# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c43f9ce7-15d7-5bc9-a988-88696d8c7de7
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230599-O1
**Docket/Reference:** SB230599-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230599-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230599-O/U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. M. Langmeier, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

S. Fuchs und Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Keller sowie Gerichts-

schreiberin lic. iur. S. Maurer

Urteil vom 12. März 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 6. Juli 2023 

(DG230003)

- 2 -

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. Januar 

2023 (Urk. 18) sowie das Privatklägerverzeichnis vom selben Datum (Urk. 17) ist 

diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 66 S. 74 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig







der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB;

der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 

StGB sowie

der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG (betreffend Cannabis).

2.

Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen 





der harten Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB sowie 

der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG (betreffend Kokain).

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren, wovon 11 Tage durch 

Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.

4.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an 

deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

5.

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b und c StGB lebenslänglich jede 

berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt 

zu Minderjährigen umfasst, verboten (lebenslängliches Tätigkeitsverbot).

6.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 14. Dezem-

ber 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernden 

Gegenstände (Polis-Geschäfts-Nr. …) werden der jeweils berechtigten oder einer von die-

- 3 -

ser bevollmächtigen Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen 

herausgegeben:

























Bettwäsche (A016'295'662);

1 Trainerhose grau mit Unterhose (A016'296'790);

1 Trainerjacke grau (A016'296'803);

1 kurze Sporthose weiss (A016'296'814);

1 Personenfotografie (A016'296'870);

1 Slip Calvin Klein schwarz (A016'305'092);

Trainerhose braun (A016'305'105);

Kapuzen-Pullover grau (A016'305'116);

1 Apple iPhone SE (A016'296'825);

Datenauslesung (A016'326'491);

SIM Karte (A016'326'504);

Datenauslesung (A016'326'515).

Allfällige Herausgabebegehren sind an das Gericht zu richten.

Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Urteils keine Herausgabe verlangt, wird die 

Lagerbehörde für berechtigt erklärt, die vorgenannten Gegenstände innert weiterer 30 Tage 

zu vernichten respektive gutscheinend zu verwenden.

7.

Allfällige weitere sichergestellte Gegenstände, Spuren, Spurenträger und Asservate (Polis-

Geschäfts-Nr. …) werden der Lagerbehörde ab Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids 

zur Vernichtung überlassen.

8.

a)

Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen. 

b)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 20'000.– zuzüglich 5 % Zins 

ab 26. Juni 2022 als Genugtuung zu bezahlen. 

9.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'200.00

; die weiteren Kosten betragen:

1'100.00

  Gebühr für das Vorverfahren; 

3'930.35

  Auslagen (Gutachten/Expertisen etc.);

450.00

  Auslagen Polizei;

Fr.

25'857.65

  Entschädigung amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt
  lic. iur. X._____ (inkl. Barauslagen und MwSt.), ab dem
  tt.mm.2022, abzüglich Akontozahlungen von
  Fr. 12'473.70;

- 4 -

Fr.

20'337.80

  Entschädigung unentgeltliche Rechtsvertretung der
  Privatklägerin, Rechtsanwältin MLaw Y._____
  (inkl.  Barauslagen und MwSt.) ab dem 30. Juni 2022;

Fr.

55'875.80

  Total

10.

Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 9 werden dem Beschuldigten auferlegt, diejenigen der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin indes-

sen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbe-

halten.

11.

Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung einer Genugtuung wird abgewiesen.

12.

(Mitteilungen)

13.

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 6 f.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 89 S. 1 f.)

1.

Das Urteil der Vorinstanz vom 6. Juli 2023 sei betreffend Ziff. 1 Spiegelstrich 

1 und 2, betreffend Ziff. 3, 4, 5, 8 und 11 aufzuheben.

2.

Der  Beschuldigte  sei  vom  Vorwurf  der  mehrfachen  Vergewaltigung  i.S.v. 

Art. 190 Abs. 1 StGB und der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind 

i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB freizusprechen. 

3.

Er sei für die zu Unrecht erlittene Haft mit Fr. 2'200.– zzgl. Zins zu 5% seit 

dem 28. Juni 2022 zu entschädigen. 

4.

Von  der  Anordnung  eines  lebenslänglichen  Tätigkeitsverbots  im  Sinne  von 

Art. 67 Abs. 3 lit. b und lit. c StGB sei abzusehen. 

5.

Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen. 

- 5 -

6.

Sämtliche Verfahrenskosten inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung 

seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

b)

Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 73)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

c)

Der Vertreterin der Privatklägerin B._____:

(Urk. 90 S. 1)

1.

2.

Das erstinstanzliche Urteil sei vollumfänglich zu bestätigen.

Die  Kosten  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  der  Privatklägerin  (zzgl. 

MwSt.) seien dem Beschuldigten aufzuerlegen und einstweilen auf die Staats-

kasse zu nehmen und eventualiter auf die Staatskasse zu nehmen. 

Erwägungen:

I. Verfahrensgang / Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1.

Für den Verfahrensverlauf bis zum erstinstanzlichen Urteil wird auf die Aus-

führungen im angefochtenen Entscheid verwiesen (Urk. 66 S. 5 f.).

1.2. Das vorstehend wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

6. Juli 2023 wurde den Parteien gleichentags mündlich eröffnet (Prot. I S. 76 ff.). 

Der  Beschuldigte  meldete  sogleich  Berufung  an  (Urk. 59).  Nach  Zustellung  des 

schriftlich  begründeten  Urteils  reichte  der  Beschuldigte  mit  Eingabe  vom 

21. November  2023  fristgerecht  die  Berufungserklärung  ein  (Urk. 68).  Nach 

entsprechender Fristansetzung verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Anschluss-

berufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. Die Privat-

klägerin B._____ sah ebenfalls von einer Anschlussberufung und dem Antrag auf 

ein Nichteintreten ab, beantragte jedoch, es habe dem urteilenden Gericht eine Per-

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son gleichen Geschlechts anzugehören und im Falle ihrer Befragung – wovon aber 

wenn möglich abzusehen sei – sei diese ebenfalls von einer Person gleichen Ge-

schlechts durchzuführen. Sodann sei sie bei einer allfälligen Befragung dem Be-

schuldigten nicht gegenüberzustellen und es sei die Öffentlichkeit von der Gerichts-

verhandlung auszuschliessen (Urk. 70, Urk. 72 und Urk. 73). 

1.3. Am  25. Februar  2025  wurde  zur  Ergänzung  der  Akten  im  Hinblick  auf  die 

Berufungsverhandlung seitens des Gerichts ein Strafregisterauszug betreffend den 

Beschuldigten eingeholt. Diesem ist eine Verurteilung vom 5. August 2024 durch 

die  Staatsanwaltschaft  Baden  wegen  grober  Verletzung  der  Verkehrsregeln 

gemäss Art. 92 Abs. 2 SVG, begangen am 14. Juni 2024, zu entnehmen (Urk. 82). 

1.4.

Zur Berufungsverhandlung vom 12. März 2025 erschienen schliesslich der 

Beschuldigte  in  Begleitung  seines  amtlichen  Verteidigers  lic.  iur.  X._____  sowie 

Rechtsanwältin M.A. HSG in Law Y._____ namens und in Vertretung der Privatklä-

gerin (Prot. II S. 6). Die Publikumsöffentlichkeit war von der Berufungsverhandlung 

ausgeschlossen worden und einzig akkreditierte Gerichtsberichterstatterinnen und 

-erstatter waren unter Auflage zugelassen (Urk. 74). Der Anspruch der Privatkläge-

rin, wonach auf Antrag wenigstens eine Person gleichen Geschlechts dem Gerichts 

anzugehören habe (Art. 379 i.V.m. Art. 335 Abs. 4 StPO), wurde gewahrt. Vorfra-

gen und Beweisanträge waren keine zu behandeln (Prot. II S. 8). Das Verfahren ist 

spruchreif.

2.

Prozessuales

2.1. Am 1. Januar 2024 traten die revidierten Bestimmungen der Strafprozess-

ordnung  in  Kraft  (AS  2023  468;  BBl  2019  6697).  Gemäss  Art. 453  Abs. 1  StPO 

werden Rechtsmittel gegen Entscheide, die vor Inkrafttreten der neuen Regelungen 

gefällt  wurden,  nach  bisherigem  Recht  beurteilt.  Folglich  ist  für  das  vorliegende 

Rechtsmittelverfahren das frühere Prozessrecht massgebend.

2.2. Die  Berufung  des  Beschuldigten  richtet  sich  gegen  die  Dispositivziffern 1, 

Spiegelstrich 1 und 2 (Schuldspruch wegen mehrfacher Vergewaltigung und mehr-

facher sexueller Handlung mit einem Kind), 3 und 4 (Strafe und Vollzug; mit Aus-

- 7 -

nahme der Busse), 5 (Tätigkeitsverbot), 8 (Zivilansprüche), 10 (Kostenauflage) und 

11  (Abweisung  Haftentschädigung).  Demnach  ist  das  vorinstanzliche  Urteil  vom 

6. Juli 2023 in den Dispositivziffern 1, Spiegelstrich 3 (Schuldspruch wegen mehr-

facher  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes),  2  (Freispruch),  3  und  4  teil-

weise (Busse), 6 und 7 (Beschlagnahmungen und Sicherstellungen) und 9 (Kos-

tenfestsetzung)  in  Rechtskraft  erwachsen,  was  mittels  Beschlusses  festzustellen 

ist. In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid unter Vorbehalt des 

Verschlechterungsverbotes  (Art. 391  Abs. 2  StPO)  grundsätzlich  zur  Disposition. 

Das Berufungsgericht kann das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend 

prüfen (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

2.3.

Zum anwendbaren materiellen Strafrecht ist für das vorliegende Verfahren 

festzuhalten,  dass  seit  Erlass  des  vorinstanzlichen  Urteils  per  1. Juli  2024  eine 

Revision des Sexualstrafrechts (Bundesgesetz vom 16. Juni 2023 über eine Revi-

sion des Sexualstrafrechts, AS 2024 27) in Kraft getreten ist. Diese hat die unter 

den Titel "Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität" gehörenden Straf-

tatbestände  neu  gefasst  und  die  Grenzen  strafbaren  Verhaltens  erweitert,  so 

namentlich bei der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 StGB. Ist ein Verbrechen 

oder  ein  Vergehen  zu  beurteilen,  das  vor  dem  Inkrafttreten  einer  Änderung  des 

Strafgesetzbuches begangen wurde, kommen die zum Zeitpunkt der Tat geltenden 

Bestimmungen zur Anwendung, sofern die revidierten Bestimmungen für den Täter 

nicht günstiger sind (Art. 2 Abs. 1 und 2 StGB). Vorliegend ist die aktuelle Geset-

zeslage für den Beschuldigten keine mildere als zum Zeitpunkt der vorgeworfenen 

Tat, weshalb das alte Recht anzuwenden ist. 

2.4. Soweit nachfolgend für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des ein-

geklagten Sachverhalts auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt 

dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies explizit Erwäh-

nung findet. Sodann verlangt das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV, dass 

das  Gericht  die  Vorbringen  des  von  einem  Entscheid  in  seiner  Rechtsstellung 

Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfindung berücksich-

tigt. Nicht erforderlich ist, dass es sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-

einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann 

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sich das Gericht auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es 

müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen es sich hat 

leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt (vgl. BGE 146 IV 297 E. 2.2.7 

und BGE 141 IV 249 E. 1.3.1, je mit weiteren Hinweisen).

II. Sachverhalt

1.

Anklagevorwurf, vorinstanzliches Urteil und Standpunkt des Beschuldigten

1.1. Die  Staatsanwaltschaft  brachte  mit  Dossier 1  acht  Sachverhaltskomplexe 

zur  Anklage.  Sie  wirft  dem  Beschuldigten  darin  vor,  am  26. Juni  2022  zwischen 

zirka 7.00 Uhr und 11.00 Uhr im Schlafzimmer von C._____ sowie im Badezimmer 

in der Wohnung an der D._____-strasse 1 in E._____ an der damals 15-jährigen 

Privatklägerin B._____ (geboren tt.mm.2006) gegen deren Willen verschiedene se-

xuelle Handlungen vorgenommen zu haben und sich dabei der mehrfachen, teil-

weise qualifizierten Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Nötigung, der mehr-

fachen sexuellen Handlungen mit einem Kind und der mehrfachen Nötigung schul-

dig gemacht zu haben (Urk. 18 S. 2 ff. und 7; Urk. 51 S. 1 f.).

1.2. Die  Vorinstanz  gelangte  gestützt  auf  die  Aussagen  der  Privatklägerin  und 

der Zeugin C._____ sowie diverser objektiver Beweismittel zum Ergebnis, dass der 

vorgeworfene  Sachverhalt  erstellt  sei,  fasste  die  acht  Anklagevorwürfe  indes  zu 

zwei Vorfällen zusammen, mithin den Vorfall im Schlafzimmer und den anschlies-

senden Vorfall im Badezimmer, und verurteilte den Beschuldigten wegen mehrfa-

cher (konkret: zweifacher) Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB und 

mehrfacher  sexueller  Handlungen  mit  einem  Kind  im  Sinne  von  Art. 187  Ziff.  1 

aStGB (Urk. 66 S. 48 [Dispositivziffer 1]). 

1.3. Der Beschuldigte ist nicht geständig, stellte jedoch nicht in Abrede, an jenem 

Tag  im  Schlafzimmer  von  C._____  in  deren  Bett  mit  der  Privatklägerin 

Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Deren tatsächliches Alter habe er nicht ge-

kannt, er sei allerdings davon ausgegangen, sie sei gleich alt wie C._____, mithin 

17  Jahre,  weil  die  Privatklägerin  ihm  dies  so  gesagt  habe  (vgl.  Urk. 66  S. 9).  Er 

stellte sich durchwegs auf den Standpunkt, dass jene sexuellen Handlungen ein-

- 9 -

vernehmlich stattgefunden hätten (vgl. zusammenfassend Urk. 66 S. 35 ff.). An die-

ser Sachverhaltsschilderung hielt er auch anlässlich der Berufungsverhandlung fest 

(Urk. 88 S. 10 und S. 16 ff.).

1.4. Die Verteidigung begründete den beantragten Freispruch im Wesentlichen 

damit, dass der angeklagte Sachverhalt und die Aussagen der Privatklägerin nicht 

mit dem rechtsmedizinischen Gutachten zu deren körperlichen Untersuchung vom 

12. Juli 2022 in Einklang gebracht werden könnten. Zum Schluss, dass die Aus-

sagen der Privatklägerin glaubhaft seien, komme die Vorinstanz daher unter Miss-

achtung wissenschaftlich erhobener Beweise. Demgegenüber sei der Beschuldigte 

mit den jeweiligen Befragungssituationen intellektuell etwas überfordert gewesen 

und seine teils konfusen Aussagen würden ihm bzw. seiner Glaubwürdigkeit nicht 

schaden (Urk. 89 S. 4 ff.). 

2.

Sachverhaltserstellung

2.1.

Zu  den  allgemeinen  Grundsätzen  der  Sachverhaltserstellung  und  der 

Beweiswürdigung  wird  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  der  Vorinstanz  ver-

wiesen (Urk. 66 S. 10 f.), ebenso was die massgebenden Beweismittel und deren 

Verwertbarkeit betrifft (Urk. 66 S. 12). Ferner hat die Vorinstanz die Aussagen der 

Privatklägerin, der Zeugin C._____ und des Beschuldigten sowie die übrigen mass-

geblichen Beweismittel ausführlich wiedergegeben (Urk. 66 S. 15 ff.). Auch darauf 

wird verwiesen. Die Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen gibt sodann 

zu  keinen  besonderen  Bemerkungen  Anlass  und  wurde  auch  von  den  Parteien 

nicht in Frage gestellt. Wenn die Verteidigung in ihrem Plädoyer ausführt, die teils 

konfusen Aussagen des Beschuldigten würden seiner Glaubwürdigkeit nicht scha-

den (Urk. 89 S. 15), spricht sie zwar – formell – von Glaubwürdigkeit, inhaltlich ge-

meint ist aber die Glaubhaftigkeit. Es bestehen jedenfalls keine Hinweise, wonach 

die Glaubwürdigkeit bei einer der befragten Personen in einer Art und Weise zwei-

felhaft wäre, dass sich dies auf die Beweiswürdigung auswirken würde. 

2.2. Die Vorinstanz hat sich sehr einlässlich und differenziert mit den Aussagen 

der Privatklägerin, des Beschuldigten und der Zeugin C._____ sowie deren Aussa-

geverhalten  und  den  übrigen  objektiven  Beweismitteln  auseinandergesetzt  und 

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eine sorgfältige Würdigung vorgenommen (Urk. 66 S. 15-48), worauf vollumfäng-

lich und vorbehaltlos verwiesen werden kann. Die folgenden Ausführungen verste-

hen sich als Ergänzung und Rekapitulation.

2.2.1. Insgesamt  wurde  die  Privatklägerin  zwei  Mal,  am  27. Juni  2022  polizeilich 

(Urk. 3/3) und am 7. Juli durch die Staatsanwaltschaft (Urk. 3/5), je mit Videoauf-

nahme, einvernommen. Überzeugend gelangte die Vorinstanz zum Fazit, dass die 

Aussagen der Privatklägerin glaubhaft seien und auf diese abzustellen sei. Sie ist 

darin zu bestätigen, dass sich die Aussagen im Wesentlichen als widerspruchsfrei, 

authentisch, nachvollziehbar und chronologisch stimmig zeigen und zahlreiche Ver-

knüpfungen zu konkreten Ereignissen und nachprüfbaren Umständen aufweisen. 

Ebenso ist zutreffend, dass die Art und Weise, wie die Aussagen der Privatklägerin 

zustande gekommen sind und Eingang in die Akten gefunden haben, keine begrün-

deten Zweifel an ihrer Darstellung zu wecken vermag (Urk. 66 S. 24 ff.). Insbeson-

dere  ist  nochmals  hervorzuheben,  dass  die  Privatklägerin  ohne  Aggravierungs-

tendenzen aussagte und keine Anstalten zeigte, den Beschuldigten unnötig oder 

durch  allfällige  Mutmassungen  zu  belasten  oder  schlecht  zu  machen,  sondern 

durchaus auch Positives über ihn deponierte. So relativierte sie etwa die Ohrfeige, 

die  der  Beschuldigte  ihr  gegeben  haben  soll,  dahingehend,  es  sei  keine  feste 

gewesen und habe nicht wehgetan. Gleich verhält es sich bei der Frage nach Ana-

lverkehr.  Die  Privatklägerin  präzisierte  nämlich  zugunsten  des  Beschuldigten  die 

Frage nach Analverkehr dahingehend, dass sie nicht sicher sei, ob er es wirklich 

versucht habe oder ob er einfach den Eingang verwechselt habe. Ebenso legte sie 

zu seinen Gunsten dar, dass er zwar Oralverkehr gewollt habe, ihr den Penis aber 

nicht  in  den  Mund  gesteckt  habe,  nachdem  sie  sich  geweigert  gehabt  habe. 

Bezeichnend und nicht untypisch für Opfer sexueller Gewalt ist zudem, dass die 

Privatklägerin nach dem Vorfall die Schuld zuerst bei sich suchte, weil sie dachte, 

nicht genügend deutlich Nein gesagt zu haben und dann zuerst abklären wollte, ob 

das,  was  ihr  widerfahren  ist,  tatsächlich  einen  sexuellen  Übergriff  darstellte  (vgl. 

zusammenfassend Urk. 66 S. 15 ff.). Sodann räumte die Privatklägerin auch eine 

sexualisierte Stimmung durch gegenseitige "dumme Sprüche" ein ("ihr sind nonie 

vomene richtige Typ duregno worde "[Urk. 3/3 F/A 33 f.; vgl. auch F/A 20] und "Ja 

doch.  Ich  meine  du  chasches  ja  nöd  wüsse,  ob  ich  schomal  oder  nöd"  [Urk. 3/3 

- 11 -

F/A 34]; "könne nie drei Stunden durchhalten" mit Erwiderung, "vielleicht ja schon, 

das[s] weisst du ja nicht. Aber das muss man auch nicht können" [Urk. 3/3 F/A 34; 

so auch in F/A 37]; vgl. auch Urk. 3/5 F/A 48 f.). Für die Authentizität der Aussagen 

spricht ferner, dass die geschilderten Handlungen mit den körperlichen Beschwer-

den und Schmerzen (Trockenheit, "Ribschen"; Urk. 3/3 F/A 217) und der dargeleg-

ten durchlebten Gefühlslage der Privatklägerin (Angst, Hilflosigkeit, Verzweiflung, 

Überforderung, Schuldgefühle) kongruent sind, worauf im Detail ebenfalls auf die 

differenzierte  Würdigung  der  Vorinstanz  verwiesen  werden  kann  (Urk. 66  S. 26). 

Hierzu  zählen  auch  die  Ausführungen  der  Privatklägerin,  dass  sie  zwar  gehofft 

habe, C._____ könne ihr helfen, aber sie habe auch gedacht, diese wäre allenfalls 

"pissed",  was  die  Zeugin  C._____  schliesslich  auch  selbst  bestätigte,  indem  sie 

mehrfach ausführte, sie sei zunächst auch verärgert bzw. "hässig" auf die Privat-

klägerin gewesen, die in ihrem – der Zeugin C._____ – Bett Geschlechtsverkehr 

hatte (vgl. zusammenfassend Urk. 66 S. 30 ff.). Die diesbezügliche Zerrissenheit 

und Hilflosigkeit der Privatklägerin ist deutlich wahrnehmbar, was bei einer erfun-

denen bzw. schauspielerisch inszenierten Erzählweise in dieser Art nicht zu erwar-

ten wäre. Es könnte auch nicht einmal ansatzweise ein Motiv der Privatklägerin für 

eine Falschbelastung des Beschuldigten – die sich erst an jenem Morgen kennen 

gelernt hatten – erkannt werden. 

Sodann  erscheinen  –  entgegen  der  Verteidigung  (Urk. 89  S. 15  f.)  –  auch  die 

Depositionen der Privatklägerin hinsichtlich ihres Alters glaubhaft, respektive was 

sie  dem  Beschuldigten  diesbezüglich  kundgetan  habe.  In  ihrer  zweiten  Einver-

nahme erklärte sie, dem Beschuldigten gesagt zu haben, sie sei 15 Jahre alt und 

in der Sek bzw. sie sei nicht mehr lange 15 und habe in zwei Tagen Geburtstag 

(Urk. 3/5 F/A 56), was als sehr lebensnah erscheint. Bereits unmittelbar nach der 

Tat hatte sie ebenfalls zu Protokoll gegeben, dem Beschuldigten gesagt zu haben, 

sie sei 15 Jahre alt (Urk. 3/3 F/A 31). Dazu ist mit Bezug auf die entsprechenden 

Ausführungen der Verteidigung zu beachten, dass im Rahmen einer rechtsmedizi-

nischen Untersuchung keine eigentliche Befragung der untersuchten Person – und 

hier mithin der Privatklägerin – stattfindet. Wenn diese also gegenüber den Rechts-

medizinern  angab,  den  letzten  Geschlechtsverkehr  vor  drei  Monaten  gehabt  zu 

haben  (vgl.  Urk. 89  S. 12),  spielt  dies  für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der 

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Aussagen der Privatklägerin daher von Vornherein keine Rolle, zumal die Zeugin 

C._____ und deren Mutter, auf deren Aussagen sich die Verteidigung bezieht, nicht 

von Geschlechtsverkehr, sondern nur von "gefingerlt" (Urk. 4/1 F/A 47) bzw. von 

"sexuellen Kontakten" (Urk. 4/1  F/A 52)  sprechen, welche Umschreibungen  nicht 

zwingend Geschlechtsverkehr umfassen. 

Insgesamt überzeugen die Depositionen der Privatklägerin, ihre Aussagen weisen 

eine hohe Qualität auf, sie sind über beide Einvernahmen deckungsgleich, wirken 

aber dennoch nicht auswendig gelernt. Ferner erscheint es ausgeschlossen, dass 

die Privatklägerin intellektuell in der Lage wäre, in einem Tag (von der Tat bis zur 

polizeilichen  Einvernahme)  eine  solche  Geschichte  in  diesem  Detailierungsgrad 

und mit diesen Realitätskennzeichen zu erfinden und einige Tage später nochmals 

– kongruent zur ersten Einvernahme – wiederzugeben.

2.2.2. Hinzu kommt, dass die Sachdarstellung der Privatklägerin in etlichen, auch 

das  Kerngeschehen  betreffenden  Punkten,  in  Einklang  mit  den  Aussagen  der 

Zeugin C._____ steht, deren Aussagen sich ebenfalls als widerspruchsfrei, authen-

tisch und nachvollziehbar zeigen. Auch diesbezüglich kann vorbehaltlos auf die dif-

ferenzierte Aussagewürdigung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 66 S. 30 ff.). 

Zur Rekapitulation seien nochmals einige wesentliche Punkte hervorgehoben: So 

schilderte die Zeugin wiederholt, sie habe am Anfang geschlafen und sei wegen 

der  Privatklägerin  und  dem  Beschuldigten  aufgewacht.  Sie  habe  sich  zunächst 

schlafend gestellt und nach einer Weile die Privatklägerin weinen und sagen gehört, 

dass sie nicht mehr möge, es täte ihr weh. Die Privatklägerin habe gesagt, sie wolle 

nicht mehr. Sie (die Zeugin) habe zuerst nicht gewusst was machen, als die Privat-

klägerin geweint habe. Sie (die Zeugin) habe dann so getan, als würde sie aufwa-

chen, und dann hätten die beiden aufgehört. Die Privatklägerin sei auf dem Bett 

gelegen und der Beschuldigte "oben drauf". Sie (die Zeugin) sei erwacht, weil es 

"schepperte". Sie habe den Hamsterkäfig gehört, weil das Bett, wenn es sich be-

wege, jeweils an diesen knalle. Sie habe die Privatklägerin gehört, wie sie geweint 

habe und dass sie Schmerzen habe und nicht mehr wolle. Es sei ein leises Schluch-

zen gewesen. Dass sie Schmerzen habe, habe sie in einem guten, aber leisen Ton 

gesagt, damit niemand erwache, zumal die Privatklägerin gemeint habe, dass sie 

- 13 -

(die Zeugin) schlafen würde (vgl. Urk. 4/1 F/A 28 ff. und Urk. 4/2 F/A 101 ff.). Diese 

Wahrnehmung deckt sich mit der Schilderung der Privatklägerin, wonach sie – un-

ter anderem aus Rücksichtnahme auf die Zeugin C._____, aber auch aus Angst – 

nicht  laut  mit  dem  Beschuldigten  gesprochen  habe  (Urk. 3/3  F/A 122;  Urk. 3/5 

F/A 86). Sodann bestätigte die Zeugin durch ihre Aussagen mehrfach, klar und le-

bensnah, dass der Beschuldigte die Privatklägerin später nach dem Badezimmer 

gefragt habe, diese jedoch gesagt habe, dass sie nicht möge und nicht wolle bzw. 

müde sei, und dass er sie (die Privatklägerin) danach "wie ein Baby" ins Bad getra-

gen habe (Urk. 4/1 F/A 35 f.; Urk. 4/2 F/A 20 und F/A 133 ff.). Schliesslich erklärte 

die  Zeugin  authentisch,  dass  sie  die  Musik  ausgemacht  und  die  Privatklägerin 

schluchzen gehört habe, als diese mit dem Beschuldigten im Bad gewesen sei. Sie 

(die Zeugin) habe gedacht, dass die beiden im Badezimmer weitergemacht hätten 

bzw. "am Bumsen" gewesen seien und habe dann die Musik wieder eingestellt bzw. 

lauter  gestellt,  weil  sie  nicht  habe  zuhören  wollen  (vgl.  Urk. 4/1  F/A 3;  Urk. 4/2 

F/A 142  ff.).  Die  Aussagen  der  Zeugin  zeichnen  sich,  mit  der  Vorinstanz,  ferner 

dadurch aus, dass sie Erinnerungslücken benannte und ohne Weiteres einräumte, 

wenn sie zu einer Frage keine (sachdienliche) Antwort geben konnte. Insgesamt 

zeigt sich eine Zeugin, die ihre eigenständige Erinnerung und Wahrnehmung wie-

dergibt und nicht irgendwelche Antworten zu kreieren versucht, um die Sachver-

haltsdarstellung  der  Privatklägerin  zu  unterstützen.  Dies  zeigt  sich  anschaulich 

darin, dass sich die Zeugin durchaus auch kritisch über das Verhalten der Privat-

klägerin äussert. Dies spricht denn auch deutlich gegen eine Absprache oder einen 

Komplott zwischen der Privatklägerin und der Zeugin (anders der Beschuldigte in 

Urk. 88 S. 11). So räumte die Zeugin beispielsweise ein, dass sie (die Zeugin) da-

von ausgegangen sei, dass die Privatklägerin abermals mit einem Kollegen von ihr 

sexuell in ihrem Bett verkehre. Sie erwähnte im freien Redefluss mehrfach, dass 

sie deswegen hässig und verärgert gewesen sei. Zugleich zeigte sich aber auch 

die Ambivalenz und Hilflosigkeit der Zeugin, weil sie zugleich wahrnahm, dass die 

Privatklägerin  weinte  und  offenbar  Schmerzen  empfand  und  vom  Beschuldigten 

verlangte, dass er aufhöre, und nicht wusste, wie sie sich in der Situation verhalten 

sollte. Die Schilderung dieser Ambivalenz, die sich wie ein roter Faden durch die 

beiden Einvernahmen zieht, verleiht den Aussagen der Zeugin eine hohe Authen-

- 14 -

tizität und Glaubhaftigkeit. Generell zeigen die Schilderungen der Zeugin, dass sie 

spontan nach bestem Wissen und Gewissen ihre eigene Wahrnehmung wiederzu-

geben versuchte, dabei auch Erinnerungslücken einräumte oder offen legte, wenn 

sie sich zu etwas nicht äussern konnte. Jedenfalls wird deutlich, dass sie sehr um 

Fairness und Wahrheitsfindung bedacht war und nicht etwa darauf, den Beschul-

digten möglichst zu belasten und so ihrer Freundin, B._____, einen Gefallen zu tun. 

Gegenteils betonte sie zum Schluss ihrer Einvernahme als Zeugin von sich aus, 

dass der Beschuldigte auch "ein Lieber" sei, ihr immer im "ÜK" geholfen habe, und 

sie wies auch nochmals darauf hin, dass sie an jenem Abend alle Alkohol gehabt 

hätten (Urk. 4/2 F/A 165; in diesem Sinne auch bereits in der polizeilichen Einver-

nahme [Urk. 4/1 F/A 7 und F/A 17]). Insgesamt schilderte sie ihre Wahrnehmung 

lebensnah, frei, sachlich und ohne Belastungstendenzen, weshalb auf ihre Depo-

sitionen abzustellen ist. 

2.2.3. Die Würdigung und das Fazit der Vorinstanz erweist sich auch bezüglich der 

Aussagen des Beschuldigten als sehr sorgfältig und überzeugend und kann ohne 

Weiterungen übernommen werden (vgl. Urk. 66 S. 35 ff.). In der Tat sind die Aus-

sagen des Beschuldigten immer wieder pauschal, sehr oberflächlich und oftmals 

ausweichend. Sie sind sodann mit Ungereimtheiten durchzogen und zeigen sich in 

den – für ihn strafrechtlich – heiklen Punkten öfters schwammig oder mit Erinne-

rungslücken versehen, während sich der Beschuldigte in nebensächlichen Punkten 

immer wieder sehr sicher und mitteilsam zeigt. Auch die Verteidigung räumt hin-

sichtlich der Aussagen des Beschuldigten dementsprechend ein, diese seien "teils 

konfus" (Urk. 89 S. 15). Die Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten ist für sich 

betrachtet und im grossen Ganzen zwar nicht unglaubhaft und unrealistisch, zumal 

er eingestand, dass es zwischen ihm und der Privatklägerin im Schlafzimmer von 

C._____ im fraglichen Zeitpunkt zu Geschlechtsverkehr gekommen ist. Im Einzel-

nen  fallen  dann  aber  –  mit  der  Vorinstanz  –  doch  einige  Aussagen  als  reichlich 

unplausibel und als unglaubhafte Schutzbehauptungen auf. Nur schon, weshalb er 

überhaupt die Zeugin C._____ um eine Übernachtungsmöglichkeit gebeten haben 

will, ist alles andere als überzeugend: So könnte zwar grundsätzlich noch sein, dass 

er effektiv seinen Schlüssel in seiner Tasche nicht gefunden hat (Urk. 2/1 F/A 13) 

respektive er diesen nicht bei sich hatte (Urk. 88 S. 14), aber dass der Wohnort der 

- 15 -

Zeugin C._____ "auf seinem Heimweg" liegt, stimmt auch bei grosszügigster Inter-

pretation nicht: Weder liegt E._____ am Weg von F._____ nach G._____ noch an 

jenem von F._____ nach H._____ (vgl. Urk. 88 S. 14). Im Sinne der vorinstanzli-

chen Erwägungen (s. dazu auch sogleich) erscheint damit vielmehr wahrscheinlich, 

dass der Beschuldigte nach dem von ihm besuchten Fest noch auf der Suche nach 

einem sexuellen Abenteuer war, wofür auch der vorgängige einschlägige Browser-

Verlauf  und  die  Kontaktnahmen  mit  verschiedenen  Escort-Girls  sprechen.  Und 

ebenso fällt mit der Vorinstanz auf, dass der Beschuldigte in diversen ihm offenbar 

als "heikel" erscheinenden Punkten jeweils angab, sich nicht mehr zu erinnern oder 

es nicht mehr zu wissen – obwohl die erste Einvernahme nur gerade zwei Tage 

nach  dem  Vorfall  stattfand,  die  zweite  drei  Tage  nach  dem  Vorfall  und  auch  die 

dritte bereits am 8. Juli 2022. Dieses Muster zeigte sich auch in der Befragung zur 

Sache  anlässlich  der  heutigen  Berufungsverhandlung,  in  welcher  er  in  den  ent-

scheidrelevanten Punkten oft ausweichend antwortete, auf seine früheren Aussa-

gen verwies und keine konkreten Angaben machte (Urk. 88 S. 9 ff.). Heute brachte 

der Beschuldigte sodann vor, er sei stark alkoholisiert gewesen und habe mögli-

cherweise einen teilweisen Filmriss gehabt (Urk. 88 S. 13). Auch diese Aussage ist 

als unglaubhafte Schutzbehauptung zu qualifizieren, nachdem der Beschuldigte in 

der  Untersuchung  noch  ausgesagt  hatte,  hauptsächlich  Bier,  nicht  wenig,  aber 

auch nicht besonders viel konsumiert zu haben; er sei nicht "von Sinnen" gewesen, 

es sei nicht nichts, aber auch nicht viel gewesen (Urk. 2/1 F/A 19 f.) bzw. er habe 

nicht viel getrunken (Urk. 2/2 F/A 16). Auch die Zeugin C._____ hatte angegeben, 

der Beschuldigte habe vielleicht minimal angetrunken gewirkt (Urk. 4/2 FA 30). Im 

Ergebnis vermag der Beschuldigte mit seiner Version der Geschehnisse nicht zu 

überzeugen, zumal seine Aussagen nicht nur denen der Privatklägerin entgegen-

stehen, sondern auch jenen der Zeugin C._____ widersprechen und durch die ob-

jektiven Beweismittel teilweise sogar entkräftet, jedenfalls aber nicht bestätigt wer-

den. 

2.2.4. Nebst  den  diversen  Aussagen  liegen  objektive  Beweismittel  im  Recht, 

welche zwar nicht unmittelbar zur Klärung des Anklagevorwurfs beitragen, jedoch 

zumindest  indiziell  in  einen  Kontext  mit  den  Aussagen  der  Privatklägerin,  des 

Beschuldigten und der Zeugin gestellt werden können. 

- 16 -

2.2.5. So ist zutreffend, dass aufgrund der entsprechenden Snapchat-Mitteilungen 

der  Beschuldigte  gegen  6.00  Uhr  morgens  bei  der  Zeugin  C._____  eingetroffen 

sein muss (Urk. 1/11 S. 20 f.), was letztlich für die Frage, ob die sexuellen Hand-

lungen einvernehmlich waren oder nicht, nicht weiter sachdienlich ist. Jedoch be-

stätigen sie die zeitliche Einordnung der Privatklägerin und widerlegen die Haltung 

des  Beschuldigten  –  nachdem  ihm  die  Aussagen  der  Privatklägerin  vorgehalten 

worden waren – es könne nicht sein, dass er bereits um 5.00 Uhr oder 6.00 Uhr bei 

C._____ gewesen sei. Er schätze sein Eintreffen auf zirka 7.00 Uhr oder 8.00 Uhr 

(Urk. 2/1 F/A 150).

2.2.6. Weiter  liegt  ein  rechtsmedizinisches  Gutachten  zur  körperlichen  Unter-

suchung der Privatklägerin, welche einen Tag nach dem inkriminierten Vorfall statt-

fand, im Recht (Urk. 6/6). Zum einen ergeben sich Befunde beim Scheideneingang 

und  den  Vulvalippen,  welche  als  Folgen  sexueller  Handlungen  gedeutet  werden 

können  (Urk. 6/6  S. 5)  und  was  mit  den  Aussagen  des  Beschuldigten  und  der 

Privatklägerin  übereinstimmt,  dass  es  zu  vaginalem  Geschlechtsverkehr  gekom-

men ist. Weitere Verletzungen oder Sekretantragungen im Genital- oder Analbe-

reich wurden nicht festgestellt. An der Halshaut fanden sich ferner keine Befunde, 

die  auf  ein  Würgen  hindeuten,  jedoch  hält  das  Gutachten  explizit  fest,  dass  die 

Abwesenheit von solchen Befunden einen Angriff gegen den Hals nicht zwangs-

läufig ausschliesse (Urk. 6/6 S. 5). Ferner waren frisch imponierende Blutergüsse 

an beiden Oberschenkelaussenseiten sowie oberflächliche Hautabschürfungen an 

der linken Unterarmstreckseite und am rechten Handgelenk erkennbar, welche als 

Folge stumpfer Gewalteinwirkung gewertet wurden, deren Entstehung im geltend 

gemachten  Ereigniszeitraum  plausibel  erschienen.  Für  die  Blutergüsse  an  den 

Oberschenkeln  komme  etwa  ein  festes  Greifen  mit  den  Händen  –  wie  von  der 

Privatklägerin geltend gemacht – prinzipiell in Frage (Urk. 66 S. 6). Das Ergebnis 

des rechtsmedizinischen Gutachtens ist zumindest indiziell für den von der Privat-

klägerin  geschilderten  Vorgang,  aus  dem  sich  deutlich  ergibt,  dass  sie  vom 

Beschuldigten  hart  angefasst  wurde  und  sich  auch  körperlich  gewehrt  hatte 

(vgl. die  zusammengefassten  Aussagen  im  vorinstanzlichen  Entscheid,  Urk. 66 

S. 15  ff.).  Dies  im  Gegensatz  zur  Darstellung  des  Beschuldigten,  wonach  er 

"Blüemlisex" bevorzuge; er möge es, wenn es etwas ruhig und innig sei, er möge 

- 17 -

kein "Gestürm/Gerammel" (Urk. 2/1 F/A 33). Was die konkrete Begegnung mit der 

Privatklägerin  betrifft,  schilderte  er  mehrfach  die  Situation  so,  dass  die  Initiative 

hauptsächlich  von  der  Privatklägerin  ausgegangen  sei  und  diese  während  des 

Aktes auf ihm sitzend der aktive Part gewesen sei und er der liegende passive Teil. 

Er sei zwar erregt gewesen, aber auch müde, weshalb er sich letztlich auch abge-

dreht habe und ziemlich schnell eingeschlafen sei. Immerhin gab er an, er habe die 

Privatklägerin  an  den  Hüften  gehalten.  Jedoch  schilderte  er  die  gegenseitigen 

Berührungen als sanft, als ein Streicheln (vgl. etwa Urk. 2/1 F/A 47, F/A 61, F/A 88, 

F/A 90, F/A 108), was nicht mit dem vorstehend wiedergegebenen rechtsmedizini-

schen Befund korrespondiert. Wenn die Verteidigung aufgrund dieses Gutachtens 

dafür hält, es widerlege die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 89 S. 4-14), kann ihr 

daher  nicht  gefolgt  werden.  Vielmehr  bestätigt  es,  da  es  frisch  imponierende 

Blutergüsse an den Oberschenkeln feststellt, die Depositionen der Privatklägerin 

hinsichtlich des festen Zugreifens des Beschuldigten. In den übrigen Aspekten ver-

mag  es  die  Aussagen  der  Privatklägerin  zwar  nicht  zu  bestätigen,  entgegen  der 

Verteidigung widerlegt es deren Aussagen aber auch nicht. Wenn das Gutachten 

keine  Verletzungen  an  der  Kopfhaut  und  am  Hals  feststellt,  bedeutet  dies  im 

Umkehrschluss  nicht,  dass  die  Privatklägerin  nicht  an  den  Haaren  gerissen 

und/oder gewürgt worden wäre. Nur ein stärkeres Reissen an den Haaren und ein 

Würgen  von  einer  gewissen  Intensität  hinterlassen  nämlich  feststellbare  Verletz-

ungen. Sind die Einwirkungen weniger intensiv, führt dies – möglicherweise – zu 

keinen feststellbaren Befunden, obwohl es tatsächlich zu einem Würgen und/oder 

Reissen an den Haaren kam. Bei der körperlichen Untersuchung des Beschuldig-

ten wurde schliesslich gutachterlich festgestellt, dass sich an seiner rechten Brust-

korbaussenseite, an der linken Unterarmstreckseite und an der rechten Oberarm-

beugeseite  strichförmige  Blutergüsse  und  Hautabtragungen  befanden,  welche 

allesamt Folgen stumpfer Gewalt darstellten und bei der Untersuchung, welche am 

28. Juni 2022 zwischen 2.30 und 3.20 Uhr stattfand, mithin knapp zwei Tage nach 

dem Vorfall, mehrere Stunden imponierten und mit der Entstehung im Ereigniszeit-

raum, aber auch zeitnah davor oder danach entstanden sein könnten (Urk. 5/6 S. 3 

f.). Zumindest indiziell sprechen die körperlichen Befunde – vor allem die Bluter-

güsse  an  den  Oberschenkeln  der  Privatklägerin  –  für  deren  Sachdarstellung, 

- 18 -

während sie mit den Schilderungen des Beschuldigten, wonach man sanften Sex 

gehabt hatte, nur schwer in Einklang zu bringen sind.

2.2.7. Indem sie dem Beschuldigten vorwirft, die Privatklägerin teilweise so heftig 

gewürgt zu haben, bis ihr schwarz vor Augen geworden sei, geht die Anklage von 

einer  Lebensgefahr  für  die  Privatklägerin  aus  ("nahe  Möglichkeit  des  Todesein-

tritts"; Urk. 18 S. 5). Gestützt auf das rechtsmedizinische Gutachten zur körperli-

chen Untersuchung der Privatklägerin lässt sich eine solche Gefahr nicht erstellen. 

Gemäss jenem seien objektivierbare Zeichen einer Lebensgefahr nicht feststellbar. 

Folge man den Angaben der Privatklägerin, wonach es während des Würgens zu 

Sehstörungen respektive einem "Schwarzwerden vor Augen" gekommen sei, liege 

subjektiv ein Symptom einer sauerstoffmangelbedingten Hirnfunktionsstörung vor, 

die auf eine Lebensgefahr schliessen lasse (Urk. 6/6 S. 5 f.). Nachdem die Privat-

klägerin  aber,  zu  den  körperlichen  Reaktionen  des  Würgens  befragt,  lediglich 

ausführte, es sei ihr einfach etwas schlecht geworden, sie habe nicht so gut Luft 

bekommen und es sei ihr etwas "trümmlig" geworden (Urk. 3/3 F/A 218), kann nicht 

von  einer  Lebensgefahr  ausgegangen  werden,  zumal  sie  vorher  (in  derselben 

Einvernahme) ebenfalls nur erklärte, ihr sei etwas schlecht und schwarz vor Augen 

geworden sei; sie glaube aber, immer bei Bewusstsein gewesen zu sein (Urk. 3/3 

F/A 92  f.).  Sie  fügte  ferner  an,  im  Badezimmer  habe  der  Beschuldigte  sie  nicht 

gewürgt, als ihr schwarz vor Augen geworden sei. Ihr sei vor Schmerzen schwarz 

vor Augen geworden (Urk. 3/3 F/A 94 f.).  

2.2.8. Was  die  übrigen  Beweismittel,  namentlich  die  Ergebnisse  der  Auswertung 

des Mobiltelefons des Beschuldigten betrifft, kann sodann vollständig auf die Aus-

führungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 66 S. 47). Zwar findet sich darin 

nichts,  woraus  sich  direkt  auf  den  inkriminierten  Sachverhalt  schliessen  lässt. 

Jedoch ist bemerkenswert, dass der Beschuldigte kurz vor 5.00 Uhr bis 5.46 Uhr, 

mithin bis zirka eine Viertelstunde vor Eintreffen bei C._____ zu Hause, auf Google 

mehrfach nach "Puff I._____" suchte, diverseste Inserate auf www.xdate.ch, einem 

Sex-  und  Erotik-Inserateportal,  aufrief  und  vier  solcher  Escortdienstleisterinnen 

auch  konkret  anschrieb  (Urk. 1/11  und  Urk. 1/13).  Zusätzlich  findet  sich  um  5.01 

Uhr ein nicht beantworteter Anruf seitens des Beschuldigten auf die Telefonnum-

- 19 -

mer 2 (Urk. 1/8 Position 14). Diese ist dem Sexclub "J._____" in G._____ zuzuord-

nen,  in  welchem  verschiedene  Sexarbeiterinnen  ihre  Dienstleistung  anbieten 

(www.J._____.ch,  aufgerufen  am  12.  März  2025).  Zu  einem  Bordellbesuch  oder 

einem anderweitigen Treffen mit einer Sexarbeiterin scheint es aber letztlich nicht 

gekommen zu sein. Allerdings zeigt sich, dass der Beschuldigte nach dem Besuch 

des Festes in F._____ sehr aktiv darum bemüht war, sich eine sexuelle Begegnung 

zu  verschaffen,  auch  wenn  er  dies  heute  als  jugendliche,  spannende  "Schnaps-

idee" ohne Hintergedanken abtat (Urk. 88 S. 15). Selbstredend ist dieses Verhalten 

weder strafbar noch moralisch zu würdigen, jedoch zeigt es auf, dass der Beschul-

digte  in  jener  Nacht  offensichtlich  sexuell  aktiv  sein  wollte  und  aufgrund  seiner 

knapp einstündigen Internetrecherche mutmasslich entsprechend sexuell angeregt 

gewesen sein musste, als er bei C._____ eintraf. 

2.2.9. Nach dem Gesagten ist das Ergebnis der Vorinstanz nicht zu relativieren. Es 

kann ihr gefolgt werden, wenn sie die Aussagen des Beschuldigten für die Sach-

verhaltserstellung als nicht verlässlich würdigt und im Ergebnis nicht darauf abstellt. 

Demgegenüber lassen die Aussagen der Privatklägerin, der Zeugin C._____ sowie 

die übrigen massgeblichen Beweismittel keine rechtserheblichen Zweifel zu, dass 

sich  der  Sachverhalt  wie  angeklagt,  mit  Ausnahme  der  umschriebenen 

Lebensgefahr, zugetragen hat. Die objektiven Beweismittel beweisen den Sachver-

halt zwar nicht direkt, widerlegen ihn aber auch nicht. Dem Beschuldigten und der 

Verteidigung gelang es auch im Berufungsverfahren nicht, durch ihre Einwände An-

lass für eine andere Würdigung zu liefern. 

2.2.10. Es  steht  demnach  –  die  wesentlichsten  Eckpunkte  zusammengefasst  – 

namentlich fest, dass der Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Privatklägerin 

erfolgte  und  dies  dem  Beschuldigten  auch  bewusst  war.  Auch  wenn  die  Privat-

klägerin – wie gesehen – einräumte, "nie richtig nein gesagt zu haben", genügte es 

als deutliches Zeichen der Ablehnung und des Widerstands, wenn die Privatkläge-

rin sich vom Beschuldigten abdrehte, die Beine kreuzte, den Beschuldigten wegzu-

stossen  versuchte,  dem  Beschuldigten  zu  verstehen  gab,  Schmerzen  zu  haben, 

nicht mehr zu können und aufhören zu wollen, oder auch – im Badezimmer – den 

Beschuldigten umklammerte, um ihn am Ausziehen zu hindern. Ebenso genügte 

- 20 -

als Ausdruck des Nichteinverständnisses selbstverständlich völlig, wenn sie – im 

Kontext absolut lebensnah – zunächst sagte, sie wolle keinen Geschlechtsverkehr 

mit  dem  Beschuldigten,  weil  das  im  Bett  der  Zeugin  C._____  "unanständig"  sei. 

Über  diese  Ablehnung  und  diesen  Widerstand  setzte  sich  der  Beschuldigte  wis-

sentlich hinweg, namentlich mit der Gewissheit, der Privatklägerin körperlich ganz 

deutlich  überlegen  zu  sein.  Seine  Darstellung  eines  einverständlichen 

Geschlechtsverkehrs, der auf gegenseitiger bzw. gar vorwiegend von der Privat-

klägerin ausgehender Initiative gegründet habe, ist unglaubhaft und steht in unauf-

lösbarem Widerspruch zu den lebensnahen und übereinstimmenden Aussagen der 

Privatklägerin und der Zeugin C._____. Nur exemplarisch trifft nicht zu, dass – wie 

das  der  Beschuldigte  schildert  –  sich  die  Privatklägerin  zum  Geschlechtsverkehr 

auf ihn gesetzt und er immer auf dem Rücken gelegen habe: So bestätigt die Zeu-

gin C._____, gesehen zu haben, wie der Beschuldigte auf der Privatklägerin gele-

gen habe, was auch den konstanten Aussagen der Privatklägerin entspricht. Und 

vollends unglaubhaft macht die Aussagen des Beschuldigten, dass er überhaupt 

bestreitet,  mit  der  Privatklägerin  zusammen  im  Badezimmer  gewesen  zu  sein, 

nachdem sowohl die Privatklägerin als auch die Zeugin C._____ in nicht anzuzwei-

felnder, bildlich einprägsamer Weise beschreiben, wie der Beschuldigte die Privat-

klägerin "wie ein Baby" ins Badezimmer getragen habe. Dafür, dass die Privatklä-

gerin und die Zeugin C._____ – wie das der Beschuldigte sagt – einfach "irgendet-

was", "unwahr" und "Blödsinn" aussagen und ihn falsch belasten würden, bestehen 

nicht die geringsten Anhaltspunkte. Gegenteils wäre weder bei der Privatklägerin 

und – noch viel weniger – bei der Zeugin C._____ ein dahingehender Belastungs-

eifer erkennbar. Und schliesslich lassen sich – wie gesehen – auch die objektiven 

Beweismittel viel eher mit der Darstellung der Privatklägerin in Einklang bringen als 

mit jener des Beschuldigten.

2.2.11. Der Anklagesachverhalt ist – mit Ausnahme dessen, dass der Beschuldigte 

die Privatklägerin durch ein Würgen in Lebensgefahr gebracht hätte – durch das 

Untersuchungsergebnis  erstellt  und  es  ist  für  die  rechtliche  Würdigung  darauf 

abzustellen.

- 21 -

III. Rechtliche Würdigung

Das  erstinstanzliche  Urteil  würdigte  das  Verhalten  des  Beschuldigten  als  mehr-

fache, im Sinne einer zweifachen, Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 aStGB und 

als mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 

aStGB.  Diese  Subsumption  ist  korrekt  (vgl.  Urk. 66  S. 50  ff.)  und  bedarf  keiner 

Ergänzungen.  Die  Prüfung  zusätzlicher  oder  weitergehender  Schuldsprüche, 

namentlich  im  Sinne  der  ursprünglichen  Anträge  der  Staatsanwaltschaft,  welche 

von weiteren bzw. qualifizierten Tatbeständen ausging, erübrigt sich bereits infolge 

des Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO; vgl. zum Ganzen BGE 139 

IV  282  E. 2.5  f.).  Der  Beschuldigte  ist  somit  der  mehrfachen  Vergewaltigung  im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB und der mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 aStGB schuldig zu sprechen.

IV. Strafe und Vollzug

1. Grundsätze der Strafzumessung

1.1.

Zu  den  allgemeinen  Grundsätzen  der  Strafzumessung  und  zum  anwend-

baren  Strafrahmen  kann  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  im  erstinstanzlichen 

Urteil verwiesen werden (Urk. 66 S. 58 ff.).

1.2.

Zu ergänzen ist, dass hinsichtlich der Verurteilung des Beschuldigten durch 

die Staatsanwaltschaft Baden vom 5. August 2024 für einen Vorfall vom 14. Juni 

2024  (vgl.  Urk. 82)  von  vornherein  keine  retrospektive  Konkurrenz  im  Sinne  von 

Art. 49  Abs. 2  StGB  vorliegt.  Das  Bundesgericht  hielt  zu  dieser  Thematik  fest, 

dass  derjenige  in  den  Genuss  der  in  der  Regel  vorteilhaften  Zusatzstrafe 

kommen  soll,  bei  dem  der  erstinstanzliche  Richter  die  mehreren  Straftaten 

gleichzeitig hätte aburteilen können, nicht aber derjenige, der erneut delinquiert, 

nachdem er wegen anderer Delikte erstinstanzlich verurteilt und mithin eindring-

lich gewarnt worden ist (BGE 138 IV 113 E. 3.4.3). Die genannte Verurteilung 

vom 5. August 2024 kann sich aber insofern auf die Strafzumessung auswirken, 

als es sich um eine neue Tatsache im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StGB handelt, 

die  eine  strengere  Bestrafung  zulässt,  auch  wenn  das  Rechtsmittel  einzig 

zugunsten des Beschuldigten ergriffen worden ist.

- 22 -

2.

Vorinstanzliches Urteil und Parteianträge

2.1. Die  Vorinstanz  ging  bei  der  Strafzumessung  zu  Recht  von  der  Vergewal-

tigung  als  schwerstes  Delikt  aus,  legte  für  die  erste  Vergewaltigung,  welche  im 

Schlafzimmer  stattfand,  eine  Einsatzstrafe  innerhalb  des  ordentlichen  Strafrah-

mens  fest  und  erhöhte  diese  in  Anwendung  des  Asperationsprinzips  gemäss 

Art. 49 Abs. 1 StGB für die zweite Vergewaltigung im Badezimmer sowie die mehr-

fachen sexuellen Handlungen mit einem Kind, und sie bestrafte den Beschuldigten 

im Ergebnis mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 5 Jahren, unter Anrechnung 

von 11 Tagen Haft. Die im Berufungsverfahren nicht mehr zur Disposition stehende 

mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes sanktionierte sie mit einer 

Busse  von  Fr. 500.–  (Urk. 66  S. 74  [Dispositivziffer  3]).  Das  von  der  Vorinstanz 

gewählte methodische Vorgehen ist sachgerecht und wird nachfolgend übernom-

men. 

2.2. Der  Beschuldigte  stellt  im  Berufungsverfahren  keine  Anträge  zum  Sankti-

onspunkt  (Prot. II  S. 6  f.).  Die  Staatsanwaltschaft  beantragt  die  Bestätigung  des 

vorinstanzlichen Urteils (Urk. 73).

3.

Tatschwere erste Vergewaltigung im Schlafzimmer

3.1.

Zunächst ist die objektive Tatschwere für die Verschuldensbewertung fest-

zulegen. Insgesamt musste die physisch und kognitiv deutlich unterlegene Privat-

klägerin einen sich in den Morgenstunden lange hinziehenden, rabiaten Übergriff 

erdulden, bei welchem der Beschuldigte zwei Mal vaginal in sie eindrang – zuerst, 

als sie auf dem Rücken lag und er auf ihr, danach von hinten, als sich die Privat-

klägerin  in  seitlicher  Körperlage  befand.  Es  kann  der  Vorinstanz  ohne  Weiteres 

gefolgt werden, wenn sie festhält, dass der Beschuldigte – obwohl eine gewisse 

Gewaltanwendung tatbestandsimmanent ist – erhebliche physische Gewalt anwen-

dete, indem er unter anderem die Beine der Privatklägerin auseinanderdrückte, ihr 

die Hände hinter dem Kopf festhielt, sie an den Haaren riss, ihr den Mund zuhielt 

und sie gar mehrfach würgte. Weiter demütigte er die Privatklägerin damit, dass er 

ihr sagte, sie solle "die Fresse halten" und ihm "ihre Fotze" geben, und er sie zwang, 

sie solle ihn "Daddy" nennen und sich bei ihm bedanken. Als besonders perfide ist 

- 23 -

sodann sein Gebaren zu werten, als er der Privatklägerin zwischendurch zu verste-

hen gab, dass er so lange weitermache, bis sie einen Orgasmus habe. Schwer ins 

Gewicht  fällt  schliesslich  auch  die  ungeschützte  Penetration.  Der  Beschuldigte 

setzte  dabei  die  Privatklägerin  rücksichtslos  den  Risiken  einer  ungewollten 

Schwangerschaft und der Übertragung von Geschlechtskrankheiten aus. Immerhin 

muss  –  im  Rahmen  aller  möglichen  denkbaren  Vergewaltigungen  –  gesehen 

werden, dass auch noch deutlich gravierendere Vergewaltigungen denkbar sind; 

namentlich erlitt die Privatklägerin beim Übergriff im Schlafzimmer und in Gegen-

wart  ihrer  Kollegin  keine  erheblicheren  physischen  Verletzungen  und  setzte  der 

Beschuldigte neben seiner körperlichen Überlegenheit beispielsweise keine weite-

ren Hilfsmittel oder gar Waffen ein. Das objektive Tatverschulden ist damit mit der 

Vorinstanz als nicht mehr leicht einzustufen (Urk. 66 S. 62).

3.2. Was  die  subjektive  Verschuldensbewertung  betrifft,  so  sind  das  direkt-

vorsätzliche Handeln zu erwähnen und der Umstand, dass es dem Beschuldigten 

jederzeit  frei  gestanden  hätte  aufzuhören.  Obwohl  die  Privatklägerin  mehrfach 

deutlich verbal und physisch zu verstehen gab, dass sie keinen Geschlechtsver-

kehr wolle und der Beschuldigte damit aufhören solle, setzte er sich mit zunehmen-

der physischer und verbaler Gewalt über ihren Willen hinweg und beendete sein 

Tun erst, als die ebenfalls im Schlafzimmer anwesende C._____ signalisierte, dass 

sie erwacht sei. Mit der Vorinstanz vermag die subjektive Tatschwere die objektive 

nicht zu relativieren und es bleibt insgesamt bei einem nicht mehr leichten Tatver-

schulden. In Anbetracht der konkreten Tatumstände erscheint die von der Vorin-

stanz dafür angesetzte Einsatzstrafe von 48 Monaten allerdings als etwas zu hoch 

und ist sie bei 38 Monaten festzusetzen. 

4.

Tatschwere zweite Vergewaltigung im Badezimmer

Zum  objektiven  und  subjektiven  Tatverschulden  kann  auf  die  sorgfältigen  und 

zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 66 S. 64 f.). Zu-

treffend hielt sie fest, dass der Beschuldigte erneut seine körperliche Überlegenheit 

ausnutzte und von hinten ungeschützt in die kniende und über den Badewannen-

rand gebückte Privatklägerin eindrang, nachdem er abermals durch sich steigernde 

physische Gewalt den Widerstand und Willen der Privatklägerin gebrochen hatte. 

- 24 -

Dass  er  sich  dabei  um  die  Anwesenheit  von  anderen,  wachen  Personen  in  der 

Wohnung  sowie  die  nicht  abschliessbare  Badezimmertüre  futierte,  zeugt  von 

erheblicher krimineller Energie und Selbstherrlichkeit. In subjektiver Hinsicht han-

delte der Beschuldigte abermals direktvorsätzlich, liess aber – immerhin – von der 

Privatklägerin  ab,  als  diese  aus  Erschöpfung  zusammensackte.  Die  Tatschwere 

rechtfertigt – ins Verhältnis zur Einsatzstrafe für die Tathandlungen im Schlafzim-

mer  gesetzt  –  eine  Einzelstrafe  von  30  Monaten,  wobei  die  Einsatzstrafe  von 

38 Monaten in Anwendung des Asperationsprinzips um 10 Monate auf 48 Monate 

zu  erhöhen  ist.  Die  zweite  Vergewaltigung  im  Badezimmer  erfolgte  am  gleichen 

Vormittag,  in  der  gleichen  Wohnung,  gegenüber  demselben  Opfer  im  selben 

Kontext  wie  die  erste  Vergewaltigung  im  Schlafzimmer,  weshalb  sich  diese 

Konnexität  bei  der  Asperation  doch  relativ  stark  auswirkt.  Gleichwohl  kam  es 

zwischen den zwei Vergewaltigungen zu einem klaren Unterbruch. Der Beschul-

digte  musste  einen  neuen  Tatentschluss  fassen,  es  kam  zu  einer  örtlichen  Ver-

schiebung ins Badezimmer und er nötigte die Privatklägerin nochmals von neuem 

durch Gewalt zum Geschlechtsverkehr, ohne dabei direkt an den vorhergehenden 

Übergriff anknüpfen zu können. 

5.

Tatschwere mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind

Die Vorinstanz erwog auch bei den mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem 

Kind grundsätzlich zutreffend, dass es insgesamt zu zwei Vergewaltigungen kam 

und im Zuge derselben zu weiteren sexuellen Handlungen wie namentlich Küssen, 

mit dem Finger vaginal in die Privatklägerin eindringen, die Privatklägerin an den 

Brüsten anfassen und sie dazu zwingen, ihn an seinem Penis anzufassen. Jedoch 

fanden alle diese Handlungen nur gerade zwei Tage vor dem 16. Geburtstag der 

Privatklägerin  statt  und  wären  danach  nicht  mehr  unter  den  Straftatbestand  von 

Art. 187  StGB  gefallen.  Die  Verletzung  des  von  diesem  Tatbestand  geschützten 

Rechtsguts (ungestörte sexuelle Entwicklung von Kindern) ist daher minimal bzw. 

praktisch  nicht  mehr  existent,  zumal  die  Privatklägerin  unbestrittenermassen 

bereits vorher sexuell aktiv gewesen war. Es kommt hinzu, dass der Beschuldigte 

zum Tatzeitpunkt auch erst 19 ½ Jahre alt war und der Altersunterschied von drei-

einhalb  Jahren  zwischen  dem  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin  damit  nur 

- 25 -

knapp über der Grenze von drei Jahren liegt, bei welcher der sexuelle Kontakt nicht 

strafbar gewesen wäre (Art. 187 Ziff. 2 StGB). Schliesslich darf nicht ausser Acht 

gelassen werden, dass das Nötigungs- und Gewaltelement durch die Vergewalti-

gungen bereits abgedeckt ist und unter diesem Tatbestand nur noch die Verletzung 

des Schutzes der ungestörten sexuelle Entwicklung zu sanktionieren ist. Das Ver-

schulden ist angesichts dieser Umstände als ausserordentlich leicht zu bewerten, 

wobei  aufgrund  der  engen  sachlichen  und  zeitlichen  Konnexität  zur  mehrfachen 

Vergewaltigung gleichwohl eine Freiheitsstrafe auszufällen ist. Die Einsatzstrafe ist 

ganz leicht um einen Monat zu erhöhen.

6.

Täterkomponente 

Die Vorinstanz hat den Werdegang und die persönlichen Verhältnisse zutreffend 

wiedergegeben  (Urk. 66  S. 63).  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  führte  der 

Beschuldigte ergänzend aus, die Malerlehre erfolgreich abgeschlossen zu haben 

und nun auf diesem Beruf zu arbeiten. Er habe in einigen Temporäranstellungen 

Erfahrungen sammeln können und nun eine Festanstellung mit einem monatlichen 

Einkommen von ca. Fr. 4'500.– in Aussicht. Der Beschuldigte ist seit ungefähr zwei 

Jahren in einer festen Partnerschaft (Urk. 88 S. 1 ff.). Diese Stabilisierung in den 

Lebensverhältnissen ist ganz leicht zugunsten des Beschuldigten zu veranschla-

gen.  Leicht  straferhöhend  ist  demgegenüber  zu  berücksichtigen  (vgl.  dazu 

Ziff. 1.2), dass der Beschuldigte nach dem erstinstanzlichen Urteil und während des 

hängigen Berufungsverfahrens erneut straffällig worden ist. Dies zeugt von einer 

gewissen Unbelehrbarkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der geltenden Rechts-

ordnung. Der Beschuldigte machte sich dabei in Form einer massiven Geschwin-

digkeitsüberschreitung  der  groben  Verletzung  der  Verkehrsregeln  im  Sinne  von 

Art. 90  Abs. 2  SVG  schuldig  und  wurde  mit  einer  bedingten  Geldstrafe  von 

120 Tagessätzen à Fr. 90.– und einer Busse von Fr. 2'100.– bestraft (Urk. 82). Eine 

Strafreduktion aufgrund eines Geständnisses oder ernstgemeinter strafmindernder 

Reue  und  Einsicht  fällt  ausser  Betracht.  Spürbar  strafmindernd  ist  hingegen  die 

lange Zeitdauer von über einem Jahr vom Eingang der Berufung bis zur Vorladung 

zur heutigen Berufungsverhandlung zu veranschlagen, während welcher bloss eine 

Verfügung hinsichtlich des Ausschlusses der Öffentlichkeit erlassen worden ist (das 

- 26 -

erstinstanzliche Urteil erging demgegenüber ziemlich genau ein Jahr nach der Tat). 

Alles  in  allem  ist  die  nach  den  Tatkomponenten  ausgefällte  Strafe  zufolge  der 

Täterkomponenten  und  der  langen  Zeitdauer  des  Berufungsverfahrens  leicht  zu 

reduzieren.

7.

Fazit

Insgesamt  sind  die  beiden  Vergewaltigungen  sowie  die  mehrfachen  sexuellen 

Handlungen mit einem Kind unter mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von 46 Monaten 

zu  sanktionieren.  Die  erstandene  Haft  von  11 Tagen  ist  anzurechnen  (Art. 51 

StGB). Die Freiheitsstrafe ist infolge ihrer Höhe zu vollziehen, ein bedingter oder 

teilbedingter  Vollzug  ist  gesetzlich  nicht  vorgesehen  (Art. 42  Abs. 1  StGB  und 

Art. 43 Abs. 1 StGB).

V. Tätigkeitsverbot

1.

Die Vorinstanz hat als Massnahme gegen den Beschuldigten ein lebensläng-

liches  Tätigkeitverbot  gemäss  Art. 67  Abs. 3  lit. b  und  c  StGB  ausgesprochen 

(Urk. 66  S.  67  f.  [Dispositivziffer 5]).  Damit  ist  ihm  jede  berufliche  und  ausserbe-

rufliche  Tätigkeit,  die  einen  regelmässigen  Kontakt  mit  Minderjährigen  umfasst, 

verboten. 

2. Wird jemand wegen sexueller Handlungen mit Kindern (Art. 187) oder einer 

Vergewaltigung (Art. 190), die er an einem minderjährigen Opfer begangen hat, zu 

einer  Strafe  verurteilt,  ist  gemäss  Art. 67  Abs. 3  lit. b  und  c  StGB  zwingend  ein 

lebenslängliches Tätigkeitsverbot im vorgenannten Umfang anzuordnen. Gemäss 

Art. 67 Abs. 4bis StGB kann das Gericht in besonders  leichten  Fällen  ausnahms-

weise von der Anordnung eines Tätigkeitsverbots nach Abs. 3 absehen, wenn ein 

solches Verbot nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer 

Straftaten abzuhalten, wie sie Anlass für das Verbot sind. Von der Anordnung eines 

Tätigkeitsverbots  darf  jedoch  nicht  abgesehen  werden,  wenn  der  Täter  verurteilt 

worden  ist  wegen  Menschenhandel  (Art. 182),  sexueller  Nötigung  (Art. 189), 

Vergewaltigung  (Art. 190),  Schändung  (Art. 191)  oder  Förderung  der  Prostitution 

(Art. 195; Art. 67 Abs. 4bis lit. a StGB).

- 27 -

3.

Der Beschuldigte wurde wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem 

Kind  und  wegen  mehrfacher  Vergewaltigung  der  damals  minderjährigen  Privat-

klägerin  schuldig  gesprochen  und  mit  einer  Strafe  belegt.  Es  ist  zwingend  ein 

Tätigkeitverbot gemäss Art. 67 Abs. 3 StGB anzuordnen. Für eine Ausnahme im 

Sinne  von  Art. 67  Abs. 4bis  StGB  besteht  aufgrund  der  Vergewaltigungen  von 

Gesetzes wegen kein Raum. 

VI. Zivilansprüche

1.

Die  Vorinstanz  hat  die  formellen  und  materiellen  Voraussetzungen  zur 

Geltendmachung von Zivilansprüchen korrekt dargelegt (Urk. 66 S. 69 f.). 

2.

Der erstinstanzliche Entscheid wurde bezüglich der Schuldsprüche bestätigt. 

Es kann deshalb für den Schadenersatzanspruch und die Genugtuung vollumfäng-

lich  auf  die  korrekten  vorinstanzlichen  Erwägungen  verwiesen  werden  (Urk. 66 

S. 70 f.). Eine andere Beurteilung ist nicht angezeigt. Das Schadenersatzbegehren 

ist auf den Zivilweg zu verweisen. Auch die von der Vorinstanz festgelegte Genug-

tuung von Fr. 20'000.– zuzüglich Zins bedarf keiner Korrektur, insbesondere nicht 

nach unten. Die Genugtuung ist nicht nur vom Grundsatz her begründet, sondern 

in Anbetracht der massiven und mehrfachen Eingriffe in die physische, psychische 

und  sexuelle  Integrität  der  Privatklägerin  in  ihrer  Höhe  moderat  bemessen.  Ein 

tieferer Betrag würde der Schwere der erlittenen Unbill nicht mehr gerecht werden.

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens

1.1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 10) 

unter Hinweis auf Art. 426 Abs. 1 StPO zu bestätigen. 

1.2. Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  auf  Fr. 3'600.–  festzu-

setzen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 Abs. 1 der 

Gebührenverordnung des Obergerichts). 

- 28 -

1.3. Der  Beschuldigte  unterliegt  im  Berufungsverfahren  im  Hauptstandpunkt 

(Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs, er verlangte einen Freispruch), 

es wird indes eine deutlich tiefere Strafe ausgefällt. Es erscheint daher angezeigt, 

ihm die Kosten dieses Verfahrens zu drei Vierteln aufzuerlegen und sie im Übrigen 

auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung und der Rechtsvertretung der Privatklägerin sind im Umfang von drei 

Vierteln  einstweilen  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen  (Art. 426  Abs. 1  Satz 2 

StPO),  unter  Vorbehalt  der  Rückforderung  gemäss  Art. 135  Abs. 4  aStPO  und 

Art. 138 Abs. 1 StPO; zu einem Viertel sind diese Kosten definitiv auf die Gerichts-

kasse zu nehmen. 

2.

Entschädigungen

2.1. Die amtliche Verteidigung macht für das Berufungsverfahren eine Entschä-

digung von total Fr. 8'900.10 (inkl. MwSt.) geltend, wobei sie für die heutige Beru-

fungsverhandlung sowie deren Vor- und Nachbesprechung einen Aufwand von fünf 

Stunden  schätzte  (Urk. 85).  Der  Aufwand  ist  ausgewiesen  und  angemessen.  Es 

rechtfertigt  sich  daher,  die  Entschädigung  für  die  amtliche  Verteidigung  des  Be-

schuldigten auf pauschal Fr. 9'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) festzusetzen.

2.2. Die Rechtsvertreterin der Privatklägerin macht für das Berufungsverfahren 

– zufolge unterschiedlicher Mehrwertsteuersätze auf zwei Rechnungen aufgeteilt 

(Urk. 86  und  Urk. 87)  –  eine  Entschädigung  von  total  Fr. 6'331.90  (inkl.  MwSt.) 

geltend. Diese Aufwendungen sind ausgewiesen und angemessen. Versehentlich 

wurde indes in der Beratung die Honorarnote über den Betrag von Fr. 434.30 über-

sehen und die Entschädigung im Urteilsdispositiv für die unentgeltliche Rechtsver-

tretung  auf  (bloss)  Fr. 5'897.60  festgesetzt  (Urk. 92).  Da  es  sich  hierbei  um  ein 

offensichtliches  Versehen  handelt,  ist  das  Urteilsdispositiv  in  der  vorliegenden, 

begründeten Urteilsausfertigung anzupassen und die Entschädigung für die unent-

geltliche  Rechtsvertretung  ist  auf  Fr. 6'331.90  (inkl.  Barauslagen  und  MwSt.) 

festzusetzen.

- 29 -

3.

Haftentschädigung 

Zufolge des Schuldspruchs ist der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung 

einer Genugtuung für die erlittene Haft abzuweisen. 

- 30 -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

6. Juli 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig







[…]

[…] sowie

der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG (betreffend Cannabis).

2.

Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen 

3.

4.

5.

6.





der harten Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB sowie 

der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG (betreffend Kokain).

Der Beschuldigte wird bestraft […], sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.

[…]

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so 

tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

[…]

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

14. Dezember 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-

Triage, lagernden Gegenstände (Polis-Geschäfts-Nr. …) werden der jeweils berech-

tigten oder einer von dieser bevollmächtigen Person nach Eintritt der Rechtskraft die-

ses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben:

















Bettwäsche (A016'295'662);

1 Trainerhose grau mit Unterhose (A016'296'790);

1 Trainerjacke grau (A016'296'803);

1 kurze Sporthose weiss (A016'296'814);

1 Personenfotografie (A016'296'870);

1 Slip Calvin Klein schwarz (A016'305'092);

Trainerhose braun (A016'305'105);

Kapuzen-Pullover grau (A016'305'116);

- 31 -









1 Apple iPhone SE (A016'296'825);

Datenauslesung (A016'326'491);

SIM Karte (A016'326'504);

Datenauslesung (A016'326'515).

Allfällige Herausgabebegehren sind an das Gericht zu richten.

Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Urteils keine Herausgabe verlangt, wird 

die Lagerbehörde für berechtigt erklärt, die vorgenannten Gegenstände innert weite-

rer 30 Tage zu vernichten respektive gutscheinend zu verwenden.

7.

Allfällige weitere sichergestellte Gegenstände, Spuren, Spurenträger und Asservate 

(Polis-Geschäfts-Nr. …) werden der Lagerbehörde ab Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids zur Vernichtung überlassen.

[…]

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

8.

9.

4'200.00

; die weiteren Kosten betragen:

1'100.00
3'930.35
450.00

  Gebühr für das Vorverfahren; 
  Auslagen (Gutachten/Expertisen etc.);
  Auslagen Polizei;

25'857.65

20'337.80

  Entschädigung amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt
  lic. iur. X._____ (inkl. Barauslagen und MwSt.), ab dem
  tt.mm.2022, abzüglich Akontozahlungen von
  Fr. 12'473.70;
  Entschädigung unentgeltliche Rechtsvertretung der
  Privatklägerin, Rechtsanwältin MLaw Y._____ 
  (inkl.  Barauslagen und MwSt.) ab dem 30. Juni 2022;

55'875.80

  Total

Fr.

Fr.
Fr.
Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

10

[…]

11.

[…]

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig



der  mehrfachen  Vergewaltigung  im  Sinne  von  Art. 190  Abs.  1  aStGB 

sowie

- 32 -



der  mehrfachen  sexuellen  Handlung  mit  einem  Kind  im  Sinne  von 

Art. 187 Ziff. 1 aStGB.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 46 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 11 Tage 

durch Haft erstanden sind.

3.

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b und c StGB lebens-

länglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die 

einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, verboten.

4.

Das  Schadenersatzbegehren  der  Privatklägerin  B._____  wird  auf  den  Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

5.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 20'000.– zu-

züglich 5 % Zins ab 26. Juni 2022 als Genugtuung zu bezahlen.

6.

7.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 10) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

9'000.–   amtliche Verteidigung

6'331.90   unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft

8.

Die  Kosten  des  Berufungsverfahrens,  mit  Ausnahme  der  Kosten  der  amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, 

werden dem Beschuldigten zu drei Vierteln auferlegt und zu einem Viertel auf 

die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der 

unentgeltlichen  Vertretung  der  Privatklägerschaft  werden  zu  drei  Vierteln 

einstweilen und zu einem Viertel definitiv auf die Gerichtskasse genommen. 

Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt im Umfang von je drei Vier-

teln gemäss Art. 135 Abs. 4 aStPO und Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten. 

9.

Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung einer Genugtuung wird abge-

wiesen.

10. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

- 33 -









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-
digten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privatkläger-
schaft (übergeben)

das Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei, 3003 Bern (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-
digten 

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privatkläger-
schaft

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an











die Vorinstanz

den  Justizvollzug  des  Kantons  Zürich,  Abteilung  Bewährungs-  und 
Vollzugsdienste

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mittels Formular "Löschung des 
DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials"

die K._____ AG (Geschäfts-Nr. …; Dossier-Nr. …).

11. Gegen  diesen  Entscheid  kann  bundesrechtliche  Beschwerde  in  Straf-

sachen erhoben werden.

Die  Beschwerde  ist  innert  30  Tagen,  von  der  Zustellung  der  vollständigen, 

begründeten  Ausfertigung  an  gerechnet,  bei  der  gemäss  Art.  35  und  35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lau-

sanne  14)  in  der  in  Art.  42  des  Bundesgerichtsgesetzes  vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen.

Die  Beschwerdelegitimation  und  die  weiteren  Beschwerdevoraussetzungen 

richten  sich  nach  den  massgeblichen  Bestimmungen  des  Bundesgerichts-

gesetzes.

- 34 -

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 12. März 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. M. Langmeier

lic. iur. S. Maurer