# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1f3d8b52-ee1c-58d5-b05e-db3d60a14b4f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-28
**Language:** de
**Title:** Rechtsverweigerung; Ausdehnung des Streitgegenstandes; Schulterbeschwerden stehen im Zusammenhang mit dem Unfall; Leistungseinstellung nicht rechtens
**Docket/Reference:** UV.2013.00136
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00136.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00136
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil
vom
28. Januar 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
Werdstrasse
36, 8004 Zürich
gegen
CSS Versicherung AG
Hauptsitz, Abteilung Recht & Compliance
Tribschenstrasse
21, Postfach 2568, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1959
,
arbeitet bei der
Firma Y.___
als Travel Agent zu einen Pensum von 50 % und ist dadurch bei der CSS Versicherung AG (im Folgenden: CSS) gegen die gesundheitlichen und erwerblichen Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (Urk. 7/1).
Am 27. April 2009 fiel beim Herausheben eines Konstruktionsholzes aus einem Regal eine Metallblende aus zirka 2.5 m Höhe auf sie herunter, wodurch sie eine Kontusion des Kiefers und der Schulter beziehungsweise des Oberarms rechts erlitt (vgl. Urk. 7/4).
Die CSS trat auf den Schaden ein und gewährte Heilbehandlung und Taggeld.
Mit Verfügung vom 29. August 2009 stellte die CSS die Taggeldleistungen per 18. Juli 2012 ein, sicherte aber die Kosten der Heilbehandlung weiterhin zu (Urk. 7/161).
Mit Verfügung vom 16. November 2012 verneinte
sie
ausserdem
den Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 27. April 2009 und
einem
im Spital
Z.___
am 1. August 2012 behandelten immobilisierenden
lumbospon
dylogenen
Schmerzsyndrom
(Urk. 7/180). Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 18. Dezember
2012
Einsprache und ersuchte um Übernahme der Notfallbehandlungskosten (Urk. 7/190).
Mit Verfügung vom 8. Februar 2013 verneinte die CSS einen Kausalzusammen
hang zwischen dem Unfall und den geklagten Schulterbeschwerden rechts und verneinte die Übernahme weiterer
Behandlungsmassnahmen
(Urk. 7/197). Hier
gegen erhob die Versicherte am 12. Februar 2013 Einsprache (Urk. 11/2)
. Die CSS wies die Einsprachen vom 18. Dezember 2012 und vom 12. Februar 2013
mit Entscheid vom 29. April 2013
ab (Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 29. April 201
3
(Urk. 2) erhob die Versi
cherte am 28. Mai 2013 Beschwerde (Urk. 1)
mit dem Rechtsbegehren (S. 2)
, d
ies
er sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht davon ausgehe, die von ihr unter dem 29. August 2012 erlassene Ver
fügung sei in Rechtskraft erwachsen
,
und
dass
die Beschwerdeführerin im Zeit
punkt des Erlasses des
Einspracheentscheids
an den Folgen aus dem Ereignis vom 27. April 2009 gelitten habe (Ziff. 1).
Demgemäss
sei die
Beschwerdegeg
nerin
zu verpflichten, auch über den 18. Juli 2012 hinweg Taggeldleist
ungen zu erbringen, die Kosten ein
er Operation vom 9. April 2013 und der nachfolgenden Therapien zu übernehmen sowie über die weiteren gesetzlichen Leistungen wie Rente, Integritätsentschädigung und Übernahme von künftigen Therapiekosten neu zu entscheiden (
Ziff.
2
)
.
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 2. Juli 2013 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 20. August 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches - im Rahmen des durch die Verfügung beziehungs
weise den Einspracheentscheid bestimmten Anfechtungsgegenstandes - den auf
grund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen
Verfügungsgegen
stand
bildet. Nach dieser Begriffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und Streitgegenstand identisch, wenn die Verwaltungsverfügung beziehungs
weise der Einspracheentscheid insgesamt angefochten wird (BGE 125 V 413).
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Gericht, ungeachtet
der Vorbringen
der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das
Leis
tungs
- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situa
tion den formellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegenstand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.2
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann das verwaltungsgerichtliche Verfahren aus prozessökonomischen Gründen auf eine ausserhalb des
Anfech
tungsgegenstandes
, das heisst ausserhalb des durch die Ver
fügung beziehungs
weise durch den Einspracheentscheid bestimmten Rechtsverhältnisses liegende spruchreife Frage ausgedehnt werden, wenn diese mit dem bisherigen Streitge
genstand derart eng zusammenhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und wenn sich die Verwaltung zu dieser Streitfrage mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert hat (BGE 130 V 501, 122 V 34 E. 2a mit Hinweisen).
2
.
2
.1
Nach
Art.
10
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (
Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG), so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG), so hat sie An
spruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1 UVG). Der Rentenanspruch ent
steht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
2
.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2
.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als
adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeiz
uführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2
.4
Für die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der rechtlichen Folgen sind Versicherungsträger und Gerichte auf Angaben ärztlicher Expertinnen und Ex
perten angewiesen. Diese Angaben bilden die ausschlaggebenden Beweismittel. Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicheru
ngsgerichte die Beweise frei, das
h
eisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
3
.1
Die Beschwerdeführerin
begründete ihren abweisenden Einspracheentscheid (Urk. 2)
zusammenfassend
damit, dass weder die Beschwerden an der Wirbel
säule bis hinunter in das Becken und Ausstrahlung in das rechte Bein noch die Schulterbeschwerden in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 2
7
. April 2009 stünden. Insoweit die Beschwerdeführerin sinngemäss auch
Taggelder
geltend mache, seien diese bei einer Arbeitsfähigkeit von 100 % be
reits mit Verfügung vom 29. August 2012 per 18. Juli 2012 eingestellt worden. Diese Verfügung sei in Rechtskraft erwachsen. Die Weiterausrichtung von Tag
geldern könne daher nicht Gegenstand des
Einspracheentscheids
sein
(vgl. auch
Urk.
6)
.
3
.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (Urk. 1), es möge streng formal korrekt sein, dass die Verfügung vom 29. Augus
t 2012 in Rechts
kraft erwachsen
,
diese Argumentation
aber
aus rechtlicher Sicht krass
rechts
missbräuchlich
sei
, habe doch einerseits die Beschwerdeführerin schon vor Erlass der fraglichen Verfügung klar zum Ausdruck gebracht, dass sie die ent
sprechende Entscheidung nicht billige und sei im Nachhinein zum Ausdruck gebracht worden, dass man die Sache erneut überprüfen wolle. Die
Beschwerde
gegnerin
wäre verpflichtet gewesen, das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 6. August 2012 als Einsprache entgegen zu nehmen. Im Übrigen sei auch davon auszugehen, dass sich die Verfügung mit neu gewonnen
medizinischen
Erkenntnissen als of
fensichtlich unrichtig erweise (
Ziff.
2
S. 3 f.).
Das Fazit des Kreisarztes im Bericht vom 4. Juli 2012 gehe deutlich dahin, dass der Fall nicht einfach abgeschlossen werden könne, sondern dass weitere Abklärungen notwendig seien. Insbesondere finde sich keine Aussage des In
halts, es sei keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands mehr zu erwarten. Trotz des ihr damals vorliegenden Berichts des Schul
t
erspezialisten
Dr.
A.___
habe
die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen bezüglich der
Schulter
beschwerden
ein
gestellt
. Sie habe die Ausführungen des Arzte
s
zwar zur Kennt
nis genommen, nicht aber einer vertieften Abklärung unterzogen
. Der Kreisarzt sei zum Schluss gekommen, dass zwischen den Schulterbeschwerden und dem Unfall bloss möglicherweise ein Kausalzusammenhang bestehe, ohne sich mit den erhobenen Befunden näher auseinanderzusetzen (
Ziff.
4
S. 5).
Insoweit sich die Beschwerdegegnerin auf einen angeblichen von der Beschwer
deführerin zu tragenden Beweisnotstand
berufe, weil diese zunächst eine
Strah
lendiagnostik
der rechten Schulter abgelehnt und später auf einen
Kontrast
mittelverzicht
beharrt habe, wäre die Beschwerdegegnerin im Rahmen ihrer Abklärungspflicht verpflichtet gewesen, die Beschwerdeführerin über die
Er
kennt
nismöglichkeiten
mittels der verschiedenen Untersuchungsmethoden um
fassend aufzuklären und – hätte sich die Beschwerdeführerin dann geweigert, sich den entsprechenden ärztlichen Untersuchungen zu unterziehen – ein for
melles Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
einleiten müssen
(
Ziff.
6 S. 5 f.)
.
3
.3
Zu prüfen ist,
ob sich die Beschwerdegegnerin bezüglich der Einstellung der Taggelder per 18. Juli 2012 zu Recht auf die rechtskräftige Verfügung vom 29. August 2012 beruft
und
ob die Schulterbeschwerden auf den Unfall vom 27. Ap
ril 2009 zurückzuführen sind
.
Nicht mehr streitig ist die Übernahme der Kosten für die notfallmässige Behand
lung des immobilisierenden
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms im Spital
Z.___
(vgl. nachfolgend E. 3.21).
4
.
4.1
Nach der kreisärztlichen Untersuchung vom 3. Juli 2012 (vgl.
nachstehend
E.
5
.19) teilte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin am 18. Juli 2012 mit, dass sie die Taggeldleistungen per sofort einstelle (Urk. 7/154). Dagegen wandte sich die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 6. August 2012 an den Kreisarzt und teilte diesem mit, dass die von ihm bescheinigte Arbeitsfähigkeit von 100 % für sie nicht realisierbar sei und sie „diese Entscheidung nicht annehmen kann“. Tags darauf reichte die Beschwerdeführerin eine Kopie dieses Schreibens sowie d
as
Arztzeugnis von
Dr.
B.___
(Urk. 7/157), wonach eine Untersuchung und allfällige Operation der Schulter bei
Dr.
A.___
in Aussicht gestellt wurde, ein (Urk. 7/158). Nachdem
der Kreisarzt
zum
Arztzeug
nis
von
Dr.
B.___
Stellung genommen und empfohlen hatte, welche Untersuchungen durch
Dr.
A.___
erfolgen sollten
(
Urk.
7/159)
, stellte die
Be
schwerdegegnerin
die Taggeldleistungen mit Verfügung vom 29. August 2012 (Urk. 7/161) per 18. Juli 2012 ein. Für die Kosten der Heilbehandlung werde sie weiterhin die Versicherungsleistungen übernehmen.
Am 3. September 2012 meldete die Beschwerdeführerin, sie habe nun einen Termin für die Untersuchung der Schulter bei
Dr.
A.___
erhalten
,
und bat um Kostengutsprache für eine
arthroskopische
Evaluation beziehungsweise
für eine eventuell notwendige Opera
tion (Urk. 7/162). Hierauf antwortete die
Beschwer
degegnerin
, sie werde die Kosten für die Untersuchungen übernehmen. Über den Anspruch auf weitere Leistungen im Zusammenhang mit der rechten Schulter werde nach Vorliegen der Untersuchungsberichte von
Dr.
A.___
entschieden (Urk. 7/163).
4.2
Nachdem die Beschwerdeführerin sich aufgrund ihrer Schulterbeschwerden gegen die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
den
Kreisarzt gewandt und die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen im Zusammenhang mit den Schulterbeschwerden angeordnet hatte, durfte die Beschwerdeführerin die nach der Verfügung ergangene Zusage, wonach über den Anspruch auf weitere Leis
tungen im Zusammenhang mit der rechten Schulter nach Vorliegen der Unter
suchungsberichte ent
sch
i
e
den werde, durchaus dahingehend verstehen, dass auch über die Weiterausrichtung der eingestellten Taggelder neu entschieden werde, basierte doch die Taggeldeinstellung auf der Überzeugung der
Beschwer
degegnerin
, es lägen keine unfallkausalen organischen Schädigungen an der rechten Schulter vor.
Die Beschwerdeführerin konnte damit davon ausgehen, dass die
Beschwerde
geg
nerin
ihre Einwände als Einsprache gegen die V
erfügung vom 29. August 2012
entgegengenommen hatte (vgl. BGE 123 V 131) und über die
Taggeld
leistungen
neu befinden we
rd
e
, sobald die Untersuchungsergebnisse vorl
ä
gen.
H
ätte
die
Beschwerdegegnerin
die Einwände der Beschwerdeführerin nicht als Einsprache entgegennehmen wollen, hätte sie
in der E-Mail vom 4. September 2012 explizit darauf hinweisen
müssen
, dass mit dem Anspruch auf weitere Leistungen, der im Anschluss an die Untersuchung durch
Dr.
A.___
geprüft wer
den sollte, die Taggeldleistungen ausgeschlossen seien, es sei denn, die Beschwer
deführerin würde die Verfügung vom 29. August 2
012 noch schriftlich anfechten.
4.3
D
ie Beschwerdegegnerin
ist nach dem Dargelegten zu Unrecht nicht auf die Einsprache gegen die Verfügung vom 29.
August
201
2
eingetreten.
Da, wie im Nachfolgenden zu zeigen sein wird, die Rückweisung der Sache zum Erlass eines
Einspracheentscheids
zu einem formalistischen Leerlauf führen würde, ist davon abzusehen.
5
.
5
.1
Die erstbehandelnde
Dr.
med. C.___
,
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
, diagnostizierte im Bericht vom 3. Juni 2009 (Urk. 7/4) einen Status nach Kiefer- und Schulter- beziehungsweise Oberarmkontusion rechts
. Als Befund nannte sie eine Prellmarke am rechten Oberarm ohne
Anhaltspunkte
fü
r
eine Fraktur
; sie
attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 28. April bis 1. Mai 2009.
5
.2
Mit ärztlichem Zwischenbericht vom 8. Juli 2009 (Urk. 7/10) stellte
Dr.
med.
B.___
, Arzt für Allgemeine
Innere Medizin
, fest, es gehe der
Be
schwerdeführerin
besser, da die Arbeitszeiten eingeschränkt seien. Sie leide vor allem unter Beschwerden
bei Kopfdrehung
und unter Konzentrationsstörungen. Sie habe die Arbeit am 8. Mai 2009 zu 50 % wieder aufgenommen.
Im ärztlichen Zwischenbericht vom 3. September 2009 (Urk. 7/1
7) diagnosti
zierte
Dr.
B.___
einen Status nach Distorsion der Halswirbelsäule (HWS), vermutlich Commotio cerebri und Distorsion der Schulter und des Ober
arms rechts. Betreffend
die
HWS-Distorsion sei der Verlauf ungünstig, jedoch nicht gravierend.
S
ie arbeite weiterhin zu 50 %.
5
.3
Am 29. September 2009 fand eine Untersuchung durch SUVA-Kreisarzt
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, statt. Dieser
berichtete am 1. Oktober 2009 (Urk. 7/22 S. 3 f.), die geschilderten Be
schwerden erinnerten an eine HWS-Distorsion, wenngleich sich ein typisches Schleudertrauma nicht abgespielt habe. Die klinische Untersuchung ergebe keine Hinweise auf strukturelle Läsionen
.
Es bestehe eine freie Beweglichkeit sowohl der HWS als auch der Schulter beidseits bei guter Kraft (Lift-off-Test).
Eine radiologische Abk
lärung habe nicht stattgefunden. A
uch sei die
Beschwer
deführerin
, die eher alternativmedizinisch orientiert sei, einer
Strahlendiagnos
tik
gegenüber ablehnend. Sie sei jedoch mit einer MR-tomografischen Abklä
rung der HWS sowie der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
einverstanden.
Aufgrund der geklagten Beschwerden, zeitweise Kopfschmerzen sowie Kraftverlust im Bereich des rechten Armes, sollte eine neurologische Verlaufskontrolle durchgeführt werden.
Aus orthopädisch/
traumatologischer
Sicht liessen sich keine strukturellen Läsio
nen im Zusammenhang mit dem Unfallereignis mehr nachweisen. Insoweit b
estehe auch wieder – für das
Pensum
von 50
%
im Bereich Touristik – eine volle Arbeitsfähigkeit.
Aufgrund der klinischen Verspannungen im Bereich des
Trap
e
zius
empfehle sich ein Aufbautraining.
5
.4
Dr.
med. E.___, l
eitender Arzt Radiologie des Spitals
Z.___
, stellte nach durchgeführtem MRT
der HWS und LWS
im Bericht vom 28. Oktober 2009 (Urk. 7/
35 Beilage) eine leichte
Chondrose
L3/4 und L4/5 ohne Nachweis eines
neurokompressiven
Prozesses fest. Insgesamt bestehe eine mässige, nach kaudal etwas zunehmende lumbale
Spondylarthrose
.
5
.5
Dr.
med. F.___
,
Fachärztin für
Neurologie, berichtete am 10. Dezember 2009 (Urk. 7/39), es seien keine neurologischen Ausfälle zu finden, weder
radi
kulärer
Art noch einzelne periphere Nerven betreffend. Das MRI der HWS und LWS (vgl. oben E.
5
.4) zeige auch lediglich
geringgradige
degenerative Verän
derungen.
Sicher noch unfallbedingt seien die deutlichen Muskelverspannungen
rechtsbe
tont
im Arm- und Nackenbereich. Es fänden sich deutliche
Myogelosen
, die auch druckschmerzhaft seien. Bisher sei noch keine klassische Physiotherapie durchgeführt worden, weshalb dringen
d
zu raten sei, die nun begonnene Physio
therapie weiterzuführen.
Nach Angaben der Beschwerdeführerin sei die Schulter rechts nie genau unter
sucht worden, obwo
hl sie dort ein erhebliches Häma
tom
gehabt habe. Es fände sich keine wesentliche Beeinträchtigung der Schulterbeweglichkeit, eine genau
ere
Bestandesaufnahme
durch einen Schulterspezialisten sei dennoch ange
bracht.
Die Beschwerdeführerin habe sich eine Fehlhaltung oder auch falsche Bewegungsm
uster
im rechten Arm angeeignet. Sie klage auch über Beschwer
den
im
Iliosakralgelenk
(ISG)
, die allerdings schon früher bestanden hätten, nun aber zunähmen.
5
.6
Dr.
med. G.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, diagnostizierte im Bericht vom 16. Februar 2010 (Urk. 7/47) einen Status nach Schulterkontusion rechts mit Bursitis
subacromia
lis
. Die MRI-Untersuchung (Nativ-MRI) habe eine
subacromiale
Reizproblematik ergeben
(vgl. auch Bericht von Prof.
Dr.
med.
H.___
, Chef
arzt Radiologie an der
Klinik I.___
vom 11. Februar 2010, Urk. 7/52)
, ansonsten finde sich ein unauffälliger Schulterstatus. Es sei der Patientin eine
subacromiale
Infiltration mit
Naropin
und
Kenacort
empf
oh
len worden
. Wegen ihrer
Allergikeranamnese
verzichte si
e
auf das Kortison, wolle sich die Situation um das
Naropin
, das allerdings nur diagnostischen Wert habe
,
noch überlegen.
5
.7
Dr.
F.___
(vorstehend E. 5.3)
und
lic
.
phil.
J.___
, Psychologin, diag
nostizierten im Bericht vom 7. Juni 2010 (Urk. 7/57) eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (F43.2). Die Beschwerdeführerin habe am 15. Januar 2010 eine Gesprächstherapie begonnen, auf welche sie gut angesprochen habe und in deren Verlauf es zu einer S
tab
ilisierung des Zustandes gekommen sei. Nach einem mehrwöchigen Urlau
b
(Mitte März bis Mitte Mai) sei es nach der Wiederaufnahme der Arbeit zu einem Zusammenbruch gekommen. Die Beschwerdefüh
r
erin habe Mühe, ihre Grenzen zu wahren und sich nicht zu übernehmen.
Weiter destabilisierend wirke sich aus, dass sie für sie erholsame Tätigkeiten wie beispielsweise Schwimmen, Gartenarbeit und Velofahren wegen der Schmerzen nicht genügend nützen könne.
5
.8
Dr.
K.___
stellte im ärztlichen Zwischenb
ericht vom 4. August 2010 (Urk. 7
/67) fest, die Beschwerdeführerin klage weiterhin über Konzentrations
störungen, Schwindel, Verspannungen im ganzen Schultergürtelbereich, Kopf
schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Sie habe die Arbeit seit längerem zu einem Pensum von 20 % wieder aufgenommen.
5
.9
In der ärztlichen Beurteilung vom 5. August 2010 (Urk. 7/63) hielt Kreisarzt
Dr.
D.___
fest, aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht könne festgehalten werden, dass die erneute Arbeitsunfähigkeit nicht dem Unfallereignis vom 27. April 2009 zuzurechnen sei und es spielten im Beschwerdebild der Patientin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Unfallfolgen eine Rolle.
5
.10
Dr.
F.___
und
lic
. phil.
J.___
berichteten am 24. Januar 2011 (Urk. 7/74), es sei für die Beschwerdeführerin wichtig gewesen zu lernen, ihre Grenzen besser wahrzunehmen und sich nicht zu überfordern, was ihr in der Zwischenzeit besser gelinge. Insgesamt sei aber der Zustand instabil, die Schmerzen dauerten an und es bestehe eine Einschränkung in verschiedenen Lebenssit
uationen (Arbeit und Freizeit).
5
.11
Am 8. März 2011 (Urk. 7/79) schrieb
Dr.
B.___
, die Arbeitsfähigkeit betrage seit 1. Januar 2011 50 %. Neu sei auch eine
Epicondylitis
am rechten Arm aufgetreten. Ob diese im Zusammenhang mit dem Un
fall stehe, sei ihm nicht klar.
5
.12
Laut Bericht von
Dr.
med.
L.___
, Facharzt für Allgemein
e Innere M
edizin, vom 23. März 2011 (Urk. 7/81) fand die Erstkonsultation am 15. Juni 2010 statt. Die Beschwerdeführerin leide seit dem Unfall an chronischen Schulter-, Nacken- und
Atembeschwerden
rechts und sekundär auch an
Kreuzbeschwer
den
, möglicherweise verursacht durch eine Fehlhaltung. Es sei
en
ein blockiertes rechtes
ISG
gefunden worden sowie mehrere Blockierungen (segmentale Dys
funktion) der HWS, welche wiederholt hätten gelöst werden müssen. Therapeu
tische Infiltrationen, so auch in das rechte ISG
,
seien zur Erleichterung der
Deblockierung
durchgeführt worden. Parallel dazu sei immer wieder Physio
therapie notwendig gewesen. Wegen des weitgehend therapieresistenten Ver
laufs selbst unter Neuraltherapie habe er unter anderem auch wiederholt eine
Stelatumblockade
durchgeführt, um eine möglicherweise zugrunde liegende asymmetrische vegetative Störung zu lösen. Am 19. Januar 2011 sei endlich die Lösung des blockierten ISG gelungen. Dennoch hätten sich die Kreuz- und Gesässbeschwerden mit Ausstrahlung in den rechten Oberschenkel durch chro
nischen Hartspann der Gesässmuskulatur rechts nicht wesentlich gebessert.
5
.13
Dr.
med.
M.___
, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, fand in der Untersuchung gemäss Bericht vom 14. Juni 2011 (Urk. 7/95) einen deutli
chen linksseitigen Lagerungsschwindel. Das
Traumaereignis
sowie der mehrjäh
rige Verlauf mit vorübergehender deutlicher Erholung der Symptome
sei
en
grundsätzlich für einen traumatischen Lageschwindel eher atypisch. Primär müsse das Ansprechen auf das Repositionsmanöver abgewartet werden.
5
.14
Im Bericht vom 21. Juli 2011
(Urk. 7/100)
teilte
Dr.
F.___
mit, ein
Wallen
berg
syndrom
liege mit Sicherheit nicht vor. Bei den Schwindelepisoden handle es sich um einen Lagerungsschwindel. Es sei der Beschwerdeführerin empfohlen worden, die begonnene Therapie bei
Dr.
M.___
wieder aufzunehmen.
5
.15
Dr.
med.
N.___
, Facharzt für Ophthalmologie
und
Ophthalmochirurgie
, diagnostizierte im Bericht vom 26. August 2011 (Urk. 7/103) eine leichte Myo
pie rechts sowie eine beginnende
Presbyopie
.
5
.16
Im Aktengutachten vom 17. September 2011 (Urk. 7/108) führte
Dr.
med.
O.___
, Fachärztin für Ophthalmologie und
Ophthalmochirurgie
,
die Sehverschlechterung auf die physiologische Alterssichtigkeit und die rechtssei
tige Myopie zurück. Das erwähnte Augenflattern (vgl. Urk. 7/77) sei möglicher
weise auf die nicht korrigierte Fernsicht zurückzuführen oder, wie die Erfahrung
zeige, durch einen Magnesiummangel verursacht. Das Augenflattern sei nicht auf den Unfall zurückzuführen.
5
.17
Am 24. Januar 2012
(Urk. 7/119)
berichtete
Dr.
M.___
, nachdem im letzten Sommer ein deutlich lageabhängiger Schwindel habe nachgewiesen werden können, habe sich dieser nun über die Zeitdauer erholt, und es sei zu keinem Rezidiv gekommen. Trotzdem komme es immer wieder zu
belastungsabhängi
gen
Beschwerden im
nuchalen
Bereich mit
Schwankschwindel
. Dieser Befund lasse sich aktuell
bei stabiler
vestibulärer
Funktion und ebenfalls stabiler Hör
schwelle
nicht auf eine Ohrpathologie zurückführen. Bei deutlichen
Ansatz
tendinosen
sei ein HWS-Syndrom als Ursache für die Beschwerden denkbar und könne noch im Zusammenhang mit dem Unfall gesehen werden.
5
.18
Das MRI
der
Schulter rechts vom 10. Februar 2012 ergab laut
Dr.
med.
P.___
, Institut
für
Radiologie
am Spital
Z.___
, (Urk. 7/131), dass eine
Impinge
ment-Symptomatik
mit sklerotisch ausgezogener
Acromionspitze
sowie eine geringe Aktivierung einer Bursitis
subacromiale
/
subdeltoidea
und eine geringe AC-Gelenksarthrose
wahrscheinlich seien
,
jedoch
keine
periartikuläre
Mus
kelatrophie und kein Beweis für
eine
höhergradige
Rotatorenmanschettenruptur
vorlägen
.
5
.19
Am 3. Juli 2012 fand eine Untersuchung durch SUVA-Kreisarzt
Dr.
med.
Q.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie
des Bewe
gungsapparates, statt.
Er
stellte am 4. Juli 2012 folgende Diagnose (Urk. 7/148 S. 7):
-
Kiefer- und Schulterprellung und proximale Oberarmkontusion rechts vom 27. April 2009 mit/bei
-
bewegungs-, belastungs- und haltungsabhängigen
Cervicobrachial
gien
rechts mit subjektiv rezidivierenden Sensibilitätsstörungen und
Kribb
elparästhesien
im Segment C7/C8
-
lage-, bewegungs- und belastungsabhängigen Schulterbeschwerden rechts bei im Februar 2010 kernspintomographisch festgestellter
bur
saler
Reizung und Reizung des
Acromioclaviculargelenks
rechts
Objektiv zeige sich eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der HWS nach rechts ohne Auslösen einer neurologischen Symptomatik bei
druckschmerzhaf
ten
Facettengelenken und Irritationspunkte
n
occipital
beidseits, rechts mehr als links, sowie einer stellenweise druckschmerzhaften Hals- und
Schultergürtel
muskulatur
. Die Beweglichkeit im rechten Schultergelenk sei im Seitenvergleich für Anteversion, Aussenrotation sowie für den Schürzen- und N
a
ckengriff ein wenig eingeschränkt. Rechtsseitig zeige sich ein positives
Impingement
als Hinweis auf eine
subacromial
bursale
Reizung.
Zusammenfassen
d
hätten im Rahmen der bisher durchgeführten Untersuchun
gen keine strukturellen Läsionen im Bereich der HWS festgestellt werden kön
nen, im Bereich des rechten Schultergelenks habe kernspintomographisch eine Reizung der Bursa und des AC-Gelenks verifiziert werden können.
Die im Rahmen der heutigen Untersuchung berichteten, aber objektiv nicht nach
weisbaren, intermittierend auftretenden Sensibilitätsstörungen der rechten Hand im Bereich des
4.
u
nd
5.
Fingers sowie der
ulnaren
Unterarmseite seien in dieser Form bisher nicht beschrieben worden. Diesbezüglich sei eine entspre
chen
de neurophysiologische Untersuchung durchzuführen. Sollte das Ergebnis dieser Untersuchung auf eine Pathologie im Bereich der HWS hindeuten, wäre eine entsprechende MRT-Untersuchung der HWS notwendig.
In Anbetracht fehlender relevanter organisch-struktureller Läsionen sei aus fach
ärztlich-orthopädischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im ursprüngli
chen Pensum im Rahmen der angestammten beruflichen Tätigkeit zumutbar.
Am 17. Juli 2012 (Urk. 7/152) präzisierte
Dr.
Q.___
seine Aussage betreffend Arbeitsfähigkeit dahingehend,
dass
er
die Beschwerdeführerin für eine
voll
schichtige
berufliche Tätigkeit mit überwiegender Arbeit am PC nur
teilarbeits
fähig
erachte
;
für den bestehenden Zeitrahmen von 60 % bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit.
5
.20
Dr.
F.___
berichtete am 18. Juli 2012 (Urk. 7/155), die Neurographie des
Ner
vus
(N.)
ulnaris
sei beidseitig unauffällig und es bestehe kein Hinweis für eine
Ulnaris
-Läsion. Auch die F-Wellen-Latenz sei seitengleich und unauffällig. Im EMG finde sich kein Hinweis
auf
eine
neurogene
Läsion der Wurzel C8, respek
tive
auf
durch
den
N.
ulnaris
innervierte
Handmuskeln. Somit könne keine neurogene Läsion dokumentiert werden. Die Beschwerdeführerin sei überzeugt, dass ihr Problem im Bereich der oberen
Thoraxappertur
liege. Allenfalls müsste eine Halsrippe ausgeschlossen werden oder eventuell ein MRI der
Plexusregion
gemacht werden. Zu einer messbaren Nervenschädigung
komme es aber defini
tiv nicht.
5
.21
Die Ärzte des Spitals
Z.___
diagnostizierten im Bericht vom 2. August 2012 (Urk. 7/170) ein immobilisierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (
Erst
diagnose
1. August 2012). Die Beschwerdeführerin habe sich bei akuten, immo
bilisierenden
lumbospondylogenen
Schmerzen mit Ausstrahlung in das rechte Bein vorgestellt. Klinisch hätten keine sensiblen oder motorischen Defizite im Bereich der Beine nachgewiesen werden können. Es gebe keine Hinweise auf eine
Cauda
equina
-Symptomatik. Auch die Nerven-Irritationszeichen seien negativ.
5
.22
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Chirurgie, stellte im Bericht vom 29. Oktober 201
2
(Urk. 7/173) fest, auf den
Arthro
-MRI-Untersuchungen könne man fest
stellen, dass die Beschwerdeführerin wohl eine
ausgesprochen
fortgeschrittene AC-Gelenks-Veränderung rechts zeige mit
subcho
ndralen
grossen Zystenbil
dun
gen und
Unregelmässigkeiten des
claviculären
und
acromialen
Gelenkrandes im Sinne einer hochgradigen Arthrose (traumatisierte Arthrose) mit Zerstörung des Diskus
interartikularis
. Allein dieser Befund erkläre bereits einen Grossteil der Beschwerden. Über den gesamten
Interartikularraum
(SLA
P-
oder
Lumbus
-Läsion oder
Rotatorenmanschetten
-Innenblatt-Läsion) könne keine Aussage gemacht werden, da auf intraartikuläre Gadolinium-Gabe verzichte
t
worden sei. Auch über das
Impingement
-Syndrom und deren Folgen auf den
Subacromial
raum
mit
Aufscheuerung
der
Rotatorenma
n
schette
könne wenig ausgesagt wer
den
. Es sei deswegen ein nochmaliges
Arthro
-MRI veranlasst worden, und zwar mit Gadolinium intraartikulär, um eine klare Diagnose bezüglich Limbus
glenoidalis
, SLAP-Läsion,
Rotatorenmanschette
und
Bicepssehne
zu erhalten.
Am 6. November 2012 berichtete
Dr.
A.___
(Urk. 7/176)
gestützt auf den Bericht des Zentrums für medizinisch
Radiologie über die MRI-
Arthrog
r
a
fie
Schulter rechts vom 5. November 2012 (Urk. 7/182)
, die neue
Arthro
-MRI-Untersuchung zeige nach wie vor die Zerstörungssituation des AC-Gelenkes mit posttrauma
tischer schwerer Arthrose. Gleichzeitig zeige sie auch eine SLAP-Läsion Typ II und
ein
en hochgradigen
Verdacht auf eine Intervall-Läsion. Es handle sich um posttraumatische Veränderungen und es sei eine Operationsindikation gegeben, zumal die Beschwerdeführerin einen hohen Leidensdruck zeige und die Arbeit nie mehr als zu 50 % habe ausführen können. Vorgesehen
sei
die
Défilée
-Erweiterung und
Akromioplastik
sowie
die
Bicepstenotomie
und –
t
e
nodese
,
SLAP-
Refixation
und die AC-Gelenksresektion mit Intervall-Verschluss.
5
.23
In der Aktennotiz vom 22. November 2012 (Urk. 7/186)
wiederholte Kreisarzt
Dr.
Q.___
, dass sich am 29. September 2009 aus orthopädisch/
trau
ma
tolo
gi
scher
Sicht keine strukturellen Läsionen mehr hätten nachweisen lassen, die mit dem Unfall vom 2
7.
April 2009 in Verbindung zu bringen seien, auch nicht kli
nisch im Bereich der rechten Schulter. In der Stellungnahme vom 5. August 2010 sei festgestellt worden, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Beschwerdebild Unfallfolgen keine Rolle mehr spielten. Die
Schulterbeschwer
den
sowie die Befunde rechts seien möglich, aber nicht überwiegend wahr
schein
lich auf den Unfall zurückzuführen.
5
.24
Am 9. April 2013 führte
Dr.
A.___
eine Schulteroperation rechts durch (vgl.
Ope
rationsbericht
vom 11. April 2013, Urk. 3/1) und berichtete im ärztlichen Zeug
nis vom 2. Mai 2013
(Urk. 3/2)
, der intraoperative Befund habe die
Zerstörung des AC-Gelenkes mit vollständiger Destruktion des Diskus
interartikularis
und der beiden Knochenanteile des AC-Gelenks bestätigt. Es handle sich nicht um eine
arthrotische
Veränderung, sondern um eine eigentliche knöcherne Zerstö
rung. Gleichzeitig sei bei der Inspektion des
I
ntraartikularraums
eine SLAP-Lä
sion Typ II und eine instabile
Bicepssehne
mit vollständigem Fehlen des Seh
nen-
Pulley
feststellbar gewesen. Nach durchgeführter Operation sei für ihn klar, dass sowohl das traumatisierte AC-Gelenk als auch das vollständige Fehlen des Sehnen-
Pulley
und der SLAP-Läsion unfallkausal zu erklären seien und nicht degenerativ.  Das tiefstehende
Akromion
Bigliani
Typ II bis II
I
sei sicher weder unfallkausal noch degenerativ, sondern konstitutionell bedingt. Es sei gleich
zeitig mitkorrigiert worden
, um
einem besseren postoperativen Verlauf und
eine deutlich bessere
Rehabilitation des operierten Schultergelenks
zu erreichen
.
6.
6
.1
Den medizinischen Akten kann entnommen werden, dass die Beschwerdeführe
rin
seit dem Unfall
über Schulterschmerzen
klagte
. So berichtete Kreisarzt
D.___
(E.
5
.3) knapp vier Monate nach dem Unfall, die Beschwerdeführerin gebe Schmerzen an im gesamten Schulterbereich rechts, am Oberarm im Bereich des rechten Schulterblattes sowie „im Lungenflügel“ rechts. Auch habe sie Nackenschmerzen beidseits, welche teilweise als Blockaden, teilweise auch als nach
cranial
ziehender
Kopfschmerz front wahrgenommen würden. Laut
Dr.
D.___
erinnerten die geschilderten Beschwerden an eine HWS-Distorsion, obwohl sich ein typisches Schleudertrauma nicht abgespielt habe.
Da die Beschwerdeführerin eine konservative radiologische Untersuchung der Schulter abgelehnt hatte, empfahl
Dr.
D.___
lediglich die Durchführung einer MR-tomografischen Abklärung der HWS und der LWS
, nicht aber der Schulter,
sowie eine neurologische Verlaufskontrolle. Obwohl er weitere Abklärungen veranlasste, ging er dennoch davon aus, dass sich in der kreisärztlichen Unter
suchung keine strukturellen Läsionen mehr nachweisen liessen, die mit dem Unfallereignis in Verbindung zu bringen seien, was doch eher widersprüchlich ist.
Eine erste
MR
-tomographische Abklärung
der rechten Schulter
erfolgte erst, nachdem
Dr.
F.___
im Bericht vom 10. Dezember 2009 eine genaue Bestan
desaufnahme durch den Schulterspezialisten anregte (vgl. E
. 5
.5). Diese ergab laut
Dr.
G.___
(E
. 5
.6) eine
subacromiale
Reizproblematik, ansonsten erachtete
Dr.
G.___
den Schulterstatus als unauffällig. Eine zweite MR-Untersuchung der Schulter wurde am 10. Februar 2012 im Spital
Z.___
durchgeführt, welche eine
Impingement
-Symptomatik mit wahrscheinlicher sklerotisch ausgezogener
Acromionspitze
sowie eine geringe Aktivierung einer Bursitis
subacromi
ale
/
sub
deltoidea
und eine geringe AC-Gelenksarthrose ergab (E.
5.
18). Aufgrund dieser
Befunde veranlasste
sodann
Dr.
A.___
(E.
5
.22) weitere Untersuchungen, die schliesslich zur Schulteroperation führten (E.
5
.24).
6
.2
Aus den obigen Ausführungen erhellt, dass Schulterbeschwerden seit dem Unfall aktenkundig sind und acht Monate nach dem Trauma auch MR-tomo
graphisch eine Reizproblematik festgestellt wurde, womit ein organisches Sub
strat ausgewiesen war.
Auch Kreisarzt
Dr.
Q.___
(E.
5
.19)
erläuterte
, dass im Bereich des rechten Schultergelenks kernspintomographisch eine Reizung der Bursa und des AC-Gelenks habe verifiziert werden können
.
Weshalb er diesen
Befund als nicht relevant organisch-strukturell
beurteilte, kann seinem Bericht nicht entnommen werden. D
ennoch
empfahl er aber,
es sei
bezüglich der rech
ten Schulter der Untersuchungsbericht über die orthopädische
Kontrolluntersu
chung
vom 5. Juli 2012 einzuholen, wobei aus seiner Empfehlung nicht klar hervorgeht,
welche orthopädische
Kontrolluntersuchung er
meinte, da seinem
Bericht lediglich entnommen werden
kann
, dass am 5. Juli 2012 eine
Kontroll
untersuchung
bei
Dr.
B.___
, welcher Facharzt für Allgemeine Medi
zin FMH und der Hausarzt der Beschwerdeführerin ist, stattfinden soll. Welche Erkenntnisse
er
aus dieser Kontrolluntersuchung gewinnen wollte,
bleibt unklar, es muss aber davon ausgegangen werden, dass auch
Dr.
Q.___
nicht
vollstän
dig überzeugt war, dass den Beschwerden kein organisches Substrat zugrunde liegt, insbesondere auch deshalb, weil er die Beschwerdeführerin nur für ein Pensum von 60 % als vollschichtig arbeitsfähig erachtete.
Nachdem
Dr.
A.___
nach dur
chgeführ
ter Operation erklärte, der intraoperative Befund habe die Zerstörung des AC-Gelenks mit vollständiger Destruktion des Diskus
interartikularis
und der beiden Knochenanteile des AC-Gelenks bestätigt und gleichzeitig
sei
bei der Inspektion des
Intraar
tikularraums
eine SLAP-
Läsion
Typ II und eine instabile
Bice
pssehne
mit vollständigem Fehlen des Sehnen-
Pulley
gefunden worden
, welche er nicht auf einen degenerativen Ursprung, sondern auf den Unfall zurückführte,
führte
Kreisarzt
Dr.
Q.___
aus, d
ie Be
funde der rechten Schulter
seien nur
möglicherweise
unfallkausal.
Dabei berief er
sich
darauf, dass angesichts der kreisärztlichen Untersuchungen keine struk
turellen Läsionen
– auch nicht klinisch im Bereich der rechten Schulter -
mehr hä
tten nachgewiesen werden können. Dies wurde aber
durch
Dr.
A.___
mit den entsprec
henden Untersuchungen widerlegt
.
Eine Auseinandersetzung mit den
von
Dr.
A.___
aufgeführten
Befunden fehlt vollständig, weshalb auch nicht nachvollziehbar ist, weshalb
Dr.
Q.___
die Beschwerden am rechten Schultergelenk
als
de
generativ
bezeichnet
.
6.3
D
ass eine
vertiefte Untersuchung des Schultergelenks mit den entsprechenden radiologischen Untersuchungen erst durch
Dr.
A.___
stattfand,
kann
nur
soweit
teilweise der Beschwerdeführerin angelastet werden,
als
sie sich weigerte, eine
k
ontrastmittelinduzierte Untersuchung vornehmen zu lassen. Bereits zu Beginn ihrer Leidenszeit
aber
gingen die Ärzte – und möglicherweise auch die Beschwer
deführerin selber – davon aus, dass
die
Beschwerden
von der HWS
ausgingen, was sich deutlich im Bericht von Kreisarzt
Dr.
D.___
(E.
5
.3) nie
derschlägt, der berichtete, die geschilderten Beschwerden erinnerten an eine HWS-Distorsion, obwohl sich ein typisches Schleudertrauma nicht abgespielt habe.
Wohl auch aus diesem Grund hat die Beschwerdegegnerin darauf ver
zichtet, auf den notwendigen Schulteruntersuchungen zu beharren und
die Beschwerdeführerin auf ihre
Mitwirkungspflichten aufmerksam zu machen. Es geht daher nicht an, dass die Beschwerdegegnerin sich nun auf den Standpunkt stellt, die Beschwerdeführerin habe sich zeitnahen Untersuchungen widersetzt
,
weshalb heute nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausge
g
angen werden könne
, es lägen Unfallfolgen und nicht degenerative Verände
rungen der Schulter vor.
6.4
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Schulterbeschwerden auf den Unfall vom 27.
April 2009 zurückzuführen sind. Da auch die Einstellung der Taggelder auf der Überzeugung gründete, die Schulterbeschwerden seien nicht auf strukturelle Läsionen zurückzuführen und seien damit nicht unfallkausal, hat d
i
e Beschwerdeführer
in
über den 18. Juli 2012 hinaus
A
nspruch auf die gesetzlichen Leistungen.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde
.
7.
De
r
obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
in
steht eine Prozessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr
.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) für bis Ende 2014 angefallenen Aufwand
ermes
sensweise
auf Fr.
2‘
200
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 29. April 2013 auf
ge
hoben mit der Feststellung, dass die Beschwerdegegnerin verpflichtet wird, für die Folgen des Unfalls vom 27. April 2009
über den 18. Juli 2012 hinaus die gesetzli
chen Leistungen zu erbringen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schä
digung
von Fr.
2‘200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
-
CSS Versicherung AG
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannTiefenbacher