# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 61e61510-6642-5040-b687-ffe078ddeb66
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-08-30
**Language:** de
**Title:** Während der Abklärung des Rentenanspruchs (Gutachten) wurden Integrationsmassnahmen (Belastbarkeits- und Aufbautraining) durchgeführt. IV-Stelle hat zu Unrecht das Ergebnis dieser Massnahmen unberücksichtigt gelassen. Rückweisung, damit die IV-Stelle eine Stellungnahme der Gutachter dazu einhole.
**Docket/Reference:** IV.2012.00213
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00213.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00213
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Kobel
Urteil
vom
30. August 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Y.___
Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft
Rechtsdienst,
lic
.
iur
.
Z.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
1964, ist gelernte Betriebsassistentin
A.___
und verfügt über eine Zweitausbildung im kaufmännischen Bereich. Ab
1981
arbeitete sie zunächst bei der
früheren
A.___
und danach
bei
der
B.___
(vgl. die
Auszüge aus dem Individuellen Konto
vom
13. Juli 2005,
vom 7. April 2011 und
vom 6.
Mai 2011,
Urk.
7/7
,
Urk.
7/22
und
Urk.
7/45+46
, die Angaben von
X.___
vom 29. Juni 2005,
Urk.
7/2, und die
Angaben
der
B.___
vom
3./8.
August 2005,
Urk.
7/10).
1.2
Ab dem 1. Juni 2004
bezog
X.___
Arbeitslosenentschädigung
und er
zielte verschiedene Zwischenverdienste (vgl.
Urk.
7/45+46 und die Angaben der Arbeitslosenkasse vom 11. Juli 2005,
Urk.
7/5
, sowie die Angaben der
C.___
vom 24. August 2005,
Urk.
7/12
). Am 1. März 2005 trat sie
bei der
B.___
eine
50%-Stelle als
Sales
Consultant an
. Nachdem d
as Arbeits
verhältnis von der Arbeitgeberin während der Probezeit aufgelöst
worden war, mit der
Begründung, die stehende Tätigkeit habe sich negativ auf die Gesund
heit von
X.___
ausgewirkt
(vgl. die Angaben der
B.___
vom
29. September 2005,
Urk.
7/13), meldete sich
X.___
am 29. Juni 2005
bei d
er Invalidenversicherung an und führte aus, a
n Rückenproblemen, Problemen mit den Augen und Depressionen zu leiden (
Urk.
7/2). Die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, holte neben den Angaben der Arbeitgeber den Bericht der Hausärztin
Dr.
med. D.___
vom
19. Juli 2005 ein (
Urk.
7/9 S. 1-6) und
erhielt
von
dieser Dokumente üb
er die Erkrankung der Ver
sicherten an einem Pseudotumor c
erebri im Jahr 1997
(Berichte von Dr.
med. E.___
, Spezialärztin für Neurologie, und
des
Spital F.___
,
Urk.
7/9 S. 8-14),
über Behandlungen wegen einer Essstörung (Be
richt des
Spital F.___
vom
16. April 1996,
Urk.
7/9 S. 16-17) und über eine Magnetresonanzuntersuchung der Halswirbelsäule im Jahr 2001 (Be
richt des Radiodiagnostischen Instituts Wintert
hur,
Urk.
7/9 S. 7)
.
Mit Verfügung vom 11. November 2005 verneinte die IV-Stelle den Anspruch
von
X.___
auf Leistungen
der Invalidenversicherung, da kein invalidi
sierender Gesundheitsschaden bestehe (
Urk.
7/15). Diese Verfügung blieb unan
gefochten.
1.3
Anfang 2007
nahm
X.___
eine
Arbeit als
Serviceangestellte
in einem Restaurant im Umfang von 35 Wochenstunden auf; diese Stelle verlor sie per Ende 2009 wegen Betriebsschliessung (Angaben
des Restaurant
s
G.___
vom 28. Mai 2010,
Urk.
7/30
).
X.___
hatte
im Jahr 2009 eine Pneumonie
erlitten und
war schon
ab
dem
2.
Oktober 2009 krankg
eschrieben gewesen
(vgl.
die Zeugnisse von
Dr.
D.___
in
Urk.
7/27 S. 4
-
5
, S. 18 und S. 22
sowie den Bericht des
Spital F.___
vom 11. März 2009,
Urk.
7/29 S. 12-14
)
; ausserdem war sie im Herbst 2009
dem
H.___
zur
Abklärung der Behandlungsmöglichkeiten zugewiesen worden (
Bericht des
H.___
vom 5. Nov
ember
2009,
Urk.
7/27 S. 19-21) und hatte sich
dort
von Anfang Dezember 2009 bis Anfang Februar 2010 in der tagesklinischen Rehabilitationsbehandlung befunden (Bericht
des
H.___
vom
29. Januar 2010,
Urk.
7/29 S. 18-21).
Am
7. April 2010
meldete
sich
X.___
erneut bei der Invalidenversiche
rung an (
Urk.
7/23). Die IV-Stel
le zog die Akten der
Versicherung
I.___
bei
(
Urk.
7/27), die als zuständige Taggeldversicherin ein Gutachten bei
Dr.
med. und
dipl.
psych.
J.___
, Spezialarzt
für Psychiat
rie und Psychotherapie, in Auftrag gegeben hat
te (Gutachten vom
2.
April 2010,
Urk.
7/27 S. 6-17)
, und holte d
es Weiteren den Bericht von
Dr.
med
.
D.___
vom 27. April 2010
(
Urk.
7/29 S. 1-4)
und
den Bericht des
H.___
vom
10. Mai 2010
ein
(Urk.
7/28)
.
Nach einem Berufsberatungsgespräch (
Urk.
7/34) teilte die IV-Stelle der Versi
cherten am 5. Juli 2010 mit, dass
zur Zeit
keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich seien, da sie sich nicht arbeitsfähig fühle, und dass der Rentenanspruch geprüft werde (
Urk.
7/33).
1.4
In der Folge liess die IV-Stelle durch
das
H.___
den Verlaufsbericht vom 1
2.
Oktober 2010 (
Urk.
7/35) und durch
Dr.
D.___
den
Verlaufsbericht vom 11. November 2010 (
Urk.
7/36) verfassen und liess danach
- auf die Empfehlung
von
Dr.
med.
K.___
, Spezialarzt
für Innere Medizin, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 14. Dezember 2010 hin (vgl. Urk
.
7/56 S. 4 f.
sowie auch die Stellungnahme von
Dr
.
K.___
vom 27
. Juli 2010,
Urk
7/56 S. 3
) -
i
m
L.___
das polydisziplinäre Gutachten vom 30. März 2011 erstellen (
Gesamtgutachten von
Dr.
med.
M.___,
Facharzt für Allgemeinmedizin,
Dr.
med.
N.___
,
Spezialarzt für Neurologie, und
Dr.
med
.
O.___
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, mit den Teilgutachten von
Dr.
N.___
und
Dr.
O.___
vom
18. März und vom
21. Februar 2011
,
Urk.
7/41).
Von
April
bis Juni
2011 führte die Berufsberatung der IV-Stelle mit der Versi
cherten Gespräch
e
im Hinblick auf Integrationsmassnahmen und berufliche Massnahmen
; die Versicherte sah sich jedoch zum Antritt einer solchen Mass
nahme gesundheitlich nicht in der Lage
(
vgl. die Protokolle in
Urk.
7/44
und
Urk.
7/53
).
Die IV-Stelle holte deshalb
zwecks
Prüfung des Rentenanspruchs
die Bericht
e
von
Dr.
med.
P.___,
Spezialärztin für Rheumatologie und Innere Medizin, vom 28. Juni und vom 21. Juli 2011
über eine Konsul
t
ation wegen Schulterbeschwerden und
zerv
ikospondylogenen
Beschwerden ein
(
Urk.
7/54) und
unterbreitete die Akten
nochmals dem RAD-Arzt
Dr.
K.___
(Stel
lungnahme
von
Dr.
K.___
vom 4. August 2011,
Urk.
7/56 S. 6).
1.5
Mit Vorbescheid vom 17. August 2011 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten, dass sie ihren Rentenanspruch zu verneinen gedenke, da eine
krankheitsbe
dingte
Erwerbseinbusse von lediglich 23
%
vorliege (
Urk.
7/58).
Die Versicherte nahm daraufhin entgegen ihrer ursprünglichen Zurückhaltung die Integrationsmassnahme eines Belastbarkeitstrainings auf (vgl. die
Berufsbe
ratungsprotokolle
in
Urk.
7/67, die Kostengutsprache vom 9. September 2011,
Urk.
7/68 und
Urk.
7/69, und die Zielvereinbarung mit der
Integrationsunter
nehmung
Q.___
vom
9. September 2011,
Urk.
7/74
).
Mit Eingabe vom 21. Oktober 2011 (
Urk.
7/81) liess die Versicherte, vertreten durch
lic
.
iur
.
Z.___
,
Y.___
Rechtsschutz-Versicherungs-Gesell
schaft, gegen den Vorbescheid vom 17.
August 2011 Einwendungen erheben und beantragen, ihr sei für die Zeit
vom
2.
Oktober 2010 bis zum 21.
Februar 2011 eine ganze Rente und für die Zeit danach weiterhin eine angemessene Rente auszurichten (
Urk.
7/81 S. 2). Als neues Beweismittel liess sie eine
Stel
lungnahme des
H.___
vom 20. Oktober 2011 zum Gutachten des
L.___
beibringen (
Urk.
7/80).
1.6
Nachdem die
Q.___
Ende Oktober und Ende November 2011 über den
Verlauf des Belastbarkeitstrainings berichtet hatte (
Urk.
7/82 und
Urk.
7/83) und verschiedene Gespräche mit der Berufsbera
tung stattgefunden hatten (Urk.
7/85), gewährte
die IV-Stelle der Versicherten im Dezember 2011 Kosten
gutsprache für ein Aufbautraining in der
Organisation
R.___
(
vgl
. Urk.
7/86 und
Urk.
7/87 sowie die Zielvereinbarung vo
m 7./9./10. Dezember 2011, Urk.
7/88 und
Urk.
7/
93
, und den Integrationsplan in
Urk.
7/101
; vgl. auch den Schlussbericht der
Q.___
vom 31
. Dezember 2011,
Urk.
7/98).
Parallel dazu tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen zum Rentenanspruch, indem sie
beim RAD-Arzt
Dr.
med.
S.___
, Facharzt
für Allgemeinmedizin, die Stellungnahmen vom 1. November und vom
5. Dezember 2011 einholte (Urk.
7/90
). Mit Verfügung vom 13. Januar 2012 sprach die IV-Stelle der Versi
cherten für die Monate Oktober 2010 bis Februar 2011 eine ganze Rente zu und verneinte für die Zeit danach den Rentenanspruch, da der Invaliditätsgrad ab dann
nurmehr
37
%
betrage (
Urk.
2,
Urk.
7/91,
Urk.
7/103-108).
Am
2.
Februar 2012 erstattete
die
R.___
der IV-Stelle einen Zwischenbericht über das Aufbautraining (
Urk.
7/113), das die Versicherte
am 9. Januar 2013 aufgenommen hatte (vgl.
Urk.
7/88 und
Urk.
7/93).
2.
X.___
liess gegen
die Rentenverfügung vom 13. Januar 2012 mit Ein
gabe vom 15. Februar 2012 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, ihr sei ab dem 1. März 2011 (weiterhin) eine ganze Rente zu gewähren, eventual
i
ter sei die IV-Stelle zu verpflichten, zur Vervollständigung des Sachverhalts weitere medizinische Abklärungen und Abklärungen zur Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu tätigen (
Urk.
1 S. 2)
.
Ausserdem liess
X.___
einen
Bericht von Dr.
med. T.___
,
Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic
. phil.
U.___
, Psychologin, vom 6. Februar 2012 über die Behandlung seit Dezember 2011 einreichen (
Urk.
3). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerde
-
ant
wort
vom 20. März 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Die Versi
cherte liess in der Replik vom 23. April 2012 an ihren Anträgen festhalten (
Urk.
9); die IV-Stelle verzichtete mi
t Eingabe vom 3. Mai 2012 (Urk.
11) darauf, eine Duplik zu erstatten.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2008 und am 1. Januar 2012 sind die im Zu
ge der Revisionen
5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten. In
materiel
l
rechtlicher
Hinsicht gilt der allge
meine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu
grunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am 13. Januar 2012 ergangen. Da ein Sachver
halt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestim
mungen der 5. IV
Revision am 1. Januar 2008 und der IV-Revision 6a begonnen hat - der zur Diskussion stehende Rentenanspruch betrifft zwar
erst die Zeit ab dem Jahr 2010,
es liegt jedoch eine
anspruchsverneinde
Verfügung aus dem Jahr
2005 vor, sodass die Entwicklung im Zeitraum ab dann eine Rolle spielt -, und die Verfügung eine Dauerleistung betrifft, ist entsprechend der dargelegten
in
tertemporalrechtlichen
Regelung
für die
Zeiten ab dem 1. Januar 2008 und ab dem 1. Januar 2012 auf die jeweils neuen Normen der Revisionen 5 und 6a ab
zustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
; Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006, E. 1).
Soweit jedoch die Revisionen
5 und 6a keine substanziellen Änderungen gegenüber der frühe
ren Rechtslage gebracht haben, ist die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin mass
gebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 19. Mai 2009, E. 2).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (A
rt. 4
IVG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente", wie er in Art. 28 Abs. 1
lit
. a IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung ausdrücklich festgeschrieben worden ist, aber schon vorher gegolten hat, g
ehen Eingliederungsmassnahmen den Rentenleistungen vor. Letztere werden nur erbracht, wenn die versicherte Person nicht oder bloss in ungenügendem Masse eingegliedert werden kann. Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Leistungsgesuches als auch im
Revisi
onsfall
hat die Verwaltung von Amtes wegen abzuklären, ob vorgängig der Ge
währung oder Weiterausrichtung einer Rente Eingliederungsmassnahmen durchzuführen sind (
Urteil des Bundesgerichts
I 534/02
vom 25. August 2003, E. 4.1 mit Hinweisen, unter anderem auf BGE 126 V 241 E. 5).
2.3
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben nach Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im (nicht er
werblichen) Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (
lit
. a), und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzel
nen Massnahmen erfüllt sind (
lit
. b). Zu diesen
Massnahmen gehören
die
In
tegrationsmassnahmen
zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach dem neu geschaffenen, am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Art. 14a IVG (Art. 8
Abs.
3
lit
.
a
bis
IVG) und die
in Art. 15 ff. IVG geregelten Massnahmen berufli
cher Art (Art. 8 Abs.
3
lit
. b IVG).
Bedingung für den Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach Art. 14a IVG
ist, dass die versicherte Person
seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50
%
arbeitsunfähig
im Sinne von Art. 6 ATSG ist und dass durch die Integrationsmassnahmen
die Vorausset
zungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaf
fen wer
den können (
Abs.
1);
es werden Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilita
tion (
Abs.
2
lit
. a) und Beschäftigungsmassnahmen (
Abs.
2
lit
. b) unterschieden. Die IV-Stelle hat die Versicherten während der Dauer der
Integrationsmassnah
men
zu begleiten und den Erfolg der Massnahmen zu überwachen (
Abs.
3). Die Modalitäten sind in Art. 4
quater
bis Art. 4
novies
IVV geregelt.
Während der Eingliederung hat die versicherte Person unter den Voraussetzun
gen in Art. 22 ff. IVG und in Art. 17 ff. IVV Anspruch auf Taggelder.
Ein
Ren
tenbezüger
, der Integrationsmassnahmen durchläuft, erhält nach Art. 22
Abs.
5
bis
IVG anstelle eines Taggeldes weiterhin die Rente.
2.4
Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 29 Abs. 1 IVG in der bis Ende 2007 in Kraft gewesenen Fassung
frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person mindestens zu 40 % bleibend erwerbsunfähig geworden ist (
lit
. a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens zu 40 % arbeitsunfähig war (
lit
. b). Eine entsprechende Regelung ist in Art. 28 Abs. 1
lit
. b und c IVG in der ab Anfang 2008 gültigen Fassung statu
iert. Zusätzlich kann der Rentenanspruch ab dem 1. Januar 2008 gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG in der ab dann geltenden Fassung nicht vor Ablauf von sechs Mo
naten nach der Geltendmachung entstehen.
Während bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades die Erwerbseinbusse und da
mit die Höhe des Einkommens eine entscheidende Rolle spielt, das auf dem ge
samten in Frage kommenden Arbeitsmarkt mit einer dem Gesundheitsschaden angepassten zumutbaren Tätigkeit erzielbar ist (Art. 7 ATSG), beurteilt sich die Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) im Sinne von Art. 29 Abs. 1
lit
. b IVG (bis Ende 2007) beziehungsweise von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG (ab Anfang 2008) nach der durch einen Gesundheitsschaden bedingten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen, und es kommt dabei in der Regel einzig auf die Einschrän
kungen im bisherigen Beruf an (vgl. BGE 130 V 97 E. 3.2, 105 V 156 E. 2a, 97 V 226 E. 2). Zwischen der durchschnittlichen Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit während eines Jahres und der
nach Ablauf der Wartezeit beste
henden Erwerbsunfähigkeit besteht aber insofern ein Zusammenhang, als beides kumu
lativ und in der für die einzelnen Rente
nabstufungen erforderlichen
Min
dest
höhe
gegeben sein muss, damit eine Rente im entsprechenden Umfang zuge
sprochen werden kann (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/cc).
Die Wartezeit gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Ur
teil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinwei
sen).
2.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente nach Art. 17 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Anlass zur Rentenrevision gibt rechtsprechungsgemäss jede we
sentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
In
validitätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist ge
stützt auf Art. 88a Abs. 1 IVV die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berück
sichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird, und sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussicht
lich weiterhin andauern wird.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mensvergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4).
Die dargelegten Grundsätze zur Rentenrevision gelten rechtsprechungsgemäss auch dort, wo sich eine versicherte Person, deren Rentenanspruch verneint wor
den ist, bei der Invalidenversicherung erneut zum Rentenbezug anmeldet. Auch dort ist zu prüfen, ob seit dem Erlass des rentenabweisenden Entscheids eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist (vgl. BGE 130 V 73 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.4).
3.
3.1
Zur Diskussion steht der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Anmeldung vom 7. April 2010 (
Urk.
7/23).
Dabei lässt die Beschwerdeführerin den Rentenbeginn ab Oktober 2010 und die Zusprechung der ganzen Rente für die Monate Oktober 2010 bis Februar 2011 nicht beanstanden, lässt aber beantragen, die ganze Rente sei ihr nach Februar 2011 weiterhin auszurichten (
Urk.
1 S. 2). Nach der höchstrichterlichen Recht
sprechung bildet allerdings dort, wo eine Rente rückwirkend zugesprochen und gleichzeitig revisionsweise herauf- oder herabgesetzt oder aufgehoben wird, nicht nur der beanstandete Teil der Verfügung Gegenstand der richterlichen Überprüfungsbefugnis, sondern es sind
grundsätzlich
auch die unbestritten ge
bliebenen Rentenbezugszeiten in die gerichtliche Beurteilung einzubeziehen, damit die Frage nach der Rechtmässigkeit der Rentenabstufung oder -befristung sachgerecht beurteilt werden kann (vgl. BGE 131 V 164, 125 V 413 E. 2d).
Überprüfungsgegenstand im vorliegenden Verfahren ist daher der gesamte Rentenanspruch der Beschwerdeführerin aufgrund der Anmeldung vom 7. April 2010.
3.2
Dieser Anspruch
hängt primär davon ab, dass sich der Sachverhalt seit der rechts
kräftigen Abweisung
mit der Verfügung vom 11. November
2005
(Urk
.
7/15) verändert hat.
Dies ist ohne
Weiteres
zu bejahen. Denn zum einen hat
die Beschwerdeführerin von
Anfang 2007 bis Herbst 2009 wieder eine Erwerbstätigkeit ausgeübt und zum andern
sind
im Jahr 2009 mit der Pneumonie und der Zu
n
ahme einer
schon vorbestandenen
depressiven Symptomatik
(vgl. d
en
Bericht von Dr.
D.___
vom 27. April 2010,
Urk.
7/29
S. 2, und das Gutachten von Dr.
J.___
vo
m
2.
April 2010,
Urk.
7/27
S. 14. f.)
neue gesundheitliche Prob
leme aufgetreten
.
Damit ist zu prüfen, ob die übrigen Voraussetzungen für einen Rentenanspruch gegeben sind.
3.3
3.3.1
Die angefochtene Rentenverfügung
vom 13. Januar 2012 (
Urk.
2) basiert
auf dem polydisziplinären Gutachten des
L.___
vom 30. März 2011 (
Urk.
7/41)
.
Dr.
M.___
konnte aus allgemeinmedizinischer Sicht keine Befunde erheben, welche er als
krankheitswertig
beurteilte; namentlich beschrieb er die Atmungs
geräusche als normal (
Urk.
7/41 S. 22) und erwähnte keine Restsymptome der durchgemachten Pneumonie
.
Was das Fachgebiet der Neurologie betrifft, so befasste sich
Dr.
N.___
eingehend mit dem
durchgemachten Pseudotumor cerebri und interpretierte die aktuell geklagten Sehstörungen u
nd Kopfschmer
zen nicht als Rezid
iv, sondern vielmehr (in Bezug auf die Augenprobleme) als Symptome einer altersbedingten Verschlechterung des Sehvermögens und (in Bezug auf die Kopfschmerzen) als
spannungs- und migränebedingt sowie als
zervikogen
(
Urk.
7/41 S. 51 ff.)
. Demgegenüber konnte er das geklagte Zittern der rechten Hand bei der Untersuchung nicht beobachten und keinem neurolo
gischen Befund zuordnen (
Urk.
7/41 S. 54). Als leistungseinschränkend beur
teilte
Dr
.
N.___
die anam
nestisch bekannte Diskushernie der Halswirbelsäule
(vgl. den Bericht des
V.___
in
Urk.
7/9 S. 7)
und die rezidivierenden Nacken- und Rückenschmerzen. Er mutete der Be
schwerdeführerin deshalb keine mittelschweren und schweren Trag- und
Hebe
belastungen
zu, erachtete hingegen die bisherigen Tätigkeiten im kaufmänni
schen Bereich und im Gastgewerbe als zumutbar, attestierte der Beschwerde
führerin jedoch auch darin eine Leistungseinschränkung von 20
%
, wobei er - ohne nähere Begründung - eine Kumulation mit der psychiatrisch begründeten Leistungseinschränkung ausschloss (
Urk.
7/
41 S.
54 f.). Der Psychiater
Dr.
O.___
stellte aufgrund
der persönlichen Untersuchung
der Beschwerde
führerin
in Übereinstimmung mit den Angaben in den
Vorakten
eine Depressi
vität fest,
stufte diese jedoch
im Gegensatz
zum
H.___
(Mai 2010; vgl.
Urk.
7/28 S.
2) und zu
Dr
.
J.___
(April
2010
; vgl.
Urk.
7/27 S. 13
und S. 14 f.
)
lediglich als leicht ein (
Urk.
7/41 S. 62). Allerdings anerkannte er angesichts der Vorgeschichte mit dokumentierten Stimmungs
wechseln eine einschränkende Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit und k
on
kretisierte diese dahingehend, dass die Tätigkeit im Service wegen des Zeitdru
ckes ungünstig sei, dass hingegen für Tätigkeiten ohne hohen Zeitdruck allen
falls noch eine Leistungseinschränkung von 30
%
bestehe, die aber „durchaus noch gebessert werden könnte“
(
Urk.
7/41 S. 62 f.)
.
Der dokumentierten lang
jährigen Essstörung (Bulimie; vgl.
Dr.
J.___
in
Urk.
7/27 S. 14) und den von Dr.
J.___
beobachteten akzentuierten, selbstunsicheren Persönlichkeitszügen (vgl.
Urk.
7/27 S. 13) mass
Dr.
O.___
demgegenüber kein einschränkendes Ausmass zu (vgl.
Urk.
7/41 S.
60 und S. 62), anders als
Dr.
J.___
hinsichtlich der Essstörung (vgl.
Urk.
7/27 S. 13).
In der Gesamtbeurteilung gelangten die drei Gutachter im Rahmen einer gemein
samen Einschätzung
(vgl.
Urk.
7/41 S. 40) zum Schluss, ab dem
2.
Oktober 2009 habe (zunächst) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychiat
rischer Sicht bestanden, hingegen könne ab dem Zeitpunkt der gutachterlichen psychiatrischen Untersuchung vom 21. Februar 2011
nur
noch eine Einschrän
kung von 30
%
attestiert werden und darin sei die Leistungseinschränkung von 20
%
aus neurologischer Sicht bereits berücksichtigt (
Urk.
7/41
S.
39 f.)
.
3.3.2
Wie den Stellungnahmen d
er
RAD-Ärzte
Dr
.
K.___
und
Dr.
S.___
vom 27. Juli und vom 4.
August 2010
beziehungsweise
vom 1. November und vom 5.
Dezember 2011 zu entnehmen ist (vgl.
Urk.
7/56 S. 3 und
Urk
.
7/90) und sich auch aus dem Einkommensvergleich der Beschwerdegegnerin vom November 2011 ergibt
(vgl.
Urk.
7/89), stützt sich die
Zusprechung einer befristeten gan
zen Rente für die Monate Oktober 2010 bis Februar 2011
zum einen
auf die
dargelegte
Gesamtbeurteilung
im
L.___
-
Gutachten
und für die Zeit davor auf das Gutachten von
Dr.
J.___
.
Die Beschwerdeführerin lässt im vorliegenden Verfahren namentlich vorbrin
gen, der Psychiater des
L.___
habe den Gesamtverlauf, der auch mittelschwere und schwere depressive Episoden umfasse
und zur Zeit gemäss dem Bericht von
Dr.
T.___
vom 6. Februar 2012 (
Urk.
3) wieder schwer sei,
zu wenig berück
sichtigt
(
Urk.
1 S. 3 f.
und S. 7
),
zudem habe
Dr.
O.___
den Einfluss der Ess
störung auf die Arbeitsfähigkeit unterschätzt (
Urk.
1 S. 4 f.
, Urk.
9 S. 2
) und schliesslich hätten die Ärzte in der Gesamtbeurteilung nicht begründet,
weshalb die vom Neurologen attestierte Einschränkung von 20
%
in
der psychisch be
dingten Einschränkung von 30
%
schon enthalten sei
und nicht zu dieser hin
zutrete
(
Urk.
1 S. 6
). Demgemäss sei von einer deutlich höheren Beeinträchti
gung auszugehen, als die Gutachter
des
L.___
und die Beschwerdegegnerin angenommen hätten, was sich auch darin zeige, dass sie
- die Beschwerdefüh
rerin -
im Belastbarkeitstraining bei der
Q.___
nach vier Stunden an ihre Grenzen gelangt sei und das Aufbautraining des
R.___
habe abbrechen müssen (
Urk.
9 S. 3).
3.3.3
Tatsächlich verfügte das
L.___
für die Begutachtung zwar über sämtliche
Vorakten
und diese sind im Gutachten auch aufgezählt und zusammengefasst (vgl.
Urk.
7/41 S. 5 ff.),
Dr.
O.___
setzte sich jedoch in seinem
Teilgutachten nur knapp damit auseinander (vgl.
Urk.
7/41 S. 61 f.) und ging entsprechend der Rüge in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 4)
nicht näher auf den
Behandlungs
verlauf
im
H.___
ein. In dieser Hinsicht und auch in Bezug auf die Diagnostik war die Beurteilung durch
Dr.
J.___
vom
2.
April 2010 differenzierter ausgefallen, und die Beschwerdegegnerin folgte dieser Be
urteilung denn auch zu Recht insoweit, als
Dr.
J.___
damals die bislang - ab
dem
2.
Oktober 2009 - attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt hatte
(
vgl.
Urk.
7/27 S. 15).
Immerhin
sah
auch
Dr.
J.___
, wie später
Dr.
O.___
, bei der Beschwerde
-
füh
rerin
ein Eingliederungspotential und empfahl
für die Dauer von drei Monaten
die Aufnahme
einer
angepas
s
te
ren
Tätigkeit
als
i
m Gastgewerbe
zu
einem Pensum von vorerst
50
% und
während der
darauffolgenden
zwei bis drei Monate
die Steigerung auf 100
%
(
Urk.
7/27 S. 15 f. und S. 17). Desglei
chen
ging
Dr.
D.___
im März
und April
2010 vo
n einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
beziehungsweise
40-50
%
und im November 2010 noch von einer Arbeitsfähigkeit im Umfang von 2-3 Stunden im Tag aus (
Urk.
7/27 S. 18,
Urk.
7/29 S. 3,
Urk.
7/36 S. 10),
und das
H.___
hielt
i
n den
Bericht
en
vom 29. Januar
und vom 10. Mai
2010 eine Teilzeitarbeit für möglich (
Urk.
7/29 S. 20
,
Urk.
7/28 S.
8
) un
d beurteilte im Bericht vom 12.
Oktober 2010 die Prognose für das Wiedererlangen einer teilweisen Ar
beitsfähigkeit ausserhalb des Gastgewerbes immer noch als „vorsichtig positiv“ (
Urk.
7/35 S. 7)
.
In dieser Hinsicht unterscheidet sich d
ie Beurteilung von
Dr.
O.___
von den genannten Beurteilungen der vorher mit der Beschwer
deführerin befasst gewesenen medizinischen Fachpersonen nicht wesentlich; auch
Dr.
O.___
riet der Beschwerdeführerin nämlich zunächst zur Aufnahme eines - etwa halbtägigen - Arbeitstrainings (
Urk.
7/41 S. 63 f.) und hielt gleich
zeitig fest, die Prognose sei noch etwas unsicher (
Urk.
7/41 S. 64).
3.3.4
Bei dieser Beurteilungslage hätte die Beschwerdegegnerin indessen die Ergeb
nisse des Belastbarkeitstraining
s
, das die Beschwerdeführerin im Herbst und Winter 2011 absolvierte, und des nachfolgenden
, Anfang Januar 2012
aufge
nommenen
Aufbautraining
s
- beides I
ntegrationsmassnahmen nach Art.
14a IVG und Art. 4
quater
bis
Art. 4
novies
IVV
(vgl.
Rz
1010 ff. des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Integrationsmassnahmen
[KSIM]
, gültig ab 1. Januar 2012
)
-
beim Erlass der angefochtenen Verfügung vom 13. Januar 2012 nicht ausser Acht lassen dürfen.
Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin gemäss den Berichten
der
Q.___
motiviert mit
arbeitete und die Berichterstatter ihre Beobachtungen zum Verlauf des Trainings und zu den Fähigkeiten und Grenzen der Beschwerdeführerin eingehend schil
derten (
Urk.
7/82,
Urk.
7/83 und Urk. 7/98
) und als die
R.___
im Bericht vom
2.
Februar 2012 ebenfalls festhielt, die Beschwerdeführerin sei äusserst pflicht
bewusst, habe jedoch realisiert, dass ihr Wille nicht mit ihren aktuellen Mög
lichkeiten übereinstimme (
Urk.
7/113 S. 2).
Die
medizinisch-theoretischen Einschätzungen der behandelnden Ärzte und der Gutachter
bedürfen
mithin
einer Überprüfung
anhand der Berichte über das Belastbarkeits- und das Aufbautraining.
Es ist angezeigt, dass die
Beschwerde
gegnerin
zu
diesem Zweck
eine ergänzende Stellungnahme der Gutachter des
L.___
, namentlich des Psychiaters
Dr.
O.___
, einholt.
Denn entgegen der Ansicht in der Beschwerdeschrift (vgl.
Urk.
1 S. 7) kann nicht von vornherein gesagt werden, das Gutachten des
L.___
entspreche den bundesgerichtlichen Anforderungen nicht, sondern es sind vielmehr in erster Linie die Abklärungen der Beschwerdegegnerin, die unvollständig und ergänzungsbedürftig sind. Bei dieser Sachlage ist unter der Herrschaft der neuen Rechtsprechung (BGE 137 V 210) eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin
weiterhin
zulässig (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Diese Rückweisung schliesst auch die Berücksichtigung des eingereichten
Berichts von
Dr
.
T.___
vom 6.
Februar 2012 ein (
Urk.
3).
3
.4
Damit ist eine abschliessende Beurteilung des
Rentenanspruchs im vorliegenden Verfahren noch nicht möglich.
Dies gilt grundsätzlich auch für den kurzen Zeitraum
der Rentenzusprechung
von Oktober 2010 bis Februar
2011.
An dieser Stelle ist
deshalb
erst
darauf hinzuweisen, dass
ein
Anspruch auf eine Rente und die gleichzeitige Durchführung von Integrationsmassnahmen nach
Art. 14a IVG
ungeachtet
des Grundsatzes „Eingliederun
g vor Rente“ miteinan
der vereinbar sind
,
da
in
Art. 22
Abs.
5
bis
IVG
vorgesehen
ist
, dass eine beste
hende Rente der Invalidenversicherung während der Dauer von
Integrations
massnahmen
weiter ausgerichtet wird (
vgl.
Rz
9016 ff. des Kreisschreibens des
Bundesamtes für Sozialversicherungen über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab
1.
Januar 2013).
Des Weiteren kann
den Einwendungen
der Beschwerdefüh
rerin zum Vorbe
scheid (vgl.
Urk.
7/81 S. 3) darin gefolgt werden, dass
die Bemessung des
Vali
deneinkommens
anhand des letzten, während der Tätigkeit als
Serviceange
stellte
erzielten Lohnes
(vgl.
Urk.
7/89)
nicht angemessen ist.
Denn die Beschwerdeführerin
arbeitete
ab
1981
als
A.___
-Angestellte und
im kaufmänni
schen Bereich
d
er Telekommunikation
.
D
ie kurzzeitige Tätigkeit im Gastgewerbe war
demgegenüber
lediglich eine
Reaktion auf den Verlust ihrer letzten Stel
le bei der
B.___
- die Besch
werdeführerin gab gegenüber Dr.
O.___
an, die Stelle im Restaurant deshalb angenommen zu haben, weil sie im erlernten Beruf nichts mehr gefunden habe (vgl.
Urk.
7/41 S. 59 sowie auch die
Sachverhalts
darstellung
im Bericht des
H.___
vom 2
9.
Januar 2010,
Urk.
7/29 S. 19)
-
, und darüber hinaus war die Arbeit im Service von Anfang gesundheitlich ungeeignet fü
r die Beschwerdeführerin
(vgl.
Dr.
O.___
in
Urk.
7/41 S. 63 und Dr.
J.___
in
Urk.
7/27 S. 16 und S. 17). In
derartigen,
vergleichbaren
Fällen hat das Bundesgericht für das
Valideneinkommen
auf das vor der Arbeitslosigkeit erzielte Einkommen abgestellt oder auf das Einkommen, das auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erzielt werden kann (Urteile
des Bundes
gerichts I
17
3/06 vom 2
7.
Dezember 2006, E. 5.3
, und I
395/04 vom 2
6.
Januar 2006, E.
5.2.2
).
E
s
rechtfertigt sich daher auch im vorliegenden Fall, das
Vali
deneinkommen
anhand einer Tätigkeit
im kaufmännischen Bereich
zu bestim
men, welche der absolvierten
Ausbildung und der Berufserfahrung der Be
schwerdeführerin entspricht.
3.5
Damit ist die Beschwerde in
dem Sinne gutzuheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 1
3.
Januar 2012 aufzuheben
und die Sache an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen ist, damit diese die erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen tätige und hernach
im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
neu verfüge
.
4.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende
Be
schwerdegegnerin
kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 700.--
festzusetzen.
5.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 8 der Verordnung über die Ge
bühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, der Beschwerde
-
führe
rin
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2‘300.--
(inklusive
Bar
auslagen
und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in
dem Sinne gutgeheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 1
3.
Januar 2012 aufgehoben
und die Sache an die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird
, damit diese die erforderlichen Abklä
rungen im Sinne de
r Erwägungen tätige und hernach
im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
-
schä
digung
von
Fr.
2‘300
.-- (inklusive
Barauslagen u
nd Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
Pensionskasse
W.___
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigKobel
SP/KB/JMversandt