# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 792b75f7-06dc-5066-824a-7298d3f1fa26
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-07-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.07.2023 F-3648/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3648-2023_2023-07-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3648/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  J u l i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Basil Cupa, 

mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch;   

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

vertreten durch lic. iur. Nicolas von Wartburg, Rechtsanwalt,  

(…) 

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone;  

Verfügung des SEM vom 27. Juni 2023. 

 

 

 

F-3648/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der südkoreanische Staatsangehörige A._______ (geb. 1980; nachfol-

gend: Beschwerdeführer) ersuchte am 17. August 2022 in der Schweiz um 

Asyl. Zwecks vertiefter Sachverhaltsabklärung wurde er in das erweiterte 

Verfahren verwiesen (Zuteilungsentscheid vom 16. Juni 2023). Sodann 

wurde er für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Basel-Landschaft 

zugewiesen (Zuweisungsentscheid vom 20. Juni 2023). 

B.  

Gegen letzteren liess er am 29. Juni 2023 Beschwerde an das Bundesver-

waltungsgericht erheben und beantragen, er sei in Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung dem Kanton Zürich zuzuweisen. Die aufschiebende 

Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen und überdies sei ihm die 

unentgeltliche Rechtspflege mit dem Unterzeichneten als Rechtsbeistand 

zu gewähren. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt auf Beschwerde hin selbstän-

dig anfechtbare Zwischenverfügungen des SEM betreffend Kantonszuwei-

sungen (Art. 27 Abs. 3 i.V.m. Art. 107 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 31 ff. VGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das AsylG oder das VGG nichts anderes be-

stimmen (Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Zuweisungsentscheid kann gemäss Art. 27 Abs. 3 Satz 3 AsylG 

nur mit der Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz 

der Einheit der Familie (vgl. Art. 13 Abs. 1 BV; Art. 8 Ziff. 1 EMRK). Werden 

andere Gründe vorgebracht, ist wegen Unzulässigkeit auf das Rechtsmittel 

nicht einzutreten (siehe einlässlich dazu BVGE 2009/54 E. 1.3.1; 2008/47 

E. 1.2, E. 1.3.2 f. m.w.H. auf grund- und menschenrechtliche Aspekte; 

[nicht publ.] Urteile des BVGer F-1918/2023 vom 14. April 2023 E. 3.1;  

F-5357/2022 vom 30. November 2022 E. 1.5). 

F-3648/2023 

Seite 3 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet angesichts der betroffenen 

Rechtsmaterie endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

2.  

Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, er sei traumatisiert, be-

finde sich in einem psychisch entsprechend labilen Gesundheitszustand 

und sei auf externe Hilfe angewiesen. Seit seiner Ankunft in der Schweiz 

habe er sich über viele Monate hinweg ein Helfersystem erschlossen, das 

aus zwei Privatpersonen, Frau B._______ und Herrn C._______, bestehe. 

Die persönliche Beziehung zu diesen sei für ihn so essentiell, dass ein sehr 

enges psychisches Abhängigkeitsverhältnis vorliege, das den Beziehun-

gen einer Kernfamilie im Sinne von Art. 8 EMRK gleichzusetzen sei. Wäre 

er im Kanton Basel-Landschaft, würde sich sein Gesundheitszustand mit 

Sicherheit stark verschlechtern. 

3.  

3.1 Der Begriff der «Einheit der Familie» gemäss Art. 27 Abs. 3 Satz 3 

AsylG wird im Asylgesetz einheitlich verwendet und entspricht dem Schutz-

bereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK (BVGE 2008/47 E. 4.1). Er umfasst in erster 

Linie die Kernfamilie, also die Ehegatten und deren minderjährige Kinder, 

wobei den Ehegatten die eingetragenen Partnerinnen und Partner und die 

in dauernder eheähnlicher Gemeinschaft zusammenlebenden Personen 

gleichgestellt sind (Art. 1a Bst. e der Asylverordnung 1 über Verfahrensfra-

gen vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Weiter in den Schutzbe-

reich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK fallen aber auch andere familiäre Verhältnisse, 

sofern eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung be-

steht. Hinweise für solche Beziehungen sind das Zusammenleben in einem 

gemeinsamen Haushalt, eine finanzielle Abhängigkeit, speziell enge fami-

liäre Bande, regelmässige Kontakte oder die Übernahme von Verantwor-

tung für eine andere Person. Bei hinreichender Intensität sind auch Bezie-

hungen zwischen nahen Verwandten wie Geschwistern oder Tanten und 

Nichten wesentlich, doch muss in diesem Fall ein über die üblichen famili-

ären Beziehungen beziehungsweise emotionalen Bindungen hinausge-

hendes, besonderes Abhängigkeitsverhältnis bestehen (BGE 144 II 1 

E. 6.1; 137 I 154 E. 3.4.2, je m.w.H.). 

3.2 Der Beschwerdeführer ist mit den beiden genannten Privatpersonen 

(siehe E. 2 hiervor), welche ihn unterstützen, de iure nicht verwandt. 

Ebenso wenig vermag er darzulegen, inwiefern zwischen ihnen eine 

de facto familiäre Beziehung vorliegen soll. Regelmässige, aber nicht nä-

her spezifizierte Treffen und die Unterstützung bei rechtlichen sowie 

F-3648/2023 

Seite 4 

medizinischen Angelegenheiten, wie sie in der E-Mail des C._______ vom 

29. Juni 2023 beschrieben werden, genügen nicht, um eine nahe, echte 

und tatsächlich gelebte Beziehung im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 EMRK zu be-

gründen (siehe E. 3.1 hiervor). Allein das Vorliegen eines allfälligen – wie 

auch immer gearteten – Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Erwachse-

nen genügt nicht, um den persönlichen Schutzbereich des Rechts auf Ach-

tung des Familienlebens zu eröffnen (vgl. Urteil des EGMR [Grosse Kam-

mer] Paradiso und Campanelli gegen Italien vom 24. Januar 2017, 

Nr. 25358/12, Recueil des arrêts et décisions 2017 §§ 140 ff.; BGE 137 I 

154 E. 3.4.2, je m.w.H.; siehe ferner GONIN/BIGLER, Convention europé-

enne des droits de l'homme [CEDH], 2018, Art. 8 Rn. 85 ff.; GRABENWAR-

TER/PABEL, Europäische Menschenrechtskonvention, 7. Aufl. 2021, § 22 

N. 14; MEYER-LADEWIG/NETTESHEIM, in: Meyer-Ladewig/Nettesheim/von 

Raumer [Hrsg.], Handkommentar EMRK, 4. Aufl. 2017, Art. 8 Rn. 61).  

3.3 Eine etwaige Verletzung des ebenfalls in Art. 8 Ziff. 1 EMRK veranker-

ten Rechts auf Achtung des Privatlebens stellt mit Blick auf Art. 27  

Abs. 3 AsylG keinen zulässigen Beschwerdegrund dar (siehe E. 1.3 hier-

vor). Im Übrigen ist weder dargetan noch ersichtlich, dass regelmässige 

Treffen oder Unterstützungsleistungen bei einer Zuweisung des Beschwer-

deführers in den Kanton Basel-Landschaft von Zürich aus nicht weiterhin 

möglich sein sollten. 

4.  

4.1 Die Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten, soweit überhaupt 

zulässig, als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzel-

richterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters bezie-

hungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu be-

handeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). Folglich ist die Beschwerde 

abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

4.2 Mit vorliegendem Urteil wird das Gesuch um Erteilung der aufschieben-

den Wirkung der Beschwerde gegenstandslos. 

5.  

5.1 Angesichts der dargelegten Aussichtslosigkeit der gestellten Begehren 

sind die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung so-

wie Rechtsverbeiständung ungeachtet einer allfälligen prozessualen Be-

dürftigkeit abzuweisen (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 102m Abs. 1 

AsylG). 

F-3648/2023 

Seite 5 

5.2 Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten dem unterliegenden, 

anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG) und auf insgesamt Fr. 300.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-3648/2023 

Seite 6 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Ur-

teils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan-

tonale Migrationsbehörde. 

 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Basil Cupa Nathalie Schmidlin 

 

 

 

Versand: