# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cc284e84-11a3-5aad-85c4-f611144c831f
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-06
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 06.12.2022 VBE.2022.222
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-222_2022-12-06.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.222 / TR / BR 
Art. 124 

 

 

Urteil vom 6. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Schircks  

Oberrichterin Gössi  

Gerichtsschreiberin Reimann          

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____   

vertreten durch Rechtsanwalt Simon Kaufmann, Protekta Rechtsschutz-

Versicherung AG, Monbijoustrasse 5, Postfach, 3011 Bern    

 

     
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 2. Mai 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Gemäss Schadenmeldung UVG vom 29. September 2021 verletzte sich 

der 1971 geborene Beschwerdeführer am 4. August 2020 am rechten 

Fussgelenk. Die Beschwerdegegnerin als obligatorischer Unfallversicherer 

stellte nach medizinischen Abklärungen mit Verfügung vom 12. November 

2021 die Leistungen aus dem angezeigten Unfall per 29. September 2020 

ein. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Einspracheentscheid 

vom 2. Mai 2022 ab. 

 

2. 

2.1. 

Am 2. Juni 2022 erhob der Beschwerdeführer fristgerecht Beschwerde 

beim Versicherungsgericht und beantragte Folgendes: 

 
"1. Der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und es sei 

die Beschwerdegegnerin zu verurteilen die gesetzlichen Leistungen 
aus dem Unfallereignis vom 04.08.2020 erbringen.  

 
2. Eventualbegehren:  

Es sei gerichtlich ein ärztliches Gutachten zur Frage der Unfallkau-
salität einzuholen.  
 

- unter Entschädigungsfolge –".  
 

2.2. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 4. Juli 2022 

die Abweisung der Beschwerde und reichte verschiedene medizinische Be-

richte ein. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1.      

Vorliegend ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin mit dem angefochte-

nen Einspracheentscheid vom 2. Mai 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 

44) zu Recht ihre Leistungen für die Folgen des Ereignisses vom 4. August 

2020 (Beschwerden Fussgelenk rechts) per 29. September 2020 einge-

stellt hat. 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, 

dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank-

heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursa-

chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, 

 - 3 - 

 

 

 

ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten  

oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten 

gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja-

hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein 

Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen 

ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be-

dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person 

beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden 

kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele 

(BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 

E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406). 

 

2.1.2. 

Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen 

Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, 

worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen 

der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-

recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

(vgl. BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1 

S. 181) zu befinden hat. Der Beweis des natürlichen Kausalzusammen-

hangs ist in erster Linie mittels Angaben medizinischer Fachpersonen zu 

führen (Urteil des Bundesgerichts 8C_331/2015 vom 21. August 2015 

E. 2.2.3.1; vgl. auch RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des Bundes-

gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallver-

sicherung, 4. Aufl. 2012, S. 55). 

 

2.2. 

Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in 

rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erfor-

derlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen aner-

kannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht 

die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, 

wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa-

chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesund-

heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo 

ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässi-

gen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder 

später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leis-

tungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfal-

len jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Ge-

sundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein-

lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich feh-

lender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hier-

bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entspre-

chende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründen-

 - 4 - 

 

 

 

der natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versi-

cherten Person, sondern beim Unfallversicherer (SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9, 

8C_354/2007 E. 2.2 mit Hinweisen). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf 

es verlässlicher medizinischer Entscheidungsgrundlagen. Hinsichtlich des 

Beweiswerts eines Arztberichts ist massgebend, ob er für die streitigen Be-

lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-

klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-

hänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol-

gerungen des Experten begründet und nachvollziehbar sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232).  

 

Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft 

eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auf-

trag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern des-

sen Inhalt. An Berichten versicherungsinterner Ärzte darf kein auch nur ge-

ringer Zweifel bestehen (BGE 135 V 465 E. 4.6 S. 471). In Bezug auf Be-

richte behandelnder Ärzte darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache 

Rechnung tragen, dass diese Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags-

rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pa-

tienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470 f.). Diese Rechtsprechung 

gilt auch für spezialärztlich behandelnde Medizinalpersonen (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_316/2017 vom 20. Juni 2017 E. 2.3.3 mit Hinweisen).  

 

2.3.2. 

Auch einem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, so-

fern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die 

ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachver-

halts geht. Aktengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die 

relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits 

erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Diagnose oder der Kau-

salzusammenhang und das Ausmass der Behinderung verschieden bewer-

tet werden. In diesen Fällen kann sehr wohl in einem Aktengutachten das 

Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die überwie-

gende Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich gemacht 

werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_540/2007 vom 27. März 2008 

E. 3.2 sowie 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4, je mit Hinweisen).  

 

 - 5 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Der Beschwerdeführer arbeitet als Forstwart-Vorarbeiter. Gemäss der 

Schadenmeldung UVG vom 29. September 2021 ereignete sich der Unfall 

vom 4. August 2020 wie folgt (VB 1):  

 
"Bei einem Kontrollgang und der Begutachtung des Baums, trampte ich 
rückwärts in ein Loch und vertrampte mir dabei den Fuss bzw. es gab mir 
einen Schlag ins Fussgelenk." 
 

Nach veranlasstem MRT und erfolgtem Röntgen wurde anlässlich der Kon-

sultation vom 29. September 2021 in der C., eine traumatische longitudi-

nale Partialruptur der Peroneus brevis-Sehne mit ausgedehnter Tenosyno-

vitis Fuss rechts diagnostiziert (Sprechstundenbericht vom 29. September 

2021, VB 7 S. 2 f.). Dr. med. F., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie des Bewegungsapparats, C., stellte am 28. Oktober 2021 

zudem eine laterale OSG-Instabilität und ein Ganglion USG rechts fest 

(Sprechstundenbericht vom 28. Oktober 2021, VB 12). Am 19. November 

2021 operierte Dr. med. F. den rechten Fuss des Beschwerdeführers. Da-

bei zeigten sich unter anderem inframalleolär ein Lipoma aborescens sowie 

eine "degenerierte Peroneus brevis-Sehne" (Operationsbericht vom 

19. November 2021 und Bericht des Instituts für Pathologie und Molekular-

pathologie des H. vom 23. November 2021 [beide eingereicht mit Vernehm-

lassung vom 4. Juli 2022, Beil. 1 und 2]).  

 

3.2. 

Gestützt auf die Beurteilung des Kreisarztes Dr. med. J., Praktischer Arzt, 

vom 11. November 2021 (VB 23) hatte die Beschwerdegegnerin zuvor mit 

Verfügung vom 12. November 2021 ihre Leistungen aus dem Unfall vom 

4. August 2020 per 29. September 2020 eingestellt (VB 26). Im Ein-

spracheverfahren berief sich der Beschwerdeführer auf eine Stellung-

nahme von Dr. med. F. vom 31. Dezember 2021 (VB 42 S. 1). Die Be-

schwerdegegnerin wies mit Einspracheentscheid vom 2. Mai 2022 (VB 44) 

die Einsprache ab. Im Beschwerdeverfahren legte der Beschwerdeführer 

eine Stellungnahme von Dr. med. K., Praktischer Arzt, Stüsslingen, vom 

18. Mai 2022 und die Beschwerdegegnerin neben den bereits erwähnten 

Operations- und Histologieberichten eine ärztliche Beurteilung von Dr. 

med. L., Fachärztin für Chirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin der Be-

schwerdegegnerin, vom 21. Juni 2022 ins Recht (Beil. 3).  

 

4. 

4.1. 

4.1.1. 

Kreisarzt Dr. med. J. führte in seiner Beurteilung vom 11. November 2021 

aus, das Splitting der Peroneus brevis-Sehne sei nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 4. August 2020 zurückzuführen. 

 - 6 - 

 

 

 

Im Falle einer relevanten, akut traumatischen, richtungsgebenden Schädi-

gung mit einer Zerreissung der Peroneus brevis-Sehne wäre eine "umge-

hende heftigste Schmerzsymptomatik und akut funktionelle, immobilisie-

rende Bewegungsbeeinträchtigung mit einem auch zeitechten ärztlichen 

Behandlungsbedarf und Abbruch der beruflichen Tätigkeit" zu erwarten ge-

wesen. Dies sei "hier aber ganz offensichtlich nicht der Fall" gewesen: Eine 

"primäre" ärztliche Vorstellung sei erst nach über einem Jahr, am 23. Au-

gust 2021, bei einer ununterbrochenen beruflichen Tätigkeit als Forstwart 

(mit berufsüblichen Tätigkeiten auf unebenem Untergrund) erfolgt, was ei-

ner Unfallverletzungsfolge widerspreche und vielmehr einem natürlichen 

progredienten Krankheitsbild entspreche. Hierzu passe auch der lokal ent-

zündliche Reizzustand bei einem morphologisch typischen degenerativen 

longitudinalen Sehnensplitting. Entsprechend einer chronischen, krankhaf-

ten Fehl-/Überbelastungsproblematik seien auch bei körperlichen Belas-

tungen auf unebenem Untergrund wiederkehrende Beschwerden aufgetre-

ten, ferner ganglionäre Veränderungen im Bereich des USG. Darüberhin-

ausgehende unfalltypische klinische oder bildgebende Verletzungszeichen 

seien nicht belegt. Es gebe u.a. keine Hinweise auf eine ossäre Begleitver-

letzung. Die Unfallfolgen spielten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

nach sechs bis acht Wochen nach dem Fehltritt keine Rolle mehr. Hierzu 

passe auch die "zeitgemäss" angegebene Beschwerdelinderung nach dem 

Grundereignis ohne eine behandlungsbedürftige "Brückensymptomatik" 

mit dann erst sekundär zunehmenden Beschwerden zur fortgesetzten kör-

perlichen Tätigkeit (VB 23 S. 4 f.).  

 

4.1.2. 

Dr. med. F. führte in seinem Schreiben vom 31. Dezember 2021 zu Handen 

des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers im Wesentlichen aus, das Li-

pom aborescens, der Hauptbefund während der Operation neben dem Riss 

der Peroneus brevis-Sehne, sei wenig erforscht. Eine traumatische Ursa-

che werde "unter anderem angenommen". Eine Beschreibung an der Pe-

roneus brevis-Sehne liege in der Literatur bisher nicht vor. Für ihn sei je-

doch in Zusammenschau der Befunde "mit Traumaereignis und Ruptur der 

Sehne und eine traumatische Ursache bei obigen Patienten wahrschein-

lich". Er würde "sogar einen Schritt weitergehen und von einer überwiegen-

den Wahrscheinlichkeit sprechen, obwohl dies mit Literatur schwierig zu 

belegen" sei und "wie so häufig bei diesen Fragen, die klare Definition der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausbleib[e]". Wie erläutert, handle es 

sich bei der Problematik des Beschwerdeführers um eine sehr seltene Pa-

thologie. In Zusammenschau aller Befunde sei eine Traumaursache über-

wiegend wahrscheinlich. Diese Einschätzung sei jedoch nicht klar aufgrund 

der Bildgebung oder der Literatur zu begründen (VB 42 S. 1). 

 

4.1.3. 

Dem im Beschwerdeverfahren eingereichten Schreiben vom 18. Mai 2022 

an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers von Dr. med. K. lässt sich 

 - 7 - 

 

 

 

im Wesentlichen Folgendes entnehmen: Aus der Literatur sei bekannt, 

dass Peroneus-Sehnen-Pathologien "an und für sich selten" seien, aber 

häufig "unterdiagnostiziert". Anhaltspunkte für eine Fussfehlform oder eine 

ungünstige Calcaneus-Achse seien in der Abklärung im Balgrist nicht fest-

gestellt worden. "Somit" sei die laterale Instabilität im OSG eine überwie-

gend wahrscheinliche Folge der Fussdistorsion 2020 und die Tendinitis der 

Peroneus-Sehne eine Folge davon. Aus ärztlicher Sicht seien die Be-

schwerden und die Instabilität, trotz des spät gemeldeten Ereignisses und 

bei erhaltener Arbeitsfähigkeit als Förster, mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit durch das beschriebene Ereignis erklärbar. Ob die "verspätete Mel-

dung des Unfallereignisses wie auch die fehlende unfallzeitnahe AUF" für 

die Ablehnung genüge, bedürfe einer "administrativen Entscheidung". Der 

Versicherte habe zwar nachträglich "eine durchgehende Brückensympto-

matik" nach einem geeigneten Ereignis gemeldet. Ob die grob ein Jahr 

nach dem Ereignis diagnostizierte laterale Instabilität im OSG rechts sowie 

die Längsläsion der Sehne des M. Peroneus brevis vorbestanden habe  

oder nicht, sei möglich, aber bei Berücksichtigung "des typischen und ge-

eigneten Ereignisses überwiegend wahrscheinlich durch das Ereignis er-

klärbar". Die primär erhaltene Arbeitsfähigkeit sei durch das "berufliche Tra-

gen von gutem, hohem Schuhwerk nachvollziehbar" (VB 50). 

 

4.1.4. 

Die Beschwerdegegnerin legte die neu eingegangenen Berichte der Dres. 

F. und K. ihrer Chirurgin Dr. med. L. vor. Diese wies unter anderem darauf 

hin, dass im Operationsbericht vom 19. November 2021 von einer "dege-

nerierten Peroneus brevis-Sehne" gesprochen werde. Für die Degenera-

tion der Sehne sei eine Kausalität durch das zur Diskussion stehende Er-

eignis vom 4. August 2020 alleine aufgrund der zeitlichen Latenz von über 

einem Jahr allenfalls möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich. 

Dazu sei auf die kreisärztliche Stellungnahme vom 11. November 2021 zu 

verweisen. Die Arbeit sei seinerzeit offenbar nicht ausgesetzt worden, son-

dern erst ab 1. November 2021. Die im Balgrist mit Bericht vom 28. Oktober 

2021 festgestellte Instabilität führe typischerweise zu einer Mehrbelastung 

der Peronealsehnen und könne mangels zeitnaher Dokumentation eben-

falls nicht überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis zurückgeführt 

werden. Dr. med. F. stelle vordringlich auf den Tumor ab und schreibe 

dazu, dieser sei wenig erforscht. Intraoperativ sei die Sehne lediglich als 

degenerativ verändert beschrieben worden. Zudem sei die Aussage von 

Dr. med. F. nicht nachvollziehbar und er widerlege seine Schlussfolgerung 

durch seine eigenen Ausführungen. Dr. med. K. postuliere nachvollziehbar 

einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Instabilität und einer De-

generation der Peronealsehnen. Seine Formulierung, eine Instabilität sei 

"überwiegend wahrscheinlich durch das Ereignis erklärbar" sei geschickt 

gewählt, denn tatsächlich werde mit einer überwiegend wahrscheinlichen 

Erklärbarkeit auch nur eine Möglichkeit bescheinigt und nicht eine überwie-

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gende Wahrscheinlichkeit. "Brückensymptome", die sich nur auf retrospek-

tive Angaben des Versicherten stützten, entsprächen einer post hoc ergo 

propter hoc-Argumentation. Zusammengefasst sei an der Beurteilung vom 

21. November 2021 festzuhalten. Der Zusammenhang des intraoperativ 

vorgefundenen Lipoma arborescens mit dem nachträglich gemeldeten Er-

eignis vom 4. August 2020 sei möglich, aber nicht überwiegend wahr-

scheinlich. Die beschriebene chronische Instabilität am Sprunggelenk führe 

typischerweise zu einer Mehrbelastung der Peronealsehnen und Folgen 

der klassischerweise als degenerativen Längssplit der Peroneus brevis be-

zeichneten Läsion und nicht umgekehrt (Beurteilung vom 21. Juni 2022, 

eingereicht mit Vernehmlassung vom 4. Juli 2022, Beil. 3). 

 

4.2. 

Die versicherungsinternen Aktenbeurteilungen der Dres. med. J. und L. 

sind – gerade vor dem Hintergrund, dass das Ereignis vom 4. August 2020 

erst mehr als ein Jahr später zu einer ärztlichen Konsultation geführt haben 

soll (VB 10) und zuvor keine Arbeitsunfähigkeit des im Forstamt tätigen Be-

schwerdeführers bescheinigt wurde – nachvollziehbar, in sich schlüssig 

und beruhen auf der vollständigen Aktenlage. Dr. med. L. setzte sich ein-

gehend mit den nachträglich eingegangenen Beurteilungen des behan-

delnden Arztes bzw. des vom Beschwerdeführer beigezogenen beraten-

den Arztes auseinander. Den Aktenbeurteilungen der Dres. med. J. und L. 

kommt damit rechtsprechungsgemäss Beweiswert zu (vgl. E. 2.3.1 f.). 

Demgegenüber vermögen die Stellungnahmen der Dres. F. und K. keine 

auch nur geringen Zweifel an diesen versicherungsinternen medizinischen 

Beurteilungen zu erwecken, da diese teilweise nicht nachvollziehbar sind, 

nicht auf der lückenlosen Aktenlage beruhen und in sich – insbesondere 

jene des Dr. med. F. – nicht schlüssig sind. Weiter geht aus diesen Beur-

teilungen insgesamt und sinngemäss lediglich hervor, dass eine Unfallkau-

salität zwischen den Fussbeschwerden und dem Ereignis vom 4. August 

2020 möglich sei, was dem im Sozialversicherungsrecht geforderten Be-

weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. E. 2.1.2) nicht ge-

nügt. 

 

4.3. 

Folglich hat die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt ausreichend abge-

klärt und zu Recht auf die Stellungnahmen der Dres. med. J. und L. abge-

stellt. In antizipierter Beweiswürdigung rechtfertigen sich entgegen dem be-

schwerdeweisen Eventualantrag keine weiteren Abklärungen, da davon 

keine neuen anspruchsbeeinflussenden Erkenntnisse zu erwarten sind 

(BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; 124 V 90 E. 4b S. 94). Mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit ist demnach davon auszugehen, dass sich durch das 

Ereignis vom 4. August 2020 der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh-

rers allenfalls vorübergehend verschlimmerte, aber spätestens acht Wo-

chen danach, am 29. September 2020, der status quo sine vel ante (vgl. 

 - 9 - 

 

 

 

E. 2.2.) wieder erreicht gewesen war. Die Leistungseinstellung für die Be-

schwerden am rechten Fussgelenk per 29. September 2020 erweist sich 

damit als korrekt. 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

5.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

5.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als So-

zialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch 

auf Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1.      

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

  

 - 10 - 

 

 

 

 
 

   

Zustellung an:  

den Beschwerdeführer (Vertreter; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Gesundheit 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 
   

Aarau, 6. Dezember 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

Peterhans Reimann