# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9f0b0f1a-ba6a-55e7-9e25-7a6aed2d7513
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240231-O1
**Docket/Reference:** SB240231-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240231-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240231-O/U/bs

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur C. Maira und 

Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs sowie Gerichtsschreiber 

MLaw W. Dharshing

Urteil vom 20. Januar 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

gegen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend mehrfacher, teilweise geringfügiger Diebstahl etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur 

vom 13. Dezember 2023 (DG230044)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 24. August 

2023 (Urk. 33) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 62 S. 58 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Hinsichtlich des Vorwurfs der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG zwischen ca. Mitte 2020 bis 2. Dezember 2020 (Dossier 1) wird das 

Verfahren infolge Verjährung eingestellt.

2.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

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des mehrfachen, teilweise geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 

StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 172ter StGB (Dossiers 2, 6, 7 und 13); 

des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 13);

der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von 

Art. 19 Abs. 1 lit. c, d und g BetmG (Dossiers 1 und 5);

der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG (Dossier 

8, Geschwindigkeitsüberschreitung);

des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG 

(Dossiers 8, 9 und 12);

der missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 

lit. a SVG (Dossier 12);

der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG 

(Dossier 5);

der mehrfachen einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 

SVG (Dossier 9, Nichttragen des Schutzhelmes, Dossier 12, Geschwindigkeitsüber-

tretung) sowie

des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG (Dossier 9).

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3.

Von den folgenden Vorwürfen wird der Beschuldigte freigesprochen:

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der Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 116 Abs. 1 lit. a AIG 

(Dossier 1);

des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB (Dossier 4);

des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossiers 6 und 7);

der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG (Dossier 9, 

Nichtbeherrschen des Fahrzeugs);

der mehrfachen widerrechtlichen Aneignung von Kontrollschildern im Sinne von 

Art. 97 Abs. 1 lit. g SVG (Dossiers 10 und 11) sowie

der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 in Verbindung mit 

Art. 172ter StGB (Dossier 10).

4.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten, wovon 

88 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–. 

5.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an 

deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

6.

Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB (Sucht-

behandlung) angeordnet. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufge-

schoben.

7.

Für die Dauer der Behandlung gemäss Dispositiv-Ziffer 6 wird eine Bewährungshilfe im 

Sinne von Art. 63 Abs. 2 StGB angeordnet.

8.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. Februar 

2023 (act. D1/6/12) beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-

Triage, unter der Geschäftsnummer 79227637 lagernden Gegenstände werden eingezogen 

und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung 

überlassen:

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

1 Minigrip mit 3 Gramm Heroin (Asservat.-Nr.: A014'454'649, BM-Lager Nummer …);

1 Feinwaage (Asservat.-Nr.: A014'454'661, BM Lager Nummer …);

1 Hiebwaffe / Stichwaffe (Asservat.-Nr.: A014'454'683).

9.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. Februar 2021 

(act. D1/6/12) beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, un-

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ter der Geschäftsnummer 79227637 lagernden Gegenstände (Mobiltelefon Modell Redmi 8 

[Asservat.-Nr.: A014'454'718] sowie D-Link-Kamera mit Verpackung [Asservat.-Nr.: 

A014'454'752]) werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils unter 

Vorlage desselben und eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, 

durch die Lagerbehörde auf erstes Verlangen hin herausgegeben.

Werden die Gegenstände nicht innerhalb von 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft des Ur-

teils bei der Lagerbehörde abgeholt, ist die Lagerbehörde berechtigt, diese Gegenstände 

ohne Weiteres zu entsorgen.

10.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. Februar 2021 

(act. D1/6/11) beschlagnahmte Barschaft von Fr. 360.– wird zur teilweisen Deckung der 

Busse verwendet.

11.

Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin 2 

(B._____) Schadenersatz in der Höhe von Fr. 150.– zu bezahlen.

12.

Die Privatklägerin 1 (C._____) wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zi-

vilprozesses verwiesen.

13.

Auf das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wird nicht eingetreten. 

14.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.00   die weiteren Kosten betragen:

3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

9'920.00   Auslagen (Gutachten D._____ + Gutachten FOR)

50.00   Auslagen (Kapo Datensicherung/Auswertung Festplatten)

2'400.00   Auslagen Polizei (DNA-Untersuchungen IRM)

6'763.90

  Entschädigung amtl. Verteidigung MLaw Y._____
  (inkl. MwSt. und Barauslagen) 

17'407.70

  Entschädigung amtl. Verteidigung lic. iur. X._____ 

(inkl. MwSt. und Barauslagen)

43'141.60   Total

Wird auf eine Begründung dieses Entscheids verzichtet, ermässigt sich die Entscheidge-

bühr auf zwei Drittel.

15.

Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 14 werden dem Beschuldigten im Umfang von zwei 

Drittel auferlegt und zu einem Drittel auf die Gerichtskasse genommen. Die auf ihn entfal-

-   5   -

lenden Kosten der amtlichen Verteidigung werden indessen einstweilen auf die Gerichts-

kasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.

16.

(Mitteilungen)

17.

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung (Urk. 63 S. 2; Urk. 79 S. 2):

1.

Der  Beschuldigte  sei  von  dem  im  Dossier  5  erhobenen  Vorwurf  der  mehr-

fachen  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  (Art.  19  Abs.  1 

lit. c, d und g BetmG) freizusprechen.

2.

Der  Beschuldigte  sei  von  den  in  Dossier  12  erhobenen  Vorwürfen  des 

Fahrens ohne Berechtigung (Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG), der missbräuchlichen 

Verwendung von Kontrollschildern (Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG) und vom Vorwurf 

der  einfachen  Verletzung  der  Verkehrsregeln  (Art.  90  Abs.  1  SVG)  freizu-

sprechen.

3.

Der Beschuldigte sei in Abänderung von Ziffer 4 mit einer Freiheitsstrafe von 

11  Monaten  unter  Anrechnung  von  88  Tagen  Untersuchungshaft  und  einer 

Busse von Fr. 400.– zu bestrafen.

b)

Der Staatsanwaltschaft (Urk. 68):

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:

I. Prozessuales

1.

Der  Beschuldigte  wurde  mit  Urteil  des  Bezirksgerichts  Winterthur  vom 

13. Dezember  2023  gemäss  dem  eingangs  zitierten  Urteilsdispositiv  schuldig 

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gesprochen.  Innert  gesetzlicher  Frist  liess  der  Beschuldigte  mit  Eingabe  vom 

18. Dezember 2023 Berufung anmelden (Urk. 52; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nachdem 

das begründete Urteil den Parteien zugestellt worden war, reichte der Beschuldigte 

wiederum  fristgerecht  mit  Eingabe  vom  7.  Mai  2024  die  Berufungserklärung  ein 

(Urk. 63; Art. 399 Abs. 3 StPO). Die Staatanwaltschaft verzichtete in der Folge auf 

eine  Anschlussberufung  und  beantragte  die  Bestätigung  des  vorinstanzlichen 

Urteils (Urk. 68; Art. 400 Abs. 3 StPO).

Zur  heutigen  Berufungsverhandlung  erschien  der  Beschuldigte  in  Begleitung 

seines amtlichen Verteidigers (Prot. II S. 3).

2.

Der Beschuldigte ficht den vorinstanzlichen Schuldspruch (Dispositivziffer 1) 

hinsichtlich der Verurteilungen betreffend Dossiers 5 und 12 an. Weiter beantragt 

er in Abänderung von Dispositivziffer 4 eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten sowie 

einer Busse von Fr. 400.– (Urk. 63 S. 2; Urk. 79 S. 2). Infolge der Anfechtung der 

Sanktion als mitangefochten gilt Dispositivziffer 5 betreffend den Vollzug der Busse. 

Infolge des beantragten erweiterten Freispruchs muss im Übrigen auch die Kosten-

auflage gemäss Dispositivziffer 15 als angefochten gelten. Im Übrigen ist das vor-

instanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen, was vorab mit Beschluss festzustellen 

ist.

II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung

1.1 Die Verteidigung macht im Berufungsverfahren geltend, die polizeilichen Ein-

vernahmen vom 29. September 2021 seien in Abwesenheit und ohne Information 

der amtlichen Verteidigung durchgeführt worden, obschon bereits am 2. Dezember 

2020 eine amtliche Verteidigung bestellt worden sei. Diese polizeilichen Einvernah-

men  seien  daher  nicht  verwertbar.  Die  Vorinstanz  habe  in  Bezug  auf  Dossiers 5 

und 12 daher zu Unrecht auf diese abgestellt (Urk. 63 S. 3).

Die Vorinstanz erwog diesbezüglich, gemäss Art. 159 StPO habe die beschuldigte 

Person das Recht, dass ihre Verteidigung bei Einvernahmen im polizeilichen Er-

mittlungsverfahren  anwesend  sein  und  Fragen  stellen  kann.  Die  Teilnahme  der 

Verteidigung sei aber nicht zwingend, sondern durch die beschuldigte Person aktiv 

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einzufordern. Wenn die beschuldigte Person auf die Teilnahme ihrer Verteidigung 

verzichte, obwohl sie gemäss Art. 158 StPO auf ihre Rechte aufmerksam gemacht 

worden  sei,  sei  die  Einvernahme  verwertbar  (Urk. 62  S. 8  mit  Verweis  auf 

BSK StPO-RUCKSTUHL, 3. Auflage 2023, N 9 ff. zu Art. 159 StPO). Der Beschuldigte 

sei  anlässlich  der  polizeilichen  Einvernahmen  vom  5. Mai  2021  (Urk.  D2/2), 

vom  29. September 2021, 15.41 Uhr (Urk. D6/6) sowie vom 29. September 2021, 

18.54 Uhr (Urk. D5/2) auf sein Recht auf Verteidigung gemäss Art. 158 i.V.m. 159 

Abs.1 StPO hingewiesen worden. In der Einvernahme vom 5. Mai 2021 habe der 

Beschuldigte explizit verzichtet (Urk. D2/2 Frage 2), in den beiden weiteren Einver-

nahmen habe er erklärt, seine Rechte verstanden zu haben, habe daraufhin aber 

ebenfalls  nicht  verlangt,  dass  sein  Verteidiger  anwesend  sein  sollte.  Sämtliche 

Einvernahmen seien dem Beschuldigten sodann zur Durchsicht gegeben und von 

diesem  unterzeichnet  worden.  Der  Beschuldigte  habe  somit  rechtsgültig  auf  die 

Teilnahme seines Verteidigers an den genannten polizeilichen Einvernahmen ver-

zichtet, weshalb diese gemäss Art. 159 Abs. 1 StPO gültig und vollständig verwert-

bar seien (Urk. 62 S. 8).

1.2 Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ist das Recht auf den Anwalt 

der ersten Stunde ein Recht der beschuldigten Person und keine Pflicht der Be-

hörde, eine Verteidigung sicherzustellen (BSK StPO-RUCKSTUHL, 3. Auflage 2023, 

N 9 ff. zu Art. 159 StPO; SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar, 4. Auflage 2023, N1a 

zu Art. 159 StPO; Zürcher Kommentar GODENZI, 2. Auflage 2020, N 1 und N 13 zu 

Art. 159 StPO; Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Straf-

prozessrechts, BBl 2006 1193). Ein Anspruch darauf, dass in jedem neuen polizei-

lichen Ermittlungsverfahren die in einer bereits eröffneten Untersuchung bestellte 

Verteidigung von Amtes wegen informiert wird, ergibt sich aus der Strafprozessord-

nung nicht (vgl. Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Straf-

prozessrechts, BBl 2006 1194). Es würde auch nur wenig Sinn ergeben, wenn ein 

Beschuldigter,  gegen  den  eine  Untersuchung  wegen  eines  schwerwiegenden 

Delikts geführt wird und der dort notwendig verteidigt werden muss, in jedem später 

wegen  Bagatelldelikten  eingeleiteten  Verfahren  zwingend  verteidigt  werden  bzw. 

die  im  anderen  Verfahren  bestellte  Verteidigung  stets  informiert  werden  müsste. 

Dies würde dazu führen, dass aufgrund einer laufenden Untersuchung wegen des 

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schweren  Delikts  in  der  gesamten  Schweiz  ohne  Verteidigung  bzw.  ohne  aus-

drücklichen  Verzicht  der  im  anderen  Verfahren  bestellten  Verteidigung  keine 

polizeiliche Einvernahme wegen eines Bagatelldelikts mehr durchgeführt werden 

dürfte. Das ist nicht sachgerecht und ergibt sich weder aus dem Gesetzestext noch 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung.

Ob  es  dem  einvernehmenden  Polizeibeamten  selbst  bekannt  war  bzw.  bekannt 

sein  konnte,  dass  dem  Beschuldigten  bereits  eine  amtliche  Verteidigung  bestellt 

worden  war,  spielt  –  mit  der  zutreffenden  Ansicht  der  Verteidigung  (vgl.  Urk. 79 

S. 4) – keine entscheidende Rolle. Die Polizei ist – wie ausgeführt – im polizeilichen 

Ermittlungsverfahren nicht verpflichtet, nach sämtlichen sonst noch hängigen Straf-

verfahren  zu  suchen  und  abzuklären,  ob  dort  bereits  eine  Verteidigung  bestellt 

worden war. Sie hat einzig zu beachten, ob der Beschuldigte selbst im Sinne von 

Art. 159 Abs. 1 StPO eine Verteidigung fordert oder ob – gestützt auf den Gegen-

stand des polizeilichen Ermittlungsverfahrens – ein Fall notwendiger Verteidigung 

im Sinne von Art. 130 lit. a-e StPO gegeben ist, in welchen bei delegierten polizei-

lichen  Einvernahmen  zwingend  eine  Verteidigung  bestellt  werden  muss  (vgl. 

Art. 131  Abs.  2  StPO).  Der  von  der  Verteidigung  referenzierte  Entscheid  stützt 

diese Ansicht gerade, zumal er im Ergebnis festhält, dass die Polizei keine Pflicht 

trifft, in neu hinzukommenden Ermittlungsverfahren Einvernahmen nur in Anwesen-

heit des – bereits wegen eines laufenden Verfahrens – bestellten notwendigen Ver-

teidigers  durchzuführen  (vgl.  Beschluss  des  Obergerichts  des  Kantons  Zürich 

UH160330 vom 1. Februar 2017 E. 2.3.c).

Die weiteren Ausführungen der Verteidigung zum Vorliegen eines Falls der notwen-

digen  Verteidigung  anlässlich  der  polizeilichen  Einvernahme  vom  29. September 

2021 (vgl. Urk. 79 S. 4) gehen fehl, da sich aus den Gesetzesmaterialien klar ergibt, 

dass Art. 131 Abs. 2 StPO kein Recht auf eine notwendige Verteidigung der ersten 

Stunde – namentlich im selbständigen polizeilichen Ermittlungsverfahren – vorsieht 

(vgl.  Urteil  6B_990/2017  vom  18. April  2018  E. 2.3.3.  mit  Verweis  auf  AB  2007 

N 953 f.). 

1.3 Der Beschuldigte brachte an der Hauptverhandlung sodann vor, die Polizei 

habe ihm vor der Einvernahme mehrere Biere gegeben, damit er gesprächig werde. 

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Man habe ihm dabei gar nicht gesagt, dass es sich um eine Einvernahme handle. 

Vielmehr sei es für ihn einfach ein Gespräch gewesen, wobei der Polizeibeamte an 

seinem PC gesessen sei und auch nicht immer alles aufgeschrieben habe. Er sei 

schliesslich auch nicht auf seine Rechte aufmerksam gemacht worden, obwohl das 

so im Protokoll stehe. Er habe dieses zwar unterzeichnet, aber nicht richtig ange-

schaut (Prot. I S.  41 f.). Gemäss dem aktenkundigen Einvernahmeprotokollen wur-

den die notwendigen Vorhalte und Rechtsbelehrungen korrekt gemacht (Urk. D5/2 

Frage 1 und Urk. D6/6=D12/2 Frage 1). Wie der Beschuldigte selbst einräumt, hat 

er alle Einvernahmeprotokolle selbst unterzeichnet und damit deren Richtigkeit be-

stätigt. Da keine geistige Einschränkung des Beschuldigten bekannt ist, darf davon 

ausgegangen werden, dass er die Protokolle lesen und verstehen konnte. Ein for-

melles Protokollberichtigungsbegehren wurde – soweit ersichtlich – nicht gestellt. 

Es ist daher vom Ablauf auszugehen, wie er in den aktenkundigen Protokollen fest-

gehalten wurde. Auch die Behauptung des Beschuldigten, man habe ihn durch das 

Angebot von Bier zu Aussagen verleiten wollen, ist nicht evident. Es ist ausserdem 

kein Hinweis ersichtlich, dass er nicht einvernahmefähig gewesen wäre. Auch dies-

bezüglich  ergibt  sich  daher  kein  Grund,  weshalb  die  polizeilichen  Einvernahmen 

nicht verwertbar sein sollten.

1.4 Mit der Vorinstanz sind die polizeilichen Einvernahmen vom 5. Mai 2021 sowie 

vom  29.   September  2021  demnach  als  verwertbar  anzusehen.  Des  Weiteren 

wurde der Beschuldigte anlässlich der Einvernahmen vom 29. September 2021 auf 

sein Aussageverweigerungsrecht hingewiesen, weshalb sich das Erfragen des Zu-

gangscodes zum Mobiltelefon als unproblematisch erweist (vgl. Urteil 6B_525/2024 

vom 15. Januar 2025 E. 2.5.1., zur Publikation vorgesehen).

2.

Dossier 5

2.1 Dem Beschuldigten wird in Dossier 5 zusammengefasst vorgeworfen, er habe 

in der Zeit zwischen dem 25. Februar 2021 bis am 29. September 2021 im Raum 

F._____ sowie an der E._____-strasse 1 in F._____ insgesamt 35 Gramm Heroin-

gemisch (17.6% Reinheitsgrad) an diverse Endkonsumenten sowie G._____ ver-

kauft, sowie im gleichen Zeitraum, vorwiegend an seinem Wohnort an der E._____-

strasse 1 in F._____, eine nicht näher bekannte Menge an Heroin konsumiert.

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2.2 Der Beschuldigte hat die ihm betreffend Dossier 5 gemachten Vorwürfe in der 

Einvernahme  vom  29.  September  2021  zugegeben  (Urk. D5/2  Frage  10  ff.).  Er 

habe  das  Heroin  jeweils  selbst  besorgt  und  G._____  habe  es  an  die  Endkonsu-

menten verkauft (Urk. D5/2 Frage 11). Teilweise habe er es auch selbst portionen-

weise à 0.2 Gramm zu Fr. 20.– an die Konsumenten verkauft (Urk. D5/2 Frage 15). 

Das Heroin habe er jeweils von albanischen Kontakten bezogen. Diese seien nach 

seiner Haftentlassung via Facebook auf ihn zugekommen. Vieles habe er auch als 

Willkommensgeschenk erhalten (Urk. D5/2 Frage 19). Zudem konsumiere er gele-

gentlich, konkret ca. 1 Gramm pro Woche, Heroin (Urk. D5/2 Frage 25). Auf Vorhalt 

der  Zusammenfassung  des  ihm  gemachten  Vorwurfs  gestand  er  diesen  sodann 

rundweg ein (Urk. D5/2 Frage 27 unten). Weiter liegen Fotos von Chatverläufen ab 

dem Mobiltelefon des Beschuldigten bei den Akten (Urk. D5/4). Diesen lässt sich 

insbesondere  entnehmen,  dass  der  Beschuldigte  einem  Kontakt  namens 

"G'._____",  bei  welchem  es  sich  anerkanntermassen  um  G._____  handelt 

(vgl. Urk. D5/2 Frage 8), unter anderem schrieb "Ha no gnuge gfunde aso cha der 

sa süs mache 100.-"; "Mach eifach 2 + 5" "Ha au wieder 1 Kg vo dem verdünner 

hüt obig" (Urk. D5/4 Foto 8). Dieser schrieb an einem anderen Tag die Nachricht 

"i versta dini verchaufspolitick. Du seisch bruchsch gäld, dafür muesch schafe nöd 

schlafe"  (Urk. D5/4  Foto  8).  Weiter  schrieb  der  Beschuldigte  dem  Kontakt 

"G'._____" "Gib nöd eifach so für 100 halb" "2 plus 0.5 wöt i mache zerst" (Urk. D5/4 

Foto 9). Weiter wurde auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten eine gemäss Meta-

daten  am  24.  September  2021  in  F._____  erstellte  Fotografie  von  drei  Minigrip-

Säckchen  mit  einem  braunen  Pulver  gefunden  (Urk. D5/4  Foto 11).  Diese  Nach-

richten und sowie das Foto auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten deuten klar auf 

eine Handelstätigkeit mit Heroin hin und lassen sich mit seinem Eingeständnis, wo-

nach er regelmässig von albanischen Kontakten Heroin bezogen und dieses so-

dann an G._____ sowie diverse Endkonsumenten verkauft habe, bestens verein-

baren. Demgegenüber erscheinen die Ausflüchte des Beschuldigten in der vorin-

stanzlichen Hauptverhandlung keineswegs überzeugend. Er wollte sich einerseits 

generell nicht mehr erinnern können, über was er mit G._____ geschrieben habe. 

Zudem  handle  es  sich  beim  auf  dem  Foto  ersichtlichen  brauen  Pulver  bloss  um 

Gewürze, wobei man mit diesem Foto jemanden habe "verarschen" wollen (Prot. I 

-   11   -

S. 16 ff.). Sein nach der Festnahme am 29. September 2021 in der polizeilichen 

Einvernahme abgelegtes Geständnis kommentierte er bloss dahingehend, dass er 

damals nicht so spezifisch gefragt worden sei und diese Einvernahmen ohnehin ein 

Thema für sich seien (Prot. I S. 17). Anlässlich der Berufungsverhandlung behaup-

tete der Beschuldigte, die Befragung sei "eine Sache für sich" gewesen und im Chat 

gehe  es  nur  um  eine  Qualitätsbeurteilung  von  Heroin,  er  habe  nicht  "gedealt" 

(Urk. 78 S. 6). Diese Aussagen sind ausweichend und lassen an den detaillierten 

Eingeständnissen vom 29. September 2021, welche sich auch mit den objektiven 

Beweismitteln vereinbaren lassen, keine Zweifel aufkommen. Mit der Vorinstanz ist 

der Sachverhalt betreffend Dossier 5 damit erstellt.

2.3 Die Vorinstanz erwog, der erstellte Sachverhalt gemäss Dossier 5 sei sowohl 

betreffend den Konsum als auch den Handel als Widerhandlung gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG zu würdigen (Urk. 62 S. 17). 

Im Dispositiv erwähnt sie indessen in Ziffer 2, 3. Lemma – neben Dossier 1 – auch 

Dossier 5 unter dem Schuldspruch der Widerhandlung gegen das BetmG im Sinne 

von Art. 19 Abs. 1 BetmG. Dies ist auch zutreffend, zumal es sich beim Handel mit 

6.16 Gramm reinem Kokain nicht mehr um eine Übertretung nach Art. 19a Ziff. 1 

BetmG handelt. Da die Vorinstanz dies korrekt so im Dispositiv aufgeführt hat und 

auch im Rahmen der Strafzumessung vom korrekten Schuldspruch wegen eines 

Vergehens im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG ausging (Urk. 62 S. 44), ist anzu-

nehmen,  dass  die  Erwähnung  von  Art.  19a  Ziff.  1  BetmG  betreffend  den  Be-

täubungsmittelhandel auf Seite 17 des vorinstanzlichen Urteils ein blosser Schreib-

fehler ist. Der Beschuldigte ist demnach in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

betreffend  Dossier  5  der  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  im 

Sinn von Art. 19 Abs. 1 lit. c, d und g schuldig zu sprechen. 

3.

Dossier 12

3.1 Dem  Beschuldigten  wird  in  Dossier  12  zusammengefasst  vorgeworfen,  er 

habe am 18. August 2021 ca. um 15:52 Uhr das zuvor gestohlene Motorrad Piaggio 

ET4 (vgl. Dossier 6) auf der H._____-strasse in F._____ stadtauswärts gelenkt und 

dabei die maximal erlaubte Geschwindigkeit von 60 km/h um netto 3 km/h über-

schritten. Für die Fahrt habe der Beschuldigte das zuvor entwendete Kontrollschild 

-   12   -

ZH 2 (vgl. Dossier 11) am Motorrad montiert, obschon er gewusst habe, dass die-

ses Kontrollschild nicht auf das Motorrad zugelassen sei. Die genannte Fahrt habe 

der  Beschuldigte  unternommen,  ohne  über  den  dafür  nötigen  Führerausweis  zu 

verfügen.

3.2 Die Untersuchung stützt sich im Wesentlichen auf ein Radarfoto, welches das 

Motorrad inkl.  des fraglichen Kontrollschilds zeigt  (Urk. D11/4). Der Beschuldigte 

bestreitet  indessen,  der  Lenker  des  Motorades  gewesen  zu  sein  (Urk. D1/19/3 

Frage 52 ff.; Prot. I S. 26). 

Mit der Vorinstanz ist die auf dem Radarfoto ersichtliche Person eindeutig als der 

Beschuldigte  zu  identifizieren  (vgl.  Urk. D11/4  und  D1/7/1).  Er  selbst  räumte  an-

lässlich der polizeilichen Einvernahme vom 29. September 2021 auf Vorhalt des 

fraglichen Radarfotos ein: "Ja, das bin ich. Es ist mein T-Shirt und alles" (Urk. D12/2 

Frage  96).  Seine  später  vorgebrachte  Bestreitung,  es  handle  sich  beim  auf  dem 

Radarfoto ersichtlichen Lenker des Motorrades nicht um ihn, überzeugt demgegen-

über nicht. Sein Vorbringen, es wachse ihm kein Schnauz (Prot. I S. 26), ist ange-

sichts des Fotos des Verhaftsrapports vom 2. Dezember 2022 eindeutig widerlegt 

(Urk. D1/7/1). Mit der Vorinstanz (Urk. 62 S. 33) ist der Sachverhalt damit erstellt.

3.3 Die Vorinstanz würdigt den erstellten Sachverhalt als einfache Verletzung der 

Verkehrsregeln  im  Sinne  von  Art.  90  Abs.  2  SVG  durch  Geschwindigkeitsüber-

schreitung gemäss Art. 32 Abs. 2 SVG, als missbräuchliche Verwendung von Aus-

weisen oder Kontrollschildern i.S.v. Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG sowie als Fahren ohne 

Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG (Urk. 62 S. 33 f.). Dies erweist 

sich als zutreffend und wird seitens des Beschuldigten im Berufungsverfahren zu 

Recht  auch  nicht  beanstandet,  weshalb  der  vorinstanzliche  Schuldspruch  unter 

Verweis auf die Erwägungen der Vorinstanz (Art. 82 Abs. 4 StPO) zu bestätigen ist.

4.

Zusammengefasst sind die Schuldsprüche betreffend Dossiers 5 und 12 zu 

bestätigen.  Die  in  den  gleichen  Lemmas  des  vorinstanzlichen  Dispositivs  aufge-

führten Schuldsprüche hinsichtlich anderer Dossiers gelten zwar als mitangefoch-

ten, sind indessen ebenfalls zu bestätigen, da sie im Berufungsverfahren nicht mehr 

beanstandet wurden.

-   13   -

III. Strafzumessung

1.

Vorbemerkungen

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB 

und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  dargelegt 

(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die Bildung der 

Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Aspe-

rationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1.; BGE 144 IV 217 E. 2.2 und E. 3; BGE 141 

IV 61 E. 6.1.2; je mit Hinweisen). Darauf sowie auf die zutreffenden vorinstanzli-

chen Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 62 S. 40 ff.).

2.

Die Strafzumessung wird seitens des Beschuldigten einzig unter Hinweis auf 

seinen Antrag auf Freispruch von den Vorwürfen gemäss Dossiers 5 und 12 bean-

standet (Urk. 63 und Urk. 79 S. 7 f.).

3.

Die vorinstanzliche Strafzumessung erweist sich als angemessen und korrekt 

begründet. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten hielt die Vorin-

stanz unter Verweis auf die aktenkundigen Angaben des Beschuldigten fest, dass 

er in I._____ im Kanton St. Gallen aufgewachsen sei. Er habe eine gute Kindheit 

erlebt, obwohl er sich manchmal als Aussenseiter gefühlt habe und durch andere 

Kinder gemobbt worden sei. Nach seiner Schulzeit habe er eine Lehre als Polyme-

chaniker  absolviert,  welche  er  mit  dem  sehr  guten  Notenschnitt  einer  5.3  abge-

schlossen habe. Nach seiner Lehre sei er stets arbeitstätig gewesen, bis er 2020 

seine  Arbeitsstelle  verloren  habe.  Seine  Eltern  hätten  sich  während  seine  Lehre 

getrennt. Seine Mutter lebe in J._____ im K._____. Der Vater sei vor ungefähr 20 

Jahren in Mallorca an einer Leberzirrhose verstorben. Er habe zwei Schwestern, 

eine  ältere  und  eine  jüngere,  wobei  er  lediglich  mit  der  jüngeren  regelmässigen 

Kontakt habe. Bis 2020 sei er in einer langjährigen Beziehung gewesen, aus wel-

cher  ein  Sohn  hervorgegangen  sei,  der  2018  geboren  sei.  Es  sei  bei  ihm  (dem 

Beschuldigten)  bereits  schon  im  Kindesalter  die  Verhaltensstörung  ADHS 

diagnostiziert worden. Die ersten Drogen habe er mit 16 Jahren konsumiert, wobei 

es sich damals um Kokain, Speed, Ecstasy und MDMA gehandelt habe. Der erste 

Heroinkonsum sei sodann mit 23 oder 24 Jahren erfolgt. Er habe stets Betäubungs-

-   14   -

mittel konsumiert; auch während der Zeit, als er angestellt gewesen sei. Nach der 

Trennung von seiner langjährigen Partnerin und dem Verlust der Arbeitsstelle im 

2020 habe er wieder mit starkem Drogenkonsum begonnen. Heute sei er in Sucht-

behandlung bei einem Psychotherapeuten. Um seinen Lebensunterhalt zu bestrei-

ten, beziehe er Sozialhilfe (Urk. 62 S. 46 f.). An der Berufungsverhandlung bestä-

tige der Beschuldigte im Wesentlichen seine persönlichen Verhältnisse und gab an, 

dass  er  beim  L._____  Diaphin  und  Ritalin  beziehe  und  einmal  wöchentlich  eine 

Gesprächstherapie bei Dr. med. univ. M._____ besuche, die gut verlaufe (Urk. 78 

S.2; Urk. 80). Aus dem aktuellen Strafregisterauszug ergibt sich, dass der Beschul-

digte  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland  1. November 

2024 wegen diverser Strassenverkehrsdelikte, begangen am 13. Juli 2024, zu einer 

vollziehbaren Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse von 

Fr. 300.– verurteilt wurde (Urk. 77 S. 2). Mit Blick auf die Strafzumessung scheidet 

eine straferhöhende Berücksichtigung der später ergangenen Verurteilung aus. Die 

persönlichen Verhältnisse sind weiterhin strafzumessungsneutral zu werten. Unter 

Verweis auf die Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 62 S. 42 ff.) ist der Beschuldigte 

mit  einer  Freiheitsstrafe  von  12  Monaten  sowie  einer  Busse  von  Fr. 500.–  als 

Zusatzstrafe  zum  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland  vom 

1. November 2024 zu bestrafen. Auf die Freiheitsstrafe anzurechnen sind 88 Tage 

Haft (Art. 51 StGB).

4.

Die Vorinstanz hat eine ambulante Massnahme angeordnet und den Vollzug 

der – an sich unbedingten – Freiheitsstrafe zu diesem Zweck unter Anordnung einer 

Bewährungshilfe aufgeschoben (Urk. 62 S. 51 ff.). Dies beanstandet der – wie er-

wähnt zwischenzeitlich erneut mit Strafbefehl verurteilte – Beschuldigte im Beru-

fungsverfahren nicht. Da sich der Entscheid der Vorinstanz als nachvollziehbar und 

rechtlich korrekt erweist, ist er unter Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen 

zu bestätigen. Es ist demnach eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im 

Sinne  von  Art. 63 StGB  (Suchtbehandlung)  anzuordnen,  wobei  der  Vollzug  der 

Freiheitsstrafe zu diesem Zweck aufzuschieben ist. Für die Dauer der ambulanten 

Massnahme  ist  eine  Bewährungshilfe  im  Sinne  von  Art.  63  Abs.  2  StGB  anzu-

ordnen.

-   15   -

IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziff. 15) zu 

bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

2.

Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  praxisgemäss  auf 

Fr. 3'600.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 GebV 

OG).

3.

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-

liegt mit seinen Berufungsanträgen vollumfänglich. Die Kosten des Berufungsver-

fahrens sind daher ihm aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind 

einstweilen  auf  die  Gerichtkasse  zu  nehmen,  vorbehalten  bleibt  eine  Rückforde-

rung beim Beschuldigten gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO.

4.

Die amtliche Verteidigung ist für das Berufungsverfahren mit Fr. 5'000.– (inkl. 

MwSt.) zu entschädigen.

-   16   -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

13. Dezember 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

1.

Hinsichtlich des Vorwurfs der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne 

von Art. 19a Ziff. 1 BetmG zwischen ca. Mitte 2020 bis 2. Dezember 2020 (Dossier 1) 

wird das Verfahren infolge Verjährung eingestellt.

2.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig



















des mehrfachen, teilweise geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 
1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 172ter StGB (Dossiers 2, 6, 7 und 13); 

des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 13);

[…];

der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG 
(Dossier 8, Geschwindigkeitsüberschreitung);

[…];

[…];

[…];

[…];

des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG 
(Dossier 9).

3.

Von den folgenden Vorwürfen wird der Beschuldigte freigesprochen:













der Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 116 Abs. 1 
lit. a AIG (Dossier 1);

des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB (Dossier 4);

des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossiers 6 
und 7);

der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG 
(Dossier 9, Nichtbeherrschen des Fahrzeugs);

der mehrfachen widerrechtlichen Aneignung von Kontrollschildern im Sinne 
von Art. 97 Abs. 1 lit. g SVG (Dossiers 10 und 11) sowie

der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 in Ver-
bindung mit Art. 172ter StGB (Dossier 10).

4.

5.

[…]

[…]

-   17   -

6.

Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB 

(Suchtbehandlung) angeordnet. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck 

aufgeschoben.

7.

Für die Dauer der Behandlung gemäss Dispositiv-Ziffer 6 wird eine Bewährungshilfe 

im Sinne von Art. 63 Abs. 2 StGB angeordnet.

8.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

25. Februar 2023 (act. D1/6/12) beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, 

Asservaten-Triage, unter der Geschäftsnummer 79227637 lagernden Gegenstände 

werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils 

zur Vernichtung überlassen:







1 Minigrip mit 3 Gramm Heroin (Asservat.-Nr.: A014'454'649, BM-Lager Num-
mer …);

1 Feinwaage (Asservat.-Nr.: A014'454'661, BM Lager Nummer …);

1 Hiebwaffe / Stichwaffe (Asservat.-Nr.: A014'454'683).

9.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. Februar 

2021 (act. D1/6/12) beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-

Triage, unter der Geschäftsnummer 79227637 lagernden Gegenstände (Mobiltelefon 

Modell Redmi 8 [Asservat.-Nr.: A014'454'718] sowie D-Link-Kamera mit Verpackung 

[Asservat.-Nr.: A014'454'752]) werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils unter Vorlage desselben und eines amtlichen Ausweises, nach te-

lefonischer Voranmeldung, durch die Lagerbehörde auf erstes Verlangen hin heraus-

gegeben.

Werden die Gegenstände nicht innerhalb von 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft 

des Urteils bei der Lagerbehörde abgeholt, ist die Lagerbehörde berechtigt, diese Ge-

genstände ohne Weiteres zu entsorgen.

10.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. Februar 

2021 (act. D1/6/11) beschlagnahmte Barschaft von Fr. 360.– wird zur teilweisen 

Deckung der Busse verwendet.

11.

Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin 2 

(B._____) Schadenersatz in der Höhe von Fr. 150.– zu bezahlen.

12.

Die Privatklägerin 1 (C._____) wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

13.

Auf das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wird nicht eingetreten. 

-   18   -

14.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.00   die weiteren Kosten betragen:

3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

9'920.00   Auslagen (Gutachten D._____ + Gutachten FOR)

50.00   Auslagen (Kapo Datensicherung/Auswertung Festplatten)

2'400.00   Auslagen Polizei (DNA-Untersuchungen IRM)

6'763.90

  Entschädigung amtl. Verteidigung MLaw Y._____
  (inkl. MwSt. und Barauslagen) 

17'407.70

  Entschädigung amtl. Verteidigung lic. iur. X._____ 

(inkl. MwSt. und Barauslagen)

43'141.60   Total

Wird auf eine Begründung dieses Entscheids verzichtet, ermässigt sich die Ent-

scheidgebühr auf zwei Drittel.

15.

[…]

16.

(Mitteilungen)

17.

(Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte ist zudem schuldig





der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im 

Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c, d und g BetmG (Dossiers 1 und 5);

des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 

Abs. 1 lit. a SVG (Dossiers 8, 9 und 12);

-   19   -







der missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern im Sinne von 

Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG (Dossier 12);

der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG (Dossier 5);

der mehrfachen einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von 

Art. 90 Abs. 1 SVG (Dossier 9, Nichttragen des Schutzhelmes, Dossier 

12, Geschwindigkeitsübertretung).

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 

12 Monaten, wovon 88 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer 

Busse von Fr. 500.– als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland vom 1. November 2024. 

3.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

4.

5.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 15) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

5'000.–   amtliche Verteidigung (inkl. 8,1% MWSt)

6.

Die Kosten des Berufungsverfahrens – mit Ausnahme der Kosten der amt-

lichen Verteidigung – werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genom-

men. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO vorbehalten.

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (versendet)

die Privatklägerin C._____ (versendet)

-   20   -



die Privatklägerin B._____ (versendet)

(Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird 

den Privatklägern nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach 

Erhalt des Dispositivs verlangen.)

sowie in vollständiger Ausfertigung an





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung 
Administrativmassnahmen, Richterliche Fahrverbote, 8090 Zürich 
(PIN …)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten.

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

-   21   -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 20. Januar 2025

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. B. Gut

MLaw W. Dharshing