# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bc4d550c-e059-5b49-821b-bea091e98b60
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-06
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 06.05.2025 SK 2024 162
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2024-162_2025-05-06.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 24 162 VTV

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 6. Mai 2025 

Besetzung Oberrichterin Bochsler (Präsidentin i.V.), Oberrichter Schmid, 
Oberrichterin Friederich Hörr
Gerichtsschreiberin von Teufenstein

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigte/Berufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________

Strafklägerin 1

und

D.________

Strafklägerin 2

Gegenstand einfache Körperverletzung (mehrfach begangen), Drohung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Einzelgericht) vom 7. Dezember 2023 (PEN 21 470)

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Erwägungen: 

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Einzelgericht [nachfolgend: Vorinstanz]) 
erkannte mit Urteil vom 7. Dezember 2023 Folgendes (Hervorhebungen im Original 
[pag. 309 ff.]):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

1. wegen Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen am 07.01.2020 um ca. 19:00 Uhr in Bi-
el/Bienne, E.________ (Strasse) z.N. F.________ (Schlagen mit Geschenkpapierrolle und 
Schlag ins Gesicht), infolge Verjährung,

2. wegen Beschimpfung, angeblich begangen am 07.01.2020 um ca. 19:00 Uhr in Biel/Bienne, 
E.________ (Strasse) z.N. G.________, infolge Rückzug des Strafantrags,

3. wegen Hausfriedensbruch, angeblich begangen am 27.05.2020 um ca. 16:50 in J.________ 
(Ort), H.________ (Strasse) z.N. I.________ (Geschäft), infolge Fehlens eines gültigen Strafan-
trags. 

wird eingestellt,

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren 
von CHF 400.00 und Auslagen von CHF 0.00, insgesamt bestimmt auf CHF 400.00, an den Kanton 
Bern.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 100.00. Die reduzier-
ten Verfahrenskosten betragen damit CHF 300.00.

Für die amtliche Verteidigung von A.________ wird Rechtsanwältin B.________ eine Entschädi-
gung von CHF 646.20 (inkl. MWSt) ausgerichtet. 

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen 

1.1 am 07.01.2020 um ca. 19:00 Uhr in Biel/Bienne, E.________ (Strasse) z.N. F.________ 
(Biss in den linken Daumen)

1.2 am 27.05.2020 um ca. 16:50 Uhr in J.________ (Ort), H.________ (Strasse) z.N. 
D.________ und C.________

2. der Drohung, begangen am 27.05.2020 um ca. 16:50 in J.________ (Ort), H.________ (Stras-
se) z.N. D.________ und C.________

und in Anwendung der
Art. 34, 42, 44, 47, 49 Abs. 1, 106, 180 Abs. 1 StGB und 123 Ziff. 1 Abs. 1 altStGB

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Art. 426 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 56 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 1'680.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 420.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 14 Tage festgesetzt.

3. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 3'500.00 und Auslagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von 
CHF 1938.60, insgesamt bestimmt auf CHF 5'438.60 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung 
auf CHF 3'500.00).

[Tabelle Verfahrenskosten]

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 800.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 4'638.60 (ohne Kosten für die amtliche Ver-
teidigung CHF 2'700.00).

III.

[Tabelle amtliche Entschädigung]

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 1'938.60.

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Rechtsanwältin B.________ die Differenz von CHF 581.60 zwischen der amtlichen Entschädigung 
und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 
Abs. 4 StPO).

IV.

Weiter wird verfügt:

1. Die erfassten biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN ________ und ________) sind 
nach Ablauf der gesetzlichen Frist von zehn Jahren zu löschen (Art. 16 Abs. 7 DNA-ProfilG und 
Art. 354 Abs. Abs. 4 Bst. a StGB).

2. [Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

2. Berufung / schriftliches Verfahren / Ergänzung bzw. Berichtigung der Ankla-
geschrift

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigte) resp. 
Rechtsanwältin B.________ fristgerecht Berufung an (pag. 300 und pag. 314).

Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 25. März 2024 (pag. 321 ff.) und 
wurde der Beschuldigten resp. Rechtsanwältin B.________ am 2. April 2024 zuge-
stellt (pag. 370).

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Mit Eingabe vom 18. April 2024 erklärte Rechtsanwältin B.________ für die Be-
schuldigte form- und fristgerecht die Berufung und focht das Urteil der Vorinstanz 
teilweise – soweit die Schuldsprüche und die Verurteilungen betreffend (vgl. Ziff. II. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs [pag. 310 f.]) – an (pag. 377 ff.). Weiter er-
suchte sie um Gewährung der amtlichen Verteidigung (auch) im Berufungsverfah-
ren (pag. 380 ff.).

Mit Verfügung vom 19. April 2024 gab die Verfahrensleitung den übrigen Parteien 
Gelegenheit, innert gesetzter Frist Anschlussberufung zu erklären oder begründet 
ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Weiter hielt sie fest, die amtliche 
Verteidigung der Beschuldigten gelte bis zu einem allfälligen Widerruf auch für das 
oberinstanzliche Verfahren (zum Ganzen pag. 395 f.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 25. April 2024 auf die 
Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 401 f.). Die (ehemalige) Strafklä-
gerin F.________ (nachfolgend: Strafklägerin 3) machte mit Schreiben vom 
13. Mai 2024 sinngemäss weder Gründe für ein Nichteintreten auf die Berufung 
geltend noch erklärte sie Anschlussberufung (pag. 406). Die Strafklägerinnen 
C.________ (nachfolgend: Strafklägerin 1) und D.________ (nachfolgend: Straf-
klägerin 2) liessen sich innert Frist nicht vernehmen (vgl. pag. 409).

Mit Verfügung vom 17. Mai 2024 forderte die Verfahrensleitung die Parteien auf, 
innert gesetzter Frist mitzuteilen, ob sie mit der Durchführung eines schriftlichen 
Verfahrens einverstanden sind (pag. 408 f.).

Die Strafklägerin 3 teilte daraufhin mit Schreiben vom 27. Mai 2024 mit, sie ziehe 
den Strafantrag zurück und möchte nicht mehr am Verfahren teilnehmen 
(pag. 414). Rechtsanwältin B.________ erklärte sich für die Beschuldigte mit der 
Durchführung eines schriftlichen Verfahrens einverstanden (pag. 416). Die Straf-
klägerinnen 1 und 2 liessen sich innert Frist nicht vernehmen (vgl. pag. 419).

Mit Verfügung vom 18. Juni 2024 entliess die neu zuständige Verfahrensleitung die 
Strafklägerin 3 infolge Rückzugs des Strafantrags ohne Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen aus dem oberinstanzlichen Verfahren und ordnete die Durchführung 
eines schriftlichen Verfahrens an (pag. 418 f.).

Mit Eingabe vom 19. Juli 2024 reichte Rechtsanwältin B.________ namens und im 
Auftrag ihrer Mandantin frist- und formgerecht die schriftliche Berufungsbegrün-
dung ein (pag. 435 ff.).

Nachdem sich die Strafklägerinnen 1 und 2 nicht zur Berufungsbegründung der 
Beschuldigten vernehmen liessen, erachtete die Verfahrensleitung den Schriften-
wechsel mit Verfügung vom 2. September 2024 als abgeschlossen (pag. 465 f.). 

Die Schlussbemerkungen, die Rechtsanwältin B.________ nach Rücksprache mit 
der Verfahrensleitung aufgrund der nachträglich zugestellten Videoaufnahmen erst 
nach Abschluss des Schriftenwechsels einreichte, und ihre Kostennote datieren 
vom 6. September 2024 (vgl. pag. 467, pag. 468 ff. und pag. 471 ff.).

Mit Beschluss vom 4. März 2025 hat die Kammer den Schriftenwechsel wieder 
geöffnet, den Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland 
vom 1. April 2021, der vorliegend als Anklageschrift gilt, an die Generalstaatsan-

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waltschaft zurückgewiesen und diese eingeladen, die Anklageschrift resp. den 
Strafbefehl innert gesetzter Frist zu ergänzen/zu berichtigen bzw. zu ändern/zu er-
weitern (pag. 484 ff.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft reichte daraufhin eine Ergänzung bzw. Berichtigung 
der Anklageschrift vom 1. April 2021 ein (pag. 488 f.).

Mit Schreiben vom 26. März 2025 verzichtete Rechtsanwältin B.________ für die 
Beschuldigte auf eine Stellungnahme zur ergänzten bzw. berichtigten Anklage-
schrift (pag. 495 f.). Die Strafklägerinnen liessen sich nicht dazu vernehmen.

Abschliessend wurde ein aktueller Strafregistereintrag eingeholt (vgl. pag. 497), der 
den Parteien mangels neuer Einträge bzw. zusätzlich hängiger Strafverfahren nicht 
mehr zugestellt wurde.

Schliesslich reichte Rechtsanwältin B.________ mit Eingabe vom 5. Mai 2025 eine 
zweite Kostennote ein, welche die seit der Einreichung der ersten Kostennote vom 
6. September 2024 angefallenen Leistungen beinhaltet (pag. 498 ff.).

3. Anträge der Beschuldigten bzw. der Verteidigung

Rechtsanwältin B.________ stellt für die Beschuldigte in der Berufungsbegründung 
folgende Anträge (pag. 437 [Hervorhebungen im Original]):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 7. Dezem-
ber 2023 (PEN 21 470) insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als dass das Strafverfahren ge-
gen die Berufungsführerin in folgenden Punkten, unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfah-
renskosten von CHF 400.00 an den Kanton Bern sowie unter Ausrichtung einer Entschädigung 
an Rechtsanwältin B.________ von CHF 646.20, eingestellt wurde:

- wegen Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen am 7. Januar 2020 um ca. 19:00 Uhr in 
Biel/Bienne, E.________ (Strasse), z.N. F.________ (Schlagen mi Geschenkpapierrolle und 
Schlag ins Gesicht);

- wegen Beschimpfung, angeblich begangen am 7. Januar 2020 um ca. 19:00 Uhr in Bi-
el/Bienne, E.________ (Strasse), z.N. G.________;

- wegen Hausfriedensbruchs, angeblich begangen am 27. Mai 2020 um ca. 16:50 Uhr in 
J.________ (Ort), H.________ (Strasse), z.N. I.________ (Geschäft).

2. Das Strafverfahren gegen die Berufungsführerin wegen einfacher Körperverletzung, angeblich 
begangen am 7. Januar 2020 um ca. 19:00 Uhr an der E.________ (Strasse) in Biel/Bienne z.N. 
von F.________ sei einzustellen.

3. Die Berufungsführerin sei freizusprechen vom Vorwurf der mehrfachen einfachen Körperverlet-
zung, angeblich begangen am 27. Mai 2020, um ca. 16:50 Uhr an der H.________ (Strasse) in 
J.________ (Ort) z.N. von C.________ und D.________.

4. Die Berufungsführerin sei freizusprechen vom Vorwurf der Drohung, angeblich begangen am 
27. Mai 2020, um ca. 16:50 Uhr an der H.________ (Strasse) in J.________ (Ort) z.N. von 
C.________ und D.________.

5. Es sei festzustellen, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist.

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6. Die Verfahrenskosten des Berufungsverfahren sowie des erstinstanzlichen Verfahrens seien 
dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

7. Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das erstinstanzliche sowie für das oberinstanzliche 
Verfahren seien gestützt auf die eingereichten Kostennoten festzusetzen und vollumfänglich 
vom Kanton Bern zu tragen.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -

4. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; 
SR 312.0]). 

Zufolge der beschränkten Berufung der Beschuldigten und mangels eigenständiger 
Berufungen oder Anschlussberufungen der Generalstaatsanwaltschaft sowie der 
Strafklägerinnen ist das Urteil der Vorinstanz vom 7. Dezember 2023 insoweit in 
Rechtskraft erwachsen, als das Strafverfahren gegen die Beschuldigte wegen Tät-
lichkeiten, angeblich mehrfach begangen am 7. Januar 2020 zum Nachteil der 
Strafklägerin 3, wegen Beschimpfung, angeblich begangen am 7. Januar 2020 zum 
Nachteil von G.________ und wegen Hausfriedensbruchs, angeblich begangen am 
27. Mai 2020 zum Nachteil der I.________ (Geschäft), – unter Auferlegung der an-
teilsmässigen Verfahrenskosten von CHF 400.00 an den Kanton Bern – eingestellt 
wurde (Ziff. I./1-3 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs [pag. 310]).

Angefochten und von der Kammer zu überprüfen sind demgegenüber die Schuld-
sprüche wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung und Drohung sowie die 
Verurteilungen zu einer Geldstrafe und einer Verbindungsbusse (Ziff. II./1 und 2 
sowie Ziff. II./Sanktionenpunkte 1 und 2 [pag. 310 f.]). Weiter hat die Kammer un-
abhängig von einer spezifizierten Anfechtung praxisgemäss die Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zu überprüfen, wobei auf die Höhe der amtlichen Entschädi-
gung der Verteidigung nur zurückzukommen ist, sofern die Vorinstanz das ihr bei 
der Honorarfestsetzung zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise ausgeübt ha-
ben sollte (Urteile des Bundesgerichts 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 
E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3). Unabhängig von einem all-
fälligen Zurückkommen auf die Höhe der amtlichen Entschädigung der Verteidi-
gung im erstinstanzlichen Verfahren hat die Kammer in diesem Zusammenhang die 
Rück- und Nachzahlungspflicht zu beurteilen. Schliesslich muss die Kammer über 
die Verfügung betreffend die erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Da-
ten (Ziff. IV./1 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs [pag. 311.1]) befinden, weil 
diese der Rechtskraft nicht zugänglich ist.

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung des Urteils über volle Kognition (Art. 398 
Abs. 2 StPO), ist aufgrund der alleinigen Berufung der Beschuldigten aber an das 
Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das 
Urteil nicht zu Ungunsten der Beschuldigten abändern.

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II. Verfahrenseinstellung

Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann jede Person, die durch sie verletzt 
worden ist, die Bestrafung des Täters beantragen (Art. 30 Abs. 1 des Schweizeri-
schen Strafgesetzbuchs [StGB; SR 311.0]). Zurückziehen kann die antragsberech-
tigte Person ihren Strafantrag gemäss Art. 33 Abs. 1 StGB solange das Urteil der 
zweiten kantonalen Instanz noch nicht eröffnet ist. Massgebend ist die Mitteilung 
des Dispositivs (BGE 117 IV 1 S. 3). Ein Rückzug des Strafantrags während des 
Berufungsverfahrens setzt jedoch voraus, dass die Frage der Strafbarkeit im Beru-
fungsverfahren überhaupt noch streitig ist bzw. das erstinstanzliche Urteil diesbe-
züglich noch nicht in (Teil-)Rechtskraft erwachsen ist (Urteil des Bundesgerichts 
6B_533/2016 vom 29. November 2016 E. 4.2; RIEDO, in: Basler Kommentar Straf-
recht, 4. A. 2019, N 13 zu Art. 33 StGB). Der Rückzug des Strafantrags muss 
schriftlich erklärt oder mündlich zu Protokoll gegeben werden (Art. 304 Abs. 1 und 
2 StPO).

Die Strafklägerin 3 stellte am 7. Januar 2020 form- und fristgerecht Strafantrag ge-
gen die Beschuldigte wegen den Vorfällen vom 7. Januar 2020 (vgl. pag. 7). Mit Ur-
teil vom 7. Dezember 2023 erklärte die Vorinstanz die Beschuldigte unter anderem 
der einfachen Körperverletzung (Biss in den linken Daumen), begangen am 7. Ja-
nuar 2020 zum Nachteil der Strafklägerin 3, schuldig (Ziff. II./1.1 des erstinstanzli-
chen Urteilsdispositivs [pag. 310]). Mit Berufungserklärung vom 18. April 2024 focht 
die Beschuldigte insbesondere diesen Schuldspruch an (pag. 378). Ihre Strafbar-
keit war im Berufungsverfahren insoweit also noch streitig. Mit handschriftlich ver-
fasstem und unterzeichnetem Schreiben vom 27. Mai 2024 zog die Strafklägerin 3 
ihren Strafantrag gegen die Beschuldigte (vgl. pag. 7) zurück (pag. 414). Das Urteil 
im vorliegenden oberinstanzlichen Verfahren war in diesem Zeitpunkt noch nicht 
eröffnet. Der Rückzug des Strafantrags erfolgte somit form- und fristgerecht. Ohne 
gültigen Strafantrag fehlt es an einer Prozessvoraussetzung. Das Strafverfahren 
gegen die Beschuldigte wegen einfacher Körperverletzung, angeblich begangen 
am 7. Januar 2020 zum Nachteil der Strafklägerin 3 (Biss in den linken Daumen), 
ist deshalb einzustellen (Art. 379 StPO i.V.m. Art. 329 Abs. 1 Bst. b, Abs. 4 und 5 
StPO).

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

5. Anklagesachverhalt 

Mit Strafbefehl vom 1. April 2021, der vorliegend als Anklageschrift gilt (Art. 356 
Abs. 1 StPO), und Ergänzung bzw. Berichtigung der Anklageschrift, datierend vom 
11. März 2025, wird der Beschuldigten – soweit vorliegend noch relevant – vorge-
worfen, am 27. Mai 2020 um ca. 16:50 Uhr in J.________ (Ort) zum Nachteil der 
Strafklägerinnen 1 und 2 je eine einfache Körperverletzung, evtl. eine Tätlichkeit 
und eine Drohung, begangen zu haben (vgl. ferner den Würdigungsvorbehalt, wo-
nach sich die erstinstanzliche Gerichtspräsidentin vorbehielt, den bezüglich die Tät-
lichkeiten überwiesenen Sachverhalt rechtlich als einfache Körperverletzung zu 
würdigen [pag. 273]). Der relevante Sachverhalt wird im ergänzten bzw. berichtig-
ten Strafbefehl wie folgt umschrieben (pag. 488 f.):

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Die Beschuldigte betrat trotz geltendem Hausverbot vom 16.05.2020 das Verkaufsgeschäft 
I.________. Als sie durch die Privatklägerin, D.________ [Strafklägerin 2], aufgefordert wurde, die Fi-
liale zu verlassen, schrie sie diese an und schlug ihr mit der Faust gegen das Kinn. 

D.________ [Strafklägerin 2] erlitt dadurch eine anteriore Diskusdislokation links, initial ohne Reposi-
tion (dadurch eingeschränkte Mundöffnung) und einen kleinen Begleitbluterguss im linken Kieferge-
lenk. Sie musste deswegen Schmerzmittel nehmen und war mehrere Tage arbeitsunfähig.

Die Beschuldigte schlug D.________ [Strafklägerin 2] wissentlich und willentlich an den linken Kiefer 
und schädigte durch den Faustschlag den Körper von D.________ [Strafklägerin 2] bzw. nahm sie ei-
ne Schädigung des Körpers zumindest in Kauf.

Ebenfalls biss die Beschuldigte der Privatklägerin, C.________ [Strafklägerin 1], in den rechten Un-
terarm. C.________ [Strafklägerin 1] erlitt dadurch eine Wunde von 1 cm x 1 cm dorsal über die Mitte 
des Unterarms sowie eine Hautunterblutung an dieser Stelle. Bis heute ist eine Narbe in der Grösse 
eines 5-Räpplers sichtbar. Sie musste sich zudem einem Hepatitis B und C sowie einem HIV-Test un-
terziehen und während mehrerer Tage Antibiotika nehmen.

Die Beschuldigte biss C.________ [Strafklägerin 1] wissentlich und willentlich in den rechten Unter-
arm und schädigte so den Körper von C.________ [Strafklägerin 1] bzw. nahm sie eine Schädigung 
des Körpers zumindest in Kauf.

Die Beschuldigte drohte den beiden Privatklägerinnen [Strafklägerin 1+2] damit, dass sie sie und ihre 
Familie finden und töten würde. Die Privatklägerinnen [Strafklägerin 1+2] nahmen diese Drohungen 
ernst und hatten Angst.

6. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Das Rahmengeschehen ist weitgehend unbestritten. Klar ist, dass die Beschuldigte 
am späteren Nachmittag des 27. Mai 2020 den I.________ (Geschäft) in 
J.________ (Ort) betrat und dort auf die Strafklägerin 2 traf, die sie aufgrund eines 
Hausverbots bat, das Geschäft zu verlassen. Die Beschuldigte ignorierte diese Auf-
forderung, worauf es zumindest zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen 
ihr und der Strafklägerin 2 kam. Die Strafklägerin 1 bemerkte diese Auseinander-
setzung und stiess zur Strafklägerin 2 sowie zur Beschuldigten hinzu. Weil die 
Auseinandersetzung weiterging, verbrachten die Strafklägerinnen die Beschuldigte 
ins Lager resp. den Aufenthaltsraum des I.________'s (Geschäft), wo sie die Poli-
zei avisierten, die anschliessend vor Ort eintraf. Nach einer informellen Befragung 
der Strafklägerinnen begaben sich die ausgerückten Polizisten mit der Beschuldig-
ten via Polizeiwache ins V.________ (Spital), wo die Beschuldigte nach einem Ein-
zelgespräch mit einem Arzt und dessen Verzicht auf eine Fürsorgerische Unter-
bringung aus der Polizeikontrolle entlassen wurde.

Bestritten und beweismässig zu klären ist hingegen, ob die Beschuldigte der Straf-
klägerin 2, nachdem sie von dieser aufgefordert wurde, das Geschäft zu verlassen, 
mit der Faust gegen das Kinn schlug, so dass die Strafklägerin 2 eine anteriore 
Diskusdislokation links (Verschiebung des linken Kiefergelenks nach vorne), initial 
ohne Reposition (ohne Zurückspringen in die normale Position und dadurch einge-
schränkte Mundöffnung) und einen kleinen Begleitbluterguss im linken Kiefergelenk 
erlitt, welche die Einnahme von Schmerzmittel erforderten und eine mehrtägige 
Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten. Sodann ist zu eruieren, ob die Beschuldigte 

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der Strafklägerin 1, nachdem diese sie gefragt hatte, ob sie schon mal etwas von 
Respekt und Anstand gehört habe, in den rechten Unterarm biss und ihr dadurch 
dorsal (rückseitig) über die Mitte desselben eine Wunde von 1 cm x 1 cm – deren 
Narbe bis heute in der Grösse eines «5-Räpplers» sichtbar ist – und eine Hautun-
terblutung zufügte, was bedingte, dass die Strafklägerin 1 sich einem Hepatitis B 
und C- sowie einem HIV-Test unterziehen und während mehrerer Tage Antibiotika 
einnehmen musste. Weiter ist zu prüfen, ob die Beschuldigte gegenüber den Straf-
klägerinnen äusserte, sie werde sie und ihre Familien finden sowie töten, und was 
diese allfälligen Äusserungen bei den Strafklägerinnen auslösten. Schliesslich ist 
mit Blick auf die rechtliche Würdigung resp. die Frage der Schuldfähigkeit zu 
klären, in welchem Zustand sich die Beschuldigte am 27. Mai 2020 befand, als sie 
im I.________ (Geschäft) auf die Strafklägerinnen traf. 

7. Beweismittel

Zur Klärung dieser Fragen liegen der Kammer der Anzeigerapport vom 14. Ju-
li 2020 (pag. 27 ff.), der Arztbericht von Dr. med. K.________ und Dr. med. 
L.________, M.________ (Spital), vom 28. Mai 2020 (nachfolgend: Arztbericht des 
M.________'s (Spital) [pag. 40 ff.]), der Notfallbericht von Dr. med. N.________ 
und O.________, Spital P.________, vom 2. Juni 2020 (nachfolgend: Notfallbericht 
des Spitals P.________ [pag. 47 ff.]), die Akten der Kindes- und Erwachsenen-
schutzbehörde (nachfolgend: KESB) Seeland (pag. 106 ff.) sowie die Aussagen der 
Strafklägerin 1 (pag. 43 ff. und pag. 282 ff.), der Strafklägerin 2 (pag. 35 ff. und 
pag. 286 ff.) und der Beschuldigten (pag. 49 ff. und pag. 291 ff.) vor.

Auf eine Zusammenfassung der einzelnen Beweismittel wird verzichtet und es wird 
– soweit relevant – direkt im Rahmen der konkreten Beweiswürdigung (E. 10 un-
ten) darauf eingegangen. Ferner kann auf die amtlichen Akten verwiesen werden.

8. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete es gestützt auf die ihrer Ansicht nach widerspruchsfreien, 
nachvollziehbaren, mit den übrigen Beweismitteln übereinstimmenden, mithin 
glaubhaften Aussagen der Strafklägerinnen 1 und 2 als erwiesen, dass die Be-
schuldigte die Strafklägerin 2 am 27. Mai 2020 im I.________ (Geschäft) in 
J.________ (Ort) gegen den Kiefer schlug, die Strafklägerin 1 zudem in den rech-
ten Unterarm biss und die beiden Strafklägerinnen schliesslich mit dem Tod be-
drohte. Entsprechend hielt sie den angeklagten Sachverhalt, der oberinstanzlich 
noch von Bedeutung ist, für erstellt (zum Ganzen S. 18 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung; pag. 338 ff.). 

Zur Frage der Schuldfähigkeit äusserte sich die Vorinstanz erst bei der Strafzu-
messung. Sie gelangte gestützt auf die Schilderungen sämtlicher betroffenen Per-
sonen zum Schluss, die Beschuldigte habe sich im Moment des zu beurteilenden 
Vorfalls in einem psychischen Ausnahmezustand befunden, der Einfluss auf ihre 
Handlungen gehabt habe, womit ihre Steuerungsfähigkeit eingeschränkt, aber nicht 
aufgehoben gewesen sei (S. 37 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 357 f.). 

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9. Vorbringen der Beschuldigten bzw. der Verteidigung

Rechtsanwältin B.________ bringt für die Beschuldigte in der Berufungsbegrün-
dung zusammengefasst vor, gestützt auf die einzigen objektiven Beweismittel – die 
beiden Arztberichte – könne nicht als erstellt erachtet werden, dass die darin er-
wähnten Beeinträchtigungen durch die Beschuldigte verursacht worden seien 
(pag. 442 N 23 ff.). Bei den Strafklägerinnen handle es sich sodann um Schwes-
tern, die sich mit grosser Wahrscheinlichkeit bereits vor den ersten Einvernahmen 
abgesprochen hätten, womit es nicht erstaune, dass deren Aussagen überein-
stimmten (pag. 443 N 26 f.). Im Weiteren würden die Aussagen der Strafklägerin 2 
auch im Lichte des sie betreffenden Arztberichts zweifelhaft erscheinen. Die Straf-
klägerin 2 habe in der polizeilichen Einvernahme behauptet, die Beschuldigte habe 
sie mit der linken Hand geschlagen. Die Beschuldigte sei jedoch Rechtshänderin. 
Es sei unwahrscheinlich, dass sie die Strafklägerin 2 mit der schwächeren Hand 
geschlagen habe. Ausserdem befänden sich sämtliche Verletzungen gemäss Arzt-
bericht auf der linken Seite der Strafklägerin 2 (zum Ganzen pag. 443 N 28). An 
den Aussagen der Strafklägerinnen bestünden daher ernsthafte und unüberwind-
bare Zweifel, weshalb in Anwendung des Grundsatzes «in dubio pro reo» von der 
für die Beschuldigte günstigeren Version – deren Version des Geschehens – aus-
zugehen sei und folglich feststehe, dass die Beschuldigte die Strafklägerinnen we-
der gebissen noch geschlagen oder mit dem Tod bedroht habe (pag. 443 N 29 und 
pag. 444 N 35 f.). 

Betreffend die Frage der Schuldfähigkeit macht Rechtsanwältin B.________ in der 
Berufungsbegründung geltend, grundsätzlich könne sie sich den Ausführungen der 
Vorinstanz zur verminderten Schuldfähigkeit anschliessen. Es sei entgegen der 
Ansicht der Vorinstanz jedoch davon auszugehen, dass die Steuerungsfähigkeit 
der Beschuldigten im Tatzeitpunkt vollständig aufgehoben gewesen sei (zum Gan-
zen pag. 449 N 51 f.).  

10. Würdigung durch die Kammer

10.1 Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung und Aussageanalyse

Betreffend die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung wird vorab auf die 
korrekten Erwägungen der Vorinstanz verwiesen (S. 8 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung; pag. 328 f.). 

Zur Aussagenanalyse ist zu ergänzen, dass bei der Beurteilung von Aussagen un-
tersucht wird, ob die befragte Person die Aussage auch ohne realen Erlebnishin-
tergrund gemacht haben könnte. Nach dem empirischen Ausgangspunkt der Aus-
sagenanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche geistige 
Leistungen. Methodisch wird der Inhalt der Aussage analysiert (sog. Realkennzei-
chen bzw. Glaubhaftigkeitskriterien) und die Entstehungsgeschichte der Aussage 
auf suggestive Einflüsse und Fehlerquellen (namentlich Einfluss von Drogen oder 
Alkohol) untersucht. Anhand der sog. Realkennzeichen soll geprüft werden, wie 
wahrscheinlich es ist, dass die aussagende Person mit ihren «individuellen 
Voraussetzungen unter den entsprechenden Rahmenbedingungen eine Aussage 
mit der entsprechenden Qualität ohne Erlebnisgrundlage konstruiert haben könnte» 
(LUDEWIG/TAVOR/BAUMER, Zwischen Wahrheit und Lüge, Justice - Justiz - Giusti-

11

zia 2/2012, S. 10; vgl. auch NIEHAUS, Zur Bedeutung suggestiver Prozesse für die 
Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen in Sexualstrafsachen, forumpoenale 
1/2012, S. 33). Die aussagepsychologische Validierungsforschung hat gezeigt, 
dass insbesondere die folgenden Merkmale eine Unterscheidung zwischen erleb-
nisfundierten und erfundenen Aussagen ermöglichen: Logische Konsistenz, unge-
ordnet sprunghafte Darstellung, quantitativer Detailreichtum, raum-zeitliche Ver-
knüpfungen, Interaktionsschilderungen, Wiedergabe von Gesprächen, Schilderung 
von Komplikationen im Handlungsverlauf, Schilderung nebensächlicher Einzelhei-
ten, indirekte handlungsbezogene Schilderungen und Schilderungen eigener psy-
chischer Vorgänge (BERLINGER, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Strafprozess, Lu-
zern 2014, S. 90; vgl. auch BGE 147 IV 409 E. 5.4.2). Das Ergebnis muss unter 
Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen Leistungsfähigkeit resp. persön-
lichen Kompetenz und der Motivlage gesamthaft bewertet werden (BGE 129 I 49 
E. 5; Urteile des Bundesgerichts 6B_751/2021 vom 27. August 2021 E. 1.1.2 und 
6B_1118/2022 vom 30. März 2023 E. 1.1.3). Bei Emotionsschilderungen ist einer-
seits zu berücksichtigen, dass sie leicht zu simulieren sind und strategisch einge-
setzt werden könnten, um glaubhaft zu wirken, weil sich das Gegenüber erheblich 
von Emotionalität als Zeichen für Glaubhaftigkeit beeinflussen lässt (NIEHAUS ET 
AL., Täuschungsstrategien bei der Schilderung von Sexualstraftaten, in: Zeitschrift 
für Sozialpsychologie, 2005, S. 185 mit weiteren Hinweisen auf die Studienlage). 
Andererseits können Emotionen resp. deren Fehlen verschiedene Ursachen ha-
ben, weshalb Emotionen häufig nicht mit der Wahrheit einhergehen (LU-
DEWIG/TAVOR/BAUMER, Zwischen Wahrheit und Lüge, Justice - Justiz - Giustizia 
2/2012, S. 8). 

10.2 Zu den Fragen, ob die Beschuldigte die Strafklägerinnen am 27. Mai 2020 schlug 
bzw. biss und namentlich mit dem Tod bedrohte

10.2.1 Anzeigerapport vom 14. Juli 2020

Es gibt keine Hinweise, dass an den Ausführungen im Anzeigerapport vom 14. Ju-
li 2020 gezweifelt werden müsste. Aus diesem ergibt sich daher verbindlich, dass 
sich am 27. Mai 2020 um 16:54 Uhr eine Angestellte des I.________'s (Geschäft) 
telefonisch bei der Polizeiwache J.________ (Ort) gemeldet hat, worauf sich zwei 
Polizisten vor Ort begaben. Dort wurden sie vom I.________ (Geschäft)-Personal 
in den Aufenthaltsraum der Angestellten geführt, wo sie auf die Beschuldigte trafen, 
die auf einem Stuhl sass. Bei der Tür des Aufenthaltsraums standen die beiden 
Geschädigten resp. die Strafklägerinnen. Die Strafklägerin 2 war sichtlich aufge-
wühlt, hatte Tränen in den Augen und klagte über Schmerzen im Wangenbereich. 
Die Strafklägerin 1 wies am Unterarm eine blutende Verletzung auf. Beide Strafklä-
gerinnen verzichteten auf den Beizug der Ambulanz und wollten sich selbständig in 
ärztliche Hilfe begeben (zum Ganzen pag. 27 f.). 

In Würdigung dieser Ausführungen ist festzuhalten, dass die Feststellungen der 
Polizisten unmittelbar nach dem mutmasslichen Vorfall nahelegen, dass sich die 
Strafklägerinnen während dem Aufeinandertreffen mit der Beschuldigten im Wan-
genbereich (Strafklägerin 2) bzw. am Unterarm (Strafklägerin 1) verletzten. 

12

10.2.2 Arztbericht des M.________'s (Spital) betreffend die Strafklägerin 2

Dem Arztbericht des M.________'s (Spital) ist im Wesentlichen zu entnehmen, 
dass die Strafklägerin 2 dem M.________ (Spital) notfallmässig durch den 
hausärztlichen Notfall des Spitals P.________ zugewiesen wurde, nachdem sie 
gemäss eigenen Angaben gleichentags gegen 17:00 Uhr von einer Kundin im 
I.________ (Geschäft) mit einem Faustschlag attackiert worden und dabei mit der 
linken Schulter gegen eine Wand geprallt sei. Klinisch habe sich die Strafklägerin 
afebril (fieberfrei), respiratorisch (die Atmung betreffend) und hämodynamisch (den 
Kreislauf betreffend) stabil präsentiert. In der körperlichen Untersuchung seien ein 
Knochenvorsprung beim linken Kiefergelenk, eine initial eingeschränkte Mundöff-
nung und ein deutlicher Muskelhartspann im Nacken-/Schulterbereich links aufge-
fallen. Die weitere neurologische Untersuchung sei unauffällig gewesen. Im CT 
Schädel/Gesichtsschädel hätten keine Hinweise auf eine Fraktur oder Luxation im 
Kiefergelenk bestanden. Während der Untersuchung durch die beigezogene Schä-
del-/Kiefer-/Gesichts-Chirurgin sei es zu einer spontanen Reposition der wahr-
scheinlich nach anterior luxierten Bandscheibe im linken Kiefergelenk gekommen, 
worauf die Mundöffnung wieder vollständig möglich gewesen sei. Konventionellra-
diologisch habe im Bereich der linken Schulter keine Fraktur nachgewiesen werden 
können, so dass von einer Kontusion mit reflektorischem Muskelhartspann ausge-
gangen worden sei. Die Strafklägerin 2 habe nach der Untersuchung in Begleitung 
ihres Ehemanns nach Hause entlassen werden können. Vom 27. Mai 2020 bis am 
31. Mai 2020 sei sie 100 % arbeitsunfähig gewesen und beim Austritt habe sie die 
Medikamente Irfen, Novalgin und Ecofenac Lipogel erhalten. Eine Nachkontrolle 
sei für in zwei Wochen geplant worden (zum Ganzen pag. 40 ff.). 

Die Ausführungen im Arztbericht zur notfallmässigen Behandlung der Strafkläge-
rin 2 am Abend des 27. Mai 2020 decken sich insbesondere mit den Feststellungen 
der Polizisten, wonach die Strafklägerin 2 direkt nach dem Aufeinandertreffen mit 
der Beschuldigten über Schmerzen im Wangenbereich geklagt habe und belegen, 
dass sich die Strafklägerin 2 am 27. Mai 2020 die im Arztbericht umschriebenen 
Verletzungen zuzog, welche das beschriebene Prozedere (u.a. Untersuchung, Ar-
beitsunfähigkeit, Medikamenteneinnahme, Nachkontrolle) zur Folge hatten. Die 
Kammer stellt folglich darauf ab.

10.2.3 Notfallbericht des Spitals P.________ betreffend die Strafklägerin 1

Aus dem Notfallbericht des Spitals P.________ ergibt sich, dass die Strafklägerin 1 
am 27. Mai 2020 nach einem Menschenbiss den Notfall konsultiert habe. Die Straf-
klägerin 1 habe angegeben, sie arbeite im I.________ (Geschäft) und sei von einer 
Kundin gebissen worden. Diese Kundin habe aufgrund eines früheren Vorfalls ein 
Hausverbot im I.________ (Geschäft) gehabt, sei aber dennoch wieder ins Ge-
schäft gekommen. Als die Filialleiterin die Kundin darauf angesprochen und gebe-
ten habe, das Geschäft zu verlassen, sei diese plötzlich aggressiv geworden und 
habe angefangen, alles um sich herum zu stossen und die Chefin zu schlagen. Sie 
selbst (die Strafklägerin 1) sei dieser daraufhin zur Hilfe geeilt und in der Folge 
durch die besagte Kundin in den rechten Unterarm gebissen, ansonsten aber nicht 
verletzt worden (zum Ganzen pag. 47). Bei der Untersuchung sei bei der Strafklä-
gerin 1 eine Menschenbisswunde am rechten Unterarm diagnostiziert worden 

13

(pag. 47). Weiter sei als Zusatzuntersuchung ein Labor resp. ein Suchtest für He-
patitis B, C und HIV gemacht worden, der jedoch negativ ausgefallen sei (pag. 47). 
Nach der standardmässigen Desinfektion, Reinigung und Abdeckung der Wunde 
seien der Tetanusschutz aufgefrischt und die Strafklägerin 1 der Wundsprechstun-
de angebunden worden (pag. 48). Schliesslich habe man der Strafklägerin 1 für 
fünf Tage die Einnahme eines Antibiotikums (Co-Amoxi Mepha Lactab 1'000 mg) 
verordnet und am 28. sowie am 29. Mai 2020 und am 2. Juni 2020 hätten klinische 
Verlaufs- resp. Nachkontrollen stattgefunden (pag. 48). 

Die Ausführungen im Notfallbericht des Spitals P.________ zur Notfallkonsultation 
der Strafklägerin 1 am 27. Mai 2020 untermauern somit insbesondere die Feststel-
lungen der Polizisten, wonach die Strafklägerin 1 nach dem Aufeinandertreffen mit 
der Beschuldigten eine blutende Verletzung am Unterarm aufgewiesen habe, und 
belegen, dass die Strafklägerin 1 am 27. Mai 2020 eine Menschenbisswunde am 
rechten Unterarm erlitt, die ärztlich versorgt werden musste und die im Notfallbe-
richt erwähnten Behandlungen sowie Untersuchungen erforderte. Die Kammer 
stellt folglich auch auf diesen Notfallbericht ab. 

10.2.4 Aussagen der Strafklägerin 2, Filialleiterin I.________ (Geschäft) J.________ (Ort)

Die Strafklägerin 2 gab in der polizeilichen Einvernahme vom 29. Mai 2020 als 
Auskunftsperson zu Protokoll, es sei bereits am 16. Mai 2020 zu einem Vorfall mit 
der Beschuldigten gekommen. Damals sei die Beschuldigte in der Mittagszeit ins 
Geschäft gekommen. Eine Stammkundin sei mit ihrem Kind ebenfalls am Einkau-
fen gewesen, als gemäss deren Angaben plötzlich die Beschuldigte gekommen sei 
und ihr gesagt habe, sie stehe «wegen Corona» zu nahe bei ihr. Die Kundin habe 
geantwortet, sie stehe schon länger da, worauf die Beschuldigte eine Pet-Flasche 
behändigt und gegen den Kopf der Kundin geschlagen habe. Die Kundin habe zu 
schreien begonnen und die Beschuldigte sei in Richtung Kasse davongelaufen. Sie 
(die Strafklägerin 2) sei der Beschuldigten gefolgt, habe sie angesprochen und 
mündlich ein Hausverbot ausgesprochen (zum Ganzen pag. 36 Z. 40 ff.). Betref-
fend den inkriminierten Vorfall führte die Strafklägerin 2 in freier Erzählung aus, am 
27. Mai 2020 sei die Beschuldigte erneut in den Laden gekommen und habe be-
gonnen, gegen ein Regal zu treten. Sie sei via Funk darüber informiert worden und 
habe sich sofort darum kümmern wollen. Daher sei sie zur Beschuldigten gegan-
gen, habe diese auf das Hausverbot angesprochen und mündlich aus dem Laden 
verwiesen. Die Beschuldigte habe jedoch darauf bestanden, dass das Hausverbot 
nicht gelte, weshalb sie ihr Handy aus der Tasche genommen habe und die Polizei 
habe rufen wollen. In dem Moment sei die Beschuldigte mit ihrem Gesicht sehr na-
he, ca. 10 cm, an ihr Gesicht herangekommen und habe begonnen, laut zu schrei-
en. Sie habe daher einen Schritt zurück gemacht und beide Hände nach unten ge-
halten, worauf die Beschuldigte sie mit der Faust «voll» ins Gesicht geschlagen 
habe. Als sie weiter zurückgegangen sei und die Beschuldigte sie weiter habe 
schlagen wollen, sei ihr die Strafklägerin 1 zu Hilfe gekommen und habe die Be-
schuldigte von hinten umarmt, damit diese von ihr ablasse. Die Beschuldigte habe 
sich jedoch stark gewehrt und auch die Strafklägerin 1 schlagen wollen, weshalb 
sie einen Arm und die Strafklägerin 1 den anderen Arm der Beschuldigten gepackt 
und die Beschuldigte so ins Lager geführt hätten. Dort hätten sie die Polizei ange-

14

rufen. Die Beschuldigte habe sich weiterhin enorm gewehrt und erklärt, sie habe 
keine Zeit. Zudem habe sie Gegenstände herumgeworfen und gegen einen Tisch 
getreten. Als die Strafklägerin 1 sie gefragt habe, ob sie wisse, was Anstand sei, 
sei die Beschuldigte «extrem aggressiv» geworden, «voll» auf die Strafklägerin 1 
losgegangen und habe diese in den Arm gebissen. Dann habe sie fliehen wollen. 
Weil sie sie aber zurückgehalten hätten, sei die Beschuldigte erneut auf sie (die 
Strafklägerin 2) losgegangen und habe auf Albanisch sowie Deutsch geflucht und 
gedroht, sie werde sie und ihre Familien finden und töten, sie seien die schlimmste 
Nationalität, die es gebe (zum Ganzen pag. 36 f. Z. 65 ff.).  

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte die Strafklägerin 2 diese Aus-
sagen (pag. 286 Z. 17) und erklärte erneut, weshalb sie der Beschuldigten vor dem 
inkriminierten Vorfall ein Hausverbot erteilt habe (pag. 287 Z. 5 ff.). Auf Frage, was 
am 27. Mai 2020 passiert sei, führte sie aus, die Beschuldigte sei zwischen 
16:00 Uhr und 16:30 Uhr in den I.________ (Geschäft) gekommen und habe beim 
Früchterayon Kartonkisten mit den Füssen getreten, geschlagen und zu Boden 
geworfen. Sie sei via Headset darüber informiert worden und zur Beschuldigten 
gegangen. Als sie gerade beim Lagertor gewesen sei, habe die Beschuldigte sie 
gesehen, angeschaut und ihr gesagt, sie habe sie gesucht, sie dürfe ihr kein La-
denverbot erteilen. Sie «scheiss Kosovoalbaner» könnten ihr nichts sagen. Sie 
könne den Wortlaut nicht mehr genau sagen, habe aber noch «den Film im Kopf», 
dass sie danach einen Schlag auf die rechte Wange bzw. das Kinn bekommen ha-
be. Bis heute spüre sie noch den Kiefer auf der linken Seite auf der Höhe des Oh-
res (zum Ganzen pag. 287 f. Z. 42 ff.). Sie habe ihre Arme unten gehabt und als 
die Beschuldigte wieder habe zuschlagen wollen, habe sie gesehen, wie die Straf-
klägerin 1 gekommen sei und die Beschuldigte von hinten oder von der Seite an 
den Armen festgehalten habe, damit diese nicht mehr habe schlagen können 
(pag. 288 Z. 8 ff.). In der Folge habe sie realisiert, was passiert sei und habe ge-
sagt, dass die Beschuldigte diesmal hierbleibe, bis die Polizei komme. Als sie dies 
erwähnt habe, habe die Beschuldigte angefangen, sich zu wehren und habe weg-
gehen wollen. Daher habe sie die Beschuldigte am Unterarm gepackt und zusam-
men mit der Strafklägerin 1 versucht, diese nach hinten zum Aufenthaltsraum zu 
bringen (zum Ganzen pag. 288 Z. 14 ff.). Dort habe die Beschuldigte versucht, sie 
zu schlagen, habe abwechslungsweise Deutsch und Albanisch gesprochen und 
den Tisch mit dem Fuss gestossen sowie Stühle nach ihnen geworfen. «Im Kopf 
geblieben» sei ihr vor allem die Drohung, wonach die Beschuldigte sie umbringen 
und erschiessen werde (pag. 288 Z. 22 ff.). Auf Frage, ob es auch eine Auseinan-
dersetzung zwischen der Beschuldigten und der Strafklägerin 1 gegeben habe, er-
klärte die Strafklägerin 2, nur dort, als die Beschuldigte Stühle und Sachen gegen 
sie geworfen und die Strafklägerin 1 sie gefragt habe, ob sie nicht auch anständig 
und respektvoll mit ihnen umgehen könne. Darauf habe die Beschuldigte geantwor-
tet, dass sie in der Schweiz nichts zu suchen hätten. Sie könne es aber nicht mehr 
zu 100 % sagen. Sie versuche die Bilder seit Jahren aus ihrem Kopf zu kriegen. Als 
die Beschuldigte weiter habe Stühle werfen wollen, habe die Strafklägerin 1 erneut 
von hinten ihre Arme gehalten und in dem Moment habe die Beschuldigte die Arme 
gehoben und der Strafklägerin 1 in den Unterarm gebissen. Sie habe ständig ge-
droht, bis die Polizei gekommen sei (zum Ganzen pag. 288 f. Z. 45 ff.).

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Die Strafklägerin 2 schilderte den Vorfall in den beiden Einvernahmen – wie die 
voranstehenden Ausführungen zeigen – im Wesentlichen gleichbleibend, nachvoll-
ziehbar und detailliert. Sie berichtete von einem dynamischen Geschehen und er-
zählte erlebnisbasiert, was geschah resp. wer was tat und was zwischen ihr, der 
Strafklägerin 1 und der Beschuldigten gesprochen wurde. Weiter gab sie Erinne-
rungslücken zu und verzichtete darauf, ihr eigenes Verhalten zu beschönigen. So 
räumte sie beispielsweise ein, dass sie und die Strafklägerin 1 die Beschuldigte an 
den Armen gepackt und so ins Lager/den Aufenthaltsraum verbracht hätten. Weiter 
berichtete sie stets von einem Schlag sowie von einem Biss und belastete die Be-
schuldigte mithin nicht unnötig mit weiteren tätlichen Handlungen. Sie beschrieb 
auch sehr eindrücklich und ausführlich, wie sie sich nach dem Vorfall fühlte. So er-
klärte sie bereits in der polizeilichen Einvernahme, sie habe, nachdem die Beschul-
digte mit der Polizei gegangen sei, einen Stellvertreter organisieren müssen, weil 
es ihr sehr schlecht gegangen sei und sie nicht mehr habe weiterarbeiten können 
(pag. 37 Z. 94 f.). Am Abend sei sie ins Spital P.________ gegangen, weil ihre 
Wange sehr geschmerzt habe. Dort hätten sie ihr gesagt, dass der Kiefer verscho-
ben sei und sie daher ins M.________ (Spital) zu einem Spezialisten müsste. Im 
M.________ (Spital) habe sie Schmerzmittel erhalten und sei bis zum 2. Juni 2020 
100 % krankgeschrieben worden (zum Ganzen pag. 37 Z. 96 ff.). Sie fürchte sich 
noch immer vor den Drohungen der Beschuldigten. Die Beschuldigte sei sehr ag-
gressiv und schon vermehrt so aufgefallen. Sie traue ihr alles zu und habe Angst, 
dass sie erneut in den Laden kommen und die Drohungen umsetzen könnte (zum 
Ganzen pag. 37 Z. 113 ff.). Sie leide sehr unter der Situation (pag. 38 Z. 126). In 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung kämpfte die Strafklägerin 2, wie dem Pro-
tokoll entnommen werden kann, sodann wiederholt mit den Tränen und wirkte nach 
wie vor sichtlich aufgewühlt und mitgenommen, als sie vom Geschehenen berichte-
te (vgl. pag. 289 Z. 9 und pag. 290 Z. 3). Weiter beschrieb sie verständlich und le-
bensnah, sie habe am 8. August 2020 aufgehört, im I.________ (Geschäft) in 
J.________ (Ort) zu arbeiten, weil sie immer wieder Panikattacken bekommen ha-
be. Seit Dezember 2020 arbeite sie in einer anderen Filiale und sei nur noch Stell-
vertreterin und nicht mehr Filialleiterin (zum Ganzen pag. 286 Z. 28 ff.). Während 
des Vorfalls selbst habe sie keine Kontrolle mehr gehabt, weil sie Angst gehabt ha-
be (pag. 288 Z. 21). Die Drohung der Beschuldigten, wonach sie sie umbringen 
und erschiessen werde, sei ihr im Kopf geblieben (pag. 288 Z. 27 f.). Sie erklärte 
auch originell, sie habe das Gefühl, wenn der Name «Q.________ (Nachname von 
C und D)» nicht an der Tür gestanden wäre, wäre dies nicht passiert, denn 
«Q.________ (Nachname von C und D)» sei ein bekannter kosovarischer Name 
(pag. 288 Z. 28 ff.). Weiter schilderte sie eindrücklich, als die Polizei gekommen 
sei, habe sich die Beschuldigte innert einer Sekunde zu einem völlig anderen Men-
schen verändert und habe zum Polizisten gesagt: «Wow, was für schöne blaue 
Augen.». Sie frage sich, wie sich ein Mensch so schnell verändern könne (zum 
Ganzen pag. 288 Z. 30 ff.). Schliesslich führte die Strafklägerin 2 nachvollziehbar 
aus, dass und weshalb sie Angst bekommen habe, als sie ihre Adresse auf dem 
Schreiben des Gerichts gesehen habe (vgl. pag. 289 Z. 34 ff.) und erklärte plausi-
bel, weshalb eine gütliche Einigung für sie keine Option sei. So gehe es ihr nicht 
ums Geld, sondern darum, was die Beschuldigte ihr angetan habe. Sie fühle sich 

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schwach und sei nicht mehr die Person, die sie früher gewesen sei. Das Kinn sei 
nicht das Problem, sondern die Psyche und ihre Angst resp., dass sie immer zu zit-
tern beginne, wenn sie eine Frau mit langen schwarzen Haaren sehe. Sie wolle 
kein Geld, sondern einfach, dass die Beschuldigte nicht mehr in ihrer Nähe sei 
(zum Ganzen pag. 289 Z. 43 ff.). Sie habe zwei Kinder und frage sich, was ge-
schehe, wenn die Beschuldigte sie wieder treffe oder wenn ihr oder ihren Kindern 
etwas passiere (pag. 290 Z. 7 ff.). Auf Frage, ob sie mit ihrer Schwester resp. der 
Strafklägerin 1 über den Vorfall gesprochen habe, erklärte die Strafklägerin 2 fer-
ner, sie habe diese gefragt, was sie anders hätte machen können, damit sie (die 
Strafklägerin 1) nicht verletzt worden wäre. Sie sei «ja auch die Ältere». Als im 
September 2023 ein Kunde an ihrem neuen Arbeitsort gestohlen habe und sie ih-
ren Mitarbeitenden nicht habe helfen können, sei wieder alles hochgekommen. Die 
Beschuldigte habe ihr Leben verändert und sie zerstört (zum Ganzen pag. 290 
Z. 25 ff.). 

Gesamthaft erweisen sich die Aussagen der Strafklägerin 2 in Würdigung dieser 
Umstände als widerspruchsfrei, differenziert, authentisch, erlebnisbasiert und origi-
nell. Sie sind frei von unnötigen Belastungen sowie Aggravationen und decken sich 
– soweit möglich – mit den übrigen vorhandenen Beweismitteln, insbesondere den 
Feststellungen der ausgerückten Polizisten, den Ausführungen im Arztbericht des 
M.________'s (Spital) und – wie sich im Folgenden zeigen wird – den Aussagen 
der Strafklägerin 1. Auch wenn es sich bei den Strafklägerinnen um Schwestern 
handelt und sich die beiden vor den ersten Einvernahmen – wie die Verteidigung 
vorbringt – hätten absprechen können, gibt es keine Hinweise darauf, dass sie dies 
taten und die Beschuldigte gemeinsam zu Unrecht belasten. Es ist auch nicht er-
sichtlich, weshalb die Strafklägerinnen der Beschuldigten wahrheitswidrig vorwer-
fen sollten, sie habe sie geschlagen resp. gebissen. Dass sich die Verletzungen 
der Strafklägerin 2 gemäss Arztbericht auf deren linken Seite befinden, widerspricht 
entgegen der Ansicht der Verteidigung schliesslich nicht den Aussagen der Straf-
klägerin 2, erklärte doch auch diese, sie habe einen Schlag gegen den rechten Teil 
des Kinns bekommen und spüre bis heute den Kiefer auf der linken Seite auf der 
Höhe des Ohres (pag. 288 Z. 2 ff.). Zusammenfassend enthalten die Aussagen der 
Strafklägerin 2 mithin zahlreiche Realkennzeichen, weshalb auf ihre glaubhaften 
Angaben abzustellen ist.

10.2.5 Aussagen der Strafklägerin 1, Verkäuferin I.________ (Geschäft) J.________ (Ort) 

Die Strafklägerin 1 berichtete in der polizeilichen Einvernahme vom 4. Juni 2020 
als Auskunftsperson in freier Erzählung, am 27. Mai 2020 sei sie, wie meistens, in 
der Non-Food-Abteilung gewesen, als sie via Funk gehört habe, dass eine aggres-
sive Kundin im Laden sei. Sie habe gerade ins Lager gehen wollen. Auf dem Weg 
dorthin habe sie gesehen, wie die Strafklägerin 2 mit dieser Kundin gesprochen 
und dieser gesagt habe, sie müsse den Laden verlassen, ansonsten würde sie die 
Polizei verständigen. Sie habe diese Frau erkannt, da diese schon vor ca. zwei 
Wochen im Laden gewesen und damals offenbar grundlos auf eine Kundin losge-
gangen sei. In der Folge machte die Strafklägerin 1 hierzu weitere Ausführungen 
und gab an, weil diese Frau schon mehrmals aufgefallen sei, sei sie stehen geblie-
ben und habe dieser sowie der Strafklägerin 2 zugeschaut. Die Strafklägerin 2 ha-

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be versucht, mit der Frau zu sprechen und habe sie aus dem Laden «haben wol-
len». Die Frau habe geantwortet, man könne ihr nichts sagen und plötzlich begon-
nen, ganz laut zu schreien. Dann sei diese mit ihrem Gesicht «ganz nahe» an das 
Gesicht der Strafklägerin 2 gegangen. Als die Strafklägerin 2 zurückgewichen sei, 
habe die Frau ihr die Produkte, die sie in den Händen gehalten habe, angeschmis-
sen und sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Sie selbst habe bemerkt, dass 
eine Grenze überschritten worden sei und sich daher angenähert. Dabei habe sie 
gesehen, dass die Frau habe weiterschlagen wollen, weshalb sie sie am Arm ge-
packt und auf Albanisch zur Strafklägerin 2 gesagt habe, die Frau spinne, worauf 
diese wiederum auf Albanisch zu fluchen begonnen habe. Die Strafklägerin 2 und 
sie hätten dann versucht, die Frau ins Lager zu ziehen, aber diese habe sich ex-
trem gewehrt und auch flüchten wollen. Weil sie die Frau bis zum Eintreffen der Po-
lizei hätten zurückhalten wollen, sei es zu einem Gerangel gekommen. Im Lager 
sei es weitergegangen. Es sei ein gegenseitiges Ziehen gewesen und die Frau ha-
be sich ständig gewehrt sowie diverse Beleidigungen und Drohungen ausgespro-
chen, wonach ihre Rasse leiden werde, sie mit einer Kalaschnikow gegen sie 
kommen und sie alle ausrotten werde. Dann habe sich die Frau hingesetzt, weil sie 
wohl etwas müde geworden sei, habe sie aber weiterhin beide angeschrien. Es sei 
eine Beleidigung nach der anderen gekommen. Als sie die Frau gefragt habe, ob 
sie noch nie etwas von Respekt und Anstand gehört habe, habe diese enorm ag-
gressiv reagiert und habe auf sie losgehen wollen. Die Strafklägerin 2 habe die 
Frau zurückhalten wollen, aber sie selbst habe den Arm schon dazwischen gehabt. 
Es sei zu einem erneuten Gerangel gekommen und die Frau habe ihren Arm ge-
packt und hineingebissen (zum Ganzen pag. 44 f. Z. 38 ff.). Auf Frage, wie sie ge-
nau gebissen worden sei, antwortete die Strafklägerin 1, es sei während des Ge-
rangels gewesen. Die Frau habe auf sie losgehen wollen, sei aufgestanden und sie 
hätten einander alle festgehalten. Dann habe die Frau den Kopf gesenkt und ihr in 
den rechten Unterarm gebissen (zum Ganzen pag. 44.1 Z. 80 ff.). Es habe geblutet 
und sie sei anschliessend ins Spital P.________ gegangen, wo sie behandelt wor-
den sei (pag. 44.1 Z. 85 ff.). Auf Frage, ob Drohungen ausgesprochen worden sei-
en, erklärte die Strafklägerin 1, die Frau habe die ganze Zeit gedroht und gesagt, 
sie werde sie ausrotten und mit einem Gewehr kommen (pag. 44.1 Z. 90 f.). Sie 
habe in diesem Moment grosse Angst gehabt und hoffe schwer, dass die Frau nie 
mehr in den Laden komme. Der Umstand, dass die Frau trotz Hausverbot wieder in 
den Laden komme, lasse aber darauf schliessen, dass sie auch in Zukunft wieder 
kommen und es noch schlimmer werden könnte. Wenn sie Kinder in J.________ 
(Ort) hätte, hätte sie auch Angst um diese. Die Frau sei gefährlich und explodiere 
einfach aus dem Nichts. Sie schreie extrem laut und habe einen beängstigenden 
Blick. Die Frau habe den Streit völlig gesucht, sei in den Laden gekommen und 
enorm aggressiv gewesen. Die Strafklägerin 2 habe sie anständig gebeten, den 
Laden zu verlassen, aber die Frau habe gewollt, dass es eskaliere (zum Ganzen 
pag. 44.1 Z. 94 ff.).

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte die Strafklägerin 1 die ge-
genüber der Polizei gemachten Aussagen (pag. 282 Z. 19). Zudem führte sie aus, 
dass ihr die Beschuldigte bereits vor dem Vorfall aufgefallen sei und sie ein biss-
chen «nach Stress gesucht» habe (pag. 282 Z. 35 ff.). Am 27. Mai 2020 sei sie «im 

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Non-Food» gewesen, als sie über das Headset gehört habe, dass eine Kundin 
«Stress suche». Als sie ins Lager gegangen sei, habe sie die Beschuldigte und die 
Strafklägerin 2 sprechen sehen. Weil die Beschuldigte schon früher aggressiv auf-
gefallen sei, habe sie angehalten (zum Ganzen pag. 282 Z. 41 ff.). Die Strafkläge-
rin 2 habe die Beschuldigte gebeten, den Laden aufgrund des Hausverbots zu ver-
lassen und gesagt, ansonsten käme die Polizei. Darauf habe die Beschuldigte ge-
antwortet, die Strafklägerin 2 habe ihr nichts vorzuschreiben. Als die Strafklägerin 2 
das Ganze wiederholt habe, sei die Beschuldigte ausgetickt und habe mit der Ta-
sche mit den Einkäufen herumgeschlagen sowie die Strafklägerin 2 am Kinn getrof-
fen. Sie wisse nicht mehr, ob es mit den Taschen oder mit der Faust gewesen sei. 
Sie habe gemerkt, dass sie etwas machen müsse und habe die Unterarme der Be-
schuldigten genommen, damit diese nicht mehr habe «ausschlagen» und auch 
nicht habe «abhauen» können. Es sei anstrengend geworden, weil sich die Be-
schuldigte gewehrt und viel Kraft gehabt habe. Sie habe zur Strafklägerin 2 auf Al-
banisch gesagt, die Beschuldigte sei nicht normal. Dann habe diese angefangen zu 
fluchen und drohen, dass sie sie umbringen werde und jeder ihrer Rasse leiden 
werde. Irgendeinmal hätten sie es geschafft, die Beschuldigte in den Pausenraum 
zu verbringen. Dort hätten sie sie auf einen Stuhl gesetzt. Die Beschuldigte sei 
wahrscheinlich müde geworden und sitzen geblieben, habe aber weiterhin geflucht 
und gedroht, wonach sie sie umbringen werde. Sie habe die Beschuldigte deshalb 
gefragt, ob sie schon mal etwas von Respekt und Anstand gehört habe, worauf die 
Beschuldigte auf sie losgegangen sei. Die Strafklägerin 2 habe eingegriffen und 
versucht, die Beschuldigte zurückzuhalten, aber sie selbst habe die Arme schon 
vor sich gehabt und die Beschuldigte habe ihr rechts unten in den Arm gebissen. 
Sie habe noch eine kleine Narbe davon. Die Beschuldigte habe sich «festgebis-
sen» (zum Ganzen pag. 283 Z. 11 ff.). Sie hätten die Polizei bereits alarmiert ge-
habt und gewartet, bis diese kam. Als die Beschuldigte die Polizisten gesehen ha-
be, sei sie vom einen auf den anderen Moment ein anderer Mensch geworden. Die 
Verwandlung sei sehr erstaunlich gewesen (zum Ganzen pag. 283 Z. 42 ff.). 

Die Strafklägerin 1 schilderte den Vorfall in Würdigung dieser Ausführungen in bei-
den Einvernahmen widerspruchsfrei, nachvollziehbar und detailliert. Sie beschrieb, 
wer wann was sagte und tat. Zudem belastete sie die Beschuldigte nicht unnötig, 
sondern gab vielmehr zu, sie habe selbst auf Albanisch zu ihrer Schwester resp. 
der Strafklägerin 2 gesagt, die Beschuldigte spinne resp. sei nicht ganz «dicht» 
bzw. normal im Kopf (pag. 44 Z. 58 f., pag. 283 Z. 22, pag. 284 Z. 11 f. und 
pag. 285 Z. 32). Weiter räumte sie Erinnerungslücken ein (vgl. pag. 283 Z. 15 und 
pag. 284 Z. 19) und äusserte originelle Details wie beispielsweise, dass sich die 
Beschuldigte in ihrem Unterarm «festgebissen» habe (pag. 283 Z. 34) oder, dass 
die Beschuldigte, während sie gedroht habe, etwas von einer Pistole gesagt und 
dafür einen altmodischen albanischen Ausdruck («Pushk») gebraucht habe 
(pag. 283 Z. 25 f.). Sie beschrieb auch eindrücklich und verständlich, weshalb sie 
sich – auch im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung noch – vor der 
Beschuldigten gefürchtet habe. So führte sie aus, eine gütliche Einigung sei für sie 
keine Option, weil sie nicht das Gefühl habe, dass die Beschuldigte nicht mehr ge-
fährlich sei. Sie habe Angst, dass sie wieder ein Opfer finde. Die Beschuldigte habe 
ihnen gesagt, sie seien schuld an allem, ihre Rasse werde leiden, «vom ersten bis 

19

zum letzten». Sie könne nicht einfach ignorieren, dass die Beschuldigte in ihrem 
Kopf einen Schuldigen habe, der dafür büssen müsse. Ihr sei die Geschichte von 
diesem Jungen in Basel in den Sinn gekommen, der von einer älteren Dame um-
gebracht worden sei, welche ähnliche Sachen gesagt habe, deshalb sei sie heute 
hier. Sie habe Angst. Die Beschuldigte habe sie im Visier gehabt, obwohl sie dieser 
nichts getan habe (zum Ganzen pag. 284 Z. 28 ff.). Sie habe nach dem Vorfall eine 
generalisierte Angststörung entwickelt und arbeite nicht mehr im Verkauf. Sie 
möchte keine Genugtuungssumme von der Beschuldigten, sondern einfach, dass 
dafür gesorgt werde, dass diese nicht mehr so austicken könne. Sie mache sich 
Sorgen, weil die Beschuldigte jetzt auch wisse, wo sie wohne (zum Ganzen 
pag. 284 f. Z. 45 ff.). Auf die Frage der Verteidigung, weshalb sie immer noch 
Angst habe, obwohl sie die Beschuldigte seit drei Jahren nicht mehr gesehen habe, 
antwortete die Strafklägerin 1, weil ihr die Beschuldigte gedroht und gesagt habe, 
sie bringe sie um. Die Beschuldigte denke «in ihrer Welt», dass sie (die Strafkläge-
rin 1) schuld sei und leiden werde. Sie habe die Beschuldigte mit und ohne Polizis-
ten resp. mit deren zwei Seiten und Gesichtern erlebt. Ihre schnelle Verwandlung 
mache ihr Angst (zum Ganzen pag. 283 Z. 22 ff.). Schliesslich stimmen die Aussa-
gen der Strafklägerin 1 soweit möglich mit den Feststellungen der ausgerückten 
Polizisten, den Ausführungen im Notfallbericht des Spitals P.________ und den 
glaubhaften Aussagen der Strafklägerin 2 überein. Zusammengefasst enthalten ih-
re Angaben mithin diverse Realkennzeichen, weshalb darauf abzustellen ist. 

10.2.6 Aussagen der Beschuldigten

Die Beschuldigte verweigerte in der polizeilichen Einvernahme vom 7. Januar 2020 
die Aussagen (vgl. pag. 21 f. Z. 15 ff.). 

In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 5. Juli 2021 erklärte sie, sie habe 
Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben, weil dort unrichtige Tatsachen stünden 
(pag. 99 Z. 41). Sie sei am 27. Mai 2020 «ganz normal» einkaufen gegangen und 
habe keine Kenntnis von einem allfälligen Ladenverbot gehabt. Als sie bei den 
Milchprodukten gestanden sei, sei plötzlich eine Verkäuferin gekommen und habe 
ihr gesagt, sie solle den Laden verlassen, sie habe ein Hausverbot. Zudem habe 
diese sie am Arm gepackt. Dann sei eine weitere Person dazugekommen und die 
beiden hätten sie in einen Büroraum geschleppt. Dort hätten sie sie «stehen gelas-
sen». Sie habe zu ihnen gesagt, sie sollten die Polizei rufen, ansonsten tue sie 
dies. Dann sei die Polizei gekommen. Sie sei schon wütend gewesen, habe aber 
nie gesagt, dass sie deren Familien finden werde (zum Ganzen pag. 100 f. 
Z. 88 ff.). Zudem habe sie weder die Strafklägerin 2 mit der Faust geschlagen noch 
die Strafklägerin 1 in den Unterarm gebissen (pag. 101 Z. 97 und Z. 100). 

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wiederholte die Beschuldigte, der Sach-
verhalt im Strafbefehl sei unzutreffend (pag. 293 Z. 31). Sie erinnere sich «ganz 
genau» an den Vorfall (pag. 293 Z. 34). Sie sei in den I.________ (Geschäft) ge-
gangen, um einzukaufen. Sie habe kein Hausverbot gehabt. Sie sei bei den Jo-
ghurts gestanden, als plötzlich eine Verkäuferin gekommen sei, sie angeschrien 
und ihr gesagt habe, sie müsse rausgehen, weil sie ein Hausverbot habe. Sie habe 
dies ignoriert und geantwortet, sie wolle bloss ein paar Joghurts kaufen. Dann habe 
diese Verkäuferin sie am Arm gepackt und zu sich gezogen. Plötzlich sei eine an-

20

dere Verkäuferin hinzugekommen und habe sie am anderen Arm gepackt. Sie sei 
zu Boden gegangen und die beiden Verkäuferinnen hätten sie durch den Laden in 
einen Raum geschleppt. Sie habe diesen gesagt, sie sollen die Polizei rufen. Sie 
habe Angst gehabt, die beiden würden sie «kidnappen». Dann seien die Polizisten 
gekommen, hätten ihre Tasche durchsucht und sie zum Vorfall befragt (zum Gan-
zen pag. 293 Z. 37 und Z. 43 ff.). Sie habe weder eine der Strafklägerinnen ge-
schlagen noch die andere gebissen (pag. 294 Z. 17 und Z. 24). Zudem haben sie 
die Strafklägerinnen nicht bedroht; sie habe nicht reden können, die Strafklägerin-
nen hätten sie gepackt und «geschleudert» (pag. 294 Z. 35 f.). 

Die Beschuldigte stritt die Vorwürfe mithin – sofern sie sich dazu äusserte – kon-
stant ab. Ihre Aussagen widersprechen den glaubhaften Angaben der Strafkläge-
rinnen, den Feststellungen der ausgerückten Polizisten und soweit möglich den 
Ausführungen in den Arztberichten. Die Beschuldigte konnte nicht plausibel er-
klären, weshalb die Strafklägerinnen sie zu Unrecht beschuldigen sollten. Auf Vor-
halt der Aussagen der Strafklägerin 2, wonach sie diese mit der Faust ins Gesicht 
geschlagen, die Strafklägerin 1 in den Unterarm gebissen und sie beide mehrfach 
bedroht habe, erklärte die Beschuldigte beispielsweise lediglich abstreitend, das 
treffe nicht zu, das stimme nicht (pag. 101 Z. 108 ff.). Auf Vorhalt der Aussagen der 
Strafklägerin 1, welche die Version der Strafklägerin 2 bestätigte, äusserte die Be-
schuldigte, das treffe «klar und sicher» nicht zu und behauptete ausweichend, sie 
habe das nicht getan, sie sei nicht so stark (pag. 101 Z. 114 ff.). Sie vermochte 
auch nicht zu erklären, weshalb die Strafklägerinnen sie am Arm hätten packen sol-
len, wenn sie sich selbst, wie sie behauptet, ganz normal verhalten haben will 
(«Das weiss ich nicht. Ich wollte nur Joghurts kaufen, dann packten sie mich am 
Arm und zogen mich.» [pag. 294 Z. 20 f.]). Auf Vorhalt der Arztberichte äusserte 
die Beschuldigte schliesslich einzig, dazu könne sie nichts sagen, sie habe nicht 
gebissen (pag. 294 Z. 28 und Z. 32), und auf Frage, wie sie sich die Verletzungen 
sowie den Umstand erkläre, dass die Strafklägerinnen eine ganz andere Geschich-
te erzählten, erklärte sie lediglich, «keine Ahnung» (pag. 295 Z. 11 und Z. 14). Ge-
samthaft ergeben die Aussagen der Beschuldigten mithin kein logisches Ganzes 
und widersprechen sämtlichen übrigen vorhandenen Beweismitteln. Sie vermögen 
die glaubhaften Angaben der Strafklägerinnen nicht zu entkräften.

10.2.7 Fazit

Gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Strafklägerinnen sowie die Ausführun-
gen im Anzeigerapport, im Arztbericht des M.________'s (Spital) und im Notfallbe-
richt des Spitals P.________ ist für die Kammer erstellt, dass die Beschuldigte am 
27. Mai 2020 den I.________ (Geschäft) in J.________ (Ort) betrat und die Straf-
klägerin 2, nachdem sie von dieser aufgefordert wurde, das Geschäft zu verlassen, 
mit der Faust gegen das Kinn schlug. Die Strafklägerin 2 erlitt dadurch einen Kno-
chenvorsprung beim linken Kiefergelenk und die Mundöffnung war initial einge-
schränkt. Sie musste im M.________ (Spital) behandelt werden. Während der Un-
tersuchung durch die beigezogene Schädel-/Kiefer-/Gesichts-Chirurgin kam es zu 
einer spontanen Reposition der wahrscheinlich nach anterior luxierten Bandscheibe 
im linken Kiefergelenk, worauf die Strafklägerin 2 den Mund wieder vollständig öff-

21

nen konnte. Vom 27. bis am 31. Mai 2020 war die Strafklägerin 2 100 % arbeitsun-
fähig. Zudem musste sie Schmerzmittel einnehmen. 

Weiter ist nach den voranstehenden Ausführungen erwiesen, dass die Beschuldig-
te die Strafklägerin 1 in den rechten Unterarm biss, nachdem sie von dieser gefragt 
wurde, ob sie schon mal etwas von Anstand und Respekt gehört habe. Die Straf-
klägerin 1 musste sich daraufhin im Spital P.________ behandeln lassen, wo die 
Wunde in der Grösse von 1 cm x 1 cm – deren Narbe in der Grösse eines «5-
Räpplers» nach wie vor gut erkennbar ist – gereinigt, desinfiziert und verbunden, 
der Tetanusschutz aufgefrischt und ein Labor resp. Suchtest für Hepatitis B, C und 
HIV verordnet wurden. Weiter musste die Strafklägerin 1 in der Folge während fünf 
Tagen ein Antibiotikum (Co-Amoxi Mepha Lactab 1'000 mg) einnehmen. 

Schliesslich ist erstellt, dass die Beschuldigte gegenüber den Strafklägerinnen äus-
serte, sie werde sie und ihre Familie finden und töten, was den Strafklägerinnen 
Angst einjagte und zur Folge hatte, dass sie insbesondere nicht mehr im fraglichen 
Geschäft resp. die Strafklägerin 2 von August 2020 bis Ende November 2020 
(vgl. pag. 286 Z. 28 ff. und pag. 289 Z. 31) überhaupt nicht mehr arbeiten konnten 
und auch noch mindestens dreieinhalb Jahre nach dem Vorfall belastet schienen. 

10.3 Zur Frage, in welchem Zustand die Beschuldigte war, als sie am 27. Mai 2020 auf 
die Strafklägerinnen traf

10.3.1 Anzeigerapport vom 14. Juli 2020

Dem Anzeigerapport vom 14. Juli 2020, auf dessen Ausführungen wie erwähnt ab-
gestellt werden kann, ist betreffend den Zustand der Beschuldigten zu entnehmen, 
dass ein normales Gespräch mit dieser kaum möglich gewesen sei. Die Beschul-
digte habe sich sehr merkwürdig verhalten und es sei der Verdacht entstanden, es 
könnte ein psychologisches Problem vorliegen. Abklärungen hätten ergeben, dass 
die Beschuldigte in der Vergangenheit immer wieder ausgerastet sei und Frauen 
tätlich angegriffen habe. Die Beschuldigte sei daher im V.________ (Spital) vorge-
führt worden. Dort habe sie darauf bestanden, mit dem Arzt allein zu sprechen. 
Nach einiger Zeit seien sie informiert worden, es werde keine Fürsorgerische Un-
terbringung verfügt, worauf die Beschuldigte ab dem V.________ (Spital) aus der 
Polizeikontrolle entlassen worden sei. Weil die Beschuldigte in letzter Zeit vermehrt 
mit solchen und ähnlichen Vorfällen aufgefallen sei und ein psychisches Problem 
vorliegen könnte, werde die KESB mittels separaten Berichts darüber in Kenntnis 
gesetzt (zum Ganzen pag. 28 f.). 

Diese Feststellungen der Polizisten kurz nach dem Vorfall legen nahe, dass bei der 
Beschuldigten im Zeitpunkt desselben ein «psychologisches Problem» bestand. 
Der Umstand, dass der Arzt im V.________ (Spital) eine Fürsorgerische Unterbrin-
gung für nicht indiziert erachtete, spricht indessen dafür, dass sich die Beschuldigte 
während des Gesprächs mit diesem adäquat und unauffällig verhalten resp. ge-
zeigt haben muss. Die Beschuldigte war mithin in der Lage, sich an wechselnde Er-
fordernisse der Situation anzupassen. Ein Realitätsbezug war erhalten, was sich – 
wie sich im Folgenden noch zeigen wird – auch mit den Wahrnehmungen der 
Strafklägerinnen deckt.

22

10.3.2 KESB-Akten

Aus dem Abklärungsbericht des Regionalen Sozialdienstes R.________ (Ort) vom 
22. Februar 2021 ergibt sich, dass bei der KESB Seeland seit dem Jahr 2018 bis 
dato wiederholt (Gefährdungs-)Meldungen der Kantonspolizei eingegangen sind. 
Die verschiedenen Meldungen würden von Tätlichkeiten und nicht nachvollziehba-
ren Verhaltensweisen der Beschuldigten in offenbar verwirrtem Zustand berichten. 
Am 21. September 2019 sei die Beschuldigte wegen «Tätlichkeiten auf der Stras-
se» von der Polizei angehalten und mit ärztlicher Überweisung resp. Fürsorgeri-
scher Unterbringung wegen psychischer Störung ins S.________ (nachfolgend: 
S.________) eingewiesen worden. Gemäss Austrittsbericht des S.________ vom 
30. September 2019 sei die Beschuldigte nach einem dreitägigen Aufenthalt auf ei-
genen Wunsch nach Hause entlassen worden. Mit Schreiben der Immobilienver-
waltung vom 18. November 2020 und der Mieterschaft vom 23. November 2020 
seien weitere Gefährdungsmeldungen an die KESB Seeland erfolgt. In beiden 
Schreiben sei einerseits um die Unterstützung der Mitbewohner der Beschuldigten 
gebeten und andererseits von unzumutbaren Zuständen wie Nachtruhestörung und 
Gefährdung der Sicherheit der Mitbewohner durch die Beschuldigte berichtet wor-
den (zum Ganzen pag. 162). Per Ende Juni 2021 habe die Beschuldigte die Kündi-
gung der Wohnung erhalten (pag. 166). Betreffend die Persönlichkeit, die psychi-
sche und physische Verfassung und die familiäre Situation ergibt sich aus dem Ab-
klärungsbericht, die Beschuldigte habe in den Gesprächen vom 14. Dezember 
2020 und vom 10. Februar 2021 geäussert, sie sei psychisch und physisch gesund. 
Ihre Schwester habe hingegen berichtet, sie vermute, dass die Beschuldigte seit 
einigen Jahren an einer psychischen Erkrankung leide. Sie zeige ein aggressives 
Verhalten und mache sie (die Schwester) für den Tod der Mutter verantwortlich. Ei-
ne andere Schwester der Beschuldigten leide an Schizophrenie und erhalte heute 
alle drei Monate eine Depotspritze. Die Beschuldigte zeige dieselben Symptome. 
Sie habe Angstzustände, fühle sich von den Mitmenschen schikaniert und unver-
standen (Lärmemissionen und eine kalte Wohnung). Zudem vernachlässige sie 
sich und ihre Grundbedürfnisse. Der Bruder der Beschuldigten habe erwähnt, die 
Beschuldigte sei schwer krank, sie fühle sich verfolgt, könne ihre Grundbedürfnisse 
nicht selbständig wahrnehmen, provoziere laufend und ertrage keine Ansammlung 
von Leuten. Sie zeige dieselben Symptome wie ihre Schwester, die an diagnosti-
zierter Schizophrenie leide (zum Ganzen pag. 164 und pag. 167 f.). Die Sozialar-
beiterin des Regionalen Sozialdienstes R.________ (Ort), welche die Beschuldigte 
seit dem Jahr 2018 regelmässig unterstütze, bestätige, dass deren Schwester an 
Schizophrenie leide und alle drei Monate eine Depotspritze erhalte. Zudem habe 
sie selbst die Befürchtung geäussert, dass die Beschuldigte an einer schwerwie-
genden psychischen Erkrankung leide und dringend medizinischer/therapeutischer 
Unterstützung bedürfe. Gemäss der Sozialarbeiterin habe die Beschuldigte ein auf-
fälliges Verhalten, eine verzerrte Wahrnehmung und verhalte sich nicht immer 
wahrheitsgetreu und oft widersprüchlich. Sie verhalte sich sehr fordernd, misstraue 
allem und jedem und wirke in den Gesprächen äusserst kontrolliert, wobei sie Fra-
gen oft ausweichend oder gar nicht beantworte (zum Ganzen pag. 167). Die Psych-
iaterin der Schwester der Beschuldigten vermute aufgrund der Schilderungen der 
Geschwister, dass der Beschuldigten dieselbe Diagnose – «paranoide Schizophre-

23

nie» – wie der Schwester gestellt werden müsse und die Beschuldigte Behandlung 
sowie Unterstützung brauche, zumal ihre Krankheitseinsicht offenbar «gleich null» 
sei (pag. 168 f.). Gestützt auf die Polizeirapporte und die Aussagen der angefrag-
ten Personen sei zusammenfassend davon auszugehen, dass die Beschuldigte an 
einer psychischen Störung leide, welche mangels deren Krankheitseinsicht indes 
nicht behandelt werde, obwohl eine Behandlung und eine klare Diagnose nach An-
sicht des Abklärenden klar indiziert seien (pag. 166 und pag. 169). Die Beschuldig-
te sei der Meinung, sie bedürfe keiner Unterstützung und widersetze sich einer 
freiwilligen ambulanten Begutachtung. Ebenso wenig sei sie bereit, sich auf freiwil-
liger Basis in psychiatrische Behandlung zu begeben (zum Ganzen pag. 171).

Im Psychiatrischen Gutachten von Dr. T.________ vom 4. Juli 2021 – welches 
nach ambulanter Begutachtung der Beschuldigten verfasst wurde – wurde eben-
falls festgehalten, dass die Beschuldigte gemäss deren Bruder an unbehandelter 
Schizophrenie leide (pag. 155 f.) resp. gemäss deren Schwester psychisch krank 
sei und unbedingt stationär behandelt werden müsse (pag. 156). Weiter wurde 
ausgeführt, dass es bereits in den Jahren 2018 und 2019 diverse Vorfälle gegeben 
habe, die (Gefährdungs-)Meldungen zur Folge gehabt hätten (pag. 151 ff.). Dr. 
T.________ gelangte zum Schluss, aufgrund der vielen fremdanamnestischen An-
gaben und dem klinischen Eindruck sei davon auszugehen, dass die Beschuldigte 
seit Jahren an einer psychischen Störung leide (pag. 159). Zur konkreten Diagno-
sestellung empfahl er eine Begutachtung im stationären Rahmen (pag. 158).

Im Psychiatrischen Gutachten des S.________ vom 13. August 2021 wurde der 
Beschuldigten nach stationärer Begutachtung die Diagnose der Schizophrenie 
simplex gestellt. Weiter wurde festgehalten, dass fremdanamnestisch resp. gemäss 
der Schwester und dem Bruder der Beschuldigten bei dieser bereits im Alter von 
47 Jahren, als im Jahr 2012 die Mutter gestorben sei, was für die Beschuldigte ein 
belastendes Ereignis gewesen sei, erste Zeichen aufgetreten seien. Zudem seien 
bei der Beschuldigten bereits die typischen Folgen einer Schizophrenie wie Ob-
dachlosigkeit und sozialer Abstieg aufgetreten. Dr. T.________ habe der Beschul-
digten schliesslich eine schizotype Störung diagnostiziert, die keine klaren Grenzen 
zur Schizophrenie simplex aufweise (zum Ganzen pag. 145).

Dem Austrittsbericht des S.________ vom 14. Oktober 2021 ist schliesslich unter 
anderem zu entnehmen, dass die Beschuldigte – angesprochen auf ihre Fremdag-
gressivität – gemeint habe, das Verhalten anderer Menschen mache sie aggressiv. 
Diese Aggression komme relativ plötzlich, sie könne auch nicht genauer erklären, 
wie und was in ihr ablaufe. Dieses Verhalten bestehe seit ein paar Jahren und sei 
früher nicht vorhanden gewesen (zum Ganzen pag. 123). 

Die Kammer hat in Würdigung dieser Ausführungen keine Zweifel, dass die Be-
schuldigte bereits am 27. Mai 2020 und damit im Tatzeitpunkt an einer psychischen 
Erkrankung resp. mit grosser Wahrscheinlichkeit an der ihr mit Psychiatrischem 
Gutachten des S.________ vom 13. August 2021 diagnostizierten, unbehandelten 
Schizophrenie simplex litt.

24

10.3.3 Aussagen der Strafklägerinnen

Die Strafklägerin 2 beschrieb – wie unter Erwägung 10.2.4 erwähnt – nachvollzieh-
bar und glaubhaft, dass sich die Beschuldigte, als die Polizisten gekommen seien, 
innert einer Sekunde zu einem völlig anderen Menschen verändert und dem Poli-
zisten gesagt habe, was für schöne Augen er habe. Weiter erklärte sie verständ-
lich, sie frage sich, wie sich ein Mensch so schnell verändern könne und äusserte, 
die Beschuldigte sei einfach psychisch krank (zum Ganzen pag. 288 Z. 30 ff. und 
pag. 290 Z. 30).

Die Strafklägerin 1 gab – wie unter Erwägung 10.2.5 dargetan – glaubhaft zu Pro-
tokoll, die Beschuldigte explodiere aus dem Nichts (pag. 44.1 Z. 98 f.). Weiter be-
schrieb sie übereinstimmend mit der Strafklägerin 2, die Beschuldigte sei vom ei-
nen auf den anderen Moment resp., als sie die Polizisten gesehen habe, ein ande-
rer Mensch geworden. Nachdem sie ihr und der Strafklägerin 2 gegenüber so ag-
gressiv und verachtend gewesen sei, sei sie plötzlich ruhig gewesen und habe mit 
dem Polizisten geflirtet. Diese Verwandlung sei sehr erstaunlich gewesen (zum 
Ganzen pag. 283 Z. 43 ff.). Die Beschuldigte sei unberechenbar und habe unver-
mittelt «ausgeschlagen». Sie habe zwei Seiten. Einerseits könne sie sich so «ein-
schleimen», dass sie bekomme, was sie wolle. Andererseits sei sie ein massiv ag-
gressiver Mensch, der viel Wut in sich habe (zum Ganzen pag. 284 Z. 30 ff.). Sie 
habe die Beschuldigte mit und ohne Polizisten bzw. mit deren zwei Seiten erlebt. 
Sie habe Angst, weil sie ihre zwei Gesichter sehe und sich die Beschuldigte wie per 
Knopfdruck von einer aggressiven zu einer lieben Person verändern können 
(pag. 285 Z. 22 ff.).

In Würdigung dieser Aussagen ist festzuhalten, dass die psychische Erkrankung 
der Beschuldigten zweifellos Einfluss auf ihre Handlungen während dem Aufeinan-
dertreffen mit den Strafklägerinnen hatte. So wurde sie gemäss den glaubhaften 
Aussagen der Strafklägerinnen gewissermassen aus dem Nichts massiv ausfällig, 
konnte sich aber ebenso schnell – als die Polizisten vor Ort eintrafen – wieder an-
passen und ruhig sowie anständig verhalten. Dies deckt sich mit dem Resultat des 
späteren Gesprächs der Beschuldigten mit dem Arzt im V.________ (Spital), wo-
nach auf eine Fürsorgerischen Unterbringung verzichtet wurde.

10.3.4 Fazit

Aufgrund der Feststellungen der ausgerückten Polizisten, der Erkenntnisse aus 
den KESB-Akten und den Aussagen der Strafklägerinnen ist für die Kammer er-
stellt, dass die Beschuldigte während des Vorfalls an einer psychischen Erkran-
kung – mit grosser Wahrscheinlichkeit an einer Schizophrenie simplex – litt, die 
Einfluss auf ihre Handlungen hatte. Sie war jedoch in der Lage, sich an wechselnde 
Erfordernisse der Situation anzupassen und sich unmittelbar nach dem Vorfall, als 
die Polizisten vor Ort eintrafen, von einer aggressiven zu einer «lieben» Person zu 
verwandeln und sich während des anschliessenden Gesprächs mit einem Arzt im 
V.________ (Spital) angepasst und gesellschaftskonform zu verhalten. Ein Rea-
litätsbezug war bei der Beschuldigten demnach offensichtlich erhalten und ihre 
Steuerungsfähigkeit war nach Ansicht der Kammer im Tatzeitpunkt nicht vollständig 
aufgehoben.

25

10.4 Beweisergebnis 

Nach den voranstehenden Ausführungen ist der im Strafbefehl umschriebene resp. 
von der Generalstaatsanwaltschaft ergänzte bzw. berichtigte Sachverhalt für die 
Kammer erstellt. 

Konkret ist erwiesen, dass die Beschuldigte am 27. Mai 2020 im I.________ (Ge-
schäft) J.________ (Ort) der Strafklägerin 2 mit der Faust gegen das Kinn schlug, 
die Strafklägerin 1 in den rechten Unterarm biss und gegenüber den Strafklägerin-
nen äusserte, sie werde sie und ihre Familie finden und töten. Die Strafklägerinnen 
nahmen diese Äusserungen ernst und hatten Angst. Die Strafklägerin 2 erlitt durch 
den Faustschlag zudem eine anteriore Diskusdislokation links, initial ohne Reposi-
tion (dadurch eingeschränkte Mundöffnung) und einen kleinen Begleitbluterguss im 
linken Kiefergelenk. Weiter musste sie Schmerzmittel nehmen und war mehrere 
Tage arbeitsunfähig. Die Strafklägerin 1 erlitt aufgrund des Bisses eine Wunde von 
1 cm x 1 cm dorsal über die Mitte des Unterarms, deren Narbe in der Grösse eines 
«5-Räpplers» nach wie vor sichtbar ist. Sie musste sich ausserdem einem Hepatitis 
B und C sowie einem HIV-Test unterziehen und während mehrerer Tage Antibioti-
ka nehmen.

Die Beschuldigte litt während des Vorfalls erwiesenermassen an einer psychischen 
Erkrankung – mit grosser Wahrscheinlichkeit an einer Schizophrenie simplex –, die 
zwar Einfluss auf ihre Handlungen hatte, aber nicht verunmöglichte, dass sich die 
Beschuldigte unmittelbar nach dem Vorfall anständig und konform verhalten resp. 
sich an wechselnde Erfordernisse der Situation anpassen konnte. Die Steuerungs-
fähigkeit der Beschuldigten war im Tatzeitpunkt deshalb nicht vollständig aufgeho-
benen. 

IV. Rechtliche Würdigung 

11. Vorbringen der Beschuldigten bzw. der Verteidigung

Rechtsanwältin B.________ bringt für die Beschuldigte in der Berufungsbegrün-
dung vor, die Vorinstanz habe sowohl den Schlag gegen das Kinn der Strafkläge-
rin 2 als auch den Biss in den Unterarm der Strafklägerin 1 rechtlich zu Unrecht als 
einfache Körperverletzung qualifiziert. Der angebliche Schlag gegen das Kinn habe 
bei der Strafklägerin 2 kurzfristig dazu geführt, dass sie den Mund nicht vollständig 
habe öffnen können. Die weitere neurologische Untersuchung sei jedoch unauffäl-
lig gewesen und die Beschwerden im Nacken-/Halsbereich seien wohl einer Ver-
spannung ähnlich gewesen. Die Folgen seien mithin vergleichbar mit einer Kiefer-
verrenkung, die das Bundesgericht im Entscheid BGE 107 IV 40 als Tätlichkeit 
qualifiziert habe. Die Medikamenteneinnahme – notabene von rezeptfreien 
Schmerzmitteln und einer Schmerzsalbe – sowie die Krankschreibung von fünf Ta-
gen vermöchten zudem keinen krankhaften Zustand zu begründen. Der angebliche 
Biss in den Unterarm der Strafklägerin 1 habe bei dieser eine Narbe in der Grösse 
eines «5-Räpplers» hinterlassen. Dies sei vergleichbar mit einer Quetschung, 
Schürfung oder einem blauen Fleck, welche Tätlichkeiten darstellen würden. So-
dann könne weder aufgrund der fünftägigen Antibiotikaeinnahme noch wegen der 

26

Laboruntersuchung für Hepatitis B, C und HIV von einem krankhaften Zustand und 
einer nicht bloss vorübergehenden Störung ausgegangen werden. Zusammenfas-
send seien sowohl der angebliche Schlag ins Gesicht als auch der angebliche Biss 
in den rechten Unterarm als Tätlichkeiten zu qualifizieren. Diese seien als Übertre-
tungen nach drei Jahren und damit bereits im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Ur-
teils verjährt gewesen (zum Ganzen pag. 445 ff. N 37 ff.).

Die angeblichen Äusserungen der Beschuldigten gegenüber den Strafklägerinnen 
habe die Vorinstanz im Weiteren zu Unrecht als Drohungen qualifiziert. Die 
Vorinstanz habe in ihrer Argumentation verkannt, dass auch die Ernsthaftigkeit der 
angeblichen Drohungen zu prüfen sei. Die Beschuldigte kenne weder die Strafklä-
gerinnen noch deren Familien und schon gar nicht deren Verwandten in der Hei-
mat. Es fehle ihr somit bereits an den Informationen, welche unerlässlich wären, 
um ihre angebliche Drohung wahr zu machen. Entsprechend sei völlig absurd und 
höchst unwahrscheinlich, dass die Strafklägerinnen davon ausgegangen seien, 
dass ihre Familien unter anderem in ihrer Heimat aufgrund der angeblichen Dro-
hung in Gefahr gewesen seien. Auch im Laden hätte die Beschuldigte weder die 
Familien der Strafklägerinnen noch deren Landsleute «ausrotten» können. 
Schliesslich hätten die Strafklägerinnen die Beschuldigte gemäss eigenen Angaben 
in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zwischenzeitlich – immerhin während 
drei Jahren – weder gesehen noch von ihr gehört. Insgesamt sei es somit zu keiner 
schweren Drohung und auch zu keiner Angstversetzung diesbezüglich gekommen 
resp. fehle es an der Ernsthaftigkeit der angeblichen Drohung. Zudem mangle es 
am subjektiven Tatbestand, weshalb die Beschuldigte von den Vorwürfen der Dro-
hung freizusprechen sei (zum Ganzen pag. 447 f. N 45 ff.).

Schliesslich habe bei der Beschuldigten im Tatzeitpunkt weder Krankheitseinsicht 
noch Steuerungsfähigkeit bestanden. Sofern, wie vorliegend, Zweifel am Bestand 
einer Restschuld bestünden und kein Gutachten in Auftrag gegeben werde, müsse 
«in dubio pro reo» Schuldunfähigkeit angenommen werden. Entgegen der Auffas-
sung des erstinstanzlichen Gerichts sei somit von genereller Schuldunfähigkeit 
auszugehen, was einen Freispruch bezüglich aller Vorwürfe zur Folge habe (zum 
Ganzen pag. 449 N 50 ff.).

12. Einfache Körperverletzung (mehrfach)

12.1 Anwendbares Recht

Der im Tatzeitpunkt in Kraft gewesene Art. 123 Ziff. 1 StGB sah im Gegensatz zum 
aktuell geltenden Art. 123 Ziff. 1 StGB die Möglichkeit vor, dass die Strafe in leich-
ten Fällen gemildert werden kann. Mit der Harmonisierung der Strafrahmen wurde 
die Privilegierung für die leichten Fälle per 1. Juli 2023 abgeschafft. Die im Tatzeit-
punkt geltende Bestimmung war demnach milder als der teilrevidierte, aktuell gel-
tende Art. 123 Ziff. 1 StGB, weshalb vorliegend das alte Recht (aArt.123 
Ziff. 1 StGB) anzuwenden ist (vgl. Art. 2 Abs. 2 StGB e contrario; sog. Grundsatz 
der lex mitior).  

27

12.2 Theoretische Grundlagen 

Nach aArt. 123 Ziff. 1 StGB macht sich der einfachen Körperverletzung auf Antrag 
schuldig, wer einen Menschen in anderer [als in Art. 122 StGB umschriebener] 
Weise an Körper oder Gesundheit schädigt.

Betreffend die theoretischen Ausführungen zum objektiven und subjektiven Tatbe-
stand von aArt. 123 Ziff. 1 StGB kann vorab auf die zutreffenden Ausführungen der 
Vorinstanz verwiesen werden (S. 24 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 344 f.). Ergänzend ist festzuhalten, dass die körperliche Integrität dann im 
Sinne einer Körperverletzung beeinträchtigt ist, wenn innere oder äussere Verlet-
zungen oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Be-
handlung und Heilungszeit erfordern, also etwa Knochenbrüche, auch wenn sie 
unkompliziert sind und verhältnismässig rasch und problemlos ausheilen, aber 
auch bereits Hirnerschütterungen, Quetschungen mit Blutergüssen und Schürfun-
gen, sofern sie über blosse Kratzer hinausgehen. Dass die körperlichen Beein-
trächtigungen den Beizug eines Arztes nötig machen, ist jedoch nicht gefordert. Auf 
blosse Tätlichkeiten ist hingegen zu erkennen, wenn Einwirkungen irgendwelcher 
Art nur eine harmlose, binnen Kürze vorübergehende Störung des Wohlbefindens 
verursachen. Wo die Störung, sei sie auch bloss vorübergehend, einem eigentlich 
krankhaften Zustand gleichkommt, muss jedoch eine Körperverletzung angenom-
men werden (zum Ganzen ROTH/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar Strafrecht, 
4. A. 2019, N 4 f. zu Art. 123 StGB). Das Bundesgericht qualifizierte sowohl einen 
Faustschlag ins Gesicht, der einen Bluterguss unterhalb des linken Auges zur Fol-
ge hatte, als auch einen harten Faustschlag ins Gesicht, der zu Schmerzen unter-
halb des Auges und einem Schwindelgefühl führte, als einfache Körperverletzun-
gen (Urteil des Bundesgerichts 6B_822/2020 vom 13. April 2021 E. 3.4, mit Hin-
weisen; so auch Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 18 516 vom 17. De-
zember 2019 E. 30.2, welches Faustschläge gegen die Lippen und die rechte Ge-
sichtshälfte, die einen schmerzhaften Unterkiefer rechts mit Ausstrahlung in das 
Kiefergelenk rechtsseitig sowie eine kleine Platzwunde an der Innenseite der Un-
terlippe zur Folge hatten, als einfache Körperverletzung qualifizierte). Das Oberge-
richt des Kantons Zürich gelangte in seinem Entscheid SB220071 vom 28. Okto-
ber 2022 zum Schluss, ein Menschenbiss in die Hand, der eine ca. 1 cm grosse 
oberflächliche Hautabschürfung sowie eine ca. 3 cm kleine punktförmige Hautläsi-
on ohne erkennbaren Zahn- oder Gebissabdruck zur Folge hatte und eine kleine 
Narbe hinterliess, sei als einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 
Ziff. 1 StGB zu qualifizieren (E. IV/1). 

War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder 
gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19 Abs. 1 StGB). 
War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzuse-
hen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe 
(Art. 19 Abs. 2 StGB). Schuldfähigkeit setzt gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB Einsichts- 
und Steuerungsfähigkeit voraus. Einsichtsfähigkeit ist die Fähigkeit, das Unrecht 
seiner Tat einzusehen. Unter Steuerungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, 
gemäss der Einsicht in das Unrecht zu handeln (vgl. Art. 19 Abs. 1 StGB). Die 
Steuerungsfähigkeit (auch Bestimmungsfähigkeit) betrifft mithin das Vermögen, 

https://www.swisslex.ch/doc/aol/4b54f31b-82db-47ba-b79d-a95559167648/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/4b54f31b-82db-47ba-b79d-a95559167648/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
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28

Handlungsimpulse zu hemmen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1363/2019 vom 
19. November 2020 E. 1.2.2, mit Hinweisen). Zwischen voller Schuldfähigkeit und 
völliger Schuldunfähigkeit sind kontinuierliche Abstufungen denkbar (BGE 134 IV 
132 E. 6.1). Bei der Auslegung und Anwendung der Begriffe der 
Schuld(un-)fähigkeit und der verminderten Schuldfähigkeit handelt es sich um 
Rechtsfragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 
E. 1.2.4.2 und 1.6.1, mit Hinweisen). Der Grundsatz «in dubio pro reo» als Be-
weiswürdigungsregel gelangt insoweit nicht zur Anwendung (Urteil des Bundesge-
richts 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 E. 1.9, mit Hinweisen).

12.3 Subsumtion

12.3.1 Faustschlag gegen das Kinn der Strafklägerin 2

Ein gültiger Strafantrag der Strafklägerin 2 liegt vor (pag. 31 f.). 

Die Vorinstanz qualifizierte den Faustschlag der Beschuldigten gegen das Kinn der 
Strafklägerin 2 entgegen der Ansicht der Verteidigung zurecht als einfache Körper-
verletzung. Die Strafklägerin 2 musste sich aufgrund des Faustschlags ärztlich be-
handeln lassen, wobei sie vom hausärztlichen Notfall des Spitals P.________ ins 
M.________ (Spital) verwiesen wurde. Sie erlitt insbesondere einen Knochenvor-
sprung beim linken Kiefergelenk und die Mundöffnung war zunächst initial einge-
schränkt. Während der Untersuchung durch die beigezogene Schädel-/Kiefer-
/Gesichts-Chirurgin kam es indessen zu einer spontanen Reposition der wahr-
scheinlich nach anterior luxierten Bandscheibe im linken Kiefergelenk, worauf die 
Strafklägerin 2 den Mund wieder vollständig öffnen konnte. Die Strafklägerin 2 war 
aufgrund des Vorfalls mehrere Tage 100 % arbeitsunfähig und musste Schmerz-
mittel einnehmen. Angesichts dieses Verletzungsbildes und der attestierten Ar-
beitsunfähigkeit ist die Schwelle zur einfachen Körperverletzung überschritten und 
es liegt – anders als im von der Verteidigung zitierten Entscheid des Jahres 1981 – 
keine bloss vorübergehende Befindlichkeitsstörung mehr vor. Der objektive Tatbe-
stand der einfachen Körperverletzung im Sinne von aArt. 123 Ziff. 1 StGB ist somit 
erfüllt.   

Es entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung und musste auch der Beschuldig-
ten bewusst gewesen sein, dass ein Faustschlag ins Gesicht resp. gegen das Kinn 
zu Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen kann. Mit der Vorinstanz 
ist daher festzuhalten, dass die Beschuldigte die Strafklägerin 2 wissentlich und wil-
lentlich an den Kiefer schlug sowie deren Körper schädigte, als diese die Polizei ru-
fen wollte (vgl. S. 27 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 347). Die Be-
schuldigte handelte mithin direktvorsätzlich, womit auch der subjektive Tatbestand 
erfüllt ist. 

Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe sind nicht ersichtlich. Entge-
gen der Auffassung der Verteidigung ist beim vorliegenden Beweisergebnis resp. 
mangels aufgehobener Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit nicht von einer Schul-
dunfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB auszugehen (vgl. Ausführungen un-
ter E. 10.3 und E. 10.4 oben). Inwiefern die Beschuldigte infolge ihres Zustands re-
sp. aufgrund ihrer psychischen Erkrankung vermindert schuldfähig war, wird im 
Rahmen der Strafzumessung zu klären und zu berücksichtigen sein.

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/628d0636-6ba7-48a7-919c-8725649f23ab/citeddoc/a46618fc-2ba5-4534-a463-a468b64c1bfc/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/628d0636-6ba7-48a7-919c-8725649f23ab/citeddoc/a46618fc-2ba5-4534-a463-a468b64c1bfc/source/document-link

29

Die Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung, begangen am 27. Mai 2020 in 
J.________ (Ort) zum Nachteil der Strafklägerin 2, schuldig zu erklären.

12.3.2 Biss in den rechten Unterarm der Strafklägerin 1

Ein gültiger Strafantrag der Strafklägerin 1 liegt vor (pag. 33 f.). 

Der Biss der Beschuldigten in den Unterarm der Strafklägerin 1 hatte zur Folge, 
dass sich diese im Spital P.________ behandeln lassen musste. Konkret musste 
die Wunde in der Grösse von 1 cm x 1 cm versorgt, der Tetanusschutz aufgefrischt 
und ein Labor resp. Suchtest für Hepatitis B, C und HIV gemacht werden. Die Be-
schuldigte hatte mithin kurze Zeit zu befürchten, durch den Biss mit einer Krankheit 
infiziert worden zu sein. Weiter erforderte der Biss die mehrtägige Einnahme eines 
Antibiotikums und hinterliess eine Narbe in der Grösse eines «5-Räpplers», die 
nach wie vor sichtbar ist. Die Vorinstanz qualifizierte den Biss der Beschuldigten 
unter diesen Umständen und mit Blick auf die theoretischen Ausführungen unter 
Erwägung 12.2 oben zurecht als einfache Körperverletzung im Sinne von aArt. 123 
Ziff. 1 StGB. Der objektive Tatbestand ist erfüllt.

Die Beschuldigte biss die Strafklägerin 1 in den Unterarm, nachdem diese sie ge-
fragt hatte, ob sie schon mal etwas von Respekt und Anstand gehört habe. Ihr war 
klar, dass ein Menschenbiss zu Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität 
führen kann. Sie handelte mithin direktvorsätzlich, womit auch der subjektive Tat-
bestand erfüllt ist.

Es liegen weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor. Insoweit kann 
auf die voranstehenden Ausführungen unter Erwägung 12.3.1 verwiesen werden.

Die Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung, begangen am 27. Mai 2020 in 
J.________ (Ort) zum Nachteil der Strafklägerin 1, schuldig zu erklären.

13. Drohung (mehrfach)

13.1 Theoretische Grundlagen

Der Drohung macht sich nach Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig, wer jemanden durch 
schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. 

Betreffend die theoretischen Ausführungen zu Art. 180 Abs. 1 StGB wird integral 
auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen (S. 27 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung; pag. 347 f.).

13.2 Subsumtion

Die Beschuldigte äusserte gegenüber den Strafklägerinnen, sie werde sie und ihre 
Familie finden und töten. Die Vorinstanz subsumierte diese Vorfälle richtigerweise 
unter den Tatbestand der Drohung (S. 28 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung; pag. 348 f.). Die von der Beschuldigten ausgestossene Todesdrohung war 
objektiv geeignet, auch eine nicht übertrieben ängstliche Person in Schrecken oder 
Angst zu versetzen. Dies umso mehr, weil sich die konkreten Umstände im vorlie-
genden Fall erschwerend auswirken. Die Beschuldigte war aggressiv, als sie die 
Drohung äusserte. Zudem stand der Namen der Strafklägerin 2, bei dem es sich 
gemäss deren glaubhaften Aussagen um einen bekannten kosovarischen Namen 

30

handelt, aufgrund ihrer damaligen Position als Filialleiterin am Eingang des 
I.________'s (Geschäft) (pag. 288 Z. 29 f.). Gemäss dem voranstehenden Bewei-
sergebnis empfanden beide Strafklägerinnen sodann auch (subjektiv) tatsächlich 
Angst, was angesichts der soeben erwähnten Umstände nachvollziehbar ist. Der 
Verlust des Sicherheitsgefühl der Strafklägerinnen war so gross, dass sie nicht 
mehr im fraglichen Geschäft resp. die Strafklägerin 2 von August 2020 bis Ende 
November 2020 überhaupt nicht mehr arbeiten konnten resp. konnte und beide 
auch dreieinhalb Jahre nach dem Vorfall, wie sich in der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung zeigte, belastet schienen. Der objektive Tatbestand von Art. 180 
Abs. 1 StGB ist somit bezüglich beide Strafklägerinnen erfüllt. 

Die Beschuldigte wollte die Strafklägerinnen nach den Gesamtumständen zweifel-
los in Angst oder Schrecken versetzen. Dass sie – wie die Verteidigung vorbringt – 
die Drohung resp. gewisse Teile davon gar nicht hätte umsetzen können, ist uner-
heblich. Der subjektive Tatbestand der Drohung ist betreffend beide Strafklägerin-
nen erfüllt. 

Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe liegen keine vor. Insoweit kann 
auf die voranstehenden Ausführungen unter Erwägung 12.3.1 verwiesen werden.

Die Beschuldigte ist der Drohung, mehrfach begangen am 27. Mai 2020 in 
J.________ (Ort), einerseits zum Nachteil der Strafklägerin 1 und andererseits zum 
Nachteil der Strafklägerin 2, schuldig zu erklären.

14. Fazit 

Die Beschuldigte hat sich somit der mehr- resp. zweifachen einfachen Körperver-
letzung und der mehr- resp. zweifachen Drohung, je einerseits zum Nachteil der 
Strafklägerin 1 und andererseits zum Nachteil der Strafklägerin 2 begangen, schul-
dig gemacht.

V. Strafzumessung

15. Grundsätze der Strafzumessung

Betreffend die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung und das Vorgehen bei 
mehreren Delikten resp. die Gesamtstrafenbildung wird auf die zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen (S. 29 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 349 f.). 

16. Strafrahmen / Strafart / schwerstes Delikt / Vorgehen im konkreten Fall

Die Beschuldigte hat sich der mehr- resp. zweifachen einfachen Körperverletzung 
und der mehr- resp. zweifachen Drohung schuldig gemacht. Das Gesetz sieht so-
wohl für die einfache Körperverletzung als auch für die Drohung eine Freiheitsstra-
fe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor (vgl. aArt. 123 Ziff. 1 StGB und Art. 180 
Abs. 1 StGB). Der Strafrahmen beträgt somit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 
Geldstrafe bis 180 Tagessätze (vgl. Art. 34 Abs. 1 StGB).

Vorliegend wird – wie sich im Folgenden zeigen wird – für sämtliche Delikte eine 
Geldstrafe auszufällen sein. Es ist somit eine Gesamtgeldstrafe zu bilden. Weil alle 

31

Delikte abstrakt gleich schwer wiegen, ist bei der Festsetzung der Einsatzstrafe 
vom konkret schwersten Delikt auszugehen. Zumal in casu, wie sich nachfolgend 
zeigen wird, aus Sicht der Kammer auch alle Delikte konkret gleich schwer wiegen, 
wird in einem ersten Schritt für die einfachen Körperverletzung zum Nachteil der 
Strafklägerin 1 (Biss in den Unterarm) eine Einsatzgeldstrafe ausgefällt. Anschlies-
send werden die Strafen für die einfache Körperverletzung zum Nachteil der Straf-
klägerin 2 sowie für die beiden Drohungen festgesetzt und zur Einsatzstrafe zu as-
perieren sein. Schliesslich sind die allgemeinen Täterkomponenten zu berücksich-
tigen.

17. Einsatzstrafe für die einfache Körperverletzung zum Nachteil der Strafkläge-
rin 1

17.1 Objektive Tatkomponenten (objektives Tatverschulden)

Geschütztes Rechtsgut von aArt. 123 StGB ist die körperliche und gesundheitliche 
Integrität des Menschen als sein höchstes Gut neben dem Leben 
(ROTH/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. A. 2019, N 6 zu vor 
Art. 122 StGB).

Die Richtlinien des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältin-
nen und Staatsanwälte (nachfolgend: VBRS-Richtlinien) sehen für den Täter, der 
bei einem verbalen Streit in einer Bar die Beherrschung verliert und dem Opfer ei-
nen Faustschlag ins Gesicht verpasst, wodurch dieses einen Nasenbeinbruch er-
leidet, ambulant im Spital behandelt werden muss und drei Tage arbeitsunfähig ist, 
eine Strafe von 60 Strafeinheiten vor (S. 46). 

Die Beschuldigte biss die Strafklägerin 1 in den rechten Unterarm, nachdem diese 
sie fragte, ob sie schon mal etwas von Anstand und Respekt gehört habe. Die 
Strafklägerin 1 musste sich daraufhin im Spital P.________ behandeln lassen, wo 
die Wunde in der Grösse von 1 cm x 1 cm gereinigt, desinfiziert und verbunden 
wurde. Weiter musste sich die Strafklägerin 1 einem Hepatitis B und C- sowie ei-
nem HIV-Test unterziehen und während mehrerer Tage Antibiotika nehmen. Auch 
wenn die Narbe auf dem rechten Unterarm in der Grösse eines «5-Räpplers» nach 
wie vor sichtbar ist, sind die Verletzungen insgesamt weniger schwer als die dem 
Referenzsachverhalt zugrunde liegenden, was sich verglichen mit diesem leicht 
verschuldensmindernd auswirkt.

Die Beschuldigte handelte weder speziell verwerflich noch hinterlistig. Die Tat war 
nicht geplant und ergab sich – wie die Vorinstanz zurecht erwog – spontan 
während der verbalen Auseinandersetzung zwischen der Beschuldigten und den 
Strafklägerinnen. 

Unter Berücksichtigung all dieser Umstände ist gemessen am Strafrahmen und 
verglichen mit anderen tatbestandsmässigen Handlungen – ohne das Verhalten 
der Beschuldigten zu bagatellisieren – von einem leichten objektiven Tatverschul-
den auszugehen, welches aus Sicht der Kammer eine Geldstrafe von 50 Tagessät-
zen rechtfertigt.

32

17.2 Subjektive Tatkomponenten (subjektives Tatverschulden)

Die Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und aus nichtigem Anlass. Die Tat war 
vermeidbar. Die subjektiven Tatkomponenten wiegen mithin neutral.

17.3 Verminderung der Schuldfähigkeit

Der Schuldvorwurf, der einem vermindert schuldfähigen Täter gemacht werden 
kann, ist verglichen mit einem voll schuldfähigen Täter, wie die Vorinstanz zurecht 
ausführte, geringer. Das Schuldprinzip verlangt daher, dass die Strafe für eine in 
verminderter Schuldfähigkeit begangene Tat niedriger sein muss, als wenn der 
Täter – unter sonst gleichen Umständen – voll schuldfähig gewesen wäre. Der 
Verminderung der Schuldfähigkeit ist in vollem Ausmass Rechnung zu tragen. Da-
bei ist keine lineare Reduktion nach einem bestimmten Tarif vorzunehmen. Das 
Gericht hat im Rahmen seines Ermessensspielraums vielmehr zu prüfen, wie sich 
die festgestellte Einschränkung der Schuldfähigkeit unter Würdigung aller Umstän-
de auf die (subjektive) Verschuldensbewertung auswirkt. So kann sich beispiels-
weise ein (objektiv) sehr schweres Tatverschulden wegen einer leichten Verminde-
rung der Schuldfähigkeit auf ein schweres bis sehr schweres Verschulden reduzie-
ren. Insgesamt muss das Gericht aufgrund der tatsächlichen Feststellungen des 
Gutachters somit entscheiden, in welchem Umfang die Schuldfähigkeit des Täters 
in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt ist und wie sich dies insgesamt auf die Ein-
schätzung des Tatverschuldens auswirkt (BGE 136 IV 55 E. 5.3 und E. 5.5 f.). 
Lässt sich eine Schuldunfähigkeit (Art. 19 Abs. 1 StGB) ohne Zweifel ausschliessen 
und eine