# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4505b459-d76c-55e1-bfc3-48caec3d642d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-10
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 10.04.2024 SB230075
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230075_2024-04-10.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230075-O/U/hb

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Ohnjec 

und Oberrichter lic. iur. Hoffmann sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Lazareva

Urteil vom 10. April 2024

in Sachen

A._____, 
Beschuldigter und Erstberufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X1._____

gegen

B._____, 
Privatklägerin und Zweitberufungsklägerin

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Y1._____

sowie

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
Anklägerin

betreffend Vergewaltigung etc.

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 
18. Juli 2022 (DG210079)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 20. Mai 2021 

(Urk. 30) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil und Beschluss der Vorinstanz:

Es wird beschlossen:

Das Strafverfahren zu Anklageziffer 3 wird eingestellt.

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,

 des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 

Abs. 1 Bst. c SVG,

 der Gewaltdarstellung im Sinne von Art. 135 Abs. 1 StGB sowie

 der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB (An-

klageziffer 1, 2, 4 und 7 Abs. 4 "Ohrfeige").

2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf

 der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,

 der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie

 der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB (An-

klageziffer 6 bis 9 mit Ausnahme von Ziff. 7 Abs. 4 "Ohrfeige").

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten und 5 

Tagen (wovon die gesamte Zeit durch Untersuchungshaft erstanden ist) und 

mit einer Busse von Fr. 600.00.

4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.

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5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.

6. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.

7. Der Beschuldigte wird für die Überhaft von 126 Tagen mit Fr. 25'200.00 ent-

schädigt.

8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

29. März 2021 beschlagnahmte Flasche (Glas) (Asservat-Nr. A013'248'002 

[recte: A013'248'992]) und das beschlagnahmte Smartphone der Marke No-

kia, Modell TA-1057, schwarz, inklusive SIM-Karte (Asservat-

Nr. A014'315'323) werden eingezogen und der Lagerbehörde zur 

Vernichtung überlassen.

9. Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer K191122-

059 / 76824743 lagernden Spurenasservate werden nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils vernichtet.

10. Die Privatklägerin B._____ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 500.00 zu-

züglich 5 % Zins ab 21. November 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

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12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 5'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

Fr. 1'000.00   Gerichtsgebühr für die Entsiegelungsverfahren

Fr. 4'579.40   Auslagen (Gutachten)

Fr. 780.00   Auslagen

Fr. 840.00   Auslagen Polizei

Fr. 60.00   Entschädigung Zeuge

Fr. 53'147.15   Entschädigung amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden zu einem Viertel dem 

Beschuldigten auferlegt.

14. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X2._____, wird mit 

Fr. 53'147.15 (inkl. MwSt.; wovon Fr. 31'959.40 bereits durch die Staatsan-

waltschaft ausbezahlt wurden) entschädigt. Diese Kosten werden auf die 

Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung im Um-

fang von einem Viertel gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

15. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin, Rechtsanwältin Dr. iur. Y2._____, wird 

mit Fr. 17'399.55 (inkl. MwSt.) entschädigt. Diese Kosten werden auf die Ge-

richtskasse genommen. Von einer Nachforderung wird abgesehen.

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Berufungsanträge:

 a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._____:

(Urk. 102 S. 2-4)

1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 18. Juli 2022 (Verfah-

rens-Nr. DG210079-L) betreffend die folgenden Dispositivziffern aufzu-

heben:

 Ziff. 1, Aufzählungspunkte 1 und 4 (Schuldsprüche betreffend 

Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie mehrfache 

Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB [Anklageziffer 1, 

2, 4 und 7 Abs. 4 "Ohrfeige"])

 Ziff. 3 (Strafe), soweit der Berufungskläger betreffend die vorste-

hend genannten Straftaten bestraft wurde, d.h. Drohung im Sinne 

von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie mehrfache Tätlichkeiten im Sinne 

von Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1, 2, 4 und 7 Abs. 4 "Ohr-

feige")

 Ziff. 4 (Vollzug der Strafe)

 Ziff. 5 (Ersatzfreiheitsstrafe im Falle der schuldhaften Nichtbezah-

lung der Busse gemäss Dispositivziffer 3)

 Ziff. 7 (dahingehend, als dem Berufungskläger lediglich 

Fr. 25'200.– als Entschädigung zugesprochen wurden, d.h. im 

Umfang von Fr. 25'200.– nicht angefochten, sondern im darüber 

hinaus zugesprochenen Umfang aufgrund des Schuldspruchs be-

treffend Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB)

 Ziff. 8 (beschlagnahmtes Smartphone der Marke Nokia, Mo-

dell TA-1057, schwarz, inklusive SIM-Karte [Asservat-

Nr. A014'315'323], welches eingezogen und der Lagerbehörde 

zur Vernichtung überlassen werden soll)

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 Ziff. 11 (Genugtuung zugunsten B._____ von Fr. 500.– zzgl. 5% 

Zins ab 21. November 2019, d.h. soweit das Genugtuungsbegeh-

ren nicht bereits abgewiesen wurde)

 Ziff. 13 (soweit die Kosten der Untersuchung und des gerichtli-

chen Verfahrens dem Berufungskläger auferlegt wurden)

 Ziff. 14 (soweit die Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO 

vorbehalten wurde)

2. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der Drohung im Sinne von 

Art. 180 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von 

Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1, 2, 4 und 7 Abs. 4 "Ohrfeige") 

freizusprechen.

3. Der Berufungskläger sei für die zu Unrecht erstandene Haft mit zusätz-

lichen Fr. 43'000.– (d.h. über den bereits zugesprochenen und vorlie-

gend nicht angefochtenen Fr. 25'200.– gemäss Ziff. 7) und somit ge-

samthaft Fr. 68'200.– zu entschädigen.

4. Das Genugtuungsbegehren von B._____ sei vollumfänglich abzuwei-

sen.

5. Die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-

rens sowie der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die 

Staatskasse zu nehmen.

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zu Lasten der 

Staatskasse. 

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b) Der Vertretung der Privatklägerin B._____:

(Urk. 135 S. 1)

1. Es sei Dispositivziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 

18. Juli 2022 aufzuheben und der Beschuldigte sei ebenfalls schuldig 

zu sprechen

 der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB

 der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB

 der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffern 6 bis 9)

2. Der Beschuldigte sei angemessen zu bestrafen.

3. Es sei Dispositivziffer 10 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 

18. Juli 2022 aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Beschul-

digte gegenüber der Geschädigten für den erlittenen Schaden grund-

sätzlich haftbar ist.

4. Es sei Dispositivziffer 11 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 

18. Juli 2022 aufzuheben und der Beschuldigte sei zu verpflichten, der 

Geschädigten eine Genugtuung von Fr. 15'000.– nebst Zins zu 5% seit 

dem 21. November 2019 zu bezahlen.

5. Die Verfahrenskosten inklusive Kosten der Geschädigtenvertretung zu-

züglich Mehrwertsteuer seien dem Beschuldigten aufzuerlegen, even-

tualiter auf die Staatskasse zu nehmen.

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung

1. Verfahrensgang

1.1. Mit Beschluss vom 18. Juli 2022 stellte das Bezirksgericht Zürich, 3. Abtei-

lung, das Strafverfahren zu Anklageziffer 3 ein. Im Urteil vom gleichen Tag sprach 

es den Beschuldigten der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, des mehr-

fachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. c SVG, der 

Gewaltdarstellung im Sinne von Art. 135 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Tät-

lichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1, 2, 4 und 7 Abs. 4 

"Ohrfeige") schuldig. Es sprach den Beschuldigten frei vom Vorwurf der Verge-

waltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der sexuellen Nötigung im Sinne 

von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von 

Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 6 bis 9 mit Ausnahme von Ziff. 7 Abs. 4 "Ohr-

feige"). Der Beschuldigte wurde bestraft mit einer – zu vollziehenden – Freiheits-

strafe von 7 Monaten und 5 Tagen (wobei die gesamte Zeit durch Untersuchungs-

haft erstanden ist) und einer Busse von Fr. 600.–. Von der Anordnung einer Lan-

desverweisung wurde abgesehen. Der Beschuldigte wurde für die Überhaft von 

126 Tagen mit Fr. 25'200.– entschädigt. Weiter entschied das Bezirksgericht Zü-

rich über die beschlagnahmten Gegenstände sowie die Spurenasservate. Es ver-

wies die Privatklägerin mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivil-

prozesses. Hinsichtlich der Genugtuung verpflichtete es den Beschuldigten, der 

Privatklägerin Fr. 500.– zuzüglich 5 % Zins ab 21. November 2019 zu bezahlen; 

im Mehrbetrag wies es das Genugtuungsbegehren ab. Schliesslich entschied es 

über die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 99 S. 102 ff.).

1.2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 73) liessen der Beschuldigte 

und die Privatklägerin rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 77 und 78; Art. 399 

Abs. 1 StPO). Ihre schriftlichen Berufungserklärungen erfolgten ebenfalls innert 

Frist (Urk. 101 und 102; Art. 399 Abs. 3 i.V.m. Art. 90 StPO). Mit Verfügung vom 

27. Februar 2023 wurde dem Beschuldigten, der Privatklägerin sowie der Staats-

anwaltschaft Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben 

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werde, oder um ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig 

wurde der Privatklägerin Frist angesetzt, um zu erklären, ob sie den Antrag stellt, 

dass dem urteilenden Gericht eine Person gleichen Geschlechts angehört, und 

verlangt, von einer Person gleichen Geschlechts einvernommen zu werden 

(Urk. 105). Mit Eingabe vom 22. März 2023 erklärte die Privatklägerin den Ver-

zicht auf Anschlussberufung und ersuchte darum, dass dem Gericht mindestens 

eine Person weiblichen Geschlechts angehört und eine Befragung durch eine 

Person weiblichen Geschlechts vorgenommen wird (Urk. 109). Seitens der 

Staatsanwaltschaft wurde Verzicht auf Erhebung einer Anschlussberufung sowie 

Stellung eines Antrags erklärt und um Dispensation von der Teilnahme an der Be-

rufungsverhandlung ersucht (Urk. 111).

1.3. Mit Beschluss vom 25. April 2023 überwies die III. Strafkammer des Oberge-

richts des Kantons Zürich die Beschwerde der C._____ AG vom 9. Februar 2023 

gegen die Dispositivziffern 12 und 14 des vorinstanzlichen Urteils zur weiteren 

Behandlung an die hiesige Strafkammer zuhanden des vorliegenden Berufungs-

verfahrens und schrieb das Beschwerdeverfahren UP230009 ab (Urk. 115 und 

116).

1.4. Am 19. Oktober 2023 ersuchte der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 

um Leistung einer Akonto-Honorarzahlung (Urk. 118 und 119). Mit Verfügung vom 

25. Oktober 2023 wurde dem amtlichen Verteidiger eine Akonto-Honorarzahlung 

von Fr. 12'000.– ausgerichtet (Urk. 120). Mit Eingabe vom 14. März 2024 

(Urk. 122) liess die Privatklägerin den Antrag auf Ausschluss der Publikumsöffent-

lichkeit und getrennte Befragung stellen. Diesem wurde mit Beschluss vom 

22. März 2024 entsprochen (Urk. 124).

1.5. Am 18. März 2024 wurde ein aktueller Strafregisterauszug über den Be-

schuldigten eingeholt (Urk. 123).

1.6. Die Berufungsverhandlung fand am 9. April 2024 in Anwesenheit des Be-

schuldigten A._____ und seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt MLaw 

X1._____ sowie der Privatklägerin B._____ und ihres unentgeltlichen Vertreters 

Rechtsanwalt MLaw Y1._____ statt. Die Berufungsverhandlung fand zusammen 

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mit derjenigen im Verfahren SB230076 (Beschuldigte B._____) statt (Prot. II 

S. 7 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Verteidiger des Beschul-

digten diverse Beweisanträge (Prot. II S. 52 f.). Das Verfahren erweist sich als 

spruchreif.

2. Gegenstand der Berufung

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird dementspre-

chend gehemmt, während die von der Berufung nicht erfassten Punkte in Rechts-

kraft erwachsen (vgl. BSK StPO-BÄHLER, 3. Aufl. 2023, Art. 402 N 1 f.).

2.2. Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der Drohung im 

Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von 

Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1, 2, 4 und 7 Abs. 4 "Ohrfeige"). Weiter ficht 

er die dafür ausgesprochene Strafe und deren Modalitäten, die (wegen Schuld-

spruchs betreffend Drohung zu tief ausgefallene) Entschädigung für Überhaft, den 

Entscheid betreffend das beschlagnahmte Smartphone, die Zusprechung der Ge-

nugtuung an die Privatklägerin sowie die Kostenfolgen an (Urk. 102 S. 2 ff.). Die 

Privatklägerin ficht den Freispruch, den Verweis auf den Zivilweg hinsichtlich ihrer 

Schadenersatzforderung, die Abweisung der Genugtuungsforderung im Mehrbe-

trag sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen an (Urk. 101 S. 2; Urk. 135 

S. 1). Weiter liegt eine Beschwerde der C._____ AG gegen die Dispositivziffern 

12 und 14 des vorinstanzlichen Urteils vor, welche ebenfalls im vorliegenden Be-

rufungsverfahren zu behandeln ist (Urk. 115 und 116).

2.3. In Rechtskraft erwachsen ist das vorinstanzliche Urteil somit bezüglich Dis-

positivziffern 1, 2. und 3. Spiegelstrich (Schuldsprüche betreffend mehrfaches 

Fahren ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. c SVG sowie Gewalt-

darstellung im Sinne von Art. 135 Abs. 1 StGB), 6 (Absehen von Landesverwei-

sung), 8 teilweise (Entscheid betreffend beschlagnahmte Flasche), 9 (Entscheid 

betreffend Spurenasservate) sowie 15 (Entschädigung unentgeltliche Rechtsbei-

ständin) sowie der gleichentags ergangene Beschluss, was mittels Beschluss 

festzustellen ist.

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II. Prozessuales

1. Beweisanträge vor Berufungsinstanz

1.1. Der amtliche Verteidiger stellt erneut den Antrag auf Einholung eines fach-

psychiatrischen Gutachtens über die Privatklägerin und verweist auf die entspre-

chenden Ausführungen in seinem Plädoyer vor Vorinstanz (Urk. 102 Rz. 7; Prot. II 

S. 53). Vor Vorinstanz stellte der amtliche Verteidiger den Antrag, es sei ein 

psychiatrisches Gutachten über die Privatklägerin einzuholen zur Beantwortung 

der Fragen, unter welchen psychologischen/psychischen Krankheiten sie leide 

und ob bzw. inwiefern sie aufgrund ihres Leidens in der Lage wäre, wegen einer 

gescheiterten Liebe aus Rachesucht oder ähnlichen Motiven falsche Anschuldi-

gungen gegen die von ihr (ehemals) geliebte Person zu erheben (Urk. 43). Die 

Vorinstanz wies den Antrag mit Verfügung vom 14. Juli 2021 ab mit der Begrün-

dung, dass durchwegs eine akzentuierte Persönlichkeitsstruktur bei einer Person 

einen Faktor für eine mögliche Falschaussage darstellen könne, allerdings die 

Feststellung einer solchen keine direkte Schlussfolgerung für die Glaubhaftigkeit 

einer Aussage ergebe, folglich eine entsprechende Abklärung nicht angezeigt sei 

(Urk. 44). Diese Begründung erweist sich grundsätzlich als zutreffend. Darüber 

hinaus ist zu berücksichtigen, dass sich das Gericht auch ohne Einholung eines 

entsprechenden Gutachtens über die Privatklägerin insbesondere anhand der Ak-

ten und im Rahmen der Berufungsverhandlung ein Bild von ihr machen konnte. 

Aufgrund dessen wird die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin kritisch beurteilt (vgl. 

dazu eingehend unten Erw. III.A.1.4). Dass die Aussagen der Privatklägerin dem-

zufolge besonders sorgfältig durchleuchtet und gewürdigt werden müssen, liegt 

auf der Hand. Dennoch ergibt sich – wie im Folgenden dargelegt wird – selbst im 

Fall der Feststellung einer ausgeprägten Störung durch ein Gutachten keine Be-

weislage, die zu einem klaren und nachgewiesenen (und nicht bloss einen in du-

bio pro reo) Freispruch hinsichtlich des Vorwurfs der Vergewaltigung führt. Die 

von der Verteidigung beantragte Beweisergänzung ist daher nicht notwendig und 

der entsprechende Beweisantrag ist somit abzuweisen.

1.2. Weiter beantragt der amtliche Verteidiger die Befragung von D._____ als 

Zeugin: In den letzten Monaten sei der Beschuldigte von dieser kontaktiert wor-

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den. Sie habe ihm erzählt, dass sie die Privatklägerin kenne und sie ihren Ex-

Freund mit einer Waffe bedroht habe. Angeblich habe die Privatklägerin Gewalt 

gegen den Ex-Freund ausgeübt und ihn auf diverse Arten bedroht. Zudem habe 

die Privatklägerin ihr von sich aus geschrieben, dass sie unberechenbar sei, wenn 

es um Liebeskummer gehe. Die Nachricht habe sich wie eine Warnung gelesen. 

D._____ scheine diese und weitere Informationen darüber liefern zu können, wel-

che Aufschluss auf die gestörte und krankhafte Art und Weise geben, wie die Be-

schuldigte ihre Liebesbeziehungen führe. Die Geschichte scheine sich stets zu 

wiederholen. Man könne der Privatklägerin schlicht nicht glauben, dass sie das 

Opfer in jeder Liebesbeziehung sei. Vielmehr scheine sie der Täter zu sein, wel-

cher Gewalt und Drohungen nutze, um die Männer an sich zu binden. Mittlerweile 

stünden mindestens drei Beziehungen fest, die von der Privatklägerin geführt wor-

den seien und gemäss Aussage der Privatklägerin alle in ähnlicher Weise geen-

det haben sollen. Jedes Mal sei sie das Opfer der Gewalttaten bis hin zur Verge-

waltigung gewesen. Man müsse sich langsam fragen, wo das Problem wirklich 

liege bzw. ob ein krankhaftes Verhaltensmuster der Privatklägerin vorliege 

(Urk. 102 Rz. 7; Prot. II S. 53; Urk. 69 Rz. 162). Dieser Beweisantrag ist abzuwei-

sen, da auch eine Aussage der Zeugin D._____, wonach bei der Privatklägerin 

ein krankhaftes Verhaltensmuster in Bezug auf das Beenden ihrer Beziehungen 

vorliege, keine direkte Schlussfolgerung auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen 

zuliesse. Das Gericht hat sich nämlich hinsichtlich jeder vorgeworfenen Tat mit 

der Glaubhaftigkeit der auf die konkrete Tat bezogenen Aussagen zu befassen. 

Ausserdem bieten die Akten (insbesondere der Nachrichtenverkehr zwischen der 

Privatklägerin und dem Beschuldigten) eine genügende Grundlage, damit sich 

das Gericht ein umfassendes Bild von der Verhaltensweise beider Parteien ma-

chen kann.

1.3. Sodann beantragte der Verteidiger erneut die Befragung von Frau E._____ 

von der F._____ Garage, G._____, als Zeugin (Urk. 102 Rz. 7; Prot. II S. 53; vgl. 

auch Urk. 19/6). Diese sei bei der Garage, welche in der Nähe des H._____ 

[Massnahmeneinrichtung] (nachfolgend: H._____) sei, angestellt und könne be-

zeugen, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten nachgestellt habe (Prot. II 

S. 53). Dieser Beweisantrag wurde bereits im Rahmen der Untersuchung gestellt 

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und von der Staatsanwaltschaft abgelehnt mit der Begründung, dass die Aussa-

gen von Frau E._____ keine neuen Erkenntnisse liefern würden, zumal diese nur 

bestätigen könnte, die Privatklägerin mehrfach beim H._____ gesehen zu haben, 

was jedoch bereits von der Privatklägerin eingestanden sei (Urk. 19/7). Dieser zu-

treffenden Begründung ist vorbehaltlos zu folgen und der Beweisantrag ist dem-

entsprechend abzuweisen.

1.4. Schliesslich beantragt der amtliche Verteidiger erneut die Befragung der 

Therapeutin Frau I._____ vom H._____ als Zeugin (Urk. 102 Rz. 7; Prot. II S. 53; 

vgl. auch Urk. 19/6). Sie sei bei der Besprechung, welche im H._____ mit dem 

Beschuldigten und der Privatklägerin stattgefunden habe, anwesend gewesen, 

und könne entsprechend Auskünfte machen, wie sie die Privatklägerin bei diesem 

Gespräch wahrgenommen habe (Prot. II S. 53). Auch dieser Beweisantrag wurde 

bereits im Rahmen der Untersuchung gestellt und von der Staatsanwaltschaft ab-

gewiesen. Begründet wurde dies damit, dass die Beweisabnahme – unabhängig 

davon, dass keine Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht durch die Privat-

klägerin vorliege – nicht geeignet sei, um allfällige psychische Störungen bei der 

Privatklägerin zu belegen. Frau I._____ sei die Therapeutin des Beschuldigten, 

weshalb ihr die notwendige Neutralität fehle. Die Therapeutin müsste zur Bewer-

tung der Beziehung und des Verhaltens der Privatklägerin hauptsächlich auf den 

Schilderungen des Beschuldigten aufbauen, was zu einseitig sei. Die vom Vertei-

diger erwähnte Besprechung mit beiden Parteien zusammen habe zudem nur 

rund 45 Minuten gedauert und sei zu kurz, um sich ein verlässliches Bild von ei-

ner Person machen zu können, zumal die Privatklägerin selber vorgebracht habe, 

der Beschuldigte habe ihr davor verboten, Gewalttätigkeiten von ihm zu schildern 

(Urk. 19/7). Diese Begründung erweist sich nach wie vor als zutreffend, weshalb 

daran festzuhalten ist. Überdies gilt auch hier, dass das Gericht auch ohne Befra-

gung der betreffenden Therapeutin über ausreichende Möglichkeiten verfügt, um 

sich von der Privatklägerin und ihrer Verhaltensweise ein Bild zu machen. Der 

entsprechende Beweisantrag ist daher abzuweisen.

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2. Verwertbarkeit der Sprachaufnahme

2.1. Die amtliche Verteidigung moniert im Berufungsverfahren erneut die Ver-

wertbarkeit der durch die Privatklägerin am 21. November 2019 erstellten Sprach-

aufnahme betreffend ihr Gespräch mit dem Beschuldigten (Urk. 133 Rz. 16 ff.).

2.2. Zutreffend stellte die Vorinstanz zunächst fest, dass es sich bei der durch 

die Privatklägerin aufgenommenen Sprachaufnahme (Urk. 11/7) um ein privat er-

langtes Beweismittel handelt und dass sie diese eingestandenermassen unrecht-

mässig erlangt hat (vgl. Urk. 4/1 S. 16; Urk. 6/3 S. 10). Weiter ist den Erwägungen 

der Vorinstanz zu folgen, wonach die Sprachaufnahme in Verletzung von 

Art. 179ter StGB erstellt wurde, da sie das nichtöffentliche Gespräch ohne Einwilli-

gung des Beschuldigten, mithin heimlich, aufnahm (vgl. Urk. 99 S. 5). Es stellt 

sich nunmehr die Frage, ob diese Sprachaufnahme im vorliegenden Strafverfah-

ren gegen den Beschuldigten verwertet werden darf.

2.3. Die Strafprozessordnung regelt nur die Erhebung von Beweisen durch die 

staatlichen Strafbehörden. Diese klären von Amtes wegen alle für die Beurteilung 

der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen ab (Art. 6 Abs. 1 

StPO) und setzen zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von Wissenschaft 

und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig sind (Art. 139 

Abs. 1 StPO). Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 Abs. 1 StPO) begründet kein 

staatliches Monopol für Beweiserhebungen im Strafverfahren. Eigene Ermittlun-

gen der Parteien und der anderen Verfahrensbeteiligten sind zulässig, soweit sie 

sich darauf beschränken, Be- oder Entlastungsmaterial beizubringen und entspre-

chende Beweise zu offerieren (Urteil des Bundesgerichts 6B_902/2019 vom 8. Ja-

nuar 2020 E. 1.2 mit Hinweisen).

2.4. Die Strafprozessordnung enthält Bestimmungen zu den verbotenen Bewei-

serhebungen (Art. 140 StPO) und zur Verwertbarkeit rechtswidrig erlangter Be-

weise (Art. 141 StPO). Gemäss Art. 140 Abs. 1 StPO sind Zwangsmittel, Gewalt-

anwendung, Drohungen, Versprechungen, Täuschungen und Mittel, welche die 

Denkfähigkeit oder die Willensfreiheit einer Person beeinträchtigen können, bei 

der Beweiserhebung untersagt. Solche Methoden sind auch dann unzulässig, 

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wenn die betroffene Person ihrer Anwendung zustimmt (Art. 140 Abs. 2 StPO). 

Beweise, die in Verletzung von Art. 140 StPO erhoben wurden, sind in keinem 

Falle verwertbar (Art. 141 Abs. 1 Satz 1 StPO). Wieweit die Beweisverbote grei-

fen, wenn nicht staatliche Behörden, sondern wie hier Privatpersonen, Beweismit-

tel sammeln, wird in der Strafprozessordnung nicht explizit geregelt. Die bundes-

gerichtliche Rechtsprechung geht in Anlehnung an die Doktrin davon aus, dass 

von Privaten rechtswidrig erlangte Beweismittel nur verwertbar sind, wenn sie von 

den Strafverfolgungsbehörden rechtmässig hätten erlangt werden können und ku-

mulativ dazu eine Interessenabwägung für deren Verwertung spricht (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1188/2018 vom 26. September 2019 E. 2.1; 6B_739/2018 

vom 12. April 2019 E. 1.3; je mit Hinweisen und 6B_786/2015 vom 8. Februar 

2016 E. 1.2 [mit Hinweisen insb. auf die Literatur]). Es bedarf einer Güterabwä-

gung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Wahrheitsfindung und dem pri-

vaten Interesse der angeklagten Person, dass der fragliche Beweis unterbleibt 

(BGE 137 I 218 E. 2.3.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_739/2019 vom 12. April 

2019 E. 1.3; je mit Hinweisen). Bei dieser Interessenabwägung ist derselbe Mass-

stab an durch Private beschaffte Beweise anzuwenden wie bei staatlich erhobe-

nen Beweisen. Es sind mithin Beweise, die von Privaten rechtswidrig erlangt wor-

den sind, nur zuzulassen, wenn dies zur Aufklärung schwerer Straftaten unerläss-

lich ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1188/2018 vom 26. September 2019 

E. 2.2). Rechtmässig von Privaten erlangte Beweismittel sind ohne Einschrän-

kung verwertbar (Urteile des Bundesgerichts 6B_902/2019 vom 8. Januar 2020 

E. 1.2; 6B_741/2019 vom 21. August 2019 E. 5.2).

2.5. Als die vorliegend in Frage stehende Sprachaufnahme erstellt wurde, hatte 

der eingeklagte Vorfall vom Morgen des 21. November 2019 bereits stattgefun-

den. Die Privatklägerin gab an, sie habe die Aufnahme angefertigt, um nachträg-

lich ein Geständnis des Beschuldigten bezüglich des Vorwurfs der Vergewalti-

gung zu erwirken (Prot. II S. 50). Dies wird auch in der entsprechenden Aufnahme 

deutlich: Die Privatklägerin spricht den Beschuldigten immer wieder auf die voran-

gegangene Nacht an und versucht, ihn mit gezielten Fragen zu einem Geständnis 

zu bewegen. Der amtlichen Verteidigung (vgl. Urk. 133 Rz. 17 ff.) ist beizupflich-

ten, dass die Art der Befragung durch die Privatklägerin einen gewissen Täu-

-  16  -

schungseffekt beinhaltet. Da sie das Gespräch mit dem spezifischen Ziel initiierte, 

eine bestimmte Aussage des Beschuldigten zu erlangen, kann nicht ausgeschlos-

sen werden, dass die Kommunikation seitens des Beschuldigten suggestiv ge-

prägt war. Insofern stellt die Sprachaufnahme eine verdeckte Einvernahme dar, 

die den nemo tenetur-Grundsatz umgeht – also das Recht des Beschuldigten, 

sich nicht selbst zu belasten. Ausserdem sind die Antworten des Beschuldigten im 

Kontext zu sehen, dass die Privatklägerin ihm zu Beginn des Gesprächs eine 

Strafanzeige in Aussicht stellte. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass er 

sich ohne unter diesem Druck zu sein, in anderer Weise geäussert hätte. Die amt-

liche Verteidigung geht daher zu Recht davon aus, dass der Beschuldigte im Rah-

men dieser „privaten Beweiserhebung“ nicht frei war in Bezug auf seine Äusse-

rungen, sondern vielmehr gehalten war, sich auf eine Weise zu verhalten bzw. so 

auszusagen, dass die Privatklägerin von der Strafanzeige absieht. Wäre diese 

Beweiserhebung von den staatlichen Strafverfolgungsbehörden in derselben 

Weise durchgeführt worden, wäre sie als nicht rechtmässig anzusehen. Demzu-

folge ist die durch die Privatklägerin erstellte Sprachaufnahme im vorliegenden 

Strafverfahren gegen den Beschuldigten nicht verwertbar.

2.6. Abschliessend ist zu bemerken, dass die Sprachaufnahme in Bezug auf den 

Vergewaltigungsvorwurf nichts zu Lasten des Beschuldigten hervorbringt und in-

sofern nicht beweistauglich ist. Relevant wäre sie jedoch hinsichtlich der dem Be-

schuldigten vorgeworfenen Drohung. Diesbezüglich greift jedoch wie dargelegt 

das Beweisverwertungsverbot.

III. Sachverhalt

A. Vorbemerkungen

1. Beweisgrundsätze

1.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachver-

halt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argu-

mente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus 

Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 10 Abs. 3 StPO sowie Art. 6 Ziff. 2 

-  17  -

EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis 

ihrer Schuld zu vermuten, dass die einer strafbaren Handlung beschuldigte Per-

son unschuldig ist (BGE 137 IV 219 E. 7.3 mit Hinweisen; BGE 127 I 38 E. 2a; Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_617/ 2013 vom 4. April 2014 E. 1.2). Angesichts der 

Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der verfolgende Staat hat 

dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbestandselemente nachzu-

weisen (JOSITSCH/SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 

4. Aufl. 2023, N 216) und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BGE 127 I 38 

E. 2a). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter 

nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts 

überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu 

unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat 

(BGE 138 V 74 E. 7; BGE 128 I 81 E. 2 mit Hinweisen). Die Überzeugung des 

Richters muss auf einem verstandesmässig einleuchtenden Schluss beruhen und 

für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein (Urteil des Bundesge-

richts 1P.474/2004 vom 3. Dezember 2004 E. 2.2). Es liegt in der Natur der Sa-

che, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Be-

weisführung erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das Beweiser-

gebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Bloss abstrakte oder theoreti-

sche Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind 

(BGE 138 V 74 E. 7 mit Hinweisen). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an 

der Schuld ausgeschlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie 

auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen (JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., N 227 f.; Urteil 

des Bundesgerichts 1P.474/2004 vom 3. Dezember 2004 E. 2.2).

1.2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind 

diese frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände, 

die sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche 

Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt 

der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben er-

folgten. Nach neueren Erkenntnissen kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit der 

befragten Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kaum mehr 

Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine 

-  18  -

Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen, welche durch 

eine methodische Analyse ihres Inhalts darauf zu überprüfen sind, ob die auf ein 

bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des 

Befragten entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3 mit Hinweisen und Urteile des Bun-

desgerichts 6B_95/2015, 6B_112/2015; 6B_113/2015 vom 25. Januar 2016 E. 6.3 

mit Hinweisen).

1.3. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass das Gericht die 

Vorbringen des von einem Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch 

tatsächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfindung berücksichtigt. Nicht erfor-

derlich ist, dass es sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt 

und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann es sich auf 

die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens 

kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten 

lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; BGE 139 

IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_770/2020 

vom 25. November 2020 E. 1.3.2; 6B_401/2015 vom 16. Juli 2015 E. 1.1; je mit 

weiteren Hinweisen).

1.4. Zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und der Privatklägerin ist zunächst 

festzuhalten, dass sie für eine kurze Zeit zweifelsohne eine toxische und konflikt-

geladene Beziehung zueinander führten. Diese Beziehung war nachweislich von 

gegenseitigen Provokationen, Gewalt und Beschimpfungen geprägt. So belegen 

die bei den Akten liegenden Chat-Nachrichten sowie die Aussagen beider Par-

teien, dass es in der Beziehung zu physischen Übergriffen wie Ohrfeigen und 

Kratzern sowie zu gegenseitigen herabwürdigenden Äusserungen kam. Bereits 

diese Dynamik lässt darauf schliessen, dass eine objektive Wahrnehmung beider 

Parteien durch die konfliktreiche Beziehung beeinträchtigt sein könnte. Weiter 

lässt sich zur Glaubwürdigkeit der Privatklägerin gestützt auf die Akten und das 

Bild, welches sich das Gericht anlässlich der Berufungsverhandlung von ihr ma-

chen konnte, festhalten, dass sich bei ihr auffällige Verhaltensmuster zeigen. 

Diese deuten darauf hin, dass sie Konflikte in der Beziehung gezielt zu ihren 

Gunsten zu lenken versuchte. Insbesondere in Auseinandersetzungen war sie oft 

-  19  -

bemüht, die Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten auf den Beschuldigten 

abzuwälzen und sich selbst als Leidtragende darzustellen (vgl. Chat-Nachrichten 

vom 14. Oktober 2019 in Urk. 13/7 Ordner Nr. 1 S. 368-412, vom 29. Oktober 

2019 in Urk. 13/7 Ordner Nr. 3 S. 831-847). Die Privatklägerin zeigt damit auffal-

lend dominanzorientierte, vereinnahmende und manipulative Verhaltensweisen, 

weshalb nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie Vorfälle zu ihrem Vorteil in-

szenierte. Nicht unberücksichtigt bleiben darf zudem der Zeitpunkt der Strafan-

zeige: Diese erfolgte unmittelbar nachdem die Privatklägerin den Beschuldigten 

verdächtigte, sie betrogen zu haben bzw. sich für andere Frauen zu interessieren. 

Dies legt durchaus ein mögliches emotionales Motiv für eine Falschanschuldigung 

nahe, das als Rachemotiv interpretiert werden könnte. Aus all diesen Gründen ist 

die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 99 S. 7) 

erschüttert. Vor diesem Hintergrund sind ihre Aussagen nachfolgend besonders 

kritisch zu würdigen. Gleichzeitig ist indes festzustellen, dass auch der Beschul-

digte eine eingeschränkte Glaubwürdigkeit aufweist. Seine Vorgeschichte ist be-

lastet: Er wurde in der Vergangenheit mehrfach verurteilt, unter anderem wegen 

vollendeter und versuchter schwerer Körperverletzung, Raufhandel und mehrfa-

cher Nötigung (vgl. Urk. 123). Zudem befindet er sich derzeit in anderer Sache im 

vorzeitigen Strafvollzug (Prot. II S. 24), wobei der Vorwurf offenbar auf versuchte 

schwere Körperverletzung und Angriff lautet. Diese Vorfälle, insbesondere in An-

betracht seines jungen Alters, lassen auf eine deutliche Abweichung von rechtli-

chen und sozialen Normen schliessen und werfen entgegen der Verteidigung 

Zweifel an seiner Integrität auf. Seine Umfeldprägung ist zudem augenfällig, was 

auch aus seinen eigenen Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung hervor-

geht (vgl. Prot. II S. 26-28). Damit einher geht, dass bei ihm gemäss dem psychia-

trischen Gutachten vom 30. Dezember 2015 von Dr. med. J._____ eine Störung 

des Sozialverhaltens als Vorläufer zur dissozialen Persönlichkeitsstörung dia-

gnostiziert wurde (Urk. 27/7). Dies steht auch im Einklang mit seinem Verhalten 

während der Beziehung zur Privatklägerin. So belegen Chat-Nachrichten eine do-

minante und eifersüchtige Persönlichkeit: Beispielsweise zeigt eine Unterhaltung 

vom 21. Oktober 2019, dass die Privatklägerin seine Erlaubnis einholen musste, 

um ein Bild von sich auf Social Media zu posten. Diese verweigerte er zunächst. 

-  20  -

Nachdem das Bild seinen Wünschen entsprechend angepasst war, schränkte er 

sie weiter ein, indem er forderte, das Bild sofort zu löschen, falls ein männlicher 

Kommentar hinterlassen werde, oder die Kommentar-Funktion besser direkt zu 

deaktivieren (Urk. 13/7 Ordner Nr. 2 S. 638-643). Auch wird aus den Nachrichten 

vom 19. Oktober 2019 (Urk. 13/7 Ordner Nr. 2 S. 567) ersichtlich, dass die Privat-

klägerin offenbar auf Druck des Beschuldigten eine Arbeitsstelle in einer Bar ab-

lehnte (vgl. im Zusammenhang mit der eifersüchtigen Persönlichkeit des Beschul-

digten auch die Nachrichten vom 20. Oktober 2019 in Urk. 13/7 Ordner Nr. 2 

S. 599-603). Gesamthaft betrachtet, ist daher die Glaubwürdigkeit sowohl des Be-

schuldigten als auch der Privatklägerin eingeschränkt. Bezüglich der Glaubwür-

digkeit der als Zeugin befragten K._____ kann auf die vorinstanzlichen Ausführun-

gen verwiesen werden (Urk. 99 S. 7).

B. Anklagevorwürfe

1. Anklagevorwurf 1: Tätlichkeiten am 24. August 2019 (Dossier 1)

1.1. Anklagesachverhalt

Der Beschuldigte soll der Privatklägerin am 24. August 2019 bei ihr zuhause an 

der L._____-strasse 1 in M._____/ZH eine kräftige Ohrfeige mit der rechten Hand 

gegen die linke Wange versetzt haben (Urk. 30 S. 2).

1.2. Standpunkt des Beschuldigten

Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, gestand der Beschuldigte anlässlich der 

Konfrontationseinvernahme vom 24. September 2020 ein, der Privatklägerin bei 

deren Mutter zuhause eine Ohrfeige erteilt zu haben, nachdem sie ihn "Huren-

sohn" genannt hatte (Urk. 99 S. 8 f.), was von der Verteidigung auch als Geständ-

nis betrachtet wird (Urk. 69 Rz. 90). Der Verteidiger macht in diesem Zusammen-

hang jedoch einen Rechtfertigungs- bzw. Strafbefreiungsgrund geltend (vgl. dazu 

unten Erw. IV.A.2.3).

1.3. Fazit

Der Sachverhalt gemäss Anklagevorwurf 1 ist damit erstellt.

-  21  -

2. Anklagevorwurf 2: Mehrfache Tätlichkeiten am 29. September 2019 

(Dossier 1)

2.1. Anklagesachverhalt

Der Beschuldigte soll am 29. September 2019 bei seiner Mutter zuhause in 

N._____/SG der Privatklägerin mehrere leichte Faustschläge gegen das Kinn ver-

setzt und sie mehrfach mit einer oder beiden Händen am Hals gepackt und ge-

würgt haben, sodass sie vorübergehend keine Luft mehr bekam. Weiter habe er 

der Privatklägerin am Abend des gleichen Tages in einem Waldstück in der Nähe 

des H._____ in der Folge eines verbalen Streites mit der rechten Hand eine kräf-

tige Ohrfeige versetzt, sodass sie gegen eine Absperrung geprallt sei, was zu kur-

zen Schmerzen geführt habe (Urk. 30 S. 2 f.). Die Vorinstanz erachtete den Sach-

verhalt als erstellt (Urk. 99 S. 8-16).

2.2. Standpunkt des Beschuldigten

Der Beschuldigte bestritt auf Vorhalt der leichten Faustschläge gegen das Kinn 

und des mehrfachen Würgens, dass sich dies so ereignet habe, und schilderte 

seine Handlung beim Vorfall vom betreffenden Tag anders als die Privatklägerin 

(Urk. 6/6 S. 19 ff.; Urk. 6/9 S. 4-11).

2.3. Beweismittel

Als Beweismittel liegen die Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin 

vor. Es handelt sich dabei um die Einvernahme der Privatklägerin durch die Stadt-

polizei Zürich vom 22. November 2019 (Urk. 4/1) sowie die Konfrontationseinver-

nahmen der Privatklägerin und des Beschuldigten durch die Staatsanwaltschaft I 

vom 25. Juni 2020 (Urk. 6/1), 24. September 2020 (Urk. 6/6), 13. Oktober 2020 

(Urk. 6/9) und 20. Oktober 2020 (Urk. 6/15).

2.3.1. Aussagen der Privatklägerin

Die Vorinstanz fasste die Aussagen der Privatklägerin zutreffend zusammen und 

es ist vorab darauf zu verweisen (Urk. 99 S. 10 f.). Die Privatklägerin gab zu Pro-

tokoll, der Beschuldigte habe ihr bei ihm zu Hause in O._____ mit der Faust von 

-  22  -

unten gegen das Kinn immer wieder kleine Boxe gegeben und sie immer wieder 

gewürgt, nachdem er auf ihrem Handy Chats gefunden habe, in welchen sie ihn 

gegenüber einem Kollegen als Hurensohn bezeichnet habe (Urk. 4/1 S. 3; 

Urk. 6/1 S. 28 f.). Sie habe den Beschuldigten auf dem Waldweg nicht aufgefor-

dert, sie zu schlagen, sondern ihn gefragt, ob er sie schlagen wolle. Er habe ihr 

eine Ohrfeige versetzt, wodurch sie gegen eine Absperrung gefallen sei (Urk. 6/15 

S. 16).

2.3.2. Aussagen des Beschuldigten

Die Vorinstanz fasste die Aussagen des Beschuldigten zutreffend zusammen und 

es ist vorab darauf zu verweisen (Urk. 99 S. 11 f.). Nachdem er beim Durchsu-

chen des Handys der Privatklägerin gesehen habe, dass diese ihn einem Dritten 

gegenüber als Hurensohn bezeichnet habe, habe er die Privatklägerin geweckt 

und ihr mitgeteilt, die Beziehung sei zu Ende. Diese habe mit ihm reden wollen 

und ihn, da er dies abgelehnt habe, unter anderem mit den Fingernägeln ge-

klaubt. Er sei nicht tätlich geworden, sondern habe das Zimmer verlassen. Später 

sei es auf der Fahrt ins H._____ wieder um die Beendigung der Beziehung ge-

gangen. In einem Waldstück habe ihn die Privatklägerin mehrmals aufgefordert, 

sie zu schlagen, aber er dürfe sie nicht verlassen. Sie habe ihn geschlagen, bis er 

ihr noch eine Chance gegeben habe (Urk. 6/6 S. 20; Urk. 6/9 S. 4 f., 6 und 10 f.).

2.4. Würdigung der Aussagen

2.4.1. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, dass auf die Aussagen der Privatklä-

gerin abgestellt werden könne und dass vernünftige Zweifel daran, dass sich der 

Sachverhalt, wie in der Anklage umschrieben, abgespielt habe, ausgeschlossen 

werden könnten (Urk. 99 S. 12 ff.). Der vorinstanzlichen Würdigung der Aussagen 

kann, wie nachfolgend noch aufzuzeigen sein wird, nicht gefolgt werden.

2.4.2. So entsteht zunächst beim Lesen der polizeilichen Einvernahme der Privat-

klägerin nicht der Eindruck, der Beschuldigte habe sie mehrmals am Hals ge-

würgt, wenn sie zu Protokoll gibt: "Er würgte mich auch noch am Hals, so dass ich 

keine Luft mehr bekam" (Urk. 4/1 F/A 18). Erst in der staatsanwaltschaftlichen 

-  23  -

Einvernahme spricht die Privatklägerin davon, das Würgen sei nonstop, etwa 

zehn Mal, erfolgt, wobei der Beschuldigte zwischen dem Würgen und dem Auf-

das-Kinn-Boxen abgewechselt habe (Urk. 6/1 S. 28 f.). Zwar erkannte die Vorin-

stanz zutreffend, dass die Privatklägerin anlässlich derselben Einvernahme aus-

führte, er habe sie zwar mehrfach, jedoch nur einmal sehr kräftig und lange ge-

würgt (Urk. 6/1 S. 28). Dieses widersprüchliche Aussageverhalten deutet jedoch 

darauf hin, dass die Privatklägerin bei ihren Aussagen zu Übertreibungen neigt. 

Auch ist zu berücksichtigen, dass eine detailliertere Aussage zu diesem Vorfall 

erst anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erfolgte, während dieje-

nige bei der Polizei kürzer ausfiel. Entgegen der Vorinstanz ist diese Dramatisie-

rung des Vorwurfs durchaus bemerkenswert und wirft gewisse Zweifel an der 

Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin auf.

2.4.3. Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin spricht hingegen, 

dass sie auch eigenes Fehlverhalten offen zugibt. So erklärte sie, den Beschuldig-

ten so gekratzt zu haben, dass er eine Narbe davon getragen habe, oder dass sie 

ihn während des Streites auf dem Waldweg in der Nähe des H._____ auch verbal 

provoziert habe (Urk. 4/1 F/A 18).

2.4.4. Der Umstand, dass die Privatklägerin angibt, dem Beschuldigten am Ellbo-

gen ein Stück Fleisch weggekratzt zu haben, als sie sich gegen das Würgen ge-

wehrt habe, wobei er eine Narbe davon getragen habe (Urk. 4/1 F/A 18), könnte 

darauf hindeuten, dass sie sich tatsächlich gegen ihn wehrte. Der Beschuldigte 

bestätigte das Vorhandensein der Narbe denn auch, erklärte aber, das sei beim 

streitgegenständlichen Vorfall passiert, als die Privatklägerin versucht habe, ihm 

eine Faust zu geben, wodurch er sie aufs Bett geworfen habe, wobei sie ihn in 

dem Moment, da sie ihn noch mit ihrem Fingernägeln am Arm gehalten habe, ge-

kratzt habe (Urk. 6/9 S. 6). Diese Erklärung erscheint auf den ersten Blick plausi-

bel. Zumindest kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch die Privatklägerin 

dem Beschuldigten gegenüber offensiv auftrat. Fraglich ist indes, weshalb der Be-

schuldigte dieses aggressive Verhalten der Privatklägerin – trotz sonst ausführli-

cher und sehr detaillierter Schilderung des Vorfalls – nicht von sich aus erwähnte, 

sondern erst auf Vorhalt hin. Angesichts der verbliebenen Narbe hätte ihm dieser 

-  24  -

Vorfall doch präsent sein müssen, zumal der Beschuldigte im Gegensatz dazu an-

dere nebensächliche Vorkommnisse in einem hohen Detaillierungsgrad schil-

derte. Des Weiteren erscheint auch das vom Beschuldigten beschriebene eigene 

defensive Verhalten fragwürdig und ist mit der von ihm beschriebenen Gesamts-

ituation nicht in Einklang zu bringen. So war der Beschuldigte gemäss den über-

einstimmenden Aussagen beider wütend, nachdem er das Mobiltelefon der Privat-

klägerin durchgesehen hatte. Zudem ging ihm die Privatklägerin auf die Nerven 

und liess ihn nicht das Zimmer verlassen. Vor diesem Hintergrund erscheint un-

glaubhaft, dass sich der Beschuldigte nur reaktiv verhielt. Schliesslich ist es auch 

vorgekommen, dass er der Privatklägerin – in einer weit weniger emotional gela-

denen Situation – zugegebenermassen Ohrfeigen erteilt hat (vgl. Urk. 6/6 S. 18 

bzw. Anklagevorwurf 1).

2.4.5. Nach Würdigung der Aussagen lässt sich feststellen, dass einzig der An-

lass für den Streit (Auffinden von Chats auf dem Handy der Privatklägerin, in wel-

chen sie den Beschuldigten gegenüber einem Dritten als Hurensohn bezeichnet) 

zweifelsfrei erstellt werden kann. Der genaue Tatablauf lässt sich indes mangels 

Vorliegens weiterer Beweismittel nicht eruieren. Offensichtlich stellen sowohl der 

Beschuldigte als auch die Privatklägerin den Vorfall zu ihren jeweiligen Gunsten 

dar und übertreiben beim Tatbeitrag des jeweils anderen, sodass nicht ohne ver-

nünftige Zweifel festgestellt werden kann, dass sich der Sachverhalt, wie in der 

Anklage umschrieben, abgespielt hat. Festzuhalten ist somit, dass der Anklage-

vorwurf 2 als nicht erstellt gilt. Der Beschuldigte ist folglich in Anwendung des 

Grundsatzes in dubio pro reo von den Vorwürfen der mehrfachen Tätlichkeiten 

betreffend Anklagevorwurf 2 freizusprechen.

3. Anklagevorwurf 4: Tätlichkeiten am Wochenende des 19./20. Oktober 2019 

oder des 26./27. Oktober 2019 (Dossier 1)

3.1. Anklagesachverhalt

Der Beschuldigte soll die Privatklägerin im Auto vor dem Haus seiner Mutter an 

der P._____-strasse 2 in N._____ gewaltsam mit zuvor aus dem Haus geholten 

-  25  -

Abschminktüchern seiner Schwester abgeschminkt haben (Urk. 30 S. 3). Die Vor-

instanz erachtete den Sachverhalt als erstellt (Urk. 99 S. 17-20).

3.2. Standpunkt des Beschuldigten

Der Beschuldigte bestreitet den Vorfall (Urk. 6/9 S. 18).

3.3. Beweismittel

Als Beweismittel liegen Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin an-

lässlich folgender Einvernahmen vor: Einvernahme der Privatklägerin durch die 

Stadtpolizei Zürich vom 22. November 2019 (Urk. 4/1) sowie die Konfrontations-

einvernahmen der Privatklägerin und des Beschuldigten durch die Staatsanwalt-

schaft I vom 25. Juni 2020 (Urk. 6/1), 30. Juli 2020 (Urk. 6/3), 13. Oktober 2020 

(Urk. 6/9), 20. Oktober 2020 (Urk. 6/15) und 20. Oktober 2020 (Urk. 6/15). Zudem 

liegen als Beweismittel zwei Chatverläufe vor: Chatverlauf zwischen … [Telefon-

nummer] "Psycho" und … [Telefonnummer] "…", 01.07.2019-14.10.2019 

(Urk. 13/7 Ordner Nr. 1) sowie Chatverlauf zwischen … "Psycho" und … "…", 

15.10.2019-27.10.2019 (Urk. 13/7 Ordner Nr. 2).

3.3.1. Aussagen der Privatklägerin

In der polizeilichen Einvernahme fiel der Privatklägerin im Rahmen der Schilde-

rung eines anderen Vorfalls ein, dass der Beschuldigte sie mal gegen ihren Willen 

gewaltsam abgeschminkt habe, was eine Demütigung gewesen sei. Er habe sie 

gepackt und sie abgeschminkt. Sie habe ihn in Q._____ bei seiner Tante abge-

holt. Sie seien nach O._____ gefahren und er sei hoch in die Wohnung seiner 

Mutter gegangen und habe Abschminktücher seiner Schwester geholt und sie da-

mit grob abgeschminkt. Sie habe sogar geweint (Urk. 4/1 F/A 39). Auch anlässlich 

der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen vom 25. Juni 2020 und 20. Oktober 

2020 schilderte die Privatklägerin den Anklagesachverhalt übereinstimmend. 

Hinzu kam beide Male ihre Aussage, der Beschuldigte habe gemeint, sie könne 

so geschminkt nicht zu ihm nachhause kommen (Urk. 6/1 S. 33; Urk. 6/15 S. 21).

-  26  -

3.3.2. Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte bestreitet diesen Vorwurf und weist darauf hin, dass die Privat-

klägerin auf dem Hintergrundbild seines WhatsApp-Chats mit ihr geschminkt sei 

(Urk. 6/9 S. 18).

3.4. Würdigung der Beweismittel

3.4.1. Aus dem WhatsApp-Chatverkehr zwischen der Privatklägerin und dem Be-

schuldigten aus dieser Zeitperiode ist ersichtlich, dass das Schminken bzw. der 

Schminkstil der Privatklägerin zwischen den beiden ein Thema war. So kann dem 

Chatverkehr vom 2. Oktober 2019 entnommen werden, dass der Beschuldigte der 

Privatklägerin im Hinblick auf den von beiden wahrzunehmenden Termin bei der 

Psychotherapeutin des Beschuldigten schrieb, dass, wenn sie da sei, weder ge-

schrien noch beleidigt noch auf ihn losgegangen werde, sie mit ihr reden solle wie 

am Vortag mit seiner Tante, sie sich nicht wie eine Transe schminken und auch 

nicht anziehen solle wie die grösste Prostituierte ("Hoe"), sie solle sich anziehen 

wie bei seinem Onkel und bei ihm zu Hause (vgl. Urk. 13/7 Ordner Nr. 1 S. 191-

203). Weiter schrieb der Beschuldigte der Privatklägerin am 24. Oktober 2019, 

dass sie geschminkt gar nicht probieren müsse, zu ihm zu kommen, nachdem 

diese zuvor geschrieben hatte, sich schminken zu werden, weil sie Lust darauf 

habe (Urk. 13/7 Ordner Nr. 2 S. 179 f. und 733; vgl. Urk. 6/20 S. 14). Schliesslich 

im WhatsApp-Chat vom 27. Oktober 2019 schrieb die Privatklägerin dem Be-

schuldigten, dass sie Fotos machen würden, damit sie endlich ein Bild aufhängen 

könne, und natürlich geschminkt. Nachdem der Beschuldigte geschrieben hatte, 

besser ungeschminkt, antwortete sie, er solle ihr da nicht mehr reinreden, sie ma-

che nicht mehr wie eine Transe. Darauf erwiderte der Beschuldigte, das sei okay, 

aber "wenn wieder Transe", dann rede er wieder. Schliesslich antwortete die Pri-

vatklägerin, dass er sie dann abschminken dürfe (Urk. 13/7 Ordner Nr. 2 S. 794-

797).

3.4.2. Aus den Chat-Nachrichten erhellt, dass es sich beim (übermässigen) 

Schminken um einen Streitpunkt zwischen dem Beschuldigten und der Privatklä-

gerin handelte. Offensichtlich war es dem Beschuldigten nicht wohl, wenn die Pri-

-  27  -

vatklägerin – insbesondere in Anwesenheit anderer Personen (z.B. seiner Familie 

oder seiner Psychotherapeutin) – aus seiner Sicht zu stark geschminkt auftrat, 

und er dies schon im Vorfeld zu verhindern versuchte. Diesen Umstand räumte 

der Beschuldigte auch selber ein (vgl. Urk. 133 Rz. 43). Mit der amtlichen Vertei-

digung erscheint der zeitliche Konnex zwischen dem Anklagesachverhalt und den 

WhatsApp-Nachrichten vom 27. Oktober 2019 aber auffällig. So nimmt die Privat-

klägerin in den Nachrichten vom 27. Oktober 2019 keinerlei Bezug auf den an-

geblich an jenem Wochenende oder eine Woche zuvor stattgefundenen Vorfall 

des Abschminkens. Der Umstand, dass die WhatsApp-Nachrichten – insbeson-

dere jene, in welcher die Privatklägerin dem Beschuldigten das Abschminken ex-

plizit erlaubt im Falle, dass sie sich wieder übermässig schminken würde – in zeit-

licher Hinsicht derart eng mit dem dem Beschuldigten vorgeworfenen Vorfall zu-

sammenfallen, stellt ein Indiz dar, dass es sich bei der Darstellung der Privatklä-

gerin um eine rekonstruierte Geschichte handeln könnte. Jedenfalls lässt sich ein 

solcher Zufall nicht zweifelsohne ausschliessen angesichts dessen, dass die Pri-

vatklägerin, wie bereits dargelegt wurde, zu manipulativem Verhalten neigt (vgl. 

dazu vorstehend Erw. III.A.1.4).

3.4.3. Festzuhalten ist, dass der Anklagevorwurf 4 als nicht erstellt gilt. Der Be-

schuldigte ist in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo vom Vorwurf der 

Tätlichkeiten betreffend Anklagevorwurf 4 freizusprechen.

4. Anklagevorwurf 6 (teilweise): Mehrfache Tätlichkeiten am 19. November 

2019 (Dossier 1)

4.1. Anklagesachverhalt

4.1.1. In Anklageziffer 6 wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten – neben 

dem rechtskräftig gewordenen Vorwurf des Fahrens ohne Führerausweis – vor, 

die Privatklägerin auf dem Rückweg von R._____ [Ortschaft] Richtung Zürich kurz 

vor S._____ [Ortschaft] bei einem Haus ausserhalb des Fahrzeuges der Privatklä-

gerin derart an den Haaren gerissen zu haben, dass sie büschelweise Haare ver-

lor und sie dann auf den Sitz des Fahrzeuges gestossen zu haben. Auf der Wei-

terfahrt habe er auf die das Fahrzeug lenkende Privatklägerin mehrfach mit der 

-  28  -

Faust eingeschlagen, sie an den Haaren gerissen und ihr mit der flachen Hand 

gegen Mund und Nase geschlagen. Danach seien sie in Zürich-T._____ ange-

kommen (Urk. 30 S. 4). Die Vorinstanz erachtete den hier noch streitgegenständli-

chen Vorwurf der Tätlichkeiten als nicht erstellt (Urk. 99 S. 27 ff.).

4.1.2. Wie die Vorinstanz korrekt erwog, enthält der Anklagesachverhalt ein offen-

sichtliches Versehen, da im letzten Abschnitt nicht die Privatklägerin, sondern der 

Beschuldigte das Fahrzeug lenkte. Dabei ist auf die entsprechenden Aussagen 

der Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 22. November 

2019 wie auch der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 30. Juli 2020 abzu-

stellen, wonach sie bei den Tätlichkeiten auf der Weiterfahrt auf dem Beifahrersitz 

gesessen sei (vgl. Urk. 99 S. 4 und 24; Urk. 4/1 S. 6 sowie Urk. 6/3 S. 5 und 12). 

4.2. Standpunkt des Beschuldigten

Der Beschuldigte bestreitet die ihm vorgeworfenen Tätlichkeiten vollumfänglich 

und schildert die Geschehnisse von der Privatklägerin abweichend (Urk. 6/9 S. 23 

und 25).

4.3. Beweismittel

Als Beweismittel liegen die Einvernahme der Privatklägerin durch die Stadtpolizei 

Zürich vom 22. November 2019 (Urk. 4/1) sowie die Konfrontationseinvernahmen 

durch die Staatsanwaltschaft vom 30. Juli 2020 (Urk. 6/3) und 13. Oktober 2020 

(Urk. 6/9) vor.

4.3.1. Übereinstimmende Aussagen

Die Vorinstanz schälte zutreffend die übereinstimmenden Aussagen des Beschul-

digten und der Privatklägerin zum Vorfall heraus. So sei es wegen eines Kom-

mentars der Privatklägerin zu einem Streit gekommen. Sie hätten zuerst bei einer 

Tankstelle angehalten. Die Privatklägerin sei bei der Fortsetzung der Fahrt müde 

gewesen, weshalb der Beschuldigte ihr gesagt habe, sie solle anhalten. Sie hät-

ten bei einem Bauernhaus angehalten und dort gestritten. Dabei habe ein Mann 

etwas geschrien, woraufhin die Privatklägerin zugerufen habe, dass es ihr gut 

-  29  -

gehe. Es sei zu einem weiteren Halt bei einem Feldweg gekommen, bei welchem 

die Privatklägerin weggelaufen sei und die Autoschlüssel auf den Boden geworfen 

habe und der Beschuldigte sie dann mit ihrem Fahrzeug wieder bei ihrem gesen-

deten Standort abgeholt habe (vgl. Urk. 99 S. 24 f.).

4.3.2. Aussagen der Privatklägerin

4.3.2.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, schilderte die Privatklägerin die Er-

eignisse anlässlich der polizeilichen Einvernahme folgendermassen: Beim zwei-

ten Halt beim Bauernhaus habe der Beschuldigte weiterfahren wollen und ihr die 

Autoschlüssel abgenommen. Sie hätten sich heftig gestritten und der Beschul-

digte habe sie aus dem Auto reissen wollen und aus Wut auf dem Beifahrersitz 

mit den Füssen und Fäusten ins Fahrzeug geschlagen. Sie habe sich dann vom 

Fahrzeug entfernt und als sie zurückgekommen sei, habe der Beschuldigte sie an 

den Haaren gerissen, sodass ihr büschelweise Haare ausgefallen seien. An den 

Haaren habe er sie dann zum Fahrzeug gezerrt und sie gewalttätig auf den Bei-

fahrersitz gestossen. Nachdem ein Mann aus dem Fenster gerufen und der Be-

schuldigte befürchtet habe, er würde die Polizei alarmieren, habe der Beschul-

digte ihr – das glaube sie jedenfalls – auch noch ein paar Ohrfeigen erteilt. Da-

nach sei der Beschuldigte losgefahren. An einer Raststätte hätten sie dann einen 

Fahrerwechsel vollzogen und sie sei bis zum nächsten Halt bei einem Feldweg 

gefahren. Die Privatklägerin schilderte weiter, dass der Beschuldigte sie während 

der Weiterfahrt – nachdem er sie nach einem weiteren Streit bei ihrem Standort 

nach dem Halt beim Feldweg abgeholt hatte – die ganze Zeit geschlagen und an 

den Haaren gerissen habe. Er habe ihr eine Ohrfeige nach der anderen erteilt. 

Einmal habe er sie frontal mit der flachen Hand gegen Mund und Nase geschla-

gen. Sie habe sich im Beifahrersitz zusammengerollt und vom Beschuldigten 

weggedreht. Danach habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten und geweint. 

Sie hätten dann wieder normal gesprochen und der Beschuldigte habe sich ent-

schuldigt (Urk. 99 S. 25 f.; Urk. 4/1 S. 5 f.).

4.3.2.2. Diese Aussagen bestätigte die Privatklägerin anlässlich der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme vom 30. Juli 2020, mit dem Unterschied, dass sie sich 

nicht mehr daran erinnerte, was sich beim Bauernhaus abgespielt habe. Da ein 

-  30  -

Mann aus dem Fenster herausgerufen hatte, ob alles in Ordnung sei, schlussfol-

gerte sie, dass der Beschuldigte sie sicherlich geschlagen habe. Weiter erzählte 

sie, dass er sie nach dem Vorfall bei Bauernhaus während der Fahrt mit der fla-

chen Hand ins Gesicht geschlagen habe, meistens oben, weil sie ja gefahren sei 

(Urk. 6/3 S. 5). In der polizeilichen Einvernahme brachte die Privatklägerin 

Schläge im Fahrzeug erst ab dem Halt beim Kiesweg und nicht bereits nach dem 

Bauernhaus vor und sagte aus, der Beschuldigte sei nach dem Bauernhaus bis 

zu einer Raststätte gefahren (Urk. 4/1 S. 5 f.). Schlussendlich seien sie dann in 

Zürich angekommen, sie sei ihre Weisheitszähne ziehen und am selben Abend 

wieder zum Beschuldigten übernachten gegangen (Urk. 6/3 S. 6).

4.3.3. Aussagen des Beschuldigten

Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, schilderte der Beschuldigte anlässlich der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 13. Oktober 2020, dass die Privatklä-

gerin gefährliche Fahrmanöver absolviert und ihn während der Fahrt geschlagen 

habe, damit er mit ihr spreche (Urk. 6/9 S. 19 f.). Er habe sie ignoriert und zum 

Fenster hinausgeschaut, was sie wütend gemacht habe. Beim Halt bei einem 

Bauernhaus habe sie ihn, wie bereits zuvor, auf die Oberschenkel geschlagen 

und seinen Kopf in ihre Richtung gedreht. Er sei dann irgendwann im Fahrzeug 

etwas ausgerastet und habe gegen den Boden und das Armaturenbrett geschla-

gen und geschrien, die Privatklägerin solle ihn in Ruhe lassen (Urk. 6/9 S. 20). 

Nachdem die Privatklägerin beim Bauernhaus das Fahrzeug verlassen habe und 

wieder zurückgekommen sei, habe sie nicht einsteigen wollen und habe ihm den 

Weg zur Beifahrerseite versperren wollen, weil er sich nicht bei ihr für sein vorhe-

riges Verhalten habe entschuldigen wollen. Er sei richtig wütend gewesen und 

habe ihr gesagt, sie solle einsteigen. Sie sei aber nicht ruhig gewesen und habe 

eine Entschuldigung für den zuvor erwähnten Ausraster im Fahrzeug gefordert. Er 

habe sie dann etwas an den Armen gepackt und auf den Fahrersitz gedrückt. Da-

nach habe ein Mann aus dem Haus gerufen und er, der Beschuldigte, habe weg-

fahren wollen, aus Angst, von der Polizei aufgegriffen zu werden (Urk. 6/9 S. 21). 

Zum späteren Halt beim Feldweg führte der Beschuldigte aus, er habe nach dem 

Weggehen der Privatklägerin Panik gehabt, dass sie sich etwas antun wolle, weil 

-  31  -

er sie auf einer Brücke habe weglaufen sehen und er Angst gehabt habe, sie 

würde springen. Sie habe ihm in der Vergangenheit wiederholt Nachrichten ge-

sendet, dass sie sich umbringen wolle. Aus Angst habe er dann begonnen zu wei-

nen und sei sie mit dem Fahrzeug bei ihrem Standort abholen gegangen. Als 

beide wieder im Fahrzeug gewesen seien, habe er sie angeschnauzt, ob sie 

spinne. Dann seien sie weggefahren und hätten sich irgendwann wieder beruhigt 

(Urk. 6/9 S. 22). Es sei unterwegs während der Fahrt zu keinen Tätlichkeiten ge-

kommen (Urk. 6/9 S. 23).

4.4. Würdigung der Beweismittel

4.4.1. Die Anklage stellt auf die Aussagen der Privatklägerin ab. Die Vorinstanz 

kommt zum Schluss, dass sich der Sachverhalt hinsichtlich der Tätlichkeiten nicht 

erstellen lässt. Dieser Ansicht ist zu folgen und auf die zutreffenden Erwägungen 

der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 99 S. 27 ff.). Es ist an dieser Stelle zu wieder-

holen, dass die Privatklägerin zwar detailliert ausgesagt hat, ihre Aussagen je-

doch relevante Widersprüche und teilweise Übertreibungen enthalten. Deshalb 

bleiben vernünftige Zweifel daran bestehen, dass sich der dem Beschuldigten vor-

geworfene Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat. So schilderte sie in den bei-

den Einvernahmen nicht übereinstimmend, wer nach dem Vorfall beim Bauern-

haus das Fahrzeug lenkte, ab wann der Beschuldigte sie geschlagen haben soll 

– ob bereits nach dem Vorfall beim Bauernhaus oder erst nach dem Vorfall beim 

Kiesweg – und – hinsichtlich allfälliger Schläge nach dem Vorfall beim Bauern-

haus – ob diese durch den Beschuldigten als Beifahrer oder als Fahrzeuglenker 

ausgeführt wurden. Nur der Klarheit halber ist zu erwähnen, dass hinsichtlich der 

Weiterfahrt nach dem Halt beim Kiesweg als erstellt zu erachten ist, dass der Be-

schuldigte für längere Zeit das Fahrzeug lenkte (vgl. dazu oben Erw. III.B.4.1.2). 

Übertrieben wirkten die Aussagen der Privatklägerin, wonach sie büschelweise 

Haare verloren habe oder der Beschuldigte sie nach dem Halt beim Feldweg die 

ganze Zeit geschlagen und ihr eine Ohrfeige nach der anderen verpasst habe. In 

diesem Zusammenhang stellt sich aber auch die Frage, wie es dem Beschuldig-

ten hätte gelingen sollen, das Fahrzeug zu lenken und gleichzeitig die Privatklä-

-  32  -

gerin wie vorgeworfen mehrfach mit der Faust und der flachen Hand gegen Mund 

und Nase zu schlagen und sie an den Haaren zu reissen.

4.4.2. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 99 S. 29), ist der von beiden 

Parteien geschilderte Umstand, dass beim Bauernhaus ein Mann aus dem Fens-

ter rief, für sich alleine noch kein Indiz für Tätlichkeiten des Beschuldigten gegen-

über der Privatklägerin. Vielmehr könnte dieser Ruf ebenso auf den von beiden 

Parteien geschilderten Streit zurückzuführen sein. Schliesslich fallen die Aussa-

gen des Beschuldigten detailliert, nachvollziehbar und auch widerspruchsfrei aus. 

Er gestand zu seinen Ungunsten auch ein, im Fahrzeug ausgerastet und in einer 

Situation wütend gewesen zu sein und die Privatklägerin beim Bauernhaus etwas 

an den Armen gepackt und auf den Fahrersitz gedrückt oder im Fahrzeug ange-

schnauzt zu haben, nachdem sie sich beim Feldweg vom Fahrzeug entfernt hatte 

(vgl. Urk. 6/9 S. 21 f.). Glaubhaft schilderte er auch seine Angst vor der Polizei, 

als der Mann aus dem Haus rief, sowie seine Panik, als er befürchtete, die Privat-

klägerin würde von der Brücke springen, als sie sich vom Feldweg auf die Brücke 

begab.

4.4.3. Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die mehrfa-

chen Tätlichkeiten gemäss Anklagevorwurf 6 als nicht erstellt gelten. Dementspre-

chend ist der Beschuldigte von diesen Vorwürfen freizusprechen.

5. Anklagevorwürfe 7-9: Drohung und mehrfache Tätlichkeiten am 21. Novem-

ber 2019 (Dossier 1)

5.1. Anklagesachverhalt

5.1.1. Der Beschuldigte soll in der Nacht des 21. Novembers 2019 zwischen 

03.30 Uhr und 04.00 Uhr im Rahmen eines Streites rittlings auf die im Bett auf 

dem Rücken liegende Privatklägerin gesessen sein, so dass er mit den Schien-

beinen ihre angewinkelten Arme aufs Bett drückte, was zu starken Schmerzen in 

den Armen der Privatklägerin geführt habe. In der Folge habe die Privatklägerin 

dem Beschuldigten die Knie in den Rücken geschlagen, woraufhin dieser sie 

mehrfach mit der flachen Hand auf eine Gesichtshälfte geschlagen habe. Im wei-

-  33  -

teren Verlauf des Streites habe der Beschuldigte der Privatklägerin die Arme auf 

den Rücken verdreht, sie so aufs Bett gebracht und sie anschliessend mit einer 

Hand an der Kehle gepackt, so dass sie Schmerzen gehabt habe. Zudem habe er 

ihr mit der Faust auf den Bauch geschlagen und abermals rittlings auf ihr sitzend 

mit seinen Schienbeinen ihre Oberarme fixiert (Urk. 30 S. 4 f., Anklagevorwurf 7).

5.1.2. Weiter soll er zwischen ca. 05.30 Uhr und 06.15 Uhr des gleichen Tages, 

während er rittlings auf der auf dem Rückend liegenden Privatklägerin gesessen 

sei, mit der rechten Hand eine runde Glasflasche vom Nachttisch ergriffen und 

der Privatklägerin dabei gesagt haben, sie solle ihm verzeihen, was er jetzt ma-

che, es gehe schnell. Daraufhin habe die Privatklägerin den Beschuldigten er-

mahnt, keine Fehler zu machen, sie habe eine Zukunft. Der Beschuldigte habe ihr 

dann mehrfach leicht mit der Flasche gegen die linke Stirnseite geschlagen und 

mindestens einmal stark ausgeholt, ohne zuzuschlagen, wobei die Privatklägerin 

Todesangst gehabt habe. Dabei habe er gefragt, mit wem die Privatklägerin eine 

Zukunft habe, worauf sie antwortete, mit ihm. Daraufhin habe der Beschuldigte 

die Flasche beiseitegelegt und sei von der Privatklägerin abgestiegen (Urk. 30 

S. 5, Anklagevorwurf 8).

5.1.3. Wenig später, zufolge der Weiterführung des Streites, habe der Beschul-

digte die Privatklägerin mehrfach gegen den Bauch und gegen die Rippen und in 

die Rückenregion geschlagen, während sie sich seitlich zusammengerollt und die 

Hände schützend vor das Gesicht gehalten habe. Als der Beschuldigte gefragt 

habe, ob er weitermachen solle, habe dies die Privatklägerin aus Trotz bejaht, 

woraufhin der Beschuldigte sie auf die gleiche Art weitergeschlagen habe (Urk. 30 

S. 5, Anklagevorwurf 9).

5.1.4. Die Vorinstanz erachtete die in Anklageziffer 8 vorgeworfene Drohung als 

erstellt. Als nicht erstellt erachtete sie hingegen die übrigen Vorwürfe der Anklage-

ziffern 7-9, mit Ausnahme der eingestandenen Ohrfeigen in Ziffer 7 Absatz 4 

(Urk. 99 S. 37-41).

-  34  -

5.2. Standpunkt des Beschuldigten

Wie die Vorinstanz richtig erwog, gestand der Beschuldigte anlässlich der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahmen und der Hauptverhandlung ein, der Privatkläge-

rin von unten, als sie auf ihm gesessen sei, mehrmals eine Ohrfeige erteilt zu ha-

ben (Urk. 6/6 S. 3; Urk. 6/20 S. 9; Prot. I S. 26). Damit ist vor Berufungsinstanz 

ebenfalls davon auszugehen, dass das Sachverhaltselement, wonach der Be-

schuldigte die Privatklägerin mehrfach mit der flachen Hand auf eine Gesichts-

hälfte geschlagen habe, erstellt ist, wobei es nicht relevant ist, ob er dies von un-

ten tat, als sie auf ihm sass (so gemäss eigener Aussage), oder auf ihr sitzend (so 

gemäss Anklageschrift). Der Verteidiger macht in diesem Zusammenhang jedoch 

einen Rechtfertigungs- bzw. Strafbefreiungsgrund geltend (vgl. dazu unten 

Erw. IV.A.2.2). Die übrigen vorgeworfenen Tätlichkeiten gestand der Beschuldigte 

nicht ein und erwähnt sie ebenfalls nicht in seiner Sachverhaltsdarstellung. Diese 

sind nachfolgend zu erstellen.

5.3. Beweismittel

Als Beweismittel liegen Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin an-

lässlich folgender Einvernahmen vor: Einvernahme der Privatklägerin durch die 

Stadtpolizei Zürich vom 22. November 2019 (Urk. 4/1), Konfrontationseinvernah-

men der Privatklägerin und des Beschuldigten durch die Staatsanwaltschaft I vom 

25. Juni 2020 (Urk. 6/1), 30. Juli 2020 (Urk. 6/3), 24. September 2020 (Urk. 6/6) 

und 20. Oktober 2020 (Urk. 6/15) sowie Befragungen der Privatklägerin und des 

Beschuldigten anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung vom 12. Juli 2022 

(Prot. I S. 12 ff.) vor. Weiter liegen der Bericht zur körperlichen Untersuchung der 

Privatklägerin in der Frauenklinik des Stadtspitals Triemli (Urk. 9/7), das Gutach-

ten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin des Instituts für Rechtsmedi-

zin der Universität Zürich (Urk. 9/9), das Protokoll der ärztlichen Untersuchung 

des Beschuldigten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich 

(Urk. 10/1) sowie das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Beschuldig-

ten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich (Urk. 10/6) vor. Die Vor-

instanz hat die Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten sowie die Un-

tersuchungsberichte grundsätzlich zutreffend zusammengefasst (Urk. 99 

-  35  -

S. 32 ff.). Nachfolgend werden sie – teilweise mit Abweichungen und Ergänzun-

gen – wiedergegeben.

5.3.1. Aussagen der Privatklägerin

5.3.1.1. Die Privatklägerin führte in der polizeilichen Einvernahme einen Tag nach 

der gegenständlichen Nacht aus, sie habe mit dem Beschuldigten ein psychisch 

belastendes Gespräch geführt, nachdem sie ihn mitten in der Nacht geweckt 

habe, um ihn mit Chats zu konfrontieren, die sie gelesen habe, da sie seine Insta-

gram- und WhatsApp-Konten heimlich auf ihrem Mobiltelefon installiert habe. Es 

sei dabei um Sachen in Chats mit Kollegen und anderen Frauen gegangen, wel-

che man in einer Beziehung nicht schreibe. Dafür habe sie den Wecker auf 

03.00 Uhr morgens gestellt, um zuerst intime Bilder von sich auf dem Mobiltelefon 

des Beschuldigten zu löschen und ihn danach zu konfrontieren. Da er alles abge-

stritten und mit ihr nicht darüber habe sprechen, sondern habe weiterschlafen 

wollen, habe sie ihm immer wieder die Decke weggezogen und das Licht ange-

stellt und ihm gesagt, er habe ihr weh getan, sie aber schwören würde, seine Ner-

ven auch kaputt zu machen. Sie habe ihn "inepsycht". Sie erklärte, die darauffol-

genden Ereignisse nicht mehr chronologisch wiedergeben zu können, der Be-

schuldigte sei jedoch in der Anfangsphase der Streitereien einmal mit den Schien-

beinen auf ihren Armen gesessen, während sie auf dem Rücken zwischen seinen 

Beinen gelegen sei. Es habe sehr geschmerzt, sie habe jedoch nicht schreien 

können, weil sie den Beschuldigten sonst in Schwierigkeiten gebracht hätte. Sie 

habe ihm wiederholt gesagt, er solle von ihr runtergehen. Einmal habe ihr der Be-

schuldigte auch beide Arme auf den Rücken verdreht, was ebenfalls extrem weh 

getan habe. Zudem habe es einen Zwischenfall gegeben, bei welchem der Be-

schuldigte ihr mit einer Hand an die Gurgel gegriffen und zugedrückt habe, so-

dass sie für einen Moment starke Schmerzen erlitten habe. Es sei auch immer 

wieder zu Pausen gekommen und nach einer Zigarettenpause des Beschuldigten, 

als sie an ihrem Zweithandy gewesen sei, sei der Beschuldigte wieder in einen 

Wahn geraten und habe sie an den Haaren aufs Bett gerissen und geohrfeigt. Da-

nach hätten sie wieder miteinander gesprochen und seien nebeneinander gele-

-  36  -

gen und dann habe der Beschuldigte plötzlich begonnen, ihr mit den Fäusten in 

den Bauch zu schlagen, was ihr weh getan habe (Urk. 4/1 S. 8 f.).

5.3.1.2. Danach, nach weiteren Streitereien und als der Beschuldigte wieder ritt-

lings im Bett auf ihr gesessen sei, sei er wieder in einen Wahn geraten und habe 

sie mit der linken Hand an der Wange gestreichelt, während er die rechte Hand 

nach hinten Richtung Nachttisch ausgestreckt habe. Rittlings auf ihr zu sitzen kam 

er, indem er – auf dem Boden stehend – ihr, welche auf dem Bett gestanden 

habe, die Arme auf den Rücken verdreht und sie auf das Bett geschmissen habe. 

Sie sei dabei mit dem Kopf beim Fussende in der unteren linken Ecke des Bettes 

gelegen. Der Beschuldigte habe zur Privatklägerin gesagt, dass sie ihm verzeihen 

solle, dass er das jetzt mache, es aber schnell gehe. Zu diesem Zeitpunkt habe 

sie zum ersten Mal Angst vor dem Beschuldigten verspürt und zu zittern und hy-

perventilieren begonnen. Er habe dann vom Nachttisch eine Flasche ergriffen. Sie 

habe daraufhin erwidert, er solle keine Fehler machen, sie habe noch eine Zu-

kunft vor sich, woraufhin der Beschuldigte gefragt habe, mit wem, und mit der Fla-

sche leicht gegen ihre linke Stirn gestossen habe. Sie habe geantwortet, eine Zu-

kunft mit ihm. Währenddessen habe der Beschuldigte ein- oder zweimal mit der 

Flasche ausgeholt. Er sei dabei völlig im Wahn gewesen und sie habe wirklich 

Angst gehabt, dass er sie mit der Flasche erschlagen werde. Sie habe stark gezit-

tert und Todesangst verspürt. Der Beschuldigte habe dann die Flasche wieder 

hingelegt und sei von ihr runtergegangen. Er habe sich an die Wand gelehnt, die 

Hände vors Gesicht genommen und gesagt, nur Gott hätte ihn davon abgehalten 

und dass er beinahe lebenslänglich ins Gefängnis gekommen wäre (Urk. 4/1 

S. 9). Die Privatklägerin habe jedoch keine Angst gezeigt und irgendetwas habe 

den Beschuldigten so wütend gemacht, dass er sie wieder in die untere linke 

Ecke des Bettes geworfen habe, auf sie gekniet sei und begonnen habe, willkür-

lich auf sie einzuschlagen. Er habe ihr mit den Fäusten vorne in den Bauch, in 

den Rücken und seitlich in die Rippen geschlagen (Urk. 4/1 S. 10).

5.3.1.3. Die bei der Polizei deponierten Aussagen bestätigte die Privatklägerin 

vollumfänglich anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 25. Juni 

2020 (Urk. 6/1 S. 6 f.). Die Situation mit der Glasflasche schilderte die Privatkläge-

-  37  -

rin widerspruchsfrei. Insbesondere bestätigte sie ihre Aussage, der Beschuldigte 

habe die Flasche mit der rechten Hand ergriffen und gehalten, und ergänzte, er 

habe die Flasche am Flaschenhals gehalten. Er habe mit der Flasche ausgeholt 

und sie habe kurz die Augen geschlossen und grosse Angst gehabt, er werde ihr 

die Flasche über den Kopf ziehen. Stattdessen habe er ihr dann aber mit der Fla-

sche an die linke Stirnseite "geklöpfelt" (Urk. 6/1 S. 8). Im Unterschied zur Aus-

sage in der polizeilichen Einvernahme, wonach sie auf und der Beschuldigte ne-

ben dem Bett gestanden habe, schilderte sie neu, sich zu erinnern, dass sie ne-

ben dem Bett gestanden habe, als der Beschuldigte sie anschliessend mit dem 

Polizeigriff aufs Bett gebracht habe, worauf sich die Situation mit der Glasflasche 

abspielte. Zur Anklageziffer 9 ergänzte sie, dass sie in der Situation, als der Be-

schuldigte sie vorne in den Bauch, in den Rücken und seitlich in die Rippen ge-

schlagen habe, auf der Seite gelegen habe; er sei wieder in seinem Film oder sei-

nem Wahn gewesen (Urk. 6/1 S. 9). Die in der polizeilichen Einvernahme geschil-

derten Dialoge wiederholte die Privatklägerin im Übrigen widerspruchsfrei 

(Urk. 6/1 S. 8 f.).

5.3.1.4. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 30. Juli 2020 

erläuterte die Privatklägerin auf entsprechende Nachfrage, dass sie nach den Be-

griffen "Rippenbruch spürbar", "innere Blutungen" und "gewalttätige Beziehung" in 

ihrem iPhone-Browser am Mittag des 21. Novembers 2019 gesucht hatte, weil sie 

beim Atmen, sie glaube auf der linken Seite, starke Schmerzen gehabt habe. Sie 

habe die Symptome von inneren Blutungen nachsehen wollen (Urk. 6/3 S. 11).

5.3.1.5. Schliesslich erklärte die Privatklägerin in der staatsanwaltschaftlichen Ein-

vernahme vom 20. Oktober 2020 auf entsprechende Nachfrage hin, es habe 

keine Situation gegeben, in welcher sie auf den Beschuldigten gesprungen und 

aus Versehen sein angewinkeltes Knie getroffen habe. Sie gab zu Protokoll, die 

Beziehung zum Beschuldigten im Nachhinein als gegenseitig sehr respektlos ein-

zuschätzen (Urk. 6/15 S. 7). Auf Vorhalt der zur Situation mit der Flasche depo-

nierten Aussage des Beschuldigten erklärte die Privatklägerin, es stimme so über-

haupt nicht, und wiederholte ihre bereits gemachten Aussagen widerspruchsfrei. 

Der Beschuldigte habe mit der rechten Hand zur Flasche gegriffen und mit der 

-  38  -

Flasche auch gegen den Kopf geklopft. Die Flasche sei hart gewesen und sie 

habe den Beschuldigten nicht mehr einschätzen können und deshalb richtig Angst 

bekommen und zu schwitzen begonnen (Urk. 6/15 S. 10).

5.3.2. Aussagen des Beschuldigten

5.3.2.1. Der Beschuldigte schilderte die Ereignisse anlässlich der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme vom 30. Juli 2020 zusammenfassend dahingehend, 

dass die Privatklägerin, welche ihn unbedingt zum Reden bezüglich der Chats 

habe bringen wollen, nach Ein- und Ausschalten des Lichts und Versuchen, ihm 

die Bettdecke zu entziehen, auf ihn gesprungen sei. In einem Reflex habe er das 

Bein angewinkelt und die Arme vor sein Gesicht gehalten, woraufhin sie mit ihrem 

Körpergewicht auf seinem Knie gelandet sei. Er wisse nicht mehr, wie sie auf ihm 

gelandet sei, aber sie sei dann seitlich weggesprungen und er glaube, sie habe 

sich ganz kurz an der linken Körperseite gehalten (Urk. 6/3 S. 21). Danach sei die 

Privatklägerin auf seinen Schoss gesessen und habe ihre Fingernägel in seine 

Brust gedrückt. Er habe ihre Handgelenke gehalten, um Kratzer auf seiner Brust 

zu verhindern. Nach weiterem Drängen der Privatklägerin, mit ihr zu sprechen, 

habe er sich unter der Decke weggedreht und sie habe ihm dann gesagt, sie 

schwöre ihm, dass sie seine Nerven und seine Psyche "richtig ficken" werde und 

er noch sehen werde, was auf ihn zukomme. Es werde schlimmer als im H._____. 

Auf die Aussage des Beschuldigten hin, die Privatklägerin solle gehen, sei sie wü-

tend geworden, habe ihm die Decke weggerissen und ihm ihre Fingernägel in ei-

ner pulsierenden Art und Weise ins Gesicht gedrückt. Sie sei wie auf einem Trip 

gewesen und habe ihn mit weit aufgerissenen Augen angesehen. Der Beschul-

digte schilderte, dass er mit Kratzern im Gesicht nicht nachhause oder in die The-

rapie hätte gehen können, weshalb er die Privatklägerin die ganze Zeit an den 

Handgelenken festgehalten habe (Urk. 6/3 S. 22 f.). Als die Privatklägerin die Fin-

ger etwas gelockert habe, habe der Beschuldigte sie zurückgestossen, sodass sie 

auf dem Rücken zu liegen gekommen sei, und er habe sich auf Höhe ihrer Hüfte 

rittlings auf sie gesetzt und ihre Handgelenke neben dem Kopf gepackt und sie so 

auf dem Bett fixiert. Die Privatklägerin habe ihre Knie gegen seinen Rücken ge-

donnert und versucht, ihn zu beissen (Urk. 6/3 S. 23). Der Beschuldigte schilderte 

-  39  -

weitere ruhigere Momente und wiederum ein Gerangel wegen der Decke und 

dass die Privatklägerin, als sie ihm die Decke schliesslich weggezogen habe, wie-

der seitlich von links auf ihn gesprungen sei und er seitlich liegend sein rechtes 

Knie angezogen habe, worauf sie gelandet sei. Mit einer schnellen Bewegung 

habe er sie dann wieder auf den Rücken gelegt und ihre Handgelenke neben dem 

Kopf fixiert (Urk. 6/3 S. 25). Danach folgten ausführliche Aussagen des Beschul-

digten zum weiteren Verlauf des Streites, in welchem die Privatklägerin ihn, auch 

unter Provokationen, zum Reden habe bringen wollen und er gewollt habe, dass 

sie gehe. Sie hätten sich auch gegenseitig Ohrfeigen erteilt (Urk. 6/3 S. 25 f.). Der 

Beschuldigte brachte vor, er habe sich, aus Erschöpfung von der Situation und 

der ganzen Beziehung, überlegt, wie er die Privatklägerin aus seiner Wohnung 

hätte bringen können. Dabei sei ihm der Gedanke gekommen, es dem Leiter des 

Wohnheimes zu sagen, was er jedoch verworfen habe, da er neu gewesen sei 

und keine Auffälligkeiten habe machen wollen (Urk. 6/3 S. 26). Es folgten detail-

lierte Aussagen zum weiteren Hergang, bei welchem der Beschuldigte, wie auch 

von der Privatklägerin erwähnt, auf den Balkon eine Zigarette rauchen gegangen 

sei, er sie immer wieder zum Verlassen der Wohnung aufgefordert habe, worauf 

sie aggressiv reagiert habe, und sie sich dann weiter gestritten hätten, wobei die 

Privatklägerin ihn beleidigt, provoziert und geschlagen habe (Urk. 6/3 S. 26 f.).

5.3.2.2. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 24. September 

2020 setzte der Beschuldigte seine Aussagen zur Nacht vom 21. November 2019 

fort. Zur Situation mit der Flasche, welche durch die Staatsanwaltschaft als Dro-

hung qualifiziert wurde, führte der Beschuldigte aus, er sei rittlings auf der Hüfte 

der Privatklägerin gesessen und habe ihre Handgelenke links und rechts neben 

ihrem Kopf gehalten. Mit einer Hand habe er dann nach hinten zur Glasflasche 

gegriffen und die Flasche vom Nachttisch aufgehoben, wobei er sie immer tief 

hinter sich gehalten habe. Die Privatklägerin habe gesehen, dass er die Flasche 

genommen habe, und er habe sie wütend angeschaut. Sie habe gefragt, ob er sie 

erschlagen wolle. Die Privatklägerin habe dann auch aufgehört zu sprechen, er 

habe jedoch keine Spur von Angst bei ihr gesehen. Dann habe er die Flasche 

wieder auf den Tisch gestellt (Urk. 6/6 S. 4). Auf entsprechende Frage hin ver-

neinte der Beschuldigte jedoch, das Gesicht der Privatklägerin mit der Flasche 

-  40  -

berührt oder damit zu einem Schlag ausgeholt zu haben (Urk. 6/6 S. 7 f.). Auch in 

einer späteren Einvernahme gestand er ein, die Flasche hinter dem Rücken in der 

Hand gehalten zu haben, bestritt jedoch, die Privatklägerin je damit berührt oder 

bedroht zu haben (Urk. 6/20 S. 10).

5.3.3. Ärztliche Untersuchungen

5.3.3.1. Der am 21. November 2019 um ca. 20.00 Uhr die Privatklägerin untersu-

chende Arzt in der Frauenklinik des Spitals Triemli vermerkte als Verletzungen ein 

Hämatom am linken Handrücken und eines am rechten Oberschenkel (Urk. 9/7). 

Im Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin zur körperlichen Untersuchung der 

Privatklägerin, welche am 22. November 2019 um 15.00 Uhr stattfand, wurden als 

Verletzungen ein älterer Bluterguss am linken Handrücken, ein eher frischer Blut-

erguss an der linken Flanke, eine Schleimhautabschürfung an der Oberlippenin-

nenseite sowie Hautrötungen am Rücken und am linken Oberschenkel aufgeführt 

(Urk. 9/9 S. 3). Die Hautrötungen am Rücken und am linken Oberschenkel seien 

keine Verletzungen im engeren Sinne und möglicherweise durch Druckausübung 

mit den eigenen Fingern entstanden. Der Bluterguss am linken Handrücken sei äl-

teren Datums und somit vorfallsunabhängig. Die Schleimhautabschürfung an der 

Oberlippe sei eher Folge selbstbeigebrachten Bisses. Lediglich der Bluterguss an 

der linken Flanke passe möglicherweise zu einer stumpfen Gewalteinwirkung 

(Urk. 9/9 S. 4).

5.3.3.2. Beim Beschuldigten wurden bei der Untersuchung vom 22. November 

2019, 17.30 Uhr, durch das Institut für Rechtsmedizin unzählige kratzerartige 

Hautabschürfungen an der Brustkorbvorderseite, am Nacken sowie an den Armen 

und Beinen festgestellt, welche als grösstenteils frisch beurteilt wurden. Eine Ent-

stehung durch Kratzen mit Fingernägeln durch Dritte wurde zudem im Bericht als 

plausibel beschrieben (Urk. 10/6 S. 5; vgl. Urk. 10/1 S. 2).

5.4. Würdigung der Beweismittel

5.4.1. Wie die Vorinstanz schon erwogen hat, waren die Schilderungen der Pri-

vatklägerin hinsichtlich der Tätlichkeiten des Beschuldigten zwar mehrheitlich wi-

-  41  -

derspruchsfrei. Dennoch fällt auf, dass sie nicht in der Lage war, die genauen Ur-

sachen für die einzelnen Situationen oder die spezifischen Auslöser der beschrie-

benen Tätlichkeiten zu benennen. Diese Unklarheit führt dazu, dass ihre Schilde-

rungen den gesamten Vorfall nicht in einer Weise nachvollziehbar machen, die es 

ermöglicht, das genaue Geschehen zu rekonstruieren. Insbesondere der Um-

stand, dass es nach der privatklägerischen Behauptung zwischen den Streitereien 

immer wieder Pausen bzw. Zigarettenpausen gegeben habe, macht einen Grund 

für einen neuen Ausraster nötig. Damit einhergehend konnte die Privatklägerin die 

einzelnen Tätlichkeiten auch nicht immer chronologisch oder in den Gesamtkon-

text einordnen und so den Ablauf des Gesamtvorfalls schildern. Zu bemerken ist 

aber, dass dies alleine die Aussagen der Privatklägerin nicht unglaubhaft erschei-

nen lässt, da mit der Vorinstanz eine Erzählweise, bei welcher die Chronologie 

nicht im Vordergrund steht, auch für die Glaubhaftigkeit der Sachdarstellungen 

sprechen kann, da sie tatsächlich erlebt erscheinen. Allerdings wirft die Art und 

Weise, wie die Privatklägerin den Auslöser für einen Ausraster des Beschuldigten 

beschreibt, weiterhin Fragen auf. So gab sie in ihrer polizeilichen Einvernahme 

an, "irgendetwas machte ihn so hässig" (vgl. Urk. 4/1 F/A 52), ohne jedoch kon-

kret zu benennen, was diesen Ausraster ausgelöst hatte. In ihrer staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme änderte sie dann ihre Darstellung und gab an, dass sie 

dem Beschuldigten Sachen gesagt habe wie, dass er kein Stück besser sei als 

sein Vater (vgl. Urk. 6/15 S. 9). Dieses Auseinanderklaffen der Aussagen wirft zu-

mindest die Frage auf, ob die Privatklägerin versuchte, den wahren Auslöser des 

Wutausbruchs zu verschleiern, möglicherweise um sich selbst in einem besseren 

Licht darzustellen. Der Wechsel in der Darstellung könnte darauf hindeuten, dass 

sie sich der Auswirkungen ihrer eigenen Worte bewusst war und versuchte, eine 

potenziell belastende Aussage zu vermeiden.

5.4.2. Ein weiterer Aspekt, der in die Würdigung der Aussagen der Privatklägerin 

einzubeziehen ist, sind Unstimmigkeiten in der Darstellung der Szene vor dem 

Vorfall mit der Glasflasche. So beschrieb sie die Situation vor dem Vorfall mit der 

Glasflasche in der polizeilichen Einvernahme dahingehend, dass sie auf dem Bett 

gestanden habe, während der Beschuldigte neben dem Bett gestanden habe. In 

ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme hingegen erklärte sie, sich zu erin-

-  42  -

nern, dass sie neben dem Bett gestanden habe, als der Beschuldigte sie ansch-

liessend mit dem Polizeigriff auf das Bett gebracht habe (vgl. Urk. 4/1 F/A 50 und 

Urk. 6/1 S. 7). Dies macht die Aussagen der Privatklägerin zwar nicht per se un-

glaubhaft, jedoch bleiben die oben erwähnten Fragen offen, was zu berücksichtig-

ten ist.

5.4.3. Zusammenfassend lässt sich im Gegensatz zur Feststellung der Vorinstanz 

an dieser Stelle bereits sagen, dass die Schilderungen der Privatklägerin nicht 

vollständig widerspruchsfrei sind. Die oben genannten Unklarheiten und Änderun-

gen in der Darstellung werfen wichtige Fragen auf, die berücksichtigt werden 

müssen.

5.4.4. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Privatklägerin – abgesehen davon, 

dass sie als Grund für die plötzlichen Schläge in den Bauch, Rücken und die Rip-

pen erst bei der Staatsanwaltschaft angab, diese seien auf eine von ihr ausge-

sprochene Beleidigung hin erfolgt (bei der Polizei meinte sie, "irgendwas" habe 

den Beschuldigten hässig gemacht) – die übrigen Details zu diesem Vorfall wider-

spruchsfrei schildern konnte (vgl. Urk. 4/1 S. 10; Urk. 6/1 S. 9). Auch der Um-

stand, dass sie in ihrem Browserverlauf nach Begriffen zu ihren Verletzungen ge-

sucht hatte, stützt ihre Aussagen. Dies könnte zum einen darauf hindeuten, dass 

sie ernsthaft Schmerzen hatte und sich Sorgen um ihre Verletzungen machte, 

weshalb sie versuchte, mehr Informationen dazu zu sammeln, was im Einklang 

mit der Schilderung eines tatsächlichen Vorfalls stehen würde. Gleichzeitig könnte 

diese Vorgehensweise gewählt worden sein, um sich im Hinblick auf eine ärztli-

che Untersuchung vorab Informationen über angebliche Verletzungen zu beschaf-

fen und so den medizinischen Befund zu beeinflussen. Unabhängig davon, wel-

che Variante vorliegend zutrifft, ist zu berücksichtigen, dass die Arztberichte, ab-

gesehen von einem Hämatom, keine weiteren Verletzungen dokumentieren, wel-

che in Zusammenhang mit den vorgeworfenen Schlägen gebracht werden könn-

ten (vgl. Urk. 9/7; Urk. 9/9). Dies wirft die Frage auf, warum keine weiteren, ein-

deutigeren Verletzungen festgestellt wurden, wenn die beschriebenen Tätlichkei-

ten tatsächlich so heftig waren, wie von der Privatklägerin dargestellt. Insbeson-

dere angesichts ihrer Schilderung, der Beschuldigte sei während der Schläge in 

-  43  -

"seinem Film oder seinem Wahn" gewesen (vgl. Urk. 6/1 S. 9), wäre zu erwarten 

gewesen, dass die Arztbefunde entsprechende Verletzungen nachweisen kön-

nen. Das Hämatom an der linken Flanke der Privatklägerin könnte sowohl durch 

ihre Version der Ereignisse als auch durch die des Beschuldigten verursacht wor-

den sein. Letzterer schilderte die Situation so, dass die Privatklägerin zweimal auf 

sein Knie gesprungen sei, was zu dieser Verletzung geführt haben könnte 

(vgl. Urk. 6/3 S. 21 und 25). Der Beschuldigte gab zwei Situationen an, in welchen 

die Privatklägerin auf ihn gesprungen sei, beide Male im Kontext, dass die Privat-

klägerin ihm neben dem Bett stehend die Bettdecke weggerissen habe. Einmal 

habe er sich dabei mit dem Körper mitgedreht, was er anlässlich der Hauptver-

handlung spontan in einem anderen Kontext wiederholte (Prot. I S. 30). Dass die 

Privatklägerin von seiner linken Seite her gesprungen sein soll, würde mit der Tat-

sache übereinstimmen, dass sie ein leichtes Hämatom an der linken Flanke hatte 

(vgl. Urk. 6/3 S. 25; Urk. 9/9 S. 3). Auch fügen sich beide Situationen in den Schil-

derungen des Beschuldigten ohne Strukturbrüche in den weiteren Ablauf der Ge-

schehnisse ein. Damit kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Ereig-

nisse so zutrugen, wie sie der Beschuldigte schilderte.

5.4.5. Hinsichtlich der Schilderungen des Beschuldigten ist sodann festzuhalten, 

dass er im Gegensatz zur Privatklägerin die Ereignisse in einen Gesamtkontext 

zu setzen und auch den Grund für die jeweilige Auseinandersetzung anzugeben 

vermochte. So ist aus seinen Schilderungen klar, dass er wollte, dass die Privat-

klägerin ihn schlafen lässt bzw. die Wohnung verlässt, für sie dies aber nicht in 

Frage kam, sie ihn vielmehr unbedingt zum Reden bringen wollte und nicht locker 

liess. Wie die Vorinstanz korrekt festgehalten hat, ergeben sich aus den Aussa-

gen des Beschuldigten gewisse Überschneidungen mit der Sachdarstellung der 

Privatklägerin, jedoch zeichnen seine Aussagen grundsätzlich ein gänzlich ande-

res Bild. Er gibt zu, die Privatklägerin an den Handgelenken festgehalten zu ha-

ben, jedoch bloss, weil sie ihn habe kratzen wollen (vgl. Urk. 6/3 S. 22 f.). Seine 

Erläuterung, er habe sie gehalten, weil er nicht mit Kratzern im Gesicht zur Thera-

pie oder nachhause hätte gehen können, stellt eine nachvollziehbare Überlegung 

dar und wirkt glaubhaft. Seine Aussagen werden auch durch die Tatsache ge-

stützt, dass er gemäss Arztberichten zahlreiche kratzerartige Hautabschürfungen 

-  44  -

am Oberkörper und Nacken sowie an den Armen und Beinen hatte, welche als 

grösstenteils frisch beurteilt wurden. Eine Entstehung durch Kratzen mit Fingernä-

geln durch Dritte wurde zudem im Bericht des Instituts für Rechtsmedizin als plau-

sibel beschrieben (Urk. 10/6 S. 3 ff.; vgl. Urk. 10/1 S. 2). Der Beschuldigte sagte 

zudem übereinstimmend mit der Privatklägerin aus, er sei mehrfach rittlings auf 

ihr gesessen und habe ihre Handgelenke neben ihrem Kopf fixiert, jedoch bloss, 

damit sie ihn nicht kratze, woraufhin sie die Knie gegen seinen Rücken gedonnert 

und versucht habe, ihn zu beissen (Urk. 6/3 S. 23). Sie hingegen brachte vor, dies 

habe sie getan, um sich unter dem Beschuldigten liegend gegen ihn zu wehren 

(Urk. 4/1 S. 9). Beide Schilderungen erscheinen nachvollziehbar und wurden 

glaubhaft vorgebracht, was es verunmöglicht, mit Sicherheit festzustellen, wer 

nun wem gegenüber welche Handlungen ausführte. Im Gesamtkontext der toxi-

schen Beziehung und unter Berücksichtigung davon, dass die Privatklägerin auch 

zugab, den Beschuldigten provoziert zu haben, erscheinen auch die Aussagen 

des Beschuldigten glaubhaft. Sie sind detailliert und nachvollziehbar, und er bringt 

auch eigene Überlegungen und Emotionen vor. Seine Aussage, er habe sich aus 

Erschöpfung überlegt, den Leiter des Wohnheimes zu informieren, um die Privat-

klägerin aus der Wohnung zu bringen, dies aber verworfen, um keine Auffälligkei-

ten zu machen, stimmt auch mit der Tatsache überein, dass die Beziehungsdyna-

mik toxisch und von gegenseitigen Provokationen geprägt war. Wäre der Beschul-

digte in dieser Situation der alleinige Aggressor gewesen, hätte er sich kaum ver-

zweifelt diese Gedanken gemacht, sondern hätte die Privatklägerin mit Gewalt 

hinausgeworfen. Dass der Beschuldigte der alleinige Aggressor gewesen sein 

soll, erscheint schliesslich realitätsfremd, wenn man sich vor Augen führt, dass 

die Privatklägerin den Beschuldigten unbedingt zum Reden bringen wollte und 

nicht locker liess und auch nicht die Wohnung verlassen wollte. So gab sie selber 

an, sie habe Sachen aus ihm herausbekommen und ihn wachhalten wollen 

(Urk. 6/15 S. 7). Jemanden in einer solchen Situation zum Reden zu bringen, 

setzt einen gewissen Nachdruck voraus, der in irgendeiner Form (verbal oder tät-

lich) erfolgen müsste, welchen die Privatklägerin aber zu schildern auslässt.

5.4.6. Es bleiben mit der Vorinstanz daher erhebliche Zweifel darüber bestehen, 

ob sich die vorgeworfenen Tätlichkeiten, mit Ausnahme der eingestandenen Ohr-

-  45  -

feigen, tatsächlich wie von der Staatsanwaltschaft eingeklagt ereigneten. Die Tät-

lichkeiten gemäss Anklagevorwürfe 7-9 gelten somit als nicht erstellt und der Be-

schuldigte ist diesbezüglich freizusprechen.

5.4.7. Anders verhält es sich hinsichtlich des Sachverhaltsabschnitts mit der Fla-

sche (Anklagevorwurf 8). Diese Situation schilderte die Privatklägerin anlässlich 

drei Einvernahmen widerspruchsfrei, detailliert und chronologisch. Insbesondere 

erwähnte sie mehrfach, der Beschuldigte habe sie zuerst im Gesicht gestreichelt 

und dann seine rechte Hand nach der Flasche ausgestreckt, diese ergriffen und 

ihr damit an die linke Stirn geklopft, was doch ein eher besonderes Vorgehen dar-

stellt und tatsächlich erlebt erscheint (vgl. Urk. 4/1 S. 9; Urk. 6/1 S. 8; Urk. 6/15 

S. 10). Besonders hervorzuheben ist auch ihre präzise Darstellung ihrer Körper-

position: Sie gab an, mit dem Kopf beim Fussende in der unteren linken Ecke des 

Bettes gelegen zu haben. Diese Schilderung stimmt mit den Angaben des Be-

schuldigten überein, was die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen stützt. Die Privatklä-

gerin vermochte des Weiteren nachvollziehbar zu schildern, wie die bedrohliche 

Situation entstand und wie sie den Beschuldigten dabei erlebte – er sei in einem 

Wahn gewesen (Urk. 4/1 S. 9; Urk. 6/1 S. 8 f.; Urk. 6/15 S. 10). Ihre Ausführungen 

weisen eine konstante inhaltliche Kohärenz auf. Insofern ist ihre Version des Tat-

ablaufs als glaubhaft anzusehen.

5.4.8. Wie die Vorinstanz zutreffend erkannte, fallen die Aussagen des Beschul-

digten zur Situation mit der Glasflasche demgegenüber relativ kurz und pauschal 

aus, obwohl er ansonsten sehr detailliert auszusagen vermochte. So konnte er 

nicht erklären, wieso er zur Glasflasche gegriffen habe; er gab lediglich an, es 

nicht zu wissen, er habe nur gewollt, dass die Privatklägerin gehe (Urk. 6/6 S. 7). 

Dabei habe er weder zum Schlag ausgeholt, noch mit der Flasche das Gesicht 

der Privatklägerin berührt (Urk. 6/6 S. 8). Der Umstand, dass der Beschuldigte 

den Grund für das Behändigen der Flasche nicht zu nennen vermag, erweckt den 

Eindruck, dass er diese Angabe bewusst weglässt. Dies lässt seine Aussagen in 

diesem Punkt unglaubhaft erscheinen. Es ist daher zur Situation mit der Flasche, 

insbesondere zum Tatablauf, auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin ab-

zustellen, welche keine Zweifel offen lassen, dass sich diese Situation wie von ihr 

-  46  -

vorgebracht ereignete, wodurch der Anklagesachverhalt diesbezüglich als erstellt 

gilt. Mit der Vorinstanz ist aber auch zu betonen, dass bereits der durch den Be-

schuldigten eingestandene Sachverhalt in objektiver Hinsicht bedrohlich auf die 

Privatklägerin hätte wirken können. So führte er aus, die Flasche ergriffen und die 

Privatklägerin wütend angeschaut zu haben. Die Privatklägerin habe die Flasche 

auch gesehen und ihn gefragt, ob er sie erschlagen wolle (Urk. 6/6 S. 4).

5.4.9. Widersprüchlich und unglaubhaft erscheinen indes die Aussagen der Pri-

vatklägerin bezüglich ihrer Gefühlslage in der von ihr beschriebenen Situation. Sie 

gab selbst zu, den Beschuldigten weiterhin provoziert zu haben – sowohl nach 

dem Vorfall mit der Flasche als auch währenddessen. So soll sie ihm etwa gesagt 

haben, er sei nicht besser als sein Vater oder sie habe ihn aufgefordert, weiterzu-

machen (Urk. 6/1 S. 9). Diese Provokationen begründete sie damit, dass sie dem 

Beschuldigten habe zeigen wollen, dass sie stark sei und keine Angst vor ihm 

habe (Urk. 6/1 S. 9). Dieses Verhalten steht jedoch deutlich im Widerspruch zur 

Annahme, dass sie durch das Verhalten des Beschuldigten in Todesangst ver-

setzt worden wäre. Hätte sie sich tatsächlich in so einer akuten Gefahr befunden, 

wäre eine derartige Reaktion kaum zu erwarten gewesen. Insofern ist davon aus-

zugehen, dass der Beschuldigte sie mit seinem drohenden Verhalten nicht in To-

desangst versetzte, andernfalls sie nicht auf diese Weise reagiert hätte. Diese 

Diskrepanz lässt sich auch mit den Aussagen des Beschuldigten in Einklang brin-

gen. Er gab an, bei der Privatklägerin keine Spur von Angst wahrgenommen zu 

haben. Sie habe ihn im Gegenteil, als er die Flasche genommen habe, ange-

schaut und gefragt, ob er sie erschlagen wolle. Dann habe sie gesagt: "Komm 

mach, du hast keine Eier" (Urk. 6/6 S. 4). Die Aussagen des Beschuldigten unter-

stützen somit die Auffassung, dass die Privatklägerin zwar in eine bedrohliche Si-

tuation geriet, jedoch nicht in Todesangst versetzt wurde, was die Schilderung 

des Beschuldigten in diesem Punkt als glaubhaft erscheinen lässt.

5.5. Fazit

Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die in Anklageziffer 8 vorgeworfene Dro-

hung als erstellt gilt, abgesehen vom nicht nachgewiesenen Sachverhaltselement, 

dass die Privatklägerin aufgrund dessen Todesangst verspürt hat. Die übrigen 

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Vorwürfe der Anklageziffern 7-9, mit Ausnahme der eingestandenen Ohrfeigen in 

Ziffer 7 Absatz 4, können auch nicht erstellt werden. Der Beschuldigte ist daher 

diesbezüglich freizusprechen.

6. Anklagevorwurf 10: Vergewaltigung und sexuelle Nötigung am 21. Novem-

ber 2019 (Dossier 1)

6.1. Anklagesachverhalt

Der Beschuldigte soll am Morgen des 21. Novembers 2019 gegen 07.00 Uhr die 

Privatklägerin an den Handgelenken gepackt und auf der rechten Seite des Bet-

tes mit dem Kopf am Kopfende auf dem Rücken liegend platziert haben. Mit einer 

Hand soll er beide Hände der Privatklägerin festgehalten und währenddessen 

seine Boxershorts heruntergezogen haben. Gegen deren Willen habe er dann der 

Privatklägerin die Leggings und vermutlich auch den Slip ausgezogen oder diesen 

zur Seite geschoben. Danach habe er sich zwischen ihre Beine gekniet, sodass 

sie diese nicht mehr habe schliessen können, und ihre Hände mit seinen links und 

rechts ihres Kopfes gegen das Bett gedrückt und fixiert. Daraufhin habe der Be-

schuldigte die Privatklägerin während fünf bis zehn Minuten penetriert, obwohl sie 

geweint und mindestens fünf Mal gesagt habe, er solle aufhören, sie zu "ficken", 

und obwohl sie anfangs die Beine mit Kraft zusammengedrückt habe (Urk. 30 

S. 5 f.). Schliesslich habe sich der Beschuldigte rittlings auf den Oberkörper der 

Privatklägerin gesetzt, sei auf beide ihre Arme gekniet und habe ihr ins Gesicht 

ejakuliert. Dazu habe er gesagt: "Häsch gseh, was ich für es Dräcksschwein sie 

cha". Danach habe er ihr Gesicht, seinen Penis und ihre Vagina mit Feuchttü-

chern gereinigt und zur Privatklägerin gesagt, er könne sie vor anderen be