# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b417b8bd-25b7-5750-a38a-bb97e2ff01bc
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-09-17
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Strafabteilung 17.09.2025 S1 2024 20
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_002_S1-2024-20_2025-09-17.pdf

## Full Text

20240829_140059_ANOM.docx

I. Strafabteilung S1 2024 20/21

Oberrichter A. Sidler, Abteilungspräsident
Oberrichter O. Fosco
Ersatzrichterin C. Geissmann
Gerichtsschreiber F. Eller

Urteil vom 17. September 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug, 
vertreten durch die Leitende Oberstaatsanwältin A.________, 
Anklägerin, Berufungsbeklagte und Berufungsklägerin,

und

B.________, 
vertreten durch die unentgeltliche Rechtsbeiständin Rechtsanwältin C.________, 
Privatklägerin im Straf- und Zivilpunkt, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin,

und

Sicherheitsdirektion des Kantons Zug, Opferhilfestelle, Bahnhofstrasse 12, Postfach, 6301 Zug, 
vertreten durch D.________, 
Privatklägerin im Zivilpunkt und Berufungsbeklagte,

gegen

E.________,  alias .________, geb. tt.mm.1998 in F.________/LK, 
sri-lankischer Staatsangehöriger, Adresse unbekannt, 
Zustelldomizil: Rechtsanwalt H.________,
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt H.________,
Beschuldigter, Berufungsbeklagter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter,

betreffend

Vergewaltigung, versuchte Nötigung, Drohung

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(Berufung des Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft sowie Anschlussberufung der Privatkläge-
rin B.________ gegen das Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug, Kollegialgericht, vom 15. Mai 
2024; SG 2023 16)

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Sachverhalt und Überblick über das Verfahren

1.
1.1 Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) wirft E.________ 

(nachfolgend: Beschuldigter) mehrfache Vergewaltigung von B.________ (geb.: B.________; 
nachfolgend: Privatklägerin) vor. Er habe den psychischen Druck, unter dem die Privatkläge-
rin aufgrund ihrer familiären und finanziellen Zwangslage gelitten habe, ausgenutzt. Zudem 
habe er während des Geschlechtsverkehrs ihre Hände gehalten, als sie versucht habe, ihn 
wegzustossen. Diese mehrfachen Vergewaltigungen habe er einerseits in der Zeit nach er-
folgtem Verlobungsfest in Sri Lanka (ab September/Oktober 2019 sowie Anfangs 2020) und 
andererseits nach dem Umzug der Privatklägerin in die Schweiz (ab 20. November 2020, 
insbesondere am 23. November 2020, 24. November 2020 und 4. Dezember 2020) vollzo-
gen. Ab dem Zuzug der Privatklägerin in die Schweiz habe er den Druck auf sie noch erhöht, 
indem er ihr verschiedentlich gedroht habe, insbesondere sie nach Sri Lanka zurückzuschi-
cken (Anklageziffer I.1). 

1.2 Des Weiteren wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten versuchte Nötigung vor. Zu-
sammenfassend soll er ab dem 5. Dezember 2020 durch verschiedene Drohungen, Lügen 
sowie ständige Präsenz versucht haben, die Privatklägerin zu einer Rückkehr zu ihm zu 
überreden. Die Privatklägerin habe sich zu dieser Zeit nach einem Suizidversuch im Spital 
aufgehalten. Sie sei nicht auf seine Forderungen eingegangen, weshalb es bei einem Ver-
such geblieben sei (Anklageziffer I.2).

1.3 Weiter soll der Beschuldigte der Privatklägerin zwischen dem 20. November 2020 und dem 
7. Dezember 2020 mehrfach gedroht haben, sie nach Sri Lanka zurückzuschicken oder sie 
umzubringen (Anklageziffer I.3).

1.4 Zudem soll der Beschuldigte durch falsche Angaben, insbesondere dem Verschweigen sei-
ner Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Fahrradunfalls, die zuständigen Stellen der Arbeitslo-
senkasse über seine Vermittlungsfähigkeit und Anspruchsberechtigung getäuscht und da-
durch Leistungen der Arbeitslosenkasse erhalten haben, die ihm nicht in diesem Umfang zu-
gestanden hätten (Anklageziffer I.4).

1.5 In Anklageziffer I.5 wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine Sachentziehung vor, 
begangen, indem er sich geweigert habe, der Privatklägerin ihren Reisepass sowie eine Ko-
pie der Heiratsurkunde auszuhändigen.

1.6 Schliesslich soll der Beschuldigte dem Amt für Migration des Kantons Zug im Zusammen-
hang mit dem Gesuch um Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung 
der Heirat mit der Privatklägerin einen simulierten Arbeitsvertrag eingereicht und gegen ihn 
hängige Betreibungen verschwiegen haben. Damit habe er die Entscheidungsträger im Amt 
für Migration getäuscht und seine Mitwirkungs- und Wahrheitspflichten gemäss dem Auslän-
der- und Integrationsgesetz (AIG; SR 142.20) verletzt (Anklageziffer I.6). 

2. Die Verfahrensleitung des Strafgerichts des Kantons Zug, Kollegialgericht (nachfolgend: Vor-
instanz), stellte mit Verfügung vom 25. August 2023 fest, dass die Anklageschrift und die Ak-
ten ordnungsgemäss erstellt sowie die Prozessvoraussetzungen erfüllt seien und keine Ver-

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fahrenshindernisse bestünden, unter Vorbehalt nachfolgender Ausführungen. Sie gab der 
Staatsanwaltschaft die Gelegenheit, die Anklageziffer I.1.2 betreffend das Tatdatum 4. De-
zember 2020 gegebenenfalls anzupassen, da die Privatklägerin in der Einvernahme vom 
3. Dezember 2020 gesprochen habe. Betreffend die in Anklageziffer I.3 vorgeworfene mehr-
fache Drohung lägen nicht für sämtliche Taten Strafanträge vor, obwohl solche notwendig 
seien, da die Heirat erst am 4. Dezember 2020 erfolgt sei. Bei Anklageziffer I.2 (mehrfache 
versuchte Nötigung) brachte die Verfahrensleitung den Vorbehalt an, den Sachverhalt als 
Drohung gemäss Art. 180 StGB zu prüfen (SG GD 2/2). Die weiteren Punkte betrafen Sach-
verhalte, die nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens sind. 

3. Die Staatsanwaltschaft nahm mit Eingabe vom 12. September 2023 umfassend zu den von 
der Verfahrensleitung der Vorinstanz aufgeworfenen Punkten Stellung. Sie änderte Anklage-
ziffer I.1.2 im 5. Absatz wie folgt: "In dieser ausweglosen Situation, am Tag der Heirat (in der 
früheren Anklageschrift: einen Tag vor der Heirat), erduldete B.________ wider Willen den 
Geschlechtsverkehr mit E.________". Die Staatsanwaltschaft beantragte den Beizug der Ak-
ten eines eingestellten Strafverfahrens gegen den Beschuldigten (1A 2023 434) sowie die 
Befragung der Privatklägerin an der Hauptverhandlung (SG GD 3/5). Die Privatklägerin liess 
ebenfalls ihre Befragung beantragen (SG GD 5/1/2). Die Verfahrensleitung wies diese Be-
weisanträge ab (SG GD 2/3).

4. Am 14. und 15. Mai 2024 fand die Hauptverhandlung statt. Nach der Behandlung der Vorfra-
gen wurde der Beschuldigte zur Person und zur Sache befragt. Die Staatsanwaltschaft bean-
tragte anschliessend erneut den Beizug der Akten des eingestellten Strafverfahrens 1A 2023 
434 und die Befragung der Privatklägerin. Die Vorinstanz wies diese Beweisanträge ab. Die 
weiteren Parteien stellten keine Beweisanträge. Nach den Parteivorträgen hielt der Beschul-
digte ein kurzes Schlusswort. Anschliessend wurde die Hauptverhandlung unterbrochen. Am 
Folgetag eröffnete die Vorinstanz ihr Urteil mündlich und begründete es. Den anwesenden 
Parteien wurde das Urteilsdispositiv ausgehändigt (SG GD 8/1). 

5. Die Staatsanwaltschaft meldete mit Schreiben vom 16. und 17. Mai 2024 Berufung an 
(SG GD 3/7-8). Mit Schreiben vom 20. Mai 2024 meldete auch die Verteidigung namens des 
Beschuldigten Berufung an (SG GD 4/9). Die Privatklägerin und die Opferhilfestelle liessen 
sich nicht vernehmen. 

6. Am 19. Juli 2024 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil. Dieses konnte der Staats-
anwaltschaft und der Verteidigung am 22. Juli 2024 zugestellt werden (SG GD 9/2/1-2). Der 
Urteilsspruch lautete wie folgt (OG GD 1/1): 

"1. Das Strafverfahren gegen den Beschuldigten E.________ wird folgendermassen eingestellt:

1.1 hinsichtlich des Vorwurfs der mehrfachen Vergewaltigung gemäss Art. 190 StGB für alle vorgeworfenen 

Tathandlungen in Sri Lanka (Anklageziffer I.1.1); 

1.2 hinsichtlich des Vorwurfs der Sachentziehung (Anklageziffer 1.5);

1.3 hinsichtlich des Vorwurfs des leichten Falls des unrechtmässigen Bezugs von Leistungen einer Sozialversi-

cherung oder Sozialhilfe gemäss Art. 148a Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB (Anklageziffer I.4).

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2. Der Beschuldigte wird freigesprochen:

2.1 vom Vorwurf der mehrfachen versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (An-

klageziffer I.2);

2.2 vom Vorwurf der Täuschung der Behörden gemäss Art. 118 AIG (Anklageziffer I.6).

3. Der Beschuldigte wird schuldig gesprochen:

3.1 der mehrfachen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB (Anklageziffer I.1.2); 

3.2 der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB (Anklageziffer I.3).

4. Er wird dafür bestraft mit:

4.1 einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs für eine Probezeit von 

zwei Jahren; 

4.2 einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 100.00, unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei 

einer Probezeit von zwei Jahren.

5. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 6. August 2020 (Verfahren 3A 20 3341) gewährte bedingte 

Vollzug einer Geldstrafe wird nicht widerrufen, hingegen wird der Beschuldigte verwarnt. 

6. Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von sieben Jahren aus der 

Schweiz verwiesen. 

7. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem angeordnet.

8.

8.1 Die sichergestellten Daten ab dem iPhone 5s der Privatklägerin (ZG 2021 1 1027 2) sind nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils durch die Zuger Polizei zu löschen.

8.2 Die sichergestellte Schachtel mit diversen Medikamenten (ZG 2021 1027 5) ist nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils durch die Zuger Polizei zu vernichten. 

8.3 Die sichergestellte SIM-Karte unbekannten Eigentümers (ZG 2021 1 1027 6) ist nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils dem Beschuldigten herauszugeben. Falls die SIM-Karte nicht innerhalb von 30 Tagen nach 

entsprechender Aufforderung abgeholt wird, kann sie vernichtet werden.

9.

9.1 Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Sicherheitsdirektion des Kantons Zug, Opferhilfestelle, Schadener-

satz in der Höhe von CHF 22'855.10 zu bezahlen.

9.2 Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung in der Höhe von CHF 4'500.00 zu-

züglich Zins zu 5 % seit dem 29. Dezember 2020 zu bezahlen. 

10. Die Verfahrenskosten betragen

CHF 12'606.80 Untersuchungskosten

CHF 6'000.00 Entscheidgebühr

CHF 795.00 Auslagen

CHF 19'401.80 Total

und werden zu vier Fünfteln dem Beschuldigten auferlegt. Das restliche Fünftel wird definitiv auf die Staats-

kasse genommen.

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11.

11.1 Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt H.________, wird für seine Bemühungen mit insgesamt 

CHF 37'200.00 (inkl. Auslagen und MWST) aus der Staatskasse entschädigt. Von den ihm bereits ausge-

richteten Akontozahlungen in der Höhe von total CHF 20'000.00 wird Vormerk genommen.

11.2 Der Beschuldigte hat dem Staat vier Fünftel der Kosten der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen, sobald 

es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Das restliche Fünftel wird definitiv auf die Staatskasse ge-

nommen.

12.

12.1 Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin, Rechtsanwältin C.________, wird für ihre Bemühun-

gen mit insgesamt CHF 21'000.00 (inkl. Auslagen und MWST) aus der Staatskasse entschädigt. 

12.2 Der Beschuldigte hat dem Staat zwei Fünftel der Kosten der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklä-

gerin zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Die restlichen drei Fünftel 

werden definitiv auf die Staatskasse genommen.

13. [Rechtsmittel]"

7. Mit Schreiben vom 29. Juli 2024 erklärte die Staatsanwaltschaft bei der I. Strafabteilung des 
Obergerichts des Kantons Zug (nachfolgend: Gericht) Berufung und stellte folgende Anträge 
(OG GD 3/1):

"1. Es sei Ziff. 2.1 des Urteilsspruches aufzuheben und der Beschuldigte wegen mehrfacher versuchter Nöti-

gung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

2.1 Es sei Ziff. 3.1 des Urteilsspruches im Umfang der Anklageziffer 1.1.2 zu bestätigen und den Beschuldigten 

wegen mehrfacher Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

2.2 Es sei Ziff. 3.2 des Urteilsspruches aufzuheben und der Beschuldigte wegen mehrfacher Drohung gemäss 

Art. 180 Abs. 1 StGB i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB im Sinne der Anklageziffer 1.3 schuldig zu sprechen.

3. Es sei Ziff. 4 des Urteilsspruches aufzuheben und der Beschuldigte wegen mehrfacher Vergewaltigung 

gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB und wegen mehrfacher Drohung Art. 180 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB sowie 

wegen mehrfacher versuchter Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB mit einer Frei-

heitsstrafe von 36 Monaten zu bestrafen.

4. In den übrigen Punkten sei das Urteil vom 15. Mai 2024 zu bestätigen, soweit es nicht in Rechtskraft er-

wachsen ist.

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen."

Weiter beantragte die Staatsanwaltschaft die Befragung der Privatklägerin und den Beizug 
der Akten des Strafverfahrens 1A 2023 434. 

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8. Mit Schreiben vom 12. August 2024 erklärte auch die Verteidigung namens des Beschuldig-
ten Berufung und stellte folgende Anträge (OG GD 2/1):

"1. Die Verurteilung des Berufungsklägers wegen mehrfacher Vergewaltigung (Dispositiv Ziffer 3.1) gemäss 

Art. 190 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.2) sei vollumfänglich aufzuheben und der Beschuldigte freizuspre-

chen.

2. Die Verurteilung des Berufungsklägers wegen Drohung (Dispositiv Ziffer 3.2) gemäss Art. 180 Abs. 1 i.V.m. 

Abs. 2 lit. a StGB (Anklageziffer 1.3) sei vollumfänglich aufzuheben und der Beschuldigte freizusprechen.

3. Die Bestrafung des Berufungsklägers gemäss Ziffer 4 sowie Ziffer 5 betreffend Widerruf seien aufzuheben.

4. Die Landesverweisung des Berufungsklägers aus der Schweiz für die Dauer von sieben Jahren gemäss Zif-

fer 6 sowie die diesbezügliche Anordnung der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Infor-

mationssystem gemäss Ziffer 7 seien aufzuheben.

5. Die gemäss Ziffer 8.1 - 8.3 getroffenen Anordnungen betreffend Sicherstellungen seien aufzuheben.

6. Die gemäss Ziffer 9.1 des Urteilsdispositiv dem Beschuldigten auferlegte Schadenersatzpflicht gegenüber 

der Privatklägerin 2 (CHF 22‘855.10) sowie die Verpflichtung zu einer Genugtuungszahlung gegenüber der 

Privatklägerin 1 (CHF 4'500.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 29. Dezember 2020) seien vollumfänglich aufzu-

heben.

7. Die erstinstanzliche Kostenauferlegung gemäss Ziffer 10 sei teilweise aufzuheben und die dem Berufungs-

kläger auferlegten Verfahrenskosten der Staatskasse aufzuerlegen.

8. Die gemäss Ziffer 11.2 des Urteilsdispositiv dem Berufungskläger auferlegte Rückzahlungspflicht von vier 

Fünfteln sei aufzuheben und die Kosten der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich und endgültig auf 

die Staatskasse zu nehmen.

9. Die gemäss Ziffer 12.2 des Urteilsdispositiv dem Berufungskläger auferlegte RückzahIungspflicht von zwei 

Fünfteln in Bezug auf die Entschädigung der Rechtsvertretung der Privatklägerin 1 sei aufzuheben und die 

Kosten der amtlichen Entschädigung für die Rechtsvertretung der Privatklägerin 1 seien vollumfänglich und 

endgültig auf die Staatskasse zu nehmen.

10. Dem Berufungskläger sei eine Genugtuung in der Höhe von CHF 2'000.00 auszurichten.

11. Es sei dem Berufungskläger für das Berufungsverfahren die amtliche Verteidigung zu bewilligen und der un-

terzeichnende Rechtsanwalt als amtlicher Verteidiger zu bestätigen.

12. Es sei Akt zu nehmen, dass zurzeit keine Beweisanträge gestellt werden, diese jedoch zu einem späteren 

Zeitpunkt ausdrücklich vorbehalten werden."

9. Die Verfahrensleitung des Gerichts eröffnete mit Präsidialverfügung vom 14. August 2024 die 
beiden Berufungserklärungen den Parteien, setzte ihnen Frist, um Anschlussberufung zu er-
heben oder Nichteintretensanträge zu stellen. Die Weiterführung der amtlichen Verteidigung 
des Beschuldigten durch Rechtsanwalt H.________ wurde bestätigt. Die Privatklägerin wur-

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de aufgefordert, die unentgeltliche Verbeiständung für das Berufungsverfahren neu zu bean-
tragen. Den Parteien wurde es freigestellt, zu den Beweisanträgen der Staatsanwaltschaft 
Stellung zu nehmen. Schliesslich wurde ihnen Frist gesetzt, um Beweisanträge zu stellen 
(OG GD 5/1).

10. Die Staatsanwaltschaft erhob am 19. August 2024 Anschlussberufung und stellte darin die 
identischen Anträge wie in ihrer Berufungserklärung vom 29. Juli 2024 (OG GD 3/2). Mit 
Schreiben vom 20. August 2024 forderte die Verfahrensleitung die Staatsanwaltschaft auf, 
darzulegen, warum auf ihre Anschlussberufung trotz der von ihr erhobenen, selbständigen 
Berufung einzutreten sei, oder mitzuteilen, ob die Eingabe als Umwandlung der Berufung in 
eine Anschlussberufung zu verstehen sei (OG GD 3/3). Die Staatsanwaltschaft liess sich 
nicht vernehmen.

11. Am 9. September 2024 erhob auch die Privatklägerin Anschlussberufung und stellte folgende 
Anträge (OG GD 6/1): 

"1. Die Anschlussberufung sei gutzuheissen und die Ziffern 2.1, 3.2, 4. und 9.2 Urteilsspruch des Urteils des 

Strafgerichts des Kantons Zug vom 15.05.2024 (SG 2023 16) seien aufzuheben.

2. Der Beschuldigte/Anschlussberufungsbeklagte sei wegen mehrfacher versuchter Nötigung gemäss Art. 181 

StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und mehrfacher Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB 

schuldig zu sprechen.

3. Der Beschuldigte/Anschlussberufungsbeklagte sei angemessen zu bestrafen.

4. Der Beschuldigte/Anschlussberufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Privatklägerin/Anschluss-

berufungsklägerin eine Genugtuung von Fr. 23‘000.00 nebst Zins zu 5% seit dem 29.12.2020 zu bezahlen.

5. Der Privatklägerin/Anschlussberufungsklägerin sei die vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege zu ge-

währen und ihr die unterzeichnete Rechtsanwältin als unentgeltliche Rechtsbeiständin beizugeben.

6. In den übrigen Punkten sei das Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug vom 15.05.2024 (SG 2023 16) zu 

bestätigen, soweit es nicht bereits in Rechtskraft erwachsen ist.

7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen auch im Berufungsverfahren zu Lasten des Beschuldig-

ten/Anschlussberufungsbeklagten."

12. Mit Schreiben vom 9. September 2024 erklärte die Verteidigung, dass keine Anschlussberu-
fung erhoben und kein Nichteintretensantrag betreffend die Berufung der Staatsanwaltschaft 
gestellt werde. Mit Verweis auf die Erwägungen der Vorinstanz beantragte sie die Abweisung 
der Beweisanträge der Staatsanwaltschaft. Weiter teilte sie mit, zurzeit keine Beweisanträge 
zu stellen (OG GD 2/2). 

13. Die Verfahrensleitung eröffnete den Parteien mit Präsidialverfügung vom 16. September 
2024 die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin und setzte ihnen 
Frist, um Nichteintretensanträge zu stellen. Weiter hiess sie den Beweisantrag der Staatsan-
waltschaft auf Befragung der Privatklägerin gut und wies jenen auf Beizug der Akten des 
Strafverfahrens 1A 2023 434 ab. Die Privatklägerin wurde aufgefordert, allfällige Schutz-
massnahmen innert 20 Tagen zu beantragen. Ferner wurde festgehalten, dass die weiteren 
Parteien keine Beweisanträge gestellt hatten. Der Privatklägerin wurde die vollumfängliche 
unentgeltliche Rechtspflege gewährt und Rechtsanwältin C.________ als unentgeltliche 
Rechtsbeiständin eingesetzt (OG GD 5/2). 

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14. Am 30. September 2024 beantragte die Privatklägerin den Ausschluss der Öffentlichkeit – 
mit Ausnahme der akkreditierten Gerichtsberichterstatter – von der Verhandlung und Urteils-
eröffnung, eventualiter den Ausschluss von ihrer Einvernahme. Weiter sei ihre direkte Kon-
frontation mit dem Beschuldigten zu vermeiden und ihre Befragung durch eine Person des 
gleichen Geschlechts durchzuführen (OG GD 6/2). Diese Eingabe wurde der Staatsanwalt-
schaft und der Verteidigung zur freigestellten Stellungnahme zugestellt (OG GD 5/3). Die 
Verteidigung beantragte mit Eingabe vom 14. Oktober 2024 die Abweisung des Antrags auf 
Ausschluss der Öffentlichkeit. Gegen die weiteren Anträge der Privatklägerin erhob sie keine 
Einwände (OG GD 2/3). Die Staatsanwaltschaft liess sich nicht vernehmen. 

15. Mit Präsidialverfügung vom 11. November 2024 setzte die Verfahrensleitung die Berufungs-
verhandlung auf den 31. Januar 2025 an und nahm die notwendigen Anordnungen und Vor-
ladungen vor. Sie entschied, die Öffentlichkeit von der Befragung der Privatklägerin vorläufig 
auszuschliessen, wobei sie festhielt, dass das Gesamtgericht unmittelbar vor der Verhand-
lung über den Antrag definitiv befinden werde. Weiter ordnete sie an, dass die Einvernahme 
der Privatklägerin unter Ausschluss des Beschuldigten stattfinde und dieser der Befragung 
mittels Videoübertragung folgen könne (OG GD 5/4).

16. Die Privatklägerin ersuchte mit Schreiben vom 26. November 2024 um Dispensation von der 
persönlichen Teilnahme an der Berufungsverhandlung (mit Ausnahme ihrer Befragung; 
OG GD 6/3). Ihre Rechtsbeiständin wurde informiert, dass über die Dispensation an der Ver-
handlung entschieden werde (OG GD 6/4).

17. Nachdem die Vorladung vom 11. November 2024 vom Beschuldigten nicht abgeholt und ans 
Gericht retourniert wurde, erfolgte am 16. Dezember 2024 ein erneuter Versand (OG GD 
8/1/1-2). Die Verteidigung wurde darüber in Kenntnis gesetzt und gebeten, den Beschuldig-
ten zu informieren, damit er die Vorladung abholt. Der Beschuldigte holte die Sendung wie-
derum nicht ab (OG GD 8/1/3). Der zuständige Gerichtsschreiber kontaktierte daraufhin am 
6. Januar 2025 die Verteidigung und kündigte an, dass eine polizeiliche Zustellung veranlasst 
werde. Alternativ wurde angeboten, der Beschuldigte könne die Vorladung persönlich beim 
Gericht abholen. Am 7. Januar 2025 meldete die Verteidigung zurück, dass sie den Beschul-
digten nicht habe erreichen und mit ihm nicht habe absprechen können, ob er die Vorladung 
abholen komme (OG GD 8/1/4). Entsprechend wurde am 8. Januar 2025 die Polizei mit der 
Zustellung der Vorladung beauftragt (OG GD 8/1/5). Die Regionalpolizei G.________ infor-
mierte das Gericht, dass die Vorladung nicht habe zugestellt werden können. Der Beschul-
digte sei weder telefonisch noch am Wohnort erreichbar. Seine bisherige Arbeitsstelle habe 
er am 30. November 2024 verlassen. Gemäss Auskunft des Mitbewohners komme der Be-
schuldigte nicht vor Ende Monat [d.h. Ende Januar 2025] zurück (OG GD 8/1/10). 

18. Mit Eingabe vom 27. Januar 2025 beantragte die Verteidigung, die auf den 31. Januar 2025 
angesetzte Berufungsverhandlung sei abzusetzen und zu verschieben. Zur Begründung führ-
te sie aus, dass sich der Beschuldigte in Sri Lanka befinde und infolge einer Verkettung von 
unglücklichen Umständen sein Rückreisevisum abgelaufen sei und er daher nicht in die 
Schweiz zurückreisen könne (OG GD 8/4). Die Berufungsverhandlung wurde daraufhin ab-
gesagt. Die Verteidigung wurde aufgefordert, den Zeitraum der Rückkehr des Beschuldigten 
mitzuteilen (OG GD 8/5). Innert erstreckter Frist teilte die Verteidigung am 24. Februar 2025 
mit, die Rückkehr des Beschuldigten sei für Ende April 2025 geplant. Sie führte aus, eine 

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frühere Rückreise des Beschuldigten sei nebst der Visumangelegenheit auch aufgrund des 
gesundheitlichen Zustands seines Sohnes nicht möglich. Dieser leide an einem schweren 
Herzfehler und benötige regelmässige medizinische Kontrollen und Eingriffe (OG GD 8/7).

19. Die Verfahrensleitung setzte mit Präsidialverfügung vom 7. März 2025 die Berufungsver-
handlung neu auf den 2. Juni 2025 an. Die Verteidigung wurde aufgefordert, das genaue 
Rückkehrdatum des Beschuldigten mitzuteilen, sobald es bekannt ist (OG GD 5/5). Mit 
Schreiben vom 17. April 2025 fragte die Verfahrensleitung bei der Verteidigung nach (OG GD 
2/4). Innert erstreckter Frist beantragte die Verteidigung schliesslich, die Berufungsverhand-
lung vom 2. Juni 2025 sei abzusetzen und zu verschieben, eventualiter sei der Beschuldigte 
von der persönlichen Teilnahme zu dispensieren. Zur Begründung führte sie aus, dass der 
Beschuldigte sich immer noch in Sri Lanka befinde, weil im November 2025 eine grössere 
Operation seines Kindes geplant sei. Er könne nicht in die Schweiz zurückkehren, da er sich 
um sein krankes Kind kümmern müsse. Seine Ehefrau sei gesundheitlich nicht in der Lage, 
sich um das Kind zu kümmern. Andere familiäre Unterstützung bestehe nicht (OG GD 8/10). 
Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung sowohl des Haupt- als auch des Eventual-
antrags (OG GD 8/12). Die Privatklägerin beantragte, die Berufung des Beschuldigten sei 
gestützt auf Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO abzuschreiben. Eventualiter seien sowohl der Haupt- 
als auch der Eventualantrag des Beschuldigten abzuweisen (OG GD 8/13). 

20. Mit Präsidialverfügung vom 20. Mai 2025 wies die Verfahrensleitung den Antrag des Be-
schuldigten, die Berufungsverhandlung vom 2. Juni 2025 sei abzusetzen und zu verschie-
ben, ab. In Gutheissung des Eventualantrags wurde er von der persönlichen Teilnahme an 
der Verhandlung dispensiert. Betreffend den Antrag der Privatklägerin, die Rückzugsfiktion 
bei der Berufung des Beschuldigten anzunehmen, wurde festgehalten, dass darüber später 
entschieden werde, da aufgrund der Berufung der Staatsanwaltschaft ohnehin eine Beru-
fungsverhandlung durchzuführen sei (OG GD 5/6).

21. Die Verfahrensleitung zog von Amtes wegen die Akten der Migrationsämter über den Be-
schuldigten und die Privatklägerin bei (OG GD 7/1-7/3). Aus dem Strafregisterauszug ergab 
sich eine neue Verurteilung des Beschuldigten, weshalb der entsprechende Strafbefehl vom 
15. August 2024 zu den Akten genommen wurde (OG GD 7/4-5). Den Parteien wurden die 
Akten zugestellt. 

22. Am 2. Juni 2025 fand die Berufungsverhandlung statt. Anwesend waren der amtliche Vertei-
diger, die zuständige Staatsanwältin, die Rechtsbeiständin der Privatklägerin sowie für ihre 
Befragung die Privatklägerin (von der Teilnahme an der übrigen Verhandlung war sie dispen-
siert). Die Staatsanwaltschaft zog zu Beginn der Verhandlung ihre Anschlussberufung 
zurück. Die Rechtsbeiständin der Privatklägerin erneuerte den Antrag, die Berufung des Be-
schuldigten sei gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO als zurückgezogen zu betrachten. Das Ge-
richt entschied, darüber im Endurteil zu befinden. Nach der Befragung der Privatklägerin hiel-
ten die Parteien ihre Parteivorträge. Die Parteien verzichteten auf eine mündliche Urteils-
eröffnung (OG GD 9/1). 

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Erwägungen

I. Formelles

1. Eintreten auf die Berufung bzw. Anschlussberufung

1.1 Die in Art. 399 StPO für die Einlegung der Berufung vorgesehenen zwei Parteihandlungen 
(Berufungsanmeldung innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils und Berufungserklärung 
innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils) erfolgten von der Staatsanwalt-
schaft und vom Beschuldigten fristgerecht. Nichteintretensgründe wurden nicht geltend ge-
macht und sind auch nicht ersichtlich. Auf die Berufungen ist einzutreten.

1.2 Die Staatsanwaltschaft erhob am 19. August 2024 fristgerecht Anschlussberufung. An der 
Berufungsverhandlung zog sie diese wieder zurück (OG GD 9/1 S. 2). 

1.3 Die Privatklägerin hat fristgerecht Anschlussberufung erhoben. Nichteintretensgründe wur-
den nicht geltend gemacht. Die Privatklägerin ficht die Disp.-Ziff. 4 und damit die von der 
Vorinstanz ausgesprochene Strafe an. Gemäss Art. 382 Abs. 2 StPO kann die Privatkläger-
schaft einen Entscheid hinsichtlich der ausgesprochenen Sanktion nicht anfechten. Soweit 
sie indes einen Freispruch oder einen ihrer Ansicht nach auf einer unzutreffenden rechtlichen 
Würdigung beruhenden Schuldspruch anficht, kann sie insoweit auch eine Änderung des 
Strafmasses beantragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_158/2017 vom 19. September 2017 
E.1.2.2; BGE 139 IV 84 E. 1.2). Da die Privatklägerin in ihrer Anschlussberufung zusätzliche 
Schuldsprüche verlangt, ist sie auch zur Anfechtung der Sanktion legitimiert. Auf ihre An-
schlussberufung ist einzutreten.

2. Rückzugsfiktion

2.1 Die Privatklägerin beantragt, die Berufung des Beschuldigten sei gestützt auf Art. 407 Abs. 1 
lit. c StPO als zurückgezogen zu betrachten und das Verfahren sei abzuschreiben. Zur Be-
gründung führte sie aus, der Beschuldigte habe trotz Aufforderung seine Meldeadresse in Sri 
Lanka nicht bekannt gegeben. Es sei unglaubhaft, dass er angesichts seines bereits über 
sechs Monate dauernden und bis mindestens November 2025 geplanten Aufenthalts über 
keine Meldeadresse verfüge. Mit der Bezeichnung der Kanzlei seines Verteidigers als Zu-
stelldomizil versuche er die Bekanntgabe der Meldeadresse zu umgehen. Dass seine Adres-
se in K.________ seine "offizielle Adresse" sei, sei falsch, da seine Aufenthaltsbewilligung 
inzwischen erloschen sei. Für den Verteidiger sei der Beschuldigte mehrmals nicht erreichbar 
gewesen. Das widersprüchliche Verhalten des Beschuldigten, welcher immer neue Gründe 
vorschiebe, weshalb ihm eine Rückkehr in die Schweiz nicht möglich sei, lasse darauf 
schliessen, dass er keinerlei Absichten hege, an einer Berufungsverhandlung teilzunehmen. 
Er habe nie von sich aus das Gericht über seinen andauernden Aufenthalt in Sri Lanka in-
formiert. Ein Wille, dass das vorinstanzliche Urteil überprüft werde, sei nicht zu erkennen. In-
dem er genaue Angaben zu seinem Aufenthaltsort verweigere, vereitele er eine rechtsgültige 
Zustellung der Vorladung. Sein widersprüchliches und gegen Treu und Glauben verstossen-
des Verhalten verdiene keinen Rechtsschutz (OG GD 8/13 S. 2-3; OG GD 9/1/6, Plädoyer 
[Vorfragen] S. 2-3).

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2.2 Die Verteidigung entgegnete an der Berufungsverhandlung, die Voraussetzungen der Rück-
zugsfiktion nach Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO seien nicht erfüllt. Ein sog. Totalversäumnis, wel-
ches für die Anwendung der Rückzugsfiktion erforderlich sei, liege nicht vor. Der Beschuldig-
te sei nicht unentschuldigt der Verhandlung ferngeblieben. Die Verteidigung sei sodann an-
wesend. Es treffe nicht zu, dass der Beschuldigte kein Interesse am vorliegenden Verfahren 
habe. Aufgrund der familiären Situation habe er in Sri Lanka bleiben müssen. Dass der Be-
schuldigte für die Verteidigung teilweise nicht sofort erreichbar gewesen sei, liege am 
schlechten Mobilfunknetz in Sri Lanka. Letztmals habe am Freitag [30. Mai 2025] und am 
Morgen vor der Berufungsverhandlung ein telefonischer Kontakt stattgefunden. Dass der Be-
schuldigte nach wie vor ein Interesse am Berufungsverfahren habe, zeige auch, dass er der 
Verteidigung ein medizinisches Attest bezüglich seines Kindes übermittelt habe, um es dem 
Gericht einzureichen. Da sich der Beschuldigte seit längerem im Ausland aufhalte, sei es so-
dann normal, ein Zustelldomizil in der Schweiz zu bezeichnen, was er mit der Nennung der 
Kanzlei der Verteidigung gemacht habe. Eine Vorladung hätte ihm daher an diese Adresse 
zugestellt werden können. Da er aber dispensiert worden sei, habe sich das erübrigt. Zu-
sammenfassend sei keine Rückzugsfiktion gegeben (OG GD 9/1 S. 37, 42). 

2.3 Gemäss Art. 407 Abs. 1 StPO gilt die Berufung oder Anschlussberufung als zurückgezogen, 
wenn die Partei, die sie erklärt hat, der mündlichen Berufungsverhandlung unentschuldigt 
fernbleibt und sich auch nicht vertreten lässt (lit. a) oder nicht vorgeladen werden kann (lit. c). 
Hintergrund dieser Bestimmung ist, dass die beschuldigte Person nicht die Durchführung ei-
nes Berufungsverfahrens verlangen und gleichzeitig die Mitwirkung daran verweigern kann. 

Parteien und Rechtsbeistände mit Wohnsitz, gewöhnlichem Aufenthaltsort oder Sitz im Aus-
land haben in der Schweiz ein Zustellungsdomizil zu bezeichnen; vorbehalten bleiben staats-
vertragliche Vereinbarungen, wonach Mitteilungen direkt zugestellt werden können (Art. 87 
Abs. 3 StPO).

2.4 Da der Beschuldigte nicht zur Berufungsverhandlung vorgeladen wurde, kommt Art. 407 
Abs. 1 lit. a StPO entgegen der Auffassung der amtlichen Verteidigung von vornherein nicht 
zur Anwendung, da diese Bestimmung eine gültige Vorladung voraussetzt (vgl. BGE 148 IV 
362 E. 1.7.2). Zudem greift diese Rückzugsfiktion – wie die Verteidigung zutreffend ausführte 
– nur bei sog. Totalversäumnis, d.h. wenn nebst der beschuldigten Person auch die Verteidi-
gung der Verhandlung fernbleibt (Keller, Basler Kommentar, 3. A. 2023, Art. 407 StPO N 3; 
vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1339/2023 vom 4. April 2025 E. 1.2.2). Vorliegend war die 
Verteidigung anwesend, weshalb kein Totalversäumnis vorgelegen hätte. 

Aufgrund des längerdauernden Aufenthalts in Sri Lanka ist nun dort der gewöhnliche Aufent-
haltsort des Beschuldigten. Eine direkte Zustellung nach Sri Lanka ist nicht möglich (vgl. 
Rechtshilfeführer des Bundesamts für Justiz). Auch wenn der Beschuldigte von der Verfah-
rensleitung aufgefordert wurde, seine Meldeadresse in Sri Lanka und nicht ein Zustelldomizil 
in der Schweiz zu bezeichnen, sind die Voraussetzungen von Art. 87 Abs. 3 StPO gegeben, 
um ein Zustelldomizil in der Schweiz zu bezeichnen. Der Beschuldigte bezeichnete am 
12. Mai 2025 die Kanzlei seines Verteidigers als Zustelldomizil (OG GD 8/10). Somit hätte 
die Vorladung zur Verhandlung an diese Adresse zugestellt werden können (vgl. BGE 148 IV 
362 E. 1.5.2). Da der Beschuldigte jedoch dispensiert wurde, war dies nicht notwendig. Die 
Voraussetzungen von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO, um einen Rückzug anzunehmen, sind damit 

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nicht erfüllt. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte für seinen Verteidiger erreichbar war. Er 
war damit in der Lage, seinem Verteidiger die notwendigen Instruktionen zu erteilen und hier-
für die notwendige Beratung zu empfangen. Zusammengefasst gilt die Berufung des Be-
schuldigten nicht als zurückgezogen und ist zu behandeln. 

3. Dispensation

3.1 Hat die beschuldigte Person die Berufung oder Anschlussberufung erklärt, so lädt die Verfah-
rensleitung sie zur Berufungsverhandlung vor. In einfachen Fällen kann sie sie auf ihr Ge-
such hin von der Teilnahme dispensieren und ihr gestatten, ihre Anträge schriftlich einzurei-
chen und zu begründen (Art. 405 Abs. 2 StPO). Ein einfacher Fall liegt namentlich vor, wenn 
der Sachverhalt unbestritten und nicht angefochten ist, so dass insofern eine Einvernahme 
(auch hinsichtlich der Zivilforderung) nicht erforderlich ist (BGE 147 IV 127 E. 2.1). Die Ver-
fahrensleitung kann die beschuldigte Person auf ihr Gesuch hin vom persönlichen Erschei-
nen dispensieren, wenn diese wichtige Gründe geltend macht und wenn ihre Anwesenheit 
nicht erforderlich ist (Art. 336 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO). Als wichtiger Grund kann 
namentlich eine Landesabwesenheit gelten (Ramel, Basler Kommentar, 3. A. 2023, Art. 336 
StPO N 17).

3.2 Die Verfahrensleitung dispensierte den Beschuldigten von der persönlichen Teilnahme an 
der Berufungsverhandlung. Die Voraussetzungen dafür sind erfüllt. Vorliegend ist der Sach-
verhalt zwar angefochten, jedoch war eine erneute Einvernahme des Beschuldigten nicht er-
forderlich. Der Beschuldigte wurde mehrmals im Vorverfahren und sodann an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung eingehend befragt. Er hatte somit mehrmals die Gelegenheit, 
sich zu den Vorwürfen zu äussern. Er machte stets geltend, der Geschlechtsverkehr sei ein-
vernehmlich erfolgt, und bestritt sämtliche Drohungen. Für die Beurteilung der Vorwürfe wa-
ren ferner vor allem die Aussagen der Privatklägerin relevant, weshalb sie an der Berufungs-
verhandlung nochmals einvernommen wurde. Zu würdigen ist auch, dass der Beschuldigte 
die Dispensation beantragt und folglich von sich aus auf eine weitere Befragung verzichtet 
hat. Es muss sodann berücksichtigt werden, dass nur der Beschuldigte, nicht aber seine Ver-
teidigung dispensiert war. Zudem sprach auch das Beschleunigungsgebot dafür, das Dis-
pensationsgesuch des Beschuldigten, der voraussichtlich mit seiner Auslandsabwesenheit 
über längere Zeit einen Verhinderungsgrund hätte geltend machen können, gutzuheissen. 
Abschliessend ist auch zu würdigen, dass im Berufungsverfahren weniger hohe Anforderun-
gen für eine Dispensation gelten als im erstinstanzlichen Verfahren (Zimmerlin, in: Donatsch 
und andere [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. A. 2020, 
Art. 405 StPO N 5).  

4. Umfang der Berufung

4.1 Im Berufungsverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Der Berufungskläger muss in seiner Be-
rufungserklärung angeben, ob er das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (Art. 399 
Abs. 3 lit. a StPO). Ficht er nur Teile des Urteils an, hat er in der Berufungserklärung verbind-
lich anzugeben, auf welche Teile (Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf einzelne Handlungen, 
Bemessung der Strafe etc.) sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO). Das Beru-
fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 
Abs. 1 StPO). Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte 

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überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 
StPO). Soweit die Einschränkung der Berufung auf einzelne Punkte eindeutig und der Grund-
satz der Untrennbarkeit oder inneren Einheit nicht verletzt ist, muss die Einschränkung durch 
das Berufungsgericht respektiert werden. Die nicht angefochtenen Urteilspunkte werden, un-
ter dem Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO, rechtskräftig. Eine spätere Ausdehnung der Be-
rufung ist ausgeschlossen, nicht aber eine weitere Beschränkung (vgl. dazu umfassend Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 1.3 m.H.).

4.2 Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen die Disp.-Ziff. 2.1, 3.1, 3.2 und 4. des 
vorinstanzlichen Urteils. Der Beschuldigte ficht die Disp.-Ziff. 3.1, 3.2, 4., 5., 6., 7., 8.1-8.3, 
9.1-9.2, 10., 11.2 und 12.2 an. Die Anschlussberufung der Privatklägerin betrifft sodann die 
Disp.-Ziff. 2.1, 3.2, 4. und 9.2. Nicht angefochten und damit rechtskräftig sind die Disp.-
Ziff. 1. (1.1-1.3), 2.2, 11.1 und 12.1. Dies ist im Urteilsspruch vorab festzustellen. 

4.3 Nachdem die Staatsanwaltschaft Berufung und die Privatklägerin Anschlussberufung erho-
ben haben, darf das vorinstanzliche Urteil zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert wer-
den. Das Verschlechterungsverbot gilt nicht (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

5. Anklagegrundsatz

5.1 Die Verteidigung rügte an der Berufungsverhandlung in mehreren Punkten eine Verletzung 
des Anklagegrundsatzes.

5.1.1 Zunächst genüge die Anklageschrift betreffend den Vorwurf der mehrfachen Drohung dem 
Anklageprinzip nicht. Die Ausführungen zum objektiven Tatbestand seien bereits sehr knapp 
bzw. ungenügend und zur subjektiven Seite würden sie komplett fehlen. Der erforderliche 
Vorsatz werde mit keinem Wort umschrieben. Aufgrund der fehlenden Orts- und Zeitangaben 
werde nicht klar, ob dem Beschuldigten nur Drohungen in Konnex mit der Vergewaltigung 
vorgeworfen würden oder auch bei anderen Gelegenheiten, bspw. bei Besuchen bei seinen 
Eltern oder Ausflügen. Die Vorinstanz habe mit der Verurteilung des Beschuldigten wegen 
Drohung den Anklagegrundsatz verletzt (OG GD 9/1/5 S. 5-6).

5.1.2 Weiter habe die Vorinstanz auch mit der Verurteilung wegen Vergewaltigung, begangen am 
3. Dezember 2020, den Anklagegrundsatz verletzt. Denn angeklagt sei nur eine Vergewalti-
gung am 23./24. November 2020 und 4. Dezember 2020 (OG GD 9/1 S. 38). 

5.2 Gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO kann eine Straftat nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die 
Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sach-
verhaltes beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat. Das Gericht ist an den in der An-
klage umschriebenen Sachverhalt gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Das Anklageprinzip ist 
verletzt, wenn der Beschuldigte für Taten verurteilt wird, bezüglich welcher die Anklageschrift 
den inhaltlichen Anforderungen nicht genügt bzw. wenn das Gericht mit seinem Schuld-
spruch über den angeklagten Sachverhalt hinausgeht (Urteil des Bundesgerichts 
6B_709/2021 vom 12. Mai 2022 E. 1.2). Die Anklageschrift muss hinreichend präzise formu-
liert sein, damit sowohl die Parteien wie auch das Gericht sofort und eindeutig erkennen kön-
nen, welches Verhalten und welche Straftaten Gegenstand des Vorwurfs bilden (Nigg-
li/Heimgartner, Basler Kommentar, 3. A. 2023, Art. 9 StPO N 44). Ungenauigkeiten hinsicht-

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lich Zeit-, Orts- oder Personenangaben sowie hinsichtlich des Deliktsbetrags verletzen das 
Anklageprinzip nicht zwingend, weshalb eine derartige Anklage unter Umständen gleichwohl 
zu einer Verurteilung führen kann (Niggli/Heimgartner, a.a.O., Art. 9 StPO N 46). Solange 
klar ist, welcher Sachverhalt der beschuldigten Person vorgeworfen wird, kann auch eine feh-
lerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen 
darf. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt an Schranken; es ist Sache des Gerichts, 
den Sachverhalt verbindlich festzustellen. Dieses ist an den in der Anklage umschriebenen 
Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung gebunden (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1071/2021 vom 7. April 2022 E. 2.1). Je schwerer ein Tatvorwurf 
wiegt, desto höhere Anforderungen sind an die Umschreibungsdichte der Anklage zu stellen 
(Niggli/Heimgartner, a.a.O., Art. 9 StPO N 49).

5.3 Betreffend die Umschreibung des subjektiven Tatbestands bei der Drohung ist Folgendes zu 
bemerken: In Bezug auf die Erwähnung der Vorsatzelemente der Anklage kann der jeweilige 
Hinweis auf den gesetzlichen Straftatbestand als zureichende Umschreibung jener subjekti-
ven Merkmale gelten, wenn der betreffende Tatbestand nur als Vorsatzdelikt erfüllbar ist 
(BGE 120 IV 348 E. 3c). Die Anklageschrift nennt Art. 180 StGB in Anklageziffer I.3 explizit. 
Dieser Tatbestand kann nur vorsätzlich begangen werden. Entsprechend musste dem Be-
schuldigten und seiner Verteidigung hinreichend klar gewesen sein, was ihm in subjektiver 
Hinsicht vorgeworfen wurde. Es liegt daher – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – keine 
Verletzung des Anklageprinzips vor. Betreffend Orts- und Zeitangaben steht in der Anklage-
schrift Folgendes: "nach deren Ankunft am 20. November 2020 bis zum 7. Dezember 2020 
zu nicht mehr genau bestimmbaren Zeitpunkten." Der Tatzeitraum wird in der Anklageschrift 
mithin auf rund zwei Wochen eingegrenzt. Da die Drohungen mehrfach erfolgt sein sollen 
und der in der Anklage bezeichnete Zeitraum sehr kurz ist, ist die zeitliche Umschreibung als 
genügend zu beurteilen. Betreffend den Ort der vorgeworfenen Handlungen geht aus der 
Umschreibung, insbesondere unter Mitberücksichtigung der Umschreibung der anderen De-
likte, indirekt hervor, dass sie in der Schweiz im privaten Umfeld erfolgt sein sollen. Es ist 
nicht erkennbar, dass die Verteidigungsrechte des Beschuldigten eingeschränkt wurden, weil 
nicht beschrieben wird, in welchem konkreten Zusammenhang die Drohungen erfolgt sein 
sollen, d.h. ob im Zusammenhang mit den Vergewaltigungen und/oder bei anderen Gelegen-
heiten. Somit liegt auch in dieser Hinsicht keine Verletzung des Anklagegrundsatzes vor. 

5.4 Entgegen der Ansicht der Verteidigung wurden nicht nur Vergewaltigungen am 23./24. No-
vember 2020 und 4. Dezember 2020 angeklagt. In der Anklageschrift wird klar umschrieben, 
dass es seit der Ankunft der Privatklägerin am 20. November 2020 bis zu ihrer Spitaleinliefe-
rung am 5. Dezember 2020 täglich zu Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen gekommen 
sei. Auch wird durch die Einleitung mit "insbesondere" und "u.a." klar ausgedrückt, dass es 
nicht nur an den explizit genannten Daten 23./24. November 2020 und 4. Dezember 2020 zu 
einer Vergewaltigung gekommen sein soll. Im Übrigen ist der Sachverhalt in der Anklage-
schrift in zeitlicher Hinsicht genügend bestimmt. So werden – wie erwähnt – sowohl der Zeit-
raum (20. November bis 5. Dezember 2020) als auch teilweise die exakten Daten genannt 
(23. und 24. November und 4. Dezember 2020). Die Anklageschrift nennt sodann nicht expli-
zit, wo genau der Geschlechtsverkehr stattgefunden haben soll. In der Gesamtheit der An-
klageziffer I.1.2 ergibt sich jedoch hinreichend klar, dass dies am Wohnort des Beschuldigten 
und der Privatklägerin in L.________ geschehen sein soll. 

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5.5 Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass auch beim Vorwurf der mehrfachen versuch-
ten Nötigung die Tatzeit in der Anklageschrift genügend bestimmt ist. Zwar ist die zeitliche 
Einschränkung nicht sofort erkennbar. Denn gemäss Anklageschrift seien die Handlungen zu 
nicht mehr genau bestimmbaren Zeitpunkten nach dem 5. Dezember 2020 erfolgt. Anders als 
beim Vorwurf der mehrfachen Drohung wird nicht ausdrücklich ein Enddatum genannt. Es 
ergibt sich aber aus der Gesamtbetrachtung der Sachverhaltsumschreibung, dass die letzte 
Handlung am 18. Dezember 2020 mit dem Telefonat erfolgt sein soll.

5.6 Zusammengefasst liegt keine Verletzung des Anklagegrundsatzes vor.

6. Fehlender Strafantrag

6.1 Die Verteidigung macht geltend, für eine Verurteilung des Beschuldigten für angebliche Dro-
hungen vor der Eheschliessung mit der Privatklägerin fehle es am erforderlichen Strafantrag. 
Der in der Strafanzeige der Privatklägerin vom 25. Januar 2021 gestellte "Strafantrag" genü-
ge nicht, da der Sachverhalt zu wenig präzise umschrieben werde. Ein Strafantrag sei erfor-
derlich, da der Beschuldigte und die Privatklägerin vor der Eheschliessung nicht auf unbe-
stimmte Zeit einen gemeinsamen Haushalt i.S.v. Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB geführt hätten. Es 
fehle einerseits an der zeitlichen Intensität, sofern überhaupt ein gemeinsamer Haushalt ge-
führt worden sei. Andererseits habe die Privatklägerin nie einen gemeinsamen Haushalt 
führen wollen (OG GD 9/1/5 S. 6-7). 

6.2 Wie es sich damit verhält, kann offengelassen werden. Wie noch aufzuzeigen sein wird, er-
folgt ein Schuldspruch wegen Drohung nur für eine Tat nach der Eheschliessung. Unbestrit-
tenermassen handelt es sich diesfalls um ein Offizialdelikt (Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB), womit 
kein Strafantrag vorausgesetzt ist. 

7. Beweisverwertbarkeit

7.1 Die Verteidigung rügte vor Vorinstanz diverse Akteneditionen durch die Staatsanwaltschaft. 
Es habe sich dabei um eine fishing expedition gehandelt, weshalb die entsprechenden Akten 
nicht verwertbar seien. Da diese Editionen Vorwürfe betrafen, die nicht Gegenstand des Be-
rufungsverfahrens sind, braucht darauf nicht weiter eingegangen zu werden. Gleiches gilt für 
die von der Verteidigung als unverwertbar gerügten Aussagen des Beschuldigten in der Ein-
vernahme vom 21. März 2022 ab Frage 50. Die bei den verschiedenen Ämtern (Amt für Mi-
gration, Arbeitslosenkasse, Betreibungsamt) eingeholten Akten dürfen bei der Prüfung der 
Landesverweisung ohne weiteres verwendet werden. 

7.2 Abgesehen von den zwei erwähnten Punkten wurde keine Unverwertbarkeit der Beweise gel-
tend gemacht. Es sind auch keine Gründe dafür ersichtlich. Somit sind sämtliche relevanten 
Beweismittel verwertbar.

8. Beweisanträge und Beweiserhebungen

8.1 Das Rechtsmittelverfahren beruht gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO auf den Beweisen, die im 
Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Von Amtes we-
gen oder auf Antrag einer Partei kann die Rechtsmittelinstanz die erforderlichen zusätzlichen 

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Beweise erheben (Art. 389 Abs. 3 StPO). Notwendig ist dies aber nur dann, wenn die zusätz-
lich erhobenen Beweise den Ausgang des Verfahrens beeinflussen können (vgl. auch Urteil 
des Bundesgerichts 6B_288/2015 vom 12. Oktober 2015 E. 1.3.1 m.H.). Eine unmittelbare 
Beweisabnahme im Rechtsmittelverfahren hat gemäss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 
StPO auch zu erfolgen, wenn eine solche im erstinstanzlichen Verfahren unterblieb oder un-
vollständig war und die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung not-
wendig erscheint. Weiter kann eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Berufungsge-
richt in den Fällen von Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich sein, wenn dieses von den erstin-
stanzlichen Sachverhaltsfeststellungen abweichen will (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1). 

8.2 Die Staatsanwaltschaft beantragte die erneute Befragung der Privatklägerin sowie den Bei-
zug der Akten des Strafverfahrens 1A 2023 434. Die Verfahrensleitung hiess den ersten An-
trag gut und wies den anderen ab. Die weiteren Parteien stellten keine Beweisanträge. Die 
Verfahrensleitung zog von Amtes wegen die (aktuellen) Akten der Migrationsbehörden zum 
Beschuldigten und zur Privatklägerin bei. Sie holte einen aktuellen Strafregisterauszug über 
den Beschuldigten ein und nahm den Strafbefehl der neuen Verurteilung zu den Akten. An 
der Berufungsverhandlung wurde die Privatklägerin befragt. Eine Befragung des Beschuldig-
ten war nicht erforderlich (vgl. E. I.3.2). Die Parteien stellten an der Verhandlung keine Be-
weisanträge. Weitere Beweiserhebungen waren nicht erforderlich.

9. Ausschluss der Öffentlichkeit

9.1 Gerichtsverhandlungen sind grundsätzlich öffentlich. Gemäss Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO kann 
die Öffentlichkeit von Gerichtsverhandlungen ganz oder teilweise ausgeschlossen werden, 
wenn u.a. schutzwürdige Interessen, insbesondere des Opfers, dies erfordern. Beim Ent-
scheid über den Öffentlichkeitsausschluss ist zu beachten, dass Publikums- und Medienöf-
fentlichkeit die verfassungsrechtliche Regel, der Ausschluss der Öffentlichkeit die legitimati-
onsbedürftige Ausnahme ist. Es sind die Interessen, zu deren Schutz der Ausschluss erfol-
gen soll, und die Interessen der Öffentlichkeit sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Der 
Ausschluss der Öffentlichkeit (und der Gerichtsberichterstatterinnen und -erstatter) muss 
verhältnismässig, d.h. geeignet und erforderlich sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
1B_81/2020 vom 11. Juni 2020 E. 3.2.2). Der Ausschluss ist auf diejenigen Verfahrensab-
schnitte zu beschränken, in denen schwergewichtig sensible Umstände thematisiert werden, 
die in der Öffentlichkeit auszubreiten den betroffenen Personen nicht zugemutet werden 
kann (BGE 143 I 194 E. 3.6.1). 

9.2 Die Verfahrensleitung entschied, die Öffentlichkeit von der Befragung der Privatklägerin an 
der Berufungsverhandlung auszuschliessen, akkreditierte Gerichtsberichterstatterinnen und 
Gerichtsberichterstatter waren hingegen zugelassen. Dem Beschuldigten wurde u.a. mehrfa-
che Vergewaltigung der Privatklägerin vorgeworfen. Es war unbestritten, dass an der Beru-
fungsverhandlung, insbesondere bei der Befragung der Privatklägerin, intime Details zu erör-
tern waren. Wie den Aufzeichnungen der Einvernahmen der Privatklägerin durch die Polizei 
zu entnehmen ist, hatte die Privatklägerin grosse Mühe über die Geschehnisse zu sprechen. 
Es war zu erwarten, dass sich ihre Hemmungen bei einer Befragung an einer öffentlichen 
Verhandlung verstärken würden. Die Privatklägerin hatte mithin ein schutzwürdiges Interesse 
am Anschluss der Öffentlichkeit. Zur Wahrheitsfindung war die erneute Einvernahme der Pri-
vatklägerin erforderlich, um die schweren Vorwürfe zu klären. Entsprechend bestand auch 

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ein öffentliches Interesse daran, für die Privatklägerin einen Rahmen zu schaffen, in dem sie 
sich mit möglichst wenig Druck äussern kann. Die intimen Details waren primär Bestandteil 
der Befragung. Im weiteren Verlauf der Verhandlung standen sie weniger im Zentrum. Die 
Privatklägerin wurde nach ihrer Befragung für den Rest der Verhandlung dispensiert. Zur 
Wahrung der Interessen der Privatklägerin war es ausreichend, die Öffentlichkeit lediglich – 
gemäss ihrem Eventualantrag – von ihrer Befragung auszuschliessen. Da nur ein teilweiser 
Ausschluss erfolgte, war die Schwere des Eingriffs in den Grundsatz der Justizöffentlichkeit 
gering, zumal die akkreditierten Gerichtsberichterstatterinnen und Gerichtsberichterstatter 
auch bei der Befragung der Privatklägerin zugelassen waren. Denn dies erlaubte eine zu-
mindest indirekte Kontrolle der Justiz durch die Öffentlichkeit. Nach dem Gesagten war der 
teilweise Ausschluss der Öffentlichkeit verhältnismässig. 

9.3 Zur Berufungsverhandlung erschienen weder Besucher noch Gerichtsberichterstatter. Die 
Verteidigung erklärte an der Berufungsverhandlung, dass der Entscheid der Verfahrenslei-
tung akzeptiert werde, zumal dieser ohnehin gegenstandslos geworden sei (OG GD 9/1 
S. 2). 

10. Gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO kann das Gericht für die tatsächliche und die rechtliche Würdi-
gung des Anklagesachverhalts aus Gründen der Prozessökonomie auf die Begründung der 
Vorinstanz verweisen, wenn es dieser beipflichtet. Ein Verweis erscheint bei nicht streitigen 
Sachverhalten und abstrakten Rechtsausführungen sinnvoll, kommt hingegen bei strittigen 
Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie der rechtlichen Subsumtion des konkreten 
Falls nur dann in Frage, wenn den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beigepflich-
tet wird (BGE 141 IV 244 E. 1.2.3). Der schlichte Verweis auf die Begründung der Vorinstanz 
gemäss dieser Bestimmung ist indes unzulässig, wenn gerade diese Begründung als unzu-
treffend gerügt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_183/2018 vom 31. Oktober 2018 E. 1). 
Falls das Gericht nachfolgend in diesem Sinne von der Verweisungsmöglichkeit Gebrauch 
macht, wird Art. 82 Abs. 4 StPO jeweils nicht mehr separat aufgeführt.

II. Tatvorwurf der mehrfachen Vergewaltigung (Anklageziffer I.1.2)

1. Sachverhalt gemäss Anklage

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten gemäss der geänderten Anklageschrift Fol-
gendes vor (SG GD 3/5 S. 3-4):

"Nach der Ankunft von B.________ in der Schweiz am 20. November 2020 zog die Geschädigte zu E.________ in 

dessen Wohnung/Studio am M.________ in L.________/ZG. B.________ macht geltend, dass sie seit ihrer Ankunft 

in der Schweiz stets kontrolliert und von E.________ beschimpft und erniedrigt wurde. Auslöser für die Beschimp-

fungen und Beleidigungen sei jeweils der von E.________ geforderte Geschlechtsverkehr gewesen. Wenn sie sich 

weigerte, unterstellte ihr E.________, sie masturbiere oder schlafe mit Frauen.

B.________ wirft E.________ mehrfachen (seit ihrer Ankunft täglichen) Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen vor; 

insbesondere begangen am 23. November 2020, am 24. November 2020 und am 4. Dezember 2020. Der ungewoll-

te Geschlechtsverkehr sei immer etwa gleich abgelaufen: Er habe sie und sich selbst ausgezogen und mit einem 

Kondom verhütet. B.________ versuchte jeweils sich zu wehren, hatte jedoch nicht genug Kraft, um ihn aufzuhal-

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ten. E.________ sei jeweils ohne Rücksicht vaginal in sie eingedrungen, was sehr schmerzhaft gewesen sei. Sie 

habe jeweils noch am Tag nach den Vergewaltigungen Schmerzen verspürt. Anschliessend sei er weg und habe 

sich schlafen gelegt.

B.________ stand dabei wegen der bevorstehenden Hochzeit unter massivem psychischem Druck. Sie befand sich 

ohne finanzielle Mittel in einem fremden Land und war völlig von E.________ abhängig. Wenn sie sich seinen For-

derungen widersetzte, rief E.________ ihre Mutter in Sri Lanka an und beschwerte sich. Dies führte dazu, dass ihre 

Mutter sie jeweils kontaktierte und weitere Suiziddrohungen ausstiess. E.________ erhöhte den Druck zusätzlich 

mit wiederholten Aussagen wie "ich schicke Dich nach Sri Lanka zurück"; "wenn Du mir nein sagst, musst du zurück 

nach Sri Lanka".

Am 4. Dezember 2020 gab es zwischen dem Paar, welches sich oft stritt, erneut Unstimmigkeiten, weil E.________ 

Geschlechtsverkehr forderte. Er hatte zuvor B.________ am 3. April (richtig: Dezember) 2020 ein Flugticket gezeigt 

und gesagt, "wenn Du jetzt nicht mit mir schläfst, dann schick ich Dich nach Sri Lanka". Ihrer Mutter habe er telefo-

nisch mitgeteilt "ich schicke Deine Tochter und Du kommst sie in Colombo abholen".

Für B.________ war klar, dass sie von ihrer Mutter – im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka – keine Unterstützung 

erwarten konnte. In dieser für sie ausweglosen Situation, am Tag der Heirat, erduldete B.________ wider Willen 

den Geschlechtsverkehr mit E.________. Die mehrfachen Vergewaltigungen, die Erniedrigungen und Beschimp-

fungen sowie die Aussichtlosigkeit ihrer Situation führten dazu, dass B.________ einen Tag nach ihrer Ziviltrauung 

am 5. Dezember 2020 keinen Ausweg mehr sah und versuchte, sich mit einer Überdosis Schmerzmittel (6 Gramm 

Ibuprofen und 5 Gramm Paracetamol) das Leben zu nehmen.

In subjektiver Hinsicht handelte E.________ vorsätzlich, indem er die sexuelle Selbstbestimmung von B.________ 

mehrfach missachtete und ihre Notlage – gegen den Willen verheiratet zu werden – zusätzlich durch eigene Dro-

hungen erhöhte. Er setzte seinen Willen betreffend Geschlechtsverkehr rücksichtslos durch und nahm dabei zumin-

dest in Kauf, den Geschlechtsverkehr u.a. am 23/24. November und 4. Dezember 2020 mit B.________ gegen de-

ren Willen zu vollziehen.

Durch sein Verhalten erfüllte E.________ den Tatbestand der mehrfachen Vergewaltigung gemäss Art. 190 StGB."

2. Beweislage

2.1 Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Privatklägerin, des Beschuldigten und der 
weiteren Personen korrekt dargelegt. Das Gleiche gilt für die weiteren Beweismittel (OG GD 
1/1 E. II.2). Darauf kann verwiesen werden. 

2.2 Aus den im Berufungsverfahren beigezogenen Akten des Amts für Migration über die Privat-
klägerin ergibt sich, dass ihr eine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf die Härtefallregelung 
von Art. 50 Abs. 2 AIG erteilt wurde (OG GD 7/3, Akten AFM ZG – B.________, pag. 233-
239). Weiter geht daraus hervor, dass die Privatklägerin eine Lehre als N.________ absol-
viert (pag. 258-259) und vom Sozialamt unterstützt wird (pag. 254-256). Gemäss Mietvertrag 
wohnt sie mit einer Frau zusammen in einer Wohnung (pag. 263). Es bestehen keine Hinwei-
se, dass die Privatklägerin ein Gesuch um Familiennachzug für eine Person aus Sri Lanka 
gestellt hat. 

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2.3 An der Berufungsverhandlung wurde die Privatklägerin eingehend befragt. 

2.3.1 Zu ihren persönlichen Verhältnissen befragt gab die zum Zeitpunkt der Berufungsverhand-
lung 25-jährige Privatklägerin zusammengefasst an, in der Zeit nach dem 5. Dezember 2020 
habe es viele Veränderungen gegeben. Sie habe kein Umfeld, kein Geld und keine Kleider 
gehabt. Sie habe sich nicht allein auf die Strasse getraut, da sie Angst gehabt habe, dem 
Beschuldigten zu begegnen. Sie könne niemandem mehr Vertrauen schenken. Inzwischen 
habe sie Kollegen gefunden, aber nie einen Freund oder Ehemann gehabt. Sie lebe mit einer 
Frau in einer Wohngemeinschaft, welche vom Sozialdienst organisiert worden sei. Seit De-
zember 2020 sei sie nie mehr in Sri Lanka gewesen und habe keinen Besuch aus Sri Lanka 
erhalten. Mit ihrer jüngeren Schwester habe sie noch Kontakt, mit ihrer Mutter jedoch nicht 
mehr. Der letzte Kontakt mit ihrer Mutter sei letztes Jahr gewesen. Ihre Mutter sei der An-
sicht, dass sie [die Privatklägerin] einen Fehler gemacht habe. Kontakt zu Freundinnen und 
Freunden oder anderen Person in Sri Lanka bestehe nicht (OG GD 9/1 S. 5-8 Ziff. 10-29). 

2.3.2 In ihrer freien Schilderung sagte sie zusammengefasst aus, ihre Mutter habe die Ehe mit 
dem Beschuldigten arrangiert und sie gezwungen, ihn zu heiraten. In Sri Lanka sei es zum 
ersten Geschlechtsverkehr gekommen, wobei sie den Beschuldigten angefleht habe und vor 
ihm auf die Füsse gegangen sei, da sie es nicht gewollt habe. Nach ihrer Einreise in die 
Schweiz habe der Beschuldigte vom ersten Tag an Sex gewollt. Es sei jeweils zu Streit ge-
kommen, da sie keinen Sex gewollt habe. Wenn sie sich geweigert habe, habe er seine und 
ihre Mutter angerufen. Weiter habe er ihr gesagt, er werde sie nach Sri Lanka zurückschi-
cken. Einmal habe er ihr auch ein Flugticket gezeigt. Der Beschuldigte habe sie jeweils im 
Zimmer eingesperrt und sei weggegangen. Sie habe nicht gewusst, was sie machen solle. 
Schliesslich habe sie die Tabletten genommen, um sich das Leben zu nehmen (OG GD 9/1 
S. 9-10 Ziff. 34 f.). 

2.3.3 Zur Eheschliessung mit dem Beschuldigten befragt führte die Privatklägerin im Wesentlichen 
aus, sie habe den Beschuldigten über ihre Mutter kennengelernt. Der erste Kontakt sei tele-
fonisch gewesen. Kurz nach dem Telefonat habe sie erfahren, dass sie ihn heiraten solle. Sie 
habe dies nicht gewollt. Ihre Mutter habe sie aber gezwungen, den Beschuldigten zu heira-
ten. Ihre Mutter habe gesagt, dass sie und die Schwester sonst Selbstmord begehen würden. 
Ihre Mutter hätte sie auch nicht weiterstudieren lassen und zu Hause eingesperrt. Am 3. Ok-
tober 2019 habe in Sri Lanka die Verlobungsfeier stattgefunden. Die Ehe sei aber bereits im 
2018 arrangiert worden. Als sie dem Beschuldigten gesagt habe, dass sie ihn nicht heiraten 
wolle, habe er gedroht, dass er ihrer Mutter oder ihrem Bruder etwas antun werde, d.h. sie 
umbringen lassen würde. Sie habe auch ihrer Tante und ihren Freundinnen gesagt, dass sie 
den Beschuldigten nicht heiraten wolle. Diese hätten ihr aber nicht helfen können (OG GD 
9/1 S. 10-14 Ziff. 42-65). 

2.3.4 Bei der detaillierten Befragung zu den Vergewaltigungen sagte die Privatklägerin zusam-
mengefasst aus, bei den Besuchen des Beschuldigten in Sri Lanka sei es fünf bis sechs Mal 
zu Geschlechtsverkehr gekommen. Der Geschlechtsverkehr sei immer gegen ihren Willen 
gewesen. Das erste Mal sei bei ihr zu Hause im Gästezimmer am Tag vor der Verlobungsfei-
er gewesen. In der Schweiz sei es gerade am Tag nach ihrer Ankunft zum ersten Ge-
schlechtsverkehr gekommen. Der Beschuldigte habe ihr gesagt, dass sie nach Sri Lanka 
zurück müsse, wenn sie keinen Sex mit ihm habe. Er habe dann ein Flugticket gezeigt und 

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gesagt, er würde ihre Mutter anrufen und ihr sagen, dass sie sich weigere und er sie zurück-
schicke. Als sie ihm gesagt habe, dass sie es nicht wolle, habe der Beschuldigte geantwortet, 
es müsse unbedingt sein. Sie sei seine Ehefrau und müsse das machen. Der Geschlechts-
verkehr habe immer auf dem roten Sofa im Wohnzimmer stattgefunden. Sie sei auf dem Sofa 
gelegen und er auf ihr. Sie habe versucht, ihn mit den Händen aufzuhalten, habe aber zu 
wenig Kraft gehabt. Er habe dann ihre Hände festgehalten. Sie habe geweint und ihm ge-
sagt, dass sie das nicht wolle. Er habe nicht auf sie gehört. Es sei nur vaginaler Ge-
schlechtsverkehr gewesen und der Beschuldigte habe immer ein Kondom getragen. Sie habe 
ihn weder anfassen noch massieren oder sonst was machen müssen. Er habe jeweils mit ei-
ner Hand ihre beiden Hände gehalten und mit der anderen ihre Kleider entfernt. Der Ge-
schlechtsverkehr sei immer gleich abgelaufen und habe jeden Tag ab ihrer Ankunft bis zum 
Tag der Hochzeit jeweils in der Nacht stattgefunden. Wenn sie sich geweigert habe, habe der 
Beschuldigte jeweils ihre Mutter angerufen. Diese habe ihr dann gesagt, dass sie [die Mutter] 
und die Geschwister sich umbringen würden, wenn sie weiter solche Probleme mache. Das 
Telefonat sei ausschlaggebend gewesen, dass sie den Geschlechtsverkehr geduldet habe. 
Der Beschuldigte habe ihr gedroht, dass er sie nach Sri Lanka zurückschicken und mit Hilfe 
von Leuten umbringen werde. Auch werde er auf Facebook Fotos veröffentlichen, um ihren 
Ruf zu zerstören (OG GD 9/1 S. 15-21 Ziff. 75-121). 

2.4 Allfällige weitere, detailliertere Ausführungen zur Beweislage, insbesondere detailliertere 
Darlegungen der Aussagen, erfolgen im Rahmen der Beweiswürdigung.

3. Beweiswürdigung

3.1 Allgemeines

3.1.1 Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, bestehen keine objektiven Beweismittel für den vor-
geworfenen Sachverhalt. Aussagen von Drittpersonen, welche direkte Wahrnehmungen der 
angeklagten Übergriffe gemacht haben, bestehen ebenfalls nicht. Die Vorwürfe basieren 
massgeblich auf den Angaben der Privatklägerin, welche vom Beschuldigten bestritten wer-
den. 

3.1.2 Bei der Aussagewürdigung ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und der Glaubhaf-
tigkeit ihrer Aussage zu unterscheiden. Während erstere die Grundlage dafür liefert, ob einer 
Person getraut werden kann, ist letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung be-
deutungsvoll, ob sich der behauptete Sachverhalt zugetragen hat oder nicht. Dabei kommt 
der allgemeinen beziehungsweise persönlichen Glaubwürdigkeit der einvernommenen Per-
son gegenüber der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage eine vergleichsweise untergeord-
nete Rolle zu. Verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen zur Partei, die Ab-
hängigkeit von ihr, Feindschaft, eigenes Interesse am Ausgang des Prozesses, Angst, 
Scham, Beeinflussung oder Einschüchterungen sind geeignet, die Aussage in eine bestimm-
te Richtung zu lenken und können gegebenenfalls als Indizien für die Unglaubwürdigkeit an-
gesehen werden.

Bei der Würdigung von Aussagen muss das Gericht beurteilen, ob die geprüften Angaben ei-
nem tatsächlich Erlebten der untersuchten Person entsprechen. Dabei geht es um die in-
haltsorientierte Glaubhaftigkeitsanalyse bzw. die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage im 
Prozess. Die Aussagen sind inhaltlich auf Konstanz bei verschiedenen Einvernahmen, das 

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Vorhandensein von Realitätskennzeichen sowie das Fehlen von Fantasiesignalen zu über-
prüfen. Realitätsmerkmale sind unter anderem Detailreichtum, logische Konsistenz, Selbst-
belastungen, Interaktionsschilderungen sowie die Schilderung eigener psychischer Vorgän-
ge. Davon werden logische Konsistenz und ein Mindestmass an geschilderten Details als 
notwendige Bedingungen für eine glaubhafte Aussage betrachtet. Im Rahmen der Glaubhaf-
tigkeitsbeurteilung ist ferner abzuklären, ob bei der aussagenden Person ein Motiv für eine 
Lüge bzw. für eine Falschaussage besteht. Aus dem Vorliegen eines Motivs darf keinesfalls 
stets darauf geschlossen werden, dass auch tatsächlich gelogen wird. Man wird vielmehr in 
diesem Fall die Bedeutung des Motivs und die Wirkung einer möglichen Lüge ins Verhältnis 
zu setzen haben: Je nichtiger, je geringer auf der einen Seite das Motiv für eine Lüge, desto 
geringer auf der anderen Seite die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Motiv tatsächlich auch 
in einer Lüge niederschlägt, und zwar wiederum umso weniger, je schwerwiegender die Fol-
gen einer Lüge wären (vgl. Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. A. 
2014, N 220 ff.; BGE 128 I 81 E. 2; Ludewig/Tavor/Baumer, Wie können aussagepsychologi-
sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, AJP 2011 S. 1418 ff.).

3.1.3 Es ist eine schwierige Aufgabe mit hoher Anforderung an die kognitive Leistungsfähigkeit, ei-
ne Aussage über ein komplexes Handlungsgeschehen ohne entsprechende Wahrneh-
mungsgrundlage zu erfinden, überzeugend zu präsentieren und allenfalls mit längeren zeitli-
chen Abständen mehrfach darzubieten. Bei einer Erfindung wird auf Alltagsvorstellungen 
zurückgegriffen, wie eine entsprechende Situation (etwa ein sexueller Übergriff) ablaufen 
könnte. Folglich wird allgemein Erwartbares geschildert, das in der Form auch jede andere 
Person erzählen könnte. Es werden kaum individuelle Bezüge und Inhalte vorgebracht, die 
über eine schemanahe und zielorientierte Darstellung des angeblichen Geschehens hinaus-
gehen, da diese eben nicht Teil des Alltagswissens und dementsprechend schwierig zu er-
finden sind. Das strategische Vermeiden bestimmter Inhalte einerseits und die kognitive 
Überforderung andererseits schlagen sich in einer vergleichsweise geringeren Aussagequa-
lität gezielter Falschbeschuldigungen nieder. Gerade die Inhalte, die von Lügenden strate-
gisch gemieden werden (z.B. Vorbringen von Selbstbelastungen) und/oder sich nur schwer 
erfinden bzw. produzieren lassen (z.B. Komplikationen im Handlungsverlauf oder unstruktu-
rierte, aber logisch konsistente Schilderung eines komplexen Geschehens), sind aussage-
psychologisch interessant (Niehaus, Zur Bedeutung suggestiver Prozesse für die Beurteilung 
der Glaubhaftigkeit von Aussagen in Sexualstrafsachen, in: forumpoenale 1/2012 S. 31 ff., S. 
33; vgl. hierzu die nachfolgende Darstellung der Realkennzeichen). Bei der Beurteilung der 
Glaubhaftigkeit einer Aussage ist folgende Leitfrage von zentraler Bedeutung: Ist es möglich, 
dass die befragte Person – unter Berücksichtigung ihrer kognitiven Fähigkeiten – eine Schil-
derung dieser spezifischen inhaltlichen Qualität ohne Erlebnisgrundlage erfinden könnte? 
(vgl. Ludewig/Tavor/Baumer, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, 
Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: AJP 2011, S.1425)

3.1.4 Für einen erlebnisbasierten (wahren) Bericht sprechen – wie auch bereits oben ausgeführt – 
u.a. folgende Realkennzeichen (zum Ganzen: Ludewig/Tavor/Baumer, a.a.O., S.1424-1427): 

- Logische Konsistenz: Die Aussage ist in sich stimmig. Innere und äussere Wider-
spruchslosigkeit, Folgerichtigkeit von Aussageergänzungen. 

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- Ungeordnete Darstellung: Die Handlung wird in freiem Bericht sprunghaft und nicht 
chronologisch geschildert, ohne dass dabei gegen die logische Konsistenz verstossen 
wird. 

- Quantitativer Detailreichtum: Es wird über das Kerngeschehen detailliert berichtet. Je 
nach Höhe der Erfindungskompetenz (unter Einbezug des beim Aussagenden vorhan-
denen Schemawissens) ändert das nötige Mass an Detailliertheit, um als Realkennzei-
chen gewertet zu werden (Berlinger, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Strafprozess, 
Beweiseignung und Beweiswert, in: LBR - Luzerner Beiträge zur Rechtswissenschaft 
Band/Nr. 90, 2014, S. 39). 

- Interaktionsschilderungen: Es werden Handlungen und Handlungsketten (Aktionen und 
Reaktionen) beschrieben, die sich gegenseitig bedingen und sich aufeinander beziehen. 

- Schilderung von Komplikationen: Es wird von unvorhersehbaren Schwierigkeiten berich-
tet, von vergeblichen Bemühungen, wiederholten Versuchen, enttäuschten Erwartungen. 

- Ausgefallene Einzelheiten: In der Aussage treten ungewöhnliche, einzigartige, abson-
derliche, überraschende oder originelle Details auf, welche aber nicht unrealistisch, abs-
trus oder unmöglich sind.

- Schilderung von Nebensächlichkeiten: Einzelheiten werden geschildert, die für das 
Kerngeschehen in der Aussage unnötig sind bzw. die nicht unmittelbar die rechtlich er-
hebliche Qualifizierung stützen.

- Schilderung eigener psychischer Vorgänge: Gedanken oder eigene gefühlsbezogene 
motorische oder physiologische Abläufe werden beschrieben, die mit dem Kerngesche-
hen zusammenhängen. Schilderung von Affektverläufen, Erlebnisentwicklung, Entwick-
lungsverlauf der Einstellung zum Täter.

- Spontane Verbesserung der eigenen Aussage: Der Inhalt der Aussage wird spontan 
präzisiert oder berichtigt. 

- Eingeständnis von Erinnerungslücken: Es werden spontan Erinnerungslücken zugege-
ben und Wissenslücken eingestanden. 

- Einwände gegen die Richtigkeit der eigenen Aussage: Die Glaubhaftigkeit der eigenen 
Aussage oder der eigenen Person wird in Frage gestellt. 

- Selbstbelastungen: Je mehr sich die Auskunftsperson bei ihrer Aussage selber ernsthaft 
belastet, je unvorteilhafter sie ihre eigene Rolle darstellt, je mehr sie auf Schutzbehaup-
tungen verzichtet, die naheliegen oder die man ihr suggeriert, umso mehr spricht dies 
für ihren Wahrheitswillen.

- Entlastung des Beschuldigten: Auf eine Belastung oder Mehrbelastung des Beschuldig-
ten wird verzichtet, obwohl diese naheliegend war, oder die aussagende Person ent-
schuldigt den Beschuldigten. 

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Die vorgenannten Realkennzeichen sind Positivmerkmale, deren Vorhandensein auf die Er-
lebnisbasiertheit der Schilderung hinweisen können, deren Fehlen aber nicht zwingend eine 
nicht erlebnisbasierte Schilderung indiziert (Berlinger, a.a.O., S. 40). 

3.1.5 Neben den Realkennzeichen sind im Rahmen der Aussagenanalyse Signale zu berücksichti-
gen, die auf eine Falschaussage hindeuten (sog. Phantasie- oder Lügensignale). Als Hinwei-
se für eine erfundene Aussage gelten folgende Merkmale:

- Abstrakter und karger Bericht: Wer eine unwahre Version einer Geschichte schildert, 
hält sich typischerweise bei der ersten Befragung möglichst knapp und detailarm. Dies 
ist einerseits Folge der höheren Anforderungen an die Denkleistung bei Fiktionen im 
Gegensatz zu reinen Nacherzählungen, andererseits auf die Befürchtung des Befragten 
zurückzuführen, sich in Widersprüche zu verwickeln, da er in einem frühen Stadium der 
Ermittlungen noch nicht weiss, was die befragende Person ihrerseits schon über den 
Vorfall weiss (dies gilt indes nur für den Beschuldigten, nicht jedoch für einen Anzeige-
erstatter, der ein Strafverfahren erst lostritt). Im späteren Verlauf von Einvernahmen 
passt die befragte Person dann ihre Geschichte den Vorhaltungen an und zwar im Be-
streben, ihre Version möglichst überzeugend in die wahren Geschehnisse einzubetten 
(vgl. hierzu das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich SB 140422 vom 4. Mai 2016 
E. 3.2.).

- Mangelnde Präzision in der Ausdrucksweise: Charakteristisch sind Phrasen wie "man 
hat dann gesagt, dass" oder "Es kam vor, dass" (Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfest-
stellung vor Gericht, 3. A. 2007, N 336 ff.). 

- Ausweich- resp. Fluchttendenzen der aussagenden Person: Sei es, dass sie ständig 
versucht ist, zu Nebensächlichkeiten überzugehen oder sei es, dass sie der Frage aus-
weicht resp. sie diese im Kern unbeantwortet lässt, indem sie beispielsweise eine Ge-
genfrage stellt (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 315).

3.1.6 Beim sog. Strukturvergleich erfolgt ein Vergleich der Qualität der Aussage zum Kerngesche-
hen mit der qualitativen Ausprägung von Schilderungen zu nicht tatbezogenen Inhalten. Bei 
einem falschaussagenden Zeugen wäre theoretisch zu erwarten, dass die Aussagen zum 
Kerngeschehen aufgrund der hohen kognitiven Anforderungen eine tiefere Qualität aufwei-
sen würden, als dessen Schilderungen zu tatsächlich erlebten, fallneutralen Ereignissen oder 
Nebensächlichkeiten der Aussage. Mit Blick auf die Struktur der Aussage spricht für ein 
tatsächliches Erlebnis, dass diese unter verschiedenen Gesichtspunkten gleichbleibt:

- Gleichbleibende Struktur: Weisen die Aussagen in Bezug auf das Kerngeschehen sowie 
in Bezug auf Nebensächlichkeiten/fallneutrale Schilderungen die gleiche Qualität auf, ist 
dies ein Hinweis für Erlebnisbezug. Ist die Qualität zum Kerngeschehen niedriger, so ist 
dies ein Hinweis, dass die Aussage nicht auf eigenem Erleben beruht (Lu-
dewig/Tavor/Baumer, a.a.O., S.1428 f.; konkret hierzu Berlinger, a.a.O., S. 38). 

- Ausgewogenheit: Die Auskunftsperson zeigt bei den für den Betroffenen günstigen und 
ungünstigen Teilen der Aussagen ein gleich gutes Gedächtnis, den gleichen Detailreich-

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tum und die gleiche gefühlsmässige Beteiligung. Dies gilt indessen nur insoweit, als der 
Sachverhalt jeweils dieses Gleichgewicht objektiv nahelegt.

Erst dieser – intraindividuelle – Strukturvergleich ermöglicht es, die Aussage der Person zum 
Kerngeschehen bezüglich ihrer Qualität zu bewerten bzw. den Indikatorwert der Qualität-
seinschätzung zu ermitteln. Nicht allein das Vorhandensein von Realkennzeichen an sich 
sagt etwas über die Glaubhaftigkeit einer Aussage aus, sondern der Vergleich zwischen der 
Aussagequalität und der (Erfindungs-)Kompetenz des Aussagenden. Dabei können fallneu-
trale Erinnerungsberichte oder Aussagen zu Nebensächlichkeiten auf ihre qualitative Prä-
gung hin überprüft und bewertet und so die Kompetenz des Aussagenden ermittelt werden 
(Ludewig/Tavor/Baumer, a.a.O., S.1427 f.). Übersteigt die Aussagequalität das Niveau, wel-
ches die Aussageperson aufgrund ihrer intellektuellen und sprachlichen Fähigkeiten sowie 
spezifischen Vorkenntnisse auch ohne Erlebnisgrundlage zu produzieren im Stande wäre, 
lässt dies den Schluss zu, dass die Aussage jedenfalls nicht ohne weitere Hilfe oder Ein-
flussnahme ausgedacht sein kann. Liegt sie auf dem gleichen Niveau oder sogar darunter, ist 
die Zurückweisung der Hypothese einer nicht erlebnisbegründeten Aussage nicht möglich 
(Berlinger, a.a.O., S. 41).

3.1.7 Liegen Aussagen über denselben Sachverhalt zu verschiedenen Zeitpunkten vor, können 
diese mittels Konstanzanalyse hinsichtlich Auslassungen, Ergänzungen und Widersprüche 
überprüft und bewertet werden (Ludewig/Tavor/Baumer, a.a.O., S.1429). Bei wahren, erleb-
nisbasierten Aussagen ist Konstanz u.a. zu erwarten bei Aspekten des Kerngeschehens und 
der Schilderung der eigenen Rolle. Hingegen ist eine Inkonstanz – auch bei wahren Aussa-
gen – wahrscheinlich bei Aspekten ausserhalb des Kerngeschehens, Angaben zur zeitlichen 
Reihenfolge von Handlungen, Angaben, die auf Schätzungen beruhen (z.B. Dauer eines Ge-
schehens), Angaben über unangenehme Empfindungen, Häufigkeitsangaben bei ähnlichen 
Vorfällen, Kleidung, Wetterverhältnisse oder Zahlenangaben (Berlinger, a.a.O., S. 44 f. mit 
Verweis auf die Theorie nach Arntzen). Die Konstanz der Aussage stellt eine Mindestanfor-
derung an eine als glaubhaft zu beurteilende Aussage dar. Gravierende Widersprüche in 
zentralen Aspekten können ein Hinweis auf eine Falschaussage sein. Kommt es über den 
Zeitverlauf zu einer Anreicherung (im Sinne einer Aggravation), kann dies auf eine bewusste 
Lüge oder auf suggestive Einflüsse hinweisen. Liegen über längere Zeitintervalle keine Ab-
weichungen zwischen mehreren Aussageversionen vor, ist allenfalls eine gewisse Skepsis 
angebracht, da eine Ausdünnung zu erwarten wäre (Ludewig/Tavor/Baumer, a.a.O., S.1429).

Von einer Anreicherung bzw. Aggravation ist die Ergänz- bzw. Präzisierbarkeit bereits ge-
nannter Punkte zu unterscheiden: Ergänzbarkeit bzw. Präzisierbarkeit ist ein wesentlicher 
Punkt, der für einen Erlebnisbezug der Aussage spricht. Da der lügende Zeuge bereits in der 
ersten formellen Befragung durch möglichst vollständige Angaben zu überzeugen versucht, 
fällt es ihm schwer, Präzisierungen seiner ursprünglich zurecht gelegten Geschichte zu erfin-
den, die sich stimmig in die Aussage einfügen. Der normalbegabte, erlebnisbezogen aussa-
gende Zeuge kann dagegen leicht Ergänzungen machen, da die erlebte Realität sie ihm mit-
liefert. Ähnlich wie bei der Realkennzeichenanalyse erfordert auch die Einschätzung der 
Aussagekonstanz einen Qualitäts-Kompetenz-Vergleich mit der individuellen Leistungsfähig-
keit und Aussageeigenart des Zeugen unter Berücksichtigung der für die Erinnerungsgenau-
igkeit relevanten fallspezifischen Besonderheiten, wie die Komplexität des Geschehens oder 
Zeitintervallen (Berlinger, a.a.O., S. 43 f.).

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3.1.8 Bei der Analyse von Aussagen von Personen aus einem fremden Kulturkreis, wie es vorlie-
gend der Fall ist, sind kulturelle Besonderheiten zu berücksichtigen. Die Realkennzeichen-
analyse ist zwar grundsätzlich "kulturrobust". Dennoch muss beachtet werden, dass sich die 
Wahrnehmung, die Erinnerung sowie die Schilderung von Erlebnissen unterscheiden kön-
nen. So kann je nach Kultur ein anderer Fokus gelegt werden. Auch können Erinnerungslü-
cken leichter "sachlogisch" gefüllt werden, wenn die Person mit den Begebenheiten des Er-
lebnisses vertraut war. Bei Sexualdelikten ist sodann zu berücksichtigen, dass das Schamer-
leben stark von kulturellen Normen geprägt ist. Entsprechend können sich Unterschiede im 
Detaillierungsgrad der Schilderungen ergeben. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass bei 
der Übersetzung der Aussagen fremdsprachiger Personen Realkennzeichen "verloren" ge-
hen können, da bspw. die Wortwahl oder die Satzstruktur nicht erhalten bleibt (vgl. Bliese-
ner/Hänert, Glaubhaftigkeitsanalyse bei Personen aus fremden Kulturkreisen, in: Schleswig-
Holsteinische Anzeigen 8/2018, S. 285 ff., publ. auf www.researchgate.net). 

3.1.9 Sogenannte "Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen", in welchen sich als massgebliche 
Beweise belastende Aussagen des mutmasslichen Opfers und bestreitende Aussagen der 
beschuldigten Person gegenüberstehen, führen gestützt auf den Grundsatz "in dubio pro reo" 
weder zwingend noch höchstwahrscheinlich zu einem Freispruch; erst wenn keine Aussage 
überzeugender als die andere erscheint und auch in Würdigung der übrigen Beweise und In-
dizien keine Überzeugung für die eine oder andere Darstellung gewonnen werden kann, wirkt 
sich dies nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" zugunsten einer beschuldigten Person aus 
(BGE 137 IV 122 E. 3.3).

3.1.10 Zu ergänzen ist, dass aussagepsychologische Analysen, seien diese nun durch eine Fach-
person ausgeführt worden oder durch ein Gericht, nur ein Teil der freien richterlichen Be-
weiswürdigung darstellen. Aussagepsychologische Analysemethoden werden zwar gericht-
lich anerkannt und nehmen tendenziell eine immer zentralere Rolle in der Beweiswürdigung 
ein (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 6B_1118/2022 vom 30. März 2023 E. 1.1.3). Aussa-
gepsychologische Glaubhaftigkeitsanalysen, insbesondere kontextunabhängige merkmals-
orientierte Inhaltsanalysen, sind nicht fehlerfrei. Sie werden zwar einem rein intuitiven oder 
zufallsbasierten Entscheid überlegen sein, sind indessen weit von einer Sicherheit entfernt. 
Die Treffsicherheit aussagepsychologischer Inhaltsanalysen wird gemäss mehreren Studien 
auf rund 70 % eingeschätzt. Entsprechend wird von einer Gefahr der Überbewertung von in-
haltlichen Aussageanalysen gewarnt (vgl. Bublitz, Entwicklung und Kritik der höchstrichterli-
chen Rechtsprechung zur Glaubhaftigkeitsanalyse, Zeitschrift für Internationale Strafrechts-
dogmatik, 3/2021, S. 210 ff. insb. S. 218 f.; Makepeace, Tücken der Glaubhaftigkeitsbegut-
achtung, Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik, 9/2021 S. 489 ff. insb. S. 497; 
Geipel, Zum Umgang mit der Aussageanalyse – eine kritische Bestandesaufnahme aus der 
Praxis, Zeitschrift für die Anwaltspraxis, Jahrgang 37 (2025), S. 350 ff.).  

Mit anderen Worten sind inhaltliche Analysen hinsichtlich sog. Realkennzeichen sowie der 
Struktur von Aussagen zwar hilfreich. Es handelt sich aber nur um ein Instrument der freien 
richterlichen Beweiswürdigung. Die kriminalistische Plausibilisierung von verschiedenen Hy-
pothesen anhand von weiteren Aussagen oder Sachbeweisen (wo vorhanden) bleibt bedeu-
tend. Es gehört methodisch zur Beweiswürdigung, dass mögliche Alternativhypothesen pos-
tuliert und geprüft werden (vgl. BGE  144 IV 345 E. 2.2.3.6). Der Ausschluss von Alternativ-

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hypothesen hat entsprechend auch einen Einfluss auf die Plausibilisierung einer bestimmten 
Aussage. Ebenfalls nicht ausgeschlossen werden dürfen allgemeine Glaubwürdigkeitsüber-
legungen. Steht eine Falschanschuldigung im Raum, so muss erwogen werden können, dass 
eine gezielte Falschanschuldigung häufig auf einer dissozialen und ich-bezogenen Charak-
terhaltung beruht, welche sich auch in anderen Lebensbereichen äussern könnte. Gleichfalls 
müssen auch intuitive Methoden wie der persönliche Eindruck weiterhin eine Rolle spielen. 
Bei der freien richterlichen Beweiswürdigung gilt mithin Methodenvielfalt. Aussagepsycholo-
gischen Analysemethoden kann dabei kein Vorrang zukommen. 

3.2 Kulturelle Hintergründe

3.2.1 Wie erwähnt, sind bei der Aussagewürdigung vorliegend die kulturellen Besonderheiten zu 
berücksichtigen (vgl. E. II.3.1.8). In der ethnologischen Literatur wird erwähnt, dass in der 
wertkonservativen tamilischen Gesellschaft das Ideal der "guten Frau" angestrebt werde, 
welche sich dem Ehegatten unterordne. Nach diesem Konzept habe einzig die Frau zur Ver-
besserung der Ehe beizutragen und trage die alleinige Verantwortung für deren Scheitern. 
Scheidungen würden in der tamilischen Gesellschaft soziale Ächtung bedeuten. In der tamili-
schen Sprache werde die Ehe mit "Leben geben" bezeichnet und die Scheidung mit der 
"Verschwendung des Lebens" gleichgesetzt. Dies widerspiegle die soziale Ausgrenzung bei 
einer Trennung. Wegen solcher Wertvorstellungen würden Frauen die Unterdrückung ertra-
gen, was mit einem immensen Leidensdruck verbunden sei. Wegen "Scham" und "Schande" 
aufgrund von Familienproblemen würden sich Frauen nur in grösster Not, bspw. bei extremer 
häuslicher Gewalt, ausserhalb der Familie Hilfe suchen. Geschiedene Frauen hätten in der 
tamilischen Gesellschaft weiterhin einen schlechten Ruf, würden als "Schande" bezeichnet 
und es bestünde leicht der Verdacht, sie würden der Prostitution nachgehen (vgl. Nathalie 
Peyer Strauss, Tamilische Frauen in Ehekrisen: Handlungsvermögen zwischen Widerstand 
und Anpassung: ein Beitrag zur Gender- und Rechtspluralismusforschung in Südasien, Diss. 
Zürich 2013, S. 187-193 [publ. auf www.zora.uzh.ch]; vgl. dazu auch act. 4/3/71). Weitere 
ethnologische Publikationen betonen die genannten geschlechterspezifischen Besonder-
heiten der tamilischen Gesellschaft ("If a man does wrong […], it is a mistake, but if a woman 
does wrong […], it becomes a piece of history [i.e. carved in stone, impossible to erase]"; zit. 
nach Zuzana Hrdlickova, The Impact of the Sri Lankan Conflict on the Social Status of Tamil 
Women, in: Les communautés tamoules et le conflit srilankais, Paris 2011, S. 76 [publ. auf 
www.researchgate.net oder www.academia.eu]). In der sri-lankischen/tamilischen Gesell-
schaft würde gemäss Publikationen des Bundes die Familie sodann eine zentrale Rolle spie-
len und die kollektiven Interessen der Familie seien in der Regel wichtiger als die individuel-
len Ansprüche einzelner Mitglieder. Die Nichteinhaltung von Verpflichtungen des getroffenen 
Heiratsarrangements könne zur gesellschaftlichen Stigmatisierung der Familie führen (Be-
richt des [damaligen] Bundesamts für Flüchtlinge, Sri Lanka, Frau und Familie, vom 19. Juni 
2001 [publ. auf <https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/international-rueckkehr /herkunfts-
laender.html>).

3.2.2 Ferner weist Sri Lanka eine der höchsten Suizidraten weltweit auf, auch wenn diese in den 
letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist. Nach dem Verbot von hochgiftigen Pestiziden, 
welche in den 1980er und 1990er Jahren vielfach für den Suizid verwendet wurden, stiegen 
die Fälle von Suiziden durch Erhängen. Es gibt Hinweise, dass soziokulturelle Faktoren ei-
nen höheren Einfluss auf die Suizidrate haben als psychische Probleme wie Depressionen. 

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Viele Suizide bzw. Suizidversuche erfolgen im Kontext von familiären Konflikten zwischen El-
tern und Kindern über die Beziehungen der Kinder. In der Geschichte des Landes finden sich 
auch Hinweise, dass die Drohung mit dem eigenen Suizid verwendet wurde, um andere Per-
sonen unter Druck zu setzen. So sei es verbreitet gewesen, dass Gläubiger ihren Suizid an-
drohten, um den Schuldner zur Zahlung zu bewegen. Der Schuldner wäre dann schuld am 
Tod des Gläubigers gewesen und hätte dadurch auch sein [gesellschaftliches] Leben verlo-
ren (Rasnayake/Ellalogado/Jayasena, Sociocultural Discourses of Suicide in Sri Lanka: An 
Overview of Literature, Asian Journal of Politics and Society, 2024 [publ. auf 
www.researchgate.net]). 

3.3 Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 

3.3.1 Die Privatklägerin verlangt die Verurteilung des Beschuldigten und stellt Zivilforderungen. Sie 
hat damit ein bestimmtes Interesse am Ausgang des Verfahrens. Dies gilt auch angesichts 
ihres ausländerrechtlichen Bewilligungsstatus (vgl. dazu im Detail E. II.3.3.2). Ihre Aussagen 
sind insofern mit der gebotenen Vorsicht zu würdigen. Für ihre Glaubwürdigkeit spricht, dass 
sie ihre Aussagen unter der Strafandrohung der falschen Anschuldigung (Art. 303 StGB) und 
Irreführung der Rechtspflege (Art. 304 StGB) machte. 

3.3.2 Die Verteidigung argumentierte vor Vorinstanz, die Privatklägerin habe während längerer Zeit 
eine Beziehung mit einem andern, in Sri Lanka lebenden Mann gepflegt und die Heirat mit 
dem [damals] in der Schweiz lebenden Beschuldigten habe einzig darauf abgezielt, hier eine 
eigenständige Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, um sodann mutmasslich ihren Freund aus 
Sri Lanka in die Schweiz zu holen. Die Privatklägerin mache sämtliche in Art. 50 Abs. 2 AIG 
aufgeführten Gründe, gemäss welchen eine Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbe-
willigung trotz Auflösung der Familiengemeinschaft möglich sei, im Strafverfahren kumulativ 
geltend (SG GD 8/8 S. 4).

3.3.2.1 Gemäss Art. 50 Abs. 1 AIG besteht nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft 
der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung wei-
ter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und die Integrationskri-
terien erfüllt sind oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz 
erforderlich machen. Wichtige persönliche Gründe können namentlich vorliegen, wenn die 
Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Wil-
len geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet 
erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG). 

3.3.2.2 Im Januar 2024 wurde der Privatklägerin gestützt auf Art. 50 AIG eine Härtefallbewilligung 
erteilt (OG GD 7/3, Akten AFM ZG – B.________, pag. 233-239). Ihr Gesuch begründete sie 
mit den im Strafverfahren erhobenen Vorwürfe gegen den Beschuldigten (OG GD 7/3, Akten 
AFM ZG – B.________, pag. 189-193). 

3.3.2.3 Dass die Privatklägerin die Vorwürfe gegen den Beschuldigten nur erhob bzw. erhebt, um 
gestützt auf Art. 50 AIG ein selbständiges Aufenthaltsrecht zu erhalten, wie es die Verteidi-
gung vorbrachte, ist auszuschliessen. Ein solches Vorgehen bedürfte – in Übereinstimmung 
mit der Vorinstanz – eines hohen Masses an krimineller Energie und auch fundierter Kennt-
nisse des schweizerischen Migrationsrechts. Es kann nicht angenommen werden, dass die 

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damals 20-jährige Privatklägerin vor und bei ihrer Einreise in die Schweiz um die Bestim-
mung von Art. 50 AIG gewusst hatte. Dass sie ihre Reise, die Heirat, die Anschuldigungen 
und den versuchten Suizid minutiös plante, um gestützt auf Art. 50 AIG eine eigene Aufent-
haltsbewilligung zu erhalten, ist damit auszuschliessen. Wie die Vorinstanz zutreffend er-
kannte, wäre sie diesfalls auch das beträchtliche Risiko eingegangen, keine Bewilligung nach 
Art. 50 AIG zu erhalten und gleichzeitig ihr gesamtes Umfeld in Sri Lanka zu verlieren. Denn 
die Anforderungen an eine Härtefallbewilligung i.S.v. Art. 50 Abs. 2 AIG sind hoch und die 
Privatklägerin konnte keinesfalls mit Sicherheit wissen, ob sie eine solche wirklich erhalten 
wird. Zudem ist zu berücksichtigen, dass diesfalls auch der Suizidversuch inszeniert worden 
wäre. Dass die Privatklägerin eine Mischung aus Ibuprofen, das in der Wohnung des Be-
schuldigten vorhanden war, und aus Sri Lanka mitgenommenem Paracetamol einnahm 
(act. 2/1/5/5 Ziff. 37), deutet auf eine spontane Entschlussfassung hin. So sagte sie denn 
auch aus, sie habe einfach alles eingenommen, was vorhanden gewesen sei, ohne sich über 
die genaue Wirkung Gedanken zu machen (OG GD 9/1 S. 29 Ziff. 169-170). Da sie neben 
dem Paracetamol auch noch vor Ort vorhandene Medikamente des Beschuldigten einnahm, 
konnte sie – unter Annahme einer Inszenierung – das Risiko einer gesundheitsgefährdenden 
Überdosis kaum steuern. Die Privatklägerin war zudem nach der Medikamentenüberdosis 
bewusstlos (act. 1/1/1/17: GCS von 4; vgl. auch act. 2/3/1/3), was die Ernsthaftigkeit des 
Suizidversuchs weiter verdeutlicht. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt der Ta-
bletteneinnahme bzw. danach nicht – zumindest nicht immer – zu Hause war (act. 2/3/1/3; 
OG GD 9/1 S. 10 Ziff. 35). Die Privatklägerin war (zeitweise) allein in der Wohnung. Dadurch 
bestand – unter Annahme der Inszenierung – das zusätzliche Risiko, dass sie nicht rechtzei-
tig gefunden und ins Spital gebracht würde. Es kann ausgeschlossen werden, dass die Pri-
vatklägerin ein solches erhebliches und unmittelbares Risiko für das eigene Leben einge-
gangen ist, um möglicherweise mittels einer Inszenierung zu einer Aufenthaltsbewilligung zu 
kommen. Wäre sie tatsächlich so informiert gewesen und planerisch vorgegangen, wie die 
Verteidigung dies darzulegen versucht, und hätte die Ehe mit dem Beschuldigten keinen Lei-
densdruck verursacht, wäre mit der Vorinstanz eher zu erwarten gewesen, dass sie vor der 
Trennung drei Jahre abgewartet und dann eine Bewilligung nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG an-
gestrebt hätte. Ferner ist eine Zwangsehe ebenfalls ein gesetzlicher Grund, der zu einer Här-
tefallbewilligung führen könnte. Ein Suizidversuch oder Vergewaltigungsvorwürfe wären mit-
hin, unter der hypothetischen Annahme einer gezielten Planung zwecks Erhaltung einer Här-
tefallbewilligung, gar nicht notwendig gewesen. Es hätte gereicht, sich auf eine Zwangsehe 
zu berufen.

3.3.2.4 Im zweiten Parteivortrag vor Vorinstanz argumentierte die Verteidigung, dass die Privatklä-
gerin nach ihrem Suizidversuch von Art. 50 AIG erfahren und dann den Entschluss gefasst 
habe, den Beschuldigten unrechtmässig der in Art. 50 AIG erwähnten Taten zu bezichtigen 
bzw. solche Vorfälle zu erfinden, um ein eigenständiges Aufenthaltsrecht zu erlangen 
(SG GD 8/1 S. 8). Dies ist zwar in Übereinstimmung mit der Vorinstanz grundsätzlich nicht 
ausgeschlossen. Dagegen spricht allerdings, dass sie einen Suizidversuch begangen hat, 
welcher auf eine schwere innere Verzweiflung und schwierige Verhältnisse hindeutet. Dazu 
kommt, dass aus den ärztlichen Berichten hervorgeht, dass sie nach ihrem Suizidversuch be-
reits im Spital (und somit vor der möglichen Aufklärung über Art. 50 AIG durch den geschütz-
ten Ort, die Rechtsvertretung oder Ähnliches) den Ärztinnen gegenüber im Wesentlichen die 
später im Strafverfahren erhobenen Vorwürfe gegen den Beschuldigten äusserte. So gab sie 
gegenüber der Psychiaterin O.________ an, der Beschuldigte bedränge sie, beklage sich bei 

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seinen Eltern und ihrer Mutter und mache sie dort schlecht. Auch drohe er, sie wieder 
zurückzuschicken (act. 1/1/1/18). Dem Austrittsbericht des Zuger Kantonsspital ist weiter zu 
entnehmen, dass die Privatklägerin bei ihrer Einlieferung aussagte, sie sei sehr unglücklich 
in der arrangierten Ehe. Der Beschuldigte habe sich wiederholt ihr gegenüber verbal aggres-
siv verhalten und sie sexuell genötigt (act. 1/1/1/15). Aufgrund dieser Aussagen entstand 
beim medizinischen Fachpersonal der Verdacht auf Gewalterfahrung (act. 1/1/1/18 S. 2; 
act. 1/1/15) und dieses entschied, die Privatklägerin an einen geschützten Ort zu bringen. Mit 
anderen Worten hat sich die Privatklägerin also nicht erst nach ihrer Entlassung aus dem 
Spital und dem Erstkontakt mit einer Rechtsanwältin in diese Richtung geäussert. Dass in 
den Arztberichten die Vorwürfe weniger detailliert oder genau umschrieben sind als diejeni-
gen, welche später zur Anzeige gebracht wurden, ändert an dieser Einschätzung in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz nichts. So ist einerseits zu bedenken, dass die Gespräche im 
Spital gemäss den glaubhaften Angaben der Ärztin P.________ (act. 2/6/4 Ziff. 21) unter er-
schwerten Bedingungen (männlicher Laiendolmetscher [vgl. dazu auch act. 1/1/1/18], Zu-
stand der Privatklägerin) stattfanden und andererseits, dass es sich beim Arztbericht nicht 
um ein Protokoll des geführten Gesprächs handelt. 

Des Weiteren ist auch hier nicht ersichtlich, weshalb die Privatklägerin – wenn ihre Vorwürfe 
frei erfunden wären – so schnell einen eigenständigen Aufenthaltstitel unabhängig von ihrem 
Ehemann hätte erlangen wollen oder müssen. Denn wie bereits dargelegt, bestand keines-
wegs Gewähr dafür, dass ihr eine Bewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 2 AIG erteilt werden 
wird. Unter diesen Umständen wäre es für die Privatklägerin, wenn es ihr nur um den Auf-
enthaltstitel in der Schweiz gegangen wäre und sie sich tatsächlich nicht vom Beschuldigten 
oder ihrer Mutter unter Druck gesetzt gefühlt hätte, auch nach erfolgter Beratung durch die 
geschützte Institution oder die Rechtsvertretung einfacher und erfolgsversprechender gewe-
sen, zum Beschuldigten zurückzukehren und mit diesem einstweilen weiter zusammenzule-
ben. 

3.3.2.5 Schliesslich bestehen keinerlei Hinweise auf eine Beziehung der Privatklägerin zu einem 
anderen Mann in Sri Lanka und ihre Absicht, diesen nach Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung 
im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz zu holen. Aus den Akten des Migrations-
amtes geht nicht hervor, dass die Privatklägerin in den knapp fünf Jahren seit ihrer Einreise 
in die Schweiz etwaige Vorkehrungen für einen Familiennachzug getroffen hätte. Offenkun-
dig wären die Voraussetzungen für einen Familiennachzug auch nicht erfüllt, da sie nament-
lich sozialhilfeabhängig ist (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. c AIG). Wie noch aufzuzeigen sein wird, be-
stehen ferner bei den Aussagen des Beschuldigten zum Foto, das den Freund der Privatklä-
gerin zeigen soll, Auffälligkeiten, was ebenfalls gegen das Bestehen einer Beziehung der Pri-
vatklägerin zu einem Mann in Sri Lanka spricht (vgl. E. II.3.5.2). 

3.3.3 In die gleiche Richtung wie die These der Inszenierung, um eine Aufenthaltsbewilligung zu 
erhalten, geht die sinngemässe, vor Vorinstanz vorgetragene Argumentation der Verteidi-
gung, die Privatklägerin habe sich ein schönes Leben in der Schweiz erhofft und als sich ihre 
Erwartungen nicht erfüllt hätten, habe sie irgendwie aus der Situation – der Ehe mit dem Be-
schuldigten – rausmüssen (SG GD 8/8 S. 3). Auch diesem Standpunkt kann nicht gefolgt 
werden. Da die Privatklägerin vor dem Suizidversuch erst rund zwei Wochen in der Schweiz 
war, hätte sie damit innert kurzer Zeit diesen Plan ausdenken müssen, wozu sie wiederum 
vertiefte Kenntnisse des schweizerischen Migrationsrechts benötigt hätte. Wie bereits oben 
ausgeführt, ist dies auszuschliessen. Zudem ist es – wie auch bereits erwähnt – abwegig, 

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dass die Privatklägerin in Umsetzung dieses Plans ihr Leben durch den Suizidversuch unmit-
telbar gefährdet hätte. 

3.3.4 Auf den ersten Blick erscheint es zwar nur schwer nachvollziehbar, dass die damals 20-
jährige Privatklägerin nach dem Suizidversuch, der kaum drei Wochen nach ihrer Ankunft in 
der Schweiz stattfand, nicht ins vertraute und schützende Umfeld nach Sri Lanka zu ihrer 
Familie zurückkehrte. Sie war erst seit wenigen Wochen in der Schweiz und ausser dem Be-
schuldigten, zu dem sie nicht zurückwollte, hatte sie nur geringfügige Verbindungen zur 
Schweiz. Die Privatklägerin führte für diesen Entscheid soziale und familiäre Gründe an, ins-
besondere dass ihre Familie sie nicht mehr aufnehmen würde und sie aufgrund ihrer Tren-
nung von ihrem Mann, dem Beschuldigten, sozial geächtet werde (act. 1/1/1/15; 
act. 2/1/2/41; OG GD 9/1 S. 15 Ziff. 73-74, S. 27 Ziff. 158). Diese Gründe sind, unter beson-
derer Berücksichtigung ihres kulturellen und sozialen Hintergrunds, nachvollziehbar. Die Pri-
vatklägerin stammt aus einem Dorf in den ländlichen Tamilen-Gebieten im nördlichen Sri 
Lanka (act. 2/1/2/5). Wie oben ausgeführt (vgl. E. II.3.2.1), soll die Frau in der tamilischen 
Gesellschaft die Verantwortung für das Gelingen der Ehe bzw. für deren Scheitern tragen 
und wird nach einer Scheidung geächtet. Das von der Privatklägerin nach den Vorfällen ge-
zeigte Handlungsmuster lässt sich mithin erklären. Es ist somit nachvollziehbar, dass es die 
Privatklägerin vorzog, nicht zu ihrer Familie in Sri Lanka bzw. generell nach Sri Lanka 
zurückzukehren. Mit diesem Umstand kann der Beschuldigte seine These, die Privatklägerin 
habe mit einer falschen Anschuldigung ihren Aufenthalt in der Schweiz sichern wollen, nicht 
untermauern. 

3.3.5 Nach dem Gesagten kann der ausländerrechtliche Status der Privatklägerin zwar nicht gänz-
lich ausser Acht gelassen werden, dieser schränkt die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin je-
doch nur marginal ein. Hinweise auf den vom Beschuldigten vorgebrachten geplanten Nach-
zug ihres Freundes bestehen nicht. Auch bestehen keine Anhaltspunkte, welche gegen die 
Glaubwürdigkeit der Privatklägerin sprechen. Sie beschrieb sich als ruhige Frau, welche ger-
ne Leute unterstütze (OG GD 9/1 S. 29 Ziff. 168). Dies korreliert mit dem an der Berufungs-
verhandlung von der Privatklägerin gewonnenen Eindruck und den Akten. Sie führt ein un-
auffälliges Leben. Sie bemüht sich intensiv um Integration in die schweizerische Gesell-
schaft. So absolviert sie eine Ausbildung und engagierte sich ehrenamtlich. Strafrechtliche 
Verurteilungen sind nicht bekannt. Zusammengefasst erscheint die Privatkläger