# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f54565ff-afcd-5af0-ad08-a36e2a1dbb78
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240454-O1
**Docket/Reference:** SB240454-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240454-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240454-O/U/nk

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Wenker 

und Oberrichter lic. iur. Hoffmann sowie der Gerichtsschreiber 

Dr. iur. Harisberger

Urteil vom 25. April 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin MLaw X1._____, 

substituiert durch Rechtsanwalt MLaw X2._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, l. Abteilung, vom 

7. August 2024 (DG240028)

-   2   -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 28. Mai 2024 ist die-

sem Urteil beigeheftet (Urk. 21).

Urteil der Vorinstanz:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig des Verbrechens gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in Verbindung 

mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 64 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 

69 Tage durch Haft erstanden sind).

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für 

8 Jahre des Landes verwiesen.

3.

4.

5.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-

onssystem angeordnet.

6.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 28. Mai 

2024 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und sind nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die Kantonspolizei zu vernichten: 

-

-

-

2 Pakete mit Kokain, netto 6'296g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'498'663, BM Lager-Nummer B00515-2024)

1 Paar Herrenschuhe, Marke "Cavalera", schwarz, mit 2 Portionen Ko-

kain verbaut in Sohle, netto 466.6g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'511'585, BM Lager-Nummer B00515-2024)

1 Paar Turnschuhe, Marke "Nike Dunk Low", weiss, mit 2 Portionen 

Kokain verbaut in Sohle, netto 520.3g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'511'596, BM Lager-Nummer B00515-2024)

-   3   -

-

-

1 Paar Turnschuhe, Marke "Van of the Wall Ultra Range", grau, mit 

2 Portionen Kokain verbaut in Sohle, netto 501.2g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'511'609, BM Lager-Nummer B00515-2024)

1 Paar Turnschuhe, Marke "Nike Air Force", weiss, mit 2 Portionen Ko-

kain verbaut in Sohle, netto 522.6g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'511'610, BM-Lager B00515-2024)

7.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 28. Mai 

2024 als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände werden dem Be-

schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen hin 

herausgegeben:

-

-

-

-

-

-

1 Reisekoffer, schwarz (Asservaten Nr. A018'481'668)

1 rote Schutzhülle des Koffers (Asservaten Nr. A018'481'679)

1 Vorhängeschloss (Asservaten Nr. A018'481'691)

1 Schlüssel zu Vorhängeschloss (Asservaten Nr. A018'481'726)

1 Mobiltelefon "Samsung" mit grüner Hülle (Asserva-
ten Nr. A018'481'680)

Diverse Reiseunterlagen (Asservaten Nr. A018'481'704)

Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils kein entsprechendes Be-

gehren gestellt, werden die genannten Gegenstände durch die Kantonspoli-

zei Zürich vernichtet. 

8.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 28. Mai 2024 be-

schlagnahmte Barschaft von USD 500.– (Valuta Fr. 420.–, Asservaten 

Nr. A018'481'715) wird eingezogen und zur Deckung der Verfahrenskosten 

verwendet.

9.

Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils an-

geordnet. 

-   4   -

10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:

3'000.–   Gebühr für die Strafuntersuchung

7'712.75   Auslagen Vorverfahren (Gutachten, IRM-Analysen)

16'742.–   amtl. Verteidigungskosten (inkl. MwSt. und Barauslagen)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der 

amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von 

Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 55 S. 1 f.)

1.

Das erstinstanzliche Urteil sei – ausgenommen von Dispositiv Ziffern 7 

und 10 – aufzuheben.

2.

Der Beschuldigte sei vollumfänglich von Schuld und Strafe freizuspre-

chen unter Entschädigung für die zu Unrecht entstandene Haft.

3.

4.

Folgerichtig sei kein Landesverweis anzuordnen.

Die beschlagnahmte Barschaft von CHF 420.00 sei dem Beschuldigten 

zurückzugeben.

5.

Die Untersuchungs- und Gerichtskosten (inkl. Kosten der amtlichen 

Verteidigung; zzgl. MWST) seien für das gesamte Verfahren (inkl. 

beide Instanzen) auf die Staatskasse zu nehmen.

-   5   -

Eventualanträge:

1.

Das erstinstanzliche Urteil sei – ausgenommen von Dispositiv Ziffern 7 

und 10 – aufzuheben.

2.

Der Beschuldigte sei für das ihm vorgeworfene Verbrechen gegen das 

Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 19 

Abs. 2 lit. a BetmG mit 36 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer Busse 

von CHF 500.- zu bestrafen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Um-

fang von 27 Monaten aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festzusetzen. lm Übrigen (9 Monate, abzüglich bereits erstandener 

Haft) sei die Freiheitsstrafe zu vollziehen.

3.

4.

5.

Es sei ein Landesverweis von maximal fünf Jahren anzuordnen.

Es sei auf die Ausschreibung im SIS zu verzichten.

Die beschlagnahmte Barschaft von CHF 420.00 sei dem Beschuldigten 

zurückzugeben.

6.

Die Untersuchungs- und Gerichtskosten (inkl. Kosten der amtlichen 

Verteidigung; zzgl. MWST) seien gemäss Ermessen des Gerichts fest-

zusetzen.

b)

Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:

(schriftlich, Urk. 47)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

-   6   -

Erwägungen:

I.  Verfahren

1. Mit Urteil vom 7. August 2024 sprach das Bezirksgericht Bülach, I. Abteilung, 

den Beschuldigten gemäss dem eingangs wiedergegebenen Dispositiv des Verbre-

chens  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  schuldig,  bestrafte  ihn  mit  einer  Frei-

heitsstrafe  von  64 Monaten  und  verwies  ihn  für  acht  Jahre  des  Landes  (Urk. 41 

S. 23).  Das  Urteil  wurde  dem  Beschuldigten  und  seiner  Verteidigung  sowie  der 

Staatsanwaltschaft  mündlich  eröffnet,  begründet  und  im  Dispositiv  übergeben 

(Prot. I S. 28).

2. Mit Eingabe vom 9. August 2024 meldete der Beschuldigte fristgemäss Beru-

fung  an  (Urk. 36;  Art. 399  Abs. 1  StPO).  Am  23. September  2024  wurde  ihm  die 

begründete Fassung des Urteils zugestellt (Urk. 40). Mit Eingabe vom 26. Septem-

ber 2024 reichte er fristgemäss die Berufungserklärung ein (Urk. 42; Art. 399 Abs. 3 

StPO).

3. Mit  Präsidialverfügung  vom  8. Oktober  2024  wurde  die  Berufungserklärung 

der Staatsanwaltschaft zugestellt und dieser Frist zur Anschlussberufung oder für 

einen  begründeten  Nichteintretensantrag  angesetzt  (Urk. 45).  Mit  Eingabe  vom 

14. Oktober 2024 erklärte die Staatsanwaltschaft ihren Verzicht auf Anschlussbe-

rufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. Weiter erklärte 

sie, sich am weiteren Verfahren nicht aktiv zu beteiligen, und ersuchte um Dispen-

sation  von  der  Teilnahme  an  der  Berufungsverhandlung.  Mit  Stempelverfügung 

vom 31. Oktober 2024 wurde ihr dies bewilligt (Urk. 47). Die Parteien wurden auf 

den 25. April 2025 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 49). Zu dieser er-

schien der Beschuldigte in Begleitung des von der amtlichen Verteidigerin Rechts-

anwältin  X1._____  substituierten  Rechtsanwalt  X2._____.  Er  liess  die  eingangs 

aufgeführten Anträge stellen (Prot. II S. 3 f.; Urk. 55 S. 1 f.).

-   7   -

II.  Prozessuales

1.

Die Berufung hemmt die Rechtskraft des angefochtenen Urteils im Umfang 

der Anfechtung (Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO). Das Berufungsgericht überprüft das 

erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil mit Ausnahme von Dispositivziffern 

7  und  10  an  und  beantragt  namentlich  einen  vollumfänglichen  Freispruch  von 

Schuld und Strafe (Urk. 42). Damit stehen im Rahmen des vorliegenden Berufungs-

verfahrens mit Ausnahme der Dispositivziffern 7 und 10 sämtliche Dispositivziffern 

des vorinstanzlichen Urteils zur Disposition. Hingegen ist das vorinstanzliche Urteil 

hinsichtlich  der  Dispositivziffern  7  (Herausgabe  beschlagnahmter  Gegenstände) 

und  10  (Kostenfestsetzung)  in  Rechtskraft  erwachsen.  Dies  ist  vorab  mittels  Be-

schluss festzustellen.

2.

Es  gilt  das  Verschlechterungsverbot.  Mithin  kann  das  vorinstanzliche  Urteil 

grundsätzlich nicht zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden (Art. 391 

Abs. 2 StPO).

3.

Das Gericht muss sich nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausein-

andersetzen  und  jedes  einzelne  Vorbringen  ausdrücklich  widerlegen.  Vielmehr 

kann es sich auf die für seinen Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-

ken  (BGE 146  IV  297  E. 2.2.7;  143  III  65  E. 5.2;  141  IV  249  E. 1.3.1;  Urteil  des 

Bundesgerichtes 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 2.5). Zudem kann das Beru-

fungsgericht  zur  Begründung  auf  Erwägungen  der  Vorinstanz  im  angefochtenen 

Entscheid verweisen, soweit es diese als zutreffend erachtet (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Denn  das  strafrechtliche  Berufungsverfahren  ist  keine  Wiederholung  des  erstin-

stanzlichen Erkenntnisverfahrens und das Berufungsgericht ist keine Erstinstanz. 

Vielmehr knüpft das Berufungsverfahren an das erstinstanzliche Verfahren an und 

baut  darauf  auf  (Urteile  des  Bundesgerichtes  7B_293/2022  vom  6. Januar  2024 

E. 2.2.1; 7B_15/2021 vom 19. September 2023 E. 4.2.2; 7B_11/2021 vom 15. Au-

gust 2023 E. 5.2; 6B_931/2021 vom 15. August 2022 E. 3.2).

Zum Anspruch auf rechtliches Gehör gehört, dass die Behörde die ihr ange-

botenen Beweise abnimmt, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich 

-   8   -

erscheinen. Daraus folgt umgekehrt, dass keine Verletzung des rechtlichen Gehörs 

vorliegt, wenn eine Behörde auf die Abnahme beantragter Beweismittel verzichtet, 

weil sie aufgrund der bereits abgenommenen Beweise ihre Überzeugung gebildet 

hat  und  ohne  Willkür  in  vorweggenommener  (antizipierter)  Beweiswürdigung  an-

nehmen kann, dass ihre Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht ge-

ändert würde. Unter diesen Voraussetzungen ist der in Art. 6 StPO verankerte Un-

tersuchungsgrundsatz nicht verletzt, wenn das Strafgericht nicht von Amtes wegen 

noch  weitere  Beweiserhebungen  vornimmt 

(Urteile  des  Bundesgerichtes 

6B_689/2019  vom  25. Oktober  2019  E. 1.5.2;  6B_82/2018  vom  25. September 

2018 E. 1.2.4; 6B_880/2017 vom 4. Juli 2018 E. 2.7).

4.

Die Parteien haben im Berufungsverfahren darauf verzichtet, Beweisanträge 

zu  stellen  (vgl.  Urk. 42  S. 2;  Urk. 55;  Prot. II  S. 16).  Weitere  Beweiserhebungen 

drängen sich – abgesehen von der erneuten Befragung des Beschuldigten – auch 

von Amtes wegen nicht auf.

5.

Die Verteidigung rügt, dass die Anklage eventualvorsätzliches Handeln nicht 

rechtsgenüglich umschreibe (Urk. 55 S. 5 f.).

5.1. Gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO kann eine Straftat nur gerichtlich beurteilt wer-

den, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines ge-

nau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat. 

Demnach können Gegenstand des gerichtlichen Verfahrens nur Sachverhalte sein, 

die  dem  Angeklagten  in  der  Anklageschrift  vorgeworfen  werden  (Umgrenzungs-

funktion). Damit schützt das Anklageprinzip die Verteidigungsrechte des Beschul-

digten und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). Die 

Beurteilung einer Verletzung des Anklageprinzips hat gestützt auf seine Funktionen 

zu erfolgen. Entscheidend ist, dass der Beschuldigte weiss, was ihm vorgeworfen 

wird  (Urteile  des  Bundesgerichtes  6B_900/2024  vom  20. März  2025  E. 2.2.1; 

6B_899/2010 vom 10. Januar 2011 E.2.4; 6B_5/2010 vom 30. Juni 2010 E. 2.4).

5.2. Die vorliegende Anklage genügt den Anforderungen. Insbesondere genügt 

gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  der  Hinweis  auf  den  gesetzlichen 

Straftatbestand  als  zureichende  Umschreibung  der  subjektiven  Merkmale,  wenn 

-   9   -

der betreffende Tatbestand nur als Vorsatzdelikt erfüllbar ist (BGE 103 Ia 6 E. 1d; 

Urteil des Bundesgerichtes 6B_899/2010 vom 10. Januar 2011 E. 2.6; siehe auch 

ZR 107/2008  Nr. 56  vom  12. Dezember  2007  E. II.1;  ZR 105/2006  Nr. 36  vom 

24. August 2005 E. II.1.c.bb). Eine Nennung des Eventualvorsatzes ist bei Vorsatz-

delikten  nicht  erforderlich 

(BOSSHARD/LANDSHUT, 

in:  Donatsch/Lieber/Sum-

mers/Wohlers  [Hrsg.],  Kommentar  zur  Schweizerischen  Strafprozessordnung, 

3. Aufl.  2020,  Art. 325  N 12;  JOSITSCH/SCHMID,  Handbuch  des  schweizerischen 

Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2023, FN 164). Der Straftatbestand des Verbrechens 

gegen das Betäubungsmittelgesetz i.S.v. Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG i.V.m. Art. 19 

Abs. 2 lit. a BetmG kann nur vorsätzlich begangen werden. Überdies machte die 

Verteidigung jeweils Ausführungen zum Fehlen eines Eventualvorsatzes bzw. zur 

Art des Vorsatzes (Urk. 32 S. 8; Urk. 55 S. 5 ff.). Mithin wurde der Anklagegrund-

satz weder hinsichtlich der Umgrenzungsfunktion noch hinsichtlich der Informati-

onsfunktion verletzt.

1.

Anklagevorwurf

III.  Schuldpunkt

Gemäss der Anklage reiste der Beschuldigte am tt. März 2024 mit Flug LX1 von 

B._____, Brasilien, nach Zürich, um von hier, nach einem Flugwechsel am Gate … 

des Flughafens Zürich-Kloten, mit Flug LX2 nach C._____, Indien, weiterzufliegen. 

Dabei habe er in seinem Gepäck 7.319 kg reines Kokain mit sich geführt. Dieses 

habe er in die Schweiz eingeführt, um es weiter nach C._____ [Indien] zu verbrin-

gen. Er habe gewusst, dass diese Menge Kokain geeignet ist, die Gesundheit vieler 

Menschen in Gefahr zu bringen (Urk. 21 S. 2).

2.

Sachverhalt

2.1. Der Beschuldigte anerkennt, am tt. März 2024 von B._____ [Brasilien] nach 

Zürich geflogen zu sein, um weiter nach C._____ [Indien] zu reisen (Prot. I S. 12). 

Ebenfalls nicht bestritten ist, dass sich Kokain in den Schuhen und den doppelten 

Böden  eines  Koffers  befand,  der  mit  einem  Gepäcklabel  der  Fluggesellschaft 

D._____ mit Ticketnummer und Namen versehen war, das letztlich dem Beschul-

-   10   -

digten zugeordnet wurde (Urk. 32 S. 6; Urk. 55 S. 4). Namentlich befanden sich im 

Koffer 7.319 kg reines Kokain (Urk. 13/7). Weiter anerkennt der Beschuldigte, dass 

ihm die Gefährlichkeit von Kokain bekannt ist (Prot. I S. 16).

Jedoch macht der Beschuldigte geltend, er könne den sichergestellten Koffer 

auf den Fotos nicht mit Sicherheit als seinen erkennen, auch wenn dieser ähnlich 

sein könnte (Urk. 2/1 F/A 39; Prot. I S. 13), bzw. sein Koffer sei anders beschaffen 

gewesen (Prot. II S. 12 f.). Die im sichergestellten Koffer gefundenen Betäubungs-

mittel, Schuhe und Kleider gehörten nicht ihm (Urk. 2/1 F/A 40, 66, 68, 73; Urk. 2/2 

F/A 42-45; Prot. I S. 15). Er wisse nicht, wie die Betäubungsmittel in diesen Koffer 

gelangt seien (Prot. I S. 14). Es sei möglich, dass entweder  jemand etwas in seinen 

Koffer getan habe, er einen nicht ihm gehörenden Koffer eingecheckt habe oder 

sein Koffer mit einem anderen vertauscht worden sei (Prot. I S. 13, 16, 20). Er habe 

nichts  vom  aufgefundenen  Kokain  bzw.  von  den  ihm  vorgeworfenen  Umständen 

gewusst  (Prot. I  S. 12;  Prot. II  S. 11,  15).  Damit  bestreitet  der  Beschuldigte  zu-

nächst den äusseren Sachverhalt, indem er in Frage stellt, ob es sich beim sicher-

gestellten Koffer tatsächlich um sein Gepäck (so die Anklage) handelte und damit 

ob  er  die  sichergestellten  Drogen  beförderte,  ein-  bzw.  durchführte.  Sodann  be-

streitet er den inneren Sachverhalt bzw., dass er wusste, dass sich im Koffer Dro-

gen befanden oder zumindest damit hätte rechnen müssen und er dies billigend in 

Kauf nahm. Weil insoweit der Sachverhalt auch vor zweiter Instanz bestritten ist, 

muss geprüft werden, ob sich der Anklagevorwurf gestützt auf die verfügbaren Be-

weismittel nachweisen lässt.

2.2. Die Vorinstanz hat die Grundsätze zur Beweiswürdigung und namentlich zur 

Unschuldsvermutung (in ihrer Ausprägung als Beweiswürdigungsregel) sowie zur 

Aussagewürdigung korrekt wiedergegeben (Urk. 41 E. II.2). Zu betonen ist, dass 

bloss abstrakte und theoretische Zweifel trotz der Unschuldsvermutung einer Ver-

urteilung nicht entgegenstehen. Denn derartige Zweifel sind immer möglich und ab-

solute Gewissheit kann nicht verlangt werden (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1; 124 IV 86 

E. 2a;  Urteile  des  Bundesgerichtes  6B_416/2024  vom  23. Januar  2025  E. 1.3.3; 

6B_1284/2021 vom 20. Juli 2022 E. 5.3.1).

-   11   -

Zu  ergänzen  ist  zunächst,  dass  die  in  Art. 32  Abs. 1  BV  und  Art. 6  Ziff. 2 

EMRK verankerte Unschuldsvermutung zwar bedeutet, dass es Sache der Straf-

verfolgungsbehörden ist, der beschuldigten Person ihre Täterschaft nachzuweisen. 

Die beschuldigte Person muss sich nicht selbst belasten (Art. 113 Abs. 1 StPO). 

Sie hat insbesondere das Recht, die Aussage und Mitwirkung im Strafverfahren zu 

verweigern  (BGE  147  I  57  E 5.1;  144  I  242  E. 1.2.1;  Urteil  des  Bundesgerichtes 

6B_129/2024 vom 22. April 2024 E. 2.3.1). Unzulässig wäre daher, das Schweigen 

der  beschuldigten  Person  als  Indiz  für  ihre  Schuld  zu  werten  (BGE  138  IV  47 

E. 2.6.1;  Urteile  des  Bundesgerichtes  6B_129/2024  vom  22. April  2024  E. 2.3.1; 

6B_1202/2021 vom 11. Februar 2022 E. 1.8.2). Allerdings ist es nicht ausgeschlos-

sen, das Aussageverhalten der beschuldigten Person in die freie Beweiswürdigung 

miteinzubeziehen. Insbesondere kann dies geschehen, wenn sie sich weigert, zu 

ihrer Entlastung erforderliche Angaben zu machen, oder es unterlässt, entlastende 

Behauptungen näher zu substantiieren, obschon eine Erklärung angesichts der be-

lastenden Beweiselemente vernünftigerweise erwartet werden darf. Mithin darf das 

Schweigen der beschuldigten Person in Situationen, die nach einer Erklärung ru-

fen,  bei  der  Gewichtung  belastender  Elemente  mitberücksichtigt  werden,  ausser 

wenn sie sich zu Recht auf ein Zeugnisverweigerungsrecht beruft (Urteile des Bun-

desgerichtes 6B_129/2024 vom 22. April 2024 E. 2.3.1; 6B_1202/2021 vom 11. Fe-

bruar 2022 E. 1.8.2; 6B_299/2020 vom 13. November 2020 E. 2.3.3; je m.w.H.).

Sodann ist zu ergänzen, dass auch ein indirekter Beweis zulässig ist, wenn 

keine direkten Beweise vorliegen. Beim sog. Indizienbeweis wird aus bestimmten 

Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf 

die  zu  beweisende,  unmittelbar  rechtserhebliche  Tatsache  geschlossen.  Der 

Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig. Eine Mehrzahl von Indizien, 

die  für  sich  allein  betrachtet  nur  mit  einer  gewissen  Wahrscheinlichkeit  auf  eine 

bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, 

können  in  ihrer  Gesamtheit  ein  Bild  erzeugen,  das  den  Schluss  auf  den  vollen 

rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täterschaft erlaubt (Urteile des Bundes-

gerichtes  6B_546/2023  vom  13. November  2023  E. 1.3.2;  6B_429/2023  vom 

31. August 2023 E. 2.3; 6B_1149/2020 vom 17. April 2023 E. 2.3.2.2). Der Indizi-

enprozess  verletzt  weder  die  Unschuldsvermutung  noch  die  aus  ihr  abgeleiteten 

-   12   -

Teilrechte (Urteile des Bundesgerichtes 6B_429/2023 vom 31. August 2023 E. 2.3; 

6B_1097/2021  vom  26. Oktober  2022  E. 3.2;  6B_245/2020  vom  6. Mai  2020 

E. 3.3.3). Die Unschuldsvermutung als Beweiswürdigungsregel verlangt nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den Angeklagten 

günstigeren Beweis abzustellen ist. Diese Beweiswürdigungsregel kommt nur zur 

Anwendung, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzes relevante Zweifel 

verbleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2; Urteile des Bundesgerichtes 6B_1019/2021 

vom 8. Dezember 2021 E. 1.3.3; 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3).

2.3. Die Vorinstanz hat die für ihren Entscheid massgeblichen Beweismittel zu-

treffend aufgelistet und zusammengefasst (Urk. 41 E. II.3.1). Namentlich sind dies 

die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 2/1-3; Prot. I S. 6 ff.), die Aussagen des Po-

lizeibeamten E._____ (Urk. 3), die Fotos des sichergestellten Koffers (Urk. 5), die 

Berichte und Gutachten des FOR (Urk. 13/4-7) sowie die Kopien der Bordkarten 

(Urk. 6). Zusätzlich als Beweismittel zu nennen sind ein Beleg des Dienstleisters 

"F._____" (Urk. 7 S. 2), eine Vorregistration der brasilianischen Bundespolizei be-

züglich der Einreise nach Brasilien (Urk. 8), Buchungsbestätigungen eines Hotels 

in  C._____  sowie  der  Hin-  und  Rückflüge  (Urk. 9-10),  ein  E-Visum  für  Indien 

(Urk. 11), ein Gutachten des IRM (Urk. 13/10) sowie eine Dokumentation zu den 

Reisepässen des Beschuldigten (Urk. 14/3). Zu nennen sind ferner die im Zusam-

menhang  mit  der  Festnahme  des  Beschuldigten  erstellten  Polizeirapporte  bzw. 

Protokolle  und  Sicherstellungslisten  (Urk. 1;  Urk. 15/1-5).  Auch  diese  sind  zuläs-

sige Beweismittel (Urteile des Bundesgerichtes 6B_1187/2020 vom 13. Juni 2022 

E. 3.2; 6B_998/2020 vom 5. Januar 2021 E. 5.2; 6B_1057/2013 vom 19. Mai 2014 

E. 2.3) und erbringen Beweis über die von den Polizeibeamten festgestellten Sa-

chumstände (Urteile des Obergerichtes ZH SB230477 vom 14. Mai 2024 E. III.4.2; 

SB170407 vom 12. März 2018 E. 3.12).

Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zur Sa-

che Folgendes an (Prot. II S. 11 ff.): Er habe nichts vom aufgefundenen Kokain ge-

wusst. Er habe in B._____ [Brasilien] seinen Koffer mit seinen Sachen darin einge-

checkt. Der sichergestellte schwarze Koffer gehöre ihm nicht. Sein Koffer sei ein 

brauner Stoffkoffer gewesen. Einen schwarzen Hartschalenkoffer habe er nicht ge-

-   13   -

habt. Er habe nicht gewusst, welche Art Kleider darin waren, man habe ihm gesagt, 

alle seine Kleider seien darin, also Schuhe, Hose, solche Sachen. Er habe keinen 

Schlüssel im Hosensack gehabt. Jedoch habe sich ein Schlüssel in seinem Sakko 

befunden. Er wisse nicht, wie es sein könne, dass der bei ihm gefundene Schlüssel 

zum  am  sichergestellten  Koffer  angebrachten  Vorhängeschloss  passe.  Er  wisse 

nicht,  ob  und  wie  ein  Übeltäter  das  Schloss  sowie  das  Gepäcklabel  von  seinem 

Koffer  gelöst  und  an  einem  anderen  Koffer  angebracht  haben  könnte.  Er  wisse 

auch nicht, wie ein solcher Übeltäter den Koffer nach der Ankunft in C._____ [In-

dien]  wieder  hätte  behändigen  können.  Der  braune  Stoffkoffer  müsse  noch  ir-

gendwo sein. Seinen Koffer habe er selbst gepackt. Es habe ihm niemand beim 

Packen  geholfen.  Er  habe  seinen  Koffer  bis  zum  Check-in  nicht  aus  den  Augen 

verloren bzw. ihn vom Packen bis zum Check-in immer unter Kontrolle gehabt. Vor 

dem  Flug  sei  er  auf  dem  Landweg  von  Uruguay  nach  Brasilien  gereist.  Andere 

Fernreisen in weit entfernte Länder habe er zuvor noch keine gemacht.

2.4. Die  Vorinstanz  hat  eine  überzeugende  Würdigung  der  von  ihr  als 

massgeblich erachteten Beweismittel vorgenommen und sich auch mit den wesent-

lichen  Einwänden  der  Verteidigung  auseinandergesetzt  (Urk. 41  E. 3.3.1-3.3.4; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen gehen unter Einbezug wei-

terer  Beweismittel  teilweise  rekapitulierend  und  ergänzend  auf  die  wichtigsten 

Punkte ein.

2.4.1.  Die  Zeugenaussage  des  Polizeibeamten  E._____  (Urk. 3)  wurde  von  der 

Vor-instanz soweit wesentlich zutreffend wiedergegeben (Urk. 41 E. II.3.3.1). Na-

mentlich hätten zwei Mitarbeiter des BAZG gezielt den vom Beschuldigten einge-

checkten, in rote Folie eingewickelten Koffer aus dem Gepäckraum des Flugzeugs 

geholt (a.a.O., F/A 7). Das Gepäcklabel sei vorhanden gewesen, habe nichts Un-

gewöhnliches aufgewiesen und den Namen des Beschuldigten und die Flugnum-

mer  genannt  (a.a.O.,  F/A 8 f.).  Die  dazugehörige  Gepäckquittung  sei  auf  einer 

Bordkarte  des  Beschuldigten  aufgeklebt  gewesen  (a.a.O.,  F/A 10 ff.).  Der  Koffer 

habe unter der roten Folie ein goldenes Vorhängeschloss gehabt. Den Schlüssel 

dazu habe der Beschuldigte in seiner Hosentasche gehabt und sei ihm von dort 

vom Polizeibeamten abgenommen worden (a.a.O., F/A 7, 13). Auf Nachfrage be-

-   14   -

stätigte der Polizeibeamte, den Schlüssel aus einer Hosentasche des Beschuldig-

ten entnommen zu haben (a.a.O., F/A 17). Allerdings könne er nicht mehr sagen, 

weshalb nicht genau festgehalten worden sei, aus welcher der drei Hosentaschen 

der Schlüssel entnommen worden sei (a.a.O., F/A 16).

Der Polizeibeamte E._____ wurde unter Hinweis auf die Strafandrohung nach 

Art. 307 StGB einvernommen. Er hat kein ersichtliches Eigeninteresse am vorlie-

genden Fall. Auch sonst hat er kein erkennbares Motiv, den Beschuldigten falsch 

zu belasten. Im Gegenteil würde er dadurch seine berufliche Stellung gefährden. 

Er  rückt  den  Beschuldigten  nicht  grundsätzlich  in  ein  schlechtes  Licht.  Vielmehr 

schildert er seine Wahrnehmungen rund um die Festnahme am tt. März 2024 in 

chronologischer, detailreicher und professioneller Weise, wobei er das für die Straf-

verfolgung Wesentliche konzis wiedergibt. Seine Aussagen sind insgesamt glaub-

haft. Auf sie kann zur Erstellung des Sachverhalts abgestellt werden.

2.4.2.  Seine Aussagen decken sich zudem, wie die Vorinstanz zutreffend erkennt 

(Urk. 41 E. II.3.3.2), mit der Fotodokumentation und den Kopien der Bordkarten mit 

Gepäckquittung. Die Fotos zeigen den Koffer zunächst in noch ungeöffnetem Zu-

stand  mit  einer  roten  Schutzfolie  aus  Plastik  umwickelt,  die  das  Logo  "F._____" 

trägt (Urk. 5 Foto 1). Sodann zeigen sie das Gepäcklabel in gut lesbarem, etwas 

zerknitterten  aber 

intaktem  Zustand,  das  den  Namen  des  Beschuldigten 

("A._____")  trägt  sowie  die  Identifikationsnummern,  die  sich  auf  der  Gepäckquit-

tung  wiederfinden,  die  auf  der  Rückseite  einer  Bordkarte  aufgeklebt  ist  (Urk. 5 

Foto 2; Urk. 6 S. 2). Das Gepäcklabel und die Bordkarte werden bekanntlich beim 

Check-in nach erfolgter Identifizierung des Passagiers mittels eines Ausweisdoku-

ments ausgestellt. Mithin wurde das Gepäcklabel für das Aufgabegepäck des Be-

schuldigten ausgestellt, weshalb dieser auch die korrespondierende Gepäckquit-

tung auf sich trug. Ferner zeigen die Fotos ein am Koffer angebrachtes goldenes 

Vorhängeschloss ohne und sodann mit eingestecktem Schlüssel (Urk. 2/1, Beila-

gen, Foto 1; Urk. 5 Foto 3). Die in den Akten liegende, gemäss Fusszeile noch am 

gleichen Tag erstellte Sicherstellungsliste gibt weiter an, dass ein Vorhängeschloss 

am Koffer, verschlossen, sowie beim Beschuldigten "ab Person, Hosentasche" die 

passenden Schlüssel zum Vorhängeschloss sichergestellt worden seien (Urk. 15/4 

-   15   -

S. 2). Mithin bestätigen diese Urkunden durchwegs die Aussagen des Polizeibe-

amten E._____. Hinzu kommt der beim Beschuldigten aufgefundene, am tt. März 

2024  um  17:29:02  ausgestellte  Beleg  von  "F._____"  (Urk. 7  S. 2;  vgl.  auch  den 

Hinweis auf diverse Reiseunterlagen bzw. Dokumente bzw. Belege in der Sicher-

stellungsliste [Urk. 15/5]). Dieser weist an zwei Stellen die Buchstaben- und Zah-

lenfolge "B.______'3" auf. Daraus lässt sich ableiten, dass der Beschuldigte etwas 

mehr als eine Stunde vor der auf der Bordkarte angegebenen Boarding Time am 

Flughafen  B'._____  (IATA-Code:  B'._____)  ein  Gepäckstück  bei  demjenigen 

Dienstleister mit Schutzfolie einwickeln liess, mit dessen Folie auch der sicherge-

stellte Koffer eingewickelt war. Dies deckt sich im Übrigen auch mit der Aussage 

des Beschuldigten in seiner Hafteinvernahme, er habe im Flughafen von B._____ 

[Brasilien] eine Plastikumhüllung machen lassen (Urk. 2/2 F/A 26).

2.4.3.  Mithin ist der sichergestellte Koffer in mehrerlei Hinsicht mit dem Beschul-

digten verbunden: durch das am Koffer angebrachte Gepäcklabel, das auf seinen 

Namen ausgestellt wurde; in umgekehrter Richtung durch die auf der Rückseite der 

Bordkarte des Beschuldigten aufgeklebte Gepäckquittung, die das Gepäcklabel am 

Koffer dem Beschuldigten zuweist; durch den beim Beschuldigten gefundenen Be-

leg von "F._____" und die Plastikfolie ebendieses Dienstleisters, die am sicherge-

stellten Koffer angebracht war; und durch den beim Beschuldigten aufgefundenen 

Schlüssel zum am Koffer verschlossen angebrachten Vorhängeschloss. Dies lässt 

den  sichergestellten  Koffer  zweifelsfrei  als  denjenigen  des  Beschuldigten  erken-

nen. Mithin ist erstellt, dass es der Beschuldigte war, der den sichergestellten Koffer 

in B._____ [Brasilien] eincheckte, also dass er den Inhalt des Koffers beförderte, in 

die Schweiz ein- bzw. durchführte.

2.4.4.  Es  ist  nicht  zu  beanstanden,  wenn  die  Vorinstanz  die  Vorbringen  des  Be-

schuldigten, wonach er einen anderen Koffer als den eigenen eingecheckt haben 

könnte bzw. der Koffer mit seinem Namen auf dem Gepäcklabel nicht der seinige 

sein könnte (Prot. I S. 13, 16; Prot. II S. 13), als nicht überzeugend einstuft (Urk. 41 

E. II. 3.3.3). Zunächst ist hierzu zu bemerken, dass der Beschuldigte nicht durch-

gehend abstritt, dass es sich beim sichergestellten und auf den Fotos in Urk. 5 ab-

gebildeten Koffer um seinen handelt: Auf Vorhalt der Fotos gab der Beschuldigte in 

-   16   -

der polizeilichen Einvernahme (Urk. 2/1 F/A 39, 51), der Hafteinvernahme (Urk. 2/2 

F/A 49, 53-54) und vor Vorinstanz (Prot. I S. 13) im Wesentlichen an, der Koffer auf 

den Fotos sehe ähnlich aus wie sein Koffer, er könne es aber nicht mit Sicherheit 

sagen. Mit Bestimmtheit sagte er nur, das Innenleben des sichergestellten Koffers 

bzw. dessen Inhalt sehe anders aus und die darin befindlichen Sachen seien nicht 

seine (Urk. 2/1 F/A 40; Urk. 2/2 F/A 42-45, 50-52; Prot. I S. 13). Teils sagte er zwar, 

sein  Koffer  sei  (dunkel-)braun  (Urk. 2/1  F/A 34;  Prot. I  S. 12;  Prot. II  S. 12),  teils 

aber  auch,  es  habe  sich  um  einen  schwarzen  Stoffkoffer  gehandelt  (Urk. 2/2 

F/A 28). Selbst gestützt auf diese Darstellungen des Beschuldigten ist lediglich un-

gewiss und nicht eindeutig bestritten, dass der sichergestellte Koffer seiner ist.

Sodann anerkannte der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung, dass der 

Polizeibeamte E._____ in seinem Sakko den Schlüssel vorfand, mit dem er in der 

Folge das am sichergestellten Koffer angebrachte Vorhängeschloss öffnete (Prot. II 

S. 13). Es kann offenbleiben, wie sich dies mit der Aussage des Polizeibeamten 

verträgt, wonach dieser den Schlüssel in einer Hosentasche des Beschuldigten ge-

funden habe, wozu die Verteidigung moniert, der Polizeibeamte habe den genauen 

Fundort des Schlüssels nicht definieren können (Urk. 32 S. 6; Urk. 55 S. 4). Für die 

Erstellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  ist  einzig  entscheidend,  dass  der 

Beschuldigte den Schlüssel auf sich trug. Wo exakt ist nicht entscheidend. Sodann 

tut die Unfähigkeit des Polizeibeamten, die Hosentasche zu bezeichnen, dessen 

Glaubwürdigkeit keinen Abbruch. Vielmehr hat er das Nötige, nämlich dass er den 

Schlüssel auf der Person des Beschuldigten gefunden habe, zeitnah im Sicherstel-

lungsrapport verzeichnet und anlässlich der Zeugeneinvernahme unter Strafandro-

hung bestätigt. Mehr ist nicht notwendig. Insgesamt ist entgegen den früheren Be-

teuerungen  des  Beschuldigten  (Urk. 2/1  F/A  35,  37,  45;  Urk. 2/2  F/A 58  Prot. I 

S. 13 f.) erstellt, dass er den Schlüssel zum am sichergestellten Koffer angebrach-

ten Vorhängeschloss auf sich trug. Anlässlich der Hafteinvernahme sowie an der 

heutigen Berufungsverhandlung bestätigte er denn auch selbst, seinen Koffer vor 

dem Check-in mit einem kleinen, gelben Vorhängeschloss mit Schlüssel verschlos-

sen  zu  haben  (Urk. 2/2  F/A 55-56;  Prot. II  S. 14),  auch  wenn  er  dies  in  anderen 

Einvernahmen  und  insbesondere  vor  Vorinstanz  verneinte  (Urk. 2/1  F/A 37,  45; 

Prot. I S. 13). Hat er ein Vorhängeschloss angebracht, ist es nur naheliegend, dass 

-   17   -

er auch den dazu passenden Schlüssel auf sich trug, andernfalls er den Koffer am 

Zielort gar nicht hätte öffnen können.

Die vom Beschuldigten und der Verteidigung (Urk. 32 S. 6 f.; Urk. 55 S. 4 f.) 

angedeutete Vertauschung bzw. Verwechslung des Gepäcklabels oder des ganzen 

Koffers ist allein schon durch die (nach dem soeben Gesagten erstellte) Auffindung 

des Schlüssels zum am Koffer angebrachten Vorhängeschloss auf der Person des 

Beschuldigten ausgeschlossen. Anderes liesse sich, wie die Staatsanwaltschaft vor 

Vorinstanz richtig ausführte (Urk. 31 S. 6 f.), nur mit lebensfremden Szenarien her-

leiten. Insbesondere ist hervorzuheben, dass der Beschuldigte an der heutigen Be-

rufungsverhandlung anerkannte, ein Schloss an seinem Koffer angebracht und den 

Schlüssel auf sich getragen zu haben. Ein Koffertausch hätte daher die Behändi-

gung  nicht  nur  des  Koffers,  sondern  auch  des  Schlüssels  (zur  Wegnahme  des 

Schlosses vom bisherigen und Anbringung am neuen Koffer) und dessen nachfol-

gende Rückführung auf die Person des Beschuldigten vorausgesetzt. Wohlgemerkt 

wurde  beim  Beschuldigten  nur  ein  Schlüssel  sichergestellt  (Urk. 15/4),  weshalb 

keine Hinweise darauf bestehen, dass es sich beim Schlüssel (bzw. dem dazu pas-

senden Schloss) um einen weiteren, nicht vom Beschuldigten stammenden Schlüs-

sel (bzw. ein zusätzliches Schloss) handeln könnte. Zudem ist mit der Vorinstanz 

(Urk. 41 E. II.3.3.3) festzustellen, dass die Aussagen des Beschuldigten zu einer 

Verwechslung  bzw.  Vertauschung  des  Koffers  völlig  unspezifisch  bleiben.  Vor 

Vorinstanz gab der Beschuldigte lediglich an, es sei möglich, dass sein Koffer ver-

tauscht worden sei bzw. er einen anderen Koffer eingecheckt habe (Prot. I S. 16, 

20). Auf Nachfrage, wie man sich das praktisch vorstellen müsse, erklärte er, es 

nicht zu wissen (Prot. I S. 16); auf Nachfrage, wann konkret der Koffer hätte ver-

tauscht werden können, gab er an, dass er keine Ahnung habe (Prot. I S. 20). Auch 

an  der  heutigen  Berufungsverhandlung  erklärte  er,  nicht  zu  wissen,  wie  jemand 

Schloss  und  Gepäcklabel  von  seinem  Koffer  hätte  lösen  und  an  einem  anderen 

Koffer hätte anbringen können (Prot. II S. 13 f.). Einen unachtsamen Moment am 

Flughafen oder auf dem Weg dorthin in einem öffentlichen Bus, der durch eine Per-

son ausgenutzt hätte werden können, die zufällig von der Reise des Beschuldigten 

erfahren hatte oder einen Passagier eine bestimmten Flugs abfangen wollte, wie 

ihn die Verteidigung nicht ausschliessen will (Urk. 32 S. 7), beschreibt der Beschul-

-   18   -

digte gerade nicht. Ebenso wenig macht er – wie es seine Verteidigung tut (Prot. II 

S. 16) – geltend, sein Koffer hätte beim Einfolieren, etwa durch den Mitarbeiter des 

betreffenden Dienstleisters, vertauscht worden können. Im Gegenteil erklärte er an 

der heutigen Berufungsverhandlung, seinen Koffer bis zum Check-in nicht aus den 

Augen verloren bzw. ihn vom Packen bis zum Check-in immer unter Kontrolle ge-

habt  zu  haben  (Prot. II  S. 15).  Ferner  machte  er  auch  keine  Aussagen,  die  die 

These  der  Verteidigung,  der  Schlüssel  hätte  schnell  in  die  Sakkotasche  einge-

schleust werden können (Prot. II S. 16), stützen würden, wie etwa eine Rempelei 

oder ein Gedränge. Damit werfen der Beschuldigte bzw. seine Verteidigung aber 

bloss abstrakte und theoretische Zweifel auf, die auch unter Berücksichtigung der 

Unschuldsvermutung nicht massgeblich sein können. Weiter stellt die Vorinstanz 

zutreffend fest (Urk. 41 E. II.3.3.4), dass die Fotos (Urk. 5 Foto 2 f.) das Gepäckla-

bel in zwar etwas zerknittertem aber offensichtlich intaktem Zustand zeigen, wes-

halb auch keine Hinweise für einen Austausch bestehen. Dies deckt sich mit der 

Aussage des  Polizeibeamten  E._____,  wonach  er  am  Gepäcklabel  nichts  Unge-

wöhnliches festgestellt habe (Urk. 3 F/A 9). Der Hinweis der Verteidigung auf die 

Möglichkeit, das Gepäcklabel selbst auszudrucken und anzukleben (Urk. 55 S. 5), 

überzeugt  nur  schon  deshalb  nicht,  weil  hierzu  die  Buchungsinformationen  nötig 

wären.

Auszuschliessen ist auch, dass die Betäubungsmittel ohne das Wissen des 

Beschuldigten in dessen Koffer versteckt wurden, was der Beschuldigte vor Vor-

instanz als Möglichkeit ins Spiel brachte (Prot. I S. 13). Denn zunächst war der Kof-

fer mit dem Vorhängeschloss abgeschlossen, dessen Schlüssel der Beschuldigte 

auf sich trug. Sodann war der Koffer mit einer Plastikfolie umwickelt, die ein allfälli-

ger Übeltäter – wie später auch der Polizeibeamte E._____ (Urk. 3 F/A 7) – hätte 

aufschneiden  müssen.  Ferner  hätte  der  Übeltäter  diesfalls  den  Koffer  innert  be-

schränkter  Zeit  mit  zwei  doppelten  Böden  versehen  müssen.  Wohlgemerkt  hatte 

der  Beschuldigte  seinen  Koffer  gemäss  dem  Beleg  von  "F._____"  noch  um  ca. 

17:29 Uhr einwickeln lassen, dannzumal also noch nicht eingecheckt, während der 

planmässige Abflug um 19:20 Uhr war (Urk. 10). Einem nach dem Check-in war-

tenden Übeltäter wäre daher nur ein beschränktes Zeitfenster zur Verfügung ge-

-   19   -

standen. Zudem hätte dieser ohne ersichtlichen Grund auch die Kleider des Be-

schuldigten durch andere Kleider ausgetauscht.

Ferner überzeugt die Darstellung des Beschuldigten zum Zweck seiner Reise 

nach Indien nicht: Er habe nach C._____ [Indien] fliegen wollen, um es kennenzu-

lernen bzw. für Tourismus, vielleicht auch um zu Arbeiten (Urk. 2/1 F/A 61; Urk. 2/2 

F/A 9). Andere Fernreisen in weit entfernte Länder habe er keine gemacht (Prot. II 

S. 11).  Auf  die  Frage,  was  er  in  Indien  habe  sehen  wollen,  gab  er  den  "Ganges 

Fluss und vieles anderes" an (Urk. 2/2 F/A 10). Spezifizieren konnte er seine Pläne 

auf Nachfrage nicht (Urk. 2/2 F/A 11). Er habe vielleicht eine Woche dort bleiben 

wollen, bis er einen Arbeitsvertrag hätte finden können (Urk. 2/1 F/A 62; Urk. 2/2 

F/A 12). Die indischen Vorschriften für eine allfällige Arbeitsaufnahme habe er nicht 

abgeklärt (Urk. 2/2 F/A 14). Auf die Fragen, wo er übernachtet hätte, wie die Reise 

gebucht worden sei und was er nach der ersten Woche getan hätte, verweigerte er 

die Aussage (Urk. 2/1 F/A 65; Urk. 2/2 F/A 13). Wie er seine Reise nach C._____ 

[Indien]  finanziert  habe,  wollte  der  Beschuldigte  zunächst  nicht  sagen  (Urk. 2/2 

F/A 22). Vor Vorinstanz gab er dann an, die Reise selbst von einem Arbeitserwerb 

bezahlt zu haben (Prot. I S. 12). Die bei ihm gefundenen USD 500.– gehörten ihm 

(Urk. 2/1 F/A 75; Urk. 2/2 F/A 15-16). Sodann gab er an, Kinder und Enkelkinder 

zu haben (Prot. I S. 8; Prot. II S. 7, 10). Er arbeite als Schweisser im Bau sowie im 

Schiffsbau und schlage sich mit allen möglichen Gelegenheitsjobs durch (Urk. 2/1 

F/A 19; Urk. 2/2 F/A 17; Prot. I S. 7). Auf die Frage, ob es zum Leben reiche bzw. 

es ausreichend oder eher knapp sei, sagte er, er lebe mit Schwierigkeiten (Urk. 2/1 

F/A 20). Vermögen habe er keines, vorbehältlich eines Eigenheims, auf dem keine 

Hypothek laste, mit einem Wert von ca. USD 20'000.–. Schulden habe er im Betrag 

von USD 3'500.– (Urk. 2/2 F/A 21; Prot. I S. 8 f.; Prot. II S. 8). Sein durchschnittli-

ches Einkommen liege bei UYU 60'000.– (entspricht ca. CHF 1'200.–; Prot. I S. 7; 

Prot. II  S. 7).  Wenn  er  in  einem  Kreuzfahrtschiff  arbeite,  verdiene  er  zwischen 

USD 4'000-6'000.– pro Monat (Urk. 2/2 F/A 18). Rund drei Monate vor dem Flug 

nach Zürich habe er einen Arbeitsunfall mit der Hand gehabt, aufgrund dessen er 

in letzter Zeit nicht mehr habe arbeiten können (Urk. 2/2 F/A 19; Prot. II S. 7). Er 

benötige ärztliche Unterstützung für die Behandlung seiner Hand, seine Kranken-

versicherung  decke  aber  die  Kosten  nicht  (Prot. I  S. 10;  Prot. II  S. 9).  Wegen 

-   20   -

schlechter medizinischer Behandlung in Uruguay habe er Probleme bzw. sei er ver-

stümmelt und müsse daher behandelt werden (Prot. II S. 9). Gemäss den Ausfüh-

rungen der Verteidigung habe es sich um einen schlimmen Arbeitsunfall gehandelt. 

Aufgrund dessen sei die Hand zweimal in Uruguay operiert worden. Dies sei aller-

dings nicht fachmännisch geschehen bzw. habe zu einem Operationsfehler und zu 

Komplikationen geführt. Deswegen müsse ein Rechtsstreit in Uruguay geführt wer-

den  (Urk. 32  S. 3,  10).  Zudem  erwähnt  die  Verteidigung  massive  Zahnprobleme 

(Urk. 32 S. 10) und bemerkt auch der Beschuldigte selbst, er brauche einen Zahn- 

sowie einen Augenarzt (Prot. II S. 10). Angesichts dieser finanziellen und persönli-

chen Ausgangslage erscheint es unwahrscheinlich, dass sich der Beschuldigte an-

fangs März 2024 (die Flugtickets wurden am 11. März 2024 und das Visum für In-

dien am 9. März 2024 ausgestellt [Urk. 10-11]) entschieden haben könnte, sich et-

was  Gutes  zu  tun  und  Ferien  in  Indien  zu  buchen  (so  aber  die  Verteidigung  in 

Urk. 32  S. 2;  Urk. 55  S. 3)  und/oder  Arbeit  in  Indien  zu  suchen.  Allfällige  Ferien-

pläne hätten für ihn angesichts seiner finanziellen Verhältnisse eine substanzielle 

finanzielle  Belastung  dargestellt.  Allein  die  Flugtickets  kosteten  USD 1'950.– 

(Urk. 10), zudem trug er USD 500.– auf sich (Urk. 15/5). Solche nicht notwendigen 

Ausgaben hätte der Beschuldigte angesichts seiner gesundheitlichen Komplikatio-

nen und der daraus resultierenden arbeitsmässigen und juristischen Herausforde-

rungen wohl zurückgestellt. Nebenbei bemerkt reiste er noch mit dem Autobus – 

und nicht mit dem notorisch teureren Flugzeug – nach Brasilien ein (Urk. 8; Prot. II 

S. 11). Hinzu kommt, dass er kein besonderes Wissen über bzw. Interesse an In-

dien offenbarte und anlässlich seiner Befragung lediglich den Ganges benennen 

konnte. Auch dass er Fotos von Sehenswürdigkeiten in Indien mit sich führte und 

ein Hotel gebucht hatte, spricht entgegen der Verteidigung (Urk. 55 S. 4) nicht für 

eine Touristeneigenschaft. Denn auch eine im internationalen Drogenhandel aktive 

Person benötigt eine Unterkunft und mag ihren Aufenthalt im Ausland mit der Be-

sichtigung  von  Sehenswürdigkeiten  verbinden  oder  sich  zur  Tarnung  als  Tourist 

ausgeben. Überdies erscheint es unwahrscheinlich, dass er sich in dieser Situation 

auf das Wagnis einer Arbeitssuche in Indien eingelassen haben könnte. Hiergegen 

spricht  auch,  dass  nur  ein  Hotel  für  rund  eine  Woche  gebucht  war  (Urk. 9),  der 

Rückflug am tt. März 2024 schon gebucht war (Urk. 10), er nur ein Touristen- und 

-   21   -

kein  Arbeitsvisum  hatte  (Urk. 11)  und  er  dadurch  sowohl  seine  Familie  und  sein 

Eigenheim als auch den von ihm angeblich zu führenden Rechtsstreit zurückgelas-

sen hätte. Unabhängig von diesen Herausforderungen erscheint völlig unklar, wie 

ein gemäss eigener Aussage kurz vor der Pensionierung stehender (Prot. I S. 10; 

Prot. II S. 10) Gelegenheitsarbeiter aus Uruguay, der gemäss seinen Pässen (ab-

gesehen  von  seinem  Heimatland  und  seiner  Einreise  nach  Brasilien)  in  jüngerer 

Vergangenheit lediglich in den USA, Mexico und auf den Bahamas (Urk. 14/3) war, 

namentlich weil er auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet habe (Urk. 32 S. 2), sowie ge-

mäss eigener Aussage einmal in Deutschland gewesen sein soll (Prot. I S. 18), auf 

die Idee kommen sollte, Arbeit in Indien zu suchen, einem Land mit fremder Spra-

che  und  Kultur,  zumal  mit  der  Staatsanwaltschaft  (Urk. 31  S. 3)  nicht  von  einer 

grossen Nachfrage nach Gelegenheitsarbeitern in Indien auszugehen ist.

2.4.5.  Am Gesagten ändert nichts, dass die im Innenbereich des Koffers bzw. ab 

dem  Verpackungsmaterial  der  Betäubungsmittel  gesicherten  DNA-Spuren  nicht 

dem  Beschuldigten  zugeordnet  werden  konnten  (Urk. 32  S. 6;  Urk. 55  S. 4).  Die 

Anklage wirft dem Beschuldigten auch nicht vor, die Betäubungsmittel in den Koffer 

eingebaut zu haben, sondern lediglich, diese in seinem Gepäck mitgeführt bzw. in 

die Schweiz eingeführt zu haben (Urk. 21 S. 2). Gestützt auf die Aussagen des Be-

schuldigten namentlich zu seinen persönlichen und finanziellen Verhältnissen und 

die  aufgefundenen  Reisedokumente  ist  davon  auszugehen,  dass  er  für  andere 

Drahtzieher handelte, die ihm die Reise organisierten. Insbesondere sind die Bu-

chungsbestätigungen  auf Portugiesisch  und  nicht  –  wie  beim uruguayischen Be-

schuldigten  hätte  erwartet  werden  können  –  auf  Spanisch  abgefasst  (Urk. 9-10) 

und dürfte die Flugbuchung am 11. März 2024 von oder für eine Agentur in B._____ 

[Brasilien]  ausgestellt  worden  sein  ("G._____"  [Agentur]),  während  der  Beschul-

digte gemäss Vorregistration der brasilianischen Bundespolizei erst am 12. März 

2024  nach  Brasilien  einreiste  (Urk. 8).  Der  Umstand,  dass  die  auf  dem  Verpa-

ckungsmaterial gesicherten DNA-Spuren nicht dem Beschuldigten zugeordnet wer-

den konnten, korrespondiert mit der Tatsache, dass Drogenkuriere üblicherweise 

nichts mit dem Verpacken und Einbauen der Betäubungsmitteln in die Koffer zu tun 

haben und mit diesen daher auch nicht in Berührung kommen. Es spielt daher für 

die  vorliegende  Sachverhaltserstellung  keine  Rolle,  ob  der  Beschuldigte  mit  den 

-   22   -

Betäubungsmitteln direkt in Kontakt gekommen ist. Überdies deutet auch die Aus-

sage  des  Beschuldigten  anlässlich  der  heutigen  Berufungsverhandlung,  er  habe 

nicht gewusst, welche Art Kleider im Koffer waren, man habe ihm gesagt, alle seine 

Kleider seien drin, also Schuhe, Hose, solche Sachen (Prot. II S. 12), darauf hin, 

dass er einen bereits präparierten Koffer transportiert hat.

2.4.6.  Angesichts  der  aufgezeigten  belastenden  Beweiselemente  durfte  im  Sinn 

der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  vom  Beschuldigten  vernünftigerweise 

eine Erklärung dazu erwartet werden, weshalb in einem auf seinen Namen einge-

checkten Reisekoffer eine grosse Menge an Betäubungsmitteln vorgefunden wer-

den  konnte.  Mit  seinen  Aussagen,  die  in  wesentlichen  Teilen  ausweichend  bzw. 

wenig spezifisch (Möglichkeit einer Vertauschung bzw. Manipulation) und/oder un-

plausibel (Zweck der Reise) ausfielen, konnte er die gegen ihn sprechenden belas-

tenden Indizien nicht entkräften. In Ermangelung einer einleuchtenden Erklärung 

für sein fragwürdiges Reiseverhalten sowie für die Geschichte rund um den Koffer, 

in welchem die Betäubungsmittel versteckt vorgefunden wurden, ist deshalb im Ein-

klang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf die belastenden Indizien ab-

zustellen. Mithin ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass es sich beim sicherge-

stellten Koffer um den Koffer des Beschuldigten handelt bzw. denjenigen, den der 

Beschuldigte eincheckte. Vor diesem Hintergrund ist es wohl zu sehen, wenn der 

Beschuldigte auch folgende Aussagen machte: "Ich wusste nicht, dass sich in mei-

nem Koffer irgendwelche Substanzen befanden" (Urk. 2/1 F/A 6) bzw. "Es tut mir 

leid, dass bei mir Drogen gefunden wurden" (Prot. I S. 12). Im Übrigen ist es ange-

sichts dieser klaren Beweislage nicht zu beanstanden, dass die Strafverfolgungs-

behörden keine Videoaufnahmen vom Flughafen in B._____ [Brasilien] sichteten 

oder während des Check-in anwesende Personen befragten bzw. weitere Abklä-

rungen in Brasilien trafen (Urk. 32 S. 3, 7; Urk. 55 S. 5). Ohnehin sind keine dies-

bezüglichen Beweisanträge des Beschuldigten aktenkundig.

2.4.7.  In subjektiver Hinsicht ist vorab festzuhalten, dass ein Reisender grundsätz-

lich für den Inhalt seines Gepäcks verantwortlich und daher davon auszugehen ist, 

dass er weiss, was sich in seinen Gepäckstücken befindet. Selbst wenn der Be-

schuldigte geltend machen würde, er habe den Koffer auftragsgemäss transportie-

-   23   -

ren müssen, ohne dessen genauen Inhalt zu kennen (Urk. 32 S. 8; Urk. 55 S. 7), 

hätten die Umstände der Reise, insbesondere die weite Reise von B._____ [Brasi-

lien]  via  Zürich  nach  C._____  [Indien]  mit  Rückflug  über  H._____  [Deutschland] 

(Urk. 10) und die Planung der Flüge und Übernachtungen durch die Auftraggeber 

dem Beschuldigten genug Warnung sein müssen. Es ist allgemein bekannt, dass 

sich namentlich südamerikanische Akteure Drogenkurieren bedienen, um Betäu-

bungsmittel  per  Linienflug  in  Absatzmärkte  zu  bringen.  Im  Übrigen  ist  überhaupt 

nicht ersichtlich, welcher sonstige Anlass für den Beschuldigten bestanden hätte, 

einen  Koffer  auf  Aufforderung  eines  Dritten  zu  befördern,  ohne  dessen  genauen 

Inhalt zu kennen. Zwar kann gestützt auf die verfügbaren Beweismittel nicht erstellt 

werden, dass der Beschuldigte wusste, dass er insgesamt 7.319 kg reines Kokain 

(bzw.  8.306kg  Kokaingemisch;  Urk. 13/7)  mit  sich  führte  bzw.  mag  er  überhaupt 

nicht  gewusst  haben,  wie  viel  Gramm  Betäubungsmittel  sich  im  Koffer  befanden 

(Urk. 32 S. 8; Urk. 55 S. 6 f.). Aufgrund des Gewichts des Koffers, das bei der Wä-

gung durch die Polizei 20.992kg betrug (Urk. 2/1, Beilagen, Foto 1), aber auch be-

reits  angesichts  der  organisatorischen  Vorkehrungen  musste  ihm  bewusst  sein, 

dass  sich  darin  eine  grosse  Menge  an  Betäubungsmitteln  befand.  Dass  es  sich 

dabei um Kokain und nicht um eine allenfalls weniger gesundheitsgefährdende Art 

von Betäubungsmitteln handelte, lag aufgrund des südamerikanischen Abflugorts 

auf der Hand. Mithin hätte ihm jedenfalls angesichts der gesamten Umstände klar 

sein sollen, dass die von ihm mitgeführte Menge nicht nur deutlich über 18 Gramm 

lag, sondern gar im Kilobereich, und somit klar für eine qualifizierte Tatbegehung 

gemäss Art. 19 Abs. 2 BetmG ausreicht. Mit Blick auf die Gesamtheit der erstellten 

Indizien bestehen keine vernünftigen Zweifel daran, dass der Beschuldigte es zu-

mindest für möglich hielt, auf seiner Reise in seinem Koffer Kokain im Mehrkilobe-

reich zu transportieren.

3.

Rechtliche Würdigung

3.1. Die  Vorinstanz  sprach  den  Beschuldigten  wegen  Verbrechens  gegen  das 

Betäubungsmittelgesetz i.S.v. Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a 

BetmG schuldig. Damit nahm sie eine zutreffende rechtliche Würdigung des Sach-

verhalts vor, die keiner Ergänzungen bedarf (Urk. 41 E. III). Mit der Vorinstanz (vgl. 

-   24   -

Urk. 41 E. III.2.2) ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte zumindest eventu-

alvorsätzlich handelte.

3.2. Da  keine  Rechtfertigungsgründe  und  Schuldausschlussgründe  ersichtlich 

sind,  ist  der  Beschuldigte  des  Verbrechens  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz 

i.S.v. Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig zu spre-

chen.

1.

Strafrahmen

IV.  Strafzumessung

Der  Strafrahmen  für  Verbrechen  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  i.S.v. 

Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG erstreckt sich von Frei-

heitsstrafe nicht unter 1 Jahr bis zu 20 Jahren (Art. 19 Abs. 2 BetmG i.V.m. Art. 40 

Abs. 2 StGB). Strafmilderungsgründe i.S.v. Art. 48 StGB, die ein Öffnen des Straf-

rahmens gegen unten oder eine Änderung hin zu einer milderen Sanktionsart er-

lauben würden, sind mit der Vorinstanz (Urk. 41 E. IV.1.2) nicht zu erkennen.

2.

Tatkomponente

2.1. Die Vorinstanz hat die Grundlagen zur Tatkomponente zutreffend dargelegt 

(Urk. 41 E. IV.2.1-2.3). Ergänzend sei mit Blick auf den vorliegenden Fall eines qua-

lifizierten Betäubungsmitteldelikts auf Folgendes hingewiesen: Grundsätzlich dür-

fen in Nachachtung des Doppelverwertungsgebots Umstände, die zur Anwendung 

eines höheren oder tieferen Strafrahmens führen, innerhalb des geänderten Straf-

rahmens  nicht  noch  einmal  als  Straferhöhungs-  oder  Strafminderungsgrund  be-

rücksichtigt werden. Allerdings ist das Gericht nicht gehindert bzw. es ist gar ver-

pflichtet, zu berücksichtigen, in welchem Ausmass ein qualifizierender oder privile-

gierender Tatumstand gegeben ist. Das Gericht verfeinert damit die Wertung, die 

der Gesetzgeber mit der Festsetzung des Strafrahmens vorgezeichnet hat (BGE 

120 IV 67 E. 2b; Urteil des Bundesgerichtes 6B_651/2018 vom 17. Oktober 2018 

E. 7.4). Bei qualifizierten Betäubungsmitteldelikten nach Art. 19 Abs. 2 BetmG ist 

für  die  Festsetzung  der  Strafe  innerhalb  des  erhöhten  Strafrahmens  von  Bedeu-

tung, in welchem Ausmass der Täter eine abstrakte Gefahr für die Gesundheit vie-

-   25   -

ler Menschen geschaffen hat. Ausgangspunkt der Verschuldensbewertung bei Be-

täubungsmitteldelikten bildet entsprechend der Grad der Gefährlichkeit der Droge, 

die Drogenmenge und deren Reinheitsgrad, ergeben sich daraus doch die wesent-

lichen Anhaltspunkte für das Ausmass des Verschuldens und damit die im Einzelfall 

erzielte  Gefährdung.  Somit  ist  die  Betäubungsmittelmenge  ein  wichtiger  Strafzu-

messungsfaktor, aber bei weitem nicht der einzige. Neben der Menge und der dar-

aus folgenden Gesundheitsgefährdung sind weitere Faktoren wie die Art und Weise 

der Tatbegehung, die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und die Be-

weggründe für sein Handeln zu berücksichtigen (BGE 118 IV 342 E. 2b-2c).

2.2.

In objektiver Hinsicht führte der Beschuldigte 7.319 kg reines Kokain in die 

Schweiz ein, in der Absicht, dieses weiter nach C._____ [Indien] zu transportieren 

und dort an unbekannte Dritte abzuliefern. Kokain ist eine hochgefährliche Droge, 

welche  bereits  in  kurzer  Zeit  zu  einer  grossen  psychischen  Abhängigkeit  führen 

kann, die wahrscheinlich grösser ist als bei jeder anderen Droge. Zudem birgt der 

regelmässige Kokainkonsum schwere Risiken für die körperliche und psychische 

Gesundheit (Urteil des Bundesgerichtes 6B_1405/2022 vom 5. April 2023 E. 3.3; 

HUG-BEELI,  Betäubungsmittelgesetz  Kommentar,  2016,  Art. 2  N 254 ff.,  295 ff.; 

OFK BetmG-SCHLEGEL/JUCKER, Art. 2 BetmG N 29). Entsprechend ist gemäss bun-

desgerichtlicher Rechtsprechung davon auszugehen, dass bereits eine Menge von 

18g Reinsubstanz genügt, um die Gesundheit vieler Menschen, also von mindes-

tens 20 Personen, zu gefährden (statt vieler BGE 150 IV 213 E. 1.4). Die vom Be-

schuldigten transportierte Menge von 7.319 kg Reinsubstanz überschreitet diesen 

Grenzwert um rund das 400-fache. Das transportierte Kokain hatte zudem einen 

erheblichen Reinheitsgehalt von zwischen 82.2% bis 89.1% (Urk. 13/7). Es handelt 

sich  um  eine  Menge,  die  sehr  viele  Menschen  gefährdet  hätte,  wenn  sie  in  den 

Handel  gelangt  wäre.  Diese  Umstände  wirken  sich  erheblich  verschuldenserhö-

hend aus. Gestützt auf die in der Praxis gebräuchliche und vorliegend im Sinn einer 

Orientierungshilfe  heranzuziehenden  Vergleichstabelle 

(vgl.  OFK  BetmG-

SCHLEGEL/JUCKER, Art. 47 StGB N 45; Urteile des Bundesgerichtes 6B_355/2021 

vom  22. März  2023  E. 4.4.2;  6B_1332/2021  vom  10. Januar  2023  E. 2.4; 

6B_81/2021  vom  10. Mai  2021  E.  4.2;  6B_858/2016  vom  16. März  2017  E. 3.2) 

-   26   -

würde eine Einsatzstrafe im Bereich von etwa 82 Monaten Freiheitsstrafe als an-

gemessen erscheinen.

Zu Gunsten des Beschuldigten ist mit der Vorinstanz (Urk. 41 E. IV.2.2.6) zu 

berücksichtigen,  dass  dessen  hierarchische  Stellung  gestützt  auf  den  erstellten 

Sachverhalt als diejenige eines Drogenkuriers zu qualifizieren ist. Mithin ist davon 

auszugehen, dass er eine eher tiefe Position in der Drogenhandelshierarchie ein-

nahm  und  keine  massgeblichen  Entscheidungsbefugnisse  insbesondere  betref-

fend Art, Menge und Reinheit der zu transportierenden Betäubungsmittel innehatte. 

Er musste den von einer Drittperson präparierten Koffer nur übernehmen und als 

Reisegepäck  mit  sich  führen.  Der  Vorinstanz  ist  aber  zuzustimmen  (Urk. 41 

E. IV.2.2.6), dass die Funktion des Beschuldigten auch nicht bagatellisiert werden 

darf, da Drogenkuriere für den überkontinentalen Drogenhandel unabdingbar sind 

(vgl. auch OFK BetmG-SCHLEGEL/JUCKER, Art. 47 StGB N 32, mit der Einstufung 

von Transporten über grosse Strecken auf Hierachiestufe drei von fünf). Das ob-

jektive  Tatverschulden  ist  nach  dem  Gesagten  als  keinesfalls  leicht  einzustufen. 

Angesichts der eher tiefen Hierarchiestufe ist immerhin eine Reduktion der besag-

ten Einsatzstrafe um knapp einen Fünftel auf 66 Monate angemessen.

Demgegenüber wirkt sich nicht verschuldensmindernd aus, dass es sich um 

einen einmaligen Transport handelte bzw. dem Beschuldigten keine weitergehende 

Involvierung in den transatlantischen Kokainhandel vorgeworfen wird. Denn auch 

ein  einmaliger  Transport  erfüllt  den  Tatbestand,  wohingegen  mehrere  separate 

Transporte zusätzlich verschuldenserhöhend zu berücksichtigen gewesen wären. 

Darüber  hinaus  ist  notorisch,  dass  im  Rahmen  des  internationalen  Drogentrans-

ports eine einmalige Kuriertätigkeit der Normalfall ist (vgl. Urteile des Obergerichtes 

ZH  SB240244  vom  12. November  2024  E. IV.2.1;  SB230036  vom  12. Mai  2023 

E. III.2.1; SB190218 vom 3. Dezember 2019 E. 2.3).

2.3.

In  subjektiver  Hinsicht  ist  mit  der  Verteidigung  (Urk. 32  S. 8 f.;  Urk. 55 

S. 6 ff.) davon auszugehen, dass der Beschuldigte nicht genau wusste, was und 

vor allem welche Menge und Qualität im Koffer verbaut war. Denn an den Verpa-

ckungen fanden sich gerade keine Spuren des Beschuldigten. Mithin ist davon aus-

zugehen,  dass  er  nicht  direktvorsätzlich,  sondern  eventualvorsätzlich  handelte. 

-   27   -

Wird die Verwirklichung eines Delikts in Kauf genommen, so bedeutet dies aller-

dings nicht, dass damit auch sämtliche Modalitäten dieses Delikts automatisch mit 

in Kauf genommen werden. Vielmehr ist diesbezüglich zu prüfen, was in der Vor-

stellungskraft  eines  Beschuldigten  lag,  insbesondere  wenn an  einem  Delikt  bzw. 

einer Deliktsserie mehrere Mittäter beteiligt waren und der Beschuldigte im Rah-

men des strafbaren Verhaltens der Gruppe nicht für alle Tatbeiträge selber verant-

wortlich war. Bei der transportierten Menge Kokain von 7.319 kg Reinsubstanz han-

delt es sich um eine ausserordentlich grosse Menge. Entsprechend liegt es nahe, 

dass auch der Beschuldigte von der effektiv transportierten Menge letztlich über-

rascht war, zumal das Fehlen seiner DNA-Spuren im Koffer sowie seine Aussage 

an der heutigen Berufungsverhandlung, wonach man ihm gesagt habe, alle seine 

Kleider seien darin (Prot. II S. 12), indizieren, dass er den Innenbereich des Koffers 

nie zu Gesicht bekam und davon ausging, darin befänden sich auch andere Ob-

jekte, die einen Teil des Koffergewichts ausmachten. Die vorinstanzlich angestell-

ten Überlegungen bezüglich des Planungsaufwands, des Gewicht des Koffers so-

wie der für seine Reise getätigten Auslagen (Urk. 41 E. IV.2.3.2) sind zwar durch-

aus einschlägig, dürfen aber nicht in diesem Sinne überinterpretiert werden, dass 

dem Beschuldigten auf diesem Weg eine kilogrammgenaue Bestimmung der Ware 

möglich war. Zu seinen Gunsten ist deshalb davon auszugehen, dass er zwar mit 

einem  Transport  von  Kokain  im  Mehrkilobereich,  nicht  aber  einer  derart  grossen 

Menge  rechnen  musste.  Diese  nicht  ganz  typische  subjektive  Komponente  des 

Falls ist strafreduzierend zu berücksichtigen.

Der Beschuldigte hat sich nicht zu seinem Motiv geäussert. Auf eine Sucht 

war  seine  Tat  nicht  zurückzuführen.  Denn  er  verneinte,  Drogen  zu  konsumieren 

(Urk. 2/1 F/A 58; Urk. 2/2 F/A 6; Prot. I S. 16). Es ist davon auszugehen, dass er 

aus finanziellen Motiven handelte, weil notorisch ist, dass Drogenkuriere auch ent-

lohnt  werden.  In  einer  persönlichen  Notlage  befand  sich  der  Beschuldigte  nicht, 

sagte er doch auf die Frage, ob es zum Leben reiche bzw. es ausreichend oder 

eher knapp sei, aus, dass er lebe, wenn auch mit Schwierigkeiten (Urk. 2/1 F/A 20; 

Prot. II S. 7). Er bewohne ein Eigenheim, auf dem keine Hypothek laste, mit einem 

Wert  von  ca.  USD 20'000.–,  obgleich  er  auch  Schulden  von  USD 3'500.–  habe 

(Urk. 2/2 F/A 21; Prot. I S. 8 f.; Prot. II S. 8). Das von ihm genannte durchschnittli-

-   28   -

che Einkommen von UYU 60'000.– entsprechend knapp CHF 1'200.– (Prot. I S. 7; 

Prot. II S. 7) erscheint für uruguayische Verhältnisse nicht geringfügig und das Ein-

kommen,  wenn  er  in  einem  Kreuzfahrtschiff  arbeite,  von  USD 4'000-6'000.–  pro 

Monat (Urk. 2/2 F/A 18) sogar substanziell. Familiäre Unterstützungspflichten sind 

nicht  ersichtlich,  da  der  Beschuldigte  geschieden  ist  und  seine  Kinder  arbeiten 

(Prot. I S. 8; Prot. II S. 7). Hinzu kommt, dass der im Tatzeitpunkt 64 Jahre alte Be-

schuldigte gemäss eigener Aussage knapp ein Jahr vor der Pensionierung stand 

und  Aussicht  auf  eine  Altersrente  hatte  (Urk. 32  S. 10;  siehe  auch  Prot. I  S. 10; 

Prot. II S. 10). Zwar hatte der Beschuldigte rund drei Monate vor der Tat einen ihn 

bei seiner Arbeit einschränkenden Unfall mit der Hand, der ärztliche Behandlung 

und zwei Operationen nötig machte, die wiederum Komplikationen nach sich zogen 

(Urk. 2/2 F/A 19; Prot. I S. 10; Urk. 32 S. 3, 10; Prot. II S. 7, 9; siehe zum Ganzen 

schon vorne E. III.2.4.4). Dass diese Ereignisse ihn geradezu in eine persönliche 

Notlage gestürzt hätten, macht der Beschuldigte aber nicht geltend und ist ange-

sichts seiner Verhältnisse (Eigenheim; bevorstehende Pensionierung) auch nicht 

ersichtlich. Schliesslich ist der Vorinstanz zuzustimmen (Urk. 41 E. IV.2.3.3), dass 

in den Akten bzw. Aussagen des Beschuldigten nichts darauf hindeutet, dass auf 

ihn Zwang bzw. Druck ausgeübt worden bzw. er Opfer einer Drogenhandelsorga-

nisation geworden wäre (so aber die Verteidigung in Urk. 32 S. 9; Urk. 55 S. 8 f.). 

Auch an der heutigen Berufungsverhandlung hat er nichts in diese Richtung wei-

sendes ausgesagt. Mit der Vorinstanz (Urk. 41 E. IV.2.3.3) ist daher davon auszu-

gehen, dass er die Tat ausführte, um sein Einkommen aufzubessern.

Insgesamt wird das objektive Tatverschulden durch die subjektiven Tatkom-

ponenten nicht unerheblich relativiert und ist die Strafe um zwölf Monate auf 54 Mo-

nate  zu  reduzieren,  auch  wenn  immer  noch  von  einem  keinesfalls  leichten  Ver-

schulden auszugehen ist.

2.4.

In  Würdigung  sämtlicher  objektiver  und  subjektiver  Tatkomponenten  er-

scheint  –  unter  Berücksichtigung  des  weiten  Strafrahmens  –  eine  hypothetische 

Einsatzstrafe von 54 Monaten als angemessen.

-   29   -

3.

Täterkomponente

3.1.

Die Vorinstanz hat die Grundlagen zur Täterkomponente sowie das Vorle-

ben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten zutreffend zusammenge-

fasst  (Urk. 41  E. IV.3.1,  IV.3.2.1;  Urk. 2/1  F/A 15-28;  Urk. 2/2  F/A 17-21;  Prot. I 

S. 6 ff.; siehe zum Ganzen auch vorne E. III.2.4.4). Namentlich ist der Beschuldigte 

abgesehen vom vorliegenden Strafverfahren im schweizerischen Strafregister nicht 

verzeichnet (Urk. 50). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung gab der Be-

schuldigte zur Person insbesondere Folgendes an (Prot. II S. 6 ff.): Er sei 1960 ge-

boren worden, sei im Gefängnis 65 Jahre alt geworden und könne nun das Verfah-

ren für seine Pensionierung einleiten. Er habe in Uruguay die Primar- und eine tech-

nische Sekundarschule besucht, eine Berufsbildung als Schweisser und Schiffbau-

techniker genossen und sodann verschiedene Tätigkeiten mit Stahl ausgeübt. Vor-

strafen und anderweitige hängige Strafverfahren gebe es, auch im Ausland, keine. 

Gesundheitlich habe er, wie schon angesprochen, insbesondere mit der Hand Pro-

bleme.

3.2.

Mit der Vorinstanz (Urk. 41 E. IV.3.2.1) ergeben sich weder aus den per-

sönlichen  Verhältnissen  noch  dem  Nachtatverhalten  des  Beschuldigten  strafzu-

messungsrelevante Umstände. Insbesondere die Vorstrafenlosigkeit wirkt sich bei 

der Strafzumessung neutral aus und ist deshalb nicht strafmindernd zu berücksich-

tigen (BGE 136 IV 1 E. 2.6). Mit der Vorinstanz (Urk. 41 E. IV.3.2.2) ist zudem da-

von auszugehen, dass auch der Gesundheitszustand und das Alter des Beschul-

digten keine Strafminderung bedingen (entgegen der Ansicht der Verteidigung in 

Urk. 32 S. 9 f.; Urk. 55 S. 9). Eine erhöhte Strafempfindlichkeit des Täters kommt 

als  strafmindernder  Faktor  nur  bei  aussergewöhnlichen  Umständen  in  Betracht, 

wenn Abweichungen vom Grundsatz einer einheitlichen Leidempfindlichkeit gebo-

ten sind, wie etwa bei Gehirnverletzungen, Schwerkranken oder Taubstummen (Ur-

teile  des  Bundesgerichtes  7B_185/2022  vom  22. Dezember  2023  E. 2.3; 

6B_572/2010 vom 18. November 2010 E. 4.5; je m.w.H.). Solche Umstände sind 

hier nicht erkennbar. Zudem handelt es sich bei den gesundheitlichen Beschwer-

den des Beschuldigten nicht um Beeinträchtigungen, die auf die Haftbedingungen 

zurückzuführen  wären,  sondern  um  vorbestehende  Erkrankungen.  Die  Schwere 

-   30   -

des Verschuldens tritt auch aufgrund des – ohnehin nicht sonderlich hohen – Alters 

nicht  in  den  Hintergrund.  Schliesslich  ist  der  Beschuldigte  nicht  geständig  und 

zeigte trotz erdrückender Beweislage keinerlei Kooperation während der Strafun-

tersuchung. Dies ist selbstredend sein gutes Recht, schliesst aber eine Strafmin-

derung aus.

3.3.

Insgesamt ist die Strafe aufgrund der Täterkomponente nicht weiter zu re-

duzieren.

4.

Fazit

Im  Ergebnis  ist  der  Beschuldigte  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  54 Monaten, 

d.h.  4½  Jahren,  zu  bestrafen,  an  der  die  bis  heute  erstandenen  405 Tage 

Untersuchungshaft und vorzeitiger Strafvollzug anzurechnen sind (Art. 51 StGB).

V.  Vollzug

Ein  bedingter  bzw.  teilbedingter  Vollzug  scheidet  von  Gesetzes  wegen  aus 

(Art. 42 f. StGB). Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.

VI.  Landesverweisung

1.

Der  Beschuldigte  ist  Ausländer.  Mit  der  Verurteilung  wegen  eines  Verbre-

chens gegen das Betäubungsmittelgesetz i.S.v. Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG i.V.m. 

Art. 19  Abs. 2  lit. a  BetmG  wird  er  wegen  einer  Katalogtat  i.S.v.  Art. 66a  StGB 

(Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB) verurteilt. Deshalb ist obligatorisch eine Landesverwei-

sung  anzuordnen  (Art. 66a  Abs. 1 StGB). Davon  könnte  nur  abgesehen  werden, 

wenn die Landesverweisung für den Beschuldigten einen schweren persönlichen 

Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung 

gegenüber  den  privaten  Interessen  des  Ausländers  am  Verbleib  in  der  Schweiz 

nicht überwiegen würden (Art. 66a Abs. 2 StGB).

2. Mit der Vorinstanz (Urk 41 E. VI.2) ist festzuhalten, dass der Beschuldigte kei-

nen nennenswerten Bezug zur Schweiz hat. Insbesondere gab er an, keine Bezie-

hungen zur Schweiz zu haben und vor der Verhaftung noch nie hier gewesen zu 

-   31   -

sein (Prot. I S. 9; Prot. II S. 6). Damit stellt die Landesverweisung für ihn keine be-

sondere persönliche Härte dar, womit sich eine Interessenabwägung erübrigt. Oh-

nehin würde eine solche angesichts des überwiegenden Sicherheitsbedürfnisses 

zuungunsten des Beschuldigten ausfallen. Mithin ist die Landesverweisung anzu-

ordnen.

3.

Die Verteidigung beantragt im Eventualstandpunkt, der Beschuldigte sei für 

maximal  fünf  Jahre  des  Landes  zu  verweisen  (Urk. 32  S. 2;  Prot. II  S. 4;  Urk. 55 

S. 2). Der Beschuldigte führte eine erhebliche Menge an Betäubungsmitteln in die 

Schweiz ein. Er hat keinerlei Beziehungen zur Schweiz und wird durch die Landes-

verweisung in keinen berechtigten Interessen übermässig eingeschränkt, zumal die 

Verteidigung selbst geltend macht, er hege überhaupt nicht die Absicht, in naher 

Zukunft wieder in die  Schweiz  zurückzukommen (Urk. 32 S. 12). Demgegenüber 

ist das Fernhalteinteresse aufgrund der von ihm ausgehenden Gefährdung der öf-

fentlichen  Ordnung  und  Sicherheit  hoch.  Aufgrund  dessen  ist  die  von  der 

Vorinstanz angeordnete Dauer der Landesverweisung von 8 Jahren angemessen. 

4.

Die Vorinstanz hat die Grundlagen zur Ausschreibung im Schengener Infor-

mationssystem (SIS) im Wesentlichen richtig wiedergegeben und ihre Schlussfol-

gerungen zur Anordnung einer solchen Ausschreibung sind überzeugend (Urk. 41 

E. VI.4). Insbesondere ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass der Hinweis auf die 

vage  Möglichkeit  des  Beschuldigten,  künftig  wieder  auf  einem  Schiff  zu  arbeiten 

(Prot. I  S. 23),  nicht  nur  angesichts  der  Pensionierung  des  Beschuldigten  nicht 

stichhaltig ist, sondern auch nicht die vom – zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe 

zu verurteilenden – Beschuldigten ausgehende Gefahr für die öffentliche Sicherheit 

und Ordnung aufwiegt. Die Ausschreibung im SIS ist anzuordnen.

VII.  Sicherstellungen

1.

In  der  Berufungserklärung  ist  Dispositivziffer 6  des  vorinstanzlichen  Urteils 

betreffend Einziehung und Vernichtung der sichergestellten Betäubungsmittel und 

Behältnisse angefochten. Der Beschuldigte stellte allerdings keinen Antrag, wie mit 

den  sichergestellten  Betäubungsmitteln  und  Behältnissen  zu  verfahren  sei,  und 

-   32   -

begründete seine Berufung in diesem Punkt auch nicht näher. Das Gericht verfügt 

die Einziehung von Gegenständen, die namentlich zur Begehung einer Straftat ge-

dient  haben  oder  bestimmt  waren,  wenn  diese  Gegenstände  unter  anderem  die 

Sicherheit von Menschen oder die öffentliche Ordnung gefährden (Art. 69 Abs. 1 

StGB).  Das  Gericht  kann  anordnen,  dass  die  eingezogenen  Gegenstände  un-

brauchbar gemacht oder vernichtet werden (Art. 69 Abs. 2 StGB). Die sichergestell-

ten Betäubungsmittel und Behältnisse erfüllen diese Voraussetzungen ohne Wei-

teres. Das angefochtene Urteil ist in diesem Punkt zu bestätigen.

2.

Der  Beschuldigte  ficht  Dispositivziffer 8  des  vorinstanzlichen  Urteils  betref-

fend  die  Einziehung  und  Verwendung  der  beschlagnahmten  Barschaft  von 

USD 500.–  bzw.  CHF 420.–  an  und  beantragt,  diese  sei  ihm  zurückzugeben 

(Urk. 42  S. 2).  Die  Barschaft  wurde  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  vom 

28. Mai  2024  beschlagnahmt  (Urk. 15/7).  Es  ist  nicht  erstellt  und  wird  von  der 

Vorinstanz auch nicht ausgeführt, dass sie durch eine Straftat erlangt worden wäre 

oder dazu bestimmt war, eine solche zu veranlassen oder zu belohnen. Deshalb 

hat  keine  Einziehung  zu  erfolgen  (vgl.  Art. 70  Abs. 1  StGB).  Allerdings  ist  sie  in 

Anwendung von Art. 267 Abs. 3 i.V.m. Art. 268 Abs. 1 lit. a StPO – ohne vorgängige 

Einziehung – zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden.

VIII.  DNA-Profil

1.

Der  Beschuldigte  ficht  Dispositivziffer 9  des  vorinstanzlichen  Urteils  betref-

fend Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils an. Diese An-

ordnung gründete auf dem Antrag der Staatsanwaltschaft bezüglich Erstellung ei-

nes DNA-Profils i.S.v. Art. 257 StPO (Urk. 21 S. 3).

2.

Von der beschuldigten Person kann zur Aufklärung eines Verbrechens oder 

Vergehens  eine  Probe  genommen  und  ein  DNA-Profil  erstellt  werden  (Art. 255 

Abs. 1 lit. a StPO). Dies kann auch geschehen, wenn aufgrund konkreter Anhalts-

punkte anzunehmen ist, sie könnte weitere Verbrechen oder Vergehen begangen 

haben (Art. 255 Abs. 1bis StPO). Ferner kann das Gericht in seinem Urteil anord-

nen, dass von einer wegen eines Verbrechens oder Vergehens verurteilten Person 

-   33   -

eine Probe genommen und ein DNA‑Profil erstellt wird, wenn aufgrund konkreter 

Anhaltspunkte anzunehmen ist, die verurteilte Person könnte weitere Verbrechen 

oder Vergehen begehen (Art. 257 StPO). Art. 257 StPO ist nicht als Beschränkung 

von Art. 255 StPO in dem Sinn zu verstehen, dass das DNA-Profil einer verurteilten 

Person nach deren Verurteilung nur unter den Voraussetzungen von Art. 257 StPO 

im DNA-Profil-Informationssystem belassen werden darf. Während des laufenden 

Strafverfahrens rechtmässig abgenommene Proben müssen somit nicht etwa ge-

löscht werden, falls keine Anordnung auf Grund von Art. 257 StPO erfolgt. Art. 257 

StPO gelangt vor allem dann zur Anwendung, wenn im Strafverfahren, das zur Ver-

urteilung  führte,  kein  DNA-Profil  erstellt  wurde  (Urteil  des  Bundesgerichtes 

7B_119/2022  vom  21. August  2023  E. 3  m.w.H.).  Denn  wenn  die  Staatsanwalt-

schaft  gestützt  auf  Art. 255  StPO  ein  DNA-Profil  hat  erstellen  lassen  (sei  es  zur 

Aufklärung der Anlasstat, sei es zur Abklärung weiterer Delikte), bleibt dieses Profil 

im Falle einer Verurteilung im Informationssystem (nach Massgabe der anwendba-

ren Löschfrist nach Art. 16 f. des DNA-Profil-Gesetzes) und kann auch bei künfti-

gen Delikten verwendet werden. Art. 257 StPO greift also nur in den seltenen Fäl-

len, in denen weder die Aufklärung der Anlasstat ein DNA-Profil verlangt noch Hin-

weise darauf bestehen, dass die beschuldigte Person andere Delikte begangen ha-

ben  könnte  (Botschaft  zur  Änderung  der  Strafprozessordnung  vom  28. August 

2019, BBl 2019 6697 ff., 6754 f.; siehe auch BSK StPO-FRICKER/MAEDER, Art. 257 

N 7 f.; JOSITSCH/SCHMID, StPO Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 257 N 1).

3.

Vorliegend wurde im Rahmen der Untersuchung gestützt auf Art. 255 StPO 

ein DNA-Profil des Beschuldigten erstellt (Urk. 13/1), das für den Abgleich mit den 

im Kofferinneren aufgefundenen DNA-Spuren benötigt wurde (Urk. 13/10). Daher 

erübrigt sich die erneute Erstellung eines DNA-Profils. Das bereits erstellte DNA-

Profil bleibt bis zum Ablauf der anwendbaren Löschfrist im Informationssystem und 

kann  auch  bei  künftigen  Delikten  verwendet  werden.  Die  Berufung  ist  in  diesem 

Punkt gutzuheissen. Von der Anordnung der Abnahme einer erneuten DNA-Probe 

und der Erstellung eines zweiten DNA-Profils ist abzusehen.

-   34   -

IX.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Die  vorinstanzliche  Kostenfestsetzung  (Dispositivziffer 10  des  vorinstanzli-

chen Urteils) ist, wie eingangs dargelegt, in Rechtskraft erwachsen. Der Berufungs-

prozess brachte keine wesentlichen Änderungen des Urteils der Vorinstanz. Auch 

die  vorinstanzliche  Kostenverlegung  (Dispositivziffer 11  des  vorinstanzlichen  Ur-

teils) ist daher zu bestätigen.

2.

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Erwirkt eine Partei, die 

ein Rechtsmittel ergriffen hat, einen für sie günstigeren Entscheid, so können ihr 

die Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn der angefochtene Entscheid nur un-

wesentlich abgeändert wird (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). Der Beschuldigte unter-

liegt vollumfänglich mit seinen Anträgen auf Freispruch und Absehen von einer Lan-

desverweisung. Die von ihm erreichte Reduktion der Strafe bewegt sich innerhalb 

des Ermessensbereichs und führt nicht zu einer wesentlichen Abänderung des an-

gefochtenen  Urteils.  Vor  diesem  Hintergrund  rechtfertigt  es  sich,  ihm  die  Kosten 

des  Berufungsverfahrens,  mit  Ausnahme  derjenigen  der  amtlichen  Verteidigung, 

vollständig aufzuerlegen.

3.

Die  Gerichtsgebühr  ist  praxisgemäss  gestützt  auf  § 2  Abs. 1  lit. b,  c  und  d 

GebV OG sowie § 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 GebV OG auf CHF 3'600.– festzusetzen.

4.

Die  amtliche  Verteidigung  ist  gestützt  auf  die  eingereichte  Honorarnote 

(Urk. 54) für ihre Bemühungen und Auslagen im Berufungsverfahren unter leichter 

Kürzung des für die heutige Berufungsverhandlung veranschlagten Aufwands mit 

insgesamt CHF 8'000.– (inklusive MwSt. und Barauslagen) zu entschädigen. Die 

Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt des Rückforderungsrechts 

des  Staates  gegenüber  dem  Beschuldigten  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen 

(Art. 135 Abs. 4 StPO).

-   35   -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, I. Abteilung, 

vom 7. August 2024 bezüglich der Dispositivziffern 7 (Herausgabe von Ef-

fekten des Beschuldigten) und 10 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft er-

wachsen ist.

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig des Verbrechens gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in Verbindung 

mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 4½ Jahren Freiheitsstrafe, wovon 405 

Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvoll-

zug erstanden sind.

3.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für 8 Jahre 

des Landes verwiesen.

4.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufent-

haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.

5.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 28. Mai 

2024 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und sind nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die Kantonspolizei zu vernichten: 

-

-

2 Pakete mit Kokain, netto 6'296g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'498'663, BM Lager-Nummer B00515-2024)

1 Paar Herrenschuhe, Marke "Cavalera", schwarz, mit 2 Portionen Ko-

kain verbaut in Sohle, netto 466.6g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'511'585, BM Lager-Nummer B00515-2024)

-   36   -

-

-

-

1 Paar Turnschuhe, Marke "Nike Dunk Low", weiss, mit 2 Portionen 

Kokain verbaut in Sohle, netto 520.3g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'511'596, BM Lager-Nummer B00515-2024)

1 Paar Turnschuhe, Marke "Van of the Wall Ultra Range", grau, mit 

2 Portionen Kokain verbaut in Sohle, netto 501.2g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'511'609, BM Lager-Nummer B00515-2024)

1 Paar Turnschuhe, Marke "Nike Air Force", weiss, mit 2 Portionen Ko-

kain verbaut in Sohle, netto 522.6g, aus Reisekoffer 

(Asservaten Nr. A018'511'610, BM-Lager B00515-2024).

6.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 28. Mai 2024 be-

schlagnahmten USD 500.– bzw. CHF 420.– (Asservat-Nr. A018'481'715) 

werden zur Deckung der Verfahrenskosten des Beschuldigten verwendet.

7.

Von der Anordnung der erneuten Abnahme einer DNA-Probe und der Erstel-

lung eines DNA-Profils wird abgesehen.

8.

9.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 11) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

CHF

CHF

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

8'000.–   amtliche Verteidigung (inkl. 8,1 % MWST).

10. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der 

amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten 

der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die 

Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt 

vorbehalten.

11. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl

-   37   -





den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

das Migrationsamt des Kantons Zürich

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

das Bundesamt für Polizei 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an















die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, hinsichtlich Dispositivziffer 
5. (im Dispositiv)

die Kasse des Bezirksgerichts Bülach, hinsichtlich Dispositivziffer 6. (im 
Dispositiv)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

12. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

-   38   -

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 25. April 2025

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

Oberrichter lic. iur. Spiess

Dr. iur. Harisberger