen

A.___, vertreten durch Rechtsanwältin Eliane Schürch,

Beschwerdeführer 

 

gegen

IV-Stelle Kt.
Solothurn, Postfach,
4501 Solothurn,

Beschwerdegegnerin 

 

betreffend     Invalidenrente
und berufliche Massnahmen (Verfügung vom 16. September 2016)

 

zieht das Versicherungsgericht
in Erwägung:

I.     
 

 

1.       Der 1984 geborene A.___
(nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich am 4. Juni 2007 unter Hinweis
auf einen seit Januar 2007 bestehenden systemischen Lupus erythematosus bei der
Invalidenversicherungsstelle des Kantons [...] für eine Berufsberatung, eine Umschulung
auf eine neue Tätigkeit und eine Arbeitsvermittlung an (IV-St. Beleg Nr.
[IV-Nr.] 1.2). 

 

1.1     Nach dem Einholen der Akten der
Krankentaggeldversicherung B.___ (IV-Nrn. 1.1, 16), der medizinischen
Akten (IV-Nr. 4) und dem Arbeitgeberfragebogen der Firma C.___ vom
26. Juni 2007 (IV-Nr. 7), wurde mit dem Beschwerdeführer am 31. Juli
2007 ein Erstgespräch Frühintegration durchgeführt (IV-Nr. 10). Nach dem
Einholen des Verlaufsberichts von Dr. med. D.___, Fachärztin FMH Innere Medizin
spez. Rheumatologie, vom 10. September 2007 (IV-Nr. 17) und der
Besprechung sowohl mit der Arbeitgeberin als auch mit der
Krankentaggeldversicherung B.___ des Beschwerdeführers vom 27. September
2007 (IV-Nr. 18), wurden ihm mit Mitteilungen vom 28. September 2007 und
19. Oktober 2007 (IV-Nrn. 19, 29) die Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten und die Übernahme der Kosten für eine Umschulung
zum Automatiktechniker vom 19. Oktober 2007 bis 30. September 2010 in
der Firma E.___ zugesprochen. Während der Dauer der Umschulung wurden dem
Beschwerdeführer Taggelder gewährt (vgl. Verfügungen vom 30. November 2007
und 28. Februar 2008, IV-Nrn. 47, 50). 

 

1.2     Mit Vorbescheid vom
20. März 2008 (IV-Nr. 51) wurde dem Beschwerdeführer der Abbruch der beruflichen
Massnahmen in Aussicht gestellt, da er entgegen dem Eingliederungsplan keinen
Beistand zur Regelung seiner finanziellen Situation organisiert habe und nicht
erreichbar gewesen sei. Dies bestätigte die IV-Stelle des Kantons [...] mit
Verfügung vom 14. Mai 2008 (IV-Nr. 54). Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. Mit Schreiben vom 10. März 2009 (IV-Nr. 57)
stellte die IV-Stelle des Kantons [...] fest, sie habe es versäumt, die
Ausgleichskasse über den Abbruch der Massnahme im Mai 2008 zu informieren. Daher
werde diese gebeten, die Taggelder per 28. Februar 2009 einzustellen.

 

2.       Am 19. März 2009
(IV-Nrn. 60 f.) meldete sich der Beschwerdeführer bei der IV-Stelle des
Kantons Solothurn (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) unter Hinweis auf einen systemischen
Lupus erythematosus seit März 2007 für berufliche Eingliederungsmassnahmen an.
Nach Einholen des Berichts von Dr. med. D.___ vom 16. März 2009
(IV-Nr. 62), der Arbeitszeugnisse (IV-Nrn. 64, 74 f.) und den
Arbeitgeberfragebögen sowohl der Firma C.___ als auch der Firma F.___, beide vom
30. März 2009 (IV-Nrn. 69 f.), führte die Beschwerdegegnerin mit dem
Beschwerdeführer am 8. April 2009 ein Intake-Gespräch durch
(IV-Nr. 72). Mit Mitteilung vom 4. Mai 2009 (IV-Nr. 82) übernahm
die Beschwerdegegnerin die Kosten für ein Coaching in der G.___, [...], vom
5. Mai bis 6. November 2009 für 15 Stunden. Mit Mitteilung vom
17. Dezember 2009 (IV-Nr. 86) wurde vom 16. Dezember 2009 bis
14. Mai 2010 ein Coaching bei der H.___ für 20 Stunden übernommen.
Die Beschwerdegegnerin übernahm zudem mit Mitteilung vom 27. Mai 2010
(IV-Nr. 91) Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Ausbildungskurses (Schulkosten
für drei Semester als Automatiktechniker HF bei der Firma E.___) vom
24. April 2009 bis 2. Oktober 2010. Der nach der Verlängerung des
Coachings bei der H.___ mit Mitteilung vom 28. Mai 2010 (IV-Nr. 93)
ab 17. Mai 2010 für 20 Stunden erstellte Schlussbericht datiert vom
9. September 2010 (IV-Nr. 99). Da der Beschwerdeführer seit Januar
2010 in unbefristeter Anstellung bei der Firma I.___ arbeite, sei er erfolgreich
beruflich eingegliedert. 

 

3.       Am 20. September 2010
(IV-Nr. 95) meldete sich der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegegnerin unter
Hinweis auf einen im Oktober 2009 erlittenen Kahnbeinbruch, der nicht heile, erneut
zum Bezug von beruflichen Eingliederungsmassnahmen an. 

 

3.1     Die Beschwerdegegnerin holte
daraufhin die Akten der Unfallversicherung J.___ ein
(IV-Nrn. 100.1 - 100.34) und sprach dem Beschwerdeführer mit
Mitteilung vom 21. Oktober 2010 (IV-Nr. 105) ab 4. Oktober 2010 eine
Verlängerung des Coachings bei Frau K.___ für 20 Stunden zu. Mit
Abschlussbericht vom 20. April 2011 (IV-Nr. 110) schloss die
Eingliederungsfachfrau L.___ den Fall in der Stellenvermittlung als nicht
eingliederbar ab. Daraufhin holte die Beschwerdegegnerin weitere Akten der
Unfallversicherung J.___ (IV-Nrn. 111.1 - 111.27 und
113.1 - 113.9) sowie medizinische Berichte (IV-Nr. 114) ein und
liess Dr. med. M.___, Facharzt Allgemeine Medizin FMH, Regionaler Ärztlicher
Dienst (RAD), am 5. März 2012 (IV-Nr. 115 S. 2 ff.) dazu
Stellung nehmen. Ihm wurden auch die weiter eingeholten medizinischen Akten
(IV-Nrn. 116 ff. und 120, 123) zu Stellungnahmen vorgelegt. Diese datieren
vom 23. Juli 2012 und 29. April 2013 (IV-Nrn. 119 S. 2 f.,
126 S. 2 ff.). Mit Vorbescheid vom 24. Juni 2013 (IV-Nr. 128)
stellte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer für die Zeiträume vom
1. Februar bis 31. August 2011 und vom 1. Oktober 2012 bis 30. April
2013 je eine ganze Rente in Aussicht. Dagegen liess der Beschwerdeführer am
23. August 2013 Einwände erheben (IV-Nr. 134). Am 9. September
2014 (IV-Nr. 142) wurde ihm mitgeteilt, es sei eine medizinische Abklärung
(Innere Medizin / Rheumatologie durch Dr. med. N.___ und
Psychiatrie durch Dr. med. O.___) notwendig. Der Beschwerdeführer erklärte
sich am 22. September 2014 (IV-Nr. 144) damit einverstanden. Im Abschlussbericht
vom 5. November 2014 (IV-Nr. 147) stellte die Eingliederungsfachfrau P.___
die berufliche Eingliederung ein. Es habe trotz Bemühungen der
Beschwerdegegnerin und der Q.___ keine Arbeitsstelle gefunden werden können. Das
bidisziplinäre Gutachten von Dres. med. O.___ und N.___ wurde am
11. April 2015 erstattet (IV-Nr. 150.1). Mit Schreiben vom 7. Mai
2015 (Eingangsdatum) bzw. Eingabe vom 18. Mai 2015 (IV-Nrn. 156, 158)
liess der Beschwerdeführer gegen die Durchführung der Begutachtung bei
Dr. med. O.___ Einwände erheben. Aufgrund der Stellungnahme der RAD-Ärztin
Dr. med. R.___, Fachärztin Neurologie FMH, vom 1. Juli 2015
(IV-Nr. 159 S. 2), teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
am 2. Juli 2015 mit (IV-Nr. 161), es sei eine weitere medizinische
Untersuchung im Fachbereich Psychiatrie notwendig. Da sich der Beschwerdeführer
mit der ihm vorgeschlagenen Gutachterperson Dr. med. S.___ am 8. Juli
2015 (IV-Nr. 162) nicht einverstanden erklärte und eine bidisziplinäre
Abklärung beantragte, teilte ihm die Beschwerdegegnerin am 14. Juli 2015
mit (IV-Nr. 163), das vorhandene rheumatologische Gutachten sei schlüssig
und nachvollziehbar. Es wurde Dr. med. T.___, FMH Psychiatrie, als
Gutachter vorgeschlagen. Mit diesem erklärte sich der Beschwerdeführer am
23. Juli 2015 einverstanden (IV-Nr. 165). Zum Gutachten von Dr. med. T.___
vom 30. Oktober 2015 (IV-Nr. 169 S. 3 ff.) liess sich der
Beschwerdeführer am 23. November 2015 (IV-Nr. 173) vernehmen. 

 

3.2     Nach Einholen der Stellungnahme
von Dr. med. R.___, RAD, vom 14. Januar 2016 (IV-Nr. 175), stellte
die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Vorbescheid vom 28. Januar
2016 (IV-Nr. 176) für die Zeit vom 1. Februar bis 31. August
2011 und vom 1. Oktober 2012 bis 30. April 2013 sowie vom
1. Oktober 2014 bis 31. Mai 2015 je eine ganze Rente sowie die
Abweisung von beruflichen Massnahmen in Aussicht. Aufgrund der dagegen am 3. März
2016 erhobenen Einwände des Beschwerdeführers (IV-Nr. 179) erliess die
Beschwerdegegnerin am 26. April 2016 einen neuen Vorbescheid
(IV-Nr. 182). Mit diesem wurde dem Beschwerdeführer für die Zeit vom
1. Mai 2010 bis 31. Oktober 2010 eine halbe Rente und vom 1. November
2010 bis 31. August 2011, vom 1. Oktober 2012 bis 30. April 2013
sowie vom 1. Oktober 2014 bis 31. Mai 2015 je eine ganze Rente sowie
die Abweisung von weiteren beruflichen Massnahmen in Aussicht gestellt. Daran
hielt die Beschwerdegegnerin trotz der am 30. Mai 2016 erhobenen Einwände des
Beschwerdeführers (IV-Nr. 184) mit Verfügung vom 16. September 2016
(A.S. [Akten-Seiten] 1 ff.) fest.

 

4.       Dagegen lässt der
Beschwerdeführer am 17. Oktober 2016 beim Versicherungsgericht des Kantons
Solothurn (nachfolgend: Versicherungsgericht) fristgerecht Beschwerde erheben
und folgende Rechtsbegehren stellen (A.S. 11 ff.):

 

1.    Die Verfügung der IV-Stelle Solothurn vom
16. September 2016 sei teilweise aufzuheben.

2.    Dem Beschwerdeführer sei ab 1. Mai
2008 bis 31. August 2011, vom 1. Oktober 2012 bis 30. April 2013
und vom 1. Oktober 2014 bis 1. Juni 2015 eine ganze Rente sowie vom
1. September 2011 bis 30. September 2012, vom 1. Mai 2013 bis
30. September 2014 und ab 1. Juni 2015 mindestens eine halbe IV-Rente
zuzusprechen. 

3.    Dem Beschwerdeführer seien berufliche
Massnahmen respektive eine Umschulung zuzusprechen.

4.    Dem Beschwerdeführer sei die
vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und die unterzeichnete
Rechtsanwältin als unentgeltliche Rechtsbeiständin einzusetzen.

5.    Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

Verfahrens- und Beweisanträge:

1.    Es sei eine öffentliche Gerichtsverhandlung
mit Publikums- und Presseanwesenheit nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK
durchzuführen.

2.    Es sei der Beschwerdeführer als Partei
zu befragen.

3.    Es sei eine umfassende medizinische und
psychiatrische Begutachtung durchzuführen.

 

5.       Die Beschwerdegegnerin
schliesst mit Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2016 auf Abweisung der
Beschwerde (A.S. 41 f.).

 

6.       Mit Verfügung vom 13. Februar
2017 (A.S. 47 f.) stellt der Instruktionsrichter des Versicherungsgerichts
fest, der Beschwerdeführer habe auf das Einreichen einer Replik verzichtet. Es
wird weiter festgestellt, dass innert Frist weder ein ausgefülltes «Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege nach Art. 119 ZPO» noch die gemäss Verfügung
vom 18. Oktober 2016 einverlangten Unterlagen vollständig beim Gericht
eingereicht worden seien. Daher werde auf das Gesuch um Erteilung der
unentgeltlichen Rechtspflege – wie angedroht – nicht eingetreten. 

 

7.       Ein Doppel der Kostennote vom
10. März 2017 der Vertreterin des Beschwerdeführers (A.S. 50 ff.) geht
mit Verfügung vom 14. März 2017 (A.S. 53) zur Kenntnisnahme an die
Beschwerdegegnerin. 

 

8.       Mit Verfügung vom 25. Juli
2017 (A.S. 56) wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer neu durch
Rechtsanwältin Eliane Schürch vertreten sei.

 

9.       Mit Eingabe vom 23. April
2018 (A.S. 60) verzichtet der Beschwerdeführer auf die Durchführung einer
öffentlichen Verhandlung.

 

10.     Auf die Ausführungen der
Parteien in ihren Rechtsschriften wird nachfolgend, soweit erforderlich,
eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen.

 

II.    
 

 

1.

1.1     Die Sachurteilsvoraussetzungen
(Einhaltung der Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

 

1.2     In zeitlicher Hinsicht sind
diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Verwirklichung des zu Rechtsfolgen
führenden Sachverhalts gelten (BGE 132 V 215 E. 3.1.1 S. 220, 131 V 9
E. 1 S. 11 und 109 E. 1, 127 V 466 E. 1 S. 469; Urteil
des Bundesgerichts 8C_35/2017 vom 4. August 2017 E. 3.1). Da die
vorliegend angefochtene Verfügung am 16. September 2016 erging, sind die
am 16. September 2016 geltenden Bestimmungen massgebend.

 

2.

2.1     Nach Art. 28 Abs. 1
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) jene
Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können
(lit. a) und zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 Bundesgesetz
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1])
gewesen sind (lit. b) sowie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind. Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG
besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person
mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

 

2.2     Invalidität ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Die Invalidität gilt als
eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige
Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 IVG).

 

2.3     Bei erwerbstätigen Versicherten
ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG). Für den Einkommensvergleich sind die
Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und
allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum
Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 142 V 178 E. 2.2
S. 182, 129 V 222).

 

2.4     Um den Invaliditätsgrad bemessen
zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im
Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 196, 132 V 93 E. 4, 125 V 256 E. 4
S. 261; Urteil des Bundesgerichts 8C_575/2016 vom 6. Dezember 2016
E. 2).

 

3.

3.1     Nach Art. 8 Abs. 1 IVG
haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a); und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind
(lit. b). 

 

3.2     Zu den Eingliederungsmassnahmen
gehört im Rahmen der Massnahmen beruflicher Art auch die Umschulung. Gemäss
Art. 17 Abs. 1 IVG besteht ein Anspruch auf eine Umschulung in eine
neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist
und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich
verbessert werden kann. Eine Invalidität im Sinn dieser Bestimmung liegt vor,
wenn eine versicherte Person in der bisher ausgeübten Arbeit oder in den ihr
ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden, zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine Erwerbseinbusse von mindestens 20 % erleidet,
wobei es sich dabei lediglich um einen Richtwert handelt. Die versicherte
Person muss also in den ohne zusätzliche berufliche Ausbildung noch zumutbaren
Erwerbstätigkeiten in diesem Ausmass eine bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbseinbusse erleiden (BGE 124 V 108 E. 2b S. 110 f., vgl.
auch 130 V 488 E. 4.2 S. 489 f. je mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts 8C_716/2016 vom 1. Februar 2017 E. 4.1.3).

 

4.

4.1     Das Administrativverfahren vor
der IV-Stelle, wie auch der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom
Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61
lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese
Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des
streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht.
Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum – auf Verwaltungs- und
Gerichtsstufe ebenfalls in gleicher Weise geltenden – Prinzip der freien Beweiswürdigung
(Art. 61 lit. c in fine ATSG) auf (einschliesslich die antizipierte
Beweiswürdigung): Führt die pflichtgemässe, umfassende und sachbezogene
Beweiswürdigung den Versicherungsträger oder das Gericht zur Überzeugung, der
Sachverhalt sei hinreichend abgeklärt, darf von weiteren Untersuchungen
(Beweismassnahmen) abgesehen werden. Ergibt die Beweiswürdigung jedoch, dass
erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit
von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu
erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2007 vom 9. April 2008
E. 2.2.1 mit vielen Hinweisen). 

 

4.2     Versicherungsträger und
Sozialversicherungsrichter haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
(Art. 61 lit. c ATSG; BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; Urteil
des Bundesgerichts 9C_888/2011 vom 13. Juni 2012 E. 4.2). Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialversicherungsrichter alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf er bei
einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er
auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Der
Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung
der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten, sondern dessen Inhalt (Urteil des Bundesgerichts 8C_63/2011 vom
27. Mai
2011 E. 4.4.2; BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a
S. 352; AHI 2001 S. 113 f. E. 3a; RKUV 2003 U 487 S. 345
E. 5.1).

 

5.       Es ist vorliegend streitig und
zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 16. September
2016 (A.S. 1 ff.) das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers auf weitere
berufliche Eingliederungsmassnahmen, insbesondere auf eine Umschulung, zu Recht
abgewiesen hat, und ob die dem Beschwerdeführer zugesprochenen befristeten Invalidenrenten
korrekt sind.

 

6.       Für die Beurteilung der
Leistungsansprüche des Beschwerdeführers sind im Wesentlichen die folgenden medizinischen
Unterlagen relevant:

 

6.1     Dr. med. D.___, Innere Medizin
und Rheumatologie FMH, hielt im Bericht vom 10. Mai 2007 (IV-Nr. 4
S. 3 ff.) aufgrund der Untersuchungen vom 23. April und 9. Mai
2007 folgende Diagnosen fest:

 

1.    Dringender Verdacht auf systemischen
Lupus erythematosus mit / bei

-    
Positiven Antinukleären Antikörpern
und positiven Anti-dS-DNA-Antikörpern

-    
Anämie

-    
Polyarthritis

-    
Verdacht auf Antiphospholipid-Syndrom
mit positiven Anti-Cardiolipin Antikörpern und Anamnese eines passageren
sensomotorischen Hemisyndroms vor 2 Jahren sowie Migräne mit ophthalmologischer
Aura

2.    Status nach Muskelfaserriss
des Musculus semimembranosus und Caput breve des Biceps femoris links März 2007

3.    Offenes Foramen ovale

 

Aufgrund all dieser Befunde, der
positiven Antinukleären Antikörper, der positiven relativ spezifischen Anti-dS-DNA-Antikörper
und den positiven Anti-Cardiolipin-Antikörpern, einer stark erhöhten Senkung
bei normalem CRP (C-reaktives Protein), einer Anämie und einer ausgeprägten
Polyarthritis, könne die Diagnose eines systemischen Lupus erythematosus
gestellt werden. Retrospektiv könnten sogar die Migräne und das passagere
Hemisyndrom Ausdruck eines Antiphospholipid-Syndroms sein, welches einerseits
als alleinige Erkrankung oder aber in Zusammenhang mit einem systemischen Lupus
auftreten könne. Es könne natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass das Hemisyndrom
mit dem Foramen ovale in Zusammenhang gestanden habe. Für die sichere Diagnose
eines Antiphospholipid-Syndroms müssten die Anti-Cardiolipin-Antikörper
wiederholt positiv getestet werden.

Selbstverständlich dränge sich hier in
Anbetracht der einschränkenden und ausgeprägten Polyarthritis die sofortige
Aufnahme einer Basistherapie auf. Entzündliche Usurierungen am Knochen seien
glücklicherweise noch nicht nachweisbar. Sie seien beim Lupus auch sehr viel seltener
als bei der rheumatoiden Arthritis. Dem Beschwerdeführer sei als erstes die
Aufnahme der Behandlung mit Plaquenil in der Initialdosis von 2 x 200 mg
verordnet worden sowie zur Überbrückung der Zeitdauer bis zum Ansprechen der
Basismedikation Spiricort, zunächst in einer Dosis von 20 mg täglich. Nach
einer Woche könne der Beschwerdeführer versuchen auf 10 mg zurückzugehen. 

 

6.2     Mit Schreiben vom 13. Juni
2007 (IV-Nr. 4 S. 2) hielt Dr. med. D.___ fest, beim Beschwerdeführer
sei erst vor circa einem Monat die Diagnose eines Systemischen Lupus
erythematosus mit Polyarthritis und Anämie gestellt worden. Es sei eine
Basistherapie eingeleitet worden. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es viel zu früh,
das Ansprechen auf die Therapie und die Prognose bezüglich der weiteren
Arbeitsfähigkeit abzuschätzen. Vorläufig sei vereinbart worden, dass dem
Beschwerdeführer in seiner Firma eine leichtere Tätigkeit zugewiesen werde, die
er ab dem 4. Juni 2007 versuchsweise aufgenommen habe. Möglicherweise
könne er diese Tätigkeit mit wechselnder Belastung und der Möglichkeit,
zwischendurch zu sitzen, demnächst zu 100 % aufnehmen. Das bleibe aber
vorläufig noch abzuwarten. 

 

6.3     Im Verlaufsbericht vom
10. September 2007 (IV-Nr. 17) hielt Dr. med. D.___ fest, der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich verbessert. Es sei keine
Änderung der Diagnose eingetreten. Die Entzündungszeichen, die Anämie und die
Gelenksschwellungen hätten sich unter der Basistherapie und systemischen
Kortikosteroidtherapie weiter zurückgebildet. Es seien berufliche Massnahmen
angezeigt. Aufgrund der Gelenkbeschwerden, welche auch die unteren Extremitäten
betreffen würden, habe der Beschwerdeführer Mühe, bei der bisherigen Arbeit den
ganzen Tag zu stehen. Das führe zu verstärkten Schmerzen in den Füssen und zu
einer verminderten Leistungsfähigkeit. Ihm sei die bisherige Tätigkeit noch
zumutbar, wobei der zeitliche Rahmen in den vergangenen Monaten stark variabel
gewesen sei und von 0 - 100 % gereicht habe. Zum jetzigen
Zeitpunkt bestehe keine verminderte Leistungsfähigkeit. Die Arbeitsfähigkeit
könne am bisherigen Arbeitsplatz bzw. im bisherigen Tätigkeitsbereich
verbessert werden. Durch die medizinischen Massnahmen hätten sich die
Entzündungszeichen soweit gebessert, dass die Arbeitsfähigkeit in den letzten
Wochen wieder habe verbessert werden können, aber wie im ersten Teil erwähnt, sei
mit Rückfällen zu rechnen und bei verstärkter körperlicher Belastung auch mit
einem Wiederaufflammen der Entzündungszeichen in den Gelenken. Längerfristig sei
es deshalb sinnvoll, den Arbeitsplatz entweder so umzugestalten, dass eine
wechselbelastende Tätigkeit möglich werde, oder es sei eine Umschulung auf eine
körperlich weniger belastende Tätigkeit vorzunehmen. Es sei schwierig im Voraus
zu beantworten, wie sich diese Massnahmen auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten.
Bei optimalem Verlauf und optimaler Therapie und günstigen Verhältnissen am
Arbeitsplatz könne möglicherweise eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erhalten werden.
Dem Beschwerdeführer seien andere Tätigkeiten zumutbar. Dabei handle es sich um
sämtliche Tätigkeiten mit körperlich wenig belastenden Aufgaben, vor allem
sitzende Tätigkeiten, Büroarbeiten, Planungsarbeiten, manuelle Tätigkeiten mit
der Möglichkeit zu sitzen. Diese Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer
vollzeitig, d.h. 8 bis 9 Stunden pro Tag zumutbar. In diesem zeitlichen Rahmen
bestehe zum jetzigen Zeitpunkt keine verminderte Leistungsfähigkeit. 

 

6.4     Im Schlussbericht vom
12. Februar 2009 (IV-Nr. 77 S. 3 f.) hielt Dr. med. U.___,
Facharzt FMH für Pneumologie und Innere Medizin, aufgrund der pneumologischen
Abklärung mit Standortbestimmung bei systemischem Lupus erythematosus mit
positiven ANAK und Anti DNS-Antikörpern, folgende Diagnose fest: 

 

Ausschluss eines Asthmas
bronchiale mit normalem Methacholintest und normalen FeNO, normale bodyplethysmographische
Lungenfunktionsprüfung mit grenzwertig erniedrigter Diffusionskapazität
(Einatemzugmethode)

 

Aktuell stehe der Beschwerdeführer unter
einer Medikation mit 2 x 200 mg Plaquenil und 15 mg
Spiricort. Hämaglobin 16,1 g/dl. Normale Leukozyten- und Thrombozytenzahl
266 G/l. Zum Ausschluss einer asthmatischen Genese bzw. asthmatischen
Entzündung sei das FeNO gemessen worden mit einem Ergebnis von 18 ppb, im
Normbereich der nicht asthmatischen Entzündung liegend.

Die bodyplethysmographische grosse
Lungenfunktionsprüfung ergebe normale statische und dynamische Lungenvolumina,
einen abnormalen Tiffeneau-Test, eine normale Blutgasanalyse in Ruhe. Die
Diffusionskapazität, gemessen mit der Ein-atemzugmethode, zeige einen
grenzwertigen, erniedrigten Wert von 69 %. Der direkt daran angeschlossene
unspezifische Broncho-Provokationstest mit Methacholin sei negativ. Es zeige
sich keine unspezifische, bronchiale Hyperreagibilität.

Die Anstrengungsintoleranz und
Anstrengungsdyspnoe des Beschwerdeführers könnten aufgrund der Befunde durchaus
in Zusammenhang mit einer beginnenden pulmonal arteriellen Hypertonie liegen.
Aus diesem Grunde werde empfohlen, den Beschwerdeführer echokardiographisch mit
dieser Fragestellung untersuchen zulassen und je nach beabsichtigter weiterer
rheumatologischer Therapie als Baseline Untersuchung eine Computertomographie
des Thorax ohne Kontrastmittel anfertigen zu lassen, zum Ausschluss einer Lungenparenchym-Beteiligung.
Aufgrund der eigenen Lungenfunktionsprüfung sei ein Lungenparenchymbefall durch
den Lupus zurzeit aber eher unwahrscheinlich.

 

6.5     Dr. med. D.___ hielt im
Zwischenbericht vom 16. März 2009 (IV-Nr. 77 S. 1 f.) aufgrund
der regelmässigen Behandlung des Beschwerdeführers seit August 2008 folgende
Diagnosen fest:

 

1. Systemischer Lupus erythematosus mit / bei

-    
positiven ANAK und Anti-ds-Antikörpern

-    
Polyarthritis

-    
Passagere Anämie und
Thrombozytopenie

-    
Aktuell Anstrengungsdyspnoe
unklarer Ätiologie, möglicherweise im Rahmen einer pulmonal arteriellen
Hypertonie

 

Der Beschwerdeführer habe sich ab August
2008 wieder in die Behandlung begeben, weil ein akuter Schub der
Gelenksentzündung aufgetreten sei unter alleiniger Plaquenil - Behandlung. Es
sei ihm ein Kortikosteroidstoss verordnet worden und sie hätten versucht, das
Medikament langsam zu reduzieren. Das sei leider nicht gelungen, es seien unter
Reduktion der Kortikosteroiddosis sofort wieder verstärkt Gelenkschmerzen und
Schwellungen aufgetreten, so dass die Dosis bei 20 mg habe beibehalten werden
müssen. Dr. med. D.___ habe sich deshalb Mitte Oktober zu einer Basistherapie
mit Methotrexat entschlossen und habe dem Beschwerdeführer 10 mg
Methotrexat wöchentlich subkutan verordnet. Noch bevor überhaupt ein Effekt
dieser zusätzlichen Basistherapie hätte beurteilt werden können, nämlich schon
im November, habe der Beschwerdeführer dann über verstärkte Anstrengungsdyspnoe
beim Sport und Treppensteigen geklagt, sodass das Medikament aus Furcht vor
einer möglichen Methotrexat Pneumonitis wieder abgesetzt worden sei. Das
Thoraxröntgenbild habe zwar keine lnfiltrate gezeigt, aber es habe keine andere
Erklärung für die Dyspnoe bestanden. Inzwischen habe diese Anstrengungsdyspnoe
leider nicht aufgehört und der Beschwerdeführer sei deshalb an Dr. med. U.___
zur Abklärung weitergewiesen worden (vgl. E. II. 6.4 hiervor). Aufgrund dessen
Empfehlung, bei dieser Grundkrankheit eine arterielle Hypertonie zu suchen, sei
der Beschwerdeführer inzwischen bei Dr. med. V.___ angemeldet.

Unter 15 - 20 mg
Spiricort und 2 x 200 mg Plaquenil seien die Gelenksentzündungen
einigermassen unter Kontrolle, aber der Beschwerdeführer sei nicht
beschwerdefrei, er klage auch wieder über eine starke Müdigkeit. Das sei eine
unbefriedigende Situation, denn eine längerfristige Spiricortdosierung in
dieser Dosis sei nicht von Vorteil. 

Der Beschwerdeführer sei zurzeit für
körperlich belastende Arbeiten nicht arbeitsfähig. Körperlich leichte Arbeiten
wären ihm medizinisch theoretisch zuzumuten, inwiefern er durch die
krankheitsbedingte Müdigkeit in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei, sei
schwierig zu quantifizieren und hänge wohl von der jeweiligen Tagesform ab.

 

6.6     Dr. med. V.___, Kardiologie und
Innere Medizin FMH, hielt im Bericht vom 17. März 2009 (IV-Nr. 116 S. 5
ff.) betreffend die am 16. März 2009 durchgeführte
Kontrollechokardiographie folgende Diagnosen fest:

 

−  Systemischer Lupus erythematosus Erstdiagnose
2007

−   
aktuell unter Therapie
subtotale Remission

−  Status nach wahrscheinlich Methotrexat
Pneumonitis 2008

−  Migräne accompagnée

−  Offenes Foramen ovale mit

−   
Status nach sensiblem
Hemisyndrom links 2004

−   
DD im Rahmen der Migräne

 

Ad Pulmonalisdruck: Es finde sich ein
vollständig normaler Pulmonalisdruck mit einem maximalen Gradienten über der TK
von 20 mmHg, entsprechend einem Pulmonalisdruck von 26 mmHg
systolisch. Damit bestehe keine sekundäre Veränderung bei Status nach
wahrscheinlich Methotrexat-Pneumonitis oder sogar eine Veränderung des
pulmonalen Widerstandes im Rahmen der Kollagenose. Die übrigen
echokardiographischen Befunde transthorakal seien ebenfalls vollständig normal.

Ad Foramen ovale: Die aktuelle
Untersuchung sei zum Anlass genommen worden, nochmals über das adäquate
Procedere bezüglich dem seit 2004 bekannten, offenen Foramen ovale Stellung zu
nehmen. 2004 habe die Abklärung im Rahmen eines TIAs zum Nachweis des offenen
Foramens mittels einer Kontrastechokardiographie geführt. Fokale ischämische
Läsionen seien nicht nachgewiesen worden und es habe entweder eine paradoxe
Embolie durch das Foramen ovale angenommen werden müssen oder es bestehe natürlich
auch noch ein Zusammenhang mit einer recht klassisch präsentierenden Migräne
accompagnée. Ohne weitere Therapie sei der Beschwerdeführer von dieser Seite
her beschwerdefrei geblieben, es sei nie mehr zu einem neurologischen Ausfallereignis
dieser Art gekommen. Nach wie vor, jedoch seltener, bestünden noch
Migräne-Anfälle mit oculären und gelegentlich auch linksseitig sensiblen
Symptomen. Echokardiographisch finde sich ein unveränderter Befund zu 2004,
insbesondere transthorakal kein Nachweis eines Vorhofaneurysmas. Damit werde
empfohlen, bei dem konservativen Therapieprocedere zu bleiben und von einem
Verschluss mit einem Schirm abzusehen. 

 

6.7     Dr. med. V.___ hielt im Bericht
vom 11. März 2010 (IV-Nr. 116 S. 3 f.) betreffend die am
8. März 2010 durchgeführte Duplexsonographie der Vena subclavia und
axillaris rechts folgende Diagnosen fest: 

 

−  Subclaviathrombose rechts

−  Systemischer Lupus erythematodes, Erstdiagnose
2007

−   
aktuell: unter Therapie
gering symptomatisch

−  Status nach Methotrexat-Pneumonitis 2008

− 
Migräne
accompagnée

− 
Offenes
Foramen ovale mit:

−   
Status nach sensiblem
Hemisyndrom links 2004

 

Die aktuelle Duplexsonographie bestätige
die Verdachtsdiagnose. Beim Beschwerdeführer bestehe aktuell eine Subclaviathrombose
rechts. Die A. axillaris gegen distal und die proximalen Abschnitte der
Subclavia gegen den Truncus brachiocephalicus zu seien offen. Es handle sich um
eine isolierte Subclaviathrombose ohne begleitende andere pathologische
Strukturen in diesem Bereich. Therapeutisch sei eine Antikoagulation zwingend
und es werde eine orale Antikoagulation für mindestens drei Monate empfohlen.
Vor Absetzen derselben werde geraten, den Beschwerdeführer zusätzlich an einer
universitären Hämatologie bezüglich Gerinnungspathologie abzuklären. Ein
ursächlicher Zusammenhang der aktuellen Subclaviathrombose mit dem systemischen
Lupus erythematodes scheine wahrscheinlich, der Beschwerdeführer weise aber
eine nicht ganz unauffällige Venen- und Thromboseanamnese auf, so berichte er
über bereits früher wiederholte oberflächliche Thrombophlebitiden im Bereich des
oberflächlichen Venensystems der Unterschenkel.

 

6.8     Dr. med. W.___, Leitender Arzt, X.___,
Institut für Medizinische Diagnostik, hielt betreffend die am 23. August
2010 durchgeführte CT des Handgelenks links fest, es lägen zum Vergleich eine
CT vom 29. April 2010 und Röntgen-Bilder vom 20. August 2010 vor
(IV-Nr. 150.2 S. 16). Befund und Beurteilung: Weiterhin keine Konsolidation
bei unveränderter Weite des Pseudarthrosespaltes im mittleren Scaphoiddrittel
(das Knocheninterponat sei nicht abgrenzbar); neu diskreter Aufhellungssaum um
das distale Gewinde der Herbert-Schraube DD Artefakt, fortgeschrittene
Lockerungszeichen fänden sich jedoch nicht; sonst unverändert.

 

6.9     Dr. med. Y.___, Leitender Arzt, X.___,
Orthopädische Klinik, hielt im Bericht vom 1. September 2010
(IV-Nr. 100.8) folgende Diagnosen fest:

 

−    
Scaphoidpseudoarthrose
links

−    
Status nach perkutaner
Osteosynthese 2. Februar 2010

−    
Status nach Frakturausräumung,
Interposition mit Beckenkamm bei liegender Herbertschraube wegen fehlender
Konsolidation am 17. Mai 2010

 

Im Oktober 2009 sei der Beschwerdeführer
auf die linke Hand gestürzt und habe sich oben genannte Fraktur zugezogen. Die
MRI-Untersuchung sei erst Ende 2009 durchgeführt worden. Die Operation mit
einer minimalen invasiven Schraubenosteosynthese mit kanulierter
Herbertschraube sei am 2. Februar 2010 durchgeführt worden. Wegen
fehlender Konsolidation seien die Frakturausräumung und Interposition mit Beckenkamm
am 17. Mai 2010 durchgeführt worden (die Herbertschraube sei bei dieser
Operation noch mit 2 Umdrehungen reingedreht worden). Trotz konsequenter
Ruhigstellung für 12 Wochen keine Heilung nach diesem 2. Eingriff. Die
Revaskularisation nach Zaidemberg sei indiziert.

 

6.10   Prof. Dr. med. Z.___, Facharzt
FMH Chirurgie, spez. Handchirurgie, AA.___, Handchirurgie Zentrum, hielt im
Austrittsbericht vom 29. September 2010 (IV-Nr. 111.27) die Diagnose
einer «nicht heilenden Skaphoidpseud-arthrose links» fest. Der
Revaskularisierungsversuch mit Zaidembergspan sei wie geplant durchgeführt
worden, es habe sich aber gezeigt, dass die Pseudarthrose mit einliegender
Schraube noch völlig unstabil gewesen sei, so dass die Montage des kleinen
dorsalen Spanes zur Stabilisierung allein nicht ausreichend gewesen sei. Die
von dorsal proximal eingebrachte Herbertschraube sei daher entfernt, die Pseud-arthrose
nochmals angefrischt und mit Spongiosa aufgefüllt worden. Zusätzlich zum dorsal
montierten Zaidembergspan sei palmar von distal nach proximal eine Herbertschraube
eingebracht worden, wodurch eine stabile Montage erreicht worden sei. Der
Verlauf sei im Weiteren ohne Besonderheiten gewesen, mit reizlosen Wunden sei der
Beschwerdeführer am 15. September aus stationärer Behandlung entlassen
worden. Am 27. September seien die Fäden entfernt und ein Skaphoidgips
angelegt worden, welcher für 2 x 5 Wochen vorgesehen sei. Erst dann werde
erkennbar, ob die Stabilisierung diesmal gelungen sei.

 

6.11   Dr. med. AB.___, [...], hielt
aufgrund der Multislice-CT Scaphoid vom 17. März 2011 im Bericht vom
17. März 2011 (IV-Nr. 111.4) folgende Beurteilung fest:
Scaphoidfraktur / Pseudoarthrose weiterhin nicht durchgebaut.
Zusätzliche Kleinfragmentarium-Querschraube im proximalen Scaphoidpol mit
direktem Kontakt der Spitze zum Os lunatum hin und überstehendem
Schraubenköpfchen radialseitig.

 

6.12   Prof. Dr. med. AC.___, Leitender
Arzt, und Dr. med. AD.___, Assistenzarzt, AE.___, Medizinische Poliklinik und
Nephrologie / Rheumatologie / Allergologie, führten im
Bericht vom 30. März 2011 aufgrund der Immunologiesprechstunde vom
22. März 2011 (IV-Nr. 114 S. 4 ff.) folgende Diagnosen auf:

 

1. Systemischer Lupus erythematodes, Erstdiagnose 2007

−    
Rezidivierende
Polyarthritiden, Arthralgien, Myalgien, Fotosensitivität

−    
ANA und Anti-dsDNA-Ak
positiv

−    
Status nach Venenthrombose
der V. subclavia rechts März 2010, unter OAK März - September 2010

−    
Verdacht auf Antiphospholipid-Syndrom:
Lupus antikoagulans positiv, Cardiolipin- und Anti-β2-Glykoprotein 1-Ak
negativ. Wiederholungstestung mit D-Dimeren im Juni 2011 ausstehend

−    
Hypokomplementämie

−    
Rezidivierende Migräne

−    
Stabiler Verlauf unter
Plaquenil 400 mg pro Tag

2. Status nach sensiblem Hemisyndrom links 2004 DD Migraine
accompagnée

          DD Transiotrisch ischämische
Attacke bei Offenem Foramen ovale

3. Chronisch rezidivierende Migräne-Kopfschmerzen

−    
4 - 6 Episoden /
Jahr

4. Status nach Scaphoidfraktur links

−    
Mehrfach re-operiert wegen
kompliziertem Verlauf mit Pseudoarthrose

 

Klinisch, anamnestisch und aufgrund von ergänzenden
Laboranalysen bestehe ein stabiler Verlauf des systemischen Lupus erythematodes
ohne Hinweise für eine erhöhte entzündliche Aktivität. Die Therapie mit
Plaquenil in der Dosierung von 400 mg pro Tag werde gut vertragen und
sollte fortgeführt werden. Die leichten restlichen Arthralgien würden mit NSAR
gut kontrolliert. In einer ergänzenden Gerinnungsabklärung
habe sich ein positives Lupus Antikoagulans, bei sonst negativen
Anti-Phospholipidantikörpern, gezeigt. Nach Diskussion der Befunde mit einem
Arzt der Hämostaseologie müsse die Bestimmung des Lupus Antikoagulans wegen häufig
falsch-positiver Befunde nach einem Intervall von 10 - 12 Wochen
wiederholt werden, ohne dass eine Antikoagulation zwischenzeitlich
stattgefunden haben dürfe. Bestätige sich das positive Lupus Antikoagulans, so
müsste in Anbetracht der stattgehabten Thrombosen dann die Diagnose eines
Antiphospholipid-Syndroms gestellt und der Beschwerdeführer bis zum
Verschwinden der Antikörper koaguliert werden. Sollten unabhängig davon die
dann auch zu bestimmenden D-Dimere über einen Wert von 0,7 ug/ml erhöht
sein, so spräche dies für eine dann noch nicht suffizient
abgeheilte / rekanalisierte V. subclavia-Thrombose, welche per se
einen Grund für eine Antikoagulation darstellen würde. 

Im Telefonat vom 27. April 2011 mit
dem Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med. AF.___, sei die Indikation zur
Thrombozytenaggregationshemmung bei Status nach sensibler Hemisymptomatik 2004
besprochen worden. Nach der Aktenlage habe man sich damals in Übereinkunft mit
dem behandelnden Kardiologen für eine Migraine accompagnée als wahrscheinliche
Ursache der neurologischen Symptomatik und gegen eine gekreuzte Embolie bei
offenem Foramen ovale entschieden, bei damals gänzlich unauffälligem MRI des Kopfes.
Deshalb sei auf eine prophylaktische Gabe eines Thrombozytenaggregationshemmers
verzichtet worden. Sollte sich ein Antiphospholipid-Syndrom bestätigen, so
würde letztere durch eine dann indizierte orale Antikoagulation ohnehin
hinfällig. Zwischenzeitlich würde eine Gabe von ASS 100 mg einmal täglich
die Diagnostik hinsichtlich Lupus antikoagulans nicht beeinflussen und werde zumindest
bis zur diesbezüglichen Klärung empfohlen.

 

6.13   Im Ärztlichen Zwischenbericht vom
26. Juli 2011 (IV-Nr. 113.2) hielt Prof. Dr. med. Z.___ die Diagnose
einer «zweimal voroperierten Skaphoidpseudarthrose links» fest. Am 13. September
2010 habe eine erneute Stabilisierung und Revaskularisierung mit Zaidembergspan
stattgefunden. Anschliessend Beförderung des Durchbaus mit Magnetodyne. Die
Behandlung dauere über vier Wochen. Die letzte Kontrolle habe am 11. Juli
2011 stattgefunden, nachdem der Beschwerdeführer am 6. Juli 2011 auf der
Treppe gestürzt und auf die linke Hand gefallen sei und wieder Beschwerden
gehabt habe. Die Röntgendurchleuchtung zeige aber eine unverändert stabile
Situation des Skaphoids mit weiteren Anzeichen fortschreitenden Durchbaus. Die
Arbeit habe der Beschwerdeführer ab 1. Juni 2011 zu 100 % wieder
aufgenommen.

 

6.14   Im Notfallbericht vom
31. Oktober 2011 (IV-Nr. 123 S. 12 f.) hielten Prof. AC.___ und
Dr. med. AG.___, Assistenzarzt, X.___, Medizinische Klinik, Interdisziplinäre
Notfallstation, folgende Hauptdiagnosen fest:

 

1. Unklare Bewusstlosigkeit mit Amnesie nach Zusammenprall
beim Handballspielen

−   
DD: Epileptischer Anfall

2. Lupus erythematodes (AE.___)

−   
unter OAK

−   
INR aktuell 2,46

 

Die wegen wiederholter Arthralgien
angesetzte Prednison-Medikation sei nicht ausreichend effektiv gewesen, um die
Arthralgien zu unterdrücken und sei vom Beschwerdeführer wegen unreiner Haut auch
schlecht akzeptiert worden. Es werde deshalb ein Versuch mit Mycophenolate Mofetil
(CellCept) in niedriger Dosierung (1 g / Tag) unternommen. Im
Verlauf müsse der Erfolg der Medikation evaluiert werden. Bei gutem Ansprechen
könne versucht werden, die Dosierung auf 500 mg / Tag zu
reduzieren. Bei leicht erniedrigtem MCV sollte der Ferritin-Spiegel bei der
nächsten Blutentnahme kontrolliert werden, möglicherweise liege ein beginnender
Eisenmangel vor. 

 

6.15   Der RAD-Arzt Dr. med. M.___,
Facharzt Allgemeine Medizin FMH, führte in seiner Stellungnahme vom 5. März
2012 (IV-Nr. 115 S. 2 ff.) aus, der Beschwerdeführer leide an den
Folgen eines Unfalls und an einer schweren, chronischen rheumatischen
Grundkrankheit. Bezüglich der Krankheit sei die Zeit vom Februar 2009 bis März
2011 schlecht dokumentiert. Die schwere, unheilbare Erkrankung (Lupus
erythematodes) habe mit Sicherheit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt und
möglicherweise noch immer. Aus diesem Grund sei ja von der IV-Stelle des
Kantons [...] auch eine Umschulung auf einen körperlich leichteren Beruf
eingeleitet worden. Am 31. Oktober 2009 habe sich während der Ausbildung
ein Sportunfall ereignet. Laut Unfallversicherung J.___ sei der
Beschwerdeführer jedoch ab 1. Juni 2011 wieder 100 % arbeitsfähig
(vgl. IV-Nr. 113.5). Nach den Unterlagen der Unfallversicherung J.___ habe
in der Zeit von Februar 2010 bis Mai 2011 eine Arbeitsunfähigkeit wegen des
Unfalls bestanden. Über den Gesundheitszustand bezüglich Lupus und dessen
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wisse man aber leider nichts. Die Frage,
ab wann und in welchem Ausmass eine Arbeitsunfähigkeit in der neu angestammten
Tätigkeit als Techniker HF medizinisch ausgewiesen sei, lasse sich mit den
vorhandenen medizinischen Unterlagen nicht beantworten. Es sei ein Arztbericht
bei der medizinischen Poliklinik [...] mit der Frage nach der Arbeitsfähigkeit
wegen des Lupus (ohne Berücksichtigung der Unfallfolgen an der linken Hand) in
der Beobachtungszeit seit Februar 2011 bis heute, mit der Bitte um Beilage der
vorliegenden Berichte seit September 2011 (Dezember 2011, evtl. noch später?)
einzuholen. Es seien auch die vorliegenden ärztlichen Berichte bei Dr. med. V.___
von 2009 sowie ein Arztbericht bei Dr. med. D.___ mit der Bitte um
Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit in der Zeit seit Behandlungsbeginn bei ihr
(Juni 2007?) einzuholen.

 

6.16   Dr. med. D.___ hielt im
Verlaufsbericht vom 10. April 2012 (IV-Nr. 117) fest, der
Gesundheitszustand sei stationär. Unter dem Titel «Änderungen der Diagnose»
wurden Folgendes aufgeführt:

 

1.    Systemischer Lupus erythematosus mit / bei

−   
positiven Antinukleären
Antikörpern und Anti-DNS-Antikörpern

−   
Polyarthritis

−   
passagere Anämie und
Thrombozytopenie

−   
rezidivierende Migräne

−   
Antiphospholipidsyndrom mit
Status nach Venenthrombose der Vena Subclavia rechts im März 2010

2.    Scaphoid-Fraktur wahrscheinlich im
Oktober 2009, Diagnosestellung im Januar 2010, Operation und 2. Operation
am 17. Mai 2010, 3. Operation im September 2010

3.    Status nach sensiblem Hemisyndrom links
2004 DD Migraine accompagnée DD transitorische ischämische Attacke bei offenem
Foramen ovale

 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe
in erster Linie die Scaphoid-Fraktur und während gewissen Perioden sei die
Arbeitsfähigkeit auch durch den Lupus eingeschränkt gewesen. Kurz vor und bei
Diagnosestellung im April 2007 sei der Beschwerdeführer 100 %
arbeitsunfähig gewesen. Ab Juni 2007 sei dann noch eine 50%ige und ab dem
23. Juli 2007 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit geblieben. In der zweiten
Hälfte 2007 sei eine medizinisch-theoretisch Arbeitsfähigkeit von 100 % für
leichte körperlich wenig belastende Tätigkeiten vorhanden gewesen. Dies mit
leichten Einschränkungen je nach Krankheitsaktivität, die damals recht gut
unter Kontrolle gewesen sei. 2008 sei wegen verstärkten Gelenksentzündungen eine
Intensivierung der Therapie nötig gewesen, eine Umschulung sei aber möglich gewesen
und medizinisch-theoretisch sei die Arbeitsfähigkeit bis zum Dezember 2009
erhalten geblieben. Zwischen August und März 2009 erneut vermehrte Aktivität
von Seiten der Polyarthritis im Rahmen des systemischen Lupus erythematosus.
Damals sei der Beschwerdeführer für körperlich belastende Arbeiten nicht
einsatzfähig gewesen, aber körperlich leichte Arbeiten seien ihm zu 100 % zumutbar
gewesen. Im Januar 2010 seien dann zunehmend Schmerzen im Handgelenk
aufgetreten, wegen der invertierten Scaphoid-Fraktur habe ab 2. Februar 2010
(erstes Operationsdatum) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis mindestens Ende
2010 bestanden, anlässlich der letzten Konsultation im Februar 2011. Für körperlich
belastende Tätigkeiten sei der Beschwerdeführer höchstens 50 %
arbeitsfähig. Zum Zeitpunkt der letzten Konsultation im Dezember 2010 und am 16. Februar
2011 sei der Beschwerdeführer von Seiten des SLE medizinisch-theoretisch für
leichte Tätigkeiten einsetzbar, für körperlich belastende Tätigkeiten jedoch nicht
arbeitsfähig. Seither hätten keine Konsultationen mehr stattgefunden. Der
Beschwerdeführer habe die Überweisung ans AE.___ gewünscht (s. Berichte
vom 20. September 2011 und vom 18. Januar 2012, IV-Nrn. 114
S. 2 f., 123 S. 14 f.).

 

6.17   Im Arztbericht vom 30. April
2012 (IV-Nr. 118) hielten Prof. Dr. med. AC.___ und Dr. med. AH.___,
Assistenzärztin, AE.___, Klinik Innere Medizin, fest, es gebe keine Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Folgende Diagnosen hätten keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: 

 

            Lupus Erythematodes,
Erstdiagnose 2007, seit März 2011 in Betreuung

−   
Persistierende ausgeprägte
Fatigue-Symptomatik

−   
Rezidivierende Polyarthritiden

 

Der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers sei besserungsfähig. Die Arbeitsfähigkeit könne durch
medizinische Massnahmen verbessert werden. Die gesundheitliche Störung sollte
sich aktuell nicht auf die bisherige Tätigkeit auswirken. Diese sei dem
Beschwerdeführer ohne verminderte Leistungsfähigkeit zu 8 Stunden pro Tag
zumutbar. Auch andere Tätigkeiten seien ihm zu 8 Stunden pro Tag zumutbar. Aufgrund
des Lupus seien dabei keine besonderen Dinge zu beachten. 

 

6.18   Im Arztbericht vom 19. Juli
2012 hielten Dr. med. AI.___, Oberarzt, und Dr. med. AJ.___,
Assistenzarzt, AE.___, Klinische Immunologie, folgende Diagnose fest
(IV-Nr. 120 S. 3 ff.):

 

Mittelgradige depressive
Störung (Erstdiagnose 18. Juli 2012)

 

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
seien folgende Diagnosen:

1.    Systemischer Lupus Erythematodes, Erstdiagnose
2007, seit März 2011 in Betreuung

−   
Persistierende ausgeprägte
Fatigue-Symptomatik

−   
Rezidivierende Polyarthriden,
Arthralgien, Myalgien, Fotosensitivität

2.    Antiphospholipid-Syndrom

3.    Chronisch rezidivierende
Migräne-Kopfschmerzen, 4 - 6 Episoden / Jahr

4.    Status nach Gastritis unter Steroiden
und NSAR

5.    Status nach sensiblem Hemisyndrom links
2004

−   
DD Migraine accompagnée, DD
Transiotrisch ischämische Attacke

6.    Eisenmangelanämie

 

Der Beschwerdeführer sei in seiner
zuletzt ausgeübten Tätigkeit vom 18. Juli 2012 bis 28. Juli 2012 zu
100 % arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei sich verschlechternd. Eine
Beurteilung der aktuellen Situation sei zurzeit nicht möglich. Eine Evaluation
der Arbeitsunfähigkeit wegen der mittelgradigen depressiven Störung werde dem
Kollegen der Psychiatrie überlassen. Aus immunologischer Sicht bestehe wegen
des Lupus aktuell bei leichten Arthralgien sowie normalisierten Laborparametern
keine somatische Einschränkung. Die vom Beschwerdeführer beschriebene Fatigue
lasse sich nicht eindeutig dem akuten psychiatrischen Geschehen oder der
Lupus-Erkrankung zuordnen. 

 

6.19   Dr. med. M.___, RAD, hielt in
seiner Stellungnahme vom 23. Juli 2012 (IV-Nr. 119 S. 2 f.)
fest, die Angaben über die Arbeitsfähigkeit im Arztbericht von Dr. med. D.___
vom 10. April 2012 (vgl. E. II. 6.16 hiervor) könnten übernommen werden;
allerdings habe nach Angaben der Unfallversicherung J.___ die Arbeitsfähigkeit
wegen der durch den Unfall bedingten Skaphoidfraktur links erst ab 2. Mai
2011 50 % und ab 1. Juni 2011 100 % betragen (vgl. IV-Nrn. 111.2,
115.3). Angaben zur Arbeitsfähigkeit aus Gründen der Krankheit (Lupus) in der
Zeit von Juli 2011 bis März 2012 fehlten leider. Ab März 2012 bestehe eine
volle Arbeitsfähigkeit in der neu angestammten Tätigkeit als Techniker HF.

Es bestünden neben den Folgen der
Verletzung der linken Hand zusätzliche Krankheiten (Lupus erythematodes und
Antiphospholipid-Syndrom) mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Der
Beschwerdeführer sei deshalb als Polymechaniker seit April 2007 nicht mehr
arbeitsfähig. Als Automatiktechniker HF würden die oben zusammengefassten
Angaben gelten, wobei eine Dokumentationslücke für die Zeit von Juni 2011 bis
März 2012 bestehe. In einer Verweistätigkeit wäre die Arbeitsfähigkeit
medizinisch-theoretisch nicht besser. Es werde empfohlen, bei der medizinischen
Poliklinik [...] wegen der Arbeitsfähigkeit in der Zeit von Beginn der
Behandlung Februar 2011 bis März 2012 und der Bitte um Beilage der
ausgestellten Berichte nach September 2011 nachzufragen.

 

6.20   Im ambulanten Bericht vom 24. September
2012 (IV-Nr. 123 S. 20 ff.) hielten Prof. Dr. med. AC.___ und
Dr. med. AJ.___, AE.___, Medizinische Poliklinik, aufgrund der Behandlung vom
27. März 2012 folgende Diagnosen fest:

 

1. Systemischer Lupus erythematodes, Erstdiagnose 2007

−   
Rezidivierende
Polyarthritiden, Arthralgien, Myalgien, Fotosensitivität

−   
ANA und Anti-dsDNA-Ak
positiv

−   
Hypokomplementämie

−   
Rezidivierende Migräne

−   
Stabiler Verlauf unter
Plaquenil 400 mg pro Tag

−   
Coombs-positive,
leichtgradige normochrome, normozytäre Anämie

−   
Anamnestisch Status nach Akuter
Pneumonitis unter Methotrexat

−   
CellCept Dezember 2011 - Mai
2012 (vom Patienten abgesetzt bei Depression)

2. Mittelgradige depressive Störung (Erstdiagnose 18. Juli
2012)

−   
DD bei Diag. 7

−   
MRI 19. Juli 2012:
keine Blutung, keine Ischämie, kein Hinweis auf einen entzündlichen Prozess (?)

3. Kniebeugerparese links

−   
MRI 19. Juli 2012:
keine Blutung, keine Ischämie, kein Hinweis auf einen entzündlichen Prozess

4. Antiphospholipid-Syndrom

−   
Status nach Venenthrombose
der V. subclavia rechts März 2010, unter OAK März - September 2010

−    
Lupus antikoagulans zweimal
positiv, Cardiolipin- und Anti-&#946; 2 (recte: Anti-β2)- Glykoprotein
1-Ak negativ

5. Status nach Gastritis, induziert durch Steroide und NSAR
bei Dg. 2, September 2011

−   
diffuse Schmerzen
abdominal, epigastrische Druckdolenz

6. Chronisch rezidivierende Migräne-Kopfschmerzen

−   
4 - 6 Episoden /
Jahr

7. Status nach sensiblem Hemisyndrom links 2004 DD Migraine
accompagnée DD Transiotrisch ischämische Attacke bei Offenem Foramen ovale

8. Nebendiagnose

−    
Status nach Scaphoidfraktur
links

−   
Mehrfach re-operiert wegen
kompliziertem Verlauf mit Pseudoarthrose

−   
Status nach Appendektomie
2007

−   
Eisenmangelanämie

 

Der Beschwerdeführer habe sich am
19. Juli 2012 bei akuter psychischer Belastung in unserer Sprechstunde
vorgestellt. Damals sei als Grundsymptomatik zunehmende Müdigkeit,
Appetitlosigkeit, Schlafstörung, Antriebslosigkeit sowie Reizbarkeit angegeben
worden. Diese Symptomatik habe in den letzten Monaten deutlich zugenommen.
Grund dafür sei eine angespannte Situation mit der Leitung an seinem Arbeitsplatz.
Ansonsten habe der Beschwerdeführer über transitorische diffus migrante
Gelenkschmerzen geklagt. Im Frühjahr habe er selbständig CellCept gegen diese
Symptomatik gestoppt. 

Der Beschwerdeführer habe Nachtschweiss,
Gewichtsverlust und Aphten stets verneint und nur einen leichten Haarverlust
angegeben. Ebenfalls weder Hautveränderungen noch Kopfschmerzen. Klinisch seien
keine klaren arthritischen Veränderungen im Status aufgefallen. Allerdings habe
sich eine M4-Parese der linken unteren Extremität gezeigt. 

Laborchemisch hätten sich keine Hinweise
auf eine Lupus-Aktivität, ebenfalls keine Nierenbeteiligung gezeigt. Auch habe
sich auffälligerweise eine M4-Plus-Schwäche des linken Beins gezeigt und
radiologisch im MRI kein Korrelat für die objektivierte Schwäche im linken Bein
gefunden. Neurologisch sei eine Beurteilung erfolgt. Zum Zeitpunkt des
neurologischen Konsils sei keine Parese mehr zu sehen gewesen, weswegen aktuell
keine weitere neurologische Abklärung durchgeführt worden sei. Es sei ebenfalls
eine psychiatrische Beurteilung erfolgt, welche eine mittelgradige depressive
Störung ergeben habe.

Eine Indikation nach medikamentöser
Therapie habe es nicht gegeben, weswegen der Beschwerdeführer ambulant psychiatrisch
durch die AK.___ betreut worden sei. Darunter habe sich im Verlauf ein etwas
verbesserter Allgemeinzustand gezeigt. Der Beschwerdeführer habe deutlich von
den Arbeitsunterbrüchen profitiert. Leider sei es im Verlauf wegen
Krankschreibung zur Kündigung gekommen.

Im Labor sei ebenfalls eine mikrozytäre,
hyperchrome Anämie mit grenzwertig tiefen hypochromen Retikulozyten aufgefallen.
Es seien eine Gastroskopie sowie eine Kolonoskopie erfolgt, welche aktuell keine
Blutungsquellen zeigten. In der Gastroskopie habe sich allerdings eine leichtgradige
Rötung der Mukosa gezeigt, am ehesten durch die lndometacin-Therapie der
Arthralgien zu erklären. Es sei eine PPI-Therapie mit Pantoprazol verabreicht
worden. In Anbetracht des bereits im Frühjahr erniedrigten Eisenstatus sowie
der im Verlauf normalisierten Hämoglobinwerte bei anamnestisch erfolgreicher
peroraler Substitution in der Vergangenheit sei eine Therapie mit oraler
Eisensubstitution begonnen worden.

 

6.21   Aufgrund der MRT des linken
Oberschenkels vom 5. Dezember 2012 hielt Dr. med. AL.___, AM.___,
folgende Beurteilung fest (IV-Nr. 150.2 S. 15): Untersuchungsbefund
vereinbar mit mittelvolumigen Hämatom im Bereich von Musculus vastus
intermedius links. Hämorrhagische Myositis von Musculus vastus intermedius und
vastus lateralis links. Posttraumatische Enthesiopathie und / oder Teilruptur
im Bereich der proximalen Insertionsloge von Musculus vastus intermedius und
lateralis links ohne Sehnenretraktion. Nebenbefundlich unspezifischer, klein-
bis mittelvolumiger Erguss im Bereich des linken Kniegelenks.

 

6.22   Im Arztbericht vom 6. Januar
2013 (IV-Nr. 123 S. 1 ff.) stellte Dr. med. AF.___, FMH Innere
Medizin, folgende Diagnosen, wobei nicht genau ersichtlich ist, welchen dieser
Diagnosen er eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimisst: 

 

−    
Systemischer Lupus
erythematodes, Erstdiagnose 2007

−   
Rezidivierende
Polyarthritiden, Arthralgien, Myalgien, Fotosensivität

−   
ANA und Anti-ds-DNA positiv

−   
Hypokomplementämie

−    
Antiphospholipid-Syndrom
- unter OAK

−    
Chronisch rezidivierende
Migräne-Kopfschmerzen

−    
Status nach sensiblem
Hemisyndrom links 2004

−   
DD Migraine accompagnée 

−   
DD Transiotrisch
ischämische Attacke bei offenem Foramen ovale

−    
Status
nach Scaphoidfraktur links

−   
Mehrfach reoperiert wegen
kompliziertem Verlauf mit Pseudoarthrose

 

In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei
der Beschwerdeführer bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Der
Gesundheitszustand sei sich verschlechternd. Es seien berufliche Massnahmen
angezeigt. Die letzte Untersuchung habe am 31. Dezember 2012
stattgefunden. Die gesundheitliche Störung wirke sich in der bisherigen
Tätigkeit durch rasche Ermüdung und Gelenkschmerzen aus. Dem Beschwerdeführer
sei die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Es bestehe eine verminderte
Leistungsfähigkeit, die tagesabhängig sei und im Schnitt 50 % betrage. Die
Arbeitsfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz bzw. im bisherigen
Tätigkeitsbereich könne nicht verbessert werden. Dem Beschwerdeführer seien
andere Tätigkeiten zumutbar, bei denen es sich um Arbeiten in wechselnder
Körperstellung und mit genügenden Erholungsphasen handeln müsse. 

 

6.23   Der den Beschwerdeführer vom
August bis im Dezember 2012 behandelnde Dr. phil. AN.___, Psychologe, Universitäre
Psychiatrische Kliniken, AK.___, hielt im Arztbericht vom 13. April 2013
fest (IV-Nr. 127) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit fest:

 

Rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.10), seit August 2012

 

Der Beschwerdeführer sei seit August
2012 in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 100 % eingeschränkt. Der
Gesundheitszustand sei sich verschlechternd. Die Arbeitsfähigkeit könne durch
medizinische Massnahmen verbessert werden. Es seien berufliche Massnahmen sowie
ergänzende medizinische Abklärungen angezeigt. Die gesundheitliche Störung
wirke sich bei der bisherigen Tätigkeit durch massive Tagesschwankungen und
Perspektivlosigkeit aus. Die Leistungsfähigkeit sei stark
befindlichkeitsabhängig. Es sei unklar, ob der Beschwerdeführer seine
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit mit zumutbaren Massnahmen
verbessern könne. Ihm seien andere Tätigkeiten mit variablen Arbeitszeiten
zumutbar, wobei unklar sei, in welchem zeitlichen Rahmen ihm diese Tätigkeiten
zumutbar seien. Vorgeschlagen würden: Umschulung / neue Qualifikation
(Herausforderung). 

 

6.24   Dr. med. M.___, RAD, hielt in
seiner Stellungnahme vom 29. April 2013 (IV-Nr. 126 S. 2 ff.) folgende
Überlegungen fest (S. 3): Die neu eingetroffenen Akten gäben wenig
konkrete Auskünfte über die Arbeitsfähigkeit in der Zeit von März 2011 bis März
2012. Im Bericht von Dr. med. D.___ vom 18. Februar 2011 (IV-Nr. 114
S. 13) sei festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer bezüglich der Lupus-Erkrankung
beschwerdefrei sei. Zudem sei anzumerken, dass der Beschwerdeführer am
31. Oktober 2011 einen Unfall beim Handballspielen gehabt habe, was gegen
eine wesentliche Beeinträchtigung bei einer angepassten beruflichen Tätigkeit
spreche. Sicher sei, dass ab spätestens April 2012 aus rheumatologischer Sicht
eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Es fehlten aber Hinweise, dass aus
Gründen der rheumatischen Erkrankung eine wesentliche Beeinträchtigung in der
Zeit von Februar 2011 (beschwerdefrei!) bis März 2012 bestanden habe. Die
teilweise Arbeitsunfähigkeit bis Mai 2011 sei somit allein durch die
Unfallfolgen bedingt gewesen. 

Die Angaben des Hausarztes seien
widersprüchlich. Im Dezember 2012 werde angegeben, es sei schon längere Zeit
keine Krankschreibung mehr erfolgt, im Januar 2013 werde von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit gesprochen, im Beiblatt eine Verweistätigkeit aber als voll
zumutbar deklariert. Unter diesen Voraussetzungen könne der RAD die
widersprüchlichen Angaben im Arztbericht vom 6. Januar 2013 (vgl. E. II.
6.22 hiervor) nicht nachvollziehen. Wie oben dargelegt gebe es keine spezialärztlichen
Berichte, welche eine Beeinträchtigung aus rheumatologischer Sicht nach Februar
2011 belegten. Im Arztbericht der Immunologie vom 19. Juli 2012 (vgl. E.
II. 6.19 hiervor) werde dann eine neue Diagnose eingeführt: Der Beschwerdeführer
sei wegen einer mittelschweren Depression ab 18. Juli 2012 voll
arbeitsunfähig. Weitere Auskünfte sollten bei den behandelnden Psychiatern eingeholt
werden. Eine somatisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit werde ausdrücklich
ausgeschlossen. Die Behandlung wegen einer mittelschweren Depression sei durch
die AK.___ in der Zeit von August 2012 bis Dezember 2012 erfolgt (Arztbericht
vom 13. April 2013, vgl. E. II. 6.23 hiervor). Dem Protokolleintrag vom
20. März 2013 sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer ab
14. Januar 2013 wieder voll arbeitsfähig gewesen sei. Eine
Arbeitsunfähigkeit sei deshalb vom 18. Juli 2012 bis 13. Januar 2013
ausgewiesen. 

Es sei eine invalidisierende Diagnose
vorhanden, die den Beschwerdeführer bei seiner Tätigkeit als gelernter Polymechaniker
bzw. als Techniker HF (Umschulung abgebrochen) einschränke. Der Sport-Unfall vom
31. Oktober 2009 habe während der Ausbildung stattgefunden. Laut der
Unfallversicherung J.___ sei der Beschwerdeführer jedoch ab 1. Juni 2011 wieder
100 % arbeitsfähig (vgl. IV-Nr. 113.5). Der Beschwerdeführer habe die
Prüfung als Techniker HF nicht bestanden (Abschlussbericht vom 20. April
2011, IV-Nr. 110). Der RAD nehme deshalb zur Arbeitsunfähigkeit in einer
angepassten Verweistätigkeit Stellung. Wegen des oben erwähnten Unfalls
(Skaphoidfraktur) habe eine Arbeitsunfähigkeit in der Zeit von 29. Januar
2010 bis 30. Mai 2011 bestanden. Die genauen Daten könnten dem Bericht des
RAD vom 5. März 2012 (vgl. E. II. 6.15 hiervor) entnommen
werden. Eine Arbeitsunfähigkeit aus Gründen der rheumatischen Erkrankung sei
nach Februar 2011 nicht mehr nachgewiesen. Eine weitere Arbeitsunfähigkeit in
der Zeit vom 18. Juli 2012 bis 13. Januar 2013 sei wegen eines
psychiatrischen Leidens ausgewiesen.

 

6.25   Dr. med. AO.___, FMH Radiologie / diagnostische
Neuroradiologie, AM.___, hielt aufgrund der am 22. August 2013
durchgeführten MRT des rechten Kniegelenkes folgende Beurteilung fest
(IV-Nr. 150.2 S. 14): Partialruptur bzw. ausgeprägte Zerrung des
vorderen Kreuzbandes, respektive des anterior-medialen Bündels des vorderen
Kreuzbandes; Mukoide Degeneration im Hinterhorn des medialen Meniskus, nicht
beweisend für einen Einriss; Mässiger Kniegelenkserguss; Kein grösserer
umschriebener Knorpelschaden; Kein Knochenmarködem, keine Fraktur.

 

6.26   Im Schreiben vom 10. Juni
2014 (IV-Nr. 139) an die Beschwerdegegnerin hielten Prof. Dr. med. AP.___,
Chefarzt, und die Assistenzärztin AQ.___, AE.___, Medizinische Poliklinik,
fest, sie hätten den Beschwerdeführer im Rahmen einer Verlaufskontrolle des
Lupus erythematodes am 10. Juni 2014 gesehen. Seitens der Krankheit
bestünden unter der aktuellen Therapie noch Zeichen der Aktivität (Gelenkschmerzen
und Müdigkeit). Darüber hinaus habe der Beschwerdeführer berichtet, dass er
weiterhin arbeitslos sei und dass er die durch die Beschwerdegegnerin
finanzierte Ausbildung als Polymechaniker [recte: Automatiktechniker] noch
nicht habe abschliessen können. Aus diesem Grund seien seine bisherigen
Bewerbungen nicht erfolgreich gewesen. Zusätzlich habe er berichtet, dass der
Abschluss der Ausbildung an eine Arbeitsstelle bedingt sei. Er habe sich im
heutigen Gespräch motiviert gezeigt, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu
integrieren. Jegliche Anstrengung in diese Richtung sei als sehr wichtig und
sinnvoll zu sehen. In diesem Sinne hätten sie den Beschwerdeführer mit seinem
Einverständnis bei Verdacht auf eine depressive Störung den Kollegen der [...]
in [...] zugewiesen.

 

6.27   Der den Beschwerdeführer seit
30. Juni 2014 behandelnde Dr. med. AR.___, Oberarzt, [...], hielt im
Arztbericht vom 18. August 2014 (IV-Nr. 141) folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest:

 

−    
Verdacht auf rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), seit 2005
bzw. 2012 mit Akzentuierung 2013

−    
DD im Rahmen der
Lupuserkrankung, psychosozialer Stressoren (Stellenlosigkeit) 2007 und durch
Nebenwirkungen der lmmunsuppression verursacht, seit 2007

−    
ausgeprägtes
Fatigue-Syndrom, am ehesten multifaktoriell (systemischer Lupus erythematodes,
rezidivierende Eisenmangelanämie, rezidivierende Depressionen)

−    
Systemischer Lupus
erythematodes mit Erstdiagnose 2007 mit Arthralgien, Fotosensibilität,
Kopfschmerzen, Myalgien, ANA+‚ normochrome normozytäre Anämie,   Antiphospholipidsyndrom
bei Status nach Venenthrombose A. subclavia rechts März 2010

−    
Rezidivierende
Migräne-Kopfschmerzen

−    
Status nach passagerem
sensiblem Hemisyndrom links (DD Migräna accompagnée), DD transitorische
ischämische Attacke bei offenem Foramen ovale, Antiphospholipidsyndrom

 

Es gebe keine Diagnosen ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Polymechaniker und in der umgeschulten Tätigkeit als Techniker
(Automatiktechnik HF) ohne Abschluss sei bisher vom AS.___ keine Arbeitsdispensation
ausgestellt worden. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei
besserungsfähig. Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen
verbessert werden. Es seien auch berufliche Massnahmen angezeigt. 

Der Beschwerdeführer habe eine Lehre als
Polymechaniker und anschliessend ein Umschulungsprogramm via Beschwerdegegnerin
zum Automatiktechniker HF absolviert, die Schule habe er mit sehr guten Noten
abgeschlossen, jedoch die Diplom-arbeit noch nicht absolviert. Zurzeit
beschreibe der Beschwerdeführer Symptome wie Motivations- und Freudverlust,
Ein- und Durchschlafstörungen mit Früherwachen und folglich Notwendigkeit von Tagesnaps.
Das Konzentrations- und Durchhaltevermögen sei stark beeinträchtigt, er habe
keinen Antrieb, um die körperliche Rehabilitation zu forcieren und damit auch
die Möglichkeit zum Wiederbeginn mit Sport. Aufgrund der beschriebenen Symptome
sei der Beschwerdeführer im handwerklichen Bereich, aber auch in der
Bewältigung von kognitiven Tätigkeiten zurzeit eingeschränkt. Allerdings sei
hinzuzufügen, dass bisher noch keine Therapie etabliert worden sei, da sich der
Beschwerdeführer für das notwendige Prozedere eines Tagesklinikaufenthalts
bisher noch nicht habe entscheiden können. 

Die bisherige Tätigkeit sei dem
Beschwerdeführer noch zumutbar. Es werde ein Wiederbeginn mit vier Stunden
täglich empfohlen (Bezug: gelernter Beruf als Polymechaniker, beurteilt nach
psychiatrischen Kriterien, bezüglich Somatik werde um Kontaktaufnahme mit den
entsprechenden Fachkollegen gebeten). Dabei sei aufgrund des Antriebsverlustes
und der Konzentrationsstörungen bei Schlafstörungen mit einer verminderten
Leistungsfähigkeit zu rechnen. Diese könne im Ausmass jedoch nicht beziffert
werden und müsse über einen Längsverlauf mit Tagesklinik-Aufenthalt festgelegt
werden. Die Arbeitsfähigkeit im bisherigen Tätigkeitsbereich könne verbessert
werden. Es werde ein Tagesklinik-Aufenthalt zwecks diagnostischer Evaluation,
Festlegung der bestehenden Ressourcen und damit auch Ermittlung der
Arbeitsfähigkeit empfohlen. In einem zweiten Schritt sollte durch
aktivitätsfördernde Massnahmen die psychische Symptomatik gelindert und damit die
Arbeitsfähigkeit gebessert werden. Es sei davon auszugehen, dass sich die
Arbeitsfähigkeit durch die genannten Massnahmen verbessere. Dem
Beschwerdeführer seien auch andere Tätigkeiten zumutbar. Zwecks Klärung der Art
dieser Tätigkeiten werde ein Tagesklinik-Aufenthalt mit anschliessender
nochmaliger Evaluation der Fertigkeiten und Defizite empfohlen. Andere
Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer zu Beginn zwei bis vier Stunden täglich,
je nachdem ob Belastbarkeits- oder Aufbautraining erfolge, zumutbar. 

 

6.28   Im Bericht vom 13. Februar
2015 (IV-Nr. 150.2 S. 1 ff.) hielten Prof. Dr. med. AC.___ und Dr.
med. AT.___, Assistenzärztin, AE.___, Medizinische Poliklinik, anlässlich der
Behandlung vom 4. Februar 2015 folgende Diagnosen fest:

 

1.    Systemischer Lupus erythematodes,
Erstdiagnose 2007

−   
Initiale Klinik: Müdigkeit,
Myalgien, Alopezie, rezidivierende Polyarthitiden-Arthralgien, Fotosensitivität,
Kopfschmerzen

−   
Klinische Kriterien (April
2011): Alopezie, rezidivierende Polyarthritiden, Fotosensitivität, Depression

−   
Immunologische Kriterien (5/6):
ANA und Anti-dsDNA-Ak positiv, Lupus antikoagulans 2 x pos., C3 und CH50
erniedrigt, direkter Coombstest pos.

Therapie:

−   
2007 - 2012
Stabiler Verlauf unter Plaquenil 400 mg pro Tag, Sommer 2012 selbstständig
abgesetzt wegen subjektiver Besserung, Wiederbeginn 200 mg / d
seit Juli 2013

−   
CellCept Dezember 2011 - Mai
2012, trotz guter Wirksamkeit auf Arthralgien vom Patienten wegen chronischer
Infekte abgesetzt

−   
Prednison 5 mg September
bis Dezember 2011, wegen Akne gestoppt

−   
Status nach MTX-Therapie,
gestoppt bei Pneumonitis

−   
Seit September 2014
Belimumab (Benlysta) 750 mg i.v.

2.    Ausgeprägtes Fatigue-Syndrom am ehesten
multifaktoriell

−   
bei systemischem Lupus,
rezidivierender Eisenmangelanämie, rezidivierenden depressiven Episoden

−   
Subjektive Verbesserung
unter Belimumab

3.    Rezidivierende depressive Störung Erstdiagnose
30. Juni 2014

DD im Rahmen der Lupuserkrankung,
psychosozialer Stressoren (Arbeitslosigkeit)

−   
MRI 19. Juli 2012:
keine Blutung, keine Ischämie, kein Hinweis auf einen entzündlichen Prozess

−   
Remeron 30 mg pro Tag
seit Dezember 2014, Reduktion auf 7,5 mg pro Tag bei Gewichtszunahme

4.    Rezidivierende Eisenmangelanämie
unklarer Ursache

−   
orale Dauersubstitution

−   
aktuell Januar 2015: Hb und
Ferritin normal

−   
Gastro 21. August 2013:
Diskretes Schleimhauterythem im Antrum

−   
Kolonoskopie 3. September
2013: Normalbefund

5.    Antiphospholipid-Syndrom

−   
Status nach Venenthrombose
der V. subclavia rechts März 2010 unprovoziert, darauffolgend unter OAK März - September
2010

−   
Lupus
antikoagulans initial 2 x Mal positiv (23. März 2011 und 22. August 2011),
zuletzt am 28. Januar 2015 pos. Cardiolipin- und Anti-Beta2-Glykoprotein-1-AK
negativ

−   
OAK mit Marcoumar seit Juli
2013

6.    Chronisch rezidivierende
Migräne-Kopfschmerzen

−   
4 - 6 Episoden /
Jahr

7.    Status nach passagerem sensiblem
Hemisyndrom links 2004

DD Migraine accompagnée, DD
Transiotrisch ischämische Attacke bei offenem Foramen ovale

−   
seit damals und aktuell
beschwerdefrei (Juli 2013)

8.    Nebendiagnose

−   
Epicondylitis lat. rechts

−   
Status nach
Kreuzbandrekonstruktion November 2013 (fecit Dr. med. AU.___, [...])

−   
Status nach Oberschenkelhämatom
links nach Verletzung beim Sport November 2012

−   
Status nach operativer
Hämatomausräumung

−   
Residuelle Hypästhesie
Oberschenkelaussenseite links

−   
Status nach Scaphoidfraktur
links

−   
Mehrfach re-operiert wegen kompliziertem
Verlauf mit Pseudoarthrose

−   
Status nach Appendektomie
2007

 

Der Beschwerdeführer leide an einem
systemischen Lupus erythematodes mit tiefer Krankheitsaktivität, aber störenden
rezidivierenden Arthralgien und persistierender Morgensteifigkeit multipler
Gelenke. Diese Beschwerden hätten ihn in seiner Lebensqualität stark
beeinträchtigt und nur ungenügend auf frühere Therapien mit Methotrexat oder
Azathioprin angesprochen. Aus diesem Grund sei im September 2014 eine Therapie
mit Belimumab begonnen worden, worunter es zu einer deutlichen subjektiven
Verbesserung der Beschwerden gekommen sei. Auch serologisch habe sich eine
Abnahme der Krankheitsaktivität bei reduzierten Anti-ds-DNA und Anti-C1q
Antikörpertitern gezeigt. Fünf Monate nach Beginn der Belimumab-Therapie
bewertet sei daher von einem sehr guten Therapieansprechen zu sprechen, weshalb
eine Fortführung der Therapie geplant sei. 

Im Hintergrund einer rezidivierenden
depressiven Störung und eines damit verbundenen, ausgeprägten Fatiguesyndroms sei
im Dezember 2014 parallel zur Belimumuab-Therapie ein Versuch mit Remeron
gestartet worden. Darunter sei es erfreulicherweise zu einer deutlichen Reduktion
der Müdigkeit mit besserem Schlaf und positiverer Stimmungslage, aber leider
auch zu einer starken Gewichtszunahme gekommen. Daher sei die Dosierung von
Remeron von 30 mg auf 7,5 mg / Tag reduziert worden. 

Beim Beschwerdeführer sei wiederholt mit
dem Streifentest eine Proteinurie nachgewiesen worden, bei gleichzeitig
negativem Albuminnachweis im Urin. Eine mikroskopische Sediment-Untersuchung
habe eine grössere Menge von Schleim gezeigt (a.e. Prostatasekret), so dass der
Proteinnachweis im Streifentest als falsch positiv gewertet werden könne. 

 

6.29   Im bidisziplinären Gutachten von
Dr. med. O.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. N.___,
Facharzt FMH für Innere Medizin spez. Rheumaerkrankungen, vom 11. April
2015 (IV-Nr. 150.1) wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit festgehalten (S. 18):

 

          Systemischer Lupus
erythematodes (Erstdiagnose 2007)

−   
ACR-Kriterien für
systemischen Lupus erythematodes: Rezidivierende Polyarthritiden, erhöhte
Photosensibilität, ANA positiv, immunologische Antikörper (Anti-ds-DNA,
Anti-Phospholipid-Antikörper)

−   
Leitsymptome: Müdigkeit,
Myalgien, Alopezie, rezidivierende Polyarthritiden / Polyarthralgien,
erhöhte Photosensibilität, Kopfschmerzsymptomatik mit rezidivierender Migräne

−   
Coombs-positive,
leichtgradige, normochrome normozytäre Anämie

−   
Antiphospholipidsyndrom mit

−   
Status nach Venenthrombose
der Vena subclavia rechts März 2010, seither unter oraler Antikoagulation

−   
Lupus Antikoagulans 2 x positiv,
Cardiolipin und Anti-Beta2-Glykoprotein 1-Antikörper negativ

−   
Status nach Basistherapie
mit diversen DMARDS wie Piaquenil, Methotrexat, jeweils gestoppt wegen
lneffizienz oder Nebenwirkungen

−   
Status nach Therapie mit
Cellcept Dezember 2011 bis Mai 2012, abgesetzt wegen rezidivierender Infekte

−   
Aktuelle Basistherapie mit
Benlysta (Belimumab) 750 mg i.v. alle 4 Wochen seit September 2014, lmurek
und Plaquenil mit derzeit Zustand in Remission

 

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
seien folgende Diagnosen:

1.    Status nach Os scaphoideum-Fraktur links
nach Sturz Oktober 2009

−   
Mehrfache Operationen wegen
fehlender Frakturkonsolidation, letztmals am 13. September 2010 mit
Schraubenosteosynthese sowie Spongiosa-Interposition

−   
Persistierende
Pseudarthrose

2.    Epicondylopathia humero-radialis rechts

3.    Allgemeine Bandlaxität

4.    Status nach zweimaligem
posttraumatischem Oberschenkelhämatom links 2007 sowie 2011 mit Hämatom-Ausräumung
wegen Kompartment-Syndrom 2011

5.    Status nach partieller vorderer
Kreuzbandruptur rechts August 2013, aktuell vollständig abgeheilt

6.    Laterale Fersenschmerzen links DD:
Tendoligamentäre Verletzung, aktuell noch in Abklärung

7.    Status nach cerebrovasculärem Insult mit
passagerem sensiblem Hemisyndrom links März 2004

DD: Transitorisch ischämische Attacke
bei offenem Foramen ovale sowie Antiphospholipid-Syndrom / Migraine
accompagnée

8.    Rezidivierender Eisenmangel

9.    Leichte Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)

10. Status nach möglicher depressiver Episode (ICD-10 F32)

 

Aus psychiatrischer Sicht müsse am
ehesten davon ausgegangen werden, dass der Explorand im Rahmen der
verschiedenen Belastungen Anpassungsstörungen entwickelt habe, die auch aktuell
noch in eher geringem Ausmass persistieren würden. Er empfinde sich als Opfer
von gewissen Umständen, habe Mühe mit der ganzen Situation zurechtzukommen und
reagiere mit teilweiser latenter Aggressivität. Dennoch gelinge es ihm, soziale
Kontakte beizubehalten und auch Aktivitäten nachzugehen, wobei er sich
allgemein eher passiv verhalte. Es falle ein etwas auffallendes Verhalten auf,
weswegen u.a. auch aufgrund der Anamnese und den bisherigen Erfahrungen
mögliche persönlichkeitsspezifische Faktoren vermutet werden müssten, welche die
Rückzugstendenz zusätzlich erklären könnten. Grundsätzlich könne allerdings
keine dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund des psychischen
Zustandes begründet werden. Der Explorand führe auch keine psychologische oder
psychiatrische Therapie durch und sei in der Vergangenheit nur 2012 während
einiger Monate in einer ambulanten Therapie gewesen.

Aus rheumatologischer Sicht könne ein
systemischer Lupus erythematodes bestätigt werden, wodurch sich eine
verminderte körperliche Belastbarkeit begründen lasse. Die weiteren körperlichen
Diagnosen wirkten sich bezüglich einer körperlich adaptierten Tätigkeit nicht
wesentlich aus (S. 19).

Aus psychiatrischer Sicht könne keine
dauernde Arbeitsunfähigkeit begründet werden, auch die in der Vergangenheit
gestellte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Jahre 2012 durch die [...] lasse
sich nicht ohne Weiteres nachvollziehen, insbesondere auch weil der Bericht
sehr knapp und nicht aussagekräftig sei. Im Vordergrund stehe die körperliche
Beeinträchtigung, wodurch dem Exploranden keine körperlich belastenden
Tätigkeiten mehr möglich seien. Eine leichte Tätigkeit, mit Vorteil
durchgeführt in Wechselbelastung ohne repetitive Überlastung des linken Handgelenkes,
sei in vollem Ausmass möglich. In der Vergangenheit seien dem Exploranden
jeweils Einschränkungen oder Arbeitsunfähigkeiten im Rahmen der Schübe durch
den systemischen Lupus erythematodes oder im Rahmen der verschiedenen
Operationen ausgestellt worden, ohne dadurch eine dauerhafte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit annehmen zu können.

Hilfreich wären gesprächstherapeutische
Massnahmen, die allerdings vom Exploranden bisher nie längerfristig
durchgeführt worden seien und worum er sich auch nicht bemüht habe, weswegen
eine mögliche psychische Beeinträchtigung als nicht relevant eingestuft werden
müsse. Mit gesprächstherapeutischen Massnahmen könnte der Explorand allerdings
sein Verhalten besser kontrollieren und sich im Rahmen der jetzigen schwierigen
Situation adäquater verhalten lernen.

Indiziert seien rheumatologische
Verlaufskontrollen mit entsprechenden therapeutischen Massnahmen, während
bezüglich der Handgelenksbeschwerden die Therapiemassnahmen mittlerweile
ausgeschöpft seien. Es könne einzig noch empfohlen werden, die Epicondylopathia
rechts mit physiotherapeutischen wie auch physikalischen Massnahmen zu
behandeln. Berufliche Massnahmen seien bereits durchgeführt worden, weitere
Massnahmen könnten unter den gegebenen Umständen nicht empfohlen werden, einzig
allenfalls Hilfe bei der Suche einer geeigneten Tätigkeit.

 

6.30   Dr. med. R.___, RAD, hielt in
ihrer Stellungnahme vom 1. Juli 2015 (IV-Nr. 159 S. 2) fest, das
rheumatologische Gutachten sei ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar. Das
psychiatrische Gutachten erfülle die Anforderungen nicht. Dem Gutachter gelinge
es nicht, ein klares Bild des Beschwerdeführers und seines psychischen
Zustandes zu vermitteln. Die Beurteilung sei nicht ausreichend begründet und
der Gutachter setze sich auch unzureichend mit der Vorgeschichte und den
Vorbefunden auseinander. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit könne aus
somatischer Sicht auf das Gutachten von Dr. med. N.___ abgestellt werden. Für
die Abklärung der psychiatrischen Problematik sei eine erneute Begutachtung
notwendig. Die Mängel im Gutachten von Dr. med. O.___ seien durch eine
Nachfrage nicht behebbar, eine Nachuntersuchung durch Dr. med. O.___ sei nicht
sinnvoll, da der Beschwerdeführer kaum noch Vertrauen in den Gutachter haben
werde. 

 

6.31   PD Dr. med. T.___, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem Gutachten vom 30. Oktober
2015 (IV-Nr. 169) folgende Diagnosen mit aktueller Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit fest (S. 23):

 

Rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), DD: organisch depressive
Störung (ICD-10 F06.32)

 

Es gebe keine Diagnosen ohne Auswirkung
auf die aktuelle Arbeitsfähigkeit. 

Zum aktuellen Begutachtungszeitpunkt
könne die durch die leichte depressive Symptomatik hervorgerufene
Arbeitsunfähigkeit auf circa 10 - 15 % geschätzt werden. Diese
Einschränkung werde durch ein leicht vermindertes Durchhaltevermögen und eine
leicht verminderte Konzentrationsfähigkeit bei längerer Belastung bedingt.
Zusätzlich zur depressiven Symptomatik bestehe zum aktuellen
Begutachtungszeitpunkt nach wie vor eine leichte Fatigue-Symptomatik. Auch
diese wirke sich aus psychiatrischer Sicht im Wesentlichen auf das Durchhaltevermögen
und die Konzentrationsfähigkeit aus. Insofern bestehe eine gegenseitige
Verstärkung der depressiven Symptomatik und der Fatigue-Symptomatik bezüglich
ihres negativen Einflusses auf die gleichen Fähigkeiten. Daher könne die
aktuelle Arbeitsunfähigkeit bezüglich einer monotonen, mehrheitlich stehenden
Tätigkeit auf 20 - 30 %, bei einer wechselnden nicht monotonen
Tätigkeit auf 15 - 20 % (bedingt durch die unterschiedlichen
Auswirkungen der Fatigue-Symptomatik) geschätzt werden. Hierbei seien jedoch
zentral mehrere wichtige medizinisch-psychiatrische Faktoren zu beachten. Wie
bereits im rheumatologischen Teilgutachten von Dr. med. N.___ beschrieben,
könnten auch in Zukunft neue akute Schübe des SLE auftreten, welche bezüglich
des Zeitpunkts und ihrer Dauer sowie ihrem Schweregrad nicht vorhersagbar seien.
Entsprechend solcher SLE- Schübe könne auch die Fatigue-Symptomatik stark
schwanken. Die Fatigue-Symptomatik könne aber sehr wohl auch unabhängig von
akuten Schüben des SLE schwanken. So könnten sowohl ein akuter SLE- Schub
selbst oder eine plötzlich unvorhersehbare Schwankung der Fatigue-Symptomatik
erneut eine hochprozentige oder sogar vollständige Arbeitsunfähigkeit von
unvorhersehbarer Dauer auslösen. Ähnliches wie für die Fatigue-Symptomatik gelte
auch für den Verlauf der depressiven Symptome, welche somit einen zusätzlichen
erheblichen Risikofaktor für zukünftige Arbeitsunfähigkeiten darstellten. Bei
weiterem chronischen Verlauf des SLE könnten durchaus weitere
neuropsychiatrische Symptome zusätzlich zur depressiven Symptomatik auftreten.
So fänden sich bei Patienten mit SLE auch gehäuft kognitive Beeinträchtigungen
bis hin zu schweren kognitiven Störungen und psychotische Symptome. Bisher seien
beide Komplikationen beim Beschwerdeführer soweit feststellbar nicht aufgetreten,
könnten aber beide erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit darstellen.
Insofern sollte bei der Gesamtbeurteilung des Falles berücksichtigt werden,
dass bei einem SLE sehr häufig neuropsychiatrische Komplikationen aufträten,
welche für sich erheblichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nehmen könnten.
Für die Langzeitprognose sei deshalb der Gesamtverlauf des SLE von entscheidender
Bedeutung, welcher jedoch rheumatologisch beurteilt werden müsse, weshalb hierfür
auf das bestehende rheumatologische Gutachten von Dr. med. N.___ verwiesen werde
(S. 24).

Zur Minderung der depressiven
Symptomatik und zum Teil auch der Fatigue-Symptomatik wäre eine psychiatrische
Therapie grundsätzlich ratsam. Wichtig hierbei wäre, dass dies in enger
Abstimmung und Zusammenarbeit mit den behandelnden Rheumatologen geschehe, da
beide Krankheitsbilder eng miteinander verbunden seien und auch die für den SLE
indizierte Medikation zum Teil erhebliche psychiatrische Nebenwirkungen haben
könne. Die regelmässige Einnahme des Antidepressivums Remeron habe beim
Beschwerdeführer bereits eine Minderung der psychiatrischen Symptomatik
bewirkt. Allerdings sei dieses Medikament aufgrund von Nebenwirkungen
(Gewichtszunahme) wieder reduziert worden. Es stünden jedoch diverse andere
antidepressive Medikamente zur Verfügung, welche bisher noch nicht zum Einsatz
gekommen seien. Zusätzlich zur Etablierung einer verträglichen und wirksamen
antidepressiven Medikation wäre auch eine psychotherapeutische Behandlung der
depressiven Symptomatik und des Copings mit der schweren chronischen
körperlichen Erkrankung (SLE) empfehlenswert. Bezüglich der Psychotherapie sei
jedoch darauf zu achten, dass eine solche Therapie nur dann wirksam sein könne,
wenn dies der Beschwerdeführer selbst wünsche. Ein Zwang zu einer
psychotherapeutischen Behandlung sei aus psychiatrischer Sicht nicht sinnvoll,
da dies die Wirksamkeit der Psychotherapie aufheben oder erheblich mindern
würde (S. 25). 

Da es auch zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit
krankheitsbedingt wieder zu Arbeitsunfähigkeiten kommen könne, sei die
Integration des Beschwerdeführers auf dem allgemeinen freien Arbeitsmarkt
erheblich erschwert. Hierdurch erhalte der Beschwerdeführer immer wieder
Absagen bezüglich neuer Arbeitsplätze, trotz veritabler und auf dem
Arbeitsmarkt auch gesuchter Qualifikation. Hierdurch bekomme der
Beschwerdeführer ein Gefühl der Hilflosigkeit und Machtlosigkeit, welches
sekundär die depressive Symptomatik deutlich negativ beeinflusse. Aus psychiatrischer
Sicht wäre es daher für die weitere Rehabilitation des Beschwerdeführers wichtig,
den stark episodisch schwankenden Verlauf sowohl des SLE wie auch der
neuropsychiatrischen Problematik (Fatigue und Depression) zu beachten, auch
wenn die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zum aktuellen
Begutachtungszeitpunkt, wie oben dargelegt, nur gering sei (S. 25).

Im vorliegenden Fall sei die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in den bisherigen Tätigkeiten einerseits
durch den SLE selbst, aber zusätzlich durch neuropsychiatrische Zusatzsymptome
beeinträchtigt. Für die Arbeitsunfähigkeit, die direkt durch den SLE ausgelöst
werde, werde auf die Stellungnahme des rheumatologischen Gutachtens von Dr.
med. N.___ verwiesen. Zusätzlich hätten im Jahr 2005, 2010, 2012, 2014
mittelschwere depressive Episoden bestanden, durch welche die Arbeitsfähigkeit
hochgradig beeinträchtigt oder sogar aufgehoben gewesen sei. Zwischen diesen
Episoden sei die Arbeitsfähigkeit durch depressive Symptome, soweit dies
aufgrund der wenigen ärztlichen Unterlagen und der Aussagen des Beschwerdeführers
selbst beurteilbar sei, nur geringfügig oder gar nicht eingeschränkt.
Zusätzlich zu den Einschränkungen durch die depressiven Symptome bestehe auch
noch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die mit dem SLE verbundene
Fatigue-Symptomatik, welche sich bezüglich der Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit mit der bestehenden depressiven Symptomatik gegenseitig
verstärke (S. 25 f.). 

Die Frage, seit wann eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit bestehe, sei nur
im Gesamtkontext aufgrund des Zusammenhangs zwischen SLE, Fatigue-Symptomatik
und der depressiven Erkrankung insgesamt zu beantworten. Wie bereits der
rheumatologische Gutachter Dr. med. N.___ ausgeführt habe, seien in diesem
Rahmen alle bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten in der Vergangenheit
gerechtfertigt. Bezüglich der neuropsychiatrischen Zusatzproblematik und
insbesondere der depressiven Symptome müsse jedoch von einer zusätzlichen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, welche über die
bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten hinausgehe. Da hierzu jedoch nur äusserst
wenig Informationen in den Akten vorhanden seien, könne die durch die
psychiatrische Symptomatik zusätzlich verursachte Arbeitsunfähigkeit insbesondere
für die Episode in den Jahren 2005 und 2010 nicht exakt quantifiziert werden. Dagegen
sei für die Episode in den Jahren 2012 und 2014 aufgrund der vorliegenden Unterlagen
hierzu von einer längeren Aufhebung der Arbeitsfähigkeit allein durch die
depressive Symptomatik zu rechnen. Diese Einschränkungen seien für die ursprüngliche
Tätigkeit wie auch für eine angepasste Verweistätigkeit gültig. Wie lange genau
diese Einschränkungen mit mehr als 20 % bestanden hätten, könne rückwirkend
jedoch aufgrund der nur sehr geringen Informationen hierzu nicht genau
festgelegt werden (S. 26). 

Bei einer den Leiden angepassten
Tätigkeit sei, wie bereits der rheumatologische Gutachter geschrieben habe,
eine körperlich abwechselnde und nicht monotone Tätigkeit bezüglich der
Fatigue-Symptomatik zu empfehlen. Da trotzdem jedoch aufgrund der leichten
depressiven und Fatigue- Symptome noch leichte Einschränkungen bestünden,
sollte der Arbeitsplatz das leicht reduzierte Durchhaltevermögen und bei
längerer Arbeit reduzierte Konzentrationsvermögen berücksichtigen. 

 

6.32   In der Stellungnahme vom
14. Januar 2016 (IV-Nr. 175) hielt Dr. med. R.___, RAD, fest, das
Gutachten von PD Dr. med. T.___ sei umfassend und ausführlich. Gestützt auf
eine ausführliche Anamneseerhebung und psychopathologische Befund-erhebung
zeichne der Gutachter ein nachvollziehbares Bild des Beschwerdeführers und
seines psychischen Zustandes. Er stelle die Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0),
differentialdiagnostisch organische depressive Störung (ICD-10 F06.32). Die
Depression stelle eine der häufigsten neuropsychiatrischen Begleiterkrankungen
bei SLE dar. In der versicherungspsychiatrischen Beurteilung sei neben der
rezidivierenden depressiven Störung aber auch die Fatigue-Symptomatik zu
berücksichtigen. Eine Fatigue-Symptomatik finde sich häufig bei Patienten mit systemischem
Lupus erythematodes (SLE) und sei ätiologisch vermutlich auf immunologische und
psychische Faktoren zurückzuführen. PD Dr. med. T.___ nehme sehr differenziert
Stellung zur Arbeitsfähigkeit im aktuellen Zeitpunkt. Er führe auch aus, dass
es in der Natur der Grunderkrankung liege, dass es in Zukunft im Zusammenhang
mit Erkrankungsschüben mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder zu
vollständigen (vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeiten kommen und die berufliche
Integration des Beschwerdeführers darum erschwert sein werde. Zum Zeitpunkt der
Begutachtung, wo die depressive Symptomatik und die Fatigue-Symptomatik als
leicht beurteilt würden, sei die Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit in einer
monotonen, mehrheitlich stehenden Tätigkeit um 20 - 30 %, in
einer abwechslungsreichen, wechselbelastenden Tätigkeit um 15 - 20 %
eingeschränkt. Durch die depressiven Episoden 2012 und 2014 sei der Beschwerdeführer,
nach Meinung von PD Dr. med. T.___, während «längerer» Zeit in der angestammten
und in Verweistätigkeiten arbeitsunfähig gewesen. Wie lange diese
Einschränkungen von mehr als 20 % bestanden hätten, könne rückwirkend aber
nicht mehr genau festgelegt werden. In Annäherung könne aufgrund der Akten eine
mindestens mittelgradige depressive Episode mit jeweils deutlicher Fatigue von August
2012 bis Ende Jahr 2012 sowie von Juli 2014 bis Februar 2015 abgegrenzt werden.
Im Rahmen des systemischen Lupus erythematodes sei die körperliche
Belastbarkeit insgesamt vermindert. Mittelschwere und schwere körperliche
Tätigkeiten seien nicht mehr zumutbar, in körperlich leicht belastenden Tätigkeiten,
vorzugsweise in Wechselhaltung und ohne repetitive Überlastung des linken
Handgelenkes sei aus rheumatologischer Sicht die Arbeitsfähigkeit nicht
eingeschränkt.

Betreffend die Arbeitsunfähigkeit von
2010 bis April 2013 in der neu angestammten Tätigkeit als Techniker HF werde
auf die RAD Stellungnahme von Dr. med. M.___ vom 29. April 2013 (vgl. E.
II. 6.24 hiervor) verwiesen. Episoden mit hochgradiger oder vollständiger
Arbeitsunfähigkeit seien mit grosser Wahrscheinlichkeit auch von August 2012
bis Dezember 2012 und von Juli 2014 bis Februar 2015 vorgelegen. Unabhängig von
diesen Episoden mit höherer Arbeitsunfähigkeit sei die Arbeitsfähigkeit in
einer abwechslungsreichen, wechselbelastenden, körperlich leichten Tätigkeit
mit 80 - 85 % und in eher monotonen, mehrheitlich stehenden
Tätigkeiten mit 70 - 80 % zu beziffern. Bezogen auf eine
40 Stunden Woche seien dem Beschwerdeführer andere leichte Arbeiten
während mindestens 32 Stunden zumutbar.

 

6.33   Dr. med. AV.___, Facharzt FMH für
Orthopädie und Traumatologie, AW.___, hielt in der Patientenakte des
Beschwerdeführers betreffend den 8. April 2016 (Beschwerdebeilage
Nr. 3) folgende Diagnosen fest:

 

1. Hartnäckige Periostitis Tibia beidseits (rechts > links)

2. Ausgeprägte Varusachse beidseits (links > rechts)

3. Status nach VKB-Rekonstruktion rechts 2013 BTB

Nebendiagnose

−  Systemischer Lupus (Behandlung USB)

 

Zum «Befund» wurde Folgendes festgehalten:
Varische Beinachse mit Interkondylenabstand 4QF. Beinlängendifferenz links +4 mm
im Oberschenkel, Knie beidseits: kein Erguss. Meniskuszeichen jeweils negativ.
Links Lachman negativ. Pivot shift negativ, rechts Lachman + mit festem
Anschlag, Pivot shift negativ. Kollateralbandapparat stabil. Patella
verschieblich. US beidseits: Massiver Druckschmerz mediale Tibiakante vom
mittleren Drittel nach distal reichend. Jeweils verhärtete Muskulatur medial
paratibial.

 

Mit Eintragung vom 1. September
2016 wurde zudem festgehalten, dass die Physio-therapie nach zwei Verordnungen
abgeschlossen worden sei. Diese habe nur mässig geholfen. Der Schmerz sei zwar
nicht mehr so häufig aufgetreten, und wenn er komme, dann verschwinde er auch
wieder schneller. Die Qualität und Intensität hätten nicht beeinflusst werden
können. Der Beschwerdeführer habe ein Heimprogramm zur Stabilisierung der USG / OSG / Kg
sowie ein Detonisierungsprogramm mittels Blackroll, Tennisball und Dehnübungen
erhalten. Der Beschwerdeführer spiele immer noch Handball und könne die
Schmerzen mittels Kühlung vor und nach den Trainings ertragen.

 

7.       Aus den vorliegenden
medizinischen Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer seit 2007 (Erstdiagnose)
unter einem systemischen Lupus erythematosus (SLE) leidet. Dies ist eine
entzündliche Erkrankung, bei welcher das Immunsystem Gewebe des eigenen Körpers
angreift. Man spricht daher von einer Autoimmunerkrankung (einer Immunerkrankung,
die sich gegen den eigenen Körper richtet). Beim SLE können praktisch alle
Organe befallen werden, da diese aus Zellen mit Zellkernen bestehen. Der
Einbezug verschiedener Organsysteme ins Krankheitsgeschehen variiert aber von
Patient zu Patient (vgl.
https://www.rheumaliga.ch/assets/doc/ZH_Dokumente/Broschueren-Merkblaetter/Krankheitsbilder/Lupus.pdf,
zuletzt besucht am 11. April 2018). Ebenfalls unbestritten ist, dass sich der
Beschwerdeführer im Oktober 2009 beim Handballspielen eine Scaphoidfraktur am
linken Handgelenk zuzog, die in der Folge aufgrund des schwierigen
Heilungsverlaufs am 2. Februar 2010, 17. Mai 2010 und am
13. September 2010 jeweils operativ versorgt werden musste. Weiter ist in
den Akten eine psychiatrische gesundheitliche Beeinträchtigung zu entnehmen,
wobei die Erstdiagnose der mittelgradigen depressiven Episode am 18. Juli
2012 gestellt wurde. Die ebenfalls dokumentierten Verletzungen am linken Knie
des Beschwerdeführers (vgl. E. II. 6.21 und 6.26 hiervor) führten am 5. November
2013 zu einer Kreuzbandrekonstruktion (vgl. E. II. 6.28 hiervor und
Protokolleintrag vom 24. September 2013). Diese heilte im weiteren Verlauf
indes vollständig ab (vgl. E. II. 6.29 hiervor). 

 

8.       Da die Beschwerdegegnerin in
ihrer Verfügung vom 16. September 2016 im Wesentlichen auf die beiden Gutachten
von Dr. med. N.___ vom 19. Januar 2015 und Dr. med. T.___ vom
30. Oktober 2015 (vgl. E. II. 6.29, 6.31 hiervor) abstellt, ist zunächst
zu prüfen, ob diesen voller Beweiswert zukommt:

 

8.1     Die von Dr. med. N.___, Facharzt
FMH für Innere Medizin spez. Rheumaerkrankungen, und Dr. med. T.___, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, verfassten Gutachten werden den von der
Rechtsprechung entwickelten Anforderungen (Vollständigkeit, Schlüssigkeit, Nachvollziehbarkeit;
vgl. E. II. 4.2 hiervor) in allen Punkten gerecht. So beruhen die Gutachten auf
allseitigen Untersuchungen, indem der Beschwerdeführer durch die beiden
Gutachter je einer umfassenden Exploration unterzogen wurde (IV-Nrn. 150.1
S. 3 ff., 169 S. 9 ff.), womit auch seine subjektiv geklagten
Beschwerden in die Beurteilungen mit eingeflossen sind. Zudem fanden am 19. Januar
2015 eine Laboruntersuchung sowie eine radiologische Untersuchung der linken
Hand statt (IV-Nr. 150.1 S. 6, 7 unten) und am 8. Oktober 2015 wurden
verschiedene psychiatrische Testuntersuchungen durchgeführt (IV-Nr. 169 S. 18).
Zusätzlich führten beide Gutachter je eine klinische Untersuchung durch
(IV-Nrn. 150 S. 5 f., 169 S. 16 f.). Durch das Zusammentragen
der wichtigsten rheumatologischen Akten, der radiologischen Untersuchungen und
des Aktenauszugs aus den psychiatrisch relevanten Akten je in chronologischer
Reihenfolge (IV-Nrn. 150.1 S. 1 f. und 7, 169 S. 5 ff.) wurden die
Gutachten zudem in Kenntnis der relevanten Vorakten (Anamnese) abgegeben. Zudem
gingen die Gutachter auf die ihren Diagnosen entgegenstehenden Befunde in
nachvollziehbarer und schlüssiger Weise ein, wodurch die medizinischen
Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchten: So
führte Dr. med. N.___ aus, im Rahmen der aktuellen rheumatologischen
Begutachtung könne sowohl aufgrund der subjektiven Angaben als auch aufgrund
der klinischen Befunde und den aktuell durchgeführten Laboranalysen mit hoch
normalen humoralen Entzündungsparametern bezüglich systemischem Lupus
erythematodes von einem Zustand in Remission ausgegangen werden (IV-Nr. 150.1
S. 10). Diese Einschätzung überzeugt aufgrund der bei der
Laboruntersuchung vom 19. Januar 2015 (IV-Nr. 150.1 S. 6)
festgestellten normalen Werte (BSR [Blutkörperchensenkungsreaktion] 7 mm / h,
CRP [C-reaktives Protein] < 5 mg/l, Blutbild mit Leukozyten
6,0 G / l, Hb 15,6 g / dl, Thrombozyten 266 G / l.
CK [Creatinkinase], alkalische Phosphatase, Serumharnsäure und Serumkreatinin
allesamt im Normbereich und TSH basal 1,86 mU / l [0,1 - 4,0 mU / l]
sowie aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach seit der
Behandlung mit Benlysta (750 mg intravenös alle vier Wochen) seit
September 2014, unterstützt mit Imurek und Plaquenil, ein erfreulicher Verlauf
mit deutlicher Abnahme der primär im Vordergrund stehenden Fatigue-Symptomatik
sowie deutlicher Regredienz der Gelenkbeschwerden, insbesondere im Bereich der
Fingergelenke, mit nur noch geringgradiger Morgensteifigkeit sowie auch
deutlicher Regredienz der Schmerzen ausgehend von den Arthralgien in den Füssen
bestehe (IV-Nr. 150.1 S. 10). Letzteres ermögliche ihm eine
verbesserte Belastbarkeit v.a. auch für stehende Tätigkeiten. Zudem gab er
verminderte Kopfschmerzen und eine Verbesserung der psychischen Situation an. In
Bezug auf die früher im Vordergrund gestandenen Handbeschwerden links führte
der rheumatologische Gutachter in nachvollziehbarer Weise aus, diese stünden für
den Beschwerdeführer derzeit im Hintergrund (IV-Nr. 150.1 S. 10). So
sei klinisch lediglich noch ein Nachweis einer Druckdolenz im Bereich des Os
scaphoideum bei ansonsten reizlosem Mittelhandbereich inkl. Handgelenk
vorhanden. Als Residuum der stattgehabten Operation bestehe eine
Funktionseinschränkung vorwiegend der Dorsalextension, sodass abstützbare
Funktionen mit der linken ausgestreckten Hand nicht mehr vollumfänglich möglich
seien. Diese Beurteilung leuchtet zum einen aufgrund der Angaben des
Beschwerdeführers ein, wonach er aktuell aufgrund der Handbeschwerden nicht
mehr auf die Einnahme von Schmerzmittel in Form von NSAR angewiesen sei
(IV-Nr. 150.1 S. 3, Mitte). Zum anderen wurden im Rahmen der klinischen
Untersuchung (IV-Nr. 150.1 S. 5 f.) u.a. eine