# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4c518301-d498-5221-8780-6999e25e7673
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.08.2008 D-4709/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4709-2008_2008-08-04.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4709/2008/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  4 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richter Martin Zoller (Vorsitz), 
Richterin Therese Kojic, Richter Gérard Scherrer, 
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.

A._______, geboren (...),
Sri Lanka,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 
22. Mai 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4709/2008

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  -  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamili-
scher  Ethnie  aus  B._______  -  ersuchte  mit  an  die  Schweizerische 
Botschaft in Colombo gerichtetem, englischsprachigem Schreiben vom 
12. Dezember 2007 um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und 
sinngemäss um Asylgewährung für sich und seine Ehefrau sowie sei-
nen neunmonatigen Sohn. 

Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei zusam-
men  mit  seinen  Eltern  aufgrund  ethnischer  Konflikte  in  den  Jahren 
1985 bis 1990 mehrmals vertrieben worden. Dabei  hätten sie immer 
wieder  ihr  gesamtes  Hab  und  Gut  verloren.  Beim  Tsunami  vom 
26. Dezember 2004 habe er erneut grossen materiellen Schaden erlit-
ten. Aufgrund  finanzieller  Schwierigkeiten  nach  dem Tsunami  sei  er 
gezwungen gewesen, sein Haus zu verkaufen. Momentan sei es ihm 
nicht möglich, für sich und seine Familie ein Grundstück zu kaufen und 
ein neues Haus zu errichten. Zudem werde er von Unbekannten be-
droht. Man verlange Geld von ihm. Er ersuche deshalb um Bewilligung 
der Einreise in die Schweiz, um hier mit seiner Familie zu leben, bis 
sich die Situation in seiner Heimat normalisiert habe. 

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er diverse Bestätigungsschrei-
ben hinsichtlich der Vertreibungen in den Jahren 1985 bis 1990, eine 
Auflistung  der  materiellen  Schäden  infolge  des  Tsunami  vom 
26. Dezember 2004 sowie zwei Schreiben des Friedensrichters bezie-
hungsweise  der  (...)  Kirche  von  C._______,  in  welchen  die  Ver-
treibungen sowie die schwierige finanzielle Situation ebenfalls bestä-
tigt werden, zu den Akten. 

B.
Mit Schreiben vom 19. Dezember 2007 bestätigte die Schweizerische 
Botschaft  dem Beschwerdeführer  den  Eingang  seines  Gesuchs  und 
forderte  ihn  gleichzeitig  auf,  seine  Vorbringen  näher  zu  begründen 
("[...] you are  required to  provide detailed  information,  especially  on 
the following points: 1. What are your reasons for wanting to leave Sri 
Lanka? [...] 2. Why in particular do you suffer these problems? 3. What 
steps have you taken so far to try to protect yourself? 4. Is it possible 
for you to escape your present problems by moving to another place in 
Sri Lanka? [...]") und allfällige weitere Beweismittel sowie Kopien von 

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Identitätspapieren  bis  zum  27. Januar  2008  einzureichen,  sofern  er 
nach wie vor an seinem Gesuch festhalten wolle. 

C.
Mit  englischsprachigem Schreiben vom 3. Januar  2008 ergänzte  der 
Beschwerdeführer sein Gesuch und reichte zudem Kopien seines Pas-
ses,  seiner  Identitätskarte  sowie  derjenigen seiner  Ehefrau,  der  Ge-
burtsscheine  der  gesamten  Familie,  des  Ehescheins  sowie  eines 
Pfandbriefes über 50'050.-- srilankische Rupien vom 19. Februar 2007 
zu den Akten.

Der Beschwerdeführer bekräftigte in seiner Eingabe den Wunsch, Sri 
Lanka aufgrund der schlechten Sicherheitslage zu verlassen und mit 
seiner Familie in der Schweiz in Frieden zu leben. Er betonte, dass sie 
- sobald sich die Lage in Sri Lanka normalisiere - zurückkehren wür-
den. Bezüglich der  im Ersuchen vom 12. Dezember  2007 angespro-
chenen Vorfälle konkretisierte er, er sei  mehrmals auf dem Rückweg 
von der Arbeit von Hooligans bedroht worden. Er habe sich jeweils ver-
steckt und sei weg gerannt. Im Januar 2006 sei er auf offener Strasse 
von Singhalesen angegriffen worden, wobei ihn Polizeibeamte vor dem 
Angriff geschützt hätten. Der Bruder seiner Ehefrau habe im Verlaufe 
der kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahr 1990 das Elternhaus 
verlassen und sei seither verschollen. Im Jahr 2006 hätten ihn Mitglie-
der einer militanten Gruppe nach dem Aufenthaltsort  und der mögli-
chen  Verbindung  des  Schwagers  zu  den  Liberation  Tigers  of  Tamil 
Eelam (LTTE) gefragt. Man habe von ihm Geld verlangt und gedroht, 
man bringe ihn um, wenn er nicht zahle. Aus Angst vor Übergriffen auf 
seine  Familie  sei  er  der  Forderung  nachgekommen  und  habe  den 
Schmuck seiner Ehefrau verpfändet. Er habe die Behörden nicht infor-
miert, da er von diesen keinen Schutz erwarten könne. Aufgrund der 
ethnischen Konflikte würde er in einem anderen Landesteil  kaum Ar-
beit finden und könne sich deshalb nicht anderswo niederlassen.

D.
Mit  Schreiben  vom  11. Februar  2008  überwies  die  Schweizerische 
Botschaft in Colombo die Akten dem BFM. 

E.
Mit Verfügung vom 22. Mai 2008 verweigerte das BFM dem Beschwer-
deführer sowie dessen Ehefrau und Sohn die Einreise in die Schweiz 

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und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Auf  die  Begründung  wird  in  den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

F.
Die Schweizerische Botschaft in Colombo stellte dem Beschwerdefüh-
rer die vorinstanzliche Verfügung mit eingeschriebener Post am 3. Juni 
2008 zu. 

G.
Mit am 23. Juni 2008 bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo 
eingetroffener und von dieser am 4. Juli  2008 an das Bundesverwal-
tungsgericht  weitergeleiteter,  englischsprachiger  Beschwerde  vom 
16. Juni 2008 beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss, die an-
gefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm und seiner Familie die 
Einreise in die Schweiz zu bewilligen beziehungsweise Asyl zu gewäh-
ren. Auf die Begründung wird ebenfalls, soweit entscheidwesentlich, in 
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist 
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine Ausnah-
me, was das Sachgebiet angeht, ist nicht gegeben (Art. 32 VGG). Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 
83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

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halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG).

1.3 Die Schweizerische Botschaft in Colombo sandte dem Beschwer-
deführer  die  angefochtene  Verfügung  vom  22. Mai  2008  am  3. Juni 
2008 mit eingeschriebener Post zu. In den Akten findet sich kein Rück-
schein, welcher Aufschluss über das genaue Eröffnungsdatum geben 
könnte. Da die Beschwerde indessen vom 16. Juni  2008 datiert  und 
der Schweizerischen Botschaft am 23. Juni 2006 zugestellt wurde, ist 
auch ohne Kenntnis des tatsächlichen Eröffnungsdatums erstellt, dass 
die  30-tägige  Rechtsmittelfrist  gewahrt  wurde.  Die  Beschwerde  ist 
demnach form- und fristgerecht eingereicht worden. Der Beschwerde-
führer ist  legitimiert  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 50 
und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist  mithin einzutreten. Das Bun-
desverwaltungsgericht hat dabei - praxisgemäss -  aus prozessökono-
mischen Gründen auf  eine Rückweisung der englischsprachigen Be-
schwerde  zur  Übersetzung  in  eine  Amtssprache  verzichtet,  da  die 
Rechtsmittelanträge verständlich sowie begründet sind. Der vorliegen-
de Entscheid ergeht indessen in deutscher Sprache (vgl. Art. 33a Abs. 
2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 

2.

2.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG). 

Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, 
wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen 
oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. 
Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG 
bewilligt das Bundesamt einem Asylsuchenden die Einreise zur Abklä-
rung des Sachverhalts,  wenn ihm nicht  zugemutet  werden  kann,  im 

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Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössi-
sche  Justiz-  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertre-
tungen  ermächtigen,  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  die 
glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben 
oder  für  die  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG 
bestehe. Hinsichtlich des Verfahrens bei  der schweizerischen Vertre-
tung im Ausland sieht  Art.  10  der  Asylverordnung 1  vom 11. August 
1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit 
der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt 
(Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchen-
de Person aufgefordert,  ihre  Asylgründe schriftlich  festzuhalten  (Art. 
10 Abs. 2 AsylV 1; vgl. hierzu auch  Entscheide des Schweizerischen 
Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2007/30). 

2.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vor-
aussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum 
zukommt. Neben der  erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 
AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglich-
keit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungs-
nähe zu anderen Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit 
zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliede-
rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e.-g. S. 131 ff., welcher angesichts 
bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asyl-
gesetzes nach wie vor Gültigkeit hat). 

3.

3.1 Das  BFM begründete  seine  ablehnende  Verfügung  vom 22. Mai 
2008  im Wesentlichen  damit,  dass  die  Vertreibungen  in  den  Jahren 
1985  bis  1990  sowie  die  materiellen  Schäden  infolge  des  Tsunami 
vom  26. Dezember  2004  einreiserechtlich  nicht  relevant  seien.  Die 
erstgenannten Vorfälle lägen zu weit zurück und stellten keine einrei-
sebeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar. Der Tsunami 
von Ende 2004 habe zwar grosses Leid über die srilankische Bevölke-
rung  gebracht  und  weltweite  Betroffenheit  und  Solidarität  ausgelöst, 
jedoch vermöge eine solche Naturkatastrophe nicht zu einer Einreise-
bewilligung zu führen. 

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In Bezug auf die geltend gemachten Übergriffe durch Unbekannte und 
die allgemein schlechte Sicherheitslage in Sri Lanka sei einerseits das 
persönliche Gefährdungsprofil  des Beschwerdeführers und dasjenige 
seiner  Familienangehörigen  sowie  andererseits  das  räumliche 
Ausmass einer allfälligen Verfolgung zu berücksichtigen. Eine für die 
Einreisebewilligung relevante Verfolgung liege nur vor, wenn die asyl-
suchende Person aus einem der im Asylgesetz genannten Gründe ver-
folgt  werde  und nicht  im Heimat-  oder  Herkunftsstaat  Schutz  finden 
könne.  Übergriffe  durch  Dritte  oder  Befürchtungen,  künftig  solchen 
ausgesetzt  zu  sein,  seien  nur  asylrelevant,  wenn  der  Staat  seiner 
Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in der Lage sei, Schutz zu 
gewähren. Sodann  seien Personen mit  einer  innerstaatlichen  Wohn-
sitzalternative  nicht  auf  den  Schutz  eines  Drittstaates  angewiesen. 
Konkrete Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer und seine Fami-
lienangehörigen seitens der heimatlichen Behörden ernsthafte Nach-
teile erlitten hätten oder ihnen solche drohen würden, lägen nicht vor. 
Der srilankische Staat sei grundsätzlich willens, Personen, die bedroht 
beziehungsweise  verfolgt  würden,  den  erforderlichen  Schutz  zu  ge-
währen. Den Akten seien keine glaubhaft  dargelegten Anhaltspunkte 
zu  entnehmen,  wonach  der  Beschwerdeführer  sich  vergeblich  um 
Schutz bemüht  hätte  respektive adäquate  Massnahmen nicht  erfolgt 
seien.  Im  Einzelfall  könne  es  aber  durchaus  vorkommen,  dass  die 
Schutzgewährung unterbleibe oder nicht in ausreichendem Mass erfol-
ge. Eine faktische Garantie des Schutzgewährers für langfristigen indi-
viduellen Schutz könne nicht  verlangt  werden. Keinem Staat  gelinge 
es, die absolute Sicherheit aller seiner Bürger jederzeit und überall zu 
garantieren.  Vom  srilankischen  Staat  könne  nicht  erwartet  werden, 
dass er jeder Person, die einen gewissen Gefährdungsgrad aufweise, 
einen umfassenden Personenschutz  zukommen lasse. Das BFM be-
dauere die zunehmende Radikalisierung in Sri Lanka und insbesonde-
re die geltend gemachten Vorfälle. Angesichts des wieder aufgeflamm-
ten innerstaatlichen bewaffneten Konflikts sei es gut nachvollziehbar, 
dass  sich  der  Beschwerdeführer  grosse  Sorgen  um  die  Sicherheit 
seiner Familie mache. Trotzdem könne ihm jedoch die Einreise nicht 
bewilligt werden, selbst wenn es zu Drohungen gekommen sei. Zwar 
habe sich auch im Süden und Westen des Landes die Lage verschärft. 
Insgesamt  herrsche  dort  aber  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt, 
weshalb von einer generellen Unzumutbarkeit einer Wohnsitznahme in 
diesen Gebieten nicht gesprochen werden könne. Aus diesen Gründen 
seien auch die geltend gemachten Vorbringen bezüglich der Übergriffe 
durch  Unbekannte  und  der  generell  schwierigen  Situation  einreise-

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rechtlich nicht relevant. An diesen Erwägungen vermöchten auch die 
eingereichten Dokumente nichts zu ändern, da diese lediglich die Vor-
bringen stützten, deren Glaubhaftigkeit  nicht in Frage gestellt  werde. 
Auf  eine persönliche Anhörung durch die Botschaft  könne verzichtet 
werden,  da  aufgrund  der  Dokumentation  der  geltend  gemachten 
Vorkommnisse  und  der  schriftlichen  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers der Sachverhalt als erstellt zu betrachten sei. 

3.2 In seiner Rechtsmitteleingabe vom 16. Juni 2008 ersuchte der Be-
schwerdeführer  um Bewilligung der  Einreise  aus  humanitären  Grün-
den. Er habe trotz der erlittenen Vertreibungen und materiellen Schä-
den in den Jahren 1985, 1987, 1990 und 2004 versucht, ein Leben in 
der Heimat aufzubauen, aber es gelinge ihm nicht. Ein angstfreies Le-
ben sei zurzeit in Sri Lanka nicht möglich. Tamilen würden immer wie-
der  entführt  und  willkürlich  erschossen.  Angesichts  der  unsicheren 
Lage könne er mit seiner Familie nicht mehr dort bleiben. Bis sich die 
Situation in Sri Lanka gebessert habe, möchte er mit seiner Familie in 
der Schweiz in Frieden leben. Er werde von unbekannten bewaffneten 
Gruppierungen bedroht, die Geld verlangten. Mit seinem geringen Ein-
kommen müsse er jedoch seine Familie und seine Schwiegereltern er-
nähren. Der Eingabe wurden einige der bereits vorgängig beigebrach-
ten Dokumente erneut beigelegt. 

4.

4.1 Vorweg ist  mit  der  Vorinstanz  festzuhalten,  dass  vorliegend  von 
der Regel, wonach grundsätzlich eine persönliche Befragung bei der 
Schweizerischen Botschaft durchzuführen ist, ausnahmsweise abgewi-
chen werden konnte, da der Beschwerdeführer seine Vorbringen aus-
führlich schriftlich dargelegt und dokumentiert hat und der Sachverhalt 
soweit  erstellt  ist,  dass  alle  entscheidrelevanten  Elemente  vorliegen 
(vgl. BVGE 2007/30). 

4.2 Die wiederholten Vertreibungen in den Jahren 1985 bis 1990 und 
die damit verbundenen Verluste von Hab und Gut sowie die erneute 
materielle Not infolge des Tsunami vom 26. Dezember 2004 müssen 
als äusserst leidvolle Geschehnisse gelten. Dennoch hält das Bundes-
verwaltungsgericht mit der Vorinstanz fest, dass die Vertreibungen und 
deren Folgen keine einreisebeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 
AsylG darstellen. Die Vertreibungen waren in den damaligen kriegeri-
schen Auseinandersetzungen begründet. Davon war die ganze Bevöl-
kerung mehr oder minder gleichermassen betroffen, mithin stellen sol-

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che  Kriegsereignisse  und  deren  Folgen  praxisgemäss  keine  Verfol-
gungsmassnahmen im Sinne des Asylgesetzes dar, zumal diesen vor-
liegend  auch  die  flüchtlingsrechtliche  Aktualität  abzusprechen  wäre. 
Auch die materiellen Schäden infolge einer Naturkatastrophe wie des 
Tsunami  vom  26. Dezember  2004  stellen  keine  einreisebeachtliche 
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar. 

4.3 Soweit der Beschwerdeführer auf die allgemein schlechte Sicher-
heitslage in Sri Lanka verweist und Übergriffe von Unbekannten gel-
tend macht,  ist  zu prüfen, ob den Akten hinreichende Anhaltspunkte 
dafür entnommen werden können, dass er und seine Familie mit be-
achtlicher  Wahrscheinlichkeit  und in  absehbarer  Zukunft  eine  Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen haben. Wie die Vorin-
stanz in ihrer Verfügung vom 22. Mai 2008 zutreffend festgehalten hat, 
ist es seit dem Sommer 2006 zu einem Wiederaufflammen des inner-
staatlichen bewaffneten Konflikts in Sri Lanka gekommen. Die eskalie-
renden Kampfhandlungen im Norden und Osten des Landes haben zu 
einer  erheblichen  Verschlechterung  der  Sicherheits-  und  Menschen-
rechtssituation geführt, worunter insbesondere die Zivilbevölkerung zu 
leiden hat. Als  Folge der  verschärften  Bürgerkriegslage ist  auch die 
Zahl der intern vertriebenen und von Umsiedlungsaktionen der Regie-
rung betroffenen Personen stark angestiegen. 

4.3.1 Begründete  Furcht  vor  künftigen  staatlichen  Verfolgungsmass-
nahmen ist dann im Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevant, wenn glaub-
haft gemacht wird, dass begründeter Anlass zur Annahme besteht, die 
Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-
sehbarer Zukunft verwirklichen. Bloss entfernte Möglichkeiten künftiger 
Verfolgung genügen nicht; vielmehr müssen konkrete und tatsächliche 
Anhaltspunkte bestehen, welche die Furcht vor drohender Verfolgung 
als  realistisch  erscheinen  lassen  (vgl.  EMARK  1993  Nr. 21; WALTER 
KÄLIN,  GRUNDRISS DES ASYLVERFAHRENS,  BASEL/FRANKFURT A. M.  1990, 
S. 143 ff.).

Soweit Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure Gegenstand der Prü-
fung ist,  kann gemäss einem von der  ARK gefällten Grundsatzurteil 
(EMARK 2006 Nr. 18) eine solche Verfolgung flüchtlingsrechtlich rele-
vant sein. Diese würde - auf Grund der Subsidiarität  des flüchtlings-
rechtlichen  Schutzes  -  aber  voraussetzen,  dass  es  der  betroffenen 
Person nicht möglich ist, im Heimatland Schutz vor dieser nichtstaatli-
chen Verfolgung zu finden. Solcher Schutz ist dann als ausreichend zu 

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qualifizieren,  wenn  die  betroffene  Person  effektiv  Zugang  zu  einer 
funktionierenden  und  effizienten  Infrastruktur  hat  und  ihr  die  Inan-
spruchnahme  eines  solchen  innerstaatlichen  Schutzsystems 
individuell  zumutbar ist. Ist  kein ausreichender Schutz möglich, setzt 
die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft  zudem voraus,  dass die 
betroffene  Person  einer  landesweiten  Verfolgung  ausgesetzt  ist  und 
sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen 
kann (EMARK 2006 Nr. 18).

4.3.2 Der  Beschwerdeführer  verweist  zunächst  auf  die  allgemein 
schwierige Lage in seiner Heimat. Dieses generelle Vorbringen vermag 
jedoch  den  Anforderungen  an  eine  asylrelevante  begründete  Furcht 
vor künftigen individuellen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 
3 AsylG nicht zu genügen. 

Seine persönliche Verfolgungssituation begründet der Beschwerdefüh-
rer  namentlich  damit,  dass  er  von  Unbekannten  wiederholt  bedroht 
worden sei und diese von ihm Geld verlangt hätten. Er führte diesbe-
züglich  konkrete  Vorfälle  aus  dem  Jahr  2006  an  und  reichte  einen 
Pfandbrief  vom  Februar  2007  als  Beleg  für  die  Verpfändung  von 
Schmuck ins  Recht. Der  Beschwerdeführer  macht  somit  eine  Verfol-
gung durch Unbekannte, mithin nichtstaatliche Akteure geltend. Soweit 
das Motiv der Übergriffe rein krimineller Natur ist – das Erlangen von 
Erpressungsgeldern  –  liegt  keine  asylrelevante  Verfolgung  im  Sinne 
von  Art. 3  AsylG  vor.  Jedoch  deutet  insbesondere  die  Erkundigung 
nach dem Aufenthaltsort  des  seit  1990  verschwundenen Schwagers 
des  Beschwerdeführers  und  nach  dessen  möglicher  Verbindung  zu 
den LTTE darauf hin, dass die Übergriffe ethnisch motiviert sind. Hin-
sichtlich der Schutzsuche vor dieser nichtstaatlichen Verfolgung bringt 
der  Beschwerdeführer  vor,  er  habe  sich  nicht  an  die  Behörden  ge-
wandt, da er von diesen keinen Schutz erwarten könne. Die Schilde-
rung des Vorfalls vom Januar 2006, wonach er von Polizeibeamten vor 
einem Angriff singhalesischer Verfolger geschützt worden sei, zeigt je-
doch,  dass  ein  Zugang  zu  einem  innerstaatlichen  Schutzsystem 
grundsätzlich besteht und der Staat grundsätzlich auch in der Lage ist, 
Schutz zu gewähren. 

Zudem kann aufgrund der geschilderten Vorfälle sowie des Persönlich-
keitsprofils des Beschwerdeführers nicht von einer landesweiten Ver-
folgung des Beschwerdeführers und seiner Familie ausgegangen wer-
den. Den Akten lassen sich keinerlei  Anhaltspunkte entnehmen, wo-

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nach er sich in irgendeiner Weise exponiert hätte (z. B. durch friedens-
aktivistische Tätigkeiten) und dadurch im ganzen Land bekannt wäre. 
Selbst  wenn in  der Heimatregion des Beschwerdeführers angesichts 
der dortigen äusserst schwierigen Lage zeitweise kein ausreichender 
Schutz erhältlich sein sollte, ist der Vorinstanz deshalb beizupflichten, 
wonach eine Wohnsitznahme in einem anderen Landesteil  im Süden 
oder Westen nicht generell unzumutbar ist. 

4.4 Zusammenfassend  ist  deshalb  festzuhalten,  dass  es  dem  Be-
schwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  Schutzbedürftigkeit  bezie-
hungsweise landesweite Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaub-
haft zu machen. Es erübrigt sich, auf die Beschwerde näher einzuge-
hen, da diese keine neuen Begründungselemente enthält, sondern le-
diglich die Wahrheitsmässigkeit  der Gesamtaussagen des Beschwer-
deführers unterstreicht,  welche indes weder von der Vorinstanz noch 
vom  Bundesverwaltungsgericht  als  solche  in  Frage  gestellt  werden. 
Das BFM hat demnach dem Beschwerdeführer sowie dessen Ehefrau 
und Sohn die Einreise in die Schweiz zu Recht verweigert beziehungs-
weise  das  Asylgesuch  abgelehnt.  Zwar  erkennt  das  Bundesverwal-
tungsgericht,  dass  die  Sicherheitssituation  des  Beschwerdeführers 
und  seiner  Familie  aufgrund  der  derzeitigen  Bürgerkriegslage  in  Sri 
Lanka generell als schwierig und belastend zu bezeichnen ist. Dieser 
Umstand betrifft indessen letztlich die Mehrheit der Zivilbevölkerung in 
Sri Lanka, weshalb die vorinstanzliche Verfügung angesichts der rest-
riktiven Praxis im Bereich der Auslandsverfahren, bei denen sich die 
Frage  von allfälligen  Wegweisungsvollzugshindernissen  gerade  nicht 
stellt,  zu bestätigen ist. Zusammenfassend ist  festzustellen, dass die 
Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 20 i.V.m. 
Art. 3 AsylG als nicht gegeben zu qualifizieren ist und auch keine an-
deren Gründe die  Erteilung einer Einreisebewilligung indizieren wür-
den.

4.5 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfü-
gung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). 
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus 
verwaltungsökonomischen Gründen sowie in  Anwendung von Art. 63 

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Abs. 1  in  fine  VwVG  und  Art.  2  und  6  Bst. b  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend jedoch auf 
die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

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D-4709/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (durch Vermittlung der schweizerischen Ver-
tretung in Colombo, verbunden mit der Bitte um Eröffnung des Ur-
teils an den Beschwerdeführer sowie um Zustellung der Empfangs-
bestätigung an das Bundesverwaltungsgericht)

- das BFM, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Susanne Burgherr

Versand:

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