# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c014e6f-0699-54d5-8af6-92112b12c300
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-09-19
**Language:** de
**Title:** Neuroborreliose: Kausalzusammenhang zwischen Zeckenstich und Beschwerden ist nicht erstellt
**Docket/Reference:** UV.2019.00007
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2019.00007.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2019.00007
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichterin Senn
Gerichtsschreiberin Schilling
Urteil
vom
1
9.
September 2019
in Sachen
EGK Grundversicherungen AG
Brislachstrasse
2, 4242 Laufen
Beschwerdeführerin
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
X.___
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
Die 1957 geborene
X.___
ist
seit August 2009
beim Volksschulamt des Kantons Zürich
, Abteilung Lehrpersonal,
als
Y.___
angestellt (
Urk.
7/A1
). Dadurch
ist
sie bei der Axa Versicherungen AG obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Schadenmeldung vom
9.
Okto
ber 2017
wurde der Unfallversicherung mitgeteilt, dass die Versicherte infolge eines
am 1
8.
Juni 2016 erlittenen
Zeckenstich
es im Kantonsspital
Z.___
är
ztlich behandelt worden sei (
Urk.
7/A1). Die AXA Versicherungen AG kam aufgrund ihrer Abklärungen zum Schlu
ss, dass zwischen dem Zeckenstich
und den Be
schwerden kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang bestehe,
und
verneinte mit Verfügung vom
1
4.
August 2018
einen Leistungsanspruch der Ver
sicherten (
Urk.
7/A12
).
Die von der EGK
Grundversicherungen AG
dagegen erho
bene Einsprache (
Urk.
7/A13) wies
der Unfallversicherer
mit Entscheid vom 3
0.
November 2018 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die EGK Grundversicherungen AG am 1
4.
Januar 2019 Beschwer
de mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuhe
ben
und es seien die aus dem Ereignis vom 1
8.
Juni 2016 resultierenden Behand
lung
en
als Folge eines Zeckenstich
es
von der Beschwerdegegnerin nach UVG zu übernehmen. Eventualiter sei der Fall an die Beschwerdegegnerin zur Einholung
eines Gutachtens zurückzuweisen (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom 20. Febru
ar
2019 beantragte die AXA Versicherungen AG die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der EGK Grundversicherungen AG am 2
2.
Februar 2019
unter gleich
zeitiger Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Innert Frist reichte die Beschwerdeführerin keine Replik ein.
Mit Verfügung vom
4.
April 2019 wurde
X.___
zum Prozess beige
laden (
Urk.
11).
Sie reichte innert Frist keine Stellungnahme
ein
. Davon wurden die Parteien mit Verfügung vom
5.
Juni 2019 in Kenntnis gesetzt
(
Urk.
13
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch den
Einspracheentscheid
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Entsprechend dem Grundsatz der Einheit des Verfahrens dürfen an die Beschwerdebefugnis auf kantonaler Ebene nicht strengere Anforderungen gestellt werden, als sie Art. 89 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über das Bundesgericht (BGG)
für die Legitimation im Verfahren vor dem Bundesgericht vorsieht. Wer im letzt
instanzlichen Verfahren beschwerdebefugt ist, muss mithin im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren ebenfalls zum Weiterzug berechtigt sein. Daher sind die mit
dieser Bestimmung gesetzten bundesrechtlichen Massstäbe sowie die hierzu ergan
gene Praxis auch für das kantonale Rechtsmittelverfahren richtungweisend (BGE 131 V 298 E. 2; 130 V 560 E. 3.2). Namentlich ist der Begriff des schutzwür
digen Interesses gemäss Art. 59 ATSG gleich auszulegen wie derjenige nach Art. 89 Abs. 1
lit
. c BGG für das bundesrechtliche Beschwerdeverfahren (BGE 133 V 188 E. 4.1 mit Hinweis).
Die Beschwerdeführerin hat als
vorleistungspflichtiger
KVG-Versicherer
von
X.___
offensichtlich ein schutzwürdiges Interesse
an der Auf
hebung des angefochtenen Entscheides
. Entsprechend wu
rden ihr auch die Verfü
gung vom 14.
August 2018 u
nd der
Einspracheentscheid
vom 3
0.
November 2018
direkt zugestellt
(Urk.
7/A12 und 2)
.
1.2
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am 9. Nove
m
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 1
8.
Juni 2016 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.3
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrank
hei
ten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.4
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.5
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natür
lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise be
ziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusam
menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.6
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfall
fol
gen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausal
zusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.7
Nach der Recht
sprechung erfüllt der Zeckenstich
sämtliche Merkmale des Unfall
begriffs gemäss Art. 4 ATSG, wobei massgebend ist, ob aufgrund der fachärztli
chen
Stellungnahmen darauf geschlossen werden kann, dass im Zeitpunkt der vorhan
denen Versicherungsdeckung überwiegend wahrscheinlich von einem Zecken
stich
auszugehen ist, der die Gesundheitsschädigung bewirkt hat. Der erfolgte Kontakt
mit dem Borreliose-Erreger kann mit serologischen Untersu
chungen belegt wer
den
; indessen genügen diese nicht für den Schluss auf eine daraus entstandene Lyme-Borreliose. Deren Diagnose - gleich welchen Sta
diums
setzt ein entspre
chendes klinisches Beschwerdebild (Müdigkeit, Malaise, Kopf
schmerzen, Schlaf
störungen, Fieber, Arthralgien, Myalgien, Heiserkeit, Nausea, Erbrechen, Kon
junk
tivitis, Ge
wichtsverlust, Diarrhöe) und den Aus
schluss von Differentialdiag
nosen voraus, wobei je nach Krankheitsstadium ein pathologi
scher laborchemischer Test die Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhöhen kann. Ebenso hilfreich können bei rück
blickender Einschätzung der Verlauf und die Ergebnisse einer Therapie sein. Weitere Indizien sind denkbar (Urteil des Bun
desgerichts 8C_831/2016 vom 7. März 2017 E. 2.2 mit Hin
weisen).
Eine Neuroborreliose gilt als wahrscheinlich, wenn neben dem typischen klini
schen Bild Borrelien-spezifische
IgG
- und/oder IgM-Antikörper im Serum und ein positiver
Liquorbefund
mit
lymphozytärer
Pleozytose
, Blut/
Liquor
schranken
stö
rung
und/oder intrathekaler
Immunglobulinsynthese
vorhanden sind; zudem müssen
andere Ursachen für die Symptomatik ausge
schlossen werden können (Urteil des vormaligen Eidgenössischen Versiche
rungsgerichts U 77/05 vom 22. August 2005 E. 3.2 mit Verweis auf die Leitli
nien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Neuroborreliose der Wissen
schaftli
chen Medizinischen Fach
gesellschaften AWMF).
1
.8
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nach
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
stän
diger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht im angefochtenen Ent
scheid mit der Begründung, dass zwischen
dem Zeckenstich
vom Juni 2016 und
den von der Versicherten beklagten Beschwerden kein
überwiegend wahrschein
licher
Kausalzusammenhang bestehe.
Der erhöhte, zwischen 2016 und 2017 rückläufige Antikörperindex könne auf eine frühere Exposition
mit
Borrelien zurückgeführt werden, jedoch nicht auf eine solche im Juni 201
6.
Zum fraglichen Zeitpunkt habe bei einem erhöhten Antikörperindex ohne entzündliches
Liquor
syndrom
keine aktive Neuroborreliose vorgeleg
en
(
Urk.
2
, 6
).
2.2
Die Beschwerdeführerin
wandte dagegen
im Wesentlichen
ein
,
dass
der
Sachver
halt ungenügend abgeklärt
worden sei
. Auf die
Berichte ihres Vertrauensarztes
, welcher zum Schluss gekommen sei, es würden überwiegend wahrscheinlich Folgen eines Zeckenstiches vorliegen,
sei
die Beschwerdegegnerin gar
nicht ein
ge
gangen
(
Urk.
1)
.
2.3
Strei
tig und nachfolgend zu prüfen ist, ob
zwischen dem an und fü
r sich unbe
strittenen Zeckenstich
von Juni 2016 und den beklagten Beschwerden ein natür
licher Kausalzusammen
hang
besteht.
3.
3.1
Mit Austrittsbericht vom
3.
November 2016
diagnostizierte
n die Ärzte des
Kan
tons
spital
s
Z.___
eine Neuroborreliose (ED 30.09.2016) mit
lumboradikulärem
Schmerzsyndrom.
Sie notierten, d
ie Patientin sei vor rund drei Monaten von einer Zecke in das rechte Bein ge
stoch
en worden. Vor gut vier Wochen habe die be
troffene Extremität angefangen, schwer zu werden. Im Verlauf seien «Nerven
schmerzen» im selb
en Gebiet hinzugekommen. Am 22.
September
2016
sei eine Serologie abgenommen und eine Antibiotikatherapie
mit
Supracy
clin
100 mg
1-0-1 gestartet worden.
Am 28. September 2016 sei zum Ausschluss einer Neu
roborreliose eine Lumbalpunktion auf der Notfallstation
durchgeführt worden
. Bei hochpositivem Befund in der Liquordiagnostik sei am
1.
Oktober
2016
die stationäre Aufnahme zur intravenösen Antibiotikatherapie mit
Ceftriaxon
erfolgt
.
Der
zentral
neurologische Status
sei
unauffällig
gewesen
;
zu keiner Zeit
hätten
Hinweise auf eine Fazialisparese bestanden.
Peripherneurologisch
habe
ein ein
schiessender, elektrifizierender Schmerz L3-L5 und S1 bis S3 rechtes Bein
bestan
den
. Während
keine
Paraesthesien
erhoben worden seien, seien
zuletzt neuropa
thi
sche Schmerzen auch gürtelförmig unteres Abdomen und dorsal beidseits
an
ge
geben worden
.
Unter antibiotischer und analgetischer Therapie sei es zuseh
ends zu einer Abnahme der neuropathischen Schmerzen und zu einer Besserung des Allgemeinzustandes gekommen, so dass die analgetische Therapie habe ausge
schli
chen werden können. Am
3.
November 2016
sei die Entlassung aus der sta
tionären Behandlung erfolgt (Urk.
7/M1
).
Am 1
3.
Dezember 2016 wurde
n im Kantonsspital
Z.___
eine Blutentnahme und eine Knieergusspunktion durchgeführt (
Urk.
7/M6).
Am
3.
Mai 2017 fand im Kantonsspital
Z.___
eine neurologische Untersuchung statt. Im anschliessenden Bericht wurde
ausgeführt
, dass sich
bei St. n. Borrelien-
Radikulitis
Bein rechts
ein persistierendes neuropathisches Schmerzsyndrom mit Punctum maximum im Kniebereich rechts entwickelt habe, welches sich vorwie
gend in Ruhephasen und während der Nacht manifestiere und zu erheblichen Schlafstörungen führe. Klinisch-neurologisch habe sich kein richtungsweisender Befund ergeben, ohne Nachweis eines sensomotorischen Defizits
(
Urk.
7/M2)
.
Am
2
8.
August 2017 wurde
im Kantonsspital
Z.___
wegen weiterhin bestehender Schmerzen
erneut eine Lumbalpunktion durchgeführt (
Urk.
7/M3).
3.2
Mit Kurzbericht vom
3.
Februar 2018 wies
Dr.
med.
A.___
,
Facharzt
für
Rheu
matologie, eine a
ktivierte Gonarthrose
rechts
aus, welche er einmalig mit einer intraartikuläre
n Steroidinfiltration behandelt habe
(
Urk.
7/M8).
3.3
Auf Vorlage der
Akten hielt der beratende Arzt
der Beschwerdegegnerin,
Dr.
med.
B.___
, Facharzt
für
Allgemeine
Innere Medizin, Physikalische Medizin und Reha
bilitation,
in seiner Kurzbeurteilung vom 2
9.
März 2018 fest, dass die im Aus
tritts
bericht des Kantonsspitals
Z.___
gestellte Diagnose einer Neuroborre
liose mit
lumboradikulärem
Schmerzsyndrom nicht mit der dazu nötigen über
wiegenden Wahrscheinlichkeit bestätigt werden könne. Die vorliegenden Werte der Lumbalpunktionen vom 2
8.
September
2016 und 28.
August 2017 seien prak
tisch identisch und völlig normal. Das gleiche gelte für die am 1
3.
Dezember 2016 durchgeführte Kniegelenkpunktion. Ergänzend sei zu bemerken, dass in den vor
liegenden Laborwertkopien weder
Serologiewerte
im Blut noch im Liquor erwähnt würden. Solange diese nötigen
Serologiewerte
(Blut und Liquor) sowohl initial 2016 als auch im Rahmen der Nachkontrollen 2016 und 2017 nicht vorliegen würden, müsse die Frage einer überwiegend wahrscheinlichen Kausalität des Krank
heitsbildes mit dem gemeldeten Zeckenstich verneint werden
(Urk.
7/M14).
3.4
Nach Erhalt der
Serologiewerte
vom 2
8.
August 2017 mit Angabe der Vorwerte vom
2
8.
September 2016 nahm
Dr.
B.___
am
9.
Mai 2018 erneut Stellung.
Die zugestellten
Serologiewerte
würden
im Blut 2016 für Borrelien negative
lgM
(d.h. keine auf einen frischen Infekt hinweise
nde
Antikörper im Blut)
zeigen,
hingegen – mit jedoch nur zwei Banden – positive
lgG
(hinweisend auf einen früheren, älteren
Borrelienkontakt
). 2017 seien sowohl die
lgM
als auch die
lgG
negativ gewesen. Im Liquor habe sich 2016
für
lgG
ein erhöhter Borrelien
-Anti
körper-Index (AI) von 15.4
und 2017 noch
ein solcher
von 5.4 ergeben. Gemäss Laborkommentar sei
en Antikörper-Index-Werte (AI) von mehr als
1.5 als patho
logisch einzustufen und würden Hinweis auf eine intrathekale Synthese von Bor
re
lien-Antikörpern geben, wie sie bei Patienten mit Neuroborreliose gefunden würden. Für
lgM
sei der Antikö
rper-Index (AI) beide Male mit weniger als
1.5 im Normalbereich
gewesen
. Gemäss Laborkommentar sei damit eine intrathekale Syn
these von Borrelien-Antikörpern unwahrscheinlich
. Die Ergebnisse der rou
ti
ne
mässig durchgeführten
Liquoruntersuchungen
für Zellen, Eiweiss und Glucose seien sowohl 2016 als auch 2017 völlig normal gewesen. Insbesondere hätten sich dabei mit normaler Zellzahl und normalem Eiweiss keine Hinweise auf eine entzündliche
Liquorveränderung
gefunden. Zusammenfassend spreche die Sero
logie-Konstellation im Blut (negative
lgM
, positive
lgG
) gegen eine frische Borrelieninfektion im Juni 201
6.
Die Beschwerden könnten deshalb nicht mit
überwiegendender
Wahrscheinlichkeit auf einen am 1
8.
Juni 2016 erfolgten Zeckenstich zurückgeführt werden. Eine im Sep
t
ember/Oktober 2016 aktive Neu
roborreliose sei zudem auszuschliessen, da bei normaler Zellzahl und normalem Eiweiss kein entzündliches
Liquorsyndrom
vorgelegen habe
. Das alleinige Vor
han
densein eines erhöhten
lgG
-Antikörperindexes beweise das Vorliegen einer aktiven Neuroborreliose nicht. Diesbezüglich
verwies Dr.
B.___
auf
die Leitli
nien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Neuroborreliose der Wissen
schaftli
chen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF
, insbesondere auf die beiden Abbildungen zum diagnostischen Algorithmus für die frühe un
d die späte Neuroborreliose, S.
28/2
9.
Der erhöhte, zwischen 2016 und 2017 rück
läu
fige Antikörperindex könne auf eine frühere Exposition gegenüber Borrelien zurückgeführt werden, nicht jedoch auf eine Exposition im Juni 201
6.
Bei einem erhöhten Antikörperindex ohne entzündliches
Liquorsyndrom
liege keine aktive Neuroborreliose vor
(Urk.
7/M17).
3.5
Der KVG-Vertrauensarzt
Dr.
med.
C.___
, Facharzt
für
Allg
e
me
in
e Innere Medizin,
führte
in seiner Stellungnahme vom 17.
Juli 2018
aus, dass
er sich der Beur
teilung von
Dr.
B.___
nicht anschliessen könne. Bei stets negativem
lgM
in Serum und Liquor bei den Messungen im September 2016 und August 2017,
jedoch einem für den Ablauf einer
Neuroborreliose suggestiven
lgG
-
Verlauf, st
elle sich die Frage nach möglichen Ursachen
einer isolierten
lgG
-Antikörper
-Kon
stellation
. Dabei würden folgende Möglichkeiten bestehen:
-
länger bestehende Infektion
:
lgM
-Antikörper könnten vorhanden sei
n
oder auch fehlen
-
mit oder ohne Behandlung
überstandene Infektion:
lgM
-Antikörper könnten vorhanden sein oder auch fehlen
-
nochmalige Infektion (Re
infek
t
ion): laufe
oft ohne
lgM
-Antikörper ab
Aufgrund des Gesamtbildes
aus Klinik und Laborwerten
sei
er der Meinung, dass die Diagnosestellung des
Kantonsspitals
Z.___
korrekt gewesen
sei und der Be
weis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit für die Unfallkausalität erstellt sei.
Es
handle
sich am ehesten um eine Neuinfektion durch Borrelien im Rahmen des beschriebenen Zeckenstichs.
Die
Beurteilung dur
ch einen Borrelien-Spezia
listen
sei zu empfehlen
(
Urk.
3/2
, 7/A11
).
In einer weiteren Kurzstellungnahme vom
8.
Januar 2019 monierte
Dr.
C.___
die fehlende Auseinandersetzung der AXA Versicherungen AG mit seinen Einwänden (
Urk.
3/3).
3.6
Mit Bericht vom
6.
Februar 2019
nahm
der beratende Arzt
der Beschwerde
geg
nerin,
Dr.
med.
D.___
,
Facharzt
für
Physikalische Medizin und Rehabilitation
, speziell
Rheumaerkrankungen,
Stellung. E
r
hielt fest, er
könne den Argumenten des KVG-Vertrauensarztes insofern folgen, als isolierte
lgG
-Antikörper bei chro
ni
schen Borrelieninfektionen unabhängig der antibiotischen Behandlung und vor allem bei Reinfektionen anzutreffen
seien
.
Bei einer aktiven Neuroborreliose sei aber im
mer ein entzündliches Liquor-Syn
drom vorhanden, was vorliegend nicht nachzuweisen gewesen sei. Dies gelte auch bei im Liquor erhöhter Borrelien-Antikörper
-Indexpositivität, wie es vorlie
gend im
Rahmen der
Liquorunter
su
c
hung
vom 2
8.
August
2017 festzu
stellen
gewesen sei. Ohne gleichzeitigen
Nachweis eines entzündlichen
Liquorsyndroms
sei
eine aktiv
e Neuroborreliose ausge
schlossen
, wozu insbesondere
auf den Algorithmus aus
den Leitli
nien der Deut
schen Gesellschaft für Neurologie zur Neuroborreliose der Wissen
schaftli
c
hen Medizin
ischen Fachgesellschaften AWMF,
2018, S. 28
, zu verweisen sei
.
Die Ein
wendungen von
Dr.
C.___
würden die serologische
Gesamtkonstellation im Liquor nicht berücksi
chtigen. Die Erwägungen von Dr.
B.___
seien demgegenüber nachvollziehbar und würden den Leitlinien entsprechen (
Urk.
7/M18).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 3
0.
November 2018 (
Urk.
2) in medizinischer Hinsicht auf die Beurteilungen von
Dr.
B.___
und
Dr.
D.___
,
welche diese in Kenntnis
der
Vorakten
abgegeben hatt
en.
Sie setzten sich ausführlic
h
-
und in Übereinstimmung mit
den am 21. März 2018 vollständig überarbeiteten Leitli
nien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Neuroborreliose der Wissen
schaftli
chen Medizinischen Fach
ge
sellschaften AWMF -
mit den erhobenen Befunden
und insbesondere den vor
liegenden Laborwerten
a
useinander.
Dabei
na
hmen
sie
in nachvollziehbarer
und begründeter
Weise zur
entscheidrelevanten
Frage Stellung, ob
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
auf
eine
aktive Neuroborreliose
zu schliessen sei und mithin die von der Versicherten geklagten Beschwerden überwiegend wahrscheinlich im Ereignis vom 1
8.
Juni 2016 (Zeckenstich) gründen würden
.
Dies verneinten sie
schlüssig
mit Blick auf das Fehlen eines entzündlichen
Liquorsyndroms
.
Dabei
schadet nicht, dass die Versicherungsmediziner die
Versicherte
nicht selbst unter
sucht haben, da auch reinen Aktengutachten voller Beweiswert zukommt, sofern – wie im konkreten Fall – ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2011 vom
2
2.
Dezember 2011 E.
3.2.2 mit Hinweisen
)
.
4.2
Die Stellungnahme des
KVG-Vertrauensarzt
es
Dr.
C.___
vermag keine Zweifel an dieser Einschätzung zu erwecken.
Dr.
C.___
legt
e
in seiner Kurzbeurteilung
ver
schie
dene
Konstellationen
dar
, in welchen isolierte
lgG
-Antikörper
vorkommen
können (E. 3.5)
.
Anschliessend
sprach
er sich für die Variante der Neuinfektion aus, ohne hierfür allerdings eine
nachvollziehbare
medizinischen Begründung
zu liefern
. Dabei setzt
e
er sich
insbesondere
nicht mit den fehlenden Entzün
dungs
zeichen im Liquor auseinander. Besteht
jedoch
lediglich die Möglichkeit,
dass der Zeckenstich
im Sinne einer Reinfektion die beklagten Beschwerden verursacht
hat
, so ist es beweisrechtlich m
indestens e
benso wahrscheinlich
, dass die erhöhten
lgG
-Werte auf eine länger bestehende Infektion oder eine mit oder ohne Behand
lung bereits überstandene Infektion zurückzuführen sind.
Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht
(E. 1.5)
.
Insoweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die Beschwerdegegnerin habe sich
nicht ausreichend mit der Einschätzung von
Dr.
C.___
beschäftigt
,
kann ihr nicht gefolgt werden.
Die Beschwerdegegnerin hat sich im
Einspracheentscheid
vom 3
0.
November 2018 umfassend mit
der medizinischen Sachlage
auseinanderge
setzt.
Sie begründete ausführlich, dass ohne Nachweis eines entzündlichen
Liquor
syndroms
eine aktive Neuroborreliose ausgeschlossen sei. Dies belegte sie anhand des Diagnosealgorithmus aus den oben erwähnten Leitlinien (
Urk.
6 und 7/M18).
Indem sie an der Stellungnahme ihres beratenden Arztes
Dr.
B.___
festhielt, war es für die Beschwerdeführerin erkennbar, dass die Beschwerdegegnerin
die Argumente von
Dr.
C.___
nicht als stichhaltig erachtete.
Eine sachgerechte An
fechtung
war damit ohne weiteres möglich, weshalb
keine
Verletzung
der Be
grün
dungspflicht vorliegt.
Hinzu kommt, dass
die Beschwerdeführerin ihr Anlie
gen mit der Beschwerde gegen
den
Einspracheentscheid
vom 3
0.
November 2018
vor einer Beschwerdeinstanz, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüft, vortragen konnte, womit eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt zu betrachten wäre (vgl. BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
).
4.3
Auch die Beurteilungen
der Ärzte
des Kantonsspitals
Z.___
sprechen nicht gegen
die Zuverlässigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Einschätzung
. Sie
äussern
sich ebenso wenig zur serologischen Gesamtkonstellation
im Liquor
wie den ein
schlägigen Leitlinien
und setzen sich auch nicht im Einzelnen mit der Frage der Kausalität auseinander
.
4.4
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die versicherungs
interne ärztliche Beurteilung der
Dres
.
B.___
und
D.___
abgestellt
, wonach die
von der Versicherten
seit September 2016
geklagten Beschwerden
jedenfalls
nicht überwiegend wahrscheinlich auf den
gemeldeten Zeckenstich
vom Juni 20
16 zurückzuführen sind
. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegeg
nerin ihre Leistungspflicht in diesem Zusammenhang verneinte. Für weitere medi
zinische Abklärungen besteht kein Anlass, zumal davon keine anderen
entscheid
relevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdi
gung; B
GE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E.
1d, 136 I 229 E. 5.3)
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 3
0.
November 2018 erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
EGK Grundversicherungen AG
-
AXA Versicherungen AG
-
X.___
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelSchilling