# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2ab5476a-6774-5b83-ab8a-d90d723bc837
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-01-19
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 19.01.2012 UV 2011/38
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2011-38_2012-01-19.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2011/38

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 09.08.2019

Entscheiddatum: 19.01.2012

Entscheid Versicherungsgericht, 19.01.2012
Art. 37 Abs. 2 UVG: Kollision zwischen einem Personenwagen und einer 
Fussgängerin abseits eines Fussgängerstreifens. Trotz Vortrittsverwehrung 
ist aufgrund der konkreten Verhältnisse nicht von einem grobfahrlässigen 
Verhalten der Fussgängerin auszugehen. Kürzung der Taggeldleistungen ist 
nicht zulässig (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 
vom 19. Januar 2012, UV 2011/38).

Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Miriam Lendfers, 

Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Marcel Kuhn

Entscheid vom 19. Januar 2012

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Walter Wagner, Poststrasse  23, 9001  St. Gallen,

gegen

Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, Postfach, 8085 Zürich,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Versicherungsleistungen

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Sachverhalt:

A. 

A.a A.___ ist seit 1. Dezember 1993 bei der Jugendanwaltschaft B.___ als 

Jugendanwältin tätig und dadurch als Angestellte des Kantons C.___ bei der Zürich 

Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Zürich) obligatorisch gegen die Folgen 

von Unfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 4. Oktober 2010 wurde die 

Versicherte am 26. September 2010 beim Überqueren einer Strasse von einem Auto 

angefahren (act. G 3.1/1). Im Protokoll der Stadtpolizei vom 4. Oktober 2010 wurde 

bezüglich des Unfallhergangs ausgeführt, dass der Lenker des Personenwagens die 

Strasse D.___ in südlicher Richtung gegen die Einmündung Strasse E.___ befahren 

habe. Vor dieser Einmündung, nach den Parkfeldern im Mittelstreifen, sei er dann nach 

links abgebogen. Gleichzeitig habe die Versicherte zu Fuss die Strasse D.___ von Ost 

nach West überquert und sei direkt vor den abbiegenden Personenwagen gelaufen. Bei 

der darauf folgenden Kollision sei die Versicherte heftig mit dem Kopf gegen die 

Frontscheibe des Fahrzeugs aufgeschlagen und habe sich Verletzungen am Kopf 

sowie am rechten Bein zugezogen. Die Versicherte habe die Strasse ca. acht Meter 

nördlich des Fussgängerstreifens überquert (act. G 3.3/4). Im Austrittsbericht des 

Kantonsspitals St. Gallen (Hospitalisation vom 26. September 2010 bis 8. Oktober 

2010) vom 11. Oktober 2010 wurden im Wesentlichen die Diagnosen 

Valgisationstrauma Knie rechts, OSG Distorsion rechts, Commotio cerebri und 

Thoraxkontusion rechts gestellt. Der Versicherten wurde vorläufig bis 31. Oktober 2010 

eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 3.1/4).

A.b Mit Verfügung vom 5. November 2010 kürzte die Zürich die Taggeldleistungen um 

10%, da die Versicherte die Strasse neben dem Fussgängerstreifen überquert und 

dadurch den Unfall grobfahrlässig herbeigeführt habe (act. G 3.1/12). Die gegen diese 

Verfügung erhobene Einsprache vom 9. November 2010 (ergänzende 

Einsprachebegründung vom 17. Dezember 2010) wies die Zürich mit 

Einspracheentscheid vom 19. April 2011 ab (act. G 3.1/18, 30 und 60).

B. 

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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Walter 

Wagner, St. Gallen, im Namen der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 23. Mai 

2011 mit den Anträgen, der Einspracheentscheid vom 19. April 2011 und die Verfügung 

vom 15. November 2010 seien aufzuheben und es seien die vollen ungekürzten 

Taggeldleistungen auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der 

Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin gehe bezüglich des Unfallhergangs 

von einem falschen, weil völlig einseitig aufgenommenen Sachverhalt aus. Die 

Beschwerdeführerin habe die Strasse gar nicht acht Meter nördlich des 

Fussgängerstreifens überqueren können, da sie von der Strasse F.___ hergekommen 

sei. Es sei zutreffend, dass sie sich im Zeitpunkt der Kollision nicht mehr auf dem 

Fussgängerstreifen befunden habe, da sie diesen, um zum Parkplatz zu gelangen, 

zwingend habe verlassen müssen. Aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung dürfte 

die Beschwerdegegnerin auf möglichst direktem Weg zum Fahrzeug zurückgekehrt 

sein, weshalb die Kollisionsstelle im mittleren Bereich der Haifischzähne - und somit 

weiter südwestlich als in der Unfallskizze eingetragen - gelegen habe. Hinzu komme, 

dass die Geschwindigkeit des Unfallfahrzeugs weit höher als das im Protokoll 

festgehaltene Schritttempo gewesen sein müsse, da die Windschutzscheibe durch den 

Aufprall des Kopfs geborsten sei. Durch die Nichtanhörung der angebotenen Zeugen 

und den Verzicht auf einen Augenschein habe die Beschwerdegegnerin das rechtliche 

Gehör verletzt. Der Zugang zu den Parkplätzen in der Mitte der Strasse D.___ sei völlig 

ungenügend und überhaupt nicht ausgeschildert. Die Beschwerdeführerin habe - wie 

alle auf diesen Parkfeldern Parkierenden - gar keine andere Wahl gehabt, als die 

Fahrbahn zu überqueren, weshalb ihr keine Grobfahrlässigkeit vorgeworfen werden 

könne (act. G 1).

B.b In der Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Die Polizei habe den Sachverhalt aufgrund der 

vorgefundenen Situation, der Spuren und der Aussagen beider Beteiligten - und somit 

nicht einseitig - aufgenommen. Die Beschwerdeführerin hätte den Fussgängerstreifen 

nicht zwingend verlassen müssen, sondern sie hätte den Fussgängerstreifen G.___ 

begehen können, um zu ihrem geparkten Fahrzeug zu gelangen. Mit dem Überqueren 

der Strasse neben dem nahen Fussgängerstreifen bei unübersichtlichen 

Strassenverhältnissen und der Vortrittsverweigerung habe die Beschwerdeführerin klar 

grobfahrlässig gehandelt (act. G 3).

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B.c Mit Replik vom 11. Juli 2011 hält die Beschwerdeführerin an den gestellten 

Anträgen fest und macht neu geltend, dass die Beschwerdegegnerin in ihren 

Entscheiden und Stellungnahmen mit keinem Wort auf ihre Argumente reagiert und 

somit das rechtliche Gehör verletzt habe (act. G 5).

B.d Mit Duplik vom 3. August 2011 hält die Beschwerdegegnerin am gestellten Antrag 

fest (act. G 7). 

Erwägungen:

1.

Gemäss Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch 

die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Vorliegend hat die 

Beschwerdegegnerin eine Kürzung der Taggeldleistungen gegenüber dem Arbeitgeber 

der Beschwerdeführerin vorgenommen (act. G 3.1/37). Gemäss Art. 15 Abs. 1 der 

Besoldungsverordnung (sGS 143.2) kann die Besoldung für das Staatspersonal gekürzt 

oder verweigert werden, wenn die Krankheit oder der Unfall auf grobes 

Selbstverschulden zurückzuführen ist. Vorliegend droht der Beschwerdeführerin somit, 

dass der Arbeitgeber Rückgriff auf sie nimmt. Sie ist deshalb vom angefochtenen 

Entscheid beschwert und hat ein Interesse an dessen Aufhebung. Da das Rechtsmittel 

im Übrigen frist- und formgerecht erhoben wurde und die sachliche und örtliche 

Zuständigkeit gegeben ist, sind die Eintretensvoraussetzungen für eine Beschwerde an 

das kantonale Versicherungsgericht erfüllt.

2.

2.1  Die Beschwerdeführerin macht vorab eine mehrfache Verletzung des rechtlichen 

Gehörs geltend, da die Beschwerdegegnerin auf eine Zeugenbefragung und einen 

Augenschein verzichtet und sich nicht mit ihren Vorbringen (der Beschwerdeführerin) 

auseinandergesetzt habe.

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2.2  Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst u.a. das Recht, Beweisanträge zu 

stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Bei der 

Zulassung von Beweismitteln gilt es daher zu beachten, dass die Wahrung des 

rechtlichen Gehörs grundsätzlich verlangt, die angebotenen Beweise abzunehmen. 

Davon darf aber im Sinn einer vorweggenommenen (antizipierten) Beweiswürdigung 

abgesehen werden, wenn aufgrund bereits abgenommener Beweise der rechtlich 

erhebliche Sachverhalt für genügend geklärt erachtet wird und ohne Willkür vorweg die 

Annahme getroffen werden kann, die rechtliche Überzeugung würde durch weitere 

Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 122 V 162 E. 1d mit Hinweisen; Kölz/Häner, 

Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage 1998, Rz 

111). Die Begründung einer Verfügung bzw. eines Einspracheentscheids entspricht den 

Anforderungen an das rechtliche Gehör, wenn die betroffene Person dadurch in die 

Lage versetzt wird, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in Kenntnis 

der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht 

verpflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Es genügt, wenn 

ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess (vgl. Ulrich Häfelin/Georg 

Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. Zürich 2010, Rz 1706).

2.3  Wie sich nachfolgend zeigen wird, hat die Beschwerdegegnerin mit dem Verzicht 

auf die angebotenen Zeugenbefragungen und den beantragten Augenschein das 

rechtliche Gehör nicht verletzt. Sodann legte die Beschwerdegegnerin im 

angefochtenen Einspracheentscheid ihren Standpunkt ausführlich dar und setzte sich 

rechtsgenüglich mit den wesentlichen Argumenten der Beschwerdeführerin 

auseinander. Insbesondere ist klar ersichtlich, aufgrund welcher Überlegungen die 

Beschwerdegegnerin eine Kürzung der Taggeldleistungen vorgenommen hat, weshalb 

auch bezüglich der Begründungspflicht nicht von einer Gehörsverletzung ausgegangen 

werden kann.

3.  

3.1  In Abweichung von Art. 21 Abs. 1 ATSG werden gemäss Art. 37 Abs. 2 des 

Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) in der Versicherung der 

Nichtberufsunfälle die Taggelder, die während der ersten zwei Jahre nach dem Unfall 

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ausgerichtet werden, gekürzt, wenn die versicherte Person den Unfall grobfahrlässig 

herbeigeführt hat.

3.2  Nach ständiger Rechtsprechung handelt grobfahrlässig, wer jene elementaren 

Vorsichtsgebote ausser Acht lässt, die jeder verständige Mensch in der gleichen Lage 

und unter den gleichen Umständen befolgt hätte, um eine nach dem natürlichen Lauf 

der Dinge voraussehbare Schädigung zu vermeiden (BGE 118 V 306 f. E. 2a mit 

Hinweisen).

3.3  Im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen ist der Begriff der groben Fahrlässigkeit 

nach Art. 37 Abs. 2 UVG rechtsprechungsgemäss weiter zu fassen als derjenige der 

groben Verletzung von Verkehrsregeln nach Art. 90 Ziff. 2 des 

Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01), welcher ein rücksichtsloses oder sonst 

schwerwiegend regelwidriges Verhalten voraussetzt. Bei Fehlverhalten im 

Strassenverkehr ist grobe Fahrlässigkeit in der Regel dann anzunehmen, wenn in 

ursächlichem Zusammenhang mit dem Unfall eine elementare Verkehrsvorschrift oder 

mehrere wichtige Verkehrsregeln schwerwiegend verletzt wurden. Nicht jede 

pflichtwidrige und unfallkausale Missachtung einer Verkehrsvorschrift bedeutet 

demgemäss eine grobe Fahrlässigkeit, ansonsten die Abgrenzung gegenüber der 

leichten Fahrlässigkeit entfiele. Auch die Verletzung einer elementaren 

Verkehrsvorschrift führt nicht notwendigerweise zur Annahme einer groben 

Fahrlässigkeit, da nicht allein auf den Tatbestand der verletzten Vorschrift abzustellen 

ist. Vielmehr sind die gesamten Umstände des konkreten Falls zu würdigen, und es ist 

zu prüfen, ob subjektiv und objektiv bedeutsame Entlastungsgründe vorliegen, die das 

Verschulden in einem milderen Licht, somit die Verkehrsregelverletzung nicht als 

schwerwiegend erscheinen lassen (BGE 118 V 307 E. 2b mit Hinweisen). Was als 

elementares Vorsichtsgebot zu qualifizieren ist, hängt nicht von der Akzeptanz einer 

Verkehrsvorschrift ab, sondern von deren objektiver Begründetheit (BGE 118 V 307 f. 

E. 3a).

4.  

4.1  Die Beschwerdegegnerin stützt sich im angefochtenen Entscheid bezüglich des 

Unfallhergangs hauptsächlich auf das Protokoll der Stadtpolizei vom 4. Oktober 2010 

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ab, während die Beschwerdeführerin der Ansicht ist, dass dieser Ermittlungsbericht 

falsch und nicht nachvollziehbar sowie einseitig erhoben worden sei.

4.2  Gemäss dem Protokoll vom 4. Oktober 2010 basiert die Ermittlung des 

Unfallhergangs auf den Aussagen der am Unfall beteiligten Personen sowie den 

Feststellungen der Polizei. Die Unfallstelle sei fotografiert und vermessen worden. 

Beide Beteiligten hätten gleichentags unterschriftlich zum Unfallhergang befragt 

werden können. In Vertretung der Beschwerdeführerin habe deren Ehemann 

unterschrieben, welcher bei der Einvernahme dabei gewesen sei. Beim Eintreffen der 

Polizei sei die Beschwerdeführerin bereits medizinisch betreut worden. Der 

Fahrzeuglenker sei ebenfalls vor Ort gewesen und sein Fahrzeug habe sich in 

unveränderter Endlage befunden. Im Einvernahmeprotokoll führte die 

Beschwerdeführerin u.a. aus, dass sie nicht mehr genau sagen könne, wo sie über die 

Strasse gegangen sei. Das nächste, an das sie sich erinnern könne, sei, dass sie im 

Rettungswagen gelegen habe. Die Örtlichkeit sei ihr bestens bekannt (act. G 3.3/2). Der 

Fahrzeuglenker führte bei der Einvernahme aus, dass er die Strasse D.___ befahren 

habe und dann nach links eingespurt sei. Als er bei den dortigen Parkplätzen leicht 

links eingelenkt habe, habe er seine Fahrt auf ca. Schritttempo verlangsamt. Plötzlich 

sei die Beschwerdeführerin vor seiner linken Fahrzeugfront gestanden. Er habe sofort 

versucht zu reagieren und die Bremse betätigt. Obwohl das Fahrzeug auch sofort 

stillgestanden sei, habe er die Kollision nicht mehr verhindern können. Die 

Beschwerdeführerin sei mit dem Kopf gegen die Frontscheibe geprallt und danach 

seitlich nach links zu Boden gefallen. Er habe die nachfolgende Fahrzeuglenkerin 

angehalten, welche sich dann um die Beschwerdeführerin gekümmert habe. Er selber 

habe dann die Polizei angerufen (act. G 3.3/1).

4.3  Die vorliegend durchgeführten Sachverhaltsabklärungen, insbesondere die 

Einvernahmen der Beschwerdeführerin und des Fahrzeuglenkers sowie die durch die 

Polizei erstellte Fotodokumentation (act. G 3.3/12), lassen den tatsächlichen 

Unfallhergang nicht rechtsgenüglich zu eruieren. Insbesondere kann aufgrund der 

vorliegenden Akten nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit die von der Beschwerdeführerin zur Überquerung der Strasse 

tatsächlich gewählte Stelle ermittelt werden. Obwohl aufgrund der Ergebnisse der 

getätigten Abklärungen eine Überquerung von Ost nach West durchaus plausibel 

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erscheint, können wesentliche Zweifel an dieser Variante nicht zureichend beseitigt 

respektive andere mögliche Überquerungsstellen wie etwa die von der 

Beschwerdeführerin behauptete (vgl. act. G 3.1/28 "Fotodokumentation"; letzte Seite), 

nicht überzeugend ausgeschlossen werden. Insbesondere ist der Beschwerdeführerin 

beizupflichten, dass die Unfallrekapitulation praktisch ausschliesslich auf den 

Aussagen des involvierten Fahrzeuglenkers basiert. Im Bereich der angeblichen 

Kollisionsstelle konnten keine Spuren gesichert werden, welche Rückschlüsse auf den 

Hergang des Unfallgeschehens zulassen würden (act. G 3.3/4). Somit wurde sowohl 

bezüglich der Fahrgeschwindigkeit als auch bei der Ermittlung der Kollisionsstelle 

einzig auf die Angaben des Fahrzeuglenkers abgestellt oder es wurden von der Polizei 

entsprechende Annahmen getroffen. Auch die Feststellung, dass sich das Fahrzeug 

immer noch in unveränderter Stellung befunden habe (und somit die Kollisionsstelle 

bezeichne), basiert einzig auf den Aussagen des Fahrzeuglenkers. Zusammenfassend 

gilt es festzuhalten, dass nicht rechtsgenüglich erstellt ist, an welcher Stelle und vor 

allem auch wie die Beschwerdeführerin die Strasse überquert hat und wie es genau 

zum Unfall gekommen ist. Von einer Befragung des Ehemanns der Beschwerdeführerin 

und der angehaltenen Fahrzeuglenkerin sind bezüglich des Unfallhergangs allerdings 

keine neuen entscheidwesentlichen Aussagen zu erwarten, weshalb der Verzicht der 

Beschwerdegegnerin auf eine Zeugenbefragung nicht zu beanstanden ist. Die von der 

Polizei nicht gestellte Frage, weshalb der im Schritttempo daherkommende und 

angeblich immer in Fahrtrichtung blickende (act. G3.3/1) Fahrzeuglenker die seine 

Fahrspur querende Beschwerdeführerin nicht bemerkt hat und zu keiner den Unfall 

verhindernden Reaktionen fähig war, wird sich durch weitere Befragungen nicht mehr 

beantworten lassen. Da sich die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben nicht 

mehr an das Unfallereignis erinnern kann, sind ausserdem auch von dieser Seite keine 

neuen Erkenntnisse zu erwarten. Aufgrund der vorhandenen ausführlichen 

Fotodokumentation und des Skizzenblatts der Unfallstelle (act. G 3.3/3) sind auch von 

einem Augenschein keine neuen relevanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auch 

von der Durchführung eines solchen abgesehen werden kann (antizipierte 

Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157, E. 1d). Die vorliegende Streitsache gilt es 

demnach aufgrund der vorhandenen Akten zu entscheiden. Zu Recht blieb 

grundsätzlich unbestritten, dass sich die Beschwerdeführerin im Kollisionszeitpunkt 

nicht auf einem Fussgängerstreifen befunden hat und somit gegenüber dem 

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Fahrzeuglenker vortrittsbelastet war. Durch die Nichtgewährung des Vortritts 

ausserhalb des Fussgängerstreifens hat sich die Beschwerdeführerin der Verletzung 

der Verkehrsregeln schuldig gemacht. Dementsprechend wurde sie mit Strafbefehl 

vom 24. Januar 2011 in Anwendung von Art. 90 Ziff. 1 SVG (Übertretung) i.V.m. Art. 49 

Abs. 2 SVG und Art. 47 Abs. 5 der Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 741.11) auch 

der Verletzung der Verkehrsregeln schuldig erklärt, wobei aufgrund der eigenen 

körperlichen Betroffenheit von einer Bestrafung abgesehen wurde (act. G 3.3/24). Zu 

prüfen bleibt, ob das Verhalten der Beschwerdeführerin als grobfahrlässig zu 

qualifizieren ist.

5.

5.1  Dem Ermittlungsbericht der Polizei vom 21. Februar 2011 ist zu entnehmen, dass 

der Fussgängerstreifen auf der Südseite der Unfallstelle lediglich der 

Fahrbahnüberquerung und nicht als Zugang zu den Parkplätzen diene, da der direkte 

Zugang vom südlichen Fussgängerübergang zu den Parkplätzen durch die 

Abbiegespur unterbrochen sei. Der offizielle Zugang zu allen Parkplätzen der Insel 

befinde sich auf der Nordseite, über den Fussgängerstreifen G.___. Anschliessend sei 

der restliche Weg am linken Rand der Fahrspur zurückzulegen (act. G 3.3/36). Diese 

Ausführungen sind grundsätzlich zutreffend. Anzufügen ist jedoch, dass einerseits von 

einem offiziellen Zugang mangels Ausschilderung nicht gesprochen werden kann, 

sondern es sich dabei einfach um den wohl ungefährlichsten Zugang handelt und 

andererseits, dass der Fussgängerstreifen G.___ deutlich mehr als 50 Meter von 

möglichen Zugängen von der Süd- oder Südostseite der Parkplätze her entfernt ist, 

weshalb die Beschwerdeführerin grundsätzlich nicht verpflichtet war, den nördlichen 

Zugang zu den Parkplätzen zu benutzen und somit nicht gegen Art. 47 Abs. 1 VRV 

verstossen hat. Hingegen hat die Beschwerdeführerin - wie bereits erwähnt - durch das 

Nichtgewähren des Vortritts ausserhalb des Fussgängerstreifens die Verkehrsregeln 

verletzt. Diesbezüglich gilt es festzuhalten, dass der Zugang zu den Parklätzen 

grundsätzlich als unübersichtlich einzustufen und für Fussgänger sicher als nicht 

optimal erschlossen zu betrachten ist. Es ist denn auch gerichtsnotorisch, dass gerade 

ortskundige Personen häufig einen direkten Weg - und eben nicht die Variante über 

den Fussgängerstreifen G.___ - wählen, um zu den Parkplätzen zu gelangen. Sodann 

gilt es entlastend zu berücksichtigen, dass die Strasse D.___ am Sonntagmorgen 

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erfahrungsgemäss nicht stark befahren wird, was die Strassenüberquerung als 

nachvollziehbarer erscheinen lässt. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass das 

am fraglichen Sonntagmorgen anders gewesen wäre. Nach dem Gesagten und in 

Anbetracht der Tatsache, dass der genaue Unfallhergang nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit erstellt ist und sich auch nicht mehr erstellen lässt (vgl. E. 3.3), kann 

zusammenfassend nicht von einem grobfahrlässigen Verhalten der Beschwerdeführerin 

gesprochen werden, da sie weder eine elementare Verkehrsvorschrift noch mehrere 

wichtige Verkehrsregeln schwerwiegend verletzt hat. Dementsprechend wurde sie 

gemäss Strafbefehl vom 24. Januar 2011 "lediglich" für eine Übertretung schuldig 

gesprochen (act. G 3.3/24). Da insbesondere der Zugang zu den Parkplätzen von 

Süden und Südosten her nicht mit einem Fussgängerstreifen erschlossen ist und 

deshalb, so der zeitraubende Umweg über den Fussgängerstreifen G.___ nicht in Kauf 

genommen werden will, nur durch Überqueren von mindestens einer Fahrspur an 

unmarkierter Stelle möglich ist, kann das Verhalten der Beschwerdeführerin, auch wenn 

es sicher fahrlässig war, gerade noch als "einigermassen verständlich" (vgl. Alfred 

Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1989, S. 486f.) betrachtet 

werden. Nach Lehre und Rechtsprechung, lässt sich deshalb der Vorwurf der 

Grobfahrlässigkeit nicht begründen (vgl. zur Kasuistik; Alexandra Rumo-Jungo, 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, 2003, S. 203, welche im Übrigen 

dafürhält, dass der Massstab bei der Bewertung der Grobfahrlässigkeit tendenziell 

milder geworden sei).

6.

6.1  Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des 

Einspracheentscheids vom 19. April 2011 gutzuheissen und der Beschwerdeführerin 

sind die ungekürzten Taggeldleistungen auszurichten.

6.2  Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).

6.3  Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine 

Parteientschädigung, welche gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der 

Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen ist. Vorliegend 

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erscheint ein Betrag von pauschal Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) 

angemessen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht entschieden:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 19. April 2011 

aufgehoben, so dass der Beschwerdeführerin die ungekürzten Taggeldleistungen 

auszurichten sind.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von 

Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

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