# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 91c248f7-01bb-5684-bac2-7a39b3cb9fce
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-28
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 28.10.2022 63/2021/28
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_63-2021-28_2022-10-28.pdf

## Full Text

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Invalideneinkommen; leidensbedingter Abzug – Art. 28a Abs. 1 IVG; Art. 16 

ATSG.  

Prüfung und Verneinung eines Abzugs vom Tabellenlohn nach der derzeitigen 

Bundesgerichtspraxis (E. 7.3). 

Minderheitsmeinung, wonach als pragmatische Übergangslösung ein Mindestab-

zug von 10% und im konkreten Fall ein Gesamtabzug von 15% zu gewähren sei 

(E. 7.4) 

OGE 63/2021/28 vom 28. Oktober 2022 

Eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Ent-

scheid ist vor Bundesgericht noch hängig [Verfahren 9C_555/2022].) 

Keine Veröffentlichung im Amtsbericht 

Aus den Erwägungen 

7. Zu prüfen bleibt das Invalideneinkommen und in diesem Zusammenhang 

namentlich die Höhe des im vorliegenden Fall grundsätzlich noch zulässigen (…) 

leidensbedingten Abzugs. Die IV-Stelle gewährte dem Beschwerdeführer einen 

Abzug von 5% vom Tabellenlohn. Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm sei 

auf dem statistisch ermittelten Invalideneinkommen der rechtsprechungsgemäss 

zulässige Maximalabzug von 25% zu gewähren. Er könne kaum Deutsch, stamme 

aus dem Kosovo, habe noch nie auf dem Arbeitsmarkt bestehen können, habe 

keine Ausbildung, verfüge nur über Erfahrungen im geschützten Rahmen (mit Un-

terbrüchen), er gehe nur noch mit Hilfe des Bruders aus den Haus, könne den 

Haushalt nur mit Hilfe des Bruders meistern und könne auch nach gutachterlicher 

Auffassung nur Teilzeit arbeiten.  

7.1. Das aufgrund statistischer Werte ermittelte Invalideneinkommen ist – nach 

der im vorliegenden Fall massgeblichen Rechtsgrundlage – allenfalls zu kürzen, 

um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass persönliche und berufliche Merkmale, 

wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder 

Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe ha-

ben können, und die versicherte Person je nach Ausprägung deswegen die ver-

bliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit un-

terdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Abzug soll aber 

nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach 

pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25% nicht überstei-

gen. Die bisherige Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug vom 

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Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich 

leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Allfällige 

bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund-

heitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidens-

bedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben 

Gesichtspunkts führen (zum Ganzen: BGE 148 V 174 E. 6.3 S. 182; 146 V 16 E. 

4.1 S. 19 f.; je mit Hinweisen). Der Tabellenlohnabzug dient vielmehr dem Einbe-

zug von medizinisch-theoretisch noch nicht berücksichtigter lohnmindernder Fak-

toren (Egli/Filippo/Gächter/Meier, Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der 

Invalidenversicherung, Zürich 2021, Rz. 686, S. 235) und soll die spezifische Be-

nachteiligung der versicherten Person gegenüber anderen Personen mit gleicher 

Ausbildung und entsprechenden beruflichen Voraussetzungen ausgleichen. 

7.2. Gemäss der gutachterlichen Beurteilung ist der Beschwerdeführer seit Ja-

nuar 2017 70% arbeitsfähig in jeder Tätigkeit, die seinen beruflichen Möglichkeiten 

entspricht. Zu bevorzugen sind aufgrund der akzentuierten Persönlichkeitsstörung 

Tätigkeiten, die nach Anleitung durchgeführt werden können und welche den kog-

nitiven Möglichkeiten bzw. dem Beschulungsgrad des Beschwerdeführers entspre-

chen. Zu vermeiden sind ausserdem Tätigkeiten, bei denen es auf interaktionelles 

Geschick mit anderen Personen für die Zielerreichung ankommt. 

7.3. Eine Mehrheit des Gerichts ist der Ansicht, dass der IV-Stelle bei der Fest-

setzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn keine Ermessensunterschreitung 

vorgeworfen werden kann. Der Administrativgutachter Dr. med. X trug den gesund-

heitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers in qualitativer Hinsicht bei der 

Festlegung des Belastbarkeitsprofils und in quantitativer Hinsicht im Sinn einer re-

duzierten Arbeitsfähigkeit (aufgrund einer generell reduzierten psychophysischen 

Belastbarkeit) Rechnung. Eine zusätzliche – abzugserhöhende – Berücksichtigung 

dieser Faktoren bei der Bestimmung des Tabellenlohnabzugs ist nicht zulässig (vo-

rangehende E. 7.1). Weitere Gesichtspunkte, welche den Beschwerdeführer selbst 

im Rahmen körperlich leichter Hilfstätigkeiten weiter einschränken und eine Ver-

wertung der Restarbeitsfähigkeit nur mit unterdurchschnittlichem Erfolg bewirken 

würden, sind nicht ersichtlich. So fallen Tätigkeiten, welche zur Zielerreichung in-

teraktionelles Geschick erfordern, bereits aus kognitiven Gründen – sowie mit Blick 

auf die fehlende Ausbildung – ausser Betracht. Die IV-Stelle nannte als mögliche 

Verweistätigkeiten denn auch Hilfsarbeitertätigkeiten wie Maschinenbedienung, 

Lagerarbeiten (Sortierung, Verpackung, Etikettierung) oder Kontroll- und Überwa-

chungstätigkeiten, somit Arbeiten, die zwar eine normale Kommunikationsfähigkeit 

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(auf deren Fehlen in den Akten keine Hinweise bestehen), nicht aber ein eigentli-

ches interaktionelles Geschick voraussetzen. Die vom Beschwerdeführer weiter 

angeführten invaliditätsfremden Gesichtspunkte (mangelnde Sprachkenntnisse, 

Migrationshintergrund, fehlende Ausbildung) wurden mit der Festsetzung der bei-

den Vergleichseinkommen im untersten Kompetenzniveau bereits weitgehend be-

rücksichtigt. Da Validen- und Invalideneinkommen auf identischer statistischer 

Grundlage in Anwendung des untersten Kompetenzniveaus festgesetzt wurden, 

fällt im Übrigen der Umstand nicht weiter ins Gewicht, dass diese Erschwernisse 

bereits vor Eintritt des Gesundheitsschadens bestanden und sich im Fall einer Er-

werbstätigkeit insoweit unabhängig von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung 

lohnmindernd ausgewirkt hätten. Ein erhöhter Betreuungsbedarf in Form erforder-

licher Anleitung gilt unter Berücksichtigung des nicht übermässig eingeschränkten 

Spektrums an möglichen Verweistätigkeiten auf einem ausgeglichenen Arbeits-

markt gemäss der Bundesgerichtspraxis nicht als ausserordentlicher Faktor, der 

einen Abzug rechtfertigt (vgl. BGer 9C_233/2018 vom 11. April 2019 E. 3.2 mit 

Hinweisen). Dass der Beschwerdeführer eines nicht realistischen Entgegenkom-

mens eines durchschnittlichen Arbeitgebers bedürfte (dazu BGE 148 V 174 E. 9.1 

S. 188), lässt sich den Akten nicht entnehmen. Mit Bezug auf die Absenz vom Ar-

beitsmarkt ist unbestritten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelang, in der Ar-

beitswelt Fuss zu fassen. Seit dem Schulabschluss (im Sommer 1994) bis zur Gel-

tendmachung gesundheitlicher Beeinträchtigungen (2015) war er – aus gemäss 

der Aktenlage invaliditätsfremden Gründen – mehrheitlich kurzzeitig im Rahmen 

von Sozialprogrammen tätig und er lebt seit vielen Jahren von Sozialhilfe. Eine 

Absenz vom Arbeitsmarkt begründet indes nur selten einen Abzug vom Tabellen-

lohn (BGer 9C_339/2021 vom 27. Juli 2022 E. 4.5.4.4). Die fehlende arbeitsmarkt-

liche Integration vermag auch im vorliegenden Fall keinen Grund für einen Tabel-

lenlohnabzug zu bilden. Zum einen wurden die Vergleichseinkommen wie bereits 

dargelegt im untersten Kompetenzniveau angesetzt (vgl. dazu auch BGer 

8C_767/2021 vom 9. August 2022 E. 5.2.2), ausserdem war die Absenz vom Ar-

beitsmarkt zwischen 1994 und 2015 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

invaliditätsbedingt (dazu BGer 9C_658/2015 vom 9. Mai 2016 E. 5.2.2) und hätte 

insoweit auch ohne Gesundheitsschaden eine lohnsenkende Wirkung gehabt. Zum 

andern gilt es zu berücksichtigen, dass dem Beschwerdeführer noch eine lange 

Aktivitätszeit von rund 20 Jahren verbleibt, was nach der Rechtsprechung gegen 

einen Abzug spricht (dazu etwa BGer 9C_183/2017 vom 30. Oktober 2017 E. 5.2.1 

oder 9C_339/2021 vom 27. Juli 2022 E. 4.5.4.3 und 4.5.4.4). In einer Gesamt-

schau sind daher keine gemäss der einschlägigen Bundesgerichtspraxis relevan-

ten Faktoren ersichtlich, welche die IV-Stelle zusätzlich bei der Festsetzung der 

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Höhe des Tabellenlohns hätte berücksichtigen müssen, weshalb die angefochtene 

Verfügung zu bestätigen ist.  

7.4. Nach Auffassung einer Minderheit des Gerichts ist ein leidensbedingter Ab-

zug von 15% zu gewähren. Zu berücksichtigen ist zunächst, dass die LSE-Tabel-

lenlöhne keine taugliche Grundlage für die Invaliditätsbemessung bilden. Das Bun-

desgericht betrachtet das derzeitige System schon länger als Übergangslösung 

(vgl. 142 V 178 E. 2.5.8.1 S. 189 sowie bereits 139 V 592 E. 7.4 S. 597). Dass von 

unrealistischen Einkommensmöglichkeiten gesundheitlich beeinträchtigter Perso-

nen ausgegangen wird (vgl. Egli/Filippo/Gächter/Meier, N. 704 ff., S. 243 ff. mit 

Hinweisen), wirkt sich diskriminierend aus und führt dazu, dass zahlreichen Versi-

cherten zu Unrecht eine Rente verweigert wird. Wie realitätsfremd die Zahlen sind, 

mit denen gerechnet wird, zeigt sich hier beispielhaft. Auch im ausgeglichenen Ar-

beitsmarkt könnte kein noch so sozialer Arbeitgeber einer gesundheitlich beein-

trächtigten Person wie dem Beschwerdeführer für eine Hilfstätigkeit einen Lohn 

von rund Fr. 63'700.– pro Jahr bezahlen (aufgerechnet auf ein 100%–Pensum, un-

ter Berücksichtigung eines Abzugs von 5%). Das Bundesgericht hat sich indes ei-

ner Praxisänderung verschlossen und dabei argumentiert, dem leidensbedingten 

Abzug komme als "Korrekturinstrument bei der Festsetzung eines möglichst kon-

kreten Invalideneinkommens […] überragende Bedeutung zu" (BGE 148 V 174 

E. 9.2.2 S. 190). Der Abzug wurde aber nicht zu diesem Zweck geschaffen und 

kann kein wirksames Korrekturinstrument sein, solange die diesbezügliche Praxis 

so inkonsistent und restriktiv bleibt, wie sie ist. Dass die Rechtsanwendung – wie 

seit Jahren –  in einer Übergangszeit stattfindet, ändert nichts am Handlungsbe-

darf. Das Problem wurde mit der per 1. Januar 2022 in Kraft getretenen Gesetzes-

revision "Weiterentwicklung IV" (WEIV) weder gelöst noch gemildert, sondern ver-

schärft (vgl. namentlich Art. 26bis der Verordnung über die Invalidenversicherung 

vom 17. Januar 1961 [IVV; SR 831.201]), und zur Umsetzung der von beiden Rä-

ten angenommenen Motion 22.3377 vom 6. April 2022 (Invaliditätskonforme Ta-

bellenlöhne bei der Berechnung des IV-Grades) wurde dem Bundesrat eine Frist 

bis Ende Dezember 2023 angesetzt. Als pragmatische Übergangslösung ist 

zwecks rechtsgleicher Behandlung aller Versicherter ein standardmässiger Abzug 

von zumindest 10% zu gewähren, zumal gesundheitlich eingeschränkte Personen 

statistisch 10-17% weniger verdienen als gesunde Personen in gleichen Tätigkei-

ten (vgl. Egli/Filippo/Gächter/Meier, N. 726, S. 253). Vorliegend gilt es überdies – 

zusätzlich zur unstrittig relevanten Teilzeitarbeit – zu berücksichtigen, dass der Be-

schwerdeführer bei den ihm möglichen einfachen Hilfsarbeitertätigkeiten insofern 

eingeschränkt ist, als er selbst diese aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträch-

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tigungen "nach Anleitung durchführen" können muss. Dieser beträchtlichen Ein-

schränkung wird mit der Wahl des niedrigsten Kompetenzniveaus nicht hinrei-

chend Rechnung getragen. Dass ein erhöhter Betreuungsbedarf keinen Lei-

densabzug rechtfertige (vgl. vorne, E. 7.3), ist ein Beispiel jener unrealistischen 

Praxis, die es zu überdenken gilt, um ein wirksames Korrekturinstrument zu schaf-

fen (vgl. dazu auch Egli/Filippo/Gächter/Meier, N. 489 in fine S. 182). Zu berück-

sichtigen ist weiter, dass der 45-jährige Beschwerdeführer seit langer Zeit vom Ar-

beitsmarkt desintegriert ist. Die Absenz ist zumindest seit 2015 gesundheitlich be-

dingt; betreffend frühere Zeiträume wurden keine Abklärungen vorgenommen (…). 

Auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt haben solche Arbeitnehmer mehr 

Schwierigkeiten, eine gleich gut wie der Durchschnitt bezahlte Tätigkeit zu finden. 

In seiner jüngsten Rechtsprechung hat das Bundesgericht denn auch auf kritische 

Lehrmeinungen reagiert und festgehalten, dass eine langdauernde berufliche Des-

integration als zusätzlich erschwerender Faktor zu berücksichtigen ist (vgl. BGer 

9C_14/2022 vom 21. Juli 2022 E. 5.5 mit Hinweisen). Dies ist auch hier notwendig. 

All diese Überlegungen führen nach Auffassung der Gerichtsminderheit dazu, dass 

zufolge Gewährung eines leidensbedingten Abzugs von 15% die Beschwerde teil-

weise gutgeheissen (…) werden müsste.