# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2e7cf06-3f48-5667-9ee7-c8eabd0e2e2b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.05.2020 D-2251/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2251-2020_2020-05-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2251/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger Vorsitz, 

Richter Grégory Sauder, Richterin Daniela Brüschweiler, 

Gerichtsschreiber Stefan Weber. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (...), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw Nora Maria Riss, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 27. März 2020. 

 

 

 

D-2251/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin gelangte im Rahmen des europäischen Umvertei-

lungsprogramms (Relocation) am 10. Januar 2018 von B._______ in die 

Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 18. Januar 2018 

fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am 29. August 2018 wurde 

sie vom SEM einlässlich zu ihren Asylgründen angehört. 

Die Beschwerdeführerin machte dabei geltend, sie stamme aus 

C._______, wo sie zusammen mit ihrer Familie gelebt und die Schule bis 

zur zehnten Klasse besucht habe. Ihr Vater sei im Militärdienst gewesen 

und habe dabei regelmässig Wachdienst geleistet. Ihre Familie habe Land-

wirtschaft betrieben und die von den Behörden zur Verfügung gestellten 

Felder bewirtschaftet. Derzeit würden nur noch ihre Eltern und ihr (Nen-

nung Verwandter) in Eritrea leben, die anderen (Nennung Verwandte) hät-

ten das Land bereits vor ihr verlassen. Sie habe im Jahr (...) die zehnte 

Klasse abgeschlossen und am X._______ ihr Schulzeugnis erhalten. Sie 

habe beabsichtigt, anschliessend nach D._______ zu gehen, um ihre Aus-

bildung fortzusetzen und eventuell das "College" zu besuchen, da sie den 

Unterricht gerne besucht habe und ihre Leistungen gut gewesen seien.  

Ihre (Nennung Verwandte) sei wegen schlechter Erfahrungen im Militär-

dienst desertiert und habe sich deshalb vor den Behörden verstecken müs-

sen. Die (Nennung Verwandte) sei in der Folge oft zuhause gesucht wor-

den und schliesslich in den E._______ ausgereist. Ihre Eltern hätten ähn-

liche Probleme auf sie (die Beschwerdeführerin) zukommen sehen und sie 

deshalb verheiraten wollen. Als sie nach Erhalt des Schulzeugnisses im 

X._______ nach Hause gekommen sei, habe sie dort viele Leute angetrof-

fen und es sei ihr mitgeteilt worden, dass man sie mit einem Mann, dessen 

Verwandte in der Nähe ihrer Familie gelebt hätten und der bei ihren Eltern 

während ihrer Abwesenheit um ihre Hand angehalten habe, verheiraten 

werde. Ihre Eltern hätten alles ohne ihr Wissen arrangiert, weil sie gewusst 

hätten, dass sie mit einer Heirat nicht einverstanden sein werde. Es sei ein 

Heiratstermin auf den (Nennung Zeitpunkt) angesetzt gewesen. Sie habe 

ihren Eltern eröffnet, dass sie nicht heiraten, sondern die Schule beenden 

wolle, worauf diese mit "Nein" geantwortet hätten. Eine weitere Diskussion 

darüber habe nicht stattgefunden, da sich ihre Eltern bereits entschieden 

hätten, dass sie heirate. Trotzdem habe sie einen Verwandten über die An-

gelegenheit informiert, der dann erfolglos versucht habe, ihre Eltern umzu-

stimmen. Auch ihre im Ausland befindlichen (Nennung Verwandte) hätten 

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Seite 3 

sich für sie eingesetzt, ohne jedoch ihre Eltern zu einer anderen Entschei-

dung bewegen zu können. Sie habe daher beschlossen, ihre Heimat zu 

verlassen. Ungefähr (Nennung Zeitpunkt) später, im X._______, sei sie zu-

sammen mit (...) und der Hilfe eines Schleppers in den E._______ ausge-

reist. Über F._______ und B._______ sei sie schliesslich in die Schweiz 

gelangt. 

Die Beschwerdeführerin reichte (Aufzählung Beweismittel) zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 27. März 2020 stellte das SEM fest, dass die Beschwer-

deführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, und lehnte ihr Asylge-

such ab. Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung aus der Schweiz, schob 

jedoch den Vollzug derselben wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-

läufigen Aufnahme auf. 

C.  

Mit Eingabe vom 28. April 2020 erhob die Beschwerdeführerin gegen die-

sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie bean-

tragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben, ihre Flüchtlingsei-

genschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei sie als 

Flüchtling vorläufig aufzunehmen, subeventualiter sei das Verfahren zur 

neuen Sachverhaltsabklärung und Beurteilung an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands in 

der Person ihrer Rechtsvertreterin. 

D.  

Mit Eingabe vom 5. Mai 2020 teilte die Beschwerdeführerin dem Bundes-

verwaltungsgericht die Korrektur eines auf Seite 5 Punkt c der Rechtsmit-

teleingabe falsch vermerkten Datums mit. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

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1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft 

getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. 

Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-

führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 

VwVG) ist einzutreten. 

1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der 

Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 

Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen 

auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 

AsylG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des 

rechtlichen Gehörs, so insbesondere der Begründungspflicht. Diese Rüge 

ist vorab zu prüfen. 

3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, 

dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. 

BGE 143 III 65 E. 5.2). 

3.2.1 Die Beschwerdeführerin führt zur Begründung der Gehörsverletzung 

an, die Vorinstanz habe es unterlassen, ihre Aussagen genügend zu wür-

digen. So seien gewisse Schilderungen als glaubhaft eingestuft worden, 

andere hingegen wiederum nicht, obwohl es weder zu Widersprüchen 

noch zu Brüchen in der Erzählstruktur gekommen sei. 

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Seite 5 

3.2.2 Das SEM kam hinsichtlich der Vorfluchtgründe der Beschwerdefüh-

rerin zum Schluss, diese seien nicht glaubhaft. Dabei prüfte es die Vorbrin-

gen der angeführten arrangierten Ehe auf ihre Substanz und das Vorhan-

densein von Realkennzeichen. In einem weiteren Schritt prüfte und wür-

digte es die vorgebrachten Handlungs- und Verhaltensweisen der Be-

schwerdeführerin, ihrer aus dem Militärdienst desertierten (Nennung Ver-

wandte) sowie ihrer Eltern auf ihre logische Nachvollziehbarkeit. Dabei 

kam das SEM zum Schluss, die Beschwerdeführerin habe den Umstand, 

Opfer einer beabsichtigten Zwangsheirat zu sein, nicht glaubhaft machen 

können. Schliesslich hielt die Vorinstanz bezüglich der illegalen Ausreise 

fest, unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieses Vorbringens lägen in Erman-

gelung von konkreten Anhaltspunkten keine Hinweise für das Vorliegen ei-

nes subjektiven Nachfluchtgrundes im Sinne von Art. 54 AsylG vor. Das 

SEM hat hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen 

es sich hat leiten lassen und sich auch mit sämtlichen wesentlichen Vor-

bringen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Es musste sich da-

bei nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem 

rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die we-

sentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. act. A40/8 S. 4 ff.; BVGE 

2011/37 E. 5.4.1; 2008/47 E. 3.2). Eine Verletzung der Begründungspflicht 

liegt nicht vor. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, das SEM habe 

eine ungenügende Würdigung ihrer Schilderungen vorgenommen, da die 

einen Sachverhaltselemente von der Vorinstanz als glaubhaft, die anderen 

demgegenüber als unglaubhaft erachtet worden seien, wird die Frage der 

Feststellung des Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der 

Sache vermengt. Der blosse Umstand, dass die Beschwerdeführerin die 

Auffassung und Schlussfolgerungen des SEM nicht teilt, ist keine Verlet-

zung der Begründungspflicht, sondern eine materielle Frage. Sodann zeigt 

die Beschwerdeeingabe deutlich auf, dass eine sachgerechte Anfechtung 

ohne weiteres möglich war. 

3.2.3 Zusammenfassend erweist sich die Rüge, die Vorinstanz habe das 

rechtliche Gehör verletzt, als unbegründet. 

3.3 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass die Verfügung in 

französischer Sprache, mithin in einer ihr fremden Verfahrenssprache, und 

nicht in der Sprache ihres Wohnsitzkantons (Deutsch) ergangen sei. Die 

Berufung der Vorinstanz auf die Ausnahmeregelung von aArt. 16 Abs. 3 

Bst. b AsylG sei nicht zulässig, da aus der vom SEM zitierten Medienmit-

teilung vom 9. September 2019 hervorgehe, dass der schnellere Abbau 

von Altfällen ein strategischer Entscheid des SEM darstelle, mithin eine 

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Ausnahmesituation aufgrund hoher Gesuchszahlen oder ungenügender 

personeller Ressourcen hier nicht vorliege. 

3.3.1 Vorliegend gelangt aArt. 16 Abs. 2 AsylG – und nicht die mit der 

jüngsten Asylgesetzesrevision vorgenommene Neuformulierung von 

Art. 16 AsylG – zur Anwendung (vgl. E. 1.2 hievor). In der Regel ist dem in 

aArt. 16 Abs. 2 AsylG statuierten Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die 

Verfügung in der Sprache erlassen wird, die am Wohnsitz der asylsuchen-

den Person Amtssprache ist. Eine Verfügung kann indes ausnahmsweise 

in einer anderen Amtssprache ergehen, wenn im Gegenzug gleichzeitig 

geeignete Korrektiv-Massnahmen getroffen werden, die das Recht auf eine 

wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess gewährleisten. Eine 

der möglichen Korrektiv-Massnahmen besteht in der mündlichen Überset-

zung der ergangenen Verfügung durch die Vorinstanz in eine der be-

schwerdeführenden Person verständliche Sprache. Soweit die Vorinstanz 

keine geeigneten Korrektiv-Massnahmen ergriffen hat und auch im Be-

schwerdeverfahren das Versäumnis nicht nachholt, obwohl aus der Be-

schwerdeschrift ersichtlich sei, dass die Partei den Entscheid nicht genü-

gend verstanden hat, ist die angefochtene Verfügung grundsätzlich zu kas-

sieren, sofern die beschwerdeführende Partei nicht von einem professio-

nellen Rechtvertreter vertreten wird. Die Kassation der angefochtenen Ver-

fügung einzig aus dem Grund, dass die Regeln betreffend die anzuwen-

dende Verfahrenssprache verletzt wurden, kommt demgegenüber grund-

sätzlich nicht in Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Be-

schwerdeverfahren von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten 

wird. Die Vorinstanz kann in einem solchen Fall allerdings zur Leistung ei-

ner Entschädigung verpflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die 

der unterliegenden Partei entstehen, um diesen Mangel zu beheben (vgl. 

mit diesbezüglich ausführlicher Begründung: Urteil des BVGer 

E-5882/2019 vom 2. März 2020 E. 6.6 f.). 

3.3.2 Die Beschwerdeführerin hat ihren Wohnsitz im Kanton G._______ 

und damit in einem Gebiet, welches der deutschen Amtssprache untersteht 

(vgl. Art. 48 Verfassung des Kantons G._______). Es wäre mithin der Er-

lass einer Verfügung in deutscher Sprache die Regel gewesen. Eine Über-

setzung der Verfügung geschah nicht, auch die Rechtsmittelbelehrung 

wurde nicht übersetzt. Ob das vom SEM gewählte Vorgehen, namentlich 

die gewählte Korrektivmassnahme generell als ausreichend anzusehen ist, 

um den in Art 29a BV und Art. 13 EMRK garantierten Anspruch auf effekti-

ven gerichtlichen Rechtsschutz genügend Rechnung zu tragen, kann hier 

offenbleiben. Der Beschwerdeführerin war es offensichtlich mit Hilfe der 

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von ihr mandatierten Rechtsvertreterin möglich, eine in jeder Hinsicht 

rechtsgenügliche Beschwerde einzureichen, die sich mit allen Aspekten 

der vorinstanzlichen Verfügung einlässlich auseinandergesetzt hat. Die Be-

schwerde wurde auch fristgerecht erhoben. Die Beschwerdeführerin res-

pektive deren Rechtsvertreterin hat in diesem Zusammenhang denn auch 

keine konkrete Verletzung von Verfahrensrechten geltend gemacht. Eine 

Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung oder anderweitige Instruktions-

massnahmen gebieten sich daher vorliegend nicht. 

3.4 Soweit die Beschwerdeführerin eine Rückweisung der Sache an das 

SEM zur erneuten Abklärung und Neubeurteilung beantragt, ist dieser An-

trag abzuweisen, nachdem in der Rechtsmitteleingabe nicht ausgeführt 

wird und auch nicht ersichtlich ist, inwieweit der von der Vorinstanz festge-

stellte Sachverhalt falsch oder unvollständig sein sollte.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die 

Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen 

Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier 

verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 

5.  

5.1 Das SEM führte zur Begründung des Asylentscheids aus, die Asylvor-

bringen der Beschwerdeführerin würden weder den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingsei-

genschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. 

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Im Einzelnen hielt es fest, die Beschwerdeführerin habe praktisch keine In-

formationen zum zukünftigen Verlobten zu geben vermocht. In der Anhö-

rung habe sie den Namen desselben vergessen, obwohl sie anlässlich der 

BzP noch in der Lage gewesen sei, dessen Identität anzuführen. Auch soll 

es sich beim Verlobten um jemanden handeln, dessen Verwandte in der 

Umgebung ihrer Eltern wohnen würden, ohne aber weitere Präzisierungen 

zu geben. In der Anhörung habe sie die wenigen angegebenen Details mit 

ihrem Desinteresse an dieser Heirat erklärt. Es sei jedoch nicht glaubhaft, 

dass die Beschwerdeführerin derart wenig Interesse für diese Heirat ge-

zeigt haben wolle, sei dies doch – ihren Angaben zufolge – der Grund für 

ihre Ausreise gewesen. Ferner seien die Umstände, unter welchen sie er-

fahren habe, dass sie jemandem versprochen worden sei, ebenfalls vage 

geblieben. Zunächst habe sie den Zeitpunkt, wann sie von ihrer Verpflich-

tung zur Heirat erfahren habe, uneinheitlich geschildert. In der BzP habe 

sie den (Nennung Zeitpunkt) angegeben, in der Anhörung hingegen den 

(Nennung Zeitpunkt). Bei der Beschreibung, wie genau sie davon erfahren 

habe, habe sie lediglich angeführt, dass sie am Tag, als die Schulzeugnisse 

verteilt worden seien, bei ihrem Nachhause kommen festgestellt habe, 

dass sich dort verschiedene Leute aufgehalten hätten, wo sie dann auch 

von der Absicht erfahren habe, sie zu verheiraten. Weitere Details habe sie 

keine genannt, was angesichts der Wichtigkeit dieses Vorfalls als unwahr-

scheinlich zu erachten sei. Auch die Schilderung ihrer Reaktion auf diese 

Neuigkeit und diejenige ihrer Eltern sei oberflächlich und lückenhaft aus-

gefallen. Ferner sei nicht nachvollziehbar, dass sich ausgerechnet die 

(Nennung Verwandte), welche aufgrund schlechter Erfahrungen während 

des Militärdienstes gelitten habe, dafür eingesetzt hätte, dass die Eltern die 

Beschwerdeführerin nach D._______ gehen lassen würden. Sodann ent-

behrten die Ausführungen zu den (Nennung Dauer), welche sie vor ihrer 

Ausreise noch zuhause verbracht habe, jeglichen Details zu den Gescheh-

nissen in dieser Zeit. Es erstaune, dass die Beschwerdeführerin ihren An-

gaben zufolge in diesem Zeitraum nichts gemacht habe. Im Weiteren hät-

ten die Eltern ihre Ausreise finanziert, obwohl sie ihre Tochter hätten ver-

heiraten wollen, um gerade eine Ausreise aus dem Heimatland zu verhin-

dern. Zu den Konsequenzen ihrer Ausreise habe die Beschwerdeführerin 

schliesslich – ohne weitere Präzisierungen – angeführt, die Ehe sei annul-

liert worden. Sie habe somit insgesamt nicht glaubhaft machen können, 

das Opfer einer beabsichtigten Zwangsheirat gewesen zu sein. In Erman-

gelung von Anknüpfungspunkten, welche die Beschwerdeführerin in den 

Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen 

könnten, halte auch das Vorbringen betreffend illegale Ausreise den Anfor-

derungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

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5.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete in der Rechtsmitteleingabe, ihre 

Ausführungen zur befürchteten Zwangsheirat seien als glaubhaft zu erach-

ten. Sie habe auf alle Fragen spontan geantwortet und es sei an keiner 

Stelle zu Brüchen in der Erzählstruktur oder zu Widersprüchen in wesent-

lichen Punkten gekommen. Bei einer Durchsicht des Anhörungsprotokolls 

falle auf, dass sie auf viele Fragen knapp geantwortet habe. Es seien ihr 

im ganzen ersten Teil der Anhörung (...) nur geschlossene Fragen gestellt 

worden, weshalb sie sich an diesen Fragestil gewöhnt und daher auch in 

der Folge bei den offenen Fragen jeweils nicht sehr ausführlich geantwortet 

habe. Diesbezüglich sei auf das Handbuch des SEM zur Anhörung zu ver-

weisen, worin dieses Verhalten genau beschrieben werde. Dieses "Lern-

verhalten" gelte es vorliegend zu berücksichtigen. Auf Vorhalt der fehlen-

den Angaben zum künftigen Ehemann sei anzuführen, dass sie diesen 

Mann nicht gekannt, sich für ihn nicht interessiert und ihn nur einmal gese-

hen habe. Es sei daher unklar, woher sie weitere Informationen über ihn 

hätte haben sollen, und überdies nachvollziehbar, dass sie sich nicht an 

seinen Namen erinnert habe. Der Fokus sei auf ihrer künftigen Ausbildung 

und nicht auf der Heirat gelegen, weshalb sie sich zu Letzterer kaum Ge-

danken gemacht habe. Weiter sei betreffend ihre Angaben zum Zeitpunkt, 

wann sie von der Verlobung erfahren habe, auf das Handbuch Asyl und 

Rückkehr des SEM, Artikel C5, zu verweisen. Danach würden Datumsan-

gaben in der Regel schlecht in Erinnerung behalten und seien für die Be-

urteilung der Glaubhaftigkeit wenig zuverlässig. Zuverlässiger seien Anga-

ben über die Zeitdauer und die Umstände von Ereignissen. Der von der 

Vorinstanz angeführte marginale Widerspruch in den Zeitangaben könne 

daher nicht gegen die Glaubhaftigkeit herangezogen werden. Es sei weiter 

nicht ersichtlich, weshalb das SEM die Schilderung zum Tag, an dem sie 

von der geplanten Hochzeit erfahren habe, als unglaubhaft erachte. Sie 

habe diesen Tag gleich geschildert wie die übrigen Ereignisse auch. Zudem 

seien ihr zu diesem Punkt keine weitergehenden Fragen gestellt worden. 

Hinsichtlich des Umstands, dass sich ihre aus dem Militärdienst geflohene 

(Nennung Verwandte) für sie eingesetzt habe, sei auf die Rechtsprechung 

des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil E-4108/2017 vom 25. April 2019, 

E. 7.1) zu verweisen, gemäss welcher das Kriterium der Plausibilität nur 

sehr zurückhaltend gebraucht werden solle. Es sei auch nachvollziehbar, 

dass die (Nennung Verwandte) ihren Willen, nach D._______ zu gehen, 

akzeptiert habe, unabhängig von den eigenen Erfahrungen im Militär-

dienst. Zum Vorhalt unsubstanziierter Angaben zu den (Nennung Dauer) 

zuhause vor der Ausreise sei zu entgegnen, dass auch diesbezüglich un-

klar bleibe, warum das SEM genau diesen Punkt für unsubstanziiert halte. 

Auch hier sei kein Bruch der Erzählstruktur erkennbar und es seien ihr 

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keine weiteren Fragen gestellt worden. Ferner sei klar, dass ihre Eltern die 

(Weiter)Reise finanziert hätten, nachdem sie mehrere Tage an einem frem-

den Ort respektive im E._______ in einem Zimmer eingesperrt gewesen 

sei, und die Eltern wiederholt um Geld habe bitten müssen. Auch dass sie 

weiterhin in Kontakt mit ihren Eltern stehe, stelle keinen Widerspruch zu 

ihren Aussagen dar. Bezüglich der Annullation der Hochzeit sei schliesslich 

anzumerken, dass sie mit ihren Eltern nie darüber gesprochen habe. Da 

aber der Hochzeitstermin bereits festgelegt gewesen sei, sei wohl die 

Hochzeit beziehungsweise die Feier an diesem Datum annulliert worden. 

Gemäss Handbuch Asyl und Rückkehr des SEM (Artikel D2 über "ge-

schlechtsspezifische Verfolgung) würden Opfer von Zwangsheirat zu den 

sieben anerkannten "bestimmten sozialen Gruppen" im Zusammenhang 

mit dem Geschlecht gehören, die die Voraussetzungen für die Anerken-

nung als Flüchtling erfüllen könnten. Da sie glaubhaft gemacht habe, in 

ihrem Heimatland Opfer von geschlechtsspezifischer Verfolgung geworden 

zu sein, sei sie als Flüchtling anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewähren. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu 

Recht abgelehnt hat, da sich die Vorfluchtgründe als unglaubhaft respek-

tive die geltend gemachten Asylvorbringen als nicht asylrelevant erweisen. 

Die Entgegnungen auf Beschwerdeebene vermögen die vom SEM im an-

gefochtenen Entscheid getroffene Einschätzung nicht umzustossen. 

6.2  

6.2.1 Gemäss ständiger Rechtsprechung ist es zulässig, Widersprüche für 

die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare Aussagen 

im Empfangszentrum – respektive in der BzP – in wesentlichen Punkten 

der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung bei der 

Vorinstanz diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder 

Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, 

nicht bereits im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden 

(vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 

m.w.H; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-

kommission [EMARK] 1993 Nr. 3). In der angefochtenen Verfügung hat 

sich das SEM nicht in unzulässiger Weise auf das Protokoll der BzP abge-

stützt und zu Recht angeführt, dass sich die Beschwerdeführerin aufgrund 

ihrer klaren Datumsangabe im Gegensatz zur späteren Anhörung zum 

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Seite 11 

Zeitpunkt, wann sie von der Verlobung Kenntnis erlangt habe, entschei-

dend widersprochen hat (vgl. act. A6/12, S. 8, Ziff. 7.02; A14/21, F71, F80 

und F90). Die Beschwerdeführerin vermag in der Rechtsmitteleingabe mit 

Blick auf dieses Aussageverhalten keine plausiblen Erklärungen zu ihrer 

Entlastung vorzubringen. Diesbezüglich verweist sie auf das Handbuch 

Asyl und Rückkehr des SEM, Artikel C5, gemäss welchem Datumsanga-

ben grundsätzlich für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit wenig zuverlässig 

seien. Zunächst ist festzuhalten, dass es sich beim zitierten Handbuch des 

SEM, das unter anderem Richtlinien und Informationen zu verfahrens- und 

rückkehrspezifischen Themen enthält, um eine interne Weisung und damit 

um eine Verwaltungsverordnung ohne Aussenwirkung handelt, aus wel-

cher die Beschwerdeführerin keine Rechte und Pflichten abzuleiten ver-

mag (vgl. Urteil des BVGer E-7803/2016 vom 9. Januar 2017 E. 3.3). So-

dann weist aber auch die in der Rechtsmitteleingabe zitierte Stelle dieses 

Handbuchs darauf hin, dass die Einordnung eines Vorbringens im zeitli-

chen Bezug auf ein wichtiges öffentliches oder privates Ereignis im Her-

kunftsland sinnvoll sein könne. Ein solcher Bezug ist vorliegend durchaus 

erkennbar. So gab die Beschwerdeführerin in der Anhörung an, sie habe 

am betreffenden Tag (X._______) ihr Schulzeugnis erhalten, was für sie 

ein bedeutendes privates Ereignis dargestellt haben dürfte. Die davon er-

heblich abweichende, mithin aber klare Angabe anlässlich der BzP, sie 

habe (Nennung Zeitpunkt) von der beabsichtigten Verheiratung erfahren, 

muss sich die Beschwerdeführerin demnach als einen offensichtlichen Wi-

derspruch entgegenhalten lassen. 

6.2.2 Soweit die Beschwerdeführerin zur Erklärung ihrer durchwegs knap-

pen Antworten darauf hinweist, dass es sich bei den ersten (...) Fragen der 

Anhörung ausschliesslich um geschlossene Fragen gehandelt habe, wes-

halb sie ein "Lernverhalten" gezeigt und auch in der Folge bei den offenen 

Fragen jeweils wenig ausführlich geantwortet habe, vermag dieser Ein-

wand nicht zu überzeugen. Insofern sie erneut das Handbuch des SEM 

zitiert, ist zunächst auf die Ausführungen in E. 6.2.1 zu verweisen. Sodann 

ist bei einer genauen Durchsicht des Anhörungsprotokolls ohne Weiteres 

festzustellen, dass unter den einleitenden (...) Fragen rund zwei Dutzend 

relativ offene Fragen gezählt werden können, welche es der Beschwerde-

führerin ermöglicht hätten, für die Beantwortung derselben etwas weiter 

auszuholen, auch wenn sie sich relativ kurz hielt (vgl. act. A14/21, bspw. 

F9, F18, F20, F26, F28 ff., F46 ff., F52, F53, F54, F59, F65) respektive sie 

etwas ausführlichere Angaben machte (A14/21, F32, F33, F44, F55, F62, 

F64, F72, F76). Es ist daher ernsthaft zu bezweifeln, dass die Beschwer-

deführerin sich im Rahmen der einleitenden Fragen der Anhörung derart 

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Seite 12 

an einen Fragestil gewöhnt hätte, dass sie in der Folge bei den Asylgrün-

den respektive auch bei offenen Fragen nur noch in der Lage gewesen 

wäre, diese kurz und bündig zu beantworten. 

6.2.3 Wenig überzeugend ist sodann der Einwand, dass sie in Ermange-

lung eigenen Interesses praktisch nichts über den vorgesehenen Verlobten 

habe berichten können. Abgesehen vom Umstand, dass sie – wie das SEM 

zu Recht erörterte – dessen Namen anlässlich der BzP noch zu benennen 

imstande war, im Rahmen der (Nennung Dauer) später durchgeführten An-

hörung jedoch bereits vergessen haben will, wären von der Beschwerde-

führerin in der Tat erheblich mehr Details und Hintergrundinformationen 

über den angeblichen Verlobten zu erwarten gewesen. So handelte es sich 

bei der dargelegten Heirat doch um ein einschneidendes Ereignis im Leben 

der Beschwerdeführerin, das überdies auch zu ihrer Flucht aus dem Land 

geführt haben soll. Dass sie unter diesen Umständen über keinerlei Infor-

mationsbedürfnis verfügt haben will, ist als unglaubhaft zu erachten. Das 

Vorbringen, es sei unklar, woher sie weitere Informationen über den Ver-

lobten hätte haben sollen, vermag angesichts der naheliegenden Möglich-

keit, ihren Eltern entsprechende Fragen zu stellen, nicht zu überzeugen. 

6.2.4 Das von der Beschwerdeführerin geäusserte Erstaunen, dass das 

SEM ihre Schilderung zum Tag, als sie von der geplanten Hochzeit erfah-

ren habe, als unglaubhaft erachte, zumal sie diesen Tag gleich geschildert 

habe wie auch die übrigen Ereignisse, vermag die vom SEM mit zutreffen-

der Begründung festgestellte fehlende Substanz in ihren diesbezüglichen 

Schilderungen (keine Ausführungen zu den zuhause anwesenden Perso-

nen; keinerlei konkrete Details, wie sie von der eingefädelten Verlobung 

effektiv erfahren habe; vgl. A19/8, S. 4) nicht in Frage zu stellen. Auch der 

Hinweis, dass in ihrer Erzählstruktur kein Bruch zu erkennen sei, vermag 

nicht über die karge und oberflächliche Schilderung hinwegzutäuschen. 

Nachdem die Beschwerdeführerin in der Anhörung zur Sache weder in ih-

rem freien Erzählvortrag noch auf konkrete Nachfragen hin anschauliche 

Angaben lieferte, wie sich die Umstände darstellten, als sie über die ge-

plante Hochzeit informiert worden sei (vgl. act. A14/21, F80, F90 ff.), bleibt 

der Einwand, es seien ihr zu diesem Punkt keine weitergehenden Fragen 

gestellt worden, unbehelflich. Gleiches lässt sich auch für die im Kern 

gleichlautenden Entgegnungen zum Vorhalt unsubstanziierter Angaben 

bezüglich der (Nennung Dauer) zuhause vor der Ausreise feststellen (vgl. 

act. A14/21, F98 und insbesondere F99). Es ist nicht der Vorinstanz anzu-

lasten, sondern es muss sich die Beschwerdeführerin zu ihren Ungunsten 

entgegenhalten lassen, wenn letztere auf die offene Fragestellung in F99 

D-2251/2020 

Seite 13 

"Wie verliefen diese (Nennung Dauer)? Erzählen Sie etwas darüber?" in 

lediglich zwei kurzen Sätzen mit wenig aussagekräftigem Inhalt antwortete. 

6.2.5 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, das Kriterium der 

Plausibilität dürfe nur sehr zurückhaltend angewendet werden. Es sei dem-

nach durchaus nachvollziehbar, dass sich ihre (Nennung Verwandte) für 

sie eingesetzt und ihren Wunsch, nach D._______ zu gehen, trotz schlech-

ten Erfahrungen im Militärdienst akzeptiert habe. Der Beschwerdeführerin 

ist beizupflichten, dass sich das Bundesverwaltungsgericht beim Kriterium 

der Plausibilität von Verfolgungshandlungen eine gewisse Zurückhaltung 

auferlegt (vgl. Urteil des BVGer D-7912/2006 vom 12. Februar 2018 E. 5.1 

m.w.H.). So können beispielsweise bei einer behördlichen Verfolgung über 

den Modus Operandi der Behörden und deren Informationsstand in der 

Regel nur Mutmassungen angestellt werden (vgl. auch D-5407/2017 vom 

24. Februar 2020 E. 5.1.2). Diese Rechtsprechung lässt sich aber auf die 

Beurteilung der Handlungsweise der vorliegend aus dem Militärdienst de-

sertierten (Nennung Verwandte) nicht übertragen, zumal hier nicht die 

Plausibilität einer durch staatliche Behörden verursachten Verfolgungs-

handlung in Frage steht, sondern die Nachvollziehbarkeit der Beweg-

gründe der (Nennung Verwandte), sich bei den Eltern für die Beschwerde-

führerin einzusetzen. Zudem wurde die Beschwerdeführerin durch ihre 

(Nennung Verwandte) aus erster Hand über die angeblich schlimmen Ver-

hältnisse im Militärdienst, die sie– im Falle des Nichtbestehens der schuli-

schen Prüfung in D._______ – möglicherweise ebenfalls erleiden müsste, 

ins Bild gesetzt vgl. act. A6/12, S. 7 unten; A14/21, F80 und F101). Unter 

diesen Umständen ist es in der Tat als logisch nicht nachvollziehbar zu 

erachten, dass die (Nennung Verwandte) versucht haben soll, die Eltern 

zu überzeugen, die Beschwerdeführerin nach D._______ gehen zu lassen. 

Naheliegender erschient vielmehr, dass die (Nennung Verwandte) auf-

grund ihrer Erfahrungen versucht hätte, dergestalt auf die Beschwerdefüh-

rerin Einfluss zu nehmen, diesen Weg eben gerade nicht zu verfolgen. 

6.2.6 Sodann kommt das geschilderte Verhalten der Eltern, die Reise der 

Beschwerdeführerin ins Ausland zu finanzieren, angesichts des offenbar 

bereits gefällten Entscheids, die Tochter zu verheiraten und sie in ihrer 

Nähe zu wissen, einem erstaunlichen Sinneswandel gleich. Auch wenn 

nachvollzogen werden kann, dass Eltern – wie die Beschwerdeführerin in 

ihrer Rechtsmitteleingabe (S. 8, 3. Abschnitt) anführt – bestrebt sind, ihren 

Kindern Unterstützung zu bieten, falls diese Problemen ausgesetzt respek-

tive, wie geltend gemacht, mehrere Tage an einem fremden Ort irgendwo 

eingesperrt sind, erscheint es vorliegend dennoch nicht plausibel, dass die 

D-2251/2020 

Seite 14 

Eltern – nach ihrem bemerkenswerten Meinungsumschwung – auch noch 

alle Verwandten in Eritrea über die Auseise der Beschwerdeführerin infor-

miert und bei diesen Geld aufgetrieben hätten, um sämtliche Reiseab-

schnitte bezahlen zu können (vgl. act. A14/21, F112 f. und F117). Aus der 

dargelegten Reisefinanzierung dürfte vielmehr zu schliessen sein, dass die 

Eltern von ihren angeblichen Plänen zur Verheiratung der Beschwerdefüh-

rerin Abstand genommen haben, weshalb sich das Verhältnis der Eltern 

zur Beschwerdeführerin wieder in dem Sinne geregelt haben dürfte, dass 

die Beschwerdeführerin nicht mehr als Opfer einer Zwangsheirat bezie-

hungsweise Opfer von geschlechtsspezifischer Verfolgung betrachtet wer-

den könnte, selbst wenn eine Heirat effektiv geplant gewesen wäre. Zudem 

kann nicht geglaubt werden, dass sich die Beschwerdeführerin im Vorfeld 

ihrer Ausreise über die Organisation und deren Finanzierung keinerlei Ge-

danken gemacht haben will, obwohl sie sich offensichtlich bewusst war, 

dass ihre Reise mit Kosten verbunden sein würde (vgl. act. A14/21, F133 f., 

F138). 

6.2.7 Das Gericht kommt nach einer Gesamtbeurteilung aller für oder ge-

gen die Glaubhaftigkeit sprechenden Elemente (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 

[S. 64]) zum Schluss, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelingt, die 

angeblich beabsichtigte Zwangsheirat glaubhaft zu machen. Die entspre-

chenden Erörterungen und Schlussfolgerungen des SEM sind zu bestäti-

gen. 

6.3 Weiter ist hinsichtlich der geltend gemachten illegalen Ausreise ge-

mäss aktueller Praxis des Gerichts allein deswegen nicht auf eine begrün-

dete Furcht vor asylrechtlich beachtlicher Verfolgung zu schliessen. So be-

darf es gemäss dem Referenzurteil des BVGer D-7898/2015 E. 4.6–5.1 für 

die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext zusätz-

licher Anknüpfungspunkte, welche die asylsuchende Person in den Augen 

der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen und 

dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen 

könnten. Solche zusätzlichen Anknüpfungspunkte sind jedoch hier nicht zu 

erkennen. Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat noch vor Er-

reichen der Volljährigkeit und gab an, weder zum Militärdienst aufgeboten 

worden zu sein noch jemals Probleme mit den heimatlichen Behörden ge-

habt zu haben (vgl. act. A6/12, Ziff. 7.02). Es ist unter diesen Umständen 

nicht davon auszugehen, dass sie von den eritreischen Militärbehörden als 

Wehrdienstverweigerin angesehen würde. Gemäss dem erwähnten Refe-

renzurteil ist im Übrigen alleine die Möglichkeit, dass jemand nach der 

D-2251/2020 

Seite 15 

Rückkehr in den Nationaldienst eingezogen werden könnte, nicht asylrele-

vant (vgl. a.a.O. E.5.1). 

6.4 Die Beschwerdeführerin konnte insgesamt keine relevante Verfol-

gungsgefahr im Sinne von Art. 3 respektive Art. 54 AsylG dartun. Das SEM 

hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint. 

7.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Die 

Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 

8.  

Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 27. März 2020 aufgrund der vor-

liegenden besonderen persönlichen Umstände die Beschwerdeführerin 

wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig 

aufgenommen hat, entfällt ein schützenswertes Interesse an der (weiteren) 

Feststellung der Unzulässigkeit oder der Unmöglichkeit des Wegweisungs-

vollzugs. Die Gründe für die Anordnung dieser vorläufigen Aufnahme sind 

vom Gericht nicht näher zu prüfen. Im Falle einer Aufhebung der vorläufi-

gen Aufnahme stünde der Beschwerdeführerin indessen wiederum die Be-

schwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen, wobei in jenem Verfah-

ren sämtliche Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach Massgabe 

der dannzumal herrschenden Verhältnisse von Neuem zu prüfen wären 

(BVGE 2009/51 E. 5.4 m.w.H.). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist der Antrag, es sei auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, gegenstandslos gewor-

den. 

10.2 Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf 

Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Be-

gehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei verfügt 

D-2251/2020 

Seite 16 

eine Person dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn sie ohne Be-

einträchtigung des notwendigen Lebensunterhaltes die Prozesskosten 

nicht zu bestreiten vermag. Eine Beschwerde gilt ferner dann als aussichts-

los, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlust-

gefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. 

BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). 

Die Rechtsbegehren waren im Rahmen einer summarischen Aktenprüfung 

nicht als aussichtslos zu beurteilen und überdies ist von der Bedürftigkeit 

der Beschwerdeführerin auszugehen. Das Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung ist deshalb gutzuheissen. Demnach sind der 

Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

10.3 Nachdem der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung 

gewährt wurde, ist auch das Gesuch um Gewährung der amtlichen Rechts-

verbeiständung gutzuheissen und ihr ihre Rechtsvertreterin, MLaw Nora 

Maria Riss, als amtliche Rechtsbeiständin beizugeben (vgl. aArt. 110a Abs. 

1 Bst. a AsylG). 

Demnach hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Übernahme der ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten durch das Bundesverwal-

tungsgericht (vgl. aArt. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 8–14 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin hat 

keine Kostennote zu den Akten gereicht. Auf die Nachforderung einer sol-

chen kann jedoch verzichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren 

der Aufwand zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und auf 

insgesamt neun Stunden zu beziffern ist. Nach Praxis des Bundesverwal-

tungsgerichts werden nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter mit ei-

nem Stundensatz von Fr. 100.– bis 150.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. 

Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der amtlichen Rechtsvertreterin ist daher zu Lasten 

des Bundesverwaltungsgerichts eine Entschädigung von gesamthaft 

Fr. 1370.– (inkl. Auslagen) auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2251/2020 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das Gesuch um Gewährung der amtlichen Rechtsverbeiständung wird gut-

geheissen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, MLaw Nora  

Maria Riss, wird als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt.  

4.  

Der amtlichen Rechtsvertreterin wird durch das Bundesverwaltungsgericht 

eine Entschädigung von Fr. 1370.– ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber 

 

 

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