# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3337c077-0b52-5bb2-bf24-c407e60d7ab6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.04.2017 E-1479/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1479-2016_2017-04-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1479/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  A p r i l  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Daniel Willisegger, Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihre Kinder,  

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl;  

Verfügung des SEM vom 9. Februar 2016 / N (…). 

 

 

 

E-1479/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin (A._______) verliess ihren Heimatstaat eigenen 

Angaben zufolge am (…) Juni 2014 in Richtung Äthiopien. Von dort ge-

langte sie via den Sudan, Libyen und Italien am (…) September 2014 in 

die Schweiz, wo sie gleichentags ein Asylgesuch stellte. Im Rahmen der 

Befragung zur Person (BzP) vom 10. Oktober 2014 sowie der einlässlichen 

Anhörung vom 13. Mai 2015 machte die Beschwerdeführerin zur Begrün-

dung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, sie habe ihren Heimat-

staat verlassen nachdem die eritreischen Behörden sie wegen der Deser-

tion ihres Lebenspartners mehrere Male zu Hause aufgesucht und unter 

Druck gesetzt hätten; aus Furcht vor weiteren Massnahmen sei sie einen 

Monat respektive drei Monate nach der Ausreise ihres Lebenspartners zu 

ihm nach Äthiopien gefolgt. Ausserdem seien zwei ihrer Brüder ebenfalls 

vom Militärdienst desertiert und ins Ausland geflohen; ihre Eltern seien 

nach ihrer Ausreise wiederholt durch eritreische Soldaten zu Hause aufge-

sucht worden. 

Sie sei zum Zeitpunkt der Ausreise schwanger gewesen mit ihrem zweiten 

Kind (B._______), welches sie in Libyen zur Welt gebracht habe. Ihr erstes 

Kind D._______, geboren am (…), habe sie wegen den Gefahren bei der 

illegalen Ausreise bei ihren Eltern zurückgelassen. Beide Kinder würden 

von ihrem Lebenspartner stammen, der sich weiterhin in Äthiopien auf-

halte.  

B.  

Mit Verfügung vom 9. Februar 2016 – eröffnet am 11. Februar 2016 – lehnte 

das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführenden ab und ordnete die 

Wegweisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung 

wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob.  

C.  

Am (…) brachte die Beschwerdeführerin in Winterthur ihren Sohn 

C._______ zur Welt.  

D.  

Gegen die ablehnende Verfügung des SEM erhob die Beschwerdeführerin 

mit Eingabe vom 4. März 2016 beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte die Gewährung von Asyl und eventualiter die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 1 bis 3 

und die Zurückweisung des Verfahrens zwecks weiterer Abklärungen und 

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Seite 3 

erneuter Beurteilung an die Vorinstanz. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

ersuchte sie um Ansetzung einer Frist zur Nachreichung einer Beschwer-

deverbesserung, um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Ausrichtung 

einer angemessenen Parteientschädigung bei Obsiegen im Verfahren. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2016 hiess der Instruktionsrichter 

das Gesuch um Ansetzung einer Frist zur Verbesserung der Beschwerde 

gut und bot den Beschwerdeführenden Gelegenheit, ihre Beschwerde bis 

zum 1. April 2016 zu verbessern. Des Weiteren wurden sie aufgefordert, 

innert selber Frist einen Nachweis ihrer prozessualen Bedürftigkeit einzu-

reichen. Als Säumnisfolgen wurde das Nichteintreten auf die Beschwerde 

respektive die Abweisung der Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung mangels nachgewiesener Bedürftigkeit angedroht. 

F.  

Mit Eingabe vom 17. März 2016 reichte die Beschwerdeführerin eine Be-

schwerdeverbesserung zu den Akten. Ein Beleg für die behauptete Bedürf-

tigkeit war der Eingabe nicht beigelegt. Danach lud der Instruktionsrichter 

die Vorinstanz ein, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen. 

G.  

Die Vernehmlassung des SEM vom 15. April 2016 wurde der Beschwerde-

führerin am 18. April 2016 zur Kenntnis gebracht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

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Seite 4 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

1.5 Das nach Erlass der angefochtenen Verfügung in der Schweiz zur Welt 

gekommene Kind der Beschwerdeführerin (vgl. Sachverhalt Bst. C) ist in 

ihr Asyl(beschwerde)verfahren einzubeziehen. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

  

E-1479/2016 

Seite 5 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, 

die Beschwerdeführerin habe anlässlich der beiden Befragungen unter-

schiedliche Angaben gemacht. Sie habe diese erheblichen Widersprüche 

auf entsprechendes Vorhalten hin auch nicht nachvollziehbar erklären kön-

nen. So habe sie erst an der einlässlichen Anhörung erstmals Probleme 

mit den Behörden aufgrund der Desertion ihres Partners geltend gemacht. 

Ein besonders gravierender Widerspruch liege in ihrer unterschiedlichen 

Schilderung der Ausreise ihres Lebenspartners vor. So habe sie anlässlich 

der BzP erklärt, ihr Mann habe gemeinsam mit ihr und (...) aus-reisen wol-

len, während sie im Rahmen der Bundesanhörung vorgetragen habe, ihr 

Mann habe ihr nichts von seiner Ausreise erzählt. Weiter habe sie an der 

BzP gesagt, sie sei ihrem Mann einen Monat nach seiner Ausreise gefolgt, 

während sie an der Anhörung diesbezüglich von drei Monaten gesprochen 

habe. Sodann habe sie auch bei der Schilderung ihrer angeblich illegalen 

Ausreise unterschiedliche Angaben gemacht, wenn sie an der BzP von 

zwei Stunden Fussmarsch und an der Anhörung demgegenüber von deren 

sechs gesprochen habe. Die Aussagen der Beschwerdeführerin bezeich-

nete das SEM deshalb insgesamt als teils nachgeschoben, widersprüch-

lich und realitätsfremd. Sie habe somit ihre Fluchtgründe und die Umstände 

ihrer Ausreise nicht glaubhaft schildern können. Zudem habe sie ange-

sichts ihrer stereotypen sowie mitunter widersprüchlichen Schilderung das 

Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe wegen illegaler Ausreise nicht 

glaubhaft machen können, weshalb von einer legalen Ausreise auszuge-

hen sei. 

4.2 In der fristgerecht nachgereichten Beschwerdebegründung wurde im 

Wesentlichen dargelegt, aus welchen Gründen die Schilderung der Über-

querung des Flusses (...) anlässlich der illegalen Ausreise glaubhaft sei 

und weshalb die Beschwerdeführerin nicht gemeinsam mit ihren Brüdern 

geflohen sei, nachdem ihr dies in der angefochtenen Verfügung vorgehal-

ten worden sei. Schliesslich wurde an der illegalen Ausreise festgehalten 

und auf die äusserst restriktive Visumserteilungspraxis der eritreischen Be-

hörden hingewiesen. 

4.3  

4.3.1 Nach Durchsicht der Befragungsprotokolle schliesst sich das Gericht 

der vorinstanzlichen Würdigung der Verfolgungsvorbringen an. Das SEM 

hat bezüglich der von der Beschwerdeführerin dargestellten Situation vor 

ihrer Ausreise in der angefochtenen Verfügung zutreffend aufgezeigt, aus 

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Seite 6 

welchen Gründen am Wahrheitsgehalt dieser Vorbringen Zweifel bestün-

den und inwieweit sich die Beschwerdeführerin diesbezüglich in den Be-

fragungen nicht überzeugend geäussert habe. Nachdem die Beschwerde-

führerin selber diese Argumente kaum bestreitet, kann zur Vermeidung von 

Wiederholungen vorab auf die entsprechenden Erwägungen in der vor-

instanzlichen Verfügung verwiesen werden. 

4.3.2 Weiter ist festzustellen, dass die angeblichen Erlebnisse weitgehend 

unsubstanziiert vorgetragen und mit keinerlei Beweismitteln untermauert 

werden. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin zu (…) in Eritrea  

zurückgelassenen (...) zu Protokoll gab, es gehe (…) bestens (vgl. A5/14 

S. 6, „sta benissimo“) und es den weiteren Angehörigen in Eritrea ebenso 

gut gehe (vgl. A5/14 S. 6, A20/20 S. 3 F13, F15). In Zusammenhang mit 

diesen Aussagen mutet es deshalb als wenig plausibel an, wenn von ihr 

gleichzeitig behauptet wird, ihre Angehörigen (insbesondere ihre Eltern) 

würden seit der Ausreise der Beschwerdeführerin vermehrt durch Behör-

den behelligt (vgl. A20/20 S. 3 F20). Schliesslich erscheint auch die Schil-

derung der Beschwerdeführerin, sie sei ganz plötzlich und ohne jegliche 

Vorbereitungshandlungen geflüchtet, realitätsfremd, zumal aus den Akten 

nicht hervorgeht, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt in einer Situation ge-

wesen wäre, die eine sofortige Flucht erfordert hätte (vgl. A20/20 S.3 F12, 

S. 14 F139 bis F143).  

4.3.3 Im Übrigen kann an dieser Stelle auch festgehalten werden, dass die 

Vorbringen der Beschwerdeführerin bei Annahme der Glaubhaftigkeit in 

flüchtlingsrechtlicher Hinsicht auch kaum relevant wären. Die Beschwerde-

führerin wäre – auch wenn sie angeblich wiederholt zu Hause behördlich 

aufgesucht und befragt worden sei – nie verhaftet oder einer anderen ille-

gitimen Behandlung unterworfen worden. Ihre Schilderungen erwecken 

nicht den Eindruck, dass die eritreischen Behörden ein ernsthaftes Verfol-

gungsinteresse an ihr hätten. Die geschilderten Massnahmen würden nicht 

eine derartige Intensität erreichen, dass von ernsthaften Nachteilen im 

Sinne von Art. 3 AsylG gesprochen werden müsste. Die angebliche Furcht 

der Beschwerdeführerin, in Gefängnishaft genommen zu werden, würde 

vor diesem Hintergrund als unbegründet erscheinen.  

4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen-

den nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea beste-

hende oder drohende asylrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen 

oder glaubhaft zu machen. 

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Seite 7 

Es bleibt somit zu prüfen, ob sie wegen ihrer Ausreise aus Eritrea bei einer 

Rückkehr dorthin – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe – befürch-

ten müssten, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt 

zu werden. 

5.  

5.1 Subjektive Nachfluchtgründe begründen unter Umständen – wenn die 

heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsuchenden Person als 

staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei einer Rückkehr eine Ver-

folgung im Sinn von Art. 3 AsylG befürchten muss – die Flüchtlingseigen-

schaft und führen zur Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungs-

vollzugs und zur vorläufigen Aufnahme in der Schweiz; gemäss Art. 54 

AsylG wird jedoch kein Asyl gewährt (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 

Gemäss der am 1. Februar 2014 in Kraft getretenen Bestimmung von Art. 3 

Abs. 4 AsylG sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres 

Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch 

Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehenden 

Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht (mehr) Flüchtlinge. 

5.2  

5.2.1 Gemäss langjähriger bisheriger Praxis der schweizerischen Asylbe-

hörden begründete bereits eine (glaubhaft gemachte) illegale Ausreise aus 

Eritrea ohne weiteres die Flüchtlingseigenschaft. Das SEM verschärfte 

diese Praxis im Sommer 2016, wovon auch die Beschwerdeführenden be-

troffen waren. 

5.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Rahmen des (in seinen 

beiden Asylabteilungen kürzlich koordiniert entschiedenen und zur Publi-

kation als Referenzurteil vorgesehenen) Urteils D-7898/2015 vom 30. Ja-

nuar 2017 mit der Frage befasst, ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land 

illegal verlassen haben, allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu 

befürchten haben.  

5.2.3 Nach einer umfassenden Analyse aller zur Verfügung stehenden 

Länderinformationen kam das Gericht zum Schluss, dass sich die bishe-

rige Praxis nicht mehr aufrechterhalten liess und vom SEM zu Recht ange-

passt worden war.  

  

E-1479/2016 

Seite 8 

5.2.4 Für die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von 

Bedeutung, dass seit einiger Zeit Personen aus der eritreischen Diaspora 

für kurze Aufenthalte in ihren Heimatstaat zurückkehren und sich unter 

ihnen auch Personen befinden, die Eritrea zuvor illegal verlassen hatten.  

5.2.5 Es ist mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig 

aufgrund ihrer unerlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich re-

levante Verfolgung droht. Von der begründeten Furcht vor intensiven und 

asylrechtlich begründeten Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur 

illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen, welche die asylsu-

chende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige 

Person erscheinen lassen (vgl. Referenzurteil D-7898/2015 E. 5).  

5.3 Nach den vorstehenden Erwägungen sind solche zusätzlichen Gefähr-

dungsfaktoren nicht ersichtlich. Angesichts dieser Sachlage ist nicht anzu-

nehmen, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr im Visier der 

Militärbehörden stehen könnten. Weitere Anknüpfungspunkte, welche sie 

aus Sicht des eritreischen Regimes als missliebige Personen erscheinen 

lassen und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsge-

fahr führen könnten, gehen aus den Akten nicht hervor. Somit bleibt fest-

zuhalten, dass die illegale Ausreise alleine keine Furcht vor einer zukünfti-

gen flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung zu begründen vermag. Die 

Frage der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise kann mangels flüchtlings-

rechtlicher Relevanz daher offenbleiben. Auf die entsprechenden Be-

schwerdevorbringen – namentlich das Festhalten an der behaupteten ille-

galen Ausreise sowie die diesbezüglichen Erläuterungen zum Zustand des 

Flusses (...), welche die Beschwerdeführerin während ihrer illegalen Aus-

reise überquert habe – ist nicht näher einzugehen, weil sie an der Rechts-

lage nichts zu ändern vermögen.  

5.4 Es ist den Beschwerdeführenden somit nicht gelungen, eine relevante 

Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 respektive Art. 54 AsylG nachzuwei-

sen oder glaubhaft darzutun. Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft der 

Beschwerdeführenden zu Recht verneint und ihnen das Asyl verweigert. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

E-1479/2016 

Seite 9 

6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

7.2 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 9. Februar 2016 die vor-

läufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeordnet 

hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, 

Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. Die vorläufige 

Aufnahme tritt mit dem vorliegenden Entscheid formell in Kraft. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Nachdem der expliziten Aufforderung des Instruktionsrichters, die be-

hauptete prozessuale Bedürftigkeit zu belegen (vgl. Instruktionsverfügung 

vom 16. März 2016) keine Folge geleistet worden ist, muss das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) 

androhungsgemäss abgewiesen werden.  

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

9.3 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

ist gegenstandslos geworden. Die Frage der Ausrichtung einer Parteient-

schädigung stellt sich angesichts des Verfahrensausgangs ebenfalls nicht. 

  

E-1479/2016 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerde-

führenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Ur-

teils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Markus König Lhazom Pünkang